Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. August 2017 (720 17 73 / 203) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Hormoninaktiver Tumor beeinträchtigt die Arbeitsfähigkeit nicht Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Bahnhofstrasse 1, 4133 Pratteln, B eschwerdeführer, vertre- ten durch Dr. Michael Kull, Advokat, Marktplatz 18, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1958 geborene A.____ arbeitete zuletzt in ei nem 100%-Pensum als Bauarbeiter. Am 28. September 2012 rutschte er auf der Baustelle auf einem Kantholz aus und erlitt ein Dis- torsionstrauma des linken oberen Sprunggelenkes (OS G). Die MRT-Abklärung ergab Stress- Seite 2 frakturen der Metatarsalia (Mittelfussknochen) I, II und IV links. Am 21. August 2013 meldete er sich zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an. Zu den Sprunggelenksbeschwer- den kam im Dezember 2013 eine Rotatorenmanschetten-Pro blematik hinzu und im März 2015 wurde ein hormoninaktiver Tumor (Makroadenom) der Hypo physe diagnostiziert. Für die unfall- kausalen Fussbeschwerden sprach die Suva A.____ eine IV-R ente von 18% ab 1. März 2015 zu (vgl. Verfügung vom 20. Februar 2015). Zusätzlich rich tete sie ihm eine Integritätsentschädi- gung von Fr. 12'600.-- bei einer Integritätseinbusse von 10% aus. Die IV-Stelle gewährte ihm mit Verfügung vom 8. Februar 2017 eine befristete g anze IV-Rente für den Zeitraum 1. Februar 2014 bis 30. November 2014. Darüber hinaus lehnte sie eine Leistungspflicht ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Micha el Kull, mit Eingabe vom 3. März 2017 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversi cherungsrecht. Er beantragte die Ausrichtung einer unbefristeten ganzen IV-Rente. Event ualiter sei die Angelegenheit zur Neu- beurteilung der Sachlage für den Zeitraum ab 1. Dezem ber 2014 an die Vorinstanz zurückzu- weisen. C. Mit Vernehmlassung vom 17. Mai 2017 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 3. März 2017 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine unbefristete IV- Rente hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des IV-Grades bildet d ie Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die Seite 4 versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4. Die IV-Stelle ging gestützt auf die überwiegend u nfallmedizinische Aktenlage davon aus, dass dem Versicherten ab dem 23. August 2014 eine adap tierte Tätigkeit im Umfang von 80% zumutbar sei. Die im März 2015 diagnostizierte Hirntumor erkrankung habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer sieht sich da gegen gesundheitsbedingt nicht in der Lage, das attestierte Pensum zu leisten. 5.1 Für die Beurteilung der vorliegenden Streitsache ist der medizinische Verlauf seit dem Unfall vom 28. September 2012 massgebend. Den SUVA-A kten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer beim Distorsionstrauma des linken OSG Stressfrakturen der Metatarsalia I, II und IV links erlitten hatte. Der Heilverlauf erwies sich als schwierig und der Versicherte wurde Seite 5 an Dr. med. B.____, FMH Orthopädie, zur weiteren Be handlung überwiesen. Dr. B.____ ver- ordnete zur Versorgung des verletzten Sprunggelenkes ein VACOped (Orthese mit Vakuumkis- sen; vgl. Zwischenberichte vom 19. Februar 2013, 5. Apri l 2013 und 22. April 2013). Die Be- schwerden besserten sich dadurch und die Wiederaufnahme d er Arbeit zu 50% wurde für den 8. April 2013 vorgesehen. Die Tätigkeit im Strassenbau erwies sich jedoch als zu belastend für den Fuss und der Arbeitsversuch musste abgebrochen werden . Da die Beschwerden wieder zunahmen, wurde eine SPECT-CT angeordnet. Der Befund vom 26. April 2013 sprach für eine erneute Stessfraktur im Köpfchen des Metatarsale IV lin ks und differenzialdiagnostisch für eine Pseudarthrose bei fehlender Konsolidation nach Stressf raktur im September 2012. Es bestan- den auch Hinweise für einen Morbus Sudeck. Ferner waren schwere, entzündlich aktivierte de- generative Veränderungen im Lisfranc-Gelenk des 2. Stra hles links erkennbar. Die weiteren konservativen Behandlungen brachten keine Besserung des Z ustandes. Dr. B.____ meldete den Versicherten deshalb zur Schmerztherapie an (vgl. Sch reiben vom 7. August 2013 sowie Notiz vom 19. November 2013). Es folgte eine neue medikamentöse Behandlung zur Linderung der Schmerzen. Zur Durchführung der empfohlenen Inf iltration im Rückenbereich konnte sich der Versicherte dagegen nicht durchringen (vgl. Bericht von Dr. med. C.____, FMH Orthopädie und Facharzt für interventionelle Schmerztherapie, vom 12. Dezember 2013). 5.2 Gemäss Zwischenbericht von Dr. B.____ vom 3. Februa r 2014 traten neu Schulter- schmerzen links auf. Er verwies diesbezüglich auf den MRT-Art hrographie-Bericht vom 24. Dezember 2013, wonach eine Tendinitis der Rotator enmanschette vorlag. Eine Ruptur sei fraglich. Die Beschwerden an der linken Schulter wurden als degenerativer Natur beurteilt (vgl. Bericht von Dr. med. D.____, FMH Chirurgie, vom 1. April 2014). Der Versicherte liess schliess- lich die von Dr. C.____ vorgeschlagenen Infiltrationen am 8., 16. und 25. April 2014 durchfüh- ren. Dr. C.____ berichtete, dass sich nach dieser Serie lumbaler Grenzstrang-Blockaden eine bis heute anhaltende 50%ige Beschwerdereduktion einges tellt habe. Da der Versicherte aber weiterhin sowohl im Alltag als auch in der Arbeitsfäh igkeit massiv eingeschränkt sei, sei eine stationäre Rehabilitation mit Evaluation der funktione llen Leistungsfähigkeit angezeigt (vgl. Schreiben vom 8. Mai 2014 und 25. Juni 2014). 5.3 Der Versicherte hielt sich vom 4. August 2014 bis zum 23. August 2014 stationär in der Klinik E.____ auf. Als Diagnosen wurde ein chronisches S chmerzsyndrom am linken Fuss und an der linken Schulter genannt. Trotz des multimodalen Therapieprogrammes und der medika- mentösen analgetischen Therapie habe bis zum Austritt k eine Linderung der Schmerzen er- reicht werden können, jedoch eine Verbesserung hinsichtli ch Gangbild und Gehdistanz. Eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit erfolge grundsätzlich nicht während eines statio- nären Rehabilitationsaufenthaltes. Eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ebenfalls nicht (vgl. Austrittsbericht vom 1. September 2014). 5.4 Am 3. Oktober 2014 fand die kreisärztliche Abschlussu ntersuchung statt. Dr. D.____ führte als unfallrelevante Diagnosen einen Status nach OSG-Distorsion links am 28. September Seite 6 2012, einen Status nach Stressfrakturen der Metatarsalia I, II und IV links sowie ein chronisches Schmerzsyndrom des linken Fusses an. Es liege ein Endzustand v or mit Minderbelastbarkeit und eingeschränkter Abrollfunktion des linken Fusses. Die Schulterbeschwerden seien nicht unfallbedingt, sondern degenerativer Natur. Die ange stammte Tätigkeit als Tiefbauarbeiter kä- me für den Versicherten nicht mehr in Frage; die Belas tungen seien zu gross. Tätigkeiten über- wiegend sitzender Natur seien dagegen ganztags zumutbar, auch mit kurzen stehenden oder gehenden Phasen, sofern der Grund eben sei. Arbeiten auf Leitern oder Gerüsten, Gehen in unebenem Gelände und Tätigkeiten in Zwangshaltung wi e in kauernder Stellung seien unge- eignet. 5.5 Wegen diffuser Kopfschmerzen und einer Karzinophobie wurde am 19. März 2015 eine MRT des Neurocraniums veranlasst, welche ein Hypophysenmakro adenom von 14x12x14 mm zeigte. Zur weiteren Beurteilung wurde der Versichert e seitens Dr. med. F.____, FMH Endokri- nologie/Diabetologie, an den Spezialisten für Hirn- u nd Schädelbasis-Tumore, Prof. Dr. med. G.____, FMH Neurochirurgie, überwiesen. Prof. G.___ _ untersuchte den Versicherten am 8. Juni 2015. Als Diagnosen nannte er ein mutmassliches, hormoninaktives Makroadenom der Hypophyse sowie ein chronisches Schmerzsyndrom "linker Fuss, li nke Schulter, linke Rücken- hälfte und nun Kopf". Der Hypophysenbefund sei als Inzidentalom (ein zufällig durch bildgeben- de Verfahren diagnostizierter Tumor) zu werten. Ein Gr ossteil dieser Befunde bleibe relativ lan- ge stationär. In Anbetracht der Gesamtsituation, der fehlenden Hypophysen-Ausfälle und des fehlenden Kontakts mit dem Chiasma opticum empfehle er eine bildgebende Nachkontrolle mit Sella (Schädelbasis)-MRT im März 2016 mit anschliessender Kontrolle in seiner Sprechstunde. Bei Wachstumstendenz wäre aufgrund der langen Lebenser wartung eine Operationsindikation zu stellen. Das Schmerzsyndrom sei polytopisch. Ein Zusammen hang zwischen den angege- benen Kopfschmerzen und dem hypophysären Befund sei äusser st unwahrscheinlich, zumal keine Zeichen für eine intratumorale Blutung hätten festgestellt werden können (vgl. Bericht vom 9. Juni 2015). 5.6 Am 14. März 2016 fand die Nachkontrolle bei Prof. G.____ statt. Dem Versicherten gehe es unverändert mit chronischen, vermutlich zervikogenen Kopfschmerzen sowie Schmerzen an der Schulter und am rechten Fuss. Die heutige MRT-Unte rsuchung zeige eine in etwa stationä- re Grösse des Makroadenoms der Hypophyse mit einem max. Durchmesser von 14-15mm. Indiziert seien endokrinologische und ophthalmologische Kontrollen einmal pro Jahr. Die Opera- tionsindikation sei aktuell nicht gegeben. Die Erwartung des Versicherten, dass ein Eingriff eine Besserung der Kopfschmerzen zur Folge hätte, sei unreali stisch. Die nächste Sella-MRT- Kontrolle sei erst wieder in zwei Jahren geplant. 5.7 Der RAD-Arzt Dr. med. H.____, FMH Arbeitsmedizin, nahm am 25. Februar 2016 sowie am 28. April 2016 Stellung zum medizinischen Sachverhal t. Er erachtete die Zumutbarkeitsbe- urteilung von Dr. D.____ als nachvollziehbar und schlüssig. Zudem habe das hormoninaktive Makroadenom der Hypophyse bisher keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Bei langsamem Seite 7 Wachstum könne das noch Jahre so bleiben. Aufgrund der chronischen Kopfschmerzen seien dem Versicherten jedoch vermehrte Pausen zuzugestehen. Hi nweise für eine psychosomati- sche Komponente gebe es nicht. Eine angepasste Verweistätigkeit von 80% sei zumutbar. 6. Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung der A rbeitsfähigkeit auf verschiedene fach- ärztliche Berichte. Als Basis diente die Einschätzung von Dr. D.____ vom 3. Oktober 2014, wel- cher die im Vordergrund stehende OSG-Verletzung beur teilte. Dr. D.____ hat sich eingehend mit dem Verletzungsbild auseinandergesetzt, den Versicher ten selbst untersucht und die Be- richte von Dr. B.____, Dr. C.____ sowie der Ärzte der K linik E.____ in seine Abschlussbeurtei- lung miteinbezogen. Die Diagnosen sind breit abgestütz t und die attestierte Arbeitsfähigkeit ist nachvollziehbar begründet. Auf die Würdigung von Dr. D.____ kann ohne weiteres abgestellt werden. Der Beschwerdeführer bringt denn auch konkret n ichts vor, das gegen die Richtigkeit der Einschätzung sprechen würde. Es stellt sich hingegen d ie Frage, ob die Schulterbeschwer- den, die wegen fehlender Kausalität unfallversicherungsr echtlich unberücksichtigt geblieben sind, im IV-Bereich gewichtet worden sind. Davon ist auszu gehen. Dr. H.____ ergänzte das Belastungsprofil von Dr. D.____ dahingehend, dass auch repetitive Überkopfarbeiten zu ver- meiden seien. Des Weiteren attestierte der RAD-Arzt im Vergleich zu Dr. D.____ eine reduzier- te Arbeitsfähigkeit von 80%, zwar um dem Pausenbedarf wegen der chronischen Kopfschmer- zen gerecht zu werden. Mit dieser Reduktion und dem ang epassten Arbeitsprofil darf aber da- von ausgegangen werden, dass auch den Schulterbeschwerden hinreichend Rechnung getra- gen worden ist. 7.1 Der Versicherte ist jedoch der Auffassung, dass das at testierte Arbeitspensum von 80% über seinen Möglichkeiten liege. Er sei voll arbeitsunfäh ig. Beleg dafür sei, dass er den Einsatz bei I.____, welcher vom Regionalen Arbeitsvermittlungsze ntrum für den Zeitraum 25. Januar 2016 bis 24. April 2016 organisiert worden sei, am erst en Tag aus gesundheitlichen Gründen habe abbrechen müssen, obwohl es sich um eine angepasste l eichte Tätigkeit gehandelt habe. Von seinem Hausarzt, Dr. med. J.____, FMH Allgemeinmedizin, sei er ab dem 26. Januar 2016 zu 100% krankgeschrieben worden. Andererseits leide er nu n auch an einem Hirntumor, wel- cher seine Arbeitsfähigkeit zusätzlich beeinflusse. 7.2 In den Akten befinden sich drei Arztzeugnisse von Dr. J.____, welche eine volle Arbeits- unfähigkeit wegen Krankheit vom 26. Januar 2016 bis 6. März 2016 bestätigen. Über die Grün- de für die attestierte Arbeitsunfähigkeit und den Kr ankheitsverlauf werden keine Angaben ge- macht. Aus den Akten des KIGA geht lediglich hervor, dass der Versicherte wegen "massiven Einschränkungen des Beines" seinen Einsatz habe beenden mü ssen. Diese vagen Angaben reichen nicht aus, um eine Unverwertbarkeit der Restar beitsfähigkeit zu begründen. Insbeson- dere gibt es keine Anhaltspunkte, die für eine aktuelle Verschlechterung des Gesundheitszu- standes sprechen würden. Seite 8 7.3 In Bezug auf den im März 2015 diagnostizierten Hirn tumor ist gestützt auf die neurochi- rurgischen Abklärungen davon auszugehen, dass dieser zurzeit die Arbeitsfähigkeit nicht beein- trächtigt. Insbesondere wurde ein Zusammenhang zwischen dieser Diagnose und den Kopf- schmerzen als äusserst unwahrscheinlich bezeichnet. Selbst de r Hausarzt ist hinsichtlich der Auswirkungen des Tumors auf die Arbeitsfähigkeit zu keinem anderen Schluss gekommen. 8. Im Ergebnis bieten die vorliegenden ärztlichen Unte rlagen ein schlüssiges Bild über die gesundheitliche Situation des Versicherten und die Beu rteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. D.____ mit Ergänzungen von Dr. H.____ ist plausibel . Weitere medizinische Abklärungen sind daher nicht angezeigt. Folglich ist heute mit de r IV-Stelle davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer ab 23. August 2014 den Einschränkunge n angepasste Tätigkeiten zu 80% zumutbar sind. 9. Gegen den Einkommensvergleich hat der Beschwerdefüh rer keine Einwände vorge- bracht. Dieser erweist sich denn auch als korrekt, weshalb auf die vorinstanzliche Berechnung verwiesen werden kann. Bei einem ermittelten IV-Grad von 35% ab dem 23. August 2014 be- steht über den 30. November 2014 hinaus kein Anspruch mehr auf eine IV-Rente (vgl. Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung ( IVV) vom 17. Januar 1961). Die Be- schwerde ist demgemäss abzuweisen. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfah ren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfa hrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt . Dem Beschwerdeführer ist mit Verfügung vom 3. April 2017 die unentgeltliche Prozessf ührung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung (vgl. Verfügung vom 3. April 2017) wird dem Rechtsvertreter ein Honorar in der Höhe von Fr. 841.40 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Dabei wurden praxisgemäss die Aufwen- dungen erst ab Verfügungszeitpunkt berücksichtigt. 11. Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 9 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 841.40 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus d er Gerichts- kasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht