B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3875/2019 U r t e i l v o m 1 3 . S e p t e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Constance Leisinger, Richter Grégory Sauder, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Kinza Brunner. Parteien A._______, geboren am (…), China (Volksrepublik), vertreten durch MLaw Sophia Delgado, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 2. Juli 2019 / N (…). E-3875/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge ist die Beschwerdeführerin eine ethnische Tibe- terin mit Wurzeln in B._______ (Kreis C._______, Bezirk D._______). Sie gibt an, die Volksrepublik China am (…) 2015 in Richtung Nepal verlassen zu haben. B. Am 10. November 2015 gelangte die Beschwerdeführerin in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 1. Dezember 2015 wurde sie summarisch zur Person und ihren Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Eine ausführliche Anhörung fand am 26. September 2017 statt. Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, am 27. August 2015 sei sie von einem Polizist en angegriffen worden. Er habe sie vergewaltigt beziehungsweise habe er versucht, sie zu vergewaltigen. Sie habe sich wehren können, indem sie ihn mit einem Stein auf den Kopf geschlagen habe. Der Polizist sei verletzt am Boden liegen geblieben. Aus Angst vor Konsequenzen sei sie nicht zu ihren Eltern nach Hause zurückgekehrt, sondern direkt zu ihrem Onkel nach E._______ gegangen. Dieser habe sie sofort zur Flucht aufgefordert. Er habe sie zu einem bekannten Händler gebracht, der mit ihr nach F._______ gereist sei. Dort sei sie illegal über die chinesisch-nepalesische Grenze gegangen. Nach zwei Monaten Aufenthalt in Nepal sei sie mit ge- fälschten Ausweispapieren per Flugzeug an einen ihr unbekannten Ort in Europa geflogen. Von dort aus sei sie per Zug in die Schweiz gereist. Im vorinstanzlichen Verfahren reichte die Beschwerdeführerin diverse Zeugnisse von in der Schweiz besuchten Sprach- und Berufsbildungskur- sen, Referenzschreiben von Lehrpersonen sowie den Lehrvertrag für eine Ausbildung ein. C. Am 13. April 2018 wurde zum Zwecke der Herkunfts- und Sprachabklärung ein telefonisches Interview mit der Beschwerdeführerin durchgeführt. Auf der Grundlage der Aufzeichnung dieses Interviews analysierte ein Experte der Fachstelle LINGUA im Auftrag des SEM die landeskundlich-kulturellen Kenntnisse der Beschwerdeführerin. Der Experte kam aufgrund dieser Analyse am 15. Mai 2018 zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin sehr E-3875/2019 Seite 3 wahrscheinlich nicht im autonomen Gebiet Tibet sozialisiert worden sei, sondern ausserhalb China gelebt habe. D. Daraufhin gewährte das SEM der Beschwerdeführerin am 31. August 2018 das rechtliche Gehör zu den wesentlichen Erkenntnissen aus der LINGUA- Analyse. E. Nachdem die Beschwerdeführerin sich die Aufzeichnung des Telefoninter- views angehört hatte, reichte sie am 29. Oktober 2018 ihre schriftliche Stel- lungnahme dazu ein. F. Mit Verfügung vom 2. Juli 2019 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen- schaft der Bes chwerdeführerin und wies ihr Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Weg- weisung an, wobei ein Wegweisungsvollzug in die Volksrepublik China ausdrücklich ausgeschlossen wurde. Diese Verfügung wurde vom SEM am 3. Juli 2019 mittels eingeschriebener Sendung mit Rückschein versandt. Der postalische Abholungsschein zur Entgegennahme der Verfügung wurde der Beschwerdeführerin gemäss der Sendungsverfolgung der Schweizerischen Post am 4. Juli 2019 zugestellt. Die Beschwerdeführerin holte die Verfügung innerhalb der von Art. 20 Abs. 2bis VwVG vorgesehe- nen siebentägigen Frist nicht ab, weshalb die Verfügung wieder ans SEM retourniert wurde. G. Gemäss Aktennotiz vom 18. Juli 2019 bestätigte das kantonale Migrations- amt gegenüber dem SEM, dass die Adresse der Beschwerdeführerin nach wie vor aktuell sei. Die kantonale Rückkehrberatung sei bereits aktiv ge- worden und habe für den 19. Juli 2019 einen Termin mit der Beschwerde- führerin vereinbart. Weiter wurde festgehalten, dass der Asylentscheid der Beschwerdeführerin auch an diesem Termin zur Kenntnis gebracht werden könne. Die Verfügung könne damit als fiktiv eröffnet gelten und müsse so- mit nicht noch einmal eröffnet werden. H. Am 24. Juli 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin um Akteneinsicht zu- handen der HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende in G._______. Dieses Gesuch wurde am 31. Juli 2019 gutgeheissen. E-3875/2019 Seite 4 I. Mit Beschwerde vom 31. Juli 2019 beantragte die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei sie vorläufig aufzuneh- men. Subeventualiter sei die Sache zu neuer Prüfung an das SEM zurück- zuweisen. Subsubeventualiter sei die Beschwerdefrist gegen die Verfü- gung des SEM vom 2. Juli 2019 wiederherzustellen beziehungsweise fest- zustellen, dass sie erst am 19. Juli 2019 von ihrem Asylentscheid Kenntnis erhalten und die Beschwerdefrist folglich erst ab diesem Zeitpunkt zu lau- fen begonnen habe. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdef ührerin um Einsicht in die vorinstanzlichen Akten und damit verbunden um Anordnung einer Frist zur Beschwerdeergänzung. Zudem beantragte sie die Gewährung der un- entgeltlichen Rechtspflege, die Beiordnung eine r amtlichen Rechtsvertre- tung ihrer Wahl und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses. Die Beschwerdeführerin reichte verschiedene Beweismittel ein, welche ei- nerseits die Zustellung der Verfügung betreffen sowie andererseits die sprachliche und berufliche Integration in der Schweiz. J. Mit Zwischenverfügung vom 2. August 2019 bestätigte die Instruktionsrich- terin den Eingang der Beschwerde und stellte fest, dass die Beschwerde- führerin den Ausgang des vorliegenden Verfahrens in der Schweiz abwar- ten könne. K. Mit Schreiben vom 7. August 2019 reichte die Beschwerdeführerin weitere Unterlagen ein, namentlich ein Referenzschreiben sowie einen Schriften- wechsel und eine Aktennotiz zur Frage der Zustellung der Verfügung. Ins- besondere nahm sie zum Umstand Stellung, dass sie die Verfügung des SEM nicht innert Frist abgeholt habe. L. Mit Schreiben vom 15. August 2019 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie zwischenzeitlich in ihre Asylakten habe Einsicht nehmen können. Ent- sprechend reichte sie eine Beschwerdeergänzung ein. M. Am 20. August 2019 reichte die Beschwerdeführerin ein Arztzeugnis ein. E-3875/2019 Seite 5 N. Mit Zwischenverfügung vom 28. August 2019 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gut, setzte der Beschwerde- führerin eine Frist an, um eine Rechtsvertretung zu benennen, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud das SEM dazu ein, sich zur Beschwerde und Beschwerdeergänzung vernehmen zu lassen. O. Mit Schreiben vom 6. September 2019 teilte die rubrizierte Rechtsvertrete- rin dem Bundesverwaltungsgericht – unter Einreichung der entsprechen- den Vollmacht – die Mandatsübernahme mit. P. Nachdem das SEM am 10. September 2019 eine Vernehmlassung einge- reicht hatte, wurde der Beschwerdeführerin mit Zwischenverfügung vom 13. September 2019 die Möglichkeit zur Replik gewährt. Q. Am 17. Oktober 2019 replizierte die Rechtsvertreterin der Beschwerdefüh- rerin nach gewährter Fristerstreckung auf die Vernehmlassung der Vor - instanz und reichte eine Kostennote zu den Akten. Eingereicht wurden sodann ein Dokument, bei welchem es s ich um eine Geburtsbestätigung ausgestellt vom Office Tibet Genf des Repräsentanten Seiner Heiligkeit des Dalai Lamas für Zentral- und Ost-Europa handeln soll sowie ein Arztbericht vom 10. Oktober 2019 bet reffend eine Behandlung vom 20. September 2019. R. Am 28. November 2019 reichte die Beschwerdeführerin einen Arbeitsver- trag zu den Akten. S. Mit Verfügung vom 15. Juli 2021 wurde festgestellt, dass die Beschwerde- führerin zwischenzeitlich einer Erwerbstätigkeit nachgehe und sie wurde aufgefordert, zur Frage der Bedürftigkeit Stellung zu nehmen. T. Am 29. Juli 2021 erklärte die Beschwerdeführerin, dass ihre Bedürftigkeit nach wie vor gegeben sei. Sie arbeite seit dem 1. April 2021 als Fachfrau Gesundheit EFZ im (…), H._______. Jedoch befinde sie sich nach wie vor E-3875/2019 Seite 6 in Ausbildung. Ihre Lehre werde sie voraussichtlich im Juli 2023 abschlies- sen. Ihr aktueller Lohn belaufe sich zurzeit auf Fr. 747.50 im Monat. Die Beschwerdeführerin reichte den aktuellen Lehrvertrag betreffend ihre Ausbildung ein, zwei Lohnabrechnungen von den Monaten Juli und August 2021, sowie diverse Dokumente im Zusammenhang mit der Sozialhilfe ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Verfügung des SEM vom 2. Juli 2019 sei ihr nicht zugestellt worden. Sie führt aus, es liege möglich- erweise an der Organisation der Postzustellung in ihrer Unterkunft, dass sie nicht einmal die Abholungseinladung erhalten habe. Sie seien mehrere Personen in der Unterkunft und teilten sich den Briefkasten. Es sei deshalb möglich, dass eine andere Person versehentl ich ihre Post abgeholt habe und die Abholungseinladung dabei abhandengekommen sei. Für diese Umstände trage sie keine Verantwortung. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin Fotografien vom Briefkasten (vgl. Be-E-3875/2019 Seite 7 schwerde, Beilage 5) und ein Schreiben der zuständigen Person (vgl. Stel- lungnahme vom 7. August 2019 inklusive Beilage) zu den Akten, worin be- stätigt wird, dass die Beschwerdeführerin die Unterkunft mit drei weiteren Personen teile und diese alle Zugang zum Briefkasten hätten. Die Be- schwerdeführerin macht weiter geltend, dass sie vom Entscheid des SEM erst im Rahmen eines Gesprächs am 19. Juli 2019 auf dem kantonalen Migrationsamt erfahren habe. 1.5 Vorliegend ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszuge- hen, dass die Abholungseinladung nicht in die Hände der Beschwerdefüh- rerin gelangte und sie zunächst ohne ihr Verschulden keine Kenntnis von der angefochtenen Verfügung erlangte. Die Beschwer deführerin teilt sich die Wohnung und den Briefkasten mit andern Personen, wobei sie diese Gemeinschaft nicht frei wählte, sondern ihr die Unterkunft zugewiesen wurde, weshalb nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden kann, sie habe sich die Missachtung einer Sorgfaltspflicht ihrer Mitbewohner und Mit- bewohnerinnen anrechnen zu lassen. Ihre Erklärung, weshalb sie von der betreffenden Abholungseinladung nicht Kenntnis genommen habe, er- scheint jedenfalls vor dem umschriebenen Hintergrund plausibel, zumal die Akten des kantonalen Migrationsamtes ihre Ausführungen, wie sie von der ergangenen Verfügung Kenntnis erhalten habe, bestätigen (vgl. Eingabe vom 7. August 2019, Beilage 1). Zudem gilt es darauf hinzuweisen, dass das SEM vorliegend darauf verzichtete, na ch erfolgloser Zustellung der Verfügung per Einschreiben, diese der Beschwerdeführerin noch einmal per normaler Briefpost zuzustellen. Vielmehr begnügte es sich damit, sich die Richtigkeit der Adresse beim kantonalen Migrationsamt bestätigen zu lassen. Bei dieser Sachlage ist – wie bereits zuvor in ähnlich gelagerten Fällen (vgl. bspw. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2251/2019 vom 3. Juni 2019 E.3.4 mit Hinweis auf weitere Urteile) – davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin die übliche und ihr zumutbare Sorgfalt ange- wendet hat und somit ohne ihr Verschulden vor dem 19. Juli 2019 keine Kenntnis von der Verfügung des SEM vom 2. Juli 2019 erhalten konnte. Demnach wurde der vorinstanzliche Entscheid am 19. Juli 2019 eröffnet, womit die Beschwerdefrist am 19. August 2019 endete. Die Beschwerde, welche am 31. Juli 2019 eingereicht wurde, ist mithin fristgerecht. Der An- trag auf Wiederherstellung der Beschwerdefrist ist vor diesem Hintergrund gegenstandslos. 1.6 Die Beschwerde ist auch formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein E-3875/2019 Seite 8 schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Die Beschwerdeführerin rügt in ihrer Rechtsmitteleingabe zunächst verschiedene Verletzungen des formellen Rechts durch die Vori nstanz. Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie zu einer Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz führen könnten. 3.2 In der Beschwerde vom 31. Juli 2019 wird geltend gemacht, das SEM habe keine Einsicht in die Akten gewährt und d en Asylentscheid nicht rechtsgültig eröffnet (vgl. Beschwerde, S. 2). Das Akteneinsichtsgesuch der Beschwerdeführerin vom 24. Juli 2019 ging beim SEM am 26. Juli 2019 ein (vgl. act. A32). Diesem Begehren wurde am 31. Juli 2019 entsprochen, mithin noch während laufender Rechtsmit- telfrist (act. A33/2, vgl. oben Ziff. 1.5). Von einer Verletzung des Aktenein- sichtsrechts ist vor diesem Hintergrund offensichtlich nicht auszugehen. Ein allfälliger Mangel bezüglich der Eröffnung wurde geheilt, indem die Be- schwerdeführerin im vorliegenden Verfahren form- und fristgerecht Stel- lung genommen hat und von ihrem Recht, eine Beschwerdeergänzung ein- zureichen, Gebrauch gemacht hat (vgl. Art. 32 Abs. 2 VwVG). Das Begeh- ren um Akteneinsicht sowie um Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeer- gänzung ist vor diesem Hintergrund gegenstandslos. 3.3 Die Beschwerdeführerin rügt sodann mehrfach, die Vorinstanz habe ih- rem Entscheid einen unrichtigen Sachverhalt zugrunde gelegt (vgl. Be- schwerde, S. 2 sowie Beschwerdeergänzung, S. 2 und 3). Insbesondere mit Blick auf das von der Vorinstanz bei der Beweiswürdigung stark ge- wichtete LINGUA-Gutachten bringt sie vor, die Vorinstanz habe ihre sehr ausführliche Stellungnahme vom 29. Oktober 2018 nicht genügend gewür- digt. Die Rüge ist unbegründet. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Ent- scheid sämtliche Akten und aktenkundigen Beweismittel – namentlich die E-3875/2019 Seite 9 Anhörungsprotokolle, die von der Beschwerdeführerin eingereichten Doku- mente zu ihrer Integration in der Schweiz, das LINGUA-Gutachten und die Stellungnahme hierzu berücksichtigt (vgl. angefochtene Verfügung Ziff. II). Ob sie gestützt auf diese Aktenlage die richtigen Schlüsse gezogen hat, ist eine Frage der materiellen Würdigung. I nwiefern weitere Beweiserhebun- gen angezeigt gewesen wären, ergibt sich sodann aus der Beschwerde nicht und ist auch nicht ersichtlich. Für ein willkürliches Vorgehen der Vo- rinstanz finden sich sodann vorliegend, auch vor dem Hintergrund des be- reits Festgestellten, keine Anhaltspunkte. 3.4 Die Beschwerdeführerin macht in formeller Hinsicht weiter geltend, ihr sei keine vollständige Einsicht in die Herkunftsanalyse gewährt worden (vgl. Beschwerde, S. 4), wodurch der Anspruch auf rechtliches Gehör ge- mäss Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV verletzt worden sei. Dieser Einwand erweist sich als unbegründet. Gemäss Praxis des Bundes- verwaltungsgerichts ist in einen Alltagswissenstest aufgrund entgegenste- hender öffentlicher Interessen keine vollständige Einsicht zu gewähren. Vielmehr genügt es, wenn im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Ge- hörs die angeblich falschen oder unzureichenden Antworten so detailliert aufgezeigt werden, dass hierzu konkrete Einwände vorgebracht werden können (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.1). Dies ist vorliegend geschehen, zumal der Beschwerdeführerin der wesentliche Inhalt der Evaluation des Alltags- wissens hinreichend detailliert schriftlich offengelegt worden ist (vgl. act. A20/4). Die schriftliche Zusammenfassung des Ergebnisses genügt damit dem Anspruch auf rechtliches Gehör. 3.5 Die verfahrensrechtlichen Rügen der Beschwerdeführerin erweisen sich insgesamt als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der entsprechende Beschwerdeantrag ist so- mit abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung E-3875/2019 Seite 10 des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingse igenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft - machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 5. 5.1 Das SEM kam im angefochtenen Entscheid zum Schluss, die Vorbringen der Beschwerdeführerin würden den Anforde rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Insbesondere sei es ihr nicht gelungen, glaubhaft zu machen, im angegeben Zeitraum als Tibeterin in der von ihr angegebenen Provinz in der Volksrepublik China hauptsozialisiert und bis im (…) 2015 dort wohnhaft gewesen zu sein. Zunächst verwies das SEM in seiner Verfügung im Detail auf die Ergebnisse der LINGUA -Analyse. Diese habe ergeben, dass die Be- schwerdeführerin keine hinreichenden landeskundlich -kulturellen Kennt- nisse zur angegebene n Heimatregion besitze. In Bezug auf das Länder- wissen sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen, geografisch korrekte Angaben zu ihrer Heimatregion zu machen. Weder habe sie wei- tere Gemeinden, das unmittelbare Nachbardorf, die Frage nach benach- barten Kreisen noch elementare Fragen zum alltäglichen Leben in Tibet richtig beantworten können. Sie habe unzutreffende Aussagen zu den in der Landwirtschaft angebauten Produkten gemacht. Zwar habe sie kor- rekte Gemüsesorten genannt, welche in einem Gemüseg arten angebaut würden. Doch habe sie die sehr weitverbreiteten Getreidesorten, welche auf den Feldern angebaut würden, nicht gekannt. In Bezug auf die Infra- struktur in ihrem Dorf habe sie staatliche Einrichtungen wie ein kleines Krankenhaus und ein Polizeibüro genannt, welche aber grundsätzlich nicht E-3875/2019 Seite 11 in Dörfern, sondern höchstens in Gemeindehauptorten vorkämen. Ihre An- gaben zur Kostenbeteiligung an der Geburt ihrer Tochter in einem Kran- kenhaus entsprächen nicht den Gegebenheiten in Tibet und das Proze- dere, wie sie deren Geburt ins Familienbüchlein habe eintragen lassen, sei ebenfalls nicht korrekt gewesen. Sie sei auch zu den Einkaufsmöglichkei- ten in ihrem Dorf und zu den gekauften Produkten befragt worden und habe dazu einige korrekte Angaben gemacht, besti mmte Preisangaben seien aber erheblich von der Realität abgewichen. Die Angaben zum Schulwe- sen seien teilweise zutreffend gewesen, jedoch habe sie falsche Angaben zu den grossen jährlichen Prüfungen gemacht. Auch habe sie weitverbrei- tete chinesische Begriffe für Alltagsprodukte nicht gekannt. Immer wieder habe sie auch englische oder indische Lehnwörter, die in der exiltibetischen Koine üblich seien, für welche aber auch eigene tibetische oder chinesi- sche Bezeichnungen existierten, verwendet. Ihre Chinesisc h-Kenntnisse seien derart marginal, dass sie selbst einfache Sätze und sogar einzelne Zahlen nicht verstanden habe, was in keiner Weise den Erwartungen an eine einheimische Tibeterin entspräche. Soweit die Beschwerdeführerin ihr mangelndes Wissen in der S tellung- nahme im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs mit Verständ- nisschwierigkeiten erklärt habe, sei ihre Erklärung nicht überzeugend: So habe sie beispielsweise ausgeführt, dass sie im Gespräch über die Land- wirtschaft eigentlich von einem Garten r espektive von einem kleinen Feld gesprochen habe und nicht von einem Feld im Sinne eines Ackerlands. Sie sei aber explizit gefragt worden, ob die genannten Gemüsesorten auf ei- nem "Feld" angebaut würden, was sie bestätigt habe. Auch ihr Einwand, dass sie immerhin gewusst habe, welche Produkte aus den Getreidesorten hergestellt würden, sei unbehelflich. Ihre Erklärung, sie habe eine äusserst kleine Krankenstation und eine einfache Büroräumlichkeit der Polizei ge- meint, sei ebenfalls nicht plausibel. Vielmehr entstehe der Eindruck, dass die Beschwerdeführerin damit versuche, ihre höchst unwahrscheinlichen Angaben, dass es in dem Dorf, aus welchem sie komme, staatliche Insti- tutionen wie beispielsweise ein Krankenhaus und eine Polizeistation gege- ben habe, zu entkr äften. In Bezug auf die Unstimmigkeiten bezüglich der Kosten der Geburt ihrer Tochter habe sie nochmals betont, dass (…). Diese Angaben seien jedoch offensichtlich falsch, habe die sachverständige Per- son doch festgehalten, dass (…). Sodann habe die Beschwerdeführerin widersprüchliche Angaben betreffend das Prozedere gemacht, wie die Ge- burt ihrer Tochter ins Familienbüchlein eingetragen worden sei. So habe sie im Rahmen der Anhörung angegeben, dass die Geburt ihrer Tochter E-3875/2019 Seite 12 nicht registriert worden sei. Demgegenüber habe sie im Rahmen des Tele- foninterviews ein konkretes Prozedere beschrieben, wie sie die Persona- lien ihrer Tochter ins Familienbüchlein habe eintragen lassen. Das von ihr beschriebene Vorgehen treffe gemäss der Beurteilung des Experten je- doch nicht zu. Auch im Rahmen der Stellungnahme sei es ihr nicht gelun- gen, zu erläutern, weshalb sie diese Angaben gemacht habe. Schliesslich sei auch dem Einwand, dass viele Produkte im Dorf teurer seien als in der Stadt, nicht zu folgen, da dies gerade der Feststellung der sachverständi- gen Person widerspreche, nämlich, dass die von ihr angegebenen Preise eher zu tief seien. Bei der Konfrontation mit den falschen Angaben zum Schulwesen habe sie immer wieder darauf verwiesen, dass sie nicht von einer staatlichen, sondern einer privaten Schule gesprochen habe. Zwar habe sie tatsächlich bereits in der Anhörung angegeben, lediglich eine Pri- vatschule besucht zu haben. Es wäre aber zu erwarten gewesen, dass sie diesen Umstand auch gegenüber der sachverständigen Person hätte kom- munizieren können. Mit ihrem Vorgehen erwecke sie den Eindruck, dass sie sich zur Vorbereitung auf die Anhörung und das Telefoninterview gezielt einiges an Wissen zum Schulwesen in Tibet angeeignet habe und daher in der Lage gewesen sei, bestimmte Angaben zu machen, die mit den Gege- benheiten an staatlichen Schule übereinstimmten. Alle festgestellten Wis- senslücken habe sie aber mit dem Verweis auf die Privatschule zu ent- schuldigen versucht. Damit habe sie nicht zu überzeugen ve rmocht. Hin- gewiesen wurde sodann darauf, dass sie in der BzP explizit gesagt habe, die von ih r besuchte Schule sei in ihrem Dorf gewesen, in der Anhörung hingegen zu Protokoll gegeben habe, diese habe sich in der Gemeinde I._______ befunden. Diese Widersprüche untermauerten obige Einschät- zung, dass das Wissen der Beschwerdeführerin angelernt sei. Die Be- schwerdeführerin spreche überdies kaum Chinesisch, was für eine chine- sische Staatsangehörige höchst unwahrscheinlich sei. Da sie jedoch in der Anhörung angegeben habe, dass die chinesischen Behörden immer wie- der in ihrem Dorf präsent gewesen seien, und insbesondere, dass sie frü- her noch recht gut Chinesisch gekonnt habe, sei nicht nachvollziehbar, dass sie anlässlich des Telefoninterviews selbst sehr einfache Ausdrücke wie Zahlenwörter nicht mehr verstanden habe. Gerade zu den Zahlen habe sie in der Anhörung ausdrücklich erwähnt, dass sie diese stets nur auf Chi- nesisch gesagt habe. Diese Widersprüchlichkeit deute darauf hin, dass sie die Zahlen zur Vorbereitung auf die Anhörung gelernt, während des Telefo- ninterviews dann aber nicht mehr präsent gehabt habe. Ihr Hinweis, dass sie gar nie Grund gehabt habe, Chinesisch zu lernen, sei unbehelflich. Zur Feststellung, dass ihr Tibetisch-Wortschatz mit Lehnwörtern aus dem Indi-E-3875/2019 Seite 13 schen und Englischen durchzogen sei, was auf eine Herkunft aus der exil- tibetischen Gemeinschaft in Indien hindeute, habe sie keine Stellung ge- nommen. Insgesamt sei festzustellen, dass die Ausführungen der Be- schwerdeführerin in der Stellungnahme den Eindruck, der während der BzP und der Anhörung entstanden sei, nämlich, dass ihre Herkunft aus der angegebenen Region fraglich sei, nicht zu ändern vermöchten. Oberflächlich und vage seien auch die Angaben der Beschwerdeführerin zur Ausreise aus dem Tibet. Weiter seien die Schilderungen der Asylgründe rudimentär, unsubstanziiert und widersprüchlich ausgefallen. Dies betreffe insbesondere die von ihr geltend gemachte Vergewaltigung respektive der Versuch einer solchen, ihre Angaben seien diesbezüglich rudi mentär und auch widersprüchlich. Nicht plausibel sei sodann, dass die Beschwerde- führerin sich nach diesem Ereignis sofort zur Flucht zum Onkel und im An- schluss zur Flucht aus dem Heimatstaat entschlossen habe, ohne mit ihrer Familie in Kontakt zu treten . Zum Vater ihres Kindes habe sie keine sub- stanziierten Angaben machen können. Obwohl die Beschwerdeführerin un- bestrittenermassen tibetischer Ethnie sei, würden die mangelhaften Län- der- beziehungsweise Regionalkenntnisse, die fehlenden Kenntnisse der chinesischen Sprache, die fehlenden Identitätspapiere sowie die unglaub- haft vorgetragenen Asylgründe darauf schliessen lassen, dass sie nicht in der von ihr angegebenen Region sozialisiert worden sei. Mit überwiegen- der Wahrscheinlichkeit sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführe- rin vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, son- dern in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da sie keine konkreten und glaubhaften Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert habe , sei zu schliessen, dass keine flüchtlings - oder wegwei- sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Auf- enthaltsort bestehen würden. 5.2 In der Rechtsmitteleingabe und in ihrer Ergänzung hält die Beschwer- deführerin an der Glaubhaftigkeit ihre r Aussagen fest. Sie macht im We- sentlichen geltend, die Vorinstanz sei zu Unrecht davon ausgegangen, dass sie nicht in der Volksrepublik China, sondern im Exil Tibet sozialisiert worden sei. Die Vorinstanz habe zudem ihre Ausführungen in der Stellung- nahme falsch gewürdigt. Sie habe korrekte Ausführungen gemacht betref- fend die in ihrer Heimat angebauten Produkte. Sie verwende die Begriffe "Feld" und "Garten" als Synonyme. Es sei unhaltbar, wenn man ihr vor- halte, dass sie diesbezüglich ausweichende Angaben ge macht habe. Die Kosten der Geburt ihre s Kindes habe (…). Die Vorinstanz habe es eben-E-3875/2019 Seite 14 falls unterlassen zu würdigen, dass sie auch korrekte Preisangaben ge- macht habe. Der Einwand der Vorinstanz, dass sie dem Experten ver- schwiegen hätte, dass sie eine Privatschule besucht habe, sei gesucht. Sie habe bereits in der Anhörung erwähnt, dass sie eine Privatschule besucht habe. Sie habe nicht gewusst, dass der Experte dies nicht gewusst habe. Ausserdem treffe es nicht zu, dass ihre Schule im Dorf gewesen sei. Sie habe bereits anlässlich der BzP den Unterschied zwischen ihrem Dorf B._______ und der Gemeinde I._______ erklärt. Ausserdem habe sie nicht gesagt, dass sie "die Primarschule bis zur 3. Klasse besucht habe", sie habe vielmehr zu Protokoll gegeben, dass sie "d rei Jahre zur Schule ge- gangen sei". Dies zeige, dass ihre Aussagen im Protokoll nicht korrekt fest- gehalten worden seien. Im Tibet gebe es im Übrigen auch viele Tibeter, die gar kein Chinesisch sprechen würden. Sie verstehe nicht, inwiefern ihre Chinesischkenntnisse gegen die von ihr angegebene Herkunft sprächen. Sie beherrsche die Zahlen in der Grössenordnung 1 bis 10. Sie sei aber nach höheren Zahlen gefragt worden, die sie mit den Fingern habe abzäh- len müssen, und aus diesem Grund habe sie für ihre Antworten länger ge- braucht. Ausserdem sei sie sehr lange Sätze auf Chinesisch gefragt wor- den. Sie verstehe nur einfache Sätze und Begriffe auf Chinesisch. Zudem seien seit ihrer Ankunft in der Schweiz bald vier Jahre vergangen; sie habe zwischenzeitlich Deutsch gelernt und inzwischen auch vieles vom Chinesi- schen vergessen. Ausserdem habe sie plausibel erklären können, weshalb sie über ihren Partner, den Vater ihrer Tochter, nicht mehr wisse. Sie sei sehr jung gewesen. Mittlerweile habe sie wieder Kontakt zu ihm. Sie habe seine Telefonnummer durch eine Freundin erhalten. Er habe ihr Fotos ge- schickt. Über ihre Ausreise habe sie nicht mehr sagen können, weil ihr On- kel diese organisiert habe. Ferner nimmt die Beschwerdeführerin Stellung zu den vom SEM angespro- chenen Unglaubhaftigkeitselementen in ihren Asylschilderungen und hält fest, ihre Aussagen seien glaubhaft, und es sei ihr Asyl zu gewähren. Die Widersprüche betreffend ihrer Asylvorbringen habe sie während der Anhö- rung erklärt; im Protokoll der BzP sei ihre Ausreise zudem verallgemeinert beziehungsweise falsch festgehalten worden. Sie habe das von ihr erlebte Geschehen glaubhaft und mit viel Emotionen vorgetragen. Für die weiteren Ausführungen auf Vernehmlassungs- und Replikstufe wird auf die Akten verwiesen. Soweit entscheidwesentlich wird auf diese in den Erwägungen Bezug genommen. E-3875/2019 Seite 15 6. 6.1 In materieller Hinsicht ist festzustellen, dass das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und das Asylge- such abgelehnt hat. Das Bundesverwaltungs gericht kommt mit der Vorinstanz übereinstim- mend zum Schluss, dass die von der Beschwerdeführerin behauptete Her- kunft aus dem Kreis C._______ nicht glaubhaft erscheint. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorab auf die überzeugenden und ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden ( vgl. angefochtene Verfü- gung S. 3 ff., und zusammenfassende Widergabe E. 5.1), welchen auf Be- schwerdeebene auch nichts entgegengehalten wird, was zu einem ande- ren Schluss führen könnte. 6.2 Im BVGE 2014/12 präzisierte d as Bundesverwaltungsgericht seine Praxis dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon auszu- gehen sei, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort beständen. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwir- kungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche eine tibetische Asylsuchende durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status sie in Nepal respektive in Indien innehabe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschlei- erung der wahr en Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmög- licht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.). 6.3 Vorweg ist festzuhalten, dass die Identität der Beschwerdeführerin nicht feststeht. Sie hat sowohl im vorinstanzlichen Verfahren, als auch im Beschwerdeverfahren weder Ausweispapiere noch Beweismittel einge- reicht, die geeignet wären, etwas zur Klärung ihrer Identität und ihres Her- kunftslandes beizutragen. Eigenen Angaben zufolge hat sie nie einen Rei- sepass beziehungsweise eine Identitätskarte besessen (vgl. act. A5/14, F2.02). Betreffend das Familienbüchlein führte die Beschwerdeführerin aus, dass dieses bei ihren Eltern sei. Trotzdem reichte sie im Verfahren kein solches Dokument oder mindestens die Kopie davon ein, obwohl ihre gesamte Familie sich noch im Heimatort aufhalten soll. Dass sie, wie sie geltend macht, keinen Kontakt zu ihrer Familie herstellen kann, obschon ihr Vater sogar über ein Mobiltelefon verfügt ( vgl. act. A12/26, F8 ff.), ist E-3875/2019 Seite 16 nicht glaubhaft. Dem von ihr auf Beschwerdeebene eingereichten Beweis- mittel, ein als «Bestätigung der Geburt» bezeichnetes Dokument, welches von der Tibetischen Vereinigung Schweiz ausgestellt wurde, kommt zudem kaum Beweiswert zu, zumal es sich nicht um ein offizielles Dokument han- delt und es lediglich den Geburtsort "Tibet" bestätigen soll. 6.4 Im Weiteren hat die Vorinstanz sich auch inhaltlich zu Recht auf die Ergebnisse des Lingua-Gutachtens abgestützt. Sofern bestimmte Anforde- rungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität der sach- verständigen Person wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nach- vollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind, ist einer Lingua -Analyse nach der Rechtsprechung erhöhter Beweiswert beizumessen ( vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1 mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 14 E. 7 und EMARK 1998 Nr. 34). 6.4.1 Die fachliche Eignung der sachverständigen Person steht vorliegend ausser Frage. Inhaltlich erscheint der LINGUA -Bericht vom 15. Mai 2018 ausgewogen. In diesem Zusammenhang ist zunächst darauf hinzuweisen, dass für die Einschätzung der landeskundlichen Kenntnisse sowie des sprachlichen Ausdrucks der Beschwerdeführerin dem von ihr behaupteten biografischen Hintergrund ausdrücklich Rechnung getragen wurde. Für die Aussagekraft des Ergebnisses des Lingua-Berichtes spricht auch die Tat- sache, dass nicht nur Aspekte abgehandelt wurden, welche gegen eine Sozialisation in der angeblichen Heimatregion sprechen, sondern auch die- jenigen, welche dafür sprechen. 6.4.2 Weiter trifft es zwar zu, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der Befragungen sowie im Lingua -Gespräch einige geografische und landes- kundliche Gegebenheiten der von ihr angegebenen Herkunftsregion kor- rekt zu benennen vermochte. Allerdings weisen ihre diesbezüglichen An- gaben auch auffallende Lücken und Fehler auf. Den Ausführungen im Rah- men des rechtlichen Gehörs lassen sich keine stichhaltigen Argumente entnehmen, welche geeignet wären, die klaren Schlussfolgerungen des Lingua-Gutachters zu entkräften. Die Beschwerde und deren Ergänzungen erschöpft sich vielmehr in einer Wiederholung des Standpunkts, den die Beschwerdeführerin schon im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs zur LINGUA -Analyse eingenommen hat. Die Vorinstanz hat sich mit diesen in der angefochtenen Verfü gung e inlässlich auseinanderge- setzt. Das Gericht teilt die vorinstanzliche Einschätzung. E-3875/2019 Seite 17 6.4.3 Massgeblich ins Gewicht fällt insbesondere, dass die Beschwerde- führerin ihr Leben in ihrem Heimatort auch auf Nachfrage hin nicht zu be- schreiben vermochte und kein klares Bild entsteht. Zunächst fällt auf, dass sie Fragen betreffend ihre Familie ausweicht. Dies betrifft beispielsweise die Umstände rund um die Geburt ihrer Tochter sowie ihr Wissen über ihren damaligen Partner. Insbesondere ihre Angaben, wie oft sie mit dem Vater ihrer Tochter Kontakt hatte beziehungsweise noch hat, sind widersprüch- lich und vage ausgefallen (vgl. act. A12/26 F18 ff., F26, F.29 ff.; vgl. Be- schwerdeergänzung, S.4). Sodann hat die Vorinstanz zutreffend verschie- dene Wiedersprüche festgestellt . Ihr ist in diesem Zusammenhang zu- nächst beizupflichten, dass die Beschwerdeführerin falsche Angaben dar- über gemacht hat, wer für die Kosten der Geburt aufgekommen ist und ob, und unter welchen Umständen die Eintragung der Tochter ins Familien- büchlein sta ttgefunden haben soll (vgl. act. A12/26, F477 f.; gegenüber act. A20/4, S. 2 sowie act. A27/7, S. 6). Die Erklärung auf Beschwerde- ebene, dass die Beschwerdeführerin noch sehr jung gewesen sei und ihr Vater sich um diese Angelegenheiten gekümmert habe, über zeugt nicht (vgl. Beschwerdeergänzung, S. 2). Ferner führte die Vorinstanz in differen- zierter und überzeugender Weise aus, weshalb sich die von der Beschwer- deführerin geltend gemachten Lebensumstände nicht mit ihren minimalen Kenntnissen der chinesischen Sprache vereinbaren lassen, sondern diese darüber hinausreichen müssten, wenn sie tatsächlich aus der von ihr an- gegebenen Herkunftsregion stammen würde. Insgesamt weisen die Kennt- nisse der Beschwerdeführerin über ihrer angeblichen Herkunftsregion mar- kante Lücken respektive Fehler auf, die bei einer tatsächlich dort erfolgten Sozialisation nicht zu erwarten wären. Die im Wesentlichen angerufene Be- gründung, die Beschwerdeführerin habe ihr Haus und ihr Heimatdorf selten verlassen, greift als Erklärung zu kurz. 6.5 Im Zusammenhang mit der Glaubhaftigkeitsprüfung zu berücksichtigen sind aber nicht nur die Herkunftsangaben, sondern auch die Schilderungen der Fluchtursache. Diesbezüglich hat die Vorinstanz zutreffend festgestellt, dass es den Ausführungen de r Beschwerdeführerin an Substanziiertheit , Schlüssigkeit und an Realkennzeichen fehlt, auch wenn die Beschwerde- führerin während der Anhörung teilweise emotional reagiert hat . Die Be- schwerdeführerin vermochte dem auch im vorliegenden Beschwerdever- fahren nichts Stichhaltiges entgegenzuhalten. Die auf Beschwerdeebene eingereichten Rechtsschriften erschöpfen sich vielmehr in einer Wiederho- lung der bereits an der Anhörung getätigten Aussagen. Im Übrigen sind die Schilderungen der Beschwerdeführerin betreffend die Asylgründe auch wi-E-3875/2019 Seite 18 dersprüchlich. Während die Beschwerdeführerin in der BzP davon berich- tet, dass sie von einem chinesischen Polizisten vergewaltigt worden sei, führt sie in der Anhörung aus, dass der Polizist "nur" versucht habe, sie zu vergewaltigen (vgl. A5/14 Ziff. 7.01, A12/26 F84 ff.). 6.6 Auch die Umstände ihres Ausreisentschlusses, namentlich, dass sie auf Geheiss ihres Onkels sofort einen Ausreiseentschluss gefällt habe, ohne zu den Eltern, dem Kind oder dem Kindsvater nochmals Kontakt auf- zunehmen, konnte die Beschwerdeführerin nicht plausibel darlegen (vgl. act. A12/26 F153, F169 ff.). Sie will denn auch nach der erfolgten Ausreise keinen Kontakt zu ihrer Familie hergestellt haben. D ie Rechtfertigung, sie kenne die Telefonnummer ihres Vaters nicht, m it welchem sie jedoch bis zur Ausreise gemeinsam mit Mutter und Kind gelebt hat, ist als Schutzbe- hauptung zu werten (vgl. act. A12/26 F181, 186 ff.). Insgesamt erscheint dieses Vorbringen konstruiert. 6.7 Die Vorinstanz hat sodann zutreffend festgestellt, dass auch die Schil- derungen der Ausreiseumstände in den wesentlichen Aspekten knapp aus- gefallen sind und jegliche Anzeichen persönlicher Erfahrung vermissen las- sen. Dass die Beschwerdeführerin weder die Namen der Transitländer noch der Fluggesellschaften oder des Ankunftsflughafens wahrgenommen haben will, scheint realitätsfremd (vgl. act. A5/14 Ziff. 5.02). Auch wenn die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge dem Schlepper gefolgt sein will, ist es nicht nachvollziehbar, dass sie keinerlei Angaben zu ihrem Rei- seweg machen kann. 6.8 Vor diesem Hintergrund hat die Vorinstanz aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerin, welche sich zum einen als in den wesentlichen As- pekten vage und unsubstanziiert, andererseits als widersprüchlich erwei- sen, zu Recht den Schluss gezogen, dass die geltend gemachte Herkunft aus dem Kreis C._______ unglaubhaft ist. 6.9 Nach dem Gesagten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik Chi na, sondern in der exil -tibetischen Diaspora gelebt hat. Namhafte exil -tibetische Gemeinschaften gibt es – nebst der Schweiz und Nordamerika – lediglich in Indien und Nepal. Es ist somit im Sinne einer Vermutung anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin in den vergangenen Jahren in Indien oder Nepal gelebt hat. Folglich wäre grund- sätzlich zu prüfen, ob sie über die chinesische Staatsangehörigkeit verfügt, was eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31 a Abs. 1 E-3875/2019 Seite 19 AsylG mit sich bringen würde, oder ob sie die indische oder nepalesische Staatsangehörigkeit erworben hat, was zur Folge hätte, dass das Vorliegen einer asylrelevanten Gefährdung hinsichtlich eines jener Staaten zu prüfen wäre. Das Gericht ist indes wie das SEM der Auffassung, dass die Be- schwerdeführerin ihre Mitwirkungspflicht in nicht entschuldbarer Weise ver- letzt hat und dadurch den Behörden nähere Abklärungen – die Abklärungs- pflicht der Asylbehörden findet, wie bereits festgehalten, ihre Grenze bei der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person – sowie eine Rückschaf- fung in seinen tatsächlichen Heimatstaat verunmöglicht. Die Beschwerde- führerin hat die Folgen dieses Verhaltens zu tragen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10). 6.10 Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass zwar davon aus- zugehen ist, dass die Beschwerdeführerin tibetischer Ethnie ist. Jedoch sind ihre Vorbringen hinsichtlich des Ortes ihrer hauptsächlichen Sozialisa- tion und hinsichtlich ihrer Asylgründe unglaubhaft . Folglich ist es der Be- schwerdeführerin nicht gelungen, für den Zeitpu nkt ihrer Ausreise eine asylrechtlich relevante Verfolgung, die sie in ihrer Heimat erlitten hat oder in begründeter Weise zukünftig befürchten müsste, aufzuzeigen oder glaubhaft zu machen. Die Beschwerdeführerin vermag weder die Flücht- lingseigenschaft im Zeitpunkt ihrer Ausreise noch subjektive Nachflucht- gründe (illegale Ausreise aus dem Heimatstaat) nachzuweisen oder zumin- dest glaubhaft zu machen. Das SEM hat somit zu Recht ihre Flüchtlingsei- genschaft verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt. 7. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge- such ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführerin verfügt we- der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Auch die Wegweisung wurde dem- nach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 In Bezug auf den Vollzug der Wegweisung hält die Vorinstanz vorab fest, die Beschwerdeführerin habe die geltend gemachte Hauptsozialisie- rung nicht glaubhaft gemacht. Das Gericht folgt der Vorinstanz sowohl in diesem Punkt als auch hinsichtlich der weiteren diesbezüglichen Erwägun- gen. Die Herkunft und Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin gelten deshalb als unbekannt. E-3875/2019 Seite 20 8.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll- zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, die Untersuchungspflicht fin- det aber, wie bereits vorstehend ausgeführt, ihre Grenzen an der Mitwir- kungspflicht der Beschwerdeführerin. Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Die Beschwerdeführerin hat die Folgen ihrer fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als seitens der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts ge- gen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort, da dieser den Behör- den unbekannt ist und die Beschwerdeführerin damit keine konkreten, glaubhaften Hinweise geliefert hat, die gegen eine Rückkehr dorthin spre- chen würden. Diese Einschätzung gilt auch, weil die Beschwerdeführerin auch in ihrer eigenen Person keine individuellen Gründe geltend macht, die generell einem Vollzug der Wegweisung entgegenstehen könnten. Na- mentlich ergibt sich aus den beiden eingereichten Arztzeugnissen keine nennenswerte Erkrankung der Beschwerdeführerin. 8.3 In Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 5 der angefochte nen Ver- fügung ist im Übrigen darauf hinzuweisen, dass für alle Exil -Tibeterinnen und -Tibeter ein Vollzug der Wegweisung nach China im Sinne von Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG ausgeschlossen wird, da ihnen dort gegebenenfalls Verfolgung im flüchtlingsrechtlic hen Sinn beziehungsweise eine men- schenunwürdige Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.11). 8.4 Es obliegt der Beschwerdeführerin, sich die für eine Rückkehr allenfalls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme aus- ser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG aber mit Zwischenverfügung vom 28. August 2019 gutgeheissen worden E-3875/2019 Seite 21 ist – und sie aufgrund der Aktenlage nach wie vor als prozessual bedürftig zu betrachten ist – sind im vorliegenden Ve rfahren keine Kosten zu erheben (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 10.2 Das Gesuch um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung ist gut- zuheissen. Der Beschwerdeführerin ist die bevollmächtigte Rechtsvertre- terin MLaw Sophia Delgado als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen. Ihr ist für ihre Aufwendungen im Beschwerdeverfahren ein Honorar zu Las- ten der Gerichtskasse auszurichten. 11. Bei amtlicher Vertretung geht das Gericht in der Regel von einem Stun- denansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nichtanwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE ), wobei nur der notwendige Aufwand zu entschädigen ist (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Am 17. Oktober 2019 reichte die Rechtsvertreterin eine Honorarnote ein, worin sie einen zeitlichen Aufwand von 235 Minuten geltend machte. Dieser scheint angemessen. Die Auslagen in der Höhe von Fr. 35.– sind ausge- wiesen, der Stundenansatz von Fr. 250.– ist entsprechend auf Fr. 150.– festzusetzen (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE) womit sich ein Hono- rar von insgesamt Fr. 622.50 ergibt. (Dispositiv nächste Seite) E-3875/2019 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das Gesuch der amtlichen Verbeiständung wird gutgeheissen. Frau MLaw Sophia Delgado wird als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. 4. Der amtlichen Rechtsbeiständin, Frau MLaw Sophia Delgado, wird durch das Bundesverwaltungsgericht ein Honorar von Fr. 622.50 ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Kinza Brunner