Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 10. Januar 2018 (810 17 274) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Regelung des persönlichen Verkehrs Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin i.V. Irina Trutmann Beteiligte A.A .____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Andrea Gfeller , Rechtsanwältin, Aarwangenstrasse 4, Postfach 1014, 4901 Langenthal gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde A. ____ , Beschwerdege g- nerin B.A .____ Beschwerdegegner, vertreten durch Dr. Claudia M. Mordasi- ni-Rohner, Advokatin, Elisabethenstrasse 28, Postfach 425, 4010 Basel Betreff Regelung des persönlichen Verkehrs (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde A.____, vom 7. September 2017) A. A.A.____ und B.A.____ sind die nicht miteinander verheirateten Eltern von C.A.____ (geb. 2012). Die Eltern verfügen über die gemeinsam e elterliche Sorge. In der Sorgerechtsver- einbarung vom 24. September 2012 hielten die Eltern gemeinsam fest, dass für den Fall von Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht getrennten Wohnungen eine hälftige Betreuung des Kindes vorgesehen sei. Die Betreuungszei- ten seien dabei möglichst koordiniert auf diejenigen von D.A.____, der älteren Halbschwester von C.A.____, abzustimmen. Seit Anfang 2015 leben die Kindseltern getrennt voneinander. B. Am 27. April 2015 sistierte die Kindes- und Erwachse nenschutzbehörde A.____ (KESB) mit vorsorglicher Massnahme vorläufig das Kontaktrecht von B.A.____ zu dessen Toch- ter C.A.____ Hintergrund der vorsorglichen Massnahme wa r die Meldung einer Kindeswohlge- fährdung der Kindsmutter im von der KESB eingeleitete n Verfahren betreffend strittige Punkte der elterlichen Sorge nach der Trennung und dem Wegzu g von A.A.____ mit C.A.____ nach B.____ im Kanton Bern. Die KESB erachtete das Kindesw ohl unter anderem deswegen als ge- fährdet, weil B.A.____ in Internetforen aus dem BDSM -Bereich einen Mitbewohner resp. eine Mitbewohnerin gesucht hatte. C. Nachdem B.A.____ gegen die Sistierung des Kontaktr echts beim Kantonsgericht Be- schwerde erhoben hatte, zog die KESB am 15. Juni 2015 ihren Entscheid vom 27. April 2015 in Wiedererwägung und hob die vorsorglich angeordnete S istierung des Kontaktrechts auf. Sie ordnete stattdessen vorsorglich ein begleitetes Besuchsrec ht für jeden Mittwochnachmittag an. Dieser Entscheid blieb unangefochten. D. Mit Entscheid vom 3. August 2016 teilte die KESB die alleinige Obhut über die Tochter C.A. der Kindsmutter zu. Der Kindsvater wurde berechtig t und verpflichtet, C.A.____ jeden Mittwochnachmittag von 13:30 Uhr bis 17:30 Uhr zu Besuch zu nehmen. Ein Ferienrecht wurde dem Kindsvater nicht eingeräumt. Für die Besuchstage w urde eine Besuchsbeistandschaft er- richtet und für C.A.____ ein Beistand ernannt. E. Gegen den Entscheid der KESB vom 3. August 2016 e rhob B.A.____, vertreten durch Dr. Claudia M. Mordasini-Rohner, Advokatin in Basel, m it Eingabe vom 2. September 2016 Be- schwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht). Im Wesentlichen beantragte er die Aufhebung des vorinstanzlichen Ent- scheids und die Neuregelung des persönlichen Verkehrs von w öchentlich jeweils Sonntag 10:00 Uhr bis Mittwoch 10:00 Uhr sowie acht Wochen Ferien pro Jahr mit C.A.____. F. Mit Urteil des Kantonsgerichts vom 30. November 2016 (810 16 259) wurde der Ent- scheid der KESB vom 3. August 2016 betreffend die Regel ung des persönlichen Verkehrs auf- gehoben und die Angelegenheit wurde zur weiteren Beh andlung im Sinne der Erwägungen an die KESB zurückgewiesen. Die KESB wurde damit beauftra gt, die für ein Besuchs- und Ferien- recht im üblichen Umfang erforderlichen Anordnungen zu treffen und die Einzelheiten der Durchführung festzulegen. G. Am 25. August 2017 wurden die Kindseltern betreffe nd die Neuregelung des persönli- chen Verkehrs von der KESB angehört. Auf eine Anhörung von C.A.____ wurde aufgrund ihres Alters verzichtet. Die Kindsmutter äusserte sich dahingeh end, dass sie keine Ausdehnung des persönlichen Verkehrs wünsche. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Entscheid vom 7. September 2017 räumte die KES B dem Kindsvater ein Besuchs- und Ferienrecht dahingehend ein, dass er berechtigt und verpflichtet sei, C.A.____ zweimal pro Monat von Sonntagmorgen 10:00 Uhr bis Mittwochmorgen U nterrichtsbeginn im Kindergarten resp. ab Sommer 2018 bis Schulbeginn zu sich zu nehmen. Zudem sei er berechtigt und ver- pflichtet, C.A.____ einmal pro Monat von Freitagabend 18:00 Uhr bis Sonntagabend 18:00 Uhr zu sich zu nehmen. Dem Kindsvater wurden zudem sechs Wochen Ferien und vier zusätzliche Ferientage für die Basler Fasnacht pro Jahr eingeräumt. I. Gegen diesen Entscheid erhob die Kindsmutter, vertre ten durch Andrea Gfeller, Rechtsanwältin in Langenthal, mit Eingabe vom 9. Oktober 2017 Beschwerde beim Kantonsge- richt. Sie beantragt die vollumfängliche Aufhebung der Besuchs- und Ferienregelung der KESB. Der Beschwerdegegner sei zu berechtigen und zu verpflicht en, seine Tochter jedes zweite Wo- chenende von Samstag 09:00 Uhr bis Sonntag 18:00 Uhr r esp. ab August 2018 von Freitag 18:00 Uhr bis Sonntag 18:00 Uhr zu sich zu nehmen. Zud em sei der Beschwerdegegner zu berechtigen und zu verpflichten, drei Wochen Ferien p ro Jahr mit seiner Tochter zu verbringen; alles unter o/e-Kostenfolge. J. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Oktober 2017 beantr agt die KESB in Abweichung vom angefochtenen Entscheid, es sei der Beschwerdegegne r zu berechtigen und zu verpflich- ten, seine Tochter C.A.____ alle vierzehn Tage von Sam stag 09:00 Uhr bis Sonntag 18:00 Uhr zu sich auf Besuch zu nehmen. Der Kindsvater sei zudem zu b erechtigen und zu verpflichten, sechs Wochen Ferien pro Jahr mit seiner Tochter C.A.____ zu verbringen. Mit der Einschulung des Kindes im Sommer 2018 seien die Besuchswochenenden a uf alle vierzehn Tage von Frei- tag 18:00 Uhr bis Sonntag 18:00 Uhr auszudehnen. K. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 30. Oktober 2017 wurde der Beschwerde für die Dauer des Verfahrens die aufschiebende Wirkung erte ilt. Der Beschwerdegegner wurde berechtigt und verpflichtet, seine Tochter C.A.____ j edes zweite Wochenende von Samstag 09:00 Uhr bis Sonntag 18:00 Uhr zu sich auf Besuch zu ne hmen. Zudem wurde er berechtigt und verpflichtet, drei Wochen Ferien pro Jahr mit seiner Tochter zu verbringen. L. Mit Präsidialverfügung vom 16. November 2017 wurde der Fall der Kammer zur Beur- teilung überwiesen. Sowohl der Beschwerdeführerin al s auch dem Beschwerdegegner wurde die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung bewilligt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz- buches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 kann gegen Entscheid e der Kindesschutzbehörde Be- schwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB d as Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahre n richtet sich nach den Art. 450 bis Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des k antonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), d ie der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufheb ung oder Änderung des angefochte- nen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist als direkte Verfahrensbeteiligte und Mutter von C.A.____ zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraus- setzungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Streitgegenstand bildet die von der Vorinstanz vorgen ommene Festlegung des Be- suchs- und Ferienrechts des Beschwerdegegners. 3.1 Eltern, denen die elterliche Sorge oder Obhut ni cht zusteht und das minderjährige Kind haben gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr (Art. 273 Abs. 1 ZGB). Das Recht auf persönlichen Verkehr ist Teil des Anspru chs auf Achtung des Familienlebens und steht den Betroffenen um ihrer Persönlichkeit willen zu (CLAUDIA M. MORDASINI -ROHNER , in: Kren Kostkiewicz et al. [Hrsg.], Orell Füssli Kommentar zu m Zivilgesetzbuch, 3. Auflage, Zürich 2016, N 4 zu Art. 273 ZGB). Oberste Richtschnur für di e Ausgestaltung des persönlichen Ver- kehrs ist immer das Kindeswohl, das anhand der Umstände de s konkreten Einzelfalls zu beur- teilen ist (BGE 131 III 209 E. 5.). Bei der Festsetzun g des persönlichen Verkehrs geht es nicht darum, einen gerechten Interessenausgleich zwischen den Eltern zu finden, sondern den elter- lichen Kontakt mit dem Kind in dessen Interesse zu regeln; allfällige Interessen der Eltern ha- ben zurückzustehen (vgl. BGE 131 III 209 E. 5; Urteile des Bundesgerichts 5A_474/2016 und 5A_487/2016 vom 27. Oktober 2016 E. 5.3). Die sorge- und obhutsberechtigte Person ist ver- pflichtet, den persönlichen Verkehr zwischen dem anderen E lternteil und dem Kind zu fördern, mindestens aber zu dulden (A NDREA BÜCHLER , in: Schwenzer/Fankhauser [Hrsg.], FamKomm Scheidung Band I: ZGB, 3. Auflage, Bern 2017, N 14 zu Art. 273 ZGB). Bei der Häufigkeit und Dauer des persönlichen Verkehrs wird in erster Linie auf das Alter des Kindes abgestellt, wobei die Bedürfnisse eines Kleinkindes nicht denjenigen eine s Jugendlichen entsprechen (BGE 122 III 404 E. 3a; 120 II 229 E. 3b/aa). Sofern das Verhältnis zwischen dem Kind und dem besuchs- berechtigten Elternteil gut ist, darf der Elternkonf likt für sich allein nicht zu einer Beschränkung des Besuchsrechts auf unbestimmte Zeit führen (BGE 131 II I 209 E. 4). Gehen jedoch die Kon- flikte der Eltern so weit, dass sie ein für das Kind ert rägliches Mass übersteigen, kann das Festhalten am Besuchsrecht eine Gefährdung des Kindeswohl s darstellen (A NDREA BÜCHLER , in: Schwenzer/Fank-hauser [Hrsg.], FamKomm Scheidung Band I: ZGB, 3. Auflage, Bern 2017, N 18 zu Art. 273 ZGB). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Im vorliegenden Fall leben die Kindseltern seit A nfang Januar 2015 getrennt voneinan- der. Der Beschwerdegegner lebt mittlerweile in B.____ (BL) und die Beschwerdeführerin in C.____ (BE). Seit der Trennung streiten sich die Elter n in einem Dauerkonflikt um die Betreu- ung von C.A.____ Die Vorinstanz teilte mit Entscheid vom 3. Au gust 2016 die Obhut der Be- schwerdeführerin zu, errichtete ein begleitetes Besuchsrech t und berechtigte den Beschwerde- gegner, C.A.____ einmal wöchentlich von 13:30 Uhr bi s 17:30 Uhr zu sich zu nehmen. Das Kantonsgericht stellte mit Urteil vom 30. November 2016 fest, dass sich die Beschränkung des Besuchsrechts und die fehlende Einräumung eines Ferienr echts nicht rechtfertigten. Dement- sprechend wies es die Angelegenheit an die KESB zurück, damit diese die für ein Besuchs- und Ferienrecht im üblichen Umfang erforderlichen Anordnu ngen treffe und die Einzelheiten der Durchführung festlege. Die konkrete Besuchs- und Ferien regelung werde insbesondere auf diejenige von D.A.____ abzustimmen sein, damit der re gelmässige direkte Kontakt der Halb- schwestern beim Vater gewährleistet sei (E. 5.7). 3.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die im ang efochtenen Entscheid angeordnete Kontaktregelung entspreche einerseits nicht dem im Ur teil des Kantonsgerichts vom 30. November 2016 vorgegebenen Kontaktrecht im üblichen Umfang und sei anderseits mit dem Kindeswohl nicht zu vereinbaren. C.A.____ besuche a ktuell den Kindergarten in C.____ und werde während der arbeitsbedingten Abwesenheit der Kindsmutter am Montagnachmittag sowie teilweise am Dienstag- und Donnerstagnachmittag in der Tagesschule der Gemeinde C.____ betreut. Die von der Vorinstanz angeordnete Besu chsregelung hätte zur Folge, dass C.A.____ in Zukunft zwei Mal monatlich nahezu die Hälf te ihrer Kindergartenwoche beim Vater verbringen würde. Das Kind müsste angesichts der nach wie vo r erheblichen Distanz zwischen den Wohnorten der Eltern somit von Montag bis Mittwoch zu Unzeiten aufstehen, um rechtzeitig in den Kindergarten zu gelangen und würde ausgerechn et im Zeitpunkt der mit Kindergarten und Einschulung nun stattfindenden Sozialisierung währen d zwei halben Wochen pro Monat aus seinem Lebensmittelpunkt herausgerissen. Anstelle des wichtigen gemeinsamen Kinder- garten- bzw. Schulwegs und anschliessenden Spielnachmitt agen müsste die ohnehin bereits belastete C.A.____ mit der angeordneten Regelung ein Parallelleben und eine parallele Soziali- sierung mit Gleichaltrigen beim Beschwerdegegner bewe rkstelligen. Die 14-jährige Halb- schwester D.A.____, welche üblicherweise von Sonntagmittag bis Dienstag Schulbeginn ihren Vater besuche, sei aus schulbedingten Gründen mehrheitlich abwesend und zudem anderweitig beschäftigt. Mit der angeordneten Kontaktregelung wer de die Wichtigkeit des seit nunmehr fast drei Jahren bestehenden Lebensmittelpunkts von C.A.____ in C.____ schlichtweg ignoriert. Durch die unübliche Ausdehnung des Besuchs- und Ferienrech ts im angefochtenen Entscheid werde zudem faktisch die Zuteilung der Obhut an die K indsmutter unterwandert, zumal der Be- treuungsanteil des Beschwerdegegners die Schwelle einer alternierenden Obhut erreiche. Im vorliegenden Fall sei ein übliches Besuchsrecht von zweim al pro Monat, Samstag 09:00 Uhr bzw. ab Schulbeginn Freitag 18:00 Uhr bis Sonntag 18:0 0 Uhr, anzuordnen und es sei der Be- schwerdegegner zu berechtigen, drei Wochen Ferien pro Jahr mit seiner Tochter zu verbringen. 3.4 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, d ass für die Regelung des Eltern- Kind-Verhältnisses das Kindeswohl der entscheidende Faktor sei, während die Interessen und Wünsche der Eltern in den Hintergrund zu treten hätte n. Die verfügte Anpassung des väterli- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Besuchs- und Ferienrechts erfolge aufgrund des Urtei ls des Kantonsgerichts vom 30. November 2016, welches feststelle, dass sich eine Besc hränkung des persönlichen Ver- kehrs des Beschwerdegegners nicht rechtfertigen lasse. Die Neuregelung des Besuchs- und Ferienrechts sei insbesondere auf die Besuchszeiten de r Halbschwester D.A.____ beim Kinds- vater, auf den Stundenplan von C.A.____ sowie auf de n Wunsch beider Eltern, ein ganzes Wo- chenende mit ihrer Tochter zu verbringen, abgestimmt wo rden. Zudem sei der Wohnorts- wechsel des Beschwerdegegners in die Nähe von C.A.____ b erücksichtigt worden. Es sei im Sinne des Kindeswohls darauf geachtet worden, dass eine Anpassung erfolge, welche die ge- samten Umstände des Kindes berücksichtige. In ihrer Vernehm lassung führt die Vorinstanz aus, dass beide Kindseltern behaupten würden, nur das B este für ihre Tochter zu wollen. Der Beschwerdegegner fühle sich im Umgang mit seiner Tochter zu Unrecht eingeschränkt. Im Wei- teren seien die Kindseltern trotz Anordnung verschiedener Kindesschutzmassnahmen bis anhin nicht gewillt, miteinander zu kommunizieren. Im Sinne des Kindeswohls und in Abweichung vom angefochtenen Entscheid werde eine Änderung des Be suchs- und Ferienrechts dahinge- hend beantragt, dass der Beschwerdegegner zu berechtig en und zu verpflichten sei, C.A.____ von Samstag 09:00 Uhr resp. ab Einschulung im Sommer 2018 von Freitag 18:00 Uhr bis Sonn- tag 18:00 Uhr zu sich auf Besuch zu nehmen. Am sechswöchigen Ferienrecht sei festzuhalten. 3.5 Der Beschwerdegegner macht zusammengefasst gelten d, es sei untersagt, bei der Begründung von Besuchsregelungen pauschal auf eine stan dardisierte Praxis zu verweisen. Die KESB habe in ihrem Entscheid vom 7. September 201 7 den ihr zustehenden Ermessens- spielraum nicht überschritten und gestützt auf den Einzelfall resp. aufgrund der Sorgerechtsver- einbarung vom 24. September 2012, welche eine hälfti ge Betreuung der Tochter C.A.____ im Trennungsfall vorsehe, sowie das Urteil des Kantonsgerich ts vom 30. November 2016 eine an- gemessene Regelung getroffen. Der Kindsvater betreue seine ältere Tochter D.A.____ vom Sonntagmorgen bis Dienstagmorgen bei sich in B.____. Du rch die Regelung im angefochtenen Entscheid werde die Abstimmung mit den Besuchs- und Fe rienzeiten von D.A.____ gemäss dem Entscheid des Kantonsgerichts gewährleistet. Würde C .A.____ nur jedes zweite Wochen- ende beim Kindsvater verbringen, wäre eine Abstimmung nicht mehr gegeben und der Kontakt zwischen den beiden Kindern würde auf den Sonntagnachmi ttag reduziert, da D.A.____ am Sonntagmorgen ihren sportlichen Hobbies nachgehen müsse. Die strittige Regelung führe auch nicht dazu, dass C.A.____ aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werde. Vielmehr würde sie unter der Woche ihre Zeit im Kindergarten verbringen, wie wenn sie bei der Kindsmutter wäre. Auch könne die Kindsmutter C.A.____ aufgrund ihrer Arbeitst ätigkeit nicht selber betreuen und C.A.____ müsste deshalb fremdbetreut werden. Schliessli ch sei festzuhalten, dass Konfliktsitu- ationen zwischen den Eltern nicht zu einer einschneidend en Beschränkung des Besuchsrechts führen dürften. Die Kindsmutter habe regelmässig die B esuchszeiten mit dem Kindsvater ver- hindert und sei ohne Absprache mit C.A.____ verreist . Sie ignoriere die Bemühungen des Bei- stands, der dadurch seinem Auftrag betreffend die Reg elung des persönlichen Verkehrs nicht nachkommen könne. Soweit die Vorinstanz nunmehr vom ange fochtenen Entscheid abweiche und den Anträgen der Kindsmutter folge, sei diese wid ersprüchliche Haltung nicht nachvollzieh- bar. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.6.1 Dem Beschwerdegegner ist dahingehend beizupflich ten, dass die Begründung einer Besuchsregelung nicht einzig unter Verweis auf eine stand ardisierte Praxis erfolgen darf. Aus dem Bericht des Beistandes vom 24. August 2017 ist ersicht lich, dass die Besuche von C.A.____ beim Beschwerdegegner gut und ohne Zwischenfäl le verlaufen und diese Besuche auch von der Beschwerdeführerin mittlerweile akzeptier t werden. Der Beschwerdegegner kann glaubhaft darlegen, dass ihm viel an der Beziehung zu sei ner Tochter liegt und er in der Lage ist, C.A.____ in ihrer Entwicklung zu fördern. Dennoch sind die Eltern trotz Anordnung ver- schiedener Kindesschutzmassnahmen bis heute nicht gewillt, miteinander zu kommunizieren. Es ist zudem ersichtlich, dass der Elternkonflikt zulasten von C.A.____ ausgetragen wird und die Ansichten und Handlungen der Kindseltern von den Fachkräften kritisch betrachtet werden. C.A.____ wird aktuell jeweils am Montagnachmittag und teilweise am Dienstag- und Donners- tagnachmittag in der Tagesschule C.____ betreut. Durch die im angefochtenen Entscheid ver- fügte Besuchsregelung könnte C.A.____ am Montag- und D ienstagnachmittag grundsätzlich vom Beschwerdegegner betreut werden. Die geographische Distanz der Wohnung des Be- schwerdegegners hat sich zwar nach seinem Umzug nach B.____ verringert; dennoch beträgt die Strecke immer noch eine halbe Stunde mit dem Auto, dies bei guten Verkehrsverhältnissen. Der Beschwerdegegner müsste C.A.____ somit zweimal pro Monat pünktlich von Montag bis Mittwoch in den Kindergarten der Gemeinde C.____ res p. ab Sommer 2018 in die Schule brin- gen und nach Unterrichtsende wieder nach B.____ fahren. Damit würde das Kind einen erhebli- chen Teil seiner Erholungs- und Freizeit im Auto verbringen und regelmässig unter erheblichem Stress stehen. In diesem Sinne ist im Hinblick auf das Ki ndeswohl einer Nachmittagsbetreuung in der Tagesschule der Gemeinde C.____ der Vorzug zu ge ben. Für C.A.____ sind damit Be- suche an den Wochenenden beim Beschwerdegegner ohne Zei tdruck kindgerechter als Besu- che unter der Woche. Mit dieser Lösung ist ein regelmässi ger direkter Kontakt zwischen C.A.____ und ihrer Halbschwester D.A.____ – wenn auch nicht im gleichen Umfang wie bei einem Besuchsrecht unter der Woche – nach wie vor gewährl eistet. Hinzu kommt, dass Besu- che an den Wochenenden mit weniger Organisationsaufwan d der Eltern verbunden sind, was auch unter dem Aspekt des Elternkonflikts für die von der Vorinstanz beantragte Besuchsrege- lung spricht. 3.6.2 Nach dem Gesagten erweist sich die von der Vorinsta nz im Rahmen der Vernehmlas- sung beantragte Besuchsregelung im vorliegenden Fall insgesamt als sachgerechter als das im angefochtenen Entscheid vorgesehene Besuchsrecht. Der Besc hwerdeführerin ist namentlich insofern zuzustimmen, als letzteres vom Umfang her als unüb lich ausgedehnt erscheint. Unter Berücksichtigung des Umstands, dass die Kindseltern über d ie gemeinsame elterliche Sorge verfügen und in der Sorgerechtsvereinbarung vom 24. September 2012 ursprünglich eine hälfti- ge Betreuung des Kindes vereinbart worden war, erschei nt im vorliegenden Fall ein leicht aus- gedehnteres Besuchsrecht als das von der Vorinstanz in der V ernehmlassung beantragte Be- suchsrecht und ein Ferienrecht von sechs Wochen pro Jahr als angemessen. Betreffend die Einräumung der Freitage für die Basler Fasnacht ist f estzuhalten, dass das Kind, falls es in die- sem Zeitraum keine Ferien hätte, für die Teilnahme an der Basler Fasnacht fast alle Freitage in der Schule beantragen müsste, womit C.A.____ nur noch wenige Freitage für andere Gelegen- heiten zustünden. In diesem Sinne ist im Interesse des Kindeswohls auf die Einräumung der Freitage für die Basler Fasnacht zu verzichten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.6.3 Demzufolge ist in teilweiser Gutheissung der Besch werde das Besuchsrecht auf alle vierzehn Tage von Samstag 09:00 Uhr resp. ab der Einschu lung im Sommer 2018 von Freitag Unterrichtsende bis Sonntagabend 19:30 Uhr – mit Aben dessen beim Beschwerdegegner – und das Ferienrecht auf sechs Wochen pro Jahr festzusetzen. Fä llt die Basler Fasnacht in die Schulferien der Tochter, ist der Beschwerdegegner berech tigt, die Basler Fasnacht mit C.A.____ zu verbringen. 4. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 4.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden gemäss § 20 Abs. 3 VPO in de r Regel der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt. Im vorliegenden Fal l rechtfertigt es sich, den Parteien einen hälftigen Verfahrenskostenanteil von je Fr. 700.-- a ufzuerlegen. Zufolge Bewilligung der unent- geltlichen Prozessführung gehen die den Parteien auferlegten Verfahrenskostenanteile zulasten der Gerichtskasse. 4.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Ausgang des Verf ahrens entsprechend sind die Par- teikosten wettzuschlagen. 4.3.1 Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbei ständung ist der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin und der Rechtsvertreterin des Beschwer degegners ein Honorar aus der Gerichtskasse auszurichten. 4.3.2 In ihrer am 30. November 2017 eingereichten H onorarnote macht die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, ausgehend von einem Stundena ufwand für den Zeitraum vom 8. September 2017 bis 30. November 2017 von 15 Stunde n à Fr. 250.--, ein Honorar von Fr. 4'284.15 geltend. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgel tlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Daraus resultiert im Fall der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar von Fr. 3'000.-- zuzüglich Auslagen in der Höhe von Fr. 216 .80, insgesamt somit Fr. 3‘474.15 (inkl. Auslagen und 8% MWST). 4.3.3 Die Rechtsvertreterin des Beschwerdegegners macht in ihrer Honorarnote vom 29. November 2017 einen Aufwand von 0.84 Stunden à Fr. 200.-- und 15.9 Stunden à Fr. 130.-- geltend, woraus sich ein Honorar von Fr. 2'235.-- ergibt. Für die Bemühungen von Volontärinnen und Volontären sind 1/3 bis 2/3 des für den konkreten Fall massgebenden Stun- denansatzes einer Anwältin oder eines Anwaltes zu berechne n (§ 3 Abs. 3 TO). Das Kantons- gericht erachtet praxisgemäss ein Honorar von Fr. 100.-- pro Stunde für die Bemühungen von Volontären als angemessen. Hinzu kommen die Auslagen in der Höhe von Fr. 85.90. Demge- mäss ist der Rechtsvertreterin des Beschwerdegegners ein Honorar in der Höhe von insgesamt Fr. 1‘991.40 (inkl. Auslagen und 8% MWST) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3.4 Die Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner werden ausdrücklich darauf hin- gewiesen, dass sie zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgelt- lichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten ve rpflichtet sind, sobald sie dazu in der Lage sind (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organ isation der Gerichte [Gerichtsorgani- sationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde werden Ziffer 1 und Ziffer 2 Satz 2 und 3 des Entscheids der Kindes- und Erwachsenen schutzbehör- de Frenkentäler vom 7. September 2017 aufgehoben und durch folgende Fassung ersetzt: „Der Beschwerdegegner ist berechtigt, das Besuchsrecht vierz ehntägig von Samstag 09.00 Uhr resp. ab Schulbeginn im Sommer 2 018 von Freitag Unterrichtsende bis Sonntag 19.30 Uhr auszuüben . Der Be- schwerdegegner hat die Tochter C.A.____ am Samstag res p. ab Schul- beginn im Sommer 2018 am Freitag abzuholen und am So nntagabend verpflegt der Beschwerdeführerin zu übergeben. Fällt die Basler Fasnacht in den Zeitraum der Schulferi en der von C.A.____ besuchten Schule, so ist der Beschwerdegegner berechtigt, die Basler Fasnacht mit seiner Tochter C.A.____ zu verbringen.“ 2. Der Beschwerdeführerin wird ein Verfahrenskostenant eil in der Höhe von Fr. 700.-- auferlegt. Zufolge Bewilligung der unent geltlichen Prozessfüh- rung gehen die der Beschwerdeführerin auferlegten Ver fahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. Dem Beschwerdegegner wird ein Verfahrenskostenanteil in der Höhe von Fr. 700.-- auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozess- führung gehen die dem Beschwerdegegner auferlegten Ve rfahrenskos- ten zulasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird der Rechts- vertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘474.15 (inkl. Auslagen und 8% MWST) und der Rech tsvertreterin des Beschwerdegegners ein Honorar in der Höhe von Fr. 1 ‘991.40 (inkl. Auslagen und 8% MWST) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.