Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 17. September 2015 (710 15 125) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Selbständige Erwerbstätigkeit einer Coiffeuse bejaht, welche sich im Untermietverhältnis in ein bestehendes Coiffeurgeschäft eingemietet hat; sogenannte Stuhlmiete in casu verneint. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- ter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Beigeladener B.____ , Beigeladener Betreff Sozialversicherungsrechtliche Stellung A. Die 1994 geborene A.____ hat sich am 5. Oktober 2014 bei der Ausgleichskasse Basel- Landschaft (Kasse) als selbständig erwerbende Coiff euse unter der Einzelfirma C.____ zur Leistung der AHV-Beiträge angemeldet. Nach Prüfung der von ihr eingereichten Unterlagen verfügte die Kasse am 3. Februar 2015, dass die Ver sicherte für die angegebene Tätigkeit als Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unselbständige einzustufen sei, da die Untermiete im Coiffeur-Gewerbe als sogenannte Stuhl- miete und nicht als selbständiger Erwerb gelte. Die Ve rsicherte würde weder eine eigene Fir- men- und Postadresse, noch eigene Räumlichkeiten mit e iner eigenen Eingangstür oder einen eigenen Mietvertrag besitzen. Ausserdem fehle ihr ein eigener Telefon-Festnetzanschluss. B. Die gegen die Verfügung der Kasse vom 3. Februar 20 15 erhobene Einsprache der Ver- sicherten wies die Kasse mit Entscheid vom 26. Februar 2015 im Wesentlichen mit der Begrün- dung ab, dass der Untermietvertrag der Versicherten mi t dem bisherigen Salon-Inhaber B.____ das Erfordernis an einen eigenen Mietvertrag nicht erfülle. C. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versichert e mit Eingabe vom 24. März 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, dass sie als selbständig Erwerbstätige anzu- erkennen sei. Zur Begründung brachte sie im Wesentliche n vor, dass sie beabsichtige, das Damen-Coiffeur-Geschäft von B.____ in den nächsten zwe i Jahren als selbständige Unterneh- merin zu übernehmen. Bis es soweit sei, trage sie die H älfte des Mietzinses für dessen Salon und benutze während der Hälfte der Woche auch seine Salon-Infrastruktur. Es handle sich nicht um eine Stuhlmiete, da B.____ und sie nie gleichzeiti g im Salon arbeiten würden. Jeder der beiden arbeite selbständig mit seinem eigenen Kunde nsegment und seinen eigenen Betriebs- mitteln. Zurzeit bestehe noch ein Untermietvertrag mit B.____. Sobald B._____ zu arbeiten auf- gehört habe, werde der Vertrag aber auf sie übertrag en werden. Der Salon sei auch mit ihrem Namen angeschrieben und die Voraussetzung des eigenen, se paraten Eingangs sei insofern erfüllt, dass während ihrer Arbeitszeiten nur sie im Sal on anwesend sei. Inzwischen sei auch ein auf ihren Namen lautender Telefon-Festnetzanschlu ss installiert worden und ein entspre- chender Eintrag im Telefonbuch erfolgt. D. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 23. April 2015 auf Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vo r, dass durch die Einmietung der Beschwerdeführerin in den bestehenden Salon in Form eines Untermietvertrags ein grosser Teil der erforderlichen eigenen Betriebsorganisation fehle . Durch die Untermiete bestehe ein Ab- hängigkeitsverhältnis zu B.____. So habe die Beschwerdeführerin insbesondere keinen Einfluss auf die Auflösung und die Mietbedingungen des eigentlichen Mietvertrags. E. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgericht s vom 27. März 2015 wurde B.____ zum Verfahren beigeladen. In seiner Stellungnahme vom 12. Juni 2015 bestätigte er die Ausführungen der Beschwerdeführerin. Im Weiteren füh rte er aus, dass er die Versicherte si- cherlich nicht anstellen werde. Er reduziere kontinuierlich sein bisheriges Arbeitspensum, bis er seinen Betrieb ganz einstellen werde. Mit der Vermiete rschaft sei abgesprochen worden, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt seiner eigenen Gesch äftsaufgabe seinen bisherigen Ver- trag übergangslos übernehmen werde. Es bestehe kein Ab hängigkeitsrisiko aufgrund des Un- termietvertrags, da er der Versicherten weder kündige n noch den Mietzinsverteilschlüssel än- dern werde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind vorliegend allesa mt erfüllt, sodass auf die Be- schwerde einzutreten ist. 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde t die Frage, ob die Arbeitsleistun- gen der Beschwerdeführerin als selbständige oder unselb ständige Tätigkeit zu qualifizieren sind. 2.1 Die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht Erwer bstätiger richtet sich unter ande- rem danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte Erwerbseinkommen als solches aus selbständiger oder unselbständiger Erwerbstätigkeit zu qu alifizieren ist (Art. 5 und 9 des Bun- desgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG] vom 20. Dezember 1946 sowie Art. 6 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV] vom 31. Oktober 1947). Gemäss Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt als massgebender Lohn jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmt e Zeit geleistete Arbeit. Als Einkom- men aus selbständiger Erwerbstätigkeit gilt nach Art. 9 Abs. 1 AHVG jedes Einkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt. 2.2 Die Frage, ob im Einzelfall eine selbständige ode r unselbständige Erwerbstätigkeit vor- liegt, beurteilt sich praxisgemäss nicht aufgrund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwi- schen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtsch aftlichen Gegebenheiten. Die zivil- rechtlichen Verhältnisse vermögen dabei allenfalls gewiss e Anhaltspunkte für die AHV- rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein (BGE 122 V 171 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts vom 26. April 2007, H 102/06, E. 6.2). Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Arbei tgeber in betriebswirtschaftlicher bezie- hungsweise arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kein spezifisches Unternehmer- risiko trägt (BGE 122 V 283 E. 2a, 119 V 161 E. 2, 110 V 78 E. 4). 2.3 Merkmale für das Bestehen eines Unternehmerrisikos sind namentlich das Tätigen bedeutender Investitionen, das Einstehen für Verluste, das Handeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung, das Beschaffen von Aufträgen, eigene G eschäftsräumlichkeiten und die Be- schäftigung von Personal (Wegleitung über den massgebend en Lohn [WML], gültig ab 1. Januar 2008, Stand 1. Januar 2015, Rz 1014). Rech tsprechungsgemäss besteht das spezifi- sche Unternehmerrisiko im Weiteren darin, dass bei einer selbständigen Erwerbstätigkeit unab- hängig vom Arbeitserfolg Kosten anfallen, die die v ersicherte Person selber zu tragen hat (PETER FORSTER , AHV Beitragsrecht: Materiell- und verfahrensrechtliche Grundlagen; Abgren- zung zwischen selbständig und unselbständig erwerbstätige n Personen, Zürich/Basel/Genf 2007, S. 85 Rz 65 mit Hinweisen). Das Unternehmerrisi ko zeigt sich auch darin, dass das In- kasso- und Delkredererisiko (beispielsweise die Haftung für Verluste aus der Insolvenz von Kunden) sowie die Verluste aus mangelhafter Lieferung zu tragen sind und für die Mangelhaf- tigkeit eines Werks sowie ungetreue und unsorgfältige Ausführung eines Geschäfts einzustehen ist (PETER FORSTER , a.a.O., S. 84 Rz 62 mit Hinweisen). Von unselbständiger Erwerbstätigkeit ist hingegen dann auszugehen, wenn die für den Arbeit svertrag typischen Merkmale vorliegen, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht d.h. wenn die versicherte Person einen Dienst auf Zeit zu leisten hat, wirtschaftlich vom "Arbeit- geber" abhängig ist und während der Arbeitszeit auch i n dessen Betrieb eingeordnet ist, prak- tisch also keine andere Erwerbstätigkeit ausüben kann. Indizien hierfür sind das Vorliegen eines bestimmten Arbeitsplans, die Notwendigkeit, über den Stand der Arbeiten Bericht zu erstatten, sowie das Angewiesensein auf die Infrastruktur am Arbeit sort. Das wirtschaftliche Risiko der versicherten Person erschöpft sich diesfalls in der (allein igen) Abhängigkeit vom persönlichen Arbeitserfolg oder, bei einer regelmässig ausgeübten T ätigkeit, darin, dass bei Dahinfallen des Erwerbsverhältnisses eine ähnliche Situation eintritt, wie dies beim Stellenverlust eines Arbeit- nehmers der Fall ist (BGE 122 V 172 f. E. 3c mit Hinweisen). 2.4 Eine arbeitsorganisatorische beziehungsweise wirtschaft liche Abhängigkeit äussert sich namentlich in der Weisungsgebundenheit des Erwerbstätigen, seiner Rechenschaftspflicht, seiner Eingliederung in eine fremde Arbeitsorganisatio n, der Pflicht zur persönlichen Aufgaben- erfüllung, einer Präsenzpflicht und in einem Konkurre nzverbot (WML, a.a.O., Rz 1015; P ETER FORSTER , a.a.O., S. 84 Rz 63 mit Hinweisen). Selbständige Erwer bstätigkeit liegt dem Gesag- ten zufolge indessen regelmässig dann vor, wenn die Be itragspflichtige durch Einsatz von Ar- beit und Kapital in frei bestimmter Selbstorganisation und nach aussen sichtbar am wirtschaftli- chen Verkehr teilnimmt mit dem Ziel, Dienstleistungen zu erbringen oder Produkte zu schaffen, deren Inanspruchnahme oder Erwerb durch finanzielle od er geldwerte Leistungen abgegolten wird (BGE 115 V 170 E. 9a). Zudem umfasst die unabhä ngige Stellung, dass die Arbeitszeit und die Arbeitsorganisation frei gestaltet werden kön nen. Auch selbständig Erwerbstätige ha- ben sich jedoch an sogenannte sachliche Weisungen zu halt en. Hierbei handelt es sich um Weisungen des Bestellers oder Auftraggebers, die sich auf den Arbeitserfolg beziehen (P ETER FORSTER , a.a.O., S. 84 f. Rz 63 mit Hinweisen). 2.5 Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen no ch keine einheitlichen, schema- tisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellu ng einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (WML , a.a.O., Rz 1016; BGE 123 V 162 f. E. 1, 122 V 171 E. 3a, 119 V 162 E . 2 mit Hinweisen). Den Elementen Unter- nehmerrisiko und Abhängigkeitsverhältnis sowie ihren ein zelnen Ausprägungen kann je nach Art der zu beurteilenden Umstände unterschiedliches Gewic ht zukommen (WML, a.a.O., Rz 1017). So hat das Eidgenössische Versicherungsgericht (EV G; seit 1. Januar 2007: Bun- desgericht, sozialrechtliche Abteilung) festgestellt, da ss gewisse Tätigkeiten ihrer Natur nach nicht notwendigerweise bedeutende Investitionen erforde rn. Dies könne etwa im Bereich der Dienstleistungen gelten. Der arbeitsorganisatorischen A bhängigkeit sei in solchen Fällen ge- genüber einem Investitionsrisiko bei der Abwägung ein e rhöhtes Gewicht beizumessen (Ur- teil des EVG vom 14. August 2000, H 30/99, E. 6b mit Hinweisen; ebenso Urteil des Bundesge- richts vom 30. September 2010, 9C_946/2009). Von eine m echten Unternehmerrisiko – und somit auch von einer eigenen Geschäftsorganisation – i st in der Regel aber nur dann auszuge- hen, wenn ein Dienstleistungserbringer kumulativ eigen e Geschäftsräumlichkeiten benutzt, ei- genes Personal beschäftig und seine Geschäftskosten im W esentlichen selber trägt Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 119 V 163 E. 3b mit Hinweisen). Im Zusammenhan g mit der in einem bereits bestehen- den Coiffeur-Geschäft als Untermieterin eines Frisierstuhles tätigen Person hatte das EVG des- halb bereits mit Urteil vom 1. Juni 1978 entschieden, d ass die betroffene Person als Arbeitneh- merin des Betriebsinhabers gilt, wenn sie namentlich nic ht frei über die gemietete Einrichtung verfügen könne, wie dies in eigenen Geschäftsräumlichkeite n der Fall wäre (ZAK 1978 S. 507 ff.). Gestützt auf dieses Urteil ist den massgeb enden Vorschriften in den WML zu ent- nehmen, dass zu den Arbeitnehmenden im Coiffeur-Gewer be nebst den Fest- und Teilzeitan- gestellten auch die sogenannten Untermieter(innen) von Frisierstühlen gehören (WML, a.a.O., Rz. 4116). 3.1 Eine Überprüfung der erwähnten Kriterien ergibt , dass die Beschwerdeführerin im Aus- senverhältnis unter ihrer eigenen Firma als selbständi ge Coiffeuse auftritt. Ebenfalls ist sie mit ihrer Firma an den Ladenräumlichkeiten angeschrieben ( vgl. Planskizze und Fotodokumentati- on, Beilagen zur Beschwerdebegründung vom 24. März 2015). Sie benutzt offenbar ihr eigenes Arbeitswerkzeug und verkauft ihre eigenen Produkte, die sie selbst und auf eigene Rechnung erwirbt (vgl. Beilagen zur Anmeldung der Einzelfirma der Versicherten vom 21. Oktober 2014, insbesondere Rechnungen vom 28. August sowie 2. Septembe r 2014). Sie rechnet selbständig ab und führt ihr Geschäft somit auf eigene Rechnung ( vgl. Bilanz und Erfolgsrechnung 2014, Beilage zur Einsprache der Versicherten vom 20. Februa r 2015). Zwischen den Parteien ist deshalb zu Recht unbestritten, dass die Beschwerdeführe rin über eine eigene Betriebsorgani- sation verfügt und auch ein Unternehmerrisiko zu tragen hat. Alle erwähnten Kriterien sprechen grundsätzlich denn auch für eine betriebswirtschaftliche Unabhängigkeit und damit für eine selbständige Erwerbstätigkeit der Versicherten. Nachdem sie mittlerweile auch über einen eige- nen Festnetz-Telefonanschluss verfügt und seit Beginn ihr er Betriebsaufnahme ihr eigenes Kundensegment bewirbt, bleibt einzig zu prüfen, wie es sich in Bezug auf den Einwand der Kasse verhält, dass sich die Beschwerdeführerin lediglich al s Untermieterin des Beigeladenen im Sinne einer Stuhlmiete eingemietet habe (vgl. Vernehmlassung der Kasse 23. April 2015). 3.2 Hintergrund der von der Kasse vertretenen Auffassung bildet die Tatsache, dass die Versicherte ihre Geschäftsräumlichkeiten nicht selbst direkt gemietet hat, sondern in einem Un- termietverhältnis zum Beigeladenen steht, der in den gleichen Geschäftsräumen sein eigenes Coiffeur-Geschäft betreibt. Die Tatsache alleine, dass die Versicherte an den Beigeladenen lediglich einen Untermietzins im Umfang von monatlich CH F 500.— entrichtet (vgl. Einzah- lungsquittungen, Beilagen zur Anmeldung der Einzelfir ma der Versicherten vom 21. Oktober 2014), schafft jedoch noch keine gesteigerte Abhängigk eit gegenüber dem Beigeladenen, da ein Untermietverhältnis denselben mietrechtlichen Bestimmungen des Schweizerischen Obliga- tionenrechts (OR) untersteht. Die mietrechtliche Situa tion der Beschwerdeführerin ist demnach dieselbe, ob sie ihre Räumlichkeiten als Untermieterin d es Beigeladenen oder als Mieterin bei der Eigentümerschaft der fraglichen Geschäftsräume direkt mietet. So kommen auf das Ver- tragsverhältnis zwischen dem Hauptmieter (Untervermieter) und der Untermieterin sämtliche Bestimmungen des Mietvertragsrechts (Art. 253 ff. OR) zur Anwendung, wie sie auch zwischen Vermieter und Hauptmieter gelten. Auch wenn das Schi cksal der Untermiete auf dem Haupt- mietverhältnis beruht (vgl. LACHAT ET AL ., Mietrecht für die Praxis, N23/21. Zu Kapitel 23), ist zu berücksichtigen, dass die Kündigungsfrist für Geschäftsräum lichkeiten gemäss Art. 266d OR in Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verbindung mit Art. 262 OR im Untermietverhältnis ebe nfalls sechs Monate beträgt. Eine allfäl- lige Kündigung seitens der Eigentümerschaft würde den Mieter und Beigeladenen deshalb nicht davon entbinden, seinerseits eine sechsmonatige Kündigu ngsfrist auch gegenüber der Be- schwerdeführerin als Untermieterin einzuhalten. Ob das Mietverhältnis direkt durch die Eigen- tümerschaft oder durch den Mieter aufgelöst würde, vermag mit Blick auf den Erwerbsstatus der Versicherten daher keine entscheidende Rolle zu spielen. 3.3 Etwas anders sieht die Unabhängigkeit der Beschwerde führerin in Bezug auf die Ei- gentumsverhältnisse an der von ihr genutzten Infrastruktu r aus. So stehen die teuren Bestand- teile des Inventars, welche im Anschaffungsfall mit grö sseren Investitionen verbunden wären, im Eigentum des Beigeladenen. Dieser stellt der Versich erten seine Coiffeur-Stühle und Waschbecken, mithin den gesamten Arbeitsplatz zur Verfügung. Die Beschwerdeführerin muss- te keine umfangreichen Investitionen tätigen und hat d emnach ein nur geringes Unternehmerri- siko zu tragen. Dieser Umstand alleine vermag jedoch ebenso wenig eine erhöhte Abhängigkeit gegenüber dem Beigeladenen zu schaffen, da die Versicherte erklärtermassen nicht befürchten muss, dass die bisherige Kostenaufteilung geändert oder ihr gar die Nutzung der Infrastruktur entzogen werden könnte (vgl. Stellungnahme des Beigel adenen vom 12. Juni 2015). Zumal die von der Versicherten erbrachten Dienstleistungen als Coif feuse ihrer Natur nach ohnehin keine zwingend bedeutsamen Investitionen erfordern, vermag die Untermiete der entsprechenden Infrastruktur durch die Versicherte alleine deshalb ebe nfalls keine arbeitsorganisatorische Ab- hängigkeit zu begründen (Urteil des Bundesgerichts vom 30. September 2010, 9C_946/2009). 3.4 Die Kasse verweist auf das Urteil des EVG vom 4. Jul i 1978, wonach die in einem Coif- feur-Geschäft als Untermieterin eines Frisierstuhles tätig e Person namentlich dann als Arbeit- nehmerin gilt, wenn sie über die gemietete Einrichtu ng nicht frei verfügen kann, wie dies in ei- genen Geschäftsräumlichkeiten der Fall wäre. Die jenem Urteil zu Grunde liegende Konstellati- on der sogenannten „Stuhlmiete“ weicht von den hier ma ssgebenden Umständen jedoch ab. Einerseits ist die Versicherte nicht nur Mieterin eines einzelnen Frisierstuhles, sondern Unter- mieterin des Geschäftslokals des Beigeladenen als Ganzes. Im Umfang von CHF 500.— trägt sie annähernd den hälftigen Mietaufwand für die geme insam benutzten Geschäftsräumlichkei- ten. Ihre übrigen Geschäftskosten sind somit nicht nur au f die Kosten für die eigene Wäsche (beispielsweise für Frottiertücher, etc.) und die Verbrauchsartikel beschränkt. Hinzu tritt ein Wei- teres: Der Beigeladene hegt offensichtlich die Absicht, seine Tätigkeit aufzugeben und seine Infrastruktur der Beschwerdeführerin mittelfristig zu üb ereignen. Er plant, sein Arbeitspensum alle zwei bis drei Monate um 10% zu reduzieren (vgl. Ste llungnahme des Beigeladenen vom 12. Juni 2015). Zusammen mit dieser erklärtermassen über einstimmenden Absicht auch der Beschwerdeführerin betreffend eine absehbare Geschäft sübergabe geht ausserdem bereits heute eine Erneuerung des Geschäftslokals in Bezug auf d ie verkauften Produkte, ein neues und jüngeres Kundensegment und damit letztlich auch d er konkreten Angebote einher (vgl. Be- schwerdebegründung vom 24. März 2015). Die eigentliche Coiffeur-Tätigkeit der Beschwerde- führerin hängt deshalb nicht vom Willen des Beigeladenen ab, sondern ist vielmehr von der Ge- staltungsfreiheit der Beschwerdeführerin geprägt. Abwe ichend zur klassischen Stuhlmiete, bei welcher der Vermieter in der Regel nach eigenem Belieben präsent ist, handelt es sich um eine paritätische Nutzung der gemeinsamen Geschäftsräumlichkeit . Die gemeinsame Nutzung fusst Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf der Intention, dass sich der Beigeladene einerseits l angsam aus dem Erwerbsleben zurück- zuziehen will und die Beschwerdeführerin aufgrund ihre s frischen Eintritts ins Berufsleben zu- nächst noch einen eigenen Kundenstamm aufbauen muss (vgl. Beschwerdebegründung vom 24. März 2015). Diese eigentliche Win-Win-Situation a ber schliesst aus, dass der Beigeladene auch eine Verantwortung für die geschäftliche Betätig ung der Beschwerdeführerin übernimmt. Offenbar besteht in casu eine klare Absprache zwischen d er Beschwerdeführerin und dem Bei- geladenen, wann der Salon jeweils zur freien Verfügu ng steht. Auch wenn das Pensum des Beigeladenen zugleich das Komplementärpensum der Beschw erdeführerin mitbestimmt, ist die Versicherte innerhalb der definierten Nutzungseinheit en (vgl. Beschwerdebegründung vom 24. März 2015) sowohl in der Organisation als auch in d er Nutzung ihrer Arbeitszeit völlig frei. Diese vorliegend auf unterschiedlichen Motiven beruhende Übergangslösung unterscheidet sich deshalb deutlich vom Sachverhalt, wie er dem von der Vo rinstanz zitierten Entscheid des EVG zu Grunde gelegen hatte. Die Versicherte bedient ihr e igenes, junges Kundensegment und hat sich während der Phase des Betriebsübergangs an keinerle i konkrete Weisungen des Beigela- denen und Hauptmieters betreffend Erscheinungsbild, ei nheitliche Arbeitsinstrumente wie Handtücher und dergleichen zu halten. Eine Weisungsgeb undenheit oder gar eine eigentliche Rechenschaftspflicht gegenüber dem Beigeladenen ist jed enfalls nicht ersichtlich. Ein Abhän- gigkeitsverhältnis der Versicherten ist daher insgesamt zu verneinen. 3.5 Mangels anderweitiger Kriterien, welche für eine überwiegend unselbständige Erwerbs- tätigkeit der Versicherten sprechen würden, folgt zusammenfassend, dass die Beschwerde gut- zuheissen und die Ausgleichskasse Basel-Landschaft anzuweisen ist, die Beschwerdeführerin rückwirkend per 1. September 2014 als selbständig Erwerbstätige anzuerkennen. 4. Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemei nen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 hält fest, dass der Pro zess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für da s vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind bei der ni cht anwaltlich vertretenen Beschwer- deführerin wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Ausgle ichskasse Basel- Landschaft wird angewiesen, die Beschwerdeführerin rückw irkend per 1. September 2014 als selbständig Erwerbstätige anzuerkennen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.