200 23 25 ALV WIS/ISD/STA Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil der Einzelrichterin vom 3. Mai 2023 Verwaltungsrichterin Wiedmer Gerichtsschreiber Isliker A.________ Beschwerdeführer gegen Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern Rechtsdienst, Lagerhausweg 10, 3018 Bern Beschwerdegegner betreffend Einspracheentscheid vom 13. Dezember 2022 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2023, ALV/23/25, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1961 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) arbeitete bei der B.________ AG, ..., aushilfsweise als ..., gemäss eigenen Angaben seit neun Jahren, wobei aktenkundig seit Mai 2020 im Zwischen- verdienst (vgl. Akten des Amtes für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern [AVA bzw. Beschwerdegegner], Antwortbeilage [AB] 292 f.). Mit E- Mail vom 27. September 2022 (AB 199-201) kündigte der Versicherte die- ses Arbeitsverhältnis per sofort. Die Arbeitslosenkasse (ALK) des Be- schwerdegegners gab dem Versicherten mit Schreiben vom 28. Oktober 2022 (AB 169 f.) Gelegenheit, sich zur Kündigung zu äussern, wozu er am 2. November 2022 Stellung nahm (AB 163 f.). In der Folge stellte die ALK den Versicherten mit Verfügung vom 2. November 2022 (AB 146-148) ab dem 28. September 2022 wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für 43 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Dagegen erhob der Versicherte am 6. bzw.10. November 2022 Einsprache (AB 137 f. bzw. 131 f.). Das AVA holte daraufhin weitere Auskünfte der vormaligen Arbeitgeberin ein (vgl. AB 128, 130), gewährte dem Versicherten das rechtliche Gehör (vgl. AB 124, 127) und wies die Einsprache mit Einspracheentscheid vom 13. Dezember 2022 ab (AB 86-92). B. Hiergegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 11. Januar 2023 Be- schwerde und beantragte die Herabsetzung der Einstellung in der An- spruchsberechtigung von 43 auf 15 Tage. Mit Beschwerdeantwort vom 25. Januar 2023 beantragte der Beschwerde- gegner die Abweisung der Beschwerde.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2023, ALV/23/25, Seite 3 Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0] i.V.m. Art. 128 Abs. 1 und Art. 119 Abs. 1 der Verordnung vom 31. August 1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Da auch die Bestimmun- gen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 13. Dezem- ber 2022 (AB 86-92). Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegner den Beschwerdeführer zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit im Umfang von 43 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat. 1.3Ausgehend von den zu beurteilenden 43 Einstelltagen – wovon der Beschwerdeführerin eine Einstellung im Umfang von 15 Tagen sinngemäss akzeptiert (vgl. Beschwerde S. 5) – und einem Taggeld von Fr. 152.15 (vgl. AB 115) liegt der Streitwert unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2023, ALV/23/25, Seite 4 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG müssen Versicherte, die Versicherungs- leistungen beanspruchen wollen, mit Unterstützung des zuständigen Ar- beitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermei- den oder zu verkürzen (sog. allgemeine Schadenminderungspflicht, BGE 139 V 524 E. 2.1.1 S. 525 f.). 2.2Als Zwischenverdienst gilt jedes Einkommen aus unselbstständiger oder selbstständiger Erwerbstätigkeit, das die arbeitslose Person innerhalb einer Kontrollperiode erzielt. Die versicherte Person hat Anspruch auf Er- satz des Verdienstausfalls (Art. 24 Abs. 1 AVIG). Als Verdienstausfall gilt die Differenz zwischen dem in der Kontrollperiode erzielten Zwischenver- dienst, mindestens aber dem berufs- und ortsüblichen Ansatz für die betref- fende Arbeit, und dem versicherten Verdienst (Abs. 3). 2.3Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Der Tatbestand der selbst verschuldeten Arbeitslosigkeit er- fasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die eine Verletzung der Pflicht, Arbeitslosigkeit zu vermeiden, bedeuten (ARV 2014 S. 147 E. 3.1). Die Arbeitslosigkeit gilt insbesondere dann als selbstverschuldet, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Ver- bleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.3.1Nach der Rechtsprechung ist bei der Prüfung der Frage, ob der ver- sicherten Person ein Verbleiben am bisherigen Arbeitsplatz nicht mehr zu- mutbar gewesen sei, ein strenger Massstab anzulegen (SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 323 E. 1). Dass die Art der Beschäftigung oder das Betriebskli- ma den Wünschen der versicherten Person nicht entsprochen haben, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2023, ALV/23/25, Seite 5 genügt zur Annahme der Unzumutbarkeit nicht (ARV 1986 S. 95 E. 2). Auch ein gespanntes Verhältnis zu Vorgesetzten oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des früheren Arbeitgebers begründet für sich allein keine Un- zumutbarkeit (BGE 124 V 234 E. 4b bb S. 239; ARV 1986 S. 92 E. 2b; Ent- scheid des BGer vom 9. Juni 2017, 8C_66/2017, E. 2). 2.3.2Die versicherte Person ist verpflichtet, einen Zwischenverdienst an- zunehmen bzw. beizubehalten, solange sie Anspruch auf Kompensations- zahlungen hat. Die verschuldete Aufgabe oder Nichtannahme eines Zwi- schenverdienstes stellt einen Verstoss gegen die Schadenminderungs- pflicht dar und hat grundsätzlich eine Einstellung in der Anspruchsberechti- gung zur Folge. Die Aufgabe eines Zwischenverdienstes erfüllt den Tatbe- stand der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit und ist durch die Kasse zu sanktionieren. Bei der Bemessung der Einstelldauer ist der gleiche Ver- schuldensmassstab anzulegen wie im Falle einer Ablehnung oder Aufgabe einer zumutbaren Stelle. Gegenstand der Einstellung ist der betragliche Unterschied zwischen dem Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung und dem Anspruch auf Kompensations- oder Differenzzahlungen. Lediglich im Umfang dieser Differenz kann unter den Gesichtspunkten der Kausalität und Verhältnismässigkeit von einer schuldhaft verlängerten Arbeitslosigkeit ausgegangen werden (Staatssekretariat für Wirtschaft [SECO], AVIG- Praxis ALE Rz. D66-D68; vgl. zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen BGE 147 V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228). 3. 3.1Aufgrund der Akten erstellt und insoweit zwischen den Parteien un- bestritten (vgl. AB 87, 90; Beschwerde S. 1) ist, dass der Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis mit der B.________ AG mit E-Mail vom 27. Septem- ber 2022 (AB 199-201) fristlos kündigte, ohne dass ihm zu diesem Zeit- punkt eine andere Stelle zugesichert gewesen wäre. Die Aufgabe eines zumutbaren Zwischenverdienstes stellt einen Verstoss gegen die Schadenminderungspflicht dar und führt grundsätzlich zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Ar- beitslosigkeit nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV (vgl. vorne E. 2.3.2). Es ist da-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2023, ALV/23/25, Seite 6 her zu prüfen, ob ein Verbleib an der vormaligen Arbeitsstelle unzumutbar war (vgl. vorne E. 1.2). 3.2Mit E-Mail vom 16. September 2022 (AB 202) warf der Beschwerde- führer seiner vormaligen Arbeitgeberin vor, ihn zwischen August 2021 und August 2022 nur an 70 von möglichen 284 Tagen beschäftigt zu haben, die Situation sei für ihn aus verschiedenen Gründen unbefriedigend. Er bat deshalb um eine Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen. Die Arbeitgebe- rin entgegnete mit Schreiben vom 19. September 2022 (AB 203), der Be- schwerdeführer hätte bei gegebener Erreichbarkeit bzw. Verfügbarkeit weit mehr arbeiten können. Weiter führte sie angebliche Verfehlungen bei der Arbeitserledigung auf und verlangte vom Beschwerdeführer eine Klärung des Sachverhalts. In der Folge kündigte der Beschwerdeführer das Ar- beitsverhältnis mit E-Mail vom 27. September 2022 (AB 199-201) fristlos (vgl. E. 3.1 hiervor). Gleichzeitig hielt er der Arbeitgeberin vor, die Situation in ihrem Sinne schönzureden und Fakten zu verdrehen. Er sei wegen feh- lender Arbeit nicht eingesetzt worden und habe diese nicht verweigert. Ei- nen Auftrag für vier Fahrten am 2. September 2022 ab 15:30 Uhr habe er nicht ausführen wollen, da er an diesem Tag bereits seit 6:30 Uhr ... gefah- ren sei, um diese Zeit bekanntlich Stau herrsche, die ... daher nicht recht- zeitig hätten erfolgen können. Er habe in den letzten Jahren diesbezüglich wiederholt das Gespräch gesucht, jedoch sei die Disposition nicht besser geworden. Das Verhalten der Arbeitgeberin sei unfair und beschämend. In der Bescheinigung über Zwischenverdienst für die Abrechnungsperiode September 2022 gab die vormalige Arbeitgeberin unter anderem an, sie hätte den Beschwerdeführer etwa in einem 60 %-Pensum anstellen können (AB 179). In der Stellungnahme vom 2. November 2022 (Versanddatum; AB 163 f.) führte der Beschwerdeführer gegenüber dem Beschwerdegeg- ner im Wesentlichen aus, ein Verbleib an der Arbeitsstelle sei unzumutbar gewesen, weil sein Arbeitsgerät, ..., nicht sicher gewesen sei, da viele (Service-)Lampen aufgeleuchtet hätten. Vor drei Jahren sei ein Arbeitskol- lege ... verunglückt, wobei die Unfallursache den … bekannt sei. Während einer Beschäftigungsdauer von neun Jahren sei ihm von der vormaligen Arbeitgeberin nie eine Festanstellung angeboten worden sei. Die von ihr behauptete mögliche Festanstellung zu 60 % entspreche nicht den Fakten. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2023, ALV/23/25, Seite 7 Er habe die Arbeitsstelle nicht freiwillig verlassen, sondern um sich zu schützen. Im Rahmen der Einsprache vom 6. bzw. 10. November 2022 (AB 137 f., 131 f.) bekräftigte der Beschwerdeführer, trotz vieler Gespräche seien die Arbeitsbedingungen nicht besser geworden. Da die Gespräche nicht gefruchtet hätten, habe er die Arbeitsstelle nach insgesamt acht Jah- ren fristlos verlassen. Es habe endlich ein Zeichen gesetzt werden müssen, bevor weitere Unfälle geschähen. Es stehe alleine im Ermessen des ..., die Zumutbarkeit einer (fortgesetzten) Strassenverkehrsteilnahme zu beurtei- len. Die vormalige Arbeitgeberin hielt auf entsprechende Fragen des Be- schwerdegegners (vgl. AB 130) fest, ihre Fahrzeuge müssten stets in tadel- losem Zustand sein. Auf Wunsch könnten Beweismittel wie Garagenab- rechnungen beigebracht werden. Es habe keine Diskussionen mit dem Beschwerdeführer über die Sicherheit am Arbeitsplatz oder an den Fahr- zeugen gegeben. Der Beschwerdeführer habe auch aus keinen anderen Gründen das Gespräch mit der Arbeitgeberin gesucht (AB 128). 3.3 3.3.1Für die vom Beschwerdeführer für die erfolgte Kündigung angege- bene unzureichende Beschäftigung, die von ihm gehegten Sicherheitsbe- denken sowie die angeblich der Kündigung vorangegangenen wiederholten Gespräche mit der vormaligen Arbeitgeberin bestehen – wie der Be- schwerdegegner im angefochtenen Einspracheentscheid zutreffend darauf hinwies (vgl. AB 90) – in den Akten keine Hinweise. So ist namentlich nicht belegt, dass sich der Beschwerdeführer zu einem vor der 16. September 2022 liegenden Zeitpunkt tatsächlich um eine Festanstellung oder eine zeitlich umfangreichere Beschäftigung bemüht hätte. Vielmehr verneinte dies die vormalige Arbeitgeberin und teilte im Schreiben Arbeitgeberin vom 19. September 2022 (AB 203) mit, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Auftrags- und Geschäftslage ohne Weiteres mehr hätte arbeiten kön- nen. Überdies bestätigte die vormalige Arbeitgeberin in der Bescheinigung über Zwischenverdienst für den Monat September 2022, dass der Be- schwerdeführer im Umfang von 60 % hätte angestellt werden können (AB 179). Letztlich war aber ein Verbleib an der letzten Arbeitsstelle im Zwischenverdienst zumutbar, unabhängig davon, ob der Beschwerdeführer sich in der Vergangenheit tatsächlich um eine umfangreichere Beschäfti-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2023, ALV/23/25, Seite 8 gung bemühte bzw. ob die vormalige Arbeitgeberin tatsächlich eine solche oder eine Festanstellung anbot respektive hätte anbieten können. Vielmehr hätte der Beschwerdeführer diesen Zwischenverdienst mit Blick auf die ihm obliegende Schadenminderungspflicht (vgl. dazu vorne E. 2.1 und 2.3.2) nicht ohne eine zugesicherte neue Stelle aufgeben dürfen. 3.3.2Zu den weiter vom Beschwerdeführer geltend gemachten Bedenken betreffend Sicherheit am Arbeitsplatz, namentlich bezüglich der Einsatz- dauer und der Betriebssicherheit der Arbeitsfahrzeuge (vgl. etwa AB 137- 139), finden sich in den Akten bis auf seine ab dem 16. September 2022 wiederholten und von der vormaligen Arbeitgeberin vollumfänglich bestrit- tenen (vgl. AB 203, 128) Behauptungen keine Belege oder Hinweise. Die vormalige Arbeitgeberin verneinte auf explizite Nachfrage denn auch, dass der Beschwerdeführer je betreffend Sicherheitsbedenken oder anderweiti- ger Anliegen mit ihr das Gespräch gesucht hätte (vgl. AB 128). Der Be- schwerdeführer vermochte weder im Verwaltungsverfahren noch vor dem Verwaltungsgericht entsprechende Belege für die von ihm behaupteten Beanstandungen ins Recht zu legen, sondern beschränkte sich darauf, die vormalige Arbeitgeberin der Lüge zu bezichtigen. 3.3.3Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer weiter beanstandeten Ar- beitszeit ist sodann festzustellen, dass sie sich gestützt auf die gemäss den Bescheinigungen über Zwischenverdienst zwischen Mai 2020 und Sep- tember 2022 unbestritten geleisteten Arbeitsstunden (vgl. AB 292, 289, 286, 281, 277, 275, 272, 269, 267, 263, 261, 257, 253, 248, 242, 240, 236, 233, 228, 225, 222, 219, 213, 204, 179) innerhalb der zulässigen Arbeits- zeit gemäss Art. 6 Abs. 1 der Verordnung vom 19. Juni 1995 über die Ar- beits- und Ruhezeit der berufsmässigen Motorfahrzeugführer und -führer- innen (Chauffeurverordnung, ARV 1; SR 822.221) bewegt, auf den auch Art. 6 lit. a der Landesvereinbarung zwischen dem C.________ und dem D.________ (D.________; abrufbar: www.....ch, Rubrik; ...) verweist. Dass die Lenkzeiten (Art. 5 ARV 1) respektive die Ruhezeiten (Art. 8 ARV 1) nicht eingehalten worden wären, ist den Akten nicht zu entnehmen und wird vom Beschwerdeführer auch nicht vorgebracht. Die geleistete Arbeits- zeit erscheint insoweit nicht als objektiv unzumutbar. Eine anderweitige, etwa aus medizinischen Gründen, bestehende Unzumutbarkeit der geleis-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2023, ALV/23/25, Seite 9 teten Arbeitszeiten ist nicht ersichtlich und wurde vom Beschwerdeführer auch nicht dargetan. 3.4Zusammenfassend wäre ein Verbleib an der vormaligen Arbeitsstel- le zumutbar gewesen, sodass die infolge fristloser Stellenaufgabe eingetre- tene Arbeitslosigkeit selbstverschuldet und entsprechend zu sanktionieren ist (vgl. Art. 30 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 3.5Zu prüfen bleibt die Angemessenheit der verfügten Sanktion von 43 Einstelltagen ab dem 28. September 2022. 3.5.1Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Ver- schuldens (Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG) und nicht nach der tatsächlichen Dauer der Arbeitslosigkeit (BGE 113 V 154; SVR 2006 ALV Nr. 20 S. 71 E. 3.1 f.). Massgebend ist das Gesamtverhalten der versicherten Person, das unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände des Einzelfalls, d.h. der objektiven und subjektiven Gegebenheiten zu würdigen ist (BGE 141 V 365 E. 4.1 S. 369). Die Dauer der Einstellung beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 lit. a - c AVIV; bis 31. März 2011 Art. 45 Abs. 2 lit. a - c AVIV). Ein schweres Verschulden liegt insbesondere vor, wenn die versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumut- bare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer neuen aufgegeben hat (Art. 45 Abs. 4 lit. b AVIV). Die Einstellung gilt nur für Tage, für die die arbeitslose Person die Voraussetzungen der Anspruchsberechtigung erfüllt (Art. 30 Abs. 3 Satz 1 AVIG). Innerhalb dieses Rahmens entscheiden die Organe der Arbeitslosenversi- cherung nach pflichtgemässem Ermessen. Das Sozialversicherungsgericht darf sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund anstelle desjenigen der Ver- waltung setzen; die Rekursbehörde muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen können, welche ihre abweichende Ermessensausübung als na- heliegender erscheinen lassen (BGE 123 V 150 E. 2 S. 152; SVR 2020 ALV Nr. 11 S. 36 E. 3.3; ARV 2020 S. 95 E. 4.2). 3.5.2Die mit Einspracheentscheid vom 13. Dezember 2022 (AB 86-92) auf 43 Tage festgesetzte Einstellung in der Anspruchsberechtigung bewegt sich im mittleren Bereich des Sanktionsrahmens von Art. 44 Abs. 1 lit. b Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2023, ALV/23/25, Seite 10 i.V.m. Art. 45 Abs. 3 lit. c AVIV (schweres Verschulden), obschon die Nichteinhaltung der Kündigungsfrist als erschwerender Faktor zu berück- sichtigen war (vgl. das Einstellrater gemäss AVIG-Praxis ALE Rz. D75 1.D). Dies sowie auch die vom Beschwerdeführer geschilderten Probleme am Arbeitsplatz wurden vom Beschwerdegegnerin in pflichtgemässem Er- messen berücksichtigt (vgl. AB 149 f., 91; vgl. AIVG-Praxis Rz. D77). Es liegen keine Gründe vor, in das der Verwaltung zustehende Ermessen (vgl. E. 3.5.1 hiervor) einzugreifen, weshalb es mit der auferlegten Sanktion sein Bewenden hat. 3.6Nach dem Dargelegten ist die mit Einspracheentscheid vom 13. De- zember 2022 (AB 86-91) erfolgte Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 43 Tagen ab dem 28. September 2022 wegen selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist abzuweisen. 4. 4.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. f bis ATSG (Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 4.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht gemäss Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG (Umkehrschluss) kein Anspruch auf eine Parteientschädigung. Demnach entscheidet die Einzelrichterin: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien- tschädigung zugesprochen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2023, ALV/23/25, Seite 11 3. Zu eröffnen (R): - A.________ - Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst - Staatssekretariat für Wirtschaft – SECO Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.