B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4269/2017 U r t e i l v o m 2 8 . F e b r u a r 2 0 1 9 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Anne Kneer. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch lic. iur. LL.M. Susanne Sadri, Beschwerdeführer, Gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 29. Juni 2017 / N (…). D-4269/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger der Ethnie Hazara – verliess gemäss eigenen Angaben seinen Heimatstaat Afghanis- tan am 26. März 2015 und reiste über den Iran, die Türkei und unter ande- rem über Serbien und Österreich am 25. Dezember 2015 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl ersuchte. Am 8. Januar 2016 wurde er summarisch befragt und am 27. April 2017 eingehend zu seinen Asylgrün- den angehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer in Be- zug auf den Asylpunkt im Wesentlichen geltend, er habe nach zwei Jahren Studium in Kabul in seinem Heimatdorf drei Jahre lang an einer Schule als Lehrer gearbeitet. Er sei deshalb von den Taliba n bedroht worden. Schliesslich hätten diese im Jahr 2012 oder 2013 seinen Vater, als dieser einen Bazar in einem anderen Dorf habe besuchen wollen, umgebracht. Er sei daher umgehend nach Kabul geflohen, wo er für einen namhaften Po- litiker als Sicherheitsbeamter gearbeitet habe. Dabei habe er in erster Linie Leute durchsucht, welche ins Büro des Politikers hätten gehen wollen, wo- bei er auch bewaffnet gewesen sei. Als Ashraf Ghani zum Präsident ge- wählt worden sei, habe er die Stelle verloren und habe keine ne ue Stelle finden könne. Zudem habe de r Politiker ihn darauf hingewiesen, dass er keine Verantwortung für seine Person übernehmen könne, da viele ehe- malige Regierungsmitarbeiter in Gefahr seien. Nachdem er kurz bei seiner Mutter im Dorf gewesen sei, sei er aus Afghanistan ausgereist. Sein Bruder habe nun die gleichen Probleme im Dorf gehabt, weshalb auch dieser aus- gereist sei. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer seine Tazkira im Original, eine Arbeitsbestätigung der Partei des Politikers sowie eine der Schule zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 29. Juni 2017 – eröffnet am 1. Juli 2017 – lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und verfügte die Wegwei- sung, deren Vollzug jedoch wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vor- läufigen Aufnahme aufgeschoben wurde. C. Der Beschwerdeführer – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – erhob D-4269/2017 Seite 3 mit Eingabe vom 31. Juli 2017 (zunächst per Telefax) gegen diesen Ent- scheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Verfügung des SEM sei in den Dispositivpunkten 1 bis 3 aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ih m Asyl zu gewähren, eventualiter seien Wegweisungshindernisse in Bezug auf Unzulässigkeit festzustellen und ihn als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In formeller Hin- sicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Auflis- tung verschiedener Medienberichte bezüglich (…) sowie ein diesbezügli- cher Zeitungsartikel der (…) vom (…), vier Dokumente in einer Fremdspra- che (im Origin al) und den dazugehörenden Zustellungsumschlag sowie eine Fürsorgebestätigung ins Recht. D. Mit Zwischenverfügung vom 15. August 2017 stellte die Instruktionsrichte- rin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerdeführer wurde gleichzeitig aufgefordert, die beigelegten fremdsprachigen Beweismittel in- nert Frist in eine Amtssprache übersetzen zu lassen, wobei bei ungenutzter Frist das Verfahren aufgrund der Akten weitergeführt werde. E. Mit Eingabe vom 30. August 2017 reichte der Beschwerdeführer die Über- setzungen einer Arbeitsbestätigung als Lehrer sowie von zwei Arbeitsbe- stätigungen zu seiner Wächtertätigkeit zu den Akten. F. Am 7. September 2017 reichte der Beschwerdeführer weitere Übersetzun- gen zweier Drohbriefe der Taliban sowie eine Kopie des Einzahlungs- scheins der Übersetzungsarbeit zu den Akten. G. Am 25. September 2017 reichte das SEM – nach vorgängiger Aufforderung durch das Bundesverwaltungsgericht vom 12. September 2017 – eine Ver- nehmlassung zu den Akten. D-4269/2017 Seite 4 H. Mit Eingabe vom 16. Oktober 2017 nahm der Beschwerdeführer zur Ver- nehmlassung des SEM Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer D-4269/2017 Seite 5 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Ma ssnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung machte das SEM in Be- zug auf den Asylpunkt geltend, der innerstaatlichen Flucht nach Kabul auf- grund der Ermo rdung seines Vaters fehle es in zeitlicher und sachlicher Hinsicht an einem genügend engen Kausalzusammenhang zu seiner Aus- reise aus Afghanistan. Er habe noch zwei Jahre in Kabul gelebt und habe dort keine Probleme mit den Taliban gehabt. Beim Verlust der Arbeitsstelle handle es sich um einen rein wirtschaftlichen Nachteil, welcher nicht asyl- relevant sei. 4.2 In seiner Beschwerde machte der Beschwerdeführer – nach einer Dar- stellung des geltend gemachten Sachverhalts – geltend, das SEM lasse ausser Acht, dass seine Tätigkeit für den bekannten Politiker einen weite- ren Fluchtgrund darstelle. Er sei entlassen worden, da er eine Risikoperson für diesen Politiker gewesen sei. Nach dessen Entmachtung habe der Po- litiker nicht mehr für seinen Schutz sorgen können, da er selber Schutz gebraucht habe. Seine Angaben seien gesamthaft genügend ausführlich, plausibel und nachvollziehbar. Er habe in einem Gebiet gewohnt, welches hauptsächlich unter der Kontrolle der Taliban gestanden habe und sei auf- grund seiner Tätigkeit und Weltanschauung gezielt von den Taliban verfolgt worden. Er könne nun zwei Drohbriefe der Taliban einreichen, welche an die Obersten des Dorfes geschickt worden sei. Sein jüngerer Bruder habe nun seinetwegen Probleme mit den Taliban bekommen und das Land ver- lassen müssen. Er werde von den Taliban aufgrund seiner Arbeit an der Schule, als auch wegen seiner Arbeit für den Politiker bedroht. Die Taliban verfügten über ein landesweites Netz an Informationen und damit auch die D-4269/2017 Seite 6 Möglichkeit, Personen in Kabul gezielt einzuschüchtern oder zu töten. Es komme oft zu Anschlägen sowohl an regierungstreuen Beamten als auch an deren Anhängern und Zivilisten. Eine inländische Fluchtalternative habe er demnach nicht. Seine Schilderungen würden klare Realkennzeichen für die Gl aubhaftigkeit zeigen. Seine Angaben seien in einer Gesamtwürdi- gung widerspruchsfrei, schlüssig und emotional dargelegt. Das SEM habe den Sachverhalt nicht korrekt und vollständig festgestellt. Die Anforderun- gen an den Kausalzusammenhang seien in zeitlicher und sachlicher Hin- sicht erfüllt. Zudem sei die afghanische Regierung nicht im Stande, priva- ten Personen genügend Schutz zu gewähren. 4.3 In seiner Vernehmlassung machte das SEM im Wesentlichen geltend, eine Gefährdung für Angehörige der ehemaligen Regierung sei nicht aus- zuschliessen, wenn die in Frage stehende Person ein hohes Risikoprofil aufweise, das heisse, wenn die Person als Mitarbeiter der Regierung of- fensichtlich wahrgenommen werde. Der Beschwerdeführer habe kein sol- ches hohes Risikoprofil als ehemali ger normaler Security-Mitarbeiter. Bei seiner Tätigkeit – dem vorgängigen Durchsuchen von Personen, welche zum Politiker hätten gelangen wollen – sei er nicht im Lichte der Öffentlich- keit als Mitarbeiter des Politikers wahrgenommen worden, sondern nur von einem beschränkten Personenkreis, welcher Einlass in das vom Be- schwerdeführer bewachte Gebäude verlangt habe. Von dieser Tätigkeit auf eine Gefährdung zu schliessen, schlage fehl. Der Beschwerdeführer habe ferner im Zeitraum seines Aufenthalts in Kabul kei ne Ereignisse, welche auf eine Gefährdung durch die Taliban schliessen lasse, geltend gemacht. Vor seiner Ausreise sei er denn auch zuerst nochmals ins Dorf zurückge- kehrt, was nicht einem Verhalten einer Person entspreche, welche jeder- zeit mit der Tötung d urch die Taliban rechne. Der Kausalzusammenhang zwischen der Flucht aus dem Dorf und der Ausreise aus Afghanistan sei nicht gegeben. An dieser Einschätzung vermöchten auch die neuen Be- weismittel nichts zu ändern, da solche Dokumente gegen Bezahlung leicht zu beschaffen seien und somit deren Authentizität bezweifelt werden müsse. 4.4 In seiner Replik machte der Beschwerdeführer gelten d, das SEM ver- gesse, dass bei den Anschlägen an Personen mit einem hohen Risikoprofil auch Mitarbeitende oder Zivilisten und Zivi listinnen ums Leben kommen würden. Den Tod anderer Menschen werde in Kauf genommen. Es sei ein- facher, eine Person wie ihn, welcher auf sich alleine gestellt sei und über keine Bodyguards verfüge, aus dem Weg zu schaffen. Er sei bereits vor dem Stellenantritt beim Politiker ins Visier der Taliban geraten. Er sei nur D-4269/2017 Seite 7 für kurze Zeit ins Dorf zurückgekehrt um von seiner Mutter Abschied zu nehmen. Die Nachbarn oder die Dorfvorsteher seien nicht auf seinen Be- such aufmerksam geworden. Die Drohbriefe seien mit offiziellem Briefkopf und Stempel besiegelt. Es sei unmöglich so ein Schreiben von den Taliban zu kaufen. Es sei eine Unterstellung und eine pure Behauptung des SEM, dass die eingereichten Beweismittel nicht authentisch seien. 5. Die Vorinstanz beschränkt sich in der Argumentation in der angefochtenen Verfügung auf eine Beurteilung der Asylrelevanz der Vorbringen des Be- schwerdeführers. Auch das Bundesverwaltungsglicht sieht sich angesichts der fehlenden asylrelevanten Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG (vgl. nachfolgende Erwägung) auch bei Wahrunterstellung der Vorbringen nicht veranlasst, eine eingehende Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbrin- gen vorzunehmen. 6. 6.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu- chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei- matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind, be- ziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1, 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5). Begründet ist die Furcht vor Verfolgung, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk- lichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be- drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen und ist andererseits durch das von der be- troffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in ver- gleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmass- nahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (sub- jektive) Furcht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1 und 2010/57 E. 2). D-4269/2017 Seite 8 6.2 Bezüglich der Ermordung des Vaters des Beschwerdeführers aufgrund seiner Tätigkeit in der Dorfschule ist festzustellen, dass der Beschwerde- führer in den Befragungen keinerlei konkreten Behelligungen und Drohun- gen seitens der Taliban vor der Ermordung des Vaters geltend macht. So erscheint es unklar, weshalb der Beschwerdeführer die Ermordung des Va- ters mit seiner Tätigkeit an der Schule in einen Zusammen hang bringt. Zwar wird auf Beschwerdeebene dargelegt, dass er aufgrund seiner Welt- anschauung bei den Taliban in Ungnade gefallen sei. Diese Vermutung wird jedoch nicht weiter erläutert. So geht das Gericht davon aus, dass der Vater ein weiteres Opfer im Afghanistankonflikt zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban wurde, welches nicht mit der Tätigkeit des Be- schwerdeführers in Zusammenhang zu bringen und als nicht asylrelevant zu qualifizieren ist. Zwar ist verständlich, dass sich der Beschwerdefü hrer nach dieser Tat der Taliban vor ebendiesen fürchtete und nach Kabul ge- flohen ist. Eine asylrelevante gezielte Gefährdung aufgrund eines asylrele- vanten Verfolgungsmotivs ist daraus jedoch nicht ersichtlich. Die Frage nach dem Bestehen eines zeitlichen und sachlichen Kausalzusammen- hangs kann demnach offen gelassen werden. 6.3 Auch aufgrund der Tätigkeit des Beschwerdeführers bei einem hoch- rangigen Politiker ist keine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ersicht- lich. So widerfuhren ihm in seiner Zeit in Kabu l weder konkrete asylrele- vante Nachteile, noch wurde er von Seiten der Taliban bedroht. Wie die Vorinstanz in der Vernehmlassung richtig ausführt, kann in casu auch aus dem abstrakten Gefährdungsprofil des Beschwerdeführers als Mitarbeiter eines Regierungsmitglieds keine asylrelevanten Nachteile abgeleitet wer- den, zumal nicht davon auszugehen ist, dass er als Mitarbeiter der Regie- rung öffentlich wahrgenommen wurde. Es ist demnach nicht von einem ho- hen Risikoprofil mit entsprechender Gefährdung auszugehen, was auch in der Replik nicht bestritten wird . Der Argumentation des Beschwerdefüh- rers, wonach bei Anschlägen auf Personen mit einem hohen Risikoprofil auch andere Personen ums Leben kämen, geht insofern fehl, als dass diese Gefährdung nicht auf einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv be- ruht, sondern in der allgemeinen Gefährdung in einer Kriegssituation zuge- rechnet werden muss. Dieser Gefährdung ist im Rahmen des Wegwei- sungsvollzugs Rechnung getragen worden. 6.4 Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Gefährdung entbehrt so einer individuell konkreten Grundlage, weshalb keine asylrelevanten ernst- haften Nachteile im Sinne von A rt. 3 AsylG festzustellen sind. Der Be-D-4269/2017 Seite 9 schwerdeführer stand vor seiner Ausreise aus Afghanistan nie in einem di- rekten oder indirekten Kontakt mit den Taliban und hatte selber auch keine Behelligungen zu gewärtigen. 6.5 Auch die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Die Arbeitsbestätigungen bele- gen Sachverhalteselemente, welche weder vom SEM noch durch das Bun- desverwaltungsgericht angezweifelt werden. Die beiden Drohbriefe der Ta- liban weisen aufgrund der fehlenden Sicherheitsmerkmale lediglich einen beschränkten Beweiswert auf. Auch wenn diese Drohschreiben während seiner Tätigkeit in der Schule respektive beim Politiker bei den Dorfältesten eingegangen wären, vermöchten sie keine Nachteile von asylrelevanter In- tensität darzustellen. 6.6 Der Vollständigkeit halber ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Sachverhalt richtig und vollst ändig abgeklärt hat, wurden denn auf Be- schwerdeebene keine neuen Sachverhaltselemente dargelegt. Die Rügen richten sich somit nicht gegen die Sachverhaltsfeststellungen der Vo- rinstanz, sondern gegen die ihr zugrundliegende Beweiswürdigung und die rechtliche Würdigung der Vorbringen. 6.7 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine asylrechtlich relevanten Ver- folgungsgründe ersichtlich sin d, weshalb die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegweisung wurde demnac h zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7.3 Im Sinne einer Klarstellung wird abschliessend festgehalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, der Be- schwerdeführer sei zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklung in Afghanistan nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefährdungslage un- ter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AIG einzuordnen, wonach der Vollzug für D-4269/2017 Seite 10 Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein kann, wenn sie im Hei- mat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Afghanistan im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG wurde durch die Vorinstanz mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs Rechnung getragen. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt r ichtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege mit Verfügung vom 15. August 2017 gutgeheissen wurde, werden keine Verfahrenskosten auferlegt. (Dispositiv nächste Seite) D-4269/2017 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Anne Kneer Versand: