B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5667/2018 U r t e i l v o m 8 . J a n u a r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______, geboren am [...], Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, [...], Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des SEM vom 29. August 2018 D-5667/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein sri -lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, stellte am 19. Oktober 2015 in der Schweiz ein Asylgesuch. B. Mit Verfügung vom 6. Oktober 2017 lehnte das Staatssekretariat für Migra- tion (SEM) das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. C. Mit Urteil D-6330/2017 vom 20. März 2018 hiess das Bundesverwaltungs- gericht die hiergegen erhobene Beschwerde teilweise gut, soweit die Be- urteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs betreffend, und wies die Sache in diesem Punkt zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurück. D. Mit Verfügung vom 29. August 2018 (eröffnet am 3. September 2018) ord- nete das SEM erneut den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers an. E. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters an das SEM vom 21. September 2018 ersuchte der Beschwerdeführer um Einsicht in die Akten des Asylverfah- rens. Auf diesen Antrag antwortete das Staatssekretariat mit Schreiben vom 26. September 2018. F. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 3. Oktober 2018 focht der Be- schwerdeführer die Verfügung des SEM vom 29. August 2018 beim Bun- desverwaltungsgericht an. Dabei beantragte er, die angefochtene Verfü- gung sei aufzuheben und die Sache zur erneuten Beurteilung an das SEM zurückzuweisen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen, und es sei ihm die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren. Mit der Beschwer- deschrift wurden als Beweismittel unter anderem zahlreiche auf einem di- gitalen Datenträger (CD-Rom) gespeicherte Dokumente in Bezug auf die politische und menschenrechtliche Situation in Sri Lanka eingereicht. Auf die Begründung der Beschwerde und den Inhalt der eingereichten Beweis- mittel wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen ein- gegangen. D-5667/2018 Seite 3 G. Mit Zwischenverfügung der Instruktionsrichterin vom 9. Oktober 2018 wurde der Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 750.‒ mit Frist bis zum 24. Oktober 2018 aufgefordert, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall. Zugleich wurde der Beschwerde- führer aufgefordert, binnen dreissig Tagen ab Erhalt der Zwischenverfü- gung in Bezug auf seine gesundheitlichen Probleme einen medizinischen Bericht einzureichen. Die Zwischenverfügung ging dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 17. Oktober 2018 zu. H. Mit Einzahlung vom 24. Oktober 2018 leistete der Beschwerdeführer frist- gerecht den verlangten Kostenvorschuss. I. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 16. November 2018 gab der Be- schwerdeführer unter Einreichung einer weiteren CD-Rom mit entspre- chenden Dokumenten eine Stellungnahme zu Entwicklungen der politi- schen Situation in Sri Lanka ab. In Bezug auf die Einreichung eines medi- zinischen Berichts ersuchte er um Erstreckung der Frist bis zum 17. De- zember 2018. J. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 17. Dezember 2018 liess der Be- schwerdeführer einen ärztlichen Bericht übermitteln. K. Mit Vernehmlassung vom 18. April 2019 hielt das SEM vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. L. Mit Zwischenverfügung vom 25. April 2019 wurde dem Beschwerdeführer in Bezug auf die Vernehmlassung des SEM das Replikrecht erteilt. M. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 10. Mai 2019 gab der Beschwer- deführer eine entsprechende Stellungnahme ab. Des Weiteren äusserte sich der Rechtsvertreter zu neuen Entwicklungen der politischen Situation in Sri Lanka, wobei er mittels ei ner weiteren CD-Rom diesbezügliche Do- kumente übermittelte. D-5667/2018 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge- gen Verfügungen, die gestützt auf das Asylgesetz (AsylG, SR 142.31) durch das SEM erlassen worden sind, entscheidet das Bundesverwa l- tungsgericht grundsätzlich (mit Ausnahme von Verfahren betreffend Perso- nen, gegen die ein Auslieferungsersuchen des Staates vorliegt, vor wel- chem sie Schutz suchen) endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen- dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachve rhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet sich die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5). 1.3 Für das vorliegende Verfahren gilt nach der am 1. März 2019 in Kraft getretenen Änderung des AsylG das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Über- gangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 2. Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist - und formgerecht ein- gereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 3. 3.1 Mit Urteil vom 20. März 2018 hiess das Bundesverwaltungsgericht die gegen die Verfügung des SEM vom 6. Oktober 2017 erhobene Be- schwerde teilweise gut, soweit die Beurteilung der Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs betreffend. In den übrigen Punkten (Ablehnung des Asyl- gesuchs, die Feststellung des SEM, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, die Wegweisung sowie die Frage der Zuläs- sigkeit des Vollzugs) wurde die Beschwerde abgewiesen, womit die Verfü- gung vom 6. Oktober 2017 diesbezüglich in Rechtskraft erwuchs. Dennoch hat das SEM diese bereits rechtskräftig beurteilten Punkte fälschlicher- weise erneut in das Dispositiv (Ziff. 1–3) der angefochtenen Verfügung vom 29. August 2018 aufgenommen. Es ist folglich festzustellen, dass sich das vorliegende Beschwerdeverfahren auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beschränkt. D-5667/2018 Seite 5 3.2 Auf die vom Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren gemachten Vorbringen, er gehöre einer Kategorie von sri -lankischen Asylsuchenden tamilischer Ethnie an, die zum heutigen Zeitpunkt die Flüchtlingseigen- schaft erfülle (Eingabe vom 10. Mai 2019, S. 26), beziehungsweise es sei abzuwarten, ob sich für ihn aus den aktuellen politischen Entwicklungen in Sri Lanka neue Asylgründe ergeben würden (ebd., S. 30), ist nach dem Gesagten nicht weiter einzugehen. Festzuhalten ist im Übrigen, dass der Beschwerdeführer auch keine konkreten, über den Vollzug der Wegwei- sung hinausgehenden materiellen Anträge gestellt hat. 4. Im vorliegenden Fall werden durch den Rechtsvertreter des Beschwerde- führers verschiedene prozessuale Anträge gestellt. 4.1 Mit der Beschwerdeschrift wird zunächst beantragt, es sei dem Rechts- vertreter die Zusammensetzung des Spruchkör pers im vorliegenden Ver- fahren bekanntzugeben. Die beteiligten Gerichtspersonen werden dem Rechtsvertreter mit vorliegendem Urteil bekannt. 4.2 Auf den mit der Beschwerdeschrift gestellten Antrag auf Auskunft be- treffend die zufällige Zusammensetzung des Spruchkörpers ist nicht einzu- treten (Urteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3). 4.3 Angesichts des Ergebnisses der nachfolgenden Erwägungen erübrigt es sich, über die weiteren mit der Beschwerdeschrift gestellten prozessua- len Anträge zu befinden. 5. Im vorliegenden Fall wird mit der Beschwerdeschrift vorgebracht, der An- spruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör sei durch die Vo- rinstanz in verschiedener Hinsicht verletzt worden. Angesichts des Ergeb- nisses des Beschwerdeverfahrens erübrigt es sich, au f diese Rügen ein- zugehen. 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus- länderinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesge- setzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration AIG, SR 142.20]). D-5667/2018 Seite 6 6.2 Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit) sind al- ternativer Natur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Weg- weisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 6 E. 4.2). 6.3 Im vorliegenden Fall erweist sich der Vollzug der Wegweisung aus den nachfolgend aufgezeigten Gründen als unzumutbar, womit auf eine Erör- terung der beiden anderen Kriterien zu verzichten ist. 6.4 6.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.4.2 Der Beschwerdeführer macht unter dem Aspekt der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im vorliegenden Verfahren im Wesentlichen gel- tend, er leide aufgrund seiner im Kindesalter erfolgten Zwangsrekrutierung zum Kriegsdienst durch die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) an ei- ner massiven psychischen Traumatisierung. Diesbezüglich wurde mit Eingabe vom 17. Dezember 2018 ein psychiatrie- ärztlicher Bericht von Dr. med. B._______, Zürich, vom 12. Dezember 2018 eingereicht. Aus dieser medizinischen Begutachtung geht im We- sentlichen hervor, dass sich der Beschwerdeführer psychisch in ein em sehr schlechten Zustand mit gerade noch knapp beherrschbarer Suizidali- tät befinde. Seit dem Entscheid des SEM vom 29. August 2018 habe sich eine akute Exacerbation einer posttraumatischen Belastungsstörung mit Todesangst und Suizidalität ergeben. Der Beschwerdeführer sei in seinem Heimatstaat mehrfach direkt mit traumatischen Erlebnissen konfrontiert ge- wesen, bei denen er persönlich in Gefahr ernsthafter Verletzungen oder des Todes gestanden sei. So habe er während des sri-lankischen Bürger- kriegs mehrfach menschliche Leichenteile aufsammeln müssen und habe die traumatischen Folgen des Krieges auch bei Mitgliedern seiner Her- kunftsfamilie erlebt. Jahre nach den erlebten Traumata habe der Ausschaf- fungsentscheid die posttraumatische Belastungsstörung akut wieder aufle- ben lassen. Dabei habe sich ergeben, dass beim Beschwerdeführer ein D-5667/2018 Seite 7 chronisches psychisches Leiden vorliege , das ihn unbehandelt mit einer lebenslangen psychischen Vulnerabilität belasten werde. Dem ärztlichen Zeugnis ist weiter zu entnehmen, dass der Beschwerde- führer im Rahmen der seit dem 1. November 2018 durchgeführten psychi- atrischen Anamnese im Wesentlichen Folgendes berichtete: Im Jahr 2006 – im Alter von zehn Jahren – sei seine Schule bombardiert worden, wobei sie (implizit: die Schulkinder) in einen Bunker geflüchtet seien. Ab diesem Zeitpunkt sei ihm richtig bewusst geworden, dass Krieg und Gefahr herrschten. Etwa einen Monat später sei neben seinem Elternhaus eine Bombe explodiert, und dieses Ereignis könne er nicht mehr vergessen. Ab dem Jahr 2007 habe seine Familie aufgrund des Krieges dauernd den Wohnort wechseln müssen. Nachdem die LTTE im Februar 2007 bereits seinen Bruder zwangsrekrutiert hätten, sei dies im September 2008 – im Alter von zwölf Jahren – auch ihm selbst widerfahren. Dabei sei ihm erklärt worden, er werde als Ersatz genommen anstelle des Bruders, der deser- tiert sei. Bei den LTTE sei er ungefähr während sechs Monaten tätig gewe- sen. Nach einem zwanzigtägigen Einführungskurs sei er in der Küche und bei der Essensverteilung eingesetzt worden. Er habe nie an Kampfhand- lungen teilgenommen, wobei er das Tragen eines Gewehrs verweigert habe. Zur Strafe habe er während einiger Tage jeweils stundenlang in der heissen Sonne stehen müssen. Vor allem gegen Ende des Bürgerkrieg s habe er zwei- bis dreimal wöchentlich Verletzte und Tote, Kämpfer wie auch Zivilisten, bergen müssen. Nicht aus dem Kopf gehe ihm die Situation, wie er die Leiche eines Kollegen, der wie er zwangsrekrutiert worden sei, habe bergen müssen. Es sei eine Leiche ohne Kopf gewesen. Eines Tages habe er die Flucht ergriffen, sei vier oder fünf Tage lang gerannt und zu seiner Familie zurückgekehrt. Etwa seit dem Jahr 2009 spüre er ein dauerndes Angstgefühl, wobei er oft von Bombardierungen träume. Auch zum heuti- gen Zeitpunkt könne er sich nicht gegen Erinnerungen und Bilder von ster- benden Menschen und Leichen wehren. Bei seinen sich aufdrängenden Bildern rieche er manchmal die Toten. Häufig komme das Bild, wie er sei- nen Kollegen ohne Kopf wegtragen müsse. 6.4.3 Das SEM führ te diesbezüglich im Rahmen der Vernehmlassung im Wesentlichen Folgendes aus: Der Beschwerdeführer habe im erstinstanz- lichen Verfahren von keinen ernsthaften gesundheitlichen Problemen be- richtet. Vielmehr habe er erst im Zusammenhang mit dem angedrohten Wegweisungsvollzug psychische Probleme geltend gemacht. Es erscheine somit naheliegend, dass die dargelegten psychischen Probleme nicht mit früheren Erlebnissen im Heimatland in Zusammenhang stünden, sondern D-5667/2018 Seite 8 auf den drohenden Vollzug der Wegweisung zurückzuführen seien. Ande- renfalls hätte das gesundheitliche Leiden bereits zum Zeitpunkt der Ein- reise in die Schweiz bestanden und vom Beschwerdeführer von Anfang an geltend gemacht werden können. An der sachlichen Richtigkeit des einge- reichten ärztlichen Berichts sei zwar in medizinischer Hinsicht nicht zu zweifeln. Hingegen vermöge die Diagnose einer posttraumatischen Belas- tungsstörung alleinig die Asylvorbringen des Besc hwerdeführers nicht zu belegen und könne somit keine zuverlässige Auskunft über die Ursache der Traumatisierung geben. Ebensowenig vermöge die medizinische Diag- nose die Ungereimtheiten und Widersprüche in den Asylvorbringen des Beschwerdeführers zu erklären. 6.4.4 In Bezug auf diese Argumentation der Vorinstanz ist zunächst festzu- halten, dass sich das vorliegende Beschwerdeverfahren auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beschränkt, womit die Glaubhaf- tigkeit der Asylvorbringen nicht mehr zu beurteilen ist . Gleichwohl ist Fol- gendes festzustellen: Wie bereits mit Urteil vom 20. März 2018 (dortige E. 5.1) festgehalten wurde, führte das SEM in seinem Asylentscheid vom 6. Oktober 2017 aus, die Schilderungen des Beschwerdeführers bezüglich der Zwangsrekrutierung durch die LTTE und der für diese durchgeführten Tätigkeiten seien stimmig ausgefal len und würden daher nicht in Zweifel gezogen. Als unglaubhaft erachtet wurden sowohl durch das Staatssekre- tariat wie auch durch das Bundesverwaltungsgericht im genannten Urteil einzig die behaupteten Verfolgungsmassnahmen im asylrechtlich relevan- ten Zeitraum seit der Flucht des Beschwerdeführers aus dem erzwunge- nen Dienst zugunsten der LTTE im Jahr 2009 bis zu seiner Ausreise aus Sri Lanka am 10. August 2015. Wie dem psychiatrischen Bericht vom 12. Dezember 2018 zu entnehmen ist, wird die diagnostizierte posttrauma- tische Belastungsstörung ausschliesslich auf jene Erlebnisse des Be- schwerdeführers im Heimatstaat zwischen 2006 und 2009 zurückgeführt, welche auch vom SEM als glaubhaft erachtet worden sind. Es steht somit ausser Frage, dass die im medizinischen Bericht genannten Erlebnisse – die im Übrigen inhaltlich völlig deckungsgleich mit den im Asylverfahren in Bezug auf den massgeblichen Zeitraum gemachten Vorbringen sind – als real einzustufen sind. 6.4.5 Wie das SEM im Rahmen der Vernehmlassung selbst eingeräumt hat, besteht auch keinerlei Anlass, an der erstellten ärztlichen Diagnose zu zweifeln. Angesichts der Ausführungen im vorliegenden medizinischen Be- richt ist es ausserdem als ausserhalb jeden Zweifels stehend zu bezeich- nen, dass die Erlebnisse im Verlauf des Bürgerkriegs in Sri Lanka zwischen D-5667/2018 Seite 9 2006 und 2009 für die psychische Traumatisierung des Beschwerdeführers und die diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung ursächlich sind. Des Weiteren ist es dem Beschwerdeführer unter den gegebenen Umständen auch nicht vorzuwerfen, dass er sein gesundheitliches Leiden nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt geltend gemacht hat. Opfer einer Traumatisierung haben bekanntermassen oftmals grosse Probleme, die gemachten Erlebnisse zur Sprache zu bringen (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.1). Diese Schwierigkeiten können ‒ auch abhängig von der kulturellen Sozia- lisierung der Opfer ‒ unter anderem durch die von der betroffenen Person entwickelten Selbstschutzmechanismen erklärt werden. Diesbezüglich ist im vorliegenden Fall besonders zu berücksichtigen, dass der Beschwerde- führer im Alter von zwölf Jahren als Kindersoldat rekrutiert wurde und die traumatisierenden Geschehnisse in der finalen Phase des sri -lankischen Bürgerkriegs im Alter von dreizehn Jahren erlebte. 6.4.6 Angesichts der vorliegenden Diagnosen und der erwähnten beson- deren Umstände muss davon ausgegangen werden, dass eine Rückkehr in den Heimatstaat den Beschwerdeführer in psychisch-medizinischer Hin- sicht mit erheblicher Wahrscheinlichkeit in eine Situation b ringen würde, die einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG gleich- käme. Dabei ist über das bisher Gesagte hinaus auch in Erwägung zu zie- hen, dass der Beschwerdeführer in Sri Lanka zwar über ein familiäres Netz verfügt. Indessen wäre der Beschwerdeführer in seinem Heimatstaat be- reits aufgrund seines Bedarfs an Medikamenten und psychiatrischer Be- handlung auf eine erhebliche finanzielle Unterstützung seitens seiner Ver- wandten angewiesen, womit sein familiäres Beziehungsnetz bereits inso- fern st ark beansprucht würde. Von einer selbständigen Sicherung des Existenzminimums durch den Beschwerdeführer kann in Anbetracht seiner gesundheitlichen Verfassung nicht ausgegangen werden . Unter Berück- sichtigung aller wesentlichen Umstände ergibt sich somit der Schluss, dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka als unzumutbar zu erachten ist. 7. Nach den angestellten Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen. An- gesichts dessen, dass das SEM fälschlicherweise auch bereits rechtskräf- tig beurteilte Punkte in das Dispositiv der angefochtenen Verfügung aufge- nommen hat (vgl. E. 3.1), ist diese vollumfänglich aufzuheben. Nachdem vorliegend auch keine Gründe für die An wendung von Art. 83 Abs. 7 AIG D-5667/2018 Seite 10 aktenkundig sind, ist das SEM anzuweisen, den Aufenthalt des Beschwer- deführers nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme zu regeln (Art. 44 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AIG). 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahre ns sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). Der mit Zahlung vom 24. Oktober 2018 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 750.‒ ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 8.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann die Besch wer- deinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendi- gen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen (vgl. für die Grund - sätze der Bemessung der Parteientschädigung au sserdem Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver - waltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Der Be- schwerdeführer hat keine Kostennote eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen wird indessen ver zichtet (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE), weil im vorliegenden Verfahren der Aufwand für die Beschwerdeführung ‒ soweit für das Ergebnis des Verfahrens tatsächlich erforderlich ‒ zuverlässig ab- geschätzt werden kann. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes- sungsfaktoren (Art. 9‒13 VGKE) ist die Parteientschädigung aufgrund der Akten daher auf Fr. 1‘200.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzuset- zen. Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das SEM zu entrich- ten. (Dispositiv nächste Seite) D-5667/2018 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben, und das SEM wird ange- wiesen, die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz anzuordnen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kosten vor- schuss in der Höhe von Fr. 750.‒ wird dem Beschwerdeführer zurücker- stattet. 4. Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung von Fr. 1‘200.– zu- gesprochen, die ihm durch das SEM zu entrichten ist. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Mia Fuchs Martin Scheyli Versand: