4/4 Gesundheit PVG 2016 37 Gesundheit 4 Sanadad Sanità Notfalldienstpflicht. Anordnung durch anfechtbare Verfü- gung. Verfassungskonformität. – Pflicht des Gesundheitsamts Graubünden, Art und Um- fang des einem selbstständigen Arzt obliegenden Not- falldienstes als zuständige Behörde in einer anfechtba- ren Verfügung festzulegen (E.5, Bestätigung der Recht- sprechung). – Eine solche Anordnung greift nicht in den Kerngehalt der betroffenen Grundrechte ein (Art. 36 Abs. 4 BV), be- ruht auf einer ausreichenden gesetzlichen Grundlage (Art. 36 Abs. 1 BV), vermag sich auf ein grundsatzkon- formes, öffentliches Interesse zu stützen (Art. 36 Abs. 2 BV) und erweist sich grundsätzlich als verhältnismässig (Art. 36 Abs. 3 BV; E.7, 8). – Dass eine rechtsgleiche und wettbewerbsneutrale Umsetzung der Notfalldienstpflicht erfolgt ist, kann im derzeitigen Verfahrensstadium nicht beurteilt wer- den; die Angelegenheit ist deshalb an die Erstinstanz zurückzuweisen, damit sie Art und Umfang des dem Beschwerdeführer obliegenden Notfalldiensts festlegt (E. 6–8). Obbligo di prestare servizio medico di pronto soccorso. Ingiunzione tramite decisione impugnabile. Costituziona- lità. – Obbligo dell’ufficio dell’igiene pubblica dei Grigioni, quale autorità competente, di definire in una decisione impugnabile i modi e l’estensione del servizio medico di pronto soccorso che spetta ad un medico indipendente (cons. 5, conferma della prassi). – Una simile ingiunzione non tange l’essenza stessa dei diritti fondamentali (art. 36 cpv. 4 Cost.), è provvista di una sufficiente base legale (art. 36 cpv. 1 Cost.), è giusti- ficata da un interesse pubblico meritevole di protezio- ne (art. 36 cpv. 2 Cost.) ed è in principio proporzionale (art. 36 cpv. 3 Cost.; cons. 7, 8). 44/4 Gesundheit PVG 2016 38 – Al momento attuale del procedimento non è invece pos- sibile decidere se l’ingiunzione dell’obbligo di prestare servizio medico di pronto soccorso rispetti il principio della parità di trattamento e della libera concorrenza; pertanto la causa va rinviata all’istanza precedente af- finché questa stabilisca i modi e l’estensione dell’obbli- go che incombono all’istante (cons. 6–8). Sachverhalt: 2. Mit Schreiben vom 20. Februar 2011 teilte der Ärzteverein X. mit, sein Gesuch um Leistung fachärztlichen Notfalldiensts werde abgelehnt. Er sei verpflichtet, sich am allgemeinärztlichen Notfalldienst zu beteiligen. Die dagegen erhobene Beschwerde wies der Bündner Ärzteverein mit Entscheid vom 15. September 2011 ab und stellte fest, dass A . gehalten sei, allgemeinärzt- lichen Notfalldienst zu leisten, wobei ihn der Ärzteverein X. davon unter gleichzeitiger Auferlegung einer Ersatzabgabe dispen- sieren solle. 3. Auf die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde trat das Gesundheitsamt Graubünden mit Verfügung vom 25. Ok- tober 2011 nicht ein. Diesen Entscheid b estätigte das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graubünden (D JSG ) mit Ver- fügung vom 18. April 2012. Dagegen gelangte A . am 16. M ai 2012 mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Dieses stellte mit Urteil U 12 56 vom 27. Mai 2014 fest, die Entscheide des Ärztevereins X. vom 20. Februar 2011 so - wie des Bündner Ärztevereins vom 15. September 2011 seien inso- weit nichtig, als sie in Anwendung von A rt. 34 A b s. 2 des G esetzes über das Gesundheitswesen des Kantons Graubünden in Verbin- dung mit A rt. 4 0 lit. g des Bundesgesetzes über die universitären Medizinalberufe (MedBG) A rt und Umfang der von Dr. med. A . geschuldeten Beteiligung am Notfalldienst festlegten und für den Dispensationsfall eine anstelle der entsprechenden Berufspflicht tretende Ersatzabgabe in Aussicht stellten. Ausserdem hob es die Verfügung des DJSG vom 18. April 2012 insoweit auf, als sich die darin getro ffen e Anordnung auf die Berufspflicht gemäss A rt. 34 A b s. 2 des G esetzes über das Gesundheitswesen des Kantons Graubünden in Verbindung mit A rt. 4 0 lit. g MedBG bezog und wies die Sache insofern zur materiellen Beurteilung im Sinne der Erwä- gungen und zur Neuverteilung der Kosten- und Entschädigungsfol- ge an das Gesundheitsamt Graubünden und zur Neuverteilung der Kosten- und Entschädigungsfolge im vorinstanzlichen Verfahren4/4 Gesundheit PVG 2016 39 an das DJSG zurück. Im Übrigen wies es die Beschwerde ab, soweit es darauf eintrat. Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechts- kraft (PVG 2014 Nr. 6). 4. In Umsetzung dieses Rückweisungsentscheids tätig- te das Gesundheitsamt Graubünden verschiedene Sachverhalts- abklärungen. Daraufhin verpflichtete es A . mit Verfügung 20. O kto b er 2014, sich ab so fo rt am regionalen Notfalldienst zu beteiligen. Zugleich hob es die seine Verfügung vom 25. O kto b er 2011 b etreffen d e Rechnung zulasten von A . auf und aufer- legte diesem die Kosten für das neu erö ffn ete Verfahren von total Fr. 756.– . Gegen diesen Entscheid reichte A . am 19. Novem- ber 2014 Beschwerde beim DJSG ein. Dem darin gestellten prozes- sualen Antrag um Erteilung der aufschiebenden Wirkung gab das DJSG mit Verfügung vom 19. Dezember 2014 nicht statt, wogegen Dr. med. A . am 30. Dezember 2014 Prozessbeschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erhob (Verfahren U 15 2 ). Die Beschwerde in der Hauptsache wies das DJSG alsdann mit Verfügung vom 19. Januar 2015, mitgeteilt am 21. Januar 2015, ab. 5. Gegen die in der Hauptsache ergangene Verfügung des DJSG vom 19. Januar 2015 gelangte A . (nachfolgend: Be- schwerdeführer) am 18. Februar 2015 mit Beschwerde an das Ver- waltungsgericht des Kantons Graubünden (Verfahren U 15 19). D a- rin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass er sich nicht am regionalen Notfalldienst zu beteiligen und keinen Notfalldienst zu leisten habe, es sei denn, seine Leistungspflicht werde auf den fachspezifischen Notfalldienst b esch rän kt. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdefüh- rer um Erteilung der aufschiebenden Wirkung. 6. In der Vernehmlassung vom 13. März 2015 beantragte das DJSG, die Beschwerde abzuweisen und dem Gesuch um Ertei- lung der aufschiebenden Wirkung nicht stattzugeben. 7. Replicando ern eu erte der Beschwerdeführer am 24. April 2015 seine Anträge und machte geltend, die derzeitige gesetzliche Regelung sei nicht justiziabel, da jede Ausführungsgesetzgebung fehle. (…) In der Duplik vom 8. Mai 2015 hielt das DJSG an seinen Anträgen fest und se tzte sich mit den Einwänden des Beschwer- deführers auseinander. Dazu nahm der Beschwerdeführer in der Triplik vom 2. Juni 2015 unter Erneuerung seiner Anträge Stellung. Mit Schreiben vom 8. Juni 2015 verzichtete das DJSG auf eine Stel- lungnahme.4/4 Gesundheit PVG 2016 40 Erwägungen: 5. a) Die angefochtene Anordnung, wonach sich der B e - schwerdeführer «ab so fo rt» (20. O kto b er 2014) am regionalen Not- falldienst zu beteiligen habe, b a sie rt auf A rt. 3 4 A b s. 2 GesG in V er- bindung mit A r t . 4 0 lit. g MedBG. Die letztgenannte Bestimmung verpflichtet Personen, die einen universitären Medizinalberuf selbstständig ausüben, in dringenden Fällen Beistand zu leisten und nach Massgabe der kantonalen Vorschriften in Notfalldiensten mitzuwirken. Bei der erstgenannten Berufspflicht geht es um die Hilfe in Notsituationen. Demgegenüber soll die Pflicht, in Notfall- diensten mitzuwirken, eine angemessene medizinische Erstversor- gung im ambulanten Bereich nachts und an Sonn- und F e ie rta g e n au s s erha lb der ärztlichen S prech s tunden g e w ährleis ten (Wa l t er F el l ma n n , in : a y er / K ie s er / Po l ed n a / s Pru mo n t [Hrs g .], M edizinalb eru - fe g e s e tz , Kommentar, Basel 2009, A r t . 4 0 N. 138; thomas G ächter , Kantonale Ebene: Medizinischer Notfalldienst, Wandel zu einer kantonalen Staatsaufgabe?, in : S ta a ts- und Verwaltungsrecht auf vier Ebenen, F e stsc h rift für To b ias Jaag, Zürich 2012, S. 196 ff., 197; t h o ma s Po l ed n a / r a Ph a el s t o l l , Ä rztlicher N otfalldiens t: P flicht oder Recht des A r z te s ? Betrachtungen am Beispiel der Gesundheits- gesetzgebung des Kantons Zürich, in : AJP 2005, S. 1367 ff.). D ie - se öffentlich-rechtliche Berufspflicht der Ä rz te b e ste h t indessen nur, w enn und ins ow eit s ie das kantonale R echt vors ieht (F el l ma n n , a.a.O., A r t . 4 0 N. 143; G ächter , a.a.O., S. 203 und 198 ff.; d ers . / d ania trem P, A r z t und seine Grundrechte, in : K uhn / P oledna [H r s g .], A r z t- recht in der Praxis, 2. Aufl., Zürich / Basel / Genf 2 0 0 7 , S. 3 4 ). b) Im Kanton Graubünden b efasst sich der unter der Margi- nalie «Berufshilfe, Notfalldienst» stehende A rt. 34 A b s. 2 GesG mit der Pflicht der Ä rzte, sich am Notfalldienst zu beteiligen. Laut der fraglichen Regelung sind alle im Kanton Graubünden tätigen Ä rz- te gehalten, sich an einem regionalen Notfalldienst zu beteiligen sowie für eine entsprechende Vertretung während längerer A b - wesenheit zu sorgen. Diese Regelung hat eine spezielle Belastung der Ä rztin n en und Ä rzte zur Folge, die sachlich dadurch gerecht- fertigt ist, dass eine rasche und medizinisch korrekte Behandlung der Patienten in Notfällen nur sichergestellt werden kann, wenn spezielles Fachpersonal den Notfalldienst übernimmt (vgl. G äch - t e r /t r emP, a.a.O ., S . 35). D ies e öffentlich -rechtliche B erufs pflicht zur Teilnahme am Notfalldienst trifft nach dem insofern unmiss- verständlichen Wortlaut von A rt. 34 A b s. 2 GesG Allgemein- und Spezialärzte gleichermassen. Insoweit sich A rt. 34 A b s. 2 GesG in- d essen auf die Mitwirkung im Notfalldienst im Sinne von A rt. 4 04/4 Gesundheit PVG 2016 41 lit. g MedBG bezieht, ist der B e g r iff der «im Kanton Graubünden tätigen Ä rzte » dahingehend zu verstehen, als darunter nur die im Kanton Graubünden zugelassenen Ä rztin n e n und Ä rz te fallen, die in einer A r z tp r a x is selbstständig e r w e r b s tä tig sind und zu L a s te n der sozialen Krankenversicherung abrechnen können. Denn das Medizinalberufegesetz beansprucht für Ä rztin n e n und Ä rzte , die ihren Beruf als Angestellte in einem öffentlichen Spital oder einer B ehörde aus üb en, keine G eltung (Wa l t er F el l ma n n , D as M edizinal- b e ru fe g e se tz ist neu in K ra ft – b itte gleich nachbessern, in : hill 2007 III N r. 1; d ers ., a.a.O., A r t . 4 0 N. 1 3 und 1 5 ff.). c) In Bezug auf den vorliegenden Fall steht diesbezüglich aufgrund der insoweit übereinstimmenden Parteiaussagen in tat- sächlicher Hinsicht fest, dass dem Beschwerdeführer am 8. O kto - ber 2004 eine zeitlich uneingeschränkte Bewilligung zur Ausübung der ärztlichen Tätigkeit im Kanton Graubünden erteilt wurde. Auf der Grundlage dieser Bewilligung fü h rt der Beschwerdeführer spä- testens seit dem 1. Januar 2005 eine Facharztpraxis für Dermato- logie, Allergologie und klinische Immunologie in X. . Als im Kanton Graubünden in einer A rztp raxis selbstständig e rw e rb stä- tiger A rzt fällt er folglich in den Anwendungsbereich von A rt. 34 A b s. 2 GesG in Verbindung mit A rt. 4 0 lit. g MedBG, womit er auf- grund der fraglichen Regelungen gehalten ist, sich am Notfalldienst in der Region X. zu beteiligen. Der Beschwerdeführer macht geltend, diese öffentlich-rechtliche Berufspflicht erfüllt zu haben, indem er als Konsiliararzt in den Notfalldienst des Spitals X. eingebunden sei und in dieser Form fachärztlichen Notfalldienst leiste. Dem hielt das Gesundheitsamt Graubünden in der Verfü- gung vom 20. O kto b er 2014 zu treffen d entgegen, gemäss A rt. 1 A b s. 2 des vom Beschwerdeführer mit dem Regionalspital X. geschlossenen Konsiliarvetrags beinhalte der Dienst des B e- schwerdeführers als Konsiliararzt die Konsultation von Dermatolo- gie- und Allergie-Patienten im Regionalspital X. sowie allfälli- ge telefonische Konsiliarien bei Unklarheiten. Einen A u ftrag für den ärztlichen Notfalldienst im Bereich Dermatologie sehe der Konsili- arvertrag nicht vor (Beilagen des Beschwerdeführers [B f-act.] 7). Diese vertragliche Regelung stimme mit dem Leistungsauftrag des Regionalspitals X. überein. Gemäss den Spitallisten 2010, 2011 und 2012 habe der Kanton Graubünden dem Regionalspital X. einen Leistungsauftrag im Bereich Akutmedizin für die er- weiterte Grundversorgung erteilt. Die erw eiterte Grundversorgung umfasse die Diagnostik, Therapie und P flege aller Krankheiten und Unfälle mit einem Angebot an spezialärztlicher Tätigkeit, welches4/4 Gesundheit PVG 2016 42 über die Allgemeine Innere Medizin, Allgemeinchirurgie sowie Gynäkologie und Geburtshilfe hinausreiche und spezialisierte Tä- tigkeiten im Bereich der Orthopädischen Chirurgie, der O to -R h i- no-Laryngologie, der Pädiatrie und der Intensivmedizin (IP S) um- fasst habe. Über einen Leistungsauftrag für Dermatologie habe das Regionalspital X. bis 2013 nicht verfü gt. Erstmals im Rahmen der aktuellen Spitalliste Akutsomatik 2014 sei dem Regionalspital X. ein Leistungsauftrag für Dermatologie mit der Leistungs- gruppe DER2 (Wundpatienten) erteilt worden (B f-act. 7 S. 4 ). Die Leistungsgruppe DER2 bedeute, dass leistungsgruppenspezifisch kein Fach arzt und keine Notfallstation erforderlich seien. Unter die- sen Umständen gehe der Beschwerdeführer fehl, aus einzelnen für dringend erklärten konsiliarischen Untersuchungen, die Erfüllung seiner Notfalldienstpflicht ableiten zu wollen (B f-act. 7 S. 4 ). Dieser A u ffassu n g kann vorbehaltlos zugestimmt werden. Soweit der B e- schwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren weiterhin die A u ffassu n g vertritt, die ihm gemäss A rt. 34 A b s. 2 GesG in Ver- bindung mit A rt. 4 0 lit. g MedBG obliegende Pflicht zur Teilnahme am ärztlichen Notfalldienst durch seinen konsularischen Dienst für das Regionalspital X. erfüllt zu haben und zukünftig zu er- füllen (vgl. dazu Beschwerde vom 18. Februar 2015 S. 5 ), kann ihm nicht gefolgt werden. Dass die zuständigen Verwaltungsbehörden den Beschwerdeführer in Anwendung von A rt. 34 A b s. 2 GesG in Verbindung mit A rt. 4 0 lit. g MedBG verpflichtet haben, sich am Notfalldienst in der Region X. zu beteiligen, steht demnach im Einklang mit der fraglichen gesetzlichen Regelung. d) Das Gesundheitsamt Graubünden hat den Beschwerde- führer in der Verfügung vom 20. O kto b er 2014 allerdings nur an- gehalten, sich ab so fo rt am regionalen Notfalldienst zu beteiligen. Welche konkreten Leistungspflichten den Beschwerdeführer auf- grund dieser Anordnung treffen , kann der Verfügung vom 20. Ok- tober 2014 nicht entnommen werden. Selbst in den A kte n finden sich hierzu keinerlei Angaben. Der Beschwerdegegner fü h rte in der angefochtenen Verfügung dazu konkretisierend aus, die Form der streitigen Teilnahme am Notfalldienst in der Region X. richte sich nach den vom Ärzteverein X. aufgestellten Regeln. Dies würde im Ergebnis jedoch bedeuten, dass der Ärzteverein X. die Pflichten des Beschwerdeführers als N o tfalld ien starzt festlegen könnte. Ein solches Vorgehen würde aber voraussetzen, dass der Kanton Graubünden den Ärzteverein X. mit der Organisation des Notfalldienstes b eau ftragt h ätte. Da es sich bei der Organisa- tion des Notfalldienstes um eine öffentliche Aufgabe handelt, wäre4/4 Gesundheit PVG 2016 43 hierfür eine Grundlage in einem G esetz im formellen Sinne erfor- derlich, die – wie das Gericht im Urteil U 12 56 vom 27. Mai 2014 (= PVG 2014 Nr. 6 ) entschieden hat – im kantonalen Recht nicht exis- tiert. Mangels (rechtsgültiger) Aufgabenübertragung obliegt die Organisation des ärztlichen Notfalldienstes und damit insbesonde- re die Festlegung der streitigen Notfalldienstpflicht deshalb dem Gesundheitsamt Graubünden als zuständiger kantonaler Verwal- tungsbehörde (vgl. dazu auch die vorstehende Erwägung 4 b ). Bei dieser Ausgangslage kann sich das Gesundheitsamt Graubünden nicht damit begnügen, die Pflicht des Beschwerdeführers, sich am Notfalldienst in der Region X. zu beteiligen, nur im Grundsatz zu bejahen und die Regelung des Ausmasses (Wochentage oder Wochenende) sowie der Modalitäten (Zeitraum, O rt, Aufgaben, Entschädigung) der Notfalldienstpflicht dem Ärzteverein X. überlassen. Dass ein solches Vorgehen unzulässig ist, zeigt sich auch darin, dass in diesem Fall nur die vom Gesundheitsamt Grau- bünden getro ffen en Anordnungen mit V erw altu n gs(gerich ts)b e- schwerde angefochten werden könnten, während die diesbezüg- lich vom Ärzteverein X. getro ffen en Vorkehren keine öffent- lich-rechtlichen Entscheide wären, da sie nicht in Ausübung einer (rechtsgültig) übertragenen öffentlichen Aufgabe getro ffen wür- den. Im verwaltungsrechtlichen Rechtspflegeverfahren könnte in diesem Fall daher nur gep rü ft werden, ob sich der Beschwerde- führer überhaupt am Notfalldienst in der Region X. zu beteili- gen hat. Ein derartiges Ergebnis wäre h ö ch st stossend und stünde nicht im Einklang mit der gesetzlichen Ordnung. Das Gesundheits- amt Graubünden kann sich folglich nicht darauf beschränken, die Pflicht des Beschwerdeführers zur Teilnahme am Notfalldienst in der Region X. nur im Grundsatz zu bejahen. Vielmehr hat es d essen Notfalldienstpflicht in sachlicher und zeitlicher Hinsicht selbst festzulegen, mithin anzuordnen, wann und gegebenenfalls wo sich der Beschwerdeführer für den ärztlichen Notfalldienst zur Verfügung zu stellen hat und die vom Beschwerdeführer in dieser Funktion zu übernehmenden Aufgaben, sofern erforderlich, zu umschreiben. Nur mit einer solchen Anordnung nimmt das G e - sundheitsamt Graubünden die ihm obliegende Aufgabe w ahr, A rt und Umfang der dem Beschwerdeführer ge stü tzt auf A rt. 34 A b s. 2 GesG in Verbindung mit A rt. 4 0 lit. g MedBG treffen d en Notdienst- pflicht zu bestimmen. Die streitige Anordnung erw eist sich dem- nach als unzureichend. e) Diesen Mangel kann das Gericht im vorliegenden B e - schwerdeverfahren nicht korrigieren, ist doch dem Gesundheits-4/4 Gesundheit PVG 2016 44 amt Graubünden bei der Festlegung der streitigen Notfalldienst- pflicht ein erheblicher Beurteilungs- und Ermessensspielraum zuzubilligen und kennt es als zuständige Fachbehörde die zur Beur- teilung stehenden Verhältnisse b e sse r als das als R e c h tsp fle g e b e - hörde punktuell angerufene Gericht. Deshalb hat das Gericht sich mit der Aufhebung der angefochtenen Anordnung zu begnügen und die Angelegenheit im Übrigen zur Bestimmung von A r t und Umfang des vom Beschwerdeführer zu leistenden Notfalldiens- tes an das Gesundheitsamt Graubünden zurückzuweisen (vgl. P h il iP P e W e is s e n b e r G e r / a s t r id h ir z e l , in : Wa l d m a nn / W e is s e n b e r G e r [H r s g .], Praxiskommentar zum Verwaltungsverfahrensgesetz [V w V G ], 2. Aufl., Zürich 2016, A r t . 61 N. 16). Auf eine erneute Rück- weisung der Streitsache an das Gesundheitsamt Graubünden kann freilich verzichtet werden, wenn sich die v e rfü g te Beteiligung des Beschwerdeführers am Notfalldienst in der Region X. unge- achtet der konkreten Ausgestaltung derselben als unzulässig er- w e is t. Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob eine Beteiligung des Beschwerdeführers am Notfalldienst in der Region X. – w ie von diesem geltend gemacht – bereits aus grundsätzlichen Überle- gungen unzulässig is t. 6. a) Mit der angefochtenen Anordnung sch rän kt der Kanton Graubünden die berufliche Tätigkeit des Beschwer- deführers als selbstständig erw erb stätiger A rzt insofern ein, als dieser, während er als N o tfalld ien starzt tätig ist, nicht oder nur in vermindertem Umfang in seiner A rztp raxis für Dermatologie, Allergologie und klinische Immunologie arbeiten kann. Die ange- fochtene Anordnung greift folglich in die Berufsausübungsfreiheit des Beschwerdeführers ein, die als Teil der W irtsch aftsfreih eit in A rt. 27 A b s. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid- gen o ssen sch aft (BV; SR 101) gesch ü tzt ist. Nach einem Teil der Lehre berührt die verfü gte Beteiligung am Notfalldienst überdies den Schutzbereich der persönlichen Freiheit (A rt. 10 BV; vgl. G äch - ter / trem P, a.a.O :, S. 9 und 33 ff.; G ächter , a.a.O., S. 2 0 3 ; simon G raF , Die Pflicht zur Leistung von Notfalldienst durch Ä rzte in der Praxis, in : Schweizerische Ä rztezeitu n g 2012, S. 170 ff., S. 171). b) Solche staatlichen Eingriffe in verfassungsrechtlich ge- sch ü tzte Grundrechtspositionen sind freilich nicht in jedem Fall unzulässig. Gemäss A rt. 36 BV erw eisen sie sich vielmehr als recht- mässig, wenn sie auf einer ausreichenden gesetzlichen Grundlage beruhen (Abs. 1), im öffentlichen Interesse liegen (Abs. 2 ), sich als verhältnismässig erw eisen (Abs. 3 ) und den Kerngehalt der tan- gierten Grundrechte unberührt lassen (Abs. 4 ; BGE 139 I 280 E.4,4/4 Gesundheit PVG 2016 45 134 I 56 E.4.3, 130 I 16 E.3, 127 I 6 E.6, 126 I 112 E.3c). Darüber hin- ausgehend müssen staatliche Anordnungen, die – wie die vorlie- gend in Frage stehende – in die W irtsc h a ftsfre ih e it eingreifen, die m a rk tw irtsc h a ftlic h e n Grundbedingungen re sp e k tie re n , ansons- ten sie in der Bundesverfassung selbst vorgesehen oder durch ein kantonales Regalrecht begründet sein müssen (A rt. 9 4 BV; vgl. G iovanni b iaGGini , Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge- nos s ens chaft, Z ürich 2007, A rt. 27 N . 31; K l a u s a . v a l l en d er , in : e h - renzeller / s chindler / s chWeizer / v allender [H r s g .], Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar [S t. Galler BV-Kommen- tar], 3. A ufl., Z ürich / B as el / G enf 2014, A rt. 27 N . 60 ; F el ix u h l ma n n , in : Wa l d ma nn / b el s er / e Pin ey [H rs g .], B as ler K om m entar, B undes ver- fassung [BSK B V ], Basel 2015, A r t . 9 4 N. 3 ). Ausserdem genügt bei Eingriffen in die W irtsc h a ftsfre ih e it aufgrund der Systemkompo- nente von A rt. 9 4 BV nicht jedes öffentliche Interesse, sondern nur ein grundsatzkonformes öffentliches Interesse (vgl. BGE 119 Ia 378 E .5b ; u h l ma n n , B S K B V, A rt. 27 N . 45; b ia GG in i, a.a.O ., A rt. 27 N . 32; u l r ic h h ä Fel in / Wa l t er h a l l er / h el en K el l er , S chw eizeris ches B undes - sta a tsre c h t, 8. Aufl., Zürich / Basel / Genf 2012, N. 671a und N. 6 8 9 ). Schliesslich sind staatliche Massnahmen, die den Wettbewerb un- ter direkten Konkurrenten verzerren, verboten (A rt. 27 A b s. 1 und A r t . 9 4 A b s . 1 und 4 BV; BGE 136 I 1 E.5.5.2, 1 3 2 I 97 E .2 .1 , 1 3 1 II 271 E.9.2.2, 130 I 26 E.6.3.3.1, 125 I 431 E.4b/aa; biaGGini , a.a.O., Art. 27 N . 23; u h l ma n n , a.a.O ., A rt. 27 N . 62). D ie ang efo chtene Teilnahm e des Beschwerdeführers am Notfalldienst e rw e ist sich demnach nur als v e rfa ssu n g s- und damit rechtskonform, wenn sie diese Vo- raussetzungen re sp e k tie re n . 7. a) Der Beschwerdeführer begründet die Rechtswidrigkeit der angefochtenen Teilnahme am Notfalldienst zunächst mit dem Fehlen einer ausreichenden gesetzlichen Grundlage. Die Grund- rechtsposition der Ä rzte müsse in einem G esetz im formellen Sinne geregelt werden. Es sei mit anderen Worten in generell-abstrakter Form zu klären, welche Kategorien von Ä rzte n allgemeinen Not- falldienst leisten müssten. Zudem seien der Umfang der Dienst- pflicht, die Dispensation und eine allfällige Ersatzabgabe gesetzlich zu regeln. Solange entsprechende gesetzliche Regelungen fehlten, gehe es nicht an, in der Person des Beschwerdeführers einen ein- zelnen Fach arzt herauszupicken und ihn zur Teilnahme an einem Notfalldienst zu verpflichten, der in rechtlicher Hinsicht in der ver- langten Form überhaupt nicht b esteh e und in keiner Weise gere- gelt sei. Überdies verfüge der Beschwerdeführer als Dermatologe nicht über das Fachwissen, um allgemeinärztlichen Notfalldienst4/4 Gesundheit PVG 2016 46 zu leisten. Als N o tfallarzt müsste er sich häufig damit begnügen, den Patienten ins Krankenhaus einzuweisen, da ihm das für d es- sen Behandlung erforderliche Fachwissen fehlen würde. Gerade das sei aber nicht Sinn und Zweck des allgemeinen Notfalldienstes und würde die Gesundheitskosten in die Höhe treiben. Würde er Patienten stattd e sse n behandeln, so setze er sich der Gefahr aus, seinen Beruf unsorgfältig auszuüben und dadurch gegen A rt. 4 0 lit. a MedBG zu verstossen. Als Fach arzt sei er deshalb für die Aus- übung des Notfalldienstes nicht geeignet. Im Übrigen beteilige er sich seit über 14 Jahren am fachspezifischen Notfalldienst und sei hierzu auch weiterhin bereit. Während dieser ganzen Zeit sei der allgemeine Notfalldienst in der Region X. gewährleistet ge- wesen. Ganz offensichtlich sei die Notfallorganisation in X. unabhängig von der Teilnahme des Beschwerdeführers gesich ert. Ausserdem wäre eine Beteiligung des Beschwerdeführers am Notfalldienst zeitlich sehr aufwendig und würde insbesondere die Wochenenden b etreffen . Auch Einbussen finanzieller A rt wären zu erw arten . Aus den vorgenannten Gründen und in Anbetracht des Alters des Beschwerdeführers sei dieser von der Pflicht zur Teilnah- me am allgemeinen Notfalldienst zu dispensieren. b) Dieser Argumentation hält der Beschwerdegegner ent- gegen, die Normierung des Notfalldienstes durch den Staat sei nur d o rt angezeigt, wo der Notfalldienst nicht auf privater Basis orga- nisiert werde bzw. der auf privater Basis organisierte Notfalldienst nicht funktioniere. Da keine Anhaltspunkte dafür bestünden, dass der in der Region X. vom regionalen Ärzteverein auf priva- ter Basis organisierte Notfalldienst unzureichend sei, b esteh e für den Kanton Graubünden kein Handlungsbedarf bezüglich der Or- ganisation des regionalen Notfalldienstes gesetzgeb erisch tätig zu werden. Ohnehin sei das Gesundheitsamt Graubünden zum Erlass generell-abstrakter Regelungen nicht b efu gt, weshalb es die vom Beschwerdeführer verlangten Regelungen nicht erlassen könne. Wie sich aus den in der angefochtenen Verfügung angeführten Li- teraturmeinungen ergäbe, rech tfertige eine fachliche Spezialisie- rung ausserdem keine Dispensation vom Notfalldienst. Der vom Beschwerdeführer zur Untermauerung seiner gegenteiligen Auf- fassung herangezogene Entscheid des Bundesgerichts möge auf die Finanzwelt zu treffen , sei aber im vorliegenden Fall – wie die Fachliteratur zeige – unbehelflich. Dies müsse vorliegend umso mehr gelten, als der Beschwerdeführer n eb st seinen spezialärzt- lichen Fachtiteln auch noch einen Fach arzt für Allgemeinmedizin und einen solchen für Innere Medizin b esitze. Unter diesen Um-4/4 Gesundheit PVG 2016 47 ständen könne ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass er über die erforderliche Fachqualifikation für eine Teilnahme am Notfalldienst verfüge. 8. a) A rt. 34 A b s. 2 GesG verpflichtet alle im Kanton Grau- bünden tätigen Ä rzte, sich am regionalen Notfalldienst zu betei- ligen sowie für eine entsprechende Vertretung während längerer Abwesenheit zu sorgen. Diese vom Grossen Rat als ordentlichem G esetzgeb er erlassene Regelung (vgl. A rt. 30 und A rt. 31 der Ver- fassung des Kantons Graubünden [K V ; BR 110.100]) wird im A n - wendungsbereich des Medizinalberufegesetzes in Bezug auf die Normadressaten dahingehend eingeschränkt, als danach nur mehr praxisberechtigte Ä rztin n en und Ä rzte e rfasst werden, die in einer A rztp raxis selbstständig erw erb stätig sind und zulasten der obliga- torischen Krankenpflegeversicherung abrechnen können (vgl. vor- stehende Erwägung 5b ). Diese Medizinalpersonen sind gemäss A rt. 34 A b s. 2 GesG in Verbindung mit A rt. 4 0 lit. g MedBG gehalten, sich am «regionalen Notfalldienst» zu beteiligen. Diese Regelung b e zw e ckt, eine ausreichende und zw eckm ässige medizinische Erst- versorgung in Notfällen ausserhalb der Sprechstunden der praxis- berechtigten Ä rzte sicherzustellen (vgl. vorstehende Erwägung 5b ). Hieraus ergeben sich insofern Rückschlüsse auf A rt und Umfang der die dienstpflichtigen Ä rzte treffen d en Leistungspflicht, als sich diese insoweit am regional zu organisierenden Notfalldienst zu beteiligen haben, als dies für eine ausreichende medizinische Versorgung der ansässigen Bevölkerung und der sich in der R e- gion aufhaltenden Personen erforderlich ist. Die sich hieraus erge- benden Leistungspflichten d ü rfte n einer über A rt. 34 A b s. 2 GesG hinausgehenden, einheitlichen gesetzlichen Konkretisierung auf kantonaler Ebene nur schwer zugänglich sein, da sich die mass- geblichen Verhältnisse hinsichtlich der personellen Ressourcen, des B ed arfs an medizinischer Notfallversorgung sowie der vor- handenen und für einen Notfalldienst in Anspruch zu nehmenden medizinischen In frastru ktu r von Region zu Region erheblich unter- scheiden (vgl. Reorganisation ärztlicher Notfalldienst – Bewertung spezifischer Massnahmen, abrufbar unter h ttp ://w w w .gd k-cd s.ch > Themen > Medizinische Grundversorgung, letztm als besucht am 22. Juni 2016). Dazu kommt, dass die Zahl der dienstpflichtigen Ä rz- te stetig Änderungen u n terw o rfen ist. Vor diesem Hintergrund er- scheint es durchaus als vertretbar, wenn sich der kantonale G esetz- geber in A rt. 34 A b s. 2 GesG darauf b esch rän kt hat, den Kreis der notfalldienstpflichtigen Ä rzte und die regionale Ausgestaltung des Notfalldienstes vorzuschreiben. Die relative Unbestimmtheit die-4/4 Gesundheit PVG 2016 48 ser, in einem G esetz im formellen Sinn enthaltenen Regelung wird dadurch gemindert, dass sich die in einer Region dienstpflichtigen Ä rzte zumeist kennen und damit abschätzen können, wie häufig sie bei der vorzunehmenden alternativen Inanspruchnahme zum Not- falldienst voraussichtlich herangezogen werden. Die b etro ffen en Ä rzte sind somit in der Lage, Inhalt und Tragweite von A rt. 34 A b s. 2 GesG für sich persönlich abzuschätzen. Ausserdem profitieren sie als praxisberechtigte Ä rzte von einem funktionierenden Notfall- dienst, müssten sie andernfalls doch selber für ihre Patienten einen Notfalldienst gewährleisten. Für praxisberechtigte Ä rzte d ü rfte A rt. 34 A b s. 2 GesG deshalb wohl im Allgemeinen keine schwer- wiegende Grundrechtseinschränkung beinhalten. Davon ist jeden- falls bezüglich des Beschwerdeführers auszugehen, der aufgrund der angefochtenen Verfügung – wie dem Notfalldienstplan X. vom Juni 2016 entnommen werden kann – als zehnter A rzt in den Notfalldienst der Region X. eingebunden werden soll (vgl. Dienstplan Notfalldienst X. Juni 2016; abrufbar unter http://w w w . , letztm als besucht am 22. Juni 2016). Im vorlie- genden Fall bietet A rt. 34 A b s. 2 GesG deshalb eine ausreichende gesetzliche Grundlage für die ve rfü gte (n ) Grundrechtseinschrän- ku n g(e n ). Entgegen der A u ffassu n g des Beschwerdeführers resp ektiert die angefochtene Anordnung demzufolge das Legali- tätsprinzip (A rt. 36 A b s. 1 BV). b) Mit der dem Beschwerdeführer auferlegten Pflicht, sich am Notfalldienst in der Region X. zu beteiligen, streben die zu- ständigen Behörden die Gewährleistung einer hinreichenden und zw e c k m ä ssig e n medizinischen Notfallversorgung der in der R e - gion X. lebenden Bevölkerung und der sich d o rt aufhaltenden Personen nachts und an Sonn- und F e ie rta g e n ausserhalb der ä rzt- lichen Sprechstunden an. Dadurch soll in e rste r Linie die N o tfa llsta - tion des Regionalspitals X. entlastet werden, um genügend Kapazitäten für dringende Notfälle bereithalten zu können. Darüber hinaus könnte ein regionaler Notfalldienst die medizinische Versor- gung in abgelegenen Teilen der Region X. durch einen d e - zentral organisierten Präsenzdienst verbessern (vgl. G ächter / trem P, a.a.O., S. 3 4 ; G raF , a.a.O., S. 171). Damit beruht die angefochtene Anordnung auf einem gewichtigen gesundheitspolizeilichen Inte- resse, das mit der Wettbewerbsfreiheit vereinbar und demzufolge als grundsatzkonform anzusehen ist. Die in Frage stehende Anord- nung s tü tz t sich somit auf ein hinreichendes öffentliches Interesse (A rt. 36 A b s. 2 BV). Dies wird denn auch vom Beschwerdeführer nicht in Abrede gestellt.4/4 Gesundheit PVG 2016 49 c) Soweit der Beschwerdeführer die Verhältnismässigkeit der angefochtenen Teilnahme am Notfalldienst rügt, ist vorab festzuhalten, dass die entsprechenden Einwände im vorliegenden Beschwerdeverfahren (vgl. dazu vorstehende Erwägung 5 d ) nur in- soweit zu prüfen sind, als sie sich als Ausfluss des Verhältnismäs- sigkeitsprinzips zu eigentlichen Dispensationsgründen verdichten, derentwegen der Beschwerdeführer von der Pflicht zur Teilnahme am ärztlichen Notfalldienst in der Region X. zu entbinden und A rt. 3 4 A b s. 2 GesG in Verbindung mit A rt. 4 0 lit. g MedBG von Verfassungs wegen die Anwendung zu versagen ist. Dies trifft pri- mär auf die Behauptung des Beschwerdeführers zu, als F a c h a rzt für Dermatologie und Venerologie sowie Allergologie und klinische Immunologie nicht in der Lage zu sein, allgemeinärztlichen Not- falldienst zu leisten. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Notfallbe- handlung auf die Beseitigung des Notfalls b e sc h rä n k t ist. Wendet sich ein Patient ausserhalb der ordentlichen ärztlichen Sprechstun- den wegen eines dringenden medizinischen Problems an den Not- falldienstarzt, so d a rf und soll dieser die Behandlung auf medizi- nisch unaufschiebbare Massnahmen beschränken (h ardy landolt / iris h erzoG -z Witter , A rzth a ftu n g sre c h t, Zürich / St. Gallen 2015, § 7 N. 5 5 6 ). Ist er hierzu nicht in der Lage, so übernimmt er lediglich die Erstversorgung des Patienten und weist diesen daraufhin in das fachlich kompetente Spital ein. Mit diesem Vorgehen erfüllt ein Spezialarzt die ihm als N o tfallarzt auferlegte Aufgabe korrekt und resp ektiert seine Berufspflicht gemäss A rt. 4 0 lit. a MedBG. Er läu ft damit nicht Gefahr, sich einem persönlichen Haftungsrisiko auszu- setzen. Weder unter diesem Blickwinkel noch im Hinblick auf die Gewährleistung einer hinreichenden medizinischen Versorgung erw eist es sich demzufolge als erforderlich, alle Spezialärzte von vornherein von der Teilnahme am Notfalldienst auszuschliessen (vg l. dazu F el l ma n n , a.a.O ., A rt. 40 N . 146; t h o ma s Po l ed n a / r a Ph a el s t o l l , Ä rztlicher N otfalldiens t: P flicht oder R echt des A rztes , in : AJP 2005, S. 1367 ff., 1369). Der Einbezug von Spezialärzten in den Notfalldienst mag allerdings, wie vom Beschwerdeführer p o stu - liert, dazu führen, dass Patienten vermehrt in öffentliche Spitäler eingewiesen werden. Daran d ü rfte angesichts der dadurch verur- sachten Gesundheitskosten kaum ein öffentliches Interesse b e ste - hen (vg l. F el l ma n n , a.a.O ., A rt. 40 N . 148). O b S p ezialärzte des ha lb vom Notfalldienst auszunehmen sind, stellt freilich eine rech tsp o - litische Frage dar, über die der G esetzgeb er zu entscheiden hat. Solange dieser keine entsprechende Ausnahmeregelung geschaf- fen hat und in A rt. 34 A b s. 2 GesG Allgemein- sowie Spezialärzte4/4 Gesundheit PVG 2016 50 gleichermassen zur Teilnahme am Notfalldienst verpflichtet, haben die rechtsanwendenden Behörden Spezialärzte zur Teilnahme am regionalen Notfalldienst anzuhalten, es sei denn, deren Einbezug erweise sich als ungeeignet und damit unverhältnismässig. d) Hinsichtlich des Beschwerdeführers ist diesbezüglich zu beachten, dass dieser neben seinen spezialärztlichen Fachtiteln auch über einen Fach arzt für Innere Medizin und einen solchen über Allgemeinmedizin verfü gt. Zwar war der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben seit 14 Jahren nicht mehr als Grundversor- ger tätig. Die von ihm genossene Aus-, Weiter- und Fortbildung im Bereich der Allgemeinen und Inneren Medizin stellt jedoch si- cher, dass er grundsätzlich in der Lage ist, medizinische Notfälle zu erkennen und diese durch die Verweisung an das nächstgele- gene Spital einer fachgerechten Versorgung zuzuführen. Verhält sich der Beschwerdeführer als N o tfalld ien starzt solchermassen und nimmt keine über seine fachlichen Kenntnisse hinausgehende Behandlung vor, so nimmt er durch diese Tätigkeit entgegen der von ihm geäusserten Befürchtung kein persönliches Haftungsrisi- ko auf sich. Ausserdem ist darauf hinzuweisen, dass die FMH ei- nen « D ien starztku rs und D ien starzt-R efresh erku rs» anbietet, den der Beschwerdeführer absolvieren kann (vgl. h ttp ://w w w .sgn o r. ch /ku rse /d e tail-an sich t/, letztm als besucht am 22. Juni 2016). Un- ter diesen Umständen b esteh t für das Gericht kein Anlass, an der fachlichen Eignung des Beschwerdeführers als N o tfalld ien starzt zu zweifeln, zumal das Gesundheitsamt Graubünden als Fachbehör- de die Eignung des Beschwerdeführers als N o tfalld ien starzt vor- behaltlos bejaht. In dieser Beziehung unterscheidet sich die vor- liegend zu beurteilende Fallkonstellation denn auch entscheidend von dem vom Beschwerdeführer für das geltend gemachte Über- nahmeverschulden angerufenen BGE 124 III 155 E.3. Der Beschwer- deführer vermag aus diesem Urteil daher nichts zu seinen Guns- ten abzuleiten. Gesundheitliche Gründe, welche einer Tätigkeit als N o tfalld ien starzt entgegenstünden, macht der Beschwerdeführer sodann nicht geltend. Damit erw eist sich der Beschwerdeführer für die Tätigkeit als N o tfalld ien starzt grundsätzlich als geeignet. e) Wenn der Beschwerdeführer die angefochtene Teilnah- me am Notfalldienst sodann als nicht erforderlich erachtet, weil er in den vergangenen 14 Jahren ausschliesslich fachärztlichen Notfalldienst geleistet habe, ohne dass dadurch ein hinreichende Notfallversorgung gefährdet gewesen sei, kann ihm bereits aus grundsätzlichen Überlegungen nicht gefolgt werden. Der praxis- berechtigte A rzt wird dadurch, dass die gesamte Ä rzte sch aft einen4/4 Gesundheit PVG 2016 51 Notfalldienst organisiert, von seiner andernfalls wohl bestehenden D ien stb ereitsch aft rund um die Uhr entlastet. Als Gegenleistung hierfür hat er, wie in A rt. 34 A b s. 2 GesG in Verbindung mit A rt. 4 0 lit. g MedBG vorgesehen, den Notfalldienst als gemeinsame ärzt- liche Aufgabe im Grundsatz gleichwertig mitzutragen. Die vom Gesundheitsamt Graubünden als Fachbehörde eingenommene Haltung, sämtliche im Kanton Graubünden tätigen, p raxisb erech - tigten Ä rzte h ätten sich am regionalen Notfalldienst zu beteiligen, erscheint vor diesem gesetzlichen Hintergrund als folgerichtig. Dass in der Vergangenheit offenbar Spezialärzte vom Notfalldienst befreit waren, än d ert daran nichts. f) Nicht b estritten ist schliesslich, dass die angefochtene Teilnahme am Notfalldienst den Beschwerdeführer in seiner per- sönlichen Lebensgestaltung einschränkt und seine berufliche Tä- tigkeit womöglich d erart weitgehend beeinträchtigt, dass er eine Erwerbseinbusse erleidet. Diese mit der Notfalldienstpflicht na- turgemäss verbundenen Belastungen sind indessen nicht d erart schwerwiegend, um die angefochtene Anordnung angesichts des erheblichen gesundheitspolizeilichen Interesses an einer hinrei- chenden medizinischen Versorgung der Bevölkerung in der Region X. und der sich d o rt aufhaltenden Personen von vornherein als unverhältnismässig erscheinen zu lassen. Der mit dem fort- gesch ritten en Alter des Beschwerdeführers einhergehenden ver- minderten Belastbarkeit kann sodann durch eine Reduktion des Umfangs der Notfalldienstpflicht ausreichend Rechnung getragen werden. Allein deshalb erw eist es sich nicht als erforderlich, den Beschwerdeführer von der Notfalldienstpflicht zu befreien (A rt. 36 A b s. 3 BV). Im Übrigen greift die angefochtene Anordnung o ffe n - sichtlich nicht in den Kerngehalt der davon (allenfalls) b etro ffen en Grundrechte ein (A rt. 36 A b s. 4 BV). g) Aus dem vorangehend Ausgeführten folgt, dass der ver- fügte Grundrechtseingriff nicht in den Kerngehalt der b etro ffen en Grundrechte eingreift (A rt. 36 A b s. 4 BV), auf einer ausreichenden gesetzlichen Grundlage beruht (A rt. 36 A b s. 1 BV), sich auf ein grundsatzkonformes, öffentliches Interesse stü tzt (A rt. 36 A b s. 2 BV) und sich grundsätzlich als verhältnismässig erw eist (A rt. 36 A b s. 3 BV). Dagegen kann aufgrund der Aktenlage nicht beurteilt werden, ob das Gesundheitsamt Graubünden die Notfalldienst- pflicht in der Region X. und den umliegenden Notfalldienst- regionen unter gleichwertigem Einbezug der praxisberechtigten Ä rzte rechtsgleich u m gesetzt hat (A rt. 8 A b s. 1 BV). Ebenso wenig kann ü b erp rü ft werden, ob der Beschwerdeführer durch die ver-4/4 Gesundheit PVG 2016 52 fügte Teilnahme am Notfalldienst gegenüber mit ihm in direkter Konkurrenz stehenden (Fach-)Ärzten benachteiligt und der Wett- bewerb dadurch in einer durch Art. 27 BV und Art. 94 Abs. 1 sowie 4 BV untersagten Weise beeinträchtigt wird (vgl. BGE 136 I 1 E.5.5.2, 130 I 26, 128 I 136 E .3 und 4, 125 I 431 E .4b /aa ; v a l l en d er , S t. G aller BV-Kommentar, A rt. 27 N. 31; biaGGini , a.a.O., A rt. 27 N. 2 3 ). Soweit aktenkundig hat das Gesundheitsamt Graubünden nämlich bis an- hin ausschliesslich den Beschwerdeführer zur Teilnahme am Not- falldienst in der Region X. verpflichtet. Welche anderen Ä rzte sich in dieser und in den umliegenden Notfalldienstregionen am Notfalldienst zu beteiligen haben, hat es bis anhin, soweit ersicht- lich, nicht festgelegt. Ein solches Vorgehen erw eist sich jedenfalls in einem Fall wie dem vorliegenden, in dem A rt und Umfang der Notfalldienst eines A rzte s u m stritten sind, als unzulässig, da diese Frage nicht unabhängig von der Notfalldienstpflicht der anderen in X. und Umgebung tätigen praxisberechtigten Ä rzte beurteilt und entschieden werden kann. In solchen Fällen müssen die ge- genüber diesen Ä rzte n getro ffen en Anordnungen deshalb o ffe n - gelegt und die streitige Notfalldienstpflicht in Abhängigkeit dazu und in Auseinandersetzung damit bestimmt werden. Nur auf diese Weise kann eine rechtsgleiche und wettbewerbsneutrale Umset- zung der Notfalldienstpflicht im Streitfall ü b erp rü ft und gewähr- leistet werden. Das vorliegende Verfahren genügt diesen Anfor- derungen nicht. Entgegen der A u ffassu n g des Beschwerdeführers kann daraus freilich nicht gefolgert werden, die verfü gte Teilnah- me am Notfalldienst wirke sich wettbewerbsverzerrend aus u n d / oder verstosse gegen das allgemeine Rechtsgleichheitsgebot. Der Beschwerdeführer vermag seine entsprechende Behauptung denn auch nicht zu belegen. Auch unter diesem Blickwinkel b esteh t im derzeitigen Verfahrensstadium daher kein Anlass, den Beschwer- deführer aus der Notfalldienstpflicht zu entlassen. U 15 19 und U 15 2 Urteil vom 5. April 2016