<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 71 S.298</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">298</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>71</b></span> <span class="ft2"><b>Verspätetes Gesuch um Kostengutsprache.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Verordnungsbestimmung (§ 19 Abs. 1 SHV; neu § 9 Abs. 4 SPV),</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wonach bei verspäteter Gesuchseinreichung keine Verpflichtung der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Sozialbehörde zur Kostenübernahme besteht, lässt sich nicht auf das</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gesetz abstützen und ist daher ungültig. Nur die durch die Verspä-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tung entstandenen Mehrkosten dürfen abgelehnt werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 9. April 2003 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen M.H. gegen Entscheid des Bezirksamts B.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">6. a) Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, das Gesuch</span><br/> <span class="ft1">um Kostengutsprache sei verspätet erfolgt. Dieses sei erst 7 Tage vor</span><br/> <span class="ft1">Beginn der Lehre des Beschwerdeführers beim Gemeinderat H. ein-</span><br/> <span class="ft1">getroffen, zu einem Zeitpunkt also, als der Lehrvertrag und der damit</span><br/> <span class="ft1">verbundene stationäre Aufenthalt im Jugenddorf bereits beschlossene</span><br/> <span class="ft1">Sache gewesen seien. Der Sozialbehörde H. seien so überhaupt keine</span><br/> <span class="ft1">angemessenen Mitwirkungsrechte eingeräumt worden.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Gesuche um Kostengutsprache sind in der Regel vor Ge-</span><br/> <span class="ft1">währung der gewünschten Leistung an die zuständige Sozialbehörde</span><br/> <span class="ft1">zu richten (§ 18 Abs. 1 SHV). § 19 Abs. 1 SHV sieht vor, dass ohne</span><br/> <span class="ft1">Gutsprache oder bei verspäteter Einreichung des Gesuchs grundsätz-</span><br/> <span class="ft1">lich keine Verpflichtung zur Kostenübernahme besteht. Nach § 19</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 SHV kann jedoch eine nachträgliche Kostenübernahme aus-</span><br/> <span class="ft1">nahmsweise erfolgen, wenn dem Kostenträger durch die verspätete</span><br/> <span class="ft1">Meldung kein finanzieller Nachteil erwächst.</span><br/> <span class="ft1">bb) Gemäss § 95 Abs. 2 KV sind die Gerichte gehalten, Erlas-</span><br/> <span class="ft1">sen die Anwendung zu versagen, die Bundesrecht oder kantonalem</span><br/> <span class="ft1">Verfassungs- oder Gesetzesrecht widersprechen (vgl. auch § 2</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 VRPG). Jedes Gericht hat bei der Rechtsanwendung die Prü-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">299</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fung der anzuwendenden Normen auf ihre Übereinstimmung mit</span><br/> <span class="ft1">dem höherrangigen formellen und materiellen Recht vorzunehmen</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 2001, S. 117; Kurt Eichenberger, Verfassung des Kantons</span><br/> <span class="ft1">Aargau, Kommentar, Aarau 1986, § 95 N 21). Wird es durch das zu</span><br/> <span class="ft1">vollziehende Gesetz nicht anders bestimmt, müssen Verordnungen</span><br/> <span class="ft1">der Zielsetzung dieses Gesetzes folgen und dürfen dabei lediglich die</span><br/> <span class="ft1">Regelung, die in grundsätzlicher Weise im Gesetz Gestalt angenom-</span><br/> <span class="ft1">men hat, aus- und weiterführen, also ergänzen und spezifizieren; sie</span><br/> <span class="ft1">dürfen dieses weder aufheben noch abändern (Ulrich Häfelin/Walter</span><br/> <span class="ft1">Haller, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 5. Auflage, Zürich 2001,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 1860).</span><br/> <span class="ft1">Die Voraussetzungen der materiellen Hilfe werden in</span><br/> <span class="ft1">§ 12 f. SHG geregelt. Wenn ein Gesuch verspätet eingereicht wird,</span><br/> <span class="ft1">braucht das Gemeinwesen die dadurch entstandenen Mehrkosten</span><br/> <span class="ft1">nicht zu ersetzen, denn diese sind nicht notwendig (siehe § 13</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 SHG), und die Sanktion begründet sich insoweit gleichsam</span><br/> <span class="ft1">von selbst. Zusätzliche Einschränkungen der Leistungen, namentlich</span><br/> <span class="ft1">von der Schwere, wie sie in § 19 SHV statuiert sind, müssten im</span><br/> <span class="ft1">Gesetz selber vorgesehen sein. Andernfalls laufen sie auf eine Ver-</span><br/> <span class="ft1">schärfung der Voraussetzungen des Leistungsanspruchs im Vergleich</span><br/> <span class="ft1">zur gesetzlichen Regelung hinaus, die dem Verordnungsgeber nicht</span><br/> <span class="ft1">zusteht. Im Sinne einer systematischen und gesetzeskonformen</span><br/> <span class="ft1">Auslegung muss deshalb § 19 SHV (entgegen dem Wortlaut) so ver-</span><br/> <span class="ft1">standen werden, dass eine nachträgliche Kostenübernahme erfolgen</span><br/> <span class="ft4"><i>muss,</i> soweit dem Kostenträger durch die verspätete Meldung kein</span><br/> <span class="ft1">finanzieller Nachteil erwächst. Das unterstützungspflichtige Gemein-</span><br/> <span class="ft1">wesen kann also lediglich die durch die verspätete Gesuchseinrei-</span><br/> <span class="ft1">chung entstandenen Mehrkosten ablehnen.</span><br/> <span class="ft1">c) (...) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Gesuch um</span><br/> <span class="ft1">Kostengutsprache wohl verspätet eingereicht wurde. Dies kann die</span><br/> <span class="ft1">vollumfängliche Ablehnung indessen nicht rechtfertigen. Der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat H. war zur Gutsprache für die sachlich begründeten Kos-</span><br/> <span class="ft1">ten verpflichtet.</span><br/></div> </div> </body> </html>