Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 12. April 2017 (810 16 151) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Familiennachzug / Sozialhilfeabhängigkeit Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin i.V. Daniela Spitteler Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Alain Joset , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Verweigerung der Einreisebewilligung bzw. d es Familiennachzuges (RRB Nr. 716 vom 17. Mai 2016) A. Der kosovarische Staatsbürger B.____, geboren am XX.XX.1986 im Kosovo, heiratete am 18. Juni 2014 in X.____/Kosovo die in der Schwei z am XX.XX.1978 geborene und nieder- gelassene italienische Staatsbürgerin A.____. Diese ist Mutter zweier Töchter (geboren am XX.XX.2005 bzw. am XX.XX.2012) und ist zweifach geschieden. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 4. November 2014 reichte B.____ bei der Schweizer ischen Vertretung im Kosovo ein Gesuch um Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung fü r die Schweiz ein. Die Vertretung leitete das Gesuch gleichentags an das Amt für Migration Basel- Landschaft (AfM) weiter und empfahl eine Befragung der Eheleute wegen diverser Auffällig keiten. So entspreche es nicht den koso- varischen Traditionen, eine Frau zu heiraten die acht Jah re älter und zweifach geschieden sei, zwei Kinder habe und aus einem anderen Kulturkreis komme . Daneben spreche B.____ kein Deutsch und es sei gegen ihn eine Einreisesperre für d en Schengenraum vom 20. Februar 2013 (recte: 8. Februar 2013) bis zum 8. Februar 2016 verhängt worden. Am 9. Februar 2015 reichte auch A.____ ein Gesuch um Familiennachzug beim AfM ein. C. Am 30. März 2015 sollte eine parallele Befragung d er Eheleute stattfinden. In der Folge stellte sich heraus, dass sich der Ehemann nicht im Kosovo, sondern illegal in der Schweiz auf- hielt. Das AfM befragte das Ehepaar schliesslich getrennt voneinander und B.____ reiste am 6. April 2015 aus der Schweiz aus. Mit Verfügung vom 22. Oktober 2015 lehnte das AfM das Gesuch um Familiennachzug ab. Es begründete diesen Entsch eid primär mit dem Vorliegen einer Ausländerrechtsehe. D. Mit Eingabe vom 29. Oktober 2015 erhob A.____ Besch werde beim Regierungsrat Ba- sel-Landschaft (Regierungsrat). Sie beantragte die Auf hebung der Verfügung des AfM vom 22. Oktober 2015 und die Bewilligung des Familiennachzugs. E. Der Regierungsrat wies die Beschwerde mit Regierungsr atsbeschluss (RRB) Nr. 0716 vom 17. Mai 2016 ab. Gestützt auf die Diskrepanzen in d en Aussagen der Eheleute, die kurze Zeit, die sich das Ehepaar vor der Hochzeit gesehen ha t, die fehlenden Sprachkenntnisse und auf den Umstand, dass der Ehemann zuvor bereits erfolglo s versucht hatte, Asyl in Europa zu erhalten, schloss er auf eine Ausländerrechtsehe. Ohneh in müsse die Beschwerde auch auf- grund der Sozialhilfeabhängigkeit von A.____ und dem fehlenden Nachweis einer sicheren Ar- beitsstelle des Ehemanns abgewiesen werden. F. Mit Eingabe vom 27. Mai 2016 erhob A.____, vertre ten durch Alain Joset, Advokat, beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- un d Verwaltungsrecht (Kantonsge- richt), Beschwerde gegen den Entscheid des Regierungsrate s vom 17. Mai 2016. Die Be- schwerdeführerin beantragt die Aufhebung des Entscheids des Regierungsrates sowie der Ver- fügung des AfM vom 22. Oktober 2015. Das AfM sei gericht lich anzuweisen, dem Ehemann eine Einreisebewilligung zu erteilen und der Beschwerdeführerin den Familiennachzug zu bewil- ligen; dies unter o/e-Kostenfolge. Bei Unterliegen sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bewilligen. Zur B egründung führt sie aus, im vorliegen- den Fall handle es sich um eine Liebesheirat. Zudem li ege der Wille zur Begründung einer ech- ten Lebensgemeinschaft vor und der Altersunterschied sei nicht ungewöhnlich. Bei den von den Behörden festgestellten Unstimmigkeiten im Aussageverha lten handle es sich um Details. Da- neben spreche die Beschwerdeführerin Albanisch und ihr Eh emann lerne Deutsch. Weder das AfM noch der Regierungsrat hätten die Besuche der Besch werdeführerin im Kosovo entspre- chend gewürdigt. Überdies sei der Ehemann gewillt, für den Unterhalt seiner Ehefrau und ihrer Kinder aufzukommen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Eingabe vom 22. August 2016 reichte die Beschw erdeführerin einen Arbeitsvertrag des Ehemanns mit der C.____ SA vom 16. August 2016 ein. H. Der Regierungsrat liess sich mit Eingabe vom 1. Septem ber 2016 vernehmen. Er bean- tragt die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfol ge. Er verweist zur Begründung haupt- sächlich auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids. Der in der Noveneingabe der Be- schwerdeführerin eingereichte Arbeitsvertrag sei wegen d en zahlreichen Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der C.____ SA nicht zu berücksichtigen. I. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 28. September 2016 wurde der Beschwerdefüh- rerin die unentgeltliche Prozessführung und Verbeistän dung bewilligt und der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. J. Mit Schreiben vom 13. Februar 2017 ersuchte das Kant onsgericht die Ausgleichskasse des Kantons Jura um Auskunft über die im Jahr 2016 von d er C.____ SA geleisteten Lohnbei- träge. Ebenso wurde die Gesellschaft bezüglich des Arbei tsvertrages vom 16. August 2016 di- rekt angeschrieben. Am 23. März 2017 antwortete die Ausg leichskasse, dass sie noch immer, trotz Mahnung, auf die Lohndeklarationen für das Jahr 2016 warte. Die C.____ SA hat auf das kantonsgerichtliche Schreiben nicht reagiert. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kant onsgericht zulässig. § 47 Abs. 1 lit. a VPO sieht vor, dass zur Beschwerde befugt ist, we r durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schu tzwürdiges Interesse an dessen Än- derung oder Aufhebung hat. Da die Beschwerdeführerin ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung des angefochtenen Entscheids hat und die übr igen formellen Voraussetzungen er- füllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können nac h § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Untersch reitung oder Missbrauch des Er- messens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellu ng des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – gemäss § 45 Abs. 1 lit. c VPO untersagt. 3. Streitgegenstand ist die Frage, ob das Gesuch um Fam iliennachzug zu Recht abgewie- sen wurde. 4. Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Sch weiz nur berechtigt, wenn sie über eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung verfügt oder wenn sie keiner solchen bedarf. Die zuständige kantonale Behörde entscheidet g emäss den Art. 18 ff. und 27 ff. des Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG ) vom 16. Dezember 2005 - im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und Verträge mit d em Ausland - nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Ein Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Bewilligung kommt der auslän dischen Person grundsätzlich nicht zu, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sähen dies vor (BGE 133 I 185 E. 2.3; MARC SPESCHA , in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka [Hrsg.], Kommenta r Migrationsrecht, 4. Auflage, Zürich 2015, N 1 ff. zu Art. 3 AuG; PETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 5.1 Es ist also der Frage nach einem staatsvertraglichen oder gesetzlichen Aufenthaltsan- spruch nachzugehen. Im vorliegenden Fall ist zunächst fes tzuhalten, dass zwischen der Schweiz und dem Kosovo keine staatsvertraglichen Vereinba rungen bestehen, welche dem Ehemann einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumen würden. 5.2 Gemäss Art. 43 Abs. 1 AuG hat eine ausländische Per son Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit einer Person, we lche eine Niederlassungsbewilligung be- sitzt, verheiratet ist und mit dieser zusammenwohnt. Die Beschwerdeführerin verfügt über eine Niederlassungsbewilligung und die Eheleute beabsichtig en, in der Schweiz zusammenzuwoh- nen, weshalb grundsätzlich ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung besteht. 5.3 Art. 3 Ziff. 1 Anhang I des Abkommens zwischen der S chweizerischen Eidgenossen- schaft und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgl iedstaaten über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen, FZA) vom 21. Juni 1999 gewährt Familienangehörigen einer Person, die Staatsangehörige einer Vertragspartei ist und ein Aufenthaltsrecht hat, das Recht, bei ihr Wohnung zu nehmen. Die Beschwerdeführerin ist als ita lienische Staatsbürgerin zwar Staats- angehörige einer Vertragspartei, sie verfügt aber ma ngels Erwerbstätigkeit (Art. 6 Anhang I FZA, Art. 12 Anhang I FZA) oder genügender finanziel ler Mittel (Art. 24 Anhang I FZA) über kein freizügigkeitsrechtliches Aufenthaltsrecht, weshalb e in auf das Freizügigkeitsabkommen gestützter Anspruch auf Familiennachzug entfällt. 5.4 Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutz der Mensch enrechte und Grundfreiheiten (Eu- ropäische Menschenrechtskonvention, EMRK) vom 4. November 19 50 sowie der inhaltlich gleichwertige Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der S chweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 gewährleisten das Recht auf Ac htung des Privat- und Familienlebens. Es kann diese Garantien verletzen, wenn einem Ausländer , dessen Familienangehörige hier weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das Famil ienleben vereitelt wird. Der sich hier aufhaltende Angehörige muss dabei über ein gefestigte s Anwesenheitsrecht verfügen. Ein sol- ches liegt vor, wenn er das Schweizer Bürgerrecht besitz t, ihm die Niederlassungsbewilligung gewährt wurde oder er über eine Aufenthaltsbewillig ung verfügt, die ihrerseits auf einem gefes- tigten Rechtsanspruch beruht (BGE 135 I 143 E. 1.3.1). Daneben muss es sich um Personen der Kernfamilie, also Ehegatten oder im gleichen Ha ushalt lebende, minderjährige Kinder, han- deln, welche untereinander eine enge, tatsächliche und intakte Beziehung leben (vgl. BGE 127 II 60 E. 1d/aa). Dabei gilt es zu beachten, dass Art. 8 EMRK und Art. 13 BV weder ein Recht auf Einreise oder Aufenthalt in einem bestimmten St aat noch auf Wahl des für das Familienle- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben am geeignetsten erscheinenden Orts einräumen (BGE 126 II 335 E. 3a mit Hinweisen; Ur- teil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR ] i.S. Slivenko gegen Lettland vom 9. Oktober 2003 [Nr. 48321/99], Rz. 94 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin verfügt mit ihrer Niederlassungsbewilligung über das nötige gefes tigte Anwesenheitsrecht und ihr ist es speziell wegen ihren zwei jungen Töchtern nicht zuzumute n, ihrem Mann in den Kosovo zu fol- gen. Damit ist der Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 BV grundsätzlich eröffnet. 6.1 Der gesetzliche Anspruch auf Familiennachzug erlischt gemäss Art. 51 Abs. 2 AuG, wenn er rechtsmissbräuchlich geltend gemacht wird oder we nn Widerrufsgründe nach Art. 62 Abs. 1 AuG vorliegen. Liegt Rechtsmissbrauch vor, kann das Grundrecht auf Achtung des Pri- vat- und Familienlebens nicht angerufen werden. 6.2 Eine rechtsmissbräuchliche Geltendmachung liegt gemäss Art. 51 Abs. 2 lit. a AuG namentlich vor, wenn versucht wird, Vorschriften des Au sländergesetzes und dessen Ausfüh- rungsbestimmungen über die Zulassung und den Aufentha lt zu umgehen. Erfasst wird davon die sog. Schein- oder Ausländerrechtsehe. Ihr Vorlie gen darf nicht leichthin angenommen wer- den und ist nicht bereits dann gegeben, wenn ausländerr echtliche Motive für den Eheschluss mitentscheidend waren (vgl. BGE 128 II 145 E. 2.2). E in Bewilligungsanspruch entfällt vielmehr erst dann, wenn die Ehe einzig geschlossen wurde, um di e ausländerrechtlichen Bestimmun- gen zu umgehen, indem zumindest einer der Ehegatten nie eine dauerhafte Lebensgemein- schaft begründen wollte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2 C_1008/2015 vom 20. Juni 2016 E. 3.1, mit Hinweisen). 6.3 Im vorliegenden Fall bestehen gewichtige Indizien, die auf eine Scheinehe hindeuten. So ist die Beschwerdeführerin zweifach geschieden, hat zwe i Kinder von zwei verschiedenen Männern, stammt aus einem anderen Kulturkreis und ist ach t Jahre älter als ihr Ehemann. Ins- gesamt widerspricht eine solche Heirat gleich in mehrfa cher Hinsicht der kosovarischen Traditi- on. Daneben hatte der Ehemann zuvor wiederholt erfol glos versucht, in Westeuropa Fuss zu fassen. So verhängten die ungarischen Behörden gegen ihn am 8. Februar 2013 wegen illega- len Aufenthalts eine Einreisesperre für den Schengenr aum, welche bis zum 8. Februar 2016 Gültigkeit besass (vgl. Email des Bundesamts für Polizei a n das AfM vom 8. Juni 2015). Von Januar bis Juni 2013 hielt er sich als Asylbewerber in Fra nkreich auf, wo er seine spätere Ehe- frau in Mulhouse auf einem Bazar kennenlernte. Ohne H eirat hätte der Ehemann keine ernst- hafte Aussicht auf Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz gehabt. Vor der Hochzeit haben die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann gerade einmal zweieinhalb Wochen miteinan- der verbracht, was ein vertieftes Kennenlernen ausschliesst (vgl. Befragung der Beschwerde- führerin vom 30. März 2015 S. 2). Wenn nun die Beschwe rdeführerin vorbringt, sie habe regel- mässig Kontakt mit ihrem Ehemann gepflegt, so ist dem en tgegenzuhalten, dass die jeweiligen Kenntnisse der Landessprachen sehr begrenzt sind. Eine v ernünftige Kommunikation scheint kaum vorstellbar; dies zeigt sich auch aus dem von der Beschw erdeführerin eingereichten Chatverlauf. Daneben fällt auf, dass sich gemäss den Akt en des AfM auf dem rege genutzten und mit zahlreichen Personen reichhaltig bebilderten Fa cebook-Profil des Ehemanns lediglich ein Foto der Beschwerdeführerin finden liess. Es mag zwar zutreffen, dass sich für gewisse dieser Indizien und Schlussfolgerungen für sich allein g enommen plausible Erklärungen finden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht lassen. Bei einer Gesamtbetrachtung kommen jedoch nicht z u unterdrückende Zweifel daran auf, dass es sich um eine von beiden Ehepartnern gewollte echte Lebensgemeinschaft handelt. Es kann letztlich offengelassen werden, ob eine Auslände rrechtsehe vorliegt, da - wie im Fol- genden aufzuzeigen ist - der Erlöschensgrund der Sozialh ilfeabhängigkeit unzweifelhaft gege- ben ist. 7.1 Nach Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG i.V.m. Art. 62 lit . e AuG erlischt der Anspruch auf Famili- ennachzug, wenn die Ausländerin oder der Ausländer ode r eine Person, für die sie oder er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist. Ob die Gef ahr einer künftigen Belastung der öffentli- chen Wohlfahrt besteht, ist vor der Erteilung der Aufe nthaltsbewilligung an den Ehegatten zu klären. Die Bestimmung setzt dabei eine konkrete Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit voraus, blosse finanzielle Bedenken genügen nicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_1109/2014 vom 20. Juli 2015 E. 2.2). Für die Beurteilung der Gefah r der Sozialhilfeabhängigkeit ist von den ak- tuellen Verhältnissen auszugehen; die wahrscheinliche fi nanzielle Entwicklung ist aber auf län- gere Sicht abzuwägen (Urteil des Bundesgerichts 2C_780/2013 vom 2. Mai 2014 E. 3.3.1). Eine bestehende bloss geringfügige Sozialhilfeabhängigkeit ei nes Niederlassungsberechtigten steht dem Familiennachzug dann nicht entgegen, wenn prognost isch von einer Befreiung aus der Sozialhilfe ausgegangen werden kann. Dabei sind die Einkommensaussichten sämtlicher Fami- lienmitglieder zu berücksichtigen, d.h. auch diejenigen der Person, die nachgezogen werden soll (Urteile des Bundesgerichts 2C_171/2016 vom 25. Aug ust 2016 E. 4.2.1; 2C_1058/2013 vom 11. September 2014 E. 2.3 mit Hinweisen; SPESCHA , a.a.O., N 8 zu Art. 51 AuG). 7.2 Gemäss Leistungsübersicht der Sozialhilfebehörde D.__ __, ausgestellt am 27. Juli 2016, bezieht die Beschwerdeführerin eine monatliche N etto-Unterstützung von Fr. 4‘300.--, wovon ihr Fr. 3‘725.-- direkt ausbezahlt werden. Erstmals Sozialhilfe bezog die Beschwerdefüh- rerin im November 2003. Gemäss Bestätigung vom 6. Febru ar 2015 unterstützte der Kanton Basel-Stadt die Beschwerdeführerin bis zum 1. September 2013 mit insgesamt Fr. 337‘257.--. Seit dem Umzug der Beschwerdeführerin in den Kanton Basel-Landschaft wird sie von den hie- sigen Behörden unterstützt. Insgesamt hatten die Sozialhilfebehörden sie im Februar 2015 über rund elf Jahre im Umfang von insgesamt Fr. 419‘775.- - unterstützt. Damit muss von einer fort- gesetzten und erheblichen Sozialhilfeabhängigkeit aus gegangen werden. Die Beschwerdefüh- rerin arbeitete letztmals 2003 im Rahmen von Temporär anstellungen und ist seit der Beendi- gung des Arbeitsverhältnisses von der Sozialhilfe abhängig (Befragung der Beschwerdeführerin vom 30. März 2015 S. 7). Daneben tritt ihre massive Versc huldung. Es bestehen zurzeit Betrei- bungen in der Gesamthöhe von über Fr. 100‘000.-- und offene Verlustscheine von ebenfalls über Fr. 100‘000.-- im Kanton Basel-Landschaft (Auszug aus dem Betreibungsregister vom 25. September 2015). Unter Berücksichtigung des Umstands, dass die Beschwerdeführerin seit über zehn Jahren keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, bereits im Alter von 25 Jahren und eineinhalb Jahre vor der Geburt ihres ersten Kindes eine Sozialhilfeabhängigkeit bestand, und ihre beiden Töchter zurzeit elf bzw. vier Jahre alt sind, ist keine Änderung der finanziellen Situa- tion absehbar und demnach auch längerfristig von eine r weiterhin fortdauernden und erhebli- chen Sozialhilfeabhängigkeit auszugehen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass ihr Ehe mann nach der Einreise in der Lage sein werde, für ihren Unterhalt und jenen ihrer Kinder aufzukommen. Damit stehe eine Ablösung der Sozialhilfe im Raum. Sie verweist auf ein en Arbeitsvertrag vom 16. August 2016 mit der C.____ SA mit Sitz in E.____/JU. Gemäss diesem Vertrag soll der Ehemann als Bauar- beiter C in einem 100 % Pensum im Stundenlohn ein mo natliches Bruttogehalt von durch- schnittlich Fr. 4‘576.-- verdienen. 7.4 Wie erwähnt darf im Rahmen des Familiennachzugs n icht einfach auf das Einkommen des hier anwesenden Familienangehörigen abgestellt wer den, sondern es sind die finanziellen Möglichkeiten aller Familienmitglieder über eine läng ere Sicht abzuwägen (vgl. Urteil des Bun- desgerichts 2C_120/2015 vom 2. Februar 2016 E. 2.1). D as Einkommen des Angehörigen, der an die Lebenshaltungskosten der Familie beitragen soll , ist daran zu messen, ob und in wel- chem Umfang es tatsächlich realisierbar ist. In diesem Sinne müssen die Erwerbsmöglichkeiten und das damit verbundene Einkommen konkret belegt und m it gewisser Wahrscheinlichkeit sowie, soweit möglich, auf mehr als nur kurze Frist erhärtet sein, um Berücksichtigung zu finden (Urteile des Bundesgerichts 2C_1188/2013 vom 24. Februa r 2015 E. 3.1; 2C_685/2010 vom 30. Mai 2011 E. 2.3.1). 7.5 Im Verfahren vor dem AfM hatte die Beschwerdeführ erin noch eine auf den Namen ihres Ehemanns lautende Stellenzusage der - mittlerwei le mangels Aktiven aus dem Handels- register gelöschten - F.____ GmbH mit Sitz in G.____/A G eingereicht. Das AfM tätigte in der Folge diverse Abklärungen über die F.____ GmbH, unter anderem bei Steuerämtern und beim Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau (Emailverkehr vom 26. März 2015 bzw. 23. April 2015). Dabei kristallisierte sich heraus, dass es sich bei der F.____ GmbH höchst- wahrscheinlich um eine Scheinfirma handelte, die keine erkennbare geschäftliche Aktivität ent- wickelt hatte und in den vorangegangenen vier Jahren w eder im Kanton Aargau noch im Kan- ton Basel-Landschaft Steuern bezahlt hatte (vgl. Verfüg ung des AfM vom 22. Oktober 2015 S. 7 f.). Beim Ehemann der einzigen Gesellschafterin handelte es sich um einen Bekannten des Ehemanns der Beschwerdeführerin, welche beide aus dem gleichen Dorf im Kosovo stammen (Befragung des Ehemannes vom 30. März 2015 S. 3). 7.6 Nachdem das AfM in seiner Verfügung vom 22. Oktober 2015 von einem Gefälligkeits- schreiben der F.____ GmbH und keinem zu berücksichtigenden künftigen Arbeitsverhältnis ausgegangen war, reichte die Beschwerdeführerin im Rah men des regierungsrätlichen Be- schwerdeverfahrens in der Eingabe vom 12. Februar 2016 eine Stellenzusage der C.____ SA ein. Der Regierungsrat ging in seinem Entscheid von ein er Gefälligkeitsbestätigung aus, da es sich beim Unterzeichner des Schreibens, dem einzigen Ve rwaltungsrat der Gesellschaft, um einen mit dem Ehepaar befreundeten Nachbarn der Besch werdeführerin handelte (RRB Nr. 0716 vom 17. Mai 2016 E. 8b). Vor Kantonsgericht r eichte die Beschwerdeführerin sodann den Arbeitsvertrag mit der C.____ SA vom 16. August 20 16 ein. Die C.____ SA, bei welcher in der Zwischenzeit ein neuer Einzelverwaltungsrat eingeset zt worden war, reagierte nicht auf die schriftliche Nachfrage des Kantonsgerichts vom 13. Februar 2017, ob die Gesellschaft weiterhin am Arbeitsvertrag vom 16. August 2016 festhalte. Gemäss den Angaben der Ausgleichskasse des Kantons Jura vom 23. März 2017 wartet diese zudem trot z Mahnung bis heute auf die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Lohndeklarationen für das Jahr 2016. Aufgrund der obig en Ausführungen kann vorliegend nicht von einem seriösen Arbeitgeber ausgegangen werden, weshalb der Ehemann über keine siche- re Aussicht auf eine Arbeitsstelle verfügt. Dazu kommt, dass er sich seinen Unterhalt in der Heimat als Tagelöhner verdient und keine Landessprache s pricht (Befragung des Ehemannes vom 30. März 2015 S. 2). Erfahrungsgemäss hat der Ehemann mit diesem Hintergrund auf dem heutigen Arbeitsmarkt in der Schweiz keine realistische Pe rspektive auf eine existenzsichernde Arbeitsstelle, mit der er den Bedarf einer vierköpfigen Familie dauerhaft decken könnte. 7.7 Gesamthaft betrachtet führt die langjährige Sozia lhilfeabhängigkeit der Beschwerde- führerin und die nicht belegte Erwerbsmöglichkeit des Ehemannes zum Schluss, dass bei des- sen Übersiedlung in die Schweiz die konkrete Gefahr eine r erheblichen Ausweitung der derzeit bereits bestehenden umfangreichen Sozialhilfeunterstütz ung der Familie besteht. Damit liegt der Widerrufsgrund gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. e AuG vor , womit nach Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG der Anspruch auf Familiennachzug erlischt. 8.1 Somit bleibt nachfolgend zu prüfen, ob der mit der Verweigerung des Familiennach- zugs (aufgrund der Sozialhilfeabhängigkeit) verbundene Eingriff in das Recht auf Familienleben den Voraussetzungen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK genügt. Danach ist ein Eingriff in das geschützte Rechtsgut statthaft, soweit er eine Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesell- schaft für die nationale Sicherheit, die öffentliche R uhe und Ordnung und zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutze der Gesellschaft und Moral sowie der Rechte und Pflich- ten anderer notwendig ist. Die Konvention verlangt i nsofern eine Abwägung der sich gegen- überstehenden Interessen an der Erteilung der Bewillig ung und der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne über wiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 122 II 1 E. 2 mit Hin weis; BGE 116 Ib 353 E. 3). Analoge Vo- raussetzungen ergeben sich aus Art. 36 BV im Hinblick auf einen Eingriff in Art. 13 BV. 8.2 Das Gemeinwesen hat ein erhebliches Interesse daran , die öffentliche Fürsorge vor dem Risiko zusätzlicher Belastung zu bewahren, wenn die Ge fahr einer solchen in zeitlicher und umfangmässiger Hinsicht erheblich ist (Urteil des Bun desgerichts 2C_983/2012 vom 5. September 2013 E. 4.2). Im Falle der Beschwerdefü hrerin und ihres Ehemannes besteht wie ausgeführt ein erhebliches Risiko der Ausweitung der Soz ialhilfeabhängigkeit bei Gewährung des Familiennachzugs. Ferner ist in der Durchsetzung eine r restriktiven Einwanderungspolitik ein zulässiges öffentliches Interesse zu erblicken. Eine sol che ist geboten im Hinblick auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen schweizerischer und auslä ndischer Wohnbevölkerung, auf die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Ei ngliederung der in der Schweiz fest an- sässigen Ausländer und auf die Verbesserung der Arbeitsma rktstruktur sowie auf eine mög- lichst ausgeglichene Beschäftigung (BGE 135 I 143 E. 2. 2). Die Verweigerung der Aufenthalts- bewilligung für den Ehemann erscheint geeignet wie au ch erforderlich, um die öffentlichen Inte- ressen durchzusetzen, da keine mildere Massnahme ersichtlich ist. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann werden dadurch durchaus empfindlich in ihren privaten Interessen getroffen. Es gilt allerdings einschränkend zu berücksichtigen, dass da s Ehepaar schon bisher nie zu- sammengelebt hat und dass die Eheleute aufgrund der Ge samtumstände von allem Anfang an nicht darauf vertrauen durften, ihre Ehe inskünftig in der Schweiz leben zu können. Die Bezie- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht hung kann mittels moderner Kommunikationsmittel und we chselseitiger Besuche aufrechterhal- ten werden. Insbesondere aufgrund des erheblichen Inte resses am Schutz der öffentlichen Wohlfahrt vor künftigen Belastungen überwiegen vorliege nd die öffentlichen Interessen an der Fernhaltung die nicht sehr ausgeprägten privaten Interessen am Familiennachzug. 9. Zusammengefasst kann vorliegend offengelassen werden , ob eine Ausländerrechtsehe vorliegt. Dies weil der Anspruch auf Familiennachzug au fgrund der konkreten Gefahr einer Ausweitung des erheblichen Sozialhilfebezuges der Beschwerdeführerin ohnehin erloschen und die Verweigerung des Familiennachzugs verhältnismässig ist. Der angefochtene Entscheid ver- letzt somit weder Art. 43 Abs. 1 AuG noch Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV. Die Beschwerde er- weist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen. 10. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss § 2 0 Abs. 1 VPO ist das Verfah- ren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebüh- ren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemesse- nem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend gehen die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege zulasten der Gerichts- kasse. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung ist dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘653.25 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) aus der Gerichtskasse zu entrich- ten. Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge der Bewilligung d er unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge de r Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertreter der Beschwer- deführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘653.25 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) aus der Gerichtskasse entrichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.