Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 17. Mai 2017 (810 16 375) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Aufhebung eines Besuchs- und Ferienrechts zugunsten Dritter Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Claude Jeanneret, Christian Haidlauf, Stefan Schulthess, Beat Walther , Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte A.____ und B.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Marco Albrecht, Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde C.____ , Vorinstanz D. ____ , Beigeladener E. ____, Beigeladene Betreff Definitive Regelung des Besuchs- und Ferien rechts (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 1. Dezember 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die eritreische Staatsangehörige E.____ (geboren 19 81) gelangte 2006 als Asylsu- chende über Italien nach Norwegen zu ihrem Verlobten, dem Landsmann D.____, welcher sich dort bereits seit 2003 in einem Asylverfahren befand. In der Folge wurde E.____ von ihrem Ver- lobten schwanger. Nachdem im Rahmen einer polizeilichen Kontrolle in Norwegen festgestellt wurde, dass sich E.____ zuvor in Italien aufgehalten ha tte, wurde sie von Norwegen nach Ita- lien rücküberführt. Von dort gelangte die schwangere E.____ in die Schweiz, wo sie die Tochter F.____ (geboren 2007) zur Welt brachte und in der F olge Asyl erhielt. Nach mehreren Gefähr- dungsmeldungen in Bezug auf das Wohl von F.____, unter anderem durch deren Kinderärztin, Dr. med. G.____ (nachfolgend Kinderärztin), entzog die Vormundschaftsbehörde H.____ der psychisch erkrankten E.____ (nachfolgend Kindsmutter) am 1 7. November 2010 die elterliche Obhut über F.____ und platzierte diese im Kinderheim I.____. Zudem wurde ein Gutachten zur Klärung der Beziehungs- und Erziehungsfähigkeit der Kin dsmutter in Auftrag gegeben und eine Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 bis 3 des Sch weizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 für die Tochter F.____ errichtet. Als Beiständin wurde J.____ einge- setzt. Am 18. November 2010 musste die Kindsmutter mit f ürsorgerischer Freiheitsentziehung in die psychiatrische Klinik K.____ eingewiesen werden. M it Gutachten der universitären psy- chiatrischen Kliniken L.____ vom 21. November 2011 wurd e festgestellt, dass die Erziehungs- fähigkeit der Kindsmutter insbesondere durch deren aktue lle psychische Erkrankung deutlich eingeschränkt sei. B. Nachdem D.____ (nachfolgend Kindsvater) durch die Ki ndsmutter über deren gesund- heitliche Probleme und die Platzierung von F.____ im K inderheim informiert worden war, reiste er am 31. August 2011 mit einer von einer norwegische n Klinik ausgestellten DNA-Vater- schaftsbestätigung in die Schweiz und anerkannte F.____ als seine Tochter. C. Mit Hilfe einer eritreischen Ärztin, welche am Gutach ten über die Kindsmutter mit- arbeitete, lernte B.____ die im Heim platzierte F.__ __ kennen. Ab September 2011 nahmen B.____ und A.____ (nachfolgend Gastfamilie) F.____ r egelmässig an den Wochenenden und auch in den Ferien zu sich. D. Ab dem 17. November 2011 besuchte der Kindsvater, begleitet durch die Beiständin J.____, seine Tochter F.____ alle zwei Wochen im Kinder heim. Begehren des Kindsvaters um weitergehende Kontakte zu seiner Tochter F.____ wies die Vormundschaftsbehörde zunächst unter Hinweis auf dessen unsicheren Aufenthaltsstatus ab. Nachdem der Kindsvater in der Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung zugesichert erhalte n hatte und eine gute Beziehung zu seiner Tochter aufbauen konnte, wurde sein Besuchsrecht auf einen wöchentlichen Besuch ausgedehnt. Der Kindsmutter wurde ebenfalls ein Besuch srecht (zweimal wöchentlich 1 ½ Stunden) eingeräumt. E. Aufgrund der neuen Rahmenbedingungen (Kindergart enbesuch, Besuchsrechte der Kindsmutter und des Kindsvaters) beschloss die Vormundscha ftsbehörde H.____ am 28. August 2012, die Wochenend- und Ferienbesuche bei der Gastfamilie neu zu strukturieren und räumte der Gastfamilie das Recht ein, F.____ jed es Wochenende Freitagabend bis Mon- tagmorgen (Kindergartenbeginn) zu sich zu nehmen und jährlich vier Wochen Ferien mit F.____ Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu verbringen, wobei die Ferien sechs Wochen im Voraus b ei der Vormundschaftsbehörde zu beantragen waren und einer Bewilligung bedurften. F. Nachdem die Besuche des Kindsvaters bei F.____ als seh r engagiert und verlässlich erlebt wurden, beschloss die Vormundschaftsbehörde H.__ __ am 23. Oktober 2012 auf Antrag der Beiständin eine weitere schrittweise Erweiterung des Besuchsrechts des Kindsvaters. G. Mit Entscheid vom 4. Dezember 2013 wies die Kindes- und Erwachsenenschutz- behörde (KESB) C.____ einen Antrag der Gastfamilie a uf Erweiterung des Ferienrechts ab mit der Begründung, es sei auch dem Kindsvater die Möglichk eit zu geben, Ferien mit F.____ zu verbringen. In der Folge verbrachte F.____ auch Wochenenden und Ferien beim Kindsvater. H. Nach einer entsprechenden gemeinsamen Erklärung der Kindseltern bestätigte die KESB C.____ am 6. November 2014 das Zustandekommen derer gemeinsamer elterlicher Sor- ge für F.____. I. Am 7. Dezember 2014 heiratete der Kindsvater die ä thiopische Staatsangehörige M.____, welche im März 2015 zu ihm zog. Seit Dezember 2015 haben sie einen gemeinsamen Sohn. J. Nachdem der Kindsvater bereits seit längerer Zeit den Wunsch geäussert hatte, F.____ zu sich zu nehmen, hob die KESB C.____ am 29. Dezember 2015 den über F.____ verfügten Obhutsentzug per 5. Februar 2016 auf und te ilte das Aufenthaltsbestimmungsrecht per 5. Februar 2016 dem Kindsvater zu. Zudem wurde di e Beiständin angewiesen, eine sechs- monatige Familienbegleitung in die Wege zu leiten. D as Ferienrecht der Gastfamilie wurde auf ein Wochenende pro Monat und vier Wochen Ferien pro Jahr nach Absprache mit dem Kinds- vater festgelegt. Seit dem 5. Februar 2016 lebt F.____ bei ihrem Vater, der Stiefmutter und dem Stiefbruder. K. Am 1. Juni 2016 beantragte die Beiständin bei der KESB C.____ eine Verlängerung der Familienbegleitung, unter anderem mit der Begrü ndung, dass die Familie aufgrund eines geplanten Umzugs nach N.____ Unterstützung und Begleitu ng brauche. Am 1. Juli 2016 zog der Kindsvater mit seiner Familie von O.____ nach N.___ _. Die KESB C.____ bewilligte die Verlängerung der Familienbegleitung mit Entscheid vom 8. August 2016. L. Am 12. September 2016 wandten sich A.____ und B.__ __ mit zwei Schreiben an die KESB P.____, wobei sie in einem der Schreiben eine ge sundheitliche Gefährdung von F.____ geltend machten. Darin führten sie aus, F.____ habe da uernd Hustenanfälle und Atemnot. Weil durch die Woche nie eine genügende Intervention erfolg t sei, sei diese Aufgabe bei ihnen ver- blieben, als F.____ zu ihnen kam. Daher hätten sie mit F.____ zweimal notfallmässig andere Ärzte aufgesucht. F.____ sei in gewissen Abständen bei der Kinderärztin in Behandlung. Diese habe aber offensichtlich eine ungenügende Diagnose geste llt, weshalb sie eine weitere Be- handlung durch die Kinderärztin vehement ablehnen würd en. Im anderen Schreiben stellten A.____ und B.____ Anträge zur Besuchsbegleitung (für Besuche bei der Kindsmutter) sowie Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der laufenden Familienbegleitung. Die KESB P.____ l eitete die Eingaben von A.____ und B.____ mit Schreiben vom 13. September 2016 an die KESB C.____ weiter, da der Fall noch nicht an die KESB P.____ überwiesen worden sei. M. Am 22. September 2016 wandten sich A.____ und B._ ___ mit zwei Faxeingaben an die KESB C.____. Mit Antwortschreiben vom 22. Septemb er 2016 teilte die KESB C.____ A.____ und B.____ mit, dass ihnen lediglich ein Besuchs - und Ferienrecht Dritter nach Art. 274a ZGB zustehe, und dass die KESB nicht berechti gt sei, mit ihnen Fragen zur Gesund- heit und weiteren Bereichen, die F.____ und ihre Elt ern betreffen würden, zu erörtern. Mit einer weiteren Faxeingabe vom 26. September 2016 an die KE SB C.____ machten A.____ und B.____ geltend, die KESB C.____ sei nicht mehr zuständi g, da sich der Wohnort von F.____ nach N.____ verschoben habe und forderte diese auf, d en gesetzlichen Zustand wiederherzu- stellen. Zudem forderten sie die KESB C.____ auf, ein e Verfügung mit Rechtsmittelbelehrung zu erlassen. In Bezug auf die Fragen der Besuchsregelu ng teilten A.____ und B.____ der KESB C.____ mit, sie seien in gutem Einvernehmen und Kontakt mit dem Kindsvater. Eine schriftliche Formulierung brauche aber noch Zeit. N. Mit superprovisorischem Entscheid vom 27. September 20 16 sistierte die KESB C.____ die Besuche von F.____ bei der Gastfamilie bi s auf weiteres und setzte den Termin für die Anhörung von A.____ und B.____ auf den 29. September 2016 fest. O. Am 28. September 2016 lehnte die KESB C.____ die Anträge von A.____ und B.____ betreffend die Gesundheit von F.____, die Besuchs- sowie die Familienbegleitung ab und aufer- legte den Antragsstellern die Verfahrenskosten in der H öhe von Fr. 240.--, wogegen A.____ und B.____ mit Eingabe vom 31. Oktober 2016 beim Kant onsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht) Beschwerde erhobe n haben (Beschwerdeverfahren 810 16 317). P. Mit Entscheid vom 1. Dezember 2016 hob die KESB C._ ___ das Besuchs- und Ferien- recht der Gastfamilie definitiv auf und wies die Gastfam ilie unter Strafandrohung gemäss Art. 292 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs (StGB) vom 21 . Dezember 1937 und gestützt auf Art. 307 Abs. 3 ZGB an, dass allfällige zukünftige Kontakte zu F.____ ausschliesslich in Rücksprache mit dem Kindsvater und nur mit dessen ausdrückli cher Erlaubnis stattfinden dürf- ten. Q. Dagegen erhoben A.____ und B.____, vertreten dur ch Marco Albrecht, Advokat in Mut- tenz, am 12. Dezember 2016 beim Kantonsgericht Beschwer de mit den Rechtsbegehren: 1. Es sei festzustellen, dass der Entscheid vom 1. Dezember 2016 nichtig sei; 2. Eventuell sei festzu- stellen, dass der Entscheid vom 1. Dezember 2016 ungültig sei und er sei aufzuheben; 3. Unter o/e-Kostenfolge. R. Mit Vernehmlassung vom 20. Januar 2016 beantragte d ie KESB C.____, die Be- schwerde sei vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht S. Mit Präsidialverfügung vom 1. Februar 2017 wurde de r Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen. T. Am 8. Februar 2017 reichten die Beschwerdeführer i hre Honorarnote ein. Zugleich ersuchten sie darum, die KESB C.____ aufzufordern, die in den Akten fehlenden Protokolle zu edieren und ihnen Frist zu einer kurzen Stellungnahme anzusetzen. U. Das Kantonsgericht teilte den Beschwerdeführern mit Schreiben vom 10. Februar 2017 mit, dass der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahme n einer Urteilsberatung überwiesen worden sei und demgemäss die Kammer über den Beweisantr ag entscheiden und die allfällig notwendigen Beweismassnahmen anordnen werde. Sodann er hielten die Beschwerdeführer eine erstreckbare Frist bis 24. Februar 2017 zur Einreichung ihrer Stellungnahme. V. Am 23. Februar 2017 ersuchten die Beschwerdeführer um Erstreckung der Frist für die Einreichung ihrer Stellungnahme und erneuerten ihren Verfahrensantrag auf Befragung von F.____, woraufhin das Kantonsgericht den Beschwerdeführ ern die Frist zur Einreichung ihrer Stellungnahme bis 20. März 2017 erstreckte. W. Mit Eingabe vom 16. März 2017 teilten die Beschwerd eführer mit, die Einreichung einer Stellungnahme erübrige sich aus ihrer Sicht, weil seit mehreren Wochen – auch auf Wunsch des Kindsvaters – wieder ein Kontakt zwischen den Beschwer deführern und F.____ bestehe. Demgemäss werde beantragt, die KESB C.____ aufzuforde rn, zu der geschilderten Tatsache Stellung zu nehmen und anzufragen, ob sie die beiden Verfügungen in Wiedererwägung ziehen möchte. X. Nachdem das Kantonsgericht diese Eingabe der KESB C. ____ am 17. März 2017 zur Kenntnis gebracht hatte, ersuchten die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. März 2017 um Ansetzung einer nachperemptorischen Frist zur Einreichung einer Stellungnahme, welche mit Präsidialverfügung vom 21. März 2017 abgewiesen wurde. Y. Am 30. März 2017 reichte die KESB C.____ ein Proto koll einer Besprechung mit dem Kindsvater ein. Z. Am 4. April 2017 reichten die Beschwerdeführer eine weitere Stellungnahme ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. § 66 Abs. 1 des Ge setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 kann ge gen Entscheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim Kantonsgericht erhoben werden. Die Prozess- voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde ei nzutreten ist. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (lit. a), die unrichtige oder unvoll- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie di e Unangemessenheit (lit. c) gerügt wer- den. 2. Das vorliegende Beschwerdeverfahren (Verfahren 810 1 6 375) betrifft einzig den Ent- scheid der KESB C.____ vom 1. Dezember 2016, in welchem die KESB C.____ das Besuchs- und Ferienrecht der Beschwerdeführer definitiv aufgeh oben hat. Die von den Beschwerdefüh- rern gegen den Entscheid der KESB C.____ vom 28. Sep tember 2016 betreffend die Gesund- heit von F.____ sowie betreffend die Besuchs- und Fami lienbegleitung erhobene Beschwerde wird in einem separaten Urteil (Verfahren 810 16 317 ) behandelt, da sich diesbezüglich andere Rechtsfragen stellen. Von einer formellen Vereinigung der Verfahren ist demzufolge abzu- sehen. 3.1 Zunächst machen die Beschwerdeführer zusammengefasst geltend, der Entscheid der KESB C.____ vom 28. September 2016 sei nichtig, weil d er angefochtene Entscheid von einer örtlich unzuständigen Behörde erlassen worden sei. Durch die Wohnsitznahme von F.____ bei ihrem Vater in O.____ (Februar 2016) und später in N.____ (1. Juli 2016) sei nunmehr die KESB P.____ zuständig. Folgerichtig hätten sie, wie in § 67 EG ZGB vorgesehen, mit Eingabe vom 12. September 2016 ein neues Verfahren betreffend Gesundheitsfragen bei der KESB P.____ ins Rollen gebracht. Wenn die KESB C.____ trotz Hinweis der Beschwerdeführer die Sache nicht an die KESB P.____ übertragen habe, liege eine Verletzung von Art. 442 ZGB vor. Die angefochtene Verfügung sei damit ungültig und aufzuheben. 3.2 Gemäss Art. 442 Abs. 1 ZGB ist die Erwachsenenschutzb ehörde am Wohnsitz der betroffenen Person zuständig. Ist ein Verfahren rechts hängig, so bleibt die Zuständigkeit bis zu dessen Abschluss auf jeden Fall erhalten. Wechselt eine Person, für die eine Massnahme be- steht, ihren Wohnsitz, so übernimmt die Behörde am neu en Ort die Massnahme ohne Verzug, sofern keine wichtigen Gründe dagegen sprechen (Art. 442 Abs. 5 ZGB). 3.3 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer ist ni cht zu beanstanden, dass die KESB C.____ die bestehenden Kindesschutzmassnahmen im massg ebenden Zeitpunkt (d.h. am 12. September 2016, dem Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs der Beschwerdeführer) noch nicht zuständigkeitshalber an die KESB am Wohnsit z des Kindsvaters übertragen hatte. Einerseits ist zu berücksichtigen, dass die Beiständin bereit s am 1. Juni 2016 einen Antrag auf Verlängerung der Kindesschutzmassnahme "Familienbegleit ung" gestellt hatte. Damit war im Zeitpunkt des Umzugs nach N.____ ein Verfahren hängig, bis zu dessen Abschluss die Zustän- digkeit der KESB C.____ auf jeden Fall erhalten blie b. Über diesen Antrag entschied die KESB C.____ am 8. August 2016, weshalb das Verfahren frühest ens am 8. September 2016, also lediglich vier Tage vor dem hier für die Beurteilung m assgebenden Zeitpunkt, rechtskräftig ab- geschlossen war. Damit ist bereits aus diesem Grund keine Verletzung von Art. 442 Abs. 5 ZGB ersichtlich. Andererseits ist der KESB C.____ zuzustimmen, dass mindestens bis zum massge- benden Zeitpunkt auch noch wichtige Gründe dagegen sprachen, die Massnahmen an die neue KESB zu übergeben. Der Gesetzgeber hat bewusst auf eine gesetzliche Frist für die Übertra- gung einer Massnahme, nachdem die betroffene Person den Wohnsitz gewechselt hat, verzich- tet, um den KESB den nötigen Ermessensspielraum einzur äumen, um den vielfältigen und un- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht terschiedlichen Bedürfnissen der Praxis mit der erforderl ichen Flexibilität begegnen zu können (vgl. CHRISTOPH HÄFELI , Wohnsitzwechsel der betreuten Person und Zuständigke it der KESB, in: Aktuelle Juristische Praxis [AJP] 2016, S. 337, mit H inweisen). Sodann hat der Gesetzgeber mit dem letzten Halbsatz in Art. 442 Abs. 5 ZGB eine wi chtige Relativierung des Grundsatzes der unverzüglichen Übertragung vorgenommen. Damit unterstreicht er, dass die Interessen und das Wohl der betroffenen Person den Massstab bei der Übe rtragung einer Massnahme bilden. Als wichtige Gründe für ein Zuwarten mit der Übertrag ung kommen insbesondere die fehlende Stabilität des neuen Aufenthaltsortes sowie die Konti nuität der Betreuung in Frage. Dies na- mentlich, wenn die Übertragung mit einem Beistandswech sel verbunden wäre (vgl. wiederum HÄFELI , a.a.O., S. 337). Vorliegend wurde die neunjährige F.____ nach einer über fünfjährigen Heimplatzierung erst im Februar 2016 in die Familie d es Kindsvaters eingegliedert, und im Juli 2016 zog die Familie von O.____ nach N.____. Aufgrund dieser bereits weitgehenden Verände- rungen im Leben von F.____ ist nachvollziehbar, dass zur Sicherstellung der Kontinuität der Betreuung nicht auch noch eine sofortige Übertragung der Massnahme verbunden mit einem Wechsel der behördlichen Bezugspersonen von F.____ initi iert wurde, weil dadurch eine De- stabilisierung der Situation zu befürchten gewesen wär e. Eine Verletzung von Art. 442 ZGB liegt damit nicht vor. 4.1 In materieller Hinsicht machen die Beschwerdeführer in der Beschwerdebegründung geltend, "das von der KESB erlassene Besuchsverbot" sei i n jeder Hinsicht unhaltbar. Die Be- ziehung zwischen F.____ und den Beschwerdeführern, insbe sondere die Beziehung von F.____ zu B.____ sei in den letzten Jahren äusserst intensiv geworden. Jahrelang habe F.____ die Wochenenden und praktisch alle Ferien bei ihnen v erbracht. Zu B.____ sei eine geradezu mütterliche Beziehung entstanden. Dies sei unter andere m auch dem Umstand zuzuschreiben, dass die leibliche Mutter von F.____ für ihre Tochte r kaum ansprechbar sei. Auch der leibliche Vater lebe erst seit fünf Jahren hier und erst kürzlich hätte der Versuch gewagt werden können, F.____ bei ihm leben zu lassen. Dies sei für F.____ all erdings nicht sehr leicht, müsse sie sich doch zuerst an die neue Ehefrau ihres Vaters gewöhnen u nd kümmere diese sich doch mehr um ihr eigenes, erst gerade geborenes Kind. Die Bedeu tung der Beschwerdeführer für F.____ ergebe sich unter anderem aus dem Abschlussbericht des He ims vom 4. Februar 2016 sowie dem Protokoll der Vormundschaftsbehörde H.____ vom 29. August 2012. Die KESB C.____ erhebe unhaltbare Vorwürfe ihnen gegenüber und das V ertrauen des Kindsvaters zu ihnen sei nicht einmal ansatzweise zerstört, da sie nach wie vor in regelmässigem Austausch stünden. Der Kindsvater habe sich auch seit Ende September 2016 gegenüber den Beschwerdeführern wiederholt für weitere Kontakte seiner Tochter zu ihnen ausgesprochen. Auch F.____ befürwor- te weitere Besuche. Der Entscheid enthalte zudem eine n unauflösbaren Widerspruch, indem gemäss Ziff. 2 des Entscheids Kontakte zu F.____ ausschliessl ich in Rücksprache mit dem Kindsvater erfolgen dürften, in Ziff. 1 des Entscheids a ber das Besuchsrecht der Beschwerde- führer aufgehoben werde. 4.2.1 Die Beschwerdeführer scheinen die Bedeutung des a ngefochtenen Entscheids der KESB C.____ vom 1. Dezember 2016 zu verkennen. Mit die sem Entscheid wurde weder ein Besuchsverbot erlassen, noch leidet der Entscheid an ein em unauflösbaren Widerspruch. Viel- mehr hat die KESB C.____ damit einzig entschieden, da ss ein behördlich definiertes Besuchs-Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht recht im Sinne von Art. 274a ZGB nicht mehr angezeigt und aufzuheben ist, womit der Kindsva- ter als Obhutsberechtigter künftig über die Besuche s einer Tochter bei den Beschwerdeführern entscheiden darf. 4.2.2 Alle Kindesschutzmassnahmen müssen erforderlich sein (Subsidiarität), und es ist im- mer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme anzuordne n (Proportionalität); diese sollen elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplementarität; vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 5A_701/2011 vom 12. März 2012 E. 4.2.1, in: FamPra.ch 2012 S. 821 mit weiteren Hinweisen). Art. 274a ZGB stellt eine Kindesschutzmassnahme dar und sieht die Möglichkeit vor, im Interesse des Kindes auch a nderen Personen als den Eltern ein Besuchsrecht einzuräumen. Liegen ausserordentliche Umständ e vor, kann der Anspruch auf persönlichen Verkehr somit auch anderen Personen, insbesondere den Verwandten eingeräumt werden, sofern dies dem Wohl des Kindes dient (Art. 274a Abs. 1 ZGB). 4.2.3 Im Zeitpunkt der Einräumung des Besuchsrechts an d ie Beschwerdeführer war F.____ noch im Kinderheim platziert, weil die damals alleine sorgeberechtigte Kindsmutter aus gesund- heitlichen Gründen nicht in der Lage war, für F.____ zu sorgen. Zudem war der Aufent- haltsstatus des Kindsvaters noch unsicher. Demzufolge wurd e diesem lediglich ein beschränk- tes Besuchsrecht zu F.____ eingeräumt. Somit lagen dama ls unbestrittenermassen ausseror- dentliche Umstände vor, die ein Besuchsrecht im Sinne von Art. 274a ZGB rechtfertigten. In- zwischen hat sich die familiäre Situation von F.____ jedo ch entscheidend geändert. Seit dem 6. November 2014 haben die Kindsmutter und der Kindsvater das gemeinsame Sorgerecht. Der Kindsvater ist zudem seit dem 5. Februar 2016 obhutsber echtigt. F.____ lebt seit dem 6. Feb- ruar 2016 beim Kindsvater mit dessen Ehefrau und ihre m Stiefbruder. Daraus erhellt, dass eine Fortführung des behördlich festgesetzten Besuchs- und Ferienrechts zu Schwierigkeiten bei der Integration von F.____ in die Familie führen kann, w enn F.____ jeweils fest definierte Wochen- enden und Ferien bei der Gastfamilie und damit ausserhalb der Familie verbringt. Daher ist ins- besondere unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Kompl ementarität nicht zu beanstan- den, dass die KESB C.____ entschieden hat, dass künftig d er obhutsberechtigte Vater über die Besuche bei der Gastfamilie entscheiden darf. Dieser ha t im Übrigen auch während des hängi- gen Beschwerdeverfahrens Besuche und Ferien von F.____ b ei der Gastfamilie ermöglicht, was zusätzlich bestätigt, dass behördliche Vorgaben für die Ausübung eines Besuchsrechts von F.____ bei der Gastfamilie gerade nicht mehr erforder lich sind. Vielmehr ergibt sich daraus, dass der Kindsvater durchaus in der Lage ist, im Sinne de s Kindeswohls angemessene Ent- scheidungen für F.____ zu treffen, womit eine behördliche Regelung nicht erforderlich ist. 5. An diesem Ergebnis vermag nichts zu ändern, dass die B eschwerdeführer unbestrit- tenermassen ein gutes und enges Verhältnis zu F.____ haben und F.____ weiterhin Kontakt zu ihnen wünscht. Soweit die Beschwerdeführer diesbezügli ch eine Befragung von F.____ durch das Kantonsgericht beantragen, ist festzuhalten, dass F.__ __ erst am 5. Oktober 2016 persön- lich durch die KESB C.____ zu allen entscheidrelevanten Punkten befragt wurde, weshalb das Ergebnis der Anhörung noch aktuell ist. Demgemäss kann auf eine erneute Anhörung von F.____ verzichtet werden (vgl. zum Verzicht auf eine erne ute Anhörung: Urteil des Bundesge- richts 5A_724/2015 vom 2. Juni 2016 E. 4.3 mit zahlreichen Hinweisen). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist die Bes chwerde damit vollumfänglich abzuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess ordnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kosten pflichtig. Die Verfahrenskosten um- fassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und wer den in der Regel der unter- liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Verfahrenskosten in de r Höhe von Fr. 1'400.-- den Be- schwerdeführern aufzuerlegen und mit dem geleisteten K ostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'100.-- zu verrechnen. Der zuviel geleistete Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 700.-- wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. Die Parteiko sten sind ausgangsgemäss wettzu- schlagen (§ 21 Abs. 2 VPO). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden den Be- schwerdeführern auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 2'100.-- verrechnet. Der zuviel bezah lte Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 700.-- wird den Beschwerdef ührern zu- rückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber Gegen diesen Entscheid wurde am 26. Juni 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 5A_483/2017) erhoben.