<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">133</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>28</b></span> <span class="ft2"><b>Qualifikation zugeflossener Mittel</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Qualifikation zugeflossener Mittel als Einkommen, sofern kein</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Nachweis eines steuerfreien Zuflusses erbracht werden kann (Schen-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kung, Kapitalgewinn, etc.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 4. November 2009 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen K.-D. (WBE.2009.5).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1.</span><br/> <span class="ft1">Unbestritten ist der im ordentlichen Steuerverfahren nicht de-</span><br/> <span class="ft1">klarierte Ertrag aus dem Baggerbetrieb. Bestritten ist jedoch u.a. die</span><br/> <span class="ft1">Finanzierung der Anschaffung. Die Beschwerdeführer bringen vor,</span><br/> <span class="ft1">die Finanzierung sei durch ein Darlehen über Fr. 14'000.-- von D. er-</span><br/> <span class="ft1">folgt. D. bestätigte mit Erklärung vom 8. Juli 2008, dass er dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer auf den Jahreswechsel 2001 ein Darlehen von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 14'000.-- für den Ankauf von Baggern usw. gewährt habe, und</span><br/> <span class="ft1">dass dabei auf einen schriftlichen Darlehensvertrag verzichtet wor-</span><br/> <span class="ft1">den sei.</span><br/> <span class="ft1">Das von D. gewährte Darlehen wurde gemäss Angaben der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer ohne Ausgabe einer Quittung bar ausbezahlt.</span><br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz führte dazu aus, die Beschwerdeführer hätten</span><br/> <span class="ft1">das behauptete Darlehen in den Steuererklärungen 2001 bis 2003</span><br/> <span class="ft1">nicht deklariert. Zudem sei unklar, aus welchem Grund das Darlehen</span><br/> <span class="ft1">bereits Anfangs Januar 2001 hätte gewährt werden sollen, seien doch</span><br/> <span class="ft1">der Bagger und der Anhänger erst am 18. bzw. 26. Mai 2001 gekauft</span><br/> <span class="ft1">worden. Die Bestätigung von D. reiche für sich nicht aus, um das</span><br/> <span class="ft1">Darlehen genügend nachzuweisen. Die Aufrechnung eines zu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">134</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sätzlichen Einkommens über Fr. 14'000.-- sei daher zu Recht erfolgt</span><br/> <span class="ft1">(Vorinstanzliches Urteil, Erw. 3.3.4.).</span><br/> <span class="ft1">1.3.</span><br/> <span class="ft1">1.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Einkommenssteuer unterliegen alle wiederkehrenden und</span><br/> <span class="ft1">einmaligen Einkünfte (§ 25 Abs. 1 StG). Nach dem solchermassen</span><br/> <span class="ft1">formulierten Grundsatz der Gesamtreineinkommensteuer fallen alle</span><br/> <span class="ft1">Einkünfte, ob wiederkehrend oder einmalig, ob in der Form von Geld</span><br/> <span class="ft1">oder Naturalien, unter den Einkommensbegriff und unterliegen damit</span><br/> <span class="ft1">der Einkommenssteuer (vgl.</span> <span class="ft1">Martin Plüss, in: Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">Aargauer Steuergesetz, 3. Aufl., Muri/Bern 2009, § 25 N 7; ebenso</span><br/> <span class="ft1">im Ergebnis zur direkten Bundessteuer: Peter Locher, Kommentar</span><br/> <span class="ft1">zum DBG, I. Teil, Therwil 2001, Art. 16 N 4). Die Einkom-</span><br/> <span class="ft1">mensgeneralklausel von § 25 Abs. 1 StG "überdacht" gewissermas-</span><br/> <span class="ft1">sen (ebenso wie jene von Art. 16 Abs. 1 DBG) die beispielhaften</span><br/> <span class="ft1">Aufzählungen in den § 26 bis 32 StG und ergänzt diese. Fällt eine</span><br/> <span class="ft1">Einkunft nicht unter eine der genannten Bestimmungen, so ist sie da-</span><br/> <span class="ft1">her grundsätzlich unter die Generalklausel zu subsumieren und dem-</span><br/> <span class="ft1">entsprechend steuerbar (vgl. Locher, a.a.O., Art. 16 N 6).</span><br/> <span class="ft1">1.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Hier wurde der Mittelzufluss von Fr. 14'000.- nicht bestritten,</span><br/> <span class="ft1">so dass an sich eine unter die Generalklausel fallende Einkunft anzu-</span><br/> <span class="ft1">nehmen wäre. Hingegen haben die Beschwerdeführer behauptet, es</span><br/> <span class="ft1">handle sich dabei nicht um Einkommen, sondern um die Gewährung</span><br/> <span class="ft1">eines Darlehens durch D.. Damit haben die Beschwerdeführer das</span><br/> <span class="ft1">Vorliegen eines steuermindernden Umstands geltend gemacht, für</span><br/> <span class="ft1">den sie beweispflichtig sind (StE 1990 B 13.1. Nr. 6; Conrad</span><br/> <span class="ft1">Walther, in:</span> <span class="ft1">Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 3. Aufl.,</span><br/> <span class="ft1">Muri/Bern 2009, § 174 N 28; vgl. zur Qualifikation unbewiesener</span><br/> <span class="ft1">"Darlehen" als Einkommen: Martin Plüss, a.a.O., § 25 N 7 sowie</span><br/> <span class="ft1">Locher, a.a.O., Art. 23 N 2).</span><br/> <span class="ft1">1.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Werden im Besteuerungsverfahren Tatsachen streitig, so ist für</span><br/> <span class="ft1">das Beweismass grundsätzlich vom Vollbeweis auszugehen (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Markus Berger, Voraussetzungen und Anfechtung der Ermessensver-</span><br/> <span class="ft1">anlagung, in: ASA 75, S. 192; Urteil des Verwaltungsgerichts des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">135</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kanton Bern vom 2. März 2009, in: BVR 2009, S. 391, Erw. 4.3.2.).</span><br/> <span class="ft1">Das bedeutet, dass die infrage stehende Tatsache erst dann als nach-</span><br/> <span class="ft1">gewiesen gilt, wenn ein so hoher Grad an Wahrscheinlichkeit für de-</span><br/> <span class="ft1">ren Vorhandensein spricht, dass keine vernünftigen Zweifel bleiben.</span><br/> <span class="ft1">Die Wahrheitsüberzeugung der Behörde und/oder des Gerichts muss</span><br/> <span class="ft1">auf konkreten Gründen, der allgemeinen Lebenserfahrung und der</span><br/> <span class="ft1">praktischen Vernunft beruhen (BVR 2009, S. 391, Erw. 4.3.2.; Tho-</span><br/> <span class="ft1">mas Merkli/Arthur Aeschlimann/Ruth Herzog, Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 19 N 6; René A. Rhinow/Heinrich</span><br/> <span class="ft1">Koller/Christina Kiss, Öffentliches Prozessrecht und</span><br/> <span class="ft1">Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel 1996, N 913). Das</span><br/> <span class="ft1">Beweismass kann aufgrund ausdrücklicher gesetzlicher Anordnung</span><br/> <span class="ft1">herabgesetzt sein (so etwa bei der Ermessensveranlagung; vgl. dazu</span><br/> <span class="ft1">Berger, a.a.O., S. 195). Beweiserleichterungen greifen nach Lehre</span><br/> <span class="ft1">und Rechtsprechung aber auch dann, wenn ein strikter Beweis nach</span><br/> <span class="ft1">der Natur der Sache nicht möglich oder nicht zumutbar ist. Blosse</span><br/> <span class="ft1">Beweisschwierigkeiten im konkreten Einzelfall, weil der beweisbe-</span><br/> <span class="ft1">lasteten Partei die Beweismittel fehlen, führen indessen nicht zu Be-</span><br/> <span class="ft1">weiserleichterungen (BGE 130 III 321 Erw. 3.2).</span><br/> <span class="ft1">1.4.</span><br/> <span class="ft1">Die Ausbezahlung des Darlehens erfolgte gemäss Angaben der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer bar, ohne Quittung und ohne schriftlichen Darle-</span><br/> <span class="ft1">hensvertrag. In den Akten finden sich keine Unterlagen über mögli-</span><br/> <span class="ft1">che Barbezüge von einem Bank- oder Postkonto. Die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer haben das Darlehen nie in einer Steuererklärung angegeben</span><br/> <span class="ft1">und auch nicht in die Buchhaltung integriert. Schon dies lässt die be-</span><br/> <span class="ft1">hauptete Darlehensgewährung als äussert zweifelhaft erscheinen.</span><br/> <span class="ft1">Diese Zweifel verstärken sich noch bei genauerer Betrachtung der</span><br/> <span class="ft1">Verhältnisse beim angeblichen Darlehensgeber D.. Bereits das KStA</span><br/> <span class="ft1">machte die Beschwerdeführer darauf aufmerksam, dass D. in seiner</span><br/> <span class="ft1">Steuererklärung kein entsprechendes Darlehensguthaben ausgewie-</span><br/> <span class="ft1">sen habe und dass er offenbar auch nicht über ein Kapitalvermögen</span><br/> <span class="ft1">verfüge, welches eine entsprechende Darlehensschuld zulassen</span><br/> <span class="ft1">würde.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer reichen einzig die Bestätigung von D.</span><br/> <span class="ft1">über die angebliche Darlehensgewährung ein. Die Bestätigung reicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">136</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">jedoch nicht aus, um die aufgezeigten Zweifel auszuräumen. Viel-</span><br/> <span class="ft1">mehr ist aufgrund der Ausführungen der Beschwerdeführer nicht</span><br/> <span class="ft1">auszuschliessen, dass es sich um eine Gefälligkeitsbestätigung han-</span><br/> <span class="ft1">delt.</span><br/> <span class="ft1">Für das Nachsteuerverfahren gelten grundsätzlich dieselben</span><br/> <span class="ft1">Mitwirkungspflichten wie im ordentlichen Veranlagungsverfahren</span><br/> <span class="ft1">(vgl. § 209 StG). Die Beweislast des Steuerpflichtigen für steuermin-</span><br/> <span class="ft1">dernde Tatsachen führt zwar nicht zur Aufhebung des Untersu-</span><br/> <span class="ft1">chungsgrundsatzes, nach welchem die Steuerbehörde verpflichtet ist,</span><br/> <span class="ft1">den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Die Steuerbehörde</span><br/> <span class="ft1">ist jedoch nicht gehalten, weitere Sachverhaltsabklärungen zu täti-</span><br/> <span class="ft1">gen, wenn der Steuerpflichtige seine Vorbringen trotz Aufforderung</span><br/> <span class="ft1">nicht substantiiert oder wenn er die erforderlichen Belege nicht bei-</span><br/> <span class="ft1">bringt, obwohl ihm dies zumutbar wäre (AGVE 1993, S. 297).</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer haben im gesamten Nachsteuerverfahren</span><br/> <span class="ft1">die aufgezeigten Zweifel über das Bestehen des Darlehens nicht</span><br/> <span class="ft1">entkräften können. Im Einspracheverfahren hatte ihnen das KStA am</span><br/> <span class="ft1">17. Juni 2008 mitgeteilt, dass es die behauptete Darlehensgewährung</span><br/> <span class="ft1">aufgrund verschiedener Umstände (keine Deklaration in der</span><br/> <span class="ft1">Steuererklärung von D., mangelndes Barvermögen von D., etc.) nicht</span><br/> <span class="ft1">als nachgewiesen betrachten könne. Angesichts dessen wäre es Sache</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer gewesen, im Einsprache- bzw. spätestens im</span><br/> <span class="ft1">Rekursverfahren zusätzliche Beweismittel für das behauptete</span><br/> <span class="ft1">Darlehensverhältnis einzureichen bzw. entsprechende Beweisanträge</span><br/> <span class="ft1">zu stellen. Dies haben sie indessen versäumt und sie haben auch im</span><br/> <span class="ft1">verwaltungsgerichtlichen Verfahren keine entsprechenden Anträge</span><br/> <span class="ft1">gestellt. Das Verwaltungsgericht ist daher nicht gehalten, aus eigener</span><br/> <span class="ft1">Initiative weitere Abklärungen zu treffen. Das Darlehen als</span><br/> <span class="ft1">steuermindernde Tatsache kann somit nicht nachgewiesen werden.</span><br/> <span class="ft1">Eine Verweigerung des rechtlichen Gehörs, wie dies die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer vorbringen, liegt nicht vor. Die Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">erhielten mehrmals die Gelegenheit sich zu äussern und ihnen wurde</span><br/> <span class="ft1">aufgezeigt, weshalb Zweifel an dem Vorhandensein eines Darlehens</span><br/> <span class="ft1">bestehen. Die Aufrechnung von Fr. 14'000.-- ist daher gerechtfertigt.</span><br/></div> </div> </body> </html>