<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">388</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><span class="ft2"><b>71</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 326 Abs. 1 ZPO. Neue Anträge nach Säumnis im erstinstanzlichen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Verfahren.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Zivilgericht, 4. Kammer, vom 2. April</span><br/> <span class="ft3">2013 in Sachen A.K. AG gegen M.A.F. (ZSU.2013.61).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Die Beklagte hat vor Vorinstanz keine Antwort eingereicht und</span><br/> <span class="ft1">keinen Antrag gestellt. Der Antrag in der Beschwerde, das Begehren</span><br/> <span class="ft1">der Klägerin um provisorische Rechtsöffnung sei unter Kosten- und</span><br/> <span class="ft1">Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin abzuweisen, ist folglich</span><br/> <span class="ft1">neu. Damit ist die Frage gestellt, ob er unzulässig ist, was zur Folge</span><br/> <span class="ft1">hätte, dass auf die Beschwerde nicht eingetreten werden könnte, weil</span><br/> <span class="ft1">der erforderliche Antrag in der Sache fehlte (BGE 133 III 489). Die</span><br/> <span class="ft1">Frage ist zu verneinen. Säumnis der beklagten Partei bedeutet nicht</span><br/> <span class="ft1">Anerkennung der Klage, sondern führt lediglich zur Entscheidung</span><br/> <span class="ft1">nach Aktenlage ohne die Vorbringen der säumigen Partei (Art. 147</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2, Art. 223 Abs. 2 und Art. 234 Abs. 1 ZPO; Spühler/Dolge/</span><br/> <span class="ft1">Gehri, Schweizerisches Zivilprozessrecht und Grundzüge des inter-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">389</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nationalen Zivilprozessrechts, 9. Auflage des von Oscar Vogel be-</span><br/> <span class="ft1">gründeten Werks, 2010, § 40 N. 120). Diese kann daher den Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid trotz Säumnis anfechten und entsprechende Anträge stellen.</span><br/> <span class="ft1">Anders entscheiden hiesse, dass in den Fällen, in denen die beklagte</span><br/> <span class="ft1">Partei in erster Instanz säumig war, eine Überprüfung des erstin-</span><br/> <span class="ft1">stanzlichen Entscheids praktisch ausgeschlossen wäre, was nicht dem</span><br/> <span class="ft1">Willen des Gesetzgebers entsprochen haben kann. Als neue Anträge</span><br/> <span class="ft1">im Sinn von Art. 326 Abs. 1 ZPO sind daher vor allem Klageände-</span><br/> <span class="ft1">rungen, aber auch sonstige Änderungen oder Ergänzungen bereits</span><br/> <span class="ft1">vor Vorinstanz gestellter Anträge, nicht hingegen die eigentlichen</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelanträge zu verstehen (Sterchi, in: Hausheer/Walter</span><br/> <span class="ft1">[Hrsg.], Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung,</span><br/> <span class="ft1">2012, Art. 326 N. 2). Auf die Beschwerde der Beklagten ist somit</span><br/> <span class="ft1">einzutreten.</span><br/></div> </div> </body> </html>