<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">430</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>81</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 8 Abs. 2 und 4 BV; Art. 8 Abs. 2 BehiG</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Menschen mit Behinderung haben nach dem BehiG gegenüber den Ge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>meinwesen Anspruch darauf, dass die Prüfungsmodalitäten ihren behin-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>derungsbedingten Bedürfnissen angepasst werden. Trotz festgestellter</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schwerer Lese-Rechtschreibschwäche gewährte die Schulleitung der Be-</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">431</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>zirksschule der Beschwerdeführerin keine Nachteilsausgleichsmassnah-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>men und verletzte damit die Ansprüche der Beschwerdeführerin aus dem</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Behindertengleichstellungsgesetz.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Regierungsrates vom 8. Juni 2016 i.S. X. gegen die</span><br/> <span class="ft4">Verfügung des Departements Bildung, Kultur und Sport (Abteilung Berufsbil-</span><br/> <span class="ft4">dung und Mittelschule) vom 31. Juli 2015 (RRB Nr. 2016-000600).</span><br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt (gekürzt)</i></span><br/> <span class="ft1">X. besuchte die Bezirksschule in A. Obwohl ein Fachpsycho-</span><br/> <span class="ft1">loge des Schulpsychologischen Dienstes der Abteilung Volksschule</span><br/> <span class="ft1">des BKS bereits in der Primarschule eine schwere Lese-Recht-</span><br/> <span class="ft1">schreibschwäche diagnostiziert hatte und X. in der Folge Legasthe-</span><br/> <span class="ft1">nie-Unterricht erhielt, gewährte ihr die Schulleitung A. keine weitere</span><br/> <span class="ft1">Unterstützung wie Nachteilsausgleichsmassnahmen, sondern bot ihr</span><br/> <span class="ft1">lediglich eine individuelle Lernzielvereinbarung mit Notenbefreiung</span><br/> <span class="ft1">an; dies hätte aber bedeutet, dass X. keine Bewertung im Zeugnis er-</span><br/> <span class="ft1">halten und kein Gymnasium hätte besuchen können. In den beiden</span><br/> <span class="ft1">letzten Semestern der Bezirksschule sowie in der Bezirksschulab-</span><br/> <span class="ft1">schlussprüfung erreichte X. einen Notendurchschnitt von 4.6 und</span><br/> <span class="ft1">verpasste damit den für den Übertritt in ein aargauisches Gymnasium</span><br/> <span class="ft1">erforderlichen Notendurchschnitt von 4.7 um eine Zehntelsnote. Seit</span><br/> <span class="ft1">August 2015 besucht X. deshalb das Gymnasium in B. im Nachbar-</span><br/> <span class="ft1">kanton C. und beantragt die Schulgeldübernahme für den Besuch der</span><br/> <span class="ft1">auswärtigen Schule durch den Kanton Aargau. Im Gymnasium B. er-</span><br/> <span class="ft1">hält X. Nachteilsausgleichsmassnahmen.</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">1.1</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 1 des Regionalen Schulabkommens zwischen den</span><br/> <span class="ft1">Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Freiburg,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">432</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Luzern, Solothurn, Wallis und Zürich über die gegenseitige Aufnah-</span><br/> <span class="ft1">me von Auszubildenden und Ausrichtung von Beiträgen vom 23. No-</span><br/> <span class="ft1">vember 2007 (RSA 2009) regelt das Abkommen den interkantonalen</span><br/> <span class="ft1">Zugang, die Stellung der Auszubildenden und die Abgeltung, welche</span><br/> <span class="ft1">die Wohnsitzkantone der Auszubildenden leisten für die Kindergär-</span><br/> <span class="ft1">ten, Volksschulen, allgemein bildenden Schulen auf der Sekundar-</span><br/> <span class="ft1">stufe II sowie die vom Bund nicht anerkannten tertiären Bildungs-</span><br/> <span class="ft1">gänge. Gemäss Art. 5 Abs. 1 RSA werden nur Kantonsbeiträge ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Anhang I für den ausserkantonalen Schulbesuch geleistet, wenn</span><br/> <span class="ft1">die Bewilligung durch den Wohnsitzkanton erteilt worden ist. Die</span><br/> <span class="ft1">ausserkantonalen Auszubildenden auf der Sekundarstufe II und der</span><br/> <span class="ft1">Tertiärstufe werden vom Standortkanton nur aufgenommen, sofern</span><br/> <span class="ft1">sie die Aufnahmebestimmungen des Standort- und des Wohnsitzkan-</span><br/> <span class="ft1">tons erfüllen (Art. 5 Abs. 3 RSA). Im Anhang II werden die beitrags-</span><br/> <span class="ft1">berechtigten Schulen und Ausbildungsgänge aufgelistet (Art. 6</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 RSA).</span><br/> <span class="ft1">Das RSA räumt den Auszubildenden keine direkte Ansprüche</span><br/> <span class="ft1">auf staatliche Leistungen ein; vielmehr regelt dieses Abkommen le-</span><br/> <span class="ft1">diglich das Verhältnis zwischen den Kantonen untereinander.</span><br/> <span class="ft1">1.2</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Anhang II des RSA ist die Kantonsschule B. auf der</span><br/> <span class="ft1">Liste im RSA aufgeführt (...). Da die Beschwerdeführerin in D.</span><br/> <span class="ft1">wohnt, wäre sie berechtigt, die Kantonsschule in B. zu besuchen, so-</span><br/> <span class="ft1">fern der Kanton Aargau eine Kostengutsprache erteilt.</span><br/> <span class="ft1">1.3</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.1</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 8 Abs. 2 BV darf niemand diskriminiert werden</span><br/> <span class="ft1">wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung.</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 8 Abs. 4 BV sieht das Gesetz Massnahmen zur Beseiti-</span><br/> <span class="ft1">gung von Nachteilen der Behinderten vor. Gestützt darauf wurde das</span><br/> <span class="ft1">am 1. Januar 2004 in Kraft getretene Bundesgesetz über die Beseiti-</span><br/> <span class="ft1">gung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen (Be-</span><br/> <span class="ft1">hindertengleichstellungsgesetz, BehiG) vom 13. Dezember 2002 er-</span><br/> <span class="ft1">lassen. Eine Benachteiligung liegt vor, wenn Behinderte rechtlich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">433</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">oder tatsächlich anders als nicht Behinderte behandelt und dabei oh-</span><br/> <span class="ft1">ne sachliche Rechtfertigung schlechter gestellt werden als diese, oder</span><br/> <span class="ft1">wenn eine unterschiedliche Behandlung fehlt, die zur tatsächlichen</span><br/> <span class="ft1">Gleichstellung Behinderter und nicht Behinderter notwendig ist</span><br/> <span class="ft1">(Art. 2 Abs. 2 BehiG). Angemessene Massnahmen zum Ausgleich</span><br/> <span class="ft1">von Benachteiligungen der Behinderten stellen keine Ungleichbe-</span><br/> <span class="ft1">handlung nach Art. 8 Abs. 1 BV dar (Art. 5 Abs. 2 BehiG).</span><br/> <span class="ft1">Für das Schulwesen sind die Kantone zuständig (Art. 62 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">BV). Sie sorgen für einen ausreichenden, an öffentlichen Schulen un-</span><br/> <span class="ft1">entgeltlichen Grundschulunterricht, der obligatorisch ist und allen</span><br/> <span class="ft1">Kindern offen steht (Art. 19 und Art. 62 Abs. 2 BV). Dieser gewähr-</span><br/> <span class="ft1">leistet auch für Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung einen</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf einen ihren individuellen Fähigkeiten und Entwick-</span><br/> <span class="ft1">lungsmöglichkeiten angepassten Unterricht. Gemäss Art. 20 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">BehiG sorgen die Kantone dafür, dass behinderte Kinder und Jugend-</span><br/> <span class="ft1">liche eine Grundschulung erhalten, die ihren besonderen Bedürfnis-</span><br/> <span class="ft1">sen angepasst ist. Für behinderte Kinder ist es im Rahmen des ausrei-</span><br/> <span class="ft1">chenden Grundschulunterrichts regelmässig notwendig, einen höhe-</span><br/> <span class="ft1">ren Aufwand zu betreiben, um ihre behinderungsbedingten Nachteile</span><br/> <span class="ft1">auszugleichen, damit sie eine Chancengleichheit erhalten (vgl.</span><br/> <span class="ft1">BGE 141 I 15, 138 I 169, 134 I 108, 130 I 354, 129 I 39, Urteil</span><br/> <span class="ft1">2C_864/2010 vom 24. März 2011, 2C_590/2014 vom 4. Dezember</span><br/> <span class="ft1">2014). Im Rahmen dieser Grundsätze verfügen die Kantone über ei-</span><br/> <span class="ft1">nen erheblichen Gestaltungsspielraum (Art. 46 Abs. 3 BV).</span><br/> <span class="ft1">2.2</span><br/> <span class="ft1">Die Legasthenie stellt eine Behinderung dar. Behinderungen</span><br/> <span class="ft1">sind besondere persönliche Eigenschaften, welche die betroffenen</span><br/> <span class="ft1">Kandidatinnen und Kandidaten gegenüber nicht-behinderten Lernen-</span><br/> <span class="ft1">den bei einer Prüfung benachteiligen. Die erforderlichen Massnah-</span><br/> <span class="ft1">men für einen Nachteilsausgleich sind individuell auszugestalten,</span><br/> <span class="ft1">weil Art und Grad von Behinderung vielfältig sein können. Mit posi-</span><br/> <span class="ft1">tiven formalen Ausgleichsmassnahmen wird den persönlichen Nach-</span><br/> <span class="ft1">teilen einer behinderten Person bei einer Prüfung Rechnung getragen</span><br/> <span class="ft1">(Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-7914/2007 vom 15. Juli</span><br/> <span class="ft1">2008, S. 9, Urteil des Bundesgerichts 2C_974/2014 vom 27. April</span><br/> <span class="ft1">2015 E. 3.4). Die betroffene Person muss jedoch fähig sein, wie ihre</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">434</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Mitschüler und Mitschülerinnen den fachlichen Abschluss zu errei-</span><br/> <span class="ft1">chen. Nicht um einen Nachteilsausgleich im Sinne des BehiG handelt</span><br/> <span class="ft1">es sich, wenn die fachlichen Anforderungen herabgesetzt werden</span><br/> <span class="ft1">(vgl. I</span><span class="ft4">RIS</span> <span class="ft1">G</span><span class="ft4">LOCKENGIESSER</span> <span class="ft1">in: Schweizerische Zeitschrift für Heil-</span><br/> <span class="ft1">pädagogik, Jg. 20, 5/2014, S. 20 ff.; Bundesgerichtsurteil 2D_7/2011</span><br/> <span class="ft1">vom 19. Mai 2011, S. 4). Der Staat ist nicht verpflichtet, sämtliche</span><br/> <span class="ft1">faktischen Ungleichheiten zu beheben. Dies schlägt sich auch in der</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit nieder, bestimmte Berufe zu ergreifen. Es gibt bestimm-</span><br/> <span class="ft1">te Berufe und Ausbildungen, die besondere Eigenschaften und Fähig-</span><br/> <span class="ft1">keiten erfordern, die nicht alle Menschen im gleichen Masse besit-</span><br/> <span class="ft1">zen. Der blosse Umstand, dass einzelne Personen ohne ihr Verschul-</span><br/> <span class="ft1">den diese Fähigkeiten nicht haben, kann nicht dazu führen, dass die</span><br/> <span class="ft1">fachlichen Anforderungen gesenkt werden müssen (vgl. BGE 122 I</span><br/> <span class="ft1">130; Bundesverwaltungsgerichtsurteil B-7914/2007 vom 15. Juli</span><br/> <span class="ft1">2008, S. 16).</span><br/> <span class="ft1">2.3</span><br/> <span class="ft1">Eine Benachteiligung bei der Inanspruchnahme von Aus- und</span><br/> <span class="ft1">Weiterbildung liegt nach Art. 2 Abs. 5 BehiG vor, wenn die Verwen-</span><br/> <span class="ft1">dung behindertenspezifischer Hilfsmittel oder der Beizug notwendi-</span><br/> <span class="ft1">ger persönlicher Assistenz erschwert werden (lit. a) oder die Dauer</span><br/> <span class="ft1">und Ausgestaltung des Bildungsangebots sowie Prüfungen den spe-</span><br/> <span class="ft1">zifischen Bedürfnissen behinderter Personen nicht angepasst sind</span><br/> <span class="ft1">(lit. b). Wer durch ein Gemeinwesen in diesem Sinn benachteiligt</span><br/> <span class="ft1">wird, kann beim Gericht oder bei der Verwaltungsbehörde verlangen,</span><br/> <span class="ft1">dass das Gemeinwesen die Benachteiligung beseitigt oder unterlässt</span><br/> <span class="ft1">(Art. 8 Abs. 2 BehiG). Unter dem Vorbehalt des Verhältnismässig-</span><br/> <span class="ft1">keitsprinzips muss auf die spezifischen Bedürfnisse von behinderten</span><br/> <span class="ft1">Personen Rücksicht genommen werden, sofern dies im konkreten</span><br/> <span class="ft1">Fall möglich ist. Menschen mit Behinderungen haben somit nach</span><br/> <span class="ft1">dem BehiG gegenüber Gemeinwesen den Anspruch darauf, dass die</span><br/> <span class="ft1">Prüfungsmodalitäten ihren behinderungsbedingten Bedürfnissen an-</span><br/> <span class="ft1">gepasst werden (vgl. Bundesgerichtsurteil 2C_974/2014 vom</span><br/> <span class="ft1">27. April 2015, S. 5; BVGE 2008/26 Erw. 4.5; Urteile des Bundes-</span><br/> <span class="ft1">verwaltungsgerichts B-5474/2013 vom 27. Mai 2014, Erw. 4.1.3, und</span><br/> <span class="ft1">A-832/2014 vom 20. August 2014, Erw. 6.2). Es soll der Nachteil</span><br/> <span class="ft1">wenn immer möglich positiv ausgeglichen werden. Beim Nachteils-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">435</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ausgleich ist aber auch stets zu beachten, dass eine behinderte Person</span><br/> <span class="ft1">durch die besondere Prüfungsausgestaltung gegenüber den übrigen</span><br/> <span class="ft1">Kandidatinnen und Kandidaten nicht bevorzugt werden darf. Ziel der</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen in der Prüfungsausgestaltung ist allein der Ausgleich</span><br/> <span class="ft1">der aus der Behinderung (vorliegend Lese-Rechtschreibschwäche)</span><br/> <span class="ft1">resultierenden Schlechterstellung, nicht aber eine Besserstellung ge-</span><br/> <span class="ft1">genüber den übrigen Kandidatinnen und Kandidaten (vgl. Urteil des</span><br/> <span class="ft1">Bundesgerichts 2D_7/2011 vom 19. Mai 2011, S. 4; Urteil des Bun-</span><br/> <span class="ft1">desverwaltungsgerichts vom 20. August 2014 A832/2014, S. 10;</span><br/> <span class="ft1">Wegleitung Nachteilsausgleich in Schule und Berufsbildung der In-</span><br/> <span class="ft1">terkantonalen Hochschule für Heilpädagogik, S. 6). Im Gegensatz zu</span><br/> <span class="ft1">Art. 35 Abs. 3 BBV vom 19. November 2003 oder zu den aargaui-</span><br/> <span class="ft1">schen Bestimmungen in § 26a der Verordnung über die Berufs- und</span><br/> <span class="ft1">Weiterbildung (VBW) vom 7. November 2007 oder § 3a der Verord-</span><br/> <span class="ft1">nung über die Promotion und die Maturität an den Mittelschulen</span><br/> <span class="ft1">(Maturitätsverordnung) vom 23. Juni 1999 wird der Nachteilsaus-</span><br/> <span class="ft1">gleich für die Bezirksschule in keinem Erlass explizit erwähnt. Die</span><br/> <span class="ft1">Gewährung von Nachteilsausgleichsmassnahmen ergibt sich jedoch</span><br/> <span class="ft1">aus der Bundesverfassung sowie aus dem Behindertengleichstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsgesetz. Wie das Bundesgericht erkannte, könne die Anpassung</span><br/> <span class="ft1">des Prüfungsablaufs auf verschiedene Arten geschehen, wobei je-</span><br/> <span class="ft1">weils Art und Grad der Behinderung im Einzelfall zu betrachten sei.</span><br/> <span class="ft1">Meistens erfolgen Prüfungserleichterungen durch Prüfungszeitver-</span><br/> <span class="ft1">längerungen in einem angemessenen Umfang, durch Gewährung län-</span><br/> <span class="ft1">gerer Pausen, durch andere Prüfungsformen oder durch die Benut-</span><br/> <span class="ft1">zung eines Computers. Wenn die fachlichen Anforderungen aufgrund</span><br/> <span class="ft1">der Behinderungen angepasst werden müssen, handelt es sich dem-</span><br/> <span class="ft1">gegenüber nicht mehr um Nachteilsausgleichsmassnahmen, sondern</span><br/> <span class="ft1">um Lernzielanpassungen (vgl. Urteils des Bundesgerichts 2D_7/2011</span><br/> <span class="ft1">vom 18. Mai 2011, E. 3.2.). Die Gewährung von Lernzielanpassun-</span><br/> <span class="ft1">gen werden allerdings nicht aus dem Diskriminierungsverbot abge-</span><br/> <span class="ft1">leitet (vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich</span><br/> <span class="ft1">VB.2011.00573, S. 5). (...)</span><br/> <span class="ft1">2.4</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">436</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(...) Die Eltern der Beschwerdeführerin gelangten von Anfang</span><br/> <span class="ft1">an mehrfach an die Schulleitung und an die Lehrpersonen und er-</span><br/> <span class="ft1">suchten um Hilfe wegen der Lese-Rechtschreibschwäche ihrer Toch-</span><br/> <span class="ft1">ter. Damit hat die Beschwerdeführerin ihre Pflicht erfüllt, die zustän-</span><br/> <span class="ft1">dige Behörde über die Behinderung und über die Erforderlichkeit</span><br/> <span class="ft1">von Ausgleichsmassnahmen zu informieren (vgl. Urteile des Bundes-</span><br/> <span class="ft1">gerichts 2D_7/2011 vom 19. Mai E. 3.3 und 4.6, 2C_974/2014 vom</span><br/> <span class="ft1">27. April 2015 E. 3.4). Die Schulleitung A. stellte die Eltern der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin jedoch lediglich vor die Wahl zwischen einem</span><br/> <span class="ft1">Schulbesuch mit Lernzielanpassung, der den Zugang zur Mittelschu-</span><br/> <span class="ft1">le verwehrt hätte, oder die Absolvierung der Prüfungen wie alle an-</span><br/> <span class="ft1">deren Schulkameradinnen und Schulkameraden, welche an keiner</span><br/> <span class="ft1">Behinderung wie Legasthenie leiden. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.5</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Die obigen Ausführungen zeigen, dass die Schulleitung A. den</span><br/> <span class="ft1">Ansprüchen der Beschwerdeführerin aus dem Behindertengleichstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsgesetz nicht gebührend Rechnung getragen hat. Eine Korrektur</span><br/> <span class="ft1">der ausgebliebenen Nachteilsausgleichsmassnahmen für die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin an der Bezirksschule A. ist nicht mehr möglich.</span><br/> <span class="ft1">Eine Annullation und Repetition der Bezirksschul-Abschlussprüfung</span><br/> <span class="ft1">macht vorliegend wenig Sinn, da die Beschwerdeführerin fast schon</span><br/> <span class="ft1">ein Jahr die Kantonsschule in B. besucht. Es liegen daher ausseror-</span><br/> <span class="ft1">dentliche Verhältnisse vor: Einerseits hat die Beschwerdeführerin in</span><br/> <span class="ft1">der Bezirksschul-Abschlussprüfung den erforderlichen Notendurch-</span><br/> <span class="ft1">schnitt für den Übertritt in die Mittelschule um eine Zehntelnote</span><br/> <span class="ft1">nicht erreicht; andererseits wurden an der Bezirksschule A. zu Un-</span><br/> <span class="ft1">recht keine Nachteilausgleichsmassnahmen gewährt, was sich auf</span><br/> <span class="ft1">das Prüfungsergebnis ausgewirkt haben dürfte. Um eine weitere Be-</span><br/> <span class="ft1">nachteiligung der Beschwerdeführerin zu vermeiden, rechtfertigt es</span><br/> <span class="ft1">sich, ausnahmsweise die Kostengutsprache für den Besuch der Kan-</span><br/> <span class="ft1">tonsschule B. zu erteilen.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>