Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Mai 2021 (715 21 11 / 123) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Es liegt nichts vor, was auf ein klar ausgewiesenes , fehlerhaftes Verhalten des Be- schwerdeführers schliessen lassen würde. Folglich f ehlt es an der beweismässigen Vo- raussetzung für eine Einstellung in der Anspruchsber echtigung nach Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG i.V.m. Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei ber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advoka- tin, Advokatur Biaggi, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 2102, 4002 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1997 geborene A.____ war seit dem 22. Januar 2018 bei der B.____AG in X.____ als Kundenberater angestellt. Am 28. April 2020 kündi gte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhält- nis per 31. Mai 2020. Am 15. Mai 2020 erhob A.____ b ei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) ab 1. Juni 2020 Anspruch au f Arbeitslosenentschädigung. We- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen einer krankheitsbedingten Absenz wurde die Kündigun gsfrist unterbrochen und lief erst am 30. Juni 2020 ab, weshalb der Anspruchsbeginn auf den 1. Juli 2020 verlegt wurde. Mit Verfü- gung vom 16. September 2020 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ ab dem 1. Juli 2020 wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für 36 Tage in der An spruchsberechtigung ein. Zur Begrün- dung führte sie aus, der Versicherte habe Weisungen der Arbeitgeberin missachtet, wodurch er dieser Anlass zur Kündigung gegeben habe. Die dagegen e rhobene Einsprache hiess die Ein- spracheinstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gew erbe und Arbeit Baselland (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, mit Entscheid vo m 30. November 2020 teilweise gut und reduzierte die Einstelldauer auf 28 Tage. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin R affaella Biaggi, substituiert durch MLaw Nisrine Tizeroual, am 14. Januar 2021 Beschwerde b eim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsger icht). Er beantragte, in Gutheis- sung der Beschwerde sei der Einspracheentscheid vom 30. November 2020 unter o/e- Kostenfolge vollumfänglich aufzuheben. Zur Begründung hielt er im Wesentlichen fest, dass ihn kein Verschulden an der Beendigung des Anstellungsverhältn isses mit der B.____AG und der in der Folge eingetretenen Arbeitslosigkeit treffe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 6. April 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abwei- sung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obl igatorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide au s dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Ab s. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversi cherung und die Insolvenzentschädi- gung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgeric ht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Ko ntrollpflicht erfüllt. Vorliegend kam der Beschwerdeführer seinen Kontrollpflichten im Kant on Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist . Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungst räger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit zu bejahen ist. Auf die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde vom 14. Januar 2021 ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO, in der Fassung ab 1. Januar 2019, entscheidet die präsidie- rende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Ka ntonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialent scheid. Streitig und zu prüfen ist, ob die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosig- keit für die Dauer von 28 Tagen in der Anspruchsberecht igung eingestellt hat. Bei einem Tag- geld von Fr. 156.35 beläuft sich der Streitwert auf F r. 4'377.80 (28 Tage à Fr. 156.35). Die An- gelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. K ommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funkt ion einer Haftungsbegrenzung der Versi- cherung für Schäden, die die versicherte Person hätte v ermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältn ismässigkeits- und Verschul- densprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schind- ler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizerisches Bunde sverwaltungsrecht, Soziale Sicher- heit, 3. Auflage, Basel 2016, Rz. 828 ff.). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versichert e Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden ist. Dieser Tatbe- stand erfasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeits- losigkeit sind und eine Verletzung der Pflicht, Arbeitslo sigkeit zu vermeiden, bedeuten. Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a-d beispielhaft Tatbest ände auf, die unter den Begriff der selbst- verschuldeten Arbeitslosigkeit fallen. So liegt selbstverschu ldete Arbeitslosigkeit unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalte n, insbesondere wegen Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten, der Arbeitgeberin Anla ss zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). Die Einste llung in der Anspruchsberechtigung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus wichti- gen Gründen nach Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 des S chweizerischen Obligationenrechts (OR) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auc h nicht unbedingt eine eigentli- che Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, dass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten innerhalb und ausser halb des Betriebs berechtigten An- lass zur Kündigung gab (vgl. Urteil des Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilun gen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). 2.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Intern ationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslo sigkeit vom 21. Juni 1988 (Überein- kommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Okto ber 1991 in Kraft getreten ist, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Ver- dienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeitsei nstellung ohne Unterbrechung des Be- schäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekürzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IA O ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheids im Einzelfall dienen zu können, und ist daher direkt anwendbar (vgl. BGE 122 V 54 ff.; Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00). Aufgrund des grund- sätzlichen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b de s Übereinkommens Nr. 168 der IAO Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nich t jedes schuldhafte Verhalten der versicher- ten Person, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung de s Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss A rt. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vor- werfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übere inkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genüg t (vgl. Urteil des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b). 2.4 Eventualvorsatz ist im Zusammenhang mit Art. 44 lit. a AVIV anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen mu ss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber oder die Arbeitgeber in führt (NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). Im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG darf somit bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolgen (J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der An- spruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 76 f.). Im Entscheid vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f. hat das Bundesgericht – unter Hinweis auf den im Strafrecht geltenden Massstab – festgestellt, dass Eventualvorsatz und bewusste Fahrlässigkei t auf der Wissensseite überein- stimmen, indem dem Täter oder der Täterin die Möglichkeit, das Risiko der Tatbestandsverwirk- lichung bewusst ist. Die entscheidende Differenz liegt auf der Willensseite. Auch wer die Mög- lichkeit der Tatbestandsverwirklichung – hier der Arbeitge berkündigung – erkennt, kann sich, selbst leichtfertig, über sie hinwegsetzen, d.h. darauf ve rtrauen bzw. mit der Einstellung han- deln, dass schon nichts passieren werde (bewusste Fahrlässigke it). Demgegenüber erfordert der Eventualvorsatz, dass die versicherte Person sich für di e Tatbestandsverwirklichung ent- scheidet, sie in Kauf nimmt. Weitestgehend ausser Frage stehen dürfte das Willenselement nur, wenn die versicherte Person die Kündigung durch den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin für so naheliegend hält, dass die Bereitschaft, sie als Folge ih res Verhaltens hinzunehmen, vernünf- tigerweise nicht mehr bezweifelt werden kann; oder wenn sie ihr, im eigentlichen Sinn des Wor- tes, erwünscht oder recht war, wie wohl auch noch im F alle schierer Gleichgültigkeit. Als Faust- regel formuliert: Dass die versicherte Person die Tatbest andsverwirklichung in Kauf genommen hat, liegt grundsätzlich näher, je wahrscheinlicher es ihr erschien, dass sie eintreten könnte, und je weniger sie sie innerlich ablehnte, und umgekehr t (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2008, 8C_504/2007, E. 5.4 mit Hinweis). Z u den Umständen, die allenfalls auf eventualvorsätzliches Verhalten schliessen lassen, gehören d ie Grösse des der versicherten Person bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, di e Schwere der Sorgfaltspflichtver- letzung, die Beweggründe und die Art der Tathandlung. Das Gericht darf vom Wissen der versi- cherten Person auf deren Willen schliessen, wenn sich ih m der Eintritt des Erfolgs als so wahr- scheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Fol ge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann. Was d ie versicherte Person wusste, woll- te und in Kauf nahm, betrifft innere Tatsachen und ist somit Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der festgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz berechtigt erscheint (BGE 138 V 74 E. 8.4.1 mit Hinweisen; zum Ganzen: Urt eil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f.). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl . BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundes- gerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Die Mit wirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahre n zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung d es Sachverhalts (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 201 4, S. 542, 598; F RITZ GYGI , Bun- desverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 284 f.). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_552/2008, E. 2 mit Hinweis). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichke it eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensa bläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die Anwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (vgl. dazu Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00, E. 3a). Praxisgemäss mu ss das der versicherten Person im Rahmen dieser Bestimmung zur Last gelegte Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar fest- stehen, ansonsten eine Einstellung ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 und vom 8. Oktober 2002, C 392 /00, E. 3.1; siehe im Weiteren auch BGE 112 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV Nr. 72 S. 220 E. 3b/bb; Nussbaumer, a.a.O., Rz. 829). 4. Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zur Kündigung Anlass gegeben und deshalb die Folgen der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Ver- bindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV mithin die Ei nstellung in der Anspruchsberechtigung zu tragen hat. Insbesondere ist zu prüfen, ob dem Beschwe rdeführer zu Recht ein (eventu- al)vorsätzliches Verhalten zur Last gelegt wurde. 5.1 Aufgrund der vorliegenden Unterlagen stellt sich de r rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: 5.2 Der Beschwerdeführer war ab dem 22. Januar 2018 b ei der B.____AG als Kundenbera- ter tätig. Am 28. April 2020 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis schriftlich und ohne Angabe eines Grunds per 31. Mai 2020. Zufolge Krankhe it des Versicherten vom 22. bis 25. Mai 2020 verlängerte sich das Arbeitsverhältnis bis 3 0. Juni 2020. Im Antrag auf Arbeitslo- senentschädigung vom 15. Mai 2020 gab der Versicherte an , der Grund für die Kündigung sei unklar. In der Arbeitgeberbescheinigung vom 8. Juli 20 20 vermerkte die ehemalige Arbeitgebe- rin, der Versicherte habe Weisungen missachtet und seine Leistung nicht verbessert. Auf Nach- frage der Beschwerdegegnerin konkretisierte die ehemalige Arbeitgeberin am 23. Juli 2020, der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherte habe die vorgegebene Gesprächszeit überschritten. Zudem habe er sich geweigert, nach dem Lockdown wieder in X.____ zu arbeiten. Hinsich tlich der Frage, ob mit dem Versi- cherten über die beanstandeten Punkte Gespräche geführ t bzw. eine Verwarnung ausgespro- chen worden sei, reichte sie diverse Unterlagen aus dem Personaldossier des Versicherten ein (vgl. act. 70-81). Daraus ergibt sich, dass der Versiche rte am 4. April 2020 aufgefordert wurde, seine Leistung zu steigern und die durchschnittliche Gespr ächs- und Nachbearbeitungsdauer zu reduzieren. Am 8. April 2020 wurde die Zielvorgabe evaluiert. In der gleichentags erlassenen schriftlichen Verwarnung wurde festgehalten, dass von allen Mitarbeitenden jederzeit eine sorg- fältige und zuverlässige Ausführung der zugeteilten A ufgaben erwartet werde. Das Verhalten des Beschwerdeführers werde aber als mangelndes Pflichtbewusstsein interpretiert und dessen Arbeitshaltung nicht weiter toleriert. Konkret wurde der Versicherte angehalten, seine Leistung zu steigern und die durchschnittliche Gesprächs- und Nachb earbeitungsdauer zu senken. Zu- dem wurde ihm aufgetragen, vor Ort in X.____ zu arbeiten. Weiter wurde festgehalten, hinsicht- lich der „genannten Punkte“ werde per sofort eine einw andfreie Arbeitsleistung erwartet, an- dernfalls weitere disziplinarische Massnahmen ergriffen un d eventuell die Kündigung ausge- sprochen (act. 75) würden. Den Unterlagen ist weiter zu entnehmen, dass der Versicherte am 24. April 2020 abermals aufgefordert wurde, seine Ge spräch- und Nachbearbeitungszeit zu reduzieren. Gleichzeitig wurde er darauf aufmerksam gem acht, dass der Status „BackOffice“ nur für die Schriftgut-Bearbeitung verwendet werden dürfe (act. 72). Am 28. April 2020 wurde der Versicherte per E-Mail angefragt, weshalb er 4:23 Minuten auf dem Status „Meeting“ war und danach auf „Auszeit“ (act. 78). In der E-Mail vom 29. April 2020 (act. 81) trug der ehemalige Vorgesetzte des Versicherten zu Handen der HR-Verantwort lichen „einige Auffälligkeiten hin- sichtlich der Kündigung für die Personalakte“ zusammen. Zunächst verwies er auf die Gesprä- che mit dem Versicherten vom 4. und 8. April 2020 betr effend die Leistung resp. die Zielvorga- be. Weiter hielt er fest, dass der Versicherte vom 6. b is 25. April 2020 insgesamt beim Status „Admin“ 2:58:10 war, ohne einer solchen Tätigkeit na chzugehen (vgl. den Auszug aus dem in- ternen Buchungssystem für die Zeit vom 6. bis 25. April 2 020 [act. 77], wonach der Versicherte eine durchschnittliche Gesprächsbearbeitungsdauer von 11: 04 Minuten, beim Status „Admin“ 2:58:10 Stunden und beim Status „Meeting“ 3:13:59 St unden aufwies). Weiter verwies er auf zwei Grafiken vom 27. und 28. April 2020 [act. 79 und 8 0] und hielt fest, der Versicherte habe vor oder nach seinen Pausen den Status „Meeting“ angew ählt, um seine Pausenzeit zu verlän- gern. An beiden Tagen habe er – ohne eine Besprechung gehabt zu haben – diesen Status gewählt. Schliesslich wurde vermerkt, dass der Versicherte im laufenden Jahr zwölf Mal verspä- tet zur Arbeit erschienen sei. Nach dem 4. Gespräche am 16. September 2020 [recte wohl: 2018 oder 2019] gäbe es jedoch im laufenden Jahr keine Notizen zu weiteren Gesprächen oder Verwarnungen. 5.3 Anlässlich des im Einspracheverfahren gewährten recht lichen Gehörs führte der Versi- cherte am 23. Oktober 2020 aus, bei der ehemaligen Arb eitgeberin zunächst als Callagent und später als Administrator für den Bereich Kundendienst zu ständig gewesen zu sein. Vom 13. bis 20. März 2020 sei er krank gewesen und ab dem 30. März 20 20 habe er im Homeoffice gear- beitet. Nach Ausbruch der Corona-Pandemie habe der tel efonische Kundenkontakt deutlich zugenommen. Am 27. März 2020 sei er deshalb gebeten wo rden, kurzfristig die Kolleginnen und Kollegen des Bereichs C.____ zu unterstützen. Da er in diesem Aufgabengebiet nicht ge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schult gewesen sei, habe er die Kunden nicht gut und spe ditiv beraten können, weshalb er da- rum ersucht habe, wieder als Administrator arbeiten zu k önnen. Aufgrund der hohen Arbeitslast habe er mehrere Zusatzstunden pro Woche geleistet. Späte r sei er dann doch noch im Bereich C.____ geschult worden. Diese Schulung sei aber wege n der erschwerten (technischen) Be- dingungen, der beschränkten Berechtigung und des Zeit- resp. Arbeitsdrucks nicht befriedigend gewesen. Danach sei er nur noch in diesem neuen Bereic h tätig gewesen. Seine bisherigen Aufgabengebiet sei ihm nicht bzw. während längerer Zeit nicht mehr zugänglich gewesen. Noch während des Lockdowns sei er aufgefordert worden, wiede r im Büro in X.____ zu arbeiten, da die Geschäftsleitung mit seiner Leistung nicht zufrieden gewesen sei. Dies habe er aber wegen der Pandemie, seiner Erkrankung und weil er mit eine r besonders gefährdeten Person im glei- chen Haushalt wohne, nicht gewollt. Nachdem er erfolgl os das Gespräch mit der Verantwortli- chen des Büros in X.____ gesucht habe, sei er dann doch ins Büro zurückgekehrt. Am 8. April 2020 sei er verwarnt und hernach gekündigt worden. 6. Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 30. Novembe r 2020 begründete die Be- schwerdegegnerin die Einstellung in der Anspruchsberecht igung damit, dass der Beschwerde- führer seine Sorgfaltspflicht verletzt habe, indem er se ine Pausenzeit unberechtigt verlängert habe und wiederholt verspätet zur Arbeit erschienen sei . Damit habe er seine Sorgfaltspflicht verletzt und die Kündigung eventualvorsätzlich in Kauf genommen. Hingegen seien die Vorwür- fe der ehemaligen Arbeitgeberin nicht hinreichend er stellt, wonach der Versicherte seine Leis- tungsvorgaben selbstverschuldet nicht erreicht und sich na ch Ende des Lockdowns geweigert habe, wieder im Büro in X.____ zu arbeiten. Unter B erücksichtigung des Verhaltens der Arbeit- geberin und der besonderen Umstände rechtfertige sich e ine Reduktion der Einstelldauer von 36 auf 28 Tage. Demgegenüber stellt sich der Beschwerde führer auf den Standpunkt, dass der Vorwurf der unberechtigt verlängerten Pausen nicht zut reffe und ihm wegen einer falschen Be- zeichnung der Beschäftigungsart im internen System nicht vorgeworfen werden könne, seine Sorgfaltspflichten gegenüber seiner ehemaligen Arbei tgeberin verletzt und die Kündigung in Kauf genommen zu haben. Zudem sei der Vorwurf, wonach er im Jahr 2020 wiederholt verspä- tet zur Arbeit erschienen sei, nicht belegt, weshalb ih m auch in diesem Zusammenhang kein Verschulden angelastet werden könne. 7.1 Eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit setzt ein vorw erfbares Fehlverhalten bezüglich des Nichterhalts bzw. des Verlustes einer Arbeitsstelle vo raus. Ein Fehlverhalten zeichnet sich durch ein vermeidbares Handeln bzw. Nichthandeln aus. Wie in Erwägung 3.2 hiervor ausge- führt, muss die selbstverschuldete Kündigung in beweismässiger Hinsicht klar feststehen, damit eine Einstellung in Betracht kommt. Dies bedeutet, dass es nicht darum geht, welcher Ereignis- ablauf als überwiegend wahrscheinlich anzusehen ist, son dern darum, ob das fehlerhafte Ver- halten des Beschwerdeführers erstellt ist (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 3. März 2016, 8C_22/2016, E. 6.1 mit Hinweis). Ein einstellrechtli ch relevantes Fehlverhalten im vorstehend umschriebenen Sinn, das dem Beschwerdeführer in Bezug auf den Eintritt der Arbeitslosigkeit zur Last zu legen wäre, ist aufgrund der vorliegenden Akten aber entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht erstellt. Die zwei ursprünglich von der Arbeitgeberin geltend ge- machten Vorkommnisse, die zum Verlust der Arbeitsstelle fü hrten (Leistungsvorgaben nicht erreicht; Weigerung des Beschwerdeführers, nach dem Lo ckdown wieder im Büro zu arbeiten) Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat die Beschwerdegegnerin denn auch mangels rechtsgenüg licher Belege zu Recht im Ein- spracheverfahren fallengelassen. Es liegt aber auch kein weiteres für die die Arbeitslosenversi- cherung relevantes Fehlverhalten vor, wie sich aus den nachstehenden Ausführungen ergibt. 7.2 Soweit die Beschwerdegegnerin im Einspracheentschei d vom 30. November 2020 ge- stützt auf die von der ehemaligen Arbeitgeberin einger eichten Unterlagen aus dem Personal- dossier des Beschwerdeführers (vgl. act. 70-81) die Auffa ssung vertritt, dass die Kündigung (auch) wegen unberechtigt verlängerter Pausen und zufo lge wiederholter Verspätungen erfolgt sei, ist ihr zunächst entgegenzuhalten, dass die ehemalige Arbeitgeberin die Kündigung weder in der Arbeitgeberbescheinigung vom 8. Juli 2020 noch i n ihrer präzisierenden Stellungnahme vom 23. Juli 2020 explizit mit diesen Verfehlungen begrü ndete. Schon unter diesem Aspekt rechtfertigt sich der Vorwurf nicht, die Kündigung sei (auch) aus diesen Gründen erfolgt. Dazu kommt, dass die vorliegenden Unterlagen aus dem Persona ldossier des Beschwerdeführers wenig aussagekräftig sind und den Nachweis eines für ei ne selbstverschuldete Kündigung aus- reichenden Grunds nicht zu erbringen vermögen. So ist die Aussage in der E-Mail vom 29. April 2020 (act. 81), wonach der Versicherte im internen Syste m jeweils den Beschäftigungsstatus „Meeting“ gewählt habe, um seine Pausen zu verlängern , weder mit den beigelegten Graphiken vom 27. und 28. April 2020 (act. 79 und 80), noch mit der E-Mail vom 28. April 2020 (act. 78) noch sonstwie nachvollziehbar dargetan. Daher verbietet sich der Schluss, der Beschwerdefüh- rer habe seine Pausenzeit unberechtigt verlängert. D ies gilt umso mehr, als er dies bestreitet und ausführt, in zwei verschiedenen Bereichen tätig gew esen zu sein und den Beschäftigungs- status „Meeting“ gewählt zu haben, um vor und/oder nach den Pausen den entstandenen Mehraufwand abzuarbeiten, was aufgrund der konkreten Umstände glaubhaft erscheint. Damit steht zumindest Aussage gegen Aussage, wobei die Glaubwü rdigkeit der ehemaligen Arbeitge- berin zweifelhaft anmutet, da sie keine stichhaltigen B eweise für den behaupteten unrechtmäs- sigen Pausenbezug liefert. Soweit die Beschwerdegegner in dem Beschwerdeführer unterstellt, sich nicht rechtzeitig nach dem korrekten Erfassen des Beschä ftigungsstatus erkundigt zu ha- ben, trifft es zwar zu, dass er aufgrund seiner Sorgfalt spflicht gehalten gewesen wäre, die Ein- träge im internen System korrekt zu erfassen und sich bei Unklarheiten zeitnah zu informieren. Selbst wenn dem Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang ein Fehlverhalten vorgeworfen werden müsste, kann ihm unter Berücksichtigung der beso nderen Verhältnisse wegen der Corona-Pandemie deswegen aber noch keine (eventual-)vor sätzlich herbeigeführte Kündigung angelastet werden. Ein entsprechend schwerwiegendes Fe hlverhalten ist nach der Lage der Akten nicht klar erstellt, auch wenn dem Beschwerdeführe r in der Verwarnung vom 8. April 2020 – jedoch in einem anderen Zusammenhang – mangel ndes Pflichtbewusstsein vorgehalten wurde. Dasselbe gilt für den Vorwurf, der Versicherte sei im Jahr 2020 zwölf Mal verspätet zur Arbeit erschienen. Zwar ergibt sich aus den Unterlagen , dass mit dem Beschwerdeführer dies- bezüglich in der Vergangenheit Gespräche geführt wurd en. Es finden sich aber keine eindeuti- gen Belege für Verfehlungen im Jahr 2020. Ein Mitar beitergespräch oder gar eine aktuelle Ver- warnung, welche das von der ehemaligen Arbeitgeberin erwähnte Fehlverhalten des Versicher- ten untermauern würde, hat offenbar nicht stattgefun den. Dazu kommt, dass dieser Vorwurf nicht Gegenstand der Verwarnung vom 8. April 2020 war und die ehemalige Arbeitgeberin an- dere Gründe für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses au fführte. Demnach ist auch dieser Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einwand nicht klar belegt und kann dem Beschwerdeführer demzufolge aus arbeitslosenversi- cherungsrechtlicher Sicht nicht zur Last gelegt werden. 7.3 Nach dem Gesagten liegt nichts vor, was auf ein klar ausgewiesenes, fehlerhaftes Ver- halten des Beschwerdeführers schliessen lassen würde. Folg lich fehlt es an der beweismässi- gen Voraussetzung für eine Einstellung in der Anspruch sberechtigung nach Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG i.V.m. Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV. Die Beschwerd e ist daher gutzuheissen und der ange- fochtene Einspracheentscheid vom 30. November 2020 ist aufzuheben. 8.1 Gemäss Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leis tungen kos- tenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorg esehen ist. Sieht das Einzelgesetz keine Kostenpflicht vor, kann das Gericht einer Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhält, Ge- richtskosten auferlegen. Da das AVIG keine Kostenpflicht vo rsieht und sich die Parteien weder mutwillig noch leichtsinnig verhalten haben, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 8.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzuspr echen. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat in ihrer Honorarnote vom 12. Ap ril 2021 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 3 Stunden und 15 Minuten (Rechtsvertreterin) sowie von 8 Stunden (Vo- lontärin) geltend gemacht, was in Anbetracht der sich ste llenden Sachverhalts- und Rechtsfra- gen angemessen ist. Der Aufwand der Rechtsvertreterin wi rd mit dem im Sozialversicherungs- recht üblichen Stundenansatz von Fr. 250.-- vergütet (vg l. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für An- wältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Für de n Aufwand der Volontärin werden an- tragsgemäss Fr. 120.-- pro Stunde veranschlagt. Nicht zu beanstanden sind die ausgewiesenen Auslagen im Betrag von Fr. 39.80. Der Rechtsvertreteri n ist demnach ein Honorar von Fr. 1'951.85 ([3,25 Stunden à Fr. 250.-- + 8 Stunden à Fr. 120.--] + Auslagen von Fr. 39.80 inkl. 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einspracheent- scheid vom 30. November 2020 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer ei ne Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 1'951.85 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht