B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3772/2013/wif U r t e i l v o m 5 . J u l i 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, mit Zustimmung von Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 21. Juni 2013 / N (…). D-3772/2013 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführenden ihr Heimatland gemäss eigenen Angaben am 1. März 2010 verliessen und nach Aufenthalten in Bulgarien, Serbien sowie Ungarn am 14. Mai 2013 von Österreich her kommend in die Schweiz gelangten, wo sie gleichentags Asylgesuche stellten, dass sie dazu am 29. Mai 2013 summarisch befragt wurden, dass eine Abfrage der Eurodac -Datenbank vier Treffer ergab (Ersuchen der Beschwerdeführenden um Asyl in Bulgarien am 4. April 2011 sowie in Ungarn am 15. April 2013), dass ih nen das BFM das recht liche Gehör zur möglichen Zu ständigkeit Bulgariens, Ungarns oder Österreichs für das Asylverfahren und zu einer allfälligen Wegweisung dorthin gewährte, dass d ie Beschwerdeführenden betreffend Ungarn darlegten, dort unter prekären Aufenthaltsbedingungen und mangelhaftem Schutz gelitten zu haben, dass das BFM am 3. Juni 2013 – nach den Bestimmungen der Verord - nung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitglied - staat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin -II-VO) – ein Er suchen um Wiederaufnahme der Beschwerdeführenden an Ungarn richtete, dass diesem Ersuchen von ungarischer Seite am 10. Juni 2013 ausdrück- lich entsprochen wurde, dass das BFM mit Verfügung vom 21. Juni 2013 – eröffnet am 25. Juni 2013 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf d ie Asylgesuche der Beschwerde- führenden nicht eintrat und deren Wegweisung aus der Schweiz nach Un- garn anordnete, wobei das Bundesamt festhielt, einer allfälli gen B e- schwerde gegen diesen Entscheid komme keine aufschie bende Wirkung zu, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 2. Juli 2013 (Datum der Postaufgabe) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben, D-3772/2013 Seite 3 dass er die Aufhe bung der vorinstanzlichen Verfügung, die Anweisung des BFM, sich für die vorliegenden Asylgesuche zuständig zu erklären beziehungsweise das Selbsteintrittsrecht auszuüben, die unentgeltli che Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrens gesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.02 1]) samt Entbindung von der Vor - schusspflicht sowie den Erlass vorsorglicher Massnahmen beantragten, dass auf die Darlegungen des BFM und die Beschwerdeargumente – so- weit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, dass die vorinstanz lichen Akten am 4. Ju li 2013 beim Bundesverwa l- tungsgericht eintrafen (vgl. Art 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser – was vorliegend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsgesu- ches des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 und 33 des Verwaltungsgerichts- gesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] sowie Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG oder das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 AsylG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass auf die frist - und formgerechte Eingabe de r legitimierten Beschwer- deführenden einzutreten ist (vgl. Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – offensichtlich unbe- gründet ist, weshalb darüber in einzelrichterliche r Zustän digkeit mit Z u- stimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richte - rin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), D-3772/2013 Seite 4 dass auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Entscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass mit dem Entscheid in der Hauptsache die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Be schwerde im Sin ne von Art. 107 a AsylG, Aussetzung des Wegweisungsvollzugs und Kostenvorschussver - zicht gegenstandslos werden, dass sich das vorliegende Verfahren auf einen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG bezieht, womit einzig zu prüfen ist, ob das BFM zu Recht auf d ie Asylgesuche nicht eingetreten ist und die Wegweisung aus der Schweiz nach Ungarn angeordnet hat, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu - chende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchfüh - rung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass die B eschwerdeführenden gemäss den dokumentierten Eurodac - Treffern in Ungarn am 15. April 2013 Asylgesu che stellten beziehungs - weise als Asylsuchende erfasst wurden und von dort kommend in die Schweiz einreisten, dass bei dieser Sachlage – entsprechend den vom BFM angerufenen Be- stimmungen zum Dublin -Verfahren, auf welche anstelle einer Wiederho - lung zu verweisen ist – Ungarn für die Prüfung der Asylanträge der B e- schwerdeführenden grundsätzlich zuständig ist, dass Ungarn dem Ersuchen des BFM um Wiederaufnahm e der B e- schwerdeführenden (nach Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin -II-VO) am 10. Juni 2013 entsprochen und seine Zuständigkeit gemäss Dubliner Verfah rens- regelung akzeptiert hat (Art. 20 Abs. 1 Bst. d Dublin-II-VO), dass so die Grundlage für einen Nichteintretensentscheid in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres gegeben ist, dass sich d ie Beschwerdeführenden namentlich unter Hinweis auf ihre bisherigen Erlebnisse – prekäre Aufenthaltsbedingungen, mangelhafte gesundheitliche Versorgung, Schlägerei im Lager – gegen eine Rückkehr nach Ungarn aussprechen, D-3772/2013 Seite 5 dass Ungarn Signatarstaat der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsste llung der Flücht - linge (FK, SR 0.142.30) und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri - gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist und keine konkreten Hinweise dafür bestehen, Ungarn würde sich im vorliegenden Fall nicht an die da raus resultierenden Verpflichtungen halten und das Asyl - und Wegweisungsverfahren nicht völkerrechtskonform durchführen, dass gemäss übereinstimmenden Berichten Asylsuchende in Ungarn zwar vermehrt in Admini strativhaft genommen werden beziehungsweise wurden, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in einem kürzlich ergangenen Urteil gestützt auf eine aktuelle Quelle aber gewisse Verbesserungen vor Ort feststellte (vgl. arrêt [non définitif] de la Cour eur. DH du 6 juin 2013 dans l'affaire Mohammed contre Autriche, requête n°2283/12), dass auch seitens der Beschwerdeführenden nicht dargelegt wird, wieso gerade sie bei einer Rückkehr nach Ungarn Opfer einer allfälligen Admini- strativhaft werden sollten und inwiefern gerade in ihrem Fall eine Über - schreitung der Grenze der Rechtmässigkeit zu befürchten sei, dass sie namentlich auch nicht geltend machen und aufgrund der Akten- lage auch nicht davon auszugehen ist, Ungarn werde die Beschwerdefüh- renden in Verletzung der vorge nannten völkerrechtlichen Abkommen in ihr Heimatland zurückschaffen, dass in der Rekurseingabe der Sachverhalt aus der Sicht des Beschwe r- deführers erneut dargelegt wird und stichhaltige Argumente für eine ande- re als vom BFM vorgenommene Einschätzung fehlen, dass allfällige gewalttätige Vorkommnisse am zugewiesenen Aufenthalts - ort durch die ungarischen Behörden grundsätzlich geahndet werden, dass demzufolge die Vermutung, gemäss welcher Ungarn seine völker - rechtlichen Verpflichtungen einhalte, mangels ausreichender Anhalts - punkte nicht umgestossen wurde (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4-7.5, S. 637- 639), D-3772/2013 Seite 6 dass demnach für das BFM offensichtlich keine Pflicht zu einem Selbs t- eintritt aus völkerrechtlichen Gründen nach de r Be stimmung von Art. 3 Abs. 2 Dublin II-VO besteht (vgl. dazu BVGE 2011/9 E. 4 S. 115), dass allfällige gesundheitliche Probleme in Ungarn abgeklärt und behan- delt werden können, dass ein Fehlverhalten einer Betreuungsperson – wie von den Beschwer- deführenden im Zusammenhang mit dem fehlenden Beizug ei ner ärztl i- chen Fachperson bei einer Grippe-Erkrankung vorgebracht – bei der z u- ständigen vorgesetzten Stelle gerügt werden könnte, dass somit auch keine medizinischen Aspekte gegen die Überstellung nach Ungarn sprechen, dass entsprechend auch ein Selbsteintritt aus humanitären Gründen nach der Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylver ordnung 1 vom 11. Au- gust 1999 über Ver fahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) ausgeschlossen bleibt (BVGE 2011/9 E. 8 S. 121 f.), da in vorlie gender Sache keine b e- sonderen Sachverhaltsumstände vorliegen, wel che eine Be handlung der Asylgesuche in der Schweiz geradezu auf drängen würden (vgl. dazu das Urteil des Bundesverwaltungsge richts D -4534/2011 vom 28. Dezember 2011 E. 8), dass nach den vorstehenden Erwägungen der Nichteintretensentscheid in Anwendung von Art. 34 Abs. Bst. d AsylG zu bestätigen ist, dass die Anordnung der Wegweisung nach Ungarn der Systematik des Dublin-Verfahrens entspricht und von daher im Einkl ang mit der Bestim - mung von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2), dass in diesem Sinne das BFM den Vollzug der Wegweisung nach Un- garn zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte, dass die eingereichte Beschwerde nach dem Gesagten als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist, dass das Gesuch im Sinne von Art. 65 VwVG abzuweisen ist, da sich die Beschwerde von Anfang an als aussichtslos erwies, dass die Kosten des Verfahrens von Fr. 600.– den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1-3 des Regle -D-3772/2013 Seite 7 ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-3772/2013 Seite 8 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: