, B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4558/2019 U r t e i l v o m 1 5 . M ä r z 2 0 2 1 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richterin Mia Fuchs, Richterin Déborah D’Aveni, Gerichtsschreiberin Evelyn Heiniger. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), F._______, geboren am (…), Syrien, alle vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 6. August 2019 / N (…). E-4558/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden reisten am 26. September 2015 in die Schweiz ein und suchten gleichentags um Asyl nach . Am 2. November 2015 wurden sie je zu ihrer Person und summarisch zu ihren Asylgründen befragt (nachfolgend: Befragung). A.b Der Beschwerdeführer gab dabei zu Protokoll, er habe, als er mit sei- ner Familie in G._______ gelebt habe, (…) für die FSA (Freie Syrische Ar- mee) (…). Weil er aufgrund dessen von der Regierung gesucht worden sei, seien sie nach H._______ gezogen. Die Regierungsvertreter seien einmal in (…) und einmal bei ihnen zu Hause aufgetaucht. In H._______ sei er zur Mobilisierung aufgerufen worden. Das sei 2012 gewesen, aber sein Vater habe das Papier zerrissen. Die Situation dort sei auch nicht angenehm ge- wesen, es habe viele Probleme mit der Regierung gegeben. Er habe an Demonstrationen teilgenommen und sich der Gruppe «(…)» angeschlos- sen. A.c Die Beschwerdeführerin gab an der Befragung an, ihr Mann habe, als sie in G._______ gewohnt hätten, (…) und solche Dinge für die FSA (…). Zweimal seien sie kontrolliert worden, ihr Haus sei von Regierungsbeam- ten in zivil durchsucht worden. Sie sei nach der Arbeit ihres Mannes gefragt worden. Die Familie sei dann nach H._______ zurückgekehrt. Dort habe es Druck von der Regierung gegeben. Ihr Ehemann habe an Demonstrati- onen teilgenommen und habe sich nicht mehr getraut, ins Haus zurückzu- kommen. Er habe sich ungefähr während zweier Jahre wiederholt versteckt aufgehalten. Das Haus sei auch dort kontrolliert worden. Sie hätten Syrien hauptsächlich wegen de r Sorgen ihres Ehemanns verlassen, aber auch wegen der Erziehung ihrer Kinder – es habe dort keine Schule mehr gege- ben – und weil es dort alle drei Tage Bombardierungen gegeben habe. A.d Anlässlich der Anhörung vom 18. Mai 2017 führte der Beschwerdefüh- rer im Wesentlichen aus, in den Jahren (…) bis (…) habe er Militärdienst geleistet. Als im Jahr 2004 in H._______ der Aufstand stattgefunden habe, sei er von der Regierung festgenommen und zwei Monate lang inhaftiert worden. Sein Vater habe Geld bezahlt, um ihn freizubekommen (SEM-Ak- ten A25/19 F87). Er (der Beschwerdeführer) habe sich deshalb entschlos- sen, nicht in H._______ zu bleiben. Er habe seine Frau kennengelernt und geheiratet. Ungefähr drei Mo nate nach d er Heirat habe er eine Arbeit in I._______ ([J._______]) gefunden und deshalb während ungefähr fünf bis sechs Jahren dort gelebt und als (…) gearbeitet. Er habe (…) (…) und E-4558/2019 Seite 3 diese immer am Donnerstag für die Freitags-Demonstrationen geliefert. Es sei bei ihm zu Hause nach den (…) gesucht worden, aber «sie» hätten nichts gefunden. Aus Angst habe er nämlich die Waren nicht bei sich be- halten. Die Razzien hätten ungefähr zwei bis drei Stunden, nachdem er die Flaggen übergeben gehabt habe, stattgefunden (SEM-Akten A25/19 F78, F102). In I._______ sei seine Wohnung zwei Mal von der Regierung ange- griffen worden. Dies sei der Hauptgrund, weshalb er nach H._______ zu- rückgekehrt sei (SEM-Akten A25/19 F97). 2012, als er sein Aufgebot für den Reservedienst erhalten habe, seien viele Leute mobilisiert worden (SEM-Akten A25/19 F72). Sein Vater habe ihm telefonisch Bescheid gege- ben, dass er für ihn unterschrieben habe. Die Person von der Sicherheits- abteilung habe seinem Vater gesagt, er (der Beschwerdeführer) müsse sich so bald wie möglich bei der nächsten Polizeistelle melden. Er habe befürchtet, an einem Kontrollposten angehalten zu werden, weshalb er nicht den offiziellen Weg nach H._______ genommen und sich von Leuten der «(…)» habe begleiten lassen (SEM-Akten A25/19 F72 ff. und A31/22 F10). Nach der Rückkehr nach H._______ habe er nicht mehr gearbeitet, aber mit der «(...)» – eine Sicherheitsorganisation, die habe verhindern wol- len, dass es ein Sicherheitsvakuum gebe, wenn die Regierung aus dem Gebiet vertrieben worden sei – gearbeitet. Die finanzielle Lage seines Va- ters sei gut gewesen. Am (…) 2013 sei die «(...)» auf die Strasse gegangen. Sie seien in (…) zu Fuss von H._______ nach Kurdistan marschiert und hätten im «Barzani- büro» verlangt, dass sie und die YPG (Yekîneyên Parastina Gel; Volksver- teidigungseinheiten) zusammenarbeiten und nicht gegeneinander kämp- fen sollten, um ihr Gebiet zu verteidigen. Als sie nach H._______ zurück- gekommen seien, hätten sie erfahren, dass die Regierung Fotos und Vi- deos von ihnen habe und sie festnehmen könne. Er habe deshalb Angst gehabt und sei nicht immer nach Hause gegangen. Im Mai 2013 habe die YPG starken Druck auf die « (...)» ausgeübt, es habe Streit gegeben und die YPG habe sieben Personen festgenommen. Die YPG habe nicht ge- wollt, dass die Mitglieder der «(...)» auf die Strasse gingen, und habe keine anderen Sicherheitskräfte auf ihrem Gebiet geduldet. Bis 2014 hätten sie aber weiterhin demonstriert. Ab 2014 hätten sie nicht mehr auf die Strasse gehen können und «ihre Kleider niedergelegt», weil sie keinen bruder- schaftlichen Krieg gewollt hätten. Sie hätten daher entschieden, andere Aktivitäten auszuführen. Er habe in diesem Rahmen den Frauen in seinem Stadtviertel (…) beigebracht. Nach ungefähr fünf Monaten habe er ein Fernsehinterview für den «(…)» geführt und darin auch die Regierung kri- tisiert. Ungefähr drei bis vier Tage später sei eine Razzia bei ihnen zu E-4558/2019 Seite 4 Hause durchgeführt worden. Er selbst sei nicht zu Hause gewesen. Im An- schluss daran habe er aber erfahren, dass die Regierung die Namen aller Personen, die im Fernsehen aufgetreten seien, kenne und die «Namen mit roter Farbe markiert» worden seien. Ihm sei mitgeteilt worden, dass er von der Regierung gesucht werde. Zwei von den sechs Personen, die im Fern- sehen aufgetreten seien, seien festgenommen worden (SEM-Akten A25/19 F35). Er sei daher ins Dorf (K._______) geflüchtet, wo er sich bis zu seiner Ausreise, ungefähr während acht bis neun Monaten beziehungsweise sie- ben oder acht Monaten (SEM-Akten A25/19 F 35 bzw. F 89) aufgehalten habe. Sein Vater habe einen Schlepper für ihn gefunden und habe seine Familie zu ihm gebracht, mit der er dann zusammen aus Syrien ausgereist sei. Nach se iner Einreise in die Schweiz habe er sich der L._______ ([L._______]) angeschlossen. Seine familiäre Situation habe es ihm aber nicht erlaubt, viel für die Partei zu tun. Sobald seine Frau wieder vermehrt auf die Kinder aufpassen könne, würde er für die Partei arbeiten (SEM- Akten A25/19 F92). An der ergänzenden Anhörung vom 27. Oktober 2017 gab der Beschwer- deführer an, vor seiner Rückkehr nach H._______ habe er mit den Revo- lutionsverbänden und mit der FSA zusammengearbeitet, weshalb die Be- hörden zwei Razzien durchgeführt hätten. Es habe heftige Bombardierun- gen gegeben, die Revolutionsverbände hätten sich zurückgezogen und es habe Auseinandersetzungen zwischen den Regierungstruppen und der FSA gegeben. Weil er dort fremd gewesen sei, sei es für ihn und sei ne Familie gefährlich gewesen und er habe sich zur Rückkehr entschlossen (SEM-Akten A31/22 F9). Nach der Rückkehr hab e er sich dem Verband «(...)» angeschlossen. Als die YPG die Kontrolle übernommen habe , die Koordinationsgruppe nicht mehr auf der Strasse gewesen sei und es keine Demonstrationen mehr gegeben habe, habe er vorgeschlagen, dass man auch auf andere Weise aktiv bleiben könne , indem beispielsweise den Frauen (…) beigebracht werde. Es habe Kollegen gegeben, die Sprachun- terricht erteilt hätten. Es seien dann Leute festgenommen worden. Da er dem Regime von früher bekannt gewesen sei, habe er eine Festnahme gefürchtet und sich im Dorf versteckt. Er sei wegen der Razzia, die nach dem Fernsehinterview stattgefunden habe, geflüchtet (SEM-Akten A31/22 F12). Seine Mobilisierungskarte könne er nicht einreichen. Das Thema seiner Mobilisierung sei aber insofern von Bedeutung, als die Behörden ihn des- wegen bei einer Rückkehr zur Rechenschaft ziehen und dabei auch seine E-4558/2019 Seite 5 Tätigkeit und seine Teilnahme an Demonstrationen thematisieren würden (SEM-Akten A31/22 F78). A.e Die Beschwerdeführerin gab an ihrer Anhörung zu Protokoll, sie sei nicht zur Schule gegangen, sie könne deshalb auch nicht genau sagen, wann sie ihren Ehemann kennengelernt habe. Sie sei (…) oder (…) Jahre alt gewesen, als sie geheiratet habe, sie glaube (…). In I._______ sei zwei Mal ihr Haus durchsucht worden. Ihr Ehemann sei damals auch zu Hause gewesen. Danach seien sie an ihren Heimatort zurückgegangen und hät- ten im Haus ihres Schwiegervaters gel ebt. Sie hätten Syrien verlassen, weil ihr Ehemann von der Regierung gesucht worden sei. Er sei an De- monstrationen gegangen. Sie wisse nicht , was er in diesem Zusammen- hang genau gemacht habe, da dies seine Arbeit gewesen sei. Er sei des- halb oft nicht zu Hause gewesen. Einmal seien «sie» – sie wisse nicht, was für Leute es gewesen seien – in der Nacht zum Haus ihres Schwiegerva- ters gekommen. Wann dies genau gewesen sei, könne sie nicht sagen; es sei, nachdem ihr Mann ein Interview darüber gegeben habe, dass er den Frauen in H._______ (…) beibringe, gewesen. Ihr Schwiegervater habe ihr nichts gesagt, damit sie keine Angst bekomme. An der ergänzenden Anhörung am 27. Oktober 2017 gab sie an, sie seien in H._______ zu Hause gewesen, als die Behörden eines Nachts gegen Mitternacht das Haus gestürmt und nach ihrem Ehemann gesucht hätten. Sie wisse nicht , weshalb er gesucht worden sei, ihr Ehemann habe ihr nichts von den «Sachen draussen» erzählt. Jedenfalls sei er in dieser Nacht nicht anwesend gewesen. Zuvor, es sei noch nicht dunkel gewesen, habe ihr Ehemann einen Anruf erhalten und das Haus sofort verlassen. Danach sei er nicht mehr nach Hause gekommen. Er sei aber in Kontakt mit ihrem Schwiegervater gestanden. Sie habe nichts über seinen Aufent- haltsort erfahren, ihr Schwiegervater habe den Kindern jeweils gesagt, er würde nach einer Weile zurückkehren, weil sie geweint und nach ih rem Vater gefragt hätten. Darauf aufmerksam gemacht, dass der Beschwerde- führer von zwei Suchaktionen und sie von drei solchen gesprochen habe, gab sie an, die Behörden seien drei Mal vorbeigekommen, zweimal zu Hause, einmal im Geschäft. Ihr Ehemann habe von der zweiten Razzia im Hause nichts erfahren (SEM -Akten A32/8 F30, F43 f.). Darauf hingewie- sen, dass sie bei der ersten Befra gung gesagt habe, ihr Ehemann habe sich während zwei Jahren versteckt aufgehalten , und nun angegeben habe, es seien sieben bis acht Monate gewesen, sagte sie, sie kenne sich mit der Zeit nicht so gut aus, aber er habe schon über längere Zeit im Ver- steck gelebt (F46). E-4558/2019 Seite 6 A.f Die Beschwerdeführenden gaben zahlreiche Beweismittel, darunter Fotos und Videos, auf denen der Beschwerdeführer bei Demonstrationen gezeigt wird, sowie ein Foto, bei welchem der Beschwerdeführer beim er- wähnten Fernsehinterview zu sehen sei, zu den Akten (SEM -Akten A27 Beweismittel 1-12). B. Mit Verfügung vom 6. August 2019 stellte das SEM fest, die Beschwerde- führenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesu- che ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Da der Vol lzug der Wegweisung zurzeit nicht zumutbar sei, wurden die Beschwerdefüh- renden in der Schweiz vorläufig aufgenommen. C. Mit Eingabe vom 9. September 2019 reichten die Beschwerdeführenden durch ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragten, die Verfügung der Vorinstanz sei in den Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs aufzuheben. Es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustel- len und die Vorinstanz anzuweisen, ihnen Asyl zu gewähren. In prozessu- aler Hinsicht sei die unentgeltliche P rozessführung zu bewilligen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Es sei ihnen lic. iur. LL.M. Tarig Hassan als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. D. Mit Zwischenverfügung vom 12. September 2019 hiess die Instruktions- richterin die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Rechtsverbeiständung gut und setzte lic. iur. LL.M. Tarig Hassan als amtli- chen Rechtsbeistand der Beschwerdeführenden ein. E. Die Vernehmlassung der Vorinstanz, worin sie an ihren Erwägungen voll- umfänglich festhielt, datiert vom 18. September 2019. Sie wurde den Be- schwerdeführenden am 23. September 2019 zur Kenntnis gegeben. F. Mit Eingabe vom 24. August 2020 reichte der amtliche Rechtsbeistand seine Honorarnote ein. G. Die Beschwerdeführenden liessen sich mit Eingabe vom 7. Dezember 2020 erneut vernehmen und verwiesen auf ein am 19. November 2020 er- gangenes Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH). E-4558/2019 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bu ndesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nich t vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. 3.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, ei- nige der Vorbringen der Beschwerdeführenden seien als nicht asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG zu beurteilen, andere vermöchten den Anforde- rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen. Die E-4558/2019 Seite 8 Beschwerdeführenden erfüllten deshalb die Flüchtlingseigenschaft n icht, weshalb das Asylgesuch abzuweisen sei. 3.2 Zur Begründung hielt sie fest, der Beschwerdeführer habe geltend ge- macht, während der Aufstände in H._______ im (…) 2004 festgenommen worden und in der Folge während zwei er Monate im Gefängnis von M._______ inhaftiert gewesen zu sein. Teilnehmende an den Unruhen von 2004 seien zwischenzeitlich weitgehend amnestiert worden und hätten mit keinen asylbeachtlichen Verfolgungsmassnahmen mehr zu rechnen. Den Aussagen des Beschwerdeführers sei zu entnehmen, dass di e Behörden bei der Durchsuchung im (…) 2012 kein belastendes Material gefunden hätten und der Behördenkontakt keinerlei weitere Konsequenzen für ihn gehabt habe. Es stehe daher fest, dass er im Jahr 2012 offenbar nicht als regimefeindliche Person identifiziert worden sei und ein Risikoprofil im Zu- sammenhang mit den Ereignissen im (…) 2004 verneint werden dürfe. Der Beschwerdeführer habe sich nach seiner Rückkehr nach H._______ dem Verband «(...)» angeschlossen. Im (…) 2013 habe der Verein mit ei- nem mehrtätigen Marsch, wobei er und andere Verbandsmitglieder gefilmt worden seien, auf sich aufmerksam gemacht. Auf Druck der YPG habe der Verband seine Strassenpräsenz im (…) 2014 aufgegeben und sich ge- meinnütziger Arbeit verschrieben. Es dürfe davon ausgegangen w erden, dass die syrischen Sicherheitskräfte ab März 2011 den Fokus auf politische Oppositionelle der sogenannten Syrischen Revolution gelegt hätten. Dem Engagement des Beschwerdeführers für «(...)» sei kein expliziter Bezug zur Syrischen Revolution zu entn ehmen. Die Bemühungen der Gruppie- rung hätten zunächst der Stabilisierung der Situation vor Ort gegolten und habe sich danach in gemeinnütziger Tätigkeit zu Gunsten der Bevölkerung manifestiert. Es sei unwahrscheinlich, dass das sozialpolitische bezie- hungsweise gemeinnützige Engagement des Beschwerdeführers in den Jahren 2013 und 2014 für die syrischen Behörden eine Provokation dar- stelle, die asylrechtlich relevante Massnahmen zur Folge haben würde. Ein Risikoprofil im Zusammenhang mit seinem Engagement für «(...)» dürfe deshalb ebenfalls verneint werden. Den Aussagen des Beschwerdeführers gemäss beschränke sich sein En- gagement für die L._______, welcher er sich in der Schweiz angeschlos- sen habe, auf eine Passivmitgliedschaft. Den Akten seien keine Hinweise zu entnehmen, wonach er sich in qualifizierter Weise exilpolitisch betätigt habe. Sein Verhalten sei nicht geeignet, ein ernsthaftes Vorgehen der syri- schen Behörden zu bewirken. Es könne nicht davon ausgegangen werden, E-4558/2019 Seite 9 dass er aufgrund seiner Mitgliedschaft bei der L._______ als konkrete Be- drohung wahrgenommen werde. Sein exilpolitisches Engagement sei nicht geeignet, eine Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung zu begründen. Damit verfüge der Beschwerdeführer insgesamt nicht über ein Profil, dass ihn bei einer Rückkehr nach Syrien einer konkreten Gefährdung nach Art. 3 AsylG aussetzen würde. 3.3 Der Beschwerdeführer habe vorgebracht, im Jahr 2012 von der syri- schen Armee zum Reservedienst einberufen worden zu sein und diesem Aufgebot keine Folge geleistet zu haben. Seine diesbezüglichen Aussagen wiesen indes erhebliche Widersprüche auf. Er habe sich unterschiedlich dazu geäussert, wo er sich aufgehalten habe, als er das Aufgebot erhalten habe. Zudem habe er an der Befragung zu Protokoll gegeben, sein Vater habe das Aufgebot nach Erhalt zerrissen. Bei der ersten Anhörung habe er ausgesagt, sein Vater habe für ihn unterschrieben. Bei der ergänzenden Anhörung habe er schliesslich ausgeführt, er habe von seinem Vater erfah- ren, dass «man» sich in Sachen Mobilisier ung bei den Behörden melden müsse. Sein Vater habe ihm gesagt, die Behörden hätten eine Mobilisie- rungskarte vorbeigebracht, welche dieser wegen der Abwesenheit des Be- schwerdeführers nicht entgegengenommen habe. Diese drei unterschied- lichen Angaben zum Umga ng seines Vaters mit der Mobilisierungskarte liessen sich nicht miteinander vereinbaren. Die Aussagen des Beschwer- deführers, er sei in den aktiven Reservedienst einberufen worden, müsse als unglaubhaft beurteilt werden. Die Angaben im Militärbüchlein, wonach er nach Absolvierung des Militärdienstes der Reserve zugeteilt worden sei, vermöchten daran nichts zu ändern. Der Umstand, dass er Syrien im Sta- tus eines Reservisten, ohne zum aktiven Reservedienst einberufen worden zu sein, verlassen habe, könne nicht als Dienstverweigerung oder Deser- tion betrachtet werden. 3.4 Die Beschwerdeführenden würden zudem eine oppositionspolitisch be- gründete staatliche Verfolgung geltend machen. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, die Regierung habe Druck ausgeübt und der Beschwer- deführer habe an Demonstrationen teilgenommen. Auch in H._______ sei ihr Haus durchsucht worden und in der Folge seiner Teilnahme an De- monstrationen habe der Beschwerdeführer sich nicht mehr zu Hause auf- gehalten. Diese Angabe erstaune, da der Beschwerdeführer in der ersten Befragung keine weitergehende politisch begründete Gefährdungssitua- tion i n H._______ thematisiert, sondern angegeben habe, er sei seiner (…)tätigkeit wie gewohnt nachgegangen. Zudem habe er angegeben, nur allzu gerne wieder nach Syrien zurückkehren zu wollen, wenn sich die E-4558/2019 Seite 10 Lage beruhigt haben werde. In den Anhörungen habe auch der Beschwer- deführer ausgesagt, nicht mehr gearbeitet, sondern sich politisch bei «(...)» betätigt zu haben. Der Hinweis, dass die Regierung Fotos und Videos von dem mehrtägigen Marsch habe, habe den Beschwerdeführer dazu bewo- gen, seinem Zuhause hin und wieder fernzubleiben. Einige Tage nach Aus- strahlung eines Interviews, bei dem er die Regierung kritisiert und für deren Absetzung plädiert habe, sei bei ihnen zu Hause eine Razzia durchgeführt worden. Die Aussagen des Beschwerdeführers an der Befragung (er habe in H._______ bis zur Ausreise als (…) gearbeitet) seien nicht mit den Anga- ben an den Anhörungen (er habe nach der Rückkehr nach H._______ nicht mehr gearbeitet) vereinbar. Die Frage an der Befragung, ob er in H._______ spezifische Probleme gehabt habe, habe der Beschwerdefüh- rer dezidiert verneint und auf die allgemeine Lage verwiesen. In der Anhö- rung hingegen habe er eine gezielt gegen ihn gerichtete staatliche Verfol- gung geltend gemacht. Es sei dem Beschwerdeführer im Rahmen der Be- fragung die Möglichkeit geboten worden, sich f rei zu seinen Asylgründen zu äussern. Darüber hinaus sei er nach einer gründlichen Befragung ge- fragt worden, ob er seinen Asylgründen noch etwas hinzufügen wolle, wo- rauf er verzichtet habe. In Anbetracht dessen, dass es sich bei der geltend gemachten staatlichen Verfolgung um das Kernelement der Asylbegrün- dung handle, sei es nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer die- sen Umstand an der Befragung unerwähnt gelassen habe. Dem SEM bleibe nur die Schlussfolgerung, dass die in den Anhörungen getätigten Aussagen bezüglich der Gefährdungssituation als nachgeschoben beur- teilt werden müssten. Diese Schlussfolgerung finde starken Rückhalt darin, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen sei, die Ausführungen ih- res Ehemannes in Sachen staatlicher Verfolgung überzeugend zu stützen. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, der Grund für die Ausreise sei, dass der Beschwerdeführer von der Regierung gesucht worden sei. Sie habe Angst um ihn gehabt, weil er in I._______ und H._______ an De- monstrationen teilgenommen habe. Die Rolle oder Tätigkeit ihres Eheman- nes sei ihr hingegen nicht bekannt und sie wisse nicht, weshalb er gesucht werde. Sie habe ihn nicht mehr oft gesehen, er habe hin und wieder aus- wärts übernachtet. Sie wisse nicht mehr, wann es gewesen sei, als sie in Abwesenheit des Beschwerdeführers nachts von Unbekannten angegriffen worden seien. Wohin der Beschwerdeführer geflohen sei, wisse sie nicht, da er nur noch Kontakt mit seinem Vater – nicht mit ihr – gehabt habe, bis E-4558/2019 Seite 11 sie und die Kinder vom Schwiegervater in ein ihr unbekannte s Dorf ge- bracht worden seien, wo sie den Beschwerdeführer wieder getroffen habe. Als die Beschwerdeführerin im Rahmen der Anhörung zum politischen En- gagement ihres Ehemannes befragt worden sei, habe sie gesagt, sie wisse es nicht, dies s ei seine Arbeit gewesen. Sie habe nicht beantworten kön- nen, weshalb der Beschwerdeführer von der Regierung gesucht worden sei und wo er sich zu diesem Zeitpunkt aufgehalten habe. Zum Fernsehin- terview des Ehemannes befragt, habe sie angegeben, nicht zu wissen, wo- rüber er gesprochen habe, da sie davon nichts verstehe. Dieses Nichtwis- sen der Beschwerdeführerin sei augenfällig. Dass sie nicht einmal habe angeben können, in welches Dorf ihr Ehemann gegangen sei, erstaune umso mehr, als es sich dabei um das Heimatd orf des Beschwerdeführers gehandelt habe. Zudem sei ihr Ehemann in dieser Zeit mit ihrem Schwie- gervater, mit dem sie zusammengelebt habe, in Kontakt gewesen. Weiter habe sie erheblich unterschiedliche Angaben dazu gemacht, wie lange sich der Beschwerdeführer versteckt aufgehalten habe (ungefähr zwei Jahre an der Befragung, zwischen 7 -8 Monaten an der ergänzenden Anhörung). Dass der Beschwerdeführer sich während zweier Jahre versteckt aufge- halten habe, sei nicht mit seinem Fernsehauftritt im (…) 2014 vereinbar. Die Angabe der Beschwerdeführerin, sie kenne sich mit der Zeit nicht aus, vermöge nicht zu überzeugen. Weiter habe sie sich auch widersprüchlich zur Anzahl der behördlichen Hausdurch suchungen in H._______ geäus- sert (zwei Mal an der ersten Befragung, einmal an den Anhörungen). 3.5 Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass a ufgrund der Unglaubhaftig- keitselemente in ihren Aussagen, den Beschwerdeführenden die geltend gemachte staatliche Verfolgung nicht geglaubt werden könne. Es er- scheine vielmehr angezeigt, sich bei der Asylbegründung an die vom Be- schwerdeführer in der ersten Befragung gemachten Aussagen zu halten. 4. 4.1 Zunächst sind die in der Beschwerde vorgebrachten formellen Rügen zu beurteilen. Es wird vorab die lange Verfahrensdauer beanstandet und weiter moniert, die Vorinstanz habe die Begründungspflicht verletzt. Die angefochtene Ver- fügung sei insbesondere betreffend die sachgerechte Anfechtbarkeit man- gelhaft. So bleibe nach eingehender Lektüre für den Zeitabschnitt 2012 bis 2015 unklar, welche Sachverhaltselemente die Vorinstanz für glaubhaft er- achte und welche nicht. Die Vorinstanz scheine auf den Seiten 6 bis 8 der E-4558/2019 Seite 12 Verfügung die nicht für asylrelevant befundenen Sachverhaltselemente (Festnahme des Beschwerdeführers im Jahr 2004, Behördenkontakte und Verfolgungshandlungen im Jahr 2012 sowie die Aktivitäten des Beschwer- deführers bei der Gruppe «(...)» in den Jahren 2013/14) für glaubhaft zu befinden. Auf den Seiten 11 bis 15 führe die Vorinstanz verschiedene ver- meintliche Widersprüche zwischen den Befragungen und den Anhörungen der Beschwerdeführenden auf, um zum äusserst pauschalen Schluss zu kommen, dass den Beschwerdeführenden die Aussagen zu der von ihnen geltend gemachten staatlichen Verfolgung nicht geglaubt werden könne, ohne dabei in irgendeiner Form zu differenzieren, welche der diversen Ver- folgungselemente seit dem Jahr 2004 als unglaubhaft eingestuft würden. Sodann werde festgestellt, es scheine angezeigt, sich bei der Asylbegrün- dung an die vom Beschwerdeführer in der BzP getätigten Aussagen zu hal- ten, womit die Vorinstanz impliziere, dass der dort geschilderte Sachverhalt glaubhaft erscheine. Da der Beschwerdeführer aber sämtliche in der An- hörung vertieften Verfolgungsmassnahmen in grundsätzlicher Weise be- reits bei der ersten Befragung angesprochen habe, erlaube auch dies keine trennscharfe Abgrenzung. Zudem scheine es arbiträr, dass gerade die Aus- sagen des Beschwerdeführers in der ersten Befragung glaubhaft sein soll- ten, nicht aber diejenigen der Beschwerdeführerin, welche gleichentags stattgefunden habe. Zu beanstanden sei weiter, dass die Vorinstanz das Vorliegen von subjek- tiven Nachfluchtgründen durch die illegale Ausreise in Folge des politisch exponierten Profils des Beschwerdeführers nicht geprüft habe. Weiter sei darauf hinzuweisen, dass das SEM gerade im syrischen Kontext gehalten gewesen wäre, die nahen Verwandten zuerkannte Flüchtlingseigenschaft zu berücksichtigen. Ein Bruder des Beschwerdeführers habe in der Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung, vier Brüder und drei Schwestern leb- ten in N._______; einigen sei die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden. Die unscharfe Begründung der Verfügung beeinträchtige die sachgerechte Anfechtung erheblich. Aufgrund der langen bisherigen Verfahrensdauer werde indes ein Entscheid in der Sache und kein e Rückweisung ange- strebt. 4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung brin gen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE E-4558/2019 Seite 13 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei- nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Setzt sich eine Behörde nicht in ausreichendem Mass mit den rechtsgenügend vorgebrac hten Rügen auseinander, so begeht sie eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (vgl. RHINOW ET AL., Öf- fentliches Prozessrecht, 3. Aufl. 2014, Rz. 287). Die Begründungsdichte hängt wesentlich von den Vorbringen der Verfah- rensbeteiligten ab. Je eingehender un d spezifischer die Parteien ihre Standpunkte darlegen, desto einlässlicher hat grundsätzlich auch die Ent- scheidbegründung auszufallen. Jedenfalls muss die Begründung so abge- fasst sein, dass der Betroffene sie sachgerecht anfechten kann (vgl. BGE 141 III 28 E. 3.2.4, 138 I 232 E. 5.1, 136 I 229 E. 5.2; BVGE 2009/35 E. 6.4.1; UHLMANN/SCHILLING-SCHWANK, Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 35 Rz. 17 ff., KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 629 f.; MO- SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsge- richt, 2. Auflage 2013, Rz. 3.103 ff.; LORENZ KNEUBÜHLER, Die Begrün- dungspflicht, 1998, S. 184 f.). Setzt sich eine Behörde nicht in ausreichen- dem Mass mit den rechtsgenügend vorgebrachten Rügen auseinander, so begeht sie eine Verletzung des rechtlichen Gehörs beziehungsweise eine formelle Rechtsverweigerung (vgl. RHINOW ET AL , Öffentliches Prozess- recht, 3. Aufl. 2014, Rz. 287). 4.3 Vorliegend ist festzustellen, dass die Erwägungen und Sch lussfolge- rungen in der angefochtenen Verfügung in der Tat nicht auf Anhieb klar verständlich sind. Erst bei eingehendem Lesen erhellt, welche Vorbringen vom SEM als glaubhaft, aber nicht asylrelevant und welche als unglaubhaft erachtet werden und daher nicht unter dem Blickwinkel von Art. 3 AsylG geprüft wurden (vgl. E.4.3.1 f.). Eine Verletzung der Begründungspflicht ist darin aber nicht zu erblicken. Die Vorinstanz hat sich mit den Vorbringen der Beschwerdeführenden eingehend auseinandergesetzt und dar gelegt, aufgrund welcher Überlegungen sie zu ihren Schlussfolgerungen gekom- men ist. Die Beschwerde zeigt, dass eine sachgerechte Anfechtung mög- lich war. 4.3.1 Nach Ansicht des Gerichts muss die Verfügung so ve rstanden wer- den, dass in Ziffer II unter den Erwägungen 1.1 bis 1.3 (S. 6-8) diejenigen E-4558/2019 Seite 14 Sachverhaltsvorbringen gewürdigt wurden, welche seitens der Vorinstanz als glaubhaft erachtet worden sind. Es handelt sich um die Inhaftierung des Beschwerdeführers im Jahr 2004 (inklusive Ausreiseverbot und jährlicher Überprüfung durch die Behörden), die behördlichen Kontrollen im Jahr 2012 wegen seiner Tätigkeit als (…) für die FSA in I._______, die Tätigkeit des Beschwerdeführers für die « (...)» sowie seine Mitgliedschaft bei der K._______ (exilpolitisches Engagement ). Diese Vorbringen wurden auf ihre Asylrelevanz geprüft (vgl. oben E. 3.2). 4.3.2 Unter Ziffer II in den Erwägungen 2.1 bis 2.2 folgen diejenigen Sach- verhaltselemente, welche die Vorinstanz in de r Folge für unglaubhaft be- fand. Dem Beschwerdeführer wird nicht geglaubt, dass er im Jahr 2012 persönlich zum Reservedienst einberufen worden sei (Erw. 2.1, S. 9-11), zudem wird eine oppositionspolitisch begründete staatliche Verfolgung als nicht glaubhaft beurteilt (Erw. 2.2 S. 11-15). Die Schlussfolgerung der Vor- instanz in der Erwägung 2.2 (S. 16 unten) – die Aussagen zur geltend ge- machten staatlichen Verfolgung könne nicht geglaubt werden – ist so zu verstehen, dass das SEM den Beschwerdeführenden nicht glaubt, der Be- schwerdeführer sei in H._______ aufgrund seine s politischen Engage- ments von der Regierung gesucht worden. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, R eligion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-4558/2019 Seite 15 5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen a n das Glaub- haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 5.4 5.4.1 In der Beschwerde wird den Argumenten der Vorinstanz bezüglich der unglaubhaft befundenen Mobilisierung des Beschwerdeführers als Re- servist entgegengehalten, der Beschwerdeführer habe den Hergang der Mobilisierung in allen drei Protokollen weitestgehend übereinstimmend ge- schildert. Die wesentlichen Elemente fänden sich übereinstimmend sowohl in der Befragung als auch in den beiden Anhörungen. Da er nur per Telefon von seinem Vater darüber informiert worden und nicht selbst dabei gewe- sen sei, könnten keine hohen Anforderungen an den Detaillierungsgrad ge- stellt werden und die aufgezeigten geringfügigen Widersprüche nicht allzu schwer ins Gewicht fallen. Hinzu komme, dass das fragliche Telefonat im Zeitpunkt der ersten Befragung bereits drei Jahre, bei der Anhörung bereits fünf Jahre zurück gelegen habe. Zudem habe der Beschwerdeführer den Telefonanruf anlässlich der Anhörung realitätsnah in seine damaligen Le- bensumstände einbetten können und in Übereinstimmung mit seinen wei- teren Vorbringen erklärt, er habe in der Folge alles Mögliche unternehmen müssen, um einen direkten Kontakt zu den syrischen Behörden zu vermei- den. Überdies werde sein Reservistenstatus ab (…) im eingereichten Mili- tärbüchlein festgehalten, was auch vom SEM anerkannt werde. Eine Re- cherche der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH; Auskunft der SFH vom 30.7.2014, Syrien – Rekrutierung durch die Syrische Armee) bestätige, dass seit 2011, insbesondere im Jahr 2012, besonders viele Reservisten eingezogen worden seien. Die im Dokument genannten Quell en liessen die Ausführungen des Beschwerdeführers umso glaubhafter erscheinen, als er seinen Dienst in der (…) abgeleistet habe und im Umgang mit (…) geschulte Personen zuerst eingezogen worden seien. 5.4.2 Zur Glaubhaftigkeit der staatlichen Verfolgung der Bes chwerdefüh- renden in H._______ führe die Vorinstanz an, der Beschwerdeführer habe bei der Befragung eine weitergehende politische Gefährdungssituation mit keinem Wort thematisiert, sondern angegeben, er s ei seiner Arbeitstätig- keit als (…) nachgegangen, und gesagt, er würde nur allzu gerne nach Syrien zurückkehren wollen, sollte sich die Lage dort wieder beruhigt ha- ben. Zudem sei dem Beschwerdeführer die Möglichkeit gegeben worden, sich frei zu den Asylgründen zu äussern. Die vorinstanzliche Interpretation seiner Aussagen überzeuge nicht, denn er habe an der Befragung als E-4558/2019 Seite 16 Hauptgrund für die Ausreise die Probleme angegeben, die ihm aufgrund seiner Tätigkeit für die Gruppe «(...)» entstanden seien, wobei er auch auf zahlreiche Konflikte mit der Regierung un d viele Demonstrationen hinge- wiesen habe. Der Beschwerdeführer habe die Probleme mit der Regierung gerade im Hauptpunkt angesprochen, womit keine Rede davon sein könne, die Probleme nach der Rückkehr nach H._______ seien nicht an- gesprochen worden. Angesichts des summarischen Charakters der ersten Befragung schienen die Ausführungen absolut ausreichend. Zu den Ereig- nissen in H._______ seien ihm an der Befragung keine Fragen gestellt worden. Dass er die Frage nach «spezifischen Problemen in H._______» mit «nein» beantwortet habe, sei wenig erstaunlich, nachdem er auf die Probleme mit der Regierung bereits hingewiesen gehabt habe. Betreffend seine Tätigkeit als (…) habe der Beschwerdeführer in der ersten Befragung angegeben, dass er in G._______ bis 2012, bis z ur Rückkehr nach H._______, vollberuflich als (…) tätig gewesen sei. Die von der Vorinstanz wiedergegebene Interpretation der Aussage des Beschwerdeführers, wonach er allzu gerne wieder nach Syrien zurückkeh- ren würde, sollte sich die Lage dort wieder beru higt haben, sei als akten- widrig einzustufen. Die Frage habe gelautet: «Si la situation s’améliorerait en Syrie, y retournierez -vous ?». Da der Bedeutungsgehalt von «amélio- rer» sehr breit sei, liege es entgegen der Auslegung der Vorinstanz nahe, dass der Be schwerdeführer angenommen habe, die Sachbearbeiterin frage nach dem Rückkehrwunsch, falls seine Probleme mit der Regierung beziehungsweise die Regierung selbst, verschwinden würden. Denn, dass er grundsätzlich zurückgehen würde, wenn er könnte, sei naheliegend, da er sein Heimatland unfreiwillig unter dem Druck der staatlichen Verfolgung habe verlassen müssen. Diese Antwort zeige, dass er durchaus gerne in Syrien geblieben wäre, wenn die äussere n Umstände ihn nicht zur Aus- reise gezwungen hätten. Insgesamt fänden sich alle wesentlichen Elemente der Asylvorbringen der Beschwerdeführenden – auch die Probleme mit der Regierung nach der Rückkehr nach H._______ – entgegen der Ansicht der Vorinstanz auch in den Befragungen. Die Logik der Vorinstanz verkenne, dass es sich bei der ersten Befragung um eine summarische Erhebung handle, bei der es le- diglich darum gehe, die groben Züge der geltend gemachten Verfolgung zu eruieren. Die Anhörungen dienten gerad e dazu, die in der ersten Befra- gung nur in genereller Hinsicht genannten Probleme zu präzisieren. Ent- sprechend sei es unbillig, den Beschwerdeführenden vorzuhalten, in den Befragungen seien nicht alle Einzelheiten erwähnt worden. E-4558/2019 Seite 17 Schliesslich halte die Vo rinstanz der Beschwerdeführerin augenfälliges Nichtwissen betreffend das politische Engagement des Beschwerdefüh- rers und die Ursachen für die Verfolgung vor. Dabei verkenne sie völlig, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine Frau handle, die in einem patriarchalisch geprägten Umfeld keinerlei Schulbildung erworben habe und zeitlebens als Hausfrau tätig gewesen sei. Dass sie vor diesem Hin- tergrund die politischen Aktivitäten ihres Ehemannes nur grob umreissen könne, scheine naheliegend. Sie habe zudem während der Monate vor der Ausreise keinen Kontakt zum Beschwerdeführer gehabt und die Ausreise sei über ihren Kopf hinweg geplant worden. Im hiesigen Kontext möge es eigenartig wirken, dass sie derart wenig Informationen gehabt habe. I m kulturellen Kontext der Beschwerdeführenden hingegen sei dies nicht ab- wegig. Die Vorinstanz wäre gehalten gewesen, dies in ihre Beurteilung mit- einzubeziehen. Die politische Verfolgung gründe nicht im Verhalten der Be- schwerdeführerin, sondern in den Aktivitäten des Ehemannes, die nicht in ihrer Gegenwart stattgefunden hätten. Ihre Erklärung, sie könne diese nicht detailliert erklären, weil die politische Aktivität Sache des Ehemannes ge- wesen sei und sie sich nicht damit beschäftigt habe, scheine unter diesen Umständen völlig nachvollziehbar. Sie habe ihr Nichtwissen immer wieder zugegeben und nichts erfunden, was zugunsten ihrer Glaubhaftigkeit zu würdigen wäre. Es entstehe nicht der Eindruck, dass sie versucht habe, die Behörden über das Geschehene zu täuschen. Es sei völlig unberücksich- tigt geblieben, dass sie Analphabetin sei. Zudem sei sie aufgrund einer Operation am (…) gesundheitlich angeschlagen gewesen. Bei der ersten Anhörung scheine sie, wohl im Kontext ihres Gesundheitszustandes, die dolmetschende Person beziehungsweise die Fragen verschiedentlich nicht richtig verstanden zu haben. Zu Beginn der zweiten Anhörung habe sie darauf hingewiesen, dass sie diesen Dolmetscher besser verstehe, als den ersten. Generell scheine das tiefe Bildungsniveau, abgesehen von den ge- nerell einfach gehaltenen Antworten, immer wieder hervorzutreten. Sie habe offenkundig Mühe im Umgang mit Zahlen und Zeitangaben und könne Ereignisse oft nur ungefähr einordnen. Die sehr spezifischen Vor- haltungen der Vorinstanz in Bezug auf das Nichtwissen de r Beschwerde- führerin seien daher unangemessen. Im Übrigen habe die Vorinstanz selbst festgestellt, die Aussagen der Be- schwerdeführenden in den Befragungen und den Anhörungen stimmten weitgehend überein. Die Verfolgungshandlungen erstreckten sich über zehn Jahre (von der ersten Verhaftung des Beschwerdeführers i m Jahr 2004 bis zur Ausreise 2015), der Sachverhalt sei komplex. In Anbetracht dessen, dass die Beschwerdeführenden in insgesamt sechs Befragungen E-4558/2019 Seite 18 über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren einen i m Wesentlichen übereinstimmenden Sachverhalt dargelegt hätten und sämtliche Asylvor- bringen im Ansatz bereits in der ersten Befragung vorhanden gewesen seien, seien ihre Asylvorbringen als glaubhaft zu erachten. Es sei kaum denkbar, dass ein solch komplexer Handlungsablauf von zwei Personen mit dem Bildungshintergrund der Beschwerdeführenden erfun- den und über diese Zeitspanne hinweg solchermassen kohärent und im Wesentlichen übereinstimmend wiedergegeben werden könnte. Der Be- schwerdeführer habe in ausführli cher freier Rede mit zahlreichen Details und lebensnahen Einzelheiten versehen berichtet. Zudem habe er die Er- lebnisse in chronologisch umgekehrter Reihenfolge und trotzdem schlüssig und realitätsnah geschildert. Insbesondere die Komplexität der Darstellung und die vielen Realkennzeichen erweckten den Eindruck von selbst Erleb- tem. Darüber hinaus sei es entgegen der Annahme der Vorinstanz stimmig, dass der Beschwerdeführer schwerpunktmässig zu den Verfolgungsursa- chen in H._______ ausführliche Angaben mache, während die Beschwer- deführerin die von ihr unmittelbar erlebten Verfolgungshandlungen schil- dere. Beide hätten sich auf das persönlich Erlebte fokussiert. Die Schilde- rungen wären weniger glaubhaft gewesen, wenn beide aus derselben Per- spektive erzählt hätten. Sie hätten den Sachverhalt substantiiert und plau- sibel geschildert, was von der Vorinstanz bezeichnenderweise nicht bestrit- ten worden sei. 5.5 5.5.1 Zur Asylrelevanz der politischen Verfolgung in H._______ sei festzu- halten, dass gemäss Referenzurteil D-5779/2015 des Bundesverwaltungs- gerichts bereits einfache Teilnehmer einer regimefeindlichen Demonstra- tion einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt sein könn ten, wenn sie von den Sicherheitskräften identifiziert worden seien. Die Beschwerdefüh renden seien insbesondere im Nachgang an das Fernsehinterview des Beschwer- deführers im (…) 2014 Opfer von staatlichen Verfolgungshandlungen (Hausdurchsuchungen) geworden, weshalb sich der Beschwerdeführer habe verstecken müssen. 5.5.2 In BVGE 2015/3 sei festgest ellt worden, dass eine Wehrdienstver- weigerung vom syrischen Regime insbesondere dann als Unterstützung der gegnerischen Konfliktpartei interpretiert werde, wenn der Betroffene in der Vergangenheit bereits als Regimegegner aufgefallen sei. Der Be- schwerdeführer sei im (…) 2004 wegen der Teilnahme an regimekritischen Unruhen verhaftet und für zwei Monate inhaftiert worden. Im Jahr 2012 sei E-4558/2019 Seite 19 er erneut im Verdacht gestanden, Regimegegner zu unterstützen. Hinzu kämen seine regimekritischen Aktivitäten in H._______ und die im Nach- gang an das Fernsehinterview erlebte direkte Verfolgung. Es sei daher da- von auszugehen, dass er in Syrien bei den Behörden als regimekritisch bekannt sei und er deshalb wegen seiner Nicht -Befolgung des Militärauf- gebots mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen hätte. 5.5.3 Weiter seien die von der Vorinstanz als glaubhaft erachteten Sach- verhaltselemente zu Unrecht als nicht asylrelevant beurteilt worden. Die Ereignisse in den Jahren 2004 und 2012 könnten nicht isoliert betrachtet werden. Der Beschwerdeführer sei ethnischer Kurde, wegen einer Ausei- nandersetzung sei er während seines Militärdienstes zu einer Haftstrafe verurteilt worden, im Jahr 2004 sei er im Rahmen von Ausschreitungen in H._______ verhaftet worden und habe in der Haft Misshandlungen erlitten. 2012 seien seine Wohnung und sein (…) durchsucht worden, weil er (…)beiten an eine Vorgängerorganisation der FSA geliefert habe. Ab (…) 2013 habe er in H._______ mit der «(...)» wöchentlich an Protesten teilge- nommen. Auch als diese ihre Strassenpräsenz aufgegeben habe, seien die «ruhigeren» Aktivitäten regimekritisch konnotiert gewesen. Es sei nahelie- gend, dass eine Gruppe, die zuvor durch regimekritische Demonstrationen aufgefallen sei, wegen diese s Hintergrunds als subversiv und gegen da s Regime gerichtet wahrgenommen werde. Entscheidend ins Gewicht falle auch das Fernsehinterview, welches der Beschwerdeführer im (…) 2014 mit fünf weiteren Mitgliedern gegeben habe. Es sei dabei auch seitens des Beschwerdeführers zu regimekritischen Äusser ungen gekommen. Die Darstellung der Vor instanz, das sozialpolitische, gemeinnützige Engage- ment für die « (...)» in den Jahren 2013 und 2014 habe für die syrischen Behörden keine Provokation dargestellt, überzeuge nicht. E s könne an- hand der Akten und der Ausführungen des Beschwerdeführers nicht be- hauptet werden, es handle sich bei der «(...)» nicht um eine regimekritische Gruppe, vor allem da sie ursprünglich konstituiert worden sei, um in der Region von H._______ die Regierungstruppen als bewaffnete Orga nisa- tion zu ersetzen. Es sei mit hoher Wahrscheinl ichkeit davon auszugehen, dass dem Geheimdienst die Kumulation der Aktivitäten des Beschwerde- führers über zehn Jahre lang nicht verborgen geblieben sei und ihm bei einer Rückkehr asylrelevante Verfolgung drohe. 5.5.4 Sollte das Gericht zum Schluss kommen, es lägen im Fall der Be- schwerdeführenden keine asylrelevanten Vorfluchtgründe vor, wäre ihnen zumindest aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingseigen- schaft zuzuerkennen. Neben der Mitgliedschaft in der K._______ sei dabei E-4558/2019 Seite 20 entscheidend, dass der Beschwerdeführer bereits in Syrien politisch aktiv gewesen sei. Hinzu komme, dass die Familie Syrien heimlich und illegal verlassen habe, was sie in den Augen der syrischen Behörden zusätzlich verdächtig erscheinen liesse. 6. 6.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent- liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick- sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesent- lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor- kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte- nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrekthe it, Originalität, hinrei- chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch- lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei- lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele- mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub- stantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprechen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] mit weiteren Hinweisen). 6.2 Durch das Gericht ist unter den nachfolgenden Erwägungen 6.3 zu- nächst eine Prüfung der Glaubhaftigkeit derjenigen Sachverhaltselemente vorzunehmen, die von der Vorinstanz als nicht glaubhaft erachtet wurden (oppositionspolitisches Engagement des Beschwerdeführers und Haus- durchsuchungen im Anschluss an ein Fernsehinterview , Ei nberufung in den Reservedienst). In einem zweiten Schritt wird die Asylrelevanz der glaubhaft gemachten Vorbringen zu beurteilen sein (E. 6.5). E-4558/2019 Seite 21 6.3 6.3.1 Aus den Protokollen (Befragungen, Anhörungen, ergänzende Anhö- rungen) ergibt sich, dass sich der Beschwerdeführer durchwegs konsistent zu seinen Erlebnissen äusserte. Die Beschwerdeführerin ihrerseits machte keinen eigenen Asylgründe geltend, sondern bestätigte die Angaben des Beschwerdeführers insoweit, als sie diese aus ihrer Sicht schilderte. In der Beschwerde wurde zu Recht darauf hingewiesen, dass das heimatliche Umfeld und die Familie der Beschwerdeführenden stark patriarchalisch ge- prägt sind und es zu berücksichtigen gilt, dass die Be schwerdeführerin keine Schulbildung genossen hat. Entgegen der von der Vorinstanz vertre- tenen Ansicht hat sie vor diesem Hintergrund nachvollziehbar ausgesagt und ihr fehlendes Wissen über die genauen Tätigkeiten ihres Mannes kann ihr nicht zu ihren Ungunsten angelastet werden. Es wird aus den Protokol- len deutlich, dass die Beschwerdeführer in nichts mit dem politischen En- gagement des Beschwerdeführers zu tun hatte und sich wohl auch nicht dafür interessierte. Sie war denn auch nicht in der Lage zu verstehen, wo- rüber ihr Ehemann im Fernsehinterview gesprochen hatte, was unter Be- rücksichtigung ihres Bildungsstandes nachvollziehbar ist. Bezeichnend ist auch, dass sämtliche Entscheidungen vom Ehemann gemeinsam mit dem Schwiegervater getroffen wurden und die Beschwerdeführerin selbst kei- nerlei Informationen erhielt, so ndern nur – wie auch die Kinder – be- schwichtigt wurde. 6.3.2 Das SEM kam zum Schluss, dem Beschwerdeführer könne nicht ge- glaubt werden, dass er sich versteckt gehalten habe, weil die Angaben der Beschwerdeführerin und seine diesbezüglichen Ausführungen nicht über- einstimmten. Insbesondere habe die Beschwerdeführerin an der Befra- gung zu Protokoll gegeben, dass der Beschwerdeführer sich während zweier Jahre versteckt habe. Auf die Frage bei der Befragung: «est-ce que cela signifie qu’il ne dormait pas à la maison ?» und der Antwort der Beschwerdeführerin «Non, peu.» folgte die Anschlussfrage: «Depuis quand vivait -il de la sorte?». Die Ant- wort lautete: «Pendant environ deux ans, il vivait comme ça.» (SEM-Akte A7/14 Ziff. 7.02 S. 10). Im Gesamtkontext ist dies nur so zu verstehen, dass die Beschwerdeführerin zum Ausdruck geben wollte, dass ihr Ehemann während etwa zweier Jahre auf diese Weise gelebt, nämlich selten zu Hause geschlafen habe. Aus dem Protokoll der ersten Anhörung der Be- schwerdeführerin ergibt sich, dass der Beschwerdeführer sich in H._______ bereits vor dem Interview – nach dem Protestmarsch mit der «(...)» – manchmal versteckt gehalten habe. Die Beschwerdeführerin sagte E-4558/2019 Seite 22 dazu, sie habe gemerkt, dass ihr Mann Schwierigkeiten habe, weil sie ihn nicht so oft habe sehen können. Er sei nicht oft zu Hause gewesen (SEM- Akten A26/12 F33-35). In der freien Schilderung an der Befragung gab sie zur Situation in H._______ an, er sei nicht mehr nach Hause gekommen; er sei bei den Demonstrationen gewesen (SEM-Akte A7/14 Ziff. 7.01). Der Beschwerdeführer führte an seiner Anhörung in der freien Schilderung ebenfalls aus, die Regierung habe Fotos und Videos vom Marsch der «(...)» nach Kurdistan erhalten, weshalb sie (die Teilnehmer; Anmerkung des Gerichts) auf sich hätten aufpassen müssen. Er sei deshalb auch nicht immer nach Hause gegangen (SEM -Akten A25/19 F35). Der Marsch der Koordinationsgruppe nach Kurdistan hat im (…) 2013 stattgefunden und damit ungefähr zwei Jahre vor der Ausreise. Daraus ergibt sich, dass die Angabe der Beschwerdeführerin, der Beschwerdeführer habe zwei Jahre so gelebt, kein wesentlicher Widerspruch zur Angabe ist, dass er sich wäh- rend sieben bis acht Monaten in seinem Heimatdorf versteckt gehalten habe. 6.3.3 Der Beschwerdeführer äusserte sich an verschiedener Stelle zu den Vorkommnissen im Anschluss an sein Fernsehinterview (SEM-Akten A25/19 F35, F45 ff., F89; A31/22 F12, F14 f., F19 -35). Die Beschwerde- führerin erwähnte bereits an der Befragung, dass das Regime in H._______ Druck ausgeübt habe und das Haus auch dort durchsucht wor- den sei (SEM-Akten A7/14 Ziff. 7.01). Zudem gab sie bei der ersten Anhö- rung an, der Hauptgrund weshalb sie Syrien verlassen habe, sei die Tatsa- che, dass ihr Mann von d er Regierung gesucht worden sei. Er habe an Demonstrationen teilgenommen und die Regierung kritisiert (SEM-Akten A26/12 F24 f.). Sie führte aus, «sie» seien einmal zu ihrem Schwiegervater nach Hause gekommen. Ihr nächster Satz lautete: «Mein Mann ist einmal im (…) aufgetreten» (a.a.O F37 f.). Daraus wird klar, dass die Beschwer- deführerin zwischen der Behelligung in der Nacht und dem Fernsehauftritt ihres Mannes eine Verbindung herstellte, was sie in der Antwort zur Frage 42 präzisierte: «Mein Mann hat bei diesem Interview über sie gesprochen. […] Danach haben sie das Haus meines Schwiegervaters angegriffen.» (a.a.O. F42). Auf die Fragen 47 bis 52 erklärte sie nachvollziehbar, wie der nächtliche Besuch abgelaufen war. Bei der ergänzenden Anhörung wurde die Beschwerdeführerin nochmals nach de m betreffenden Vorfall gefragt, wobei sie erklärte, es sei gegen Mitternacht gewesen, als die Leute heftig gegen die Türe geklopft und das Haus gestürmt hätten (SEM-Akten A32/8 F5-11). Sie und ihre Kinder hätten Angst bekommen , geweint und ge- schrien. Die Leute hätten sogar ihren Schwiegervater gestossen und ge- schlagen und nach dem Beschwerdeführer gefragt. Ihr Ehemann sei nicht E-4558/2019 Seite 23 anwesend gewesen, weil er – es sei noch nicht einmal dunkel gewesen – einen Anruf erhalten und sofort dana ch das Haus verlassen habe. Diese Schilderungen sind realitätsnah und gut nachvollziehbar. Die Beschwerde- führerin gab einzig ihre Perspektive wieder und erzählt e, was sie selbst erlebt hatte. Sie führte aus, dass sie über die Tätigkeiten ihres Ehemannes nicht genau Bescheid wusste, was in diesem Kontext überzeugt. Zum konkreten Zeitpunkt der Warnung gab der Beschwerdeführer in Über- einstimmung mit der Beschwerdeführerin an, es sei Abend gewesen, als er einen Anruf erhalten und sich zur Flucht entschieden ha be (SEM-Akten A31/22 F21). Er sei zu Hause gewesen, als er den Anruf erhalten habe, und habe sich daraufhin zu einem Kollegen begeben, wo er sich bis zu seiner Reise ins Dorf aufgehalten habe (a.a.O. F29). Chronologisch einge- ordnet, sei es Ende 2014, ungefähr zwei bis drei Tage nach dem Fernseh- interview gewesen (a.a.O. F22). Die Schilderungen des Beschwerdefüh- rers sind erlebnisbasiert, über die verschiedenen Befragungen hinweg kon- sistent (SEM Akten A25/19 F35, A31/22 F12, 14 f., F19-35) und damit als glaubhaft zu beurteilen. Zudem stimmen die Schilderungen des Beschwer- deführers im Wesentlichen mit den Aussagen der Beschwerdeführerin überein. Was die unterschiedliche Angabe der Beschwerdeführerin zu den Durchsuchungen der Behörden (zwei- oder dreimal) betrifft, ist nicht ganz klar, ob es sich dabei tatsächlich um divergierende Angaben handelt oder ob die Beschwerdeführerin teilweise bei den Fragen die Durchsuchungen in I._______ mit denjenigen in H._______ vermischte beziehungsweise verwechselte. Diese geringen Abweichungen sind jedenfalls nicht geeignet insgesamt an den Vorbringen der Beschwerdeführenden zu zweifeln. Es trifft zwar zu, dass der Beschwerdeführer die Hausdurchsuchungen und das Interview an der Befragung nicht explizit erwähnte. Die Hausdurchsu- chungen sind aber gemäss Angaben der Beschwerdeführenden im Zusam- menhang mit dem Fernsehinterview des Beschwerdeführers erfolgt. Seine Teilnahme an einem Interview von (…) hat der Beschwerdeführer mit Bil- dern belegt (SEM-Akten A27 BM8) und es wurde von der Vorinstanz – so- weit ersichtlich – auch nicht bestritten. Für das Gericht gibt es ebenfalls keine Gründe, an der Teilnahme des Beschwerdeführers an besagtem In- terview zu zweifeln. Entgegen der von der Vorinstanz vertretenen Ansicht hat der Besch werdeführer an der Befragung – in freier Rede – die Prob- leme in H._______ erwähnt und darauf hingewiesen, dass es wegen De- monstrationen Konflikte mit der Regierung g egeben h abe, er sich der «(...)» angeschlossen und mit dieser an Kundgebungen teilgenommen E-4558/2019 Seite 24 habe. Der Beschwerdeführer wies bei seiner ergänzenden Anhörung da- rauf hin, er habe an der Befragung nicht detailliert erzählen dürfen. Es sei ihm gesagt worden, er könne beim zweiten Interview ausführlich berichten (SEM-Akte A31/22 F110 f.). Es ist daher durchaus möglich, dass der Be- schwerdeführer an der Befragung die Frage so verstanden hat, dass er nach weiteren (noch nicht erwähnten) Problemen gefragt wurde. Aufgrund dessen und auch weil die Beschwerdeführerin die Hausdurchsuchungen bereits an der Befra gung nannte, kann der vor instanzlichen Würdigung, dieses Vorbringen habe als nachgeschoben zu gelten, nicht gefolgt wer- den. 6.3.4 Für die Beurteilung der Frage der Glaubhaftigkeit einer behördlichen Suche nach dem Beschwerdeführer anschliessend an sein Interview sind seine Aussagen auch im Kontext seiner weiteren Angaben (insbesondere seines belegten Engagements für die « (...)») zu würdigen. Bezüglich sei- nes Engagements in H._______ erklärte der Beschwerdeführer die Situa- tion vor Ort nochmals detailliert in der ergänzenden Anhörung (SEM-Akten A31/22 F12). Präzisierend gab er insbesondere an, die anderen Aktivitäten der «(...)» (gemeint damit sind wohl u.a. seine (…)kurse, die Sprachkurse und Strassenaufräumarbeiten) hätten die Behörden nicht gross gestört, bis die Gruppe durch das Interview wieder exponiert worden sei (a.a.O. F 14, F16). Zunächst ist festzustellen, dass das Engagement des Beschwerdeführers für die «(...)» als erstellt zu gelten hat. Dieses wurde belegt und auch von der Vorinstanz nicht bestritten. Für das Gericht besteht kein Anlass, daran zu zweifeln. Die Vorinstanz erwägt, der Beschwerdeführer habe sein En- gagement ab (…) 2014 auf eine sozialpolitische, gemeinnützige Tätigkeit beschränkt. Dabei lässt sie ausser Acht, dass die Mitglieder der Koordina- tionsgruppe sich explizit darauf vorbereitet hatten, im Falle eines Sturzes des Regimes die Macht vor Ort zu übernehmen, und sie in den Jahren 2011 bis im Frühjahr 2014 aktiv gegen das Regime demonstrierten. Zudem ha- ben gerade solche Gruppen von jun gen Männern, wie jene , bei welcher der Beschwerdeführer Mitglied war, die ersten Proteste und Demonstratio- nen in den kurdischen Gebieten organisiert ( SCHMIDINGER THOMAS, Krieg und Revolution in Syrisch -Kurdistan: Analysen und Stimmen aus Rojava, 2014, S. 22 f.). Die Aussage des Beschwerdeführers, er habe sich anlässlich dieses Inter- views regimekritisch geäussert, ist zwar nicht be legt. Es besteht aber im E-4558/2019 Seite 25 dargestellten Kontext (vgl. nachfolgend E. 6.5.2) die Gefahr, dass der Be- schwerdeführer allein aufgrund des in (…) ausgestrahlten Interviews, worin er seine Tätigkeit für die «(...)» bekannt gab und dabei im Hintergrund eine Fahne mit einer Abbildung von O._______ zu sehen war, von der syrischen Regierung als Kritiker am syrischen Regime aufgefasst wird . Vor diesem Hintergrund kommt das Gericht zum Schluss, dass eine hohe Wahrschein- lichkeit dafür besteht, dass die syrischen Behörden durch das Interview des Beschwerdeführers in (…) erneut auf die Koordinationsgruppe und de- ren Regimekritik aufmerksam gewor den sind. Damit ist es auch im Ge- samtkontext als wahrscheinlich anzusehen, dass der Beschwerdeführer im Anschluss an das Interview erneut in den Fokus der Behörden rückte und nach ihm gesucht wurde. Die von der Beschwerdeführerin geltend ge- machte Hausdurchsuchung im Haus des Schwiegervaters in H._______ ist daher insgesamt als glaubhaft zu erachten. 6.3.5 Die Vorinstanz hat zutreffend auf die Widersprüche in den Schilde- rungen des Beschwerdeführers zu seiner Einberufung in den Reserve- dienst hingewiesen (vgl. E. 3 .3). Es ist ihm nicht gelungen, diese Wider- sprüche zu erklären und die Zweifel an seinen diesbezüglichen Angaben auszuräumen. Das Gericht kommt daher zum Schluss, dass er nicht glaub- haft machen konnte, vor seiner Ausreise ein persönliches Aufgebot zum Reservedienst erhalten zu haben. Zahlreiche Berichte weisen darauf hin, dass gegen Ende 2012 vermehrt Reservisten in den Militärdienst einberufen wurden (Auskunft der SFH vom 30.7.2014, Syrien – Rekrutierung durch die Syrische Armee < https://www.fluechtlingshilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikatio- nen/Herkunftslaenderberichte/Mittlerer_Osten_-_Zentralasien/Sy- rien/140730-sy-rekrutierung-durch-die-syrische-armee-de.pdf > m.H. auf weitere Berichte; abgerufen am 29. Januar 2021). Dies stimmt mit den An- gaben des Beschwerdeführers überein. Er gab dazu an, es seien viele mo- bilisiert worden, weshalb er zunächst keine Angst vor der Einberufung ge- habt habe, solange er sich von den offiziellen Amtsstellen und Checkpoints habe fernhalten können. Die Möglichkeit einer Einberufung des Beschwer- deführers in den Reservedienst falls er in Syrien geblieben wäre, ist auf- grund seiner spezifischen Militärausbildung nicht vollständig auszuschlies- sen. Aufgrund der nachstehenden Ausführungen kann aber letztlich offen- bleiben, welche Konsequenzen dies für ihn bei einer Rückkehr nach Syrien im heutigen Zeitpunkt hätte. E-4558/2019 Seite 26 6.4 Nach eingehender Würdigung der Aussagen der Beschwerdeführen- den im Länderkontext stellt sich für das Gericht der glaubhaft gemachte Sachverhalt folgendermassen dar: Der Beschwerdeführer wurde aufgrund seiner Teilnahme an Protesten und seines politischen Engagements im Jahr 2004 inhaftiert und dürfte deshalb bei den syrischen Behörden als Regimekritiker vermerkt sein. Im Jahr 2012 wurden in I._______ seine Wohnung und sein (…) durchsucht. Der Beschwerdeführer betätigte sich auch in H._______ weiterhin politisch. Zunächst demonstrierte er mit der Organisation « (...)» auf offener Strasse. Wegen zunehmenden Drucks durch die YPG zog sich die Gruppe im Jahr 2014 von der Strasse zur ück und richtete ihr Engagement anders aus (z.B. Sprachkurse, Kurse zum Er- lernen der (…)tätigkeit, Strassenreinigung). Der Beschwerdeführer brachte in diesem Rahmen den Frauen im Quartier das (…) bei. Obwohl diese Ak- tivitäten eher kultureller Natur waren, ist davon auszugehen, dass die Mit- glieder – so auch der Beschwerdeführer – den Behörden von den früheren Protesten, Demonstrationen und dem Marsch nach Kurdistan bekannt wa- ren. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer im (…) 2014 in diesem Zu- sammenhang dem Sender (…) ein Interview gab. 6.5 An dieser Stelle ist nun zu prüfen, ob die glaubhaft gemachten Sach- verhaltsvorbringen asylrechtlich beachtlich sind. 6.5.1 Beim Beschwerdeführer fällt insbesondere ins Gewicht, dass er im Rahmen seines politischen Engagements im Jahr 2004 inhaftiert und bei den syrischen Behörden als Regimekritiker vermerkt sein dürfte. Die ein- zelnen Ereignisse in den Folgejahren können entgegen der von der Vor - instanz vertretenen Ansicht im syrischen Kontext nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Die Tatsache, dass bei der behördlichen Durchsuchung in I._______ im Jahr 2012 kein belastendes Material beim Beschwerdefüh- rer gefunden wurde, lässt noch nicht den Schluss zu, dass er dadurch au- tomatisch aus dem Fokus des Regimes verschwunden wäre. Die syrischen Behörden erstellen Listen mit den Namen von Personen, die sie als oppo- sitionell einstufen (Finnish Immigration Service [FIS], Syrian pro -govern- ment armed groups and issues related to freedom of movement, reconcili- ation processes and return to original place of residence in areas controlled by the Syrian government, 14.12.2018, < https://migri.fi/documents/5202425/5914056/Syria_Fact-finding+mis- sion+to+Beirut+and+Damascus%2C+April+2018.pdf >, abgerufen am 17.02.2021; der Norddeutsche Rundfunk [NDR] berichtete im März 2017 von einer Liste, deren Einträge bis in die 1960er Jahre zurückgehen, NDR, Geheime Fahndungsdatei: Syrien hat Hunderte Deutsche auf der Liste, E-4558/2019 Seite 27 08.03.2017, < https://www.tagesschau.de/ausland/syrische-fahndungslis- ten-101.html >, abgerufen am 16.01.2018, online nicht mehr verfügbar). Diese Listen dienen der Suche und Verhaftung von Personen, die aufgrund ihrer unterstellten politischen Gesinnung oder ihrem Fernbleiben vom Mili- tärdienst gesucht werden (Adopt a Revolution, 10 Fakten zu Syrien, 01.2020, < https://adoptrevolution.org/10-fakten-zu-syrien/ >; Danish Im- migration Service (DIS) / Danish Refugee Council (DRC), Syria: Security Situation in Damascus Province and Issues Reg arding Return to Syria, 21.02.2019, < https://www.nyidanmark.dk/-/media/Files/US/Landerappor- ter/Syrien_FFM_rapport_2019_Final_31012019.pdf >, alle abgerufen am 17.02.2021). 6.5.2 Entgegen der von der Vorinstanz vertretenen Ansicht (Erw. 1.2 S. 7) muss davon aus gegangen werden, dass die öffentliche Kritik des Be- schwerdeführers am syrischen Regime seitens der Regierung nicht unbe- achtet geblieben ist. Die Einschätzung, es sei unwahrscheinlich, dass das Engagement des Beschwerdeführers in den Jahren 2013 und 2014 für die syrischen Behörden eine Provokation dargestellt habe, widerspricht den einschlägigen Berichten und vermag deshalb nicht zu überzeugen. Hierbei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass P ._______ nach welchem die Koordinationsgruppe benannt wurde, ein Symbol für das kurdische Volk und dessen Autonomiebestrebungen war ( GUNTER MICHAEL M., Out ot Nowhere: The Kurds of Syria in Peace and War, 2014 (S. 95); BLANFORD NICHOLAS [Christian Science Monitor, CSM], A murder stirs Kurds in Syria, 16.06.2005, < https://www.csmonitor.com/2005/0616/p01s03- wome.html >, abgerufen am 10.02.2021). Im syrisch -kurdischen Kontext können kulturelle Aktivitäten kaum von politischen Aktivitäten unterschie- den werden, da bei jeglichen kurdischen Aktivitäten stets die Gefahr be- steht, dass diese seitens des Regimes als politische Äusserung wahrge- nommen werden. So waren denn auch der Gebrauch der kurdischen Spra- che und das Feiern kurdischer Traditionen bereits vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs eingeschränkt (ALLSOPP HARRIET, The Kurds of Syria: Politi- cal Parties and Identity in the Middle East, 2014, Fussnote 15, S. 130; MON- TGOMERY HARRIET, The Kurds of Syria: An existence denied, 2005, S. 97; Austrian Red Cross (ACCORD) / Danish Immigration Service (DIS), Hu- man rights issues concerning Kurds in Syria: Report from a joint fact finding mission by the Danish Immigration Service (DIS) and ACCORD/Austrian Red Cross to Damascus, Syria, Beirut, Lebanon, and Erbil and Dohuk, Kur- distan Region of Iraq (KRI) – 21 January to 8 February 2010, 05.20 10, < https://www.nyidanmark.dk/NR/rdonlyres/FF03AB63-10A5-4467-A038-E-4558/2019 Seite 28 20FE46B74CE8/0/Syrienrapport2010pdf.pdf >, abgerufen am 17.02.2021.). 6.5.3 Die Lage in Syrien wurde durch das Bundesverwaltungsgericht im Rahmen zweier asylrechtlicher Koordinationsentscheide ausführlich ge- würdigt (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.2 sowie Urteil des BVGer D -5579/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.3 und 5.7.2 [als Referenzurteil publiziert], je- weils mit weiteren Hinweisen , zuletzt u.a. bestätigt in E -4315/2018 vom 8. Januar 2021 E. 6.2.1, E -4545/2018 vom 25. November 2020 E. 9.3.1 ). Wie dabei ausgeführt wurde, ist durch eine Vielzahl von Berichten belegt, dass die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 gegen tatsächliche oder vermeintliche Regimegeg- ner mit grösster Brutalität und Rücksichtslosigkeit vorgegangen sind. Per- sonen, die sich an regimekritischen Demonstrationen beteiligt haben, sind in grosser Zahl von Verhaftung, Folter und willkürlicher Tötung betroffen gewesen. Die politische Unrast wurde dabei nicht zuletzt durch Ereignisse in der Stadt Dar'a im März 2011 entfacht, als staatliche Sicherheitskräfte Kinder verhafteten und bei anschliessenden Protesten mehrere Demonst- rierende töteten. Durch das zunehmend gewaltsame Vorgehen des syri- schen Regimes gegen eine landesweite Protestwelle mit Hunderten von Todesopfern, der Inhaftierung und Folterung Zehntausender Personen, da- runter selbst Kinder (vgl. hierzu BVGE 2015/3 E. 6.2.1), folgte eine Eska- lation des Konflikts, die schliesslich in einen offenen Bürgerkrieg mündete. 6.5.4 Personen, die durch die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte als Gegner des Regimes identifiziert werden, habe n eine Behandlung zu er- warten, die einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommt. Diese Feststellung gilt auch heute noch (zuletzt bestätigt u.a. in E -4315/2018 vom 8. Januar 2021 E.6.2.1., E -4545/2018 vom 25. November 2020 E. 9.3.1) 6.6 Nach dem Gesagten ist aus dem glaubhaft gemachten Sachverhalt zu schliessen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise als zumindest potentieller Regimegegner identifiziert worden ist und im Falle einer Rück- kehr nach Syrien mit ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu rechnen hätte. 7. Beim vorliegenden Ausgang des Verfahrens erübrigt es sich, auf das exil- politische Engagement des Beschwerdeführers in der Schweiz einzuge- hen, da ihm eine objektiv begründete Furcht vor Verfolgungsmassnahmen E-4558/2019 Seite 29 bei einer Rückkehr nach Syrien attestiert werden muss. Aus den Akten er- geben sich keine Gründe für die Annahme einer Asylunwürdigkeit des Be- schwerdeführers gemäss Art. 53 AsylG. Der Beschwerdeführer ist damit als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. 8. Die Beschwerdeführerin hat keine eigenen Asylgründe gelten d gemacht. Sie ist gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl ihres Ehemannes einzubeziehen. Dasselbe gilt für die Kinder, die ebenfalls in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl ihres Vaters einzube- ziehen sind. Auch betreffend die Beschwerdeführerin und die noch minder- jährigen Kinder liegen keine Hinweise auf einen Asylausschlussgrund vor. 9. Die Beschwerde ist d emnach gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 6. August 2019 aufzuheben, die Beschwerdeführenden sind als Flüchtlinge anzuerkennen und das SEM ist anzuweisen, ihnen Asyl zu ge- währen. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 10.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsie- gens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. In sei- ner Honorarnote vom 24. August 2020 wies der Rechtsvertreter einen Zeit- aufwand von 13.03 Stunden und Barauslagen in der Höhe von Fr. 72.10 aus. Der geltend gemachte zeitliche Aufwand erscheint angemessen. Der angewandte Stundenansatz bewegt sich zudem im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Demna ch hat die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'287.65 (inklusive Mehrwertsteu- erzuschlag) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-4558/2019 Seite 30 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung vom 6. August 2019 wird aufgehoben, die Beschwerdefüh- renden werden als Flüchtlinge anerkannt und das SEM wird angewiesen, ihnen Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 4'287.65 auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Evelyn Heiniger Versand: