Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 9. Oktober 2018 (470 18 250) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verfahrenseinstellung (Teileinstellung) / Verfahrenskosten Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Dominique Steiner (Ref.), Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiberin i.V. Liridona Asllani Parteien A.____ Sàrl vertreten durch Advokatin Annalisa Landi, Advokatur Landi Ruckstuhl Sami, Oberwilerstrasse 3, Postfach, 4123 Allschwil, Beschwerdeführerin gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung WK, Rheinstrasse 27, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin B.____ vertreten durch Rechtsanwalt Denis G. Giovannelli, Hirzbodenweg 95, Postfach, 4020 Basel, Beschuldigter Gegenstand Verfahrenseinstellung (Teileinstellung) Beschwerde gegen die Teileinstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 19. Juli 2018 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Im Rahmen der Strafuntersuchung gegen B.____ betreffend die Straftatbestände der mehrfachen Veruntreuung, ev. der unrechtmässigen Aneignung oder Sachentziehung des Fahrzeugs Mercedes-Benz E 320, Stammnummer (...), zum Nachteil der A.____ Sàrl verfügte die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft, Hauptabteilung WK, mit Teileinstellungsverfügung vom 19. Juli 2018 das Folgende: „1. Das Strafverfahren wegen mehrfacher Veruntreuung zum Nachteil der A.____ Sàrl bezüglich der 60 Bargeldbezüge von B.____ über insgesamt CHF 110‘365.63 (…) wird in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO eingestellt. Die weiteren Bargeldb e- züge von B.____, welche im getrennt geführten Verfahren WK1 15 ____ zur Anklage gebracht werden, sind von dieser Einstellungsverfügung ausgenommen. 2. Das Strafverfahren wegen Veruntreuung, ev. unrechtmässiger Aneignung oder Sachentziehung, des Fahrzeugs Mercedes-Benz E 320, Stammnummer (...), zum Nachteil der A.____ Sàrl (…) wird in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO einge- stellt. 3. Die Zivilklage wird auf den Zivilweg verwiesen. 4. Der amtlichen Verteidigung wird gemäss Art. 135 StPO eine Entschädigung von CHF 2‘351.20 zugesprochen. 5. Der beschuldigten Person werden gemäss Art. 43 0 Abs. 1 lit. c StPO keine En t- schädigung und keine Genugtuung zugesprochen. 6. Die Verfahrenskosten und die vom Kanton zu tragende Entschädigung der amtl i- chen Verteidigung werden gemäss Art. 420 lit. b StPO der Privatklägerin A.____ Sàrl zur Hälfte auferlegt. Die A.____ Sàrl hat demnach Verfahrenskosten von CHF 5‘136.65 und Kosten der amtlichen Verteidigung von CHF 1‘175.60 – total CHF 6‘312.25 – an den Kanton zu bezahlen. Die andere Hälfte der Verfahrenskosten geht zu Lasten des Staates.“ Auf die Begründung dieser Teileinstellungsverfügung sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen des vorliegenden Beschlusses eingega n- gen. B. Mit Beschwerde vom 30. Juli 2018 beantragte die A.____ Sàrl, vertreten durch Advoka- tin Annalisa Landi, es sei Ziff. 6 der Teileinstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 19. Juli 2018 aufzuheben. Ferner sei unter o/e -Kostenfolge auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses für das Beschwerdeverfahren zu verzichten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Mit Verfügung vom 31. Juli 2018 verpflichtete das Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Strafrecht, die Beschwerdeführerin, eine Sicherheitsleistung in der Höhe von CHF 500.00 zu bezahlen, was innert vorgesehener Frist geschah. D. Mit Schreiben vom 13 . August 2018 beantragte die Staatsanwaltschaft in ihrer Ste l- lungnahme die Abweisung der Beschwerde. E. Mit Eingabe vom 27. August 2018 verzichtete die Beschwerdeführerin auf die replizi e- rende Stellungnahme und verwies vollumfänglich auf die Ausführungen in der Beschwerde vom 30. Juli 2018. Erwägungen Formelles 1. 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel -Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Beschwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit . b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StPO. Nach Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist gegen die Teileinstellungsverfügung der Staatsa n- waltschaft die Beschwerde zulässig. Gemäss Abs. 2 von Art. 393 StPO können mit der B e- schwerde gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a); die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unang emessenheit (lit. c). Nach Art. 322 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde gegen schrif t- lich oder mündlich eröffnete Entscheide innert zehn Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen. 1.2 Die Legitimation der Privatklägerin zur Ergreifung des Rechtsmittels schliesslich wird in Art. 382 Abs. 1 StPO sowie Art. 322 Abs. 2 StPO normiert. Nachdem die angefochtene Verf ü- gung ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, die Privatklägerin beschwerdelegitimiert ist, eine zulässige Rüge erhebt und die Rechtsmittelfrist gewahrt hat sowie der Begründungspflicht nachgekommen ist, ist im Folgenden ohne Weiteres auf die Beschwerde einzutreten. 2. Materielles 2.1 Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung der angefochtenen Teileinstellungsverfü- gung im Wesentlichen an, die hälftige Auferlegung der Kosten (Verfahrenskosten und Entsch ä- digung der amtlichen Verteidigung) gestützt auf Art. 420 lit. b StPO an die Privatklägerin, A.____ Sàrl, sei deshalb gerechtfertigt, weil diese das Strafverfahren gle ich mehrfach grobfahr- lässig erheblich erschwert habe. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gründet zum einen auf die angeblich ordnungswidrig geführten Geschäftsbücher der A.____ Sàrl und zum anderen auf die von der Privatklägerin mit Eingabe vom 11. April 2017 eingereichten schriftlichen Bestätigungen von sieben Lieferanten. In Letzteren sollen diese der A.____ Sàrl bestätigt haben, dass C.____, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vater von D.____ (Mitgeschäftsführerin der A.____ Sàrl), die Warenbestellungen bar an die Lieferanten beglichen habe. Betreffend die mutmasslich ordnungswidrig geführten Geschäftsbücher der A.____ Sàrl führt die Staatsanwaltschaft aus, das Nichtführen eines Kassenbuchs, die teilweise auf Annahmen beruhenden Kassenbuchungen, die nicht feststellbaren Kassenbestände und die fehlenden Lohnzahlungsbelege hätten zur Folge gehabt, dass die Beweisführung erheblich erschwert oder gar verunmöglicht worden sei. Die ordnungsgemässe Buchführung obliege der Privatklägerin bzw. deren Geschäftsführerinnen. Im Zusammenhang mit der Eingabe der sieben schriftlichen Lieferantenbestätigungen der A.____ Sàrl, welche angegeben haben, dass ausschliesslich C.____ die Warenlieferungen an die Lieferanten der A.____ Sàrl bar bezahlt habe, habe die Privatklägerin ferner bewirkt, dass weitere Zeugenbefragungen hätten durchgeführt werden müssen. Dabei sollen sich die Lief e- rantenbestätigungen im Nachhinein grösstenteils als haltlos erwiesen haben. Der Privatklägerin wird vorgeworfen, sie habe durch dieses Verhalten das Strafverfahren in eine bestimmte und damit falsche Richtung lenken wollen. 2.2 Demgegenüber legt die Privatklägerin mit Beschwerde vom 30. Juli 2018 dar, der Vor- wurf betreffend die ordnungswidrige Führung der Gesch äftsbücher vermöge – unabhängig da- von, ob dieser zutreffe oder nicht – keine Kostenauflage an die Privatklägerin ge stützt auf Art. 420 lit. b. StPO zu begründen. Vielmehr könne eine Kostenauflage ge mäss Art. 420 lit. b StPO nur wegen des Verhaltens der Pri vatklägerin im Strafverfahren selbst erfolgen. Dies kö n- ne sich jedoch nie auf das Verhalten vor Einleitung des Strafverfahrens beziehen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft betreffe aber gerade nicht das Verhalten der Privatklägerin im Strafve r- fahren selbst , sondern beziehe sich vielmehr auf ein Fehlverhalten, das vor Einleitung des Strafverfahrens stattgefunden habe. Zum Vorwurf betreffend die Einreichung irreführender Lieferantenbestätigungen führt die Privat- klägerin aus, die Behauptung der Staatsanwaltsc haft, dass die Zeugenbefragungen nicht das ergeben hätten, was in den Bestätigungen wiedergegeben worden sei, sei offensichtlich akte n- widrig und rechtfertige keine Kostenauflage im Sinne von Art. 420 StPO. Die Privatklägerin h a- be weder gefälschte, geschönte noch sonst „frisierte“ Bestätigungen eingereicht. 2.3 Gemäss Art. 420 StPO kann der Bund oder der Kanton für die von ihm getragene n Kosten auf Personen Rückgriff nehmen, die vorsätzlich oder grobfahrlässig die Einleitung des Verfahrens bewirkt (lit. a), das Verfahren erheblich erschwert (lit. b) oder einen im Revisionsver- fahren aufgehobenen Entscheid verursacht haben (lit. c). Wer mit haltlosen oder böswilligen Anzeigen oder Verdächtigungen die Strafbehörden bemüht, hat die dadurch verursachten Ko s- ten zu tragen. Dabei muss sich die rückgriffsverpflichtete Person in allen drei Tatbestandsvar i- anten (lit. a – c) vorsätzlich oder grobfahrlässig verhalten haben. Hinsichtlich des vorsätzlichen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verhaltens sind die Grundsätze von Art. 12 Abs. 2 StGB beizuziehen. Demz ufolge muss die rückgriffsverpflichtete Person die ihr vorgeworfenen Verfahrenshandlungen mit Wissen und Wil- len begangen haben. Grobfahrlässigkeit bedingt das Ausserachtlassen elementarster Vo r- sichtsmassnahmen, die jedem verständigen Menschen in der gleichen Lage und unter den glei- chen Umständen hätten einleuchten müssen. Grobfahrlässiges Verhalten ist auch dann anz u- nehmen, wenn in einer Art und Weise unwahre Angaben gemacht oder elementar notwendige Informationen verschwiegen werden, sodass für jedermann die Irreführung der St rafbehörden offensichtlich ist (vgl. zum Ganzen THOMAS DOMEISEN, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 420 N 6). Da der Staat ein generelles Interesse daran hat, dass Private strafbare Handlu n- gen zur Anzeige bringen, ist grobfahrlässiges Verhalten nur zurückhaltend anzunehmen (YVONA GRIESSER, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 420 N 7). Erforderlich ist ein Fehlve r- halten der rückgriffsverpflichteten Person, das sich in haltlosen Verdächtigungen, die jeder Grundlage entbehren, manifestiert (vgl. BGer 6B_620/2015 vom 3. März 2016 E. 2.2 ; 6B_851/2014 vom 1. Dezember 2014 E. 2; 6B_5/2013 vom 19. Februar 2013 E. 2.6 f.) Anders ausgedrückt, müssen sich Vorsatz und Grobfahrlässigkeit darauf beziehen, dass die rückgriffs - verpflichteten Personen den wahren Sachverhalt (z.B. die Unschuld des Beschuldigten) g e- kannt haben oder bei sorgfältigem Verhalten leicht hätten erkennen können und dass ihnen infolgedessen vorzuwerfen ist, sie hätten in verwerflicher oder zumindest leichtfertiger Weise Anzeige erstattet oder durch ihr Tun bzw. ihre Aussagen unnötige Verfahrenskosten verursacht (FRANZ RIKLIN, StPO Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 420 N 1). Darüber hinaus kann ein Rück- griff nur in dem Ausmass erfolgen, als das Fehlverhalten für die entstandenen Kosten kausal gewesen ist (GRIESSER, a.a.O, Art. 420 N 10). 2.4 Art. 810 OR umschreibt die Aufgaben der Geschäftsführer von Gesellschaften mit b e- schränkter Haftung (GmbH). Wi e von der Staatsanwaltschaft richtig ausgeführt, trifft die G e- schäftsführerinnen der A.____ Sàrl unter anderem die Pflicht zur Ausgestaltung des Rec h- nungswesens sowie der Finanzkontrolle und -planung (Art. 810 Abs. 2 Ziff. 3 OR); ferner obliegt ihnen die Pflicht zur Erstellung des Geschäftsberichts (Art. 810 Abs. 2 Ziff. 5 OR). Dass die Buchführung der A.____ Sàrl schwere Mängel aufweist, wird denn auch nicht von der Privatklä- gerin bestritten. Im Gegenteil erklärt die Mitgeschäftsführerin, D.____, anlässlich ihrer Einve r- nahme als Auskunftsperson vom 17. Mai 2017, dass die A.____ Sàrl im Zeitraum von 2014 bis 2015 kein Kassenbuch geführt habe und lediglich die Lieferantenrechnungen als Rechnungsbe- lege herangezogen worden seien (Rz. 191–194). Das Geschäf t habe sie zusammen mit ihrer Schwester am 1. November 2014 übernommen (Rz. 45–50). Auch ist in der nämlichen Einve r- nahme bestätigt worden, dass die E.____ GmbH die Jahresrechnung 2015 der A.____ Sàrl wegen unterschiedlich gemachten Angaben betreffend Umsa tz bloss aufgrund einer angeno m- menen Bruttorendite, wie sie für Lebensmittelgeschäfte üblich seien, erstellt habe (Rz. 207– 214). Daraus erhellt, dass den Geschäftsführerinnen der A.____ Sàrl in Bezug auf die Buchfüh- rung grundsätzlich ein ordnungswidriges Fehlverhalten vorzuwerfen ist. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nichtsdestotrotz stellt die lückenhafte und ordnungswidrige Führung der Geschäftsbücher ein Fehlverhalten der Geschäftsfü hrerinnen der A.____ Sàrl dar, welches bereits seit Übernahme des Geschäfts im November 2014 Bestand hat. Es handelt sich dabei um ein selbständiges und dem Strafverfahren gegen B.____ (Beschuldigter und Ex-Ehemann der Mitgeschäftsführerin D.____) vorgelagertes Fehlverhalten. Weder ist die Buchführung der A.____ Sàrl im Hinblick auf das eingeleitete Strafverfahren ordnungswidrig geführt worden, noch haben die Geschäft s- führerinnen durch dieses Fehlverhalten das Ziel verfolgt, im Rahmen des Strafverfahrens Rück- schlüsse betreffend Kassenbuchungen zu verunmöglichen und damit die Stra fbehörden irrezu- führen und die Beweisführung zu erschweren. Der Privatklägerin kann somit nicht vorgeworfen werden, sie habe durch ihr Fehlverhalten grobfahrlässig oder vorsätzlich eine erhebliche Ve r- fahrenserschwerung bewirkt. In der Folge fällt in Bezug auf die mangelhafte Buchführung ein Rückgriff im Sinne von Art. 420 lit. b StPO auf die Privatklägerin ausser Betracht. 2.5 Fraglich ist im Übrigen, ob allenfalls die von der Privatklägerin mit Eingabe vom 11. April 2017 eingereichten Lieferantenbestätigunge n einen Regress im Sinne von Art. 420 lit. b StPO rechtfertigen können. In diesen haben sieben Lieferanten der A.____ Sàrl bestätigt, dass C.____ die Warenbestellungen bar an die Lieferanten beglichen habe . Zwecks Überpr ü- fung der insgesamt sieben eingereic hten Lieferantenbestätigungen hat die Staatsanwaltschaft sechs Zeugeneinvernahmen durchgeführt. Auf diese gilt es nachfolgend einzugehen. 2.5.1 Mit Zeugeneinvernahme vom 24. August 2017 bestätigt F.____ den Inhalt ihres Schreibens vom 23. März 2017, wonach C.____ jeweils donnerstags bei der G.____ GmbH eingekauft und die Ware vor Ort bezahlt habe (Rz. 79–83). Ferner erklärt die genannte Zeugin, B.____‘s Äusserung vom 5. Oktober 2016, in welcher dieser u. a. die G.____ GmbH als Liefe- rantin der A.____ Sàrl erwähnt hat, an welche er Rechnungen in bar bezahlt haben soll, sei eine Falschaussage gewesen (Rz. 119–122). 2.5.2 Der Zeugeneinvernahme des Ehemannes von F.____, H.____, vom 26. September 2017 ist lediglich zu entnehmen, dass dieser nicht mit Sicherheit sagen könne, ob B.____ Rechnungen der A.____ Sàrl in bar bezahlt habe, da nicht er selbst das Geld einkassiert habe. B.____ habe ein paar Mal die Ware bei der G.____ GmbH abgeholt, weshalb er davon ausg e- gangen sei, dass auch dieser die Ware in bar bezahlt habe (Rz. 203–209). 2.5.3 Zur Zeugeneinvernahme vom 22. August 2017 von I.____ ist zunächst anzumerken, dass der Eingabe der Privatklägerin vom 11. April 2017 keine entsprechende schriftliche Bestä- tigung des Zeugen beiliegt. Aus dieser Zeugeneinvernahme geht hervor, dass bei der A.____ Sàrl „ein Durcheinander“ geherrscht habe und der Zeuge deshalb nicht mit Sicherheit sagen könne, wer wann welche Zahlungen getätigt habe. Der Zeuge könne jedoch bestätigen, dass sowohl C.____ als auch B.____ schon einige Male bar an ihn bezahlt hätten. Er könne sich a l- lerdings nicht erinnern, wer wann bezahlt habe (Rz. 83–87). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5.4 Auch in der Zeugeneinvernahme von J.____ vom 24. Augst 2017 bringt d ieser einzig zum Ausdruck, dass nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden könne, wer zu welchem Zei t- punkt Zahlungen geleistet habe. B.____ habe vielleicht einige Rechnungen bezahlt, wobei a l- lerdings meistens C.____ die Zahlung getätigt habe (Rz. 71–81). Den noch könne der Zeuge das Bestätigungsschreiben vom 3. April 2017 an die Privatklägerin, welches der Onkel des Zeugen verfasst haben soll, so bestätigen (Rz. 86–93). 2.5.5 Die Zeugeneinvernahme von K.____ vom 27. September 2017 ergibt lediglich, dass dieser nicht genau sagen könne, wer die Barzahlungen bei der A.____ Sàrl getätigt habe, da er nicht als Chauffeur gearbeitet habe (Rz. 55). Der Zeuge hat in der Befragung zwar erklärt, er habe nie eine derartig e Lieferantenbestätigung an die Privatklägerin erstellt und ein solches Bestätigungsschreiben nie zuvor gesehen (Rz. 71–76). Jedoch ist im Zusammenhang mit der Zeugeneinvernahme von K.____ darauf hinzuweisen, dass durch die Eingabe der Privatklägerin vom 23. Oktober 2017 samt Beilagen nachträglich erkennbar geworden ist, dass nicht K.____, sondern seine Schwiegertochter, L.____, das Bestätigungsschreiben erstellt hat, womit eine nachvollziehbare Erklärung für die Aussagen des Zeugen vorliegt. 2.5.6 Die Zeugeneinvernahme von M.____ vom 26. September 2017 ergibt, dass nach dem 1. Juli 2016 immer der ältere Herr, C.____, und vorher der frühere Chef bezahlt hätten (Rz. 50– 51). Darüber hinaus stellt der Zeuge klar, das an die Privatklägerin ausgestellte Schreiben habe so Geltung, beziehe sich aber nur auf den Zeitraum ab dem 1. Juli 2016 (Rz. 100–101). 2.6 Im Ergebnis lässt sich somit zwar festhalten, dass die beschriebenen Zeugeneinver- nahmen die Schlussfolgerung zulassen , dass betreffend Ausführung von Zahlungen bei der A.____ Sàrl eine gewisse Unsicherheit besteht. Allerdings ist dieser Umstand der Staatsanwalt- schaft im Zeitpunkt der Einvernahme von D.____ (Einvernahme als Auskunftsperson vom 17. Mai 2017) – und somit bereits vor Durchführung weiterer Zeugeneinvernahmen – bekannt gewesen. Diese bestätigt in genannter Befragung, dass zwar hauptsächlich der Vater, C.____, ausnahmsweise jedoch auch B.____ Zahlungen getätigt habe (Rz. 226–231). Ungeachtet des- sen hat es die Staatsanwaltschaft für notwendig erachtet, sechs Zeugenbefragungen durchzu- führen. Diesbezüglich ist ferner anzumerken, dass auch Zeugen einvernommen worden sind, die keine Lieferantenbestätigung an die Privatklägerin ausgestellt haben (vgl. E. 2.5.2, Zeugen- einvernahme von H.____; E. 2.5.3, Zeugeneinvernahme von I.____; E. 2.5.5 Zeugeneinve r- nahme von K.____). Im Übrigen bestätigen die einvernommenen Zeugen, welche tatsächlich eine Lieferantenbestätigung an die Privatklägerin ausgestellt haben, allesamt d en Inhalt ihrer Schreiben (vgl. E. 2.5.1, Zeugeneinvernahme von F.____; E. 2.5.4, Zeugeneinvernahme von J.____; E. 2.5.6, Zeugeneinvernahme von M.____). Weder lässt sich aufgrund der Zeugenei n- vernahmen ein Widerspruch zu den mit Eingabe vom 11. April 2017 eingereichten Lieferante n- bestätigungen erkennen, noch haben sich diese nachträglich als vollkommen haltlos erwiesen. Vielmehr handelt es sich um ein natürliches und durchaus gerichtsnotorisches Phänomen, dass konkrete Fragestellungen im Rahmen von Zeugeneinvernahmen zuweilen eine gewisse Präz i- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sierung und zum Teil auch Erweiterung von allenfalls zuvor getätigten schriftlichen Darstellu n- gen bewirken. Allein aus dem Grund, dass im vorliegenden Fall im Rahmen der Zeugeneinver- nahmen zusätzliche Ausführungen und Konkretisierungen zu den kurz zeiligen Lieferanten be- stätigungen gemacht worden sind, kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Privatkl ä- gerin das Strafverfahren grobfahrlässig bzw. vorsätzlich erschwert hat. Wie bereits erwähnt, gilt dies umso mehr, als bereits mit Einvernahme der Privatklägerschaft als Auskunftsperson vom 17. Mai 2017 und somit vor Durchführung der Zeugenbefragungen ausgeführt worden ist, dass ausnahmsweise auch der Beschuldigt e, B.____, Zahlungen für die A.____ Sàrl getätigt hat (Rz. 226–231). Der Privatklägerin kann folglich nicht vorgeworfen werden, sie habe durch die mit Eingabe vom 11. April 2017 eingereichten Lieferantenbestätigungen das gegen B.____ eingeleitete Strafver- fahren grobfahrlässig, geschweige denn vorsätzlich, erschwert. Ein Rückgriff auf die Privatkl ä- gerin im Sinne von Art. 420 lit. b StPO fällt somit auch betreffend diesen Vorwurf ausser B e- tracht. Aus diesem Grund ist die Beschwerde der Privatklägerin vom 30. Juli 2018 vollumfäng- lich gutzuheissen. 3. Kosten 3.1 Abschliessend bleibt über die Kosten- und Entschädigungsfolgen zu befinden. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massg a- be ihres Obsiegens oder Unterliegens. Die vorstehenden Erwägungen haben gezeigt, dass die Beschwerde gutzuheissen ist. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend gehen die Verfa h- renskosten in der Höhe von CHF 1‘100.00 (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1‘0 00.00 sowie Auslagen von paus chal CHF 100.00) in Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO zu Lasten des Staates. Die bezahlte Sicherhe itsleistung in der Höhe von CHF 500.00 wird der Beschwerd e- führerin zurückerstattet. 3.2 Ausserdem ist der Be schwerdeführerin gestützt auf § 18 Abs. 1 TO Anwälte für das Beschwerdeverfahren eine pauschale Entschädigung in der Höhe von CHF 800.00 (inkl. Ausla- gen), zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer von CHF 61.60, somit total CHF 861.60, aus der Staats- kasse auszurichten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. In G utheissung der Beschwerde wird Ziff. 6 der Teileinstellungsver - fügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung WK, vom 19. Juli 2018 aufgehoben und wie folgt neu gefasst: „Die Verfahrenskosten von total CHF 10‘273.30 gehen zu Lasten des Staates.“ 2. Die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von total CHF 1‘100.00 (bestehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 1‘000.00 und Auslagen von pauschal CHF 100.00) gehen zu Lasten des Staates. 3. Der Beschwerdeführerin wird für das Beschwerdeverfahren eine pauschale Entschädigung von CHF 861.60 (inkl. Auslagen und CHF 61.60 Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 4. Die bezahlte Sicherheitsleistung in der Höhe von CHF 500.00 wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin i.V. Liridona Asllani