<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">128</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>21</b></span> <span class="ft4"><b>Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung; Rechtsschutzinteresse</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Trotz erneuter Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Wieder-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>verheiratung bleibt ein Rechtsschutzinteresse an der Beurteilung einer</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Beschwerde betreffend die Nichtverlängerung einer gestützt auf die erste</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Ehe erteilte Aufenthaltsbewilligung bestehen (Erw. I/2.).</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 8. Juli 2014</span><br/> <span class="ft6">in Sachen A. gegen das Amt für Migration und Integration (WBE.2012.1050).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">I.</span><br/> <span class="ft1">1. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Zur Beschwerde befugt ist, wer ein schutzwürdiges Interesse an</span><br/> <span class="ft1">der Aufhebung oder der Änderung des Entscheids hat (§ 41 lit. a</span><br/> <span class="ft1">VRPG). Schutzwürdig ist ein Interesse, wenn der Ausgang des</span><br/> <span class="ft1">Verfahrens die tatsächliche oder rechtliche Situation des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers beeinflussen kann. Zusätzlich ist ein aktuelles und</span><br/> <span class="ft1">praktisches Interesse an der Beschwerdeführung vorausgesetzt, wo-</span><br/> <span class="ft1">mit sichergestellt werden soll, dass die rechtsanwendende Behörde</span><br/> <span class="ft1">konkrete und nicht bloss theoretische Fragen entscheidet. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdelegitimation ist eine Sachurteilsvoraussetzung, welche von</span><br/> <span class="ft1">Amtes wegen zu prüfen ist (vgl. AGVE 2009, S. 291 f., mit Hinwei-</span><br/> <span class="ft1">sen).</span><br/> <span class="ft1">Dem Beschwerdeführer wurde am 15. Januar 2014, also wäh-</span><br/> <span class="ft1">rend des laufenden Beschwerdeverfahrens, aufgrund seiner erneuten</span><br/> <span class="ft1">Heirat mit einer Schweizerin eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. Ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Art. 42 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatten von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">129</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Schweizerinnen Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Ein-</span><br/> <span class="ft1">zig wenn wichtige Gründe geltend gemacht werden, kann vom Erfor-</span><br/> <span class="ft1">dernis des Zusammenwohnens abgewichen werden; die Familienge-</span><br/> <span class="ft1">meinschaft muss aber auf alle Fälle weiterbestehen (Art. 49 AuG).</span><br/> <span class="ft1">Der Anspruch der derzeit gültigen Aufenthaltsbewilligung des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers ist somit akzessorisch, d.h. er bedingt den Verbleib</span><br/> <span class="ft1">bei der Ehegattin.</span><br/> <span class="ft1">Streitgegenstand der vorliegenden Beschwerde ist demgegen-</span><br/> <span class="ft1">über die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung, welche ge-</span><br/> <span class="ft1">stützt auf die inzwischen geschiedene Ehe erteilt wurde (vgl. zum</span><br/> <span class="ft1">Streitgegenstand in migrationsrechtlichen Verfahren und zu dessen</span><br/> <span class="ft1">Erweiterung bzw. Reduktion: Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft1">29. April 2014 [2C_961/2013], Erw. 3.3). Eine allfällige Gutheissung</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerde hätte zur Folge, dass dem Beschwerdeführer eine</span><br/> <span class="ft1">nichtakzessorische und somit originäre Aufenthaltsbewilligung erteilt</span><br/> <span class="ft1">würde, welche keinen Verbleib beim Ehegatten bedingt. Der Aus-</span><br/> <span class="ft1">gang des Verfahrens ist somit geeignet, die rechtliche Situation des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers zu beeinflussen, womit der Beschwerdeführer ein</span><br/> <span class="ft1">schutzwürdiges Interesse hat. Dies umso mehr, als gemäss neuster</span><br/> <span class="ft1">bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei einem allfälligen Scheitern</span><br/> <span class="ft1">der zweiten Ehe die Dauer des ehelichen Zusammenlebens der bei-</span><br/> <span class="ft1">den Ehen nicht addiert werden darf, um die Voraussetzung des</span><br/> <span class="ft1">dreijährigen ehelichen Zusammenlebens im Sinne von Art. 50 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">lit. a AuG zu erfüllen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. März</span><br/> <span class="ft1">2014 [2C_773/2013]) und es zu einem späteren Zeitpunkt erheblich</span><br/> <span class="ft1">schwieriger sein dürfte, in Bezug auf die erste Ehe einen wichtigen</span><br/> <span class="ft1">Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG, der den weiteren Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthalt in der Schweiz erforderlich macht, nachzuweisen. Entgegen</span><br/> <span class="ft1">der offenbar durch das Bundesgericht bislang vertretenen, aber so-</span><br/> <span class="ft1">weit ersichtlich nicht einlässlich begründeten Auffassung, dass bei</span><br/> <span class="ft1">erneuter Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Wiederver-</span><br/> <span class="ft1">heiratung von einer Gegenstandslosigkeit des Verfahrens betreffend</span><br/> <span class="ft1">Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach gescheiterter erster</span><br/> <span class="ft1">Ehe auszugehen ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft1">18. Dezember 2012 [2C_432/2012], Erw. 2.2 und vom 29. Februar</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">130</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2012 [2C_481/2011], Erw. 2), besteht seitens des Betroffenen ein</span><br/> <span class="ft1">schutzwürdiges Interesse an der Beurteilung seines Gesuchs um</span><br/> <span class="ft1">Erteilung einer eigenständigen Aufenthaltsbewilligung, auch wenn</span><br/> <span class="ft1">der Betroffene bereits wieder im Besitze einer (akzessorischen) Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthaltsbewilligung ist. Nach dem Gesagten und nachdem die vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gende Beschwerde innert der angesetzten Frist nicht zurückgezogen</span><br/> <span class="ft1">wurde, ist darauf einzutreten.</span><br/></div> </div> </body> </html>