B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-6985/2024 U r t e i l v o m 1 4 . N o v e m b e r 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting-Schalch; Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren (...), Afghanistan, vertreten durch Marek Wieruszewski, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 28. Oktober 2024 / N_______. F-6985/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Am (...) suchte der Beschwerdeführer in der Schweiz um Asyl nach. Er gab bei der Aufnahme seiner Personalien an, er sei am 30. April 2007 in Afghanistan geboren. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck - Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 9. September 2024 in Kroatien um Asyl ersucht hatte. A.b Am 25. September 2024 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm zugewiesene Rechtsvertretung. A.c Am 1. Oktober 2024 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer eine Erstbefragung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender (EB UMA) durch. Dabei wurden ihm Fragen zu seinen Personalien, zu seinen persön- lichen Verhältnissen, zu Identitätsdokumenten, zum R eiseweg, zu seiner Herkunft, zum Resultat des Eurodac-Abgleichs, zu seinem Alter sowie me- dizinische Zusatzfragen zur Altersabklärung sowie zu seinen Asylgründen (summarisch) gestellt. Ferner wurde ihm das rechtliche Gehör zur allfälli- gen Zuständigkeit Kroa tiens für die Durchführung seines Asylverfahrens sowie zum medizinischen Sachverhalt gewährt. Auch wurde er über den Ablauf einer durchzuführenden medizinischen Altersabklärung informiert (vgl. SEM act. 12/11 und 14/1). Bezüglich seines Alters führte er an, er sei im Jesuskalender (gregoriani- sehen Kalender) im Jahr 2007, im vierten Monat, April, am dreissigsten Tag beziehungsweise im Hijri Shamsjahr (islamischen Kalender) im Jahr 1386, im zweiten Monat, am zehnten Tag geboren. Er könne sein Geburtsdatum nicht aufschreiben, da er überhaupt keine Schule besucht habe. Er wisse auch nicht, wie alt er heute sei. Seine Mutter habe das Geburtsdatum auf ein Papier geschrieben und ihm jenes mitgeteilt, als er im B._______ für (Nennung Dauer) gelebt habe. Danach habe er es wieder vergessen. Sein älterer Bruder sei verstorben, und der jüngere sei zirka sechs oder sieben Jahre alt; er wisse es aber nicht so genau. Er habe eine Tazkira besessen, welche jedoch in Kroatien im Wasser kaputt gegangen sei. A.d Die am (...) am (Nennung Institut) erstellte 3-Säulen-Modell-Analyse (körperliche, radiologische und zahnärztliche Untersuchung/Beurteilung) zur Altersbestimmung ergab zum Zeitpunkt der Untersuchung vom 9. Ok- tober 2024 ein Mindestalter des Beschwerdeführers von 21.6 Jahren; die Volljährigkeit des Beschwerdeführers sei somit bestätigt. Das von ihm F-6985/2024 Seite 3 angegebene Lebensalter von 17 Jahren und zirka fünf Monaten sei dem- nach ausgeschlossen. A.e Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer in der Folge am 11. Oktober 2024 das rechtliche Gehör zum Abklärungsergebnis, zu den Zweifeln des SEM an der vorgebrachten Identität und zur beabsichtigten Anpassung seines Geburtsdatums auf den 1. Januar 2003. A.f Am 11. Oktober 2024 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah- ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei- nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge- stellten Antrags auf internationalen Schutz (Dublin-III-VO). A.g Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 1 5. Oktober 2024 seine Stellungnahme ein. Darin führte er zu einer allfälligen Änderung des Alters im ZEMIS an, er halte an seinen bisherigen Altersangaben fest. Er sei mit der beabsichtigten Altersanpassung nicht einverstanden und die Änderung werde a usdrücklich bestritten. Das Altersgutachten könne un- möglich stimmen, zumal seine Mutter ja wisse, wann er geboren sei und es ihm gesagt habe. Er habe mittlerweile auch wieder Kontakt zu ihr und sie habe ihm die beigelegte Impfkarte zukommen lassen, welche sein Ge- burtsjahr 2007 bestätige. Ferner möchte er auf keinen Fall von seinem in der Schweiz lebenden (Nennung Verwandter) getrennt werden. Sodann weise das Altersgutachten bei der Schlussfolgerung der Zahnanalyse kein Mindestalter auf, weshalb dies gemäss Rechtsprechung kein sehr starkes Indiz für seine Volljährigkeit darstelle. Wolle die Behörde an der Änderung seines Geburtsdatums festhalten, sei unbedingt ein Bestreitungsvermerk anzubringen und eine anfechtbare Verfügung zu erlassen. A.h Die kroatischen Behörden stimmten einer Übernahme des Beschwer- deführers am 18. Mai 2024 zu. A.i Am 7., 11. und 24. Oktober 2024 gingen dem SEM Informationen (inkl. ärztliche Berichte) über den Gesundheitszustand respektive über durchge- führte oder laufende Kontrollen/Behandlungen des Beschwerdeführers zu. B. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2024 – eröffnet am 30. Oktober 2024 – trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, F-6985/2024 Seite 4 verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien , forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen und ordnete die Aushändigung der editionspflichtigen Akten ge- mäss Aktenverzeichnis an. Zudem stellte sie fest, sein Geburtsdatum laute im ZEMIS auf den 1. Januar 2003 mit Bestreitungsvermerk. Schliesslich hielt sie fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. C. Der Beschwerdeführer focht diese Verfügung mit Beschwerde vom 4. No- vember 2024 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte, es sei die Verfügung des SEM vom 28. Oktober 2024 vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und das Asyl- verfahren in der Schweiz durchzuführen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Wei ter sei die unent- geltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses sei zu verzichten. D. Mit superprovisorischer Massnahme vom 7. November 2024 setzte die In- struktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung einstweilen aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Be- schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti- miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Der Beschwerdeführer beantragt mit der vollumfänglichen Aufhebung der Verfügung (vgl. Rechtsbegehren Ziff. 1) auch die Abänderung des im ZEMIS vermerkten Geburtsdatums (1. Januar 2003) auf den 30. April 2007 respektive den 1. Januar 2007 (v gl. Rubrum Beschwerdeschrift). Die vor- liegende Beschwerde richtet sich demnach sowohl gegen den Nichteintre- tensentscheid betreffend das Asylgesuch als auch gegen die ZEMIS -F-6985/2024 Seite 5 Eintragung. Über das Begehren um Änderung des im ZEMIS vermerkten Geburtsdatums ist nicht im vorliegenden Dublin-Verfahren zu entscheiden, weshalb im Nachgang ein separates Verfahren unter der Geschäfts - Nr. F-7051/2024 bezüglich der beantragten Datenänderung im ZEMIS zu führen ist. 3. 3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.2 Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufge- zeigt – als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrich- terlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs- weise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Durchführung eines Schriftenwechsels zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 3.3 Nachdem der Beschwerdeführer seinen eventualiter gestellten Rück- weisungsantrag auch nicht ansatzweise begründet und sich im Übrigen aus den Akten keinerlei Hinweise auf Verfahrensfehler ergeben, besteht kein Anlass zur Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Das Eventual- begehren (Rechtsbegehren Ziff. 2) ist abzuweisen. 4. 4.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompet enz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2 je m.w.H.). 4.2 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin -III-VO zur Anwen- dung. 4.3 Im Falle einer unbegleiteten minderjährigen Person ohne familiäre An- knüpfungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem jene einen Antrag auf inter- nationalen Schutz gestellt hat, wobei von der Situation zum Zeitpunkt der F-6985/2024 Seite 6 ersten Antragstellung in einem Mitgliedstaat ausgegangen wird (vgl. Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Als Minderjähriger gilt ein Drittstaatsangehöriger un- ter achtzehn Jahren (Art. 2 Bst. i Dublin -III-VO; Art. 1a Bst. d der Asylver- ordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Unbegleitete Min- derjährige sind vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen (vgl. FILZ- WIESER/SPRUNG, Dublin-III-VO, Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8, m.H.). Vor- liegend bestünde deshalb bei Minderjährigkeit des Beschwerdeführers eine der grundsätzlichen Wiederaufnahmezuständigkeit Kroatiens vorran- gige Zuständigkeit der Schweiz (vgl. unter anderen : Urteil des BVGer F-6213/2020 vom 5. Januar 2021 E. 3.4). 5. Nachfolgend ist zunächst zu prüfen, ob der Beschwerdeführer minderjährig und mithin die Schweiz für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungs- verfahrens zuständig ist. 5.1 Im Asylverfahren ist die Minderjährigkeit – der allgemeinen asylrechtli- chen Beweisregel folgend – von der beschwerdeführenden Person zumin- dest glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3 und 4.2.3). Im Rah- men einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersangaben spre- chen, vorzunehmen. Wesentlich sind dabei als für echt befundene Identi- tätspapiere oder eigene Angaben der betroffenen Person (vgl. Urteil des BVGer E-4931/2014 vom 21. Januar 2015 E. 5.1.1, m.w.H.). Das Resultat des Altersgutachtens stellt nur ein Element bei der Beurteilung der Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend gemachten Mi nderjährigkeit dar (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.1 ff.). Zu beachten sind jedoch die üblichen verfah- rensrechtlichen Regeln der Beweiswürdigung, wobei es umso weniger auf eine Gesamtwürdigung der Beweise ankommt, je stärker die medizini- schen Abklärungen ein Indiz für das Vorliegen der Minder- respektive Voll- jährigkeit einer Person darstellen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2 S. 31). 5.2 Die Vorinstanz hat vorliegend korrekt erwogen, dass der Beschwerde- führer lediglich vage, oberflächliche und teilweise ausweichende Angaben zu seiner Biografie und seinem Reiseweg vorbrachte. Befremdlich er- scheint der Umstand, dass er sein Geburtsdatum von der eingereichten Notiz seiner Mutter (vgl. SEM act. 13/2 ID001) genau kennen will, jedoch keine Angaben dazu zu geben vermochte, wie al t er zum Zeitpunkt der Erstbefragung war. Er war jedoch imstande auszuführen, in welchem Alter er in den B._______ und in die C._______ gereist ist, wie lange er sich dort jeweils aufgehalten habe und genau zu sagen vermochte, wie lange seine F-6985/2024 Seite 7 Reise von C._______ bis in die Schweiz gedauert habe. Es ist daher auch vor dem Hintergrund seiner fehlenden Schulbildung logisch nicht nachvoll- ziehbar, dass er sein heutiges Alter nicht beziehungsweise auch nicht an- nähernd kennen will. Weiter ist festzuhalten, dass er seine Identität und das von ihm vorgebrachte Geburtsdatum nicht durch Vorlage eines rechts- genüglichen Beweismittels belegen kann. Ein solches wäre insbesondere ein gültiges Reise - oder Identitätspapier (Pass oder Identitätskarte). Die handschriftliche Notiz seiner Mutter oder auch der handschriftlich ausge- füllte Impfausweis, der notabene ein anderes, als vom Beschwerdeführer angegebenes Geburtsdatum enthält, können weder auf ihre Echtheit über- prüft werden, noch sind sie geeignet, den rechtsgenüglichen Nachweis sei- ner Identität zu erbringen. Es kann diesen Beweismitteln daher keine rechtserhebliche Beweiskraft zum Nachweis seines Alters zuerkannt wer- den. Hinsichtlich des Altersgutachtens hat die Vorinstanz ferner ausführlich und unter Verweis auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts dargelegt, weshalb sie zum Schluss kommt, dass der Beschwerdeführer in der Gesamtbeurteilung seine Minderjährigkeit nicht im Sinne von Art. 7 AsylG glaubhaft gemacht oder belegt hat. Es ist festzustellen, dass das im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum (1. Januar 2003) mit dem Al- tersgutachten – angeführtes Mindestalter von 21.6 Jahren – vereinbar ist und, dass seine Angaben zum Alter und Geburtsdatum konstruiert wi rken und die Vermutung nahelegen, dass er die Vorinstanz über sein wahres Geburtsdatum und Alter zu täuschen beabsichtigt. Es steht unter Berück- sichtigung des Ergebnisses des Altersgutachtens denn auch fest, dass er ein Geburtsdatum genannt hat, welches im Lichte der Untersuchungser- gebnisse nicht möglich und demnach unglaubhaft ist. Dieser Umstand wirkt sich negativ auf seine persönliche Glaubwürdigkeit aus. Es liegt auch kein Zweifelsfall vor, weshalb für eine Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro minore " kein Raum besteht (vgl. dazu auch das Urteil des BVGer D-3944/2021 vom 21. September 2021 E. 9.2 m.w.H.), zumal diesem Grundsatz bereits mit dem herabgesetzten Beweismassstab der Glaubhaf- tigkeit Rechnung getragen wird. Weiter war er in Kroatien mit dem Geburtsdatum (...) als volljährige Person registriert worden (vgl. SEM act. 30/2) und es kann davon ausgegangen werden, dass ihn die dort zuständigen Behörden bei der Einreichung des Asylgesuches nicht mit einem beliebigen Geburtsdatum registriert haben. Zudem haben die Behörden der Übernahme des Beschwerdeführers in Kenntnis der von ihm in der Schweiz zu seinem Alter gemachten Angaben F-6985/2024 Seite 8 zugestimmt (vgl. SEM act. 22/5 und 30/2). Dies spricht ebenfalls deutlich gegen die Richtigkeit des vom Beschwerdeführer angegebenen Geburts- datums (30. April 2007; gemäss Beschwerdeschrift: 1. Januar 2007) und für dessen Volljährigkeit. Hätten nämlich die kroatischen Behörden auf- grund der vom Beschwerdeführer in der Schweiz gemachten Angaben den Eindruck erhalten, dieser sei – anders als bei ihnen registriert – tatsächlich minderjährig, hätten sie der Rückübernahme unter Verweis auf seine Min- derjährigkeit wohl kaum zugestimmt. Der diesbezügliche Einwand, er habe gegenüber den kroatischen Behörden viele Falschaussagen getätigt, da er diesen nicht vertraut habe, vermag daher nicht zu einer anderen Einschät- zung zu führen. Zudem steht dieser Einwand im Widerspruch zu den wei- teren Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe, wonach ihm keine Möglich- keit eingeräumt worden sei, mit den Bea mten zu kommunizieren, er die Sprache nicht verstanden habe und auch kein Dolmetscher hinzugezogen worden sei. Unter solchen Umständen wäre es ihm wohl kaum möglich gewesen, Falschaussagen zu seinem Alter zu tätigen, die seiner Behaup- tung zufolge zu falschen Resultaten bei seiner dortigen Registrierung ge- führt haben sollen. 5.3 Die Vorinstanz ging folglich zu Recht von der Volljährigkeit des Be- schwerdeführers aus. 6. 6.1 Weiter ist der Frage nachzugehen, ob völkerrechtliche Vollzugshinder- nisse nach Art. 3 EMRK (oder einer anderen die Schweiz bindenden völ- kerrechtlichen Bestimmung) bestehen, woraus sich zwingende Gründe für einen Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO ergeben würden (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 6.2 Die Vorinstanz kam diesbezüglich mit zutreffender Begründung zum Schluss, dass die grundsätzliche Zuständigkeit für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens bei Kroatien liegt, dass sich die Ab- nahme von Fingerabdrücken von asylsuchenden Personen auf die Verord- nung (EU) Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 (Eurodac-Verordnung) stützt, dass das kroatische Asylsys- tem rechtsprechungsgemäss keine systemischen Mängel aufweist, auf- grund derer die Zuständigkeit gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf die Schweiz überginge, und dass vorliegend keine völkerrechtlichen Vollzugs- hindernisse ersichtlich sind, welche die Schweiz zu einem Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflichten würden. Weiter hielt die Vor- instanz korrekt fest, dass sich aus dem Fehlver halten einzelner Mitar -F-6985/2024 Seite 9 beitender der kroatischen Sicherheitskräfte keine systematische Anwen- dung von Gewalt gegen Migrantinnen und Migranten ableiten lasse und mögliche Übergriffe bei den Behörden entsprechend zur Anzeige gebracht werden könnten. Ferner gelten die sich in der Schweiz aufhältige n (Nennung Verwandte) des Beschwerdeführers nicht als Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO und zwischen diesen und dem Beschwerdeführer liegt kein Abhängigkeitsverhältnis vor. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Überstellung keinen gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 EMRK und 4 EU-Grund- rechtecharta ausgesetzt oder ohne Prüfung seines Asylgesuchs und unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in seinen Heimatsstaat überstellt würde (vgl. Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union [EuGH] vom 30. November 2023, Rs. C -228/21, C -254/21, C -297/21, C -315/21 und C-328/21, § 103 ff.). Zudem liegen keine konkreten Hinweise dafür vor, dass er bei einer Rückkehr nach Kroatien in eine existenzielle Notlage ge- raten würde. 6.3 Sodann sind die dokumentierten medizinischen Probleme des Be- schwerdeführers (Nennung Leiden) aufgrund der Aktenlage nicht derart schwerwiegend, dass davon ausgegangen werden müsste, er könnte nicht auch in Kroatien adäquat (weiter-)behandelt werden, wo grundsätzlich eine durchaus ausreichende medizinische Infrastruktur zur Verfügung steht (vgl. insbes. Referenzurteil E-1488/2020 a.a.O. E . 10.2, statt vieler das Urteil BVGer E-2952/2023 vom 31. Mai 2023 E. 7.3, je m.w.H.). Nebst den staat- lichen Einrichtungen bestehen auch Angebote von Nichtregierungsorgani- sationen für die psychische Betreuung. Es kann davon ausgegangen wer- den, dass de m Beschwerdeführer eine angemessene medizinische Ver- sorgung und eine allenfalls benötigte psychologische Therapie zur Verfü- gung stehen wird (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer F -663/2023 vom 17. Januar 2024 E. 4.3 m.w.H.). Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, da ss ihm dort nach einer Überstellung eine allenfalls erforderliche medizinische Behandlung verweigert würde, zumal die Mitgliedstaaten zur Erbringung medizinischer Leistungen verpflichtet sind (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Der medizinische Sachverhalt ist als genügend abgeklärt zu erachten. Eine Überstellung verstösst demnach auch in dieser Hinsicht nicht gegen Art. 3 EMRK. F-6985/2024 Seite 10 7. 7.1 Darüber hinaus hat die Vorinstanz in rechtsfehlerfreier Ausübung des ihr nach Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO und Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 zukom- menden Ermessens von einem freiwilligen Selbsteintritt der Schweiz abge- sehen. Die Vorinstanz ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein- getreten und hat in Anwendung von Art. 44 AsylG seine Wegweisung nach Kroatien angeordnet. Bei dieser Sachlage enthält sich das Gericht weiterer Äusserungen in diesem Zusammenhang. 7.2 Es liegen somit weder völkerrechtliche Vollzugshindernisse vor, welche die Schweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, noch bestehen Rechts- fehler bei der Ermessensbetätigung. Es besteht folglich kein Grund für ei- nen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 in Verbin- dung mit Art. 17 Dublin-III-VO. 8. Die Vorinstanz ist demnach zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwer- deführers nicht eingetreten und hat die Wegweisung nach Kroatien ange- ordnet. 9. Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 10. Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. Der am 7. November 2024 verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegenden Urteil dahin. 11. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu- weisen, da die Begehren gemäss den vorstehenden Erwägungen als aus- sichtslos zu bezeichnen waren. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Eine Parteientschädigung fällt ausgangsgemäss ausser Betracht (Art. 111ater Abs. 1 Satz 2 AsylG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 VwVG). F-6985/2024 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Beschwerdeverfahren betreffend Datenbereinigung im ZEMIS wird vom vorliegenden Dublin -Verfahren getrennt und unter der Verfahrens- nummer F-7051/2024 geführt. 2. Die Beschwerde betreffend Nichteintreten auf das Asylgesuch und Weg- weisung wird abgewiesen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag is t innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und an die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Stefan Weber Versand: