B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5114/2010/mel U r t e i l v o m 9 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Walter Lang; Gerichtsschreiberin Mareile Lettau. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Monique Bremi, Beratungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. Juni 2010 / (…). D-5114/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der tadschikische Beschwerdeführer aus der Provinz Kabul reiste eig e- nen Angaben gemäss im Februar/März 2010 aus dem Heimatland auf dem Landweg über den Iran und die Türkei aus und am 27. April 2010 in die Schweiz ein, wo er gleichentags in B._______ ein Asylgesuch stellte. B. Am 11. Mai 2010 erhob das BFM im C._______ die Personalien des B e- schwerdeführers und befragte ihn summarisch zum Reiseweg und zu den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes. Gleichzeitig äusserte es ihm gegenüber seine Zweifel hinsichtlich seiner Altersangabe und teilte ihm mit, dass es angesichts seines physischen Erscheinungsbildes die behauptete Minderjährigkeit bezweifle und beabsichtige, zur Altersfes t- stellung eine radiologische Handknochen-Untersuchung durchzuführen. C. Am 20. Mai 2010 ging beim C._______ per Telefax ein ärztliches Schrei- ben gleichen Datums von Dr. med. D._______ und Dr. med. E._______ ein, dem zu entnehmen ist, dass eine radiologische Unters uchung der Hand des Beschwerdeführers durchgeführt und fest gestellt wurde, dass das Knochenalter 19 Jahre betrage in Abweichung vom angegebenen Al- ter von (…) Jahren und (…) Monaten. D. Am 26. Mai 2010 erfolgte eine Nachbefragung des Beschwerdeführers, in welcher ihm das rechtliche Gehör zu den Einzelheiten und dem Ergebnis der radiologischen Untersuchung mitgeteilt wurde, wonach es aufgrund der Anamnese und der Untersuchung keine Gründe für ein von der Norm abweichendes Knochenwachstum gebe und das mittels Handröntgenauf- nahme ermittelte Alter bei 19 Jahren liege. Die Abweichung zwischen a n- gegebenem Alter und Knochenalter liege mit (…) Monaten weit über der doppelten Standardabweichung von plus/minus 25,8 Monaten. Es stehe somit und auch wegen des äusseren Ersc heinungsbildes des Beschwer- deführers für das BFM fest, dass er nicht sein wahres Alter angegeben habe. Der Beschwerdeführer hielt an seiner Altersangabe fest und kü n- digte an, seine Tazkara einreichen zu wollen. Diese ging am 25. Mai 2010 beim BFM ein. E. Am 31. Mai 2010 hörte das BFM den Beschwerdeführer ohne Anwese n-D-5114/2010 Seite 3 heit einer Vertrauensperson zu den Asylgründen an und befragt e ihn hierbei, vor der Anhörung zur Sache , zur eingereichten Tazkara. Gleich- zeitig wurde ihm das rechtliche Gehör zur Tatsache gewährt, dass seine Minderjährigkeit als unglaubhaft befunden wurde. Zur Begründung seines Asylgesuches machte er geltend, er sei in F._______, Provinz Kabul, g e- boren, wo er zusammen mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern gelebt habe. Ungefähr im Jahr 2000 seien sein Vater und eine seiner Schwestern bei einer Bombenexplosion gestorben. Daraufhin sei seine Mutter, die den Lebensunterhalt der Familie als Lehrerin verdient habe, mit ihm und seiner anderen Schwester nach G._______, Provinz Kabul , gezogen. Er sei im Dorf H._______ in der Nähe seines Wohnortes etwa acht, neun Jahre lang zur Schule gegangen. Eines Tages sei er auf dem Weg zum Spielplatz zu sammen mit zwei Freunden von einem Auto angehalten worden, dem vier als Polizisten verkleidete und bewaffnete Taliban entstiegen seien, welche ihn und sei- ne beiden Freunde angehalten und in das Fahrzeug gedrängt hätten. Sie hätten sie an einen ihm unbekannten Ort , etwa vier Auto -Stunden en t- fernt, gebracht. Dort hätten sie die Polizeiuniformen ausgezogen und die Taliban-Kleidung sei zu sehen gewesen. Die Entführer hätten von ihnen verlangt, als Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürteln auf amerikan i- sche Ziele Anschläge zu verüben. Für ihren Märtyrertod sollten ihre Fami- lien anschliessend entlö hnt werden. Als sie sich geweigert hätten, seien sie misshandelt und voneinander getrennt worden. Er hätte aus dem Raum, in dem er an Händen und Füssen gefesselt festgehalten worden sei, Schreie seiner Freunde gehört . Einer der Entführer habe ihm mitge- teilt, seine Freunde hätten den Forderungen nachgegeben. Als er sich weiterhin geweigert habe, sei ihm mit der Tötung seiner Mutter und Schwester gedroht worden. Nach etwa zwei Tagen habe einer der Entfüh- rer ein Gespräch mit ihm angefangen und ihn nach seinem Vater und dessen Beruf gefragt. Er habe dem Entführer erzählt, dass dieser bei e i- ner Bombenexplosion ums Leben gekommen sei. Daraufhin habe der Mann, vermutlich aus Mitleid, seine Hand -Fesseln gelockert und ihm g e- sagt, er werde am nächsten Morgen die Zimmertür zur Flucht offen st e- hen lassen. Ihm sei es am nächsten Morgen gelungen, seine Fussfesseln zu lösen und zu fliehen. Er sei von dem Berg, auf dem sich das Haus b e- funden habe, gelaufen, bis er an einen ihm unbe kannten Basar gekom- men sei und weiter an eine Strasse, wo er ein Taxi angehalten habe, um sich nach Hause fahren zu lassen. Er habe dem Taxifahrer erzählt, was ihm widerfahren sei, weshalb dieser Mitleid mit ihm gehabt und ihn u m- sonst gefahren habe. Als seine Mutter aus der Schule gekommen sei, D-5114/2010 Seite 4 habe er ihr alles erzählt. Sie habe sofort in Panik seinen Onkel väterl i- cherseits angerufen und um Hilfe gebeten, was dieser aber abgelehnt habe. Sie solle selber entscheiden, was zu tun sei. Seine Mutter habe ihm daraufhin befohlen, nicht aus dem Haus zu gehen. Sie habe befürc h- tet, dass er erneut durch die Taliban entführt werde und habe Zeit g e- braucht, um ein Stück Land der Famil ie an seinem Geburtsort zu veräus- sern. Mit dem Geld seiner Mutter habe er schliesslich aus seinem Hei- matland fliehen können. Er habe mit Hilfe eines Schleppers die Grenze zum Iran passiert und sich zwei Wochen beim Schlepper in Teheran auf- gehalten, um dann weiter in die Türkei zu fliehen. Zusamme n mit einem anderen Flüchtling sei er im Laderaum eines Lastkraftwagens etwa vier Wochen auf der Fahrt in die Schweiz versteckt gewesen. F. Mit Verfügung vom 9. Juni 2010 – eröffnet am 14. Juni 2010 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen schaft nicht, und lehnte sein Asyl gesuch vom 27. April 2010 ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und forderte ihn – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsf all – auf, die Schweiz bis zum 4. August 2010 zu verlassen. G. Mit Eingabe vom 14. Juli 2010 (Datum Poststempel) erhob der Beschwer- deführer durch seine Rechtsvertreterin gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die angefocht e- ne Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vo r- instanz zurückzuweisen. Eventualiter sei er direkt gestützt auf die Akten als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren . Subeventualiter sei die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm die vorläufige Aufnahme zu g ewähren. In verfa h- rensrechtlicher Hinsicht beantragte er zudem, ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses zu verzichten. H. Mit Verfügung vom 2 8. Juli 2010 teilte d er damalige Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer mit, er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege, unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers, gut. Gleichzeitig ve r- zichtete er auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und forderte ihn D-5114/2010 Seite 5 auf, das in der Beschwerde in Aussicht gestellte Original -Beweismittel samt Zustellumschlägen und Übersetzung innert Frist einzureichen. I. Innert Frist liess der Beschwer deführer am 19. August 2010 (Postste m- pel: 22. August 2010) durch seine Rechtsvertreterin das Original einer fremdsprachigen von der Mutter des Beschwerdeführers gestellten Ver- misstenanzeige samt Zustellumschlag sowie deutscher Übersetzung ein- reichen. J. Im R ahmen des Schriftenwechsels hob das BFM m it Verfügung vom 11. August 2011 die Ziff ern 4 und 5 der Verfügung vom 9 . Juni 2010 auf und schob den Vollzug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit zu Guns- ten einer vorläufigen Aufnahme auf. Es stellte zudem fest, da ss der B e- schwerdeführer bei Aufhebung der vorläufigen Aufnahme die Schweiz – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – zu verlassen habe, und beauftragte den Kanton Schaffhausen mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme. K. Mit Verfügung vom 17. August 2011 ersuchte die neu zuständige Instruk- tionsrichterin den Beschwerdeführer um Mitteilung, ob er die Beschwerde vom 14. Juli 2010 zurückziehe, und hielt fest, dass bei ungenutzter Frist davon ausgegangen werde, dass er vollumfänglich an seinen Rechtsbe- gehren festhalte. L. Der Beschwerdeführer teilte durch seine Rechtsvertreterin innert Frist mit Schreiben vom 31. August 2011 mit, er halte an der Beschwerde fest, s o- weit sie nicht gegenstandslos geworden sei. M. Mit Verfügung vom 2. September 2011 w urde das BFM zur Einreichung einer Vernehmlassung im Asylpunkt eingeladen. In seiner Vernehmla s- sung vom 15. September 2011 hielt das BFM fest, die Be schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten, und beantrag- te die Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 20. September 2011 erhielt der Beschwerdeführer Replikrecht. D-5114/2010 Seite 6 N. Fristgerecht reichte der Beschwerdeführer am 5. Oktober 2011 eine Re p- lik zur Vernehmlassung des BFM vom 15. September 2011 ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nic ht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshal b das Bundesverwal- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Vorab ist die Frage der Prozessfähigkeit als Sachurteilsvoraussetzung von Amtes wegen zu prüfen ( FRITZ GYGI, Bundesverwal tungsrechts- pflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 73). Als verfahrensrechtliches Korrelat der Handlungsfähigkeit ist sie nach den einschlägigen zivilrechtlichen Vo r- schriften zu beurteilen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis sion [EMARK] 1996 Nr. 3 E. 2b S. 19). Sie setzt demnach Urteilsfähigkeit, Mündigkeit und das Fehlen ei - ner Entmündigung voraus (Art. 13 und 17 des Schweizerischen Zivilg e-D-5114/2010 Seite 7 setzbuches vom 10. Dezember 1907 [ZGB, SR 210] sowie Art. 35 i. V. m. Art. 20 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes vom 18. Dezember 1987 über das Internationale Privatrecht [IPRG, SR 291]). 2.2 In der Empfangsstelle gab der Beschwerdeführer an, er sei am (…) geboren (vgl. act. A1, S. 1). Danach wäre der Beschwerdeführer bei der Einreichung der vorliegenden Beschwerde vom 14. Juli 2010 (…) Monate alt und damit unmündig gewesen (vgl. Art. 14 ZGB). Ob das von ihm a n- gegebene Geburtsdatum den Tatsachen entspricht, was das BFM in der Verfügung vom 9. Juni 2010 bezweifelt, braucht im Rahmen der Prüfung der Eintretensvoraussetzungen nicht abschlies send erörtert zu werden. Zwar kann sich ein minderjähriger Beschwerdeführer grundsätzlich nur mit Zustimmung seines gesetzlichen Vertreters durch seine Handlungen verpflichten (Art. 19 Abs. 1 ZGB). Soweit urteils fähig, vermag er jedoch ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters selbständig Rechte ausz u- üben, die ihm um seiner Persönlichkeit willen zustehen (Art. 19 Abs. 2 ZGB). Das Einreichen eines Asylgesuches wie auch die Ergreifung von damit zusammen hängenden R echtsmitteln sind so genannt "höchstpe r- sönliche" Rechte, die ein nicht mündiger, aber urteilsfähiger Gesuchsteller ohne Zustimmung seines ge setzlichen Vertreters ausüben kann (vgl. BVGE E-3162/2011 Urteil vom 6. Dezember 2011 E. 4.3.2, EMARK 1996 Nr. 3 E. 2 S. 19 ff., EMARK 1996 Nr. 5 E. 4a -b S. 39 ff., EMARK 1996 Nr. 4 E. 2d S. 28 f.). Urteilsfähig ist jeder, dem es nicht wegen seines Kin- desalters oder infolge anderer Umstände an der Fähigkeit mangelt, ve r- nunftgemäss zu handeln (Art. 16 ZGB). Vorliegend b estehen aufgrund der Akten keinerlei Anhaltspunkte, die zu Zweifeln an der Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers in Bezug auf das Einreichen des Asylgesuches oder auf die Erhebung der vorliegenden Beschwerde Anlass geben wü r- den. Insbesondere vermitteln di e Befragungsprotokolle in den Akten den Eindruck, der Beschwerdeführer sei sich über den Sinngehalt der an ihn gerichteten Fragen im Klaren gewesen, habe sachbezogen darauf g e- antwortet und sich bei der Darlegung seiner Asylgründe und persönlichen Verhältnisse jederzeit von vernünftigen Überlegungen leiten lassen. Info l- gedessen ist von der Urteilsfähigkeit und damit von der Prozessfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. 2.3 Der Beschwerdeführer hat sodann am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehung s- weise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwer de legitimiert (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). D-5114/2010 Seite 8 2.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 3. 3.1 Es stellt sich die Frage, ob die in der Beschwerde erhobene Rüge zu- trifft, wonach das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers dadurch ve r- letzt ist, dass ihm als Minderjährigen für die Nachbefragung und Bundes- anhörung keine Vertrauensperson zugewiesen wurde. Der Beschwerdeführer gab bei der Befragung im Empfangszentrum an, er sei am (…) geboren (s.o.). Damit wäre er im vorinstanzlichen Verfa h- ren minderjährig gewesen. Einer urteilsfähigen, unbegleiteten und nicht vertretenen minderjährigen , also unt er 18 -jährigen, Person (vgl. Art. 1 Bst. d AsylV 1 i.V.m. Art. 14 ZGB; vgl. auch Art. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes [SR 0.107] ), der kein Vormund oder Beistand ernannt worden ist und die nicht entspr e- chende vormundschaftliche Massnahmen seitens der zuständigen kant o- nalen Behörden innert vernünftiger Frist zu erwarten hat, ist für die Dauer des Asylverfahrens eine rechtskundige Vertrauensperson beizuordnen, bevor die erste Anhörung zu den Asylgründen (Art. 29 AsylG bzw. Art. 36 Abs. 1 AsylG) durchgeführt wird (vgl. Art. 17 Abs. 3 AsylG; Art. 7 Abs. 3 und 5 AsylV 1; Art. 12 und 22 KRK; EMARK 1998 Nr. 13 ; 1999 Nr. 18 ; 2003 Nr. 1). Da Fragen zum Alter einfach zu beantworten sind und somit die Gefahr einer altersbedingten Überforderung ohne weiteres ausg e- schlossen werden kann, steht eine noch ohne Beiord nung einer Vertrau- ensperson bei der Erhebung der Personalien im Empfangszentrum durchgeführte, vorfrageweise Prüfung des Alters einer nicht auf den er s- ten Blick als minderjährig erkennbaren asylsuchenden Person nicht im Widerspruch zu den in EMARK 1998 Nr. 13 E. 4b S. 88 ff. entwickelten Grundsätzen betreffend das Verfahren mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (vgl. auch EMARK 2004 Nr. 30 S. 213). Dies muss auch – entgegen der Auffassung in der Beschwerdeschrift – für die Nachbefra- gung am 26. Mai 2010 gelten, in welcher dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zum Ergebnis der Knochenaltersanalyse gewährt wurde, da Gegenstand der Befragung auch hier leicht zu beantwortende Fragen nach dem Alter waren und es somit nicht einer Beiordnung einer Vertra u- ensperson bedurfte. Für den hypothetischen Fall, dass der Beschwerd e- führer zum damaligen Zeitpunkt tatsächlich minderjährig gewesen sein sollte, kann jedenfalls bei Angaben zu seiner Person un d insbesondere denjenigen nach dem Alter, die Gefahr einer altersbedingten Überford e-D-5114/2010 Seite 9 rung ohne weiteres ausgeschlossen werden (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.4.3 S. 213). 3.2 Fraglich ist aber, ob das BFM befugt war, die Anhörung am 31. Mai 2010 gemäss Art. 29 AsylG durchzuführen, ohne für den unbegleiteten Beschwerdeführer, der nach seinen Angaben bei der Anhörung minde r- jährig war, vorgängig eine Vertrauensperson zu ernennen. Nach Ansicht der Vorinstanz hat der Beschwerdeführer seine Minderjährigkeit nicht glaubhaft machen können, weshalb ihm keine Vertrauensperson beiz u- ordnen gewesen sei. 3.3 Es ist grundsätzlich zulässig, dass die Vorinstanz vorfrageweise über die Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend gemachten Minderjährigkeit befindet, wenn Zweifel an den Alte rsangaben der asylsuchenden Person bestehen, und gegebenenfalls das Verfahren, wenn die behauptete Mi n- derjährigkeit nicht glaubhaft wird, ohne Einhaltung der speziellen Verfa h- rensvorschriften zugunsten unbegleiteter minderjä hriger Asylsuchender durchführt. Mit Bezug auf das Beweismass, dem Altersangaben zu gen ü- gen haben, ist von der allgemeinen Regel von Art. 7 AsylG auszugehen, das heisst, die behauptete Minderjährigkeit muss zumindest glaubhaft e r- scheinen. Die Glaubhaftmachung des behaupteten minderjährig en Alters ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung in einer Abwägung sämtlicher An- haltspunkte, welche für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden A l- tersangaben sprechen, vorzunehmen; dabei gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. EMARK 2004 Nr. 3 0, E. 5.3.3 und 5.3.4 S. 209 f., mit weiteren Hinweisen). Die asylsuchende Person trägt nach Art. 8 ZGB die Beweislast und damit auch die Folgen der Beweislosigkeit (EMARK 2000 Nr. 19, E. 8b, S. 188; 2001 Nr. 23, E. 6c, S. 187). 3.4 Ergibt sich freilich nachträglich, dass die Vorinstanz zu Unrecht von der Unglaubhaftigkeit der behaupteten Minderjährigkeit ausgegangen und den Betreffenden fälschlicherweise als volljährigen Asylsuchenden b e- handelt hat, wird mithin nachträglich im Beschwerdeverfahren festgestellt, dass die Altersangaben der betreffenden Person und damit die von ihr geltend gemachte Minderjährigkeit als glaubhaft zu erachten sind, ihr aber vor der Anhörung zu den Asylgründen keine Vertrauensperson be i- geordnet worden ist, hat dies die Kassation des vorinstanzlichen En t- scheids wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Folge (EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.4.5 S. 214, mit weiteren Hinweisen). D-5114/2010 Seite 10 4. 4.1 Die Vorinstanz begründete ihre Auffassung, wonach der Beschwerde- führer volljährig sei, wie folgt: Der Beschwerdeführer habe von Beginn an geltend gemacht, er sei am (…) geboren worden. Aufgrund des Augen- scheins und der Aussagen hätten ernsthafte Zweifel an der behaupteten Minderjährigkeit bestanden. Es sei eine Handknochenunter suchung durchgeführt worden, die ein Skelettalter von 19 Jahren ergeben habe. Nach den Angaben des Beschwerdeführers sei er b ei der Untersuchung (…) Jahre und (…) Monate gewesen. Da die Abweichung zwischen a n- gegebenem Alter und Knochenalter weit über der in EMARK 2000 Nr. 19 festgelegten Sicherheitsmarge von zweieinhalb bis drei Jahren liege, gel- te das Abklärungsergebnis als "a nderes Beweismittel" im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG und daher sei der Nachweis der versuchten Identi- tätstäuschung erbracht (siehe unter anderem EMARK 2011 Nr. 23.). Da- her sei die Minderjährigkeit als unglaubhaft zu qualifizieren. Der Bewei s- wert der später nachgereichten Tazkara sei äusserst gering. Ein derart i- ges Dokument sei erfahrungsgemäss käuflich zu erwerben und leicht zu fälschen. Auch die Widersprüche in den Aussagen des Beschwerdefüh- rers zur Tazkara indizierten, dass es sich um eine Fälsc hung handle. Die Angaben zum Ausstellungsdatum der Tazkara seien widersprüchlich, auch unterscheide sich das in der Tazkara eingetragene Geburtsdatum von seinen mündlichen Angaben. 4.2 In der Rechtsmittelschrift wurde der Meinung des BFM, das angeg e- bene Alter des Beschwerdeführers liege ausserhalb der in EMARK 2000 Nr. 19 festgelegten Standardabweichung von zweieinhalb bis drei Jahren, widersprochen. Der Beschwerdeführer berufe sich nämlich auf seine Taz- kara und das in dieser angegebene Geburtsdatum (…). Mit (…) zum Zeitpunkt der Knochenaltersbestimmung liege das Alter somit innerhalb der genannten Standardabweichung. In den Befragungen habe der B e- schwerdeführer stets ausgesagt, im Jahr (…) geboren worden zu sein , auch auf dem Personalblatt in der Emp fangsstelle habe er nicht das Ge- burtsjahr 1992 angegeben, wie in der Anhörung kritisiert. So habe er sich auch geweigert, beim Protokoll der Befragung zur Person die erste Seite zu unterschreiben, auf welcher s ein Geburtsdatum mit (…) angegeben gewesen sei. Da sich der Beschwerdeführer weder mit dem gregorian i- schen, noch mit dem afghanischen Kalender gut auskenne, habe er M o- nat und Tag verwechselt und versehentlich statt des (…) den (…) als sein Geburtsdatum angegeben. Diesen Irrtum habe er bei der Anhörung auch deutlich erklärt. Das Geburtsdatum nach dem afghanischen Kalender h a- be er vergessen, da er dem Datum keine Relevanz beigemessen habe. D-5114/2010 Seite 11 Aus diesen Gründen hätte die Vorinstanz ihm im Zeitpunkt der Nachb e- fragung und Bundesanhörung eine Vertrauensperson zuweisen müssen. Wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs und einer auszuschliessenden Heilung des Verfahrensmangels sei die vorinstanzlichen Verfügung zu kassieren. 4.3 Das BFM ergänzte in der Vernehmlassung zur Frage der Beiordnung einer Vertrauensperson, weitere Ungereimtheiten in der Anhörung hätten die Einschätzung b estätigt, dass es sich bei der T azkara um eine Fä l- schung handeln müsse. Auch wäre zu erwarten gewesen, dass der B e- schwerdeführer sein Geburtsdatum auch nach dem in seinem Heimatland geltenden Ka lendersystem kenne. Zudem seien die Schilderungen der Umstände der Ausreise in die Schweiz unsubstantiiert und offensichtlich realitätswidrig. So sei es höchst unwahrscheinlich, dass der Beschwerd e- führer ab der iranisch-türkischen Grenze etwa einen Monat i m Laderaum eines LKWs gewesen sei, ohne diesen zu verlassen und hierbei nur ein i- ge Male mit Essen und Trinken versorgt worden und zudem nie in ei ne Kontrolle geraten zu sein. Auch sei zu erwarten, dass er nach einem ein- monatigen Aufenthalt im LKW mehr berichten könne über diese Zeit , als dass er und sein Mitfahrer den ganzen Tag geschlafen hätten. Es sei falsch, dass sich der Beschwerdeführer geweigert habe, die erste Seite des Protokolls der Empfangsstellenbefragung zu unterschreiben, viel- mehr habe es sich um das Protokoll der Anhörung gehandelt. 4.4 In der Replik wurde entgegnet, der Beschwerdeführer habe ausg e- führt, er sei während der LKW -Fahrt jeweils mit einem Vorrat an Proviant und Wasser versorgt worden. Auch sei es nicht unwahrscheinlich, dass eine Person, die so viel Zeit in einem geschlossenem LKW verbringe, b e- richte, nichts B esseres zu tun gehabt zu haben, als den ganzen Tag zu schlafen. 4.5 Dem BFM ist Recht zu geben, dass die behauptete Minderjährigkeit des Beschwerdeführers unglaubhaft erscheint. In erster Linie werden bei der Feststellung der Glaubhaftigkeit der Minderjährigkeit eines Asyls u- chenden die eingereichten Identitätsdokumente gewürdigt. Vorliegend reichte der Beschwerdeführer aber bei der Befragung zur Person keine Identitätspapiere ein. Bereits zu dem Zeitpunkt machte das BFM Zweifel an den Altersangaben aufgrund des äusseren Erscheinungsbildes des Beschwerdeführers geltend und kündigte eine Handknochen - Untersuchung an (vgl. act. A1, S. 2). D-5114/2010 Seite 12 4.6 Liegen keine schlüssigen Identitätsdokumente vo r, wie hier zum Zei t- punkt der Em pfangsstellenbefragung, fallen mit Blick auf die Altersfes t- stellung als Beweismittel sodann Abklärungsergebnisse in Betracht, we l- che auf "wissenschaftliche Methoden" im Sinne von Art. 7 Abs. 1 AsylV 1 abstellen. In der Praxis des B FM handelt es sich dabei in der Regel um so genannte Knochenaltersanalysen. Ungeachtet der beweisrechtlichen Einordnung dieser durch eine Fachperson erstellten Analysen sowie der formellen Anforderungen, welchen sie zu genügen haben, um überhau pt als Entscheidgrundlage zu taugen, ist festzuhalten, dass derartigen A b- klärungsergebnissen nur ein äusserst beschränkter Beweiswert zukommt. Nach der Rechtsprechung wird eine Knochenaltersanalyse als "anderes Beweismittel" im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst . b AsylG gewertet, sofern die Abweichung zwischen dem festgestellten Knochenalter und dem b e- haupteten (chronologischen) Alter drei Jahre übersteigt (vgl. EMARK 2001 Nr. 23, E . 4, S. 186 ); dies bedeutet indessen nicht mehr als die Feststellung, dass über das wahre Alter getäuscht wurde. Hinsichtlich der Frage, ob eine Person das 18. Altersjahr tatsächlich bereits erreicht hat, sind aufgrund einer Knochenaltersanalyse demgegenüber keine wisse n- schaftlich zuverlässigen Aussagen möglich. Eine entsprechende Schluss- folgerung lässt sich insbesondere auch dann nicht ziehen, wenn aufgrund einer Knochenaltersanalyse der Abschluss des Knochenwachstums und damit ein so genanntes Knochenalter von 19 Jahren und mehr festgestellt worden ist, kann doch dies durchaus auch bei Personen mit einem ta t- sächlichen Alter von wesentlich weniger als 18 Jahren der Fall sein, ohne dass sie sich ausserhalb des statistischen 90 -95%-Normalbereichs b e- wegen würden (vgl. EMARK 2000 Nr. 19, E. 7c, S. 187). Ein festgestelltes Knochenalter von 19 Jahren vermag deshalb höchstens ein - schwaches - Indiz für die Volljährigkeit der betreffend en Person zu bilden; nur so ist auch die Feststellung in EMARK 2001 Nr. 23 zu verstehen, wonach die Knochenaltersanalyse keine Hinweise auf eine Minderjährigkeit des B e- schwerdeführers erg ibt, sondern im Gegenteil dessen Volljährigkeit als "wahrscheinlich" habe erscheinen lassen (vgl. a.a.O., E. 6c, S. 187). 4.7 Vorliegend hat das BFM zu Recht festgestellt, dass der Beschwerd e- führer über sein Alter getäuscht hat, liegt das in der Empfangsstellenb e- fragung und bei der Nachbefragung, in welcher ihm das rechtliche Gehör zum Untersuchungsergebnis gewährt wurde, angegeben Alter doch aus- serhalb der Sicherheitsmarge von zweieinhalb bis drei Jahren. Schliess- lich hat der Beschwerdeführer durchgehend behauptet, er sei am (…) ge- boren, weshalb er zum Zeitpunkt der H andknochen-Untersuchung (…) gewesen sein müsste. Dass er später in der Anhörung , mit de m in der D-5114/2010 Seite 13 Tazkara eingetragenen Geburtsdatum konfrontiert, aussagt, er habe Tag und Monat verwechselt (vgl. act. A13, S. 10), lässt sich mit den vorheri- gen Angaben nicht vereinbaren, wie das BFM zu R echt feststellt. Aller- dings geht es im vorliegenden Fall n icht u m die Voraussetzungen der Täuschung übe r die Identität, sondern um di e Glaubhaftmachung der Minderjährigkeit nach den allgemei nen R egeln der Glaubhaftmachung. Dem Vorhalt in der Rechtsmitteleingabe gegenüber der Handknochen- analyse ist insofern zuzustimmen, dass ei ner solchen Analyse in Bezug auf die Bestimmung der Minderjährigkeit, wie bereits erwähnt, nur ein ge- ringer Beweiswert zukommt. Zwar ist eine wissenschaftlich zuverlässige Aussage, ob jemand die Volljährigkeit von 18 Jahren erreicht hat, au f- grund einer Knochenaltersanalyse nicht möglich. Da sich das festgestellte Knochenalter aber ausserhalb der Sicherheitsmarge befindet, lässt die Analyse die Volljährigkeit "wahrscheinlich" erscheinen (s.o.). 4.8 Zudem hat das BFM aufgrund vieler anderer Aspekte darauf g e- schlossen, die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Anhörung vom 31. Mai 2010 sei als unglaubhaft zu erachten. So hat das BFM den Beschwerdeführer bereits in der Befragung zur Pe r- son aufgrund seines äusseren Erscheinungsbildes für volljährig gehalten (vgl. Art. 12 Bst. d VwVG). Allgemein lässt das Erscheinungsbild eines Beschwerdeführers nur grobe Schätzungen zu; für die Alterskategorie von Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren, also auch im Falle des Beschwerdeführers, kommt dem Augenschein kaum praktische Bede u- tung zu, da in diesem Alter eine Schätzung extrem schwierig ist (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.3 S. 211). 4.9 Angesichts des geringen Beweiswertes der beiden zuletzt genannten Beweismittel kommt bei der vorfrageweisen Prüfung des Alters einer ihre Minderjährigkeit behauptenden asylsuchenden Person der Würdigung i h- rer eigenen Angaben, die sie einerseits zu ihrem Alter selbst, andererseits zur unterbliebenen Abgabe von Identitätspapieren macht, in aller Regel entscheidende Bedeutung zu. Dazu ist sie bereits bei der Erhebung der Personalien in der Empfangsstelle (vgl. Art. 26 Abs. 2 AsylG) zu befragen. Bei den betreffen den Angaben handelt es sich um Parteiauskünfte im Sinne von Art. 12 Bst. b VwVG, die frei auf ihre Glaubhaftigkeit hin zu würdigen sind (vgl. R. RHINOW, Öffentliches Prozessrecht und Grundzüge des Justizverfassungsrechts des Bundes, Basel/Frankfurt a.M. 19 94, Rz. 888; vgl. auch EMARK 1994 Nr. 13, E. 3b, S. 114). D-5114/2010 Seite 14 Neben den individuellen Lebensumständen werden bei der vorfragewe i- sen Prüfung des Alters auch offensichtlich unzutreffende Aussagen über den Reiseweg als Indiz gewertet, was den Beweiswert der Aussagen über das Alter reduziert (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.4.4). So hat das BFM in seiner Replik zu Recht darauf hingewiesen, dass es unrealistisch erscheint, der Beschwerdeführer sei bei seiner etwa einmo- natigen Ausreise mit dem LKW ab der iranisch -türkischen Grenze nie kontrolliert worden (vgl. act. A1, S. 9). 4.10 Auch ist das BFM in der angefochtenen Verfügung zu Recht davon ausgegangen, dass die zum Gegenbeweis nach der Empfangsstellenbe- fragung eingereichte Tazkara nicht ge eignet ist, die Minderjährigkeit glaubhaft erscheinen zu lassen, da ernsthafte Zweifel an ihrer Echtheit bestehen. Zwar kann nicht schon allein aufgrund der Tatsache, dass es sich um ein leicht zu fälschendes Dokument ohne Sic herheitsmerkmale handelt, der Schluss gezogen werden, es handle sich von vornherein nicht um ein g e- eignetes Identitätspapier zum Identitätsnachweis (vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. Februar 2009 D-4472/2008). Allerdings ergeben sich, wie zu Recht in der Verfügung des BFM festg e- stellt und in der Replik bekräftigt, einige Unklarheiten hinsichtlich der Taz- kara, mit denen der Beschwerdeführer in der Anhörung vorab konfrontiert wurde. So hat der Beschwerdeführer in der Erstbefragung ausgesagt, seine Tazkara befinde sich zu Hause bei seiner Mutter, sein Vater habe sie nach seiner Geburt beantragt und erhalten (vgl. act. A1, S. 4, 5). Auch in der Bundesanhörung bekräftigt er nochmal s, sei n Vater habe sie zu Lebzeiten ausgestellt, er besitze nur eine Tazkara, nicht mehrere (vgl. act. A13, S. 2). Insofern verwundert es, dass sich auf der Tazkara ein aktue l- les Foto des Beschwerdeführers befindet und als Ausstellungsdatum der (…) vermerkt ist. Auf die Frage nach dem aktuellen Foto antwortet e er in der Bundesanhörung sodann, wahrscheinlich habe seine Mutter eine neue ausstellen lassen, da s eine alte abhanden gekommen sei ( vgl. act. A13, S. 3). Dies sei nach seiner Ausreise geschehen, er habe näm lich nicht gewusst, dass seine Mutter eine neue Tazkara habe beantragen müssen und hätte sie ansonsten mitbringen müssen (vgl. act. A13, S. 3). Allerdings kann er auch nicht erklären, dass das Ausstellungsdatum der angeblich nach seiner Ausreise, die nach dem 20. März 2010 erfolgt sei, ausgestellten Tazkara (…) lautet (vgl. act. A13, S. 10). Auch erstaunt es, D-5114/2010 Seite 15 dass der in der Tazkara angegebene Geburtsort das Dorf I._______ ist, er aber in F._______ geboren sei (vgl. act. A1, S. 1) und erst mit den u n- terschiedlichen Aussagen konfrontiert, Erklärungen zu einer genaueren Bezeichnung seiner Geburts- und Wohnsitzadresse macht, die ihm vorher nicht eingefallen sind (vgl. act. A13, S. 10). Auch vermögen die Erkläru n- gen in der Beschwerde nicht zu überzeugen, warum d er Beschwerdefüh- rer laut Tazkara-Eintrag am (…) geboren sein soll, aber durchgehend – auch in der Nachbefragung vom 26. Mai 2010 – behauptet hat, er sei am (…) geboren (vgl. act. A13, S. 10). So hat der Beschwerdeführer in den Befragungen nicht nur immer übereinstimmend ausgesagt, im Jahr (…) geboren worden zu sein, sondern konkret im Oktober (…). Dass er , mit dem Geburtsdatums -Eintrag in der Tazkara konfrontiert, auf einmal b e- hauptet, er habe M onat und Tag verwechselt (vgl. act. A13, S. 10), übe r- zeugt schon deshalb nicht, weil er vorher an anderer Stelle bei der Frage nach dem Geburtsdatum angibt, er habe beim P ersonalienblatt vers e- hentlich den (…) beim Geburtsdatum statt den (…) aufgeschrieben (vgl. act. A13, S. 4), womit er genau eine umgekehrte Verwechselung (und zu- sätzlich einen anderen Tag, statt des (…) den (…)) vorbringt. Gleichzeitig ist aber wenig früher plötzlich die Rede vom (…) nach dem afghanischen Kalender, was dem (…) entsprechen w ürde, das Geburtsjahr kenne er nicht (vgl. act. A13, S. 4). Wieso er dieses Datum nach dem afghanischen Kalender nennt, aber gleichzeitig an dem Datum (…) festhält und vor- trägt, das Datum nach dem afghanischen Kalender nicht zu kennen, e r- schliesst sich nic ht. Zumal das BFM zu Recht in der Replik eingeworfen hat, das s zu erwarten gewesen wäre, dass er sein Geburtsdatum auch nach dem in seinem Heimatland geltenden Kalendersystem (vgl. act. A1, S. 1) kennt und sich dieses merken kann. Immerhin ist anzumerken, dass er gemäss eigenen Angaben acht Jahre lang zur Schule gegangen sein will (vgl. act. A1, S. 3), weshalb dies vorauszusetzen wäre. 4.11 Damit ist die behauptete Minderjährigkeit nach der Befragung zur Person vom 11. Mai 2010 unbewiesen geblieben und von ihm auch we- der im weiteren Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens, in der Nachb e- fragung vom 26. Mai 2010 und der Bundesanhörung vom 31. Mai 2010 , in welcher er vorab zur nachträglich eingereichten Tazkara befragt wurde, noch im Beschwerdeverfahren glaubhaft gemacht worden. Da der B e- schwerdeführer im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens nichts vorgebracht hat, das seine Angaben zu sei nem Alter glaubhaft e r- scheinen liesse, besteht vor diesem Hintergrund für das Bundesverwa l- tungsgericht kein Anlass, im Verzicht des BFM auf die Ernennung einer Vertrauensperson vor der Durchführung der Anhörung gemäss Art. 29 D-5114/2010 Seite 16 AsylG am 31. Mai 2010 eine Verletzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör zu erblicken, die angefochtene Verfügung mit dieser Begründung zu kassieren und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück- zuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Na chteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, d en Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plau sibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesen t- lichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik ent - behren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die ges uchstellende Person pe r- sönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel ab- stützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswech - selt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduzie rtes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachve r- haltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überwiegen oder nicht. D-5114/2010 Seite 17 Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. EMAR K 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f., BVGE 2010/57 E. 2.3). 5.4 Das BFM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, bei der b e- haupteten Verfolgung würde es sich um Übergriffe D ritter handeln, we l- chen es an Asylrelevanz fehle, zudem hielten die Vorbringen den Anfo r- derungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand. Die afghanischen Behörden seien im vorliegend betroffenen Grossraum Kabul grundsätzlich schutzfähig und schutzwillig. Da d er Beschwerdefüh- rer aber den Übergriff durch die Taliban nicht angezeigt habe, hätten die Behörden nicht die Möglichkeit gehabt, ihm Schutz zu bieten. Auch hätte ein Wegzug zu den Verwandten nach Kabul oder J._______ als inne r- staatliche Fluchtalternative bestanden. Es erscheine vor dem Hintergrund der geschilderten perfekt organisierten Entführung der als Polizisten verkleideten Taliban, die ihre Opfer als Selbstmordattentäter hätten einsetzen wollen, realitätsfremd, dass ihm ein Entführer aus Mitleid zur F lucht verholfen haben soll. Erst nach mehrmaliger Nachfrage habe der Beschwerdeführer versucht, seine Frei- lassung damit zu erklären, dass es sich bei seinem Befreier vermutlich um den Koch der Entführer und nicht um einen der Entführer gehandelt habe. Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass sich der Beschwerdeführer nach der Flucht nach Hause begeben haben soll und sich dort eine W o- che aufgehalten habe, hätte er doch damit rechnen müssen, dort als er s- tes gesucht zu werden. Stattdessen wäre z u erwarten gewesen, dass er sich bis zu seiner Ausreise an einem sicheren Ort versteckt hätte, be i- spielsweise bei den Verwandten in Kabul oder J._______. Auch sei seine Erklärung, er habe keine Anzeige bei der Polizei erstattet, da die Polizei eng mit den Taliban zusammenarbeite, als realitätsfremd zu bezeichnen. Der Schilderung der Entführung mangele es an Detailreiche und Su b- stanz. Der Beschwerdeführer habe weder den Ort benennen können, an dem er festgehalten worden sei, ob gleich er von dort mi t einem Taxi zu- rückgefahren sei , noch die Entführer mehr als bruchstückhaft beschre i- ben können, obwohl er zwei bis drei Tage von ihnen festgehalten und be- droht worden sei. Widersprüchlich seien die Aussagen hinsichtlich de s- sen, wie viele der Entführer ihre Polizeiuniformen am Entführungsort aus- gezogen hätten und ob sich der Beschwerdeführer auf einen Haufen Koh- le oder Holz in seiner Zelle habe setzen müssen. Auch die Aussagen zu r vermeintlichen Belohnung der Familien der Entführten für die geplanten D-5114/2010 Seite 18 Selbstmordattentate und die Schilderungen der Umstände der Flucht mit dem Taxi wiesen Widersprüche auf. 5.5 Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, er habe sich in allen Aussagen übereinstimmend zur Person des Fluchthelfers geäus- sert und stets klar, detailliert und ohne Zögern auf Fragen geantwortet. Es sei nachvollziehbar und vernünftig, dass er zuerst nach Hause gegangen sei, um sich zu vergewissern, dass seinen Familienangehörigen nichts geschehen sei. Die s sei angesichts dessen, d ass die Entführer ihm g e- droht hätten, sich an seiner Familie zu rächen, sollte er sich weigern, als Selbstmordattentäter zu operieren, nachvollziehbar. Auch sei er auf Anra- ten seiner Mutter, die vor der Flucht erst einmal die nötigen Finanzmittel habe beschaffen müssen, aus Vernunftsgründe n zu Hause geblieben. Hinzuweisen sei auch auf die erhebliche Entfernung zwischen Kabul und J._______ und die schlechte Sicherheitslage im Norden des Landes. Es sei vor dem Hintergrund dessen, dass die Polizei in Afghanistan als ko r- rupt zu bezeichnen sei u nd es eine Durchmischung von Polizei und Tal i- ban gebe, nachvollziehbar, dass er keine Anzeige bei der Polizei gemacht habe während seines Aufenthaltes im Heimatland. Seine Mutter habe aber auf seine Bitte hin eine Anzeige bei der Polizei gemacht . Es sei plausibel, dass er sich bei der Taxifahrt darauf konzentriert habe, nach Hause zu kommen und sich daher nicht nach dem Ort der Gefange n- schaft erkundigt habe. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz habe er die Äusserlichkeiten der Entführer und sein persönliches Erleben der Entfü h- rung ausführlich beschrieben. Es sei zu betonen , dass die Befragung s- methode des BFM in der Anhörung merkwürdig gewesen sei, da er auf- gefordert worden sei, seine Ausreisegründe vom Ende ausgehend zu e r- zählen, was ihn verständlicherweise verwirrt habe. Auch sei seine Aussa- ge, zwei der Taliban -Entführer seien glattrasiert gewesen, entgegen der Ansicht des BFM nicht als unbedacht zu werten, da angesichts der Ve r- kleidung mit der Polizei -Uniform davon auszugehen sei, diese hätten nicht a ls Taliban erkannt werden wo llen und sich daher absichtlich zur Unkenntlichmachung rasiert. Auch die vermeintlichen Widersprüche in den Aussagen dazu, wer von den Entführern nach Ankunft am Entfü h- rungsort d ie Uniform au sgezogen habe, bestünden n icht. Er habe am Entführungsort zudem auf Holzscheiten gesessen und nicht von Kohle gesprochen, hierbei müsse es sich um einen Übersetzungsfehler ha n- deln. Auf die Fragen nach den Umständen zur versprochenen Belohnung der Taliban und zur Flucht mit dem Taxi habe er klar und schlüssig g e- antwortet. Auch seien seine Angaben zum Wohnort und seiner genauen Adresse nicht als widersprüchlich zu werten. Hinsichtlich der Argumenta-D-5114/2010 Seite 19 tion der Vorinstanz, die afghanischen Behörden se ien grundsätzlich fähig und willig, Schutz bei nichtstaatlicher Verfolgung zu gewähren, sei zum einen auf die Korruptio n der Polizei zu verweisen und zum anderen da r- auf, dass seine Mutter mittlerweile Anzeige bei der Polizei gegen die u n- bekannten Entführer erstattet habe. Der Aufenthaltsort der beiden mit ihm entführten Freunde sei ihm unbekannt und es sei zu unterstreichen, dass die in Kabul lebende Tante kein e Möglichkeit habe, ihm eine Unterkunft anzubieten. Zudem habe sich die Sicherheitslage in Afghani stan ve r- schlechtert. Die Anforderungen an den Nachweis eines real existierenden Beziehungsnetzes seien auch in der neueren Rechtsprechung des Bu n- desverwaltungsgerichtes wiederholt verdeutlicht worden. Der Auffassung des BFM, wonach er durch einen Wegzug zu seinen Verwandten über ei- ne inländische Fluchtalternative verfüge, sei eindeutig zu widersprechen. Durch die Anzeige der Mutter bei der Polizei sei er wahrscheinlich bei den Taliban bekannt. Diese dürften auch in der Lage sein, ihn in einem ande- ren Landesteil aufzuspüren. Auch würde ihm bei einer Rückkehr Gefahr von Seiten des Staates drohen, da Kinder von staatlichen Behörden g e- fangengenommen würden unter dem Vorwurf des Zusammenwirkens mit bewaffneten Gruppen. 5.6 In seiner Vernehmlas sung hielt das BFM daran fest, dass die U m- stände der angeblichen Freilas sung vor dem Hintergrund der perfekt o r- ganisierten Entführungsaktion i nsgesamt konstruiert und realitätsfremd erschienen. Auch stellten die dauernden Wiederholungen in den Auss a- gen des Beschwerdeführers nicht, wie von der Beschwerdeseite behau p- tet, ein Indiz für deren Glaubhaftigkeit dar. Vielmehr falle die Stereotypie seiner Aussagen negativ auf. Die Befragungsmethode, die Ausreisegrü n- de rückwärts vom Ende her zu erzählen, sei für eine Person, die diese tatsächlich erlebt habe, nicht verwirrend. Es handle sich bei der Methode um ein bekanntes und erprobtes Element der Glaubhaftigkeitsprüfung. Der eingereichten Anzei genbestätigung komme keinerlei B eweiswert zu, zumal sie nur auf Bitten d es Beschwerdeführers, der sich schon in der Schweiz befunden habe, zustande gekommen sei. Auch müsse das Vor- gehen der Mutter, gegenüber den afghanischen Behörden zu behaupten, ihr Sohn sei seit der angeblichen Entführung verschollen und sie sei auf der Suche nach ihm, als fragwürdig bezeichnet werden. Auch erscheine es befremdlich, dass die Rechtsvertreterin diese Anzeige als Mittel nutze, die vermeintliche Gefährdung des Beschwerdeführers noch zu steigern. Selbst bei Unterstellung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen sei festzuhal- ten, dass es den behaupteten Nachteilen vorliegend an einem asylrel e- vanten Verfolgungsmotiv und an Zielgerichtetheit fehle, habe der B e-D-5114/2010 Seite 20 schwerdeführer doch selbst ausgeführt, er und seine Freunde seien Z u- fallsopfer der Entführung gewesen. Es sei im Übrigen auch nicht erken n- bar, inwieweit der Beschwerdeführer in Zukunft derartige Nachteile zu befürchten habe, habe seine Flucht doch anscheinend bisher keinerlei negative Auswirkungen auf seine Angehörigen gehabt. 5.7 In seiner Replik inf ormierte der Beschwerdeführer, er erreiche seit e t- wa drei Monaten seine Familie telefonisch nicht mehr und sei darüber sehr beunruhigt. Beim letzten Telefongespräch habe sich die Mutter mit seiner Schwester beim Onkel befunden, um sich und insbesondere die Tochter vor Reflexverfolgung in Sicherheit zu bringen. Die Anzeige bei der Polizei sei für die Familienangehörigen ein Mittel gewesen, sich vor Re- flexverfolgung zu schützen. Es sei ungerechtfertigt, dem eingereichten Beweismittel keinerlei Beweiswert zu a ttestieren. Die Vorhalte der Vori n- stanz, wonach es unglaubhaft sei, dass er wie geschildert etwa einen Monat im Laderaum eines LKW ab der türkisch -iranischen Grenze ve r- bracht habe, ohne diesen zu verlassen, sei auf seine Ausführungen zu verweisen, wonach er ausreichend mit Proviant versorgt worden sei wäh- rend der Fahrt. Auch sei es angesichts dessen, dass er so lange im g e- schlossenen LKW gewesen sei, nachvollziehbar, dass er über seine Zeit nicht mehr berichten könne, als dass er und sein Begleiter die ganze Zeit geschlafen hätten. Dem Zweifel des BFM an der Möglichkeit der Flucht sei entgegenzuhalten, dass selbst bei gut geplanten Entführungen Flucht- versuche gelingen könnten, wie die Realität beweise. 5.8 Das BFM hat die Frage der Asylrelevanz verneint, weil es der Me i- nung war, der Beschwerdeführer hätte die Möglichkeit gehabt, sich schutzsuchend an die Behörden, die im Grossraum Kabul grundsätzlich schutzwillig und schutzfähig seien, zu wen den. Dem ist jedoch zu en t- gegnen, dass das Bundesverwaltungsgericht im Urteil BVGE 2011/7 zu Afghanistan unter anderem festhielt, dass insbesondere bei Entführu n- gen, deren Zahl im Vergleich zu den vergangenen Jahren stark angestie- gen sei, die kriminellen Banden mit den Aufständischen und oftmals auch mit korrupten Polizisten zusammenarbeiteten. Die afghanische Polizei erweise sich bisher als unfähig oder nicht willens, die Zahl der Entführun- gen einzudämmen und wirksam gegen diese Art von organisierter Krimi- nalität vorzugehen (vgl. a.a.O. E. 9.5.3.). Sollte der Beschwerdeführer al- so tatsächlich Entführungsopfer geworden sein, könnte er sich vor dem Hintergrund der aktuellen Lagebeurteilung kaum auf die vom BFM ange- rufene Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit der Sicherheitsbehörden vor Ort verlassen. Indessen weist das BFM in seiner Replik zu Recht darauf D-5114/2010 Seite 21 hin, dass es der behaupteten Verfolgung an einem asylrelevanten Verfo l- gungsmotiv fehlt, sollen der Beschwerdeführer und seine Freunde doch rein zufällig Entführungsopfer geworden sein. 5.9 Allerdings besteht aufgrund der Akten kein Anlass zur Annahme, der Beschwerdeführer sei vor seiner Ausreise aus Afghanistan tatsächlich das Opfer einer Entführung durch die Taliban geworden, da – wie nach- folgend aufgezeigt - seine Vorbringen auch vom Gericht als unglaubhaft gewertet werden. So weist das BFM zu Recht auf die zahlreichen Widersprüche in den Aussagen des Beschwerdeführers hin. In der Erstbefragung sagt e der Beschwerdeführer aus, nach der Ankunft am Entführungsort hätten alle vier Entführer ihre Polizisten-Uniformen ausgezogen, bei der Anhörung gab er jedoch zu Protokoll, dass dies nur einer der Männer getan habe (vgl. act. A1, S. 6; A13, S. 13). Die Erklärung in der Beschwerde, erst in der Anhörung habe der Beschwerdeführer detailgetreuer antwort en kön- nen, bei der Befragung zur Person sei er dazu nicht in der Lage gewesen, überzeugt nicht. Einmal heisst es in den Antworten des Beschwerdefü h- rers, die Entführer hätten als Gegenleistung für die Selbstmordattentate zur Belohnung für die Familien nur etwas Geld versprochen, später sagt er, es sei viel Geld für die Familien in Aussicht gestellt worden, sogar die Versorgung der Familien bis ans Lebensende (vgl. act. A1, S. 6; A 13, S. 14). Auf Vorhalt der unterschiedlichen Aussagen wiederum erklärt er, die Taliban hätten ihm zwar was versprochen, aber dann wohl nichts b e- zahlt (vgl. act. A13, S. 18). Auch sind die Versionen zur Befreiung und Flucht sind in der Erst- und Zweitbefragung, entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift, unterschiedlich: In der Erstanhörung heisst es, der Entführer, der ihm morgens die Tür zur Flucht geöffnet habe, habe am Abend vorher nur seine Handfessel ein wenig gelockert, die Füsse seien aber noch gefesselt gewesen. Er habe sie selber befreien müssen aus der Fessel. In der Bundesanhörung heisst es aber, der Entführ er habe später in der Nacht seine Fesseln gelockert, so dass der Beschwerdefü h- rer später zur vorausgesagten Morgenstunde habe aufspringen und fli e- hen können. Nach dieser Version waren die Füsse dann also ansche i- nend nicht mehr gefesselt gewesen (vgl. act. A1, S. 6, A13, S. 13). Einmal ist auch nur von dem verein barten Zeitpunkt fünf Uhr morgens die Rede, dass andere Mal klopft der Entführer aber vorher sogar noch an die Tür als Zeichen, dass der Fluchtzeitpunkt gekommen sei (vgl. act. A1, S . 6, A13, S. 13). Auch ist es unklar, wer dieser Entführer sein soll. Erst ist von "diesem Taliban" die Rede, in der zweiten Anhörung auch von "einem von D-5114/2010 Seite 22 ihnen" (vgl. act. A13, S. 13), später sagt er jedoch aus, es sei zwar ein Ta- liban gewesen, aber er habe nicht zu den vi er Entführern gehört, sondern es sei wahrscheinlich der sich in diesem Haus befindende Koch gewesen (A13, S. 15). Diese Erklärung wirkt nachgeschoben . Auch die Gesche h- nisse nach der Flucht sind nicht, wie in der Beschwerdeschrift behauptet, schlüssig, sondern variieren in den Aussagen. So heisst es in der Befr a- gung zur Person, er sei nach der Flucht aus dem Haus den Hügel, auf dem sich dieses befunden habe, heruntergelaufen, zu einem Basar g e- kommen und aus dem Basar herausgelaufen zu einer unbekannten Strasse, auf der sich viele Autos und Taxis befunden hätten. Dort habe er ein Taxi angehalten. In der Anhörung gibt er demgegenüber zu Protokoll, er habe, nachdem er aus dem Basar gekommen sei, an der Strasse ge- wartet, eine Weile später sei dann ein Taxi gekommen, das er angehalten habe. Auf den Widerspruch angesprochen, dass es sich bei der Strasse, an der er das Taxi angehalten habe, das eine Mal um eine befahrene Strasse mit vielen Fahrzeugen gehandelt habe , das andere Mal aber sei das angehaltene Taxi das erste Fahrzeug gewesen, was der Beschwe r- deführer gesehen habe, kann er keine überzeugende Erklärung liefern (vgl. act. A1, S. 6, A13, S. 15, 18). Neben den Widersprüchen fallen auch einige Ungereimtheiten auf. So vermag der Beschwerdeführer auch in seiner Beschwerdeschrift und Replik nicht überzeugend zu erklären, weshalb ihm einer der Taliban - Entführer angesichts der perfekt organisierten Entführungsaktion zur Flucht verholfen haben soll. Auch kann er nicht er klären, wieso er sich nach seiner Flucht nach Hause begeben hat und sich dort eine Woche aufhielt, hätte er doch damit rechnen müssen, dort von den Taliban g e- sucht zu werden. Auf die Frage, ob er nicht damit hätte rechnen müssen, zu Hause gesucht zu werden , entgegnet er, er wohne in einer lebhaften Strasse, dort kämen keine Taliban vorbei. (vgl. act. A13, S. 17). Er sei auch nicht vor der Haustür, sondern auf dem Weg zum Spielplatz entführt worden. D iese Erklärung über zeugt nicht, zumal er auch aussagt, der Kinderspielplatz sei nur etwa zwei Strassen von seinem Haus entfernt (vgl. act. A1, S. 7). Auch die Argumentation in der Beschwerde, er sei aus Vernunftsgründen, um der Mutter zu gehorchen, zu Hause geblieben, liefert keine schlüssige Erklärung. Fraglich ist auch, warum sich der B e- schwerdeführer nicht an die Polizei gewandt hat. Sollte dies wirklich aus Angst vor einer korrupten, mit den Taliban zusammenhängenden Polizei gewesen sei, ist es unverständlich, warum seine Mutter dann nachträglich noch eine Anzeige bei der Polizei eingereicht haben soll. Zu Recht weist das BFM darauf hin, dass es fragwürdig erscheint, dass die Mutter g e-D-5114/2010 Seite 23 genüber der Polizei wahrheitswidrig aussagt, ihr Sohn sei seit der Entfü h- rung verschollen und sie warte auf Hinweise aus der Be völkerung. Als weiterer inhaltlicher Fehler in der Übersetzung der Anzeige fällt das a n- gegebene Datum der Entführung auf: In der Übersetzung steht, er sei am 6. Juni 2009 verschwunden. Dies stimmt aber nicht mit den Angaben des Beschwerdeführers überein, d er um den 20. März 2010 ausgereist sein will. Vorher sei er nach der Entführung etwa eine Woche zu Hause ve r- steckt gewesen. Damit müsste sich die Entführung aber im März 2010 und nicht, wie in der Anzeige behauptet, im Juni 2009 zugetragen haben. Die Erklärungen in der Replik zum eingereichten Beweismittel vermögen diese Zweifel an der Anzeigenbestätigung und ihrem Beweiswert nicht auszuräumen 5.10 Auch ist dem BFM Recht zu geben, dass der Beschwerdeführer w e- der den Ort der Entführung noch die Entführer selber detailliert und diff e- renziert zu beschreiben vermochte (vgl. act. A13, S. 13). So sagt er be i- spielsweise aus, ausser dass die Männer Paschtu g esprochen hätten, gäbe es nicht s mehr über sie zu berichten. Aufgefordert, sein persönl i- ches Erle ben der Gefangenschaft zu schildern, berichtet er nur u n- substantiiert über die Gefangenschaft. Das BFM hebt in der Replik in die- sem Zusammenhang zu Recht hervor, dass die in der Beschwerde schrift auch erwähnten ständigen Wiederholungen des Beschwerdeführers (dort allerdings als Argument für seine emotionsreiche und glaubhafte Schild e- rung der Entführung) eher Zeichen einer gewissen Stereotypie der Au s- sagen sind: Schliesslich soll die Entführung um vier Uhr nachmittags, durchgeführt von vier Entführern, statt gefunden haben, wobei sie vier Stunden zu einem unbekannten Ort gefahren seien. Auch habe die Reise von der Türkei in die Schweiz vier Wochen gedauert (vgl. act. A13, S. 12 ff.). Selbst wenn der Beschwerdeführer durch die Befragungsmethode des BFM, rückwär ts seine Asylvorbringen zu schildern, irritiert gewesen sein soll, erklärt das nicht die stereotypen, undifferenzierten Aussagen. 5.11 Nach den vorstehenden Erwägungen handelt es sich bei den G e- suchvorbringen des Beschwerdeführers, wonach er von den Taliban en t- führt worden sei und auch weiterhin Nachstellungen zu befürchten habe, um einen konstruierten Sachverhalt. Daher ist auch die Ergänzung in der Beschwerde, es sei nach der Anzeigenerstattung bei der Polizei zu Nach- forschungen nach dem Beschwerdeführer gekommen, welche die Familie zum Wegzug veranlasst hätten, als unglaubhaft zu erachten. D-5114/2010 Seite 24 5.12 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft demnach im Ergebnis zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt. An dieser Einschätzung verm ö- gen weder die Ausführungen auf Beschwerdeebene noch das vorgelegte Beweismittel etwas zu ändern. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 6.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Be stimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Gemäss ständiger Rechtsprechung sind die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung alterna- tiver Natur. Sobald eine davon erfüllt ist, ist der Voll zug als undurchfüh r- bar zu betrachten und die weitere Anwesenheit der betroffenen Person gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Auf nahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748; EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.). 6.4 Nachdem das BFM im Rahmen des Schriftenwechsels mit Verfügung vom 11. August 2011 die angefochtene Verfügung vom 9. Juni 2010 tei l- weise – nämlich den Wegweisungsvollzug betre ffend – in Wiedererwä - gung gezogen und die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers we - gen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs angeordnet hat, ist das vorliegende Verfahren gegenstandslos geworden, soweit in der Be - schwerde im Eventualbegehren beantrag t wird, es sei die Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustel - len und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Die Beschwerde ist mithin insoweit wegen Wegfall des Streitgegenstandes als gegenstandslos ge -D-5114/2010 Seite 25 worden abzuschreib en. Damit erübrigen sich weitere Ausführungen zur Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer b e- züglich der Frage der Anerkennung als Flüchtling, der Gewährung von Asyl und der Anordnung der Wegweisung nicht gelungen ist, darzutun, in- wiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtse r- heblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig feststellt und unang e- messen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen, soweit sie nicht als gegenstandslos geworden abzuschreiben ist. 8. Der Beschwerdeführer ist im vorliegenden Verfahren unterlegen, so weit er im Hauptbegehren die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 9. Juni 2010, die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung und im Eventua l- antrag die Asylgewährung aufgrund der Aktenlage beantragte, weshalb er grundsätzlich in reduziertem Umfang kostenpflichtig wird (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wur de der mit der Beschwerdeschrift gestellte Antrag auf unentgeltliche Prozessführung im Sin ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 28. Juli 2010 gutgeheissen. Nachdem auch heute noch von der Bedürftigkeit ausgegangen werden kann, hat der Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten zu tragen. 9. Nachdem die Vorinstanz den angefochtenen Entscheid hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung teilweise in Wiedererwägung gezogen und w e- gen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers angeordnet hat, ist die ser faktis ch mit seinem Beschwerdebegehren zur Hälfte durchgedrungen. Somit ist ihm eine a n- gemessene, um die Hälfte reduzierte Parteientschädigung zu entrichten (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG; Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. Auf die Nac h- forderung einer solchen kann indessen verzichtet werden, da im vorli e- genden Verfahren der Aufwand für das Beschwerdeverfahren zuverlässig abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE) und das BFM u n- ter Anwendung der genannten Bestimmungen und unter Berücksicht i- gung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) a n-D-5114/2010 Seite 26 zuweisen ist, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigun g in der Höhe von pauschal Fr. 600.– auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-5114/2010 Seite 27 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht gegenstandslos g e- worden ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das BFM hat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bunde s- verwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 600.-- auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Mareile Lettau Versand: