Urteil vom 13. November 2012 Strafkammer Besetzung Bundesstrafrichter Walter Wüthrich, Einzelrichter, Gerichtsschreiber Tornike Keshelava Parteien BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Olivier Thormann, Leitender Staatsanwalt des Bundes, und als Privatkläger FC Gossau, gegen 1. A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Daniel Senn, 2. B., erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt Werner Bodenmann, Gegenstand Gewerbsmässiger Betrug, versuchter gewerbsmässi- ger Betrug, Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Be- trug, Gehilfenschaft zu versuchtem gewerbsmässigem Betrug B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: SK.2012.21 - 2 - Anträge der Bundesanwaltschaft mit Bezug auf A.: 1. A. sei schuldig zu sprechen des gewerbsmässigen Betrugs (Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB), begangen im Zeitraum von 24. Mai 2009 bis 1. November 2009, - in der Form der Gehilfenschaft im Zeitraum vom 23. Mai 2009 bis 30. Mai 2009, - in der Form der Mittäterschaft im Zeitraum vom 14. August 2009 bis 1. Nove m- ber 2009, zum Teil versucht. 2. A. sei mit einer Geldstrafe von 270 Tagessätzen à Fr. 10.-- zu bestrafen. Die Untersuchungshaft von 24 Tagen sei im Umfang von 24 Tagessätzen auf die Geldstrafe anzurechnen. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben, unter A n- setzung einer Probezeit von 2 Jahren. 3. A. sei zu verpflichten, eine Ersatzforderung in Höhe von Fr. 10'000.-- zu bezahlen. 4. Von den Verfahrenskosten sei A. ein Anteil von einem Drittel, entsprechend Fr. 17'400.--, aufzuerlegen. Anträge der Bundesanwaltschaft mit Bezug auf B.: 1. B. sei schuldig zu sprechen wegen: - Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Art. 25 StGB, begangen am 26. September 2009, - Gehilfenschaft zu versuchtem gewerbsmässigem Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 und Art. 25 StGB, begangen am 14. August 2009. 2. B. sei mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 120.-- zu bestrafen. Der Voll- zug der Geldstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Ja h- ren. 3. B. sei zu verpflichten, eine Ersatzforderung in Höhe von Fr. 5'000.-- zu bezahlen. 4. Von den Verfahrenskosten sei B. ein Anteil von 1/24, entsprechend Fr. 2'187. --, aufzuerlegen. - 3 - Anträge der Verteidigung von A.: 1. Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen. 2. Eventuell sei der Beschuldigte der mehrfachen Gehilfenschaft zu Betrug, subeven- tuell der Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug schuldig zu sprechen und dafür mit einer Geldstrafe von nicht mehr als 180 Tagessätzen à Fr. 10. -- zu be- strafen, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren und Anrechnung der e r- standenen Untersuchungshaft von 13 Tagen. 3. Die Zivilforderung des FC Gossau sei vollumfänglich a uf den Zivilweg zu verwe i- sen. 4. Im Falle eines Schuldspruchs sei auf eine Festlegung der Ersatzforderung, soweit auf den entsprechenden Antrag der Bundesanwaltschaft eingetreten werde, zu verzichten. 5. Die Verfahrenskosten seien dem Bund und eventuell teilweise gestützt auf Art. 427 Abs. 1 lit. a bzw. c StPO dem FC Gossau aufzuerlegen. 6. Dem Beschuldigten sei gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO für die erlittene Unte r- suchungshaft von 13 Tagen eine Genugtuung im Betrag von Fr. 4'750. -- zuzusprechen. 7. Der Beschuldigte sei gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO für wirtschaftliche Einbu s- sen (Reisekosten) pauschal mit Fr. 400.-- zu entschädigen. 8. Der Beschuldigte sei gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO für seine Anwaltskosten gemäss eingereichter detaillierter Honorarnote voll zu entschädigen. 9. Im Eventualfall einer Verurteilung des Beschuldigten seien die Verfahrenskosten nach richterlichem Ermessen dem Beschuldigten aufzuerlegen, und es sei der b e- stellte amtliche Verteidiger für die Kosten der amtlichen Verte idigung gemäss ein- gereichter detaillierter Honorarnote zu entschädigen. Anträge der Verteidigung von B.: 1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 2. Die Kosten des Verfahrens, darin eingeschlossen die Kosten für die Bemühungen der privaten Verteidigung des Beschuldigten, seien vollumfänglich der Staatskasse aufzuerlegen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. - 4 - Prozessgeschichte: A. Die deutschen Strafverfolgungsbehörden führen seit April 2009 ein Verfahren gegen C., D. und weitere Personen, denen vorgeworfen wird, als Mitglieder einer international agierenden Gruppierung Meisterschaftsspiele der europäischen Fussballligen und Freundschaftsspiele durch Geldzahlungen an Spieler, Trainer, Vereinsfunktionäre und Schiedsrichter man ipuliert zu haben, um Wetten auf die manipulierten Fussballspiele abzuschliessen. In diesem Zusammenhang ersuch- te die Staatsanwaltschaft Bochum am 29. Oktober 2009 die schweizerischen Behörden um Durchführung von Untersuchungshandlungen gegen E. und A., die mutmasslichen Tatbeteiligten in der Schweiz (cl. 13 pag. 18.1.3 ff.). B. Im Nachgang zum erwähnten Rechtshilfeersuchen eröffnete die Bundesanwal t- schaft am 12. November 2009 ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren g e- gen E. und A. wegen Verdachts des gewerbsmässigen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 2 StGB (cl. 1 pag. 1.1). C. In der Folge dehnte die Bundesanwaltschaft die Strafverfolgung auf weitere Pe r- sonen aus, u.a. am 30. November 2009 auf B. (cl. 1 pag. 1.6). D. A. befand sich vom 19. November 2009 bis 1. Dezember 2009 in Unters u- chungshaft (cl. 2 pag. 6.2.3; …28). E. Mit Schreiben vom 13. Januar 2010 konstitui erte sich der Fussballverein FC Gossau als Privatkläger (cl. 8 pag. 15.3.3). Am 11. Oktober 2011 teilte der FC Gossau der Bundesanwaltschaft mit , dass er einzig gegen A. einen privat- rechtlichen Anspruch geltend mache und auf eine Verfahrensbeteiligung in B e- zug auf die übrigen Beschuldigten verzichte (cl. 8 pag. 15.3.28). F. F.1 Am 22. Dezember 2011 erhob die Bundesanwaltschaft bei der Strafka mmer des Bundesstrafgerichts Anklage im abgekürzten Verfahren gegen A. wegen g e- werbsmässigen Betrugs und Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug . Das Gericht registrierte das Geschäft unter der Verfahrensnummer SK.2011.31 (SK.2011.31, cl. 75 pag. 75.100.1 ff.; …160.1). F.2 Mit Verfügung vom 13. Januar 2012 wies der Einzelrichter die Anklage gegen A. zur Anklage- und Aktenergänzung an die Bundesanwaltschaft zurück und sistier- te das Verfahren bis zur Wiedereinreichung der Anklage. Er liess die Rechtshän- gigkeit an die Bundesanwaltschaft zurückgehen (Art. 329 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 und 3 StPO). Der Einzelrichter befand, dass die Nennung des Geschädigten für - 5 - die Beurteilung der Frage, ob der Anklagesachverhalt den Tatbestand des B e- trugs erfülle, unerlässlich sei und die Anklageschrif t keine konkreten Angaben darüber enthalte, wer durch die dem Beschuldigten vorgeworf enen Handlungen am Vermögen geschädigt worden sein soll. Weiter stellte er fest, dass neben der beschuldigten auch die geschädigte Person, d.h. die Person, die durch die S traf- tat in ihren Rechten unmittelbar verletzt worden sei (Art. 115 Abs. 1 StPO), ein Informationsrecht im Hinblick auf die Ausübung der ihr zustehenden Mitwirkungs- rechte im Strafverfahren habe. Insbesondere könne sie sich als Privatkläge r- schaft konstituieren, indem sie bis zum Abschluss des Vorverfahrens ausdrüc k- lich erkläre, sich am Strafverfahren als Straf - oder Zivilklägerin oder -kläger zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 und 3 StPO). Die Staatsanwaltschaft müsse die g e- schädigte Person nach Eröffnung des Vor verfahrens auf diese Möglichkeit hi n- weisen, wenn diese von sich aus keine Erklärung abgegeben habe (Art. 118 Abs. 4 StPO). Und falls der Hinweis unterbleibe, müsse die g eschädigte Person noch nachträglich die Möglichkeit haben, sich als Privatklägerschaft zu konstitu- ieren (LIEBER, in Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweiz e- rischen Strafprozessordnung, Zürich etc. 2010, Art. 11 8 StPO N. 14). Aus den Akten gehe nicht hervor, dass die Bundesanwaltschaft allen geschädigten Per- sonen im Sinne der vorstehenden Ausführungen die Möglichkeit gegeben habe, sich als Privatklägerschaft zu konstituieren (SK.2011.31, cl. 75 pag. 75.950.1 ff.). G. G.1 Am 18. November 2011 erliess die Bundesanwaltschaft gegen B. einen Strafbe- fehl, worin sie ihn der Gehilfensch aft zu gewerbsmässigem Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Art. 25 StGB und der Gehilfenschaft zu versuchtem gewerbsmässigem Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 und Art. 25 StGB schuldig sprach und ihn mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 120. --, bedingt aufgeschoben mit einer Probezeit von 2 Jahren, belegte. Zudem wurde B. eine Ersatzforderung von Fr. 4'160.-- auferlegt (cl. 1 pag. 3.25 ff.). G.2 Auf rechtzeitige Einsprache von B. (cl. 10 pag. 16.4.116 f.) hin überwies die Bundesanwaltschaft in Anwendung von Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO am 22. Dezember 2011 den Strafbefehl als Anklageschrift an die Stra f- kammer des Bundesstrafgerichts, wo die Sache unter der Geschäftsnummer SK.2011.32 registriert wurde (SK.2011.32, cl. 75 pag. 75.100.5 f.; …160.1). G.3 Mit Verfügung vom 13. Januar 2012 wies der Einzelrichter die Anklage g egen B. mit derselben Begründung wie jene betreffend A. zur Anklage- und Aktenergän- zung an die Bundesanwaltschaft zurück und sistierte das Verfahren bis zur Wie- dereinreichung der Anklage . Die Hängigkeit blieb beim Gericht (Art. 329 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 und 3 StPO) (SK.2011.32, cl. 75 pag. 75.950.1 ff.). - 6 - H. Die Bundesanwaltschaft wies in der Folge allfällige geschädigte Personen, in s- besondere betroffene Fussballvereine und Wettanbieter, mit entsprechenden Schreiben resp. öffentlicher Bekanntmachung im Sinne von Art. 88 Abs. 1 lit. b StPO auf die Möglichkeit hin, sich als Privatkläger am Verfahren zu betei ligen. Die kontaktierten Personen verzichteten auf eine Verfahrensteilnahme bzw. rea- gierten auf die Schreiben resp. die Bekanntmachung nicht. Insbesondere melde- te sich keiner der in den Anklageschriften erwähnten Wettanbieter (cl. 8 pag. 15.8.1 ff.; SK.2011.31 und SK.2011.32, je cl. 75 pag. 75.510.1). I. Mit Datum vom 18. Mai 2012 reichte die Bundesanwaltschaft je eine ergänzte Anklageschrift gegen A. und B. im ordentlichen Verfahren beim Bundesstrafg e- richt ein (SK.2011.32, cl. 75 pag. 75.100.7 ff.; SK.2012.21 , cl. 76 pag. 76.100.1 ff.). Die Anklage gegen A. lautete neu nebst den bereits in der Anklageschrift vom 22. Dezember 2011 angeklagten Delikten auf versuchten gewerbsmässigen Betrug. Die Anklage gegen B. blieb wiederum hinsichtlich der rechtlichen Qualifi- kation der angeklagten Taten unverändert. Das Verfahren gegen A. wurde neu unter der Geschäftsnummer SK.2012.21 registriert (SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.100.1 ff.). J. Mit Verfügung des Einzelrichters vom 25. Juni 2012 wurden die beiden Verfa h- ren SK.2011.32 ge gen B. und SK.2012.21 gegen A. unter der letztgenannten Verfahrensnummer vereinigt (SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.950.1). K. Im Rahmen der Prozessvorbereitung holte das Gericht von Amtes wegen e inen aktuellen Straf - und Betreibungsregisterauszug sowie Steuerunte rlagen von A. und B. ein (SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.430.1). L. Die Hauptverhandlung fand am 8. und 13. November 2012 in Anwesenheit der Bundesanwaltschaft und der beiden Beschuldigten mit ihren Verteidigern vor dem Einzelrichter der Strafkammer des Bundesstr afgerichts am Sitz des G e- richts in Bellinzona statt. Der Privatkläger FC Gossau war an der Hauptverhan d- lung nicht vertreten (SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.920.1 ff.). - 7 - Der Einzelrichter erwägt: 1. Prozessuales 1.1 Zuständigkeit 1.1.1 Gemäss dem bis 31. Dezember 2 010 gültigen Art. 337 Abs. 2 StGB (seither mit gleichem Inhalt: Art. 24 Abs. 2 StPO) kann die Bundesanwaltschaft bei Verbr e- chen u.a. des zweiten Titels des StGB eine Untersuchung eröffnen, wenn die Straftaten zu einem wesentlichen Teil im Ausland begangen worden sind oder wenn sie in mehreren Kantonen begangen worden sind und dabei kein eindeut i- ger Schwerpunkt in einem Kanton besteht. Ferner ist für die Bundeszuständigkeit vorausgesetzt, dass keine kantonale Strafverfolgungsbehörde mit der Sache b e- fasst ist oder die zuständige kantonale Strafverfolgungsbehörde die Bundesa n- waltschaft um Übernahme des Verfahrens ersucht. 1.1.2 Die Bundesanwaltschaft hat das Verfahren nach Erhalt eines Rechtshilfegesuchs aus Bochum/D gegen insgesamt elf Personen, darunter die hier be schuldigten, wegen Verdachts des gewerbsmässigen Betrugs (Art. 146 Abs. 2 StGB) eröffnet (cl. 1 Rubriken 1 und 2). Ein Schwerpunkt für die Tatbegehung in einem Kanton besteht nicht. Vielmehr ist von internationaler Verflechtung auszugehen. De m- nach ist Bundesgerichtsbarkeit für die Beurteilung der vorliegenden Anklage g e- geben. 1.1.3 Die Kompetenz des Einzelgerichts ergibt sich aus Art. 19 Abs. 2 lit. b StPO i.V.m. Art. 36 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Organisation der Strafbehörden des Bundes vom 19. März 2010 (StBOG; SR 173.71). 1.2 Anwendbares Prozessrecht Das Vorverfahren bis zur Anklageerhebung wurde unter der Herrschaft des Bun- desgesetzes über die Bundesstrafrechtspflege (BStP) durchgeführt. Die entspre- chenden Verfahrenshandlungen behalten gemäss Art. 448 Abs. 2 der seit 1. Ja- nuar 2011 in Kraft stehenden StPO ihre Gültigkeit. 1.3 Anklage nach Einsprache gegen Strafbefehl / Vereinigung Wird gegen einen Strafbefehl Einsprache erhoben, so entscheidet die Staatsa n- waltschaft nach allfälliger Abnahme weiterer Beweise üb er das weitere Vorg e- hen. Will sie die Sache vor Gericht bringen, stehen ihr zwei Möglichkeiten offen, nämlich am Strafbefehl festzuhalten (Art. 355 Abs. 3 lit. a StPO) oder Anklage - 8 - beim erstinstanzlichen Gericht zu erheben (Art. 355 Abs. 3 lit. d StPO). Erfüllt der angefochtene Strafbefehl die inhaltlichen Erfordernisse einer Anklage nicht, so bleibt nur die Möglichkeit der Anklage im ordentlichen Verfahren gemäss lit. d des zitierten Artikels. Diese Konstellation ist im vorliegenden Verfahren in Bezug auf die Anklage gegen B. gegeben (vgl. Prozessgeschichte, lit. G.3 und I). Das Urteil ergeht im ordentlichen Verfahren nach Art. 328 ff. StPO. Nachdem nach der Wiedereinreichung der Anklageschriften sowohl gegen A. als auch gegen B. nun Anklagen im ordentliche n Verfahren nach Art. 328 ff. StPO vorliegen und eine Teilnahme -Konstellation angeklagt ist, war eine Vereinigung der Verfahren nach Art. 30 StPO (Prozessgeschichte, lit. J) opportun. 1.4 Anklagegrundsatz 1.4.1 Eine Straftat kann nur gerichtlich beurteilt werden, we nn die Staatsanwal tschaft gegen eine bestimmte Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts beim zuständigen Gericht Anklage erhoben hat (Art. 9 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO sind in der Anklageschrift insbesondere die beschuldigte und die geschädigte Person zu nennen (lit. d und e), die der beschuldigten Pe r- son vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung möglichst kurz, aber genau zu bezeichnen (lit. f) und die nach Auffassung der Staatsanw altschaft erfüllten Straftatbestände unter Angabe der anwendbaren Bestimmungen anzuführen (lit. g). Mit dem Anklagegrundsatz und der daraus abzuleitenden Umgrenzungs - und Informationsfunktion der Anklage wird bezweckt, dass die beschuldigte Person genau we iss, was ihr konkret vo r- geworfen wird ( HEIMGARTNER/NIGGLI, Basler Kommentar, Schweizerische Stra f- prozessordnung, Basel 2011, Art. 325 StPO N. 18; LANDSHUT, in D o- natsch/Hansjakob/Lieber, a.a.O., Art. 325 StPO N. 8). Das Gericht ist an den in der Anklage umschriebenen Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche Würdigung gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO). Falls erforderlich, weist die Verfahrensleitung nach einer bei Eingang der Ankl a- geschrift oder später im Verfahren vorzunehmenden Prüfung die Anklage zur Er- gänzung oder Berichtigung an die Staatsanwaltschaft zurück (Art. 329 Abs. 2 StPO). Wird im Anschluss keine dem Anklagegrundsatz genügende Anklag e- schrift eingereicht, wird das Verfahren eingestellt ( HEIMGARTNER/NIGGLI, a.a.O., Art. 9 StPO N. 62; STEPHENSEN/ZANULARDO-WALSER, Basler Kommentar, a.a.O., Art. 329 StPO N. 12). 1.4.2 Mit Verfügungen vom 13. Januar 2012 wurden die Anklageschriften vom 22. D e- zember 2011 zur Ergänzung zurückgewiesen. Die Anklageschriften vom 18. Mai - 9 - 2012 (Wiedereinreichung mit Ergänzungen) ergingen als solche im ordentlichen Verfahren (Prozessgeschichte, lit. F.2, G.3 und I). 1.4.3 A. ist des gewerbsmässigen Betrugs, des versuchten gewerbsmäss igen Betrugs und der Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug , B. der Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug und der Gehilfenschaft zu versuchtem gewerbsmässi- gem Betrug angeklagt. Bevor auf die Anklagen materiell eingetreten werden kann, ist zu prüfen, ob die Anklageschriften nach der Wiedereinreichung die für ein Urteil notwendigen Sachverhaltskomponenten beinhalten. 1.4.4 Wegen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten b e- stimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt. 1.4.5 Somit erfordert eine ausreichende Anklage wegen Betrugs eine Aussage zu fo l- genden Punkten: a) Wer hat wo und wann wem was vorgespiegelt oder unterdrückt? b) Wurde die getäuschte Person irregeführt oder in ihrem Irrtum bestärkt? c) Handelte der Täter arglistig? d) Hat die irregeführte oder in ihrem Irrtum bestärkte Person sich oder eine a n- dere Person am Vermögen geschädigt? 1.4.6 Die Anklageschrift gegen A. enthält zusammengefasst folgende Aussagen: Im Zeitraum von Mai 2009 bis November 2009 habe A. zunächst als Torhüter des FC Gossau und später als Rekrutierer von manipulationswilligen Spielern für die Tätergruppierung um D. an den Manipulationen der nachstehend aufgeführ- ten Fussballspiele und der in diesem Zusammenhang abgeschlossenen We tten mitgewirkt. Im Einzelnen werden A. folgende Vorwürfe gemacht: a) Gewerbsmässiger Betrug aa) Am 24. September 2009 habe A. im Hinblick auf das Fussballspiel FC Luga- no - FC Gossau vom 26. September 2009 mit den Spielern des FC Gossau F., G. und B. vereinbart, dass der FC Gossau verlieren sollte, indem der Torwart B. möglichst viele Tore, davon 2 in der zweiten Halbzeit, kassieren sollte und die - 10 - Feldspieler G. und F. Angriffe des FC Lugano ungehindert zulassen sollten. Am Spieltag habe D. zusammen mit andere n Personen über den englischen Wett- vermittler H. Ltd. mit Sitz in London über das Internet bei der asiatischen Wett- anbieterfirma I. EUR 57'000.-- auf das Verlieren des FC Gossau gewettet. A. sei in diese Wette mit einbezogen worden, und zwar so, dass D. ihn am Ende mit EUR 3'000.-- entlohnen könnte. Der Wetteinsatz habe sich gemäss dem Spiel- verlauf und dem Endresultat von 7:0 zu Gunsten des FC Lugano , bei einem Halbzeitstand von 3:0, als erfolgreich herausgestellt. Infolgedessen habe I. Wett- gewinne von EUR 41'400.20 zu Gunsten der manipulierenden Tätergruppierung ausgezahlt, wovon im Ergebnis EUR 3'000. -- an A. gegangen seien. D. habe sich in der Folge unter Einschaltung seines Bruders J. und dessen Angestellten K. auf einer Autobahnraststätte in Deutschland mit A., F. und G. getroffen und diesen das abgemachte Entgelt von EUR 15'000. -- oder 16'000.-- für die an der Manipulation beteiligten Sp ieler ausgezahlt. Hiervon habe A. von jedem Spieler EUR 1'000.-- erhalten. bb) Am Vormittag des 1. November 2009 habe sich A. zusammen mit D. in St. Margrethen/SG mit F. und G. getroffen, um die Manipulation des Fussbal lspiels FC Gossau - FC Vaduz vom gleichen Tag abzusprechen. Gemäss der Vereinba- rung sollte der FC Gossau das Spiel verlieren, wobei in der zweiten Halbzeit mindestens drei, besser vier, Tore fallen sollten. Die Spieler sollen dabei einen Teil des vereinbarten Entgelts ausgezahlt bekommen haben. Daraufhin habe der in die Manipulation eingeweihte C. für D. und andere Personen über den Wet t- vermittler H. Ltd. per Internet bei den asiatischen Wettanbieter firmen I. und L. sechs Wetten für insgesamt EUR 100'000.55 auf das Verlieren des FC Gossau abgeschlossen. Die Wetten hätten sich gemäss dem Spielverlauf und dem En d- resultat von 4:1 zu Gunsten des FC Vaduz, bei einem Halbzeitstand von 0:1, als erfolgreich herausgestellt. Infolgedessen hätten die Wettanbieter Wettgewinne von EUR 82'195.45 zu Gunsten d er manipulierenden Tätergruppierung ausg e- zahlt. Nach dem Spiel habe D. A. in St. Margrethen ca. Fr. 25'000.-- ausgezahlt, die dieser dann, ohne davon etwas für sich zu behalten, F. und G. weiter gege- ben habe. Einige Tage später habe A. von D. weitere Fr. 4'000.-- erhalten. b) Versuchter gewerbsmässiger Betrug Am 14. August 2009 habe A. nach vorherigen Absprachen mit D., G., F. und B. ca. 2 Stunden vor dem Spiel FC Locarno - FC Gossau im Car auf dem Weg zum Spiel mit G., F. und B. die Manipulation des genannten Spiels vereinbart. Dem- nach sollte der FC Gossau verlieren und dabei ab der 30. Minute 2 -3 Gegentore erhalten. Daraufhin habe der in die Manipulation eingeweihte C. für D. und ande- re Personen über den Wettvermittler H. Ltd. bei den asiatischen Wettanbie terfir- men I., L. und M. zehn Wetten für insgesamt EUR 84'892.-- auf das Verlieren - 11 - des FC Gossau abgeschlossen. B., G. und F. hätten während des Spiels im Sin- ne der obigen Absprache agiert . Jedoch habe das Spiel nicht den gew ünschten Verlauf genommen und unentschieden (2:2) geendet, so dass der beabsichtigte Wetterfolg nicht eingetreten sei. Beim Gelingen der Wette hätten A. und die an der Manipulation des Spiels beteiligten Spieler ein Entgelt von EUR 20'000. -- er- halten, wovon sie einen anteilsmässigen Betrag erhalten hätten. c) Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug aa) Am 24. Mai 2009 habe sich D. in einem Restaurant in Gossau mit A. und F. getroffen und mit ihnen gegen Entgelt die Manipulation des Fussballspiel s FC Gossau - FC Locarno vom glei chen Tag vereinbart. Gemäss der Vereinb a- rung sollte der FC Gossau das Spiel verlieren und dabei in der zweiten Halbzeit mindestens 2 Tore kassieren. Daraufhin habe D. zusammen mit anderen Perso- nen im Rahmen von 3 Kombinationswetten, die durch Wettve rmittler bei der auf Malta registrierten Wettanbieterfirma N. über das Internet abgeschlossen worden seien, EUR 10'000. -- auf das Verlieren des FC Gossau gewettet. A. habe als Torhüter des FC Gossau gemäss der Vereinbarung dafür gesorgt, dass der FC Locarno Tore schiessen konnte. Die Wetten hätten sich gemäss dem Spielver- lauf und dem Endresultat von 4:0 zu Gunsten des FC Locarno , bei einem Halb- zeitstand von 2:0, als erfolgreich herausgestellt. Infolgedessen habe N. Wettge- winne von EUR 19'992.50 zu Gunsten der manipulierende n Tätergruppierung ausgezahlt. In der Folge hätten A. und F. Fr. 20'000.-- erhalten, wovon A. ca. Fr. 12'000.-- für sich behalten und den Rest F. ausgezahlt habe. bb) In der Vorwoche des Spiels FC Servette - FC Gossau vom 30. Mai 2009 ha- be D. mit A., F. und G. gegen Entgelt die Manipulation des genannten Spiels da- hingehend vereinbart, dass der FC Gossau mit einer Differenz von zwei Toren verlieren sollte. Am Spieltag habe D. zusammen mit anderen Personen bei den asiatischen Wettanbieterfirmen I. und L. im Rahmen von acht Wetten insgesamt EUR 59'090.45 und bei einer weiteren asiatischen Wettanbieterfirma namens O. EUR 30'000.-- auf das Verlieren des FC Gossau gewettet. Die Wetten seien da- bei durch Wettvermittler über das Internet abgeschlossen worden. Sie hätten sich gemäss dem Spielverlauf und dem Endresultat von 4:0 zu Gunsten des FC Servette als erfolgreich herausgestellt. Infolgedessen hätten I. und L. EUR 49'285.25 und O. EUR 22'500.-- zu Gunsten der manipulierenden Tätergruppi e- rung ausgezahlt. A. soll die Manipulation des genannten Fussballspiels und der entsprechenden Wetten dadurch gefördert haben, dass er als Vermittler der T ä- tergruppierung dafür bemüht gewesen sei, dass sein Mitspieler F. die Beteiligung an der Manipu lation zugesagt habe, und er selbe r als Torhüter des FC Gossau gemäss der Vereinbarung dafür gesorgt habe, dass der FC Servette mit minde s- tens 2 Toren Unterschied gewinnen konnte. Nach erfolgter Manipulation habe D. - 12 - A. und F. EUR 15'000.--, zukommen lassen, wovon ca. EUR 6'500.-- zu Gunsten von A. ausgefallen seien. 1.4.7 In der Anklageschrift gegen B. wird diesem Folgendes zur Last gelegt: a) Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug Dieser Vorwurf bezieht sich auf das Spiel FC Lugano - FC Gossau vom 26. September 2009, das auch in der Anklage ge gen A. thematisiert wird (s. 1.4.6a/aa). Die Anklage umschreibt den Tatbeitrag von B. dahingehend, dass er als Torwart des FC Gossau dafür besorgt gewesen sei, dass der FC Lugano sieben Tore schiessen konnte, wovon drei in der ersten und vier in der zweite n Halbzeit gefallen seien. Im Übrigen stimmt die Umsc hreibung des Anklagesach- verhalts im Wesentlichen mit derjenigen des der Anklage gegen A. zugrundelie- genden überein. b) Gehilfenschaft zu versuchtem gewerbsmässigem Betrug Dieser Vorwurf bezieht sich auf das Spiel FC Locarno – FC Gossau vom 14. Au- gust 2009, das auch in der Anklage gegen A. thematisiert wird (s. 1.4.6b). Die Anklage umschreibt den Tatbeitrag von B. dahingehend, dass er als Torwart des FC Gossau dafür besorgt gewesen sei, dass der FC Lo carno vereinbarungsge- mäss ab der 30. Spielminute 2 Tore schiessen konnte. Weiter ist der vorliegen- den Anklageschrift zu entnehmen, dass es sich bei den im Zusammenhang mit diesem Spiel abgeschlossenen Wetten bei den asiatischen Wettanbieterfirmen I., L. und M. um Internetwetten gehandelt habe. Im Übrigen stimmt die Umschre i- bung des Anklagesachverhalts im Wesentlichen mit derjenigen des der Anklage gegen A. zugrundeliegenden überein. 1.4.8 Die Anklageschriften lassen offen, ob und gegebenenfalls wer durch die inkrim i- nierten Handlungen getäuscht resp. i rregeführt wurde. Sie bezeichnen zwar die betroffenen Wettanbieter als – jeweils infolge Annahme eines nicht manipulierten Fussballspiels – irregeführt. Dies genügt jedoch den Anforderungen des Ankl a- gegrundsatzes im Hinbli ck auf Art. 146 StGB nicht. Denn irren kann nur ein Mensch (vgl. hierzu E. 2.1), nicht eine Firma. Die Anklageschrift en enthalten kei- nerlei Hinweise darauf, dass in casu ein Mensch getäuscht resp. irregeführt wu r- de. Aus den Anklageschriften geht hervor, dass es sich bei sämtlichen fraglichen Wetten um Internetwetten gehandelt haben soll und dass die Wettenden ( D., C. und andere, nicht bekannte Personen) diese über die Einschaltung der Wettve r- mittler bei den erwähnten Wettanbietern platziert haben sollen. Als Wettvermittler der anlässlich der Spiele FC Locarno – FC Gossau vom 14. August 2009, FC Lugano - FC Gossau vom 26. September 2009 und FC Gossau - FC Vaduz - 13 - vom 1. November 2009 platzierten Wetten wird in den Anklageschriften die H. Ltd. genannt. Bei der H. Ltd. habe es laut Anklagen Mitarbeiter gegeben, die teilweise in die Möglichkeit der Spielmanipulationen eingeweiht gewesen seien. In welcher Art und welchem Ausmass dies der Fall gewesen sein soll, kann den Anklageschriften nicht entnomme n werden. Es fe hlen zudem Angaben darüber, auf welche Art (direkt, per Telefon, SMS, Internet, etc.) die Wettenden mit der H. Ltd. kommuniziert haben. Mit Bezug auf die im Zusammenhang mit dem Spiel FC Gossau - FC Locarno vom 24. Mai 2009 abgeschlossenen Wet ten kann den Anklageschriften entnommen werden, dass D. seine Wetteinsätze telefonisch oder per SMS einem Mittelsmann über mittelte, welcher ein Konto bei der betrof- fenen Wettanbieterfirma N. besass, und dass die Wettbestätigung ebenfalls per SMS erfolgte. Ob es sich be i diesem Mittelsmann um einen eingeweihten Tatb e- teiligten oder einen Getäuschten handelte, bleibt indes unklar. In Bezug auf die im Zusammenhang mit dem Spiel FC Servette - FC Gossau vom 30. Mai 2009 abgeschlossenen Wetten enthalten die Anklageschriften wi ederum keine Ang a- ben darüber, wer diese Wetten an die Wettanbieter weitervermittelt hat und wie die Wettenden mit dem resp. den Wettvermittler(n) in concreto kommuniziert ha- ben. Schliesslich finden sich in den Anklageschriften auch keine Hinweise da r- über, wie bei den betroffenen Wettanbietern Wetten konkret abgewickelt wurden: Waren dabei Menschen involviert oder lief der ganze Prozess zwischen der En t- gegennahme der Wette und der Auszahlrung des Wettgewinns rein maschinell ab? 1.4.9 Die Anklageschriften lassen nach dem Gesagten wesentliche Angaben zu den angeklagten Taten, namentlich in Bezug auf die Tatbestandselemente der Tä u- schung und des Irrtums gemäss Art. 146 StGB, vermissen, weshalb das Verfa h- ren aufgrund des unter E. 1.4.1 Ausgeführten eingestellt werden m üsste. Bei dieser Sachlage kann auch die Frage offen bleiben, ob die Anklageschriften un- ter weiteren – auch durch die Verteidiger aufgeworfenen (vgl. SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.925.21 ff.; …46 ff.) – Gesichtspunkten den gesetzlichen Anforderungen genügen. Wie nachfolgend gezeigt wird, würde eine materielle Beurteilung selbst dann zu einem kompletten Freispruch führen, wenn alle in den Anklageschriften fehlenden Elemente – mit welchem Inhalt auch immer – vorhanden wären. Bei dieser Sachlage rechtfertigt sich im Interesse der höheren Rechtssicherheit eine materielle Beurteilung der angeklagten Sachverhalte. 2. Materielles 2.1 Der Tatbestand des Betruges nach Art. 146 StGB setzt nebst anderem voraus , dass der Täter eine Täuschungshandlung ("Vorspiegelung oder Unterdr ückung von Tatsachen") vorgenommen hat und dadurch beim Opfer einen Irrtum hervor-- 14 - gerufen oder es in einem Irrtum bestärkt hat. Täuschung ist jedes Verhalten, das darauf gerichtet ist, bei einem anderen eine von der Wirklichkeit abweichende Vorstellung hervorzurufen (BGE 135 IV 76 E. 5.1 m.w.H.). Die Täuschung muss beim Opfer einen Irrtum bewirken, eine Vorstellung, die von der Wirklichkeit a b- weicht (TRECHSEL/CRAMERI, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskomme n- tar, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 146 StGB N. 14; STRATEN- WERTH/JENNY/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Aufl., Bern 2010, § 15 N. 30). Der Getäuschte muss zumindest im Sinne eines "Mitb e- wusstseins" davon ausgehen, dass die vom Täter vorgegebene Tatsache richtig sei (BGE 118 IV 3 5 E. 2c m.w.H.). Das Gesetz verlangt, dass "jemand", also ein Mensch, irregeführt wird. Die Einwirkung auf eine Datenverarbeitung, bei der keine natürliche Person involviert ist, erfüllt mangels Täuschung nicht den Be- trugstatbestand von Art. 146 StGB (BGE 129 IV 315 E. 2; TRECHSEL/CRAMERI, a.a.O., Art. 146 StGB N. 14; STRATENWERTH/WOHLERS, Schweizerisches Stra f- gesetzbuch, Handkommentar, 2. Aufl., Bern 2009, Art. 146 StGB N. 7; DO- NATSCH, Strafrecht III, 9. Aufl., Zürich etc. 2008, 208 ). Dies gilt insbesondere für Manipulationen von Wetten, die über das Internet automatisch, d.h. ohne Mitwi r- kung einer natürlichen Person, abgewickelt werden (vgl. Korruptionsbekämpfung und Wettkampfmanipulation im Sport, Bericht des Bundesrates vom 7. Nove m- ber 2012 in Erfüllung des Postulats 11.3754 der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Ständerates vom 28. Juni 2011, 62, abrufbar unter http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/28529.pdf; fe r- ner LÄSER, Betrug durch Manipulation von le galen Fussballwetten, AJP 2012, 1258, Fn. 39). 2.2 Aufgrund der angeklagten Sachverhalte (E. 1.4.6-1.4.7), die sich insoweit mit der Aktenlage decken (vgl. z.B. Verzeichnis der Wettanbiet er auf der den Anklage- schriften beigelegten CD-ROM "EK Flankengott" [SK.2012.21, cl. 76 Rubrik 1 in fine]), ist davon auszugehen, dass die vorliegend zur Diskussion stehenden Wet- ten übers Internet abgeschlossen wurden. 2.3 In Bezug auf die im Hinblick auf die angeklagten Taten erforderlichen Sachver- haltskomponenten Täuschung und Irrtum führte die Bundesanwaltschaft anläss- lich der Hauptverhandlungen im vorliegenden sowie im parallel geführten Verfah- ren SK.2011.33 in der Strafsache gegen P. (SK.2011.33, cl. 75 pag. 75.925.5) im Rahmen ihrer Parteivorträge folgende Faktoren auf, welche belegen sollen, dass auf Seiten der betroffenen Wettanbieter "menschliche Hand" bei der A bwicklung von Wetten im Spiel war: 2.3.1 Gemäss den im bei den Akten liegenden Urteil des Landgeric hts Bochum vom 14. April 2011 in der Strafsache gegen Q. und Konsorten, denen unter anderem vorgeworfen wurde, an den von D. organisierten Wettmanipulationen mitgewirkt - 15 - zu haben, wiedergegebenen Aussagen eines Sachverständigen sollen alle Onl i- ne-Wettanbieter über Abteilungen bzw. Mitarbeiter zur Manipulat ionserkennung und -abwehr verfügen. Bei Internetplatzierungen sollen auffällige Wetten, n a- mentlich solche auf unterklassige Begegnungen mit hohen Einsätzen, vor Best ä- tigung überprüft werden. Jedenfalls bei einzelnen oder kumulierten Wetteinsä t- zen ab EUR 5'000. -- sei von einer persönlich en Gegenprüfung auszugehen (cl. 74 pag. B18.2.55.117). 2.3.2 Aus den bei den Akten liegenden Protokollen der überwachten Telefongespr ä- che zwischen C. und den Mitarbeitern der H. Ltd. (cl. 51 pag. B18.2.32A.47 f.; …71 f.; …80 f.), insbesondere aus den darin vermerkten Gesprächsunterbr e- chungen und Hintergrundgeräuschen, ergebe sich, dass die Mitarbeiter der H. Ltd. gerade bei der Platzierung von Live -Wetten mit den asiatischen Wetta n- bietern via Skype einen Kontakt hätten. 2.3.3 Aus der Telefonüberwachung gehe sodann hervor, dass offenbar bestimmte Wetten von C. nicht akzeptiert worden seien, was auf eine Prüfung durch eine natürliche Person rückschliessen lasse (cl. 48 pag. B18.2.30.415). 2.3.4 Gemäss den – in der Hauptverhandlung im Parallelverfahren SK.2011.33 münd- lich vorgetragenen – Ausführungen der Bundesanwaltschaft sei spätestens bei der Wettgewinnauszahlung davon auszugehen, dass eine menschliche Gege n- prüfung stattgefunden habe. 2.4 2.4.1 In Bezug auf die in E. 2.3.1 erwähnten Aussagen des Sachverständigen im deut- schen Verfahren ist Folgendes festzuhalten: a) Aus einem anderen Verfahren beigezogene Akten gelten als "sachliche B e- weismittel" im Sinne von Art. 194 StPO. Dies gilt auch für ein Gutachten i n jenen Akten. Dies ist bei der Beweiswürdigung zu beachten. Der Sachverständige wu r- de nicht nach den Regeln von Art. 182 ff. StPO in das vorliegende Verfahren eingebunden. b) Dem Urteil des Landgerichts Bochum ist zu entnehmen, dass der Sachve r- ständige ei n gelernter Programmierer sei, der einen der ersten Online - Wettdienste R. gegründet und lange geleitet habe. Er habe die Wettsoftware entwickelt, sich als Geschäftsführer mit sämtlichen Aspekten des Buchmache r- gewerbes befasst und die Geschäftsorganisation sowie die Geschäftsabläufe der Konkurrenz durch zahlreiche persönliche Kontakte kennen gelernt. Nach der Veräusserung des Wettdienstes habe er sein Geschäftsfeld auf die Quotend o- kumentation sowie -analyse und die Manipulationsprävention verlagert. Hierzu - 16 - habe sein gegenwärtiges Unternehmen S. eine eigene Marktbeobachtungssof t- ware entwickelt. S. beliefere den Grossteil der international tätigen Sportwetta n- bieter in der Art eines Börseninformationsdienstes mit Quotenspiegeln und stehe mit zahlreichen national en und internationalen Fussballverbänden in laufender Geschäftsbeziehung, um ihnen manipulationsverdächtige Quotenentwic klungen anzuzeigen (cl. 74 pag. B18.2.55.117). c) Weder aus den Aussagen des Sachverständigen noch aus den Ausführungen im obgenannten U rteil geht hervor, dass der Sachverständige konkrete Kenn t- nisse über die Organisation und die Geschäftsabläufe der durch die angeklagten Taten betroffenen individuellen Wettanbieter hatte. Ohne solche spezifischen Kenntnisse lassen sich aus seinen allgemei nen Ausführungen über die Ersche i- nungsformen und Gepflogenheiten des Wettgewerbes keine tragfähigen Schlussfolgerungen in Bezug auf die vorliegend zur Diskussion stehenden We t- ten ziehen. Selbst wenn man im Sinne der Aussagen des Sachverständigen d a- von ausg ehen würde, dass alle Online -Wettanbieter über Mitarbeiter verfügen, die das Wettgeschehen im Hinblick auf mögliche Wettmanipulationen generell überwachen, könnte daraus nicht gefolgert werden, dass die Wetten in den vor- liegenden Fällen konkret durch Mensc hen geprüft wurden. Die Aussage des Sachverständigen, bei Wetteinsätzen ab EUR 5'000.-- sei von einer persönlichen Gegenprüfung auszugehen, kann mangels gesicherter Kenntnisse der G e- schäftsabläufe bei den in casu betroffenen Wettanbieter n, nicht als genüge nde Beweisgrundlage für eine solche Annahme dienen. 2.4.2 a) Den in E. 2.3.2 erwähnten Protokollen de r Telefongespräche, die vom 26. resp. 27. Juni 2009 datieren, kann entnommen werden, wie sich C. bei sei- nem Gesprächspartner, dem Inhaber eines englischen Telefo nanschlusses, im Hinblick auf mögliche Wettplatzierungen bei L. und – in einem Gespräch – einer weiteren Wettanbieterfirma namens T. über die angebotenen Wettquoten info r- miert und entsprechende Anweisungen hinsichtlich Wettplatzierungen gibt. Den Protokollen ist weiter zu entnehmen, dass bei diesen Gesprächen mehrmals Pausen von ca. 2 Minuten eingelegt werden, während denen sich der G e- sprächspartner von C. offenbar über die Wettquoten informiert bzw. Wetten pla t- ziert. Während einer Redepause ist im Hintergr und der Skype Messanger sowie eine Person zu hören, welche Mandarin spricht (cl. 51 pag. B18.2.32A.48). b) Bei der Würdigung dieser Gespräche ist zunächst anzumerken, dass sie nicht die vorliegend zur Beurteilung stehenden konkreten Fälle betreffen, so dass aus ihnen bereits aus diesem Grund keine beweiskräftigen Erkenntnisse in Bezug auf die verfahrensgegenständlichen Wetten abgeleitet werden können. Aus den in den Protokollen vermerkten Redepausen und Hintergrundgeräuschen kann zudem auch nicht gefolgert werden, dass die Wettvermittler von der H. Ltd. bei - 17 - der Platzierung der Wetten, auf die sich diese Gespräche beziehen, in Kontakt mit einer natürlichen Person bei den Wettanbietern standen. Darüber, wer mit wem über was bei dem im Hintergrund zu hörenden G espräch via Skype ko m- muniziert hat, kann nur spekuliert werden. Entgegen den Ausführungen der Bu n- desanwaltschaft im Plädoyer kann auch nicht gesagt werden, dass eine Pause von etwa 2 Minuten zu kurz sei, um eine Wette elektronisch platzieren zu kö n- nen. Sch liesslich lässt auch der Inhalt der besagten Telefongespräche keine Rückschlüsse über die Art der Kommunikation zwischen der H. Ltd. und den Wettanbietern zu. 2.4.3 Dass bestimmte Wetten von Wettanbietern nicht akzeptiert worden sein so llen, taugt nicht als Bewe is dafür, dass die betreffenden Wetten durch Menschen g e- prüft wurden. Es ist durchaus denkbar, dass Wetten nach irgendwelchen Krit e- rien, beispielsweise ab einem bestimmten Betrag, automatisch nicht zugelassen werden. Es kommt hinzu, dass das in E. 2.3.3 erwähnte Gesprächsprotokoll, auf das sich die Bundesanwaltschaft stützt, keine Hinweise enthält, bei welchen Wettanbietern Wetten von C. nicht akzeptiert worden sein sollen. 2.4.4 Die Behauptung der Bundesanwaltschaft, spätestens bei der Wettgewinnauszah- lung sei davon auszugehen, dass eine menschliche Gegenprüfung stattgefunden habe, ist durch nichts belegt, insbesondere nicht für die Wetten in den vorliegen- den Fällen. 2.4.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund der Aktenlage nicht davon ausgegangen werden kann, dass bei der Entgegennahme oder anschliessenden Bearbeitung der in den Anklageschriften thematisierten Wetten natürliche Perso- nen bei den Wettanbietern involviert waren. Zu Gunsten der Beschuldigten ist daher anzunehmen, dass bei den fraglichen Wetten ke in Mensch durch Tä u- schung in einen Irrtum versetzt worden ist. Der Vollständigkeit halber ist anz u- merken, dass selbst wenn erstellt wäre, dass die besagten Wetten von Me n- schenhand bearbeitet wurden, sich eine Täuschung im Sinne von Art. 146 StGB mangels auch nur geringster Kenntnisse über die Organisation und Geschäftsab- läufe bei den angeblich geschädigten Internetwettanbietern und über die für di e- se handelnden Personen nicht rechtgenüglich beweisen liesse, ist doch nicht auszuschliessen, dass vorliegend au ch bei den Wettanbietern Personen tätig waren, die in Manipulationen eingeweiht waren, wie dies offenbar bei dem in der Anklageschrift erwähnten Wettvermittler der Fall war. 2.5 Die vorhandene Beweislage reicht nach dem Gesagten nicht aus, um die vorlie- genden Anklagesachverhalte unter den Tatbestand des Betrugs (Art. 146 StGB) zu subsumieren. Die in den Anklageschriften umschriebenen Taten lassen sich auch nicht unter einen anderen Straftatbestand, insbesondere nicht unter den a l-- 18 - lenfalls in Frage kommenden Tatb estand des betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Art. 147 StGB, subsumieren. Die Beschuldig- ten A. und B. sind daher freizusprechen. 3. Zivilklage 3.1 Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage unter anderem, wenn es d ie beschuldigte Person freispricht und der Sachverhalt spruchreif ist (Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO). Es verweist die Klage insbesondere dann auf den Zivilweg, wenn die Privatklägerschaft ihre Klage nicht hinreichend begründet oder beziffert hat (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO) oder wenn die beschuldigte Person freigesprochen wird, der Sachverhalt aber nicht spruchreif ist (lit. d). 3.2 Der FC Gossau macht gegen A. eine Zivilforderung über Fr. 277'700. --, beste- hend aus nachstehend aufgeführten Positionen, geltend (cl. 8 pag. 15.3.31 ff.): a) Fr. 36'000.-- Einbussen aufgrund des Nichterhaltens des Labels "sport - vereint" in den Jahren 2009, 2010 und 2011 ( Fr. 12'000.-- pro Jahr), b) Fr. 1'000.-- Kosten des Verfahrens vor der Kontroll - und Strafkommission des Schweizerischen Fussballverbandes (nachfolgend: SFV), c) Fr. 700.-- Kosten des Urteils des Verbandssportsgerichts (SFV), d) Fr. 24'000.-- Fehlende Spieleinnahmen, Saison 2009/2010, e) Fr. 177'000.-- Einbussen Supporter/Gönner, Saison 2009/2010, f) Fr. 35'000.-- Einbussen neutraler Ertrag (Clubbeiz), Saison 2009/2010, g) Fr. 3'000.-- Aufwendungen für Vertragsbesprechungen mit Spielern und de- ren Anwälten, h) Fr. 1'000.-- Aufwendungen für Akteneinsicht/Vorladungen ( Bundesanwalt- schaft). 3.3 Der Verteidiger von A. beantragt die Verweisung der Zivilklage auf den Zivilweg. Gemäss seinen Ausführungen könnten einzig die Positionen b) und c), ausm a- chend F r. 1'700. --, anerkannt werden. Diesen stelle sein Mandant verrec h- nungsweise eigene Forderungen aus dem Arbeitsvertrag in Höhe vo n Fr. 5'481.20 entgegen. Dies führe zum Untergang der betreffenden Forderung - 19 - des Privatklägers und zu einer Restforderung seines Mandanten gegenüber dem Privatkläger in Höhe von Fr. 3'781.20. Die übrigen durch den Privatkläger gel- tend gemachten Positionen seien Fantasieforderungen (SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.925.37 ff.). 3.4 Soweit die Zivilforderung des FC Gossau die Positionen b) und c) zum Gegen - stand hat, kann über deren Bestand aufgrund der von den Parteien im bisherigen Verfahren eingereichten Beweismittel (Rechnungen vom 15. Juni und 21. Okt o- ber 2010 über Fr. 1'000.-- resp. Fr. 700.--, eingereicht vom FC Gossau [cl. 8 pag. 15.3.39 f. ], Vereinbarung zwischen A. und FC Gossau vom 23. Mai 2008, Schlussabrechnung FC Gossau/ A. vom 27. Mai 2009 sowie Schreiben von Rechtsanwalt Daniel Senn an den FC Gossau vom 23. Juni 2010 und 9. Nove m- ber 2010, eingereicht von Rechtsanwalt Daniel Senn [cl. 9 pag. 15.3.39 f. ]) nicht entschieden werden. Nachdem A. freigesprochen wird, hat das Gericht über die Zivilklage keine Bew eiserhebungen mehr zu machen (Botschaft vom 21. D e- zember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1174; DOLGE, Basler Kommentar, a.a.O., Art. 126 N. 126 StPO). Der Sachverhalt ist in- soweit nicht spruchreif, weshalb die Zivilforderung im entsprechenden Umfang (Fr. 1'700.--) gestützt auf Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO auf den Zivilweg zu verwe i- sen ist. In Bezug auf die übrigen Positionen ist Folgendes festzuhalten: Die Positionen a) und g) basieren auf blossen Parteibehauptungen, die Positionen d), e) und f) auf dem Vergleich zwischen Budget und Rechnung 2009/2010 des FC Gossau (cl. 8 pag. 15.3.41), also auch nicht auf "harten Faktoren". Nicht nachvollziehbar sind auch die geltend gemachten Aufwe ndungen von Fr. 1'000. -- für das vorliegende Verfahren (Position h]). Zudem ist der Kausalzusammenhang zwischen den gel- tend gemachten Beträgen und dem Handeln von A. nicht dargelegt. So sind zahlreiche andere Gründe als der "Wettskandal" für einen Rückgang bei Spiel - und sonstigen geltend gemachten Einna hmen des FC Gossau möglich. Ein Z u- sammenhang mit der vorliegenden Sache müsste vom Zivilkläger aufgezeigt werden. Es wurden aber nicht einmal konkrete Indizien dargetan und sie erg e- ben sich auch nicht selbstredend aus den Akten. Bei dieser Sachlage ist die Zi- vilklage in dem Umfang, in dem sie sich auf die genannten Positionen bezieht, als nicht hinreichend begründet auf den Zivilweg zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). Die Zivilforderung von FC Gossau gegen A. ist nach dem Vorstehenden vollu m- fänglich auf den Zivilweg zu verwiesen. - 20 - 4. Kosten 4.1 4.1.1 Die Verfahrenskosten setzen sich zusammen aus den Gebühren zur Deckung des Aufwands und den Auslagen im konkreten Straffall (Art. 422 Abs. 1 StPO). Die Gebühren sind für die Verfahrenshandlungen geschuldet, die im Vorverfah- ren von der Bundeskriminalpolizei und von der Bundesanwaltschaft sowie im erstinstanzlichen Hauptverfahren von der Strafkammer des Bundesstrafgerichts durchgeführt oder angeordnet worden sind. Die Auslagen umfassen die vom Bund vorausbezahlten Bet räge, namentlich die Kosten für die amtliche Verteid i- gung, Übersetzungen, Gutachten, Mitwirkung anderer Behörden, Porti, Tel e- fonspesen und andere entsprechende Kosten (Art. 1 des seit dem 1. Januar 2011 in Kraft stehenden Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). Die Höhe der Gebühr richtet sich nach Bedeutung und Schwierigkeit der Sache, der Vorgehensweise der Parteien, ihrer finanziellen Situation und dem Kanzleiaufwand (Art. 5 BStKR). Die Gebühren für das Vorver- fahren und das erstinstanzliche Hauptverfahren bemessen sich nach Art. 6 und Art. 7 BStKR. Das neue Reglement findet auch auf Verfahren Anwendung, die im Zeitpunkt seines Inkrafttretens hängig sind (Art. 22 Abs. 3 BStKR). 4.1.2 Das Vorverfahren wurde gegen elf Personen, darunter die hier beschuldigten, geführt (cl. 1 Rubriken 1 und 2). Die Bundesanwaltschaft macht hierfür Gebühren von Fr. 26'500. -- sowie Auslagen von Fr. 25'992.85 , mithin insgesamt Fr. 52'492.85 geltend ( SK.2011.32, cl. 75 pag. 75.100.11; SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.100.8 ). Hiervon beantragt sie 1/3 bzw. Fr. 17'400. -- A. und 1/24 bzw. Fr. 2'187.-- B. aufzuerlegen (SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.710.4). 4.1.3 Die geltend gemachten Gebühren liegen innerhalb des gesetzlichen Gebühre n- rahmens von Art. 6 Abs. 3 lit. b, Abs. 4 lit. c und Abs. 5 BStKR und erscheinen aufgrund des getätigten Aufwand es angemessen. Die beantragte anteilmässige Kostenzuteilung ist ebenfalls angemessen. Die geltend gemachten Auslagen umfassen u.a. Haft- und Transportkosten in Höhe von Fr. 18'570.05, die seit dem 1. Januar 2011 nicht mehr zu den Verfa h- renskosten zählen (Art. 422 StPO; GRIESSER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber , a.a.O, Art. 422 N 18 f.; vgl. auch Art. 9 Abs. 2 BSt KR) und zudem vorliegend grösstenteils andere Beschuldigte betreffen, sowie Dienstreisespesen von Fr. 2'348.80 (SK.2011.32, cl. 75 pag. 75.710.5 f.), die durch die Gebühr abgegol- ten sind (Entscheid des Bundesstrafgerichts SK.2006.26 vom 11. Dezember 2008, E. VI.2.2). Nach Abzug dieser Posten verbleiben die erstattungsfähigen Auslagen – im Wesentlichen Kosten der Überwachungsmassnahmen – in Höhe - 21 - von Fr. 5'074.--, die gemäss dem obigen Verteilungsschlüssel zu 1/3 A. und zu 1/24 B. zuzuordnen sind. Demnach sind die Kosten des Vorverfahrens bei A. auf Fr. 10'525. -- und bei B. auf Fr. 1'315.-- festzulegen. 4.1.4 Die Gebühr für das erstinstanzliche Hauptverfahren vor der Strafkammer ist g e- stützt auf Art. 5 i.V.m. Art. 7 lit. b BStKR auf Fr. 2'000. --, einschliesslich der pau- schal bemessenen Auslagen (Art. 424 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 1 Abs. 4 BStKR), festzusetzen. Hiervon sind Fr. 1'200.-- A. und Fr. 800.-- B. zuzurechnen. 4.1.5 Nach dem Gesagten betragen die Verfahrenskosten (ohne Kosten der amtlichen Verteidigung; vgl. dazu E. 6) bei A. total Fr. 11'725.-- und bei B. total Fr. 2'115.--. 4.2 4.2.1 Wird das Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person freigespr ochen, so können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Ein leitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung handelt es sich bei der Koste npflicht des freigesprochenen oder aus dem Verfahren entlassenen B eschuldigten nicht um eine Haftung für ein strafrechtliches Verschulden, sondern um eine an zivi l- rechtliche Grundsätze angenäherte Haftung für ein fehlerhaftes Verhalten. Der aus dem Strafverfahren entlassenen Person können die Verfahrenskosten aufer- legt werden, wenn sie in zivilrec htlich vorwerfbarer Weise gegen eine geschri e- bene oder ungeschriebene Verhaltensnorm, die aus der gesamten schweizer i- schen Rechtsordnung stammen kann, klar verstossen und dadurch das Strafve r- fahren veranlasst oder dessen Durchführung erschwert hat. Dabei d arf sich die Kostenauflage in tatsächlicher Hinsicht nur auf unbestrittene oder bereits klar nachgewiesene Umstände stützen (Urteile des Bundesgerichts 1B_180/2012 vom 24. Mai 2012, E. 2.2; 1B_39 und 43/2012 vom 10. Mai 2012, E. 3.3 und 1B_21/2012 vom 27. März 2012, E. 2.1, je m.w.H.). 4.2.2 Das Gericht hat in E. 2 hievor ohne Beweiswürdigung in Bezug auf die den B e- schuldigten vorgeworfenen Handlungen festgestellt, dass die rechtlichen Vo r- aussetzungen für eine Verurteilung nach dem angeklagten oder auch nach ande- ren möglichen Straftatbeständen fehlen. An dieser Stelle ist daher die Festste l- lung des Sachverhalts nachzuholen, soweit dies zur Prüfung der Kostenpflicht der Beschuldigten notwendig ist. - 22 - 4.2.3 A. ist geständig, im Hinblick auf die Spiele FC Gossau - FC Locarno vom 24. Mai 2009, FC Servette - FC Gossau vom 30. Mai 2009, FC Locarno - FC Gossau vom 14. August 2009, FC Lugano - FC Gossau vom 26. September 2009 und FC Gossau - FC Vaduz vom 1. November 2009 Spieler des FC Gossau durch Zahlungsversprechen bzw. Zahlung en auf ein bestimmtes Spielverhalten ve r- pflichtet zu haben bzw. an solchen Manipulationen beteiligt gewesen zu sein (cl. 6 pag. 13.2.2 ff.; …8 f.; …17 ff.; …31 ff.; …47; …70 ff.; …95 ff.; cl. 7 pag. 13.7.13 f.; SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.930.3). Seine dies bezüglichen Aussagen decken sich mit den übrigen Ermittlungsergebnissen, insbesondere mit den Aussagen von D. (cl. 13 pag. 18.2.109 ff.; …129; …132 ff.; …172 f.; …255 ff.; …267 ). Es steht ausser Zweifel , dass A. die von ihm zugegebenen Handlungen begangen hat. Damit hat er u.a. gegen das Fremdprämienverbot, mithin das Verbot des Versprechens, Anbietens, Leistens, Forderns oder Entgegennehmens von Z u- wendungen irgendwelcher Art zum Zwecke der Beeinflussung oder Verfälschung des Ausgangs von Spielen , gemäss Art. 16 des Wettspielreglements des SFV verstossen, zu dessen Einhaltung er vertraglich gegenüber seinem damaligen Arbeitgeber FC Gossau verpfli chtet war (cl. 8 pag. 15.3.20 ). Mit der Einwirkung auf Fussballspiele durch unlautere Machenschaften hat A. auf de r einen Seite die betroffenen Fussballclubs, aber auch die zahlenden Zuschauer, und auf der anderen Seite die Wettanbieter und die unwissenden Mitwettenden um regelkon- forme Spiele bzw. Wetten geprellt. Mit dem dargelegten Verhalten hat er eine konkrete Verdachtslage im Hinblick auf eine mö gliche Straftat (Betrug) geschaf- fen und damit die Einleitung des Strafverfahrens veranlasst. Bei dieser Sachlage sind die Verfahrenskosten von Fr. 11'725.-- gemäss Art. 426 Abs. 2 StPO A. auf- erlegbar. 4.2.4 Zu den Anklagepunkten betreffend B. bleibt die Beweislage zweifelhaft. Er selbst hat die Vorwürfe bei sämtlichen Einvernahmen im Vorverfahren und in der Hauptverhandlung bestritten (cl. 7 pag. 13.7.2 f.; …8 ff.; …12 ff.; SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.930.8 f. ). Aus den einschlägigen Aussagen von A. (cl. 6 pag. 13.2. 3; …9; …18 f.;…32 ff.; …54; …70 f.; …74 f.; …98 f.; …105; cl. 7 pag. 13.7.12 ff.) , D. (cl. 13 pag. 18.2 .112 ff.; ...133 f.; ...253 ff.; ...267 f.) , G. (cl. 7 pag. 13.8.9 ff., insb. …31 ff.) und F. (cl. 6 pag. 13.3.2 ff.) und den Telefonüberwachungen (cl. 52 pag. 18.2.33.364 ff.; cl. 54 pag. 18.2.35.1 ff.) kann eine beweiskräftige Belastung von B. nicht abgeleitet werden. Dementsprechend sind die ihn betreffenden Ver- fahrenskosten von Fr. 2'115. -- gemäss Art. 423 StPO auf die Staatskasse zu nehmen. 4.3 4.3.1 Forderungen aus Verfahrenskosten können von der Strafbehörde gestundet oder unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse der kostenpflichtigen Person herabgesetzt oder erlassen werden (Art. 425 StPO). Diese Bestimmun g - 23 - ist auch bei der Festsetzung bzw. Auferlegung der Verfahrenskosten anwendbar (GRIESSER, a.a.O., Art. 425 StPO N. 2; SCHMID, Schweizerische Strafprozes s- ordnung, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2009, Art. 425 N. 3 f.). 4.3.2 In Bezug auf die wirtschaftliche Situation von A. fällt Folgendes in B etracht: Der heute 35-jährige A. ist (seit 2002) verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von 4.5 und 1.5 Jahren, für die er unterhaltspflichtig ist. Er ist gelernter Heizung s- monteur, hat jedoch in diesem Beruf nach Abs chluss der Lehre nicht mehr gea r- beitet. Aktuell ist er seit Mai 2012 , nachdem er Ende Januar 2010 wohl infolge seiner in den Medien ausführlich thematisierten Beteiligung an Wettmanipulati o- nen seine Anstellung bei einer Versicherungsgesellschaft verlor und anschlies- send während über 2 Jahren arbeitslos war, im Rahmen eines Agenturvertrags in der Versicherungsbra nche t ätig und erzielt dabei ein monatliches Nettoein- kommen von Fr. 4'000.--. Seine Frau arbeitet in Teilzeit und verdient damit pro Monat zwischen Fr. 1'200.-- und Fr. 1'400. -- netto. A. verfügt über kein Verm ö- gen und h at Schulden in Höhe von ca. Fr. 100'000.-- (cl. 6 pag. 13.2.45 f.; SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.930.1 f.) . In Berücksichtigung dieser Umstände sieht das Gericht in Ausübung des ihm durch Art. 425 StPO eingeräumten weiten E r- messens (DOMEISEN, Basler Kommentar, a.a.O., Art. 425 StPO N. 5) davon ab, A. die ihn betreffenden Verfahrenskosten im Sinne von Art. 426 Abs. 2 StPO aufzuerlegen. 4.4 Der Privatklägerschaft können Verfahrenskosten, die dur ch ihre Anträge zum Zivilpunkt verursacht sind, unter anderem dann auferlegt werden, wenn die Zivi l- klage auf den Zivilweg verwiesen wird (Art. 427 Abs. 1 lit. c StPO). Dem Gericht steht diesbezüglich ein Ermessen zu (GRIESSER, a.a.O., Art. 427 StPO N. 5) . In casu waren die durch die Anträge zum Zivilpunkt entstandenen Verfahrensko s- ten marginal. Von einer Kostenauflage an den FC Gossau wird daher Umgang genommen. 4.5 Nach dem Gesagten verbleiben die Kosten des vorliegenden Verfahrens vollum- fänglich bei der Eidgenossenschaft. 5. Entschädigung der beschuldigten Personen 5.1 Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie nach Art. 429 Abs. 1 lit. a–c StPO An- spruch auf Schadensersatz und Genugtuung. Die zu erstattenden Aufwendu n- gen im Sinne von lit. a bestehen hauptsächlich aus den Kosten der frei gewäh l- ten Verteidigung, wenn der Beistand angesichts der tatsächlichen oder rechtl i- chen Komplexität notwendig war und wenn der Arbeitsaufwand und somit das - 24 - Honorar des Anwalts gerechtfertigt sind. Nach lit. b muss die beschuldigte Pe r- son für die wirtschaftlichen Nachteile, die sich aus dem Verfahren ergeben, en t- schädigt werden. Es geht vor allem um Lohn - oder Erwerbseinbussen, die w e- gen Verhaftung oder der B eteiligung an den Verfahrenshandlungen erlitten wu r- den sowie um Reisekosten. Hat die beschuldigte Person wegen des Verfahrens eine besonders schwere Verletzung ihrer persönlichen Verhältnisse erlitten, hat sie Anspruch auf Genugtuung (lit. c). Diese wird regelmässig gewährt, wenn sich die beschuldigte Person in Untersuchungs - oder Sicherheitshaft befand (Bot- schaft, a.a.O., 1329). Das Gericht prüft den Anspruch von Amtes wegen und kann die beschuldigte Person auffordern, ihre Ansprüche zu beziffern und zu b e- legen (Art. 429 Abs. 2 StPO). Die Entschädigung oder Genugtuung kann insbesondere dann herabgesetzt oder verweigert werden, wenn die beschuldigte Person rechtswidrig oder schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung e r- schwert hat (Art. 430 Abs. 1 lit a StPO). 5.2 Wie bereits dargelegt (E. 4.2.3), hat A. die Einleitung des Verfahrens rechtswi d- rig und schuldhaft bewirkt. Er hat daher keinen Anspruch auf Entschädigung. 5.3 B. ist aus den in E. 4.2.4 angestellten Überlegungen durch die Eidg enossen- schaft angemessen zu entschädigen. 5.4 Gemäss Art. 10 BStKR sind auf die Berechnung der Entschädigung der freig e- sprochenen Person die Bestimmungen über die amtliche Verteidigung anwen d- bar. Die Anwaltskosten umfassen das Honorar und die notwendigen Ausla gen, namentlich für Reise, Verpflegung und Unterkunft sowie Porti und Telefonspesen (Art. 11 Abs. 1 BStKR). Das Honorar wird nach dem notwendigen und ausgewie- senen Zeitaufwand des Anwalts für die Verteidigung bemessen, wobei der Stu n- denansatz mindestens 20 0 und höchstens 300 Franken beträgt (Art. 12 Abs. 1 BStKR). Die Auslagen werden im Rahmen der Höchstansätze aufgrund der ta t- sächlichen Kosten vergütet (Art. 13 BStKR). Bei Fällen im ordentlichen Schwi e- rigkeitsbereich beträgt der Stundenansatz gemäss ständi ger Praxis der Stra f- kammer Fr. 230.-- für Arbeitszeit und Fr. 200.-- für Reisezeit (vgl. Urteil des Bun- desstrafgerichts SN.2011.16 vom 5. Oktober 2011, E. 4.1 m.w.H.). 5.5 B. wird im Strafverfahren ab dem 27. November 2012 durch Rechtsanwalt We r- ner Bodenmann erbeten verteidigt (cl. 10 pag. 16.4.1 ff.). Dieser macht in seiner anlässlich der Hauptverhandlung eingereichten Honorarnote insgesamt einen Arbeitsaufwand von 77.25 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 250.-- und 17 Stunden Reisezeit zu einem Stundenans atz von Fr. 200. -- sowie Auslagen von Fr. 2'620.50 geltend (SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.722.1 ff.). - 25 - Der vorliegende Straffall stellte keine überdurchschnittlichen Anforderungen an die Verteidigung, weshalb der Stundenansatz für die Arbeitszeit praxisgemäss auf Fr. 230.-- festzusetzen ist. Im Übrigen gibt die Honorarnote des Verteidigers von B. keinen Anlass zu Bemerkungen. Unter Berücksichtigung der Meh r- wertsteuer auf die erbrachten Anwaltsleistungen ist B. demnach für die Kosten der Wahlverteidigung gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO ger undet mit Fr. 25'600.-- zu entschädigen. Für die übrigen Aufwendungen im Verfahren sind B. im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO pauschal Fr. 400.-- zu entrichten. Im Ergebnis ist B. eine Entschädigung von Fr. 26'000.-- zu Lasten der Eidgenos- senschaft zuzusprechen. 5.6 Die obsiegende beschuldigte Person hat gegenüber der Privatklägerschaft A n- spruch auf angemessene Entschädigung für die durch die Anträge im Zivilpunkt verursachten Aufwendungen (Art. 432 Abs. 1 StPO). Die Zivilklage hat keinen nennenswerten Zusatzaufwand verursacht, sodass sich die Frage einer Entschädigung von A. durch den FC Gossau a priori nicht stellt. 6. Entschädigung der amtlichen Verteidigung 6.1 Gemäss Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO gelten die Kosten der amtlichen Verteidigung als Auslagen. Deren Verlegung richtet sich indes nach der Spezialregelung von Art. 135 Abs. 4 StPO. Für die Berechnung der Höhe der Entschädigung sind die in E. 5.4 wiedergegebenen Bestimmungen des BStKR massgebend. 6.2 Rechtsanwalt Daniel Senn – von der Bundesanwaltschaft am 13. April 2010 rückwirkend ab dem 2. Dezember 2009 als amtlicher Verteidiger von A. einge- setzt (cl. 9 pag. 16.2.96) – weist in seiner Honorarnote einen Zeitaufwand von 119.07 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 250.--, Reis espesen von Fr. 216.-- sowie einen Pauschalbetrag von 4% der geltend gemachten Honorar- summe für die übrigen Auslagen, ausmachend Fr. 1'182.10, aus (SK.2012.21, cl. 76 pag. 76.721.1 ff.). Der geltend gemachte Zeitaufwand, der sich aus 95.07 Stunden Arbeitsz eit und 24 Stunden Reisezeit zusammensetzt, erscheint insgesamt angemessen. Der Stundenansatz ist aufgrund des unter E. 5.4-5.5 Dargelegten für die Arbeitszeit auf Fr. 230.-- und für die Reisezeit auf Fr. 200. -- festzulegen. Die geltend ge- machte Auslagenpauschale von 4% der Honorarsumme ist entsprechend anzu-- 26 - passen. Die Reisespesen von Fr. 216. -- sind nicht zu beanstanden. Die Ent- schädigung ist demnach gerundet auf Fr. 30'000.-- (inkl. MWST) festzusetzen und von der Eidgenossenschaft auszurichten. 6.3 Ist A. später dazu in der Lage, hat er der Eidgenossenschaft für die Kosten der amtlichen Verteidigung Ersatz in vollem Umfang zu leisten (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). - 27 - Der Einzelrichter erkennt: I. A. wird freigesprochen. II. B. wird freigesprochen. III. Die Zivilforderung von FC Gossau gegen A. wird auf den Zivilweg verwiesen. IV. Die Verfahren skosten (inkl. Fr. 2'000. -- Gerichtsgebühr) verbleiben bei der Eidgeno s- senschaft. V. 1. A. hat keinen Anspruch auf Entschädigung. 2. Rechtsanwalt Daniel Senn wird fü r die amtliche Verteidigung von A. durch die Eidge- nossenschaft mit Fr. 30'000. -- (inkl. MWST) entschädigt. A. hat der Eidgenosse n- schaft dafür Ersatz zu leisten, sobald er dazu in der Lage ist. 3. B. wird durch die Eidgenossenschaft mit Fr. 26'000.-- entschädigt. - 28 - VI. Dieses Urteil wird in der Hauptverhandlung eröffnet und durch den Einzelrichter münd- lich begründet. Den anwesenden Parteien wird das Urteilsdispositiv ausgehändigt; der nicht anwesenden Partei wird es schriftlich zugestellt. Im Namen der Strafkammer des Bundesstrafgerichts Der Einzelrichter Der Gerichtsschreiber Zustellung der vollständigen schriftlichen Ausfertigung an: - Bundesanwaltschaft - FC Gossau - Rechtsanwalt Daniel Senn (Verteidiger von A.) - Rechtsanwalt Werner Bodenmann (Verteidiger von B.) Nach Eintritt der Rechtskraft mitzuteilen an: - Bundesanwaltschaft als Vollzugsbehörde - 29 - Rechtsmittelbelehrung Gegen verfahrensabschliessende Entscheide der Strafkammer des Bundesstrafgerichts kann beim Bunde s- gericht, 1000 Lausanne 14, innert 30 Tagen nach der Zustellung der vollständigen Urteilsausfertigung B e- schwerde eingelegt werden (Art. 78, Art. 80 Abs. 1, Art. 90 und Art. 100 Abs. 1 BGG). Mit der Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht und Völkerrecht gerügt werden (Art. 95 BGG). Die Feststellung des Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne vo n Art. 95 BGG beruht und wenn die B ehebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Gegen den Entschädigungsentscheid des Gerichts kann die amtliche Verteidigung innert 10 Tagen bei der Beschwerdeinstanz Beschwerde führen (Art. 135 Abs. 3 lit. a, Art. 396 Abs. 1 StPO). Versand: 7. März 2013