B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3319/2009 U r t e i l v o m 2 9 . J u n i 2 0 11 Besetzung Richter Kurt Gysi (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiber Jonas Tschan. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), Serbien und Kosovo, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. April 2009 / N (…). E-3319/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden, Staatsangehörige Serbiens und Kosovos, verliessen ihr en Heimatstaat gemäss eigenen An gaben am 2. August 2008 und gelangten über ihnen unbekannte Länder am 3. August 2008 in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte n. Sie wurden am 22. August 2008 im Transitzentrum Altstätten zu ihr en Asylgründen b e- fragt; die direkte Bundesanhörung fand am 23. April 2009 statt. Zur Begründung ihrer Asylgesuche machten die Beschwerdeführenden geltend, sie hätten in ihrem Heimatland keine Bewegungsfreiheit und ke i- ne Arbeit. Da Kosovo nicht mehr zu Serbien gehöre, hätten sie dort nichts mehr zu suchen. Die Beschwerdeführerin B._______ sei hochschwanger gewesen und habe nach E._______ ins Spital gemusst. Sie seien in der Folge von (…) albanisch sprechenden Polizisten der United Nations Inte- rim Administration Mission in Kosovo (UNMIK) angehalten worden. Sie habe (…) bei ihnen warten müssen, weil die Warnblinkanlage eingeschal- tet gewesen sei. Sie habe grosse Angst gehabt und später im Spital eine Beruhigungsspritze erhalten. Das Kind könne nun deshalb seit dem zwe i- ten Lebensmonat morgens die Augen nicht mehr so gut öffnen, weil sie verklebt seien. Im Zusammenhang mit der Erkrankung ihres Sohnes hä t- ten sie ähnliche Probleme mit Polizisten gehabt. Ausserdem sei ihnen i h- re (...) gestohlen worden. B. Mit Verfügung vom 28. April 2009 - eröffnet am 30. April 2009 - stellte das BFM fest, die Vorbringen der Beschwerdeführenden genügten den Anfor- derungen an die Flüchtli ngseigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. Mit Beschwerde vom 24. Mai 2009 (Poststempel) an das Bundesverwal- tungsgericht liessen der Beschwerdeführenden in materieller Hinsicht be- antragen, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben , die Flüchtling s- eigenschaft sei anzuerkennen und auf die Wegweisung sei zu verzichten. In prozessualer Hinsicht ersuch ten sie um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege. D. Mit Zwischenverfügung vom 28. Mai 2009 stellte d er Instruktionsrichter fest, dass die Beschwerdeführenden den Ausgang des Verfahrens in der E-3319/2009 Seite 3 Schweiz abwarten dürfen. Gleichzeitig wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen. E. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 10. Juni 2009 vollum - fänglich an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der B e- schwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsge richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM g e- hört zu den Be hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundes verwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, bei welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundes- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer - deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Ver fügung besond ers berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 52 VwVG); auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-3319/2009 Seite 4 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, so l- chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den fra u- enspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheides aus, in Kosovo sei es in den vergangenen Jahren vereinzelt zu schwer- wiegenden Übergriffen auf Angehöri ge der ethnischen Minderheiten , na- mentlich der Serben, gekommen. Es könne jedoch nicht von allgemeinen Vertreibungen ausgegangen werden. Am 17. Februar 2008 habe Kosovo die Unabhängigkeit erklärt. Gemäss der neuen k osovarischen Verfa s- sung, die am 15. Juni 2008 in Kraft getreten sei, sei auch nach dem St a- tuswechsel eine internationale zivile und militärische Präsenz vorges e- hen. Die am 9. Dezember 2008 offiziell gestartete EULEX -Mission sei formal den Vereinigten Nationen unterstellt und werde unter deren Obe r- hoheit und innerhalb eines staatsneutralen Rahmens geführt. Die EULEX - Mission umfasse Polizisten, Richter, Staatsanwälte und Strafvollzug s- beamte. Die internationalen Sicherheitskräfte sowie die Kosovo Police (KP) würden die Sicherheit garantieren und seien weitgehend in der L a- ge, die ethnischen Minderheiten in Kosovo zu schützen. Bei Übergriffen würden die Sicherheitskräfte regelmässig intervenieren und bei Straftaten gegen Angehörige von Minderheiten würden Ermittlungen aufgenommen. E-3319/2009 Seite 5 Die neue kosovarische Verfassung gestehe den Minderheiten umfasse n- de Rechte zu. Da demnach vom Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch den Heimatstaat auszugehen sei, seien die geltend gemachten Übergriffe im vorliegenden Fall ni cht asylrelevant. Ferner stehe fest, dass zwischen den von den Beschwerdeführenden geltend gema chten Vorfällen aus dem Jahr (…) und ihrer Flucht vom 3. August 2008 kein genügend enger zeitlicher und sachlicher Zusammenhang bestehe. Des Weiteren vermute der Beschwerdeführer A._______ selber, dass die Polizei sie am (…) aus Sicherheitsgründen an der Fahrt zum Arzt nach E._______ gehindert ha- be. Für Serben und serbischsprachige Roma aus den südlichen Bezirken bestehe ausserdem eine innerstaatliche Fluchtaltern ative im Norden K o- sovos. Da die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle n würden, könne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewendet werden. Ferner würden sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ihnen im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung drohen würde. Weder die in Kosovo herrschende politische Situation noch individuelle Gründe würden gegen die Zumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen. In Kosovo habe sich die S i- cherheitslage in den vergangenen Jahren verbessert oder zumindest sta- bilisiert. Die Wahrscheinlichkeit einer konkreten Gefährdung könne jedoch für die Serben, zu deren Ethnie die Beschwerdeführenden gehören wü r- den, ausserhalb ihrer Enklaven weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Für die Serben bestehe grundsätzlich eine Au fenthaltsalternative in Se r- bien. Gemäss serbischer Verfassung von 2006 sei Kosovo nämlich int e- graler Bestandteil Serbiens, weshalb die Serben aus Kosovo auch nach der Unabhängigkeit als serbische Staatsangehörige betrachtet würden, auf den diplomatischen V ertretungen Serbiens in der Schweiz serbische Reisepapiere erhalten und nach Serbien einreisen könnten. Die B e- schwerdeführenden seien jung und gesund, zudem würden sie über eine solide Ausbildung ver fügen. Es könne ihnen zugemutet werden, sich in Serbien eine neue Existenz aufzubauen. Dabei könnten ihnen auch die Verwandten des Beschwerdeführers A._______ behilflich sein. Ausser- dem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch durchführbar. E-3319/2009 Seite 6 3.2 In der Beschwerde w ird der Argumentation der Vorinstanz entge - gengehalten, dass die serbische Bevölkerung in Kosovo seit Jahrzehnten in Angst vor albanischen Übergriffen leben würde. Aufgrund der eing e- schränkten Freiheit und der Diskriminierung würden keine Möglichkeiten bestehen, Arbeit zu finden und eine Existenz aufzubauen. Die Beschwe r- deführenden hätten bis zur Ausreise aus Kosovo im serbischen Dorf F._______ gelebt, welches ausschliesslich von albanisch besiedelten Re- gionen umschlossen sei. Im (…) seien bewaffnete Albaner in die Häuser eingedrungen, die von Serben und anderen Nichtalbanern bewohnt wo r- den seien, hätten die Einwohner belästigt, geschossen und Feuer gelegt. Es habe damals viele Tote gegeben. Am (…) hätten die Beschwerdeführenden ins Spital von E._______ (Ser- bien) gemusst, um das Kind zur Welt zu bringen. Sie seien in der Folge von zwei Polizisten angehalten worden. Diese hätten gesagt, dass der Fahrausweis und die Nummernschilder gefälscht seien. Die Polizisten hätten weiter erklärt, dass man auch ins Spital nach G._______ (Kosovo) gehen könnte, und sie hätten die Beschwerdeführenden erst (…) später weiterfahren lassen. In der Nacht vom (…) sei ihnen ausserdem ihre (...) gestohlen worden. Die Polizei sei der Spur nachgegangen und es habe auch ein Gerichtsverfahren gegeben. Doch Schadenersatz hätten sie bis heute keinen erhalten. Zudem hätten ihnen Albaner gesagt, dass sie hier nichts zu suchen hätten. Als Serben sei es praktisch unmöglich, durch ein albanisches Dorf zu fahren, ohne gedemütigt, beleidigt oder be droht zu werden. Aufgrund des Fehlens eines allgemeinen Rechtsschutzes für ethnische Minderheiten sei es den Beschwerdeführenden weiterhin ve r- unmöglicht, in ihrer Heimat zu leben. Angriffe auf sie von Albanern hätten sie in letzter Zeit nicht bei der Poliz ei gemeldet, da diese sie nicht schü t- ze, sondern nur schikaniere und die Informationen an die Täter weiterg e- be. Sie seien in die Schweiz geflüchtet, weil ihr Leben in der Heimat nicht mehr zu ertragen gewesen sei. Serben hätten aufgrund der Diskrimini e- rung schlechte Chancen, Arbeit zu finden. Gewalt gegen Serben und die restliche nichtalbanische Bevölkerung sei zum Alltag in Kosovo gewo r- den. Internationale Kräfte hätten die ethnischen Minderheiten bis jetzt u n- genügend geschützt. Die kosovarische Verfassung garantiere für deren Angehörige keine Rechte und Freiheit, denn alles was auf Papier g e- schrieben worden sei, werde im täglichen Leben nicht umgesetzt. E-3319/2009 Seite 7 Eine Rückweisung nach Belgrad sei nicht zumutbar, weil die Beschwe r- deführenden dort auch nicht zu Hause s eien. Sie wären wieder nur Flüchtlinge. In Serbien würden sich mehrere hunderttausende Flüchtlinge aus Kroatien, Bosnien und aus Kosovo befinden, welche in unzumutb a- ren Verhältnissen leben würden. Serbien sei nach der Unabhängigkeits- erklärung Kosovos ein fremder Staat mit eigenen Gesetzen. Der Staat sei aufgrund der langjährigen Sanktionen und dem Bombardement durch die North Atlantic Treaty Organization (NATO) nicht in der Lage, die Flüchtlin- ge angemessen zu versorgen. 4. 4.1 Ebenso wie die Vorinstanz geht auch das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass die Beschwerdeführenden zum heutigen Zeitpunkt in ih- rem Heimatland in asylrelevanter Weise nicht gefährdet sind. Die Umschreibung der Verfolgung als ernsthafte Nachteile für die zen t- ralsten Rechtsgüter macht zunächst klar, dass eine gewisse Intensität der Eingriffe für die Anerkennung als Flücht ling vorauszusetzen ist. Während Massnahmen, wie sie in Art. 3 EMRK umschrieben werden (Folter, u n- menschliche und erniedrigende Handlung), die erforderliche Intensi tät ohne weiteres zuzusprechen ist, ist bei geringeren Eingriffen in die g e- nannten Rechtsgüter – wie Freiheitsentzug, Schlägen und sexuellen B e- lästigungen – die physische oder psychische Beeinträchtigung in Relation zu ihrer Dauer und Häufigkeit sowie zu d en gesamten Umständen (unter Einbezug der individuellen Empfindlich - und Verletzlichkeit) zu setzen. Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken, müssen sich demgegenüber nicht gegen eines der drei namentlich aufge- führten Rechtsgüter Leib, Leben und Freiheit richten. Da es aber auch bei diesem Tatbestand um einschneidende Eingriffe gehen muss, sind g e- mäss der von der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) festgelegten und vom Bundesverwaltungsgericht weitergeführten Praxis grundsätzlich hohe Anforderungen an derartige Verfolgungsmas s- nahmen zu stellen: S ie müssen derart ernsthaft und intensiv sein, dass damit dem Betroffenen ein menschenwürdiges Leben verunmöglicht wird (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen As ylrekurskom- mission [EMARK] 1996 Nr. 28). Sodann bedarf es der Aktualität der Ve r- folgungssituation. Massgeblich für die Anerkennung der Flüchtlingseige n- schaft ist der Zeitpunkt des Asylentscheides: Es ist zu prüfen, ob in di e- sem Zeitpunkt die Furcht vor Verfolgung besteht und begründet ist, wobei eine seit der Ausreise eingetretene Veränderung der objektiven Situation E-3319/2009 Seite 8 im Verfolgerstaat zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen sind. Vom Bestehen der begründeten Furcht im Zei t- punkt der Ausreise wird in der Regel ausgegangen, wenn zwischen einer stattgefundenen Verfolgungsmassnahme oder der anderweitigen Kenn t- nisnahme einer Verfolgungsgefahr und der Ausreise ein zeitlicher und sachlicher Zusammenhang besteht. Die Beschwerdeführenden machen im Wesentlichen geltend, die serb i- sche Minderheit werde in Kosovo von den Albanern diskriminiert, beleidigt und bedroht. In diesem Zusammenhang erwähnen sie insbesondere, dass sie von Polizisten auf dem Weg ins Spital von E._______ (…) auf- gehalten worden seien und dass kurz darauf ihre (...) gestohlen worden sei. Diesbezüglich ist einerseits festzuhalten, dass diese Vorfälle alleine für sich aufgrund der fehlenden Intensität nicht geeignet sind, die Flüch t- lingseigenschaft der Beschwerdeführenden zu begründen. Wie das BFM in der angefochtenen Verfügung andererseits zu Recht feststellt, datieren die obgenannten Vorkomnisse aus dem (…) beziehungsweise (…), also (…) vor der Ausreise. Demzufolge fehlt es auch am erforderliche n Kau- salzusammenhang. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die ausführlichen und z u- treffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen wer- den. 4.2 Das BFM hat somit das Asylgesuch der Beschwerdeführenden zu Recht abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E.9; EMARK 2001 Nr. 21). E-3319/2009 Seite 9 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf nahme von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge - zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30 ]). Gemäss Art. 25 Ab s. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über - einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau - same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da rauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich er hebliche Gefährdung nachzuwe i- sen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prin- zip des flüchtlingsrechtl ichen Non-Refoulements im vorliegenden Verfa h- ren keine Anwend ung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden nach Kosovo ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmä s- sig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführen- den noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Kosovo dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer E-3319/2009 Seite 10 nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be handlung ausgesetzt wäre n. Gemäss Praxis des Euro päischen Ge richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine kon krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschie- bung Folter oder unmenschliche Behand lung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, B e- schwerde Nr. 37201/06, §§ 124 bis 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssi tuation in Kosovo lässt den We g- weisungsvollzug zum heutige n Zeitpunkt vorliegend nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung mithin sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinn en und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Neben den im Gesetz be i- spielhaft aufgezählten Faktoren können namentlich auch die fehlenden oder mangelhaften medizinischen Behandlungsmöglichkeiten, die Beei n- trächtigung des Kindeswohls bei minderjährigen Gesuchstellern oder eine Kombination von Faktoren wie Alter, Beeinträchtigung der Gesundheit, fehlendes Beziehun gsnetz, schlechte Aussichten für das wirtschaftliche Fortkommen von Bedeutung sein, immer vorausgesetzt, dass sie zu einer konkreten Gefährdung führen. Wird eine solche festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Auslä n- der vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). Zwar ist den Ausführungen in der Beschwerde insofern beizupflichten, als ethnische Serben in Kosovo teilweise schikaniert und diskriminiert w er- den. Jedoch kann offen bleiben, ob der Vollzug für die Beschwerdefü h- renden nach Kosovo zumutbar ist. Schliesslich hat das Bundesverwa l- tungsgericht in seinem Urteil BVGE 2010/41 festgestellt, dass der Vollzug der Wegweisung von ethnischen Serben mit letzt em Wohnsitz in Kosovo nach Serbien grundsätzlich zumutbar ist. Individuelle Gründe, welche ge- gen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs dorthin sprechen wü r- den, sind keine ersichtlich. Wie das Bundesamt in der angefochtenen Verfügung zu Recht feststellt, handelt es sich bei den Beschwerdeführen- den um ein junges und gesundes Paar, welches über eine solide Ausbi l-E-3319/2009 Seite 11 dung als (…) mit (…) verfügt. In Serbien leben ausserdem zwei Tanten des Beschwerdeführers A._______, welche ihnen bei einer Integration behilflich sein können. Sind Kinder von einem Wegw eisungsvollzug betroffen, so bil det im Ra h- men der Zumutbarkeitsprüfung das Kindswohl einen Gesichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völker - rechtskonformen Auslegung des Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (SR 0.107). Demzufolge sind unter dem Aspekt des Kind s- wohls sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hi n- blick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen (vgl. EMARK 1998 Nr. 13 E. 5e.aa S. 98 f.). In Bezug auf das Kindswohl ist insbesondere die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Re integration im Heimatland als gewich- tiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem ei n- mal vertrauten Umfeld wieder herausgerissen werden sollten. Die Ve r- wurzelung in der Schweiz kann demnach eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges ha ben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz mithin eine Entwurzelung im Heima t- staat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dor t- hin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. EMARK 1998 Nr. 31 E. 8c.ff.ccc S. 260 f.). Vorliegend ist di esbezüglich festzuhalten, dass die Familie seit dem Jahre 2008 in der Schweiz wohnt und dass die Kinder (…) und (…) alt sind. Demzufolge sind sie noch nicht in einem Alter, in welchem sie sich hinsichtlic h ihrem Wohnumfeld und den Freizeitaktivitäten in de r Schweiz bereits derart verwurzelt hätten, dass der Vollzug der Wegwe i- sung als unzumutbar bezeichnet werden müsste. Ein soziales und schuli- sches Umfeld konnten sie sich in den drei Jahren, während derer sie nun in der Schweiz leben, aufgrund ihres Alters noch nicht aufbauen. 6.4 Schliesslich ob liegt es den Beschwerdeführenden, sich nötigenfalls bei der zuständigen Vertretung Serbiens die für eine Rückkehr not wendi- gen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, zumutbar E-3319/2009 Seite 12 und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vo r- läufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwe r- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahr ens wären die Kosten an sich den Be- schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Nachdem aber das Gesuch um Gewährung der unentgelt lichen Rechtspflege mit Zwischenverfügung vom 28. Mai 2009 gutgeheissen worden ist, ist pr a- xisgemäss auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten (Art. 65 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-3319/2009 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, an das BFM und an das Amt für Migration des Kantons H._______. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Jonas Tschan Versand: