<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 30 S.105</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">105</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>30</b></span> <span class="ft3"><b>Voranfrage i.S.v. § 28 AbauV.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Keine Befangenheit der mit der Voranfrage befassten Behörde im</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nachfolgenden Baubewilligungsverfahren (Erw. 2.4 und 2.5).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Gegenstand einer Voranfrage (Erw. 2.6).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Keine Pflicht zur öffentlichen Auflage von Voranfrageakten</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 2.7).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 9. August 2007 in Sa-</span><br/> <span class="ft6">chen H. und Mitbeteiligte gegen Eheleute R. (WBE.2006.173).</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">Die Beschwerdegegner beabsichtigen den Abbruch ihres Einfa-</span><br/> <span class="ft8">milienhauses und den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Tief-</span><br/> <span class="ft8">garage auf der Parzelle Nr. 3548. Die Vorinstanz beschreibt das</span><br/> <span class="ft8">Bauprojekt der Beschwerdegegner zutreffend wie folgt:</span><br/> <span class="ft8">"Die Parzelle 3548 liegt in der Allmend, im Westen des</span><br/> <span class="ft8">Gemeindegebietes von Baden. Sie weist eine Fläche von 1'057 m</span><span class="ft9"><sup>2</sup></span><br/> <span class="ft8">auf und grenzt im Norden an die Rehhalde, im Süden an die Hägeler-</span><br/> <span class="ft8">strasse und im Osten und Westen unmittelbar an Wohngebiet. Auf</span><br/> <span class="ft8">dem Grundstück befindet sich gegenwärtig ein Einfamilienhaus (Ge-</span><br/> <span class="ft8">bäude Nr. 2067), welches von den Eigentümern (Beschwerdegeg-</span><br/> <span class="ft8">nern) zu Wohnzwecken genutzt wird.</span><br/> <span class="ft8">Das umstrittene Bauvorhaben umfasst den vollständigen Ab-</span><br/> <span class="ft8">bruch des Gebäudes 2067 und die Erstellung eines modernen Neu-</span><br/> <span class="ft8">baus mit Flachdach. Geplant ist ein zweigeschossiges Mehrfamilien-</span><br/> <span class="ft8">haus (für 5 Wohneinheiten) inkl. Attikageschoss und Tiefgarage. In</span><br/> <span class="ft8">den unteren beiden Stockwerken sind drei 4 ½ - Zimmer-Wohnungen</span><br/> <span class="ft8">und eine 3 ½ - Zimmer-Wohnung vorgesehen. Im Attikabereich soll</span><br/> <span class="ft8">eine grosszügige 5 ½ - Zimmer-Wohnung entstehen, welche von den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">106</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Beschwerdegegnern selbst wiederum zu Wohnzwecken beansprucht</span><br/> <span class="ft8">wird. Während der Zugang zum Gebäude für Fussgänger von der</span><br/> <span class="ft8">Rehhalde erfolgt bzw. der Eingangsbereich dort angeordnet ist, wird</span><br/> <span class="ft8">die verkehrsmässige Erschliessung für PWs über die Hägelerstrasse</span><br/> <span class="ft8">sichergestellt (Einfahrt Tiefgarage)."</span><br/> <span class="ft8">1.2.</span><br/> <span class="ft8">Das Grundstück der Beschwerdegegner liegt gemäss Bauzonen-</span><br/> <span class="ft8">plan der Stadt Baden in der Wohnzone W2 (zwei Geschosse). In den</span><br/> <span class="ft8">Wohnzonen sind neben dem vorgeschriebenen Wohnflächenanteil</span><br/> <span class="ft8">Läden, Kleingewerbe, Ateliers und dergleichen zulässig, sofern sie</span><br/> <span class="ft8">nicht stören (§ 12 Abs. 1 der Bau- und Nutzungsordnung der Stadt</span><br/> <span class="ft8">Baden vom 23. Oktober 2001 / 2. April 2003 [BNO]). Die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft8">hat die Zonenkonformität des geplanten Mehrfamilienhauses festge-</span><br/> <span class="ft8">stellt; diese wird von den Beschwerdeführern nicht mehr bestritten.</span><br/> <span class="ft8">2.</span><br/> <span class="ft8">2.1.</span><br/> <span class="ft8">Die Beschwerdeführer sind der Ansicht, der Stadtrat Baden</span><br/> <span class="ft8">habe die Bestimmungen über die Voranfrage verletzt. Sie führen in</span><br/> <span class="ft8">diesem Zusammenhang aus: Das Bauvorhaben der Beschwerdegeg-</span><br/> <span class="ft8">ner sei kein zulässiger Gegenstand für eine Anfrage im Sinne von</span><br/> <span class="ft8">§ 28 ABauV, da es sich nicht um ein komplexes und grösseres Bau-</span><br/> <span class="ft8">vorhaben handle; selbst wenn dem so wäre, hätte sich die Anfrage</span><br/> <span class="ft8">zumindest auf wichtige Fragen beschränken müssen. Ausserdem sei</span><br/> <span class="ft8">der Stadtrat bei Erteilung der Baubewilligung voreingenommen ge-</span><br/> <span class="ft8">wesen. Aus diesen Gründen sei die Baubewilligung aufzuheben. Die</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführer kritisieren schliesslich, die vorläufige Stellung-</span><br/> <span class="ft8">nahme des Stadtrats und die Voranfrage seien nicht öffentlich aufge-</span><br/> <span class="ft8">legt worden. Die Vorinstanz habe es versäumt zu prüfen, ob der</span><br/> <span class="ft8">Stadtrat damit gegen § 72 BNO verstossen habe. Sie habe lediglich</span><br/> <span class="ft8">festgehalten, dass sich die Aufhebung der Baubewilligung allein</span><br/> <span class="ft8">wegen einer allfälligen Verletzung von § 72 BNO nicht rechtfertigen</span><br/> <span class="ft8">liesse. Hätten die Beschwerdeführer oder weitere Interessierte bei der</span><br/> <span class="ft8">Einsicht in die öffentlich aufgelegten Baugesuchsakten festgestellt,</span><br/> <span class="ft8">dass sich der Stadtrat in der vorläufigen Stellungnahme positiv zum</span><br/> <span class="ft8">Bauvorhaben gestellt habe, so hätte das durchaus Einfluss auf den</span><br/> <span class="ft8">weiteren Fortgang der Angelegenheit haben können. Es sei nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">107</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">auszuschliessen, dass sich weitere Personen mit einer Einsprache</span><br/> <span class="ft8">gegen das Bauvorhaben gewehrt hätten. Zudem hätte das Gespräch</span><br/> <span class="ft8">mit der Baukommission und dem Stadtrat gesucht werden können.</span><br/> <span class="ft8">Letztlich hätte auch das Quartier für das Problem sensibilisiert wer-</span><br/> <span class="ft8">den können, was zweifellos zu einer Petition o.a. beim Stadtrat ge-</span><br/> <span class="ft8">führt hätte. Jedenfalls wäre es zu Interventionen gekommen. Das al-</span><br/> <span class="ft8">les sei durch das heimliche Vorgehen verhindert worden. Die Vorin-</span><br/> <span class="ft8">stanz hätte die Baubewilligung schon wegen der Verletzung von § 72</span><br/> <span class="ft8">BNO aufheben müssen.</span><br/> <span class="ft8">2.2.</span><br/> <span class="ft8">Demgegenüber führen die Beschwerdegegner aus, Sinn und</span><br/> <span class="ft8">Zweck von § 28 ABauV lägen in einer pragmatischen, bürger-</span><br/> <span class="ft8">freundlichen Verfahrensabwicklung. In welchem Umfang die Behör-</span><br/> <span class="ft8">den davon Gebrauch machten, sei Ermessenssache. Nicht nur bei</span><br/> <span class="ft8">komplexen und grösseren Bauvorhaben, sondern generell sollten</span><br/> <span class="ft8">Bauherrschaften ihr Bauvorhaben mit den Behörden besprechen.</span><br/> <span class="ft8">Diese Haltung sei eine Konkretisierung der wirkungsorientierten</span><br/> <span class="ft8">Verwaltungsführung und stelle keine Verletzung von § 28 ABauV</span><br/> <span class="ft8">dar. Dass durch diese Zusammenarbeit eine Vorbefassung stattfinde,</span><br/> <span class="ft8">liege in der Natur der Sache und schade nicht. Die Vorinstanz habe</span><br/> <span class="ft8">zwar bezüglich einzelner Begründungspunkte eine Gehörsverletzung</span><br/> <span class="ft8">festgestellt, sie sei aber zur Recht von einer Heilung dieser Mängel</span><br/> <span class="ft8">im Rechtsmittelverfahren ausgegangen. Zwar habe es die Baubehör-</span><br/> <span class="ft8">de anfänglich gegenüber den Einsprechern an Transparenz fehlen</span><br/> <span class="ft8">lassen, doch sei dieser Fehler noch vor Einreichung der Beschwerde</span><br/> <span class="ft8">beim BVU korrigiert worden.</span><br/> <span class="ft8">2.3.</span><br/> <span class="ft8">Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, das von den</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführern beanstandete Voranfrageverfahren lasse sich</span><br/> <span class="ft8">ohne weiteres unter § 28 Abs. 2 ABauV subsumieren, sei im Gesetz</span><br/> <span class="ft8">vorgesehen und grundsätzlich zulässig. Der Frage, welche oder wie</span><br/> <span class="ft8">viele baurechtlich relevanten Punkte bereits im Voranfrageverfahren</span><br/> <span class="ft8">geprüft würden, komme eher weniger Bedeutung zu. Dass der Wort-</span><br/> <span class="ft8">laut der vorläufigen Stellungnahme und der Baubewilligung teilwei-</span><br/> <span class="ft8">se übereinstimmten, bedeute nicht, dass der Stadtrat eine vorgefasste</span><br/> <span class="ft8">Meinung gehabt habe. Das Projekt sei im Einspracheverfahren erneut</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">108</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">detailliert geprüft und auch die Einsprachen seien (zumindest teilwei-</span><br/> <span class="ft8">se) in die Beurteilung einbezogen worden. Inhaltlich gehe die Baube-</span><br/> <span class="ft8">willigung auch über den Gegenstand der Voranfrage hinaus. Es be-</span><br/> <span class="ft8">stünden keine genügenden Anhaltspunkte für eine Voreingenommen-</span><br/> <span class="ft8">heit des Stadtrates.</span><br/> <span class="ft8">Es bestehe grundsätzlich keine Pflicht, allfällige vorläufige Stel-</span><br/> <span class="ft8">lungnahmen der Behörden im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben</span><br/> <span class="ft8">zu publizieren und öffentlich aufzulegen. Dennoch könne betroffe-</span><br/> <span class="ft8">nen Dritten ein gewisses Interesse, von behördlichen Stellungnahmen</span><br/> <span class="ft8">zu Bauprojekten Kenntnis zu erhalten, nicht abgesprochen werden.</span><br/> <span class="ft8">Das gelte selbst dann, wenn die behördliche Stellungnahme unver-</span><br/> <span class="ft8">bindlich sei. Auch unter dem Gesichtspunkt der "Waffengleichheit"</span><br/> <span class="ft8">empfehle es sich, derartige Unterlagen ebenfalls öffentlich aufzule-</span><br/> <span class="ft8">gen, werde doch allfälligen Einsprechern so die Möglichkeit gege-</span><br/> <span class="ft8">ben, vor Einreichen einer Einsprache denselben Wissensstand zu er-</span><br/> <span class="ft8">langen wie die Bauherrschaft. Dies müsse umso mehr gelten, wenn</span><br/> <span class="ft8">eine Gemeinde, wie vorliegend die Stadt Baden, die transparente</span><br/> <span class="ft8">Verfahrensabwicklung als Grundsatz explizit in ihrer BNO nenne. In-</span><br/> <span class="ft8">des könne nicht ernsthaft behauptet werden, dass den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft8">führern ein nicht wiedergutzumachender Nachteil entstanden sei.</span><br/> <span class="ft8">Selbst im Falle einer Verletzung von § 72 BNO liesse es sich nicht</span><br/> <span class="ft8">rechtfertigen, die Baubewilligung allein aus diesem Grund aufzuhe-</span><br/> <span class="ft8">ben.</span><br/> <span class="ft8">2.4.</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">2.5.</span><br/> <span class="ft8">Eine Befangenheit kann sich aus Gründen ergeben, die im Ge-</span><br/> <span class="ft8">setz angelegt sind (Erw. 2.5.1.-2.5.3.), oder aus besonderen Fallum-</span><br/> <span class="ft8">ständen (Erw. 2.5.4.).</span><br/> <span class="ft8">2.5.1.</span><br/> <span class="ft8">Nach § 62 BauG kann der Gemeinderat um einen Vorentscheid</span><br/> <span class="ft8">über wichtige Bau- und Nutzungsfragen ersucht werden (Abs. 1).</span><br/> <span class="ft8">Der Vorentscheid ist im gleichen Verfahren zu treffen wie der Ent-</span><br/> <span class="ft8">scheid über das Baugesuch (Abs. 2). Beim Vorentscheid im Sinn von</span><br/> <span class="ft8">§ 62 BauG handelt es sich um einen Teilentscheid über einzelne,</span><br/> <span class="ft8">konkrete, wichtige Aspekte eines Projekts (AGVE 2005, S. 542 mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">109</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Hinw.). Da er im gleichen Verfahren zu erteilen ist wie der Entscheid</span><br/> <span class="ft8">über das Baugesuch, ist er grundsätzlich auch für Dritte rechtsver-</span><br/> <span class="ft8">bindlich. Von diesem Vorentscheid ist die Auskunft zu unterscheiden,</span><br/> <span class="ft8">welche die Baubewilligungsbehörde auf eine Voranfrage hin erteilt</span><br/> <span class="ft8">(vgl. zu dieser Unterscheidung Protokoll der Spezialkommission</span><br/> <span class="ft8">Baugesetzrevision, Sitzung vom 24. Oktober 1991, S. 443 f., Votum</span><br/> <span class="ft8">Regierungsrat Pfisterer). Mit der Auskunft befasst sich § 28 ABauV.</span><br/> <span class="ft8">Diese Bestimmung lautet:</span><br/> <br/> <span class="ft4">"Beratung und</span> <span class="ft11"><sup>1</sup></span> <span class="ft12">Die am Verfahren beteiligten Privaten und Behörden</span><br/> <span class="ft4">Zusammenarbeit</span> <span class="ft12">arbeiten zusammen.</span><br/> <span class="ft4">(§ 60 BauG)</span><br/> <span class="ft11"><sup>2</sup></span> <span class="ft12">Im Interesse einer zügigen Verfahrensabwicklung und</span><br/> <span class="ft12">der Koordination können der Gemeinderat, sowie für</span><br/> <span class="ft12">kantonale und eidgenössische Bewilligungen und</span><br/> <span class="ft12">Zustimmungen die kantonale Koordinationsstelle, vor</span><br/> <span class="ft12">Einreichung von Gesuchen für komplexe und grössere</span><br/> <span class="ft12">Bauvorhaben um unverbindliche Auskünfte und Stel-</span><br/> <span class="ft12">lungnahmen ersucht werden. Dies gilt namentlich für</span><br/> <span class="ft12">Gewerbe- und Industriebauten, Arealüberbauungen,</span><br/> <span class="ft12">Bauten ausserhalb der Bauzonen und für Vorhaben, die</span><br/> <span class="ft12">einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterstehen.</span><br/> <span class="ft11"><sup>3</sup></span> <span class="ft12">Diese Beratung bezieht sich insbesondere auf wichti-</span><br/> <br/> <span class="ft12">ge Fragen zur Zulässigkeit des Vorhabens, die Ge-</span><br/> <span class="ft12">suchsunterlagen und die Verfahrensabläufe. Die Ge-</span><br/> <span class="ft12">suchsteller können die Mitwirkung der Behörde bei der</span><br/> <span class="ft12">Ausarbeitung eines Ablaufprogramms verlangen.</span><br/> <span class="ft11"><sup>4</sup></span> <span class="ft12">Die Einreichung eines Gesuches verpflichtet zur Zu-</span><br/> <br/> <span class="ft12">sammenarbeit mit den Bewilligungsbehörden, insbe-</span><br/> <span class="ft12">sondere dazu, die erforderlichen Angaben und Unterla-</span><br/> <span class="ft12">gen einzureichen und an einer beförderlichen und ko-</span><br/> <span class="ft12">ordinierten Behandlung des Gesuches mitzuwirken.</span><br/> <span class="ft12">Dies hilft mit, Verzögerungen zu vermeiden."</span><br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">110</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Sowohl das Vorentscheid- als auch das Voranfrageverfahren</span><br/> <span class="ft8">dienen dazu, wichtige Vorfragen vorweg abzuklären, bevor dem Bau-</span><br/> <span class="ft8">herrn bedeutender Aufwand für Projektierung und Umtriebe entste-</span><br/> <span class="ft8">hen (für das Vorentscheidverfahren AGVE 1996, S. 509; 1981,</span><br/> <span class="ft8">S. 210; Erich Zimmerlin, Baugesetz des Kantons Aargau vom 2. Feb-</span><br/> <span class="ft8">ruar 1971, 2. Aufl., Aarau 1985, § 152 N 9). Im Gegensatz zum Vor-</span><br/> <span class="ft8">entscheid fehlt der Auskunft aber die rechtliche Verbindlichkeit, wie</span><br/> <span class="ft8">schon aus dem Wortlaut von § 28 Abs. 2 ABauV hervorgeht. Der</span><br/> <span class="ft8">Grund liegt darin, dass Dritte in das Voranfrageverfahren nicht einbe-</span><br/> <span class="ft8">zogen werden. Es handelt sich somit bei der Auskunft lediglich um</span><br/> <span class="ft8">eine vorläufige (nicht bindende) Stellungnahme.</span><br/> <span class="ft8">2.5.2.</span><br/> <span class="ft8">Wird die Baubewilligungsbehörde vor der Einleitung eines Bau-</span><br/> <span class="ft8">bewilligungsverfahrens um Auskunft ersucht, führt dies im nachfol-</span><br/> <span class="ft8">genden Baubewilligungsverfahren systembedingt zu einer Vorbefas-</span><br/> <span class="ft8">sung. Der Zweck der mehrfachen Befassung liegt hier gerade darin,</span><br/> <span class="ft8">eine einheitliche Beurteilung zu ermöglichen. Ob in dieser Vorbefas-</span><br/> <span class="ft8">sung ein Ausstandsgrund zu erblicken ist, beurteilt sich nach dem</span><br/> <span class="ft8">kantonalen Recht (Ziff. 2.5.2.1.) und den aus Art. 29 BV herzuleiten-</span><br/> <span class="ft8">den Grundsätzen (Ziff. 2.5.2.2.).</span><br/> <span class="ft8">2.5.2.1.</span><br/> <span class="ft8">§ 5 VPRG regelt die Frage des Ausstandes wie folgt:</span><br/> <br/> <span class="ft4">"2. Ausstand</span> <span class="ft11"><sup>1</sup></span> <span class="ft12">Behördemitglieder und Sachbearbeiter dürfen beim Erlass</span><br/> <span class="ft12">von Verfügungen und Entscheiden nicht mitwirken, wenn ein</span><br/> <span class="ft12">Ausstandsgrund im Sinne der Zivilprozessordnung</span> <span class="ft12">vorliegt.</span><br/> <span class="ft11"><sup>2</sup></span> <span class="ft12">Sie haben sich insbesondere in Ausstand zu begeben, wenn</span><br/> <br/> <span class="ft12">sie selbst oder ihnen nahe verbundene Personen an der Ver-</span><br/> <span class="ft12">fügung oder dem Entscheid persönlich interessiert sind, sowie</span><br/> <span class="ft12">in Angelegenheiten von juristischen Personen, deren Verwal-</span><br/> <span class="ft12">tung sie oder ihnen nahe verbundene Personen angehören,</span><br/> <span class="ft12">ferner wenn sie in der Sache schon in einer untern Instanz,</span><br/> <span class="ft12">oder als Berater oder Vertreter eines Beteiligten mitgewirkt</span><br/> <span class="ft12">haben.</span><br/> <span class="ft11"><sup>3</sup></span> <span class="ft12">Wird die Verfügung einer Regierungsdirektion [heute: De-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">111</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft12">partement] beim Regierungsrat angefochten, hat der betref-</span><br/> <span class="ft12">fende Direktionsvorsteher [heute: Departementsvorsteher]</span> <span class="ft12">be-</span><br/> <span class="ft12">ratende Stimme.</span><span class="ft8">"</span><br/> <br/> <span class="ft8">Der in § 5 Abs. 2 VRPG geregelte Ausstandsgrund der Vorbe-</span><br/> <span class="ft8">fassung kann sich nur aktualisieren, wenn einzelne Behörden-</span><br/> <span class="ft8">mitglieder in der gleichen Sache schon in einer <i>unteren Instanz</i></span><br/> <span class="ft8">mitgewirkt haben bzw. wenn ein Behördenmitglied auf zwei hierar-</span><br/> <span class="ft8">chisch unterschiedlichen Verfahrensstufen tätig war (vgl. auch</span><br/> <span class="ft8">AGVE 2000, S. 394). Das trifft vorliegend nicht zu. Auf Grund der</span><br/> <span class="ft8">bloss beispielhaften Aufzählung in § 5 Abs. 2 VRPG und des Verwei-</span><br/> <span class="ft8">ses in § 5 Abs. 1 VRPG ist jedoch anzunehmen, dass sich ein Behör-</span><br/> <span class="ft8">denmitglied auch dann in den Ausstand zu begeben hat, wenn andere</span><br/> <span class="ft8">Umstände vorliegen, die es als befangen erscheinen lassen (§ 5</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 VRPG i.V.m. § 3 lit. c ZPO). Es stellt sich somit die</span><br/> <span class="ft8">grundlegende Frage, ob Behördenmitglieder, die eine Auskunft</span><br/> <span class="ft8">erteilen oder eine Meinungsäusserung abgeben, damit automatisch</span><br/> <span class="ft8">für den eigentlichen formellen und anfechtbaren Entscheid als</span><br/> <span class="ft8">befangen zu betrachten sind. Bis anhin wurde die Zulässigkeit</span><br/> <span class="ft8">behördlicher Auskünfte von Lehre und Praxis auch unter diesem</span><br/> <span class="ft8">Gesichtspunkt nie in Frage gestellt. Die Möglichkeit der Voranfrage</span><br/> <span class="ft8">wird sogar befürwortet, weil sie im Interesse der Verfahrensökono-</span><br/> <span class="ft8">mie und der bürgernahen Verwaltung liegt. Eine solche Vorbefassung</span><br/> <span class="ft8">wird erst dann als kritisch eingestuft, wenn ausserhalb eines Baube-</span><br/> <span class="ft8">willigungsverfahrens und somit unter Ausschluss der an diesem Ver-</span><br/> <span class="ft8">fahren zu beteiligenden Dritten Zusagen abgegeben werden, die ge-</span><br/> <span class="ft8">eignet sind, beim Adressaten eine Vertrauensposition zu schaffen, so</span><br/> <span class="ft8">dass sich dieser im nachfolgenden Baubewilligungsverfahren ver-</span><br/> <span class="ft8">anlasst sieht, sich auf die Verbindlichkeit der Zusage zu berufen.</span><br/> <span class="ft8">Auch wenn eine solche Zusage für nicht einbezogene Dritte keine</span><br/> <span class="ft8">verbindliche Wirkung entfalten kann, so dürfte sie doch die Behörde</span><br/> <span class="ft8">im nachfolgenden Baubewilligungsverfahren als voreingenommen</span><br/> <span class="ft8">erscheinen lassen BVR 1992, S. 219 f.). Eine solche vertrauens-</span><br/> <span class="ft8">begründende Zusage ist aber im konkreten Fall nicht erteilt worden.</span><br/> <span class="ft8">Vielmehr hat der Stadtrat in seinem Beschluss vom 20. Dezember</span><br/> <span class="ft8">2004 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">112</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">vorläufige Stellungnahme handelt. Er hat zudem Änderungen der</span><br/> <span class="ft8">Rechtsverhältnisse, allfällige berechtigte Einsprachen Dritter sowie</span><br/> <span class="ft8">die Bedingungen und Auflagen der Baubewilligung ausdrücklich</span><br/> <span class="ft8">vorbehalten. Nachdem auch keine anderen Umstände vorliegen, die</span><br/> <span class="ft8">den Vorwurf der Befangenheit untermauern könnten, liegt kein</span><br/> <span class="ft8">Ausstandsgrund nach kantonalem Prozessrecht vor.</span><br/> <span class="ft8">2.5.2.2.</span><br/> <span class="ft8">Zu prüfen bleibt, ob sich aus dem Bundesrecht eine Ausstands-</span><br/> <span class="ft8">pflicht ergibt. Während die Ausstandspflicht richterlicher Behörden</span><br/> <span class="ft8">nach Art. 30 Abs. 1 BV zu beurteilen ist, richtet sich diejenige von</span><br/> <span class="ft8">Verwaltungsbehörden nach Art. 29 Abs. 1 BV (BGE 127 I 198).</span><br/> <span class="ft8">Nach den in dieser Bestimmung verankerten "Allgemeinen Verfah-</span><br/> <span class="ft8">rensgarantien" hat jede Person in Verfahren vor Gerichts- und Ver-</span><br/> <span class="ft8">waltungsinstanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung</span><br/> <span class="ft8">sowie auf Beurteilung innert angemessener Frist. Aus dieser Bestim-</span><br/> <span class="ft8">mung lässt sich für den Fall einer (relevanten) Vorbefassung eine</span><br/> <span class="ft8">Ausstandspflicht von Verwaltungsbehörden ableiten. Neuere Ent-</span><br/> <span class="ft8">scheide des Bundesgerichts deuten zudem darauf hin, dass es die</span><br/> <span class="ft8">Grundsätze über die Vorbefassung von <i>Richtern</i> auch auf Entscheid-</span><br/> <span class="ft8">träger der Verwaltung anwenden will, die vornehmlich oder aus-</span><br/> <span class="ft8">schliesslich Rechtsprechungsfunktionen wahrnehmen (vgl. BGE 125</span><br/> <span class="ft8">I 119 ff. = Pra 88/1999, S. 867 ff.; vgl. auch Benjamin Schindler, Die</span><br/> <span class="ft8">Befangenheit der Verwaltung, Der Ausstand von Entscheidträgern</span><br/> <span class="ft8">der Verwaltung im Staats- und Verwaltungsrecht von Bund und Kan-</span><br/> <span class="ft8">tonen, Diss. Zürich 2002, S. 144 f. mit Hinw.). Es ergibt sich somit</span><br/> <span class="ft8">für das verwaltungsinterne und -externe Verfahren ein vergleichbarer</span><br/> <span class="ft8">Anspruch auf Ausstand vorbefasster Entscheidträger (Schindler,</span><br/> <span class="ft8">a.a.O., S. 145). Allerdings ist davon auszugehen, dass in der verwal-</span><br/> <span class="ft8">tungsinternen Rechtspflege nicht die gleich strengen Massstäbe gel-</span><br/> <span class="ft8">ten wie in Verfahren vor verwaltungsunabhängigen Organen (AGVE</span><br/> <span class="ft8">2000, S. 394 f. mit Hinw.). Es liegt in der Natur der Sache, dass die</span><br/> <span class="ft8">verwaltungsinterne Rechtspflege nicht die gleichen prozessualen Ga-</span><br/> <span class="ft8">rantien zu bieten vermag wie die Rechtsprechung durch unabhängige</span><br/> <span class="ft8">Gerichte. Gerade solche systembedingten Unzulänglichkeiten des</span><br/> <span class="ft8">verwaltungsinternen Rechtsschutzes haben zur Schaffung unabhängi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">113</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">ger Verwaltungsgerichte geführt (BGE vom 8. September 2000</span><br/> <span class="ft8">[5P.284/2000], Erw. 3b mit Hinw.).</span><br/> <span class="ft8">Nach der in Art. 30 Abs. 1 BV enthaltenen Garantie des verfas-</span><br/> <span class="ft8">sungsmässigen Richters hat der Einzelne Anspruch darauf, dass seine</span><br/> <span class="ft8">Sache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbe-</span><br/> <span class="ft8">fangenen Richter ohne Einwirken sachfremder Umstände ent-</span><br/> <span class="ft8">schieden wird. Liegen bei objektiver Betrachtungsweise Gegebenhei-</span><br/> <span class="ft8">ten vor, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der</span><br/> <span class="ft8">Voreingenommenheit zu begründen vermögen, so ist die Garantie</span><br/> <span class="ft8">verletzt. Solche Umstände können auch in funktionellen oder organi-</span><br/> <span class="ft8">satorischen Gegebenheiten begründet sein. Bei der Beurteilung der</span><br/> <span class="ft8">Umstände, welche die Gefahr der Voreingenommenheit schaffen,</span><br/> <span class="ft8">kann nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt wer-</span><br/> <span class="ft8">den; das Misstrauen in die Unvoreingenommenheit muss vielmehr in</span><br/> <span class="ft8">objektiver Weise begründet erscheinen. Ob sich ein Richter durch</span><br/> <span class="ft8">seine Mitwirkung an früheren Entscheidungen in einzelnen Punkten</span><br/> <span class="ft8">bereits in einem Mass festgelegt hat, das ihn als voreingenommen</span><br/> <span class="ft8">und das Verfahren als nicht mehr offen erscheinen lassen, kann nicht</span><br/> <span class="ft8">generell gesagt werden. Es ist nach der Rechtsprechung vielmehr in</span><br/> <span class="ft8">jedem Einzelfall zu untersuchen, ob die konkret zu entscheidende</span><br/> <span class="ft8">Rechtsfrage trotz Vorbefassung als offen erscheint (BGE 126 I 73 mit</span><br/> <span class="ft8">Hinw.; BGE vom 25. Oktober 2004 [4P.83/2004], Erw. 1.2).</span><br/> <span class="ft8">Vorliegend konnte der Stadtrat Baden auf die Anfrage der Bau-</span><br/> <span class="ft8">herrschaft hin von Gesetzes wegen nur eine unverbindliche Auskunft</span><br/> <span class="ft8">erteilen (vgl. § 28 Abs. 2 ABauV). Der Stadtrat hielt ausserdem in</span><br/> <span class="ft8">seiner Auskunft explizit fest, dass es sich um eine vorläufige Beurtei-</span><br/> <span class="ft8">lung handelt. Ausserdem verknüpfte er die Auskunft namentlich mit</span><br/> <span class="ft8">dem Vorbehalt allfälliger berechtigter Einsprachen Dritter und mit</span><br/> <span class="ft8">den im Baubewilligungsverfahren anzuordnenden Bedingungen und</span><br/> <span class="ft8">Auflagen. Damit war der Inhalt der Baubewilligung trotz Voranfrage</span><br/> <span class="ft8">weiterhin offen, weshalb auch keine verfassungswidrige Vorbefas-</span><br/> <span class="ft8">sung vorliegt. In solchen Fällen kann von der Baubewilligungsbehör-</span><br/> <span class="ft8">de erwartet werden, dass sie ihre Beurteilung des Bauvorhabens bei</span><br/> <span class="ft8">begründeten Einwendungen Dritter im Verlauf des Verfahrens revi-</span><br/> <span class="ft8">diert und das Baugesuch trotz der vorgängig erteilten (unverbindli-</span><br/> <span class="ft8">chen) Auskunft objektiv und unparteiisch beurteilt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">114</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">2.5.3.</span><br/> <span class="ft8">(Befangenheit als Folge besonderer Fallumständen verneint).</span><br/> <span class="ft8">2.5.4.</span><br/> <span class="ft8">Es kann somit weder aus Gründen, die im Gesetz angelegt sind,</span><br/> <span class="ft8">noch aus besonderen Fallumständen auf eine Befangenheit des Stadt-</span><br/> <span class="ft8">rats Baden geschlossen werden. Der Einwand der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft8">erweist sich als unbegründet.</span><br/> <span class="ft8">2.6.</span><br/> <span class="ft8">Es bleibt zu untersuchen, ob die Voranfrage im konkreten Fall</span><br/> <span class="ft8">den Rahmen des Zulässigen gesprengt hat oder nicht.</span><br/> <span class="ft8">Nach § 28 Abs. 2 ABauV kann "vor Einreichung von Gesuchen</span><br/> <span class="ft8">für komplexe und grössere Bauvorhaben um unverbindliche</span><br/> <span class="ft8">Auskünfte und Stellungnahmen ersucht werden". Es stellt sich die</span><br/> <span class="ft8">Frage, ob der Gesetzgeber mit der Beschränkung der Voranfrage auf</span><br/> <span class="ft8">"komplexe und grössere Bauvorhaben" die Gefahr der Vorbefassung</span><br/> <span class="ft8">eindämmen wollte, wie dies die Beschwerdeführer behaupten. Das</span><br/> <span class="ft8">ist zu verneinen. Hätte der Gesetzgeber mit dieser Beschränkung die</span><br/> <span class="ft8">Gefahr der Vorbefassung minimieren wollen, hätte er das Voranfra-</span><br/> <span class="ft8">geverfahren nicht nach der Grösse und Komplexität des Bauvor-</span><br/> <span class="ft8">habens, sondern nach der Bedeutung der Frage eingrenzen müssen,</span><br/> <span class="ft8">die dem vorfrageweise unterbreiteten Punkt für die Bewilligungsfä-</span><br/> <span class="ft8">higkeit des Bauvorhabens zukommt. Er hätte in diesem Fall Fragen,</span><br/> <span class="ft8">die für die Bewilligungsfähigkeit des Bauvorhabens von entschei-</span><br/> <span class="ft8">dender Bedeutung sind, von der Möglichkeit der Voranfrage ausneh-</span><br/> <span class="ft8">men müssen, und zwar auch bei kleinen und einfachen Projekten.</span><br/> <span class="ft8">Grösse und Komplexität eines Bauvorhabens haben keine Auswir-</span><br/> <span class="ft8">kungen auf das Ausmass der Vorbefassung. Vor diesem Hintergrund</span><br/> <span class="ft8">ist davon auszugehen, dass die Einschränkung nach Grösse und</span><br/> <span class="ft8">Komplexität nicht der Vorbefassung entgegen wirken, sondern der</span><br/> <span class="ft8">Beurteilung des Rechtsschutzinteresses an der Voranfrage dienen</span><br/> <span class="ft8">soll. Während der Bauherr bei Bauvorhaben mit grossem Projektie-</span><br/> <span class="ft8">rungsaufwand ein erhebliches Interesse hat, gewisse Fragen noch vor</span><br/> <span class="ft8">dem Ausarbeiten der Baugesuchsunterlagen abzuklären (vgl. für den</span><br/> <span class="ft8">Vorentscheid Zimmerlin, a.a.O., § 152 N 10), ist ihm bei leicht</span><br/> <span class="ft8">projektier- und beurteilbaren Bagatellprojekten im Allgemeinen die</span><br/> <span class="ft8">direkte Einreichung eines Baugesuchs ohne Voranfrage zumutbar. In</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">115</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">diesem Fall soll die Verwaltung nicht mit unnötigen Voranfragen</span><br/> <span class="ft8">belastet werden, so dass dem Bauherrn das erforderliche Rechts-</span><br/> <span class="ft8">schutzinteresse an der Beantwortung der Voranfrage abzusprechen</span><br/> <span class="ft8">ist. Im konkreten Fall zeigen jedoch schon die zahlreichen Argumen-</span><br/> <span class="ft8">te der Beschwerdeführer, welche diese gegen die Bewilligungsfähig-</span><br/> <span class="ft8">keit des Bauvorhabens vorbringen, dass es sich nicht um ein leicht</span><br/> <span class="ft8">beurteilbares Bagatellprojekt handelt.</span><br/> <span class="ft8">§ 28 Abs. 3 ABauV, wonach sich die Beratung insbesondere</span><br/> <span class="ft8">auf wichtige Fragen zur Zulässigkeit des Vorhabens, die Gesuchsun-</span><br/> <span class="ft8">terlagen und die Verfahrensabläufe bezieht, beschränkt die Zulässig-</span><br/> <span class="ft8">keit der Voranfrage wohl ebenfalls nur unter dem Aspekt des Rechts-</span><br/> <span class="ft8">schutzinteresses. Ob es sich tatsächlich so verhält, kann jedoch offen</span><br/> <span class="ft8">bleiben, weil die in der Voranfrage thematisierten Punkte im konkre-</span><br/> <span class="ft8">ten Fall ohnehin nicht als unwichtig bezeichnet werden können.</span><br/> <span class="ft8">2.7.</span><br/> <span class="ft8">Es bleibt zu erörtern, ob die Baubewilligungsbehörde auch die</span><br/> <span class="ft8">Voranfrage-Akten hätte öffentlich auflegen müssen.</span><br/> <span class="ft8">2.7.1.</span><br/> <span class="ft8">Nach § 60 Abs. 2 BauG wird das Baugesuch vom Gemeinderat</span><br/> <span class="ft8">veröffentlicht und bei Vorhaben, die nicht der Umweltverträglich-</span><br/> <span class="ft8">keitsprüfung unterliegen, während 20 Tagen öffentlich aufgelegt.</span><br/> <span class="ft8">Welche Angaben zu publizieren sind, hat der Gesetzgeber auf der</span><br/> <span class="ft8">Verordnungsstufe geregelt (§ 35 Abs. 3 ABauV). Danach sind fol-</span><br/> <span class="ft8">gende Angaben zu veröffentlichen bzw. nicht ortsansässigen An-</span><br/> <span class="ft8">stössern schriftlich mitzuteilen: Name und Adresse der Gesuchsteller,</span><br/> <span class="ft8">Lage des Baugrundstücks, Umschreibung des Vorhabens, Gesuche</span><br/> <span class="ft8">für weitere Bewilligungen und Zustimmungen kantonaler oder eidge-</span><br/> <span class="ft8">nössischer Behörden und Ort sowie Zeit der öffentlichen Auflage,</span><br/> <span class="ft8">Einsprachemöglichkeit, Einsprachestelle, Einsprachefrist und formel-</span><br/> <span class="ft8">le Anforderungen an Einsprachen. Dagegen wird der Umfang der</span><br/> <span class="ft8">Auflage auch auf der Verordnungsstufe nicht näher umschrieben.</span><br/> <span class="ft8">2.7.2.</span><br/> <span class="ft8">Die Publikation und die öffentliche Auflage bilden wichtige</span><br/> <span class="ft8">Mittel, durch das Nachbarn und weitere Interessenten von einem</span><br/> <span class="ft8">Bauvorhaben Kenntnis und damit Gelegenheit erhalten, sich durch</span><br/> <span class="ft8">eine Einsprache zu wehren. Die Einsprache dient der formalisierten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">116</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Gewährung des rechtlichen Gehörs. An diesem Zweck hat sich auch</span><br/> <span class="ft8">die Antwort auf die Frage auszurichten, welche Akten zu publizieren</span><br/> <span class="ft8">und öffentlich aufzulegen sind. Publikation und öffentliche Auflage</span><br/> <span class="ft8">müssen die zur Einsprache legitimierten Personen in die Lage verset-</span><br/> <span class="ft8">zen, sich in Kenntnis aller wesentlicher Sachumstände gegen das</span><br/> <span class="ft8">Bauvorhaben wehren zu können. Während sich der Gegenstand der</span><br/> <span class="ft8">Publikation schon aus praktischen Gründen beschränken muss, be-</span><br/> <span class="ft8">steht im Allgemeinen kein Anlass, den Umfang der aufzulegenden</span><br/> <span class="ft8">Baugesuchsakten einzugrenzen. Nach dem Wortlaut von § 60 Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">BauG wird das "Baugesuch" (d.h. mit all seinen Bestandteilen)</span><br/> <span class="ft8">öffentlich aufgelegt. Aus dem Wortlaut von § 60 Abs. 2 BauG lässt</span><br/> <span class="ft8">sich hingegen keine Rechtspflicht der Baubewilligungsbehörde ablei-</span><br/> <span class="ft8">ten, Vorakten zum Baugesuch (wie Voranfragen und behördliche</span><br/> <span class="ft8">Auskünfte) öffentlich aufzulegen. Eine solche Pflicht folgt auch</span><br/> <span class="ft8">nicht aus Sinn und Zweck der öffentlichen Auflage. Der Grund liegt</span><br/> <span class="ft8">darin, dass sich die Einsprache nach der Konzeption des Gesetzes</span><br/> <span class="ft8">nicht gegen einen behördlichen Entscheid richtet (der in diesem Ver-</span><br/> <span class="ft8">fahrensstadium noch gar nicht vorliegt), sondern gegen das</span><br/> <span class="ft8">Bauvorhaben. Die Angaben zu diesem sind im Baugesuch enthalten,</span><br/> <span class="ft8">weshalb die Baugesuchsakten dem legitimierten Nachbarn eine ge-</span><br/> <span class="ft8">nügende Grundlage bieten, um von der Möglichkeit der Einsprache</span><br/> <span class="ft8">bestimmungsgemäss Gebrauch zu machen. Um sich gegen das</span><br/> <span class="ft8">Bauvorhaben wehren und seine Interessen im Einspracheverfahren</span><br/> <span class="ft8">adäquat wahren zu können, bedarf er keiner Kenntnisse über Voran-</span><br/> <span class="ft8">fragen und über unverbindliche Auskünfte der Behörden im Sinn von</span><br/> <span class="ft8">§ 28 Abs. 2 ABauV. Nachdem sich die Baubewilligungsbehörde im</span><br/> <span class="ft8">Entscheid über das Baugesuch trotz vorläufiger Stellungnahme bzw.</span><br/> <span class="ft8">unverbindlicher Auskunft im Sinn von § 28 ABauV zu sämtlichen</span><br/> <span class="ft8">relevanten Punkten zu äussern und ihre Haltung zu begründen hat,</span><br/> <span class="ft8">erleidet der Einsprecher bei Unkenntnis über Vorakten der erwähnten</span><br/> <span class="ft8">Art auch für den weiteren Verlauf des Verfahrens keinen Rechts-</span><br/> <span class="ft8">nachteil. Der Einspracheentscheid bzw. der Entscheid über die Bau-</span><br/> <span class="ft8">bewilligung eröffnet ihm die Möglichkeit, sich gegen die Beurteilung</span><br/> <span class="ft8">der Baubewilligungsbehörde zu wehren. Mit der Vorinstanz ist daher</span><br/> <span class="ft8">davon auszugehen, dass keine Rechtspflicht besteht, Voranfragen und</span><br/> <span class="ft8">vorläufige Stellungnahmen zu solchen öffentlich aufzulegen. Etwas</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">117</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">anderes kann auch nicht aus dem Grundsatz der "Waffengleichheit"</span><br/> <span class="ft8">abgeleitet werden. Da sich die Einsprache gegen ein Bauvorhaben</span><br/> <span class="ft8">und nicht gegen einen behördlichen Entscheid richtet, wirkt sich die</span><br/> <span class="ft8">Nichtauflage der Voranfrageakten nicht auf die Chancengleichheit</span><br/> <span class="ft8">der Parteien im Einspracheverfahren aus. Der Grundsatz der Waffen-</span><br/> <span class="ft8">gleichheit wird aber möglicherweise dann tangiert, wenn die vorläu-</span><br/> <span class="ft8">fige Stellungnahme zur Voranfrage über die Begründung im nachfol-</span><br/> <span class="ft8">genden Baubewilligungsentscheid hinausgeht. Alsdann bestünde die</span><br/> <span class="ft8">Gefahr, dass sich der unterschiedliche Wissenstand des Bauherrn und</span><br/> <span class="ft8">des Dritten im Beschwerdeverfahren zum Nachteil des Zweitgenann-</span><br/> <span class="ft8">ten auswirkt. Diese Gefahr hat sich jedoch im konkreten Fall nicht</span><br/> <span class="ft8">verwirklicht, haben die Beschwerdeführer doch noch im Einspra-</span><br/> <span class="ft8">cheverfahren von der Voranfrage und der vorläufigen Stellungnahme</span><br/> <span class="ft8">Kenntnis erhalten.</span><br/> <span class="ft8">Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer lässt sich auch</span><br/> <span class="ft8">aus § 72 BNO keine Pflicht ableiten, Voranfragen und vorläufige</span><br/> <span class="ft8">Stellungnahmen zu solchen öffentlich aufzulegen. § 72 BNO ist als</span><br/> <span class="ft8">Zielnorm konzipiert. Sie nennt lediglich Zielvorstellungen für das</span><br/> <span class="ft8">Baubewilligungsverfahren, ohne konkrete Verhaltenspflichten zu be-</span><br/> <span class="ft8">gründen. Als zielbestimmte Vorschrift kommt sie deshalb nicht allei-</span><br/> <span class="ft8">ne zur Anwendung, sondern nur (aber immerhin) bei der Anwendung</span><br/> <span class="ft8">und Auslegung anderer Normen. § 72 BNO bezieht sich sodann auf</span><br/> <span class="ft8">Grund seines Wortlauts und der systematischen Stellung auf das</span><br/> <span class="ft8">Baubewilligungsverfahren. Sie ist nicht auf das Voranfrageverfahren</span><br/> <span class="ft8">zugeschnitten, das dem Baubewilligungsverfahren zeitlich vorgela-</span><br/> <span class="ft8">gert und in der BNO selber nicht geregelt ist.</span><br/> <span class="ft8">(Hinweis: Dieser Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>