B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1191/2009 U r t e i l v o m 1 9 . S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Muriel Beck Kadima, Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler. Parteien A._______, Sri Lanka, vertreten durch Monique Bremi, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Januar 2009 / N (…). E-1191/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein aus der Region Jaffna stammender Tamile mit letztem Wohnsitz in Colombo, verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufol- ge am 20. November 2008 und reis te am 3. Dezember 2008 in die Schweiz ein. Gleichentags suchte er im Empfangs - und Verfahrenszent- rum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nach. Am 5. Dezember 2008 wurde er im EVZ zu seiner Ausreise und den Asylgründen befragt. Dabei gab er zu Protokoll, er werde im Heimatland von der Armee gesucht. Der Grund sei, dass sein Bruder, welcher bei einem Gefecht getötet worden sei, für die LTTE gekämpft habe, und er einer Heldenfamilie angehöre . Erstmals sei er zirka im Mai 2006 gesucht worden. Damals seien zwei Personen auf einem Motorrad zu ihm nach Hause gekomme n, als er gerade abwesend gewesen sei. Im August 2007 sei er ein weiteres Mal gesucht worden, wiederum von zwei Männern auf Motorrädern. Diese hätten ihn ins Camp B.________ mitgenommen. Am folgenden Morgen hätten sie ihn wieder gehen lassen, nachdem die Mutter vorbeigekommen sei, geweint und um seine Freilassung gebeten habe. In Colombo , wo er bei einem Freund seines Halbbruders während eines Jahres gelebt habe, sei er später dreimal von der Polizei in Wellawatte (Colombo) gesucht worden. Einmal, zirka im Mai 2008, sei er für zirka drei Stunden mit auf den Posten g e- nommen worden. Er habe damals erklären müssen, wieso er sich in C o- lombo aufhalte. Im Oktober 2008 sei er letztmals gesucht worden. Im No- vember 2008 habe ihm dann sein Halbbruder aus C._______ die Ausrei- se finanziert. Der Beschwerdeführer reichte am 3. Dezember 2008 eine "Householder's List", ausgestellt am 4. November 2007, ein, welcher zu entnehmen ist, dass er in Wellawatte bei seinem Bruder (…) wohnhaft war. B. Am 15. Dezember 2008 wurde der Besc hwerdeführer vom BFM einläs s- lich zu seinem Asylgesuch angehört. Dabei führte er aus, er sei in Jaffna von der Armee mitgenommen worden, weil ein Freund, der Beziehungen zu den LTTE gehabt habe, bei der Verhaftung seine Telefonnummer auf dem Handy gehabt und die Armee diese entdeckt habe. Sein Freund ha- be den Namen verraten, mit der Folge, dass er (der Beschwerdeführer) danach von der Armee ins Camp B._______ mitgenommen worden sei. Er sei dann für eine Viertelstunde verhört und in der Folge bis zum nächs- ten Tag festgehalten worden. Es sei ihm befohlen worden, sich jederzeit E-1191/2009 Seite 3 zur Verfügung zu halten. Er sei trotzdem, ausgestattet mit einem Passie r- schein, per Schiff nach Colombo gegangen. Dort habe er in der Folge bei einem Freund seines Brud ers gewohnt. Er sei von der Polizei mitgeno m- men und nach dem Grund seines Aufenthaltes gefragt worden. Er habe erzählt, in Jaffna Probleme gehabt zu haben. Nach seiner Meldung bei der Polizei habe er zuerst ohne Probleme in Colombo gelebt, bis im O k- tober 2008 die Tamilen aufgerufen worden seien, Colombo zu verlassen und wieder in den Norden zurückzukehren. Als mehrere alleinstehende Personen festgenommen worden seien, habe er Angst bekommen und sich versteckt. Dank seines Passbesitzes und der Hilfe des Freu ndes seines Bruders habe er ein Visum für die Einreise nach Singapur erha l- ten. In Singapur habe ihm der Schlepper noch ein italienisches Visum be- sorgt. Dem Beschwerdeführer wurde während der Anhörung die Möglich- keit eingeräumt, zu den Unstimmigkeiten in de n Aussagen und den W i- dersprüchen gegenüber dem Empfangsstellenprotokoll Stellung zu ne h- men. C. Mit Verfügung vom 21. Januar 2009 – eröffnet am 22. Januar 2009 – wies das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung samt Vollzug an. Zur Begründung des Entscheides führte das BFM an, die Vorbringen vermöchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht zu genügen. Den Wegweisungsvollzug erachte- te das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. D. Mit Eingabe vom 23. Februar 2009 erhob der Beschwerdeführer durch seinen damaligen Rechtsvertreter gegen die Verfügung des BFM vom 21. Januar 2009 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er liess beantragen, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben , er sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei wegen Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs die vorläufige Aufnahme zu erteilen. Subeventualiter sei die Sache zu r Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In ver- fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses. Der Eingabe lagen eine Kopie der Geburtsurkunde des ver- storbenen Bruders des Beschwerdeführers sowie ein "Affidavit" seiner Mutter betreffend die Todesumstände dieses Bruders bei. E-1191/2009 Seite 4 E. Mit Instruktionsverfügung vom 2. März 2009 teilte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer mit, dass er den Ausgang des Ve rfahrens in der Schweiz abwarten könne. Sodann hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwal- tungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Dem Be- schwerdeführer wurde Frist angesetzt, um eine in der Beschwerde in Aussicht gestellte Bestätigung betreffend die LTTE -Zugehörigkeit des Bruders zu den Akten zu reichen und um seine Foltervorbringen mittels Fotografien und einem ärztlichen Bericht zu substanziieren. Für den Säumnisfall wurde ein Entscheid gestützt auf die bestehende Aktenlage angedroht. F. Mit Eingabe vom 2. April 2009 reichte der Beschwerdeführer eine DVD - Kopie eines Märtyrerfilms , das dazugehörige Cover, ein Stan dbild des darin abgebildeten Bruders , Fotos (Narben aufzeigend), eine Eingang s- bestätigung einer Klage bei der Human Rights Commission of Sri Lanka, eine "Red Cross Message", Fotos eines Freundes, ein Schreiben betref- fend ein durch den Vater des Beschwerdeführers bei den LTTE absolvier- tes Training (in Kopie), zwei Familienregisterkarten aus den Jahren 1997 und 2007 (in Kopie), ein Familienfoto sowie eine Registrierungsänderung der Familie (in Kopie) ein. Der Rechtsvertreter teilte mit, der Vater und ein Bruder des Beschwerdeführers seien zwischenzeitlich von den Siche r- heitsbehörden festgenommen worden , und ersuchte angesichts der Be- dürftigkeit des Beschwerdeführers um Übersetzung der eingereichten Kopien von Amtes wegen. Das Einreichen eines ärztlichen Berichts wu r- de für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht gestellt. G. Am 23. April 2009 gingen beim Bundesverwaltungsgericht die von Amtes wegen in Auftrag gegebenen Übersetzungen ein. H. Am 6. Mai 2009 reichte der Beschwerdeführer ein en Bericht seines d a- maligen Hausarztes, datierend vom 30. April 2009, zu den Akten. Der Arzt äusserte darin den Verdacht auf das Vorliegen einer Depression beim Beschwerdeführer im Rahmen einer posttraumatischen Belastungsst ö- rung (PTBS) sowie den Verdacht auf neuropsychologische Defizite nach Schädel-Hirn-Trauma. Er wies darauf hin, dass er den Beschwerdeführer E-1191/2009 Seite 5 zur Erhärtung der Diagnosen an das [psych. Klinik / Zentrum] überwiesen habe. Der Arzt nahm sodann zu den diversen Narben des Beschwerd e- führers Stellung. Auf den weiteren Inhalt des Berichts wird in den nach- stehenden Erwägungen eingegangen. I. Mit Instruktionsverfügung vom 23. Januar 2012 wurde der Beschwerd e- führer aufgefordert, innert Frist einen aktuellen spezialärztlichen Bericht seine psychiatrische Behandlung betreffend zu den Akten zu reichen. J. Mit Schreiben vom 21. Februar 2012 machte der Beschwerdeführer ge l- tend, er sei nicht in der Lage, einen psychiatrischen Bericht einzureichen, da er diese Behandlung aufgrund von Sozialdruck abgebrochen habe. Trotz seiner gesundheitlich instabilen Lage und ständiger Kopfschmerzen sei er auch nicht in hausärztlicher Behandlung. Die neu mandatierte Rechtsvertreterin ersuchte für das Einreichen weiterer Beweismittel um weitere Fristerstreckung. K. Mit Instruktionsverfügung vom 6. März 2012 wurde das Gesuch um Fris t- erstreckung für das Beibringen eines psychiatrischen Berichtes abgewi e- sen. Dem Beschwer deführer wurde demgegenüber für die weitere Su b- stanziierung seiner Vorbringen und das Beibringen von Beweismitteln aus dem Heimatland eine dreissigtägige Frist eingeräumt. L. Mit Eingabe vom 11. April 2012 machte die neue Rechtsvertreterin gel- tend, der Beschwerdeführer habe bislang wesentliche Fluchtgründe ve r- schwiegen. Er sei nämlich bereits in seinem 10. Lebensjahr der LTT E beigetreten und habe dort die Schule sowie ein Trainingscamp besucht. Im Jahre 1999 habe er die Organisation wieder verlassen. Im Jahr 2000 sei die Familie bei einem Fluchtversuch nach Indien aufgegriffen und für zwei Jahre in ein Camp in D._______ gebracht worden. Der Beschwerde- führer sei als Informant für die LTTE tätig ge wesen. Die Rechtsvertreterin stellte in Aussicht, die gesamten Fluchtgründe mittels einer Übersetzerin zu erheben und nachzureichen. Als Grund für das bisherige Verschwe i- gen diverser V orbringen führte sie an, der Beschwerdeführer habe b e- fürchtet, die srilankischen Behörden würden bei einem negativen En t- scheid über seine LTTE-Zugehörigkeit informiert. Weiter machte die Rechtsvertreterin geltend, der Beschwerdeführer habe die psychiatrisc he E-1191/2009 Seite 6 Therapie im Sommer 2010 abgebrochen, nachdem Kollegen ihm gesagt hätten, dass seine Probleme dadurch nur noch schlimmer würden. Am 10. April 2012 sei er letztmals in hausärztlicher Behandlung gewesen. Der Eingabe lag eine Entbindungserklärung vom Arztge heimnis bei. Hinsicht- lich der Einzelheiten zur Verhaftung der Familienangehörigen, welche in direktem Zusammenhang zum Beschwerdeführer stehe und als Refle x- verfolgung zu werten sei, ersuchte dieser erneut um Nachfrist. M. Mit Eingabe vom 16. April 2012 rei chte der Beschwerdeführer eine selbstverfasste Stellungnahme inklusive deutscher Übersetzung, Fotos von Kindersoldaten und eine Faxkopie eines fachärztlichen Berichts des [psych. Klinik / Zentrum] vom 8. Juli 2009 zu den Akten. Im weiteren legte er seine Bew eggründe für den Abbruch der psychiatrischen Behandlung und die jetzige Bekanntgabe der wahren Geschichte dar und machte Aus- führungen zu seinem familiären Beziehungsnetz . Auf die Ausführungen wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. N. In seiner Vernehmlassung vom 2 5. Mai 2012 beantragt e das BFM die Abweisung der Beschwerde. Auf die ausführliche Begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. O. Mit Schreiben vom 18. Juni 2012 nahm die Rechtsvertreterin zur Ve r- nehmlassung des BFM Stellung. Auf diese Replik wird, soweit entschei d- relevant, ebenfalls in den Erwägungen eingegangen. P. Die Instruktionsrichterin stellte der Rechtsvertreterin am 26. Juni 2012 die von Amtes wegen vorgenommenen Übersetzungen der Eingaben des Beschwerdeführers zu r Kenntnisnahme und allfälligen abschliessenden Stellungnahme zu. Q. Mit Schreiben vom 11. Juli 2012 teilte die Rechtsvertreterin mit, sie habe keine weiteren Ergänzungen im Zusammenhang mit den Übersetzungen anzubringen, verweise aber nochmals auf ihre bisherigen Eingaben. E-1191/2009 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bund esge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Ein Auslief e- rungsersuchen betreffend den Beschwerdeführer liegt nicht vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichu ng der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG, i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des recht serheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Al s ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des E-1191/2009 Seite 8 Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentli- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM wies das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit der B e- gründung ab, dass es diesem nicht gelungen sei, seine Fluchtgründe glaubhaft zu machen. Seine Vorbringen, von der Armee in Jaffna gesucht und festgenommen worden zu sein und auch in Colombo Probleme mit der Polizei gehabt zu haben , seien widersprüchlich und unsubstanziiert ausgefallen. So habe der Beschwerdeführer einerseits angegeben, der Grund für die Mitnahme in Jaffna sei die LTTE -Zugehörigkeit seines Bru- ders gewesen, andererseits, er sei mitgenommen worden, weil die Armee seine Telefonnummer bei einem Kollegen, der Beziehungen zu den LTTE- gehabt habe, entdeckt habe. Dieser Kollege habe dann seinen Namen verraten. Weiter habe er bezüglich der Suche nach ihm in Jaffna zuerst angegeben, er sei nur einmal gesucht worden, dies im Mai 2006. Damals sei er von zu Hause ins Camp B._______ gebracht und dort verhört wo r- den. Bei der zweiten Anhörung habe er demgegenüber zwei Suchen e r- wähnt, wobei die erste erfolglos verlaufen sei , da er sich nicht zu Hause befunden habe, und die zweite im August 2007 erfolgt sei, als er zu Hau- se abgeholt und ins Camp B._______ gebracht worden sei. Da davon auszugehen sei, dass die erwähnte Festnahme einen bleibenden Ein- druck hinterlassen hätte, se i aus de r unterschiedlichen Darstellung zu schliessen, dass der Sachverhalt nicht den Tatsachen entspreche. Weite- re Zweifel am Sachverhalt begründete das BFM mit der unterschiedlichen Schilderung der Schwierigkeiten in Colombo. So habe er zuerst angege- ben, dort dreimal von der Polizei gesucht worden zu sein , wobei es nur beim ersten Mal im Mai 2008 zu einer direkten Konfrontation mit der Pol i- zei gekommen sei. Damals habe er auf dem Posten erklären müssen, weshalb er sich alleine in Colombo aufhalte; nach dr ei Stunden sei er wieder freigelassen worden. Demgegenüber habe er bei der späteren E-1191/2009 Seite 9 Anhörung von zwei Mitnahmen berichtet: Das erste Mal sei es zur polizei- lichen Anmeldung gekommen, das zweite Mal – im Oktober 2008 – sei er während drei er Tage auf dem Post en festgehalten und verhört worden. Nebst dieser Widersprüchlichkeit sei er trotz wiederholter Nachfrage nicht in der Lage gewesen, nähere Angaben zum Verhör zu machen. Schliess- lich habe er als Grund für die Freilassung merkwürdigerweise den B e- such eines C omputerkurses angegeben. Insgesamt erachtete das BFM den Sachverhalt als widersprüchlich, konstruiert, unsubstanziiert und mit den Gepflogenheiten der Polizei nicht vereinbar . Da zudem die p ersönli- che Betroffenheit fehle und die Ausführungen des Beschwerdeführers an- lässlich der Konfrontation mit den Widersprüchen nicht zu überzeugen vermöchten, wertete das BFM d ie Vorbringen als den Voraussetzungen von Art. 7 AsylG nicht genügend. 4.2 In der Beschwerdeschrift vom 23. Februar 2009 wurde diesen Erw ä- gungen Folgen des entgegengehalten: Zwar sei nicht von der Hand zu weisen, dass die Aussagen des Beschwerdeführers Widersprüche au f- wiesen. Es sei jedoch festzuhalten, dass dieser aus einer Heldenfamilie stamme, der Bruder im Kampf für die LTTE gestorben sei und er selbst in seinem Herkunftsland traumatisierende E reignisse durchlebt habe, wel- che im Zeitpunkt der Befragungen nur kurze Zeit zurückgelegen hätten. Sein Verhalten während der Befragung lasse denn auch auf eine gewisse Beklemmung schliessen, und es scheine ihm widerstrebt zu haben, sich die fluchtauslösenden Erlebnisse in Erinnerung zu rufen. Gemäss Auss a- gen gegenüber der Rechtsvertretung sei der Beschwerdeführer in C o- lombo massiv gefoltert worden. Er sei mit Schlagstöcken traktiert und es sei ihm mit einem Messer in die Zehen geschnitten worden. Auch sei ihm ein Fingernagel ausgerissen worden. Er sei in der Lage, die entspr e- chenden Narben mittels Fotos zu dokumentieren. Die Anhörungen durch das BFM hätten bei ihm Flashbacks hinsichtlich der Verhöre bei der s ri- lankischen Polizei und damit eine innere Blockade ausgelöst, welche es ihm verunmöglicht habe, in kohärenter Weise über die Fluchtgründe zu sprechen. Bezeichnenderweise habe der Beschwerdeführer die Folter an- lässlich der Anhörungen nicht erwähnt . Auch gegenüber der Rechtsve r- tretung habe er sie anfänglich verschwiegen. Er habe weiter auch auf sein schlechtes Erinnerungsvermögen verwiesen und vorgebracht, keine konkreten Daten angeben zu können. Die fehlende Kohärenz und die u n- präzisen Angaben liessen gerad ezu darauf schliessen, dass die Auss a- gen nicht erfunden seien. Die Zurückhaltung des Beschwerdeführers sei vorliegend gar als Real itätskennzeichen zu werten. Jedenfalls relativiere die erlebte Folter die von der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid gel-E-1191/2009 Seite 10 tend gemachten Ungereimtheiten stark. Fakt sei weiter, dass der B e- schwerdeführer in seinem verstorbenen Bruder einen nahen Familiena n- gehörigen habe, welcher bei den LTTE eine höhere Funktion inne gehabt habe und als Märtyrer gelte. Dieses Vorbringen könne der Beschwerde- führer mittels einer eidesstattlichen Erklärung der Mutter und eines G e- burtsscheines des Bruders untermauern; auch sei der aktenkundige Pol i- zeirapport als Beweismittel bezüglich Festnahme zu würdigen (Anmer- kung des Gerichts: Es handelt sich um d ie irrtümlich als "Polizeirapport" bezeichnete "Householder's List" betreffend Wohnsitz in Wellawa t- te/Colombo). Weiter wies der Beschwerdeführer auf sein Risikoprofil hin, welches laut Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Me n- schenrechte, EGMR (Urteil vom 17. Juli 2008 N .A. gg. Vereinigtes König- reich, Rz 32 ff. und 119 ff.) zu einer Gefährdung führe. So sei er ein aus dem Norden Sri Lankas stammender Tamile, welcher seitens der Siche r- heitsbehörden der Unterstützung der LTTE verdächtigt, festgehal ten und verhört worden sei, über zahlreiche Narben verfüge, in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht habe und aus einer bekannten Märtyrerfamilie stamme. Bei einer kumulativen Betrachtung dieser Gefährdungsfaktoren und im Lichte der sich ständig verschlec hternden Sicherheits- und Men- schenrechtslage müsse zwingend der Schluss gezogen werden, dass der Beschwerdeführer einer regierungsfeindlichen Tätigkeit beziehungsweise Einstellung verdächtigt und deswegen ernsthaften Nachteil en im Sinne des Asylgesetzes ausgesetzt würde. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass die erlittenen Massnahmen zweifelsohne asylrelevante Nachteile darstellten, und der Beschwerdeführer mit Blick auf das erwähnte EGMR- Urteil zudem begründete Furcht habe, im Falle der Rückkehr asylrelevan- ten Nachteilen ausgesetzt zu sein. 4.3 Mit Beschwerdeergänzung vom 2. April 2009 reichte der Beschwerde- führer eine DVD-Kopie eines Märtyrervideofilms und entsprechende Au s- züge/Standbilder auf Papier ein. Letztere zeigen das Cover des Videos und (gemäss Beschwerdeführer) ein Foto des im Kampf für die LTTE g e- fallenen Bruders. Das Foto sei zu Beginn seiner Aktivität entstanden, als er noch sehr jung gewesen sei . Weiter lagen der Eingabe Fotos des B e- schwerdeführers (Narben aufzeigend), eine Eingangsbest ätigung einer Klage bei der Human Rights Commission of Sri Lanka, eine "Red Cross Message", Fotos eines Freundes, ein Schreiben betreffend ein LTTE - Training des Vaters (in Kopie), Kopie n zweier Familienregisterkarten aus den Jahren 1997 und 2007, ein Famil ienfoto sowie eine Kopie über eine Registrierungsänderung der Familie ein. Der Rechtsvertreter teilte mit, der Vater und ein Bruder des Beschwerdeführers seien zwischenzeitlich E-1191/2009 Seite 11 von den Sicherheitsbehörden festgenommen worden . Sodann stellte er für einen späteren Zeitpunkt einen ärztlichen Bericht in Aussicht. 4.4 Mit Beschwerdeergänzung vom 6. Mai 2009 reichte der Beschwerd e- führer ein Arztzeugnis seines damaligen Hausarztes ein, welchem zu entnehmen ist, dass dieser ihn wegen Verdachts auf eine posttraumat i- sche Belastungsstörung sowie auf ein Schädel-Hirn-Trauma für weitere Abklärungen an das [psych. Klinik / Zentrum] überwiesen habe. Der B e- schwerdeführer habe ihm gegenüber geltend gemacht, er sei im Juni 2008 während drei er Tage in Sri Lanka im Gefängnis gewes en und dort mit einem Stock bis zur Bewusstlosigkeit traktiert worden. Seither leide er eigenen Angaben zufolge an chronischen Kopfschmerzen, rascher E r- schöpfbarkeit, Vergesslichkeit, Albträumen, Durchschlafstörungen, nächt- lichen Schreckreaktionen und gedrückter Stimmung. Hinsichtlich der kö r- perlichen Narben hielt der Hausarzt folgendes fest: Der Beschwerdefü h- rer habe geltend gemacht, er sei mittels Stockschlägen, Zigaretten und Ausreissen des Zeigefingernagels rechts misshandelt worden. Objektiv festzuhalten seien Narben nach Platzwunden an der Stirne links und am äusseren Augenwinkel links, ein verdicktes Nagelbett des Zeigefingers sowie kreisrunde pigmentartige Narben am Vorderarm. Letztere seien gut mit Verbrennungen von Zigaretten vereinbar. Die Verdick ung des Nagels am Zeigefinger könne eine Narbe darstellen oder aber auch einer subu n- gualen Warze entsprechen. Der Grosszehennagel weise eine Verdickung und eine quere Rille auf, die zu einer Verletzung vor 9-12 Monaten an der Nagelwurzel passe. 4.5 Mit Schreiben vom 21. Februar 2012 teilte die Rechtsvertreterin mit, der Beschwerdeführer habe die Behandlung im [psych. Klinik / Zentrum] aufgrund von Sozialdruck, ausgehend von seinen Kollegen, abgebro- chen, obwohl er tä glich unter starken Kopfschmerzen leide. Eine psychi- atrische Behandlung werde in vielen Ländern stigmatisiert. Der B e- schwerdeführer habe inzwischen eingesehen, dass er sich mit seinem Verhalten sehr geschadet habe. Er wolle nun schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen und die Abklärungen im [psych. Klinik / Zentrum] vornehmen lassen. Auch sei er bereit, eine Bestätigung des Arztes in Sri Lanka, der ihn damals im Spital besucht habe, einzureichen. 4.6 Mit Schreiben vom 11. April 2012 machte die Rechtsvertreterin ge l- tend, der Beschwerdeführer habe bislang aus Angst wesentliche Flucht- gründe verschwiegen. Er habe befürchtet, dass im Falle eines negativen Entscheides die Schweiz die srilankischen Behörden über seine LTTE -E-1191/2009 Seite 12 Zugehörigkeit informieren würde. Entgegen seinen bisherigen Angaben sei der Beschwerdeführer bereits seit 1993, also seit dem 10. Lebensjahr, Mitglied der LTTE gewesen. Er habe zunächst fünf Monate im Training s- camp und danach ein Jahr in der LTTE -Schule verbracht. Im Jahre 1999 sei er auf Bitte seiner Mutter aus de n LTTE entlassen worden. Im Jahr 2000 habe seine Familie versucht, nach Indien zu fliehen, sei dabei aber von der "Sri Lanka Naval" aufgegriffen worden und habe rund zwei Jahre in einem Camp in D._______ verbracht. Der Beschwerdeführer sei wä h- rend dieser Zeit als Informant für die LTTE täti g geblieben. Hinsichtlich der geltend gemachten Probleme der Angehörigen des Beschwerdefü h- rers machte die Rechtsvertreterin geltend, deren Festnahme sei als R e- flexverfolgung zu werten. Der Vater und der Bruder seien festgenommen worden, um den Beschwerdefü hrer unter Druck zu setzen und den Au f- enthaltsort bekanntzugeben. Beide seien geschlagen worden und hätten sich in Spitalpflege begeben müssen. Der Bruder sei am Arm schwer ver- letzt worden und habe Epilepsieanfälle erlitten. Er sei deswegen immer noch in Behandlung. 4.7 Mit Eingabe vom 16. April 2012 reichte d ie Rechtsvertreter in eine Stellungnahme des Beschwerdeführers, beinhaltend die "wahre G e- schichte" des Beschwerdeführers in Tamilisch inklusive deutscher Übe r- setzung, Fotos von Kindersoldaten und eine Faxk opie eines fachärztl i- chen Berichts des [psych. Klinik / Zentrum] vom 8. Juli 2009 zu den A k- ten. Im weiteren führte sie aus, der Beschwerdeführer habe sich zum jet- zigen Zeitpunkt entschlossen, die Wahrheit zu sagen, weil er seit der Pra- xisänderung der Schwe iz starke Angstzustände und Flashbacks gehabt habe. Er befürchte, im Fall der Wegweisung während 15 Jahren inhaftiert zu werden. Zudem hätten auch andere ehemalige LTTE -Mitglieder die wahren Asylgründe offengelegt. Er befürchte weiter, dass seine Familie durch seine Rückkehr belastet und mit erneuten Nachfragen des CID (Criminal Investigation Departement) konfrontiert würde. Hinsichtlich der familiären Verhältnisse im Heimatland wurde geltend gemacht, ein weite- rer Bruder sei ebenfalls Kämpfer der LTTE gewesen. Dieser lebe derzeit unerkannt im Vanni-Gebiet. Der selbstverfassten Stellungnahme des B e- schwerdeführers ist zu entnehmen, dass seine beiden erwähnten Brüder im Jahr 1992 der LTTE beigetreten seien. Seinen eigenen Beitritt datierte er aufs Jahr 1993. Er habe während fünf Monaten ein Trainingscamp b e- sucht und sei dann während eines Jahres in der Ausbildung/Schule der LTTE gewesen. Nach der Schule sei er für drei Jahre nach (…) und schliesslich für ein Jahr ins Vanni -Gebiet geschickt wo rden, wo er Politik und "Intelligence Service" sowie zuletzt Englisch gelernt habe. In der Fo l-E-1191/2009 Seite 13 ge habe er während sechs Monaten ein Navy -Training absolviert. Wegen seiner familiären Situation hätten ihm die LTTE nach einem Urlaub e r- laubt, bei seiner Familie zu bleiben. Er sei daraufhin mit dieser nach (…) gegangen und dort bis ins Jahr 2002 geblieben. Nachdem seine Familie wieder nach Jaffna gezogen sei, habe er erneut für die LTTE auf See g e- arbeitet. Später sei er zu seiner Familie nach Jaffna gegangen und habe dort gleichzeitig wichtige Arbeiten für die LTTE gemacht. In dieser Zeit habe jemand der Armee Informationen über ihn gegeben. Dann habe er Probleme gehabt. Ihm und einigen Kollegen sei die Flucht gelungen, a n- dere seien inhaftiert worden oder gälten als vermisst. Dem Bericht des [psych. Klinik / Zentrum] vom 8. Juli 2009 ist Folgendes zu entnehmen: Der Beschwerdeführer habe angegeben, im Heimatland unter dem Bürgerkrieg zu leiden. Er sei mehrmals vom Militär festg e- nommen und gefoltert worden. Seither leide er unter Albträumen. Er träume von gegen ihn gerichteten Gewalttaten der Polizei. Er fühle sich allgemein unsicher und fürchte sich auch vor der hiesigen Polizei. Er kl a- ge über Ein - und Durchschlafstörungen, Konze ntrationsstörungen und erhöhte Schreckhaftigkeit. Unter Berücksichtigung des belastenden E r- eignisses mit aussergewöh nlicher Bedrohung und den erwähnten sowie weiteren Symptomen sei die Diagnose einer posttraumatischen Bela s- tungsstörung zu stellen. Dem Beri cht ist weiter zu entnehmen, dass au f- grund sprachlicher Barrieren und der Probleme beim Dolmetschen der psychopathologische Befund nur eingeschränkt zu erheben sei. Auch weist der Arzt darauf hin, dass der Beschwerdeführer nur für zwei Term i- ne vorstellig geworden sei. Abklärungen bezüglich Schädel -Hirn-Trauma und eine antidepressive Med ikation hätten daher nicht in Angriff geno m- men beziehungsweise besprochen werden können. 4.8 In seiner Vernehmlassung vom 25. Mai 2012 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. Es führte dazu aus, der Beschwerdeführer habe seinen widersprüchlichen Aussagen anlässlich der Anhörungen auf Beschwerdeebene zwei weitere Versionen entgegengesetzt, die sich nicht mit den früheren vereinbaren liessen. Gegen die behauptete Verf ol- gung spreche ebenfalls, dass der Beschwerdeführer im Jahre 2007 s o- wohl einen Passierschein erhalten habe, als auch der Umstand, dass er sich in der Folge bei seinem in Colombo wohnhaften Bruder habe regis t- rieren lassen können. Insoweit er geltend gemacht habe, in Colombo bei einem Freund des Bruders gewohnt zu haben, widerspreche dies übe r- dies den Angaben in der eingereichten Registrierung (welche in den A k- ten fälschlicherweise als Polizeirapport bezeichnet worden sei). Weiter E-1191/2009 Seite 14 habe der Beschwerdeführer di verse Beweismittel eingereicht, welche j e- doch in ihrer Gesamtheit nicht geeignet seien, eine Verfolgungssituation aufzuzeigen. So sei der Beschwerdeführer darin nirgends namentlich e r- wähnt und auch dem Affidavit der Mutter sei nur zu entnehmen, dass der Bruder des Beschwerdeführers unter tragischen Umständen ums Leben gekommen sei. Die Familienregisterkarten und das Foto der Familie se i- en nur geeignet, Auskunft über die Wohnorte der Familie zu geben, liefer- ten aber ebenfalls keine Hinweis e auf eine Verfolgu ng. Was die eing e- reichten Fotos mit Narben betreffe, sei angesichts der widersprüchlichen Angaben des Beschwerdeführers nicht bekannt, wann und unter welchen Umständen die Verletzungen zustande gekommen seien. Auffallend sei auch, dass in den Arztberichten nicht erwähnt werde, der Beschwerdefüh- rer sei mit Zigaretten misshandelt worden. Auch hinsichtlich der pos t- traumatischen Belastungsstörung sei angesichts der widersprüchlichen Angaben des Beschwerdeführers nicht bekannt, wann und unter welchen Umständen der Beschwerdeführer erkrankt sei. Weiter falle auf, dass der Beschwerdeführer die angebliche Festnahme des Vaters und Bruders be- ziehungsweise die Spitalbehandlung trotz Aufforderung des Gerichts nicht belegt und auch gegenüber dem Arzt nicht erwähnt habe. 4.9 Mit Schreiben vom 18. Juni 2012 nahm die Rechtsvertreterin zur Ve r- nehmlassung des BFM Stellung. Sie verwies hinsichtlich des Erhalts des Passierscheins auf die Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der Anhörung. Weiter machte sie geltend, der Beschwerdeführer habe mittels diverser Beweismittel belegt, dass sein Bruder als LTTE -Kämpfer den Heldentod gestorben sei. Zutreffend sei, dass die eingereichten Fotos von Kindersoldaten nicht den Beschwerdeführer beträfen. Hinsichtlich der Narben sei hervorzuhebe n, dass diese gemäss dem EGMR neben dem Stellen eines Asylgesuches, dem Fehlen von Identitätskarten, der früh e- ren aktiven LTTE -Mitgliedschaft sowie einer früheren Verhaftung einen weiteren Risikofaktor bildeten und der Beschwerdeführer bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka einer genauen Prüfung unterzogen würde. Das BFM habe des Weiteren zu Unrecht moniert, dass sich der Arzt nicht zu den möglicherweise durch Zigaretten verursachten Narben geäussert habe. Die Diagnose einer PTBS sei sodann auch dann beachtlich, wenn nicht gesagt werden könne, unter welchen Umständen diese Erkrankung e r- folgt sei. Die Selbstbehandlung der Kopfschmerzen durch den Beschwer- deführer spreche sodann nicht gegen die PTBS -Erkrankung. Der U m- stand, dass der Beschwerdeführer in seinen früher en Aussagen wenig über die Festnahme seiner Familienangehörigen ausgeführt habe, sei ein häufig anzutreffendes Erscheinungsbild gefährdeter Personen. Gleiches E-1191/2009 Seite 15 gelte für den Umstand, dass er wesentliche Aspekte aus Überlegungen persönlicher Sicherheit nicht habe offenlegen wollen. Auch dies sei bei Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüll ten, ein häufig auftr e- tendes Merkmal. Diesbezüglich sei auf die psychiatrische Forschung zum Gesprächsverhalten von verfolgten Personen verwiesen. Mit Schreiben vom 11. Juli 2012 teilte die Rechtsvertreterin schliesslich mit, sie habe zu den ihr seitens des Gerichts zugestellten, von Amtes wegen vorgeno m- menen Übersetzungen der eingereichten Beweismittel keine weiteren E r- gänzungen anzubringen. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt in Abwägung sämtlicher Au s- sagen und unter Berücksichtigung der aktuellen Lage in Sri Lanka zum Schluss, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft weder im Zeitpunkt der Ausreise erfüllte , noch heute mit überwiegender Wah r- scheinlichkeit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Das BFM hat im angefochtenen Entscheid unter Hinweis auf die j e- weiligen Textstellen erwogen, weshalb es die Darstellung der Fluchtgrün- de in den beiden Anhörungen als den Anforderungen an die Glaubhafti g- keit gemäss Art. 7 AsylG nicht genügend erachtete. Diese Erwägungen, die gemäss späterer Darstellung jedoch angeblich nur einen Teil der Fluchtgründe umfassen, erweisen sich als zutreffend. Die Aussagen des Beschwerdeführers in den be iden Anhörungen differieren in der Tat in verschiedenster Weise. Ins Auge fallen vorab die Unstimmigkeiten hi n- sichtlich der Daten der angeblichen Behelligungen seitens der Armee und der Polizei , gleichzeitig aber auch diejenigen hinsichtlich der en Anzahl und der Frage der direkten Konfrontationen mit den Sicherheitskräften , dies sowohl bezüglich Jaffna als auch bezüglich Colombo. Der wiederholt vorgebrachte Einwand des Beschwerdeführers , er könne sich eben nur schlecht an Daten erinnern (mehr dazu nachstehend) , beschlägt somit – ungeachtet der Stichhaltigkeit – nur einen Teil der Unstimmigkeiten. Für das Gericht besonders ins Gewicht fällt, dass die Aussagen zu m Au s- mass der Behelligungen in Colombo im Verlaufe des Verfahrens eine deutliche Steigerung erfahren haben: Die Vorbringen reichen von einem einzigen dreistündigen Gespräch bei der ersten summarischen Befragung über eine zusätzliche dreitägige Festnahme mit Verhör betreffend den Aufenthaltsgrund bei der zweiten Anhörung bis zu massi ver Folter wä h- rend dreier Tage wegen angeblicher Denunzierung seiner LTTE - Zugehörigkeit (dies die Aussagen auf Beschwerdeebene). Vor letztg e- nanntem Hintergrund erscheint der behauptete Freilassungsgrund (Fort- setzung eines Kurses) – zumal angesichts der gleichzeitigen polizeilichen Aufforderung, die Stadt zu verlassen und nach Jaffna zurückzukehren – äusserst zweifelhaft. Zudem ist zu bemerken, dass der als Grund für die E-1191/2009 Seite 16 Freilassung angegebene Kurs im Zeitpunkt der Freilassung gemäss An- gaben im EVZ damals bereits seit Monaten beendet war. Auf Vorhalt hin führte der Beschwerdeführer gegenüber dem Befrager zwar aus, er habe damals angegeben zu beabsichtigen, einen weiteren Kurs besuchen zu wollen (A10/11, S. 7) . Diese nachgeschobene Erklärung wertet das G e- richt jedoch aufgrund der gesamten Umstände als unbehelfliche Sac h- verhaltsanpassung. 5.2 Zuzustimmen ist weiter auch den vorinstanzlichen Erwägungen auf Vernehmlassungsstufe, wonach die auf Beschwerdeebene vorgebrachten weiteren Versionen von Fluchthintergründen und die Erklärungen für das Aussageverhalten in ihrer Gesamtheit nicht zu überzeugen vermögen. In- soweit der Beschwerdeführer nämlich in seinen Stellungnahmen sämtli- che vorgängigen Divergenzen als auch den Umstand neuer Vorbringen wie die eigene LTTE-Zugehörigkeit oder eine in Colombo erlittene Folter mit dem Vorliegen einer Traumatisierung und Denunzierungsängsten (gegenüber den Schweizer Behörden) zu erklären versucht , erweisen sich diese Erklärungsversuche als zu pauschal und zu oberflächlich. Ge- gen die a ngeblichen Denunzierungsbefürchtungen spricht zudem nicht nur die dem Beschwerdeführer wiederholt kommunizierte Verschwiegen- heitspflicht der Schweizer Behörden (vgl. A1/13, S. 2, A10/11, S. 2) und seine Aussage, dass er hier in der Schweiz ohne Angst bleiben könne (A10/11, S. 9) , sondern ebenso d er Umstand, dass er trotz der angebli- chen Befürchtungen bereits im EVZ geltend gemacht hat, einer bekann- ten Heldenfamilie anzugehören (A1/13, S. 8 ) und einen Bruder zu haben, der den LTTE angehört und sein Leb en im K ampf verloren habe (A1/13, S.5). Die Änderung der fluchtauslösenden Gründe im Verlaufe des Ve r- fahrens führt das Gericht vielmehr darauf zurück, dass der Beschwerde- führer die fehlende Plausibilität seiner ursprünglichen Verfolgungsg e- schichte (plötzliche Behelligungen des Bruders wegen , zehn Jahre nach dessen Tod im Gefecht) selbst erkannt und sich eine überzeugendere Geschichte zurecht gelegt hat. Hinsichtlich der verzögert vorgebrachten Foltervorbringen ist zwar festzuhalten, dass das späte Geltendmac hen von traumatisierenden Erlebnissen nicht per se gegen die Glaubhaftigkeit eines solchen Vorbringens spricht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission, EMARK 2003 Nr. 17, E 4b, 1996 Nr. 16 E. 3b .bb, mit weiteren Hinwe isen). Vorliegend hat der B e- schwerdeführer jedoch nicht nur die angeblichen Misshandlungen une r- wähnt gelassen, sondern im EVZ implizit eine direkte Konfrontation mit der Polizei im fraglichen Zeitpunkt (Oktober 2008) verneint (vgl. A1/13, S. 9, wo er demgegenüber eine Mitnahme für einen anderen Zeitpunkt ge l- tend gemacht hat). Hinzu kommt, dass sich auch die Freilassungsum- stände realistischerweise kaum mit dem nachträglich geltend gemachten E-1191/2009 Seite 17 Inhaftierungsgrund (Denunzierung) sowie dem Foltervorbringen vereinba- ren lassen. 5.3 Der Beschwerdeführer vermag das Foltervorbringen , w ie zutreffend- erweise bereits von der Vorinstanz erwogen, auch nicht mittels der einge- reichten Fotografien nachzuweisen. Der sich zu den Narben des B e- schwerdeführers äussernde Arztbericht (vgl. E. 4.4.) schliesst zwar nicht aus, dass die Narben von Verletzungen im vom Beschwerdeführer ange- gebenen Zeitraum stammen könnten . Auch lässt er die Möglichkeit der Verletzung mit Zigaretten offen ; die anderslautende Erwägung des BFM in seine r Vernehmlassung (vgl. oben E. 4.8) ist insofern unzutreffend . Diese Umstände reichen jedoch nicht aus, um das Foltervorbringen als hinreichend substanziiert erscheinen zu lassen. Hinsichtlich der Verle t- zung am Fingernagel hält der Bericht zudem ausdrücklich fest, dass die Narbe auch eine Folge einer Warze nbildung darstellen könnte. Sodann wirft auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer wegen angeblicher Stigmatisierung auf eine psychiatrische Foltertherapie während all den Jahren seiner Anwesenheit in de r Schweiz verzichtet hat , Zweifel am Ausmass seiner behaupteten psychischen Erkrankung auf. Die dem B e- schwerdeführer im Bericht vom 8. Juli 2009 seitens der [psych. Klinik / Zentrum] diagnostizierte PTBS basiert denn auch bloss auf einer zweima- ligen Sitzun g / Erhebung der Anamnese mittels Dolmetscher. Ent spre- chend hat der Facharzt in seinem Bericht erwogen, der psychopatholog i- sche Befund lasse sich aufgrund der Umstände nur eingeschränkt erh e- ben. Erneut abweichend und zu neuen Zweifeln führend erweist sich so- dann der dem Arztbericht zu Grunde liegende Sachverhalt , gemäss wel- chem der Beschwerdeführer in seiner Heimat mehrmals vom Militär fest- genommen und gefoltert beziehungsweise im Juni 2008 (nicht Oktober!) während dreier Tage im Gefängnis gewesen und dort bis zur Bewusstlo- sigkeit gefoltert worden sei. 5.4 Der Beschwerdeführer hat im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens nebst den erwähnten zahlreiche weitere Beweismittel eingereicht, zu d e- nen das BFM in seiner Vernehmlassung vom 25. Mai 2012 bereits Stel- lung genommen hat. Als zutreffend erweisen sich die Erwägungen, w o- nach sich aus dem eingereichten Affidavit der Mutter zum gewaltsamen Tod des Bruders des Beschwerdeführers, der DVD aus dem Jahre 1996 und den dazugehörigen Ausdrucken von Standbildern, den Familienregis- terkarten oder dem Familienfoto keine Hinweise auf eine Verfolgung des Beschwerdeführers ergäben. Wie aus den obstehenden Erwä gungen hervorgeht, teilt das Gericht auch die vorinstanzliche Einschätzung der eingereichten Arztberichte. Zu Recht hat das BFM schliesslich erwogen, dass zur behaupteten Reflexverfolgung (mit der Folge eines Spitalaufen t- halts des Bruders) trotz Fristansetzung keine Beweismittel eingegangen E-1191/2009 Seite 18 sind. Damit liegen auch für eine aktuelle Verfolgung von Familienangehö- rigen keine hinreichenden Anhaltspunkte vor. 5.5 Insoweit in der Beschwerde weiter geltend gemacht wird, der B e- schwerdeführer habe gemäss Einschätzung des EGMR auch aufgrund diverser Risikofaktoren wie die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie, die Asylgesuchstellung im Ausland, d as Fehlen von Identitätspapieren, die frühere aktive LTTE-Mitgliedschaft, die frühere Verhaftung sowie aufgrund sichtbarer Narben bei einer Rückkehr eine Verfolgung zu befürchten, ist dazu fest zuhalten, dass das Gericht den erwähnten Risikofaktoren bei kumulativem Vorliegen regelmässig die nötige Beachtung schenkt (vgl. dazu auch die Erwägungen unter E. 7.4). In teilweiser Ergänzung zu den Risikofaktoren gemäss EGMR hat das Gericht in BVGE 2011 Nr. 24 Per- sonenkreise definiert, die seines Erachtens heute trotz der verbesserten Sicherheitslage seit Beendigung des militärischen Konfliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sind. Zum erhöht gefährd e- ten Personenkreis gehören laut dem erwähnten Urteil - Personen, die auch nach Beendigung de s Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex-Generals Sarath Fonseka, - kritisch auftretende Journalisten und andere in der Medienbranche t ä- tige Personen, - International und lokal tätige Vertreter von NGOs, die sich für die Men- schenrechte einsetzen oder Verstösse kritisieren, - Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen sowie Personen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigen, - Frauen im Norden und Osten des Landes s owie in Haftanstalten w e- gen Gefahr sexueller Übergriffe, teilweise Kinder (zwecks Observation) - abgewiesene Asylbewerber mit Verdacht auf Kontakte zum LTTE - Kader - Personen, die über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen (siehe die ausführliche Darstellung der Personengruppen im erwähnten Urteil , a.a.O., E. 8). Den bisherigen Erwägungen kann entnommen werden, dass für das G e- richt keine glaubhaften Anhaltspunkte dafür vorliegen, der Beschwerde-E-1191/2009 Seite 19 führer würde seitens der sri -lankischen Behörden heute als oppositionell aktiv wahrgenommen oder sonst einer dieser Risikogruppen zugehörig erklärt. So vermochte der Beschwerdeführer kein behördliches Interesse im Zusammenhang früherer LTTE -Tätigkeit – weder a n seiner Person noch an seinen Familienangehörigen – glaubhaft zu machen (wie e r- wähnt sind die Beweise für die Nachstellungen gegenüber seiner Familie ausgeblieben; auch lebt laut Angaben des Beschwerdeführers ei n weite- rer, früher für die LTTE tätiger Bruder unerkannt i m Vanni-Gebiet, und ist das LTTE-Engagement ebenso zweifelhaft wie die geltend gemachten Verhaftungen). Zudem sind die Narben – wie aus den Fotos und dem Arztbericht hervorgeht und bereits erörtert wurde – nicht dergestalt, dass klar auf eine kämpferische Ursache geschlossen werden muss (die schmale Narbe am Kopf ist laut Arztbericht beispielsweise auf eine Platz- wunde zurückzuführen). Schliesslich ist zu bemerken, dass die meisten Narben mit Kleidung bedeckt werden können . Weiter trifft auch der Ris i- kofaktor der fehlenden Ausweismöglichkeit ni cht zu, ist der Beschwerd e- führer doch sowohl im Besitz eines Geburtszertifikats als auch einer Iden- titätskarte, mittels welcher er sich ein Ersatzreisepapier beschaffen kann, sollte er nicht doch noch im Besitze seines Originalpasses sein. Weiter ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer auch keiner der vorgängig e r- wähnten Personenkategorien aus BVGE 2011 Nr. 24 angehört, so dass sich auch daraus keine akute Gefährdung im Sinne der erhobenen Risi- kofaktoren ergibt. 5.6 Zusammenfassend ergibt sich aus den vor stehenden Erwägungen, dass nicht davon ausgegangen werden kann, der Beschwerdeführer sei im Zeitpunkt der Ausreise von den sri -lankischen Sicherheitskräften g e- sucht worden. Das Gericht geht davon aus, dass der Beschwerdeführer Sri Lanka im Jahre 2008 vor dem Hintergrund der damaligen Auseina n- dersetzungen im Norden und Osten des Landes und der Repressionen gegenüber Tamilen im Raume Colombo verlassen hat. Auch im heutigen Zeitpunkt muss nicht mit überwiegender Wahrschei n- lichkeit angenommen werden, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes drohen würden. Allein die Umstände, dass er seit vier Jahren landesa b- wesend gewesen ist und in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht hat, begründen ebenfalls keine solche Gefährdung. Nach dem Gesagten erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen in den diversen, im Rahmen des Beschwerdeverfahrens getätigten Einwän-E-1191/2009 Seite 20 de – selbst wenn teils berechtigt – einzugehen, weil diese am Ergebnis des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern vermögen. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt somit, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Das BFM hat das Asylgesuch damit zu Recht abgewiesen. Die Beschwerde ist folglich im Asylpunkt abzuweisen. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Au f- enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.1 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Ar t. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrs g.], Aus- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148; BVGE 2011/24 E. 10.2). 7.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Dr ittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). E-1191/2009 Seite 21 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizeri schen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4 . November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.4 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend d ar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, e ine asylrechtlich erhebliche Gefäh r- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Der EGMR hat sich – wie dies auch seitens der Rechtsvertreterin vorg e- bracht und zuvor bereits im Zusammenhang mit der Frage nach einer asylrechtlich relevanten Gefährdung aufgegriffen wurde – mit der Gefähr- dungssituation im Hinblick auf eine EMRK -widrige Behandlung namen t-E-1191/2009 Seite 22 lich für Tami len, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka z u- rückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kingdom, A p- plication no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v . De n- mark, Application no. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011; vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). Der Gerichtshof unterstreicht, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behandlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende erns t- hafte Gründe für d ie Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühere Registrie- rung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE -Mitglied, das Best ehen einer Vorstrafe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheit s- kräfte, die Existenz von Körpernarben, die R ückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE - Finanzmittelbeschaffungszentrum gilt, das Fehlen von ID -Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Ve r- wandtschaft mit einem LTTE -Mitglied. Glei chzeitig hält der EGMR fest, dass dem Umstand gebührende Beachtung geschenkt werden müsse, dass diese einzelnen Faktoren, für sich alleine betrachtet, möglicherweise kein "real risk" darstellen, jedoch bei einer kumulativen Würdigung diese Schwelle erreicht sein könnte, namentlich unter der weiteren Berücksic h- tigung der aktuellen, gegebenenfalls erhöhten, Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der im Lande herrschenden allgemeinen Lage (vgl. T.N. v. Denmark, a.a.O., § 93,° S. 28). Das Gericht hat diese Prüfung b ereits unter E. 5.5 vorgenommen, als es um die Frage ging, ob der Beschwerdeführer einer Risikogruppe im Hi n- blick auf die Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft zugerechnet werden müsse. Nachdem das Gericht dort jedoch zum Schluss gekommen ist, dass der Besc hwerdeführer nicht befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde aus demselben Grun d eine menschenrechtswidrige Behandlung im Heimatland drohen. Weder die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka , noch individuelle Fa k-E-1191/2009 Seite 23 toren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers, lassen demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpun kt als unzulässig erschei- nen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Si n- ne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.5 Zu prüfen ist sodann die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung insbesondere dann nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen angewe n- det, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönli- cher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingseigenschaft noch jene des völkerrechtlichen Non -Refoulement-Prinzips erfüllen, j e- doch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situati on allge- meiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weite- ren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesund- heitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.1, mit weiteren Verweisen). In der angefochtenen Verfügung hielt das BFM zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges fest, eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Norden und Osten sei angesichts des Wiederaufflammens des Ko n- flikts nach Aufkündigung des Waffenstillstandsabkommens nicht zumu t- bar. Gestützt auf die mit der Staatsangehörigkeit verbundene Niederla s- sungsfreiheit könne der Beschwerdeführer jedoch in einem anderen Te il seines Heimatlandes – beispielsweise in Colombo, wo er sich gemäss seinen Angaben während rund eines Jahres aufgehalten habe – Wohn- sitz nehmen. Da im Süden und Westen des Landes keine Situation al l- gemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG herrsche , sei der Voll- zug ins Heimatland nicht generell unzumutbar. Zudem sprächen wie e r- wähnt individuelle Gründe für die Zumutbarkeit einer Wohnsitznahme in Colombo, verfüge er dort über ein Beziehungsnetz sowie einen offiziell registrierten Wohnsitz. Sein Bruder können ihn zudem aus C._______ fi- nanziell unterstützen. Insgesamt sei der Wegweisungsvollzug somit als zumutbar zu erachten. E-1191/2009 Seite 24 Das Bundesverwaltungsgericht hat im erwähnten Urteil BVGE 2011 Nr. 24 eine neue Beurteilung der allgemeinen Lage sowie der Nord- und Ost- provinzen Sri Lankas unter dem Sicherheitsaspekt vorgenommen . G e- mäss dieser herrscht in der Nordprovinz Sri Lankas – mit Ausnahme des so genannten Vanni-Gebiets – heute keine Situation allgemeiner Gewalt mehr. Der Wegweisungsvollzug in den Norden u nd Osten Sri Lankas ist daher nicht mehr generell unzumutbar (vgl. a.a.O, E. 13). Der Beschwerdeführer stammt nicht aus dem Vanni -Gebiet, sondern aus Jaffna, wo er den grössten Teil seines Lebens verbracht hat und viele seiner Angehörigen leben. G emäss der eingereichten "Householder's List" war er im letzten Jahr vor der Ausreise offiziell bei einem seiner Brü- der in Wellawatte gemeldet. In Jaffna hat er während Jahren als (…) ge- arbeitet, in Colombo ha t er einen (…)kurs besucht. Während seines Auf- enthaltes in Colombo ist er von einem in C._______ lebenden Halbbruder finanziell unterstützt worden (A1/13, S. 4). Das Gericht geht davon aus, dass der Beschwerdeführer, welcher sowohl im Heimatland als auch im Ausland über zahlreiche Familienangehörige verfügt, bei seiner Rückkehr an die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse vor der Ausreise a n- knüpfen kann. Auch ist mit dem BFM davon auszugehen, dass er bei B e- darf weiterhin finanzielle Unterstützung seiner Familienangehörigen erhal- ten kann. Was seine psychische Erkrankung betrifft, ist einerseits festzu- stellen, dass Sri Lanka und insbesondere die Region Colombo über zah l- reiche psychiatrische Einrichtungen verfügt, andererseits, dass der B e- schwerdeführer bis anhin in der Schweiz keine Therapie in Anspruch g e- nommen hat. Seine bisher fachärztlich nicht behandelte Erkrankung spricht somit nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs , liesse sie sich doch bei Bedarf auch im Heimatland des Beschwerdefü h- rers behandeln. Nach dem Gesagten erweist sich der Wegweisungsvoll- zug somit auch als individuell zumutbar. 7.6 Der Beschwerdeführer ist im Besitze eines Geburtsscheines und ei- ner Identitätskarte. Es obliegt ihm sodann, sich bei der zuständigen Ve r- tretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei sedo- kumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM im Ergebnis den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumu tbar und möglich qual i- fiziert hat. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Au f- nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). E-1191/2009 Seite 25 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwe r- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens wären die Verfahrens- kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dem Beschwerdeführer wurde jedoch mit Instruktionsverfügung vom 2. März 2009 die unentgeltliche Prozessführung gewährt. Nachdem der Beschwerdeführer derzeit keiner Erwerbstätigkeit nachgeht und damit nach wie vor als bedürftig anzusehe n ist, ist auf die Auferlegung von Ver- fahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-1191/2009 Seite 26 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Auf die Auferlegung von Verfahrenskosten wird infolge Gutheissung des Gesuches um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung verzichtet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Gabriela Oeler Versand: