stuer
intr, I müssen. – 1. (alleinstehend) era sche ti vul buc, ti stos la finala tuttina, auch wenn du es nicht willst, du musst es schliesslich doch (tun); (sprichw.) ~ fa puder, Müssen macht Mögen, d.h. Zwang erhöht die Bereitschaft, etwas zu tun; quella lenna sto naven damaun, dieses Holz muss morgen weg. – 2. (mit Adv.) ~ ora, herausmüssen; ~ en, hineinmüssen; ~ si, hinaufmüssen. – 3. (mit Gerund.) nun stuend fetsch jeu buca quei, ohne Zwang tue ich das nicht. – II als Hilfsv. – 1. (mit Bez. auf eine ‘Notwendigkeit'). – a) ~ quescher, schweigen müssen; ~ ceder, nachgeben müssen; ~ reponderar la caussa, sich die Sache überdenken müssen. – b) fig. ~ schar la pial, ins Gras beissen müssen; ~ morder, anbeissen, anpacken müssen. – 2. (Annahme, Vermutung). – a) ei sto esser aschia, es muss sich so verhalten. – b) (conj.; tw. ellipt.) ei sto che, es muss sein, dass; es scheint, dass; sto ch'ei deva buc in'autra untgida, anscheinend gab es keinen anderen Ausweg. – 3. (Imperf./Kondit. als Irrealis, Potentialis). – a) nus stuevan far quei pli da rudien, wir hätten das gründlicher tun sollen. – b) jeu havess mal stuiu esser a casa dallas tschun, ich hätte um fünf Uhr unbedingt zu Hause sein müssen; ussa stuesses vus lu entscheiver, jetzt solltet ihr dann doch (mit der Arbeit) beginnen.
[aus lat. (mihi) *est opus, woraus sto ‘muss' u. darauf aufbauend die ganze Konj.; das defektive Verb umfasste weite periphere Teile der Romania (Afrz., Aprov., Alomb.), erlangte aber nirgends die morphol. Entfaltung wie in RB.].