Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. April 2021 (720 19 223 / 107; 720 19 250 / 108) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Vervollständigung und Klärung des massgebenden medizinischen Sachver- halts mittels ergänzender Fragen an die Administrativgutachter Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch J an Herrmann, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1973 geborene, zuletzt als Hauswart/Maler bei de r B.____ AG tätig gewesene A.____ meldete sich am 6. November 2015 unter Hinweis auf eine Diskushernie links und eine Spinalkanalverengung bei der Eidgenössischen Invalidenver sicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft klärte d ie gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse des Versicherten ab, insbesondere liess sie di esen durch die Dres. med. C.____, Neurologie FMH, und D.____, Psychiatrie und Psychothera pie FMH, bidisziplinär begutachten. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf der Grundlage der Expertise der beiden Fachärzte v om 1./8. Juni 2018 ermittelte die IV- Stelle beim Versicherten folgende Invaliditätsgrade: Ab 25. Juni 2016 (Ablauf des Wartejahres): 74 %, ab 1. Juli 2016: 56 % und ab 1. Januar 2017: 47 %. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle A.____ nach durchgeführtem Vorbescheidverf ahren mit Verfügung vom 27. Juni 2019 für den Zeitraum vom 1. Juni 2016 bis 30. Septemb er 2016 eine ganze Rente, für die Zeit vom 1. Oktober 2016 bis 31. März 2017 eine halbe Rente und mit Wirkung ab 1. April 2017 eine (unbefristete) Viertelsrente zu. B. Bereits kurz zuvor, mit Eingabe vom 24. Juni 2019, hatte Rechtsanwalt Jan Herrmann namens und im Auftrag von A.____ Beschwerde beim Kanto nsgericht, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht), erhoben und darin folgende Rechtsbegehren gestellt: „1. Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 22. Mai 2019 aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer ab 1. Oktober 2016 bis heute und auf weiteres eine halbe Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % zuzusprechen und auszurichten. 2. Eventualiter sei die Verfügung der Beschwerdegegn erin vom 22. Mai 2019 aufzuheben und es sei ein gerichtliches Ergänzungsgutachten bei Dr. C.___ _, Neurologie FMH, und Dr. D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, einzuholen und neu ü ber den Leistungsanspruch zu ent- scheiden. 3. Unter o/e-Kostenfolge zuzüglich Auslagen und Mehrwe rtsteuer zu Lasten der Beschwerdegegne- rin.“ Im Rahmen der Beschwerdebegründung ersuchte er ausserdem darum, seinem Mandanten die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung zu bewilligen. Als Anfech- tungsobjekt seiner Beschwerde reichte der Rechtsvertreter des Versicherten das Formular “Ver- fügung AK / Deckblatt für Rücksendung an IV-Stelle“ sam t Begründung der Rentenzusprache ein, welches in den von ihm beigezogenen IV-Akten gel egen hatte. Diesem vom Beschwerde- führer eingereichten “Anfechtungsobjekt“ liess sich der Umfang der zu erwartenden Rente und die Begründung des Rentenanspruchs entnehmen, was dem V ersicherten denn auch eine sachgerechte Beschwerdeführung ermöglichte. Das Kantonsgeri cht erachtete es deshalb aus prozessökonomischen Gründen als angezeigt, nach Eingang d er “verfrühten“ Beschwerde vom 24. Juni 2019 ausnahmsweise bereits ein formelles Beschwer deverfahren zu eröffnen. Gleich- zeitig sistierte es dieses jedoch am 26. Juni 2019 bis zum Vorliegen der in Aussicht stehenden formellen Rentenverfügung. Am 28. Juni 2019 teilte Rechtsanwalt Jan Herrmann dem Kantonsgericht mit, dass die formelle Rentenverfügung der IV-Stelle am 27. Juni 2019 ergangen sei. Da diese identisch mit dem Ver- fügungsentwurf sei, gegen welchen er versehentlich vorze itig Beschwerde erhoben habe, habe er seinen Ausführungen in der Beschwerdeschrift vom 24. Juni 2019 nichts hinzuzufügen. C. Mit Verfügung vom 2. Juli 2019 hob das Kantonsgerich t die Sistierung des Beschwer- deverfahrens auf. Zudem bewilligte es in dieser Verfü gung dem Beschwerdeführer gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorliegende Besch werdeverfahren die unentgeltliche Pro- zessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit R echtsanwalt Jan Herrmann als Rechtsvertreter. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Nachdem die IV-Stelle in ihrer Verfügung vom 27. Juni 2019 über den Rentenanspruch als solchen entschieden und vorerst die Ausrichtung der l aufenden Viertelsrente des Versicher- ten ab 1. August 2019 angeordnet hatte, setzte sie m it einer weiteren Rentenverfügung vom 25. Juli 2019 betragsmässig die dem Versicherten für den Zeitraum vom 1. Juni 2016 bis 31. Juli 2019 zustehenden Rentenbetreffnisse und die ih m auszurichtende Nachzahlung fest. Auch gegen diese Verfügung erhob A.____, wiederum ver treten durch Rechtsanwalt Jan Herr- mann, am 2. August 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin stellte er inhaltlich dieselben Rechtsbegehren wie in der Beschwerde vom 24. Juni 2019. E. Mit Verfügung vom 6. August 2019 legte das Kantonsg ericht die beiden Beschwerde- verfahren zwischen A.____ und der IV-Stelle betreffend die Rentenverfügungen vom 27. Juni 2019 und 25. Juli 2019 (Beschwerdeverfahren Nr. 720 19 323 und 720 19 250) zusammen. F. In ihrer Vernehmlassung vom 9. August 2019 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerden. Zudem legte sie ihren Ausführungen e ine Beurteilung von Dr. med. E.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, Regionaler Ärztlicher Die nst (RAD) beider Basel, vom 10. Juli 2019 bei. G. Abweichend vom bisherigen, jeweils in den Ziff. 2 d er Beschwerden vom 24. Juni 2019 und 2. August 2019 gestellten Rechtsbegehren beantragte der Beschwerdeführer in seiner Replik vom 27. August 2019 neu, eventualiter seien die Verfügungen vom 22. Mai 2019 und 25. Juli 2019 aufzuheben, es sei ein gerichtliches, bidisziplinäres (neurologisch-psychiatrisches) Gutachten einzuholen und im Anschluss sei neu über seine Leistungsansprüche zu befinden. Das bisherige, in den Ziff. 2 der Beschwerden gestellte Rechtsbegehren sei neu als Subeven- tualbegehren zum vorstehenden Eventualbegehren zu berücksich tigen. Im Übrigen hielt der Beschwerdeführer an seinen bisherigen Anträgen und wesentlichen Vorbringen fest. H. In seiner zu Handen der Beschwerdegegnerin verfassten Stellungnahme vom 16. Sep- tember 2019 hielt der RAD-Arzt pract. med. F.____, Fa charzt für Psychiatrie und Psychothera- pie, fest, dass eine abschliessende Beurteilung der Ange legenheit aus psychiatrischer Sicht nicht möglich sei und die Vorbringen des Beschwerdeführ ers im Rahmen der Replik formell zutreffend seien. Aus diesem Grund sei es angezeigt, zu r Klärung der betreffenden Punkte mit einer Rückfrage an die Gutachter Dres. med. C.____ un d D.____ zu gelangen. Gestützt auf diese Empfehlung beantragte die IV-Stelle in ihrer D uplik vom 18. September 2019, die Vor- bringen des Beschwerdeführers seien den Gutachtern zu unterbreiten. I. Anlässlich der Urteilsberatung vom 7. November 2019 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Ang elegenheit gestützt auf die vorhan- dene Aktenlage nicht möglich sei. Das Gutachten der D res. C.____ und D.____ vom 1./8. Juni 2018 lasse bezüglich der Arbeits- und Leistungsfähigkeit d es Versicherten Fragen offen. Es rechtfertige sich daher, wie dies die IV-Stelle in ihrer Duplik und der Beschwerdeführer als Sub- eventualbegehren in seiner Replik beantragt hätten, de n Gutachtern Dres. C.____ und D.____ ergänzende Fragen zu unterbreiten. Zusätzlich sei den beiden Fachärzten Gelegenheit zu ge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben, nachträglich zu zwei Abschlussberichten der beruflich en Abklärungen in den Institutionen G.____ bzw. H.____ Stellung zu nehmen. Diese beiden B erichte hatten im Zeitpunkt der Auf- tragserteilung an die Gutachter bzw. im Zeitraum, in welchem die Begutachtung erfolgt war, noch nicht vorgelegen. Das Kantonsgericht beschloss daher, die beiden Verfahren auszustellen und mit ergänzenden Fragen an die Gutachter Dres. C. ____ und D.____ zu gelangen. Im An- hang zu diesem Beschluss unterbreitete das Kantonsgericht d en Parteien den Entwurf des vor- gesehenen Fragenkatalogs. Die Parteien erklärten sich hiermit einverstanden, wobei der Be- schwerdeführer um Beantwortung einer zusätzlichen Frage ersuchte. In der Folge ergingen die entsprechenden Anfragen mit separaten Schreiben vom 9. März 2020 an die Dres. C.____ und D.____. K. Am 29. April 2020 liess Dr. D.____ dem Kantonsgeri cht sein Antwortschreiben zu- kommen, Dr. C.____ beantwortete die ihm unterbreitet en Fragen am 26. Juni 2020. Die Partei- en machten mit Eingaben vom 29. Juli 2020 von der Ge legenheit Gebrauch, zu diesen ergän- zenden Ausführungen der Gutachter Stellung zu nehmen. Anschliessend wurde die Angele- genheit mit Verfügung vom 5. August 2020 erneut dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekte der vorliegenden Verfahren bilden zwei Verfügungen der IV-Stelle Base l-Landschaft, sodass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen i st. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. Auf d ie Beschwerden des Versicherten vom 24. Juni 2019 und 2. August 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2019, 9C_609/2018, E. 3.2.2). 3.4 Zwar obliegt die abschliessende Beurteilung der sich aus einem Gesundheitsschaden ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit in der Ha uptsache dem Arzt oder der Ärztin und nicht den Fachleuten der Berufsberatung/beruflichen Eingliederung. Mit Blick auf die rechtspre- chungsgemäss enge, sich gegenseitig ergänzende Zusammena rbeit zwischen der Ärzteschaft und der Berufsberatung ist jedoch einer konkret leistu ngsorientierten beruflichen Abklärung nicht jegliche Aussagekraft für die Beurteilung der Res tarbeitsfähigkeit abzusprechen. Steht eine medizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher Dis- krepanz zu einer Leistung, wie sie während einer ausfüh rlichen beruflichen Abklärung bei ein- wandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz der versicherten Pe rson effektiv realisiert wurde und ge- mäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierba r ist, vermag dies ernsthafte Zweifel Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht an den ärztlichen Annahmen zu begründen und ist das Ei nholen einer klärenden medizinischen Stellungnahme grundsätzlich unabdingbar (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020, E. 5.2.1 mit Hinweisen). 4. Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszustan ds und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten bei den Dres. C.____ und D.____ das n eurologisch-psychiatrische Gutachten vom 1./8. Juni 2018 ein. 4.1 Im neurologischen (Teil-) Gutachten vom 1. Juni 20 18 erhob Dr. C.____ als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein mässig bis mittelschwer ausgeprägtes, linksbetontes Lumbovertebralsyndrom mit/bei (1) Status nach Dekompression L2/3 am 04.01.16 bei Spinal- kanalstenose und cranial sequestrierter Discushernie L2/ 3, (2) residuell sensibler radikulärer Ausfallssymptomatik L5 mehr als S1 links, (3) residuell d iskreter Asymmetrie beim Einbeinhüp- fen zu Ungunsten von links und (4) möglicher leichter radikulärer Reizsymptomatik links. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit des Versicherten führte Dr. C.____ Folgendes aus: Aufgrund der festgestellten Beeinträchtigungen könne der Explorand k eine körperlich schweren Tätigkeiten mehr ausüben. Repetitive mittelschwere Tätigkeiten und Lasten über 15 kg seien ihm ebenfalls nicht mehr zumutbar. Nicht mehr verrichten könne er sod ann repetitive Arbeiten über Kopf, im Knien, im Bücken, unter Rotation der Wirbelsäule und Tätigkeiten mit Zug- und Stossbelastung der Wirbelsäule sowie Arbeiten mit langen Zwangsstellun gen im Sitzen und Stehen und Tätig- keiten vorwiegend im Gehen. Die angestammte berufliche Tätigkeit als Maler könne der Versi- cherte aufgrund der dabei auftretenden körperlichen Be lastungen nicht mehr ausüben. Was mögliche zumutbare Verweistätigkeiten betreffe, sei davo n auszugehen, dass der Explorand körperlich leichte bis ab und zu mittelschwere Arbeiten ve rrichten könne, sofern die vorstehend beschriebenen Anpassungen beachtet würden. Dabei sei ein e Wechselbelastung anzustreben. Eine solche Tätigkeit könne dem Versicherten in vollem Pensum zugemutet werden, allerdings mit deutlich vermehrten Pausen und einer längeren Mit tagspause, damit er sich bewegen und entspannen könne. Aus diesem Grund könne das Rendeme nt bezogen auf ein Ganztagespen- sum auf 70 % eingeschätzt werden. Retrospektiv gesehen sei der Explorand bis etwa Ende April 2016 für sämtliche Tätigkeiten vollständig arbei tsunfähig gewesen. Seit Mai 2016 bestehe in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit vo n ca. 30 %, ab Juli 2016 eine solche von 50 % und seit Anfang 2017 eine 70 %-ige Arbeitsfähigkeit. 4.2 Dr. D.____ stellte im psychiatrischen (Teil-) Gutacht en vom 8. Juni 2018 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivier ende depressive Störung mit gegenwärtig leicht- bis mittelgradiger Episode (ICD-10 F33.0/1). A ufgrund dieses Leidens und unter gleich- zeitiger Mitberücksichtigung der eingeschränkten kognitiv-i ntellektuellen Ressourcen lasse sich aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten wie auch in einer alternativen Tätigkeit von 40 % begründe n, dabei mitberücksichtigt sei eine gleichzeitige gewisse Verminderung der Leistungsfähigk eit. Vorübergehend sei aufgrund von intensiveren depressiven Beschwerden ab Anfang 2016 von einer etwa 50%-igen Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit bis approximativ Ende 2016 a uszugehen, seither bestehe eine 40 %- ige Arbeitsunfähigkeit. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 In ihrer interdisziplinären Konsensbesprechung führte n die Dres. C.____ und D.____ zur Arbeitsfähigkeit aus, der Explorand sei in seiner an gestammten Tätigkeit als Maler seit En- de Juni 2015 nicht mehr arbeitsfähig. In angepasster Tätigkeit, wie sie im neurologischen Gut- achten beschrieben sei, sei der Versicherte spätestens ab Operationsdatum (04.01.16) bis En- de April 2016 ebenfalls nicht arbeitsfähig gewesen. Ab Mai 2016 bis Ende Juni 2016 habe für eine solche Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 30 % vorgelegen, ab Juli 2016 bis Ende 2016 habe die Arbeitsfähigkeit 50 % und ab Anfang 20 17 60 % betragen. Begründet seien die- se Einschränkungen sowohl aus neurologischer wie auch aus psychiatrischer Sicht, eine additi- ve Wirkung der Einschränkungen habe aus bidisziplinärer Sicht nicht festgestellt werden kön- nen. 4.4 In den angefochtenen Verfügungen vom 27. Juni 201 9 und 25. Juli 2019 stützte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszusta nds und insbesondere auch der Arbeits- fähigkeit des Versicherten auf die geschilderten Ergebniss e, zu denen die Dres. C.____ und D.____ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 1./8. Juni 2018 gelangt waren. 5.1 In seinen Beschwerden vom 24. Juni 2019 und 2. Aug ust 2019 beanstandete der Ver- sicherte, dass dieses Gutachten der Dres. C.____ und D.____ hauptsächlich an drei relevanten Mängeln leide. So sei die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ohne Diskussion und Begründung der abweichenden Einschätzung aus der ausführlichen berufli chen Abklärung erfolgt. Im Weiteren differenziere die Bezifferung der Restarbeitsfähigkeit im psychiatrischen Gutachten nicht zwi- schen in zeitlicher Hinsicht zumutbarem Arbeitspensum und (anerkanntermassen reduzierter) Leistungsfähigkeit und schliesslich werde die fehlende ad ditive Wirkung der somatischen und psychischen Beeinträchtigungen von den Gutachtern nicht begründet. 5.2 In seiner zu Handen der Beschwerdegegnerin verfasste n Stellungnahme vom 16. Sep- tember 2019 hielt der RAD-Arzt pract. med. F.____ fe st, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit aus psychiatrischer Sicht nicht möglich s ei und die Vorbringen des Be- schwerdeführers im Rahmen der Replik formell zutreffend seien. Zudem sei nicht klar, woran die Gutachter die Verbesserung der depressiven Beschwerde n ab Ende 2016 festmachen wür- den. Es sei deshalb angezeigt, zur Klärung der betre ffenden Punkte mit einer Rückfrage an die Gutachter Dres. C.____ und D.____ zu gelangen. Gestützt auf diese Empfehlung beantragte die IV-Stelle in ihrer Duplik vom 18. September 2019, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien den Gutachtern zu unterbreiten. 5.3 Anlässlich der Urteilsberatung vom 7. November 2019 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Ang elegenheit gestützt auf die vorhan- dene Aktenlage nicht möglich sei. Das Gutachten der D res. C.____ und D.____ vom 1./8. Juni 2018 vermöge zwar in verschiedener Hinsicht - wie insbeso ndere in der Beurteilung des Ge- sundheitszustands des Versicherten - zu überzeugen. Insoweit könne ihm bei der Beweiswürdi- gung denn auch volle Beweiskraft beigemessen werden. Gl eichzeitig pflichtete das Kantonsge- richt aber den übereinstimmenden Parteistandpunkten bei , wonach das Gutachten bezüglich einzelner Aspekte der Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Versicherten Fragen offen lasse. Es rechtfertige sich deshalb, wie dies die IV-Stelle in ih rer Duplik und der Beschwerdeführer als Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Subeventualbegehren in seiner Replik beantragt hätten, mit entsprechenden Ergänzungsfragen an die beiden Gutachter Dres. C.____ und D.____ zu gelangen. Zusätzlich sei den Gutachtern Gelegenheit zu geben, nachträglich zu den Abschlussberi chten der beruflichen Abklärungen in den Institutionen G.____ vom 9. März 2018 bzw. H.____ vom 28. Januar 2019 Stellung zu nehmen. Diese beiden Berichte hatten im Zeitpunkt der Auftragserteilung an die Gutachter bzw. im Zeitraum, in welchem die Begutachtung erfolgte, no ch nicht vorgelegen. Mit Beschluss vom 7. November 2019 entschied das Kantonsgericht deshalb, d ie beiden Verfahren auszustellen und den beiden Gutachtern Dres. C.____ und D.____ e rgänzende Fragen zu stellen. Nachdem es den Parteien den Entwurf des Fragenkatalogs vorgeleg t und diese sich damit einverstanden erklärt hatten, ersuchte das Kantonsgericht die Gutachte r um Beantwortung der folgenden Fra- gen: „1. Im psychiatrischen Teilgutachten (vgl. S. 16 oben) halten Sie fest, dass sich aus psychiatrischer Sicht in der zuletzt ausgeübten wie auch in einer alter nativen Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40 % begründen lasse. In dieser Einschätzung der Arbeitsfähigkeit differen- zieren Sie nicht zwischen in zeitlicher Hinsicht zumutbarem Arbeitspensum und anerkanntermas- sen reduzierter Leistungsfähigkeit. Bitte legen Sie d ar, ob die 40 %-ige Arbeitsunfähigkeit aus- schliesslich in Form einer Leistungsminderung (bei ei ner zumutbaren 100 %-igen Präsenz) be- steht oder ob die Arbeitsfähigkeit zusätzlich auch in ze itlicher Hinsicht eingeschränkt ist. Falls Letzteres zutrifft: Wie hoch sind die jeweiligen Einsch ränkungen (in zeitlicher Hinsicht und leis- tungsmässig) und wie wirken sie sich insgesamt auf die Arbeitsfähigkeit aus? 2. In ihrer Konsensbesprechung vom 1. Juni 2018 (S. 2 0 des neurologischen Teilgutachtens) führen Sie aus, eine additive Wirkung der aus somatischer un d psychiatrischer Sicht begründeten Ein- schränkungen habe aus bidisziplinärer Sicht nicht festge stellt werden können. Bitte begründen Sie diese Einschätzung näher. 3. Bitte nehmen Sie zu den abweichenden Einschätzungen der Arbeits- und Leistungsfähigkeit in den Abschlussberichten der beruflichen Abklärungen in der Institution G.____ vom 9. März 2018 (IV-Akte Nr. 111) bzw. in der Institution H.____ vom 28. Januar 2019 (IV-Akte Nr. 171) Stellung. 4. Woran machen Sie die Verbesserung der depressiven Beschwerden ab Ende 2016 (S. 19 des psychiatrischen Teilgutachtens) fest? 5. Bemerkungen“ Darüber hinaus ersuchte der Beschwerdeführer um Beantwortung der folgenden Zusatzfrage: "Im neurologischen Teilgutachten wird retrospektiv von einer Arbeitsfähigkeit von 30 % per Mai 2016, von 50 % per Juli 2016 und von 70 % per Anfang 2017 ausgegangen (Ziffer 7.4 Seite 16). Bitte begründen Sie einlässlich ihre Annahme der ver besserten Arbeitsfähigkeit für die vorge- nannten Zeitpunkte mit Bezug auf die jeweils massgebenden Diagnosen und Befunde." 5.4 Am 29. April 2020 liess Dr. D.____ dem Kantonsger icht sein Antwortschreiben zu- kommen. Zur ersten Frage führte er aus, im psychiatrisch en Teilgutachten werde tatsächlich nicht präzise unterschieden zwischen zeitlicher Einschränkun g der Arbeitsfähigkeit und der Verminderung der Leistungsfähigkeit. Entscheidend aus psych iatrischer Sicht sei die Tatsache, dass dem Versicherten keine höhere als eine 60 %-ige A rbeitsfähigkeit zugemutet werden kön- ne. Es sei am ehesten davon auszugehen, dass eine 20 %-i ge Einschränkung der Arbeitsfähig- keit in zeitlicher Hinsicht bestehe, zusätzlich lasse sich eine etwa 20 bis 25 %-ige Verminderung der Leistungsfähigkeit aus rein psychiatrischer Sicht begründen. Aus seiner fachärztlichen Optik spiele es aber keine entscheidende Rolle, ob der Versiche rte mit einem zeitlichen Pensum von Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 100 % arbeite und dabei lediglich eine 60 %-ige Lei stung erbringe, da er wegen seiner Be- schwerden vermehrt Pausen einlegen müsse, oder ob die Le istungsfähigkeit bei einem zeitli- chen Arbeitspensum von 80 % um 20 bis 25 % vermindert sei. Es handle sich hierbei um eine gemittelte Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf dem H intergrund der erhobenen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen unter gleichzeitiger Mit berücksichtigung der eingeschränkten kognitiv-intellektuellen Ressourcen. Auf die zweite Frage nach einer allfälligen additiven Wir- kung der aus somatischer und aus psychiatrischer Sicht festg estellten Einschränkungen hielt Dr. D.____ fest, eine solche lasse sich insbesondere desw egen nicht begründen, weil in ur- sächlicher Hinsicht für die Depression die andauernden S chmerzen zu nennen seien. Schmer- zen und Depression stünden in einer Wechselbeziehung, sie k önnten nicht als klar getrennte Entitäten betrachtet werden. Zur Frage 3 nach den ab weichenden Einschätzungen der Arbeits- und Leistungsfähigkeit in den Abschlussberichten der be ruflichen Abklärungen sei nicht aus psychiatrischer Sicht Stellung zu nehmen, da die Einschränk ungen in den betreffenden Berich- ten mit der begrenzten physischen Belastbarkeit begründ et würden. In seiner Antwort zur letz- ten Frage, woran er die Verbesserung der depressiven Beschwerden ab Ende 2016 festmache, wies Dr. D.____ darauf hin, dass ein Bericht des behande lnden Psychiaters Dr. med. I.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 3. Dezember 2016 vo rliege. Im Vergleich zu den in diesem Bericht beschriebenen Symptomen sei es bis heute zu einer Verbesserung gekommen. Der Zeitpunkt der Verbesserung könne lediglich approximat iv angegeben werden, seiner Ein- schätzung nach ab etwa Ende 2016. Der Explorand habe la ut eigenen Angaben im Juni 2016 erstmals Dr. I.____ aufgesucht. Seither werde er unter anderem medikamentös behandelt. Ret- rospektiv könne zwar nicht mit Sicherheit, jedoch mit gro sser Wahrscheinlichkeit davon ausge- gangen werden, dass es spätestens nach einem halben Jahr seit Behandlungsbeginn zu einer Verbesserung der depressiven Beschwerden gekommen sein dürf te. Zu dieser Einschätzung würden auch die subjektiven Angaben des Versicherten passen. 5.5 Dr. C.____ beantwortete die ihm unterbreiteten Fragen am 26. Juni 2020. Bezüglich einer allfälligen additiven Wirkung der aus somatischer und aus psychiatrischer Sicht festge- stellten Einschränkungen wies auch er darauf hin, dass S chmerzen und Depression - weder aus psychiatrischer noch aus neurologischer Sicht - in P rozenten auseinandergehalten noch aufgeteilt werden könnten, da eine Wechselwirkung bzw. eine gegenseitige Verstärkung anzu- nehmen seien. In der anlässlich der Konsensbesprechung erm ittelten Gesamtbeeinträchtigung von 40 % seien sowohl die Auswirkungen der Schmerzen als auch der Depression enthalten. Zu den abweichenden Einschätzungen der Arbeits- und Lei stungsfähigkeit in den Abschlussbe- richten der beruflichen Abklärungen in den Institutionen G.____ vom 9. März 2018 bzw. H.____ vom 28. Januar 2019 führte Dr. C.____ aus, bei nähere r Betrachtung dieser Berichte erscheine aus heutiger Sicht fraglich, wie gross die Motivation des Versicherten, eine möglichst hohe Ar- beitsleistung und ein möglichst hohes Pensum zu erreichen, wirklich gewesen sei. In den Be- richten werde verschiedentlich eine Vermeidenshaltung, die Frustration über den Verlauf des Verfahrens, eine sehr häufige Inanspruchnahme von Pause n, das wiederholte Klagen über Schmerzen sowie ein hohes- Mitteilungs- und Redebedür fnis mit anderen erwähnt, was alles auf eine eher mangelnde Motivation hinweise. Andererse its habe er offenbar im Februar 2018 im Unterhaltsdienst während einer Woche eine Präsenz von vier bis viereinhalb Stunden einhal- ten können. Dabei habe es sich um eine wechselbelastende Tätigkeit gehandelt, wie sie im Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachten vom 1./8. Juni 2018 als optimal empfohlen wo rden sei. Im Weiteren wies Dr. C.____ darauf hin, dass es generell schwierig sei, aufgrund so lcher Berichte über Wiedereingliede- rungsmassnahmen eine Arbeitsfähigkeit festzusetzen, was eben auch an der unterschiedlichen und oft für alle schwer einzuschätzenden Motivation der Versicherten liege. Aus diesem Grund sei es ja auch Usanz, zur Ermittlung der Arbeitsfähigke it unabhängige medizinische Begutach- tungen in Auftrag zu geben. Die Zusatzfrage des Beschw erdeführers beantwortete Dr. C.____ dahingehend, dass es sich bei den betreffenden Einschätzu ngen der Arbeitsfähigkeit vorwie- gend um Erfahrungswerte unter Berücksichtigung sämtlicher zur Verfügung stehender Informa- tionen gehandelt habe. In der Regel könne ein stabil isierter Zustand spätestens etwa ein Jahr nach der Operation, hier also Anfang 2017, angenomme n werden. Der Verlauf zwischen Mai 2016 (mit einer Arbeitsfähigkeit von 30 %) bis Anfa ng 2017 (mit einer solchen von 70 %) sei retrospektiv mehr oder weniger kontinuierlich gewesen, wo bei in den ersten Monaten nach ei- nem solchen Eingriff von einer prozentual höheren Er holung pro Zeit als im späteren Verlauf auszugehen sei. Dem habe man mit der Annahme, dass die zwischenzeitliche Steigerung auf eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit nicht exakt zwischen Mai 2016 und Anfang 2017, sondern per Juli 2016 eingetreten sei, Rechnung getragen. 5.6 Am Schluss des Antwortschreibens von Dr. C.____ gaben die beiden Gutachter die Ergebnisse wieder, zu denen sie im Rahmen ihrer am 26. Juni 2020 erfolgten erneuten Kon- sensbesprechung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten gelangten. Danach müssten die körper- lichen Einschränkungen des Exploranden aufgrund der neu eren Erkenntnisse doch etwas hö- her eingeschätzt werden als im Gutachten vom 1./8. Jun i 2018, nämlich heute aus neurologi- scher Sicht auf 40 %. Unter Berücksichtigung dieses Umstand s müsse die heutige und retro- spektive Einschränkung seit Anfang 2017 ebenfalls etwas hö her eingeschätzt werden, nämlich auf einen Wert von 50 %. Dabei würden sich keine interdisziplinären Widersprüche ergeben. 5.7 In seiner Stellungnahme vom 29. Juli 2020 zu den Antwortschreiben der Gutachter wies der Beschwerdeführer vorab darauf hin, dass seine B eanstandungen am Beweiswert der Expertise vom 1./8. Juni 2018 offensichtlich insofern zut reffend gewesen seien, als nun die Gutachter tatsächlich von einer Erwerbsunfähigkeit vo n neu 50 % (vormals 40 %) ausgehen würden. Darüber hinaus beanstandete der Beschwerdefüh rer aber, dass Dr. C.____ in seiner Stellungnahme seine Einschätzung der Erwerbsunfähigkeit immer noch nicht schlüssig herleite. Im Ergebnis sei die Aktenlage für einen Leistungsentscheid nach wie vor ungenügend. Er bean- trage deshalb die Einholung eines neuen bidisziplinären psychiatrisch-neurologischen Gutach- tens bei neutraler und objektiver Stelle, wobei diese s Gutachten mit einer Evaluation der funkti- onellen Leistungsfähigkeit (EFL) zu verknüpfen sei. R ein eventualiter weise er darauf hin, dass aus der nunmehr attestierten Arbeits- und Erwerbsunfähi gkeit von mindestens 50 % jedenfalls ein Invaliditätsgrad von mindestens 50 % resultiere, zumal der leidensbedingte Abzug auf 15 % zu beziffern sei. 5.8 Gestützt auf zwei Beurteilungen ihrer RAD-Ärzte Dr. E.____ und pract. med. F.____ vom 8. und 24. Juli 2020 vertrat die Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme vom 29. Juli 2020 zu den Antwortschreiben der Dres. C.____ und D. ____ den Standpunkt, die Rückfragen seien schlüssig und nachvollziehbar beantwortet worden, "so dass auf das bidisziplinäre Gut- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht achten abgestellt werden kann." Zur neuen Einschätzung d er beiden Experten, wonach aus bidisziplinärer Sicht nicht mehr von der bisher attestierten Arbeitsunfähigkeit von 40 %, sondern stattdessen von einer solchen von 50 % auszugehen sei, äusserte sich die IV-Stelle nicht. 6.1 In Berücksichtigung der ergänzenden Ausführungen v on Dr. D.____ vom 29. April 2020 und von Dr. C.____ vom 26. Juni 2020 liegt in di eser Angelegenheit nunmehr eine voll- ständige und schlüssige gutachterliche Beurteilung des ma ssgebenden medizinischen Sach- verhalts vor. So erklären die beiden Fachärzte überzeugen d, weshalb aus bidisziplinärer Sicht nicht von einer additiven Wirkung der aus somatischer und aus psychiatrischer Sicht festgestell- ten Einschränkungen ausgegangen werden kann. Im Weite ren legt Dr. D.____ in nachvollzieh- barer Weise dar, dass und weshalb es aus seiner fachärzt lichen Optik letztlich keine Rolle spielt, ob der Versicherte mit einem zeitlichen Pensum von 100 % arbeitet und dabei lediglich eine 60 %-ige Leistung erbringt, da er wegen seiner B eschwerden vermehrt Pausen einlegen muss, oder ob die Leistungsfähigkeit bei einem zeitlich en Arbeitspensum von 80 % um 20 bis 25 % vermindert ist. Entscheidend ist, so das Fazit von Dr . D.____, dass dem Exploranden aus psychiatrischer Sicht keine höhere als eine 60 %-ige Arbei tsfähigkeit zugemutet werden kann. Schliesslich zeigt Dr. D.____ auch schlüssig auf, woran er die attestierte Verbesserung der de- pressiven Beschwerden ab Ende 2016 festmacht. Dr. C.____ w iederum legt in seiner Stellung- nahme überzeugend dar, wie er in seiner retrospektive n Beurteilung zu einer Arbeitsfähigkeit von 30 % per Mai 2016, von 50 % per Juli 2016 und von 70 % per Anfang 2017 gekommen ist. Ebenso begründet er in nachvollziehbarer Weise, wesha lb bei der Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Versicherten nicht auf die abwe ichenden Einschätzungen in den Ab- schlussberichten über die beruflichen Abklärungen in den Institutionen G.____ vom 9. März 2018 bzw. H.____ vom 28. Januar 2019 abgestellt werde n kann. Schliesslich erläutern die Gut- achter gemeinsam auch hinreichend ihre neue Einschätzun g, wonach aus bidisziplinärer Sicht ab Anfang 2017 nicht mehr von der bisher attestiert en Arbeitsunfähigkeit von 40 %, sondern stattdessen von einer solchen von 50 % auszugehen ist. Bezü glich all dieser Punkte kann voll- umfänglich auf die oben ausführlich wiedergegebenen S tellungnahmen der beiden Gutachter vom 29. April 2020 und 26. Juni 2020 (vgl. E. 5.4 bis 5.6 hiervor) verwiesen werden. 6.2 Somit kann im Ergebnis bei der Beurteilung des me dizinischen Sachverhalts auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 1./8. Juni 2020 unter Einschluss der ergänzenden Berichte vom 29. April 2020 und 26. Juni 2 020 abgestellt werden. Wie oben aus- geführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverl ässigkeit der Expertise sprechen. Sol- che Indizien liegen hier keine mehr vor. Die anlässlich der ersten Urteilsberatung vom 7. November 2019 noch offenen Fragen sind mit den erg änzenden Berichten vom 29. April 2020 und 26. Juni 2020 vollständig und nachvollziehbar b eantwortet worden. Das mit diesen beiden Berichten ergänzte und insoweit vervollständigte Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 1./8. Juni 2018 ist nunmehr - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es ber uht auf allseitigen Untersuchungen, es Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kennt nis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenh änge bzw. der Beurteilung der ak- tuellen medizinischen Situation ein, es setzt sich ausreichend mit den vorhandenen abweichen- den ärztlichen Einschätzungen auseinander und es enthäl t nachvollziehbare Schlussfolgerun- gen. 6.3.1 Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht g eeignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens der Dres. C.____ und D.____ vom 1./8. Juni 2020 - samt den ergän- zenden Berichten vom 29. April 2020 und 26. Juni 2020 - in Frage zu stellen. Der Beschwerde- führer beanstandet im Wesentlichen, dass Dr. C.____ in seiner Stellungnahme vom 26. Juni 2020 seine Einschätzung der Erwerbsunfähigkeit immer no ch nicht schlüssig herleite. Der Gut- achter anerkenne zwar, dass im Rahmen der beruflichen Massn ahmen lediglich ein Pensum von 33 % und eine durchschnittliche Leistung von 31 % e rreicht worden seien, er könne aber nicht schlüssig aufzeigen, weshalb nicht auf diese Wert e, sondern auf seine abweichende gut- achterliche Einschätzung abzustellen sei. Diesem Einwand d es Beschwerdeführers kann nicht gefolgt werden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), besteht zwischen der Ärzteschaft und der Berufsberatung zwar rechtsprechungsgemäss eine enge, sich gegenseitig ergänzende Zu- sammenarbeit, die abschliessende Beurteilung der sich aus einem Gesundheitsschaden erge- benden funktionellen Leistungsfähigkeit obliegt in de r Hauptsache jedoch dem Arzt oder der Ärztin und nicht den Fachleuten der Berufsberatung/be ruflichen Eingliederung. Das Einholen einer klärenden medizinischen Stellungnahme ist ledigli ch - aber immerhin - dann angezeigt, wenn die medizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zu einer Leistung steht, wie sie während einer ausführlichen beruflichen Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz der versich erten Person effektiv realisiert wurde und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierbar ist. Eine solche unterschied- liche Beurteilung vermag ernsthafte Zweifel an den ä rztlichen Annahmen zu begründen. Eine entsprechende Konstellation liegt hier aber nicht vo r. Zum einen besteht zwischen der Ein- schätzung der Fachleute der beruflichen Eingliederung und jener der Gutachter gar nicht eine derart erhebliche Diskrepanz, beziffern die Eingliederu ngsfachleute die Arbeits- und Leistungs- fähigkeit des Versicherten doch mit 33 % bzw. mit 31 %, während die Gutachter diese auf 50 % festsetzen. Zum andern stellt Dr. C.____ in seinen e rgänzenden Ausführungen vom 26. Juni 2020 berechtigterweise die Motivation des Versicherten in Frage, im Rahmen der beruflichen Abklärung eine möglichst hohe Arbeitsleistung und ein möglichst grosses Pensum zu erreichen. Er weist diesbezüglich zutreffend darauf hin, dass in d en Berichten verschiedentlich eine Ver- meidenshaltung, die Frustration über den Verlauf des Verfahrens, eine sehr häufige Inan- spruchnahme von Pausen, das wiederholte Klagen über Schme rzen sowie ein hohes Mittei- lungs- und Redebedürfnis mit anderen erwähnt werden, was alles - und auch darin ist Dr. C.____ beizupflichten - auf eine eher mangelnde Motivation hinweist. 6.3.2 In allen übrigen Punkten haben die Antworten d er Gutachter auf die ihnen im Nach- gang zur ersten Urteilsberatung unterbreiteten Fragen offenbar auch aus Sicht der Parteien die erforderliche Klärung und Vervollständigung des medizinischen Sachverhalts gebracht. Die ent- sprechenden Ausführungen der beiden Experten werden j edenfalls weder vom Versicherten noch von der Beschwerdegegnerin in den jeweiligen Ste llungnahmen vom 29. Juli 2020 bean- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht standet oder in Zweifel gezogen. Somit kann an dieser S telle von weiteren Erörterungen hierzu abgesehen werden. 6.4 Lässt die im Nachgang zur ersten Urteilsberatung verv ollständigte Aktenlage nunmehr eine zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinische n Sachverhalts zu, so besteht kein Anlass, dem in der Stellungnahme vom 29. Juli 2020 gestellten Antrag des Beschwerde- führers zu entsprechen, wonach ein neues bidisziplinäre s (psychiatrisch-neurologisches) Gut- achten bei neutraler und objektiver Stelle einzuholen sei. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfass ungsmässigen Anspruchs indes- sen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die En tscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürd igung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevant en Sachverhalts ergeben und die- ser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein bea ntragtes Beweismittel verzichtet wer- den. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtli- cher Rechtsprechung zulässig (BGE 144 II 427 E. 3.1.3, 141 I 60 E. 3.3). 6.5 Zusammenfassend ist demnach gestützt auf die gutachter lichen Feststellungen der Dres. C.____ und D.____ in der Expertise vom 1./8.Juni 2018 bzw. in den ergänzenden Berich- ten vom 29. April 2020 und 26. Juni 2020 davon auszug ehen, dass dem Versicherten die Aus- übung einer leidensadaptierten Verweistätigkeit ab Ab lauf des Wartejahres (25. Juni 2016) im Umfang von 30 % und ab 1. Juli 2016 im Umfang von 50 % zumutbar war. 7.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.5 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimme n. In der Verfügung vom 27. Juni 2019 nahm die IV-Stelle die erforderlichen Einkommensvergleiche vor. Da der Be- schwerdeführer seit Eintritt der gesundheitlichen Beei nträchtigungen keiner oder jedenfalls kei- ner zumutbaren Erwerbstätigkeit mehr nachging, setzte d ie IV-Stelle das Invalideneinkommen zu Recht unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik fest (vgl. dazu BGE 126 V 75 E . 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 321 E. 3b/aa). Auf diese Weise errechnete sie ab 25. Juni 2 016 (Ablauf des Wartejahres) auf der Basis der gutachterlich attestierten 30 %-igen Arbeitsfä higkeit und unter Gewährung eines Ab- zugs von 10 % für die invaliditätsbedingte Beeinträchti gung (vgl. zur Kürzung von Tabellenlöh- nen: BGE 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75) ein zumutbar es Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 17'996.-- sowie ab 1. Juli 2016 auf der Grundl age der gutachterlich attestierten Arbeits- fähigkeit von nunmehr 50 % und wiederum unter Gewähru ng eines Tabellenlohnabzugs von 10 % ein solches von Fr. 29'994.--. Diese Beträge stellt e sie dem gestützt auf die Angaben der letzten Arbeitgeberin ermittelten Valideneinkommen v on Fr. 68‘250.-- gegenüber und gelangte so zu Invaliditätsgraden von 74 % ab 25. Juni 2016 bzw. von 56 % ab 1. Juli 2016. 7.2 Der Beschwerdeführer beanstandet im Zusammenhang mi t den genannten Berech- nungen einzig, dass ihm die IV-Stelle nicht bloss einen 10 %-igen Abzug vom Tabellenlohn, sondern einen solchen von 15 % hätte gewähren müssen. Wie es sich damit verhält, kann letzt- lich offen bleiben, denn vorliegend hätte die Vornah me des geltend gemachten 15 %-igen Ta- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht bellenlohnabzugs ab 1. Juli 2016 zwar einen leicht hö heren Invaliditätsgrad von 58 % (statt 56 %) zur Folge, aber auch diese Berechnung würde im Ergebnis unverändert zu einem An- spruch auf eine halbe Rente führen. Somit kann von Wei terungen zu dieser Frage abgesehen werden. 7.3 Die vorinstanzliche Bemessung des massgebenden Validen - und des zumutbaren In- valideneinkommens erweist sich (auch) in den übrigen Punkte n als korrekt. Die von der IV- Stelle ermittelten Zahlen sind denn auch - abgesehen vom vorstehend erörterten Einwand - in der vorliegenden Beschwerde nicht beanstandet worden. Unter diesen Umständen kann hier von weiteren Ausführungen zu den Einkommensvergleichen abgesehen und stattdessen voll- umfänglich auf die entsprechenden Ausführungen der IV- Stelle in der Verfügung vom 27. Juni 2019 verwiesen werden. 7.4 Zu prüfen bleibt, wie sich die ermittelten Invalid itätsgrade von 74 % ab 25. Juni 2016 (Ablauf des Wartejahres) und von 56 % ab 1. Juli 2016 auf die Höhe und die Dauer des Ren- tenanspruchs des Beschwerdeführers auswirken. Bei einem I nvaliditätsgrad von 74 % hat der Versicherte ab 1. Juni 2017 Anspruch auf eine ganze Re nte. Gemäss Art. 88a Abs. 1 der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Ja nuar 1961 ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie vo raussichtlich längere Zeit dau- ern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Nach dem Gesagten liegt beim Versicherten seit 1. Juli 2016 lediglich no ch ein Invaliditätsgrad von 56 % vor, was einen Anspruch auf eine halbe Rente ergibt. In Berü cksichtigung der genannten Bestimmung besteht der Anspruch auf die ganze Rente noch während dreier Monate seit der ab 1. Juli 2016 eingetretenen Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, also noch bis Ende September 2016. Mit Wirkung ab 1. Oktober 2016 ist die ganze Rente auf eine halbe Rente herabzusetzen. 8. Aus den vorstehenden Ausführungen folgt zusammenfasse nd, dass die IV-Stelle dem Versicherten zu Recht mit Wirkung ab 1. Juni 2016 eine ga nze und ab 1. Oktober 2016 eine halbe Rente zugesprochen hat. Als unzutreffend erweist sich hingegen die von der Vorinstanz mit Wirkung ab 1. April 2017 (zusätzlich) verfügte Herabsetzung der halben Rente auf eine Vier- telsrente. Nach dem Gesagten steht dem Versicherten - w ie beschwerdeweise beantragt - ab 1. Oktober 2016 eine unbefristete halbe Rente zu. Di e vorliegende Beschwerde ist demnach gutzuheissen und die angefochtenen Verfügungen vom 27. Juni 2019 und 25. Juli 2019 sind insoweit zu ändern, als festgestellt wird, dass der Beschwe rdeführer ab 1. Oktober 2016 An- spruch auf eine unbefristete halbe Rente hat. 9. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. 9.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist der Beschwerdeführer obsiegende und die IV-Stelle unterliegende Partei. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Da die IV-Stelle unterliegende Partei ist, sind die Ver- fahrenskosten ihr zu auferlegen. 9.3 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträg er die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die M assnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Vorliegend war das Gericht anlässlich seiner ersten Urtei lsberatung vom 7. November 2019 zum Ergebnis gelangt, dass ein Entscheid in der Angele genheit gestützt auf die damals vor- handene Aktenlage nicht möglich war. Es entschied deshal b, den Fall auszustellen und mit er- gänzenden Fragen an die Administrativgutachter Dres. C._ ___ und D.____ zu gelangen. Die Experten ergänzten in der Folge mit Berichten vom 29. A pril 2020 und 26. Juni 2020 ihr Admi- nistrativgutachten vom 1./8. Juni 2018. Wie sich anläs slich der heutigen Urteilsberatung zeigte, waren diese zusätzlichen Ausführungen für eine abschliessende Beurteilung des medizinischen Sachverhalts unerlässlich. Es rechtfertigt sich deshalb, die Kosten der beiden Berichte von Dr. D.____ vom 29. April 2020 in der Höhe von Fr. 60 0.-- (gemäss Honorarrechnung vom 29. April 2020) und von Dr. C.____ vom 26. Juni 2020 in der Höhe von Fr. 750.-- (gemäss Ho- norarrechnung vom 30. Juni 2020) der IV-Stelle Basel-Landschaft zu auferlegen. 9.4 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seinen beiden Honorarnoten vom 27. August 2019 und 18. August 2020 für das vorlie- gende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 22 Stunden geltend gemacht. Den detaillier- ten Rechnungen ist nun aber zu entnehmen, dass in beiden Kostennoten unter der Position "Urteilsnachbesprechung mit Klient" Bemühungen von jeweils 45 Minuten ausgewiesen werden. Der betreffende Aufwand fällt jedoch nur einmal an u nd ist entsprechend nur einmal zu ent- schädigen. Die ausgewiesenen Bemühungen von insgesamt 22 Stunden sind demnach um 45 Minuten zu kürzen. Der verbleibende entschädigungsb erechtigte Zeitaufwand von 21,25 Stunden erweist sich zwar nach wie vor als hoch, in Anbet racht der sich stellenden Sachver- halts- und Rechtsfragen und in Berücksichtigung, dass im Laufe des Prozesses mehrere Ein- gaben und Stellungnahmen an das Gericht zu verfassen w aren, aber noch als angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozesse n praxisgemäss zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- und nicht zu den vom Rechtsvertreter in seinen bei- den Rechnungen geltend gemachten Ansätzen von Fr. 3 00.-- bzw. von Fr. 280.-- zu entschädi- gen. Nicht zu beanstanden sind die insgesamt geltend g emachten Auslagen von Fr. 135.60. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädig ung in der Höhe von Fr. 5'867.60 Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht (21,25 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 135.60 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Las- ten der IV-Stelle zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerden werden die ange fochtenen Verfü- gungen der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 27. Juni 20 19 und 25. Juli 2019 insoweit geändert, als festgestellt wird, dass der Beschwerdefüh- rer ab 1. Oktober 2016 Anspruch auf eine unbefristete halbe Rente hat. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die Kosten der Berichte von. Dr. D.____ vom 29. A pril 2020 in der Höhe von Fr. 600.-- und von Dr. C.____ vom 26. Juni 2020 in der Höhe von Fr. 750.-- werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 5'867.60 (inkl. Ausla gen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht