Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Juni 2016 (715 15 326) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Der Beschwerdeführer kann nicht darlegen, dass zwingende gesundheitliche Gründe zur freiwilligen Stellenaufgabe vorgelegen haben, da die Konsultation eines Arztes erst nach- träglich erfolgte; selbstverschuldete Arbeitslosigkeit bejaht; das Verschulden ist den besonderen Umständen entsprechend weniger streng zu beurteilen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei ber i.V. Marcel Czaja Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1962 geborene A.____ war zuletzt vom 8. Juli 2013 bis 31. Januar 2015 bei der B.____ AG in X.____ mit Arbeitsort Y.____ als Baule iter Gebäudetechnik mit einem Pensum von 60 % angestellt. Am 21. Januar 2015 meldete er sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungs- zentrum Oberwil (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob bei der Öffentlichen Arbeitslosen- kasse Baselland (Kasse) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 1. Februar 2015. Mit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung Nr. 471/2015 vom 12. März 2015 stellte die Kasse A.____ wegen selbstverschulde- ter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Februar 2015 für 31 Ta ge in der Anspruchsberechtigung ein. Da- ran hielt die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes f ür Industrie, Gewerbe und Arbeit Basel- Landschaft (KIGA) mit Entscheid vom 21. September 2015 fest. B. Hiergegen erhob A.____ am 17. Oktober 2015 Beschwe rde beim Kantonsgericht, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er bean tragte sinngemäss, in Aufhebung des Einspracheentscheids vom 21. September 2015 sei die B eschwerdegegnerin zu verpflich- ten, ihm ohne Einstelltage die vollen gesetzlichen Leistu ngen zu erbringen. Zur Begründung wurde festgehalten, dass die Kündigung aus gesundheitlich en Gründen erfolgte und die Ar- beitslosigkeit nicht selber verschuldet sei. Gleichzeitig re ichte er einen Arztbericht des Ambula- toriums Frau C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. Oktober 2015 ein. C. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Januar 2016 schloss di e Kasse auf Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung in erster Linie auf den angefochtenen Einspracheent- scheid. Ergänzend führte sie im Wesentlichen aus, aufgru nd der vorliegenden Arztzeugnisse sei nicht rechtsgenüglich erstellt, dass zwingende medizinisch e oder gesundheitliche Gründe zur Kündigung geführt hätten. Dem Beschwerdeführer wä re es zumutbar gewesen, solange seine Arbeitsstelle zu behalten, bis er eine neue Stelle gefunden hätte. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die o bligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Jun i 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungser lasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend kam der Beschwerdeführer seinen Kontrollpflichten im Kanton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu b ejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zuständi gkeit des Kantonsgerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist eine Einstellung in der Anspruchsberechti- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung im Umfang von 31 Tagen bei einem Taggeld von Fr . 205.50 und damit ein Streitwert von Fr. 6‘370.50 zu beurteilen. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2. Streitig ist, ob die Kasse den Versicherten infolge selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 31 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schw ei- zerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Basel/Genf/München 2007, Rz. 822). 3.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der E intritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den per sönlichen Umständen und den per- sönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versi cherten Person liegt (vgl. ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann der Fall, w enn die versicherte Person das Arbeitsver- hältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere St elle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zug emutet werden konnte (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Im Bereich der freiwilligen Stellenauf gabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (vgl. Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihr e Grenze grundsätzlich im Zumutbar- keitsgedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Ar beit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalar beitsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wes entlich erschwert. Das Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen (vormals Eidgenössisches Versi cherungsgericht [EVG]), hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zumu tbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzulegen ist (vgl. BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen). Wenn nicht besondere U mstände vorliegen, darf einer versi- cherten Person zugemutet werden, wenigstens so lange a m Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (vgl. ARV 1976 Nr. 18; GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechti- gung, Diss. Zürich 1998, S. 116). 3.3 Ein schlechtes Arbeitsklima und Meinungsverschiedenheit en mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen vermögen grundsätzlich keine Unzumutbark eit der Fortführung des Arbeitsver- hältnisses zu begründen (vgl. SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 3 23, C 128/96). Bei Schwierigkeiten wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und dergle ichen ist es der versicherten Person grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusicheru ng einer neuen Anschlussstelle auf- zugeben. So hat das Bundesgericht festgehalten, dass belastende Verhältnisse am Arbeitsplatz Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht r echtfertigen. Sie können aber allen- falls beim Verschulden berücksichtigt werden (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstellungen der versicherten Person nicht entsprechendes Betriebsklima genügt hierzu keineswe gs (vgl. ARV 1986 Nr. 24 S. 95). Zur freiwilligen Stellenaufgabe können deshalb nur zwi ngende Gründe führen, so etwa medizi- nische oder gesundheitsgefährdende Gründe. Diese müssen durch ein eindeutiges Arztzeugnis oder Gutachten belegt sein. Die Zumutbarkeit zum Verb leiben wird diesfalls strenger beurteilt als die Zumutbarkeit, eine neue Stelle anzutreten (vgl. BGE 124 V 234 E. 4bb mit Hinweisen). 3.4 Belegt die versicherte Person durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel), dass ihr die Weit erarbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar war, ist daher grundsätzlich von ein er Unzumutbarkeit aus gesundheitli- chen Gründen auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. Mai 2010, 8C_12/2010, E. 3.1; BGE 124 V 234 E. 4b/bb; Urteile des EVG vom 6. Dezember 2006, C 161/06, E. 3.2 und vom 9. Februar 2006, C 299/05, E. 2.2; je mit Hinwei s; GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I [Art. 1-58], 1988, N. 14 zu Art. 30 AVIG ; CHOPARD , a.a.O., S. 123). Die bundesge- richtliche Rechtsprechung verlangt für die Beurteilung de r Unzumutbarkeit präzise Angaben zum Gesundheitszustand der versicherten Person (vgl. Urte il C 122/00 des EVG vom 30. März 2001, E. 2 b) bb)). Ärztliche Zeugnisse müssen einerseits eine Diagnose und andererseits eine aussagekräftige Erklärung für die Arbeitsunfähigkeit (K ausalität) enthalten (vgl. Urteil C 318/01 des EVG vom 15. Februar 2002, E. 2 b) und Urteil C 123/06 des EVG vom 13 Juli 2007, E. 5.2). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichts- beschwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherr scht. Danach haben Versiche- rungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richt ige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachv erhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Verweisen). Dieser Gru ndsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspfli chten der Parteien (vgl. BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 4.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfü gende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt ( vgl. BGE 126 V 360 E. 5b; 125 V 195; 121 V 47 E. 2a; 208 E. 6b mit Hinweis). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Aufgrund der vorliegenden Akten stellt sich der rechts erhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Der Beschwerdeführer stand seit dem 8. Juli 2013 bei der B.____ AG in X.____ mit Ar- beitsort Y.____ als Bauleiter Gebäudetechnik mit eine m Pensum von 60% in einem unbefriste- ten Arbeitsverhältnis. Mit Schreiben vom 27. Oktober 20 14 kündigte er dieses Arbeitsverhältnis ohne Angabe eines Grundes und unter Einhaltung der or dentlichen Kündigungsfrist per 31. Ja- nuar 2015. Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 26. Januar 2015 führte er aus, dass die Kündigung aus gesundheitlichen Gründen erfolgt sei. Auch im Fragebogen betreffend recht- liches Gehör vom 9. Februar 2015 hielt der Beschwerdef ührer fest, die Stelle aus gesundheitli- chen Gründen gekündigt zu haben. Im Begleitschreiben zu diesem Fragebogen führte der Ver- sicherte zusammengefasst aus, dass sein Arbeitsbereich bei gleichbleibender Arbeitszeit stän- dig erweitert wurde, was im Laufe der Zeit zu einer Ü berbelastung geführt habe. In der Folge fasste er den Entschluss, sein Arbeitsverhältnis zu kündigen . Gleichzeitig wurde ein Schreiben von pract. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 26. Januar 2015 eingereicht, worin dieser bestätigte, dass die Kündigung bei der Fi rma B.____ Ende Oktober 2014 aus ge- sundheitlichen Gründen erfolgte. In der Begründung de r Einsprache vom 16. März 2015 an die Einspracheinstanz des KIGA führt der Beschwerdeführer wei ter aus, dass er vor dem Vollzug der Kündigung am 27. Oktober 2014 seinen Arzt am 24. Oktober 2014 per E-Mail und telefo- nisch kontaktiert und schliesslich auf dessen Empfehlung hi n die Stelle gekündigt habe. Die Kündigung sei aus gesundheitlichen Gründen erfolgt und die Arbeitslosigkeit sei nicht selber verschuldet. Im Rahmen des Einspracheverfahrens hielt pract. med. D.____ am 6. März 2015 in seinem Arztzeugnis fest, dass der Versicherte bei ihm in Be handlung stehe. Die Kündigung sei aus gesundheitlichen Gründen erfolgt und auf seine Em pfehlung hin, da der Patient nicht mehr in der Lage gewesen sei, die Arbeit zufriedenstellend auszuführen. Am 26. März 2015 liess der Versicherte der Einspracheinstanz per E-Mail ein weiter es Schreiben seines Arztes vom 18. März 2015 zukommen, worin dieser bestätigte, dass der Versicherte bei ihm in Behandlung gewesen sei. Aufgrund der Anamnese sowie der geschilder ten Beschwerden und der erhobe- nen Befunde sei er zum eindeutigen Ergebnis gelangt, d ass die Fortführung des Arbeitsverhält- nisses gesundheitlich nicht mehr tragbar gewesen wäre. Ge nauere Angaben über die Sympto- me und die Diagnose werde er selbstverständlich zuhanden des Vertrauensarztes weiterleiten. Um dies zu ermöglichen, entband der Versicherte seinen A rzt von seiner ärztlichen Schweige- pflicht im Zusammenhang mit den Gründen für die Künd igung bei der B.____ AG, woraufhin dieser zu den mittels amtlicher Erkundigung gestellten F ragen am 28. August 2015 Stellung nahm. Am 30. September 2015 hielt pract. med. D.___ _ zum daraufhin ergangenen negativen Einspracheentscheid fest, dass er den Beschwerdeführer am 12. November 2014 zum ersten Mal in der Sprechstunde gesehen habe. Aufgrund des psychischen Befundes habe er den Pati- enten sofort zur weiteren Behandlung an Frau C.____ ü berwiesen. Des Weiteren habe er ihm geraten, seine Arbeitsstelle aufzugeben, in der er deutlich überfordert gewesen sei. Im Rahmen des vorliegen Beschwerdeverfahrens hielt Frau C.____ am 14. Oktober 2015 fest, dass sich der Beschwerdeführer wegen einer Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21) seit dem 20. November 2014 bei ihr in ambulanter psychiatrischer Behandlung b efinde. Im Zuge der depressiven Ent- wicklung sei die Tätigkeit in der damaligen Arbeitsumge bung aus psychiatrischer Sicht nicht mehr zumutbar gewesen, dies wegen Symptomen wie Schlafp roblemen, Stimmungsschwan- kungen, Energielosigkeit, Konzentrationsstörungen und Müd igkeit. Ebenso bescheinigte sie dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 50% zw ischen dem 20. November 2015 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht (recte: 2014) bis zum 31. Januar 2015. Der Beschwerdeführer meldete sich sodann per 30. Ap- ril 2015 von der Arbeitsvermittlung und vom Leistungsbe zug bei der Kasse aufgrund Stellenan- tritts per 1. Mai 2015 als Sachbearbeiter Patientenaufnahme beim Unispital in X.____ ab. 6.1 Bei der Prüfung der Unterlagen fällt zunächst auf , dass die Kündigung vom 27. Oktober 2014 vor einer ersten ärztlichen Konsultation vollzogen wurde. Der Beschwerdeführer stand im Zeitpunkt der Kündigung (noch) nicht in ärztlicher Beh andlung. Am 24. Oktober 2014 nahm der Versicherte zwar per Mail und telefonisch Kontakt mit s einem Arzt auf, die Erstkonsultation in der Sprechstunde erfolgte aber erst am 12. November 20 14, mithin 2.5 Wochen nach erfolgter Kündigung. Weiter fällt auf, dass weder vorgängig noch nach ausgesprochener Kündigung dem Arbeitgeber ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis zugestellt wur de. Die Einschätzung der Unzumut- barkeit zum Verbleib an der bisherigen Arbeitsstelle wurde durch den Beschwerdeführer alleine getroffen. Die behandelnden Ärzte waren erst involviert , als die Kündigung schon ausgespro- chen war. Im relevanten Zeitraum vor der Kündigung konn ten sie sich noch gar kein eigenes fundiertes Zustandsbild des Patienten machen, geschweige n denn zufolge dessen eine Kündi- gungsempfehlung abgeben. Die nachträglichen Schreiben von pract. med. D.____ vom 26. Ja- nuar 2015, 6. März 2015 und 18. März 2015 mögen durchaus zutreffen, auch wenn er darin nur mitteilt, dass die Kündigung der bisherigen Arbeitsstelle „aus gesundheitlichen Gründen“ erfolg- te. Aus dem mit der Beschwerde eingereichten Arztbericht von Frau C.____ vom 14. Oktober 2015 ergibt sich dann, dass beim Beschwerdeführer verschied ene Symptome wie Schlafprob- leme, Stimmungsschwankungen, Energielosigkeit, Konzentrationsstörungen und Müdigkeit vor- gelegen haben. Sie bestätigt demnach zusammengefasst di e Aussage des Versicherten, wo- nach die Arbeitsstelle aus gesundheitlichen, namentlich psychischen Gründen aufgegeben werden musste. 6.2 Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erst ellt, dass erhebliche gesundheitli- che Gründe vorgelegen haben müssen. Nicht eindeutig u nd auch nicht (mehr) beweisbar ist dagegen, ob diese derart ausgeprägt waren, dass eine K ündigung unvermeidlich war. Es wäre dem Beschwerdeführer zumutbar gewesen, Therapiemöglich keiten zu prüfen sowie vor der Kündigung und anlässlich einer persönlichen Konsultation vor Ort eine Empfehlung eines Arz- tes einzuholen, woraus allenfalls ersichtlich gewesen wäre , dass aus medizinischer Sicht eine Kündigung angezeigt war. Aufgrund einer vorgängigen fundierten ärztlichen Beratung und durch eine Reduktion der Arbeitsbelastung entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von 50%, wie sie im Bericht von Frau C.____ attestiert wird, hätte a llenfalls eine Arbeitslosigkeit verkürzt oder vermieden werden können. Der Beschwerdegegnerin ist de mnach insofern beizupflichten, als dass beim Beschwerdeführer zwar gesundheitliche Probleme vorhanden waren, er aber für sein Fehlverhalten – nämlich ohne vorherige fundierte ärztl iche Konsultation zu kündigen – einzu- stehen hat. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigun g wegen selbstverschuldeter Arbeitslo- sigkeit ist demnach im Grundsatz nicht zu beanstanden. 7.1 Es ist sodann zu prüfen, ob die Anzahl der Einstellt age korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung bemisst sich einzig nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Sie beträgt nach Art. 45 Abs. 2 AVIV 1 - 15 Tage bei leichtem Verschulden, 16 - 30 Tage bei mittelschwerem Verschulden und 31 - 6 0 Tage bei schwerem Verschulden. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Innerhalb dieses Rahmens entscheidet die Arbeitslosenkasse nach pflichtgemässem Er- messen. Das Gericht greift nur mit Zurückhaltung in das d er Arbeitslosenkasse zustehende Er- messen ein. Es setzt nicht sein Ermessen anstelle desjenig en der Arbeitslosenkasse, solange diese von ihrem Ermessen pflichtgemäss Gebrauch gemacht h at, also allen einschlägigen Ge- sichtspunkten gebührend Rechnung getragen hat. 7.2 Vorliegend hat die Arbeitslosenkasse das Verhalten des Versicherten als schweres Verschulden qualifiziert, was eine Einstellungsdauer von 31 - 60 Tagen zur Folge hat. Innerhalb dieses Rahmens hat sie eine Einstellung in der Anspruchs berechtigung für die Dauer von 31 Tagen verfügt. Bei der Festlegung der Dauer der Einst ellung hat sie zu Recht zu Gunsten des Beschwerdeführers berücksichtigt, dass Probleme am Arbeitsp latz bestanden haben und der Versicherte gesundheitliche Beschwerden aufwies. Aus den är ztlichen Berichten geht aber her- vor, dass sogar erhebliche gesundheitliche Probleme besta nden haben, weshalb diesem Um- stand vorliegend gebührend Rechnung zu tragen ist. Die Arbeitslosenkasse hat der Schwere des Leidens bei der Bemessung des Verschuldens zu wenig Rech nung getragen. Der Versi- cherte hat seine Stelle nicht leichtfertig, sondern auf grund doch starker Symptome wie massive Schlafstörungen, Energielosigkeit und Konzentrationsschwi erigkeiten aufgegeben (E-Mail vom 24. Oktober 2014). Es ist ihm zwar vorzuwerfen, dass er di e Stellenaufgabe ohne vorgängige Konsultation eines Arztes tätigte (vgl. oben E. 6.2), die gesundheitliche Störung ist aber medizi- nisch bestätigt. Es kommt hinzu, dass sich der Versicherte b ei seinem Arbeitgeber um eine Verbesserung der Situation bemühte, letztmals offenbar im September 2014, einen Monat vor der Kündigung. Unter diesen Umständen kann nicht von e inem schweren Verschulden ausge- gangen werden. Das Verschulden des Versicherten erscheint a rbeitslosenrechtlich auch des- halb in einem milderen Licht, weil die Kündigung am 27. Oktober 2014 offenbar auch aus dem Bestreben heraus erfolgte, durch die Aufgabe des belast eten Arbeitsverhältnisses einen grös- seren Gesundheitsschaden und damit auch Langzeitarbeitslo sigkeit zu vermeiden. Dies ist ihm gelungen, bereits am 1. Mai 2015 trat er wieder ein e neue Stelle an. Aufgrund dieser besonde- ren Umstände rechtfertigt es sich, das Verschulden des Beschw erdeführers im unteren Bereich des mittelschweren Verschuldens festzulegen. Der angefoch tene Einspracheentscheid vom 21. September 2015 wird deswegen insofern abgeändert , als dass die Dauer der Einstellung von 31 Tagen auf 16 Tage reduziert wird. Die Beschwerde ist in diesem Sinne teilweise gutzu- heissen. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozess ausgang entsprechend wettzuschla- gen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird insofern teilweise gutgehe issen, als dass in Ab- änderung des Einspracheentscheids der Öffentlichen Arbei tslosenkas- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht se vom 21. September 2015 die Einstellungsdauer von 31 Tagen auf 16 Tage herabgesetzt wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht