<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 20 S.89</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">89</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>20</b></span> <span class="ft3"><b>Steuerumgehung; Verkauf einer Diskontobligation ohne überwiegende</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Einmalverzinsung.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Besteuerung des Einmalzinsanteils (Erw. 1).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Der Steuerpflichtige kann den Verkaufszeitpunkt frei wählen und auf</b></span><br/> <span class="ft3"><b>die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen bzw. Merkblätter</b></span><br/> <span class="ft3"><b>vertrauen (Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Veräusserung einer Diskontobligation acht Tage vor dem Verfall</b></span><br/> <span class="ft3"><b>an die Bank stellt vorliegend eine Steuerumgehung dar (Erw. 4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 27. Mai 2008 in Sachen F.</span><br/> <span class="ft6">(WBE.2007.293). Zur Publikation vorgesehen in StE 2009.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">90</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 29 Abs. 1 lit. b StG sind die dem Inhaber anfallenden</span><br/> <span class="ft1">Einkünfte aus dem Verkauf oder der Rückzahlung von Diskontobli-</span><br/> <span class="ft1">gationen mit überwiegender Einmalverzinsung zu versteuern. Von</span><br/> <span class="ft1">einer Diskontobligation wird dann gesprochen, wenn eine Obligation</span><br/> <span class="ft1">unter ihrem Nennwert emittiert und zum Nennwert zurückbezahlt</span><br/> <span class="ft1">wird. Bei gemischten Diskontobligationen erhält der Anleger zusätz-</span><br/> <span class="ft1">lich zur Einmalentschädigung (bei Rückzahlung der Obligation) auch</span><br/> <span class="ft1">periodische Zinsvergütungen, die jedoch einen geringeren Zinssatz</span><br/> <span class="ft1">als gewöhnliche, d.h. ausschliesslich periodisch verzinste Obligatio-</span><br/> <span class="ft1">nen aufweisen. Macht die periodische Verzinsung gegenüber der</span><br/> <span class="ft1">Einmalverzinsung mehr als die Hälfte der Gesamtrendite aus, so han-</span><br/> <span class="ft1">delt es sich um eine Obligation ohne überwiegende Einmalverzin-</span><br/> <span class="ft1">sung. Einkünfte aus Diskontobligationen ohne überwiegende Ein-</span><br/> <span class="ft1">malverzinsung werden durch § 29 Abs. 1 lit. a StG erfasst und sind</span><br/> <span class="ft1">ebenfalls zu versteuern. Während die periodischen Zinsanteile</span><br/> <span class="ft1">durchwegs im Zeitpunkt ihrer Fälligkeit zu versteuern sind, ist die</span><br/> <span class="ft1">Unterscheidung zwischen Diskontobligationen mit oder ohne über-</span><br/> <span class="ft1">wiegende Einmalverzinsung für die Behandlung des Einmalzinses</span><br/> <span class="ft1">von Bedeutung; dieser ist bei Diskontobligationen ohne überwie-</span><br/> <span class="ft1">gende Einmalverzinsung erst bei Rückzahlung der Obligation zu ver-</span><br/> <span class="ft1">steuern, bei Diskontobligationen mit überwiegender Einmalverzin-</span><br/> <span class="ft1">sung begründen neben der Rückzahlung auch vorhergehende Veräus-</span><br/> <span class="ft1">serungen die Fälligkeit zur Besteuerung des aufgelaufenen Einmal-</span><br/> <span class="ft1">zinsanteils (vgl. zum Ganzen § 8 Abs. 2 StGV; Kreisschreiben Nr. 4</span><br/> <span class="ft1">der ESTV vom 12. April 1999 für die Steuerperiode 2001, heute er-</span><br/> <span class="ft1">setzt durch Kreisschreiben Nr. 15 vom 7. Februar 2007; Dieter Heu-</span><br/> <span class="ft1">scher in: Kommentar zum Aargauischen Steuergesetz [StG-Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar], Band 1, 2. Auflage, Muri/Bern 2004, § 29 N 12 und 14).</span><br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Einkommenssteuer nicht unterworfen sind Kapitalgewinne</span><br/> <span class="ft1">aus der Veräusserung von beweglichem Privatvermögen (§ 33 lit. i</span><br/> <span class="ft1">StG). Kapitalgewinne werden als Wertzuwachsgewinne bei der Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">91</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">äusserung von Vermögenswerten erzielt (vgl. Heuscher, a.a.O., § 33</span><br/> <span class="ft1">N 17). Unter den Begriff der Kapitalgewinne fallen auch die nicht</span><br/> <span class="ft1">fälligen Zinsen, die seit dem letzten Fälligkeitstermin bis zum Ver-</span><br/> <span class="ft1">äusserungszeitpunkt einer Kapitalforderung aufgelaufen und vom</span><br/> <span class="ft1">Käufer zu begleichen sind, die sogenannten Marchzinsen (anders</span><br/> <span class="ft1">aber, wie zuvor ausgeführt, der Einmalzinsanteil bei Diskontobliga-</span><br/> <span class="ft1">tionen mit überwiegender Einmalverzinsung).</span><br/> <span class="ft1">1.3.</span><br/> <span class="ft1">Im Vergleich zu Art 17 ff. DBG regelt das StHG die Einkunfts-</span><br/> <span class="ft1">arten in Art. 7 Abs. 1 nur rudimentär. Die Kantone können nach der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung des Bundesgerichts aber nicht von der Lösung des</span><br/> <span class="ft1">Bundesgesetzgebers abweichen, soweit es um die Steuerbarkeit und</span><br/> <span class="ft1">die Steuerbefreiung der Einkünfte sowie die Differenzierung von</span><br/> <span class="ft1">steuerfreiem Kapitalgewinn und Vermögensertrag geht (Urteil vom</span><br/> <span class="ft1">8. Februar 2006 [2A.438/2005], Erw. 4.2; Stellungnahme ESTV).</span><br/> <span class="ft1">Die Regelung in Art. 20 Abs. 1 lit. a und b DBG stimmt mit den auf-</span><br/> <span class="ft1">geführten kantonalen Vorschriften nahezu wörtlich überein.</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer erwarben im Jahr 1994 die Obligation</span><br/> <span class="ft1">3.75% B. AG, Laufzeit bis 13. Juni 2001, für 82.65 % des Nennwer-</span><br/> <span class="ft1">tes, der DM ... betrug. Es handelt sich unbestrittenermassen um eine</span><br/> <span class="ft1">Diskontobligation ohne überwiegende Einmalverzinsung. Kurz vor</span><br/> <span class="ft1">dem Rückzahlungstermin, mit Valuta 5. Juni 2001, verkauften die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer die Obligation zu einem Preis von</span> <span class="ft7">..., ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend einem Kurs von 99.95 %. Ab dem 13. Juni 2000 bis zum</span><br/> <span class="ft1">Verkaufsdatum waren</span> <span class="ft7">.... an periodischen Zinsen aufgelaufen (352</span><br/> <span class="ft1">Tage). Anlässlich der Veräusserung wurde eine Courtage von</span> <span class="ft7">...</span><br/> <span class="ft1">sowie eine Stempelsteuer von</span> <span class="ft7">... erhoben.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Es ist nicht mehr streitig, dass die Besteuerung der periodischen</span><br/> <span class="ft1">Zinsen im Zeitpunkt der Fälligkeit zu erfolgen hat und dass die im</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt der Veräusserung der Obligation am 5. Juni 2001 aufgelau-</span><br/> <span class="ft1">fenen periodischen Zinsen von umgerechnet Fr. ... als Marchzinsen</span><br/> <span class="ft1">bei den Beschwerdeführern einen nicht zu versteuernden Kapitalge-</span><br/> <span class="ft1">winn im Sinne von § 33 lit. i StG darstellen. Ebenso steht fest, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">92</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Einmalzins grundsätzlich in gleicher Weise erst bei Rückzahlung</span><br/> <span class="ft1">der Obligation zu versteuern ist, da es um eine Diskontobligation</span><br/> <span class="ft1">ohne überwiegende Einmalverzinsung geht. Anders verhält es sich</span><br/> <span class="ft1">nur, falls die Veräusserung acht Tage vor dem Verfall der Obligation</span><br/> <span class="ft1">eine Steuerumgehung (siehe dazu hinten Erw. 4.1.) darstellt. Zu-</span><br/> <span class="ft1">nächst ist dabei zu prüfen, ob das Gesetz für die Anwendung der Re-</span><br/> <span class="ft1">geln über die Steuerumgehung überhaupt Raum lässt (hinten Erw. 3).</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer machen geltend, der Gesetzgeber habe</span><br/> <span class="ft1">bewusst Marchzinsen von der Besteuerung ausgenommen und</span><br/> <span class="ft1">ebenso alle übrigen vor Fälligkeit realisierten Zinskomponenten, wo-</span><br/> <span class="ft1">bei einzig die überwiegend einmalverzinslichen Produkte gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 29 Abs. 1 lit. b StG ausgenommen seien. Für die Anwendung der</span><br/> <span class="ft1">Steuerumgehung bleibe daher kein Raum.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Auch bei Diskontobligationen ohne überwiegende Einmalver-</span><br/> <span class="ft1">zinsung unterliegt die Einmalzinskomponente der Besteuerung als</span><br/> <span class="ft1">Ertrag aus beweglichem Vermögen. Besteuerungszeitpunkt ist die</span><br/> <span class="ft1">Rückzahlung der Obligation, wenn auch der Einmalzinsanteil fällig</span><br/> <span class="ft1">ist und ausbezahlt wird. Dies entspricht der allgemeinen Regelung</span><br/> <span class="ft1">der Zinsbesteuerung. Die Sonderregelung, die für Diskontobligatio-</span><br/> <span class="ft1">nen mit ausschliesslicher oder überwiegender Einmalverzinsung ge-</span><br/> <span class="ft1">schaffen wurde (vorne Erw. 1.1), kommt hier nicht zur Anwendung.</span><br/> <span class="ft1">Dabei muss aber sichergestellt bleiben, dass am Schluss, bei der</span><br/> <span class="ft1">Rückzahlung der Obligation, der volle Einmalzinsanteil der Besteue-</span><br/> <span class="ft1">rung unterliegt. Vorkehren, die dies verhindern, sind unter dem Ge-</span><br/> <span class="ft1">sichtspunkt der Steuerumgehung zu prüfen. Die ESTV führte dazu</span><br/> <span class="ft1">aus, dass davon ausgegangen werden könne, "dass die Banken ihren</span><br/> <span class="ft1">Kunden zur Steuervermeidung nur zu gerne eine Veräusserung kurz</span><br/> <span class="ft1">vor Verfall empfehlen werden, weil sie damit im Gegensatz zur</span><br/> <span class="ft1">Rückzahlung der Obligation zusätzlich verursachte Transaktions-</span><br/> <span class="ft1">kosten vereinnahmen und dabei nötigenfalls die Obligation auch (für</span><br/> <span class="ft1">ihren Teil) umsatzabgabefrei in den eigenen Handelsbestand erwer-</span><br/> <span class="ft1">ben können. Praktisch würde dies deshalb auf eine generelle steuerli-</span><br/> <span class="ft1">che Freistellung der Einmalverzinsungskomponente bei Diskontobli-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">93</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gationen ohne überwiegende Einmalverzinsung im Privatvermögen</span><br/> <span class="ft1">hinauslaufen, was kaum den Intentionen des Gesetzgebers ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechen dürfte" (Stellungnahme ESTV).</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Den Beschwerdeführern ist insofern Recht zu geben, als es</span><br/> <span class="ft1">beim Börsenhandel um standardisierte Produkte und um die Ab-</span><br/> <span class="ft1">wicklung von Massengeschäften geht, was generell dazu führen</span><br/> <span class="ft1">muss, dass die mit dem Kauf und Verkauf verbundenen Steuerfolgen</span><br/> <span class="ft1">klar und berechenbar sind. Die mit der Bejahung einer Steuerumge-</span><br/> <span class="ft1">hung verbundene Korrektur mittels einer Sachverhaltsfiktion bringt</span><br/> <span class="ft1">immer eine gewisse Rechtsunsicherheit mit sich. Grundsätzlich sind</span><br/> <span class="ft1">die Steuerfolgen bei Diskontobligationen mit oder ohne überwie-</span><br/> <span class="ft1">gende Einmalverzinsung durch die Steuergesetzgebung und das</span><br/> <span class="ft1">Kreisschreiben Nr. 4 vom 12. April 1999 bzw. heute Nr. 15 vom</span><br/> <span class="ft1">7. Februar 2007 klar geregelt. Die Heranziehung der Kriterien der</span><br/> <span class="ft1">Steuerumgehung ist erst dann angezeigt, wenn der Steuerpflichtige</span><br/> <span class="ft1">um der Steuerersparnis willen einen allzu ausgefallenen Sachverhalt</span><br/> <span class="ft1">konstruiert, der an sich die Voraussetzungen der Steuerbarkeit nicht</span><br/> <span class="ft1">erfüllt, wirtschaftlich indessen mit dem steuerbaren identisch ist</span><br/> <span class="ft1">(siehe hinten Erw. 4.1). Dieses Korrektiv darf also nur - aber immer-</span><br/> <span class="ft1">hin - in aussergewöhnlichen Fällen zur Anwendung gelangen; dies</span><br/> <span class="ft1">wird durch den Zusammenhang mit dem Börsenhandel nicht ausge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen. Insofern geht auch das Vorbringen der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">ins Leere, dass die rechtsgleiche Behandlung gefährdet sei, sobald</span><br/> <span class="ft1">bei einer gewöhnlichen Börsentransaktion zwischen unabhängigen</span><br/> <span class="ft1">Dritten nicht mehr auf die gesetzlichen Bestimmungen abgestellt</span><br/> <span class="ft1">werde, sondern das Vorliegen einer Steuerumgehung geprüft werde.</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzung der Steuerumgehung ist eben gerade, dass eine unge-</span><br/> <span class="ft1">wöhnliche und sachwidrige Rechtsgestaltung vorliegt. Von einer zu-</span><br/> <span class="ft1">fälligen Umqualifizierung im Einzelfall kann keine Rede sein.</span><br/> <span class="ft1">Mit anderen Worten kann der Steuerpflichtige noch immer frei</span><br/> <span class="ft1">wählen, wann er die Diskontobligation ohne überwiegenden Einmal-</span><br/> <span class="ft1">zins verkauft. Er darf im Hinblick auf die Besteuerung des Einmal-</span><br/> <span class="ft1">zinsanteiles auch auf die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen</span><br/> <span class="ft1">bzw. die Merkblätter vertrauen. Das gewählte Vorgehen, das die Sub-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">94</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sumtion unter § 29 Abs. 1 lit. a StG sicherstellen soll, steht jedoch</span><br/> <span class="ft1">unter dem Vorbehalt der Steuerumgehung.</span><br/> <span class="ft1">3.4.</span><br/> <span class="ft1">Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die vom</span><br/> <span class="ft1">Gesetzgeber getroffene Regelung hinsichtlich der Besteuerung der</span><br/> <span class="ft1">Einmalzinskomponente einer Diskontobligation ohne überwiegende</span><br/> <span class="ft1">Einmalverzinsung unter Umständen zu einer sachlich unbefriedigen-</span><br/> <span class="ft1">den Lösung führen kann. Sind die Kriterien der Steuerumgehung er-</span><br/> <span class="ft1">füllt - was nachfolgend zu prüfen sein wird - ist der Besteuerung</span><br/> <span class="ft1">diejenige Ordnung zu Grunde zu legen, welche der sachgemässe</span><br/> <span class="ft1">Ausdruck des von den Steuerpflichtigen erstrebten wirtschaftlichen</span><br/> <span class="ft1">Zweckes gewesen wäre (siehe hinten Erw. 4.1.). Die Grundsätze der</span><br/> <span class="ft1">Rechtssicherheit, der Rechtsgleichheit sowie Treu und Glauben wer-</span><br/> <span class="ft1">den dadurch nicht tangiert.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Stehen dem Steuerpflichtigen mehrere rechtliche Gestaltungs-</span><br/> <span class="ft1">möglichkeiten zur Verfügung, so darf er im Rahmen der erlaubten</span><br/> <span class="ft1">Steuerplanung diejenige wählen, welche die geringste Steuerbe-</span><br/> <span class="ft1">lastung zur Folge hat. Wird dabei jedoch der Bogen überspannt und</span><br/> <span class="ft1">nur um der Steuerersparnis willen ein allzu ausgefallener Sachverhalt</span><br/> <span class="ft1">konstruiert, der an sich die Voraussetzungen der Steuerbarkeit nicht</span><br/> <span class="ft1">erfüllt, wirtschaftlich indessen mit dem steuerbaren identisch ist, so</span><br/> <span class="ft1">gilt die Reizschwelle zwischen zulässiger und unzulässiger Steuerer-</span><br/> <span class="ft1">sparnis als überschritten (Plüss/Schade/Walther in: StG-Kommentar,</span><br/> <span class="ft1">Vorbemerkungen zu §§ 172-200 N 15 ff.; Ernst Blumenstein/Peter</span><br/> <span class="ft1">Locher, System des Schweizerischen Steuerrechts, 6. Auflage, Zürich</span><br/> <span class="ft1">2002, S. 31 ff.; Ernst Höhn/Robert Waldburger, Steuerrecht, Band I,</span><br/> <span class="ft1">9. Auflage, Bern/Stuttgart/Wien 2001, § 5 N 73 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt eine Steuer-</span><br/> <span class="ft1">umgehung vor, wenn die von den Beteiligten gewählte Rechtsgestal-</span><br/> <span class="ft1">tung ungewöhnlich (), sachwidrig oder absonderlich, jeden-</span><br/> <span class="ft1">falls der wirtschaftlichen Gegebenheit völlig unangemessen er-</span><br/> <span class="ft1">scheint; wenn anzunehmen ist, dass diese Wahl missbräuchlich und</span><br/> <span class="ft1">lediglich deshalb getroffen worden ist, um Steuern einzusparen, wel-</span><br/> <span class="ft1">che bei sachgemässer Ordnung der Verhältnisse geschuldet wären;</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">95</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">letztendlich wenn das gewählte Vorgehen tatsächlich zu einer erheb-</span><br/> <span class="ft1">lichen Steuerersparnis führen würde. Sind diese Voraussetzungen er-</span><br/> <span class="ft1">füllt, so wird der Besteuerung auch dann, wenn die gewählte Rechts-</span><br/> <span class="ft1">form unter dem Gesichtspunkt des Zivilrechts als gültig und wirksam</span><br/> <span class="ft1">erscheint, nicht diese Gestaltung zugrunde gelegt, sondern die Ord-</span><br/> <span class="ft1">nung, welche der sachgemässe Ausdruck des von den Beteiligten er-</span><br/> <span class="ft1">strebten wirtschaftlichen Zweckes gewesen wäre (BGE 131 II 627</span><br/> <span class="ft1">Erw. 5.; StE 2001, A 12 Nr. 10 und 11). Das Vorliegen einer Steuer-</span><br/> <span class="ft1">umgehung ergibt sich somit aus drei Elementen, einem objektiven</span><br/> <span class="ft1">Element, der Ungewöhnlichkeit, einem subjektiven Element, der Ab-</span><br/> <span class="ft1">sicht der Einsparung, und einem effektiven Element, der Einsparung</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 1996, S. 243).</span><br/> <span class="ft1">Die Beweislast für das Vorliegen sämtlicher objektiver und</span><br/> <span class="ft1">subjektiver Voraussetzungen der Steuerumgehung tragen grundsätz-</span><br/> <span class="ft1">lich die Steuerbehörden. An den Nachweis der Umgehungsabsicht</span><br/> <span class="ft1">sind allerdings keine allzu strengen Anforderungen zu stellen. Der</span><br/> <span class="ft1">Nachweis der Umgehungsabsicht gilt als erbracht, wenn für die von</span><br/> <span class="ft1">der steuerpflichtigen Person getroffene ungewöhnliche, sachwidrige</span><br/> <span class="ft1">oder absonderliche Rechtswahl keine anderen Motive als dasjenige</span><br/> <span class="ft1">der Steuerersparnis erkennbar sind. Dem Steuerpflichtigen steht der</span><br/> <span class="ft1">Gegenbeweis offen, dass die eine oder andere Voraussetzung nicht</span><br/> <span class="ft1">gegeben ist (AGVE 1996, S. 243 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">4.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer bringen vor, dass der mit Valuta vom</span><br/> <span class="ft1">5. Juni 2001 getätigte Börsenverkauf weder ungewöhnlich noch</span><br/> <span class="ft1">sachwidrig noch absonderlich sei. Der Handel an der Börse ent-</span><br/> <span class="ft1">spreche einem alltäglichen Massengeschäft mit zahllosen Beteiligten</span><br/> <span class="ft1">und hohen Umsätzen. Etwas Alltägliches könne nicht für absonder-</span><br/> <span class="ft1">lich erklärt werden.</span><br/> <span class="ft1">4.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Demgegenüber führen die Vorinstanz und die ESTV vor allem</span><br/> <span class="ft1">Renditeüberlegungen an, um die Absonderlichkeit des Verkaufes der</span><br/> <span class="ft1">Diskontobligation ohne überwiegende Einmalverzinsung kurz vor</span><br/> <span class="ft1">deren Verfallsdatum zu begründen. Für einen Renditevergleich seien</span><br/> <span class="ft1">die durch die Veräusserung angefallenen Kosten mit dem auf 8 Tage</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">96</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">entfallenden Einmalzinsanteil zu vergleichen. Kosten von (über</span><br/> <span class="ft7">500.--) stünden einem Zinsanteil von (rund 40.--) gegenüber.</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Veräusserung einer Diskontobligation ohne überwiegende</span><br/> <span class="ft1">Einmalverzinsung während der Laufzeit ist an sich nicht ungewöhn-</span><br/> <span class="ft1">lich. Hingegen besteht ein Zeitpunkt, ab dem es sich für eine Privat-</span><br/> <span class="ft1">person nicht mehr lohnt, eine solche Diskontobligation zu erwerben:</span><br/> <span class="ft1">Übersteigen die Kosten, bestehend aus dem aktuellen Kurswert der</span><br/> <span class="ft1">Obligation, den Marchzinsen, den Transaktionskosten sowie den all-</span><br/> <span class="ft1">fälligen Steuern, den bei der Rückzahlung zu erwartenden Betrag</span><br/> <span class="ft1">(Nennwert der Obligation plus der periodische Zinsanteil), so ist der</span><br/> <span class="ft1">Erwerb einer Diskontobligation wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. In</span><br/> <span class="ft1">diesem Fall könnten die Inhaber die Obligation nicht mehr verkaufen</span><br/> <span class="ft1">und hätten die Rückzahlung abzuwarten und dann auch den Einmal-</span><br/> <span class="ft1">zinsanteil zu versteuern. Wie bereits erwähnt, lohnt sich für Banken</span><br/> <span class="ft1">der Erwerb einer Diskontobligation ohne überwiegenden Einmal-</span><br/> <span class="ft1">zinsanteil bis zu deren Verfall (siehe vorne Erw. 3.2). Damit steht</span><br/> <span class="ft1">Privatpersonen - wie vorliegend den Beschwerdeführern - die Mög-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit offen, eine Diskontobligation ohne überwiegende Einmal-</span><br/> <span class="ft1">verzinsung bis kurz vor deren Verfall den Banken zu übertragen, was</span><br/> <span class="ft1">letztendlich auf eine Steuerbefreiung der Einmalzinskomponente</span><br/> <span class="ft1">hinausläuft, vom Gesetzgeber aber nicht gewollt ist.</span><br/> <span class="ft1">In gleicher Weise, wie unter bestimmten Voraussetzungen der</span><br/> <span class="ft1">Erwerb einer Diskontobligation wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll</span><br/> <span class="ft1">ist, trifft dies für die Veräusserung zu, nämlich dann, wenn der Erlös,</span><br/> <span class="ft1">unter Berücksichtigung der Transaktionskosten, klar geringer ist als</span><br/> <span class="ft1">was bei der Rückzahlung der Obligation eingenommen würde, und</span><br/> <span class="ft1">der frühere Zahlungstermin die Einnahmenverringerung nicht auf-</span><br/> <span class="ft1">zuwiegen vermag.</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend veräusserten die Beschwerdeführer die fragliche</span><br/> <span class="ft1">Obligation acht Tage vor deren Verfall. Damit waren Kosten von</span><br/> <span class="ft1">(rund</span> <span class="ft7">500.--) sowie entgangener Zins von (rund 100.-- [periodi-</span><br/> <span class="ft1">scher Zinsanteil: rund</span> <span class="ft7">64.--; Einmalzinsanteil: rund 40.--])</span><br/> <span class="ft1">verbunden. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist daher davon</span><br/> <span class="ft1">auszugehen, dass die Beschwerdeführer die Mindereinnahme, vergli-</span><br/> <span class="ft1">chen mit der Rückzahlung der Obligation, wie sie wenige Tage später</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">97</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">erfolgt wäre, nur in Kauf genommen haben, um Steuern einzusparen,</span><br/> <span class="ft1">zumal sie nicht geltend machen, das Geld aus dem Verkauf der Obli-</span><br/> <span class="ft1">gation sofort und unausweichlich benötigt zu haben.</span><br/> <span class="ft1">Mit ihrem Vorgehen erzielten die Beschwerdeführer möglichst</span><br/> <span class="ft1">lange, nämlich bis unmittelbar vor dem Rückzahlungstermin, Zins-</span><br/> <span class="ft1">einnahmen (periodischer Zins und Einmalzinsanteil). In diesem Fall</span><br/> <span class="ft1">haben sie jedoch auch die damit verbundenen steuerlichen Konse-</span><br/> <span class="ft1">quenzen, insbesondere die Versteuerung des Einmalzinses, zu tragen.</span><br/> <span class="ft1">Dabei ist nicht der Vergleich zwischen den Transaktionskosten und</span><br/> <span class="ft1">dem hypothetischen Zinsertrag für die Restlaufzeit, wie ihn die Vor-</span><br/> <span class="ft1">instanz vornahm, als ausschlaggebendes Kriterium für eine Steuer-</span><br/> <span class="ft1">umgehung heranzuziehen. Beide Beträge bedeuten letztendlich einen</span><br/> <span class="ft1">Verlust für die Beschwerdeführer (Schaden oder entgangener Ge-</span><br/> <span class="ft1">winn). Ausschlaggebend sind vielmehr die Mindereinnahme beim</span><br/> <span class="ft1">Verkauf im Vergleich zur Rückzahlung einerseits und die Zeitspanne</span><br/> <span class="ft1">zwischen diesen beiden Vorgängen. Je weiter weg vom Verfalldatum</span><br/> <span class="ft1">die Diskontobligation ohne überwiegende Einmalverzinsung ver-</span><br/> <span class="ft1">kauft wird, desto geringer ist die Mindereinnahme und desto eher</span><br/> <span class="ft1">spielen dabei wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Je näher zeitlich der</span><br/> <span class="ft1">Verkauf beim Verfall der Obligation liegt, desto mehr treten Steuer-</span><br/> <span class="ft1">umgehungsabsichten in den Vordergrund. Acht Tage vor dem Verfall</span><br/> <span class="ft1">der Obligation war die Veräusserung im vorliegenden Fall wirtschaft-</span><br/> <span class="ft1">lich völlig sinnlos und nur mit der beabsichtigten Vermeidung der</span><br/> <span class="ft1">erst bei Rückzahlung der Obligation anfallenden Steuern auf dem</span><br/> <span class="ft1">Einmalzins erklärbar.</span><br/> <span class="ft1">Im "Normalfall" wäre die Diskontobligation gar nicht mehr zum</span><br/> <span class="ft1">Kurswert verkäuflich gewesen und die Beschwerdeführer hätten eine</span><br/> <span class="ft1">Einbusse beim Verkaufspreis in Kauf nehmen müssen oder die Ein-</span><br/> <span class="ft1">malzinskomponente der Obligation ohnehin zu versteuern gehabt.</span><br/> <span class="ft1">Dass nun mit dem Erwerb durch die Bank eine Hintertür zur Be-</span><br/> <span class="ft1">freiung der Einmalzinskomponente von der Steuerlast geöffnet wur-</span><br/> <span class="ft1">de, ist vom Gesetzgeber nicht beabsichtigt und darf nicht dazu füh-</span><br/> <span class="ft1">ren, dass die Beschwerdeführer eine höhere Rendite erzielen, ohne</span><br/> <span class="ft1">die Konsequenzen bei der Berechnung ihrer Einkommenssteuer tra-</span><br/> <span class="ft1">gen zu müssen. Unter diesen Umständen kann somit nicht mehr von</span><br/> <span class="ft1">einem normalen Börsengeschäft gesprochen werden, sondern die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">98</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer wählten, nur um Steuern zu sparen, ein im Übri-</span><br/> <span class="ft1">gen wirtschaftlich unsinniges Vorgehen.</span><br/> <span class="ft1">4.4.</span><br/> <span class="ft1">Im Endergebnis war die Veräusserung der Diskontobligation oh-</span><br/> <span class="ft1">ne überwiegende Einmalverzinsung kurz vor deren Verfall aus wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlicher Hinsicht, die fiskalischen Folgen ausgeklammert, völlig</span><br/> <span class="ft1">absonderlich. Andere Motive als die der Steuerersparnis sind für die</span><br/> <span class="ft1">von den Beschwerdeführern gewählte Rechtsgestaltung nicht ersicht-</span><br/> <span class="ft1">lich. Somit ist auch der Nachweis an die Steuerumgehungsabsicht er-</span><br/> <span class="ft1">bracht. Dass die Beschwerdeführer durch ihr Vorgehen zu einer tat-</span><br/> <span class="ft1">sächlichen Steuerersparnis gelangten, ist offensichtlich und wird von</span><br/> <span class="ft1">ihnen auch nicht bestritten.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>