Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. März 2014 (720 13 335 / 76) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Michael Guex, Gerichtsschreiber i.V. Sandro Jaisli Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Erich Züblin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Beigeladene Pensionskasse Basel -Stadt , Clarastrasse 13, Postfach , 4005 Basel Betreff IV-Rente A. Die 1952 geborene A.____ arbeitet in einem Teilz eitpensum von ca. 70% als Textil- fachlehrerin an einer Primarschule. Am 17. Januar 2 012 (Eingang) meldete sie sich bei der IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbe zug an. Nach Abklärung der gesundheitli- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen, der erwerblichen und der hauswirtschaftlichen Verh ältnisse ermittelte die IV-Stelle in Anwendung der gemischten Bemessungsmethode einen Invaliditätsgrad von 21%. Gestützt auf dieses Ergebnis lehnte sie nach durchgeführt em Vorbescheidverfahren mit Verfü- gung vom 14. Oktober 2013 einen Anspruch von A.____ auf eine Rente ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Erich Zübl in, Advokat, am 18. November 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die V erfügung vom 14. Oktober 2013 auf- zuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zuzuspr echen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie, es sei die Pensionskasse B.____ zum vorliegenden Beschwerdeverfah- ren beizuladen; unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründ ung führte sie im Wesentlichen aus, dass die Verfügung vom 14. Oktober 2013 auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Nachdem sich die Pensionskasse B.____ mit Schreiben vo m 10. Dezember 2013 zum Verfahrensantrag der Beschwerdeführerin vernehmen liess , verfügte das Kantonsgericht am 20. Dezember 2013 die Beiladung der Pensionskasse B.____ zum Verfahren. D. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 20. Dezember 2013 auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Schreiben vom 28. Januar 2014 liess sich die Pension skasse B.____ als Beigela- dene vernehmen und verzichtete auf eine eigene Stellung nahme. Sie empfahl dem Gericht, dem Antrag der IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde stattzugeben. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochten en Verfügung vom 14. Oktober 2013 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person An spruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 d ie voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geistigen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Kran kheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG, Art. 3 und 4 ATSG). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabklär ung von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt i hm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me dizinischen Erhebungen zu. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermit teln, dass über den Leistungsan- spruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden W ahrscheinlichkeit entschieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juli 2011, 8C_148/2011, E. 3.2). 5.1 Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind d ie folgenden medizinischen Unterla- gen zu berücksichtigen: 5.2 Die IV-Stelle holte zunächst einen Bericht des beha ndelnden Arztes Dr. med. C.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologie, ein. Als aktuell e Prognose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gab dieser mit Bericht vom 30. Janua r 2012 eine Fingerpolyarthrose an, auf- grund welcher die Patientin bei starken Belastungen de r Hände handicapiert sein könne. Die Prognose sei unsicher, da starke Beschwerden im Bereich der Finger angegeben worden sei- en. Weiter hielt er fest, dass er keine Arbeitsunfähigkeit ausgestellt habe. 5.3 Mit Arztbericht vom 25. April 2012 präzisierte Dr. C .____ seine Diagnose auf Nachfra- ge der IV-Stelle dahin, dass die festgestellte Finger polyarthrose keine Einschränkungen der Feinmotorik, jedoch der Belastung im Spitzgriff habe. Er stellte eine Fingerpolyarthrose betref- fend sämtliche DIP mit beginnenden Arthroseanzeichen, D IP III links erosiv, DIP IV rechts ero- siv, fest. Der repetitive Spitzgriff unter Belastung kön ne schmerzhaft sein. Wenn also die Tätig- keit eine repetitive manuelle Belastung umfasse, wie d ies bei einer Textilfachlehrerin der Fall sein könne, könne dies sehr wohl Auswirkungen auf die Arbe itsfähigkeit haben. Es komme vor allem darauf an, wie stark die Belastung sei. 5.4 Aufgrund von Angaben der Arbeitgeberin, welche D r. med. D.____, FMH Orthopädie und Physikalische und Rehabilitative Medizin, Regional Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, in seinem Schreiben vom 15. Juli 2012 zitierte, ergab sich in Bezug auf die Hände folgender Ar- beitsbeschrieb in der bisher ausgeübten Tätigkeit: „ Im Rahmen der körperlichen Belastung sei eine Handarbeitslehrerin in ihrer täglichen Arbeit a uf vollkommen funktionsfähige Hände ange- wiesen. Sie zeigt den Kindern Handarbeiten vor und mu ss ihnen bei den Arbeiten Hilfestellun- gen geben. Ohne die vollkommene Bewegungsfreiheit der Hände kann ihre Arbeit nicht erledigt werden. Die meisten Bewegungen, die eine Handarbeitslehrerin machen muss, sind feinmotori- sche, kleine und ganz genaue Bewegungen. Spitzenbelastun gen können nicht delegiert wer- den, ausser wenn eine zweite Handarbeitslehrerin im Unterricht zur Verfügung stehen würde.“ 5.5 Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizin u nd Rheumatologie, stellte mit Arzt- bericht vom 13. September 2012 mit Auswirkung auf die A rbeitsfähigkeit eine ausgeprägte Fin- gerpolyarthrose fest, welche teilweise erosiv und vor alle m vom Typ Heberden rezidivierendes cervico-vertebrales Syndrom mit muskulärer Dysbalance des Schu ltergürtels sei. Die Prognose müsse als unbestimmt angesehen werden. Im Beruf als Textil fachlehrerin sei ab März 2012 ein Pensum von 16 Stunden pro Woche möglich. Eine Steige rung der Arbeitszeit sei nicht zumut- bar. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.6 In seiner Stellungnahme vom 13. November 2012 be stätigte Dr. D.____, gestützt auf den Arztbericht von Dr. E.____ vom 13. September 2012, eine Einschränkung der Leistungsfä- higkeit von 40% in der angestammten Tätigkeit. Bezugneh mend auf das Belastungsprofil einer Verweistätigkeit führte er aus, dass die Versicherte für alle leichten körperlichen Tätigkeiten (vorzugsweise im Wechselrhythmus ohne längere einseitige Be lastung der Halswirbelsäule o- der des Schultergürtels) einsetzbar sei. Nicht möglich se ien höhere manuelle Belastungen, Ar- beiten im Spitzgriff oder mit höherer Belastung der kleinen Fingergelenke sowie Tätigkeiten, die mit einem festeren Zugreifen der Hände verbunden sei en. Zudem seien Tätigkeiten mit den Händen in Kälte oder Nässe nicht möglich. Die leidensang epasste Tätigkeit könne ganztags verrichtet werden. 5.7 Mit Arztbericht vom 21. Mai 2013 untersuchte Dr. C. ____ die Versicherte erneut und stellte eine progrediente erosive Fingerpolyarthrose mi t zunehmend destruktivem Verlauf fest. Die Versicherte sei jetzt auch in der Feinmotorik einge schränkt. Das klinische Bild der relativ „schönen“ Hände täusche etwas über den wahren Zustand h inweg, weshalb die radiologischen Veränderungen deutlich ausgeprägter seien, als dies d er klinische Aspekt vermuten lassen würde. Schaue man sich das Röntgenbild an, sind zum Tei l schwere erosive Zerstörungen in diesen Gelenken vorhanden, was äusserlich nicht sichtbar se i. Es sei ihr zunehmend unmög- lich, den Unterricht konsequent durchzuhalten. Sie könne die Handgriffe wegen Schmerzen und der damit verbundener Krafteinbusse nicht mehr vorzeigen . Zudem seien diverse Medikamente nicht vertragen worden (Tilur, Celebrex, Apranax und A ulin). Auch im Haushalt bestehe eine Behinderung. So könne die Versicherte keine Einladung en mehr machen. In Bezug auf die bis- herige Tätigkeit attestierte Dr. C.____ eine Arbeitsunfähigkeit von 70%, welche probatorisch ein Pensum von acht Stunden pro Woche umfasse. Dieses Pensum habe die Beschwerdeführerin unter gelegentlichem NSAR-Einsatz toleriert. Zurzeit (Mai 2013) arbeite die Versicherte sech- zehn Wochenstunden, wobei ihm klar sei, dass die Versicher te aktuell mit Medikamenten (NSAR) arbeite. 5.8 Mit Arztbericht vom 27. Mai 2013 diagnostizierte de r Hausarzt Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine beidseitige erosive Fin- gerpolyarthrose mit deutlich destruktiver Progression. Die Beschwerden würden zu erheblichen Handlungseinschränkungen im Alltag und im Beruf als Tex tilfachlehrerin führen. Es seien über eine längere Zeit chondroprotektive und analgetische M edikamente eingesetzt worden. Die Erosion der Endgelenke hätte damit selbstverständlich ni cht aufgehalten werden können, je- doch sei die Arbeitsfähigkeit durch die Entzündungshemm ung verbessert worden. Die Progno- se müsse leider als ungünstig angesehen werden. Die Diag nose führe zu erheblichen Ein- schränkungen bei jeglicher Arbeit mit den Händen. Die bisherige Tätigkeit sei höchstens im Um- fang von acht Stunden pro Woche möglich. Bezugnehmend auf die Frage nach behinderungs- angepassten Tätigkeiten führte Dr. F.____ aus, dass es i m Moment keine solchen geben wür- de. Vielmehr müsse nach seiner Ansicht unbedingt eine Lösung mit einer Berentung von min- destens 50% eingerichtet werden. Als Diagnosen ohne A uswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte er einen Hallux an beiden Füssen mit Grosszeheng rundgelenksarthrosen sowie eine de- pressive Episode fest. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.9 Am 7. Juni 2013 attestierte Dr. C.____ der Versich erten für ihre bisherige Tätigkeit als Textilfachlehrerin eine Arbeitsfähigkeit von 30%. Bezü glich einer Verweistätigkeit für eine die Hände nicht belastende Tätigkeit (max. 2-3 kg, nicht rep etitiv) bestehe rein theoretisch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. 5.10 Am 12. Juni 2013 hielt Dr. D.____ fest, dass die Aktenlage nun aktualisiert und vervoll- ständigt sei. Ebenfalls seien die Akten der SUVA berücksi chtigt und gewürdigt worden. Bezug- nehmend auf die Frage einer psychischen Komorbidität führte Dr. D.____ aus, dass die depres- sive Episode gemäss aktuellster Einschätzung von Dr. F.____ eine Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit darstelle. Im Hinblick auf die bisher ausgeübte Tätigkeit bestätigte er eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 16. Mai 2013. Die Situation in Bezug auf die Arbeitsfä- higkeit in einer Verweistätigkeit sei, abgestützt auf d ie aktuelle Stellungnahme von Dr. C.____, unverändert, das heisst für eine für die Hände nicht belastende Verweistätigkeit (max. 2-3 kg, nicht repetitiv) bestehe rein theoretisch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in ihrer Verfügung vom 1 4. Oktober 2013 vollumfänglich auf die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 12. Juni 2013 und die dieser zugrunde liegen- den Arztberichte von Dr. C.____ und Dr. F.____. Gestützt auf diese Unterlagen ging sie davon aus, dass der Beschwerdeführerin ab Mai 2013 die bisheri ge Arbeit als Textilfachlehrerin zu 30% und eine leidensangepasste Tätigkeit zu 100% zumutbar sei. Diese Annahme erweist sich aber mit Blick auf die bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen als nicht stichhaltig. 6.2 Zunächst bleibt im Erwerbsbereich aufgrund der med izinischen Aktenlage unklar, wie hoch die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ist. 6.2.1 Herr Dr. F.____ ging am 27. Mai 2013 von einer 50%igen Leistungseinschränkung aus und gab weiter an, es müsse eine Lösung mit einer Bere ntung von mindestens 50% eingerich- tet werden. Auf diese Einschätzung kann nicht abgestellt werden. Es kann einerseits nicht direkt von der Arbeitsunfähigkeit auf die Invalidität geschloss en werden. Andererseits befasst sich Dr. F.____ nicht eingehend mit der Frage der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Beschäf- tigung. Seine Aussage, dass es im Moment keine leidensan gepassten Tätigkeiten gebe, ist nicht nachvollziehbar, da sich die Beschwerden mit Auswirku ngen auf die Arbeitsfähigkeit auf die Hände beschränken. Aufgrund der Tatsache, dass di e Beschwerdeführerin im Beruf als Textilfachlehrerin (früher: Handarbeitslehrerin) stark eingeschränkt ist, kann nicht geschlossen werden, dass es keine leidensangepassten Tätigkeiten gibt. 6.2.2 In Übereinstimmung mit Dr. F.____ ging auch Dr. C.____ in seinen Berichten davon aus, dass die bisher ausgeübte Tätigkeit als Textilfachleh rerin den Leiden der Beschwerdefüh- rerin nicht angepasst sei. Im Unterschied zu Dr. F.____ erachtete er in seinem Arztbericht vom 7. Juni 2013 eine Verweistätigkeit für eine die Händ e nicht belastende Tätigkeit (max. 2-3 kg, nicht repetitiv) im Umfang von 100% rein theoretisch als zumutbar. Da er diese attestierte Ar- beitsfähigkeit aber nicht weiter begründet und insbesondere nicht angibt, was er unter „rein the- oretisch“ versteht, schafft auch seine Einschätzung keine Kl arheit. Zudem machte die Be- schwerdeführerin geltend, dass sie gewisse Medikamente nicht oder nur zum Teil toleriere. So- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht fern Dr. C.____ davon ausging, dass eine 100%ige Arbe itsfähigkeit für eine leidensangepasste Verweistätigkeit nur dank Medikamenteinnahmen möglich s ei, kann seine Diagnose nicht als gesichert angesehen werden, wenn nicht klar ist, ob die Beschwerdeführerin die entsprechen- den Arzneimittel überhaupt einnehmen kann. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass mit der erneuten Haushaltsabklärung vom 12. Juli 2013 die Einsc hränkung im Haushalt von bisher 11.2% auf neu 30.2% erhöht wurde. Diese deutliche Ver schlechterung der Situation im Haus- halt steht im Widerspruch zur nicht weiter begründete n Aussage, dass eine leidensangepasste Tätigkeit rein theoretisch zu 100% möglich sei. 6.3 Zudem machte die Beschwerdeführerin psychische Beschw erden geltend. Diese wur- den von hausärztlicher Seite mit Arztbericht von Dr. F.__ __ vom 27. Mai 2013 auch diagnosti- ziert, jedoch als Befund ohne Auswirkung auf die Arbeits fähigkeit, weshalb die von Dr. F.____ beurteilte Arbeitsunfähigkeit von 50% ohne Berücksichtigu ng der festgestellten psychischen Episode festgelegt wurde. Bei dieser Diagnose und der B eurteilung der Arbeitsfähigkeit muss berücksichtigt werden, dass der Hausarzt keine psychiatrische Fa chausbildung aufweist. Falls sich in der durchzuführenden Neubeurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführe- rin ergibt, dass diese tatsächlich in einer für die A rbeitsfähigkeit relevanten Weise an psychi- schen Problemen leidet, müssten auch die Einschränkungen im Haushalt neu, und zwar in Form einer Stellungnahme durch einen Psychiater, beurt eilt werden. Somit erweist sich die von Dr. F.____ festgestellte depressive Episode und deren Au swirkungen auf die Arbeitsfähigkeit als weiter abklärungsbedürftig. 6.4 Aus diesen Gründen vermögen die Arztberichte, auf welche sich die IV-Stelle stützte, nicht zu überzeugen. Zudem wurde die von Dr. F.____ diagnostizierte psychische Episode nicht weiter abgeklärt, weil dieses psychische Leiden ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sei. Da Dr. F.____ als Hausarzt keine psychiatrische Fachausbildun g hat, kann auf seine Diagnose nicht abgestellt werden. Um ein vollständiges Beschwerde bild sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu erhalten, erweisen sich die psychi schen Beschwerden allerdings als ab- klärungsbedürftig. So wie sich die Aktenlage präsentier t, ist der massgebende medizinische Sachverhalt im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG nicht ausre ichend abgeklärt, weshalb die Aus- wirkungen der gesundheitlichen Beschwerden auf die Arbe itsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht abschliessend beurteilt werden können. Folglich ist der rechtserhebliche Sachverhalt durch geeignete weitere medizinische Abklärungen zu vervollständigen. 7.1 Gemäss neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung kö nnen die Sozialversiche- rungsgerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat viel mehr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräft ig ist. Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn l ediglich eine Klarstellung, Präzisie- rung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210, E. 4.4.1 ff.). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Da die Beschwerdegegnerin nicht alle notwendigen Abklärungen zur Beurteilung der Erwerbsfähigkeit vorgenommen hat (vgl. E. 6.4 hiervor) , und es nicht die Aufgabe der kantona- len Gerichte ist, im Verwaltungsverfahren versäumte med izinische Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz nichts entgegen . Diese wird angehalten, die Fragen der Restarbeitsfähigkeit im Erwerb sowie der Einschränku ngen im Haushalt durch eine medizi- nische Expertise von bisher nicht involvierten Fachpersone n abklären zu lassen. Dabei werden sich die Fachpersonen neben der Beurteilung der vorhand enen Fingerpolyarthrose auch konk- ret und differenziert zur depressiven Episode und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit äussern müssen. Demzufolge ist die Angelegenheit in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 14. Oktober 2013 zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung wird diese über den Re ntenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu verfügen haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit z um weiteren Vorgehen im Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessua- ler Hinsicht die beschwerdeführende Partei als obsiegend e und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine V erfahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Beschwerdeführerin als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. D er Rechtsvertreter der Beschwerde- führerin hat in seiner Honorarnote vom 10. Februar 20 14 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 11,6 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen i n der Höhe von insgesamt Fr. 98.80. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Part eientschädigung von Fr. 3'257.-- (11,6 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 98.80.-- zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung vom 14. Oktober 2013 aufgehoben und die Angelegenheit zur erneu- ten Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass e iner neuen Verfügung an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘257.-- (inkl. A uslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht