Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer II II 2024 92 Entscheid vom 28. Januar 2025 Besetzung Dr.iur. Vital Zehnder, Vizepräsident Dr.oec. Andreas Risi, Richter Dr.iur. Frank Lampert, Richter MLaw Andrea Reutter, a.o. Gerichtsschreiberin Parteien A.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt lic.iur. B.________, gegen Unia Arbeitslosenkasse, Kompetenzzentrum D-CH West, Monbijoustrasse 61, Postfach 3398, 3001 Bern, Vorinstanz, Gegenstand Arbeitslosenversicherung (Anspruchsberechtigung; Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG)2 Sachverhalt: A.A.________ (Jg. 19__) schloss am 14. Dezember 2020 mit der C.________ AG (welche er mit zwei Geschäftspartnern gegründet hatte) einen Anstellungsvertrag als COO per 1. Dezember 2020 ab (Vi-act. 30); ab Ende Ja- nuar 2021 war er zugleich auch Mitglied des Verwaltungsrats mit Kollektivunter- schrift zu zweien (Handelsregisterauszug, www.zefix.ch; eingesehen am 30.12.2024). Ab dem 4. Dezember 2023 war A.________ krankheitsbedingt 100% arbeitsunfähig (Vi-act. 46, S. 176). Am 29. April 2024 hat die Arbeitgeberin seine Anstellung als COO per 31. Mai 2024 aus wirtschaftlichen Gründen gekün- digt (Vi-act. 32, 44). Am 7. Juli 2024 stellte A.________ Antrag auf Arbeitslosen- entschädigung per 3. Juli 2024 im Umfange eines 80%-Pensums (Vi-act. 42), nachdem die krankheitsbedingte Arbeitsfähigkeit ab dem 1. Juli 2024 noch 40% betrug (Vi-act. 45). Am 3. Juli 2024 hat das RAV Lachen A.________ für ein 80%-Pensum zur Arbeitsvermittlung angemeldet (Vi-act. 50). B.Mit Kassenverfügung vom 31. Juli 2024 wies die Unia Arbeitslosenkasse den Antrag auf Arbeitslosenentschädigung (ALE) per 1. Juli 2024 ab (Vi-act. 25). Eine von A.________ am 15. August 2024 hiergegen erhobene Einsprache wies die Unia Arbeitslosenkasse mit Entscheid vom 3. Oktober 2024 ab (Vi-act. 9). C.Am 23. Oktober 2024 lässt A.________ beim Verwaltungsgericht des Kan- tons Schwyz fristgerecht Beschwerde erheben mit den Anträgen: 1. Der angefochtene Einspracheentscheid der Unia Arbeitslosenkasse vom 3. Ok- tober 2024 sei aufzuheben, und der Anspruch des Beschwerdeführers auf Ar- beitslosenentschädigung spätestens ab dem 3. Juli 2024 sei zu bejahen. 2. Eventualiter sei die Sache in Aufhebung des angefochtenen Einspracheent- scheides der Unia Arbeitslosenkasse vom 3. Oktober 2024 zur Vornahme er- gänzender Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen oder das Gericht habe selbst ergänzende Abklärungen anzuordnen. 3. Unter Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Mit Vernehmlassung vom 6. November 2024 beantragt die Vorinstanz: 1. Die Beschwerde sei abzuweisen. 2. Der Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2024 sei zu bestätigen. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Beschwerdeführers.3 Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.Den Anspruch auf ALE lehnte die Vorinstanz mit Verfügung vom 31. Juli 2024 ab mit der Begründung, der Beschwerdeführer sei im Handelsregister wei- terhin als Verwaltungsrat der C.________ AG eingetragen, er habe somit mass- gebenden Einfluss auf den Geschäftsbetrieb, weshalb gestützt auf Art. 31 Abs. 3 lit. c des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (Arbeitslosenversicherungsgesetz, AVIG; SR 837.0) vom 25. Juni 1982 kein Leistungsanspruch bestehe (Vi-act. 25). Diese An- spruchsablehnung bestätigte die Vorinstanz mit dem Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2024 (Vi-act. 9). Der Beschwerdeführer bestreitet das Vorliegen einer massgeblichen Einflussnahme während des Leistungszeitraums, weshalb er sehr wohl Anspruch auf ALE habe. Strittig und nachfolgend zu prüfen ist daher, ob die Vorinstanz einen Leistungsanspruch des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG zu Recht ausschloss. 2.1Gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG haben Personen, die in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeit- gebers bestimmen oder massgeblich beeinflussen können, sowie ihre mitarbei- tenden Ehegatten keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. 2.2Dieser Ausschluss vom Leistungsanspruch findet gemäss ständiger Recht- sprechung analoge Anwendung auch auf Personen in arbeitgeberähnlicher Stel- lung und ihre Ehegatten, die Arbeitslosenentschädigung verlangen (BGE 145 V 200 E. 4.1; VGE II 2024 43 vom 28.8.2024 E. 2.2; VGE II 2021 12 vom 19.4.2021 E. 2.2.1). Der Ausschluss ist sodann absolut zu verstehen, was die Anspruchs- gewährung im Einzelfall ausschliesst (Urteil BGer 8C_870/2023 vom 2.9.2024 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen). 2.3Hervorzuheben ist, dass die Frage, ob Arbeitnehmende einem obersten be- trieblichen Entscheidungsgremium angehören und ob sie in dieser Eigenschaft massgeblich Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen nehmen können, aufgrund der internen betrieblichen Struktur zu beantworten ist (BGE 122 V 270 E. 3; ARV 2004 S. 196, C 113/03 E. 3.2). Keine Prüfung des Einzelfalls ist erfor- derlich, wenn sich die massgebliche Entscheidungsbefugnis bereits aus dem Gesetz selbst (zwingend) ergibt. Dies gilt insbesondere für die Gesellschafter ei- ner GmbH (Art. 804 ff. OR) sowie die (mitarbeitenden) Verwaltungsräte einer AG, für welche das Gesetz in der Eigenschaft Gesellschafter resp. als Verwaltungsrat verschiedene, nicht übertrag- und entziehbare, die Entscheidungen des Arbeit-4 gebers bestimmende oder massgeblich beeinflussende Aufgaben vorschreibt (BGE 145 V 200 E. 4.2; Urteil BGer 8C_668/2022 vom 29.6.2023 E. 3.2). 2.4Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG bezweckt, dem Risiko eines Missbrauchs zu be- gegnen, das der Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung an arbeitgeberähn- liche Personen und deren Ehegatten inhärent ist. Es soll insbesondere dem Um- stand Rechnung tragen, dass der Arbeitsausfall von arbeitgeberähnlichen Perso- nen praktisch unkontrollierbar ist, weil sie ihn aufgrund ihrer Stellung bestimmen oder massgeblich beeinflussen können. Wer demnach am Entscheid über das Eintreten des Versicherungsfalles (der Kurzarbeit oder Arbeitslosenentschädi- gung oder Insolvenzentschädigung) selber massgeblich beteiligt ist, soll aufgrund ebendieses Versicherungsfalles keine Leistungen beanspruchen können (vgl. zum Ganzen: Urteil SVG Kt. ZH AL.2015.00083 vom 14.12.2015 E. 1.2.1 m.H.a. BGE 123 V 234). Ein tatsächlich rechtsmissbräuchliches Verhalten muss der ver- sicherten Person nicht nachgewiesen sein, sondern das Vorhandensein des abs- trakten Missbrauchsrisikos genügt. Dieses Risiko ist nach der Rechtsprechung erst dann nicht mehr vorhanden, wenn der Betrieb geschlossen wird und das Ausscheiden des Arbeitnehmers mit arbeitgeberähnlicher Stellung mithin definitiv ist, oder wenn das Unternehmen zwar weiterbesteht, die arbeitgeberähnliche Person jedoch mit der Kündigung endgültig auch jene Eigenschaften verliert, de- retwegen sie aufgrund von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG vom Anspruch ausgenom- men wäre. 2.5Nach dem im Sozialversicherungsprozess geltenden Untersuchungsgrund- satz hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststel- lung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfü- gende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachver- halts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläu- fen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221 f. mit Hinwei- sen). Das Gericht ist dabei in der Beweiswürdigung frei. Der Untersuchungs- grundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnot- wendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (Art. 61 lit. c ATSG) oder der verfügenden Verwaltungsstelle (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ist, für die Zu- sammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungs- prozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als 5 im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 144 V 429 E. 3.2; BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen; Urteil BGer 8C_535/2017 vom 7.11.2017 E. 4.2; 8C_307/2016 vom 17.8.2016 Erw. 5.3). 3.1Vorliegend ist sachverhaltsmässig unbestritten, dass dem Beschwerdefüh- rer seine Anstellung als COO der C.________ AG per Ende Mai 2024 gekündigt wurde. Der Beschwerdeführer bestreitet auch nicht, dass er im Zeitpunkt, ab wel- chem er ALE beantragte (3.7.2024), noch immer als Mitglied des Verwaltungs- rats der Gesellschaft im Handelsregister eingetragen war. Desweitern erhellt aus den Akten, dass die Gesellschaft am 10. Juli 2024 eine a.o. Generalversamm- lung durchführte, welche zum einen die Auflösung und Liquidation der Gesell- schaft beschloss und zum andern u.a. den Beschwerdeführer zu einem mehrerer Liquidatoren mit Kollektivunterschrift zu zweien wählte und schliesslich diesen das Recht einräumte, Vermögenswerte freihändig zu veräussern (Vi-act. 15). Die Mutation in C.________ AG in Liquidation wurde zusammen mit den gewählten Liquidatoren am 2. August 2024 im SHAB publiziert (www.shab.ch; eingesehen am 30.12.2024). 3.2In der Verfügung vom 31. Juli 2024 verwies die Vorinstanz auf die Stellung des Beschwerdeführers als im HR eingetragenes Mitglied des Verwaltungsrates, was einen Leistungsanspruch ausschliesse. In jenem Zeitpunkt war indes bereits die Auflösung der Gesellschaft sowie die Einsetzung des Beschwerdeführers als Liquidator der Gesellschaft beschlossen. Auch die Mutationsmeldung war dann- zumal bereits erfolgt (vgl. Tagesregistereintrag vom 29.7.2024). Im angefochte- nen Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2024 ging die Vorinstanz auf diese veränderten Umstände und die neue Stellung als Liquidator mit Kollektivunter- schrift zu zweien ein und bestätigte gleichwohl den Ausschluss des ALE-An- spruchs. 3.3Gemäss ständiger Rechtsprechung sind Liquidatoren einer Gesellschaft anders als deren Verwaltungsratsmitglieder (siehe oben E. 2.3) in der Regel 'nur' (aber immerhin) vom Anspruch auf ALE ausgeschlossen. Im begrenzten Rahmen der Liquidationstätigkeiten können sie zwar weiterhin die Geschicke des Betriebs bestimmen und sind daher nicht endgültig aus dem Betrieb ausgeschieden. Das Missbrauchsrisiko beruht bei Liquidatoren in erster Linie auf der Möglichkeit, sich 6 selbst bzw. den Ehegatten während der Liquidationsphase wieder einzustellen oder den Betrieb zu reaktivieren. Wenn allerdings aufgrund der konkreten Um- stände des Einzelfalls ein Missbrauch mit einem sehr hohen Grad an Sicherheit ausgeschlossen werden kann, rechtfertigt es sich nicht, den Anspruch auf Ar- beitslosenentschädigung wegen einer arbeitgeberähnlichen Stellung zu vernei- nen (Urteil BGer 8C_105/2024 vom 30.4.2024 E. 4.2 mit Hinweis auf Urteil BGer 8C_379/2022 vom 21.11.2022 E. 5 mit weiteren Hinweisen; SBVR Soziale Si- cherheit-Nussbaumer, N Rz. 275; siehe auch Kupfer Bucher, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Auflage, S. 267 ff., wo auch etwa auf die un- terschiedliche Rechtsprechung bei freiwillig beschlossenen Liquidationen und Konkursliquidationen verwiesen wird). 3.4.1Im Einspracheentscheid verweist die Vorinstanz auf die Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 23. September 2024 und die damit eingereichten Unter- lagen, mit welchen er aufzuzeigen versuche, dass die Gesellschaft liquidiert wer- de, ausser der Liquidation keine Geschäftstätigkeit bestehe und weder er noch ein anderes VR-Mitglied einen Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung für die Aktien habe. Trotz dieser Informationen hielt die Vorinstanz am Bestehen ei- nes Missbrauchsrisikos und damit am Ausschluss des ALE-Anspruches fest. So habe der Beschwerdeführer - gemäss HR-Auszug vom 1. Oktober 2024 - zum einen als Verwaltungsratsmitglied und Liquidator weiterhin eine arbeitgeberähnli- che Stellung inne. Zum andern sei zwar anzuerkennen, dass die zu liquidieren- den Aktiven der Gesellschaft gering seien, die deutsche Tochterfirma höchst- wahrscheinlich verkauft worden sei, ein Schreiben vom 2. September 2024 mit der Kündigung sämtlicher Geschäftsbeziehungen vorliege und der CTO per 30. Juni 2024 gekündigt worden sei, anderseits aber die a.o. GV erst am 10. Juli 2024 die Auflösung beschlossen habe, die Versicherungen und der Telefonan- schluss per 3. Juli 2024 nicht gekündigt gewesen seien, die portugiesische Toch- terfirma nach wie vor nicht aufgelöst sei, der Mietvertrag der Domiziladresse nicht gekündigt sei, die Website der Firma in der Schweiz noch immer aktiv sei und weiterhin Produkte für die Schweiz ausgewählt werden könnten. Der Zweck der C.________ AG (Erstellung, Betrieb, Vermarktung von Internetplattformen im Versicherungsbereich sowie Erbringung von damit zusammenhängenden Dienst- leistungen im In- und Ausland) stelle keine hohen Anforderungen an eine Reakti- vierung des Betriebes, weshalb nicht vollends ausgeschlossen werden könne, dass er als Gründungsmitglied und ehemaliger COO weiterhin eng mit der Firma verbunden sei und als VR-Mitglied und Liquidator weiterhin über die Geschäfte der AG mitbestimmen könne. Das Missbrauchsrisiko einer Reaktivierung der Ge- schäftstätigkeit der C.________ AG bis zur endgültigen Löschung im Handelsre-7 gister konnte daher gemäss Vorinstanz nicht praktisch ausgeschlossen werden, weshalb der Ausschluss vom ALE-Anspruch rechtens sei. 3.4.2Demgegenüber betont der Beschwerdeführer, die Frage eines allfälligen Missbrauchspotentials müsse gestützt auf die Umstände des Einzelfalles beant- wortet werden. Vorliegend stehe diesbezüglich fest, dass er während des Leis- tungszeitraums keine Möglichkeit zur massgeblichen Einflussnahme gehabt ha- be. Er habe die C.________ AG im Jahr 2020 mit zwei Partnern gegründet und halte aktuell rund 17% der Aktien. Er sei als COO angestellt worden und habe gleich- zeitig eine Rolle als VR übernommen, hierfür jedoch nie eine Entschädigung er- halten. Per 31. Mai 2024 sei ihm gekündigt worden; am 10. Juli 2024 sei die Li- quidation beschlossen worden, wobei gemäss schweizerischer Praxis alle VR- Mitglieder als Liquidatoren bestellt worden seien. Es handle sich bei ihm um eine rein formelle Rolle, indem er ab und zu Unterschriften leisten müsse, finanzielle Entschädigungen erhalte er keine. Vor allem hält der Beschwerdeführer dafür, es liege im konkreten Fall eine atypi- sche Konstellation vor, nicht vergleichbar mit einer sonstigen AG. Denn es hand- le sich um ein venture capital finanziertes Startup. Im Dezember 2022 sei eine Finanzierungsrunde abgeschlossen worden; danach seien viele delegierbare Kompetenzen des VR mittels Aktionärsbindungsvertrags an die Investoren über- tragen worden bzw. hätten die Investoren vielen Entscheiden zustimmen müs- sen. Schon deshalb könne nicht von einer arbeitgeberähnlichen Stellung eines VR gesprochen werden. Seit seiner vollständigen Krankschreibung infolge Bur- nouts habe er seine Tätigkeit weder als COO noch als VR weiter wahrnehmen können. Als sich seine längere Krankheitsabwesenheit abgezeichnet habe, hät- ten die Investoren / externen Verwaltungsräte entschieden, seine Anstellung als COO durch die Firma zu kündigen. Ein Rücktritt als VR mit HR-Löschung sei nicht erfolgt, weil im Frühling 2024 eine weitere Finanzierungsrunde gesucht worden sei und für VC-Investoren entscheidend sei, dass die Mitgründer als Si- gnal an neue potentielle Investoren im VR verbleiben würden; eine Löschung hätte die Chancen auf eine weitere Finanzierungsrunde drastisch reduziert. Lei- der sei die Investitionsrunde nicht erfolgreich gewesen. An der GV vom 10. Juli 2024 sei daher die freiwillige Liquidation sowie der Verkauf des Kerngeschäfts beschlossen worden. Der letzte Mitarbeiter sei per 30. Juni 2024 entlassen wor- den; einzig der CEO und CFO seien noch angestellt, um die Liquidation operativ abzuwickeln. Das Kerngeschäft sei am 15. Juli 2024 vollständig verkauft worden. Sämtliche VR-Mitglieder hätten sich aus Solidarität und als Signal für den per- sönlichen Lebenslauf als Liquidatoren wählen lassen. Entscheidwesentlich sei, 8 dass er nur als COO entlöhnt worden sei, nie aber als VR-Mitglied, was im Aktio- närsbindungsvertrag so explizit vorgeschrieben sei. Aufgrund seiner Krank- schreibung habe er auch noch nie an einer Sitzung der VR/Liquidatoren teilge- nommen; operativ amte sowieso der VRP/CEO, nebst dem CFO einziger Ange- stellter. Weiter äussert sich der Beschwerdeführer zu den zu liquidierenden Aktiven. Die deutsche Tochterfirma sei am 14. Juli 2024 zum Buchwert gemäss Liquidations- eröffnungsbilanz veräussert worden. Die portugiesische Tochterfirma sei genutzt worden, um IT-Entwickler in Portugal anzustellen und der C.________ AG gegen Cost plus 5% zur Verfügung zu stellen; der letzte Angestellte (CTO) sei per 30. Juni 2024 entlassen worden; die Firma sei noch reine Hülle und werde ent- weder liquidiert oder zu 1 € veräussert. Ohne CTO als wichtigsten Mann in einem Insurtech Startup sei eine weitere Geschäftstätigkeit unmöglich. Zu liquidieren seien weiter unwesentliche Büroeinrichtungen, IT etc. (für rund Fr. 4'000.--), die selbstentwickelte Insurance Plattform, deren letzten Kunden per 21. Oktober 2024 gekündigt worden sei, die Homepage, wobei die deutsche Homepage dem Käufer der deutschen Tochterfirma verkauft worden sei und die schweizerische Homepage erst abgeschaltet werden könne, wenn der Vertrag mit dem letzten Kunden beendet sei. Sämtliche Verträge seien beendet bzw. auf den Zeitpunkt der Plattform-Abschaltung aufgelöst; der Telefonanschluss sei zum frühestmögli- chen Termin per 27. Februar 2025 gekündigt; die Mobiltelefonverträge seien alle gekündigt, CEO und CFO würden ihre privaten Telefone gegen Spesenentschä- digung nutzen. Die Versicherungen würden erst mit Beendigung der letzten Ver- tragsbeziehung angepasst, vermutlich Ende Oktober 2024, da bereits bis Ende 2024 bezahlt. Das gesamte Brokergeschäft sei an die Risikoträger übertragen und beendet. Schliesslich sei auch der Mietvertrag mittlerweile gekündigt und die Domiziladresse an die neuen Mieter übergeben. Mitte September 2024 habe die C.________ AG in Liquidation über Aktiven in der Höhe von rund Fr. 240'000.-- verfügt, denen ein Wandeldarlehen von Inves- toren in der Höhe von Fr. 408'000.-- gegenübergestanden habe. Weder der Be- schwerdeführer noch ein anderes VR-Mitglied sei Geber des Wandeldarlehens. Bei der definitiven Löschung der AG würden einzig Wandeldarlehensgeber aus- bezahlt; der Beschwerdeführer habe somit keinen Anspruch auf finanzielle Ent- schädigung für seine Aktien am Unternehmen. Zusammenfassend betont der Beschwerdeführer, keine Möglichkeit zur mass- geblichen Einflussnahme auf die Auflösung seines Arbeitsvertrages per Ende Mai 2024 gehabt zu haben. Er habe auch keinen Einfluss im Rahmen der Liqui- dation. Er sei nur formell als Liquidator eingetragen. Er könne die Geschäfte der 9 AG nicht weiter mitbestimmen. Operativer Liquidator sei der VRP/CEO. Eine Re- aktivierung der C.________ AG sei ausgeschlossen. Während der Aufbauphase seien mehr als 5 Mio. Franken in Venture Capital investiert worden; zur Hauptsa- che in den Aufbau der Internetplattform. Mit der angestrebten Finanzierungsrun- de im Frühling 2024 sei eine Kapitalerhöhung von 1 Mio. Franken angestrebt worden, um das Unternehmen in die Profitabilität zu bringen, was misslungen sei. Ein VC-finanziertes Unternehmen zu reaktivieren, wäre äusserst schwierig. Auch müsste dem der komplette Gesellschafterkreis an Investoren zustimmen, was vollkommen ausgeschlossen sei. Die Website sei zwar noch online (und könne erst nach Abwicklung des Verkaufs der Versicherungsplattform durch eine Fachperson abgeschaltet werden), es könnten aber keine Verträge abgeschlos- sen werden, da die Zusammenarbeitsverträge mit den Risikoträgern (Versicherer im Hintergrund der Versicherungsprodukte) sofort gekündigt worden seien, als klargeworden sei, dass die Liquidation angestossen werde; die Risikoträger wür- den das Risiko nicht mehr annehmen; C.________ sei nur Assekuradeur gewe- sen. 3.4.3Vernehmlassend nimmt die Vorinstanz zu den Ausführungen in der Be- schwerde keine Stellung, da der Beschwerdeführer keine neuen Tatsachen oder Begründungen vorbringe. 3.5.1Dem Handelsregister ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer aktuell noch immer als Mitglied des Verwaltungsrates + Liquidator mit Kollektivunter- schrift zu zweien aufgeführt ist (vgl. www.zefix.ch; eingesehen am 2.1.2025). Damit steht zweifelsfrei fest, dass der Beschwerdeführer als noch im Handelsre- gister eingetragener Verwaltungsrat formell weiterhin eine Person mit einer ar- beitgeberähnlichen Stellung ist. Allerdings hat die Gesellschaft am 10. Juli 2024 ihre Auflösung und Liquidation beschlossen und sämtliche Verwaltungsratsmit- glieder wurden als Liquidatoren gewählt (vgl. Vi-act. 15), so dass die Funktion des Liquidators im Vordergrund steht und nicht jene des Verwaltungsratsmitglie- des. Es rechtfertigt sich daher, eine Einzelfallprüfung vorzunehmen und den Be- schwerdeführer nicht - entsprechend der Rechtsprechung zu Verwaltungsrats- mitgliedern (vgl. oben E. 2.3) - ohne weitere Prüfung allein aufgrund seiner Ei- genschaft als Verwaltungsrat vom Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung aus- zuschliessen. Denn mit dem Auflösungsbeschluss erlangte die C.________ AG den neuen Zweck der Liquidation, weshalb auch beim Beschwerdeführer die Funktion des Liquidators überwiegt (vgl. Art. 739 Abs. 2 OR, wonach die Befug- nisse der Organe der Gesellschaft mit dem Eintritt der Liquidation auf die Hand- lungen beschränkt werden, die für die Durchführung der Liquidation erforderlich sind); das den Gedanken von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG leitende Missbrauchsrisi-10 ko ist anhand der Funktion des Liquidators zu beurteilen. Dies bedingt rechtspre- chungsgemäss eine Beurteilung des konkreten Einzelfalles, indem das Risiko zu beurteilen ist, dass der Beschwerdeführer während der Liquidationsphase wie- dereingestellt oder der Betrieb reaktiviert wird bzw. wie gross die Einflussmög- lichkeit des Beschwerdeführers als Liquidator hierauf ist (vgl. oben E. 3.3). 3.5.2Nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit der Verfügung vom 31. Juli 2024 noch aufgrund seiner Verwaltungsratsmitgliedschaft vom Anspruch ausschloss, nahm sie nach Eingang der Einsprache und dem darin kommunizier- ten Beschluss über die Firmenliquidation (vgl. Vi-act. 23) weitere Abklärungen vor. Sie anerkannte in der Folge, dass die Gesellschaft durchaus Liquidations- schritte tätigte, gelangte aber dennoch zum Schluss, dass ein Missbrauchsrisiko einer Reaktivierung der Geschäftstätigkeit der C.________ AG bis zur endgülti- gen Löschung im Handelsregister dennoch nicht praktisch ausgeschlossen wer- den könne (vgl. oben E. 3.4.1). 3.5.3Das Gericht kann sich dieser vorinstanzlichen Beurteilung nicht anschlies- sen. Wohl trifft es streng rechtlich beurteilt zu, dass theoretisch die C.________ AG in Liquidation ihren Auflösungsbeschluss widerrufen (vgl. BGE 123 III 473 E. 5c), ihre Geschäftstätigkeit reaktivieren und auch den Beschwerdeführer wieder beschäftigen könnte. Dieses allein theoretische Missbrauchspotential besteht im konkret vorliegenden Einzelfall praktisch nicht. Nach dem Beschluss der Auflö- sung vom 10. Juli 2024 nahmen die Zuständigen der Firma die Liquidation ver- zugslos an die Hand (vgl. Belege unter Vi-act. 15). Die Mutation wurde umge- hend gemeldet und publiziert. Die operativ tätige Tochterfirma in Deutschland wurde verkauft, der dazugehörige Webauftritt ebenso. Das für das Geschäft der C.________ AG (als Insurtech-startup) notwendige IT-Fachpersonal (inkl. CTO) war in der portugiesischen Tochterfirma angestellt und wurde schon bis Ende Juni 2024 restlos entlassen. Die Telefonanschlüsse der Gesellschaft wurden nachweislich auf den vertraglich frühestmöglichen Termin gekündigt; ebenso die Versicherungsverträge. Dass diese im Zeitpunkt der vorinstanzlichen Entscheide noch bestand hatten, ist mit den vertraglichen Verpflichtungen genügend be- gründet und vermag eine Absicht zur Wiederaufnahme einer Geschäftstätigkeit mitnichten zu belegen. Von der Büroinfrastruktur hat sich die Gesellschaft ge- trennt. Dass die Domiziladresse noch besteht, ist nicht zuletzt deren Notwendig- keit bis zur Löschung der Gesellschaft aus dem Handelsregister geschuldet. An- fangs September 2024 wurden sämtliche Geschäftsbeziehungen mit allen Part- nern ordentlich gekündigt. Am 23. September 2024 wurde als weiterer zwingen- der Schritt der Gesellschaftsauflösung der Liquidationsschuldenruf publiziert (vgl. www.shab.ch; eingesehen am 2.1.2025). Hinzu kommt der vom Beschwerdefüh-11 rer zu Recht angeführte Umstand, dass es sich bei der C.________ AG um ein Startup mit Venture capital handelte. Mithin hing das Schicksal der Firma eng vom Willen der Investoren ab; einerseits der bereits vorhandenen Investoren und anderseits der Möglichkeit, Kapital aufzutreiben. So muss bei der Beurteilung des Missbrauchsrisikos auch berücksichtigt werden, dass im Frühjahr 2024 eine für den Fortbestand der Gesellschaft notwendige Finanzierungsrunde lanciert wur- de, welche aber erfolglos verlief. Dieses neue Kapital wäre für den Fortbetrieb notwendig gewesen; umgekehrt erscheint die Wiederaufnahme der Tätigkeit nach dem Auflösungsbeschluss und ohne das notwendige Kapital sowie nach Kündigung des Personals und sämtlicher Geschäftsbeziehungen ausgeschlos- sen. Hieran ändern die persönlichen Beziehungen unter den Gründern und der Umstand, dass es sich gemäss Gesellschaftszweck um einen Dienstleistungsbe- trieb handelt, nichts. 3.5.4Zusammenfassend kann in Beachtung aller konkreten Umstände des vor- liegenden Einzelfalles ein Missbrauch mit einem sehr hohen Grad an Sicherheit ausgeschlossen werden. Es rechtfertigt sich daher nicht, den Anspruch des Be- schwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung ab dem Zeitpunkt des Auflö- sungsbeschlusses, 10. Juli 2024, wegen einer arbeitgeberähnlichen Stellung zu verneinen. 4.Die Beschwerde erweist sich damit als begründet. Dem Beschwerdeführer kommt ab dem Zeitpunkt des Auflösungsbeschlusses der C.________ AG (10.7.2024) keine den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ausschliessende arbeitgeberähnliche Stellung mehr zu. Der Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2024 ist aufzuheben und die Sache zur Prüfung der weiteren Anspruchsvoraus- setzungen an die Vorinstanz zurückzuweisen, nachdem diese bislang noch nicht Gegenstand der vorinstanzlichen Prüfung bildeten. 5.1Es sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 61 lit. f bis ATSG). 5.2Nachdem der beanwaltete Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren obsiegt, ist ihm zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung zuzuspre- chen (Art. 61 lit. g ATSG / § 74 Abs. 1 VRP). Die Parteientschädigung ist in Be- achtung des kantonalen Gebührentarifs für Rechtsanwälte (GebTRA; SRSZ 280.411) vom 27. Januar 1975, welcher für das Honorar im Verfahren vor Ver- waltungsgericht in § 14 einen Rahmen von Fr. 300.-- bis Fr. 8'400.-- vorsieht, und unter Beachtung der in § 2 des Gebührentarifs enthaltenen Kriterien sowie in Ausübung des pflichtgemässen Ermessens auf insgesamt Fr. 2'000.-- (inkl. Bar- auslagen und MwSt) festzusetzen.12 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom 3. Ok- tober 2024 aufgehoben; dem Beschwerdeführer kommt seit dem 10. Juli 2024 keine den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ausschliessende arbeitgeberähnliche Stellung mehr zu. Die Sache wird zur Prüfung der wei- teren Anspruchsvoraussetzungen und neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Die Vorinstanz hat dem anwaltschaftlich vertretenen Beschwerdeführer ei- ne Parteientschädigung von Fr. 2'000.-- zu leisten. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwer- de* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, Schwei- zerhofquai 6, 6004 Luzern, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundes- gesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005). 5. Zustellung an: -den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (2/R) -die Vorinstanz (R) -und das Staatssekretariat für Wirtschaft, SECO, 3003 Bern (A). Schwyz, 28. Januar 2025 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Vizepräsident: Die a.o. Gerichtsschreiberin: *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 11. Februar 2025