<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">H 49/00 Ge </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>III. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Schön, Spira und Bundesrichterin Widmer; </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Krähenbühl </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 18. April 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">F.________, Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Ausgleichskasse des Kantons Zürich, Röntgenstrasse 17, </div> <div class="para">Zürich, Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, Winterthur </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Gestützt auf eine Meldung des Kantonalen Steuer- </div> <div class="para">amtes Zürich vom 31. März 1997 setzte die Ausgleichskasse </div> <div class="para">des Kantons Zürich die von F.________ geschuldeten </div> <div class="para">persönlichen Sozialversicherungsbeiträge (einschliesslich </div> <div class="para">Verwaltungskosten) mit drei Nachtragsverfügungen vom </div> <div class="para">17. April 1997 für das Jahr 1995 auf Fr. 27'410.40 sowie </div> <div class="para">für die Jahre 1996 und 1997 auf je Fr. 27'761.40 fest. Die </div> <div class="para">Beitragshöhe war von der Kasse im ordentlichen Bemessungs- </div> <div class="para">verfahren auf Grund der als Kollektivgesellschafterin des </div> <div class="para">Treuhandunternehmens M.________ &amp; Z.________ in den Jahren </div> <div class="para">1993 und 1994 durchschnittlich erzielten Einkünfte von Fr. </div> <div class="para">298'296.- abzüglich des jeweiligen Eigenkapitalzinses von </div> <div class="para">Fr. 16'730.- (1995) und Fr. 13'145.- (1996 und 1997) </div> <div class="para">bestimmt worden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Die gegen die Beitragsverfügungen vom 17. April </div> <div class="para">1997 erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsge- </div> <div class="para">richt des Kantons Zürich mit Entscheid vom 22. Dezember </div> <div class="para">1999 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- F.________ erhebt Verwaltungsgerichtsbeschwerde </div> <div class="para">mit dem Begehren, die Sozialversicherungsbeiträge für die </div> <div class="para">Jahre 1995 bis 1997 im ausserordentlichen Bemes- </div> <div class="para">sungsverfahren festzulegen, indem die Forderungen für 1995 </div> <div class="para">und 1996 auf der Basis der in diesen beiden Jahren jeweils </div> <div class="para">erzielten Einkommen von Fr. 82'500.- (1995) und </div> <div class="para">Fr. 163'621.- (1996) sowie für 1997 nach Massgabe des </div> <div class="para">Durchschnittes der Einkommen in den beiden vorangegangenen </div> <div class="para">Jahren ermittelt werden. </div> <div class="para"> Die Ausgleichskasse verzichtet unter Hinweis auf ihre </div> <div class="para">im kantonalen Verfahren eingereichte Stellungnahme auf </div> <div class="para">einen Antrag. Das Bundesamt für Sozialversicherung hat sich </div> <div class="para">nicht vernehmen lassen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Da keine Versicherungsleistungen streitig sind, </div> <div class="para">hat das Eidgenössische Versicherungsgericht nur zu prüfen, </div> <div class="para">ob der vorinstanzliche Entscheid Bundesrecht verletzt, ein- </div> <div class="para">schliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, </div> <div class="para">oder ob der rechtserhebliche Sachverhalt offensichtlich un- </div> <div class="para">richtig, unvollständig oder unter Verletzung wesentlicher </div> <div class="para">Verfahrensbestimmungen festgestellt worden ist (Art. 132 in </div> <div class="para">Verbindung mit Art. 104 lit. a und b sowie <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 </span></div> <div class="para">OG). </div> <div class="para"> Ferner ist <span class="artref">Art. 114 Abs. 1 OG</span> zu beachten, wonach das </div> <div class="para">Eidgenössische Versicherungsgericht in Abgabestreitigkeiten </div> <div class="para">an die Parteibegehren nicht gebunden ist, wenn es im Pro- </div> <div class="para">zess um die Verletzung von Bundesrecht oder um die unrich- </div> <div class="para">tige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts </div> <div class="para">geht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- a) Gemäss <span class="artref">Art. 22 AHVV</span> wird der Jahresbeitrag vom </div> <div class="para">reinen Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit durch </div> <div class="para">eine Beitragsverfügung für eine Beitragsperiode von zwei </div> <div class="para">Jahren festgesetzt; die Beitragsperiode beginnt mit dem ge- </div> <div class="para">raden Kalenderjahr (Abs. 1). Der Jahresbeitrag wird in der </div> <div class="para">Regel auf Grund des durchschnittlichen reinen Erwerbsein- </div> <div class="para">kommens einer zweijährigen Berechnungsperiode bemessen; </div> <div class="para">diese umfasst das zweit- und drittletzte Jahr vor der Bei- </div> <div class="para">tragsperiode (<span class="artref">Art. 22 Abs. 2 AHVV</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Haben sich die Einkommensgrundlagen seit der Be- </div> <div class="para">rechnungsperiode, für welche die kantonale Steuerbehörde </div> <div class="para">das Erwerbseinkommen ermittelt hat, infolge Berufs- oder </div> <div class="para">Geschäftswechsels, Wegfalls oder Hinzutritts einer Einkom- </div> <div class="para">mensquelle, Neuverteilung des Betriebs- oder Geschäftsein- </div> <div class="para">kommens oder Invalidität dauernd verändert und wurde da- </div> <div class="para">durch die Höhe des Einkommens wesentlich beeinflusst, so </div> <div class="para">ermittelt die Ausgleichskasse das massgebende reine Er- </div> <div class="para">werbseinkommen für die Zeit von der Veränderung bis zum </div> <div class="para">Beginn der nächsten ordentlichen Beitragsperiode und setzt </div> <div class="para">die entsprechenden Beiträge fest (<span class="artref">Art. 25 Abs. 1 AHVV</span>). Die </div> <div class="para">Beiträge sind in diesem Fall für jedes Kalenderjahr auf </div> <div class="para">Grund des jeweiligen Jahreseinkommens festzusetzen; für das </div> <div class="para">Vorjahr der nächsten ordentlichen Beitragsperiode sind sie </div> <div class="para">auf Grund des reinen Erwerbseinkommens festzusetzen, das </div> <div class="para">der Beitragsbemessung für diese Periode zu Grunde zu legen </div> <div class="para">ist (<span class="artref">Art. 25 Abs. 3 AHVV</span>). Ergibt sich später aus der Mel- </div> <div class="para">dung der kantonalen Steuerbehörde ein höheres oder niedri- </div> <div class="para">geres reines Erwerbseinkommen, so hat die Ausgleichskasse </div> <div class="para">die Beiträge nachzufordern oder zurückzuerstatten (<span class="artref">Art. 25 </span></div> <div class="para">Abs. 5 AHVV). </div> <div class="para"> Als wesentlich gilt die für die Anwendung des in </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 25 AHVV</span> umschriebenen ausserordentlichen Bemessungs- </div> <div class="para">verfahrens vorausgesetzte Einkommensveränderung, wenn sie </div> <div class="para">mindestens 25 % beträgt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-V-161%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page162">BGE 120 V 162</a> Erw. 3c mit Hin- </div> <div class="para">weisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- a) Blosse Einkommensschwankungen, wie beträchtlich </div> <div class="para">sie auch sein mögen, genügen nicht für einen mit der Vor- </div> <div class="para">nahme einer Neueinschätzung verbundenen Übergang zum aus- </div> <div class="para">serordentlichen Bemessungsverfahren. Die Anwendung von </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 25 Abs. 1 AHVV</span> setzt vielmehr einschneidende Verände- </div> <div class="para">rungen in den Grundlagen der wirtschaftlichen Tätigkeit vo- </div> <div class="para">raus. So müssen sich die Einkommensgrundlagen selber auf </div> <div class="para">Grund eines der in dieser Bestimmung aufgezählten Umstände </div> <div class="para">dauernd verändert haben und damit die Einkommenshöhe auch </div> <div class="para">quantitativ wesentlich beeinflusst haben. Dies bedeutet, </div> <div class="para">dass die Beiträge nur dann im ausserordentlichen Verfahren </div> <div class="para">nach <span class="artref"><artref id="CH/831.101/25/3" type="start"></artref><artref id="CH/831.101/25/1" type="start"></artref>Art. 25 Abs. 1 und 3 AHVV</span><artref id="CH/831.101/25/3" type="end"></artref><artref id="CH/831.101/3" type="end"></artref> festgesetzt werden dürfen, </div> <div class="para">wenn sich die Struktur des Betriebes oder die Erwerbstätig- </div> <div class="para">keit als solche grundlegend geändert haben (Käser, Unter- </div> <div class="para">stellung und Beitragswesen in der obligatorischen AHV, Bern </div> <div class="para">1989, S. 225 Rz 14.37 mit Hinweisen auf die Rechtspre- </div> <div class="para">chung). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Im vorliegenden Fall besteht die Einkommensquelle </div> <div class="para">der Beschwerdeführerin nach wie vor in ihrer Treuhandtätig- </div> <div class="para">keit. Eine Änderung hat sich lediglich insoweit ergeben, </div> <div class="para">als sie ihren Einsatz im Betrieb im Anschluss an die im </div> <div class="para">September 1994 erfolgte Geburt ihres ersten Kindes redu- </div> <div class="para">ziert und zudem im Jahre 1995 ihren Ehemann während eines </div> <div class="para">fast viermonatigen Auslandaufenthaltes begleitet hat. Ent- </div> <div class="para">sprechend der geringeren Verfügbarkeit und allenfalls auch </div> <div class="para">im Hinblick auf die dadurch notwendig gewordene Anstellung </div> <div class="para">eines neuen Mitarbeiters fiel in der Folge ihr Anteil am </div> <div class="para">Geschäftsergebnis geringer aus. </div> <div class="para"> Die daraus resultierende Einkommensverminderung er- </div> <div class="para">reichte zwar die für eine Anwendung des ausserordentlichen </div> <div class="para">Bemessungsverfahrens nach <span class="artref">Art. 25 AHVV</span> rechtsprechungsge- </div> <div class="para">mäss erforderliche Limite von 25 % (Erw. 2b in fine). Vor- </div> <div class="para">instanz und Verwaltung ist indessen darin beizupflichten, </div> <div class="para">dass in den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten </div> <div class="para">Umständen keine dauerhafte Veränderung der Einkommensgrund- </div> <div class="para">lagen im Sinne von <span class="artref">Art. 25 Abs. 1 AHVV</span> erblickt werden </div> <div class="para">kann, fehlt es dazu doch nicht nur an einer wesentlichen </div> <div class="para">Neugestaltung der Erwerbstätigkeit als solcher, sondern </div> <div class="para">auch an einer grundlegenden strukturellen Wandlung des Be- </div> <div class="para">triebes wie sie für die Annahme einer Grundlagenänderung </div> <div class="para">vorausgesetzt wird (ZAK 1988 S. 511 Erw. 2c und d). Die für </div> <div class="para">die Beschwerdeführerin ab 1995 ungünstiger ausgefallene Ge- </div> <div class="para">winnausschüttung kann insbesondere auch nicht der in </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 25 Abs. 1 AHVV</span> angesprochenen Neuverteilung des Be- </div> <div class="para">triebs- oder Geschäftseinkommens gleichgesetzt werden. Ab- </div> <div class="para">gesehen davon, dass zuverlässige Angaben über deren Dauer- </div> <div class="para">haftigkeit nicht möglich sind, widerspiegelt sie lediglich </div> <div class="para">das Verhältnis der von den Geschäftspartnern für den Be- </div> <div class="para">trieb erbrachten Arbeitsleistung. Insoweit liegt kein </div> <div class="para">Unterschied zur Situation eines selbstständigerwerbenden </div> <div class="para">Beitragspflichtigen vor, der seine Erwerbstätigkeit nur </div> <div class="para">noch in vermindertem Ausmass ausüben kann oder will und </div> <div class="para">deswegen eine Einkommenseinbusse in Kauf zu nehmen hat. </div> <div class="para">Wiederholt hat das Eidgenössische Versicherungsgericht </div> <div class="para">einen Übergang zum ausserordentlichen Bemessungsverfahren </div> <div class="para">zufolge Einschränkung oder Intensivierung der selbststän- </div> <div class="para">digen Erwerbstätigkeit abgelehnt (ZAK 1988 S. 511 Erw. 2d). </div> <div class="para">Ebenso wenig kann nach der Rechtsprechung auf Grund einer </div> <div class="para">Änderung der Kostenstruktur eines Betriebes wegen Erhöhung </div> <div class="para">oder Verminderung des Personalbestandes oder aber wegen </div> <div class="para">einer Erhöhung oder Verminderung der Löhne bei gleichblei- </div> <div class="para">bendem Personalbestand (ZAK 1976 S. 224 f.) auf eine Neu- </div> <div class="para">verteilung des Betriebs- oder Geschäftseinkommens nach </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 25 Abs. 1 AHVV</span> geschlossen werden. </div> <div class="para"> Die vorinstanzliche Erkenntnis, wonach die Ausgleichs- </div> <div class="para">kasse die Vornahme einer Gegenwartsbemessung für die Jahre </div> <div class="para">ab 1995 zu Recht abgelehnt hat, hält demnach vor Bundes- </div> <div class="para">recht stand. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) In masslicher Hinsicht sind die angefochtenen Bei- </div> <div class="para">tragsverfügungen unbestritten geblieben. Dies steht einer </div> <div class="para">Überprüfung durch das Eidgenössische Versicherungsgericht </div> <div class="para">auf Grund von <span class="artref">Art. 114 Abs. 1 OG</span> zwar nicht entgegen </div> <div class="para">(Erw. 1 in fine). Im vorliegenden Verfahren bietet die </div> <div class="para">Aktenlage indessen keinen Anlass, die Beitragsforderungen </div> <div class="para">betraglich in Frage zu stellen und daher einer eingehende- </div> <div class="para">ren Prüfung zu unterziehen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- Das Verfahren ist kostenpflichtig (Umkehrschluss </div> <div class="para">aus <span class="artref">Art. 134 OG</span>). Dem Prozessausgang entsprechend sind die </div> <div class="para">Gerichtskosten von der unterliegenden Beschwerdeführerin zu </div> <div class="para">tragen (Art. 156 Abs. 1 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 135 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>I. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen.</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>II. Die Gerichtskosten von Fr. 3'500.- werden der Be-</i> </div> <div class="para"> schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten </div> <div class="para"> Kostenvorschuss verrechnet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>III. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversiche-</i> </div> <div class="para"> rungsgericht des Kantons Zürich und dem Bundesamt für </div> <div class="para"> Sozialversicherung zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 18. April 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident Der Gerichts- </div> <div class="para">der III. Kammer: schreiber: </div> </div></body></html>