B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3459/2016 U r t e i l v o m 3 0 . J a n u a r 2 0 1 7 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Christa Luterbacher, Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch MLaw Lukas Marty, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende - Testbetrieb VZ Zürich, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 25. Mai 2016 / N (…). E-3459/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der iranische Beschwerdeführer habe ungefähr am (…) 2016 sein Heimat- land verlassen und sei am 19. April 2016 in die Schweiz eingereist, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. B. Mit Schreiben vom 22. April 2016 teilte das SEM ihm mit, er sei per Zufalls- prinzip der Testphase des Verfahrenszentrums (VZ) Zürich zugewiesen worden. Am 27. April 2016 wurde der Beschwerdeführer im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) VZ Zürich zu seinen Personalien und dem Rei- seweg befragt. Ein beratendes Vorgespräch fand am 4. Mai 2016 statt (Art. 24 TestV). Am 17. Mai 2016 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, er habe während (…) Monaten (bis […]) Militärdienst geleistet (A18 F. 60 ff.). Nach dessen Beendigung sei er zunächst arbeitslos gewesen, später habe er Verschiedenes ausprobiert (A18 F. 62 ff.). Im Jahr 2008 be- ziehungsweise 2009 habe er geheiratet, indes habe das Hochzeitsfest erst drei Jahre später stattgefunden ( A10 S. 3; A18 F. 69 ff.). Danach habe er begonnen, während eineinhalb Jahren in einem (…) – zunächst als (…), dann als (…) – zu arbeiten (A18 F. 71 ff.). Sodann habe er – nachdem er B._______ (ein iranischer Politiker) getroffen habe (A18 F. 94 ff. und 142) – als zivilangestellter (...) (A18 F. 186) ins Verteidigungsministerium in Te- heran gewechselt (A18 F. 93 ff.). Nach (…) Monaten hätten sie von ihm verlangt, nach C._______ zu gehen, um in einer militärischen Ausbildungs- basis zu (...) (A18 F. 156 ff.). Nach ein paar Tagen in C._______ sei er auf- gefordert worden , nach Syrien zu gehen, was er abgelehnt habe , aber schliesslich nicht habe verhindern können (A18 F. 142). Nachdem er auf dem Flughafen in Ohnmacht gefallen sei, sei er in einer Klinik wieder er- wacht (A18 F. 142). Aus Furcht, nach Syrien zwangsverlegt zu werden, sei er aus dem Iran geflohen (A18 F. 142 und 244). Ausserdem sei er zum Christentum konvertiert (A18 F. 211 ff.). C. Ein Entwurf des Asylentscheides wurde am 23. Mai 2016 dem Rechtsver- treter zugestellt, worauf di eser gleichentags dazu Stellung nahm (Art. 17 Abs. 2 Bst. e TestV). E-3459/2016 Seite 3 D. Mit Verfügung vom 25. Mai 2016 – gleichentags eröffnet – wies das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Es begründete diesen Ent- scheid im Wesentlichen damit, dass die Aussagen weder plausibel noch nachvollziehbar seien; die Ausführungen die Konversion zum Christentum betreffend seien zudem stereotyp und unsubstantiiert. Da die Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG nicht stand- halten würden, müsse deren Asylrelevanz (Art. 3 AsylG) nicht geprüft wer- den. Der Vollzug der Wegweisung sei ausserdem zulässig, zumutbar und möglich. E. Mit Eingabe vom 30. Mai 2016 (Poststempel: 31. Mai 2016) erhob der Be- schwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundes- verwaltungsgericht und beantragte dabei, dass ihm nach Aufhebung der Verfügung vom 25. Mai 2016 Asyl zu gewähren sei. Eventualiter sei der Entscheid zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pro- zessrechtlicher Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu ge- währen und die Pflicht, einen Kostenvorschuss zu leisten, zu erlassen. Der Eingabe lagen verschiedene Berichte über den Iran sowie eine Kopie der Militäraustrittskarte des Beschwerdeführers bei. F. Das Bundesverwaltungsgericht hiess am 9. Juni 2016 das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlic hen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. G. Im Rahmen einer Vernehmlassung hielt das SEM am 24. Juni 2016 fest, dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be- weismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könn- ten, enthalte. Am 12. Juli 2016 replizierte der Beschwerdeführer. H. Mit Eingabe vom 22. November 2016 reichte der Beschwerdeführer wei- tere Beweismittel seine Konversion zum Christentum betreffend ein. I. Im vorinstanzlichen Dossier finden sich eine Kopie einer iranischen Identi- tätskarte und Auszüge des Facebook-Accounts von A._______. E-3459/2016 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht is t daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). Aufgrund der Zuweisung des Beschwerdeführers in die Testphase des VZ Zürich gelangt die Verordnung vom 4. September 2013 über die Durchfüh- rung von Testphasen zu den Beschleunigungsmassnahmen im Asylbereich (TestV) zur Anwendung (Art. 1 und Art. 4 Abs. 1 TestV). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 112b Abs. 3 AsylG i.V.m. Art. 38 TestV; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 In der Beschwerdeschrift wurde zunächst eine Verletzung des Unter- suchungsgrundsatzes gerügt. Diese Rüge ist vorab zu prüfen, da ein Ver- fahrensmangel allenfalls geeignet wäre, eine Kassation des vorinstanzli-E-3459/2016 Seite 5 chen Entscheides zu bewirken (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs- verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1156 m.w.H.). 3.1.1 Die Verfügung vom 25. Mai 2016 stellte fest, die vorgebrachte Ab- sicht des iranischen Verteidigungsministerium – einen zivilen (...) ohne ent- sprechende Ausbildung zwangsweise in einen anspruchsvollen militäri- schen Auslandeinsatz zu schicken – widerspreche der allgemeinen Erfah- rung oder der Logik des Handelns. Vielmehr wäre zu erwarten gewesen, dass die iranischen Behörden militärisches Personal oder allenfalls profes- sionelle, freiwillige Zivilangestellte in den Einsatz schicken würden, zumal der Beschwerdeführer offensichtlich körperlich wie physisch angeschlagen gewesen sei. Unverständlich sei en auch die umfangreiche Überwachung des Beschwerdeführers auf der Krankenstation in C._______, die Suche nach diesem nach seiner Flucht aus dem Spital und die Drohungen gegen- über seinen Familienangehörigen. Hierzu wäre – nach dem Abtauchen des Beschwerdeführers – eine Entlassung als Zivilangestellter (allenfalls ver- bunden mit einer disziplinarischen Strafe) zu erwarten gewe sen. Die Vor- bringen seien darüber hinaus, so das SEM, nicht hinreichend begründet gewesen. Der Beschwerdeführer sei zwar aufgefordert worden, die Um- stände rund um seinen Aufenthalt in C._______ zu beschreiben, jedoch seien die Aussagen uns ubstantiiert und detailarm ausgefallen. Ferner seien die Aussagen bezüglich der Motivation des Beschwerdeführers zu seiner Konversion zum Christentum stereotyp und ebenfalls unsubstanti- iert. Im Gesamten sei es ihm nicht gelungen, die geltend gemachte Furcht vor einer Verfolgung durch die iranischen Behörden glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG). 3.1.2 In der Rechtsmitteleingabe vom 30. Mai 2016 wurde gerügt, dass die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers durch die Vorinstanz sehr einseitig gewesen sei, umfasse doch der Unter- suchungsgrundsatz nicht nur Elemente, welche die asylsuchende Person belasten würden, sondern auch diejenigen, welche sie beg ünstigen wür- den. Der Beschwerdeführer habe sehr viele Details vorgebracht, die vom SEM hätten überprüft werden können (z.B. mehrere Namen von beteiligten höheren Militärangehörigen). 3.1.3 Im Rahmen der Vernehmlassung hielt das SEM am 24. Juni 2016 fest, dass dem Beschwerdeführer mehrmals Gelegenheit geboten worden sei, sich zu verschiedenen Punkten und Widersprüchen zu äussern. Aus-E-3459/2016 Seite 6 serdem führe die Rechtsvertretung in der Regel mehrere vertrauliche Ge- spräche mit dem Beschwerdeführer und gelange somit unter Umständen an Informationen, welche dem SEM unbekannt seien. Diesfalls stehe die Rechtsvertretung in der Pflicht, bei der Erstellung des Sachverhalts mitzu- wirken und während der Anhörung auf wichtige Aspekte hinzuweisen, wel- che dem Sachbearbeiter unbekannt seien und für den Beschwerdeführer sprechen würden. Ausserdem stehe es der Rechtsvertretung frei, selber Fragen zu stellen, um den Sachverhalt zu ergänzen. Hinsichtlich der zu prüfenden Namen von höheren Militärangehörigen bleibe festzustellen, dass eine Überprüfung des Namens B._______ nichts zu Gunsten des Be- schwerdeführers ergeben habe, obwohl ein mögliches Treffen nicht bestrit- ten werde. Aus dem Kontext der Aussagen würden sich zwei Möglichkeiten ergeben: Ein zufälliges Treffen der beiden sage einerseits nichts zur Asyl- relevanz der Vorbringen aus. Wäre B._______ jedoch anderseits in die ver- deckte Operation, mit welcher der Beschwerdeführer nach Syrien hätte ge- bracht werden sollen, involviert gewesen, sei nicht ersichtlich, weshalb sich der ehemalige (…) persönlich um die Entsendung eines iranischen (...) in die Konfliktgebiete hätte bemühen sollen. Da – wie dargestellt – die Über- prüfung dieses Namens auf weitere Ungereimtheiten hinweise, sei auf ei- nen diesbezüglichen Verweis im Asylentscheid verzichtet worden. Zum Vorwurf der Rechtsvertretung, die Glaubhaftigkeitsprüfung sei vom SEM im Rahmen der Anhörung und nicht in der Entscheidfindung durchgeführt worden, gelte es zu bemerken, dass eine Anhörung dazu diene, Fakten zu sammeln. Eine endgültige Beurteilung der Substanz oder des Detail -reichtums sei erst in der Analyse der Anhörung zu bewerkstelligen. In Würdigung aller Elemente sei das SEM vorliegend zum Schluss gekommen, dass in Anbetracht der zahlreichen Unstimmigkeiten, welche nicht alle in der Verfügung aufgeführt worden seien, die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht glaubhaft seien. Weiter führte das SEM aus, der militärisch ausgebildete Beschwerdeführer sei ausreichend qualifiziert, einen Kampfeinsatz in Syrien zu leisten; indes halte es die Umstände de r geltend gemachten plötzlichen und geheimen Zwangsrekrutierung für einen Kriegseinsatz als (...) in Syrien für nicht nachvollziehbar. Davon ausgehend , dass der Iran erstens über eine strukturierte, staatliche Armee verfüge , sei eine Inanspruchnahme einer iranischen Zivilperson als (...) ohne entsprechende Ausbildung nicht vonnöten. Zweites sei es das legitime Recht eines jeden Staates, seine Bürger zum Militärdienst zu verpflichten. Es widerspreche indes der Logik des Handelns, dass der iranische Staat ein en iranischen Zivilangestellten E-3459/2016 Seite 7 des Verteidigungsministeriums auf eine Militärbasis in C._______ verlegt haben soll, um diese Person ohne Vorinformation oder Vorbereitung nach Syrien zu senden. Drittens greife die Ausführung der Rechtsvertretung zu kurz, dass auch militärisch unerfahrene afghanische Flüchtlinge rekrutiert würden. Diese würden – gemäss dem Anhang der Beschwerdeschrift – einerseits für ihren Einsatz ausgebildet und vorbereitet; anderseits werde ihnen eine Niederlassungsbewil ligung, Haftredukt ion oder ein Sold versprochen. Damit versuche der iranische Staat das Ausmass seiner Kriegsbeteiligung zu verschleiern. Für iranische Staatsangehörige, die nicht im aktiven Militärdienst stehen würden, wäre es indes naheliegend, dass die Rekrutierungen fre iwillig oder im Rahmen der Dienstp flicht erfolgen und dass die Rekrutierten auf ihre spezifische Aufgabe vorbereitet würden. Schliesslich erinnerte das SEM daran, dass der Beschwerdeführer ledig- lich ein Zivilangestellter gewesen sei; folglich sei nicht davon auszugehen, dass er wie ein Deserteur oder Dienstverweigerer sanktioniert worden wäre. Zudem sei der Beschwerdeführer weder politisch aktiv, noch habe er öffentlich gegen Normen der iranischen Gesellschaft verstossen. Der Auf- wand, den der iranische Staat für den vorgebrachten erzwungenen Kriegs- einsatz und die Verfolgung betrieben habe, stehe in einem Missverhältnis zur bescheidenen militärischen Funktion des Beschwerdeführers. 3.1.4 In der Replik vom 12. Juli 2016 wurde ausgeführt, bei den dem Be- schwerdeführer angebotenen Gelegenheiten, sich zu Widersprüche n zu äussern, handle es sich um Erklärungsversuche von Motiven, die nicht seine eigenen gewesen seien, was zu vagen Mutmassungen führe. Bei anderen Fragen sei nicht weiter nachgefragt worden. Zwar liege das SEM richtig, wenn es informiere, dass auch die Rechtsvertretung bei der Erstel- lung des Sachverhalts zur Mitwirkung verpflichtet sei, indes liege die Lei- tung der Anhörung bei der Vorinstanz. Ausserdem machte die Rechtsver- tretung darauf aufmerksam, dass die Argumente der Vernehmlassung zum grössten Teil auf Annahmen beruhen würden, weshalb diese für eine Ent- scheidgrundlage abzulehnen seien. 3.2 Das Verfahren nach dem VwVG wird vom Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG) beherrscht. Als Verfahrensmaxime besagt dieser, dass die Verwaltungsbehörden für die Beschaffung des die Urteilsgrundlage bilden- den Tatsachenmaterials zuständig sind. Er auferlegt der Behörde die Pflicht, von Amtes wegen den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig E-3459/2016 Seite 8 und richtig zu ermitteln und beinhaltet gewissermassen eine Art „behördli- che Beweisführungspflicht“ (vgl. KRAUSKOPF/EMMENEGGER/ BABEY, in: Pra- xiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], 2. Aufl. 2016, Art. 12 Rz. 16). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der gesetzlichen Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG). 3.3 Die Behörde ist verpflichtet, nicht nur zu denjenigen Sachverhaltsele- menten Beweis zu führen, welche die asylsuchende Person belasten, son- dern auch zu jenen, die sie begünstigen. Die Vorinstanz bedient sich dazu der in Art. 12 VwVG genannten Beweismittel. Die Anhörung gemäss Art. 29 AsylG ist das Kernstück des Asylverfahrens, durch welches der asylrele- vante Sachverhalt zu erstellen ist. Bleibt dieser nach der Anhörung lücken- haft, kann eine e rgänzende Anhörung durchgeführt werden. Alle Teilneh- menden einer Anhörung haben eine definierte Funktion und unterstehen Rechten und Pflichten. Alle Personen – mit Ausnahme der asylsuchenden Person – unterstehen der Verschwiegenheitspflicht. Die befragende Per- son muss sich während der Anhörung ausserdem neutral verhalten und gegenüber allen anwesenden Personen geduldig und respektvoll zeigen. Die Asylsuchenden haben eine Mitwirkungspflicht in der Sachverhaltsfest- stellung (Art. 8 AsylG); insbesondere müssen sie alle Gründe angeben, die sie veranlasst haben, Asyl zu bea ntragen. Eine Verletzung der Mitwir- kungspflicht ist gegeben, wenn die asylsuchende Person wissentlich rele- vante Sac hverhaltselemente verschweigt. V erspätete Parteivorbringen können jedoch – wenn sie entscheidrelevant sind – berücksichtigt werden (Art. 32 Abs. 2 VwVG). Die Rechtsvertreter sind nicht befugt, Fragen an- stelle der asylsuchenden Person zu beantworten, können indes von der befragenden Person verlangen, den Sachverhalt in Be zug auf besondere Punkte klarzustellen (vgl. SEM, Handbuch Asyl und Rückkehr, Artikel C7, Die Anhörung zu den Asylgründen, S. 5 ff.). Während der Anhörung zu den Asylgründen werden die Erklärungen auch unter dem Aspekt der Plausibi- lität unter die Lupe geno mmen. Werden Ungereimtheiten oder eine feh- lende Logik bereits dann schon erkennbar, wird die asylsuchende Person darauf – im Rahmen des rechtlichen Gehörs – angesprochen (vgl. SEM, a.a.O., S. 33 ff.; Schweizerische Flüchtlingshilfe [Hrsg.], Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, 2. Aufl. 2015, S. 89 ff.). 3.4 Im vorliegenden Verfahren hat das SEM ausführlich dargelegt, weshalb es die Vorbringen des Beschwerdeführers für nicht glaubhaft hält. Während der Anhörung wurde der Beschwerdeführer auf Unklarheiten aufmerksam gemacht (z.B. A18 F. 76, 81 ff., 106, 133 ff., 166, 168 f., 177 ff., 186, 189 E-3459/2016 Seite 9 etc.) oder aufgefordert, weiter ins Detail zu gehen (z.B. A18 F. 32, 40, 88 f., 96, 108 ff., 117 f., 124 f., 133 ff., 182 etc.). Hinsichtlich der Antworten, die auf e iner Vermutung des Beschwerdeführers basieren ( z.B. A18 F. 177, 179 f. etc.), wird vom Beschwerdeführer nicht erwartet, dass er das genaue Motiv – z.B. weshalb man ihn nach Syrien habe schicken wollen – nennen kann, sondern er soll seine eigene Meinung darlegen, um den Sachverhalt aus subjektiver Sicht verständlich zu machen. Wiederholungen von Fragen sind in geeignetem Mass erlaubt und auch erforderlich, um Unklarheiten aus dem Weg zu räumen. Falls sich die asylsuchende Person diesfalls wi- dersprechen würde, könnte dies negativ ausgelegt werden. Vorliegend be- gründete die Vorinstanz die Unglaubhaftigkeit jedoch nicht mit wider- sprüchlichen Antworten, sondern mit Ausführungen, die gegen die Logik des Handels sprechen würden oder die zu wenig detailliert od er unsub- stantiiert seien. Der Rechtsvertreter stellte gegen Ende der Anhörung (nur) zwei Fragen (A18 F. 229 f.) und der Beschwerdeführer erklärte, er habe alles sagen können, was er als wesentlich erachte (A18 F. 242). Das SEM reagierte in seiner Verfügung vom 25. Mai 2016 auch auf die Stellungnahme des Rechtsvertreters vom 23. Mai 2016 und führte aus, weshalb es weiterhin nicht nachvollziehen könne, dass der Beschwerdeführer unvorbereitet als iranische Zivilperson nach Syrien hätte geschickt werden sollen. Ausser- dem habe die Rechtsvertretung während der Anhörung das Vorgehen nicht bemängelt und kaum Fragen gestellt. In der Vernehmlassung vom 24. Juni 2016 nahm die Vorinstanz eingehend zu den Rügen des Beschwerdefüh- rers Stellung und machte – bezüglich den Namen eines hohen Militäran- gehörigen – weitere Ausführungen, weshalb die Vorbringen in ihren Augen nicht glaubhaft seien. Demzufolge ist das Vorgehen und die Begründung des SEM nicht zu beanstanden. Generell ist auch darauf hinzuweisen, dass nicht erforderlich ist, dass sich der Entscheid mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 141 III 28 E. 3.2.4; 139 IV 179 E. 2.2, je m.w.H.). 3.5 Zusammenfassend gilt festzustellen, dass keine verfahrensrechtlichen Fehler seitens der Vorinstanz vorliegen. E-3459/2016 Seite 10 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch dahingehend, dass er als zivilangestellter (...) (A18 F. 93 und 166) zwangsweise in das syrische Kriegsgebiet entsandt worden wäre, hätte er nicht die Flucht er- griffen. Seit Herbst 2015 sei er im iranischen Verteidigungsministerium in Teheran – diese Stelle sei ihm durch s einen früheren Arbeitgeber D._______ und dessen Freund E._______ vermittelt worden (A18 F. 94 ff. und 142) – an der (…) in Teheran (A18 F. 101) als (...) angestellt gewesen (A18 F. 100 ff.). Nach (…) Monaten – am (…) 1394 ( […] 2016, A18 F. 145 ff.) – sei er zusammen mit anderen Kollegen nach C._______ beor- dert worden, um dort in einer militärischen Ausbildungsbasis, deren Name er nicht kenne, zu arbeiten (A18 F. 142 und 156 ff.). (…) Tage später sei ihm gedroht worden, wenn er sich weigere, nach Syrien zu gehen, müsse er mit Folgen rechnen (A18 F. 142, 151 und 182). Am nächsten Morgen seien sie auf den Flughafen gebracht worden (A18 F. 154), wo sie in einen Raum mit vollständig bew affneten Personen gebracht worde n seien. Ein Angehöriger der Basij-Miliz (Sazman-e basij-e mostazafan, Organisation zur Mobilisierung der Unterd rückten) habe ihm gesagt, sie würden nach Syrien gehen, „um dort als Märtyrer im Dienste der Verteidigung der heili- gen Schreine zu sterben“ (A18 F. 142 und 207). Vermutungsweise habe dieser die Stadt F._______ (bzw. G._______) gemeint, w o die iranische Front sei (A18 F. 176). Nach dieser Aussage sei der Beschwerdeführer in E-3459/2016 Seite 11 Ohnmacht gefallen und – am gleichen Tag – erst in einer Klinik wieder auf- gewacht (A18 F. 142). Dann sei er von E._______ telefonisch angefragt worden, ob er an einer speziellen Krankheit leide. Nachdem er dies ver- neint habe, sei er aufgefordert worden, sich bereit zu halten; er werde mit der nächsten Truppe ausgeflogen (A18 F. 142). In diesem Zeitpunkt habe er sich für die Flucht entschieden. Da sein Krankenzimmer an der Tür be- wacht gewesen sei, sei er noch in der gleichen Nacht durchs Fenster ge- flohen (A18 F. 142 und 155). Er habe seiner Schwester in Teheran ein e Mitteilung zukommen lassen, welche seine Ausreise schliesslich organi- siert habe (A18 F. 114 ff.). 5.2 Die von der Vorinstanz festgestellte Unglaubhaftigkeit ist im Ergebnis zu bestätigen und diesbezüglich – zwecks Vermeidung von Wiederholun- gen – vorab auf die Ausführungen des SEM zu verweisen. 5.2.1 Die zivile Anstellung des Beschwerdeführers im Verteidigungsminis- terium in Teheran wird vom Gericht nicht in Abrede gestellt . Jedoch sind dessen Ausführungen bezüglich seines abrupten Weggangs nach C._______ und dortigen Aufenthalts sowie die Abordnung nach Syrien nicht glaubhaft ausgefallen. Gemäss seiner Dienstaustrittskarte – ausge- stellt am (…) 2015 – hat er vom (…) bis (…) Dienst geleistet (A18 F. 60 f.). Von einem ausgebildeten Soldaten wären deshalb – selbst wenn er nur (…) Tage auf der Ausbildungsbasis in C._______ verbracht haben soll – genauere Angaben über deren Name und darüber, wo sie sich befindet (A18 F. 157 ff.), zu erwarten gewesen . Auch ist – wie das SEM zu Recht festgestellt hat – der grosse behördliche Aufwand für eine Bewachung ei- nes zivilangestellten, iranischen (...), der sich geweigert haben soll, in ein Kriegsgebiet zu gehen (A18 F. 202), nicht nachvollziehbar. Dem Einwand, die iranische Armee verfüge über zu wenig Soldaten, welche sie nach Sy- rien entsenden könnte (A18 F. 210), kann ebenfalls nicht gefolgt werden. Nach Kenntnissen des Bundesverwaltung sgerichts lässt sich der Einsatz der iranischen Kämpfer in Syrien grob in drei Phasen unterteilen. In die erste Phase (von 2012 bis Oktober 2015) fiel der Einsatz von Offizieren der iranischen Revolutionsgarden (Islamic Revolutionary Guard Corps [IRGC]), welche schiitische Truppen auf Seiten Assads anführten, wie auch der Fatemiyoun Brigaden, welche sich aus freiwilligen oder zwangsweise rekrutierten afghanischen Schiiten (und später auch aus eingebürgerten afghanischen Iranern, Irakern und Pakistanis) zusammensetzt. Die zweite Phase begann mit der russischen Intervention Ende September 2015 und wurde durch den vermehrten Einsatz von Bodentruppen der Revolutions- garden bestimmt. In dieser Phase wu rden auch Freiwillige der Basij -Miliz E-3459/2016 Seite 12 nach Syrien entsandt. Gleichzeitig wurden denn auch Rekrutierungs -Re- geln definiert, um den „Ansturm an Freiwilligen“ einzudämmen, die nach Syrien kämpfen gehen wollen (vgl. Foreign Policy [FP], Iran has more vo- lunteers for the Syrian war than it knows what do with, Mai 2016, http://fo- reignpolicy.com/2016/05/12/iran-suleimani-basij-irgc-assad-syria/, besucht am 5. Dezember 2016). Der Beginn der dritten Phase lässt sich auf Ap- ril/Mai 2016 festlegen – neben den Revolutionsgarden wurden erstmals re- guläre militärische Truppen (Artesh) nach Syrien geschickt. Informationen zu iranischen zivilen Mitarbeitenden der Truppen in Syrien finden sich we- der in den konsultierten noch in den vom Rechtsvertreter eingereichten Quellen. Somit kann das Vorbringen des Beschwerdeführers , er sei zwangsweise als Zivilperson iranischer Staatszugehörigkeit durch das ira- nische Militär für einen Einsatz in Syrien rekrutiert worden, nicht als glaub- haft gemacht erachtet werden. Auch ist der Beschwerdeschrift nichts Stich- haltiges zu entnehmen, das zu einem gegenteiligen Schluss führen könnte. 5.2.2 Die Vorfluchtgründe wurden folglich zu Recht als nicht glaubhaft ge- macht erachtet und das Asyl verweigert (Art. 7 und 3 AsylG). 5.3 Sodann ist hinsichtlich der Konversion des Beschwerdeführers zum Christentum das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG zu prüfen. 5.3.1 Wer sich darauf beruft, dass durch ein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsland eine Gefährdungssituation geschaf- fen worden sei, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (Art. 54 AsylG). Diese begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unab- hängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden (BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). Massgeblich ist, ob die iranischen Behörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei der Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und Art. 7 AsylG). 5.3.2 Hinsichtlich dieses Vorbringens kann vorab ebenfalls auf die vorin- stanzlichen Erwägungen verwiesen werden, denen sich das Bundes ver- waltungsgericht anschliesst (vgl. zur Konversion zum Christentum das Re- ferenzurteil vom 31. Oktober 2014 D-7222/2013 E. 6.5.1). Noch in der An- hörung sagte der Beschwerdeführer aus, er gehöre keiner Religion an (A18 E-3459/2016 Seite 13 F. 10). Er wolle sich jedoch dem Christentum – aufgrund seiner negativen Erfahrungen im Iran – anschliessen (A18 F. 211 ff.). Den Akten sind keine Angaben zum Umfang seiner heutigen religiösen Aktivitäten zu entneh- men. Auch die am 22. November 2016 eingereichten Beweismittel der (…) Gemeinde in der Schweiz –Tauffotografien – belegen lediglich seine Zuge- hörigkeit zu dieser christlichen Gemeinschaft, aber keine Aktivitäten, die zur Annahme führen müssten, dass er vom iranischen St aat als staats- feindlichen eingestuft würde. Folglich liegen auch keine subjektiven Nach- fluchtgründe vor. 5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Flücht- lingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneinte und sein Asyl- gesuch ablehnte. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegw eisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). E-3459/2016 Seite 14 7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gez wungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK) und der Praxis zu Art. 3 der Europä- ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhe bliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Iran dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge- setzt wäre. Gemäss Pr axis des Europäischen Gerichtshofes für Men- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Fo lter oder un- menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, § 124 ff. m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den Wegwei- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-E-3459/2016 Seite 15 grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1 Im Iran herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb von der generellen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in dieses Land ausge- gangen werden kann. 7.3.2 Den Akten lassen sich auch keine individuellen Wegweisungshinder- nisse entnehmen. Der gesunde Beschwerdeführer verfügt über ein ausge- dehntes Beziehungsnetz – darunter seine Ehefrau und enge Verwandte – im Iran (A10 S. 3 und 5; A18 F. 13 ff.) und über eine langjährige Berufser- fahrung in verschiedenen Gebieten, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass es ihm gelingen wird, bei seiner Rückkehr wieder eine gleich- wertige Lebens- und Wohnsituation zu erlangen und eine gleiche oder ähn- liche Erwerbstätigkeit aufnehmen zu können. 7.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl. dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1-3 VGKE). Nachdem jedoch das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 E-3459/2016 Seite 16 VwVG mit Verfügung vom 9. Juni 2016 gutgeheissen wurde, werden keine Verfahrenskosten auferlegt. (Dispositiv nächste Seite) E-3459/2016 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe