Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. November 2013 (720 11 384 / 263) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Gerichtsgutachten, unklare Beschwerden teilweise überwindbar Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Daniel N oll, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Stephan Bläsi, Advokat, Birsigstrasse 34, Postfach, 4011 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1962 geborene A.____ war ab 1. September 198 8 im Spital B.____ als Stations- schwester, ab 1. Juni 2001 im Spital C.____ als Arztsekret ärin sowie Sozialberaterin und ab 1. März 2010, nach einer Umschulung zur Sachbearbeiterin in Sozialversicherungsfragen, mit einem Pensum von 30% bei der Spitex X.____ angestellt. Bereits am 23. November 1993 mel- dete sie sich unter Hinweis auf ein am 26. Dezember 1988 erlittenes Schleudertrauma bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von L eistungen an. In der Folge klärte die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse ab und sprach der Versicherten mit Verfügu ng vom 24. Januar 1995 ab Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. November 1992 aufgrund eines IV-Grades von 100% ei ne ganze Rente, ab 1. Januar 1993 aufgrund eines IV-Grades von 50% eine halbe Rente und von 1. August 1993 bis 31. Oktober 1993 sowie mit Wirkung ab 1. März 1994 aufgrund eines I V-Grades von 40% eine Viertelsrente zu. B. Anlässlich der in den Jahren 1996, 1999, 2001 und 2 004 durchgeführten Rentenrevisi- onen teilte die IV-Stelle der Versicherten am 21. April 1997, 27. August 1999, 10. Oktober 2001 und 2. November 2004 mit, dass sie weiterhin Anspruch auf die bisherige Rente habe. C. A.____, vertreten durch Advokat Stephan Bläsi, meld ete der IV-Stelle am 10. Februar 2006 eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszusta ndes. In der Folge veranlasste die IV-Stelle beim Begutachtungsinstitut D.____ eine Begutachtung der Versicherten. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom 3. Oktober 2011 fest, dass A.____ bei einem unveränderten IV-Grad von 4 2% weiterhin Anspruch auf eine Vier- telsrente habe. D. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Advokat Bläsi, am 26. Oktober 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Aufhebung der Verfügung 3. Oktobe r 2011 sei die Beschwerdegegnerin an- zuhalten, ihr eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Event ualiter sei die Verfügung vom 3. Okto- ber 2011 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verp flichten, die heute ausgerichtete Viertelsrente in einem noch zu bestimmenden Ausmass zu erh öhen. Subeventualiter sei die Verfügung vom 3. Oktober 2011 aufzuheben und die Beschw erdegegnerin anzuhalten, zur Ein- schätzung der Arbeitsfähigkeit ein zweites Gutachten einz uholen, um hernach erneut über den Rentenanspruch zu befinden; unter o/e- Kostenfolge. Die Beschwerde begründete sie im We- sentlichen damit, dass die Verfügung auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. E. In ihrer Vernehmlassung vom 2. Dezember 2011 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. F. Anlässlich der Urteilsberatung vom 2. Februar 2011 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Ang elegenheit gestützt auf die vorhan- denen medizinischen Akten nicht möglich ist. Es hielt fest , dass das dem Entscheid zugrunde liegende Gutachten des Begutachtungsinstituts D.____ vom 14. Juni 2011 keine überzeugende Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfäh igkeit der Versicherten enthalte und ihm deshalb keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. In der Folge stellte es den Fall aus und ordnete beim Begutachtungsinstitut E.____ ein r heumatologisches bzw. orthopädi- sches Gutachten an. Nachdem dieses dem Kantonsgericht am 20. März 2012 mitgeteilt hatte, dass bei der Versicherten auch eine psychiatrische und neurologische Abklärung angezeigt sei, erweiterte das Kantonsgericht den Begutachtungsauftrag am 11. April 2012 entsprechend. Das Gutachten wurde am 14. Februar 2013 erstattet. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Eingaben vom 4. März 2013 und 23. April 2013 n ahmen die Parteien zum Gutach- ten sowie zu den Auswirkungen der medizinischen Beurteilung auf den Leistungsanspruch Stel- lung, wobei sie an ihren Anträgen festhielten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2.1 Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der B eschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 3. Oktober 2011 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Renten für die Zukunft zu erhöhen, herabzu- setzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentliche n Änderung des Gesundheitszustan- des, der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich bleib enden Gesundheitszustandes (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen) oder der Grundlagen für die Wahl der Invaliditätsbemes- sungsmethode (BGE 117 V 199 E. 3b; Urteil des Bundesger ichts vom 3. Juni 2011, 9C_223/2011, E. 3.1) revidierbar. Bei den Renten der Invalidenversicherung ist grundsätzlich jede Änderung des Sachverhalts, die zu einer Über- od er Unterschreitung eines Schwellen- schwertes (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG) führt, als erheblich zu betrachten (BGE 133 V 545 f. E.6 und 7; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 165). Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenan- spruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseiti g zu prüfen (BGE 117 V 200 E. 4b; SVR 2004 IV Nr. 17 S. 53). Dagegen stellt die bloss un terschiedliche Beurteilung der Auswir- kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeits- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht fähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2008, 9C_562/2008, E. 2.1 mit Hinweis). 3.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). 3.3 Vorliegend hat die IV-Stelle der Beschwerdeführer in nach Prüfung des Rentenanspruchs am 2. November 2004 mitgeteilt, dass sie bei einem un veränderten IV-Grad von 40% weiterhin Anspruch auf eine Viertelsrente habe. Im Februar 2006 leitete die IV-Stelle eine Überprüfung des Rentenanspruchs der Versicherten ein, nahm weitere A bklärungen vor und teilte ihr mit Verfügung vom 3. Oktober 2011 mit, dass sie bei einem IV -Grad von 42% weiterhin Anspruch auf eine Viertelsrente habe. Demgemäss beurteilt sich di e Frage, ob eine Änderung in den tat- sächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisio nsweise Erhöhung der laufenden Vier- telsrente rechtfertigen würde, durch Vergleich des Sachv erhalts, wie er im Zeitpunkt der Mittei- lung vom 2. November 2004 bestanden hat, mit demjenige n im Zeitpunkt der vorliegend ange- fochtenen Verfügung vom 3. Oktober 2011. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (Ulrich Meyer-Bl aser, Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Eidgenössisch en Versicherungsgerichts (EVG, heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung en) mit dem Grundsatz der freien Be- weiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Fo rmen medizinischer Berichte und Gut- achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustelle n (vgl. die ausführlichen Zusammenstel- lungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Ve rwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversiche- rung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltu ngsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteile des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 4.4 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperli- che Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Die Annahme eines psychischen Ges undheitsschadens, so auch einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, setzt zunächst ein e fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannt en Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Wie jede ander e psychische Beeinträchtigung begründet indes auch eine diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, wel- che die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behind ern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verf ügt. In diesen Fällen geht man von der ausnahmsweisen Unüberwindbarkeit der somatoform en Schmerzstörung aus. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komo rbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weiter e Faktoren, so: (1) chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chron ifizierter Krankheitsverlauf mit unver- änderter oder progredienter Symptomatik ohne länger d auernde Rückbildung; (2) ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; (3) ein verfestigte r, therapeutisch nicht mehr beein- flussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Kon- fliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht i n die Krankheit"); (4) das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedli- chem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung de r versicherten Person Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 130 V 352). Je mehr dieser Kriterien zutreffen u nd je ausgeprägter sich die entsprechen- den Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zu- mutbare Willensanstrengung zu verneinen (Ulrich Meyer-B laser, Der Rechtsbegriff der Arbeits- unfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung , in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 7 7; BGE 131 V 50 f.; vgl. zum Ganzen auch Andreas Brunner/Noah Birkhäuser, Somatoforme Schmerzstörung - Gedanken zur Recht- sprechung und deren Folgen für die Praxis, insbesonder e mit Blick auf die Rentenrevision, in: BJM 2007, S. 169 ff.) 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6. Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind im Wesentlichen die folgenden medizi- nischen Unterlagen zu berücksichtigen: 6.1 Im Rahmen der im Jahr 2004 durchgeführten Renten revision stützte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im We sentlichen auf den Bericht von Dr. med. F.____, FMH Neurologie, vom 23. September 2004. Demnach wurde eine Heckauf- fahrkollision am 26. Dezember 1988 mit Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) diagnostiziert. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Krankenschwester bestünde seit dem 5. August 1998 eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40%. Der Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär. Mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei nicht zu rechnen. 6.2 Die für den Unfall vom 26. Dezember 1988 zuständi ge Unfallversicherung beauftragte das Begutachtungsinstitut G.____ mit einer interdisziplin ären Begutachtung der Versicherten. Am 27. Juli 2007 wurden ein Zustand nach Spondylodese C6 bis Th1 im Jahr 1990 aufgrund einer traumatisch bedingten Instabilität in diesen Segm enten bei Zustand nach HWS- Distorsionstrauma nach Auffahrunfall im Jahr 1988, ein chronisches Schmerzsyndrom cervico- vertebral, eine lumbovertebrale Schmerzsymptomatik mit p seudoradikulärer Ausstrahlung in das linke Bein, ISG-Symptomatiken beidseits bei muskuläre r Dysbalance und segmentaler In- stabilität im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule (L WS) sowie Beckenschiefstand von 1 cm nach rechts, ein chronisches cervicovertebrales und rezid ivierendes cervicobrachiales und cer- vicocephales Schmerzsyndrom, ein chronisches lumbovertebrales und intermittierend linksseitig lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, ein Verdacht auf ein l eichtgradiges Impingementsyn- drom der linken Hüfte, ein Verdacht auf eine arteriel le Hypertonie und chronische posttraumati- sche Kopfschmerzen, cervikogen ausgelöst, ohne peripher- o der zentralneurogene Befunde diagnostiziert. Für die Tätigkeit als Krankenschwester b estünde aufgrund einer deutlich vermin- derten Belastbarkeit des Schulter-Nackengürtels eine Ei nschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30%. Längere statische Tätigkeiten und solche, die eine Z wangshaltung der HWS oder Belas- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungen von über 15 kg bedingen, sollten vermieden wer den. Für die Tätigkeit als Sozialarbeite- rin bestünde eine Arbeitsfähigkeit von 60%. Idealerwe ise sollte diese Tätigkeit nicht am Stück durchgeführt werden, sondern durch längere Pausen unte rbrochen werden. Im Rahmen der Tätigkeit als Sozialarbeiterin bestehe eine verminderte Belastbarkeit für längere Schreibtischar- beiten. Solche Arbeiten sollten nicht länger als 30 Mi nuten am Stück durchgeführt und durch längere Pausen von mindestens 30 Minuten unterbrochen w erden. Idealerweise sollten Schreibarbeiten am PC durchgeführt werden. Die Tätigk eit als Sozialarbeiterin entspreche be- reits einer ideal angepassten Tätigkeit. 6.3 Im Rahmen des im Januar 2006 eingeleiteten Revisio nsverfahren beauftragte die IV- Stelle das Begutachtungsinstitut D.____ mit einer inte rdisziplinären Begutachtung der Versi- cherten. Am 14. Juni 2011 wurden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches panver- tebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik (ICD -10 M54.80) und chronische Leis- tenschmerzen links (ICD-10 M79.65) diagnostiziert. Die vo n der Versicherten angegebenen Beschwerden könnten mit den objektiven klinischen und de n radiologischen Befunden nicht ausreichend geklärt werden. Aus Sicht des Bewegungsappara tes bestünde ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik b ei Status nach HWS- Spondylodese. Aus orthopädischer Sicht sei die Explorand in für die derzeit ausgeübte Tätigkeit als Fachfrau Sozialversicherung wie auch für andere körpe rlich leichte, wechselbelastende Tä- tigkeiten bei einem ganztägigen Pensum mit etwas verme hrtem Pausenbedarf zu 80% arbeits- und leistungsfähig. Die frühere Tätigkeit als Krankensch wester im klinischen Einsatz sowie an- dere körperlich mittelschwere und schwere Tätigkeiten, se ien der Explorandin nicht mehr zu- mutbar. In psychiatrischer, internistischer und anderweit ig somatischer Hinsicht könne keine Diagnose gestellt werden. Aus polydisziplinärer Sicht sei en der Versicherten die ausgeübte Tä- tigkeit als Fachfrau Sozialversicherung sowie andere körp erlich leichte, wechselbelastende Tä- tigkeiten zu 80% zumutbar. Aufgrund der anamnestischen Angaben, der Untersuchungsbefun- de, der Akten sowie der früher attestierten Arbeitsunfä higkeiten sei davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit für körperlich schwere und mittel schwere Tätigkeiten seit dem Unfall vom 26. Dezember 1988 in einem höheren Grad eingeschränkt gewesen sei. Genaue Angaben sei- en über die lange Zeitspanne aufgrund der Akten nicht möglich. Dasselbe gelte für Verweistä- tigkeiten. Die aktuelle Beurteilung der Arbeitsfähig keit habe wahrscheinlich schon im Zeitpunkt der Begutachtung durch das Begutachtungsinstitut G.____ im Juli 2007 bestanden; sicher aber seit der aktuellen Untersuchung im März 2011. Die vom B egutachtungsinstitut G.____ be- schriebenen Befunde würden nicht wesentlich von den aktue ll festgestellten orthopädischen Befunden abweisen, weshalb bereits für den damaligen Zeitpunkt eine etwas höhere Arbeitsfä- higkeit angenommen werden müsse. 6.4 Nachdem das Kantonsgericht anlässlich der Urteilsberat ung vom 2. Februar 2012 zur Auffassung gelangte, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten nicht möglich sei, beauftr agte es das Begutachtungsinstitut E.____ mit einer polydisziplinären Begutachtung der Ver sicherten. Am 14. Februar 2013 wur- den mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein cervicale s Schmerzsyndrom links, ein chroni- sches lumbovertebrales Schmerzsyndrom, ein Status nach Offsetkorrektur bei Hüftimpingement links, nach anaphilaktoider Reaktion auf Voltaren und N orflex nach Kollagencolitis und eine an- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht haltende somatoforme Schmerzstörung bei einer Persönlichkeit mit deutlicher Alexithymie diag- nostiziert. Unter Berücksichtigung der somatischen und psychiatrischen Aspekte liege ein cervi- cales Schmerzsyndrom vor mit Status nach HWS-Distorsion, na ch wirbelsäulenchirurgischem Eingriff, klinisch verminderter HWS-Beweglichkeit und o hne Radiculopathie. Im Bereich der LWS finde sich ein Schmerzsyndrom, welches nicht mit objekt iven Befunden an der LWS oder mit klinisch objektivierbaren oder bildgebenden Befunden korreliert werden könne. Die Schmer- zausstrahlungen seien im Sinne einer pseudoradikulären Ausstrahlung zu werten. Aus psychiat- rischer Sicht liege eine anhaltende somatoforme Schme rzstörung bei deutlicher Alexithymie vor. Auffällig sei die vermehrte Inspruchnahme ärztliche r Hilfen, die zahlreichen bildgebenden Untersuchungen über viele Jahre sowie der weitgehend th erapierefraktäre Charakter der Be- schwerden, was aus somatischer Sicht nicht ohne weiteres er klärt werden könne. Aufgrund der HWS-Schmerzproblematik bestünden ein erhöhter Pausenbe darf und daher eine Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit von 20%. Zudem seien repetit ive Überkopfarbeiten, körperlich schwe- re und mittelschwere Tätigkeiten mit Bewegen von Gewi chten über 10 kg sowie Zwangshaltun- gen nicht mehr zumutbar. Auffällig sei die Diskrepanz zw ischen massiven subjektiven invalidi- sierenden Beschwerden und den unauffälligen somatische n Befunden. Die Gutachter des Be- gutachtungsinstituts G.____ hätten dieser Diskrepanz insofe rn Rechnung getragen, als sie di- agnostisch von einem Schmerzsyndrom sprechen würden, sow ohl cervikal als auch lumbal. Diese diagnostische Bezeichnung deute darauf hin, dass Schmerzen in einem bestimmten Are- al beklagt würden, objektivierbare klinische Befunde die Symptomatik jedoch nicht erklären würden. Die Tatsache, dass die Gutachter des Begutachtu ngsinstituts G.____ aufgrund dieses chronischen Schmerzsyndroms aber dennoch eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40% begründeten, deute darauf hin, dass sie dem Schmerzsyndro m einen selbstständigen Krank- heitswert zugemessen hätten. Auch die Gutachter des Begutachtungsinstituts D.____ hätten im Sinne der genannten Diskrepanz zwischen subjektiven Klagen und objektiven Befunden auf eine im Vordergrund stehende nicht-organische Problema tik hingewiesen. Trotzdem sei nie eine psychiatrische Diagnose gestellt worden. Bei der Ver sicherten stünde eine nicht organi- sche Komponente im Vordergrund, im Sinne einer psychoso matischen Störung und einer Be- eindruckbarkeit durch die somatischen Abklärungen mit unbe wusster Symptomverdeutlichung, ein verfestigter, dem Bewusstsein nicht zugänglicher inne rseelischer Verlauf, einer Fixierung auf die Krankenrolle und damit einer Überbeanspruchung von medizinischen Diensten über Jahrzehnte. Aufgrund der unauffälligen Psychopathologie der Versicherten, ihres unauffälligen und kooperativen Verhaltens sei in den bisherigen ärztli chen Berichten eine eigentliche psychi- atrische Problematik bzw. eine psychiatrische Diagnose nicht gestellt und die chronischen Be- schwerden von den Ärzten als somatisch plausibel übernommen worden. Die psychodynami- schen Zusammenhänge, welche das Verhalten der Versicher ten erklären würden, habe im Rahmen der aktuellen Begutachtung nicht aufgedeckt werde n können, weil sie wegen einer für psychosomatisch Erkrankte typischen Alexithymie nicht fähig sei, Kontakt zu ihrem eigenen Gefühlsleben und zu innerseelischen Vorgängen herzustellen . Diese nicht somatische Proble- matik, welche im Rahmen einer somatoformen Störung au ftrete, müsse jedoch als Grund für den jahrelangen chronischen Verlauf angesehen werden. Dieser Störung komme ein invalidisie- rendes Ausmass zu. Die Beurteilung der beruflichen Abklärungsstätten, wonach die Versicherte bei einem Pensum ab 30% bis 40% an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit stosse, lasse sich gesamtmedizinisch nicht begründen. Mit der Beurteilung im Gutachten des Begutachtungs- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht instituts D.____ sei davon auszugehen, dass die Versicherte als Krankenschwester ab 14. Juni 2011 zu 100% arbeitsunfähig ist. Für angepasste Tätigke iten bestünde eine Arbeitsunfähigkeit 40%. 6.5 In seiner Stellungnahme zum Gerichtsgutachten führ te Dr. med. H.____, FMH Psychiat- rie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, am 6. März 2013 aus, dass die Beurteilung des psychiatrischen Gerichtsgutachters n icht nachvollziehbar sei. Dieser begründe seine Beurteilung, wonach die Versicherte zu 4 0% arbeitsunfähig sei, mit einer chro- nifizierten und fixierten psychosomatischen Störung. Wegen des verfestigten innerseelischen Verlaufs sei die Versicherte sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätig- keit deutlich reduziert arbeitsfähig. Dem sei gegenüberzustellen, dass gemäss den Prognosekri- terien von Foerster eine psychiatrische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer fehle. Der weitestgehend völlig normale psychopat hologische Status lasse keine andere Bewertung dieses Kriteriums zu. Weiterhin fehle ein sozialer Rückzug in allen Lebensbelangen, ein primärer Krankheitsgewinn sei nicht ersichtlich, di e Versicherte sei teilzeitlich in Beratung und Administration berufstätig und die Behandlungen se ien nicht gescheitert. Insgesamt seien die Kriterien gemäss Foerster zur Beurteilung der Überw indbarkeit der Schmerzproblematik - wenn überhaupt - nur zu einem sehr geringen Teil erfüllt. 7.1 Nach der Praxis weicht das Gericht bei Gerichtsgutach ten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, dere n Aufgabe es ist, ihre Fachkennt- nisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um e inen bestimmten Sachverhalt medizi- nisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliege n, wenn die Gerichtsexpertise wi- dersprüchlich ist. Abweichende Beurteilung kann ferner ge rechtfertigt sein, wenn abweichende Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüs- sigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei e s, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für a ngezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichend e Schlussfolgerungen zieht (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). Solche Gr ünde sind hier nicht gegeben. Wie oben (vgl. E. 4.3 hiervor) ausgeführt, ist hinsichtlich d es Beweiswertes eines Arztberichtes ent- scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange um fassend ist, auf allseitigen Untersuchun- gen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgege- ben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zus ammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schl ussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Das Gerichtsgutachten vom 14. F ebruar 2013 beruht auf eingehen- den Untersuchungen der Versicherten und berücksichtigt d ie übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte. Zudem sind die Gutachter auf di e Beschwerden der Versicherten ein- gegangen und vermitteln ein hinreichendes Bild über de ren Gesundheitszustand. Es wird deut- lich, dass bei der Versicherten eine nicht organische Komp onente im Vordergrund steht. Die Gutachter hielten fest, dass die Versicherte ein cervicales Schmerzsyndrom links und eine an- haltende somatoforme Schmerzstörung bei einer Persönlichkeit mit deutlicher Alexithymie ("Ge- fühlsblindheit") aufweist, welche es ihr nicht erlaube, innerseelische Zusammenhänge mit ihrem Schmerzerleben herzustellen. Aufgrund des mehrjährigen, chronifizierten Krankheitsverlauf sowie des verfestigten, kaum mehr beeinflussbaren innerse elischen Verlaufs weisen die Be- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerden der Versicherten nach überzeugender Auffassung im Gerichtsgutachten ein invalidi- sierendes Ausmass auf. Auch die fachärztliche Einschätzung de r Arbeitsfähigkeit ist nachvoll- ziehbar begründet und es ist mit überwiegender Wahrschei nlichkeit davon auszugehen, dass die Versicherte in einer den somatischen Leiden angepassten Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40% aufweist. Somit ist die Beurteilung im Gerichtsgutachten sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezü glich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugend. Sie stimmt mit den Ein schätzungen der Ärzte des Begutach- tungsinstituts G.____ vom 27. Juli 2007 insofern übere in, als der Versicherten eine Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit von 40% attestiert wurde. Insgesamt lässt das Gerichtsgutachten eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten zu. Demnach ist davon auszuge- hen, dass die Beschwerdeführerin als Krankenschwester ab 1 4. Juni 2011 zu 100% arbeitsun- fähig ist und für angepasste Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit 40% besteht. 7.2 Daran vermögen die Vorbringen der Parteien nicht s zu ändern. Wenn die Beschwerde- führerin einwendet, die Zumutbarkeitsbeurteilung im Gerichtsgutachten widerspreche sowohl den Ergebnissen der beruflichen Abklärungsmassnahmen al s auch den Beurteilungen der be- handelnden Ärztin Dr. F.____, ist ihr entgegenzuhalten , dass die Gerichtsgutachter auf die ab- weichenden Einschätzungen eingehen. Sie halten überzeug end fest, dass sich die Beurteilun- gen der beruflichen Abklärungsstätten und der behandeln den Ärztin, wonach die Versicherte bei einem Pensum von 30% bis 40% an die Grenzen der kör perlichen Belastbarkeit stosse, gesamtmedizinisch nicht begründen lasse. Davon ist auszugehen. Zunächst ist der Erfahrungs- tatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte mitun ter im Hinblick auf ihre auftrags- rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patien- ten aussagen. Weiter benennt Dr. F.____ in ihren Beri chten keine Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung durch die Gerichtsgutachter unerkannt ode r ungewürdigt geblieben wären. So- weit die IV-Stelle unter Hinweis auf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. H.____ vom 6. März 2013 davon ausgeht, dass bei der Versicherten die Foerster -Kriterien nicht hinreichend erfüllt sind, kann ihr nicht gefolgt werden. In Bezug auf die Diagnostik wiesen die Gutachter darauf hin, dass die psychodynamischen Zusammenhänge, welche das Verhalten der Beschwerdefüh- rerin wie die über Jahre dauernde übermässige Beanspr uchung von medizinischen Diensten erklären würden, im Rahmen der Exploration nicht hät ten aufgedeckt werden können. Die Be- schwerdeführerin ist nach Ansicht der Gerichtsgutachter w egen der bestehenden Alexithymie nicht in der Lage, Kontakt zu ihren eigenen Gefühlen u nd zu innerseelischen Vorgängen herzu- stellen. Sie legen überzeugend dar, dass die nicht somatische Problematik Grund für den jahre- langen chronischen Verlauf ist. Von den Foerster-Kriter ien bejahen die Gerichtsgutachter im- merhin den mehrjährigen chronifizierten Krankheitsverlauf mit unveränderter bzw. progredienter Symptomatik und den verfestigten, therapeutisch nicht me hr beeinflussbaren innerseelischen Verlauf. Insgesamt bejahen sie in überzeugender Weise eine partielle Unüberwindbarkeit im Umfang von 40%, was plausibel erscheint. Insgesamt vermag die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. H.____ die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens nicht in Frage zu stellen. 8. Zu prüfen ist die Bemessung der Invalidität. Das von d er Vorinstanz gestützt auf die An- gaben des ehemaligen Arbeitgebers und unter Berücksichti gung der Nominallohnentwicklung ermittelte Valideneinkommen von Fr. 92‘196.-- sowie die anhand der lohnstatistischen Angaben Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ermittelte Basis für die Bemessung des massgebenden Invali deneinkommens von Fr. 70‘440.-- wurden vom Versicherten zu Recht nicht beanstandet. Nach dem sich aus den Akten keine wei- teren Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwend ung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre, erüb rigt sich eine detaillierte Auseinan- dersetzung mit den von der IV-Stelle ermittelten Vergl eichseinkommen. Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung, der noch vorhandenen Restarbeitsfähigkeit von 60% und dem von der Beschwerdeführerin ebenfalls zu Recht nicht bestritten en Abzug vom Tabellenlohn von 5% resultiert ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 40'151.--. Setzt man im Einkommens- vergleich diese Invalideneinkommen von Fr. 40'151.-- dem Valideneinkommen von Fr. 92‘196.-- gegenüber, so ergibt dies eine Einkommenseinbusse von Fr. 52'045.--. Daraus resultiert ein IV- Grad von rund 56%. Nach dem Gesagten ist die Beschwer de in dem Sinne gutzuheissen, als die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Juni 2011 Anspruch auf eine halbe Rente hat. 9.1 Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 20'334.65 sind der IV- Stelle Basel-Landschaft aufzuerlegen (vgl. BGE 137 V 210, E. 4.4.2). 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden und der Beschwerdeführerin der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückzuerstatten ist. 9.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Angesichts der Tatsache, dass zur Du rchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage gekommen wäre, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfa hrensfairness entfallen ist, rechtfertigt es sich, der Beschwerdeführerin auch dann eine volle Parte ientschädigung zu Lasten der IV- Stelle zuzusprechen, wenn sie mit ihren Anträgen nicht vo llständig durchgedrungen ist. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seinen H onorarnoten vom 20. Dezember 2011 und 15. Mai 2013 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 11,78 Stunden und Auslagen von Fr. 467.10 geltend gem acht. Den Honorarnoten ist zu ent- nehmen, dass sich darunter Aufwand und Auslagen befinde n, welche auf den Kontakt des Rechtsvertreters mit der Rechtsschutzversicherung der Beschwerd eführerin zurückzuführen sind (insgesamt 1,066 Stunden und Auslagen von Fr. 40. 20). Diese Bemühungen würden im Falle einer nicht Rechtsschutz versicherten Person nicht anfallen. Deshalb wird dieser Aufwand zu Unrecht geltend gemacht. Die entsprechenden Bemühung en sind von der Rechtsschutzver- sicherung selbst zu übernehmen. Damit ist dem Beschwerdef ührer für das vorliegende Be- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe v on Fr. 3‘353.55 (10,713 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 426.90. zuzüglich 8% Mw St.) zu Lasten der IV-Stelle zuzuspre- chen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird insoweit gutgeheissen, als d ie Verfügung der IV- Stelle Basel-Landschaft vom 3. Oktober 2011 aufgehoben und festge- stellt wird, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Juni 2011 Anspruch auf eine halbe IV-Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 20'334.65 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘353.55 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde von der IV-Stelle am 13. März 2014 Beschwerde beim Bundes- gericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_217/2014 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht