B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-352/2012 D-2439/2012 U r t e i l v o m 1 0 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter Walter Lang; Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren (...), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügungen des BFM vom 15. De- zember 2011 und vom 22. März 2012 / N_______. D-352/2012 D-2439/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer – ein sri-lanki- scher Staatsangehöriger tamilischer Ethnie aus B._______ (C._______ Distrikt, Nord Provinz) – seine Heimat am 11. Januar 2009 und gelangte am 12. Januar 2009 in die Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ um Asyl nachsuchte. Am 26. Januar 2009 fand im EVZ E._______ die Befragung zur Person und am 1. Oktober 2009 in (...) die Anhörung durch das BFM statt. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er habe als Rikschafahrer gearbeitet. Während der Friedenszeit hätten die L iberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) ihn g e- zwungen, in F._______ an einer einwöchigen Ausbildung teilzunehmen. Zudem habe er an Festtagen mit seiner Autorikscha – bestückt mit Laut- sprechern, die Propaganda verbreitet hätten – umherfahren müssen. Nach dem erneuten Ausbruch des Krieges hätten militante Gruppen und die Soldaten der sri -lankischen Armee viele Sympathisanten der LTTE umgebracht. Unbekannte Leute hätten auch nach ihm gesucht, so dass er sich einige Monate lang bei Freunde n und Verwandten versteckt habe, bevor er seine Arbeit als Fahrer wieder aufgenommen habe. Am (...) habe er einen ihm unbekannten Mann transportiert, der – ohne sein Wissen – vermutlich eine Bombe mitgeführt habe. Dieser Mann sei festgenommen worden. Da er (der Beschwerdeführer ) in der Folge gesucht und sein Haus aufgebrochen worden sei, habe er davon ausgehen müssen, dass die sri -lankischen Sicherheitskräfte ihn als Fahrer identifiziert hätten. Er habe sich bis am (...) bei einem Onkel aufgehalten und sei dann mit sei- ner Mutter und seinem Bruder dank einer zuvor ausgestellten "Clearance" mit Schiff und Zug nach G._______ gefahren. Am 11. Januar 2009 habe er Sri Lanka über (...) G._______ verlassen. B. Mit Verfügung vom 15. Dezember 2011 – eröffnet am 20. Dezember 2012 – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordn e- te gleichzeitig die Wegweisung und den Vollzug aus der Schweiz an. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung damit, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an di e Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhielten. Demzufolge erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei. Zudem erachte das BFM den Vollzug der Wegweisung gestützt auf die neuere Rechtsprechung des D-352/2012 D-2439/2012 Seite 3 Bundesverwaltungsgericht und die individuellen Gegebenheiten des B e- schwerdeführers als zulässig, zumutbar und möglich. C. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 19. Januar 2012 erhob der B e- schwerdeführer gegen die vorinstanzliche Verfügung vom 15. Dezember 2011 Beschwerde – vom Bundesverwaltungsgericht unter der Geschäft s- nummer D-352/2012 registriert – und beantragte, die Verfügung des BFM sei wegen Verletzung formellen Rechts aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. Eventuell sei die vorins - tanzliche Verfügung aufzuheben und die Sache sei zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neu- beurteilung an das BFM zurückzuweisen. Eventuell sei die Verfügung des BFM aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventuell sei die vorinstanzliche Verfügung betreffend die Dispositiv-Ziffern 4 und 5 aufzuheben und es sei die Unzu- lässigkeit beziehungsw eise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen. Bei Rückweisung zur Neubeurteilung gemäss den Recht s- begehren 1 oder 2 sei das BFM anzuweisen, sämtliche Herkunftslände r- informationen, auf welche es seinen Entscheid stütze, in geeigneter We i- se offenzulegen. Eventuell sei die Vorinstanz im Rahmen des Beschwe r- deverfahrens anzuweisen, sämtliche Herkunftsländerinformationen, auf welche sie ihren Entscheid stütze, in geeigneter Weise offenzulegen und dem Beschwerdeführer sei eine angemessene Frist einzu räumen, um zu diesen Informationen Stellung zu nehmen. Des Weiteren sei vor der Gu t- heissung der vorliegenden Verwaltungsbeschwerde dem unterzeichneten Anwalt eine angemessene Frist zur Einreichung einer detaillierten Ko s- tennote zur Bestimmung der Parteient schädigung anzusetzen. Sodann ersuchte der Beschwerdeführer um eine Mitteilung, welcher Bundesve r- waltungsrichter oder welche Bundesverwaltungsrichterin und welcher Ge- richtsschreiber oder welche Gerichtsschreiberin mit der Instruktion im vor- liegenden Verfahren betraut sei und welche Richter an einem Entscheid weiter mitwirken würden. Zudem begehrte er die Ansetzung einer B e- weismittelfrist zur Einreichung der in der Beilage 3 der Rechtsmitteleing a- be vom 19. Januar 2012 bereits in Kopie eingereichten Zeitungsa rtikel im Original samt Übersetzung. Das Hauptbegehren betreffend die Aufh e- bung der vorinstanzlichen Verfügung und Rückweisung zur Neubeurte i- lung ans BFM wegen Verletzung formellen Rechts begründete der B e- schwerdeführer dahingehend, dass der ange fochtene E ntscheid zwar vom zuständigen Fachreferenten, nicht aber von dessen Vorgesetzten ("Chef") unterzeichnet worden sei. Für ihre Gültigkeit bedürfe eine Verf ü-D-352/2012 D-2439/2012 Seite 4 gung, mit welcher ein Asylgesuch abgewiesen werde, jedoch zwingend der Genehmigung des "Chefs" und zwa r mittels seiner Unterschrift auf der entsprechenden Verfügung. Da diese Zweitunterschrift auf dem ange- fochtenen Entscheid fehle und daher davon auszugehen sei, dass dieser vom Vorgesetzten nicht entsprechend genehmigt worden sei, weise die Verfügung einen gravierenden Formfehler auf, weshalb diese bereits aus diesem Grund aufzuheben und die Sache ans BFM zurückzuweisen sei. Seiner Beschwerde legte der Beschwerdeführer mehrere Beweismittel bei (Artikel zur Verwendung von Herkunftsländerinformationen, Internetar- tikel und Berichte zur sicherheitspolitischen Lage in seiner Heimat und zur Situation von nach Sri Lanka zurückkehrenden Asylsuchenden [in der Eingabe als Beilagen 2 – 19 gekennzeichnet]). D. Mit Zwischenverfügung vom 12. Januar 2012 teilte das Bundesver wal- tungsgericht dem Beschwerdeführer mit, dass er den Ausgang des Ve r- fahrens in der Schweiz abwarten könne. Das Gesuch um Ansetzung einer Beweismittelfrist zur Einreichung der Zeitungsartikel im Original samt Übersetzung wurde gutgeheissen und ihm Gelegenheit eingeräumt, die in Aussicht gestellten Zeitungsartikel im Original samt Übersetzung innert 30 Tagen ab Erhalt vorliegender Zwischenverfügung einzureichen mit dem Hinweis, im Unterlassungsfall werde aufgrund der bisherigen Akten entschieden. Zudem wurde er – unter Hinweis auf Säumnisfolgen – auf- gefordert, bis zum 13. Februar 2012 einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. Der Instruk- tionsrichter teilte dem Beschwerdeführer – unter Vorbehalt nachträglicher Änderungen namentlich bei allfälligen Abwesenheiten – das Spruchgr e- mium im Verfahren mit. E. Mit Schreiben vom 13. Februar 2012 ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Verfahrensko s- tenvorschusses im Sinne von Art. 63 Abs. 4 VwVG und legte diesbezü g- lich (Nennung Beweismittel) ins Recht. F. Mit Eingabe vom 5. März 2012 liess der Beschwerdefüh rer den Zeitungs- artikel im Original samt deutscher Übersetzung sowie – jeweils in Kopie – (Auflistung Beweismittel) einreichen. D-352/2012 D-2439/2012 Seite 5 G. Mit Zwischenverfügung vom 15. März 2012 verzichtete das Bundesve r- waltungsgericht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und i nfor- mierte den Beschwerdeführer dahingehend, dass über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde. H. Am 16. März 2012 lud der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsg e- richts die Vorinstanz gestützt auf Art. 57 VwVG zur Einreichung einer Stellungnahme bis zum 2. April 2012 ein. I. Mit Verfügung vom 22. März 2012 – eröffnet am 30. März 2012 – ersetzte das BFM seinen Entscheid vom 15. Dezember 2011. Es lehnte das Asy l- gesuch d es Beschwerdeführers mit identischer Begründung ab (vgl. Sachverhalt Bst. B. oben) und ordnete die Wegweisung und deren Voll- zug an. J. In Unkenntnis des Ergehens dieser Verfügung wurde die Vorinstanz am 24. April 2012 erneut zur Einreichung einer Stellungnah me aufgefordert. Das BFM reichte am 25. April 2012 eine Vernehmlassung ein, in welcher es an seinen Erwägungen vollumfänglich festhielt und die Abweisung der Beschwerde beantragte. K. Für das Verfahren D -352/2012 reichte der Rechtsvertreter mit Schreiben vom 27. April 2012 eine Kostennote zu den Akten. L. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 30. April 2012 erhob der B e- schwerdeführer gegen die Verfügung des BFM vom 22. März 2012 B e- schwerde – vom Bundesverwaltungsgericht unter der Geschäftsnummer D-2439/2012 registriert – und beantragte, die se Verfügung sei aufzuh e- ben und die Sache sei zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. Eventuell sei die Verfügung des BFM aufzuheben und es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu ge- währen. Eventuell sei die vorinstanzliche Verfügung betreffend die Dispo- sitiv-Ziffern 4 und 5 aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit bezi e- hungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen. Bei Rückweisung zur Neubeurteilung gemäss dem Rechtsbegehren 1 sei D-352/2012 D-2439/2012 Seite 6 das BFM anzuweisen, sämtliche Herkunftsländerinformationen, auf we l- che es seinen Entscheid stütze, in geeigneter Weise offenzulegen. E ven- tuell sei die Vorinstanz im Rahmen des Beschwerdeverfahrens anzuwe i- sen, sämtliche Herkunftsländerinformationen, auf welche sie ihren En t- scheid stütze, in geeigneter Weise offenzulegen und ihm sei eine ang e- messene Frist einzuräumen, um zu diesen Informat ionen Stellung zu nehmen. S odann sei dem unterzeichneten Anwalt vor der Gutheissung der vorliegenden Verwaltungsbeschwerde eine angemessene Frist zur Einreichung einer detaillierten Kostennote zur Bestimmung der Parteien t- schädigung anzusetzen. Zudem sei ih m die Zusammensetzung des Spruchgremiums mitzuteilen. Seiner Eingabe legte der Beschwerdeführer (Auflistung Beweismittel) bei. M. Mit Schreiben des Instruktionsrichters vom 7. Mai 2012 wurde dem B e- schwerdeführer der Eingang der Beschwerde vom 30. April 2012 bestä- tigt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und ent- scheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerd eführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einzutreten. 2. 2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht, unrichtige und unvollständige Festste l- lung des rechtserheblichen Sachverhalts und Unangemessenheit hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Die Begründung der Begehren bindet die Beschwerdeinstanz in ke i- nem Fall (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Die Beschwerdeinstanz kann die B e-D-352/2012 D-2439/2012 Seite 7 schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gu t- heissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer B e- gründung bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. BVGE 2007/41 E. 2 S. 529 f.; FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrech tspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 212). 2.3 Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters zu behandeln, weil sie sich im Ergeb- nis als offensichtlich begründet erweist (Art. 111 Bst. e AsylG). 3. Mit Verfügung vom 22. März 2012 ersetzte das BFM im Rahmen eines Schriftenwechsels (Art. 57 Abs. 1 VwVG) seinen Entscheid vom 15. De- zember 2011. Es lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit iden- tischer Begründung ab (vgl. Sachverhalt Bstn. B. und I. oben) und ordne- te die Wegweisung und deren Vollzug an. Demzufolge ist der Anfec h- tungsgegenstand der Beschwerde weggefallen und die Beschwerde vom 19. Januar 2012 ist als gegenstandslos geworden abzuschreiben. 4. 4.1 Bezüglich des Beschwerdeverfahrens D -2439/2012 ist F olgendes festzustellen: Die Vorinstanz ist in Verfahren, die Staatsangehörige Sri Lankas tamilischer Ethnie betreffen, systematisch dazu übergegangen, keine Ausreisefristen mehr zu verhängen und bereits angeordnete Au s- reisefristen aufzuheben. Faktisch zieh t sie damit sämtliche Verfahren (auch solche im Vollzugsstadium) in Wiedererwägung, und zwar unbes e- hen der konkreten Umständen im Einzelfall. Das vorinstanzliche Vorg e- hen geht auf zwei bekannt gewordene Vorfälle zurück. Die sri -lankischen Behörden hatten o ffenbar tamilische Rückkehrer bei der Wiedereinreise in Haft genommen. Daraufhin stellte die Vorinstanz in Aussicht, nicht nur die beiden Vorfälle, sondern auch eine allfällige Veränderung der allg e- meinen Situation in Sri Lanka vertieft abzuklären. Die Vor instanz geht damit selbst davon aus, dass der Sachverhalt, wie er der Verfügung vom 22. März 2012 zugrunde liegt, offensichtlich nicht vollständig festgestellt ist. Denn es besteht kein Zweifel, dass eine neue Lagebeurteilung vor Ort sich auf die konkrete Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts auswirken kann, sei es im Wegweisungsvollzugspunkt, sei es allenfalls im Flüchtlings- und Asylpunkt (vgl. zu de n Risikogruppen BVGE 2011/24 E. 8). 4.2 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindl i-D-352/2012 D-2439/2012 Seite 8 chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückwe i- sung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tats a- chen festgestellt werden müssen und ein umfassen des Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen a n- gebracht erscheint; sie mu ss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). Vorliegend liegt der Mangel in einer unvollständigen Sachverhaltsfeststel- lung, wobei die unterbliebenen notwendigen Abklärungen eine relativ auf- wändige und umfangreiche Beweiserhebung darstellen, weshalb sich e i- ne Kassation der angefochtenen Verfügung rechtfertigt. Im Übrigen bleibt auf diese Weise der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet. 4.3 Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. Die angefoc htene Verfü- gung vom 22. März 2012 ist aufzuheben, die Sache ist zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung sowie zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen und die vorinstanzlichen Akten sowie das Beschwerd e- dossier, welches ebenfalls Prozesssto ff des vorinstanzlichen Verfahrens bilden wird, werden dem BFM zugestellt. Auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmittelein gabe ist aufgrund der vorliegenden Kassation zum heutigen Zeitpunkt nicht näher einzugehen. 5. 5.1 5.1.1 Infolge Gegenstandslosigkeit des am 19. Januar 2012 anhängig gemachten Beschwerdeverfahrens D-352/2012 sind keine Verfahren s- kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG erweist sich demnach als gegenstandslos. 5.1.2 Bei Gegenstandslosigkeit eines Verfahrens hat das Gericht die Z u- sprechung einer Parteientschädigung zu prüfen (Art. 15 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Beschwerdefüh- rer ist mit seinen Rechtsbegehren insoweit durchgedrungen, als die ange- fochtene Verfügung aufgehoben wurde, was als teilweises Obsiegen zu qualifizieren ist. Somit ist dem Beschwerdeführer für die ihm notwend i- gerweise erwachsenen Parteikosten eine Parteientschädigung zuzuspr e- chen und die Entschädigung ist entsprechend zu kürzen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 Abs. 2 VGKE). Der Rechtsvertreter reichte mit Eing a- be vom 27. April 2012 seine Kostennote zu den Akten und machte für das D-352/2012 D-2439/2012 Seite 9 am 19. Januar 2012 anhängig gemachte Beschwerdeverfahren einen Aufwand von 17,76 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 240.– so- wie Auslagen von Fr. 64.90 geltend, was unter Berücksichtigung des Mehrwertsteuersatzes vo n 8% einem Betrag von rund Fr. 4670.– ent- spricht. Der Rechtsvertreter führte in diesem Zusammenhang in der Rechtsmitteleingabe vom 19. Januar 2012 an, infolge des Grundsatzes, dass alle möglichen Rügen im Rahmen einer Beschwerde vorzutragen seien, sei dieser Umstand bei der Festlegung der auszuri chtenden Par- teientschädigung zu berücksichtigen. Die Parteientschädigung dürfe nicht bezogen auf den Aufwand für diejenige Rüge, welche letztlich zur Aufh e- bung der Verfügung geführt habe, gekürzt werden – wie dies fälschl i- cherweise im Verfahren E -4913/2011 getan worden sei –, weil sonst der Schluss gezogen werden müsste, in künftigen Verfahren sei in einem ers- ten Schritt nur eine Rüge zu erheben und es seien erst nach Ablehnung derselben im Rahmen einer Beschwerdeergänzung die weiteren Rügen anzuführen. Dieser Ansicht kann angesichts der in Frage stehenden G e- setzesbestimmung (Art. 64 Abs. 1 VwVG) nicht beigepflichtet werden, da gemäss diesem Artikel insbesondere das Kriterium der Notwendigkeit für die dem Beschwerdeführer erwachsenen Kosten massgebend ist. V orlie- gend umfasst in der 30 -seitigen Beschwerde vom 19. Januar 2012 die unter Ziffer 2.2 dargelegte Rüge "Formeller Fehler der Verfügung" ledi g- lich eine einzige Seite, weshalb der notwen dige Vertretungsaufwand enorm geringer als in der Kostennote ausgewiesen ausfällt. In Würdigung der hier zu beurteilenden Sachlage erscheint eine Parteientschädig ung von Fr. 400.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. 5.2 5.2.1 Im Beschwerdeverfahren D-2439/2012 sind ebenfalls keine Verfah- renskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 5.2.2 Sodann ist dem Beschwerdeführer in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE eine Entschädigung für die ihm notwendiger - weise entstandenen Parteikosten zuzusprechen. Im vorliegenden Verfa h- ren wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Da sich der Inhalt der Beschwerde in weiten Teilen als beinahe identisch – wenn auch in leicht gekürzter Form – mit derjenigen im Beschwerdeverfahren D -352/2012 eingereichten Rechtsmitteleingabe vom 19. Januar 2012 erweist, in we l- chem mit Eingabe vom 27. April 2012 eine Kostennote eingereicht wurde, lässt sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Aktenlage hinreichend zuverlässig abschätzen. In der erwähnten Kostennote wurde für die Abfassung der 30 Seiten umfassenden Beschwerde vo m 19. Januar 2012 ein Aufwand von zwölf Stunden vermerkt. Der Inhalt der D-352/2012 D-2439/2012 Seite 10 vorliegenden Beschwerde beläuft sich insgesamt auf 23 Seiten, weshalb der diesbezügliche Aufwand um einen Viertel zu reduzieren und auf neun Stunden zu veranschlagen ist. Weiter legt der Rechtsvertreter auf sieben Seiten seiner Beschwerdeschrift eine eigene Analyse der aktuellen Situa- tion in der Heimat seines Mandanten dar, weshalb der diesbezüglich b e- triebene Aufwand angesichts der Tatsache, dass die schweizerischen Asylbehörden die aktuelle Lage in den jeweiligen Heimat- und Herkunfts- ländern selber einer dauernden Überprüfung unterziehen, als teilweise übertrieben erscheint. Angesichts der im Übrigen allgemein weitschweif i- gen und sich teilweise wiederholenden Ausführungen ist der Aufwand um weitere zwei Stunden zu kürzen. Das Bundesverwaltungsgericht geht vor- liegend für die Erstellung der Rechtsmitteleingabe vom 30. April 2012 (weitere Eingaben liegen nicht vor) von einem gerechtfertigten Gesam t- aufwand von sieben Stunden aus. Die Parte ientschädigung ist somit auf 1850.– zu beziffern (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer). Das BFM ist an- zuweisen, dem Beschwerdeführer diesen Betrag auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-352/2012 D-2439/2012 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde vom 19. Januar 2012 wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben. 2. Die Beschwerde vom 30. April 2012 wird gutgeheissen. 3. Die vorinstanzliche Verfügung vo m 22. März 2012 wird aufgehoben und die Sache wird im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vo r- instanz zurückgewiesen. 4. Es werden in beiden Beschwerdeverfahren keine Verfahrenskosten aufer- legt. 5. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Beschwerd e- verfahren D-352/2012 eine Parteientschädigung von Fr. 400.– zu entrich- ten. 6. Für das Beschwer deverfahren D-2439/2012 wird das BFM angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 1850.– zu b e- zahlen. 7. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand: