Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 2. April 2014 (810 13 234) ___________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Stefan Schulthess, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin i.V. Stephanie Birbaumer Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Ana Dettwiler , Advokatin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung (RRB Nr. 1100 vom 25. Juni 2013) A. Der 1970 in der Türkei geborene A.____ reiste im Jahr 1981 in die Schweiz ein und erhielt eine Niederlassungsbewilligung zum Verbleib bei seiner Mutter und seinem Stiefvater. Im Jahr 1991 heiratete er die türkische Staatsangehörige B.____. Seine Ehefrau folgte ihm darauf- hin in die Schweiz. Im Jahr 1994 kam sein Sohn C.____ a us der Beziehung zur Schweizerin D.____ zur Welt. Die Ehe mit B.____ wurde im Jahr 1997 geschieden. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Seit seinem 16. Lebensjahr trat A.____ regelmässig strafrechtlich in Erscheinung. Am 18. August 1987 wurde ihm der Führerausweis für vier Monate wegen Diebstahls und In- verkehrbringens eines abgeänderten Motorfahrrades entzogen. Am 30. September 1987 wurde ihm der Führerausweis für vier Monate wegen Fahrens tro tz Führerausweisentzugs entzogen. Am 11. Januar 1989 wurde A.____ eine administrative V erwarnung wegen Inverkehrbringens eines zur Leistungssteigerung abgeänderten Fahrzeuges ert eilt. Am 23. Januar 1990 erging gegen ihn ein Übertretungsstrafbefehl mit einer Busse v on Fr. 200.-- wegen Fahrens mit einem mangelhaft ausgestatteten Motorrad ohne Zulassung, Kont rollschild und Haftpflichtversiche- rung. Mit Verfügung vom 7. Juni 1990 wurde A.____ der Lernfahrausweis für neun Monate ent- zogen. Am 12. Oktober 1990 erging gegen ihn ein Über tretungsstrafbefehl mit zehn Tagen Haft bedingt und einer Busse von Fr. 300.-- wegen Fahrens tr otz entzogenem Lernfahrausweis. Am 29. Juli 1992 wurde ihm der Lernfahr- bzw. Führerausweis für die Kategorie D1 (Taxi) auf unbe- stimmte Zeit verweigert, da es keine Gewähr für ein pfl ichtbewusstes Verhalten als Taxifahrer gab. Am 16. Dezember 1992 wurde er vom Amtsgericht E. ____ zu sieben Monaten Gefängnis bedingt wegen Körperverletzung, Angriff und Diebstahl verurteilt. Am 1. Juli 1993 wurde ihm der Führerausweis für weitere drei Monate entzogen. Am 15. November 1993 erging gegen A.____ ein Übertretungsstrafbefehl wegen mehrfachen Motorfa hrradfahrens ohne gültigen Fahrzeug- ausweis, ohne gültiges Kontrollschild, ohne Haftpflichtversicherung, ohne Helm, wegen mehrfa- cher Verletzung von Verkehrsregeln, wegen vorsätzlicher Ab änderung des Motorfahrrades so- wie wegen mehrfachem Inverkehrsetzen eines Motorfahrra des in nicht betriebssicherem bzw. nicht vorschriftgemässem Zustand. Er wurde zu vier Tagen Haft und einer Busse von Fr. 100.-- verurteilt. Am 27. Dezember 1994 wurde A.____ der Füh rerausweis auf unbestimmte Zeit ent- zogen. Am 6. Januar 1995 wurde gegen ihn ein Strafbe fehl wegen Missachtens der Höchstge- schwindigkeit mit einer Busse von Fr. 350.-- erlassen. Am 3 0. Juni 1998 erging gegen ihn ein Übertretungsstrafbefehl wegen mehrfachen Tätlichkeiten und einer Verurteilung zu zehn Tagen Haft bedingt sowie einer Busse von Fr. 300.--. Am 10. Februar 1999 wurde er wegen Nichtab- gabe des Führerausweises zu einer Busse von Fr. 300.-- ver urteilt. Am 11. April 2000 wurde ihm der Führerausweis wegen Angetrunkenheit für drei Monate entzogen. Am 19. Oktober 2000 wurde ihm der Führerausweis für sieben Monate entzogen . Am 8. Juni 2001 wurde er zu 24 Tagen Gefängnis und einer Busse von Fr. 1‘200.-- ver urteilt. Am 3. Juli 2001 wurde ihm der Führerausweis erneut entzogen und Verkehrsunterricht fü r 16 Monate angeordnet. Am 16. August 2001 verurteilte ihn das Strafgericht F.__ __ zu 12 Monaten Gefängnis wegen einfa- cher Körperverletzung, Tätlichkeiten, Sachbeschädigung, Be schimpfung, mehrfacher Nötigung, Hinderung einer Amtshandlung, Fahren in angetrunkene m Zustand, Fahren ohne Führeraus- weis, grobe Verletzung von Verkehrsregeln und Übertretung der Verordnung über die Strassen- verkehrsregeln. Die Gefängnisstrafe wurde zugunsten einer ambulanten Psychotherapie aufge- schoben. C. Mit Schreiben vom 29. Oktober 2001 verwarnte das Am t für Migration Basel- Landschaft (AfM) A.____ ein erstes Mal und wies ihn dar auf hin, dass fremdenpolizeiliche Mas- snahmen - die Ausweisung oder deren Androhung - geprüf t würden, falls er erneut gerichtlich bestraft werden müsste oder wenn sein Verhalten im All gemeinen darauf schliessen lassen würde, dass er nicht gewillt oder nicht fähig sei, sich i n die in der Schweiz geltende Ordnung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht einzufügen oder er fortgesetzt und in erheblichem Masse durch die Öffentlichkeit unterstützt werden müsste. D. Am 30. Juli 2003 erging gegen A.____ ein Strafbef ehl des Bezirksstatthalteramtes G.____ wegen Raufhandels, mit welchem er zu 30 Tagen Gefängnis mit einer Probezeit von vier Jahren verurteilt wurde. Am 24. September 2003 wu rde er zu einer Busse von Fr. 160.-- wegen Missachtens der Höchstgeschwindigkeit verurteilt. Am 20. April 2004 wurde ihm der Führerausweis wegen Angetrunkenheit, Drogeneinfluss und Nichteignung auf unbestimmte Zeit entzogen. E. Mit Verfügung vom 6. Juli 2006 wurde A.____ vom AfM die Ausweisung aus der Schweiz angedroht und mit der Auflage verbunden, nicht mehr zu delinquieren und die beste- henden Schulden zu sanieren. Eine gegen diese Verfügu ng erhobene Beschwerde wurde mit Beschluss des Regierungsrates des Kantons Basel-Landschaft (R egierungsrat) vom 11. Dezember 2007 abgewiesen. F. Am 21. September 2007 wurde A.____ vom Strafgeri cht F.____ wegen Gehilfen- schaft zum Raub und Autofahrens in angetrunkenem Zustand zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren und einer Busse von Fr. 600.-- verurteilt. Am 14. Juni 2012 wurde A.____ vom Strafgericht F.____ weg en versuchter schwerer Körperverlet- zung, einfacher Körperverletzung, einfacher Körperverlet zung in einem leichten Fall und fahr- lässiger einfacher Körperverletzung zu einer Freiheitsst rafe von 12 Monaten verurteilt. Die un- bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe wurde zugunsten einer ambulanten alkoholspezifischen und psychotherapeutischen Massnahme aufgeschoben. Die im U rteil des Strafgerichts F.____ vom 21. September 2007 ausgesprochene Probezeit wurde um zwei Jahre verlängert. G. Das AfM gewährte A.____ mit Schreiben vom 26. Novemb er 2012 das rechtliche Gehör zum beabsichtigten Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung und der Wegweisung aus der Schweiz. A.____, vertreten durch Ana Dettwiler, Ad vokatin, nahm dazu Stellung und bean- tragte, von einem Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei abzusehen und die unentgeltliche Rechtspflege sei zu gewähren. H. Mit Verfügung vom 28. Januar 2013 widerrief das AfM die Niederlassungsbewilli- gung von A.____ und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz bis spätestens 30. April 2013 an. Gleichzeitig wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abgewiesen. Das AfM begründete den Widerruf damit, dass durch die zahlreich en Verstösse gegen die Rechtsord- nung der Tatbestand des Verstosses gegen die öffentlich e Ordnung und Sicherheit in schwer- wiegender Weise erfüllt sei und damit ein klarer Widerrufsgrund vorliege. I. Gegen diese Verfügung erhob A.____, wiederum vert reten durch Ana Dettwiler, mit Eingabe vom 8. Februar 2013 Beschwerde beim Regierung srat mit dem Begehren, die Verfü- gung des AfM vom 28. Januar 2013 sei aufzuheben und d em Beschwerdeführer sei die Nieder- lassungsbewilligung zu belassen, eventualiter sei dem Besc hwerdeführer eine Härtefallbewilli- gung zu erteilen; alles unter o/e-Kostenfolge. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Mit Eingabe vom 3. April 2013 wies das AfM den Regi erungsrat darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft H.____ am 28. Mai 2013 wegen einfa cher Köperverletzung Anklage gegen A.____ erhoben habe. Mit Schreiben vom 23. Mai 2013 liess sich das AfM vernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde. Mit Entscheid vom 25. Juni 2013 wies der Regierungs- rat die Beschwerde ab. K. Mit Eingabe vom 5. Juli 2013 erhob A.____, wiederu m vertreten durch Ana Dettwi- ler, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Ab teilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, der Entsch eid des Regierungsrates vom 25. Juni 2013 und die Verfügung des AfM vom 28. Januar 2013 sei en aufzuheben und dem Beschwer- deführer sei die Niederlassungsbewilligung zu belassen. Eventualiter sei dem Beschwerdefüh- rer eine Härtefallbewilligung zu erteilen; alles unte r o/e-Kostenfolge. Weiter seien dem Be- schwerdeführer für das Verfahren vor dem AfM sowie für das Beschwerdefahren vor dem Kan- tonsgericht die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung zu bewilligen. L. Mit Präsidialverfügung vom 14. Oktober 2013 überwie s das Kantonsgericht den Fall der Kammer zur Beurteilung. Mangels Bedürftigkeit wi es das Kantonsgericht das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mit Verfügung vom 7. No vember 2013 ab. Mit Eingabe vom 18. November 2013 erhob der Beschwerdeführer, wiederum vertreten durch Ana Dettwiler, Ein- sprache gegen die verfahrensleitende Verfügung vom 7. N ovember 2013 und beantragte die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. Diese wur de dem Beschwerdeführer mit Be- schluss vom 15. Januar 2014 bewilligt. M. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung wurde ein e Befragung des Beschwerdefüh- rers durchgeführt. Die Parteien hielten vollumfänglich an ihren Begehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand gemäss § 44 VPO noch ein spezialg esetzlicher Ausschlusstatbe- stand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgericht s zur Beurteilung der vorliegenden An- gelegenheit gegeben. Als Adressat ist der Beschwerdeführ er sodann vom angefochtenen Ent- scheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an desse n Aufhebung oder Abänderung. Da im Übrigen auch die weiteren formellen Voraussetzu ngen erfüllt sind, kann auf die Be- schwerde eingetreten werden. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht richt dagegen - abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen - verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO, e contrario). 3. § 16 Abs. 2 VPO statuiert den Grundsatz der richterl ichen Rechtsanwendung von Am- tes wegen. Das Gericht ist somit verpflichtet, auf den f estgestellten Sachverhalt den richtigen Rechtssatz anzuwenden. Dies bedeutet, dass es einerseits üb erprüfen muss, ob es zu Verfah- rensfehlern gekommen ist und andererseits, ob das rich tige Recht inhaltlich richtig angewendet worden ist, d.h. die an sich gültigen, zutreffenden Re chtssätze richtig ausgelegt, konkretisiert und auf den Sachverhalt bezogen worden sind (R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 2. vollständig überarbeitete Auflage, Basel 2010, N 1002 ff.) Gemäss § 12 Abs. 1 VPO hat das Gericht von Amtes wegen die für den Entscheid wesentlichen Tatsache n festzustellen. Es ist jedoch nicht verpflichtet, von sich aus über die tatsächlichen Vorbrin gen der Parteien hinaus den Sachver- halt vollständig neu zu erforschen. Es kann sich somit in der Regel damit begnügen, die Stich- haltigkeit der Vorbringen zu überprüfen. (A LFRED KÖLZ /I SABELLE HÄNER , Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Auflage, Zür ich 1998, N 268 ff.). In Fällen, in de- nen der Sachverhalt ungenügend abgeklärt wurde oder d ie Regelung des Rechtsverhältnisses besondere Sachkunde verlangt oder in den Ermessensbereich hineinragt, rechtfertigt sich grundsätzlich auch eine Rückweisung an eine untere Instanz (Urteil des Bundesgerichts 1C_277/2007 vom 30. Juni 2008 E. 2.2). 4.1 Strittig und zu prüfen ist nachfolgend, ob sich der durch das AfM gegenüber dem Be- schwerdeführer verfügte und durch die Vorinstanz bestätigte Widerruf der Niederlassungsbewil- ligung und die Wegweisung als rechtmässig erweisen. 4.2 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Sc hweiz berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitzt oder wenn sie keiner solchen bedarf (vgl. Art. 2, Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die A usländerinnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005). Die zuständige kantonale Behörde e ntscheidet gemäss Art. 18 ff. AuG - im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und Verträge mi t dem Ausland - nach freiem Ermes- sen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder oh ne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsan- spruch auf die Gewährung einer Anwesenheitsbewilligung hat die ausländische Person grund- sätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Ve rpflichtungen sähen dies vor (BGE 133 I 189 E. 2.3; P ETER UEBERSAX , in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thoma s Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 4.3 Das AuG gilt für Ausländerinnen und Ausländer, sowe it keine anderen Bestimmungen des Bundesrechts oder von der Schweiz abgeschlossene völkerr echtliche Verträge zur Anwen- dung gelangen (Art. 2 Abs. 1 AuG). Vorweg kann festgeh alten werden, dass zwischen der Schweiz und der Türkischen Republik kein Staatsvertrag be steht, der dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz gewähren würde. 4.4 Die Niederlassungsbewilligung verleiht ihrem Inhab er grundsätzlich einen unbefris- teten Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz und ist ohn e Bedingungen zu erteilen (Art. 34 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 1 AuG). Bei Vorliegen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG kann die Niederlas- sungsbewilligung jedoch entzogen werden. Die Niederlassu ngsbewilligung von Ausländern, die sich seit mehr als fünfzehn Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhal- ten, kann nur aus Gründen von Art. 63 Abs. 1 lit. b un d Art. 62 lit. b AuG widerrufen werden (Art. 63 Abs. 2 AuG). Die Niederlassungsbewilligung kan n gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG wi- derrufen werden, wenn der Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicher- heit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland versto ssen hat oder diese gefährdet. Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung l iegt gemäss Art. 80 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE ) vom 24. Oktober 2007 unter anderem vor bei einer Missachtung von gesetzlichen Vorschriften und behördlichen Verfügungen (Abs. 1 lit. a) sowie bei mutwilliger Nichterfüllung der öff entlich-rechtlichen oder privatrechtlichen Ver- pflichtungen (Abs. 1 lit. b). 4.5 Im Gegensatz zum Widerruf einer Aufenthaltsbewill igung gemäss Art. 62 lit. c AuG, welcher voraussetzt, dass der Ausländer "erheblich oder wie derholt" gegen die öffentliche Si- cherheit und Ordnung verstossen hat, setzt der Widerruf der Niederlassungsbewilligung nach Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG voraus, dass ein solcher Versto ss "in schwerwiegender Weise" erfolgt ist. Damit werden vergleichsweise erhöhte Anforderungen an einen Bewilligungswiderruf ge- stellt, was sich eindeutig aus dem französischen Wortlaut d er genannten Bestimmungen ergibt. Während Art. 62 lit. c AuG von einem Verstoss "de maniè re grave ou répétée" spricht, wird in Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG die qualifizierte Formulier ung "de manière très grave" verwendet (BGE 137 II 297 E. 3.2). Zur Abgrenzung zwischen Art. 62 li t. c und Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG ist in ers- ter Linie auf den Stellenwert des beeinträchtigten R echtsguts abzustellen. Wenn die ausländi- sche Person durch ihre Handlungen besonders hochwertige Rechtsgüter wie namentlich die körperliche, psychische und sexuelle Integrität eines Mensch en verletzt oder gefährdet hat, so werden die qualifizierten Voraussetzungen von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zumeist erfüllt sein. In- des können auch vergleichsweise weniger gravierende Pflichtverletzungen als "schwerwiegend" im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG bezeichnet werd en (BGE 137 II 297 E. 3.3). Namentlich kann auch eine Summierung von Verstössen, die für sich ge nommen für einen Widerruf nicht ausreichen würden, einen Bewilligungsentzug rechtferti gen. Diesfalls ist nicht die Schwere der verhängten Strafen, sondern die Vielzahl der Delikte entscheidend. Ein Widerruf der Niederlas- sungsbewilligung ist somit auch dann möglich, wenn sich e ine ausländische Person von straf- rechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass sie auch zukünftig we- der gewillt noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu halten. Ob ein Ausländer willens und in der Lage ist, sich in die hier geltende Ordnung einzufügen, ist anhand einer Gesamtbetrachtung seines Verhaltens zu beurteilen (BGE 137 II 297 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_160/2013 vom 15. November 2013 E. 2.1.1; siehe auc h A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, N 8.29; S ILVIA HUNZIKER , in: Martina Caroni/Thomas Gächter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 19 zu Art. 63 AuG; M ARC SPESCHA , in: Marc Spescha/Hanspeter Thür/Andreas Zünd/Peter Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, Zürich 2012, N 10 zu Art. 63 AuG). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Der Regierungsrat erwog im angefochtenen Entscheid, dass der Beschwerdeführer seit über 25 Jahren in wiederholter Weise delinquiert und gegen die geltende Rechtsordnung verstossen habe. Er habe sich durch die gefällten Strafu rteile und Sanktionen jeweils nicht von der Begehung weiterer Delikte abhalten lassen. In rege lmässigen Abständen habe er gegen das Strafrecht und das Strassenverkehrsrecht verstossen und immer wieder Geldstrafen und Bussen erhalten, was ihn jedoch nicht zu beeindrucken schie n. Auch die zwei ausgesproche- nen Verwarnungen durch das AfM hätten den Beschwerdefüh rer unbeeindruckt gelassen. Im Weiteren handle es sich entgegen der Ansicht des Beschwer deführers beim Raufhandel und der einfachen Körperverletzung nicht lediglich um De likte der untersten Skala der Gefährlich- keit, sondern zeige die Einstellung und den mangelnden Respekt gegenüber Rechtsgütern wie Leib und Leben. Ausserdem sei die Vielzahl der Delikte mehr als bedenklich. Insbesondere handle es sich bei der Verurteilung wegen Gehilfenschaf t zu Raub im Jahre 2007 und der Ver- urteilung wegen versuchter schwerer Körperverletzung im Jahr 2012 um schwerwiegende De- likte, welche in keiner Weise zu verharmlosen seien. A uch der Einwand des Beschwerdefüh- rers, er sei seit der letzten Verurteilung im Jahre 201 2 nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten, sei unzutreffend, da die Staatsanwaltschaft H.____ mit Eingabe vom 28. Mai 2013 Anklage wegen einfacher Körperverletzung gegen den Beschwerdeführer erhoben habe. Weiter seien gegen den Beschwerdeführer bis am 19. Juni 2013 Betreibungen in der Höhe von Fr. 185‘472.75 und offene Verlustscheine in der Höhe von Fr. 170‘919.75 registriert. Eine sol- che Verschuldung sei massiv und offenbare die Gleichgültig keit gegenüber finanziellen Ver- pflichtungen. In der Gesamtbetrachtung sei somit festzu stellen, dass das Verhalten des Be- schwerdeführers aufzeige, dass dieser nicht fähig oder w illig sei, sich an die herrschende Rechtsordnung zu halten und sich in die hier geltende Ordnung einzufügen. Aufgrund der Summierung der einzelnen Verstösse, der notorischen U neinsichtigkeit und der schlechten Le- galprognose sei im Sinne der bundesgerichtlichen Recht sprechung ein Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu bejahen. 5.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass es sich bei der Feststellung des Regie- rungsrates, dass er „regelmässig schwere Körperverletzunge n“ begehe, um eine falsche Sach- verhaltsdarstellung handle. Entgegen rechtsstaatlicher Gru ndsätze (Unschuldsvermutung und faires Verfahren) würden sogar Einstellungen und Frei sprüche zu Lasten des Beschwerdefüh- rers berücksichtigt. Tatsache sei, dass er keine einzige schwe re Körperverletzung begangen habe, es liege eine einzige Verurteilung vom 14. Juni 2012 wegen „versuchter schwerer Kör- perverletzung“ vor. Der Beschwerdeführer habe nicht in sch werwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen, da die g egen ihn ergangenen Strafurteile ledig- lich wegen Raufhandels, einfacher (leichter bzw. fahrl ässiger) Körperverletzung und Tätlichkei- ten erfolgt seien. Dass diese Delikte an der untersten S kala von Delikten in Sachen Gefährlich- keit und Folgen für die Betroffenen anzusiedeln seien, habe mit Bagatellisieren nichts zu tun. Dies widerspiegle sich auch in der Strafzumessung, welche durchwegs zwischen 30 Tagen und 12 Monaten liege und nicht das Ausmass für einen Widerru f der Niederlassungsbewilligung wegen einer Verurteilung zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe erreichen würde. Bei der Gehil- fenschaft zum Raub sei er lediglich als Tippgeber verur teilt worden und allein die versuchte schwere Körperverletzung wiege schwerer, wobei der Geschäd igte jedoch nur eine Riss- quetschwunde an der Stirn davongetragen habe. Die Festst ellung des Regierungsrates, dass Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die schwerwiegende psychische Erkrankung des Beschwerdeführers als Ursache für seine Ver- fehlungen nicht substantiiert sei, sei offensichtlich akten widrig. Es sei in den Akten dokumen- tiert, dass er an einer emotional instabilen Persönlich keitsstörung vom impulsiven Typ, verbun- den mit einem schädlichen Gebrauch von Alkohol, leide. Aufgrund dieser Erkrankung sei dem Beschwerdeführer wiederholt eine verminderte Schuldfäh igkeit attestiert worden. Weiter sei es auch eine aktenwidrige Darstellung, dass sich der Beschwerdeführer erst seit der letzten Verur- teilung am 14. Juni 2012 nichts mehr habe zuschulden komm en lassen. Vielmehr sei das be- reits seit der mit diesem Urteil abgeurteilten Tat vom 18. Oktober 2009 der Fall. Das vom Regie- rungsrat erwähnte und im Jahr 2013 eingeleitete Stra fverfahren sei ausserdem mit Beschluss des Strafgerichts I.____ vom 13. August 2013 eingestellt worden. Weiter würden die vom Re- gierungsrat vorgebrachten Verlustscheine keinen schwerwieg enden Verstoss gegen die öffent- liche Sicherheit und Ordnung bedeuten, da die Verschuld ung nicht mutwillig, sondern aufgrund seiner psychischen Erkrankung, des Verlusts der Arbeitsstelle und der Dauer bis zur Zusprache einer Invalidenrente entstanden sei. Ein schwerwiegend er Verstoss gegen die öffentliche Si- cherheit und Ordnung liege demzufolge nicht vor. 5.3 Im vorliegenden Fall steht fest, dass der Beschwerde führer seit seinem 16. Altersjahr kontinuierlich negativ aufgefallen ist. Bei der Beurtei lung, ob er damit den Widerrufsgrund im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG gesetzt hat, ist zun ächst festzustellen, dass der Beschwer- deführer durch sein Verhalten auch besonders hochwertige Rechtsgüter wie die körperliche und psychische Integrität verletzt hat. Namentlich wurde der B eschwerdeführer auch nach der Ver- warnung durch das AfM vom 6. Juli 2006 nach mehreren Ba rprügeleien mit Urteil des Strafge- richts F.____ vom 14. Juni 2012 wegen versuchter schwerer Körperverletzung, einfacher Kör- perverletzung, einfacher Körperverletzung in einem leichten Fall und fahrlässiger einfacher Kör- perverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten ver urteilt. Hinzu kommt, dass der Be- schwerdeführer sowohl im Jugend- als auch im Erwachsenen alter eine Vielzahl von Delikten begangen hat. Er nahm insbesondere im Rahmen seiner mehrfachen Widerhandlungen im Strassenverkehrsbereich, namentlich dem Fahren mit einer qualifizierten Blutalkoholkonzentra- tion oder unter Drogeneinfluss, dem Fahren ohne Führe rausweis sowie der groben Verletzung von Verkehrsregeln, eine erhebliche Gefährdung von Leib und Leben von Drittpersonen in Kauf. Er liess sich von den verhängten Strafen, Bussen und meh rfachen Führerausweisentzügen in keiner Weise beeindrucken bzw. von weiteren Verstössen ab halten. Dies legt den Schluss na- he, dass er weder gewillt noch fähig ist, die hiesige R echtsordnung zu respektieren und damit zu rechnen ist, dass er auch zukünftig wieder straffällig werden wird. 5.4 Wie in E. 4.4 bereits ausgeführt, kann auch die m utwillige Nichterfüllung der öffenlich- rechtlichen oder privatrechtlichen Verpflichtungen in b edeutendem Umfang einen Verstoss ge- gen die öffentliche Ordnung darstellen. Gemäss dem vom Beschwerdegegner anlässlich der heutigen Parteiverhandlung eingereichten Betreibungsr egisterauszug des Betreibungs- und Konkursamtes J.____ vom 31. März 2014 sind auf den Namen des Beschwerdeführers seit dem 15. Juli 1996 165 Betreibungen in der Höhe von Fr . 200‘570.-- und 120 offene Verlust- scheine in der Höhe von Fr. 175‘234.65 registriert. Dab ei handelt es sich sowohl um öffentlich- rechtliche (Steuern, Krankenkasse, Gerichtsgebühren) wie a uch privatrechtliche Forderungen (Mobilfunkanbieter, Fitnesscenter, Privatkredite). Die S chulden wurden über lange Zeit ange- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht häuft und stiegen bis Ende 2013 laufend an, obwohl d er Beschwerdeführer seit 2006 über eine Viertelsrente der Invalidenversicherung (IV) und somit ü ber geregelte Einkünfte verfügt. Der Beschwerdeführer bringt anlässlich der heutigen Verhan dlung vor, dass die Schulden haupt- sächlich aufgrund seiner psychischen Erkrankung entstanden seien. Er sei bereits im Jahr 2003 arbeitsunfähig geworden und habe daraufhin die Arbe itsstelle verloren. Die IV-Rente sei ihm jedoch erst im Jahr 2006 rückwirkend ab September 2004 zu gesprochen worden, weshalb es nachvollziehbar sei, dass in der Zeit dazwischen Schulden entstanden seien. Ein weiterer Grund für die Verschuldung sei zudem seine Spielsucht gewesen. Erst vor ungefähr zwei Jah- ren habe er sich freiwillig ein Hausverbot für das Casino auferlegen lassen und seine Spielsucht überwinden können. Als Bezüger einer IV-Rente und von E rgänzungsleistungen sei es ihm zu- dem unmöglich gewesen, seine Schulden im grösseren Stil abzubauen. Seine Erklärung, wo- nach die Schulden hauptsächlich durch seine Erkrankung u nd die daraus folgende Arbeitsunfä- higkeit entstanden seien, sind nicht nachvollziehbar, da s eine Verschuldung seit 1996 konstant angewachsen und auch nach Zusprechung seiner IV-Rente im Jahr 2006 weiter vorangeschrit- ten ist. Von einer vorübergehenden Verschuldung aufgru nd der Wartezeit bis zur Zusprechung der IV-Rente kann nicht die Rede sein. Auch nach Auferlegung des Hausverbots im Casino und seiner psychotherapeutischen Behandlung, welche er im Jah r 2012 begann, fielen bis Ende 2013 weitere Schulden an. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung führt der Beschwerdefüh- rer weiter aus, dass er eine mündliche Zusage für eine F estanstellung ab dem 1. Mai 2014 als Kellner im Restaurant K.____ habe. Nach Antritt diese r Stelle könne er damit beginnen, seine Schulden zu tilgen. Ein schriftlicher Arbeitsvertrag habe aus zeitlichen Gründen noch nicht er- stellt werden können. Es ist somit nach wie vor ungewiss, ob der Beschwerdeführer ab Mai 2014 über ein Einkommen verfügen wird und wie lange das Arbeitsverhältnis andauern wird. Weiter verweist der Beschwerdeführer im Zusammenhang mi t seinen Bemühungen zur Schul- dentilgung auf die Eingabe vom 1. April 2014, mit w elcher er das Pfändungsprotokoll des Be- treibungs- und Konkursamtes J.____ vom 14. März 2014 einr eichte. Frühere Bemühungen, seine Schulden zu tilgen, sind keine ersichtlich und werden nicht geltend gemacht. Dem Pfän- dungsprotokoll zufolge wurde eine Pfändungsquote von monatlich Fr. 229.-- verfügt. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung erklärt der Beschwerde führer zudem, dass er momentan zu- sätzlich die Schulden von jemand anderem, der auf seine n Namen Geld geliehen habe, einem Geldverleiher zurückzahlen müsse. Diese Abzahlung erfol ge in monatlichen Raten von Fr. 500.--. Nähere Angaben zum Namen des anderen ode r des Gläubigers sowie zu den Um- ständen dieser angeblichen Schuld wollte der Beschwerdef ührer jedoch an der Parteiverhand- lung nicht machen. Es stellt sich diesbezüglich die Frage, wie der Beschwerdeführer diese Ra- ten bezahlt, da das Betreibungsamt eine pfändbare Quo te von lediglich Fr. 229.-- ermitteln konnte und das restliche Einkommen grundsätzlich zur Exist enzsicherung benötigt wird. Durch diese zusätzliche Schuldentilgung gefährdet der Beschwerd eführer erneut seine aktuellen fi- nanziellen Verpflichtungen und es droht eine weitere Verschuldung. Aufgrund der Höhe der Verschuldung während einer langen Zeit und der fehlen den ernsthaften Möglichkeit, die Schul- den zu tilgen bzw. einen weiteren Schuldenanstieg zu ve rhindern, ist beim Beschwerdeführer von einer mutwilligen Nichterfüllung von öffentlich- rechtlichen bzw. privatrechtlichen Verpflich- tungen auszugehen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdefü hrer einerseits in wieder- holter als auch erheblicher Weise und unbeeindruckt von st rafrechtlichen Massnahmen die hie- sige Rechtsordnung missachtet und sich andererseits in den vergangenen Jahren stetig und in erheblichem Ausmass verschuldet hat und ihm diesbezüglich ke ine günstige Prognose gestellt werden kann. Die wiederholte und erhebliche Straffäll igkeit des Beschwerdeführers bzw. die mutwillige Nichterfüllung seiner öffentlich-rechtlic hen und privatrechtlichen Verpflichtungen er- füllen den Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG. 6. Soweit sich der Beschwerdeführer auf das in Art. 8 Z iffer 1 der Konvention zum Schut- ze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Me nschenrechtskonvention, EMRK) vom 4. November 1950 verankerte Recht auf Achtung des Pri vat- und Familienlebens beruft, kann ihm nicht gefolgt werden. Das geschützte Familienl eben im Sinne dieser Bestimmung be- schränkt sich grundsätzlich auf die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern. Geht es um Personen, die nicht der eigentlichen Kernfamilie zuzurech- nen sind, setzt eine schützenswerte familiäre Beziehung voraus, dass der um die fremdenpoli- zeiliche Bewilligung ersuchende Ausländer vom hier Anwe senheitsberechtigten wegen körperli- cher oder geistiger Invalidität oder schwerer Krankheit, welche eine dauernde Betreuung nötig macht, in einem eigentlichen Abhängigkeitsverhältnis st eht (BGE 129 II 11 E. 2; BGE 120 Ib 261 E. 1d). Der Beschwerdeführer macht geltend, er leb e im selben Haushalt mit seiner betag- ten Mutter, welche aufgrund ihres Alters und ihrer ges undheitlichen Beschwerden auf seine Unterstützung angewiesen sei. Weiter sei die Beziehung zu seinem sich in Ausbildung befin- denden volljährigen Sohn besonders intensiv. Dieser wohne , obwohl noch bei seiner Mutter angemeldet, seit 2012 unter der Woche bei ihm, weshalb der Sohn besonders auf ihn angewie- sen sei. Es sei beiden Personen nicht zumutbar, dem Beschwerdeführer in die Türkei zu folgen. Weder aus den Akten noch aus den Vorbringen des Beschwerd eführers ist ersichtlich, dass die Mutter eine dauernde und intensive Betreuung wegen kör perlicher Invalidität oder schwerer Krankheit benötigen und so in einem Abhängigkeitsverh ältnis zum Beschwerdeführer stehen würde. Da ausserdem die Halbschwester des Beschwerdeführe rs in L.____ lebt, könnte eine allfällige Betreuung der Mutter auch durch diese gewä hrleistet werden. Zum volljährigen Sohn des Beschwerdeführers ist kein Abhängigkeitsverhältnis ersic htlich, da dieser gemäss Vorbrin- gen des Beschwerdeführers anlässlich der heutigen Parteiverhandlung erst seit kurzem und vor allem wegen dem kürzeren Arbeitsweg unter der Woche bei ihm wohnt. Dieses Arrangement könnte auch in Abwesenheit des Beschwerdeführers fortgef ührt werden, da der Enkel allenfalls unter der Woche weiterhin bei seiner Grossmutter wohne n könnte, wodurch auch diese nicht durchgehend alleine leben müsste. Ein besonderes Abhäng igkeitsverhältnis zu seiner Mutter und seinem Sohn ist damit weder dargetan noch ersichtli ch. Der Schutzbereich der Garantie des Privat- und Familienlebens erfasst auch den Schutz der während eines Aufenthalts ge- knüpften persönlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bezie hungen ausserhalb des engeren fa- miliären Umfeldes. Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre chung kann von derart engen Be- ziehungen indes nur bei Vorliegen einer überdurchschnit tlichen, besonderen Integration ge- sprochen werden (BGE 130 II 281 E. 3.2.1; BGE 129 II 193 E. 5.4; A LBERTO ACHERMANN / MARTINA CARONI , in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Aus- länderrecht, 2. Auflage, Basel 2009, N 6.39). Ein Be willigungsanspruch kann jedoch von vorn- herein nur entstehen, wenn sich der Ausländer in der S chweiz tadellos verhalten hat, was der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer nicht von sich behaupten kann. Eine Ber ufung des Beschwerdeführers auf Art. 8 EMRK bzw. einen sich daraus ergebenden Bewillig ungsanspruch fällt deshalb ausser Betracht (Urteil des Bundesgerichts 2C_224/2013 vom 27. November 2013 E. 3.3.3 mit weite- ren Hinweisen). Die vom Beschwerdeführer geltend gema chte Beziehung zu seinem Sohn ist jedoch im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung entsprechend zu berücksichtigen. 7.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes ist Grundvorausse tzung für den Widerruf der Bewilligung. Der Widerruf der Niederlassungsbewillig ung ist jedoch nur gerechtfertigt, wenn er sich gestützt auf eine im Einzelfall vorzunehmende Interess enabwägung als verhältnismässig erweist (Art. 96 Abs. 1 AuG). Dabei sind namentlich die Schwere des Verschuldens, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesen heit sowie die dem Betroffenen und sei- ner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (Urt eile des Bundesgerichts 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1, 2C_50/2012 vom 28. September 2012 E. 5; BGE 135 II 377 E. 4.3; ZÜND /A RQUINT HILL , a.a.O., N 8.31). Die Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll nur mit Zurü ckhaltung widerrufen werden. Bei wiederhol- ter bzw. schwerer Straffälligkeit ist dies jedoch selbst d ann nicht ausgeschlossen, wenn der Ausländer hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leb en im Land verbracht hat. Bei schweren Straftaten und bei Rückfall bzw. wiederholter Delinquenz besteht regelmässig ein wesentliches öffentliches Interesse daran, die Anwesenheit eines Ausländers zu beenden, der dermassen die öffentliche Sicherheit und Ordnung beei nträchtigt (Urteile des Bundesgerichts 2C_486/2013 vom 4. November 2013 E. 3.2, 2C_339/2013 vom 18. Juli 2013 E. 2.3). 7.2 Der Regierungsrat erwog, dass der Beschwerdeführer se it 1981 in der Schweiz lebe. Es sei somit von einer langen Aufenthaltsdauer auszugehen, was zu seinen Gunsten ausfalle. Zu berücksichtigen sei aber auch, dass der Beschwerdeführer nicht in der Schweiz geboren, sondern erst im Alter von 11 Jahren hierher gekommen s ei, weshalb er nicht als Ausländer der „zweiten Generation“ einzustufen sei. Hinsichtlich der persönlichen Beziehungen zur Schweiz verwies der Regierungsrat auf die Ausführungen im Rahmen der Ermessensausübung und hielt fest, dass der Beschwerdeführer zweifellos über einen gro ssen Bekanntenkreis in der Schweiz verfüge. Ausserdem wohne sein volljähriger Sohn hier. V on seinen Beziehungen in der Türkei sei nur bekannt, dass er gemäss eigenen Angaben dort Ver wandte habe und aufgrund der Ein- reisestempel in seinem Reisepass jährlich in die Türkei einreise. Das persönliche Verhalten des Beschwerdeführers müsse angesichts der zahlreichen strafrecht lichen Verurteilungen als sehr negativ bezeichnet werden. Auch die finanzielle Situa tion spreche nicht zu seinen Gunsten, hätten doch per 19. Juni 2013 Betreibungen in der Höhe von Fr. 185‘472.75 und offene Verlust- scheine von Fr. 170‘919.75 vorgelegen. Drohende Nachtei le, welche eine Wegweisung des Beschwerdeführers unzumutbar machen würden, seien nicht ersichtlich. Sein Heimatland sei ihm zudem nicht völlig fremd, habe er doch seine Kindhe it dort verbracht und reise regelmässig in sein Heimatland. Ausserdem beherrsche er die türkische Sprache. Die Beziehung zu seinen Bekannten und seinem Sohn in der Schweiz könnten durc h gegenseitige Besuche und moder- ne Kommunikationsmittel gepflegt werden. Überdies sei d em Beschwerdeführer der Bezug der IV-Rente auch bei einer Rückkehr in die Türkei möglich. A usgehend von den vorstehenden Gewichtungen der Interessen sei die Gesamtwürdigung de r Vorinstanz unter dem Blickwinkel der Verhältnismässigkeit, wonach das als hoch einzustufende sicherheitspolizeiliche Interesse Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Schweiz an der Wegweisung des Beschwerdeführers dessen privaten Interessen vorgeht, nicht zu beanstanden. 7.3 Der Beschwerdeführer macht im Zusammenhang mit d er Verhältnismässigkeit geltend, dass die vom Regierungsrat vorgenommene Prüfung unvollstän dig und unausgewogen sei und den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör v erletze. Dadurch sei die Prüfung einseitig zu Lasten des Beschwerdeführers ausgefallen, wo bei wesentliche Umstände zu sei- nen Gunsten schlicht ignoriert oder nur unzureichend b erücksichtigt worden seien. Der Be- schwerdeführer lebe seit über 31 Jahren in der Schweiz un d habe drei Viertel seines Lebens bzw. die prägenden Jahre seiner Kindheit und Jugend hi er verbracht. Er spreche perfekt Schweizerdeutsch. Die persönlichen Beziehungen in der Schweiz seien sehr eng, während er in der Türkei keine engen Beziehungen pflege, sondern nur sporadisch für Urlaube dorthin reise. Das Kriterium der beruflichen Situation lasse der Regi erungsrat gänzlich unberücksichtigt, ob- wohl es dem Beschwerdeführer hoch anzurechnen sei, dass er sich trotz Viertelsrente der IV in den Arbeitsmarkt integriere. Beim persönlichen Verhalte n verweise der Regierungsrat auf die "zahlreichen strafrechtlichen Verurteilungen", obwohl vo rliegend lediglich vier Verurteilungen relevant seien. Abgesehen davon würden lediglich die letzten zwei Verurteilungen einen aktuel- len Anlass für die Prüfung einer erneuten ausländerrech tlichen Massnahme bilden. Dass der Straffälligkeit eine schwerwiegende psychische Erkrankung zugrunde liege und die im Jahr 2001 angeordnete Therapie aufgrund mangelnden Einbe zugs der Alkoholproblematik versagt habe, lasse der Regierungsrat ausser Acht. Ebenfalls nicht gewürdigt werde, dass sich der Be- schwerdeführer seit der Tat vom 18. Oktober 2009 strafrec htlich nichts mehr habe zuschulden kommen lassen. Die Schuldenproblematik sei auf die Arbei tslosigkeit mit verspäteter Auszah- lung der IV-Rente, auf die psychische Beeinträchtigung und auf die fehlende Möglichkeit des Schuldenabbaus mit Ergänzungsleistungen zurückzuführen und n icht auf Mutwilligkeit. Eine Rückkehr in die Türkei sei ausserdem nicht zumutbar. Er würde sich dort als Fremder wieder- finden, ohne Arbeit, ohne Perspektive und ohne soziales A uffangnetz, da es gerichtsnotorisch sei, dass eine Viertelsrente der IV nicht ins Ausland überwiesen werde. Aus diesen Gründen sei der Widerruf der Niederlassungsbewilligung unverhältnismässig. 7.4 Es ist vorab festzuhalten, dass der Sachverhalt in Be zug auf die IV-Rente von der Vo- rinstanz falsch dargestellt wurde. Der Beschwerdeführer h at den Akten zufolge lediglich An- spruch auf eine Viertelsrente der IV. Diese wird gemäss A rt. 10 Ziff. 2 des Abkommens zwi- schen der Schweiz und der Republik Türkei über soziale Sich erheit vom 1. Mai 1969 (SR 0.831.109.763.1) jedoch nicht in die Türkei ausbeza hlt. Diese Tatsache hätte massgeblich in die Verhältnismässigkeitsprüfung einfliessen müssen, wa s aufgrund des nicht korrekt ermit- telten Sachverhalts nicht erfolgen konnte. 7.5 Der Regierungsrat beurteilte im Rahmen der Verhä ltnismässigkeitsprüfung die persön- lichen Interessen des Beschwerdeführers sowie die lange A ufenthaltsdauer und die persönli- chen Beziehungen (vgl. E. 7.2). Summarisch wurde auf di e zahlreichen Verurteilungen und die finanzielle Situation verwiesen, welche zum Überwiegen des öffentlichen Interesses geführt haben. Diese Interessenabwägung ist jedoch im vorliegend en Fall nicht umfassend vorgenom- men worden. Der Regierungsrat als Beschwerdeinstanz ist zwar nicht verpflichtet, sich mit Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht sämtlichen Vorbringen des Beschwerdeführers einlässlich ause inanderzusetzen. Soweit diese jedoch entscheidrelevant sein können, ist eine eingehend e Beurteilung angezeigt. Dies insbe- sondere, da der Beschwerdeführer die Unverhältnismässigke it des Wegweisungsentscheids in der Beschwerde an den Regierungsrat explizit gerügt hat. Der Regierungsrat hat es in seinem Entscheid unterlassen, eine sorgfältige, individuelle u nd ausführliche Abwägung der sich ge- genüberstehenden Interessen vorzunehmen. Dabei sind neben dem Wegfall der IV-Rente auch die psychische Erkrankung des Beschwerdeführers, die Beziehun g des Beschwerdeführers zu seinem Sohn und seiner Mutter sowie die Erfolgsaussichten des Beschwerdeführers in wirt- schaftlicher Hinsicht eingehend zu beurteilen. Zu berücksi chtigen sind ebenfalls die wirtschaftli- che Situation bzw. die Möglichkeiten des Beschwerdeführe rs in der Türkei, insbesondere im Zusammenhang mit seinen Erfahrungen im Gastgewerbe und den vorhandenen Deutschkennt- nissen. 7.6 Die unvollständige Sachverhaltsdarstellung hat im an gefochtenen Entscheid zu einer unzureichenden Würdigung der sich gegenüberstehenden In teressen geführt. Die Sache ist daher zur Ergänzung des Sachverhalts und zur darauf basier enden Überprüfung der Verhält- nismässigkeit an die Vorinstanz zurückzuweisen. 8.1 Es bleibt darüber zu befinden, ob der Regierungsr at die unentgeltliche Verbeiständung des Beschwerdeführers im Verfahren vor dem AfM zu Recht ver weigert hat. Gemäss § 23 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensgesetz Basel-Landschaft ( VwVG BL) vom 13. Juni 1988 ist einer Partei im Verwaltungsverfahren der kostenlose Bei zug eines Anwaltes zu gewähren, wenn sie ihre Bedürftigkeit glaubhaft macht, ihr Beg ehren nicht offensichtlich aussichtslos und der Beizug eines Anwalts zur Wahrung ihrer Rechte als n otwendig erscheint. Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 gewährt keinen weitergehenden Anspruch auf unentgeltliche Verbe iständung als das kantonale Verfah- rensrecht. 8.2 Der Regierungsrat sieht die Bedürftigkeit des Besch werdeführers in seinem Entscheid als gegeben an. Dagegen wird die Notwendigkeit einer Rechtsvertretung im Verfahren vor dem AfM verneint. Ob eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung sachlich notwendig ist, beurteilt sich nach den konkreten Umständen des Einzelfalles. Die Rechtsnatur des Verfahrens ist dabei ohne Belang. Grundsätzlich fällt die unentgeltliche Ver beiständung für jedes staatliche Verfah- ren in Betracht, in das der Gesuchsteller einbezogen wi rd oder das zur Wahrung seiner Rechte notwendig ist (Urteil des Bundesgerichts 5P.79/2006 vom 31. August 2006 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). Insbesondere wird die sachliche Notwendigkei t nicht bereits dadurch ausgeschlos- sen, dass das in Frage stehende Verfahren vom Untersuchung sgrundsatz beherrscht wird, die Behörde also gehalten ist, den rechtserheblichen Sachver halt von Amtes wegen zu ermitteln (BGE 125 V 32 E. 4b). Dies schliesst jedoch nicht aus, dass der aus der Verfassung abgeleitete Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege je nach den B esonderheiten eines Verfahrens diffe- renziert gehandhabt werden kann. Die bedürftige Part ei hat Anspruch auf unentgeltliche Ver- beiständung, wenn ihre Interessen in schwerwiegender W eise betroffen sind und der Fall in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bietet, die den Beizug eines Rechtsvertre- ters erforderlich machen. Droht das in Frage stehende Ve rfahren besonders stark in die Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsposition der betroffenen Person einzugreifen, ist die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters grundsätzlich geboten, im Übrigen nur da nn, wenn zur relativen Schwere des Falles besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkei ten hinzukommen, denen der Ge- suchsteller auf sich alleine gestellt nicht gewachsen wär e (Urteil des Bundesgerichts 5P.79/2006 vom 31. August 2006 E. 3.1 mit weiteren Hi nweisen). Die Aufgabe des Staates be- schränkt sich darauf, den Einzelnen dann zu unterstützen, wenn er ohne diese Unterstützung eines Rechtes verlustig ginge oder sich gegen einen als unzulässig erachteten Eingriff nicht zur Wehr setzen könnte. Folglich erstreckt sich der genannte verfassungsmässige Minimalanspruch nach der Rechtsprechung zu Art. 4 der alten Bundesverfa ssung der Schweizerischen Eidge- nossenschaft (aBV) vom 29. Mai 1874, die sich ohne wei teres auf Art. 29 Abs. 3 BV übertragen lässt, weder auf vor- oder ausserprozessuale Rechtsberatu ng noch auf mit der Substantiie- rungspflicht zusammenhängende Parteikosten vor Einleitung des Administrativverfahrens (Urteil des Bundesgerichts 5P.79/2006 vom 31. August 2006 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 8.3 Das AfM lehnte das Gesuch um unentgeltliche Verbeist ändung ab, da die sachliche Notwendigkeit einer Verbeiständung im Rahmen der Gewä hrung des rechtlichen Gehörs nicht ersichtlich sei. Die Erkenntnisse würden vom AfM unter Mit wirkung des Betroffenen von Amtes wegen eruiert und gewürdigt. Die Aktenlage sei umfassen d und gut dokumentiert. Komplizierte Rechtsfragen hätten sich nicht gestellt. Der Regierun gsrat führte zudem aus, dass die Gewäh- rung des rechtlichen Gehörs grundsätzlich der erweiterte n Sachverhaltsfeststellung diene und rechtliche Ausführungen in diesem Stadium noch nicht nötig seien. Eine Verbeiständung er- scheine deshalb nicht geboten. Ausserdem beherrsche der B eschwerdeführer perfekt Schwei- zerdeutsch, weshalb er auch nicht mit sprachlichen Schwierigkeiten konfrontiert gewesen sei. 8.4 Demgegenüber wurde seitens des Beschwerdeführers vo rgebracht, dass er schon mit Schreiben des AfM vom 26. November 2012 mit der Aussicht konfrontiert worden sei, die Nie- derlassungsbewilligung zu verlieren, so dass fachkundige Un terstützung unabdingbar gewesen sei. Abgesehen davon sei das Schreiben mit zahlreichen Gesetzesbestimmungen und Rechts- begriffen gespickt gewesen, welche selbst einen gut aus gebildeten Sekundarschüler mit Be- rufsausbildung überfordern würden. Dies gelte erst Rech t für den Beschwerdeführer, der trotz seiner perfekten Mundartkenntnisse mit den Gesetzesbestimmungen und Rechtsbegriffen über- fordert gewesen sei. Der Beizug einer Rechtsvertretung ha be sich deshalb bereits in diesem Stadium aufgedrängt. 8.5 Bei der Gewährung des rechtlichen Gehörs im Verfa hren vor dem AfM handelt es sich um ein nichtstreitiges Verwaltungsverfahren, welches dem Untersuchungsgrundsatz untersteht (§ 9 VwVG BL). Es rechtfertigt sich deshalb, einen stre ngen Massstab für die sachliche Not- wendigkeit einer anwaltlichen Verbeiständung anzulegen. Das rechtliche Gehör garantiert dem Berechtigten die Möglichkeit, sich vor Erlass eines in se ine Rechtstellung eingreifenden Ent- scheids zu äussern und zu den wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu können (RHINOW /K OLLER /K ISS /T HURNHERR /B RÜHL -MOSER , a.a.O., N 323). Das Vorbringen des Be- schwerdeführers, dass ihn die Gesetzesbestimmungen im Schre iben überfordert hätten, ist nicht nachvollziehbar. Die im Schreiben aufgeführten Gesetzesbestimmungen wurden vom AfM in verständlicher Form erklärt und es wurde detailliert aufgeführt, zu welchen Fragen man eine Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stellungnahme vom Beschwerdeführer erwarte. Eine solche Stellungnahme im Rahmen des rechtlichen Gehörs verlangt keinerlei rechtliche Ausfüh rungen, sondern dient lediglich der er- weiterten Sachverhaltsfeststellung. Die Beantwortung d er gestellten Fragen sollte somit jeder Person, unabhängig von ihrer Ausbildung, möglich sein. Die Vorinstanz und das AfM haben demzufolge zu Recht erkannt, dass der Beschwerdeführer im nichtstreitigen Verfahren vor dem AfM nicht auf eine Rechtsvertretung angewiesen war. 8.6 Die Vorinstanz stützte den Entscheid des AfM, dem Be schwerdeführer die Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung für das erstinstanzl iche Verfahren aufgrund des Nichtvor- liegens der sachlichen Notwendigkeit zu verweigern, zu Re cht. Demnach ist die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen. 9. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die vorliegen de Angelegenheit in teilwei- ser Gutheissung der Beschwerde im Sinne der Erwägungen zu r ergänzenden Sachverhaltsab- klärung und zum neuen Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. 10.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowi e die Beweiskosten und werden gemäss § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegende n Partei auferlegt, wobei den Vo- rinstanzen - abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausna hmen - keine Verfahrenskosten auf- erlegt werden. Demzufolge werden im vorliegenden Verfahren keine Kosten erhoben. 10.2 Ferner wird dem obsiegenden Beschwerdeführer für den Beizug einer Anwältin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 8‘345.90 (inkl . Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten des Regierungsrates zugesprochen (§ 21 Abs. 1 VPO). 10.3 Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Ve rfahrens wird die Angelegenheit ebenfalls an den Regierungsrat zurückgewiesen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen t eilweise gutgeheissen und die Angelegenheit an den Regierungsrat Basel-Land schaft zurück- gewiesen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwerde- führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 8 ‘345.90 (inkl. Aus- lagen und 8% MWST) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.