<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2021.00380</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=221907&amp;W10_KEY=13013469&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2021.00380</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 09.12.2021</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">3. Abteilung/3. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Ãbriges Verwaltungsrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Wohnsitz</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Wohnsitz; natürliche Vermutung. Für die Prüfung der Niederlassung sind objektive Merkmale massgebend. Sowohl die Absicht des dauernden Verbleibens an einem Ort wie auch der Mittelpunkt der Lebensbeziehungen einer Person müssen sich durch feststellbare Sachverhalte erhärten lassen (E. 2.2). Die Beziehungen unverheirateter Personen zum Arbeitsort treten praxisgemäss in den Vordergrund, wenn die Person das dreissigste Altersjahr überschritten hat und/oder sich seit mehr als fünf Jahren ununterbrochen am selben auswärtigen Ort aufhält. Liegt zumindest eines der beiden Kriterien vor, begründet dies die natürliche Vermutung, der Lebensmittelpunkt befinde sich am Ort der Erwerbstätigkeit bzw. des Wochenaufenthalts, wenn die Orte auseinanderfallen. Die Vermutung kann dadurch entkräftet werden, dass die unverheiratete Person regelmässig, mindestens einmal pro Woche, an den Ort zurückkehrt, wo ihre Familie lebt, mit welcher sie aus bestimmten Gründen besonders eng verbunden ist, und wo sie andere persönliche und gesellschaftliche Beziehungen pflegt (E. 2.3). Der Beschwerdeführerin gelingt es nicht, die natürliche Vermutung umzustossen (E. 3). Teilweise Gutheissug und Rückweisung.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ARBEITSORT">ARBEITSORT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DAUERNDER VERBLEIB">DAUERNDER VERBLEIB</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: LEBENSMITTELPUNKT">LEBENSMITTELPUNKT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: NATÃRLICHE VERMUTUNG">NATÃRLICHE VERMUTUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: NIEDERLASSUNG">NIEDERLASSUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: UNVERHEIRATETE PERSON">UNVERHEIRATETE PERSON</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WOHNSITZ">WOHNSITZ</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">§ 1 MERG</span><br/><span class="ungerade">§ 3 lit. b RHG</span><br/><span class="gerade">§ 52 Abs. I VRG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="0"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>3. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=56086" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2021.00380</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 3. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">9. Dezember 2021</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident AndrÃ© Moser<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichter Matthias Hauser, Verwaltungsrichterin Silvia Hunziker, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Nicole Rubin.</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrerin, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Stadtrat B,<b> </b></span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend Wohnsitz,</b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>Mit Gesuch vom 2. April 2020 ersuchte A um Erteilung einer Wochenaufenthaltsbewilligung in B. Mit VerfÃ¼gung vom 3. Juni 2020 entsprach die Abteilung Einwohnerdienste der Stadt B dem Gesuch um Erteilung der Wochenaufenthaltsbewilligung nicht und verpflichtete A, unter Strafandrohung im Unterlassungsfall gemÃ¤ss Art. 292 StGB, sich innert Einsprachefrist und unter Abgabe des Heimatscheins in B anzumelden.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Gegen diese VerfÃ¼gung erhob A am 3. Juli 2020 Einsprache beim Stadtrat B und beantragte die Erteilung einer Wochenaufenthaltsbewilligung. Mit Beschluss vom 3. September 2020 wies der Stadtrat B die Einsprache ab. </p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="MsoNormal"><span>Hiergegen gelangte A mit Rekurs vom 8. Oktober 2020 an den Bezirksrat C und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Beschlusses. Dieser wies den Rekurs am 20. April 2021 ab und verpflichtete A, sich innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Beschlusses unter Abgabe des Heimatscheins in B anzumelden. Die Verfahrenskosten wurden A auferlegt.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="MsoNormal"><span>Mit Beschwerde vom 17. Mai 2021 beantragte A dem Verwaltungsgericht die Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Es sei festzustellen, dass sie ihren Wohnsitz in D habe. Sie sei in B als Wochenaufenthalterin anzumelden. </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Der Bezirksrat C verwies am 28. Mai 2021 auf die BegrÃ¼ndung des angefochtenen Entscheids und verzichtete im Ãbrigen auf eine Vernehmlassung. </span>In ihrer Eingabe vom 21. Juni 2021 ersuchte <span>A um Gutheissung der gestellten AntrÃ¤ge und fÃ¼hrte </span>aus, sie wohne seit dem 1. Mai 2021 in ZÃ¼rich zur Untermiete und habe sich in der Stadt ZÃ¼rich als Wochenaufenthalterin angemeldet. Als Belege reichte sie den Untermietvertrag und die Wochenaufenthaltsbewilligung der Stadt ZÃ¼rich ein. Weiter legte sie dieser Eingabe einen Wohnsitznachweis der Gemeinde D sowie eine BestÃ¤tigung der Gemeinde D, dass diese den Wochenaufenthalt in ZÃ¼rich zur Kenntnis genommen habe, bei. <span>Der Stadtrat B beantragte am 24. Juni 2021 unter Hinweis, dass Gegenstand des Beschlusses die Beurteilung des Lebensmittelpunkts zum Zeitpunkt des Wegzugs von ZÃ¼rich per 15. April 2020 gewesen sei, die Abweisung der Beschwerde. In Bezug auf die weitere Eingabe von A vom 21. Juni 2021 verzichtete der Stadtrat B auf eine weitere Vernehmlassung. </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Das Verwaltungsgericht ist gestÃ¼tzt auf § 41 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) fÃ¼r die Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustÃ¤ndig. </p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Nach § 52 Abs. 1 in Verbindung mit § 20a Abs. 2 VRG sind neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel im Beschwerdeverfahren grundsÃ¤tzlich zulÃ¤ssig. Neue Sachverhaltsentwicklungen kÃ¶nnen folglich in Verfahren, in denen das Verwaltungsgericht wie vorliegend als erste gerichtliche Instanz entscheidet, uneingeschrÃ¤nkt geltend gemacht werden und neu eingetretene Tatsachen sind bis zum Entscheidzeitpunkt zu berÃ¼cksichtigen, sofern solche vom Streitgegenstand erfasst sind (Marco Donatsch, in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich [VRG], 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014 [Kommentar VRG], § 52 N. 16, 18 f.). Denn das Verwaltungsgericht hat seinem Urteil grundsÃ¤tzlich denjenigen Sachverhalt zugrunde zu legen, wie er sich zum Entscheidzeitpunkt prÃ¤sentiert (vgl. BGr, 20. April 2009, 2C_651/2008, E. 4.2; BGE 135 II 369 E. 3.3; VGr, 29. April 2020, VB.2020.00038, E. 1.2; VGr, 2. September 2016, VB.2016.00416, E. 4.2).</p> <p class="Erwgung2"><b>1.3 </b>Streitgegenstand bildet die Frage, ob die BeschwerdefÃ¼hrerin in B ihren Wohnsitz hat und sich demzufolge dort anmelden muss oder ob die Stadt B ihr eine Wochenaufenthaltsbewilligung erteilen muss. Nicht Streitgegenstand hingegen bildet die Frage, ob die BeschwerdefÃ¼hrerin in D oder gegebenenfalls in ZÃ¼rich Wohnsitz begrÃ¼ndet hat. Auf das Feststellungsbegehren der BeschwerdefÃ¼hrerin, es sei festzustellen, dass sie ihren Wohnsitz in D habe, ist daher nicht einzutreten.</p> <p class="Urteilstext">Mit Beschwerde hatte die BeschwerdefÃ¼hrerin u.<span> </span>a. beantragt, sie sei in B als Wochenaufenthalterin anzumelden. Obwohl sie in ihrer Eingabe vom 21. Juni 2021 ausdrÃ¼cklich um Gutheissung der gestellten AntrÃ¤ge ersuchte, ist fraglich, ob ihr Antrag auf eine Wochenaufenthaltsbewilligung der Stadt B ab 30. April 2021 nicht hinfÃ¤llig geworden ist, nachdem ihr die Stadt ZÃ¼rich per 1. Mai 2021 eine Wochenaufenthaltsbewilligung erteilt hat.</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>GemÃ¤ss Art. 24 Abs. 1 BV haben Schweizerinnen und Schweizer das Recht, sich an jedem Ort in der Schweiz niederzulassen. Die Niederlassungsfreiheit gewÃ¤hrleistet damit die MÃ¶glichkeit persÃ¶nlichen Verweilens an jedem beliebigen Ort der Schweiz; sie gebietet den Kantonen und Gemeinden, jedem SchweizerbÃ¼rger die Niederlassung auf ihrem Gebiet zu erlauben, und verbietet ihnen gleichzeitig, die Verlegung des einmal gewÃ¤hlten Wohnsitzes zu verhindern oder zu erschweren (BGE 108 Ia 248 E. 1 mit Hinweisen). Die Niederlassungsfreiheit nach Art. 24 Abs. 1 BV berechtigt Schweizerinnen und Schweizer jedoch nicht, einen beliebigen Ort als Niederlassung zu bezeichnen, ohne dass die tatsÃ¤chlichen Voraussetzungen dafÃ¼r gegeben sind (VGr, 22. Januar 2009, VB.2008.00521, E. 2), ebenso wenig dazu, sich ohne Anmeldung an einem Ort niederzulassen (VGr, 7. Februar 2006, VB.2005.00570, E. 2; 20. September 2018, VB.2017.00668, E. 4.2).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>§ 1 des Gesetzes Ã¼ber das Meldewesen und die Einwohnerregister vom 11. Mai 2015 (MERG; LS 142.1) definiert die Begriffe "Niederlassung" und "Aufenthalt" im Einklang mit Art. 3 lit. b und c des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2006 Ã¼ber die Harmonisierung der Einwohnerregister und anderer amtlicher Personenregister (Registerharmonisierungsgesetz, RHG; SR 341.02). Niederlassung bedeutet nach § 1 lit. a MERG, dass sich eine Person in der Absicht des dauernden Verbleibens in einer Gemeinde aufhÃ¤lt, um dort den fÃ¼r Dritte erkennbaren Mittelpunkt ihres Lebens zu begrÃ¼nden. Aufenthalt liegt nach § 1 lit. b MERG vor, wenn sich eine Person zu einem bestimmten Zweck ohne Absicht des dauernden Verbleibens mindestens wÃ¤hrend dreier Monate innerhalb eines Jahres in einer Gemeinde aufhÃ¤lt. </p> <p class="Erwgung2">FÃ¼r die PrÃ¼fung der Niederlassung sind objektive Merkmale massgebend. Sowohl die Absicht des dauernden Verbleibens an einem Ort wie auch der Mittelpunkt der Lebensbeziehungen einer Person mÃ¼ssen sich durch feststellbare Sachverhalte erhÃ¤rten lassen (VGr, 22. Januar 2009, VB.2008.00521, E. 2). FÃ¼r die Niederlassung sind nicht subjektive WÃ¼nsche oder Motive ausschlaggebend, sondern es kommt auf das tatsÃ¤chliche Wohnen an. GemÃ¤ss der einschlÃ¤gigen Gesetzgebung ist fÃ¼r die Anmeldung beim Einwohnerregister unter anderem Auskunft zu erteilen bzw. sind Belege einzureichen Ã¼ber: Mietvertrag oder Wohnungsausweis, Kaufvertrag Ã¼ber die von der meldepflichtigen Person bewohnte Wohnung oder Liegenschaft, Bescheinigung der Niederlassung (§ 6 Abs. 2 lit. d-f MERG; VGr, 20. September 2018, VB.2017.00668, E. 4.3 f.).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>Die Frage der Niederlassung betrifft das polizeiliche Domizil. Davon zu unterscheiden sind der zivilrechtliche Wohnsitz und Spezialwohnsitze wie das Steuerdomizil, der politische Wohnsitz, Sozialleistungswohnsitz und andere mit eigenstÃ¤ndigen AnknÃ¼pfungspunkten (BGr, 23. August 2012, 2C_173/2012, E. 3.2, mit weiteren Hinweisen). Mit Blick auf die bundesrechtlichen Vorgaben, namentlich Art. 3 RHG, zieht das Bundesgericht zur Bestimmung der Niederlassung die Praxis in verwandten Sachbereichen, insb. jene zum Steuerrecht, heran (BGr, 1. Dezember 2012, 2C_270/2012, E. 2.1 m.w.H.). Nach der Basler Praxis im Steuerrecht treten die Beziehungen unverheirateter Personen zum Arbeitsort praxisgemÃ¤ss in den Vordergrund, wenn die Person das dreissigste Altersjahr Ã¼berschritten hat und/oder sich seit mehr als fÃ¼nf Jahren ununterbrochen am selben auswÃ¤rtigen Ort aufhÃ¤lt (BGr, 1. Dezember 2012, 2C_270/2012; 8. Mai 2012, 2C_26/2012, E. 3.2; 12. April 2012, 2C_918/2011, E. 3.2 a. E.; 1. Februar 2012, 2C_518/2011, E. 2.1). Liegt zumindest eines der beiden Kriterien vor, begrÃ¼ndet dies die natÃ¼rliche Vermutung, der Lebensmittelpunkt befinde sich am Ort der ErwerbstÃ¤tigkeit bzw. des Wochenaufenthalts, wenn die Orte auseinanderfallen. Die Vermutung kann dadurch entkrÃ¤ftet werden, dass die unverheiratete Person regelmÃ¤ssig, mindestens einmal pro Woche, an den Ort zurÃ¼ckkehrt, wo ihre Familie lebt, mit welcher sie aus bestimmten GrÃ¼nden besonders eng verbunden ist, und wo sie andere persÃ¶nliche und gesellschaftliche Beziehungen pflegt. Gelingt ihr der Nachweis solcher familiÃ¤rer, privater und gesellschaftlicher Beziehungen am Familienort, obliegt dem Kanton oder der Gemeinde des Arbeits- oder Wochenaufenthaltsortes ein weiterer Beweis. Sie haben nun nachzuweisen, dass die Person die gewichtigeren wirtschaftlichen und allenfalls persÃ¶nlichen Beziehungen zu diesem Ort unterhÃ¤lt (BGr, 6. Juni 2018, 2C_296/2018, E. 2.2.3; 1. Dezember 2012, 2C_270/2012, E. 2.5; 8. Mai 2012, 2C_26/2012, E. 3.3.1 mit Hinweisen).</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Die unverheiratete BeschwerdefÃ¼hrerin mit Jahrgang 1962 arbeitet seit dem 1. August 2016 mit einem Pensum von teilweise bis zu 86 % an der Primarschule C. Sie ist Ã¼ber 30 Jahre alt und lebte die letzten fÃ¼nf Jahre im Grossraum ZÃ¼rich. Dies begrÃ¼ndet die natÃ¼rliche Vermutung, ihr Lebensmittelpunkt und damit ihr Wohnsitz befinde sich am Ort des Wochenaufenthalts (vgl. E. 2.3). Nachdem sich die BeschwerdefÃ¼hrerin gar selbst in B als Wochenaufenthalterin anmelden wollte, ist B â zumindest bis 30. April 2021 â als Ort des Wochenaufenthalts zu betrachten. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Es obliegt der BeschwerdefÃ¼hrerin aufzuzeigen, dass diese Vermutung unzutreffend ist. Dabei setzt die EntkrÃ¤ftigung der natÃ¼rlichen Vermutung des Wohnorts einer ledigen Person an demjenigen Ort, an welchem sie sich wÃ¤hrend der Woche aufhÃ¤lt, um von dort aus zur Arbeit zu gehen (sog. Wochenaufenthaltsort), nicht den lÃ¼ckenlosen Nachweis klar definierter abweichender Indizien voraus. Zwar ist aus PraktikabilitÃ¤tsÃ¼berlegungen ein gewisser Schematismus im Sinn einer Neigung, bei unklar gebliebenen VerhÃ¤ltnissen zugunsten der Vermutung zu entscheiden, unvermeidlich. Trotzdem muss es genÃ¼gen, wenn Anhaltspunkte fÃ¼r den Wochenendwohnort in einer Weise nachgewiesen werden, die so gewichtig und Ã¼berzeugend sind, dass sie geeignet sind, die Domizilvermutung zu entkrÃ¤ften. Dabei ist zu beachten, dass die natÃ¼rliche Vermutung des Wohnsitzes am Wochenwohnort umso mehr Gewicht erhÃ¤lt, je Ã¤lter eine Person ist und je lÃ¤nger das Auseinanderfallen von Wochenaufenthaltsort und Wochenendwohnort angedauert hat (vgl. BGr, 6. Dezember 2010, 2C_397/2010, E. 2.4.2). </p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Vom 1. Januar 2011 bis zum 15. April 2020 war die BeschwerdefÃ¼hrerin in der Stadt ZÃ¼rich angemeldet. Im Fragebogen fÃ¼r den Wochenaufenthalt der Stadt B gab die BeschwerdefÃ¼hrerin an, bis zu ihrer Pensionierung in B bleiben zu wollen. Sie fÃ¼hrte aus, sich wÃ¶chentlich sowie wÃ¤hrend 13 Wochen Schulferien in D aufzuhalten. Weiter erklÃ¤rte die BeschwerdefÃ¼hrerin, sich in D einen Freundeskreis aufbauen und eine Wohnung fÃ¼r ihren nÃ¤chsten Lebensabschnitt kaufen zu wollen. </p> <p class="Erwgung2">Aus den BankauszÃ¼gen der BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r die Dauer vom 19. Mai bis 15. Juni 2020 ergibt sich, dass sie sich zumindest in jener Zeit regelmÃ¤ssig in D und Umgebung aufgehalten hat. Familienmitglieder hingegen wohnen, soweit aus den Akten ersichtlich, keine in D; die Familie besitzt dort jedoch ein Ferienhaus, in welchem sich die BeschwerdefÃ¼hrerin zunÃ¤chst niederliess. Weiter behauptet die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht, in D aufgewachsen zu sein oder ausser dem Freundeskreis und der sie interessierenden Kunstszene weitere Verbindungen zu D zu haben. Die BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼hrt aus, sich nach ihrem Unfall nur in D aufgehalten zu haben, wo ihr nur diese Freunde geholfen hÃ¤tten, ebenso wie bei ihrem Umzug. </p> <p class="Erwgung2">Die von der BeschwerdefÃ¼hrerin zwecks Beweises ihres Wohnsitzes in D vorgebrachten UmstÃ¤nde, wie die BankauszÃ¼ge, der dortige Freundeskreis, ihr Interesse an der dortigen Kunstszene sowie ihre Absichten, sich dort eine Wohnung zu kaufen, vermÃ¶gen die natÃ¼rliche Vermutung zugunsten des Wohnsitzes am Wochenaufenthaltsort nicht zu entkrÃ¤ften. So hat die BeschwerdefÃ¼hrerin aufgrund eines Umbaus ihrer Eigentumswohnung bei einer Freundin in E gewohnt und nicht in D selbst. Sodann erfolgt die gewÃ¼nschte Wohnsitznahme in D im Hinblick auf die Pensionierung der BeschwerdefÃ¼hrerin; die BeschwerdefÃ¼hrerin wird indes erst in ein paar Jahren pensioniert. Ohnehin sind nicht die subjektiven WÃ¼nsche oder Motive der BeschwerdefÃ¼hrerin, sondern das tatsÃ¤chliche Wohnen massgebend (vgl. E. 2.2). Die Wohnsituationen in D und B waren Ã¤hnlich. Im Ãbrigen unterlÃ¤sst es die BeschwerdefÃ¼hrerin (mit Ausnahme eines Monats), die HÃ¤ufigkeit ihrer Besuche in D nachzuweisen. Die bloss geÃ¤usserten WÃ¼nsche der BeschwerdefÃ¼hrerin oder ihre gefÃ¼hlsmÃ¤ssige Bevorzugung von D als Wohnsitz sind wie erwÃ¤hnt nicht von Relevanz. Nach dem Gesagten ist es der BeschwerdefÃ¼hrerin nicht gelungen, engere Verbindungen zu D darzulegen und damit die Vermutung zu entkrÃ¤ften.</p> <p class="Erwgung2">Allerdings sind, auch wenn â wie der Beschwerdegegner vorbringt â <span>Gegenstand seines angefochtenen Beschlusses die Beurteilung des Lebensmittelpunkts der</span><span> </span>BeschwerdefÃ¼hrerin<span> zum Zeitpunkt des Wegzugs von ZÃ¼rich per 15. April 2020 waren, fÃ¼r das vorliegende Urteil die VerhÃ¤ltnisse im Urteilszeitpunkt massgebend (vgl. oben E. 1.2).</span><span> </span>Somit sind die von der BeschwerdefÃ¼hrerin im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Unterlagen â der Untermietvertrag fÃ¼r eine Wohnung in der Stadt ZÃ¼rich sowie eine Wochenaufenthaltsbewilligung der Stadt ZÃ¼rich, wonach sie per 1. Mai 2021 in ZÃ¼rich als Wochenaufenthalterin gemeldet ist â zu berÃ¼cksichtigen. Vorab kann festgehalten werden, dass die Vorinstanz zu Recht vom Wohnsitz der BeschwerdefÃ¼hrerin in B fÃ¼r die Zeitspanne vom 15. April 2020 bis 30. April 2021 ausgegangen ist, da es der BeschwerdefÃ¼hrerin wie ausgefÃ¼hrt nicht gelungen ist, die Vermutung zu widerlegen. Angesichts der neu geltend gemachten Tatsachen stellt sich jedoch die Frage, ob diese geeignet sind, die Vermutung zugunsten von B ab 1. Mai 2021 zu erschÃ¼ttern. Die BeschwerdefÃ¼hrerin macht zwar ausdrÃ¼cklich nicht geltend, sie hÃ¤tte ihren Wohnsitz nach ZÃ¼rich verlegt. Bereits im Rekurs hatte sie das KÃ¼ndigungsschreiben fÃ¼r ihre Wohnung in B per 31. MÃ¤rz 2021 eingereicht und angegeben, dass sie seit 1. November 2020 in einem Hotel in B lebe. Vor diesem Hintergrund ist fraglich, ob sie ab 1. Mai 2021 Ã¼berhaupt noch einen tatsÃ¤chlichen Aufenthalt in B hat, was Voraussetzung sowohl fÃ¼r die Niederlassung als auch fÃ¼r den Aufenthalt i.S. des MERG ist (vgl. E. 2.2). Da der Sachverhalt ab 1. Mai 2021 diesbezÃ¼glich nicht erstellt ist, ist die Sache zur weiteren AbklÃ¤rung und zum Neuentscheid an den Beschwerdegegner zurÃ¼ckzuweisen.</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Urteilstext">Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten dem Beschwerdegegner aufzuerlegen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 VRG). Da sich die angefochtenen BeschlÃ¼sse zu den jeweiligen Zeitpunkten als richtig erwiesen, sind die Verfahrenskosten des Rekursverfahrens nicht neu zu verlegen.</p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Urteilstext">Beim vorliegenden Urteil handelt es sich um einen RÃ¼ckweisungs- und damit einen Zwischenentscheid. Zwischenentscheide sind vor Bundesgericht nach Art. 93 Abs. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG; SR 173.110) nur anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken kÃ¶nnen (lit. a) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeifÃ¼hren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten fÃ¼r ein weitlÃ¤ufiges Beweisverfahren ersparen wÃ¼rde (lit. b).</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird im Sinn der ErwÃ¤gungen teilweise gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird, und Dispositiv-Ziffer 1 des Beschlusses des Bezirksrats C vom 20. April 2021, Dispositiv-Ziffern 1 und 2 des Beschlusses des Stadtrats B vom 3. September 2020 sowie Dispositiv-Ziffer 1 der VerfÃ¼gung der Einwohnerdienste der Stadt B vom 3. Juni 2020 werden aufgehoben. Die Sache wird zur weiteren Untersuchung und zum Neuentscheid im Sinn der ErwÃ¤gungen an den Beschwerdegegner zurÃ¼ckgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'200.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 120.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'320.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Gegen dieses Urteil kann im Sinn der ErwÃ¤gungen Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Mitteilung an â¦</span></p> <p class="Urteilstext"> </p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>