B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4744/2020 U r t e i l v o m 2 3 . D e z e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Lorenz Noli, Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, (…), Gesuchstellerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Revision des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts D-2069/2020 vom 26. August 2020. D-4744/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Gesuchstellerin – eine syrische Staatsangehörige kurdischer Eth- nie – gelangte am 18. Juli 2017 in die Schweiz und suchte gleichentags um Asyl nach. A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte sie anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 27. Juli 2017 aus, ihr Mobiltelefon sei in Syrien we- gen der Übermittlung von Nachrichten politischen Inhalts blockiert worden. Sie habe indes nie politische Inhalte über ihr Mobiltelefon verschickt und deswegen auch nie Probleme gehabt. Sie habe ihr Heimatland aufgrund der Kampfhandlungen in ihrem Wohngebiet beziehungsweise wegen der hohen Mietpreise in B._______ verlassen und sei in die Türkei gereist. Dort habe sie via Internet i hren zukünftigen Ehemann kennen gelernt, welcher ihr in der Folge ihre Weiterreise in die Schweiz ermöglicht habe. Während der Anhörung vom 29. März 2019 machte sie dagegen im We- sentlichen den folgenden Sachverhalt geltend: Sie habe in Syrien mit ihrem Mobiltelefon Kriegsszenen gefilmt und diese Filme einer Kollegin, welche Mitglied der Yekîneyên Parastina Gel (YPG) gewesen sei, weitergeschickt. In der Folge sei ihr Mobiltelefon wegen der Übermittlung von Nachrichten mit politischen Inhalten blockiert worden. Sie habe befürchtet , deswegen registriert und gesucht zu werden. Aus Angst habe sie schliesslich (…) 2014 ihr Heimatland verlassen und sei in die Türkei geflüchtet. Dort habe sie übers Internet die Bekanntschaft mit einem in der Schweiz leben- den Mann gemacht. Ihr Vater habe sie dann – ohne ihr Wissen – mit die- sem zwangsverheiratet. Als es in der Schweiz in der Ehe zu Schwierigkei- ten gekommen sei, habe sie die Scheidung eingereicht. Seither werde sie von ihrer syrischen Familie beschimpft und mit dem Tode bedroht. A.c Die Gesuchstellerin reichte im Laufe des vorinstanzlichen Asylverfah- rens nebst ihrer Identitätskarte (im Original), eine Kopie des Auszugs aus dem syrischen Eheregister, eine Kopie des Auszugs des angeblichen Ehe- mannes, C._______, aus dem syrischen Zivilstandsregister, eine Kopie des Auszugs der Gesuchstellerin aus dem syrischen Zivilstandsregister und eine Kopie des Auszugs aus dem syrischen Familienregister (alle je- weils mit französischer Übersetzung) sowie einen USB-Stick als Beweis- mittel zu den Akten (vgl. SEM-Akten A/13 [Beweismittelcouvert] und B/1). D-4744/2020 Seite 3 B. Mit Verfügung vom 13. März 2020 stellte das SEM fest , die Beschwerde- führerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnt e ihr Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete aufgrund der Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme an. C. Die am 16. April 2020 gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2069/2020 vom 26. Au- gust 2020 abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde. D. D.a Mit als "zweites Asylgesuch beziehungsweise ein Mehrfachgesuch" bezeichneter Eingabe vom 15. September 2020 (Datum Poststempel) ge- langte die Gesuchstellerin ans SEM. Sie beantragte darin in materieller Hinsicht, auf ihr Gesuch sei einzutreten, sie sei gegebenenfalls anzuhören, ihre Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihr sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei ihr die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und sie sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, sie habe – nachdem sie ihren Rechtsstatus beziehungsweise ihre Verfolgungssit uation in Syrien durch einen Anwalt habe abklären lassen – neue Beweismittel erhältlich machen können, welche noch nicht aktenkundig seien. Diese Dokumente würden eindeutig beweisen, dass ihre Angst vor einer gezielten Bedrohung und Bestrafung durch die sy rischen Behörden begründet sei und sie von diesen gesucht sowie verfolgt werde. D.b Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte sie einen Auszug aus dem Straf- register ausgestellt durch das Departement für Kriminalsicherheit Zweig- stelle D._______ vom 15. April 2020 (im Original) sowie eine Fotokopie ei- ner handschriftlich verfassten persönlichen Bezeugung von E._______ vom 13. Februar 2020 (beide mit deutscher Übersetzung) ein. E. Mit Schreiben vom 24. September 2020 übermittelte das SEM die Eingabe der Gesuchstellerin vom 15. September 2020 (inklusive Beilagen und den bestehenden Verfahrensakten) gestützt auf Art. 8 Abs. 1 VwVG ans Bun- desverwaltungsgericht zur revisionsweisen Prüfung. Zur Begründung D-4744/2020 Seite 4 führte es aus, die Eingabe beruhe einerseits auf vorbestehenden Tatsa- chen, deren Geltendmachung im ordentlichen Verfahren unmöglich oder unzumutbar gewesen seien, andererseits auf Beweismitteln betreffend vor- bestehende, zum Nachteil der Gesuchstellerin unbewiesen gebliebene Tat- sachen, wobei es sich um Revisionsgründe handle, z u deren Beurteilung das SEM funktionell nicht zuständig sei. F. Das Gericht bestätigte am 25. September 2020 den Eingang der Eingabe. G. G.a Mit Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2020 forderte die Instruktions- richterin die Gesuchstellerin auf, innert Frist eine Revisionsverbesserung einzureichen, da die Eingabe vom 15. September 2020 den formellen An- forderungen an die Eingabe eines Revisionsgesuches nicht entspreche. Bei Säumnis werde auf die Eingabe vom 15. September 2020 nicht eingetreten. G.b Mit Schreiben vom 16. Oktober 2020 (Datum Poststempel) kam die Ge- suchstellerin der Aufforderung zur Revisionsverbesserung fristgerecht nach. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 des Asyl- gesetzes (AsylG; SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zu- ständig für die Revision von Urteilen, die es in seiner Funktion als Be- schwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1). 1.2 Die Gesuchstellerin ist durch das Urteil des Bundesverwaltungsge- richts D-2069/2020 vom 26. August 2020 besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung. Sie ist daher zur Einreichung des Revisionsgesuchs legitimiert (Art. 89 Abs. 1 BGG). 1.3 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes- verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG findet auf Inhalt, Form und Ergänzu ng des Revisionsgesu- ches Art. 67 Abs. 3 VwVG Anwendung. D-4744/2020 Seite 5 2. 2.1 Das Revisionsgesuch ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich gegen einen rechtskräftigen Beschwerdeentscheid richtet. Wird das Ge- such gutgeheissen, beseitigt dies die Rechtkraft des angefoch tenen Ur- teils, und die bereits entschiedene Streitsache ist neu zu beurteilen (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwal- tungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 303 Rz. 5.36). 2.2 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus den in Art. 121–123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG). Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revi- sion nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte gel- tend machen können (sinngemäss Art. 46 VGG). 2.3 Die Gesuchstellerin bezeichnete ihre Eingabe als "zweites Asylgesuch beziehungsweise Mehrfachgesuch". Eine Eingabe ist jedoch nicht nach ih- rer Bezeichnung, sondern nach ihrem Inhalt zu qualifizieren. Die Gesuch- stellerin machte geltend, dass sie bereits am (…) 2014 vom Staatssicher- heitsgericht in B._______ in Abwesenheit verurteilt worden sei und sie hier- für nun Beweismittel habe erhältlich machen können, welche bereits vor dem bundesverwaltungsgerichtlichen Urteil vom 26. August 2020 entstan- den seien. Sie beruft sich mit der Nachreichung von Beweismitteln, welche ihre im vorangegangenen Asyl - und Beschwerdeverfahren vorgebrachte Verfolgung belegen sollen, sinngemäss auf (neue) Beweismittel gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG, womit sie die ursprüngliche Fehl erhaftigkeit des Beschwerdeurteils D-2069/2020 vom 26. August 2020 geltend macht, was die Behandlung als zweites Asylgesuch beziehungsweise Mehrfach- gesuch durch das SEM ausschliesst. Bei den eingereichten Dokumenten handelt es sich um vorbestehende Beweismittel, die vorbestehende Tatsa- chen belegen sollen (vgl. nachfolgend E. 4.2.1). Die Überweisung des Ge- suchs an das Bundesverwaltungsgericht erfolgte folglich zu Recht, wes- halb das Gericht die Eingabe vom 15. September 2020 – wie bereits in der Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2020 festgehalten wurde – als Revisi- onsgesuch entgegennahm und im Nachfolgenden unter revisionsrechtli- chen Aspekten prüft. 3. 3.1 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von Art. 124 BGG darzutun. D-4744/2020 Seite 6 3.2 Die Gesuchstellerin machte in ihrer Eingabe vom 14. September 2020 sinngemäss den Revisionsgrund nachträglich erfahrener erheblicher Tat- sachen respektive des nachträglichen Auffindens von Beweismitte ln (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG) geltend, indem sie vorbrachte, in ihrer Abwe- senheit wegen der Veröffentlichung von falschen Informationen, Anstiftung zum Aufruhr und Aufwirbelung von Chaos zwischen den Klassen des syri- schen Volkes verurteilt worden zu sein und ihrer Eingabe vor dem Be- schwerdeentscheid datierende Beweismittel beilegte. Das Revisionsge- such vom 14. September 2020, welches mit Eingabe vom 16. Okto- ber 2020 verbessert wurde, ist damit hinreichend begründet. 3.3 Hingegen zeigt sie die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens nach Massgabe von Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG (Frist von 90 Tagen nach Ent- decken des Revisionsgrundes) nicht auf. Die an das Bundesverwaltungs- gericht weitergeleitete Eingabe der Gesuchstellerin wurde am 15. Septem- ber 2020 bei der Vorinstanz eingereicht, wobei deren Einreichung an eine unzuständige Behörde der Fristwahrung nicht entgegensteht (Art. 21 Abs. 2 VwVG). Die Revisionsgründe wurden demnach mit der Eingabe am 15. September 2020 geltend gemacht. Wann genau die Gesuchstellerin aber Kenntnis von ihrer angeblich am (…) 2014 erfolgten Verurteilung durch das Staatssicherheitsgericht in B._______ und den vorliegend zu beurteilenden Beweismitteln (ein Auszug aus dem Strafregister vom 15. April 2020 und eine persönliche Bestätigung eines ehemaligen Armee- angehörigen vom 13. Februar 2020) erhalten hat, ist den Akten nicht zu entnehmen und führt die Ge suchstellerin – selbst nachdem sie mit Zwi- schenverfügung vom 6. Oktober 2020 hierzu ausdrücklich aufgefordert wurde – auch in ihrer Revisionsverbesserung nicht aus. Doch nicht nur konkrete Angaben, sondern auch Belege, welche nachweisen könnten, wann ihr die besagten Beweismittel zugegangen sein sollen, fehlen. Hin- sichtlich der eingereichten Beweismittel führte sie aus, diese hätten aus Sicherheitsgründen und aufgrund der ausserordentlichen Lage infolge der Corona-Pandemie nicht per Post zugestellt werden k önnen und seien schliesslich mit einem Nachbar, welcher nach Wiedereröffnung des Flug- hafens von Beirut nach Deutschland gereist sei, Anfang September 2020 zu ihr gelangt. Somit bleibt unklar, wann sie von ihrer angeblichen Verur- teilung und der Existenz der Dokumente Kenntnis erhalten hat. Angesichts der nachfolgenden Ausführungen kann die Frage der Rechtzeitigkeit vor- liegend indes offengelassen werden. Auf das im Übrigen frist- und formge- recht eingereichte Revisionsgesuch ist somit einzutreten.D-4744/2020 Seite 7 4. 4.1 Nicht als R evisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revision nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte geltend machen können (Art. 46 VGG). Erhebliche Tatsachen beziehungs- weise entscheidende Beweismittel bilden nur dann einen Revisio nsgrund im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG, wenn sie vor dem in Revision zu ziehenden Entscheid entstanden sind, in früheren Verfahren aber nicht bei- gebracht werden konnten, weil sie der gesuchstellenden Person damals nicht bekannt waren beziehungswei se trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt sein konnten oder ihr die Geltendmachung oder Beibringung aus entschuldbaren Gründen nicht möglich war. Eine Revision ist zudem aus- geschlossen, wenn die Entdeckung von erheblichen Tatsachen und Be- weismitteln auf Nachforschungen beruht, die bereits im früheren Verfahren hätten angestellt werden können, denn darin liegt eine unsorgfältige Pro- zessführung der gesuchstellenden Partei, zumal es den Prozessparteien obliegt, rechtzeitig und prozesskonform zur Klärung de s Sachverhaltes entsprechend ihrer Beweispflicht beizutragen (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU- BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 5.47, sowie SEILER/VON WERDT/GÜNGERICH/OBERHOLZER, Bundesge- richtsgesetz [BGG], 2. Aufl. 2015, Rz. 8–11 zu Art. 123). Die Beurteilung der Frage, ob die Geltendmachung von vorbestandenen Sachverhaltsum- ständen oder das Beibringen von Beweismitteln im früheren Verfahren in der Tat unmöglich oder unzumutbar war, hat restriktiv zu erfolgen (vgl. BGE 134 III 47 E. 2.1; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O.; E LISA- BETH ESCHER, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl., Ba- sel 2011, N 8 zu Art. 123 BGG; vgl. auch das am 18. Dezember 2017 er- gangene Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-6404/2017 E. 2 und 3). 4.2 4.2.1 Die Gesuchstellerin machte in ihrem Revisionsgesuch geltend, mit dem erst nach Abschluss des Beschwerdeverfahrens zugegangenen Aus- zug aus dem Strafregister vom 15. April 2020, aus welchem ihre am (…) 2014 erfolgte Verurteilung des Staatssicherheitsgericht s von B._______ wegen der Veröffentlichung von falschen Informationen, Anstif- tung zum Aufruhr und Aufwirbelung von Chaos zwischen den Klassen des syrischen Volkes zu 10 Jahren Haft sowie einer Geldbusse von 15 Millio- nen syrische Pfund hervorgehe, und der s chriftlichen Bestätigung eines ehemaligen Armeeangehörigen vom 15. Februar 2020, könne sie nun be- legen, dass sie von den syrischen Behörden gesucht und verfolgt werde und ihr im Falle der Rückkehr in Syrien eine unverhältnismässig hohe und asylrelevante Haftstrafe, wenn nicht sogar der Tod, drohe. D-4744/2020 Seite 8 4.2.2 In ihrer Eingabe vom 15. September 2020 erklärte sie zu den Um- ständen, wie sie von ihrer in Abwesenheit erfolgten Verurteilung erfahren habe, sie habe nach Erlass der vorinstanzlichen Verfügung vom 13. März 2020 einen Anwalt damit beauftragt, ihren Rechtsstatus respek- tive ihre Verfolgungssituation in Syrien abzuklären. Dieser habe ihren Straf- registerauszug erhältlich machen können, wobei sich dann herausgestellt habe, dass sie am (…) 2014 in Abwesenheit verurteilt worden sei. Demge- genüber behauptete sie in der Revisionsverbesserung vom 16. Okto- ber 2020, sie habe sich – als sie einen anderen Mann habe heiraten wol- len – einen Anwalt nehmen müssen, um die Scheidung zu beantragen. Da sie in Abwesenheit verurteilt worden sei und dies im Strafregister verzeich- net worden sei, hätten ihr jedoch keine Dokumente ausgestellt werden kön- nen. Ihr Anwalt sei dem nachgegangen und habe schliesslich einen Auszug aus dem Strafregister besorgen können. Die Gesuchstellerin äusserte sich damit auch widersprüchlich zum Zeitpunkt, wann sie von ihrer Verurteilung Kenntnis erhalten haben will. Insgesamt erscheinen ihre Angaben wenig glaubhaft. Weiter vermochte sie weder in ihrer Eingabe vom 15. Septem- ber 2020 noch in derjenigen vom 16. Oktober 2020 überzeugend darzule- gen, warum sie nicht früher von der Verurteilung hätte erfahren und diese anbringen können. Immerhin musste sie – unter der Annahme ihre Vorbrin- gen zur Verfolgung seien glaubhaft – mit entsprechenden Massnahmen der syrischen Behörden rechnen, weshalb entsprechende Nachforschun- gen im Rahmen der zumutbaren prozessualen Sorgfalt zu erwarten gewe- sen wären. Dementsprechend hätte es ihr schon im Rahmen ihrer Mitwir- kungspflicht gemäss Art. 8 AsylG im Asylverfahren vor dem SEM oblegen und wäre es ihr bei Beachtung der gebotenen Sorgfalt wohl auch möglich und zumutbar gewesen, die Tatsache, dass sie in ihrer Abwesenheit verur- teilt wurde, früher anzubringen. 4.2.3 Sodann ist festzuhalten, dass auch die mit Eingabe vom 15. Septem- ber 2020 eingereichten Beweismittel als verspätet zu qualifizieren sind. Als Erklärung, weshalb sie die Unterlagen nicht bereits im Beschwerdeverfah- ren beschaffen und beibringen konnte, gab sie an, dass ihr die Dokumente aus Sicherheitsgründen und aufgrund der ausserordentlichen Lage infolge der Corona-Pandemie nicht früher per Post hätten zugestellt werden kön- nen. Damit bringt die Gesuchstellerin keinen entschuldbaren Grund vor, denn es ist nach wie vor nicht ersichtlich und auch nicht nachvollziehbar, weshalb es ihr nicht möglich oder zumutbar gewesen sein sollte, entspre- chende Nachforschungen und Abklärungen in der geschilderten Weise nicht bereits schon während des ordentlichen Verfahrens anzustrengen und die mit dem vorliegenden Revisionsgesuch eingereichten Unterlagen D-4744/2020 Seite 9 früher beizubringen, insbesondere weil ihr hinsichtlich ihrer Asylvorbringen die entsprechende Substantiierungslast zukommt. Dies stellt vielmehr eine unsorgfältige Prozessführung dar. Die Gesuchstellerin wurde denn auch im Rahmen des ordentlichen Asylverfahrens mehrmals auf ihre Mitwirkungs- pflicht hingewiesen (vgl. SEM-Akten A/4, Seite 2 und A/12, Seite 2). Ihr sollte demnach bewusst gewesen sein, dass sie sich im Rahmen ihrer Mit- wirkungspflicht um die Einreichung von Beweismittel zu bemühen hatte. 4.2.4 Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass sowohl der Auszug aus dem Strafregister vom 15. April 2020 als auch die schriftliche Bestäti- gung eines ehemaligen Armeeangehörigen vom 15. Februar 2020 o hne weiteres im Verlauf des ordentlichen Beschwerdeverfahrens, welche s mit Urteil vom 26. August 2020 beendet wurde, hätten beschafft werden kön- nen und es der Gesuchstellerin auch möglich und zumutbar gewesen wäre, ihre Verurteilung vom (…) 2014 früher geltend zu machen. Angesichts des- sen, dass der Revisionsgrund der neuen und erheblichen Tatsachen und Beweismittel nicht dazu dient, bisherige Unterlassungen in der Beweisfüh- rung wiedergutzumachen, sind die Revisionsvorbringen – nebst dem, dass bereits die formelle Rechtzeitigkeit gemäss Art. 45 VGG i.V.m. Art. 124 BGG nicht dargetan wurde (vgl. oben E. 3.3) – als revisionsrecht- lich verspätet im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG und Art. 46 VGG zu erachten. 5. 5.1 Revisionsweise Vorbringen, die verspätet sind, können dennoch zur Revision eines rechtskräftigen Urteils führen, wenn aufgrund dieser Vor- bringen offensichtlich wird, dass der gesuchstellenden Person Verfolgung oder menschenrechtswidrige Behandlung droht und damit ein völkerrecht- liches Wegweisungshindernis besteht (vgl. BVGE 2013/22 E. 9.3.1 f. mit Verweis auf EMARK 1995 Nr. 9 E. 7). 5.2 Die mit dem Revisionsgesuch neu vorgebrachten Beweismittel vermö- gen nicht zur Einschätzung führen, dass der Gesuchstellerin im heutigen Zeitpunkt offensichtlich eine Verfolgung oder völkerrechtswidrige Behand- lung oder Bestrafung durch die heimatlichen Behörden droht : Bezüglich des Strafregisterauszugs ist auf die bundesverwaltungsgerichtliche Recht- sprechung zu verweisen, wonach im Kontext von Syrien nahezu jedes amt- liche Dokument gegen Bezahlung erhältlich gemacht werden kann. Daher ist selbst einem formell echten amtlichen Dokument nur dann eine rele- vante Beweiskraft beizumessen, wenn dieses im Kontext eines hinrei- chend schlüssigen Sachverhaltsvortrages eingereicht wird (vgl. u.a. Urteile D-4744/2020 Seite 10 des BVGer D-5750/2017 vom 13. Mai 2019 E. 4.3 und E-1695/2017 vom 14. Juni 2017 E. 7.3.1), was vorliegend offensichtlich nicht der Fall ist. Er- gänzend ist anzumerken, dass nachdem ein Strafregisterauszug nachg e- reicht werden konnte, nicht nachvollziehbar erscheint, weshalb der von der Gesuchstellerin beauftragte Anwalt nicht auch das im Strafregisterauszug erwähnte Urteil vom (…) bei den syrischen Behörden hätte erhältlich ma- chen können, sollte ein solches tatsä chlich existieren. Hinsichtlich der nachgereichten schriftlichen Bestätigung von E._______ vom 13. Feb- ruar 2020 ist festzuhalten, dass es sich bei dieser lediglich um eine Kopie handelt, der aufgrund der damit verbundenen Manipulationsmöglichkeiten kaum ein Beweiswert zukommt. Selbst bei Annahme der Authentizität des Schreibens vermag dieses jedoch keine Beweisrelevanz zu entfalten, wie- derholt es doch lediglich die Schilderungen der Gesuchstellerin und ist als Gefälligkeitsschreiben einzustufen. 6. Zusammenfassend ist festzustellen, dass keine revisionsrechtlich relevan- ten Gründe dargetan sind. Das Gesuch um Revision des Urteils des Bun- desverwaltungsgerichts D-2069/2020 vom 26. August 2020 ist demzufolge abzuweisen. 7. 7.1 Die Gesuchstellerin beantragte die Gewährun g der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der vorstehenden Erwä- gungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu erachten sind, weshalb das entsprechende Gesuch – ungeachtet der behaupteten Be- dürftigkeit der Gesuchstellerin – abzuweisen ist. 7.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1'500.– der Gesuchstellerin aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden. D-4744/2020 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Revisionsgesuch wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.– werden der Gesuchstellerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Gesuchstellerin, das SEM und die kantonale Mig- rationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Kathrin Rohrer Versand: