Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 23. Mai 2012 (810 11 435) ____________________________________________________________________ ZGB und EG ZGB Obhutsentzug und Platzierung beim Kindsvater Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Niklaus Ruck- stuhl, Christian Haidlauf, Stefan Schulthess, Beat Walther , Gerichts- schreiberin i.V. Marion Wüthrich Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Susanne Bertschi, Advo- katin gegen Kantonales Vormundschaftsamt , Beschwerdegegnerin Vormundschaftsbehörde B.____ , Beschwerdegegnerin Beigeladener C.____ , vertreten durch Andreas H. Brodbeck, Advokat Betreff Beschluss der Vormundschaftsbehörde B.____ vom 01 .09.2011 i.S. D.____ (Entscheid des Kantonalen Vormundschaftsamtes vom 09.12.2011) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 2004 geborene D.____ ist das gemeinsame Kind von A.____ und C.____. Mit Ver- fügung vom 15. Dezember 2008 genehmigte die damals zust ändige Vormundschaftsbehörde (VB) E.____ die Vereinbarung vom 1. Dezember 2008 betreffend die elterliche Sorge und über- trug den unverheirateten Kindseltern die gemeinsame e lterliche Sorge über D.____. Bezüglich einer Obhutszuteilung im Falle einer Trennung wurde nichts vereinbart. Nach der Trennung der Eltern im Mai 2011 lebte D.____ bei der Kindsmutter. Mit Schreiben vom 19. August 2011 stell- te C.____, vertreten durch Advokat Andreas Brodbeck, bei der neu zuständigen VB B.____ ein Gesuch um Regelung des persönlichen Verkehrs zwischen ihm und D.____ sowie um Prüfung von vorsorglichen Massnahmen. Das Gesuch wurde auf Wunsch d es Kindsvaters am 23. August 2011 sistiert. Mit Schreiben vom 24. August 2011 beantragte die Kindsmutter bei der VB B.____ ihrerseits die Prüfung von Kindesschutzmassnahm en bezüglich des Umgangs mit dem Kindsvater und dessen Eltern. Daraufhin beantragt e der Kindsvater in einer Gefährdungs- meldung vom 26. August 2011 eine sofortige Begutachtu ng der Familiensituation betreffend Entzug der Obhut über D.____ sowie die Reaktivierung s eines sistierten Gesuchs vom 19. August 2011. Ebenfalls am 26. August 2011 teilte A .____ der VB B.____ telefonisch mit, dass sie sich zusammen mit ihrem Sohn ins Frauenhaus begebe n werde. Abklärungen der VB B.____ ergaben dabei, dass die Kindsmutter D.____ in der Schule hatte beurlauben lassen. Am 30. August 2011 liess sich A.____ durch ihren Arzt in die Kantonale Psychiatrische Klinik Liestal (KPK Liestal) einweisen. Am 31. August 2011 konnte du rch die VB B.____ in Erfahrung ge- bracht werden, dass sich D.____ bei den Eltern seines bes ten Freundes aufhalte und wieder die Schule besuche. Nach den getätigten Abklärungen de r Sozialen Dienste B.____ fand am 1. September 2011 die Anhörung von C.____ statt. Gle ichentags hätte in der KPK Liestal die Anhörung von A.____ stattfinden sollen. Vor Ort wurd e jedoch ein Arztbrief übergeben, wonach die Kindsmutter krankheitsbedingt nicht an der Anhörung teilnehmen könne. Mit Präsidialentscheid vom 1. September 2011 entzog die VB B.____ A.____ die Obhut über D.____ und platzierte ihn vorläufig beim Kindsvater. We iter wurde für D.____ eine Erziehungs- beistandschaft errichtet, mit F.____, Soziale Dienste B.____, als Beistand und der Aufgabe, die Eltern bei der Betreuung des Kindes zu unterstützen, b is Ende November 2011 einen Bericht zur Frage des zukünftigen Aufenthalts und der Betreuung des Kindes mit entsprechender Emp- fehlung zuhanden der VB B.____ zu verfassen, während der Abklärungszeit das Besuchsrecht festzulegen und zu überwachen sowie der VB B.____ eine n Antrag betreffend das Besuchs- recht nach der Abklärungszeit zu stellen. Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. B. Mit Schreiben vom 12. September 2011 erhob A.____ , vertreten durch Advokatin Su- sanne Bertschi, beim Kantonalen Vormundschaftsamt (KVA) Beschwerde gegen obgenannten Beschluss der VB B.____ und beantragte die Aufhebung d es Obhutsentzugs und die Platzie- rung beim Kindsvater. Mit der Errichtung einer Erziehun gsbeistandschaft erklärte sie sich grundsätzlich einverstanden. Weiter wurde die Wiederher stellung der aufschiebenden Wirkung beantragt. In einem weiteren Schreiben vom 12. Septem ber 2011 wurde von A.____, weiterhin vertreten durch Advokatin Bertschi, bei der VB B.____ d ie Wahl von F.____ als Beistand ange- fochten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit Verfügung vom 26. September 2011 hielt die VB B. ____ an der Person des Beistands fest und unterbreitete die Angelegenheit dem KVA zur Entsch eidung. Aufgrund des engen Sachzu- sammenhangs sowie aus prozessökonomischen Gründen entschied das KVA, die Beschwerde gegen den Obhutsentzug und die Platzierung beim Kind svater sowie die Anfechtung des Man- datsträgers zu vereinen und in nur einem Entscheid darü ber zu befinden. Der Antrag auf Wie- derherstellung der aufschiebenden Wirkung wurde mit Ve rfügung vom 14. Oktober 2011 abge- lehnt. Mit Entscheid vom 9. Dezember 2011 wies das KVA die Beschwerde von A.____ vollumfänglich ab. Auf die Begründung des KVA wird − soweit erforder lich − in den Erwägungen eingegangen. C. Gegen den Entscheid des KVA vom 9. Dezember 2011 und gegen den Beschluss der VB B.____ vom 1. September 2011 erhob A.____, weiterhin vertreten durch Advokatin Bertschi, mit Eingabe vom 22. Dezember 2011 Beschwerde beim Ka ntonsgericht Basel-Landschaft, Ab- teilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte die Aufhebung der Entscheide des KVA vom 9. Dezember 2011 und der VB B._ ___ vom 1. September 2011. Eventualiter sei die Sache mit entsprechenden Weisun gen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Ferner beantragte sie die unentgeltliche Rechtspflege; alles unter o/e-Kostenfolge. Mit Vernehmlassung vom 12. Januar 2012 hielt die VB B. ____ an ihren im Präsidialentscheid vom 1. September 2011 ergangenen Beschlüssen fest und ver wies ferner auf ihre Stellung- nahme vom 30. September 2011 an das KVA. Das KVA liess sich mit Schreiben vom 17. Januar 2012 vernehmen und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Mit Vernehmlassung vom 7. Februar 2012 nahm der Kindsva ter C.____ als Beigeladener im Verfahren vor Kantonsgericht, weiterhin vertreten dur ch Advokat Brodbeck, Stellung und bean- tragte die Abweisung der Beschwerde der Kindsmutter vo m 22. Dezember 2011, soweit darauf einzutreten sei. Dies alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin, eventualiter zu Lasten der Vorinstanz. Mit Schreiben vom 21. Februar 2012 schlug das Kantonsg ericht den Parteien eine Sistierung des Verfahrens vor, da die Beschwerdeführerin in ihrer B eschwerdeschrift ausführe, dass sie ihre Beschwerde zurückziehe, wenn sie wieder normalen Kon takt zu ihrem Kind bekomme und die Besuchsberechtigung nicht auf einem Minimum gehal ten werde. Ferner weise der beigela- dene Kindsvater daraufhin, dass es keinen Sinn mache, ein en vorsorglichen, von vorneherein befristeten Entscheid anzufechten, wenn der definitive Entscheid unmittelbar bevorstehe. Schliesslich habe die VB B.____ den definitiven Entsche id betreffend die Obhutszuteilung an- fangs Dezember 2011 fällen wollen, doch hätten die P arteien diese Frist zusammen mit dem Beistand einvernehmlich bis Anfangs März 2012 verlängert. Der Beigeladene, weiterhin vertreten durch Advokat Brodbeck, teilte am 6. März 2012 mit, dass er einer Sistierung des Verfahrens nicht zustimmen kön ne. Die VB B.____ wolle erst nach Vor- liegen eines Kantonsgerichtsentscheids über die Obhut ent scheiden und es fänden zwischen der Beschwerdeführerin, der Vormundschaftsbehörde und dem Beigeladenen auch keine Ge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht spräche mehr statt. Am 8. März 2012 liess sich auch die Besch werdeführerin, erneut vertreten durch Advokatin Bertschi, vernehmen und sprach sich gegen eine Sistierung des Verfahrens aus. Zudem wurde mitgeteilt, dass sich die Beschwerdefüh rerin schon sei dem 6. Dezember 2011 nicht mehr in der Klinik befände und sich ihr Ge sundheitszustand so verbessert habe, dass sie ihr Studium wieder aufnehmen könne. Mit Schrei ben vom 12. März 2012 sprach sich schliesslich auch das KVA gegen eine Sistierung des Verfahrens aus. Mit Präsidialverfügung vom 19. März 2012 wurde der Fall dem Kantonsgericht zur Beurteilung überwiesen. Zudem wurde eine Anhörung des Kindes angeo rdnet und der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit Advokatin Bertschi bewilligt. D. Die Anhörung von D.____ durch Franziska Preiswerk-Vö gtli, Präsidentin der Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht des Kantonsgerichts, und Marion Wüthrich, Gerichtsschrei- berin i.V., fand am 4. Mai 2012 statt. E. An der heutigen Hauptverhandlung werden die Besch werdeführerin, C.____ als Beige- ladener, G.____ von der VB B.____ und H.____ vom KVA sowie F.____ als Auskunftsperson befragt. Auf ihre Aussagen wird soweit notwendig in d en nachstehenden Erwägungen einge- gangen. Die Parteien halten an ihren bisherigen Antr ägen und wesentlichen Begründungen fest, stellen jedoch jeweils weitere Begehren. Von de r Beschwerdeführerin wird beantragt, dass eventualiter das Verfahren auszustellen und ein fachliches Gutachten in Auftrag zu geben sei. Das KVA stellt den Antrag, dass eventualiter festzustellen sei, dass der angefochtene Entscheid zum damaligen Zeitpunkt richtig gewesen sei und vom Beige ladenen wird der zusätzlichen An- trag gestellt, dass eine kinderpsychiatrische Abklärung in Au ftrag zu geben sei und diese Dr. I.____ von der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Kl inik [KJPK] Basel zu erteilen sei. Zu- dem reichen die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführeri n und der Rechtsvertreter des Beige- ladenen weitere Unterlagen ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Kantonsgerich t zuständig für Beschwerden gegen Verfügungen und Entscheide des Regierungsrates sow ie letztinstanzliche Entscheide der Direktionen und gegen letztinstanzliche Entscheide der Landeskirchen, sofern dem Kan- tonsgericht die Zuständigkeit nicht durch andere Geset ze entzogen ist. Gemäss § 43 Abs. 2 VPO ist das Kantonsgericht weiter zuständig für Beschwer den gegen Verfügungen und Ent- scheide anderer Behörden und Gerichte, sofern die kanton ale Gesetzgebung und die Verfas- sung die Zuständigkeit des Kantonsgerichts als Verwaltungsgericht vorsehen. 1.2 Nach § 61 Abs. 1 des Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 ist das KVA die Aufsichtsbehörde f ür das Vormundschaftswesen und gemäss Art. 420 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (Z GB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. § 63 lit. c EG ZGB zuständig für Beschwerden ge gen Entscheide der Vormundschaftsbe- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht hörde. Gemäss § 65 EG ZGB beurteilt das Kantonsgericht Beschwerden gegen Verfügungen und Entscheide der Aufsichtsbehörde für Vormundschaftswe sen. Das angerufene Kantonsge- richt ist somit für die Beurteilung der vorliegenden B eschwerde gegen den Entscheid des KVA vom 9. Dezember 2011 zuständig. Auf die im Übrigen ge mäss §§ 43 ff. VPO form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Gestützt auf § 41 Abs. 3 lit. b des Gesetzes über die Organisation der Gerichte und der Strafverfolgungsbehörden (Gerichtsorganisationsgesetz, GOG) vom 22. Februar 2001 finden Urteilsberatungen in Verfahren betreffend Kindesschutzm assnahmen nicht öffentlich und unter Ausschluss der Parteien statt, weshalb das Gericht im Anschluss an die Parteiverhandlung eine geheime Urteilsberatung durchführt. Das in dieser Beratung gefällte Urteil wird, mit Begründung und Rechtsmittelbelehrung versehen, nach § 19 Abs. 1 VPO den Parteien schriftlich eröffnet. 3. Gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO können mit der verwaltungsgerichtlichen Be- schwerde Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung ode r Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung de s Sachverhalts gerügt werden. Die Überprüfung der Angemessenheit ist gemäss § 45 Abs. 1 lit. c VPO hingegen nur bei Verfügun- gen betreffend fürsorgerische Freiheitsentziehung, bei E ntscheiden über die Anordnung oder Aufhebung von Entmündigungen sowie bei Disziplinarmassn ahmen gegenüber Beamten vor- gesehen. Aufgrund von § 45 VPO hätte das Kantonsgerich t vorliegend somit keine Ermessens- kontrolle. Im vorliegenden Fall ist jedoch Art. 420 Ab s. 2 ZGB zu beachten, gemäss welchem gegen die Beschlüsse der Vormundschaftsbehörde binnen ze hn Tagen nach deren Mitteilung bei der Aufsichtsbehörde Beschwerde geführt werden kann. Diese bundesrechtliche Beschwer- denorm gelangt nur zur Anwendung, soweit das Bundesrecht einen Entscheid in die Zuständig- keit der vormundschaftlichen Behörden verweist. Dabei ist es ohne Bedeutung, ob sich die ent- sprechende Bundesnorm im Vormundschaftswesen im engeren Sinn oder in einem anderen Rechtsgebiet findet. Somit unterliegen der Beschwerde auch Entscheide, welche das ZGB in anderen Bereichen der Vormundschaftsbehörde zuweist, na mentlich im Bereich des Kindes- schutzes (vgl. Thomas Geiser, in: Honsell/Vogt/Geiser [Hr sg.], Basler Kommentar zum Schwei- zerischen Privatrecht, Zivilgesetzbuch I, Art. 1 - 456 Z GB, 4. Auflage, Basel/Genf/München 2010 [Basler Kommentar], Rz. 2 und 13 zu Art. 420 ZGB) . Gründet die Zuständigkeit der Vor- mundschaftsbehörde hingegen auf kantonalem Recht, so sind die Kantone in der Regelung der Rechtsmittel – im Rahmen der allgemeinen rechtsstaatlich en Grundsätze – frei (vgl. Thomas Geiser, Basler Kommentar, a.a.O., Rz. 2 zu Art. 420 ZGB ). Sieht ein Kanton zwei Aufsichtsbe- hörden vor, so grenzt er ihre Zuständigkeiten gegenein ander ab. Damit entscheidet er auch darüber, ob die Beschwerde von der einen an die ande re Behörde weitergezogen werden kann oder nicht. Sofern aber eine Beschwerde im Sinne von Ar t. 420 Abs. 2 ZGB an die obere In- stanz zugelassen wird, handelt es sich nicht um ein vom kan tonalen Recht ausgestaltetes Rechtsmittel, sondern um eine den bundesrechtlichen Gru ndsätzen unterliegenden Vormund- schaftsbeschwerde. Die Schutzbedürftigkeit der von vormu ndschaftlichen Massnahmen betrof- fenen Personen erfordert es nun aber, dass die Aufsichtsbe hörde die Entscheide sowohl in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht als auch hinsichtlich ihrer Angemessenheit prüft. Mit Blick auf die Tragweite der staatlichen Eingriffe, um die es beim Vormundschaftsrecht in der Regel geht, steht die materielle Richtigkeit gegenüber ein er formellen, prozessualen Richtigkeit im Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vordergrund (vgl. Thomas Geiser, Basler Kommentar, a.a.O., Rz. 21 zu Art. 420 ZGB; vgl. zum Ganzen auch Thomas Geiser, Die Aufsicht im Vormundschaft swesen, in: Zeitschrift für Vor- mundschaftswesen [ZVW] 1993 S. 201 ff.). Das KVA als Au fsichtsbehörde muss im Beschwer- deverfahren nach Art. 420 ZGB also eine Ermessensüber prüfung vornehmen. Das Gebot eines einfachen und damit auch möglichst einheitlichen Verfa hrens verlangt, dass das Rechtsmittel an die zweite Aufsichtsbehörde den gleichen Grundsätzen folgt, wie dasjenige an die erste Auf- sichtsbehörde. Somit ist der Schluss zu ziehen, dass das Kan tonsgericht als zweite Aufsichts- behörde im vorliegenden Fall über die gleiche, mithin umfassende Kognition verfügt wie das KVA (vgl. zum Ganzen das Urteil des Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht [KGE VV] vom 23. Juni 2010 [810 09 469] E. 4.2 so wie KGE VV vom 5. Dezember 2007 [810 07 246] E. 2.1 und 2.2 mit weiteren Hinweisen). 4. Vorab macht die Beschwerdeführerin in verfahrensrechtl icher Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. Dies einerseits, da weder sie noch das Kind vor dem Obhut- sentzug angehört worden seien und andererseits aufgrun d des Umstands, dass ihr die Hono- rarnote des gegnerischen Rechtsvertreters nicht zugestellt worden sei, bevor das KVA über das Honorar des Rechtsvertreters des Beigeladenen entschieden habe. 4.1 In einem ersten Schritt ist die gerügte Verletzung des rechtlichen Gehörs des Kindes zu prüfen. 4.1.1 Gemäss Art. 314 Ziff. 1 ZGB sind Kinder vor dem E rlass von Kindesschutzmassnah- men in geeigneter Weise durch die Vormundschaftsbehör de oder durch die beauftragte Dritt- person persönlich anzuhören, soweit nicht ihr Alter oder andere wichtige Gründe dagegen spre- chen (vgl. auch Art. 144 Abs. 2 ZGB). Es handelt sich hier bei um die innerstaatliche Kodifizie- rung des in Art. 12 Abs. 2 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes (UKRK) vom 20. November 1989 verankerten Grundsatzes, wonach Kinder anzuhören sind, wenn ein Ge- richts- oder Verwaltungsverfahren ihre Angelegenheiten betrifft (vgl. Christoph Häfeli, Die Auf- hebung der elterlichen Obhut nach Art. 310 ZGB, in: ZVW, 56 1-2/2001 S. 111 ff., S. 122). Ge- mäss bundesgerichtlicher Praxis ist Art. 12 Abs. 2 UKRK dire kt anwendbar (vgl. BGE 124 III 93 E. 3a). Die Kinder sind jedoch nicht zwingend persönlich anzuhören, sondern lediglich in ange- messener Weise. Die Anhörung kann je nach der zu behan delnden Problematik und den Um- ständen des Einzelfalles auch schriftlich oder über eine n Vertreter vorgenommen werden (vgl. BGE 124 III 90 E. 3b und 3c, 124 II 368 E. 3c). Eine Anhörung des Kindes ist nur dann zu unter- lassen, wenn sie auch unter Beizug einer Fachperson sinn los bleibt (vgl. Alexandra Rumo- Jungo, Die Anhörung des Kindes, in: Aktuelle Juristische Praxis [AJP], 1999, S. 1578 ff., S. 1582). Auf die Anhörung kann aus wichtigen Gründen verzichtet werden, wobei auf die kon- kreten Umstände abzustellen ist. Als wichtige Gründe falle n unter anderem die glaubwürdige Ablehnung der Anhörung durch das Kind selbst sowie die Gefahr einer Beeinträchtigung der (psychischen) Gesundheit des Kindes in Betracht. Ein wichti ger Grund kann auch darin liegen, dass eine dringliche Massnahme anzuordnen ist und dabei n icht genügend Zeit für die Vorbe- reitung einer kindergerechten Anhörung bleibt. Aller dings muss in diesem Fall die Anhörung im Verlauf des Verfahrens und vor weiteren Anordnungen na chgeholt werden (vgl. Alexand- ra Rumo-Jungo, a.a.O., S. 1582). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1.2 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass das Kin d vor der Anordnung und Durchfüh- rung der Kindesschutzmassnahmen nicht angehört wurde. Die VB B.____ bestätigt dies in ihrer Vernehmlassung vom 30. September 2011 zuhanden des KVA ausdrücklich und begründet es damit, dass eine Anhörung durch den Leiter der Sozialen Dienste B.____ parallel zu einer An- hörung der Kindseltern durch Vertreter der VB B.____ geplant gewesen sei. Da die Anhörung der Kindsmutter am 1. September 2011 nicht habe statt finden können, sei bewusst auf eine vorgängige Anhörung des Kindes verzichtet worden. Dem an gefochtenen Entscheid vom 1. September 2011 ist dabei zu entnehmen, dass das Kind swohl aufgrund der ständig wech- selnden Unterbringungen gefährdet war und mithin ein e zeitliche Dringlichkeit bestanden hat. Zum damaligen Zeitpunkt konnte die VB B.____ nicht au sschliessen, dass die kranke Kinds- mutter das Kind nicht erneut an einem anderen Ort un terbringt. Es ist somit nicht zu beanstan- den, dass sie auf eine vorgängige Anhörung des Kindes verzi chtet hat. Wie den Akten zu ent- nehmen ist, wurde das Kind schliesslich am 6. September 20 11 durch den Leiter der Sozialen Dienste B.____ angehört. Der entsprechenden Aktennotiz ist dabei zu entnehmen, dass der Kindsvater das Kind zur Anhörung begleitet habe. Das K ind sei jedoch sehr scheu gewesen und habe nicht sprechen wollen. Da sich das Kind auch nicht vom Kindsvater habe trennen wol- len, sei − im Wissen, dass das Kind zugehört habe − ein kindgerechtes Gespräch mit dem Kindsvater geführt worden. Somit ist festzuhalten, dass e ine den Umständen entsprechend an- gemessene und kindgerechte Anhörung kurze Zeit nach Erla ss der Verfügung nachgeholt wor- den ist; daran ändert auch der Umstand nichts, dass das K ind während der Anhörung das Ge- spräch verweigerte. Damit ist das rechtliche Gehör des Kindes gewahrt. 4.2 In einem zweiten Schritt ist zu prüfen, ob das rech tliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt wurde, da diese vor dem Entzug der elterlichen Obhut nicht angehört wurde und sie auch zur Honorarnote des Rechtsvertreters der gegnerischen Partei nicht hat Stellung nehmen können. 4.2.1 Das Recht angehört zu werden, fliesst unmittelba r aus Art. 29 Abs. 2 BV. Es dient ei- nerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein per sönlichkeitsbezogenes Mitwirkungs- recht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rec htsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine Rechts- stellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhe bliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweis anträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergeb- nis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (vgl. BGE 123 I 66, 123 II 183 f., 122 I 55). Die Verletzung des verfassung srechtlichen Anspruchs auf rechtliches Gehör führt zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Dies unabhängig davon, ob die frag- lichen verfahrensrechtlichen Mängel einen Einfluss auf d as Ergebnis haben (vgl. BGE 122 II 469 E. 4a; Jörg Paul Müller/Markus Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Auflage, Bern 2008, S. 853 mit Hinweisen). Nach de r Praxis des Bundesgerichts kann aber eine im erstinstanzlichen Verfahren erfolgte Gehörsverlet zung im Rechtsmittelverfahren „ge- heilt“ werden. Dies ist dann zulässig, wenn das rechtlic he Gehör nachträglich gewährt wurde, die Rechtsmittelinstanz über freie Kognition in Rechts- und Sachverhaltsfragen verfügt, mithin Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Ermessensüberprüfung möglich ist und dem Betroff enen die gleichen Mitwirkungsrechte wie vor erster Instanz zustehen (vgl. BGE 122 II 286 f. E. 6b; Jörg Paul Müller/Markus Schefer, a.a.O., S. 855 mit weiteren Hinweisen). Die Heilung eines allfälligen Mangels soll aber die Aus- nahme bleiben (vgl. BGE 127 V 437 E. 3d/aa, 126 V 132 E. 2b, je mit Hinweisen). 4.2.2 Vorliegend ist wiederum unbestritten, dass die Ki ndsmutter vor der Anordnung des Entzugs der elterlichen Obhut nicht angehört wurde. Un bestritten ist auch, dass die VB B.____ mehrfach versucht hat, mit der Kindsmutter einen Anhöru ngstermin zu vereinbaren, so bei- spielsweise für den 1. September 2011 in der KPK Liest al. Dort ist der VB B.____ jedoch ein Arztzeugnis übergeben worden, welches bescheinigte, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Krankheit nicht an der Anhörung teilnehmen könn e. Eine Verschiebung des Termins sei seitens der Beschwerdeführerin weder angesprochen noch verlangt worden. Da eine vorgängi- ge Anhörung somit aufgrund der Umstände nicht möglich war, jedoch eine zeitliche Dringlichkeit bestand, ist nicht zu beanstanden, dass die VB B.____ vor Erlass der Verfügung darauf verzich- tete. 4.2.3 Ob die Honorarnote des Gegenanwalts der Beschwer deführerin im vorliegenden Fall zur vorgängigen Stellungnahme hätte zugestellt werden m üssen, kann offen gelassen werden. Gemäss der Rechtsprechung kann eine − nicht besonders schw erwiegende − Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wen n die betroffene Person die Möglich- keit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern , die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Das KVA verfügt über ei ne umfassende Kognition in Rechts- und Sachverhaltsfragen und kann insbesondere auch die Angemessenheit des Einspracheent- scheides überprüfen. Auch bezüglich der Mitwirkungsrechte der Parteien im Verfahren vor dem Kantonsgericht und im Einspracheverfahren beim KVA ergeb en sich gegenüber dem erstin- stanzlichen Verfahren keine Einschränkungen, weshalb eine im erstinstanzlichen Verfahren erfolgte Gehörsverletzung einer Heilung zugänglich ist. Die Beschwerdeführerin, die mittlerweile im Besitz der Honorarnote zu sein scheint, hatte sowohl i m Einspracheverfahren als auch im vorliegenden Verfahren vor dem Kantonsgericht die Gele genheit, zur gegenparteilichen Hono- rarnote Stellung zu nehmen. Eine allfällige Verletzun g des Anspruchs auf rechtliches Gehör kann somit durch das Verfahren vor Kantonsgericht als geheilt gelten. 5. Die Beschwerdeführerin macht ferner eine Befangen heit der VB B.____ sowie des Er- ziehungsbeistands geltend, da der Kindsvater Mitglied der Rechnungs- und Geschäftsprüfungs- kommission B.____ ist. 5.1 Gemäss § 8 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes Base l-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 liegt Befangenheit vor, wenn die Pe rson, die eine Verfügung zu treffen oder diese vorzubereiten hat, in der Sache ein persönliches Int eresse hat (lit. a), mit einer Partei in gerader Linie oder in der Seitenlinie bis zum Dritten Grade verwandt oder verschwägert oder durch Ehe, Verlobung, eingetragene Partnerschaft oder faktische Lebensgemeinschaft verbun- den ist (lit. b), Vertreter einer Partei ist oder für eine Partei in der gleichen Sache tätig war (lit. c) oder aus anderen Gründen in der Sache befangen sein könnte (lit. d). Einer befangenen Person fehlt die innere Unabhängigkeit, sie ist nicht mehr in der Lage, frei zu entscheiden (vgl. Benja- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht min Schindler, in: Zürcher Studien zum öffentlichen Rech t, Die Befangenheit der Verwaltung, Zürich/Basel/Genf 2002, S. 6 mit Hinweisen). Da es sich bei der Befangenheit um einen inneren Gemütszustand handelt, können definitionsgemäss nur natür liche Personen befangen sein. Dementsprechend hat sich gemäss Praxis ein Ausstandsbegehre n immer gegen eine einzelne, natürliche Person zu richten, nie gegen eine Gesamtbe hörde. Dass Ausstandsbegehren gegen eine Gesamtbehörde nicht zulässig sind, schliesst indessen nicht aus, dass in seltenen Aus- nahmesituationen sämtliche Einzelmitglieder einer Behö rde befangen sein können. Entspre- chend ist ein gegen eine Gesamtbehörde gerichtetes Be gehren als Ausstandsbegehren gegen alle Einzelmitglieder der Behörde zu werten (vgl. Benjamin Schindler, a.a.O., S. 75 ff.). 5.2 Im Bereich der Kindesschutzmassnahmen sind grundsätzlich die vormundschaftlichen Behörden am Wohnsitz des Kindes örtlich zuständig (vgl. Ar t. 315 Abs. 1 ZGB). Die Beschwer- deführerin macht geltend, dass sich eine Befangenheit der Gemeinde B.____ und des Erzie- hungsbeistands dadurch ergebe, dass der Kindsvater Mitg lied der Rechnungs- und Geschäfts- prüfungskommission B.____ sei. Insbesondere zeige sich die mangelnde Neutralität beim über- eilten Obhutsentzug, welcher lediglich aufgrund der Angaben des Vaters erfolgt sei. 5.3 Vorliegend kommt einzig der offen formulierte Au sstandsgrund der persönlichen Inte- ressen oder der Auffangtatbestand der besonderen Umständ e in Betracht. Dabei erscheint ein persönliches Interesse sämtlicher Einzelmitglieder der VB B.____ am Ausgang des Verfahrens jedoch als unwahrscheinlich und vermag eine Ausstandspfl icht der durch das Gesetz bestimm- ten VB nicht zu begründen. In Fällen, wo kein im Ges etz explizit genannter Ausstandsgrund vorliegt, ist sodann entscheidend, ob Umstände vorliegen , die bei objektiver Betrachtung den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreing enommenheit zu begründen vermögen, so dass ein korrektes Verfahren nicht mehr gewährleistet e rscheint (vgl. zu der dem § 8 Abs. 1 VwVG BL entsprechenden Bestimmung im Bundesrecht, Art. 1 0 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren [Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG] vom 20. Dezember 1986, Benja- min Schindler, a.a.O., S. 91 mit Hinweisen). Solche Umstände liegen nicht vor. Anzumerken ist insbesondere, dass vor dem Entscheid über die vorübergehe nde Obhutszuteilung zwar nur der Kindsvater angehört wurde, dies jedoch nicht einer feh lenden Neutralität der VB B.____ zuzu- schreiben ist. Vielmehr ist dieses Vorgehen mit den zuvor geschilderten Umständen zu begrün- den, aufgrund derer die Kindsmutter für eine Anhörun g nicht zu erreichen war. Die VB B.____ ist der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission weder unterstellt noch von ihr abhängig. Entsprechend ist eine Befangenheit sämtlicher Einzelm itglieder der VB B.____ zu verneinen und damit auch eine Befangenheit des Erziehungsbeistand s, welcher lediglich im Auftrag der VB B.____ handelt und weder der Rechnungs- und Geschäf tsprüfungskommission noch dem Kindsvater als Kommissionsmitglied unterstellt ist. 6. Die Beschwerdeführerin bestreitet des Weiteren, dass d er VB B.____ das Recht zuge- standen habe, die Obhutsfrage zu regeln. Mit der "Obhutsumteilung" habe die VB B.____ in die Sorgerechtssituation der Eltern eingegriffen, ohne da ss dafür eine gesetzliche Grundlage be- stehe, und damit eine Rechtsverletzung begangen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die Kindesschutzmassnahmen des ZGB umfassen vier nach ihre r Schwere abgestufte Eingriffe in die elterliche Gewalt. Art. 307 ZGB erw ähnt „geeignete Massnahmen“, Art. 308 und 309 ZGB regeln die Beistandschaft, Art. 310 ZGB sieht die Aufhebung der elterlichen Obhut vor und Art. 311 und 312 ZGB führen als schwerste Massnahme die Entziehung der elterlichen Sorge an (vgl. Tuor/Schnyder/Schmid/Rumo-Jungo, Das Schw eizerische Zivilgesetzbuch, 12. Auflage, Zürich 2002, S. 447 ff.). Die elterliche Sorge ist die umfassende Zuständigkeit, für das Wohl des Kindes zu sorgen. Hingegen bleibt unklar, was mit dem Begriff der Obhut gemeint ist. Die Obhut hat zwei Seiten, eine rechtliche und ein e faktische. Das eine ist die Kompetenz zur Festlegung des Aufenthaltsortes (rechtliche Obhut) und das andere die Ausübung der tägli- chen Sorge, namentlich die faktische Obhut (vgl. Rolf Vet terli, in: Ingeborg Schwenzer [Hrsg.], Fam Kommentar Scheidung, 2. Auflage, Bern 2011, Rz. 1 zu Art. 176). Steht die elterliche Sor- ge unverheirateten Eltern gemeinsam zu, kommt bei ge trenntem Wohnsitz der Eltern die alter- nierende Obhut (vom Bundesgericht als alternative Obhut bezeichnet, vgl. BGE 123 III 452 E. 3c) in Frage (vgl. Ingeborg Schwenzer, Basler Kommentar, a.a.O., Rz. 5 zu Art. 298a). Diese wechselseitige Obhut entspricht der Betreuungsregelung. Wer für eine bestimmte Zeit vereinba- rungsgemäss für die Betreuung zuständig ist, muss die Obh ut inne haben, andernfalls eine Betreuung gar nicht wahrgenommen werden kann. Zum and eren wird vertreten, dass bei ge- meinsamer Sorge und wechselseitiger Betreuung des Kind es keine alternierende Obhut vorlie- ge, sondern rechtlich eine gemeinsame Obhut mit altern ierender Betreuung (vgl. Rolf Vetterli, a.a.O, Rz. 6 zu Art. 176). Selbst bei gemeinsamer Obh ut (anstelle einer wechselseitigen) muss die Vormundschaftsbehörde, um das Kind zu schützen, im Streit die Obhut einem Elternteil ent- ziehen können, wenn dies notwendig erscheint. Gestützt a uf Art. 310 ZGB kann deshalb die Vormundschaftsbehörde die Obhut entziehen, ohne dass der obhutsberechtigte Elternteil zugleich das Sorgerecht verliert. Durch den Entzug der Obhut geht einzig das Recht verloren, über den Aufenthalt und die Unterbringung des Kindes zu entscheiden. 6.2 Durch die Verfügung der VB B.____ vom 1. Septemb er 2011 wurde das Sorgerecht nicht berührt. Die Verfügung regelt nur die Obhut, w eshalb das Sorgerecht nach wie vor beiden Kindseltern gemeinsam zusteht. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin, die Obhut sei nicht zugeteilt und damit nicht geregelt gewesen, weshalb es der VB B.____ verwehrt gewesen sei, die Obhut überhaupt zu entziehen, gehen dabei fehl. Der Obhutsentzug ist in Art. 310 ZGB aus- drücklich vorgesehen. Ungeachtet dessen, ob der Beschwerde führerin die Obhut alleine oder zusammen mit dem Kindsvater zustand, ist das Vorgehen der VB B.____ rechtlich nicht zu be- anstanden. Nichts anderes ergibt sich aus der bundesgerichtl ichen Rechtsprechung. In seinem Entscheid vom 4. Januar 2012 hat das Bundesgericht festg ehalten, dass das Begehren eines Elternteils bei unverheirateten Eltern um Übertragun g der Obhut auf sich alleine voraussetze, dass eine gemeinsame elterliche Sorge bestehe (vgl. Urtei l des Bundesgerichts 5A_721/2011 vom 4. Januar 2012 E. 3.1). Dies bedeutet nichts ande res, als dass im Normalfall bei gemein- samer Sorge auch eine gemeinsame Obhut besteht, die eb en im Streitfall von der Vormund- schaftsbehörde neu geregelt werden kann und muss. Die VB B.____ ging vorliegend indessen nicht soweit, dass sie die Obhut dem Kindsvater übertrug , sondern entzog diese lediglich der Kindsmutter und brachte das Kind nur vorläufig beim Ki ndsvater unter − ohne ihm die Obhut zuzuweisen. Ferner setzte die VB B.____ einen Erziehungsbe istand ein und wies diesen an, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht einen Bericht zu verfassen, bevor über den noch offenen Entscheid der Obhutszuteilung ein Beschluss gefällt wird. Mit diesem Vorgehen beging die VB B.____ keine Rechtsverletzung. 7. Kann der Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden, so hat die Vormund- schaftsbehörde es den Eltern oder, wenn es sich bei Dritt en befindet, diesen wegzunehmen und in angemessener Weise unterzubringen (Entziehung de r Obhut, Art. 310 Abs. 1 ZGB). Zu prüfen ist weiter, ob der Entzug der elterlichen Obhu t der Beschwerdeführerin und die damit verbundene Platzierung beim Kindsvater zum Zeitpunkt des Beschlusses der Vormundschafts- behörde aufgrund der damaligen Gegebenheiten zu Recht erfolgte. 7.1 Voraussetzung für die Wegnahme und Fremdplatzierung eines Kindes an einem Drit- tort ist eine derart ernsthafte Gefährdung des Kindswoh ls, dass diese weder durch geeignete Massnahmen nach Art. 307 ZGB noch durch eine Erziehungsb eistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 ZGB allein abgewendet werden kann. D azu muss der Nachweis erbracht wer- den, dass die Gefährdung nur durch die Massnahme der A ufhebung der elterlichen Obhut be- hoben werden kann. Die Gefährdung liegt vor, sobald nach den Umständen die ernstliche Mög- lichkeit einer Beeinträchtigung des körperlichen, sittli chen oder geistigen Wohls des Kindes vo- rauszusehen ist, wobei nicht erforderlich ist, dass diese M öglichkeit sich schon verwirklicht hat (vgl. Cyril Hegnauer, Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufla ge, Bern 1999, Rz. 27.14). Dennoch will Art. 310 ZGB, wie die anderen Kindesschutzmassnahm en, in erster Linie vorbeugen und soll nicht erst dann zum Zuge kommen, wenn bereits grosser Schaden angerichtet ist, sondern dann, wenn Zeichen eines beginnenden Schadens dazu auf fordern, grösseren Schaden zu verhindern. Festzuhalten bleibt dabei, dass die Eltern grundsätzlich einen Anspruch auf persön- lichen Verkehr (Art. 273 ZGB) haben, soweit er ihnen nicht gerade aus Gründen, die zur Anord- nung der Massnahme geführt haben, zu versagen ist (vgl. ZVW 49/1994, Rz. 1, S. 22). 7.2. Bei der Beurteilung der Frage, ob das Kindswohl gefährdet ist, müssen die ganzen Umstände des Einzelfalles berücksichtigt werden. Die Ver waltungsbehörde ermittelt den Sach- verhalt von Amtes wegen (vgl. § 9 Abs. 1 und 2 VwVG BL; vgl. auch Helmut Henkel, Die An- ordnung von Kindesschutzmassnahmen gemäss Art. 307 rev. ZGB, Zürich 1977, S. 157 ff.). Auch das Gericht stellt im Rahmen einer Beschwerde geg en angeordnete Kindesschutzmass- nahmen nach Art. 307 ff. ZGB von Amtes wegen die für den Entscheid wesentlichen Tatsachen fest und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 12 Abs. 1 VPO). Die Verwaltungsbehörde darf eine Tatsache erst dann als bewiesen annehmen, wenn der volle Beweis erbracht ist. Dies ist der Fall, wenn sie von deren Vorhandensein derart über zeugt ist, dass das Gegenteil als un- wahrscheinlich erscheint (vgl. Alfred Kölz/Isabelle Häner, Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, S. 289). Zur Sachverhaltsermittlung kommen im Rahmen der Anordnung von Kindesschutzmassnahme n insbesondere Auskünfte der Parteien oder von Drittpersonen, Auskünfte anderer Behörden im Rahmen der Rechtshilfe, Augenschein und Gutachten als Beweismittel in Frage (vgl. § 9 Abs. 3 VwVG BL und § 12 Abs. 2 VPO). Die rechtsanwendenden Behörden und Gerichte haben aber zu beachten, dass insbesondere kinderpsychiatrische Gutachten einschneidende Auswirkungen für alle Be- teiligten (Eltern und Kinder) haben. Gemäss dem Grund satz der Verhältnismässigkeit im Ver- waltungsrecht muss daher zuerst versucht werden, den Sachv erhalt mit weniger einschneiden- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Mitteln abzuklären. Ein kinderpsychiatrisches Gutachte n darf nicht ohne vorherige Anhö- rung und Ausschöpfung möglicher weniger eingreifender Ermittlungen angeordnet werden (vgl. Cyril Hegnauer, a.a.O., Rz. 27.63 mit Hinweis). 7.3 Bezüglich der von der Vormundschaftsbehörde geltend gemachten Gefährdung des Kindes macht die Beschwerdeführerin insbesondere gelten d, dass sie das Kind nicht gefährdet habe, indem sie sich mit ihm ins Frauenhaus begeben habe . Vielmehr habe sie das Kind an einen sicheren Ort gebracht. Im Frauenhaus habe es kompe tente Betreuerinnen, welche tag- täglich Mütter mit ihren Kindern aufnehmen und es ge be dort auch spezielle Kinderbetreuerin- nen. Die VB B.____ und das KVA als Beschwerdegegnerinnen machen demgegenüber geltend, dass die Gefährdung des Kindswohls in der Unbeständigkeit und der fehlenden Konstanz und Stabilität im Leben des Kindes bestanden habe. Aufgru nd der Tatsache, dass die Kindsmutter das Kind von der Schule habe beurlauben lassen, es ins F rauenhaus mitgenommen und dann bei den Eltern seines besten Freundes platziert habe, u m sich in die KPK Liestal einzuweisen, sei ersichtlich, dass die Kindsmutter die für seine Entwickl ung notwendige stabile und struktu- rierte Umgebung nicht habe bieten können. Es liege da bei nicht im Kindswohl, dass ein Kind über längere Zeit fremd betreut werde. Angesichts der angespannten Situation und den häufi- gen Veränderungen sei es für das Kind wichtig gewesen, dass eine gewisse Konstanz und Sta- bilität in sein Lebensumfeld gebracht und bewahrt würden. 7.4 Weshalb sich die Beschwerdeführerin mit dem Kind ins Frauenhaus begab, ergibt sich nicht aus den Akten und blieb auch anlässlich der heutige n Parteibefragung unklar. So führt die Beschwerdeführerin lediglich aus, dass sie aufgrund der durch den Kindsvater bei der VB B.____ anhängig gemachten Begehren in Panik geraten sei. Die Beschwerdeführerin begab sich am 26. August 2011 ins Frauenhaus und liess sich am 30. August 2011 in die Klinik ein- weisen. Wie die Vorinstanz richtig festgehalten hat, e rscheinen dabei die vielen Wechsel des Aufenthaltsorts innert kurzer Zeit als besorgniserrege nd. So wurde das Kind in einer fluchtartig anmutenden Art und Weise von der Beschwerdeführerin au s der Schule genommen und inner- halb von vier Tagen an zwei dem Kind unbekannte Orte g ebracht. Dabei ist zwar zu vermuten, dass das unberechenbar erscheinende Verhalten der Kindsmu tter auf deren damaligen Ge- sundheitszustand zurückzuführen ist. Da die Ursache einer G efährdung jedoch unerheblich ist (vgl. Cyril Hegnauer, a.a.O., Rz. 27.14), vermag die Er krankung der Kindsmutter nichts daran zu ändern, dass die sich daraus ergebende Unbeständigkeit nicht mit dem Kindswohl zu ver- einbaren ist. Aufgrund des Verhaltens der Kindsmutter konnte eine erneute Umplatzierung nicht ausgeschlossen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die VB B.____ − wie aus den Akten entnommen werden kann − den aktuellen Aufenthaltsort des Kindes jeweils nur mit zeitlicher Verzögerung in Erfahrung bringen konnte. Der von der B eschwerdeführerin gewählte erste Un- terbringungsort im Frauenhaus ist dabei für sich allei ne betrachtet nicht geeignet, einen Obhut- sentzug zu begründen, hingegen das Zurücklassen des Kinde s bei der Familie seines besten Freundes schon. Dies insbesondere, da das Kind − wie di e Beschwerdeführerin anlässlich der heutigen Parteiverhandlung bestätigt − die Eltern se ines Freundes nicht gekannt hat. Zwar ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin, bevor sie sich in die Klinik einweisen liess, um eine Betreuung bemüht war, wie die Beschwerdeführe rin jedoch heute ausführt, hatte sie keine Vorstellung darüber, für wie lange sie ihr Kind bei den Eltern des Freundes belassen wür- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht de. Zumindest eine längere Zeit andauernde Unterbri ngung des Kindes bei ihm unbekannten Dritten ist unter dem Aspekt des Kindswohls nicht tragbar. Aufgrund ihres Klinikaufenthaltes war die Beschwerdeführerin nachweislich nicht in der Lage, si ch um das Kind zu kümmern und ihm die notwendige Fürsorge zu erteilen. Dabei war zum da maligen Zeitpunkt auch nicht abzuse- hen, wie lange die Beschwerdeführerin ihren Pflichten als Mutter nicht würde nachkommen können. Da mit der Beschwerdeführerin selbst in den Kl inikräumlichkeiten kein Gespräch statt- finden konnte, musste die VB B.____ davon ausgehen, dass es sich um eine schwerere Er- krankung handelte, was bei der Beschlussfassung zu berücksichtigen war. Aufgrund der darge- legten Umstände steht somit fest, dass im Zeitpunkt der Anordnung der Obhutsentziehung das Kindswohl gefährdet war. In Anbetracht der sich zum dama ligen Zeitpunkt darlegenden Um- stände ist es nach dem Gesagten nicht zu beanstanden, dass die VB B.____ eine Gefährdung des Kindswohls angenommen hat. 8. Im Weiteren ist zu prüfen, ob der Entzug der elter lichen Obhut der Beschwerdeführerin eine verhältnismässige Massnahme war und ob eine mildere Massnahme die Gefährdung des Kindswohls hätte abwenden können. 8.1 Unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit ist zu prüfen, ob der Entzug der elterlichen Obhut sich auf das nach den konkreten Umstän den Nötige beschränkt und die mil- deste im Einzelfall erfolgsversprechende Massnahme darge stellt hat (Proportionalitätsprinzip). Als mildere Massnahmen gegenüber dem Entzug der elterl ichen Obhut kommen "geeignete Massnahmen" nach Art. 307 ZGB oder auch die Beistandschaft nach Art. 308 ZGB in Betracht. Bei der Beurteilung der Proportionalität einer Massnahme ist nicht nur die Schwere des Eingriffs im Moment, sondern sind auch die Perspektiven der Bewahr ung oder Wiederherstellung des Kindswohls bei einem allfälligen Aufschub in der Abwäg ung einzubeziehen (vgl. Peter Breitschmid, Basler Kommentar, a.a.O., Rz. 8 zu Art. 307). 8.2 Im vorliegenden Fall wurde der Entzug der elterl ichen Obhut kombiniert mit der Errich- tung einer Beistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 Z GB sowie der vorläufigen Platzierung beim Kindsvater verfügt. Diese Kombination des Obhutsen tzugs mit einer Beistandschaft ist zulässig, soweit sie in der Summe nicht faktisch den Entz ug der elterlichen Sorge bewirkten (vgl. Peter Breitschmid, Basler Kommentar, a.a.O., Rz. 3 zu Art. 307). Wie hiervor ausgeführt, ist unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit zu be achten, dass behördliche Mass- nahmen nur zulässig sind, soweit die Eltern die ihnen obliegenden Pflichten nicht oder nicht ausreichend wahrnehmen können. In diesem Zusammenhang b ringt die Beschwerdeführerin vor, dass einer Mutter, welche in einem "normalen" Kran kenhaus hospitalisiert sei, die Obhut auch nicht gleich entzogen werde. Der Beschwerdeführ erin ist insofern zuzustimmen, dass nicht jede Unzulänglichkeit ein behördliches Eingreifen rechtfertigt. Insbesondere erübrigt sich ein Eingreifen, wo zwar ein Elternteil aus gesundheitl ichen Gründen oder wegen persönlichen Schwierigkeiten ausfällt, der andere aber die elterl ichen Aufgaben dennoch genügend wahr- nehmen kann (vgl. Peter Breitschmid, Basler Kommentar, a.a.O., Rz. 6 zu Art. 307). Vorliegend ist aus den Akten ersichtlich, dass die VB B.____ aufgrun d der in den Wochen zuvor einge- reichten Begehren der Kindseltern bezüglich des persönl ichen Verkehrs und bezüglich Mass- nahmen des Kindesschutzes bereits über einen längeren Zei traum involviert war. Spätestens Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufgrund der Gefährdungsmeldung des Kindsvaters am 26. August 2011 standen die Behörden damit in der Pflicht einzugreifen. In ihrer Argumentation verkennt die Beschwerdeführerin insbe- sondere, dass ihr die Obhut nicht aufgrund ihres Aufenthalts in der Klinik entzogen worden war, sondern aufgrund der zuvor entstandenen Unbeständigkei t, welcher sie das Kind ausgesetzt hatte. Indem sie das Kind von der Schule abmeldete und es schliesslich für unbestimmte Zeit in die Obhut der Familie des besten Freundes des Kindes üb ergab, hat die VB B.____, respektive das KVA, zu Recht den Schluss gezogen, dass die Beschwerde führerin zum damaligen Zeit- punkt überfordert und nicht in der Lage war, das Wohl des Kindes zu garantieren. Da die Kindsmutter ihren elterlichen Pflichten somit − wenn a uch krankheitsbedingt − nicht mehr nach- kommen konnte und aufgrund der aktenkundigen zwischen den Kindseltern bestehenden Diffe- renzen, musste die Behörde handeln. 8.3 Jede Anordnung von Kindesschutzmassnahmen setzt in ei nem gewissen Ausmass eine Prognose über die künftige Entwicklung voraus. Im Ra hmen der Zumutbarkeitsprüfung ist zu beachten, dass der Obhutsentzug zweifellos ein schwerwieg ender Eingriff in die Rechte der Beschwerdeführerin als Mutter darstellt. Auf der ander en Seite ist aber zu betonen, dass zum Wohle des Kindes die mildeste im Einzelfall erfolgsverspre chende Massnahme zu treffen ist. Die Massnahme sollte also nicht nur so schwach wie mögli ch, sondern auch so stark wie nötig sein (vgl. Peter Breitschmid, Basler Kommentar, a.a.O. , Rz. 8 zu Art. 307 mit Hinweisen). Auf- grund des dargelegten Verhaltens der Beschwerdeführeri n, dem Umstand, dass auch in der Klinik kein Gespräch möglich gewesen war und der Gefährd ungsmeldung des Kindsvaters, musste die Vormundschaftsbehörde eingreifen und die Bet reuung des Kindes umgehend si- cherstellen. Somit war der Entzug der elterlichen Obhut der Beschwerdeführerin und die Errich- tung einer Beistandschaft geeignet und notwendig, das Kindswohl zu gewährleisten. Zudem war die Massnahme der Beschwerdeführerin zumutbar. Die Tatsachen, dass das Kind vorläufig beim Kindsvater platziert wurde und es nicht in einer An stalt nach Art. 314a ZGB untergebracht werden musste, lassen die Massnahme als weniger einschne idend erscheinen, zumal mit die- ser Lösung zumindest die Beziehung des Kindes zum Vater aufrechterhalten werden konnte. 9. Zu prüfen ist weiter, ob durch die Obhutszuteilung an den Kindsvater eine angemesse- ne Unterbringung des Kindes gewährleistet wurde. Die Beschwerdeführerin macht diesbezüg- lich geltend, dass nie abgeklärt worden sei, ob der Kind svater dem Kind die notwendige Stabili- tät bieten könne. Wie den Akten zu entnehmen ist, hat d as Kind bis zur Trennung der Eltern im Frühjahr 2011 mit beiden zusammen gelebt und der Kin dsvater hat gemeinsam mit der Kinds- mutter nach wie vor das Sorgerecht über das Kind. Obwo hl die aktenkundigen Abklärungen bezüglich der Eignung des Vaters relativ knapp sind, kann − unter Berücksichtigung, dass aus- serdem eine Beistandschaft errichtet worden ist − bestätig t werden, dass die VB B.____ im Zeitpunkt der Anordnung der Kindesschutzmassnahme von der Eignung des Vaters ausgehen durfte. Insbesondere bestätigen die Parteien heute, d ass der Kindsvater in ständigem Kontakt mit dem Erziehungsbeistand war und auch das Besuchsrecht der Kindsmutter nach deren Kli- nikaustritt gemeinsam besprochen und ausgearbeitet worden war. Dass der Kindsvater zum Zeitpunkt der vorübergehenden Obhutszuteilung bei sei nen Eltern wohnte und erst danach mit dem Kind in eine eigene Wohnung zog, kann die Eignung der Unterbringung nicht in Zweifel ziehen. So kann ein geregelt vorgenommener Wohnortwechsel des Kindes zusammen mit dem Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kindsvater schwerlich mit den von der Kindsmutter vorgeno mmenen und eher planlos erschei- nenden Unterbringungswechsel verglichen werden. 10.1 Schliesslich bleibt noch zu prüfen, ob der Obhutse ntzug heute und in absehbarer Zu- kunft aufrechterhalten werden muss. Bei der Würdigung der Akten fällt dabei auf, dass in der Verfügung der VB B.____ vom 1. September 2011 der Beistand mit der Aufgabe betraut wurde, bis spätestens Ende November 2011 einen Bericht zur Frag e des zukünftigen Aufenthalts und der Betreuung des Kindes zu verfassen und eine entsprec hende Empfehlung zuhanden der Vormundschaftsbehörde abzugeben. Wie der Beistand anlä sslich der heutigen Parteiverhand- lung zu Protokoll gibt, habe es nach dem Klinikaustritt der Kindsmutter erst so ausgesehen, als ob gemeinsam mit den Kindseltern eine konsensuale Lösun g bezüglich des Besuchsrechts ge- funden werden könne, weshalb er um eine Fristverlängerung für die Abgabe seines Berichts bis März 2012 beantragt habe. Er habe dann zwar die für d en ihm aufgetragenen Bericht notwen- digen Abklärungen, insbesondere bei der Schule, vorgenommen und den Bericht auch verfasst, jedoch hätte die VB B.____ mit Verweis auf das vorliegende Beschwerdeverfahren diesen dann nicht mehr eingefordert. Weshalb die VB B.____ und da s KVA nach Anordnung der Kindes- schutzmassnahmen zugewartet haben und keine weiteren Ab klärungen betreffend das weitere Vorgehen vorgenommen worden sind, ist den Akten nicht z u entnehmen. Die VB B.____ und das KVA erklären ihr Zuwarten heute damit, dass sie auf eine Lösung seitens des Gerichts ge- wartet hätten. 10.2 Was die gegenwärtige Situation betrifft, kann F olgendes festgehalten werden: Nach Auskunft der Kindseltern und dem Beistand besteht seit dem Klinikaustritt der Kindsmutter eine je hälftige Betreuung beider Elternteile. Jedoch sei die Beziehung zwischen der Beschwerde- führerin und dem Kindsvater nach wie vor sehr belastet, da sich die Eltern weiterhin in einem Machtkampf um das Kind befänden. Der Beistand führt aus, dass sich das Kind in einem gros- sen Loyalitätskonflikt befinde und eine definitive Lösu ng brauche. Einzig der Schulbesuch be- deute für das Kind Neutralität. Wäre bekannt, wer von den Eltern bestimmen dürfe, wären die Machtverhältnisse klar. Wie die Anhörung des Kindes vor Ka ntonsgericht ergeben hat, wünscht sich das Kind, dass es alle zwei Wochen bei seinem Vater und sonst bei der Kindsmutter, bei der es schon früher gewesen sei, sein könne. Allerdings hä lt der Beistand an der heutigen Ver- handlung fest, dass der persönliche Verkehr mit dem Ki ndsvater nicht mehr gesichert wäre, hätte die Kindsmutter die Obhut über das Kind und dass die Kindsmutter die Obhut möglicher- weise als Druckmittel verwenden würde. Zu berücksichtigen sei weiter, dass das Kind am Nachmittag oft nicht zur Schule gehe, wenn es von der Kindsmutter betreut werde, obwohl es am Morgen noch nicht krank gewirkt habe. Zudem habe di e Schule gemeldet, dass das Kind morgens, wenn es vom Vater komme, aufgestellt sei und a m Nachmittag in der Schule nach dem Mittagessen bei der Kindsmutter sehr belastet wirke. Wie eine E-Mail der Schulleitung vom 22. Mai 2012 belegt, sorgt auch die Schule sich um das W ohlergehen des Kindes und hat eine entsprechende Meldung an den Beistand gemacht. Im he utigen Zeitpunkt kann somit nicht da- von ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin dem K ind stabile Verhältnisse bieten, insbesondere einen regelmässigen Schulbesuch gewährleisten kann. Da die momentane Be- suchsregelung dem Kind einen regelmässigen Kontakt mit d er Beschwerdeführerin gewährleis- tet, erscheint ein Beibehalten der getroffenen Regelu ng betreffend die Platzierung beim Kinds- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht vater weiterhin angezeigt und eine sofortige Umplatzie rung, wie sie die Beschwerdeführerin beantragt, nach dem Gesagten nicht im Sinne des Kind swohls. Dies insbesondere solange, bis die VB B.____ die notwendigen Abklärungen betreffend das weitere Vorgehen getroffen hat. Selbst wenn aber zur Zeit die Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung des Obhutsentzugs noch gegeben sind und eine Rückverbringung des Kindes zu seiner Mutter nicht angebracht ist, hat die VB B.____ periodisch zu überprüfen, ob die Massn ahmen noch notwendig sind. Sobald der in der Verfügung vom 1. September 2011 angeordnete Bericht zur Verfügung steht und eine klare Empfehlung betreffend den zukünftigen Aufenthalt und die Betreuung des Kindes vorliegt, hat die VB B.____ die bisherige Regelung den gewonne nen Erkenntnissen anzupassen. Die Vormundschaftsbehörde ist denn auch gemäss Art. 313 Abs. 1 ZGB verpflichtet, die Massnah- men zum Schutze des Kindes einer neuen Lage anzupassen, wenn sich die Verhältnisse geän- dert haben. Erweist sich eine Massnahme in der bisherige n Form als nicht mehr nötig oder zu- mutbar, ist sie aufzuheben oder durch eine mildere zu ersetzen. 11. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Interesse des Kindes an Kontinuität und Stabilität höher zu gewichten ist als das Interesse der B eschwerdeführerin an der Wiederzutei- lung der Obhut und dem Wunsch des Kindes, bei der Kindsm utter zu wohnen. Die Beschwerde ist somit abzuweisen und der Entscheid des KVA vom 9. Dezember 2011 zu bestätigen. 12. Es bleibt, über die Kosten zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrensko sten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unter liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind d ie Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zuf olge Bewilligung der unentgeltlichen Pro- zessführung gehen die Verfahrenskosten zulasten der Geri chtskasse. Dem Beigeladenen wird eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6'885.- - (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerdeführerin zugesprochen. Das Kantona le Vormundschaftsamt hat der Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Ausführungen in der Erwägung 4.2.3 eine Parteient- schädigung in der Höhe von pauschal Fr. 250.-- zu bezahle n. Zufolge der Bewilligung der un- entgeltlichen Rechtspflege wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin die restliche Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 4'576.60 (inkl. 8 % Mehrwertsteuer und Auslagen, wobei die Auslagen für Kopien auf die bei unentgeltlicher R echtspflege praxisgemäss gewährten Fr. 0.50 gekürzt werden) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen a bgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Dem Beigeladenen wird eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6'885.-- (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Be- schwerdeführerin zugesprochen. Der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschädi- gung in der Höhe von pauschal Fr. 250.-- zu Lasten des Kantonalen Vormundschaftsamtes zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird der Rechts- vertreterin der Beschwerdeführerin ein reduziertes Hono rar in der Höhe von Fr. 4'576.60 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.