<h2>SubmittedText<h2><p>Die Werbeplakatkampagne "Drogen, nüchtern betrachtet" des Bundesamtes für Gesundheitswesen wirft Fragen auf. Angesichts der hohen Kosten verschlägt es einem die Sprache.</p><p>Der Bundesrat wird aufgefordert, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Was hat er bis zum heutigen Tag unternommen, um den Forschungsauftrag der Motion 94.3467 (Schmied Walter) mit dem Titel "Alkohol und andere Drogen. Forschungsprojekte", die vom Nationalrat als Postulat überwiesen wurde, zu erfüllen?</p><p>2. Der Bundesrat anerkannte damals in seiner Antwort vom 5. Dezember 1994 die Notwendigkeit, umfassendere interdisziplinäre Studien in die Wege zu leiten. So stellte er fest: "Bei den heutigen allgemein knappen finanziellen Mitteln wären diese vom Motionär verlangten Daten von besonderer Bedeutung." Doch er schloss: "Es ist darauf hinzuweisen, dass der Bund mit den im Budget 1995 vorgesehenen Forschungsmitteln in den Bereichen Alkohol, Tabak und Drogen nicht in der Lage ist, einen solchen Forschungsauftrag zu vergeben." (AB 1994 N 2462) Ist der Bundesrat nicht der Ansicht, dass das 1997 in die Kampagne "Drogen, nüchtern betrachtet" investierte Geld zuerst zur Finanzierung des vom Parlament erteilten Forschungsauftrages hätte verwendet werden müssen?</p><p>3. Wann gedenkt der Bundesrat, dem Parlament die Ergebnisse und Schlussfolgerungen des Forschungsauftrages vorlegen zu können?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Folgende Forschungsprojekte wurden vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Folge der Motion 94.3467 gefördert:</p><p></p><p>a) Illegale Drogen</p><p>- Forschungsverbund stationärer Angebote im Drogenbereich (FOS)</p><p>- Entwicklung von Instumenten zur Erfassung von Behandlungsansatz und Behandlungsqualität von ambulanten und stationären Therapie- und Betreuungsprogrammen für Drogenabhängige</p><p>- Entwicklung eines modularen Erfassungssystems zur Typisierung von Behandlungsansätzen für Drogenabhängige</p><p>- Nutzen niedrigschwelliger Drogenarbeit am Beispiel der Stadt Zürich</p><p>- Behandlung von Suchtmittelabhängigkeit im schweizerischen Strafvollzug</p><p>- Evaluation des Vermittlungs- und Rückführungszentrums für Drogenabhängige</p><p>- Evaluation der niedrigschwelligen Methadonabgabestelle Zokl 1 in Zürich</p><p>- Evaluation des Methadonprogrammes in Genf</p><p>- Evaluation von Drogenberatungsstellen</p><p>- Erstellung einer nationalen Methadonstatistik</p><p></p><p>b) Alkohol</p><p>- Statistik der stationären Angebote im Alkoholbereich und Drogenbereich (SAKRAM)</p><p>- Statistik  der ambulanten Beratungsstellen im Akohol- und Drogenbereich (SAMBAD)</p><p>- Pilotprojekt für eine multidisziplinäre Einheit zur Prävention und Behandlung von Alkoholproblemen am Universitätsspital CHUV und an der universitären Poliklinik in Lausanne</p><p>- Unterstützung der Schweizerischen Gesellschaft für Akoholforschung mit jährlich ca. 200'000 Franken</p><p>- Machbarkeitsstudie zur Schätzung der Kosten des Alkoholkonsums</p><p></p><p>c) Tabak</p><p>- Gesundheitliche Kosten des Tabakkonsums in der Schweiz</p><p>- Machbarkeitsstudie zur Erstellung eines Konsum-Indikatorensystems</p><p>- Passung zwischen Angebot und Nachfrage bei der Raucherentwöhnung</p><p>- Entwicklung eines Behandlungsleitfadens für Personen mit Alkohol- und Drogenkonsum und dem gleichzeitigen Vorliegen psychiatrischer Probleme (Schizophrenie, Depression)</p><p>- Elastizität der Massnahmen im Tabakbereich</p><p></p><p>Folgende Forschungsprojekte sind geplant:</p><p></p><p>a) Illegale Drogen</p><p>- Analyse der Qualitätsstandards in der stationären Therapie, der Substitutionstherapie (Methadon), der niedrigschwelligen Angebote und der Behandlung im Gefängnis</p><p>- Nachbefragungsstudien bei Absolventen stationärer Therapieangebote und bei Methadonpatienten</p><p></p><p>b) Alkohol</p><p>- Analyse der Qualitätsstandards in der stationären und ambulanten Therapie</p><p>- Vergleich der Behandlungsangebote für Alkoholabhängige</p><p>- Nachbefragungsstudien bei Absolventen stationärer Therapieangebote</p><p>- Interventionsprogramme zur Rückfallprävention</p><p>- Frühberatung und Betreuung bei Alkoholproblemen, Ausweitung des Pilotprojektes</p><p></p><p>c) Tabak</p><p>- Datenbank der Entwöhnungsangebote</p><p>- Untersuchung der Sterblichkeit im Zusammenhang mit Tabakkonsum</p><p>- Erarbeitung eines Indikatorensystems aufgrund der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie</p><p>- Sekundäranalysen vorhandener Datenquellen, insbesondere der Gesundheitsbefragung</p><p></p><p>d) Allgemein</p><p>1. Das BAG und die Eidgenössische Alkoholverwaltung (EAV) haben für die achte Serie der Nationalen Forschungsprogramme eine Studie vorgeschlagen, welche die Entwicklungsverhältnisse von Konsumenten von Alkohol und Tabak sowie illegalen Drogen untersucht.</p><p></p><p>2. Zu einer kohärenten Drogenpolitik gehört auch eine Sensibilisierungskampagne, welche </p><p>      sich an die Gesamtbevölkerung wendet. Sie trägt zu einer differenzierten Wahrnehmung </p><p>      der Suchtprobleme bei und versucht das Engagement jedes Einzelnen für die Prävention</p><p>      im Alltag zu stärken. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des BAG ermittelte </p><p>      das Marktforschungsinstitut DemosSCOPE im August 1996, dass nur 17 Prozent der</p><p>      Schweizer Bevölkerung glauben, dass ein Ausstieg aus den Drogen möglich ist. Die</p><p>      Sensibilisierungskampagne "Drogen, nüchtern betrachtet" hat das Ziel, dieses Vorurteil </p><p>      abzubauen und alle Betroffenen, ihre Familie, Freunde, aber auch Arbeitgeber,</p><p>      Vermieter und andere Kontaktpersonen in ihren Bemühungen zur stärken und zur </p><p>      Unterstützung aufzurufen.</p><p></p><p>      Tatsächlich kann eine verzerrte Wahrnehmung der Drogensucht und der Chancen diese </p><p>      zu überwinden, den Präventionsmassnahmen schaden. Prävention bedeutet nicht nur  </p><p>      die Verhinderung des Einstieges, sondern auch Hilfe zum Ausstieg. Ein Ausstieg aus der </p><p>      Drogensucht in einem Umfeld das kaum an einen Erfolg glaubt, ist weit schwieriger zu </p><p>      bestehen als in einem Umfeld, das an einen Erfolg glaubt und dazu ermutigt. Die </p><p>      diesjährige Kampagne "Drogen, nüchtern betrachtet" will die neuesten </p><p>      wissenschaftlichen  Erkenntnisse über den beschwerlichen, aber möglichen Weg zum </p><p>      Ausstieg vermitteln.</p><p>      Sie banalisiert die Drogen keinesfalls, denn die Botschaft "Die meisten Drogensüchtigen </p><p>      schaffen den Ausstieg" beinhaltet gleichzeitig die Tatsache, dass es ein Minderheit nicht</p><p>      schafft. Die Botschaft untersüttzt jedoch all jene, die Drogensüchtigen beim Ausstieg</p><p>      helfen.</p><p>      Sie macht Mut und setzt einen Kontrapunkt zu den weit verbreiteten falschen </p><p>      Vorstellungen, dass ein Drogenausstieg nicht möglich sei. Indirekt fordert sie alle dazu</p><p>      auf, Drogensüchtige nicht als unheilbar Kranke zu betrachten, sondern dem Problem </p><p>      Geduld und Akzeptanz entgegenzubringen, Überlebenshilfemassnahmen zu ermöglichen</p><p>      und Ausstiegsversuche zu unterstützen. Damit appelliert die Kampagne nicht zuletzt an </p><p>      die Bereitschaft der Gesellschaft, Drogensüchtige und insbesondere ehemalige</p><p>      Drogensüchtige zu integrieren statt auszugrenzen.</p><p></p><p>3. Eine Zusammenfassung der Forschungsarbeiten ist in Bearbeitung und wird im Juni 1997 veröffentlicht.</p>  Antwort des Bundesrates.