<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 129 S.547</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Fremdenpolizeirecht</span> <span class="page_no">547</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>129 Verwarnung (Art. 11 Abs. 3 ANAG, Art. 16 Abs. 3 ANAV).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Hat die Fremdenpolizei einen rechtskräftigen Strafbefehl vorfrage-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>weise in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht von Amtes wegen zu</b></span><br/> <span class="ft2"><b>überprüfen?</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Frage im konkreten Fall verneint</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Auszug aus dem Entscheid des Rechtsdienstes der Fremdenpolizei vom</span><br/> <span class="ft3">6. Januar 2000 in Sachen L.S.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Der Einsprecher reiste am 6. Oktober 1991 im Rahmen des</span><br/> <span class="ft1">Familiennachzugs in die Schweiz ein und erhielt die Aufenthaltsbe-</span><br/> <span class="ft1">willigung B. Er wurde auf dem Gebiet des Strassenverkehrs bislang</span><br/> <span class="ft1">wie folgt (rechtskräftig) verurteilt:</span><br/> <span class="ft1">- Strafbefehl des Bezirksamts X vom 13. November 1995: Busse von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 300.-- wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeuges infolge Nicht-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">548</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">anpassens der Geschwindigkeit an die Strassenerhältnisse bei</span><br/> <span class="ft1">besonderen Verhältnissen sowie Nichtsicherns der Unfallstelle;</span><br/> <span class="ft1">- Strafbefehl des Bezirksamts Y vom 9. Juni 1997: Busse von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 450.-- wegen Ueberschreitens der signalisierten Höchstge-</span><br/> <span class="ft1">schwindigkeit auf der Autobahn um 35 km/h;</span><br/> <span class="ft1">- Strafbefehl des Bezirksamts Y vom 15. Juni 1998: Gefängnisstrafe</span><br/> <span class="ft1">von 18 Tagen (bedingter Strafvollzug, Probezeit zwei Jahre) und</span><br/> <span class="ft1">Busse von Fr. 1'000.-- wegen pflichtwidrigen Verhaltens nach Ver-</span><br/> <span class="ft1">ursachen eines Verkehrsunfalls mit Sachschaden (Nichtgenügen der</span><br/> <span class="ft1">Meldepflicht), Vornahme einer Verrichtung, welche die Bedienung</span><br/> <span class="ft1">des Fahrzeuges erschwert, Nichtbeherrschens des Fahrzeuges und</span><br/> <span class="ft1">Vereitelung einer Blutprobe. Dem Schuldspruch betreffend Ver-</span><br/> <span class="ft1">eitelung einer Blutprobe legte der Strafbefehsrichter folgenden</span><br/> <span class="ft1">Sachverhalt zugrunde:</span><br/> <span class="ft5">"Aufgrund des Unfallgeschehens und der Tatsache, dass sich der Beschul-</span><br/> <span class="ft5">digte vor dem Ereignis in einer Disco aufgehalten hatte, hat sich der Be-</span><br/> <span class="ft5">schuldigte zudem der Vereitelung der Blutprobe, mit deren Anordnung er</span><br/> <span class="ft5">rechnen musste, schuldig gemacht."</span><br/> <span class="ft1">2. Die Sektion Massnahmen erliess am 2. November 1999 folgende</span><br/> <span class="ft1">Verfügung:</span><br/> <span class="ft5">"1. L.S. wird die Nichtverlängerung bzw. der Widerruf der Aufenthaltsbe-</span><br/> <span class="ft5">willigung angedroht für den Fall, dass er erneut verurteilt werden oder</span><br/> <span class="ft5">sonst zu berechtigten Klagen Anlass geben sollte.</span><br/> <span class="ft5">2. Es wird eine Staatsgebühr von Fr. 90.-- erhoben."</span><br/> <span class="ft1">Zur Begründung verwies sie einerseits auf die bisherigen Verur-</span><br/> <span class="ft1">teilungen wegen SVG-Widerhandlungen (insbesondere diejenige we-</span><br/> <span class="ft1">gen Vereitelung einer Blutprobe), andererseits führte sie aus, bei der</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligung B würden bei der Erfüllung der Auswie-</span><br/> <span class="ft1">sungsgründe gemäss Art. 10 Abs. 1 ANAG weniger hohe Anfor-</span><br/> <span class="ft1">derungen als bei der Niederlassungsbewilligung C gestellt, wobei</span><br/> <span class="ft1">auch hier die Frage der Verhältnismässigkeit zu prüfen sei.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Fremdenpolizeirecht</span> <span class="page_no">549</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Der Ausländer kann aus der Schweiz oder aus einem Kanton</span><br/> <span class="ft1">nur ausgewiesen werden, wenn er wegen eines Verbrechens oder</span><br/> <span class="ft1">Vergehens gerichtlich bestraft wird (Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG) oder</span><br/> <span class="ft1">wenn sein Verhalten im Allgemeinen und seine Handlungen darauf</span><br/> <span class="ft1">schliessen lassen, dass er nicht gewillt oder fähig ist, sich in die im</span><br/> <span class="ft1">Gaststaat geltende Ordnung einzufügen (Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG).</span><br/> <span class="ft1">Die Ausweisung kann nach Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG namentlich</span><br/> <span class="ft1">bei schweren oder wiederholten Verstössen gegen gesetzliche</span><br/> <span class="ft1">Vorschriften begründet erscheinen (im Einzelnen siehe Art. 16 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">ANAV).</span><br/> <span class="ft1">Die Ausweisung soll aber nur verfügt werden, wenn sie nach</span><br/> <span class="ft1">den gesamten Umständen angemessen erscheint (Art. 11 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">ANAG). Bei der Beurteilung der Angemessenheit sind namentlich</span><br/> <span class="ft1">die Schwere des Verschuldens des Ausländers, die Dauer seiner An-</span><br/> <span class="ft1">wesenheit in der Schweiz sowie die ihm und seiner Familie drohen-</span><br/> <span class="ft1">den Nachteile wichtig. Erscheint eine Ausweisung zwar nach Art. 10</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 lit. a und b ANAG rechtlich begründet, aber nach den Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen nicht angemessen, ist sie bloss anzudrohen. Die Auswei-</span><br/> <span class="ft1">sungsandrohung (Verwarnung) ist als schriftliche, begründete Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung zu erlassen und soll klar darlegen, was vom Ausländer erwartet</span><br/> <span class="ft1">wird (Art. 16 Abs. 3 ANAV).</span><br/> <span class="ft0">2. a) Zu entscheiden ist vorab, ob die Sektion Mass-</span><br/> <span class="ft0">nahmen berechtigt bzw. verpflichtet war, bei der Prüfung der</span><br/> <span class="ft0">Verwarnung vorfrageweise den Strafbefehl des Bezirksamts Y</span><br/> <span class="ft0">vom 15. Juni 1998 in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht zu</span><br/> <span class="ft0">überprüfen. Der Einsprecher geht unausgesprochen von einer</span><br/> <span class="ft0">vorfrageweisen Prüfungspflicht aus. Zur Beantwortung dieser</span><br/> <span class="ft0">Kernfrage drängt sich ein Rechtsvergleich auf, da auch andere</span><br/> <span class="ft0">Instanzen analoge Fragenstellungen kennen:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">550</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft0">- Art. 53 Abs. 1 OR bestimmt, dass der Zivilrichter bei der</span><br/> <span class="ft0">Beurteilung der Schuld oder Nichtschuld, Urteilsfähigkeit</span><br/> <span class="ft0">oder Urteilsunfähigkeit an die Bestimmungen über die straf-</span><br/> <span class="ft0">rechtliche Zurechnungsfähigkeit oder an eine Freisprechung</span><br/> <span class="ft0">durch das Strafgericht nicht gebunden ist. Ebenso ist das straf-</span><br/> <span class="ft0">gerichtliche Erkenntnis mit Bezug auf die Beurteilung der</span><br/> <span class="ft0">Schuld und die Bestimmung des Schadens für den Zivilrichter</span><br/> <span class="ft0">nicht verbindlich (Art. 53 Abs. 2 OR). Bezüglich dieser</span><br/> <span class="ft0">beiden Problemkreise ist demnach eine Bindung des Zivil-</span><br/> <span class="ft0">richters an ein vorausgegangenes Strafurteil im Interesse des</span><br/> <span class="ft0">materiellen Bundeszivilrechts ausgeschlossen. Nach der</span><br/> <span class="ft0">Rechtsprechung des Bundesgerichts steht es jedoch den</span><br/> <span class="ft0">Kantonen von Bundesrechts wegen frei, die Verbindlichkeit</span><br/> <span class="ft0">eines Strafurteils für den Zivilrichter vorzusehen, insbe-</span><br/> <span class="ft0">sondere was die Feststellung der Tat als solcher und deren</span><br/> <span class="ft0">Widerrechtlichkeit angeht (BGE 120 Ia 107 f. mit weiteren</span><br/> <span class="ft0">Hinweisen). Schreibt das kantonale Recht in dem ihm</span><br/> <span class="ft0">vorbehaltenen Bereich keine Bindung an die strafrichterliche</span><br/> <span class="ft0">Entscheidung vor, so bleibt es beim allgemeinen Grundsatz,</span><br/> <span class="ft0">wonach der Zivilrichter unabhängig entscheidet und an die</span><br/> <span class="ft0">Erkenntnisse des Strafrichters nicht gebunden ist (S</span><span class="ft5">CHNYDER</span><span class="ft0">,</span><br/> <span class="ft0">Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Basel 1992,</span><br/> <span class="ft0">N. 3 zu Art. 53 OR). Der Zivilrichter wird in der Praxis sehr</span><br/> <span class="ft0">oft auf das Strafverfahren abstellen, da der Strafrichter in der</span><br/> <span class="ft0">Regel zeitlich näher zur Tat steht, so dass seine Abklärungen</span><br/> <span class="ft0">oft zuverlässiger sind als das spätere Beweisverfahren vor</span><br/> <span class="ft0">dem Zivilrichter (B</span><span class="ft5">REHM</span><span class="ft0">, Kommentar zum Schweizerischen</span><br/> <span class="ft0">Zivilgesetzbuch, Bern 1990, N. 31 f. zu Art. 53 OR). Insbe-</span><br/> <span class="ft0">sondere wird der Zivilrichter dann auf ein Strafurteil abstel-</span><br/> <span class="ft0">len, wenn dieses im ordentlichen Verfahren mit öffentlicher</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Fremdenpolizeirecht</span> <span class="page_no">551</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft0">Verhandlung unter Anhörung der Parteien und Einvernahme</span><br/> <span class="ft0">von Zeugen ergangen ist, es sei denn, es bestünden klare</span><br/> <span class="ft0">Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der dem Urteil zugrunde</span><br/> <span class="ft0">liegenden Tatsachenfeststellungen. Dies gilt jedoch nicht,</span><br/> <span class="ft0">wenn lediglich Strafbefehle vorliegen, denen kein or-</span><br/> <span class="ft0">dentliches Verfahren mit umfassender Beweiswürdigung vor-</span><br/> <span class="ft0">ausgegangen ist (B</span><span class="ft5">REHM</span><span class="ft0">, a.a.O., N. 20 zu Art. 53 OR).</span><br/> <span class="ft1">- Stark umstritten ist die Frage nach der Ueberprüfungsbefugnis des</span><br/> <span class="ft1">Strafrichters im Rahmen von Art. 292 StGB (Ungehorsam gegen</span><br/> <span class="ft1">amtliche Verfügungen). Unbestritten ist lediglich, dass die</span><br/> <span class="ft1">Nichtigkeit einer Verfügung zu prüfen ist, nicht hingegen die Er-</span><br/> <span class="ft1">messensausübung. Eine weitergehende Kontrolle der Rechtmässig-</span><br/> <span class="ft1">keit lehnt die ältere Praxis des Bundesgerichts ab, was auf Kritik</span><br/> <span class="ft1">gestossen ist. Nach Trechsel hat der Strafrichter die Rechts-</span><br/> <span class="ft1">mässigkeit einer Verwaltungsverfügung grundsätzlich zu überprü-</span><br/> <span class="ft1">fen (T</span><span class="ft3">RECHSEL</span><span class="ft1">, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar,</span><br/> <span class="ft1">N. 7 zu Art. 292 mit weiteren Hinweisen). Auf offensichtliche</span><br/> <span class="ft1">Gesetzesverletzung und Ermessensmissbrauch ist die Prüfung be-</span><br/> <span class="ft1">schränkt, wenn von der Möglichkeit verwaltungsgerichtlicher</span><br/> <span class="ft1">Kontrolle kein Gebrauch gemacht wurde oder wenn der Entscheid</span><br/> <span class="ft1">noch aussteht (BGE 121 IV 31 ff.). Trechsel schlägt deshalb vor,</span><br/> <span class="ft1">eine eingeschränkte Ueberprüfung auf offensichtliche Rechts-</span><br/> <span class="ft1">widrigkeit allenfalls für Fälle zu erwägen, wo die Rechtsmittel nicht</span><br/> <span class="ft1">ausgeschöpft wurden (T</span><span class="ft3">RECHSEL</span><span class="ft1">, a.a.O., N. 7 zu Art. 292).</span><br/> <span class="ft0">b) Ausgehend von diesen Erwägungen ist festzustellen,</span><br/> <span class="ft0">dass eine bundesrechtliche oder kantonale Bestimmung, nach</span><br/> <span class="ft0">der eine Verwaltungsbehörde an eine strafrechtliche Erkenntnis</span><br/> <span class="ft0">ganz oder teilweise gebunden ist, nicht ersichtlich ist. Demnach</span><br/> <span class="ft0">steht es der Fremdenpolizei im Rahmen der freien Beweiswür-</span><br/> <span class="ft0">digung offen, Strafurteile in tatsächlicher oder rechtlicher Hin-</span><br/> <span class="ft0">sicht vorfrageweise zu überprüfen (grundsätzlich zur freien</span><br/> <span class="ft0">Beweiswürdigung im Verwaltungs[beschwerde]verfahren:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">552</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft0">M</span><span class="ft5">ERKER</span><span class="ft0">, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren</span><br/> <span class="ft0">nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechts-</span><br/> <span class="ft0">pflege, Zürich 1998, N. 10 ff. zu § 49 VRPG). Sie wird integral</span><br/> <span class="ft0">auf jene Urteile abstellen, die durch ein Bezirksgericht bzw.</span><br/> <span class="ft0">eine Rechtsmittelinstanz gefällt worden sind, und verhält sich</span><br/> <span class="ft0">somit wie der Zivilrichter, der in einem Haftpflichtprozess ei-</span><br/> <span class="ft0">nen Sachverhalt zu würdigen hat, den bereits ein Strafrichter in</span><br/> <span class="ft0">einer öffentlichen Verhandlung mit umfassender Beweisab-</span><br/> <span class="ft0">nahme beurteilt hat. Aus pragmatischen Gründen stellt die</span><br/> <span class="ft0">Fremdenpolizei in der Regel aber auch unbesehen auf rechts-</span><br/> <span class="ft0">kräftige Strafbefehle ab.</span><br/> <span class="ft0">Der Einsprecher rügt in diesem Zusammenhang, die</span><br/> <span class="ft0">Sektion Massnahmen hätte sich mit seinen "konkret geäusser-</span><br/> <span class="ft0">ten Argumenten" betreffend Vereitelung der Blutprobe ausein-</span><br/> <span class="ft0">andersetzen müssen (Einsprache S. 4). Wie es sich damit ver-</span><br/> <span class="ft0">hält, kann indes offen gelassen werden, da die damalige Passi-</span><br/> <span class="ft0">vität des Einsprechers ihm heute vorwerfbar ist. Ist nämlich im</span><br/> <span class="ft0">Strafbefehlsverfahren die Ausfällung einer bedingten oder un-</span><br/> <span class="ft0">bedingten Freiheitsstrafe vorgesehen, wird der Täter praxisge-</span><br/> <span class="ft0">mäss zu einer mündlichen Eröffnung des Strafbefehls vorgela-</span><br/> <span class="ft0">den. Vorgängig werden die Strafakten zur Einsichtnahme auf-</span><br/> <span class="ft0">gelegt. Wenn nun der Einsprecher von diesen Mitwirkungs-</span><br/> <span class="ft0">möglichkeiten (offenbar) keinen Gebrauch gemacht und auch</span><br/> <span class="ft0">nicht die Aufhebung des Strafbefehls und damit die Einleitung</span><br/> <span class="ft0">des ordentlichen Strafverfahrens verlangt hat (vgl. § 197 Abs. 1</span><br/> <span class="ft0">und 2 StPO), ist darin ein prozessuales Versäumnis zu sehen.</span><br/> <span class="ft0">Anders sähe es (wohl) aus, wenn der Einsprecher lediglich mit</span><br/> <span class="ft0">einer kleinen Busse bestraft worden wäre und aus Kosten- und</span><br/> <span class="ft0">Vernunftsgründen auf die Ueberprüfung des Strafbefehls durch</span><br/> <span class="ft0">das Bezirksgericht verzichtet hätte. Konkret dürfte der Einspre-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Fremdenpolizeirecht</span> <span class="page_no">553</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft0">cher die ausgefällte Sanktion als wenig einschneidend be-</span><br/> <span class="ft0">trachtet haben, da ihm insbesondere für die ausgefällte Frei-</span><br/> <span class="ft0">heitsstrafe der bedingte Strafvollzug gewährt worden ist. Er</span><br/> <span class="ft0">nahm damit in Kauf, dass ein unbestrittener Sachverhalt (unbe-</span><br/> <span class="ft0">rechtigtes Entfernen von der Unfallstelle) eine rechtliche um-</span><br/> <span class="ft0">strittene Subsumtion (siehe G</span><span class="ft5">IGER</span><span class="ft0">, Strassenverkehrsgesetz-</span><br/> <span class="ft0">Kommentar, Zürich 1996, S. 233 f. mit weiteren Hinweisen</span><br/> <span class="ft0">sowie die vom Einsprecher angeführten Zitate [Einsprache</span><br/> <span class="ft0">S. 5]) und damit gleichzeitig eine Freiheitsstrafe nach sich zog.</span><br/> <span class="ft0">Aus dieser Sicht durfte sich die Sektion Massnahmen deshalb</span><br/> <span class="ft0">damit begnügen, den Strafbefehl lediglich auf offensichtliche</span><br/> <span class="ft0">Rechtswidrigkeit zu prüfen. Dies verneinte sie sinngemäss, da</span><br/> <span class="ft0">eine rechtlich umstrittene Subsumtion nie eine offensichtliche</span><br/> <span class="ft0">Rechtswidrigkeit darstellt. Es ist gerade Sache des Sachrich-</span><br/> <span class="ft0">ters, sich im Einzelfall zu einer umstrittenen Rechtsfrage in</span><br/> <span class="ft0">seinem Zuständigkeitsbereich zu äussern. Durfte die Sektion</span><br/> <span class="ft0">Massnahmen auf den Schuldspruch wegen Vereitelung einer</span><br/> <span class="ft0">Blutprobe abstellen, ist auch ihre darauf abgestützte Verwar-</span><br/> <span class="ft0">nung nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft1">Im Übrigen wäre eine Verwarnung allein gestützt auf Art. 10</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 lit. b ANAG und Art. 16 Abs. 2 ANAV ebenso vertretbar</span><br/> <span class="ft1">gewesen: Der Einsprecher hat einen getrübten automobilistischen</span><br/> <span class="ft1">Leumund. Jeder Verurteilung lag entweder eine Geschwindig-</span><br/> <span class="ft1">keitsüberschreitung bzw. eine den konkreten Strassenverhältnissen</span><br/> <span class="ft1">nicht angepasste Geschwindigkeit zugrunde. Von ihm ging gleich in</span><br/> <span class="ft1">zwei Fällen eine mindestens abstrakte Gefährdung der übrigen Ver-</span><br/> <span class="ft1">kehrsteilnehmer aus (Unfälle). Der Einsprecher übersieht weiter</span><br/> <span class="ft1">geflissentlich, dass bei der Nichtverlängerung der Jahresaufenthalts-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung ein weniger strenger Massstab als bei der Ausweisung</span><br/> <span class="ft1">von Niedergelassenen anzulegen ist. Analog verhält es sich selbstre-</span><br/> <span class="ft1">dend mit der nächst milderen Massnahme (Verwarnung).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">554</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Einsprache erweist sich zusammenfassend als unbegrün-</span><br/> <span class="ft1">det und ist abzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>