B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1105/2016 U r t e i l v o m 2 7 . M ä r z 2 0 1 8 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter William Waeber, Gerichtsschreiberin Regina Derrer. Parteien A._______, geboren am (…), Staat unbekannt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 27. Januar 2016 / N (…). E-1105/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu- folge am (…) 2011 und reiste über Nepal, wo er sich bis zum (…) 2012 aufgehalten haben will, und über ihm unbekannte Länder am 1. November 2012 in die Schweiz ein. Am 2. November 2012 suchte er im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) am 26. November 2012 sowie der einlässli- chen Anhörung am 2. Juni 2014 machte er geltend, er sei chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie aus dem Dorf B._______, Gemeinde C._______, Kreis D._______, Bezirk E._______, Tibet, respektive aus dem Dorf B._______, Gemeinde C._______ beziehungsweise F._______, Bezirk D._______, Präfektur E._______, Tibet, wo er seit seiner Geburt bis zu seiner Ausreise zusammen mit seinen Eltern und (…) Geschwistern ge- lebt und in der Landwirtschaft geholfen habe. Sie hätten die Felder bewirt- schaftet und Kühe, Schafe und Ziegen gehalten. Am (…) November 2011 nach 21 Uhr habe er mit zwei Freunden aus seinem Dorf in F._______, nahe der Kaserne, Plakate, die sich gegen die chinesischen Behörden ge- richtet hätten und die er zuvor zu Hause vorbereitet habe, aufgehängt. Da- bei hätten sie Slogans wie "Freies Tibet", "Die Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet" und "Wir brauchen Freiheit" benutzt. Als sie bemerk t hätten, dass Polizisten sie bei dieser Plakataktion beobachtet hätten, seien sie aus Angst in Richtung ihres Heimatdorfes davon gerannt. Zu Hause habe der Beschwerdeführer erfahren, dass einer der Freunde respektive beide Freunde gegen 23 Uhr von der Polizei festgenommen worden seien. Da er ebenfalls mit einer Festnahme gerechnet habe, habe er das Dorf auf Rat seiner Eltern zu Fuss beziehungsweise auf einem Pferd verlassen und sei nach (…) gelangt, von wo aus er in Begleitung eines Freundes seines Va- ters über verschiedene Orte und Berge nach Nepal gereist sei. Der Be- schwerdeführer reichte keine Reise- oder Identitätspapiere zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 10. Juni 2014 wies das damalige BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an, wobei es den Vollzug in die Volksrepublik China ausschloss. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, dass dem Beschwerdeführer aufgrund seiner Angaben anlässlich der vertieften Anhörung nicht geglaubt werden könne, dass er in der Volksrepublik China (Tibet) sozialisiert worden sei. E-1105/2016 Seite 3 C. Die vom Beschwerdeführer am 3. Juli 2014 gegen diesen Entscheid erho- bene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-3738/2014 vom 15. September 2015 gut geheissen, die vorinstanzliche Verfügung vom 10. Juni 2014 wurde aufgehoben und die Sache zur Neu- beurteilung ans SEM zurückgewiesen. In den Erwägungen begründete das Gericht diesen Entscheid damit, dass die Vorinstanz die zweite Mindestan- forderung aus BVGE 2015/10 – wonach der asylsuchenden Person der wesentliche Inhalt einer Herkunftsabklärung, das hiesst ihre für unzu- reichend befundenen Antworten und die dazugehörigen Fragen, zur Kennt- nis zu bringen sind und ihr die Möglichkeit eingeräumt werden muss, sich insbesondere zu den als unzureichend eingestuften Antworten zu äussern – nicht erfüllt habe und auch den Sachverhalt (zumindest mit Bezug zu der von ihr angezweifelten Herkunftsangabe des Beschwerdeführers) nicht vollständig respektive richtig abgeklärt habe. D. Daraufhin nahm das SEM das vorinstanzliche Verfahren wieder auf und beauftragte eine sachverständige Person, mittels eines Telefoninterviews eine Lingua-Analyse durchzuführen. Diese kam in ihrem landeskundlich - kulturellen sowie linguistischen Herkunftsgutachten vom 19. November 2015 zum Schluss, der Beschwerdeführer sei sehr wahrscheinlich in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepublik China und nicht wie von ihm behauptet im Gebiet E._______, Tibet, sozialisiert worden. E. Am 25. Januar 2016 legte das SEM dem Beschwerdeführer den Werde- gang und die Qualifikation der mit der Lingua -Analyse betrauten Person offen und gewährte ihm diesbezüglich das rechtliche Gehör. Die Evaluation als solche wurde ihm aufgrund von Geheimhaltungsinteressen im Sinne von Art. 27 Abs. 1 VwVG zwar nicht zur Einsicht vorgelegt. Indessen wurde ihm der wesentliche Inhalt der Untersuchung zur Kenntnis gebracht und ihm Gelegenheit gegeben, sich dazu zu äussern. F. F.a Mit Verfügung vom 27. Januar 2016 – eröffnet am 28. Januar 2016 – verneinte das SE M die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers , lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an, wobei es den Vollzug in die Volksrepublik China ausschloss. E-1105/2016 Seite 4 F.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die Wahrscheinlich- keit, dass der Beschwerdeführer im von ihm behaupteten geografischen Raum gelebt haben könnte, sei insbesondere vor dem Hintergrund der Er- gebnisse der Lingua-Analyse klein. Die mit der Analyse betraute sachver- ständige Person sei zum Schluss gekommen, dass der Beschwerdeführer zwar zum Teil präzise landeskundlich-kulturelle Kenntnisse zur angegebe- nen Heimatregion habe nachweisen können. Sein Unwissen in gewissen wesentlichen Bereichen liessen seine Hauptsozialisation im Kreis D._______ aber zweifelhaft erscheinen. So sei er nicht mit den Distanzen von Ortschaften im Kreis D._______ vertraut gewesen. Auch habe er die Namen der Schulen in der Gemeindehauptstadt nicht gekannt. Ebenso merkwürdig sei, dass er nicht gewusst habe, was in der S chule in Tibet gelehrt werde, da in der Regel auch Tibeter und Tibeterinnen, die nie eine Schule besucht hätten, davon Kenntnis hätten. Sodann erstaune, dass er nicht gewusst habe, in welchem Ort und auf welchem Amt sein Personal- ausweis ausgestellt worden sei. Auch die Namen anderer Ämter in der Ge- meindehauptstadt seien ihm nicht bekannt gewesen. Schliesslich falle auf, dass er für diverse Orte und Namen Begriffe aus der Reiseliteratur verwen- det habe und nicht deren chinesische oder tibetische Bezeichnungen. Hin- sichtlich der Sprache des Beschwerdeführers habe die sachverständige Person festgestellt, dass diese fast keine Ähnlichkeiten mit dem Dialekt der Gebietshauptstadt E._______, sondern fast ausschliesslich Übereinstim- mungen mit dem Lhasa -Dialekt und dem Dialekt aus dem Exil aufweise. Seine Chinesischkenntnisse seien zudem gering, was eher nicht den Er- wartungen an einen Bewohner Tibets in seinem Alter entspreche. Während sein acht- bis neunmonatiger Aufenthalt seine Sprache nicht tiefgreifend beeinflusst haben dürfte, wäre es durchaus denkbar, dass sein dreijähriger Aufenthalt in der Schweiz und der Kontakt zu den hier lebenden Exiltibetern und -tibeterinnen seinen Ausdruck beeinflusst haben könnte. Solche Ein- flüsse hätten sich jedoch eher auf die Lexikologie und weniger auf die Mor- phologie oder Phonologie – wie dies beim Beschwerdeführer im Rahmen der Lingua-Analyse festgestellt worden sei – niedergeschlagen. Die Ein- wände des Beschwerdeführers im Rahmen des rechtlichen Gehörs vom 25. Januar 2016 vermöchten die Ergebnisse der Lingua -Analyse nicht in Frage zu stellen. So habe der Beschwerdeführer bei jener Gelegenheit meist wiederholt, was er bereits im Telefongespräch mit der sachverstän- digen Person erwähnt habe. Zum Teil seien seine Antworten aber auch ausweichend gewesen. Bezüglich der Resultate der Sprachanalyse habe er abermals geantwortet, dass er so spreche wie in seiner Heimat und so- mit auch im Gebiet E._______ gesprochen werde. E-1105/2016 Seite 5 Die Schlussfolgerungen der sachverständigen Person im Lingua -Gutach- ten entzögen den geltend gemachten Ausreise - und Asylvorbringen die Grundlage. Die diesbezüglichen Ausführungen seien denn auch wider- sprüchlich, wiesen keinerlei Realkennzeichen auf und liefen der Logik und der allgemeinen Erfahrung zuwider, weshalb sie die Ergebni sse des Gut- achtens untermauerten. Auch die Schilderung des Reisewegs sei unglaub- haft, sei der Beschwerdeführer doch nicht in der Lage gewesen, detailliert zu erzählen, wie er von seinem Dorf über die Grenze nach Nepal bis zum Chörten und von da bis in die Schweiz gelangt sei. Es sei folglich davon auszugehen, dass er anders als von ihm geschildert nach Europa und in die Schweiz gelangt sei. F.c Vor diesem Hintergrund sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine Herkunft aus der Volksrepublik China sowie seine Asylgründe glaub- haft darzulegen. Vielmehr sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er vor seiner Ankunft in der Schweiz in der exiltibeti- schen Diaspora gelebt habe. Da e r aber – in Verletzung seiner Mitwir- kungspflicht – keine konkreten, glaubhaften Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert habe, komme das SEM zum Schluss, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbeachtlichen Grü nde gegen eine Rückkehr an seinen bisherigen Aufenthaltsort bestünden. Folg- lich sei auch von der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Weg- weisungsvollzugs auszugehen, solange der Vollzug in die Volksrepublik China ausgeschlossen sei. G. Diesen Entscheid focht der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 23. Feb- ruar 2016 (Datum Poststempel) an und beantragte, die angefochtene Ver- fügung sei aufzuheben und in der Sache neu zu beurteilen, es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl z u gewähren, eventualiter sei er als Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufzunehmen, subeventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzumutbar und un- möglich sei. In prozessualer Hinsicht ersuchte er darum, es sei ihm – unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses – die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und die zuständige Behörde sei vorsorglich anzuweisen, die Kontaktaufnahme mit den Behörden des Heimat - oder Herkunftsstaates sowie jegliche Datenweitergabe an dieselbe n zu unter- lassen, wobei der Beschwerdeführer bei bereits erfolgter Datenweitergabe in einer separaten Verfügung darüber zu orientieren sei. Schliesslich sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung einzuräumen. E-1105/2016 Seite 6 Im Rahmen seiner Begründung nahm der Beschwerdeführer zu den Aus- führungen des SEM betreffend seine Herkunft Stellung. Er habe die Ort- schaften in seiner Heimatregion zwar nicht in chinesischer, aber in tibeti- scher Sprache genannt. Es sei nicht ersichtlich, welche Sprache in der Rei- seliteratur für die Ortsbezeichnungen verwendet werde, wenn dies nicht Chinesisch oder Tibetisch sei. Zu den Distanzen könne er lediglich wieder- holen, dass der Fussmarsch von seinem Heimatdorf bis zum Shang eine bis eineinhalb Stunden daure. Die benötigte Zeit variiere natürlich je nach Tempo. Von seinem Heimatdorf bis nach (…) würden mit dem Auto unge- fähr drei bis vier Stunden benötigt. Auch wenn die sachverständige Person möglicherweise Kenntnisse von spezifischen Ortschaften in Tibet habe, sei er sich sicher, dass sie noch nie in seinem Heimatdorf gewesen sei und daher auch die Distanzen nicht abschätzen und beurteilen könne. Ferner habe er bei der Anhörung durch das SEM am 2. Juni 2014 angegeben, dass die Schule in der Gemeindehauptstadt seiner Region den Namen „(…)“ trage. Überdies habe er detailliert geschildert, wie die Ausstellung eines Personalausweises ablaufe. Es sei auch nach Gewährung des recht- lichen Gehörs nicht klar, weshalb seien Angaben dazu nicht ausreichten. Mit Blick auf seine Sprechweise habe auch das SEM eingestanden, dass sich diese durch den vierjährigen Aufenthalt in einer neuen Umgebung auf natürliche Weise verändert haben könnte. Es werde aber dennoch bemän- gelt, dass sein Dialekt nicht rein sei. Allgemein sei festzuhalten, dass sich der Asylentscheid mehr auf das rechtliche Gehör und fast gar nicht auf das Telefoninterview abstützte. Das SEM könne nicht belegen, was an seinen Angaben fehlerhaft sei. Er habe bis zu seiner Flucht in Tibet und damit in der Volksrepublik China gelebt und besitze keine ande re als jene Staats- bürgerschaft. Dies habe er immer so vorgetragen, weshalb er auch s eine Mitwirkungspflicht nicht verletzt habe. S eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung sei mithin in Bezug auf seinen Heimatstaat Tibe t respektive China zu prüfen. Da er die Volksrepublik China illegal und ohne Reisepass verlassen habe, sei vorliegend aber in jedem Fall von subjektiven Nach- fluchtgründen auszugehen, weshalb er zumindest als Flüchtling anzuer- kennen und als solcher in der Schweiz vorläufig aufzunehmen sei. Es sei ihm eine Frist zur Ausreise angesetzt worden, aber er wisse nicht, in wel- ches Land er gehen solle. Er habe von seiner Geburt bis zu seiner Ausreise in Tibet gelebt und sei vorher noch nie im Ausland gewesen. Er besitze keine Reisepapiere und könne auch keine solchen beschaffen. Auch ver- füge er über keine Aufenthaltsbewilligung eines anderen Staates und habe seine ganze Familie in Tibet zurückgelassen. E-1105/2016 Seite 7 Zusammen mit seiner Rechtsmitteleingabe legte der Beschwerdeführer eine Bestätigung der Sozialhilfe der Gemeindeverwaltung (…) vom 3. Feb- ruar 2015 ins Recht, aus welcher hervorgeht, dass er (damals) vom Sozi- alamt der Gemeinde (…) finanziell unterstützt worden sei. H. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht bei den Sozialen Diensten der Gemeinde (…) in Erfahrung bringen konnte, dass der Beschwerdeführer im Januar 2016 immer noch teilweise von der Gemeinde finanziell unter- stützt wurde, hiess es das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung mit Zwischenverfügung vom 1. März 2016 gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ferner hielt das Gericht in der genannten Zwischenverfügung fest, der Beschwerdeführer könne den Aus- gang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Den Antrag, die zuständige Behörde sei vorsorglich anzuweisen, die Kontaktaufnahme mit den Behör- den des Heimat- oder Herkunftsstaates sowie jegliche Datenweitergabe zu unterlassen, wies das Gericht ab und forderte das SEM auf, eine Vernehm- lassung zur Beschwerde einzureichen und insbesondere zum Argument, der Beschwerdeführer habe im Rahmen des Telefoninterviews für diverse Orte und Namen Begriffe aus der Reiseliteratur verwendet, Stellung zu nehmen. I. In seiner Vernehmlassung vom 10. März 2016 begründete das SEM die Verwendung von Reiseliteratur in Lingua -Gutachten wie folgt: Wenn ein Proband eine der sachverständigen Person unbekannte sprachliche Form verwende, versuche die sachverständige Person herauszufinden, ob diese Form durch einen lokalen, nicht oder wenig beschriebenen Dialekt bedingt sei. Finde sich dazu i n der wissenschaftlichen Literatur und der Reiselite- ratur nichts und erweise sich die Aussprache aufgrund sprachstruktureller und sprachhistorischer Prozesse zusätzlich als unplausibel, werde dies im Lingua-Gutachten als „unerwartete Aussprache“ notiert. Anders gesagt, werde explizit vermerkt, wenn aufgrund mangelnder Daten eine konkrete Aussage unmöglich sei. Wenn die verwendete Form erklärt werden könne, respektive in einer der zuvor genannten Quellen belegt sei , werde dies auch so dargelegt. In Fällen, wie dem vorliegenden , in denen die in der Reiseliteratur belegte Form von dem abweiche, was aus wissenschaftli- chen Quellen respektive aufgrund sprachstruktureller und sprachhistori- scher Prozesse erklärt werden könne, finde dies ebenfalls Eingang ins Lin- gua-Gutachten. Im Übrigen hielt das SEM fest, dass die Beschwerdeschrift E-1105/2016 Seite 8 keine neuen erheblichen Tatsachen und Beweismittel enthalte, die eine Än- derung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. J. In seiner Replik vom 31. März 2016 führte der Beschwerdeführer aus, er wolle noch einmal betonen , dass er bis zu seiner Flucht in Tibet gelebt habe. Er spreche den Dialekt, den ihm seine Eltern beigebracht hätten. Diese Sprache könne nicht mit Reiseliteratur verglichen werden. Tibetische Dialekte liessen sich nicht schriftlich äussern. Er würde sich freuen, wenn er nochmals die Möglichkeit erhielte, seine Sprache überprüfen zu lassen. K. K.a Mit Schreiben vom 6. November 2017 erkundigte sich der Beschwer- deführer nach dem Stand seines Asylbeschwerdeverfahrens. K.b Am 13. November 2017 beantwortete das Gericht die Anfrage des Be- schwerdeführers dahingehend, dass sein Verfahren grundsätzlich prioritär und ihm Jahr 2018 zu behandeln sei, ihm jedoch kein konkreter Behand- lungszeitpunkt zugesichert werden könne. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; E-1105/2016 Seite 9 Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder in einem Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wege n ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten nament- lich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält (Art. 7 AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genü- gend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht wider- sprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tat- sachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erschei nen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf ge- fälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG). Entscheidend ist, ob eine Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der asylsu- chenden Person sprechen, überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.6, EMARK 2004 Nr. 1 E. 5 S. 4 ff., m.w.H.). 4. Im unter BVGE 2014/12 publizierten Urteil vom 20. Mai 2014 präzisierte das Bundesverwaltungsgericht seine Praxis gemä ss EMARK 2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Her-E-1105/2016 Seite 10 kunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon auszuge- hen sei, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe ge- gen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestünden; denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungs- pflicht der asylsuchenden Person. Für asylsuchende Personen tibetischer Ethnie, welche unglaubhafte Angaben über ihren angeblichen Sozialisi e- rungsraum in China machen und vermutungsweise im Exil, vorab in Indien oder Nepal, gelebt hätten, bestünden grundsätzlich folgende mögliche Konstellationen bezüglich der Staatsangehörigkeit: a. Besitz der chinesischen Staatsangehörigkeit ohne Aufenthaltsbewi lli- gung in Nepal oder Indien (blosse Duldung im betreffenden Drittstaat); b. Besitz der chinesischen Staatsangehörigkeit mit entsprechender Auf- enthaltsbewilligung im Drittstaat Nepal oder Indien; c. Besitz der Staatsangehörigkeit von Nepal oder Indien (mit dem d amit einhergehenden Verlust der chinesischen Staatsangehörigkeit). Daraus ergebe sich folgendes Prüfschema: Besitzt die betreffende Person die chinesische Staatsangehörigkeit und verfügt sie gleichzeitig über eine Aufenthaltsberechtigung im Drittstaat Nepa l oder Indien (Konstellation b) oder wird die Person im betreffenden Drittstaat zumindest gelduldet (Kons- tellation a), wäre eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG durch die Asylbehörden möglich, vorausge- setzt die as ylsuchende Person legt den schweizerischen Behörden alle Fakten im Verfahren dar. Bei der Konstellation b dürften im Regelfall die Voraussetzungen der Drittstaatenregelung gegeben sein. Hat die asylsu- chende Person die Staatsangehörigkeit von Nepal oder Ind ien erlangt (Konstellation c), besitzt sie die chinesische Staatsangehörigkeit nicht res- pektive nicht mehr, da sie gemäss chinesischer Rechtslage durch den Er- werb einer anderweitigen Staatsbürgerschaft die chinesische Nationalität verliert. Diesfalls wäre die Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf Nepal be- ziehungsweise Indien zu prüfen. Vermutungsweise gelte, dass die asylsu- chende Person im Land ihrer (neu erlangten) Staatsangehörigkeit keine asylrelevante Gefährdung zu befürchten hat, wenn sie keine entsprechen- den Vorbringen glaubhaft vorträgt (BVGE 2014/12 E. 5.8). Zusammenfas- send wurde demnach festgestellt, dass für Angehörige der tibetischen Eth- nie sowohl in Nepal als auch in Indien die Möglichkeit bestehe, unter ge- wissen Bedingungen eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten beziehungs- weise dass es unter engen Voraussetzungen auch möglich sei, die ent- sprechende Staatsangehörigkeit zu erwerben, womit infolge Erwerbs einer neuen die chinesische Staatsangehörigkeit untergehe. Allerdings müsse E-1105/2016 Seite 11 davon ausgegangen werden, dass ein grosser Teil der in Nepal und Indien lebenden Exil-Tibeterinnen und -Tibeter keine neue Staatsangehörigkeit erworben hätten und nach wie vor chinesische Staatsangehörige seien. Verunmögliche eine tibetische asylsuchende Person durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht allerdings die Abklärung, welchen effektiven Status sie in Nepal respektive in Indien innehabe, könne aber namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Im Übrigen werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wah- ren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (BVGE 2014/12 E. 5.9 f.). 5. 5.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer die behauptete Sozialisation in Tibet und somit in der Volksrepublik China aus den nachfolgenden Gründen nicht geglaubt werden kann. 5.1.1 Dem Lingua-Gutachten ist zwar zu entnehmen, dass der Beschwer- deführer zahlreiche zutreffende Angaben im landeskundlich-kulturellen Be- reich machen konnte. Dies belegt im Nachhinein denn auch, dass es im vorliegenden Fall durchaus angezeigt war, eine qualifizierte Herkunftsana- lyse der Fachstelle Lingua erstellen zu lassen. Dass der Beschwerdeführer nicht wusste, auf welchem Amt er seinen Personalausweis, den er selbst beschafft haben will, ausstellen liess, erscheint aber dennoch merkwürdig. Auch im Rahmen des ihm dazu in genügender Weise gewährten rechtli- chen Gehörs gab er auf Hinweis des SEM, er habe das Amt nicht bezeich- nen können, welches die Identitätskarte ausgestellt habe, an, dass er dies nicht wisse, da die ausstellende Behörde auf dem Dokument in Chinesisch genannt werde. Dies vermag aus dem bereits vom SEM anlässlich d es rechtlichen Gehörs dagegen vorgebrachten Einwand, dies sei sonderbar, weil er ja selbst vor dem Amt vorgespro chen habe, nicht zu überzeugen. Dass er auch sonst keine Namen von Ämtern kannte und eine falsche Be- zeichnung für die Bank im Gemeindehauptort nannte, ist ebenso wenig nachvollziehbar und konnte von ihm denn auch im Rahmen des rechtlichen Gehörs nicht in überzeugender Weise erklärt werde n. So gab er damals lediglich zu Protokoll, es treffe zu, dass er keine Namen von Behörden kenne, und die von ihm genannte Bank (deren Name er nicht nochmals erwähnte) gebe es wirklich. Das SEM hat somit – entgegen der Ansicht des E-1105/2016 Seite 12 Beschwerdeführers – zumindest diese beide Bereiche betreffend ein unzu- längliches landeskundlich-kulturelles Wissen belegt. Der Entscheid des Gerichts, von der Unglaubhaftigkeit der vom Beschwer- deführer geltend gemachten Hauptsozialisation auszugehen, liegt aber in erster Linie im Resultat der linguistischen Analyse begründet. Es ist mit den Angaben des Beschwerdeführers nicht vereinbar, dass die sachverstän- dige Person in ihrer Analyse fast keine Ähnlichkeiten zwischen seiner Sprechweise und dem Dialekt der Gebietshauptstadt und stattdessen fast ausschliesslich Gemeinsamkeiten mit der exiltibetischen Koine oder dem Lhasa-Dialekt feststellen konnte. Sein Einwand, seine Sprache habe sich durch seinen vierjährigen Aufenthalt im Ausland derart verändert, vermag nicht zu überzeugen. Wie die sachverständige Person im Gutachten in nachvollziehbarer Weise erläuterte, wäre eine solche Veränderung im Be- reich der Wortwahl (Lexikon) noch verständlich gewesen. Die bei ihm auf der Ebene der Phonologie und Morphologie festgestellten überwiegenden Ähnlichkeiten mit der exiltibetischen Koine oder dem Lhasa-Dialekt liessen sich mit der genannten Aufenthaltsdauer im Ausland aber kaum erklären. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs damit konfrontiert, vermochte der Be- schwerdeführer diesem Schluss nichts Stichhaltiges entgegenzuhalten. Im Übrigen ist festzuhalten, dass die Lingua-Analyse fundiert und das dar- aus resultierende Gutachten überzeugend und ausgewogen begründet ist und somit zu keinen Beanstandungen Anlass gibt. Auch an der fachlichen Qualifikation der sachverständigen Person bestehen keine Zweifel. 5.1.2 Diese Einschätzung des Gerichts wird durch die Tatsache untermau- ert, dass auch die Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers unglaubhaft ausgefallen sind. Es erscheint realitätsfern, dass er und seine Freunde ihre Plakataktion direkt bei einer Kaserne des chinesischen Militärs durchge- führt haben sollen, ohne die Lage vor Ort vorgängi g sorgfältig untersucht zu haben und nachdem sie kurz davor noch Militärpolizisten vor Ort gese- hen hätten (vgl. A15/21, F136, F141). Ein derart unüberlegtes Vorgehen ist angesichts des damit verbundenen erheblichen Risikos einer Festnahme nicht nachvollziehbar und damit unplausibel. Ferner weisen die Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der BzP und bei der vertieften Anhörung nicht unerhebliche Widersprüche auf. Während er bei der BzP noch zu Pro- tokoll gab, die Plakate in der Nacht vom (…) November 2011 aufgeklebt zu haben und am Morgen darauf geflohen zu sein, führte er anlässlich der Anhörung aus, die Plakataktion am Abend des [nächsten Tages] durchge- führt zu haben und noch in der gleichen Nacht – um Mitternacht – die Flucht E-1105/2016 Seite 13 ergriffen zu haben (A7/12, Rz. 7.02; A15/21, F135, F159f.). Ein Irrtum be- züglich des Datums wäre noch verständlich; dass er sich aber bezüglich des Zeitpunkts seiner Flucht in Ungereimtheiten verstrickt hat, legt die Ver- mutung nahe, dass sich diese nicht in der von ihm geschilderten Art zuge- tragen hat, was wiederum die Glaubhaftigkeit der Plakataktion in Frage stellt. Zudem gab der Beschwerdeführer anlässlich der BzP tatsächlich noch an, dass nur einer der beiden Freunde verhaftet worden sei (A7/12, Rz. 7.02). In der An hörung führte er demgegenüber aus, beide Freunde seien verhaftet worden (A15/21, F155). Sein Einwand, er habe bereits bei der BzP von beiden Freunden gesprochen (A15/21, F161), überzeugt in- sofern nicht, als er den verhafteten Freund beim Namen nannte (A7/1 2, Rz. 7.02: F: „Wie heissen die Freunde, mit welchen Sie die Plakate auf- hängten?“ A: „Der eine heisst G._______ und der andere H._______. H._______ wurde verhaftet.“). 5.1.3 Mit Blick auf den Reiseweg erscheint es besonders realitätsfremd, dass der Beschwerdeführer weder den Namen des Transit - noch des An- kunftsflughafens und auch der Fluggesellschaft und des Bahnhofs, von dem aus er den Zug in die Schweiz bestiegen habe, wahrgenommen ha- ben will (A7/12, Rz. 5.02; A15/21, F171). 5.2 Nach dem Gesagten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exil -tibetischen Diaspora gelebt hat. Namhafte exil -tibetische Gemeinschaften gibt es – nebst der Schweiz und Nordamerika – lediglich in Indien und Nepal. Es ist somit im Sinne einer Vermutung anzunehmen, dass der Beschwerdeführer in Indien oder Nepal aufgewachsen ist resp ektive dort gelebt hat. Folglich wäre grundsätzlich zu prüfen, ob er über die chinesische Staatsangehörigkeit verfügt, was eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31 a Abs. 1 AsylG mit sich bringen würde, oder ob er die indische oder nepale- sische Staatsangehörigkeit erworben hat, was zur Folge hätte, dass das Vorliegen einer asylrelevanten Gefährdung hinsichtlich eines jener Staaten zu prüfen wäre. Das Gericht ist indes wie das SEM der Auffassung, dass der Beschwerdeführer seine Mitwirkungspf licht in nicht entschuldbarer Weise verletzt hat und dadurch den Behörden nähere Abklärungen – die Abklärungspflicht der Asylbehörden findet, wie bereits festgehalten, ihre Grenze bei der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person – sowie eine Rückschaffung in seinen tatsächlichen Heimatstaat verunmöglicht. Der Be- schwerdeführer hat die Folgen dieses Verhaltens zu tragen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10). E-1105/2016 Seite 14 5.3 Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass zwar davon auszu- gehen ist, dass der Beschwerdeführer tibetisch er Ethnie ist. Jedoch ent- behren seine geltend gemachten Vorbringen hinsichtlich des Ortes seiner hauptsächlichen Sozialisation, seine Asylvorbringen und die Ausführungen zu seinem Reiseweg insgesamt der Glaubhaftigkeit. Folglich ist es ihm nicht gelungen, für den Zeitpunkt seiner Ausreise eine asylrechtlich rele- vante Verfolgung, die er in seiner Heimat vor seiner Ausreise erlitten hat oder in begründeter Weise zukünftig befürchten müsste, aufzuzeigen oder glaubhaft zu machen. Der Beschwerdeführer vermag wed er die Flücht- lingseigenschaft im Zeitpunkt seiner Ausreise noch subjektive Nachflucht- gründe nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das SEM hat somit zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 6. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge- such ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt we- der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 7.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll- zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, die Untersuchungspflicht fin- det aber, wie bereits vorstehend ausgeführt, ihre Grenzen an der Mitwir- kungspflicht des Beschwerdeführers. Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Der Beschwerdeführer hat die Folgen seiner fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als seitens der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts ge- gen eine Rückkehr an den bisherigen Aufentha ltsort, da er keine konkre- ten, glaubhaften Hinweise geliefert hat, die gegen eine entsprechende Rückkehr sprechen würden. E-1105/2016 Seite 15 In Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 4 der angefochtenen Verfügung ist im Übrigen darauf hinzuweisen, dass für alle Exil -Tibeterinnen und -Ti- beter ein Vollzug der Wegweisung nach China im Sinne von Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG ausgeschlossen wird, da ihnen dort gegebenenfalls Verfol- gung im flüchtlingsrechtlichen Sinn beziehungsweise eine menschenun- würdige Behandlung im Sinne von A rt. 3 EMRK droht (BVGE 2014/12 E. 5.11). 7.3 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich die für eine Rückkehr allenfalls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg- lich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuwei- sen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 –3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dieser stellte in seiner Rechts- mitteleingabe vom 23. Februar 2016 jedoch ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung, welches das Gericht mit Instruktionsverfügung vom 1. März 2016 guthiess. Da gemäss Auskunft der Sozialen Dienste der Ge- meinde (…) nach wie vor von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) E-1105/2016 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Regina Derrer Versand: