Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschluss des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 4. Oktober 2016 (470 16 187) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Nichtanhandnahme des Verfahrens Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref.), Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiberin i.V. Flora Reber Parteien A.____, Beschwerdeführerin 1 B.____, Beschwerdeführerin 2 gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin C.____, Beschuldigter Gegenstand Nichtanhandnahme des Verfahrens Beschwerde gegen die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsan- waltschaft Basel-Landschaft vom 27. Juli 2016 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Schreiben vom 7. September 2012 beantragte der Leiter des Alters - und Pflege- heims D.____, E.____, bei der Vormundschaftsbehörde der Gemeinde X.____ (neu: Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde [KESB] K.____) die Errichtung einer Beistandschaft für die Heimbewohnerin F.____, weil deren Interessen durch ihre Töchter nicht wahrgenommen wü r- den. Mit Beschluss vom 20. November 2012 folgte die Vormundsc haftsbehörde der Gemeinde X.____ dem Antrag von E.____ und errichtete für F.____ eine kombinierte Beistandschaft g e- mäss Art. 392 Abs. 1 ZGB und Art. 393 Abs. 2 ZGB, bei welcher C.____ als Beistand eingesetzt wurde. Allfällige vorhandene Vollmachten für F.____ wurden mit diesem Beschluss widerrufen. Gegen die Errichtung der Beistandschaft erhob die Tochter von F.____, G.____, Beschwerde, welche mit Verfügung des Kantonsgerichtspräsidiums Basel -Landschaft, Abteilung Verfa s- sungs- und Verwaltungsrecht, vom 5. März 2013 zufolge Nichtleistung des Kostenvorschusses als gegenstandslos abgeschrieben wurde. B. Am 5. April 2014 verstarb F.____. In der Folge reichte C.____ den Schlussbericht und die Schlussrechnung bei der KESB K.____ ein. Diese genehmigte sowohl den Bericht wie auch die Rechnung mit Entscheid vom 28. Mai 2014 und entliess C.____ aus seinem Amt als Be i- stand für F.____. Gleichzeitig wurden dem Nachlass von F.____ die Verfahrenskosten der KESB K.____ auferlegt. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. C. Mit Schreiben vom 13. Mai 2016 erstatteten A.____ und B.____ Strafanzeige gegen den Geschäftsleiter des Alters - und Pflegeheims D.____, E.____, wegen ungetreuer G e- schäftsbesorgung nach Art. 158 Ziff. 2 StGB sowie gegen C.____ wegen ungetreuer G e- schäftsbesorgung nach Art. 158 Ziff. 2 StGB sowie Verunt reuung als Beistand gemäss Art. 138 StGB, begangen vom 20. November 2012 bis zum 5. April 2014 zu Lasten des Vermögens von F.____. D. Mit Verfügung vom 27. Juli 2016 beschlos s die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, die beiden separat zu behandelnden Verfahren in Anwendung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht an Hand zu nehmen. Auf die Begründung der hier relevanten Verfügung sowie der nac h- folgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Beschlusses eingegangen. E. Gegen die Nichtanhandnahmeverfügung vom 27. Juli 2016 erhoben A.____ (nachfol- gend: Beschwerdeführerin 1) und B.____ (nachfolgend: Beschwerdeführerin 2) mit Eingabe vom 5. August 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Strafrecht, und beantragten sinngemäss, es sei die Nichtanhandnahmeverfügung aufzuheben und die Staatsanwaltschaft anzuweisen, das Strafver fahren gegen den Beschuldigten an die Hand zu nehmen. F. Demgegenüber begehrte die Staatsanwaltschaft in ihrer Stellungnahme vom 29. August 2016 – unter Verweis auf die Begründung in der angefochtenen Verfügung – die Abweisung der Beschwerde unter o/e Kostenfolge. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel -Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 6. September 2016 wurde festgestellt, dass C.____ (nachfolgend: Beschuldigter) innert Frist keine Stellungnahme eingereicht hatte. Erwägungen 1.1 Die Zuständig keit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Beschwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO, wonach die Befugnisse der Beschwerdeinstanz dem Beru fungsgericht übertragen werden können und die Beschwerdeinstanz Beschwerden gegen Verfahrenshan d- lungen und gegen nicht der Berufung unterliegende Entscheide der Polizei, der Staatsanwal t- schaft und der Übertretungsstrafbehörden beurteilt, sowie aus § 15 Abs. 2 EG StPO. Nach Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist die Beschwerde zulässig gegen die Ver fügungen und die Verfa h- renshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertret ungsstrafbehörden. Gemäss Abs. 2 von Art. 393 StPO können mit der Beschwerde gerügt werden: Rechtsverlet zungen, ein- schliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Recht s- verzögerung (lit. a); die unvo llständige oder unrichtige Fest stellung des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unangemessenheit (lit. c). Nach Art. 310 Abs. 2 StPO i n Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide innert zehn Tagen schri ftlich und begründet bei der Be schwerdeinstanz einz u- reichen. Die Legitimation zur Ergreifung des Rechtsmittels schliesslich wird in Art. 310 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. 1.2 Zur Ergreifung der Beschwerde ist gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO jede Partei berechtigt, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat. Der Parteibegriff ist dabei umfassend im Sinne von Art. 104 und 105 StPO zu verstehen. Wä h- rend Art. 104 StPO die möglichen Parteien des Strafverfahrens abschliessend bezeichnet, listet Art. 105 StPO weitere Verfahrensbeteiligte auf, die im Verfahren eine Rolle spielen, ohne dass ihnen Parteistellung zukommen würde. Zu den anderen Verfahrensbeteiligten gehört gemäss Art. 105 Abs. 1 lit. b StPO unter anderem die Person, die Anzeige erstattet. Ein e Strafanzeige kann von jedermann erstattet werden und dient dazu, die Behörden über das Bestehen eines bestimmten Sachverhalts zu informieren. D em Anzeigeerstatter stehen jedoch – abgesehen vom beschränkten Anspruch auf Information über die Einleitung und die Erledigung des Stra f- verfahrens (Art. 301 Abs. 2 StPO) – keine weiteren Verfahrensrechte zu (Art. 301 Abs. 3 StPO). Insbesondere ist er nicht berechtigt, Nichtanhandnahmeverfügungen der Staatsanwaltschaft mittels Beschwerde bei der kantonalen Beschwerdeinstanz anzufechten , sofern er nicht g e- schädigt ist und folglich auch nicht als Privatkläg er am Strafverfahren teilnehmen kann (BGer 6B_299/2013 vom 26. August 20 13 E. 1.1; BGer 1B_200/2011 vom 15. Juni 2011 E. 2.2; HENRIETTE KÜFFER, in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 1, 11 ff. zu Art. 105 StPO). Geschädigter ist, wer durch die Straftat in seinen Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). Der Geschädigte muss mit anderen Worten Träger des Rechtsgutes sein, das durch die fragliche Strafbestimmung vor Verletzung oder Gefährdung geschützt werden soll. Gemäss Art. 118 Abs. 1 StPO kann sich Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine geschädigte Person als Privatkläger am Strafverfahren beteiligen, wenn sie dies ausdrück- lich im Verlaufe des Vorverfahrens gegenüber einer Strafverfolgungsbehörde erklärt. Als Priva t- kläger gehört die Person zu den Parteien des Verfahrens, womit ihr jegliche Verfahrensrechte zustehen (Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Im Zusammenhang mit Strafnormen, die nicht primär Individualrechtsgüter schützen, gelten praxisgemäss nur diejenigen Personen als Geschädigte, die durch die darin umschriebenen Tatbestä nde in ihren Rechten beeinträchtigt werden, sofern diese Beeinträchtigung u nmittelbare Folge der tatbestands mässigen Handlung ist. Werden durch Delikte, die (nur) öffentliche Interessen verletzen, auch private Interessen mittelbar beein- trächtigt, so ist der Betroffene nicht Geschädigter im Sinne von Art. 115 Abs. 1 St PO (BGE 138 IV 258 E. 2.3). Wird ein Verfahrensbeteiligter in seinen Rechten unmittelbar betroffen, so stehen ihm die zur Wahrung seiner Interessen erforderlichen Verfahrensrechte einer Partei zu (Art. 105 Abs. 2 StPO; BGer 1B_10/2012 vom 29. März 2012 E. 3). Ein bloss mittelbares oder faktisches Betroffensein genügt für die Einräumung von Parteirechten nicht ( NIKLAUS SCHMID, Praxiskom- mentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Zürich / St. Gallen 2013, N 10 zu Art. 105 StPO). 1.3 Die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 haben am 13. Mai 2016 gemeinsam eine Strafa n- zeige gegen den Beschuldigten wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 StGB sowie Veruntreuung als Beistand gemäss Art. 138 StGB eingereicht. Als Anzeigestellerinnen gehören sie gemäss Art. 105 Abs. 1 lit. b StPO zu den anderen Verfahrensbeteiligten, denen nur dann die erforderlichen Verfahrensrechte zustehen, wenn sie durch die angezeigte Straftat in ihren Rechten unmittelbar betroffen sind (Art. 105 Abs. 2 StPO). Sowohl der Straftatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 StGB als auch der Tatbestand der Ve r- untreuung gemäss Art. 138 StGB schützen den Wert des Vermögens als Summe der rechtlich geschützten wirtschaftlichen Güter ( GORAN MAZZUCCHELLI / MARIO POSTIZZI, in: Basler Ko m- mentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 56 zu Art. 115 StPO). Geschädigter bei der Verletzung der vorgenannten Straftatbestände kann folglich nur sein, wer Inhaber des geschädigten Vermögens ist. 1.4 Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin 1 – als Tochter der verstorbenen F.____ und somit als Angehörige der Erbengemeinschaft F.____ – als geschädigte Person gemäss Art. 115 Abs. 1 StPO zu betrachten ist, die zum Ergreifen der zur Wahrung ihrer Interessen e r- forderlichen Rechtsmittel legitimiert ist. Auf die Beschwerde der Beschwerdeführerin 1 ist somit einzutreten. Nicht ersichtlich ist hingegen, inwiefern die Beschwerdeführerin 2 durch die ang e- zeigten Straftaten geschädigt worden sein soll. Weder aus der Strafanzeige noch aus der B e- schwerdeschrift geht hervor, in welchem Verhältnis die Beschwerdeführerin 2 zur Beschwerd e- führerin 1 bzw. zur Verstorbenen steht. In einem der Beschwerdeschrift beigelegten Schreiben von G.____ für die Erbengemeinschaft F.____ an die H.____AG vom 13. September 2014 (Bei- lage 26) wird die Beschwerdeführerin 2 als Zeugin für die im Schreiben wiedergegebene mün d- liche Schuldanerkennung von I.____ vom 1. September 2014 um 13:30 Uhr in der Liegenschaft Nr. 17 an der Y.____strasse in X.____ angegeben. Ob indes eine engere Verbindung zwischen der Beschwerdeführerin 2 und dem durch die Straftatbestände geschützten Rechtsgut vorliegt, ergibt sich weder aus den Unterlagen, noch wird es durch die Beschwerdeführerinnen darg e- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht legt. Gestützt auf die der Rechtsmitte linstanz zugrunde liegenden Informationen ist deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin 2 in diesem Verfahren als Drittperson teilg e- nommen hat, welcher nicht die Eigenschaft als Trägerin des durch Art. 158 StGB und Art. 138 StGB geschützten Rechtsgutes zukommt. Folglich ist ihr die Geschädigtenstellung im Sinne von Art. 115 Abs. 1 St PO vorliegend abzusprechen, weshalb a uf ihre Vorbringen nicht einzutreten ist. Nachdem aber die angefochtene Nichtanhandnahmeverfügung ein taugliches Anfechtung s- objekt darstellt, die Beschwerdeführerin 1 beschwerdelegitimiert ist, eine zulässige Rüge erhebt sowie die Rechtsmittelfrist gewahrt hat und der Begründungspflicht nachgekommen ist, ist u n- geachtet der fehlenden Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin 2 a uf die Beschwerde einzutreten. 2.1 Die Staatsanwaltschaft hat die angefochtene Verfügung mit Verweis auf die von den Beschwerdeführerinnen eingereichten, umfangreichen Unterlagen und nach Darstellung des Sachverhaltes im Wesentlichen damit begründet, dass der Beschuldigte pflichtgemäss geha n- delt und sämtliche Handlungen mit der KESB K.____ abgesprochen habe oder durch ein G e- richtsurteil dazu ermächtigt gewesen sei. Aus dem Sachverhalt sei klar ersichtlich, dass weder der Tatbestand der ungetreuen Geschäft sbesorgung noch derjenige der Veruntreuung erfüllt sei. 2.2 Demgegenüber ist die Beschwerdeführerin 1 im Wesentlichen der Ansicht, der B e- schuldigte habe in seiner Funktion als Beistand anmassend gehandelt und die Existenz der Familie J.____ vernichtet. Durch die Beistandschaft sei die sich im Haus von F.____ im Aufbau befindende Herberge der Tochter G.____ zerstört worden. Der Beistand habe nicht zur Aufg a- be, über den Nachlass der verbeiständeten Person nach eigenem Ermessen zu verfügen. Die Absicht, ein Gut zu verkaufen und Massnahmen einzuleiten, um sich und Dritte auf Kosten e i- ner verbeiständeten Person zu begünstigen – wie dies vorliegend geschehen sei – müsse als korrupt bezeichnet werden. Bei allen Handlungen des Beistandes sei es nie u m das Wohl von F.____ gegangen. 3.1 Gemäss Art. 310 Abs. 1 StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die Nichtanhandnahme eines Strafverfahrens, sobald auf Grund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, dass die fraglichen Straftatbestände oder Prozessvoraussetzungen eindeutig nicht erfüllt sind (lit. a), Verfahrenshindernisse bestehen (lit. b) oder aus den in Art. 8 StPO genannten Gründen auf eine Strafverfolgung zu v erzichten ist (lit. c). Da dieser Bestimmung zwingender Charakter zukommt, muss die Staatsanwaltschaft bei Vorli egen der in Art. 310 Abs. 1 StPO genannten Gründe eine Nichtanhandnahmeverfügung erla ssen (ESTHER OMLIN, in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 8 zu Art. 310 StPO). Mit dem sofortigen Entscheid, kein Untersuchungsverfahren durchzuführen, soll verhindert werden, dass Personen durch grundlose Anzeigen oder Ermittlungen Nachteile erleiden und nutzlose Umtrie- be anfallen. Weil eine Nichtanhandnahmeverfügung nur dann erlassen wird, wenn keine Unte r- suchungshandlungen vorgenommen werden (Art. 309 Abs. 4 StPO), muss es sich folglich um sachverhaltsmässig und rechtlich klare Fälle handeln, wobei sich dies alle in aus den Akten zu ergeben hat. Eine Nichtanhandnahme wegen Fehlens eines Straftatbestands oder fehlender Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prozessvoraussetzungen darf somit nur dann verfügt werden, wenn mit Sicherheit feststeht, dass der zu beurteilende Sachverhalt unter keinen Straftatbestand fällt oder gar nicht verfolgbar ist (OMLIN, a.a.O., N 8 f. zu Art. 310 StPO; NATHAN LANDSHUT/ THOMAS BOSSHARD, in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung , 2. Auflage, Zürich 2014, N 1 ff. zu Art. 310 StPO). 3.2 Zu prüfen ist vorliegend, ob die Staatsanwaltschaft aufgrund der Akten zu Recht davon ausgegangen ist, dass die Straftatbestände der Veruntreuung und der ungetreuen Geschäft s- besorgung eindeutig nicht erfüllt sind. In Anwendung von Art. 138 Ziff. 1 StGB wird mit Fre i- heitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer sich eine ihm anvertraute fremde bewegliche Sache aneignet, um sich oder einen anderen damit unrechtmässig zu bereichern (al. 1), oder wer ihm anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem oder eines anderen Nutzen verwendet (al. 2). Die tatbestandsmässige Handlung besteht bei der Veruntreuung von Vermögenswerten in einem Verhalten, durch welches der Täter eindeutig seinen Willen beku n- det, den obligatorischen Anspruch des Treugebers zu vereiteln. Praxisgemäss gilt als anve r- traut, was jemand mit der Verpflichtung empfängt, es in bestimmter Weise im Interesse des Treugebers zu verwenden. Dabei genügt es, dass der Täter ohne Mitwirkung des Treugebers über die Werte verfügen kann. Ein besonderes Vertr auensverhältnis zwischen Treugeber und Treuhänder muss nicht bestehen. Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz und ein Handeln in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht. Nach der Rechtsprechung bereichert sich bei der Veruntreuung von Vermögenswerten unr echtmässig, wer die Vermögenswerte, die er dem B e- rechtigten jederzeit zur Verfügung zu halten hat, in seinem Nutzen verwendet, ohne fähig und gewillt zu sein, sie jederzeit sofort zu ersetzen (BGE 133 IV 21 [27] E. 6.1 f., mit Hinweisen). Gemäss Art. 158 Ziff. 2 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, die ihm durch das G e- setz, einen behördlichen Auftrag oder ein Rechtsgeschäft eingeräumte Ermächtigun g, jeman- den zu vertreten, missbraucht und dadurch den Vertretenen am Vermögen schädigt. Das spezi- fische Unrecht des dabei umschriebenen Verhaltens besteht darin, dass der Täter die ihm ei n- geräumte Befugnis, für einen anderen rechtswirksam zu handeln, dazu benutzt, um sich auf dessen Kosten zu bereichern. Dies setzt zunächst eine dem Täter durch das Gesetz, einen b e- hördlichen Auftrag oder ein Rechtsgeschäft eingeräumte entsprechende Rechtsmacht voraus (GÜNTER STRATENWERTH / GUIDO JENNY / FELIX BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Besonde- rer Teil I, 7. Auflage, Bern 2010, Rz. 21 ff. zu § 19). Dabei muss der Täter nicht zwingend über wesentliche Vermögensbestandteile selbständig verfügen dürfen. Es reicht bereits aus, wenn er zur Vertretung eines anderen in eine m einzigen Rechtsgeschäft berechtigt ist ( MARCEL ALEXANDER NIGGLI, in: Basler Kommentar zu m Schweizerischen Strafrecht II, 3. Auflage, Basel 2013, N 142 ff. zu Art. 158 StGB). Als Folge seines pflichtwidrigen Verhaltens muss der Täter schliesslich vorsätzlich und mit der Absicht, sich oder einen anderen zu bereichern, eine Ve r- mögensschädigung des Vertretenen bewirken ( STRATENWERTH / JENNY / BOMMER, a.a.O., N 24 zu Art. 158 StGB i.V.m. N 15 ff. zu Art. 158 StGB). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Der Beschuldigte ist von der Vormundscha ftsbehörde X.____ mit Beschluss vom 20. November 2012 als Beistand für F.____ gemäss Art. 392 Abs. 1 ZGB und Art. 393 Abs. 2 ZGB eingesetzt worden. In dieser Funktion ist er unter anderem dazu verpflichtet gewesen, bei der Feststellung der Vermögensverhält nisse mitzuwirken, die Vertretung bei der Regelung der finanziellen und administrativen Angelegenheiten wahrzunehmen sowie das Einkommen und allfällige Vermögen von F.____ zu verwalten. Bei der Erfüllung seiner Aufgaben hat der B e- schuldigte festgestellt, d ass seine Mandantin über wenig liquide Mittel verfügt. Er hat deshalb mit Schreiben vom 3. Mai 2013 die Zustimmung der KESB K.____ zur Umwandlung der variab- len Hypothek von CHF 20‘000.-- mit dem Erhöhungsbetrag von CHF 100‘000.-- per 31. Mai 2013 in eine 3-Monats-Libor-Hypothek zu Gunsten der Liegenschaft von F.____ an der Y.____strasse 17 in X.____ beantragt. Diesem Begehren hat die KESB K.____ mit Entscheid vom 16. Mai 2013 zugestimmt. Zur weiteren Liquiditätsbeschaffung hat der Beschuldigte in A b- sprache mit der KESB K.____ den Verkauf der Liegenschaft von F.____ an der Y.____strasse 17 in X.____ per Ende 2014 geplant. Aus diesem Grund hat dieser der Tochter G.____ im Namen seiner Mandantin die Gebrauchsleihe an der Y.____strasse 17 per 31. August 2013 gekündigt. Der Aufforderung, die Liegenschaft bis zum 2. September 2013 unter Mitnahme sämtlicher ihr gehörender Gegenstände zu verlassen, ist G.____ nicht nachge- kommen. In der Folge ist diese durch Verfügung der Zivil - und Verwaltungsvollzugs behörde Basel-Landschaft vom 7. Januar 2014 aufgefordert worden, ihre Gegenstände in der besagten Liegenschaft abzuholen. Nach dem Tod von F.____ hat der Beschuldigte einen Schlussbericht und eine Schlussrechnung verfasst, welche durch die KESB K.____ mit Entscheid vom 28. Mai 2014 genehmigt worden sind. Wie sich aus den eingereichten Unterlagen und den geschilde r- ten Sachverhaltsmomenten ergibt, sind erstens sämtliche Handlungen des Beistands mit der KESB K.____ abgesprochen bzw. durch diese genehmigt worden, und zw eitens ist über alle Vorhaben Rechenschaft abgelegt worden. Die Vorwürfe bezüglich der Verletzung der dem B e- schuldigten zukommenden Treuepflicht sind demnach als haltlos zu bezeichnen. Weder aus dem Sachverhalt noch aus der Beschwerdeschrift der Beschwerde führerin 1 erhärtet sich der angezeigte Verdacht der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 2 StGB oder der Veruntreuung gemäss Art. 138 StGB. Dasselbe gilt für eine allfällige ungetreue Geschäft s- besorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 StGB. Gestütz t auf diese Erwägungen hat die Staatsanwal t- schaft das Verfahren gegen den Beschuldigten zu Recht nicht an Hand genommen, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf eingetreten werden kann. 4. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelver - fahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Ausgangsgemäss gehen die o r- dentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens von total CHF 550.-- (bestehend aus einer G e- richtsgebühr von CHF 500.-- und Auslagen von pauschal CHF 50.--) in solidarischer Verbi n- dung zulasten der unterliegenden Beschwerdeführerinnen (vgl. § 13 Abs. 1 GebT). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2. Die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens von total CHF 550.-- (bestehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 500.-- sowie Auslagen von pauschal CHF 50.--) gehen in solidarischer Ve r- bindung zulasten der Beschwerdeführerinnen. 3. Die bereits erbrachte Sicherheitsleistung im Betrag von CHF 300. -- wird an die ordentlichen Kosten angerechnet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin i.V. Flora Reber