Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Juni 2019 (720 19 109 / 147) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision: Beweiskraft des extern eingeholten Verlaufsgutachtens Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Stefan Galligani, Rechts- anwalt, Ruederstrasse 8, Postfach 423, 5040 Schöftland gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1968 geborene A.____ arbeitete vom 1. Dezembe r 1986 bis im Februar 2010 als Einrichter Drehmaschinen bei der Firma B.____ AG in C.____. Am 25. September 2009 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf Rückenbeschwerden bei der Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nachdem die zuständige IV-Stelle Basel-Land- schaft (IV-Stelle) die erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse abgeklärt hatte und berufli- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht che Massnahmen erfolglos geblieben waren, ermittelte si e einen Invaliditätsgrad von 53%. Ge- stützt auf dieses Ergebnis sprach die IV-Stelle A.____ mit Verfügung vom 19. Juni 2014 rückwir- kend ab 1. März 2010 eine halbe Invalidenrente inklusive Kinderrenten zu. Im März 2017 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein. Zur Abklärung des Gesundheitszu- standes holte sie bei Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin sowie Rheumatologie, und Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie , ein bidisziplinäres Gutachten ein. Gestützt auf dieses Gutachten und nach Durchführung eines Vorbescheidverfahrens hob die IV- Stelle die bisher ausgerichtete halbe Invalidenrente – basierend auf einen neu ermittelten Invali- ditätsgrad von 38% – mit Verfügung vom 27. Februar 2 019 auf. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Stefan Galligani, am 27. März 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, es sei ihm in Aufhebung der angefochtenen Verfügung weiterhin min- destens eine halbe Invalidenrente auszurichten, eventualiter sei die Angelegenheit zur ergänzen- den neurologischen Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. In ver- fahrensrechtlicher Hinsicht wurde um die Gewährung de r unentgeltlichen Rechtspflege mit Rechtsanwalt Galligani als Rechtsbeistand ersucht. Zur Be gründung liess A.____ im Wesentli- chen vorbringen, dass sowohl subjektiv wie auch objektiv eine Verschlechterung des Gesund- heitszustandes bestehe. Seit der erstmaligen Exploration leide er zusätzlich an Einschränkungen in den Fingern, Nacken- und Kopfschmerzen, Schmerzen im Mittelfussbereich sowie an Schmer- zen in der Leistengegend. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb beim polypathologischen Zu- stand der Wirbelsäule noch keine neurologische Untersuchu ng stattgefunden habe. Auch aus psychiatrischer Sicht sei von einer Verschlechterung des Gesun dheitszustandes auszugehen. Ferner sei von der Beschwerdegegnerin zu Unrecht kein leidensbedingter Abzug vorgenommen worden. C. Mit Verfügung vom 2. April 2019 wurde dem Beschwer deführer für das vorliegende Ver- fahren die unentgeltliche Prozessführung und die unen tgeltliche Verbeiständung mit Rechtsan- walt Galligani als Rechtsvertreter bewilligt. D. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung v om 16. April 2019 auf Ab- weisung der Beschwerde. E. Am 24. April 2019 verfügte das Kantonsgericht die Ü berweisung der vorliegenden An- gelegenheit zur Beurteilung. Gleichzeitig wies es den Antrag des Beschwerdeführers, es sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen, ab. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde vom 27. März 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgese tzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län- gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im Bereich der Invaliden- versicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung u nd Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten au f dem in Betracht kommenden allge- meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens der Erwerbsunfähigkeit sind nach dem mit der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem n ur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwar- tet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinwei- sen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheitsbe einträchtigung verursachten Er- werbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Ve rwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – sogar für die Gesell- schaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalidi tätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein- tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizi nischen Behandlung und allfälliger Einglie- derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be i ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einan der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflus- sen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente unter anderem revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen in Bezug auf die Betätigung im üblichen Auf- gabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen; vgl. auch: BGE 117 V 199 E. 3b mit weiteren Hinweisen; RUDOLF RÜEDI , Die Verfügungsanpassung als verfahrensrechtliche Grund figur namentlich von Invalidenrentenrevisionen, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg .], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 16 f.). 3.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu einer materiellen Revision. Bloss auf einer anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhebliche Differenzen sind daher von revisi- onsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugrenzen. Eine ärztliche Schlussfolgerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht ver- ändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (Urteil des Bun desgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 3.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab- klärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkomm ensvergleichs beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 7 ff. E. 3.2.3). Vor liegend sprach die IV-Stelle dem Beschwer- deführer mit Verfügung vom 19. Juni 2014 mit Wirkung ab 1. August 2014 eine halbe Invaliden- rente zuzüglich Kinderrenten zu. Das vorliegende Verfahren beruht auf der ersten, im März 2017 eingeleiteten Revision dieser Rente. Somit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tat- sächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisi onsweise Aufhebung der bis anhin aus- gerichteten ganzen Rente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ursprünglichen (auf einer vollständigen materiellen Anspruchsprüfung beruhenden) Rentenverfü- gung vom 19. Juni 2014 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochte- nen Verfügung vom 27. Februar 2019. 4. Im Folgenden ist demnach zu prüfen, ob und inwief ern sich der Gesundheitszustand und – damit einhergehend – der Grad der Arbeitsunfähigkei t des Beschwerdeführers seit der Renten- zusprache am 19. Juni 2014 in anspruchserheblicher Weise verändert hat. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche un d gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in w elchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förml iche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahre ns eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs- sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper tise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Stützt sich der angefochtene Entscheid hingegen ausschliesslich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen, sind an die Beweiswürdigung strenge Anfor- derungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits be i geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. Ur- teil des Bundesgerichts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). 4.4 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedi- zinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; U rteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslau- tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben F älle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, di e im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4.5 Bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen S achverhaltes in Revisionsfällen im Sinne des Art. 17 ATSG ist überdies Folgendes zu beachten: Da die Feststellung einer revisi- onsbegründenden Veränderung durch eine Gegenüberstellung eines vergangenen und des ak- tuellen Zustandes erfolgt, bildet Gegenstand des Beweis es das Vorhandensein einer entschei- dungserheblichen Differenz in den – den medizinischen Gu tachten zu entnehmenden –Tatsa- chen. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt folglich wesent- lich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Ren- tenberechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswe rt, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effek- tive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben (Urteile des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4. 2, und vom 26. März 2015, 9C_710/2014, E. 2). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerd eführers liegen zahlreiche me- dizinische Unterlagen vor, die vom Gericht allesamt gewür digt wurden. Im Folgenden sollen in- dessen lediglich diejenigen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welche sich für den vorliegenden Entscheid als zentral erweisen. 5.1 Die IV-Stelle stützte ihre Verfügung vom 19. Juni 2014, mit der sie dem Beschwerdefüh- rer rückwirkend ab 1. März 2010 basierend auf einer Arbe itsunfähigkeit von 30% und einem lei- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht densbedingten Abzug von 15% eine halbe Invalidenrente zusprach, auf die bidisziplinäre rheu- matologische und psychiatrische Begutachtung der Dres. D.____ und E.____ vom 27. November 2013. In rheumatologischer Hinsicht wurde von Dr. D.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumboradikuläres Schmerz- sowie ein residuelles sensibles Ausfallsyndrom L 5 links (ICD-10 M 51.1) mit einer paramedianen, breitbasige n linksseitigen Diskusprotrusion mit hyper- trophen Spondylarthrosen L 4/5 und persistierender rec essaler Neurokompression L 5 links, ei- ner kleinen medianen linksbetonten und nicht kompromierenden Diskusprotrusion mit mässiggra- digen Spondylarthrosen L 5/S 1; einer Wirbelsäulenfehlform und –fehlhaltung, einer muskulären Dysbalance und Insuffizienz der rumpfstabilisierenden Muskulatur sowie einer Chronifizierungs- problematik mit Verdacht auf Schmerzfehlverarbeitung diagnostiziert. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei ein chronisches vorwiegend tendomyo tisches zerviko-thorakovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M 54.5) bei Wirbelsäulenfehlfunktion und –fehlhaltung sowie musku- lärer Insuffizienz der rumpfstabilisierenden Muskulatur festzustellen. Für die angestammte Tätig- keit in einer Metallproduktionsfirma mit unter anderem Einrichten und Bedienen von Drehmaschi- nen, überwiegend stehend an Ort ausgeführt, bestehe sei t 25. Dezember 2007 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Für eine leidensadaptierte geeignete Verweistätigkeit mit Heben und Ziehen von Lasten bis 15 kg, durchgeführt in Wechselbelastung, ab wechslungsweise sitzend, stehend wie auch gehend, bestehe aus rein rheumatologischer Sicht spätestens ab Zeitpunkt des aktuel- len Gutachtens eine mindestens 70%ige Arbeitsfähigkeit, wobei bei gelingender beruflicher Rein- tegration nach einer gewissen Anpassungszeit eine weite re Steigerung der Arbeitsfähigkeit in 10%-Schritten über ca. sechs Monate bis zum Erreichen einer 100%igen Arbeitsfähigkeit möglich sein sollte. Dr. E.____ stellte aus psychiatrischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfä- higkeit. Ohne Auswirkungen sei eine leichte depressive Störung (ICD-10 F 32.0), differentialdiag- nostisch eine subdepressive Störung (ICD-10 F 34.1) festzustellen. Demnach sei dem Exploran- den rein psychiatrisch eine volle Arbeitsfähigkeit in jeder Tätigkeit zuzumuten. 5.2 Im Rahmen der im März 2017 eingeleiteten Rentenr evision holte die Beschwerdegeg- nerin folgende medizinischen Unterlagen ein: 5.2.1 Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin , diagnostizierte in ihrem Bericht vom 22. April 2017 zuhanden der IV-Stelle unter Hinweis auf verschiedene fachärztliche Berichte mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein lumboradikuläres Syndrom links, eine depressive Ent- wicklung seit 2009, beidseitige coxogene Schmerzen, intermittierende Polyarthralgien sowie eine Reizdarmsymptomatik. Der Patient befinde sich in einem guten Allgemein- und normalen Ernäh- rungszustand. Er beklage Schmerzen links lumbal mit Ausstrahlung ins linke Bein sowie Schmer- zen an beiden Knien linksbetont ohne Schwellung oder Entzündungszeichen. Der bisherige Ver- lauf sei chronisch, es sei zu keiner Besserung der Rückenschmerzen gekommen. Die Prognose sei eher nicht gut. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unter anderem legte Dr. F.____ ihrem Schreiben den Bericht von PD Dr. med. G.____, FMH Neurologie, vom 7. Dezember 2016 bei. Darin hielt dieser nach der ambulanten Vorstellung des Patienten fest, dass die geklagten Schmerzen im Bereich des lateralen Unterschenkels auf der linken Seite das Korrelat zu einer transienten L 5-Kom pression bei rezessaler Enge L 4/5 sein könnten. Elektromyographisch liessen sich jedoch allenfalls mi nim ausgeprägte frischere Schä- digungszeichen im Myotom L 5 auf der linken Seite nach weisen. Insgesamt scheine die radiku- läre Problematik nicht im Vordergrund zu stehen. 5.2.2 Am 27. April 2017 berichtete Dr. med. H.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, Rheu- matologie sowie Physikalische Medizin und Rehabilitation, über eine Untersuchung des Versi- cherten. Der Patient leide unter verschiedenen Beschwerden im Bereich des Bewegungsappara- tes, zusammengefasst am ehesten einem chronifizierten Schmerzsyndrom entsprechend. Aktuell fänden sich keine sicheren Hinweise mehr für eine radi kuläre Schädigung. Aufgrund der Mor- gensteifigkeit der Hände seien konventionelle Aufnahmen und serologische Abklärungen durch- geführt worden, die keine Anhaltspunkte für eine rheumatoide Arthritis brachten. Bei stagnieren- dem Verlauf unter regelmässiger ambulanter Therapie erachtete Dr. H.____ eine Intensivierung der konservativen Therapiemassnahmen als sinnvoll. 5.2.3 Mit Bericht vom 17. August 2017 diagnostizierte di e behandelnde Psychiaterin Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mi t Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F 32.11). Der Patient sei resigniert, bedrückt, traurig und ängstlich. Der Antrieb sei vermindert, der Patient wirke insge- samt blockiert. Die Konzentration sei leicht herabgese tzt. Es bestünden Gefühle der Wert- und Nutzlosigkeit sowie des Versagens. Der Patient habe sich sozia l zurückgezogen, verbringe die meiste Zeit zuhause und pflege kaum Kontakte. Er habe Ein- und Durchschlafstörungen und be- klage unter anderem Freud- und Interessenlosigkeit, Mot ivationslosigkeit, Nervosität, Vergess- lichkeit und Gedankenkreisen. Aus rein psychiatrischer Sicht und unter Berücksichtigung der sich über Jahre hinweg verschlechternden psychischen Beschwerde symptomatik bei aktuell mittel- gradiger depressiver Symptomatik wäre dem Patienten eine Tätigkeit bis zu 50% zumutbar. 5.2.4 In seinem Bericht zur elektroneurografischen Unte rsuchung vom 20. Februar 2018 stellte Dr. med. J.____, FMH Neurologie, fest, dass ein auffälliger Befund bei SSEP Peroneus beidseits sowie Zeichen einer chronifizierten Läsion der Wurzel L 5 links bestünden. 5.2.5 Die Beschwerdegegnerin holte in der Folge ein bidisziplinäres Verlaufsgutachten bei den Dres. D.____ und E.____ ein. Dr. D.____ hielt in seinem rheumatologischen Teilgut achten vom 19. April 2018 folgende Diag- nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyn- drom mit möglicher lumboradikulärer Reizkomponente L 5 links (ICD-10 M 54.5/M 51.1) mit Chondrosen L 4/L 5 und L 5/S 1 mit breitbasiger zirkulärer Diskusprotrusion mit konsekutiver Re- cessusstenosierung L 4/L 5 beidseits und möglicher Neuroirritation L 5 beidseits und linksbetont, einer kleinen medianen Diskushernie ohne Neuroirritation L 5/S 1, bilateralen Spondylarthrosen mit beginnender Foraminalstenosierung (L 5/S 1) beidseits gemäss MRI vom 8. April 2016; einer Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht chronischen Läsion der Nervenwurzel L 5 gemäss Elektroneur ographie vom 20. Februar 2018; bei einer Wirbelsäulenfehlform und –fehlhaltung sowi e einer muskulären Insuffizienz vom Be- ckengürteltyp und einer Chronifizierungsproblematik mit Verdacht auf Schmerzfehlverarbeitung. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien weiter abklärungsbedürftige Leistenschmerzen rechts mit klinischem Verdacht auf Impingement der rechten Hüfte, unspezifische Polyarthralgien an den Ellbogen, dem linken Kniegelenk sowie des rechten Schultergelenks, wahrscheinlich be- ginnend degenerativ sowie ein chronisches, aktuell überwiegend asymptomatisches tendomyoti- sches zerviko-thorakovertebrales Schmerzsyndrom bei Wirbelsäul enfehlform und –fehlhaltung sowie muskulärer Insuffizienz und Dysbalance vom Schulter-/Nackengürteltyp. Der Explorand präsentiere sich in der aktuellen Untersu chung mit praktisch identischer Schmerzangabe wie bereits bei der rheumatologischen Begutachtung im Jahr 2013 mit anhalten- den chronischen und insgesamt therapieresistenten Kreuzsch merzen sowie begleitenden Schmerzen im Bereich des lateralen linken Unterschenkels m it Schmerzausstrahlung in die Grosszehe. Hinsichtlich der Intensität sowohl der Kreuz- wie auch der Beinschmerzen seien je- doch im Vergleich zu den letzten Jahren immer weniger Angaben von Sensibilitätsstörungen ge- macht worden, sondern lediglich Dysästhesien im Bereich des Schmerzverlaufs im linken Bein. Klinisch hätten sich weitgehend dieselben Befunde wie i m Rahmen der letzten Begutachtung gezeigt. Zusammenfassend müsse auch unter Berücksichtigung der neuroradiologischen Bildge- bung weiterhin von einer möglichen lumboradikulären R eizsymptomatik der Nervenwurzel L 5 links ausgegangen werden in ähnlicher Art und Weise wie dies bereits im Jahre 2013 beschrieben worden sei. Im Vergleich zur letzten rheumatologischen B eurteilung sei das Vorliegen von ver- mehrten Leistenschmerzen, initial beidseits, aktuell pra ktisch ausschliesslich rechtsbetont, fest- zustellen. Die klinische Untersuchung sei vereinbar mit ein em nachweisbaren Hüftimpingement bei insgesamt noch gut erhaltener Hüftfunktion. Jedoch b estünden auch diffuse Überlastungen der pelvitrochantären Muskulatur, was zusätzlich einen Teil der geltend gemachten Leisten- und Hüftschmerzen erklären könne. Diesbezüglich wären allenfalls weitere Abklärungen indiziert. Hin- sichtlich einer angepassten Tätigkeit bestehe jedoch durch die vorliegende mutmassliche Hüft- pathologie keine zusätzliche Leistungseinschränkung bzw. Re duktion der Arbeitsfähigkeit. Ein weiterer Beschwerdekomplex betreffe die Polyarthralg ien, welche sich zunehmend im Bereich des linken Kniegelenks sowie des rechten Ellbogens und letztlich auch im rechten Schultergelenk manifestieren würden. Diesbezüglich könne jedoch keine relevante Funktionseinschränkung ab- geleitet werden. Zusammenfassend könnten im Vergleich zur letztmaligen rh eumatologischen Begutachtung im Jahr 2013 keine neu hinzukommenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufge- führt werden. Die unübliche Therapieresistenz sowohl a uf medikamentös-analgetische Mass- nahmen inklusive wirbelsäulennahe Infiltrationen sowie a uf die durchgeführten Physiotherapien spreche weiterhin für die Annahme einer Schmerzchronifizierung mit begleitender Schmerzfehl- verarbeitung. Bezüglich funktioneller Belastbarkeit kö nne im Vergleich zum Jahre 2013 bei ins- gesamt unveränderter Diagnosestellung und auch Befun derhebung weder eine Zunahme noch eine Abnahme der Leistungsfähigkeit ausgewiesen werden. Damit seien dem Beschwerdeführer schwere wie auch mittelschwere körperlich belastende Tät igkeiten inklusive der angestammten Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tätigkeit als Dreher unverändert sowie langfristig unzumutbar. Hinsichtlich einer leidensadaptier- ten, das Achsenskelett leicht belastenden Tätigkeit, durchgeführt in Wechselbelastung, abwechs- lungsweise sitzend, stehend wie auch gehend, letzteres ohne Durchführen von längeren Distan- zen, seien dem Exploranden weiterhin in einem Vollzeit pensum möglich. Dies sei bereits in der letzten rheumatologischen Beurteilung so ausgewiesen worden, jedoch mit Berücksichtigung ei- ner notwendigen gewissen Anpassungszeit von circa sechs Monaten mit Steigerung der Arbeits- fähigkeit in 10%-Schritten bei Ausgangswert einer 70% igen Arbeitsfähigkeit. Diese Beurteilung sei indessen an die Option einer gelingenden beruflichen Reintegration geknüpft gewesen, wel- che jedoch nicht stattgefunden habe. Insgesamt sei von einer im Verlauf und aktuell gleichen und unveränderten Belastbarkeit auszugehen, weshalb dem Exp loranden eine leidensangepasste Tätigkeit ohne zusätzliche Leistungseinschränkung weiterhin vollumfänglich möglich sei. In psychiatrischer Hinsicht diagnostizierte Dr. E.____ am 23. April 2018 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte bis mittelschwere depressive Störung (ICD-10 F 32.0). Im Vergleich zur letzten Begutachtung im Jahre 2013 habe sich beim Exp loranden nichts verändert; er sei zwischenzeitlich keiner Arbeit nachgegangen und habe sich i ntermittierend ambulant-psychiat- risch behandeln lassen. Es bestehe eine gedrückte Stimmun g, Interessenrückgang, teilweise Freudlosigkeit, eine eher allgemeine Passivität sowie e ine resignierte Haltung. Das Selbstwert- gefühl sei reduziert. Suizidgedanken hätten keine eruiert werden können. Es müsse festgehalten werden, dass der Explorand durchaus in der Lage sei, seinen Tag selbstständig zu strukturieren und auf keine wesentliche Hilfe angewiesen sei. Er sei wohl auch in der Lage, fachliche Kompe- tenzen anzuwenden, sich Urteile zu bilden und Entscheide zu fällen. Indessen dürfte die Durch- haltefähigkeit als leicht bis mittelgradig eingeschrän kt beurteilt werden. Er pflege Kontakte zu Dritten und sei in der Gruppenfähigkeit nicht wesentl ich eingeschränkt, auch wenn er teilweise Mühe habe, sich durchzusetzen und sich tendenziell eher zurückziehe. Familiäre und intime Be- ziehungen würden gepflegt. Es bestünden damit leichter e Einschränkungen im Alltag, jedoch nicht in gravierendem Ausmass. Es sei anzunehmen, dass im Ve rgleich zur Beurteilung von Dr. I.____ eine gewisse Verbesserung eingetreten sei. Die affektive Störung sei – wie dies auch Dr. I.____ annehme – im Rahmen der belastenden Situ ation zu interpretieren. Dem Exploranden sei eine klar strukturierte Tätigkeit ohne Übernahme von Verantwortung und ohne Zeitdruck möglich. Komplexe Tätigkeiten könnten ih m nicht zugemutet werden. Aufgrund des affektiven Zustandes sei allenfalls eine geringfügige Leistungseinschränkung durch Verlang- samung und vermehrtem Pausenbedarf von etwa 20% zu beg ründen. Diese Einschränkungen würden sich seit Aufnahme der psychiatrischen Behandlung im März 2017 und in allen Tätigkei- ten auswirken. Zusammenfassend halten die Gutachter in ihrer Konsensbesprechung fest, dass hinsichtlich der angestammten Tätigkeiten sowie Tätigkeiten mit einem ähnlichen Belastungsprofil weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Eine leidensadaptierte Tätigkeit sei dem Exploranden in ei- nem Restarbeitspensum von 80% möglich, unter der Bed ingung, dass sowohl die körperlichen als auch psychiatrischen qualitativen Einschränkungen berücksichtigt würden. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Im Rahmen des Einwandverfahrens reichte der Versiche rte weitere gastroenterologi- sche und urologische Arztberichte ein. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefoch tenen Verfügung vom 27. Februar 2019 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes vollumfänglich auf das Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vom 19. bzw. 23. April 2018. S ie ging demzufolge davon aus, dass beim Versicherten für eine körperlich angepasste leicht e wechselbelastende Tätigkeit eine Ar- beits- und Leistungsfähigkeit von 80% bestehe. 6.2 Der Beschwerdeführer macht vorab geltend, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht bloss ein rheumatologisch-psychiatrisches Gutachten eingeho lt hat. Insbesondere in neurologi- scher Hinsicht bestehe zusätzlich Abklärungsbedarf. Eine auf die rheumatologische Sichtweise beschränkte Untersuchung der Nervenläsionen bzw. Neuroirr itationen und der Diskushernie greife zu kurz. Die Fachbereiche Rheumatologie und Neu rologie weisen gewisse Überschnei- dungen auf, weshalb ein Rheumatologe durchaus in de r Lage sein kann, einen neurologischen Sachverhalt zu würdigen. Dies gilt vorliegend umso mehr, als der Beschwerdeführer bereits von Dr. G.____ im Jahr 2016 als auch von Dr. J.____ im Jah r 2018 neurologisch untersucht wurde und diese Berichte dem rheumatologischen Gutachter vor gelegen sind. Sodann hat Dr. D.____ auch einen Neurostatus erhoben. Der Beschwerdeführer b ehauptet letztlich auch nicht, Dr. D.____ habe den Sachverhalt nicht korrekt festgeste llt. Eine zusätzliche Begutachtung im Fachgebiet Neurologie ist nach dem Ausgeführten nicht notwendig. 6.3 Wie unter Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, ist dem im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Das bidisziplinäre Gutachten vom 19. bzw. 23. April 2018 weist keine for- mellen Mängel auf und ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die ge- klagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation grundsätzlich ein. Insbesondere äussern sich die Gutachter auch ausführlich zur ge- sundheitlichen Entwicklung des Beschwerdeführers seit der u rsprünglichen Rentenzusprache und stellen einen nachvollziehbaren Vergleich an. Durch das Gutachten ist eine Veränderung des Gesundheitszustandes ausgewiesen: Im Vergleich zur gesund heitlichen Situation bei der Ren- tenzusprache am 19. Juni 2014 hat sich die Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdefüh- rers insgesamt von 70% auf 80% verbessert. Damit ist ei n Revisionsgrund gegeben (vgl. BGE 133 V 547 E. 6). Der rheumatologische Gesundheitszu stand hat sich seit der letztmaligen gutachterlichen Beurteilung im Jahr 2013 zwar nicht wesentlich verändert. Indessen ist im vorlie- genden Revisionsverfahren nun die – bereits im rheumato logischen Gutachten vom 27. Novem- ber 2013 ausgewiesene – 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Verweistätigkeit zu berücksichtigen. Im Gutachten des Jahres 2013 hat Dr. D.____ dem Beschwerdeführer noch Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine sechsmonatige Anpassungszeit ab Gutachten bis zum Erreichen dieser Arbeitsfähigkeit ein- geräumt. Dieser Anpassungszeit wurde mit der Annahme der Beschwerdegegnerin in der Verfü- gung vom 19. Juni 2014, der Beschwerdeführer sei zu aus rheumatologischen Gründen zu 30% in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt, Genüge getan. Dass Dr. D.____ und damit einherge- hend die Beschwerdegegnerin nunmehr von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgehen, ist dem- nach nicht zu beanstanden, zumal der rheumatologische Gutachter dies in seiner Beurteilung schlüssig darlegt. In psychiatrischer Hinsicht hat sich der Gesundheitszustand des Beschwerde- führers demgegenüber leicht verschlechtert, woraus die a ttestierte 20%ige Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit resultiert. Insgesamt e rfüllt das bidisziplinäre Gutachten der Dres. D.____ und E.____ somit die bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweistaugliches (Re- visions-)Gutachten, weshalb die Beschwerdegegnerin darauf abstellen durfte. 6.4 Daran vermögen auch die übrigen Vorbringen des B eschwerdeführers nichts zu ändern. Sofern er vorbringt, dass seit der ursprünglichen Renten zusprache neue Beschwerden an den Händen, der Leiste, dem linken Fuss und dem Nacken hinzu gekommen sind, ist ihm entgegen zu halten, dass der rheumatologische Gutachter diese Beschwerden berücksichtigte, daraus aber nachvollziehbar keine zusätzliche Leistungseinschränkung im körperlich leichten Verweisprofil ableitete. Auch die im Rahmen des Einwandverfahrens vo rgebrachten und mit Berichten doku- mentierten urologischen (Erektions- und Miktionsstörunge n) und gastroenterologischen (Ant- rumsgastritis) Problematiken wirken sich nicht auf die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit aus, zumal sie auch medizinisch behandelbar sind. 6.5 Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Be schwerdegegnerin zur Beurtei- lung des medizinischen Sachverhalts zu Recht auf das bi disziplinäre Gutachten vom 19. bzw. 23. April 2018 abgestellt hat. Demzufolge ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer leidensadaptierten, das Achsenskelett leicht be lastenden Tätigkeit, durchgeführt in Wech- selbelastung, abwechslungsweise sitzend, stehend wie auch kürzere Distanzen gehend, die klar strukturiert ist und ohne Zeitdruck oder Übernahme von V erantwortung möglich ist, zu 80% ar- beitsfähig ist. 7.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.3 hiervor), ist ge mäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommen svergleichs zu bestimmen. Die Be- schwerdegegnerin hat den erforderlichen Einkommensvergleich in der angefochtenen Verfügung vom 27. Februar 2019 vorgenommen. Dabei hat sie das Valideneinkommen anhand der Tabelle TA1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2014, Sek- tor Maschinenbau, Kompetenzniveau 2, Spalte Männer erm ittelt, was vom Beschwerdefüh- rer – zu Recht – nicht beanstandet wird. Auch der dem Invalideneinkommen zugrunde gelegte Wert gemäss LSE 2014, Privater Sektor Total. Kompetenzn iveau 4, Spalte Männer, wird vom Beschwerdeführer richtigerweise nicht in Frage gestellt . Indessen ist der Beschwerdegegnerin bei der Gegenüberstellung der Einkommen augenscheinlich ein Berechnungsfehler unterlaufen: Setzt man die korrekt ermittelten Vergleichseinkommen (Valideneinkommen: Fr. 77'393--, Invali- deneinkommen: Fr. 53'322.--) einander gegenüber, er gibt sich daraus ein Invaliditätsgrad von 31% und nicht, wie von der Beschwerdegegnerin ermittelt, einen von 38%. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Der Beschwerdeführer beanstandet, dass ihm beim In valideneinkommen kein leidens- bedingter Abzug gewährt wurde. Praxisgemäss kann von dem anhand der Tabellenlöhne der LSE ermittelten Invalideneinkommen unter bestimmten Voraussetzungen ein leidensbedingter A bzug vorgenommen werden. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsf ähigkeit auch auf einem ausgegliche- nen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll aber nicht automatisch e rfolgen und darf 25% nicht übersteigen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa-cc). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweck- mässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Soll in di e Ermessensbetätigung der Vorinstanz eingegriffen werden, muss sich die richterliche Behörde demnach auf Gegebenheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näher liegend erscheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). Dass die Beschwerdegegnerin keinen leidensbedingten Abzug vorgenommen hat, ist nicht voll- ends nachvollziehbar, zumal sie dem Beschwerdeführer bei der ursprünglichen Rentenzusprache am 14. Juni 2014 einen solchen von 15% gewährt hatte. Vorliegend sind im Verweisprofil Ein- schränkungen vorhanden, welche zusätzlich zur um 20% reduzi erten Leistungsfähigkeit zu be- rücksichtigen wären, namentlich die Vorgabe, ohne Zeitdruck und in bloss einfach strukturierten Aufgaben arbeiten zu können. Die Frage, ob ein leid ensbedingter Abzug zweckmässigerweise hätte vorgenommen werden müssen, kann jedoch letztlich offengelassen werden, da der maximal angemessene Abzug von 10% sich nicht leistungsrelevant auswirken würde. 8. Nach dem Ausgeführten ist festzustellen, dass die Besch werdegegnerin die Invaliden- rente des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 27. Feb ruar 2019 zu Recht aufgehoben hat. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 800.-- festgesetzt werden, ihm zu auferlegen sind. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dem Beschwerdeführer ist indes mit Verfügung vom 2. April 2019 die unentgeltliche Prozessfüh- rung bewilligt worden. Die Verfahrenskosten werden deshalb vorläufig auf die Gerichtskasse ge- nommen. 9.2 Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG hält fest, dass die obsie gende beschwerdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat. Dem Beschwer deführer ist deshalb keine Parteient- schädigung zulasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. D a dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2. April 2019 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 15. Mai 2019 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 16 Stunden und 35 Minuten sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 187.-- ausgewiesen. Dieser Aufwand erschei nt im Hinblick auf die sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als zu hoch, zumal der Rec htsvertreter den Beschwerdeführer bereits im Vorbescheidverfahren vertreten hatte und de r dort eingereichte Einwand viele Über- einstimmungen mit der vorliegenden Beschwerde aufweist. Gemäss bundesgerichtlicher Recht- sprechung sind Synergieeffekte bei der Beurteilung der Honorarnote insofern zu berücksichtigen, als diese bei der Vertretung durch denselben Anwalt im Verwaltungsverfahren zur Kürzung der Honorarnote führen (Urteil des Bundesgerichts vom 13. D ezember 2013, 9C_637/2013, E. 5.3, und vom 14. Januar 2010, 8C_723/2009, E. 4.3). Dies gilt ebenso bei der Übernahme von Teilen der Beschwerde aus dem Verwaltungsverfahren oder früheren Einsprachen (vgl. Urteile des Bun- desgerichts vom 7. Juli 2015, 9C_787/2014, E. 6.3; Urt eil des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG] vom 6. April 2006, I 819/05, E. 5.2). Unter Berücksichtigung dieser Rechtspre- chung erscheint es als angemessen, den notwendigen zeitlichen Aufwand im Beschwerdeverfah- ren auf 10 Stunden und 35 Minuten zu kürzen. Dem Ver treter des Beschwerdeführers ist dem- entsprechend ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'480.3 5 (10.58 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen in der Höhe von Fr. 187.-- zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein reduziertes Hon orar in der Höhe von Fr. 2‘480.35 (inklusive Auslagen und 7,7% Meh rwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht