<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Hat der Bundesrat Kenntnis von den verschiedenen Studien, die aufzeigen, welche positiven Auswirkungen auf den Bildungserfolg und insbesondere auf die Chancengleichheit qualitativ gut geführte Vorschulangebote haben können?</p><p>2. Ist er bereit, in der künftigen Entwicklung der familienergänzenden Betreuung den Bildungsaspekt stärker zu gewichten und die dazu nötigen Voraussetzungen zu schaffen oder zu verteidigen? Wie will er das tun?</p><p>3. Eine Folge der hochschulfernen Ausbildung der Vorschulerzieherinnen ist der eklatante Mangel an Forschung. An Deutschlands Universitäten gibt es mehr Lehrstühle für japanische Sprache als für frühkindliche Erziehung. Wie sieht das in der Schweiz aus? An welchen Universitäten wird zum Thema frühkindliche Entwicklung geforscht?</p><p>4. Kann sich der Bundesrat erklären, weshalb ausgerechnet in einem typischen Frauenberuf eine Diskussion über Qualifikation und Ehrenamtlichkeit beginnt, während man in typischen Männerberufen solche Fragen nie aufwirft? Oder kennt der Bundesrat einen sogenannt typischen Männerberuf, bei dem man das qualifizierte Personal durch ehrenamtliche Tätigkeit ersetzen will?</p><p>5. Ist der Bundesrat bereit, eine Erhebung in den bestehenden familienergänzenden Angeboten (inklusive Tagesfamilien) zu machen, welche zeigt, zu welchen Lohn- und Arbeitsbedingungen das Personal heute angestellt ist? Ist er bereit, anhand dieser Daten einen Vergleich zu anderen Berufen anzustreben - insbesondere zu männerdominierten Berufen - und sie bezüglich Arbeitsinhalte, Belastung, Komplexität und Verantwortung zu vergleichen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Vorschulbetreuung ist nicht primär Sache des Bundes. Er ist jedoch innerhalb des Bildungssystems für die Berufsbildung auf der Sekundarstufe II und der Tertiärstufe zuständig. Seit der Totalrevision der Bundesverfassung ist der Bund auch für die bisher kantonal geregelten Berufe aus den Bereichen Gesundheit, Soziales und Kunst (GSK) verantwortlich. Damit trägt der Bund dazu bei, dass Anbieter im Bereich Vorschulbetreuung qualifizierte Berufsleute anstellen können.</p><p>1. Der Bundesrat hat Kenntnis von den besagten Studien und misst ihnen eine hohe Bedeutung zu. Er berücksichtigt sie im Rahmen seiner Überlegungen zur Weiterentwicklung der familienergänzenden Betreuung.</p><p>2. Der Bundesrat teilt die Ansicht der Interpellantin, dass in der familienergänzenden Betreuung der Bildungsaspekt der Kinder nicht ausser Acht gelassen werden darf. Er vertritt deshalb die Auffassung, dass auch in diesem Bereich qualifizierte Berufsleute zur Verfügung stehen sollen. Aus diesem Grund bemüht er sich, für deren Ausbildung optimale Strukturen zu schaffen: Die Integration der GSK-Berufe in das nationale Berufsbildungssystem ist in vollem Gange. Daraus resultieren neue Bildungsangebote und zusätzliche Berufsperspektiven, was sich positiv auf die Qualität der ausserfamiliären Kinderbetreuung und die Entwicklung der familienergänzenden Angebote und damit indirekt auf den Bildungserfolg der Kinder auswirkt. Ausgehend von den Pilotprojekten "Soziale Lehre" im Rahmen des Lehrstellenbeschlusses II wird momentan die Einführung der beruflichen Grundbildung "Fachfrau/Fachmann Betreuung" vorbereitet. Kinderbetreuung wird darin als Fachbereich angeboten. Die bereits bestehende Berufsmaturität "Gesundheit - Soziales" ermöglicht den Übertritt an weiterführende Schulen. Im Bereich der höheren Berufsbildung werden 2005 die neuen Mindestvorschriften für höhere Fachschulen in Kraft gesetzt. Sie umfassen auch "Kindererziehung" und "Sozialpädagogik". Ausserdem wird bereits eine eidgenössische Berufsprüfung für die Leitung von sozialen Institutionen angeboten. An den Fachhochschulen für Soziale Arbeit werden die Studiengänge und Weiterbildungsangebote, namentlich im Fachbereich Sozialpädagogik, zunehmend auch auf die familienergänzende Kinderbetreuung ausgeweitet. Schliesslich erarbeitet das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie mit den zuständigen Organisationen der Arbeitswelt ein Referenzmodell für zukünftige Pflege- und Sozialberufe.</p><p>3. Die Besetzung von Lehrstühlen an kantonalen Universitäten und die inhaltliche Gestaltung von Studienangeboten ist nicht Sache des Bundes. Anlaufstelle für weiterführende Informationen zur Erforschung der frühkindlichen Entwicklung ist die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten. Forschungsresultate werden aber auch bei der Entwicklung von nichtuniversitären Bildungsangeboten berücksichtigt.</p><p>4. Gesellschaftliche Wahrnehmungen und Diskussionen sind das eine, gesetzliche Vorkehrungen das andere. Der Bund schenkt in der Berufsbildung Gleichberechtigungsanliegen auf allen Stufen hohe Beachtung: in der beruflichen Grundbildung, bei der Akkreditierung von Bildungsgängen der höheren Berufsbildung und bei der Bewilligung von Studiengängen an Fachhochschulen.</p><p>5. Fragen zur Lohnpolitik und zu den Arbeitsbedingungen sind in erster Linie Sache der Sozialpartner. Sie können sich dabei auf Statistiken abstützen, die Löhne in verschiedenen Bereichen aufzeigen.</p>  Antwort des Bundesrates.