B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6807/2024 law/blp U r t e i l v o m 23 . J a n u a r 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richter Simon Thurnheer; Gerichtsschreiber Patrick Blumer. Parteien A._______, geboren am (…), Russland, (…), Beschwerdeführerin, Gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 26. September 2024 / N (…). D-6807/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 26. Juli 2022 in der Schweiz um Asyl nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region B._______ zugewiesen. A.b Das SEM befragte sie am 18. August 2022 gemäss Art. 5 Verordnung (EU) Nr. 604/213 und verfügte am 15. Dezember 2022 einen Nichteintre- tensentscheid mit einer Wegweisung in den zuständigen Dublin-Staat. Mit Verfügung vom 6. Juli 2023 nahm das SEM ihr Asylgesuch im nationalen Verfahren wieder auf. A.c Am 7. Mai 2024 wurde sie vom SEM in Anwesenheit der ihr zugewie- senen Rechtsvertretung gemäss Art. 29 AsylG (SR 142.31) zu den Asyl- gründen angehört. Alsdann verfügte das SEM am 8. Mai 2024, das Asyl- gesuch der Beschwerdeführerin werde im erweiterten Verfahren behandelt und hörte sie am 11. Juli 2024 ergänzend an. B. Das SEM stel lte mit Verfügung vom 26. September 2024 (eröffnet am 27. September 2024) fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlings- eigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch vom 26. Juli 2022 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und stellte fest, sie sei v erpflichtet, das Staatsgebiet der Schweiz sowie den Schengen -Raum bis am Tag nach Eintritt der Rechtskraft dieser Verfügung zu verlassen, dies zur Rückreise in ihren Heimatstaat beziehungsweise ihren Herkunftsstaat oder zur Wei- terreise in ein Land, das sich ausserhalb des Schengen-Raumes befindet und in dem sie aufgenommen werde, verbunden mit dem Hinweis, wenn sie ihrer Verpflichtung nicht innert Frist nachkomme, könnte die Wegwei- sung unter Zwang vollzogen werden. Gleichzeitig beauftragte das SEM den Kanton C._______ mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte der Beschwerdeführerin die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeich- nis aus. C. Mit Eingabe vom 28. Oktober 2024 erhob die Beschwerdeführerin gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Bes chwerde. In dieser wurde beantragt, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihr Asyl zu gewähren. Es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und di e vorläufige Aufnahme sei anzuordnen. In ver -D-6807/2024 Seite 3 fahrensrechtlicher Hinsicht wurde zudem beantragt, es sei der Beschwer- deführerin die unentgeltliche Prozessführung samt Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses und Beiordnung eines amtlichen Rechts- beistandes zu gewähren. D. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 30. Oktober 2024 den Eingang der Beschwerde. E. Mit Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2024 stellte der Instruktions- richter fest, die Beschwerdeführerin dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wies er die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistan- des ab und forderte sie auf, bis zum 7. Januar 2025 einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu leisten, dies mit dem Hinweis, auf die Beschwerde werde nicht eingetreten, wenn der Kostenvorschuss innert Frist nicht bezahlt werde. Sodann hielt er fest, dass bei Ausbleiben der Zahlung innert Frist und unveränderter beziehungsweise nicht wesentlich veränderter Sach- lage ein allfälliges weiteres Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, Kostenvorschusserlass oder -reduktion, Ratenzahlung oder Fristverlängerung abgewiesen und auf die Beschwerde ohne Ansetzen ei- ner Nachfrist nicht eingetreten werde. F. Die Beschwerdeführerin leistete den Kostenvorschuss am 6. Januar 2025. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 In der Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2024 wurde festgestellt, dass das Bundesverwaltungsgericht zur Behandlung der Beschwerde zu- ständig, die Beschwerdeführerin zur Einreichung der Beschwerde legiti- miert und diese frist - und formgerecht eingereicht worden ist (vgl. a.a.O. E. 1.1 und 1.2). Nachdem der ein verlangte Kostenvorschuss innert ange- setzter Frist bezahlt wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten. D-6807/2024 Seite 4 1.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eine s zweiten Richter s entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb auf einen Schriftenwechsel zu verzich- ten und der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Begründete Furcht vor Verfolgung besteht nach konstanter Rechtspre- chung nur dann, wenn hinreichend Anlass zur Annahme besteht, die be- hauptete Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen – eine bloss entfernte Möglichkeit künfti- ger Verfolgung genügt nicht (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2). 3.3 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerun g oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhal- tung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 1 AsylG). 4. 4.1 Die Beschwerdeführerin führte anlässlich ihrer Anhörungen zu ihren Asylgründen vom 7. Mai 2024 und 11. Juli 2024 zu ihrem persönlichen und familiären Hintergrund aus, sie sei Tschetschenin, geboren und die ersten Jahre aufgewachsen im Dorf D._______ in der Republik E._______ in der D-6807/2024 Seite 5 russischen Föderation. Ab 2007 habe sie i n F._______ gelebt. Seit den beiden Tschetschenienkriegen werde ihre Familie von den Behörden ver- folgt und als Terroristen betrachtet, da sie damals gegen die Russ en ge- kämpft habe. Auch die aktuelle Regierung in Tschetschenien stehe unter russischem Einfluss: Ihre Onkel und Cousin seien gekidnappt worden; ihr Vater, G._______, sei seit 2003/2004 im Gefängnis; ihre biologische Mutter gelte seit April 2004 als verschollen. Deswegen sei sie bei ihrer Grossmut- ter aufgewachsen und später sei deren Tochter, H._______ (N […]), zu ih- rem offiziellen Vormund ernannt worden. Zur Begründung ihres Asylgesu- ches machte sie im Wesentlichen geltend, dass am (…) 2022 Letztere, ihre Tante, angerufen worden sei, dass sie beide ihren Vater , G._______, in Tschetschenien im Gefängnis im Quartier I._______ treffen könnten. Sie seien jedoch nicht dorthin gegangen, weil sie gehört hätten, dass Leute, die Familienmitglieder dort besuch t hätten , nicht mehr zurückgekehrt seien. Am (…) 2022 seien sie und ihre Tante zum ROWD (regionale Abtei- lung des Ministeriums für Innere Angelegenheiten; Anmerkung BVGer) vor- geladen worden, wo man sie gefragt habe, warum sie damals nicht zum Treffen mit ihrem Vater gekommen sei. Man habe sie auch nach ihren Plä- nen gefragt und sie danach wieder gehen lassen. Am gleichen Tag sei sie und ihre Tante von einem schwarzen Auto angehalten worden. Zwei Män- ner seien ausgestiegen und hätten ihr zu verstehen gegeben, dass sie beide einsteigen sollten. Sie seien dann ins ROWD vom Quartier J._______ gebracht worden, wo sie schon am Morgen befragt worden seien. Zuerst seien sie beide in eine Zelle gebracht worden, in der sich schon andere und jüngere Frauen aufgehalten hätten. Später seien sie ge- trennt in verschiedene Büros gebracht worden. Man habe sie an einen Tisch gesetzt. Ein Mann habe das Gespräch mit ihr geführt, zwei andere seien im Büro hin und her gelaufen. Es seien auch Geräte zu sehen gewe- sen, die Foltergeräten geglichen hätten. Man habe sie dann angeschrien und ihr mitgeteilt, dass sie ohnehin schon zu lange am Leben geblieben sei. Es seien ihr zwei Fotografien gezeigt worden, auf denen sie zwei ihrer Tanten erkannt habe, die in der Vergangenheit entführt und in die Luft ge- sprengt worden sein sollen. Man habe ihr gesagt, dasselbe würde auch sie beide erwarten, und ihr gedroht, sie in die K._______ oder eine andere Stadt zu schicken, beziehungsweise später in den Keller zu bringen, in dem Frauen physisch gefoltert werden würden. Im Verlaufe dieses Verhörs sei der Mann, der mit ihr gesprochen habe, angerufen worden. Danach habe man ihr gesagt, dass sie zurück in die gemeinsame Zelle gehen könne. Am nächsten Morgen hätten sie beide den Ort verlassen können. Des Weiteren habe einige Zeit zuvor ein Vertrauter von Kadyrov bei der Sporthalle be- gonnen, ein persönliches Interesse an ihr zu zeigen. Er habe gefragt, wie D-6807/2024 Seite 6 alt sie sei und wie sie heisse. Dieser habe in den folgenden Tagen wieder- holt dort auf sie gewartet, sodass sie im A nschluss nicht mehr zur Sport- halle gegangen sei. Ihr sei klar gewesen, dass dieser Mann sie nicht mehr in Ruhe lassen werde. Wegen dieser Vorfälle – der Verfolgung durch die Behörden und die mögliche Zwangsheirat mit einem Kadyrov-Vertrauten – sei sie geme insam mit ihrer Tante am 24. Juli 2022 ausgereist. Bei einer Rückkehr dorthin warte der Tod auf sie. Zum Nachweis ihrer Identität reichte die Beschwerdeführerin ihren russi- schen Reisepass, ausgestellt am (…) 2022 (in Kopie), eine Geburtsur- kunde, eine Namen sänderungsurkunde, eine Vaterschaftsurkunde, je im Original sowie als Beweismittel Screenshots von Beiträgen in den Sozialen Medien, das Duplikat ihres russischen Reisepasses und die Vorladung für den Militärdienst (je in Kopie) ein. 4.2 4.2.1 Das SEM führt in der angefochtenen Verfügung zur Begründung sei- nes Entscheides im Wesentlichen aus, dass ihre Vorbringen den Anforde- rungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhal- ten würden. Bei offensichtlich fehlender flüchtlingsrechtlicher Relevanz könne darauf verzichtet werden, auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente in ihren Vorbringen einzugehen. Im Einzelnen hält es im Wesentlichen fest, aus den Aussagen der Be- schwerdeführerin und den eingereichten Beweismitteln zu ihren Vorbrin- gen liessen sich keine gegenwärtige oder fortwährende flüchtlingsrechtlich relevante Reflexverfolgung aufgrund ihrer Familie/Verwandtschaft für sie persönlich ableiten. Zwar verweise sie auf Aussagen von Kadyrov und Bei- spiele aus den sozialen Medien; konkrete individuelle Hinweise, die eine aktuelle oder zukünftige Furcht deswegen begründen könnten, seien je- doch nicht ersichtlich. Ebenso wenig weise ihre Tante, mit der sie gemein- sam ihr Heimatland verlassen habe, ein Risikoprofil auf, um in dieser Sa- che eine flüchtlingsrechtliche Relevanz für sie entfalten zu können. Die Befragung von ihr und ihrer Tante am (…) 2022 sei der einzige Vorfall, der ihre subjektive Furcht im Zusammenhang mit ihrem Ausreisezeitpunkt damals, nachvollziehbar erscheinen lasse, obwohl die Tatsache, dass sie schon am nächsten Tag aus der Haft entlassen worden sei, nicht auf star- kes Interesse an ihrer Person hin weise. Zudem würde diese Sache auf eine regionale beziehungsweise lokale Begebenheit hindeuten; zumal da- nach, als sie in L._______ gewartet habe, nichts mehr vorgefallen sei, sie D-6807/2024 Seite 7 ohne Probleme habe ausreisen können und nach ihrer Ausreise nur noch ein Vorfall aufgetreten sei, der sie persö nlich betreffe: die Vorlandung (recte: Vorladung) zum Militärdienst. Die Beschwerdeführerin – so das SEM weiter – mache Nachteile geltend, die sich aus lokal oder regional beschränkten Verfolgungsmassnahmen ableiten würden. Aus ihren und den Akten ihrer Tante seien keine konkre- ten Hinweise ersichtlich, um ein Risikoprofil für sie zu begründen, das eine fortwährende Bedrohung durch diesen Kadyrov -Mann, geschweige denn das Kadyrov -Regime selbst ausserhalb der Republik Tschetschenien nachvollziehbar erscheinen lasse. Auch wenn solche durch das Kadyrov - Regime ergriffenen Massnahmen gegenüber missliebige n Personen durchaus auch innerhalb der russischen Föderation bekannt seien, erfülle sie nicht die in diesem Zusammenhang gängigen Kriterien. Einer rein hy- pothetischen Bedrohung auch in einer anderen Region Russlands ausge- setzt zu sein, reiche nicht aus, um eine innerstaatliche Fluchtalternative auszuschliessen, wenn keine hinreichenden spezifischen und direkt auf sie bezogenen Anzeigen in diesem Sinne erkennbar seien. Abgesehen davon, dass die Möglichkeit Militärdienst leisten zu müssen, keine automatisch flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalte, sei zweifelhaft, inwiefern eine solche in ihrem Falle tatsächlich vollzogen werde. Zwar seien Fälle von Zwangsrekrutierung en in Tschetschenien bekannt, dies treffe jedoch ausschliesslich auf bestimmte männliche Gruppen zu; Zwangsrekrutierungen von Frauen seien keine bekannt. Es scheine somit unwahrscheinlich, dass sie tatsächlich rekrutiert und später eingezogen werden würde, zumal nicht einmal klar sei, ob sie überhaupt als diensttaug- lich qualifiziert werde. Zudem werfe ihre dazu eingereichte Vorladung Fra- gen auf, die Zweifel an deren Authentizität aufkommen liessen. Bei solchen Vorladungen würden die Personen an die entsprec henden Oblast-Stellen in der Nähe ihrer offiziellen Wohnadresse einberufen. Weshalb bei ihrer Vorladung das Oblast L._______ mit der entsprechenden Kennzeichen- nummer verzeichnet worden sei anstatt diejenige der Republik Tschetsche- nien gemäss ihrer angegebenen Wohnadresse in F._______ sei nicht plau- sibel und schlüssig. Bei der Vorladung ihrer Tante sei augenscheinlich die entsprechende Kennziffer für M._______ verwendet worden. Es müsste schon ein sehr grosser Zufall sein, dass sie beide gleichzeitig eine Vo rla- dung zum Militärdienst erhalten würden, diese dann aber in circa zweitau- send Kilometer auseinanderliegenden Oblasten zu ihrer offiziellen Wohn - adresse ausgestellt worden seien. D-6807/2024 Seite 8 4.2.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, dass der ausschlaggebende Punkt für ihre Flucht ihre Festnahme im (…) 2022 ge- wesen sei. Diese sei unter dem Vorwand, dass sie ihren Vater habe besu- chen dürfen, geschehen. Dieser sei seit 20 Jahren inhaftiert. Dies zeige bereits, wie mit Angehörigen von «Widerstandskämpfern» u mgegangen werde. Es sei allgemein bekannt, dass in Tschetschenien die Angehörigen von als Widerstandskämpfer betrachteten Menschen verfolgt würden. Sie habe bis zu diesem Punkt unter der Angst der Verfolgung gelitten. Aber mit der Inhaftierung und der psyc hischen Folter, die sie dort erlebt habe, sei doch klar eine Intensität erreicht worden, welche zeige, dass sie dem Tod bereits geweiht sei. Das SEM könne nicht verstehen, weshalb sie nach re- lativ kurzer Zeit – für sie seien es jedoch Stunden in der Hölle – wieder freigelassen worden seien. Sie habe jedoch klar dargelegt, dass diese Frei- lassung auf den Kadyrow-Mann zurückzuführen gewesen sei. Dieser habe sie für sich haben wollen und durch die Freilassung wohl auch seine Macht demonstrieren wollen. So würden diese Leute vor gehen; sie würden so weit einschüchtern, dass man gar keinen Ausweg mehr sehe und sich für die vermeintlich sicherere Alternative entscheide und sich dem Regime hin- gebe. Sie habe jedoch nichts als Gewalt zu erwarten. Sie würde miss- braucht werden und schlussendlich sterben. Sie habe vor einigen Wochen eine Sprachnachricht des Mannes erhalten. Sie habe diese auf einen USB- Stick dieser Beschwerde beigelegt. Es sei eine Drohnachricht und der Mann sage, dass sie wissen würden, dass sie (die Besc hwerdeführerin) weggelaufen sei und wohin. Er drohe, dass sie kein Leben zu Hause haben würden. Sie habe sehr grosse Angst vor diesen Leuten und könne unter keinen Umständen auch nur in die Nähe zurückkehren. Das SEM schreibe konsequent von ihrer Tante. Ihr sei aber wichtig zu be- tonen, dass sie ihre Pflegemutter sei. Sie hätten eine Mutter -Tochter-Be- ziehung, sodass klar sei, dass sie um ihr Wohl besorgt sei und die Ausreise sich aufgedrängt habe, als die zusätzliche Gefahr einer Entführung durch das Kadyrow-Regime sich abgezeichnet habe. Das SEM gehe davon aus, dass es sich nur um eine regionale Verfolgung handle und dass sie sich an einem anderen Ort in Tschetschenien oder dann ausserhalb der Republik innerhalb Russlands niederlassen könne. Sie werde aber d och von den Behörden verfolgt. Diese würden sie auch an anderen Orten auffinden können, weshalb es ihr nicht möglich sei, aus- serhalb F._______ ein Leben zu führen. Die Kadyrow-Männer würden auch ein weites Netz pflegen und sie könnte überall leicht aufgefunden werden. D-6807/2024 Seite 9 4.2.3 In der Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2024 wurde festgehal- ten, dass die Einwände in der Beschwerde nicht geeignet seien, um hin- sichtlich der Frage der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung zu einer von derjenigen des SEM abweichende n Beurteilung zu gelangen. Diese Einschätzung ist auch nach einer erneuten Prüfung der Akten zu be- stätigen. So hat das SEM zutreffend auf den fehlenden zeitlichen Kausal- zusammenhang, die mangelnde flüchtlingsrechtliche Intensität und die feh- lende begründete Furcht vor einer gegenwärtigen und zukünftigen Verfol- gung hingewiesen. Zu Recht hat es zudem den Schluss gezogen, dass die Beschwerdeführerin kaum als diensttauglich qualifiziert und später einge- zogen werden dürfte. Zwecks Vermeidung von Wiederholungen kann auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung beziehungsweise auf die Zusammenfassung derselben in Erwägung 4.2.1 verwiesen werden. An der Beurteilung ihrer Vorbringen durch das SEM ändern auch die Einwände in der Beschwerde nichts, da die Beschwerdeführerin nebst der Wiederho- lung, von diesem Mann beziehungsweise dem Kadyrow-Regime bedroht zu werden, keine hinreichend konkreten Aspekte geltend macht, die dazu führen könnten, ihr eine begründete Furcht vor Verfolgung zu attestieren. Daran ändern auch die ihr angeblich per WhatsApp zugegangene Droh- nachricht, die sie per USB-Stick eingereicht hat, nichts, zumal keineswegs gesichert ist, dass es sich bei der darauf zu hörenden Stimme um diejenige des Kadyrow-Mannes handelt, der angebliche an ihrer Person interessiert sei. Ergänzend festzuhalten bleibt, dass auf blossen Mutmassungen ba- sierenden Befürchtungen vor künftiger Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinne nicht begründet sind. 4.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass das SEM zu Recht die Flüchtlings- eigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und das Asylgesuch abge- lehnt hat. 5. 5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50, je m.w.H.). 5.2 Das SEM hat sodann überzeugend ausgeführt, weshalb der Wegwei- sungsvollzug vorliegend zulässig, zumutbar und möglich sei (vgl. ange-D-6807/2024 Seite 10 fochtene Verfügung Ziff. III). Die Ausführungen in der Beschwerde, wonach die Beschwerdeführerin in Russland keine näheren Verwandte habe und über keine Arbeitserfahrung verfüge, führen zu keinem anderen Schluss. Es erübrigen sich mithin weitere Erörterungen in diesem Zusammenhang und es kann vollumfänglich auf die Erwägungen in der angefochtenen Ver- fügung verwiesen werden. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind die Kosten dessel- ben von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der am 6. Januar 2025 in derselben Höhe eingezahlte Kos- tenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-6807/2024 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Der eingezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrens- kosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Patrick Blumer