<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp275008"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>91 IV 210<br/><br/><br/><div class="paraatf">56. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 2. November 1965 i.S. Louis gegen Polizeirichteramt der Stadt Zürich.</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp276384"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref">Art. 51 Abs. 3 SVG</span>, <span class="artref">Art. 56 Abs. 2 VRV</span>. <div class="paratf">Der Fahrzeugführer, der bei blossem Sachschaden der Meldepflicht gegenüber dem Geschädigten nachkommt, sich aber der Pflicht zur Mitwirkung bei der polizeilichen Tatbestandsfeststellung entzieht, verletzt nur <span class="artref">Art. 56 Abs. 2 VRV</span>, nicht auch <span class="artref">Art. 51 Abs. 3 SVG</span>. </div> </div> </div> <a name="idp285072"></a> <a name="idp295104"></a> <br/><div> <a name="idp300064"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> <span class="small">ab Seite 211</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page211"></a><div class="center pagebreak">BGE 91 IV 210 S. 211</div> </div> <div class="paraatf">Aus den Erwägungen:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp302080"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span>Bei Unfällen mit blossem Sachschaden obliegt dem Schädiger die Pflicht zur Meldung, der er genügt, wenn er den Geschädigten sofort benachrichtigt und diesem Namen und Adresse angibt (<span class="artref">Art. 51 Abs. 3 SVG</span>). Nur wenn der benachrichtigte Geschädigte die Polizei beiziehen will, ist der Schädiger ausserdem verpflichtet, bei der polizeilichen Feststellung des Tatbestandes mitzuwirken, bis er von der Polizei entlassen wird (<span class="artref">Art. 56 Abs. 2 VRV</span>). Diese weitere Pflicht ist nicht Bestandteil der Meldepflicht, sondern hat selbständigen Charakter. Das ergibt sich daraus, dass <span class="artref">Art. 51 Abs. 3 SVG</span> es bei der Anzeigepflicht des Schädigers bewenden lässt und eine Pflicht zur Mitwirkung bei der polizeilichen Tatbestandsfeststellung, die vom Geschädigten veranlasst wird, nicht vorsieht. Die weitergehende Vorschrift des <span class="artref">Art. 56 Abs. 2 VRV</span> wurde offenbar im Hinblick auf Fälle erlassen, in denen es unklar oder bestritten ist, welcher der Beteiligten für den Sachschaden verantwortlich ist; die Bestimmung spricht deshalb nicht vom Schädiger, sondern nur von den am Unfall Beteiligten. Der Schädiger, der der gesetzlichen Meldepflicht nachkommt, sich aber der Pflicht zur Mitwirkung bei der polizeilichen Feststellung des Sachverhaltes entzieht, handelt daher nur der Ausführungsvorschrift des <span class="artref">Art. 56 Abs. 2 VRV</span> zuwider, nicht auch <span class="artref">Art. 51 Abs. 3 SVG</span>.</div> <div class="paraatf">(Folgen Ausführungen darüber, dass der Schädiger, der dem anwesenden Geschädigten durch Überreichung des Versicherungsausweises Namen und Adresse bekannt geben wollte, trotz Ablehnung dieses Angebotes durch den Geschädigten seine Meldepflicht erfüllte und dadurch, dass er sich hierauf entfernte, obschon er erkennen konnte, dass der Geschädigte die Polizei holen ging, bloss gegen <span class="artref">Art. 56 Abs. 2 VRV</span> verstiess.)</div> </div></body></html>