B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5350/2014 U r t e i l v o m 2 8 . D e z e m b e r 2 0 1 6 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Sylvie Cossy, Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Monique Bremi, Beratungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), vormals Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des BFM vom 18. August 2014 / N (…). E-5350/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Be schwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 12. Juni 2012 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. B. Er wurde am 20. Juni 2012 zu seiner Person und zum Reiseweg befragt (Befragung zur Person [BzP]). Er brachte vor, er sei kurdischer Syrer, stamme aus B._______ (Provinz Aleppo) und habe seit drei bis vier Jahren vor seiner Ausreise mit seinen Eltern und Geschwistern in Aleppo gelebt. Er habe keinen Beruf erlernt, aber als (…) gearbeitet. Er habe am 5. Mai 2012 sein Heimatland verlassen und sei auf dem Land- und Seeweg in die Schweiz gelangt. C. Nach Durchführung und rechtskräftigem Abschluss (Urteil des Bundesver- waltungsgerichts E-4866/2012 vom 23. Oktober 2012) eines Dublin-Ver- fahrens mit Wegweisung nach Italien wurde mit Verfügung des BFM vom 27. Mai 2013 das nationale Asylverfahren in der Schweiz wegen abgelau- fener Überstellungsfrist wieder aufgenommen. D. Die eingehende Anhörung des Beschwerdeführers zu den Gründen des Asylgesuches fand am 9. Juli 2014 statt. Dabei machte er im Wesentlichen Folgendes geltend. Sein Vater sei früher für die PKK (Partiya Karkeren Kurdistan) politisch ak- tiv gewesen und habe nach deren Gründung die PYD (Partiya Yekitiya De- mokrat [Partei der Demokratischen Union]) unterstützt, wobei er als poli- tisch bekannte Person gegolten habe. Der Beschwerdeführer habe PKK - Flaggen genäht und an Demonstrationen teilgenommen. Im März 2007 sei er anlässlich der Newroz -Kundgebung von der Polizei festgenommen, befragt und gefoltert w orden (unter anderem Ausreissen der Nägel der grossen Zehen). Nach einer Nacht Haft sei er mit Hilfe seines Vaters und durch Bestechung von Beamten freigekommen. Er habe vom 1. Juli 2007 bis zum 1. Juni 2009 in Damaskus seinen Militär- dienst geleistet. Anlässlich des Newrozfestes im Jahre 2008 habe er sich unerlaubt vom Militärdienst entfernt. Dafür sei er mit drei Monaten Haft be-E-5350/2014 Seite 3 straft worden. Wegen seiner kurdischen Abstammung sei er im Militär- dienst von seinem Vorgesetzten schikaniert und geschlagen worde n. Mit Hilfe einer militärischen Mittels person, mit der sein Vater (auch unter Vergabe von Geschenken) Kontakt aufgenommen habe, habe er sich in eine andere Abteilung verlegen lassen können. Drei bis vier Monate nach Beginn der Revolution in Syrien sei er auf Anra- ten seines Vaters im Juli 2011 aus seinem Heimatland ausgereist. Die un- terschiedliche Zeitangabe für die Ausreise bei der BzP müsse auf einem Missverständnis beruhen. Anlässlich der Anhörung vom 9. Juli 2014 brachte er weiter vor, sein Vater sei am 20. November 2013 von Leuten der ISIS (Islamischer Staat in Irak und in Syrien)-Miliz auf offener Strasse getötet worden. Ihm sei der Füh- rerschein, Wertsachen und das Mobiltelefon geraubt worden. Von diesem Mobiltelefon aus hätten die Täter die Nummer seines Mobiltelefons, das er in Syrien zurückgelassen habe, aufgerufen. Sein Bruder habe den Anruf entgegengenommen und es sei ihm mitgeteilt worden, sein Vater hätte ei- nen Unfall erlitten. Zwei Monate vor diesem Ereignis habe die alte Kontaktperson aus de m Militär seinem Vater telefonisch mitgeteilt, er oder sein Bruder müsste sich zum militärischen Reservedienst melden. Eine Reservistenkarte habe er jedoch nicht erhalten und es sei auch unklar, ob das telefonische Aufgebot zum Reservedienst aus Spass oder ernst gemeint gewesen sei. E. Mit Verfügung vom 18. August 2014 (Eröffnung am 20. August 2014) stellte das BF M fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und schob den Vollzug der Wegweisung wegen derzeitiger Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz auf. F. Mit Rechtsmitteleingabe vom 18. September 2014 (Poststempel 19. Sep- tember 2014) beantragte der Beschwerdeführer, den angefochtenen Ent- scheid des BFM vom 18. August 2014 aufzuheben, festzustellen, dass er die Flüchtlingseigenschaft erfülle, und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Sache zur hinreichenden Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes an die E-5350/2014 Seite 4 Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte er, es sei ihm in der Person seiner Rechtsvertreterin eine unentgeltliche Rechtsbei- ständin beizuordnen, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Hierzu brachte er vor, er sei (zwar) e rwerbstätig, sein Lohn reiche jedoch nicht, um die Kosten eines Beschwerdeverfahrens zu tragen, und er werde einen Nachweis seiner finanziellen Verhältnisse nachreichen. G. Mit Schreiben vom 24. September 2014 bestätigte das Bundesverwal- tungsgericht den Eingang der Beschwerde. H. Mit Eingabe vom 10. Oktober 2014 reichte der Beschwerdeführer einen Arbeitsvertrag sowie die Lohnabrechnung vom September 2014 zu den Akten. I. Mit Zwischenverfügung vom 17. Oktober 2014 hiess das Bundesv erwal- tungsgericht die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege und um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gut und verzichtet e auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Dem Beschwerdeführer wurde seine Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Die Vorinstanz wurd e ersucht, innert Frist eine Vernehmlassung einzu- reichen. J. Mit Vernehmlassung vom 24. Oktober 2014 äusserte sich die Vorinstanz zu den Beschwerdevorbringen. K. Mit Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 30. Oktober 2014 wurde dem Beschwerdeführer Gelegenheit eingeräumt, zur Vernehmlas- sung der Vorinstanz Stellung zu nehmen. L. Mit Eingabe vom 14. November 2014 reichte der Beschwerdeführer eine Replik zu den Akten. Der Replikschrift wurden ein ärztliches Zeugnis vom 25. September 2014 und ein Papier der Schweizerischen Flüchtlingshilfe E-5350/2014 Seite 5 (SFH) betreffend „Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse vom 15. Sep- tember 2014 zu Syrien: PYD, Obligatorischer Militärdienst und Grenzkon- trolle“ beigelegt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM (vormals BFM) gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vor - instanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die be- schwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entschei- det. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Be - schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im E-5350/2014 Seite 6 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgeset zt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Die Flüchtlingseigenschaft im soeben umschriebenen Sinne erfüllt eine asylsuchende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungs- motive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Ak- teure zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland keinen adä quaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2011/51 E. 6.1; 2008/12 E. 7.2.6.2; 2008/4 E. 5.2). Aus- gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün- deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asyle nt- scheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol- gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zu- gunsten und zulasten der das Asylgesuch ste llenden Person zu berück- sichtigen (vgl. BVGE 2013/21 E. 9.2; 2013/11 E. 5.1; 2011/51 E. 6.1; 2008/34 E. 7.1; 2008/12 E. 5.2; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Ru- din/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht , 2. Aufl. 2009, Rz. 11.17 f.). Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur An- nahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit ver- wirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit eben- solcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen kon- krete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten Verfolgung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2). E-5350/2014 Seite 7 3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung zu den wesent- lichen Vorbringen des Beschwerdeführers und zur Begründung der Ableh- nung des Asylgesuches aus: Gemäss konstanter schweizerischer Asylpraxis setze der Begriff der Flüchtlingseigenschaft einen in zeitlicher und sachlicher Hinsicht genügend engen Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht voraus. Die Verhaftung im Jahre 2007 und die drei Monate Haft im Jahre 2008 könnten nicht als kausal für die Ausreise im Jahre 2011 oder 2012 angesehen wer- den. Die geltend gemachten rassistisch motivierten Ereignisse während des ge- leisteten Militärdienstes (Schikanen und Schläge durch den Vorgesetzten) würden nicht die von Art. 3 AsylG geforderte Intensität aufweisen, die ein menschenwürdiges Leben in Syrien verunmöglicht oder in unzumutbarer Weise erschwert hätten, weshalb diese nicht asylrelevant seien. Der Be- schwerdeführer habe selbst ausgesagt, er habe sich di esen Diskriminie- rungen im Militär durch eine ermöglichte Verlegung in eine andere Abtei- lung entziehen können. Zudem könnten auch diese Behelligungen nicht als kausal für die Ausreise des Beschwerdeführers aus dem Heimatland an- gesehen werden. Im Weiteren fehle es den Schilderungen bezüglich des geltend gemachten verlangten Einrückens in den militärischen Reservedienst an Substanz. Die Vertrauensperson im Militär habe den Vater des Beschwerdeführers telefonisch aufgefordert, der Beschwerdeführer oder sein Bruder hätten als Reservisten einzurücken. Dabei hätten sie nicht gewusst, ob die Aufforde- rung ernst oder aus Spass gemeint gewesen sei. Zudem würde die Schil- derung den üblichen Wegen zum Aufgebot für den Reservedienst wider- sprechen und sei demnach unglaubhaft. E-5350/2014 Seite 8 Schliesslich erwog die Vorinstanz, die bedauerlichen Ereignisse rund um den Tod des Vaters des Beschwerdeführers vermöchten keine Asylrele- vanz zu entfalten. Insgesamt würden die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderun- gen an die Flüchtlingseigens chaft gemäss Art. 3 und Art. 7 AsylG nicht standhalten. 4.2 In der Beschwerdeschrift wurde im Wesentlichen vorgebracht, vor dem Hintergrund vorliegender Berichte über die Menschenrechtslage und der Gefährdungsprofile sei die Einschätzung der Vorinstanz, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die Flüchtlingsei- genschaft nicht standhalten, nicht halt bar. In grundsätzlicher Hinsicht be- ruft sich der Beschwerdeführer dabei auf die Position des UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) und verweist auf die „Internati- onal Protection Considerations with regard to people fleeing the Syrian Arab Republic“, Update II, vom 22. Oktober 2013 und auf die vom UNHCR definierten spezifischen Risikoprofile. Im Weiteren unterlegt er seinen je- weiligen Vorbringen Berichte verschiedener öffentlich zugänglicher Medien und im Bereich des Flüchtlingswesens beschäf tigter Organisationen und Institutionen zu Teilbereichen der allgemeinen Situation im vorwiegend von Kurden besiedelten Gebiet Syriens. Bezüglich der Berichte im Einzelnen kann auf die Beschwerdeschrift verwiesen werden. Der Beschwerdeführer machte vorab eine persönliche Gefährdung durch die IS (Islamischer Staat)-Milizen geltend. Sein Vater sei einer willkürlichen Exekution durch den ISIS zum Opfer gefallen. Sein Name und der Name seines Bruders seien den betreffenden Tätern bekannt, da sie im geraub- ten Mobiltelefon des Vaters gespeichert gewesen seien und die Täter auf sein syrisches Mobiltelefon angerufen hätten. Nebst der Situation allgemei- ner Gewalt, die für ihn im Falle einer Rückkehr infolge der spezifischen Entwicklung in Syrien mit Sicherheit als fl üchtlingsrelevant einzuschätzen sei (UNHCR Risikoprofile), komme das zusätzliche konkrete Risiko dazu, Sohn eines politisch aktiven Kurden zu sein, welcher aufgrund seiner poli- tischen Sympathien durch den ISIS ermordet worden sei. Dies bilde eine erhöhte persönliche und zielgerichtete Gefährdung, die flüchtlingsrelevant sei. Entgegen der Ansicht des BFM sei die Ermordung des Vaters asylre- levant, da sie seine Gefährdung im Falle einer Wegweisung nach Syrien offenkundig deutlich aufzeige, sowohl im Sinne zukünftig zu befürchtender ernsthafter Nachteile wie im Sinne eines unerträglichen psychischen Dru- ckes. E-5350/2014 Seite 9 Im Weiteren brachte der Beschwerdeführer vor, die durch den PYD einge- führte Wehrpflicht dürfte für Kurden, die ebenfalls als Reservisten einberu- fen werden könnten (wie dies für ihn zutreffe), ein erhöhtes Gefährdungs- risiko bedeuten. Auch wenn er sich nicht sicher sei, ob die Mitteilung (der militärischen Ver- trauensperson) an seinen Vater, einen der beiden Söhne als R eservisten einberufen zu wollen, ernst gemeint gewesen sei oder nicht, sei zudem eine Einberufung von Reservisten durch die syrische Armee angesichts der Bürgerkriegsentwicklung jederzeit möglich. Unter dem Titel „Zur Flüchtlingseigenschaft“ hob der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe die Position des UNHCR in „International Protec- tion Considerations with regard to people fleeing the Syrian Arab Republic“, Update II, vom 22. Oktober 2013, Punkt 14 hervor und schloss daraus, da die Verfolgungsgefahr bereits einsetze, wenn eine Person von einer der Konfliktparteien als mögliche/r Sympathisant/in einer der anderen Konflikt- parteien wahrgenommen werde, sei die reale und konkrete Verfolgungsge- fahr omnipräsent. Die Wahrnehmung könne aufgrund des Wohnortes in ei- nem Dorf oder Quartier, der Ethnie, einer Aussage, einer Abwesenheit oder irgendeines Zufalles berechtigter - oder unberechtigterweise erfolgen und sei somit absolut willkürlich . Daher sei die Gefährdung seiner Person im Falle einer Wegweisung als „real risk“ im Sinne des Asylgesetzes zu defi- nieren. In diesem Zusammenhang verwies der Beschwerdeführer speziell auch auf die vom UNHCR definierten spezifischen Risikoprofile. Schliesslich hielt der Beschwerdeführer der Erwägung in der angefochte- nen Verfügung, wonach die Verhaftung im Jahre 2007 und die drei Monate Haft im Jahre 2008 nicht als kausal für die Ausreise im Jahre 2011 oder 2012 angesehen werden könnten, entgegen, die Vorinstanz habe nicht in die Beweiswürdigung miteinbezogen, dass er in der Untersuchungshaft (vom Jahre 2007) gefoltert worden sei. Hierzu verwies der Beschwerdefüh- rer auf je eine Passage aus zwei Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts. 4.3 In der Vernehmlassung entgegnete die Vorinstanz im Wesentlichen , der Beschwerdeführer sei erst vier Jahre nach seiner Nacht in Untersu- chungshaft im Jahre 2007 ausge reist, weshalb die Aktualität der Verfol- gung nicht gegeben sei, beziehungsweise die Kausalität zwischen der Haft und der Ausreise auch unter Berücksichtigung der Folter – sofern diese Aussage denn der Wahrheit entspreche – verneint werden müsse. Es E-5350/2014 Seite 10 bleibe darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer, nach seinen Aus- reisegründen befragt, als Erstes angegeben habe, ausgereist zu sein, weil die Unruhen in Daraa angefangen hätten, Leute getötet worden seien und der Vater ihm geraten habe, auszureisen, um eine bessere Zukunft zu ha- ben. Die Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers hielten den Anforderun- gen an Art. 3 AsylG nicht stand. Demnach sei zu prüfen, ob bei einer Rückkehr nach Syrien für den Be- schwerdeführer begründete Furcht vor Verfolgung bestehen würde. Der Beschwerdeführer sehe einen Zusammenhang zwischen dem Tod seines Vaters und dessen politischen Aktivitäten. Dies seien jedoch Mutmassun- gen. Es sei nicht ersichtlich, dass der Vater aus politischen Motiven getötet worden sei, vielmehr könne er auch den allgemeinen Wirren des Krieges zum Opfer gefallen sein. Der Beschwerdeführer selber weise kein speziel- les politisches Profil auf. Insgesamt könne nicht davon ausgegangen wer- den, dass er bei einer Rückkehr nach Syrien gefährdeter wäre als jeder andere Kurde, der nach wie vor im Konfliktgebiet lebe. Der Beschwerdeführer mache weiter geltend, es bestünde das Risiko, von der einen oder anderen Konfliktpartei bei einer Rückkehr rekrutiert zu wer- den. Die blosse Furcht , von der einen oder anderen Partei rekrutiert zu werden, reiche nicht aus, die Anforderungen an Art. 3 AsylG zu erfüllen. Es brauche vielmehr einen direkten Kontakt zu den Behörden im Zusammen- hang mit den militärischen Aufgeboten. Das Aufgebot durch die syrische Armee sei schon im Entscheid des BFM vom 18. August 2014 in Zweifel gezogen worden. Das telefonische Aufgebot zum Reservedienst oder bes- ser gesagt die Vorwarnung durch einen Freund der Familie könne nicht geglaubt werden. Zudem könne der Beschwerdeführer aus der allgemei- nen Wehrpflicht durch die PYD in den kurdisch kontrollierten Gebieten keine Gefährdung ableiten. Dass er irgendwann einmal von der PYD re- krutiert werden könnte, sei zu wenig konkret und reiche nicht aus, um die Flüchtlingseigenschaft zu begründen. In einer Gesamtwürdigung der Situation könne nicht davon ausgegangen werden, dass für den B eschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Syrien eine begründete Furcht vor Verfolgung bestehe. 4.4 In der Replik nahm der Beschwerdeführer vorab Stellung zur Einschät- zung der Vorinstanz, wonach der Umstand, dass er irgendwann einmal von der PYD rekrutiert werden könnte, zu wenig konkret sei und nicht ausrei- che, um die Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Hierzu reichte er das E-5350/2014 Seite 11 Papier der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) „Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse vom 15. September 2014 zu Syrien: PDY , Obligatori- scher Militärdienst und Grenzkontrolle“ zu den Akten und verweist zudem auf verschiedene Berichte zu diesem Thema. Dabei macht der Beschwer- deführer geltend, die PYD versuche, ihre Armee, die YPG (Yekîneyên Pa- rastina Gel ), zu institutionalisieren und es ge be klare Bericht e über Zwangsrekrutierungen. Weiter sei unter diesem Gesichtspunkt zu sehen, dass die Kurden die ein- zige wirkliche militärische Opposition zum IS auf dem Boden bilde n wür- den. Es sei entgegen der Ansicht der Vorinstanz auch nicht so, dass für die konkrete Bedrohung seitens des IS ein besonderes politisches Profil vo r- ausgesetzt sei. Im Gegenteil handle es sich zu einem überwiegenden Teil um religiöse, ethnische und geschlechtsspezifische Risikoprofil e und der Vorwurf (gegenüber dem IS) der B egehung von Genoziden, von Verbre- chen gegen die Menschlichkeit und von Kriegsverbrechen seien an Men- schen begangen worden, die zum überwiegenden T eil ein sogenanntes niedriges politisches Profil aufweisen würden. Der Beschwerdeführer hob – wie in der Rechtsmitteleingabe – erneut her- vor, aufgrund seiner persönlichen Umstände sei seine Gefährdung auch individuell. Angesichts der bekannten Fronten im Krieg gegen den IS sei weiter klar, dass Kurden und PKK-Sympathisanten von mehreren Seiten her gefährdet seien. Abschliessend bekräftigt e der Beschwerdeführer seine Sichtweise, wo- nach nebst der früheren Haft und Folter die Ermordung des Vaters ein wei- teres Element bilden würde, das zumindest einen unerträglichen psychi- schen Druck im Fall der Wegweisung bewirken würde. Mit der Replik reichte der Beschwerdeführer ein ärztliches Zeugnis vom 25. September 2014 zu den Akten. Darin wird als Befundaufnahme eine deutliche Nagelveränderung an beiden Grosszehen (Nägel verdickt, dun- kel verfärbt und matt und auf Druck leicht druckdolent) und eine deutliche Druckdolenz im Bereich der 4. Rippe rechts beschrieben. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach der Prüfung der Akten zum Schluss, dass die Vorinstanz im Ergebnis zu Recht die Flüchtlingsei- genschaft des Beschwerdeführers nicht anerkannte und sein Asylgesuch E-5350/2014 Seite 12 ablehnte. Sie hat die rechtlichen Überlegungen, weshalb einerseits die gel- tend gemachten Ereignisse vor seiner Ausreise aus dem Heimatland (Vor- fluchtgründe) flüchtlingsrechtlich nicht relevant erscheinen und anderseits die vorgebrachten Sachverhalte, die in die Zeit nach seiner Ausreise fallen, keine begründete Furcht zu entfalten vermögen, bei einer Rückkehr in sein Heimatland ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu werden, in den wesentli- chen Aspekten in schlüssiger Weise aufgezeigt. 5.2 Der Vorinstanz ist darin zu folgen, dass gemäss konstanter schweize- rischer Asylpraxis der Begriff der Flüchtlingseigenschaft einen in zeitlicher und sachlicher Hinsicht genügend engen Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht vorauss etzt. Die während der Verhaftung im März 2007 erlittenen Misshandlungen und die drei Monate Haft im Jahre 2008 sowie die geltend gemachten rassistisch motivierten Ereignisse während dem geleisteten Militärdienst können nicht als kausal für die Ausreise aus seinem Heimatland vom 8. Juli 2011 (Akten BFM A33/19 F99) angesehen werden. Spätesten ab der Beendigung sei ner Militärdienstpflicht vom 1. Juni 2009 (A33/19 F90) machte der Beschwerdeführer keine persönli- che Behelligung in seinem Heimatland in irgendwelcher Form geltend. Zu- dem ist der rechtlichen Würdigung der Vorinstanz zu folgen, wonach die geltend gemachten rassistisch motivierten Ereignisse während des geleis- teten Militärdienst es (Schikanen und Schläge durch den Vorgesetzten) nicht die von Art. 3 AsylG geforderte Intensität aufweisen. In der angefoch- tenen Verfügung wurde in diesem Zusammenhang zu Recht festgestellt, dass sich der Beschwerdeführer gemäss eigenen Aussagen diesen Diskri- minierungen im Militär durch eine ermöglichte Verlegung in eine andere Abteilung auch hat entziehen können. Im Weiteren wies die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung richtigerweise darauf hin, dass der Beschwerdefüh- rer, nach seinen Ausreisegründen befragt, angegeben hat , ausgereist zu sein, weil die Unruhen in Daraa angefangen hätten, Leute getötet worden seien und der Vater ihm geraten habe, auszureisen, um eine bessere Zu- kunft zu haben (A33/19 F57). Zudem bekräftigte der Beschwerdeführer im Verlaufe der Anhörung als eigentliches Ausreisemotiv, er habe aufgrund des begonnenen Krieges in Daraa nicht mehr in Syrien bleiben können (A33/19 F105). Die früher erlittenen Nachteile können vorliegend nicht als Grund für die Ausreise gelten. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, inwiefern der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise a us dem Heimatland die Anforderungen an Art. 3 AsylG erfüll t hätte. Die diesbezüglichen Ein- wände in der Beschwerdeschrift sind flüchtlingsrechtlich nicht stichhaltig. Daran vermag auch das eingereichte ärztliche Zeugnis vom 25. September 2014 nichts zu ändern. E-5350/2014 Seite 13 5.3 Entgegen der Einschätzung in der Beschwerdeschrift, wonach die Si- tuation allgemeiner Gewalt, die für den Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr infolge der spezifischen Entwicklung in Syrien mit Sicherheit als flüchtlingsrelevant einzuschätzen sei (UNHCR Risikoprofile), ist festzuhal- ten, dass nicht auszuschliessen ist, der Beschwerdeführer könnte zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklung in Syrien in seinem Heimat- staat – wie alle Bewohner der entsprechenden Konfliktregionen – gefähr- det sein. Indessen ist eine solche Gefährdungslage ausschliesslich unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AuG (SR 142.20) einzuordnen, wonach der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein kann, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bür- gerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Syrien im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG wurde durch die Vorinstanz mit der Anord- nung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs Rechnung getragen. 5.4 Als zentraler Aspekt wu rde in der Rechtsmitteleingabe hervorgestri- chen, für den Beschwerdeführer komme das zusätzliche konkrete Risiko dazu, Sohn eines politisch aktiven Kurden zu sein, welcher aufgrund seiner politischen Sympathien durch den ISIS ermordet worden sei. Dies bilde eine erhöhte persönliche und zielgerichtete Gefährdung, die flüchtlingsre- levant sei, sowohl im Sinne zukünftig zu befürchtender ernsthafter Nach- teile wie im Sinne eines unerträglichen psychischen Druckes. In der Replik bekräftigte er abschliessend seine Sichtweise, wonach nebst der früheren Haft und Folter die Ermordung des Vaters ein weiteres Element bilden würde, das zumindest einen unerträglichen psychischen Druck im Fall der Wegweisung bewirken würde. Dieser Befürchtung kann in objektiver Hin- sicht nicht gefolgt werden. Begründete Furcht vor künftiger Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, dass sich die Verfolgung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirkli- chen wird. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwar- teten – und aus einem der vom Gesetz abschliessend aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und somit die Furcht da- vor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2). Auch wenn bei der Beurteilung der begründeten Furcht vor Verfolgung neben der o bjektiven eine subjektive Komponente zu be- rücksichtigen ist (vgl. BVGE 2010/57 E . 2.5) und beide Merkmal e unab- dingbar sind (vgl. u.a. UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien zur E-5350/2014 Seite 14 Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, 1979, Neuauflage: UNHCR Öster- reich 2003, Rz. 37 ff.; WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel und Frankfurt a.M. 1990, S. 137; anderer Meinung: HATHAWAY/HICKS, Is there a Subjective Element in the Refugee Convention's Requirement of 'Well-Founded Fear'?, in: Michigan Journal of International Law Vol . 26, Nr. 2 (2005), S. 505 ff.), muss die subjektive Furcht vor Verfolgung auch objektiv begründet sein, das heisst sie muss angesichts der tatsächlichen Situation gerechtfertigt erscheinen. Vorliegend ist vernünftigerweise nicht zu erwarten, dass der Beschwerdeführer aktuell oder in absehbarer Zeit mit erheblicher Wahrscheinlichkeit gezielt im Fokus des IS stehen würde. Dem Beschwerdeführer ist insoweit zuzustimmen, als insbesondere das Vorgehen des IS gegenüber ihm unliebsamen Personen auch ohne spezi- elles Profil unberechenbar und willkürlich ist. Dies kann jedoch jedwelche Person treffen, die sich nicht der Gesinnung des IS unterwirft. Eine gezielte Gefahr bestünde allenfalls gegenüber Personen, die aufgrund ihrer Stel- lung oder Exponi ertheit ein spezielles Augenmerk de s IS erregt hätte n. Dies ist beim Beschwerdeführer nicht der Fall, es fehlt an der Gezieltheit einer konkreten individuellen Gefährdung, was im vorliegenden Zusam- menhang die subjektive Furcht deutlich und massgeblich in d en Hinter- grund zu rücken vermag. 5.5 Der Beschwerdeführer kann aus der allgemeinen abstrakten Gefähr- dung denn auch keinen in objektiver Hinsicht zu rechtfertigenden unerträg- lichen psychischen Druck ableiten. Mit dem Begriff des unerträglichen psy- chischen Drucks sollte im Gesetz nicht ein Auffangtatbestand geschaffen werden, um auch weniger intensive Eingriffe in Leib, Leben oder Freiheit asylrechtlich anzuerkennen. Vielmehr soll diese Formulierung erlauben, auch Massnahmen zu erfassen, die sich nicht unmit telbar gegen die Rechtsgüter Leib, Leben oder Freiheit richten, sondern auf andere Weise ein menschenwürdiges Leben verunmöglichen. Diese Massnahmen sind eine Kategorie der gesetzlich definierten „ernsthaften Nachteile“ und es muss demnach ebenso eine begründete Furcht gegeben sein, diesen Mas- snahmen ausgesetzt zu werden. Dies ist vorliegend, wie festgestellt, nicht der Fall. 5.6 Hinsichtlich der drohenden Rekrutierung durch die YPG – deren Glaub- haftigkeit offenbleiben kann – ist zunächst festzuhalten, dass es in jenen Gebieten Nordsyriens, die durch die syrisch-kurdische Partei PYD und de- ren bewaffnete Organisation YPG kontrolliert werden, seit einiger Zeit Be- strebungen seitens dieser Organisationen zur Rekrutierung von Kämpfern gibt. Im Juli 2014 sollen die YP G eine militärische Wehrpflicht deklariert E-5350/2014 Seite 15 haben (hierzu zwei asylrechtliche Koordinationsentscheide des Bundes- verwaltungsgerichts in Bezug auf die Situation in Syrien, BVGE 2015/3 E. 6.7.5.3 sowie das Urteil D -5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.9.3 [letzteres als Referenzurteil publiziert], beide mit weiteren Nachweisen). Jedoch ist nach geltender Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge- richts die Gefahr einer asylrelevanten Verfolgung – d.h. die Gefahr ernst- hafter Nachteile – für Personen, die sich einer Rekrutierung beziehungs- weise der Teilnahme am bewaffneten Kampf der YPG verweigern, im ge- genwärtigen Zeitpunkt zu verneinen (vgl. zum Folgenden das Urteil D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.3 [als Referenzurteil publiziert], mit weiteren Nachweisen). Demnach liegen zum heutigen Zeitpunkt keine kon- kreten Hinweise dafür vor, die YPG würden Personen, welche die Teil- nahme am bewaffneten Kampf der Organisation ablehnen, als Verräter an der kurdischen Sache betrachten, die einer politisch motivierten unverhält- nismässigen Bestrafung zugeführt würden. Das Gericht geht somit davon aus, dass in den von der PYD und den YPG kontrollierten Gebieten Nord- syriens zwar Aufforderungen zur Wahrnehmung der Dienstpflicht ergehen, eine Weigerung zum heutigen Zeitpunkt jedoch keine asylrelevanten Sank- tionen nach sich zieht. Die Frage, ob es sich bei der von der PYD in den von ihr kontrollierten Gebieten eingeführten Wehrpflicht um eine quasi - staatlich legitimierte Massnahme zwecks Verteidigung des kurdischen Ter- ritoriums handelt, kann insofern offen bleiben. Ebenfalls kann offen bleiben, ob eine drohende Bestrafung wegen Verweigerung des militärischen Diensts bei den YPG, welche weder aus asylrechtlich relevanten Gründen verhängt noch unverhältnismässig streng ausfallen würde, mangels eines asylrelevanten Verfolgungsmotivs allenfalls unter dem Aspekt der Unzuläs- sigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs be- achtlich wäre. Dieser Gesichtspunkt ist, nachdem mit der angefochtenen Verfügung die vorläufige Au fnahme angeordnet wurde, im vorliegenden Fall nicht Prozessgegenstand. 5.7 In der Beschwerde wird vorgebracht, eine Einberufung von Reservisten durch die syrische Armee sei angesichts der Bürgerkriegsentwicklung je- derzeit möglich. Diese b losse Möglichkeit, in den Reservedienst der syri- schen Armee einberufen zu werden , vermag den Anforderungen nach Art. 3 Asyl offensichtlich nicht zu genügen (vgl. etwa Urteil des BVGer D-6975/2014 vom 29. April 2016 E. 4.5). 5.8 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. E-5350/2014 Seite 16 6. 6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. Aus diesen Erwägungen erg ibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be - schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 8.2 Nachdem das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 17. Okto- ber 2014 das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege samt unentgeltlicher Rechtsverbeiständung gutgeheissen hat, ist auf die Erhebung von Verfah- renskosten zu verzichten. Eine Parteientschädigung zulasten der Vor - instanz gemäss Art. 64 VwVG ist beim vorlieg enden Verfahrensausgang nicht zuzusprechen. Das Honorar der amtlichen Rechtsbeiständin ist somit durch die Gerichts- kasse zu vergüten. Die Rechtsbeiständin hat keine Kostennote eingereicht, weshalb der notwendige Vertretungsaufwand für das vorliegende Be- schwerdeverfahren aufgrund der Akten zu bestimmen ist (Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Unter Be- rücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 7 ff. VGKE), der Stundenansätze für beigeordnete Rechtsbeistände gemäss Art. 110a AsylG (praxisgemäss Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht Anwältinnen und An- wälte) und der Entschädigungspraxis in Vergleichsfällen wird das Honorar auf insgesamt Fr. 1'000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) be- stimmt und durch die Gerichtskasse vergütet. (Dispositiv nächste Seite) E-5350/2014 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Frau Monique Bremi wird zu Lasten des Gerichts ein amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 1000.– ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Muriel Beck Kadima Christoph Berger Versand: