B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4963/2019 U r t e i l v o m 9 . A p r i l 2 0 2 1 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richterin Roswitha Petry, Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen, Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, (…), Sri Lanka, amtlich verbeiständet durch MLaw Cora Dubach, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 23. August 2019 / N (…). E-4963/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein Tamile aus Jaffna, verliess den Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am (…) Dezember 2015; er reiste in Begleitung eines Schleppers mit seinem eigenen Reisepass und mit einem Visum für B._______ legal über den Flughafen Colombo aus. Nach etwa fünfzehn Tagen B._______ sei er in die Türkei weitergereist. Auf dem Seeweg sei er im März 2016 nach Griechenland gelangt, wo seine Fingerabdrücke abge- nommen worden seien und er sich – ohne ein Asylgesuch zu stellen – zehn Tage lang in einem Flüchtlingslager aufgehalten habe, bevor er üb er Ma- zedonien und Serbien im April 2016 nach Ungarn ge reist sei und dort ein Asylgesuch gestellt habe. Auch d ie ungarischen Behörden hätten seine Fingerabdrücke abgenommen und ihn für die Dauer des Asylverfahrens in ein Flüchtlingslager überführt. Sein Zie l sei jedoch von Anfang an die Schweiz gewesen. Daher habe er Ungarn verlassen und sei in der Folge über Österreich nach Italien zurückgekehrt. Am 11. Mai 2016 sei er illegal in die Schweiz eingereist. Der Beschwerdeführer stellte an diesem Tag ein Asylgesuch. A.b Am 27. Mai 2016 wurde im Empfangs - und Verfahrenszentrum C._______ die Befragung zur Person (BzP) durchgeführt. Die vertiefte An- hörung des Beschwerdeführers zu den Asylgründen fand am 16. April 2018 statt. A.c Am 15. Juni 2016 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, ein zuvor angehobenes Dublin -Verfahren werde beendet und das nationale Asyl - und Wegweisungsverfahren werde in der Schweiz durchgeführt. B. B.a Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, er sei in D._______/Jaffna geboren. Er habe vom (…) Lebensjahr bis ins Jahr 2000 respektive elf Jahre lang in E._______/ Jaffna die staatliche Schule besucht und mit dem O-Level abgeschlossen. Von der Geburt bis Mitte 1992 respektive 1985 habe er in F._______/Jaffna und anschliessend bis etwa zum (…) Lebensjahr in G._______/Jaffna ge- lebt. Von 2003 bis Ende 2014 habe er in H._______ im Vanni-Gebiet ge- lebt. Er habe in der (…)branche gearbeitet; gewohnt habe er damals beim Onkel väterlicherseits. Im (…) 2009 sei er von einem Bombensplitter am (…) getroffen worden; sein Cousin sei bei diesem Vorfall ums Leben ge- kommen. Das Militär habe ihn und andere in einem Schulgebäude medizi- nisch versorgt. Anschliessend seien die Beteiligten vom Militär "aussortiert" E-4963/2019 Seite 3 worden: Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) habe man an einen anderen Ort gebracht, der Beschwerdeführer sei mit der Familie des Onkels in das Flüchtlingslager in I._______/J._______ gebracht wor- den, wo sie zwischen dem (…) 2009 und (…) 2010 geblieben seien. Am (…) Januar 2015 sei er nach G._______ zurückgekehrt. Am 1. Oktober 2015 hätten ihn vier Angehörige des Militärs in Zivil zu Hause bei den Eltern gesucht. Da er bei der Arbeit gewesen sei, hätten die Soldaten die Eltern ausgefragt. Diese hätten dabei erzählt, ihr Sohn (Beschwerdeführer) halte sich im Vanni-Gebiet auf. Er habe sich aufgrund dieser Suche in den fol- genden zehn Tagen bei einem Freund im Dorf versteckt. Die Militärs hätten vor seiner Ausreise mehrmals die Eltern und Geschwister zu Hause be- droht, falls er sich nicht zu erkennen gebe. Er vermute, dass sein Aufenthalt im Vanni-Gebiet ihn ins Visier der Militärs gerückt habe, und diese ihm des- wegen – zu Unrecht – Verbindungen zu den LTTE unterstellt hätten. Den Soldaten sei er jedoch bis zur Ausreise nicht persönlich begegnet. Am (…) Oktober 2015 sei er von G._______ aus nach Colombo gegangen. Dort habe er die zwei Monate bis zur Ausreise in einer Lodge gewohnt. Nach seiner Ausreise hätten Militärangehörige mehrmals die Eltern und Ge- schwister wegen ihm aufgesucht und die Angehörigen unter Druck gesetzt; der Vater sei auch auf das Camp vorgeladen worden. Seinen Reisepass und Identitätsausweis habe er unterwegs auf dem Meer verloren bezie- hungsweise sei ihm der Pass vom Schlepper B._______ weggenommen worden. Der Beschwerdeführer wies bei seinen Befragungen auch auf gesundheit- liche Probleme hin. Er machte geltend, er leide unter hohem Blutdruck und unter Schmerzen am Hinterkopf und habe Schlafstörungen ; deswegen nehme er Medikamente ein. B.b Der Beschwerdeführer reichte folgende Beweismittel zu den erstin- stanzlichen Verfahrensakten: Eine von der Armee ausgestellte Identitäts- karte; eine beglaubigte Kopie seiner Geburtsurkunde Nr. (…), ausgestellt am (…) von der Registratur K._______; eine "Relief Assistance Card" ("Re- lief and Recovery Assistance to Displaced Persons" ), bei der es sich um die Familienkarte des Onkels handle; ein Bestätigungsschreiben des Quar- tier-Friedensrichters L._______ vom 15. März 2017 ; das Bestätigungs- schreiben eines Pfarrers der katholischen Kirche, M._______, vom 8. No- vember 2016 ; eine handschriftliche Bestätigung des Dorfvorstehers E-4963/2019 Seite 4 N._______ vom 29. Februar 2016 zum Aufenthalt im Vanni-Gebiet; ein Be- stätigungsschreiben des Parlamentariers O._______, vom 17. Oktober 2016. B.c Das SEM forderte den Beschwerdeführer am 25. Juni 2019 zum Ein- reichen eines ärztlichen Berichts auf. Am 9. Juli 2019 stellte sein behan- delnder Arzt dem SEM einen am 6. Juli 2019 verfassten Bericht zu. C. Mit Verfügung vom 23. August 2019 (am 26. August 2019 eröffnet) stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz; den Vollzug der Wegweisung bezeichnete die Vorinstanz als zulässig, zumutbar und möglich. D. D.a Mit Eingabe vom 25. September 2019 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen die se erstin- stanzliche Verfügung ein. Er beantragte, e s sei festzustellen, dass sein rechtliches Gehör verletzt worden sei, die Verfügung des SEM sei aufzu- heben, seine Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegwei- sung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und als Folge die vorläu- fige Aufnahme anzuordnen sei. D.b In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verz icht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses; zudem sei i hm sei für das Verfahren ein amtlicher Rechtsbeistand beizuordnen. E. Die vormals zuständige Instruktionsrichterin stellte in ihrer Zwischenverfü- gung vom 9. Oktober 2019 fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe. Die Gesuche um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht einer Kosten- vorschusserhebung hiess sie gut, wobei der Beschwerdeführer aufgefor- dert wurde, innert Frist eine Person a ls amtliche Rechtsvertretung zu be- nennen und zu bevollmächtigen. F. Am 7. Oktober 2019 reichte der Beschwerdeführer die Übersetzung eines Briefs seines Vaters vom 18. September 2019 zu den Akten. E-4963/2019 Seite 5 G. Am 24. Oktober 2019 reichte MLaw Cora Dubach eine Vollmacht des Be- schwerdeführers ein, gab ihre Mandatsübernahme für das vorliegende Be- schwerdeverfahren bekannt und ersuchte darum, als amtliche Rechtsbei- ständin eingesetzt zu werden. H. Mit Zwischenverfügung vom 4. November 2019 wurde MLaw Cora Dubach von der Instruktionsrichterin als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwer- deführers eingesetzt. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zum Einreichen ei- ner Vernehmlassung eingeladen. I. I.a Die Vorinstanz liess sich am 14. November 2019 zur Beschwerde ver- nehmen. Sie hielt dabei mit ausführlicher Begründung vollumfänglich an ihren Erwägungen fest. I.b Die Vernehmlassung der Vorinstanz SEM wurde dem Beschwerdefüh- rer am 18. November 2019 zur Kenntnis gebracht und es wurde ihm Frist zur Replik angesetzt. I.c Der Beschwerdeführer liess innert erstreckter Frist am 30. Dezember 2019 seine Stellungnahme zu den Beschwerdeakten reichen und an sei- nen Rechtsbegehren festhalten. J. Anfang des Jahres 2021 überwies die Leitung der Abteilung V das Be- schwerdeverfahren aus organisatorischen Gründen de m vorsitzenden Richter zur weiteren Behandlung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-E-4963/2019 Seite 6 det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausge setzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die E-4963/2019 Seite 7 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz beurteilte die Vorbringen des Beschwerdeführers al s nicht glaubhaft. 4.1.1 Namentlich führte das SEM aus, der Beschwerdeführer habe nicht nachvollziehbar darlegen können, weshalb das Militär ein so grosses Inte- resse an ihm gehabt und ihm – einzig, weil er im von den LTTE kontrollier- ten Gebiet gelebt habe – eine Verbindung zu den LTTE unterstellt haben solle. So habe er selber angegeben, ausser eines bereits vor langer Zeit verstorbenen Cousins habe niemand in seiner Familie Verbindungen zu den LTTE gehabt. Sodann mache er geltend, dass das Militär ihn am (…) 2015 das erste Mal in G._______ bei den Eltern gesucht habe, dies, nach- dem er am (…) 2015 dorthin zurückgekehrt sei. Hätte das Militär den Be- schwerdeführer wegen seines Aufenthalts im Vanni-Gebiet tatsächlich der Mitgliedschaft bei den LTTE verdächtigt, hätte sie ihn bereits vorher, zwi- schen 2010 und 2015, dort ausfindig machen und aufsuchen können. Aus- serdem sei er den Militärangehörigen persönlich nie begegnet, was ange- sichts der behaupteten intensiven Suche unwahrscheinlich wirke. Sodann wäre er bei tatsächlicher Verfolgung durch die Militärs nicht über den Flug- hafen in Colombo ausgereist, da er dort jederzeit mit einer unvorhergese- henen Kontrolle durch die vielen Sicherheitsbehörden hätte rechnen müs- sen. 4.1.2 Weiter habe er zu wesentlichen Punkten unterschiedliche und damit widersprüchliche Angaben gemacht. Beispielsweise sollten gemäss Aus- sagen in der BzP die Verwandten mütterlicherseits in P ._______ leben, später habe er gesagt, ein Onkel väterlicherseits lebe dort, die Verwandten mütterlicherseits seien i n G._______. Auch zu seinen Aufenthaltsorten habe er zeitlich unterschiedliche Angaben gemacht , und die Schilderun- gen, wann und wie oft die Militärorgane ihn gesucht hätten, seien vage geblieben. Bezüglich des Verbleibs seiner Identitätsdokumente seien die Aussagen ebenfalls widersprüchlich ausgefallen. E-4963/2019 Seite 8 4.1.3 Die zur Stützung der Asylvorbringen eingereichten Beweismittel, namentlich die Bestätigungsschreiben – die von Personen verfasst worden seien, die er persönlich gar nicht gekannt oder mit denen er keinen Kontakt gehabt habe – seien Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiskraft. Es sei auch nicht auszuschliessen, dass die Dokumente käuflich erworben seien. Soweit er vorgebracht habe, der Vater sei wegen ihm ins Camp der Militärs vorgeladen worden, seien hierzu keine Beweismittel aktenkundig gemacht worden. 4.1.4 Insgesamt würden die Vorbringen den Anforderungen an die Glaub- haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten; die asylrechtliche Rele- vanz der Angaben müsse daher nicht geprüft werden. Der Beschwerdefüh- rer erfülle folglich die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein Asylgesuch sei abzulehnen. 4.2 4.2.1 In der Beschwerde führt der Beschwerdeführer den Sachverhalt nochmals aus: Vor Kriegsende sei es auch ausserhalb des Vanni-Gebiets zu Scharmützeln und Bombenattentaten von LTTE -Sympathisanten ge- kommen, die sich in den Häusern der Zivilbevölkerung versteckt hätten. Entsprechend seien dort viele Razzien durchgeführt worden. Jede Familie habe eine Familienkarte erhalten, um zu b elegen, wer zum Haushalt ge- höre. Sein Name sei auf der Familienkarte seiner Familie aufgeführt, er sei jedoch nicht vor Ort gewesen. Deshalb hätten die Behörden nach seinem Aufenthalt gefragt. Die Familie habe bei jenen Razzien angegeben, er sei im Vanni-Gebiet. Dies habe ihn bei den Behörden verdächtig gemacht. Er habe keinen Kontakt zu den LTTE gehabt, jedoch in Gebieten gelebt und gearbeitet, in denen diese die Kontrolle gehabt habe. Daher sei er ver- dächtigt worden, bei den LTTE gewesen zu sein. Eine Co usine mütterli- cherseits sei bei den Tigers gewesen und den Märtyrertod gestorben. 4.2.2 Er sei während des Kriegs auf der Flucht von einer Sicherheitszone zur nächsten von einem Bombensplitter verletzt worden; ein Cousin sei dabei getötet worden. Man habe ihn in vom Militär kontrolliertes Gebiet transportiert und später in einem Flüchtlingslager interniert. Vom (…) 2009 bis (…) 2010 sei er mit der Familie des Onkels in einem Flüchtlingslager in I._______/J._______ interniert und dort nach seinen LTTE -Verbindungen gefragt worden. Dabei habe man ihm stark auf den Hinterkopf geschlagen. Er habe deswegen bis heute Kopfschmerzen. Nach der Entlassung sei er auf Anraten des Vaters beim Onkel väterlicherseits geblieben. Erst am (…) E-4963/2019 Seite 9 2015 sei er zur Familie nach G._______ zurückgekehrt und habe dort je- weils den ganzen Tag gearbeitet. Am 1. Oktober 2015 seien vier Militärper- sonen nach Hause gekommen und hätten ihn gesucht. Die Militärs hätten dem Vater erklärt, sein Sohn sei b ei den Tigers gewesen und sie wollten ihn deswegen befragen. Der Vater habe jegliche LTTE-Verbindungen des Sohnes abgestritten und behauptet, dieser sei noch im Vanni-Gebiet. Aller- dings hätten die Militärpersonen vo n seinem (Beschwerdeführer) Aufent- halt in G._______ bereits gewusst und verlangt, er solle sich am Folgetag zu Hause zur Verfügung halten. Dies habe er erfahren, als er am Abend von der Arbeit gekommen sei. Er habe sich keinesfalls der Gefahr eines Verhörs aussetzen wollen und sich die folgenden zehn Tage bei einem Freund versteckt. Die Militärs seien am Folgetag wie angekündigt nach Hause gekommen und hätten seiner Familie mit Erschiessen gedroht, sollte er sich nicht freiwillig stellen. Während er sich beim Freund versteckt gehalten habe, sei die Familie mehrere Male behelligt und bedroht worden. Der Vater habe das Versteck nicht länger für sicher gehalten, weshalb der Bruder mit ihm (Beschwerdeführer) nach Colombo gereist sei. Er habe sich dort etwa zwei Monate in einer Lodge versteckt und sei in dieser Zeit vom Bruder mit Essen versorgt worden. Dort habe er auch erfahren, dass er zu Hause weiterhin gesucht worden sei. Daher habe der Bruder mittels eines Schleppers seine Ausreise vorbereitet. D ieser habe ihm einen Pass be- sorgt und am (…) Dezember 2015 sei er ausgereist. 4.2.3 Er sei seit der Ausreise mehrmals zu Hause gesucht und sein Vater sogar zu einem Verhör ins Militärcamp in Q._______ vorgeladen worden, wo er lange auf den Knien Fragen habe beantworten müssen. Etwa fünf oder sechs Monate nach sei ner Ankunft in der Schweiz sei das Familien- haus von zivilgekleideten Militärpersonen durchsucht und die Familienmit- glieder einzeln in Zimmern verhört und befragt worden. Der Vater habe dies in seinem Brief zu beschreiben versucht. Der Vater schildere auch de- ckungsgleich, was am (…) Oktober 2015 geschehen sei. Weiter be- schreibe er einen Behördenbesuch vom Juni 2019. Die Armee habe dabei die Familienkarte mitgenommen und dem Vater aufgetragen, diese im Armeecamp abzuholen. Der Vater sei dabei am Folgetag geschlagen und gefoltert und es sei ihm auch gesagt worden, sie würden seinen Sohn fin- den und sie würden weiterhin nach Hause kommen. Die Familie sei daher nach F._______ umgezogen. E-4963/2019 Seite 10 4.2.4 Der Beschwerdeführer rügt in seinem Rechtsmittel eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Die Rückübersetzung der vertieften Anhörung sei nicht reibungslos verlaufen. Es habe an vielen Stellen Diskussionen mit dem Dolmetscher gegeben, der Korrekturen verweigert habe. Die Befrage- rin habe mehrmals nachgefragt, worüber sie diskutieren würden, wobei der Dolmetscher mutmasslich nicht offenlegen wollte, dass er (Beschwerde- führer) mit gewissen Formulierungen im Protokoll nicht einverstanden ge- wesen sei, da er sie so gar nicht gesagt habe. Beispielsweise habe der Dolmetscher festgehalten, der Beschwerdeführer habe mit Jahreszahlen angegeben, wo er wann gelebt habe, was nicht zu- treffe. Er habe ausdrücklich gesagt, von der Geburt bis zum (…) Lebens- jahr in F._______, D._______, dann in G._______ und ab 2003 im Vanni- Gebiet gelebt zu haben. Der Dolmetscher habe jedoch selber ausgerech- net, welches Jahr sein (…) Lebensjahr gewesen sei und erklärt, man müsse das so angeben, obwohl er das bei der Rückübersetzung bemän- gelt habe. Auf diese Weise seien ihm Jahreszahlen in den Mund gelegt worden, die er so nie ausgedrückt habe. Zudem sei es nicht Aufgabe des Dolmetschers, solche Dinge zu präzisieren. Vielmehr hätte die Befragerin nachfragen können, wenn ihr seine Aussagen zu unpräzise erschienen wä- ren. Auch die protokollierte Aussage, er habe bis zum (…) Lebensjahr in G._______ gelebt, stimme so nicht. Er habe gesagt, in G._______ gelebt zu haben und anschliessend im Jahr 2003 ins Vanni-Gebiet gegangen zu sein. Der Übersetzer habe das mit dem (…) Lebensjahr hinzugefügt. Auch dies habe er bei der Rücküber setzung angesprochen. Der Dolmetscher habe ihm dabei versichert, er müsse so aussagen, daraus würden keine Probleme entstehen. Durch dieses Fehlverhalten des Übersetzers würden nun in unfairer Vor- gehensweise Widersprüche konstruiert. Durch diese unkooperative Über- setzung sei sein Mitwirkungsrecht bezüglich der Sachverhaltserhebung und damit das rechtliche Gehör verletzt worden. 4.2.5 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz würden diejenigen, die in der Zeit zwischen 2003 und 2009 im Vanni -Gebiet gelebt h ätten, in den Augen der Regierung unter dem Generalverdacht stehen, mit den LTTE in Verbindung zu stehen. Zudem sei er nicht einfach ein normaler Bewohner des Vanni-Gebiets gewesen, sondern er sei erst 2003 dorthin gezogen, was ihn noch verdächtiger gemach t habe. Dabei habe man im Vanni - E-4963/2019 Seite 11 Gebiet mit 18 Jahren grundsätzlich ein Training bei den Tigers absolvieren müssen; er sei beim Umzug (…) Jahre alt und demnach im idealen Alter dafür gewesen. Vor diesem Hintergrund sei nachvollziehbar, dass ihm Ver- bindungen zu den LTTE unterstellt würden. Er sei zudem nicht erst im Ok- tober 2015 zu Hause vom Militär gesucht worden. Vielmehr sei er bei jeder Hausdurchsuchung bei den Eltern gesucht worden, als er noch im Vanni - Gebiet gewesen sei. Darauf hätten die Eltern jewei ls auch hingewiesen. Zudem habe der Vater ihm nach der Entlassung aus dem Flüchtlingslager von einer Rückkehr ins Elternhaus abgerat en, da dies für Personen aus der Vanni-Region zu gefährlich gewesen wäre. Dass ihn das Militär nie auf- gegriffen habe, sei entgegen der Auffassung des SEM logisch. Er sei An- fang 2009 zu Hause gesucht worden ; damals sei er im Vanni-Gebiet und auch im Flüchtlingslager gewesen. Also habe das Militär ihn erst ab Januar 2015 in G._______ antreffen können; aus welchen Gründen dieses ihn ge- nau im Oktober 2015 gesucht hätten, entziehe sich seiner Kenntnis, was ihm aber vom SEM nicht angelastet werden dürfe. Hinsichtlich der Anzahl Besuche des Militärs zu Hause habe er ungefähre Angaben gemacht. Diese würden sich nicht widersprechen. 4.2.6 Kleine Widersprüche namentlich im Zusammenhang mit den Ver- wandtschaftsangaben seien auf eine ungenaue Übersetzung zurückzufüh- ren. Diese würden auch nicht mit den zentralen Asylvorbringen zusammen- hängen. Letztlich seien diese angeblichen Ungereimtheiten erneut ein Hin- weis auf die ungenügende Arbeit des Übersetzers. 4.2.7 Insgesamt habe er seine Asylgründe glaubhaft vorgebracht. Sein Leben sei durch die wiederholte Suche nach ihm in Gefahr. Dies werde durch die aktuellsten Berichte über Sri Lanka bestätigt. Sein L eben sei nicht nur im Zeitpunkt der Ausreise bedroht gewesen. Vielmehr müsse er mit künftiger Verfolgung rechnen. Damit seien die Voraussetzungen zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Es sei ihm Asyl zu erteilen. 5. 5.1 Vorweg ist hinsichtlich der ger ügten Verletzung des rechtlichen Gehörs Folgendes festzuhalten: 5.2 Dass der Übersetzer in der vertieften Anhörung Korrekturen verweigert, seine Aussagen eigenmächtig anders übersetzt und dem Beschwerdefüh- rer Aussagen in den Mund gelegt habe, findet in den Akten keine Stütze. Der Beschwerdeführer gab zu Beginn dieser vertieften Anhörung an, den Dolmetscher gut zu verstehen (vgl. A17 F/A 1). Nach der Mittagspause E-4963/2019 Seite 12 wurde er gefragt, ob er bisher alles habe sagen können; das bis dahin er- stellte Protokoll wurde ihm rückübersetzt und ausdrücklich erklärt, wenn es seinen Aussagen entspreche, könne er unterschreiben, ansonsten solle er Berichtigungen anbringen (vgl. a.a.O. F/A 115 f.). Er bestätigte die korrekte Protokollierung dort ohne jeglichen Vorbehalt (vgl. a.a.O. F/A 112–116). Am Ende der Befragung wurde das Protokoll nochmals übersetzt und er wurde ausdrücklich aufgefordert, er solle allfällige Fehler in der Übersetzung be- nennen. Dabei bestätigte er unterschriftlich, das Protokoll sei ihm Satz für Satz vorgelesen und in eine ihm verständliche Sprache übersetzt worden. Das Dokument sei vollständig und entspreche seinen freien Äusserungen (vgl. a.a.O. S. 18). 5.3 Dem Anhörungsprotokoll ist denn auch an keiner Stelle zu entnehmen, dass es zu Diskussionen zwischen dem Dolmetscher und dem Beschwer- deführer und deswegen zu entsprechenden Nachfragen der Befragerin ge- kommen wäre. Zudem darf davon ausgegangen werden, dass die behaup- teten Auffälligkeiten seitens der mitwirkenden Hilfswerkvertretung der Cari- tas Schweiz spätestens in ihrem Begleitblatt entsprechend notiert und mo- niert worden wären. Dies war ebenfalls nicht der Fall (vgl. a.a.O., Protokoll- anhang). 5.4 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwer- deführer auch das anlässlich der BzP erstellte Protokoll als korrekt und sei- nen Aussagen entsprechend unterschriftlich bestätigt hat. Insgesamt wur- den seine Aussagen demnach in beiden vorliegenden Niederschriften kor- rekt erfasst. 5.5 Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist nicht ersichtlich. Die Proto- kolle, namentlich dasjenige der eingehenden Anhörung vom 16. April 2018, sind nach dem Gesagten ohne Einschränkungen in die Entscheidfindung einzubeziehen. 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach eingehender Sichtung der gesamten vorliegenden Akten mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers zur angeblichen Verfolgungssituation verschiedene Widersprüche aufweisen und teilweise nicht nachvollziehbar sind. Namentlich ist Folgendes festzustellen: E-4963/2019 Seite 13 6.2 6.2.1 Der Beschwerdeführer hat in der BzP ausgeführt, er habe von 1985 bis Ende 2002 in G._______/Jaffna gelebt. Im Jahr 2003 sei er aus beruf- lichen Gründen – der Vater habe mit den Beinen Probleme gehabt – zum Onkel väterlicherseits ins Vanni -Gebiet umgezogen (vgl. A7/14 S. 4 und 9). Im Gefolge des Bürgerkriegs sei er im Jahr 2009 von einem Bombensplitter verletzt und deswegen durch die Militärs zu einer Schule gebracht worden, wo man ihn med izinisch versorgt habe. Am 21. April 2009 sei er ins Flüchtlingscamp I._______ überführt worden und dort bis (…) 2010 geblieben. Im Camp sei während seines Aufenthalts nichts Nen- nenswertes geschehen. Nach der Freilassung aus dem Flüchtlingscamp im (…) 2010 habe er seine Arbeit im Vanni-Gebiet fortgeführt. Bis zur Rück- kehr nach Jaffna habe er weder mit de n LTTE noch mit der Regierung Probleme gehabt. Erst nach seiner Rückkehr ins Elternhaus in Jaffna seien Militärs in Zivil am (…) Oktober 2015 gekommen und hätten ihn, da er aus dem Vanni-Gebiet zurückgekommen sei, nach Verbindungen zu den LTTE befragen wollen. Er habe die Militärs jedoch nie persönlich getroffen (vgl. a.a.O. S. 9 f.). In der Anhörung führte er an, er habe von der Geburt bis (…) 1992 in F._______ und danach bis zum (…) Lebensjahr – mithin bis 1999 – in G._______/Jaffna gelebt. Im Jahr 2003 sei er wegen der Familiensituation ins Vanni-Gebiet zum Onkel gegangen (vgl. A17/20 F/A 41, 129 ff.). Die Verletzung durch einen Bombensplitter im April 2009 und die anschlies- sende Behandlung in einer Schule, wo das Militär die Kontrolle gehabt habe, schilderte er übereinstimmend. Weiter führte er hier aber auch aus, das Militär habe damals die Leute "aussortiert"; die LTTE-Mitglieder seien an einen anderen Ort, der Beschwerdeführer (mit der Familie des Onkels) in das Flüchtlingslager I._______ in J._______ überführt worden (vgl. a.a.O. F/A 41, 71). Am 15. November 2010 habe das Militär sie mit ihrem Wagen, dies mit Hilfe des Dorfvorstehers, nach H._______ (Vanni-Gebiet) transferiert. Eine sofortige Rückkehr des Beschwerdeführers nach Jaffna habe der Vater nicht erlaubt, da es dort zu Entführungen gekommen sei. Er sei deswegen beim Onkel geblieben und habe dort wieder gearbeitet. Als sich die Lage beruhigt habe, sei er am 6. Januar 2015 zur Familie zu- rückgegangen (vgl. a.a.O. F/A 71, 120). Vor 2015 habe er keine Probleme mit dem Militär gehabt (vgl. a.a.O. F/A 74). E-4963/2019 Seite 14 6.2.2 Allein vor dem Hintergrund dieser Schilderungen ist das angeblich ab Oktober 2015 bestehende intensive Verfolgungsinteresse der Militärbehör- den am Beschwerdeführer nicht nachvollziehbar. Insbesondere ist – zu- sätzlich zu den zutreffenden diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz – festzuhalten, dass die Militärs den Beschwerdeführer, hätten sie ihn tat- sächlich in Verbindung mit de n LTTE gesehen, bereits anlässlich der von ihm selber beschriebenen "Aussortierung" im April 2009 entsprechend ein- gestuft und behandelt (eben "aussortiert") hätten. Demgegenüber hat das Militär ihn mit der Familie des Onke ls im November 2010 sogar nach H._______ zurückgefahren und er konnte die folgenden vier Jahre ohne Probleme dort leben und weiterhin seinem Erwerb nachgehen. Sodann ist der Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben im (…) 2015 nach G._______ zur Familie zurückgekehrt und konnte die folgenden (…) Mo- nate dort problemlos leben und seiner Arbeit nachgehen. In diesem gesam- ten Kontext wird demnach keineswegs ersichtlich, weshalb die Militärbe- hörden plötzlich im (…) 2015 ein derart intensives Interesse am Beschwer- deführer gehabt haben sollen. Die diesbezüglichen Angaben sind bis heute vage und nicht nachvollziehbar geblieben. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund dessen, dass der Beschwerdeführer betont hat, er sei nie bei den LTTE gewesen und ausser eines vor langer Zeit verstorbenen Cousins sei auch kein Verwandter bei den Tigers gewesen (vgl. A17/20 A/F 76). Dass er neu in der Beschwerde davon spricht, eine Cousine sei den Mär- tyrertod gestorben, wirkt nachgeschoben, zumal nicht einzusehen ist, wes- halb er diese in der Anhörung nicht auch zusammen mit dem Cousin er- wähnt hat. 6.2.3 Es ist nach dem Gesagten vielmehr anzunehmen, dass der Be- schwerdeführer zwar – als einer von vielen – von der damaligen Bürger- kriegssituation betroffen und auch in einem Flüchtlingslager gewesen ist. Indessen konnte er ab (…) 2010 im Vanni-Gebiet – wohl auch, weil er auf der (eingereichten) Familienkarte des Onkels aufgeführt war – problemlos leben und ungehindert arbeiten. Dass auch in jener Zeitspanne bei den Eltern nach ihm gefragt worden sein soll, ist von ihm in einer Weise ge- schildert worden, die keine Rückschlüsse auf eine eigentliche Verfolgungs- situation nahe legen: So sei es in der Wohngegend der Eltern damals zu Razzien der Behörden gekommen – es sei regelmässig zu Hausdurchsu- chungen gekommen, um zu kontrollieren, ob es mehr Anwesende habe, als auf der Familienkarte aufgeführt – und der Vater habe von Entführun- gen gesprochen und ihm deshalb verboten nach der Entlassung aus dem Flüchtlingslager direkt heimzukehren (vgl. A17/20 A/F 82 ff.). Aus diesen E-4963/2019 Seite 15 Angaben ist nicht auf eine gezielte Suche der Militärs nach seiner Person zu schliessen. 6.2.4 Auch aus den Ausführungen in der Beschwerde, der Vater habe ihm nach der Entlassung aus dem Flüchtlingscamp von der Rückkehr abgera- ten, da es viele Verhaftungen namentlich von Rückkehrern aus dem Vanni- Gebiet gegeben habe, ergeben sich – abgesehen davon, dass diese An- gabe von der ursprünglichen Aussage, der Vater habe von Entführungen gesprochen, abweicht – keine Hinweise auf eine gezielte Verfolgungssitu- ation; dies umso weniger, nachdem der Beschwerdeführer noch über vier Jahre mit einer Heimkehr zugewartet hatte. Die Ausführungen des SEM auch in der Vernehmlassung erweisen sich im Kontext als zutreffend. 6.3 Es finden sich sodann zahlreiche Ungereimtheiten in den Aussagen des Beschwerdeführers; diese sind von der Vorinstanz zutreffend aufge- führt worden, worauf vorab verwiesen werden kann (vgl. angefochtene Ver- fügung S. 4 f.). 6.3.1 Bezüglich seiner Reisedokumente hat der Beschwerdeführer in der BzP festgehalten, er habe Reisepass und Identitätsausweis auf der Über- fahrt auf dem Meer verloren (vgl. A7/14 S. 6). In der Anhörung erklärte er hingegen, der Reisepass sei ihm bereits (…) vom Schlepper abgenommen worden, die Identitätskarte habe er samt Reisetasche auf dem Meer verlo- ren (vgl. A7/20 F/A 39). 6.3.2 Weiter fällt auf, dass der Beschwerdeführer in der Erstbefragung ge- sagt hat, während des Aufenthalts im Flüchtlingscamp sei nichts Nennens- wertes geschehen ("È successo nulla di rilevante nel campo in cui è stato portato dai militari? No."; vgl. A7/14 S. 10) und am Ende der BzP bestätigte er, es gehe ihm gut, er habe Narben (…), die jedoch nicht schmerzen wür- den (vgl. a.a.O. S. 11). Allfällige (Folge -)Probleme wegen erlittener Schläge erwähnte er mit keinem Wort. In der Anhörung sprach er demge- genüber von Schlägen durch Soldaten, um später zu erklären, er habe vor Oktober 2015 nie irgendwelche Probleme mit dem Militär gehabt (vgl. A17/20 F/A 74). In der Beschwerde führt er nunmehr neu aus, während der Zeit im Flüchtlingsla ger sei er befragt und "stark" auf den Hinterkopf ge- schlagen worden, davon habe er heute noch Kopfschmerzen (vgl. Be- schwerde, S. 3). 6.3.3 Es finden sich sodann – wie oben erwähnt – zeitliche Ungereimthei- ten bezüglich seiner Aufenthaltsorte, die unter anderem dazu führen, dass eine nicht nachvollziehbare Zeitspanne zwischen 1999 und 2003 besteht. E-4963/2019 Seite 16 Zutreffend hat die Vorinstanz auch verschiedene ungereimte Angaben zu den verwandtschaftlichen Verhältnissen angeführt, auf die hier ebenfalls verwiesen werden kann. 6.3.4 Die vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen zur Untermau- erung seiner Asylgründe, namentlich die Bestätigungsschreiben verschie- dener Personen – die er teilweise gar nicht persönlich kennt und mit denen er keinen Kontakt gepflegt hat (vgl. A17/20 A/F 19 ff.) – vermögen die Schlussfolgerung der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen nicht zu ent- kräften. Die Vorinstanz hat diese Bestätigungen zu Recht als Gefälligkeits- schreiben beurteilt. Soweit geltend gemacht und vom Vater in einem Brief bekräftigt wird, die Militärs würden weiter nach dem Beschwerdeführer su- chen und der Vater sei deswegen zuletzt vorgeladen sowie geschlagen worden, ist festzuhalten, dass der Vater kaum objektiv verwertbare, die oben erkannten Unglaubhaftigkeitselemente relativierende Aussagen ma- chen dürfte, mithin sind auch diese – nicht weiter belegten – Angaben unter Würdigung aller Umstände nicht beweisgeeignet. 6.4 Das SEM hat die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Gründe für die Ausreise aus Sri Lanka zu Recht als unglaubhaft qualifiziert. 6.5 6.5.1 Im Urteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 (als Referenzurteil publi- ziert) hat das Bundesverwaltungsgericht festgestellt, bestimmte Risikofak- toren (Eintrag in die Stop-List, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risikobe gründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genom- men zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegen- über würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangs- weise respektive durch die IOM begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegründende Faktoren darstellen; dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen vermöchten. Je gliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wech- selwirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 8.5.5). E-4963/2019 Seite 17 6.5.2 Zutreffend verneinte das SEM das Vorliegen von Risikofaktoren, wel- che zur Bejahung einer begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung füh- ren könnten. So weist der Beschwerdeführer in seiner Person keine Fak- toren auf, die im Falle einer Wiedereinreise ein besonderes behördliches Interesse an ihm vermuten liessen. Namentlich gab er in der Anhörung an, weder er noch nähere Angehörige hätten je etwas mit de n LTTE zu tun gehabt, einzig ein Cousin väterlicherseits sei bei den LTTE gewesen, die- ser sei schon vor langer Zeit verstorben (vgl. A17/20 F/A 76 ff.). In der Be- schwerde erwähnt er zwar neu eine Cousine mütterlicherseits, die den Märtyrertod gestorben sei (vgl. Beschwerde S. 3). Diese Angabe findet in- dessen, wie erwähnt, in den Anhörungen keine Stütze, ist m ithin nachge- schoben. Aus den Akten geht auch sonst nicht hervor, weshalb der Be- schwerdeführer über ein Risikoprofil verfügen sollte, welches auf eine be- gründete Furcht vor asylrechtlich relevanten Handlungen seitens der sri - lankischen Behörden schliessen l assen würde. Allein der Umstand, dass er mehrere Jahre im Vanni -Gebiet beim Onkel gelebt und gearbeitet und während der Kriegswirren wie Tausende einige Zeit in einem Flüchtlings- camp verbringen musste, lässt keinen anderen Schluss zur. In diesem Zu- sammenhang ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer Sri Lanka über den Flughafen Colombo legal mit seinem eigenen Reisepass verlassen konnte. Wäre er tatsächlich seit (…) 2015 intensiv vom Militär gesucht wor- den, wäre er damit ein nicht einzuschätzendes Risiko eingegangen durch eine der zahlreichen Sicherheits personen am Flughafen aufgegriffen zu werden und wohl kaum durch die Passkontrollen gekommen. Auf den ers- ten Blick sichtbare Narben hat der Beschwerdeführer keine und exilpoliti- sche Aktivitäten macht er nicht geltend. Alleine aus der tamilischen Ethnie und der bald fünfjährigen Landesabwesenheit kann der Beschwerdeführer keine Gefährdung ableiten. Es ist somit nicht anzunehmen, dass ihm per- sönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile i m Sinne von Art. 3 AsylG drohen. 6.5.3 Namentlich in der Replik wird auf die aktuelle Situation in Sri Lanka hingewiesen. Allerdings vermag auch die – als volatil zu bezeichnende – aktuelle Lage in Sri Lanka an den obigen Ausführungen nichts zu ändern. Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Veränderungen in Sri Lanka be- wusst, beobachtet die aktuellen Entwicklungen aufmerksam und berück- sichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Weder aus dem Machtwechsel von 2019 noch aus dem Vorfall betreffend eine Mitarbeiterin der Schweize- rischen Botschaft in Sri Lanka (vgl. Replik S. 3 ff.) vermag der Beschwer- deführer für sein Asylverfahren etwas zu seinen Gunsten abzuleiten. E-4963/2019 Seite 18 Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, wonach speziell der Be- schwerdeführer einer erh öhten Gefahr ausgesetzt wäre. Ebenso gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Macht- wechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfol- gungsgefahr ausgesetzt wären. 6.6 Es bleibt festzuhalten, dass der Beschwerdef ührer die Flüchtlingsei- genschaft nicht erfüllt. Das SEM hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegwei sung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwung en zu werden (Art. 5 Abs. 1 E-4963/2019 Seite 19 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau same, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.2.3 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Ak- ten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaf- fung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un- menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.).Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte da- für, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen z u befürchten hätte, die über einen sogenannten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persön- lich gefährdet wäre. 8.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Men- schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu- tigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen. E-4963/2019 Seite 20 8.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1 Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt Jaffna in der Nord- provinz, zuletzt lebte er dort in G._______. Der bewaffnete Konflikt zwi- schen der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka we der Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, dies auch unter Berücksichtigung der dortigen aktuel- len Ereignisse und Entwicklungen. Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien – insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie- hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation – bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil E -1866/2015, a.a.O., E. 13.2). 8.3.2 In Bezug auf das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien kann mit Verweis auf die Akten festgehalten werden, dass es sich beim Be- schwerdeführer um einen jungen, unverheirateten Mann mit einem famili- ären und sozialen Beziehungsnetz im Heimatstaat handelt. Seine Familie lebt von der Landwirtschaft und ist gemäss seinen Angaben finanziell weniger gut gestellt. Allerdings leben weitere Geschwister und verschie- dene Verwandte in Sri Lanka, namentlich zur Familie väterlicherseits be- stehen gute Beziehungen. Der Beschwerdeführer hat den Schulabschluss im O -Level und verfügt über eine langjährige Berufserfahrung in der (…)branche. Entsprechend ist es ihm möglich und zuzumuten, sich im Hei- matstaat wieder eine Existenz aufzubauen. Trotz der jüngsten politischen Geschehnisse herrscht keine gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflik- ten oder anderen unberechenbaren Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer Rückkehrer unabhängig ihres individuellen Hintergrunds konkret ge- fährdet wären. An dieser Einschätzung vermag, wie bereits ausgeführt, der Machtwechsel mit der erfolgten Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 nichts zu ändern. E-4963/2019 Seite 21 8.3.3 Was die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers anbe- langt, hat er hinsichtlich der vor zwölf Jahren erlittenen Verletzungen durch Bombensplitter angegeben, diese würden nicht mehr schmerzen (vgl. A7/14 S. 11). Der Beschwerdeführer leidet unter Kopf - und Nacken schmerzen und unter Bluthochdruck. Diese gesundheitlichen Probleme sind durch den Arztbericht vom 6. Juli 2019 belegt. Sri Lanka hat hinsicht- lich der medizinischen Versorgung grosse Fortschritte gemacht; in den letz- ten Jahren wurde zunehmend in das Gesundheitswesen investiert. Staat- liche Krankenhäuser sind in jeder grösseren Stadt angesiedelt, verfügen über modernes Gerät und bieten viele Behandlungsmethoden an. Die me- dizinischen Dienstleistungen sind für sri-lankische Staatsangehörige in der Regel kostenlos. Daneben existieren viele sehr gut ausgestattete – aller- dings oft teure – Privatkliniken (vgl. Urteile BVGer E-118/2019 vom 9. April 2019 E. 10.3 und E-4556/2017 vom 14. August 2019 E. 9.3). Es ist im Kon- text davon auszugehen, dass Bluthochdruck in Sri Lanka behandelbar be- ziehungsweise adäquate Medikation erhältlich ist. Dasselbe kann in Bezug auf die geltend gemachten (gemäss Arztbericht mutmasslich muskul är bedingten) Kopf- und Nackenschmerzen gesagt werden, die in der Schweiz mit nicht re zeptpflichtigem Magnesium und Physiotherapie be- handelt werden. 8.3.4 Schliesslich hat bereits das SEM auf die medizinische Rückkehrhilfe hingewiesen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). 8.3.5 Zusammenfassend erweist sich der Vollzug der Wegweisung – auch unter dem Aspekt der gesundheitlichen Situation – als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). E-4963/2019 Seite 22 9. Aus diesen Erwägungen e rgibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Nachdem das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 4. No- vember 2019 die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung und Rechtsverbeiständung gutgeheissen hat, und den Akten keine Hinweise auf eine massgebliche Veränderung der finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, ist einerseits auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 10.2 Andererseits ist das Honorar der beigeordneten amtlichen Rechtsbei- ständin durch die Gerichtskasse zu vergüten. Die am 30. Dezember 2019 eingereichte Honorarn ote weist einen Gesamtaufwand in Höhe von Fr. 872.– (inkl. Auslagen) aus, was den konkreten Verfahrensverhältnissen angemessen erscheint. Das Gesamthonorar ist in dieser Höhe festzuset- zen. (Dispositiv nächste Seite) E-4963/2019 Seite 23 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird durch die Gerichtskasse ein Honorar in Höhe von insgesamt Fr. 872.– vergütet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay