B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4776/2017 U r t e i l v o m 1 6 . J a n u a r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richterin Emilia Antonioni Luf- tensteiner, Gerichtsschreiberin Janine Sert. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Advokatur Kano- nengasse, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 25. Juli 2017 / N (…). E-4776/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein ethnischer Kurde mit letztem Wohnsitz in A._______, verliess Syrien eigenen Angaben zufolge Mitte 2013, kehrte jedoch nach einigen Monaten zurück, bevor er erneut in die Türkei aus- reiste und am 10. Juni 2015 via Dublin-Abkommen in die Schweiz gelangte, wo er am selben Tag um Asyl nachsuchte. Am 17. Juni 2015 erfolgte im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) (…) die Befragung zur Person (BzP). Am 23. September 2015 wurde er zu den Asylgründen vertieft an- gehört. Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuches im Wesentlichen geltend, er habe als (…) in einer (…) im Quartier C._______ gearbeitet. Sein Arbeitgeber habe i hn im Jahr 2008 gegen seinen Willen bei der Al Baath Partei angemeldet. Er habe seither jedoch weder an Ver- sammlungen teilgenommen noch Wachdienste verrichtet. Am (…) sei er deswegen von syrischen Beamten verhaftet worden. In Haft sei er verhört, geschlagen und gefoltert worden und er sei aufgefordert worden, sich der Al Baath Partei anzuschliessen und für das Regime die Waffe zu tragen. Zuletzt sei er in einem (…) festgehalten worden, welches im Juni 2013 von der Freien Syrischen Armee (FSA) bombardiert worden sei, wobei er nach insgesamt dreieinhalb oder vier Monaten Haft befreit worden sei. Als er erfahren habe, dass seine Familie in der Türkei sei, sei auch er in die Türkei ausgereist. Er reicht e seinen syrischen Reisepass im Original und einen Wegwei- sungsbescheid aus Griechenland dem SEM zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 25. Juli 2017 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh- rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch ab . Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete we- gen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Auf- nahme in der Schweiz an. Zur Begründung führte es aus, die geltend ge- machten Benachteiligungen würden den Anforderungen an die Glaubhaf- tigkeit und an die Flüchtlingseigenschaft nicht standhalten. C. Mit Eingabe vom 25. August 2017 reichte der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung durch seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungs- gericht Beschwerde ein und beantragte die Aufhebung der angefochtenen E-4776/2017 Seite 3 Verfügung in den Dispositivziffern 1-3, die Anerkennung der Flüchtlingsei- genschaft und die Gewährung von Asyl; eventualiter sei die Flüchtlingsei- genschaft und demzufolge die vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hin- sicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Bei- ordnung einer amtlichen Rechtsvertretung und um Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses ersucht. Auf die Begründung der Be- schwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Der Beschwerde legte der Beschwerdeführer einen syrischen Strafbefehl im Original mit beglaubigter Übersetzung sowie Fotos eines Parteitreffens bei. D. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 30. August 2017 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwWG – unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der fi- nanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers – gutgeheissen. Zudem wurde der Antrag um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung gemäss Art. 110a Abs. 1 AsylG gutgeheissen und der bis- herige Rechtsvertreter, lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, als Rechtsbeistand ein- gesetzt. Des Weiteren wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer zur Einreichung des in Aussicht gestellten sowie weiterer allfälliger Beweismittel im Sinne der Erwägungen aufgefordert. E. Mit Eingabe vom 13. September 2017 r eichte der Beschwerdeführer das in Aussicht gestellte Beweismittel zu den Akten. F. In seiner Vernehmlassung vom 28. September 2017 führte das SEM aus, weshalb es an seiner Verfügung festhalte. G. Mit Replik vom 18. Oktober 2017 nahm der Beschwerdeführer zur V er- nehmlassung Stellung und reichte eine aktualisierte Honorarnote ein. H. Mit Schreiben vom 9. Juli 2019 tätigte das Bundesverwaltungsgericht bei der Schweizer Vertretung in Beirut eine Anfrage zwecks Abklärung, ob im E-4776/2017 Seite 4 syrischen Strafgesetzbuch die Flucht aus der Haft unter Strafe gestellt ist, ob der vom Beschwerdeführer eingereichte Strafregisterauszug authen- tisch ist, wie ein Strafregisterauszug beantragt wird und ob eine Drittperson einen solchen Auszug, insbesondere für den Gebrauch im Ausland, erhal- ten kann. Die Schweizer Vertretung in Beirut beantwortete diese Fragen am 28. August 2019 per verschlüsselte elektronische Post, wobei eine ano- nymisierte Antwort des Vertrauensanwalts vom 24. August 2019 samt darin erwähnter Beilagen zugestellt wurde. Mit Anfrage vom 9. September 2019 ersuchte das Bundesverwaltungsgericht um Präzisierung betreffend den Strafregisterauszug sowie das Vorgehe n des Vertrauensanwalts. Am 18. September 2019 erfolgte die ergänzende Antwort der Schweizer Ver- tretung. I. Mit Zwischenverfügung vom 1. Oktober 2019 wurde dem Beschwerdefüh- rer die Antwort des Vertrauensanwalts vom 24. August 2019 samt den Bei- lagen in anonymisierter Form, sowie eine Zusammenfassung der ergän- zenden Antwort der Schweizer Vertretung in Beirut vom 18. September 2019 o ffengelegt und ihm die Gelegenheit eingeräumt, sich bis zum 16. Oktober 2019 zum Ergebnis der Botschaftsabklärung schriftlich zu äus- sern. J. In ihrer Stellungnahme vom 16. Oktober 2019 hielt die Rechtsvertretung unter anderem fest, der Beweiswert der Botschaftsabklärung sei grund- sätzlich in Frage zu stellen. Der Beschwerdeführer sei zudem nicht in die Beschaffung des Strafregisterauszugs involviert gewesen und habe darauf vertrauen müssen, dass ihm sein Bruder ein echtes Dokument postalisch zugestellt habe. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten . Für das vorlie- gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Üb ergangsbe- stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den E-4776/2017 Seite 5 Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die an- gefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Inte- resse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die we- gen ihres Verhaltens nach der Ausre ise entstanden sind und weder Aus- druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat be- stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). E-4776/2017 Seite 6 3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Die Flüchtlingseigenschaft ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit für gegeben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Glaubhaftma- chung bedeutet im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweis- mass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Demgegenüber reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (BVGE 2015/3 E. 6.5.1). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüch- lich sind, den Tatsachen ni cht entsprechen oder massgeblich auf ge- fälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG). 3.4 Die Glaubhaftigkeit von Aussagen asylsuchender Personen kann im Rahmen eines inhaltsorientierten Ansatzes aufgrund sogenannter Real- kennzeichen beurteilt werden. Die Realkennzeichen ermöglichen eine Dif- ferenzierung zwischen erlebnisbasierten und erfundenen respektive ver- fälschten Aussagen. Je mehr Realkennzeichen eine Aussage enthält, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Aussag e auf eigenem Erleben beruht. Dabei sind immer die Fähigkeiten der aussagenden Per- son und die Komplexität des vorgebrachten Geschehens zu berücksichti- gen. Zu den Realkennzeichen gehören insbesondere die logische Konsis- tenz, die ungeordnete, aber inhaltlich letztlich stimmige Darstellung, der quantitative Detailreichtum, raum -zeitliche Verknüpfungen, die Wieder- gabe von Gesprächen, ausgefallene Einzelheiten, spontane Verbesserun- gen der eigenen Aussagen, das Eingeständnis von Erinnerungslücken so- wie die Schilderung von Interaktionen, Komplikationen, Nebensächlichkei- ten, unverstandenen Handlungselementen und eigenen psychischen Vor- gängen (vgl. ANGELIKA BIRCK, Traumatisierte Flüchtlinge, Wie glaubhaft sind ihre Aussagen?, Heidelberg 2002, S. 82 ff. und S. 139 ff.; REVITAL LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA BAUMER, Wie können aussagepsychologi- sche Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in: E-4776/2017 Seite 7 AJP 11/2011, S. 1423 ff.; vgl. auch BGE 129 I 49 E. 5 sowie BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1 und 2012/5 E. 2.2, jeweils m.w.H.). 4. 4.1 Die Vorinstanz begründet ihren ablehnenden Asylentscheid damit, dass mehrere Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner vorgebrachten Inhaftierung und anschliessenden Flucht aus der Haft widersprüchlich aus- gefallen seien (Zeitpunkt der Inhaftierung, Zeitspanne seines Aufenthalts in der Türkei und Person, die ihm mitgeteilt habe, dass sich seine Angehö- rigen in der Schweiz befinden würden). Dass der Beschwerdeführer nach seiner Flucht aus der Haft von der Türkei aus noch ei nmal nach Syrien eingereist sei, sei nicht nachvollziehbar. Die Vorbringen würden den Anfor- derungen an die Glaubhaftigkeit nicht standhalten, weshalb seine geltend gemachte Furcht vor allfälligen weiteren staatlichen Verfolgungsmassnah- men ohne jegliche plausible Grundlage sei. Auf weitere Unglaubhaftigkeits- elemente wie die teilweise mangelhafte Substantiierung der Haft werde nicht eingegangen. Die Kriegslage in Syrien stelle ferner keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar. 4.2 Auf Beschwerdeebene konkret isiert der Beschwerdeführer verschie- dene Punkte seiner Aussagen und reicht einen syrischen Strafregisteraus- zug im Original mit beglaubigter Übersetzung zu den Akten. Vor ein paar Monaten habe sein Bruder D._______, welcher sich noch immer in Syrien aufhalte, keine Rente mehr erhalten und ihm sei mitgeteilt worden, dass dies mit der Verurteilung des Beschwerdeführers zusammenhänge. Gleichzeitig sei ihm der Strafregisterauszug ausgehändigt worden, den er anschliessend dem Beschwerdeführer in die Schweiz gesendet habe. Der Beschwerdeführer verfüge über ein tiefes Bildungsniveau und habe Schwierigkeiten, sich Daten zu merken bzw. diese wiederzugeben. Zudem sei er gefoltert worden, was ihn – zusammen mit der Ungewissheit über das Schicksal seiner Familie – psychisch stark belastet habe und noch im- mer belaste. Diese Umstände würden sein Aussageverhalten beeinflus- sen, was von der Vorinstanz nicht berücksichtigt worden sei. Vor diesem Hintergrund seien die geringen zeitlichen Widersprüche in den Ausführun- gen des Beschwerdeführers grundsätzlich zurückhaltend zu würdigen. Zu- dem sei er anlässlich der BzP in Arabisch mit ägyptischem Dialekt und nicht in seiner Muttersprache Kurmanci befragt worden, was zu Verständigungs- problemen geführt habe. Dies hätte von der Vorinstanz berücksichtigt wer- den müssen, indem sie sich in erster Linie auf die Aussagen der Anhörung hätte stützen sollen. E-4776/2017 Seite 8 Die Ungereimtheit betreffend den geltend gemachten Verhaftungszeitpunkt lasse sich mit der Zeit des Sonnenuntergangs in der Region um A._______ im Januar erklären, so dass es um 19 Uhr tatsächlich bereits «während der Nacht» gewesen sei. Ferner habe der Beschwerdeführer plausibel erklärt, dass er an diesem Tag Überstunden geleistet, und deshalb nicht wie üblich um 18:30 Uhr mit der Arbeit aufg ehört habe. Die vermeintlich abweichen- den Angaben zur Haftdauer seien insbesondere damit erklärbar, dass es sich dabei um ungefähre Angaben gehandelt habe. So bestehe die Mög- lichkeit, dass der Beschwerdeführer bereits anfangs Juni freigekommen sei, was auc h mit dem Datum seiner Verurteilung auf dem eingereichten Strafregisterauszug aufgehen und einer ungefähren Zeitspanne von vier Monaten entsprechen würde. Die kurzzeitige Rückkehr nach Syrien habe der Beschwerdeführer aus Sorge um seine Familie in Kauf genommen, zu- mal sich sein Dorf nur fünfhundert Meter von der türkischen Grenze ent- fernt, in einer von der Volksverteidigungseinheit Yekîneyên Parastina Gel (YPG) kontrollierten Region befinde und er sich dort nur vier bis fünf Stun- den aufgehalten habe, so dass das Risiko, entdeckt zu werden, gering ge- wesen sei. Die Vorbringen des Beschwerdeführers würden diverse Realkennzeichen enthalten, welche die Vorinstanz unbeachtet gelassen habe. Insgesamt habe er seine Inhaftierung durch das syrische Regime, die mehrmonatige Haft, die dabei erlittene Folter sowie seine Befreiung und anschliessende Flucht nach Syrien überwiegend glaubhaft darlegen können. Als Kurde, der im Ausland einen Asylantrag gestellt habe, werde er vom syrischen Regime als Verräter und politischer Opponent wahrgenommen. Mit seiner Verurtei- lung zu zehn Jahren Haft wegen der Flucht aus dem Gefängnis habe sich die Verfolgungsgefahr seitens des syrischen Regimes zusätzlich ver- schärft. Seit seiner Ankunft in der Schweiz engagiere sich der Beschwer- deführer zudem politisch, indem er an Versammlungen der Partei der De- mokratischen Union (PYD) teilnehme. Der Beschwerdeführer erfülle dem- nach die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und ihm sei Asyl zu gewähren. Zudem sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung nicht nur unzumutbar, sondern auch unzulässig sei. 4.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, die exilpolitischen Vorbringen des Beschwerdeführers seien nachgeschoben, nicht hinrei- chend begründet und trotz den eingereichten Fotos nicht genügend belegt. Zudem sei aus den von ihm genannten exilpolitischen Tätigkeiten nicht er- sichtlich, dass er aus der Masse der zahlreichen exilpolitisch tätigen Per- sonen aus Syrien hervortreten würde, so dass nicht von einer qualifizierten E-4776/2017 Seite 9 exilpolitischen Exponierung des Beschwerdeführers auszugehen sei. Fer- ner sei nicht nachvollziehbar, dass er die Existenz des Strafregisteraus- zugs, welcher sich auf eine angeblich am (…) beschlossene Haftstrafe be- ziehen soll, erst im Rahmen des Beschwerdeverfahrens erwähne. Der ein- gereichte Strafregisterauszug weise zudem keine Sicherheitsmerkmale auf. Bezüglich der angeblich durch sprachliche Probleme bedingten Wider- sprüche sei festzustellen, dass es sich dabei um sachliche Diskrepanzen handle, die nicht durch eine ungenaue Übersetzung des Dolmetschers er- klärbar seien. 4.4 In seiner Replik vom 18. Oktober 2017 bringt der Beschwerdeführer vor, er habe sich zwar bis zur Anhörung am 23. September 2015 – nur drei Monate nach seiner Einreise – nicht exilpolitisch in der Schweiz engagiert, sei jedoch bereits damals grundsätzlich an einem exilpolitischen Engage- ment interessiert gewesen. Er habe nicht beabsichtigt, die besuchten Ver- anstaltungen zu dokumentieren, weshalb er lediglich Fotos von einer Ver- sammlung, die nach Ergehen des negativen Asylentscheids stattgefunden habe, einreichen könne, da er sich erst dann bewusstgeworden sei, dass auch seine exilpolitische Tätigkeit flüchtlingsrelevant sein könnte. Da er be- reits aufgrund seiner Verweigerung, sich in Syrien der Al Baath Partei an- zuschliessen, vom syrischen Regime als politischer Opponent wahrge- nommen werde, und sich nun auch noch als illegal ausgereister und abge- wiesener, kurdischer Asylsuchender exilpolitisch engagiere, habe er bei ei- ner allfälligen Rückkehr generell z u befürchten, verhaftet, verfolgt und misshandelt zu werden. Es liege angesichts seiner Vorgeschichte in Syrien nahe, dass er als im Ausland lebender Regimekritiker gezielt überwacht werde. Bezüglich des Grundes für die späte Geltendmachung des Strafre- gisterauszugs werde vollumfänglich auf den Sachverhalt in der Be- schwerde verwiesen. Zudem wei se der eingereichte Strafregisterauszug mehrere Merkmale auf, die für dessen Echtheit sprächen, und enthalte prä- zise Angaben über ihn, die mit den Angaben auf seiner Identitätskarte und seinem Pass übereinstimmen würden. Es sei nicht zulässig, dass die Vo- rinstanz vor diesem Hintergrund den Strafregisterauszug pauschal als be- weisuntauglich erkläre und keiner seriösen Beweiswürdigung unterziehe. 4.5 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs führt der Beschwerdeführer aus, dass die Zuverlässigkeit von Botschaftsabklärungen bereit s im Jahr 2010 von diversen Rechtsberatungsstellen sowie der SFH in Frage gestellt wor- den und deshalb ungeeignet zur Sachverhaltsabklärung sei. Insbesondere sei in der Zwischenverfügung vom 1. Oktober 2019 weder die Art und E-4776/2017 Seite 10 Weise, wie die Schweizer Vertretung in Beirut zu ihren Erkenntnissen be- treffend die Authentizitätsmerkmale gelangt sei, noch die Identität des Ver- trauensanwalts und wie dieser den neuen polizeilichen Strafregisterauszug oder die Freigabebescheinigung erhalten habe, wobei nicht erwiesen sei, ob es sich dabei um originale oder offizielle Dokumente handle, offengelegt worden. Die Verwendung geheimer Informationsquellen erscheine auch im Hinblick auf das Prinzip der Waffengleichheit im Verfahren bedenklich, da dem Beschwerdeführer kein vergleichbares Instrument zur Verfügung stehe, um eigene Abklärungen zu tätigen, und seine Ergebnisse nicht wie der Botschaftsabklärung als wahr und glaub würdig angesehen, sondern als blosse Parteibehauptung abgetan würden. Selbst wenn es sich bei dem eingereichten Dokument nicht um einen echten Haftbefehl handeln sollte, könne dieser Umstand nicht dem Beschwerdeführer zur Last gelegt wer- den, da dieser durc h seinen Bruder davon Kenntnis erhalten habe und demnach nicht in dessen Beschaffung involviert gewesen sei. Er habe bei der Einreichung darauf vertrauen müssen, was sein Bruder ihm berichtet habe und dass es sich um ein echtes Dokument handle. 5. 5.1 Vorweg ist festzustellen, dass der Einwand des Beschwerdeführers be- treffend die Zuverlässigkeit von Botschaftsabklärungen in Syrien nicht gänzlich von der Hand zu weisen ist. Die Schweizer Botschaft in Damaskus ist seit Ende Februar 2012 bis he ute geschlossen (vgl. www.eda.ad- min.ch/damascus). Wie das Bundesverwaltungsgericht bereits mehrfach festgestellt hat, ergeben sich in Anbetracht der Struktur des syrischen Ge- heimdienstapparates Zweifel daran, ob Ahndungsmassnahmen sämtlicher potenzieller Verfolger mit hinreich ender Schlüssigkeit abgeklärt werden könnten (vgl. statt vieler das Urteil D-4731/2009 vom 20. April 2011 E. 4.3 m.w.H.). Auch im Verfahren des Beschwerdeführers kann dem entspre- chenden Abklärungsergebnis der Botschaft nicht ein ausschlaggebender Beweiswert zugemessen werden. 5.2 Hinsichtlich des Arguments, der Beschwerdeführer habe mit der Über- setzung an der BzP Schwierigkeiten bekundet, ist festzustellen, dass er dort – neben der Frage, ob ägyptisches Arabisch gesprochen werde (SEM- Akte B5 Ziff 2.02) – jeweils bestätigte, die Übersetzung zu verstehen (B5, S. 2 und Ziff. 9.02). Der Dolmetscher führte zwar aus, die Arabischkennt- nisse des Beschwerdeführers seien mittelmässig, und er selbst gab an der Anhörung an, weil der Dolmetscher Ägypter gewesen sei, diesen nicht gut verstanden zu haben (B15 F205), indes sind dem Protokoll der BzP keine Hinweise auf Verständigungsprobleme zu entnehmen. Folglich besteht E-4776/2017 Seite 11 kein Grund zur Annahme, der Sachverhalt sei nicht genügend erstellt wor- den und es müsse die Sache deshalb zwecks erneuter Anhörung an das SEM zurückgewiesen werden. 6. Indessen kommt das Bundesverwaltungsgericht nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die gel- tend gemachten Vorfluchtgründe als überwiegend wahrscheinlich darzule- gen. 6.1 Auf Beschwerdeebene bekräftigt der Beschwerdeführer den bisherigen Sachverhalt unter Bezugnahme auf die von der Vorinstanz geltend ge- machten Ungereimtheiten und vermag die zeitlichen Widersprüche betref- fend den Zeitpunkt der Verhaftung und die Haftdauer zu entkräften. Ferner gelang es ihm bereits an der Anhörung die vermeintliche Inkohärenz hin- sichtlich der Person (Onkel oder Tante), die ihn vom Aufenthalt seiner Ehe- frau in der Schweiz berichtet habe, zu klären (B15 F206). Indes hat er die Dauer seines Aufenthalts in der Türkei nach seiner angeblichen Flucht aus der Haft unterschiedlich geschildert. Da dies nicht den Kern seiner Flucht- gründe aus Syrien tangiert, ist diese Ungereimtheit vernachlässigbar. Von entscheidender Bedeutung für die Einschätzung der überwiegenden Unglaubhaftigkeit der Fluchtgründe ist indessen die fehlende Substanz in den Aussagen des Beschwerdeführers. Dabei ist insbesondere auf die freie Erzählung anlässlich der Anhörung zu verweisen (B15 F57). Die dies- bezügliche Schilderung ist zwar relativ lang, jedoch beschränken sich die Äusserungen zum asylrelevanten Teil seiner Vorbringen – die Festnahme, anschliessende Haft und die Flucht aus der Haft – auf wenige, kurze und detailarme Sätze. Dabei vermag der Beschwerdeführer den Ablauf seiner Festnahme nicht in lebensnaher Weise zu schildern. Auch im weiteren Ver- lauf der Anhörung vermag der Beschwerdeführer das angeblich Erlebte nicht weiter zu substantiieren, so dass kein detailliertes Bild der Gescheh- nisse entstehen konnte. Die Ausführungen zur Haft beschränken sich auf Schilderungen von Abläufen und sich wiederholende Aussagen. Auch auf Nachfrage hin schilderte der Beschwerdeführer die Umstände seiner Haft nie genauer (B15 F112 ff.). Der Beschwerdeführer könnte sich die Finger zudem auch unter anderen Umständen gebrochen haben. Die fehlende Substantiiertheit ist denn auch in Bezug auf die Befreiung und Flucht aus der Haft festzustellen. Es bleibt beispielswei se unklar, wie sich der Be- schwerdeführer anlässlich der Befreiung verhalten und wie sich die Flucht E-4776/2017 Seite 12 aus der Haft genau abgespielt hat. Die diesbezüglichen Äusserungen blei- ben sehr allgemein und unspezifisch (B15 F140 ff.). Er gab w eiter an der BzP an, mit einem Auto etwa 15 Minuten gefahren zu sein (B5, S. 8), was seinen Schilderungen anlässlich der Anhörung nicht zu entnehmen ist. Ge- mäss diesen ist er zu Fuss geflohen (B15 F145, 148f. und 151ff.). Die feh- lende Substanz seiner Aussagen ist durchaus ein Indiz für die Unglaubhaf- tigkeit der Vorbringen und kann nicht durch die allgemeine Unsicherheit und das Unwissen des Beschwerdeführers erklärt oder alleine auf seine Persönlichkeit zurückgeführt werden, zumal ihm mehrfach die Gelegenheit geboten wurde, seine Au sführungen zu konkretisieren (bspw. B15 F67f., F121f., F127f. und F140ff.). 6.2 Gemäss Antwort des Vertrauensanwalts vom 24. August 2019 im Rah- men der Botschaftsabklärung weist das eingereichte Dokument (Strafre- gisterauszug) formelle Mängel auf, da die Nummer auf dem runden Stem- pel nicht mit dem Namen des Mitarbeiters des Aussenministeriums im rechteckigen Stempel übereinstimmt, was als Fälschungsmerkmal gewer- tet werden kann. Dem durch den Vertrauensanwalt neu beantragten Straf- registerauszug ist zu entnehmen, dass in Syrien keine Verurteilungen ge- gen den Beschwerdeführer vorliegen. Die Zweifel an der Authentizität des eingereichten Strafregisterauszugs werden insofern verstärkt, als die Flucht aus der Haft per se gemäss dem syrischen Strafgesetzbuch nicht unter Strafe gestellt ist (s. Art. 415 des syrischen Strafgesetzbuches). Art. 59 des syrischen Strafgesetzbuches, wonach die Strafe von verurteil- ten Häftlingen nach einem Fluchtversuch aus der Haft verlängert wird , ist nicht anwendbar, da der Beschwerdeführer gemäss dem eingereichten Strafregisterauszug erst per (…) – nach der Flucht aus der Haft – verurteilt worden sei. Es ist demnach nicht ersichtlich, für welche Straftat der Be- schwerdeführer hätte verurteilt wer den sollen. Auch wenn Syrien bemüht war und ist, ein rechtsstaatliches System aufrecht zu erhalten, hätten die syrischen Justizbehörden zudem sehr schnell arbeiten müssen, um bereits am (…) das Urteil zu erlassen, da der Beschwerdeführer gemäss eigenen Aussagen anfangs Juni aus der Haft habe fliehen können. Ferner werden Strafregisterauszüge in der Regel nur an die betroffene Person selbst, eine bevollmächtigte Vertretung, oder – falls die betroffene Person im Ausland lebt – an deren Eltern ausgehändigt. Zw ar ist es möglich, solche Doku- mente über «gute Kontakte» trotzdem zu erhalten . Dass dem Bruder des Beschwerdeführers jedoch ohne weiteres dessen Strafregisterauszug aus- gehändigt worden sein soll, vermag nicht zu überzeugen. E-4776/2017 Seite 13 Diese Ausführungen verstärken die bereits ausgeführten Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers, so dass diese insgesamt als nicht überwiegend glaubhaft zu bezeichnen sind. 6.3 Nach dem Gesagten erfüllen die Ausführungen des Beschwerdefüh- rers die Anforderungen an die Glaubhaftmachun g im Sinne von Art. 7 AsylG nicht. 6.4 Der Beschwerdeführer macht schliesslich subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend, indem er vorbringt, dass er sich exil- politisch engagiere. 6.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Praxis davon aus, dass der Schwerpunkt der Aktivitäten syrischer Geheimdienste im Ausland nicht bei einer grossflächigen, sondern bei einer selektiven und gezielten Über- wachung der im Ausland lebenden Oppositionellen liegt (vgl. Referenzurteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3). Die Annahme, die betroffene Person habe die Aufmerksamkeit der syrischen Geheimdienste in einer Weise auf sich gezogen, welche auf eine begründete Furcht vor Verfolgung wegen exilpolitischer Tätigkeiten schliessen lässt, rechtfer tigt sich deshalb nur, wenn sie sich in einem besonderen Mass exponiert. Dies ist dann der Fall, wenn sie aufgrund ihrer Persönlichkeit, der Form des Auf- tritts und aufgrund des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklä- rungen den Eindruck erweckt, sie werde aus Sicht des syrischen Regimes als potenzielle Bedrohung wahrgenommen (vgl. a.a.O., E. 6.3.6). 6.4.2 Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, überzeugend darzule- gen, dass er sich in der Schweiz profiliert exilpolitisch betätigt hat. Wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung richtig festgehalten hat, hat der Be- schwerdeführer es unterlassen, seine vorgebrachten exilpolitischen Tätig- keiten im erstinstanzlichen Verfahren zu erwähnen . In sein er Replik führt der Beschwerdeführer aus, er sei zwar bereits anlässlich der Anhörung grundsätzlich an einem exilpolitischen Engagement interessiert gewesen, habe jedoch erst danach angefangen, an ver schiedenen Versammlungen der PYD teilzunehmen. Aufgrund seiner Verweigerung, sich in Syrien der Al Baath Partei anzuschliessen, werde er vom syrischen Regime als Ver- räter und politischer Opponent wahrgenommen und hätte bei einer Rück- kehr – als illegal ausgereister, abgewiesener, kurdischer Asylsuchender, der sich exilpolitisch engagiert habe – zu befürchten, verhaftet, verfolgt und misshandelt zu werden. Entgegen der in der Beschwerdeschrift vertrete- nen Auffassung ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer E-4776/2017 Seite 14 den syrischen Behörden infolge seiner Weigerung, sich der Al Baath Partei anzuschliessen, und seiner illegalen Ausreise als politischer Opponent be- kannt ist. Der Beschwerdeführer bekleidet weder ein spezielles Amt inner- halb der PYD noch übt er eine Funktion aus, welche ihn besonders expo- niert hätte. Vielmehr nimmt er an Parteiversammlungen teil, wobei nicht ersichtlich ist, dass er sich gegenüber anderen Anwesenden besonders hervorgehoben hätte. Die von ihm eingereichten Fotografien, auf denen er zusammen mit verschiedenen weiteren Personen an einer Versammlung in privaten Räumlichkeiten zu sehen ist, illustrieren sein niederschwelliges Profil, da er sich auf diesen nicht von anderen Teilnehmenden unterschei- det. Sein exilpolitisches Engagement begründete der Beschwerdeführer denn auch nicht weiter. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen er- scheint es insgesamt nicht als wahrscheinlich, dass er wegen exilpoliti- schen Aktivitäten bei einer Rückkehr nach Syrien mit flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen rechnen müsste. Der Beschwerdeführer kann sich folglich nicht auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe berufen. 7. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl- gründe sowie die vorgebrachten subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeig- net sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung be- ziehungsweise eine entsprechende V erfolgungsfurcht zu begründen. Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an. Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange- ordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8.2 Die Vorinstanz ordnete in ihrer Verfügung vom 25. Juli 2017 infolge Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme des Be- schwerdeführers in der Schweiz an. Demnach erübrigen sich praxisge- mäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. Anzufügen ist aber an dieser Stelle immerhin, dass der generellen Gefährdung des Beschwerdeführers aufgrund der Bür- gerkriegssituation in Syrien mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme E-4776/2017 Seite 15 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs durch die Vorins tanz Rechnung getragen wurde. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist da- her abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit Zwischen- verfügung vom 30. August 2017 das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfle ge gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen, und es ist den Akten nicht zu entnehmen, dass sich die finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers seither geändert hät- ten. Demzufolge sind keine Verfahrenskosten zu erheben. Mit derselben Zwischenverfügung wurde ausserdem das Gesuch um amt- liche Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) und dem Be- schwerdeführer sein Rechtsvertreter als Rechtsbeistand bestellt. Demnach ist diesem ein amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Mit Eingabe vom 16. Oktober 2019 wurde eine Kostennote ins Recht gelegt. Darin wird ein als angemessen zu erachtender Aufwand von 15.9 Stunden und Auslagen von Fr. 26.20 gel- tend gemacht. Mit Instruktionsverfügung vom 30. August 2017 wurde be- reits festgestellt, dass gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der Stundenansatz für das Honorar von amtlich bestellten Rechtsbeiständen, die nicht Rechtsanwälte sind, in der Regel Fr. 100.– bis 150.– beträgt. Das amtliche Honorar für den Re chtsvertreter ist somit auf insgesamt Fr. 2'411.20 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) E-4776/2017 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird zu Lasten der Gerichtskasse ein Ho- norar von Fr. 2'411.20 ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Janine Sert Versand: