B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5415/2018 U r t e i l v o m 3 . F e b r u a r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Markus König, Richter William Waeber, Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwä- gungsentscheid); Verfügung des SEM vom 13. September 2018 / N (…). E-5415/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer , ein sri -lankischer Staatsangehöriger tamili- scher Ethnie, verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Angaben am (…) 2013 und gelangte am 3. Juli 2013 in die Schweiz, wo er zwei Tage später um Asyl nachsuchte. Am 11. Juli 2013 fand die Befragung zur Per- son (BzP) und am 17. Februar 2015 die Anhörung statt. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei im Februar 2008 der Mitgliedschaft der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) verdächtigt worden und habe des- halb einen Tag im B._______ Armeecamp (bei Ja ffna) verbracht und sei anschliessend einer Meldepflicht unterstellt worden. Nachdem seine Mut- ter die sri-lankischen Behörden überzeugt habe, dass er keine LTTE-Ver- bindungen habe, und diese ihm eine Reisegenehmigung ausgestellt hät- ten, habe ihm ein Freund eine Arbeitsbewilligung in Katar besorgt. Von De- zember 2008 bis Juni 2013 habe er in Katar gelebt und gearbeitet; in dieser Zeit sei er mehrmals ohne Probleme nach Sri Lanka gereist; während eines viermonatigen Aufenthalts in Sri Lanka (zwischen November 2012 und März 2013) sei er vom sri -lankischen Geheimdienst rekrutiert worden . Letztmals sei er anfangs Juni 2013 aus Katar nach Sri Lanka zurückge- kehrt und habe das Land dann am (…) 2013 definitiv verlassen. A.b Mit Verfügung vom 26. Juni 2015 lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Die Vorbringen betreffend eine angebliche Rekrutierung durch den sri - lankischen Geheimdienst und eine angebliche Mitarbeit bei der Armee wür- digte das SEM angesichts krass widersprüchlicher, realitätsferner und völ- lig unterschiedlicher Aussagen als u nglaubhaft. Auch dass im Jahr 2008 angeblich eine mehrmonatige Meldepflicht verhängt worden sei, sei nicht glaubhaft; angesichts der damaligen Festnahme für bloss einen Tag und den späteren offiziell genehmigten Reisemöglichkeiten des Beschwerde- führers sei anzunehmen, dass damals k ein Verfolgungsinteresse der sri - lankischen Behörden bestanden habe. A.c Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer – auch damals vertreten durch seinen heutigen Rechtsvertreter – Beschwerde beim Bun- desverwaltungsgericht, welch e mit Urteil E -4655/2015 vom 6. Oktober 2017 abgewiesen wurde. E-5415/2018 Seite 3 Das Gericht bestätigte die Erwägungen der Vorinstanz und hielt ebenfalls fest, sowohl für das Jahr 2008 als auch für das Jahr 2013 sei nicht davon auszugehen, dass die sri -lankischen Behörden d em Beschwerdeführer Verbindungen zu den LTTE unterstellt hätten; das angebliche Engagement für den Geheimdienst sei unglaubhaft . Es seien keine relevanten Risiko- faktoren im Sinne der Rechtsprechung (Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016) festzustellen, und es sei nicht zu befürch- ten, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Verfol- gung zu befürchten habe. B. B.a Am 19. Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter der Vorinstanz ein Mehrfachgesuch ein. Darin führte er im Wesentlichen aus, unter dem massiven Druck des negativen Urteils des Bundesverwaltungsgerichts habe er sein Coming -Out vollzogen. Er be- finde sich in einem komplexen Prozess der Identitätsfindung, weshalb «von einer Transgendersexualität auszugehen» (B1 S. 3) sei. Aufgrund dessen sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen. B.b Mit Verfügung vom 26. Februar 2018 verneinte das SEM die Flücht- lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Mehrfachgesuc h ab und verfügte die Wegweisung sowie deren Vollzug. Es begründete diesen Entscheid dahingehend, dass die neuen Vorbringen den Anforderungen der Glaubhaftigkeit nicht genügen würden. Die angebliche Transgender- sexualität und die geltend gemachte Identitätsfindung seien zu bezweifeln, nachdem die Vorbringen vage, oberflächlich und wenig substan ziiert blie- ben und im bisherigen Verlauf der Verfahren nie erwähnt worden seien. B.c Eine gegen diese Verfügung durch den Rechtsvertreter erhobene Be- schwerde wies das Bundesverwaltungsgericht am 25. Juni 2018 mit Urteil E-1998/2018 im vereinfachten Verfahren als offensichtlich unbegründet ab. Das Gericht bestätigte die vorinstanzlichen Erwägungen und hielt wiede- rum fest, es seien keine Risikofaktoren im Sinne der Rechtspre chung er- sichtlich, die eine Furcht vor zukünftiger flüchtlingsrelevanter Verfolgung begründen könnten. C. Unter dem Titel « neues Asylgesuch» machte der Beschwerdeführer am 5. September 2018 durch seinen Rechtsvertreter bisher verschwiegene Asylgründe bei der Vorinstanz geltend. Er könne erst seit Kurzem bewusst und offen zu seiner bis anhin unterdrückten Homosexualität stehen. Seit E-5415/2018 Seite 4 gut einem Jahr befinde er sich in einem hochkomplexen Coming -Out- Prozess bezüglich seiner sexuellen Orientierung und geschlechtl ichen Identität. Diesbezüglich wurde ein handschriftlicher Bericht des Beschwer- deführers (undatiert; gemäss Angaben im Gesuch datierend von August 2018) eingereicht (vgl. Beilage 1). Aus offensichtlichen Gründen könne ein jahrelanges Verstecken und Tabuisieren nicht einfach von einem Tag auf den anderen über Bord geworfen werden. Weil es auch heute noch – trotz seines Coming-Out-Prozesses – viel Überwindung brauche, darüber spre- chen zu können, sei es bis anhin nicht möglich gewesen, sich SEM-Mitar- beitenden zu offenbaren. Dass im Rahmen des zweiten Asylgesuchs vom 19. Januar 2018 eine Transgendersexualität geltend gemacht worden sei, beruhe darauf, dass der Beschwerdeführer damals, in seiner heiklen Phase der persönlichen Identitätsfindung, diesen irreführenden Begriff auf- geschnappt und verwendet habe; dies sei aber nicht so gemeint gewesen. Während eines Gesprächs mit dem Rechtsvertreter habe er vorgebracht, dass er sich im männlichen Körper nicht wohlfühle. Dies heisse aber nicht, dass er sich mit seinen Ges chlechtsorganen unwohl fühle, sondern dass er homosexuell sei. Diese Verwirrung habe zu widersprüchlichen Angaben bezüglich des hochkomplexen und psychisch belastenden Coming -Out- Prozesses geführt. Wie aus verschiedenen Berichten (des US Department of Sta te, des UK Home Office, von Human Rights Watch sowie von einer sri -lankischen NGO namens Equal Ground; vgl. Beilagen 3 -8) hervorgehe, würden LGBTI-Menschen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transexual/Transgender, Inter- sexual) in Sri Lanka kriminalisiert, wenn es auch in der Vergangenheit ge- stützt auf die entsprechenden Strafbestimmungen keine Verurteilungen ge- geben habe; ihre Situation sei von Diskriminierung und von Menschen- rechtsverletzungen geprägt; es gebe Berichte über willkürliche Verhaftun- gen, Erpressung un d Gewalt. LGBTI -Personen würden ferner sozial und kulturell diskriminiert und der Zugang zu staatlichem Schutz sei limitiert. Mit dem Gesuch wurde ferner ein Länderbericht zu Sri Lanka mit Datum vom 15. August 2018, verfasst vom Advokaturbüro des Rechtsver treters, eingereicht (inkl. Anhang) und mittels diverser Beilagen über die aktuelle Situation in diesem Land informiert. Aufgrund dieser Entwicklungen seit dem Urteil vom 25. Juni 2018 und dem neuen Vorbringen (drohende Ver- folgung wegen Homosexualität) sei der Beschwerdeführer bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka asylrelevant gefährdet. E-5415/2018 Seite 5 Ausserdem lebe der Beschwerdeführer nunmehr seit fünf Jahren in der Schweiz, einem "Hort des tamilischen Separatismus", weshalb die Gefahr bestehe, dass er bei der Rückkehr nac h Sri Lanka als Sympathisant des tamilischen Separatismus wahrgenommen werde. Schliesslich wurde beantragt, dass der Beschwerdeführer bei Zweifel an seinen Vorbringen zu seiner neuen Asylbegründung anzuhören und dass auf kantonale Vollzugshandlungen zu verzichten sei. D. Das SEM hielt in seiner Verfügung vom 13. September 2018 fest, der Be- schwerdeführer habe mit dem Vorbringen, er habe erst nach dem Urteil vom 25. Juni 2018 über seine Homosexualität sprechen können, und mit der Einreichung des schriftlichen B erichts von August 2018 neue erhebli- che Tatsachen und Beweismittel (Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG) geltend ge- macht, welche nach einem materiellen Urteil des Bundesverwaltungsge- richts entstanden seien, weshalb es sich hierbei um ein qualifiziertes Wie- dererwägungsgesuch handle. Die Vorinstanz wies dieses Gesuch jedoch unter Kostenfolge ab und erklärte, die Verfügung vom 26. Februar 2018 sei weiterhin rechtskräftig und vollstreckbar. Einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. Der Antrag, es sei eine erneute Anhörung durchzuführen, wurde ebenfalls abgewiesen. Zur Begründung hielt das SEM fest, es würden keine Gründe zur Beseiti- gung der Rechtskraft der Verfügung vom 26. Februar 2018 vorliegen, weil das neue Vorbringen äusserst zweifelhaft sei. Zunächst sei die Glaubwür- digkeit des Beschwerdeführers insgesamt infrage zu stellen, da er erneut – notabene nach der Ablehnung seines Asylgesuchs im zweiten materiel- len Urteil vom 25. Juni 2018 – vorbringe, er habe wesentliche Tatsachen bis anhin absichtlich verschwiegen. Es dränge sich der Verdacht auf, dass konstruierte Vorbringen nachgeschoben würden. Ferner könnten zwar Per- sonen, welche sich in einem Coming -Out-Prozess befänden, unter Um- ständen nicht auf Anhieb über ihre sexuellen Neigungen berichten. Im vor- liegenden Fall vermöge diese Erklärung indes nicht zu überzeugen. Im Rahmen des Mehrfachgesuchs vom 19. Januar 2018 habe er bereits über seine damals vorgebrachte Transgendersexualität sprechen können, wes- halb zu erwarten gewesen wäre, dass er zu jenem Zeitpunkt auch über eine allenfalls bestehende Homosexualität hätte berichten können. Die Be- gründung, er habe «den irreführenden Begriff der Transgendersexualität aufgeschnappt», aber eigentlich etwas anderes damit gemeint, sei als E-5415/2018 Seite 6 gänzlich haltlos zu bezeichnen, denn der Begriff Homosexualität sei ver- breiteter als der Begriff Transgender. Ferner sei seinem handschriftlichen Bericht (vgl. Beilage 1) zu entnehmen, dass er schon in Jugendjahren erste homosexuelle Erfahrungen gemacht habe, weshalb zweifelhaft erscheine, dass er diesbezüglich die richtigen Wörter erst nach dem zweiten ableh- nenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. Juni 2018 gefun- den habe. Überdies habe der Beschwerdeführer versucht, mit dem hand- schriftlichen Bericht eine subjektive Perspektive des Vorbringens zu ver- mitteln. Diesbezüglich sei jedoch darauf hinzuweisen, dass der darin vor- gebrachte Umzug in die C._______-Region im Widerspruch zu früheren Aussagen stehe, somit sei auch das Vorbringen betreffend einen Jugend- freund aus der C._______-Region respektive seine erste homosexuelle Er- fahrung mit diesem zu bezweifeln. Stattdessen verstärke er die Vermutung, sein neues Vorbringen in eine vermeintlich selbst erlebte Geschichte ein- betten zu wollen, um dadurch authentischer zu erscheinen. Überdies wür- den die Schilderungen rund um diese erste homosexuelle Erfahrung ein hohes Mass an Klischeehaftigkeit aufweisen. Die Umschreibung, wonach er beim Anblick von hübschen Männern immer sexuelle Gefühle erfahre , sei derart stereotyp, dass diese gänzlich untauglich sei, sein persönliches Empfinden authentisch erscheinen zu lassen. Zusammenfassend sei festzustellen, dass das Vorbringen im Zusammen- hang mit der geltend gemachten Homosexualität den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht standhalte, weshalb auf eine Prüfung der Asylrele- vanz sowie auf eine vertiefte Prüfung der Zulässigkeit respektive Zumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs verzichtet werden könne. Die Einschät- zungen des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. Juni 2018 (Urteil E - 1998/2018) seien weiterhin als zutreffend zu erachten. Die eingereichten Berichte hätten keinen Bezug zur Person des Beschwerdeführers, sondern würden sich mit geschlechtsspezifischen Vorbringen im Allgemeinen be- fassen; auf eine einlässliche Aus einandersetzung mit diesen Berichten könne somit ebenfalls verzichtet werden. E. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 21 . September 2018 vorsorglich Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ; er stellte die Nachreichung der ausführlichen Besc hwerdebegründung innert noch laufender Beschwerdefrist in Aussicht. Er beantragte, das Bundesverwal- tungsgericht habe nach Eingang der Beschwerde unverzüglich darzule- gen, welche Gerichtspersonen mit der Behandlung der vorliegenden Sa-E-5415/2018 Seite 7 che betraut würden, und bekanntzugeben, ob diese Gerichtspersonen zu- fällig ausgewählt worden seien ; andernfalls seien die objektiven Kriterien der Auswahl bekanntzugeben. Die Verfügung vom 13. September 2018 sei aufzuheben und die Sache zur Behandlung als Asylgesuch an die Vor - instanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs respektive der Begründungspflicht sowie aufgrund einer unvollständigen und unrichtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts aufzuheben und die Sache an di e Vorinstanz zurückzuwei- sen. Eventualiter sei nach Aufhebung der Verfügung ein Vollzugshindernis festzustellen. Im Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei festzustellen, dass der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zukomme beziehungs- weise eventualiter sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen; der Vollzug der Wegweisung sei zu sistieren und die kantonalen Behörden seien an- zuweisen, von Vollzugshandlungen abzusehen. F. Am 24. September 2018 verfügte das Bundesverwaltungsgericht gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort die einstweilige Aussetzung des Wegwei- sungsvollzugs. G. Am 22. Oktober 2018 wurde innerhalb der Beschwerdefrist eine Beschwer- deergänzung beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Der Beschwer- deführer erneuerte sein Rechtsbegehren betreffend die Bekanntgabe des Spruchgremiums und dessen Auswahl. Ferner beantragte er , es sei fest- zustellen, dass sich das Lagebild des SEM vom 16. August 2016 zu Sri Lanka auf nichtexistierende und nicht bewiesene Quellen stütze, weshalb die Verfügung vom 13. September 2018 aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. Es sei die Verfügung wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des voll ständigen und richtigen rechtserheblich en Sach- verhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Even- tualiter sei die Verfügung aufzuheben und ein Vollzugshindernis festzustel- len. Schliesslich erneuerte der Beschwerdeführer sei ne Rechtsbegehren betreffend Feststellung respektive Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und Aussetzung des Vollzugs. Für den Fall, dass das Gericht die Sache nicht an die Vorinstanz zurück- weise, sondern materiell behandle, wurden in der Beschwerde weitere Be- weisanträge (vgl. Beschwerdeergänzung S. 25 f.) gestellt. E-5415/2018 Seite 8 Zur Stützung seiner Vorbringen legte der Rechtsvertreter der Rechtsmittel- eingabe verschiedene Presseberichte und Länderinformationen zu Sri Lanka – unter anderem einen Bericht vom 18. September 2016 zur aktuel- len Lage in Sri Lanka (verfasst durch sein Advokaturbüro, inkl. Anhang) – bei. Auf den Inhalt dieser Rechtsmitteleingabe wird, soweit entscheidwe- sentlich, in den Erwägungen eingegangen. H. Mit Eingabe vom 2. November 2018 wurden Kopien von zwei Arztbriefen (Briefe des Arztes an den Rechtsvertreter) des Oberarztes des Ambulato- riums D._______) vom 23. und 31. Oktober 2018 zu den Akte n gereicht (vgl. Beilagen 47 und 49). Auf diese Arztberichte wird, soweit entscheidwe- sentlich, in den Erwägungen eingegangen. I. Mit Zwischenverfügung vom 19. November 2018 wurde der Beschwerde- führer aufgefordert, einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.– zu leisten. Dieser wurde der Gerichtskasse am 4. Dezember 2018 fristgerecht überwiesen. J. Mit Eingabe vom 4. Dezember 2018 wies der Beschwerdeführer auf die neuesten politischen Entwicklungen in Sri Lanka hin und reichte in diesem Zusammenhang zahlreiche Unterlagen zur Lage in diesem Land ein (Ein- gabe vom 4. Dezember 2018 S. 2 -16; Beilagen 47-106; die Beilagen 47 - 49 finden sich im vorliegenden Verfahren doppelt, Anmerkung des Ge- richts). Er führte im Wesentlichen aus, dass sich unter der neuen Regie- rung von Mahinda Rajapaksa die Bedrohungslage unter anderem für Re- gimekritiker, Angehörige ethnischer Minderheiten und Sympathisanten des tamilischen Separatismus verschärft habe. Auch für die tamilische Minder- heit müsse eine neue Bedrohungslage festgestellt werden (Eingabe S. 17- 19, Beilagen 109-117). Zudem sei die Gefahr einer erhöhten Homophobie zu befürchten (Eingabe S. 16 f.); diesbezüglich wird auf einen Bericht des Colombo Telegraph und von Pink News vom 6. beziehungsweise 8. No- vember 2018 (Beilagen 107 und 108) verwiesen. K. Mit Zwischenverfügung vom 14. Dezember 2018 wurde dem Beschwerde- führer die Zusammensetzung des damaligen Spruchgremiums (dieses än- derte später, vgl. Bst. O) bekannt gegeben. Gleichzeitig trat das Bundes- verwaltungsgericht auf den Antrag um Mitteilung betreffend die Bildung des E-5415/2018 Seite 9 Spruchkörpers nicht ein und hielt fest, dass gestützt auf Art. 111b Abs. 3 AsylG (SR 142.31) der Vollzug der Wegweisung ausgesetzt bleibe und dem Beschwerdeführ er zu gestatten sei, das weitere Verfahren in der Schweiz abzuwarten. L. Am 31. Dezember 2018 wurde dem Bundesverwaltungsgericht das vom Beschwerdeführer unterschriebene Formular « Entbindung von der ärztli- chen Schweigepflicht» zugestellt. M. Am 4. März 2019 ersuchte die damals zuständige Gerichtsschreiberin das Ambulatorium D._______), bei welchem der Beschwerdeführer in Behand- lung war, per E-Mail um Informationen, ab welchem Zeitpunkt das Thema Homosexualität in den Therapiesitzungen aufgekommen sei. Der zustän- dige Oberarzt nahm dazu am gleichen Tag Stellung. Auf die Korrespondenz wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. N. Mit Eingabe vom 10. März 2020 wurde als Update zur Ländersituation in Sri Lanka ein vom Rechtsvertreter verfasster Bericht zur aktuellen Lage dieses Landes (Stand 23. Januar 2020, inkl. Anh ang; Stand des Update Ländersituation: 26. Februar 2020) zu den Akten gereicht. Die Verschlech- terung der Situation erfordere zwingend eine vollständige materielle Neuprüfung der Sache. Aufgrund seiner Homosexualität und seiner anhal- tenden separatistischen Haltung , die er in den Augen der sri -lankischen Behörden durch seinen langjährigen A ufenthalt in der Schweiz bekunde, sei der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka von asylrele- vanten Verfolgungsmassnahmen betroffen. Ferner sei aufgrund der Ent- führung einer Angestellten der schweizerischen Botschaft in Colombo (im November 201 9) abzuklären, ob der Name des Beschwerdeführers auf dem Mobiltelefon der Angestellten zu finden sei und welche Daten dieses Mobiltelefons von den sri-lankischen Behörden abgegriffen worden seien. O. Mit Instruktionsverfügung vom 2. Oktober 2020 wurde dem Rechtsvertreter die neue Zusammensetzung des Spruchgremiums bekannt gegeben. Gleichzeitig wurde gestützt auf Art. 26 VwVG Einsicht in die elektronische Korrespondenz vom 4. März 2019 (vgl. Bst. M) zwischen dem Gericht und der Psychiatrie [D._______] gewährt und eine Frist zur Einreichung einer Stellungnahme angesetzt. E-5415/2018 Seite 10 P. Mit Eingabe vom 19. Oktober 2020 wurde insbesondere nochmals auf die Komplexität des Coming -Out-Prozesses des Beschwerdeführers hinge- wiesen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist – vorbehältlich der Erwägungen in der Instruktionsverfügung vom 14. Dezember 2018 (vgl. oben Bst. K) – einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen E-5415/2018 Seite 11 richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Zunächst ist auf den Antrag, die Verfügung des SEM sei aufzuheben und die Sache zur Behandlung als Asylgesuch an das SEM zurückz uwei- sen, einzugehen. 3.2 Das SEM habe das Asylgesuch, so der Rechtsvertreter in seiner vor- sorglichen Beschwerdeeingabe (a.a.O. S. 6), zu Unrecht als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch entgegengenommen. Indem es das Profil des Beschwerdeführers nicht in seine r Gesamtheit gewürdigt habe, habe es bewusst eine Verletzung von Art. 3 EMRK in Kauf genommen, weshalb die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. 3.3 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge- regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG), das Verfahren richtet sich nach den revisi- onsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66-68 VwVG (aArt. 111b Abs. 1 AsylG). In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs- gesuch die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange- fochten blieb oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blos- sen Prozessentscheid abge schlossen wurde, können auch Revisions- gründe aufgrund eines nachträglich entstandenen Beweismittels einen An- spruch auf Wiedererwägung begründen, dies im Rahmen eines sogenann- ten qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs (vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). Nach dem Urteilszeitpunkt entstand ene Beweismittel, welche dazu geeignet sind, vorbestandene Tatsachen zu beweisen, können revi- sionsrechtlich nicht geltend gemacht werden; sie können jedoch auf dem Weg des Wiedererwägungsgesuchs bei der verfügenden Behörde einge- reicht werden (vgl. BVGE 2013/22 E. 6 ff.). 3.4 Der Rechtsvertreter reichte am 5. September 2018 eine als «neues Asylgesuch» betitelte Eingabe beim SEM ein, dies unter Beilage eines handschriftlichen Schreibens des Beschwerdeführers, welches im August 2018 und somit nach dem Urteil des B undesverwaltungsgerichts vom 25. Juni 2018 verfasst worden sei; ferner wurden diverse Länderinformati-E-5415/2018 Seite 12 onen zu Sri Lanka eingereicht. Er führte aus, dass sich der Beschwerde- führer in einem Coming-Out-Prozess befinde, weil er erst seit Kurzem be- wusst und offen zu seiner homosexuellen Orientierung stehen könne. Die Vorinstanz ging zu Recht davon aus, dass der Beschwerdeführer nicht neue flüchtlingsrechtlich relevante Vorbringen im Sinne eines neuen Asyl- gesuches gemäss Art. 111c AsylG geltend mache, sondern vielmehr vor- bestandene, aber bisher nicht geltend gemachte Vorbringen (im Sinne ei- nes Revisions- oder qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs) vortrage; es werde angeführt, die bisherigen Verfügungen des SEM respektive die Ur- teile des Gerichts vom 6. Oktober 2017 und 25. Juni 2018 seien ursprüng- lich fehlerhaft, was durch Vorlage namentlich des handschriftlichen Schrei- bens des Beschwerdeführers, das nach dem letzten Urteil vom 25. Juni 2018 entstanden sei, untermauert werden könne. Nachdem ein erst nach- träglich entstandenes Beweismittel nicht die Revision eines Urteils des Ge- richts begründen kann (vgl. BVGE 2013/22), hat das SEM das Gesuch pra- xiskonform als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch entgegengenom- men. Diese Qualifikation der Eingabe vom 5. September 2018 ist nicht zu beanstanden und die Rüge, die Eingabe sei zu Unrecht nicht als neues Asylgesuch (Mehrfachgesuch) an Hand genommen worden, ist unbegrün- det. Im Übrigen geht auch der Vorwurf fehl, das SEM habe bewusst eine Ver- letzung von Art. 3 EMRK in Kauf genommen. Völkerrechtliche Vollzugshin- dernisse sind auch im Revisions- oder qualifizierten Wiedererwägungsver- fahren beachtlich. Der Beschwerdeführer verweist auf das Urteil BVGer D-4401/2013 vom 27. März 2014 E. 3.1; dieses entspricht ständiger Praxis (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs- kommission [EMARK] 1995 Nr. 9, EMARK 1998 Nr. 3, BVGE 2013/22 E. 5.4). Festzuhalten bleibt, dass die Feststellung einer drohenden Völker- rechtsverletzung den schlüssigen Nachweis einer beachtlichen Wahr- scheinlichkeit einer aktuellen und ernsthaften Gefahr beding t, was vorlie- gend – weil die Vorbringen vom SEM als unglaubhaft qualifiziert wurden – nicht erfüllt ist. 3.5 Das SEM hat demnach die Eingabe vom 5. September 2018 zu Recht als Wiedererwägungsgesuch behandelt. Prozessgegenstand des vorlie- genden Beschwerdeverfahrens ist demnach die Frage, ob das SEM das Wiedererwägungsgesuch zu Recht abgewiesen hat. E-5415/2018 Seite 13 4. 4.1 In der Beschwerde wurden diverse formelle Rügen erhoben, welche vorab zu beurte ilen sind, da sie – sofern begründet – allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer rügte insbesondere eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör sowie der Begründungspflicht und eine unvollstän- dige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts. Die in der vorsorglichen Beschwerdeschrift erhobene Rüge, die Vorinstanz habe ihre Begründungspflicht verletzt, wurde jedoch auch später in der Be- schwerdeergänzung nicht begründet, weshalb auf diese Rüge nicht weiter einzugehen ist. Dass die angefochtene Verfügung nicht rechtsgenüglich begründet wäre, ist nicht ersichtlich. 4.2 Weiter beantragt der Beschwerdeführer, es sei die Fehlerhaftigkeit des Lagebilds des SEM vom 16. August 2016 zu Sri Lanka festzustellen; die- ses stütze sich auf nichtexistierende oder nicht offengelegte Quellen, sei in zentralen Teilen manipuliert und stelle eine absolut mangelhafte Sachver- haltsgrundlage dar (Beschwerdeergänzung vom 22. Oktober 2018 S. 4 ff.). Das Gericht hat sich mit diesen Rügen, die der Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers in anderen Verfahren bereits standardmässig wiederholt vorgetragen hat – im Übrigen auch vorliegend bereits im Rahmen des zwei- ten Beschwerdeverfahrens gegen die Abweisung des Mehrfachgesuchs vom 19. Januar 2018 (vgl. Urteil E-1998/2018 vom 25. Juni 2018 E. 8.2.2.1 und 8.2.2.2) – schon wiederholt befasst (vgl. statt vieler zuletzt Entscheide D-1529/2020 vom 16. Dezember 2020 E. 4.4.2, E-5733/2018 vom 15. De- zember 2020 E. 5.5, D-7345/2017 vom 14. Dezember 2020 E. 4.3). Auf die dortigen Erwägungen kann verwiesen werden; der entsprechende Antrag ist abzuweisen. 4.3 Das rechtliche Gehör, welches in Art. 29 Abs. 2 BV verankert und in den Art. 29 ff. VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert wird, dient einerseits der Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt es ein per- sönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien dar. Gemäss Art. 30 Abs. 1 VwVG hört die Behörde die Parteien an, bevor si e verfügt (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1). 4.3.1 Die Verletzung des rechtlichen Gehörs wurde dahingehend begrün- det, dass bei Mehrfachgesuchen zwar in der Tat grundsätzlich keine Anhö- rung durchgeführt werde. Weil nun aber der Beschwerdeführer mit seinem E-5415/2018 Seite 14 Gesuch ein komplexes Thema vorgebracht habe, wäre er zwingend anzu- hören gewesen, da nur so seine Aussagen auf ihre Glaubhaftigkeit über- prüft werden könnten, zumal es sich bei seinen Vorbringen um eine funda- mentale persönliche Entwicklung handle (Beschwerdeergänzung vom 22. Oktober 2018 S. 9 f.). 4.3.2 Zunächst ist festzuhalten, dass es sich vorliegend nicht um ein Mehr- fachgesuch im Sinne von Art. 111c AsylG handelt (vgl. E. 3). Ganz allge- mein bleibt a ber anzumerken, dass der Gesetzgeber zwar für das erste Asylverfahren eine mündliche Anhörung vorgeschrieben hat (Art. 29 AsylG), nicht hingegen für die ausserordentlichen Nachfolgeverfahren (Art. 111b und Art. 111c AsylG). In der Regel soll ein entsprechendes Ge- such so abgefasst sein, dass das SEM in der Lage ist, über das Gesuch ohne eine Anhörung der betroffenen Person zu entscheiden (vgl. für Mehr- fachgesuche BVGE 2014/39 E. 5.5). Der anwaltlich vertretene Beschwer- deführer hat in seinem 21 Seiten umfassenden Gesuch vom 5. September 2018 (exkl. Beilagenverzeichnis) sowie mit Einreichung seines achtseitigen handschriftlichen Schreibens dementsprechend seine Vorbringen ausführ- lich dargelegt und Beweismittel eingereicht, weshalb eine mündliche Anhö- rung angesichts dieser Umstände nicht erforderlich ist. Beim Rechtsvertre- ter des Beschwerdeführers handelt es sich zudem um einen Rechtsanwalt mit langjähriger Erfahrun g auf dem Gebiet des Asylrechts. Die Rüge er- weist sich als unbegründet. 4.4 Weiter machte der Beschwerdeführer eine unrichtige oder unvollstän- dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend (Beschwer- deergänzung vom 22. Oktober 2018 S. 10 ff.). Dies bildet einen Beschwer- degrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfest- stellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvoll- ständig ist s ie, wenn nicht alle für den Ent scheid rechtswesentlichen Sa- chumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal- tungsverfahren und Verwaltu ngsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 4.4.1 Unvollständig sei die Sachverhaltsfeststellung im vorliegenden Fall, weil das SEM die Glaubhaftigkeit der vorgebrachten Homosexualität feh- lerhaft beurteilt habe. Das SEM argumentiere diesbezüglich, dass Homo- sexualität ein klar geläufigerer Begriff als Transgendersexualität sei. Je- doch sei darauf hinzuweisen, dass der Begriff Transgendersexualität irre- führend sei, weil darin sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität E-5415/2018 Seite 15 vermischt würden, obwohl es sich dabei um zwei verschiedene Dinge handle. Damit zeige sich, dass der Beschwerdeführer Schwierigkeiten ge- habt habe, sich im Verlauf seines Coming-Out-Prozesses zu verorten. Vor- liegend identifiziere sich der Beschwerdeführer vornehmlich als Mann und sei somit klar nicht transgender; seine sexuelle Orientierung, welche unab- hängig von der geschlechtlichen Identität definiert sei, sei indes homose- xuell. Ferner limitiere sich die angefochtene Verfügung darauf, vermeintli- che Hinweise auf Unglaubhaftigkeit im persönlichen Bericht des Beschwer- deführers zu identifizieren, was jedoch keine sorgfältige Abklärung sei. Es wäre angebracht gewesen, die psychischen Folgen der Unmöglichkeit, sich zur eigenen Sexualität zu bekennen, durch eine Fachperson, wie bei- spielsweise einen Psychiater, abklären zu lassen. Des Weiteren sei der Sachverhalt betreffend die Bedrohungsgefahr für eine homosexuelle Person in Sri Lanka nur unvollständig abgeklärt wor- den. Angesichts der weit verbreiteten Diskriminierung von Homosexuellen in Sri Lanka sei es naheliegend, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen habe. Schliesslich habe die Vorinstanz die aktuelle Situation in Sri Lanka unvoll- ständig und nicht korrekt abgeklärt und das von ihr erstellte Lagebild vom 16. August 2016 genüge den Anforderungen an korrekt erhobene Länder- informationen nicht. Die Sachverhaltsabklärungen betreffend die allge- meine Verbesserung der Menschenrechtslage in Sri Lanka durch die Vor- instanz seien ebenfalls falsch. Der Rechtsvertreter reichte einen von ihm verfassten Länderbericht zu Sri Lanka ein. 4.4.2 Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die Feststel- lung des rechtserhebli chen Sachverhalts mit der materiellen Würdigung der Sache vermengt. Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung alle wesentlichen Sachverhaltselemente fest und würdigte die Ausführun- gen des Beschwerdeführers vor dem Hintergrund der Lage. Alleine de r Umstand, dass die Vorinstanz zum einen in ihrer Länderpraxis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer vertreten, und sie zum anderen aus sachlichen Grün den auch zu einer anderen Würdi gung der Vorbringen gelangt, als vom Beschwerdeführer verlangt, spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung, sondern stellt eine inhaltliche Kritik an der materiellen Würdigung der Vorinstanz dar. 4.4.3 Im Einzelnen gilt es überdies festzuhalten, dass das SEM das Vor- bringen der Homosexualität gewürdigt und als unglaubhaft qualifiziert hat. E-5415/2018 Seite 16 Darauffolgend hat es festgestellt, es würden keine Gründe vorliegen, die Verfügung vom 26. Februar 2018 in Wiedererwägung zu ziehen. Weitere Überprüfungen waren bei dieser Einschätzung nicht nötig. Ferner i st der Beschwerdeführer seit Juli 2015 in einer psychiatrisch - psychotherapeutischen Behandlung (vgl. Brief Dr. E._______ vom 23. Ok- tober 2018, Beilage 47), weshalb es ihm zumutbar gewesen wäre, im Laufe der Zeit und gestützt auf seine M itwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG im Beschwerdeverfahren ein weiteres (aktuelles) medizinisches Gutachten bezüglich die psychischen Folgen der vorgebrachten Unterdrückung seiner Homosexualität einzureichen, zumal aufgrund der langjährigen Therapie davon auszugehen ist, dass er mit den zuständigen Ärzten der Psychiatrie [D._______] ein Vertrauensverhältnis hat, was bei einer von Amtes wegen organsierten Fachperson erst noch aufgebaut werden müsste. Die Unter- suchungs- und Abklärungspflicht der Behörde korreliert im Asylverf ahren mit der Mitwirkungspflicht des Gesuchstellers beziehungsweise Beschwer- deführers. Es bleibt festzuhalten, dass der rechtserhebliche Sachverhalt vom SEM richtig und vollständig festgestellt wurde. 4.5 Die formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegrün- det, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Grün- den aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezügli- chen Rechtsbegehren sind somit abzuweisen. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer stellte für den Fall einer materiellen Beurteilung seiner Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht folgende Beweis- anträge (Beschwerdeergänzung vom 22. Oktober 2018 S. 25 f.): 5.1.1 Sein psychischer Gesundheitszustand infolge der jahrelangen Ver- neinung seiner Homosexualität sei von Amtes wegen abzuklären. Diesbe- züglich ist auf das bereits Gesagte (vgl. E. 4.4.3) hinzuweisen. Dem Be- schwerdeführer hätte bis heute genügend Zeit zur Verfügung gestanden, im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG entsprechende ärztliche Berichte einzureichen, zumal er im Lauf des Beschwerdeverfah- rens wiederholt weitere Eingaben und Beweisunterlagen zu den Akten ge- reicht hat (vgl. oben Bst. H, J, N und P). Der diesbezügliche Antrag ist folg- lich abzuweisen. E-5415/2018 Seite 17 5.1.2 Der Beschwerdeführer sei vom SEM erneut betreffend seine Homo- sexualität und seinen komplexen Coming-Out-Prozess anzuhören. Wie be- reits erwähnt, wurde der Sachverhalt rechtsgenüglich erstellt, weshalb der Antrag auf erneute Anhörung abzuweisen ist. 5.2 In der Eingabe vom 10. März 2020 wurde schliesslich der Antrag ge- stellt, es sei abzuklären , ob der Name des Beschwerdeführers auf dem Mobiltelefon der (im November 2019) entführten schweizerischen Bot- schaftsangestellten zu finden sei. Dieser Antrag ist abzuweisen, zumal eine Verbindung des Beschwerdefüh- rers zu dieser Botschaftsmitarbeiterin nicht substanziiert dargelegt wird und sich entsprechendes auch nicht aus den Akten ergibt (vgl. diesbezüg- lich z.B. Urteile BVGer D -6941/2019 vom 9. November 2020 E. 6, D-6759/2017 vom 24. September 2020 E. 6.3, D-2130/2017 vom 14. Ok- tober 2020 E. 6.2 und D-5377/2019 vom 14. April 2020 E. 4.5). 6. 6.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er müsse in Sri Lanka in begrün- deter Weise eine flüchtlingsrelevante Verfolgung befürchten; die Vor - instanz habe sein Wiedererwägungsgesuch zu Unrecht abgewiesen. Er sei aufgrund seiner Homosexualität bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gefähr- det. Einerseits würden LGBTI-Personen in Sri Lanka durch gesetzliche Bestimmungen (gestützt auf das sri -lankische Strafgesetzbuch) kriminali- siert und es drohten willkürliche Verfolgungsmassnahmen durch die Behör- den. Anderseits laste ein enormer familiärer Druck auf ihm. Obschon sein Vater bei ihm eine Homosexualität vermute, sei es nur eine Frage der Zeit, bis er sich würde verheiraten müssen. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass er sich schon jahrelang in der Schweiz, einem "Hort des tamilischen Separatismus", aufha lte, weshalb eine Verdächtigung als Sympathisant des tamilischen Separatismus und damit Verhaftung und Misshandlungen bei einer Rückkehr wahrscheinlich seien. 6.2 Gemäss aArt. 111b Abs. 1 AsylG in Verbindung mit Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG hat die Partei bei einem qualifizierten Wiedererwägungsgesuch neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel beizubringen. Analog zur Revision wird dabei vorausgesetzt, dass die entsprechenden Beweismittel auch bei zumutbarer Sorgfalt nicht im Rahmen des ordentlichen Verfahrens hätten eingereicht werden können. Die Erheblichkeit ist zu bejahen, wenn die neu angerufenen Tatsachen und Beweismittel geeignet sind, die beur- teilten Asylvorbringen in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. E-5415/2018 Seite 18 6.3 Vorab ist festzuhalten, dass die bisherigen Vorbringen des Beschwer- deführers im Verlaufe seiner bisherigen Asylverfahren allesamt nicht glaub- haft geworden sind. Im ordentlichen Asylverfahren hatte der Beschwerdeführer eine angebliche mehrmonatige Meldepflicht im Jahr 2008 sowie eine angebliche Rekrutie- rung durch den sri-lankischen Geheimdienst und Zusammenarbeit mit der sri lankischen Armee geltend gemacht; diese Vorbringen sind nicht glaub- haft geworden (vgl. oben Bst. A). Ferner wurde im ersten Beschwerdeverfahren ein Arztbericht der Psychi- atrie (…), vom 29. Juli 2015 eingereicht, aus dem hervorgeht, dass der Beschwerdeführer damals den Ärzten gegenüber vortrug, er sei in Sri Lanka im Krieg gewesen und dort sei etwas Schlimmes passiert, und er sei ausserdem im Jahr 2008 neun Monate in Gefangenschaft gewesen und in dieser Zeit auch auf den Kopf geschlagen worden (vgl. den erwähnten Arzt- bericht sowie Urteil E -4655/2015 vom 6. Oktober 2017 Bst. H.c und E. 4.3.1). Mit einem erneuten Asylgesuch (Mehrfachgesuch) wurde sodann geltend gemacht, der Beschwerdeführer müsse wegen Transgendersexualität im Heimatland Verfolgung befürchten. Auch dieses Vorbringen wurde nicht glaubhaft gemacht (vgl. oben Bst. B). 6.4 Im vorliegenden Wiedererwägungsverfahren führte der Beschwerde- führer schliesslich aus, er befürchte Verfolgung wegen seiner Homosexu- alität. Er habe bereits im Alter von 12 Jahren erstmals mit einem gleichalt- rigen Freund eine homosexuelle Beziehung geführt; diese Beziehung sei während zwei Jahren intensiv gewesen, bis der Beschwerdeführer mit sei- ner Familie von jenem Ort wieder weggezogen sei; die Beziehung habe aber auch nachher angedauert, bis sein damaliger Freund, im Alter von 20 Jahren, eine Frau geheiratet und die bisherige Beziehung beendet habe (vgl. handschriftliches Schreiben des Be schwerdeführers, Beilage 1 zum Wiedererwägungsgesuch). 6.5 Nach Überprüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das SEM die geltend gemachten neuen Tatsachen zu Recht als nicht glaubhaft gemacht im Sinne von Art. 7 AsylG gewürdigt und das Vorliegen von Wiedererwägungsgründen zu Recht verneint hat. E-5415/2018 Seite 19 6.5.1 Das handschriftliche Schreiben des Beschwerdeführers (vgl. Bei- lage 1 zum Wiedererwägungsgesuch) widerspricht in der Tat früheren An- gaben. So sagte er an der Anhörung vom 17. Februar 2015 aus, dass er von 1987 bis zum 12. Dezember 2008 in (…) (F._______-Region) gewohnt habe, bevor er nach Kat ar ausgewandert sei (A16 F15 und 19). Im Brief führte er hingegen aus, er sei mit zwölf Jahren (d.h. ungefähr im Jahr […]), als sein Vater schon in der Schweiz gewesen sei, aufgrund der Kriegswir- ren mit seiner Mutter in die C._______-Region umgesiedelt. Nach zwei Jahren, beziehungsweise im Jahr 2003, seien sie in ihr Heimatdorf zurück- gekehrt (Schreiben S. 1 und 3). 6.5.2 Sodann beschreibt er in diesem Brief sei ne erste homosexuelle Er- fahrung, welche er schon vor rund zwanzig Jahren erlebt habe. Seine Schilderung, wie sein Freund sich später mit zwanzig Jahren verheiratet habe und vom Beschwerdeführer nichts mehr habe wissen wollen, um- schreibt auf oberflächliche Weise ein äusserliches Rollenverhalten, lässt jedoch persönliche Gedanken und Emotionen in Bezug auf die neu erfah- rene Sexualität mit einem Mann missen. Ferner führt der Beschwerdefüh- rer im Schreiben aus, dass er schon damals relativ klar realisiert habe, dass er homosexuell sei (vgl. «Only then I realized that I am a homosexual. From that moment I started to feel ashamed of myself», S. 4). Ausserdem habe er schon in Sri Lanka an Selbstmord gedacht, doch glücklicherweise habe er diese Gedanken bis anhin kontrollieren können, auch wenn er un- ter Depressionen leide (S. 4 f.). Er habe selber gesehen, wie Homosexu- elle in Sri Lanka aufgrund des gesellschaftlichen Drucks leiden würden (S. 5). Diese Aussagen reflektieren keine angebliche Identitäts findung, sondern beinhalten, dass der Beschwerdeführer offenbar schon im dama- ligen frühen Zeitpunkt von einer Homosexualität ausging. Daher vermögen auch die Erklärungen im Wiedererwägungsverfahren, der Beschwerdefüh- rer befinde sich in einem schwierigen und wirren Prozess zur Findung sei- ner Identität beziehungsweise sexuellen Orientierung – welche die frühere irrtümliche Geltendmachung einer Transgendersexualität erklären sollen – nicht zu überzeugen. 6.5.3 Wie das SEM zutreffend festgestellt hat, zeigen ferner die Aussagen des Beschwerdeführers über seine Homosexualität in seinem Brief auf, dass er dieses Vorbringen auch schon im früheren Verlauf des Asylverfah- rens hätte vorbringen können. Dass er sich erst heute darüber äussern könne, überzeugt kaum. Es wäre ihm auch nach Einschätzung des Ge- richts zumutbar gewesen, seine Homosexualität schon früher vorzutragen. Das Vorbringen muss daher als nachgeschoben gewürdigt werden. E-5415/2018 Seite 20 6.5.4 Ferner sind gewisse Aussagen des Briefes, welche vom Rechtsver- treter als Realkennzeichen bezeichnet wurden (wie beispielsweise selbst- stigmatisierende Vorurteile gegenüber Homosexuellen ; vgl. Beschwerde- ergänzung vom 22. Oktober 2018 S. 26 f.) , als stereotyp und nicht als ei- gene Gedanken des Beschwerdeführers zu qualifizieren. Das Gericht schliesst sich diesbezüglich der Einschätzung des SEM in der angefochte- nen Verfügung an. 6.5.5 Schliesslich sind auch die vorliegenden Arztschreiben nicht geeignet, um die neuen Vorbringen betreffend Homosexualität glaubhaft zu machen. Wie bereits erwähnt (vgl. oben E. 6.3), hatte der Beschwerdeführer im ers- ten Beschwerdeverfahren einen ärztlichen Abklärungsbericht vom 29. Juli 2015 eingereicht, in welchem festgehalten wurde, er sei dem Ambulatorium (…) aufgrund von geäusserten Suizidgedanken nach Gewalterfahrung – er habe neun Mona te in einem Gefängnis verbracht – zugewiesen worden. Es wurde ein Verdacht auf mittel - bis schwergradige depressive Episode bei vermutlich aufflammender Symptomatik einer posttraumatischen Be- lastungsstörung nach negativem Asylentscheid diagnostiziert. Mit Eingabe vom 2. November 2018 reichte der Beschwerdeführer im vor- liegenden Beschwerdeverfahren zwei Briefe seines heutigen behand eln- den Arztes Dr. E._______, vom 23. Oktober 2018 und 31. Oktober 2018 ein; das Gericht ersuchte Dr. E._______ sodann um eine Präzisierung sei- ner Angaben (vgl. oben Bst. H und M). In seinem Brief vom 23. Oktober 2018 diagnostizierte der Arzt eine posttraumatische Belastungsstörung und eine rezidivierende depressive Störung ( derzeitig mittelgradige Epi- sode) und hielt fest, die psychische Erkrankung sei durch traumatische Er- lebnisse – Misshandlungen durch die sri -lankischen Armee während län- gerer Zeit – ausgelöst worden; der Beschwerdeführer sei seit Juli 2015 in ambulanter Behandlung und werde auch psychopharmakologisch behan- delt; von psychischen Probleme im Zusammenhang mit einer Homosexu- alität war nicht die Rede (vgl. Eingabe vom 2. November 2018, Beilage 47). Nach entsprechender ausführlicher Nachfrage durch den Rechtsvertreter (vgl. Eingabe vom 2. November 2018, Beilage 48) hielt der Arzt in seinem Brief vom 31. Oktober 2018 dann fest, in der Tat habe der Beschwerdefüh- rer anlässlich der Therapiesitzungen schon mehrmals auch über seine Ho- mosexualität, über die Schwierigkeiten im Ou ting-Prozess und seine Schamgefühle gesprochen (vgl. Eingabe vom 2. November 2018, Beilage 49). Dem Gericht gegenüber präzisiert Dr. E._______, konkret habe der E-5415/2018 Seite 21 Beschwerdeführer im Januar 2017 angefangen, über ein «diffuses Prob- lem» zu sprechen und habe im August 2018 erstmals von Homosexualität gesprochen (vgl. E-Mail-Verkehr vom 4. März 2019). Aktueller e ärztliche Berichte wurden nicht eingereicht. Wie bereits festgestellt wurde, bezweifelt das Gericht die Behauptung, der Beschwerdeführer habe sich erst s eit Kurzem mit seiner Hom osexualität auseinandergesetzt (vgl. oben E. 6.5.2 und 6.5.3 ). Diese Zweifel werden durch die eingereichten ärztlichen Briefe nicht entkräftet, zumal festzuhal- ten ist, dass der Beschwerdeführer seinen Ärzten gegenüber schon früher offenbar von Erlebnissen berichtet hat, die als unglaubhaft eingeschätzt werden müssen (vgl. oben E. 6.3). Im Übrigen gilt es daran zu erinnern, dass Beweismittel und ihre Beweiskraft immer im Kontext der konkreten Vorbringen zu würdigen sind. Vorliegend müssen die gegen die Glaubhaf- tigkeit des neuen Vorbringens sprechenden Argumente als ausschlagge- bend gewürdigt werden; die Arztbriefe sind nicht geeignet, eine drohende flüchtlingsrechtliche Verfolgung des Beschwerdeführers glaubhaft aufzu- zeigen. 6.6 Das SEM hat nach dem Gesagten die neuen, mit der geltend gemach- ten Homosexualität in Verbindung stehenden Vorbringen des Beschwerde- führers zu Recht als nicht glaubhaft gemacht eingeschätzt, demnach auch zu Recht auf eine Prüfung der Asylrelevanz verzi chtet und diesbezüglich keinen Grund zur Wiedererwägung der früheren rechtskräftig gewordenen Verfügung festgestellt. 6.7 Der Vollständigkeit halber ist sodann festzuhalten, dass sowohl im ers- ten wie auch im zweiten Asylverfahren einlässlich begründet worden i st, dass der Beschwerdeführer keine Risikofaktoren im Sinne der Rechtspre- chung aufweise, die zur Bejahung einer begründeten Furcht vor zukünfti- ger Verfolgung führen müssten (vgl. oben Bst. A und B). In diesem Zusam- menhang hat der Beschwerdeführer im Wiedererwägungsverfahren nichts aufgezeigt, das zu einer anderen Würdigung und zu einer Wiedererwägung der früheren Entscheide führen müsste. Dasselbe gilt für die Prüfung der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs, die in den beiden früheren Verfahren ebenfalls einlässlich vorgenommen wor- den ist; auch diesbezüglich wurde nichts vorgebracht, das zu einer ande- ren Würdigung der Situation des Beschwerdeführers führen könnte. E-5415/2018 Seite 22 6.8 Zusammenfassend ist festzustellen, dass im qualifizierten Wiedererwä- gungsgesuch vom 5. September 2018 keine Umstände glaubhaft darge- legt wurden, die in Bezug auf die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung sowie bezüglich der Vollzugshindernisse zu einer Wiedererwägung der Verfügung vom 26. Februar 2018 führen müssten. 7. Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da- rauf einzutreten ist. Mit vorliegendem Urteil fällt die Aussetzung des Wegweisungsvollzugs da- hin. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss angesichts der ausserordentlich umfangreichen Beschwerdeeingaben und der Einrei- chung zahlreicher Beweismittel ohne einen direkten Bezug zum Beschwer- deführer auf insgesamt Fr. 1’500.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der bereits geleistete Kos- tenvorschuss von Fr. 1'500.– wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. (Dispositiv nächste Seite) E-5415/2018 Seite 23 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfah- renskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Patricia Petermann Loewe Versand: