A bteilung II B -2183/2006 {T 0 /2 } U rteil vom 28. A ugust 2007 M itw irkung: R ichter Philippe W eissenberger (vorsitzender R ichter), R ich- ter Frank Seethaler, R ichter R onald Flury; G erichtsschreiber D aniel Peyer. X._______, Beschw erdeführerin, gegen B undesam t für B erufsbildung und Technologie (B B T), Effingerstrasse 27, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend A nerkennung eines D iplom s. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. X._______, schw eizerische Staatsangehörige, absolvierte von 1989 bis 1993 eine Augenoptikerlehre in der Schw eiz. In D eutschland hatte sie nach Besuch einer entsprechenden Schule von 1996 bis 1998 zudem den Titel Augenoptikerm eisterin erw orben. B. Am 16. Januar 2006 stellte X._______ beim Bundesam t für Berufsbildung und Technologie (nachfolgend Bundesam t) das G esuch, der von ihr er- w orbene M eistertitel als H örgeräteakustikerin, ausgestellt am 9. Juli 2005 von der H andw erkskam m er M annheim (D eutschland), sei als gleichw ertig m it dem eidgenössischen Fachausw eis als H örgeräteakustikerin an- zuerkennen. Laut G esuchsbeilagen hatte X._______ von Januar bis Juli 2005 im Institut für Berufsbildung (ifb), einer staatlich anerkannten privaten Fachschule für Augenoptik und O ptom etrie in Karlsruhe (D eutschland), den Lehrgang H örgeräteakustikerm eister/in besucht. Am 9. Juli 2005 hatte sie die M eisterprüfung im H örgeräteakustiker-H andw erk gem äss bundes- deutscher M eisterprüfungsverordnung vom 26. April 1994 bei der H and- w erkskam m er M annheim bestanden. C . M it Verfügung vom 21. Juli 2006 entschied das Bundesam t, die "M eister- prüfung im H örgeräteakustiker-H andw erk" w erde als der eidg. Berufsprü- fung "H örgeräteakustikerin m it eidg. Fachausw eis" gleichw ertig anerkannt unter der Bedingung, dass X._______ a. eine m indestens dreijährige be- rufsspezifische, praktische Tätigkeit als H örgeräteakustikerin bei einem In- haber eines eidg. Fähigkeitsausw eises oder eines anderen gleichw ertigen Berufsausw eises nachw eise und b. erfolgreich eine Eignungsprüfung in den Fächern H örgerätekenntnisse, O toplastik, D iagnostische Audiom etrie und H örgeräteanpassung absolviere. Zur Begründung hielt das Bundesam t fest, die Schw eiz habe m it dem Freizügigkeitsabkom m en m it der Europäi- schen U nion vom 21. Juni 1999 deren System der gegenseitigen Anerken- nung von D iplom en in ihren M itgliedstaaten (inkl. EFTA-Staaten) ange- nom m en. Zur Beurteilung der G leichw ertigkeit bei reglem entierten Berufen w ende die Schw eiz die relevanten europäischen R ichtlinien an. D iese sä- hen vor, dass der Aufnahm estaat einem EU -/EFTA-Bürger den Zugang zu seinem Arbeitsm arkt nicht verw eigern könne, w enn der G esuchsteller in seinem H eim atland für die Ausübung seines Berufes qualifiziert sei. Sollte der Aufnahm estaat jedoch bei der G egenüberstellung der ausländischen und schw eizerischen Ausbildung U nterschiede bezüglich der D auer und dem Inhalt feststellen, könne er vom G esuchsteller Ausgleichsm assnah- m en verlangen. D ie Tätigkeit als H örgeräteakustikerin sei in der Schw eiz reglem entiert. Als Vorbereitung zur Berufsprüfung zur H örgeräteakustikerin m it eidg. Fachausw eis w erde eine dreijährige berufsspezifische, ganztägi- ge (5-Tage W oche) praktische Tätigkeit als H örgeräteakustikerin bei einem Inhaber eines eidg. Fähigkeitsausw eises oder eines anderen gleichw erti- gen Berufsausw eises gefordert. D ie praktische Tätigkeit sei ein "training on the job", ergänzt durch einen ebenfalls dreijährigen Ausbildungskurs. 3 D er Kurs w erde in zw ei Stufen absolviert und beinhalte in der ersten Stufe ca. 400 und in der zw eiten Stufe ca. 620 Lektionen. D er Lehrgang des ifb Karlsruhe dem gegenüber bereite H örgeräteakustiker und Augenoptiker- m eister in ca. 5 M onaten Teilzeitunterricht (berufsbegleitend) bzw . in ca. 270 U nterrichtsstunden auf die Teile I und II, Fachpraxis und Fachtheorie, der M eisterprüfung im H örgeräteakustiker-H andw erk vor. D ie geforderte dreijährige praktische Tätigkeit als Zulassungskriterium sei ein w esentli- ches Elem ent der eidg. Berufsprüfung zur H örgeräteakustikerin. Als Au- genoptikerm eisterin habe sich die G esuchstellerin am ifb Karlsruhe ohne berufsspezifische Ausbildung im H örgeräteakustiker-H andw erk in fünf M o- naten Teilzeitunterricht auf die entsprechende M eisterprüfung vorbereitet. D as ifb verm ittle nur einen Bruchteil der Ausbildungsinhalte von Leonardo III resp. des Schw eizerischen Ausbildungszentrum s für H örgeräteakustik (SAH A) in O lten. D ie Ausstellung einer G leichw ertigkeitsbestätigung erfol- ge daher nur unter den obengenannten Bedingungen. D . G egen die vorgenannte Verfügung erhob X._______ (nachfolgend Be- schw erdeführerin) am 28. Juli 2006 Beschw erde bei der R ekurskom m issi- on des Eidgenössischen Volksw irtschaftsdepartem entes (R EKO /EVD ). Am 13. Septem ber 2006 – und som it unter Berücksichtigung des gesetzlich vorgesehenen Fristenstillstandes vom 15. Juli bis und m it 15. August rechtzeitig – reichte sie R echtsbegehren und Begründung ihrer Beschw er- de nach. Sie beantragte, die angefochtene Verfügung des Bundesam tes sei aufzuheben und ihr in D eutschland erw orbener M eistertitel im H örgerä- teakustiker-H andw erk sei als m it dem eidg. Fachausw eis als H örgeräte- akustikerin gleichw ertig anzuerkennen. Zur Begründung führte sie im W esentlichen aus, der Entscheid des Bun- desam tes, ihre M eisterprüfung in der Schw eiz nicht bzw . nur unter Auferle- gung von Ausgleichsm assnahm en anzuerkennen, sei w illkürlich. Laut ei- nem internen M erkblatt w ürden vom Bundesam t G leichw ertigkeitsanerken- nungen für bei den H andw erkskam m ern H alle, H annover, H ildesheim und R heinhessen abgelegte M eisterprüfungen ohne w eiteres ausgestellt. Ü ber Abschlüsse bzw . deren G leichw ertigkeitsanerkennung anderer Kam m ern w erde dagegen individuell entschieden. In D eutschland w ürde die M eister- prüfung im H andw erk von staatlichen Prüfungsausschüssen abgenom m en, w elche von der jew eiligen Landesregierung m it Sitz bei einer H andw erks- kam m er errichtet w ürden. D ies treffe auch auf den M eisterprüfungsaus- schuss für das H örgeräteakustiker-H andw erk bei der H andw erkskam m er M annheim zu, bei w elchem sie ihre M eisterprüfung erfolgreich abgelegt habe. D ie Prüfungsanforderungen für ein geordnetes und einheitliches M eisterprüfungsw esen im hier relevanten M etier richte sich nach der bun- desw eit gültigen R echtsverordnung über Berufsbild und Prüfungsanforde- rungen für das H örgeräteakustiker-H andw erk vom 26. April 1994. D am it seien die M eisterprüfungsvorschriften einheitlich geregelt. U nterschiede in der W ertigkeit einzelner Abschlüsse w ürden in D eutschland nicht beste- hen. D as Bundesam t handle w illkürlich, w enn es H örgeräteakustiker-M eis- terprüfungen bestim m ter H andw erkskam m ern als gleichw ertig m it der Be- rufsprüfung m it eidg. Fachausw eis anerkenne, w ährend dies für bei ande-4 ren Kam m ern abgelegte Prüfungen, w elche sich ebenfalls nach den bun- desw eit einheitlichen Anforderungen gem äss obengenannter R echtsver- ordnung richten w ürden, nicht gelte. E. M it Vernehm lassung vom 4. D ezem ber 2006 beantragte das Bundesam t die Abw eisung der Beschw erde. In der H auptsache hielt es fest, vorlie- gend sei die Prüfung der G leichw ertigkeit des von der Beschw erdeführerin in D eutschland erw orbenen M eistertitels im H örgeräteakustiker-H andw erk nach den europäischen R ichtlinien zur Anerkennung von D iplom en ge- m äss Anhang III des Freizügigkeitsabkom m ens erfolgt. D as Abkom m en bezw ecke nicht, alle D iplom e bedingungslos anzuerkennen bzw . die Aus- bildungen abzugleichen. W eise die im H erkunftsstaat absolvierte Ausbil- dung theoretische und/oder praktische Fächer auf, die sich von denen des im Aufnahm estaat geforderten D iplom s beträchtlich unterscheiden w ürden, könnten Ausgleichsm assnahm en verlangt w erden. Es sei festgestellt w or- den, dass es vorliegend erhebliche U nterschiede zw ischen D auer und In- halt der Ausbildung der Beschw erdeführerin und der in der Schw eiz erfor- derlichen Ausbildung gebe. G em äss den anw endbaren europäischen R ichtlinien könnten in solchen Fällen vom Aufnahm estaat Berufserfahrung sow ie Anpassungslehrgang oder Eignungsprüfung verlangt w erden. D as von der Beschw erdeführerin zitierte M erkblatt G leichw ertigkeit/Berufsprü- fung H örgeräteakustiker/in vom 5. April 2006 (recte: 2005) sei zum inter- nen G ebrauch bestim m t und stelle keine rechtliche G rundlage dar. In ei- nem Schreiben vom 6. Juni 2006 w eise das ifb Karlsruhe selbst darauf hin, dass die H andw erkskam m ern unabhängig von Ausbildungsstätte und -dau- er durch Prüfungen in Fachtheorie und Fachpraxis feststellen w ürden, ob die Teilnehm er die im Berufsbild geforderten Fertigkeiten und Kenntnisse aufw eisen w ürden. Som it gehe aus diesem Schreiben hervor, dass D auer und Inhalt der Ausbildung nicht in säm tlichen H andw erkskam m ern iden- tisch seien. D ie langjährige Erfahrung bezüglich der Anerkennung deut- scher D iplom e habe gezeigt, dass der von den H andw erkskam m ern H alle, H annover, H ildesheim und R heinhessen erteilte M eistertitel im H örgeräte- akustiker-H andw erk m it dem eidg. Fachausw eis als H örgeräteakustikerin gleichw ertig sei. D ies gelte nicht für bei anderen H andw erkskam m ern er- w orbene M eistertitel. In solchen Fällen entscheide das Bundesam t m an- gels Inform ationen über D auer und Inhalt der Ausbildung individuell. F. Per 1. Januar 2007 übergab die R EKO /EVD die Verfahrensakten an das neu geschaffene Bundesverw altungsgericht. D ieses übernahm das Be- schw erdeverfahren m it Verfügung vom 22. Januar 2007. M it Verfügung vom 23. Januar 2007 eröffnete das Bundesverw altungsge- richt den Schriftenw echsel w ieder und forderte vom Bundesam t diverse Auskünfte bezüglich Anerkennungspraxis ein. M it Eingabe vom 13. Februar 2007 nahm das Bundesam t zusam m enfas- send w ie folgt Stellung: D ie Anerkennungsvoraussetzungen gem äss euro- päischen R ichtlinien seien vorliegend anw endbar. Som it sei ein Vergleich der Ausbildungen im Einzelfall vorzunehm en. D ies geschehe auch bei Prü- fung von G leichw ertigkeitsgesuchen für M eistertitel, die bei den H and-5 w erkskam m ern H alle, H annover, H ildesheim und R heinhessen erw orben w orden seien. D ie von der Beschw erdeführerin am ifb Karlsruhe durchlau- fene Ausbildung zur M eisterin im H örgeräteakustiker-H andw erk w eise be- züglich D auer und Inhalt w esentliche U nterschiede zur Ausbildung auf, w elche m it dem eidg. Fachausw eis als H örgeräteakustikerin abgeschlos- sen w erde. U m die R echtsgleichheit m it Absolventinnen und Absolventen der eidg. Berufsprüfung sicherzustellen, seien Ausgleichsm assnahm en im auferlegten U m fang zu verlangen. M it Stellungnahm e vom 23. M ärz 2007 hielt die Beschw erdeführerin an ih- ren Begehren fest. Sie führte insbesondere aus, es sei entscheidend, dass die M eistertitel in D eutschland aufgrund von bestandenen Prüfungen ver- geben w ürden, unabhängig davon, w ann und w o die einzelnen Ausbil- dungsschritte absolviert w orden seien. Es sei eine Tatsache, dass die deutschen H andw erkskam m ern bzw . M eisterprüfungsausschüsse keine Pflichtstundenzahl vorschreiben w ürden, um zu den bundesw eit anerkann- ten Prüfungen zugelassen zu w erden. D ies ergebe sich aus der entspre- chenden R echtsverordnung (zitiert oben D .). D am it w ürden bundesw eit dieselben Anforderungen gelten. Auch sei der M eistertitel in diesem H and- w erk bundesw eit anerkannt. D aher sei es fragw ürdig, nach in D eutschland bestandener M eisterprüfung noch Ausgleichsm assnahm en in der Schw eiz zu fordern. D afür fehle es letztlich an einer gesetzlichen G rundlage. M it Verfügung vom 25. April 2007 w urde der Schriftenw echsel per 7. M ai 2007 abgeschlossen. Auf die vorstehend genannten und w eiteren Vorbringen der Parteien w ird, sow eit sie rechtserheblich sind, in den Erw ägungen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. D er Entscheid des Bundesam tes vom 21. Juli 2006 stellt eine Verfügung nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren dar (Vw VG , SR 172.021). D iese Verfügung w ar bisher bei der R EKO /EVD angefochten, w elche vor dem Inkrafttreten des Bundes- gesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw altungsgericht (Verw al- tungsgerichtsgesetz, VG G , SR 173.32) am 1. Januar 2007 (vgl. AS 2006 1069) zur Beurteilung der Streitsache sachlich und funktionell zuständig w ar (vgl. Art. 61 Abs. 1 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 13. D ezem ber 2002 über die Berufsbildung, BBG , SR 412.10, aufgehoben gem äss Ziff. 35 des Anhangs zum VG G ). D as Bundesverw altungsgericht, das gem äss Art. 31 VG G als Beschw erde- instanz Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 Vw VG beurteilt, ist nach Art. 53 Abs. 2 VG G (i. V. m . Art. 33 Bst. d VG G ) für die Behandlung der vorliegenden Streitsache zuständig, zum al keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G greift.6 D ie übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen ebenfalls vor (vgl. Art. 46 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist daher einzutreten. 2. Zu prüfen ist, nach w elchen R echtsnorm en die Anerkennung des von der Beschw erdeführerin in D eutschland erw orbenen M eistertitels im H örgerä- teakustiker-H andw erk als gleichw ertig m it dem eidgenössischen Fachaus- w eis als H örgeräteakustikerin zu beurteilen ist. D as Bundesverw altungsge- richt bestim m t dabei das anw endbare R echt von Am tes w egen. 3. Art. 68 Abs. 1 BBG überträgt dem Bundesrat die R egelung der Anerken- nung ausländischer D iplom e und Ausw eise der Berufsbildung im G eltungs- bereich des Berufsbildungsgesetzes. Zur Förderung der internationalen Zusam m enarbeit und M obilität in der Berufsbildung kann der Bundesrat in eigener Zuständigkeit internationale Vereinbarungen abschliessen (Art. 68 Abs. 2 BBG ). M it dem Erlass der Berufsbildungsverordnung vom 19. N o- vem ber 2003 (BBV, SR 412.101) hat der Bundesrat diese Kom petenz w ahrgenom m en und in Art. 69 der Verordnung die Anerkennung ausländi- scher D iplom e und Ausw eise geregelt (siehe ebendort). Abs. 4 von Art. 69 BBV behält völkerrechtliche Verträge explizit vor. 3.1 D as Bundesam t vertritt die Ansicht, auf die Frage der Anerkennung des deutschen M eistertitels der Beschw erdeführerin in der Schw eiz sei einzig das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Abkom m en vom 21. Juni 1999 zw i- schen der Schw eizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäi- schen G em einschaft und ihren M itgliedstaaten andererseits über die Frei- zügigkeit (Freizügigkeitsabkom m en, FZA, SR 0.142.112.681) anw endbar. 3.2 N ach Art. 1 Bst. a FZA hat dieses zum Ziel, den Staatsangehörigen der M itgliedstaaten der Europäischen G em einschaft und der Schw eiz u.a. ein R echt auf Zugang zu einer unselbständigen Erw erbstätigkeit im H oheits- gebiet der Vertragsparteien einzuräum en. D er G rundsatz der N ichtdiskri- m inierung (Art. 2 FZA) gew ährleistet den Staatsangehörigen der Schw eiz und der M itgliedstaaten der Europäischen G em einschaft das R echt, in der Anw endung des Abkom m ens nicht schlechter gestellt zu w erden als die Angehörigen des Staates, der das Abkom m en handhabt (YVO H AN G AR TN E R , D er G rundsatz der N ichtdiskrim inierung w egen der Staatsangehörigkeit im FZA der Schw eiz m it der Europäischen G em einschaft, AJP 2003 S. 257 ff., insbes. S. 260). In diesem Zusam m enhang bestim m t Art. 9 FZA, dass die Vertragsparteien gem äss Anhang III die erforderlichen M assnahm en tref- fen, um den Staatsangehörigen der M itgliedstaaten der Europäischen G e- m einschaft und der Schw eiz den Zugang zu unselbständigen und selb- ständigen Erw erbstätigkeiten und deren Ausübung sow ie die Erbringung von D ienstleistungen zu erleichtern. 3.3 Anhang III FZA trägt die Bezeichnung "G egenseitige Anerkennung berufli- cher Q ualifikationen (D iplom e, Prüfungszeugnisse und sonstiger Befähi- gungsnachw eise)". N ach dessen Bestim m ungen w enden die Vertragspar- teien im Bereich der gegenseitigen Anerkennung beruflicher Befähigungs- nachw eise untereinander die gem einschaftlichen R echtsakte, auf die Be-7 zug genom m en w ird, in der zum Zeitpunkt der U nterzeichnung des Abkom - m ens geltenden Fassung einschliesslich der in Abschnitt A dieses An- hangs genannten Änderungen oder gleichw ertige Vorschriften an. D ies be- deutet, dass die Schw eiz und die EU in diesem Bereich der gegenseitigen D iplom anerkennung eine ganze R eihe von R echtsakten (europäische R ichtlinien) anw enden, die in der EU selbst schon in Kraft sind (vgl. zum G anzen: Botschaft des Bundesrates vom 23. Juni 1999 zur G enehm igung der sektoriellen Abkom m en zw ischen der Schw eiz und der EG , Botschaft, BBl 1999 6128, insbes. S. 6155 und S. 6347 ff.; U rteil des Bundesgerichts 2A.331/2002 vom 24. Januar 2003 E. 6.1 m it H inw eis auf R U D O LF N ATSC H , G egenseitige Anerkennung beruflicher Q ualifikationen, in: Bilaterale Ver- träge Schw eiz - EG , Zürich 2002, S. 195 ff., insbes. S. 204; M AX W ILD , D ie Anerkennung von D iplom en im R ahm en des Abkom m ens über die Freizü- gigkeit der Personen, in: Bilaterale Abkom m en Schw eiz - EU , Basel 2001, S. 383 ff., insbes. S. 403). 3.4 H insichtlich der Anerkennung der beruflichen Q ualifikationen erfasst das FZA nur die im Aufnahm estaat reglem entierten beruflichen Tätigkeiten. Alle nicht reglem entierten Berufe stehen der freien Ausübung offen. Als re- glem entiert gilt eine berufliche Tätigkeit, bei der die Aufnahm e oder Aus- übung oder eine der Arten ihrer Ausübung in einem M itgliedstaat direkt oder indirekt durch R echts- oder Verw altungsvorschriften an den Besitz ei- nes Ausbildungs- oder Befähigungsnachw eises (bzw . D iplom s) gebunden ist. D azu gehört insbesondere die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit in Verbindung m it der Führung eines Titels, der nur von Personen geführt w erden darf, die einen Ausbildungs- oder Befähigungsnachw eis (bzw . ein D iplom ) besitzen, die in einschlägigen R echts- und Verw altungsvorschrif- ten festgelegt sind (Art. 1 Bst. f der R ichtlinie 92/51/EW G des R ates vom 18. Juni 1992 über eine zw eite allgem eine R egelung zur Anerkennung be- ruflicher Befähigungsnachw eise in Ergänzung zur R ichtlinie 89/48/EW G , ABl. L 209 S. 25). 3.5 D as Bundesam t hat eine Liste der reglem entierten Berufe in der Schw eiz herausgegeben (abrufbar unter w w w .bbt.adm in.ch [Them en/Internationale D iplom anerkennung/EU -D iplom anerkennung/Liste der reglem entierten Be- rufe]). D er Beruf der H örgeräteakustikerin ist in dieser Liste erfasst. G rund- lage für die R eglem entierung des Berufes als H örgeräteakustikerin bildet ein zw ischen dem Bundesam t für Sozialversicherungen und verschiedenen Akustikervereinigungen abgeschlossener Tarifvertrag über die H örgeräte- abgabe in der Invalidenversicherung vom 1. April 1999 bzw . dessen An- hang 1, w elcher die beruflichen M indestanforderungen festlegt (vgl. Art. 27 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversiche- rung [IVG , SR 831.20] und Art. 24 Abs. 2 der dazugehörigen Verordnung vom 17. Januar 1961 [IVV, SR 831.201]). D ie Ausübung dieses Berufes im Aufnahm estaat Schw eiz ist som it im Sinne der R ichtlinie 92/51/EW G regle- m entiert. Som it ist das FZA auf das G esuchsverfahren der Beschw erde- führerin grundsätzlich anw endbar (siehe dazu das U rteil des Bundesver- w altungsgerichts B-2158/2006 vom 29. M ärz 2007, E. 3.3-3.5).8 3.6 D ie allgem einen Anerkennungsregelungen, w elche nicht für bestim m te be- rufliche Tätigkeiten gelten, setzen sich zusam m en aus der R ichtlinie 89/48/EW G des R ates vom 21. D ezem ber 1988 über eine allgem eine R e- gelung der Anerkennung der H ochschuldiplom e, die eine m indestens drei- jährige Berufsausbildung abschliessen (ABl. 1989 L 019 S. 16) sow ie aus der bereits zitierten R ichtlinie 92/51/EW G (vgl. oben E. 3.4 i.f.). D ie europäischen R ichtlinien sehen Folgendes vor: D er Aufnahm estaat hat das R echt zur Vergleichung der Ausbildung sow ie zur Ablehnung der D ip- lom anerkennung, w enn die Ausbildung des Antragstellers sich in Bezug auf D auer, Inhalt oder die Tätigkeitsbereiche w esentlich unterscheidet. D ie Kom pensation unterschiedlicher Ausbildungsdauer kann durch den N ach- w eis von Berufserfahrung erbracht w erden (Art. 4 Abs. 1 Bst. a der R ichtli- nie 92/51/EW G ). Im Falle von unterschiedlichen Ausbildungsinhalten darf der Aufnahm estaat vom Antragsteller verlangen, dass er einen Anpas- sungslehrgang oder eine Eignungsprüfung ablegt (Art. 4 Abs. 1 Bst. b der R ichtlinie 92/51/EW G ; dazu auch N ATSC H , a.a.O ., S. 216 f.). M acht der Auf- nahm estaat bei unterschiedlichem Ausbildungsinhalt von der M öglichkeit eines Anpassungsinstrum ents G ebrauch, so m uss er dem Antragsteller die W ahl zw ischen dem Anpassungslehrgang und der Eignungsprüfung lassen (Art. 4 Bst. b U nterabsatz 3 der R ichtlinie 92/51/EW G ). D er Aufnahm estaat darf die Anpassungsinstrum ente des Art. 4 Abs. 1 Bst. a und b nicht kum u- lativ verw enden (Art. 4 Abs. 2 der R ichtlinie 92/51/EW G ). 3.7 Art. 12 FZA bestim m t, dass das Abkom m en günstigeren innerstaatlichen Bestim m ungen, die den Staatsangehörigen der Vertragsparteien ein- geräum t w erden, nicht entgegensteht. D azu gehören auch auf G egenrecht beruhende bilaterale Abkom m en der Schw eiz m it einzelnen M itgliedstaa- ten der Europäischen G em einschaft (vgl. H AN G AR TN E R , a.a.O ., S. 268). Es ist deshalb nachfolgend zu prüfen, ob ein für die Beschw erdeführerin günstigeres Abkom m en zur Anw endung kom m t. 4. Zw ischen der Schw eiz und D eutschland besteht eine zw ischenstaatliche Vereinbarung über die gegenseitige Anerkennung von Lehrabschlusszeug- nissen und M eisterprüfungen für die handw erklichen Berufe (nachfolgend Vereinbarung). 4.1 D iese Vereinbarung zw ischen der Schw eiz, vertreten durch das EVD bzw . dessen Vorsteher, und dem D eutschen R eich vom 1. D ezem ber 1937 w ur- de auszugsw eise im Bundesblatt veröffentlicht (BBl 1937 III 491). Sie sieht insbesondere vor, dass ein deutscher Staatsangehöriger, der in D eutsch- land die M eisterprüfung für das von ihm betriebene oder für ein diesem verw andtes H andw erk bestanden hat, in der Schw eiz hinsichtlich der Aus- übung seines H andw erks den Schw eizerbürgern gleichgestellt w ird, die in der Schw eiz die für ihr H andw erk geforderte höhere Fachprüfung bestan- den haben; dasselbe gilt vice versa (Art. I). D ie hier interessierende Be- stim m ung stellt einen R echtssatz dar, w elcher hinreichend bestim m t und klar ist, um als G rundlage eines R echtsanw endungsaktes zu dienen, sie ist dam it unm ittelbar anw endbar ("self-executing"; vgl. dazu U LR IC H H ÄFELIN /W ALTER H ALLER , Schw eizerisches Bundesstaatsrecht, 5. Aufl., Zürich 9 2001, R z. 1893 f.). Sie bezieht sich insbesondere - über ihren W ortlaut hin- aus - nicht bloss auf die G leichstellung deutscher M eistertitel m it durch Er- langung eines D iplom s absolvierten höheren Fachprüfungen, sondern auch m it durch Erw erb eines Fachausw eises abgeschlossenen eidg. Berufsprü- fungen w ie vorliegend (im heutigen System der höheren Berufsbildung der Schw eiz [Art. 42 ff. BBG ] sind die höheren Fachprüfungen und die eidg. Be- rufsprüfungen beide der Tertiärstufe zugeordnet und in diesem Sinne gleich- w ertig, w ährend der Term inus "eidg. Berufsprüfung" in dem zur Zeit des Ab- schlusses der Vereinbarung von 1937 geltenden Berufsbildungsrecht noch nicht bekannt w ar; vgl. Art. 42 ff. des Bundesgesetzes vom 26. Juni 1930 über die berufliche Ausbildung, aBBG , AS 48 789). 4.2 D ie Vereinbarung w urde w ie erw ähnt nicht bzw . nur teilw eise publiziert. G leichw ohl w urde sie in der Folge von beiden Parteien eingehalten und angew endet (vgl. dazu N ATSC H , a.a.O ., S. 217 f., N 41; Botschaft, BBl 1999 6350 sow ie Schreiben der Abteilung Berufsbildung des dam aligen Bundes- am tes für Industrie, G ew erbe und Arbeit [BIG A; heute BBT]) an den D eut- schen H andw erkskam m ertag vom 2. August 1995, w onach das Bundesam t die zw ischenstaatliche Vereinbarung von 1937 bis zum Zeitpunkt einer all- fälligen neuen R egelung w eiter einhalten w erde). D ie Vereinbarung trat am 1. Januar 1938 in Kraft (Art. V). Sie ist auch seit Inkrafttreten des FZA durch keine der Parteien gekündigt w orden (der Kündigungsm echanism us ist ebenfalls in Art. V festgelegt). 4.3 Besagte Vereinbarung ist in der Schw eiz w eder von der Bundesversam m - lung genehm igt noch vollständig publiziert oder ratifiziert w orden. Zu prü- fen ist, ob dieser U m stand sich auf die G ültigkeit der Vereinbarung aus- w irkt. 4.3.1 D ie Vereinbarung ist aufgrund der im dam aligen Bundesgesetz veranker- ten Kom petenz des Bundesrates zum Abschluss von Staatsverträgen gül- tig zustande gekom m en (vgl. Art. 41 Abs. 3 und 48 Abs. 4 aBBG ). Eine nachfolgende G enehm igung der Vereinbarung durch die Bundesversam m - lung w ar nicht erforderlich. Art. 85 Ziff. 5 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 29. M ai 1874 (aBV, Bereinigte Sam m lung der Bundesgesetze und Verordnungen 1848-1947 [BS] 1 3) sah w ohl den G rundsatz der G enehm igungspflicht von Staatsverträgen durch die Bundesversam m lung vor. D ie Praxis hatte jedoch bei Verträgen, zu deren Abschluss der Bundesrat auf G rund einer ausdrücklichen Er- m ächtigung der Bundesversam m lung (w ie hier durch ein Bundesgesetz) befugt w ar, von der G enehm igungspflicht abgesehen (dazu U LR IC H H ÄFELIN / W ALTER H ALLER , Schw eizerisches Bundesstaatsrecht, 4. Aufl., Zürich 1998, R z. 1042 [zur aBV]; TH O M AS C O TTIER / ALBER TO AC H ER M AN N / D AN IEL W Ü G ER / VALEN TIN ZELLW EG ER , D er Staatsvertrag im Schw eizerischen Verfassungsrecht, Beiträge zu Verhältnis und m ethodischer Angleichung von Völkerrecht und Bundesrecht, Bern 2001, S. 387 f.; zum G anzen nach heutigem R echt siehe Satz 2 von Art. 166 Abs. 2 der BV vom 18. April 1999 sow ie Art. 24 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 13. D ezem ber 2002 über die Bundesversam m - lung, Parlam entsgesetz, ParlG , SR 171.10).10 4.3.2 Auch die fehlende Publikation der Vereinbarung in der am tlichen Sam m - lung des Bundesrechts ist ihrer G ültigkeit nicht abträglich (sie ist bei den Internationalen Abkom m en in der D atenbank Staatsverträge auf der W eb- site des Eidgenössischen D epartem ents für ausw ärtige Angelegenheiten aufgeführt, abrufbar unter w w w .eda.adm in.ch [Them en/Völkerrecht/Inter- nationale Verträge/D atenbank Staatsverträge/Bilaterale Abkom m en m it D eutschland]). Lediglich Staatsverträge, die dem obligatorischen oder fa- kultativen R eferendum unterstehen oder rechtssetzender N atur sind, m üs- sen in der R egel in der am tlichen Sam m lung des Bundesrechts publiziert w erden (vgl. zum alten R echt: Art. 33 des Bundesgesetzes vom 9. O ktober 1902 über den G eschäftsverkehr zw ischen N ationalrat, Ständerat und Bundesrat, sow ie über die Form des Erlasses und der Bekanntm achung von G esetzen und Beschlüssen [die Bestim m ung sah vor, dass Staatsver- träge nach vollzogener R atifikation zu veröffentlichen seien]; AS 19 386; zum heutigen R echt: Art. 3 Abs. 1 Bst. a und b des Bundesgesetzes vom 18. Juni 2004 über die Sam m lungen des Bundesrechts und das Bundes- blatt, Publikationsgesetz, PublG , SR 170.512). R echtspflichten für die ein- zelne Person entstehen in diesen Konstellationen erst m it der Veröf- fentlichung (heute Art. 8 Abs. 1 PublG ). N achdem die Vereinbarung kei- nem R eferendum unterstand und der einzelnen Person keine Pflichten auf- erlegt, sondern vielm ehr ein R echt auf Anerkennung u.a. eines in D eutsch- land erw orbenen M eistertitels als gleichw ertig m it der in der Schw eiz be- standenen höheren Fachprüfung einräum t, entfällt das Publikationserfor- dernis schon aus diesen G ründen. H inzu kom m t, dass die Aufnahm e oder N ichtaufnahm e eines Staatsvertra- ges in die dam als als Publikationsm ittel vorgesehene BS nicht die Bedeu- tung hatte, dass dieser Vertrag an dem für die Aufnahm e eines Erlasses in die Sam m lung m assgebenden Stichtag (1. Januar 1948) gültig oder noch gültig gew esen sei. G em äss Art. 1 des Bundesgesetzes vom 12. M ärz 1948 über die R echtskraft der BS und über die neue R eihe der Sam m lung (AS 1949 1523) bestand die R echtsw irkung der bereinigten Sam m lung nur darin, dass die nicht aufgenom m enen Bundesgesetze, Bundesbeschlüsse, Bundesratsbeschlüsse, Verordnungen und Verfügungen aufgehoben w ur- den. H insichtlich der Staatsverträge der Eidgenossenschaft hatte die BS, w ie in Art. 4 des Bundesratsbeschlusses vom 10. D ezem ber 1951 (AS 1951 1151) ausgesprochen, keine negative, geschw eige denn eine positi- ve W irkung. D am it lässt sich aus der fehlenden Publikation in der BS ebenfalls nichts ableiten, w as der G ültigkeit der Vereinbarung entgegen- stehen w ürde (vgl. BG E 132 II 65 E. 4.1 m it w eiteren H inw eisen). Sodann sieht die Vereinbarung in Art. IV selbst vor, dass keine Veröffentli- chung stattfinden soll. Som it entspricht die nicht stattgefundene Publikati- on dem ausdrücklichen W illen der völkerrechtlichen Vertragspartner. 4.3.3 Schliesslich hindert auch die – sow eit ersichtlich – nicht erfolgte R atifikati- on die R echtsw irksam keit der Vereinbarung nicht. Sie w urde nicht unter R atifikationsvorbehalt abgeschlossen, ihre völkerrechtliche Verbindlichkeit dam it nicht an den Austausch der R atifikationsurkunden geknüpft.11 4.3.4 Abgesehen davon w ürde eine Berufung von schw eizerischen Behörden darauf, dass die Vereinbarung nach den innerstaatlichen, d.h. schw eizeri- schen R echtsregeln nicht rechtsgültig zustande gekom m en w äre, gegen Art. 27 und 46 des W iener Ü bereinkom m ens vom 23. M ai 1969 über das R echt der Verträge (SR 0.111; für die Schw eiz in Kraft getreten am 6. Juni 1990) verstossen. D ie Bestim m ung von Art. 27 des Ü bereinkom m ens sieht vor, dass eine Vertragspartei sich nicht auf ihr innerstaatliches R echt beru- fen kann, um die N ichterfüllung von (völkerrechtlichen) Verträgen zu recht- fertigen. Art. 46 Abs. 1 des Ü bereinkom m ens legt ferner fest, dass sich ein Staat nicht darauf berufen kann, dass seine Zustim m ung, durch einen Ver- trag gebunden zu sein, unter Verletzung einer Bestim m ung seines inner- staatlichen R echts über die Zuständigkeit zum Abschluss von Verträgen ausgedrückt w urde und daher ungültig sei, sofern die Verletzung nicht of- fenkundig w ar und eine innerstaatliche R egelung von grundlegender Be- deutung betraf. D ie beiden vorerw ähnten Bestim m ungen sind Ausdruck des R echtsgrundsatzes pacta sunt servanda, w elcher im Völkerrecht allge- m ein anerkannt w ird (vgl. Absatz 3 der Präam bel des Ü bereinkom m ens; siehe auch BG E 122 II 485 E. 3a m it H inw eis). Zw ar ist festzuhalten, dass Art. 4 des Ü bereinkom m ens den G rundsatz von dessen N ichtrückw irkung festlegt. D em nach ist das Ü bereinkom m en nicht auf Verträge anw endbar, w elche - w ie hier - vor seinem Inkrafttreten für die beteiligten Staaten ab- geschlossen w orden sind. D ie Bestim m ung hält aber ebenso fest, dass Verträge den R egeln unterw orfen sind, w elchen sie unabhängig von dem Ü bereinkom m en auf G rund des Völkerrechts unterliegen w ürden. D er allgem eine R echtsgrundsatz pacta sunt servanda und das Verbot der Berufung auf innerstaatliches R echt zur R echtfertigung der N ichtanw en- dung eines Staatsvertrages durch Behörden eines Vertragsstaates gelten hier - als Völkergew ohnheitsrecht - unabhängig von Art. 4 des Ü berein- kom m ens (vgl. zum G anzen D AN IEL W Ü G ER , Anw endbarkeit und Justiziabilität völkerrechtlicher N orm en im schw eizerischen R echt: G rundlagen, M ethoden und Kriterien, D iss. Bern 2005, S. 87 sow ie C O TTIER U .A., a.a.O ., S. 101 f. m it H inw eis). Eine allfällige Berufung einer innerstaatlichen Behörde auf eine landesrechtlich nicht gültig erfolgte Publikation ist dam it aus völkerrechtli- chen G ründen von vornherein nicht zulässig. 4.3.5 D ie Vereinbarung von 1937 ist som it gültig und direkt anw endbar. 5. In Art. I sieht die Vereinbarung zw ischen der Schw eiz und dem D eutschen R eich vom 1. D ezem ber 1937 die autom atische Anerkennung des deut- schen M eisterbriefs als gleichw ertig m it dem schw eizerischen D iplom (bzw . Fachausw eis, dazu oben E. 4.1 i.f.) vor. Ein Vergleich der Ausbil- dung und Berufserfahrung im H erkunftsstaat D eutschland m it den Anforde- rungen des Aufnahm estaates Schw eiz findet nicht statt; die G leichw ertig- keitsanerkennung erfolgt ohne w eiteres. 5.1 Ein Vergleich der in der Vereinbarung vorgesehenen autom atischen Aner- kennungsregelung m it jener des FZA ergibt Folgendes: D ie Beachtung der G ünstigkeitsregel (dazu oben E. 3.7) führt dazu, dass die Frage der An- erkennung von in D eutschland erw orbenen M eistertiteln in der Schw eiz 12 (und um gekehrt) inhaltlich nach der Vereinbarung von 1937 zu beurteilen ist, da diese für die jew eiligen G esuchsteller als günstiger zu bezeichnen ist. 5.2 D em W ortlaut nach ist die Vereinbarung in der hier interessierenden Kons- tellation bloss auf deutsche Staatsangehörige anw endbar, die in D eutsch- land die M eisterprüfung bestanden haben und in der Schw eiz ihr H and- w erk gleichgestellt m it den Schw eizerbürgern, die hier die dafür geforderte höhere Fachprüfung bestanden haben, ausüben w ollen (Art. I). D ie Be- schw erdeführerin ist indes Schw eizerbürgerin, die ihre M eisterprüfung in D eutschland bestanden hat und ihr H andw erk in der Schw eiz ausüben w ill. D ie Anw endung der Vereinbarung nach dem W ortlaut w ürde dazu führen, dass sich die Beschw erdeführerin nicht darauf berufen könnte. Ihr bliebe die G leichstellung ihres in D eutschland erw orbenen M eistertitels als H ör- geräteakustikerin m it dem schw eizerischen Fachausw eis nach dem auto- m atischen Anerkennungsm echanism us der Vereinbarung versagt. D em ge- genüber w ürde eine deutsche Staatsangehörige ihren in D eutschland er- w orbenen M eistertitel in der Schw eiz anerkennen lassen können. Schw eizerische Staatsangehörige w ie die Beschw erdeführerin könnten so- m it ihre in D eutschland erw orbenen Ausbildungsabschlüsse nicht nach denselben R egeln der Vereinbarung von 1937 in der Schw eiz anerkennen lassen w ie deutsche Staatsangehörige in deckungsgleicher Situation. 5.3 Es gilt deshalb abzuklären, ob durch die D ifferenzierung der rechtlichen Behandlung dieser bis auf die unterschiedliche Staatsangehörigkeit der gesuchstellenden Personen gleichen Sachverhalte eine unzulässige U n- gleichbehandlung bzw . D iskrim inierung der Beschw erdeführerin resultiert bzw . nach w elchen N orm en eine solche U ngleichbehandlung in Bezug auf ihre R echtm ässigkeit zu beurteilen ist. 5.3.1 W ie bereits dargetan, ist das FZA grundsätzlich anw endbar (E. 3.5 i.f.). Es regelt im W esentlichen die Zulassungs- und Aufenthaltsbedingungen, den Erw erb von Im m obilien, die Anerkennung von D iplom en, die Koordination der sozialen Sicherheit sow ie grenzüberschreitende D ienstleistungen. D as G ebot der N ichtdiskrim inierung w egen der Staatsangehörigkeit spielt dabei eine zentrale R olle. Einschlägig zur Frage der D iskrim inierung ist Art. 2 FZA: "D ie Staatsangehörigen einer Vertragspartei, die sich rechtm ässig im H oheitsgebiet einer anderen Vertragspartei aufhalten, w erden bei der An- w endung dieses Abkom m ens gem äss den Anhängen I, II und III nicht auf- grund ihrer Staatsangehörigkeit diskrim iniert". D as FZA geht davon aus, dass die Freizügigkeit der Personen im H oheits- gebiet der anderen Vertragspartei ein w esentlicher Bestandteil einer har- m onischen Entw icklung ihrer Beziehungen ist und dass die Vertragspartei- en entschlossen sind, die Freizügigkeit zw ischen ihnen auf der G rundlage der in der Europäischen G em einschaft geltenden Bestim m ungen (G em ein- schaftsrecht) zu verw irklichen. Für die Auslegung der Begriffe des G em einschaftsrechts ist die R echtspre- chung des G erichtshofes der Europäischen G em einschaften (EuG H ) bis 13 zum Zeitpunkt vor der U nterzeichnung des Abkom m ens zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 2 FZA "acquis com m unautaire" auf dem Stand vom 21. Juni 1999; STEPH AN BR EITEN M O SER /M IC H AEL ISLER , D er R echtsschutz im Personenfreizügigkeitsabkom m en zw ischen der Schw eiz und der EG so- w ie den EU -M itgliedstaaten, AJP 2002, S. 1011). D er EuG H hat hiezu in m ehreren Vorabentscheidungen erkannt, dass die Freizügigkeit der Arbeitnehm er und das N iederlassungsrecht im System der G em einschaft grundlegende Freiheiten darstellten, "die nicht voll ver- w irklicht w ären, w enn die M itgliedstaaten die Anw endung des G em ein- schaftsrechts denjenigen ihrer Staatsangehörigen versagen dürften, die von den im G em einschaftsrecht vorgesehenen Erleichterungen G ebrauch gem acht und dank dieser Erleichterung berufliche Q ualifikationen in einem anderen M itgliedstaat als dem jenigen erw orben haben, dessen Staatsan- gehörigkeit sie besitzen" (vgl. U rteil vom 31. M ärz 1993 in der R echtssa- che C -19/92, Kraus, Sam m lung der R echtsprechung [Slg.], I-1663, R and- nr. 16 und U rteil vom 6. O ktober 1981 in der R echtssache 246/80, Broek- m eulen, Slg., 2311, R n. 18 ff.; JAC Q U E S PER TEK, U ne dynam ique de la recon- naissance des diplôm es à des fins professionelles et à des fins acadé- m iques: réalisations et nouvelles réflexions, in: La reconnaissance des qualifications dans un espace européen des form ations et des professions, Bruxelles 1998, S. 189 f.; e contrario hat das Bundesgericht festgehalten, dass das Freizügigkeitsabkom m en Schw eizer Bürgern ohne grenzüber- schreitenden Anknüpfungspunkt keine R echte einräum t und deren R echts- stellung sich grundsätzlich nach dem Landesrecht richtet, vgl. BG E 130 I 26 E. 1.2.3 und BG E 129 II 249 E. 4.3 und 5.1). 5.3.2 D ie Vorschriften der Vereinbarung von 1937, im Besonderen jene hinsicht- lich der Staatsangehörigkeitsanknüpfung in Bezug auf die gegenseitige Anerkennung der M eisterprüfungen durch den jew eils anderen Vertrags- staat, sind nicht bloss nach dem W ortlaut anzuw enden. Vielm ehr sind sie nach dem N orm verständnis zur Zeit der jetzigen R echtsanw endung auszu- legen (sog. geltungszeitliche oder zeitgem ässe Auslegung). D ie Vereinba- rung ist som it insbesondere unter Berücksichtigung der dem FZA zugrun- deliegenden R echtsprinzipien anzuw enden. Analog der Praxis der Europäischen G em einschaft, w elche über Art. 16 Abs. 2 FZA im R ahm en desselben ihren N iederschlag findet, ist daher den Staatsangehörigen eines Vertragspartners (des FZA) das R echt zuzuge- stehen, sich auch gegen das eigene Land auf den G rundsatz der N ichtdis- krim inierung zu berufen (Verbot der Inländerdiskrim inierung). Vorausge- setzt ist allerdings ein Sachverhalt des FZA. Im vorliegenden Fall geht es um die Anerkennung einer beruflichen Ausbildung durch einen Vertrags- staat, w obei diese Q ualifikation in einem anderen Vertragsstaat erw orben w orden ist. Eine grenzüberschreitende Kom ponente liegt vor, w eshalb das Verbot der Inländerdiskrim inierung im soeben beschriebenen Kontext des europäischen G em einschaftsrechts zu beachten ist. 5.3.3 Schw eizerische Staatsangehörige w ie die Beschw erdeführerin können nach dem W ortlaut der Vereinbarung von 1937 ihre in D eutschland erw or-14 benen Ausbildungsabschlüsse in der Schw eiz nicht - w ie deutsche Staats- angehörige - nach den Vereinbarungsregeln anerkennen lassen (siehe oben E. 5.2 i.f.). D iese N ichtanerkennung eines durch einen Inländer (hier die Beschw erde- führerin, eine schw eizerische Staatsangehörige) im Ausland (hier in D eutschland) erw orbenen D iplom s nach den R egeln der Vereinbarung von 1937 stellt indes eine Inländerdiskrim inierung gem äss Art. 2 FZA dar. D enn die Vorinstanz w endet auf die Beschw erdeführerin den im Vergleich zur Anerkennungsregelung gem äss Vereinbarung ungünstigeren Anerken- nungsm echanism us gem äss FZA an. Schw eizerische und deutsche Staatsangehörige w erden dam it nicht gleich behandelt. Ein solcher staatli- cher Akt richtet sich m ateriell gegen die Verw irklichung der im FZA be- schriebenen Freizügigkeit. Eine derartige Vorgehensw eise ist m it dem D iskrim inierungsverbot bzw . m it Art. 2 FZA nicht vereinbar. D as D iskrim inierungsverbot hat som it zur Konsequenz, dass eine Staatsangehörige einer Vertragspartei - w ie die Beschw erdeführerin - sich erfolgreich gegen Vorschriften oder Verhaltens- w eisen ihres eigenen Staates w enden kann, w enn sie schlechter behan- delt w ird, w eil sie von den M öglichkeiten der Freizügigkeit - w ie hier in Be- zug auf die W ahl der Ausbildungsstätte - G ebrauch gem acht hat (zum G anzen: H AN G AR TN E R , a.a.O ., S. 262 f. m it w eiteren H inw eisen). 5.4 Zusam m enfassend ergibt sich, dass die zw ischenstaatliche Vereinbarung von 1937 som it über ihren blossen W ortlaut hinaus aufgrund des D is- krim inierungsverbots auf den vorliegenden Fall anw endbar ist. D em nach kann sich die Beschw erdeführerin ebenso w ie eine deutsche Staatsange- hörige auf die Anerkennungsregeln gem äss Vereinbarung berufen, an- dernfalls eine unzulässige Inländerdiskrim inierung vorliegen w ürde. 5.5 Selbst w enn die europäischen R ichtlinien und nicht die Vereinbarung von 1937 in der Sache selbst Anw endung fänden, w äre festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung des Bundesam tes gegen Art. 4 Abs. 2 der R ichtli- nie 92/51/EW G verstiesse: D as Bundesam t verlangte von der Beschw er- deführerin einerseits einen N achw eis einer m indestens dreijährigen Be- rufserfahrung und andererseits die Ablegung einer Eignungsprüfung in ge- w issen Fächern. Es kom binierte dam it unzulässigerw eise die vorgenann- ten Anpassungsinstrum ente (dazu oben E. 3.6 i.f.). 6. D em gem äss ist die Beschw erde gutzuheissen und die Verfügung des Bun- desam tes vom 21. Juli 2006 aufzuheben. Es w ird festgestellt, dass der am 9. Juli 2005 in D eutschland verliehene M eistertitel im H örgeräteakustiker- H andw erk m it dem eidgenössischen Fachausw eis als H örgeräteakustikerin gleichw ertig ist. D as Bundesam t w ird angew iesen, der Beschw erdeführerin eine G leichw ertigkeitsbestätigung auszustellen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens obsiegt die Beschw erdeführerin. Kos- ten sind keine zu erheben (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG ; Art. 1 ff. des R egle- m ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht, VG KE, SR 173.320.3). D er von der Be-15 schw erdeführerin am 29. Septem ber 2006 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 900.-- ist ihr zurückzuerstatten. D em Bundesam t als Vorinstanz sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 Vw VG ). Parteient- schädigungen sind keine auszurichten (Art. 64 Abs. 1 Vw VG ). D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen und die Verfügung des Bundesam tes vom 21. Juli 2006 w ird aufgehoben. Es w ird festgestellt, dass der am 9. Juli 2005 in D eutschland verliehene M eistertitel der Beschw erdeführerin im H örgeräteakustiker-H andw erk m it dem eidgenössischen Fachausw eis als H örgeräteakustikerin gleichw ertig ist. D as Bundesam t w ird angew iesen, der Beschw erdeführerin eine G leich- w ertigkeitsbestätigung auszustellen. 2. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. D er Beschw erdeführerin ist der am 29. Septem ber 2006 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 900.-- nach Eintritt der R echtskraft dieses U rteils zu Lasten der G erichtskasse zurückzuerstatten. 3. Es w ird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (m it G erichtsurkunde) - der Vorinstanz (m it G erichtsurkunde) (R ef-N r. 353/gre/6935) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: Philippe W eissenberger D aniel Peyer R echtsm ittelbelehrung D ieses U rteil kann innert dreissig Tagen seit Eröffnung beim Schw eizerischen Bundes- gericht in Lausanne angefochten w erden (Art. 82 i.V.m . Art. 100 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht, Bundesgerichtsgesetz, BG G , SR 173.110). D ie R echtsschrift ist in einer Landessprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung m it Angabe der Bew eism ittel und die U nterschrift zu enthalten (Art. 42 BG G ). Eingaben m üssen spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht einge- gangen oder zu dessen H anden der Schw eizerischen Post oder einer schw eizerischen diplom atischen oder konsularischen Vertretung übergeben w erden (Art. 48 BG G ). Versand am : 29. August 2007