<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 347</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide de sM...</span> <span class="page_no">347</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>85</b></span> <span class="ft2"><b>Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung; Dauer des ehelichen Zu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sammenlebens</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Ein Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung auf-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>grund einer drei Jahre bestandenen Ehegemeinschaft ist nur dann</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gegeben, wenn während dieser Zeit auch ein Ehewille vorhanden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>war. Solange Ehegatten zusammen wohnen, wird ein von einem Ehe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>willen getragenes Zusammenleben vermutet. Diese Vermutung kann</b></span><br/> <span class="ft2"><b>jedoch im Einzelfall widerlegt werden (E. II./3.1.2.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>I.c. wurde das Erfordernis des dreijährigen Zusammenlebens als</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ehegatten in der Schweiz nur in formeller Hinsicht erfüllt, weshalb</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung im Sinne</b></span><br/> <span class="ft2"><b>von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG erloschen ist (E. II./3.2.4.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 25. August</span><br/> <span class="ft5">2011 in Sachen L.A.V. betreffend Nichtverlängerung der Aufenthaltsbe-</span><br/> <span class="ft5">willigung und Wegweisung (1-BE.2010.47).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">348</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Bestätigt durch den Entscheid des Bundesgerichts vom 23. Dezember 2010</span><br/> <span class="ft5">(2C_786/2011).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">II.</span><br/> <span class="ft7">3. [...]</span><br/> <span class="ft7">3.1.2.</span><br/> <span class="ft7">Die in Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG geforderte Ehegemeinschaft</span><br/> <span class="ft7">besteht grundsätzlich solange, als die Eheleute zusammenleben</span><br/> <span class="ft7">(Marc Spescha, in: Marc Spescha/Hanspeter Thür/Andreas Zünd/</span><br/> <span class="ft7">Peter Bolzli [Hrsg.], Migrationsrecht, Zürich 2008, Art. 50 AuG,</span><br/> <span class="ft7">N. 4). Es wird indessen auch bei Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG eine tat-</span><br/> <span class="ft7">sächlich gelebte eheliche Beziehung vorausgesetzt. Es genügt nicht,</span><br/> <span class="ft7">wenn die Ehe während des Zusammenwohnens nur formell bestan-</span><br/> <span class="ft7">den hat. Mit anderen Worten besteht ein Anspruch auf Verlängerung</span><br/> <span class="ft7">der Aufenthaltsbewilligung aufgrund einer drei Jahre bestandenen</span><br/> <span class="ft7">Ehegemeinschaft nur dann, wenn während dieser Zeit auch ein Ehe-</span><br/> <span class="ft7">wille vorhanden war. Das Vorhandensein eines Ehewillens wird wäh-</span><br/> <span class="ft7">rend des Zusammenwohnens von Ehegatten zwar vermutet; diese</span><br/> <span class="ft7">tatsächliche Vermutung kann jedoch im Einzelfall widerlegt werden</span><br/> <span class="ft7">(vgl. Martin Kaufmann, Beweisführung und Beweiswürdigung,</span><br/> <span class="ft7">Zürich/St. Gallen 2009, S. 230 ff.).</span><br/> <span class="ft7">[...]</span><br/> <span class="ft7">3.2.4.</span><br/> <span class="ft7">Aufgrund der Akten ist davon auszugehen, dass die Ehegatten</span><br/> <span class="ft7">bis Ende Oktober 2009 in einem gemeinsamen Haushalt gelebt ha-</span><br/> <span class="ft7">ben. Das Erfordernis des dreijährigen Zusammenlebens als Ehegatten</span><br/> <span class="ft7">in der Schweiz ist somit in formeller Hinsicht erfüllt. Dennoch ist der</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführerin kein Anspruch auf Verlängerung der Aufent-</span><br/> <span class="ft7">haltsbewilligung gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG zuzuerkennen.</span><br/> <span class="ft7">Mit Eingabe vom 20. Oktober 2008 liess der Ehemann der Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführerin beim Bezirksgericht Z. die Aufhebung des gemein-</span><br/> <span class="ft7">samen Haushalts beantragen. Die Beschwerdeführerin widersetzte</span><br/> <span class="ft7">sich in der Klageantwort diesem Begehren nicht. Anlässlich der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide de sM...</span> <span class="page_no">349</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">mündlichen Eheschutzverhandlung vom 27. November 2008 hielten</span><br/> <span class="ft7">sowohl der Ehemann als auch die Beschwerdeführerin an ihren je-</span><br/> <span class="ft7">weiligen Begehren fest. Nach der Eheschutzverhandlung nahmen die</span><br/> <span class="ft7">Parteien Vergleichsgespräche auf, weshalb das Gericht angewiesen</span><br/> <span class="ft7">wurde, mit der Urteilsfällung zuzuwarten. Gemäss Mitteilung der</span><br/> <span class="ft7">Rechtsvertreterin des Ehemannes vom 19. Januar 2009 scheiterten</span><br/> <span class="ft7">indessen die Vergleichsverhandlungen, worauf das Eheschutzverfah-</span><br/> <span class="ft7">ren wieder aufgenommen und am 19. Mai 2009 ein entsprechendes</span><br/> <span class="ft7">Urteil gefällt wurde.</span><br/> <span class="ft7">Nachdem mit Eheschutzurteil des Gerichtspräsidiums Z. vom</span><br/> <span class="ft7">19. Mai 2009 davon Vormerk genommen wurde, dass die Ehegatten</span><br/> <span class="ft7">seit dem 20. Oktober 2008 getrennt leben würden, kann grundsätz-</span><br/> <span class="ft7">lich nicht mehr davon ausgegangen werden, dass die Ehegatten über</span><br/> <span class="ft7">dieses Datum hinaus noch eine von einem Ehewillen getragene Le-</span><br/> <span class="ft7">bensgemeinschaft hätten (weiter)führen wollen. Dass die Beschwer-</span><br/> <span class="ft7">deführerin nach dem 19. Mai 2009 nicht unverzüglich und auch nicht</span><br/> <span class="ft7">- wie im Eheschutzurteil vorgesehen - per 30. September 2009 eine</span><br/> <span class="ft7">eigene Wohnung bezog, sondern erst per 1. November 2009 in</span><br/> <span class="ft7">S. Wohnsitz nahm, lässt keinen gegenteiligen Schluss zu. Dies umso</span><br/> <span class="ft7">weniger, als der Ehemann der Beschwerdeführerin das Zusammen-</span><br/> <span class="ft7">leben nach dem 19. Mai 2009 nicht mit der Wiederaufnahme oder</span><br/> <span class="ft7">Weiterführung der ehelichen Gemeinschaft begründete, sondern da-</span><br/> <span class="ft7">mit, dass seine "Ex-Frau" kurz nach der Trennung ihre Arbeitsstelle</span><br/> <span class="ft7">verloren habe und er sie nicht einfach mittellos vor die Türe habe</span><br/> <span class="ft7">stellen wollen. Auch sein Wunsch, dass die Beschwerdeführerin in</span><br/> <span class="ft7">der Schweiz verbleiben könne, damit sie weiterhin ihre Familie in</span><br/> <span class="ft7">Kenia finanziell unterstützen könne, lässt nicht darauf schliessen,</span><br/> <span class="ft7">dass eine eheliche Gemeinschaft über den von den Ehegatten gegen-</span><br/> <span class="ft7">über dem Zivilrichter angegebenen Trennungszeitpunkt weiterbe-</span><br/> <span class="ft7">standen hätte. Ein weiteres Indiz für die getrennten Lebenswege der</span><br/> <span class="ft7">Ehegatten vor Ablauf der Dreijahresfrist ist der am 24. April 2010</span><br/> <span class="ft7">geborene Sohn der Beschwerdeführerin, welcher gemäss ihren Aus-</span><br/> <span class="ft7">sagen im Verfahren betreffend die Anfechtung der Vaterschaftsver-</span><br/> <span class="ft7">mutung mit Sicherheit nicht das leibliche Kind ihres Ehemannes ist.</span><br/> <span class="ft7">Hinzu kommt, dass trotz des offiziellen Auszugs der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führerin aus der ehelichen Wohnung per 1. November 2009 Anzei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">350</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">chen dafür bestehen, dass sie bereits vorher nicht mehr dort wohnte.</span><br/> <span class="ft7">Zumindest für den Mietvertrag ihrer Wohnung, welcher vom 6. Ok-</span><br/> <span class="ft7">tober 2009 datiert, gab sie eine aktuelle Adresse in L. an.</span><br/> <span class="ft7">Insgesamt kommt das Rekursgericht nach dem Gesagten zum</span><br/> <span class="ft7">Schluss, dass der Ehewille der Beschwerdeführerin womöglich be-</span><br/> <span class="ft7">reits seit dem 20. Oktober 2008, spätestens jedoch seit dem 19. Mai</span><br/> <span class="ft7">2009 als erloschen zu betrachten ist und keine Ehegemeinschaft i.S.v.</span><br/> <span class="ft7">Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG mehr bestand.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>