B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6662/2014 U r t e i l v om 2 6 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Sylvie Cossy, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A._______ (Beschwerdeführer 1), und dessen Sohn B._______ (Beschwerdeführer 2), Eritrea, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung / Familienzusammenführung (Asyl) und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 15. Oktober 2014 / N (…). E-6662/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Verfügung vom 27. Februar 2012 stellte das BFM die Flüchtlingse i- genschaft des Beschwerdeführers 1 fest und gewährte ihm in der Schweiz Asyl. B. B.a Mit Eingabe vom 12. April 2012 ersuchte der Beschwerdeführer 1 das BFM für seinen Sohn um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und Einbezug in seine Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG (SR 142.31) respektive um Bewill igung der Einreise und Festste l- lung der originären Flüchtlingseigenschaft gestützt auf aArt. 20 AsylG. B.b Mit Verfügung vom 26. Mai 2014 verweigerte das BFM dem B e- schwerdeführer 2 die Einreise in die Schweiz und lehnte das Gesuch um Familienzusammenführung ab. B.c Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Bundesverwaltung s- gericht mit Urteil vom 19. August 2014 (E-3551/2014) gut. Es hob die v o- rinstanzliche Verfügung auf und wies die Sache zur Prüfung des Antrags auf Feststellung der originären Flüchtlingseigensch aft d es Beschwerd e- führers 2 und neuem Entscheid an die Vorinstanz zurück. B.d Mit Schreiben vom 26. August teilte das BFM den Beschwerdefü h- renden mit, die Schweizerische Botschaft im Sudan sei aufgrund des b e- grenzten Personalbestands sowie fehlender Vorausset zungen im siche r- heitstechnischen und räumlichen Bereich nicht mehr in der Lage, Befr a- gungen von Asylsuchenden durchzuführen. Aus diesem Grund er suchte es den Beschwerdeführer 2 zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhalts um Angaben zu seiner P erson und um Beantwortung ko n- kreter Fragen betreffend das Vorhandensein von Familienangehörigen in Drittstaaten, seine Asylgründe und seinen Aufenthalt im Sudan. Ferner forderte es ihn auf, Kopien von Identitätsausweisen und Beweismitteln einzureichen. Sch liesslich wurde ihm für den Fall, dass den Rechtsb e- gehren nicht stattgegeben werden könne, Gelegenheit zu abschliesse n- den Bemerkungen eingeräumt. B.e Der Beschwerdeführer 2 liess sich mit Schreiben vom 25. September 2014 vernehmen. Er führte insbesondere aus, er stamme aus C._______ und sei von seiner Mutter respektive nach deren Tod von seiner Gros s-E-6662/2014 Seite 3 mutter aufgezogen worden. Er wisse nur sehr wenig über seinen Vater und habe sich immer gefragt, wer dieser sei, wo er lebe und arbeite. Da er in Eritrea ausser einem Leben im erzwunge nen und endlosen Militä r- dienst keine Zukunft gesehen habe, habe er seinen Heimatstaat verla s- sen, um seinen Vater zu suchen. Am 17. August 2012 sei er mit Freunden von D._______ aus illegal nach E._______ gelangt, wo sie von der Pol i- zei aufgegriffen und ins Flüchtlingscamp Sh egerab gebracht worden se i- en. Dort habe er sich beim das Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (UNHCR) als Flüchtling registrieren lassen. Da er sich im Camp nicht sicher gefühlt habe, sei er a m 27. September 2012 nach Khartum weitergereist. Seither lebe er dort mit seinen Freunden, die ihn mit Hilfe von Verwandten im Ausland bei der Bestreitung des Lebensu n- terhalts unterstützen würden. Seine Freunde und er würden oft von der sudanesischen Polizei befragt. Er fürchte sich zudem vor den eritreischen Sicherheitskräften sowie vor einer Entführung durch Menschenhändler. C. Mit Verfügung vom 15. Oktober 2014 – eröffnet am 17. Oktober 2014 – verweigerte das BFM dem Beschwerdeführer 2 die Einreise in die Schweiz und lehnte dessen Asylgesuch sowie das durch den Beschwe r- deführer 1 gestellte Gesuch um Familienzusammenführung ab. D. Dagegen gelangten die Beschwerdeführenden mit Beschwerde vom 13. November 2014 (Poststempel: 14. November 2014 ) an das Bundes- verwaltungsgericht und beantragte n die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids und die Gut heissung des Gesuchs um Familienzusamme n- führung, eventualiter die Bewilligung der Einreise des Beschwerdefü h- rers 2 in die Schweiz und die Feststellung von dessen originärer Flücht- lingseigenschaft. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuch ten sie um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. E. Mit Schreiben vom 18 . November 2014 bestätigte das Bundesverwa l- tungsgericht den Eingang der Beschwerde. E-6662/2014 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine V orinstanz des Bun- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die nur durch den Beschwerdeführer 1 unterschriebene Beschwerdeeingabe ist im Rahmen von dessen Eigenschaft als gese tzlicher Vertreter seines minderjährigen Sohnes auch als Beschwerde des Beschwerdeführers 2 entgegenzunehmen. Auf diese ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowi e die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Die Beschwerdeführenden machen zunächst eine unvollständige Abkl ä- rung des Sachverhalts und eine mangelhafte Begründung durch die Vo r- instanz geltend (vgl. die Beschwerdeschrift Ziff. 3.1). Nachdem diese Aus- führung jedoch nicht begründet wird und sich aus den Akten keine A n-E-6662/2014 Seite 5 haltspunkte für eine derartige Rechtsverletzung ergeben, ist darauf nicht weiter einzugehen. 5. Die Prüfung der Erfüllung der originären Flüchtlingseigenschaft geht jener der Erfüllung der derivativen Flüchtlingseigenschaft vor. Daher ist z u- nächst zu untersuchen, ob das BFM dem Beschwerdeführer 1 zu Recht gestützt auf aArt. 20 AsylG die Einreise verweigert und dessen Asylg e- such abgelehnt hat. 5.1 Das BFM bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur A b- klärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet wer den kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen anderen Staat auszureisen (aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib na - mentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist. Schutzbedürftig im Sinne des AsylG sind Personen, die in ihrem Heima t- staat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Rel i- gion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachtei len aus- gesetzt sind ode r begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausg e- setzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). Kann einer asylsuchenden Person, die sich im Ausland befindet, zugemutet werden, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen, so stellt dies einen Asylau s- schlussgrund dar (aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Hält sich eine asylsuchende Person bereits in einem Drittstaat auf, ist im Sinne einer Vermutung pra- xisgemäss davon auszugehen, sie habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn d ort erlangen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu verbleiben bezi e- hungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. 5.2 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids insbesondere aus, die Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts erfordere die An- wesenheit des Beschwerdeführers 2 in der Schweiz nicht. Aufgrund des vollständig erstellten Sachverhalts könne davon ausgegangen werden, dass keine unmittelbare Gefährdung vorliege, die eine Einreise als no t- wendig erscheinen liesse. Den Schilderungen des Beschwerdeführers 2 seien keine konkreten A n- haltspunkte dafür zu entnehmen, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea von einer konkreten und zielgerichteten Verfolgung betroffen gewesen sei. Allenfalls erfülle er wegen seiner Fluc ht die Flüchtlingse i-E-6662/2014 Seite 6 genschaft aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen im Sinne von Art. 54 AsylG. In diesem Falle könne jedoch praxisgemäss keine Einreiseb e- willigung erteilt werden, da im nationalen Verfahren wiederum eine We g- weisung verfügt werden würd e. Damit seien die Voraussetzungen für die Erteilung einer Einreisebewilligung nicht erfüllt , und es erübrige sich die Prüfung, ob einer allfälligen Asylgewährung durch die Schweiz der Au s- schlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe. Der Vollständi g- keit halber sei jedoch zu erwähnen, dass es dem Beschwerdeführ er 1 im Falle ernsthafter Schwi erigkeiten im Sudan zuzumuten sei, den Schutz des UNHCR oder die Unterstützung der grossen eritreischen Diaspora in Anspruch zu nehmen. 5.3 Auf Beschwerdeebene wiederholt der Beschwerdeführer 2 im W e- sentlichen den bereits vor dem BFM geschilderten S achverhalt und b e- kräftigt, er habe in seinem Heimatstaat keinen normalen Kontakt zu se i- nem Vater haben können und sich vor dem Militärdienst gefürchtet, we s- halb er sich zur Ausreise aus Eritrea entschieden habe. Zudem führt er ergänzend aus, er habe im Zeitpunkt der Flucht aufgrund der illegalen Ausreise seines Vaters begründe te Furcht vor Reflexverfolgung gehabt. Im Sudan verfüge er über keine Aufenthaltsbewilligung und füh le sich nicht sicher. 5.4 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht in Übereinstimmung mit dem BFM zum Schluss, dass der Beschwerdefü h- rer 2 nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen ist. In diesem Z u- sammenhang kann weitgehend auf die zutref fenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Eine bestehende oder u n- mittelbar drohende Verfolgung des Beschwerdeführers 2 im Zeitpunkt der Ausreise aus seinem Heimatstaat ist nicht ersichtlich. Die erstmals auf Beschwerdeebene gelte nd gemachte drohende Reflexverfolgung au f- grund der illegalen Ausreise des Beschwerdeführers 1 erscheint ebenfalls als unbegründet. Der Beschwerdeführer 1, der weder zu seinem Sohn noch zu dessen Mutter je eine offizielle Beziehung unterhielt, hat Eritrea bereits im Jahr 2005 verlassen. In diesem Zusammenhang erlittene Nachteile oder Bedrohungen macht der Beschwerdeführer 1 nicht ge l- tend, so dass unter Berücksichtigung der genannten Umstände auch eine drohende Reflexverfolgung zu verneinen ist. Hinsichtlich der Situation des vom UNHCR registrierten Beschwerdeführers 2 im Sudan ist zwecks Vermeidung von Wiederholungen ebenfalls auf die vorinstanzliche Verf ü- gung zu verweisen. E-6662/2014 Seite 7 Zusammenfassend hat das BFM zu Recht dem Beschwerdeführer 1 die Erteilung einer Einreisebewilligung verweigert und das Asylgesuch abg e- lehnt. 6. In einem weiteren Schritt ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer 2 die Einreise in die Schweiz im Rahmen der Familienzusammenführung g e- mäss Art. 51 Abs. 4 AsylG zu bewilligen und dieser in die Flüchtl ingsei- genschaft des Beschwerdeführers 1 einzubeziehen ist. 6.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden namentlich die Ehegatten und die minderjährigen Kinder von Flüchtlingen ihrerseits als Flüchtlinge a n- erkannt und erhalten in der Schweiz Asyl, wenn keine besonder en Um- stände dagegen sprechen. Art. 51 Abs. 4 AsylG bestimmt, dass jenen Personen, welche aufgrund ihrer persönlichen Beziehung im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG einen Anspruch auf Einbezug in die Flüchtlingse i- genschaft und die Gewährung von Asyl haben, auf Gesuch hin die Einrei- se in die Schweiz zu bewilligen ist, wenn sie durch die Flucht getrennt wurden und sich im Ausland befinden. 6.2 Der Beschwerdeführer 1 führte anlässlich einer Befragung durch das BFM vom 16. Januar 2014 aus, er habe die Mutter seines Sohnes in jun- gen Jahren als Schüler in C._______ kennengelernt. Er habe mit ihr eine Beziehung begonnen, woraufhin sie ungeplant schwanger geworden sei. Sie hätten nicht zusammengelebt und seien nicht verheiratet gewesen. Es habe grosse Auseinandersetzunge n zwischen den beiden Familien gegeben. Ein Jahr nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes sei die Kindsmutter gestorben (vgl. die vorinstanzliche Akte D7/9 F15–22 S. 3). Sein Sohn habe bis zu deren Tod bei ihr und danach bei deren Mutter ge- lebt. Seit der Geburt des Beschwerdeführers 2 habe er seinen Sohn au f- grund der äusseren Umstände nur dreimal gesehen, zuletzt im Jahre 2005 (vgl. D7/9 F23–31 S. 4 und F56 f. S. 6). Er habe keinen Kontakt mit seinem Sohn gepflegt, bis dieser sich nach der Ausreise aus Eritre a (im August 2012) bei ihm gemeldet habe (vgl. D7/9 F52 S. 6). 6.3 Das BFM begründete seinen negativen Entscheid damit, dass der Beschwerdeführer 1 gemäss eigenen Angaben nie mit seinem Sohn in einem gemeinsamen Haushalt gelebt und diesen vor seiner Ausreise i m Jahre 2005 nur dreimal gesehen habe. Zudem habe er keine Dokumente einreichen können, die den Tod der Mutter seines Sohnes bestätigen oder belegen würden, dass ihm das Sorgerecht für den Beschwerdeführer 2 E-6662/2014 Seite 8 zustehe. Diesen Feststellungen zufolge sei es du rch die Flucht des B e- schwerdeführers 1 nicht zu einer Trennung einer bestehenden Familie n- gemeinschaft gekommen, womit die Bedingungen für die Gewährung von Familienasyl nicht erfüllt seien. Das Gesuch um Familienzusammenfü h- rung sei daher abzuweisen. 6.4 Diesen Erwägungen der Vorinstanz halten die Beschwerdeführenden insbesondere entgegen, sie hätten keine Chance auf ein Familienleben gehabt, weil die Gro ssmutter des Beschwerdeführers 2 jegliche Bezie- hung untersagt habe. Da der Beschwerdeführer 1 mit der Kind smutter nicht verheiratet gewesen sei, habe er kein Besuchsrecht einklagen kö n- nen, und eine Kindesanerkennung sei im eritreischen Recht nicht vorg e- sehen. Unter diesen Umständen habe er nicht in einem gemeinsamen Haushalt mit seinem Sohn leben können. Dies dürfe ihm nicht zum Nach- teil ausgelegt werden. Mit seiner Anerkennung als Flüchtling bestehe nun erstmals die Möglichkeit, eine Beziehung zu seinem Sohn zu pflegen. Er sei mittlerweile denn auch die einzige (familiäre) Bezugsperson des B e- schwerdeführers 2 , nachdem der Kontakt mit dessen Grossmutter seit der Flucht in den Sudan abgebrochen sei. Das BFM äussere sich in keiner Weise zum Kindeswohl. Das Überein- kommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (Kinde r- rechtskonvention [KRK], SR 0.107) schütze ausdrücklich das Recht des Kindes auf eine Beziehung mit den leiblichen Eltern und erfasse auch den Nachzug von Kindern in die Vertragsstaaten des Abkommens. So sehe Art. 10 KRK vor, dass von einem Kind oder seinen Eltern zwecks Famil i- enzusammenführung gestellte Anträge auf Einreise in einen Vertragsstaat oder Ausreise aus einem Vertragsstaat wohlwollend, human und b e- schleunigt bearbeitet würden und die Vertragsstaaten sicherstellen wü r- den und dass die Stellung eines solchen Antrags keine nachteiligen Fol- gen für die Antragsteller und deren Familienangehörige habe. Diesen A n- forderungen sei im vorinstanzlichen Verfahren nicht Rechnung getragen worden. Die Vorinstanz habe zwei Jahre benötigt, um das Gesuch zu prü- fen. Zudem würden die Einforderung von Dokum enten und die überhö h- ten Ansprüche an die Beweismittel gegen das Kindeswohl verstossen. Sie könnten keine eritreischen Dokumente beschaffen, seien aber jeder- zeit bereit, die Verwandtschaft mittels DNA-Analyse zu belegen. 6.5 Zentrale Bedingung für den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ist, dass bereits vor der Flucht aus dem Verfolgerstaat eine Familiengemei n- schaft zwischen der gesuchstellenden und der anspruchsberechtigten E-6662/2014 Seite 9 Person bestanden hat (vgl. dazu die Botschaft zur Totalrevision des AsylG sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederla s- sung der Ausländer vom 4. Dezember 1995, BBl 1996 II 1 ff., insb. S. 68). Zweck der Bestimmung von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist somit alleine die Wiedervereinigung von vorbestandenen Familiengemeinschaften. Der Beschwerdeführer 1 bekräftigt mehrfach, dass er bisher nicht in einer familiären Gemeinschaft mit dem mittlerweile beinahe volljährigen Be- schwerdeführer 2 gelebt hat. Dies begründet er mit den Vorbehalten in s- besondere der Grossmutter mütterliche rseits seines Kindes gegenüber der Beziehung z wischen der Kindsmutter und ihm (Beschwerdeführer) . Aus diesem Grunde habe er seinen Sohn auch nach dem Tod der Kind s- mutter im Jahre (…) bis zu seiner Ausreise im Jahre 2005 insgesamt nur etwa dreimal gesehen. Bei dieser Sachlage kann in Übereinstimmung mit der Vorinstanz nicht von einer vorbestehenden Familiengemeinschaft oder einer gelebten Eltern -Kind-Beziehung ausgegangen werden, die durch die Flucht des Beschwerdeführers 1 getrennt wurde. Mithin ist die zwingende Grundvoraussetzung gemäss Art. 51 Abs. 4 AsylG im vorli e- genden Fall nicht erfüllt. Im Übrigen ist den Ausführungen in der Beschwerdeschrift entgegenzu- halten, dass aus Art. 10 KRK kein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch auf Einreise in die Schweiz abgeleitet werden kann (vgl. BGE 124 II 361 E. 3b). Gegen die lange Dauer des Verfahrens vor dem BFM wäre den Beschwerdeführenden die Erhebung eine r Rechtsverzögerungsbe- schwerde offengestanden (vgl. Art. 46 a VwVG). Aus der Beh andlungs- dauer des Gesuchs von zwei Jahren können sie im Übrigen keinen An- spruch zu ihren Gunsten ableiten. Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz zu Recht auch das Gesuch um Familienzusammenführung abgelehnt und dem Beschwerdeführer 1 ge- stützt darauf die Ei nreise in die Schweiz verweigert. Mangels Relevanz kann darauf verzichtet werden, auf die übrigen Ausführungen in der B e- schwerdeschrift einzugehen. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rec htserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist mithin abzuweisen. E-6662/2014 Seite 10 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den unterliegenden Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Ab s. 1 VwVG). Diese beantragen die Gewährung der unentgelt lichen Prozess- führung. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz e i- ne Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht au s- sichtslos erscheint. Der Beschwerdeführer 1 legte zum Nachweis seiner Bedürftigkeit eine Fürsorgebestätigung ins Recht. Aufgrund der Akten kann ausserdem von der Mittellosigkeit des Beschwerdeführers 2 ausg e- gangen werden. Nachdem zudem die Rechtsbegehren der Beschwerde- führenden im Rahmen einer summarischen Aktenprüfung nicht als au s- sichtslos zu bezeichnen waren, ist das Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung gutzuheissen. Demnach sind den B e- schwerdeführenden keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) E-6662/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 AsylG wird gutgeheissen. 3. Auf die Auferlegung von Verfahrenskosten wird verzichtet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi Versand: