<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 104 S.451</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">451</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Erschliessungsabgaben</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>104 Benützungsgebühr</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Hinsichtlich des Beweisverfahrens gilt § 22 Abs. 1 VRPG; die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Verteilung der Beweislast richtet sich nach Art. 8 ZGB (Erw.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>3.1.).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Im Bereich der Benützungsgebühren (Frischwasserbezug)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kann streitig sein, ob ein Bezug stattgefunden hat, wie gross</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dieser war und ob der dafür erhobene Preis dem Kosten-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>deckungs- und Äquivalenzprinzip entspricht. Weiter kann sich</b></span><br/> <span class="ft3"><b>die Frage stellen, wer allfällige Prüfungs- und Untersuchungs-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kosten zu tragen hat. Die Überwälzung allfälliger Prüfungs-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>und Untersuchungskosten setzt eine ausdrückliche gesetzliche</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Grundlage voraus (Erw. 3.2.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus einem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft5">16. Januar 2001 in Sachen M. AG gegen Einwohnergemeinde D.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">3.1. Für das Verfahren der Schätzungskommission sind die für</span><br/> <span class="ft7">das Verwaltungsgericht geltenden Vorschriften anwendbar, soweit</span><br/> <span class="ft7">keine anderslautende Regelung besteht (§ 149 Abs. 1 BauG). Einer-</span><br/> <span class="ft7">seits hat die Schätzungskommission damit den Sachverhalt unter</span><br/> <span class="ft7">Beachtung der Vorbringen der Beteiligten von Amtes wegen zu prü-</span><br/> <span class="ft7">fen und die notwendigen Ermittlungen anzustellen (§ 20 VRPG).</span><br/> <span class="ft7">Anderseits sind die Beteiligten verpflichtet, an der Feststellung des</span><br/> <span class="ft7">Sachverhalts mitzuwirken, soweit sie ein Verfahren durch eigenes</span><br/> <span class="ft7">Begehren einleiten oder darin selbständig Begehren stellen (§ 21</span><br/> <span class="ft7">Abs. 1 VRPG).</span><br/> <span class="ft7">Hinsichtlich des Beweisverfahrens bedeutet der Verweis auf das</span><br/> <span class="ft7">VRPG, dass - mit Ausschluss der formellen Parteibefragung - die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">452</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Regeln der Zivilprozessordnung gelten (§ 22 Abs. 1 VRPG). Für die</span><br/> <span class="ft7">Frage der Beweislastverteilung gelangt die allgemeine Regel von</span><br/> <span class="ft7">Art. 8 ZGB zur Anwendung, wonach derjenige das Vorhandensein</span><br/> <span class="ft7">einer behaupteten Tatsache mittels des sogenannten Hauptbeweises</span><br/> <span class="ft7">nachzuweisen hat, der aus ihr Rechte ableitet (subjektive Beweis-</span><br/> <span class="ft7">last); er hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (objektive Be-</span><br/> <span class="ft7">weislast; vgl. den Entscheid der Oberschätzungsbehörde nach Versi-</span><br/> <span class="ft7">cherungsgesetz [OBE] SV.96.50005 vom 31. März 1998 in Sachen S.</span><br/> <span class="ft7">gegen AVA, Erw. 2 S. 8 f. m.w.H.; ebenso die überwiegende Lehre</span><br/> <span class="ft7">und Rechtsprechung allgemein zur analogen Anwendung von Art. 8</span><br/> <span class="ft7">ZGB im öffentlichen Recht, vgl. dazu Hans Schmid in: Kommentar</span><br/> <span class="ft7">zum Schweizerischen Privatrecht, Schweizerisches Zivilgesetz-</span><br/> <span class="ft7">buch I, Art. 1-359 ZGB, Basel 1996, N 27 zu Art. 8, m.w.H; Alfred</span><br/> <span class="ft7">Bühler / Andreas Edelmann / Albert Killer, Kommentar zur aargaui-</span><br/> <span class="ft7">schen Zivilprozessordnung, Aarau 1998, N 3 und 5 zu Vorbem.</span><br/> <span class="ft7">§§ 198-269). Die Gegenpartei kann den Gegenbeweis antreten. Da-</span><br/> <span class="ft7">bei genügt es, dass der Hauptbeweis erschüttert wird, ohne dass das</span><br/> <span class="ft7">Gegenteil bewiesen wird (Bühler / Edelmann / Killer, a.a.O., N 1 zu</span><br/> <span class="ft7">Vorbemerkungen zu §§ 198-269).</span><br/> <span class="ft7">3.2. Im Bereich der Abgaben im Zusammenhang mit dem</span><br/> <span class="ft7">Bezug von Frischwasser (...) sind vorliegend grundsätzlich drei ver-</span><br/> <span class="ft7">schiedene Dinge anfechtbar. Vorab steht die Grundsatzfrage, ob</span><br/> <span class="ft7">überhaupt ein Bezug stattgefunden hat. Damit verknüpft ist die</span><br/> <span class="ft7">Frage, wie hoch die Nutzung gegebenenfalls war (Kubikmeterzahl).</span><br/> <span class="ft7">Schliesslich kann die Höhe des für die Leistung zu bezahlenden Prei-</span><br/> <span class="ft7">ses im Hinblick auf das Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzip</span><br/> <span class="ft7">streitig sein.</span><br/> <span class="ft7">Im Rahmen der durch die Gemeinde im Streitfall allenfalls vor-</span><br/> <span class="ft7">genommenen Untersuchungen des Wasserzählers kann sich zusätz-</span><br/> <span class="ft7">lich die Frage stellen, ob die dadurch entstehenden Kosten dem Be-</span><br/> <span class="ft7">züger auferlegt werden können. Soweit dies beabsichtigt wird, bedarf</span><br/> <span class="ft7">es dafür einer ausdrücklichen gesetzlichen Regelung, da die Untersu-</span><br/> <span class="ft7">chung grundsätzlich im Interesse der Gemeinde als bezüglich der</span><br/> <span class="ft7">Wasserlieferung beweispflichtiger Partei (vgl. dazu Erw. 3.3.) vorge-</span><br/> <span class="ft7">nommen wird.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">453</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">3.3. Vorliegend ist unstrittig, dass der Wasserzähler korrekt</span><br/> <span class="ft7">abgelesen wurde (...). Damit hat die Beschwerdegegnerin grund-</span><br/> <span class="ft7">sätzlich den Hauptbeweis erbracht (vgl. Erw. 3.1.). Die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führerin behauptet nun aber, die Wasseruhr habe einen Funktions-</span><br/> <span class="ft7">fehler aufgewiesen; nur darauf sei der hohe Zählerstand zurückzu-</span><br/> <span class="ft7">führen. Damit tritt sie zum Gegenbeweis an (Erw. 3.1.). Im Folgen-</span><br/> <span class="ft7">den ist zu prüfen, ob sie ihn erbringen kann.</span><br/> <span class="ft7">(In concreto wurde der Gegenbeweis erbracht).</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>