<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp295360"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>113 II 392<br/><br/><br/><div class="paraatf">68. Auszug aus dem Urteil der II. Zivilabteilung vom 1. Juni 1987 i.S. X. (Berufung)</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp296576"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf">Rechtsbeistand im gerichtlichen Verfahren betreffend fürsorgerische Freiheitsentziehung (<span class="artref">Art. 397f Abs. 2 ZGB</span>). <div class="paratf"><span class="artref">Art. 397f Abs. 2 ZGB</span> verleiht der betroffenen Person nicht einen Anspruch auf Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes; ob der gestützt auf diese Bestimmung ernannte Rechtsbeistand durch das Gemeinwesen zu honorieren sei, beurteilt sich nach den allgemeinen Grundsätzen über die unentgeltliche Rechtspflege. </div> </div> </div> <a name="idp302336"></a> <a name="idp308080"></a> <br/><div> <a name="idp313456"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 393</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page393"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 II 392 S. 393</div> </div> <div class="paraatf"> Durch Zirkularbeschluss der kantonalen Psychiatrischen Gerichtskommission vom 24. Februar 1987 wurde das Begehren von X. um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes abgewiesen mit der Begründung, die Mittellosigkeit sei nicht nachgewiesen worden.</div> <div class="paraatf">Gegen diesen Entscheid hat X. Berufung an das Bundesgericht erhoben.</div> <br/><div> <a name="idp316816"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Aus den Erwägungen:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp317776"></a><span class="bold" id="consideration_1.">1. </span>Gemäss <span class="artref">Art. 397f Abs. 2 ZGB</span> bestellt im Verfahren der gerichtlichen Beurteilung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung der Richter der betroffenen Person wenn nötig einen Rechtsbeistand. Wie in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1987&amp;to_year=1987&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F107-II-314%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page315">BGE 107 II 315</a> f. E. 1 erkannt wurde, kann eine Verletzung dieser Bestimmung beim Bundesgericht mit Berufung gerügt werden. <span class="artref">Art. 397f Abs. 2 ZGB</span> steht hier indessen gar nicht zur Diskussion, da der Berufungskläger seit anfangs Januar 1987 einen freigewählten Rechtsbeistand hat. Es geht einzig darum, wer diesen honorieren soll. Das Bundeszivilrecht sieht nicht vor, dass der gemäss <span class="artref">Art. 397f Abs. 2 ZGB</span> bestellte Rechtsbeistand in jedem Falle (wie der Berufungskläger anzunehmen scheint) auf Kosten des Gemeinwesens tätig werden soll. Eine solche Lösung wäre in Fällen, da zur Entschädigung eines freigewählten Rechtsvertreters ausreichend eigene Mittel vorhanden sind, auch nicht gerechtfertigt. Die Feststellung der Vorinstanz, dass nach <span class="artref">Art. 397f Abs. 2 ZGB</span> wenn notwendig ein unentgeltlicher Beistand zu bestellen sei, ist missverständlich.</div> <div class="paraatf">Vorbehalten bleibt freilich der verfassungsmässige Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege (vgl. die Botschaft des Bundesrates vom 17. August 1977 über die Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fürsorgerische Freiheitsentziehung), BBl 1977 III S. 41 oben). Deren Verweigerung ist indessen mit staatsrechtlicher Beschwerde wegen Verletzung von <span class="artref">Art. 4 BV</span> anzufechten, und als derartige Beschwerde kann die vorliegende Berufung nicht entgegengenommen werden. (Es folgen Ausführungen darüber, <a name="page394"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 II 392 S. 394</div>dass die Beschwerdefrist gemäss <span class="artref">Art. 89 Abs. 1 OG</span> nicht gewahrt sei, da die Rechtsschrift nicht fristgerecht beim Bundesgericht eingereicht worden sei.)</div> </div></body></html>