<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 58 S.219</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">219</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>58</b></span> <span class="ft1"><b>Nutzungsplanung; Weitere Nutzungszonen gemäss Art. 18 RPG.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Die Landwirtschaftszone ist gemäss Art 16 RPG in Verbindung mit</b></span><br/> <span class="ft1"><b>§ 44 BauG eine eigentliche Nichtbauzone und erfüllt so das verfas-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>sungsrechtliche Gebot der Trennung des Baugebietes von Nichtbau-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gebiet (Art. 75 BV).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Das kantonale Recht kennt abgesehen von der Weilerzone gemäss</b></span><br/> <span class="ft1"><b>§ 15 Abs. 2 lit. d und § 45 BauG keine weiteren Bauzonen in Sinne von</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Art. 18 RPG.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 27. Juni 2000 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen J.S. gegen Entscheid des Regierungsrats und Entscheid des Grossen</span><br/> <span class="ft2">Rats.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. a) Umstritten ist die Zuweisung der gesamten Parzelle Nr. ...</span><br/> <span class="ft4">im Gebiet "Küttig" in die Landwirtschaftszone.</span><br/> <span class="ft4">b) Im neuen ZP 94 wird die Parzelle Nr. ... der Landwirtschafts-</span><br/> <span class="ft4">zone zugewiesen und ist mit dem Spezialvermerk "S5" bezeichnet.</span><br/> <span class="ft4">Nach der Legende im Kulturlandplan 1994 handelt es sich bei dieser</span><br/> <span class="ft4">Anmerkung um eine Sondernutzung, welche indessen nicht Geneh-</span><br/> <span class="ft4">migungsinhalt des revidierten Kulturlandplanes war. Über den recht-</span><br/> <span class="ft4">lichen Inhalt dieser Sondernutzung geben auch der Bauzonenplan</span><br/> <span class="ft4">und die Bau- und Nutzungsordnung vom 17. Juni 1998 (BNO) keine</span><br/> <span class="ft4">Hinweise oder Angaben. Anlässlich der Verhandlung führte die Ver-</span><br/> <span class="ft4">treterin der Gemeinde aus, es handle sich bei dieser Bezeichnung</span><br/> <span class="ft4">bloss um einen Hinweis für den Leser auf einen offenen Punkt, wel-</span><br/> <span class="ft4">cher noch der Abklärung und Regelung bedürfe. Damit handelt es</span><br/> <span class="ft4">sich bei dieser Bezeichnung um einen rein deklaratorischen Hinweis</span><br/> <span class="ft4">ohne planungsrechtliche Bedeutung.</span><br/> <span class="ft4">2. a) Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend,</span><br/> <span class="ft4">sein Sägerei- und Zimmereibetrieb befinde sich seit Alters her (ca.</span><br/> <span class="ft4">1850) an diesem Standort; der Betriebsstandort sei aufgrund der</span><br/> <span class="ft4">Energienutzung (Wasserkraft) und der Nähe zum Waldgebiet vorge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">220</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">geben. Die Einweisung des Betriebes in die Landwirtschaftszone</span><br/> <span class="ft4">begründe eine Zonenwidrigkeit, da der Betrieb der Sägerei/Zimmerei</span><br/> <span class="ft4">weder ein landwirtschaftliches Gewerbe, noch einen entsprechenden</span><br/> <span class="ft4">Nebenbetrieb zu einem solchen darstelle. Weiter sprächen besondere</span><br/> <span class="ft4">Gründe für eine Zuweisung in eine Bauzone. Einerseits seien Land-</span><br/> <span class="ft4">und Forstwirtschaft auf einen in der Region gelegenen Betrieb ange-</span><br/> <span class="ft4">wiesen und anderseits liege die Existenz des Betriebes im öffentli-</span><br/> <span class="ft4">chen Interesse der Waldpflege und der Forstwirtschaft. Eine Zuwei-</span><br/> <span class="ft4">sung habe zudem keinerlei negative Auswirkungen auf die Umge-</span><br/> <span class="ft4">bung.</span><br/> <span class="ft4">b) Der Regierungsrat lässt ausführen, das öffentliche Interesse</span><br/> <span class="ft4">an der Konzentration von Bauzonen, respektive an der Verhinderung</span><br/> <span class="ft4">von Kleinstbauzonen, würden die Interessen des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft4">überwiegen. Auf die laufenden Anforderungen an den Markt könne</span><br/> <span class="ft4">der Beschwerdeführer mit den Erweiterungsmöglichkeiten gemäss</span><br/> <span class="ft4">§ 70 Abs. 3 BauG angemessen reagieren.</span><br/> <span class="ft4">c) Der Gemeinderat ist der Auffassung, es wäre wünschenswert,</span><br/> <span class="ft4">wenn der Betrieb des Beschwerdeführers einer Kleinbauzone zuge-</span><br/> <span class="ft4">wiesen werden könne; er liege am richtigen Ort und niemand werde</span><br/> <span class="ft4">durch den Betrieb belästigt.</span><br/> <span class="ft4">4. a) Der Beschwerdeführer beanstandet die Zuweisungen des</span><br/> <span class="ft4">Betriebes in die Landwirtschaftszone als zonenwidrig; der Betrieb sei</span><br/> <span class="ft4">kein landwirtschaftliches Gewerbe und auch kein Nebenbetrieb zu</span><br/> <span class="ft4">einem Landwirtschaftsbetrieb. Auch der Gemeinderat S. ist der Auf-</span><br/> <span class="ft4">fassung, dass der Sägerei- und Zimmereibetrieb in eine Spezialzone</span><br/> <span class="ft4">gehöre.</span><br/> <span class="ft4">Die Signatur "Sondernutzung S5" hat, wie bereits erwähnt,</span><br/> <span class="ft4">keine materielle Bedeutung, sodass auf die Parzelle Nr. ... die gene-</span><br/> <span class="ft4">rellen Bestimmungen über die Landwirtschaftszone zur Anwendung</span><br/> <span class="ft4">gelangen.</span><br/> <span class="ft4">b) Nach Art. 16 RPG (Fassung vom 22. Juni 1979; die Revision</span><br/> <span class="ft4">des RPG vom 20. März 1998 ist im vorliegenden Fall aufgrund des</span><br/> <span class="ft4">Rückwirkungsverbotes unbeachtlich) und § 44 BauG sind in der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">221</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Landwirtschaftszone Bauten zulässig, die der ordentlichen Bewirt-</span><br/> <span class="ft4">schaftung sowie der überwiegend bodenabhängigen Haltung und</span><br/> <span class="ft4">Aufzucht von Tieren und Pflanzen dienen. Darüber hinaus lassen</span><br/> <span class="ft4">diese Vorschriften einen angemessenen Wohnraum und angemesse-</span><br/> <span class="ft4">nen, zusätzlichen Wohnraum für den Generationenwechsel zu (§ 44</span><br/> <span class="ft4">Abs. 1 lit. a BauG). Zulässig sind Neubauten, die der ordentlichen</span><br/> <span class="ft4">Bewirtschaftung des Bodens dienen und neue Gebäude, soweit sie</span><br/> <span class="ft4">einem landwirtschaftlichen Nebenerwerb dienen.</span><br/> <span class="ft4">Der Sägerei- und Zimmereibetrieb des Beschwerdeführers er-</span><br/> <span class="ft4">füllt keines dieser Kriterien. Eine landwirtschaftliche Nutzung der</span><br/> <span class="ft4">Parzelle Nr. ... ist auf Grund der tatsächlichen Verhältnisse nicht</span><br/> <span class="ft4">möglich und der Betrieb kann im ZP 94 ausserhalb des Baugebietes</span><br/> <span class="ft4">nur im Rahmen der Besitzstandsgarantie erhalten, erweitert, umge-</span><br/> <span class="ft4">baut oder verändert werden (Art. 24 ff. RPG , Art. 43 ff. RPV [in der</span><br/> <span class="ft4">Fassung vom 28. Juni 2000] und §§ 68 ff. BauG;). Der Betrieb des</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeführers ist in der Landwirtschaftszone nicht zonenkon-</span><br/> <span class="ft4">form. Die Zuweisung der Parzelle des Beschwerdeführers in die</span><br/> <span class="ft4">Landwirtschaftzone ist indessen deshalb nicht widerrechtlich. Der</span><br/> <span class="ft4">Landwirtschaftszone nach Art. 16 RPG und § 44 BauG kommt in der</span><br/> <span class="ft4">Raumplanung eine multifunktionale Bedeutung zu. Mit dieser Zone</span><br/> <span class="ft4">werden planungsrechtlich nicht nur agrarpolitische, sondern u. a.</span><br/> <span class="ft4">auch siedlungs- und umwelt-, insbesondere landschaftsschutzpoliti-</span><br/> <span class="ft4">sche Ziele verfolgt (vgl. EJPD/BRP, Erläuterungen, S. 213 ff; Bericht</span><br/> <span class="ft4">der Expertenkommission vom 25. März 1994, Bern 1994; S. 9 f.).</span><br/> <span class="ft4">Die Landwirtschaftszone ist gemäss Art. 16 RPG in Verbindung mit</span><br/> <span class="ft4">§ 44 BauG die eigentliche Nichtbauzone und erfüllt so das verfas-</span><br/> <span class="ft4">sungsrechtliche Gebot der Trennung des Baugebietes von Nichtbau-</span><br/> <span class="ft4">gebiet (Art. 75 BV). Damit die Voraussetzungen nach Art. 16 RPG</span><br/> <span class="ft4">und § 44 BauG kumulativ erfüllt sind, ist deshalb nicht erforderlich,</span><br/> <span class="ft4">dass ein Gebiet in diese Zone auch eingeteilt wird. Die Zuweisung</span><br/> <span class="ft4">der Parzelle Nr. ... in die Landwirtschaftszone ist daher nicht zu be-</span><br/> <span class="ft4">anstanden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">222</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">5. Der Beschwerdeführer beantragt, dass die Parzelle Nr. ...</span><br/> <span class="ft4">einer Spezialbauzone, welche den Anforderungen von Art. 15 RPG</span><br/> <span class="ft4">zwar nicht entspricht, aber eine zukünftige Überbauung der Parzelle</span><br/> <span class="ft4">mit Betriebsgebäuden planungsrechtlich sicherstellt, zugewiesen</span><br/> <span class="ft4">wird. Der Gemeinderat S. schliesst sich diesem Antrag an.</span><br/> <span class="ft4">a) Gemäss Art. 18 Abs. 1 RPG kann das kantonale Recht nebst</span><br/> <span class="ft4">den Bauzonen, den Landwirtschafts- und Schutzzonen (Art. 15 -</span><br/> <span class="ft4">Art. 17 RPG) weitere Nutzungszonen vorsehen. Als besondere Zonen</span><br/> <span class="ft4">im Sinne dieser Bestimmung gelten Kleinsiedlungen ausserhalb der</span><br/> <span class="ft4">Bauzonen gemäss Art. 23 RPV. Das Baugesetz hat mit § 15 Abs. 2</span><br/> <span class="ft4">lit. d und § 45 die kantonalen Grundlagen für derartige</span><br/> <span class="ft4">Nutzungszonen geschaffen. Mit der Aufnahme der Weiler im kanto-</span><br/> <span class="ft4">nalen Richtplan bestehen seit dessen Inkrafttreten (17. Februar 1997)</span><br/> <span class="ft4">die definitiven Rechtsgrundlagen. Die Übergangsregelung im Weiler-</span><br/> <span class="ft4">dekret vom 7. September 1993 wurde damit abgelöst (§ 3 Abs. 2 des</span><br/> <span class="ft4">Grossratbeschlusses über den kantonalen Richtplan vom 17. De-</span><br/> <span class="ft4">zember 1996). Darüber hinaus kennt das kantonale Recht keine</span><br/> <span class="ft4">weiteren Bauzonen in Sinne von Art. 18 RPG. Die Spezialbauzonen,</span><br/> <span class="ft4">die in andern Gemeindenutzungsplänen ausgeschieden wurden, sind</span><br/> <span class="ft4">Bauzonen gemäss Art. 15 RPG, für die in der BNO besondere Bau-</span><br/> <span class="ft4">vorschriften festgesetzt sind. So auch bei der vom Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft4">als Referenz angeführten "Gewerbezone Sägerei" in der Gemeinde</span><br/> <span class="ft4">Möhlin. Diese Spezialbauzone entspricht, wie sich aus dem Zonen-</span><br/> <span class="ft4">plan und den dazugehörenden Vorschriften in der Bau- und Nut-</span><br/> <span class="ft4">zungsordnung der Gemeinde Möhlin ergibt, planungsrechtlich den</span><br/> <span class="ft4">Anforderungen von Art. 15 RPG (vgl. Art. 16 Abs. 1 und Abs. 2 lit. c</span><br/> <span class="ft4">BNO Möhlin vom 30. November 1995).</span><br/> <span class="ft4">b) Im Gemeindegebiet S. sind in der Zonenplanung als Weiler</span><br/> <span class="ft4">ausgeschieden: "Reussegg", "Holderstock" und "Wannen". Für das</span><br/> <span class="ft4">Gebiet "Küttig" wurde keine Weilerzone ausgeschieden. Für die Aus-</span><br/> <span class="ft4">scheidung einer Spezialzone für den Betrieb des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft4">im Sinne einer Weilerzone fehlt bereits ein Planungsentscheid der</span><br/> <span class="ft4">Planungsbehörden. Dem Verwaltungsgericht steht nur die Rechts-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">223</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">kontrolle zu. Die Beurteilung von Planungsalternativen, wie sie im</span><br/> <span class="ft4">vorliegenden Fall die Möglichkeit einer Weilerzone darstellt, ist von</span><br/> <span class="ft4">der Kognition des Verwaltungsgerichts deshalb ausgeschlossen. Der</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeführer stellt schliesslich auch keinen Antrag auf Zu-</span><br/> <span class="ft4">weisung des fraglichen Gebiets in die Weilerzone.</span><br/> <span class="ft4">c) Im vorliegenden Fall kann offengelassen werden, ob das</span><br/> <span class="ft4">Verwaltungsgericht auf das Begehren eines privaten Grundeigentü-</span><br/> <span class="ft4">mers, mit dem die Ausscheidung einer Weilerzone verlangt wird,</span><br/> <span class="ft4">eintreten darf. §§ 15 Abs. 2 und 45 BauG sowie Art. 18 Abs. 1 RPG</span><br/> <span class="ft4">schliessen die Ausscheidung einer andern Nutzungszonen in jedem</span><br/> <span class="ft4">Fall aus.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>