Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. April 2016 (720 15 278) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Auf das Revisionsgesuch im Sinne von Art. 61 lit. i ATSG wird mangels Vorliegens erheb- licher neuer Tatsachen oder Beweismittel nicht eingetreten Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Gesuchsteller, vertreten durch Dan iel Tschopp, Advokat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Gesuchsgegnerin Betreff Revisionsgesuch (Urteil vom 09.02.2012) A. Der 1969 geborene A.____ arbeitete vom 1. Januar 1999 bis 31. März 2008 als Bag- gerführer bei der Firma B.____ in X.____. Am 14. September 2006 erlitt er bei einem Baggerun- fall eine Deckplattenimpressionsfraktur. Für die Un fallfolgen sprach die Schweizerische Unfall- versicherungsanstalt (SUVA) dem Versicherten mit Ve rfügung vom 30. März 2010 eine Invali- denrente aufgrund einer Beeinträchtigung der Erwerb sfähigkeit von 32 % mit Wirkung ab 1. April 2010 und eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 15 % zu. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.____ meldete sich bereits am 24. März 2008 bei der IV-Stelle Basel-Landschaft unter Hinweis auf ein Rückenleiden bei der Eidgenössischen Invalidenver sicherung (IV) zum Bezug von Leis- tungen an. Nach erfolglosem Versuch einer Arbeitsvermittlung und Durchführung eines Arbeits- trainings lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 19. April 2011 den Anspruch von A.____ auf eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 33 % ab. Dabei stützte sie sich auf das bidis- ziplinäre Gutachten von Dr. med. C.____, FMH Rheumatol ogie und Innere Medizin, und von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. Juni 2010. Die gegen diese Ver- fügung erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht, mit Urteil vom 9. Februar 2012 ab. Dieses Urteil ist in Rechtskraft erwachsen. B. Gegen das Urteil des Kantonsgerichts vom 9. Februar 2 012 reichte A.____, vertreten durch Advokat Daniel Tschopp, mit Eingabe vom 1. Septe mber 2015 ein Revisionsgesuch ein. Er beantragte, das Urteil des Kantonsgerichts vom 9. F ebruar 2012 sei in Revision zu ziehen und es sei dem Gesuchsteller ab September 2007 bis und mit März 2010 eine ganze Invaliden- rente zuzusprechen. Für die Zeit ab April 2010 sei die IV-Stelle zu verpflichten, den Invaliditäts- grad auf der Basis einer noch zumutbaren 50%igen Arbeit s- und Leistungsfähigkeit im Rahmen angepasster Tätigkeiten zu bemessen. Eventualiter sei da s Urteil des Kantongerichts vom 9. Februar 2012 in dem Sinne in Revision zu ziehen, als die IV-Stelle zur Neuabklärung ver- pflichtet werde. Danach sei neu über die Rentenansprüc he des Gesuchstellers zu entscheiden; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht stellte er den Antrag, es sei das vorlie- gende Verfahren bis zum rechtskräftigen Entscheid im paral lel noch hängigen IV-Verfahren zu sistieren. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebr acht, dass der Gesuchsteller nach der Ablehnung des Rentengesuchs am 4. April 2012 bei der IV-Stelle berufliche Massnahmen beantragt habe. Daraufhin sei er im August 2012 von d es E._____ beruflich abgeklärt worden. In der Folge habe ein Arbeitstraining stattgefunden, wobei er zum Küchenmitarbeiter umge- schult worden sei. Dazwischen habe er den Progressolehrgan g mit anerkanntem Abschluss als Hilfskraft im Bereich Gastronomie absolviert. Aus den ents prechenden Berichten gehe eine ho- he Motivation und Arbeitsmoral des Gesuchstellers hervor . Seine Leistungsfähigkeit sei aber trotz grossen Leistungswillens nie über 50 % hinausgegan gen. Damit liege ein objektiver Be- weis vor, dass die von Dr. C.____ und Dr. D.____ attestie rte 100%ige Arbeitsfähigkeit eine Fehleinschätzung gewesen sei. Die neuen Berichte über d ie Ergebnisse des Arbeitstrainings und die Umschulung seien als neue Beweismittel im Sinne von Art. 61 lit. i des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 zu qua- lifizieren. C. Mit Eingabe vom 23. September 2015 erklärte sich di e IV-Stelle mit der beantragten Sistierung des Verfahrens als nicht einverstanden. In de r Folge lehnte das Kantonsgericht mit Verfügung vom 28. September 2015 das Sistierungsgesuch des Gesuchstellers ab. D. In der Vernehmlassung vom 10. Dezember 2015 stellte die IV-Stelle den Antrag, auf das Revisionsgesuch sei mangels Vorliegens eines Revisionsgrundes nicht einzutreten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.1 Gemäss Art. 61 lit. i ATSG muss im Verfahren vor d em kantonalen Versicherungsge- richt die Revision von rechtskräftigen Entscheiden wegen E ntdeckung neuer Tatsachen oder Beweismittel oder wegen Einwirkung durch Verbrechen od er Vergehen gewährleistet sein. Da- bei ist der Begriff "neue Tatsachen oder Beweismittel " bei der Revision eines kantonalen Ge- richtsentscheides gemäss Art. 61 lit. i ATSG gleich auszule gen wie bei der (prozessualen) Re- vision eines Verwaltungsentscheides nach Art. 53 Abs. 1 AT SG oder bei der Revision eines Bundesgerichtsurteils gemäss Art. 123 Abs. 2 lit. a des B undesgesetzes über das Bundesge- richt (BGG) vom 17. Juni 2005 (vgl. Urteil des Bundesger ichts vom 12. Juni 2015, 8C_291/2015, E. 3.2 mit zahlreichen Hinweisen). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat im Revisionsverfahren der Gesuchsteller die erhebliche n eue Tatsache nachzuweisen. Gelingt es ihm nicht, den Revisionsgrund mit dem Beweisgrad der ü berwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen, ist das Revisionsgesuch abzuweisen (BGE 127 V 35 3 E. 5b S. 358; RKUV 1994 Nr. U 190 S. 140, U 52/93 E. 3a in fine mit Hinweise n; Urteil des Bundesgerichts vom 13. Feb- ruar 2013, 9C_955/2012, E. 3.2). 1.2 In § 23 der basellandschaftlichen Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 wird in Verbindung mit § 40 Abs. 2 lit. a und c des Verwal- tungsverfahrensgesetzes (VwVG) vom 13. Juni 1988 bestimmt , dass das Kantonsgericht auf eines seiner Urteile zurückkommen kann bzw. auf ein entsp rechendes Revisionsbegehren ein- tritt, wenn ein Verbrechen oder Vergehen den Erlass der Verfügung beeinflusst hat (§ 40 Abs. 2 lit. a VwVG) oder wenn erhebliche Tatsachen oder Bewe ismittel aufgetaucht sind, an deren Geltendmachung die Partei im früheren Verfahren ohne Verschulden verhindert gewesen ist (§ 40 Abs. 2 lit. c VwVG). Da vorliegend dem ursprüngli chen Entscheid unbestrittenermassen kein Verbrechen oder Vergehen zu Grunde liegt, kann sich der Gesuchsteller vorliegend nur auf die Voraussetzungen gemäss § 40 Abs. 2 lit. c VwVG beru fen. Er muss demnach aufzeigen, dass erhebliche neue Tatsachen oder Beweismittel im Sinne von § 40 Abs. 2 lit. c VwVG aufge- taucht sind, an deren Geltendmachung bzw. Beibringung er im früheren Verfahren ohne Ver- schulden verhindert war. Dabei muss das Revisionsbegehren in nert 90 Tagen seit Entdeckung des Wiederaufnahmegrundes gestellt werden (vgl. § 40 Abs. 3 VwVG), 2.1 Neu sind Tatsachen, wenn sie sich bereits im Zeitpunkt der ursprünglichen Ent- scheidfällung verwirklicht haben, jedoch dem Revisionsgesuchs teller trotz hinreichender Sorg- falt (noch) nicht bekannt waren (Urteil des Bundesge richts vom 29. Oktober 2015, 8C_683/2015, E. 2.2). Sie müssen erheblich sein, also geeignet, die tatbeständliche Grundlage des Entscheids, dessen Revision beantragt wird, zu veränder n und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einem anderen Entscheid zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Mai 2010, 8F_15/2009, E. 1.2; vgl. auch U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2015, zu Art. 53 Rz. 24). Neue Beweismittel haben entweder dem Bewe is einer eine Revision begründenden neuen erheblichen Tatsache oder dem Beweis von Tatsach en zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Revisi onsgesuchstellers unbewiesen ge- blieben sind (vgl. BGE 134 III 669 E. 2.1 S. 670, 127 V 353 E. 5b S. 358; SVR 2012 UV Nr. 17 S. 63, 8C_434/2011 E. 7.1; SVR 2010 IV Nr. 55 S. 16 9, 9C_764/2009 E. 3.2; Urteil des Bun- desgerichts vom 13. Februar 2013, 9C_955/2012, E. 3.1 mit Hinweisen). Erheblich ist ein Be- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht weismittel, wenn anzunehmen ist, es hätte zu einem anderen Urteil geführt, falls das Gericht im Hauptverfahren davon Kenntnis gehabt hätte. 2.2 Ein Revisionsgrund liegt somit immer nur dann vor, wenn das angefochtene Urteil auf einem falschen oder unvollständigen Sachverhalt beruht , welcher durch die Berücksichtigung nunmehr vorgebrachter Tatsachen oder Beweise korrigiert werden kann, was zu einem anderen rechtlichen Ergebnis führt. Für die Revision eines Entscheides genügt es folglich nicht, dass ein medizinisches Gutachten aus den im Zeitpunkt des Haupturte ils bekannten Tatsachen nach- träglich andere Schlussfolgerungen zieht als das Gericht ; vielmehr bedarf es neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die Entscheidungsgrundlagen als objektiv mangelhaft erscheinen lassen. Auch ist ein Revisionsgrund nicht schon gegeben, wenn das Gericht bereits im Haupt- verfahren bekannte Tatsachen möglicherweise unrichtig gew ürdigt hat. Notwendig ist vielmehr, dass die unrichtige Würdigung erfolgte, weil für den Entscheid wesentliche Tatsachen nicht be- kannt gewesen oder unbewiesen geblieben sind (vgl. BGE 134 III 669 E. 2.1 S. 670, 127 V 353 E. 5b S. 358; Urteile des Bundesgerichts vom 20. April 2016, 9C_473/2015/9C_925/2015, E. 2.2.3, vom 10. März 2011, 8F_9/2010, E. 3.1 und vom 7. Mai 2010, 8F_15/2009, E. 4.4 je mit Hinweisen). 2.3 Betrifft der Revisionsgrund - wie hier die Festste llung des Gesundheitszustandes und dessen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit - eine m aterielle Anspruchsvoraussetzung, deren Beurteilung massgeblich auf Schätzung oder Beweisw ürdigung beruht, auf Elementen also, die Ermessenszüge aufweisen, so ist eine vorgebrac hte neue Tatsache als solche in der Regel nicht erheblich. Ein (prozessrechtlicher) Revisionsgr und fällt demnach überhaupt nur in Betracht, wenn bereits im ursprünglichen Verfahren de r untersuchende Arzt und die entschei- dende Behörde das Ermessen wegen eines neu erhobenen B efundes zwingend anders hätten ausüben und infolgedessen zu einem anderen Ergebnis h ätten gelangen müssen (Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 2014, 8C_349/2014, E. 3.3.1) 2.4 Die Revision ist ein ausserordentliches Rechtsmittel un d dient nicht einfach der Weiter- führung des Verfahrens. Sie dient insbesondere nicht da zu, Fehler und Unterlassungen der Prozessparteien nachträglich korrigieren zu können (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2013, 8F_9/2013, E. 1.1 mit Hinweisen). Es obliegt de n Prozessparteien, rechtzeitig und pro- zesskonform zur Klärung des Sachverhalts entsprechend ihrer Beweispflicht beizutragen. Dass es ihnen unmöglich war, Tatsachen und Beweismittel ber eits im früheren Verfahren beizubrin- gen, ist nur mit Zurückhaltung anzunehmen. (Urteil de s Bundesgerichts vom 20. April 2016, 9C_473/2015/9C_925/2015, E. 2.3). 3.1 In den Akten zur vorliegenden Angelegenheit befin den sich zahlreiche medizinische Berichte. Für eine zusammenfassende Darstellung der bis zum Erlass des Urteils des Kantons- gerichts vom 9. Februar 2012 ergangenen Berichte wird a uf die dortigen Erwägungen 3.1 - 4.3 verwiesen. Dabei ist zu beachten, dass der Gesuchsteller vor Erlass des Urteils Arbeitstrainings absolviert hatte. So vermittelte ihm die SUVA im August 2009 ein 4-wöchiges Arbeitstraining bei der F.____ als Chauffeur (vgl. IV-Dokument Nr. 26). D ieser Versuch scheiterte bereits am ers- ten Arbeitstag. Ein weiteres Arbeitstraining war soda nn von November 2009 bis Februar 2010 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei der G.____ geplant (vgl. IV-Dokument Nr. 29). Nach dem der Gesuchsteller am 30. Novem- ber 2009 mit einem 50%-Arbeitspensum startete, musste e r drei Tage später das Arbeitstrai- ning schmerzbedingt abbrechen (vgl. Abschlussbericht der be ruflichen Massnahmen vom 24. Dezember 2009). Die beiden gescheiterten berufli chen Massnahmen würdigten die beiden Gutachter Dr. C.____ und Dr. D.____ in ihrem Gutachte n vom 2. Juni 2010. Sie stellten fest, dass die Arbeitstrainings aus Gründen gescheitert seien, welche damit zu tun hätten, wie der Gesuchsteller selbst mit der Situation umgehe. Dabei verw ies insbesondere Dr. D.____ darauf hin, dass aus neutraler medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar sei, weshalb es dem Gesuch- steller nicht gelingen sollte, als Chauffeur bei der F .____ tätig zu sein, wenn es ihm doch mög- lich sei, regelmässig mit dem Auto zu seiner Tochter nach Zürich zu fahren. Das Gleiche gelte für das Arbeitstraining in der G.____, wo er gemäss sei nen Angaben, lediglich Holzstücke habe zusammensetzen müssen. Dr. D.____ kam zum Schluss, dass der Ge suchsteller durch den Umstand, dass er nicht mehr jene Körperkraft aufbringen könne, die ihn über viele Jahre im Geleisebau ausgezeichnet habe, gekränkt sei. Einen Krankheitswert habe diese Kränkung aber nicht. In der Konsensbeurteilung erachteten die beide n Gutachter den Gesuchsteller in einer angepassten Tätigkeit als zu 100 % arbeitsfähig. 3.2 Nach Eingang des Antrags auf berufliche Massnahmen v om 4. Februar 2012 beauf- tragte die IV-Stelle die E.____ mit einer berufliche n Abklärung, welche vom 6. bis 31. August 2012 durchgeführt wurde. Im Schlussbericht vom 4. Oktober 2012 attestierte Dr. med. H.____ FMH Rheumatologie und Physikalische Medizin, dem Gesuchste ller aus medizinischer Sicht, dass er sämtliche leichte bis hin und wieder über den Ta g verteilt mittelschwere körperliche Ar- beiten ohne Zwangshaltungen des Achsenorgans ganztags a usführen könne. Da der Gesuch- steller seit mehreren Jahren keiner Arbeit mehr nachgehe, es eine Diskrepanz zwischen seinem subjektiven Empfinden seiner Restarbeitsfähigkeit und de r medizinisch-theoretischen Einschät- zung gebe und er in ein neues Tätigkeitsgebiet eingea rbeitet werden müsse, sei eine über ei- nen längeren Zeitraum verlaufende Abklärung sowie Ein arbeitung sinnvoll und notwendig. Die Leistung betrage vorerst 50 %, könne aber im Laufe eine s Arbeitstrainings in zwei bis drei Mo- naten auf ein normales Niveau gesteigert werden. Der Gesuchsteller arbeite qualitativ gut und habe bei manuell-praktischen Arbeiten ein gutes Auffa ssungsvermögen. Im Laufe der Abklä- rung sei das Verhalten des Gesuchstellers deutlich gewo rden. Er habe über Schmerzen in den Oberschenkeln und immer wieder im Bereich des unteren Rückens geklagt. Trotz dieser Be- schwerden habe er konsistent in einem Ganztagespensum ein e mittlere Leistung um 80 % er- bracht. In einem auswärtigen Arbeitsversuch in einer Grossküche habe seine Leistungsfähigkeit u.a. wegen spezieller Arbeitsumstände 50 % betragen; d iese könne jedoch gesteigert werden. Eine Küchentätigkeit sei leidensangepasst und würde dem Gesuchsteller gefallen. Als dieser nach einer Einschätzung seiner eigenen Leistungsfähigk eit befragt worden sei, habe er ange- geben, dass ein Pensum von mehr als 60 % unrealistisch sei. 3.3 Im Hinblick auf die geplante Umschulung zum Küchenmit arbeiter nahm Dr. med. I.____, FMH Allgemeine Medizin, eine medizinische Beur teilung der Arbeitsfähigkeit des Ge- suchstellers vor. Mit Bericht vom 15. Oktober 2012 führte sie aus, dass der Gesuchsteller mo- mentan aufgrund der Meniskusläsion vom September 2012 zu 60 % arbeitsfähig sei. Nach Ab- lauf eines Monats sei ihm die Ausführung einer leichte n Verweistätigkeit mit wechselnder Kör- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht perhaltung zu 100 % zumutbar. Allerdings müsse die körp erliche Kondition "auftrainiert" wer- den. 3.4 Vom 11. März 2013 bis 10. Januar 2014 absolvierte d er Gesuchsteller ein Arbeitstrai- ning als Küchenmitarbeiter im J.____. Gemäss Zwischenberi cht Arbeitstraining vom 7. Februar 2014 arbeite der Gesuchsteller gut und er habe eine gute Arbeitsmoral. Er sei ein eigeninitiati- ver, motivierter, selbstständiger und zuverlässiger Mitar beiter. Mehr als drei aufeinanderfolgen- de Arbeitstage könne er nur mit deutlich starken Schm erzen bewältigen. Vor einem solchen Dreitagesblock seien jeweils zwei Freitage nötig gewesen. Dieser Arbeitsrhythmus habe mit einem Pensum von 4 - 5 Stunden (= ein 60%-Arbeitspen sum) täglich eingehalten werden kön- nen. Dazwischen habe er vom 2. bis 16. August 2013 und vom 2. bis 20. Dezember 2013 einen Progressolehrgang besucht, mit welchem er einen Abschluss a ls Hilfskraft in der Gastronomie mit guten Resultaten erzielt habe. Bei diesem Lehrgang habe er in einem 100%-Arbeitspensum gearbeitet. Gemäss den Angaben des Gesuchstellers habe e r dies nur unter höherer Medika- mentendosis bewältigen können. 3.5 Anschliessend wurde der Gesuchsteller im E.____ zum Kü chenmitarbeiter umgeschult. Dem provisorischen Schlussbericht vom 1. Dezember 2014 ist zu entnehmen, dass der erste Einsatz im freien Arbeitsmarkt im K.____ in Y.____ vom 27. Januar bis 16. März 2014 erfolgt sei, wo er in einem 50%igen Teilzeitpensum (2 oder 3-Tagesblöcke mit 1 - 2 Freitagen) gearbei- tet habe. Aufgrund einer schmerzbedingten Krankheitsab senz von 8 Tagen seien die Freitage zwischen den Blöcken konstant auf 2 Tage erhöht worden. D anach seien keine Krankheitsab- senzen erfolgt. Ab dem 17. März 2014 sei er im L.____ tätig gewesen. Dort habe das Pensum von 50 % ab dem 4. November 2014 auf 5 Stunden tägli ch erhöht werden können. Es sei je- doch erkennbar gewesen, dass er sich der Belastbarkeitsgr enze genähert habe. Solange sich die Rückenschmerzen und die damit verbundenen Krankheits absenzen nicht steigern würden, könne der Gesuchsteller in einer Küche auf dem ersten Ar beitsmarkt in einem Teilzeitpensum eine vollwertige Leistung erbringen. Es sei davon auszu gehen, dass er mit einem Arbeitspen- sum von 50 % ev. 60 % im ersten Arbeitsmarkt vermittelbar sei. 3.6 Im provisorischen Schlussbericht des E.____ vom 1. Apri l 2015 wurde der Gesuchstel- ler erneut beurteilt. Danach hätten sich die Schmerzen nach Erhöhung des Arbeitspensums auf 5 Stunden verschlimmert und der Gesuchsteller habe die Medikamentendosis erhöht. Nachdem er einige Ferientage zur Erholung habe nehmen können, habe er wieder 4 Stunden täglich im L.____ ohne grosse Schmerzen arbeiten können. 3.7 Gemäss Abschlussbericht der Eingliederungsmassnahmen vom 10. Juni 2015 habe der Gesuchsteller die Umschulung zum Küchenmitarbeiter e rfolgreich abgeschlossen. Die Ar- beitsfähigkeit betrage jedoch nicht mehr als 50 %. Das Dossier werde deshalb zur Prüfung der medizinisch-theoretischen Leistungsfähigkeit weitergeleitet. 3.8 Weiter liegt in den Akten der Coaching Bericht des E.____ vom 22. Oktober 2015. Aus diesem geht hervor, dass der Gesuchsteller seit dem 1. Apr il 2015 durch die Arbeitsvermittlung des E.____ unterstützt werde. Es werde eine Arbeitsstell e mit einem Pensum von 50 % ge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sucht. Dabei sei zu berücksichtigen, dass der Gesuchsteller jeweils zwei Tage 4,2 Stunden täg- lich arbeiten könne und danach 2 Tage pausieren müsse. Werde dieser Rhythmus nicht einge- halten, würden die Schmerzen stark zunehmen, was zu eine r höheren Dosierung von Schmerzmedikamenten und zu Absenzen führe. Im ergänzenden Bericht vom 29. Oktober 2015 wurde angegeben, dass eine auf den Gesuchsteller zugeschn ittene Arbeitsstelle gesucht wer- de. Je nach Intensität der Tätigkeit in der Küche komm e ein Pensum von 50 % - 70 % in Be- tracht. Dies begründe sich darin, dass er während des Prakt ikums im L.____ eine anspruchs- volle und körperlich anstrengende Arbeit habe verricht en können. Zudem habe er in der Zeit des Jahreswechsels 2014/2015 während insgesamt 5 Woche n diverse Fachkurse à 8 Stunden täglich besucht. Auch wenn während dieser Zeit die Schme rzen zugenommen hätten und er mehr Medikamente habe einnehmen müssen, habe er keine Absenz gehabt. 5.1 Der Gesuchsteller macht im vorliegenden Revisionsge such geltend, dass die im Rah- men der beruflichen Massnahmen ergangenen Berichte des E .____ die medizinisch- theoretische Einschätzung der Gutachter Dr. C.____ und Dr. D.____ in erheblicher Weise wi- derlegten. 5.2 In Würdigung der nach Erlass des Urteils vom Kanto nsgericht vom 9. Februar 2012 ergangenen Berichte ist festzustellen, dass sich die von Dr. C.____ und Dr. D.____ festgehal- tene medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit des Versich erten von 100 % seither nicht we- sentlich verändert hat. So attestierte Dr. I.____ dem Gesuchsteller in ihrem Bericht vom 15. Oktober 2012 ab Mitte November 2012 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensange- passten Tätigkeit. Einzig für die Zeit von ca. Mitte Sept ember 2012 bis Mitte November 2012 bestand aufgrund einer Meniskusläsion eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit. Gleicher Ansicht ist der zuständige Arzt des E.____, der den Gesundheitszustand des G esuchstellers im Rahmen der beruflichen Abklärung beurteilte. Auch er kam zum Schluss, dass der Gesuchsteller nach einem 2- bis 3-monatigen Einstieg ins Berufsleben mit einem 5 0%-Pensum zugemutet werden könne, eine leichte bis hin und wieder über den Tag verteilte mittelschwere körperlich angepasste Tä- tigkeit zu 100 % auszuführen. Im Hinblick auf die erfol glosen Arbeitstrainings im Jahr 2009 ist gestützt auf die Berichte des E.____ festzustellen, dass die Leistungsbereitschaft des Gesuch- stellers, einer Arbeit nachzugehen, zugenommen hat. De mzufolge muss heute die von Dr. C.____ und Dr. D.____ damals festgestellte Selbstlimiti erung viel weniger ausgeprägt sein als früher. Nach wie vor schöpft der Gesuchsteller aber sein e zumutbare Arbeitsfähigkeit nicht voll aus. Es besteht - wie zum Zeitpunkt der Untersuchung durch Dr. C.____ und Dr. D.____ - im- mer noch eine Diskrepanz zwischen der ärztlichen Einschätzung und der tatsächlich erbrachten Leistung bzw. der Selbsteinschätzung des Gesuchstellers. Da ran ändern die Berichte des E.____, mit welchen die Berufsfachleute eine Arbeits fähigkeit von 50 % bis 60 % festhalten, nichts. Zwar kommt den Feststellungen der Berufsfachl eute bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit eine gewisse Aussagekraft zu (vgl. Urteil des Bund esgerichts vom 4. Juli 2008, 9C_833/2007, E. 3.3.2). Die vorliegenden Berichte d es E.____ sind jedoch nicht geeignet, ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit der medizinisch en Einschätzungen aufkommen zu lassen. Denn diese geben lediglich die vom Gesuchsteller effektiv realisierten Leistungen wie- der. Allein die Tatsache, dass die beruflichen Abklärun gsstellen dem Gesuchsteller eine gute Motivation und Zuverlässigkeit attestieren, lässt nicht darauf schliessen, dass die von ihm effek- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht tiv erbrachte Leistung von rund 50 % bis 60 % dem objekt iv realisierbaren Leistungsvermögen entspricht. Selbst die Fachleute des E.____ gehen davon aus, dass dem Gesuchsteller zuzu- muten sei, mehr als 60 % zu arbeiten (vgl. Coachingberi cht vom 29. Oktober 2015). Dazu kommt, dass es dem Gesuchsteller gelang, im Rahmen der Ab klärung des E.____ in einem vollen Pensum mit einer 80%igen Leistung zu arbeiten. Auch während des Progressolehrgan- ges war es ihm möglich, während mehreren Wochen ohne Absenzen 100 % tätig zu sein. Ge- stützt auf die übereinstimmenden medizinischen Einschätzun gen ist deshalb davon auszuge- hen, dass dem Gesuchsteller nach wie vor zumutbar ist, zu 100 % einer leidensangepassten Tätigkeit nachzugehen. Es liegen somit keine revisionser heblichen neuen Tatsachen oder Be- weismittel vor, die aufzeigten, inwiefern die medizini sche Beurteilung von Dr. C.____ und Dr. D.____, auf welche sich das Kantonsgericht in seinem U rteil vom 9. Februar 2012 stützte, im Ergebnis hinsichtlich der Beurteilung des Gesundheitszu standes des Gesuchstellers zwin- gend anders hätte ausfallen müssen. Aus diesem Grund k ann auf das vorliegende Revisions- gesuch nicht eingetreten werden. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Prozesskosten sind gemäss dem Ausgang des Verfahrens wett- zuschlagen (Art. 61 lit. g ATSG). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Auf das Revisionsbegehren wird nicht eingetrete n. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Gesuch- steller auferlegt und mit dem Kostenvorschuss in der Hö he von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.