Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Juni 2016 (720 16 45 / 145) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts: Auf das überzeugende Verwaltungsgutach- ten kann abgestellt werden Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Dr. Michael Kull, Advo- kat, Marktplatz 18, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1972 geborene A.____ meldete sich am 12. Sep tember 2014 unter Hinweis auf „Rheumaschmerzen“ bei der Eidgenössischen Invaliden versicherung (IV) zum Bezug von Leis- tungen an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und der erwerblichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft - nach durchgeführtem Vo rbescheidverfahren - mit Verfügung vom 11. Januar 2016 einen Anspruch von A.____ auf IV-Le istungen ab. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, die medizinischen Abklärun gen hätten ergeben, dass der Versicher- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten eine 100 %-ige leichte bis mittelschwere Tätigkeit zuzumuten sei. Als Diagnose werde ärzt- licherseits zwar eine Fibromyalgie festgehalten, es liege aber keine ausreichend schwere psy- chiatrische Morbidität vor, die eine Ressourcenaktivierung verhindern und somit eine psychiatri- sche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit rechtfertigen würde. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Dr. Michael Kull, am 11. Februar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es seien ihr Leistungen aus der Invalidenversicherung zuzuspreche n. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilun g an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge, wobei ihr die unentgeltliche P rozessführung und die unentgeltliche Ver- beiständung mit ihrem Rechtsvertreter zu bewilligen seien. C. Mit Verfügung vom 15. Februar 2016 bewilligte da s Kantonsgericht der Beschwerde- führerin gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Dr. Michael Kull als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 18. März 2016 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 11. Februar 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 4.2.1 Zu beachten ist sodann, dass das Bundesgericht im Leiturteil BGE 141 281 ff. seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatof ormen Schmerzstörungen (BGE 130 V 352) und damit vergleichbaren psychosomatischen Lei den (vgl. BGE 140 V 13 f. E. 2.2.1.3) revidiert hat. Eine Einschränkung der Leist ungsfähigkeit kann danach weiterhin nur Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Ge- sundheitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig wird der Ren tenanspruch - in Nachachtung der ver- fassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 de r Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Rech tsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) - anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht eine medizinische Evidenz, dass die Erwerbs unfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bundesgericht der seit längerem namentlich aus medizini- scher, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusserten Kritik Rechnung und hält an der Überwindbarkeitsvermutun g nicht weiter fest. Anstelle des bis- herigen Regel/Ausnahme-Modells tritt ein strukturiertes, normatives Prüfraster. In dessen Rah- men wird im Regelfall anhand von auf den funktionelle n Schweregrad bezogenen Standardindi- katoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen erg ebnisoffen und symmetrisch beur- teilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfakto ren wie den vorhandenen Ressour- cen Rechnung getragen wird (Urteil A. des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 4.2.2 Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei den genannten Gesundheitsschäden beachtlichen Standartindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert: Der erste Indi- katoren-Komplex steht unter dem Titel “Gesundheitsschädigung“. Darunter sind die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, der Gesichtspunkt Behand lungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz und die Komorbiditäten zu würdigen. Im zweiten, die “Persönlichkeit“ betreffen- den Indikatoren-Komplex wird nach der Persönlichkeitsent wicklung und der Persönlichkeits- struktur gefragt, und es sind die persönlichen Ressourcen des Versicherten zu eruieren. Im drit- ten Indikatoren-Komplex schliesslich ist unter dem Titel “Sozialer Kontext“ eine Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds vorzunehmen. Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich die “Konsistenz“ zu prüfen. Darunter fallen ver haltensbezogene Kategorien wie die Indikatoren einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivität sniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und eines behandlungs- und eingliederun gsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks (BGE 141 V 296 ff. E. 4). 4.2.3 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Ste llungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und - in der Folge - Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einsc hränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und damit ve rgleichbare Leiden können somit eine Invalidität nur begründen, wenn die funktionelle n Auswirkungen der medizinisch festge- stellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfal l anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit zumindest überwiegende r Wahrscheinlichkeit in einem an- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht spruchserheblichen Ausmass nachgewiesen sind. Fehlt es daran , hat die Folgen der Beweislo- sigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 308 E. 6). 5.1 Vorliegend gab die IV-Stelle zur Abklärung des me dizinischen Sachverhalts bei Dr. med. B.____, Rheumatologie FMH, Innere Medizin F MH, manuelle Medizin SAMM, und PD Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein bidisziplinäres (rheumatologi- sches/psychiatrisches) Gutachten in Auftrag. Im rheumatolo gischen Teilgutachten vom 11. August 2015 gelangte Dr. B.____ zu Auffassung, dass bei der Versicherten keine Diagno- sen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erhoben werde n könnten. Als Diagnosen ohne Auswir- kungen auf die Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter im Wesentlichen eine Fibromyalgie, ein gemäss den formalen Kriterien erfülltes Hypermobilitä tssyndrom, Senk-/Spreizfüsse beidseits und radiomorphologisch eine lumbosacrale Übergangsstörun g (Hemisacralisation) links (Rönt- gen LWS vom 10.10.2014) an. Im Rahmen der Beurteilun g der Arbeitsfähigkeit hielt Dr. B.____ fest, dass aufgrund der Fibromyalgie eine körperliche Sch werarbeit ungünstig sei. Für jegliche leichte bis mittelschwere Frauenarbeit bestehe jedoch ei ne Arbeitsfähigkeit von 100 %. Im psy- chiatrischen Teilgutachten vom 14. August 2015 hielt PD Dr. C.____ fest, dass auch aus psy- chiatrischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkungen auf di e Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne. Die Explorandin erfülle insbesondere die Kard inalkriterien für eine depressive Episode bzw. eine depressive Störung nicht. Als Diagnose ohne Ein fluss auf die Arbeitsfähigkeit erhob PD Dr. C.____ sodann eine anhaltende somatoforme Schme rzstörung (ICD-10 F45.4). In die- sem Zusammenhang gelangte er in einer einlässlichen Wü rdigung der gemäss neuester bun- desgerichtlicher Rechtsprechung zu beachtenden Standa rtindikatoren (vgl. E. 4.2.2 hiervor) zum Ergebnis, dass der Diagnose-inhärente Mindestschwereg rad einer anhaltenden somato- formen Schmerzstörung zwar gegeben, die übrigen Standa rtindikatoren aber allesamt nicht erfüllt seien. Dies führe zum Schluss, dass die anhalten de somatoforme Schmerzstörung kei- nerlei Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Versicher ten habe. Zusammenfassend könne des- halb festgehalten werden, dass bei der Explorandin aus psychiatrischer Sicht keinerlei qualitati- ve Funktionseinbussen vorliegen würden und somit aus sei ner fachärztlichen Optik für sämtli- che Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 100 % besteh e. Im Rahmen ihrer interdisziplinären Konsensbeurteilung hielten Dr. B.____ und PD Dr. C.__ __ abschliessend folgendes Ergebnis fest: Da aus psychiatrischer Sicht keinerlei Einschränkung de r Arbeitsfähigkeit bestehe, gelte die rheumatologische Beurteilung als Gesamtbeurteilun g für die Fächer Rheumatologie und Psychiatrie. 5.2.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen V erfügung vom 11. Januar 2016 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse, zu denen Dr. B.____ und PD Dr. C. ____ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 11./14. August 2015 gelangt sind. Sie ging demzufo lge davon aus, dass der Versicherten die Ausübung einer ihren Leiden adaptierten Tätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar sei. Die- se vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ei ngeholten Gutachten externer Spezi- alärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beob achtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Gutachten von Dr. B.____ und PD Dr. C.____ vom 11./14. August 2015 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht ver- langt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen ab- weichenden ärztlichen Einschätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen über- zeugend. 5.2.2 Dazu kommt, dass der psychiatrische Gutachter PD Dr. C.____ insbesondere auch eine sorgfältige und vertiefte Prüfung der Standardi ndikatoren vorgenommen hat, die gemäss der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei der Be urteilung der invalidisierenden Wir- kung von somatoformen Schmerzstörungen und damit vergleichb aren psychosomatischen Lei- den (BGE 141 V 281 ff.) zu beachten sind. Dabei ist er zum Ergebnis gelangt, dass bei der Ver- sicherten zwar der Diagnose-inhärente Mindestschweregra d einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gegeben sei, gleichzeitig zeigt er in sei nem Gutachten aber anhand der mass- gebenden Standartindikatoren überzeugend auf, dass sich ansonsten in den Komplexen “Ge- sundheitsschädigung“, “Persönlichkeit“ und “Sozialer Kont ext“ keinerlei qualitative Funktions- einbussen erheben lassen. Zudem legt er im Rahmen der erforderlichen Konsistenzprüfung schlüssig dar, dass dahingehend eine einwandfreie Konsiste nz bestehe, als die Explorandin aus psychiatrischer Sicht in allen Lebensbereichen in der L age sei, einer Tätigkeit nachzuge- hen, sei es im primären Arbeitsmarkt oder im Haushalt; ebenso wenig bestehe ein sozialer Rückzug. Was sodann den behandlungs- und eingliederungsana mnestisch ausgewiesenen Leidensdruck betreffe, falle auf, dass die Explorandin erst im März 2015, und somit zwei Mona- te nach Erhalt des negativen Vorbescheids der IV-Stell e, eine ambulante psychologische Be- handlung begonnen habe. Dies lasse aus psychiatrischer Sic ht nicht auf einen tatsächlichen Leidensdruck schliessen. All diese überzeugenden Ausführungen von PD Dr. C.____ verdienen Zustimmung. Es kann deshalb an dieser Stelle vollumfäng lich auf die betreffenden gutachterli- chen Feststellungen verwiesen und von weiteren Erörterungen hierzu abgesehen werden. 5.3 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht ge eignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des bidisziplinären Gutachtens von Dr. B.____ und PD Dr. C.____ vom 11./14. August 2015 in Frage zu stellen. Sie macht insbesondere geltend, dass die IV-Stelle den medizinischen Sachverhalt nur unvollständig ermittelt habe. So leide sie an einem Eisen- und an einem Vita- min-D-Mangel, was die Gutachter nicht berücksichtigt hä tten. Die IV-Stelle hält diesen Einwän- den in ihrer Vernehmlassung zu Recht entgegen, dass die Versicherte von ihrem Hausarzt Ei- seninfusionen erhält, die ihren Eisenhaushalt stabilisier en. Zudem hat sich, wie die IV-Stelle ebenso zutreffend geltend macht, der behauptete Vita min-D-Mangel in den medizinischen Ak- ten weder diagnostisch noch labormässig nachweisen lassen. Somit kann die Beschwerdefüh- rerin mit diesen Vorbringen vorliegend nichts zu ihre n Gunsten ableiten. Als unzutreffend er- weist sich sodann die weitere Rüge, dass auch ihre vorhande nen Fussbeschwerden bei der Beurteilung ihres Gesundheitszustandes und der Arbeitsfä higkeit ausser Acht geblieben seien. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der rheumatologische Gutachter Dr. B.____ hält dazu f est, dass das Röntgendossier leichte Senk-und Spreizfüsse beidseits dokumentiere. Die Fehlst ellung sei allerdings nur leicht, wes- halb die geklagten Beschwerden dadurch nicht zu erkläre n seien. Diese seien vielmehr im Rahmen der diagnostizierten Fibromyalgie zu sehen. Im Lichte dieser gutachterlichen Ausfüh- rungen erweist sich somit die Rüge, wonach Dr. B.____ im Rahmen seiner Beurteilung den von der Versicherten geklagten Fussbeschwerden keine Beachtung geschenkt habe, als unbegrün- det. 5.4 Nach dem Gesagten ist die IV-Stelle in der angefoch tenen Verfügung zu Recht davon ausgegangen, dass der Versicherten die Ausübung einer leidensadaptierten Tätigkeit, d.h. die Verrichtung jeglicher leichter bis mittelschwerer Fraue narbeit uneingeschränkt im Umfang von 100 % zumutbar ist. Unter diesen Umständen durfte sie vo n der Vornahme des bei erwerbstä- tigen Versicherten gemäss Art. 16 ATSG grundsätzlich erfor derlichen Einkommensvergleichs (vgl. E. 2.4 hiervor) absehen und einen Rentenanspru ch der Versicherten unmittelbar unter Hinweis auf dieses eindeutige Ergebnis der medizinischen A bklärungen ablehnen. Die von der Versicherten hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sin d. Der Beschwerdeführerin ist nun aller- dings mit Verfügung vom 15. Februar 2016 die unentgel tliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin in der Verfügung vom 1 5. Februar 2016 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wo rden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 (in der seit 1 . Januar 2014 geltenden Fassung) be- trägt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 2 9. März 2016 für das vorliegende Ver- fahren einen Zeitaufwand von 9 Stunden und 50 Minute n geltend gemacht, was sich umfang- mässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- un d Rechtsfragen als angemessen er- weist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 37.75. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘164.75 (9 Stunden und 50 Minu- ten à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 37.75 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2‘164.75 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht