Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 5. Juli 2022 (460 21 156) ____________________________________________________________________ Strafrecht Pornografie Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref.), Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Allgemeine Delikte, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde gegen A.____ , vertreten durch Advokat Dr. Claude Schrank, Gerbergasse 1, 4001 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Mehrfache Pornografie (Berufung des Beschuldigten gegen das Urteil des Strafgerichts- präsidiums Basel-Landschaft vom 4. Mai 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 4. Mai 2021 wurde A.____ der mehrfachen Pornografie schuldig erklärt und zu eine r bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von sechseinhalb Monaten, bei einer Probezeit von vier Ja hren, sowie zu einer Busse von CHF 900.-- (bzw. im Falle der schuldhaften Nichtbezahlu ng der Busse und deren Uneinbring- lichkeit auf dem Betreibungsweg zu einer Ersatzfreiheit sstrafe von 15 Tagen) verurteilt; dies in Anwendung von Art. 197 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 sowie Abs. 5 Satz 1 und teilweise Satz 2 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 und Abs. 4 StGB, A rt. 44 Abs. 1 StGB sowie Art. 106 StGB. Des Weiteren wurde A.____ in Anwendung von Art. 66a S tGB für die Dauer von fünf Jahren des Landes verwiesen. Ferner wurde dem Beschuldigten in Anwendung von Art. 67 Abs. 3 lit. d Ziff. 2 StGB die Ausübung jeder beruflichen und jeder organisierten ausserberuflichen Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfa sst, lebenslänglich verboten. Die be- schlagnahmten drei Gegenstände (externer Datenträger "Maxtor", externer Datenträger "Sams- ung" und PC "HP" [Pos. 7, 9 und 13 gemäss Beschlagnahme befehl vom 19. Oktober 2020]) wurden in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 St GB sowie Art. 197 Abs. 6 StGB zur Ver- nichtung eingezogen. Ausserdem wurde festgehalten, dass sämtliche im vorliegenden Verfah- ren forensisch gesicherten Daten, welche sich unter der GK -Nummer 1.____ bei der Polizei Basel-Landschaft, IT-Forensik, befinden, nach Rechtskraf t des Urteils unwiderruflich gelöscht werden. Sodann wurde der Beschuldigte dazu verpflichte t, in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 8'654.-- und der pauschalen Gerichtsgebühr von CHF 2'000.--, z u tragen. Schliesslich wurde erkannt, dass das Honorar des amtlichen Verteidigers, Advokat Dr. Claude Schrank, in der Höhe von insgesamt CHF 5'736.50 (davon CHF 2'163.50 für den Au fwand vor Anklageerhebung sowie CHF 3'573.-- für den Aufwand danach; inkl. Auslagen un d 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse entrichtet sowie dass A.____ verpflichtet wird, d em Staat die Kosten der amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen und dieser die Differenz zwi schen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine w irtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). Auf die Be gründung dieses Urteils sowie der nachfolgen- den Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. B. Gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 4. Mai 2021 meldete der Beschuldigte mit Schreiben vom 17. Mai 2021 die Berufung an und b rachte sodann in seiner Berufungserklä- rung vom 5. Juli 2021 folgende Rechtsbegehren vor: Es se i der Berufungskläger vom Vorwurf der mehrfachen Pornografie kostenlos freizusprechen (Zif f. 1). Ausserdem sei die Landesver- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht weisung aufzuheben (Ziff. 2). Ferner seien die Verfa hrenskosten ausgangsgemäss neu zu ver- legen (Ziff. 3). Auch sei dem Antrag auf Gewährung de r amtlichen Verteidigung für das zweitin- stanzliche Verfahren stattzugeben. In seiner Berufungsbe gründung vom 24. September 2021 hielt der Beschuldigte grundsätzlich an seinen bereits gestellten Rechtsbegehren fest, bean- tragte aber zusätzlich, eventualiter sei das angefochten e Urteil aufzuheben und zur Durchfüh- rung einer neuen Hauptverhandlung und zur Fällung ein es neuen Urteils an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. C. Die Staatsanwaltschaft nahm mit Datum vom 4. Oktober 2 021 Stellung zur Berufung des Beschuldigten, ohne jedoch explizite Anträge zu stellen. D. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Ab teilung Strafrecht, vom 6. Juli 2021 wurde Advokat Dr. Claude Schrank als amtlicher Vert eidiger des Beschuldigten für das Berufungsverfahren eingesetzt. Ausserdem wurde verfügt , dass die Kosten für die Entschädi- gung der amtlichen Verteidigung vorläufig vom Staat be vorschusst werden, wobei über die endgültige Kostentragung mit dem Urteil des Berufung sgerichts entschieden wird. Mit weiterer Verfügung vom 16. Juli 2021 wurde festgestellt, dass die Staatsanwaltschaft weder einen An- trag auf Nichteintreten auf die Berufung gestellt noch die Anschlussberufung erklärt hat. Sodann wurde zunächst mit Verfügung vom 5. Oktober 2021 die Durchführung des mündlichen Verfah- rens angeordnet, bevor schliesslich mit Verfügung vom 3. Juni 2022 ‒ nachdem bereits zuvor mit Verfügung vom 14. Dezember 2021 die Staatsanwalt schaft vom persönlichen Erscheinen vor den Schranken des Berufungsgerichts dispensiert worden war ‒ gestützt auf die ausdrückli- che Zustimmung des Beschuldigten die angesetzte kantonsg erichtliche Hauptverhandlung wie- der abgeboten und die Behandlung der Berufung im schr iftlichen Verfahren unter Verzicht auf eine mündliche Berufungsverhandlung festgelegt wurde. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Formalien und Verfahrensgegenstand 1.1 Formalien Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungs- instanz zur Beurteilung des vorliegenden Rechtsmittels ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Nach Art. 398 Ab s. 1 StPO ist die Berufung zulässig ge- gen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Ver fahren ganz oder teilweise abge- schlossen worden ist. Gemäss Abs. 3 von Art. 398 StPO könne n mit der Berufung gerügt wer- den: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung un d Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststel- lung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Laut Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufun g dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder m ündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung d es begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Die Legitimation des B eschuldigten zur Ergreifung des Rechtsmittels wird in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Na chdem in casu das angefochtene Urteil ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, der Beschuldig te berufungslegitimiert ist, zulässige Rügen erhebt und die Rechtsmittelfristen gewahrt hat s owie der Erklärungspflicht nachgekom- men ist, ist im Folgenden ohne Weiteres auf dessen Berufung einzutreten. 1.2 Verfahrensgegenstand Gegen das erstinstanzliche Urteil hat lediglich der Beschuldigte ein Rechtsmittel ergriffen, wobei er dieses im Rahmen seiner Berufungserklärung grundsätzlich vollumfänglich angefochten hat. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Darlegungen der Parteien 2.1 Ausführungen des Beschuldigten (...) 2.2 Ausführungen der Staatsanwaltschaft (...) 3. Verfahrensgrundsätze, Beweiswürdigung und Sachver halt 3.1 Verfahrensgrundsätze (...) 3.2 Beweiswürdigung a) Bei der Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts si nd in casu insbesondere folgen- de Beweise und Indizien zu würdigen: die Depositionen des Beschuldigten anlässlich seiner Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 7. Oktober 20 20 (act. 289 ff.), diejenigen an- lässlich der Einvernahme zur Person durch die Staatsanwal tschaft vom 7. Oktober 2020 (act. 11 ff.) sowie diejenigen anlässlich der Verhandl ung vor dem Strafgericht vom 4. Mai 2021 (act. S 71 ff.) und der Bericht der Polizei Basel-Land schaft, IT-Forensik, vom 15. Mai 2020 (act. 167 ff.) mitsamt der Dokumentation der entsprechen den Videodateien vom 5. Mai 2020 (act. 225 ff.). b) In Bezug auf die Einvernahme des Beschuldigten durch d ie Polizei, Fahndungs- und Akti- onsdienst, vom 11. Juni 2019 (act. 269 ff.), welche v on ihm als unverwertbar gerügt wird, ist was folgt festzustellen: Am 9. April 2019 hat das Bundesa mt für Polizei (fedpol) bei der Polizei Basel-Landschaft unter Verweis auf Art. 197 Abs. 4 un d Abs. 5 StGB Strafanzeige gegen Un- bekannt gestellt, da zwischen dem 5. März 2019 und dem 3 . April 2019 sechs Dateien mit kin- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht derpornografischem Inhalt in einem Peer-to-Peer-Netzwe rk geteilt worden seien (act. 159 ff.). Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB stellt einen Katalogtatbe stand für die obligatorische Landesverwei- sung dar (Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB). In der Folge hat die Polizei, Fahndungs- und Aktions- dienst, ihren Antrag auf Verfahrenseröffnung vom 29. April 2019 mit dem Verdacht auf harte Pornografie mit Kindern (Art. 197 Abs. 4 und Abs. 5 StGB) begründet (act. 67). Anlässlich der Eröffnungsverfügung durch die Staatsanwaltschaft vom 4. Ju ni 2019 gegen unbekannte Täter- schaft ist als Straftatbestand ebenfalls Pornografie ve rmerkt worden (act. 73). Am 6. Juni 2019 ist beim Beschuldigten eine Hausdurchsuchung mit entsprechenden Beschlagnahmen durchge- führt worden (act. 85 ff.). Am 11. Juni 2019 hat di e fragliche Einvernahme des Beschuldigten durch die Polizei ohne Anwesenheit einer Verteidigung stattgefunden (act. 269 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist klar gewesen, dass es sich bei ihm um einen Ausländer handelt. Bereits in der ers- ten Frage wird dem Beschuldigten vorgeworfen, Dateien mit kinderpornografischem Inhalt im Netzwerk geteilt zu haben. Weiter wird u.a. in Ziffer 37 der nämlichen Einvernahme unmissver- ständlich zum Ausdruck gebracht, dass dem Beschuldigten Be sitz und Verbreitung von verbo- tener Pornografie vorgeworfen wird (act. 281). Sobald aber einem Ausländer der Vorwurf ge- macht wird, er habe Bildaufnahmen, welche tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjähri- gen zum Inhalt haben, hergestellt, eingeführt, gelage rt, in Verkehr gebracht, angepriesen, aus- gestellt, angeboten, gezeigt, überlassen, zugänglich ge macht, erworben, sich über elektroni- sche Mittel oder sonst wie beschafft oder besessen (Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB), handelt es sich hierbei infolge der drohenden Landesverweisung (Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB) zwingend um einen Fall notwendiger Verteidigung (Art. 130 lit. b StPO). Nach Art. 131 Abs. 1 StPO hat die Verfahrensleitung darauf zu achten, dass unverzüglich eine Verteidigung bestellt wird, wenn ein Fall notwendiger Verteidigung vorliegt. Sind die Vo raussetzungen notwendiger Verteidigung bei Einleitung des Vorverfahrens erfüllt, so ist die Vertei digung nach der ersten Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft, jedenfalls aber vor Eröffnung d er Untersuchung sicherzustellen (Art. 131 Abs. 2 StPO). Wurden in Fällen, in denen die Verteidigung erkennbar notwendig ge- wesen wäre, Beweise erhoben, bevor eine Verteidigung bestellt worden ist, so ist die Beweiser- hebung nur gültig, wenn die beschuldigte Person auf i hre Wiederholung verzichtet (Art. 131 Abs. 3 StPO). Faktisch heisst dies, dass die Beweiserhebung, namentlich die Einvernahme der beschuldigten Person, bei notwendiger Verteidigung oh ne Anwesenheit derselben ungültig ist, was bedeutet, dass das so gewonnene Beweismittel nicht ve rwertet werden darf. Eine zusätzli- che Interessenabwägung hat in diesem Fall nicht stattzuf inden (Art. 141 Abs. 1 StPO). Die Be- weiserhebung muss, um gültig zu werden, in Anwesenheit der Verteidigung wiederholt werden, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht es sei denn, die beschuldigte Person verzichte auf die Wi ederholung (vgl. V IKTOR LIEBER , in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Auf lage, Zürich / Basel / Genf 2020, N 8 zu Art. 131 StPO, mit Hinweisen). In casu ist zum Zei tpunkt der Einvernahme vom 11. Juni 2019 zufolge der untersuchten Straftatbestände sowie d er Tatsache, dass der Betroffene Aus- länder ist, offensichtlich erkennbar gewesen, dass es sich um einen Fall notwendiger Verteidi- gung gehandelt hätte. Der Beschuldigte hat in der Fo lge ausdrücklich nicht auf eine Wiederho- lung der Beweiserhebung in Anwesenheit seines Rechtsbe istandes verzichtet, woraus folgt, dass die betreffende Einvernahme vom 11. Juni 2019 gestüt zt auf Art. 141 Abs. 1 Satz 2 StPO nicht verwertbar ist. 3.3 Sachverhalt Im Hinblick auf die tatsächliche Ermittlung des massgeblichen Sachverhalts wird ‒ unter Beach- tung der vorgängig dargelegten Maxime "in dubio pro r eo" ‒ gestützt auf die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 23. November 2020 sowie grunds ätzlich dem systematischen Aufbau des angefochtenen Urteils und den Erwägungen des Str afgerichts folgend bei der spezifischen Prüfung der konkreten Anklagepunkte unter Würdigung de r diesbezüglichen Darlegungen der Parteien im Einzelnen auf die rechtserheblichen Beweise und Indizien eingegangen. 4. Tatbestand der Pornografie 4.1 a) Der Vorderrichter hat den Beschuldigten gestützt auf den seiner Ansicht nach erstellten Anklagesachverhalt der mehrfachen Herstellung verbotener Pornografie zum Zwecke des Ei- genkonsums gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB, d es mehrfachen Besitzes verbo- tener Pornografie zum Zwecke des Eigenkonsums nach Art. 1 97 Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB, des mehrfachen Konsums verbotener Pornografie gem äss Art. 197 Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB sowie des Zugänglichmachens verbotener Pornografie nach Art. 197 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 StGB schuldig erklärt. b) Der Beschuldigte bestreitet nicht das Vorhandensein ver botener Pornografie auf den bei ihm beschlagnahmen elektronischen Geräten, macht aber zur Begründung seiner Berufung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zusammengefasst geltend, es könne nicht ausgeschlossen werd en erstens, dass Familienmit- glieder von ihm die Dateien heruntergeladen bzw. Dri tten zugänglich gemacht hätten sowie zweitens, dass er gebrauchte Datenträger von einem Dritt en erworben habe, ohne zu wissen, dass sich verbotenes Material darauf befinde. Im Sinne e iner Eventualbegründung wird zudem der fehlende Vorsatz für das Zugänglichmachen des verboten en Materials geltend gemacht (vgl. oben E. 2.1.b ff.). c) Die Staatsanwaltschaft erachtet die Vorbringen des Be schuldigten unter Verweis auf das angefochtene Urteil als Schutzbehauptungen (vgl. oben E. 2.2.b). 4.2 a) Nach Art. 197 Abs. 4 StGB macht sich strafbar, wer Geg enstände oder Vorführungen im Sinne von Abs. 1 der Bestimmung, die sexuelle Handlunge n mit Tieren oder mit Gewalttätigkei- ten unter Erwachsenen oder tatsächliche sowie nicht tats ächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zum Inhalt haben, herstellt, einführt, lagert, in Verkehr bringt, anpreist, ausstellt, anbietet, zeigt, überlässt, zugänglich macht, erwirbt, sich über elektronische Mittel oder sonst wie beschafft oder besitzt. Als Gegenstände im Sinne von Art. 197 Abs. 1 StGB gelten insbe- sondere pornografische Schriften, Ton- oder Bildaufna hmen und Abbildungen. Der Begriff "tat- sächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen" betrifft sexuelle Handlungen unter Einbezug von realen minderjährigen Personen (BGer 6B_304/2021 vom 2. Juni 2022 E. 1.3.1; 1B_189/2018 vom 2. Mai 2018 E. 3.2, mit Hinweisen). Des Weiteren macht sich gemäss Art. 197 Abs. 5 StGB strafbar, wer Gegenstände oder Vorfüh- rungen im Sinne von Abs. 1 der Bestimmung, die sexuel le Handlungen mit Tieren oder mit Ge- walttätigkeiten unter Erwachsenen oder tatsächliche sowie nicht tatsächliche sexuelle Handlun- gen mit Minderjährigen zum Inhalt haben, konsumiert od er zum eigenen Konsum herstellt, ein- führt, lagert, erwirbt, sich über elektronische Mittel o der sonst wie beschafft oder besitzt. Als Gegenstände im Sinne von Art. 197 Abs. 1 StGB gelten wiederum insbesondere pornografische Schriften, Ton- oder Bildaufnahmen und Abbildungen. b) Hersteller von Pornografie mit Minderjährigen (oder anderer harter Pornografie) ist nicht nur, wer selber Kinder oder minderjährige Personen b ei sexuellen Handlungen fotografiert, sondern auch, wer solche Bilder auf irgendeine Art rep roduziert. Unter Herstellen ist "das ge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht samte von Menschen bewirkte Geschehen, das ein im Tatbest and umschriebenes Endprodukt hervorbringt, sei dies durch Verfassen oder Anfertigen, Verlegen, Drucken, Aufnehmen, Auf- zeichnen oder durch Vervielfältigen" zu verstehen (BGE 131 IV 16 E. 1.3). Nach der bundesge- richtlichen Rechtsprechung bildet auch das bewusste Herunt erladen von Daten aus dem Inter- net auf einen Datenträger ein Herstellen (BGE 133 IV 31 E. 6.2; 131 IV 64 E. 10.4; B ERNHARD ISENRING / MARTIN A. KESSLER , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, Basel 2019, N 51 zu Art. 197 StGB, mit Hinweisen). c) Besitz setzt primär auf der subjektiven Seite den Willen voraus, den pornografischen In- halt in der eigenen Verfügungsmacht zu behalten und darauf pro futuro wieder zuzugreifen. Praxisgemäss manifestiert seinen Besitzeswillen, wer um die automatische Speicherung der strafbaren pornografischen Daten weiss und diese im Nach gang an eine Internetsitzung nicht löscht, selbst wenn er nicht mehr darauf zugreift. Das be wusste Belassen von verbotenen por- nografischen Daten im Cache (temporäre Kopien) fällt somit unter den Tatbestand des Besit- zes. Eine Beschaffungshandlung ist nicht erforderlich. Str afbar macht sich auch derjenige, wel- cher zunächst unvorsätzlich in den Besitz von unerlaubtem pornografischem Material gelangt ist und dieses nach Kenntnisnahme seines Inhalts weiter aufbewahrt. Hinsichtlich der Speicherung mittels technischer Geräte wird erwartet, der Täter h abe Kenntnis um die Funktionsweise und den Inhalt der Speicherung (BGE 137 IV 208 E. 4.1; I SENRING / KESSLER , a.a.O., N 52l zu Art. 197 StGB, mit Hinweisen). d) Von einem strafbaren Konsum ist dann zu sprechen, wen n sich der Betrachter dadurch sexuell erregt bzw. wenn der visuelle Kontakt mit verbote ner Pornografie eine gewisse Intensi- tät aufweist. Wer harte Pornografie demgegenüber nur betrachtet, indem er im Internet surft und per Zufall darauf stösst, diese aber sofort "wegkli ckt", macht sich (wie übrigens auch in der Strafverfolgung tätige Personen) in objektiver Hinsich t nicht nach Art. 197 Abs. 5 StGB strafbar (ISENRING / KESSLER , a.a.O., N 52m zu Art. 197 StGB). e) Zugänglichmachen bedeutet das bewusste Einräumen der M öglichkeit der Kenntnisnah- me aus eigenem Antrieb (I SENRING / KESSLER , a.a.O., N 52i zu Art. 197 StGB). Lädt der Täter verbotene pornografische Bild- und Videodateien über Tauschbörsenprogramme herunter und lässt er diese zumindest vorübergehend im Eingangsordner, nimmt er in Kauf, sie Dritten zu- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gänglich zu machen (vgl. Urteil des Obergerichts Bern, III. Strafkammer, vom 31. März 2010 [SK 2009 64]). f) In subjektiver Hinsicht ist beim Täter Vorsatz gefordert , wobei Eventualvorsatz ausreicht. Dem subjektiven Erfordernis des Wissens des Täters ist Gen üge getan, wenn dieser den Tat- bestand so verstanden hat, wie es der landläufigen Ansch auung eines Laien entspricht (ISENRING / KESSLER , a.a.O., N 76 zu Art. 197 StGB, mit Hinweisen). Vor sätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Nach ständiger Rechtsprechung (vgl. zum Ganzen BGer 6B _304/2021 vom 2. Juni 2022 E. 1.3.2) ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfind et, mag er ihm auch unerwünscht sein. Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen schl iessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufgedrängt h at, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3, mit Hinweisen). Was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft soge- nannte innere Tatsachen und ist somit Tatfrage. Rechtsf rage ist hingegen, ob im Lichte der festgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz begründet ist (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3, mit Hinweisen). Da sich insoweit Tat- und Rechtsfragen t eilweise überschneiden können, hat das Sachgericht die in diesem Zusammenhang relevanten Tatsachen möglichst erschöpfend darzustellen, damit erkennbar wird, aus welchen Umstän den es auf Eventualvorsatz geschlos- sen hat. 4.3 a) In Bezug auf die Eruierung des rechtserheblichen Sac hverhalts ist in einem ersten Schritt festzuhalten, dass aufgrund der polizeilichen Ermittlun gen, insbesondere des Berichts der IT- Forensik vom 15. Mai 2020 (act. 167 ff.), zweifelsfrei erstellt ist, dass sich auf dem externen Datenträger "Maxtor" 123 kinderpornografische Videos, 13 tierpornografische Videos sowie drei gewaltpornografische Videos befunden haben. Auf einem weiteren externen Datenträger mit der Bezeichnung "Western Digital Elements" sind zudem dr ei zusätzliche kinderpornografische Videos sowie auf dem externen Datenträger "Lacie" 16 ti erpornografische Videos gespeichert gewesen (act. 67 ff.). Unbestritten ist in diesem Zusamm enhang, dass die entsprechenden Da- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht tenträger im Rahmen der Hausdurchsuchung beim Beschul digten am 6. Juni 2019 sicherge- stellt und beschlagnahmt worden sind (act. 87 ff.). Eb enfalls nicht in Frage steht, dass die kin- derpornografischen Videos tatsächliche sexuelle Handlunge n zum Gegenstand haben und die gezeigten Betroffenen offensichtlich deutlich unter 16 Jahren sind sowie dass die tierpornografi- schen Videos tatsächliche sexuelle Handlungen mit lebenden Tieren zum Inhalt haben. b) Bestritten wird vom Beschuldigten sodann lediglich, m it den Videodateien etwas zu tun zu haben. Diesbezüglich hat allerdings bereits die Vorin stanz zu Recht erwogen (vgl. E. II.4. S. 7 ff.), dass in einer Gesamtschau keine ernsthaften Zw eifel am Vorliegen des Anklage- sachverhaltes bestehen. Massgeblich hierfür sind die folg enden Feststellungen: Auffällig ist zunächst, dass auf dem externen Datenträger "Maxtor" die Videos in einer geordneten Ver- zeichnisstruktur abgespeichert sind, welche spezifizierende Elemente wie "mature" oder "bu- eno" enthält. Die Anlegung eines solchen Verzeichnisses – so stellt es auch die IT-Forensik fest (act. 203 f.) – kann nicht automatisch durch das Herunt erladen der Dateien mittels des Pro- grammes "eMule" erfolgen. Weiter sind auch auf dem Da tenträger "Western Digital Elements" die kinderpornografischen Videos, welche laut IT-Forensik zwischen dem 24. Februar 2019 und dem 30. Mai 2019 auf den Datenträger kopiert worden sind (act. 261.1 f.), in Ordnern mit Be- zeichnungen wie "puta locura" abgespeichert worden (act. 183). Die verbotenen Dateien haben sich zudem gerade nicht mehr im "eMule"-Standard-Downl oadordner befunden, was bei einem automatischen Download jedoch anzunehmen wäre (act. 20 3 f.). Aufgrund der überwiegend spanischen Bezeichnungen der Verzeichnisordner ist es über dies sehr naheliegend, dass eine Spanisch sprechende Person, also der Beschuldigte selbst, und nicht ein üblicherweise in eng- lischer Sprache generiertes Computer-Programm diese Kategorisierung vorgenommen hat. Für ein bewusstes Suchen, Herunterladen und Konsumieren ver botener Pornografie durch den Be- schuldigten spricht auch der auf seinem PC "HP" gefundene und in Pädophilenkreisen gerichts- notorisch oft verwendete Suchbegriff "B.____", mit desse n Hilfe mindestens einmal aktiv nach kinderpornografischem Material gesucht worden ist (act. 193). Dass der Beschuldigte offenbar eine Vorliebe für sehr junge Frauen bzw. Mädchen hat, wiederspiegelt sich auch in seinen Suchbegriffen bei legalen Pornoportalen, auf welchen er mit seinem Tablet "Apple iPad 9.7" nach Begriffen wie "hot teen", "pretty amateur school girl", "old man fucks sweet teen girl" oder "Teen stepsis' Charity" gesucht hat (act. 111 f.). Wenngl eich es sich hierbei nicht zwingend um verbotene Pornografie handeln muss, unterstreichen die se Sucheingaben zumindest, dass der Beschuldigte von sich aus nach pornografischen Darstellu ngen von sehr jungen Frauen ge- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht sucht hat. Ferner spricht für eine bewusste und direkte Auseinandersetzung des Beschuldigten mit den kinderpornografischen Inhalten, dass gemäss dem B ericht der IT-Forensik mindestens ein Video auf einem externen Datenträger auch aktiv in andere Videoformate umgewandelt worden ist (act. 179). Diese Feststellung widerlegt zugleich die Behauptung, computertechnisch nicht sehr bewandert zu sein, da für die Umwandlung eines Videos in ein anderes Format mehr als simple Grundkenntnisse erforderlich sind. Dass der Beschuldigte deutlich mehr über compu- tertechnische Vorgänge versteht als vorgegeben, zeigt sich überdies in seinen "eMule"- Suchbegriffen. Danach hat er beispielsweise explizit na ch Videos von legalen Pornoseiten in hoher Auflösung ("Mature.nl 1080p" oder "Mature.nl H D") gesucht (vgl. act. 261). Abgesehen hiervon zeigen die detaillierten Ausführungen der IT -Forensik bezüglich "eMule", dass dessen Funktionsweise selbst für Laien sehr einfach verständlich i st (act. 195 f.). Schliesslich ist zu be- rücksichtigen, dass auf den Gerätschaften nicht lediglich ein paar wenige Videos abgespeichert worden sind, welche zudem aufgrund ihrer Kürze kaum auf fallen würden. Vielmehr handelt es sich insgesamt um rund 160 Videodateien auf drei verschied enen externen Datenträgern, von denen einige Dutzend über 20 Minuten lang sind (vgl. a ct. 237). Eine solche Anzahl von Videos in der entsprechenden Länge, abgelegt in Verzeichnissen mit spezifischen spanischen Be- zeichnungen, hätten indes dem Beschuldigten, welcher die fraglichen Datenträger gemäss ei- gener Aussage regelmässig zur Speicherung von Bankdaten, legaler Musik oder Filmen genutzt hat (act. 291, 297), zweifellos auffallen müssen. c) Die vom Beschuldigten im Rahmen des Berufungsverfahrens erhobenen Einwände, wo- nach andere Familienmitglieder ‒ namentlich seine Tochter oder sein Schwiegersohn ‒ die in- kriminierten Taten begangen haben könnten sowie dass si ch die strafbaren Videodateien be- reits auf den gebraucht gekauften Datenträgern befunden hätten, sind nicht geeignet, an dieser Beweislage etwas zu ändern. Schon aufgrund der Tatsach e, dass die Videodateien samt und sonders auf Geräten gefunden worden sind, welche sich im Besitz des allein in der Schweiz lebenden Beschuldigten befunden haben, besteht die na türliche Vermutung, dass diese ihm zuzurechnen sind. Dies gilt umso mehr, als die betreffend en Dateien auf drei verschiedenen externen Datenträgern sichergestellt worden sind. Es er scheint den Regeln der Wahrschein- lichkeit folgend als nahezu ausgeschlossen, dass eine and ere Person gleich auf drei dem Be- schuldigten gehörenden Geräten solche Dateien in struktur ierten Ordnern und Verzeichnissen soll abgespeichert haben, ohne dass dieser hiervon etwas mitbekommen haben will. Zudem erscheint per se nicht ersichtlich, weshalb eine andere P erson überhaupt drei verschiedene Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht externe Datenträger des Beschuldigten benutzt haben sol l. Soweit tatsächlich eine Drittperson allenfalls Geräte des Beschuldigten benutzt hätte, was a ngesichts der Verbreitung von Smart- phones in der heutigen Gesellschaft ‒ insbesondere bei jungen Menschen ‒ wenig wahrschein- lich ist, hätte es sich hierbei wohl viel mehr um einen Computer gehandelt, und die Dateien wä- ren dann aller Voraussicht nach auf dessen Festplatte zu finden gewesen und nicht auf exter- nen Datenträgern. Auch würde es für eine Drittperson vo n vornherein wenig Sinn machen, die Dateien auf externen Datenträgern zu speichern, welch e sich im Besitz des Beschuldigten be- finden, weil dann diese Person mangels der Möglichkeit , auf die fraglichen Videos Zugriff zu haben, überhaupt keinen Nutzen hiervon hätte. Ausserdem ist zu beachten, dass die überwie- gende Anzahl der kinderpornografischen Videodateien t atsächliche sexuelle Handlungen zwi- schen erwachsenen Männern und Mädchen vor der Pubertät darstellen. Gestützt auf die allge- meine Lebenserfahrung ist es als lebensfremd zu bezeichnen, dass hierdurch das sexuelle Inte- resse einer Person weiblichen Geschlechts geweckt werden könnte. In Bezug auf die Behauptung, wonach sich die strafbare n Videodateien bereits auf den ge- braucht gekauften externen Datenträgern befunden hätten, ist zu konstatieren, dass diese Aus- sage erstmals anlässlich der erstinstanzlichen Verhandlung vo rgebracht worden ist. Hierbei handelt es sich allerdings um einen zentralen Aspekt, weshalb zu erwarten gewesen wäre, dass dieser frühestmöglich vorgebracht worden wäre, zumal sich der Beschuldigte einlässlich zu den Vorwürfen hat vernehmen lassen. Abgesehen davon existiere n keine objektivierten Hinweise, welche ‒ namentlich unter Berücksichtigung der vorgängig unter lit. b aufgelisteten belastenden Indizien ‒ für die Richtigkeit dieser Behauptung sprechen würden. Die mit der Berufungsbe- gründung vom 24. September 2021 dem Gericht zur Kenntn is gebrachte Kopie einer angebli- chen Kaufquittung betreffend die externen Datenträger "Maxtor" und "Lacie" kann auf keine Weise verifiziert werden und hat infolgedessen keinerlei Aussagekraft bzw. Beweiswert. Immer- hin ist diesbezüglich anzumerken, dass der Beschuldig te angegeben hat, die externen Daten- träger via Internet gekauft zu haben (act. S 85), wof ür üblicherweise elektronische und nicht handschriftlichen Quittungen wie vom Beschuldigten einge reicht ausgestellt werden. Überdies erscheint es wiederum als äusserst unwahrscheinlich, dass sich gleich auf zwei gebraucht ge- kauften externen Datenträgern verbotene Pornografie befunden haben soll, ohne dass dies dem Beschuldigten aufgefallen wäre. Hinzu kommt, dass se lbst wenn diese Behauptung wahr sein sollte, immer noch nicht geklärt wäre, wie denn d ie verbotene Pornografie ohne Zutun des Beschuldigten auf den dritten externen Datenträger g elangt ist. Im Ergebnis vermögen daher Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Vorbringen des Beschuldigten bloss abstrakte bzw. theo retische und damit nicht massgebli- che Zweifel am Anklagesachverhalt zu begründen. Im Hinblick auf die als Eventualbegründung vorgebrachte Behauptung des fehlenden Vorsatzes für das Zugänglichmachen des verbotenen Materials schli esslich ist zu erwägen, dass auch ohne vertiefte Anwenderkenntnisse zu haben bereits die Bezeichnung des Programmes "eMule" als "Filesharing-Client" auf dessen Zweck als Tau schbörse hinweist. Ausserdem wird auf der entsprechenden Homepage, welche notabene auc h in Spanisch ‒ der Muttersprache des Beschuldigten ‒ abgerufen werden kann, zweifelsfrei über die Funktion sweise aufgeklärt. Dass der Beschuldigte überdies zumindest grundlegende engl ische Wörter kennt, erhellt die Tatsache, wonach er auf seinem Tablet zahlreiche engli sche Suchbegriffe (siehe oben lit. b) eingegeben hat. Sodann hat der Beschuldigte in seiner Einvernahme vom 7. Oktober 2020 zu Protokoll gegeben, er kenne sich zwar technisch nicht mit dem Programm aus, aber er habe gemerkt, dass dieses etwas hochlade, wenn er etwas herun terlade. So wie er das verstehe, lade "eMule" automatisch das Gleiche hoch, was er heru nterlade (act. 303). Gestützt hierauf muss vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte zumindest in Kauf genommen hat, die von ihm heruntergeladenen Dateien Dritten zur Verfügung zu stellen. Nach diesen Erwägungen ist der inkriminierte Sachverhalt au ch unter Beachtung der Maxime "in du- bio pro reo" ohne Weiteres als erstellt zu erachten. 4.4 Gestützt auf den angeklagten Sachverhalt ergibt sich nachfolgende rechtliche Subsumption: a) Herstellen: Indem der Beschuldigte erstens in der Zeit vom 3. Juni 2017 bis zum 30. November 2017 in Y.____ sowie in der Zeit vom 1 . Oktober 2017 bis zum 18. Mai 2019 in Z.____ auf den externen Datenträger "Maxtor" 123 kind erpornografische Videos, 13 tierporno- grafische Videos sowie drei gewaltpornografische Videos und zweitens in der Zeit vom 24. Feb- ruar 2019 bis zum 5. Mai 2019 in Z.____ auf den exte rnen Datenträger mit der Bezeichnung "Western Digital Elements" drei weitere kinderpornografische Videos aus dem Internet oder von anderen Speichermedien heruntergeladen und diese in d er Folge in seinem eigens hierfür an- gelegten Verzeichnis abgespeichert hat, hat er sich in Nachachtung der vorgängig zitierten Pra- xis und Lehre ‒ zumal angesichts des strukturierten Vorgehens eine (dir ekt)vorsätzliche Hand- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht lungsweise ausser Frage steht ‒ der mehrfachen Herstellung verbotener Pornografie zum Ei- genkonsum gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB schuldig gemacht. b) Besitzen: Angesichts der Tatsache, wonach der Beschuldigt e zum Zeitpunkt der Haus- durchsuchung am 6. Juni 2019 erstens auf dem externen Da tenträger "Maxtor" 123 kinderpor- nografische Videos, 13 tierpornografische Videos und dr ei gewaltpornografische Videos sowie auf dem externen Datenträger "Western Digital Elements" drei kinderpornografische Videos und zweitens auf dem externen Datenträger "Lacie" weitere 1 6 tierpornografische Videos in geord- neten Verzeichnissen gespeichert hat, ist er des mehrfach en (direkt)vorsätzlichen Besitzes ver- botener Pornografie zum Eigenkonsum gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB schul- dig zu erklären. c) Konsumieren: Aufgrund des Umstandes, wonach der Beschu ldigte rund 160 kinderporno- grafische, tierpornografische und gewaltpornografische Videos abgelegt auf drei verschiedenen externen Datenträgern in jeweils spezifisch bezeichneten Verzeichnissen hergestellt und be- sessen hat, steht ohne jeden Zweifel fest, dass er die ve rbotene Pornografie nicht nur zufolge eines zufälligen Entdeckens im Internet betrachtet, sond ern diese im Sinne des Gesetzes wie- derholt konsumiert hat, womit er des mehrfachen (direkt )vorsätzlichen Konsums verbotener Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB schuldig zu erklären ist. d) Zugänglichmachen: Ferner steht fest, dass der Beschuldigt e in der Zeit vom 5. März 2019 bis zum 3. April 2019 in Z.____ sechs auf dem externen D atenträger "Maxtor" gespeicherte Dateien, beinhaltend tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen, via das Programm "eMule" unbekannten Dritten zugänglich gemacht hat, in dem er die betreffenden Videos herun- tergeladen und zufolge der systemimmanenten Funktion des Programmes als Tauschbörse den anderen Personen sogleich zur Verfügung gestellt hat. Im Lichte der festgestellten Tatsachen, wonach es sich beim Programm "eMule" um eine Tauschbörse handelt, die Anwendersprache auf Spanisch einstellbar ist und dem Beschuldigten bewusst gewesen ist, dass automatisch das Gleiche hochgeladen worden ist, was er jeweils herunte rgeladen hat, ist der Schluss auf eine eventualvorsätzliche Tatbegehung ohne Weiteres begründet. Folglich ist der Beschuldigte auch des (eventual)vorsätzlichen Zugänglichmachens verbotener Po rnografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 StGB schuldig zu erklären. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht e) Nach diesen Erwägungen ist der Beschuldigte in Abweisu ng seiner diesbezüglichen Beru- fung und demzufolge in Bestätigung des angefochtenen Urteils der mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 StGB sowie Ar t. 197 Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB schuldig zu sprechen. 5. Strafzumessung 5.1 Theoretische Erwägungen a) Das Berufungsgericht fällt ‒ soweit es auf das Rechtsmittel eintritt ‒ ein neues Urteil, wel- ches das erstinstanzliche ersetzt (Art. 408 StPO; BGE 143 IV 408 E. 6.1; 142 IV 89 E. 2.1; BGer 6B_848/2020 vom 3. Dezember 2020 E. 2.2). Ange sichts der Natur der Berufung als re- formatorisches Rechtsmittel hat das Kantonsgericht eine eigene Strafe festzusetzen und nach- vollziehbar zu begründen. Nach der Praxis des Bundesgerich ts kann es sich nicht mit einer Überprüfung der erstinstanzlichen Strafzumessungserwägu ngen anhand der Einwände des Beschwerdeführers begnügen (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3). Die Möglichkeit, im Rechtsmittelver- fahren auf die Begründung der Erstinstanz zu verweisen, ändert daran nichts (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3; BGer 6B_848/2020 vom 3. Dezember 2020 E. 2. 2; 6B_502/2019 vom 27. Februar 2020 E. 3.3.1 und 3.4; 6B_798/2020 vom 16. September 2020 E. 2; je mit Hinweisen). b) Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe innerha lb des massgebenden Strafrah- mens nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönli- chen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Le ben des Täters (Abs. 1). Das Ver- schulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefäh rdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründe n und Zielen des Täters sowie da- nach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage ge- wesen ist, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Abs. 2). c) Das Gericht bewertet das Verschulden ausgehend von der objektiven Tatschwere. Diese ist zunächst danach zu bestimmen, wie stark das betroffen e Rechtsgut beeinträchtigt worden ist. Dabei sind das Ausmass des Erfolgs, die Gefährdung, d as Risiko sowie die Art und Weise des Tatvorgehens zu berücksichtigen. Von Bedeutung sind auch die Intensität der durch die Tat Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Tatausführung offenbarten kriminellen Energie sow ie die Grösse des Tatbeitrags bei meh- reren Tätern und die hierarchische Stellung (H ANS WIPRÄCHTIGER / STEFAN KELLER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 91 ff. zu Art 47 StGB). Bei der Beurteilung der subjektiven Tatschwere bilden namentlich die Bewegg ründe und Ziele des Täters, der bei der Tat aufgewendete Wille, das Motiv sowie das Mass an E ntscheidungsfreiheit massgebende Strafzumessungskriterien (WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 115 ff. zu Art. 47 StGB). Das Ge- richt hat die objektive Tatschwere zu bewerten und in den Urteilserwägungen anzugeben, ob diese aufgrund der Beurteilung der subjektiven Tatschwere reduziert, bestätigt oder erhöht wer- den soll. Dabei muss es gemäss Art. 50 StGB festhalten , welche die für die Strafzumessung erheblichen Umstände sind und wie es diese gewichtet. Hi erzu muss das Gericht in seinem Urteil darlegen, welche verschuldensmindernden und wel che verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteins chätzung des Tatverschuldens zu gelangen (BGE 144 IV 313 E. 1.2; 136 IV 55 E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht auf Umstände ausdrücklich eingehen, die es – ohne dass die s ermessensverletzend wäre – bei der Strafzumessung als nicht massgebend oder nur von ge ringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007 E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 144 IV 313 E. 1.2; 136 IV 55 E. 5.6). Allerdings muss das Gericht das Gesamtverschulden qua- lifizieren und die Gesamteinschätzung des Tatverschuldens im Urteil ausdrücklich benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schwe regrad auszugehen ist (sehr leicht, leicht, nicht mehr leicht, mittelschwer, schwer, sehr schw er). Im Übrigen betont das Bundesge- richt in seiner Rechtsprechung, dass die Formulierung des Verschuldens und die Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen müsse n (BGer 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.1; 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 4.2 f.). d) In einem zweiten Schritt ist die (hypothetische) Strafe , die diesem Verschulden entspricht, innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens zu b estimmen. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt aufg rund wesentlicher Täterkomponenten, d.h. tatunabhängiger Strafzumessungsfaktoren, erhöht oder reduziert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7; 134 IV 132 E. 6.1). Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht e) Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen di e Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB zu der Stra- fe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhö hen. Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden. Die Vorschrift von Art. 49 Abs. 1 StGB legt somit die Rechtsfolgen fest, die einen Täter treffen, der denselben Straftatbestand mehrfach oder mehre- re verschiedene Straftatbestände verletzt hat. Die Vorschr ift regelt das methodische Vorgehen der Strafzumessung im Konkurrenzfall aber nur rudiment är; ihr selbst lässt sich nicht entneh- men, wann die Voraussetzungen gleichartiger Strafen erfüllt sind, was die schwerste Straftat ist und wie diese zu ermitteln und erhöhen ist (BGE 144 IV 217 E. 3.2). f) Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Geldstrafe und Freiheitstrafe sind kei ne gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Ungleichartige Strafen sind kumul ativ zu verhängen. Das Gericht kann auf eine Gesamtfreiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkre ten Fall für jeden einzelnen Norm- verstoss eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (sogenannt e konkrete Methode). Dass die anzu- wendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Stra fen vorsehen, genügt nicht (BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; 144 IV 217 E. 2.2; 142 IV 265 E. 2 .3.2; 138 IV 120 E. 5.2; BGer 6B_112/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 3.2). g) Bei der Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist in einem ersten Schritt anhand der abstrakten Strafdrohung des Gesetzes der Str afrahmen für die schwerste Straftat zu ermitteln. Sind mehrere Straftatbestände mit gleich em Strafrahmen zu beurteilen, ist von derjenigen Straftat auszugehen, die im konkreten Fall die höchste Strafe nach sich zieht (H ANS MATHYS , Leitfaden Strafzumessung, 2. Auflage, Basel 2019, N 485). Die tat- und täterange- messene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlich en Strafrahmens der (schwersten) anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Dieser Rahme n ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen konkreten U mständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer auch in der Praxis verbreiteten Auffass ung wird der ordentliche Strafrahmen durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den üb lichen Zumessungskriterien festzuset- zen wäre. Der ordentliche Rahmen ist nur zu verlassen, wen n aussergewöhnliche Umstände Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart oder zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). h) In einem zweiten Schritt hat das Gericht die Einsatzstr afe für die schwerste Tat innerhalb des betreffenden gesetzlichen Strafrahmens nach der ob jektiven und subjektiven Tatschwere bzw. den Tatkomponenten festzusetzen (BGE 144 IV 313 E. 1.1.2; 127 IV 101 E. 2b). Dabei hat das Gericht eine vorläufige Gesamteinschätzung im Sinne einer hypothetischen Einsatzstrafe vorzunehmen, wobei das Verschulden im Rahmen einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad (sehr leicht, leicht, nicht mehr leicht, m ittelschwer, schwer, sehr schwer) zu be- stimmen und in der Begründung des Urteils zu nennen ist (BGE 136 IV 55 E. 5.7). i) In einem dritten Schritt sind die übrigen Delikte – w iederum anhand der Tatschwere bzw. den Tatkomponenten entsprechend den vorstehenden Ausfü hrungen – zu beurteilen, wobei für jede zusätzliche Straftat, derentwegen der Beschuldigte verurteilt wird, unter Berücksichtigung des jeweiligen Verschuldens eine hypothetische Einzelstrafe zu ermitteln ist. Mithin sind für jede (zusätzliche) konkrete Tat die angemessene Strafhöhe sowi e die passende Strafart zu bestim- men (BGE 144 IV 217 E. 4.1 und E. 4.3; 144 IV 313 E 1.1.1 und E. 1.4; BGer 6B_59/2020 vom 30. November 2020 E. 4.4; 6B_1071/2019 vom 5. Novemb er 2020 E. 3.3.2). Anschliessend ist zu prüfen, aus welchen der festgelegten Einzelstrafen e ine Gesamtstrafe zu bilden ist bzw. Ge- samtstrafen zu bilden sind. Soweit für mehrere zu beurte ilende Straftaten jeweils gleichartige Strafen als angemessen erscheinen, ist unter Berücksichtigu ng des Asperationsprinzips eine hypothetische Gesamtstrafe für sämtliche dieser Delikte festzulegen (Art. 49 Abs. 1 StGB; BGE 144 IV 217 E. 4.1 und E. 4.3; 144 IV 313 E. 1.4; BG er 6B_59/2020 vom 30. November 2020 E. 4.4). Bei der Bemessung der Gesamtstrafe müssen die e inzelnen Straftaten innerhalb des (allenfalls erweiterten) Strafrahmens gesamthaft gewü rdigt werden. Dabei sind namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbstständigkeit sowie die Gleichheit oder Verschiedenh eit der verletzten Rechtsgüter und die Begehungsweisen zu berücksichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Deliktes wird dabei geringer zu veranschlagen sein, wenn die Delikte z eitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammenhang stehen (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4; B Ger 6B_523/2018 vom 23. August 2018 E. 1.2.2). Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht j) Die einzelnen Tathandlungen müssen vor der Bildung ein er allfälligen Gesamtstrafe in einem selbstständigen Schritt vorab gewürdigt werden ( BGer 6B_998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.4). Die enge Verknüpfung der einzelnen D elikte entbindet nicht von dieser Vorge- hensweise (BGer 6B_619/2019 vom 11. März 2020 E. 3.4). Wenngleich bei der Bemessung der hypothetischen Gesamtstrafe die einzelnen Straftaten in einem selbstständigen Schritt gewür- digt werden müssen, ist bei Vorliegen einer Tatserie eine punktuelle Kategorisierung gleichge- lagerter Delikte (z.B. nach Schadenshöhe oder Tatvorgeh en) nicht ausgeschlossen. Sie hat sich aber immer am Mass des der konkreten Tat immanenten Verschuldens zu orientieren. Eine gemeinsame Bewertung unterschiedlicher Taten widersprich t der Gesamtstrafenbildung nach dem Asperationsprinzip (BGer 6B_998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.4). k) Gelangt das Gericht nach der sogenannten konkreten M ethode im Rahmen der Strafzu- messung bei der Festsetzung selbstständiger Einzelstrafen für den einzelnen Gesetzesverstoss auf 180 Strafeinheiten (bzw. bis zum 31. Dezember 2017 360 Strafeinheiten) oder weniger, ist ausser einer Freiheitsstrafe auch die Ausfällung einer Geldstrafe möglich (Art. 34 Abs. 1 StGB). Mit der Bestimmung von Art. 41 StGB hat der Gesetzgebe r für Strafen unter sechs Monaten eine gesetzliche Prioritätsordnung zu Gunsten nicht freiheitsentziehender Sanktionen eingeführt (GORAN MAZZUCCHELLI , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Ba sel 2019, N 36a zu Art. 41 StGB, mit Hinweisen; BGE 137 IV 312 E. 2.4; 134 IV 97 E. 4.2.2; 134 IV 82 E. 4.1). So kann das Gericht statt auf eine Geldstrafe auf eine Fre iheitsstrafe nur erkennen, wenn eine sol- che geboten erscheint, um den Täter von der Begehung we iterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten, oder wenn eine Geldstrafe voraussichtlich n icht vollzogen werden kann (Art. 41 Abs. 1 lit. a und lit. b StGB). Mithin ist die Wahl d er Freiheitsstrafe anstelle einer Geldstrafe nä- her zu begründen (Art. 41 Abs. 2 StGB). Vorbehalten bleibt die Freiheitsstrafe anstelle einer nicht bezahlten Geldstrafe (Art. 41 Abs. 3 StGB). Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtigs- tes Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2; 134 IV 82 E. 4.1). l) Nach der Festlegung der hypothetischen Gesamtstrafe(n) für sämtliche Delikte sind schliesslich die Täterkomponenten zu berücksichtigen. Bei de r Bestimmung der Täterkompo- nenten kann es sich rechtfertigen, die einzelnen Aspekte g esamthaft für sämtliche begangenen Taten zu würdigen, sofern diese für alle Delikte in gl eicher oder vergleichbarer Weise Geltung Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht beanspruchen (BGer 6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.6.1; 6B_496/2011 vom 19. November 2021 E. 4.2). Die Täterkomponenten umfa ssen die persönlichen Verhältnisse und das Vorleben, insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren, insbesondere Reue und Einsicht oder ein Geständnis (WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 92 ff. zu Art. 47 StGB). m) Gestützt auf Art. 42 Abs. 4 StGB kann eine bedingte St rafe mit einer unbedingten Geld- strafe oder mit einer Busse nach Art. 106 StGB verbunde n werden. Die Bestimmung dient in erster Linie dazu, die sogenannte Schnittstellenproblem atik zwischen der unbedingten Busse für Übertretungen und der bedingten Geldstrafe für Vergehen zu entschärfen (R OLAND M. SCHNEIDER / ROY GARRÉ , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Bas el 2019, N 102 zu Art. 42 StGB, mit Hinweisen). Das Bundesgericht hat sich in zwei Grundsatzentscheiden zu den Verbindungsstrafen nach Art. 42 Abs. 4 StGB geäussert (B GE 134 IV 1 und 134 IV 60). Diese kommen insbesondere in Betracht, wenn man dem Täter den bedingten Vollzug einer Geld- oder Freiheitsstrafe gewähren möchte, ihm aber dennoch in gewissen Fällen mit der Auferle- gung einer zu bezahlenden Geldstrafe oder Busse einen spürbaren Denkzettel verabreichen will. Die Strafenkombination dient hier spezialpräve ntiven Zwecken. Das Hauptgewicht liegt auf der bedingten Freiheits- oder Geldstrafe, während der unbedingten Verbindungsstrafe nur un- tergeordnete Bedeutung zukommt. Dies ergibt sich aus d er systematischen Einordnung von Art. 42 Abs. 4 StGB, welche die unbedingte Verbindun gsstrafe als bloss akzessorische Strafe ausweist. Die Verbindungsstrafe soll nicht zu einer Stra ferhöhung führen oder eine zusätzliche Strafe ermöglichen, sie erlaubt lediglich innerhalb de r schuldangemessenen Strafe eine täter- und tatangemessene Sanktion, wobei die an sich verwirkte Geldstrafe und die damit verbunde- ne Busse in ihrer Summe schuldangemessen sein müssen. Di e Frage, wie hoch eine Verbin- dungsstrafe im Regelfall maximal angesetzt werden darf, damit dieser noch untergeordnete Bedeutung im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB beigemessen werden kann, ist weder in der Bot- schaft noch in den parlamentarischen Beratungen themati siert worden, und auch in der Lehre finden sich insoweit keine näheren Angaben. Um dem akzessor ischen Charakter der Verbin- dungsstrafe gerecht zu werden, erscheint es sachgerecht, di e Obergrenze grundsätzlich auf einen Fünftel bzw. 20 Prozent festzulegen. Abweichungen von dieser Regel sind im Bereich tiefer Strafen denkbar, um sicherzustellen, dass der V erbindungsstrafe nicht eine lediglich sym- bolische Bedeutung zukommt (BGE 135 IV 188 E. 3.3 ff.). Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Konkrete Erwägungen a) Hinsichtlich der konkreten Strafzumessung bringt der Besc huldigte vor, dass das ange- fochtene Urteil zu streng ausgefallen sei und die Prio rität der Geldstrafe gegenüber der Frei- heitsstrafe verletze. Seiner Ansicht nach sei angesichts der relativ geringen Menge von strafba- ren Dateien und des fehlenden direkten Vorsatzes bei d er Tatbegehung eine (bedingte) Geld- strafe von dreieinhalb Monaten in Verbindung mit eine r Busse von CHF 900.-- angemessen. Demgegenüber begehrt die Staatsanwaltschaft implizit eine Bestätigung des erstinstanzlichen Entscheids. b) In casu ist zu konstatieren, dass der Beschuldigte im vorlie genden Verfahren der mehrfa- chen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 sowie Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB schuldig erklärt wird. Die Deliktsmehrheit gemäss Ar t. 49 Abs. 1 StGB führt zwar nicht zu einer Erhöhung des Strafrahmens, ist aber innerhalb d es ordentlichen Rahmens strafschärfend zu gewichten. c) Den Vorgaben des Bundesgerichts folgend hat das Kanton sgericht zunächst den Straf- rahmen nach der abstrakt schwerwiegendsten Straftat zu be stimmen. Vorliegend weist der Tat- bestand des Zugänglichmachens verbotener Pornografie be inhaltend tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 StGB nach Ziff. III der Anklageschrift den höchsten abstrakten Strafrahmen ‒ Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe ‒ auf, weshalb für diese Straftat eine Einsatzstrafe festzusetzen ist. d) Bei der Festlegung der Einsatzstrafe für den Tatbesta nd der Pornografie gemäss Ziff. III der Anklageschrift ist zunächst zu erwägen, dass der Beschu ldigte mit seinem Verhalten eine Industrie fördert, die auf den Missbrauch von Minderjäh rigen ausgerichtet ist. Bei jeder der vor- liegend zu beurteilenden Videodatei wird eine minder jährige Person in gröbster Weise in ihren Rechtsgütern der sexuellen Integrität und Selbstbestimm ung betroffen, da in den inkriminierten Aufnahmen vornehmlich tatsächlicher sexueller Missbrauch von erwachsenen Männern an klei- nen Mädchen gezeigt wird. Solche Verhaltensweisen sind offensichtlich mit grossen physischen und psychischen Qualen verbunden und führen gerichtsnoto risch zu bleibenden Schäden bei den Opfern. Der besonderen Verwerflichkeit der auf d en Dateien festgehaltenen Handlungen wird denn auch durch das Bestehen der in casu anwendbar en Norm sowie des im Vergleich zu Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht anderen strafbaren Handlungen gegen die sexuelle Integrität erhöhten abstrakten Strafrahmens Rechnung getragen. Allerdings sind diese Feststellungen dem betreffenden Tatbestand bereits immanent, oder mit anderen Worten, wenn es nicht darum ginge, die Verbreitung von Abbildun- gen besonders verabscheuungswürdigem sexuellen Missbrauch zu verhindern, würde es den in concreto massgeblichen Tatbestand von vornherein nicht geb en. Insofern können dem Be- schuldigten diese Überlegungen im Rahmen der Strafzume ssung nicht verschuldenserhöhend zum Nachteil gereichen. Zu dessen Ungunsten ist deshalb auf der Seite der objektiven Tatkom- ponenten ausschliesslich zu würdigen, dass die inkriminiert en Dateien schweren sexuellen Missbrauch in Form von oralem, vaginalem und analem Geschlechtsverkehr mit Opfern, welche deutlich jünger als 16 Jahre alt sind, zeigen. Zu Gunste n des Beschuldigten zu berücksichtigen ist, dass ihm eine verhältnismässig tiefe Anzahl von sechs V ideodateien zur Last zu legen ist. Auf Grund dieser Umstände stuft das Kantonsgericht die objektive Tatschwere als noch leicht ein. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten bloss ei n eventualvorsätzliches Handeln an- zulasten, was minimal entlastend zu werten ist. Im Ergebnis vermag die subjektive Schwere der Tat das objektive Tatverschulden in geringem Umfang zu r elativieren. Gestützt auf diese Erwä- gungen ist das Verschulden des Berufungsklägers bezüglich des Tatbestandes der Pornografie gemäss Ziff. III der Anklageschrift als leicht einzustufe n, was unter Beachtung des abstrakten Strafrahmens zu einer Einsatzstrafe von 120 Strafeinhei ten führt. In Bezug auf die Wahl der Sanktionsart ist zu konstatieren, dass hinsichtlich der vorli egend zu beurteilenden Tathandlung unter Berücksichtigung der Zweckmässigkeiten von Freiheits- und Geldstrafe und der damit verbundenen präventiven Effizienz auf den Täter angesicht s der Vorstrafenlosigkeit des Be- schuldigten kein Grund ersichtlich ist, von der prioritär anzuordnenden Geldstrafe abzuweichen. Dies gilt aufgrund des äusserst engen Zusammenhangs aller Tathandlungen untereinander nachfolgend für sämtliche Delikte. Nicht zu folgen ist in diesem Zusammenhang der Vorinstanz, wonach zufolge des fehlenden Geständnisses eine Geldstr afe aus spezialpräventiven Ge- sichtspunkten verfehlt sei. Würde man diese Argumentation zum Massstab nehmen, würde dies eine Abkehr von der Prioritätsordnung zu Gunsten nicht freiheitsentziehender Sanktionen bei nicht geständigen Tätern zur Folge haben, was ein eklat anter Verstoss gegen den Grundsatz der Unschuldsvermutung bzw. den Anspruch auf ein faires Ve rfahren darstellen würde (vgl. unten E. 6.3). Im Resultat ist damit eine hypothetisch e Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen Geldstrafe festzusetzen. Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht e) Bei der Ermittlung der Einzelstrafen für die mehrfa che Pornografie gemäss den Ziff. I und II der Anklageschrift ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die zu bewertenden Tathandlungen in einem derart engen Konnex zueinander stehen, dass ei ne sinnvolle Einzelfallbetrachtung als nicht praktikabel erscheint und sich vielmehr im Sinne einer Tatserie in Anwendung von Art. 197 Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB eine einheitliche Beurte ilung aufdrängt, da es in concreto um immer die gleichen Videodateien geht, welche der Besc huldigte zwecks Konsums herunterge- laden und gespeichert hat. Bei der Ermittlung der j eweiligen Strafeinheiten ist auf der Seite der objektiven Tatkomponenten zu Lasten des Beschuldigten zu berücksichtigen, dass dieser mehr- fach ‒ im Umfang von rund 160 Dateien ‒ Videos hergestellt (d.h. zwecks Konsums herunterge- laden), besessen (d.h. zwecks Konsums gespeichert) und in d er Folge konsumiert hat, welche sexuelle Handlungen mit Tieren, sexuelle Handlungen mit Gewalttätigkeiten unter Erwachsenen sowie tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährig en beinhaltet haben. Dabei hat der Grossteil der verbotenen Pornografie ‒ nämlich 126 Dateien ‒ die letztgenannte Kategorie be- troffen, welche nach Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB mit einer abstrakten Sanktion von Geldstrafe bis zu Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren bedroht ist (im Gegensatz zu den anderen bei- den Kategorien, die als abstrakten Strafrahmen Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr vorsehen). Gleichermassen wie schon vorgängig unter lit. d ist hierbei zu erwägen, dass es sich dabei um Abbildungen besonders verwerflicher Verhaltensweisen handelt. Auf der anderen Sei- te ist wiederum zu Gunsten des Beschuldigten zu berücksicht igen, dass ihm eine verhältnis- mässig tiefe Anzahl an Videodateien zur Last zu legen ist. Auf Grund dieser Umstände stuft das Kantonsgericht die objektive Tatschwere jeweils als leich t ein. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten jeweils ein direktvorsätzliches Handeln anzulasten, was in casu jedoch neutral zu gewichten ist. Gestützt auf diese Erwägungen ist das Versch ulden des Berufungsklägers be- züglich der einzelnen Tathandlungen gemäss den Ziff. I und II der Anklageschrift jeweils als leicht einzustufen, was unter Berücksichtigung der dargele gten abstrakten Strafrahmen sowie unter Beachtung, dass als Sanktionsart nur eine Geldstrafe in Frage kommt, nach erfolgter Ein- zelasperation der entsprechenden Einheiten zu einer ge samthaften Asperation um 75 Strafein- heiten bzw. 75 Tagessätze Geldstrafe führt. f) Nach diesen Erwägungen ist für sämtliche zu beurteilend en Delikte in Anwendung des Asperationsprinzips (sowie unter Berücksichtigung von Art . 2 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 34 Abs. 1 StGB in der vor dem 1. Januar 2018 gül tigen Fassung, nachdem sich ein Teil der Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht strafbaren Handlungen im Jahr 2017 zugetragen hat) ei ne tatbezogene hypothetische Gesamt- strafe von 195 Tagessätzen Geldstrafe festzulegen. g) In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob diese tatbe zogene hypothetische Gesamtstrafe aufgrund der besonderen Täterkomponenten anzupassen ist. Einleitend festzuhalten ist hierbei, dass die diesbezüglich massgeblichen Faktoren Vorleben, pe rsönliche Verhältnisse, Nachtat- verhalten und Verhalten im Strafverfahren für alle vorgängig geschilderten Straftaten grundsätz- lich gleichermassen gelten. In diesem Zusammenhang ist zu erwägen, dass der Beschuldigte am 2.____ in Spanien geboren und bei seinen Eltern zu sammen mit fünf Geschwistern in gere- gelten Verhältnissen aufgewachsen ist sowie dort die ob ligatorische Schule besucht hat. In fa- miliärer Hinsicht ist zu bemerken, dass der Beschuldigte verheiratet ist und eine erwachsene Tochter hat. Aktuell verfügt er über eine Aufenthaltsb ewilligung B und ist in der Schweiz als D.____ tätig, wobei er rund CHF 3'500.-- netto pro Monat verdient. Eine besondere Strafemp- findlichkeit ist nicht zu erkennen. Hinsichtlich des Gesundhe itszustandes des Beschuldigten liegen keine gesicherten Umstände vor, welche Anlass zu be sonderen Bemerkungen geben würden. Zu berücksichtigende Reue oder Einsicht werden nicht vorgebracht. Vorstrafen sind keine bekannt. Dies alles ist soweit neutral zu werten , womit sich aufgrund der besonderen Tä- terkomponenten keine Anpassung der tatbezogenen hypothetischen Gesamtstrafe aufdrängt. h) Tat- und täterunabhängige Strafzumessungsfaktoren (Ve rletzung des Beschleunigungs- gebotes nach Art. 5 StPO; Zeitablauf gemäss Art. 48 l it. e StGB) sind in casu keine zu berück- sichtigen, womit sich in Würdigung sämtlicher Tat- und T äterkomponenten eine Gesamtgeld- strafe von 195 Tagessätzen als angemessen erweist. Bezügl ich der Höhe des einzelnen Ta- gessatzes ist gestützt auf Art. 34 Abs. 2 StGB angesichts d er ausgewiesenen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten ein Ansatz von CHF 60.-- festzulegen. i) Bei diesem Strafmass ist der bedingte Strafvollzug na ch Art. 42 Abs. 1 StGB möglich und in casu fraglos zu gewähren. Im Hinblick auf die Probeze it bestimmt Art. 44 Abs. 1 StGB eine Dauer zwischen zwei und fünf Jahren. Angesichts der Vorstr afenlosigkeit des Beschuldigten sowie des Fehlens gegenteiliger Hinweise kann im vorlieg enden Fall nicht von einer schlechten Legalprognose ausgegangen werden ‒ insbesondere darf ihm keine fehlende Einsicht angelas- tet werden (vgl. oben lit. d sowie unten E. 6.3) ‒, weshalb die Probezeit praxisgemäss auf zwei Jahre festzusetzen ist. Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht j) In casu liegt zwar nicht ein zwingender Anwendungsfall der Verbindungsstrafe aufgrund der Schnittstellenproblematik vor, da nicht eine in der für das Vergehen vorgesehenen Strafe konsumierte Übertretung zu sanktionieren ist. Dennoch ist das Kantonsgericht wie auch schon die Vorinstanz der Auffassung, dass die Strafe für den B eschuldigten angesichts der verletzten Rechtsgüter einen zusätzlichen Denkzettel beinhalten muss. Demnach erscheint eine unbe- dingte Verbindungsstrafe aus spezialpräventiven Gesichtspunk ten als angebracht. Die Bemes- sung der Busse hat sich dabei gemäss Art. 106 Abs. 3 StGB nach den Verhältnissen des Täters zu richten und muss insgesamt dessen Verschulden angemessen abbilden. Unter Berücksichti- gung der konkreten Umstände, umfassend die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten und das festgestellte leichte Verschulden, erscheint es den Vorgaben des Bundesgerichts bezüglich der untergeordneten Bedeutung der Verbindungsstrafe folgend als angemessen, 15 Tage der Gesamtstrafe von 195 Tagessätzen Geldstrafe in die Form der unbedingten Busse zu kleiden. Die Höhe der Busse bemisst sich dabei auf CHF 900.--, en tsprechend den 15 Tagessätzen zu jeweils CHF 60.-- pro Tagessatz. Im Falle der schuldhaf ten Nichtbezahlung der Busse in der Höhe von CHF 900.-- ist eine Ersatzfreiheitsstrafe (Art. 106 Abs. 2 StGB) von 15 Tagen anzu- ordnen. Diese Sanktion wird im Übrigen vom Beschuldigt en in seinem Eventualantrag, d.h. im Falle entsprechender Schuldsprüche, ausdrücklich als angemessen anerkannt. k) Zusammenfassend ist damit der Beschuldigte in teilweiser Gutheissung seiner diesbezüg- lichen Berufung und dementsprechender Abänderung des angefochtenen Urteils in Anwendung von Art. 197 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 sowie Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB der mehrfachen Pornografie schuldig zu sprechen und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 180 Ta- gessätzen zu jeweils CHF 60.--, bei einer Probezeit vo n zwei Jahren, sowie zu einer Busse in der Höhe von CHF 900.-- zu verurteilen, wobei die Er satzfreiheitsstrafe im Falle der schuldhaf- ten Nichtbezahlung der Busse auf 15 Tage festzusetzen ist. 6. Landesverweisung 6.1 a) Die Vorinstanz hat bezüglich des Beschuldigten eine Lan desverweisung von fünf Jahren ausgesprochen und dies zusammengefasst damit begründe t, dass angesichts der Verurteilung Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB eine Katalogtat für eine obligatorische Landesverweisung vorliege, das Freizügigkeitsabkommen einer solchen ni cht entgegenstehe, kein Härtefall vorlie- ge und das Fernhalteinteresse das persönliche Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz überwiege. b) Nach Auffassung des Beschuldigten verstösst die angeordnete Landesverweisung gegen das Freizügigkeitsabkommen, weil diese nur mit der Str aftat begründet werde und zudem von ihm keine konkrete und gegenwärtige Gefahr ausgehe (vgl. oben E. 2.1.f). c) Die Staatsanwaltschaft verzichtet zu dieser Frage unter g enereller Verweisung auf die Erwägungen im angefochtenen Urteil auf eine eigene Stellungnahme. 6.2 a) Das Gericht verweist den Ausländer, der wegen Pornogr afie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB verurteilt wird, unabhängig von der Höh e der Strafe für fünf bis 15 Jahre aus der Schweiz (Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB). Die obligatorisch e Landesverweisung wegen einer Kata- logtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 StGB greift grund sätzlich unabhängig von der konkreten Tatschwere (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 IV 332 E. 3. 1.3). Sie muss entsprechend den allge- meinen Regeln des Strafgesetzbuches zudem grundsätzlich be i sämtlichen Täterschafts- und Teilnahmeformen sowie unabhängig davon ausgesprochen w erden, ob es beim Versuch ge- blieben ist und ob die Strafe bedingt, unbedingt ode r teilbedingt ausfällt (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 IV 168 E. 1.4.1). Von der Anordnung d er Landesverweisung kann nur "aus- nahmsweise" unter den kumulativen Voraussetzungen abgeseh en werden, dass sie (1.) einen schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und (2.) die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Au sländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Si tuation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB; sog. Härte- fallklausel). Die Härtefallklausel von Art. 66a Abs. 2 StGB dient der Umsetzung des Verhältnis- mässigkeitsprinzips (Art. 5 Abs. 2 BV; BGE 146 IV 105 E. 3 .4.2; 144 IV 332 E. 3.1.2 und E. 3.3.1). Sie ist restriktiv anzuwenden (BGE 146 IV 10 5 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.3.1, mit Hin- weis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung lässt sich zur kriteriengeleiteten Prüfung des Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB der Kriterienkatalog der Bestimmung über den "schwerwiegenden persönlichen Härtefall" in Art. 31 Ab s. 1 VZAE heranziehen. Zu berücksich- Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht tigen sind namentlich der Grad der (persönlichen und w irtschaftlichen) Integration, einschliess- lich familiäre Bindungen des Ausländers in der Schweiz un d in der Heimat, Aufenthaltsdauer und Resozialisierungschancen. Ebenso ist der Rückfallgefahr und wiederholter Delinquenz Rechnung zu tragen. Das Gericht darf auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB begangene Straftaten berücksichtigen (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 1 44 IV 332 E. 3.3.2; BGer 6B_149/2021 vom 3. Februar 2022 E. 2.3.2, mit Hinweis). Von einem schweren persönlichen Härtefall im Sin- ne von Art. 66a Abs. 2 StGB ist bei einem Eingriff v on einer gewissen Tragweite in den An- spruch des Ausländers auf das in Art. 13 BV und Art. 8 EM RK verankerte Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens auszugehen (so etwa BGer 6B_105/2021 vom 29. November 2021 E. 3.1; 6B_1077/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.2.3; je mit Hinweisen; vgl. zum Ganzen 6B_304/2021 vom 2. Juni 2022 E. 2.3, mit zahlreichen Hinweisen). b) Ist das Freizügigkeitsabkommen (FZA) auf die betroffene Person anwendbar, kommen für die Frage der Anordnung der Landesverweisung ausschliessl ich dessen Normen zur Anwen- dung. Es darf also nur dann eine Landesverweisung au sgesprochen werden, wenn diese mit dem FZA vereinbar ist. Eine Abwägungsentscheidung ode r eine (echte) Härtefallprüfung erfolgt in diesen Fällen nicht, vielmehr richtet sich die Prüfu ng nach Art. 5 Anhang 1 FZA. Diese Be- stimmung regelt, dass "die auf Grund dieses Abkommens eingeräumten Rechte (...) nur durch Massnahmen, die aus Gründen der öffentlichen Ordnung, S icherheit und Gesundheit gerecht- fertigt sind, eingeschränkt werden dürfen". Art. 5 Abs. 2 Anhang 1 FZA verweist zur Auslegung der Frage, wann die mit dem FZA gewährten Freizügigke itsrechte eingeschränkt werden dür- fen, auf die RL 64/221/EWG. Deren Art. 3 enthält di esbezüglich zwei wichtige Klarstellungen: Bei Massnahmen, die eine Einschränkung der Freizügigkeitsrechte bedeuten, darf "ausschliess- lich das persönliche Verhalten der in Betracht kommend en Einzelpersonen ausschlaggebend sein" und können strafrechtliche Verurteilungen allein "ohne weiteres diese Massnahmen nicht begründen". Diese Normen sind vom Gerichtshof der Europ äischen Union und vom Bundesge- richt dahingehend ausgelegt worden, dass eine Ausweisung von freizügigkeitsberechtigten Per- sonen nur dann gerechtfertigt ist, wenn von diesen eine gegenwärtige, hinreichend schwere Gefährdung der öffentlichen Ordnung ausgeht, die ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt (MATTHIAS ZURBRÜGG / CONSTANTIN HRUSCHKA , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 69 f. zu Art. 66a StGB, mit Hinweisen; BGE 143 IV 97 E. 2.2). Die Einzelfallprü- fung darf nicht so ausgestaltet sein, dass allein aufgru nd der Verurteilung die Landesverwei- sung ausgesprochen wird, und diese darf in diesen Fällen nicht an generalpräventive Überle- Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht gungen anknüpfen. Es ist also bei freizügigkeitsberech tigten Personen erforderlich, dass die von ihnen ausgehende Gefahr eine gewisse Mindestschwere erreicht. Damit ist eine schwer- wiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und O rdnung im Sinne des Art. 67 Abs. 3 AuG gemeint. Dies hat zur Konsequenz, dass bei Straftaten, bei denen der Täter keine solche schwerwiegende Gefahr hervorruft, eine Landesverweisung unzulässig ist. Darüber hinaus ist für die Anordnung einer Landesverweisung erforderlich , dass von der betroffenen Person eine konkrete und aktuelle (gegenwärtige) Gefahr ausgeht, we lche die Massnahme im Entschei- dungszeitpunkt immer noch rechtfertigt. Deshalb ist praxisgemäss nicht primär auf die Schwere der Tat, sondern auf die Rückfallgefahr abzustellen. D ie Rückfallgefahr muss erstellt sein, wo- mit es nicht ausreicht, dass ein Rückfall möglich erscheint (Z URBRÜGG / HRUSCHKA , a.a.O., N 71 ff. zu Art. 66a StGB, mit zahlreichen Hinweisen; BGE 136 II 5; 139 II 121). 6.3 Im vorliegenden Fall steht zunächst fest, dass der Beschuldi gte mit der Widerhandlung gegen Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB eine Katalogtat gemäss Art . 66a Abs. 1 lit. h StGB verübt hat, was in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 StGB grundsätzlich ei ne obligatorische Landesverweisung von fünf bis 15 Jahre zur Folge hat. Unbestritten ist s odann, dass sich der Beschuldigte als spanischer Staatsbürger, welcher in der Schweiz arbeitet und hier über eine Aufenthaltsbewilli- gung (Ausweis B) verfügt, auf das FZA berufen kann. Di es bedeutet, dass für die Frage der Anordnung der Landesverweisung ausschliesslich dessen Normen zur Anwendung kommen. Gestützt auf die vorstehend zitierte Praxis und Lehre (vgl. oben E. 6.2.b) ist folglich zu prüfen, ob vom Beschuldigten eine gegenwärtige, hinreichend sc hwere Gefährdung der öffentlichen Ordnung ausgeht, die ein Grundinteresse der Gesellschaf t berührt, was bedeutet, dass erstens die von ihm ausgehende Gefahr eine gewisse Mindestschwere erreichen und zweitens eine Rückfallgefahr erstellt sein muss. Diesbezüglich ist in Anbetracht der vorgängigen Erwägungen im Zusammenhang mit der Strafzumessung (oben E. 5.2.d) davon auszugehen, dass dem Be- schuldigten im Hinblick auf die ihm zur Last gelegte Kat alogtat lediglich ein leichtes Verschul- den zu attestieren ist. Hieraus folgt ‒ ungeachtet der Verwerflichkeit seines im Zusammenhan g mit besonders Schutzbedürftigen der Gesellschaft stehende n Tuns, welcher immerhin dadurch Rechnung getragen wird, dass das fragliche Delikt überhaupt eine Katalogtat für eine obligatori- sche Landesverweisung darstellt ‒, dass zumindest fraglich erscheint, ob in casu die vom Be- schuldigten ausgehende Gefahr die für die Massnahme erfo rderliche Mindestschwere erreicht. Selbst wenn man diese Frage in concreto angesichts des Sc hutzzwecks der betroffenen Norm Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht bejahen würde, verbleibt, dass die strafrechtliche Verur teilung allein die Massnahme der Lan- desverweisung nicht zu begründen vermag. Vielmehr muss vo n der betroffenen Person zusätz- lich eine konkrete und aktuelle, d.h. gegenwärtige Gefa hr ausgehen, was bedeutet, dass eine Rückfallgefahr erstellt sein muss. Eine solche Rückfallge fahr jedoch ist, wiederum unter Ver- weis auf die vorgängigen Darlegungen zur Strafzumessu ng, im vorliegenden Fall aufgrund der konkreten Umstände und namentlich der Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten klarerweise nicht nachgewiesen. Hieran vermögen auch die von der Vorinstanz aufgeworfene fehlende Ein- sicht oder das mangelnde Problembewusstsein beim Berufun gskläger nichts zu ändern. In die- sem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass die beschuldi gte Person gestützt auf den Grundsatz der Unschuldsvermutung nach Art. 10 Abs. 1 StP O (bzw. abgeleitet vom Anspruch auf ein faires Verfahren [Art. 6 Ziff. 1 EMRK und A rt. 29 Abs. 1 BV]) nicht verpflichtet ist, aktiv an ihrer eigenen Verurteilung mitzuwirken (nemo tene tur se ipsum accusare; vgl. W OLFGANG WOHLERS , in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2020, N 3 zu Art. 10 StPO), weshalb das Ausüb en von Verfahrens- und Verteidigungs- rechten namentlich in Form des Festhaltens am Aussageverw eigerungsrecht bzw. des Lügens von vornherein nicht zu deren Lasten ausgelegt werden darf. Nachdem es also in casu am Vor- liegen einer Rückfallgefahr gebricht, ist unter Berücksich tigung der Normen des FZA von der Anordnung einer Landesverweisung abzusehen. Gestützt auf diese Erwägungen ist in Gutheissung der dies bezüglichen Berufung des Beschul- digten und demnach in Abänderung des angefochtenen Urt eils die ausgesprochene Landes- verweisung aufzuheben. 7. Berufs- und Tätigkeitsverbot Im Hinblick auf das vom Vorderrichter in Anwendung von Ar t. 67 Abs. 3 lit. d Ziff. 2 StGB aus- gesprochene Berufs- und Tätigkeitsverbot ist zu konstatier en, dass der Beschuldigte zwar in seiner Berufungserklärung das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich angefochten, es in der Fol- ge aber unterlassen hat, ein entsprechendes Begehren u m Aufhebung der diesbezüglichen Massnahme zu stellen oder auch nur irgendwie geartete Ausführungen zu den rubrizierten Punkten vorzubringen. Angesichts der mit vorliegendem Urt eil zu bestätigenden Verurteilung wegen mehrfacher Pornografie nach Art. 197 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 sowie Abs. 5 Satz 1 und Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht Satz 2 StGB besteht demnach keine Veranlassung, das er stinstanzlich verhängte lebenslängli- che Berufs- und Tätigkeitsverbot aufzuheben oder abzuändern. 8. Beschlagnahme Gleichermassen ist hinsichtlich der von der Vorinstanz in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 StGB sowie Art. 197 Abs. 6 StGB ausgesprochenen Ei nziehung der beschlagnahmten Datenträger zur Vernichtung zu erwägen, dass gestützt au f die mit vorliegendem Urteil zu be- stätigende Verurteilung wegen mehrfacher Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 sowie Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB kein Grund besteht, die diesbezügliche Massnah- me aufzuheben oder abzuändern, zumal der Berufungskläg er erstens wiederum davon abge- sehen hat, ein entsprechendes Begehren im Rahmen sein er Berufung vorzutragen bzw. zwei- tens anlässlich des Parteivortrags vor dem Strafgericht sogar ausdrücklich auf die Rückgabe der fraglichen Gegenstände verzichtet hat (act. S 97). 9. Kostenfolge 9.1 Kantonsgericht a) Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Gestützt auf den vorliegenden Verfahrens- ausgang ‒ indem zwar die Berufung des Beschuldigten in dem Sinn e teilweise gutgeheissen wird, als das Strafmass von einer bedingten Freiheitsst rafe von sechseinhalb Monaten (bei ei- ner Probezeit von vier Jahren) sowie einer Verbindungsbusse von CHF 900.-- auf eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu jeweils CHF 60.-- (bei einer Probezeit von zwei Jahren) sowie eine Verbindungsbusse von CHF 900.-- reduziert und überdies die Anordnung einer fünf- jährigen Landesverweisung aufgehoben wird, demgegenüb er aber das weitergehende Rechts- mittel des Berufungsklägers, so namentlich in Bezug auf d en begehrten vollumfänglichen Frei- spruch, abgewiesen wird ‒ rechtfertigt es sich, die ordentlichen Kosten des Beru fungsverfah- rens in der Höhe von insgesamt CHF 2'250.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 2'000.-- sowie Auslagen von CHF 250.--) im Umfang von zwei Dritteln (= CHF 1'500.--) zu Lasten des Be- Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldigten und im Umfang von einem Drittel (= CHF 75 0.--) zu Lasten des Staates zu vertei- len. b) In Bezug auf die ausserordentlichen Kosten des Berufu ngsverfahrens ist zu erkennen, dass zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung fü r das Berufungsverfahren dem Rechts- vertreter des Beschuldigten, Advokat Dr. Claude Schrank, ein Honorar gemäss dessen Hono- rarnote vom 4. Juli 2022 in der Höhe von insgesamt CHF 4 '082.90 (inklusive Auslagen und CHF 291.90 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates au sgerichtet wird. Der Beschuldigte wird zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidig ung im Umfang von zwei Dritteln (= CHF 2'721.95) an den Kanton Basel-Landschaft verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 9.2 Strafgericht Nachdem schliesslich die Berufung der Beschuldigten im kan tonsgerichtlichen Verfahren im Hinblick auf die zur Anklage gebrachten Sachverhalte un d die daraus resultierenden Verurtei- lungen vollumfänglich abgewiesen wird, besteht keine Ve ranlassung, an der erstinstanzlichen Kostenverteilung eine Änderung vorzunehmen. Seite 33 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-La ndschaft vom 4. Mai 2021, lautend: "1. A.____ wird der mehrfachen Pornografie schuldig erklä rt und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 6 ½ Monaten, bei einer Probezeit von 4 Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 900.00, im Falle der Nichtbezahlung der Busse und deren Uneinb ring- lichkeit auf dem Betreibungsweg tritt an deren Stelle eine Er- satzfreiheitsstrafe von 15 Tagen, in Anwendung von Art. 197 Abs. 4 Satz 1 und 2 sowie Abs. 5 Satz 1 und teilweise Satz 2 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 und 4 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB sowie Art. 106 StGB. 2. A.____ wird in Anwendung von Art. 66a StGB für die Dauer von 5 Jahren des Landes verwiesen. 3. A.____ wird in Anwendung von Art. 67 Abs. 3 lit. d Ziff. 2 StGB die Ausübung jeder beruflichen und jeder organisiert en ausser- beruflichen Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Min- derjährigen umfasst, lebenslänglich verboten. 4. Die beschlagnahmten 3 Gegenstände (externer Datenträg er Maxtor, externer Datenträger Samsung und PC HP, d.h. Pos. 7, 9 und 13 gemäss Beschlagnahmebefehl vom 19.10.2020) wer - den in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 und 2 StGB sowie Art. 197 Abs. 6 StGB zur Vernichtung eingezogen. 5. Sämtliche im vorliegenden Verfahren forensisch gesich erten Daten, welche sich unter der GK-Nummer 1.____ bei der Polizei Basel-Landschaft, IT-Forensik, befinden, werden nach R echts- kraft des Urteils unwiderruflich gelöscht. Seite 34 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Der Beurteilte trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfah - rens von Fr. 8'654.00 und der pauschalen Gerichtsgebühr von Fr. 2’000.00. 7. Das Honorar der amtlichen Verteidigung, Dr. Claude S chrank, Advokat, in Höhe von insgesamt Fr. 5'736.50 (davon Fr. 2'163.50 für den Aufwand vor Anklageerhebung sow ie Fr. 3'573.00 für den Aufwand nach Anklageerhebung, in kl. Aus- lagen und 7.7 % Mehrwertsteuer) wird aus der Gerichtska sse entrichtet. A.____ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlau- ben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtlichen Verteidi- gung zurückzuzahlen und der amtlichen Verteidigung die Diffe- renz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem voll en Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO)." wird in teilweiser Gutheissung der Berufung des Beschuld igten in den Ziffern 1 und 2 wie folgt neu gefasst: 1. A.____ wird der mehrfachen Pornografie schuldig erklä rt und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 180 Tagessät- zen zu jeweils CHF 60.-- , bei einer Probezeit von 2 Jahren , sowie zu einer Busse von CHF 900.--, im Falle der Nichtbezahlung der Busse und der Uneinbr inglich- keit auf dem Betreibungsweg tritt an deren Stelle ein e Ersatz- freiheitsstrafe von 15 Tagen, in Anwendung von Art. 197 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 sowi e Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB, Art. 34 StGB , Art. 42 Abs. 1 und Abs. 4 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB sowie Art. 106 StGB. Seite 35 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Von einer Landesverweisung wird abgesehen . Im Übrigen wird das vorinstanzliche Urteil unverände rt zum Bestandteil dieses Urteils erklärt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 2'250.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 2'000. -- sowie Auslagen von CHF 250.--) gehen im Umfang von zwei Dritt eln (= CHF 1'500.--) zu Lasten des Beschuldigten und im Umf ang von einem Drittel (= CHF 750.--) zu Lasten des Staates. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung für das Berufungs- verfahren wird dem Rechtsvertreter des Beschuldigten, A dvokat Dr. Claude Schrank, ein Honorar in der Höhe von insgesamt CHF 4'082.90 (inklusive Auslagen und CHF 291.90 Mehrwe rtsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Der Beschuldigte wird zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung im Umfang von zwei Dritteln (= CHF 2'721.95) an den Kanton Basel-Landschaft verpf lichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Ar t. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Pascal Neumann Dieser Entscheid ist rechtskräftig.