B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1614/2016 U r t e i l v o m 2. O k t o b e r 2 0 1 7 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Jürg Walker, Fürsprech und Notar, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des SEM vom 15. Februar 2016 / N (…). D-1614/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers gelangte mit Eingabe vom 20. Mai 2014 an das damalige Bundesamt für Migration (BFM; heutige SEM) und teilte diesem mit, dieser habe ihn im Rahmen des Asylverfahrens mandatiert. Der Beschwerdeführer sei im Rahmen de r Visa-Erleichterun- gen für syrische Staatsangehörige mit seiner Schwester B._______ (Be- schwerdeverfahren D-1613/2016) in die Schweiz eingereist und ersuche darum, dem Kanton C._______ zugewiesen zu werden, wo seine Brüder wohnen würden. Der Beschwerdeführer melde sich in den nächsten Tagen im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______. B. Am 26. Mai 2014 erschien der Beschwerdeführer mit seiner Schwester und seinen Eltern (Beschwerdeverfahren D-1632/2016) im EVZ und füllte das Personalienblatt aus. C. Am 10. Juni 2014 erhob die Vorinstanz die Personalien und befragte den Beschwerdeführer zum Reiseweg und summarisch zu den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes. Am 12. Mai 2015 hör te das SEM den Be- schwerdeführer einlässlich zu den Asylgründen an. Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seines Asylgesuches im We- sentlichen aus, er sei kurdischer Ethnie komme aus E._______ (Provinz al-Hasakah), wo er bis zur Ausreise mit seinen Eltern und seiner Schwester gelebt habe. Seit 2011 habe er wie sein Vater für ein ausländisches Erdöl- unternehmen gearbeitet. Er sei Feuerwehrchauffeur gewesen und habe deshalb auch einen staatlichen Vertrag gehabt . Es habe viele Detonatio- nen in der Gegend gege ben und sie hätten auch Brände in arabischen Dörfern löschen müssen. Sie hätten Angst gehabt, dass d er "Islamische Staat" (IS; zuvor "Islamischer Staat im Irak und in der Levante" [ISIL] be- ziehungsweise "Islamischer Staat im Irak und Syrien" [ISIS]) oder – in neu- erer Zeit verwendet – "Daesh") Bomben in ihre n Fahrzeugen verstecken würde. Im September 2013 habe ihn der IS aufgefordert, er solle ihre Ver- letzten ins Spital fahren. Am 4. Dezember 2013 sei er das erste Mal telefo- nisch vom IS bedroht worden. Seine Mutter habe das Telefon abgenom- men, aber die Terroristen nicht verstanden. Er habe ihr das Telefon aus der Hand genommen. Sie hätten ihn beschuldigt, er würde mit Ungläubigen zusammen arbeiten, und ihn mit dem Tod bedroht, wenn er seine Arbeit nicht niederlege. Sie hätten gesagt, wenn er ihnen in die Hände falle, werde D-1614/2016 Seite 3 er enthauptet. Sie hätten auch fünf bis sechs Mal Zettel unter sein Fahr- zeug geworfen, wo drauf gestanden habe, dass seine Tage gezählt seien. Er sei auch von arabischen Mitarbeitern aufgefordert worden, zu ver- schwinden. Am 1. Februar 2014 habe er zusammen mit seinem Vater auf- gehört zu arbeiten. Bei ihm habe dann ein fünfzehntägiger Urlaub angefan- gen. Er habe keine Drohungen mehr erhalten, aber d ie YPG (kurdische Volksverteidigungseinheiten) habe von ihm gefordert, danach wieder wei- ter zu arbeiten, weil er sonst in den Militärdienst geschickt werde . Davor habe er sich gefürchtet. Er und sein Vater hätten sich in dieser Zeit auf die Suche nach einem Schlepper gemacht. Am 21. Februar 2014 habe er Sy- rien mit seinen Eltern und B._______ Richtung Türkei verlassen und am 18. März 2014 hätten sie vom Schweizer Generalkonsulat in Istanbul (Tür- kei) Einreisevisa für die Schweiz erhalten. Er und B._______ seien bereits am 19. März 2014 und die Eltern am 29. April 2014 legal in die Schweiz eingereist. Der Beschwerdeführer reichte seinen Pass, Arbeitsbestätigungen seines ehemaligen Arbeitgebers, eine Krankenkassenkarte und acht Fotos zu sei- nem Arbeitsalltag ein. D. Am 20. Mai 2015 reichte der Beschwerdeführer sein Dienstbüchlein im Ori- ginal mit einer Übersetzung der wichtigsten Seiten ein. E. Mit tags darauf eröffneter Verfügung vom 15. Februar 2016 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Deren Vollzug schob es jedoch wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläu- figen Aufnahme auf. F. Mit Eingabe vom 14. März 2016 liess der Beschwerdeführer, handelnd durch seinen Rechtsvertreter, gegen diesen Entscheid beim Bundesver- waltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, es sei die ange- fochtene Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventuell sei er als Flüchtlinge vorläufig aufzu- nehmen, und im Falle der Abweisung der Beschwerde sei die vom SEM angeordnete vorläufige Aufnahme zu bestätigen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er zudem beantragen, es sei die unentgeltliche Prozessfüh- rung und Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. D-1614/2016 Seite 4 Art. 110a AsylG (SR 142.31) unter Beiordnung des Rechtsvertreters als Rechtsbeistand zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses zu verzichten. In der Begründung der Beschwerde beantragte er so- dann, es seien die Dossiers der Geschwister ( F._______ [N {…}], B._______, G._______ [N {…}], H._______ [N {…}] und I._______ [N {…}]) beizuziehen. Mit der Beschwerd e reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestäti- gung vom 3. Februar 2016, einen Einberufungsbrief vom 8. Juni 2014 und einen Marschbefehl vom 1. Juni 2014 inklusive deutscher Übersetzung ein. G. Die Instruktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts hies s mit Verfü- gung vom 17. März 2016 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 110a AsylG gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses und ordnete den die Besc hwerde Unterzeichnenden als Rechtsbeistand bei. Gleichzeitig gab sie dem SEM Gelegenheit, zur Be- schwerde vom 14. März 2016 Stellung zu nehmen. H. Am 6. April 2016 reichte das SEM eine Vernehmlassung ein. I. Am 20. April 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Replik und am 25. April 2016 eine weitere Eingabe ein, worin Bezug zu den eingereichten Militärdokumenten genommen wird. Ein Dolmetscher habe erklärt, dass das blaue Dokument zwei Teile habe, die bei der Übergabe getrennt wür- den, wobei der eine Teil an die Behörde als Beleg der Zustellung zurück- geschickt werde. J. Am 21. Oktober 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Kostennote ein und erklärte dabei, dass die Verfahren der Schwester D-1613/2016 und der Eltern D-1632/2016 vom Rechtsvertreter parallel bearbeitet worden seien, weshalb einige Schreiben, welche an alle Familienmitglieder gerichtet wor- den seien, nur in der vorliegenden Kostennote aufgeführt worden seien. D-1614/2016 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesver waltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schut z- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltun gsgericht können im Anwen- dungsbereich des Asylgesetztes die Verletzung von Bundesrecht, ein- schliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die un- richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen D-1614/2016 Seite 6 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu - chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Inte nsität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei- matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie- hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An- erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be- troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7 S. 1017 ff., 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlings- eigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Per- son zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 4. 4.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers seien einerseits nicht glaubhaft und würden andererseits der Asylrelevanz entbehren. Im Einzelnen führte es betreffend den Beschwerdeführer aus, seine Schil- derungen zu zentralen Punkten seiner Asylvorbringen seien dünn und vage geblieben und würden jeglicher Realkennzeichen entbehren. Seine Vor- bringen würden sich grösstenteils aus einer Aneinanderreihung von Be- hauptungen zusammensetzen. Er sei nicht in der Lage gewesen, zu schil- dern, wie er bedroht worden sei. Danach gefragt, ob ihm bei der Arbeit je etwas zugestossen sei, habe er vern eint. In keiner seiner Ausführungen fänden sich Realkennzeichen. Er erwähne einzig, in Angst gelebt zu ha- ben. Diese Aussage weise jedoch keinen Gehalt auf. An der Anhörung habe er angegeben, nicht nur telefonisch, sondern auch schriftlich von D-1614/2016 Seite 7 Daesh bedroht worden zu sein. Ausserdem hätten ihm die syrischen Be- hörden indirekt gedroht, da sie mit Daesh unter einer Decke stecken wür- den. Bei diesen neuen Vorbringen handle es sich nicht um Konkretisierun- gen der bereits dargelegten Ereignisse. Es sei kein Grund ersichtlich, wes- halb er diese nicht schon im Rahmen der BzP hätte geltend machen kön- nen. Zudem erstaune eine Kooperation der syrischen Regierung mit Daesh, da sie diese ja aus der Gegend vertreibe ; auch sei unglaubhaft, dass eine Organisation wie der IS sich zu einer solchen Allianz hinreissen lassen würde. Entsprechend habe der Beschwerdeführer dann auch ange- geben, nie Probleme mit dem syrischen Geheimdienst gehabt zu haben. An der BzP habe er angegeben, am 4. Dezember 2013 das erste Mal be- droht worden zu sein. Hätte er bereits einige Monate zuvor Drohzettel er- halten, so wäre zu erwarten gewesen, dass er einen Zeitpunkt vor dem Dezember 2013 genannt hätte. Es leuchte nicht ein, weshalb Daesh einer- seits bis zu ihrer Haustüre kommen könne, um Drohzettel unter der Haus- türe durchzuschieben und andererseits Probleme habe, seiner habhaft zu werden, zumal angeblich immer alle Leute gewusst hätten, wo er sich be- finde. Weiter leuchte nicht ein, weshalb sich Daesh darauf beschränke und Zeit dafür nehme, Zettel in den Ho f zu werfen, statt sich einer erfolgver- sprechenderen Methode zu bedienen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Verfolger jeweils angerufen hätten, wenn sie gewusst hätten, dass er nicht da sei. Er sei ja das Ziel der Drohungen gewesen. Weiter erstaune, dass all diese Drohungen bis zu seiner Ausreise ohne Konsequenzen ge- blieben seien, zumal er angegeben habe, dass die ganze Familie Daesh zum Opfer hätte fallen sollen. Die eingereichten Beweismittel würden ein- zig den Teil seiner Darstellung bestätigen, den das SEM nicht in Zweifel ziehe. Weiter mache er geltend, er wolle nicht nach Syrien zurückkehren, weil er dann ins Militär geschickt werde. Aus den Akten gehe hervor, dass er vor seiner Ausreise aus Syrien den Militärdienst abgeschlossen habe und seither nicht mehr einberufen worden sei, da er für die Feuerwehr ge- arbeitet habe. Die blosse subjektive Furcht, in die Armee einberufen zu werden, führe nicht zur Annahme einer Verfolgung aus den in Art. 3 AsylG genannten Gründen. Es müssten vielmehr konkrete Anha ltspunkte vorlie- gen, die eine baldige Verwirklichung seiner Furcht überwiegend wahr- scheinlich erscheinen liessen. Da zudem kein konkreter behördlicher Kon- takt bestanden habe, aus dem erkennbar geworden wäre, dass er einrü- cken sollte, bestehe auch kein Anlass für begründete Furcht, künftig ernst- haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu sein. 4.2 In der Beschwerde wird demgegenüber im Wesentlichen ausgeführt, es gehe nicht an, dass das SEM behaupte, der Beschwerdeführer habe D-1614/2016 Seite 8 einen Teil seiner Vorbringen nachgeschoben, weil er im EVZ nicht davon gesprochen habe. Im EVZ sei ihm gesagt worden, man habe nicht viel Zeit, er solle sich kurz fassen und er bekomme noch die Gelegenheit, seine Asylgründe ausführlich zu schildern. Es müsse beim EVZ D._______ eine amtliche Erkundigung eingeholt werden. Der Zusammenhang zwischen den Drohanrufen beziehungsweise den schriftlichen Drohungen und der Berufstätigkeit des Beschwerdeführers sei offensichtlich. Bei den Sachver- haltselementen, die er erst bei der Anhörung erstmals vorgebracht habe, handle es sich um Ausführungen zu den schriftlichen Drohungen und um die indirekte Bedrohung durch den syrischen Staat als Folge des Überlau- fens ehemaliger Geheimdienstangehöriger zum IS. Die schriftlichen Dro- hungen habe er bloss als Zugabe angesehen, und diese seien nicht flucht- auslösend gewesen. Es sei davon auszugehen, dass der syrische Staat von der Flucht seiner Geschwister gewusst habe. Bei den Drohungen hät- ten sie auf die geflohenen Brüder Bezug genommen und ihn aufgefordert, auch die Flucht zu ergreifen. Er habe für eine ausländische Gesellschaft gearbeitet, was der IS nicht toleriert h abe. Der Beschwerdeführer habe nicht verstanden, was man von ihm zu den Drohungen habe wissen wollen. Er sei zum Teil auch nicht in der Lage gewesen, sich richtig auszudrücken. Er habe den ersten dieser Anrufe genau datieren können. Auch sonst hät- ten seine Antworten eine Vielzahl von Realkennzeichen enthalten. Das SEM habe nicht verstanden, worum es gehe. Die Heimat des Beschwer- deführers sei zur Hauptsache von der YPG kontrolliert worden. Der IS habe deshalb keine Möglichkeit gehabt, vermummte Kämpfer an die Haustüre des Beschwerdeführers zu schicken, um ihn dort zu ergreifen. Man habe ihn dazu bewegen müssen, das Haus zu verlassen. Die Zet tel hätten von arabischen Sympathisanten überbracht werden müssen. Die Anrufer hät- ten jeweils versucht, den Aufenthaltsort des Beschwerdeführers zu ermit- teln. Wahrscheinlich hätten sie beabsichtigt, ihn zu entführen und dem IS auszuliefern. Man habe den Beschwerdeführer aus dem von der YPG be- schützten Bereich herauslocken wollen, um ihn zu fassen. Der Beschwer- deführer habe seinen Militärdienst bereits geleistet. In der Zwischenzeit sei er als Reservist eingezogen worden. Er verweise dabei auf die Beweismit- tel, welche man ihm nach seiner Flucht habe zustellen wollen. Sie würden vom 1. und vom 8. Juni 2014 datieren, seien also nach seiner Flucht ent- standen. Die Beweismittel seien bei einer verheirateten Schwester in Sy- rien gelandet und liegengeblieben. Sie hab e die Beweismittel einem Be- kannten in den Nordirak mitgegeben, der sie einem weiteren Bekannten nach Deutschland mitgegeben habe, der sie ihm in die Schweiz gesendet habe. D-1614/2016 Seite 9 4.3 In der Vernehmlassung führte das SEM aus, die Beweismittel seien be- reits im Jahre 2014 entstanden. Die Begründung, warum diese nicht schon im Rahmen des Asylverfahrens eingereicht worden seien, sei nicht nach- vollziehbar. Auch schweige sich die Beschwerde darüber aus, wie die ver- heiratete Schwester des Beschwerdeführers in den Besitz der Dokumente gelangt sei, die an ihren Bruder adressiert seien. Es sei allgemein bekannt, dass solche Dokumente leicht käuflich erwerbbar seien. Daher komme den eingereichten Beweismitteln wenig Beweiskraft zu. Ausserdem würden beide Dokumente diverse Unregelm ässigkeiten aufweisen. So falle beim blauen Dokument auf, dass der schwarze Rahmen um den Text nicht zentriert sei. Weiter sei augenfällig, dass der Rand links vom Stempel nicht gerade geschnitten sei, sondern unregelmässig – wie mit einer Schere. Es leuchte nicht ein, weshalb sich die syrischen Behörden einer so umständ- lichen und ungenauen Methode für ihre Formulare bedienen würden, statt perforierte Bögen zu benutzen. Beim weissen Blatt sei offensichtlich, dass es sich um eine schlechte Kopie handle, die erst im Nachhinein ausgefüllt worden sei. So sei der Briefkopf kaum lesbar, während im unteren Drittel des Blatts, auf der linken Seite eine ca. 8 x 8 Zentimeter grosse Fläche abgedeckt worden sei. Ausserdem falle auf, dass der Fingerabdruck in der Mitte der Seite sich unter dem Text befinde. Das heisse, dass zuerst der Fingerabdruck gedruckt oder angebracht und danach der kopierte Text auf die Seite gedruckt worden sei. Auch dies sei nicht nachvollziehbar. In der Regel würden Stempel, Unterschriften und Fi ngerabdrücke auf den Text angebracht, um dessen Richtigkeit, Wahrheit oder das eigene Einverständ- nis mit dem Inhalt zu bestätigen. Des Weiteren falle auf, dass die auf den Formularen angebrachten Stempel zwar alle das gleiche Sujet hätten, je- doch nicht alle gleich aussähen. Während der Stempel auf der blauen Ur- kunde am Rand Dreiecke zeige, die vom Emblem weg zeigen würden, wür- den diese Dreiecke bei der weissen Urkunde zum Emblem hinzeigen. Dies bestärke die Zweifel an der Echtheit der genannten Beweismittel . Die mit der Eingabe dieser Beweismittel geltend gemachte Geschichte sei sehr fragwürdig. So habe der Beschwerdeführer an der Anhörung geltend ge- macht, nicht in die Armee eingezogen worden zu sein, weil er als Feuer- wehrmann einer Aufgabe im öffentlichen I nteresse nachgegangen sei. Er habe damit den Eindruck erweckt, dass dies die Bedingung sei, damit er nicht einberufen werde. Wenn nun der Beschwerdeführer nicht mehr zur Arbeit erscheine, weil er das Land verlassen habe, sei dies dem Arbeitge- ber schnell aufgefallen. Es sei kein Grund ersichtlich, weshalb die Behör- den so lange zuwarten würden, um ihn aufzubieten. Es sei weiter nicht nachvollziehbar, weshalb der syrische Staat aus dem Verschwinden des Beschwerdeführers schliesse, e r sei einzuberufen. Zudem wü rde diese D-1614/2016 Seite 10 nachträgliche Einberufung in Abwesenheit verschiedene unerwünschte Doppelspurigkeiten mit der YPG hervorrufen, welche die gesamte Region eisern kontrolliere und für deren Armee der Beschwerdeführer angeblich auch kämpfen solle. Zu Beginn der BzP werde darauf hingewiesen, dass die Gesuchstellenden auch dafür verantwortlich seien, was sie nicht sagen. Die pauschale Behauptung, wonach fast alle Asylsuchenden dem Manda- tar berichtet hätten, dass sie daran gehindert worden seien, ihre Ge- schichte vollständig vorzutragen, sei daher haltlos. Die vollständige Gel- tendmachung der Asylgründe falle in die Mitwirkungspflicht der Gesuch- stellenden. Aus der Tatsache, dass einige Verwandte des Beschwerdefüh- rers in der Schweiz Asyl erhalten hätten, erwachse letzterem kein Anspruch auf Asyl. Der Umstand, wonach die syrischen Behörden angeblich über die Flucht dieser Verwandten schon lange Bescheid wüssten, begründe keine Furcht vor drohender Reflexverfolgung. Hätte eine solche Gefahr bestan- den, so hätte sie sich in den auf die Ausreise der Flüchtlinge folgenden Jahren verwirklicht. Entsprechend mache der Beschwerdeführer keine Angst vor Reflexverfolgung geltend. Im Restlichen beschränke sich die Be- schwerde darauf, die Asylgründe nochmals vorzutragen, ohne auf die im Entscheid genannten Unstimmigkeiten einzugehen. Dabei sei man be- müht, Szenarien zu schaffen, in denen die Aussagen des Beschwerdefüh- rers nicht unlogisch erschienen. Wo dies misslinge, erkläre man, der Be- schwerdeführer habe die ihm gestellten Fragen falsch vers tanden oder eine andere Absicht verfolgt, als die Frage zu beantworten. In den Proto- kollen finde sich jedoch kein Hinweis auf etwaige Missverständnisse. Der Erklärungsversuch, wonach der Beschwerdeführer zuerst zur Flucht be- wegt werden solle, damit Daesh ihn dabei angreifen könne, ziele ins Leere. Implizit werde damit erklärt, dass der Beschwerdeführer an seinem Woh- nort nichts vor Daesh zu befürchten hatte. Da der Beschwerdeführer in den Monaten der Drohungen nicht a uf eine der zahlreichen Fa llen der Daesh hereingefallen sei, könne vermutet werden, dass er sich – zwar vorsichtig – jedoch mit einer gewissen Sicherheit in seiner Region habe bewegen kön- nen. Die Drohanrufe, hätten gemäss Beschwerde und gemäss den voran- gehenden Befragungen des Beschwerdeführers nicht den gleichen Inhalt. Vergleiche man die Behauptungen in der Beschwerde mit den eingereich- ten Protokollen der Verfahren von B._______ und seinen Eltern, so falle auf, dass die Anrufe darin anders geschildert seien. 4.4 In der Replik wird im Wesentlichen geltend gemacht, der Beschwerde- führer habe befürchtet, als Reservist eingezogen zu werden, sobald er mit der Tätigkeit als Feuerwehrmann aufhöre. Mit seiner Flucht habe er diese D-1614/2016 Seite 11 Tätigkeit beendet. Aus diesem Grund sei er rund zweieinhalb Monate nach- her als Reservist zum Kriegsdienst aufgeboten worden. Im Zeitpunkt der Einberufung habe der syrische Staat nicht gewusst, dass der Beschwerde- führer ausser Landes gewesen sei. Die entsprechenden Belege seien bei seiner verheirateten Schwester gelandet, die nach der Heirat immer noch den angestammten Namen getragen habe und auf diese Weise leicht habe gefunden werden können. Die Beweisurkunden seien von einem Mitarbei- ter der zuständigen Amtsstelle ausgehändigt worden, der J._______ heisse. Seine Schwester sei davon ausgegangen, dass der Beschwerde- führer in der Schweiz in Sicherheit sei und habe keine weiteren Schritte unternommen, um ihm diese Beweisurkunden zukommen zu lassen. Das Telefonnetz im Heimatort funktioniere zudem nur selten. Der Beschwerde- führer habe erst später von diesen Beweisurkunden erfahren. Sie seien irgendeinmal bei einem Telefonat mit der Schwester erwähnt worden. Die Formulare seien zu einem Zeitpunkt verwendet worden, als der Bürger- krieg schon lange begonnen habe, weshalb der Nachschub von Formula- ren nicht unbedingt prioritär gewesen se i und die betreffende Amtsstelle den Fotokopierer verwendet habe, um eine weitere Auflage dieser Formu- lare zu erstellen. Da es sich um kein Standardformat handle, hätten die Formulare anschliessend zurechtgeschnitten werden müssen. Beim ande- ren Formular bestehe sogar die Möglichkeit, dass es sich um die Kopie einer Kopie handle, was die schlechte Qualität erkläre. Es gebe anschei- nend verschiedene Versionen dieser Stempel. Anscheinend könne auch das SEM nicht mit Bestimmtheit sagen, dass eine Version davon die einzig richtige wäre und welche der beiden Versionen die richtige sei. Es sei mög- lich, dass die gleiche Amtsstelle zwei verschiedene Stempel verwende. Die Umstände der Befragung im EVZ D._______ könnten nicht belegt werden, da keine Hilfswerkvertretung beigezogen worden sei. Das Risiko einer Re- flexverfolgung leite sich von der Tatsache ab, dass der Beschwerdeführer engen Kontakt zu seinen Angehörigen unterhalte und ihn die syrischen Be- hörden misshandeln oder foltern könnten, um aus ihm Informationen über seine Angehörigen und deren exilpolitische Tätigkeiten zu erfahren. Es sei unzulässig, bei einzelnen Aussagen die Interpretation zu wählen, die am Weitesten von den anderen Aussagen entfernt liege, um so einen Wider- spruch zu konstruieren. Die Araber im Quartier würden mit dem IS sympa- thisieren und als Spitzel arbeiten. Über sie dürfte der IS von seiner Tätigkeit erfahren haben. Der IS habe versucht, den Beschwerdeführer unter einem Vorwand ausserhalb des von der YPG beschützen Bereichs zu locken. Es passiere immer wieder, dass ein Halter eines Fahrzeuges vom IS überwäl- tigt und entführt werde. Dies wäre dem Beschwerdeführer wide rfahren, wenn er auf die Lockanrufe hereingefallen wäre . Daneben habe es auch D-1614/2016 Seite 12 Drohanrufe gegeben. Diese Drohungen seien teilweise auch schriftlich er- folgt. IS -Sympathisanten aus dem Quartier dürften die Überbringer der Drohbriefe gewesen sein. Solange sich der Beschwerdeführer an seinem Wohnort aufgehalten habe, sei er in der Tat in Sicherheit gewesen. 5. Der Beschwerdeführer macht geltend, im EVZ D._______ würden die Ge- suchstellenden daran gehindert, ihre Asylgründe vorzutragen, weshalb amtliche Erkundigungen anzuordnen seien. Da keine Hilfswerksvertretung an der BzP anwesend gewesen sei, seien keine Belege dafür vorhanden. Gemäss Art. 30 Abs. 1 AsylG nimmt die Hilfswerkvertretung an der Anhö- rung über die Asylgründe nach Art. 29 AsylG teil, sofern die asylsuchende Person dies nicht ablehnt. An der Anhörung vom 1 2. Mai 2015 war eine Hilfswerkvertretung anwesend. Dass an der BzP eine Hilfswerkvertretung anwesend sein soll, ist gesetzlich nicht vorgesehen. Insofern ist nicht zu bemängeln, dass anlässlich der BzP keine Hilfswerkvertretung anwesend gewesen ist. Soweit gerügt wurde, der Beschwerdeführer habe anlässlich der BzP seine Asylgründe nicht vollständig schildern können und damit im- plizit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend gemacht wird, kann eine solche nicht festgestellt werden. Gemäss Art. 26 Abs. 2 AsylG kann das SEM die Asylsuchenden anlässlich der BzP zu ihrer Identität, zum Rei- seweg und summarisch zu den Gründen befragen, warum sie ihr Land ver- lassen haben. Anlässlich der BzP vom 10. Juni 2014 hatte der Beschwer- deführer die Möglichkeit, seine Asylgründe – wenn auch nur summarisch – zu schildern. Danach stellte das SEM einige Fragen dazu und schliesslich wurde nochmals nachgehakt, ob es sonst noch Gründe gebe, die er noch nicht gesagt habe, die gegen eine allfällige Rückkehr in seinen Heimatstaat sprechen könnten (vgl. Akten A6/10 S. 6 f.). Es gehen keine weiteren An- haltspunkte aus dem Protokoll der BzP hervor, die auf eine inkorrekte Durchführung der BzP schliessen lassen. Ausserdem wurde der Rechts- vertreter vom BFM vor der BzP am 2. Juni 2014 angefragt, ob er daran teilnehmen möchte. Er verzichtete jedoch darauf. Das SEM hat demnach den Sachverhalt korrekt festgestellt und das rechtliche Gehör nicht verletzt. Es besteht deshalb vorliegend kein Grund, amtliche Erkundigungen im EVZ D._______ anzuordnen. Dieser Antrag ist abzuweisen. 6. 6.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des D-1614/2016 Seite 13 Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent- liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eine s Verfolgungsschick- sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende substantiierte, im Wesent- lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor- kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte- nen Verfolgung ist gekenn zeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinrei- chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch- lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei- lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele- mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub- stantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller spre chen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprechen. Zudem sind gemäss Praxis Widersprüche in den Aussagen einer Person ihrer Glaubwürdigkeit nur dann abträglich, wenn sie wesentliche Punkte der Asylbegründung betreffen; gravierend sind insbesondere abweichende Darstellungen bezüglich Zeitpunkt, Umfang und U rsache der geltend ge - machten Verfolgung, mithin solche die der Beurteilung der Flüchtlings - eigenschaft dienen. Eine untergeordnete Rolle spielen gemäss der Recht- sprechung deshalb Ungereimtheiten bezüglich Reiseweg und Umstände der Flucht (vgl. hierzu EMA RK 1993 Nr. 6). Ferner dürfen Widersprüche, die zwischen BzP und Anhörung entstanden sind, nur dann für die Glaub- haftigkeitsprüfung herangezogen werden, wenn klare Aussagen diametral voneinander abweichen oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürch - tungen, die später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits anlässlich der Befragung zumindest ansatzweise erwähnt werden. Keine entscheidrelevante Bedeutung haben in der Befragung gemachte Anga - ben, welche sich im Vergleich zu späteren Vorbringen a ls blosse Unvoll- ständigkeiten und unwesentliche Abweichungen erweisen (vgl. EMARK 1993 Nr. 3). D-1614/2016 Seite 14 6.2 6.2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei vom IS bedroht worden. 6.2.2 Aufgrund der Ausführungen des Beschwerdeführers und der einge- reichten Fotos bestehen keine Zweifel, dass der Beschwerdeführer als Feuerwehrchauffeur einerseits für ein privates Unternehmen und anderer- seits für die Behörde gearbeitet hat und dabei Schreckliches gesehen und Angst bei seiner Tätigkeit gehabt hat. Bezüglich der gegen ihn gerichteten Drohungen durch den IS hat das SEM jedoch zu Recht Unstimmigkeiten festgestellt. Einerseits ist nicht nachvollziehbar, warum ihm der IS oder dessen Sympathisanten schriftliche Drohungen auf Zettel n unter dem Fahrzeug oder der Haustüre deponiert haben sollen, wo ihm mit dem Tod gedroht worden sei, sie ihm aber während all der Monate bis zur Ausreise nichts Konkretes haben anhaben können und dies, obwohl er auch in Ara- bisch bewohnte Quartiere habe fahren müssen, um Brände zu löschen. Die Frage der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Drohungen durch den IS kann vorliegend jedoch offen gelassen werden, zumal sie keine asylrele- vanten Konsequenzen hatten. In der Replik führte der Beschwerdeführer selber aus, dass er am Wohnort aufgrund des Schutzes durch die YPG in Sicherheit gewesen sei und die bewaffneten Kämpfer des IS nie an der YPG vorbeigekommen wären (vgl. Replik S. 5). In die Gebiete des IS ist er gemäss seinen Angaben auch nicht zum Löschen gefahren (vgl. Akte A13/16 F70). Es bestand deshalb für den Beschwerdeführer keine asylre- levante Gefahr, solange er sich im Gebiet, welches unter der Kontrolle der YPG stand, aufgehalten hat. 6.3 6.3.1 Mit Beschwerdeeingabe reichte der Beschwerdeführer einen Marschbefehl und einen Einberufungsbrief, beide ausgestellt im Juni 2014 von den syrischen Behörden, ein. 6.3.2 Das SEM führte zutreffend aus, dass es nicht nachvollziehbar ist, dass der Beschwerdeführer erst mit Eingabe der Beschwerde vom 14. März 2016 einen Marschbefehl und einen Einberufungsbrief de r syri- schen Behörden einreichte. Die beiden Dokumente sind bereits zwei Jahre zuvor ausgestellt und seiner Schwester übergeben worden. Ausserdem reichte er während dem Asylverfahren am 20. Mai 2015 das Militärbüchlein ein, welches sich bei seiner Schwester befunden hat (vgl. Akte A13/16 F93). Angesichts dessen, dass er diesbezüglich Kontakt mit s einer Schwester aufgenommen hat und es sich bei den beiden Beweismittel D-1614/2016 Seite 15 auch um militärische Dokumente handelt, hätte spätestens mit der Einrei- chung des Militärdienstbüchleins der Marschbefehl und der Einberufungs- brief vom Juni 2014 eingereicht oder zumindest zur Sprache gebracht wer- den müssen. Es bestehen deshalb Zweifel an der Echtheit der eingereich- ten Dokumente . Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer in den syrischen Militärdienst einberufen worden ist. 6.4 6.4.1 Der Beschwerdeführer machte mit Beschwerde erstmals geltend, er fürchte sich vor einer Reflexverfolgung wegen seiner Angehörigen, die in der Schweiz Asyl erhalten haben. 6.4.2 Gemäss Rechtsprechung kann zwar ein objektiver Nachfluchtgrund vorliegen, wenn durch das Verhalten eines Familienmitgliedes die ganze Familie – und somit auch die sich im Ausland befindenden Familienange- hörigen (Reflexverfolgung) – oppositioneller Aktivitäten verdächtigt w ird (vgl. BVGE 2010/44 und EMARK 1994 Nr. 17). 6.4.3 Die Geschwister des Beschwerdeführers F._______ und I._______ sind im Jahr 2010 und G._______ und H._______ im Jahr 2012 aus Syrien ausgereist und haben in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt . Der Be- schwerdeführer machte keine Probleme mit den syrischen Behörden auf- grund der Ausreise seiner Angehörigen geltend. Seine Eltern sind sodann Ende 2010 seine Geschwister in der Schweiz besuchen gegangen und wieder zurück nach Syrien gekehrt, ohne dass sie nach der Rückkehr nach Syrien zu ihren Kindern befragt worden sind. Da der Beschwerdeführer während den vier beziehungsweise zwei Jahren nach der Ausreise der Ge- schwister nie Probleme mit den syrischen Behörden hatte (vgl. Akte A6/10 S. 7), ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer von den sy- rischen Behörden wegen seiner Geschwister, die in der Schweiz leben und teilweise als Flüchtlinge anerkannt worden sind, eine Reflexverfolgung zu befürchten hat. 7. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer keine asyl- rechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder zumindest glaubhaft machen konnte und deshalb nicht als Flüchtling aner- kannt werden kann. Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Flüchtlingsei- genschaft de s Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abge- lehnt. D-1614/2016 Seite 16 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. Im Sinne einer Klarstellung wird abschliessend festgehalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, der Beschwerde- führer sei zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklung in Syrien in seinem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefähr- dungslage ausschliesslich unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AuG (SR 142.20) einzuordnen, wonach der Vollzug für Ausländerinnen und Aus- länder unzumutbar sein kann, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Syrien im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG wurde durch das SEM mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu- weisen. 11. 11.1 Bei diesem Verfahrensausgang wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm indes mit Verfügung vom 17. März 2016 die unentgeltliche Prozessführung gewährt worden ist, werden keine Verfahrenskosten erhoben (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 11.2 Das Honorar des vom Gericht mit Verfügung vom 17. März 2016 ein- gesetzten amtlichen Rechtsbeistandes ist bei diesem Verfahrensausgang D-1614/2016 Seite 17 durch die Gerichtskasse zu vergüten. Der in der Kostennote vom 21. Ok- tober 2016 geltend gemachte Aufwand erscheint als angemessen für sämt- liche Aufwendungen. Dem Rechtsvertreter wird somit vom Bundesverwal- tungsgericht ein Honorar von Fr. 2275.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteu- erzuschlag) ausgerichtet. (Dispositiv nächste Seite) D-1614/2016 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand, Jü rg Walker, Fürsprech und Notar, wird vom Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar von Fr. 2275.– aus- gerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Sarah Ferreyra Versand: