VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI S 16 142 3. Kammer als Versicherungsgericht Einzelrichter Stecher und Peng als Aktuar ad hoc URTEIL vom 31. Januar 2017 in der versicherungsrechtlichen Streitsache A._____, vertreten durch Rechtsanwältin lic .iur. Sarah-Maria Kaisser, Beschwerdeführer gegen Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, Beschwerdegegnerin betreffend Versicherungsleistungen nach IVG (Anspruch auf Hilfsmittel)- 2 - 1. A._____ leidet seit einem Unfall mit einem Traktor an einer inkompletten Tetraplegie sub C4 [AIS C] im Verlauf sub C5, das heisst an einer Läh- mung ab der Halswirbelsäule abwärts. Seit seinem Austritt aus dem Schweizer Paraplegiker Zentrum am 22. Juli 2016 lebt er in X._____. 2. Am 27. April 2016 ersuchte A._____ mit der Unterstützung des Schweizer Paraplegiker Zentrums bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nach- folgend IV-Stelle) im Hinblick auf seinen Austritt aus dem Schweizer Pa- raplegiker Zentrum u.a. um einen Aktivrollstuhl Küschall Compact zwecks selbständiger Fortbewegung im Innen- und Aussenbereich. Zusätzlich er- suchte er um invaliditätsbedingte Änderungen sowie weiteres Zubehör für den Handrollstuhl. Beim insbesondere aufgrund der Schneeverhältnisse am Wohnort von A._____ beantragten Zubehör handelt es sich um Vor- derräder 5'' Softrad Frog Legs, Mountainbike-Räder 24'' sowie Supergrip Greifreifen für Mountainbike-Räder zusätzlich zu den Standardrädern. Insgesamt resultierten daraus gemäss Offerte beantragte Kosten in der Höhe von Fr. 8'253.05. 3. Die durchgeführte Abklärung des SAHB Hilfsmittel-Zentrums vom 15. Juli 2016 ergab (IV-act. 73 S. 1 ff.), dass A._____ auf einen Handrollstuhl Kü- schall Compact angewiesen sei. Dieser solle in Kombination mit einem elektrischen Hilfsantrieb, Modell Swiss Trac, eingesetzt werden. Aufgrund der Topographie am Wohnort und der Witterungsverhältnisse im Winter sei es ihm ohne ein solches Zuggerät kaum möglich, sich im Freien selbständig fortzubewegen. Bezüglich der beantragten Kosten für die 5'' Softrad Frog Legs (Fr. 291.80.--) wurde festgehalten, dass dasselbe Zu- behör durch die Firma Orthotec bei vergleichbaren Angeboten im gleichen Zeitraum zum Preis von Fr. 257.-- angeboten werde und das Angebot dementsprechend auf diesen Betrag zu kürzen sei. Das SAHB Hilfsmittel- Zentrum empfahl der IV-Stelle, eine Kostenübernahme für die Mountain- bike-Räder 24'' sowie Supergrip Greifreifen für Mountainbike-Räder abzu-- 3 - lehnen. Die Mountainbike-Räder 24'' seien invaliditätsbedingt nicht not- wendig. Jeder Rollstuhlfahrer müsse sich im Winter an die erschwerten Bedingungen anpassen. Zudem müssten bei jedem Radwechsel die Feststellbremsen neu justiert werden. Das SAHB Hilfsmittel-Zentrum führ- te aus, dass es die Mountainbike-Räder 24'' im vorliegenden Fall als bestmögliche Variante erachte, worauf gemäss KHMI Rz. 1004 kein An- spruch bestehe. Sollten die Ersatzräder nicht finanziert werden, mache es auch keinen Sinn die Greifreifen zu übernehmen, zumal diese an die Mountainbike-Ersatzräder montiert werden sollten. Mit den abgeänderten Positionen resultierte aus Sicht der SAHB Hilfsmittel-Zentrum insgesamt eine zu gewährende Kostengutsprache in der Höhe von Fr. 6'990.25. 4. Mit Vorbescheid vom 21. Juli 2016 teilte die IV-Stelle mit, dass sie vorse- he, die Kosten für die leihweise Abgabe eines Rollstuhls Küschal Com- pact im Betrag von Fr. 6'990.25 zu übernehmen. Darin inbegriffen seien invaliditätsbedingte Anpassungen und Zubehör. Inhaltlich schloss sie sich der Abklärung des SAHB Hilfsmittel-Zentrums vom 15. Juli 2016 an und führte aus, dass die offerierte Ausführung nicht invaliditätsnotwendig resp. einfach und zweckmässig sei, weshalb nicht die gesamten Kosten über- nommen werden könnten. 5. Am 10. August 2016 erhob A._____ Einwand gegen den Vorbescheid resp. ersuchte er um dessen Wiedererwägung (vgl. dazu IV-act. 96). Zur Begründung wurde ausgeführt, dass die Räder durch die breitere Lauffläche weniger schnell auf Natur- und Waldwegen sowie auf schnee- bedeckten Strassen einsinken würden und er aufgrund der Topographie des Wohnortes und der Wetterverhältnisse auf Mountainbike-Räder an- gewiesen sei, zumal erst diese das Befahren von weichem Untergrund ermöglichen würden. Die Bremsen müssten beim Radwechsel nicht nach- justiert werden. Ein Wechsel sei problemlos möglich. Weiter werde durch den speziellen Greifring die verminderte Kraft der oberen Extremitäten op-- 4 - timal auf das Antriebsrad übertragen. Er nutze die Mountainbike-Räder zusammen mit dem Swiss Trac im Aussenbereich. Er sei auf die Greifrin- ge an den Mountainbike Rädern angewiesen, da er sonst zu wenig Kraft für die Fortbewegung ohne Swiss Trac habe, vor allem wenn er kurze Strecken auf unebenen Strassen fahren müsse. 6. Das SAHB Hilfsmittel-Zentrums führte am 4. Oktober 2016 nochmals eine fachtechnische Beurteilung durch und hielt an den Empfehlungen vom 15. Juli 2016 weiterhin fest (IV-act. 120). Das SAHB Hilfsmittel-Zentrum führte aus, dass die Zurüstung mit Mountainbike Rädern nicht invaliditäts- bedingt notwendig sei, bestätigte allerdings, dass breitere Räder in der Regel weniger einsinken würden. Es stimmte auch überein, dass Super- grip Greifreifen eine bessere Kraftübertragung auf die Antriebsräder er- möglichten. Daher empfahl das SAHB Hilfsmittel-Zentrum der IV-Stelle auch bei den Standardrädern die Ausstattung mit entsprechenden Greif- reifen zur Kostenübernahme. Ein zweites Paar Supergrip Greifreifen sei für den Einsatz mit den Mountainbike-Rädern beantragt worden und somit nicht einfach und zweckmässig. Im Übrigen hielt das SAHB Hilfsmittel- Zentrum ausdrücklich an seiner Aussage fest, dass die Bremsen bei ei- nem Radwechsel stets neu justiert werden müssten. 7. Mit Verfügung vom 6. Oktober 2016 bestätigte die IV-Stelle ihren Vorbe- scheid. Zur Begründung wurde im Wesentlichen dasselbe ausgeführt wie im Vorbescheid vom 21. Juli 2016. Inhaltlich schloss die IV-Stelle sich weiterhin den zwei Abklärungen des SAHB Hilfsmittel-Zentrums an. Sie verweigerte schliesslich die Kostengutsprache für die Mountainbike-Räder 24'' und die Supergrip Greifreifen sowie auch die Differenz zwischen den beantragten Kosten für die 5'' Softrad Frog Legs (Fr. 291.80) und den dafür zugesprochenen Kosten (Fr. 257.60).- 5 - 8. Am 8. November 2016 erhob A._____ (nachfolgend Beschwerdeführer) Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Er be- gehrte die Aufhebung der Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend Be- schwerdegegnerin) vom 6. Oktober 2016 sowie dass die Beschwerde- gegnerin zu verpflichten sei, die Kosten für die leihweise Abgabe eines Rollstuhles Küschall Compact, inklusive Anpassungen und Zubehör, an den Beschwerdeführer im Betrag von Fr. 8'253.05 (inkl. MWST) zu über- nehmen. Eventualiter sei die obgenannte Verfügung aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen mit der Anweisung, eine neue Verfügung im Sinne der Beschwerde zu erlassen. Er verwies insbesondere auf die Topographie des Wohnortsorts ("Steigung von bis zu 14% auf den letzten 50 m Rich- tung Wohnsitz des Beschwerdeführers") sowie die Wetterverhältnisse ("häufig Eis und Schnee auf den Strassen"). Nicht jeder Rollstuhlfahrer müsse sich gleichermassen im Winter an die erschwerten Bedingungen anpassen. Es könne ihm nicht zugemutet werden, einen Rollstuhl mit Standardrädern für die Bewältigung der Steigungen und der Strassenver- hältnisse innerhalb seines Dorfes verwenden zu müssen. In diesem Zu- sammenhang seien denn auch die Supergrip Greifreifen, die an die Mountainbike-Räder montiert werden müssten, zu erwähnen. Um die Fortbewegung gewährleisten zu können, sei beides Zubehör von Nöten bzw. die einfachste und zweckmässigste Ausführungsweise des Zu- behörs zum zugesprochenen Rollstuhl. Bezüglich der beantragten Kosten für die Frog Legs 5'' (Fr. 291.80) und den dafür zugesprochenen Kosten (Fr. 257.60) hielt der Beschwerdeführer fest, dass es sich bei den zuge- sprochenen Frog Legs nicht um dasselbe Zubehör bzw. ein vergleichba- res Angebot, sondern um Frog Legs 4'' handle (vgl. dazu Übersicht Ortho- tec "Frog Legs" in beschwerdeführerischer Beilage [Bg-act.] 14). 9. Am 5. Dezember 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abwei- sung der Beschwerde. Zur Sache verwies sie vollumfänglich auf die ange-- 6 - fochtene Verfügung vom 6. Oktober 2016 sowie die beiden fachtechni- schen Beurteilungen der SAHB vom 15. Juli 2016 und 4. Oktober 2016. 10. Am 16. Dezember 2016 verzichtete der Beschwerdeführer auf die Einrei- chung einer Replik, womit der Schriftenwechsel als abgeschlossen galt. Mit gleichem Schreiben reichte der anwaltlich vertretene Beschwerdefüh- rer ferner eine Honorarnote in Höhe von Fr. 3'247.15 ein. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften, auf die angefochtene Verfügung vom 6. Oktober 2016 sowie auf die weiteren im Recht liegenden Beweismittel wird, soweit erforderlich und rechtser- heblich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 1. a) Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV- Stelle des Kantons Graubünden vom 6. Oktober 2016. Eine solche An- ordnung, die gemäss Bundesrecht der Beschwerde an das Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungsge- richt angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial- versicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde fällt folglich in die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts. Als formeller und materieller Verfügungsadressat ist der Beschwerdefüh- rer von der angefochtenen Verfügung überdies unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung. Demnach ist er zur Beschwerdeführung berechtigt (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Schliesslich hat er seine Beschwerde frist- und - 7 - formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG). Auf die vorliegende Beschwerde ist damit einzutreten. b) Gemäss Art. 43 Abs. 3 lit. a VRG entscheidet das Verwaltungsgericht in einzelrichterlicher Kompetenz, wenn der Streitwert Fr. 5‘000.-- nicht über- schreitet und aufgrund von Art. 43 Abs. 2 VRG keine Fünferbesetzung vorgeschrieben ist. Der Streitwert beläuft sich im konkreten Fall auf Fr. 1'262.80.-- (diverses, nicht gewährtes Rollstuhl-Zubehör; Fr. 8'253.05 - Fr. 6'990.25). Da der Streitwert somit unter Fr. 5‘000.-- liegt und kein Fall von Art. 43 Abs. 2 VRG vorliegt, ist die Zuständigkeit des Einzelrichters gegeben. 2. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet die Verfügung der IV-Stelle vom 6. Oktober 2016. Streitig und nachfolgend zu prüfen ist die Frage, ob der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der Kostengutsprache für einen Rollstuhl auch Anspruch auf diverses Zu- behör (Vorderräder 5'' Softrad Frog Legs, Mountainbike-Räder 24'' sowie Supergrip Greifreifen für Mountainbike-Räder) im Wert von insgesamt Fr. 1'262.80 hat. Unbestritten ist vorliegend, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf Hilfsmittel (Rollstuhl inklusive Zubehör im Wert von total Fr. 6'990.25) hat. Diesbezüglich sind die Voraussetzungen einer Kosten- gutsprache demnach nicht zu prüfen. 3. a) Gemäss Art. 8 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) hat jeder Invalide oder von einer Invalidität unmittelbar be- drohte Versicherte gegenüber der Invalidenversicherung Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern sowie die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Abs. 1). Nach Massgabe der Artikel 13 und 21 besteht der Anspruch - 8 - auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbstätigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2). Die Eingliederungsmassnahmen bestehen u.a. in der Abgabe von Hilfsmitteln (Abs. 3 lit. d). Zu diesen Massnahmen zählen im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste die Hilfsmittel, deren ein Ver- sicherter für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit in sei- nem Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbs- tätigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf (Art. 21 Abs. 1 IVG). Der Versi- cherte, der infolge seiner Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstel- lung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedarf, hat im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit ebenfalls Anspruch auf solche Hilfsmittel (Art. 21 Abs. 2 IVG). Mit dieser Bestimmung wird der Bundesrat ermächtigt, nähere Vorschriften zu erlassen. Diese Rechtsetzungsbefug- nis wird in Art. 14 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) an das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) sub- delegiert, worauf gestützt dieses die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmittel durch die Invalidenversicherung (HVI; SR 831.232.51) inklusive anhangsweise aufgeführter Hilfsmittelliste erliess. b) Gemäss Art. 2 HVI besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel soweit diese für die Fortbewegung, die Herstel- lung des Kontaktes mit der Umwelt oder die Selbstsorge notwendig sind (Abs. 1). Anspruch auf die in dieser Liste mit * bezeichneten Hilfsmittel besteht jedoch nur, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die bei den einzelnen Hilfsmitteln ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (Abs. 2). Der Anspruch erstreckt sich auch auf das invaliditätsbedingt notwendige Zubehör und - 9 - die invaliditätsbedingten Anpassungen (Abs. 3). Es besteht nur Anspruch auf Hilfsmittel in einfacher, zweckmässiger und wirtschaftlicher Aus- führung. Durch eine andere Ausführung bedingte zusätzliche Kosten hat der Versicherte selbst zu tragen. Nennt die Liste im Anhang für ein Hilfs- mittel keines der Instrumente, die in Artikel 21 quater IVG vorgesehen sind, so werden die effektiven Kosten vergütet (Abs. 4). Im Kreisschreiben über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (KHMI) wird nochmals wiederholt, dass die Hilfsmittel in einfacher, zweckmässiger und wirtschaftlicher Ausführung abgegeben werden (Rz. 1004). Es kommen nur Hilfsmittel mit optimalem Preis-Leistungsverhältnis in Betracht. Die versicherte Person hat insbesondere keinen Anspruch auf die im Einzel- fall optimale Versorgung, sondern nur auf eine Grundversorgung (vgl. da- zu Urteil des Bundesgerichts 9C_640/2015 vom 6. Juli 2016 E.2.3.). Die- se Ausführungen gelten sinngemäss auch für das invaliditätsbedingte Zu- behör und die invaliditätsbedingten Anpassungen. Das EDI hält in der im Anhang aufgeführten Liste in Ziff. 9.01 HVI fest, dass Rollstühle ohne mo- torischen Antrieb gemäss Tarifvertrag mit dem Dachverband der Schwei- zerischen Handels- und Industrievereinigungen der Medizinaltechnik (FASMED) und dem SVOT vergütet und leihweise abgegeben werden. Nach dem Gesagten kann die Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit Rollstühlen ohne motorischen Antrieb – wie es im vorliegenden Fall einer ist – invaliditätsbedingt notwendiges Zubehör und invaliditätsbeding- te Anpassungen nur dann übernehmen, wenn diese einfach, zweckmäs- sig und wirtschaftlich sind. 4. a) Wie sogleich aufzuzeigen sein wird, stellen die Mountainbike-Räder 24'' und die Supergrip Greifreifen für die Mountainbike-Räder sowie auch die beantragten Kosten für die 5'' Softrad Frog Legs in der Höhe von Fr. 291.80 im vorliegenden Einzelfall allesamt invaliditätsbedingt notwen- diges Zubehör dar und sind entsprechend von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen. Was die Mountainbike-Räder 24'' anbelangt, so stimmt - 10 - es zwar grundsätzlich – wie von der Beschwerdegegnerin behauptet –, dass sich jeder Rollstuhlfahrer im Winter an die erschwerten Bedingungen anpassen muss. Die IV-Stelle wie im Übrigen auch das SAHB Hilfsmittel- Zentrum gehen in ihrer Begründung jedoch nicht auf die Einwände des Beschwerdeführers ein, wonach eben nicht alle die gleichen winterlichen Bedingungen haben (z.B. Bergdorf oder Mittelland). Und es ist ohne wei- teres festzuhalten, dass sich nicht jeder Rollstuhlfahrer gleichermassen und nicht in dem Umfang an solche Bedingungen anpassen muss, wie es dies der Beschwerdeführer tun muss. Gemäss unbestritten gebliebener und mit nachvollziehbaren Beweismitteln belegter Aussage weist die Via B._____ vom Dorfkern her kommend eine doch erhebliche Steigung auf. Auf den letzten 50 m Richtung Wohnsitz des Beschwerdeführers betrage sie gar gegen 14 % (vgl. Printscreens in Bf-act. 8). Hinlänglich bekannt ist zudem, dass am Wohnort des Beschwerdeführers in X._____ häufig bzw. weitaus häufiger als z.B. in tieferen Lagen des Mittellands Eis sowie Schnee auf den Strassen vorkommt. Der Aussage des Beschwerdefüh- rers, dass die Mountainbike-Räder durch ihre breitere Lauffläche weniger schnell auf Natur- und Waldwegen sowie auf schneebedeckten Strassen einsinken, kann sodann gefolgt werden (so auch bestätigt mit der fach- technischen Beurteilung vom 4. Oktober 2016 durch das SAHB Hilfsmit- tel-Zentrum IV-act. 120 S. 2). Es handelt sich vorliegend nicht um einen Wunsch des Beschwerdeführers nach einer anderen Ausführung, für wel- che er die Mehrkosten selbst tragen müsste (Art. 21 Abs. 3 IVG; Art. 2 Abs. 4 HVI) und auch nicht um eine optimale Versorgung, sondern nur um eine Grundversorgung (s. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 9C_640/2015 vom 6. Juli 2016 E.2.3.). Die Notwendigkeit eines Hilfsmit- tels bezieht sich auf die konkrete Situation, in welcher die versicherte Person lebt (vgl. BGE 135 I 161 E.5.1.; Urteil des Bundesgerichts 8C_34/2011 vom 13. September 2011, E.3.2.). Als Hilfsmittel gilt ein Ge- genstand, dessen Gebrauch den Ausfall gewisser Teile oder Funktionen des menschlichen Körpers – in casu das Gehvermögen des Beschwerde-- 11 - führers – zu ersetzen vermag (zur Definiton eines Hilfsmittels statt vieler KIESER, Leistungen der Sozialversicherung, Zürich 2004, S. 54). Es be- stehen vorliegend erhebliche tatsächliche Unterschiede, welche eine Gleichbehandlung aller Rollstuhlfahrer verbieten. Aufgrund der Topogra- phie des Wohnorts und der Witterungsverhältnisse sind im vorliegenden Einzelfall die persönlichen Bedürfnisse des Beschwerdeführers ausge- wiesen, so dass er insbesondere auf Natur- und Waldwegen sowie auf schneebedeckten Strassen – unter Berücksichtigung dessen, dass die Via B._____ vom Dorfkern her kommend eine doch erhebliche Steigung aufweist – auf die Mountainbike-Räder 24'' angewiesen ist. Selbst das SAHB-Hilfsmittelzentrum anerkennt die nicht ganz einfache Topographie am Wohnort des Beschwerdeführers und die Witterungsverhältnisse im Winter, zumal es den Handrollstuhl Küschall Compact aus diesen Grün- den nur in Kombination mit einem elektrischen Hilfsantrieb, Modell "Swiss Trac", befürwortete (so die fachtechnische Beurteilung vom 15. Juli 2016 durch das SAHB Hilfsmittel-Zentrum IV-act. 73 S. 1 ff.). Weil die Moun- tainbike-Räder im Vergleich zu Standardrädern in der Regel aufgrund der grösseren Reifenbreite eine Verminderung der Einsinktiefe bei weichem Untergrund, aufgrund des geringeren Luftdrucks der Bereifung eine stär- kere Dämpfung und damit einen höheren Fahrkomfort auf unebenen We- gen sowie aufgrund der höheren Profiltiefe der Bereifung eine bessere Bodenhaftung bei weichem Untergrund ermöglichen, kann dem Be- schwerdeführer nicht zugemutet werden, einen Rollstuhl mit Standardrä- dern – unabhängig davon, ob in Kombination mit oder ohne elektrisches Zuggerät – für die Bewältigung der erheblichen Steigungen innerhalb sei- nes Dorfes z.B. bei Schnee verwenden zu müssen. Auch im Hinblick auf die von der Beschwerdegegnerin zu tragenden Reparaturkosten, wenn solche trotz sorgfältigem Gebrauch entstehen und kein Dritter dafür haftet (vgl. dazu Verfügung vom 6. Oktober 2016 in Bf-act. 2 S. 2), erscheint es dem Gericht im vorliegenden Fall sinnvoll, die Mountainbike-Räder 24'' für die Fortbewegung innerhalb seines Dorfes zu übernehmen, zumal diese - 12 - angesichts der angesprochenen, häufig schwierigen Strassenverhältnisse deutlich stabiler und nachhaltiger sind. Die Frage, ob die Feststellbrem- sen bei einem Radwechsel stets nachjustiert werden müssen – wie es das SAHB Hilfsmittel-Zentrum behauptet (vgl. IV-act. 73 S. 2; IV-act. 120 S. 2) –, wird in den Beschwerdeschriften nicht weiter thematisiert und kann an dieser Stelle offen bleiben. Sie ist von untergeordneter Bedeu- tung und die Funktionstüchtigkeit der Feststellbremsen liegt letztlich in der Verantwortung des Beschwerdeführers. Aus Sicht des Beschwerdefüh- rers müssten beim Radwechsel die Bremsen ohnehin nicht nachjustiert werden. Ein Wechsel sei problemlos möglich (vgl. dazu IV-act. 96). Nach dem Gesagten stellen die ergänzenden Mountainbike-Räder 24'' im vor- liegenden Fall invaliditätsbedingtes Zubehör für den zugesprochenen Rollstuhl des Beschwerdeführers dar. b) Die Kostengutsprache für die Supergrip Greifreifen 22'' kann faktisch von derjenigen für die Mountainbike-Räder 24'' abhängig gemacht werden (so auch die fachtechnische Beurteilung vom 15. Juli 2016 durch das SAHB Hilfsmittel-Zentrum IV-act. 73 S. 2). Die beantragten Supergrip Greifreifen werden schliesslich an die Mountainbike-Räder montiert. Wie vom SAHB mit fachtechnischer Beurteilung vom 4. Oktober 2016 bestätigt, ermögli- chen diese eine bessere Kraftübertragung auf die Antriebsräder, weshalb das SAHB bei den Standardrädern bereits die Ausstattung mit entspre- chenden Greifreifen befürwortet und sie der Beschwerdegegnerin zur Kostenübernahme empfohlen hatte (vgl. dazu IV-act. 120 S. 2). Durch die Greifreifen werde die verminderte Kraft der oberen Extremitäten optimal auf das Antriebsrad übertragen und er sei auf diese angewiesen, da er sonst zu wenig Kraft für die Fortbewegung ohne elektrischen Hilfsantrieb (Swiss Trac) habe, vor allem wenn er kurze Strecken auf unebenen Strassen fahren müsse (Einwand bzw. Wiedererwägung vom 10. August 2016 mit Unterstützung des Chefarztes Paraplegiologie und Rehabilitati- onsmedizin sowie der Leiterin Ergotherapie, dazu IV-act. 96). Da auf-- 13 - grund des vorher Dargelegten die Mountainbike-Räder von der Be- schwerdegegnerin zu übernehmen sind (E.4b), ist deren Ausstattung mit den beantragten Greifreifen ebenfalls gutzuheissen und bildet invaliditäts- bedingtes Zubehör. c) Zuletzt bleibt zu prüfen, ob auch die Differenz zwischen den beantragten Kosten für die 5'' Softrad Frog Legs (Fr. 291.80) und den dafür zugespro- chenen Kosten (Fr. 257.60) zu übernehmen sind. Bei den 5'' Softrad Frog Legs ist also einzig die Wirtschaftlichkeit umstritten. In der angefochtenen Verfügung vom 6. Oktober 2016 ist ebenfalls unmissverständlich von 5'' Softrad Frog Legs die Rede (vgl. dazu die Verfügung der Beschwerde- gegnerin vom 6. Oktober 2016 in Bf-act. 2). Nach Ansicht der Beschwer- degegnerin sei dasselbe Zubehör durch die Firma Orthotec bei vergleich- baren Angeboten im gleichen Zeitraum zum Preis von Fr. 257.60 angebo- ten worden. Wie der Übersicht der Firma Orthotec entnommen werden kann, kosten die 4'' Softrad Frog Legs Fr. 257.60, die in casu notwendi- gen 5'' Softrad Frog Legs Fr. 291.80 (vgl. dazu Übersicht Orthotec "Frog Legs" in Bf-act. 14). Infolgedessen ist festzuhalten, dass die 5'' Softrad Frog Legs für Fr. 291.80 als einzige dem gesetzlichen Zweck entspre- chende einfache, zweckmässige und auch wirtschaftliche Ausführungsart sind und demnach auch diese invaliditätsbedingt notwendiges Zubehör für den zugesprochenen Rollstuhl bilden. 5. a) Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es sich bei den Mountainbike-Rädern 24'' und den Supergrip Greifreifen für dieselben sowie bei den Vorderrädern 5'' Softrad Frog Legs im vorliegenden Einzel- fall um invaliditätsbedingtes Zubehör handelt. Damit wird die Beschwerde gutgeheissen und die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 6. Okto- ber 2016 aufgehoben. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, die Kos- ten für das soeben erwähnte Zubehör im Betrag von Fr. 1'262.80 (inkl. MWST) zu übernehmen. - 14 - b) Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Verfahren kosten- pflichtig. Die Gerichtskosten sind gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zu bemessen. Sie werden für den vorliegenden Fall, der mit einem durchschnittlichen Auf- wand verbunden war, ermessensweise auf Fr. 400.-- festgelegt und ent- sprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdegegnerin als unter- liegende Partei zur Bezahlung auferlegt (Art. 73 Abs. 1 VRG). Die Be- schwerdegegnerin wird ferner verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von gesamthaft Fr. 3'247.15 (inkl. MWST) gemäss der am 16. Dezember 2016 vom seinem Rechtsvertreter eingereichten und nicht zu beanstandenden Honorarnote zu bezahlen (Art. 78 Abs. 1 VRG). Demnach erkennt der Einzelrichter: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubündens vom 6. Oktober 2016 aufgehoben und dieselbe verpflichtet, die Kosten für die Mountainbike-Räder 24'', den Supergrip Greifreifen für die Mountainbike-Räder 24'' sowie die Vorderräder 5'' Soft- rad Frog Legs im Betrag von Fr. 1'262.80 (inkl. MWST) zu übernehmen. 2. Die Gerichtskosten von Fr. 400.-- gehen zulasten der Sozialversiche- rungsanstalt des Kantons Graubünden (IV-Stelle) und sind innert 30 Ta- gen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kan- tons Graubünden, Chur, zu bezahlen. 3. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle, hat A._____ mit Fr. 3'247.15 aussergerichtlich zu entschädigen. 4. [Rechtsmittelbelehrung]- 15 - 5. [Mitteilungen]