Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Juni 2017 (720 16 385 / 140) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Ein Anspruch auf eine Umschulung wurde mangels Arbe itsunfähigkeit in der ange- stammten Tätigkeit zu Recht abgelehnt. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advoka- tin, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Berufliche Massnahmen A. Der 1984 geborene A.____ ist gelernter Logistika ssistent und Logistikfachmann. Seit 2. Mai 2007 arbeitete er als Logistiker bei der B._ ___ AG in C.____. Infolge Umschulung zum Sozialpädagogen kündigte er dieses Arbeitsverhältni s per Ende September 2016. Am 3. März 2016 meldete er sich unter Hinweis auf Rückenprobleme bei der Eidgenössischen Invalidenver- sicherung (IV) zum Bezug von Leistungen im Sinne be ruflicher Massnahmen an. Nach Abklä- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung der erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse sowie Durchführung des Vorbe- scheidverfahrens lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft mit Verfügung vom 9. November 2016 eine Kostengutsprache für Leistungen der IV ab. Zur Begründung hielt sie im Wesentlichen fest, dass der Versicherte seine angestammte Tätigkeit als Logi stikfachmann und Logistiker weiter- hin uneingeschränkt ausüben könne. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Raffaella Biaggi, am 20. November 2016 Beschwerde ans Kantonsgericht Basel-Landschaft, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es sei die Verfügung d er Beschwerdegegnerin vom 9. Oktober 2015 aufzuheben und die IV-Stelle zu verurteilen, ih m berufliche Massnahmen zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung und Dur chführung weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen; alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung rügte er im Wesentli- chen, dass der medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklärt worden sei. Die behandelnden Spezialfachärzte widersprächen der Beurteilung des Region alen ärztlichen Dienstes (RAD) so- wohl in den Befunden als auch in der Zumutbarkeitsbeur teilung, weshalb nicht auf die RAD- Berichte abgestellt werden könne. Auch der Berufsberat er sei als Fachmann zur Auffassung gelangt, dass er Anspruch auf berufliche Massnahmen habe. C. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 6. F ebruar 2017 mit Verweis auf die Stellungnahme ihres RAD-Arztes Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Trauma- tologie des Bewegungsapparates, vom 23. Januar 2017 auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Replik vom 9. Februar 2016 und Duplik vom 2. Mär z 2017 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 20. November 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob der Versicherte im Rahmen von beruflichen Massnahmen Anspruch auf die Kostenübernahme einer Umschulung hat. 2.2 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von ein er Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notw endig und geeignet sind, die Er- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht werbsfähigkeit wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Vorausset- zungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erf üllt sind (lit. b). Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massn ahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Art. 8 Abs. 1bi s IVG). Laut Art. 8 Abs. 3 IVG be- stehen die Eingliederungsmassnahmen unter anderen in Massnahmen beruflicher Art (lit. c). Zu diesen gehören die Berufsberatung (Art. 15 IVG), die erstmalige berufliche Ausbildung (Art. 16 IVG), die Umschulung (Art. 17 IVG), die Arbeitsvermitt lung (Art. 18 Abs. 1 IVG), der Arbeitsver- such (Art. 18a IVG), Einarbeitungszuschüsse (Art. 18b IVG) , Entschädigungen für Beitragser- höhungen (Art. 18c IVG) sowie die Kapitalhilfe (Art. 18d IVG). 2.3 Die versicherte Person hat nach Art. 17 Abs. 1 IVG An spruch auf Umschulung in eine neue Erwerbstätigkeit, wenn diese infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfä- higkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann. Laut Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 19 61 gelten als Umschulung Ausbil- dungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmal igen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwer bsfähigkeit benötigen. Nach der Recht- sprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen versicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwerti- ge Erwerbsmöglichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der "annähernden Gleich- wertigkeit" nicht in erster Linie auf das Ausbildungsni veau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmögli chkeit. In der Regel besteht nur ein An- spruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemess enen, notwendigen Massnah- men, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Dies des- halb, weil die Eingliederung nach dem Willen des Gesetzgebers lediglich so weit sicherzustellen ist, als dies im Einzelfall notwendig, aber auch genüg end ist (BGE 130 V 489 f. E. 4.2). Im Ein- zelfall kann jedoch auch eine Ausbildung, die eine – ve rglichen mit der Arbeit vor Invaliditätsein- tritt – anspruchsvollere Tätigkeit erlaubt, übernomm en werden, wenn Art und Ausmass der In- validität und deren berufliche Auswirkungen so schwerwie gend sind, dass die Arbeitsleistung nur auf dieser höheren Berufsstufe optimal verwertet werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juni 2013, 9C_122/2012, E. 5.2.1 mit Hinweis; v gl. Art. 6 Abs. 1bis IVV). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicher te Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens in den für sie ohne zusätzli che berufliche Ausbildung noch offen stehenden zumutbaren Tätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbs- einbusse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 489 f. E. 4.2 mit Hinweisen; vgl. SVR 2006 IV Nr. 15 E. 2). 2.4 Ausgangspunkt jedes Anspruchs auf berufliche Massnah men der Invalidenversicherung ist das Vorhandensein eines (drohenden) invalidisierende n Gesundheitsschadens. Als Invalidi- tät im Sinne von Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über d en Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verb indung mit Art. 4 Abs. 1 IVG gilt die voraussichtliche bleibende oder längere Zeit dauern de ganze oder teilweise Erwerbsunfä- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall. Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes ist di e rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE 132 V 99 f. mit weiteren Hinweisen). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen e ine wichtige Grundlage für die Beurtei- lung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (vgl. ULRICH MEYER-BLASE R, Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversi cherungsgericht alle relevanten Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entsche idend, ob der Bericht für die strei- tigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchun gen beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 3.3 Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutba- re Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizini- schen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Ab s. 2bis IVG). Die RAD können bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von Versicherten du rchführen. Sie halten die Untersu- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht chungsergebnisse schriftlich fest (Art. 49 Abs. 2 IVV). RA D-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher be i Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (BGE 135 V 254 E. 3.4 S. 258; Urteil des Bun desgerichts vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.1). 3.4 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medi- zinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforde- rungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1 S. 219). Aller- dings ist hinsichtlich des Beweiswerts wie folgt zu differe nzieren: Bezüglich Gerichtsgutachten hat die Rechtsprechung ausgeführt, das Gericht weiche "ni cht ohne zwingende Gründe" von den Einschätzungen des medizinischen Experten ab. Hinsicht lich von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholter, den Anforde rungen der Rechtsprechung entspre- chender Gutachten externer Spezialärzte wurde festgehalten, das Gericht dürfe diesen Gutach- ten vollen Beweiswert zuerkennen, solange "nicht konkre te Indizien gegen die Zuverlässigkeit" der Expertise sprechen. Auf das Ergebnis versicherungsinte rner ärztlicher Abklärungen - zu denen die RAD-Berichte gehören - kann nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urt eil des Bundesgerichts vom 12. April 2017, 8C_839/2016, E. 3.1 f.; BGE 139 V 225 E. 5.2 S. 229, 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. und E. 4.7 S. 471). 4.1 Für die Beurteilung der gesundheitlichen Situatio n des Versicherten stehen die folgen- den wesentlichen medizinischen Unterlagen zur Verfügung: 4.2 Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie, Spi tal F.____, führte in seinem Bericht vom 15. März 2016 aus, dass der Versicherte an starken lu mbalen Schmerzen leide. Bei der Ausführung einer Arbeit sei er in seiner Bewegungsfre iheit eingeschränkt und er könne keine Lasten mehr heben. Er schrieb ihn deshalb vom 29. Febr uar 2016 bis 4. März 2016 zu 100 % arbeitsunfähig. Am 11. April 2016 diagnostizierte er chronische intermittierende Lumbalgien bei lytischer Spondylolisthesis L5/S1. Nach der Schmerzexazerbation von Anfang März sei es dem Versicherten langsam besser gegangen. Zwei Wochen lang se i er sogar völlig schmerzfrei ge- wesen und habe sich sportlich betätigen können. Die inter mittierenden Beschwerden ständen mit der Lyse in Zusammenhang. Deswegen sei ihm die Ausü bung seiner bisherigen Arbeit als Logistiker in einem Lager nicht mehr möglich. Er könne j edoch angepasste Tätigkeiten ohne schweres Heben zu 100 % ausüben. 4.3 Am 3. Mai 2016 wurde der Versicherte in der G.___ _ Spital AG neurologisch unter- sucht. PD Dr. med. H.____, FMH Neurologie, führte in seinem Bericht vom 6. Juni 2016 als Diagnosen ein lumbospondylogenes Syndrom bei Spondylolist hesis L5/S1 auf. Ausserdem be- stehe ein Verdacht auf ein atypisches Restless-Legs-Syndrom m it ziehenden Missempfindun- gen im Bereich der Oberschenkel. Allerdings seien die Lo kalisation und die kurze Latenz in sit- zender Position etwas untypisch. Eine Arbeitstätigkeit mit längerfristigem Sitzen sei derzeit schwer vorstellbar. Eine Radikulopathie und eine Polyneuropathie seien auszuschliessen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Der RAD-Arzt Dr. D.____ kam in seiner Stellungnahm e vom 22. Juni 2016 zum Schluss, dass die subjektiven Beschwerden der Restless-Legs-Symptomatik objektiv nicht restlos erklär- bar seien. Deshalb könne keine massgebliche und dauer hafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit begründet werden. Auch die klinischen und bildgebende n Befunde des Achsenorgans lumbal liessen keine Pathologie erkennen, welche die Symptomati k plausibel erklären könnte. Nach- vollziehbar sei jedoch die vorübergehend eingeschränkt e Belastbarkeit des Achsenorgans. Die seit Geburt bestehende geringgradige Lyse sei ohne nach weisliche Gleitinstabilität und ohne periphere sensomotorische Ausfälle. Sie sei auch nur e in Teilaspekt des vordergründig soma- tisch gefärbten Beschwerdekomplexes. Es sei davon auszugehen, dass der Versicherte mit seinen Beeinträchtigungen die Tätigkeit als Logistiker mit Heben und Tragen von Lasten zwi- schen 10 - 25 kg vollzeitlich uneingeschränkt ausführen könn e. Es sei ihm auch möglich, sit- zende, leicht bis intermittierend mittelschwere wechselb elastende Tätigkeiten ohne Zwangshal- tungen der Wirbelsäule zu 100 % auszuüben. Zudem sei es ihm im Sinne einer Verweistätigkeit zumutbar, seine Tätigkeit als Logistikfachmann mit schwerpu nktmässig administrativem Anteil ohne Leistungseinschränkungen nachzugehen. 4.5 Mit Schreiben vom 14. Juli 2016 berichtete Dr. E._ ___, dass die bildgebend nachgewie- sene Spondylolyse des 5. Lendenwirbels eine angeborene U nterbrechung der sogenannten Interartikularportion des Wirbels darstelle. Diese Unt erbrechung führe dazu, dass der vorn ge- legene Wirbelkörper nicht mehr in seiner korrekten Posit ion gehalten werden könne. In jungen Jahren werde der Wirbel im Allgemeinen noch durch die Bandscheibe gehalten. Mit der Zeit nutze sich diese vorzeitig ab. Dieser Verlauf passe zur Anamnese des Versicherten, der schon lange, wenn auch anfänglich nur über leichte, Rückenschm erzen geklagt habe. Durch die kör- perliche Belastung bei der Arbeit und die naturgemässe Entwicklung dieser Erkrankung sei es zu einer deutlichen vorzeitigen Verschleissreaktion gekommen . Das Wirbelgleiten könne im weiteren Verlauf auch zu einer Schädigung der auf di eser Höhe austretenden Spinalnerven führen. Da seine angestammte Tätigkeit bei der B.____ AG das Heben und Tragen von Lasten über 20 kg und teilweise bis 100 kg beinhalte, bestehe in seiner bisherigen Arbeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine optimal angepasste Tätigkeit sei eine 50%ige Arbeit im Büro mit hö- henverstellbarem Tisch und der Möglichkeit, regelmässig zwi schendurch kurz umhergehen zu können. Für die anderen 50 % sollte die Tätigkeit mög lichst viel Gehen beinhalten; dabei seien das häufige Heben von Lasten über 5 kg, Zwangspositionen wie Kauern oder Überkopf-arbeiten und das Autofahren über längere Strecken zu vermeiden. B ei diesem Belastungsprofil sei er zu 100 % arbeitsfähig. 4.6 Dr. D.____ stellte sich in seiner Stellungnahme vo m 21. Juli 2016 auf den Standpunkt, dass eine Gleitinstabilität und eine altersinadäquate fortgeschrittene Wirbelsäulendegeneration nicht bildgebend nachgewiesen seien. Die Spondylolisthesi s bestehe nur mit geringstgradiger Ausprägung. Mit den gegenwärtigen Befunden sei auch ke ine drohende Invalidität nachvoll- ziehbar. Entgegen den Angaben von Dr. E.____ gehe aus dem Arbeitgeber-Fragebogen hervor, dass der Versicherte bei der B.____ AG nur Lasten von höch stens 10 - 25 kg und auch nur manchmal habe tragen und heben müssen. Dem Versicherte n sei es in jedem Fall zumutbar, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich als Logistikfachmann, dessen Arbeit weniger wirbe lsäulebelastend sei, beruflich zu integ- rieren. 4.7 Am 27. Juli 2016 attestierte Dr. E.____ dem Versich erten aufgrund der geklagten Schmerzexazerbation vom 15. Juli 2016 bis 24. Juli 2016 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. 4.8 In seiner erneuten Beurteilung vom 22. August 201 6 legte Dr. D.____ dar, dass die ak- tualisierten Röntgenbilder vom 2. März 2016 die beidseitige Sponylolyse L5/S1 bestätigten. Da- bei seien weder eine massgebliche Gleitinstabilität n och neurokompressive Pathologien nach- gewiesen. Im MRI lasse sich zwar ein gering verminderter Flüssigkeitsgehalt der terminalen Bandscheibe beschreiben, was aber eine altersentsprechend mögliche Bandbreite nicht über- schreite. Er sei deshalb weiterhin der Ansicht, dass der Versicherte seine bisherige Tätigkeit weiterhin ausführen oder alternativ als Logistikfachma nn arbeiten könne. An dieser Beurteilung hielt er mit Stellungnahme vom 3. November 2016 fest. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nahm Dr. D.____ abermals ab 23. Januar 2017 Stellung zur medizinischen Aktenlage. Gemäss seiner Ansicht stützten sich die beiden Fachärzte Dr. E._ ___ und PD Dr. H.____ vorwiegend auf die subjektiven Beschwerden des Versicherten. Insbesonde re PD Dr. H.____ habe bei feh- lenden Pathologien keine gesicherte Diagnose nennen kö nnen, sondern habe lediglich eine Verdachtsdiagnose bei dazu noch atypischer Symptomatik ge stellt. Was die Einschätzung der Ab-teilung Berufliche Massnahmen anbelange, so sei darauf hinzuweisen, dass sich diese stets auf die Angaben der versicherten Person stütze und nich t medizinisch begründet sei. Die versi- cherungsmedizinische Beurteilung erfolge erst durch den RA D. Zudem hätten die Abklärungen der Abteilung Berufliche Massnahmen zu den verschiedenen Tätigkeitsprofilen ergeben, dass die Arbeit als Logistikfachmann ideal für den Versicher ten beim vorliegenden Beschwerdebild sei (vgl. Aktennotiz vom 18. Januar 2017). 5.1 Die IV-Stelle stellte bei der Beurteilung des Gesu ndheitszustandes des Versicherten vollumfänglich auf die Stellungnahmen des RAD-Arztes Dr . D.____ ab. Sie ging demzufolge gestützt auf dessen umschriebenes Tätigkeitsprofil davon aus, dass der Versicherte sowohl den Beruf als Logistiker als auch als Logistikfachmann ausüben könne. In Würdigung der Stellung- nahmen von Dr. D.____ ist festzustellen, dass sich dieser mit der medizinischen Aktenlage sorgfältig auseinandersetzte und seine Einschätzung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit ge- stützt auf die Befunde und Beurteilungen der behandel nden Ärzte schlüssig begründete. Seine Beurteilung ist nur insofern zu beanstanden, als fragl ich ist, ob dem Versicherten die Ausübung der Tätigkeit als Logistiker noch möglich ist, setzt dieser Beruf doch körperliche Belastbarkeit voraus (vgl. Art. 1 Abs. 2 der Verordnung über die ber ufliche Grundbildung Logistikerin und Lo- gistiker mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis vom 18. Oktob er 2006). Während sich PD Dr. H.____ zur Arbeitsfähigkeit kaum äussert, sind sich Dr. E.____ und Dr. D.____ einig, dass in einer körperlich leidensangepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit besteht. Unei- nigkeit besteht jedoch, welche Gewichtslimiten der Versi cherte gesundheitsbedingt einhalten sollte. Dr. D.____ geht davon aus, dass dieser Lasten bis zu 25 kg tragen und heben könne. Dagegen erachtet Dr. E.____ häufiges Heben und Trage n von Lasten über 5 kg als unzumut- bar. Nach einem operativen Eingriff sei es möglich, d ass sich die zumutbare Gewichtslimite auf 15 kg steigere (vgl. Zumutbarkeitsprofil vom 15. März 20 16). Diese unterschiedliche Einschät- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zung ist wohl auf den Umstand zurückzuführen, dass Dr. E._ ___ anhand der Bildgebung eine Gleitinstabilität des 5. Lendenwirbels und damit eine fortgeschrittene Wirbelsäulendegeneration bejaht. Dr. D.____ ist dagegen der Ansicht, dass ein Wi rbelgleiten aufgrund des Bildmaterials nicht nachzuweisen sei. Da - so Dr. D.____ weiter - die unbestritten vorhandene Spondylo- listhesis jedoch nur sehr geringfügiger Ausprägung sei, s ei davon auszugehen, dass der Versi- cherte die bisherige Tätigkeit als Logistiker bei der e hemaligen Arbeitgeberin ausführen könne, wo er höchstens Lasten von 10 - 25 kg habe heben und tr agen müssen. Die Fragen, ob eine Gleitinstabilität des 5. Lendenwirbels objektivierbar un d welche Gewichtslimite massgebend sind, kann jedoch offen gelassen werden. Denn Dr. E.__ __ und Dr. D.____ stellen überein- stimmend fest, dass es dem Versicherten zumutbar ist, eine kö rperlich leichte, wechselbelas- tende Tätigkeit auszuführen, sofern Zwangshaltungen d er Wirbelsäule, Kauern oder Überkopf- arbeiten vermieden würden. Dieses Belastbarkeitsprofil e ntspricht den körperlichen Anforde- rungen an einen Logistikfachmann. Wie aus den detailli erten Abklärungen der zuständigen Be- rufsberaterin der IV-Stelle vom 18. Januar 2017 hervorg eht, sind Logistikfachleute dafür zu- ständig, bestehende innerbetriebliche und firmenüberg reifende Logistikprozesse in den Berei- chen Beschaffung, Produktion, Lager, Distribution und E ntsorgung zu analysieren und zu opti- mieren sowie neue Prozesse zu planen. Sie arbeiten in Produktions-, Handels- und Dienstleis- tungsunternehmen als Sachbearbeiter oder Projektmitarbeiter des unteren Kaders. Wie die Be- rufsberaterin zu Recht feststellte, verfügt der Versicher te als gelernter Logistikfachmann über sämtliche persönliche und fachliche Voraussetzungen für d iese Berufsausübung. Dazu hat er Erfahrung in der Personalführung und in der Organisat ion. Aufgrund der hier massgebenden übereinstimmenden ärztlichen Einschätzungen gibt es keine n Anlass daran zu zweifeln, dass der Versicherte aufgrund seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen zumindest in der Tätigkeit als Logistikfachmann zu 100 % arbeitsfähig ist. Von einer Anordnung einer Begutachtung durch eine neutrale Fachperson ist abzusehen, weil von zusätzl ichen Abklärungen keine neuen Er- kenntnisse zu erwarten sind (sog. antizipierte Beweiswür digung; vgl. dazu BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399, 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a). 5.2 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Versicherte au s invalidenversicherungs- rechtlicher Sicht nicht in seiner Arbeitsfähigkeit als Log istikfachmann eingeschränkt ist. Die IV- Stelle lehnte deshalb zu Recht einen Anspruch des Versich erten auf eine Umschulung ab. Der verfügungsweise Entscheid der IV-Stelle vom 9. November 2 016 ist somit nicht zu beanstan- den. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. 6. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Be- willigung oder die Verweigerung von Leistungen aus der Invalidenversicherung vor dem kanto- nalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahren skosten werden nach dem Verfah- rensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festge- legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in Berücksichtigung des bundesr echtlichen Kostenrahmens ein- heitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdefüh- rer unterlegene Partei, weshalb ihm die Verfahrenskost en zu überbinden sind. Diese werden Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Die ausser- ordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht