B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4759/2015 / D-6948/2015 plo bun U r t e i l v o m 9 . J u n i 2 0 1 7 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiberin Constance Leisinger. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), F._______, geboren am (…), G._______, geboren am (…), Sri Lanka, c/o schweizerische Vertretung in Colombo, Sri Lanka, c/o schweizerische Vertretung in Kuala Lumpur, Malaysia, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM); Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügungen des SEM vom 12. Juni 2015 / N (…). D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger, ersuchte mit englisch-sprachiger Eingabe vom 29. August 2009 (Eingang 31. August 2009) bei der schweizerischen Botschaft Colombo um Bewilligung der Ein- reise in die Schweiz und um Gewährung von Asyl. B. Die Botschaft forderte ihn am 7. September 2009 schriftlich auf, das Ge- such mit detaillierten Angaben zu den geltend gemachten Asylgründen zu ergänzen sowie Beweismittel und Identitätspapiere einzureichen. C. Mit Eingabe vom 13. September 2009 führte der Beschwerdeführer zu sei- nen Asylgründen i m Wesentlichen aus, e r sei tamilischer Ethnie und stamme aus H._______ im Distrikt I._______. Mit Schreiben der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) vom 3. Oktober 2001 sei er dazu aufgefordert worden, für diese zu arbeiten. Weitere Einladungen, sich i m zuständigen Büro der LTTE einzufinden, seien schriftlich am 9. und 15. Oktober 2001 erfolgt. Er sei dieser Einladung nachgekommen und vor Ort von Angehöri- gen der LTTE zur Mitarbeit gedrängt worden. Zunächst habe er abgelehnt, später jedoch eingewilligt, nachdem man ihn für mehrere Tage eingesperrt und bedroht habe. Zum genauen Hilfsbeitrag führte der Beschwerdeführer in der Eingabe nichts aus. Er machte sodann im Weiteren geltend, nach der Spaltung der LTTE seien Unbekannte zu seinem Haus gekommen und hätten nach ihm gesucht. Sein Sohn C._______ sei zudem entführt und nach einer Stunde wieder freigelassen worden. Weil man nicht von ihm abgelassen habe, sei er im April 2008 mit seinem Sohn C._______ nach J._______ ausgereist. Da sie in J._______ nur schwer ein Einkommen hät- ten erzielen können, seien sie wieder nach Sri L anka zurückgekehrt. Am 30. Mai 2008 habe er sich allein nach K._______ begeben, habe aber auch von dort aufgrund der schwierigen Erwerbssituation wieder zurückkehren müssen. Seit seiner Rückkehr nach Sri Lanka halte er sich permanent ver- steckt, da er als Mitglied der LTTE gelte und deshalb Angst vor den Regie- rungskräften habe. Der Beschwerdeführer reichte verschiede Beweismittel zu den Akten. Auf diese wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen Bezug genommen. D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 3 D. Mit Eingaben vom 24. Oktober, 1. November, 16. November, 23. Novem- ber, 30. November, 10. Dezember und 24. Dezember 2009 sowie vom 11. Februar und 16. März 2010 ergänzte der Beschwerdeführer das Asyl- gesuch und machte unter anderem mit Eingabe vom 11. Februar 2010 gel- tend, er sei nach wie vor im Visier der Regierungstruppen. Am 12. Februar 2010 hätten Beamte des Criminal Investigation Department (CID) im Hei- matdorf nach ihm gesucht. Er und seine Familie hätten sich zu diesem Zeit- punkt bei Verwandten aufgehalten. E. Mit einer an die Migrationsbehörden der Schweiz adressierte n Eingabe vom 16. März 2010 ersuchte der Beschwerdeführer um prioritäre Behand- lung seines Gesuchs. F. Mit Eingabe vom 20. April 2010 teilte der Beschwerdeführer mit, dass die Sicherheitsbeamten des CID am 12. April 2010 östlich seines Heimatortes eine ausgedehnte Operation durchgeführt hätten. G. Mit Schreiben vom 21. April 2010 teilte d ie Vorinstanz dem Beschwerde- führer mit, dass sie beabsichtige, sein Asylgesuch abzuweisen und ihm die Einreise in die Schweiz zu verwei gern und setzte ihm Frist zur Stellung- nahme und zur allfälligen Geltendmachung weiterer Umstände. H. Mit Eingabe vom 3. Juli 2010 führte der Beschwerdeführer aus, er sei nach wie vor gefährdet und müsse sich im Heimatstaat versteckt halten, weshalb er weder einer geregelten Arbeit nachgehen, noch seine Frau und die ge- meinsamen Kinder sehen könne. Er habe vom CID am 30. April, 16. Mai und 8. Juni 2010 Vorladungen erhalten. Auch die anderen Familienmitglie- der sowie seine Mutter würden vom CID seinetwegen bedroht. Zur Unter- mauerung reichte der Beschwerdeführer unter anderem Kopien von Schreiben ein, bei welchen es sich um an seine Person gerichtete Vorla- dungen des CID handeln soll. I. Mit Eingabe vom 7. August 2010 teilte der Beschwerdeführer mit, dass die Familie Anrufe erhalten habe. Die Anrufer hätten sich als Police-Officer der D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 4 CID zu erkennen gegeben und seiner Ehefrau gegenüber gedroht, ihn um- zubringen. Er führte überdies aus, vom CID eine vom 26. Juli 2010 datie- rende Vorladung erhalten zu haben, welcher er keine Folge geleistet habe. Eingereicht wurde sodann unter anderem die Kopie eines Schreibens, bei welchem es sich um die entsprechende Vorladung handeln soll. J. Mit Eingabe vom 5. September 2010 ersuchte der Beschwerdeführer noch- mals um baldige Behandlung seines Gesuchs. K. Mit Eingabe vom 18. Juni 2014 teilte der Beschwerdeführer mit, dass sich sein ältester Sohn E._______ zwischenzeitlich nach K._______ begeben habe. Er selbst sei zwischenzeitlich mit dem Rest der Familie nach Malay- sia geflüchtet. Aufgrund ihres illegalen Status in Malaysia und der damit einhergehenden Probleme sei die Ehefrau mit drei Kindern jedoch wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt. Er halte sich nunmehr noch allein mit dem zweitältesten Sohn D._______ in Malaysia auf. L. Mit Eingabe vom 4. August 2014 führte der Beschwerdeführer aus, seine in Sri Lanka lebende Ehefrau und die Kinder seien nach ihrer Rückkehr verschiedenen Behelligungen seitens des CID ausgesetzt gewesen. Einer seiner Söhne sei auf dem Weg zur Schule entführt und misshandelt wor- den; nach vier Stunden habe man ihn wieder frei gelassen. Er und sein Sohn D._______ würden sich weiterhin illegal in Malaysia aufhalten und es sei zu befürchten, dass sie von den malaysischen Migrationsbehörden in den Heimatstaat überstellt würden. M. Mit einer an die schweizerische Botschaft in Sri Lanka gerichteten Eingabe vom 1. September 2014 informierte der Beschwerdeführer über einen in Sri Lanka erfolgten Übergriff auf seinen Neffen durch unbekannte bewaff- nete Männer am 27. Juli 2014 und eine in Folge dieser Behelligung not- wendige Beinamputation bei diesem. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene ärztliche Berichte eingereicht. N. Am 6. Oktober 2014 wurden die Beschwerdeführerin sowie der Sohn C._______ in der s chweizerischen Botschaft in Colombo zu ihren Asyl- gründen befragt. D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 5 Die Beschwerdeführerin bestätigte in ihrer Anhörung die bereits schriftlich geltend gemachten Asylgründe und führte in Ergänzung hierzu aus, ihr Ehemann habe, nachdem er im beschriebenen Sinn dazu gedrängt worden sei, ab dem Jahr 2001 für zwei Jahre als Klempner und Elektriker im Dienste der LTTE gestanden, wofür er monatlich entlohnt worden sei. Nach der Spaltung der LTTE im Jahr 2004 sei der Ehemann und die g esamte Familie von der Karuna-Fraktion dazu aufgefordert worden, sich dieser Fraktion zu unterstellen. Man habe sie etwa 20 Mal in diesem Zusammen- hang vorgeladen und regelmässig bedroht. Der Sohn C._______ sei – wie bereits schriftlich geltend gemacht – während einer Stunde gekidnappt worden. Da ihr Ehemann der Aufforderung, sich der Karuna-Fraktion anzu- schliessen, nicht nachgekommen sei, habe er aus Furcht vor Behelligun- gen nicht bei der Familie leben können, sondern sich jeweils bei Verwand- ten aufgehalten. Im Januar 2012 hätten sie den Sohn C._______ nach K._______ ge- schickt; von dort sei dieser im Oktober 2013 nach Sri Lanka zurückgekehrt, nachdem er in K._______ keiner Arbeit mehr habe nachgehen können. Sie selbst habe sich mit dem Ehemann und den anderen Kindern im Mai 2013 nach Malaysia begeben. Dort hätten sie jedoch in sehr unsicheren Verhält- nissen gelebt und weder ein Einkommen erzielt, noch hätten die Kinder die Schule besuchen können, weshalb sie und die Kinder wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt seien. Ihr Ehemann und der Sohn D._______ seien aus Furcht vor Verfolgung in Malaysia geblieben. Auch nach der Rückkehr in den Heimatstaat hätten die Behelligungen nicht aufgehört. Karuna-An- hänger im Dienst der Regierungstruppen seien regelmässig, etwa zwei Mal monatlich zum Haus gekommen und hätten sich nach dem Verbleib des Ehemannes erkundigt. Andere Familienmitglieder, welche ihnen geholfen hätten, seien ebenfalls Bedrohungen und Misshandlungen ausgesetzt ge- wesen, so beispielsweise ihr Neffe, welcher am 27. Juli 2014 Opfer eines Übergriffs geworden sei, in dessen Folge er ein Bein verloren habe. Der Sohn C._______ sei nach seiner Rückkehr aus K._______ am 10. Juli 2014 ebenfalls Opfer von Behelligungen geworden. Der Sohn C._______ führte zu den von ihm persönlich in jüngerer Zeit er- fahrenen Behelligungen aus, er sei am 10. Juli 2014 in H._______ auf dem Weg nach Hause von einem unbekannten Mann in einer Seitenstrasse an- gesprochen worden. Der Unbekannte habe ihn zunächst nach dem Ver- bleib des Vaters befragt und ihn dann dazu aufgefordert , in einen Van zu steigen. Mit dem Van sei er an den Strand gebracht worden, etwa 700 m D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 6 von seinem Zuhause entfernt. Dort hätten Angehörige des CID ihn verprü- gelt und ihm gedroht, man werde ihn und den Vater töten. Er halte sich seit seiner Rückkehr aus K._______ im November 2013 jeweils abwechselnd bei Verwandten auf. Seit dem genannten Ereignis im Juli 2014 habe er keine Behelligungen mehr erfahren. O. Am 11. November 2014 wurde der Beschwerdeführer in der Schweizeri- schen Botschaft in Kuala Lumpur befragt. Im Wesentlichen bestätigte er seine bereits schriftlich vorgetragenen Asyl- gründe. Er räumte ein, seinerzeit für die LTTE als Installateur und Elektriker gearbeitet zu haben. Dem habe er damals zugestimmt, nachdem er mehr- fach zur Mitarbeit angehalten und für mehrere Tage von den LTTE einge- sperrt und bedroht worden sei. Nach der Teilung der LTTE habe die Gruppe, welche sich der Regierung angeschlossen habe, Namen von LTTE-Mitgliedern weitergegeben. Er werde als LTTE -Mitglied geführt und stehe mithin im Fo kus des CID. Die Regierungstruppen hätten zweimal versucht, ihn zu ermorden, so beispielweise am 21. Juli 2012, als zwei un- bekannte Männer auf ihn geschossen hätten, ihm sei aber die Flucht ge- lungen. Der Beschwerdeführer wies sodann nochmals auf die bereits im Verfahren geltend gemachten Entführungen seines Sohnes C._______ so- wie die Verfolgung seines Neffen durch Unbekannte hin. Hinsichtlich sei- nes Aufenthalts in Malaysia gab der Beschwerdeführer an, dass er von der malaysischen Polizei bisher drei Mal festgenommen worden sei. Anlässlich der dritten Festnahme habe die Polizei ihm erklärt, dass sein in Malaysia durch United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) ausge- stellter Flüchtlingsausweis keine Gü ltigkeit habe. Nur durch die Zahlung einer Summe von MYR 400 sei er freigekommen. In Malaysia halte er sich illegal auf, da sein Touristenvisum abgelaufen sei. Er könne mithin keiner Beschäftigung nachgehen und hänge v ollständig von der Unterstützung seines in L._______ lebenden Bruders ab. P. Mit Eingabe vom 24. November 2014 teilte der Beschwerdeführer mit, am 20. November 2014 seien drei Beamte des CID gewaltsam in das Haus seiner Familie in Sri Lanka eingedrungen und hätten Frau und Kinder miss- handelt. Aus Angst sei die Ehefrau mit den Kindern zum Schwager geflüch- tet. Sein ältester Sohn halte sich zwischenzeitlich im Haus seines Bruders auf, er selbst halte sich weiterhin mit dem Sohn D._______ in Malaysia auf. Die Familie sei aufgrund der Bedrohungen völlig auseinandergerissen. D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 7 Q. Mit einer an die schweizerische Botschaft in Kuala Lumpur gerichteten Ein- gabe vom 5. Dezember 2014 teilte der Beschwerdeführer mit, er sei in Ma- laysia Opfer eines polizeilichen Übergriffs geworden und ersuche um prio- ritäre Behandlung seines Gesuchs. Ein weiteres Gesuch um prioritäre Be- handlung datiert vom 4. Februar 2015. R. Am 12. Mai 2015 wurde der mittlerweile volljährige Sohn D._______, wel- cher sich mit dem Beschwerdeführer in Malaysia aufhält, in der schweize- rischen Botschaft in Kuala Lumpur zu den Asylgründen befragt. Ergänzend zu den bereits geltend gemachten Asylgründen führte er zu sei- nen persönlich erlittenen Behelligungen vor der Ausreise nach Malaysia im Mai 2013 aus, er sei im Jahr 2012 auf dem Weg von der Schule nach Hause von Unbekannten abgepasst worden. Diese hätten ihn nach dem Aufenthalt des Vaters befragt und ihn konkret bedroht. S. Mit einer an den Beschwerdeführer und seinen Sohn D._______ gerichte- ten Verfügung vom 12. Juni 2015 lehnte die Vorinstanz deren Asylgesuche ab und verweigerte ihnen die Einreise in die Schweiz. Die Verfügung wurde den Beschwerdeführern entsprechend der bei den Akten befindlichen Empfangsbestätigung am 24. Juli 2015 durch die schweizerische Botschaft in Kuala Lumpur ausgehändigt. Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, gestützt auf den Sachverhalt, von dessen vollständiger Erstellung auszugehen sei, könne darauf geschlossen werden, dass keine unmittelbare Gefährdung vorliege, w elche die sofortige Einreise der Beschwerdeführer in die Schweiz als notwendig erscheinen lasse. Es sei im Sinne einer Regelver- mutung davon auszugehen, dass die beiden Beschwerdeführer in einem Drittstaat bereits anderweitig Schutz gefunden hätten. Auch sc heine es aufgrund der gesamten Umstände nicht geboten, dass es gerade an der Schweiz sei, den erforderlichen Schutz zu gewähren. Aus den Akten wür- den sich sodann keine konkreten Anhaltspunkte dafür ergeben, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka ernstzuneh- mende Schwierigkeiten im Sinne von Art. 3 AsylG gehabt habe oder ihm solche gedroht hätten. Zwar mache er geltend, in seinem Heimatstaat ge- sucht worden zu sein, jedoch sei den Akten nicht eindeutig zu entnehmen, dass er seinen Heimatstaat verlassen habe, um Schutz vor Verfolgung zu D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 8 suchen. Ebenfalls könne den Akten nicht entnommen werden, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise ernsthafte Nachteile erlit- ten habe oder solche hätte befürchten müssen. Er habe denn a uch nicht geltend gemacht, bei der Ausreise aus dem Heimatstaat Vorsichtmassnah- men getroffen oder konkrete Nachteile seitens der heimatlichen Behörden befürchtet zu haben. Vielmehr sei er ins Ausland gereist, um eine neue Arbeit zu finden und wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt, als das Einkom- men im Ausland nicht mehr angemessen gewesen sei. Auch wenn der Be- schwerdeführer in Sri Lanka von Sicherheitskräften befragt worden sei, würden sich daraus keine konkreten Anhaltspunkte dafür ergeben, dass seitens der heimatlichen Behörden ein ernsthaftes Verfolgungsinteresse bestünde, insbesondere lasse sich daraus nicht per se auf eine ernsthafte Verfolgungsabsicht schliessen. Auch der Sohn D._______ mache, abge- sehen von wenigen Konfrontationen nicht geltend, jemals ernsthafte Prob- leme mit den heimatlichen Behörden gehabt zu haben. Was den Aufenthalt in Malaysia betreffe, sei festzustellen, dass es in jüngster Zeit zu Rück- schiebungen aus Malaysia nach Sri Lanka gekommen sei. Bei den Be- troffenen handle es sich jedoch um mutmassliche hochrangige ehemalige Kadermitglieder der LTTE. Überdies würden sich der Beschwerdeführer und sein Sohn seit über zwei Jahren in Malaysia aufhalten und über gültige Flüchtlingsausweise des UNHCR verfügen. Es sei bekannt, dass die ma- laysischen Behörden in der Regel mit UNHCR kooperieren würden. Zwar sei auch registrierten Flüchtlingen in Malaysia die Erwerbstätigkeit nicht erlaubt, die Behörden würden jedoch nicht intervenieren, wenn Betroffene einer Gelegenheitsbeschäftigung nachgehen würden. Es sei daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführer und sein Sohn sich eine wirt- schaftliche Existenzgrundlage schaffen könnten und ihnen ein Verbleib in Malaysia zumutbar sei. T. Mit einer separaten an die Beschwerdeführerin und die mit ihr im Heimat- staat lebenden Kinder gerichteten Verfügung, welche ebenfalls vom 12. Juni 2015 datiert, lehnte die Vorinstanz deren Asylgesuche ab und ver- weigerte ihnen die Einreise in die Schweiz. Eine Empfangsbestätigung der Übermittlung findet sich nicht in den Akten. Im Wesentlichen wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin mache eine Reflexverfolgung geltend. Bei den vorgetragenen Übergriffen handle es sich jedoch um solche unbekannter Dritter. Die Beschwerdeführerin lebe überdies nach wie vor in derselben Region und scheine ihren Alltag prob- lemlos zu bewältigen. Selbst bei unterstellter Glaubhaftigkeit der geltend D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 9 gemachten Ereignisse, welche im Übrigen nur rudimentär beschrieben worden und nicht belegt seien, komme diesen aufgrund mangelnder Inten- sität kein Verfolgungscharakter zu. Es treffe zwar durchaus zu, das die sri- lankischen Behörden auch nach dem Ende der kriegerischen Auseinander- setzungen alles daran setzen würden, ein Wiedererstarken der LTTE zu verhindern und deshalb nach wie vor gegen ehemalige Führ ungspersön- lichkeiten der LTTE vorgehen würden. Es sei daher nicht auszuschliessen, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin auch nach Ende des Bürger- krieges unter Beobachtung der sri-lankischen Behörden stünde. Derartigen Massnahmen, welche im Zusammenhang mit der allgemeinen Bekämp- fung des Terrorismus der LTTE durch die sri -lankischen Behörden zu se- hen seien, komme indessen ebenfalls aufgrund mangelnder Intensität kein Verfolgungscharakter zu. Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder seien daher nicht schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes. U. Gegen diese Verfügung reichten der Beschwerdeführer und der Sohn D._______ am 20. August 2015 (Eingangsstempel: 24. August 2015) bei der schweizerischen Botschaft in Kuala Lumpur eine in englischer Sprache verfasste Beschwerde und deren französische Übersetzung ein. Parallel dazu reichte die Beschwerdeführerin für sich und ihre Kinder am 28. Juli 2015 (Eingangsstempel: 28. Juli 2015) ebenfalls eine in englischer Spra- che verfasste Beschwerde und deren deutsche Übersetzung bei der schweizerischen Botschaft in Colombo ein. Die Beschwerdeführenden be- antragen die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Bewilli- gung der Einreise in die Schweiz sowie die Gewährung von Asyl. Im Wesentlichen machten Sie geltend, dass die Vorinstanz gestützt auf die von ihnen bisher geltend gemachten Schwierigkeiten falsche Schlüsse ge- zogen habe sie vielmehr weiterhin seitens des CID behelligt würden. V. Mit Eingaben vom 27. Februar und 16. März 2016 machten die Beschwer- deführenden geltend, der CID habe am 15. Dezember 2015 im Hause der Schwester der Beschwerdeführerin nach den B eschwerdeführenden ge- fragt. Am 17. Dezember 2015 habe man sich auch bei der Beschwerdefüh- rerin nach dem Beschwerdeführer erkundigt und eine Photokopie des Pas- ses des Beschwerdeführers sichergestellt . Die Beschwerdeführerin, die Mutter des Beschwerdeführers sowie der Sohn C._______ seien in die Po- lizeistation L._______ vorgeladen worden, wo man sie am 18. Dezember D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 10 2015 während eines Tages befragt und auch bedroht habe. Beigefügt wa- ren der Eingabe verschiedene Kopien von Zeitungsberichten und Internet- auszüge zur politischen Situation im Land. W. Mit Eingabe vom 4. April 2016 reichten die Beschwerdeführe nden ver- schiedene Zeitungsartikel mit englischer Übersetzung ein, welche die an- haltenden Verfolgungshandlungen seitens der Regierung an Tamilen auf- zeigen würden. X. Mit Eingaben vom 14. Juni und 19. November 2016 machte der Beschwer- deführer nochmals auf seine schwierige und ungeregelte Situation in Ma- laysia aufmerksam und reichte zwei Artikel malaysischer Zeitschriften zur Situation von sich in Malaysia aufhaltenden Flüchtlingen samt englischer Übersetzung ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behör- den nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwal- tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Mit dringlicher Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359, in Kraft seit 29. September 2012), wurden unter anderem die Bestimmungen zur Asylgesuchstellung aus dem Ausland aufgehoben. D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 11 Die Übergangsregelungen halten jedoch fest, dass für die vor dem Inkraft- treten der Änderung im Ausland gestellten Gesuche die massgeblichen Ar- tikel (aArt. 12, aArt. 19, aArt. 20, aArt. 41 Abs. 2, aArt. 52 und aArt. 68 AsylG) in der bisherigen Fassung nach wie vor anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden Fall die bisherigen Bestimmungen betreffend das Auslandverfahren anzuwenden. Im Übrigen richtet sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts ande- res bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerdeverfahren D-4759/2015 und D-6948/2015 werden auf- grund des engen persönlichen und sachlichen Zusammenhangs vereinigt behandelt. 1.4 Die Beschwerden sind in englischer Sprache jeweils übersetzt in eine Amtssprache des Bundes form- und auch fristgerecht eingereicht. Weiter nachfolgende Beschwerdeeingaben erfolgten in englischer Übersetzung, mithin nicht in einer Amtssprache. Eine Aufforderung zur Beschwerdever- besserung (Übersetzung in eine Amtssprache) kann jedoch aus prozess- ökonomischen Gründen unterbleiben, da die Rechtsmitteleingaben ver- ständlich begr ündet sind und über diese befunden werden kann . Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefoc htenen Verfügungen besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde n legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG); auf diese ist einzutreten. 1.5 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 1.6 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2. 2.1 Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen anderen Staat auszureisen (aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib na- mentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist. Schutz- bedürftig im Sinne des Gesetzes sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 12 Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder we- gen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu wer- den. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychi- schen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). Die erlittenen bezie- hungsweise drohenden Nachteile müssen nachgewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht werden (Art. 7 AsylG). 2.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausset- zungen. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu an- deren Staaten, die praktische und objektive Zumutbarkeit zur anderweiti- gen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungsmöglichkei- ten in der Schweiz in Betracht zu ziehen (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126). 2.3 Kann sodann einer asylsuchenden Person, die sich im Ausland befin- det, zugemutet werden, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu be- mühen, stellt dies einen Asylausschlussgrund dar (aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Hält sich eine asylsuchende Person bereits in einem Drittstaat auf, ist im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, dass sie in diesem bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder ihn dort erlangen kann. Hieraus re- sultiert die Annahme, dass es der Per son zuzumuten ist, im Drittstaat zu verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat als auch auf die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schut- zes im Dritts taat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu prüfen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung gefunden hat oder erlangen kann. 3. 3.1 Im vorliegenden Fall präsentiert sich die Ausgangslage dergestalt, dass der Beschwerdeführer zusammen mit seinem ältesten, mittlerweile 20-jäh- rigen Sohn D._______ in Malaysia lebt; die Beschwerdeführerin lebt mit den weiteren Kindern C._______, E._______, und F._______ im Heimat- staat. 3.2 Hinsichtlich der vorinstanzlichen Verfügung, welche die sich in Malay- sia aufhaltenden beiden Beschwerdeführer betrifft ist zunächst festzustel- len, dass sich die Begründung im Detail als schwierig für eine sachgerechte D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 13 Beurteilung und Anfechtung erweist. Stark vermischt die Vorinstanz näm- lich die Erwägungen zu r Frage, ob zum Zeitpunkt der Ausreise aus dem Heimatstaat eine asylrelevante Gefährdung beider Beschwerdeführer be- stand mit denen zur Frage, ob von vornherein davon auszugehen ist, dass den Beschwerdeführern durch ihren aktuellen Aufenthaltsstaat Malaysia ein adäquater Schutz zu Teil wird. Ungeachtet dessen leidet die Verfügung aber aus den nachfolgenden Gründen an weiteren inhaltlichen Unzuläng- lichkeiten: 3.3 3.3.1 Die Vorinstanz erachtet einen Verbleib der Beschwerdeführer in Ma- laysia – im Sinne einer ausreichenden Schutz gewährung – als zumutbar und möglich. Dabei stützt sie sich zunächst auf den Umstand, dass den Beschwerdeführern am 23. Juni 2014 durch das in Malaysia ansässige UNHCR-Büro Flüchtlingsausweise ausgestellt wurden. In diesem Zusam- menhang hält die Vorinstanz unter Berufung auf ein Urteil des Bundesver- waltungsgerichts (D-4173/2013 vom 20. Januar 2014) sodann fest, dass die Beschwerdeführer nicht zu befürchten hätten, in den Heimatstaat zu- rückgeführt zu werden, da sich die Anstrengungen der malaysischen Be- hörden gegen Illegale und Flüchtlinge vor allem auf burmesische und phi- lippinische Einwanderer konzentrieren würden. Sofern Razzien gegen ille- gale Migranten durchgeführt würden, lasse man Flüchtlinge, welche im Be- sitz von UNHCR Ausweisen seien, aufgrund dieser Dokumente wieder frei. Trotz Arbeitsverbot würden die Behörden sodann nicht intervenieren, wenn betroffene Personen Gelegenheitsbeschäftigungen nachgehen würden. 3.3.2 Wie bereits ausgeführt, kann im Falle asylsuchender Personen, wel- che sich in einem Drittstaat aufhalten, zwar im Sinne einer Vermutung da- von ausgegangen werden, dass die Personen im Drittstaat bereits den er- forderlichen Schutz gefunden haben, was in der Regel zur Verweigerung der Einreisebewilligung und zur Ablehnung des Asylgesuchs führt. Diese Vermutung muss sich jedoch sowohl auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat als auch auf die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schut- zes im Drittstaat beziehen. Liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass die an- derweitige Schutzgewährung durch den Drit tstaat allenfalls praktisch un- möglich oder objektiv unzumutbar ist, ist eine entsprechende Prüfung der Gründe, welche gegen die Vermutungsregel sprechen können, erforder- lich. Der Beschwerdeführer und sein Sohn halten sich in Malaysia auf, mithin in einem Land mit einer relativ bedeutenden oppositionell gesinnten Diaspora D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 14 aus Sri Lanka. Gemäss Kenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts er- weist sich die Lebenssituation für Flüchtlinge in Malaysia im Allgemeinen als schwierig, da Malaysia kein Unterzeichnersta at des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie anderer internationaler flüchtlingsrechtlich relevanter Abkommen , beispielweise der Menschenrechtskonvention (EMRK, SR 0.101) ist. Rück- führungen von Personen, welche in Malaysia seitens UNHCR als Flücht- ling registriert wurden, sind für das Jahr 2014 auch im Falle Sri Lankas bekannt. Sie betrafen angebliche ehemalige LTTE -Kader (vgl. Human Rights Watch [HRW], Sri Lanka: Refugees Returned From Malaysia at Grave Risk, 28. Mai 2014, http://www.hrw.org/news/2014/05/27/sri-lanka- refugees-returned-malaysia-grave-risk, abgerufen am 16. Mai 2017; Inter Press Service [IPS], Ghost of the LTTE Flickers in Malaysia, 12. Juni 2014, http://www.ipsnews.net/2014/06/ghost-of-the-ltte-flickers-in-malaysia/, ab- gerufen am 16. Mai 2017). Zwar dürfte nicht davon auszugehen sein, dass sri-lankischen Flüchtlinge, mit oder ohne Registrationskarten des UNHCR generell einer Inhaftierungs- oder gar einer Deportationsgefahr nach Sri Lanka ausgesetzt sind. Liegen aber, k onkrete Hinweise dafür vor, dass Schutzsuchenden aufgrund ihrer individuellen Vorbringen in Malaysia eine aktuelle und konkrete Gefahr der zwangsweisen Rückschaffung nach Sri Lanka drohen könnte, kann die Vermutungsregel alle in nicht greifen und hat eine weitergehende Auseinandersetzung zu erfolgen. Zutreffend führt die Vorinstanz sodann aus, dass auch den von UNHCR r egistrierten Flüchtlingen die Erwerbstätigkeit in Malaysia von Gesetzes wegen nicht erlaubt ist. Vielmehr halten sich auch diese Personen ohne Statusrechte in Malaysia auf (vgl. United States Department of State, 2016 Trafficking in Persons Report - Malaysia, 30. Juni 2016, http://www.refworld.org /docid/577f95 db15.html [abgerufen am 16. Mai 2017]; Amnesty Interna- tional, Abused and Abandoned: Refugees Denied Rights in Malaysia , 16. Juni 2010, ASA 28/010/2010 , http://www.refworld.org/docid/4c19d1 aa2.html [abgerufen am 16. Mai 2017]). Die Beschwerdeführer halten sich seit gut drei Jahren in Malaysia auf. Sie sind von UNHCR als Flüchtlinge registriert. Im Zusammenhang mit ihrem Aufenthaltsstatus machen sie gel- tend, trotz UNHCR-Registrierung mehrfach in den Fokus der malaysischen Behörden geraten zu sein. Sie äussern zudem die Befürchtung der R ück- schaffung in den Heimatstaat. Die Beschwerdeführenden machen sodann geltend, dass die Ehefrau und die weiteren Kinder sich aufgrund der widri- gen Umstände in Malaysia wieder in den Heimatstaat begeben hätten. Ins- besondere weisen sie darauf hin, dass sie im Jahre 2013 mit einem Tou- ristenvisum nach Malaysia gereist seien und sich seit Ablauf des Visums illegal und ohne ausreichendes Einkommen dort aufgehalten hätten. E in D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 15 weiterer Verbleib der Beschwerdeführerin und der Kinder i n Malaysia sei nicht möglich g ewesen. Es werden mithin konkret individuelle Umstände vorgetragen, welche eine weitergehende Prüfung der Vorinstanz erforder- lich machen, ob die Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat praktisch unmöglich oder o bjektiv unzumutbar ist. In diesem Zusammen hang hat sich die Vorinstanz auch mit dem Umstand zu befassen, dass die Kernfa- milie seit Jahren getrennt in Malaysia und Sri Lanka lebt. Das von der Vo- rinstanz zitierte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist – ungeachtet der Frage seiner Aktualität – bereits insofern nicht auf den vorliegenden Fall übertragbar, als die Beschwerdeführenden in besagtem Verfahren gerade keine Gründe zum Aufenthalt in Malaysia vorgebracht hatten, aus welchen auf eine Umkehr der Vermutungsregel geschlossen werden kann (vgl. Ur- teil des Bundesverwaltungsgerichts D -4173/2013 vom 20. Januar 2014 E. 5.2). 3.3.3 Die Vorinstanz äusserte sich in ihrer Begründung sodann auch zur Gefährdungslage der Beschwerdeführer im Heimatstaat und verneinte eine solche. Dabei stellte sie die Glaubhaftigkeit der Vorbringen nicht in Frage (vgl. vorinstanzliche Verfügung Ziffer 6), sah jedoch keine konkreten Anhaltspunkte als gegeben dafür, dass die Beschwerdeführer zum Zeit- punkt ihrer Ausreise aus dem Heimatstaat ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG ausgesetzt gewesen seien oder eine objektiv be- gründete Furcht zu bejahen sei, dass sie solchen Nachteilen ausgesetzt werden. Zur Begründung führt e die Vorinstanz aus, es könne den Akten nicht eindeutig entnommen werden, das s die Beschwerdeführer den Hei- matstaat verlassen hätten, um Schutz vor Verfolgung zu suchen. Insbeson- dere hätten sie nicht geltend gemacht, dass sie bei der Ausreise aus dem Heimatstaat Vorsichtsmassnahmen hätten treffen müssen oder konkrete Nachteile befürchtet hätten. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die Aus- reise erfolgt sei, um in Malaysia einer Arbeit nachzugehen. Festzustellen ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass sich die Beschwerdeführenden zum Zeitpunkt der Asylgesuchstellung im Jahr 2009 noch in ihrem Heimat- staat aufhielten. Im Zeitraum von September 2009 bis September 2010 machten sie mit siebzehn nachfolgenden Eingaben auf aktuelle Behelli- gungen seitens des CID aufmerksam. Dabei ging es namentlich auch um Behelligungen, welche sie und die Familie konkret betroffen haben sollen. Die Beschwerdeführer gaben denn auch an, sich vor der erfolgten Ausreise aus dem Heimatstaat mehrheitlich versteckt gehalten zu haben. Einge- reicht wurden sodann auch Beweismittel, unter anderem Dokumente, bei welchen es sich um Vorladungen des CID handeln soll. Erst mit Schreiben D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 16 vom 18. Juni 2014 teilten die Beschwerdeführ er mit, dass sie sich zwi- schenzeitlich nach Malaysia begeben hätten. Weitere Schilderungen erleb- ter Behelligungen und subjektiver Verfolgungsfurcht ergeben sich aus der Asylbegründung der Beschwerdeführer anlässlich der direkten Anhörung in der schweizerischen Botschaft Kuala Lumpur. Wenn nun die Vorinstanz einerseits den von den Beschwerdeführern eingereichten Dokumenten und ihren Vorbringen die Glaubhaftigkeit zuerkennt (vgl. vorinstanzliche Verfü- gung des Beschwerdeführers Ziffer 6), sich aber andererseits einer Prü- fung der Gefährdungslage der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Aus- reise verschliesst – anders können die vorgenannten Erwägungen nicht verstanden werden – verletzt sie ihre Begründungspflicht. 3.3.4 Keine Auseinandersetzung erfolgte in der vorinstanzlichen Verfügung sodann mit dem Tatbeitrag des Beschwerdeführers A._______ für die LTTE und die rechtliche Einordnung dieses Beitrags im flüchtlingsrechtlich rele- vanten Kontext beziehungsweise hinsichtlich des Bestehens allfälliger Asylausschlussgründe. So machte der Beschwerdeführer geltend, vor sei- ner Ausreise aus dem Heimatstaat konkret im Fokus des CID gestanden zu haben und auch nach der Ausreise noch zu stehen. Die Aussagen zu seinem eigenen Tatbeitrag erweisen sich diesbezüglich als wenig aussa- gekräftig, ebenso wie die Aussagen der übrigen Familienmitglieder zum Tatbeitrag des Ehemannes und Vaters. Der Frage kommt aber insofern Ge- wicht zu, als der angegebene Tatbeitrag, nämlich eine zweijährige Tätigkeit als Klempner und Elektriker im Verhältnis zur vorgebrachten behördlichen Suche über mehrerer Jahre zu klären ist, insbesondere im Hinblick auf das Gefährdungsprofil des Beschwerdeführers. Der rechtserhebliche Sachver- halt ist diesbezüglich nicht vollständig festgestellt. 3.4 Auch die Verfügung, welche die im Heimatstaat verbliebene bezie- hungsweise die in den Heimatstaat zurückgekehrte Beschwerdeführerin und ihre Kinder betrifft, erweist sich aus den nachfolgenden Gründen in verschiedener Hinsicht als mangelhaft. Die Vorinstanz verneint eine konkrete Gefährdungslage der Beschwerde- führerin und ihrer Kinder. Sie begründet dies damit, dass es sich bei den geschilderten Behelligungen und Übergriffen um solche von „unbekannten Dritten“ handle. Derartigen Vorfällen würde aufgrund mangelnder Intensität nach Art. 3 AsylG sodann kein Verfolgungscharakter zukommen. Diese Er- wägungen sind vor dem Hintergrund des konkreten Vorbringens der Be- schwerdeführenden, welche insbesondere die „Verfolger“ und geschilder-D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 17 ten Verfolgungshandlungen dem Sicherheitsdienst der Regierung zuord- nen, nicht haltbar. Es bedurfte vorliegend deshalb einer Auseinanderset- zung mit der Frage der Glaubhaftmachung der Vorbringen und ihrer recht- lichen Einordnung in den Kontext einer „konkreten Gefährdung“ der Be- schwerdeführerin und ihrer Kinder. Diese Prüfung hängt aber nicht zuletzt auch von der Funktion des Beschwerdeführers bei der LTTE, seinem Tat- beitrag und Gefährdungsprofil ab. Die Vorinstanz äusserte sich sodann auch in diesem Verfahren nicht zu der seit Jahren andauernden Trennung der Kernfamilie. Insgesamt hat die Vorinstanz auch diesbezüglich ihrer Be- gründungspflicht nicht genüge getan. 3.5 Die in beiden angefochtenen Verfügungen festgestellten Mängel kön- nen in diesem Umfang auf Beschwerdeebene nicht geheilt werden. Die Verfügungen sind daher in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Verfahren sind an die Vorinstanz zur erneuten Beurteilung zurückzu- weisen. Die Vorinstanz ist angehalten, für die vollständige Feststellung des Sachverhalts durch zusätzliche Abklärungen zu sorgen, insbesondere was den Tatbeitrag des Beschwerdeführers für die LTTE anbelangt , und die Verfahren sind im Rahmen eines neuen beschwerdefähige n Entscheides einer rechtlichen Würdigung zu unterziehen. 4. 4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 4.2 Ganz oder teilweise obsiegende Parteien haben grundsätzlich An- spruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen im Beschwerdeverfah- ren erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Indes sind den vor dem Gericht nicht ver- tretenen Beschwerdeführenden keine Vertretungskosten erwachsen und auch sonst dürften keine verhältnismässig hohe Kosten entstanden sein, weshalb ihnen trotz Obsiegens keine Parteientschädigung zuzusprechen ist. (Dispositiv nächste Seite) D-4759/2015 / D-6948/2015 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die angefochtenen Verfügungen werden aufgehoben. Die Verfahren wer- den zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen sowie zum neuen Entscheid an das SEM zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die schwei- zerischen Vertretungen in Colombo und Kuala Lumpur. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Constance Leisinger Versand: