Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 26. Februar 2013 (460 12 256) ____________________________________________________________________ Strafrecht mehrfacher, teilweise versuchter, banden- und gewerbsmässiger Diebstahl etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Beat Schmidli (Referent), Richter Beat Hersberger; Gerichtsschreiberin Manuela Illgen Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Arlesheim, Kirchgasse 5, 4144 Arlesheim, Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin A.____ , Privatklägerin B.___ , Privatklägerin gegen C.____ , vertreten durch Advokaten Christoph Dumartheray und Sonja Ryf, per Adr. Dornacherstrasse 192, Postfach, 4018 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand mehrfacher, teilweise versuchter, banden- und gewerbsmässi- ger Diebstahl, etc. Urteil des Strafgerichts vom 14. August 2012 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil der Dreierkammer des Strafgerichts vom 14. August 2012 wurde C.____ des mehrfachen, teilweise versuchten bandenmässigen Diebsta hls, der Sachbeschädigung sowie des mehrfachen Hausfriedensbruchs schuldig erklärt und zu einer unbedingt vollziehbaren Frei- heitsstrafe von 2 Jahren verurteilt, unter Anrechnung der vom 22. Mai bis 14. August 2012 aus- gestandenen Haft von insgesamt 85 Tagen (Ziff. 1 des Urteilsdispositivs). Demgegenüber wurde der Beurteilte von der Anklage des gewerbsmässigen Diebsta hls freigesprochen (Ziff. 2 des Urteilsdispositivs). Die gegen den Beurteilten am 1. Mär z 2011 von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis wegen mehrfachen, teilweise versuchten D iebstahls, mehrfacher Sachbeschä- digung und mehrfachen Hausfriedensbruchs bedingt aus gesprochene Geldstrafe von 130 Ta- gessätzen zu je Fr. 30.--, wovon 14 Tagessätze durch Ha ft erstanden, bei einer Probezeit von 2 Jahren, wurde in Anwendung von Art. 46 Abs. 1 StGB für vollziehbar erklärt. Für den Fall der Nichtbezahlung der Geldstrafe und deren Uneinbringlichk eit auf dem Betreibungsweg wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 116 Tagen angedroht (Zi ff. 3 des Urteilsdispositivs). Zudem wur- den dem Beurteilten die Verfahrenskosten, bestehend au s den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 4'731.20, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts von Fr. 350.-- und der Gerichtsge- bühr von Fr. 4'500.--, somit insgesamt Fr. 9'581.20, auferlegt (Ziff. 7 des Urteilsdispositivs). Im Nachgang zum erwähnten Urteil bewilligte das Strafg ericht dem Beurteilten am 31. August 2012 den Antritt des vorzeitigen Strafvollzugs gemäss Art. 236 StPO. B. Gegen das obgenannte Urteil hat C.____ mit Eingabe vo m 23. August 2012 seiner amtli- chen Verteidigerin Sonja Ryf die Berufung angemeldet . Zusätzlich hat der frühere Wahlverteidi- ger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Joachim Lederle, mit undatiertem Schreiben, beim Straf- gericht per Post am 27. August 2012 eingegangen, die B erufung angemeldet. Mit Eingabe vom 26. November 2012 hat der Beschuldigte die Berufungserkl ärung eingereicht, welche bereits eine Begründung enthielt. In seiner Berufungserkläru ng beantragt der Beschuldigte, (1.) er sei vom Vorwurf des bandenmässigen Diebstahls freizusprechen, (2 .) die unbedingt vollziehbar ausgesprochene Freiheitsstrafe von 2 Jahren sei angemes sen zu reduzieren, (3.) die Gerichts- gebühr von Fr. 4'500.-- sei angemessen herabzusetzen und (4.) es sei die amtliche Verteidigung mit Advokatin Sonja Ryf zu gewähren. C. Darüber hinaus hat die Staatsanwaltschaft mit Eingab e vom 18. Dezember 2012 die An- schlussberufung gegen den vorinstanzlichen Richterspruch er klärt, und zwar ausschliesslich zugunsten des Beschuldigten. Auch die Anschlussberufungserklä rung der Staatsanwaltschaft war bereits hinreichend begründet. Die Staatsanwaltschaft stellt die Rechtsbegehren, (1.) es sei der Beschuldigte vom Vorwurf des bandenmässigen Diebstahls freizusprechen und er sei statt- dessen des mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls schuldig zu erklären und (2.) es sei die unbedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 2 Jahren angemessen zu reduzieren. D. Aufgrund der aussergewöhnlichen Konstellation, dass der Beschuldigte und die Staatsan- waltschaft praktisch gleichlautende Anträge stellten und in ähnlicher Weise gewisse prozessuale und ausserprozessuale Verhaltens- und Vorgehensweisen der Vorinstanz beanstandeten, er- hielt die Dreierkammer des Strafgerichts mit Verfügung des Kantonsgerichts, Abteilung Straf- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht recht, vom 2. Januar 2013 die Gelegenheit zur fakultativ en Äusserung. Mit Eingabe vom 17. Januar 2013 nahm die Dreierkammer des Strafgerichts Stellung zu den einzelnen Vorwürfen. E. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgerichts, A bteilung Strafrecht, vom 17. Dezember 2012 wurde das Haftentlassungsgesuch des B eschuldigten vom 6. Dezember 2012 abgewiesen. Mit Verfügung vom 2. Januar 2013 wu rde die Gegenstandslosigkeit der Mahnung der Justizverwaltung vom 5. Dezember 2012 an de n Beschuldigten über den Betrag von Fr. 9'581.20 festgestellt, da das vorinstanzliche Ur teil zufolge Berufung noch nicht in Rechtskraft erwachsen ist. Schliesslich wurde mit Verfügung vom 21. Januar 2013 dem Be- schuldigten die amtliche Verteidigung für das zweitinstan zliche Verfahren mit Advokatin Sonja Ryf bewilligt. F. Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht erscheinen der Beschuldigte C.____ mit seiner amtlichen Verteidigerin Sonja Ryf un d mit seinem Wahlverteidiger Christoph Dumartheray sowie die Staatsanwaltschaft, vertreten du rch Staatsanwältin D.____. Der Be- schuldigte wird sowohl zur Person als auch zur Sache au sführlich befragt. Zudem wird dem Beschuldigten aufgrund dessen mangelnden Deutschkenntni sse eine Dolmetscherin für die französische Sprache beigegeben. Die Parteien wiederho len ihre Anträge gemäss den schriftli- chen Eingaben (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 11 f.). Erwägungen I. Formelles Gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschloss en worden ist. Laut Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverl etzungen, einschliesslich Überschrei- tung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und R echtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverha lts (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in alle n angefochtenen Punkten umfassend über- prüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Die Parteien rüg en in erster Linie Rechtsverletzungen. Nach Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO ist die Berufung zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mün dlich anzumelden und danach dem Be- rufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung de s begründeten Urteils eine schriftliche Be- rufungserklärung einzureichen. Die anderen Parteien kö nnen innert 20 Tagen seit Empfang der Berufungserklärung schriftlich Anschlussberufung erklären (Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO). Die An- schlussberufung richtet sich sinngemäss nach Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO (Art. 401 Abs. 1 StPO). Aus den Akten (act. 1351) ergibt sich, dass das Urte ilsdispositiv des Strafgerichts den Parteien am 16. August 2012 zugestellt wurde. Mit sei ner Berufungsanmeldung am 23. August 2012 (vgl. act. 1503, 1509) hat der Beschuldigte die z ehntägige Frist gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO eingehalten. Auch die Frist zur Berufungserklärun g gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO wurde vorliegend gewahrt: Das begründete Urteil des Strafger ichts wurde den Parteien am 6. Novem- ber 2012 zugestellt (vgl. act. 1435) und mit Datum vom 26. November 2012 reichte der Be- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldigte die Berufungserklärung ein. Diese Berufungs erklärung wurde der Staatsanwaltschaft am 29. November 2012 zugestellt. Mit ihrer Anschlussber ufungserklärung vom 18. Dezember 2012 hat auch die Staatsanwaltschaft die Rechtsmittelfrist eingehalten. Was die Form betrifft, so erfüllen die Eingaben des Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft die Anforderungen gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO. Die Zuständigkeit der Dreierkamm er des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung der vorl iegenden Berufung und Anschlussberu- fung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Schliesslich wird die Legitimation der Staatsanwaltschaft und des Beschuldigten zur Ergreifung des Rechtsmittels in Art. 381 Abs. 1 und Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Da die Staatsanwaltschaft gemäss Art. 381 Abs. 1 StPO ei n Rechtsmittel zugunsten oder zuun- gunsten der beschuldigten Person ergreifen kann, steht es ihr grundsätzlich zu, eine Anschluss- berufung zugunsten des Beschuldigten zu ergreifen. Die Regelung von Art. 381 Abs. 1 StPO ist ein Relikt des Postulats, dass der Anklägerin eine Pflicht zur Objektivität zukommt, d.h. sie auch zu intervenieren hat, wenn ein Urteil zulasten der ang eklagten Person zu streng ausgefallen ist. Die Interventionspflicht spielt jedoch vor allem dann, wenn der Angeklagte nicht oder nicht hin- reichend verteidigt ist (vgl. BSK StPO-M ARTIN ZIEGLER , Art. 381 N 2). Im vorliegenden Fall ste- hen dem Beschuldigten sowohl eine amtliche als auch ei ne private Verteidigung zur Verfügung, welche ihrerseits bereits Berufung erhoben haben. Angesi chts dessen erscheint der Sinn einer Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft mit den praktisc h gleichlautenden Anträgen wie die Berufung fraglich. Des Weiteren gilt es zu beachten, da ss die Staatsanwaltschaft mit der An- schlussberufung das Verbot der reformatio in peius aufhe ben und damit den Weg zu einer schärferen Bestrafung des Beschuldigten und Berufungskläge rs öffnen kann. Damit dient die Anschlussberufung auch gerade dazu, den Angeklagten zum Rückzug seiner Berufung zu ver- anlassen (ROBERT HAUSER / ERHARD SCHWERI / KARL HARTMANN , Schweizerisches Strafprozess- recht, 6. Aufl., Basel 2005, § 99 N 14). Durch bestimm te Vorkehrungen hat der Gesetzgeber versucht, die Zahl der Anschlussberufungen zu beschränken: Auch in der Botschaft wird darge- legt, dass seitens der Staatsanwaltschaft in der Praxis di e Anschlussberufung nicht selten des- halb eingelegt werde, um die beschuldigte Person zum Rückzug der eigenen Berufung zu be- wegen (BSK StPO-LUZIUS EUGSTER , Art. 401 N 3, mit Hinweis auf die Botschaft zur Ver einheitli- chung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006, S. 1316). Das Kantonsge- richt stellt fest, dass die in casu seitens der Staatsanwalt schaft zugunsten des Beschuldigten erhobene Anschlussberufung in der vorliegenden Konstellat ion kaum in der Intention des Ge- setzgebers liegt. Da zumindest keine rechtlichen Gründe dagegen sprechen, ist gleichwohl ne- ben der Berufung des Beschuldigten auch auf die zugunste n des Beschuldigten erhobene An- schlussberufung der Staatsanwaltschaft einzutreten. II. Gegenstand der Berufung und der Anschlussberufu ng 1. Die Berufung des Beschuldigten wie auch die Anschlussberu fung der Staatsanwaltschaft beinhalten mehrere Rügen prozessualer und ausserprozessua ler Natur, welche nachfolgend vorfrageweise zu prüfen sind. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. In materieller Hinsicht richten sich sowohl die Berufun g als auch die Anschlussberufung gegen die seitens des Strafgerichts erfolgte Qualifikat ion der vom Beschuldigten begangenen Diebstähle als bandenmässig. Zudem beanstanden die Part eien die durch die Vorinstanz aus- gesprochene, unbedingt vollziehbare Freiheitsstrafe von 2 Jahren. Der Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft beantragen einen Schuldspruch wegen mehrfachen, teilweise versuchten (einfachen) Diebstahls sowie eine angemessene Herabsetzung der Strafe (vgl. Ziff. 1 des Ur- teilsdispositivs). Zusätzlich erachtet der Beschuldigte die ihm vorinstanzlich auferlegte Gerichts- gebühr von Fr. 4'500.-- als zu hoch (vgl. Ziff. 7 des U rteilsdispositivs). Demgegenüber bilden die Ziffern 2 bis 6 sowie 8 des Urteilsdispositivs nicht Gegens tand des kantonsgerichtlichen Verfah- rens und es wird betreffend Sachverhaltsfeststellung und rechtliche Würdigung in den genann- ten Punkten bereits an dieser Stelle auf die Ausführungen des Strafgerichts verwiesen. III. Vorbemerkungen 1. Sowohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft machen geltend, die Vorinstanz sei in casu vorbefasst gewesen. Die Parteien rügen, es habe vorliegend ein ungewöhnlich enger Kontakt zwischen dem Strafgerichtspräsidenten und den M edien bestanden. Dabei wird ange- führt, der Strafgerichtspräsident persönlich habe die Me dien im Vorfeld der Hauptverhandlung auf den Fall aufmerksam gemacht. Auch soll der Strafger ichtspräsident auf Wunsch der Medien hin die Urteilseröffnung um eine halbe Stunde vorverle gt haben. Zudem sei es dem Strafgericht darum gegangen, vorliegend in aller Medienöffentlich keit ein Exempel zu statuieren und beim Beschuldigten besonders hart durchzugreifen. Aus diesen G ründen erscheine das genannte Vorgehen im Hinblick auf den Anspruch auf einen unabhän gigen, unbefangenen und unparteii- schen Richter höchst bedenklich bzw. problematisch (vgl. S. 8 der Berufungserklärung des Be- schuldigten vom 26. November 2012 ["Besonderes"]; S. 5-7 der Anschlussberufungserklärung der Staatsanwaltschaft vom 18. Dezember 2012 ["Besonde re Vorkommnisse im Zusammen- hang mit diesem Prozess"]; Plädoyer des Wahlverteidigers, Prot. Hauptverhandlung Kantonsge- richt S. 11 f., sowie S. 2, 8 des Plädoyers der Staatsanwaltschaft). Das Kantonsgericht stellt zunächst in formeller Hinsicht fest , dass weder die Staatsanwaltschaft noch der Beschuldigte aus diesen Vorwürfen eine Befang enheit abgeleitet bzw. moniert hat. Ausstandsgründe sind nicht von Amtes wegen zu beachten. V ielmehr obliegt es gemäss Art. 58 Abs. 1 StPO der betreffenden Partei, ein Ausstandsgesuch ohne Verzug zu stellen, sobald von einem Ausstandsgrund Kenntnis genommen wird. Die Ausf ührungen der Parteien enthalten zudem blosse Spekulationen und unklare Andeutungen, we lche weder substantiiert noch kon- kret dargetan wurden. So erachtet die Staatsanwaltscha ft gewisse Vorgehensweisen zwar als "höchst bedenklich", ohne jedoch einen ausdrücklichen Ant rag zu stellen. Auch die Formulie- rung des Beschuldigten, das Urteil sei "politisch motivi ert", ist äusserst vage. Schliesslich er- scheinen die Anträge der Staatsanwaltschaft in prozessual er Hinsicht als widersprüchlich: Die Staatsanwaltschaft legt mit ihrer Anschlussberufungserklä rung mehrere Zeitungsberichte, dar- unter einen der Basler Zeitung vom 16. August 2012, in s Recht. Darin wird die Erste Staatsan- wältin wie folgt zitiert: Fahre das Gericht eine härte re Linie, orientiere sich die Staatsanwalt- schaft daran. Und wörtlich: "Es ist in unserem Interesse, d ass Kriminaltouristen mit hohen Stra- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht fen belegt werden". Dies wiederum steht dem Antrag de r Staatsanwaltschaft in ihrer Anschluss- berufungserklärung entgegen. Dort kritisiert die Staat sanwaltschaft auf Seite 5 die vom Strafge- richt verhängte Sanktion als "unangemessen hoch", vermerkt jedoch auf derselben Seite, dass die verschärfte Praxis des Strafgerichts bezüglich Strafen in Einbruchsfällen von der Staatsan- waltschaft grundsätzlich begrüsst werde. Die Ausstandsgründe sind in Art. 56 StPO aufgeführt. Ke iner der dort genannten Gründe wäre bei einer materiellen Prüfung eines Ausstandsgesuchs in de r vorliegenden Konstellation auch nur ansatzweise ersichtlich. Es mangelt bereits an einem blossen Anschein der Befangenheit, selbst wenn die Schilderungen der Parteien zutreffen sol lten: Wenn sich die Medien beim Straf- gerichtspräsidenten erkundigen und dabei auf den Verhandlungskalender verwiesen werden, so ist an diesem Vorgehen nichts auszusetzen. Auch aus der se itens des Strafgerichtspräsidenten angeordneten Vorverlegung der Urteilseröffnung um ei ne halbe Stunde nach Abschluss der Beratung kann nichts Unrechtmässiges abgeleitet werden. Der Umstand, dass der Strafge- richtspräsident der Basler Zeitung nach der Urteilseröff nung für ein Interview zur Verfügung stand, lässt ebenso wenig auf dessen Befangenheit schlie ssen. Hierbei gilt es zusätzlich zu beachten, dass in gewissen Fällen die Information der Öffentlichkeit durch die Gerichte vielmehr geboten sein kann. Denn gemäss Art. 74 Abs. 1 StPO kön nen die Staatsanwaltschaft und die Gerichte sowie mit deren Einverständnis die Polizei die Öffentlichkeit über hängige Verfahren orientieren, wenn dies erforderlich ist. Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass das Urteil vom 14. August 2012 nicht durch den Strafgerichtspräsidenten allein, sondern durch die Dreierkam- mer des Strafgerichts gefällt wurde. Dieser Spruchkör per konnte weder voraussehen, ob die Anklage um die Qualifikationsgründe der Banden- und Gewerbsmässigkeit erweitert noch wie der Antrag der Staatsanwaltschaft bezüglich Schuldspruch und Strafmass aussehen würde (vgl. Beweisverfügung des Strafgerichtspräsidenten vom 2. Juli 2012, act. 1235 ff.; Prot. Hauptver- handlung Strafgericht, act. 1275 ff.). Ebenso wenig wa r für die Dreierkammer des Strafgerichts das Beratungsergebnis vorhersehbar. Somit war die Dreie rkammer des Strafgerichts ganz of- fensichtlich nicht in der Lage zu planen, beim Beschuldi gten in aller Medienöffentlichkeit ein Exempel zu statuieren. Schliesslich erscheinen sowohl der Sc huldspruch als auch das Straf- mass im angefochtenen Urteil als juristisch korrekt und ohne sachfremde Motive begründet. Im Ergebnis erweisen sich daher die seitens der Parteien gemachten Ausführungen betreffend Befangenheit der Vorinstanz als nicht einmal im Ansatz b egründet. Es handelt sich hierbei um Darlegungen, denen im weiteren Berufungsverfahren keinerlei Bedeutung zukommt. 2. Ebenso beanstanden die Parteien, der Strafgerichtspräsident habe zusätzliche Ermittlun- gen in Bezug auf die Echtheit der Wohnadresse, der Lohn abrechnungen, des angegebenen Arbeitgebers wie auch den Beweggrund der Einreise des Beschuldigten getätigt, welche sich im Ergebnis als unnötig erwiesen hätten bzw. zur Klärung d es Sachverhalts in Bezug auf die Ban- den- und Gewerbsmässigkeit nicht relevant seien (vgl. S. 2 f. der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft vom 18. Dezember 2012; S. 2 f. des P lädoyers der amtlichen Verteidigerin). Die Staatsanwaltschaft gibt zudem an, sie habe nur auf eindringliches Nachfragen des Strafge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht richtspräsidenten hin die Anklage bezüglich Banden- und Gewerbsmässigkeit ergänzt (vgl. S. 6 der Anschlussberufungserkärung der Staatsanwaltschaft vom 18. Dezember 2012). Den Akten ist zu entnehmen, dass mit Verfügung des Präsidenten des Strafgerichts vom 25. Juli 2012 die Polizei Basel-Landschaft beauftragt wurde, via Verbindungsoffizierin der französischen Gendarmerie beim angegebenen französischen Arbeitgeber des Beschuldigten Erkundigungen betreffend dessen Lohn, Funktion und Arbeitspensum ein zuholen (vgl. act. 1227 f.). Zudem tä- tigte das Strafgericht eigene Abklärungen in Bezug auf die Wohnadresse des Beschuldigten (vgl. die entsprechende Google Street View-Aufnahme, a ct. 1335 f.). Schliesslich wurden die Parteien mit Verfügung des Strafgerichtspräsidenten vom 2. Juli 2012 darauf hingewiesen, dass sich das Gericht anlässlich der Hauptverhandlung vorbehalte , die Staatsanwaltschaft einzula- den, den Sachverhalt der Anklage in Bezug auf die Qua lifikationsmerkmale der Banden- und Gewerbsmässigkeit zu ergänzen (vgl. act. 1237 f.). Die Staatsanwaltschaft nahm diese Möglich- keit anlässlich der Hauptverhandlung vor Strafgericht wa hr und ergänzte ihre Anklage, indem sie zusätzlich Banden- und Gewerbsmässigkeit anklagte (vgl. Prot. Hauptverhandlung Strafge- richt, act. 1307; Ergänzung zur Anklageschrift vom 27. Juni 2012, act. 1331 f.). Das Kantonsgericht konstatiert auch in diesem Punkt, dass d ie Parteien ihrer Rügeobliegenheit, welche im Rechtsmittelverfahren gilt, nur ungenügend na chgekommen sind: Weder monieren die Parteien substantiiert, welche Handlungen der Vori nstanz rechtlich unkorrekt gewesen sein sollen, noch stellen sie konkrete Anträge. Zudem ist ein inkonsequentes Vorgehen der Staats- anwaltschaft darin zu erblicken, dass diese vor Strafgerich t zwar ihre Anklageschrift um die Qualifikationsgründe der Banden- und Gewerbsmässigkeit erweitert, aber dennoch auf einen entsprechenden Freispruch plädiert hat (vgl. Ergänzung zur Anklageschrift vom 27. Juni 2012, act. 1331 f.; Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, act . 1307-1311). Die Staatsanwaltschaft hätte ohne Weiteres die Möglichkeit gehabt, von einer entsp rechenden Erweiterung der Anklage- schrift abzusehen. Das Kantonsgericht hat auf die Rügen der Parteien in diesem Punkt nicht einzutreten. Selbst bei einer materiellen Prüfung der seitens der Parteien vorgebrachten Einwendungen können keiner- lei Fehlleistungen oder verfahrensmässige Mängel seitens d er Vorinstanz festgestellt werden. Vielmehr basieren die einzelnen Verfahrenshandlungen auf einer gesetzlichen Grundlage und erscheinen als angemessen, weshalb sie nicht zu beanstanden sind. Die Ausführungen der Parteien erweisen sich somit auch in diesem Punkt als unbegründet. IV. Die angefochtenen Punkte im Einzelnen 1. Qualifikationsgrund der Bandenmässigkeit 1.1 Das Strafgericht erachtete als erwiesen, dass sich der Beschuldigte und sei ne Mittäterin E.____ schon länger kannten. Am 22. Mai 2012 seien die Beiden mit der Absicht in die Region Basel eingereist, dort eine unbestimmte Anzahl an Einb ruchdiebstählen zu begehen. In Basel hätten der Beschuldigte und seine Begleiterin einen versuchten Einbruchdiebstahl und in Mut- tenz einen versuchten sowie einen vollendeten Einbruchd iebstahl verübt. Dabei habe das Duo Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein zu einem gewissen Grad fest verbundenes Team gebild et, welches professionell und orga- nisiert vorgegangen sei. Zudem habe dieses Team ein arbeitsteiliges, vertrautes und eingespiel- tes Verhalten an den Tag gelegt. Das Strafgericht äusse rte auch die Vermutung, dass hinter dem Beschuldigten und seiner Begleiterin eine noch weit grössere Bandenstruktur stehen könn- te. Aus den genannten Gründen erachtete die Vorinstanz den Qualifikationsgrund der Banden- mässigkeit gemäss Art. 139 Ziff. 3 StGB als erfüllt und v erurteilte den Beschuldigten wegen mehrfachen, teilweise versuchten bandenmässigen Diebstahls, Sachbeschädigung sowie mehr- fachen Hausfriedensbruchs (vgl. S. 9-20 des Urteils). 1.2 Der Beschuldigte bestreitet den mehrfachen, teilweise versuchten Einbruchdiebstahl nicht. Er vertritt in seiner Berufungserklärung vom 26. Novembe r 2012 jedoch die Auffassung, das Strafgericht habe lediglich die belastenden Aussagen v on E.____ berücksichtigt, währenddem es die Aussagen des Beschuldigten als unglaubhaft gewertet habe. Der Beschuldigte rügt, dass es nicht zu einer Konfrontationseinvernahme zwischen den be iden Tätern gekommen sei. Der Beschuldigte sei seit Mitte Februar 2012 bei der Firma F.____ in FR-G.____ als Hilfsarbeiter fest angestellt und erziele ein regelmässiges Einkommen. Daher stelle es eine reine Hypothese dar, dass er nebst seiner Erwerbstätigkeit im Zusammensch luss mit E.____ eine Vielzahl von Einbruchdiebstählen im Ausland geplant und durchgeführt habe. In Anbetracht dessen sei der Beschuldigte vom Vorwurf des bandenmässigen Diebstahls fre izusprechen (vgl. S. 3-5 der Be- rufungserklärung). In ihrem Plädoyer vor dem Kantonsge richt macht die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten geltend, die Idee zum Einbrechen sei v on E.____ gekommen, welche den Beschuldigten schliesslich dazu überredet habe. Der Beschuld igte habe keineswegs die hierar- chisch höhere Stellung inne gehabt, zumal E.____ über eine bessere Schulbildung verfüge und sehr selbstbewusst und im Milieu erfahren aufgetreten sei . E.____ sei wegen der vorliegenden Delikte bereits von der Jugendanwaltschaft Basel-Stadt v erurteilt worden, wobei der Qualifikati- onsgrund der Bandenmässigkeit nicht angenommen worden se i. Unter dem Aspekt des Gleich- behandlungsgebotes und im Hinblick auf ein faires Verfa hren sei es kaum möglich, die von den Beiden begangenen Delikte unterschiedlich zu qualifizieren (vgl. S. 3-5 des Plädoyers der amtli- chen Verteidigerin). Auch die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, das Strafgericht habe die Aussagen von E.____ ausschliesslich zu Lasten des Beschuldigten gewürdigt. Gemäss übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und von E.____ sei die Idee zu den Einb rüchen von Letzterer gekommen. Dem Beschuldigten könne lediglich ein versuchter Einbruc hdiebstahl in Basel und ein vollende- ter Einbruchdiebstahl in Muttenz nachgewiesen werden. D es Weiteren macht die Staatsanwalt- schaft geltend, es könne aus widersprüchlichen Aussagen der Beteiligten nicht auf Bandenmäs- sigkeit geschlossen werden. Zudem habe E.____ auch entlast ende Aussagen gemacht. Dass der Beschuldigte zusammen mit E.____ bzw. anderen Bande nmitgliedern eine Vielzahl von Einbrüchen geplant habe, sei nicht erstellt, weshalb ein Freispruch vom Vorwurf der banden- mässigen Begehung zu erfolgen habe (vgl. S. 2-4 der An schlussberufungserklärung vom 18. Dezember 2012). In ihrem Plädoyer vor Kantonsgericht f ührt die Staatsanwaltschaft aus, das Strafgericht habe an den Nachweis des Qualifikationsmerkma ls der Bandenmässigkeit im Ver- gleich zu anderen ähnlichen Fällen auffallend geringe Anforderungen gestellt. Da E.____ durch Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Jugendanwaltschaft Basel-Stadt bereits rechtskräftig lediglich wegen einfachen Diebstahls verurteilt worden sei, sei eine Verurteilung des Beschuld igten wegen Bandenmässigkeit schon aus formellen Gründen fraglich (vgl. S. 2, 5 des Plädoyers der Staatsanwaltschaft). 1.3.1 Gestützt auf die Akten steht unbestrittenermassen fest, dass der Beschuldigte und E.____ am 22. Mai 2012 von Frankreich herkommend nach Basel einr eisten. Zunächst versuchten die Beiden, in das Einfamilienhaus an der N.____ in Basel einzubrechen, um zu stehlen. Als dies wegen der Anwesenheit der Bewohnerin nicht gelang, ergriffen die beiden Täter die Flucht und suchten direkt im Anschluss daran ein anderes Einbruchsobje kt. Sie brachen sodann beim Ein- familienhaus am M.____ in Muttenz in beide darin befi ndliche Wohnungen ein und stahlen aus der Wohnung in der oberen Etage diverse Gegenstände ( vgl. die entsprechenden Einvernah- meprotokolle des Beschuldigten, act. 299 ff., 345 ff., von E.____, act. 321 ff., der Geschädigten B.____, act. 335 ff., Rapport der Kantonspolizei Base l-Stadt vom 22. Mai 2012, act. 225 ff., so- wie Anzeige der Polizei Basel-Landschaft, Hauptposten Muttenz, vom 24. Mai 2012, act. 427 ff.). 1.3.2 Der Beschuldigte machte zur Frage nach dem Grund für seine Einreise am 22. Mai 2012 in der Voruntersuchung verschiedene Angaben. So gab er anlässlich der Einvernahme vom 23. Mai 2012 zunächst zu, er sei in die Schweiz gekommen, um zu stehlen, da er kein Geld gehabt habe (act. 301). Noch in derselben Einvernahme änderte der Beschuldigte seine Aussa- ge dahingehend, dass er eigentlich eingereist sei, um z u betteln (act. 307). Demgegenüber gab der Beschuldigte anlässlich der Einvernahme vom 15. Juni 2012 zu Protokoll, er und E.____ hätten die Idee gehabt, in der Schweiz einzukaufen (act. 351). Vor dem Strafgericht gab der Beschuldigte an, er sei mit H.____ bzw. E.____ in Kle iderläden in Basel auf Shoppingtour ge- gangen (act. 1287). Vor Kantonsgericht schliesslich führt der Beschuldigte aus, er sei mit E.____ in die Schweiz gekommen, um sich zu amüsieren, exakt um zu shoppen. Zudem sei er eingereist, um spazieren zu gehen. Er habe seine mitgeführten Euro in einem Kleidergeschäft in Schweizer Franken umgetauscht und dann sei er mit E.__ __ durch die Läden spaziert (Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 8). Auf die Frage, wann der Beschuldigte E.____ kennen gelernt hat , gab jener vor Strafgericht an, dies sei zwei Tage vor den Einbrüchen an einem Fest gewe sen (act. 1287). Dies bestätigt der Beschuldigte vor Kantonsgericht: Er habe H.____ bzw. E._ ___ einen, maximal zwei Tage vor der Tat kennen gelernt (Prot. Hauptverhandlung Kanto nsgericht S. 9). Trotz der Namensgleich- heit und der ebenfalls serbischen Herkunft sei der Beschul digte mit E.____ nicht verwandt und auch nicht weiter befreundet (act. 305; Prot. Hauptv erhandlung Kantonsgericht S. 4). Die Na- mensgleichheit sei reiner Zufall, denn der Name K.___ _ sei ein weit verbreiteter Name, auch in Frankreich (Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 5). Der Beschuldigte gehöre auch nicht der ethnischen Gruppe der Sinti oder Roma an, sondern sei Franzose mit serbischen Wurzeln (act. 307; bestätigt vor Kantonsgericht, Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 4). Gemäss dem Beschuldigten habe E.____ die grundsätzliche Idee gehabt , Einbrüche zu bege- hen (act. 351). Ebenso habe E.____ den Vorschlag gemacht, i n die beiden Liegenschaften ein- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht zudringen (act. 353, 357). Diese Idee sei E.____ jedoch erst nach dem Besuch der Kleiderläden gekommen. Erst dann habe sie gesagt, sie brauche Geld und wolle, dass der Beschuldigte mit- komme, um Einbrüche zu begehen (act. 1287 ff.). Auch vo r Kantonsgericht bleibt der Beschul- digte dabei, dass die Initiative zum Einbrechen von E._ ___ gekommen sei. Er sei ihr gefolgt, ohne zu wissen, dass sie die Absicht zur Begehung von Einbrü chen gehabt habe (Prot. Haupt- verhandlung Kantonsgericht S. 8). Zum zeitlichen Ablauf befragt gab der Beschuldigte vor Strafgericht an, er und E.____ seien um ca. 10 Uhr mit dem Bus aus FR-J.____ in Basel angekommen und dann auf Shoppingtour ge- gangen (act. 1287, 1293). Demgegenüber führt der Bes chuldigte vor Kantonsgericht aus, er sei bereits um 08.58 Uhr in Basel eingetroffen; seine Auss age vor Strafgericht sei falsch protokol- liert worden (Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 8). Betreffend das mitgeführte Geld sagte der Beschuldigte in der Einvernahme vom 15. Juni 2 012 noch aus, er habe 150 bis 160 Euro sowie Fr. 90.-- auf sich getragen und dieses Geld habe ihm gehört (act. 353). Vor Kantonsgericht gibt der Beschuldigte zu Protokoll, er habe 220 Euro dabei gehabt (Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 9). Der Tattag, der 22. Mai 2012, war ein gewöhnlicher Wochentag. Zur Vereinbarkeit mit seinen beruflichen Verpflichtungen befragt, sagte der Beschuldigte vor erster Instanz noch aus, er habe "vielleicht eine Woche Urlaub genommen" bzw. er habe " keinen Urlaub genommen, verlänger- tes Wochenende, ohne meinen Arbeitgeber zu benachrichtigen" (act. 1297). Vor zweiter Instanz führt der Beschuldigte demgegenüber aus, er habe am Tattag krankheitshalber freigenommen und sei zuerst nach FR-L.____, nicht nach Basel gefahren. Nach Hinweis auf den Widerspruch zu früheren Aussagen gibt der Beschuldigte an, er habe "2 oder 3 Tage arbeitsfrei" genommen. Er habe gegenüber seinem Chef persönliche Gründe ange geben und dieser habe es akzeptiert (Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 5). Was die Vorgehensweise beim Einbruch am M.____ in Muttenz betrifft, so gab der Beschuldigte in der Voruntersuchung an, nachdem er die Tür eingetr eten habe, sei er im Erdgeschoss geblieben, während sich E.____ in den ersten Stock beg eben habe; er habe unten gesucht und E.____ oben (act. 359). Der Beschuldigte bestätigte, na ch der sog. "Klingeltaktik" vorgegangen zu sein. Auf die Frage, was der Beschuldigte und seine Begleiterin unternommen hätten, wenn nach dem Läuten jemand von den Hausbewohnern die Türe geöffnet hätte, gibt der Beschuldig- te vor Kantonsgericht an, sie hätten dann um Wasser gebe ten oder um Auskunft, zum Beispiel nach einem nicht existierenden Namen, gefragt. Das Ben utzen einer codierten Sprache mit sei- ner Mittäterin bestreitet der Beschuldigte (Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 9 f.). Dafür, dass nur gerade fünf Tage nach dem misslungenen Einbruc hsversuch an der N.____ in Basel erfolgreich eingebrochen wurde, hat der Beschuldigte ke ine Erklärung (Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 10). Ebenso wenig will der Beschuldigt e wissen, warum E.____ einen Schlüssel auf sich trug, der zu einem Schliessfach im Zürcher Hauptbahnhof gehört, in welchem nebst Damenwäsche und Hygieneartikel auch ein Paar Herrenjeans sowie ein Langarm-Shirt für Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Herren in einer Grösse, die zum Beschuldigten passt, gefu nden wurden (vgl. act. 983 f.; Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 10). Auf die Frage, was die Pläne des Beschuldigten und seiner Begleiterin gewesen seien , was sie noch alles unternommen hätten, wenn sie am Tattag nich t um 11.30 Uhr von der Polizei verhaf- tet worden wären, gibt der Beschuldigte vor Kantonsge richt an, sie wären zurück nach Frank- reich gefahren. Der Beschuldigte habe zurück zum Bahnhof Basel SBB fahren wollen, um von dort mit dem Zug zurückzukehren. Man habe schnellstmöglich die Schweiz verlassen wollen. Da der Beschuldigte und seine Begleiterin auf dem Rückweg vo n Muttenz nach Basel die Polizei bereits am ersten Tatort an der N.____ in Basel geseh en hätten, hätten sie aus Angst sofort nach Frankreich zurückfahren wollen (Prot. Hauptverhan dlung Kantonsgericht S. 9). Die Frage, wie viele Einbrüche der Beschuldigte und E.____ am 22. Mai 2012 oder zu einem späteren Zeitpunkt hätten begehen wollen, beantwortet der Be schuldigte vor Kantonsgericht dahinge- hend, dass man nicht mehr als die zwei Einbrüche an dem Tag habe begehen wollen, auch nicht zu einem späteren Zeitpunkt. Die Tageskarte für di e öffentlichen Verkehrsmittel im Raum Basel habe man nur gelöst, da man sich mit den verschied enen Zonen nicht auskenne. Die Frage, ob die Täter bei einem erfolglosen Einbruchsver such im zweiten Haus auch noch eine dritte Liegenschaft aufgesucht hätten, verneint der B eschuldigte mit der Erklärung, man hätte sich dann gefragt, ob es Sinn mache bzw. ob sich das Risiko n och lohne (Prot. Hauptverhand- lung Kantonsgericht S. 9 f.). Bereits in der Vorunte rsuchung gab der Beschuldigte an, das Ziel der Einbrüche sei gewesen, das Deliktsgut auf dem Markt zu verkaufen; danach hätten er und E.____ den Erlös geteilt (vgl. Einvernahme vom 15. Juni 2012, act. 351). 1.3.3 Den Aussagen des Beschuldigten stehen die Depositionen von E.____ in den wesentli- chen Punkten entgegen. Demnach seien die Beiden mit d er einzigen Absicht in die Schweiz eingereist, um Einbrüche (im Plural) zu begehen (vgl. Einvernahme vom 23. Mai 2012, act. 329). In derselben Befragung sagte E.____ aus: "Dabei bin ich auf die Idee gekommen, dass wir es einmal versuchen könnten, Einbrüche zu begehen“ (act. 323). Ebenso erklärte E.____ am 1. Juni 2012, sie und der Beschuldigte hätten bereits in FR-L.____ besprochen, in die Schweiz zu gehen und einzubrechen (act. 831). E.____, welche eb enfalls serbischer Herkunft ist, sagte in Bezug auf die Bekanntschaft mit dem Beschuldigten am 1 . Juni 2012 aus, sie kenne den Be- schuldigten schon länger : "Mit C.____ war ich manchmal im Camp zusammen gewesen " (act. 831). Anlässlich der Einvernahme vom 7. Juni 2012 bestätigte E.____: "Wir haben uns im Camp getroffen, viele Jugendliche. Da kamen wir auf die Idee , hierherzukommen" (act. 1183). Zudem gab E.____ zu, zumindest teilweise von Einbrüchen zu lebe n (act. 329). In allen Befragungen erwähnte E.____ nie etwas von einer Shopping-Tour . Vielmehr gab sie am 23. Mai 2012 an, sie und der Beschuldigte hätten nach der Ankunft in Basel direkt das Tram Nummer 14 in Richtung Pratteln genommen (act. 407). Auch bezüglich des sichergestellten Geldes gab E.____ abwei- chend zum Beschuldigten an, die bei ihr gefundenen 44 5 Euro würden ihr gehören (act. 331). E.____ führte am 7. Juni 2012 in Bezug auf die Vorgehensweise aus: " Normalerweise gehen wir beide rein und durchsuchen das Schlafzimmer und Badezimm er" (act. 1179). In ihrer Einver- nahme vom 23. Mai 2012 gab E.____ auch an, dass jewei ls gezielt nach Bargeld, Gold und Schmuck gesucht worden sei und das Durchsuchen einer Li egenschaft "sicher nicht länger als Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10 oder 15 Minuten" gedauert habe (act. 325 ff.). Üb ereinstimmend mit dem Beschuldigten gab E.____ ausserdem zu Protokoll, dass sie auf ihrem Rückweg von Muttenz nach Basel am ersten Tatort bereits die Polizei wahrgenommen hätten (vgl. Einvernahme vom 23. Mai 2012, act. 325). Der Beschuldigte macht zwar zu Recht geltend, dass er wä hrend des gesamten Verfahrens nicht mit E.____ konfrontiert wurde. Auch ist nicht vo n der Hand zu weisen, dass E.____ ihre Aussagen als Beschuldigte und nicht als neutrale Zeugin gemacht hat, weshalb bei ihr ein ge- wisses Eigeninteresse am Ausgang des Verfahrens bestanden haben dürfte. Gemäss Art. 146 Abs. 2 StPO können die Strafbehörden Personen, einschlie sslich solcher, die ein Aussagever- weigerungsrecht haben, einander gegenüberstellen. Dane ben garantiert bereits Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK als besonderer Aspekt des Rechts auf ein faires Verfahren und der Waffengleichheit einen Anspruch des Beschuldigten, mit Belastungszeugen konfrontiert zu werden, deren Aus- sagen in Zweifel zu ziehen und (Ergänzungs-) Fragen zu stellen. Der Anspruch der Parteien auf Gegenüberstellung oder Konfrontation bzw. allgemein a uf Teilnahme an der Beweiserhebung gilt grundsätzlich absolut. Wurde der Konfrontationsansp ruch bzw. das Teilnahmerecht nicht gewährt, darf der erhobene Beweis nicht zulasten der b etroffenen Partei verwertet werden (Art. 147 Abs. 4 StPO), jedenfalls dort nicht, wo es si ch um den alleinigen oder ausschlagge- benden Beweis handelte (BSK StPO-D ANIEL HÄRING , mit Hinweis auf BGE 131 I 476, 125 I 127). Wie nachfolgend (vgl. Ziff. 1.3.4) zu zeigen sein wird, liegen in casu neben den Aussagen von E.____ weitere wichtige objektive Anhaltspunkte vor, welche sich mit den Depositionen der Genannten decken und diese daher auch als glaubhaft ersch einen lassen. Leicht abweichend zur Vorinstanz (vgl. S. 17 f. des Urteils) misst das Kantons gericht den Aussagen von E.____ nicht den alles entscheidenden bzw. wesentlichen Beweiswe rt, sondern lediglich indiziellen Charakter zu. Aus diesem Grund führt die fehlende Ko nfrontationseinvernahme mit dem Be- schuldigten nicht zur Unverwertbarkeit der Aussagen von E._ ___, sondern es kann - zusätzlich zu den anderen Hinweisen - auf diese abgestellt werden. Schliesslich gilt es zu berücksichtigen, dass sich E.____ mit ihren Aussagen in erster Linie selb st belastet hat, was ebenfalls für die grundsätzliche Richtigkeit ihrer Depositionen spricht. 1.3.4 Das Kantonsgericht stellt mit der Vorinstanz fest, dass si ch der Beschuldigte während des gesamten Verfahrens bei seinen Aussagen in zahlreiche Ungereimtheiten und Widersprüche verstrickte, was seine Glaubwürdigkeit erheblich schmälert. Hinzu kommt die Tatsache, dass die grundlegenden Depositionen des Beschuldigten nicht mit d enjenigen seiner Mittäterin E.____ übereinstimmen (vgl. dazu auch S. 17 f. des angefochtenen Urteils). Der Beschuldigte sagt in mehreren Punkten auch nachwei slich die Unwahrheit. Wenn er be- hauptet, er sei weder Roma- noch Sinti-Angehöriger, so steht dem entgegen, dass sein früherer Wahlverteidiger, Rechtsanwalt Joachim Lederle, in seiner Eingabe vom 29. Juni 2012 zuhanden der Staatsanwaltschaft ausdrücklich schrieb, der Beschuldig te sei "Landfahrer" (act. 621). Be- kannterweise vertritt Rechtsanwalt Joachim Lederle vor a llem Angehörige der Sinti und Roma vor Gericht. Wie bereits erwähnt, hat der Beschuldigte E.____ laut deren Aussagen im Camp kennen gelernt. Es ist kein Grund ersichtlich, warum E.__ __ in diesem Punkt gelogen haben soll. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ebenso wenig kann den Ausführungen des Beschuldigten ge folgt werden, wonach er mit E.____ weder verwandt noch gut bekannt sei: Zugestandenermassen verübte der Beschuldigte bereits am 11./12. Februar 2010 zusammen mit seinem Verwandten O.____ Einbruchdiebstähle in der Ostschweiz (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 5). Dass seine neue Begleite- rin ebenfalls den Nachnamen K.____ trägt, ebenso serb ische Wurzeln hat und den Beschuldig- ten im Camp kennen gelernt hat, spricht gegen die Ver sion des Beschuldigten. Zudem wurde gemäss dem Rapport der Kantonspolizei Basel-Stadt vom 22. Mai 2012 (act. 227 f.) am Ae- schenplatz in Basel beobachtet, wie sich der Beschuldigte und seine Begleiterin mit codierten und diskreten Zeichen und Blickkontakten verständigten. Auch diese Vorgehensweise spricht für ein eingespieltes und vertrautes Team, welches eine gute Bekanntschaft pflegt, und nicht dafür, dass sich der Beschuldigte und E.____ erst vor kurzer Zeit ke nnen gelernt haben und quasi auf "spontane" Einbruchstour gegangen sind. Auch antwortet e der Beschuldigte aus der Untersu- chungshaft auf einen Brief von E.____ in vertrauter W eise (vgl. Strafakten der Jugendanwalt- schaft Basel-Stadt i.S. E.____, act. 1303). Dies wäre für eine erst zweitägige Bekanntschaft äusserst ungewöhnlich. Was den Grund für die Einreise in den Raum Basel am 22. Mai 2012 betrifft, so gesta nd der Beschuldigte zumindest in der ersten Einvernahme, er sei in die Schweiz gekommen, "um zu stehlen" (act. 301). E.____ bestätigte in ihrer Einvern ahme ausdrücklich, sie sei mit dem Be- schuldigten in der Absicht in die Schweiz eingereist, um Einbrüche zu begehen (vgl. act. 323, 329). Gegen die erst später im Verfahren gemachte Behauptung des Beschuldigten, die Einbrü- che seien eine "spontane Aktion" gewesen, spricht auch die Tatsache, dass der Beschuldigte zugestandenermassen Socken in der Tasche mit sich führte, um Spuren wie Fingerabdrücke damit zu verwischen (vgl. Einvernahme vom 15. Juni 2012 , act. 349). Es ist als Schutzbehaup- tung zu werten, dass der Beschuldigte im Raum Basel led iglich auf Shoppingtour gehen wollte. Dies wurde von E.____ bezeichnenderweise nie behauptet . Des Weiteren trugen die Täter laut deren eigenen Aussagen gar nicht genügend Geld auf sic h (vgl. die entsprechende Aussage des Beschuldigten, act. 309), so dass eine Einkaufstour in der Schweiz wenig Sinn gemacht hätte. Schliesslich sind die Waren in der Schweiz wesentlich teurer als in Frankreich oder Deutschland, was die angebliche Shoppingtour in der Sc hweiz ebenso unplausibel erscheinen lässt. Des Weiteren erscheint es als realitätsfremd, dass, wie vom Beschuldigten behauptet, die min- derjährige E.____ den um einiges älteren und im inte rnationalen Umfeld mehrfach einschlägig vorbestraften Beschuldigten zur Begehung der Einbruchd iebstähle überredet haben sollte, nachdem sich die Beiden erst zwei Tage zuvor kennen geler nt hatten. Gemäss den entspre- chenden Strafregisterauszügen (act. 34.1 ff.) weist der B eschuldigte zahlreiche Vorstrafen in Frankreich, Belgien und in der Schweiz für seit seine m 15. Altersjahr begangene einschlägige Delikte auf. Zudem wird der Beschuldigte in Deutschland von der Staatsanwaltschaft Köln we- gen schweren Diebstahls gesucht und ist zur Verhaftung ausgeschrieben (vgl. act. a.a.O.). Auch wenn in casu die Mittäterin des Beschuldigten für ihr Alter durchaus reif und ebenfalls im Milieu erfahren aufgetreten ist, erscheinen die Ausführungen des Beschuldigten klarerweise als Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schutzbehauptung, denn es ist gerichtsnotorisch, dass in vie len Fällen die Hauptverantwortung aus strategischen Gründen bewusst auf minderjährige Mittäter geschoben wird, weil diese unter das erheblich mildere Jugendstrafrecht fallen. Zum zeitlichen Ablauf am Tattag liegen mehrere Versionen des Beschuldigten v or, wobei des- sen erstaunliche zeitliche Präzision in Bezug auf die Busfahrt anlässlich der Befragung vor Kan- tonsgericht (Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 8) nicht nachvollziehbar ist. Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte und seine Begleit erin am Tattag um 10.21 und 10.22 Uhr eine TNW-Tageskarte lösten (vgl. act. 151, 913, 101 9). Es ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte und seine Begleiterin erst gegen 10 Uhr i n Basel eingetroffen sind, wie dies vom Beschuldigten selber mehrfach angegeben wurde (act. 1 287, 1293). Daher erscheint die vom Beschuldigten behauptete Einkaufstour inklusive Geldwechs el in einem Zeitraum von lediglich 21 bzw. 22 Minuten als realitätsfern. Die Vorgehensweise , Arbeitsteilung und Koordination des Beschuldigten wi e auch von E.____ bei der Tatausführung wurden von diesen selbst überein stimmend beschrieben. Der Beschul- digte und E.____ gingen bei der Tatausführung koordiniert, zielstrebig und professionell vor. Ziel der Einbrüche war für beide Täter zugestandenermassen, die Deliktsbeute zu Geld zu machen. Schliesslich deuten in Bezug auf die Pläne des Beschuldigten und seiner Begleiterin allein schon deren Aussagen, man sei in die Schweiz gekommen, "um zu stehlen " (act. 301) bzw. "um Einbrüche zu begehen" (323, 329), auf eine Vielzahl von Einbrü chen hin. Auch das Lösen einer Tageskarte anstatt eines einfachen Trambillets stellt ei n Indiz dafür dar, dass sich die beiden Täter auf eine längere, umfassende Einbruchstour einge richtet hatten. Der Beschuldigte und E.____ waren zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung dabei, in Basel am Aeschenplatz das Tram Nr. 8 in Richtung Bahnhof SBB zu besteigen. Den Ausführungen des Beschuldigten, er habe von dort mit dem Zug nach Frankreich zurückfahren wollen, kann aus zwei Gründen nicht gefolgt wer- den: Erstens wäre das Risiko einer Zoll- und Passkontrolle , zumal mit der Deliktsbeute, erheb- lich grösser gewesen als bei einer Fahrt mit dem Bus übe r FR-J.____, welchen das Duo schon für den Hinweg gewählt hatte. Zweitens trug E.____ e inen Schlüssel auf sich, der zu einem Schliessfach im Hauptbahnhof Zürich führte (vgl. act. 281), in welchem sich unter anderem dem Beschuldigten passende Herrenkleidung befand (vgl. act. 987). Aus den genannten Gründen ist vielmehr davon auszugehen, dass die beiden Täter entwed er zum Hauptbahnhof Zürich gelan- gen oder aber weitere geeignete Einbruchsobjekte suche n wollten. Dies führt zur plausiblen Annahme, dass die Verwirklichung der weiteren Pläne des Beschuldigten und seiner Begleiterin nur durch deren Verhaftung vereitelt wurde. Wie die Vorinstanz richtig ausführt, weist auch die Tatsache, dass am 27. Mai 2012, somit gerade einmal fü nf Tage nach dem misslungenen Ein- bruchsversuch an der N.____ in Basel, tatsächlich erfolgr eich eingebrochen wurde (vgl. act. 415), auf weitergehende Pläne des Beschuldigten und E. ____ bzw. einer dahinter stehende Organisation hin. Zudem sagten sowohl der Beschuldigte als auch E.____ aus, dass sie auf ihrem Rückweg vom zweiten Tatort in Muttenz am ersten Tat ort in Basel mit dem Tram vorbei- fahren mussten und dabei wahrnahmen, wie bereits die P olizei vor Ort war. Dies könnte die beiden Täter zusätzlich davon abgehalten haben, zumindest sofort weitere Einbrüche zu bege- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht hen. Das Strafgericht hat in diesem Zusammenhang des Weiteren zu Recht berücksichtigt, dass der Beschuldigte und E.____ mehrere einschlägige Vorstrafen (vgl. act. 34.1. ff.) bzw. Vorgänge (vgl. act. 239, 1015, 1183) aufweisen und damit Wieder holungstäter sind. Dazu gehört auch die Tatsache, dass der Beschuldigte bisher unter verschiedenen Identitäten wie P.____, geb. 1. Januar 1991 (act. 27), Q.____, geb. 23. August 1994 (act. 47), R.____, geb. 23. August 1990 (act. 69), und S.____, geb. 1. Januar 1991 (act. 37) , auftrat. Die Mittäterin E.____ legitimierte sich bei der polizeilichen Anhaltung mit einer totalgef älschten italienischen Identitätskarte, lau- tend auf T.____ (act. 229, 261). Bei E.____ kommt hi nzu, dass diese laut eigenen Aussagen sogar teilweise von den Einbrüchen gelebt hat. Schliessli ch steht - nicht zuletzt mit Blick auf die Depositionen des Beschuldigten vor Kantonsgericht, wonach sich das Risiko lohnen müsse (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 10) - die in casu erzielte geringe Deliktsbeute in kei- nem Verhältnis zu dem seitens des Beschuldigten und seiner Begleiterin betriebenen Aufwand. Aus den genannten Gründen ist mit der Vorinstanz als erstellt zu erachten, dass der Beschuldig- te und E.____ die Absicht hatten, über die zum Teil ve rsuchten Einbrüche in Basel und Muttenz hinaus eine Vielzahl von Einbrüchen zu begehen, selbst wenn diese nicht alle am gleichen Tag und zur selben Zeit hätten stattfinden sollen. 1.3.5 Gemäss Art. 139 Ziff. 3 StGB liegt eine qualifizierte Form des Diebstahls vor, wenn der Täter den Diebstahl als Mitglied einer Bande ausführt, die sich zur fortgesetzten Verübung von Raub oder Diebstahl zusammengefunden hat. Nach der bun desgerichtlichen Rechtsprechung liegt eine Bande dann vor, wenn mindestens zwei Person en ausdrücklich oder konkludent den Willen bekunden, mehrere (mehr als zwei) selbständige, i m Einzelnen möglicherweise noch unbestimmte Delikte zu begehen (BGE 135 IV 158, 132 I V 137, 122 IV 265, 100 IV 219). Erfor- derlich ist, dass ausdrücklich oder konkludent die Abrede getroffen wird, zukünftig eine unbe- stimmte, jedenfalls aber grössere Anzahl von Taten ausz uführen (BGE 132 IV 132; S TEFAN TRECHSEL / MARK PIETH , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Au fl., Art. 139 N 16). Der Umstand, dass die Täter sich "zur fortgesetzten Verübung von Raub oder Diebstahl" zusammengefunden haben müssen, und das für die qualifizie rte Tat vorgesehene hohe Straf- minimum weisen darauf hin, dass Bandenmässigkeit erst anz unehmen ist, wenn der Wille der Täter auf die gemeinsame Verübung einer Vielheit von Diebstählen und Raubtaten gerichtet ist. Die in der Bandenbildung liegende Gefährlichkeit äussert sich nämlich vor allem darin, dass der Zusammenschluss mehrerer jedem einzelnen die Begehung we iterer Straftaten erleichtert. Wo sich jedoch die Täter schon zum voraus auf die Begehung von bloss zwei Diebstählen oder Raubtaten beschränken, entfällt jene in der Bande lie gende besondere Gefahr (BGE 100 IV 219, m.w.H.). Im Übrigen sind die Anforderungen an d ie Annahme von Bandenmässigkeit nicht allzu hoch. So ist eine explizite Vereinbarung (BGE 72 IV 113, BJM 1973 188) oder Planung (BJM 1972 27) nicht erforderlich. Zudem genügt ein bis zu einem gewissen Grad fest verbunde- nes und stabiles Team, auch wenn dieses allenfalls nur kurzlebig ist (vgl. SJZ 105 [2009] Nr. 15 24/6). Vorausgesetzt wird dabei lediglich ein gewisses Mindestmass an Organisation und an der Intensität des Zusammenwirkens (BGE 135 IV 158, 132 IV 1 32, 124 IV 286). Die interne Hierar- chie der Bande ist nicht massgebend. Ebenso muss die Verü bung weiterer Delikte nicht der einzige oder der ursprüngliche Zweck des Zusammenschlusses sein. Die Bandenmitglieder können sich auch nachträglich auf den entsprechenden Z weck einigen und nebenbei weitere Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zwecke verfolgen (BGE 100 IV 219, m.w.H.). Auf der sub jektiven Seite ist einzig erforderlich, dass der Täter die Umstände kennt, aus denen sich das Vorl iegen der Bandenmässigkeit der Tat ergibt (BGE 122 IV 265 = Pra 86 [1997] Nr. 28). Bandenmitglied ist nur, wer den Willen hat, Delikte mit den anderen Mitgliedern zusammen zu begehe n, und wer in dieser Rolle von den anderen Bandenmitgliedern akzeptiert wird. Vorausgesetzt ist der Wille zur mittäterschaftlichen Tatbegehung, wobei es auf die Rollenverteilung im kon kreten Einzelfall nicht ankommt (BGE 78 IV 227). Dass sich der Beschuldigte und E.____ durch ihr Verhalten des mehrfachen, teilweise versuch- ten Diebstahls, der Sachbeschädigung und des mehrfachen H ausfriedensbruchs, begangen in Mittäterschaft, strafbar gemacht haben, ist unbestritte n und es kann insofern auf die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz auf S. 10-15 des Urteils verwiesen werden. Zu prüfen bleibt, ob die Tathandlungen in casu als ba ndenmässig zu qualifizieren sind. Dies ist unter Berücksichtigung der für den Beschuldigten mehrheit lich belastenden Aussagen von E.____ (vgl. Ziff. 1.3.3) sowie der weiteren in Ziff . 1.3.4 aufgeführten inneren und äusseren Um- stände klarerweise zu bejahen: Im vorliegenden Fall gin gen der Beschuldigte und E.____ je- weils zu zweit vor. In der Absicht, eine unbestimmte An zahl von Delikten zu begehen, verübten sie am ersten Tatort in Basel einen versuchten und am zweiten Tatort in Muttenz einen versuch- ten sowie einen vollendeten Einbruchdiebstahl. Mit der Vorinstanz (vgl. S. 14 des Urteils) ist eine mehrfache (zweifache) Tatbegehung in Muttenz anzun ehmen, weil die Liegenschaft am M.____ über zwei Wohnungen, einerseits der Eigentümeri n B.____, andererseits der Mieterin A.____, verfügt. Somit wurden in diesem Haus die Rec htsgüter verschiedener Rechtsgutträger tangiert und die Täter fassten dementsprechend zweimal den Entschluss, deren Rechtsgüter zu verletzen. Dies ist als echte Konkurrenz im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB zu qualifizieren (vgl. BSK StGB I-JÜRG BEAT ACKERMANN , Art. 49 N 30, 34, m.w.H.; BGE 124 IV 124). Da somi t zwei Personen mit dem entsprechenden Vorsatz mindestens drei Delikte begangen haben, sind die von der Rechtsprechung geforderten Mindestzahlen gegeben . Es ist zusätzlich als erstellt zu erachten, dass sich der Beschuldigte und seine Mittäterin , welche sich gut kannten, zumindest in konkludenter Form darauf geeinigt hatten, weitere, möglicherweise noch unbestimmte Delikte zu begehen. Darauf weisen insbesondere das Lösen einer TNW-Tageskarte, die zahlreichen einschlägigen Vorstrafen bzw. Vorgänge der Täter sowie deren beabsichtigte Fahrt zum Bahn- hof Basel SBB hin. Wie konkret die Pläne des Beschuldig ten und seiner Mittäterin waren, ist unerheblich. Ebenso ist für die Annahme der Bandenmässi gkeit irrelevant, wer innerhalb des Duos die hierarchisch höhere Stellung inne hatte und w ie die genaue Rollenverteilung aussah. Das Einbruchsduo ging jedenfalls als gut eingespieltes u nd vertrautes Team zielstrebig, arbeits- teilig, koordiniert und professionell vor und es ist davo n auszugehen, dass allein durch dessen Verhaftung weitere Delikte verhindert werden konnten. Dass die Jugendanwaltschaft Basel- Stadt gemäss Strafbefehl vom 7. Juni 2012 bei E.____ keine Bandenmässigkeit, sondern ledig- lich mehrfachen, teilweise versuchten (einfachen) Dieb stahl annahm (vgl. act. 1191 ff.), ist bei der Beurteilung des vorliegenden Falles unbeachtlich: Gemäss BGE 135 IV 191 besteht kein Anspruch auf "Gleichbehandlung im Unrecht" unter Mitt ätern. Es wäre mit der richterlichen Un- abhängigkeit unvereinbar, müsste sich das Gericht gegen seine Überzeugung einem anderen Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Urteil anpassen. Die Rechtsprechung hat denn auch stet s den Vorrang des Legalitätsprinzips vor dem Gleichheitsprinzip betont. Eine falsche Rechtsanwe ndung in einem Fall begründet grundsätzlich keinen Anspruch, seinerseits ebenfalls abweic hend von der Norm behandelt zu werden (vgl. BGE 135 IV 191, Erw. 3.3; BGE 124 IV 44 Erw. 2c). 1.4 Im Ergebnis erweisen sich die seitens des Beschuldigten un d der Staatsanwaltschaft vor- gebrachten Argumente als unbegründet. Die Erwägungen des Strafgerichts auf S. 16-20 des Urteils sind in jeder Hinsicht nachvollziehbar und dessen Annahme von Bandenmässigkeit stellt in keiner Weise eine Rechtsverletzung dar. In Abweisung der Berufung des Beschuldigten wie auch der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft ist der vorinstanzlich gefällte Schuldspruch wegen mehrfachen, teilweise versuchten bandenmässigen Di ebstahls, Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruchs folglich zu bestätigen. 2. Strafzumessung 2.1 Die Dreierkammer des Strafgerichts verurteilte den Beschuldigten wegen mehrfachen, teilweise versuchten bandenmässigen Diebstahls, Sachbeschädigung sowie mehrfachen Haus- friedensbruchs zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 2 Jahren, wobei es die vom 22. Mai bis 14. August 2012 ausgestandene Haft von insgesamt 85 T agen an diese Strafe anrechnete. Die gegen den Beurteilten am 1. März 2011 von der Staatsan waltschaft Limmattal/Albis wegen mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruches bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, wovon 14 Tagessätze durch Haft erstanden, bei einer Pr obezeit von 2 Jahren, wurde in An- wendung von Art. 46 Abs. 1 StGB vollziehbar erklärt un d für den Fall der Nichtbezahlung der Geldstrafe und deren Uneinbringlichkeit auf dem Betr eibungsweg eine Ersatzfreiheitsstrafe von 116 Tagen angedroht. 2.2 Demgegenüber beantragen sowohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft, die seitens der Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe sei a ngemessen, d.h. auf maximal 10 Monate zu reduzieren (vgl. S. 7 der Berufungserklä rung des Beschuldigten vom 26. Novem- ber 2012 sowie S. 5 der Anschlussberufungserklärung de r Staatsanwaltschaft vom 18. De- zember 2012). Zur Begründung machen beide Parteien ge ltend, mangels Vorliegens von Ban- denmässigkeit sei von einem tieferen Strafrahmen auszug ehen. Die intellektuellen Fähigkeiten des Beschuldigten seien eher gering und es könne im Ver gleich zur Persönlichkeit von E.____ nicht von einer hierarchisch übergeordneten Stellung d es Beschuldigten ausgegangen werden. Gewaltanwendung gegen Personen sei nicht in Betracht gezogen worden; vielmehr hätten der Beschuldigte und seine Begleiterin versucht, eine Konfrontation mit den Bewohnern der Liegen- schaften zu vermeiden. Zugunsten des Beschuldigten sei zu berücksichtigen, dass dieser seit Beginn des Jahres 2012 einer regulären Erwerbstätigkeit nachgehe. Auch seien die Delikts- summe und der angerichtete Schaden eher gering. Schlie sslich sei die für den Beschuldigten auszusprechende Strafe in Relation zu derjenigen für E. ____ zu setzen; diese sei bereits rechtskräftig zu einem Freiheitsentzug von lediglich 50 Tagen, davon 23 Tage unbedingt, verur- teilt worden (vgl. S. 5-7 der Berufungsbegründung des Beschuldigten vom 26. November 2012; Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Plädoyer des Wahlverteidigers, Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 12, sowie S. 4-5 der Anschlussberufungserklärung der Staatsanwaltschaft vom 18. Dezember 2012). Die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten weist in ihrem Plädoyer vor Kantonsgericht zusätz- lich darauf hin, dass das entwendete Deliktsgut den Geschäd igten vollständig habe ausgehän- digt werden können. Der Beschuldigte anerkenne die Zivil forderung. Er habe sich für den seeli- schen Schaden entschuldigt. Der unvorsichtige und ungeschickte Beschuldigte habe nicht ein derart gewichtiges Eigentumsdelikt begangen, dass sich eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren recht- fertigen würde (vgl. S. 5 f. des Plädoyers der amtlichen Verteidigerin). In ihrem Plädoyer vor Kantonsgericht bezeichnet auch die Staatsanwaltschaft die gegenüber dem Beschuldigten ausgesprochene Freiheitsstrafe als auf fallend hart. Seit 2011 bestehe auf Seiten der Staatsanwaltschaft eine grosse Unsicherheit b ezüglich des Strafmasses in Fällen von Einbruchdiebstählen. Die Staatsanwaltschaft vermöge ke ine deutliche Linie beim Strafge- richt und beim Zwangsmassnahmengericht zu erkennen, weshal b sie sich Klarheit durch eine kantonsgerichtliche Entscheidung erhoffe. Die Staatsanwa ltschaft begrüsse zwar härtere Stra- fen gegenüber Einbrecher, müsse aber auch die Verfahr ensgarantien einhalten (vgl. S. 2, 5, 7 und 8 des Plädoyers der Staatsanwaltschaft). 2.3.1 In Bezug auf den Grundsatz der Strafzumessung gemäss Art. 47 StGB, den ordentlichen und erweiterten Strafrahmen sowie die Einstufung des V erschuldens im Allgemeinen kann zu- nächst auf die dogmatischen Ausführungen der Vorinstanz auf S. 23 f. des Urteils verwiesen werden. Der Beschuldigte hat sich des mehrfachen, teilweise versu chten bandenmässigen Diebstahls, der Sachbeschädigung sowie des mehrfachen Hausfriedensb ruchs schuldig gemacht. Der ge- setzliche Strafrahmen für die in casu schwerste Straftat d es bandenmässigen Diebstahls ge- mäss Art. 139 Ziff. 3 StGB beträgt 10 Jahre Freiheitss trafe oder Geldstrafe nicht unter 180 Ta- gessätzen. Aufgrund der mehrfachen Tatbegehung erfol gt gestützt auf Art. 49 Abs. 1 StGB (Konkurrenz) zwingend eine Strafschärfung, was zu einem e rweiterten Strafrahmen von bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe führt. 2.3.2 Betreffend die Tatkomponenten ist dem Beschuldigten zwar zugute zu halten, dass die Deliktssumme wie auch der verursachte Sachschaden eher ger ing ausgefallen sind. Hingegen ist die mehrfache Tatbegehung erschwerend zu berücksichtig en. Der Beschuldigte und seine Mittäterin suchten sich nach dem zunächst misslungenen Ei nbruch in Basel unverzüglich das nächste Objekt in Muttenz aus, was von einer hohen krimin ellen Energie zeugt. Ebenso fällt zu Lasten des Beschuldigten ins Gewicht, dass dieser zusammen mit seiner Begleiterin in bewohn- te Privathäuser eingebrochen ist, weshalb jederzeit mi t einer Konfrontation mit der Bewohner- schaft zu rechnen war. Im Gegensatz zu Einbrüchen in lee rstehende bzw. unbewohnte Gebäu- de liegt hier ein massiver Eingriff in die Privatsphäre und damit ein stärkerer Eingriff in die Rechtsgüter der Geschädigten vor. Bereits mit Urteil vom 25. September 2012 i.S. L.M. (460 12 108) hat das Kantonsgericht im Sinne einer grundsätzlic hen Festlegung entschieden, dass bei Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Strafzumessung im Kontext mit Einbruchdiebstählen j eweils zwingend straferhöhend veran- schlagt werden muss, wenn der Beschuldigte in Wohnliege nschaften eindringt (Urteil S. 15). Das Mitführen von Socken, um allfällige Spuren zu verwische n, spricht für ein geplantes und professionelles Vorgehen. Entgegen der Darstellung der Parteien stellen der ältere Jahrgang des Beschuldigten, dessen zahlreiche massive Vorstrafen ( vgl. nachfolgenden Abschnitt) sowie die Beobachtungen der Polizei kurz vor der Verhaftung am Aeschenplatz in Basel ein gewichti- ges Indiz dafür dar, dass der Beschuldigte gegenüber E._ ___ die hierarchisch höhere Stellung inne hatte. Straferhöhend wirkt sich zudem die Tatsache aus, dass der Beschuldigte und seine Begleiterin als sog. Kriminaltouristen ausschliesslich zum Zwecke der Begehung von Einbruch- diebstählen in die Schweiz einreisten, um nach der Tat begehung möglichst schnell und unbe- merkt wieder nach Frankreich zurückzukehren. Gerade der Be schuldigte, welcher angeblich über eine feste Arbeitsstelle verfügt, befand sich in kei nerlei finanzieller Not, welche die Bege- hung von Einbruchdiebstählen in einem fremden Staat auch nur im Ansatz zu rechtfertigen ver- mag bzw. als nachvollziehbar erscheinen lässt. Vielmehr ve rfolgte der Beschuldigte aus- schliesslich eigene finanzielle Vorteile. Es wäre dem Besch uldigten jedoch ein Leichtes gewe- sen, sich gegen das von ihm begangene Unrecht zu entscheiden. 2.3.3 In Bezug auf die Täterkomponenten gibt der Beschuldigte anlässlich der Hauptverhand- lung vor dem Kantonsgericht zu den aktuellen persönlichen Verhältnissen befragt an, der Alltag im Strafvollzug in der Strafanstalt Bostadel verlaufe g ut. Der Beschuldigte arbeite, nehme Deutschstunden und treibe in der Freizeit Sport. Der B eschuldigte habe weder persönlichen noch brieflichen Kontakt nach aussen. Er telefoniere a ber regelmässig mit seinen Eltern. Seit Ende 2001 lebe der Beschuldigte zusammen mit seinen Elt ern, seinen drei Brüdern und seinen drei Schwestern an der U.____ in FR-G.____. Zuvor ha be er bei seiner Grossmutter gewohnt. Eine Schwester des Beschuldigten sei verheiratet und ausg ezogen, verbringe aber noch viel Zeit im Elternhaus. Der Beschuldigte bezeichnet seine Ju gend als gut, wobei es aber wegen Cannabiskonsums und unregelmässigen Schulbesuchs manchmal zu Konflikten mit seinen El- tern gekommen sei. Auf diese Weise sei der Beschuldigte in die Delinquenz abgerutscht. Zu den angegebenen Behinderungen seines jüngeren Bruder s befragt gibt der Beschuldigte an, sein Bruder V.____ sei im August 2012 16 Jahre alt g eworden. Der Beschuldigte fühle sich als ältester Sohn der Familie verpflichtet, Verantwortung für seinen behinderten Bruder zu über- nehmen. Da der Beschuldigte Drogen konsumiert habe, habe er diese Aufgabe nicht immer wahrnehmen können, was ihn schwer belaste. Der Beschuldigte bezeichnet sich als Analphabe- ten, wobei er darunter eine Person versteht, welche n ur rudimentär lesen und schreiben kann. Der Beschuldigte wiederholt, weder den Sinti noch den Roma anzugehören; vielmehr sei er Franzose mit serbischen Wurzeln. Was seine Arbeitstelle a ngehe, so könne sich der Beschul- digte an den Namen des Arbeitgebers nicht erinnern. Di e dort zu verrichtenden Arbeiten hätten mit Beton und Böden zu tun; zudem sei der Beschuldigt e für diverse weitere Arbeiten auf dem Bauplatz zuständig. Sein Bruttolohn betrage 1'400 Eur o, der Nettolohn 1'100 bis 1'150 Euro. Bisher habe der Beschuldigte einen Nettolohn zwischen 60 0 und 750 Euro angegeben, weil er zwischen 400 und 500 Euro seinen Eltern abgeben müsse. Von seinem 16. bis zum 22. Alters- jahr habe der Beschuldigte auf Märkten gearbeitet und sei wegen schlechten Freunden in die Kriminalität gelangt. Er habe bis Februar 2012 noch n ie eine feste Arbeitsstelle inne gehabt. In Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesundheitlicher Hinsicht gehe es dem Beschuldigten gut; er leide nur moralisch unter dem Ver- lust seiner Freiheit und der Trennung von seiner Fami lie. Die Verwendung von Aliasnamen bei früheren Straftaten gibt der Beschuldigte zu und fügt als Erklärung dafür an, er habe damit ver- hindern wollen, dass seine Eltern von seiner Delinquenz erfahren. Der Beschuldigte erklärt, dass ihn frühere Strafen durchaus beeindruckt hätten. Als seine Zukunftspläne beschreibt er ein neues Leben mit einer geregelten Arbeit ohne Krimina lität, das Erlernen von Lesen und Schrei- ben sowie das Zusammensein mit seinen Geschwistern. Der Beschuldigte habe erst jetzt begrif- fen, was für Konsequenzen seine Straftaten hätten (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 3-7). Schwerer noch als die Vorinstanz wertet das Kantonsgericht die mehrfachen, einschlägigen und teilweise gravierenden Vorstrafen des Beschuldigten zu d essen Lasten. Wie den entsprechen- den Auszügen aus den Strafregistern (act. 34/1 ff.) zu entnehmen ist, wurde der Beschuldigte in Frankreich mit Urteil des Tribunal pour Enfants de Ren nes vom 19. April 2006 wegen zweifa- chen schweren Diebstahls, mit Urteil des Tribunal pour E nfants de Bobigny vom 25. September 2008 wegen dreifachen schweren Diebstahls, mit Urteil des Juge des Enfants du Tribunal pour Enfants de Bobigny vom 12. März 2009 wegen Hehlerei, m it Urteil der Chambre des Appels Correctionnels de Paris vom 2. Oktober 2009 wegen zweifachen schweren Diebstahls, mit Urteil des Tribunal Correctionnel de Bobigny vom 7. Oktober 2009 wegen zweifachen schweren Dieb- stahls sowie mit Urteil des Tribunal Correctionnel de M eaux vom 10. März 2010 wegen mehrfa- chen schweren Diebstahls zu mehreren Freiheitsstrafen, zu letzt zu einer solchen von 3 Jahren, verurteilt (vgl. act. 39-43). Zudem sprach die Staatsan waltschaft Limmattal/Albis mit Strafbefehl vom 1. März 2011 gegen den Beschuldigten wegen mehrfache n Diebstahls, mehrfachen ver- suchten Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfac hen Hausfriedensbruchs sowie mehrfachen versuchten Hausfriedensbruchs eine bedingt vollziehbare Geldstrafe von 130 Ta- gessätzen zu je Fr. 30.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, aus, wobei in diesem Entscheid fälschlicherweise von einer Ersttäterschaft ausgegangen w urde (vgl. act. 79-91). Ein weiteres Strafurteil liegt sodann aus Belgien vor, wonach der B eschuldigte am 21. September 2010 vom Tribunal Correctionnel de Dendermonde - wiederum weg en Einbruchdiebstahls - zu einer Ge- fängnisstrafe von 1 Jahr sowie zu einer Busse von 150 Eur o verurteilt wurde (vgl. act. 43). Des Weiteren wird der Beschuldigte in Deutschland von der Staatsanwaltschaft Köln wegen schwe- ren Diebstahls gesucht und ist zur Verhaftung ausgeschrieb en (vgl. act. 95). Damit ist dem Be- schuldigten zunächst vorzuhalten, dass er seit seinem 15. L ebensjahr praktisch ohne Unterbrü- che Einbrüche begeht und somit eine mehrjährige krimi nelle Laufbahn aufweist. Überdies be- ging der Beschuldigte die nunmehr zu beurteilenden T aten während der Probezeiten gemäss dem Urteil des Tribunal Correctionnel de Meaux vom 10 . März 2010 und dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 1. März 2011, wa s von einer ausgesprochenen Unbe- lehrbarkeit und Uneinsichtigkeit zeugt. Der Beschuldigte trat bei seiner Delinquenz zudem unter verschiedenen falschen Identitäten auf (vgl. act. 45 ff.), womit er seine verbrecherischen Absich- ten und seine Professionalität zusätzlich unter Beweis stel lte. Die bisher ausgesprochenen und zum Teil auch verbüssten (Freiheits-)Strafen konnten den Beschuldigten offensichtlich nicht von der Begehung weiterer massiver Delikte abhalten. Schlie sslich vermag der Beschuldigte bis vor Kantonsgericht keine echte Reue und Einsicht in das von ihm begangene Unrecht zu bekunden. Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vor zweiter Instanz beteuert der Beschuldigte in seinem letzten Wort zwar erneut, es sei das letzte Mal gewesen, dass er "so was" gemacht habe und er schwöre, nie mehr in die Schweiz zu kommen (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 12). Diese Versprechungen überzeu- gen das Kantonsgericht nicht, zumal sie mit identischem W ortlaut bereits in früheren Verfahren gemacht (vgl. Befragungsprotokoll der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden vom 13. Februar 2010, S. 9), aber nachweisbar nicht eingehalten wur den. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte die von ihm begangenen Taten bagatellisiert, indem e r sie lediglich als "Dummheiten" bezeich- net (vgl. act. 303, 307, 309, Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht S. 12). Für den Beschuldigten spricht lediglich die Tatsache, d ass er über eine geringe schulische und berufliche Bildung verfügt. Im Gegensatz zur Vorinstanz wertet das Kantonsgericht hingegen die folgenden Komponenten nicht zu Gunsten des Beschuldigten: So darf dessen teilweise Gestän- digkeit nicht allzu stark gewichtet werden, zumal sie nur u nter der erdrückenden Beweislage zustande gekommen ist. Wenn ein Geständnis in einer dera rtigen Konstellation erfolgt, kann einem Täter nicht mehr attestiert werden, er habe mi t seinem Geständnis zur Vereinfachung und Verkürzung des Verfahrens und zur Wahrheitsfindung beigetragen. Die vielfach taktisch geprägten Geständnisse sind in solchen Situationen in d er Regel nicht mehr als Zeichen von Einsicht und Reue zu betrachten, weshalb eine Strafminderung nicht mehr oder höchstens noch in reduziertem Umfang in Betracht kommt (M ARKUS HUG , Der Trend des Bundesgerichtes zu härteren Strafen, insbesondere im Lichte von BGE 136 IV 55 zur verminderten Schuldfähigkeit, in: forumpoenale 6/2011 vom 8. Dezember 2011, mit H inweis auf BGer, Urteil 6B_974/2009 vom 18. Februar 2010 und BGer Praxis 2011, Nr. 77). Eb enso wirkt sich die seitens des Be- schuldigten eher vage bekundete Bereitschaft zur Wiederg utmachung ("Ich könnte nicht direkt für den Schaden aufkommen. Aber ich könnte arbeiten und Ende des Monats einen Check schi- cken […] Ja, ich würde die Zivilforderung anerkennen. Ich weiss jedoch noch nicht, in welcher Höhe", act. 361) angesichts dessen Mittellosigkeit und W ohnsitzes im Ausland nicht zu seinen Gunsten aus. 2.3.4 Unter Berücksichtigung sämtlicher obgenannter Tat- und Täterkomponenten attestiert das Kantonsgericht dem Beschuldigten ein schweres Verschulden . Wie bereits bei der Prüfung der Bandenmässigkeit ist betreffend die Strafzumessung der S trafbefehl der Jugendanwaltschaft Basel-Stadt vom 7. Juni 2012 in Sachen E.____ (act. 11 91 ff.), wonach diese zu einem Frei- heitsentzug von 50 Tagen, davon 23 Tage unbedingt, ve rurteilt wurde, für das Kantonsgericht nicht bindend. In der Zumessung der Strafe ist das Geri cht frei, denn es besteht auch hier unter Mittätern kein Anspruch auf "Gleichbehandlung im Unrecht" (BGE 135 IV 191). Ist aus formellen Gründen nur über einen Mittäter zu urteilen, während die Strafe des anderen bereits feststeht, so geht es darum, einen hypothetischen Vergleich anzuste llen. Der Richter hat sich zu fragen, welche Strafen er ausfällen würde, wenn er beide Mit täter gleichzeitig beurteilen müsste. Dabei hat er sich einzig von seinem pflichtgemässen Ermessen leite n zu lassen. Die Autonomie des Richters kann zur Folge haben, dass die Strafen zweier Mittäter in einem Missverhältnis stehen. Dies ist verfassungsrechtlich unbedenklich, solange die i n Frage stehende Strafe als solche angemessen ist. Allerdings ist zu verlangen, dass in der Begründung auf die Strafe des Mittäters Bezug genommen und dargelegt wird, weshalb sich diese nicht als Vergleichsgrösse eignet (vgl. Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht BGE 135 IV 191, Erw. 3.3; BGE 124 IV 44 Erw. 2c). In casu lässt sich der Unterschied zwischen den beiden Strafen ohne Weiteres damit begründen, da ss bei E.____ keine Bandenmässigkeit angenommen und diese zudem nicht nach dem Erwachsenen-, sondern nach dem Jugendstraf- recht beurteilt wurde. Der vorliegende Fall lässt sich hi ngegen mit dem im Urteil des Strafge- richts vom 19. April 2012 in Sachen M.R. behandelten ver gleichen; dort wurde der Beschuldigte für zwei gewerbsmässig begangene Diebstähle und bei bishe riger Vorstrafenlosigkeit zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Das Strafger icht weist auf S. 27 des Urteils zutreffend auf diesen Vergleichsfall hin. Die seitens der Vorinstanz vorgenommene Strafzumessung g emäss S. 23-28 des Urteils er- scheint als sachlich, objektiv und nachvollziehbar. Eine Frei heitsstrafe von 2 Jahren liegt in An- betracht des anzuwendenden Strafrahmens (Geldstrafe von 180 Tagessätzen bis Freiheitsstrafe von 15 Jahren) im unteren Bereich der möglichen auszufä llenden Strafen für vergleichbare Fäl- le. Es ist festzustellen, dass sich das Strafgericht bei d er Festsetzung dieser Strafe innerhalb seines Ermessens bewegt hat, so dass bei der vorinstanzlichen S trafzumessung weder eine Rechtsverletzung noch Unangemessenheit ersichtlich ist. Die Argumente sowohl des Beschul- digten als auch der Staatsanwaltschaft, welche für eine Herabsetzung der Strafe sprechen sol- len, gehen fehl. Auch nach Ansicht des Kantonsgerichts ersc heint eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren als dem Verschulden und den persönlichen Verhältni ssen des Beschuldigten angemes- sen und keineswegs als überhöht. Das Kantonsgericht schliesst sich den Erwägungen und rechtlichen Folgerungen der Vorinstanz an und bestätigt in Abweisung der Berufung des Be- schuldigten wie auch der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft die Ausfällung einer Frei- heitsstrafe von 2 Jahren . 2.3.5 Bezüglich der Frage, ob diese Freiheitsstrafe bedingt, teilbedingt oder unbedingt auszu- sprechen ist, die ausgestandene Haft anzurechnen und die Vorstrafe gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 1. März 2011 zu w iderrufen ist, kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz auf S. 27 f. des Urteils verwiesen werden. Der Beschuldigte wurde innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat bereits mehrfach wegen ein- schlägigen Delikten verurteilt. Demnach kann mangels Vor liegens besonders günstiger Um- stände im Sinne von Art. 42 Abs 2 StGB die Freiheitsstr afe klarerweise nicht bedingt ausge- sprochen werden. Aufgrund des schweren Verschuldens sowie der äusserst negativen Progno- se fällt ebenso ein teilbedingter Vollzug gemäss Art. 4 3 Abs. 1 StGB ausser Betracht. Die vom 22. Mai bis 14. August 2012 ausgestandene Haft von insgesamt 85 Tagen ist in Anwendung von Art. 51 StGB an die Freiheitsstrafe anzurechnen. Schlie sslich ist die bedingt vollziehbare Geld- strafe von 130 Tagessätzen zu je Fr. 30.-- laut obgenan ntem Strafbefehl gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB zu widerrufen, wobei gestützt auf die bundesgeri chtliche Rechtsprechung (vgl. BGE 137 IV 249) keine Gesamtstrafe gebildet werden kann, sonde rn eine Zusatzstrafe auszusprechen ist. 2.4 Zusammenfassend wird der Beschuldigte in Abweisung der Berufung des Beschuldigten und der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zu eine r unbedingt vollziehbaren Freiheits- strafe von 2 Jahren, unter Anrechnung der vom 22. Mai b is 14. August 2012 ausgestandenen Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht Haft von insgesamt 85 Tagen, verurteilt. Die gegen den Beurteilten am 1. März 2011 von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis wegen mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahles, mehr- facher Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruch es bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, wovon 14 Tagessätze durch Haft erstanden sind, bei einer Probezeit von zwei Jahren, wird in Anw endung von Art. 46 Abs. 1 StGB vollzieh- bar erklärt. Im Falle der Nichtbezahlung der Geldstrafe und deren Uneinbringlichkeit auf dem Betreibungsweg tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 116 Tagen. 3. Kosten der Vorinstanz 3.1 Das Strafgerich t auferlegte dem Beschuldigten in Anwendung von Art. 4 26 Abs. 1 StPO die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 4'731.20, den Kos- ten des Zwangsmassnahmengerichts von Fr. 350.-- und der Gerichtsgebühr von Fr. 4'500.--. 3.2 Dagegen wendet der Beurteilte ein, die Gerichtsgebühr von Fr. 4'500.-- erscheine al s zu hoch und beinhalte wohl die vom Gerichtspräsidenten vor der Verhandlung getätigten zusätzli- chen Abklärungen, welche teilweise ohne konkretes Ergebn is ausgefallen seien. Diese Aufwen- dungen dürften nicht dem Beschuldigten auferlegt werd en. Zudem sei der vorliegende Fall kei- neswegs komplex und schwierig zu beurteilen gewesen und der Beschuldigte habe von Beginn weg gestanden (vgl. S. 7 der Berufungserklärung vom 26. November 2012; S. 2 f. des Plädoy- ers der amtlichen Verteidigerin). 3.3 Bund und Kantone regeln die Berechnung der Verfahr enskosten und legen die Gebühren fest (Art. 424 Abs. 1 StPO). Gemäss § 52 Abs. 1 des kant onalen Gesetzes vom 22. Februar 2001 über die Organisation der Gerichte (Gerichtsorgan isationsgesetz, GOG) können die Ge- richte für ihre Verrichtungen Gebühren bis 60'000 Fran ken erheben. Die Höhe der Gebühren richtet sich nach dem Wert und der Bedeutung der Sache sowie nach dem Arbeits- und dem Zeitaufwand (§ 52 Abs. 2 GOG). Nach § 3 Abs. 1 der Verordnung vom 15. November 2010 über die Gebühren der Gerichte (Gebührentarif, GebT) setzt das zuständige Gericht, wo ein Gebüh- renrahmen mit einem Mindest- und einem Höchstbetrag vo rgesehen ist, die Gebühr im konkre- ten Fall nach dem Streitwert und der Bedeutung der Streitsache fest. Es berücksichtigt ferner die Schwierigkeit des Falles sowie den Arbeits- und Zeit aufwand. Gemäss § 10 Abs. 1 GebT beträgt die vom Präsidium, der Dreierkammer und der F ünferkammer des Strafgerichts für End- entscheide festzulegende Gebühr 100 bis 30'000 Franken . Die seitens des Strafgerichts dem Beschuldigten auferlegte Gerichtsgebühr von Fr. 4'500. -- erscheint in Beachtung der Grundsät- ze der Gebührenbemessung gemäss § 3 Abs. 1 GebT und damit unter Berücksichtigung der Schwierigkeit des Falles sowie des Arbeits- und Zeitaufw ands der Vorinstanz als angemessen. Immerhin nahm die strafgerichtliche Hauptverhandlung einschliesslich der Urteilsberatung und Urteilseröffnung einen ganzen Tag in Anspruch. Ebenso bewegt sich die Höhe der auferlegten Gerichtsgebühr innerhalb des Rahmens von § 10 Abs. 1 Ge bT und ist daher nicht zu beanstan- den. Die seitens der Vorinstanz getätigten Abklärungen waren als Beweisabnahme i.S.v. Art. 343 StPO geboten, auch wenn sich ein Teil des vori nstanzlichen Aufwandes im Nachhinein als unnötig erwiesen haben sollte. Korrekterweise wur de die Gerichtsgebühr dem Ausgang des Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahrens entsprechend dem Beschuldigten auferlegt (vgl. Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Berufung des Beschuldigten ist daher auch in diesem letzten Punkt abzuweisen . V. Kosten des Kantonsgerichts 1. Ordentliche Kosten Gestützt auf § 12 Abs. 1 GebT wird die Urteilsgebühr für das Berufungsverfahren auf Fr. 8'500.-- festgesetzt. Hinzu kommen Auslagen in der Höhe von Fr. 35 0.--, was zu Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 8'850.-- führt. Diese Kosten folgen gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO der Hauptsache. Da sowohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft vor Kantonsgericht unterliegen, tragen sie die Verfahrenskosten je zur Hälfte. 2. Ausserordentliche Kosten Der amtlichen Verteidigerin, Advokatin Sonja Ryf, wird ein Honorar in der Höhe von Fr. 6'137.50 (inkl. Auslagen) zuzüglich 8% MWSt (= Fr. 490.50), somit total Fr. 6'628.--, aus der Staatskasse ausgerichtet. Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil der Dreierkammer des Strafgerichts vo m 14. August 2012, auszugsweise lautend: "1. C.____ wird des mehrfachen, teilweise versuchten b anden- mässigen Diebstahls, der Sachbeschädigung sowie des mehr- fachen Hausfriedensbruchs schuldig erklärt und verurteilt zu einer unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 2 Jah- ren unter Anrechnung der vom 22. Mai bis 14. August 2012 ausgestandenen Haft von insgesamt 85 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 3 StGB (teilweise i .V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 186 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 2 StGB, Art. 49 Abs. 1 St GB sowie Art. 51 StGB. 2. C.____ wird von der Anklage des gewerbsmässigen Dieb- stahls freigesprochen . 3. Die gegen den Beurteilten am 1. März 2011 von d er Staats- anwaltschaft Limmattal/Albis wegen mehrfachen, teilwei se versuchten Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruches bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, wovon 14 Ta- gessätze durch Haft erstanden sind, bei einer Probeze it von zwei Jahren, wird in Anwendung von Art. 46 Abs. 1 St GB voll- ziehbar erklärt. Im Falle der Nichtbezahlung der Geldstrafe und deren Uneinbringlichkeit auf dem Betreibungsweg tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 116 Tagen. 4. Der Beurteilte wird gestützt auf Art. 231 Abs. 1 lit. a StPO in Sicherheitshaft behalten. 5. Vom beschlagnahmten Bargeld werden € 30.-- B.____ ausgehändigt. Das restliche beschlagnahmte Bargeld, Fr. 90.-- und € 150.--, wird gemäss Art. 442 Abs. 4 in Verbin- dung mit Art. 268 StPO an die Verfahrenskosten gem. Ziff. 7 Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht angerechnet. 6. Der Beurteilte wird dazu verurteilt, B.____ Fr . 303.90 zu bezahlen. Die Mehrforderung wird auf den Zivilweg v erwie- sen. 7. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vor- verfahrens von Fr. 4'731.20, den Kosten des Zwangs- massnahmengerichts von Fr. 350.-- und der Gerichtsgebühr von Fr. 4'500.--. Der Beurteilte trägt die Verfahrenskosten in Anwendu ng von Art. 426 Abs. 1 StPO. 8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung in Höhe von Honorar Fr. 5'220.-- Auslagen Fr. 192.30 8% MwSt. Fr. 431.60 Total Fr. 5'843.90 werden aus der Gerichtskasse entrichtet." wird in Abweisung der Berufung des Beschuldigten und der An- schlussberufung der Staatsanwaltschaft vollumfänglich bestä- tigt . II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von Fr. 8'850.--, beinhaltend eine Urteilsgebühr von Fr. 8'500.-- sowie Auslagen von Fr. 350.--, gehen je zur Hälfte zu Lasten des Beschul- digten und zu Lasten des Staates. Die Kosten der amtlichen Verteidigung durch Advokatin Sonja Ryf in der Höhe von Fr. 6'137.50 (inkl. Auslag en), zuzüglich 8% MWSt (= Fr. 490.50), somit total Fr. 6'628.--, gehen zu Lasten des Staates. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin Manuela Illgen