<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp295488"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>125 III 337<br/><br/><br/><div class="paraatf">58. Auszug aus dem Urteil der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer vom 12. August 1999 i.S. K. (Beschwerde)</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp296736"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref">Art. 149 SchKG</span>. <div class="paratf">Die Ausstellung eines Verlustscheines, ohne dass eine Pfändung und Verwertung durchgeführt wurde, ist nichtig. </div> </div> </div> <a name="idp300336"></a> <a name="idp303712"></a> <br/><div> <a name="idp307120"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 337</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page337"></a><div class="center pagebreak">BGE 125 III 337 S. 337</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp308784"></a><span class="bold">A.- </span>Der Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden ist am 5. Juli 1999 auf eine Beschwerde der Frau K. nicht eingetreten. In der Begründung seines Entscheides stellte der Kantonsgerichtsausschuss unter anderem fest, dass die Ausstellung des Verlustscheines (am 7. Juni 1999; Betreibung Nr. 0.; Verlustschein Nr. 1.) nicht zu beanstanden sei.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp310560"></a><span class="bold">B.- </span>Diesen Entscheid hat K. mit einer am 1. August 1999 dem Postamt 7000 Chur 1 übergebenen Beschwerdeschrift innert der Frist des <span class="artref">Art. 19 Abs. 1 SchKG</span> an die Schuldbetreibungs- und Konkurs-kammer des Bundesgerichts weitergezogen.</div> <div class="paraatf">Auf die Aufforderung hin, alle die genannte Betreibung betreffenden Akten der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer des Bundesgerichts zuzustellen, hat die kantonale Aufsichtsbehörde der <a name="page338"></a><div class="center pagebreak">BGE 125 III 337 S. 338</div>Kanzlei des Bundesgerichts am 10. August 1999 telefonisch mitgeteilt, dass weder das Betreibungsamt noch die kantonale Aufsichtsbehörde über weitere als die am 5. August 1999 dem Bundesgericht bereits zugestellten Akten verfügten.</div> <br/><div> <a name="idp315600"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Aus den Erwägungen:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp316560"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span>a) In der dem Bundesgericht eingereichten Beschwerde erklärt K., sie habe im kantonalen Verfahren «nicht gegen den Verlustschein Beschwerde eingereicht, sondern gegen die Betreibung und erneuten Rechtsvorschlag in der Betreibungssache eingereicht».</div> <div class="paraatf">b) Die Behauptung der Beschwerdeführerin, sich beim Kantonsgerichtsausschuss nicht über den Verlustschein beschwert zu haben, ist zutreffend. Sie hat in ihrer der Vorinstanz eingereichten Beschwerde vom 24. Juni 1999 nur ihrer Befürchtung Ausdruck gegeben, dass ein Verlustschein ausgestellt werden könnte.</div> <div class="paraatf">Hat aber die Schuldnerin im kantonalen Verfahren nicht Beschwerde gegen die Ausstellung des Verlustscheins geführt, so kann diesbezüglich auf ihre Beschwerde - die im Übrigen den Anforderungen, welche <span class="artref">Art. 79 Abs. 1 OG</span> an die Begründung einer Beschwerde stellt, nicht genügt - nicht eingetreten werden.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp321792"></a><span class="bold" id="consideration_3.">3. </span>a) Den Akten lässt sich entnehmen, dass die Stadtverwaltung B. das Betreibungsamt B. mit Schreiben vom 4. Juni 1999 um Ausstellung eines Verlustscheines ersucht hat mit der Begründung, es sei «praktisch kein Vermögen mehr vorhanden». Durch Ausstellung des Verlustscheines hat das Betreibungsamt am 7. Juni 1999 diesem Ersuchen entsprochen. Eine Pfändungsurkunde findet sich nicht bei den Akten.</div> <div class="paraatf">b) Aus dieser Sach- und Aktenlage muss der Schluss gezogen werden, dass der Verlustschein (in welchem die volle Forderung der Stadtkasse zuzüglich Kosten als ungedeckt gebliebener Betrag bezeichnet wird) ohne Durchführung der Pfändung und Verwertung ausgestellt worden ist. Darin liegt eine Verletzung von <span class="artref">Art. 149 SchKG</span> dergestalt, dass die Ausstellung des Verlustscheins als nichtig zu betrachten ist (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=12&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1999&amp;to_year=1999&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F80-III-141%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page141">BGE 80 III 141</a> E. 1).</div> <div class="paraatf">Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer des Bundesgerichts stellt die Nichtigkeit der betreibungsamtlichen Verfügung von Amtes wegen fest (<span class="artref">Art. 22 Abs. 1 SchKG</span>; HANS ULRICH WALDER, Beschwerdeverfahren, Abgrenzung kantonales Recht/Bundesrecht, Fristen, Nichtige Verfügungen, in ZSR 115/1996 I, S. 202, lit. c). Daran ist sie durch den Abschluss der Betreibung nicht gehindert (<span class="bgeref_err">BGE 73 III 23</span> E. 3, <span class="bgeref_err">BGE 72 III 42</span>).</div> </div></body></html>