Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Januar 2012 (725 11 368 / 18) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Unfallbegriff Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dani el Noll, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Charles Flory, C.P.T.F.E - 37, rue de la Gare, 68190 Ensisheim gegen SUVA , Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1955 geborene A.____ arbeitete als Maschinist b ei der B.___ AG in Laufen und war in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversi cherungsanstalt (SUVA) unter ande- rem gegen die Folgen von Betriebs und Nichtbetriebsunf ällen versichert. Am 4. April 2011 ver- spürte der Versicherte beim Lösen eines zwischen einer Ki ste eingeklemmten Befestigungsgur- tes von einer Baggerschaufel plötzliche Kopfschmerzen. Währ end der anschliessenden Rück- fahrt mit seinem Fahrzeug nach Hause wurde ihm zunehme nd übel. Er verspürte erneut starke Kopfschmerzen und erlitt einen Zusammenbruch. Er wurde in der Folge ins Spital nach C.____ eingeliefert, wo ein Hirnschlag diagnostiziert wurde. B. Nach den Abklärungen zum Unfallhergang lehnte die S UVA mit Verfügung vom 10. Juni 2011 die Leistungsübernahme ab. Beim gemeldeten Ereig nis handle es sich weder um einen Seite 2 Unfall noch um eine unfallähnliche Körperschädigung. E s bestünden keine Ansprüche gegen- über der Unfallversicherung. Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die SUVA mit Entscheid vom 30. September 2011 ab. C. Am 11. Oktober 2011 erhob der Versicherte, vertret en durch Charles Flory, Comité de Protection des travailleurs frontaliers européens, be im Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerd e und beantragte sinngemäss, die SUVA sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Zur Begründung liess er im Wesentlichen geltend machen, beim erlittenen Ereigni s handle es sich um einen Unfall. Die ärztlichen Rapporte würden bestätigen, dass der während der Arbeit und mit Anstrengung aus- geführte Bewegungsablauf zur Gesundheitsschädigung geführt habe. D. Die SUVA schloss in ihrer Vernehmlassung vom 5. Dezem ber 2011 auf Abweisung der Beschwerde. Der Hergangsschilderung zufolge habe sich anl ässlich des fraglichen Ereignisses nichts Aussergewöhnliches zugetragen. Es fehle am Erforde rnis eines ungewöhnlichen, äusse- ren Faktors, weshalb der Unfallbegriff nicht erfüllt und ein Unfallereignis zu verneinen sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1, Art. 57 und 60 Abs. 1 des Bu ndesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2 000 kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer über Versicherungsleistungen beim zuständigen kantonalen Ver- sicherungsgericht innert 30 Tagen Beschwerde erhoben w erden. Befindet sich der Wohnsitz der versicherten Person im Ausland, so ist gemäss Art. 58 Abs. 2 ATSG das Versicherungsge- richt desjenigen Kantons zuständig, in dem ihr letzter sch weizerischer Arbeitgeber Wohnsitz hatte. Der Arbeitgeber des Versicherten hat seinen Sitz in Laufen, Kanton Basel-Landschaft. Gemäss § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kant onsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherer. Es ist somit sachlich und örtlich für die Behandlung der vorliegend en Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallver sicherung (UVG) vom 20. März 1981 gewährt die Unfallversicherung Leistungen bei Ber ufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten. Die Natur der Gesundheitsschädigung ist kein Kriterium, um einen Scha- densfall eher als Unfall oder Krankheit einzustufen. E ntscheidend ist die unmittelbare Ursache der Schädigung und die Art ihrer Entstehung (vgl. A LEXANDRA RUMO -JUNGO , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Zürich 1995, S. 18 ff.). Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG kann d er Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalls ähnlich sind, in die Versich erung einbeziehen. Im vorliegenden Fall ist streitig, ob die Ursachen der Beschwerden des Ve rsicherten auf einen Unfall bzw. auf eine unfallähnliche Körperschädigung (UKS) zurückzuführen sind. Nur unter diesen Vorausset- zungen kann eine Leistungspflicht des Unfallversicherers bestehen. Seite 3 3.1 Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwir- kung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli chen Körper. Der Unfallbegriff stimmt mit dem ehemals in der Rechtsprechung zum KUVG entwickelten Begriff materiell über- ein (vgl. BGE 112 V 202 E. 1, 116 V 138 E. 3 und 147 E. 2a). Der äussere Faktor ist das zentra- le Begriffscharakteristikum eines jeden Unfallereignisse s; er ist Gegenstück zur - den Krank- heitsbegriff konstituierenden - inneren Ursache. Die B ezeichnung der massgebenden Genese wird aber erst durch die weiter erforderliche Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors ermöglicht. Die meisten Krankheiten beruhen auf einer Wechselwirku ng von inneren und äusseren Fakto- ren; oft ist die letztlich pathogene innere Ursache ih rerseits ohne Umwelteinflüsse nicht denk- bar. Das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit wurde ent wickelt, um die "tausendfältigen klei- nen und kleinsten Insulte des täglichen Lebens, die als so lche gänzlich unkontrollierbar sind und deshalb nur beim Hinzutreten von etwas Besonderem Berücksichtigung finden sollen", aus dem Unfallbegriff auszuscheiden (vgl. W ERNER LAUBER , Praxis des sozialen Unfallversiche- rungsrechts der Schweiz, Bern 1928, S. 298; ALFRED BÜHLER , Der Unfallbegriff, in: Alfred Koller [Hrsg.], Haftpflicht- und Versicherungsrechtstagung 1995 , S. 234). Erst das Merkmal des Un- gewöhnlichen macht den alltäglichen Vorgang zum einm aligen Vorfall (vgl. EVGE 1944 S. 103 E. 2). Einwirkungen, die aus alltäglichen Vorgängen r esultieren, taugen in aller Regel nicht als Ursache einer Gesundheitsschädigung. Liegt der Grund somi t allein im Innern des Körpers, ist Krankheit gegeben. Daran ändert die blosse Auslösung de s Gesundheitsschadens durch einen äusseren Faktor nichts; ein Unfall im rechtlichen Sinne setzt vielmehr begrifflich voraus, dass das exogene Element so ungewöhnlich ist, dass eine endoge ne Verursachung ausser Betracht fällt (vgl. BGE 134 V 72 ff.). Der ungewöhnliche Faktor kann dabei in einer unkoordinierten, pro- grammwidrigen Körperbewegung bestehen (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversi- cherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 111 ff.). Nach der Definition des Unfalls bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit sodann nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selbst. Er ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen überschreitet, was im Einzelfal l nach den objektiven Umständen zu beurteilen ist (vgl. BGE 118 V 283 f. E. 2a, 116 V 13 8 f. E. 3 b und 147 E. 2a). Bei Schädigun- gen, die sich auf das Körperinnere beschränken, unterli egt der Nachweis eines Unfalls beson- ders strengen Anforderungen, da die unmittelbare Ursach e der Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt werden muss. Hintergrund b ildet der Umstand, dass ein Unfall- ereignis sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung manifestiert, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. März 2011, 8C_6 93/2010, E. 5.2; BGE 99 V 136 E. 1 S. 138). Der ungewöhnliche, äussere Faktor ist als zentr ales Begriffscharakteristikum eines jeden Unfallereignisses somit Gegenstück zur - den Krankheitsbegriff konstituierenden - inneren Ursache (vgl. BGE 134 V 72 E. 4.1 S. 76 f., E. 4.3.2.1 S. 80 f.). 3.2 Die Rechtsprechung bejaht das Vorliegen eines unge wöhnlichen und äusseren Faktors dann, wenn beispielsweise beim Heben oder Verschieben ei ner Last ein ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt und zu einer als Verhebetrauma bezeichneten Schädigung führt. Die erfor- derliche Aussergewöhnlichkeit ist indes nicht schon dann ge geben, wenn die Gesundheits- schädigung bei einer etwas ungewohnten, der zu verrichte nden Arbeit aber angepassten Kör- perstellung erfolgt (vgl. BGE 99 V 139 f.). Bei Körpe rbewegungen gilt daher der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussen- welt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam "pro- Seite 4 grammwidrig" beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoor dinierten Bewegung ist der ungewöhnli- che äussere Faktor zu bejahen, da der äussere Faktor als V eränderung zwischen Körper und Aussenwelt infolge der Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor ist (vgl. RKUV 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4c; Urteil Z. des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, Sozialrechtli che Abteilung] vom 7. Oktober 2003, U 322/02, E. 2.2). Im Zusammenhang mit dem Erfordern is der Programmwidrigkeit ist sodann auf folgende, weitere Präjudizien zu verweisen: - Das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors wur de bejaht, als ein Bauarbeit- er - ohne zu stürzen - ausglitt, während er versuchte, eine schwere Schachtröhre auf zuhalten, die auf nassem, leicht geneigtem Boden ins Rutschen geraten war. Um die Röhre aufzuhalten und ihr eine andere Richtung zu ge ben, bedurfte es einer besonder- en Kraftanstrengung, welche insofern durch etwas Progra mmwidriges gestört wurde, als der Bauarbeiter mit dem linken Fuss ausglitt, was zu einer einseitigen Belastung der Wirbelsäule führte (vgl. RKUV 1993, U 162, S. 53 ff .). - Ein Unfall wurde im Fall einer Krankenschwester aner kannt, die einen schwergewichti- en Patienten beim Transfer vom Bett in den Rollstuhl vor dem unvermuteten Sturz be- wahrte, indem sie ihn in Sekundenschnelle mit übermässi gem Kraftaufwand in den be- reitstehenden Rollstuhl zu setzen vermochte. Beim unv ermuteten Einsacken eines schwergewichtigen Patienten im Zuge des Transfers vom Be tt auf den Rollstuhl handle es sich zweifellos um eine Programmwidrigkeit, die den gewöhnlichen Ablauf der Ver- richtung selbst dann sprenge, wenn die vom Pflegealltag gestellten Anforderungen be- rücksichtigt würden (vgl. RKUV 1994, U 185, S. 79 f.). - Als intraphysisches Geschehen und damit nicht als Unfall wurde dagegen der Fall ei- ner Krankenschwester angesehen, die beim Versuch, die blockierten Beinteile eines Operationstisches zu verstellen, in gebeugter, ausgedr ehter Stellung, im Augenblick grösster Kraftanwendung plötzlich einen starken einschie ssenden Schmerz im Nacken verspürte (vgl. RKUV 1994, U 185, S. 80 mit Hinweis a uf einen Entscheid des EVG, U 56/91). - Das Kantonsgericht bejahte das Vorliegen des Merkmals ei nes ungewöhnlichen äusse- ren Faktors bei einem Versicherten, der eine Patientin aus dem Rollstuhl heben wollte. Er habe sich zu diesem Zweck vor den Rollstuhl gestellt u nd sich mit seinen Knien an den Knien der Patientin abgestützt. Beim Versuch, die Patientin unter den Schultern hochzuheben, sei er mit den Knien abgerutscht und habe unversehens nachfassen müssen. Bei diesem unerwarteten Abrutschen und dem na chfolgenden reflexartigen Nachfassen, um einen gemeinsamen Sturz zu verhindern, han dle es sich um eine programmwidrige, unkoordinierte Bewegung (vgl. KGSV E vom 7. Februar 2007, Nr. 37). - Ebenfalls bejahte das Kantonsgericht das Vorliegen des für den Unfallbegriff notwen- digen programmwidrigen Bewegungsablaufs im Falle ei nes Arbeitnehmers, der beim Ziehen von zwei Rollbehältern den rechten Arm überstr eckt und dabei einen stechenden Schmerz verspürt hatte. Weil er nicht bemerkt habe, das s bei diesen die Bremsen an- Seite 5 gezogen gewesen waren, sei ein grosser, ruckartiger Dr uck auf die Schulter entstanden, was letztlich den geklagten Körperschaden verursacht habe (vgl. KGSVE vom 28. Mai 2008, Nr. 173). - Hingegen verneinte das Kantonsgericht das Vorliegen des für den Unfallbegriff not- wendigen programmwidrigen Bewegungsablaufs im Falle eines Bauarbeiters, dem bei Markierungsarbeiten in starkem Gefälle die rund 220 Ki logramm schwere Markierungs- maschine zu entgleiten drohte. Da den Schilderungen des Versicherten zufolge ein Ent- gegenstemmen zur üblichen Handhabung gehörte, ohne w elches die Maschine schon bei leichtem Gefälle zu entgleiten drohe und die da mit verbundene Belastung jeweils ein Nachfassen bedinge, bewegten sich die entsprechenden Bew egungsabläufe im Rah- men dessen, was unter den konkreten Umständen zwar als üb erdurchschnittlich an- strengend, indessen aber auch gewollt und alltäglich w ar (vgl. KGSVE vom 26. Novem- ber 2003, Nr. 346 und 347). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsgerichtsbesc hwerdeverfahren wird vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Versicherungsträger und G erichte haben von sich aus und ohne Bindung an die Parteibegehren für die richt ige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grunds atz wird ergänzt durch die Mitwir- kungspflicht der Parteien (vgl. Art. 61 lit. c ATSG; B GE 122 V 158 E. 1 a). Den meisten an- spruchsbegründenden Risiken liegen medizinische Sachverhalte zugrunde. Zur Beurteilung der Rechtsfragen sind Versicherungsträger und Gericht daher auf Unterlagen angewiesen, die ih- nen vorab von Ärzten zur Verfügung gestellt werden. Na ch dem Grundsatz der freien Beweis- würdigung hat das Sozialversicherungsgericht alle Beweismi ttel unabhängig von ihrer Herkunft objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Anspruches gestatten. Beim Vo rliegen einander widersprechender medizinischer Berichte darf es den Prozess nicht erledigen , ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf di e eine und nicht auf die andere medi- zinische These abstellt (vgl. ZAK 1986, S. 188 E. 2a). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch d ie Bezeichnung der eingereichten Stellungnahmen als Bericht oder Gutachten, sondern desse n Inhalt (vgl. BGE 122 V 160 E. 1c; THOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, § 68 N 3). 4.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von i hrem Bestehen überzeugt sind (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f.). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofe rn das Gesetz nichts Abweichen- des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wah rscheinlichkeit zu fällen. Die blos- se Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den B eweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu fol gen, die es von allen möglichen Ge- schehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BG E 121 V 47 E. 2a; ZAK 1986 S. 189 f. E. 2c). 4.3 Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat das Gericht von Amtes wegen die notwen- digen Beweise zu erheben. Eine Beweislast besteht nur in dem Sinne, dass im Falle der Be- weislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen geblie- Seite 6 benen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (vgl. L OCHER , a.a.O., § 68 N 3 ff. mit weiteren Hin- weisen). Diese Beweisregel greift allerdings erst, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rah- men des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswür digung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die hohe Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entspre- chen (vgl. BGE 117 V 263 E. 3b). Das schweizerische Sozialversicherungsrecht kennt demnach keinen Grundsatz, wonach die Versicherungsorgane im Zweifel zu Gunsten der Versicherten zu entscheiden haben. Ein Anspruch auf Leistungen besteht nur, wenn die Voraussetzungen dafür mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erfüllt sind (vgl. Z AK 1983 S. 259). Ob die entsprechen- den Voraussetzungen erfüllt sind, hat der Unfallversicher er abzuklären. So schreibt Art. 43 ATSG vor, dass der Versicherungsträger die notwendigen Ab klärungen von Amtes wegen selbst vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzu holen hat. Der Unfallversicherer hat deshalb aus eigener Initiative vorzugehen und darf Par teivorbringen nicht mit der Begründung abtun, diese seien nicht belegt worden (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, Art. 43 Rz. 9). Der Unfallversicherer hat somit zunächst abzustecken, welche Bereiche für die entscheidende Frage massgebend sind. In der Folge hat e r im Rahmen des so begrenzten Be- reiches den Sachverhalt bis zur zweifelsfreien Eruierung abzuklären (vgl. K IESER , a.a.O., Rz. 12). Hierfür notwendige Parteibefragungen dürfen nicht in das Einspracheverfahren verlegt werden, sondern gehören als Abklärungsmassnahme des Versi cherungsträgers in das Verfü- gungsverfahren (vgl. BGE 132 V 374). 4.4 In Bezug auf den Unfallbeweis sind die einzelnen U mstände des Unfallgeschehens vom Leistungsansprecher glaubhaft zu machen. Zur Glaubhaftm achung eines Unfallereignisses müssen über das konkrete Geschehen genaue und möglichst de taillierte Angaben namhaft ge- macht werden, aufgrund derer der Versicherer in die L age versetzt wird, sich über die Tatum- stände ein klares Bild zu verschaffen und diese in objektiv er Weise abzuschätzen. Der mangel- hafte Nachweis eines die Merkmale des Unfalles erfüllen den Ereignisses lässt sich dabei aber nur selten durch medizinische Feststellungen ersetzen. D iesen kommt im Rahmen der Beweis- würdigung für oder gegen das Vorliegen eines unfallmässigen Geschehens in der Regel nur die Bedeutung von Indizien zu (vgl. RKUV 2003 Nr. U 485 S. 260 E. 5, 1990 Nr. U 86 S. 51 E. 2). Zu beachten ist dabei insbesondere, dass sich der medizi nische Begriff des Traumas nicht mit dem Unfallbegriff deckt. Ein traumatisches Ereignis ode r Trauma im medizinischen Sinne kann neben dem eigentlichen Unfall im Rechtssinne auch Ereignisse umfassen, denen der Charakter der Ungewöhnlichkeit abgeht (nicht publizierte E. 1 de s Urteils BGE 130 V 380 mit Hinweis; Urteil des EVG vom 9. August 2006, U 71/05, E. 3.1). 5.1 Streitig und zu prüfen ist, ob dem anlässlich des f raglichen Ereignisses vom 4. April 2011 vorgenommenen Bewegungsablauf ein ungewöhnlicher und äusserer Faktor zu Grunde liegt. Umstritten ist insbesondere das Element der Ung ewöhnlichkeit. Über den Hergang des Ereignisses existiert nur eine einzige Version, wie sie der Beschwerdeführer in seiner "Explica- tions de mon accident" schriftlich festgehalten hat. Von diesen Schilderungen ist der Beschwer- deführer in der Folge nie abgewichen, weshalb die Vo rinstanz diese Hergangsschilderung zu Recht auch ihrer Verfügung bzw. dem angefochtenen Eins pracheentscheid zu Grunde gelegt hat. Im Fragebogen der SUVA vom 26. April 2011 beja hte der Versicherte zwar die Frage, ob sich etwas Besonderes (z.B. ein Ausrutschen, ein Sturz, et c.) ereignet habe. Hinsichtlich der detaillierten Umstände des fraglichen Ereignisses verwies er dabei auf seine beigelegte Her- gangsschilderung. Aus dieser geht hingegen lediglich hervor, dass der Versicherte am Nachmit- Seite 7 tag des 4. April 2011 bei der Arbeit auf einer Baustelle in D.____ eine Kiste mit Baustellenmate- rial an der Schaufel seines Baggers befestigt hat, wobe i sich beim Absenken der Kiste auf den Boden die Schlinge der Befestigungsgurte zwischen Kiste und Boden verklemmt habe. Der Versicherte habe darauf hin die Gurte von Hand aus ihr er Verklemmung zu lösen versucht und dabei einen Schmerz im Kopf verspürt. Gegen diese Schm erzen habe er 1000mg Doliprane eingenommen und seine Arbeit in der Folge wieder auf genommen. Um 17 Uhr habe er seinen Arbeitskollegen auf einer anderen Baustelle in Arlesh eim aufgesucht, und sie hätten sich beide auf den Nachhauseweg begeben. Er habe das Auto gesteue rt. Gegen 17.15 Uhr habe er auf der Autobahn plötzlich erneut starke Kopfschmerzen und gro ssen Schwindel verspürt. Nach- dem ihn sein Arbeitskollege nach Hause gefahren hat, habe ihn sein Arzt Dr. E.____ sofort not- fallmässig ins Spital F.____ in C.____ einweisen lassen. Weitere sachdienliche Informationen über den Hergang sind den Akten keine zu entnehmen. So kann insbesondere auch der im Rahmen des vorliegenden Be schwerdeverfahrens eingereich- ten Hergangsschilderung des Zeugen G.____ nichts entnom men werden, was zu einer ergän- zenden Abklärung der vorgefallenen Ereignisse am frühen Nachmittag des 4. April 2011 beitra- gen könnte. Die Sachverhaltsschilderung des Zeugen bezieht sich vielmehr auf die nachfolgen- den Umstände des fraglichen Ereignisses und muss deshalb als nicht zweckdienlich qualifiziert werden. Damit ist ausschliesslich auf die erwähnte und unbestritten gebliebene Schilderung des Geschehensablaufes des Versicherten alleine abzustellen. 5.2 Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht geltend macht , liegt der massgebenden Her- gangsschilderung des Versicherten kein ungewöhnlicher äusserer Faktor zu Grunde. Der Versi- cherte berichtet lediglich vom Lösen der Befestigungsgurte n, welche sich zwischen dem Boden und der abgestellten Kiste verklemmt hatten. Dass beim Lösen der Gurten aus der Verklem- mung eine unkoordinierte Bewegung erfolgt wäre, ist weder aus den Akten ersichtlich noch wird eine solche im Rahmen der Rechtsschriften geltend gemacht. Auch wenn beim Lösen der Gurte von einem eigentlichen Zerren ausgegangen würde, kann darin noch kein Bewegungsablauf erkannt werden, der geradezu als programmwidrig zu qual ifizieren wäre. Ebenso wenig ist er- sichtlich, dass beispielsweise das plötzliche Freiwerden der ve rklemmten Gurte zu einem Zug ins Leere und somit zu einer unvorgesehenen und progra mmwidrigen Körperbewegung des Versicherten geführt hätte. Der Versicherte hat mit sein en Händen und Armen vielmehr eine übliche Zugbewegung ausgeführt und hat währenddessen wahrscheinlich eine Hirnblutung erlit- ten. Damit handelt es sich aber um eine Schädigung, die sich auf das Körperinnere beschränkt. Der Nachweis eines Unfalls unterliegt deshalb besonders str engen Anforderungen, da die un- mittelbare Ursache der Schädigung diesfalls unter besond ers sinnfälligen Umständen hätte ge- setzt werden müssen (vgl. oben, E. 3.1 a.E.). Solche Um stände sind aber nicht auszumachen. Dies gilt umso mehr, weil der Versicherte als auf dem Ba u tätiger Maschinist auf eine gute kör- perliche Konstitution angewiesen ist und die dort anfa llenden Arbeiten grundsätzlich stets unter einer gewissen körperlichen Anstrengung erfolgen. Dies gi lt jedenfalls für die von Hand vorge- nommenen Arbeiten, soweit keine maschinelle Unterstüt zung vorhanden ist. Auch das Lösen eines verklemmten Gurtes gehört deshalb letztlich zur übl ichen Handhabung, wie sie bei der täglichen Verrichtung auf dem Bau immer wieder vorkomm en kann. Weder das unter körperli- cher Anspannung erfolgte Lösen noch das allenfalls damit verbundene, abrupte Wegziehen der fixierten Gurte mit den eigenen Händen gilt somit al s ungewöhnliches, äusseres Ereignis. Viel- mehr waren die vorgenommenen Bewegungsabläufe des Ver sicherten selbst gewollt und be- Seite 8 wegten sich im Rahmen dessen, was unter den konkreten Umstä nden zwar allenfalls als an- strengend, indessen aber eben auch als alltäglich zu bezeichnen ist. Dies genügt aber nicht, um das Merkmal der Ungewöhnlichkeit als gegeben zu betrachte n. Daran ändert auch nichts, dass die behandelnde Ärztin Frau Dr. H.____ einen kausalen Zusammenhang zwischen der geschil- derten Anstrengung während der Arbeit und dem erlitt enen Gehirnschlag als sehr wahrschein- lich bezeichnet hat. Die Frage nach dem Verhältnis zwische n einem ursächlichen Ereignisher- gang und der daraus resultierenden Ereignisfolge ist im vorliegenden Fall insofern unbeachtlich, als sich die Frage nach der natürlichen Kausalität so lang e nicht stellt, als bei der fraglichen Tätigkeit das erforderliche Unfallkriterium des ungewöh nlichen äusseren Faktors nicht erfüllt worden ist. 5.3 Diese Betrachtungsweise steht im Einklang mit der Rec htsprechung, welche in ähnlich gelagerten Fällen im gleichen Sinn entschieden hat; b eim Wiederherstellen des Gleichgewichts durch eine heftige Handbewegung anlässlich des Transport s einer bis 150 kg schweren Türe, beim Heben eines rund 60 kg wiegenden Papierstapels un d reflexartigen Nachfassen, beim ruckartigen Ansichnehmen eines von einem fahrbaren Wagenheber herunterzufallen drohenden Motors mit einem Gewicht von rund 80 kg, oder bei eine m heftigen Zurückziehen eines auf ei- nem Handstapler transportierten, rund 100 kg schweren Radiators (vgl. EVGE i.S. N. [U 110/99] vom 12. April 2000). Dass die im Nachgang zur erfolgten Anstrengung beim Freizerren der ver- klemmten Gurte erlittene Hirnblutung analog zu einem Verhebetrauma behandelt wird (vgl. obi- ge Präjudizien in E. 3.2), wäre im Übrigen auch deshalb nicht zulässig, weil das Verhebetrauma eine Verletzung eines Körperteils verlangt, der direkt am fraglichen Bewegungsablauf beteiligt und belastet ist. Dies aber trifft auf die Gehirngefässe , die allenfalls auch erst eine ungewisse Zeit später aufplatzen und schliesslich zu einem Hirnschlag führen können, gerade nicht zu. Zusammenfassend ist daher das Vorliegen eines ungewöhnli chen und äusseren Faktors mit Bezug auf den streitigen Vorfall zu verneinen. Damit i st festzuhalten, dass das Ereignis vom 4. April 2011 keinen Unfall im Rechtssinne darstellt. 5.4 Im Falle des Versicherten muss schliesslich auch das Vorl iegen einer der in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20 . Dezember 1982 abschliessend (vgl. BGE 116 V 140 E. 4a) aufgezählten unfallähnlichen Körperschädigung verneint werden, da ein Hirnschlag klarerweise nicht erfasst wird. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis abzuwei- sen. 6. Es verbleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss A rt. 61 lit. a ATSG sind für das vorlie- gende Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind bei dem unvertretenen Beschwerdeführer sodann wettzuschlagen. Seite 9 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Auf die vom Beschwerdeführer gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde vom 5. März 2012 ist die erste sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts mit Entscheid vom 27. April 2012 (vgl. Verfahren-Nr. 8C_199/2012) nicht eingetreten. http://www.bl.ch/kantonsgericht