B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-8418/2008 U r t e i l v o m 1 0 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richterin Muriel Beck Kadima, Gerichtsschreiberin Sarah Diack. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch lic. iur. Kathrin Stutz, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 22. August 2008 / N (…). E-8418/2008 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin – eine aus B._______, stammende iranische Staatsangehörige – verliess eigenen Angaben zufolge ihr Heimatland mit den Kindern (...) und (...) am 23. Februar 2001 und gelangte von Teheran aus auf dem Luftweg mit einem Schengen-Visum für [Dublin-Staat A] über die Türkei und [Dublin-Staat A] nach [Dublin-Staat B], wo sie ein Asylg e- such stellte. Von dort aus wurde sie am 4. Juli 2002 gestützt auf das Dub- lin-Übereinkommen nach [Dublin-Staat A] rücküberstellt. Die [Behörden des Dublin-Staates A] wiesen ihr Asylgesuch ab. Nach einem mehrjähri- gen Aufenthalt in [Dublin-Staat A] reiste sie am 21. August 200 6 in die Schweiz ein und stellte am 25. August 2006 im Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) (...) ein Asylgesuch. Am 14. September 2006 wurde sie im EVZ summarisch und am 7. März 2007 und 11. April 2007 durch die zuständige kantonale Behörde eingehend zu ihren Asylgründen a n- gehört. Für die Dauer des Asy lverfahrens wurden sie und ihre Kinder mit Verfü- gung vom 9. Oktober 2006 dem Kanton (...) zugewiesen, wo auch ihr ehemaliger Ehemann zugeteilt war. Die Beschwerdeführerin brachte im Wesentlichen vor, sich im Iran schon früh politisch betätigt zu haben, w eshalb ihr eine kommunistische und proamerikanische Haltung vorgeworfen worden sei. Sie habe jahrelang im Rahmen ihrer Mitgliedschaft zu einer Frauengruppe Flugblätter zu Themen wie Freiheit und Gerechtigkeit redigiert und verteilt. Ihre Tätigkei- ten seien vom Sicherheitsdienst überwacht worden und so sei nach der Ausreise ihres Mannes in ihrer Abwesenheit ihre Wohnung durchsucht worden. Dem Komitee von C._______ habe sie Rede und Antwort zum Verbleib ihres Mannes stehen müssen. Sie habe sodann Tele fondrohun- gen erhalten und sei sechs oder sieben Male und vier Wochen vor ihrer Flucht jeweils bei der Ausübung ihrer politischen Aktivitäten festgeno m- men wor den. Sie sei daraufhin zwar jeweils gegen Kaution entlassen worden, es sei jedoch ein Gerichtsverfahren g egen sie eingeleitet wo r- den. Da sie von einer Verurteilung zur Todesstrafe ausgegangen sei, h a- be sie sich entschlossen, mit den Kindern den Iran zu verlassen . Sie sei in [Dublin-Staat A] zum Christentum konvertiert, habe von dort aber auch flüchten müssen, da sie wegen ihrer Abkehr vom Islam von Iranern b e- droht worden sei. In der Schweiz engagiere sie sich auch exilpolitisch. Sie reichte zahlreiche Beweismittel ein. E-8418/2008 Seite 3 B. Ihr ehemaliger Ehemann hatte schon am 10. Mai 2006 seinerseits in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt (ebenfalls N […]). C. Mit vorinstanzlicher Zwischenverfügung vom 28. Juli 2008 wurde der Be - schwerdeführerin und ihrem ehemaligen Ehemann das rechtliche Gehör zu den gegenseitigen, je divergierenden Aussagen gewährt (vgl. A48/4). D. Mit Eingabe vom 7. August 2008 nahmen die Beschwerdeführerin und ihr ehemaliger Ehemann durch ihren Rechtsvertreter Stellung. Betreffend die Beschwerdeführerin wurde insbesondere ausgeführt, sie habe sich am (…) 2008 bei der "[Name der Kirche D._______]" taufen lassen, und ihr Taufschein zu den Akten gereicht (vgl. A50/4 und dortige Beilage 5). E. Mit Verfügung vom 22. August 2008 – eröffnet am 27. August 2008 – wies das BFM die Asylgesuche des ehemaligen Ehemannes, der Beschwerde- führerin und der Kinder ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an. F. Mit Eingabe vom 26. September 2008 focht en die Beschwerdeführerin und ihr ehemaliger Ehemann – handelnd durch ihren damaligen Rechts- vertreter, der bis heute den ehemaligen Ehemann vertritt – diese Verfü- gung beim Bundesverwaltungsgericht an und be antragten, der angefoch- tene Entscheid sei vollumfänglich aufzuheben, sie seien als Flüchtling anzuerkennen, es sei ih nen Asyl zu gewähren , eventualiter sei ihre Flüchtlingseigenschaft festz ustellen und die vorläufige Aufnahme anz u- ordnen, subeventualiter sei festzustellen, dass der Wegweisungsvoll zug unzulässig oder zumindest unzumutbar sei und es sei die vorläufige Au f- nahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte n sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsve r- fahren (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerde wurde n betreffend die Beschwerdeführerin je eine Aus- gabe der " [Name einer schweizerischen Lokalzeitung] ", (…) Ausgabe, Januar 2008 und (…) Ausgabe, Juli 2008 beigelegt, die mehrere selbst E-8418/2008 Seite 4 verfasste Artikel der Beschwerdeführerin, unter anderem einen über (...) enthalten, und es wurden weitere Beweismittel im Zusammenhang mit der geltend gemachten Konvertierung in Aussicht gestellt. G. Am 3. Oktober 20 08 schickte das Strassenverkehrsamt (...) den am 24. September 2008 sichergestellten originalen iranischen Führerausweis der Beschwerdeführerin dem BFM zu den Akten. H. Mit Eingabe vom 13. Oktober 2008 reichte die Beschwerdeführerin die in Aussicht gestellten Beweismittel, die sich auf ihre Konvertierung zum Christentum beziehen (Bestätigungsschreiben und Internetausdrucke), zu den Akten. I. Mit Verfügung vom 15. Oktober 2008 hiess die zuständige Instruktion s- richterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung e i- nes Kostenvorschusses. J. Das BFM verwies in der Vernehmlassung vom 17. Oktober 2008 auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und hielt an der Abweisung der Beschwerde fest. Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführe - rin am 21. Oktober 2008 zur Kenntnisnahme zugestellt. K. Am 1 0. Dezember 2008 (Poststempel) reichte Frau (...), eine Privatpe r- son, ein die Beschwerdeführerin und ihre Familie betreffendes persönlich unterzeichnetes Referenzschreiben, eine Stellungnahme von Amnesty In- ternational vom 7. Juli 2008 an das Verwaltungsgericht Mainz ("Verfol- gung von evangelikalen Christen, geplante Todesstrafe für Apostasie"; In- ternetausdruck) und einen Artikel des "Kölner Stadtanzeigers" ("Peit- schen, foltern, hinrichten") vom 14. November 2008 ein. L. Am 17. Juni 2009 reichte der Rechtsvertreter der B eschwerdeführerin betreffend ihren (ehemaligen) Ehemann eine DVD ein und führte dazu aus, diese enthalte zahlreiche Videoberichte verschiedener Fernse hsen- der über die [Name der politischen Veranstaltung] vom (…) April 2009 in D._______, worin ihr ehemaliger Ehemann erkennbar sei. E-8418/2008 Seite 5 M. Mit Eingabe vom 28. Mai 2010 wandte sich die Beschwerdeführerin – handelnd durch ihre neu mandatierte Rechtsvertreterin – an das Bundes- verwaltungsgericht und teilte diesem mit, dass sie sich bereits im Iran von ihrem Ehemann habe scheiden lassen, dieser sie aber gezwungen habe, diese Tatsache den schweizerischen Behörden zu verschweigen. Die S i- tuation mit ihrem ehemaligen Ehemann habe sich zwischenzeitlich ve r- schlimmert und sie werde, sobald sie eine andere Unterkunft f inde, die gemeinsame W ohnung verlassen. Sie reichte, unter Hinweis, dass es sich um das ira nische Scheidungsurteil handle, ein iranisches Identität s- dokument (worauf das Scheidungsurteil vom (…) 2005 vermerkt ist ) im Original zu den Akten. N. Mit Mitteilung der zuständigen Instruktionsrichterin vom 18. August 2010 wurde d er neuen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin und dem Rechtsvertreter ihres ehemaligen Ehemann es mitgeteilt, dass infolge Scheidung das Verfahren der Beschwerdeführerin fortan unter der Num - mer E-8418/2008 weitergeführt werde. Die Kinder würden im ursprüngli - chen Verfahren E -6186/2008 mit dem ehemaligen Ehe mann der B e- schwerdeführerin verbleiben und die beiden Verfahren im Gericht koord i- niert behandelt werden. O. Mit Eingabe vom 17. September 2010 (Poststempel) wandte sich die Be - schwerdeführerin an das Bundesverwaltungsgericht und zeigte sich er - staunt darüber, dass die Kinder, deren Erziehung ihr im iranischen Schei- dungsverfahren zugesprochen worden sei, im Verfahren ihres ehemali- gen Ehemannes belassen word en seien. Sie stellte den Antrag, die Kin - der in ihr Beschwerdeverfahren einzubeziehen. P. Mit Verfügung vom 28. September 2010 forderte die zuständige Instrukt i- onsrichterin die Beschwerdeführerin auf, das iranische Scheidungsurteil vom (…) 2005 und allfällige weitere Beweismittel zur Sorgerechtszute i- lung der Kinder dem Gericht zukommen zu lassen , da aus dem bereits eingereichten Identitätsdokument nicht ersichtlich sei, wem das Sorg e- recht über die Kinder zugeteilt worden sei. Q. Am 17. Dezember 2010 wandte sich die Beschwerdeführerin ans Bu n-E-8418/2008 Seite 6 desverwaltungsgericht und führte aus, dass es ihr zur Zeit nicht möglich sei, das iranische Scheidungsurteil zu beschaffen. Sie habe auch b e- schlossen, das Verfahren der Kinder nicht von demjenigen des Vater s zu trennen. Der Kontakt mit dem geschiedenen Ehemann sei wieder enger geworden, da dieser sich verändert habe. Gleichzeitig wies sie auf ihr i n- tensives Engagement in der "[Kirche E._______] " und der [Kirche F._______] hin und reichte diesbezügliche Fotos und ein aktuelles Bestä- tigungsschreiben des Pastors, datierend vom (…) Dezember 2010, zu den Akten. Ausserdem reichte sie Fotos von einer Protestveranstaltung in Zürich ein, an der sie teilgenommen habe. R. Mit Eingabe vom 27. Mai 2011 wandte sich die Besc hwerdeführerin er- neut ans Bundesverwaltungsgericht mit der Bitte, ihr Verfahren beschleu- nigt zu behandeln. S. Am 30. Mai 2011 antwortete ihr die zuständige Instruktionsrichterin, dass das vorliegende Verfahren gemäss Prioritätenordnung der Gerichtsleitung zu den beförderlich zu behandelnden Verfahren gehöre, es indes auf - grund grosser Geschäftslast nicht möglich sei, einen genauen Termin des Verfahrensabschlusses bekannt zu geben. T. Mit Schreiben vom 30. März 2012 (Poststempel) wandte sich die B e- schwerdeführerin erneut ans Bundesverwaltungsgericht und bat um ba l- digen Verfahrensabschluss. Sie wies zudem daraufhin, dass sie zwi - schenzeitlich psychisch erkrankt sei und sich deshalb in Behandlung be - finde. U. Am 2. August 2012 ging ein Schreiben einer D rittperson (datiert vom 29. Juli 2001) beim Bundesverwaltungsgericht ein, mit dem im Wesentl i- chen um Abschluss des Verfahrens gebeten wurde. V. Auf den detaillierten Inhalt der vorinstanzlichen Verfügung, der Be - schwerdeschrift, der weiteren Eingaben und der eingereichten Beweismit- tel wird – soweit urteilsrelevant – in den nachstehenden Erwägungen ein- gegangen. E-8418/2008 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bund esverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Ein solches Auslief erungsersuchen liegt nicht vor. 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände - rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 AsylG, Art. 48 Abs. 1, Art. 50 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be - schwerde ist einzutreten. 1.4. Das Verfahren der Beschwerdeführerin (E-8418/2008) wurde mit Ver- fügung des Gerichts vom 18. August 2010 von jene m ihres ehemaligen Ehemannes und der Kinder (E -6186/2008) abgetrennt (vgl. oben Bst. N). Auch im Ver fahren des ehemaligen Ehemannes und der Kinder ergeht mit heutigem Datum ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. E-8418/2008 Seite 8 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nati - onalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu wer - den. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefäh rdung des Lei - bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen uner - träglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluch t- gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1. Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli- chen damit, die Vorbringen der Beschwerdeführerin seien nicht glaubhaft, da sie zwei sich gegenseitig ausschliessende Versionen von Verfolgungs- massnahmen im Iran zu Protokoll gegeben habe. So habe sie anlässlich der Erstbefragung ausgesagt, zwei Monate vor ihrer Abreise nach Tehe- ran (im November 2000) auf offener Strasse verhaftet worden zu sein, als sie mit Freundinnen zu einer Versammlung unter wegs gewesen sei. Der anschliessenden Festnahme sei sie nur entkommen, weil es ihr gelungen sei, ihren [Verwandten] zu kontaktieren, der eine Kaution für ihre Freila s- sung geleistet habe. Etwa eine Woche später habe sie an eine r Protest- kundgebung von Arbeiterinnen (…) teilgenommen, (…) habe. Die Revolu- tionsgardisten hätten diese Demonstration überfallen und viele Frauen verhaftet. Sie selbst habe jedoch entkommen können. Bei der kantonalen Anhörung habe sie indessen angegeben, ei nen Monat vor ihrer Ausreise aus dem Iran (im Januar 2001) festgenommen und zum Komitee g e- bracht worden zu sein , als sie an einem Streik von (…)beiterinnen in B._______ teilgenommen habe. Nachdem ihr [Verwandter] eine Bür g- schaft (...) hinterlassen habe, sei sie am zweiten Tag freigelassen worden. Es sei gegen sie ein Gerichtsverfahren eingeleitet worden, bei dem sie mit der Todesstrafe gerechnet habe. Zu dem sei sie drei Wochen vor di e-E-8418/2008 Seite 9 sem Vorfall auf das Komitee von C._______ gebracht worden, wo ihr mit- geteilt worden sei, dass ihr e politischen Aktivitäten beobachtet worden seien. Darauf habe sie sich schriftlich verpflichten müssen, diese Tätigkei- ten zu unterlassen. Es könne aber von einer Person, die aus derartigen Gründen zur Flucht ins Ausland gezwungen werde, erwartet werden, dass sie den entsprechenden Sachverhalt hinsichtlich einzelner Ereigni s- se und des zeitlichen Ablaufs in allen Anhörungen gleich wie dergeben könne. Da sie ihre politischen Aktivitäten nicht glaubhaft habe machen können, sei auch eine Verfolgung auszuschliessen. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend die Zeit vor ihrer Heirat (dass man ihr eine kommunistische und proamerikanische Haltung vorge- worfen und den Zugang zur Universität und zum Lehrerseminar verwei - gert habe; dass es Hausdurchsuchungen und einmal eine zweitägige Festnahme nach einer Protestveranstaltung gegeben habe und dass sie sich einmal vor dem Komitee wegen u nrichtigen Kopftuchtragens habe erklären müssen) seien nicht asylrelevant, hätten die fraglichen Ereig- nisse doch bei der Ausreise bereits mehrere Jahre zurückgelegen. Bei den exilpolitischen Aktivitäten der Beschwerdeführerin in der Schweiz habe es sich sod ann offenbar nur um ein einmaliges beziehungsweise vorübergehendes Engagement gehandelt, von dem sich nicht auf ein Ver- folgungsinteresse der iranischen Behörden schliessen lasse. Was schliesslich die geltend gemachte Konversion zum Christentum betreffe, bestünden keine Hinweise darauf, dass die iranischen Behörden auf die Konversion beziehungsweise die Taufe der Beschwerdeführerin aufmerksam geworden wären; es seien auch keine entsprechenden Be - fürchtungen vorgetragen worden. Den Wegweisungsvollzug bezeichnete das BFM schliesslich als zulässig, zumutbar und möglich. 4.2. Die Beschwerdeführerin führte auf Rechtsmittelebene zunächst ihre Asylgründe nochmals aus und hielt diesbezüglich fest, die Vorinstanz ha- be diese korrekt wiedergegeben. Betreffend die vom BFM fes tgestellten Widersprüchlichkeiten hielt die Beschwerdeführerin sodann fest, dass sie aufgrund der in der Tat nicht kongruenten Angaben von Vornherein keine Erklärungsversuche anstelle. Insgesamt sei jedoch festzuhalten, dass sie die geschilderten Ereignisse erlebt habe, indes – aufgrund der Tatsache, dass diese mindestens sechs Jahre zurückliegen würden – einzelne Ge-E-8418/2008 Seite 10 schehnisse miteinander verwechselt oder chronolo gisch falsch eingeor d- net habe. Zudem hätten die Erlebnisse in [Dublin-Staat A] ihrer psychi- schen Verfassung stark zugesetzt. Ihre politische Grundhaltung falle je- doch trotz der Ungereimtheiten, die zum grossen Teil relativ unwesentlich seien, auf. Verschiedene Familienmitglieder hätten den Iran aus polit i- schen Gründen verlasse n müssen; so habe au ch sie für sich und ihre Kinder keine Zukunft mehr gesehen. Letztes fluchtauslösen des Moment sei schliesslich die Tätigkeit ihres Ehemannes während den Parlament s- wahlen vom 18. Februar 2000 gewesen; dieser habe versucht, die Wä h- ler an der Stimmabgabe zu hindern, zu diesem Zwecke eine Bombendro- hung verbreitet und habe flüchten müssen, als er dabei von den Siche r- heitskräften ertappt worden sei. Ausserhalb des Irans habe sie dann ihre regimefeindliche Haltung mittels politischen Äusserungen und einem Kon- fessionswechsel fortgesetzt. Mit dem christlichen Glau ben habe sie eine Religion gefunden, die ihr Hoffnung gebe. Seit längerem verkehre sie in der "[Kirche F._______] ", der "[ Kirche D._______] " und der "[Kirche E._______]". Diesbezüglich verweise sie auf d ie jüngsten Strafgeset z- buchverschärfungen im Iran , welche für den Glaubensabfall die Tode s- strafe vorsehen wür den. Die Verschärfung sei am 9. September 2008 vom Parlament gebilligt wor den. Es sei der Beschwerdeführerin nicht möglich, ihren christlichen Glau ben verheimlichen zu können, da sie ihn bewusst nach aussen trage. In den Aufgaben, die sie zusammen mit der "[Kirche F._______]" erfülle, liege ein klar missionarischer Charakter. Da- her habe sie – trotz zahlreicher Ungereimtheiten – ihre Flüchtlingseigen- schaft glaubhaft dargelegt. 5. 5.1. Zunächst sind die Vorfluchtgründe der Beschwerdeführerin zu würdi - gen. Diesbezüglich ist – wie nachfolgend aufgezeigt – der vorinstanzli- chen Argumentation, wonach die Vorbringen der Beschwerdeführerin auf- grund zahlreicher Unstimmigkeiten nicht glaubhaft seien, im E rgebnis zu- zustimmen. Aus dem erstinstanzlichen und dem Beschwerdeverfahren liegen zahlrei- che Dokumente bei den Akten. Diese beziehen sich indessen nicht auf die geltend gemachten Vorfluchtgründe. Die Dokumente aus dem griechi- schen und deutschen Asylverfahren, die beglaubigte Heiratsurkunde i n- klusive Übersetzung, die zahlreichen Internetausdrucke betreffend ihre exilpolitische Tätigkeiten und die Bestätigungen und Fotos ihrer christli - chen Aktivitäten in Europa eignen sich nicht dazu, die Vorfluchtgründe der E-8418/2008 Seite 11 Beschwerdeführerin zu beweisen, da sie sich allesamt auf die Zeit nach ihrer Ausreise beziehen. Sodann ist auf die Aussagen der Beschwerdeführerin abzustellen: Sie wurde vom BFM sehr ausführlich befragt und beschrieb die geltend ge - machten Vorkommnisse durchaus detailliert. So vermochte sie beispiels- weise den teilweisen Inhalt eines Flyers, den sie damals verteilt habe, zu rezitieren (vgl. B30 S. 31). Angesichts ihrer im Übrigen auch sehr lebens- echten Umsc hreibung des Herstellens und Verteilens von Flugblätter n kann durchaus davon ausgegangen werden, dass sie sich im Iran mit die- ser Tätigkeit für Frauenrechte engagiert hat. Aufgrund zahlreicher Unstim- migkeiten in nicht unwesentlichen Punkten kann ihr inde s nicht geglaubt werden, dass sie deswegen verfolgt worden ist. An der Erstbefragung gab sie zu Protokoll, letztmals zirka zwei Monate vor ihrer Abreise nach Tehe- ran auf offener Strasse, unterwegs zu einer Versammlung, festgenommen worden zu sein (vgl. B1 S. 9), an der Anhörung macht e sie demgegen- über geltend, sie sei ein en Monat vor ihrer Ausreise bei einem Arbeiter - streik (…), verhaftet worden (vgl. B30 S. 28). Weiter stellt sie sich zu- nächst auf den Standpunkt, sie habe nicht ge wusst, auf welchen P olizei- posten sie nach ihrer Festnahme gebracht worden sei (vgl. B1 S. 9), habe dann aber ihren [Verwandten] angerufen, der sie mittels Kautionszahlung freibekommen habe. Darauf angesprochen, dass sie der Logik zufolge ih- rem [Verwandten] ihren Standort habe a ngeben müssen, da mit dieser überhaupt zu ihr habe kommen können, entgegnete sie dann, die Wache habe ihr mitgeteilt, wo sie sich befinde (vgl. B1 S. 10). Diese Ausführun- gen vermitteln aufgrund der Ungereimtheiten den Eindruck, nicht wirklich Erlebtes wie derzugeben, sondern konstruiert zu sein. Dass Unstimmig- keiten vorliegen, wird sodann von der Beschwerdeführe rin gar nicht bestritten; so führt sie auf Rechtsmittelebene aus, sie würde im Vornher- ein nicht versuchen, die Widersprüchlichkeiten zu erklä ren; diese würden sich aber nur auf unwesentliche Punkte beziehen und das Ge schilderte habe sie grundsätzlich erlebt . Diese Argumentation ist unbehelflich, da die angeblichen Festnahmen zentralen Bestandteil ihrer Asylvorbringen bilden und daher diesbezüglich kongruente Angaben erwar tet werden können. Weiter fällt auf, dass sie auf Beschwerdeebene ausführt, nach der Aus - reise ihres ehemaligen Ehemannes aus dem Iran sei sie – aufgrund des- sen ungewissen Verbleibs – von den Behörden belästigt worden, indes - sen gänzlich unerwähnt lässt, wegen ihrer eigenen Tätigkeiten gesucht worden zu sein. Angesichts ihrer Geschichte, wonach sie selbst wegen E-8418/2008 Seite 12 ihrer politischen Tätigkeiten verhaftet worden sei, handelt es sich hier bei jedoch ebenfalls um einen zentralen Punkt ihrer Asylgeschichte, der – da unerwähnt geblieben – klar für die Unglaubhaftigkeit ihrer V orbringen spricht. Aufgrund der zahlreichen Ungereimtheiten gelingt es der Beschwerdefüh- rerin somit nicht, ihre Vorfluchtgründe glaubhaft zu machen. Mit fehlender Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen entfällt auch deren Asylrelevanz, womit die Vorinstanz ihr Asylgesuch zu Recht abgewiesen hat. 6. 6.1. Im Beschwerdeverfahren macht die Beschwerdeführerin sodann Nachfluchtgründe geltend. 6.2. Wer sich darauf beruft, dass durch se in Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exilaktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, beruft sich auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG). Subjektive Nachtfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingse i- genschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Die vom Gesetzgeber b e- zweckte Bestimmung subjektiver Nachfluchtgründe als Asyl - ausschlussgrund verbietet auch ein Addieren solcher Gründe mit Flucht - gründen vor der Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat, die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft und z ur Asylge- währung ausreichen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwe i- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 7). Wer eine drohen- de Verfolgung wegen exilpolitischen Engagements geltend macht, hat dann begründeten Anlass zur Furcht vor künfti ger Verfolgung, wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde ( BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f., BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, EMARK 2006 Nr. 1 E. 6.1 S. 10). 6.3. Die von der Beschwerdeführerin vorgetragenen Nachfluchtgründe beziehen sich einerseits auf ihr exilpolitisches Engagement und anderer - seits auf ihre Konversion zum Christentum. E-8418/2008 Seite 13 6.3.1. Betreffend exilpolitische Aktivitäten machte die Beschwerdeführerin geltend, sie nehme in der Schweiz an versc hiedenen Kundgebungen teil, die teils von den Mujahe din, teils von der " [Exilorganisation]" organisiert seien; auf Fotos, die im Internet platziert s eien, sei sie dabei erkennbar (vgl. B30 S. 11, 15 und 34); sie reichte der Vorinstanz entsprechende Be- weismittel zu den Akten (vgl. B30 S. 40). Auch im Beschwerdeverfahren wurden Fotos als Beweisunterlagen eingereicht, die die Beschwerdefü h- rerin bei ihrer Teilnahme an Protestkundgebungen zeigen (vgl. Eingabe vom 17. Dezember 2010). Eine ausführliche Würdigung dieser exilpolitischen Aktivitäten kann vorlie- gend unterbleiben; die Prüfung der Nachfluchtgründe der Beschwerd e- führerin konzentriert sich vielmehr auf die geltend gemachte Konversion zum Christentum. 6.3.2. Die Beschwerdeführerin macht im Asylverfahren gel tend, sie sei nach ihrer Ausreise bereits in [Dublin-Staat A] zum Christentum konver- tiert und sei seither in der Schweiz als Christin sehr aktiv . Sie doku - mentiert diese Vorbringen mit diversen Beweismitteln: Ein "Certificate" der deutschen "[Kirche G._______]" vom 2. Juli 2002, welches bestätigt, dass die Besc hwerdeführerin (…) Monate in der G e- meinde gelebt und sich aktiv am Kirchenleben beteiligt hat, eine (...) Bes- tätigung der evangelischen Kirche vom (…) August 2006, die Ausgaben der " [Name einer schweizerischen Lokalzeitung]" ( […] Ausgabe, Januar 2008 und (…) Ausgabe, Juli 2008), die mehrere von ihr verfasste Artikel, unter anderem einen mit dem Titel " (...)", über die Unterdrückung und (...) von Frauen enth alten, das Schreiben des Pastors der " [Kirche E._______]" vom (…) September 2008, welches bestätigt, dass die B e- schwerdeführerin in der Kirchengemeinde bekannt ist und sich durch ihre aktive Mitarbeit hervorgetan hat, das Schreiben des Pastors der " [Kirche F._______]" vom (…) September 2008, we lches bestätigt, dass die B e- schwerdeführerin bekennende Christin ist und regelmässig die Seminare für iranische Christinnen besucht, das Schreiben des Pastors der "[Kirche D._______]" vom (..) Oktober 2008, in welchem ausgeführt wird, dass die Beschwerdeführerin seit mehreren Jahren die Kirche besuch e, einen Be- richt der (...) Zeitung vom (…) Juli 2002, der über die Abschiebung der Familie der Beschwerdeführerin nach [Dublin-Staat A] berichtet und da r- über, dass die Mitglieder des [Kirchenvorstand in G._______] die Familie weiterhin unterstützen wollten, [Taufschein] vom (…) 2008 der "[Kirche D._______]", diverse Fotos, die die Beschwerdeführerin in der Kirche und E-8418/2008 Seite 14 zusammen mit ande ren Gläubigen zeigen , und das Schreiben des Pa s- tors der "[Kirche E._______]" vom (…) Dezember 2010, aus dem hervor - geht, dass die Beschwerdeführerin sich a ktiv in Gottesdiensten beteilige , von Erlebtem öffentlich erzähle, an Grossanlässen mithelfe und [ihre Kin- der auch aktiv seien]. Ausserdem reichte die Beschwerdeführerin Beweisunterlagen ein zur L a- ge im Iran für Christen beziehungsweise für Konvertierte, so namentlich den Online -Artikel der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) vom September 2008 ("Iran: Gesetz gegen Abfall vom Islam und gegen Zauberei") und eine Stellungnahme von Amnesty International vom 7. Juli 2008 an das Verwaltungsgericht Mainz (" Verfolgung von evangeli- kalen Christen, geplante Todesstrafe für Apostasie"; Internetausdruck). 6.3.3. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich mit der Lage von Christen im Iran und speziell mit der Frage von Konversionen von Iranern in einem Urteil vom 9. Juli 2009 (BVGE 2009/28) eingehend befasst. Das Bundesverwaltungsgericht wies in jenem Urteil insbesondere auf die mannigfaltigen Diskriminierungen d er christlichen Minderheit im Iran n a- mentlich in wirtschaftlicher, sozialer und beruflicher Hinsicht hin; Nicht - Muslime würden generell als Bürge r zweiter Klasse behandelt und im ö f- fentlichen Bereich gegenüber Mo slems schwerwiegend benachteili gt. Zwar könn e nicht von einer allgemeinen, allein an das Bekenntnis zum Christentum anknüpfenden Verfolgung ausgegangen werden; Christen hätten aber das Verbot zu beachten, ihren Glauben über den Kreis der Familie und der religiösen Gemeinde hinaus zu propagieren; mis sionari- sche Tätigkeiten würden umgehend staatliche Massnahmen der Siche r- heitskräfte nach sich ziehen (BVGE 2009/28, E. 7.3.2 und 7.3.3). Was die Situation von Konvertiten betrifft, unterstrich das Gericht, dass gemäss islamischem Recht für eine muslimische Person keine aner - kannte Möglichkeit besteht, dem islamischen Glauben abzuschwören und zum Christentum überzutreten. Der Tatbestand der Apostasie bestehe zwar derzeit nur aufgrund der Scharia, nicht aber im kodifizierten irani - schen Strafrecht; hingegen s ei dem Parlament im September 2008 ein entsprechender Entwurf zur Änderung des iranischen Strafrechts vorge - legt worden (BVGE 2009/28 E. 7.3.4). Diese im Februar 2008 entworfene und im September 2008 dem Parla - ment vorgelegte Revision des iranischen Strafgesetzes, welche neu ei -E-8418/2008 Seite 15 nen mit der Todesstrafe bedrohten Straftatbestand der Apostasie vorsieht (Art. 225 des iranischen Strafgesetzbuches) , ist offenbar bis heute nicht endgültig verabschiedet worden; insbesondere schlug das "Legal and Ju- dicial Committee of the majles" am 23. Juni 2009 vor, den Straftatbestand nicht aufzunehmen, und blockierte so die Umsetzung der Gesetzesrevis i- on (vgl. United States Department of State [USDOS], International Relig i- ous Freedom Report 2010, 17. November 2010). Bisher existieren keine neueren Informationen. Die Aufschiebung der Gesetzesrevision bedeutet indessen nicht, dass keine Todesurteile ausgesprochen worden sind. In seinem Urteil vom 9. Juli 2009 hatte das Bundesverwaltungsgericht noch festhalten können, es seien in den letzten Jahren keinerlei Verurteilungen zur Todesstrafe wegen Apostasie bekannt geworden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.4); dies trifft mittlerweile nicht mehr zu. So wurde namentlich im September 2010 – trotz fehlender kodifizierter strafrechtlicher Gesetzesgrundlage – von den iranischen Gerichten Yousef Nadarkhanis, de r Priester einer 400 - Seelen-Kirchengemeinde, wegen "Abkehr vom Islam" zum Tode verurteilt, als er sich weigerte, dem Islam beizutreten (vgl. Human Rights Watch [HRW], World Report 2012 – Iran, 22. Januar 2012; Human Rights Coun- cil, Human rights situations that require the Council’s attention, Joint wri t- ten statement submitted by Amnesty International, HRW, Reporters With- out Borders International, non -governmental organizations in special, consultative status: Islamic Republic of Iran: The international community must act to save hundreds at risk of execution, 14. Februar 2011, abruf- bar unter: http://www.un.org/ga/search/view_doc.asp?symbol=A/HRC /16/NGO/123&Lang=E, zuletzt besucht am 16. April 2012; vgl. auch: Wor- thy Christian News – Daily Christian News Service, Iran Court: 'Pastor To Be Executed By Hanging', 26. November 2010, abrufbar unter : http://www.worthynews.com/9786-iran-court-pastor-to-be-executed-by- hanging?wpmp_switcher=mobile, zuletzt besucht am 18. April 2012). Ob- wohl das Oberhaupt der iranischen Judikative, Ayatollah Shahroudi, so- wohl die Staatsanwaltschaften als auch die Gerichte im Jahre 2002 ange- wiesen hatte, niemanden wegen des Wechsels der Religion zu verurteilen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.4), hat im soeben geschil derten Fall der Oberste Gerichtshof in Kum die Todesstrafe des Priesters Ende Septem - ber 2011 bestätigt (vgl. Die Zeit, Fast schon tot?, 23. Oktober 2011, abruf- bar unter: http://www.zeit.de/2011/43/Apostasie, zuletzt besucht am 18. April 2012). Der Entscheid soll zwar bis Ende 2012 überdacht werden, der Priester bleibt indessen im Gefängnis (vgl. Christian Solidarity Inte r- national [CSI], "Soll Nadarkhanis Wille gebrochen wer den?", E-8418/2008 Seite 16 3. Januar 2012, abrufbar unter: http://www.csi-de.de/nadarkhani2. php?bnrLink=nadarkhani2.php&sId=, zuletzt besucht am 18. April 2012 ; vgl auch: "Iran: Ungewissheit um inhaftierten Pa stor", 18. April 2012, fac- tum-online, abrufbar unter: http://www.factum-magazin.ch/wFactum_ de/aktuell/2012_01_11_Pastor_Iran.php, zuletzt besucht 18. April 201 2). Die im Raum stehende Gesetzesrevision, die bisher nicht aus der Welt geschafft worden ist, begünstigt – zahlreichen Quellen zufolge – die Hal- tung, Apostasie (auch ausserhalb der formellen Gesetzgebung) scharf zu bekämpfen; den staatlichen Behörden gelingt es vermehrt, strafrechtliche Gründe im Zusammenhang mit Apostasie zu finden, um Nicht -Islamisten zu sanktionieren. Beispielsweise verurteilte ein iranisches Gericht im Jah- re 2 010 sechs Mitglieder einer evangelischen Kirche im Iran zu einem Jahr Gefängnis wegen "Propaganda gegen den Staat" (vgl. HRW, World Report 2012, a.a.O.). Aktuell stehen gerade 12 Christen wegen Apostasie und anderen (angeblichen) Delikten vor Ge richt ( vgl. Times.247.com, "Iranian Christians may face de ath in apostasy trial ", http://times247.com/articles/iranian-christians-await-verdicts-after-apo- stasy-trial#ixzz1sODZfj8J, zuletzt besucht am 18. April 2012). Die United States Commission on International Religious Freedom beobach tet für den Zeitraum von April 2010 bis März 2011 eine zunehmende Ver - schlechterung der religiösen Freiheit nicht -muslimischer Minderheiten so- wie wachsende Diskr iminierung und Repression (Annual Report April - March 2010, Mai 2011, abrufbar unter http://www.uscirf.gov/images/book %20with%20cover%20for%20web.pdf, zuletzt besucht am 18. April 2012). Die Presse schreibt auch von mysteriösen Todesfällen von freige- sprochenen Konvertierten (vgl. Die Zeit, Fast schon tot?, 23. Oktober 2011, a.a.O.). In anderen Fällen wurde indessen – auf internationalen Druck hin –, das Urteil abgeändert oder die Haftstrafe reduziert. So wurde ein Priester, der zuvor wegen Apostasie zum Tode verurteilt worden war, schliesslich wegen "Propaganda gegen den Staat" zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt ( vgl. CSI, Apostaten müssen um ihr Leben fürchten, o hne Datierung [ Indizien deuten auf Novem ber 2010] , http://www.csi-de.de/iran_apostaten_fuerchten.php, abgerufen am 18. Ap- ril 2012, und CSI, Keine To desstrafe für Pastor Khanjani, 5. Dezember 2011, a.a.O.) Zwei Iranerinnen, denen die Todesstrafe drohte, wurden schliesslich zu einer reduzierten Haftstrafe ver urteilt (vgl. Idea.de ["das christliche Nachrichtenportal" ], Iran spricht angeklagte Christinnen frei, 25. Mai 2010, http://www.idea.de/nachrichten/detailartikel/artikel/iran- spricht-angeklagte-christinnen-frei.html, abgerufen am 18. April 2012). Personen, die sich vom Islam abgewendet haben, müssen mit der ständi- gen Angst leben, sich in absehbarer Zeit vor Ge richt wegen Apostasie E-8418/2008 Seite 17 verantworten zu müssen. Dem offiziellen Bericht des USDOS zufolge sind zwischen Juni 2008 und Juni 2010 über 115 Festnahmen von Chris ten wegen Apostasie, illegalen evangelischen Aktivitäten, regimefeindli cher Propaganda und Tätigkeiten gegen den Islam im Zusammenhang mit a n- deren Anschuldigungen verzeichnet worden, im Dezember 2010 wurden zusätzlich 161 Festnahmen registriert. Ende 2012 s ind 33 Pers onen in den Gefängnissen verblieben mit ungewissem Verfahrensstand (vgl. U S- DOS, International Religious Freedom Report Juli -Dezember 2010, Se p- tember 2011, http://www.state.gov/j/drl/rls/irf/2010_5/168264. htm, zuletzt besucht am 16. April 2012). Neuere , öffentlich zugängliche Berichte schreiben von weiteren Festnahmen von 282 beziehungsweise 254 Christen (wobei die wirkliche Anzahl höher einzuschät zen sei) zwischen Juni 2010 und März 20 11 (vgl. Christian Solidarity Worldwide, Ira nian news website suspended after reporting burning of New Testaments, 16. März 2011, abrufbar unter: http://dynamic.csw.org.uk/article.asp?t= press&id=1135&search=, zuletzt besucht am 18. April 2012 und Iranian Christians to stand trial for "activities against the order", 28. April 2011, abrufbar unter: http://dynamic.csw.org.uk/article.asp?t=press&id=1162& search=, abgerufen am 18. April 2012). Neuere Quellen berichten, am 26. Januar 2011 hätten die iranischen Be- hörden bekannt gege ben, dass ein Mann namens Seyed Ali Gharabat wegen "Verbreitung von Verderbtheit" und "Apostasie" im Karoun-Gefäng- nis in Ahvaz hingerichtet worden ist (vgl. Human Rights Council, Human rights situations that require the Council’s attention, a.a.O.). 6.3.4. Im Falle der Beschwerdeführerin ist zu beachten, da ss sie erst nach ihrer Ausreise aus dem Iran zum Christentum konvertiert ist; aus den Akten ist ersichtlich, dass sie bereits in, [Dublin-Staat A], konvertierte (vgl. Bestätigung der Kirchgemeinde (...), datiert vom 16. August 2006). Der beigelegten Taufurkunde im Original zufolge wurde sie am (…) 2008 in der Schweiz getauft. Das Bundesver waltungsgericht hatte in seinem Urteil vom 9. Juli 2009 (BVGE 2009/28) festgehalten, dass eine Abwen- dung vom Islam, die erst nach der Ausreise erfolgte, einer dif ferenzierte- ren Betrachtung zu unterziehen ist. Zu untersuchen ist insbesondere, ob der Religionsausübung eine aufrichtige Überzeugung zugrunde liegt, dies aufgrund der Tatsache, dass die Konversion von Asylsuchenden oft als Argument missbraucht wird, sich einen Aufenthaltsstatus zu erwirken (vgl. a.a.O. E.7.3.5). Es ist daher bei der Beschwerdeführerin zu untersuchen, ob sie sich aus innerer Überzeu gung bekehren liess und heute aktives Mitglied ist, oder dies aus nur oberflächlichen Gründen tat: E-8418/2008 Seite 18 Den zahlreichen Bestätigungen ist einstimmig zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin mit ihrer Familie uneingeschränkt für die Kirchge- meinde engagiert, stets an Messen und Anlässen anwesend ist und auch wichtige Beiträge leistet ( vgl. die Schreiben des Pastors der " [Kirche E._______]" vom (…) September 2008 und vom (…) Dezember 2010 , das Bestätigungsschreiben des Pastors der "[Kirche F._______]" vom (…) September 2008 und d as Schreiben des Pastors der " [Kirche D._______]" vom (…) Oktober 2008 sowie auch das aus den Vorakten vorliegende "Certificate" der [Kirche in G._______] vom (…) Juli 2002 [vgl. B29]). Aus einem bei den Akten liegenden (…) Zeitungsartikel der (...) Zeitung vom (…) Juli 2002 geht hervor, dass der [Kirchenvorstand in G._______] sich bereit erklärte, die Familie der Beschwerdeführerin auch nach ihrer Abschiebung von [Dublin-Staat B] nach [Dublin-Staat A] wei- terhin finanziell zu unterstützen; es wird darin sogar zu finanziellen Spe n- den aufgerufen (vgl. B29). In Anbetracht der aus allen soeben genannten Dokumenten hervorgehender Einstimmigkeit ist nicht zu bezweifeln, dass die Beschwerdeführerin eine innerlich gründende Haltung für das Chri s- tentum zeigt. Ander nfalls würden sich die entsprechenden Kirchgemei n- den kaum in diesem Masse für sie einsetzen. Neben der Glaubhaftigkeit der Konversion muss zur Beurteilung der G e- fährdung der betroffenen Person indes auch das Ausmass der öffentli - chen Bekanntheit in Betracht gezog en werden (vgl. BVGE 2009/28 E.7.3.5), zumal die diskrete und private Glaubensausübung im Iran auch ausserhalb des Islam grundsätzlich möglich ist. Bei Durchsicht der Akten fällt auf, dass die Beschwerdeführerin auf dem Foto ihres iranischen Fahrausweises den muslimischen Hijab trägt und bereits auf der [Ausrei- severfügung des Dublin-Staates A] vom (…) Oktober 2005 ohne Schleier mit ei ner Kurzhaarfrisur zu sehen ist (vgl. B29). Bei einer Frau wie der Beschwerdeführerin, die vor ihrer Konversion mit einem Hijab verhüllt war und sich nun mit einer (…) Kurzhaarfrisur zeigt, kan n nicht mehr von ei - ner diskreten Glaubensausübung gesprochen werden, da die offen getra- genen Haare unübersehbares Symbol für die Konversion darstellen . Hin- zu kommt, dass sie sich an verschiedenen Demonstrationen mit ge - nannter Kurzhaarfrisur zeigte und sie auf Bildern in (bei den Vorakten lie- genden) iranischen Zeitungen, die über diese Kundgebungen berichteten, und auf Bildern internationaler Internetseiten zu erkennen ist. Diesbe - züglich ist auch ausschlaggebend, dass die Tatsache einer erfolgten Kon- version im Iran – gerade im Zusammenhang mit der verschärften Gang - art, die die Islammüdigkeit der neuen Generation bekämpfen soll – als Af- front gegen den Islam verstanden wird (vgl. BVGE 2009/28 E.7.3.4). Auf-E-8418/2008 Seite 19 grund der Aktenlage und der sich daraus abzeichnenden Haltung der Be- schwerdeführerin ist davon auszugehen, dass sie diesbezüglich ein kla - res Zeichen setzen wollte. Ihr Engagement in den christlichen Freikirchen geht sodann auch klar über dasjenige eines einfachen Mitglieds hinaus: Den verschiedenen Bestätigungsschreiben ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin seit ihrer Taufe in der Schweiz aktiv beteiligt, sei es als Organisatorin oder Mitorganisatorin von Grossanlässen oder als Rednerin in Messen , wobei sie ihre Überzeugung vermittelt. Schon im Jahre 2008 hatte die Beschwerdefü hrerin in der " [Name der schweizer i- schen Lokalzeitung] " diverse Artikel unter ihrem Namen publiziert (vgl. (…) Ausgabe, Januar 2008 und (…). Ausgabe, Juli 2008 ). Zudem ist zu beachten, dass ein Zweck von den erwähnten Anlässen gerade darin be- steht, neue Mitglieder für die Freikirchen zu gewinnen, womit mit einer ak- tiven Mitgliedschaft automatisch eine missionarische Tätigkeit verbunden ist. So beschreibt etwa die "[Kirche F._______]" auf ihrer Internetstartseite ihren Auftrag ausschliess lich damit, "Menschen [zu bekehren] ", und als zweites Werteprinzip wird dieser Auftrag als "[missionarisches State- ment]" wi ederholt (abrufbar unter: http://www.archewinti.ch/cms/index. php?option=com_content&view=article&id=8&Itemid=15, zuletzt besucht am 30. April 2012). 6.4. Nach dem Gesagten ist klar, dass die Beschwerdeführerin ihre christ- liche Überzeugung und ihren Glauben aktiv nach aussen trägt, auch mis- sionierend tätig ist und somit nicht einer "diskreten" Religionsausübung nachgeht. Damit ist davon auszugehen, dass sie bei einer Rück kehr den im Iran tolerierten – und somit ungefährlichen – Rahmen einer nichtisl a- mischen Religionsausübung sprengt. Die Frage, ob die Beschwerdeführerin alleine aufgrund ihres exilpoliti - schen Engagements bereits als gefährdet eingestuft werden m uss, erüb- rigt sich an dieser Stelle, da sie aufgrund ihrer erkennbaren religiösen Tä- tigkeiten ber eits konkret gefährdet ist, Opfer von ernsthaften Nachteilen im Sinne des Asylgesetzes zu werden. 6.5. Zusammenfassend ist daher festzustellen, dass angesichts der sich aktuell präsentierenden Situation im Iran für Personen, die sich erkennbar vom Islam abgewen det haben, mit erheblicher Wahrscheinlichkeit b e- fürchtet werden muss, dass der Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr Repressionen und Gewalt bis hin zur Todesstrafe drohen. Aus diesen Gründen erfüllt die Beschwerdeführerin die Flü chtlingseigenschaft g e- mäss Art. 3 AsylG. E-8418/2008 Seite 20 7. Die Anerkennung als Flüchtling aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe führt nicht zu r Asylgewährung (Art. 54 AsylG), weshalb die Beschwerde hinsichtlich der Asylgewährung abzuweisen ist. Als Regelfolge des abge - lehnten Asylgesuchs verfügt da s BFM die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an. Ein Wegweisungsvollzug wäre vorliegend je- doch unzulässig, da er eine Verletzung des flüchtlingsrechtlichen Refoule- ment-Verbots nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) beziehungsweise Art. 5 Abs. 1 AsylG (vgl. auch Art. 25 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) sowie ei- ne Verletzung des Folterverbots und des Verbo ts unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung gemäss Art. 3 der Konven tion vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund - freiheiten (EMRK, SR 0.101) darstellen würde. Die Beschwerde ist demnach betreffend die Anerkennung der Flüch t- lingseigenschaft und betreffend die Anordnung des Wegweisungsvollz u- ges gutzuheissen; im Übrigen ist sie abzuweisen. Das Bundesamt ist an- zuweisen, die Beschwerdeführerin als Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Demnach erübrigt es sich vorliegend, auf die entspr e- chenden, den Wegweisungsvollzug betreffenden, Erwägungen der Vorin- stanz und Vorbringen der Beschwerdeführerin einzugehen. 8. Mit Urteil von heute werden auch der ehemalige Ehemann der B e- schwerdeführerin und ihre Kinder in der Schweiz vorläufig aufgenommen (vgl. E-6186/2008). 9. 9.1. Die Beschwerdeführerin ist hinsichtlich der Asylgewährung unterle - gen, hinsichtlich der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft hat sie ob - siegt. Da sie als Flüchtling vorläufig aufgenommen wird, hat sie im Ender- gebnis auch im Wegweisungsvollzugspunkt obsiegt. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind ihr praxisgemäss grundsätzlich ein Drittel der Verfah- renskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 zweiter Satz VwVG). Da ihr mit Verfügung vom 15. Oktober 2008 die unentgeltliche Rechtspflege im Si n- ne von Art. 65 Abs.1 VwVG gewährt wurde und aufgrund der Aktenlage auch aktuell von ihrer Bedürftigkeit auszugehen ist, werden keine Verfa h- renskosten erhoben. E-8418/2008 Seite 21 9.2. Obsiegende Parteien haben einen Anspruch auf Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 und 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der ehemalige Rechtsvertreter der Beschwerde- führerin, der aktuell ihren ehemaligen Ehemann vertritt hat seine Kosten- note nicht aufgeschlüsselt; ein Grossteil seiner Argumentation betraf den ehemaligen Ehemann der Beschwerdeführerin. Dieser Aufwand wird im ebenfalls heute erge henden Urteil betreffend den ehemaligen Ehemann (ebenfalls eine teilweise Gutheissung) entschädigt. Die aktuelle Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin reichte am 27. April 2012 ihre Honorarnote ein, gemäss welcher sie einen Aufwand von insgesamt Fr. 640.-- geltend macht. Der in Rechnung gestellte Auf - wand scheint angemessen. Der Beschwerdeführer in ist somit – unter der Berücksichtigung der Bemessungsgrundsätze na ch Art. 7 ff. VGKE und der Reduktion um einen Drittel – eine Parteientschädigung von Fr. 426.70 (inklusive Spesen, nicht mehrwertsteuerpflichtig) zu Lasten des BFM z u- zusprechen. (Disposition nächste Seite) E-8418/2008 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird betreffend die Anerkennung der Flüchtlingseige n- schaft und betreffend die Anordnung des Wegweisungsvollzuges gutg e- heissen; im Übrigen wird sie abgewiesen. 2. Das BFM wird angewiesen, d ie Beschwerdeführerin als Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschädigung von Fr. 426.70 – zu Lasten des BFM – ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zustän - dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sarah Diack Versand