B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4143/2011/mel U r t e i l v o m 1 0 . D e z e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Thomas Wespi; Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), Kamerun, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Juni 2011 / N (…). D-4143/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin ihren Hei - matstaat am (…) Juni 2009 auf dem Luftweg und gelangte am 17. Juni 2009 in die Schweiz, wo sie am 22. Juni 2009 ein Asylgesuch stellte. Da- zu wurde sie am 25. Juni 2 009 summarisch be fragt. Am 22. Juli 2009 führte das BFM die Anhörung durch. A.b Die Beschwerdeführerin machte geltend, aus B._______ zu sta m- men. Nach der Heirat habe sie zusammen mit ihrem Ehemann Geschäfte geführt. Im Jahr 2004 sei sie durch den jüngeren Bruder ihres Mannes bei einer Auseinandersetzung verletzt worden. Ihr Mann sei am 31. Mai 2009 verstorben. Die Todesursache sei ihr nicht bekannt; eine Autopsie sei ab- gelehnt worden . Sie vermute, die Familie ihres Mannes sei für dessen Tod im Rahmen eines Okkultismus verantwortlich. Einige Tage später ha- be sie der ältere Bruder des Verstorbenen unter Schlägen aufgefordert, ihm Geschäftsdokumente und die Besitzurkunde des Hauses auszuhä n- digen. Die Schwiegermutter, welche in einem Dorf wohne, sei nach B._______ gekommen und habe von ihr verlangt, dass sie den besagten Schwager heirate. Sie sei für die bevorstehende Beerdigung in den Wohnort der Familie des Verstorbenen gegangen, wo man von ihr wieder die erwähnte Heirat und den Umzug ins Dorf verlangt habe. Sie sei ohn - mächtig geworden und habe die Beerdigung verpasst. N ach dem Erwa - chen aus der Bewusstlosigkeit habe sie als Witwe traditionelle Riten über sich ergehen lassen müssen. Anschliessend sei sie zum Geschlechtsver - kehr mit dem Schwager gezwungen worden. Tags darauf habe si e das Dorf verlassen und sei nach B._______ in ihr Haus zurückgekehrt. Di e- ses sei je doch gemäss Informationen aus der Nachbarschaft durch ihre Schwager leergeräumt worden. Ferner habe sie durch ihren jüngeren Bruder erfahren, dass der ältere Schwager auch im Dorf ihrer Eltern e r- schienen sei und Drohungen ausgestossen habe. Sie habe sich nach C._______ zu ei ner Cousine begeben und erneut mit ihrem jüngeren Bruder telefoniert. So habe sie erfahren, dass der ältere Schwager auf dem Weg nach B._______ sei, um ihrer habhaft zu werden. Sie habe sich in C._______ nach einem Anwalt für Menschenrechte erkundigt. Man h a- be ihr geraten, nach B._______ zurückzugehen, da die Dienste eines solchen in C._______ sehr teuer seien. Sie habe mit einer Bekannten – ihrer Patin – in B._______ telefoniert, damit diese einen dortigen Anwalt für sie organisiere. Die Patin habe er wähnt, dass der ältere Schwager auch bei ihr vorbeigekommen sei und sie beschuldigt habe, die B e-D-4143/2011 Seite 3 schwerdeführerin zu ihrem Handeln ange stiftet zu ha ben. Er habe mit t- lerweile eine "gesetzliche Mitteilung ", wo nach sie nach dem Tod ihres Mannes den Verstand verloren habe , in die Wege geleitet. Sie habe die Situation mit ihrer Cousine und deren Freund besprochen. Der Freund sei der Auffassung gewesen, si e sei nir gendwo vor ihre m Schwager sicher, da dieser das Geld ihres verstorbe nen Mannes habe. In Anbetracht di e- ser Sachlage habe sie sich zur Ausreise entschlossen. Ihre Kinder befän- den sich immer noch im Gewahrsam der Familie des Schwagers. A.c Für die eingereichten Beweismittel – Fotos samt Beschriftungen, Eheschein und Identitätskarte – ist auf die Akten zu verweisen (vgl. A 14/17 Antworten 4 ff., Beweismittelverzeichnis A 15 und A 24/1). B. Am 11. August 2009 führte das BFM eine ergänzende Anhörung dur ch. Dabei wurden der Beschwerdeführerin Fragen zu den genauen Umstän - den der von ihr geltend gemachten Vorkommnisse gestellt. Ferner ve r- deutlichte sie ihre soziale und eigentumsrechtliche Situation vor Ort. C. C.a Mit Verfügung vom 24. Juni 2011 – eröffnet am 28. Juni 2011 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingsei genschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegwei- sung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Die Vorin stanz b e- gründete ihren Entscheid mit der fehlenden Glaubhaftigkeit der an gebli- chen Verfolgung. Die Beschwerdeführerin habe die angeblich durchge - führten traditionellen Riten nicht übereinstimmend geschildert. So habe sie bei der ersten Anhörung zu Protokoll gegeben, sie sei von drei Witwen zu einem kleinen Bach geführt worden. Bei der zweiten Anhörung habe sie jedoch ausgesagt, es seien etwa vier Witwen gewesen. Ausser dem habe sie vorerst geltend gemacht, die Beerdigung ihres Gatten habe am 12. Juni 2009 stattgefunden, und das Datum im Anschluss sofort auf den 6. Juni 2009 korrigiert. Im Weiteren könne nicht nachvollzogen wer den, dass der ältere Schwager der Beschwerdeführerin tatsächlich in der ge - schilderten Art und noch in der Trauerzeit gegen sie vorgegangen sei, zu- mal er durch dieses Benehmen Schande über seine Familie gebracht und sich selber keine materiellen Vorteile verschafft hätte. Ferner habe sie ausgesagt, die Familie ihres verstorbenen Gatten sei mutmasslich für dessen Tod verantwortlich ; es se i ihr aber nicht gelungen, diesen Ver - dacht angemessen zu substanziieren. Hinzu komme, dass sie die – auch zeitlichen – Umstände der angeblichen Ohnmacht im Dorf ihres Mannes D-4143/2011 Seite 4 ohne hinreichend konkrete Angaben vorgebracht habe; insgesamt müss- ten so ihre Sc hilderungen in vielen Passagen als realitätsfremd und e r- fahrungswidrig bezeichnet werden. Hätte sie die angeblichen Vorfälle tat- sächlich erlebt, würden substanziiertere und realitätsbezogenere Schilde- rungen vorliegen. Entsprechend erübrige es sich, auf weitere Vorbringen wie namentlich die geltend gemachte sexuelle Malträtierung durch den Schwager näher einzugehen, da sie sich im geschilderten, als un glaub- haft zu erachtenden Kontext nicht ereignet haben könnten. Die Einge - reichten Fotos und Beweismitt el rechtfertigten mangels Beweiswer tes keine andere Sichtweise. C.b Den Vollzug der Weg weisung nach Kamerun erachtete das BFM für zulässig, zumutbar und möglich. Die Beschwerdeführerin sei jung und bei guter Gesundheit, verfüge über eine langjährige Schulbildung und A r- beitserfahrung in verschiedenen Bereichen. Sie habe vor Ort Familie und ein grosses Beziehungsnetz. So werde es ihr möglich sein, nach der Rückkehr für sich und ihre beiden Kinder finanziell aufzukommen. D. D.a Mit Eingabe vom 24. Juli 2011 (Datum der Postaufgabe) beantragte die Be schwerdeführerin beim Bundesverwaltungsge richt die Aufhe bung des vorinstanzlichen Entscheids, die Feststellung ih rer Flüchtlingseigen- schaft und die Asylgewährung, eventualiter die Feststellung der Unzuläs- sigkeit, Un zumutbarkeit und Unmöglichkeit des Weg weisungsvollzugs verbunden mit der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz sowie in proze s- sualer Hin sicht die un entgeltliche Rechtspflege (A rt. 65 Abs. 1 des Ver - waltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) samt Entbindung von der Vor schusspflicht. Eventualiter sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wieder her zustellen. Ferner seien im Sinne einer vorsorglic hen Massnahme die Vollzugsbehörden anzuweisen, die Kontaktaufnahme mit dem Heimatstaat sowie jegliche Weitergabe von Daten an denselben zu unterlas sen; über eine eventu ell bereits erfolgte Datenweitergabe sei in einer separaten Verfügung zu i n- formieren. D.b Zur Begründung der Hauptanträge legte sie dar, wegen der geschi l- derten Zwangssituation ihr Heimatland verlassen zu haben. Witwen ver- erbung werde in Kamerun in vielen Dörfern praktiziert. So sei es zum Tod vieler Witwen und zur Verbreitung von Aids g ekommen. In einem Verfah- ren vor den amerikanischen Asylbehörden sei die Zwangslage der Betrof- fenen als relevante Verfolgung anerkannt worden. Ihr Fall sei vergleich -D-4143/2011 Seite 5 bar. Sie habe glaubhaft dargelegt, wegen der geschilderten Bedro hung und Verfolgung durch den Schwager ausser Landes geflohen zu sein. Es bestünden keine Unstimmigkeiten in den Aussagen. Als Witwe sei es ihr nicht möglich gewesen, nähere Angaben zu den Todesumstän den ihres Gatten zu erhalten. Allfällige Ungereimtheiten in gewissen Schilde rungen seien auf ihre schlechte psychische Befindlichkeit zurückzu führen. Sie stehe in psychotherapeutischer Behandlung. Aktuell werde ihr in Kam e- run der Tod ihres Mannes zur Last gelegt. Der sie bedro hende Schwager sei gewaltsam gegen ihren Vater vorgegangen. Es sei ein Gerichtsverfah- ren hängig. D.c Der Eingabe lagen ein Internet-Ausdruck im Zusammenhang mit dem erwähnten amerikanischen Verfahren samt Übersetzung, ein kameruni- sches Gerichtsdokument in Kopie (Writ of Summons) vom (…) Februar 2011, ein psychiat rischer Abklärungsbericht vom 14. Oktober 2010 und eine Bestätigung der Bedürftigkeit bei. E. Mit Zwischenverfügung vom 3. August 2011 stellte das Bundesver wal- tungsgericht die aufschiebende Wirkung der Beschwerde fest, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und hiess das Gesuch ge - mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Der Antrag, die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, die Kontaktaufnahme mit dem Heimatstaat sowie jegliche Weitergabe von Daten an denselben zu unterlassen, wurde abgewiesen. F. Mit Vernehmlassung vom 12. August 2011 beantragte das BFM die Ab - weisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin leide gemäss einge - reichtem Arztbericht unter Anpassungsstörungen, Ängsten und einer d e- pressiven Reaktion. Dies seien indes nicht schwerwiegende Pr obleme, welche eine engmaschige medikamentöse Behandlung erforderlich ma - chen würden. Auch wenn die medizinischen und insbesondere die ps y- chiatrischen Infrastrukturen in Kamerun nicht dem schweizerischen Stan - dard entsprächen, seien die geltend gemachten gesundheitlichen Be - schwerden vor Ort behandelbar. Überdies stehe ihr offen, (medizini sche) Rückkehrhilfe zu beantragen. G. Mit Replik vom 29. August 2012 hielt die Beschwerdeführerin unter Hin - weis auf die Sachverhaltselemente an ihren bisherigen Vorbring en fest. D-4143/2011 Seite 6 Ferner verwies sie auf eine Falschdatierung in der Verfügung des Bun- desverwaltungsgerichts (Einladung zur Replik). H. Mit Eingabe vom 6. September 2012 gab die Beschwerdeführerin ein englischsprachiges Internet-Dokument vom 30. August 2011 samt Über- setzung zu den Akten. Darin wurde die Pflicht der Witwen in Kame run, in frauenverachtenden und beleidigenden Ritualen ihre Unschuld am Tod des Gatten zu beweisen, thematisiert. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei nes Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh rende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz - würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwe rde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be - schwerde ist einzutreten. D-4143/2011 Seite 7 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Anhörung vom 22. Juli 2009 fand nicht im Beisein einer Hilfswerkve r- tretung statt. Im Sinne von Art. 30 Abs. 3 AsylG ist die Verwertbarkeit des Protokolls aber nicht beeinträchtigt (vgl. A 16/2). 4. Der Antrag, über eine eventuell bereits erfolgte Datenweitergabe sei in ei- ner separaten Verfügung zu informieren, erweist sich insofern als gegen - standslos, als den vorhandenen Akten zufolge keine solche Datenweiter - gabe stattgefunden hat. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer b estimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen . Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehr - dienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausge setzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Vorbehalten bleibt die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30; vgl. Art. 3 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insb esondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-4143/2011 Seite 8 6. 6.1 Es mag zutreffen, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin Ende Mai 2009 verstorben ist und sich in der Folge im Rahmen der beteiligten Familien gewisse Auseinandersetzungen ereigneten, von denen auch die Beschwerdeführerin als Witwe betroffen war. Dabei ist schon an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass solche Witwenrituale namentlich in dörfli - chen Kreisen in Kamerun stattfinden ; gebildete und finanziell una bhän- gige Frauen sind davon aber offenbar weniger betroffen beziehungsweise können sich in Kenntnis ihrer Rechte dagegen zur Wehr setzen (vgl. dazu S. 2 des Beweismittels vom 30. August 2011). 6.2 Vor diesem Hintergrund ist nicht ausgeschlossen, dass die Beschwer- deführerin auch als Städterin Nötigungen seitens der aus einem Dorf stammenden Familie des Verstorbenen ausgesetzt war. Das BFM weist aber zu Recht darauf hin, dass gewisse Verfolgungshandlungen in der geschilderten Form nicht glaubhaft wirken. Namentlich ihre angebliche Ohnmacht aufgrund der angeblich drohenden Zwangsverheiratung ve r- bunden mit der späteren Vergewalt igung wirkt vage und erweckt nicht den Eindruck eines wahrheitsgemässen Vorkommnisses (A 14/17 Antwor- ten 122 ff.). Auch ihre Befürchtungen für den Fall der Rückkehr äusserte sie eher stereotyp (A 20/24 Antworten 194 ff.). Das BFM hebt sodann her- vor, dass sie die Anzahl der beteiligten Witwen im Rahmen des sie demü- tigenden Rituals nicht übereinstimmend darlegte. Auch wenn eine solche Abweichung per se nicht zwingend auf Unglaubhaftigkeit schliessen lässt, verstärkt sich so das Bild einer bloss angeblic hen Behelligung. Ins G e- wicht fällt aber auch die Tatsache, dass es ihr offenbar problemlos mö g- lich war, dem Gewahrsam der Familie des Ehemannes im Dorf zu en t- kommen (A 20/24 Antworten 131 ff.). In der Beschwerde fehlen stringente Argumente, welche eine and ere Sichtweise rechtfertigen würden. Dass gewisse psychi sche Probleme ihre Aussagemöglichkeiten beeinträchtigt hätten, lässt sich auch dem eingereichten Arztbericht nicht entnehmen. In Anbetracht weiterer, vom BFM erwähnten Unstimmigkeiten ist mithin nicht glaubhaft, dass sich die Auseinandersetzungen nach dem geltend g e- machten Tod des Ehemannes in der geschilderten Form zuspitzten. Auch für die Behauptung, sie werde für den Tod des Gatten verantwortlich g e- macht, finden sich keine überzeugenden Anhal tspunkte. Das (als blosse Kopie) eingereichte Gerichtsdokument betrifft gemäss den dorti gen An- gaben offenbar ihren Vater, welcher den Schwager beziehungs weise Schwiegersohn anzeigte, und vermag eine ihr drohende Gefahr nicht hi n- reichend zu belegen. D-4143/2011 Seite 9 6.3 Obwohl es der Beschwerdeführerin nicht gelingt, zentrale Vorbringen glaubhaft zu machen , ist ein finanz - und eigentumsrechtlicher Konflikt nach dem Tod des Mannes nicht auszuschliessen (zur allgemeinen – auch rechtlichen – Situation in Kamerun vgl. den Country Report on Hu - man Rights Practices 2011 des US Department of State, Mai 2012 ). Aus Länderberichten geht hervor, dass Frauen in rechtlicher Hinsicht Benac h- teiligungen ausgesetzt sein können. Hingegen erscheint in keiner Weise als ausgeschlossen, dass sich die Beschwerdeführerin gegen allfällige, auf ihre Finanzen abzielende Massnahmen der Angehörigen ihres Gatten auf dem R echtsweg zur Wehr setz en könnte. So ist vor Ort auch eine NGO tätig, die sich für Witwenrechte einsetz t ( …). Selbst bei ange - nommener Wahrheit auch physischer Verfolgung durch Drittpersonen wä- re mithin nicht davon auszugehen, dass sie keinen Zugang zu ei ner ge- wissen Schutzinfrastruktur hätte. Aus den Akten geht zudem hervor, dass sie erwog, den Rechts weg zu beschreiten, entsprechende Handlungen aber trotz vorhandene r Ansprüche unterliess (A 14/17 Ant worten 92 ff. und 135; A 20/24 Antworten 57 ff. und 172 ff.). Ergänzend ist anzufügen, dass die Afrikanische Charta für Demokr atie, Wahlen und Regie - rungsführung (African Charter on Democracy, Elections and Governance) im Februar 2012 in Kraft trat, nachdem Kamerun als fünfzehntes Land ra- tifiziert hatte. Damit existiert in Afrika zum ersten Mal ein verbindli ches Rechtsinstrument zur Einhaltung demokr atischer Prinzipien, de r Men- schenrechte, der Rechtsstaatlichkeit, Transparenz im Management öf - fentlicher Angelegenheiten, Geschlechtergerechtigkeit, Gewaltentrennung und Antikorruption. 6.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft machen konnte, in der geschilderten Form unter Druck gesetzt worden zu sein. Allfällige (eigentumsrechtliche) Konflikte wegen des gel - tend gemachten Tods des Ehemannes erscheinen für sie als gebildete Städterin als auf dem Rechtsweg regelbar. Ihr i mplizites Vorbringen, we- gen der Zugehörigkeit zur sozialen Gruppe der kamerunischen Witwen eine asylrelevante Verfolgung erlitten zu haben beziehungsweise befürch- ten zu müssen, erweist sich mithin als unzutreffend. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich m angels Relevanz, auf weitere Beschwerdevorbringen und die Beweismittel näher einzugehen. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet D-4143/2011 Seite 10 den Vollzug an; es berücks ichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Auslä nder [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge - mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flücht lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völker rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein - kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter u nd andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, D-4143/2011 Seite 11 SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigen- der Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Be- schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfah ren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei - ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand - lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Fol- ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allge - meine Menschenrechtssituation i n Kamerun lässt den Wegweisungsvoll - zug zum heutigen Zeitpunk t klarerweise nicht als unzulässig erschei nen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr- dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass die all gemei- ne Lage in Kamerun nicht durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situa- tion landesweiter allgemeiner Gewalt gekennzeichnet ist, aufgrund der er die Zivilbe völkerung als konkret gefährdet bezeichnet werden müsste. Der Vollzug der Wegweisung ist unter diesen Umständen nicht generell als unzumutbar zu bezeichnen. D-4143/2011 Seite 12 8.4.2 Die Beschwerdeführerin stammt aus B._______, ist gebildet und verfügt über Arbeitserfahrung in verschiedenen Bereichen. Gemäss A k- tenlage leben enge Angehörige vor Ort; zudem existieren weitere soziale Anknüpfungspunkte in Kamerun. Ihre finanzielle Situation nach dem ge l- tend ge machten Tod des offenbar eher vermögenden Ehemannes ist zwar mit Unwägbarkeiten behaftet, aber keinesfalls prekär, zumal in einer ersten Phase auch Unterstützungen durch Verwandte in Frage kommen dürften. Nach dem Gesagten ist im Sinne der BFM -Erwägungen nicht zu erwarten, dass sie in eine existenzgefäh rdende Lage gerät, auch wenn gewisse wirtschaftliche Schwierigkeiten nicht ausgeschlos sen werden können. 8.4.3 Allerdings leidet die Beschwerdeführerin gemäss Aktenlage unter psychischen Beschwerden (Anpassungsstörungen, Ängsten und einer depressiven Reaktion) welche nach der Einreise in die Schweiz aufgetre - ten sind (vgl. A 14/17 Antwort 142). Diese Leiden sind aber – wie das BFM in der Vernehmlassung zu Recht festhält – nicht als gravierend ein- zustufen. Überdies kann die Beschwerdeführerin bei der Vorin stanz unter Vorlage entsprechender Atteste medizinische Rückkehrhilfe beantra gen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]), womit sie in einer ersten Phase nach i hrer Rückkehr hinsichtlich der Organi - sation der medizini schen Behandlung – falls überhaupt noch erforder lich – nicht vor unüberwindbare Schwierigkeiten ge stellt ist. Insge samt ist nach dem Gesagten nicht davon auszugehen, die gesundheitlichen Prob- leme der Beschwerdeführerin würden im Falle des Vollzugs der Wegwe i- sung mangels im Bedarfsfall ausreichender medizini scher Behand - lungsmöglichkeiten eine drastische, andauernde und lebens bedrohende Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes nach sich z iehen. Ein Bei- zug weiterer Medizinalakten erscheint somit nicht als erforder lich (vgl. S. 2 der Beschwerdeeingabe). 8.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung für die Beschwerdeführerin als zumutbar. 8.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi - gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). D-4143/2011 Seite 13 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtse rheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). In Anbetracht der am 3. Au - gust 2011 erfolgten Gutheissung des Gesuchs im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG erfolgt indes keine Kostenauflage, zumal sich ihre finanziel- len Verhältnisse offenbar nicht verändert haben. (Dispositiv nächste Seite) D-4143/2011 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustän - dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: