B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2950/2012 U r t e i l v o m 1 9 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Pietro Angeli-Busi, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______, Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Angela Roos, Rechtsanwältin, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. April 2012 / N (…). E-2950/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verli ess der Beschwerdeführer, ein sri - lankischer Staatsangehöriger, tamilischer Ethnie, aus B._______ (Provinz Jaffna), seinen Heimatstaat am 2. April 2009. Über Dubai und Italien reis- te er a m 6. April 2009 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Anlässlich der Kurzbefragu ng vom 9. April 2009 im Em p- fangs- und Verfahrenszent rum (EVZ) Basel und der An hörung vom 30. April 2009 zu den Asylgründen machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er habe zwischen 2005 und August 2008 als Minenräumer bei der (…) gearbeitet. Zwei Arbeitskollegen von ihm seien erschossen worden , und er sei daraufhin von ihm unbekannten Leuten gesucht worden . Diese Personen hätten von ihm verlangt, dass er ihnen die entfernten Minen gebe. Sie hätten ihn auch über seine Arbeitskollegen ausgefragt und ihm vorgeworfen, er würde sowohl die Armee als auch die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) unterstützen. Als er sich geweigert habe, die Minen abzugeben, hätten sie ihm ge droht. Er sei von die sen Personen etwa 15 Mal befragt und bedroht worden. Es seien auch Arbei tskollegen von ihm verschwunden, weshalb die (…) in Erwägung gezogen habe, ihre Aktivitä- ten in C._______ einzustellen. Er habe seinem Vorgesetzten gemeldet, dass er belästigt werde, die ser habe jedoch gesagt, er könne ihm (Be- schwerdeführer) nicht helfen, woraufhin er seine Arbeit gekündigt habe. Dieselben Personen hätten ihn danach erneut aufgesucht und gefragt, warum er seine Arbeit nie dergelegt habe und wohin er gehen wol le; er müsse in C._______ bleiben. Anfänglich habe er keinen Clearance - Schein bekom men, weshalb er sich zunächst versteckt gehalten habe. Schliesslich habe er durch Bestechung an eine n gelangen können und C._______ am 25. März 2009 verlassen. Anlässlich der Befragungen reichte der Beschwerdeführer folgende D o- kumente zu den Akten: eine Fotografie, d ie ihn mit 3 Mitarbeitern zeig e, zwei Zeitungsartikel vom (…) und vom (…) 2007, welche über die E r- schiessung seiner beiden A rbeitskollegen berichten , ein Schreiben der Human Rights Commission of Sri Lan ka (HRC) vom 7. April 2009, eine Bescheinigung der Sri Lanka Red Cross So ciety vom 2. April 200 9, ein Schreiben der (…) Sri Lanka vom 28. August 2008 sowie ein Zertifikat derselben Organisation. E-2950/2012 Seite 3 B. Mit Verfügung vom 26. April 2012 (eröffnet am 2. Mai 2012 ) lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an . Die Vorinstanz b e- gründete den ablehnenden Asylentscheid damit, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhalten würden. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, z u- mutbar und möglich. Für die detaillierte Begründung wird, soweit wesen t- lich, auf die Erwägungen verwiesen. C. Mit Beschwerde vom 31. Mai 2012 an das Bundesverwaltungsgericht be- antragte der Beschwerdeführer die Aufhebung de r vorinstanzlichen Ver- fügung, die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gutheissung des Asylgesuchs, eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Als Beweismittel reichte er ein ärztliches Zeugnis betreffend seinen Bruder des (…) Hospi- tals in C._______ vom 16. Mai 2012 zu den Akten. D. Mit Zwischenverfügung vom 13. Juni 2012 stellte die Instruktionsrichterin den legalen Aufenthalt des Beschwerdeführer s während des Verfahrens fest und setzte ihm gleichzeitig Frist zu r Bezahlung eines Kostenvo r- schusses, welcher am 20. Juni 2012 fristgerecht geleistet wurde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-E-2950/2012 Seite 4 richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nic hts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erli t- ten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in a b- sehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund b e- stimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt E-2950/2012 Seite 5 zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subs i- diarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). 4.2 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausre ise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind des - halb zugunsten und zulasten der ein Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f.; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 2 E. 8a S. 20; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Grundsätzlich sind die Vorbringen eines Gesuchstellers dann glaubhaft, wenn sie genü - gend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. 5. 5.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnend en Asylentscheid damit, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand halten. Diese müssten vor dem Hintergrund der allgemein angespannten Situation in Sri Lanka betrachtet werden, welche während des Bürgerkriegs g e- herrscht und sich in der Zwischenzeit entspannt habe. Der Krieg sei mit einer Niederlage der LTTE zu Ende gegangen und das gesamte Land sei seither wieder unter Regierungskontrolle. Die Sicherheits - und Me n-E-2950/2012 Seite 6 schenrechtslage sei zwar noch nicht in allen Teilen des Landes zufrieden- stellend, doch die Anzahl von Gewaltereignissen wie Entführungen, Ve r- schleppungen und Tötungen sei erheblich zurückgegangen. Die LTTE würden über keine handlungsfähige Struktur mehr verfügen und auch für den Beschwerdeführer keine unmittelbare Bedrohu ng mehr dar stellen. Der Einfluss der bewaffneten Gruppen habe seit Ende des Bürgerkrieges ebenfalls stark abgenommen. Zudem würden Übergriffe auf die Zivilb e- völkerung von Seiten krimineller Einzelt äter oder bewaffneter Gruppen in der Regel von den Behörden geahndet. Der Beschwerdeführer mache nicht geltend, ein aktives oder sogar führendes Mitglied der LTTE gew e- sen zu sein. Auch würden sich in seinen Schilderungen keine Hinweise dafür finden, dass e r von der sri -lankischen Regierung verfolgt würde. Angesichts seines geringen politischen Profils sei nicht davon auszug e- hen, dass er zum jetzigen Zeitpunkt mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von asylrelevanten Schwierigkeiten bedroht sei. Daran würden auc h die eingereichten Beweismittel nichts ändern. 5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe entgegnete der Beschwerdeführer, er habe kurz nach seiner Einreise in die Schweiz von seiner Familie er fah- ren, dass die Pe rsonen, die ihn bedroht h ätten, weiterhin nach ihm suchen würden. Da er selber nicht mehr auffindbar gewesen sei, hätten sie seinen Bruder, D._______, entführt und während ungefähr eines M o- nats festgehalten und misshandelt, so dass er s ich nach seiner Freila s- sung in spitalärztliche Behandlung habe begeben müssen. Infolge der Verletzungen habe er einen Schlaganfall erlitten und sei nun auf leben s- lange Betreuung angewiesen. Der Beschwerdeführer habe zu befürchten, dass ihm bei einer Rückkehr dasselbe Schicksal drohe. Seine Mutter h a- be ihm berichtet, dass dieselb en Personen nach wie vor bei der Familie auftauchen und nach ihm fragen würden. Er habe zudem unterdessen von seiner Familie erfahren, dass diese Personen der Eelam People's Democratic Party (EPDP) angehören würden, wel che immer noch aktiv sei. Da er ferner seit mehreren Jahren verschwunden sei, werde er ve r- dächtigt, sich den LTTE angeschlossen zu haben. Die Schutzgewährung vor Übergriffen seitens paramilitärischer Gruppen durch die staatlichen Behörden sei sowohl im Norden wie im Osten limitiert respektive ineffi- zient, weshalb er keinen Schutz vor seinen Verfolgern finden würde. Bei einer Rückkehr habe er mit dem Tod zu rechnen und somit eine asylrecht- lich relevante Verfolgung zu befürchten. Aus dem der Beschwerde beiliegenden "Medical Certificate " vom 16. Mai 2012 geht hervor, dass D._______ am (…) 2009 nach schwerer Folter im E-2950/2012 Seite 7 (…) Hospital behandelt worden sei. Er habe ([Beschreibung von Verle t- zungen]). Ausserdem seien ([Beschreibung von Verletzungen]) sichtbar. Er befinde sich in medizinischer Be handlung nach einem Schlaganfall aufgrund einer ([Beschreibung von Verletzungen]) und sei auf lebenslan- ge medizinische Betreuung angewiesen. 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach eingehender Prüfung der Akten zur Überzeugung, dass die in der angefoch tenen Verfügung (vgl. dort E. I) getroffene Würdigung der Asylvorbringen des Beschwerde- führers den Ansprüchen gemäss Gesetz und Praxis genügt. Zur Verme i- dung von Wiederholungen kann auf die einlässlichen vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. Die Vo rinstanz ist insbesondere in ihrer Feststellung zu stützen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers vor dem Hintergrund der während des Bürgerkriegs herrschenden, allgemein angespannten Situation betrachtet werden müs sen, sich die Situati on zwischenzeitlich aber entspannt hat . Nach Beendi gung des militärischen Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 ist nun von einer erheblich verbesserten Lage in Sri Lanka auszugehen. Der Einfluss von bewaffneten Gruppen hat stark abgenommen (vgl. zur Lage in Sri Lanka BVGE 2011/24) . Mit dem BFM ist festzustellen, dass sich in den Vorbringen bei der Vorinstanz und auch auf Beschwerdeebe- ne keine substanziierten Hinweise dafür finden, wonach die sri-lankischen Behörden heute ein ernsthaftes Interesse daran hätten, den Beschwerde- führer zu verfolgen. Er hat nicht geltend gemacht, den LTTE angehört zu haben oder ein führendes Mitglied gewesen zu sein. Ob die Personen, welche ihn bedroht haben sollen , tatsächlich – wie erstmals in der B e- schwerde geltend gemacht – der EPDP angehören, kann an dieser Stelle offengelassen werden, da , wie soeben erwähnt, angesichts seines fe h- lenden politischen Profils nicht davon auszugehen ist, dass er zum jetz i- gen Zeitpunkt mit erheblicher Wahr scheinlichkeit von asylrelevanten Schwierigkeiten bedroht ist. Weiter ist zu erwähnen, dass d ie (…) aktuell in Jaffna tätig ist und in Zusammenarbeit mit Sri Lankas Regierung steht (vgl. http://www.(...), zuletzt besucht am 6. Juli 2012) . Seit den vom B e- schwerdeführer geltend gemachten Vorfällen im Jahr 2007 sind keine Übergriffe auf oder Probleme der (…) bekannt und auch der Beschwerde- führer macht nichts E ntsprechendes geltend. Es ist deshalb , selbst unter Berücksichtigung der in der Beschwerde geltend gemachten, jedoch nicht hinreichend substanziierten oder rechtsgenüglich belegten Ausführungen, wonach er immer noch gesucht werde, sein Bruder an seiner Stelle mi t- genommen und misshandelt worden sei und er des LTTE -Anschlusses E-2950/2012 Seite 8 verdächtigt werde, nicht davon auszugehen, dass ihm aufgrund seiner früheren Tätigkeit bei der (…) eine Gefahr droht. Nach dem Gesagten ist die vom BFM vorgenommene Feststellung des Sachverhalts und dessen Würdigung insgesamt nicht zu beanstanden. Im Übrigen ist festzuhalten, dass die eingereichten Beweismittel in keiner Weise geeignet sind, eine andere als die soeben getroffene Einschätzung herbeizuführen. Die beim BFM eingereichten Beweismittel (zwei Ze i- tungsartikel, eine Fotografie, Schreiben und Zertifikat der (…) Sri Lanka, je ein Schreiben der Sri Lanka Red Cross Society und der HRC ) belegen den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Sa chverhalt, wonach er als Minenräumer gearbeitet habe, zwei Arbeitskollegen getötet worden seien und die (…) Sri Lanka aufgrund dieser Probleme die Aktivitäten (vo- rübergehend) habe einstellen müssen. Dieser Sachverhalt wurde jedoch, wie oben ausgeführt, als nicht asylrelevant erkannt. Das auf Beschwe r- deebene eingereichte Arztzeugnis des Bruders vermag an dieser Fes t- stellung ebenfalls nichts zu ändern, zumal diesem nur ein höchstens sehr geringer Beweiswert zukommt (Ereignis (…) 2009, Ausstellung Mai 2012), es sich dabei möglicherweise um ein Gefälligkeitsschreiben ha n- delt. Dazu ist anzumerken, dass der Bruder des Beschwerde führers of- fenbar bereits vor dessen Ausreise krank war (vgl. vorinstanzliche Akten A7 F34 und F58) , was im Arztzeugnis jedoch mit keinem Wort erwähnt wird. Es bestehen deshalb ernsthafte Zweifel sowohl an der Authentizität besagten Zeugnisses als auch am Vorbringen des Beschwerde führers, sein Bruder sei an seiner Stellt festgenommen, gefoltert worden und seit- her betreuungsbedürftig. 6.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubh aft zu machen vermag, weshalb das BFM das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. Es erübrigt sich auf die weiteren Beschwerdevorbringen einzugehen, zumal sie für den Ausgang des Verfahrens irrelevant sind. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l-E-2950/2012 Seite 9 chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme v on Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2 Der Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka ist unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig, da der Beschwer deführer – wie zuvor dar- gelegt – dort keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt wä-E-2950/2012 Seite 10 re. Aus s einen Vorbringen ergeben sich ausserdem – selbst unter B e- rücksichtigung seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie – keine ko n- kreten und gewichtigen Anhaltspunkte für die Annahme, dass er im Falle einer Rückschaffung nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrsc heinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, 2001 Nr. 17 S. 130 f.; aus der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte etwa die U r- teile i.S. Bensaid, Rep. 2001-I, S. 303, sowie i.S. Saadi vom 28. Februar 2008 [Grosse Kammer], Beschwerde Nr. 37201/06, Para. 124 ff., jeweils mit weiteren Hinweisen). Zwar ist die allgemeine Menschenrechtssituat i- on in Sri Lanka nach dem Ende des Bürgerkriegs im Mai 2009 auch he u- te noch in vers chiedener Hinsicht als problematisch zu bezeichnen (vgl. anstelle vieler etwa AMNESTY INTERNATIONAL [AI], Report 2011, S. 301 ff. [AI-Index: POL 10/001/2011]) und insbesondere unklar, wie die Regierung mit den ehemaligen Angehörigen und Anhängern der LTTE umgeht be- ziehungsweise weiter umgehen wird. In Bezug auf den Beschwerdeführer sind jedoch (in Anb etracht der Ausführungen in E. 6) keine konkreten Hinweise dafür vorhanden, dass er den sri -lankischen Sicherheitskräften im heutigen Zeitpunkt in spezifischer Weise als verdächtig erscheinen könnte. Somit besteht auch unter den derzeit herrschenden Bedingungen in Sri Lanka kein konkreter Anlass zur Annahme, dem Beschwerdeführer drohe eine entsprechende Gefährdung. Der Vollzug der Wegweisung ist somit sowohl im Sinne der asylgesetzlichen als auch der völkerrechtl i- chen Bestimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürg erkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 In der angefochtenen Verfügung vom 26. April 2012 hielt das BFM zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges im Wesentlichen fest, der Wegweisungsvollzug in das Gebiet der Nordprovinz sei mit Ausnah me des Vanni-Gebietes grundsätzlich zumutbar, wobei sich eine sorgfältige Beurteilung der individuellen Zumutba rkeitskriterien aufdränge. Für Pe r- sonen, deren letzter Aufenthalt in der Nordprovinz längere Zeit zurüc k- liegt, seien zudem die aktuellen Lebens - und Wohnverhältnisse und das Vorhandensein begünstigender Faktoren zu prüfen. Der Beschwerdefü h-E-2950/2012 Seite 11 rer stamme aus B._______ (Jaffna District) und habe den grössten Teil seines Lebens in Sri Lanka verbracht, habe dort eine gute Schulbildung genossen und als Fischer sowie Minenräumer gearbeitet. Er könne sich auf ein familiäres und soziales Beziehungsnetz stützen. Der Vo llzug der Wegweisung in den Heimatstaat erweise sich somit als zumutbar. Der Beschwerdeführer argumentierte diesbezüglich in seiner Rechtsmi t- teleingabe, das BFM habe seine Situation nicht hinreichend sorgfältig ab- geklärt. Er habe seine Heimat noch vor Bee ndigung des Bürgerkriegs verlassen. Seither habe sich die Situation seiner Familie verändert. Sein Bruder sei Opfer einer brutalen Entführung geworden und derart mis s- handelt worden, dass er nun sein Leben lang beeinträchtigt sein werde. Mit der Fischerei k omme die Familie kaum über die Runden, da die A r- mee den Vater nicht regelmässig fischen lasse. Seine Familie habe somit keine Kapazität, den Beschwerdeführer bei sich aufzunehmen. Als Minen- räumer könne er nicht mehr arbeiten, und als Fischer würde er denselben Restriktionen unterstehen wie sein Vater. Auch verfüge er nicht über eine gute Schulbildung, sondern habe die Schule nur bis zur 10. Klasse b e- sucht, danach aber keine Berufsbildung absolviert. Er habe deshalb keine Möglichkeit, einen anderen Beruf aus zuüben und sei bei einer allfälligen Rückkehr in seiner Existenz gefährdet. 8.3.3 Der Beschwerdeführer hat eigenen Angaben zufolge bis zu seiner Ausreise immer in B._______ (District Jaffna) gelebt (vgl. A1 S. 1). An- lässlich der Anhörung vom 30. April 2009 gab er an, dort mit seinen Eltern und Geschwistern, seiner Grossmutter und einem Onkel gelebt zu haben. Ausserdem habe er (…) Onkel und Tanten in C._______ und (…) Onkel in E._______. Da er bereits damals angab, sein älterer Bruder sei krank und arbeite deshalb nicht, kann das Vorbringen in der Beschwerde, seine familiäre Situation habe sich geändert, da der Bruder gefoltert worden und seither betreuungsbedürftig sei, nicht gehört werden. Beim B e- schwerdeführer handelt es sich um einen (…)-jährigen, alleinstehenden Mann. Aufgrund der vorliegenden Akten bestehen keine Hinweise auf a k- tuelle gesundheitliche Schwierigkeiten. Er wird nach seiner Rückkehr in sein Heimatland sowohl auf die Unterstützung seiner in C._______ le- benden Familie zählen können und bei seinen A ngehörigen eine Unte r- kunft vorfinden, als auch in der Zukunft in der Lage sein, sich dank seiner beruflichen Kenntnisse wirtschaftlich wieder zu integrieren. Es ist mithin nicht ersichtlich, dass er bei einer Rückkehr in eine existenzielle Notlage geraten würde. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach als zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. E-2950/2012 Seite 12 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen V ertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Nach dem Gesag- ten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist deshalb abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) , auf insgesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge- richt [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 20. Juni 2012 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) E-2950/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel Versand: