B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6130/2011 U r t e i l v o m 1 2 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. Oktober 2011 / N (…). E-6130/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, eine aus B._______ (Äthiopien) stammende ethnische Amharin orthodoxen Glaubens , verliess ihre Heimat eigenen Angaben zufolge am 19. Dezember 2005 auf dem L uftweg in Richtung C._______. C._______ habe sie nach einem Aufenthalt von zirka zwe i- einhalb Jahren wieder verlassen. Am 11. Juli 2008 sei sie auf dem Luf t- weg von Italien herkommend in die Schweiz (Flughafen Genf) eingereist. Am 25. Juli 2008 suchte sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Vallorbe um Asyl nach. Bei der am 11. August 2008 im EVZ Vallorbe durchgeführten Erstbefra- gung gab die Beschwerdeführerin zu ihrer Person vorab Folgendes an : Sie sei seit (…) Jahren nach Brauch verheiratet und habe (…) Kinder. Ih- re Eltern seien nicht mehr am Leben, sie habe im Heimatland aber noch (…) Geschwister. Bis zu ihrer Ausreise habe sie an der Adresse ihrer E l- tern gewohnt. Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte sie im Wesentli- chen Folgendes aus: Ihr Vater, welcher für (…) gearbeitet habe, sei im Juni 2005 nachts von Leuten der I hiadeg (gemeint sein dürfte die Parte i- enkoalition der Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker, engl. EPRDF, amharisch Ihadeg) mitgenommen worden. Sie habe gehört, da ss dieser ermordet worden sei. Den Grund dafür kenne sie aber nicht. Am 17. Juni 2005 seien nachts fünf Militärs gekommen und hätten auch sie abgeholt. Sie sei ins Gefängnis von B._______ gebracht und dort bis zum 29. November 2005 festgehalten worden. Wäh rend ih- res Gefängnisaufenthalts sei sie Mitglied der Kinijit (Anmerkung Gericht: Koalitionspartei für Einheit und Demokratie, englisch CUD/CUDP) g ewor- den. Dank einer Bürgschaft sei sie schliesslich freigekommen. Bei der Freilassung habe man ihr gesagt, dass sie jeweils vorstellig werden müs- se, wenn sie gerufen werde. Sie habe sich danach erneut bemüht, etwas über das Schicksal ihres Vaters herauszufinden. Di e Leute der Ihiadeg hätten ihr jedoch wegen ihrer Recherchen mit dem Tod gedroht. Da sie um ihr Leben habe fürchten müssen, habe sie Leute gesucht, die ihr e i- nen Pass ausstellen könnten. Sobald sie in dessen Besitz gewesen sei, sei sie nach C._______ ausgereist. Nach einem Beweismittel für den Ge- fängnisaufenthalt gefragt, gab die Beschwerdeführerin an, sie wisse nicht, wer ihr ein solches ausstellen könnte. Die Beschwerdeführerin vermochte sich nicht auszuweisen. Sie gab an, sie habe sich ein Jahr vor ihrer Ausreise in Addis Abeba einen Pass aus-E-6130/2011 Seite 3 stellen lassen. Diesen habe sie legal und persönlich erhalten. Mit diesem Pass sei sie in die Schweiz gereist. Der Pass sei bei ihrem Arbeitgeber [aus C._______] Arbeitgeber, welcher sie in die Schweiz begleitet habe, zurückgeblieben. Zudem habe sie im Heimatland über eine Identitätskarte verfügt, welche sie aber in B._______ zurückgelassen habe. Die B e- schwerdeführerin gab an, sie werde das Nötige unternehmen bezi e- hungsweise ihrem Ehemann telefonieren, um die Identität skarte zu erhal- ten; sie benötige nur die Adresse des EVZ. Der Beschwerdeführerin wurde unter Hinweis auf die Möglichkeit eines Nichteintretensentscheides mittels Merkblatt aufgefordert, innert 48 Stu n- den gültige Identitätspapiere zu den Akten zu reichen. B. Am 18. August 2008 wurde die Beschwerdeführerin vom BFM einlässlich zu ihren Ausreisegründen angehört. Gleich zu Beginn machte sie geltend, sie habe bei der Erstbefragung irrtümlicherweise das Jahr 2005 als En t- lassungsdatum aus dem Gefängnis angegeben. Sie sei vielmehr erst im Jahr 2006 aus dem Gefängnis entlassen worden. Nach ihren Bemühungen hinsichtlich der Beschaffung ihrer Identitätskarte gefragt, gab sie an, sie habe in den letzten drei Tagen wiederholt ihrem Ehemann telefoniert und diesen um Zustell ung ersucht. Auf Nachfrage hin ergänzte sie, sie habe bereits seit der Aufforderung zur Papierabgabe wiederholt nach Hause angerufen. Ihr Ehemann wohne seit zwei Jahren zusammen mit den Kindern und drei ihrer Geschwister in Addis Abeba, wo er als (…) arbeite. Ihr Pass befinde sich sodann bei ihrem früheren Arbeitgeber in C._______. Weil dieser sie schlecht behandelt habe und sie von der Arbeitsstelle geflohen sei, könne sie den Pass dort nicht a n- fordern. Zu ihren persönlichen Verhältnissen gefragt, führte die Beschwerdeführe- rin aus, sie habe vor (…) Jahren geheiratet. In B._______ habe sie bei ih- ren Eltern beziehungsweise – gemäss späterer Aussage – bei den Eltern ihres Ehemannes gewohnt. Nach ihren Ausreisegründen gefragt, wiederholte sie die Festnahme ihres Vaters und ihre eigene Festnahme. Im Gefängnis habe sie von ihre n Schwestern erfahren, dass ihr Vater ermordet worden sei. Wann dies ge- wesen sei, wisse sie nicht mehr. Es sei die Rede von mehreren Personen gewesen, die plötzlich verschwunden seie n. Eines Tages – das Datum E-6130/2011 Seite 4 wisse sie nicht mehr – sei sie an einen Ort namens Amora Gedel g e- bracht worden. Dabei handle es sich um eine Stelle, an welchem die I hi- adig bereits viele Menschen exekutiert habe. Man habe ihr gesagt, dass es ihr gleich ergehen würde, wenn sie noch weitere Fragen zum Verbleib des Vaters stelle. Sie sei da nach ins Gefängnis zurückgebracht worden. Befragt worden sei sie nie. Sie habe aus Angst auch keine weiteren Fr a- gen nach ihrem Vater gestellt. Sie sei zusammen mit etwa hundert an de- ren Frauen in einem grossen Saal inhaftiert gewesen. Den Gefängnisall- tag habe sie mit Bibellesen, Beten und Essen verbracht. Während der Haftzeit seien die Militärs der Ihiadeg von Zeit zu Zeit gekommen und hät- ten sie gewarnt, keine weiteren Fragen über ihren Vater zu stellen. Am 29. November 2006 habe ihr Ehemann sie durch Beibringen einer Garan- tin namens D._______ freibekommen. Die Garantin habe nichts beza h- len, jedoch dafür garantieren müssen, dass sie (die Beschwerdeführerin) sich bei Beda rf jeweils bei den Behörden präsentiere. Ein Beweisdok u- ment betreffend diese Garantieerklärung könne sie nicht beibringen. Drei oder vier beziehungsweise – gemäss späterer Schilderung – zwei oder drei Tage später seien Leute zu ihr gekommen und hätten sie bedroht, sollte sie weiter hin nach ihrem Vater fragen. Entweder habe sie ruhig zu sein oder das Land zu verlassen. Sie habe sich dafür entschieden, das Land zu verlassen und sei am 19. Dezember 2006 nach C._______ ge- reist. Bis zu ihrer Ausreise habe sie ke ine Nachforschungen mehr zu i h- rem Vater getätigt. Sie habe einen Schlepper kontaktiert, welcher ihr die illegale Ausreise nach C._______ sowie ein Vium für 10'000 Dollar orga- nisiert habe. Sie sei mit ihrem eigenen Pass gereist, den sie ein Jahr z u- vor in Ad dis Abeba habe ausstellen lassen, nachdem sie von ihren Ve r- wandten eine Einladung aus den USA erhalten habe. In C._______ habe sie im Haushalt einer Familie gearbeitet. Sie kenne aber weder deren Namen noch deren genaue Adresse. Sie sei von der Familie ber eits am Flughafen in Empfang genommen worden. Die Familie habe sie schlecht behandelt und geschlagen. Die Familie habe sie auf eine Ferienreise in die Schweiz mitgenommen, wobei sie auch hier weiterhin geschlagen worden sei. Sie habe beschlossen, bei erste r Gelegenheit zu fliehen. Als diese geschlafen hätten, habe sie dann das Haus verlassen. In Genf h a- be sie einen Somalier getroffen, welcher ihr geholfen habe und bei we l- chem sie noch drei Tage habe bleiben können. Dann habe ihr dieser ein Ticket nach Vallorbe bezahlt. Zu den Verhaftungsumständen ihres Vaters führte die Beschwerdeführ e- rin aus, sie habe sich damals im Elternhaus befunden, als ihr Vater nachts verhaftet worden sei. Zwei uniformierte Männer der Ihiadeg mit ro-E-6130/2011 Seite 5 ten Berets hätten diesen mitgenommen . Rote Berets würden nur die Un- erbittlichen tragen, die die Leute exekutierten. Sie sei in der Folge auf den Polizeiposten und ins Gefängnis gegangen, um den Vater zu suchen, doch man habe ihr an beiden Orten gesagt, dass man eine Person mit diesem Namen nicht kenne. Sie sei im Übrigen die Einzige der Familie, die Nachforschungen nach ihrem Vater getätigt habe. Dies sei allein ihre Aufgabe gewesen, da sie die Älteste sei. Zu ihrer eigenen Festnahme führte sie aus, die Leute, die sie am 17. Juni 2005 festgenommen hätten, hätten auch Uniformen, aber keine roten Berets getragen. C. Mit Verfügung vom 11. Oktober 2011 – eröffnet am 12. Oktober 2011 – lehnte das BFM das Asylb egehren ab und ordnete gleichzeitig die We g- weisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz samt Vollzug an. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen damit, dass die Schilderungen der Beschwerdeführerin die Anforderungen von Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) an die Glaubhafti g- keit nicht erfüllten. Ferner sei der Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. D. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 10. November 2011 liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter beantragen , es sei die angefochtene Verfügung des BFM vollumfänglich aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren, eve n- tualiter sei sie als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, subeven tualiter sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzuges festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In formeller Hinsicht ersuchte sie um Verzicht auf die Erhebung eines Ko s- tenvorschusses, um Gewährung der unent geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und um Beigabe ei- nes Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG. Auf d ie Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. E. Mit Beschwerdeergänzung vom 15. November 2011 reichte der Recht s- vertreter zwei Kopien von Beweismitteln samt englischer Übersetzung betreffend die Inhaft ierung der Beschwerdeführerin ein und stellte das Nachreichen der Originale in Aussicht. Sodann nahm er ergänzend zur E-6130/2011 Seite 6 Argumentation des BFM Stellung. Auf die Beweismittel wird in den nac h- folgenden Erwägungen eingegangen. F. Mit Instruktionsverfügung vom 17. November 2011 wurde der Beschwer- deführerin mitgeteilt, dass sie den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne. D as Gesuch um Gewährung der unentgeltl i- chen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde gutge- heissen und dasjenige um unentgeltliche Rechtsverbeiständung abg e- wiesen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet. Der Beschwerdeführerin wurde sodann eine 30tägige Frist eingeräumt, um die Originale der eingereichten Beweismittel zu den Akten zu reichen. G. Mit Eingabe vom 13. Dezember 2011 reichte die Beschwerdeführerin die- se samt Zustellcouvert zu den Akten. H. Mit Vernehmlassung vom 11. Januar 2012 beantragte das BFM die A b- weisung der Beschwerde. Zu den eingereichten Beweismitteln führte es aus, ein Augenschein des Länderexperten habe ergeben, dass diese o f- fensichtliche Fälschungsmerkmale aufwiesen, die zu erheblichen Zwe i- feln an der Echtheit der Dokumente führten. So seien die Stempel bereits auf den ersten Blick nicht authentisch. Auf eine vertiefte Prüfung kö nne verzichtet werden. I. Mit Instruktionsverfügung vom 16. Januar 2012 wurde dem Rechtsvertr e- ter die Möglichkeit zur Replik eingeräumt. J. Mit Eingabe vom 30. Januar 2012 monierte der Rechtsvertreter, dass das BFM nicht offengelegt habe, inwiefern die Stempel nicht authentisch se i- en und worin die Fälschungsmerkmale lägen. Dies sei nicht weiter e r- staunlich, habe doch auch er bei der Sichtung der Dokumente keine so l- chen Fälschungsmerkmale feststellen können. Er selbst halte die Fluch t- gründe der Beschwerdeführeri n für glaubhaft und die Dokumente als für den Beweis geeignet. Aus der in der Vernehmlassung verwendeten Fo r- mulierung – die Verfahrenshoheit sei beim Bundesverwaltungsgericht, weshalb auf eine vertiefte Analyse verzichtet werde – schliesse er s o- dann, dass dem BFM die Originaldokumente nicht vorgelegen hätten. E-6130/2011 Seite 7 Dadurch werde immer fraglicher, worauf sich der Fälschungsvorwurf stü t- ze. Da es sich bei den Beweismitteln um amtliche Dokumente handle, sei der Beweiswert als hoch einzustufen, zumal die Beweismittel mit der ge- schilderten Geschichte weitgehend übereinstimmten. Sollten dennoch Zweifel an der Echtheit der Dokumente bestehen, seien diese durch eine Botschaftsabklärung vor Ort zu überprüfen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht , die unrichtige E-6130/2011 Seite 8 oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Flucht gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM wies das Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit der B e- gründung ab, dass deren Ausführungen durchwegs unsubstan ziiert, ab - strakt und blass ausgefallen und auch auf Nachfrage hin nicht überze u- gend ergänzt worden seien. Nicht nur bezüglich der über 17 Monate dau- ernden Haft, sondern auch bezüglich der gesamten Schilderungen fehle der zu erwartende Detailreichtum. Realkennzeichen oder eine persönl i- che Betroffenheit seien nicht ersichtlich, was insbesondere angesichts der Tatsache erstaune, dass di e Beschwerdeführerin von ihrem Ehemann und den zum Teil sehr kleinen Kindern über lange Zeit hinweg getrennt gewesen sein und nur Kontakt zu ihren Schwestern bestanden haben sol- le. Ebenso realitätsfremd erscheine, dass die Beschwerdeführerin nach über 17 Monaten Haft so gut wie rein gar nichts über ihren Gefängnisal l- tag und über die Mithäftlinge zu erzählen gewusst habe. Als weiteres U n- glaubhaftigkeitselement führte das BFM an, die Beschwerdeführerin habe sich widersprüchlich dazu geäussert, ob sie während der Haft Mitglied der Kinijit geworden sei. Sodann wirke konstruiert, dass ihr während der Haft ein Ort gezeigt worden sei , an dem bereits viele Menschen getötet wo r-E-6130/2011 Seite 9 den seien, und dass nur wenige Tage nach der Haft Soldaten der I hadeg bei ihr vorbeigekommen sein sollen, um sie zu warnen. Gleiches gelte für den Umstand, dass sie kurz darauf ihre Familie und das Land verlassen habe. Aus all diesen Gründen vermöchten die Vorbringen den Anford e- rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standzuhalten. 4.2 In der Beschwerdeschrift vom 10. November 2011 wiederholte der Rechtsvertreter vorab nochmals in Kürze den Sachverhalt. Den Erw ä- gungen des BFM hielt er sodann konkret entgegen, die Argumentation, wonach die Beschwerdeführerin nichts über den Gefängnis alltag und die Mithäftlinge zu erzählen gewusst habe, sei total aus der Luft gegriffen. Vielmehr habe sie die Räumlichkeiten und den Tagesablauf anschaulich beschrieben und sämtliche Fragen dazu beantworten können. Die Verhaf- tung passe auch zeitlich in die Inhaftierungswelle, wie sie von der EU - Mission in ihrem Bericht vom März 2006 zur Wahlbeobachtung der äthio- pischen Parlamentswahlen beschrieben worden sei. Demnach sei es im Nachgang zu teilweise willkürlichen Verhaftungen von tausenden Perso- nen gekommen. In dieser Zeit seien die Gefängnisse überfüllt gewesen und sehr viele Menschen seien ohne Anhörung oder Gerichtsverfahren eingesperrt worden. Später seien sie ebenso formlos wieder entlassen worden. Zum Vorhalt der widersprüchlichen Äusserungen zum Kiniji t- Beitritt führte der Rechtsvertreter aus, die Beschwerdeführerin habe b e- reits bei der Anhörung erklärt, dass sie nur Sympathisantin geworden sei. Dies habe sie wohl sinngemäss auch bei der summarischen Befragung sagen wollen. Im Übrigen habe während der H aft gar keine Möglichkeit bestanden, Mitglied zu werden. Es sei aber verständlich, dass sie sich nach der Ermordung ihres Vaters durch die Regierungspartei auf irgen d- eine Art der Opposition habe anschliessen wollen. Auch wenn sie nichts über die politische Gesinnung ihres Vaters gewusst habe, sei naheli e- gend, dass auch diesem die Zusammenarbeit mit der Opposition vorg e- worfen worden sei und er als einflussreicher Mitarbeiter beim (…) habe aus dem Weg geschafft werden müssen. Der von der Beschwerdeführ e- rin ge ltend gemachte Sachverhalt sei keineswegs konstruiert. Die Ei n- schätzung der Vorinstanz stütze sich durchwegs auf unhaltbare Argumen- te oder Behauptungen. Es gehe aber nicht an, dass Behauptungen der Beschwerdeführerin mittels Behauptungen / Vermutungen der Behörde widerlegt würden beziehungsweise von der Beschwerdeführerin ein stri k- ter Beweis verlangt werde. Die Argumente der Behörde müssten auf be s- seren Gründen beruhen und damit objektiv näher an der Wahrheit sein. Die Vorinstanz habe die kohärente Darstell ung der Beschwerdeführerin durch gesuchte Argumente zu widerlegen versucht. Sie habe keine W i-E-6130/2011 Seite 10 dersprüche gefunden und sei dann auf die Argumentation ausgewichen, dass das Verhalten der Behörden nicht einleuchte. Das BFM habe ve r- kannt, dass es sich bei Äthio pien, insbesondere im Zeitraum der Wahlen, um einen unberechenbaren Staatsapparat handle. Da die Beschwerd e- führerin nach einer willkürlichen Haft von fast eineinhalb Jahren habe b e- fürchten müssen, erneut inhaftiert oder erschossen zu werden, habe sie keine andere Wahl gehabt, als ihren Ehemann, die kleinen Kinder und die Geschwister zu verlassen. Schliesslich führte der Rechtsvertreter an, dass neben der Glaubhaftigkeit auch die Flüchtlingseigenschaft und Asyl- relevanz zweifelsfrei gegeben seien . D ie drohende Verfolgung sei poli- tisch motiviert und gefährde die Beschwerdeführerin konkret an Leib und Leben. In den Beschwerdeergänzungen vom 15. November 2011 und 30. Januar 2012 brachte der Rechtsvertreter weiter vor, seine Mandantin sei nun in der Lage, die Vorbringen mittels zweier Beweismittel zu belegen. So sei es ihr gelungen, zwei Dokumente im Zusammenhang mit ihrem Gefäng- nisaufenthalt und d er Bürgschaft zu besorgen. Bei dem einen Dokument handle es sich um eine Bestätigung der Gefängnisadministration (…) vom 30. November 2006. Daraus gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin zwischen dem 17. Juni 2005 und dem 29. November 2006 wegen G e- fährdung der politischen und territorialen Einheit des Landes inhaftiert gewesen sei. Sie sei gegen Bezahlung von Birr 50'000 durch eine Person namens D. E._______ freigekommen. Bedingung der Freilassung sei gewesen, dass sie sich in Begleitung der Bürgin regelmässig den Behö r- den präsentiere. Die Beschwerdeführerin habe bis anhin nicht gewusst, dass die Bürgin ein Dokument für ihre Bürgschaft erhalten habe. Die Bes- tätigung stimme mit den Angaben der Beschwerdeführerin gegenüber dem BFM genau überein. Beim zweiten Dokument handle es sich um ein Dokument des Federal High Court, welches d ie Bezahlung der Kaution von Birr 50 '000 durch Frau D. E._______ zum Inhalt h abe. Der Recht s- vertreter regt e an, die Echtheit der Dokument e mittels Botschaftsabkl ä- rung zu überprüfen, sollten an der Authentizität Zweifel bestehen. Schliesslich nahm der Rechtsvertreter zum kritisierten , ausschliesslichen Kontakt zu ihren Schwestern während des Gefängnisaufenthalts dahi n- gehend Stellung, dass die Beschwerdeführerin nicht explizit nach Besu- chen des Ehemannes und der Kinder gefragt worden sei. Diese hätten sie aber tatsächlich an den Wochenenden regelmässig besucht. In der Vernehmlassung äusserte sich das BFM zu den eingereichten B e- weismitteln dahingehend, dass diese nicht beweiskräftig seien, da die E-6130/2011 Seite 11 darauf angebrachten Stempel bereits auf den ersten Blick nicht authe n- tisch seien. Aufgrund dieser Offensichtlichkeit und da das Bundesverwa l- tungsgericht die Verfahrenseinheit inne habe, würden die Dokumente keiner vertieften Analyse unterzogen. 4.3 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach einlässlicher Auseina n- dersetzung mit den Protokollen, den Argumenten auf Beschwerdeebene und den Beweismitteln zum Schluss, dass die Vorbringen der Beschwer- deführerin nicht als überwiegend glaubhaft zu qualifizieren sind. Ihre Aus- sagen sind in vielen Bereichen auffallend unsubstanziiert und auch wider- sprüchlich ausgefallen. Zur fehlenden Substanziierung können folgende Punkte angeführt werden , die sowohl ihren angeblichen Aufenthalt in C._______ und die Ausreiseumstände aus diesem Land , als auch die Asylgründe betreffen: So gab s ie bei der Summarbefragung an , nicht zu wissen, wann sie C._______ verlassen habe und wann genau sie die Schweiz erreicht habe (A4/9, S. 1 und 2). Sie vermochte weiter nicht ab- zuschätzen, wie lange die Reise von C._______ nach Italien oder diej e- nige von Italien in die Schweiz gedauert habe (A4/9, S. 6). Auch vermoch- te sie weder den vollständigen Namen noch die Adresse ihres Arbeitg e- bers in C._______ anzugeben; die Umstände des Stellenantritts und Kon- takts mit dem Arbeitgeber bleiben ebenfalls undurchsichtig (A7/19, S. 12 und 16). Weiter konnte die Beschwerdeführerin nicht angeben, was ihr Vater beruf- lich genau gemacht habe (A4/9, S. 5), ob dieser politisch tätig gewesen sei (A7/19, S. 14) , wann sie von dessen Tod erfahren habe (A7/19, S. 7) oder wann sie an den berüchtigten Ort namens A mora Gedel gebracht worden und wie weit dieser Ort vom Gefängnis entfernt gelegen sei (A7/19, S. 9 und 10). Als wenig plausibel muss sodann ihre Behauptung bewertet werden, dass sie sich als einziges von (…) Kindern für das Schicksal ihres Vaters interessiert habe (und damit offenbar auch als ein- zige Probleme gehabt habe [A7/19, S. 13]). Entgegen der Behauptung des Rechtsvertreters sind sodann – wie e r- wähnt – in etlichen Aussagen der Beschwerdeführerin Widersprüche zu erkennen. So gab die Beschwerdeführerin einerseits an, sie habe bis zur Ausreise bei den (verstorbenen) Eltern gewohnt (A4/9, S. 1 und 3) , ande- rerseits, sie habe seit ihrer Hei rat bei den Eltern ihres Ehemannes g e- wohnt (wobei sie sich ausgerechnet in der Nacht der Verhaftung ihres Va- ters wiederum im Elternhaus aufgehalten haben will, A7/19, S. 4 und 6). Auffallend ist sodann, dass die Beschwerdeführerin anfänglich nicht wi s-E-6130/2011 Seite 12 sen wollte, ob sie von denselben Männern wie ihr Vater festgenommen worden sei, um auf Nachfrage hin in aller Deutlichkeit an zugeben, es ha- be sich bei der Festnahme ihres Vaters um andere Militärs gehandelt, nämlich um die Gnadenlosen mit den roten Berets (A7/19, S. 7). Auch hinsichtlich ihrer Herreise finden sich Widersprüche, hat die Beschwerd e- führerin doch einerseits angegebe n, sie habe sich für die Ausreise durch den Schlepper einen Pass ausstellen lassen (A4/9, S. 5), andererseits, sie sei mit ihrem eigenen, im Jahre 2004 in Addis Abeba legal erworbe- nen Pass – versehen mit einem Visum für die Schweiz – ausgereist (A4/9, S. 3). Bei der einlässlichen Anhörung wollte sie nicht mehr wissen, dass ihr der Schlepper einen Pass ausgestellt habe und dass sie ein V i- sum für die Schweiz besessen habe (A7/14, S. 13). Wie bereits das BFM, erachtet auch das Gericht die Aussagen der Beschwerdeführerin rund um den Gefängnisalltag kaum als über Allgemeinplätze hinausgehend (vgl. A7/19, S. 8). Gleich verhält es sich mit der Beschreibung des Gefängni s- ses, von dem sie angab, es habe dort nebst ihrer Grossraumzelle noch andere Zellen und Häuser geg eben, ohne diese aber genauer zu b e- schreiben (A7/19, S.8). Beispielsweise hatte die Beschwerdeführerin trotz ihres angeblichen 17 Monate dauernden Gefängnisaufenthaltes keine Ahnung, wo sich der Männertrakt befunden habe (A7/19, S.8). Zu bestä- tigen sind sodann die weiteren vorinstanzlichen Erwägungen, wonach die wiederkehrenden Warnungen vor weiteren Recherchen durch Militärs während der Haft, die zwei bis drei beziehungsweise drei bis vier Tage nach der Haftentlassung erneut geäusserten Drohungen (A 7/19, S. 11) und insbesondere auch die Wa rnfahrt ins über (…) Kilometer entfernte Amora Gedel als konstruiert zu bezeichnen sind. Schliesslich ist zum W i- derspruch des Erhalts von Besuch während der Haft festzustellen, dass die diesbezüglichen Aussagen der Beschw erdeführerin in der Tat un- stimmig ausgefallen sind. Die Au sführungen des Rechtsvertreters in der Eingabe vom 15. November 2011 , wonach die Beschwerdeführerin nicht nur von den Schwestern, sondern auch von ihrem Ehemann und den Kindern besucht worden sei, vermögen das Gericht nicht zu überzeugen , zumal die Beschwerdeführerin deutlich ausgesagt hat, dass ihr die Schwestern Neuigkeiten ihrer Familie überbracht hätten (A7/19., S. 16). Der Beschwerdeführerin gelingt es auch nicht, ihre Vorbringen mittels beweiskräftiger Dokumente glaubhaft erscheinen zu lassen. Das BFM hat zu den beiden eingereichten Dokumenten , die ihm vom Gericht im Orig i- nal übersandt wurden, in seiner Vernehmlassung festgehalten, dass di e- se auf den ersten Blick keine authentischen Stempel en thielten. Dies trifft zu. Von blossem Auge ist erkennbar, dass es sich bei den Stempeln nicht E-6130/2011 Seite 13 um Nassstempel, sondern um be reits auf dem Papier vorgedruckte und damit eingescannte Stempel handelt. Angesichts der damit geschaffenen Manipulationsmöglichkeit einerseits und unter Berücksichtigung der E r- kenntnisse über den regen Handel mit gefälschten (ebenso aber auch mit gekauften "echten" ) Dokumenten in Äthiopien andererseits (vgl. dazu ALEXANDRA GEISER, Auskunft der SFH -Länderanalyse, Äthiopien: Erwerb von "echten Pässen", Bern, 23. November 2009, S. 1, m.w.H.), muss da- her vor dem Hintergrund der unstimmigen Geschichte der Beschwerd e- führerin geschlossen werden, dass die die Haft und Kautionsleistung bes- tätigenden Dokumente unrechtmässig hergestellt beziehungs weise er- worben worden sind. Dafür spricht weiter auch, dass die Beschwerdefüh- rerin bei der Befragung vom 11. August 2008 und damit mehr als einei n- halb Jahre nach der Haftentlassung noch nichts von der Existenz solcher Dokumente wissen wollte (A4/9, S. 5) . Der Einwand in der Beschwerd e- ergänzung vom 15. November 2011, dass diese nicht ihr persönlich, son- dern der Garantin ausgehändigt worden sei en, vermag die Unkenntnis nicht zu erklären. Schliesslich sei festgehalten, dass die Kautionsbestäti- gung über Birr 50 '000 ohnehin nicht mit den Angaben der Beschwerd e- führerin übereinstimmt, wonach für ihre provisorische Freilassung nichts bezahlt worden sei (A7/19, S.10). Bei dieser Sachlage ist der Antrag um Überprüfung des Sachverhaltes durch die Schweizer Botschaft in Addis Abeba abzulehnen. Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass sich das BFM in seinem Entscheid keineswegs – wie in der Beschwerde vorg e- bracht – auf einfache Gegenbehauptungen gestützt und "gesuchte" A r- gumente vorgebracht hat. Vielmehr halten die Vorbringen in ihrer G e- samtheit den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit nicht stand. Allein der Umstand, dass die angeblichen Probleme der B e- schwerdeführerin in zeitlicher Hinsicht in die damalige Inhaftierungswelle passen, vermag zu keiner anderen Einschätzung der Frage der Glaubhaf- tigkeit zu führen. Das BFM hat das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu Recht und mit zutreffender Begründung abgewiesen. Die Beschwerde ist daher im Asylpunkt abzuweisen. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). E-6130/2011 Seite 14 5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9, m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständig er Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Ueb er- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konven tion vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. E-6130/2011 Seite 15 6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zut reffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Fol- ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgeme i- ne Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvol l- zug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisu ng sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bü rgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.5 Die schweizerischen Asylbehörden gehen in konstanter Praxis von einer grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach Äthiopien aus (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.3 m.w.H.). Der zweieinhalb Jahre dauernde Grenzkrieg zwischen Äthiopien und Eritrea wurde im Juni 2000 mit einem von der Organisati on für die Einheit Afrikas (OAU) vermittelten Waffenstillstand und einem von beiden Staaten am 12. Dezember 2000 unterzeichneten Friedensabkommen beendet. Trotz des Abzugs der UN - Friedenstruppen aus Eritrea im März 2008 und aus Äthiopien im August 2008 ist im heutigen Zeitpunkt nicht von einem offenen Konflikt im Grenz-E-6130/2011 Seite 16 gebiet zwischen diesen beiden Staaten auszugehen, wenn auch gleic h- zeitig zu bemerken ist, dass eine Lösung der Grenzproblematik und eine Normalisierung zwischen den beiden Staaten nach wie vor nicht in Sicht ist. Auch aufgrund der persönlichen Situation der Beschwerdeführerin sind keine Gründe ersichtlich, die gegen die Zumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs sprechen. Vorab ist zu bemerken, dass ihre Identität nicht erstellt ist. Die in Aussicht gestellte Identitätskarte hat sie bis heute nicht eing e- reicht. Auch hat sie keine Erklärung für ihre Säumnis geliefert. Sie ist i h- ren Schilderungen zufolge in Äthiopien nach Brauch verheiratet und hat (…) Kinder. Vor ihrer Ausreise habe sie als Hausfrau gearbeitet. Ihre Fa- milie sei nach ihrer Ausreise nach Addis Abeba gezogen, wo ihr Ehemann als (…) tätig s ei. Er sorge nicht nur für die (…) gemeinsamen Kinder, sondern auch noch für (…) Geschwister der Beschwerd eführerin. Unter- stützung erhalte die erweiterte Familie zudem von in Addis Abeba leben- den Tanten und Onkeln, welche rentenberechtigt seien. Schliesslich we r- de die Familie auch noch von in den USA lebenden [Verwandte] unter- stützt (A7/19, S. 4 und 5). Somit besitzt die Beschwerdeführerin in Addis Abeba über ein nahes soziales Beziehungsnetz, das sie unterstützen und in welches sie zurückkehren kann. Eine konkrete Gefährdung als Folge fehlender Wirtschaftsgrundlage und/oder fehlender sozialer Einbettung ist daher auszuschliessen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwe i- sung somit auch als zumutbar zu bezeichnen. 6.6 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG u nd dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die ange fochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. E-6130/2011 Seite 17 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) . Ihr wurde j e- doch mit verfahrensleitender Verfügung vom 17. November 2011 die u n- entgeltliche Prozessführung gewährt. Die Beschwerdeführerin ist nach wie vor bedürftig. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten ist daher zu verzichten (Art. 65 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-6130/2011 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Gabriela Oeler Versand: