Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. November 2012 (720 12 199) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rente Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Stephan Bläsi, Advokat, Birsigstrasse 34, Postfach, 4011 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 A.____ arbeitete ab Herbst 2002 als IT-Supporteri n bei der Firma B.____ und war in dieser Funktion obligatorisch bei der Schweizerischen Unf allversicherungsanstalt (SUVA) ge- gen die Folgen von Betriebs- und Nichtbetriebsunfäll en versichert. Im Dezember 2006 erlitt A.____ als Beifahrerin bei einem Verkehrsunfall eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS). Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandl ung und Taggelder). Mit Verfügung vom 14. Januar 2010 stellte sie die Leistungen per 31. Januar 2010 ein. Die dagegen durch die Helsana Versicherungen AG als obligatorische Krankenversic herung und die Versicherte, ver- treten durch Advokat Stephan Bläsi, erhobenen Einsprach en wies die SUVA am 13. April 2010 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ab. Ebenso lehnte das Kantonsgericht, Abteilung Sozia lversicherungsrecht (Kantonsgericht), die hiergegen erhobene Beschwerde mit Urteil vom 22. November 2010 (KGSV 725 10 117) ab. Das Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen, bestätigte den kantonalen Entscheid mit Urteil vom 1. Juni 2011, 8C_174/2011. A.2 Die Versicherte meldete sich am 20. März 2008 unter Hinweis auf ein Beschleuni- gungstrauma und depressive Momente bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zur Früherfassung und zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Ba sel-Landschaft (IV-Stelle) klärte den medizinischen und den erwerblichen Sachverhalt ab. Mit Verfügung vom 6. Juni 2012 sprach sie der Versicherten - nach durchgeführtem Vorbesche idverfahren - mit Wirkung vom 1. Januar 2008 bis 30. September 2009 eine Viertelsre nte, vom 1. Oktober 2009 bis 31. De- zember 2009 eine halbe Rente und vom 1. Januar 2010 bis 30. September 2010 wiederum eine Viertelsrente zu. B. Hiergegen erhob die Versicherte, weiterhin vertre ten durch Advokat Bläsi, am 20. Juni 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht und beantragte, dass ihr in Aufhebung der Verfügung der IV-Stelle vom 6. Juni 2012 ab 1. Januar 2010 eine unbefristete Viertelsrente zuzusprechen sei. Eventualiter sei die Sache in Aufhebung der Verfügung vom 6. Juni 2012 an die IV-Stelle zu zusätzlichen Abklärungen zurückzuweisen. Nach Vorliegen dieser Abklärungsresultate sei er- neut über den Rentenanspruch zu befinden; unter o/e- K ostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass die Befristung der Rente per 30. September 2010 nicht ge- rechtfertigt sei. Namentlich sei die im Gutachten der D.____ vom 4. Oktober 2010 vorgenom- mene Zumutbarkeitsbeurteilung nicht nachvollziehbar. Di ese stehe im krassen Widerspruch zu den übrigen medizinischen Akten. Weiter liess die Beschwer deführerin ausführen, dass im Zweifelsfall eine Evaluation der funktionellen Leistu ngsfähigkeit (EFL) durchzuführen sei. Schliesslich sei die angefochtene Verfügung insofern widersprüchlich als der Beschwerdeführe- rin zwar in ihrer angestammten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert, gleichzeitig aber ein Invaliditätsgrad von 10% ermittelt werde. C. Zur Beschwerde liess sich die IV-Stelle am 27. Juli 2 012 vernehmen. Sie beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die form- und fristgerecht beim sachlich wie ör tlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Besc hwerdeführerin über den 30. September 2010 hinaus Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 3.1 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende o der längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG vom 6. Oktober 2000). Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht sacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen , Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversich erung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 3.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 4.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Ar beitsunfähigkeit die durch eine Be- einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundh eit bedingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 323 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI- Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesge richts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerich ts [EVG; heute Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 5. Die Beschwerdeführerin wurde zwischen dem 21. und de m 23. Juni 2010 in der D.____ untersucht. Dem gestützt auf diese Untersuchungen erstellten Gutachten vom 4. Okto- ber 2010 sind keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arb eitsfähigkeit zu entnehmen. Ohne Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden (1) ein chronisches zervikobrachiales und zervikozephales Schmerzsyndrom (ICD-10; M53.0 und M53.1) bei einem Sta tus nach Autounfall mit Contusio capitis und HWS-Distorsionstrauma am 25. Dezember 2006 ohne Anhaltspunkte für eine leichte traumatische Hirnverletzung, aktuell muskuläre Dysbalance mit ausgeprägter rechtsbetonter Verspannung des Trapezmuskels ohne Myogelosen, fluktuierende Verspannungen der paraver- tebralen Muskulatur, der Musculi scaleni und des Musculus ster nocleidomastoideus rechtsbe- tont, mittelgradig degenerative Veränderung der HWS mit Osteochondrosen und subligamentä- rer Herniation HWK 5/6 und weniger ausgeprägt HWK 6 /7 ohne Kompromittierung neuraler Strukturen und ohne Anhaltspunkte für ein radikuläres zervikales Reiz- oder Ausfallsyndrom, (2) episodische Spannungskopfschmerzen, (3) ein lumbovertebrale s Syndrom bei Fehlhaltung der Wirbelsäule und aktuell isolierte Druckdolenzen der Face ttengelenke L5/S1 und L4/5 linksbe- tont, (4) bilaterale Senkfüsse mit systematischer Achille ssehnenansatztendinose wegen Insuffi- zienz der Tibialis posterior Muskulatur, (5) ein Verdacht auf eine beginnende Arthrose des chondrosternalen Gelenkes der 4. Rippe rechts, (6) eine leichte Innenohrschwerhörigkeit, (7) eine Dysthymia und eine chronische Schmerzstörung mit psyc hischen und somatischen Faktoren sowie (8) eine leichte Myopia/Astigmatismus mit beginnender Presbyopie genannt. In der medizinischen Gesamtbeurteilung kamen die Fachärzte der D.____ zum Schluss, dass auf- grund der Aktenlage, der Anamnese und der aktuell erh obenen Untersuchungsbefunde bei der Beschwerdeführerin ein chronisches zervikobrachiales und - zephales Schmerzsyndrom ohne Anhaltspunkte für eine Radikulopathie oder eine Myelop athie mit zusätzlichen Spannungskopf- schmerzen bestehe. Beim Unfall vom 25. Dezember 2006 ha be die Versicherte eine Contusio capitis ohne Anhaltspunkte für eine milde traumatische H irnverletzung erlitten. Die beklagten Konzentrationsstörungen und die vermehrte Müdigkeit sei en beim Fehlen einer traumatischen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hirnverletzung im Rahmen der chronischen Schmerzen und de r psychiatrisch diagnostizierten Dysthymie zu interpretieren. Die bildgebende Dokumentati on vermöge die intermittierenden ausstrahlenden Schmerzen in die rechte obere Extremität nicht zu erklären. Klinisch bestünden keine Anhaltspunkte, die für das Vorliegen eines Thora cic-outlet-Syndroms sprechen würden. Das MRI der HWS vom 16. März 2007 habe weder Anhaltsp unkte für eine relevante Kompres- sion neuraler Strukturen noch für eine posttraumatische Syrinx- oder eine Myelonkontusion er- geben. In der klinischen Untersuchung imponiere eine ausg eprägte Dysbalance der Schulter- gürtel- und Nackenmuskulatur. Radiologisch seien in den aktuellen Röntgenaufnahmen der HWS mit Bestimmtheit weder klinisch noch radiomorpholog isch Hinweise für das Vorliegen posttraumatischer struktureller Läsionen bei Vorliegen von mittelgradig degenerativen Verände- rungen im Bereich der unteren HWS erkennbar. In der Untersuchung habe sich eine somatisch nicht zu erklärende Allodynie des rechten Unter- und Ober armes gezeigt. Im Bereich der Len- dewirbelsäule (LWS) bestehe lediglich eine Fehlhaltun g mit vermehrter lumbaler Lordose. Die Beweglichkeit der LWS sei jedoch altersentsprechend u nauffällig. Insgesamt bestehe somit der Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungsstörung, da die Therapieresistenz der beklagten Be- schwerden und das Ausmass der subjektiven Symptome in Diskrep anz zu den objektivierbaren Befunden stünden. Weder aus neurologischer noch aus rheu matologischer Sicht könne in der angestammten Tätigkeit als IT-Administratorin oder IT -Dokumentatorin eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Aus psychiatrischer S icht könne lediglich die Diagnose einer Dysthymie gestellt werden, welche zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führe. Ausser- dem bestehe eine chronische Schmerzstörung mit psychischen u nd somatischen Faktoren, welche aber keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ha be. Wahrscheinlich habe die Beschwer- deführerin nach dem Unfall im Dezember 2006 eine Anp assungsstörung mit depressiver Reak- tion erlitten, die aber ohne spezifische Behandlung re mittiert sei. Bezüglich allfälliger kognitiver Defizite, wie sie ihm Rahmen des Aufenthaltes in der E. ___ im Jahr 2008 im Sinne einer leich- ten psychologischen Störung diagnostiziert worden seien, könne darauf hingewiesen werden, dass während der mehrstündigen Exploration keine Hinwe ise für das Vorliegen gravierender neuropsychologischer Defizite festgestellt worden seien. Bei nicht stattgehabter milder trauma- tischer Hirnverletzung seien die beklagten Konzentrationsst örungen sowie die vermehrte Mü- digkeit entweder im Rahmen der chronischen Schmerzen oder der Dysthymie zu interpretieren. Da aber weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeits- fähigkeit in der angestammten Tätigkeit attestiert wer de und allfällige neuropsychologische Ein- schränkungen nicht primär organisch erklärt werden könnte n, könne aufgrund der subjektiv ge- klagten Konzentrations- und Merkfähigkeitsmängel keine E inschränkung der Arbeitsfähigkeit bestätigt werden. Dasselbe gelte für die von der Beschw erdeführerin angegebenen intermittie- rend auftretenden Sehstörungen, die abgesehen von ein em Auraphänomen bei einer aktuell aus neurologischer Sicht nicht diagnostizierten Migräne keinem organischen Befund zugeordnet werden könnten. Für die angestammten Tätigkeiten als I T-Administratorin oder IT- Dokumentatorin bestehe insgesamt eine voll zumutbare A rbeitsfähigkeit, sofern dabei das He- ben und Tragen von Lasten über 10 kg, Überkopfarbeit en, Drehbewegungen des Rumpfes, monotone Körperhaltungen im Stehen, Gehen und Sitzen vermieden werden können. Im Haus- halt bestehe ebenfalls keine Einschränkung der Arbeitsf ähigkeit, sofern das Fensterputzen und das Tragen von Lasten über 10 kg umgangen werden können. Auch sämtliche körperlich leich- ten wechselbelastenden Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin zumutbar. Schwere und mit- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht telschwere Arbeiten mit Tragen von Lasten über 15 kg u nd der Notwendigkeit von Überkopfar- beiten könnten ihr jedoch aufgrund der muskulären Dysb alance nicht mehr zugemutet werden. Die volle Arbeitsfähigkeit gelte ab Begutachtungszeitpunkt, also ab Juni 2010. 6.1 In der angefochtenen Verfügung stützte sich die I V-Stelle bei der Beurteilung des Ge- sundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerde führerin vollumfänglich auf die Ergebnisse des Gutachtens der D.____ vom 4. Oktober 2010 . Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beschwerdeführerin ab Juni 2010 (Zeitpunkt Begu tachtung) keine schweren und mit- telschweren Tätigkeiten mit Tragen von Lasten über 15 kg und der Notwendigkeit von Über- kopfarbeiten aufgrund der muskulären Dysbalance mehr zu gemutet werden können. Hingegen sei sie bei der Ausübung der angestammten Tätigkeit als I T-Administratorin oder IT- Dokumentatorin zu 100% arbeitsfähig, sofern dabei das Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, das Überkopfarbeiten, Drehbewegungen des Rumpfe s, monotone Körperhaltungen im Stehen, Gehen und Sitzen vermieden werden können. E benso seien ihr sämtliche körperlich leichten wechselbelastenden Tätigkeiten voll zumutbar. Diese Beurteilung ist nicht zu bean- standen. Wie oben ausgeführt, ist den im Rahmen des Ve rwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier nicht vor. Die Untersuchunge n der Fachärzte der D.____ erfolgte umfassend und multidisziplinär (internistisch, rheumatologisch, neurologisch und psychiatrisch). Die Gesamtbeurteilung wurde von den einzelnen Fachärzt en gemeinsam in einem interdis- ziplinären Konsensus erarbeitet. Die Gutachter haben die Beschwerdeführerin persönlich unter- sucht, sie gehen in ihren ausführlichen Berichten einlä sslich auf die geklagten Beschwerden ein, sie setzen sich mit den bei den Akten liegenden me dizinischen Unterlagen und widerspre- chenden Meinungen auseinander und vermitteln so ein um fassendes Bild über deren Gesund- heitszustand. Zudem nehmen sie eine schlüssige Einschätzun g der Arbeitsfähigkeit vor. Als Ergebnis lässt sich deshalb festhalten, dass das Gutachten d er D.____ vom 4. Oktober 2010 in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation ein- leuchtet und begründete Schlussfolgerungen enthält. 6.2.1 An diesem Ergebnis ändern die Ausführungen der Beschwerdeführerin nichts. Sie macht zunächst geltend, dass die Zumutbarkeitsbeurteilung im Gutachten der D.____ vom 4. Oktober 2010 den übrigen medizinischen Berichten wid erspreche. Hierzu ist festzuhalten, dass im Gutachten der D.____ zu den abweichenden Einschät zungen der Arbeitsfähigkeit Stel- lung genommen wurde. So wird in Bezug auf den Berich t von Dr. med. F.____, FMH Neurolo- gie, vom 30. Juli 2007 festgehalten, dass dieser die Be schwerdeführerin lediglich 8 Monate nach dem Unfall untersucht habe und im damaligen Zei tpunkt von einer 55%igen Arbeitsfähig- keit ausgegangen sei. Dr. F.____ hat eine baldige Stei gerung der Arbeitsfähigkeit angeregt. Damit ist in der Einschätzung der Gutachter der D.____, welche die Beschwerdeführerin 3,5 Jahre nach dem Unfall untersuchten und aufgrund der mo mentan vorhandenen objektiven Symptome von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausginge n, kein eigentlicher Widerspruch zu Dr. F.____ zu erkennen. Dasselbe gilt für die Beurteilu ng von Dr. med. G.____, FMH Rheuma- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tologie, vom 23. Oktober 2007, der 10 Monate nach dem Unfall eine volle Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht postulierte. Kein Widerspruch besteht zudem zum Bericht vom 26. Juni 2008 des SUVA-Kreisarztes von Dr. med. H.____, FMH Or thopädische Chirurgie und Trauma- tologie des Bewegungsapparates, welcher die Beschwerde führerin als voll arbeitsfähig be- zeichnete. In Bezug auf die Einschätzung der E.____, we lche der Beschwerdeführerin am 20. Oktober 2008 eine Arbeitsfähigkeit von 65% und jener des Hausarztes Dr. med. I.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, welcher am 4. März 2009 ei ne solche von 50% attestierte, ist mit der Vorinstanz und der D.____ anzunehmen, dass sowohl d er Hausarzt als auch die E.____ sich bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit mehr auf die Selbsteinschätzung der Beschwer- deführerin, denn auf objektive Befunde stützten. Weiter wurde im Gutachten der D.____ zurecht festgehalten, dass bei der chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Fak- toren typischerweise eine Selbstlimitierung auftrete, o hne dass diese aber zu einer Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit führe. Damit überzeugt das Gu tachten der D.____ aber insgesamt und auch in Bezug auf die abweichenden medizinischen Einschätzungen. 6.2.2 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, dass au s der Bestätigung der Arbeitgeberin vom 12. Juni 2012 hervorgehe, dass sie in ihrer angestammt en Funktion im IT-Bereich nicht mehr und in einem weniger anspruchsvollen Bereich nur n och zu 60% arbeitsfähig sei. Hierzu ist zu entgegnen, dass es nicht Aufgabe des Arbeitgebers o der der Arbeitgeberin ist, die medi- zinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit seiner Angestellten fe stzustellen. Diese Aufgabe obliegt ge- mäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts den unte rsuchenden (Fach-)Ärzten (BGE 125 V 256), welche vorliegend nachvollziehbar und einleuchtend eine Arbeitsfähigkeit von 100% in der angestammten Tätigkeit attestierten. Deme ntsprechend ist die Forderung der Be- schwerdeführerin nach Durchführung einer EFL abzulehn en. Das Bundesgericht hat hierzu in seinem Urteil vom 8. Februar 2012, 9C_768/2011, E. 2. 4, festgestellt, dass ein EFL- Testverfahren (vgl. SVR 2009 IV Nr. 26 S. 73, 8C_547/ 2008 E. 4.2.1) nicht in jedem Fall durch- zuführen, sondern allenfalls in Betracht zu ziehen sei, we nn sich die beteiligten Fachärzte aus- ser Stande sähen, eine zuverlässige Einschätzung des leist ungsmässig Machbaren vorzuneh- men, und deshalb eine konkrete leistungsorientierte b erufliche Abklärung als zweckmässigste Massnahme ausdrücklich empfehlen würden (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 23. Feb- ruar 2011, 8C_976/2010, E. 5.5). Es sei indessen nicht bereits dann erforderlich, wenn lediglich ärztliche Einschätzungen der gesundheitlich bedingten Ei nschränkung voneinander abweichen würden. Eine medizinisch-theoretische Beurteilung der A rbeitsfähigkeit genüge als Grundlage für die Bemessung der Invalidität; liege eine solche vor, dürfe auf eine Begutachtung durch eine berufliche Abklärungsstelle (BEFAS; vgl. Art. 59 Abs. 3 IVG) verzichtet werden (Urteile des Bundesgerichtes vom 23. August 2010, 9C_466/2010, E. 3.4 .2 und vom 28. Mai 2009, 9C_332/2009, E. 3.4). Im vorliegenden Fall liegt - wie bereits mehrfach betont - eine stichhaltige medizinisch theoretische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vor. Zudem sind die ärztlichen Zu- mutbarkeitsbeurteilungen weitgehend kongruent und ein e EFL wird von keiner medizinischen Fachperson empfohlen. Damit sind die bundesgerichtlichen Kriterien für die Durchführung einer EFL nicht erfüllt. 6.2.3 Die Beschwerdeführerin moniert zudem, dass im UVG -Verfahren (KGSV 725 10 117; Urteil des Bundesgerichts vom 1. Juni 2011, 8C_174/201 1) das Adäquanzkriterium der erhebli- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengunge n bejaht worden sei, weshalb die Zumutbarkeitsbeurteilung im Gutachten der D.____ auch unter diesem Aspekt nicht haltbar sei. Hierzu ist festzustellen, dass sich im UVG-Verfahren der B eurteilungszeitraum bis Ende Januar 2010 beschränkt. In diesem Zeitabschnitt anerkennt aber auch die IV-Stelle eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit, was sich letztlich im Rentenans pruch der Beschwerdeführerin äussert. Aus diesem Grund kann die Beschwerdeführerin auch aus dieser Argumentation nichts zu ihren Gunsten ableiten. 6.3 Nach dem Gesagten steht fest, dass das Gutachten der D .____ vom 4. Oktober 2010 eine zuverlässige Beurteilung des medizinischen Sachverhalt s im Zeitpunkt des Verfügungser- lasses erlaubt. Es ist demnach davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin aufgrund der gestellten Diagnosen die Ausübung der angestammten Tät igkeiten als IT-Administratorin oder IT-Dokumentatorin sowie sämtliche körperlich leichten w echselbelastenden Tätigkeiten zu 100% zumutbar sind, sofern dabei das Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, das Über- kopfarbeiten, Drehbewegungen des Rumpfes, monotone Kör perhaltungen im Stehen, Gehen und Sitzen vermieden werden kann. Es besteht daher in an tizipierte Beweiswürdigung kein Grund, weitere (fach-)ärztliche Abklärungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. März 2008, 9C_561/2007, E. 5.2.1 und BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 7. Die IV-Stelle hat gestützt auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Gutachten der D.____ vom 4. Oktober 2010 in ihrer Verfügung vom 6. Juni 2012 einen Einkommensvergleich im Sinne von Art. 16 ATSG vorgenommen und mit Wirkung 1. Oktober 2010 einen Invaliditäts- grad von 10% ermittelt. Die Beschwerdeführerin wendet nun ein, dass dies widersprüchlich sei, denn es werde im angefochtenen Entscheid gleichzeitig festgestellt, dass sie ab 23. Juni 2010 in der angestammten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig se i. Die Vorinstanz hat nunmehr in ihrer Vernehmlassung vom 27. Juli 2012 diesen Mangel anerkannt und (korrekterweise) einen Invali- ditätsgrad von 0% bestätigt. Da sich aber weiter aus d en Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschät- zung vorzunehmen wäre und die Beschwerdeführerin den E inkommensvergleich als solchen auch nicht weiter bestreitet, erübrigt sich eine detai llierte Auseinandersetzung mit dem durch die IV-Stelle angestellten Einkommensvergleich. Demnac h verneinte die Vorinstanz zu Recht einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ab 1. Oktober 2010. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlege n sind. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht