B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6829/2019 U r t e i l v o m 1 2 . J u n i 2 0 2 0 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Yanick Felley, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Christian Wyss, Advokaturbüro, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 21. November 2019 / N (…). D-6829/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein sri -lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am (…) März 2016 und reiste auf dem Luftweg via B._______ in die Türkei. Zu Fuss überquerte er die Grenze nach Griechenland, wo er sich etwa fünf Monate lang aufhielt. Auf seiner weiteren Reise passierter er unter anderem Maze- donien, Serbien und Italien, bevor er schliesslich am 9. November 2016 mit dem Zug in die Schweiz einreiste. Am folgenden Tag stellte er im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ ein Asylgesuch. Dort wurde er am 24. November 2016 im Rahmen einer Befragung zur Person (BzP) zu seinen persönlichen Umständen, seinem Reiseweg so wie sum- marisch zu den Gesuchsgründen befragt. Am 28. August 2019 hörte ihn das SEM einlässlich zu seinen Asylgründen an. B. B.a Dabei führte der Beschwerdeführer aus, er sei in D._______ (Distrikt E._______, Nordprovinz), geboren. Seine Familie sei im Jahr 1995 ge- flüchtet und habe danach in F._______, Distrikt G._______, gelebt. Im Jahr 2008 sei sein älterer Bruder H._______ von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zwangsrekrutiert und in die (…) aufgenommen worden. Als der Krieg ausgebrochen sei, habe die Familie erneut flüchten müssen. Kurz darauf sei auch er zwangsweise von Angehörigen der LTTE mitgenommen worden und habe ein einmonatiges Training absolvieren müssen. Er sei aber nicht zum Kämpfen eingesetzt worden, sondern habe unter anderem Bunker ausheben, sich um Verletzte kümmern sowie Waffen vergraben müssen. Anfang Mai 2009 habe er die LTTE verlassen und sich auf die Suche nach seiner Familie gemacht. Mithilfe eines Bekannten habe er sie schliesslich in einem Flüchtlingslager gefunden, wobei sein älterer Bruder nur wenige Tage vor ihm ebenfalls zur Familie zurückgekehrt sei. Zusam- men hätten sie sich am 16. Mai 2009 den Regierungstruppen ergeben. Das Militär habe Zivilisten und LTTE-Leute getrennt, wobei er und sein Bruder auf Anraten ihres Vaters nicht gemeldet hätten, dass sie bei den LTTE ge- wesen seien. Die nächsten sechs Monate hätten sie in einem Flüchtlings- camp verbracht, bevor sie nach D._______ zurückgekehrt seien. Dort habe er die Schule (…) mit einem A-Level abgeschlossen und danach im (…)la- den seines Vaters gearbeitet. Im Jahr 2013 seien Leute des Criminal In- vestigation Department (CID) zu ihnen nach Hause gekommen und hätten nach seinem älteren Bruder gesucht, weil sie mitbekomme n hätten, dass D-6829/2019 Seite 3 er bei den Rebellen gewesen sei. Der Bruder sei aber nicht erwischt wor- den und habe sich für etwa drei Monate bei einem Kollegen versteckt. Nachdem die CID-Leute während dieser Zeit mehrmals zu ihnen gekom- men seien und nach dem Bruder gefragt hätten, habe der Vater ihn nac h Malaysia geschickt. Auch sein jüngerer Bruder sei einige Monate später nach Malaysia gegangen. Dieser habe eine grosse Narbe auf der (…) und sei deswegen an Stützpunkten immer wieder vom Militär ang ehalten und schikaniert worden. Seine eigenen Probleme hätten erst am (…) 2015 be- gonnen. Damals seien die Behörden zu ihm nach Hause gekommen, hät- ten ihn befragt und ihm vorgehalten, dass er bei den Rebellen gewesen sei und dies verheimlicht habe. Er habe ihnen gesagt, dass er nicht frei willig zu den Rebellen gegangen, sondern zwangsweise rekrutiert worden sei. Die Beamten hätten dann jemanden angerufen und es sei ein Van gekom- men. In diesem hätten sich bereits drei Personen mit verbundenen Augen befunden. Nachdem er eingestiegen sei, sei en auch ihm die Augen ver- bunden worden. Er sei zu einem unterirdischen Raum gebracht und zu sei- ner Zeit bei den LTTE befragt worden. Dabei seien ihm die Hände gefesselt worden und er habe sich hinknien müssen; zudem sei er einmal mit dem Fuss getreten worden. Noch am gleichen Abend hätten sie ihn freigelas- sen, wobei sie ihm die Adresse eines Camps gegeben und ihn aufgefordert hätten, sich am (…) 2015 dort zu melden. Er sei dieser Aufforderung aber nicht nachgekommen, sondern habe sich am (…) 2015 nach J._______ begeben. Dort habe er sich etwa drei Monate aufgehalten, wobei er in die- ser Zeit oft zu Hause gesucht worden sei. Sein Vater habe deshalb seine Ausreise organisiert. B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine sri -lankische Identitätskarte sowie eine temporäre Identitätskarte im Original ein. Zudem legte er einen Bericht aus dem Internet aus dem Jahr 2006 – welcher von der Ermordung seines Onkels un d seines Cou sins berichte – und eine schwarz-weiss Fotografie vor. C. Mit am Folgetag eröffneter Verfügung vom 21. November 2019 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Der Entscheid wurde gestützt auf Art. 16 Abs. 3 Bst. b AsylG (SR 142.31) in französischer Sprache verfasst, obwohl der Beschwerdeführer in K._______ wohnhaft ist. D-6829/2019 Seite 4 D. Mit Eingabe vom 23. Dezember 2019 erhob der Beschwerdeführer – han- delnd durch seinen Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht Be- schwerde gegen diesen Entscheid und beantragte, die angefochtene Ver- fügung sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventuell seien die Ziffern 4 und 5 der angefoc htenen Verfügung aufzuheben und er sei vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Rechtspflege, Verzicht auf die Erhe bung eines Ko stenvor- schusses und Beiordnung des unterzeichnenden Rechtsvertreters als amt- lichen Rechtsbeistand. Zudem beantrage er die Ansetzung einer Frist von dreissig Tagen zum Nachreichen weiterer Beweismittel, da er aus dem Hei- matstaat Briefe im Original erwarte, welche bislang noch nicht eingetroffen seien. Des Weiteren brachte er vor, das Abfassen der Verfügung in franzö- sischer Sprache sei unnötig diskriminierend, da seine Bekannten den Ent- scheid nicht hätten verstehen und ihm somit auch nicht hätten erläutern können. Das Gericht werde ersucht, das Verfahren in deutscher Sprache zu führen. Als Beschwerdebeilagen wurden – neben der angefochtenen Verfügung, einem Zustellnachweis und einer Vollmacht – folgende Unterlagen im Ori- ginal eingereicht: - Extract from the Information Book of D._______ Police Station (da- tierend vom (…) 2015; - Erklärung von L._______ vom 02.12.2019; - Erklärung der Eltern M._______ vom 01.12.2019; - Kopie UNHCR-Ausweise des Bruders H._______; - Schreiben von N._______ vom 28.11.2019; - Schreiben von O._______ sowie die Kopie eines in tamilischer Sprache verfassten Dokuments des C oordinating Center for Rehabilitation J._______; - Schreiben von P ._______ vom 01.12.2019 sowie die Kopie einer die- sen betreffenden "Detention Order vom 8. August 2009. Ferner wurden ein Zustellcouvert, ein Artikel aus "Der Bund" vom 29. No- vember 2019 sowie ein Artikel der Inter Press Service News Agency vom 2. Dezember 2019 zu den Akten gegeben. E. Der Beschwerdeführer setzte das Gericht mit Eingabe seines Rechtsver- treters vom 15. Januar 2020 darüber in Kenntnis, dass er eine Hilfsarbeit D-6829/2019 Seite 5 gefunden habe, welche seine Existenz gerade zu decken vermöge. Er ziehe das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege daher zurück. F. Mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2020 stellte der Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht in deutscher Sprache geführt werde. Zu- dem wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, einen Kostenvorschuss zu leisten und es wurde ihm die Gelegenheit einge räumt, die in Aussicht ge- stellten Beweismittel nachzureichen. G. Der Kostenvorschuss wurde innert der angesetzten Frist bezahlt. H. Das SEM liess sich mit Schreiben vom 23. April 2020 zur Beschwerde vom 23. Dezember 2019 vernehmen. I. Mit Eingabe vom 11. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter eine Replik ein. Dieser lagen ein Schreiben "To whom it may concern" sowie eine Registrierung sbestätigung der Human Rights Commission of Sri Lanka (beide datierend vom 8. Januar 2020), eine Be- stätigung des Grama Officer von Q._______, R._______ vom 4. Mai 2020 und eine Kostennote bei. J. Mit Eingabe vom 25. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer die Originale der mit der Replik eingereichten Beweismittel, i nklusive Zustellcouvert, nach. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än- derung des AsylG vom 25. September 2015). D-6829/2019 Seite 6 1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgeri chts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen D-6829/2019 Seite 7 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung seiner ablehnenden Verfügung führte das SEM aus, es sei erstaunlich, dass das CID bis im Jahr 2015 gebraucht haben soll, um herauszufinden, dass der Beschwerdeführer bei den LTTE gewesen sei. Zuvor sei er offenbar zu keinem Zeitpunkt verdächtigt worden, obwohl die Behörden bereits seit 2013 von der LTTE-Mitgliedschaft seines älteren Bruders gewusst hätten. Es sei auch zumindest erstaunlich, dass er am (…) 2015 nur zu seiner eigenen Person befragt worden sei und nicht auch zu seinem Bruder. Sodann sei es nicht glaubhaft, dass das CID – welches die verlangten Informationen von ihm, einem soeben gefassten ehemali- gen LTTE-Angehörigen, nicht e rhalten habe – ihn noch am gleichen Ta g einfach hätte nach Hause gehen lassen. Weiter habe er bei der Anhörung ausgesagt, dass ihm dabei die Adresse eines Camps gegeben worden sei, bei welchem er sich am (…) 2015 hätte melden sollen. Im Widerspruch dazu habe er bei der BzP angegeben, dass ihm die CID-Leute gesagt hät- ten, sie würden ihn zwei Tage später wieder für eine Befragung mitnehmen. Ebenso habe er erklärt, ihm sei am (…) gesagt worden, dass die Befragung nicht zu Ende gewesen sei, weshalb er am (…) erneut befragt werden würde. Dies habe er bei der Anhörung nicht erwähnt und ausgeführt, er vermute, dass er am (…) ins Vanni-Gebiet mitgenommen worden wäre, um Waffenverstecke ausfindig zu machen. Angesichts der vom Beschwerde- führer geltend gemachten behördlichen Suche nach ihm sei es auch er- staunlich, dass er mit seinem eigenen Pass über den Flughafen Colombo habe ausreisen können. Insgesamt vermöchten seine Ausführungen den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht zu ge- nügen und es sei nicht davon auszugehen, dass er seinen Heimatst aat unter den von ihm angegebenen Umständen verlassen habe. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts bleibe folglich anhand von Risikofaktoren zu prüfen, ob er bei einer Rückkehr dennoch begrün- dete Furcht vor einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG habe. Der Be- schwerdeführer habe vorliegend nicht glaubhaft machen können, dass er im Zeitpunkt der Ausreise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausge- setzt gewesen sei. Vielmehr habe er bis im März 2016 und damit fast sie- ben Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs in Sri Lanka gelebt. Allenfalls existierende Risikofaktoren hätten keinerlei Verfolgung von Seiten der sri- lankischen Behörden hervorzurufen vermocht. Aus den Akten ergäben sich keine Gründe, welche ihn ins Visier der Behörden geraten lassen könnten D-6829/2019 Seite 8 und aufgrund derer er befürchten müsste, bei einer Rüc kkehr verfolgt zu werden. Den Vollzug der Wegweisung erachtete das SEM als zulässig, zumutbar und möglich. Insbesondere habe der Beschwerdeführer vor der Ausreise mehr als sechs Jahre lang in E._______ und damit ausserhalb des Vanni- Gebiets gelebt. Bei einer Rückkehr könne er erneut bei seiner Familie woh- nen und im Laden seines Vaters arbeiten. Zudem könne er auf die Unter- stützung seines familiären und sozialen Netzes zählen. Er sei jung und habe weder familiäre Verpflichtungen noch gesundheitliche Probleme, wel- che ein Wegweisungsvollzugshindernis darstellen könnten. 4.2 In der Beschwerdeschrift wurde geltend gemacht, dass die Ausführun- gen des Beschwerdeführers stimmig, widerspruchsfrei und in den wesent- lichen Punkten ausreichend detailliert seien, um den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG zu genügen. Zudem sei die Anmer- kung des Hilfswerksvertreters zu beachten, wonach der Beschwerdeführer emotional stark unter dem Eindruck der Kriegsleiden gestanden habe und psychologische Abklärungen angezeigt sein könnten. In solchen Situatio- nen sei es schwierig, die LTTE-Vergangenheit wieder mit Worten zu rekon- struieren. Die Einwände des SEM, welche gegen die Glaubhaftigkeit spre- chen würden, seien dagegen wenig überzeugend. Am Ende des Krieges habe ein grosses Durcheinander geherrscht und das CID habe erst über die Jahre hinweg durch Befragungen und Denunziationen ein Wissensnetz erarbeitet. Es sei daher durchaus möglich, dass der Beschwerdeführer – bei welchem es sich um einen einfachen Soldaten gehande lt habe – erst mehrere Jahre nach Kriegsende bezichtigt worden sei, bei den LTTE ge- wesen zu sein. Zudem sei es weder als unlogisch zu erachten noch wider- spreche es der Arbeitsweise des CID, dass er nach einer ersten Befragung wieder freigelassen und verpfl ichtet worden sei, sich bei einem Camp zu melden. Er habe bei der ersten Befragung kooperiert und alle ihm bekann- ten Auskünfte gegeben. Dies habe Vertrauen geschaffen und nicht auf Fluchtgefahr schliessen lassen. Der vom SEM hervorgehobene Wider- spruch, er habe einmal gesagt, er werde zur Befragung vom (…) abgeholt, während er danach angegeben habe, er hätte sich beim Camp melden müssen, werde völlig überbewertet und mindere die Glaubhaftigkeit seiner Angaben in keiner Weise. Die betreffende Aussage an der BzP stehe zu- dem am Ende des freien Berichts, welcher von den Dolmetschern erfah- rungsgemäss zusammenfassend übersetzt werde. Der angebliche Wider- spruch erscheine in kleinlicher Weise herbeikonstruiert. Auch aus dem Um- stand, dass der Beschwerdeführer aus Sri Lanka habe ausreisen können, D-6829/2019 Seite 9 lasse sich nicht folgern, dass für ihn keine Gefährdung bestanden habe. Einerseits sei die Ausreise zu einem Zeitpunkt erfolgt, als die Recherchen des CID noch im Anfangsstadium gewesen seien. Andrerseits würden die Schlepper die Schwachstellen bei den K ontrollen am Flughafen kennen und ausnutzen. Sodann könne der Beschwerdeführer seine Ausführungen zusätzlich mit neuen Beweismitteln belegen. Sein Vater habe bei der Polizei wegen der Festnahme vom (…) 2015 Anzeige erstattet. Dem entsprechenden Auszug des "Information Book" lasse sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer damals für eine Befragung mitgenommen, verhört und gefoltert sowie an- schliessend freigelassen worden sei. Weiter stehe darin, dass er aufgefor- dert worden sei, sich am (…) 2015 erneut für eine Befragung zu melden, dass er aus Angst das Haus verlassen habe und seither ständig gesucht worden sei. Sodann bestätige e ine Nachbarin schriftlich , dass der Be- schwerdeführer Ende 2015 vom Militärgeheimdienst gesu cht worden sei. Auch seine Eltern hätten die von ihm geschilderten Ereignisse in einem Schreiben gegenüber dem Justice of Peace bestätigt. Weiter habe ein ehe- maliger Nachbar aus F._______ in einem Schreiben erklärt, dass er die Mitnahme des Beschwerdeführers durch LTTE-Kader mit eigenen Augen beobachtet habe. Schliesslich würden zwei weitere Schreiben von ehema- ligen LTTE-Angehörigen vorgelegt, welche die Tätigkeit des Beschwerde- führers für die LTTE bestätigten. Es werde dringend darum ersucht, die eingereichten Dokumente vor Ort zu überprüfen; dies erscheine insbeson- dere beim Auszug aus dem "Informatio n Book" der Polizei zweckmässig. Die Beweismittel würden die vom Beschwerdeführer geschilderte Rekru- tierung durch die LTTE, seine Tätigkeit für diese sowie die spätere Verfol- gung durch die Behörden belegen. Die LTTE gälten in Sri Lanka als Terrororganisation und deren ehemalige Mitglieder würden auch Jahre nach dem Krieg noch systematisch gesucht, befragt und dabei oft gefoltert. Manche würden auch entführt und zum Ver- schwinden gebracht. Die Verfolgung von ehemaligen LTTE -Angehörigen sei in Sri Lanka immer noch Realität. Aufgrund seiner Vorgeschichte sei der Beschwerdeführer daher als Flüchtling anzuerkennen. Entgegen der Ausführungen des SEM sei auch erwiesen, dass er am (…) 2015 mit einem Van entführt und bei der folgenden Befragung geschlagen und gedemütigt worden sei. Auch wenn daraus keine bleibenden Verletzungen resultiert hätten, falle dies unter das Folterverbot. Die Gefährdung des Beschwerde- führers werde dadurch akzentuiert, dass er bei den LTTE geholfen habe, Waffen zu vergraben, heute aber nicht mehr genau wisse, wo sich diese D-6829/2019 Seite 10 Verstecke befunden hätten. Bei einer erneuten Befragung durch das CID könnte dies dahingehend ausgelegt werden, dass er die betreffenden Orte bewusst verschweige. Die Sicherheitskräfte würden darauf oft mit Folter reagieren. Die mit der früheren LTTE -Tätigkeit zusammenhängende Ver- folgung durch Armeegeheimdienste und das CID sei eine Bedrohung, wel- che die Anforderungen von Art. 3 AsylG an die Unmittelbarkeit und Intensi- tät im Zeitpunkt der Flucht erf ülle, zumal immer noch nach ihm gesucht werde. Es sei ihm daher Asyl zu gewähren. Sollte die Flüchtlingseigenschaft wider Erwarten verneint werden, sei fest- zuhalten, dass die Wegweisung eines ehemaligen LTTE -Angehörigen nach Sri Lanka bei der aktuellen politischen Lage gegen das Non-Refoule- ment-Prinzip und Art. 3 E MRK verstossen würde. Der Beschwerdeführer gehöre zum Kreis der besonders gefährdeten Tamilen aus der Nord - und Ostprovinz, da er selbst bei den LTTE gewesen sei und über familiäre Ver- bindungen zu ihnen verfüge. Diese Gruppe von Personen werde oft will- kürlich verfolgt, festgehalten und in nicht menschenwürdiger Form befragt. Zudem bestehe bei den Betroffenen die Gefahr, von parastaatlichen Orga- nisationen schikaniert und erpresst zu werden. Er verfüge daher über ein erhebliches Gefährdungsprofil, das eine Wegweisung unzulässig oder zu- mindest unzumutbar erscheinen lasse. Die Situation habe sich durch die Wahl von Rajapaksa zum Präsidenten erneut verschärft, was auch der Vor- fall mit der Schweizer Botschaft im November 2019 belege. 4.3 In seiner Vernehmlassung führte das SEM aus, dass mit der Beschwer- deschrift diverse Schreiben von Dritten eingereicht würden, welche bezeu- gen sollen, dass der Beschwerdeführer in Sri Lanka tatsächlich verfolgt worden sei und aktuell das Risiko einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG bestehe. Es sei bekannt, dass derartige Schreiben leicht aus Gefäl- ligkeit erhältlich gemacht werden könnten. Die vorliegend eingereichten Beweismittel seien zudem von dem Beschwerdeführer nahestehenden Personen ausgestellt worden, weshalb sie einen noch geringeren Beweis- wert hätten. Hinsichtlich des Auszugs aus dem "Information Book" der Po- lizei von D._______ sei festzuhalten, dass solche Dokumente sehr einfach gefälscht werden könnten. Ebenso könne diese Art von Dokumenten leicht käuflich erworben werden. Schliesslich erstaune es, dass der Auszug, wel- cher aus dem Jahr 2015 datiere, erst im Zeitpunkt der Beschwerde im No- vember 2019 vorgelegt werde. Dem Schreiben könne insgesamt kein Be- weiswert beigemessen werden. Des Weiteren führe auch die Wahl von Go- tabaya Rajapaksa zum sri -lankischen Präsidenten nicht dazu, dass d er Wegweisungsvollzug als unzulässig anzusehen wäre. Zwar gebe es neben D-6829/2019 Seite 11 ersten Anzeichen für eine Zunahme der Überwachung auc h Befürchtun- gen, dass die Einschüchterung von Angehörigen von Minderheiten einer- seits sowie Menschenrechtsaktivisten, Journalisten oder Regierungskriti- kern andrerseits ansteigen werde. Es gebe zurzeit aber keinen Grund zur Annahme, dass ganze Volksgruppen unter Präsident Rajapaksa kollektiv dem Risiko einer Verfolgung ausgesetzt wären. Vielmehr prüfe das SEM stets im Einzelfall, ob ein Verfolgungsrisiko bestehe. Dies sei nur dann der Fall, wenn ein persönlicher Bezug des Asylsuchenden zur Präsident- schaftswahl vom November 2019 respektive zu deren Konsequenzen vor- liege. 4.4 Im Rahmen der Replik liess der Beschwerdeführer geltend machen, es sei verfehlt, Zeugenaussagen als leicht erhältliche Gefälligkeitsschreiben zu bezeichnen. Bei den meisten Beilagen handle es sich um Aussagen von Personen, die nicht mit ihm verwandt seien und kein persönliches Interesse an einer "Gefälligkeitsaussage" hätten. Das SEM nehme inhaltlich keine Stellung zu den Schreiben, überprüfe diese nicht und behaupte einfach, dass sie keinen B eweiswert hätten. Dieses Vorgehen sei unsachlich. So- dann enthalte der Auszug aus dem "Information Book" eine Anzeige, wel- che der Vater des Beschwerdeführers bei der Polizei gemacht habe. Über die Schweizer Botschaft könne dieser Auszug bei der Polizeistati on in D._______ überprüft werden. Der Umstand, dass die Beweismittel vom Beschwerdeführer erst nach Konsultation eines Anwalts vorgelegt worden seien, hänge damit zusammen, dass das SEM die Asylsuchenden nur for- mal auf ihre Mitwirkungspflichten aufmerksam mache. Die Betroffenen gin- gen davon aus, das eine Glaubhaftmachung der Asylgründe ohne Beweis- mittel genüge. Es spreche nicht gegen die Echtheit eines Dokuments, wenn dieses erst auf Beschwerdeebene eingereicht werde. Weiter prüfe das SEM vorliegend gerade nicht im Einzelfall, ob eine Wegweisung unter den aktuellen Umständen zulässig und zumutbar sei. Es bestehe beim Be- schwerdeführer eine konkrete Gefährdung, zu welcher sich die Vorinstanz nicht spezifisch äussere. Schliesslich habe sein Vater am 8. Januar 2 020 eine neue Bestätigung seiner Klage bei der Me nschenrechtskommission erhalten, welche den Beschwerdeführer und dessen Verfolgung betreffe. Der Koordinator der Menschenrechtskommission erkläre am Schluss des Papiers, dass die Nachforschungen der Kommissi on den vom Vater ge- schilderten Sachverhalt bestätigt hätten. In einem weiteren Schreiben des Grama Officer von Q._______ werde ausgeführt, dass der Beschwerde- führer aufgrund seiner Vergangenheit im Vanni-Gebiet immer noch gesucht werde und bei einer Rückkehr stark gefährdet wäre. D-6829/2019 Seite 12 5. 5.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen ei- nes Beschwerdeführers. Eine Be hauptung gilt bereits als glaubhaft ge- macht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb- nisse betreffende, substanziierte, weitgehend widerspruchsfreie und kon- krete Schilderung der Vorkommnisse, welche bei objektiver Betrachtung plausibel erscheint. Von unglaubhaften Ausführungen ist dagegen bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten ode r nachgeschobenen Vorbringen auszugehen. Entscheidend ist, ob bei einer Gesamtbeurteilung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Be- schwerdeführenden sprechen, überwiegen oder nicht. Demgegenüber reicht es für die Glaubhaftmachu ng nicht aus, wenn der Inhalt eines Vor- bringens zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Umstände we- sentliche Elemente gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre- chen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2013/11 E. 5.1). 5.2 Die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner Zeit bei den LTTE sind sehr ausführlich und detailliert. Er beschrieb insbesondere, wie er zwangsweise rekrutiert worden sei, welche Aufgaben er habe ausführen müssen und dass es ihm gelungen sei, im Mai 200 9 zu fliehen, als die LTTE die Kontrolle zunehmend verloren hätten und die Strukturen ausei- nandergefallen seien. Die entsprechenden Schilderungen sind weitestge- hend widerspruchsfrei und enthalten zusätzliche Realkennzeichen, indem der Beschwerdeführer Hand lungsabläufe kohärent darlegt und eigene Empfindungen sowie nebensächlich e Sachverhaltselemente – beispiels- weise dass sich ein älterer Mann nach seine Befinden erkundigt habe, als er nach seiner Flucht von den LTTE weinend durch die Zeltlager geirrt sei – erwähnt (vgl. A23, F42). Auf konkrete Nachfragen konnte er ergänzende Angaben machen, unter anderem zu seiner Rekrutierung und der erhalte- nen Ausbildung (vgl. A23, F45 ff.). Es ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2009 rund fünf Monate bei den LTTE gewe- sen ist und verschiedene Tätigkeiten für diese ausgeführt hat, ohne jedoch an Kämpfen teilzunehmen. Dies scheint auch die Vorinstanz in der ange- fochtenen Verfügung nicht in Abrede zu stellen. D-6829/2019 Seite 13 5.3 Demgegenüber weisen die Schilderungen des Beschwerdeführers zu den Ereignissen unmittelbar vor der Ausreise einen deutlich geringeren De- taillierungsgrad auf. Anders als bei den Angaben zu seiner Zeit bei den LTTE, welche der Beschwerdeführer im Rahmen des freien Berichts sehr ausführlich beschreibt, erschöpfen sich die Aussagen hinsichtlich der an- geblichen Mitnahme am (…) 2015 in wenigen Sätzen (vgl. A23, F42 f.). Auf konkrete Nachfragen konnte er nur wenige präzisierende Angaben machen (vgl. A23, F76 ff.). Vielmehr blieben seine Antworten kurz und es werden kaum persönliche Eindrücke geschildert. Dieser Bruch in der Erzählstruktur – verglichen mit den Ereignissen aus dem Jahr 2009 – ist als Indiz für die Unglaubhaftigkeit zu werden. Es ist zu beachten, dass die behaupteten Vorfälle im (…) 2015 bei den Befragungen durch das SEM eine erheblich kürzere Zeit zurücklagen, weshalb zu erwarten gewesen wäre, dass der Beschwerdeführer diese besser in Erinnerung hat und präzise darlegen kann. Dies war jedoch gerade nicht der Fall und die entsprechenden Aus- führungen sind wenig substanziiert ausgefallen. 5.4 Des Weiteren sind die Aussagen des Beschwerdeführer s im Zusam- menhang mit der Befragung im (…) 2015 teilweise widersprüchlich . So führte er bei der BzP aus, dass er bei der Mitnahme befragt und geschla- gen worden sei (vgl. A6, Ziff. 7.01). Auf die Frage, was er konkret bei einer Rückkehr in den Heimatstaat befürchte, erklärte der Beschwerdeführer er- neut, dass er geschlagen worden sei und seither Angst habe (vgl. A6, Ziff. 7.02). Anlässlich der Anhörung erwähnte der Beschwerdeführer jedoch kei- nerlei Schläge. Vielmehr führte er aus, bei der Befragung seien seine Hände gefesselt worden und er habe sich hinknien müssen. Zudem habe ihn einer der Befrager einmal mit dem Fuss getreten (vgl. A23, F76). Von diesen Umständen war hingegen bei der BzP nie die Rede. Die unter- schiedliche Darstellung erstaunt insbesondere deshalb, weil die betref- fende Befragung den Beschwerdeführer veranlasst haben soll, bereits am folgenden Tag nach J._______ zu gehen (vgl. A6, Ziff. 7.01). Da er sich erneut für eine solche Befragung hätte melden sollen respektive weil er deshalb von den Behörden gesucht worden sei, habe er sich schliesslich zur Ausreise entschieden (vgl. A23, F42). Die geltend gemachte Befragung vom (…) 2015 scheint somit der unmittelbare Auslöser für die Ausreise ge- wesen zu sein, weshalb zu erwarten gewesen wäre, dass der Beschwer- deführer diesen für ihn einschneidenden Vorfall substanziiert und wider- spruchsfrei darlegen kann. Das SEM wies in diesem Zusammenhang auch zu Recht darauf hin, dass er bei der BzP ausführte, er werde am (…) 2015 wiederum für eine Befrag ung mitgenommen (vgl. A6, Ziff. 7.01), während er bei der Anhörung erklärte, er hätte sich zwei Tage später selbst in einem D-6829/2019 Seite 14 Camp melden müs sen (vgl. A23, F42 und F68). Auf Beschwerdeebene wurde eingewendet, dieser Widerspruch werde völlig überbewertet. Die Aussage an der BzP stehe am Ende der Übersetzung des freien Berichts, welcher von den Dolmetschern erfahrungsgemäss zusammenfassend übersetzt werde. Es komme dabei rasch einmal zu unpräzisen Überset- zungen. Weiter unten sei die Sequenz denn auch korrekt übersetzt worden. Die dort protokollierte Aussage "aus diesem Grund würden sie mich am (…) wieder befragen" stimme überein mit der Angabe anlässlich der Anhö- rung "dass ich mich am (…) 2015 dort melden soll." Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer bei der BzP gerade nicht er- wähnte, dass er sich selbständig in einem Camp hätte melden müssen. Vielmehr führte er aus, dass zwei Tage später eine zweite Befragung hätte stattfinden sollen und er deswegen erneut mitgenommen worden wäre. Diese Darstellung stimmt nicht überein mit der klaren Aussage bei der An- hörung, wonach ihm die Adresse eines Camps gegeben worden sei, bei dem er sich hätte melden sollen. Den Akten lassen sich dabei keine Hin- weise auf eine mangelhafte Übersetzung bei der BzP entnehmen. Die pau- schale Behauptung, dass der freie Bericht häufig zusammenfassend über- setzt werde und es schnell einmal zu Ungenauigkeiten komme , vermag nicht zu überzeugen. Das Protokoll wird den Asylsuchenden jeweils rück- übersetzt und von ihnen unterschriftlich bestätigt. Dies dient nicht zuletzt dazu, Fehler bei der Übersetzung aufzudecken. Vorliegend wurden aber keine entsprechenden Anmerkunge n oder Korrekturen angebracht. So- dann fällt auf, dass der Beschwerdeführer bei der Anhörung mehrmals er- klärte, dass sich die Befrager vor allem für Waffenverstecke interessiert hätten, weshalb er befürchtet habe, die Behörden würden ihn bei der nächsten Be fragung nach S._______ mitnehmen, damit er ihnen diese zeige (A23, F42 f., F62, F67 f.). Auch dies erwähnte er bei der BzP mit keinem Wort. Es ist zwar festzuhalten, dass die Asylgründe bei der ersten Befragung nur summarisch erhoben werden. Es handelt sich dabei jedoch um ein wichtiges Sachverhaltselement, da der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge gerade aus Furcht vor dieser weiteren Mitnahme respek- tive Befragung geflohen sein will. 5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Er- eignisse unmittelbar vor seiner Ausreise und damit die zentralen Gründe für seine Flucht nicht kohärent und substanziiert zu schildern vermochte. Angesichts der erwähnten Ungereimtheiten überwiegen im Rahmen einer Gesamtbetrachtung die Elemente, welche gegen deren Glaubhaftigkeit sprechen. Die Erwägungen der Vorinstanz, wonach die Vorbringen des Be- schwerdeführers den Anforderungen an das Glaubhaftmachen im Sinne D-6829/2019 Seite 15 von Art. 7 AsylG nicht genügten, sind daher im Ergebnis zu bestätigen. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer am (…) 2015 von den Behörden mitgenommen und an einem unbekannten Ort befragt wor- den ist sowie dass er zwei Tage später erneut für eine Befragung mitge- nommen worden wäre respektive sich für eine solche in einem Camp hätte melden sollen. 5.6 5.6.1 Mit der Beschwerdeschrift wur den fünf handschriftliche Schreiben von verschiedenen Personen – in tamilischer Sprache mit englischer Über- setzung – eingereicht, welche die Angaben des Beschwerdeführers bestä- tigen sollen. Gemäss den jeweiligen Datierungen wurden die Dokumente zwischen Ende November und Anfang Dezember 2019 ausgestellt. Ledig- lich zwei davon äussern sich zu den Ereignissen von 2015, und zwar die Erklärung einer Nachbarin sowie jene der Eltern des Beschwerdeführers gegenüber dem "Justice of Peace". Das Schreiben des Nachbarn aus F._______ beschreibt dagegen die zwangsweise Rekrutierung des Be- schwerdeführers und zwei Zeugenberichte von ehemaligen Angehörigen der LTTE bestätigen seine LTTE-Mitgliedschaft. In Bezug auf diese Beweismittel ist festzuhalten, dass eine Überprüfung des Inhalts der handschriftlichen Schreiben kaum möglich sein dürfte. Auch wenn nur die Eltern mit dem Beschwerdeführer verwandt sind, so handelt es sich bei (ehemaligen) Nachbarn und Bekannten aus der LTTE-Zeit den- noch um ihm nahestehende oder persönlich verbundene Personen. Das SEM wies zutreffend darauf hin, dass solche Unterlagen in Sri Lanka oft aus Gefälligkeit ausgestellt würden und ihnen kaum ein Beweiswert beige- messen werden kann. Zudem sind d ie beiden Schreiben, welche die vor- liegend entscheidenden Vorfälle aus dem Jahr 2015 thematisieren ( Be- schwerdebeilagen 6 und 7) , äusserst allgemein formuliert. Gemäss dem Schreiben der Eltern sollen die Leute des Militärgeheimdienstes auch im- mer noch nach dem Beschwerdeführer suchen. Dies widerspricht jedoch dessen eigenen Ausführungen, wonach die Suche nach ihm einige Monate nach seiner Ankunft in der Schweiz aufgehört habe (vgl. A23, F88). Insge- samt sind die vorgelegten Zeugenaussagen als Gefälligkeitsschreiben an- zusehen und nicht geeignet, die Vorbringen des Beschwerdeführers zu sei- ner angeblichen Mitnahme im Jahr 2015 zu belegen. 5.6.2 Weiter wurde als Beweismittel ein "Extract from the Information Book of D._______ Police Station" eingereicht. Dieser hält fest, dass der Vater des Beschwerdeführers am (…) 2015 bei der Polizei Anzeige erstattet D-6829/2019 Seite 16 habe. Dabei habe er zu Protokoll gegeben, s ein Sohn sei am (…) 2015 mitgenommen und wieder freigelassen worden, nachdem er gefoltert und befragt worden sei. Da er am (…) 2015 erneut hätte befragt werden sollen, habe er das Haus verlassen. Diesbezüglich ist anzumerken, dass ein sol- cher Auszug aus dem Polizeibuch nicht nur relativ leicht fälschbar ist, son- dern – selbst wenn es sich um ein authentisches Dokument handelt – in- haltlich nur das wiedergibt, was eine anzeigende Person meldet. Dies schränkt den Beweiswert erheblich ein. Eine Überprüfung des Dokuments im Heimatstaat, wie in der Beschwerdeschrift beantragt wird, erscheint da- her nicht angezeigt, da eine solche keine eindeutigen Rückschlüsse auf den Wahrheitsgehalt der Angaben des Vaters zuliesse. Entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung ist es auch nicht nachvollzieh- bar, weshalb das Dokument, welches eine Anzeige aus dem Jahr 2015 be- trifft, nicht bereits während des erstinstanzlichen Verfahrens eingereicht wurde. Die diesbezügliche An merkung auf Beschwerdeebene, dass die Asylsuchenden lediglich formal auf ihre Mitwirkungspflicht aufmerksam ge- macht werden, erscheint dabei nicht als ausreichende Erklärung. Der Be- schwerdeführer wurde bei den beiden Befragungen vom SEM nicht nur einleitend auf seine Mitwirkungspflicht hingewiesen . Anlässlich der Anhö- rung wurde er auch ausdrücklich gefragt, ob er Dokumente oder Beweis- mittel vorzuweisen habe (vgl. A23, F3 f.). Daraufhin reichte er entspre- chende Unterlagen zu den Akten. Es ist nicht ersichtlich, weshalb er allfäl- lige weitere vorhandene Beweismittel nicht zu einem früheren Zeitpunkt hätte vorlegen können. 5.6.3 Schliesslich ist auch hinsichtlich der zusammen mit der Replik einge- reichten Anzeige bei der Human Rights Commission of Sri Lanka respek- tive der entsprechenden Registrierungsbestätigung festzuhalten, dass der- artige Dokumente nicht nur leicht fälschbar sind, sondern auch käuflich er- worben werden können. Zudem stellt sich hier ebenfalls die Frage, weshalb die Dokumente erst Anfang des Jahres 2020 ausgestellt worden sind. Ge- mäss den vorgelegten Unterlagen soll der Vater die Anzeige bereits im April 2016 gemacht haben. Es erschliesst sich nicht, weshalb die entsprechende Registrierungsbestätigung erst fast vier Jahre später, am 8. Januar 2020, ausgestellt worden sein soll. Inhaltlich bestätigt die Anzeige im Wesentli- chen die Vorbringen des Beschwerdeführers – gemäss den Aussagen, wel- che der Vater gegenüber der Human Rights Commission gemacht habe – und es wird abschliessend Folgendes festgehalten: "On our investigation we found the above mentioned particulars are true and correct as we can certify." Es wird jedoch weder dargelegt, welche Untersuchungen getätigt worden seien noch welche Gründe zur Annahme geführt hätten, dass die D-6829/2019 Seite 17 erwähnten Einzelheiten wahr sind. Vor dem Hintergrund der leichten Fälschbarkeit respektive käuflichen Erwerbbarkeit eines solchen Doku- ments sowie angesichts des Ausstellungsdatums kann diesem Schreiben kein massgeblicher Beweiswert zugemessen werden. Ergänzend ist fest- zuhalten, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Befragungen we- der eine Anzeige seines Vaters bei der Polizei noch eine solche bei der Human Rights Commission of Sri Lanka erwähnte. 5.6.4 Schliesslich wurde mit der Re plik ein Schreiben des Grama Officer von Q._______ eingereicht mit dem Titel "Confi rm the danger situation", datierend vom 4. Mai 2020. Dieses erweist sich als äusserst kurz und stellt lediglich fest , dass der Beschwerdeführer 2008 i m Vanni-Gebiet gelebt habe und von unbekannten Personen gesucht worden sei. Weiter wird aus- geführt, dass der Beschwerdeführer zwar nicht in Sri Lanka sei, aber immer noch gesucht werde und ihn dort grosse Gefahr erwarte. Das erst kürzlich erstellte Schreiben wurde offensichtlich auf Wunsch des Vaters des Be- schwerdeführers ausgestellt und ist als G efälligkeitsschreiben zu werten. Die Angabe, es werde nach wie vor nach dem Beschwerdeführer gesucht, widerspricht denn auch seinen eigenen Aussagen bei der Anhörung, wo- nach die Suche nach ihm einige Monate nach seiner Ausreise aufgehört habe (vgl. A23, F87 f.). 5.6.5 Insgesamt erweisen sich die auf Beschwerdeebene vorgelegten Be- weismittel als nicht überzeugend und sie erscheinen nicht geeignet, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Ereignisse im Jahr 2015 zu be- legen. 5.7 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelang, eine im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Vorverfolgung nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Es ist nicht davon auszugehen, dass er im (…) 2015 aufgrund seiner LTTE -Vergangenheit erstmals von den Behörden aufgesucht, befragt und mitgenommen worden sei. Entsprechend ist auch nicht anzunehmen, dass er – nachdem er in der Folge sein zu Hause verlassen habe – von den heimatlichen Sicherheits- behörden gesucht sowie dass nach der Ausreise weiterhin nach ihm ge- fragt worden sei. Im Folgenden ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer aus anderen Grün- den bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen. D-6829/2019 Seite 18 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, O pfer ernsthafter Nach- teile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risi- kofaktoren. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der sogenannten „Stop-List“ und die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden da- bei als stark risikobegründende Faktoren eingestuft . Demgegenüber stel- len das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem west lichen Land schwach risikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitreichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri- lankischen Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wieder- aufleben zu lassen. Das Gericht hat im Einzelfall die konkret glaubhaft ge- machten Risikofaktoren in einer Gesamtschau sowie unter Berücksichti- gung der konkreten Umstände zu prüfen und zu erwägen, ob mit beachtli- cher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung vor- liegt (Urteil E-1866/2015 E. 8). 6.2 Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt E._______ und lebte zwischen 1995 und 2009 im Vanni-Gebiet. Er brachte vor, dass Ende 2008 sein älterer Bruder und wenige Zeit später er selbst zwangsweise von den LTTE rekrutiert worden sei. Kurz vor Kriegsende hätten sie beide die LTTE verlassen und seien anschliessend in ein Flüchtlingslager gekommen, ohne ihre Tätigkeiten den Behörden gegenüber offenzulegen. Entspre- chend seien sie auch nicht in einem Rehabilitationscamp gewesen. Von seiner Familie sei ausserdem ein Onkel als Rebell getötet worden (v gl. A23, F16) und eine Cousine väterlichers eits sei ebenfalls bei der Bewe- gung gewesen (vgl. A23, F36). Der Beschwerdeführer weist damit sowohl eigene als auch familiäre Verbindungen zu den LTTE auf, was als stark risikobegründender Faktor gilt. Dies bedeutet jedoch noch nicht, dass er zu jener kleinen Gruppe zu zählen ist, die bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. D-6829/2019 Seite 19 Der Beschwerdeführer kehrte nach dem Ende des Krieges mit seiner Fa- milie in den Distrikt E._______ zurück. Dort schloss er die Schule ab, ging einer Arbeitstätigkeit im Laden seines Vaters nach und hielt sich bis im Jahr 2015 in der gleichen Ortschaft auf (vgl. A6, Ziff. 1.17.04 f. und 2.01). Es gelang ihm nicht, glaubhaft zu machen, dass er vor seiner Ausreise in den Fokus der heimatlichen Sicherheitsbehörden geriet und in diesem Zusam- menhang gesucht wurde. Es ist daher davon auszugehen, dass er nach Kriegsende mehr als sechs Jahre lang unbehelligt in Sri Lanka gelebt hat. Zwar machte er geltend, dass sein älterer Bruder im Mai 2013 aufgrund seiner LTTE-Mitgliedschaft von den Behörden gesucht und in der Folge nach Malaysia ausgereist sei ( vgl. A23, F32 ff. und F59 ff.). Selbst wenn dies zutreffen sollte, ist festzuhalten, dass der B eschwerdeführer danach noch mehr als zwei Jahre am selben Ort gewohnt hat, ohne dass es zu Problemen mit den Behörden gekommen wäre. Es wurde auch nicht gel- tend gemacht, dass andere Familienmitglieder nach der vorgebrachten Ausreise des Bruders Schwierigke iten mit den Behörden bekommen hät- ten. Hinweise auf eine Reflexverfolgung aufgrund von familiären Verbin- dungen zu den LTTE lassen sich den Akten an keiner Stelle entnehmen. Es gibt auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass gegen den Be- schwerdeführer ein Strafverfahren eröffnet oder ein Haftbefehl ausgestellt worden wäre. Es ist daher nicht anzunehmen, dass er auf der sogenannten "Stop-List" vermerkt ist und bei einer Rückkehr befürchten müsste, unmit- telbar bei der Einreise verhaftet zu werden. Sodann war er im Heimatstaat zu keinem Zeitpunkt politisch tätig und es liegen auch keine exilpolitischen Aktivitäten vor (vgl. A6, Ziff. 7.02 und A23, F92). Zwar ist der Beschwerde- führer tamilischer Ethnie, hielt sich mehrere Jahre in der Schweiz auf und verfügt über keinen Reisepass. Diese lediglich schwach risikobegründen- den Faktoren erscheinen jedoch nicht geeignet, dazu zu führen, dass er von den sri-lankischen Behörden als Unterstützer der LTTE respektive als Person wahrgenommen wird, die bestrebt ist, den ta milischen Separatis- mus wiederaufleben zu lassen. Insgesamt weist er kein Profil auf, welches darauf schliessen lassen müsste, dass er bei einer Rückkehr die Aufmerk- samkeit der heimatlichen Sicherheitsbehörden auf sich ziehen würde. Un- ter Würdigung aller Umstände des vorliegenden Falles ist nicht davon aus- zugehen, dass der Beschwerdeführer in den Augen des sri-lankischen Re- gimes als Gefahr für den Einheitsstaat Sri Lanka angesehen würde und ihm deswegen ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen könn- ten. D-6829/2019 Seite 20 6.3 6.3.1 An dieser Stelle ist sodann festzuhalten, dass die allgemeine Lage in Sri Lanka in jüngster Zeit verschiedenen Veränderungen unterworfen war. So wurde am 16. November 2019 Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsi- denten Sri Lankas gewählt. Dieser war unter seinem Bruder Mahinda Raja- paksa, welcher von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekre- tär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Be- obachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verant- wortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band ei- nen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein. Die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren damit im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilun- gen oder –institutionen (vgl. https://www.aninews.in/news/world/asia/sri- lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-mi- nisters-of-state20191127174753/, abgerufen am 28.05.2020). Beobachter sowie Angehörige von ethnischen und religiösen Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von ver- schiedenen Personengruppen, darunter Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regie- rungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Re- gierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Des Weite- ren kam es Ende des letzten Jahres zu einem Konflikt zwischen der Schweizer Botschaft und den sri-lankischen Behörden. Dieser stand im Zu- sammenhang mit der – in der Beschwerdeschrift ebenfalls erwähnten – Entführung einer Botschaftsangestellten, die gezwungen worden sein soll, interne Informationen preiszugeben. Die diplomatischen Beziehungen ha- ben sich aber zwischenzeitlich wieder normalisiert und es wurden bereits Rückschaffungen nach Sri Lanka durchgeführt, ohne dass die Betroffenen über die bekannten Befragungen am Flughafen und am Wohnort hinaus- gehenden Problemen ausgesetzt waren. Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist es beim derzeitigen Kenntnis- stand durchaus als möglich zu erachten, dass sich die Gefährdungslage für Personen mit einem bestimmten Risikoprofil akzentuieren könnte (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016; HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, D-6829/2019 Seite 21 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs- gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asyl- suchenden Person zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019, zu deren Folgen respektive zu den jüngsten Ent wicklungen in Sri Lanka be- steht. 6.3.2 Vorliegend gelang es dem Beschwerdeführer nicht, glaubhaft zu ma- chen, dass er in der Heimat behördlicher Verfolgung ausgesetzt gewesen war. Es sind auch keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass er im aktuel- len politischen Kontext in Sri Lanka in den Fokus der sri-lankischen Behör- den geraten könnte und mit asylrelevanter Verfolgung zu rechnen hätte. 6.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer nichts vor- gebracht hat, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuwei- sen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylge- such zu Recht abgelehnt. 7. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet. 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtu ngen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 D-6829/2019 Seite 22 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahre n keine Anwendung finden. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts – an welcher weiterhin festzuhalten ist – lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug u nzulässig erscheinen (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 E. 12.2 f.). Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europä- ischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN - Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Ge- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kam- mer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies gelingt ihm jedoch nicht. Zu kei- ner anderen Einschätzung führt auch das Vorbringen in der Beschwerde- schrift, wonach der Beschwerdeführer zu jener Gruppe von besonders ge- fährdeten Tamilen gehöre, welche oft willkürlich verfolgt sowie Opfer von Schikanen und Erpressungen durch parastaatliche Organisationen werde. Für eine derartige Befürchtung besteht vorliegend kein konkreter Anlass. D-6829/2019 Seite 23 Daran vermag auch das Ergebnis der Präsidentschaftswahl vom Nove m- ber 2019 und deren Auswirkungen auf die Lage in Sri Lanka nichts zu än- dern, da kein persönlicher Bezug des Beschwerdeführers zu diesen Ereig- nissen erkennbar ist. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völke rrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4 8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Zurzeit herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. In den beiden Refe- renzurteilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Ok- tober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung der Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Weg- weisungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter Einschluss des Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorliegen von indi- viduellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine ge- sicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann. Auch die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka – namentlich die Wahl von Gotabaya Raja paksa zum Präsidenten und deren Folgen – sowie die Nachwirkungen der Anschläge vom 21. April 2019 führen nicht dazu, dass der Wegweisungsvollzug generell als unzumutbar angesehen werden müsste. 8.5 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer ist heute (…) Jahre alt und lebte zuletzt mehrere Jahre bei seiner Familie im Distrikt E._______, Nordprovinz. Er verfügt über einen A -Level-Abschluss, arbei- tete im (…)laden seines Vaters und hat keine aktenkundigen gesundheitli- chen Probleme. Von seiner Kernfamilie leben seine Eltern und zwei jüngere Geschwister nach wie vor am gleichen Ort; zahlreiche weitere Verwandte leben in der Umgebung von E._______ (vgl. A23, F18 ff.). Er verfügt somit D-6829/2019 Seite 24 über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz, welches ihn bei der Wie- dereingliederung im Heimatstaat unterstützen kann. Angesichts seiner gu- ten Schulbildung und der vorhandenen Arbeitserfahrung ist davon auszu- gehen, dass er in Sri Lanka ein ausreichendes Erwerbseinkommen wird erwirtschaften können und bei einer Rückkehr nicht in eine existenzielle Notlage gerät. 8.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls notwen- digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.7 Auch die aktuellen Massnahmen im Zusammenhang mit der weltweiten Ausbreitung der Coronavirus -Krankheit (Covid-19) stehen dem Wegwei- sungsvollzug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugs- modalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird (vgl. Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.). 8.8 Schliesslich steht auch die Coronavirus-Pandemie dem Wegweisungs- vollzug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmo- dalitäten durch die kantonale n Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs- kommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e, Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.). 8.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Er wägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. D-6829/2019 Seite 25 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Begleichung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-6829/2019 Seite 26 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Regula Aeschimann Versand: