<h2>SubmittedText<h2><p>Die ETH hat am 11. September 2015 kommuniziert, dass sie einen neuen Medizin-Bachelor-Studiengang für 100 Studierende lancieren will. Der anschliessende Master an den Universitäten Basel, Zürich oder im Tessin soll Medizinstudierende insbesondere befähigen für eine klinische Forschungstätigkeit, insbesondere auch im hochspezialisierten und dynamischen Medizintechnikbereich.</p><p>Dazu stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Wie beurteilt er diese Pläne der ETH im Lichte des Personalmangels in der medizinischen Grundversorgung, insbesondere wegen fehlender Haus- und Kinderärzte und -ärztinnen und Psychiaterinnen? Inwiefern sind diese Pläne mit dem Masterplan Hausarztmedizin, dem neuen Artikel 117a der Bundesverfassung und der Fachkräfte-Initiative des Bundesrates kompatibel?</p><p>2. Wie beurteilt er den neuen Studiengang an der ETH im Hinblick auf den Erwerb humanistischer, in Ergänzung zu naturwissenschaftlichen Kenntnissen? Wie stellt die ETH konkret sicher, dass die Humanistik neben den naturwissenschaftlichen Grundlagen gleichwertig berücksichtigt wird?</p><p>3. Die Medizin als Fachdisziplin befindet sich an einer Schnittstelle zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft. Das Bachelor-Studium ermöglicht sowohl den Anschluss an ein Master-Studium in der naturwissenschaftlich ausgerichteten ETH, als auch an stärker geisteswissenschaftlich ausgerichteten Universitäten. Wie beurteilt der Bundesrat die Bedeutung geisteswissenschaftlicher Grundlagen in diesem Bachelor-Studium an der ETH?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die genauen Details des an der ETH Zürich geplanten Studiengangs werden derzeit erarbeitet und geprüft, weshalb sich seine Kompatibilität mit den genannten Planungsinstrumenten und insbesondere dem neuen Verfassungsartikel über die medizinische Grundversorgung nicht abschliessend beurteilen lässt. Der geplante Studiengang wird aber in jedem Fall den Akkreditierungsbestimmungen des Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetzes sowie des Medizinalberufegesetzes (MedBG) entsprechen müssen. Er wird deshalb den Lernzielkatalog des Medizinstudiums ("Swiss Catalogue of Learning Objectives for Undergraduate Medical Training") der Schweizerischen Medizinischen Interfakultätskommission erfüllen und zusammen mit dem anschliessenden Masterstudiengang an den kantonalen Partneruniversitäten gemäss MedBG akkreditiert werden müssen. Dadurch ist die Vergleichbarkeit mit den an den kantonalen Universitäten angebotenen Ausbildungen in Humanmedizin gewährleistet.</p><p>2. An der ETH Zürich fördert das Departement Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaften (D-GESS) die geistes- und sozialwissenschaftliche Ausbildung der Studierenden. In allen Studiengängen, die an der ETH Zürich angeboten werden, sind Fächer, welche durch das D-GESS abgedeckt werden, ein fester Bestandteil. Themen wie Ethik, Technologiefolgenabschätzung oder Wissenschaftsphilosophie sind demnach bereits heute Bestandteil des Studienangebots der ETH Zürich und werden, vergleichbar mit den bestehenden Studiengängen in Humanmedizin, auch im an der ETH Zürich geplanten Bachelorstudiengang in Medizin zum Curriculum gehören. Dieser müsste darüber hinaus, wie erwähnt, zusammen mit dem anschliessenden Masterstudiengang an den kantonalen Partneruniversitäten als Einheit nach MedBG akkreditiert werden.</p><p>3. Wie in der Antwort zu Frage 2 ausgeführt, ist das Ausbildungsangebot des D-GESS seit vielen Jahren in allen Studiengängen der ETH Zürich fest verankert. Der Bundesrat erachtet dies als wichtigen Bestandteil der umfassenden Ausbildung, welche Studierende an der ETH Zürich erlangen und misst dem D-GESS sowie seinem Einbezug in den geplanten Studiengang entsprechend hohes Gewicht bei.</p>  Antwort des Bundesrates.