200 17 175 IV SCJ/ABE/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 4. Juli 2017 Verwaltungsrichter Scheidegger, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Schwegler, Verwaltungsrichter Loosli Gerichtsschreiberin Abenhaim A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 17. Januar 2017 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1966 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) bezog seit dem 1. Oktober 2002 bei einem Invaliditätsgrad von 83% eine ganze Rente der Invalidenversicherung (Verfügung vom 22. Mai 2007 [Antwortbeilage {AB} 68/2]). Der Rentenanspruch wurde 2010 revisions- weise bestätigt (AB 99). Im Rahmen einer weiteren, Ende 2014 von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevision (AB 113 ff.) ordnete die IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) auf Empfehlung ihres Regionalen Ärztli- chen Dienstes (RAD; AB 122/3) eine polydisziplinäre Untersuchung an (AB 125, 152). Gestützt auf die entsprechende Expertise der MEDAS C.________ vom 12. Oktober 2016 (AB 175.1) hob die IVB die Rente – nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (AB 176 ff.) – mit Verfügung vom 17. Januar 2017 (AB 183) auf das Ende des der Verfügungszustellung folgenden Monats auf (Invaliditätsgrad: 31%). B. Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, am 15. Februar 2017 Beschwerde mit folgenden Anträgen: 1. Die Verfügung vom 17. Januar 2017 sei mangels Revisionsgrund aufzu- heben und es sei dem Beschwerdeführer weiterhin und rückwirkend die bisherige Rente auszurichten. 2. Eventualiter seien berufliche Massnahmen unter Leistung eines Taggel- des gutzusprechen bzw. zu verfügen. unter Kosten- und Entschädigungsfolge In der Begründung wird im Wesentlichen eine Verbesserung des Gesund- heitszustands bestritten. Mit Beschwerdeantwort vom 20. März 2017 beantragt die Beschwerdegeg- nerin, soweit auf die Beschwerde einzutreten sei, deren Abweisung.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 3 Am 29. März und am 16. Juni 2017 gingen beim Gericht weitere medizini- sche Unterlagen des Beschwerdeführers ein. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 17. Januar 2017 (AB 183). Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch bzw. die Rechtmässig- keit der Rentenaufhebung per Ende Februar 2017 (vgl. AB 184). 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 4 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbs- unfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 2.2Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Vier- telsrente. 2.3Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 5 2.4Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge- hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). 2.4.1Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, son- dern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben. Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung ge- langt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 10, 130 V 343 E. 3.5 S. 349). 2.4.2Als zeitliche Vergleichsbasis ist einerseits der Sachverhalt im Zeit- punkt der ursprünglichen Rentenverfügung und anderseits derjenige zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung zu berücksichtigen (BGE 130 V 343 E. 3.5.2 S. 351, 125 V 368 E. 2 S. 369; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 166 E. 3.1). Wurde die Rente zuvor bereits revidiert oder bestätigt, so ist als zeitliche Vergleichsbasis die letzte rechtskräftige Verfügung heranzuziehen, sofern eine materielle Überprüfung des Leistungsanspruches tatsächlich stattge- funden hat, d.h. eine rechtskonforme (medizinische) Sachverhaltsab- klärung, eine Beweiswürdigung und gegebenenfalls – sofern Hinweise für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszu- stands bestanden – ein Einkommensvergleich durchgeführt worden sind (BGE 133 V 108 E. 5.4 S. 114; SVR 2013 IV Nr. 44 S. 135 E. 3.1.2). 2.4.3Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren- tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag- gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali- ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 4b S. 200; SVR 2011 IV Nr. 37 S. 109 E. 1.1).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 6 3. Vorab ist zu prüfen, ob ein Revisionsgrund vorliegt. Zu vergleichen ist dabei der Sachverhalt zur Zeit der rentenzusprechenden Verfügung vom 22. Mai 2007 (AB 68/2) mit demjenigen, der sich bis zur angefochtenen Verfügung vom 17. Januar 2017 (AB 183) entwickelt hat. Die Rentenbestätigung von 2010 (AB 99) ist in dieser Hinsicht unbeachtlich, da ihr keine umfassende materielle Anspruchsüberprüfung vorausging (vgl. E. 2.4.2 hiervor). 3.1Die Rentenzusprechung im Jahr 2007 (AB 68/2) basierte im Wesentlichen auf dem Gutachten der MEDAS D.________ vom 15. No- vember 2006 (AB 58). Darin wurde Folgendes erwähnt: Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 1. Status nach Femurkopfnekrose beidseits mit progredientem Einbruch des Femurkopfes links 2. Lumbovertebralsyndrom bei - Status nach zweimaliger Diskushernienoperation mit residuellem sensiblem Ausfallsyndrom L5 und S1 - Übergangsanomalie mit partieller Lumbalisation und Ausbildung einer Nearthrose rechts - Osteochondrosen und Spondylarthrosen L5/S1 und S1/S2 3. Klinisch Verdacht auf Dysfunktion des Acromioclaviculargelenkes an der linken Schulter mit Impingement-Syndrom 4. Morbus Crohn mit segmentärer Colitis Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 5. Mässige Varikose beidseits Bezüglich der Darmbeschwerden habe eine Coloskopie zunächst eine Colitis ulcerosa ergeben. Trotz Behandlung sei es immer wieder zu Ex- azerbationen der Colitis gekommen. Im 2003 sei die entsprechende Erkrankung dann als Morbus Crohn qualifiziert worden. Aktuell leide der Explorand unter gehäuften Darmkrämpfen, fast täglich mit Schleimabgang. Nebst der regulären medikamentösen Therapie müsse er immer wieder lmodium einnehmen, weil die imperativ auftretenden Durchfälle ihn gesell- schaftsunfähig machen würden (S. 22). 1997 und 1999 sei der Explorand jeweils von einer Hebebühne zu Boden gestürzt; seither beständen Rückenschmerzen. 2002 seien Hüftschmerzen hinzugekommen; es sei sowohl ein Status nach (rechts) als auch eine akute (links) Femurkopfne-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 7 krose festgestellt worden. Letztere sei im September 2002 hüfterhaltend operiert worden (S. 22). Die Behandlung der Rückenschmerzen, u.a. mit Facetteninfiltrationen, sei nur teilweise erfolgreich gewesen. Schliesslich seien auch Polyarthralgien an den Händen sowie degenerative Gelenks- veränderungen (Rhizarthrose, Heberdenarthrosen) aufgetreten. Im Februar 2005 sei die Diskushernie operiert worden; bereits Ende 2005 seien wieder radikuläre Schmerzausstrahlungen aufgetreten, ein Rezidiv der Diskusher- nie L5/S1 festgestellt und eine erneute Operation durchgeführt worden. Aktuell leide der Explorand weiterhin unter wechselnd starken Rücken- schmerzen (S. 23). Er gebe an, dass er wegen der Schmerzen psychisch leide. Bei der Untersuchung sei eine eigentliche depressive Gestimmtheit jedoch nicht vorhanden gewesen (S. 24). Die frühere Diagnose einer mit- telgradigen depressiven Episode sei nicht mehr zu stellen. Ebenso fehlten Anhaltspunkte für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung oder eine emotional unstabile Persönlichkeit. Aus psychiatrischer Sicht wäre eine Arbeitstätigkeit durchaus zumutbar (S. 25). Insgesamt sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft auszugehen, wel- che orthopädisch und mit der Darmerkrankung begründet sei. Für rein intel- lektuelle Arbeiten, die theoretisch in Frage kämen, sei der Explorand aus ausbildungs- und sprachlichen Gründen ungeeignet. Möglich seien demzu- folge Nischentätigkeiten im Umfang von 30-50% in einer geschützten Um- gebung, wo der Explorand behinderungs- bzw. schmerzbedingt längere Pausen einschalten und die Arbeit entsprechend unterbrechen könnte (S. 25). 3.2Der rentenaufhebenden Verfügung vom 17. Januar 2017 (AB 183) lag hauptsächlich das Gutachten der MEDAS C.________ GmbH vom 12. Oktober 2016 (AB 175.1) zugrunde. Darin wurden nach internistischer, neurochirurgischer, orthopädischer, gastroenterologischer und psychiatri- scher Untersuchung folgende Diagnosen erwähnt (S. 50 f.): Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit •Wiederkehrende Schulterarthralgien beiderseits bei AC-Gelenk- arthrose, marginaler Einengung des subakromialen Raumes, SLAP-II- Läsion, degenerative Rotatorenmanschettenveränderungen ohne transmurale Ruptur und bei Tendinopathie der Bizepssehne – MRT (Februar 2006) mit Status nach AC-Gelenkresektion, Acromioplastik und arthroskopischer Bizepstenotomie rechte Schulter am 9. Mai 2016Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 8 •Chronisch wiederkehrende Cervikodorsolumbalgien bei geringer Wirbelsäulenfehlstatik und beginnenden degenerativen HWS-, BWS- und LWS-Veränderungen und bei Status nach Mikrodiskektomie L4/L5 links 8. Februar 2005 und Mikrodiskektomie und Nukleotomie L5/S1 links 21. Dezember 2005 bei lumbosakraler Übergangsstörung •Wiederkehrende Coxalgien beidseits bei Status nach Femurkopf- nekrose beidseits und bei Status nach Hüft-TEP-Implantation links No- vember 2005 sowie beginnende Coxarthrose rechts •Psychologische Faktoren, die einen medizinischen Krankheitsfaktor beeinflussen DSM 316 sowie sonstige nicht näher bezeichnete Per- sönlichkeits- und Verhaltensstörung bei Erwachsenen (ICD-10 F69) Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit •Beginnende Rhizarthrose beidseits, beginnende Heberden-Arthrosen beidseits •Geringe bis mässiggradige Genua vara •Varikosis im Bereich beider Beine •Hohl-Spreizfuss beiderseits •Seit 2001 bekannte chronisch entzündliche Darmerkrankung (indeterminante Colitis) bei seit 2014 vollständiger klinischer und endoskopischer Remission •Persistierende Helicobacter-lnfektion, Status nach zweimaligem nich- terfolgreichem Eradikationsversuch (aktuell erneuter Eradiaktionsver- such nach dem klassischen Schema) •Persistierende funktionelle Störung des Magen-Darm-Traktes mit im Vordergrund stehender erhöhter Stuhlfrequenz •Arterielle Hypertonie, medikamentös therapiert •Herzrhythmusstörungen (anamnestisch), aktuell ohne subjektive Sym- ptome •Leichte Adipositas (BMI 29,3 m 2) •Chronische Schmerzstörung (ICD-10 R52) Aus neurochirurgischer Sicht habe sich der objektivierbare Status nach den Operationen der lumbalen Diskushernie und des Frührezidivs vor Jahren in erfreulicher Art und Weise normalisiert. Die geklagten Beschwerden könn- ten nicht einer somatischen Läsion zugeordnet werden resp. seien als An- zeichen einer Aggravationstendenz zu interpretieren. Rein fachspezifisch könne die fortdauernde Arbeitsunfähigkeit keinem neurochirurgischen Lei- den zugeordnet werden. Bei Vermeiden von länger dauernden, monotonen Körperhaltungen, Manipulieren von schweren Gewichten und über längere Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 9 Zeit repetitiven Bewegungsabläufen sei eine vollschichtige Arbeitstätigkeit zumutbar (S. 46). Bei der orthopädischen Untersuchung hätten sich Hals-, Brust- und Len- denwirbelsäule in ihrer Beweglichkeit jeweils frei gezeigt. Es bestehe eine Betonung der BWS-Kyphose und eine geringe Seitausbiegung der Wir- belsäule, ohne dass dies eine bedeutsame Fehlstatik darstelle. Eine Blo- ckierung im chirodiagnostischen Sinne oder eine anderweitige akute Pathologie bestehe an der Wirbelsäule nicht. Der Untersuchungsbefund korreliere gut mit dem Bildmaterial. Die aktuellen Röntgenaufnahmen der HWS hätten nur diskret beginnende degenerative Veränderungen gezeigt. Gleiches gelte für die aktuellen Aufnahmen der BWS und LWS. Neben ei- ner geringen Wirbelsäulenfehlstatik beständen auch hier nur diskrete de- generative Veränderungen, wobei diese an der Brustwirbelsäule sich am ehesten auf dem Boden eines nichtfunktionsrelevanten Morbus Scheuer- mann entwickelt hätten. Gesamtwertend passe die geklagte Schmer- zausstrahlung von der Wirbelsäule ins linke Bein allenfalls zu pseudoradikulären, keinesfalls aber zu radikulären Schmerzen. Hinweise auf das Vorliegen einer vertebragenen Nervenwurzelreizung fänden sich seit dem zweiten Eingriff an der Wirbelsäule (2005) weder in den Akten noch bei der aktuellen klinisch-orthopädischen Untersuchung. Gelegentli- che funktionelle Irritationen an der Wirbelsäule seien jedoch denk- und nachvollziehbar, etwa belastungsabhängige Schmerzen bei langem Stehen und Gehen, Schmerzen in Form von Anlaufschmerzen nach langem Sitzen und Schmerzen beim Aufrichten aus gebückter Haltung. Zu erwarten seien auch Schmerzen bei langen statischen Wirbelsäulenbelastungen und bei längeren Belastungen ausserhalb der Körperachse (S. 46). Das Bildmaterial der Schulter zeige eine aktivierte AC-Gelenkarthrose mit Spongiosaödem. Zudem zeigten sich auf den Aufnahmen eine marginale Einengung des Subacromialraumes und Partialrupturen der Rotatorenman- schette ohne Nachweis einer transmuralen Ruptur. Am Bizepslabrum- Ansatz finde sich eine SLAP-II-Läsion und betreffend die Bizepssehne bestehe eine geringe Tendinopathie. Es sei davon auszugehen, dass der Eingriff an der rechten Schulter vom 9. Mai 2015 (recte: 2016 [AB 163/2]) zu einer deutlichen Besserung des Schulterleidens führe (S. 46). Die Er-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 10 gebnisse nach solchen Eingriffen seien in der Regel sehr gut, insbesondere nachdem beim Exploranden keine transmurale Rotatorenmanschettenrup- tur bestehe. Weil der Eingriff jedoch erst nach der Exploration erfolge, sei das Ergebnis nicht beurteilbar (S. 47). Am linken Schultergelenk sei die Symptomatik deutlich geringer ausgeprägt als rechts. Linksseitig habe sich über die konservative Behandlung im Laufe der Jahre eine Besserung ein- gestellt; zumindest aktuell sei ein operatives Vorgehen nicht in Erwägung zu ziehen (S. 46). In Bezug auf die Hüftgelenke habe die Femurkopfnekrose in Verbindung mit der fortschreitenden Coxarthrose im November 2015 zur Notwendigkeit des endoprothetischen Hüftgelenkersatzes geführt; dies sei komplikations- los verlaufen. Auch die letzten Röntgenverlaufskontrollen (2016) hätten regelrecht einliegende Implantate ohne Lockerungs- und ohne Entzün- dungszeichen gezeigt. Dennoch resultiere eine dauerhafte Funktionsein- schränkung: Arbeiten ausschliesslich im Stehen und Gehen seien nicht mehr vollschichtig zumutbar, ebenso wenig regelmässige mittelschwere und alle schweren körperlichen Tätigkeiten. Auch Stoss- und Stauchungs- belastungen an den Hüftgelenken seien zu vermeiden (S. 47). Was die epigastrische Schmerzsymptomatik anbelange, sei diese gut im Rahmen der aktiven Helicobacter-Infektion zu erklären. Die geklagten unspezifischen gastrointestinalen Beschwerden mit erhöhter Stuhlfrequenz seien am ehesten auf funktionelle Störungen des Magen-Darm-Traktes zurückzuführen. Seit ca. 2014 bestehe aber eine vollständige klinische und endoskopische Remission der seit 2001 bekannten chronisch- entzündlichen Darmerkrankung (indeterminante Colitis). Weder aus allge- mein-internistischer noch aus gastroenterologischer Sicht würden die Befunde negative Auswirkungen auf das Fähigkeitsprofil bezüglich der Ar- beitsfähigkeit nach sich ziehen (S. 47). Aus psychiatrischer Sicht beständen vorwiegend unspezifische Symptome als Reaktion auf verschiedene somatische Leiden, welche die berufliche Tätigkeit – nach längeren Absenzen und Verlust des Arbeitsplatzes – be- endet hätten. Es sei von einer Schonhaltung und Symptomausweitung auszugehen. Von einer Therapieresistenz der psychischen Beschwerden könne nicht gesprochen werden (S. 47). Allenfalls sei von einer Persönlich-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 11 keitsakzentuierung auszugehen. Hinweise für eine relevante Persönlich- keitsstörung ergäben sich aber nicht. Diagnostisch könne von psychologi- schen Faktoren ausgegangen werden, die einen medizinischen Krankheits- faktor beeinflussten, sowie von einer nicht näher bezeichneten Persönlichkeits- und Verhaltensstörung (ICD-19 F69). Ein kognitives Defizit bestehe nicht (S. 48). Hinweise auf eine rheumatische Systemerkrankung oder eine Fibromyalgie fänden sich nicht. Anhaltspunkte für ein systemisch entzündlich- rheumatisches Geschehen hätten sich auch bei wiederholtem Vorstellen beim Rheumatologen nie ergeben. Die 2005 an den Händen festgestellte beginnende Rhizarthrose und die diskreten Heberden-Arthrosen seien so- wohl anamnestisch als auch auf explizite Nachfrage symptomlos (S. 48). Idealerweise würde der Explorand in einer körperlich leichten bis gelegent- lich mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeit arbeiten. Dabei sei von einem erhöhten Pausenbedarf auszugehen. Nicht mehr zumutbar seien Tätigkeiten mit häufigem Bücken und Heben von Lasten über 15 kg (S. 49). In seiner angestammten Tätigkeit als ... sei der Explorand nicht mehr ein- setzbar. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe aus somatischer Sicht – bei einer möglichen Präsenzzeit von 8.5 Stunden pro Tag – eine Arbeitsfähigkeit von 80%. Auch aus psychiatrischer Sicht sei die Leistungs- fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auf 80% reduziert; in ca. 12 Mona- ten sei psychiatrisch eine volle Arbeitsfähigkeit erreichbar. Hingegen werde die somatisch begründete Einschränkung wohl Bestand haben. Die Leis- tungsminderungen von je 20% würden sich nicht addieren, sondern gegen- seitig abdecken (S. 50). Der Gesundheitszustand habe sich seit der Rentenzusprechung gebessert. Bezüglich der im Rahmen der Begutachtung der MEDAS D.________ er- hobenen somatischen Befunde bestehe zwar weitgehende Übereinstim- mung, nicht jedoch bezüglich deren Funktionseinschränkungen. Zwischenzeitlich sei etwa die Gehbelastung durch den endoprothetischen Hüftgelenkersatz links wieder deutlich besser möglich als früher. Zudem komme der Explorand bezüglich der Wirbelsäulenproblematik seit der Ope- ration im 2005 mit nur ganz geringer Behandlungsaktivität gut zurecht (S. 53).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 12 3.3Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unab- hängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; SVR 2015 IV Nr. 28 S. 86 E. 4.1). 3.4Die MEDAS-Expertise vom 12. Oktober 2016 (AB 175.1) erfüllt die Anforderungen der Rechtsprechung (E. 3.3 hiervor) und überzeugt. Sie beruht auf einlässlichen Untersuchungen und wurde unter Berücksichti- gung der geklagten Beschwerden sowie in Kenntnis der Vorakten erstattet. In der Darlegung der medizinischen Situation ist sie widerspruchsfrei und die Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar begründet. Es finden sich weder Hinweise für eine Unrichtigkeit des Gutachtens noch Anhaltspunkte, die gegen die Zuverlässigkeit der Beurteilung sprechen. Sodann sind die Anforderungen an zwecks Rentenrevision erstellte Expertisen erfüllt: Namentlich haben sich die Gutachter auch auf das Beweisthema – erhebli- che Änderung(en) des Sachverhalts – bezogen (vgl. SVR 2013 IV Nr. 44 S. 136 E. 6.1.2). Folglich kommt dem Gutachten voller Beweiswert zu (BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 13 Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, vermag daran nichts zu ändern. Die Gutachter haben die Arbeitsfähigkeitseinschätzung nicht gene- rell retrospektiv seit 2002 als gültig bezeichnet (vgl. Beschwerde, S. 3 f.), sondern dies (gesichert) einzig in Bezug auf die angestammte Berufstätig- keit angenommen, was unbestritten ist. Die Restarbeitsfähigkeit in Bezug auf eine angepasste Tätigkeit, so wie sie die MEDAS-Gutachter beurteilt haben, gilt „spätestens“ seit Ende Februar 2016 (AB 175.1/52). Ausserdem ist in der Einschätzung vom 12. Oktober 2016 nicht „lediglich eine abwei- chende Beurteilung bei gleichem Gesundheitszustand“, wie er schon 2006 (AB 58) bzw. 2007 (AB 68) bestanden habe, zu erblicken (Beschwerde, S. 4), welche revisionsrechtlich unbeachtlich wäre (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11). Vielmehr ist – wie nachfolgend aufgezeigt wird – eine Verbesserung des Gesundheitszustands im Sinne eines Revisionsgrundes ausgewiesen. 3.4.1Was zunächst die Darmerkrankung anbelangt, haben die MEDAS- Gutachter – entgegen der Annahme in der Beschwerde (S. 3) – nicht einfach den Morbus Crohn nicht mehr erwähnt. Wenn der Magen-Darm- Spezialist unter Berücksichtigung der Vorakten, der anamnestisch erhobe- nen Angaben und der eigenen gastroenterologischen Untersuchung zum Schluss gelangte, die seit 2001 bekannte chronisch-entzündliche Darmer- krankung (indeterminante Kolitis) sei seit 2014 klinisch wie auch endosko- pisch vollständig remittiert (vgl. AB 175.1/63), ist dies nicht zu beanstanden. Denn wie den Berichten der behandelnden Ärzte zu entneh- men ist, zeigte die histopathologische Untersuchung bereits Ende 2012 eine höchstens mässige Aktivität der Darmkrankheit; die Biopsie ergab eine Kolonschleimhaut „ohne relevanten pathologischen Befund“ (AB 106/1). In der Folge war der Beschwerdeführer denn auch mehr oder weniger be- schwerdefrei (AB 116/24) und die Koloskopie vom 7. Mai 2014 war dann sogar „strikt unauffällig“ und ohne Narben und ohne Entzündung (AB 110/2). Zwar wurde am 28. August 2015 wieder eine leichtgradig floride Entzündung der Darmschleimhaut festgestellt, gleichzeitig aber festgehal- ten, dies entspreche keinem signifikanten histopathologischen Befund (AB 127/3; vgl. auch AB 127/1 und 169/3). Nachdem die Gastroskopie vom 9. März 2016 nach wie vor einen positiven Helicobacter pylori sowie einen klaffenden Kardiaschluss ergeben hatte, wobei eine Refluxösophagitis explizit ausgeschlossen wurde (AB 159/6), sahen die MEDAS-Gutachter Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 14 die geklagte epigastrische Schmerzsymptomatik vielmehr im Zusammen- hang mit der aktiven Helicobacter-Infektion. Die unspezifischen gastrointes- tinalen Beschwerden mit erhöhter Stuhlfrequenz sind demnach am ehesten auf funktionelle Störungen des Magen-Darm-Traktes zurückzuführen (AB 175.1/47). Die Einschätzung, wonach bezüglich der Darmerkrankung seit dem massgeblichen Referenzzeitpunkt eine Verbesserung eingetreten ist, deckt sich im Übrigen selbst mit der Einschätzung des Hausarztes: So be- richtete Dr. med. E.________, Praktischer Arzt, am 3. Februar 2017 (Be- schwerdebeilage [BB] 5), dass der Beschwerdeführer seit ca. 20 Jahren bei ihm in Behandlung sei bzw. dass er „damals“ unter abdominalen Schmer- zen und wässrigem/blutigem Stuhlgang gelitten habe, während der Darm momentan stabil sei resp. die häufigen Toilettengänge womöglich psycho- gen begründet seien. Sodann hat sich auch in Bezug auf das Hüftleiden eine Besserung einge- stellt. Zwar führten insbesondere die fortschreitende Coxarthrose und die Femurkopfnekrose zur Notwendigkeit eines endoprothetischen Hüftgelenk- ersatzes (AB 141/1, 175.1/47). Der Verlauf nach der (zementfreien) Implan- tation des künstlichen Hüftgelenks am 25. November 2015 gestaltete sich aber komplikationslos (AB 141/3) und die Röntgenaufnahmen von 2016 zeigten regelrecht einliegende Implantate ohne Lockerungs- oder Entzün- dungszeichen (AB 146/2, 175.1/47). Die frühere deutliche Einschränkung bezüglich Steh- und Gehfähigkeit (vgl. AB 58/24) und die schmerzbedingte Notwendigkeit vermehrter Pausen (AB 58/25) wurden denn auch nicht mehr bestätigt. Zwar wird dem Beschwerdeführer nach wie vor eine dauer- hafte Funktionseinschränkung wegen der Hüfterkrankung zugestanden (AB 175.1/47), jedoch kann angesichts des Verlaufs nach der Operation sowie aufgrund der Symptombeschreibung (vgl. AB 175.1/30) hinsichtlich der hier entscheidenden Arbeits- und Leistungsfähigkeit ohne weiteres von einer Verbesserung ausgegangen werden. Weiter hat sich hinsichtlich der Schulterproblematik insofern eine Verände- rung ergeben, als aufgrund einer aktivierten AC-Gelenksarthrose, einer marginalen Einengung des Subacromialraumes, einer SLAP-II-Läsion und einer geringen Tendinopathie der Bizepssehne (vgl. AB 157/2) am 9. Mai 2016 eine Schulterarthroskopie durchgeführt werden musste (AB 163/2). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 15 Die MEDAS-Gutachter gingen prognostisch davon aus, dass diese – nach der Exploration durchgeführte – Operation zu einer deutlichen Besserung des Beschwerdebildes führen werde, wobei das Ergebnis selbstredend nicht abschliessend beurteilt werden konnte (AB 175.1/46). Zwar persistier- ten nach dem Eingriff trotz Physiotherapie gewisse Restbeschwerden, weswegen am 8. November 2016 erneut eine Infiltration durchgeführt wur- de (AB 177/11). In der Folge waren die Beschwerden jedoch regredient (AB 178/2). Auch aus den zahlreichen nach Erlass der angefochtenen Ver- fügung erstatteten Berichten geht – soweit diese trotz des zeitlich be- schränkten Überprüfungshorizonts des Gerichts Rückschlüsse auf die Situation im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung erlauben und zu berücksichtigen sind (SVR 2008 IV Nr. 8 S. 25 E. 3.4) – hervor, dass die Schulterproblematik nicht mehr im Vordergrund steht. Gegenteiliges wird vom Beschwerdeführer denn auch nicht vorgebracht. Schliesslich hat sich objektiv auch die Befundlage im Zusammenhang mit dem Rücken „normalisiert“ (AB 175.1/46). Während die Lumbalwirbelsäule anlässlich der rheumatologisch-orthopädischen Untersuchung im Jahre 2006 massiv schmerzhaft und praktisch vollständig blockiert war, sowohl in der Extension als auch in der Seitneigung und Inklination (AB 58/23), wa- ren anlässlich der Exploration im Jahre 2016 sämtliche Abschnitte der Wir- belsäule frei beweglich und eine Blockierung oder eine anderweitige akute Pathologie war nicht mehr auszumachen (AB 175.1/46). 3.4.2Nach dem Dargelegten hat sich der Gesundheitszustand revisions- rechtlich verändert. Soweit die Beschwerdegegnerin in Betracht zieht, dass es dem Beschwerdeführer – bei gleich bleibenden Diagnosen – zwischen- zeitlich gelungen sei, sich besser an das Leiden anzupassen (vgl. Be- schwerdeantwort, Ziff. 8), kann ihr nicht gefolgt werden. Denn hier liegen veränderte Befundlagen vor und hinsichtlich der Diagnosen haben sich diverse Änderungen ergeben (vgl. E. 3.4.1 hiervor). Damit hat eine freie Prüfung des Rentenanspruchs zu erfolgen (E. 2.4.3 hiervor). Gestützt auf das beweiskräftige MEDAS-Gutachten vom 12. Oktober 2016 (AB 175.1) ist erstellt, dass dem Beschwerdeführer in einer leidensangepassten Tätig- keit spätestens seit Ende Februar 2016 ein zeitlich volles Pensum zumut- bar ist, wobei eine Leistungsfähigkeit von 80% besteht (AB 175.1/52).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 16 4. 4.1Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Der von der Beschwerdegegnerin durchgeführte Einkommensvergleich wird vom Beschwerdeführer – abgesehen von dem im Gesundheitsfall kor- rekt angenommenen Erwerbspensum von 80% (vgl. E. 3.4.2 hiervor) – nicht bestritten und es bestehen auch keine Anhaltspunkte für dessen Un- richtigkeit. Insbesondere ist nicht zu beanstanden, dass aufgrund der lang- jährigen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt (vgl. AB 96/3) nunmehr auch das Valideneinkommen auf der Basis von Tabellenlöhnen berechnet wurde (AB 183/1; vgl. demgegenüber noch AB 68/8). Zu Recht hat die Beschwerde- gegnerin dabei auf das Kompetenzniveau 2 der LSE abgestellt, verfügte der Beschwerdeführer doch über umfassende Fachkenntnisse mit langjäh- riger Berufserfahrung im …-Gewerbe (vgl. AB 1/10). Aus der Gegenüber- stellung von Validen- und Invalideneinkommen (Fr. 72‘878.-- resp. Fr. 50‘641.--) resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 22‘237.--, was einem Invaliditätsgrad von aufgerundet 31% entspricht. Die Rente wurde somit zu Recht aufgehoben (vgl. E. 2.2 hiervor). In Anwendung von Art. 88 bis Abs. 2 lit. a der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) ist schliesslich auch der Zeitpunkt der Renteneinstellung (vgl. AB 184) nicht zu beanstanden. 4.2Soweit der Beschwerdeführer eventualiter berufliche Massnahmen beantragt, ist Folgendes festzuhalten: Grundsätzlich ist eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeits- fähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten. Nach langjäh- rigem Rentenbezug können jedoch ausnahmsweise Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung der Leistungsfähigkeit entgegenstehen. In Fällen, in welchen die versicherte Person das 55. Altersjahr zurückgelegt Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 17 oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat, muss sich die Verwaltung vor der Herabsetzung oder Aufhebung einer Invalidenrente vergewissern, ob sich ein medizinisch-theoretisch wiedergewonnenes Leis- tungsvermögen ohne Weiteres in einem entsprechend tieferen Invaliditäts- grad niederschlägt oder ob dafür – ausnahmsweise – im Einzelfall eine erwerbsbezogene Abklärung und/oder die Durchführung von Eingliede- rungsmassnahmen vorausgesetzt ist (SVR 2011 IV Nr. 73 S. 222 E. 3.1 und 3.3). Diese Voraussetzungen sind hier nicht gegeben: Der 1966 geborene (AB 1/29) Beschwerdeführer ist weder 55 Jahre alt noch bezog er die Rente – bei Rentenbeginn im Oktober 2002 (AB 68/2) und Einstellung Ende Febru- ar 2017 (AB 183 f.) – mehr als 15 Jahre (vgl. auch BGE 141 V 5). Nach der Rechtsprechung kann die Eingliederung auch in Grenzfällen angeordnet werden, wenn aus den Akten hervorgeht, dass die Verwertung des Leis- tungspotentials ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein mittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist. Vorliegend kann höchstens hinsichtlich der Rentenbezugsdauer ein Grenz- fall im Sinne der Rechtsprechung angenommen werden. Dem Beschwerde- führer ist jedoch gemäss Zumutbarkeitsprofil eine leichte körperliche Tätigkeit ohne wesentliche Limitierungen möglich (vgl. AB 175.1/49). Zu- dem basiert eine allfällige längere Eingewöhnungszeit auf einer (invali- ditätsfremden [vgl. AB 175.1/53]) Dekonditionierung (vgl. AB 175.1/49; vgl. auch Beschwerde, S. 7). Es liegen keine Umstände vor, welche gegen die Verwertbarkeit der medizinisch attestierten Verbesserung der Arbeitsfähig- keit auf dem Weg der Selbsteingliederung sprechen würden. Damit ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die Rente ohne vorherige Durchführung von Eingliederungsschritten aufgehoben hat. Im Übrigen hat die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort (Ziff. 9) darauf hinge- wiesen, dass es dem Beschwerdeführer jederzeit frei stehe, ein Gesuch um (ordentliche, d.h. nicht im Zusammenhang mit der Rentenaufhebung ste- hende) berufliche Massnahmen einzureichen. 4.3Zusammenfassend erweist sich die Verfügung vom 17. Januar 2017 (AB 183) als rechtens. Die Beschwerde ist abzuweisen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 18 5. 5.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre- chend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer zur Bezah- lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe entnommen. 5.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern (samt Eingaben des Beschwerdeführers vom 28. März und 15. Juni 2017, je inkl. Beilagen) - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Juli 2017, IV/17/175, Seite 19 Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.