Baurekursgericht des Kantons Zürich 4. Abteilung G.-Nr. R4.2012.00123 BRGE IV Nr. 0183/2012 Entscheid vom 22. November 2012 Mitwirkende Abteilungsvizepräsidentin Margrit Manser, Baurichter Kurt Gutknecht , Bau- richter Reto Philipp, Gerichtsschreiber Gianfranco Greco in Sachen Rekurrentin H.Z. AG, [….] gegen Rekursgegner 1. Bauausschuss X, [….] 2. Anlagestiftungen $ und £, [….] betreffend Bauausschussbeschluss vom 3. Juli 2012, Baubewilligung für Wohngebä u- de _______________________________________________________ R4.2012.00123 Seite 2 hat sich ergeben: A. Mit Beschluss vom 3. Juli 2012 erteilte der Bauausschuss der Stadt X der Immobilien-Anlagestiftungen $ und £ die Baubewilligung für ein Wohn ge- bäude mit Gewerbeflächen auf den Grundstücken Kat.-Nrn. 8167 und 8165 an der F.-Strasse Nrn. 2 bis 14 und Boulevard L. 22a-c, 24a-c und 26a-c in X. B. Gegen diesen Entscheid erhob die H.Z. AG mit Eingabe vom 10. August 2012 fristgerecht Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Beschlusses unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekursgegnerschaft. C. Mit Verfügung vom 15. August 2012 wurde der Rekurseingang vorgemerkt und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. D. Der Bauausschuss X sowie die Anlagestiftungen $ und £ beantragten mit Vernehmlassungen vom 14. September 2012 hauptsächlich, auf den Rekus sei nicht einzutreten, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Rekurrentin. E. Mit Verfügung vom 27. September 2012 wurde der Rekurrentin antragsg e- mäss eine Frist zur Replik angesetzt. Mit Eingabe vom 18. Oktober 2012 nahm sie zu den Rekursantworten Stellung und hielt sinngemäss an den Anträgen fest. F. Die Rekursgegner wurde n mit Verfügung vom 23. Oktober 2012 eingel a- den, zur Replik der Rekurrentin Stellung zu nehmen, wovon sie mit Eing a- ben vom 13. November 2012 fristgerecht Gebrauch machten. R4.2012.00123 Seite 3 G. Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit für den E ntscheid erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. Es kommt in Betracht: 1.1. Die Rekurrentin lässt betreffend ihre Legitimation hauptsächlich vorbringen, sie sei Mieterin von Räumlichkeiten im 4. Obergeschoss des Gebäudes an der T .-Strasse 105. Von diesen habe sie Sichtverbindung auf das Ba u- grundstück. Das Mittelmass, das ihr in Form der eintönigen Südfassade des projektierten Gebäudes entgegenstrahle, müsse sie nicht hinnehmen. Dieser Mangel bedürfe der Aufhebung der Baubewill igung, wovon sie Vo r- teile habe. Zudem sei die projektierte Zufahrtsrampe zu steil und die Z u- fahrten für die Anlieferung und die Notzufahrt für die Feuerwehr seien nicht geregelt. Dies falle umso mehr ins Gewicht, als die F.-Strasse als Sackgas- se ausgebildet sei und bereits jetzt unzählige Wohnungen und manches Gewerbe an dieser Strasse und am quer dazu verlaufenden Boulevard L. erschliesse. Da die Anforderungen an die Verkehrssicherheit nicht erfüllt seien, sei die Baubewilligung auch aus verke hrstechnischen Gründen au f- zuheben. Aufgrund der drohenden Friktionen im Bereich der beiden Ein - /Ausfahrten drohe ein Rückstau auf die T.-Strasse, welche 60 -70 m von diesen entfernt verlaufe und die einzige übergeordnete Erschliessung des Baugrundstückes darstelle. Die T.-Strasse sei richtungsgetrennt und werde stark und für städtische Verhältnisse rasch befahren. Fahrzeuge aus Ric h- tung Zürich, welche zur Liegenschaft der Rekurrentin an der T.-Strasse 105 gelangen wollten, würden an der Einmündung F.-Strasse vorbeifahren, müssten dann im Bereich S.-Strasse/L.-Allee wenden, um so auf der and e- ren Fahrbahn in die Tiefgarage der Liegenschaft T.-Strasse 105 zu gela n- gen. Die Rekurrentin habe drei ständige Mitarbeiter, insbesondere aber vi e- le Sitzungen mit Fachplane rn, welche mehrheitlich mit dem Auto anreisen würden. Sie alle werden durch Rückstaus im Bereich der Einmündung F.- Strasse und die dadurch bewirkte Hinderung des Verkehrsflusses und der Gefährdung der Verkehrssicherheit mehr als Dritte oder die Allgemeinhe it betroffen. R4.2012.00123 Seite 4 1.2. Die Vorinstanz erwidert, mit Beschluss vom 8. November 2011 habe sie die Baubewilligung für einen Hotelneubau auf Grundstück Kat.-Nr. 8166 erteilt. Dieser befinde sich exakt zwischen der rekurrentischen Liegenschaft und dem vorliegend strittigen Neubauvorhaben. Somit bestehe keine Sichtve r- bindung zum Bauvorhaben. Der Baubeginn für den Hotelkomplex sei auf ca. Ende August 2012 ang e- zeigt worden. Nach Vollendung des sechsgeschossigen, rund 25 m hohen Hotels, sei die Sichtverbindung von der r ekurrentischen Liegenschaft zum strittigen Bauvorhaben vollständig unterbrochen. Die angeblich schlechte Gestaltung könne daher nicht mehr legitimationsbegründend gewürdigt werden. Interessant sei, dass die Rekurrentin weder für das Bauvorhaben auf Grundstück Kat.-Nr. 8166 noch für jenes auf Kat.-Nr. 8735, welches vis- à-vis der rekurrentischen Liegenschaft situiert sei, den baurechtlichen En t- scheid verlangt habe. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Rekurrentin beim unmittelbar benachbarten Bauvorhaben kein Interesse an deren G e- staltung habe. Weiter betrage der vom Bauvorhaben ausgelöste Mehrverkehr weniger als 10 %. Eine Stausituation auf der T.-Strasse sei nicht zu befürchten. Wer zum Bauvorhaben fahre, benutze auf der T.-Strasse die rechte Fahrspur; diese werde auch von den wegfahrenden Fahrzeugen benutzt. Wer von Z . her kommend zur rekurrentischen Liegenschaft fahre, benutze dagegen die linke Fahrspur der T.-Strasse. Diese werde im Bereich der Einmündung der F.-Strasse mit zwei Linksabbiegerspuren v erbreitert, die zum U -Turn und zur Stelzenstrasse führen. Dazu komme, dass auf der T.-Strasse die Ge- schwindigkeit auf 60 km/h beschränkt sei. Die Verkehrsknoten und die Fussgängerübergänge seien alle signalgesteuert. So würde sich bei der Ausfahrt aus der F.-Strasse regelmässige Gelegenheit ergeben, um bei Rotphasen ohne Probleme auf die T.-Strasse auszufahren. Von einer Ve r- kehrsmisere könne keine Rede sein. 1.3. Nebst den sinngemäss gleichen Ausführungen wie diejenigen der Vor - instanz führen die privaten Rekursgegnerinnen vernehmlassungsweise überdies aus, aufgrund der offensichtlich nicht gegebenen Legitimation stel- le sich die Frage, was die Rekurrentin – zumal noch als Mieterin – bewogen habe, den vorliegenden Rekurs einzureichen. Die Motive würden wohl nicht R4.2012.00123 Seite 5 im geplanten Bauprojekt an sich liegen, sondern im Umstand, dass die R e- kurrentin selber die Übernahme des Baugrundstückes inkl. Projekt bea b- sichtigt habe. Sie habe hierfür auch Einsicht in die Projektpläne gehabt. Während der ges amten Verhandlungsphase habe die Rekurrentin keine Vorbehalte oder Bemerkungen zu den nun gerügten Punkten (Gestaltung, Grenzbau, Ver kehrssicherheit und Ausnützung/ Wohnanteil) angebracht. Der vorliegende Rekurs könne daher nur als "Retourkutsche" verstande n werden. Das baurechtliche Rechtsmittelverfahren dürfe aber für derartige Zwecke, d.h. zur reinen Schädigung der Bauherrschaft oder zur Durchse t- zung von − vorliegend nach dem Kenntnisstand der Bauherrschaft − nicht vorhandenen bzw. unberechtigten Ansprüchen gegenüber einer Drittpartei , nicht missbraucht werden. Auf den Rekurs sei daher auch infolge recht s- missbräuchlicher Zweckentfremdung des Rekursrechts nicht einzutreten. 1.4. Replicando hält die Rekurrentin dafür, die auf dem Grundstück Kat.-Nr. 8166 bewilligten Bauvolumina seien unmassgeblich. Die Rekurslegitimation müsse zur Zeit der Einreichung des Rechtsmittels vor- handen sein und nachgewiesen werden. Demzufolge sei vorerst auf den Sachverhalt abzustellen, wie er sich zu jenem Zeitpunkt präsentiert habe, und nicht auf eine hypothetische Situation, die sich allenfalls durch den e r- wähnten Neubau ergeben würde. Mit dem Neubau des Hotels sei im Übr i- gen noch nicht begonnen worden. Somit bestehe weiterhin Sichtve rbin- dung. Weiter habe die Rekurrentin ihre Legitimation auch nicht mit der blossen Verkehrszunahme begründet, insbesondere habe sie nicht b e- hauptet, es sei eine legitimationsbegründende Verkehrszunahme von mi n- destens 1 0 % zu erwarten. Gerade aber die hohen Verkehrsfrequenzen würden ihr Argument stärken, durch die zusätzliche Belastung der F.- Strasse im Bereich von deren Einmündung in die T.-Strasse entstehen nicht mehr hinnehmbare Friktionen. Selbst wenn in einem gewissen Sinne von einer "Retourkutsche" ges pro- chen werden könnte, sei eine solche zulässig. Die innere Motivation zu e i- nem Rechtsmittel müsse nicht zwingend mit dem übereinstimmen, was als materielle Rügen auch wirklich vorgetragen werde. Daher könne man sich vorliegend zwar durchaus über die Legit imation zum Rekurs streiten. Der Rekurrentin aber gleichzeitig Rechtsmissbrauch vorzuwerfen, gehe nicht an. R4.2012.00123 Seite 6 2.1. Zum Rekurs ist berechtigt, wer durch die angefochtene Anordnung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an ihrer Aufhebung oder Änderung hat (§ 338a Abs. 1 des Planungs- und Baugesetzes [PBG]). Mit dieser Umschreibung verlangt das Gesetz zunächst eine besondere, beachtenswerte, nahe Beziehung zum Streitgegenstand, kraft derer der Rekurrent stärker als beliebige Dritte oder die Allge meinheit von der ang e- fochtenen Verfügung betroffen ist. Dementsprechend ist beim Nachbarr e- kurs eine hinreichend enge Raumbeziehung zum streitbetroffenen Grun d- stück bzw. den dort vorgesehenen Bauten und Anlagen erforderlich. Diese Beziehung ergibt sich inde s nicht etwa allein aus der Distanz zum Ba u- grundstück. Ob eine legitimationsbegründend enge Raumbeziehung zu b e- jahen ist, hängt vielmehr auch von der Art der geltend gemachten oder sich sonst aus den Akten ergebenden Einwirkungen auf das rekurrentische Grundstück ab. So vermögen sich etwa Schattenwurf oder Lichtentzug nur bei verhältnismässig enger Nachbarschaft auszuwirken, während von Grossanlagen ausgehende Immissionen sehr weit reichen können. Une r- heblich ist demgegenüber, ob die zum Schluss auf eine er höhte Betroffen- heit führenden Einwirkungen auch Gegenstand der vom Nachbarrekurre n- ten erhobenen materiellrechtlichen Rügen sind oder nicht. Das vom Gesetz alsdann verlangte schutzwürdige Interesse des Rekurre n- ten besteht in der Abwendung eines Nachteils bz w. in der Erlangung eines Vorteils im Falle des erfolgreichen Rekurrierens. Das Interesse des Reku r- renten kann rechtlicher oder rein tatsächlicher, wirtschaftlicher, ideeller oder anderer Natur sein. Allerdings muss es objektiv nachvollziehbar sein. Ein bloss affektives Interesse ist nicht legitimationsbegründend (vgl. zum Ga n- zen Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltung s- rechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Aufl., Zürich 1999, § 21 Rz. 20 ff. und dort zitierte Lehre und Rechtsprechung). Für die Bejahung der Rekurslegitimation des Nachbarn ist es demnach en t- scheidend, ob dieser mit dem Rekurs einen Nachteil abwenden bzw. sich einen Vorteil verschaffen kann. Dies ist etwa dann der Fall, wenn ein unmi t- telbar anstossendes Grundstück so überbaut werden soll, dass die Aus - sicht vom rekurrentischen Grundstück aus in nicht unerheblichem Ausma s- se verringert wird, und wenn zudem die erhobenen Rügen im Gutheissungsfall zur Aufhebung der angefochtenen Bewilligung oder aber R4.2012.00123 Seite 7 zumindest zu einer fü r den Nachbarn günstigen Nebenbestimmung führen (vgl. BRKE II Nr. 0047/2010 in BEZ 2011 Nr. 17, www.baurekursgericht - zh.ch, bestätigt mit VB.2010.00184 vom 17. November 2010, dieser best ä- tigt mit BGr 1C_37/2011 vom 14. April 2011). Überdies muss es sich in der Regel um ein aktuelles Rechtsschutzinteresse handeln. Fällt dieses wä h- rend der Hängigkeit des Rekursverfahrens dahin, wird das Verfahren als gegenstandslos geworden abgeschrieben (vgl. Kölz/Bosshart/Röhl, a.a.O., § 21 Rz. 25). 2.2. Entgegen der Einsch ätzung der Rekurrentin ist ihr schutzwürdiges Intere s- se an der Aufhebung des angefochtenen Entscheids nicht ersichtlich. Die Rekurrentin macht zu Recht nicht geltend, sie sei aufgrund der Ve r- kehrszunahme und der damit einher gehenden Immissionen zum Rekur s legitimiert. Wie die Parteien die Rechtsprechung zutreffend zusammenfa s- sen, ist die Legitimation erst ab einer Zunahme des Verkehrs von 10 % ge- geben, wovon vorliegend unstrittig nicht auszugehen ist. Die Rekurrentin macht stattdessen "Friktionen" im Bereich der Einmündung der F.-Strasse in die T.-Strasse geltend. Durch den angeblich erwarteten Rückstau auf der T.-Strasse würden sie, ihre drei ständigen Mitarbeiter sowie die Fachplaner, welche an den vielen Sitzungen bei ihr teilnehmen, nicht mehr als die All- gemeinheit betroffen, sondern gleich wie jeder Verkehrsteilnehmer der T.- Strasse. Es ist aber auch nicht von einer möglichen Störung des Verkehr s- flusses der bestens ausgebauten T.-Strasse auszugehen. Wie die Vorin s- tanz ausgeführt hat, handelt es sich bei dieser um eine Hauptverkehr s- strasse mit vier Fahrspuren. Wer zum Bauvorhaben fährt, benutzt die rec h- te Fahrspur; diese wird auch von den wegfahrenden Fahrzeugen benutzt. Wer von Zürich her kommend zur rekurrentische n Liegenschaft fährt, b e- nutzt dagegen die linke Fahrspur der T.-Strasse. Diese wird im Bereich der Einmündung der F.-Strasse mit zwei Linksabbiegespuren verbreitert, die zum U -Turn und zur Stelzenstrasse führen. Die Verkehrsknoten und die Fussgängerübergänge sind alle signalgesteuert. Drohende "Friktionen" sind nicht auszumachen. Nicht nachvollziehbar ist, weswegen die Distanz von ca. 70 m zwischen der Kreuzung und der Tiefgaragenein - und Ausfahrt nicht ausreichen sollte. Diese Strecke ist für den wartenden Verkehr offen- sichtlich mehr als ausreichend. R4.2012.00123 Seite 8 Weiter befindet sich zwischen der Liegenschaft der Rekurrentin und dem Bauvorhaben auf Grundstück Kat.-Nr. 8167 das Grundstück Kat.-Nr. 8166. Die Überbauung des dazwischenliegenden Grundstückes ist nicht hypothe- tisch oder ungewiss, wie die Rekurrentin glaubhaft machen will , sondern konkret. Es ist ein sechsgeschossiger, rund 25 m hoher Hotelkomplex pr o- jektiert. Die Baubewilligung wurde am 8. November 2011 erteilt und ist u n- angefochten in Rechtskraft erwachsen (a ct. 11.1). Unerheblich ist es, dass mit den Bauarbeiten zum Zeitpunkt der Rekurseingabe (oder der Einre i- chung der Replik) noch nicht begonnen wurde. Weder behauptet die Rekur- rentin, dass das Vorhaben nicht verwirklicht wird, noch ist dies anzune h- men. Die B auherrschaft des Hotelkomplexes hat überdies mit "Verbindl i- cher Erklärung" vom 24. Juli 2012 den Beginn der Bauarbeiten per ca. E n- de August 2012 schriftlich angezeigt (act. 11.3). Dieses reale und recht s- kräftige Bauvorhaben wird die Sichtverbindung zur Bau parzelle unterbr e- chen. Da der Beginn der Bauarbeiten für den Hotelkomplex bereits ang e- kündigt wurde und somit davon auszugehen ist, dass die rechtskräftige Baubewilligung auch konsumiert wird, die Baubewilligung für das Wohng e- bäude aufgrund ihres Rekurses hingegen noch nicht einmal in Rechtskraft erwachsen konnte, wird die Rekurrentin von ihrer Liegenschaft aus das Wohngebäude auch nicht für einen begrenzten Zeitraum wahrnehmen kö n- nen. Die Südfassade, welche sie als Mittelmass empfindet, wird sie noch nicht einmal vorübergehend erblicken können. Dieser Sachverhalt stand zum Zeitpunkt der Rekurserhebung vom 9. August 2012 bereits fest. Damit fehlt es der Rekurrentin von Beginn weg an einem aktuellen Rechtsschut z- interesse. Spätestens mit der Aufrichtung des Ho telkomplexes wird sodann auch noch das letzte, allenfalls hypothetische Rechtsschutzinteresse der Rekurrentin beseitigt sein. Lediglich der Vollständigkeit halber ist zu erwä h- nen, dass gemäss Berichten in Tageszeitungen Anfang s November mit dem Bau des Holtelkomplexes begonnen worden ist. [….] 3. Beim Ausgang des Verfahrens kann es offen bleiben, ob der Rekurs mis s- bräuchlich erhoben wurde. Anzumerken ist jedoch, dass die Ausführung der Rekurrentin, wonach sie die Fassadengestaltung als unzumutbar empfindet, unter Berücksichtigung der durch die privaten Rekursgegnerinnen ins Feld geführte und anhand des E -Mailverkehrs belegte Vorgeschichte in einem anderen Licht e r- R4.2012.00123 Seite 9 scheint. Projektkritik hatte die Rekurrentin bei ihrer Einsicht in die Pläne demnach nicht angebracht. Offenbar hielt sie das Bauvorhaben für bewill i- gungsfähig und die Fassadengestaltung für rechtsgenügend. Es mag sodann zutreffen, dass die innere Motivation zu einem Rechtsmittel häufig nicht mit dem übereinstimmt, was als materielle Rügen vorgebracht wird. Dies sagt aber nichts über die Rechtmässigkeit der Rekurserhebung aus. Klar ist indessen, dass dieser Widerspruch in einem Rekursverfahren i.d.R. durch die Gegnerschaft schwer zu beweisen ist. Im vorliegenden Fa ll hat die Rekurrentin in ihrer Replik aber unverblümt ausgeführt: "Selbst wenn in einem gewissen Sinne von einer Retourkutsche gesprochen we r- den könnte: Solches ist nicht unzulässig." Hierzu ist festzustellen, dass eine allfällige Retourkutsche bzw. das a lleinige Ziel, einen Verzögerungsscha- den bei der Bauherrschaft hervorzurufen, im Lichte der Rechtsprechung (vgl. etwa BGE 117 II 394, E. 3b oder BGE 123 III 101, E. 2c) offensichtlich als verfahrensfremder und damit unzulässiger Zweck eingestuft werden müsste. 4.1. Nach dem Ausgeführten ist auf den Rekurs nicht einzutreten. [….]