B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3971/2011 U r t e i l v om 2 0 . J u n i 2 0 1 3 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter François Badoud, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer-Bänziger. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Sabina Sorg, Beratungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Juni 2011 / N (…). E-3971/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Tamile aus (…) (Nordprovinz) mit letztem Wohnsitz in (…) (Nordprovinz), verliess Sri Lanka eigenen Angaben z u- folge am (…) 2008 über Colombo auf dem Luftweg. Er flog nach Katar und von dort nach Italien. Anschliessend sei er mit einem Auto nach e i- nem mehrtägigem Aufenthalt an einem ihm unbekannten Ort am 20. Sep- tember 2008 in die Schweiz gebracht worden. Er suchte am 23. September 2008 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nach. Daselbst wurde er am 29. September 2008 befragt (BzP) ; am 3. August 2009 wurde er in Bern -Wabern ange- hört. Zur Begründung seines Gesuchs führte der Beschwerdeführer aus, infol- ge des Krieges sei er im Jahr 1995 aus (…) geflohen. Nach verschiede- nen Aufenthalten – erst in der Umgebung von (…), ab Dezember 1998 von (…) – sei er nach dem Waffenstillstand im Jahr 2003 nach (…) zu- rückgekehrt. Im (…) sei er dort von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zwangsrekrutiert und nach (…) gebracht worden, wo er ein Tra i- ning habe durchlaufen müssen. Nach wenigen Tagen sei ihm die Flucht gelungen. Er sei unverzüglich nach (…) gegangen, wo er bei seinem Cousin gelebt und in (…) als (…) gearbeitet habe. Am (…) hätten Solda- ten der srilankischen Armee seinen Cousin, der in den Jahren (…) und (…) Mitglied der LTTE gewesen sei, entführt ; bis heute fehle jede Spur von ihm. Einige Tage später hätten Soldaten auch n ach ihm zu suchen begonnen, weshalb er sich nur noch an seinem Arbeitsplatz aufgehalten habe. Aus Angst sei er schliesslich legal ausgereist. Der Beschwerdeführer gab seine Identitätskarte und weitere Beweismittel zu den Akten; seinen Reisepass habe der Schlepper zurückbehalten. B. Mit am 14. Juni 2011 eröffneter Verfügung vom 8. Juni 2011 stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete den Wegweisungsvollzug an. E-3971/2011 Seite 3 C. Diesen Entscheid liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertr e- terin mit Beschwerde vom 14. Juli 2011 beim Bundesverwaltungsgericht anfechten. Er beantragte in materieller Hinsicht, die angefochtene Verf ü- gung sei aufzuheben, er sei als Flüchtling a nzuerkennen, und es sei ihm Asyl zu gewähren ; eventualiter sei ihm wegen Unzulässigkeit bezie- hungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme zu gewähren, subeventualiter sei die Sache zur Neubeurte i- lung an die Vorinstanz zurückzuw eisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli chen Prozessführung und Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. D. Der vormals zuständige Instruktionsrichter bestätigte am 19. Juli 2011 den Eingang der Beschwerde und lud das Bundesamt mit Verfügung vom 25. Juli 2012 zur Einreichung einer Vernehmlassung ein, welche beim Gericht am 30. Juli 2012 einging. E. Mit Verfügung vom 16. August 2012 wurde dem Beschwerdeführer Gele- genheit zur Replik eingeräumt, welche unter Beilage mehrerer Beweismit- tel innert erstreckter Frist am 18. September 2012 beim Gericht einging. F. Mit Eingabe vom 2. November 2012 reichte der Beschwerdeführer weit e- re Beweismittel zu den Akten. G. Der neu zuständige Instruktionsrichter bot dem BFM mit Verfüg ung vom 15. Mai 2013 Gelegenheit, zur Replik und zur Eingabe vom 2. November 2012 Stellung zu nehmen ; die Stellungnahme ging beim Gericht am 21. Mai 2013 ein und wurde dem Beschwerdeführer am 22. Mai 2013 zur Kenntnis gebracht. H. Mit Eingabe vom 6. Juni 2013 reichte der Beschwerdeführer einen Zei- tungsartikel zu den Akten. E-3971/2011 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfah- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) zust ändig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie- gend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31). 1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerd e- führung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eing e- reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.1 Zunächst ist auf die Rüge in der Rechtsmitteleingabe einzugehen, die Vorinstanz habe ihre Begründungspflicht und damit den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, weil sie sich ungenau über die Zumu tbarkeit der Wegweisung geäussert habe; es sei nicht klar, ob das BFM die We g- weisung nach (…) als zumutbar erachte oder gar davon ausgehe, dass auch eine Wegweisung nach (…) zumutbar sei. Diese verfahrensrechtliche Rüge ist deshalb vorab zu prüfen, weil s ie al- lenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schwei- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 und EMARK 1994 Nr. 1; A LFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes; 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, m.w.H.). 2.2 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör folgt unmittelbar die behörd- liche Begründungspflicht (Art. 35 Abs. 1 VwVG), wonach die verfügende Behörde ihre Überl egungen, von denen sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt, substan ziiert nennen muss. Eine hinreichende Begründung bildet die Grundlage für eine sachgerechte Anfechtung der Verfügung und stellt daher eine unabdingbare Voraussetzung für die Be- urteilung ihrer Rechtmässigkeit durch die Beschwerdeinstanz dar. Aus E-3971/2011 Seite 5 dem verfassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich a l- lerdings keine Pflicht der Behörden, zu allen im Verfahren vorgetragenen Elementen ausführlich Stellung zu nehm en; sie können sich bei der B e- gründung auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung eines Entscheides muss auf jeden Fall so abgefasst sein, dass ihn der Betroffene gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (vgl. BGE 134 I 183 E. 4.1, BGE 124 V 180 E. 1a). Die Vorinstanz hat sich nach einer allgemeinen Darlegung der Siche r- heitslage in Sri Lanka zur Erfüllung der Zumutbarkeitskriterien im Falle des Beschwerdeführers geäussert. Vor dem Hintergrund ihrer Ausführun- gen zum ehemals vo n den LTTE kontrollierten Vanni-Gebiet, in welchem die Lebensbedingungen nach wie vor als sehr schwierig einzustufen se i- en, ist ihr Hinweis, der Beschwerdeführer stamme aus (…) im Vanni - Gebiet, habe aber einen grossen Teil seines Lebens in (…) gelebt und dort auch gearbeitet, wohl so zu verstehen, dass sie jedenfalls die Weg- weisung nach (…) als zumutbar erachtet. Die vorinstanzliche Begründung weist damit – gemessen an den oben dargelegten Kriterien – eine genü- gende Begründungsdichte auf , was im Übrigen auch daraus hervorgeht, dass dem Beschwerdeführer eine sachgerechte Anfechtung des En t- scheids möglich war. Das BFM hat seine Begründungspflicht im vorli e- genden Fall nicht verletzt. Es besteht kein Anlass, die angefochtene Ve r- fügung aus formellen Gründen aufzu heben und an das B undesamt zu- rückzuweisen. 3. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz- lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglic hen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den E-3971/2011 Seite 6 Tatsachen nicht entsprechen od er massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM führte zur Begründung seines Entscheids in der angefoc h- tenen Verfügung aus, die Vorbringen des Beschwerdeführer s müssten vor dem Hintergrund der allgemei n angespannten Situation betrachtet werden, welche während des Bürgerkriegs geherrscht habe. Nachdem im Jahre 2002 zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ein Waffenstillstand geschlossen worden sei, sei es im Sommer 2006 zu e i- nem Wiederaufflammen des innerstaatlichen bewaffneten Konfliktes zw i- schen der Armee und den LTTE gekommen. Unter den Auseinanderse t- zungen im Norden und Osten Sri Lankas h abe insbesondere die Zivilbe- völkerung zu leiden gehabt. Die Situation stelle sich heute anders dar. Der Krieg zwischen der sri - lankischen Regierung und den separatistischen LTTE sei im Mai 2009 mit deren Niederlage zu Ende gegangen. Seither befinde sich das gesamte Land wieder unter Regierungskontrolle und es sei zu keinen terrorist i- schen Aktivitäten der LT TE mehr gekommen. Diese seien am Ende des Krieges vernichtend geschlagen worden und würden über keine han d- lungsfähige Struktur mehr verfügen. Die LTTE würden damit auch für den Beschwerdeführer keine unmittelbare Bedrohung mehr darstellen. Auch der Einfluss der bewaffneten Gruppen habe seit dem Ende des Bürge r- kriegs stark abgenommen. Es treffe zwar zu, dass die sri-lankischen Behörden auch nach dem Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen alles daran setzen würden, ein Wiedererstarken der LTTE zu verhindern und deshalb nach wie vor gegen ehemalige Kämpfer und Führungspersönlichkeiten d ieser Organisation vorgingen. Der Beschwerdeführer habe aber nie geltend gemacht, ein ak- tives oder sogar führendes Mitglied der LTTE gewesen zu sein. Er habe zudem angegeb en, im (…) 2008 nach Colombo gefahren und dort legal mit seinem Pass über den Flughafen ausgereist zu sein. Dies mache deutlich, dass er bereits zu diesem Zeitpunkt von den sri - lankischen Behö rden nicht mehr ernsthaft verdächtigt worden sei, die LTTE aktiv zu unterstützen oder sonst in irgendeiner Art eine Gefahr für die Sicherheit des Staates darstelle. E-3971/2011 Seite 7 In den Schilderungen des Beschwerdeführers fänden sich zudem keine Hinweise dafür, dass die sri -lankischen Behörden rund zwei Jahre nach dem Ende des Bürg erkriegs ein ernsthaftes Interesse daran haben sol l- ten, gerade ihn zu verfolgen. Angesichts seines inexistenten politischen Profils sei nicht davon auszugehen, dass er zum jetzigen Zeitpunkt mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von asylrelevanten Schwierigke iten b e- droht sei. Seine Vorbringen seien demnach nicht asylrelevant. Der Beschwerdeführer mache weiter Verfolgung seitens der LTTE ge l- tend; er sei im Jahre (…) zwangsrekrutiert worden. Die Organisation gelte heute als geschlagen und stelle für ihn keine Gefahr mehr dar. Zudem würde es sich hierbei um Verfolgungsmassnahmen seitens Dritter ha n- deln, die von den staatlichen Behörden geahndet würden. Sollte er erneut belästigt werden, bestehe für ihn demnach die Möglichkeit, sich an die lo- kalen zuständigen Instanzen zu wenden, um Schutz zu ersuchen. Somit seien auch die Vorbringen bezüglich einer Verfolgung durch die LTTE asylrechtlich unbeachtlich. Auch die ins Recht gelegten Beweismittel könnten keine asylrelevante Verfolgung durch die Behörden belege n. Mit Ausnahme der eigenen G e- burtsurkunde würden sich alle Dokumente auf den Cousin und die Eltern des Beschwerdeführers beziehen und keine Hinweise auf eine vergang e- ne oder zukünftige Verfolgung durch die Behörden enthalten. Allein der Umstand, dass der Cousin, bei dem er gewohnt habe, im (…) festge- nommen und der Beschwerdeführer danach angeblich gesucht worden sei, begründe keine Furcht vor asylbeachtlichen Verfolgungsmassna h- men der Behörden zum heutigen Zeitpunkt. Die Vorbringen des Beschwerdeführers w ürden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei. Die Folge der Ablehnung eines Asylgesuches sei gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG in die Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Vollzug sei zu- lässig und zumutbar; gegen den Vollzug der Wegweisung in den Heima t- staat würden weder die vor Ort herrschende Sicherheitslage noch indiv i- duelle Gründe sprechen. Ausserdem sei der Wegweisungsvollzug auch technisch möglich und praktisch durchführbar. 4.2 In der Rechtsmitteleingabe bringt der Beschwerdeführer nach einer Rekapitulation des Vorgefallenen und Ausführungen zu Art. 2 und 3 AsylG E-3971/2011 Seite 8 unter Hinweis auf Berichte zur Situation in Sri Lanka vor, die Lage für die tamilische Bevölkerung und insbeson dere für mutmassliche LTTE -Sym- pathisanten habe sich keineswegs verbessert. Die Notstandsgesetzg e- bung, welche immer noch in Kraft sei, erlaube die präventive Haft für Te r- rorverdächtige ohne Gerichtsverfahren. Sofern ein solches stattfinde, se i- en gar unter Folter gemachte Geständnisse zulässig. Zu erwähnen seien auch die Tötungen von Personen in Polizeigewahrsam. Personen, die für die LTTE tätig gewesen seien oder im Verdacht stü n- den, mit der Organisation sympathisiert oder für diese spioniert zu haben, müssten immer noch mit Verfolgung, Verhaftung und Folter bis hin zu ex- tralegaler Tötung durch sri-lankische Sicherheitskräfte rechnen. Seit En - de des Bürgerkrieges habe der Staat Zugriff auf alle Landesteile, so dass für asylrechtlich Verfolgte keine inländi sche Fluchtalternative zur Verf ü- gung stehe. Eine Sichtung der Berichterstattungen seit anfangs des Jahres 2011 ze i- ge eine breite Palette an Menschenrechtsverletzungen der tamilischen Bevölkerung im Osten und Norden Sri Lankas, die von Schikane n bis hin zu Tötungen gehen würden. Der Cousin des Beschwerdeführers sei weder besonders lange Mitglied der LTTE gewesen, noch habe er dort eine höhere Position inne gehabt. Trotzdem sei er deswegen entführt worden. Da auch nach dem B e- schwerdeführer gesucht worden sei, müsse davon ausgegangen werden, dass eine Akte über ihn existiere und bei einer Rückkehr nach Sri Lanka das konkrete Risiko bestehe, den zuvor geschilderten Repressalien au s- gesetzt zu sein. Er könnte mit keinerlei Rückhalt oder Sicherheit durch e i- nen familiären Kontakt rechnen, da seine Familie nicht auffindbar sei. Der Beschwerdeführer sei zwar mit seinem Pass, aber mit Hilfe eines Schleppers ausgereist, der ihn an den "richtigen Kontrollen" vorbeig e- schleust habe. Er (…) seit über einem Jahr (…), in welcher (…) über die Situation in Sri Lanka, schwerpunktmässig über die politischen und sozialen Gesche h- nisse, berichte. Die Inhalte (…) könnten für die Behörden Sri Lankas Grund genug sein, ihm Verbindungen zu den LTTE oder sonstige regime- kritischen Tätigkeiten vorzuwerfen. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten in der Schweiz bestehe für ihn bei der Rückkehr eine erhöhte Gefahr, ver- folgt zu werden. E-3971/2011 Seite 9 Er sei als Rückkehrer grundsätzlich gefährdet, willkürlichen Massnahmen seitens der Regierung ausgesetzt zu werden. So werde jeder Anköm m- ling am Flughafen Colombo vom State Intelligence Service (SIS) und vom Departement of Immigration and Emigration (DIE) be fragt, die Persona- lien würden mit einer Liste von wegen Terrorismus gesuchten Personen verglichen und gegebenenfalls an das Criminal Investigation Department (CID) weitergegeben. Die Chance, dass dabei die bekannten Verbindu n- gen zu den LTTE nicht entdeckt würden, sei äusserst klein. Gemäss ei- nem Bericht des dänischen Immigration Service würden insbesondere Tamilen, die das Land zur Kriegszeit verlassen hätten, und nun zurückkä- men, eine eigene Risikogruppe für Verhaftungen bilden. Tamilen in Sri Lanka seie n generell einem erhöhten Risiko willkürlicher Polizeimassnahmen ausgesetzt. Da dies poten ziell für die gesamte tam i- lische Bevölkerung im Norden und Osten des Landes gelte, könne nach wie vor von einem Generalverdacht gegenüber der tamilischen Bevölk e- rung ausgegangen werden. Gleiches gelte nach Ansicht der Norweg i- schen Botschaft in Sri Lanka insbesondere für Rückkehrer. Dies führe dazu, dass Familienangehörige, die bislang ohne Probleme gelebt hätten, äusserst unwillig seien, ihre eigene Sicherheit für rückkehrende Verwand- te mit erwiesenen Verbindungen zu den LTTE zu gefährden. Der Beschwerdeführer erfülle demnach die Anforderungen an die Flüch t- lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG. Sollte das Gericht die Gefäh r- dungslage wider Erwarten nicht als asylrelevant qualifizieren, sei der Wegweisungsvollzug zumindest unzulässig, jedenfalls aber unzumutbar. Die aktuelle Sicherheits - und Menschenrechtslage im Osten und Norden Sri Lankas sei trotz Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 noch klar ungenügend. Er habe in Sri Lanka keine Verwandten, zu denen er noch Kontakt habe. Er verfüge demnach über kein tragfähiges Beziehungsnetz. Er habe kurz nach seiner Einreise in die Schweiz beim International Committee of the Red Cross (ICRC) eine erfolglose Suchmeldung für sein e Mutter aufg e- geben. Der Bruder seiner Mutter, der in (…) gelebt habe, sei infolge Krankheit verstorben. Zum Bruder der Mutter in (…) habe er nie Kontakt gehabt, und es sei ihm bis heute nicht gelungen, einen solchen herzustel- len. Die Schwester der Mutter, die in (…) gelebt habe, habe er über eine bekannte Familie zu kontaktieren versucht ; er habe die Nachricht erha l- ten, seine Tante lebe nicht mehr dort. Die anderen beiden Schwestern seiner Mutter, die in (…) gelebt hätten, seien wie seine Mutter spurlos E-3971/2011 Seite 10 verschwunden. Auch nach ihnen habe er intensiv gesucht. Zu den Ve r- wandten väterlicherseits habe er nie Kontakt gehabt. Er habe trotzdem erfolglos versucht, diese ausfindig zu machen. Als er im Jahr (…) nach (…) zurückgekehrt sei, habe er dort sehr versteckt gelebt. Der damalige Arbeitgeber sei neben der Familie seines Cousins die einzige Person g e- wesen, zu der er genügend Vertrauen gehabt habe; dieser sei in der Zwi- schenzeit verstorben. Die Frau seines Cousins habe wieder geheiratet und den Kontakt zu ihm abg ebrochen. In der Schweiz habe er sich dag e- gen gut integriert, wovon die zu den Akten gereichten Solidaritätsschre i- ben zeugen würden. Es sei ihm hier zumindest die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 4.3 Das BFM hält in seiner ersten Vernehmlassung vom 27. Juli 2012 an seinem bisherigen Standpunkt fest. Ergänzend bringt es vor, der B e- schwerdeführer mache geltend, er sei in der Schweiz beim (…) für (…) verantwortlich. Diese Tätigkeit vermöge im Falle der Rückkehr keine asyl- relevante Verfolgung zu begründen. Den Akten könnten keine Hinweise darauf entnommen werden, dass die sri -lankischen Behörden von dieser Tätigkeit auch nur Kenntnis genommen oder gar gestützt darauf irgen d- welche Massnahmen zum Nachteil des Beschwerdeführers eingeleitet hätten. Er habe es bezeic hnenderweise auch unterlassen, Einzelheiten zum (…) anzugeben. Erheblich und relevant für die Beurteilung der ko n- kreten Bedrohung sei eine exilpolitische Tätigkeit nur dann, wenn der Betreffende nach aussen erkennbar, persönlich exponiert und virulent r e- gimefeindlich aktiv werde oder wenn sich seine politischen Aktionen als Fortführung einer bereits im Heimatland betätigten festen Überzeugung darstellen und eine gewisse Intensität erreichen würden. Den Akten seien keine Hinweise zu entnehmen, dass dies vorl iegend der Fall sei. Der B e- schwerdeführer verfüge somit nicht über ein politisches Profil, das ihn bei der Rückkehr nach Sri Lanka einer konkreten Gefährdung aussetzen würde. Es werde daher die Abweisung der Beschwerde beantragt. 4.4 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Replik vom 17. September 2012 unter Hinweis auf Unterlagen zu seiner angeblich exilpolitischen Tä- tigkeit vor, seine (…) sei entgegen der Annahme der Vorinstanz polit i- scher Natur. Er arbeite seit (…) bei (…). Er habe die Initiative zur (…) entwickelt und di ese zunächst allein , nunmehr mit einem Kollegen z u- sammen (…). In der Ankündigung zur (…) sei er mit B._______ erschie- nen, er (…) aktuell aber unter dem Alias " C._______". Die (…) betrage wöchentlich (…) Stunde. Der (…) sei vorwiegend politische r Natur. Er (…). Er habe sodann zusammen mit anderen Personen (…); (…). E-3971/2011 Seite 11 4.5 Das BFM hält in seiner zweiten Vernehmlassung vom 17. Mai 2013 ohne ergänzende Erwägungen an seinem bisherigen Standpunkt fest und beantragt die Abweisung der Beschwerde. 4.6 In der Eingabe vom 6. Juni 2013 weist der Beschwerdeführer auf ve r- schiedene Berichte zur Menschenrechtssituation in Sri Lanka und die neuere Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts hin. Vorab wü r- den die Guidelines des Amtes des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) vom 21. Dezember 2012 eine Neubeurte i- lung der hier vorliegenden Gefährdung nahelegen. Auch die weiteren e r- wähnten Berichte würden auf eine zunehmende Verbreitung und Ve r- schärfung der Menschenrechtsverletzungen in Sri Lanka schliessen, wes- halb vorliegend aufgrund der individuellen Gefährdungsmerkmale ein flüchtlings- und menschenrechtliches Rückschiebungsverbot zu bejahen sei. 5. 5.1 Massgebend für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG ist die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheids, wobei erli t- tene Verfolgung oder begründete Furcht vor Verfolgung im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Heimatland ein Hinweis auf weiterbestehe nde Gefähr- dung sein kann (vgl. BVGE 2008/4 Nr. 5.4, mit weiteren Hinweisen). Dem Gericht sind die vom Beschwerdeführer erwähnten Lageberichte zur Menschenrechtssituation in Sri Lanka bekannt. Entscheidend für die B e- urteilung des vorliegenden Falles ist indessen die Lagebeurteilung des Gerichts, wie sie im Grundsatzurteil BVGE 2011/24 (vom 27. Oktober 2011) einlässlich zur Darstellung gelangt, und eine gestützt darauf vorz u- nehmende Überprüfung der individuellen Gefährdungsmerkmale des B e- schwerdeführers. Gemäss dem erwähnten Grundsatzurteil sind Personen einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt, die gewissen Risikogru p- pen angehören. Zu diesen Risikogruppen gehören namentlich der polit i- schen Opposition verdächtigte Personen, kritisch auftretende Journalisten und Medienschaffende, Menschenrechtsaktivisten und Vertreter regim e- kritischer Nichtregierungsorganisationen, weiter Personen, die Opfer oder Zeuge schwerer Menschenrechtsverstösse wurden oder diesbezüglich rechtliche Schritte einleiten, und Rückkehrer aus der Schweiz, denen na- he Kontakte zu den LTTE unterstellt werden beziehungsweise die über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen (vgl. a.a.O. E. 8.1 bis 8.5). 5.2 Die LTTE sind vernichtend geschlagen worden, weshalb aktuell für eine Furcht vor einer Verfolgung durch diese kein Anlass mehr besteht. E-3971/2011 Seite 12 Der Beschwerdeführer gehört sodann zu keiner der vorgenannten Risiko- gruppen. Zwar brachte er anlässlich der Befragung und der Anhörung vor, er fürchte sich vor einer Verfolgung durch die sri -lankischen Sicherheits- kräfte, weil diese ihn nach der Festnahme seines Cousins, der in den Jahren (…) Mitglied der LTTE gewesen sei, gesucht hätten . Er weist je- doch kein politisches Profil auf, das darauf schliessen liesse, dass er se i- tens der heimatlichen Behörden als politis ch oppositionell wahrgeno m- men würde, zumal er weder Mitglied der LTTE noch Sympathisant dieser Organisation gewesen ist und in der Anhörung vorgebracht hat, er habe kein Interesse an Politik (vgl. Akten BFM 17/12 F 42) . Es ist aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, welches Interesse die Sicherheitskräfte, deren Mittel beschränkt sind und deshalb nach klaren Prioritäten eingesetzt werden, im jetzigen Zeitpunkt an ihm haben sollten. Die Vorinstanz hat zu Recht festgestellt, dass die Vorbringen asylrechtlich unbeachtlich seien. Es sind keine Hinweise dafür ersichtlich, die sri -lankischen Behörden könnten heute – vier Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges – ein ernsthaftes Interesse daran haben, ihn zu verfolgen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann diesbezüglich auf die ausführlichen und zutreffe n- den Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Er- gänzend dazu ist festzustellen, dass die Vorbringen zur angeblichen S u- che der Sicherheitskräfte nach ihm sehr vage und unsubstanziiert ausg e- fallen sind. So konnte er in der Anhörung auf die erste Nachfrage hin, wie oft die Soldaten nach ihm gesucht hätten keine Antwort geben (vgl. A 17/12 F 71). Vor diesem Hintergrund erscheint seine spätere Aussage in derselben Anhörung (vgl. A 17/12 F 87 f.), nach ihm sei "mehrere Male" gesucht worden, "durchschnittlich zwei bis drei Mal pro Woche" , unglaub- haft. Auch konnte er auf die Festnahme seines Cousins angesprochen, der dannzumal bereits seit (…) Jahren nicht mehr LTTE-Mitglied gewesen war, keine Angaben zum Grund der Festnahme machen; insbesondere wusste er nicht, ob der Cousin wegen seiner früheren Zugehörigkeit zu den LTTE verschleppt worden war oder ob es andere Gründe dafür gab (vgl. A 17/12 F66 ff.). Insgesamt erscheint es a ngesichts des fehlenden politischen Profils des Beschwerdeführers nicht wahrscheinlich, dass dieser bei der Rückkehr in den Fokus der Behörden geraten könnte beziehungsweise ihm im Rah- men der routinemässigen Überprüfung bei der Rückkehr eine unmensc h- liche Behandlung drohen würde . Laut seinen Angaben hat er lediglich – wie zahlreiche andere Personen tamilischer Ethnie – im Jahr (…) unter Zwang während (…) Tagen das damals obligatorische und in seinem Fall rein physische Training der LTTE im Vanni-Gebiet absolviert. Eine Beteili-E-3971/2011 Seite 13 gung an Kampfhandlungen oder andere n namhaften Aktivitäten für die LTTE beziehungsweise Kontakte zu deren Kaderleuten bringt der B e- schwerdeführer nicht vor. Auch der Umstand, dass er sein Heimatland während des Bürgerkrieges verlassen hat, sich seit über vier Jahren in der Schweiz aufhält und hier ein Asylgesuch eingereicht hat, vermag nicht zur Annahme einer begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu füh- ren, da keine Anhaltspunk te dafür bestehen, dass er sich im nahen U m- feld der LTTE bewegen würde. Die eingereichten Solidaritätsschreiben aus seinem schweizerischen Umfeld sind asylrechtlich unbeachtlich. 5.3 Der Beschwerdeführer macht exilpolitisches Engagement geltend, weshalb zu pr üfen ist, ob er aufgrund des Vorliegens von subjektiven Nachfluchtgründen begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfo l- gung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka im Sinne von Art. 3 AsylG hat. Er bringt auf Beschwerdeebene vor, er arbeite seit (…) bei (…). (…). Mit der "(…)" lässt sich ein vorwiegend politischer Inhalt von "(…) jedenfalls nicht glaubhaft darlegen. Im Übrigen ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung, dass sich der Beschwerdeführer in seinem Heimatland durch keinerlei politische Aktivitäten ausgezeichnet hatte und anlässlich der An- hörung angab, kein Interesse an der Politik zu haben (vgl. A 17/12 F 42). Dass er sich heute plötzlich für die Interessen der geschlagenen LTTE stark machen sollte, ist deshalb – abgesehen von den fehlenden Nac h- weisen für diese Behauptung – unlogisch und unglaubhaft, zumal er ja nur unter Zwang kurze Zeit bei den LTTE gewesen sein will . Den Akten können keine überzeugenden Hinweise darauf entnommen werden, dass die (…) für die sri-lankische Regierung einen ernstzunehmenden Störfak- tor darstellen würde . Hinzu kommt, dass (…) sehr begrenzt ist, (…). Auf dem mit Eingabe vom 6. Ju ni 2013 eingereichten Zeitungsartikel der (…) vom (…) ist der Beschwerdeführer zusammen mit (…) abgebildet. Der Zeitungsartikel, welcher ohne politische n Bezug über das Entstehen von (…) berichtet, nennt ebenfalls keine Namen, so dass keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Person des Beschwerdeführers gezogen werden können. Damit liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, der Beschwerdefüh- rer könnte wegen exilpolitischen Aktivitäten einer spezifischen Gefäh r- dung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sein. 5.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und die Vorinstanz dessen Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. E-3971/2011 Seite 14 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An- spruch auf E rteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Ver pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Da dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigenschaft z u- kommt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Z u- lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver- fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101]). Im Lichte dieser Bestimmungen sind keine Anhaltspunkte dafür auszum a- chen, der Beschwerdeführer wäre im Falle einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ein er verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt. Der Wegweisungsvollzug ist de m- nach zulässig. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG die vo r- läufige Aufnahme zu gewähren. E-3971/2011 Seite 15 7.3.1 In Bezug auf die allgemeine Lage in Sri La nka kann auf die vom Bundesverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung der Situation in BVGE 2011/24 verwiesen werden, welche im Wesentlichen mit der Praxis der Vorinstanz übereinstimmt. Demnach ist seit dem Ende des bewaffn e- ten Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 von einer erheblich verbesserten Menschenrechts- und Sicherheits- lage auszugehen, wobei sich die Situation nicht in allen Landesteilen gleich präsentiert. Da sich die Lage in der Ostprovinz weitgehend stabil i- siert und normalisiert hat, wird der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet dieser Provinz grundsätzlich als zumutbar erachtet (vgl. a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist hingegen differenziert einz u- schätzen, da sich die Situation dort gebietsweise sehr unterschiedlich gestaltet. In den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regi e- rungskontrolle stehen – namentlich die Distrikte Jaffna und die südlichen Teile der Distrikte Vavuniya und Mannar – herrscht heute weder eine S i- tuation allgemeiner Gewalt noch ist die politische Lage dermassen ang e- spannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste (vgl. a.a.O. E. 13.2). Angesichts der nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber eine sorgfältige Beurteilung der individu ellen Z u- mutbarkeitskriterien auf, wobei nebst der allgemeinen Zumutbarkeit auch dem zeitlichen Element Rechnung zu tragen ist (vgl. a.a.O. E. 13.2.1.1 und E. 13.2.1.2). In das sogenannte Vanni -Gebiet hingegen, welches die Distrikte Kilinochchi und Mullaiti vu (samt diesen beiden Städten), die nördlichen Teile der Distrikte Mannar und Vavuniya sowie einen schmalen Landstreifen an der Ostküste des Jaffna -Distrikts umfasst, ist eine Rüc k- kehr aufgrund der aktuellen Lage weiterhin als unzumutbar einzustufen (vgl. a.a.O. E. 13.2.2). In das übrige Staatsgebiet Sri Lankas ist der We g- weisungsvollzug grundsätzlich zumutbar (vgl. a.a.O. E. 13.3). 7.3.2 Der (…)-jährige, ledige und den Akten nach gesunde Beschwerd e- führer stammt aus der Nordprovinz. Er lebte von seiner Geburt bis zu sei- nem (…). Altersjahr im innerhalb des Vanni-Gebiets liegenden Bezirk (…). In der Folge hielt er sich bis zu seinem (…). Altersjahr im (…) auf und be- suchte in (…) die Schulen bis und mit Sekundarstufe. Nach einem vie r- jährigen Aufenthalt im Bezirk (…) wohnte er von (…) bis zu seiner Ausrei- se im (…) 2008 erneut in (…), wo er als (…) in einer (…) arbeitete. Auf- grund des langjährigen Wohnsitzes des Beschwerdeführers in (…) und seiner eigenem Bekunden nach guten dortigen Ortskenntnisse (vgl. A 17/12 F 57) darf davon ausgegangen werden, dass er im nicht zum Va n- ni-Gebiet gehörenden Teil der Nordprovinz über tragfähige soziale Bezi e- hungen verfügt und dort Unterstützung vorfinden wird. Seine erst auf Be-E-3971/2011 Seite 16 schwerdeebene vorgebrachten und abgesehen von den Suchbemüh un- gen um seine Mutter nicht substanziierten gegenteiligen Beteuerungen können ihm nicht geglaubt werden : Es fällt auf, dass alle Personen, die zum engeren familiären und verwandtschaftlichen Kreis gehören, ve r- schwunden, nicht erreichbar oder nicht unterstü tzungsfähig sein sollen, was zum Schluss führt, der Beschwerdeführer halte den schweizerischen Behörden Informationen vor, um eine Rückschaffung nach Sri Lanka zu verunmöglichen. Seine abgeschlossene Schulbildung und die ersten b e- ruflichen Erfahrungen im Heimatland sollten ihm künftig den Aufbau einer Existenzgrundlage ermöglichen, auch wenn die Reintegration nach mehr- jähriger Landesabwesenheit nicht ganz einfach sein dürfte, was indessen noch keine konkrete Gefährdung im Sinn des Geset zes bedeutet. Eine allfällige schweizerische Rückkehrhilfe kann ihm den Wiedereinstieg in Sri Lanka ebenfalls erleichtern (Art. 62 ff. der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]). Die verschiedenen Ortswechsel innerhalb Sri Lankas und die Bereitschaft, al- lein in die Schweiz zu reisen, lassen zudem auf die Fähigkeit des B e- schwerdeführers schliessen, sich an veränderte Verhältnisse anzupa s- sen. Im Übrigen genügen bloss soziale und wirtschaftliche Schwierigke i- ten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG dar- zustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl in genereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513-515), weshalb der Vollzug der Wegw eisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und E-3971/2011 Seite 17 vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) . Nachdem aber aufgrund der Aktenlage von dessen Bedürftigkeit auszugeh en ist und die B e- schwerde nicht als aussichtslos bezeichnet werden konnte, ist in Gu t- heissung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfü h- rung im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG von einer Kostenauflage abzus e- hen. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhe bung eines Kostenvorschu s- ses wird damit hinfällig. (Dispositiv nächste Seite) E-3971/2011 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und C._______. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Jeannine Scherrer-Bänziger