Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 22. April 2015 (810 14 286) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl, Gerichtsschreiberin i.V. Aisha Paloma Braun Parteien A. ____ , Beschwerdeführer , vertret en durch Guido Ehrler, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 1369 vom 16. September 2014) A. Der im Jahr 1951 geborene israelische Staatsange hörige A.____ reiste im Mai 1987 zu Erwerbszwecken in die Schweiz ein. Am 3. April 1995 stellte er ein Gesuch um Familiennach- zug für seine Ehefrau, B.____, und die beiden gemei nsamen Töchter C.____, geboren 1988, und D.____, geboren 1993. Das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM) erteilte Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht am 3. Mai 1995 die entsprechenden Aufenthaltsbewill igungen. In der Folge erhielten alle Fami- lienmitglieder die Niederlassungsbewilligung. B. Per Juni 2005 hatte A.____ gemeinsam mit seiner Ehefrau Betreibungen in der Höhe von Fr. 55'227.50 und offene Verlustscheine in der Höhe von Fr. 110'321.20 angehäuft. Das AfM sprach deswegen mit Schreiben vom 17. August 2005 geg enüber A.____ und B.____ eine Ermahnung aus, in welcher sie diese darauf hinwies, dass si e, sollten sie sich nicht an die gel- tende Ordnung in der Schweiz halten oder sich nicht dara n halten können, aus der Schweiz ausgewiesen werden könnten. Die Schulden des Ehepaars nahmen in der Folge weiter zu. Per 9. Juli 2010 waren A.____ mit 138 offenen Verlustscheinen in der Höhe von Fr. 466'126.35 und B.____ mit 12 offenen Verlustscheinen in der Höhe von Fr. 37'612.20 im Betreibungsregister verzeichnet. Am 30. August 2010 sprach das AfM gegen die Ehegatten eine ausländerrechtli- che Verwarnung aus. C. Nach vorgängiger Gewährung des rechtlichen Gehörs ver fügte das AfM am 16. Juni 2011 den Widerruf der Niederlassungsbewilligung von A.____ und dessen Wegweisung aus der Schweiz. Die von A.____ gegen diese Verfügung erhobe ne Beschwerde wurde mit Entscheid des Regierungsrates des Kantons Basel-Landschaft (Regierun gsrat) vom 10. Januar 2012 gut- geheissen. A.____ wurde ermahnt, seine Bemühungen for tzusetzen, um aus der Schuldenspi- rale herauszukommen. D. Mit Schreiben vom 6. Februar 2014 wurde A.____ du rch das AfM erneut bezüglich eines allfälligen Widerrufs seiner Niederlassungsbewilligung das rechtliche Gehör gewährt. E. Am 7. April 2014 verfügte das AfM den Widerruf de r Niederlassungsbewilligung von A.____ und dessen Wegweisung aus der Schweiz. Zur Begrü ndung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass sich trotz diverser Ermahnungen und Ver warnungen durch das AfM und den Regierungsrat die offenen Verlustscheine gegen A.____ massiv erhöht hätten und nunmehr Fr. 619'991.60 betragen würden. Auch wenn diverse die ser Forderungen bereits im Jahr 2011/2012 bestanden hätten, seien auch neue Forderunge n hinzugekommen. Die Verschul- dung von A.____ stelle einen schwerwiegenden Verstoss ge gen die öffentliche Sicherheit und Ordnung dar, welcher den Widerruf der Niederlassungsbew illigung und die Wegweisung aus der Schweiz rechtfertige. F. Die vom Beschwerdeführer gegen diese Verfügung erh obene Beschwerde wurde mit Entscheid des Regierungsrats vom 16. September 2014 abg ewiesen. Der Beschwerdeführer wurde angewiesen, innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Entscheids die Schweiz zu verlas- sen. G. Am 25. September 2014 erhob A.____ gegen den Ent scheid des Regierungsrats Be- schwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Mit verbesserter Beschw erdeeingabe vom 9. Oktober 2014 beantragt der Beschwerdeführer, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und es sei ihm die Niederlassungsbewilligung zu belassen. Eventualiter sei ihm ermessensweise eine befriste- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht te Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Subeventualit er sei die Sache an die Vorinstanz zurück- zuweisen. In seiner Beschwerdebegründung vom 24. Oktober 2014 hält der Beschwerdeführer an den gestellten Begehren fest. H. Mit Vernehmlassung vom 25. November 2014 beantragt der Regierungsrat die Abwei- sung der Beschwerde. I. Am 22. Dezember 2014 reichte der Beschwerdeführer e ine Replik ein. J. Mit Verfügung vom 9. Februar 2015 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über- wiesen. K. Am 18. März 2015 reichte der Beschwerdeführer, neu vertreten durch Guido Ehrler, Advokat, eine weitere Replik ein. Er beantragte zudem in verfahrensrechtlicher Hinsicht, es sei die per 22. April 2015 angesetzte Verhandlung zu versch ieben. Im Weiteren stellte er das Ge- such um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. L. Mit Präsidialverfügung vom 19. März 2015 wurde der Verfahrensantrag des Beschwer- deführers auf Verschiebung der Verhandlung abgewiesen. M. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung halten d ie Parteien vollumfänglich an den gestellten Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefocht enen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gem äss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO, e contrario). 3. Strittig ist, ob der Widerruf der Niederlassungsbe willigung und die damit verbundene Wegweisung des Beschwerdeführers zu Recht erfolgten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über d ie Ausländerinnen und Aus- länder (AuG) vom 16. Dezember 2005 ist ein Widerruf d er Niederlassungsbewilligung möglich, wenn die ausländische Person in schwerwiegender Weise ge gen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährdet hat. Anders als der Widerruf einer Aufenthaltsbewilligung (Art. 62 lit. c AuG), welcher voraussetzt, dass der Auslän- der "erheblich oder wiederholt" gegen die öffentlich e Sicherheit und Ordnung verstossen hat, bedingt ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG, dass ein solcher Verstoss "in schwerwiegender Weise" erfolgt ist. Daraus ergibt sich, dass damit ver- gleichsweise erhöhte Anforderungen an diesen Bewilligun gswiderruf gestellt werden (BGE 137 II 297 E. 3.2 mit Verweis auf den französische n Wortlaut von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG und dem dort verwendeten Begriff “très grave“ im Gege nsatz zum Begriff “grave“ in Art. 62 lit. c AuG). Namentlich liegt ein schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche Sicher- heit und Ordnung vor, wenn eine Person wiederholt, e rheblich und unbeeindruckt von straf- rechtlichen Massnahmen gegen die öffentliche Sicherheit u nd Ordnung unseres Landes verstossen hat. In solchen Fällen besteht auch bei Persone n mit Niederlassungsbewilligung ein grosses öffentliches Interesse an deren Entfernung und Fe rnhaltung (Bundesblatt [BBl] 2002 3709, S. 3810). 4.2 Ferner liegt gemäss Art. 80 der Verordnung über Z ulassung, Aufenthalt und Erwerbstä- tigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter anderem vor bei einer Missachtung von gesetzlichen Vo rschriften und behördlichen Ver- fügungen (Abs. 1 lit. a) sowie bei mutwilliger Nichte rfüllung öffentlich-rechtlicher (z.B. Steuern, Krankenkassenprämien) oder privatrechtlicher (z.B. Mie tzinse, Prämien privater Versicherun- gen) Verpflichtungen (Abs. 1 lit. b). Nach der bund esgerichtlichen Rechtsprechung vermag Schuldenwirtschaft für sich allein den Widerruf der Nied erlassungsbewilligung jedoch nicht zu rechtfertigen, sondern es bedarf erschwerender Merkmale. Blosse Liederlichkeit rechtfertigt einen solchen Widerruf nicht mehr. Die Verschuldung muss vielmehr selbstverschuldet und qualifiziert vorwerfbar sein. Zu beachten ist überdies, dass bei ausländischen Personen, die sich wie der Beschwerdeführer seit mehr als 15 Jahren un unterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten, der Widerrufsgrund der Sozi alhilfeabhängigkeit nicht Anwendung fin- den darf (vgl. Art. 63 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG). Diese Einschränkung gilt zwar beim Widerrufsgrund des schwerwiegenden Verstosses gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit nach Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG nicht. So ll das Gesetz aber eine ausgewogene Anwendung finden, rechtfertigt es sich, nicht leichthin von der Mutwilligkeit des Schuldenma- chens auszugehen. Der ausländerrechtliche Bewilligungswide rruf ist nicht ein schuldbetrei- bungsrechtliches Instrument zur Eintreibung bestehender Schulden. Eine Entfernung aus der Schweiz dürfte einerseits eher dazu führen, dass die Gläubiger faktisch keinerlei reelle Aussich- ten mehr hätten, für ihre Forderungen auch nur teilw eise befriedigt zu werden. Andererseits besteht bei einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz die Gefahr, dass hier weitere uneinbringli- che Schulden gehäuft werden (vgl. zum Ganzen: Urteil de s Bundesgerichts 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.3 mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3. Wurde bereits eine Verwarnung nach Art. 96 Abs. 2 AuG ausgesprochen, kann dies bei einer Fortsetzung des fraglichen Fehlverhaltens zu einer definitiven Massnahme führen. Erforderlich ist dafür aber, dass keine wesentliche Besser ung eintritt bzw. das vom Gesetz als unerwünscht erachtete Verhalten auch nach der Verwarnu ng fortgesetzt wird. Dabei muss ein Vergleich zwischen der Ausgangslage im Zeitpunkt der Andr ohung der Massnahme mit der ak- tuellen Situation, in der diese endgültig ergriffen werden soll, gezogen werden. Das frühere Verhalten ist zwar nicht unbedeutend; es vermag aber nicht für sich allein – abgesehen von den rechtlichen Voraussetzungen der Zulässigkeit eines Rückkommen s auf eine Verfügung – die definitive Massnahme zu begründen. Das Fehlverhalten muss vielmehr angedauert haben oder wiederholt worden sein. Erforderlich ist mithin eine Gesamtbetrachtung unter Einschluss des früheren Fehlverhaltens; für einen Widerruf müssen na ch einer allfälligen Verwarnung jedoch neue Verfehlungen dazu gekommen sein, welche die Wir kungslosigkeit der Androhung des Widerrufs belegen. Für den Fall der Schuldenwirtschaft als Widerrufsgrund der Niederlas- sungsbewilligung bedeutet dies, dass die ausländische Person auch nach der Androhung aus- länderrechtlicher Folgen weiterhin mutwillig Schulden gemacht haben muss. Sind seit der Ver- warnung – wie dies im Fall des Beschwerdeführers der F all ist – keine Straftaten hinzugekom- men, ist daher der Gesichtspunkt der Mutwilligkeit einer allfälligen Neuverschuldung entschei- dend. Dabei ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprech ung auch zu berücksichtigen, dass, wer einem betreibungsrechtlichen Verwertungsverfahren, insbesondere der Lohnpfändung, un- terliegt, zum vornherein keine Möglichkeit hat, ausserhalb des Betreibungsverfahrens Schulden zu tilgen. Das führt in solchen Fällen dazu, dass im Ve rgleich zu früher weitere Betreibungen hinzukommen können oder der betriebene Gesamtbetrag ang ewachsen sein kann, ohne dass allein deswegen Mutwilligkeit vorliegt. Es kommt vielmehr darauf an, welche Anstrengungen zur Sanierung unternommen worden sind. Positiv wäre etwa z u würdigen, wenn vorbestandene Schulden abgebaut worden sein sollten; ein Widerruf wäre demgegenüber zulässig, wenn in vorwerfbarer Weise weitere Schulden gehäuft worden wä ren (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.4). 5.1 Der Beschwerdeführer macht bezüglich seiner Schulden g eltend, dass die neuen Ver- lustscheine und Betreibungen mehrheitlich auf wiederho lten Betreibungen für alte Verlustschei- ne sowie für alte (d.h. vor dem Jahr 2012 entstandene ) Schulden basieren würden. So sei im Dezember 2014 ein neuer Verlustschein für Altschulden a us den Jahren 2002 bis 2005 ausge- stellt worden. Des Weiteren liege ein Verlustschein der eidgenössischen Zollverwaltung vom Dezember 2012 vor für eine Forderung, welche 2010 und damit vor dem Entscheid des Regie- rungsrats vom 10. Januar 2012 entstanden sei. Überdies ge be es Schulden, für welche sowohl beim Betreibungsamt Basel-Landschaft als auch beim Bet reibungsamt Basel-Stadt Betrei- bungsbegehren gestellt worden seien. Im Weiteren führt der Beschwerdeführer aus, dass er für Schulden seines Unternehmens persönlich betrieben worden sei. Da er nie Privatkonkurs an- gemeldet habe, sei es seinen Gläubigern möglich gewesen, ihn vermehrt für dieselbe Schuld zu betreiben. Gegen diese mehrfachen Betreibungen habe er aus Unwissenheit keinen Rechtsvor- schlag erhoben. Aus den genannten Gründen lasse sich aus de m reinen Vergleich der Höhe der verzeichneten Betreibungen und Verlustscheine an zwe i verschiedenen Stichdaten nicht erkennen, ob er seit der Verwarnung vom 10. Januar 20 12 neue Schulden generiert habe. Dar- über hinaus sei für die Mutwilligkeit von Bedeutung, dass er im Rahmen seiner Möglichkeiten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht versucht habe, seine Schulden zu sanieren. Aus dem Vergl eich der Schuldnerinformationen vom 14. Januar 2015 mit denjenigen vom 15. April 2015 ergebe sich, dass er im Zeitraum von drei Monaten die Betreibungen um rund Fr. 18'000.-- und die Verlustscheine um rund Fr. 22'000.-- abgebaut habe. Zudem habe er zahlreic he Zahlungsvereinbarungen getroffen. Weiter sei zu berücksichtigen, dass er in der Zeit nach der Verwarnung vom 10. Januar 2012 unbestrittenermassen von sehr bescheidenen Mitteln geleb t habe, weshalb es ihm nicht mög- lich gewesen sei, einen grösseren Teil seiner Schulden abzuzahlen. 5.2 Der Regierungsrat erwog, dass gegen den Beschwerdef ührer per 3. September 2014 243 Betreibungen in der Gesamthöhe von Fr. 827'748.8 0 und 208 Verlustscheine im Gesamt- betrag von Fr. 904'161.50 vorgelegen hätten. In Anbe tracht der Anzahl Betreibungen und Ver- lustscheine sowie der Tatsache, dass diese verschiedensten Ursp rungs seien (beispielsweise Krankenkassenprämien, Steuern, Gebühren, Rechnungen von Autogaragen, Arzt- und Anwalts- rechnungen, Kreditkartenabrechnungen usw.), sei die Tat sache, dass der Beschwerdeführer seinen Verpflichtungen systematisch nicht nachkomme, nicht vo n der Hand zu weisen. Eine Verschuldung in diesem Ausmass sei nicht mehr nur auf den schlechten Geschäftsgang eines Unternehmens zurückzuführen. Vielmehr sei beim Beschwerde führer ein hohes Mass an Gleichgültigkeit, seinen öffentlich- und privatrechtliche n Verpflichtungen nachzukommen, zu verzeichnen. Wer einen derartigen Schuldenberg anhäufe , messe der Begleichung seiner Ver- bindlichkeiten ganz offensichtlich keine hohe Priorität zu. Eine solch immense Verschuldung, die im Laufe der Jahre kontinuierlich anwachse, sei ni cht zu entschuldigen und müsse als mut- willig bezeichnet werden. In diesem Zusammenhang sei auch der Einwand des Beschwerdefüh- rers unbehelflich, wonach der grösste Teil der heute al s Verlustscheine bestehenden Schulden durch seine damaligen Unternehmen begründet worden sei. In Bezug auf die Bemühungen des Beschwerdeführers, seine Schulden abzuzahlen, gelte mi t der Vorinstanz festzuhalten, dass sich diese auf einem bescheidenen Niveau bewegen würden und kaum als ernsthaft bezeichnet werden könnten. So sei insbesondere keinerlei Konzept fü r eine Schuldensanierung ersichtlich, was sich auch darin zeige, dass seit dem angefochtenen Entsc heid bereits wieder eine neue Betreibung über einen Betrag von Fr. 29'264.-- eing eleitet worden sei und drei neue Verlust- scheine hätten ausgestellt werden müssen. Der Ermahnung im Entscheid des Regierungsrats vom 10. Januar 2012, seine Schuldensituation in den Gri ff zu bekommen, sei der Beschwerde- führer klarerweise nicht nachgekommen. Die finanzielle S ituation des Beschwerdeführers habe sich gegenüber dem Zeitpunkt der Ermahnung von 2012 viel mehr erheblich verschlechtert, weshalb ihm heute keine gute Prognose bezüglich des künf tigen Verhaltens mehr gestellt wer- den könne. 5.3.1 Im Verwaltungsverfahren und im Verwaltungsbesch werdeverfahren gilt der Grundsatz der Untersuchung des Sachverhalts von Amtes wegen (sog. U ntersuchungsmaxime). Dieser besagt, dass die Behörde von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des ent- scheidwesentlichen Sachverhalts besorgt sein muss und sich ni cht mit den Parteivorbringen begnügen darf. Die Sachverhaltsdarstellung und die Be weisanträge der Parteien binden die Behörde nicht. Sie kann und soll aus eigener Initiat ive fehlende Sachverhaltselemente ergän- zen und die Beweismittel vervollständigen (vgl. M ICHAEL PFEIFER , Der Untersuchungsgrundsatz und die Offizialmaxime im Verwaltungsverfahren, Basel u nd Stuttgart 1980, S. 82 ff.). Der Un- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tersuchungsgrundsatz ist im basellandschaftlichen Recht für das verwaltungsinterne (Be- schwerde-)Verfahren in § 9 des Verwaltungsverfahrensges etzes Basel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 gewährleistet. 5.3.2 Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkun gspflicht der Parteien relativiert (RHINOW /K OLLER /KISS /T HURNHERR /B RÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht und Justizverfas- sungsrecht des Bundes, Basel 2014, Rz. 1208 ff.). § 16 Abs. 1 VwVG BL verpflichtet die Partei- en denn auch, an der Ermittlung des Sachverhaltes mitzu wirken. Die Mitwirkungspflicht gilt vor- ab für solche Tatsachen, welche eine Partei besser kennt als die Behörden und welche diese ohne ihre Mitwirkung gar nicht oder nicht ohne vernü nftigen Aufwand erheben können (BGE 124 II 365 E. 2b). 5.3.3 Die Schuldenlast des Beschwerdeführers hat sich seit dem Entscheid des Regierungs- rats vom 10. Januar 2012 bzw. seit der dabei erfolgten Ermahnung unbestrittenermassen weiter erhöht. Waren im Zeitpunkt des fraglichen Entscheids offene Verlustscheine in der Höhe von rund Fr. 470'000.-- zu verzeichnen, so beliefen sich die offenen Verlustscheine per März 2014 auf einen Betrag von rund Fr. 620'000.--. Gemäss den Ausführungen des Beschwerdegegners vor Kantonsgericht belaufen sich die offenen Verlustscheine des Beschwerdeführers aktuell auf einen Gesamtbetrag von Fr. 614'491.40. 5.3.4 Soweit der Beschwerdegegner dem Beschwerdeführer Mutwilligkeit der Schuldenwirt- schaft vorhält, ist vorab festzustellen, dass entgegen dem angefochtenen Entscheid ein mindes- tens von Liederlichkeit bzw. Leichtfertigkeit getragenes Verhalten in diesem Zusammenhang nicht mehr genügt. Vorausgesetzt ist vielmehr (vgl. Zif fer 4.2 vorstehend), dass die Verschul- dung selbstverschuldet und qualifiziert vorwerfbar ist. Diesbezüglich ist es in erster Linie an der Behörde, den Sachverhalt gestützt auf den Untersuchungsgr undsatz näher zu ermitteln bzw. darzulegen, dass seit der letzten Verwarnung neue und q ualifiziert vorwerfbare Schulden ent- standen sind. Soweit es sich um Umstände handelt, welche nicht ohne Mitwirkung des Be- troffenen ermittelt werden können, ist letzterer jedenfalls im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur Stellungnahme aufzufordern. Fest steht, dass einzig aus einer Zunahme der Verschuldung nicht automatisch auf eine mutwillige Neuverschuldung geschlossen werden darf. 5.3.5 Der Beschwerdeführer weist nach dem Gesagten zu Rech t darauf hin, dass das AfM bzw. der Regierungsrat vorliegend hätten darlegen müss en, dass die Schuldenlast nach dem 10. Januar 2012 mutwillig durch ihn erhöht wurde. Aus den Entscheiden der Vorinstanzen geht indes nicht hervor, wie sich die einzelnen Posten der Sch ulden seit der fraglichen Ermahnung konkret weiterentwickelt haben resp. worin die Ursache de r neuen Betreibungen und Verlust- scheine liegt. Damit ist weitgehend ungeklärt, ob bzw. i n welchem Umfang es sich bei der Zu- nahme der Schuldenlast des Beschwerdeführers tatsächlich um neue, d.h. seit dem 10. Januar 2012 entstandene Schulden handelt, und ob dem Beschwerdeführer bezüglich dieser Schulden Mutwilligkeit vorgeworfen werden kann. Die Vorinstanzen schliessen letztlich alleine aus dem Umstand, dass die Schulden angewachsen sind, auf Mutwil ligkeit des Schuldenmachens. Dies genügt – ungeachtet der den Beschwerdeführer treffend en Mitwirkungspflicht – im vorliegenden Zusammenhang nicht und der Sachverhalt wurde insofern d urch die Vorinstanzen nicht voll- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständig abgeklärt. Auch der Beschwerdeführer vermag jedoc h nicht nachzuweisen, dass er nach dem Entscheid des Regierungsrats vom 10. Januar 2012 keine mutwillige Schuldenwirt- schaft mehr betrieben hat. 5.3.6 Sind wichtige, entscheidrelevante Elemente des S achverhalts von den Vorinstanzen nicht bzw. nicht hinreichend abgeklärt worden (vgl. zu m Untersuchungsgrundsatz Ziffer 5.3.1 vorstehend), kann das Kantonsgericht eine Rückweisung vorn ehmen. Im vorliegenden Fall rechtfertigt es sich, auch zur Wahrung des Instanzenzugs, i n Gutheissung der Beschwerde den angefochtenen Entscheid aufzuheben und die Angelegenhe it zur weiteren Sachverhaltsabklä- rung und zur neuen Beurteilung an das AfM zurückzuweisen. Das AfM wird insbesondere abzu- klären haben, ob der Beschwerdeführer nach der Ermahnu ng vom 10. Januar 2012 neue Schulden angehäuft hat und ob ihm dabei Mutwilligkeit vorzuwerfen ist, und es wird gestützt auf das Beweisergebnis eine erneute Interessenabwägung vorzunehmen haben. 6.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantons- gericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen di e Gerichtsgebühren sowie die Be- weiskosten und werden nach § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Den Vorinstanzen werden keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Dementsprechend sind im vorlie genden Verfahren keine Verfahrens- kosten zu erheben. 6.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei fü r den Beizug eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werden. Gestützt darauf hat der Regierungs- rat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor Kantonsgericht eine Parteientschädigung aus- zurichten, welche ausgehend von der Honorarnote des Beschwe rdeführers vom 22. April 2015 auf Fr. 3'400.-- (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) festzusetzen ist. 6.3 Was die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens anbel angt, so ist die Angelegenheit zu deren Neuverlegung an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V. ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Angeleg enheit zur Neubeur- teilung im Sinne der Erwägungen an das Amt für Migra tion des Kan- tons Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Ver fahrens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der gelei stete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 2'100.-- wird dem Beschwerdefüh rer zu- rückerstattet. 4. Der Regierungsrat hat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor Kantonsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'400.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWST) zu bezahlen.