<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Güterregulierung</span> <span class="page_no">349</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Güterregulierung</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>75</b></span> <span class="ft2"><b>Die Begründung einer Dienstbarkeit darf im Rahmen einer Güterre-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gulierung nur mit grösster Zurückhaltung angeordnet werden</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Kein genügendes öffentliches Interesse an der Begründung eines</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Fuss- und Wegrechts, wenn ohnehin eine vollständige parzellenin-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>terne Erschliessung gewährleistet ist (Erw. II/3.2).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Erschliessung einer Parzelle allenfalls über Gebiete ausserhalb des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Perimeters, wenn perimeter-übergreifende Überlegungen zur Aus-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>scheidung der Parzelle geführt haben (Erw. II/3.3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid der Landwirtschaftlichen Rekurskommission vom</span><br/> <span class="ft5">23. Juni 2009 in Sachen X. gegen Bodenverbesserungsgenossenschaft Y.</span><br/> <span class="ft5">(5-GR.2008.1).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">II.</span><br/> <span class="ft7">1.</span><br/> <span class="ft7">Umstritten ist vorliegend, ob zu Lasten der Parzelle Nr. 1 ein</span><br/> <span class="ft7">Fuss- und Fahrwegrecht zu Gunsten der Parzellen Nrn. 2.1 und 3 zu</span><br/> <span class="ft7">errichten ist.</span><br/> <span class="ft7">2.</span><br/> <span class="ft6"><i>(Zusammenfassung der Rechtsprechung bzgl. Begründung von</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Dienstbarkeiten bei Güterregulierungen; vgl. AGVE 2004 S. 325 ff.,</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Erw. 3.2</i>.)</span><br/> <span class="ft7">3.</span><br/> <span class="ft7">3.1.</span><br/> <span class="ft7">Es rechtfertigt sich, die umstrittene Dienstbarkeit je separat in</span><br/> <span class="ft7">Bezug auf die Parzelle Nr. 3 (Erw. II/3.2) sowie die Parzelle Nr. 2.1</span><br/> <span class="ft7">(Erw. II/3.3) zu beurteilen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">LandwirtschaftlicheRekurskommission</span> <span class="page_no">350</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">3.2.</span><br/> <span class="ft7">3.2.1.</span><br/> <span class="ft7">Die Parzelle Nr. 3 grenzt im Südwesten auf ihrer gesamten</span><br/> <span class="ft7">Länge von über 60 m an die F.-Strasse. Unabhängig von den beste-</span><br/> <span class="ft7">henden Bauten und Bäumen - welche offenbar zum Teil erst nach er-</span><br/> <span class="ft7">folgter Neuzuteilung gepflanzt wurden - ist von der F.-Strasse aus</span><br/> <span class="ft7">eine vollständige parzelleninterne Erschliessung möglich. Das um-</span><br/> <span class="ft7">strittene Wegrecht ist insofern nicht zwingend. Es ist aber offen-</span><br/> <span class="ft7">sichtlich, dass es die Erschliessung des nordöstlichen Parzellenteils</span><br/> <span class="ft7">optimieren und insofern das Grundstück in einem gewissen Masse</span><br/> <span class="ft7">aufwerten würde.</span><br/> <span class="ft7">3.2.2.</span><br/> <span class="ft7">Es wurde bereits hinlänglich dargestellt, dass im Rahmen der</span><br/> <span class="ft7">Güterregulierung neue Dienstbarkeiten nur zurückhaltend zu begrün-</span><br/> <span class="ft7">den sind und hierfür ein erhebliches öffentliches Interesse notwendig</span><br/> <span class="ft7">ist (vgl. Erw. 2). Ein derartiges Interesse ist im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft7">nicht erkennbar. Die erwähnte Optimierung der Erschliessungssitua-</span><br/> <span class="ft7">tion ist primär ein privates Anliegen der Eigentümer der begünstigten</span><br/> <span class="ft7">Parzelle Nr. 3; ein nennenswertes oder gar erhebliches Interesse der</span><br/> <span class="ft7">Öffentlichkeit ist nicht ersichtlich und wird bezeichnenderweise von</span><br/> <span class="ft7">den betroffenen Grundeigentümern auch nicht behauptet. In diesem</span><br/> <span class="ft7">Zusammenhang ist von zentraler Bedeutung, dass eine rationelle</span><br/> <span class="ft7">Bewirtschaftung des gesamten Grundstücks auch ohne das umstrit-</span><br/> <span class="ft7">tene Wegrecht möglich ist. Entsprechend ist die Aufwertung, welche</span><br/> <span class="ft7">die Parzelle Nr. 3 durch das Wegrecht erfahren würde, bescheiden.</span><br/> <span class="ft7">Dies gilt umso mehr, als die Zufahrt über den umstrittenen Weg zum</span><br/> <span class="ft7">nordöstlichen Grundstücksteil nicht kürzer ist als eine parzellenin-</span><br/> <span class="ft7">terne Erschliessung. Schliesslich sind die mit dem Wegrecht verbun-</span><br/> <span class="ft7">denen Nachteile für die belastete Parzelle Nr. 1 des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft7">rers (insbesondere: eingeschränkte Möglichkeit der Einzäunung)</span><br/> <span class="ft7">nicht von der Hand zu weisen.</span><br/> <span class="ft7">3.2.3.</span><br/> <span class="ft7">Somit ergibt sich, dass das Fuss- und Fahrwegrecht zu Gunsten</span><br/> <span class="ft7">der Parzelle Nr. 3 aufgehoben werden muss.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Güterregulierung</span> <span class="page_no">351</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">3.3.</span><br/> <span class="ft7">3.3.1.</span><br/> <span class="ft7">Die Parzelle Nr. 2.1 ist rund 4 Aren gross und damit für sich</span><br/> <span class="ft7">allein einer rationellen landwirtschaftlichen Nutzung kaum zugäng-</span><br/> <span class="ft7">lich. Tatsächlich dient sie heute als Ziergarten für die Liegenschaft</span><br/> <span class="ft7">auf der direkt angrenzenden Parzelle Nr. 2.2 (ausserhalb Perimeter).</span><br/> <span class="ft7">Diese Parzelle befindet sich offenbar im Alleineigentum von U.W.,</span><br/> <span class="ft7">die Parzelle Nr. 2.1 gehört dem Ehepaar W. gemeinsam.</span><br/> <span class="ft7">3.3.2.</span><br/> <span class="ft7">Die Landwirtschaftliche Rekurskommission ist nicht zuständig,</span><br/> <span class="ft7">im vorliegenden Verfahren die (rechtskräftige) Neuzuteilung zu</span><br/> <span class="ft7">überprüfen. Es ist indessen augenfällig, dass sich die Ausscheidung</span><br/> <span class="ft7">einer derart kleinen Parzelle grundsätzlich nicht mit den Zielsetzun-</span><br/> <span class="ft7">gen einer Güterregulierung vereinbaren lässt. Eine Rechtfertigung</span><br/> <span class="ft7">kann höchstens darin gesehen werden, dass offensichtlich versucht</span><br/> <span class="ft7">wurde, der Liegenschaft auf der Parzelle Nr. 2.2 einen angemessenen</span><br/> <span class="ft7">Umschwung zu ermöglichen. Daraus erhellt, dass die Existenz der</span><br/> <span class="ft7">Parzelle Nr. 2.1 aufs Engste mit derjenigen der (ausserhalb des Pe-</span><br/> <span class="ft7">rimeters gelegenen) Parzelle Nr. 2.2 verknüpft ist. Dies ergibt sich</span><br/> <span class="ft7">auch aufgrund der bestehenden Eigentumsverhältnisse sowie der</span><br/> <span class="ft7">tatsächlichen Nutzung (vgl. Erw. II/3.3.1).</span><br/> <span class="ft7">Aufgrund des erwähnten engen Zusammenhangs drängt es sich</span><br/> <span class="ft7">förmlich auf, die Parzelle Nr. 2.1 über die Parzelle Nr. 2.2 zu er-</span><br/> <span class="ft7">schliessen. Demgegenüber erscheint es geradezu willkürlich, dass ei-</span><br/> <span class="ft7">nerseits perimeter-übergreifende Aspekte zur Ausscheidung der Par-</span><br/> <span class="ft7">zelle Nr. 2.1 führten und dass andererseits argumentiert wird, die Er-</span><br/> <span class="ft7">schliessung der Parzelle Nr. 2.1 müsse innerhalb des Perimeters</span><br/> <span class="ft7">sichergestellt werden. Selbstverständlich ist der Landwirtschaftlichen</span><br/> <span class="ft7">Rekurskommission bewusst, dass im Rahmen der Güterregulierung</span><br/> <span class="ft7">eine Handhabe fehlt, um zwangsweise ein Wegrecht zu Lasten der</span><br/> <span class="ft7">(ausserhalb des Perimeters gelegenen) Parzelle Nr. 2.2 zu begründen.</span><br/> <span class="ft7">Dies bedeutet jedoch nichts anderes, als dass das Wegrecht auf eine</span><br/> <span class="ft7">andere Art und Weise, das heisst konkret mittels einvernehmlicher</span><br/> <span class="ft7">Lösung mit dem Eigentümer der Parzelle Nr. 2.2, begründet werden</span><br/> <span class="ft7">muss. Dessen bisheriges Verhalten, die Parzelle Nr. 2.1 als Ziergarten</span><br/> <span class="ft7">seiner Liegenschaft auf der Parzelle Nr. 2.2 zu nutzen und gleich-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">LandwirtschaftlicheRekurskommission</span> <span class="page_no">352</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">zeitig eine Erschliessung über eine Drittparzelle zu fordern, erscheint</span><br/> <span class="ft7">überaus fragwürdig. Falls eine einvernehmliche Lösung wider Er-</span><br/> <span class="ft7">warten nicht gelingen sollte, muss in Bezug auf die Parzelle Nr. 2.1</span><br/> <span class="ft7">auf die Neuzuteilung zurückgekommen und die Fläche - nunmehr</span><br/> <span class="ft7">nach eigentlichen güterregulierungsrechtlichen Gesichtspunkten -</span><br/> <span class="ft7">anders zugeteilt werden. Für die hoheitliche Anordnung eines Weg-</span><br/> <span class="ft7">rechts zu Gunsten der Parzelle Nr. 2.1 und zu Lasten einer Dritt-</span><br/> <span class="ft7">parzelle fehlt es jedenfalls am Kriterium des erheblichen öffentlichen</span><br/> <span class="ft7">Interessens.</span><br/> <span class="ft7">3.3.3.</span><br/> <span class="ft7">Demzufolge ist das umstrittene Wegrecht auch in Bezug auf die</span><br/> <span class="ft7">Parzelle Nr. 2.1 aufzuheben. In diesem Zusammenhang ist das Ver-</span><br/> <span class="ft7">fahren an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sie ist gehalten, im Sinne</span><br/> <span class="ft7">der vorstehenden Erwägungen eine hinreichende Erschliessung der</span><br/> <span class="ft7">Parzelle Nr. 2.1 sicherzustellen oder andernfalls in diesem Bereich</span><br/> <span class="ft7">auf die Neuzuteilung zurückzukommen.</span><br/></div> </div> </body> </html>