<h2>SubmittedText<h2><p>Angesichts der gegenwärtigen Lehrstellenknappheit unternimmt der Bund verschiedene Anstrengungen, um das Lehrstellenangebot in der Privatwirtschaft auszuweiten. Unverständlicherweise hat der Bund jedoch sein eigenes Lehrstellenangebot, insbesondere auch in der allgemeinen Bundesverwaltung, in den letzten Jahren sogar vermindert.</p><p>In der Antwort des Bundesrates auf die dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion zu den Lehrstellen in der Bundesverwaltung vom 4. Juni 1996 hat der Bundesrat zwar grundsätzlich seine Bereitschaft bekundet, sich für die Lehrstellenausweitung "einzusetzen". Die Anwort des Bundesrates lässt jedoch jegliche Verbindlichkeit vermissen.</p><p>Der Bundesrat wird deshalb eingeladen:</p><p>a. verbindliche Vorgaben zur Vermehrung der Ausbildungsmöglichkeiten in der Bundesverwaltung und in den Regiebetrieben zu erlassen;</p><p>b. Voraussetzungen zu schaffen, dass die Lehrlingsausbildung in der Bundesverwaltung Pilotfunktionen in der dringend notwendigen Reform der Berufsbildung übernehmen kann;</p><p>c. in allen zukünftigen Leistungsaufträgen (insbesondere auch in sogenannten NPM-Projekten oder anderen Auslagerungen) die Pflicht zur Lehrlingsausbildung verbindlich zu statuieren.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist sich der Bedeutung der beruflichen Grundausbildung durchaus bewusst. Er erachtet es als seine Arbeitgeberpflicht, auch bei ungünstiger Konjunktur und schlechter Finanzlage Lehrlinge auszubilden, wo immer es die betrieblichen Verhältnisse erlauben. Entsprechende Aufrufe haben das Biga und das Eidgenössische Personalamt in diesem Frühjahr an sämtliche Bundesämter und an die Regiebetriebe erlassen. Diese Aufrufe haben gemäss ersten Umfrageergebnissen in verschiedenen Bereichen bereits zu zusätzlichen Lehrstellen geführt. So sind u. a. aufgrund des Aufrufes und der Lage auf dem Lehrstellenmarkt sowohl bei der Post wie bei der Telecom zusätzliche Lehrstellen (KV, Informatik) geschaffen worden.</p><p>Schon im Zusammenhang mit der dringlichen Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion (96.3214) betreffend Lehrstellen in der Bundesverwaltung und den Regiebetrieben hat sich der Bundesrat eingehend mit der Thematik befasst. Die Antwort auf die Interpellation erachten der Motionär und 38 Mitunterzeichner als zu wenig verbindlich. Die dringliche Interpellation vom 4. Juni 1996 wie auch die vorliegende Motion sind geprägt von der Sorge, welche die Meldungen des Biga und der kantonalen Berufsbildungsämter bezüglich einem vermeintlich prekären Mangel an Lehrstellen im Frühsommer aufkommen liessen. Demnach soll damals ein grosser Teil von Schulabgängerinnen und Schulabgängern noch immer ohne Lehrstelle gewesen sein. Erfreulicherweise konnte diese Befürchtung inzwischen aber von denselben Instanzen relativiert werden. Die Situation am Lehrstellenmarkt präsentiert sich 1996 nicht anders als in früheren Jahren. In gewissen Kantonen hat sie sich gar verbessert. Das Biga schätzt, dass in diesem Jahr insgesamt über 55 000 Lehrverträge abgeschlossen wurden; dies sind gar rund 2000 mehr als in den Jahren 1993 bis 1995. Trotzdem: Die Situation auf dem Lehrstellenmarkt wird sich in den nächsten Jahren tendenziell verschärfen, denn die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger wird weiter steigen. Schulisch Schwächere werden zunehmend Schwierigkeiten haben, eine geeignete Lehrstelle zu finden.</p><p>Der Bund bietet eine Vielfalt von Lehrberufen an; abgesehen von diversen Monopolberufen sind dies Lehrstellen in fast 60 Biga-Berufen. Bundesrat und die Direktionen der Regiebetriebe legen dabei grossen Wert auf eine qualifizierte Ausbildung der Jugendlichen in einem dazu geeigneten Umfeld. Hervorzuheben ist ausserdem die Pionierrolle der Telecom bei der Erarbeitung und Gestaltung der neuen Biga-anerkannten Lehre "Informatikerin/Informatiker". Ab 1997 werden im weiteren bei der Post (Betrieb) mit der KV-Lehre und dem Juniorpraktikum zwei neue vom Biga anerkannte Ausbildungen angeboten. Jedoch lassen insbesondere die Eigenheiten von Stabsämtern (Sachbearbeitung auf hoher Stufe, verhältnismässig kleiner Anteil an administrativen Aufgaben, fehlendes Kostenrechnungswesen) in der allgemeinen Bundesverwaltung oft keine umfassende qualifizierte Grundausbildung zu. Die Einführung einer Lehrlingsquote käme einem Zwang zur Lehrlingsausbildung gleich und könnte sich kontraproduktiv auf die Qualität der Ausbildung auswirken.</p><p>Ausserdem bedingt die Ausbildung fachlich und pädagogisch geschultes Ausbildungs- und Betreuungspersonal sowie in vielen Bereichen eine gut ausgebaute Infrastruktur (z. B. Lehrlingswerkstätten). Ohne auch die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen und die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, können nicht zusätzliche Lehrlinge aufgenommen werden.</p><p>Ferner ist es unabdingbar, dass sich das Lehrstellenangebot in der allgemeinen Bundesverwaltung, insbesondere aber auch bei den Regiebetrieben, nach unternehmerischen Grundsätzen und den fachlichen sowie betrieblichen Bedürfnissen und Möglichkeiten ausrichtet. Der Lehrstellenmarkt ist Teil des Arbeitsmarktes, auf dem nicht zuletzt auch das Gesetz von Nachfrage und Angebot eine Rolle spielt. Angehende Berufsleute sind vorab in jenen Berufen auszubilden, in welchen Aussicht besteht, nach der Ausbildung auch eine Stelle zu bekommen. Diese Problematik ist im Zusammenhang mit den Monopolberufen und der damit verbundenen Garantie auf Weiterbeschäftigung nach Lehrabschluss besonders bedeutsam für die SBB, die PTT und den Zoll. Der innere und äussere Zwang zur Rationalisierung und zum Aufgabenverzicht sowie der damit verbundene, bereits vollzogen und noch bevorstehende, zum Teil massive Stellenabbau bleiben leider nicht ohne gewisse Auswirkungen auf das Lehrstellenangebot. Der Bundesrat wird prüfen, ob den Jugendlichen innerhalb seines Einflussbereiches als Arbeitgeber - selbstverständlich auch in den NPM-Ämtern - trotzdem zeitgemässe, bedürfnisgerechte und zukunftsorientierte Lehrstellen angeboten werden können. Dies muss aber möglich sein ohne bindende und verpflichtende Vorgaben im Sinne der Motion.</p><p>Die vom Motionär verlangte Festlegung verbindlicher Vorgaben zur Vermehrung der Ausbildungsmöglichkeiten in der Bundesverwaltung würden die gegenwärtigen finanziellen und personellen Möglichkeiten des Bundes übersteigen.</p>  Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.