Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Mai 2022 (720 20 388 / 115) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bestimmung des massgebenden medizinischen Sachverhalts aufgrund eines Gerichts- gutachtens Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Elisabeth Maier, Advoka- tin, Hauptstrasse 104, Postfach, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1962 geborene A.____ arbeitete seit September 1986 bei der B.____AG in X.____ als Betriebsmitarbeiter. Auf den 31. März 2014 wurde e r zufolge Restrukturierung des Unter- nehmens entlassen. Am 4. Juni 2015 meldete sich A.____ unter Hinweis auf physische und psychische Beschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversiche rung (IV) zum Leistungs- bezug an. Nach Abklärungen – insbesondere Einholung e ines polydisziplinären Gutachtens bei der PMEDA AG Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen (PM EDA) vom 8. April 2020 – und Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte die IV-S telle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung vom 2. September 2020 einen Anspruch auf ei ne Invalidenrente infolge eines nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrads von 5 % ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin El isabeth Maier, am 8. Oktober 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die V erfügung vom 2. September 2020 auf- zuheben und die Beschwerdegegnerin unter o/e-Kostenfolg e zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Eventualiter sei die Angelege nheit für weitere Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass der angefochtene Entscheid auf unzureichenden medizinischen U nterlagen beruhe und der Ein- kommensvergleich nicht korrekt erfolgt sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Dezember 2020 beant ragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausfüh rungen eine Beurteilung von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Reg ionaler ärztlicher Dienst (RAD), vom 14. Oktober 2020 bei. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 11 . Februar 2021 / Duplik vom 11. März 2021) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. E. Anlässlich einer ersten Urteilsberatung vom 27. Mai 2 021 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der A ngelegenheit gestützt auf die vor- handenen medizinischen Akten nicht möglich sei. Es beschl oss deshalb, den Fall auszustellen und zur Klärung der medizinischen Sachlage bei Dr. me d. D.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Im Anhang zu diesem Beschluss un- terbreitete es den Parteien den Entwurf des Auftrags u nd den vorgesehenen Fragenkatalog. Die Parteien erhoben keine Einwände gegen die Person des Gutachters und verzichteten da- rauf, Zusatzfragen zu stellen. Am 27. Juli 2021 wurde der Begutachtungsauftrag des Kantons- gerichts an Dr. D.____ erteilt. Zu dessen Gutachten vo m 11. Oktober 2021 und zu den Auswir- kungen der medizinischen Beurteilung auf den Leistungsan spruch nahmen die Beschwerde- gegnerin unter Hinweis auf eine Stellungnahme des RAD -Arztes Dr. C.____ vom 22. Oktober 2021 am 25. Oktober 2021 und der Beschwerdeführer am 12. November 2021 Stellung. F. Mit Instruktionsverfügung vom 17. November 2021 wurd e die Angelegenheit erneut der Dreierkammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 8. Oktober 2020 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 ist die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft ge treten. Weil in zeitlicher Hinsicht grund- sätzlich diejenigen materiellen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 127 V 466 E. 1), und weil ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Fall es grundsätzlich auf den bis zum Zeit- punkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 2. Se ptember 2020) eingetretenen Sachver- halt abstellt (vgl. BGE 130 V 138 E. 2.1, 121 V 362 E . 1b), sind im vorliegenden Fall die Best- immungen des IVG in der bis Ende 2021 geltenden Fassung anwendbar (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit Hinweis). Sie werden im Folgenden jewei ls in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach d em Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Be stimmung des Invaliditätsgrads das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Unt ervarianten des Schätzungs- oder Pro- zentvergleichs (vgl. BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausse rordentlichen Methode (vgl. BGE 128 V 29). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2, 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die ander e medizinische These abstellt (vgl. BGE 143 V 124 E. 2.2.2). Hinsichtlich des Beweiswe rtes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange u mfassend ist, auf allseitigen Untersuchun- gen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt , in Kenntnis der Vorakten (Anam- nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der med izinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So weicht das G ericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung d es medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsb arkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorlie- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss folgerungen gelangt. Eine abwei- chende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug ersche inen, die Schlüssigkeit des Gerichts- gutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise v om Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). Im Weite- ren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Ver waltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrun d eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht e rstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Be weiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (vgl. BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzug eltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstä nden kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der ve rsicherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund- heitsbeeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicher- te Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheid end ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternati- ve Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (vg l. BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 4.2 Zu ergänzen ist, dass das Bundesgericht mit BGE 143 V 418 entschieden hat, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukt urierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses Verfahren de finiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Be lastungsfaktoren einerseits und Kom- pensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – im Rege lfall erlauben, das tatsächlich erreich- bare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch zu b eurteilen (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.6). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der d iagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlag e den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei d ie versicherte Person die materielle Be- weislast zu tragen hat (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfü gung vom 2. September 2020 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentl ichen auf das Gutachten der PMEDA vom 8. April 2020. Sie ging demzufolge davon au s, dass dem Versicherten eine ange- passte Verweistätigkeit ganztags zumutbar sei. Wie oben a usgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise s prechen. Anlässlich der ersten in dieser Angelegenheit erfolgten Urteilsberatung vom 27 . Mai 2021 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass dem psychiatrischen Teilgutachten keine au sschlaggebende Beweiskraft zukomme, da hinsichtlich der Leistungsfähigkeit des Versic herten Unsicherheiten und Unklar- heiten bestünden. So sei die Anamnese sehr kurz begrü ndet, äusserst oberflächlich und die Beurteilung würde ohne ersichtlichen Grund mehrfach Wo rtwiederholungen enthalten, was auf eine gewisse Unsorgfältigkeit bei der Erstellung des Guta chtens hindeuten und Zweifel an der Seriosität der Abklärung wecken würde. Zudem seien die Ausführungen im Gutachten teilweise unvollständig, widersprüchlich und die Auseinandersetzung mit den abweichenden fachlichen Beurteilungen äusserst knapp bzw. kaum vorhanden. Da wed er die Beurteilung des psychiatri- schen Teilgutachters noch die übrigen bei den Akten lie genden medizinischen Berichte eine verlässliche Entscheidungsgrundlage bildeten, erachtete das Kantonsgericht das psychiatrische Teilgutachten als nicht beweiskräftig und den massgebende n medizinischen Sachverhalt im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG als nicht genügend abgeklä rt. Daher beschloss es, unter Be- rücksichtigung der in BGE 137 V 210 dargelegten Rechtspre chung, den Fall auszustellen und zur abschliessenden Klärung der medizinischen Sachlage ei n Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. 6.1 Am 11. Oktober 2021 erstattete Dr. D.____ sein Ger ichtsgutachten. Er diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivier ende, depressive Episode, derzeit leichte Ausprägung (ICD-10 F33.0), eine Dysthymie (ICD-10 F34. 1) und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (I CD-10 F45.41). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünde eine Störung durch Alkohol, zurzeit abstinent (ICD-10 F10.20). Die Diagnosekriterien einer emotional instabilen Pers önlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10 F60.3) seien nicht erfüllt. Eine generalisier te Angststörung, eine Phobie, Panikattacken oder eine psychotische Erkrankung seien ebenfalls nicht er stellt. Der Explorand zeige aktuell eine leicht gedrückte Stimmung, eine leicht eingeschränkte affektive Schwingungsfähigkeit, eine leichte Freudlosigkeit, eine erhöhte Ermüdbarkeit, eine n leichten Interesseverlust, im Rahmen der Untersuchung aber keinen wesentlich verminderten A ntrieb. Er sei konzentriert und auf- merksam. Das Selbstwertgefühl sei eingeschränkt. Er fühle sich als Opfer misslicher Umstände, insofern er den Weg in den Arbeitsmarkt, nachdem ihm vom Arbeitgeber im Rahmen einer Um- strukturierung gekündigt worden war, nicht wieder zurückg efunden habe. Der Versicherte habe eine negative, pessimistische Zukunftsperspektive und beklage Schlafstörungen. Er habe wenig Interesse und Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten, wozu insbesondere die früher ausgeübte Musik, die sozialen Kontakte und das Pflegen d er familiären Beziehungen gehören würden. Er vermeide soziale Kontakte, weil diese häufig mit dem Konsum von Alkohol verbun- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht den seien, und pflege diese hauptsächlich telefonisch. E s sei davon auszugehen, dass sich beim Versicherten im Verlauf immer wieder depressive Episoden entwickelt hätten. Die somato- forme Schmerzstörung gehe einher mit somatischen und p sychischen Faktoren. Der Schmerz trete in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Problemen auf. Die Alko- holproblematik sei derzeit nicht relevant. Die Fähigke it des Versicherten, Ziele längerfristig zu verfolgen, sei eingeschränkt. Er könne sich grundsätzlich a n Regeln und Routinen anpassen, planen und strukturieren. Er sei aber schon seit Längere m nicht mehr im Arbeitsprozess, wes- halb es einer Reaktivierung und Förderung bedürfe. Di e Durchsetzungs-, Selbstbehauptungs-, Kontakt- und Gruppenfähigkeit seien leicht- bis mitt elgradig beeinträchtigt. Die Spontanaktivität sei reduziert und die Frustrationstoleranz aufgrund se iner narzisstischen Problematik mittelgra- dig vermindert. Die Ausdauer und die Aktivität in der Freizeit und im Beruf sowie die Durchhalte- fähigkeit seien ebenfalls leicht reduziert. Die affekti ve Belastbarkeit sei beeinträchtigt, der Ex- plorand sei abhängig vom Wohlwollen seines Gegenüber s. Gesamthaft bestünde in Bezug auf die Ressourcen und die Funktionsfähigkeit eine leicht- bis teilweise mittelgradige Beeinträchti- gung. Das Eingliederungspotential des Versicherten sei a ufgrund der jahrelangen Abwesenheit vom ersten Arbeitsmarkt etwas eingeschränkt. Es sei aber mob ilisierbar. Die Prognose hänge von der Motivation des Versicherten ab, an einem geeigne ten Arbeitsplatz seine Arbeitsfähig- keit zu realisieren. Der Beurteilung im Gutachten der P MEDA, wonach in der bisherigen Tätig- keit von einer dauerhaften Arbeitsfähigkeit auszugehe n sei, könne unter Berücksichtigung aller Elemente, insbesondere der Standardindikatoren und des Verlaufs, nicht beigepflichtet werden. In der bisherigen Tätigkeit als Chemiearbeiter/Gabelst apelfahrer sei der Versicherte wegen der depressiven Symptomatik und der Schmerzen seit Jahren beein trächtigt. Diese Reduktion der Arbeits- und Leistungsfähigkeit liege auch darin begr ündet, dass er sich als Gabelstapelfahrer andauernd in einer gewissen Gefahrensituation befinde und einen vermehrten kognitiven Auf- wand betreiben müsse, um konzentriert arbeiten zu könne n. Aus psychiatrisch-gutachterlicher Sicht müsse die Beeinträchtigung der Arbeits- und Leist ungsfähigkeit wegen der langen Ver- laufszeit gemittelt beurteilt werden. Weil aufgrund der vorliegenden Berichte davon auszugehen sei, dass sich beim Versicherten seit dem ersten Bericht d es Hausarztes (vgl. Bericht von Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 2 4. Juni 2015) weder eine gravierende Verschlechterung noch eine erhebliche positive Verbesserung des Gesundheitszustands einge- stellt habe, sei im Verlauf von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von gemittelt 30 % aus- zugehen. In einer angepassten leichten Tätigkeit, bei der sich der Versicherte immer wieder bewegen könne und die keine intellektuellen Anforderu ngen an ihn stelle, bestünde eine voll- ständige Arbeitsfähigkeit. Zumutbar seien etwa Kontr olltätigkeiten, Tätigkeiten in einem Büro, leichte Tätigkeiten in der Administration, am Empfang oder als Portier. Der Versicherte sollte nicht den ganzen Tag am gleichen Arbeitsplatz sitzen un d es sei wichtig, dass er gut geführt, unterstützt, und von seinen Vorgesetzten immer wieder akt iv gut ins Team integriert und aner- kannt werde. Unter diesen Bedingungen sei der Exploran d in der Lage eine 100%ige Arbeits- leistung zu erbringen. 6.2 In ihrer Eingabe vom 25. Oktober 2021 erachtete die IV-Stelle unter Hinweis auf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. C.____ vom 22. Oktober 2021 die Gerichtsexpertise als beweistaugliche Entscheidgrundlage und beantragte gest ützt darauf die Abweisung der Be- schwerde. Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12. November 2021 auf den Standpunkt, dass die Beurte ilung der bisherigen Tätigkeit mit Blick auf die weiteren Ergebnissen und Ausführungen zur Ver weistätigkeit nicht einleuchte und die Einschätzung, wonach er im angestammten Beruf seit Jahre n im Umfang von gemittelt 30 % beeinträchtigt weder begründet noch nachvollziehbar sei . Aufgrund des massiv eingeschränk- ten Arbeitsprofils und der Tatsache, dass er von seinen bisher erworbenen Fähigkeiten in einer angepassten Tätigkeit nicht profitieren könne, sei eine zumutbare Arbeit in nur so eingeschränk- ter Form möglich, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kenne und sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnit tlichen Arbeitgebers möglich wä- re. Unter diesen Umständen sei die erwerbliche Verwert barkeit der (verbliebenen) Arbeitsfähig- keit zu verneinen, was ein Anspruch auf die gesetzlichen Leistungen begründe. 6.3.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), weich t das Gericht bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizini schen Experten oder Expertinnen ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerich tsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorli egend sind keine Gründe ersicht- lich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Geri chtsgutachten von Dr. D.____ vom 11. Oktober 2021 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass die Expertise die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beur- teilungsgrundlage in jeder Hinsicht erfüllt. So weist es weder formale noch inhaltliche Mängel auf und es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wi rd (vgl. E. 3.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend. Sodann ergeben sich daraus keine Wide rsprüche von entscheidrelevanter Bedeutung. Es beinhaltet eine eingehende Erörterung der Befunde, berücksichtigt die vorhan- denen (abweichenden) Berichte und setzt sich mit den Kr iterien gemäss ICD-10 auseinander. Insgesamt ist die Beurteilung im Gutachten überzeugend. Es wird deutlich, dass beim Be- schwerdeführer aufgrund der affektiven Störungen und d er anhaltenden somatoformen Schmerzstörung die Spontanaktivität, die Ausdauer, die Aktivität in der Freizeit und im Beruf beeinträchtigt und die Durchhaltefähigkeit, die Frust rationstoleranz sowie die Durchsetzungs- Selbstbehauptungs-, Kontakt- und Gruppenfähigkeit lei cht- bis mittelgradig reduziert sind. Er kann sich aber grundsätzlich an Regeln und Routinen anpa ssen, planen und strukturieren. Ge- samthaft erkannte der Gerichtsgutachter in Bezug auf di e Ressourcen und die Funktionsfähig- keit leicht- bis teilweise mittelgradige Beeinträchtigu ngen und beurteilte das Eingliederungspo- tential des Versicherten aufgrund der langjährigen Abw esenheit vom ersten Arbeitsmarkt zwar als etwas eingeschränkt, aber als mobilisierbar. Vor diese m Hintergrund und der Tatsache, dass die vorliegenden medizinischen Unterlagen im Verlau f weder eine gravierende Ver- schlechterung noch eine erhebliche Verbesserung des Gesundheitszustands belegen, erscheint die Beurteilung plausibel, wonach der Versicherte in d er bisherigen Tätigkeit gemittelt über den Verlauf eine um 30 % reduzierte Arbeits- und Leistungs fähigkeit aufweise. Dasselbe gilt hin- sichtlich der Beurteilung der Leistungsfähigkeit in einer angepassten Verweistätigkeit. Demnach ist der Versicherte in einer leichten Tätigkeit ohne in tellektuelle Anforderungen (so etwa Kon- troll- oder administrative Arbeiten, eine Tätigkeit a ls Portier oder an einem Empfang) – wenn er von Vorgesetzten gut geführt, unterstützt und anerkannt wird – in der Lage, eine 100%ige Ar- beitsleistung zu erbringen. Insgesamt vermögen die vorsteh end (vgl. E. 6.1) wiedergegebenen Darlegungen des Gutachters zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.2 Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht gee ignet, Zweifel an der Beweiskraft der Gerichtsexpertise zu wecken. Soweit er die gutachterlich e Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Chemiearbeiter/Gabelstapelfahrer in Frage stellt, ist ihm entge- genzuhalten, dass die Beurteilung des Gerichtsgutachter s in Kenntnis des damaligen Arbeits- platzprofils (vgl. Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin vom 20. Juli 2015; act. 24) erfolgte und er somit über die Anforderungen und Verhältnisse der früheren beruflichen Tätigkeit im Bilde war. Seine Beurteilung, wonach über den Verlauf gemi ttelt von einer Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit von 30 % auszugehen sei, begründete er mit der langen Verlaufszeit und der Er- kenntnis, dass aufgrund der vorliegenden medizinischen Ber ichte weder eine gravierende Ver- schlechterung noch eine erhebliche Verbesserung des Gesu ndheitszustands belegt seien. Konkrete Hinweise darauf, dass der Gutachter diese Beurt eilung im Hinblick auf Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ergebnisorientiert vorgenommen und sich som it von einem sachfremden Kriterium hätte leiten lassen, sind weder ersichtlich noch substanti iert dargetan. Insgesamt sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Erge bnisse im Gerichtsgutachten von Dr. D.____ vom 11. Oktober 2021 in Frage zu stellen od er gar davon abzuweichen. Insgesamt lässt die Gerichtsexpertise eine zuverlässige Beurteilung d es Krankheitsverlaufs und der Ar- beitsfähigkeit des Versicherten zu, weshalb in antizipier ter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf zusätzliche Abklärungen verzichtet und davon ausgegangen werden kann, dass der Beschwerde führer in seiner bisherigen Tätig- keit als Chemiearbeiter/Gabelstapelfahrer seit Jahren i m Umfang von 30 % in der Arbeitsfähig- keit eingeschränkt ist, ihm aber (optimal) angepasste Tätigkeiten zu 100 % zumutbar sind. 6.4 Wie oben (vgl. E. 2.1 hiervor) ausgeführt, setzt de r Rentenanspruch unter anderem vo- raus, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch- schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig war und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist. Das rentenbegründende Wartejahr ge mäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG gilt als er- öffnet, wenn eine Einbusse an funktionellem Leistungsve rmögen im bisherigen Beruf von min- destens 20 % vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. Februar 2014, 9C_818/2013, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Nach der massgebenden Beurte ilung im Gerichtsgutachten von Dr. D.____ vom 11. Oktober 2021 war der Versicherte i m bisherigen Beruf seit Jahren krank- heitsbedingt zu 30 % in der Arbeitsfähigkeit eingesc hränkt. Damit erfüllte er zu keinem Zeit- punkt sämtliche Voraussetzungen einer rentenbegründenden Invalidität. Die angefochtene Ver- fügung vom 2. September 2020, mit welcher ein Rente nanspruch des Beschwerdeführers ab- gewiesen wurde, ist daher bereits aus diesem Grund nicht zu beanstanden. 6.5 Den Ausführungen des Beschwerdeführers zur Verwert barkeit seiner Restarbeitsfähig- keit und zur Bemessung der Vergleichseinkommen ist Folgen des beizufügen: Es trifft zu, dass nach der Rechtsprechung Unverwertbarkeit der Restarbeits fähigkeit anzunehmen ist, wenn die zumutbare Tätigkeit in nur so eingeschränkter Form mögli ch ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nic ht realistischem Entgegenkommen ei- nes durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. Urt eile des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2017, 9C_183/2017, E. 4.2 und vom 8. Oktober 2015, 8C_582/2015, E. 5.11). Eine derartige ausserordentliche Konstellation kann vorliege nd aber nicht bejaht werden. Gemäss Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der gutachterlichen Zumutbarkeitsbeurteilung besteht be i ihm in einer Verweistätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Entgegen seiner Auffassung u nterliegt das ihm noch zumutbare Tä- tigkeitsfeld nicht derart vielen Einschränkungen, dass ei ne Anstellung künftig nicht mehr als realistisch zu bezeichnen wäre. Die sachlichen Limitierung en schränken die Chancen der Ver- wertung der fraglichen Restarbeitsfähigkeit im Ergebnis zwar ein, lassen sie aber nicht als völlig unrealistisch erscheinen, zumal der ausgeglichene Arbeitsm arkt auch sogenannte Nischenar- beitsplätze umfasst (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020, E. 5.3 und vom 8. Mai 2013, 8C_728/2012, E. 4.3.3). Diese Stell en- und Arbeitsangebote zeichnen sich dadurch aus, dass behinderte Personen bei solchen Stellen mit einem sozialen Entgegenkom- men von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (vgl. U rteil des Bundesgerichts vom 29. Au- gust 2007, 9C_95/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Vorlieg end steht das Belastungsprofil des Be- schwerdeführers der Ausübung von leichten Kontroll- und Prüf- sowie einfachen Überwa- chungsarbeiten nicht entgegen. Diese Beschäftigungen sind weder mit einem grossen Einarbei- tungsaufwand verbunden noch erfordern sie besondere Fä higkeiten oder Erfahrungen. Dazu kommt, dass Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen ausgegli chenen Arbeitsmarkt grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt werden (vgl. BGE 146 V 1 6 E. 7.2.1). Im Lichte der hohen Hür- den, die das Bundesgericht für die Annahme einer Unve rwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit entwickelt hat, ist deshalb von der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit des Versicherten auszugehen. Da der Beschwerdeführer in angepassten Verwe istätigkeiten zu 100 % arbeitsfä- hig ist, ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass er ein rentenausschliessendes Erwerbs- einkommen erzielen könnte. Die von ihr in der angefoch tenen Verfügung vom 2. September 2020 vorgenommene Bemessung der Vergleichseinkommen anh and der Tabellenlöhne hält einer Überprüfung stand, weshalb darauf verwiesen werd en kann. Selbst wenn den Ausführun- gen des Beschwerdeführers gefolgt und das Valideneink ommen – unter Berücksichtigung des bisherigen Erwerbseinkommens, des Schweizer Bürgerrechts und seines Alters – aufgrund ei- nes Monatseinkommens von Fr. 6'204.-- bemessen und mi t Fr. 78'310.55 (Fr. 6'204.-- x 12 : 40 x 41,7 Stunden [vgl. Bundesamt für Statistik, T 03.02. 03.01.04.01; Total Wirtschaftszweige 1- 96] x 100,9 % [Nominallohnentwicklung 2019; vgl. Bun desamt für Statistik, Nominallohnin- dex]) beziffert und zudem beim Invalideneinkommen (Fr. 5’417.-- x 12 : 40 x 41,7 Stunden x 100,9 % = Fr. 68'376.55) ein maximaler Abzug vom Tab ellenlohn von 25 % vorgenommen wür- de (Fr. 68'376.55.-- x 75 % = Fr. 51'282.40), result ierte kein rentenrelevanter Invaliditätsgrad ([Fr. 78'310.55 - Fr. 51'282.40] : Fr. 78'310.55 x 100 = 34,5 %). Die angefochtene Verfügung vom 2. September 2020, mit welcher ein Rentenanspruc h des Beschwerdeführers verneint wurde, ist im Ergebnis nicht zu beanstanden und die dag egen gerichtete Beschwerde deshalb abzuweisen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 7.2.1 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträg er die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, w enn die Massnahmen für die Beurtei- lung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil n achträglich zugesprochener Leistun- gen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 en tschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig er achteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfah- rensfairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht weiter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.2). In BGE 139 V 496 hat das Bundesgericht präzisierend Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferl egt werden können, zu berücksichti- gen sind. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zw ischen dem Untersuchungs- mangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellationen der Fa ll: Wenn ein manifester Widerspruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztlichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründete A rgumente entkräftet habe; wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation no twendige Aspekte unbeantwortet gelas- sen oder wenn sie auf eine Expertise abgestellt habe, welche die Anforderungen an eine medi- zinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (vgl. BGE 12 5 V 351 E. 3a). Wenn die Verwaltung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre Auffassung auf objektive konver- gente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rechtsgenüglichen Expertise gestützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzlichen Gerichts gutachtens an sie nicht gerechtfer- tigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens; zum Ganze n: BGE 139 V 496 E. 4.4 mit Hin- weisen). 7.2.2 Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich der Ur teilsberatung vom 27. Mai 2021 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Wie vorstehend in Erwägung 5 ausgeführt, kam dem psychiatrischen Teilgutach- ten der PMEDA mit Blick auf die Anforderungen an den Beweiswert ärztlicher Berichte und Gutachten keine ausschlaggebende Beweiskraft zu. Da auch d ie übrigen bei den Akten liegen- den medizinischen Berichte keine verlässliche Entscheidungsg rundlage bildeten, waren die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren nicht ausreichend beweiskräftig. Dem- nach wies das Verwaltungsverfahren Untersuchungsmängel auf, die eine Gerichtsexpertise notwendig machten. Die Kosten des psychiatrischen Gericht sgutachtens, welche sich gemäss der eingereichten Honorarnote vom 11. Oktober 2021 a uf Fr. 7'000.-- belaufen, sind unter die- sen Umständen der IV-Stelle aufzuerlegen. 7.3.1 Gemäss Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG hat die obsieg ende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Stellt man vorli egend einzig auf den Prozessausgang Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ab, so steht dem Beschwerdeführer als unterliegender Pa rtei keine Parteientschädigung zu. Nun gilt es allerdings zu beachten, dass das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG) in ständiger Rechtsprechung zum Parteientschädigungsr echt im Rahmen der bundes- rechtlichen Vorschriften über die Parteientschädigung i m kantonalen Beschwerdeverfahren das Verursacherprinzip anerkannt hat. Danach hat unnötige Kosten zu bezahlen, wer sie verursacht hat (vgl. BGE 125 V 373 E. 2b, vgl. auch Urteil des Bu ndesgerichts vom 15. Juli 2016, 8C_349/2016, E. 4). Dementsprechend kann keine Partei entschädigung beanspruchen, wer zwar im Prozess obsiegt, sich aber den Vorwurf gefallen l assen muss, er habe es wegen Ver- letzung der Mitwirkungspflicht selber zu verantworten, d ass ein unnötiger Prozess geführt wor- den sei (Sozialversicherungsrecht - Rechtsprechung [SVR] 20 04 ALV Nr. 8 E. 3.1 mit zahlrei- chen Hinweisen). Andererseits kann das Verursacherprinzip aber auch dazu führen, dass die Behörde einer unterliegenden Partei die Parteikosten zu ersetzen hat, wenn sie das Verfahren durch einen Fehler veranlasst oder wenn sie der Beschwer de führenden Partei – unter damali- ger Optik – zumindest berechtigten Anlass zur Ergreifun g des Rechtsmittels gegeben hat (vgl. zum Ganzen: M ARTIN BERNET , Die Parteientschädigung in der schweizerischen Verwal- tungsrechtspflege, Zürich 1986, S. 136 ff.). Diese i m Rahmen von altArt. 85 Abs. 2 lit. f AHVG sowie altArt. 108 Abs. 1 lit. g des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 entwickelten Grundsätze zum Anspruch auf P arteientschädigung im kantonalen Beschwerdeverfahren haben unter der Herrschaft des ATSG weiterhin Geltung und sind dem- nach für die Auslegung von Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG massgebend (SVR 2004 ALV Nr. 8 E. 3.1). 7.3.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der vorliege nd angefochtenen Verfügung vom 2. September 2020 bei der Beurteilung des medizinische n Sachverhalts vollumfänglich auf das Gutachten der PMEDA vom 8. April 2020. Anlässlich der U rteilsberatung vom 27. Mai 2021 er- achtete das Kantonsgericht die vom Beschwerdeführer erh obenen Rügen als begründet (vgl. E. 5 hiervor); es entschied, den Fall auszustellen und zur Klärung des medizinischen Sachverhalts ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Der damalige Beschluss des Kantons- gerichts macht deutlich, dass die Erhebung der Beschwerde durch den Versicherten jedenfalls insoweit begründet war, als er darin in zutreffender Weise die vorinstanzliche Abklärung und Würdigung des medizinischen Sachverhalts beanstandete un d die Anordnung weiterer medizi- nischer Abklärungen beantragte. Dies wiederum zeigt, dass der Versicherte – unter damaliger Optik – ausreichende Veranlassung hatte, die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2. Sep- tember 2020 beim Kantonsgericht anzufechten. Vor diese m Hintergrund rechtfertigt es sich, dem Beschwerdeführer für die von seiner Rechtsvertreter in im Zeitraum ab Zustellung der Ver- fügung vom 2. September 2020 bis und mit der Urteilsbe ratung vom 27. Mai 2021 erbrachten notwendigen Bemühungen eine angemessene Parteientschä digung zu Lasten der Beschwer- degegnerin zuzusprechen. Für diese Lösung spricht auch der Umstand, dass der Versicherte in gleicher Weise Anspruch auf eine angemessene Parteientschädigung zu Lasten der Beschwer- degegnerin gehabt hätte, wenn das Kantonsgericht anlässl ich der Urteilsberatung vom 27. Mai 2021 den Fall nicht ausgestellt und ein Gerichtsgutachte n in Auftrag gegeben, sondern statt- dessen die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zu rückgewiesen hätte. Bei dieser Vorgehensweise des Gerichts gilt nämlich nach ständiger b undesgerichtlicher Rechtsprechung Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beschwerde führende Person als (vollständig) obsiege nde Partei, welche gemäss Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten des betroffenen Sozialversiche- rers hat (vgl. BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 215 E. 6.2, je mit Hinweisen). 7.3.3 Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat i n ihrer Honorarnote vom 17. März 2021 einen Zeitaufwand von 10 Stunden und 20 Minuten und Auslagen von Fr. 151.20 bis zur Urteilsberatung vom 27. Mai 2021 geltend gemacht, wa s sich unter Berücksichtigung des dop- pelten Schriftenwechsels als angemessen erweist. Die Bemüh ungen sind zu dem in Sozialver- sicherungsprozessen praxisgemäss zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Dem Beschwerdeführer ist deshalb für die im vorliegenden Beschwerdever- fahren bis zur Urteilsberatung vom 27. Mai 2021 erb rachten Bemühungen seiner Rechtsvertre- terin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'9 44.95 (10,33 Stunden à Fr. 250.-- + Aus- lagen von Fr. 151.20 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zu- zusprechen. Was die nach der Urteilsberatung vom 27. Ma i 2021 angefallenen ausserordentli- chen Kosten betrifft, so sind diese dem Prozessausgang entsp rechend wettzuschlagen (vgl. E. 7.3.1 hiervor). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 7’000.-- werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2'944.95 (inkl. Ausl agen und 7,7 % Mehrwertsteuer) auszurichten. Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht