Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. Oktober 2012 (720 10 291 / 276) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhaltes / Gerichtsgutachten Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Marku s Mattle, Kantons- richter Michael Guex, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch André M. Brunner, Advokat, Hauptstrasse 55, Postfach 136, 4450 Sissach gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1952 geborene A.____ war seit dem Jahr 2000 im Rahmen einer Teilzeitbeschäfti- gung als Mitarbeiterin im Auffüllteam bei der B.____ AG angestellt. Daneben verrichtete sie als Heimarbeiterin Tätigkeiten für die Firmen C.____ AG und D.____ AG. Überdies war sie - jeweils sonntags - als Zeitungsverträgerin tätig. Am 19. August 2 007 meldete sich A.____ unter Hin- weis auf Bandscheibenschäden bei der Eidgenössischen Inval idenversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug an. In der Folge klärte die IV-Stelle Basel -Landschaft die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse der Versicherten ab, wobei sie ab 5. September 2007 einen Invalidi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tätsgrad von 100 %, ab 20. Mai 2008 einen solchen von 52 % und ab 9. September 2008 einen Invaliditätsgrad von 30 % ermittelte. Gestützt auf di ese Ergebnisse sprach die IV-Stelle A.____ nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Verf ügung vom 26. August 2010 für den Zeitraum vom 1. September 2007 bis 31. August 2008 e ine befristete ganze Rente und mit ei- ner weiteren Verfügung vom 9. September 2008 für den Zeitraum vom 1. September 2008 bis 31. Dezember 2008 eine halbe Rente zu. Gleichzeitig l ehnte sie einen weiteren Rentenan- spruch ab 1. Januar 2009 ab. B. Mit Eingabe vom 30. September 2010 erhob A.____ beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde gegen die beiden Verfügungen der IV- Stelle vom 26. August 2010 und 9. September 2010. Da rin beantragte sie, es seien die ange- fochtenen Verfügungen aufzuheben und es seien ihr „die ihr zustehenden gesetzlichen Leistun- gen (volle Rente) zuzusprechen“; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Dezember 2010 be antragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. D. Mit Replik vom 26. April 2011 nahm die Beschwerdefü hrerin, nunmehr vertreten durch Advokat André M. Brunner, nochmals aus ihrer Sicht zur Angelegenheit Stellung. Dabei hielt sie präzisierend fest, dass es ihr um die Zusprechung einer ganzen Rente ab 1. September 2008 gehe. Ihre Beschwerde richte sich deshalb gegen die Verfügung vom 9. September 2010, denn in der ebenfalls angefochtenen Verfügung vom 26. August 2010 sei ihr bereits eine ganze Ren- te für den Zeitraum vom 1. September 2007 bis 31. August 2008 zugesprochen worden. E. Die IV-Stelle ersuchte in ihrer Duplik vom 13. Ma i 2011 weiterhin um Abweisung der Beschwerde. F. Am 1. Juni 2011 reichte die Beschwerdeführerin unau fgefordert eine kurze Stellung- nahme zur Duplik der IV-Stelle ein. Zudem holte das Ge richt eine amtliche Erkundigung zur Höhe des Gehaltes ein, welches die Versicherte in den Jahren 2005 und 2006 im Rahmen ihrer damaligen Nebenerwerbstätigkeit als Zeitungsverträgeri n erzielt hatte. Die Parteien machten mit Eingaben vom 29. Juni bzw. 16. Juli 2011 von der M öglichkeit Gebrauch, sich zum entspre- chenden Antwortschreiben der Rechtsnachfolgerin der da maligen Arbeitgeberin vom 16. Juni 2011 zu äussern. G. Anlässlich der Urteilsberatung vom 18. November 20 11 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der A ngelegenheit gestützt auf die vor- handene medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Es bes chloss deshalb, den Fall auszustel- len und zur Abklärung des Gesundheitszustandes und der g esamtmedizinisch bedingten Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ein polydiziplinäres Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Nachdem sich die IV-Stelle am 1. Dezember 2011 und die Beschwerdefüh- rerin am 6. Januar 2012 mit dem Vorschlag des Gerichts einverstanden erklärt hatten, dieses Gutachten durch die Klinik E.____ erstellen zu lassen, e rging der entsprechende Auftrag an die genannte Begutachtungsstelle. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Am 6. Juni 2012 erstattete die Klinik E.____ das in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gerichtsgutachten. Die Parteien erhielten in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutach- tens und zur Frage, wie sich die Ergebnisse der aktuelle n medizinischen Beurteilung auf einen allfälligen Leistungsanspruch der Versicherten auswirken würden, zu äussern. Die IV-Stelle machte am 28. Juni 2012 hiervon Gebrauch, wobei sie ihr er Eingabe eine ausführliche medizi- nische Stellungnahme von Dr. med. F.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, Regionaler Ärztli- cher Dienst (RAD) beider Basel, vom 26. Juni 2012 beilegte. Die Beschwerdeführerin wiederum äusserte sich am 11. Juli 2012 zum Gutachten und zu dessen Auswirkungen auf ihren Leis- tungsanspruch. Während die IV-Stelle am 26. Juli 2012 mitteilte, dass sie auf weitere Ausfüh- rungen zur Eingabe der Gegenpartei vom 11. Juli 2012 verzichte, nahm die Beschwerdeführerin am 2. September 2012 zum Schreiben der IV-Stelle vom 28. Juni 2012 und zur medizinischen Einschätzung des RAD-Arztes Dr. F.____ vom 26. Juni 2012 Stellung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 30. September 2010 ist demnach einzutreten. 2.1 Mit Verfügung vom 26. August 2010 sprach die IV-S telle der Versicherten für den Zeit- raum vom 1. September 2007 bis 31. August 2008 eine be fristete ganze Rente und mit einer weiteren Verfügung vom 9. September 2008 für den Ze itraum vom 1. September 2008 bis 31. Dezember 2008 eine befristete halbe Rente zu. Gl eichzeitig lehnte sie einen weiteren Ren- tenanspruch ab 1. Januar 2009 ab. Die Beschwerde der Versicherten vom 30. September 2010 richtete sich explizit gegen die beiden Verfügungen der IV-Stelle vom 26. August und 9. Sep- tember 2010, wobei deren Aufhebung und die Zusprechun g „der gesetzlichen Leistungen (volle Rente)“ beantragt wurde. Demgegenüber präzisierte der nachträglich beigezogene Rechtsver- treter der Beschwerdeführerin in seiner Replik vom 26. April 2011, er ersuche um Ausrichtung einer ganzen Rente ab 1. September 2008. Die Beschwerd e richte sich deshalb gegen die Ver- fügung vom 9. September 2010, denn in der Verfügung vom 26. August 2010 sei der Versicher- ten bereits eine ganze Rente für den Zeitraum vom 1. September 2007 bis 31. August 2008 zugesprochen worden. 2.2 Wie das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht ( EVG; heute: sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) im Grundsatzentscheid 125 V 413 ff in Präzisierung seiner Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsprechung klargestellt hat, wird mit der rückwirken den Zusprechung einer befristeten In- validenrente ein Rechtsverhältnis im anfechtungs- und streitgegenständliche n Sinne geregelt. Wird nur die Befristung der Leistungen angefochten, wird damit die richterliche Überprüfungsbe- fugnis nicht in dem Sinne eingeschränkt, dass unbestritte n gebliebene Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Diese Grundsätze ge lten auch, wenn die rückwirkende Zusprechung einer abgestuften und/oder einer befristet en Rente nicht in einer einzigen, son- dern - wie es vorliegend der Fall ist - in zwei (oder m ehreren) Verfügungen erfolgt (BGE 131 V 164). Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet demnach der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ab 1. September 2007 , über welchen die IV-Stelle in den beiden Verfü- gungen vom 26. August 2010 und 9. September 2010 befunden hat. 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis Ende 2007 gül tig gewesenen Fassung) bzw. nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 2008 anwend baren Fassung) hat die versicherte Per- son Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindes tens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wen n sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28 Abs. 2 IVG [in der bis 31. Dezemb er 2007 gültig gewesenen Fassung] bzw. Art. 28a Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwend baren Fassung]). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, d as die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invalidität sgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die d urch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen EVG bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach d em für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsa tz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen m edizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. d ie ausführliche Zusammenstellung die- ser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.1 So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach d er Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholt es Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfer- tigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen ande rer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsg utachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise fü r angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens ab weichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa mit Hinweisen). 4.4.2 Im Weiteren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beo- bachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschie den werden, so sind an die Be- weiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ä rztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4, 122 V 162 f. E. 1d). 5.1 Die IV-Stelle gab im Rahmen des Verwaltungsverfah rens zur Abklärung des Gesund- heitszustandes und zur Beurteilung der Arbeitsfähigkei t der Versicherten bei Dr. med. G.____, Facharzt für Rheumatologie, Physikalische Medizin und Reh abilitation FMH, ein rheumatologi- sches Gutachten in Auftrag, welches dieser am 19. Novemb er 2009 erstattete. Darin hielt der Experte als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsf ähigkeit (1) einen Status nach Disko- graphie L4/L5 und L5/S1 am 31. Juli 2007 sowie (2) e inen Status nach Fusion L5/S1 und Einla- ge einer Diskusprothese L4/L5 von ventral am 11. Dezembe r 2007 fest. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr. G.____ (1) einen Status nach Arthroskopie Schulter links mit Acromioplastik und AC-Gelenksresektion am 23. März 2009, (2) vereinzelte Heberden- und Bouchardarthrosen beider Hände (mässigen Grades/zur zeit keine Aktivität), (3) einen Sta- tus nach mehrfachen Operationen an beiden Füssen mit Korrektur der Grosszehe und der zwei- ten Zehe links und rechts infolge Krallzehenstellung, (4 ) Femoropatellararthrosen mässigen Grades, links mehr als rechts und (5) eine Tendenz zur Entw icklung weichteilrheumatischer Schmerzsymptomatik - Fibromyalgie. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, für die Versicherte seien in Berücksichtigung der erhobenen Diagnosen körperlich schwere, das Achsenskelett belastende Tätigkeiten mit repetitivem Bü cken und repetitivem Heben aus ge- bückter Lage sowie Arbeiten mit Besteigen von Leitern od er repetitivem Begehen von Treppen wenig geeignet. Zudem seien der Explorandin auch keine Arbeiten mit Begehen von unebenem Boden und keine Tätigkeiten in hockender oder kauernder Stellung zumutbar. Hingegen könne der Versicherten für eine schonende und gut adaptierte Tätigkeit, wechselbelastend mit vor al- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht lem Sitzen ( 1/2 der Zeit), Stehen (¼ der Zeit) und Laufen (¼ der Z eit) sowie unter Vermeiden von repetitivem Heben über 7 kg, eine Arbeitsfähigkeit von 100 % attestiert werden, wobei be- züglich einer solchen Tätigkeit - je nach Qualität - ein e 10- bis maximal 15 %-ige Leistungsmin- derung in Betracht zu ziehen sei. Diese Zumutbarkeitsbe urteilung dürfte ab September 2008 gültig sein. 5.2 Die IV-Stelle stützte sich in den angefochtenen V erfügungen vom 26. August/9. Sep- tember 2010 bei der Beurteilung des Gesundheitszustande s und der Arbeitsfähigkeit der Versi- cherten vollumfänglich auf die Ergebnisse, zu denen Dr. G.____ in seinem Gutachten vom 19. November 2009 gelangt war. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Beschwerdeführerin in der Ausübung einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei, wobei bezüglich einer solchen Tätigkeit - je nach Qualität - eine 10- bis maximal 15 %-ige Leistungsminderung in Betracht zu ziehen sei. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4. 4.2 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spe zialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Anlässlich de r ersten in dieser Angelegenheit er- folgten Urteilsberatung vom 18. November 2011 gelangte das Kantonsgericht nun allerdings zur Auffassung, dass in Bezug auf das Gutachten von Dr. G.__ __ vom 19. November 2009 solche Zweifel vorliegen würden. So erweise sich das Gutach ten teilweise als widersprüchlich und es trage - darin sei sein hauptsächlicher Mangel zu sehen - dem Zusammenspiel der verschieden- artigen somatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen, an de nen die Beschwerdeführerin leidet, nicht hinreichend Rechnung. Insbesondere werde im Gutac hten bei der Einschätzung der Ar- beitsfähigkeit dem Umstand zu wenig Beachtung geschenkt, dass sich die vielfältigen objekti- vierbaren Leiden in ihrer Gesamtheit gegenseitig ungünstig beeinflussen würden. Die gutachter- liche Festlegung der (Rest-) Arbeitsfähigkeit der Versi cherten vermöge deshalb nicht zu über- zeugen. Entgegen der von der IV-Stelle in den angefo chtenen Verfügungen vom 26. August/ 9. September 2010 vertretenen Auffassung komme dem rhe umatologischen Gutachten von Dr. G.____ demnach keine ausschlaggebende Beweiskraft zu. Da die übrigen damals vorlie- genden medizinischen Berichte ebenfalls keine verlässliche Entscheidgrundlage bildeten, be- schloss das Gericht anlässlich der ersten Urteilsberatung vom 18. November 2011, den Fall auszustellen und zur abschliessenden Klärung der medizini schen Sachlage bei der Klinik E.____ ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. 6.1 Das begutachtende Ärzteteam der Klinik E.____ füh rte bei der Versicherten rheumato- logische, orthopädische und psychiatrische Abklärungen durch . Gestützt auf seine Untersu- chungen hält es in seinem ausführlichen Gerichtsgutacht en vom 6. Juni 2012 folgende Diagno- sen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest: (1) ein chronisches Lumbovertebralsyndrom mit schmerzhafter Funktionsstörung der LWS (ICD-10 M54.5 ) mit/bei (1.1) einem Status nach operativer interkorporeller Fusion L5/S1 von ventral, p lus Implantation einer Bandscheibenpro- these L4/L5 am 11. Dezember 2007 wegen erosiver Osteocho ndrose L5/S1 und Diskopathie L4/L5, (1.2) einer persistierenden Spondylarthrose L4/L5 und (1.3) einer Hypomobilität der LWS mit Schwäche der wirbelsäulestabilisierenden Muskulatur; (2) leichtgradige mediale Gonarthro- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen beidseits, beginnend auch retropatellar (ICD-10 M17.0) mit Periarthropathia genu beidseits; (3) eine Funktionsstörung der Feinmotorik beider Hände bei (3.1) degenerativen Finger- und Handwurzelgelenksveränderungen (ICD-10 M15.9), (3.2) H eberden-, Bouchard- und MCP- Arthrosen rechtsbetont, (3.3) einer Arthrose zwischen S caphoid und Trapezius beidseits sowie (3.4) einem Status nach Bandoperation rechter Daumen ca . 1996 und Reoperation ca. 1997; (4) eine Periarthropathia humeroscapularis tendinotica der dominanten rechten Schulter (ICD- 10 M75.4) mit (4.1) schmerzhafter Funktionsstörung durc h subakromiales Impingement und (4.2) radiologisch leicht verschmälertem subakromialem Raum; (5) ein chronisches tendomyoti- sches Zervikovertebralsyndrom (ICD-10 M53.2) mit/bei (5. 1) muskulärer Dysbalance am Schul- tergürtel und (5.2) degenerativen Veränderungen der HWS mit Osteochondrose und Spondylo- se C4-C7; (6) Residualbeschwerden linke Schulter (ICD-10 M75.1) bei Status nach arthroskopi- scher Akromioplastik, AC-Gelenksresektion und Supraspinatu ssehnenrepair wegen Impinge- ment am 23. März 2009; (7) Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2). Als Diag- nosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit werd en (1) degenerative Vorfussverände- rungen und belastungsabhängige Fussbeschwerden beidseits (ICD-10 M19.9); (2) eine leichte Epicondylopathia humeroradialis und humeroulnaris beidse its; (3) ein Status nach Karpaltun- nelspaltung beidseits wegen Karpaltunnelsyndrom vor über 20 Jahren mit befriedigendem Er- gebnis; (4) Hinweise auf ein diffuses weichteilrheumati sches Schmerzsyndrom (ICD-10 M79.7); (5) ein Verdacht auf schädlichen Gebrauch von Analgetika (ICD-10 F55.2) und (6) ein schädli- cher Gebrauch von Hypnotika (Stilnox; ICD-10 F55.9) genannt. 6.2 Im Rahmen seiner gemeinsam vorgenommenen Konsensbeu rteilung gelangt das Gut- achterteam der Klinik E.____ zusammenfassend zum Ergebni s, dass sich die von der Versi- cherten angegebenen Beschwerden und Beeinträchtigungen anhand der objektivierbaren orga- nischen Pathologien am Bewegungsapparat problemlos nach vollziehen lassen würden. Es be- stünden polytope degenerative Veränderungen sowohl im Bereich der Extremitätengelenke im Sinne einer Polyarthrose, als auch im Bereich des unter en Achsenskelettes. Zusätzlich lägen lokalisierte weichteilrheumatische Schmerzsyndrome vor, wie an beiden Schultern und den Ell- bogen. Ferner würden sich klinische Hinweise auf ein dif fuses weichteilrheumatisches Schmerzsyndrom ergeben. Bei der Festlegung der Arbeitsfähigkeit sei nicht nur die Summe der objektivierbaren Pathologien am Bewegungsapparat zu b erücksichtigen, sondern auch deren gegenseitige ungünstige Beeinflussung, indem zum Beisp iel durch Schonung eines schmerz- haften Arthrose-Gelenkes benachbarte und vorgängig be reits angegriffene muskuloskelettäre Strukturen eher überlastet und ihrerseits symptomatisch dekompensieren würden. Was die psychiatrisch gestellten Diagnosen betreffe, so hätten die se nur untergeordnete Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit. Es bestünden keine Hinweise auf e ine inadäquate Schmerzverarbeitung oder Symp-tomausweitung. Die psychiatrischen Diagnosen könnten als reaktive Störung auf die multiplen somatischen Beschwerden und Einschränkungen ver standen werden. Die somati- schen Befunde und die daraus begründbaren Einschränkunge n würden aber klar im Vorder- grund stehen. 6.3 Das Gutachterteam der Klinik E.____ äussert sich sod ann auch zu abweichenden frü- heren medizinischen Einschätzungen, insbesondere setzt es sich mit der stark divergierenden Beurteilung des Gutachters Dr. G.____ auseinander. Das Ärzteteam der Klinik E.____ weist Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht darauf hin, dass dessen Expertise von einer erfolgreichen Operation und guten Beweglichkeit der LWS - abzüglich der zu berücksichtigenden Versteifung L5/S1 - ausgehe. Dies sei im Lichte des aktuellen Untersuchungsbefunds, vor allem aber in A nbetracht der seitlichen Funktionsauf- nahmen der LWS in Inklination und Reklination vom 26. Februar 2009 nicht nachzuvollziehen. Die Aufnahmen hätten dem Gutachter vorgelegen, doch b eschreibe er nur einen perfekten Sitz der Bandscheibenprothese, was im Übrigen aus wirbelchiru rgischer Sicht nicht zureffe, da das Rotationszentrum zu weit vorne gelegen sei. Ebenso wer de nicht berücksichtigt, dass die Auf- nahmen lediglich eine deutlich eingeschränkte Gesamtbeweglichkeit L1-L5 zeigen würden, und es fehle eine Diskussion der Grundproblematik der Fazette ndegeneration L4/L5 im Segment der Bandscheibenptrothese, die zumindest aktuell zur dysfu nktionalen, zu wenig lordotischen Grundstellung und zur Schmerzauslösung bei jeder Winkelä nderung gegenüber der Grundstel- lung bei Haltungswechseln führe. Sodann würden die üb rigen Diagnosen, insbesondere die Befunde an den Händen, die massgebend für die Einschränkung in der Heimarbeit seien, durch Dr. G.____ zu wenig gewichtet. Der Gutachter erwähne zwar eine Einschränkung der Feinmo- torik beim Nähen und Knöpfeschliessen, aber er diskutier e nicht, wie sich diese auf die konkre- ten beiden Heimarbeiten und auf realistisch in Frage kommende Verweistätigkeiten auswirke. Die Arthrosen an den Händen hätten jedoch einen rele vanten Einfluss auf solche feinmotori- sche Tätigkeiten. 6.4 Im Zusammenhang mit der konkreten Einschätzung de r Arbeitsfähigkeit weist das Gut- achterteam der Klinik E.____ einleitend darauf hin, dass die Beurteilung der bisherigen Tätigkeit erschwert sei, weil die Explorandin sehr verschiedene Tä tigkeiten mit ganz unterschiedlichen Belastungsprofilen ausgeübt habe. Immerhin könne fest gehalten werden, dass sich für die Tä- tigkeit als Mitarbeiterin der B.____ AG sowohl auf Gru nd des Rückenleidens als auch wegen der Schulter- und Handpathologien eine bleibende vollständige Arbeitsunfähigkeit ergebe. Nicht mehr zumutbar seien sodann die Tätigkeit als Zeitungsver trägerin, bei welcher schwere Zei- tungsbündel geholt und die Zeitungen mittels ständige m Ein- und Aussteigen aus dem Auto verteilt werden müssten, sowie der ursprünglich erlernt e Beruf als Verkäuferin, welcher in der Regel ein hohes Mass an Stehleistung verlange. Was die de rzeit noch ausgeübte Heimarbeit betreffe, so sei diese - unter Einsatz selbsterfundene r Hilfseinrichtungen - im bisherigen Um- fang weiterhin möglich. Durch die Beeinträchtigung der Feinmotorik sei jedoch der notwendige Zeiteinsatz pro Werkstück erheblich verlängert, so dass die Leistung pro erbrachte Arbeitszeit relevant verringert werde. In Bezug auf die Arbeitsfä higkeit in Verweistätigkeiten führt das Ärz- teteam der Klinik E.____ aus, auf Grund der am Bewegu ngsapparat erhobenen Befunde seien aus gemeinsamer rheumatologisch-orthopädischer Sicht körp erlich leichte Tätigkeiten, die überwiegend sitzend ausgeübt werden könnten und die mit der Möglichkeit zu frei wählbaren Positionswechseln verbunden seien, in einem zeitlich ei ngeschränkten Umfang zumutbar. Die Arbeit dürfe kein Stehen länger als eine halbe Stund e, kein Gehen länger als eine Stunde, kein repetitives Treppensteigen, kein Gehen auf unebenem Ge lände, kein Knien oder Hocken, Bü- cken, Heben oder Tragen über 5 kg, keine manuellen Arbe iten mit Druck- und Kraftanwendung der Hände, kein Hantieren über Brust- oder unter Tischh öhe, keine repetitiv monotone Greif- und Haltebewegungen mit den Armen und keine Kälteeinwirkungen beinhalten. Solche Tätigkei- ten seien zeitlich bis maximal zur Hälfte der Normalarbe itszeit zumutbar, wobei die Beschrän- kung in erster Linie durch die Schmerzsummation auf Gr und der oben beschriebenen somati- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen Situation an der Lendenwirbelsäule mit langer Er holungszeit auch bei Sitzen mit ermög- lichten Positionswechseln bedingt sei und eine Aufteilun g der Arbeitszeit auf zwei Einsätze pro Tag nahelege. Auf Grund der Funktionsbeeinträchtigung der Handfeinmotorik sei von einer Verminderung der erbringbaren Leistung in der Arbei tszeit durch Verlängerung des Zeitbedarfs für manuelle Verrichtungen auszugehen, die je nach konkr eter Tätigkeitsanforderung etwas unterschiedlich ausfallen könne. Aus gemeinsamer orthop ädisch-rheumatologischer Sicht schätze man die verbliebene tatsächliche Arbeitsfähigkeit nach bestem Wissen demnach auf 40 % ein. Diese Arbeit könne nur über den Tag vertei lt ausgeübt werden, erfordere somit freie Einteilbarkeit, weshalb die aktuelle Heimarbeit optimal angepasst sei. 7.1 In ihrer Stellungnahme vom 11. Juli 2012 zum Geri chtsgutachten der Klinik E.____ bezeichnet die Beschwerdeführerin das Gutachten als übe rzeugend, weshalb bei der Beurtei- lung ihres Leistungsanspruchs vollumfänglich auf dessen Erge bnisse abgestellt werden könne. Demgegenüber vertritt die IV-Stelle in ihrer Eingabe vom 28. Juni 2012 die Auffassung, dass dem Gutachten der Klinik E.____ lediglich beschränkter B eweiswert zukomme. Auf dieses kön- ne zwar abgestellt werden, soweit es um die Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten im Zeitpunkt der do rtigen Begutachtung (April 2012) gehe. Im Übrigen könnten aber die Ergebnisse des Gutachtens von D r. G.____ vom 19. November 2009 für den damaligen Zeitpunkt weiterhin nachvollzogen u nd übernommen werden. Es sei davon auszugehen, dass es erst nach der Begutachtung durch Dr. G.____ zu einer sukzessiven Ver- schlechterung des Gesundheitszustandes mit Symptomausweitung gekommen sei. 7.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.1.2 hiervor), weic ht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Ein schätzung der medizinischen Exper- tinnen und Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fa chkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Ver- fügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt med izinisch zu erfassen. Vorliegend sind keinerlei Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, d ie Ergebnisse des Gerichtsgutachtens der Klinik E.____ vom 6. Juni 2012 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsi cht erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgeri cht verlangt wird (vgl. Erwägung 4.3 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es ber uht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntn is der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhä nge bzw. der Beurteilung der me- dizinischen Situation ein und es nimmt insbesondere eine äusserst differenzierte und überzeu- gende Beurteilung der (Rest-) Arbeitsfähigkeit der Ve rsicherten vor. Sodann weist das Gutach- ten keinerlei Widersprüche auf und es setzt sich auch aus führlich mit den bei den Akten liegen- den abweichenden fachärztlichen Einschätzungen auseinan der. So legt es insbesondere ein- lässlich dar, weshalb nicht auf die Ergebnisse des Gutacht ens von Dr. G.____ vom 19. Novem- ber 2009 abgestellt werden kann. Die entsprechenden, v orstehend (vgl. E. 6.3) wiedergegebe- nen Darlegungen des Ärzteteams der Klinik E.____ sind ü berzeugend, so dass an dieser Stelle von einer weiteren Auseinandersetzung mit der abweiche nden Einschätzung von Dr. G.____ abgesehen und stattdessen vollumfänglich auf die schlüssig en fachärztlichen Ausführungen im Gutachten der Klinik E.____ verwiesen werden kann. Als Ergebnis ist demnach mit dem Gut- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht achterteam der Klinik E.____ festzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin in einer leidens- adaptierten Tätigkeit noch eine (Rest-) Arbeitsfähigkeit von 40 % besteht. 7.3. Zu prüfen bleibt, ab welchem Zeitpunkt diese g utachterliche Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit Gültigkeit beanspruchen kann. 7.3.1 Wie oben erwähnt (vgl. E. 7.1 hiervor), vertrit t die IV-Stelle diesbezüglich den Stand- punkt, dass die Ergebnisse des Gerichtsgutachtens der Klinik E.____ lediglich insoweit mass- gebend seien, als es um die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten ab dem Zeitpunkt der dortigen Begutachtung (April 2012) gehe. Für den Zeitraum davor könne dagegen weiterhin auf die Ergebnisse des Gutachtens von Dr. G.____ abgestel lt werden. Dieser Auffassung kann nun aber zweifellos nicht gefolgt werden, nachdem das Ka ntonsgericht das Gutachten von Dr. G.____ bereits anlässlich der ersten Urteilsberatung vom 18. November 2011 als nicht aus- reichend beweistauglich für die Beurteilung der Arbei tsfähigkeit der Versicherten erachtet hat. Dazu kommt, dass das in der Zwischenzeit eingeholte Gerich tsgutachten der Klinik E.____ die damalige Beweiswürdigung des Kantonsgerichts - wie oben aufgezeigt - ausdrücklich bestätigt hat. 7.3.2 In seinem Gerichtsgutachten führt das Ärzteteam der Klinik E.____ zur Frage des Be- ginns der Arbeitsunfähigkeit aus, in der IV-Verfügun g vom 26. August 2010 sei korrekterweise festgehalten, dass ab August 2008 nicht mehr eine vollst ändige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, nachdem acht Monate nach der im Dezember 2007 er folgten Wirbelsäulenoperation am Achsenorgan ein dauerhafter Zustand erreicht gewesen sei . Ab August 2008 könne somit zwar von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes der Versic herten ausgegangen werden, es habe jedoch nach wie vor eine weitgehende Einschränkung der Leistungsfähigkeit bestanden, wobei die damalige Beeinträchtigung in etwa dem heutigen Ausmass entsprochen haben dürfte. Es könne deshalb davon ausgegangen werden, dass der Explor andin ab August 2008 die Aus- übung derselben (Verweis-) Tätigkeiten wie heute zum utbar gewesen sei. Diese Einschätzung erfolge auf Grund der Vielzahl der bereits damals vorh andenen somatischen Befunde. So habe an der linken Schulter eine durch ein MRI vom 20. Juni 2 008 belegte gleichartige schmerzhafte Funktionsstörung vorgelegen, wie sie sich heute klinisch an der rechten Schulter finde, während sie links nach arthroskopischem Eingriff im Jahr 2009 wei t in den Hintergrund getreten sei. Die degenerativen Veränderungen an Knien, Händen und Füss en hätten damals ebenfalls schon bestanden, seien sie doch im Gutachten von Dr. G.____ vo m 19. November 2009 allesamt auf- geführt, dort allerdings - wie oben aufgezeigt - in i hrer Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit nicht genügend gewürdigt worden. Diese Ausführungen d es Arzteteams der Klinik E.____ zum Beginn der festgestellten Arbeitsunfähigkeit sind schlüssig und überzeugend, so dass - entge- gen der Auffassung der IV-Stelle - auch bei der Beurt eilung dieser Frage auf die Ergebnisse des Gerichtsgutachtens der Klinik E.____ abgestellt werden kann. 7.4 Zusammenfassend ist gestützt auf das überzeugende Ge richtsgutachten der Klinik E.____ vom 6. Juni 2012 festzuhalten, dass bei der Beschw erdeführerin ab 5. September 2007 (Ablauf des Wartejahres) bis Mitte August 2008 eine vol lständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat und dass seither von einer (Rest-) Arbeitsfähigkeit i n einer leidensadaptierten Tätigkeit von 40 % auszugehen ist. 8. Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 h iervor) ist der Invaliditätsgrad bei er- werbstätigen Versicherten auf Grund eines Einkommensver gleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). 8.1 Da die Beschwerdeführerin nach dem vorstehend Gesa gten ab 5. September 2007 (Ablauf des Wartejahres) bis Mitte August 2008 in sämtlichen beruflichen Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig war, kann ohne weitere Erörterungen f estgehalten werden, dass der Invaliditäts- grad im genannten Zeitraum 100 % betrug. 8.2 Näherer Betrachtung bedarf die Invaliditätsbemessu ng ab Mitte August 2008, also ab dem Zeitpunkt, ab welchem bei der Versicherten laut de n massgebenden medizinischen Akten (vgl. E. 6 und 7 hiervor) wieder von einer (Rest-) Arb eitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit von 40 % auszugehen ist. 8.3.1 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entsc heidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad d er überwiegenden Wahrschein- lichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. D ie Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel vom letzten Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt hat, auszugehen ist (Urteil I. des EVG vom 26. November 2002, I 491/01, E. 2.3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Vorliegend ist die IV-Stelle in den angefochtenen Verfügungen - zu Recht - davon a usgegangen, dass die Beschwerdefüh- rerin ohne Gesundheitsbeeinträchtigungen weiterhin i hren seit längerem ausgeübten Tätigkei- ten als Mitarbeiterin im Auffüllteam bei der B.____ AG und als Heimarbeiterin für die C.____ AG und für die D.____ AG nachgehen würde. Gestützt auf di e Angaben der genannten Firmen er- rechnete die IV-Stelle für die Versicherte für das Jahr 2008 ein massgebendes Valideneinkom- men von Fr. 65'568.--. Die Versicherte erachtet in ihre r Beschwerde die Höhe dieses Validen- einkommens als zu tief. So vertritt sie etwa den Standp unkt, dass beim Valideneinkommen auch das Gehalt hinzuzurechnen sei, welches sie in ihrer w eiteren (Neben-) Beschäftigung als Zeitungsverträgerin erzielt habe. Aus den Akten ist nun allerdings ersichtlich, dass die Versi- cherte diese Tätigkeit lediglich bis 30. Juni 2006 ausg eübt hat, wobei unklar ist, ob die Stellen- aufgabe damals aus gesundheitlichen Gründen oder aber aus anderen Überlegungen erfolgt war. Wie es sich damit verhält, kann letztlich aber of fen bleiben, was im Übrigen auch für die weiteren Einwände der Versicherten zur Höhe des Valid eneinkommens gilt. Wie im Folgenden zu zeigen sein wird, hat die Beschwerdeführerin auch da nn Anspruch auf eine ganze Rente, wenn man dem Einkommensvergleich das von der IV-Stelle er mittelte - und von der Beschwer- deführerin als zu tief erachtete - Valideneinkommen von Fr. 65'568.-- zu Grunde legt. 8.3.2 Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch reali- sierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist primär von d er beruflich-erwerblichen Situati- on auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steh t (BGE 129 V 475 E. 4.2.1). Ein von ihr tatsächlich erzielter Verdienst bleibt jedoch, für sich allein betrachtet, grundsätzlich kein Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht genügendes Kriterium für die Bemessung der Erwerbsunfähigkeit und damit des Invaliditätsgra- des. Als Invalidenlohn kann der tatsächlich erzielte Verd ienst nur gelten, wenn - kumulativ - be- sonders stabile Arbeitsverhältnisse eine Bezugnahme auf den allgemeinen Arbeitsmarkt prak- tisch erübrigen, wenn die versicherte Person eine Tätigkei t ausübt, bei der anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und wenn das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint (ULRICH MEYER -BLASER , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], in: Murer/Stauffer, [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrech t, 2. Auflage, Zürich/Basel/ Genf 2010, S. 308). Vorliegend ist die Beschwerdeführ erin nach wie vor als Heimarbeiterin für die C.____ AG tätig. In den letzten Jahren erzielte sie im Rahmen dieser Tätigkeit jährliche Ein- kommen zwischen mindestens Fr. 12'868.70 (im Jahr 2006) u nd höchstens Fr. 18'894.-- (im Jahr 2008), wobei sich der Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2011 auf Fr. 15'798.40 belief. Diese Zahlen machen deutlich, dass die einzelnen Jahreslöhne, welche die Versicherte im Rahmen dieser Heimarbeit erzielt, doch recht erheblichen Schw ankungen unterliegen. Somit kann aber bei der Ermittlung des Invalideneinkommens der Beschwer deführerin nicht auf diese von ihr effektiv erzielten Einkommen abgestellt werden. Wie vorst ehend ausgeführt, kann der tatsäch- lich erzielte Verdienst nur dann als Invalidenlohn gelte n, wenn - unter anderem - besonders stabile Arbeits- und eben auch stabile Lohnverhältnisse vorliegen. Diese Voraussetzung ist in casu nicht gegeben. Dazu kommt, dass nicht hinreichend geklä rt ist, ob die Versicherte mit die- ser Tätigkeit für die C.____ AG die ihr verbliebene A rbeitsfähigkeit pensummässig in zumutba- rer Weise voll ausschöpft. Unter diesen Umständen rechtf ertigt es sich, das Invalideneinkom- men der Beschwerdeführerin unter Beizug der Tabellen löhne der Schweizerischen Lohnstruk- turerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik zu ermitteln (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Gemäss Tabelle TA1 der LSE 2008 belief sich für die mit einfachen und repetitiven Aufgaben (Anforderungs niveau 4) beschäftigten Frauen der Durchschnittslohn sämtlicher Sektoren im Jahre 2008 auf Fr . 4'116.-- (LSE 2008, Tabelle TA1, Frauen, Total Ziff. 01-93). Dabei ist zu beachten, da ss dieser Tabellenlohn auf einer einheitli- chen Arbeitszeit von 40 Wochenstunden beruht und für das Jahr 2008 auf die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41,6 Stunden (vgl. Die Volkswirtscha ft 9/2010 S. 98 Tabelle B 9.2) um- zurechnen ist. Daraus resultiert ein Monatslohn von Fr. 4' 280.65, bzw. ein Jahresgehalt von Fr. 51'368--. Da die Versicherte laut den massgebende n medizinischen Unterlagen (vgl. E. 6 und 7 hiervor) in einer solchen Tätigkeit noch zu 40 % arbeitsfähig ist, ergibt dies für die Be- schwerdeführerin grundsätzlich ein Invalideneinkommen von Fr. 20'547.-- (Fr. 51'368.-- x 40 %). 8.3.3 Von diesem anhand der Tabellenlöhne der LSE e rhobenen Invalideneinkommen sind praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das damalige EVG seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterentwickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen de s konkreten Einzelfalles abhängt (leidensbedingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dien stjahre, Nationalität/Aufenthaltskate- gorie und Beschäftigungsgrad), welche nach pflichtgemä ssem Ermessen gesamthaft zu schät- zen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesam t höchstens 25% zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). Vorliegend hat die IV-Stelle in de n angefochtenen Verfügungen einen Abzug Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom Tabellenlohn von 10 % vorgenommen. Demgegenüber v ertritt die Beschwerdeführerin in ihrer Replik die Auffassung, dass in ihrem Fall die Gew ährung des Maximalabzuges von 25 % angemessen sei. Dieser Auffassung der Versicherten kann n icht beigepflichtet werden. Ange- messen erscheint vorliegend unter Würdigung der gegeben en Umstände und in Berücksichti- gung aller in Betracht fallender Merkmale die Gewähru ng eines Abzuges vom Tabellenlohn in der Höhe von 10 – 15 %, gilt es doch zu beachten, dass die Auswirkungen der vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen mit der Annahme einer 60 %-igen Arbeitsunfähigkeit schon zu einem beträchtlichen Teil berücksichtigt sind. Ob der Abzug nun allerdings auf 10 % oder auf 15 % festzusetzen ist, kann letztlich aber ebenfalls of fen bleiben. Die nachfolgenden Berech- nungen zeigen, dass die Versicherte auch dann einen Ansp ruch auf eine ganze Rente hat, wenn man ihr mit der IV-Stelle lediglich einen 10 %-igen Abzug vom Tabellenlohn gewährt. 8.3.4 Nimmt man einen 10 %-igen Abzug vom Tabellenlo hn vor, so resultiert daraus ein massgebendes Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin von Fr. 18'492.-- (Fr. 20’547.-- x 90 %). Setzt man im Einkommensvergleich diesen Betrag d em Valideneinkommen von Fr. 65’568.-- (vgl. E. 8.3.1 hiervor) gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 47'076.--, was einen Invaliditätsgrad von 71,8 % bzw. gerundet (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 ff.) von 72 % ergibt. 8.3.5 Der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin beläu ft sich somit im Zeitraum ab Mitte August 2008 auch dann auf mehr als 70 %, wenn man dem Einkommensvergleich das von der IV-Stelle ermittelte - und von der Beschwerdeführerin als zu tief erachtete - Valideneinkommen von Fr. 65'568.-- zu Grunde legt und wenn man bei der Bemessung des Invalideneinkommens mit der IV-Stelle lediglich einen - von der Versicherte n als unzureichend bezeichneten - Abzug von 10 % vom Tabellenlohn vornimmt. 9. Aus dem Gesagten ergibt sich zusammenfassend, dass bei der Versicherten ab 5. September 2007 (Ablauf des Wartejahres) bis Mitte A ugust 2008 ein Invaliditätsgrad von 100 % vorgelegen hat und dass dieser seither, d.h. ab Mitte August 2008 bis auf Weiteres (mindestens) 72 % beträgt. Bei einem Invaliditätsgrad von durchgehend mehr als 70 % hat die Beschwerdeführerin aber mit Wirkung ab 1. September 2 007 Anspruch auf eine unbefristete ganze Rente. In Gutheissung der Beschwerde sind deshalb d ie angefochtenen Verfügungen vom 26. August 2010/9. September 2010, mit denen die IV-Stelle der Versicherten für die Zeit- räume vom 1. September 2007 bis 31. August 2008 bzw. v om 1. September 2008 bis 31. De- zember 2008 befristet eine ganze bzw. eine halbe Rente zugesprochen und mit denen sie gleichzeitig einen weiteren Rentenanspruch ab 1. Janua r 2009 abgelehnt hat, aufzuheben und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin mit Wirku ng ab 1. September 2007 Anspruch auf eine unbefristete ganze Rente hat. 10.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahren s- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist d ie Beschwerdeführerin obsiegen- de und die IV-Stelle unterliegende Partei. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstan zen - vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten au ferlegt werden. Aufgrund dieser Be- stimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterlie gens nicht für die Verfahrenskosten auf- zukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden P rozess keine Verfahrenskosten er- hoben werden. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 10.2.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherung sträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in A uftrag gegebenen MEDAS-Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesger icht weiter, mit der zitierten Bestim- mung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend war das Gericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 18. November 2011 zum Ergebnis gelangt, dass ein Entscheid in der Angelegenheit gest ützt auf die damals vorhandene Aktenla- ge nicht möglich war. Für eine abschliessende Beurteilung des Rentenanspruchs der Versicher- ten war das zwischenzeitlich in Auftrag gegebene Gerichts gutachten der Klinik E.____ vom 6. Juni 2012 unerlässlich. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind demnach dessen Kosten, welche sich gemäss Honorarrechnung vom 4. Juli 2012 auf Fr. 9'000.-- belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. 10.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin hat in seiner Honorarnote vom 5. Oktober 2012 für das vorliegende Verfahren nebst Aus- lagen von Fr. 271.85, welche zu keinen Beanstandungen Anlass geben, einen ausserordentlich hohen Zeitaufwand von insgesamt 39,8 Stunden geltend gemacht. Der vorliegende Prozess war zwar im Vergleich zu einem durchschnittlichen IV-rechtlichen Beschwerdeverfahren, in wel- chem bei Obsiegen erfahrungsgemäss ein Zeitaufwand zwischen zehn und 14 Stunden ent- schädigt wird, deutlich aufwändiger, galt es doch berei ts bis zur ersten Urteilsberatung vom 18. November 2011 eine beträchtliche Zahl an ärztliche n Berichten und Gutachten zu prüfen und zu würdigen. In der Folge kamen weitere, nicht u nerhebliche zeitliche Bemühungen im Zu- sammenhang mit der Gutachterernennung und insbesondere mit der Würdigung des umfang- reichen Gerichtsgutachtens hinzu. Zu berücksichtigen gilt es sodann, dass im vorliegenden Be- schwerdeverfahren nicht nur der medizinische Sachverhalt, sondern auch verschiedenste As- pekte des erforderlichen Einkommensvergleichs strittig ware n, was diesbezüglich wiederum zu Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht eher überdurchschnittlich aufwändigen tatsächlichen un d rechtlichen Erörterungen Anlass gab. Nichtsdestotrotz muss der ausgewiesene Zeitaufwand von 39, 8 Stunden - vor allem auch im Quervergleich zu anderen aufwändigen Beschwerdeverfahren - als zu hoch bezeichnet werden. Der geltend gemachte Aufwand muss daher aus Gründen de r Rechtsgleichheit angemessen gekürzt werden und es rechtfertigt sich, das Honorar - w ie auch der Rechtsvertreter der Be- schwerdeführerin in seinem Begleitschreiben vom 5. Oktob er 2012 zur Kostennote festhält - nach richterlichem Ermessen festzusetzen. Unter Berücksichtig ung der gesamten Umstände erscheint es angemessen, der obsiegenden Versicherten fü r das vorliegende Beschwerdever- fahren eine reduzierte Parteientschädigung von pauschal Fr. 7’000.-- (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden die ange fochtenen Verfügun- gen der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 26. August 2010 und 9. September 2010 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Be- schwerdeführerin mit Wirkung ab 1. September 2007 Ans pruch auf eine unbefristete ganze IV-Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 9'000.-- werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine redu- zierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 7'000. -- (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht