B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2555/2018 mel U r t e i l v o m 2 1 . J a n u a r 2 0 1 9 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Daniela Brüschweiler, Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. Parteien A._______, geboren am (…), gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik), vertreten durch Ass. iur. Christian Hoffs, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 29. März 2018 / N (…). D-2555/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu- folge am (…) 2015 in Richtung Nepal. Von dort aus reiste er auf dem Luft- weg an einen unbekannten Ort, bevor er schliesslich mit dem Zug am 17. August 2015 die Schweiz erreichte. Gleichentag s stellte er im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ ein Asylgesuch. Am 1. September 2015 wurde er im Rahmen einer Befragung zur Person (BzP) zu seinen persönlichen Umständen, seinem Reiseweg sowie summarisch zu seinen Gesuchsgründen befragt. Am 23. Dezember 2016 hörte ihn das SEM einlässlich zu seinen Asylgründen an. B. B.a Der Beschwerdeführer brachte vor, er sei chinesischer Staatsangehö- riger tibetischer Ethnie und stamme aus dem Dorf C._______ (D._______), welches im Kreis E._______, Gebiet F._______, liege. Sein Vater habe nicht gewollt, dass er eine Schule besuche, weil dort nur in chinesischer Sprache unterrichtet werde. Er habe deshalb stets als Bauer auf den Fel- dern seiner Familie gearbeitet. Eines Tages habe er zusammen mit seinem Freund G._______ beschlossen, die sogenannte Lhakar-Bewegung in sein Dorf zu bringen. Dabei werde jeweils am Mittwoch die tibetische Kultur ge- pflegt, indem tibetische Kleider getragen werden, nur in tibetischen Res- taurants gegessen und ausschliesslich in tibetischer Sprache kommuni- ziert werde. Um die Dorfbewohner über diese Sache zu informieren, hätten sie zu einer Versammlung in der Dorfhalle eingeladen. Daraufhin sei der Anlass an zwei Tagen – dem (…) und dem (…) 2015 – durchgeführt wor- den. Am (…) 2015 habe der Geme indevorsteher, der oft Kontakt mit der Polizei und der chinesischen Regierung habe, ihm und G._______ mitge- teilt, dass ihre Aktivitäten den Behörden bekannt geworden seien und ihr Leben in Gefahr sei. Er sei umgehend nach Hause gegangen und habe seine Familie darüber in Kenntnis gesetzt. Seine Mutter habe geweint und der Vater habe ihm gesagt, er müsse sofort zu seiner Tante in Nepal flie- hen. Er habe ihm Geld, Korallen und Dzisteine sowie die Telefonnummer seiner Tante mitgegeben. Danach habe er sich mit G._______ getroffen und sei mit ihm zur Hauptstrasse gegangen, wo sie einen Lastwagenfahrer darum gebeten hätten, sie gegen Bezahlung nach H._______ zu bringen. Am Abend seien sie in H._______ angekommen und hätten später in ei- nem Sherpa-Restaurant einen Schlepper für die Ausreise nach Nepal ge- funden. Sie seien noch in derselben Nacht zu Fuss aufgebrochen und schliesslich an einen Fluss gelangt, den sie mithilfe eines Seils überquert D-2555/2018 Seite 3 hätten. Danach seien sie bereits in Nepal gewesen. Von dort aus habe er seine Tante kontaktiert, bei welcher er sich in der Folge zwei Monate lang aufgehalten habe, bevor er mit dem Flugzeug nach Europa gereist sei. B.b Der Beschwerdeführer reichte weder Identitätspapiere noch andere Unterlagen zum Nachweis seiner Identität zu den Akten. C. C.a Im Auftrag des SEM wurde am 18. April 2017 mit dem Beschwerdefüh- rer ein Telefoninterview geführt. Die sachverständige Person kam in ihrem Bericht vom 11. September 2017 nach Evaluation seiner landeskundlich - kulturellen Kenntnisse und einer linguistischen Analyse zum Schluss, der Beschwerdeführer sei sehr wahrscheinlich nicht i m behaupteten geogra- phischen Raum sozialisiert worden, sondern in der exiltibetischen Gemein- schaft ausserhalb der Volksrepublik China. C.b Mit Schreiben vom 31. Januar 2018 gewährte das SEM dem Be- schwerdeführer das rechtliche Gehör zum Abklärungsergebnis. Dabei führte es aus, der Beschwerdeführer habe zwar gewisse landeskundlich - kulturelle Kenntnisse zur angegebenen Herkunftsregion vorweisen k ön- nen. So habe er die Namen einiger Ortschaften und eines Flusses sowie eine von drei erfragten Distanzangaben korrekt benannt. In seinen Ausfüh- rungen hätten sich aber auch viele Lücken und Unstimmigkeiten befunden, welche auch unter Berücksichtigung der angeblich fehlenden Schulbildung nicht erklärbar seien. So sei es unerwartet für eine Person, die (…) Jahre in der Autonomen Region Tibet gelebt haben wolle, dass sie nicht wisse, welcher Gemeinde der angegebene Herkunftsort unterstellt sei. Zudem handle es sich bei einer der vom Beschwerdeführer aufgezählten Nachbar- gemeinden um ein Kloster, bei einer anderen um einen Passübergang. Weiter habe er zwei bedeutende Städte genannt und ausgeführt, diese lä- gen von seinem Herkunftsort aus gesehen in verschiedenen R ichtungen. Tatsächlich aber lägen diese in derselben Richtung. Er habe auch keine Angaben zur Entfernung zweier Nachbardörfer machen können, obwohl er bereits dort gewesen sei. Von vier benachbarten Kreisen habe er nur einen nennen können. Sodann wäre zu erwarten gewesen, dass der Beschwer- deführer – auch wenn er selbst keine Schule besucht habe – gewisse Kenntnisse über das Schulwesen besitze, was aber nicht der Fall gewesen sei. Auch hinsichtlich des Erhalts von Dokumenten habe er falsche und unzureichende Angaben gemacht, obwohl er eigenen Angaben zufolge ei- nen Personalausweis besessen habe. Des Weiteren habe die Analyse der D-2555/2018 Seite 4 Sprache des Beschwerdeführers ergeben, dass diese im morpholo- gisch/morphosyntaktischen und im lexikalischen Bereich über keine Ge- meinsamkeiten mit dem Dialekt von E._______ verfüge. Vielmehr habe die von ihm gesprochene Sprache fast ausschl iesslich Gemeinsamkeiten mit dem Dialekt von Lhasa respektive der im Exil gesprochenen Sprache (exil- tibetische Koine) aufgewiesen. Auch seine Kenntni sse der chinesischen Sprache entsprächen nicht denjenigen, die von einer Person mit der vom Beschwerdeführer vorgebrachten Biografie zu erwarten gewesen wären. C.c Nach Einsicht in die Aufzeichnung des Telefoninterviews nahm der Be- schwerdeführer mit Eingabe vom 1. März 2018 Stellung und hielt an seinen bisherigen Herkunftsangaben fest. Er machte insbesondere geltend, dass es zwischen ihm und der gesprächsführenden Expertin zu Verständigungs- schwierigkeiten gekommen sei, welche auf ihre unterschiedlichen Dialekte – die Expertin habe sehr schnell und in einer Mischung aus Amdo - und Lhasa-Dialekt gesprochen – zurückzuführen seien. Zudem sei sie ihm ge- genüber forsch und ungeduldig gewesen, habe ihn kaum ausreden lassen und mehrmals mit lauter Stimme gefragt, warum er etwas nicht wisse. Die Expertin habe sich ihm gegenüber nicht korrekt verhalten und bereits wäh- rend des Gesprächs Wertungen seiner Aussagen vorgenommen, was Zweifel an ihrer notwendigen Objektivität und Neutralität aufkommen lasse. Da der Werdegang der gesprächsführenden Person nicht offengelegt wor- den sei, könne nicht überprüft werden, ob diese über ausreichende Quali- fikationen verfüge. Auch die Informationen zum Werdegang und der Qua- lifikation der sachverständigen Person seien derart allgemein gehalten, dass kaum Rückschlüsse auf die für den vorliegenden Fall relevanten Kenntnisse gezogen werden könnten. Deren Spezialwissen soll die ge- samte Volksrepublik China umfassen, was von der Fläche her ungefähr derjenigen von Europa entspreche. Es erscheine zumindest fragwürdig, ob sie seine Herkunft aus C._______, einem kleinen Dorf mit ungefähr (…) Häusern, beurteilen könne, zumal die sac hverständige Person selbst aus Westeuropa stamme. Weiter sei eine abschliessende Stellungnahme zum Abklärungsergebnis nicht möglich, weil aus dem Schreiben des SEM vom 31. Januar 2018 nicht ersichtlich sei, in welchem Verhältnis die korrekten Antworten zu den Unstimmigkeiten und Lücken stünden. Letztere würden denn auch nicht in einer ausreichend detaillierten Weise zusammenge- fasst, welche es ermöglichen würde, konkrete Einwände anzubringen. Zu- dem könnten das Bildungsniveau und der soziale Hintergrund die v om SEM aufgeführten Ungereimtheiten erklären. Er habe sein Heimatdorf nur zweimal in seinem Leben verlassen. Das erste Mal sei zusammen mit sei- nem Vater gewesen, um den Personalausweis anfertigen zu lassen, das D-2555/2018 Seite 5 zweite Mal bei der Flucht. Er kenne die umliegenden Ortschaften und Dis- tanzangaben nur durch Aussagen von Dritten, weshalb er auch die Be- zeichnungen von administrativen Einheiten und Entfernungen nicht kenne. Eine Schule habe er nie besucht, weshalb er über kein Wissen zum Schul- system verfüge. Da er niemanden persönlich gekannt habe, der eine Schule besucht habe, sei diese in seinem sozialen Umfeld nie thematisiert worden. Zur linguistischen Analyse sei anzumerken, dass er nicht den Di- alekt von E._______ spreche, sondern jenen seines Vaters übernommen habe, der aus Ütsang stamme. Aufgrund der Grenznähe und des zuneh- menden Handels in seiner Heimatregion werde E._______ auch immer mehr zum „melting pot“ und der ursprüngliche E._______-Dialekt werde zunehmend verdrängt. Zu den Chinesischkenntnissen des Be schwerde- führers sei anzumerken, dass er zwar gewisse Ausdrücke und Wörter ver- stehe. In seinem Umfeld sei aber ausschliesslich Tibetisch gesprochen worden. Die gesprächsführende Person habe seine Kenntnisse überprüft, indem sie nur noch Chinesisch und schnell auf ihn eingeredet habe, worauf er ihr kaum mehr habe folgen können. Sie habe auch nicht gefragt, welche Wörter er kenne. D. Mit Verfügung vom 29. März 2018 – eröffnet am 3. April 2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingse igenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung sowie deren Voll- zug unter Ausschluss der Volksrepublik China an. E. Mit Eingabe vom 3. Mai 2018 erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid beim Bundesver- waltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefoch- tenen Verfügung, die Feststellung seiner Flüchtlingsei genschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung in den Dispositivziffern 1 – 4 und 6 aufzuheben und das SEM anzuweisen, seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihn wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei der Ent- scheid aufzuheben und die Sache zur erneuten Prüfung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. In formeller Hinsicht ersuchte er um un- entgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes im Sinne von Art. 110a Abs. 1 Bst. a und Abs. 3 AsylG in der Person des unterzeichnenden Rechtsvertre- ters. Als Beschwerdebeilagen wurden – neben einer Vollmacht sowie der angefochtenen Verfügung – ein Untersuchungsbericht des (…) vom (…) D-2555/2018 Seite 6 2016, ein Kurzbericht der Hilfswerksvertretung vom 23. Dezember 2016, ein Kartenausschnitt der Autonomen Region Tibet sowie eine Kostennote eingereicht. F. Der Instruktionsrichter stellte mit Verfügung vom 9. Mai 2018 fest, der Be- schwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar- ten. Gleichzeitig hiess er das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorge- bestätigung gut und ord nete dem Beschwerdeführer Ass . i ur. Christian Hoffs als amtlichen Rechtsbeistand bei. G. Mit Eingabe vom 27. März 2018 reichte der Beschwerdeführer fristgerecht eine Fürsorgebestätigung nach. H. In seiner Vernehmlassung vom 29. Mai 2018 hielt das SEM vollumfänglich an seinem Entscheid sowie an seinen Erwägungen fest. Die Vernehmlas- sung wurde dem Beschwerdeführer am 31. Mai 2018 zur Kenntnis nahme zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die D-2555/2018 Seite 7 angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religi on, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das SEM hielt in seiner Verfügung vom 29. März 2018 fest, dass auf- grund von grossen Zweifeln an der vom Beschwerdeführe r geltend ge- machten Herkunft die Fachstelle Lingua mit der Erstellung eines Sprach - und Herkunft sgutachtens beauftragt worden sei. Dabei sei diese zum Schluss gekommen, dass der Beschwerdeführer sehr wahrscheinlich nicht in der von ihm angegebenen Herkunft sregion (Kreis E._______, Gebiet F._______) sozialisiert worden sei, sondern in einer exiltib etischen Ge- meinschaft ausserhalb der Volksrepublik China. Der Beschwerdeführer habe die Möglichkeit zur Einsicht in die Gesprächsaufzeichnung genutzt D-2555/2018 Seite 8 und am 1. März 2018 eine Stellungnahme zum Ergebnis de s Lingua-Gut- achtens eingereicht, wobei er Zweifel an der notwendigen Qualität des Gut- achtens geäussert habe. Die Expertin habe sich während des Telefoninter- views ihm gegenüber nicht korrekt verhalten, was sein Aussageverhalten negativ beeinflusst habe. Um den Werdegang und die Qualifikation der ge- sprächsführenden Expertin beurteilen zu können, habe er um entspre- chende Informationen ersucht. Hierzu sei festzuhalten, dass die Rolle der gesprächsführenden Person nicht in der Erstellung von Herkunftsanalysen, sondern im Sammeln von Datenmaterial liege. Es gebe deshalb keine Qua- lifikationsblätter für die Interviewer , in welche Einsicht gewährt werden müsste. Hinsichtlich der Qualifikation der sachverständigen Person seien Informationen, die weiter gingen als die im Qualifikationsblatt enthaltenen Angaben, nicht mit deren Sicherheitsanspruch zu vereinbaren. In der Stel- lungnahme werde ausserdem geltend gemacht, die Intervie werin habe sehr schnell und eine Mischung aus Amdo - und Lhasa-Tibetisch gespro- chen, was zu Verständigungsproblemen geführt habe. Dem sei entgegen- zuhalten, dass die Interviewerin eine Form des Zentraltibetischen spreche, die stark an das Lhasa-Tibetische anlehne, aber auch durch ihren Heimat- dialekt gefärbt sei, welcher einige wenig e Gemeinsamkeiten mit osttibeti- schen Varietäten aufweise. Die Interviewerin habe den Beschwerdeführer ganz zu Beginn des Gesprächs gebeten, darauf hinzuweisen, wenn er et- was nicht verstehe. An drei Stellen des Gesprächs sei es v orgekommen, dass er eine Frage nicht verstanden habe, wobei die Verständigungsprob- leme umgehend geklärt worden seien. Zwar habe die Interviewerin manch- mal schnell, nach Einschätzung der sachverständigen Person aber nicht zu schnell gesprochen. Weiter sei kritisiert worden, dass die Interviewerin während des Gesprächs forsch und ungeduldig gewesen sei, den Be- schwerdeführer teilweise nicht habe ausreden lassen und mit sehr lauter Stimme nachgefragt habe, warum er etwas nicht wisse. Dies treffe jedoch nicht zu, vielmehr sei die Interviewerin höflich und geduldig gewesen und habe den Beschwerdeführer nur an einer Stelle nicht ausreden lassen, und zwar als er vom Thema abgewichen sei. Ein Beispiel dafür, dass die Inter- viewerin mit sehr lauter Stimme gesprochen habe, sei nicht gefunden wor- den. Ebenso habe der Beschwerdeführer vorgebracht, er sei mehrmals ge- fragt worden, warum er etwas nicht wisse; zudem sei ihm vorgehalten wor- den, er müsste bestimmte Dinge wissen, wenn er so lange in Tibet gelebt hätte. Im Telefongespräch hätten sechs Stellen identifiziert werden können, in denen die Interviewerin den Beschwerdeführer gefragt habe, warum er etwas nicht wisse , wobei sie ihre Frage in einem Fall damit begründet habe, dass er sich eigenen Angaben zufolge (…) Jahre lang in seinem Dorf D-2555/2018 Seite 9 aufgehalten habe. Aus Sicht der sachverständigen Person sei es tatsäch- lich unerwartet, dass er in den betreffenden Themenbereichen keine Kenntnisse aufgewiesen habe, weshalb eine diesbezügliche Frage zuläs- sig erscheine. Der Tonfall der Interviewerin sei dabei auch nicht unange- bracht gewesen. Sodann seien das Bildungsniveau und der soziale Hinter- grund des Beschwerdeführers angemessen berücksichtigt worden, da im Gespräch ein breites Spektrum an Themen abgedeckt worden sei und sich die Fragen auf Dinge bezogen hätten, die im alltäglichen Leben präsent und relevant seien. Hinsichtlich der landwirtschaftlichen Kenntnisse sei be- mängelt worden, dass der Beschwerdeführer alle Prozesse und Erntezei- ten erwähnt habe. Tatsächlich habe er verschiedene Anpflanzungs - und Erntezeiten angegeben. Diese erschienen nach Einschätzung der sachver- ständigen Person aufgrund der klimatischen Bedingungen e her spät, wo- bei eine abschliessende Beurteilung mangels ausreichende r Kenntnisse über die Zeiten der Feldarbeit nicht möglich sei. Weiter werde in der Stel- lungnahme behauptet, der Beschwerdeführer spreche gar nicht den Dia- lekt von E._______, sondern den Ütsang-Dialekt seines Vaters. Zudem werde aufgrund der Grenznähe und des verstärkten Handels der E._______-Dialekt zunehmend verdrängt. Hierzu sei anzumerken, dass der Beschwerdeführer zu Beginn des Telefoninterviews gesagt habe, in seinem Dorf spreche man wie er . Dies widerspreche der Stellungnahme, wonach er gar nicht den Dialekt von E._______ spreche. Abgesehen da- von gehöre der E._______-Dialekt zu den Ütsang-Dialekten. In ganz Ütsang („Zentraltibet“) werde zwar der (Grossdialekt) Zentraltibetisch ge- sprochen, welcher sich aber in weitere, voneinander unterscheidbare Dia- lekte unterteilen lasse. Die Angabe, der Vater spreche den Ütsang-Dialekt, erlaube keine weitere Einordnung; zudem müsste der Beschwerdeführer – selbst wenn der Vater einen anderen Dialekt spräche – den Dialekt von E._______ sprechen, da er fast sein ganzes Leben im Kreis E._______ verbracht habe und sprachlich nicht einzig von seinem Vater beeinflusst worden sein dürfte. Beim Heimatdorf des Beschwerdeführers handle es sich um ein relativ kleines Dorf, welches auf dem Landweg (…) km von der Grenze entfernt liege. Gemäss der sachverständigen Person konzentriere sich Handelstätigkeit auf H._______ und die Kreishauptstadt E._______, während C._______ von den Einflüssen überregionaler Varietäten wenig betroffen sein dürfte. Hinsichtlich der geringen Chinesischkenntnisse habe der Beschwerdeführer beanstandet, dass die Interviewerin sehr schnell in chinesischer Sprache auf ihn eingeredet habe, so dass er ihr nicht mehr habe folgen können. Er habe ihr gesagt, dass er nur einzelne Wörter ver- stehe, wobei sie ihn aber nicht gefragt habe, welche dies seien. Diese Dar-D-2555/2018 Seite 10 stellung sei jedoch nicht zutreffend, da die Interviewerin ihm lediglich lang- sam chinesische Wörter und Sätze vorgesagt habe, welche er ins Tib eti- sche hätte übersetzen sollen. Dabei habe sie weder schnell noch aus- schliesslich Chinesisch gesprochen. Ebenso habe sie den Beschwerdefüh- rer durchaus gefragt, was er auf Chinesisch sagen könne, woraufhin er lediglich einige Wörter und Grussformeln genann t habe. Zusammenfas- send sei der Gesprächsführung und der Analyse der sachverständigen Person wenig Substanzielles entgegengehalten worden. Die Art und Weise der Fragen sei der Situation angemessen gewesen. Der vorgelegte Lin- gua-Bericht erfülle die qualitat iven Standards und berücksichtige sowohl Elemente, die für die Sozialisation in der angegebenen Region sprechen, als auch solche, die dagegen sprächen. Das Resultat der Analyse werde nicht auf einzelne Punkte gestützt, sondern auf das aus dem rund einstün- digen Interview gewonnene Gesamtbild. Sodann würden die Angaben in der BzP sowie der Anhörung das Ergebnis des Sprach - und Herkunftsgutachtens stützen. Der Beschwerdeführer habe etwa unterschiedliche Namen für sein Heimatdorf angegeben, wobei er die korrek te, von der sachverständigen Person im Rahmen ihres Gut- achtens eruierte Gemeinde weder an der Anhörung noch an der BzP habe nennen können. Die Angaben zu seinem Alltag als Bauer wirkten unbehol- fen und schemenhaft, was für eine Person, die in einer Bauernfamilie auf- gewachsen sei und ihr ganzes Leben als Bauer gearbeitet haben wolle, nicht überzeuge. Unerwartet sei auch, dass der Beschwerdeführer als jun- ger Mann keinen Telekommunikationsanbieter habe nennen können, zu- mal er angegeben habe, sein Vater habe ein Mobiltelefon besessen. Ob- wohl sie zuhause einen Fernseher gehabt hätten, sei er nicht in der Lage gewesen, Fernsehkanäle oder –sender zu bezeichnen, welche sie emp- fangen hätten. Des Weiteren sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine Ge- suchsgründe glaubhaft zu machen. Er habe keine konkreten Angaben zu seiner persönlichen Motivation machen können, sich auf einmal politisch zu betätigen. Auf entsprechende Nachfragen sei er ausgewichen und habe allgemein Selbstverbrennungen von Tibetern angesprochen. Auch seine weiteren Angaben hierzu seien belanglos geblieben. Zudem habe er keine konkreten Ausführungen dazu machen können, wie die sogenannte Lhakar-Bewegung von Lhasa in sein Dorf gekommen sei. Er habe nur an- gegeben, davon vom Gemeindevorsteher, seinem Vater und anderen Be- wohnern erfahren zu haben. Angesichts seiner Biografie – ein bäuerliches Leben ohne Schulbildung, wobei er sich immer nur im Dorf aufgehalten D-2555/2018 Seite 11 habe – vermöge sein behauptetes politisches Profil nicht zu überzeugen. Zudem habe er sich im späteren Verlauf der Anhörung insofern widerspro- chen, als er angegeben habe, der Gemeindevorsteher kenne die Lhakar- Bewegung nicht. Differenzierte Angaben zur Reaktion der Dorfbewohner auf die von ihm und seinem Freund initiierte Lhakar-Bewegung habe e r ebenfalls nicht gemacht. Wenig nachvollziehbar sei auch das angebliche Verhalten des Gemeindevorstehers, der im Dienst der chinesischen Be- hörde arbeite und durch die Warnung vor einer drohenden Verhaftung ein sehr grosses Risiko auf sich genommen hätte, zum al allgemein bekannt sei, dass die chinesischen Behörden bei Aktionen für die tibetische Sache mit aller Härte vorgingen. Bei der geltend gemachten Biografie, wonach der Beschwerdeführer sein Heimatdorf kaum je verlassen habe, erscheine es auch wenig überz eugend, dass er ohne jegliche Reisevorbereitungen ins Ausland aufgebrochen sein soll. Weiter habe er ausgeführt, am (…) 2015 auf seiner Flucht über H._______ ausgereist zu sein. Dabei wolle er aber nicht mitbekommen haben, dass diese Region sowie der Kreis E._______ Ende April und Anfang Mai 2015 von einer verheerenden Na- turkatastrophe heimgesucht worden sei en. Die Ortschaft H._______ sei deshalb von den chinesischen Behörden evakuiert und der Grenzübergang geschlossen worden. Angesichts der äusserst unglaubhaften Darstellung seiner illegalen Ausreise sowie seinen insgesamt substanzlosen Angaben dazu sei diese als unglaubhaft einzustufen. Zusammengenommen entstehe der Eindruck konstruierter Sachverhalts- vorbringen im Hinbli ck auf die geltend gemachte Biografie, Herkunft, Fluchtgründe sowie die illegale Ausreise aus der Volksrepublik China. Die Vorbringen des Beschwerdeführers seien deshalb als unglaubhaft anzuse- hen. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer weder Identitätsdokumente abgegeben noch konkrete Schritte unternommen habe, um solche erhält- lich zu machen, bestätige diese Einschätzung. 4.2 In der Beschwerdeschrift wurde daran festgehalten, dass es während des Telefoninterviews für die Lingua -Analyse zu erheblichen Verständi- gungsschwierigkeiten gekommen sei. Zum einen sei der Dialekt der Inter- viewerin für den Beschwerdeführer schwer verständlich gewesen. Seiner Einschätzung nach habe sie eine Mischung aus Amdo- und Lhasa-Dialekt gesprochen. In der Verfügung werde zwar dargelegt, der Dialekt der Inter- viewerin sei hauptsächlich an das Lhasa-Tibetische angelehnt sowie durch ihren Heimatdialekt gefärbt. Der Beschwerdeführer sei jedoch kein Sprach- experte und könne Dialekte nicht präzise einordnen. Im Sinne einer umfas- senden Gewährung des rechtlichen Gehörs erscheine eine Offenlegung D-2555/2018 Seite 12 der Sprachkompetenzen der gesprächsführenden Person erforderlich, um Rückschlüsse auf die Verständigung zwischen der asylsuchenden Person und der Interviewerin zu ermöglichen. Es stehe jedenfalls fest, dass diese vorliegend unterschiedliche Dialekte gesprochen hätten, was dazu geführt habe, dass der Beschwerdeführer die Interviewerin nicht gut verstanden habe. Es sei auch darauf hinzuweisen, dass die Gesprächsführung für den Beschwerdeführer durch seine G ehörsprobleme weiter erschwert worden sei. Infolge eines Knalltraumas leide er an einer rechtsseitigen Schwerhö- rigkeit, was dazu führe, dass er bei privaten Telefongesprächen jeweils die Lautsprecher-Funktion aktiviere. Während des Lingua-Interviews habe er dies jedoch nicht gemacht, da er weder gewusst habe, wie er dies hätte tun können, noch sich getraut habe, danach zu frag en. Dieses Verhalten möge allenfalls auf den ersten Blick erstaunen, sei aber damit erklärbar, dass es sich beim Beschwerdeführer um eine äusserst scheue und zurück- haltende Person handle und er aufgrund der ungewohnten Situation Angst gehabt habe. Vor lauter Aufregung habe er bei der Besprechung seiner Stellungnahme im Rahmen des rechtlichen Gehörs auch vergessen, der Rechtsvertretung gegenüber seine Gehörsprobleme zu erwähnen. Sodann weise das SEM darauf hin, dass der Beschwerdeführer aufgefordert wor- den sei, sich zu melden, wenn er etwas nicht verstanden habe. Dies habe er während des Telefongesprächs auch dreimal getan, woraufhin die Un- klarheiten aus dem Weg geräumt worden seien. Gegenüber der Rechts- vertretung habe der Beschwerdeführer ausgeführt, er habe noch mehr nicht richtig verstanden, sich aber nicht getraut, dies zu sagen, weil er sich von der Interviewerin eingeschüchtert gefüh lt habe. Er habe diese als forsch empfunden und könne die Einschätzung des SEM, sie habe sich höflich und geduldig verhalten, nicht nachvollziehen. Der Verfügung des SEM lasse sich auch entnehmen, dass immerhin in sechs Fällen nachge- fragt worden sei, warum der Beschwerdeführer etwas nicht wisse. Diese Fragen seien von ih m als wertend aufgefasst worden; er habe sich unter Druck gesetzt gefühlt und immer schlechter konzentrieren können. Somit lägen starke Indizien vor, welche darauf hindeuteten, dass das Interview nicht sachgerecht durchgeführt worden sei. Es sei fraglich, ob ein Lingua- Gutachten, das auf einem derart mangelhaften Gespräch beruhe, die not- wendige Qualität aufweisen könne, um als Grund lage für eine ausgewo- gene und faire Herkunftsanalyse zu dienen. Bei der Anhörung sei es sodann zu offensichtlichen Mängeln bei der Über- setzung gekommen. Dem Unterschriftenblatt der Hilfswerksvertretung lasse sich entnehmen, dass die Dolmetscherin ihre erste Anhörung gehabt D-2555/2018 Seite 13 habe und offenbar überfordert gewesen sei. Ihr Sprachniveau sei nicht aus- reichend und die Übersetzung weit davon entfernt gewesen, wörtlich zu sein. Die Dolmetscherin habe den Sachbearbeiter an v ielen Stellen nicht verstanden und auch beim Beschwerdeführer öfter nachfragen müssen. Die Hilfswerksvertretung habe bereits während der Anhörung deren Ab- bruch verlangt; nachdem darauf verzichtet worden sei, habe sie eine Zweit- befragung angeregt. Aus dem Kurzbericht der Hilfswerksvertretung ergebe sich auch, dass die Übersetzung nicht Wort für Wort übernommen, sondern eine vom Sachbearbeiter korrigierte Version protokolliert worden sei. An- gesichts dieser erheblichen Mängel könne nicht von einer vollständigen Feststellung des Sachverhalts ausgegangen werden, wodurch das rechtli- che Gehör des Beschwerdeführers verletzt worden sei. Weiter sei die Vorinstanz zu Unrecht zum Schluss gekommen, dass der Beschwerdeführer seine Hauptsozialisation in der von ihm angegebenen Region nicht habe glaubhaft machen können. Im Rahmen des Herkunfts- gutachtens sei insbesondere festgestellt worden, es sei unerwartet, dass er in verschiedenen Themenbereichen keine Kenntnisse habe vorweisen können. Hierzu sei anzumerken, dass er zwar tatsächlich keine Namen von Bäumen habe nennen können. Dies läge aber daran, dass er keinen Bezug zu diesen gehabt und sich nicht dafür interessiert habe, da er auf dem Feld gearbeitet und nichts mit Bäumen zu tun gehabt habe. Hinsichtlich des Vor- bringens, er habe nicht gewusst, ob man in seinem Dorf Waren wie Reis und Öl einkaufen könne, s ei festzuhalten, dass er verschiedene andere Sachen – wie Süssgetränke, Süssigkeiten und kaltes Wasser – erwähnt habe, die man erwerben könne. Zu den Schulfeiertragen habe er sich nicht äussern können, weil er selbst nicht zur Schule gegangen sei und generell nicht viel über die Schule wisse. Er habe erwähnt, dass der Bildung in sei- nem Umfeld keine grosse Bedeutung zugemessen worden sei; die meisten Kinder hätten den Eltern ausgeholfen und keine Schule besucht. Sodann habe er verschiedene Angaben zu den landwirtschaftlichen Prozessen und Erntezeiten machen können. Der Umstand, dass die sachverständige Per- son die angegebenen Zeiten als eher spät einschätze, könne angesichts der Tatsache, dass sie in diesem Gebiet offensichtlich nicht über ausrei- chende Kenntnisse verfüge, nicht ins Gewicht fallen. Zudem sei es frag- würdig, dass die sachverständige Person sich in diesem Bereich, der für Herkunftsanalyse von in der Landwirtschaft tätigen Personen elementar sein dürfte, nicht auskenne. Es erscheine fraglich, ob sie über die notwen- digen Qualifikationen verfüge, um die Herkunft des Beschwerdeführers zu beurteilen. Die vom SEM offengelegten Angaben zur sachverständigen Person seien jedoch derart allgemein gehalten, dass kaum Rückschlüsse D-2555/2018 Seite 14 auf die relevanten Kenntnisse gezogen werden könnten. Es sollte möglich sein, die Qualifikationen transparenter zu beschreiben, ohne dass die Iden- tität der sachverständigen Person offenbart würde. Sofern das Gericht diese Ansicht nicht teile, werde darum e rsucht, dass es die Angaben des SEM genau überprüfe. Hinsichtlich der Sprache des Beschwerdeführers sei erneut darauf hinzuweisen, dass der ursprüngliche Dialekt von E._______ zunehmend verdrängt werde, da die Region infolge der Grenz- nähe und des Handels immer mehr zum „melting pot“ werde. Gerade jün- gere Leute würden vor allem Ütsang und nicht den E._______-Dialekt sprechen. Angesichts der Nähe des Dorfes zur Hauptstrasse könnten Ein- flüsse von anderen Regionen eindeutig nicht ausgeschlossen werden. Es sei auch darauf hinzuweisen, dass die tibetische Sprache in diversen Län- dern gesprochen werde, über zahlreiche Varietät en verfüge und eine grosse Vielfalt an Dialekten aufweise. Vor diesem Hintergrund erscheine es erstaunlich, dass eine aus Westeuropa stammende sachverständige Person angebe, Sprachen aus der ganzen Volksrepublik China und bei- nahe dem gesamten tibetischen Sprachraum beurteilen zu können. Weiter stelle die Vorinstanz zu hohe Anforderungen an die Chinesischkenntnisse des Beschwerdeführers. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwal- tungsgerichts sei es üblich, dass Tibeter aus ländlichen Regionen nur über geringe Chinesischkenntnisse verfügten. Der Beschwerdeführer habe ge- wisse, wenn auch geringe Kenntnisse der chinesischen Sprache, was der Biografie eines Tibeters entspreche, der nie eine Schule besucht habe. Er habe an der Anhörung auch immer wieder spontan verschiedene chinesi- sche Ausdrücke verwendet. Angesichts der äusserst mangelhaften Übersetzung bei der Anhörung bleibe fraglich, ob aus dieser Schlussfolgerungen gezogen werden könn- ten. Dennoch liessen sich dem Anhörungsprotokoll – unter der Vorausset- zung von dessen Verwertbarkeit – Indizien entnehmen, welche für die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Herkunft des Beschwerdeführers sprächen. So habe er gewisse Details über sein Heimatdorf berichten kön- nen, beispielsweise wie sich dieses seit seiner Kindheit verändert habe. Es treffe auch nicht zu, dass der Beschwerdeführer keine Fernsehkanäle habe nennen können. Vielmehr habe er angegeben, die meisten Kanäle seien in chinesischer Sprache gewesen und es gebe einen tibetischen Witzeka- nal namens „Lhasa Chok“. Der Fernseher sei denn auch in erster Linie vom Vater benutzt worden, welcher die chinesische Sprache beherrsche und oft chinesische Nachrichten geschaut habe. Auch das Mobiltelefon habe dem Vater gehört und sei ausschliesslich von diesem benutzt worden, weshalb der Beschwerdeführer keine Telefonanbieter gekannt habe. D-2555/2018 Seite 15 Sodann vermöchten die Ausführungen des SEM zu den geltend gemach- ten Fluchtgr ünden in Anbetracht der dargelegten Mängel der Anhörung nicht zu überzeugen. Insbesondere habe der Beschwerdeführer seine Mo- tivation für sein politisches Engagement gegenüber dem Rechtsvertreter nachvollziehbar schildern können. Sein Vater habe ihm viele Geschichten über die Tibeter erzählt und ihn motiviert, sich als junger Mensch zu enga- gieren. Ihm sei bewusst geworden, dass sie es in der Hand hätten, die tibetische Kultur und Religion aufrecht zu erhalten. Er habe sich deshalb entschieden, die Lhakar-Bewegung im Dorf bekannt zu machen. Dies habe er auch in der Anhörung so dargelegt, offenbar sei aber nur protokolliert worden, er habe durch seinen Vater von der Lhakar -Bewegung erfahren. Sodann entziehe es sich der Kenntnis des Beschwerdeführers, weshalb der Gemeindevorsteher das Risiko eingegangen sei, ihn und G._______ vor der bevorstehenden Verhaftung durch die chinesischen Behörden zu warnen. Dies könne aber nicht als grundsätzlich unlogisch und nicht nach- vollziehbar eingestuft werden. Des Weiteren halte der Beschwerdeführer daran fest, dass er von der Naturkatastrophe im Kreis E._______ nichts mitbekommen habe. Während der Flucht habe er sich in einem Lastwagen versteckt und es sei bereits dunkel gewesen, als sie von H._______ aus die Grenze überquert hätten. Es sei möglich, dass H._______ evakuiert gewesen sei. Im Restaurant, wo er den Schlepper gefunden habe, hätten sich aber Leute aufgehalten. Zusammenfassend würden die Gründe, welche für die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Fluchtg ründe sprechen, überwiegen. Es bestehe ein erhebliches Risiko, dass der Beschwerdeführer bei einer allfälligen Rück- kehr als politischer Aktivist identifiziert würde und einer Verfolgung ausge- setzt wäre. Er erfülle somit die Flüchtlingseigenschaft und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, da seine Herkunft aus der Volksrepublik China feststehe und illegal ausge- reiste Tibeter generell verdächtigt würden, den Dalai Lama zu unterstützen. Sollte das Gericht davon ausgehen, die Herkunft des Beschwerdeführers aus der Volksrepublik China könne nicht zweifelsfrei festgestellt werden, so werde subeventualiter beantragt, die Sache – angesichts des mangel- haften Telefongesprächs für die Lingua-Analyse sowie der ungenügenden Anhörung – an die Vorinstanz zurückzuweisen. 5. 5.1 Das SEM stützt sich in seiner Verfügung in erster Linie auf die Her- kunftsanalyse, in welcher sowohl die land eskundlich-kulturellen Kennt-D-2555/2018 Seite 16 nisse als auch die sprachlichen Fähigkeiten des Beschwerdeführers über- prüft wurden. Bei solchen Lingua-Analysen handelt es sich zwar praxisge- mäss nicht um Sachverständigengutachten im Sinne von Art. 12 Bst. e VwVG (vgl. hierzu Art. 57 - Art. 61 Bundesgesetz über den Bundeszivilpro- zess [BZP , SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern um eine schriftliche Aus- kunft einer Drittperson im Sinne von Art. 12 Bst. c VwVG. Das Bundesver- waltungsgericht misst entsprechenden Lingua-Analysen jedoch regelmäs- sig einen erhöhten Beweiswert zu, sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Experten sowie die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit erfüllt sind, denen eine solche Prüfung zu entsprechen hat (vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2). 5.2 Auf Beschwerdeebene wird insbesondere gerügt, das Telefoninterview, auf welchem die Lingua-Analyse beruhe, weise erhebliche Mängel auf. Der Beschwerdeführer habe einen anderen Dialekt als die Interviewerin ge- sprochen, weshalb er diese nicht gut verstanden habe. Es ist jedoch nicht zwingend erforderlich, dass die Person, welche das Telefongespräch durchführt, exakt denselben Dialekt spricht wie der Asylsuchende. Viel- mehr reicht es aus, wenn sie einander verstehen und a llfällige Verständ- nisschwierigkeiten während des Gesprächs thematisiert und aus dem Weg geräumt werden. In die sem Zusammenhang hält das SEM fest, dass der Beschwerdeführer aufgefordert worden sei, sich zu melden, wenn er etwas nicht verstehe. Dies habe er denn auch an drei Stellen des Gesprächs ge- tan. Weiter führte es aus, in der Aufzeichnung des Gesprächs habe kein Beispiel für ein besonders lautes, forsches oder ungeduldiges Vorgehen der Interviewerin gefunden werden können. Nur an einer einzigen Stelle habe sie den Beschwerdeführer nicht ausreden lassen, und zwar als er vom Thema der Frage abgewichen sei. Diesen Erläuterungen werden auf Beschwerdeebene keine konkreten Einwände entgegengehalten. Vielmehr betont der Beschwerdeführer seinen subjektiven Eindruck, dass er die In- terviewerin als forsch empfunden und sich eingeschüchtert gefühlt habe. Er habe noch an mehr als den vom SEM genannten drei Stellen etwas nicht verstanden, sich aber nicht getraut, nachzufragen. Angesichts des Umstands, dass der Beschwerdeführer explizit aufgefordert wurde, allfäl- lige Verständigungsprobleme anzusprechen und dies an einzelnen Stellen des Gesprächs auch tat, vermögen seine Erklärungsversuche nicht zu überzeugen. Zudem ist anzumerken, dass die sachverständige Person die Sprache der Interviewerin als eine Form des Zentraltibetischen beschreibt, welches hauptsächlich an das Lhasa-Tibetische anlehne; e s handle sich dabei nicht um einen schwer verständlichen Akzent. Auch dies deutet da-D-2555/2018 Seite 17 rauf hin, dass es sich bei den nun vorgebrachten Verständigungsproble- men um eine blosse Schutzbehauptung handelt. Es ist auch nicht zu be- anstanden, dass die Interviewerin an einzelnen Stellen nachgefragt hat, warum der Beschwerdeführer etwas nicht wisse. Zwar schwingen in dieser Fragestellung naturgemäss gewisse Zweifel mit. Dennoch können solche Fragen durchaus berechtigt und auch wichtig sein, da sie der betroffenen Person die Gelegenheit geben, sich zu erklären oder allfällige Missver- ständnisse zu beseitigen. 5.3 Sodann wurde in der Beschwerdeschrift erstmals vorgebracht, dass der Beschwerdeführer an Ge hörsproblemen leide. Seine rechtsseitige Schwerhörigkeit habe die Gesprächsführung im Rahmen des Telefoninter- views erschwert und dazu beigetragen, dass er die Interviewerin nicht im- mer gut verstanden habe . Vor lauter Aufregung habe er bei der Bespre- chung der Stellungnahme im Rahmen des rechtlichen Gehörs vergessen, dem Rechtsvertreter gegenüber seine Hörprobleme zu erwähnen. Ange- sichts des ärztlichen Untersuchungsberichts vom (…) 2016 kann als erstellt gelten, dass der Beschwerdeführer rechtsseitig an einer Schwerhörigkeit leidet. Es ist jedoch nicht ersichtlich, inwiefern sich dies negativ auf die Verständigung zwischen ihm und der Interviewerin ausgewirkt haben soll. So wurde im Arztzeugnis festgehalten, dass sich eine Hörgeräteversor- gung bei der Schwerhörigkeit des Beschwerdeführers als sehr schwierig gestalte und er bei aktuell normalen Gehör linksseitig kaum profitieren würde. Weiter wird in der Beschwerdeschrift ausgeführt, der Beschwerde- führer habe seine Gehörprobleme bei der Besprechung nicht erwähnt, weil er sich nicht bewusst gewesen sei, dass diese für die Herkunftsfragen re- levant sein könnten. Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bereits beim Telefongespräch selbst oder bei der Stellungnahme im Rah- men des rechtlichen Gehörs zur Lingua -Analyse seine rechtsseitige Schwerhörigkeit erwähnt hätte, wenn die Verständigung dadurch tatsäch- lich in einem erheblichen Ausmass erschwert gewesen wäre. Nachdem der Beschwerdeführer jedoch links seitig normal hört und es ihm zuvor „nicht bewusst“ gewesen ist, dass seine Schwerhörigkeit für die Herkunftsfragen von Bedeutung sei, kann angenommen werden, dass es deswegen nicht zu massgeblichen Verständigungspr oblemen beim Telefoninterview ge- kommen ist. 5.4 Weiter wird in der Beschwerdeschrift angezweifelt, ob die sachverstän- dige Person über ausreichende Qualifikationen verfüge, um die Herkunfts- angaben des Beschwerdeführers zu beurteilen. Aus dem bei den Akten lie- genden Qualifikationsblatt (A17) ergibt sich, dass diese vorliegend aus D-2555/2018 Seite 18 Westeuropa stammt, sowohl Tibetisch als auch Chinesisch spricht und über ein Doktorat in Tibetologie und Sinologie verfüg t. Die von ihr analy- sierten Regionen umfassen die gesamte Volksr epublik China, vor allem Zentraltibet, Khamtibet und Amdotibet. Die Dauer des Aufenthalts in dieser Gegend und des engen beruflichen Kontaktes zu den analysierten Spra- chen beträgt rund 34 Jahre. Diese Angaben erweisen sich ohne Weiteres als ausreichend, um zu überprüfen, ob die Qualifikationen des Lingua-Ex- perten den Anforderungen genügen . Entgegen der in der Beschwerde- schrift vertretenen Auffassung erscheint es keineswegs fraglich, dass eine Person, die sich beruflich über mehrere Jahrzehnte mit bestimmten Spra- chen und Ländern befasst, ein derart grosses Gebiet wie die Volksrepublik China analysieren kann. Bei der sachverständigen Person handelt es sich sodann um einen qualifizierten Sprachwissenschaftler. Es ist deshalb da- von auszugehen, dass er in der Lag e ist, die Sprechweise eines Asylsu- chenden wissenschaftlich zu untersuchen und eine Einschätzung darüber abzugeben, ob diese mit der angegebenen Herkunftsregion übereinstimmt. In der Beschwerdeschrift wurde auch kritisiert, dass sich die sachverstän- dige Pe rson im Bereich der Landwirtschaft nicht auskenne, was daran zweifeln lasse, ob sie ausreichend für die Herkunftsabklärung von Perso- nen qualifiziert sei, welche hauptsächlich in der Landwirtschaft gearbeitet hätten. Hierzu ist anzumerken, dass die vorliegende Lingua-Analyse nicht massgeblich auf den – von der Vorinstanz als dürftig eingeschätzten – landwirtschaftlichen Kenntnissen des Beschwerdeführers basiert. Vielmehr wurden Fragen zu verschiedenen Lebensbereichen gestellt, darunter zur beruflichen Tätigkeit, zum Alltag und zur Umgebung des geltend gemach- ten Heimatdorfes. Die sachverständige Person nahm in ihrem Gutachten eine Gesamtwürdigung sämtl icher untersuchter Bereiche vor. Dabei zog sie nicht nur die Angaben zu den verschiedenen Lebensbereichen, son- dern auch die Sprache des Beschwerdeführers in Betracht. Vor diesem Hintergrund ist angesichts der langjährigen Erfahrung der sachverständi- gen Person mit der Sprache und Kultur der Volksrepublik China davon aus- zugehen, dass diese auch ohne präzise Kenntnisse der Zeiten für die Feld- arbeit – an denen es der sachverständigen Person offenbar fehlt e – eine fundierte Einschätzung darüber abgeben kann, ob der Beschwerdeführer in der angegebenen Herkunftsregion sozialisiert wurde. Die vorliegende Analyse ist denn auch mit einer überzeugenden und ausgewogenen Be- gründung versehen, welche den biografischen Hintergrund des Beschwer- deführers berücksichtigt und zu keinen Beanstandungen Anlass gibt. Wei- ter sind keine Hinweise darauf ersichtlich, dass die sachverständi ge Per- son voreingenommen gewesen wäre und es ihr an der erforderlichen Ob- jektivität gefehlt hätte. D-2555/2018 Seite 19 5.5 Zusammenfassend erweist sich die Kritik an der Gesprächsführung im Rahmen des Telefoninterviews als unbegründet. Auch die Qualifikation der sachverständigen Person und deren Objektivität und Neutralität sind vor- liegend nicht zu bezweifeln. Die Anforderungen an die Erstellung eines Lin- gua-Gutachtens sind somit erfüllt, weshalb der Analyse ein erhöhter Be- weiswert zukommt. 5.6 5.6.1 Im vorliegenden Lingua -Gutachten prüfte die sachverständige Per- son die Kenntnisse des Beschwerdeführers in den Bereichen administra- tive Einteilung, Distanzen, Geogra phie, Sehenswürdigkeiten, Landwirt- schaft, Schulwesen und Dokumente. Dabei stellte sie fest, dass er zwar gewisse landeskundlich-kulturelle Kenntnisse zur angegebenen Herkunfts- region vorweisen könne. In seinen Ausführungen hätten sich aber viele Lü- cken und Unstimmigkeiten befunden, welche auch unter Berücksichtigung der fehlenden Schulbildung nicht erklärbar seien. Daneben wurde die Sprache des Beschwerdeführers analysiert. Gemäss dem Gutachten weist diese im morphologisch/morphosyntaktischen und lexikalischen Bereich keine Gemeinsamkeiten mit dem E._______-Dialekt auf. Zusammenfas- send kam die sachverständige Person zum Schluss, dass der Beschwer- deführer sehr wahrscheinlich nicht im Kreis E._______, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepublik China soziali- siert worden sei. 5.6.2 Das ausführliche Lingua-Gutachten erscheint fundiert und schlüssig begründet. Es wurden dabei die Argumente, welche für und gegen eine Sozialisation in der angegebenen Herkunftsregion sprechen, in umfassen- der Weise gegeneinander abgewogen. Der Einwand, der Beschwerdefüh- rer spreche gar nicht den Dialekt von E._______, sondern Ütsang, erweist sich als unbehelflich. Das Gebiet von Ütsang („Zentraltibet“) beinhaltet auch den Kreis E._______. Wie in der angefochtenen Verfügung dargelegt wurde, lässt sich der Grossdialekt Zentraltibetisch in weitere, voneinander unterscheidbare Dialekte – darunter auch den E._______-Dialekt – unter- teilen. Die Angabe, der Beschwerdeführer spreche den Ütsang-Dialekt auf- grund seines aus Ütsang stammenden Vaters, erlaubt jedoch keine nähere Einordnung seiner Sprechweise. Zudem hielt das SEM zu Recht fest, dass die Sprache des Beschwerdeführers kaum ausschliesslich von seinem Va- ter beeinflusst worden sei . Sodann dürften die Einflüsse anderer Sprach- varietäten im relativ kleinen Dorf C._______ – dieses umfasse gerade ein- mal etwa (…) Häuser – trotz einer gewissen Nähe zur Hauptstrasse nur gering sein. Nachdem der Beschwerdeführer knapp (…) Jahre lang im D-2555/2018 Seite 20 Kreis E._______ gelebt haben will, wäre zu erwarten gewesen, dass seine Sprechweise in erster Linie Gemeinsamkeiten mit dem Dialekt dieser Ge- gend aufweist. Die linguistische Analyse kam jedoch zum Ergebnis, dass sich in seiner Sprache auf der Ebene der Morphologie/Morphosyntax und im lexikalischen Bereich ausschliesslich Übereinstimmungen mit dem Dia- lekt von Lhasa beziehungsweise der exiltibetischen Koine, ab er keine mit dem Dialekt von E._______ finden. Eine gewisse Verwendung von Formen des Lhasa-Tibetischen und der exiltibetischen Koine lasse sich durch den Aufenthalt im Exil sowie Akkommodation an die Sprache der Interviewerin erklären. Es sei aber unerwartet, dass er fast ausschliesslich diese Formen verwendet habe. Die Sprechweise des Beschwerdeführers deutet somit klar darauf hin, dass er sehr wahrscheinlich nicht aus dem von ihm ange- gebenen Dorf im Kreis E._______ stammt. 5.6.3 Diese Einschätzung wird von den Ergebnissen der Überprüfung der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse des Beschwerdeführers bestätigt. Auch wenn er die umliegenden Ortschaften nicht selbst besucht hat und die administrativen Einteilungen nicht kennt, so ist es doch unerwartet, dass er bei der Frage nach Nachbargemeinden auch einen Passübergang sowie ein Kloster nannte. Zwar dürfen die lediglich bescheidenen Chine- sischkenntnisse des Beschwerdeführers nicht überbewertet werden (vgl. Urteil des BVGer D-6294/2013 vom 23. Januar 2015 E. 5.4.7). Das voll- kommen fehlende Wissen zum Schulwesen sowie die unzutreffenden An- gaben zum Personalausweis lassen jedoch erheblich an der Herkunft aus der behaupteten Region zweifeln. Ebenso schwer nachvollziehbar er- scheint es, dass er weder die Namen von Bäumen kannte noch wusste, ob man in seinem Heimatdorf Sache n wie Öl oder Reis kaufen könne . Die diesbezüglichen Erklärungen auf Beschwerdeebene, er habe sich nicht für Bäume interessiert und gewisse andere Dinge erwähnt, die man einkaufen könne, überzeugen ni cht. Gerade bei den in Läden verfügbaren Gütern handelt es sich um elementare Dinge des Alltags, über welche eine Person, die fast (…) Jahre im selben Dorf gelebt haben will, Bescheid wissen müsste. Wenig überzeugend ist auch die Angabe, dass das Schulwesen in seinem sozialen Umfeld nie thematisiert worden sein soll. Der Beschwer- deführer führte aus, es habe in C._______ eine Schule gegeben, in wel- cher von der 1. bis zur 6. Klasse unterrichtet worden sei ( vgl. Akten SEM A12, F6). Wenn diese Angaben zutreffen, so erscheint es sehr erstaunlich, dass er – in einem Dorf mit etwa (…) Familien – persönlich niemanden gekannt habe, der die Schule besucht habe. Es wäre aber auch bei Fehlen von direkten Kontakten zu Personen, welche die Schule besucht habe, da-D-2555/2018 Seite 21 von auszugehen, dass er über gewisse minimale Kenntnisse zum Schul- system verfügen würde, wenn er in der Volksrepublik China aufgewachsen wäre. Die Schlussfolgerung des Lingua -Gutachtens, dass der Beschwer- deführer sehr wahrscheinlich nicht im Kreis E._______ im Autonomen Ge- biet Tibet, sondern in der exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepublik China sozialisiert worden ist, erweist sich vorliegend als nachvollziehbar und schlüssig begründet. 6. 6.1 In der Beschwerdeschrift wird weiter vorgebracht, die Überset zung während der Anhörung sei äusserst mangelhaft gewesen. Dem Unter- schriftenblatt der Hilfswerksvertretung lässt sich entnehmen, dass die Dol- metscherin ihre erste Anhörung absolviert habe und überfordert gewesen sei. Nach Einschätzung der Hilfswerksvertretung sei das Sprachniveau der Dolmetscherin ungenügend gewesen, sie habe verschiedene Ausdrücke in den Fragen nicht verstanden und grosse Mühe gehabt, grammatikalisch korrekte Sätze zu bilden. Der Sachbearbeiter und die Protokollführerin hät- ten sie immer wieder korrigiert – was sich auch nach entsprechender Inter- vention nicht gänzlich geändert habe – und die Übersetzung sei weit davon entfernt gewesen, wörtlich zu sein. Die Hilfswerksvertretung habe den Ab- bruch der Anhörung gefordert, und schliesslich, nachdem man dieser Auf- forderung nach Rücksprache mit dem Vorgesetzten des Sachbearbeiters nicht nachgekommen sei, eine Zweitbefragung angeregt. Im Kurzbericht der Hilfswerksvertretung wird jedoch auch festgehalten, dass der Sachbe- arbeiter in der schwierigen Situation die Geduld behalten, der Dolmetsche- rin Mut zugesprochen und an den richtigen Stellen Pausen angeordnet habe, so dass die Anhörung trotz der gravierenden Mängel in einer ent- spannten Atmosphäre habe fortgesetzt werden können. Nach der Mittags- pause sei die Dolmetscherin, offenbar nach einem längeren Gespräch mit dem Sachbearbeiter, etwas zur Ruhe gekommen, was sich positiv auf ihre Übersetzungsleistungen ausgewirkt habe. G rundlegende Mängel seien aber bestehen geblieben (vgl. Kurzbericht der Hilfswerks vertretung vom 23. Dezember 2016, Beschwerdebeilage 4). 6.2 Dem Anhörungsprotokoll lässt sich entnehmen, dass die protokollierten Sätze teilweise tatsächlich nicht in grammatikalisch korrektem Deutsch ab- gefasst sind. Dies bedeutet jedoch nicht zwingend, dass die Übersetzung auch inhaltlich nicht richtig ist. Im Rahmen der Rückübersetzung wurden verschiedene Korrekturen vorgenommen, was darauf hindeutet, dass der Beschwerdeführer unzutreffend übersetzte Begriffe als solche erkannt hat D-2555/2018 Seite 22 und diese berichtigt werden konnten. Durch das Eingreifen des Sachbear- beiters und Nachfragen der Dolmetscherin konnten offenbar während der Anhörung verschiedene Unklarheiten aus dem Weg geräumt werden. An- gesichts der ausführlichen Stellu ngnahme der Hilfswerksvertretung muss aber wohl von einer eher knappen Übersetzung ausgegangen werden. Auch eine nicht ganz einwandfreie Anhörung führt jedoch nicht in jedem Fall zu einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Eine solche ist nur dann angezeigt, wenn der Sachverhalt deshalb unvollständig oder unrich- tig festgestellt worden und mithin der Untersuchungsgrundsatz gemäss Art. 12 VwVG verletzt ist. Vorliegend wurden die von der Hilfswerksvertre- tung festgestellten Probleme bei der Anhörung im Unterschriftenblatt fest- gehalten. Zwar war die Sachbearbeiterin, welche die angefochtene Verfü- gung erstellt hat, nicht identisch mit der Person, welch e die Anhörung durchgeführt hat, was angesichts der von der Hilfswerksvertretung kritisier- ten Übersetzungsleistung nicht ideal erscheint. Trotzdem war sie aufgrund der Akten über die Umstände der Anhörung informiert und konnte diese bei der Erstellung der Verfügung angemessen berücksichtigen. Hinweise da- rauf, dass der Beschwerdeführer sich im Rahmen der Anhörung nicht hätte frei äussern können oder dass durch die nicht optimale Übersetzung we- sentliche Elemente nicht protokolliert worden wären, sind nicht ersichtlich, zumal solche Punkte im Rahmen der Rückübersetzung hätten angespro- chen werden können. Sodann wurde zur Abklärung des Sachverhalts eine Lingua-Analyse erstellt, zu welcher das rechtliche Gehör gewährt wurde. Auch auf Beschwerdeebene erhielt der Beschwerdeführer noch einmal die Möglichkeit, seine Fluchtgründe sowie seine geltend gemachte Herkunft darzulegen und seine Einwände und Vorbehalte gegenüber den durchge- führten Sachverhaltsabklärungen anzubringen. Vor diesem Hintergrund er- scheint der Sachverhalt als ausreichend erstellt, da der Beschwerdeführer – trotz gewisser Mängel bei der Übersetzung während d er Anhörung – in genügendem Ausmass die Gelegenheit erhielt, seine Fluchtgründe voll- ständig darzulegen. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ist deshalb im Ergebnis zu verneinen, weshalb eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz nicht gerechtfertigt erscheint. 6.3 Bei den Vorbringen des Beschwerdeführers zu seinen Fluchtgründen, der Ausreise sowie seiner Herkunft ergeben sich verschiedene Ungereimt- heiten, welche sich nicht mit einer ungenauen Übersetzung erklären las- sen. So erscheint es äusserst schwer nachvollziehbar, dass der Beschwer- deführer, der sein Heimatdorf eigenen Angaben zufolge erst ein einziges Mal in Begleitung seines Vaters verlassen hat und die umliegenden Ort-D-2555/2018 Seite 23 schaften nicht kennt, innerhalb von 15 Minuten ohne jegliche Reisevorbe- reitungen von zu Hause aufgebrochen sein soll ( Akten SEM A12, F79, F100, F111 ff). Äusserst seltsam mutet auch an, dass der Beschwerdefüh- rer (…) 2015 aus dem Kreis E._______ nach Nepal ausgereist sein will und dabei nichts von den verheerenden Erdbeben mitbekommen habe, welche Ende April und Anfang Mai 2015 insbesondere Nepal, aber auch die an- grenzenden Regionen in Tibet stark getroffen haben. Der Beschwerdefüh- rer erklärte hierzu, dass nichts passiert sei, als er sich dort befunden habe; erst nach seiner Ankunft in der Schweiz habe er erfahren, dass es in Nepal ein Erdbeben gegeben habe (vgl. Akten SEM A12, F129 f.). Dieses forderte nicht nur mehrere Tausend Todesopfer, es zerstörte in Nepal gemäss Re- gierungsangaben auch über 600‘000 Gebäude und beschädigte weitere 290‘000 (vgl. Euro pean Commission, ECHO Factsheet Nepal Earthquakes April and May 2015, http://ec.europa.eu/echo/files/aid/count- ries/factsheets/nepal_earthquake_en.pdf., abgerufen am 18.12.2018). Auch im Kreis E._______ wurde die Infrastruktur erheblich beschädigt und eine grosse Anzahl an Gebäuden zerstört; H._______ wurde weitgehend evakuiert und gemäss Augenzeugen zur Geisterstadt ( […]). Vor diesem Hintergrund erscheint es kaum vorstellbar, dass der Beschwerdeführer nur (…) später durch E._______, H._______ und über die nepalesische Grenze gereist sein will, ohne etwas von den Folgen des Erbebens mitzu- kriegen. Ebenso unwahrscheinlich erscheint es, dass er danach zwei Mo- nate in Nepal gelebt habe und schliesslich mit dem Flugzeug nach Europa gereist sei und dabei zu keinem Zeitpunkt mit den Auswirkungen des Erd- bebens konfrontiert gewesen sei. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Erklärung, er habe sich während der Flucht in einem Lastwagen versteckt und während der Grenzüberquerung sei es bereits dunkel gewesen, über- zeugt keineswegs. Auch unter diesen Umständen wäre zu erwarten, dass dem Beschwerdeführer eine evakuierte Stadt und unzählige beschädigte Gebäude aufgefallen wären. Insbesondere der behauptete Aufenthalt in Nepal zur angegebenen Zeit ersche int unglaubhaft, nachdem der Be- schwerdeführer offenbar erst in der Schweiz vom Erdbeben erfahren hat. 6.4 In Anbetracht der unglaubhaften Vorbringen zur Flucht sowie des Lin- gua-Gutachtens ist es als nicht glaubhaft anzusehen, dass der Beschwer- deführer aus dem Dorf C._______ im Kreis E._______ stammt und dort sozialisiert worden ist. Ergänzend ist festzuhalten, dass es ihm auch nicht gelang, seine Vorfluchtgründe glaubhaft darzulegen. In dieser Hinsicht kann im Wesentlichen auf die Argumentation in der angefochtenen Verfü- gung (deren Ziffer II/1.4) verwiesen werden, der auf Beschwerdeebene D-2555/2018 Seite 24 nichts Stichhaltiges entgegengesetzt wurde. Es ist insbesondere nicht er- sichtlich, aus welchem Anlass sich der Beschwerdeführer im Alter von knapp (…) Jahren plötzlich entschied, politisch tätig zu werden. Ebenso wenig konnte er substanziiert darlegen, weshalb er die Lhakar-Bewegung im Dorf habe verbreiten wollen und wie die Leute dort auf seine und G._______ Initiative, diese einzuführen, reagiert hätten. Nachdem die Hauptsozialisation des Beschwerdeführers in der Volksrepublik China als unglaubhaft angesehen werden muss, ist seinen geltend gemachten Fluchtgründen ohnehin die Grundlage entzogen. Der Beschwerdeführer ist zwar tibetischer Ethnie, seinen Vorbringen hinsichtlich seiner Herkunft, der geltend gemachten Fluchtgründe, der Staatsangehörigkeit und der illega- len Ausreise aus der Volksrepublik China fehlt es jedoch insgesamt an der Glaubhaftigkeit. Es ist somit davon auszugehen, dass er nicht in der Volks- republik China hauptsozialisiert worden ist, sondern vor seiner Ankunft in der Schweiz in der exil-tibetischen Diaspora gelebt hat. Namhafte exiltibe- tische Gemeinschaften gibt es – nebst der Schweiz und Nordamerika – lediglich in Indien und Nepal. Es ist daher zu vermuten, dass der Beschwer- deführer in Indien oder Nepal aufgewachsen ist beziehungsweise dort während mehreren Jahren gelebt hat. 6.5 Bei dieser Ausgangslage wäre es von Bedeutung zu wissen, ob der Beschwerdeführer über die chinesische Staatsangehörigkeit verfügt – was eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 AsylG zur Folge hätte – oder ob er die Staatsangehörigkeit von Indien oder Nepal erlangt hat, in welchem Fall das Vorliegen einer asylrechtlich relevanten Gefährdung im betreffenden Staat zu prüfen wäre. Der Beschwerdeführer hat vorliegend keine Identitätspapie re oder anderen Dokumente einge- reicht, die Rückschlüsse über seine Staatsangehörigkeit zuliessen. Weiter zeigte er auch keinerlei zielführenden Bemühungen auf, um entspre- chende Beweismittel beizubringen. Durch die Verschleierung seiner tat- sächlichen Herkunft verletzt er die ihm gemäss Art. 8 AsylG obliegende Mit- wirkungspflicht und verunmöglicht den Behörden nähere Abklärungen und eine Rückschaffung in seinen tatsächlichen Herkunftsstaat. Die Folgen die- ses Verhaltens hat der Beschwerdeführer insofern zu trag en, als vermu- tungsweise davon auszugehen ist, dass keine flüchtlings - oder wegwei- sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Auf- enthaltsort bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10). Das SEM hat daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 7. D-2555/2018 Seite 25 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 8.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll- zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, die Untersuchungspflicht fin- det aber ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers. Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Wie bereits oben dargelegt wurde, hat d er Beschwerdeführer, welcher seine wahre Herkunft verschleiert beziehungsweise verheimlicht, die Folgen seiner fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als seitens der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bis- herigen Aufenthaltsort – wobei insbesondere Nepal oder Indien in Betracht fallen – bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10 und 6). 8.3 Tibeterinnen und Tibeter, welche die chinesische Staatsbürgerschaft besitzen, haben in Bezug auf China zumindest subjektive Nachflucht- gründe, weil sie als Unterstützer des Dalai Lama und damit als s eparatis- tisch gesinnte Oppositionelle betrachtet werden und – wiederum in Bezug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. BVGE 2009/29). Es ist deshalb an dieser Stelle, im Sinne einer Klarstellung und in Übereinstim- mung mit der angefochtenen Verfügung, darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeterinnen und -Tibeter und somit auch für den Beschwerdeführer ein Vollzug der Wegweisung nach China auszuschliessen ist, da ihnen dort gegebenenfalls eine unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE D-2555/2018 Seite 26 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 –3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit Zwischenverfügung vom 9. Mai 2018 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 10.2 Mit derselben Instruktionsverfügung wurde auch das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gutgeheissen und dem Beschwerdeführer Ass. iur. Christian Hoffs als amtlicher Rechtsbei- stand beigeordnet. Diesem ist folglich ein amtliches Honorar zulasten der Gerichtskasse auszurichten. Zusammen mit der Beschwerdeschrift reichte der Rechtsvertreter eine Kostennote ein, in welcher er einen zeitlichen Auf- wand von 7.5 Stunden sowie Auslagen von Fr. 110. – (für Übersetzungs- kosten, Porti, Telefon, Fax und Kopien) geltend macht e. Dieser Aufwand erscheint unter Einschluss der nachfolgenden Korrespondenz als ange- messen, wobei – wie bereits in der Zwischenverfügung vom 9. Mai 2018 sowie in der Honorarnote erwähnt – von einem Stundenansatz von Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Rechtsvertreter auszugehen ist. Das amtli- che Honorar ist somit auf Fr. 1‘235.– (inklusive Auslagen) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-2555/2018 Seite 27 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem als unentgeltlicher Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsvertreter wird zulasten des Gerichts ein amtliches Honorar von Fr. 1‘235.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Regula Aeschimann Versand: