Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 20. März 2018 (400 2017 126) ____________________________________________________________________ Zivilprozessrecht Beweiswürdigung bei Ansprüchen aus Versicherungsvertrag Besetzung Präsident Roland Hofmann, Richterin Barbara Jermann Richterich (Re- ferentin), Richter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Daniel Noll Parteien A.____, vertreten durch Rechtsanwältin Therese Hintermann, Martin Disteli- Strasse 9, 4601 Olten, Klägerin und Berufungsklägerin gegen B.____ AG, vertreten durch Advokat Dr. Nicola Moser, Kirchplatz 16, Postfach 916, 4132 Muttenz 1, Beklagte und Berufungsbeklagte Gegenstand Forderung Berufung der Klägerin vom 5. April 2017 gegen das U rteil der Dreier- kammer des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost vom 29. November 2016 A. Mit Urteil vom 29. November 2016 wies die Dreierka mmer des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost die von A.____ gegen die B.____ AG a ngehobene Klage auf Leistung von CHF 67'661.50 zuzüglich Zins zu 5 % seit 28. März 2014 ab, auferlegte die Kosten des Schlich- tungsverfahrens von CHF 200.00, die Gerichtsgebühr von CHF 10'000.00, die Zeugengelder von CHF 45.00, die Übersetzungskosten von CHF 1'060 .80 sowie die Dolmetscherkosten von Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 210.00 der Klägerin und verpflichtete diese ausserdem, der Beklagten eine Parteientschä- digung von CHF 14'127.70 (inkl. Auslagen und Mehrwert steuer) zu bezahlen. Zur Begründung des Urteils wurde im Wesentlichen angeführt, dass es de r Klägerin aufgrund der sofortigen Diebstahlsmeldung vor Ort in Serbien und des entspreche nden Polizeirapports, aufgrund der zügigen Schadenmeldung gegenüber der Beklagten und de r Wiederholung der Diebstahlsan- zeige bei der Polizei in der Schweiz, aufgrund der unau ffälligen Ergebnisse der Fahrzeug- schlüsselüberprüfung sowie aufgrund des Schadensberichts de r C.____ GmbH, wonach die serbische Ermittlungsbehörde keinen Hinweis auf einen Ve rsicherungsbetrug festgestellt habe, zwar gelungen sei, den Diebstahl ihres geleasten Occasionw agens der Marke BMW X6 im Bel- grader Stadtbezirk X.____ in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 2013 mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit nachzuweisen. Aufgrund zahlreicher Ungereimt heiten und Widersprüche seien indes beim Gericht erhebliche Zweifel geweckt worden, so dass der Hauptbeweis als definitiv gescheitert anzusehen sei. Widersprüchlich sei vorab d ie Schilderung des Abends vor dem an- geblichen Diebstahl. Während die Klägerin am 13. Augu st 2013 bei der Polizei in Pratteln an- gegeben habe, dass sie mit zwei Freundinnen auswärts essen gegangen und um 00:30 Uhr zur Wohnung ihrer Freundin D.____ zurückgekehrt sei, wo sie übernachtet habe, habe sie in der Einvernahme vom 9. Oktober 2013 zu Protokoll gegeben, dass sie das Abendessen auf dem Balkon der Wohnung ihrer Freundin eingenommen habe, von wo sie ihr Auto um 00:30 Uhr letztmals gesehen habe. Entgegen dem Dafürhalten der K lägerin sei ein Missverständnis der protokollierenden Polizistin in Pratteln aufgrund der klaren Formulierung ausgeschlossen, so dass sich der Widerspruch nicht auflösen lasse. Sodann sei – auch wenn sich die Klägerin erst im Nachhinein entschlossen habe, bei ihrer Freundin zu ü bernachten – nicht nachvollziehbar, dass sie ihre persönlichen Effekten und Wertsachen über N acht im Auto gelassen habe, zumal sie sich erklärtermassen bewusst gewesen sei, dass in X.____ ein Diebstahlsrisiko bestehe. Widersprüchlich und divergent seien sodann auch die Aussa gen der Klägerin, die Aussagen von E.____ – dem bei der Beklagten beschäftigten Versich erungsberater der Klägerin, welcher der Klägerin bei der Anzeigeerstattung in X.____ behi lflich gewesen sei – und die Aussagen von D.____ über das Verhältnis zwischen der Klägerin und E.____ sowie über deren Fortset- zung der Reise nach dem angeblichen Diebstahl. Während die Klägerin gegenüber dem Scha- deninspektor der Beklagten angegeben habe, er müsse E.__ __ selbst fragen, wohin er nach dem 27. Juli 2013 gegangen sei, habe sie in ihrer Kla ge vom 29. August 2014 ausgeführt, dass sie zusammen mit E.____ im Auto von D.____ zu ihren El tern nach Y.____ gefahren sei, von wo aus E.____ seine Kinder in W.____ abgeholt habe u nd tags darauf mit dem Auto von D.____ zu seinen Eltern nach Z.____ gefahren sei. E._ ___ seinerseits habe zunächst mit E- Mail vom 28. August 2013 angegeben, ihm sei nicht bekann t, wie die Klägerin die Reise fortge- setzt habe, vor der Polizei Basel-Landschaft habe er jedoch am 18. Dezember 2013 ausgesagt, dass die Klägerin glaublich noch am gleichen Tag zu ihren Eltern gegangen sei, während er mit dem Auto von D.____ seine Kinder abgeholt und das Au to zurückgegeben habe und noch am gleichen Abend zu seinen Eltern zurückgefahren sei. Dem Bericht der C.____ GmbH sei indes- sen zu entnehmen, dass gemäss Aussage von D.____ die Kläge rin zu E.____ in einer Liebes- beziehung stehe und nach dem Diebstahl des Autos zusammen mit diesem und dessen Kin- dern mit dem Auto von D.____ für ein paar Tage ans Me er gefahren sei. In der Folge habe die Klägerin bestritten, in einer Liebesbeziehung zu E.____ zu stehen und mit ihm ans Meer gefah- ren zu sein, was D.____ per E-Mail und an der Hauptverh andlung als Zeugin bestätigt habe. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schliesslich habe E.____ anlässlich der Hauptverhandlung a usgesagt, er habe sich gegenüber der Polizei in X.____ lediglich deshalb als Partner d er Klägerin ausgegeben, um vom Polizisten mehr Respekt zu erhalten, eine eigentliche Beziehung hab e sich aber erst später entwickelt. Nach dem Diebstahl sei er mit seinen Kindern aber ohn e die Klägerin zu seinen Eltern ans Meer gefahren, das Auto habe er D.____ erst am 6. Au gust 2013 zurückgegeben. Insgesamt sei somit festzustellen, dass in den Darstellungen der Bete iligten erhebliche und unerklärbare Widersprüche darüber bestünden, wie sie den Tag des Die bstahls und die Woche danach ver- bracht hätten und wann das Auto D.____ zurückgegeben wo rden sei. Namentlich seien fehlen- des Erinnerungsvermögen, ungenaue Protokollierung und sprachliche Missverständnisse wenig glaubhafte Erklärungen für die Diskrepanzen. Seltsam seie n des Weiteren die Umstände, dass D.____ ihr Auto für mehr als eine Woche einem Fremde n sollte ausgeliehen haben, dass E.____, der vier Jahre zuvor bereits einen Autodiebstahl in Belgrad beklagt habe, unmittelbar nach dem Diebstahl vor Ort gewesen sei, und dass die Erkl ärung von D.____, wonach sie dem Ermittler der C.____ GmbH gegenüber nie eine Liebesb eziehung zwischen der Klägerin und E.____ erwähnt habe, von der Rechtsvertreterin wortwörtlich vorgegeben worden sei. Im Weite- ren sei erstellt, dass es sich bei den von der Klägerin geka uften und auf dem BMW X6 montier- ten Spezialfelgen um fünf-speichige Rhinspeed- bzw. V egas-Felgen zu einem Prospektpreis von CHF 660.00 pro Stück handle, während die von der Kl ägerin vorgelegte Quittung zehn- speichige Aurora- bzw. Aurelia-Felgen zu einem Preis von CHF 980.00 pro Stück ausweise. Da die Klägerin die Felgen aus einem Prospekt ausgesucht ha be, sei davon auszugehen, dass sie den korrekten Preis der Felgen gekannt habe, weshalb ni cht glaubhaft sei, dass sie für die Fel- gen tatsächlich CHF 3'920.00 bezahlt habe. Ferner fe hle es überhaupt an einem Zahlungs- nachweis, zumal die behauptete Barzahlung mit keinem Be leg für einen entsprechenden Kon- tobezug untermauert worden sei. Ferner sei nicht nach vollziehbar, weshalb die Klägerin die Quittung für die Felgen nicht – wie alle Quittungen der im gestohlenen BMW befindlichen Ge- genstände – habe vorlegen können, sondern zuerst beim Ve rkäufer habe nachfordern müssen. Seltsam sei ausserdem, dass die Quittung keinen Mehrwert steuerbetrag ausweise. Die nach- trägliche Erklärung, dass die Quittung sich wegen des erf orderlichen und noch pendenten Ein- trages in den Fahrzeugausweis zusammen mit diesem im Auto befunden habe, erkläre zwar, weshalb eine neue Quittung habe angefordert werden m üssen, nicht aber, weshalb diese Be- gründung nicht schon von Beginn weg angegeben worden sei. Unzutreffend sei sodann auch die Äusserung der Klägerin, sie habe die Felgen ein p aar Tage vor den Ferien gekauft, zumal das Quittungsdatum vom 29. Mai 2013 rund zwei Monate vor der Abreise in die Ferien liege. Widersprüchlich seien im Weiteren die Aussagen zum Verbl eib des Fahrzeugausweises. Wäh- rend die Klägerin zunächst ausgesagt habe, sie habe den Fahrzeugausweis E.____ übergeben, damit dieser den Eintrag der neuen Felgen bei der Mo tofahrzeugkontrollstelle vornehmen las- sen könne, habe sie später ausgeführt, dass sie den Fahr zeugausweis beim Grenzübertritt nach Serbien gesucht und nicht gefunden habe, weshalb sie E.____ angerufen habe, welcher die Übermittlung einer Kopie des Fahrzeugausweises durch einen bei der Beklagten beschäftig- ten Kollegen per E-Mail an die Klägerin veranlasst ha be. E.____ seinerseits habe ausgesagt, dass er den Fahrzeugausweis – nachdem der Eintrag der Fe lgen nicht geklappt habe – wieder in das Handschuhfach des BMW gelegt habe. Der Telefonan ruf der Klägerin habe ihn daher verwirrt. In seinem Büro habe sich – wie sich nach den Fer ien herausgestellt habe – lediglich eine Kopie des Fahrzeugausweises befunden. Diese habe er zusammen mit den zwei Schlüs- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht seln des Fahrzeugs an die Schadenabteilung weitergeleite t. Trotz dieser Erklärungen sei der tatsächliche Verbleib des Fahrzeugausweises ungeklärt geblieben. Unglaubwürdig sei dabei die Klägerin insofern, als niemand mit dem eigenen Auto in die Ferien fahre, ohne sich vor der Ab- fahrt zu vergewissern, wo sich der Fahrzeugausweis befinde . Nachteilig auf ihre Glaubwürdig- keit wirke sich schliesslich auch die nachweislich unkorrekte A ussage der Klägerin aus, sie ha- be die Leasingraten und Prämien für die Motorfahrzeug versicherung stets pünktlich bezahlt. Auch wenn einige Widersprüche erklärbar seien und einze ln betrachtet nicht ausreichen wür- den, die Versicherungsleistung zu verweigern, so lasse doch die Gesamtwürdigung der zahlrei- chen Widersprüche und deren Umstände nur den Schluss zu, d ass die Leistungsverweigerung rechtmässig sei. Nicht zu folgen sei der Ansicht der Beklagte n, wonach ihre Leistungspflicht bereits aufgrund der rechtzeitigen Kündigung des Ver sicherungsvertrages zufolge Anzeige- pflichtverletzung der Klägerin wegfalle. Die Klägeri n habe zwar durch die Bezeichnung ihres Ehemannes als häufigsten Lenker nachweislich eine tatsac henwidrige Erklärung abgegeben, um eine günstigere Versicherungsprämie zu erhalten, die Beklagte habe aber den Vertrag erst mehr als vier Wochen nach erfolgter Kenntnis dieser Tat sache gekündigt, so dass die Kündi- gung nicht gültig sei. Abschliessend sei zu prüfen, ob in Bezug auf den Felgenkauf eine betrü- gerische Handlung vorliege und daher auch gestützt auf A rt. 40 VVG eine Leistungsverweige- rung zulässig sei. Die Erklärung der Klägerin, sie sei selbst vom Verkäufer der Felgen getäuscht worden, vermöge angesichts der Umstände nicht zu überzeuge n. Ob aufgrund dieser auffälli- gen Umstände aber der erforderliche Nachweis einer Täu schungsabsicht der Klägerin gelinge, könne letztlich offen bleiben, da die Leistungspflicht b ereits aufgrund des fehlenden Nachwei- ses des Versicherungsfalles zu verneinen sei. B. Gegen dieses Urteil erhob die Rechtsvertreterin der Kl ägerin mit Eingabe vom 5. April 2017 Berufung an das Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, mit dem Begehren, die Beklagte sei in Aufhebung des angefochtenen Entscheids zu verurteile n, der Klägerin den Betrag von CHF 67'661.50 zuzüglich Zins zu 5 % seit 28. März 2014 zu bezahlen, ferner sei der Klägerin für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, unter Kosten- und Entschä- digungsfolgen zu Lasten der Beklagten. Zur Begründung liess die Berufungsklägerin im We- sentlichen vorbringen, dass die von der Vorinstanz aufgezäh lten Widersprüche nebensächliche Begleitumstände des Diebstahls beträfen und erklärbar se ien, weshalb sie nicht ausreichen würden, erhebliche Zweifel an der Sachdarstellung der Klägerin zu wecken. Die Vorinstanz sei damit einer falschen richterlichen Beweiswürdigung verfa llen. Auf die einzelnen vorgebrachten Argumente der Berufungsklägerin ist im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einzugehen. C. Mit Verfügung vom 15. August 2017 wies das instruieren de Kantonsgerichtspräsidium das Gesuch der Berufungsklägerin um Bewilligung der une ntgeltlichen Rechtspflege mangels Bedürftigkeit ab. D. Mit Berufungsantwort vom 7. Februar 2018 beantragt e die Berufungsbeklagte die Ab- weisung der Berufung, unter Kosten- und Entschädigungs folge zu Lasten der Klägerin. Auf die zur Begründung ausgeführten Vorbringen ist – soweit e rforderlich – im Rahmen der nachste- henden Erwägungen näher einzugehen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Gegen erstinstanzliche Endentscheide in vermögensrechtliche n Angelegenheiten kann Berufung erhoben werden, sofern der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 1 li t. a und Abs. 2 ZPO). In casu beantragte die Berufungsklägerin vor dem Zivilkreisgericht bis zuletzt die Zusprechung eines Forderungs- betrags von insgesamt CHF 67'661.50, so dass die erforder liche Streitwertgrenze ohne weite- res erreicht ist. Die Berufung ist innert 30 Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheides bzw. seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbeg ründung schriftlich und begründet bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZP O). Die schriftliche Begründung des Urteils des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 29. No vember 2016 2016 wurde der Rechtsvertreterin der Klägerin am 7. März 2017 zugestell t. Die Rechtsmittelfrist ist durch die Berufung vom 5. April 2017 somit eingehalten. Die Ber ufungsklägerin rügt eine willkürliche Würdigung der beweisrelevanten Tatsachen und macht dam it sowohl eine unrichtige Feststel- lung des Sachverhalts wie auch unrichtige Rechtsanwendun g, mithin taugliche Berufungsgrün- de nach Art. 310 ZPO geltend. Nachdem auch die übrige n formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die vorliegende Berufung einzutreten. Gemäss § 6 Abs. 1 lit. d EG ZPO ist die Drei- erkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts für die Beurteilung von Berufungen ge- gen Entscheide der Dreierkammer des Zivilkreisgerichts sachli ch zuständig. Der Entscheid ergeht gestützt auf Art. 316 Abs. 1 ZPO aufgrund der Akten. 2. Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, beste hen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung beweisrechtliche Besonderheiten bei Anspr üchen aus Versicherungsverträ- gen. Grundsätzlich ist der Versicherte, der gegenüber de m Versicherer Leistungsansprüche erhebt, für den Eintritt des Versicherungsfalles behaup tungs- und beweispflichtig. Da dieser Beweis indessen regelmässig mit Schwierigkeiten verbunde n ist, geniesst der beweispflichtige Anspruchsberechtigte insoweit eine Beweiserleichterung und genügt mithin seiner Beweislast, wenn er den Eintritt des Versicherungsfalls überwiegend wahrscheinlich zu machen vermag. Gelingt es dem Versicherer im Rahmen des ihm zustehenden Gegenbeweises, an der Sach- darstellung des Anspruchsberechtigten erhebliche Zweife l zu wecken, so ist der Hauptbeweis des Anspruchsberechtigten gescheitert (BGE 130 III 321, E. 3.5). 3. Die Vorinstanz erachtet den Diebstahl des BMW X6 als mi t dem Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Sie stützt sich da bei auf die Tatsache, dass die Klägerin den Diebstahl vor Ort unverzüglich gemeldet hat und mi t einem entsprechenden Polizeirapport bestätigen liess, ferner darauf, dass sie die Anzeige bei der Polizei in der Schweiz wiederholt und der Schaden auch gegenüber der Beklagten unverzüg lich gemeldet hat. Für die überwie- gende Wahrscheinlichkeit des Diebstahls sprechen gemäss de n Erwägungen der Vorinstanz ausserdem die unauffälligen Ergebnisse der Fahrzeugschlü sselüberprüfung sowie der Scha- densbericht der C.____ GmbH, wonach die serbische Ermitt lungsbehörde keinen Hinweis auf einen Versicherungsbetrug festgestellt hat. Dieser Vorabwürdigung des Hauptbeweises, welche die Vorinstanz indessen nicht weiter ausführt, schliesst sich das Kantonsgericht an. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht In Ergänzung der vorinstanzlichen Erwägungen ist in dies em Zusammenhang namentlich auf den Bericht des im Auftrag der Beklagten in X.____ tät ig gewordenen Privatermittlers F.____ vom 15. April 2016 zu verweisen. Dieser führt in seinem Bericht aus, dass D.____ gemäss Aus- kunft der Polizeistelle X.____ sowie der II. Kriminal abteilung der Polizeiverwaltung Belgrad den Diebstahl am 27. Juli 2013 morgens um 7.30 Uhr zunächst telefonisch beim Notfalldienst der Polizei von X.____ gemeldet und um ca. 7.40 Uhr zusam men mit der Klägerin persönlich auf der Polizeistation X.____ zur Anzeige gebracht hat. Di e Anzeige wurde von Oberinspektor G.____ entgegengenommen. Dieser hat dem Privatermitt ler gegenüber ausgesagt, dass die Klägerin bei der Anzeigeerstattung sehr aufgeregt gew esen sei und besonders heftig reagiert habe. Unter Tränen habe sie gesagt, dass neben den anderen Gegenständen im Auto auch das Grillgerät gestohlen worden sei, das sie als Geschenk fü r ihren Vater mitgebracht habe. Spas- seshalber und um die Klägerin zu trösten, damit sie auf höre zu weinen, habe der Inspektor da- rauf der Klägerin angeboten, ihr einen seiner eigen en drei Grillgeräte zu überlassen. In der Fol- ge hätten zwei Inspektoren der Kriminalabteilung der Polizeistation X.____ den Tatort zusam- men mit der Klägerin besucht. Unabhängig von diesen se ien auch die Beamten der II. Kriminal- abteilung der Polizeiverwaltung Belgrad am Tatort gew esen, welche die Videoaufnahmen zwei- er Kameras vor einer dem Tatort gegenüberliegenden B äckerei gesichert hätten. Auf den Vi- deoaufnahmen sei aber nichts zu sehen, da die Kameras a uf den Eingang der Bäckerei gerich- tet gewesen seien. Der Gruppenchef der II. Kriminala bteilung sowie seine Mannschaft hätten mehrfach mit der Klägerin und ihrem Freund E.____, der um 8 Uhr mit dem Bus dazugekom- men sei, gesprochen. In der Strafanzeige seien die wichti gsten Gegenstände, die im Fahrzeug verblieben seien, angegeben worden. Eine GPS-Verfolgu ng des gestohlenen BMWs sei nicht möglich gewesen, da eine solche für den Typ und das Bau jahr des gestohlenen Fahrzeugs nicht möglich sei. Gemäss den Auskünften von D.____ sei d ie Klägerin auch nach der Besichti- gung des Tatortes noch immer derart aufgebracht gewesen über den Diebstahl des Fahrzeugs, dass sie von D.____ und E.____ ins Stadtkrankenhaus X.____ gebracht worden sei, wo sie vom diensthabenden Arzt indessen mit der Bemerkung, sie solle einen Schnaps trinken, wieder weggeschickt worden sei. Was die Analyse der Autoschlüssel a ngehe, so habe Herr H.____ von "I.____ Motors" in Belgrad die Angaben der II. Kr iminalabteilung der Polizeiverwaltung Bel- grad bestätigt und präzisierend angegeben, dass das Fahr zeug 92'000 gefahrene Kilometer aufgewiesen habe und der Fahrzeugschlüssel am 26. Juli 2013 um 19.34 Uhr letztmals benutzt worden sei. Der in der Schweiz verbliebene Ersatzschlüssel sei letztmals am 13. Juli 2013 be- nutzt worden. Schliesslich habe der Chef der II. Kriminalabteilung der Polizeiverwaltung Belgrad angegeben, er sei zu mehr als 90 % sicher, dass das Fahrze ug tatsächlich gestohlen worden sei und keine Falschanzeige in Verbindung mit einem Versicherungsbetrug vorliege. Namentlich aufgrund dieses Berichts ist das Kantonsgericht mit der Vorinstanz klar der Auffas- sung, dass der Diebstahl des Fahrzeugs der Berufungsklägeri n in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 2013 mit dem erforderlichen Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist. Der Bericht wurde von einem Privatermittler, den die Beklagte beauftragt hatte, erstellt. Er ist daher zweifellos mit kritischer Distanz zum Verhalten un d zur Person der Klägerin verfasst worden. Der Bericht ist insgesamt sehr umfassend und basiert auf direkten Befragungen sämtli- cher Personen, welche bei der Anzeigestellung in X.____ zugegen waren. Die Aussagen der Beteiligten sind detailliert wiedergegeben und in Bezug auf den Diebstahl an sich widerspruchs- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht frei. Aufgrund der geschilderten Einzelheiten anlässli ch der Anzeigeerstellung und der Tatort- begehung gerade in Bezug auf irrelevante Details ist von der Authentizität der Aussagen der Beteiligten sowie des entsprechenden Verhaltens der Kl ägerin auszugehen (vgl. M. FERRARI , Erkenntnisse aus der Aussagenpsychologie, in: plädoyer 4/09 , S. 35 f.). So spricht etwa der geschilderte Umstand, dass die Klägerin der Verlust des i m Fahrzeug befindlichen Grillgeräts spontan stärker aufwühlte als der Verlust des Fahrzeugs o der anderer wesentlich kostspielige- rer Wertsachen im Auto, für ein authentisches Geschehen, da der Klägerin wohl unvermittelt bewusst wurde, dass sie mit leeren Händen ohne Geschenk für ihren Vater dastand. Ferner erscheinen auch der Spitalbesuch wegen der nervlichen Übe rreizung der Klägerin und der nüchterne "Therapievorschlag" des Arztes, sie solle eine n Schnaps trinken, aufgrund der Ne- bensächlichkeit dieses Geschehens als starke Indizien für de ssen Authentizität. Von gewichti- gem Beweiswert ist schliesslich auch die Tatsache, dass der Chefermittler der II. Kriminalabtei- lung der Polizeiverwaltung Belgrad von einem tatsächliche n Diebstahl des Fahrzeugs ausging und eine Falschanzeige in Verbindung mit einem Versich erungsbetrug mit einer Sicherheit von über 90 % ausschloss. Der Privatermittler der Beklagten bezeichnet den Chef der II. Kriminalab- teilung der Polizeiverwaltung Belgrad in seinem Bericht als relativ jungen, aber erfahrenen Poli- zisten. 4. Die Vorinstanz hat die überwiegende Wahrscheinlichkeit des Diebstahls zwar zunächst bejaht, sie ist in einem zweiten Schritt indessen zur Üb erzeugung gelangt, dass die Einwen- dungen der Beklagten geeignet seien, erhebliche Zweif el an der Sachdarstellung der Klägerin zu wecken, weshalb der Hauptbeweis der Klägerin als gesch eitert zu qualifizieren sei. Die Klä- gerin wendet im Rahmen des vorliegenden Berufungsverfah rens gegen die vorinstanzliche Be- weiswürdigung ein, dass die von der Vorinstanz erwähnten Ungereimtheiten nebensächlich und ausserdem erklärbar seien, weshalb von ernsthaften Zweif eln und einem Scheitern des Haupt- beweises keine Rede sein könne. 4.1 Thema des Gegenbeweises ist die Sachdarstellung des hau ptbeweisbelasteten An- spruchsberechtigten. Dazu gehört auch dessen Glaubwürdigke it: Da sich der Eintritt des Versi- cherungsfalls in der Regel nicht direkt, sondern bloss m it mehr oder weniger schlüssigen Indi- zien beweisen lässt, kann eine Beeinträchtigung der Gl aubwürdigkeit geeignet sein, auch die Überzeugungskraft der Sachdarstellung zu erschüttern. Es st eht dem Versicherer zudem frei, eine – von derjenigen des Anspruchsberechtigten – abwe ichende Sachdarstellung aufzuzeigen, die neben der behaupteten Version ebenso ernsthaft i n Frage kommt oder sogar näher liegt (BGE 130 III 321 S. 327, E. 3.4, mit weiteren Hinwe isen). Da die Sachdarstellung der Klägerin Thema des Gegenbeweises ist, ist für die Ursache der Zwe ifel an der Sachdarstellung eine ge- wisse Nähe zum versicherten Ereignis unabdingbar. Widersp rüchlichkeiten und Ungereimthei- ten im Verhalten und in den Aussagen der Klägerin sind mithin nur dann geeignet, erhebliche Zweifel an der Sachdarstellung der Klägerin zu wecken, wenn sie einen Bezug zum Diebstahl des klägerischen Fahrzeugs haben. Je näher der Bezug eine r Ungereimtheit zum Diebstahlser- eignis ist, desto eher ist sie geeignet, erhebliche Zweif el zu wecken. Weist indes ein Wider- spruch keinen oder nur einen geringen Konnex zum versiche rten Ereignis auf, so ist er nicht geeignet, den Hauptbeweis zu erschüttern. Dass nicht jed e Beeinträchtigung der Glaubwürdig- keit einer Person zum Scheitern des Hauptbeweises führe n kann, ist schon deshalb zu fordern, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht weil andernfalls Personen, welche es in gewissen Leben sbereichen mit der Wahrheit nicht im- mer ernst nehmen, von jeglichem Versicherungsschutz von vor neherein ausgeschlossen wä- ren. 4.2 Die Vorinstanz begründet ihre Zweifel an der klägerisch en Sachdarstellung zunächst unter Verweis auf den Umstand, dass die Klägerin divergierende Angaben über den Verlauf des Abends vor dem Diebstahl gemacht habe. So habe sie gegenüber der Polizei in Pratteln am 13. August 2013 angegeben, dass sie mit ihren Freundinnen D .____ und K.____ auswärts essen gegangen sei und ihr Fahrzeug sich bei ihrer Heimkehr um 00.30 Uhr noch auf dem Parkplatz befunden habe, während sie am 9. Oktober 2013 gegenü ber der Polizei Basel-Landschaft wie auch in ihrer Klage vom 29. August 2014 ausgeführt ha be, dass sie das Abendessen zusam- men mit ihren Freundinnen auf dem Balkon der Wohnung von D.____ eingenommen und ihr Fahrzeug um 00.30 Uhr vom Balkon aus noch auf dem Parkpl atz stehen gesehen habe. Diese Diskrepanz lasse sich mit einem Missverständnis nicht erklären, so dass ein unauflösbarer Wi- derspruch vorliege. Dagegen lässt die Klägerin – wie be reits im vorinstanzlichen Verfahren – im Berufungsverfahren einwenden, dass sprachliche Verständi gungsschwierigkeiten möglicher- weise zum inhaltlich ungenauen Polizeirapport geführt hätten. Die Abweichung sei indes margi- nal und daher auch nicht relevant. Zunächst ist festzuhalten, dass nicht nur die Klägerin zwei mal – in der Klage vom 29. August 2014 sowie in der polizeilichen Einvernahme vom 9. Okto ber 2013 – angegeben hat, dass das gemeinsame Essen am fraglichen Abend auf dem Balkon von D.____ eingenommen wurde, sondern auch D.____ dies – sowohl gegenüber dem Private rmittler der Beklagten am 18. Sep- tember 2013 als auch als Zeugin anlässlich der vorinstanzlich en Verhandlung – zweimal bestä- tigt hat. Angesichts der Tatsache, dass die Deutschkenntnisse der Klägerin beschränkt sind und sie unbestrittenermassen nicht immer leicht zu verstehen ist, erscheint es – entgegen dem Da- fürhalten der Vorinstanz – nicht von vornherein ausgeschl ossen, dass dem abweichenden Rap- port aufgrund der Anzeige vom 13. August 2013 ein sp rachliches Missverständnis zugrunde liegt. Der Beweiswert des Rapports ist ausserdem – wie d ie Klägerin zutreffend einwendet – insofern eingeschränkt, als er von der Klägerin nie unter zeichnet wurde, erst vier Wochen spä- ter, am 10. September 2013, erstellt wurde und erklär termassen bloss "sinngemäss" die Anga- ben der Klägerin wiedergibt. Im Übrigen steht die Ze it vor dem Diebstahl, welche die Klägerin unbestrittenermassen mit ihren beiden Freundinnen beim Abendessen verbracht hat, anders als etwa die Tatzeit an sich in keinem unmittelbaren Zusamm enhang mit dem Tatgeschehen. Inso- fern liegt daher – entgegen dem Einwand der Beklagte n – keine Parallele zum bundesgerichtli- chen Präjudiz 4A_671/2010 vor, in welchem abweichende An gaben zum Aufenthalt während der Tatzeit vorlagen. 4.3 Die Vorinstanz begründet ihre Zweifel des Weiteren mi t dem Umstand, dass die Klägerin ihre persönlichen Effekten und Wertsachen über Nacht nicht aus ihrem Fahrzeug genommen hat, obwohl sie sich des Diebstahlsrisikos erklärtermassen bewusst gewesen sei. Dass die Klägerin ihr Auto nicht gleich bei der Ankunf t entladen hatte, liegt darin begründet, dass sie unbestrittenermassen die Absicht gehegt hatte, no ch am selben Abend zu ihren Eltern Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiterzufahren. Gemäss übereinstimmenden Angaben hat si ch die Klägerin erst am späteren Abend auf Anraten ihrer Gastgeberin hin entschlossen, bei dieser zu übernachten. Unter diesen Umständen erscheint es dem Kantonsgericht nachvollziehbar, dass die Klägerin – spätabends nach einem langen Reisetag – trotz grundsätzlicher Kenn tnis der Diebstahlsgefahr nicht mehr daran gedacht hatte, ihr Gepäck aus dem Auto zu nehmen . Das Kantonsgericht vermag daher die Zweifel der Vorinstanz nicht zu teilen. 4.4 Die Vorinstanz sieht weiteren Anlass zu Zweifeln in de n differenten Angaben der Betei- ligten über das Verhältnis zwischen der Klägerin und E._ ___ sowie über deren weiteren Ver- bleib nach dem Diebstahl. Es trifft zu, dass die Klägerin und ihr heutiger Partn er E.____ ausweichende und teilweise von den Aussagen von D.____ abweichende Angaben über ihr Verhältnis und ihren weiteren Auf- enthalt in Serbien nach dem Diebstahl geäussert haben . Aufgrund seines Berichts und den be- stätigenden Aussagen des Privatermittlers F.____ anlässli ch der rogatorischen Zeugeneinver- nahme vom 21. Dezember 2015 hegt auch das Kantonsger icht gewisse Zweifel an den Anga- ben der Klägerin und von E.____. Gemäss den überzeugen den Angaben von F.____ sind die Klägerin und E.____ nach der Wahrnehmung von D.____ sowie der Polizei als Paar aufgetre- ten. Entsprechend ist D.____ gemäss ihren Aussagen gegen über F.____ davon ausgegangen, dass die Klägerin nach dem Diebstahl mit E.____ zusamm en ans Meer gefahren ist. Dies ver- mag auch plausibel zu erklären, weshalb D.____ E.____ für mehrere Tage ihr Auto ausgeliehen hat. Ob die Klägerin und E.____ damals bereits tatsäch lich ein Paar waren oder lediglich eng befreundet, so dass der Eindruck einer Paarbeziehung ents tand, ist für die vorliegende Be- weiswürdigung irrelevant und kann daher letztlich off en bleiben. Die vorinstanzlichen Zweifel sind namentlich bezogen auf das etwas ungeschickte Vorgeh en der Klägerin und deren Rechtsvertreterin im Hinblick auf eine schriftliche Klar stellung von D.____ bezüglich ihrer von F.____ aufgezeichneten Aussagen nachvollziehbar. Andere rseits vermag aber auch die Be- gründung der Klägerin, dass sie und E.____ damals beide noch verheiratet gewesen seien und deshalb die Freundschaft nicht hätten offenlegen wollen, das Aussageverhalten von ihr und von E.____ plausibel zu erklären. Auch keinen Anlass zu Argwohn sieht das Kantonsgericht im Um- stand, dass E.____ im Zeitpunkt des Diebstahls in der Nä he war und der Klägerin auf deren Bitte hin bei der Anzeigestellung vor Ort behilflich w ar. Dass E.____ als Familienvater während der Schulferien seine Ferien bezieht und diese als Ser be in seiner Heimat bei den Eltern ver- bringt, erscheint ebenso nachvollziehbar wie die Tatsache , dass er der Klägerin als deren Ver- sicherungsberater und Freund auf deren Bitte hin bei der Bewältigung der Begleitumstände vor Ort behilflich ist. Auch die Tatsache, dass E.____ vier Jah re zuvor bereits einen Autodiebstahl in Belgrad zur Anzeige gebracht und die entsprechenden Versicherungsleistungen erst nach einem gerichtlichen Verfahren erhältlich machen konnte, vermag lediglich aufzuzeigen, dass in Serbien für teure Autos eine erhöhte Diebstahlsgefahr und bei Autodiebstahl in Serbien eine reduzierte Leistungsbereitschaft der Versicherungen besteh t. Dafür, dass E.____ – wie der be- klagtische Rechtsvertreter zu insinuieren scheint – mit dem Verschwinden des klägerischen Fahrzeugs in Zusammenhang steht, gibt es keinerlei Hinw eise. Auch die Beklagte selbst scheint nicht davon auszugehen, zumal E.____ offensichtli ch nach wie vor bei der Beklagten angestellt ist. Da die Frage der Beziehungsintensität zw ischen der Klägerin und E.____und die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht damit verbundene Frage, ob sie die Zeit nach dem Dieb stahl getrennt oder gemeinsam am Meer verbracht haben, ohne unmittelbaren Konnex zum e igentlichen Diebstahlsereignis ist, vermögen die in diesem Zusammenhang bestehenden und plausibel erklärbaren Ungereimthei- ten in den Aussagen der Beteiligten keine wesentlichen Zweifel an der klägerischen Sachdar- stellung des Diebstahls zu begründen. 4.5 Die Vorinstanz begründet ihre Zweifel ferner mit de m Umstand, dass die Klägerin bei der Diebstahlsmeldung angegeben habe, das gestohlene Fahrzeug sei mit zehn-speichigen Aurora- bzw. Aurelia-Felgen zu einem Preis von CHF 980.00 pro S tück versehen gewesen, obwohl am Fahrzeug nachweislich lediglich fünf-speichige Rhinspeed - bzw. Vegas-Felgen zu einem Pros- pektpreis von CHF 660.00 pro Stück montiert gewesen seien . Die Vorinstanz impliziert damit einen Täuschungsversuch der Klägerin gegenüber der Beklag ten, wofür indessen kein hinrei- chend gesicherter Nachweis vorliegt. Namentlich ist der Ei nwand der Klägerin, sie sei sich des geringeren Werts der montierten Felgen nicht bewusst ge wesen und sei somit selbst vom Ver- käufer der Felgen übervorteilt worden, durchaus plausibe l und nicht zu widerlegen. Nicht zwin- gend erscheint der vorinstanzliche Schluss, die Klägerin habe den tatsächlichen Wert der Fel- gen gekannt, da sie die Felgen anhand eines Prospektes a usgesucht habe. Gerade im Bereich der Automobilzubehöre sind die Preise häufig nicht im Prospekt selbst, sondern auf separaten Preislisten vermerkt. Sodann räumt die Vorinstanz selbst e in, dass die Erklärung der Klägerin, wonach die Originalquittung mit dem Fahrzeugausweis zusa mmen im Handschuhfach des ge- stohlenen Fahrzeugs gelegen habe, plausibel erscheint. Dass sie diese Erklärung nicht schon anlässlich der Befragung durch den Schadeninspektor der Beklagten vom 27. August 2013 ge- geben hatte, lässt sich damit erklären, dass sie sich damals dieser Sachlage nicht bewusst war. Sie gab damals an, dass sie die Quittung nicht zu Hause ( gefunden) habe und daher beim Ver- käufer eine neue Quittung anfordern müsse. Erst im Nach hinein wurde klar, dass E.____ nach dem Versuch, die Spezialfelgen bei der Motorfahrzeugkontrollstelle im Fahrzeugausweis eintra- gen zu lassen, die Quittung zusammen mit dem Fahrzeugau sweis im Handschuhfach des klä- gerischen Fahrzeugs deponierte. Des Weiteren vermag das Ka ntonsgericht in der Tatsache, dass die Klägerin zum Nachweis der Barzahlung des Kaufpre ises der Felgen keinen Beleg für einen entsprechenden Kontobezug vorlegte, noch kein Ind iz für einen fingierten Kauf zu erbli- cken. Die Vorinstanz bzw. die Beklagte stellt mit ihren M utmassungen den Vorwurf der Urkun- denfälschung bzw. der Falschbeurkundung in den Raum, wov on ohne handfeste Beweise nicht leichthin ausgegangen werden darf. Vielmehr ist grund sätzlich von der Authentizität der Quit- tung als Urkunde auszugehen, und es ist nicht Sache der Kl ägerin, Beweise für diese Authenti- zität zu erbringen, sondern vielmehr Sache der Beklagte n, für den implizierten Tatverdacht ei- nes Urkundendelikts entsprechende Nachweise vorzubringen . Dafür genügt es indessen nicht bei einer Barbezahlung auf fehlende Kontobezugsbelege hinzuweisen, zumal die Mittel für eine Barzahlung auch aus anderen Quellen stammen können. Eben so wenig ausreichend dafür ist ferner die im Widerspruch zum Quittungsdatum stehende Aussage der Klägerin, wonach sie die Felgen "ein paar Tage vor den Ferien" gekauft habe. V ielmehr erscheint die in diesem Zusam- menhang gemachte Erklärung der Klägerin, dass sie sich nic ht dem Vorwurf des zu langen Zu- wartens mit dem Eintrag in den Fahrzeugausweis habe au ssetzen wollen, durchaus nachvoll- ziehbar. Schliesslich vermag das Kantonsgericht auch im Umstand, dass in der Quittung kein Mehrwertsteuerbetrag ausgewiesen ist, keine Auffälligkeit zu erblicken. Wie die Klägerin zutref- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht fend einwendet ist die Firma "Auto L.____" des Verkäuf ers, M.____, in U.____ nicht im Han- delsregister eingetragen, was vermuten lässt, dass er den f ür die Eintrags- und die Mehrwert- steuerpflicht erforderliche Mindestumsatz von jährlich CHF 100'000.00 nicht erreicht. 4.6 Die Vorinstanz findet weitere Unstimmigkeiten in den A ngaben zum Verbleib des Fahr- zeugausweises. So habe die Klägerin den Fahrzeugausweis b eim Grenzübertritt nach Serbien nicht dabeigehabt, weshalb sie E.____ telefonisch kontak tiert habe, welcher seinerseits einen Kollegen auf der Geschäftsstelle der Beklagten in Basel angewiesen habe, die dort befindliche Kopie des Fahrzeugausweises der Klägerin zuzumailen. E._ ___ habe hingegen angegeben, er habe nach dem misslungenen Versuch, die Spezialfelgen be i der Motorfahrzeugkontrollstelle in den Fahrzeugausweis eintragen zu lassen, den Fahrzeugausw eis zusammen mit der Quittung für die Felgen im Handschuhfach des klägerischen Fahrzeu gs deponiert. Auch diese Diskre- panz lässt sich nach Ansicht des Kantonsgerichts nachvollzi ehbar erklären, zumal E.____ die Aussage der Klägerin unabhängig von ihr bestätigt un d dazu ausgeführt hat, dass er sich da- mals schon über den Anruf der Klägerin gewundert habe, da er sich sicher gewesen sei, den Fahrzeugausweis ins Handschuhfach zurückgelegt zu haben. N achdem der Fahrzeugausweis auch im Nachhinein nicht mehr aufgefunden wurde, ist davon auszugehen, dass sich der Fahr- zeugausweis beim Grenzübertritt nach Serbien tatsächlich i m Handschuhfach des klägerischen Fahrzeugs befunden hat, von der Klägerin aber schlicht nicht gefunden bzw. übersehen wurde. Anders als die Vorinstanz erblickt das Kantonsgericht auch n ichts Ungewöhnliches darin, dass sich die Klägerin nicht vor ihrer Abreise darüber verge wissert hat, den Fahrzeugausweis einge- packt zu haben. Schliesslich mag es zwar zutreffen, dass die Aussage der Klägerin, sie habe ihre Leasingraten und Versicherungsprämien stets pünktlich bezahlt, nicht korrekt ist. Immerhin entspricht es aber den Tatsachen, dass die Klägerin im Z eitpunkt des Diebstahls keine Zah- lungsausstände hatte. Ausserdem ist nicht ersichtlich, inw iefern dieser Umstand einen direkten oder indirekten Konnex zum versicherten Ereignis haben soll. 4.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass sämtliche von der Be klagten und der Vor- instanz angeführten Ungereimtheiten und Widersprüchlic hkeiten ohne weiteres auflösbar sind und keinen hinreichenden Konnex zum versicherten Ereignis aufweisen. Anders als im von der Beklagten beigezogenen Präjudiz (4A_671/2010) bestehen weder Ungereimtheiten über den Aufenthalt der Klägerin während der Tatnacht, noch widersprüchliche Angaben über die An zahl der Fahrzeugschlüssel. Vielmehr hat die Klägerin beid e Schlüssel der Beklagten übergeben, und die Ergebnisse der erfolgten Überprüfung der Schlüssel stehen in Bezug auf deren letztma- lige Benützung in Übereinstimmung mit den Angaben de r Klägerin. Insgesamt hat die Beklagte weder eine abweichende Sachdarstellung aufgezeigt, di e neben der behaupteten Version der Klägerin ebenso ernsthaft in Frage kommt oder sogar näher liegt, noch ist es ihr gelungen, er- hebliche Zweifel an der Sachdarstellung der Klägerin zu wecken. Der Hauptbeweis des bean- zeigten Fahrzeugdiebstahls erweist sich damit als unerschüttert und somit als erbracht. 5. Was die Leistungsverweigerung der Beklagten zufolge Auf lösung des Versicherungsver- trages wegen absichtlicher Falschbezeichnung des häufigsten Fahrzeuglenkers angeht, so hat die Vorinstanz zutreffend festgestellt, dass die Beklagte die Frist gemäss Art. 6 Abs. 2 VVG nicht eingehalten hat, so dass ihre Kündigung ohne Rech tswirkung bleibt. Diese Einschätzung Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist im vorliegenden Berufungsverfahren unbestritten geb lieben, so dass ohne weiteres auf die entsprechende Erwägung (Ziff. 8) im vorinstanzlichen Urteil zu verweisen ist. In Bezug auf den von der Klägerin geltend gemachten Wert der Felgen lässt die Vorinstanz die Frage der Täuschungsabsicht im Sinne von Art. 40 VVG e xplizit offen. Die Beklagte macht in ihrer Berufungsantwort geltend, die Vorinstanz habe d ie Frage lediglich formaliter offen gelas- sen, aufgrund ihrer Erwägungen aber zutreffend zum A usdruck gebracht, dass die Täu- schungsabsicht der Klägerin rechtsgenüglich erwiesen sei. Dieser Schlussfolgerung der Beklag- ten vermag sich das Kantonsgericht nicht anzuschliessen. Da die Beklagte bezüglich der Fel- gen eine betrügerische Anspruchsbegründung geltend macht und es sich dabei um eine rechts- vernichtende Tatsache zu Lasten der Klägerin handelt, o bliegt der entsprechende Hauptbeweis der Beklagten (J. NEF , in: H. Honsell / N.P. Vogt / A.K. Schnyder [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag [VVG], Basel 20 01, N 57 zu Art. 40, S. 695). Sie muss mithin der Klägerin die wissentliche und willentli che Verwendung einer gefälschten Quit- tung zwecks Erlangung ungerechtfertigter Versicherungsle istungen nachweisen. Dieser Nach- weis gelingt ihr nicht, zumal – wie bereits oben ausgefü hrt – der Einwand der Klägerin, sie sei selbst vom Verkäufer der Felgen übervorteilt worden, nicht zu widerlegen ist. 6. Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, dass der strit tige Fahrzeugdiebstahl rechts- genüglich erwiesen ist und erhebliche Zweifel daran zu verneinen sind, weshalb die Beklagte aufgrund des bestehenden Versicherungsvertrages grundsätzlich leistungspflichtig ist. In Bezug auf das Quantitativ der Klagforderung ist festzustellen, dass der ursprünglich von der Beklagten berechnete Entschädigungsbetrag für das Fahrzeug von CHF 55'460.00 sowie der in Rechnung gestellte Betrag von 128.90 für das Flugticket in die S chweiz grundsätzlich unbestritten sind. Bestritten waren indessen bereits im erstinstanzlichen Ve rfahren die darüber hinaus geltend gemachten Beträge von CHF 7'072.60 für die Spezialfe lgen sowie von CHF 5'000.00 für die im Auto befindlichen Reiseeffekten. Da die Vorinstanz die se Punkte bei ihrer vom heutigen Be- weisergebnis abweichenden Beweiswürdigung nicht beurteil en musste, erweist sich heute ein wesentlicher Teil der Klage als nicht beurteilt, so dass die Streitsache in Anwendung von Art. 218 Abs. 1 lit. c Ziff. 1 ZPO zur Beurteilung der Höhe der zuzusprechenden Forderungssumme an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. In diesem Sinne ist die vorliegende Berufung somit in Aufhebung des angefochtenen Urteils gutzuheissen. 7. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind der Beruf ungsbeklagten in Anwen- dung von Art. 106 Abs. 1 i.V. mit 95 Abs. 1 ZPO die Kosten des Berufungsverfahrens wie auch eine Parteientschädigung zu Gunsten der Berufungsklägerin aufzuerlegen. Die von der Rechts- vertreterin der Berufungsklägerin eingereichte Honorarnote vom 13. März 2018 erweist sich als tarifkonform und wurde von der Berufungsbeklagten nicht bestritten, so dass sie ihrem Umfang entsprechend als Parteientschädigung festzulegen ist. Was die erstinstanzlichen Kosten betrifft, so hat die Vorinstanz deren Bemessung und Verlegung ent sprechend dem Ausgang des Neu- beurteilungsverfahrens vorzunehmen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Das Verfahren wird in Gutheissung der Berufung und in Aufhebung des angefochtenen Urteils an die Dreierkammer des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost zur Neuentscheidung im Sinne der Erwägun gen zurück- gewiesen. 2. Die kantonsgerichtliche Gebühr von CHF 4'500.00 wir d der Berufungs- beklagten auferlegt. Der Berufungsklägerin wird für das kantonsgerichtliche Verfahren eine Parteientschädigung von CHF 7'600.00 zuzüglich Auslagen von CHF 220.50 sowie Mehrwertsteuer von CHF 602.15, total somit CHF 8'422.65 zu Lasten der Berufungsbeklagten zugesprochen. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiber Daniel Noll