Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. November 2013 (720 12 251) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beweiswürdigung eines Gerichtsgutachtens; Bestimmung des Valideneinkommens auf- grund der angestammten Tätigkeit; Invalideneinkommen nach LSE gemäss Einstufung in das Anforderungsniveau 3, da die vorausgesetzten Berufs- und Fachkenntnisse auch in einer Verweistätigkeit umsetzbar sind. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichterin El isabeth Berger Götz, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Stephan Pau- kner Parteien A.____ Beschwerdeführerin , vertreten durch Raffaella Biaggi , Adv o- katin, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1953 geborene A.____ ist gebürtige B.____ und mit zwölf Jahren in C.____ einge- reist. Im Juli 1987 reiste sie in die Schweiz ein. Letztm als war sie vom 1. März 2008 bis Ende November als Sekretärin bei der D.____ AG in Basel ange stellt. Seit Oktober 2008 ist sie aus Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Krankheitsgründen an der Arbeit verhindert gewesen. Die Kündigung war von ihrer Arbeitgebe- rin am 13. Mai 2009 auf Ende November 2009 ausgesproche n worden. Am 19. März 2010 hat sich A.____ unter Hinweis auf eine Depression und Panikat tacken bei der Invalidenversiche- rung zum Leistungsbezug angemeldet. Die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft hat in der Folge Abklärungen in beruflich-erwerblicher und medizin ischer Hinsicht vorgenommen und nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens den Rente nanspruch der Versicherten mit Ver- fügung vom 16. Juli 2012 abgelehnt. B. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Ad vokatin Raffaela Biaggi, am 23. Au- gust 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Ba sel-Landschaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, es sei ihr eine IV-Rente nach den gesetz- lichen Bestimmungen auszurichten. Zur Begründung wurde i m Wesentlichen geltend gemacht, dass die behandelnde Psychiaterin nachvollziehbar angegebe n habe, dass sie zu maximal 50%, vorderhand nur an einem geschützten Arbeitsplatz, a rbeitsfähig sei. Auf die abweichende Einschätzung des Gutachters Dr. E.____ könne nicht abges tellt werden. Ihr Temperament wür- de offenbar auch spezialisierte Gutachter darüber hin wegtäuschen, dass erhebliche Gesund- heitsbeeinträchtigungen in psychiatrischer Hinsicht vorläge n. Bei einer korrekten Invaliditätsbe- rechnung resultiere ein Anspruch auf mindestens eine halbe IV-Rente. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 24. September 2012 auf Abweisung der Beschwerde. C. Anlässlich der Urteilsberatung vom 22. November 2012 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Ang elegenheit gestützt auf die damalige Aktenlage nicht möglich sei. Das Gericht vergab deshalb u nter Einbezug der Parteien den Auf- trag für eine gerichtliche Begutachtung der Beschwerde führerin an Prof. Dr. F.____. Dessen gerichtliches Gutachten erging am 11. Juni 2013. Die Parteien haben in der Folge dazu Stellung genommen. Die Beschwerdeführerin hat in ihrer Eingab e vom 23. Juli 2013 insbesondere gel- tend gemacht, dass sich das gerichtliche Gutachten nicht zu r Arbeitsfähigkeit in der Vergan- genheit äussere. Es sei deshalb auf die übereinstimmenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte abzustellen und es sei von einer mindestens 50%-ig en Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Auf dieser Grundlage sei ab September 2010 eine Rente zuzusprechen. Ab November 2011 sei gemäss Einschätzung von Dr. G.____ von einer vollständig en Arbeitsunfähigkeit auszugehen, so dass ihr ab Februar 2012 eine ganze Rente zuzusprech en sei. Der gerichtliche Gutachter gehe davon aus, dass eine sukzessive Wiederaufnahme der Ar beit zu erfolgen habe. Weil er sich nicht dazu äussere, wie dieser Aufbau zu erfolgen h abe, werde dem Gericht eine entspre- chende Nachfrage beantragt. Da ein überdurchschnittlic her Anfall von interaktionellem Stress sowie der Anfall von Arbeitsspitzen und Führungsaufgaben künftig vermieden werden müssten, sei die zuletzt ausgeübte Tätigkeit nicht mehr geeignet. Sie sei daher nur noch in einer adaptier- ten Tätigkeit arbeitsfähig. Die IV-Stelle hielt in i hrer Stellungnahme vom 6. August 2013 an ih- rem Abweisungsantrag fest. Bei der im Gerichtsgutachten festgestellten Restarbeitsfähigkeit von 70- 80% resultiere gestützt auf den Mittelwert von 75% ein IV-Grad von 31%. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der IV-Stelle Basel-L andschaft vom 16. Juli 2012, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltung sprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist so- mit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwer de zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der an gefochtenen Verfügung vom 16. Juli 2012 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 20 08 anwendbaren Fassung) hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn si e zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 4 0% invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geistigen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 2.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28 Abs. 2 IVG [in der bis 31. Dezemb er 2007 gültig gewesenen Fassung] bzw. Art. 28a Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwendbaren Fassung]). Danach ist der Invalidi- tätsgrad aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimm en. Dazu wird das Erwerbseinkom- men, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalid ität und nach Durchführung der medizi- nischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätig- keit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei- nander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdi fferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt in zumutba- rer Weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Sc hlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Inva- lidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an4zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die a ndere medizinische These abstellt. Hin- sichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entschei dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grund sätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des EVG mit dem Grundsatz der freien Be- weiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Fo rmen medizinischer Berichte und Gut- achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustelle n (vgl. die ausführlichen Zusammenstel- lungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Ve rwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversiche- rung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltu ngsverfahren sinngemäss Anwendung (vgl. Urteile des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). Im Zusammenhang mit einem von Gericht angeordneten Gutachten führte das Bundesgericht sodann aus, dass das Gericht "nicht ohne zwingende Gründe" von den Einschätzu ngen des medizinischen Experten abzuweichen hat, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntn isse der Gerichtsbarkeit zur Verfü- gung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizi nisch zu erfassen (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Ein Grund zum Abweichen könne dann vorlieg en, wenn die Gerichtsexpertise wider- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Ober gutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung könne ferner gerechtfer- tigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen ande rer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsg utachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweiche nde Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinweisen). 4. Für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistu ng der Beschwerdeführerin noch zugemutet werden kann, liegen diverse medizinische Bericht e in den Akten, welche vom Ge- richt allesamt gewürdigt worden sind. 4.1 Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang zunächst das G utachten von Dr. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3. Oktober 2011, auf welches sich die IV-Stelle in ihrer angefochtenen Verfügung abgestützt hat. Darin di agnostiziert der Gutachter mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit ein Paniksyndrom und eine generalisierte Angststörung. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gibt der Gutachter unter anderem einen Status nach mittel- gradiger depressiver Episode, gegenwärtig remittiert, S chwierigkeiten bei der kulturellen Einge- wöhnung nach zweimaliger Migration in neue Sprachräum e, Probleme in der Beziehung zum Ehepartner und sonstige belastende Lebensumstände an. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 2003 habe die Versicherte gemäss den Angaben der behandelnden Psychiaterin im Jahre 2006 eine erste Panikattacke und in der Folge multiple Angs tzustände entwickelt. Eine gesicherte psychophysische Erschöpfung sei aktuell nicht auszumachen. Auch der Antrieb sei völlig unauf- fällig. Die Stimmung sei sicherlich nicht depressiv. Es se ien der Versicherten deutlich mehr An- strengungen zumutbar, um sich von ihrer Angststörung zu b efreien und einen besseren Um- gang damit zu erlernen. Dazu würde sie vermutlich ein lä ngeres, auf die Ängste ausgerichtetes Verhaltenstraining benötigen. Es würden sich zwar manch mal gewisse Verstimmungszustände zeigen, welche im Krankheitsbild jedoch nicht überwiegen würden. Der Gutachter macht zusätz- lich auf die vielen invaliditätsfremden Faktoren aufmer ksam und auf histrionische, appellative Charakterzüge mit transkulturellem Verhaltensaspekt. Ei ne wesentliche Arbeitsunfähigkeit kön- ne nicht begründet werden. In jeder Sekretariatsstelle sei eine vollschichtige Arbeit möglich. Die Versicherte müsse lernen, in der Panik adäquat mit ihre n Beschwerden umzugehen und sich mehr von den funktionellen Symptomen zu distanzieren. Sie sei leicht vermindert belastbar und leicht vermindert stressbelastungsfähig. Wegen ihren Äng sten sei sie nicht in jedem Team und an jedem Arbeitsplatz einsetzbar. Sie sei episodisch weg en der Ängste umständlich, erschwert flexibel und könne darum nicht adäquat auf die heutige n, wechselhaften und stresshaften Ar- beitsumstände reagieren. Als Sekretärin sei sie mit eine r Verminderung des Rendements im Umfang von 20% vollschichtig arbeitsfähig. Den Beginn der Arbeitsunfähigkeit im angestamm- ten Beruf sei auf das Jahr 2009 festzulegen. 4.2 Vom 23. April bis 11. Juni 2009 und vom 20. Apri l bis 10. Juni 2010 war die Beschwer- deführerin in der Klinik H.____ hospitalisiert gewesen. Dort wurden im Jahr 2010 eine mittelgra- dige Depression mit somatischem Syndrom, eine nichtorgan ische Störung des Schlaf-Wach- Rhythmus, eine generalisierte Angststörung, eine Panikstörung und ein Verdacht auf eine post- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht traumatische Belastungsstörung bzw. im Jahr 2009 zusätzlich n och eine Belastung in Verbin- dung mit der beruflichen Situation diagnostiziert. Fü r die Zeit der Spitalaufenthalte und zwei Wochen darüber hinaus ist eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Die Versicher- te ist jeweils in gebessertem Zustand aus der Spitalpfl ege entlassen worden. Beim Eintritt im Jahre 2010 ist unter anderem festgestellt worden, dass sich die Versicherte sozial komplett zu- rückgezogen und ein intensives Vermeidungsverhalten gezeig t habe, welches die Familienan- gehörigen sehr belastet habe. Andererseits sind die Sympt ome für die diagnostizierte mittelgra- dige Depression aus den beiden Klinikberichten vom 18. Ju ni 2009 bzw. 18. Juni 2010 nicht wirklich eruierbar. Insbesondere ist keine gedrückte Stimm ung festgestellt worden. Die Stim- mung sei gemäss den beiden Klinikberichten vielmehr lei cht euphorisch, affektiv und gut schwingungsfähig gewesen. Der Antrieb sei allerdings bei gleichzeitiger psychophysischer Er- schöpfung gesteigert gewesen. Im Zeitpunkt des Austritt s ist jeweils eine positive Prognose gestellt worden 4.3 Die behandelnde Psychiaterin Dr. G.____, FMH Psychia trie und Psychotherapie, diag- nostizierte in ihrem Bericht vom 24. Juli 2010 mit Auswir kung auf die Arbeitsfähigkeit eine mit- telgradige Depression mit somatischem Syndrom, eine Pani kstörung sowie einen Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung. Die Stimmung der Patientin sei depressiv-gedrückt, affektiv teilweise schwingungsfähig und teilweise emoti onal wenig spürbar. Der Antrieb bei gleichzeitiger psychophysischer Erschöpfung sei gesteigert gew esen. Die Versicherte äussere Ängste, Panikattacken und eine grosse Unsicherheit in der Alltagsbewältigung. Eine prognosti- sche Einschätzung sei bei der multimorbiden und vielschichti gen Krankheitsgeschichte schwie- rig. Bisher habe sich der Zustand trotz ambulanter und zweimaliger mehrwöchiger stationärer Therapie insgesamt leider nur verschlechtert. Auch wenn es zwischenzeitlich immer auch Wo- chen gegeben habe, in denen sich Stimmung, Ängste und Panikattacken etwas stabilisiert hät- ten, seien neue Symptome dazugekommen. Die Versicherte se i aufgrund ihrer Krankheit und der daraus resultierenden Ambivalenz nicht in der Lage , Entscheidungen zu treffen, weshalb der therapeutische Prozess immer wieder stagniere. Im gü nstigsten Fall betrage die Arbeitsfä- higkeit mittelfristig maximal 50%. Eine vollständige Ar beitsfähigkeit sei aufgrund der Schwere der Symptomatik bis auf weiteres undenkbar. 4.4 In ihrer Stellungnahme zum Gutachten von Dr. E. ____ vom 23. März 2012 attestiert die behandelnde Psychiaterin Dr. G.____ dem Versicherten akt uell eine vollständige Arbeitsunfä- higkeit seit 1. November 2012 (recte: 2011) infolge ge sundheitlicher Verschlechterung mit zu- nehmenden somatischen Problemen. Diese Probleme hätten zu wiederholten Hospitalisationen und Notfallkonsultationen geführt. Sowohl psychisch al s auch sozial liege in Bezug auf das Er- werbsleben eine erhebliche Beeinträchtigung vor. Die Symptomatik werde durch die Komorbidi- tät einer generalisierten Angststörung mit Panikattacke n und Agoraphobie sowie einer mittel- schweren Depression verstärkt. Dies führe eindeutig auch zu einer Verstärkung der funktionel- len Beeinträchtigung sowie zu einer Beeinträchtigung in der Arbeitsfähigkeit im Umfang von mindestens 50%. Aufgrund der über dreijährigen Erfah rung mit der Patientin werde darum ge- beten, die gesundheitliche Situation unabhängig und gründlich zu überprüfen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Gemäss Bericht der I.____ vom 24. April 2012 seien eine Agoraphobie sowie eine leicht bis mittelschwere depressive Episode zu diagnostizie ren. Zurzeit bestünden keine Pani- kattacken. Der Affekt sei traurig, aber noch gut auslenkba r. Der Antrieb sei leicht reduziert. Festzustellen sei teilweise eine Lebensmüdigkeit. 4.6 Im Zentrum der medizinischen Beurteilung steht schli esslich das gerichtliche Gutach- ten von Prof. Dr. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherap ie, vom 11. Juni 2013. Anlässlich der Exploration vom 15. Mai 2013 diagnostizierte der Gutachter bei der Beschwerdeführerin mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Agoraphobie mit Panikstörung, eine Dysthymia, ein Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrion ischen, dependenten und selbstunsi- cheren Anteilen sowie – als Z-Diagnose und deshalb ohne Krankheitswert – Probleme in der Beziehung zum Ehepartner, Probleme infolge Arbeitslosig keit, Schwierigkeiten bei der kulturel- len Eingewöhnung, belastende Lebensumstände bei Verda cht auf einen psychisch gestörten Partner und Hinweise auf Erziehungsdefizite in der Kind heit. Im Vordergrund stehe die nach- vollziehbare Verzweiflung der Versicherten über ihre Lebenssituation. Der Gesamteinschätzung zufolge habe in der aktuellen Querschnittsuntersuchung kei n Anhalt für eine depressive Symp- tomatik gefunden werden können. Aufgrund der eher ger ingen Ausprägung der depressiven Symptome bei doch bestehender Niedergestimmtheit liege hingegen die Diagnose einer Dys- thymia vor. Es liessen sich in den letzten drei Jahren einzelne depressive Episoden vermuten, welche die Kriterien einer leichten, vielleicht auch ei nmal einer mittelgradig depressiven Episo- de erfüllt hätten. Der Beurteilung zufolge sei in den Jahren 2008 / 2009 bei Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit die eigentliche Exazerbatio n der Angsterkrankung erfolgt, da dazumal offensichtlich eine Überforderung aus subjektiv erlebter Mobbing-Situation und psychosozialer Belastungsfaktoren bestanden habe. Die in der Folge e ingetretene Arbeitslosigkeit habe bei bestehender Isolation nachvollziehbar weitere Ängste ausg elöst. Nach Lage der Akten müsse davon ausgegangen werden, dass zumindest phasenweise nebe n einer Angsterkrankung auch die Kriterien einer bis zu mittelgradigen Depression e rfüllt gewesen seien. Aktuell seien jedoch weder die Kriterien einer generalisierten Angststörun g noch jene einer depressiven Episode erfüllt. Hingegen bestehe nunmehr eine anhaltende Dyst hymia im Sinne einer leichtgradigen, neurotisch bedingten Depression. Der Leidensdruck sei abe r dennoch beträchtlich. Die Arbeits- fähigkeit im angestammten Beruf als Sekretärin scheine au s rein psychiatrischer Sicht um 20 bis maximal 30% eingeschränkt. Dabei müsse jedoch bemerkt w erden, dass die Explorandin äussere, in ihrem letzten Beruf auch Leitungs- und Koo rdinationsfunktionen innegehabt zu ha- ben. Dies scheine aktuell eine Überforderung darzustellen. Es wäre sinnvoll, die Arbeitsfähigkeit beginnend mit einem Teilzeitpensum sukzessive zu realisieren. Aufgrund der Untersuchungsbe- funde von Dr. E.____ könne am ehesten davon ausgegange n werden, dass bereits im Oktober 2011 eine sehr ähnliche Situation vorgelegen habe, so dass die aktuell attestierte Arbeitsfähig- keit sehr wahrscheinlich bereits seit jenem Zeitpunkt gültig sei. Es gebe anamnestische Hinwei- se, dass in den Jahren 2008 bis 2010 zumindest zeitweise di e Kriterien einer depressiven Epi- sode mit einer anzunehmenden, höheren Arbeitsunfähigkeit erfüllt gewesen seien. Die attestier- te Restarbeitsfähigkeit gelte für alle Tätigkeiten, die dem Ausbildungsstand der Explorandin gerecht würden. Zu vermeiden seien ein überdurchschnitt licher Anfall von interaktionellem Stress sowie der Anfall von „Arbeitsspitzen“. Führungsaufga ben würden die Explorandin aktuell überfordern. Entgegen der Beurteilung durch die beha ndelnde Psychiaterin sehe der Referent Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Kriterien einer mittelgradig depressiven Episode a ls nicht erfüllt an. Es handle sich vielmehr um ein primär neurotisch reaktives Geschehen, was insbesondere bei der Art der Symptomdar- stellung mit einem histrionisch-klagsamen Ausdrucksverhalten durch den Hamilton-Test erfah- rungsgemäss verzerrt beurteilt werde. Wesentlich für di e abweichend positivere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei die Kenntnisnahme von vorha ndenen Ressourcen bei einer leichtgradi- gen psychischen Störung mit grundsätzlich guter Prognose. Diese Ressourcen seien insbeson- dere in der Interaktion des Explorationsgesprächs deutlich geworden. 5.1 Während die IV-Stelle in der angefochtenen Verfü gung vom 16. Juli 2012 bei der Beur- teilung der gesundheitlichen Verhältnisse noch auf da s Gutachten von Dr. E.____ abgestellt hatte, hat sie sich in ihrer Stellungnahme vom 6. Augu st 2013 den Schlussfolgerungen im Ge- richtsgutachten angeschlossen und auf eine mittlere Arbei tsunfähigkeit der Beschwerdeführerin von 25% geschlossen. Mit Eingabe vom 23. Juli 2013 hat si ch in Bezug auf die aktuellen Ver- hältnisse auch die Beschwerdeführerin diesen Schlussfolger ungen grundsätzlich angeschlos- sen. Der insoweit übereinstimmenden Ansicht der Partei en ist zuzustimmen. So kann festge- stellt werden, dass das Gerichtsgutachten vom 11. Juni 2013 alle bundesgerichtlichen Kriterien an eine beweiskräftige ärztliche Entscheidgrundlage erfü llt und daher ohne Weiteres für die Beurteilung des vorliegenden Leistungsanspruches herangezo gen werden kann. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist von eingeholten Gerichtsgutachten externer Spezialärztinnen und –ärzte nicht ohne zwingende Gründe von den Einschä tzungen der beauftragten Gerichts- gutachter abzuweichen. Solche Gründe liegen hier keine vor, weshalb dem Gutachten von Prof. Dr. F.____ volle Beweiskraft zu kommt (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Der vom Gericht beauftrag- te Gutachter hat die Versicherte eingehend untersucht, geht in seinen ausführlichen Erhebun- gen einlässlich auf deren Beschwerden ein, setzt sich mit den im Übrigen bei den Akten liegen- den Unterlagen auseinander und vermittelt so ein umfa ssendes Bild über den Gesundheitszu- stand der Beschwerdeführerin. Schliesslich nimmt er eine schlüssige Einschätzung der ihr noch verbleibenden Arbeitsfähigkeit vor und kommt zum nachvollziehbaren Ergebnis, dass die Versi- cherte ohne Anfall von interaktionellem Stress, ohne An fall von Arbeitsspitzen und ohne die Wahrnehmung von Führungsaufgaben in ihrem angestammten Beruf als Sekretärin im Umfang von 20 bis maximal 30% eingeschränkt ist. Diese Einschätzu ng stimmt im Wesentlichen auch mit der Einschätzung von Dr. E.____ vom 3. Oktober 201 1 überein, der zufolge die Versicherte in der Lage ist, ihrer angestammten Tätigkeit als Sekr etärin mit einer Verminderung des Ren- dements im Umfang von 20% vollschichtig nachzugehen. Na chdem sich aufgrund der divergie- renden Einschätzungen einerseits von Dr. E.____ und and ererseits insbesondere der behan- delnden Psychiaterin Dr. G.____ die Anordnung einer ge richtlichen Begutachtung noch als un- erlässlich erwiesen hatte, hat das entsprechende Gerichtsgutachten mittlerweile eine eindeutige Klärung der gesundheitlichen Verhältnisse und der daraus resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten gebracht. Es kann an dieser Stelle auf die umfassenden und detaillierten Ausführungen des Gerichtsgutachters insbe sondere im Zusammenhang mit den divergierenden Einschätzungen der behandelnden Psychiate rin verwiesen werden (vgl. Ge- richtsgutachten a.a.O., S. 28 ff. sowie S. 39). Der G erichtsgutachter erläutert nachvollziehbar, aus welchen Gründen er im Gegensatz zu Dr. G.____ und d er Klinik H.____ weder eine gene- ralisierte Angststörung noch eine mittelgradige depre ssive Episode feststellen konnte. Er hält fest, dass die tiefe und nachvollziehbare Verzweiflung de r Versicherten in erheblichem Mass Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch normalpsychologisch erklärbar sei und bei den vorha ndenen Ressourcen mit einer krank- heitswerten psychischen Störung nicht direkt gleichzustellen sei. Diese Auffassung wiederum begründet er nachvollziehbar damit, dass nicht ohne Weiteres auf den von Dr. G.____ durchge- führten Hamilton-Test abgestellt werden könne, da die ser erfahrungsgemäss bei der Art der Symptomdarstellung mit histrionisch-klagsamen Ausdrucksverhalten zu verzerrten Ergebnissen führe. Den daraus resultierenden Schlussfolgerungen de s Gerichtsgutachters ist deshalb zuzu- stimmen. 5.2 Soweit sich die Beschwerdeführerin auf den Standpu nkt stellt, dass das Gerichtsgut- achten vom 11. Juni 2013 keine zuverlässigen Schlussfolger ungen für die Vergangenheit ent- halte, kann ihr nicht gefolgt werden. Entgegen der in ihrer Stellungnahme vom 23. Juli 2013 vertretenen Auffassung sind dem Gerichtsgutachter ausführ liche, fachärztliche Dokumentatio- nen über die psychische Verfassung der Versicherten seit dem Jahre 2008 zur Verfügung ge- standen, woraus er sehr wohl entsprechende Schlussfolger ungen zu ziehen in der Lage war. So konnte der Gerichtsgutachter insbesondere aufgrund der im Gutachten von Dr. E.____ vom 3. Oktober 2011 beschriebenen Untersuchungsbefunde davon ausgehen, dass bereits dazumal eine sehr ähnliche Situation wie auch im Zeitpunkt sei ner eigenen Exploration bestanden hatte. Damit aber erscheint es folgerichtig, dass die von ihm aktuell attestierte Restarbeitsfähigkeit auch bereits zu jenem Zeitpunkt Gültigkeit hatte (vgl. Gerichtsgutachten a.a.O., S. 38). Auch wenn aufgrund weiterer Hinweise in den medizinischen A kten davon auszugehen ist, dass in den Jahren 2008 bis 2010 zumindest zeitweise die Kriterie n einer depressiven Episode mit ei- ner anzunehmenden, höheren Arbeitsunfähigkeit erfüllt gewesen sind, vermag dies für die Zeit vor Oktober 2011 zu keiner abweichenden Schlussfolgerung zu führen. Zum einen fällt ein Ren- tenbeginn mit Blick auf die Anmeldung für Leistungen der IV am 19. März 2010 ohnehin frühes- tens nach Ablauf der sechsmonatigen Karenzfrist ab Sept ember 2010 in Betracht (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG). Andererseits haben in den letzten drei Jah ren vor der Exploration durch Prof. Dr. F.____ lediglich vielleicht einzelne mittelgradig depre ssive Episoden vorgelegen; diese Ein- schätzung deckt sich mit der jeweils positiven Prognose im Zeitpunkt des Austritts aus der stati- onären Behandlung in der Klinik H.____ (vgl. Erwägung 4.2 a.E. hievor). Die se nur phasenwei- se vorhandenen Kriterien einer depressiven Episode vermöge n mit Blick auf die für die Ver- schlechterung der gesundheitlichen Verhältnisse massgebend e Karenzfrist von drei Monaten (vgl. Art. 88a IVV) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine rentenrelevante Veränderung zu begründen (vgl. Gerichtsgutachten a.a.O., S. 29 sowie 38). Bei der Invaliditätsbemessung ist demnach durchgehend von einer mittleren Arbeitsunfähig keit von 75% seit März 2010 auszu- gehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. April 2011, 9C_280/2010, E. 4.2). Daran vermag schliesslich auch nichts zu ändern, dass der Gerichtsgutachter f ür eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit einen sukzessiven Einstieg mit eine m anfänglichen Teilzeitpensum emp- fohlen hat. Ein Teilzeiteinstieg wurde von ihm vielmehr in Betracht gezogen, weil die Versicher- te seit rund vier Jahren nicht mehr erwerbstätig gewese n ist. In antizipierter Beweiswürdigung ist deshalb auszuschliessen, dass der Gerichtsgutachter von einer längeren Einstiegszeit über mehrere Monate ausgegangen ist. Damit wiederum erhell t, dass sich ein anfängliches Teilpen- sum ebenso wenig rentenrelevant auswirken würde. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht , Beweisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabna hme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsach en abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt da s Gericht bei pflichtgemässer Beweis- würdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des rele- vanten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach hinreich end abgeklärt ist, kann auf ein be- antragtes Beweismittel verzichtet werden. Die damit verbu ndene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zul ässig (BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweise n). Auf eine ergänzende Nachfrage beim Gerichtsgutachter ist demnach zu verzichten. 6.1 Wie eingangs bereits ausgeführt (vgl. E. 2.2 hievo r), ist der Invaliditätsgrad bei erwerb- stätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. Art. 16 ATSG). Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entscheidend , was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiege nden Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. Die Einkomme nsermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel auf den let zten Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt hat, abzustellen ist (vgl. Urteil I. des EVG vom 26. No- vember 2002, I 491/01, E. 2.3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Für die Bemessung des Valideneinkommens hat die IV-Stell e in der angefochtenen Verfügung auf die Tabellenlöhne der schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) abgestellt. Zur Begrün- dung hat sie geltend gemacht, dass die Versicherte an ihr em letzten Arbeitsplatz als Sekretärin bei der D.____ AG zwar ein hohes Einkommen erzielt habe . Dieses Einkommen habe den An- gaben der Arbeitgeberin zufolge jedoch von Anfang an die Arbeitsleistung überstiegen, da die Beschwerdeführerin die Hauptverantwortlichkeiten einer Assistentin nicht den Erwartungen ent- sprechend durchgeführt habe. Aus den vorhandenen Unterla gen gehe hervor, dass das dama- lige Arbeitsverhältnis wegen Mobbings ab November 2008 ohnehin nicht hätte erhalten werden können, so dass bei der Ermittlung des Valideneinkommens a uf die LSE abzustellen sei. Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, dass die damalige Arbeitgeberin in ihrer Stellungnahme davon ausgegangen sei, dass sie die erfor derliche Leistung schon dazumal aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen nicht erbringen konnte. 6.2 Dem von der Beschwerdeführerin vertretenen Standpu nkt ist zuzustimmen. Dem Fra- gebogen für Arbeitgebende vom 5. Mai 2010 kann zwar entnommen werden, dass der Lohn die Arbeitsleistung seit Beginn des Arbeitsverhältnisses übe rstiegen habe, da die typischen Aufga- ben der Hauptverantwortlichkeiten einer Assistentin nic ht erwartungsgemäss durchgeführt wor- den seien. Der aktuell seit 1. April 2009 ausgerichtete Monatslohn in der Höhe von Fr. 7‘777.— habe nicht der Arbeitsleistung entsprochen. Ein der Lei stung entsprechender Jahreslohn hätte seit 1. März 2008 dem Betrag von Fr. 60‘669.— entsproc hen. Der diesem Arbeitgeberfragebo- gen beigelegten Übersicht betreffend die Krankheitsabse nzen der Versicherten ist nun aber zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin schon früh diverse Absenzen zu verbuchen hatte. Insbesondere geht daraus hervor, dass sie bereits ab 13. Okt ober 2008 bis 24. Oktober 2008 krankheitsbedingt abwesend gewesen war, bevor sie anschliessend ab 10. November 2008 aus Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesundheitlichen Gründen im Umfang von 50% bzw. anschliessend gänzlich arbeitsunfähig war (vgl. IV-Dok N° 10, S. 8/11; vgl. ebenso ärztliches Attest von Dr. G.____ vom 10. März 2010, IV- Dok N° 1, S. 14/18; IV-Anmeldung vom 8. März 2010, ad Ziffer 6.4, IV-Dok N° 1, S. 7/18; Proto- koll Triage-Gespräche der IV-Stelle vom 8. April 201 0, IV-Dok N° 4, S. 2/3). Damit aber resul- tiert, dass die Leistungseinschränkungen, die zur Kündigu ng des damaligen Arbeitsverhältnis- ses geführt haben, offensichtlich bereits krankheitsbeding ter Natur gewesen sind. Es ist des- halb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin die er forderliche Arbeitsleistung schon dazumal aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigung n icht erbringen konnte, andernfalls die ehemalige Arbeitgeberin auf dem entsprechenden Frage bogen vom 5. Mai 2010 nicht angege- ben hätte, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden i n der ursprünglichen Tätigkeit den bereits seit 1. April 2009 ausgerichteten Monatslohn im Umfang von Fr. 7‘777.— auch weiterhin verdient hätte. Für die Hypothese, dass die Beschwerdefü hrerin ohne gesundheitliche Beein- trächtigung tatsächlich ein Valideneinkommen in dieser Höhe erzielt hätte, spricht aber auch, dass sie mit Wirkung per 1. April 2009 offensichtlich in den Genuss einer Lohnerhöhung ge- kommen ist. Wurde ihr per 1. April 2009 ein höherer L ohn als noch im Jahre 2008 ausgerichtet, widerspricht dies jedenfalls der Annahme, dass der Lohn d ie Arbeitsleistung von Beginn weg überstiegen habe (vgl. Lohnausweise vom 26. Januar 2009 sowie 9. Februar 2010, IV-Dok N° 1, S. 17 und 18). Es tritt hinzu, dass in der in casu i n Frage kommenden Branche notorisch ho- he Löhne bezahlt werden. Mit Blick auf die Tätigkeit a ls administrative Assistentin mit abge- schlossener Berufsausbildung einerseits und die sprachlichen Kompetenzen der Versicherten in englischer sowie spanischer Muttersprache andererseits ist deshalb mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit davon auszugehen, dass der zuletzt entrichtete Monatslohn in der Höhe von Fr. 7‘777.— dem tatsächlichen Validenlohn ohne Gesundhe itsschaden entsprochen hätte. Da- mit ist beim Valideneinkommen von einem Monatslohn von Fr. 7‘777.— bzw. einem Jahreslohn von Fr. 101‘101.— auszugehen. 6.3 Da die Versicherte seit Eintritt des Gesundheitsschad ens keine ihr zumutbare Tätigkeit mehr ausgeübt hat, hat die IV-Stelle das Invalideneinko mmen richtigerweise unter Beizug der LSE-Tabellenlöhne ermittelt (vgl. dazu BGE 126 V 76 E . 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Den Vorgaben im Gerichtsgutachten von Prof. Dr. F.____ zufolge sollte die Versi- cherte ihre Arbeit am ehesten selbst strukturieren können. Arbeitsstellen, welche diese Anforde- rungen erfüllen, sind auf dem Arbeitsmarkt, insbesonder e im angestammten Beruf einer Sekre- tärin, durchaus vorhanden. Die IV-Stelle hat deshalb z u Recht auf die Tabelle 7(S) der LSE 2008, Sektor 22, Sekretariats- und Kanzleiarbeiten, ab gestellt. Indessen ist sie dabei fälschli- cherweise vom Anforderungsniveau 4 ausgegangen. Sie ha t übersehen, dass die Versicherte über eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung mit ent sprechender Berufserfahrung als Sekretärin verfügt und die ihr attestierte Verweistät igkeit im Grundsatz insbesondere ihrem an- gestammten Beruf entspricht. Die für das Anforderungsni veau 3 vorausgesetzten Berufs- und Fachkenntnisse sind bei der Versicherten somit auch in e iner Verweistätigkeit vorhanden und entsprechend umsetzbar. An der Einstufung in das Anfo rderungsprofil 3 ändert nichts, dass der Versicherten gemäss Gerichtsgutachten keine Leitungsfun ktionen mehr zumutbar sind (vgl. Gerichtsgutachten a.a.O., S. 38). Eine Verweistät igkeit mit derartigen Leitungs- oder Koor- dinationsfunktionen, welche die Verrichtung selbstständi ger und qualifizierter Arbeiten beinhal- tet, umfasst vielmehr Aufgaben, die dem Anforderungsniv eau 2 zuzuordnen wären. Erleidet die Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherte ab September 2010 eine Einschränkung in der Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit von 25 %, ergibt sich für die Zeit auf der Basis des Anforde rungsniveaus 3 ein Invalideneinkommen von Fr. 55‘851.10 (Fr. 74‘468.15 x 75%). In Gegenübe rstellung mit dem Valideneinkommen von Fr. 101‘101.— resultiert demnach eine Erwerbseinbusse von Fr. 55‘851.10. Dies entspricht einem IV-Grad von 44%. 6.4 An diesem Ergebnis ändert auch nichts, dass über die ärztliche Bezeichnung der mas- sgebenden Leistungsfähigkeit hinaus zusätzlichen Einschrän kungen - wie der Vermeidung von überdurchschnittlichem Anfall interaktioneller Stresssitua tionen und Arbeitsspitzen - mit einem allfälligen leidensbedingten Abzug Rechnung zu trag en ist. Namentlich gilt es zu beachten, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizi nischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund- heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs ein- fliessen dürfen. So verhält es sich auch im vorliegende n Fall, in welchem sich ein leidensbe- dingter Abzug von mehr als 5% ohnehin nicht begründen liesse. Mit einer ausgewiesenen Leis- tungseinschränkung im Umfang von 25% bei einer dem angestammten Beruf grundsätzlich ent- sprechenden Verweistätigkeit im Anforderungsniveau 3 (vg l. E. soeben hievor) sind die medizi- nischen Vorgaben des Gerichtsgutachters grundsätzlich bereit s mitberücksichtigt. Kann die at- testierte Leistungseinschränkung bei einem Vollzeitpensum mithin auch zum Einlegen von Pau- sen oder für ein verlangsamtes Arbeitstempo genutzt werden, darf sie mit Blick auf den leidens- bedingten Abzug aber nicht additiv berücksichtigt werde n. Eine weitergehende Anrechnung der gesundheitlichen Leiden der Beschwerdeführerin mittel s eines leidensbedingten Abzugs über 5% hinaus käme deshalb einer unzulässigen Berücksichtigung derselben Einschränkung gleich. Ebenso wenig vermögen allfällige weitere Kriterien einen Abzug vom statistischen Tabellenlohn im Umfang von mehr als 5% zu begründen. Art und Ausmass d er leidensbedingten Einschrän- kungen vermögen insbesondere auch keinen leidensbedingte n Abzug infolge Teilzeitverrich- tung zu begründen. Damit aber bleibt es so oder anders bei einem IV-Grad von unter 50%. Da der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Mon aten seit Geltendmachung des Leistungsanspruchs im März 2010 entstehen kann (vgl. Eingang der IV-Anmeldung vom 19. März 2010, IV-Dok N° 1), resultiert ab 1. September 2010 ein Anspruch auf eine Viertelrente der IV. Die gegen die angefochtene Verfügung der IV -Stelle vom 16. Juli 2012 gerichtete Be- schwerde ist bei diesem Ergebnis gutzuheissen. 7.1 Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss A rt. 69 Abs. 1bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen aus der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicher ungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.— bis Fr. 1’000.— festgelegt. Bei Fä llen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Ge richt die Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterlie genden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin un terlegene Partei, weshalb sie grund- sätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden ge- mäss Verwaltungsverfahrensgesetz vom 13. Juni 1988 keine V erfahrenskosten auferlegt wer- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht den. Aufgrund dieser Bestimmung ist auf Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten, und der geleistete Kostenvorschuss ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten. Die Aufwendungen für die gerichtliche Begutachtung sin d demgegenüber der IV-Stelle aufzuer- legen. So sind gemäss Art. 78 Abs. 3 IVV die Kosten von Abklärungsmassnahmen von der IV- Stelle dann zu tragen, soweit sie für die Beurteilung von Leistungen unerlässlich waren (vgl. BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Diese Voraussetzung ist vorliegend gegeben, nachdem das Gericht mit Beschluss vom 22. November 2012 zum Schluss gekom men war, dass eine ab- schliessende Beurteilung gestützt auf die bis zu jenem Z eitpunkt vorgelegene Aktenlage nicht möglich war. Die Bemühungen des gerichtlichen Gutachters für das in Auftrag gegebene Ge- richtsgutachten belaufen sich gemäss Honorarrechnung des J._ ___ vom 20. Juni 2013 auf Fr. 7‘780.50. Zusammen mit den Dolmetscherkosten anlässl ich der erfolgten Exploration durch den Gerichtsgutachter im Umfang von Fr. 273.— resulti eren gerichtliche Begutachtungskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 8‘053.50, welche die IV-Stelle zu tragen hat. 7.2 Der obsiegenden Beschwerdeführerin steht eine Part eientschädigung zu. Der einge- reichten Honorarnote vom 2. September 2013 zufolge be läuft sich der geltend gemachte Auf- wand für das vorliegende Beschwerdeverfahren auf 20 St unden und 45 Minuten. Dieser Auf- wand erscheint angesichts der sich stellenden Sachverhalt s- und Rechtsfragen grundsätzlich als angemessen. Der der Honorarnote beigelegten Deservitenkarte ist allerdings zu entnehmen, dass sich darunter diverse kleinere Bemühungen befinden, welche auf den Kontakt der Rechts- vertreterin mit der Rechtsschutzversicherung der Beschwerdef ührerin zurückzuführen sind. Diese Bemühungen würden im Falle einer nicht Rechtsschu tz versicherten Person nicht anfal- len und können daher nicht berücksichtigt werden. Damit sind die Bemühungen im Zusammen- hang mit der Rechtschutzversicherung im Umfang von insgesam t 110 Minuten zuzüglich den damit im Zusammenhang stehenden Auslagen in Abzug zu b ringen. Es ergibt sich demnach eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegner in in der Höhe von insgesamt Fr. 5‘071.85 (17 Stunden und 55 Minuten à Fr. 250. — zuzüglich Spesen in der Höhe von Fr. 217.— und 8 % Mehrwertsteuer). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng der IV-Stelle Ba- sel-Landschaft vom 16. Juli 2012 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ab 1. September 2010 Anspruch auf eine Viertelsrente der Invalidenversicherung hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von insge- samt Fr. 8'053.50 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 5'071.85 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) auszurichten.