Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 25. April 2018 (810 17 334) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Direkte Bundessteuer 2015 / Elektronische Steuererklärung / Veranlagung nach pflicht- gemässem Ermessen Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsricht er Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Stefan Schulthess, Gerichts- schreiberin i.V. Irina Trutmann Beteiligte A.A.____ und B.A.____ , Beschwe rdefü hrer gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Beschwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Rechtsdienst, Rheinstrasse 33, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV , Eigerstrasse 65, Postfach , 3003 Bern, Beigeladene Betreff Direkte Bundessteuer 2015 (Entscheid der Abteilung Steuergericht vom 8. September 2017) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Schreiben vom 13. Juni 2016 mahnte die Steuer verwaltung des Kantons Basel- Landschaft (Steuerverwaltung) die Ehegatten A.A.____ und B.A.____ wegen unterlassener Einreichung der Steuererklärung 2015. Gleichzeitig wur den die Steuerpflichtigen aufgefordert, die Steuererklärung 2015 bis am 30. Juni 2016 einzurei chen. Auf Gesuch hin gewährte die Steuerverwaltung eine Fristerstreckung bis am 31. August 2016. B. Nach unbestritten gebliebener Darstellung der Steu erpflichtigen wurde die Steuererklä- rung 2015 am 22. September 2016 elektronisch ausgefül lt und übermittelt. Ihren Behauptungen zufolge soll die Steuererklärung gleichentags von ihrem Steuerberater zusätzlich per Post ver- sandt worden sein. Gemäss den Ausführungen der Steuerver waltung ist diese Sendung nie bei ihr eingegangen. C. Mit Schreiben vom 6. Oktober 2016 mahnte die Steuer verwaltung A.A.____ und B.A.____ ein letztes Mal. Dabei führte die Steuerverwaltung aus, dass die Ehegatten ihren Ver- fahrenspflichten nicht nachgekommen seien, und forderte sie auf, die Steuererklärung 2015 bis am 31. Oktober 2016 einzureichen. Gleichzeitig wies die Steuerverwaltung die Steuerpflichtigen darauf hin, dass bei unbenütztem Fristablauf eine amtl iche Veranlagung erfolgen werde und dass ihnen in diesem Zusammenhang eine Ordnungsbusse in der Höhe von Fr. 500.-- auferlegt werden könne. D. Mit Veranlagungsverfügung vom 23. März 2017 betref fend die direkte Bundessteuer 2015 wurden die Steuerfaktoren der Steuerpflichtige n mangels eingereichter Steuererklärung amtlich eingeschätzt. Das im Kanton Basel-Landschaft steuerbare Einkommen wurde dabei auf Fr. 484'800.-- festgesetzt. Gleichzeitig wurde den Steu erpflichtigen eine Busse in der Höhe von Fr. 500.-- auferlegt. E. Am 7. April 2017 erhoben die Ehegatten, vertrete n durch B.____, Steuerberater, Ein- sprache bei der Steuerverwaltung. Zusammen mit der Ei nsprache reichten sie einen Lohnaus- weis, eine Steuerausscheidung, eine Aufstellung über M itarbeiterbeteiligungen, eine Bescheini- gung über Vorsorgebeiträge der Bank C.____, drei wei tere Kontoauszüge der C.____ – alles Unterlagen des Jahres 2015 – sowie eine auf Ende März 2 016 datierte Bescheinigung des Hy- pothekarkontos bei der Bank D.____ ein. F. Auf die Einsprache trat die Steuerverwaltung mit Einspracheentscheid vom 22. Mai 2017 nicht ein. G. Am 6. Juni 2017 erhoben die nicht mehr vertretenen Ehegatten Beschwerde am Steu- er- und Enteignungsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Steuergericht (Steuerge- richt). Sie beantragten sinngemäss die Aufhebung der Er messensveranlagung der direkten Bundessteuer 2015 und des Einspracheentscheids sowie eine neue Veranlagung basierend auf der elektronisch ausgefüllten Steuererklärung vom 22. Se ptember 2016 samt Beilagen; unter o/e-Kostenfolge. In der Beilage der Beschwerdebegründ ung reichten sie eine ausgefüllte Steu- ererklärung mit zusätzlichen Belegen und das (nicht unter schriebene) Quittungsblatt der elek-Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tronischen Übermittlung ein. Mit Entscheid vom 8. Sept ember 2017 wies das Steuergericht die Beschwerde ab. H. Mit Eingabe vom 10. Dezember 2017 haben A.A.____ u nd B.A.____ dagegen Be- schwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), erhoben. Sie beantr agen die Aufhebung des vorinstanzli- chen Entscheids sowie eine neue Veranlagung der direkten Bundessteuer 2015, basierend auf den Steuerfaktoren der am 22. September 2016 elektronisch ausgefüllten Steuererklärung 2015 samt Beilagen. Sinngemäss soll dies unter o/e-Kostenfolge geschehen. I. Das Steuergericht beantragt in seiner Vernehmlassung vom 21. Dezember 2017 die Abweisung der Beschwerde. J. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Dezember 2017 beantra gt auch die Steuerverwal- tung die Abweisung der Beschwerde. K. Die zum Verfahren beigeladene Eidgenössische Steuerve rwaltung hat sich nicht ver- nehmen lassen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 145 des Bundesgesetzes über die direkte B undessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 i.V.m. § 3 der kantonalen Vollzugsv erordnung zum DBG (VV DBG) vom 13. Dezember 1994 können Entscheide des Steuergerichts betreffend direkte Bundessteuer mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht angefo chten werden. Die formellen Vo- raussetzungen nach Art. 140 ff. DBG, Art. 145 Abs. 2 DBG sowie §§ 43 ff. des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer 2015 einzutreten ist. 2. Vorliegend trat die Steuerverwaltung auf die Eins prache vom 7. April 2017 gegen die Ermessensveranlagung vom 23. März 2017 nicht ein. Folglich hat auch das Kantonsgericht – wie bereits das Steuergericht – nur zu prüfen, ob de r Nichteintretensentscheid der Steuerver- waltung zu Recht ergangen ist (vgl. BGE 132 V 74 E. 1. 1; 125 V 503 E. 1). Soweit die Be- schwerdeführer eine neue Veranlagung beantragen, ist darauf nicht einzutreten. 3. Mit der Beschwerde in Steuersachen können alle Mäng el des angefochtenen Ent- scheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden (Art. 145 Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 140 Abs. 3 DBG). 4. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Steuerv erwaltung zu Recht nicht auf die Ein- sprache der Steuerpflichtigen vom 7. April 2017 gegen die Ermessensveranlagung der direkten Bundessteuer 2015 eingetreten ist und das Steuergericht diesen Entscheid zu Recht geschützt hat. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Nach Art. 124 Abs. 1 DBG werden die Steuerpflicht igen durch öffentliche Bekanntgabe oder Zustellung des Formulars aufgefordert, die Steuer erklärung einzureichen. Kommt der Steuerpflichtige trotz Mahnung seinen Steuerverfahrenspflichten, insbesondere der Einreichung der Steuererklärung, nicht nach – oder können die Steu erfaktoren mangels zuverlässiger Unter- lagen nicht einwandfrei ermittelt werden – nimmt die Einschätzungsbehörde gemäss Art. 130 Abs. 2 DBG die Einschätzung der Steuerfaktoren nach pfli chtgemässem Ermessen vor (vgl. MARTIN ZWEIFEL /S ILVIA HUNZIKER , in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 3. Aufl., Basel 2017, N 30 ff. zu Art. 130). Gemäss Art. 132 Abs. 3 DBG können die Steu erpflichtigen eine solche Ermessens- veranlagung nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit anf echten. Fehlt es an einer solchen Be- gründung, ist auf die Einsprache nicht einzutreten (vgl . ZWEIFEL / HUNZIKER , a.a.O., N 32 f. zu Art. 132). 6. In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die Beschw erdeführer bei der Steuerverwal- tung eine Steuererklärung eingereicht haben. 6.1 Die Beschwerdeführer stellen sich auf den Standpunkt , die Steuererklärung fristgerecht eingereicht zu haben. Ihr Steuerberater habe die Ste uererklärung 2015 samt Belegen am 22. September 2016 elektronisch und per Post an die Ste uerverwaltung versandt, was am auf dem Quittungsblatt aufgedruckten Datum zu erkennen sei . Wenn die Sendung nicht eingetrof- fen sei, hätte sie die Steuerverwaltung auf diesen Umst and aufmerksam machen und ihnen Gelegenheit zur Nachholung gewähren müssen. Im Übrigen gebe es keine gesetzliche Pflicht, die Steuererklärung eingeschrieben zu senden. Die Steuer verwaltung bestreitet, dass die Steu- ererklärung bei ihr eingegangen ist. 6.2 Der Nachweis der (fristgerechten) Einreichung der S teuererklärung obliegt der steuer- pflichtigen Person (vgl. ZWEIFEL /H UNZIKER , a.a.O., N 39 ff. zu § 124). In dieser Hinsicht verwe i- sen die Beschwerdeführer einzig auf das auf den 22. Sept ember 2016 datierte Quittungsblatt der elektronischen Steuererklärung. Mit dieser Quittun g vermögen sie aber nicht zu beweisen, dass das entsprechende Papier per Post an die Steuerver waltung gesendet wurde. Entgegen ihrer Auffassung wird von ihnen nicht faktisch verlangt , die Steuererklärung eingeschrieben zu versenden. Das Gesetz sieht in Art. 130 Abs. 2 DBG ausdrückl ich vor, dass ihnen die Steuer- verwaltung den Nichterhalt der Steuererklärung anzeigt und sie abmahnt, wie das auch im vor- liegenden Fall mit Schreiben vom 6. Oktober 2016 gesch ehen ist. Mit Erhalt dieser Mahnung hätte ihnen bewusst werden müssen, dass der Postversand der Steuererklärung höchstwahr- scheinlich misslungen war. Wurde die fragliche Steuererklä rung nämlich bereits am 22. September 2016 bei der Post aufgegeben, dann hä tte sie selbst mit B-Post am 6. Oktober 2016 längstens bei der Steuerverwaltung eingetroffen sein müssen. Gemäss ihren Angaben hat sich ihr damaliger Vertreter nach Erhalt der Mahnung d enn auch am 10. Oktober 2016 bei der Steuerverwaltung telefonisch nach dem Eingang der St euererklärung erkundigt. Die Steuerver- waltung habe ihm im Rahmen seiner Nachfrage mitgetei lt, dass noch keine Steuererklärung im System registriert worden sei, dass aber die Möglichkeit b estünde, dass die Steuererklärung eingegangen, aber noch nicht bearbeitet worden sei. Unter diesen Umständen durften die Be- schwerdeführer offensichtlich nicht untätig darauf vertra uen, dass die Steuerverwaltung ihre Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Steuererklärung erhalten hatte. Es wäre ihnen ein Ei nfaches gewesen, die Steuererklärung si- cherheitshalber erneut einzureichen. Da die Beschwerdeführer den Nachweis der fristgerechten Eingabe per Post nicht zu erbringen vermögen, tragen sie die Folgen der Beweislosigkeit. Die Beschwerdeführer haben folglich für das Jahr 2015 keine Steuererklärung eingereicht. 6.3 Weiter ist zu prüfen, ob die am 22. September 201 6 elektronisch ausgefüllte und übermittelte Steuererklärung an diesem Ergebnis etwas ä ndert. Im Kanton Basel-Landschaft steht den Steuerpflichtigen die Möglichkeit offen, die Steuererklärung elektronisch zu erfassen und zu übermitteln (vgl. ZWEIFEL /H UNZIKER , a.a.O., N 43a f. zu Art. 124). Wie unter anderem der Erklärung auf dem Quittungsblatt zur elektronischen Steu ererklärung zu entnehmen ist, beharrt die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft bei der elektronischen Übermittlung der Steuererklärung auf der Eingabe des persönlich unterze ichneten Quittungsblattes (ebenso die Informationen auf der Internetseite der Steuerverwa ltung, "FAQ" auf www.easytax.bl.ch; vgl. Vernehmlassung der Steuerverwaltung vom 22. Dezember 2 017). Nach dem klaren Wortlaut von Art. 124 Abs. 2 DBG stellt die persönliche Unterzei chnung des Steuererklärungsformulars ein eigenständiges Element der Steuerdeklarationspfli cht dar (vgl. Z WEIFEL /HUNZIKER , a.a.O., N 43a zu Art. 124). Da auf die persönliche Unterzeichn ung der Steuererklärung nicht verzichtet werden kann, gilt die elektronisch ausgefüllte Steuererklärung erst dann als eingegangen, wenn das Quittungsblatt unterzeichnet und fristgerecht bei de r Steuerverwaltung eingereicht worden ist (vgl. O LIVER MARGRAF , Persönliche Unterzeichnung der Steuererklärung?, in : StR 72/2017, S. 552 ff.; ZWEIFEL /HUNZIKER , a.a.O., N 43a zu Art. 124). Nach unbestrittener Darste llung der Beschwerdeführer wurde die Steuererklärung am 22. Sep tember 2016 elektronisch ausgefüllt und übermittelt. Allerdings haben die Beschwerdeführer der Steuerverwaltung zu keinem Zeit- punkt ein Quittungsblatt eingereicht. Somit ist festzustellen, dass die Steuererklärung zwar elek- tronisch übermittelt wurde, ohne Eingabe des Quittung sblattes jedoch als nicht eingereicht zu gelten hat. 6.4 Allenfalls liesse sich fragen, ob die Steuererklärung 2015 im vorliegenden Fall als un- vollständig zu werten sei, weil einzig das Quittungsblat t mit der Unterschrift fehlte. Wird die Steuererklärung in diesem Sinne mangelhaft eingereic ht, ist der steuerpflichtigen Person eine Frist zur Nachbesserung anzusetzen (Art. 124 Abs. 3 DBG). Die Aufforderung zur Vervollstän- digung hat dabei die vorzunehmenden Mitwirkungshandlu ngen zu bezeichnen (vgl. ZWEIFEL /H UNZIKER , a.a.O., N 49 ff. zu Art. 124). In ihrer Vernehmlassu ng erklärt die Steuerver- waltung, dass das Einreichen des unterzeichneten Quittungsblattes für den Zugriff auf die elekt- ronisch übermittelte Steuererklärung zwingend notwendig sei. Erst durch das Einlesen des Bar- codes auf dem Quittungsblatt könne die Steuerverwaltung intern Zugang zu den elektronisch übermittelten Steuerdaten erhalten. Vorliegend habe die Steuerverwaltung keine Kenntnis vom Inhalt der elektronisch übermittelten Steuererklärung erlangen können. Da die Steuerverwaltung ohne unterzeichnetes Quittungsblatt aus technischen Gründen keinerlei Informationen über den Inhalt der elektronisch übermittelten Steuererklärung h atte, konnte sie auch nicht erkennen, dass offenbar lediglich das unterzeichnete Quittungsblatt fehlte. Sie war deshalb nicht verpflich- tet, die Beschwerdeführer zur Ergänzung ihrer Steuererklärung anzuhalten. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Nach dem Gesagten wurden die Beschwerdeführer zu R echt nach Art. 130 Abs. 2 DBG amtlich eingeschätzt. 7. Zu prüfen bleibt somit, ob die Steuerverwaltung a uf die Einsprache hätte eintreten müssen. 7.1 Gemäss Art. 132 Abs. 3 DBG können die Steuerpflicht igen eine Ermessensveranla- gung im Sinne von Art. 130 Abs. 2 DBG nur wegen offen sichtlicher Unrichtigkeit anfechten. Die Einsprache ist zu begründen und allfällige Beweismittel sind zu benennen. Sowohl der kantona- le als auch der Bundesgesetzgeber sehen dabei eine qu alifizierte Begründungspflicht vor. Die Erfordernisse der Begründung und die Nennung der Bewe ismittel stellen bei der Einsprache gegen eine Ermessensveranlagung Prozessvoraussetzungen dar (vgl. BGE 131 II 548 E. 2.3; Urteile des Bundesgerichts 2C_910/2016 vom 20. März 2017 E. 3.2.3 und 2C_554/2013 vom 30. Januar 2014 E. 2.5; Urteil des Kantonsgerichts, Abte ilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht [KGE VV], vom 6. Januar 2016 [810 15 174] E. 3. 1). Fehlt es an einer solchen Begrün- dung, ist auf die Einsprache nicht einzutreten. Die erhöhten prozessualen Anforderungen liegen in der Natur der amtlichen Einschätzung. Da die Steuer verwaltung aufgrund des Untersu- chungsnotstands – basierend auf fehlenden oder ungenüge nden Unterlagen – nicht alle Steuer- faktoren genau ermitteln kann, muss sie diese schätzen. Da bei hat sie die Einschätzung an- hand von Annahmen und Vermutungen vorzunehmen. Weil e ine Ermessensveranlagung natur- gemäss eine gewisse Unschärfe aufweist, ist die Möglichkeit , diese anzufechten, entsprechend eingeschränkt bzw. muss die Einsprache erhöhten prozessua len Anforderungen genügen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_910/2016 vom 20. März 2017 E. 3.2.3). Dabei haben die Steuer- pflichtigen nachzuweisen, dass die Ermessensveranlagung ni cht den tatsächlichen Verhältnis- sen entspricht. Mittels umfassendem Unrichtigkeitsnachweis h aben die Steuerpflichtigen die bisher vorhandene Ungewissheit hinsichtlich des Sachverhal ts zu beseitigen. Der Nachweis muss nach dem Gesagten den gesamten von der Ermessensveranl agung betroffenen Teil der Veranlagungsverfügung umfassen, Teilnachweise genügen d agegen grundsätzlich nicht. Das pauschale Bestreiten einer Ermessensveranlagung und der einzelnen Positionen reichen folg- lich nicht aus, um die Einsprache zu begründen (vgl. Urtei l des Bundesgerichts 2C_509/2015 vom 2. Februar 2016 E. 6.1). Nach bundesgerichtlicher R echtsprechung ist das Nachreichen einer bisher nicht vorgelegten Steuererklärung keine Gültigkeitsvoraussetzung der Einsprache, sofern die offensichtliche Unrichtigkeit der Ermessensver anlagung auch ohne Nachreichen der Steuererklärung dargetan werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_307/2013 vom 28. Juni 2013 E. 2.3.2 m.w.H.). 7.2 Die Beschwerdeführer machen geltend, sie hätten si ch im Zeitpunkt der Einsprache in einem Irrtum befunden, indem sie angenommen hätten, dass die Steuererklärung bei der Steu- erverwaltung eingegangen sei und lediglich einzelne Be lege gefehlt hätten. Aus diesem Grund hätten sie in ihrer Einsprache auch nur diejenigen Be lege eingereicht, von denen sie dachten, dass sie in der Ermessensveranlagung unberücksichtigt gebli eben seien. Vor diesem Hinter- grund werfen die Beschwerdeführer der Steuerverwaltu ng sinngemäss ein überspitzt formalisti- sches Verhalten vor. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 Das Steuergericht erwog, die Beschwerdeführer hätte n nach Erhalt der letzten Mah- nung vom 6. Oktober 2016 erkennen müssen, dass die Steu erverwaltung die Steuererklärung nicht erhalten habe. Es wäre zudem – so das Steuergerich t weiter – nach der erfolgten amtli- chen Einschätzung ein geringer Aufwand gewesen, eine Ko pie der Steuererklärung samt Beila- gen und einer kurz formulierten Einsprache einzureichen. Dies zeige sich auch dadurch, dass die Beschwerdeführer im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vor Steuergericht ein ausgefüll- tes Exemplar der Steuererklärung 2015 samt Belegen ein gereicht hätten. Im vorliegenden Fall habe die amtliche Einschätzung ihre Ursachen darin, dass die Beschwerdeführer trotz letzter Mahnung vom 6. Oktober 2016 die Steuererklärung 2015 nicht innert Frist eingereicht hätten. In der Einsprache gegen die darauf ergehende amtliche E inschätzung müsse der Sachverhalt in substantiierter Weise dargelegt werden und es seien di e Beweismittel für die Sachverhaltsdar- stellungen zu nennen, was vorliegend unterblieben sei. D as Einreichen einzelner Belege wie der Aufstellung zur Steuerausscheidung, eines Lohnauswei ses, der Aufstellung über die Mitar- beiterbeteiligungen, einer Vorsorgebescheinigung sowie Kontoauszügen reiche nicht aus, um als der Steuererklärung gleichwertige Sachverhaltsdarstellung zu gelten. Auch als Erklärung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der gemachten Angab en könnten die wenigen der Einspra- che beigelegten Unterlagen nicht herangezogen werden. Folglich sei der Unrichtigkeitsnach- weis der amtlichen Einschätzung nicht erbracht worden, w eshalb die Steuerverwaltung zu Recht nicht auf die Einsprache eingetreten sei. 7.4 Zusammen mit der achtzeiligen Einsprache reichten die Beschwerdeführer der Steuer- verwaltung diverse Belege ein. Aus der Einsprachebegrün dung geht sinngemäss hervor, dass nach Auffassung der Beschwerdeführer das amtlich eingesc hätzte Einkommen des Beschwer- deführers nicht mit dessen Lohnausweis übereinstimmte und dass sie Abzüge für die 3. Säule sowie die Kosten für die auswärtige Verpflegung berücksich tigt haben wollten. Der Steuerver- waltung ist darin beizupflichten, dass die Einsprache damit nicht den strengen Substantiierungs- und Beweisanforderungen des Einspracheverfahrens entsprach. Da der Steuerverwaltung zu keinem Zeitpunkt eine Steuererklärung eingereicht worde n war, konnte diese anhand der weni- gen Belege den steuerbegründenden Sachverhalt nicht zuverlässig ermitteln bzw. nachvollzie- hen. Wie die im nachfolgenden Beschwerdeverfahren eing ereichten Unterlagen zeigen, war ihre Sachverhaltsdarstellung zudem auch unvollständig. Wenn sich die Beschwerdeführer auf ein Missverständnis berufen, weil sie fälschlicherweise angenommen hätten, es fehlten lediglich einzelne Belege, so haben sie diese Fehleinschätzung und deren Folgen selbst zu verantwor- ten. Die Beschwerdeführer durften nach Erhalt der Ve ranlagungsverfügung nicht blind darauf vertrauen, dass die Steuerverwaltung Zugriff auf ihre e lektronisch eingereichten Belege hatte. Schon aus den Bemerkungen zur Veranlagung lässt sich unschwe r erkennen, dass der Steuer- verwaltung überhaupt keine von den Beschwerdeführern ein gereichte Belege vorlagen (z.B. Erwerbseinkommen "gemäss Lohnmeldung", Wertschriftenertra g "Annahme", Eigenmietwert "gemäss Vorjahr", Wertschriften "Annahme"). Die fachku ndig vertretenen Beschwerdeführer hätten auch wissen müssen, dass die amtliche Einschätzung nur noch wegen offensichtlicher Unrichtigkeit bzw. mit umfassendem Unrichtigkeitsnachweis a ngefochten werden konnte, wo- rauf sie die Rechtsmittelbelehrung ausdrücklich hinwies. Z u diesem Zeitpunkt wäre es ihnen noch möglich gewesen, die amtliche Einschätzung mittels E inreichung eines unterzeichneten Ausdrucks der vollständigen elektronischen Steuererklärung bzw. mittels Nachreichen der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Steuererklärung mitsamt allen notwendigen Belegen auf Papier abzuwenden. Folglich ist mit der Steuerverwaltung festzuhalten, dass die wenigen mit der Einsprache eingereichten Belege nicht ausreichten, um die tatsächlichen Steuerfaktoren n achzuweisen bzw. um auf das tatsäch- liche Einkommen und Vermögen der Beschwerdeführer zu schl iessen, weshalb es im Ein- spracheverfahren an einer Prozessvoraussetzung fehlte. Das Steuergericht hat den Nichteintre- tensentscheid der Steuerverwaltung zu Recht geschützt. Die Beschwerde erweist sich als un- begründet und ist abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 144 Abs. 1 DBG werden die Kos- ten des Verfahrens der unterliegenden Partei auferleg t. Dem Ausgang des Verfahrens entspre- chend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'40 0.-- den unterliegenden Beschwerde- führern aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvo rschuss in derselben Höhe zu verrech- nen. Ausgangsgemäss sind die Parteikosten wettzuschlagen (Art. 145 Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes [VwVG] vom 20. De- zember 1968). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden den Be- schwerdeführern auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.