B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6090/2010 U r t e i l v o m 2 1 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiberin Blanka Fankhauser. Parteien A._______, geboren am (…), Mongolei, vertreten durch Hansjörg Trüb, Asylbrücke Zug, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Juli 2010 / N (…). E-6090/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin – eine mongolische Staatsangehörige aus B._______ ([...]) – verliess gemäss ihren Ausführungen ihre Heimat am 24. Oktober 2008 und gelangte auf dem Landweg über Moskau mit ihrem Pass nach D._______, für welches sie vo n Ende Oktober 2008 bis 28. Februar 2009 ein Visum besass. Von dort aus reiste sie am 5. August 2009 unter Umgehung der Grenzkontrolle in die Schweiz ein, wo sie am 9. September 2009 im E mpfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______ um Asyl nachsuchte. Nach dem Transfer in das F._______wurde sie dort am 21. September 2009 befragt. Am 14. Juni 2010 fand die ausführliche Anhörung statt. Zur Begründung ihres Gesuches machte die Beschwerdeführerin im We- sentlichen geltend, ihr Mann sei ein (...) gewesen und habe, nachdem er frisch von der (...) gekommen sei, mit zwei erfahrenen Kollegen in einem Fall ermittelt, in welchem es um Vergewaltigung und Diebstahl gegangen sei. Es habe sich um einen beziehun gsweise mehrere Wiederholungst ä- ter gehandelt. Die Täter hätten den Mann der Beschwerdeführerin wi e- derholt gebeten, die Tat zu verharmlosen, damit sie eine leichte Strafe bekämen, ihn auch zu Hause aufgesucht und ihm sogar ein Auto angebo- ten. Als er sich geweigert habe, mit ihnen zu kooperieren, hätten sie ihn am (…) ermordet. Drei von diesen Tätern, gegen die ihr Mann ermittelt habe, hätten bedingte Strafen, einer (G._______) eine unbedingte Strafe erhalten; zwei von ihnen seien nach D._______ geflüchtet. Die B e- schwerdeführerin habe bei der Gerichtsverha ndlung teilgenommen und sei von den Täter n beziehungsweise von ihren Verwandten aufgefordert worden, keine Hinterlassenenrente, die sie hätten zahlen müssen, einz u- fordern. Sie hätten sie im Saal angreifen w ollen, wobei sie ohnmächtig geworden sei. Danach habe sie nur im ersten Monat eine Rente beko m- men. H._______, einer der Täter, der eine bedingte Strafe erhalten habe, habe sie mit seinen Freunden bedroht. So habe sie für diese Alkohol kau- fen müssen, den si e dann bei ihr zu Hause getrunken hätten. Sie sei die ganze Zeit geschlagen , beschimpft und am Telefon bedroht worden . Im Jahre 2006 habe man versucht, sie und ihre Tochter mit dem Auto anz u- fahren. Obschon sie sich mehrmals an die Polizei gewandt haben, ha be diese nichts unternommen. So habe sie im gleichen Jahr aus Angst, dass ihrer Tochter etwas geschehe, diese an ein befreundetes Ehepaar (...) zur Adoption frei gegeben. In der Folge sei sie zu (...) nach I._______ gezo- gen. Als sie auch dort von den Männe rn gefunden und bedroht worden E-6090/2010 Seite 3 sei, habe sie sich zur Ausreise nach D._______ (zu dieser Zeit habe sie noch nicht gewusst, dass die anderen Täter dorthin geflüchtet seien) ent- schlossen und sich ein Arbeitsvisum besorgt. In D._______ sei sie von einigen Männern, die am Mord an ihrem Ehemann beteiligt gewesen se i- en, aufgesucht und bedroht und einmal vergewaltigt worden, weshalb sie mit ihrem Freund, mit dem sie bereits die Mongolei verlassen habe, in die Schweiz gekommen sei. Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte sie ein mongolisches Arztzeugnis ein. B. Im Hinblick auf die Durchführung eines Dublinverfahrens wurden die (…) Behörden um Rückübernahme de r Beschwerdeführerin ersucht. Dabei stimmten sie am 3. Februar 2010 der Übernahme deren Freundes, mit dem sie in die Schweiz gekommen ist, zu, lehnten jedoch die Rückübe r- nahme der Beschwerdeführerin ab, weil diese in D._______ nicht b e- kannt sei. Hinsichtlich des Freund es stellten die (...) Behörden fest, dass er im Visumsantrag angegeben habe, mi t einer anderen Frau verheiratet zu sein. C. Mit Schreiben vom 1 6. Juni 2010 (Poststempel: 17. Juni 2010) teilte der Freund der Beschwerdef ührerin – unter Einreichung eines Auszugs aus dem Zivilregister – mit, er sei mit der Beschwerdeführerin von der Mongo- lei nach D._______ gereist und habe dort mit ihr zusammen gelebt. Er sei nicht verheiratet und habe keine Kinder. Beide möchten in der Schweiz leben. D. Mit Verfügung vom 28. Juli 2010 – eröffnet am 30. Juli 2010 – stellte das BFM fest, die Ausführungen der Beschwerdeführerin würden den Anfo r- derungen an die Glaubhaftigkeit nicht genügen, und lehnte deren Asylge- such vom 9. September 200 9 ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegwei- sung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug. Auf die Begrü n- dung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eing e- gangen. E. Mit Eingabe vom 26. August 2010 liess die Beschwerdeführerin durch i h- ren Rechtsvertreter gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsg e- richt Beschwerde erheben und beantragen, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, die Sache sei zur erneuten Anhörung und zur Beurte i-E-6090/2010 Seite 4 lung an die Vorinstanz zurückzuweisen, andernfall s sei dem Rechtsver- treter eine Frist zu einer ergänzenden Begrün dung zu gewähren. In pr o- zessualer Hinsicht ersuchte sie – unter Einreichung einer Fürsorgebestä- tigung – um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Zur Begründung der Beschwerde wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Bundesrat habe gemäss Art. 17. Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] ergänzende Verfahrensbestimmungen, um in s- besondere der speziellen Situation von Frauen und Minderjährigen im Verfahren gerecht zu wer den, erlassen. Gestützt auf Art. 6 der Asylve r- ordnung vom 11. August über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) sei beim Vorliegen konkreter Hinweise auf eine geschlecht sspezifische Ver- folgung die Asylsuchende Person von einer Person gleichen Geschlechts anzuhören. Gemäss Rechtsp rechung der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK ) sei diese Vorschrift von Amtes wegen zu beachten (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 2). Im vorliegenden Verfahren habe die Beschwerdeführerin bereits im Emp- fangszentrum zu Protokoll gegeben, dass sie in D._______ beinahe ver- gewaltigt worden sei. Dennoch habe das Bund esamt seine Pflicht mis s- achtet, die Anhörung zu den Asylgründen durch eine gl eichgeschlechtli- che Person durchführen zu lassen. Im Laufe der Anhörung habe die Be- schwerdeführerin ausgesagt, in D._______ vergewaltigt worden zu sein, sie habe dies bei der ersten Befragung nicht sagen können (vgl. A13/20, Antwort 33). Nach der Pause sei dann eine Frau als Befragerin beigezo- gen worden und der Befrager und der Hilfswerkvertreter hätten den Raum verlassen. Die Befragerin habe zwei Fragen gestellt, wobei die Vergewal- tigung in D._______ nicht angesprochen worden sei. Mit den sexuellen Belästigungen in D._______ hätte die Beschwerdeführerin genügend Hinweise auf eine geschlechtsspezifische Verfolgung gegeben, so dass Art. 6 AsylV 1 klarerweise zur Anwendung hätte gelangen müssen. Dass eine Frau ohne Dossierkenntnis ad hoc zum Stellen von zwei Fragen be i- gezogen worden sei, sei als Alibiübung zu betrachten. Entsprechend ha- be sie zu m eigentlich wichtigen Thema keine Fragen gestellt. Auch das Fehlen einer Hilfswerkvertreterin in diesem entscheidenden Moment sei ein gravierender Mangel gewesen. Die Durchführung der Anhörung durch einen Mann in Anwesenheit eines männlichen Hilfswerkvertreters wide r- spreche der gesetzlichen Vorgabe und ihrer Umsetzung in der Veror d-E-6090/2010 Seite 5 nung. Daran ändere der Beizug einer Frau für zwei Fragen nichts. Damit habe die Vorinstanz ihre Pflicht zu Durchführung der Anhörung durch Frauen verletzt, weshalb die Folge dieser Missachtung die Kassation des Entscheides und die Rückweisung der Sache zur erneuten Anhörung und zur Neubeurteilung sei. Für den Fall, dass das Bundesverwaltungsgericht an den vorl iegenden Protokollen festhalten wolle, ersuchte die Beschwerdeführerin um eine angemessene Frist, um sich mit den vorgeworfenen Widersprüchen und unglaubhaften beziehungsweise unlogischen Aussagen auseinanderz u- setzen. F. Die zuständige Instr uktionsrichterin verzichtete mit Verfügung vom 1. September 2010 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und wies die Beschwerdeführerin darauf hin, dass über das Gesuch um Gewä h- rung der unentgeltlichen Rechtspflege zu einem späteren Zeitpunkt des Verfahrens befunden werde. G. In seiner Vernehmlassung vom 10. September 2010 hielt das BFM an seinen Ausführungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwe r- de. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der Anhörung Andeutungen gemacht habe, in der Mongolei O p- fer von sexuellen Übergriffen geworden zu sein. In der Folge sei sie von einem reinen Frauenteam zu diesen Vorbringen befragt w orden, worauf sie solche Übergriffe verneint habe. Damit sei der speziellen Situation von Frauen im Verfahren Rechnung getragen worden. H. Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am 16. September 2010 zur Replik zugestellt. I. Am 20. September 20 10 reichte die Beschwerdeführerin ihre Stellun g- nahme ein. Dabei stellte sie fest, dass die Vernehmlassung an den R ü- gen in der Beschwerde vorbeiziele. Zwar habe sie tatsächlich die sexue l- len Aufforderungen der Männer in der Mongolei in der Befragung nicht als solche bezeichnet, sondern sie nur allgemein als Beschimpfungen beti- telt. Sie habe aber in der Befrag ung eine Beinah e-Vergewaltigung in D._______ geltend gemacht. Damit habe es genügend Hinweise auf eine E-6090/2010 Seite 6 frauenspezifische Verfolgung gehabt. Dies sei in der Vernehmlassung ig- noriert worden. Die Vori nstanz stelle sich auf den Standpunkt, die Befr a- gung durch ein reines Frauenteam nach den Andeutungen der B e- schwerdeführerin, in der Mongolei Opfer von sexuellen Übergriffen g e- worden zu sein, t rage der spezielle n Situation von Frauen im Verfahren Rechnung. Dem sei jedoch zu widersprechen, da es sich, (wie bereits in der Beschwerde dargelegt) um eine Alibiübung gehandelt und die ad hoc beigezogene Frau ohne Dossierkenntnis lediglich zwei Fragen gestellt habe. Daher halte sie an ihren Anträgen in der Beschwerde fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bunde sverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, au sser bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Im vorliegenden Fall ist eine solche Ausnahme gemäss Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht gegeben, so dass das Bundesverwaltungsgericht en d- gültig entscheidet. 1.3. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 E-6090/2010 Seite 7 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1, sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 17 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 6 AsylV wird die asylsuchen- de Person von einer Person gleichen Geschlechts befragt, wenn konkrete Hinweise auf geschlechtsspezifische Verfolgung vorliegen. Geschlecht s- spezifisch ist die Verfolgung dann, wenn sie in der Form sexueller Gewalt stattfindet oder die sexuelle Identität des Opfers treffen soll. Das G e- schlecht soll nach Möglichkeit auch bei der Auswahl der Personen, die als Dolmetscher eingesetzt werden und das Protokoll führen, berücksichtigt werden. Art. 6 AsylV 1 ist eine Ausgestaltung des rechtlichen Gehörs, mithin eine Schutzvorschrift, deren Zweck es ist, dass asylsuchende Pe r- sonen ihre Vorbringen angemessen vortragen, das heisst konkret erlitt e- ne Übergriffe möglichst frei und unbeeinträchtigt von Schamgefühlen schildern können. Gleichzeitig dient sie dazu, die Richtigkeit der Sac h- verhaltsabklärung zu gewährleisten. Da diese Schutzvorschrift nicht bloss ein Recht der asyl suchenden Person beinhaltet, eine solche Befragung zu verlangen, sondern die Behörde dazu verpflichtet, in der vorgeseh e- nen Weise vorzugehen, sobald entsprechende Hinweise vorliegen, ist sie von Amtes wegen anzuwenden ( vgl. Urteil des Bundesverwaltungsg e- richts E-1643/2008 vom 7. Februar 2011 E. 3.1 mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 2 E. 5.). 3.2. Vorliegend bestanden aufgrund der Vorbringen der Beschwerdefü h- rerin an der Erstbefragung genügend konkrete Indizien, welche als "Hi n- weise auf ge schlechtsspezifische Verfolgung" im soeben umschriebenen Sinne zu beachten gewesen wären und daher der Vorinstanz zu entspr e- chenden Vorkehren für die Anhörung hätten Anlass geben müssen. So machte die Beschwerdeführerin bereits anlässlich der Befragung im Emp- fangszentrum geltend, die Männer seien in D._______ zu ihr nach Hause gekommen, als sie gerade am Bügeln gewesen sei, hätten sie mit dem Bügeleisen am Bein verbrannt und versucht, sie zu vergewaltigen (vgl. A1/13, S. 7). Dessen ungeachtet wurde d ie Beschwerdeführerin am 14. Juni 2010 im Beisein eines Protokollführers und eines Hilfswerkvertre-E-6090/2010 Seite 8 ters angehört. Sogar als die Beschwerdeführerin in der Anhörung aussag- te, die Männer hätten sie in D._______ zu Hause aufgesucht, als sie a l- lein gewesen sei und am inneren Oberschenkel (nach Korrektur: Unte r- schenkel) verbrannt und vergewaltigt , und wie sie sich danach gedem ü- tigt gefühlt habe, wurde die Befragung im Beisein von zwei Männern fort- gesetzt. Auch fügte die Beschwerdeführerin hinzu, dass sie sich bei der ersten Befragung geschämt habe, dies zu erzählen (vgl. A13/20, Antwort 33). Erst nach der Pause wurde n der Beschwerdef ührerin durch eine Frau zwei Fragen gestellt (Fragen 74 und 75), die sich aber lediglich auf ihre vorherige Aussage (Antwort 68) bezog en, bei welcher es um das willkürliche und gewalttätige Verhalten der Männer in der Mongolei ging. Dabei verneinte die Beschwerdeführerin , dort vergewaltigt worden zu sein. Die Vergewaltigung in D._______ wurde nicht thematisiert. Dies obwohl sie diese im Zusammenhang zu den Fluchtgründen aus der Mo n- golei stellte. Wie die Beschwerdeführerin zutreffend in ihrer Beschwerde darauf hinwies, war die ad hoc beigezogene Frau mit dem Dossier offe n- sichtlich nicht vertraut, sonst hätte sie die zuvor explizit angeführte Ver- gewaltigung in D._______ angesprochen. Gemäss herrschender Praxis hätte ein reines Frauenteam aufgeboten werden und die Befragerin hätte sich vor der Befragung mit dem Dossier auseinandersetzen müssen, um in der Lage zu sein, die für die richtige und vollständige Sachverhaltsfest- stellung geeigneten Fragen zu stellen. Befremdend erscheint in diesem Zusammenhang, dass die geschilderte Vergewaltigung in D._______ in der angefochtenen Verfügung nicht einmal im Sachverhalt erwähnt wur- de, was auch darauf hinwei st, dass sich das BFM mit dieser Thematik nicht befasst hat . Damit hat die Vorinstanz das rechtliche Gehör de r Be- schwerdeführerin verletzt. Der Einwand der Vorinstanz in ihrer Vernehm- lassung, wonach die Beschwerdeführerin nach deren Andeutungen, in der Mon golei Opfer von sexuellen Übergriffen geworden zu sein, durch ein reines Frauenteam befragt worden sei, womit man der speziellen Si- tuation von Frauen im Verfahren Rechnung getragen habe, kann nicht gehört werden, zumal es hier nicht nur um die Belästigungen in der Mon- golei, sondern auch um eine geltend gemachte Vergewaltigung in D._______ ging. Zudem wurde diese Vergewaltigung unmissverständlich im asylrechtlich relevanten Kontext geltend gemacht, da die Beschwerde- führerin angab, dass di e Männer offenbar von G._______, von der Mo n- golei aus beauftragt worden seien, die Beschwerdeführerin zu liquidieren (vgl. A1/13, S. 7 und A13/20, S. 5 ). Daher gehen die Erwägungen in der Vernehmlassung an der diesbezüglichen Rüge in der Beschwerde vorbei. E-6090/2010 Seite 9 3.3. Damit ergibt sich, dass das Bundesamt dadurch, dass es die Be - schwerdeführerin trotz klare r Hinweise auf eine asylrechtlich relevante, geschlechtsspezifische Verfolgung bereits in der Summarbefragung, nicht durch ein reines Frauenteam zu ihren Asylgründen anhören liess, den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig respektive unvollständig festgestellt hat. 4. 4.1. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs führt grundsätzlich – das heisst ungeachtet der materiellen Auswirkungen – zur Aufhebung des da- raufhin ergangenen Entscheides. Die Heilung einer Gehörsverletzung aus prozessökonomischen Gründen auf Beschwerdeebene ist jedoch mö g- lich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, der Beschwerdeführer oder die Beschwerdeführerin dazu Stellung nehmen kann und der Beschwe r- deinstanz im streitigen Fall die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt, sowie die festgestellte Ve r- letzung nicht schwerwiegender Na tur ist und die fehlende Entscheidreif e durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand hergestellt we r- den kann (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2. Vorliegend ist der rechtserhebliche Sachverhalt nicht richtig und vol l- ständig festgestellt worden. Es kann nicht S inn des Beschwerdeverfa h- rens sein, für eine vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sac h- verhalts zu sorgen, wenn im vorinstanzlichen Verfahren die erforderlichen Sachverhaltsabklärungen unterblieben. Vorliegend ist es insbesondere nicht Sache des B undesverwaltungsgerichts, die vom BFM pflichtwidrig unterlassene Anhörung der Beschwerdeführerin durch ein reines Fraue n- team nachzuholen. Diese Ab klärungen überschreiten in ihrem Umfang und ihrer Dauer den für das Bun desverwaltungsgericht vertretbaren Auf- wand. Demzufolge kann der vorliegende Mangel auf Beschwerdeebene nicht geheilt werden. Gegen eine Heilung des Verfahrensmangels spricht insbesondere auch der Umstand, dass der Beschwerdeführerin ander n- falls eine Instanz verloren ginge. 4.3. Nach dem Gesagten erscheint es sachgerecht, das Verfahren an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese die nötigen Massnahmen (Anhö- rung der Beschwerdeführerin durch ein reines Frauenteam) vornimmt und die Sache im Rahmen eines neuen beschwerdefähigen Entscheides e i- ner rechtlichen Würdigung unterzieht. Die Beschwerde ist infolgedes sen gutzuheissen und die angefochtene Verfügung aufzuheben. E-6090/2010 Seite 10 5. 5.1. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind keine Verfah - renskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist damit als gegenstandslos zu betrachten. 5.2. Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsi e- gens eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhäl t- nismässig hohe Kosten zuspre chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entsch ä- digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Seitens der Rechtsvertretung liegt keine Kostennote vor. Aufgrund der Akten lässt sich der Parteiaufwand jedoch hinreichend zuverlässig a b- schätzen, und d ie Entschädigung für das Beschwerdeverfahren au f- grund der Akten festzusetzen ist (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 - 13 VGKE) und der Entschädigungspraxis in Vergleichsfällen ist das BFM anzuweisen, de r Beschwerdeführer in für das Rechtsmittelverfahren e i- ne Parteientschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 800.- (inkl. Auslagen und allfälliger Mehrwertsteuer) auszurich ten. (Dispositiv nächste Seite) E-6090/2010 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 28. Juli 2010 wird aufgehoben und die Sache zur ergänzenden Sachverhaltsab klärung im Sinne der Erwägungen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM hat der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 800. – auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Blanka Fankhauser Versand: