<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 57 S.232</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">232</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>57 Zwangsmassnahmen im Rahmen der fürsorgerischen Freiheitsent-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ziehung; Richtwerte für die Dauer der verschiedenen Zwangsmassnah-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>men.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Zwangsmedikation (Erw. 3/a/bb/bbb).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Isolation</b></span> <span class="ft2"><b>(Erw.</b></span> <span class="ft2"><b>3/b/bb).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Fixation (Erw. 3/c/bb).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 2. Oktober 2001 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen L.F. gegen Verfügung des Bezirksarzt-Stellvertreters L. und Entscheid</span><br/> <span class="ft3">der Klinik Königsfelden.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3/a/bb/bbb) Bei der Zwangsmedikation ist dem Grundsatz der</span><br/> <span class="ft1">Verhältnismässigkeit insbesondere auch in zeitlicher Hinsicht Rech-</span><br/> <span class="ft1">nung zu tragen. Das Verwaltungsgericht erachtet es als zulässig, be-</span><br/> <span class="ft1">stimmte Medikationen bereits in einem einzigen Zwangsmassnah-</span><br/> <span class="ft1">men-Entscheid anzuordnen, selbst wenn sich deren Vollzug in der</span><br/> <span class="ft1">Folge über einen gewissen Zeitraum erstreckt und die Veränderungen</span><br/> <span class="ft1">im Zustand der betroffenen Person naturgemäss nicht mit Sicherheit</span><br/> <span class="ft1">vorausgesagt werden können, solange es sich dabei um eine medizi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">233</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nische Behandlungseinheit handelt (vgl. VGE I/21 vom 13. Februar</span><br/> <span class="ft1">2001 i.S. A.R., S. 32 f.) Die Notwendigkeit, eine konkrete Medika-</span><br/> <span class="ft1">tion im Voraus für eine bestimmte Zeitdauer anzuordnen, bedarf</span><br/> <span class="ft1">jedoch stets einer ausreichenden Begründung, wobei der Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang zwischen der angeordneten Dauer einerseits sowie der be-</span><br/> <span class="ft1">zweckten und erwarteten Wirkung des Medikaments auf den Patien-</span><br/> <span class="ft1">ten andererseits aufzuzeigen ist.</span><br/> <span class="ft1">Die für eine Zwangsbehandlung in Frage kommenden Medika-</span><br/> <span class="ft1">mente unterscheiden sich u.a. auch hinsichtlich ihrer Wirkungsdauer.</span><br/> <span class="ft1">Während sich z.B. das vornehmlich der Initialbehandlung akuter psy-</span><br/> <span class="ft1">chotischer Erregungszustände dienende Medikament "Clopixol-Acu-</span><br/> <span class="ft1">tard" durch eine relativ kurze Wirkungsdauer auszeichnet, ist diese</span><br/> <span class="ft1">z.B. beim Medikament "Clopixol Depot", welches vor allem für die</span><br/> <span class="ft1">Erhaltungstherapie eingesetzt wird, wesentlich länger. Zudem spre-</span><br/> <span class="ft1">chen nicht alle Patienten in gleichem Masse auf eine bestimmte</span><br/> <span class="ft1">Dosis desselben Medikaments an. Es ist deshalb nicht möglich, die</span><br/> <span class="ft1">für eine Zwangsmedikation zulässige Höchstdauer in absoluten Zah-</span><br/> <span class="ft1">len festzulegen. Als Richtlinie erachtet das Verwaltungsgericht einen</span><br/> <span class="ft1">auf die Dauer von 3 - 10 Tagen (entspricht der voraussichtlichen</span><br/> <span class="ft1">Wirkungsdauer von einer bis drei Injektionen Clopixol-Acutard) bis</span><br/> <span class="ft1">maximal 4 Wochen (entspricht der voraussichtlichen Wirkungsdauer</span><br/> <span class="ft1">von zwei bis drei Injektionen mit einem Depotneuroleptikum)</span><br/> <span class="ft1">befristeten und begründeten Entscheid betreffend Zwangsmedikation</span><br/> <span class="ft1">in der Regel als verhältnismässig.</span><br/> <span class="ft1">3/b/bb) Isolation ist eine "andere Vorkehr" i.S. von § 67e</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">EG</span><br/> <span class="ft1">ZGB und damit eine Zwangsmassnahme, die den Schutz der betrof-</span><br/> <span class="ft1">fenen Person - und damit einhergehend den Schutz ihrer Mitmen-</span><br/> <span class="ft1">schen - vor körperlichen und seelischen Schäden bezweckt (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Botschaft des Regierungsrates des Kantons Aargau vom 4. August</span><br/> <span class="ft1">1999 [Botschaft], S. 6). Mit der Anordnung dieser Massnahme wird</span><br/> <span class="ft1">in einschneidender Weise in das Grundrecht der persönlichen Frei-</span><br/> <span class="ft1">heit der betroffenen Person eingegriffen. Dem Grundsatz der Ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnismässigkeit ist vor allem durch eine Beschränkung dieser</span><br/> <span class="ft1">Massnahme in zeitlicher Hinsicht auf die absolut notwendige Dauer</span><br/> <span class="ft1">Rechnung zu tragen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">234</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Isolation stellt von ihrem Wesen her eine grundlegend an-</span><br/> <span class="ft1">dere Zwangsmassnahme dar als eine medikamentöse Zwangsbe-</span><br/> <span class="ft1">handlung. Isolation bedeutet, in einem (oft ausser einem Bett unmöb-</span><br/> <span class="ft1">lierten) Raum alleine eingeschlossen zu werden. In der Regel soll</span><br/> <span class="ft1">damit einer drohenden Selbst- oder Fremdgefährdung begegnet wer-</span><br/> <span class="ft1">den, d.h. sie geschieht zum Selbstschutz des Betroffenen, aber auch</span><br/> <span class="ft1">zum Schutz von Personal, Patienten und Gegenständen. Allenfalls</span><br/> <span class="ft1">kann die mit der Isolation verbundene Reizabschirmung zusätzlich</span><br/> <span class="ft1">zu einer Beruhigung eines Patienten führen. Bleuler führt aus, unter</span><br/> <span class="ft1">der heutigen Therapie seien langdauernde Isolierungen nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">nötig, da eine Beruhigung des Patienten mittels Anwendung von</span><br/> <span class="ft1">Medikamenten erreicht werden könne; hingegen seien ganz kurze</span><br/> <span class="ft1">Isolierungen in akuten, schweren Erregungszuständen für die Mitpa-</span><br/> <span class="ft1">tienten oft eine Notwendigkeit (Eugen Bleuler, Lehrbuch der Psy-</span><br/> <span class="ft1">chiatrie, Neubearbeitung von Manfred Bleuler, Berlin/Heidel-</span><br/> <span class="ft1">berg/New York 1983, S. 193). In einem beschränkten zeitlichen</span><br/> <span class="ft1">Rahmen kann deshalb in bestimmten Fällen eine Verbindung von</span><br/> <span class="ft1">Zwangsmedikation und Isolation verhältnismässig sein (vgl. BGE</span><br/> <span class="ft1">126 I 120). Sobald jedoch die medikamentöse Behandlung ihre</span><br/> <span class="ft1">gewünschte Wirkung entfaltet, ist die Isolation aufzuheben. Eine</span><br/> <span class="ft1">Isolation wird sich deshalb in den meisten Fällen nur während eini-</span><br/> <span class="ft1">gen Tagen als verhältnismässig erweisen und kann deshalb in der</span><br/> <span class="ft1">Regel höchstens für die Dauer einer Woche angeordnet werden.</span><br/> <span class="ft1">Sollte sich nach dieser Dauer eine Fortsetzung der Isolation trotzdem</span><br/> <span class="ft1">noch als notwendig erweisen, wäre diese mit einem neuen Zwangs-</span><br/> <span class="ft1">massnahmen-Entscheid anzuordnen und entsprechend zu begründen.</span><br/> <span class="ft1">3/c/bb) Bei der Fixation handelt es sich ebenfalls um eine "an-</span><br/> <span class="ft1">dere Vorkehr" i.S. von § 67e</span><span class="ft6"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">EG ZGB und damit um eine</span><br/> <span class="ft1">Zwangsmassnahme. Mit der Anordnung dieser Massnahme wird in</span><br/> <span class="ft1">noch einschneidenderer Weise als mittels Isolation in die Freiheits-</span><br/> <span class="ft1">rechte einer betroffenen Person eingegriffen. Deshalb sind vom</span><br/> <span class="ft1">Grundsatz der Verhältnismässigkeit her noch strengere Anforderun-</span><br/> <span class="ft1">gen an die Anordnung einer solchen Massnahme zu stellen, dies</span><br/> <span class="ft1">insbesondere dann, wenn diese Zwangsmassnahme zusätzlich zur</span><br/> <span class="ft1">Isolation angeordnet wird. Weil das Fixieren mit einem Gurt den</span><br/> <span class="ft1">Kerngehalt der Bewegungsfreiheit als Aspekt der persönlichen Frei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">235</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">heit in extremster Form betrifft, kann es als Massnahme nur bei einer</span><br/> <span class="ft1">konstanten Gefahr für Leib und Leben verhältnismässig sein (AGVE</span><br/> <span class="ft1">2000, S. 194). Die Fixation ist deshalb nur in konkreten Notfallsitua-</span><br/> <span class="ft1">tionen und in der Regel höchstens für die Dauer von drei Tagen an-</span><br/> <span class="ft1">zuordnen.</span><br/></div> </div> </body> </html>