Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 25. März 2021 (400 20 293) ____________________________________________________________________ Zivilprozessrecht Eine Betreuung von drei Kindern im Alter von sechse inhalb, neun und elfeinhalb Jahren genügt für sich alleine noch nicht für ein Abweichen vom Schulstufenmodell (E. 3.4). Ein Prozesskostenvorschuss ist auf Antrag hin grundsätzlich zurückzuerstatten (E. 7). Besetzung Präsident Roland Hofmann; Gerichtsschreiber Giuseppe Di Marco Parteien A.____ , vertreten durch Advokat Dr. Michael Kull, nigon Rechtsanwälte Notariat, Marktplatz 18, 4001 Basel, Klägerin und Berufungsbeklagte gegen B.____ , vertreten durch Advokat Marco Albrecht, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz, Beklagter und Berufungskläger Gegenstand Eheschutz Berufung gegen den Entscheid des Präsidenten des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 27. Oktober 2020 A. A.____ und B.____ sind die seit 2011 verheirateten El tern von C.____, geboren am xxx 2011, und D.___, geboren am xxx 2014. Beide Ehegatten haben zudem je ein Kind aus einer früheren Beziehung, wobei die voreheliche Tochte r Ehefrau, E.____, geboren am xxx 2009, bei der Ehefrau und der voreheliche Sohn des Eh emannes, F.____, geboren am xxx 2006, bei dessen Mutter wohnhaft ist. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Eheschutzgesuch an das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West vom 3. Juli 2020 beantragte die Ehefrau, vertreten durch Advokat Dr. Mi chael Kull, die gerichtliche Feststellung des Getrenntlebens der Ehegatten per 1. November 201 9, die Zusprechung eines monatlichen Unterhaltsbeitrages ab 1. November 2019 für die geme insamen Töchter C.____ und D.____ von je mindestens CHF 800.00 als Barunterhalt und CHF 5 00.00 als Betreuungsunterhalt zu- züglich Kinderzulagen sowie eine Drittschuldneranweisung für die beantragten Unterhaltsbei- träge. Zudem verlangte sie, dass der Ehemann die von i hm bezogenen Kinderzulagen für die voreheliche Tochter der Ehefrau, E.____, ab 1. November 2019 weiterleite, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Ehemannes. C. Mit einem weiteren Gesuch an das Zivilkreisgericht Basel -Landschaft West vom 18. August 2020 beantragte die Ehefrau den Erlass eine s superprovisorischen Annährungs- und Kontaktverbotes gegen den Ehemann, welches der Zi vilkreisgerichtspräsident mit Verfü- gung vom 19. August 2020 ablehnte. Nach Einholung einer Stellungnahme beim Ehemann wies der Zivilkreisgerichtspräsident am 16. September 2020 da s Gesuch der Ehefrau vom 18. Au- gust 2020 definitiv ab. Die Ehegatten wurden anschliesse nd zur Eheschutzverhandlung gela- den. D. An der Eheschutzverhandlung vom 27. Oktober 2020 ändert e bzw. ergänzte die Ehefrau ihre Eheschutzanträge dahingehend, als sie nunmehr nebst der gerichtlichen Feststellung des Getrenntlebens per 1. September 2019 auch die Zuteil ung der Obhut über die beiden gemein- samen Kinder C.____ und D.____ an sie als Mutter sowie die Anhörung von C.____ und D.____ bezüglich Ausgestaltung des Besuchs- und Ferienr echts des Vaters beantragte, wobei allenfalls eine Besuchsbeistandschaft einzurichten wäre. Der Ehemann sei zudem ab 1. No- vember 2019 zur Bezahlung von Unterhaltsbeiträgen für C.____ von CHF 2'205.00, davon CHF 880.00 als Barunterhalt und CHF 1'325.00 als Betr euungsunterhalt, und für D.____ von CHF 2'000.00, davon CHF 675.00 als Barunterhalt und C HF 1'325.00 als Betreuungsunterhalt, jeweils zuzüglich Kinderzulagen, zu verpflichten. Im Weiteren verlangte sie die Weiterleitung der Kinderzulagen für C.____, D.____ und E.____ sowie die Bezahlung der bisher nicht weitergelei- teten Kinderzulagen im Umfang von CHF 3'440.00. Der A ntrag bezüglich Drittschuldneranwei- sung zog sie einstweilen zurück. Derweil stimmte der Ehemann, vertreten durch Advokat Marco Albrecht, den gegnerischen Anträgen bezüglich Feststell ung des Getrenntlebens und Obhuts- zuteilung zu. Hingegen beantragte er, es sei ein gerich tsübliches Besuchsrecht mit drei bis vier Ferienwochen im Jahr festzulegen und ihn bei der Bere itschaft zu behaften, ab 1. Juni 2020 für C.____ einen monatlichen Barunterhalt von CHF 570.00 und für D.____ einen solchen von CHF 520.00 zu bezahlen. Darüber hinaus sei die Ehefra u zur Leistung eines Prozesskosten- vorschusses in Höhe von CHF 6'000.00 zu verpflichten. E. Im Nachgang zur Eheschutzverhandlung vom 27. Oktober 2020 erging folgender Ent- scheid des Zivilkreisgerichtspräsidenten: « 1. Den Ehegatten wird die Aufhebung des ehelichen H aushaltes bewilligt und es wird fest- gehalten, dass sie seit 1. November 2019 getrennt leben. 2. Die Ehefrau hat dem Ehemann auf erstes Verlangen den Kompressor sowie das Home- Cinema-Set herauszugeben. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Die Kinder der Ehegatten, • C.____, geboren am xxx 2011, und • D.____, geboren am xxx 2014, bleiben für die Dauer des Getrenntlebens in der Obhut der Mutter. 4. Der Vater wird berechtigt und verpflichtet, die K inder ab sofort ohne Abzug an den Unter- haltsbeiträgen wöchentlich für ein Mittagessen sowie al le zwei Wochen (erstmalig in Ka- lenderwoche 46) am Samstag oder Sonntag von 10.00 Uh r bis 19.00 Uhr, zu Besuch zu sich zu nehmen. Ab Februar 2021 bis Ende Mai 2021 wird der Vater nebst dem wöchent- lichen Mittagessen berechtigt und verpflichtet, die Kin der ohne Abzug an den Unterhalts- beiträgen alle zwei Wochen von Samstag, 10.00 Uhr, bi s Sonntag, 19.00 Uhr, zu Besuch zu sich zu nehmen . Ab Juni 2021 wird der Vater nebst dem wöchentlichen M ittagessen berechtigt und verpflichtet, die Kinder ohne Abzug an den Unterhaltsbeiträgen alle zwei Wochen von Freitag, 18.00 Uhr, bis Sonntag, 19.00 Uh r, zu Besuch zu sich zu nehmen und mit den Kindern nach vorheriger Absprache mit d er Mutter drei Wochen Ferien im Jahr zu verbringen. Über ein weitergehendes oder anderslautendes Besuchs- und Ferien- recht des Vaters haben sich die Eltern direkt untereina nder zu verständigen. Die Eltern sind gehalten, auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kin der gebührend Rücksicht zu nehmen. 5. Auf eine persönliche Anhörung der Kinder durch da s Gericht wird verzichtet. 6. Es wird eine Erziehungsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 315a Abs. 1 ZGB errichtet. Die KESB Leimental wird beauftr agt, eine Beistandsperson zu er- nennen. Die Beistandsperson soll im Rahmen der festge legten Besuchsordnung gemäss Ziffer 4 hievor die für einen reibungslosen Verlauf d er einzelnen Besuche nötigen Modali- täten so festsetzen, dass Spannungen abgebaut, negative Beeinflussungen vermieden und die Beteiligten bei Problemen beraten werden. 7. Die Ehegatten werden zur Teilnahme am Kurs «Kind er im Blick» gemäss separater Bro- schüre angehalten. 8. Der Ehemann hat der Ehefrau für das Kind C.____ mit Wirkung ab 1. Juli 2020 monatliche und künftig vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 1'395.00 zuzüglich allfällig dem Ehemann ausbezahlte Kinderzulagen zu bezahlen. Von d iesem Unterhaltsbeitrag dienen CHF 690.00 der Gewährleistung der Betreuung durch die Mutter. 9. Der Ehemann hat der Ehefrau für das Kind D.____ mit Wirkung ab 1. Juli 2020 monatliche und künftig vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 1'190.00 zuzüglich allfällig dem Ehemann ausbezahlte Kinderzulagen zu bezahlen. Von d iesem Unterhaltsbeitrag dienen CHF 690.00 der Gewährleistung der Betreuung durch die Mutter. 10. Der Ehemann ist berechtigt, die ab Juli 2020 ber eits bezahlten Unterhaltsbeiträge und belegbaren Kinderausgaben mit den geschuldeten Unterha ltsbeiträgen zur Verrechnung zu bringen. Weitergehende Zahlungen gelten als verfallen. 11. Der Ehemann hat der Ehefrau die ihm vom 1. Novem ber 2019 bis 30. Juni 2020 ausbe- zahlten Kinderzulagen für C.____, D.____ und die au ssereheliche Tochter E.____ nach- zuzahlen, soweit dies nicht bereits erfolgt ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12. Die Ehefrau wird verpflichtet, sich um eine Ausdeh nung der Erwerbstätigkeit nach Mass- gabe des sog. Schulstufenmodells (vgl. BGE 144 III 481) zu bemühen. Auf eine Anrech- nung eines hypothetischen Einkommens wird derzeit verzichtet. 13. Die Unterhaltsbeiträge gemäss Ziffer 8 und 9 basie ren auf - dem Nettoeinkommen des Ehemannes von CHF 6'910.00 , ohne Zulagen, pro Monat und vor Steuern, - dem Nettoeinkommen der Ehefrau von CH 1'300.00, ohne Zulagen, pro Monat und vor Steuern. 14. Die Ehefrau wird verpflichtet, dem Ehemann bis 27. November 2020 einen Prozesskos- tenvorschuss von CHF 3'000.00 in Anrechnung an das Güterrecht zu leisten. 15. Die Gerichtsgebühr von CHF 1'600.00 wird den Par teien hälftig auferlegt. Die Forderung des Staates wird mit dem geleisteten K ostenvorschuss von CHF 1'600.00 verrechnet. Der Ehemann hat der Ehefrau CHF 800.00 zu ersetzen. Es sind gegenseitig keine Parteientschädigungen auszurichten.» F. Gegen den schriftlich begründeten Entscheid vom 27. Okto ber 2020 erhob der Ehemann mit Eingabe an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Ab teilung Zivilrecht, vom 28. Dezember 2020 Berufung. Er stellte dabei folgende Anträge: « 1. Die Ziffern 8, 9, 12, 13, 14 und 15 des Entscheid s vom 27.10.2020 seien aufzuheben und es sei der Berufungskläger bei seiner Bereitschaft zu beh aften, der Berufungsbeklagten mit Wirkung ab 1.7.2020 monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 705.– für die Tochter C.____ und Fr. 500.– für die Tochter D.____, jeweils zuzüglich Kinderzulagen zu bezah- len. 2. Die Berufungsbeklagte sei verpflichtet zu erklären, ab dem 1.7.2020 einer Erwerbstätig- keit nachzugehen und ab da ein monatliches Nettoeinkommen von mindestens Fr. 2'000.– zu erzielen. 3. Die Unterhaltsbeiträge an die zwei Kinder seien auf einem Nettoeinkommen des Ehe- mannes von Fr. 6'400.– ohne Zulagen, pro Monat vor St euern und der Ehefrau von Fr. 7'000.–, pro Monat und vor Steuern zu basieren. 4. Die Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, dem Ber ufungskläger einen Anwaltsprozess- kostenvorschuss von Fr. 6'000.– zu leisten und die Gerichtsk osten des Eheschutzverfah- rens vollumfänglich zu übernehmen. 5. Unter o/e Kostenfolge zu Lasten der Berufungsbekl agten, wobei dem Berufungskläger die unentgeltliche Rechtspflege mit dem Unterzeichneten als Vertreter zu bewilligen sei.» G. Mit verfahrenseinleitender Verfügung vom 4. Januar 202 1 verzichtete der Präsident der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts auf die Einfor derung eines Kostenvorschusses und liess die Berufungsschrift an die Berufungsbeklagte mit F rist zur Erstattung einer Berufungsan- twort zugehen. Zudem zog er die Akten des vorinstanzlichen Eheschutzverfahrens bei. H. Mit Berufungsantwort vom 15. Januar 2021 beantragte d ie Berufungsbeklagte die vollum- fängliche Abweisung der Berufung, soweit darauf einzu treten sei, unter Kosten- und Entschädi- gungsfolgen zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer zu L asten des Berufungsklägers. Darauf- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht hin erklärte der Abteilungspräsident mit Verfügung vo m 18. Januar 2021 den Schriftenwechsel für geschlossen und kündigte den Parteien den Entscheid aufgrund der Akten an. I. Mit einer als Replik bezeichneten Eingabe vom 29. Jan uar 2021 nahm der Berufungsklä- ger zu den Ausführungen der Berufungsbeklagten hinsicht lich ihres Einkommens und Vermö- gens Stellung. Sodann äusserte er sich in einer weitere n Eingabe vom 9. Februar 2021 zu sei- nem aktuellen Einkommen und reichte entsprechende Unter lagen ein. Die Berufungsbeklagte reagierte auf die Replik mit Eingabe vom 9. Februar 2021 und reichte ihre vom Gericht einver- langte Steuererklärung 2019 ein. J. Am 16. Februar 2021 ging beim Kantonsgericht, Abtei lung Zivilrecht, der Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Leimental vom 12. Februar 2021 ein, mit welchem eine Erziehungsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB errichtet und G.____ als Beiständin eingesetzt wurde. K. Am 28. Februar 2021 reichte der Berufungskläger schliessli ch seine Lohnabrechnung für Februar 2021 ein. L. In den nachfolgenden kantonsgerichtlichen Erwägungen werden die Vorbringen beider Parteien wiedergegeben, soweit sie für die Beurteilu ng der Berufungsanträge rechtserheblich sind. Erwägungen 1.1 Gegen einen erstinstanzlichen Endentscheid ist die Beruf ung gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. a ZPO zulässig, sofern in vermögensrechtlichen Ang elegenheiten der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens CHF 10‘000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Im vorinstanzlichen Verfahren beantragte die Berufungsb eklagte zuletzt an der Eheschutzver- handlung vom 27. Oktober 2020 unter anderem monatlich e Unterhaltsbeiträge von CHF 2‘205.00, eventualiter von CHF 1‘705.00, für die Tochter C.____ und von CHF 2‘000.00, eventualiter von CHF 1‘500.00, für die Tochter D.____, jeweils zuzüglich Kinderzulagen. Der Berufungskläger war hingegen bereit, monatlich CHF 570 .00 für C.____ und CHF 520.00 für D.____ zu bezahlen. Da diese streitigen Unterhaltsleistu ngen für eine unbeschränkte Dauer auszurichten sind und für die Streitwertermittlung der zwanzigfache Betrag der einjährigen Un- terhaltsleistungen massgebend ist (Art. 92 ZPO), ist die Streitwertgrenze von CHF 10‘000.00 für die Zulässigkeit der Berufung zweifelsohne erreicht. Der schriftlich begründete Eheschutzent- scheid vom 27. Oktober 2020 ist den Parteivertretern am 17. Dezember 2020 zugestellt wor- den. Die Rechtsmittelfrist endete damit am Sonntag, 27 . Dezember 2020, und verlängerte sich gestützt auf Art. 142 Abs. 3 ZPO bis Montag, 28. Deze mber 2020. Mit der am 28. Dezember 2020 bei der Schweizerischen Post aufgegebenen Berufun g ist die Rechtsmittelfrist eingehal- ten. Gemäss § 5 Abs. 1 lit. a EG ZPO ist das Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kantonsge- richts für die Beurteilung von Berufungen gegen Entscheide der Präsidien der Zivilkreisgerichte, die – wie hier – im summarischen Verfahren ergangen si nd, sachlich zuständig. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Nach Art. 310 ZPO kann mit Berufung eine unrichtige R echtsanwendung sowie eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts durch die Vori nstanz gerügt werden. Auch im Beru- fungsverfahren mit geltender Offizial- und strenger Unt ersuchungsmaxime in Kinderbelangen (Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO; BGE 144 III 349 E. 4.2.1 ) ist der Rügepflicht und Begründungslast im Sinne von Art. 310 ZPO nachzukommen. Dementsprech end hat die Berufungseingabe ei- nerseits klare Anträge zu enthalten, mit welchen bestim mt zu erklären ist, welche Änderungen im Dispositiv des angefochtenen Entscheids verlangt werden. Neue Anträge in der Sache sind im Rechtsmittelverfahren ausgeschlossen. Andererseits muss sich die Berufung führende Partei sachbezogen mit den Erwägungen des angefochtenen Entsc heides auseinandersetzen und bestimmt dartun, inwiefern von der ersten Instanz das Recht falsch angewendet bzw. der Sach- verhalt unrichtig festgestellt worden sein soll. Es ist grundsätzlich nicht Sache der Berufungs- instanz, einen vorinstanzlichen Entscheid von Amtes wegen ein er umfassenden Prüfung ge- mäss Art. 310 ZPO zu unterziehen. Ausnahmsweise gebietet es allerdings der Offizial- und Un- tersuchungsgrundsatz einzuschreiten, sofern der Fehler bei der Sachverhaltsfeststellung oder in der Rechtsanwendung geradezu augenscheinlich ist ode r wenn aufgrund neuer Hinweise eine weitergehende Erforschung eines bestimmten Sachver halts geboten ist (KGE BL 400 19 176 vom 12. November 2019 E. 3.1; 400 20 225 und 400 20 227 vom 22. Dezember 2020 E. 2.1). 1.3 Mit Rechtsbegehren Ziffer 2 beantragt der Berufungskläger, es sei die Berufungsbeklag- te verpflichtet zu erklären, ab dem 1. Juli 2020 einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und ein mo- natliches Nettoeinkommen von mindestens CHF 2’000.00 zu erzielen. Die Berufungsbeklagte moniert bei diesem Rechtsbegehren, dass sie nicht gerichtli ch zur Aufnahme einer Erwerbstä- tigkeit verpflichtet werden könne, sondern es könne ihr lediglich unterhaltsrechtlich ein hypothe- tisches Einkommen aufgerechnet werden. Auf dieses Rechtsbe gehren sei daher nicht einzutre- ten. Nach herrschender Rechtsauffassung sind Rechtsbegehre n so zu formulieren, dass sie im Falle ihrer Gutheissung unverändert zum Urteil erhobe n und nach Art. 335 ff. ZPO vollstreckt werden können (BGer 5A_775/2018 vom 15. April 2019 E. 3.4; BGE 137 III 617 E. 4.2; KGE BL 400 20 70 vom 28. April 2020 E. 4 m.w.H.). Die Vollst reckung eines Entscheids bedeutet die zwangsweise Durchsetzung einer gerichtlich als rechtmässig an erkannten Rechtslage (BSK ZPO-DROESE , 3. Aufl., 2017, Art. 335 N 8). Das Rechtsbegehren Z iffer 2 des Berufungsklägers ist zwangsweise nicht durchsetzbar, denn die Berufungsbekl agte kann nicht entgegen ihrem Willen zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ab 1. Juli 2020 verpflichtet werden. Leistet die Beru- fungsbeklagte einem solchen Urteilsspruch keine Folge, k ann dieser nicht vollstreckt werden. Auf das Rechtsbegehren Ziffer 2 ist demnach mangels zwang sweiser Vollstreckbarkeit nicht einzutreten. In der Sache zielt das Rechtsbegehren Ziff er 2 darauf ab, der Berufungsbeklagten ab 1. Juli 2020 ein hypothetisches Nettoeinkommen anzur echnen. Diese Frage ist im Rahmen des vom Berufungskläger angefochtenen vorinstanzlichen Unter haltsentscheids zu beurteilen (vgl. nachstehende Erwägungen 3.1 ff.). 1.4 Laut der Berufungsbeklagten dürfe auf das Rechtsbegehr en Ziffer 3 des Berufungsklä- gers, mit welchem dieser die seiner Meinung nach korrekten Nettoeinkommen der Ehegatten im Dispositiv des Eheschutzentscheides festgehalten haben wi ll, ebenfalls nicht eingetreten wer- den, da sich die anrechenbaren Einkommen der Ehegatten bereits im Unterhaltsbegehren des Berufungsklägers (Rechtsbegehren Ziffer 1) widerspiegeln würden. Nach Art. 301a ZPO hat Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Gericht bei der Festlegung von Unterhaltsbeiträgen jeweils anzugeben, von welchen mass- gebenden Grundlagen es dabei ausgegangen ist. In das Dispositiv gehören der geschuldete Unterhaltsbeitrag für jedes Kind (Art. 301a lit. b Z PO), eine allfällige Anpassung der Unterhalts- beiträge an veränderte Lebenskosten (lit. d) und in M ankofällen zusätzlich der Betrag, der zur Deckung des gebührenden Unterhalts fehlt (lit. c). Von welchem Einkommen und Vermögen jedes Elternteils und des Kindes konkret ausgegangen wu rde (lit. a), muss hingegen nicht zwangsläufig in das Dispositiv aufgenommen werden, sonder n kann sich aus den Erwägungen des Entscheids ergeben (Botschaft zum Kindesunterhalt, S . 581; BSK ZPO-M ICHEL , 3. Aufl., 2017, Art. 301a N 3, 6). Eine analoge Regelung find et sich in Art. 282 ZPO für Unterhaltsent- scheide im Scheidungsverfahren und in Art. 287a ZGB fü r aussergerichtliche Unterhaltsverträ- ge, die von der Kindesschutzbehörde zu genehmigen sind. Der Berufungskläger rügt im Beru- fungsverfahren die dem vorinstanzlichen Unterhaltsentscheid zugrunde gelegten Nettoeinkom- men der Ehegatten, welche in Dispositivziffer 13 des wei tergezogenen Eheschutzentscheides aufgenommen wurden. Folgerichtig hat der Berufungsklä ger Dispositivziffer 13 des Ehe- schutzentscheids vom 27. Oktober 2020 angefochten und mi t Rechtsbegehren Ziffer 3 seiner Berufung beantragt, dass die seiner Ansicht nach korrekten Nettoeinkommen der Ehegatten im Dispositiv des Eheschutzentscheides festgehalten werden. Au f Rechtsbegehren Ziffer 3 ist da- her einzutreten, so wie auch auf die Rechtsbegehren Ziffern 1, 4 und 5 einzutreten ist, zumal sämtliche Prozessvoraussetzungen gemäss Art. 59 ZPO erfüllt sind. 2. Nach Art. 317 Abs. 1 ZPO können im Berufungsverfahren neue Tatsachen und Beweis- mittel nur noch berücksichtigt werden, wenn sie ohne Ver zug vorgebracht werden (lit. a) und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Insta nz vorgebracht werden konnten (lit. b). Diese Einschränkung gilt nach überzeugender bundesgerich tlicher Rechtsprechung allerdings nicht, wenn – wie hier – die uneingeschränkte Untersuch ungsmaxime zur Anwendung gelangt (Art. 296 Abs. 1 ZPO; dazu BGE 144 III 349 E. 4.2.1; KGE BL 400 19 18 vom 14. Mai 2019 E. 2.2; 400 18 204 vom 2. April 2019 E. 1.3). Im vor liegenden Berufungsverfahren können da- her die von den Parteien bis zur Urteilsberatung vor gebrachten Noven zugelassen werden. An- ders verhält es sich in einem allfälligen Beschwerdeverfa hren vor Bundesgericht, in welchem eine Novenbeschränkung gilt (Art. 99 Abs. 1 BGG; BGer 5A_190/2017 vom 7. März 2018 E. 2.3). Ist der Eheschutzentscheid einmal rechtskräftig, kann eine Abänderung des Entscheids entgegen den Ausführungen der Berufungsbeklagten nicht bereits nach jedem Monatslohn, der sich vom vorangehenden Monatslohn unterscheidet, sondern nach Art. 179 Abs. 1 ZGB erst bei Vorliegen von wesentlichen und dauerhaften Veränderungen der Verhältnisse erfolgreich bean- tragt werden (dazu KGE BL 400 19 178 vom 24. Septemb er 2019 E. 6; BSK ZGB- ISENRING /K ESSLER , 6. Aufl., 2018, Art. 179 N 3 f. m.w.H.; KUKO ZGB- FANKHAUSER , 2. Aufl., 2018, Art. 179 N 3 ff. m.w.H.). 3.1 Die Vorinstanz verzichtete darauf, der Berufungsbeklagten ei n hypothetisches Einkom- men anzurechnen mit der Begründung, dass grundsätzlich auf das tatsächlich erzielte Einkom- men abzustellen sei. Die Berufungsbeklagte habe seit A ugust 2019 ein monatliches Einkom- men von CHF 700.00 als Beraterin für Kindermode und von CHF 100.00 für ihre Tätigkeit im Schulrat erwirtschaftet. Der Berufungsbeklagten sei im M oment noch kein hypothetisches Ein- kommen anzurechnen, jedoch sei sie zu verpflichten, sich u m eine Ausdehnung der Erwerbs- tätigkeit nach Massgabe des sog. Schulstufenmodells zu bemühen. Demgegenüber beantragt Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Berufungskläger, dass der Berufungsbeklagten ab 1. Juli 2020, also ab dem Monat der An- hängigmachung des Eheschutzverfahrens am 3. Juli 2020, ein hypothetisches Nettoeinkommen von mindestens CHF 2'000.00 angerechnet werde. Sie hab e bereits seit einem Jahr, allerspä- testens seit Anfang Juli 2020, gewusst, dass von ihr gemä ss dem Schulstufenmodell ein Ar- beitspensum von 50 % erwartet werde. An der Eheschutzve rhandlung sei nicht umstritten ge- wesen, dass sie damit mindestens CHF 2'000.00 verdienen k önne. Die beiden gemeinsamen Töchter seien neun und sechseinhalb Jahre alt und würd en im Vergleich zu anderen Kindern gleichen Alters keiner besonderen Betreuung bedürfen. Die Berufungsbeklagte hält dem entge- gen, dass die Betreuung ihrer drei Kinder, d.h. einschl iesslich der nicht gemeinsamen elfjähri- gen Tochter E.____, eine Abweichung vom Schulstufenm odell beziehungsweise eine längere Übergangsfrist zur Erhöhung der Arbeitstätigkeit recht fertige. Aufgrund der Corona Pandemie verfüge sie zudem auf dem Arbeitsmarkt über keine Chanc en, zumal sie seit der Geburt ihrer Tochter E.____ nicht mehr in einem wesentlichen Umfang erwerbstätig gewesen sei. Der vor- instanzliche Entscheid sei daher nicht zu beanstanden. 3.2 Im angefochtenen Entscheid fasst die Vorinstanz die Vora ussetzungen für die Anrech- nung eines hypothetischen Einkommens zusammen. Danach d arf das Gericht bei der Unter- haltsbemessung vom tatsächlich erzielten Einkommen des Un terhaltsberechtigten (wie auch des Unterhaltsverpflichteten) abweichen und stattdessen vo n einem hypothetischen Einkom- men ausgehen, sofern es für den betroffenen Ehegatten zumutbar und möglich ist, ein höheres als das tatsächlich erzielte Einkommen zu erreichen (BGer 5A_1005/2017 vom 23. August 2018 E. 3.1.2; BGE 128 III 4a). Die Zumutbarkeit als auch die Möglichkeit, ein Einkommen zu erzie- len, müssen kumulativ erfüllt sein. Welche Tätigkeit a ufzunehmen als zumutbar erscheint, ist eine Rechtsfrage. Tatfrage bildet hingegen, ob die als zumutbar erkannte Tätigkeit möglich und das angenommene Einkommen effektiv erzielbar ist (BGer 5A _743/2017 vom 22. Mai 2019 E. 5.3.2). Bei der Prüfung der tatsächlichen Erwerbsmö glichkeit sind die üblichen Kriterien wie das Alter, die Gesundheit, die Ausbildung und weitere persönlichen Fähigkeiten des betroffenen Ehegatten sowie die Drittbetreuungsmöglichkeiten und die Arbeitsmarktlage zu berücksichtigen (BGE 144 III 481 E. 4.7.8; 128 III 4 E. 4a; BGer 5A _201/2016 vom 22. März 2017 E. 8.1; KGE BL 400 19 240 vom 10. Dezember 2019 E. 8.2). Die Vori nstanz weist in ihren Erwägungen zu- dem auf das mit BGE 144 III 481 eingeführte sog. Schu lstufenmodell hin. Anschliessend unter- lässt sie es jedoch, diese soeben genannten Kriterien a uf den zu beurteilenden Fall anzuwen- den. Sie begnügt sich mit der Bemerkung, dass dem Grun dsatz nach vom tatsächlich erzielten Einkommen der Berufungsbeklagten auszugehen sei. Die Vor instanz hätte aber prüfen und begründen müssen, ob bzw. weshalb es der Berufungsbeklagten in der vorliegenden Konstella- tion unzumutbar sei, ihre Erwerbstätigkeit auszudehnen . Bei gegebener subjektiver Zumutbar- keit hätte sich die Vorinstanz des Weiteren darüber äusser n müssen, ob bzw. weshalb es der Berufungsbeklagten objektiv unmöglich sei, ihre Erwerbstätigkeit auszudehnen und ein höheres Erwerbseinkommen zu erzielen. Mit dem Verzicht auf eine konkrete Prüfung der Anrechenbar- keit eines hypothetischen Einkommens bei der Berufungsbe klagten hat die Vorinstanz die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör fliessende Begründu ngspflicht verletzt. Die Rüge des Be- rufungsklägers ist daher berechtigt. Der Anspruch auf re chtliches Gehör ist formeller Natur, weshalb seine Verletzung ungeachtet der materiellen Begründetheit der Berufung zur Aufhe- bung des angefochtenen Entscheids führt (BGer 4A_453/2 016 vom 16. Februar 2017 E. 2.4). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demzufolge sind einerseits die Dispositivziffern 12 und 13 des angefochtenen Entscheids vom 27. Oktober 2020, welche den Umfang der Erwerbstätigke it bzw. das Einkommen der Beru- fungsbeklagten zum Gegenstand haben, aufzuheben. Andere rseits müssen auch die Disposi- tivziffern 8 und 9 des Eheschutzentscheides vom 27. Oktober 2020, mit denen die Kinderunter- haltsbeiträge für die gemeinsamen Töchter C.____ und D.____ festgelegt wurden, aufgehoben werden, da sich die Höhe des anzurechnenden Erwerbseinko mmens der Berufungsbeklagten auf die Höhe der vom Berufungskläger zu leistenden Kinderunterhaltsbeiträge auswirkt. 3.3 Wird der angefochtene Entscheid nicht vollumfänglich be stätigt, so hat die Berufungs- instanz gemäss Art. 318 Abs. 1 ZPO im Umfange der Guthei ssung der Berufung neu zu ent- scheiden oder die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Art. 318 Abs. 1 ZPO ist als Kann- Vorschrift formuliert. Stellt sich die Berufung als be gründet heraus und liegt ein Rückweisungs- grund gemäss Art. 318 Abs. 1 lit. c ZPO vor, liegt es im pflichtgemässen Ermessen der Beru- fungsinstanz, ob sie einen neuen Entscheid in der Sache oder einen Rückweisungsentscheid fällt (KGE BL 400 16 300 vom 25. Oktober 2016 E. 3; LEUENBERGER /U FFER -TOBLER , Schweize- risches Zivilprozessrecht, 2. Aufl., 2016, Rz. 12.59). Nach Art. 318 Abs. 1 lit. c ZPO fällt eine Rückweisung in Betracht, wenn ein wesentlicher Teil der Klage nicht beurteilt wurde oder der Sachverhalt in wesentlichen Teilen zu vervollständigen ist. Eine Rückweisung des Falles an die Vorinstanz zur Neubeurteilung kann indessen selbst bei schwerwiegenden Verletzungen des rechtlichen Gehörs unterbleiben und der formelle Mange l im Rechtsmittelverfahren «geheilt» werden, wenn das rechtliche Gehör im Rechtsmittelverfa hren nachgeholt werden kann, die Rechtsmittelbehörde sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann und eine Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu einer unnötigen Verzögerung des Verfahrens führen würde, die mit dem der Anhörung gleichgestellten Interesse der betroffe- nen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 137 I 195 E. 2.3.2; 133 I 201 E. 2.2; KGE BL 400 19 142 vom 10. September 2019 E. 4.3 m.w.H.). Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Rechtsmittelinstanz, we lche im vorliegenden Berufungsver- fahren über eine freie Kognition in Sachverhalts- und Rechtsfragen verfügt, das rechtliche Ge- hör nachträglich gewähren und in der Sache urteilen kann, oder ob sie den Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen hat. 3.4 Bei der Prüfung der Zumutbarkeit zur Ausdehnung der E rwerbstätigkeit ist das vom Bundesgericht entwickelte Schulstufenmodell zur Anwendung zu bringen, nach welchem dem hauptbetreuenden Elternteil zuzumuten ist, ab der obl igatorischen Einschulung des jüngsten Kindes grundsätzlich eine Erwerbsarbeit zu 50 % auszuüb en, ab dessen Eintritt in die Sekun- darstufe zu 80 % und ab seinem vollendeten 16. Lebensj ahr zu 100 %. Von diesem Grundsatz kann bei Vorliegen von besonderen Umständen aufgrund pflichtgemässer richterlicher Ermes- sensausübung abgewichen werden (BGE 144 III 481 E. 4. 7.6 ff.; KGE BL 400 20 204 vom 29. Dezember 2020 E. 4.10). Beispielsweise können komf ortable wirtschaftliche Familienver- hältnisse sowie ein erhöhter Betreuungsaufwand bei me hreren zu betreuenden Kindern oder bei Kindern mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen ein Abweichen von den soeben erörterten bundesgerichtlichen Richtlinien bzw. eine längere Überg angsfrist zur Aufnahme oder Erhöhung der Arbeitstätigkeit rechtfertigen (BGer 5A_963/2018 vom 23. Mai 2019 E. 3.3.2; 5A_978/2018 vom 15. April 2019 E. 4.1; 5A_931/2017 vom 1. November 2018 E. 3.1.2). Im hier zu beurtei- lenden Fall bringt die Berufungsbeklagte als Grund fü r ein Abweichen vom Schulstufenmodell Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht vor, dass sie drei Kinder zu betreuen habe. Eine Betre uung von drei Kindern im Alter von sechseinhalb, neun und elfeinhalb Jahren genügt für sic h alleine jedoch noch nicht für das Vor- liegen von besonderen Umständen, andernfalls das Gericht in allen Fällen mit mehr als zwei zu betreuenden Kindern stets vom Grundsatz des Schulstufenmo dells abweichen müsste, was nicht angehen kann. Vielmehr bedarf es auch bei einer Betreuung von drei Kindern zusätzlicher Gründe, welche im Gesamtkontext ein Abweichen vom Schul stufenmodell rechtfertigen. Der von der Berufungsbeklagten vorgebrachte Grund, dass sie s eit der Geburt ihrer elfjährigen vor- ehelichen Tochter E.____ nicht mehr in einem wesentlich en Umfang erwerbstätig gewesen sei, schliesst die Zumutbarkeit zur Ausdehnung der Erwerbstätigk eit nicht aus. Die Berufungsbe- klagte bringt sodann nicht vor und es ergibt sich auch ni cht aus den Akten, dass die drei Kinder aus gesundheitlichen oder anderen Gründen einen höheren als den üblichen Betreuungsbedarf aufweisen würden. Damit ist aufgrund der sich präsentierenden Sachlage grundsätzlich von der subjektiven Zumutbarkeit der Berufungsbeklagten zur Erwe rbstätigkeit zu 50 % auszugehen. Welches Arbeitspensum die Berufungsbeklagte mit ihren Tätigkeiten als Beraterin für Kinder- mode und im Schulrat derzeit bekleidet, ist allerdings unbekannt. Weder äusserten sich die Par- teien dazu noch klärte die Vorinstanz das aktuelle Arbeit spensum der Berufungsbeklagten ab, wozu sie aufgrund ihrer gerichtlichen Untersuchungspflich t gemäss Art. 272 und 296 Abs. 1 ZPO verpflichtet wäre. Der Umfang der Erwerbstätigkei t der Berufungsbeklagten erschliesst sich auch nicht aus ihren aktenkundigen Lohnunterlagen. Folglich lässt sich nicht beurteilen, ob die Berufungsbeklagte aktuell einer Erwerbstätigkeit von 50 % nachgeht. Unter den gegebenen Umständen bleibt mangels Spruchreife nichts Anderes üb rig, als den Fall an die Vorinstanz zu- rückzuweisen mit der Anweisung, das derzeitige Arbeitspen sum der Berufungsbeklagten zu ermitteln und anschliessend die subjektive Zumutbarkeit der Berufungsbeklagten zur Ausdeh- nung ihrer Erwerbstätigkeit zu prüfen. Im Weiteren ist gegebenenfalls die tatsächliche Möglich- keit zur Mehrarbeit und Erzielung eines höheren Verdie nstes zu beurteilen. Hierbei sind na- mentlich die Gesundheit, das Alter und die Ausbildung der Berufungsbeklagten sowie die Dritt- betreuungsmöglichkeiten und die Arbeitsmarktlage zu berück sichtigen. Die Ausschöpfung der Eigenversorgungskapazität der Berufungsbeklagten sollte letztlich zu einer spürbaren wirt- schaftlichen Verbesserung führen (vgl. BGE 144 III 481 E . 4.7.7 f.). In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass der pauschale Hinweis der Berufu ngsbeklagten auf die Pandemiesituati- on nicht ausreichend ist, um die Chancenlosigkeit auf d em Arbeitsmarkt und die Unmöglichkeit zur Ausdehnung ihrer Erwerbstätigkeit bzw. zur Erhöhung ihres Arbeitserwerbs zu begründen, sondern es ist substantiiert darzulegen, wie sich die Pan demie nachteilig auf den konkreten Arbeitsmarkt auswirkt, zumal nicht alle Wirtschaftszweige von der Pandemie gleich stark betrof- fen sind (BGer 5A_467/2020 vom 7. September 2020 E. 5 .3; KGE BL 400 20 204 vom 29. Dezember 2020 E. 4.10). Bei gegebener Zumutbarkeit und Möglichkeit zur Ausdehnung der Erwerbstätigkeit ist der Berufungsbeklagten schliesslich ei ne angemessene Übergangsfrist zu gewähren. 4.1 Der Berufungskläger moniert im Weiteren, die Vorinsta nz habe der Berufungsbeklagten einen Vermögensertrag von lediglich CHF 500.00 pro Mo nat angerechnet, was aufgrund ihrer Vermögensverhältnisse unhaltbar sei. Wie die Vorinstanz a uf diesen Betrag komme, begründe sie mit keinem Wort, womit sie die ihr obliegende Begr ündungspflicht verletze und willkürlich handle. An der Eheschutzverhandlung vom 27. Oktober 2020 habe der Berufungskläger ausge- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht führt, dass die Berufungsbeklagte über ein Vermögen vo n CHF 4 Mio. verfüge. Beim Liegen- schaftsverkauf habe sie einen Nettogewinn von CHF 2,6 Mi o. erzielt und darüber hinaus habe sie Land im Wert von CHF 1,4 Mio. geschenkt erhalten. Die Berufungsbeklagte und ihr Rechts- vertreter hätten an der Eheschutzverhandlung das Vorhand ensein dieses Vermögens nicht be- stritten. Die Berufungsbeklagte sei verpflichtet, ihr V ermögen zu Unterhaltszwecken gewinn- bringend bzw. gewinnbringender anzulegen, selbst wenn das Vermögen angeblich dem Bau eines neuen Hauses diene und deshalb nicht anlegbar sei. Unterlasse sie eine solche Vermö- gensanlage, sei ihr ein Verzichtseinkommen anzurechnen, we lches sie mittels eines Vermö- gensverzehrs erwirtschaften müsse. Ihr sei folglich ein V ermögensertrag von monatlich CHF 5'000.00 anzurechnen, was bei einem anlegbaren Vermögen von CHF 4 Mio. einer Rendi- te von lediglich 1,5 % entspreche. 4.2 Die Berufungsbeklagte bestreitet hingegen, an der Ehe schutzverhandlung vom 27. Oktober 2020 ein Vermögen von CHF 4 Mio. anerkannt oder eingeräumt zu haben. Die vom Berufungskläger vorgebrachten Zitate aus dem Verhandlu ngsprotokoll seien falsch oder aus dem Kontext gerissen. Vielmehr habe sie an der Verhandl ung klargestellt, dass sie die Baupar- zelle ihrer Tante aus dem Verkaufserlös der vormaligen L iegenschaft abgekauft und diese ihr einen Teil des Erwerbspreises als zinsloses Darlehen gewährt habe. Das sich zurzeit auf einem Privatkonto befindliche, liquide Vermögen der Berufung sbeklagten sei für die Erstellung einer Familienliegenschaft bestimmt. Ein Vermögensertrag könne nur angenommen werden, wenn er auch effektiv anfallen würde. Es sei jedoch notorisch, da ss zurzeit kein Vermögensertrag mit Bargeld erzielt werden könne. Die Annahme eines Vermög ensertrags von monatlich CHF 500.00 ohne ein diesbezügliches Indiz stelle eine fa lsche Sachverhaltsfeststellung durch die Vorinstanz dar. Diese wirke sich jedoch nicht zum Nach teil des Berufungsklägers in Form eines höheren Unterhaltsbeitrags aus, da die Berufungs beklagte auf eine Anfechtung des Ent- scheids verzichtet habe. 4.3 Die Vorinstanz nahm aufgrund der Ausführungen der Par teien an der Eheschutzver- handlung vom 27. Oktober 2020 an, dass die Berufungsbeklagte trotz grösseren Investitionen in die neue Liegenschaft über ein substantielles Vermögen verfügen und darüber hinaus von ihren Eltern und ihrer Tante finanziell unterstützt würde. E ine weitere Konkretisierung des angenom- menen Vermögens und der finanziellen Unterstützung durch die Eltern und Tante der Beru- fungsbeklagten blieb indessen aus, weshalb die Paramet er, welche letztlich zur Anrechnung eines Vermögensertrags von monatlich CHF 500.00 führte n, nicht bekannt sind. Die Vorinstanz kommt damit ihrer Begründungspflicht nicht hinreichend nach, was eine Verletzung des rechtli- chen Gehörs darstellt und die Aufhebung des Entscheids übe r die Vermögensanrechnung auf Seiten der Berufungsbeklagten nach sich zieht. Fraglich ist, ob die Rechtsmittelinstanz in der Sache selbst entscheiden kann (vgl. dazu vorstehende E. 3.3). Die Berufungsbeklagte bestritt zwar an der Eheschutzverhandlung vom 27. Oktober 2020 die Behauptungen des Berufungs- klägers zu ihrem Vermögen von CHF 4 Mio. nicht explizit . Allerdings erklärte sie gemäss dem für die Berufungsinstanz verbindlichen Verhandlungsprot okoll vom 27. Oktober 2020, dass ihr gesamtes Vermögen gebunden sei und es keinen Vermögense rtrag geben würde. Die Bau- landparzelle sei ihr von ihrer Tante geschenkt worden und auf diesem Bauland werde derzeit eine neue Liegenschaft erstellt, welche sie mit dem Er lös aus dem Verkauf der früheren Lie- genschaft finanziere. Gemäss der im Berufungsverfahren e ingereichten Steuererklärung 2019 Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Berufungsbeklagten vom 9. September 2020 verfügt e die Berufungsbeklagte per Ende 2019 über ein Reinvermögen von CHF 1'841'068.00 und der Kapitalertrag belief sich auf rund CHF 109.00, also CHF 12.00 pro Monat. Abgesehen davo n, dass das liquide Vermögen der Berufungsbeklagten unstreitig in die sich im Bau befin dliche Liegenschaft investiert und sich ihr Vermögensertrag damit zwangsläufig verringern wird, gilt es zu berücksichtigen, dass der Beru- fungsbeklagten rechtsprechungsgemäss erst dann im Rahmen der Unterhaltsberechnung einen Vermögensertrag im Sinne eines Vermögensverzehrs angerechnet werden darf, wenn das ehe- liche Einkommen beider Parteien zur Deckung des Grundbe darfs der Familie nicht ausreicht und das fragliche Vermögen nicht oder mit einer ungen ügenden Rendite angelegt worden ist, obwohl die Erzielung eines angemessenen Ertrags durcha us möglich wäre (BGer 5A_1005/2017 vom 23. August 2018 E. 3.1.2 m.w.H.; KG E BL 100 06 389 vom 26. September 2006 E. 4.2.4). Demzufolge ist vorliegend die Anrechn ung eines Vermögensertrags von der allfälligen Berücksichtigung eines hypothetischen Einkomme ns bei der Berufungsbeklagten ab- hängig. Bei einem zumutbaren hypothetischen Zusatzverd ienst der Berufungsbeklagten von mehr als CHF 410.00 pro Monat würde das dann zur Verfü gung stehende Einkommen den Grundbedarf der gesamten Familie von CHF 8'580.00 ( vgl. dazu die Unterhaltsberechnung der Vorinstanz) vollständig decken, womit der Berufungsbekla gten kein Vermögensertrag im Sinne eines Vermögensverzehrs mehr aufgerechnet werden dürfte, selbst wenn die Berufungsbeklag- te die vorinstanzliche Vermögensanrechnung von monatlich CHF 500.00 nicht angefochten hat und demnach ein eigenes Einkommen von CHF 1'300.00 pr o Monat akzeptiert. Eine allfällige Unterschreitung dieses Einkommens der Berufungsbeklagten von CHF 1'300.00 pro Monat wä- re aufgrund der hier geltenden Offizial- und strengen Untersuchungsmaxime in Kinderbelangen zulässig. Infolgedessen ist die vorinstanzliche Vermögensanrec hnung aufzuheben und die Sa- che zur erneuten Prüfung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 5.1 Die Vorinstanz rechnete dem Berufungskläger ab Juli 2020 ein Nettoeinkommen von monatlich CHF 6'910.00 (inklusive Provisionspauschale von C HF 2'400.00, ohne Fahrzeugspe- sen und Kinderzulagen) nach Massgabe der von ihm vorgeleg ten Urkunden an. Sie erwog, dass der Berufungskläger künftig mindestens die Pauschale vo n monatlich CHF 2'400.00 errei- chen werde, da der Arbeitgeber sicherlich nur einen Mi ndestbetrag als Pauschalprovision aus- bezahle. Der Berufungskläger widerspricht der Vorinstan z und er bringt im Rechtsmittelverfah- ren vor, an der Eheschutzverhandlung vom 27. Oktober 2020 habe er für die ersten drei Monate seiner neuen Anstellung (Juli, August und September 202 0) ein Nettoeinkommen von CHF 6'800.00 anerkannt. In diesen drei Monaten seien i hm Pauschalprovisionen von monatlich CHF 2'400.00 ausbezahlt worden. Bei einer real errech neten Provision könne jedoch im ersten Jahr nur eine solche von CHF 1'500.00 pro Monat einge setzt werden, was zu einem anrechen- baren Einkommen von CHF 6'400.00 netto pro Monat führe. Die Lohnabrechnung Oktober 2020 habe eine Provision von lediglich CHF 1'983.00 ausgewiesen und auch die im Berufungsverfah- ren eingereichte darauffolgende Novemberabrechnung we ise eine Provision von lediglich CHF 1'480.00 aus. Aus Sicht der Berufungsbeklagten s ei das dem Berufungskläger angerech- nete Einkommen hingegen nicht zu beanstanden. 5.2 Gemäss dem ins Recht gelegten Handelsreisendenvertrag vom 11. Mai 2020 gewährt die Arbeitgeberin dem Berufungskläger nebst einem Basisl ohn von monatlich CHF 5'600.00 eine Provision gemäss separater Weisung. Letztere befindet sich zwar nicht in den Gerichtsak- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten, doch ist bekannt und unbestritten, dass dem Berufungskläger in den ersten drei Arbeitsmo- naten Juli, August und September 2020 eine Provisionsp auschale von jeweils CHF 2'400.00 ausbezahlt wurde. Im Oktober 2020 wurde ihm sodann ei ne Provision von CHF 1'983.80, im November 2020 eine solche von CHF 1'480.70 und mit dem Dezemberlohn 2020 eine Provision von CHF 3'735.50 ausbezahlt. Für das zweite Halbjahr 202 0 sind dem Berufungskläger damit Provisionen von insgesamt CHF 14'400.00 brutto ausgerich tet worden, was einer monatlichen Provision von CHF 2'400.00 entspricht. Diese Provisionshöhe stimmt mit der eingereichten Ziel- setzungsvereinbarung vom 8. Januar 2021 überein, welche für das Jahr 2021 gilt. In der Einga- be vom 9. Februar 2021 räumt der Berufungskläger ein, dass ihm die Arbeitgeberin die «fixe Ziel-Provision» von monatlich CHF 2'400.00 für Juli bis Dezember 2020 unabhängig von sei- nem Erfolg ausbezahlt habe. Bei schwankendem Einkommen ist praxisgemäss auf den Durch- schnittswert einer genügend langen Vergleichsperiode ab zustellen (BGer 5A_671/2014 vom 5. Juni 2015 E. 3.3.1 m.w.H.; 5A_384/2008 vom 21. Okt ober 2008 E. 4.2.2; S IX , Eheschutz, 2. Aufl., 2014, Rz. 2.136). Gestützt auf die Provisio nsausgleichszahlung vom Dezember 2020 sowie die Zielsetzungsvereinbarung vom 8. Januar 2021 i st davon auszugehen, dass die Ar- beitgeberin auch künftig bereit sein wird, dem Beru fungskläger zusätzlich zum Basislohn von CHF 5'600.00 eine Provision von durchschnittlich CHF 2'400.00 pro Monat auszurichten. Daran vermag auch die im Januar 2021 und Februar 2021 effekt iv erreichte (geringere) Provision von CHF 1'827.70 und CHF 1'352.70 nichts zu ändern, zumal d ie Arbeitgeberin bereits die im Okto- ber 2020 und November 2020 erreichten Provisionen in ä hnlicher Höhe (CHF 1'983.80 und CHF 1’1480.70) mit der bereits erwähnten Ausgleichszahlung vom Dezember 2020 nachträglich auf CHF 2'400.00 pro Monat anhob. Damit ist im Erge bnis das von der Vorinstanz ermittelte Monatseinkommen des Berufungsklägers von netto CHF 6'910. 00, welches eine monatliche Provisionszahlung von brutto CHF 2'400.00 beinhaltet, zu bestätigen, zumal bei Unterhaltsver- pflichtungen gegenüber unmündigen Kindern rechtsprechun gsgemäss zu versuchen ist, die eigene Arbeitskraft maximal auszuschöpfen, besonders bei e ngen wirtschaftlichen Verhältnis- sen, wie sie sich hier präsentieren (BGE 137 III 118 E. 3.1; BGer 5A_170/2011 vom 9. Juni 2011 E. 2.3). Die Fahrzeugspesen, welche dem Berufungskl äger in Höhe von monatlich CHF 305.70 (Oktober und November 2020) bzw. CHF 1'500.00 (Juli 2020 sowie seit Dezember 2020) ausgerichtet wurden, sind darin nicht eingeschlossen und wirken sich somit nicht auf das festgestellte Monatseinkommen von CHF 6'910.00 netto aus. 6. Gemäss einem vom Berufungskläger eingereichten Mietvertrag ist dieser per 1. März 2021 in eine 3,5-Zimmerwohnung mit rund 80 m2 umgezogen. Seine Wohnkosten sind dadurch von monatlich CHF 1'180.00 auf nunmehr CHF 1'400.00 z uzüglich Nebenkosten von CHF 220.00 pro Monat angestiegen. Diese unterhaltsrel evante Änderung, welche bereits The- ma an der vorinstanzlichen Eheschutzverhandlung vom 27. Okt ober 2020 war (vgl. Protokoll S. 6), wird von der Vorinstanz im Rahmen der Neubeurt eilung des Einkommens der Berufungs- beklagten und Neuberechnung der Kinderunterhaltsbeiträge zu berücksichtigen sein. 7. In teilweiser Gutheissung des Antrags des Berufungsklägers verpflichtete die Vorinstanz die Berufungsbeklagte, dem Berufungskläger einen Prozesskostenvorschuss von CHF 3’000.00 in Anrechnung an das Güterrecht zu leisten. Der Berufung skläger beanstandet im Berufungs- verfahren, ihm sei ohne güterrechtliche Anrechnung ein Prozesskostenvorschuss in Höhe von CHF 6'000.00 zuzugestehen. Ein Ehegatte hat auch in e inem gegen den anderen Ehegatten Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht gerichteten Prozess (Eheschutz- oder Scheidungsverfahren) Anspruch gegenüber diesem auf Ausrichtung eines Prozesskostenvorschusses, sofern er aufgrund seiner Bedürftigkeit für des- sen Finanzierung auf den Beistand des anderen Ehegatte n angewiesen und dieser in der Lage ist, den Vorschuss zu leisten (KGE BL 410 17 185 vom 8. A ugust 2017 E. 4; 410 13 24 vom 7. März 2013 E. 3.1 m.w.H.). Mit dem Prozesskostenkostenv orschuss sollen die zu erwarteten Gerichtsgebühren zu Lasten des bedürftigen Ehegatten sowie die mutmasslichen Aufwendun- gen seiner Rechtsvertretung im betreffenden Verfahren g edeckt werden. Der Berufungskläger äussert sich vorliegend nicht dazu, inwiefern der gewährt e Prozesskostenvorschuss von CHF 3’000.00 seiner Ansicht nach ungenügend sein soll. Insbesondere legt er nicht dar, dass mit diesem Betrag sein Anteil an die erstinstanzlichen G erichtskosten von CHF 800.00 und der Aufwand seines Anwaltes für das vorinstanzliche Verfahren nicht gedeckt werden können. Sein Hinweis auf die unterschiedliche Vermögenssituation der Parteien ist hierzu unbehelflich. Im Weiteren unterlässt es der Berufungskläger zu begründen , inwiefern der vorinstanzliche Ent- scheid, ihm den Prozesskostenvorschuss lediglich in Anrechnung an das Güterrecht zu gewäh- ren, eine falsche Anwendung des Rechts darstellen soll. Seine Rüge ist demnach mangels rechtsgenüglicher Substantiierung abzuweisen. Im Übrigen ist auch keine Rechtsverletzung ersichtlich: Beim Prozesskostenvorschuss handelt es sich, wie d er Name bereits sagt, um eine vorläufige Leistung, welche in familienrechtlichen Prozessen die Waffengleichheit zwischen den Parteien garantieren soll. Daraus folgt, dass der Ehega tte, der den Vorschuss geleistet hat, je nach Ausgang des Verfahrens den Vorschuss grundsätzlich zurückfordern oder verlangen kann, dass das Geleistete an güterrechtliche und / oder zivilprozessuale Gegenforderungen des andern Teils angerechnet werde (BGE 146 III 203 E. 6. 3 f.; BGer 5A_170/2011 vom 9. Juni 2011 E. 4.3; W EINGART , provisio ad litem - Der Prozesskostenvorschuss für eherechtl iche Ver- fahren, in: Zivilprozess und Vollstreckung national und international - Schnittstellen und Verglei- che, Festschrift für Jolanta Kren Kostkiewicz, 2018, S. 680 f.; MAIER , Die Finanzierung von fami- lienrechtlichen Prozessen, in: FamPra.ch, 3/2019, S. 8 33). Eine Abweichung vom Grundsatz der Rückerstattung rechtfertigt sich nur dann, wenn der u nterstützungsbedürftigen Person auf- grund der im Einzelfall gegebenen Umstände nicht zuge mutet werden kann, den erhaltenen Prozesskostenvorschuss in vollem Umfang zurückzubezahlen (BGE 146 III 203 E. 6.3). Eine solche Unzumutbarkeit macht der Berufungskläger nicht gel tend. Indem die Vorinstanz auf An- trag der Berufungsbeklagten den Prozesskostenvorschuss zugunsten des Berufungsklägers nur unter dem Vorbehalt eines güterrechtlichen Ausgleichsa nspruchs gewährte, handelte sie im Einklang mit dem Recht. 8. Der Berufungskläger beantragt für das Rechtsmittelverfahren ausserdem die unentgeltli- che Rechtspflege. In familienrechtlichen Verfahren kann einem Ehegatte n die unentgeltliche Rechtspflege nur gewährt werden, wenn beide Ehegatte n nicht in der Lage sind, die Prozess- kosten des familienrechtlichen Verfahrens selber zu tragen . Denn es entspricht der Lehre und Rechtsprechung, dass Prozesskostenvorschusspflichten, welche a uf familienrechtlichen Unter- halts- und Beistandspflichten gründen, dem Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege vorgehen (KGE BL 400 19 237 vom 3. Dezember 2019 E. 7; BSK ZP O-RÜEGG /R ÜEGG , 3. Aufl., 2017, Art. 117 N 13). Der Berufungskläger hätte demnach primär einen Antrag auf Zusprechung eines Prozesskostenvorschusses für das Rechtsmittelverfahren und al lenfalls eventualiter die unent- geltliche Rechtspflege für sich beantragen müssen. Ein Prozesskostenvorschuss macht er für Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Berufungsverfahren jedoch nicht geltend. Zudem beh auptet er nicht, dass er und die Beru- fungsbeklagte die Prozesskosten des Berufungsverfahrens nich t tragen könnten, weshalb der Staat seinen Anteil an die Prozesskosten einstweilen zu ü bernehmen hätte. Im Gegenteil führt er aus, die Berufungsbeklagte sei im Gegensatz zu ihm vermögend. Aufgrund des Vorranges der familienrechtlichen Unterhalts- und Beistandspflichten gegenüber dem Anspruch auf unent- geltliche Rechtspflege ist das Gesuch des Berufungsklägers abzuweisen. 9. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägunge n, dass die gegen den Eheschutzentscheid vom 27. Oktober 2020 erhobene Beruf ung mit Bezug auf die Einkom- mensermittlung sowie Vermögensertragsanrechnung der Berufungsbeklagten gutzuheissen und die damit zusammenhängenden Dispositivziffern 8, 9, 12 und 13 des angefochtenen Entscheids aufzuheben sind. Der Fall ist sodann an das Zivilkreisgeri cht Basel-Landschaft West zur Neu- beurteilung entsprechend den vorstehenden Erwägungen 3.1. ff., 4.1. ff. und 6 zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Berufung abzuweisen. 10. Hebt die Rechtsmittelinstanz einen vorinstanzlichen Entsche id teilweise oder vollständig auf und weist sie diesen zur Neubeurteilung an die Vo rinstanz zurück, so hat diese im Rahmen ihrer neuerlichen Beurteilung des Falles auch über die Verteilung und Liquidation der Prozess- kosten neu zu befinden. Der Kostenentscheid der Vorins tanz, mithin die Dispositivziffer 15 des angefochtenen Entscheids vom 27. Oktober 2020, ist demnach ebenfalls aufzuheben. 11. Abschliessend ist über die Verlegung der Prozesskosten des Berufungsverfahrens zu befinden. Massgebend hierfür sind die Bestimmungen von Art. 104 ff. ZPO, die auch im Rechtsmittelverfahren gelten (B OTSCHAFT ZPO, S. 7296). Nach Art. 104 Abs. 4 ZPO kann die Berufungsinstanz bei einem Rückweisungsentscheid die Verle gung der Prozesskosten des Rechtsmittelverfahrens der Vorinstanz überlassen, beispiel sweise wenn die Beweisführung zu ergänzen ist oder noch nicht absehbar ist, welche Parte i in welchem Umfang letztlich obsiegen wird (KGE BL 400 18 345 vom 2. April 2019 E. 13). I n solchen Fällen kann die Berufungs- instanz die Kostenhöhe des Rechtsmittelverfahrens festsetzen und die konkrete Verteilung und Liquidation dieser Kosten der Vorinstanz überlassen (B OTSCHAFT ZPO, S. 7296). Die Beru- fungsinstanz hat diesfalls die Vorinstanz anzuweisen, in ihrem Entscheid auch über die Verle- gung der Kosten des Berufungsverfahrens zu befinden. Vor liegend sind die Dispositivziffern 8, 9, 12, 13, und 15 des Eheschutzentscheides vom 27. Oktober 2020 aufzuheben und die Sache ist zur erneuten Überprüfung an das Zivilkreisgericht Bas el-Landschaft West zurückzuweisen. Der Ausgang des zivilkreisgerichtlichen Verfahrens ist im je tzigen Zeitpunkt nicht vorhersehbar, weshalb es sich für das Kantonsgericht, Abteilung Zivilrech t, verbietet, heute über die Verle- gung der Prozesskosten des Berufungsverfahrens gemäss Art. 106 f. ZPO zu befinden. Folglich sind lediglich die Höhe der Gerichtsgebühr und der Pa rteientschädigungen für das vorliegende Berufungsverfahren festzulegen; deren konkrete Verteilun g und Liquidation ist der Vorinstanz für den Endentscheid zu überlassen. In Anwendung von § 9 Abs. 1 i.V. mit § 8 Abs. 1 lit. h der Verordnung über die Gebühren der Gerichte (SGS 170.3 1) wird die Entscheidgebühr für das zweitinstanzliche Verfahren auf pauschal CHF 2’000.00 festgelegt. Bei fehlenden Honorarnoten beider Berufungsparteien sind die Kosten der berufsmässig en Vertretung gemäss §§ 2 Abs. 1 und 18 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte (Tarifordnung; SGS 178.112) von Amtes wegen nach Zeitaufwand zu berechnen, wobei der konkrete Aufwand der Rechtsvertre- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht ter in Anbetracht der Schwierigkeit und Bedeutung der Sache sowie des Umfangs ihrer Rechtsmitteleingaben auf je acht Stunden à CHF 280.00 festzulegen ist, was ein Honorar von je CHF 2'240.00 ergibt. Ein spezifizierter Kostenersatz fü r Kopiaturen und andere Auslagen nach §§ 15 und 16 der Tarifordnung ist nicht ausgewiesen, w eshalb praxisgemäss kein solcher ge- schuldet ist (KGE BL 400 19 196 vom 19. November 2019 E . 10.2). Die Mehrwertsteuer ist ge- mäss § 17 der Tarifordnung ebenfalls separat auszuweisen und aufgrund der Dispositionsma- xime nur bei einem ausdrücklichen Antrag zusätzlich zu ver güten (KGE BL 410 19 260 vom 28. Januar 2020 E. 8.3). Da der für Rechtsdienstleist ungen geltende Mehrwertsteuersatz von 7,7 % gesetzlich definiert ist (Art. 25 Abs. 1 des Bund esgesetzes über die Mehrwertsteuer), lässt es die Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts bei F ehlen von Honorarnoten genügen, wenn die Mehrwertsteuerabgabe in den Rechtsbegehren ausdrücklich beantragt wird. Während ein diesbezüglicher Antrag des Berufungsklägers fehlt, v erlangt die Berufungsbeklagte mit Rechtsbegehren Ziffer 2 explizit die Ausrichtung der Me hrwertsteuer. Ihre Parteientschädigung für das Berufungsverfahren ist daher um die Mehrwertsteuer zu erweitern. Demnach wird erkannt: ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Berufung werden die Dispo sitivziffern 8, 9, 12, 13 und 15 des Entscheids des Gerichtspräsidenten vom 27. Oktober 2020 (Verfahren 120 20 1515 I) aufgehoben. Der Fall wird zur Neubeur- teilung im Sinne der Erwägungen an das Zivilkreisgericht Basel- Landschaft West zurückgewiesen. 2. Die Entscheidgebühr des Berufungsverfahrens beträgt CHF 2'000.00. Für das Berufungsverfahren wird die Parteientschädigung des Beru- fungsklägers auf CHF 2'240.00 (ohne Mehrwertsteuer) und der Beru- fungsbeklagten auf CHF 2'412.50 (inkl. MWST von CHF 172 .50) festge- setzt. Das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West hat über die V erteilung die- ser Prozesskosten des vorliegenden Berufungsverfahrens zu entschei- den. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiber Giuseppe Di Marco