<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 121 S.559</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Fremdenpolizeirecht</span> <span class="page_no">559</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>121 Wegweisung eines italienischen Schwarzarbeiters</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Illegaler Aufenthalt und Schwarzarbeit: Anwendbare ausländerrechtliche</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Bestimmungen</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Auszug aus dem Entscheid des Rechtsdienstes der Fremdenpolizei vom</span><br/> <span class="ft2">28. März 2001 in Sachen L.C.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">L.C. reiste am 3. März 2001 in die Schweiz und wohnt seither</span><br/> <span class="ft4">bei seinem Bruder C.C. in O. Ab dem 5. März arbeitete L.C. als</span><br/> <span class="ft4">Handlanger ohne Bewilligung auf einer Baustelle. Im Rahmen einer</span><br/> <span class="ft4">polizeilichen Einvernahme anerkannte er diesen Sachverhalt, worauf</span><br/> <span class="ft4">das Bezirksamt Y gegen ihn und seinen Arbeitgeber ein Strafverfah-</span><br/> <span class="ft4">ren eröffnete. Die Sektion Massnahmen wies L.C. am 20. März 2001</span><br/> <span class="ft4">weg. Gleichentags verhängte das Bundesamt für Ausländerfragen</span><br/> <span class="ft4">(BFA) eine einjährige Einreisesperre über L.C. und entzog einer</span><br/> <span class="ft4">allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. Die Sektion Massnahmen ordnete in der angefochtenen Ver-</span><br/> <span class="ft4">fügung die Wegweisung des Einsprechers an und setzte ihm eine ein-</span><br/> <span class="ft4">tägige Frist, um die Schweiz zu verlassen. Sie begründete die Weg-</span><br/> <span class="ft4">wiesung des Einsprechers mit seinem illegalen Aufenthalt in der</span><br/> <span class="ft4">Schweiz und der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung.</span><br/> <span class="ft4">Gleichzeitig stellte sie die rasche Wegweisung mit dem Entzug der</span><br/> <span class="ft4">aufschiebenden Wirkung einer allfälligen Beschwerde (recte: Ein-</span><br/> <span class="ft4">sprache) sicher. Dazu ist Folgendes festzuhalten:</span><br/> <span class="ft4">Die Begründung der Verfügung überzeugt nicht, soweit sie dem</span><br/> <span class="ft4">Einsprecher illegalen Aufenthalt vorwirft. Als italienischer Staats-</span><br/> <span class="ft4">angehöriger, der eine gültige Identitätskarte hat, kann der Ein-</span><br/> <span class="ft4">sprecher - vorbehalten eines persönlichen Verbots gemäss Art. 1</span><br/> <span class="ft4">Abs.</span> <span class="ft4">2 der Vollziehungsverordnung zum Bundesgesetz über</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">560</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer [ANAV, SR 142.201]) -</span><br/> <span class="ft4">jederzeit in die Schweiz einreisen und sich hier bewilligungsfrei bis</span><br/> <span class="ft4">zu drei Monaten aufhalten (Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über</span><br/> <span class="ft4">Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer [ANAG, SR 142.20],</span><br/> <span class="ft4">Art. 1 ANAV). Er benötigt sogar dann kein Visum, wenn er für die</span><br/> <span class="ft4">Aufnahme einer Arbeit einreisen will; die Zusicherung der</span><br/> <span class="ft4">Aufenthaltsbewilligung zum Stellenantritt genügt (Art. 1 der Ver-</span><br/> <span class="ft4">ordnung über die Zusicherung der Aufenthaltsbewilligung zum</span><br/> <span class="ft4">Stellenantritt [im Folgenden: VO-ZAS, SR 142.261]). Er ist auch</span><br/> <span class="ft4">nicht verpflichtet, sich während dieser drei Monate bei der</span><br/> <span class="ft4">zuständigen Einwohnerkontrolle anzumelden, es sei denn, er reise</span><br/> <span class="ft4">zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ein. Diesfalls unterliegt er der</span><br/> <span class="ft4">achttägigen Anmeldefrist (Art. 2 Abs. 1 ANAG). Die Nichtbeachtung</span><br/> <span class="ft4">dieser Frist macht aus dem rechtmässigen Aufenthalt jedoch nicht</span><br/> <span class="ft4">automatisch einen illegalen, selbst wenn er Schwarzarbeit verrichtet:</span><br/> <span class="ft4">Die Anmeldefrist ist "nur" eine Ordnungsvorschrift, deren</span><br/> <span class="ft4">Nichtbeachtung eine Uebertretung darstellt (Art. 23 Abs. 6 ANAG),</span><br/> <span class="ft4">während der Gesetzgeber den illegalen Aufenthalt als Vergehen</span><br/> <span class="ft4">einstuft (Art. 23 Abs. 1 ANAG). Dem Einsprecher kann somit nur</span><br/> <span class="ft4">der Stellenantritt ohne Bewilligung (vgl. Art. 3 Abs. 3 ANAG) und</span><br/> <span class="ft4">das Nichtbefolgen der Anmeldefrist (Art.</span> <span class="ft4">2 Abs.</span> <span class="ft4">1 ANAG)</span><br/> <span class="ft4">vorgeworfen werden.</span><br/> <span class="ft4">Zwar hält der Bundesrat in Art. 1 VO-ZAS fest, dass aus-</span><br/> <span class="ft4">ländische Arbeitskräfte, die von der Visumspflicht befreit sind, nur</span><br/> <span class="ft4">dann zum Stellenantritt in die Schweiz einreisen dürfen, wenn sie</span><br/> <span class="ft4">eine Zusicherung der Aufenthaltsbewilligung besitzen. Damit will</span><br/> <span class="ft4">der Bundesrat einzig verhindern, dass Personen aus visumsbefreiten</span><br/> <span class="ft4">Staaten in die Schweiz einreisen, um vor Ort eine Arbeit zu suchen</span><br/> <span class="ft4">und damit die arbeitsmarktliche Prüfung (vgl. insbesondere Art. 7 ff.</span><br/> <span class="ft4">der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer [BVO,</span><br/> <span class="ft4">SR 823.21]) zu ihren Gunsten präjudizieren zu können. Die</span><br/> <span class="ft4">Verletzung dieser Regelung erschöpft sich in einem administrativen</span><br/> <span class="ft4">Rechtsnachteil (Art. 1 VO-ZAS, Satz 2): Die Erteilung einer</span><br/> <span class="ft4">Aufenthaltsbewilligung ist unzulässig, solange die ausländischen</span><br/> <span class="ft4">Arbeitskräfte ohne eine entsprechende Zusicherung einreisen. Die</span><br/> <span class="ft4">Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung lässt aber nicht auto-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Fremdenpolizeirecht</span> <span class="page_no">561</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">matisch den Schluss zu, dass der Aufenthalt in der Schweiz per se</span><br/> <span class="ft4">unrechtmässig ist. Selbst wenn gestützt auf Art. 1 VO-ZAS die</span><br/> <span class="ft4">Rechtmässigkeit eines Aufenthalts verneint werden könnte, könnte</span><br/> <span class="ft4">im vorliegenden Fall der Einsprecher nicht zur Rechenschaft</span><br/> <span class="ft4">gezogen werden. Gestützt auf sein Geständnis, auf das die Sektion</span><br/> <span class="ft4">Massnahmen vollumfänglich abstellt und an dessen Richtigkeit keine</span><br/> <span class="ft4">Zweifel aufkommen, steht fest, dass er erst in der Schweiz den</span><br/> <span class="ft4">Vorsatz fasste, Schwarzarbeit zu verrichten, nämlich zum Zeitpunkt,</span><br/> <span class="ft4">als ihm das Geld ausgegangen war.</span><br/> <span class="ft4">Anders sähe es aus, wenn der Einsprecher aus einem Staat</span><br/> <span class="ft4">stammen würde, dessen Angehörige zur Aufnahme einer Er-</span><br/> <span class="ft4">werbstätigkeit in der Schweiz der Visumspflicht unterliegen (Bei-</span><br/> <span class="ft4">spiel: Ungarn, Slowakei, Tschechische Republik) und ihm der</span><br/> <span class="ft4">Vorsatz nachgewiesen werden könnte, dass er bloss eingereist ist, um</span><br/> <span class="ft4">hier schwarz zu arbeiten. Diesfalls läge neben Schwarzarbeit in der</span><br/> <span class="ft4">Tat eine illegale Einreise gemäss Art. 1 Abs. 2 ANAV vor.</span><br/> <span class="ft4">Trotzdem hält die sofortige Wegweisung des Einsprechers einer</span><br/> <span class="ft4">rechtlichen Überprüfung stand. Die Fremdenpolizei könnte seine</span><br/> <span class="ft4">weitere Anwesenheit als Tourist zwar tolerieren, bis die bewilli-</span><br/> <span class="ft4">gungsfreie Aufenthaltsdauer abgelaufen ist. Der Bundesrat gibt in</span><br/> <span class="ft4">Art. 3 Abs. 3 ANAV aber vor, dass bei unerlaubter Erwerbstätigkeit</span><br/> <span class="ft4">der Ausländer "in der Regel" zur Wiederausreise aus der Schweiz zu</span><br/> <span class="ft4">verhalten ist und verweist auf Art. 17 Abs. 2 ANAV, der die</span><br/> <span class="ft4">Möglichkeit vorsieht, über einen unerwünschten Ausländer eine</span><br/> <span class="ft4">Einreisesperre verhängen zu lassen. Hinzu kommt, dass der</span><br/> <span class="ft4">Einsprecher ohnehin nicht mehr in der Lage ist, für seinen Unterhalt</span><br/> <span class="ft4">selber aufzukommen. Die Einsprache ist daher in diesem Punkt abzu-</span><br/> <span class="ft4">weisen.</span><br/> <span class="ft4">Unbeachtlich ist schliesslich, dass der Einsprecher ein Interesse</span><br/> <span class="ft4">hat, das vorliegende Verfahren in der Schweiz abzuwarten. Ein Ge-</span><br/> <span class="ft4">such um Erteilung einer Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung mag</span><br/> <span class="ft4">hängig sein. Solange jedoch eine Einreisesperre besteht und er sich</span><br/> <span class="ft4">Art. 1 VO-ZAS entgegenhalten lassen muss, ist die Aufenthaltsre-</span><br/> <span class="ft4">gelung zum Vornherein ausgeschlossen.</span><br/> <span class="ft4">Selbst für die Durchführung des Strafverfahrens ist seine</span><br/> <span class="ft4">persönliche Anwesenheit in der Schweiz kaum erforderlich: Strittig</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">562</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">ist ja nicht der inkriminierte Sachverhalt, sondern bloss die sich</span><br/> <span class="ft4">daraus ergebenden Rechtsfragen und Nachteile, insbesondere die</span><br/> <span class="ft4">Einreisesperre. Sollte der geständige Einsprecher gegen einen</span><br/> <span class="ft4">allfälligen Strafbefehl opponieren, kann er das zuständige Gericht</span><br/> <span class="ft4">immer noch ermächtigen, das Urteil auf Grundlage der Akten zu</span><br/> <span class="ft4">fällen (vgl. § 170 lit. d oder e der aargauischen Strafprozessordnung,</span><br/> <span class="ft4">SAR 251.100). Nötigenfalls kann das Gericht auch beim BFA eine</span><br/> <span class="ft4">Suspendierung der Einreisesperre erwirken, um dem Einsprecher die</span><br/> <span class="ft4">Teilnahme an der Gerichtsverhandlung zu ermöglichen.</span><br/></div> </div> </body> </html>