B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5344/2015 U r t e i l v o m 7 . D e z e m b e r 2 0 1 6 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren am (…), alias A._______, geboren am (…), Eritrea, derzeit in Äthiopien, vertreten durch B._______, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des SEM vom 11. August 2015 / N (…). D-5344/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. B._______, der Bruder und Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, er- suchte für diesen und einen weiteren Bruder bei der Vorinstanz am 11. April 2012 um Bewilligung der Einreise sowie um Asyl in der Schweiz. Zur Begründung brachte B._______ im Wesentlichen vor, der Beschwer- deführer sei in Eritrea im Krieg gewesen. Vor zirka (…) Jahren sei er in den Sudan geflüchtet, wo er sich in verschiedene n Lagern aufgehalten habe. Es beste he keine Gewissheit, dass er im Sudan bleiben könne , bezie- hungsweise es könne sein, dass er nach Eritrea abgeschoben werde. B. Mit Zwischenverfügung vom 2. März 2015 teilte das SEM dem Beschwer- deführer unter anderem mit, die Schweizer Botschaft im Sudan habe mit Schreiben vom 23. März 2010 darüber informiert, dass ab Sommer 2009 das Arbeitsvolumen namentlich im konsularischen Bereich stark zugenom- men habe. Die grosse eritreische Diaspora im Sudan und die Menge an täglich neu eingereichten Asylgesuchen lasse dieses Volumen zusätzlich ansteigen. Die Schweizer Botschaft sei aufgrund des begrenzten Personal- bestandes sowie fehlender Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich nicht mehr in der Lage, Befragungen von Asylsu- chenden durchzuführen. Dem SE M würden die Argumente der Botschaft unter Hinweis auf sicherheitstechnische, strukturelle und kapazitätsmässi- ge Aspekte sachlich begründet und ü berzeugend erscheinen. Es werde daher auf eine Anhörung (recte: Befragung) verzichtet und das schriftliche Verfahren angewendet. Das vom Beschwerdeführer eingereichte schriftli- che Asylgesuch lasse noch einige entscheidrelevante Fragen offen, die im Rahmen der Sachverhaltsabklärung schriftlich zu bea ntworten seien. Er wurde deshalb darum ersucht, einen detaillierten Fragenkatalog zu beant- worten. Weiter wies das SEM den Rechtsvertreter unter Berufung auf das in BVGE 2011/39 publizierte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 6. Dezember 2011 darauf hin, dass es sich beim Stellen eines Asylgesuchs um ein relativ höchstpersönliches Recht handle. Urteilsfähige Personen müssten höchstpersönliche Rechte wie ein Asylgesuch daher selbständig, mithin ohne die Hilfe eines Vertreters, ausüben. Dieser Mangel könne al- lerdings geheilt werden, indem der Inhalt des über einen Vertreter einge- reichten Asylgesuchs anlässlich einer mündlichen Befragung oder durch eine persönlich verfasste oder zumindest unterzeichnete Stellungnahme zum Fragenkatalog des SEM in einer schw eizerischen Landessprache D-5344/2015 Seite 3 oder Englisch bestätigt und im Original eingereicht werde. In jedem Falle müsse der Mangel jedoch vor Ergehen eines erstinstanzlichen Entschei- des geheilt werden (vgl. BVGE 2011/39 E. 4.3.2). Eine Durchsicht der Ak- ten habe ergeben , dass vorliegend eine klar e Willensäusserung, mit der der Beschwerdeführer zu erkennen gebe, in der Schweiz wegen einer asyl- relevanten Verfolgung um Schutz zu ersuchen, fehle. Somit liege bis anhin kein zulässig gestelltes Asylgesuch vor. Das SEM benötige daher eine selbständige Stellungnahme mit seiner persönlichen Unterschrift. Gleich- zeitig erhielt der Beschwerdeführer die Gelegenheit, sich zu einer allfälligen Ablehnung des Asylgesuches und der Verweigerung der Einreise in die Schweiz zu äussern C. Mit Schreiben vom 12. März 2015 reichte der Beschwerdeführer die Ant- worten zum vorerwähnten Fragenkatalog ein. D. Aufgrund der Mitteilung des Beschwerdeführers vom 29. April 2015, wo- nach er sich mittlerweile in Äthiopien und nicht mehr im Sudan a ufhalte, ordnete das SEM die Durchführung einer Botschaftsbefragung an. E. Anlässlich der Botschafts befragung vom 3. Juli 2015 machte der Be- schwerdeführer zu seinen Asylgründen folgende Angaben: Während (…) habe er Militärdienst geleistet, sich indessen a ufgrund der schlechten fi- nanziellen Verhältnisse zum Verlassen seines Heimatlandes entschieden. Im Jahr (…) habe er Eritrea erstmals Richtung Sudan verlassen wollen, sei aber an der Grenze festgehalten und inhaftiert worden. Während der Haft sei er gefoltert worden, wobei er seine C._______ verloren habe. Nach (…) habe man ihn vorzeitig entlassen. Einen Beweis seiner Inhaftierung könne er nicht beibringen, d a man ihm nichts gegeben habe („They do not give you anything“). Am (…) habe er einen zweiten Fluchtversuch gestartet, wo- rauf er am (…) nach Äthiopien gelangt sei, wo er vom UNHCR als Flücht- ling registriert und ihm das Flüchtlingslager D._______ zugewiesen wor- den sei. Zurzeit lebe er in E._______ mit Landsleuten in einer Wohnge- meinschaft. F. Mit Verfügung vom 11. August 2015 – eröffnet am 14. August 2015 – ver- weigerte das SEM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte dessen Asylgesuch ab. D-5344/2015 Seite 4 G. Mit Eingabe vom 2. September 2015 reichte der Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein. Dabei beantragte er sinngemäss, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz zu bewilligen be- ziehungsweise ihm sei Asyl zu gewähren. H. Mit Eingabe vom 13. Oktober 2016 liess der Beschwerdeführer vorbringen, seine Situation habe sich verschlechtert, weshalb er um baldige Entschei- dung ersuchte. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Partei Schutz sucht ( Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei se Ände- rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG; zur Kognition im Auslandverfah ren vgl. BVGE 2015/2). D-5344/2015 Seite 5 1.4. In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Beset- zung mit drei Richtern oder drei Richterinnen. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG kann auch in diesen Fällen auf die Durchführung eines Schriften- wechsels verzichtet werden. 1.5. Die dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. September 2012, welche am 29. September 2012 in Kraft getreten sind, kommen vor- liegend nicht zur Anwendung, wurde doch in der entsprechenden Über- gangsbestimmung (Ziffer III) festgehalten, dass für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung des Asylgesetzes gestellt wor- den sind – was vorliegend der Fall ist – die Art. 12, 19, 20, 41 Absatz 2, 52 und 68 AsylG in der bisherigen Fassung gelten. 2. 2.1. Das Staatssekretariat kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ab- lehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft ma- chen konnte oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden konnte (Art. 3, Art. 7 und aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG bewilligte das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet werden konnte, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf aArt. 20 Abs. 3 AsylG konnte das Eidge- nössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) schweizerische Vertre- tungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaub- haft machten, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 2.2. Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Voraus- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind na- mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzge- währung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur ander- weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und As- similationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der be- treffenden Person, mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Auf- enthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126 und E. 5.1 S. 128, sowie auch die D-5344/2015 Seite 6 Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D -2018/2011 vom 14. September 2011 E. 7.1). 2.3. Gemäss Rechtsprechung schliesst im Auslandverfahren das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft allein aufgrund von subjektiven Nachfluchtgrün- den die Bewilligung zur Einreise von vornherein aus. Demzufolge kommt der Frage massgebliches Gewicht zu, ob die Person, die aus einem Dritt- staat ein Asylgesuch stellt, bereits zum Zeitpunkt der Ausreise – ungeach- tet allfällig bestehender, subjektiver Nachfluchtgründe – zusätzlich auch eine asylrechtlich relevante Gefährdung zu gewärtigen hatte (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/26 E. 7 S. 519 f.). 3. 3.1. Ein Asylgesuch konnte gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt zu überweisen hatte (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfa hrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sah aArt. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt (aArt. 10 Abs. 1 AsylV 1). War dies nicht möglich, so wurde die asylsuchende Person aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befragung bezie- hungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung konnte sich erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erschien; der asylsuchenden Person war aber dies- falls im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlic h zu äus- sern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7). 3.2. Ebenfalls in den erwähnten dringlichen Änderungen hat der Gesetz- geber neu Art. 3 Abs. 3 AsylG eingeführt, wonach Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausge- setzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, keine Flüchtlinge sind. Vorbehalten bleibt das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30). Bei den am 29. September 2012 hängigen Verfahren stellt sich deshalb die Frage der intertemporalen Geltung dieser neuen Gesetzesbestimmung. Art. 3 Abs. 3 AsylG ist in Beschwerdeverfahren bezüglich Verfügungen, die das BFM vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Norm am 29. September 2012 erliess, nicht anzuwenden. Hingegen findet die neue gesetzliche Be-D-5344/2015 Seite 7 stimmung in jenen Fällen Anwendung, die – wie in casu – seit dem 29. Sep- tember 2012 vom BFM entschieden wurden beziehungsweise werden (vgl. BVGE 2013/20 E. 3.2). 3.3. Der Beschwerdeführer hat sich im Rahmen seines Asyl gesuchs vom 11. April 2012, mit Beantwortung des Fragenkatalogs vom 12. März 2015 sowie anlässlich der Botschaftsbefragung vom 3. Juli 2015 zu seinen Asyl- gründen geäussert. Damit ist den in E. 3.1 erwähnten Voraussetzungen Genüge getan. Der entscheidwesentliche Sachverhalt wird als erstellt er- achtet. 4. 4.1. Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen aus, die Ausführungen des Beschwerdeführers in der Stellungnahme so- wie an der Botschaftsbefragung liessen darauf schliessen, dass dieser auf- grund der Desertion aus dem Nationaldienst im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen sei. Es sei zu prüfen, ob einer allfälligen Asylgewährung durch die Schweiz der Asylausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG entgegen- stehe, wonach einer Person das Asyl verweigert werden könne, wenn es ihr zugemutet werden könne, sich in einem anderen Land um Aufnahme zu bemühen. Der Beschwerdeführer halte sich seit dem (…) in Äthiopien auf, wo er sich vom UNHCR als Flüchtling habe registrieren lassen. An der Befragung vom 3. Juli 2015 habe er zu Protokoll gegeben, dass er mit Landsleuten in einer Wohngemeinschaft zusammenlebe und von seinem in der Schweiz leben- den Bruder finanziell unterstützt werde. In Äthiopien werde er weder ver- folgt noch habe er gesundheitliche Probleme, wolle aber nicht in Äthiopien bleiben, weil er dort nicht arbeiten dürfe. Das Leben in Äthiopien sei für eritreische Flüchtlinge gewiss nicht einfach. Eine schwierige Lebenssitua- tion und insow eit humanitäre Überlegungen stellten aber keinen hinrei- chenden Grund für die Bewilligung einer Einreise in die Schweiz dar. Laut Berichten des UNHCR würden sich zahlreiche eritreische Flüchtlinge und Asylbewerber in Äthiopien befinden. Vor diesem Hintergru nd sei nicht zu verkennen, dass die Lage vor Ort für diese Menschen – wie auch für den Beschwerdeführer – nicht einfach sei. Dennoch würden keine konkreten Anhaltspunkte zur Annahme bestehen, dass ein weiterer Verbleib in Äthio- pien für den Beschwerdeführer nicht zumutbar oder möglich wäre. Vom UNHCR in Äthiopien registrierte Flüchtlinge seien einem Flüchtlingslager zugeteilt worden, wo sie sich aufzuhalten hätten und die nötige Versorgung D-5344/2015 Seite 8 erhielten. Es sei dem Beschwerdeführer unter diesem Gesichtspunkt zu- zumuten, sich in das ihm zugewiesene Flüchtlingslager zu begeben, sollte seine Situation in Äthiopien kritisch sein. Bei der Anwendung von aArt. 52 Abs. 2 AsylG sei zudem in einer Gesamtschau die Beziehungsnähe zur Schweiz und die Beziehungsnähe zu anderen Staaten zu prüfen. Gemäss den Akten lebe ein einziger Angehöriger des Beschwerdeführers in der Schweiz. Obwohl der Beschwerdeführer dadurch über einen Anknüpfungs- punkt zur Schweiz verfüge, sei dieser nicht derart gewichtig, dass eine Ab- wägung der Gesamtums tände dazu führen müsste, es sei gerade die Schweiz, die dem Beschwerdeführer den erforderlichen Schutz gewähren sollte. Im Ergebnis benötige der Beschwerdeführer den zusätzlichen sub- sidiären Schutz der Schweiz nach aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht. Es sei ihm zuzumuten, vorderhand in Äthiopien zu verbleiben. 4.2. Auf Beschwerdeebene wird vorgebracht, dass sich die Situation des Beschwerdeführers zwischenzeitlich sehr negativ verändert habe. So teile er sich eine Unterkunft mit mehrere n Kollegen auf engstem Raum. Ohne Arbeitsbewilligung könne er kein eigenes Geld verdienen, womit er abhän- gig von seinem in der Schweiz lebenden Bruder sei. Sodann verweist er wiederholt auf die erlittenen Misshandlungen, beziehungsweise den Ver- lust mehrerer C._______, weshalb er unter starken Schmerzen im E._______ leide. Zudem verspüre er starke Schmerzen im F._______, wel- che die Folge einer G._______ im F._______ seien. Er leide sowohl kör- perlich als auch psychisch an den Folgen seiner (…) Inhaftierung in Eritrea nach seinem ersten Fluchtversuch . Laut Eingabe vom 13. Oktober 2016 habe sich seine Situation verschlechtert. 4.3. Vorliegend lassen die Schilderungen des Beschwerdeführers nicht mit hinreichender Sicherheit ausschliessen, dass er in Eritrea ernstzuneh- mende bezie hungsweise in flüchtlingsrechtlicher Hinsicht relevante Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden zu befürchten hat . Es bleibt somit zu prüfen, ob ihm ein Verbleib im Drittstaat Äthiopien zugemu- tet werden kann. Dabei ergibt die Überprüfung der Akten , dass das SEM dem Beschwerdeführer zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert und das Asylgesuch abgelehnt hat. 4.4. Was die allgemeinen Lebensbedingungen für eritreische Flüchtlinge in Äthiopien betrifft, sind jene zwar zugestandenermassen nicht einfach, doch teilt der Beschwerdeführer diesbezüglich das Leid mit einer grossen Zahl seiner Landsleute. Die Grundversorgung ist in den Flüchtlingslagern aber D-5344/2015 Seite 9 gewährleistet und der dortige Aufenthalt ist für die vom UNHCR registrier- ten eritreischen Flüchtlinge grundsätzlich zumutbar. Der Beschwerdeführer lebt gemäss eigenen Angaben seit dem (…) in Äthiopien als vom UNHCR registrierter Flüchtling. Gemeinsam mit Landsleuten lebt er in einer Wohn- gemeinschaft und wird von seinem in der Schweiz lebenden Bruder finan- ziell unterstützt. Zudem bringt er nicht vor, dass er dort aufgrund seiner ethnischen Herkunft und Religion diskriminiert und benachteiligt würde. Die schwierigen Lebensumstände vermögen mithin keine akute und konkrete Gefährdungssituation des Beschwerdeführers in Äthiopien zu begründen. Die von ihm geltend gemachten gesundheitlichen Probleme (Schmerzen im E._______ und F._______) sind erstmals auf Beschwerdeebene vorge- bracht worden und stehen in Widerspruch zu seinen anlässlich der Bot- schaftsbefragung gemachten Angaben, wonach er aktuell keine gesund- heitlichen Probleme habe, und dabei lediglich auf eine in der Vergangen- heit liegende H._______ hinwies. Die erstmals auf Beschwerdeebene gel- tend gemachten Ausführungen zu seinem Gesundheitszustand sind des- halb als nachgeschoben zu qualifizieren. Sie sind ohnehin nicht belegt. In- dessen ist festzuhalten, dass ihm im Bedarfsfall die Möglichkeit offen steht, beim UNHCR um Unterstützung zu ersuchen. Das UNHCR stellt nämlich in den Flüchtlingslagern die medizinische Versorgu ng sicher, zu welcher sämtliche Flüchtlinge unentgeltlich Zugang haben. Die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe vermögen insgesamt nicht zu einer abweichenden Einschätzung zu führen. Auch wenn die Lebensumstände des Beschwer- deführers in Äthiopien unbestrittenermassen schwierig sind, sind sie nicht dergestalt, dass sie einen weiteren Verbleib gänzlich unzumutbar machen würden, zumal in der Eingabe vom 13. Oktober 2016 die darin erwähnten Schwierigkeiten nicht substanziiert wurden. 4.5. Weiter kam das SEM zum Sc hluss, die Abwägung der Gesamtum - stände und die Anknüpfung des Beschwerdeführers zur Schweiz in Form seines in der Schweiz lebenden Bruders führe nicht dazu, dass es gerade die Schweiz sein müsse, die ihm den Schutz zu gewähren habe. Dieser Einschätzung d er Sachlage ist zuzustimmen, zumal die durch die ver - wandtschaftliche Beziehung zum Rechtsvertreter bestehende Verbindung nicht eine enge Beziehungsnähe zu Schweiz darstellt. Auch in der Be- schwerde fehlen Argumente, welche eine andere Sichtweise rechtfertigen würden. 4.6. Aufgrund dieser Erwägungen erscheint es für den Beschwerdeführer objektiv zumutbar, den in Äthiopien gegenüber einer allfälligen Verfol- gungsgefahr in seinem Heimatstaat Eritrea bestehenden Schutz weiterhin D-5344/2015 Seite 10 in Anspruch zu nehmen. Es erübrigt s ich, auf die weiteren Vorbringen in der Beschwerde einzugehen, da diese keine neuen Begründungselemente enthalten, welche geeignet wären, zu einer von der Vorinstanz abweichen- den Einschätzung zu führen . Eine Schutzgewährung durch die Schweiz erscheint somit unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände, wel- che mit dem Aufenthalt de s Beschwerdeführers in Äthiopien und seinem dortigen Status als vom UNHCR registrierter Flüchtling verbunden sind, nicht erforderlich. Zusammenfassend ergibt sich, dass das SEM zu Recht und mit zutreffender Begründung feststellte, eine Abwägung der Gesamt- umstände im Sinne von aArt. 52 Abs. 2 AsylG führe zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer ein Verbleib in Äthiopien zuzumuten ist. 5. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwal- tungsökonomischen Gründen und in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist indes auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu ver- zichten. (Dispositiv nächste Seite) D-5344/2015 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und das SEM. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand: