Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 3. Dezember 2019 (470 19 249) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Nichtanhandnahme des Verfahrens Besetzung Vizepräsident Stephan Gass, Richter Dominique Steiner (Ref.), Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin B.____ , Beschuldigter Gegenstand Nichtanhandnahme des Verfahrens (Beschwerde gegen die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabteilung, vom 18. Oktober 2019) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Schreiben vom 3. September 2019 erstattete A.____ bei der Staatsanwaltschaft Ba- sel-Landschaft Anzeige gegen B.____ wegen Verletzung d es Berufsgeheimnisses nach Art. 321 StGB sowie eventualiter wegen Nötigung gemäss Art. 181 StGB. Dieser Anzeige legte A.____ im Wesentlichen folgenden Sachverhalt zugrunde : Er habe sich am 25. Juli 2019 ge- meinsam mit dem Vorgesetzten und engen Blutsverwandten C.____ auf einer Autofahrt nach X.____ befunden. Gegen 20 Uhr habe völlig unerwarte t das Telefon geklingelt. Da er durch die allgemeine Verkehrslage abgelenkt gewesen sei, habe der Zeuge C.____ den Anruf entgegen- genommen. Über die mittlerweile aktivierte Freispreche inrichtung habe sich der Anrufer als B.____ von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vorgestel lt und einige Fragen wegen einer psy- chiatrischen Begutachtung gehabt. Obwohl der Anrufer wa hrgenommen habe, dass sich noch eine weitere Person in der unmittelbaren räumlichen Anwesenheit befunden habe, habe er ver- sucht, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Er habe aber de m Anrufer mehrfach und deutlich ge- sagt, dass er nicht mit Psychiatern der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt telefoniere. Ausserdem sei er gerade auf einer privaten Autofahrt und könne nicht sprechen. Der Anrufer habe darauf sinngemäss und in aggressivem Tonfall zu ihm gesagt, er k omme ja sowieso nicht zum Termin und müsse die Folgen tragen, die Staatsanwaltschaft k önne ihn auch abholen. Er habe diese Bemerkung als Drohung aufgefasst. Durch das Verhalten d es Anrufers sei es im Übrigen fast zu einem Verkehrsunfall bei einer Geschwindigkeit von über 200 km/h gekommen. In der Folge erliess die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemei ne Hauptabteilung, mit Datum vom 18. Oktober 2019 eine Nichtanhandnahmeverfügung und b eschloss darin, dass das Verfahren in Anwendung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht a n Hand genommen werde (Ziff. 1) und die Kosten zu Lasten des Staates gingen (Ziff. 2). Auf die Begründung dieser Verfügung sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit er forderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. B. Gegen die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwalt schaft vom 18. Oktober 2019 erhob A.____ mit Eingabe vom 24. Oktober 2019 Beschwer de beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, und beantragte dabe i Folgendes: Es sei die Beschwerde gut- zuheissen, und es sei die angefochtene Verfügung aufzuhebe n. Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, das Strafverfahren fortzuführen und D.___ _ als Zeuge einzuvernehmen (Ziff. 1). Weiter sei festzustellen, dass die Staatsanwaltschaft da s rechtliche Gehör des Beschwerdefüh- rers willkürlich verletzt habe (Ziff. 2); dies alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Demgegenüber begehrte die Staatsanwaltschaft in ihre r Beschwerdeantwort vom 31. Oktober 2019 die Abweisung der Beschwerde und die Auferlegung der Kosten des Verfah- rens an die beschwerdeführende Partei. D. Mit Datum vom 7. November 2019 reichte sodann der Besc huldigte eine Stellungnahme ein, ohne aber explizite Anträge zu stellen. E. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 18. November 201 9 wurde das Gesuch des Be- schwerdeführers vom 17. November 2019 um Ansetzung einer Frist bis zum 27. November 2019 zur Stellungnahme zu den Eingaben der Beschwerdeg egner unter Verweis auf den mit Datum vom 11. November 2019 verfügten Schriftenwechsel schluss sowie die mit nämlicher Eingabe vom 17. November 2019 bereits erfolgte Stell ungnahme des Beschwerdeführers ab- gewiesen. Erwägungen 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Rechtsmittelinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StPO. Nach Art. 310 Abs. 2 StPO in Verbin- dung mit Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 393 Abs. 1 l it. a StPO ist die Beschwerde zulässig gegen die Verfügungen und die Verfahrenshandlungen v on Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertretungsstrafbehörden. Gemäss Abs. 2 von Art. 393 S tPO können mit der Beschwerde gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Übersch reitung und Missbrauch des Er- messens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a ); die unvollständige oder unrichti- ge Feststellung des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unang emessenheit (lit. c). Nach Art. 310 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO sow ie Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Be- schwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entsch eide innert zehn Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Fraglich ist in casu die Legitimation des Beschwerdeführ ers zur Ergreifung des Rechtsmit- tels; diese wird in Art. 310 Abs. 2 StPO in Verbindun g mit Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Als Anzeigeerstatter und geschädi gte Person ist der Beschwerdeführer ein Verfahrensbeteiligter gemäss Art. 105 Abs. 1 lit. a und lit. b StPO. Verfahrensbeteiligten stehen, wenn sie in ihren Rechten unmittelbar betroff en sind, die zur Wahrung ihrer Interessen erforderlichen Verfahrensrechte einer Partei zu (Art. 105 Abs. 2 StPO), wozu auch das Be- schwerderecht zählt. Nach Art. 382 Abs. 1 StPO kann jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entsche ides hat, ein Rechtsmittel ergreifen. Zur Beschwerde gegen die Einstellung legitimiert sind diejenigen Verfahrensbeteiligten, die ein rechtlich geschütztes Interesse an deren Aufhebung haben, d.h. durch die Einstellungsverfü- gung beschwert sind. Zu diesem Kreis gehören die Priva tkläger. Betroffene Personen, die sich bis zum Abschluss des Vorverfahrens nicht als Privatkläger konstit uiert haben, können die Ein- stellungsverfügung mangels Parteistellung allerdings gru ndsätzlich nicht anfechten (Art. 118 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO un d Art. 382 Abs. 1 StPO). Unter Berück- sichtigung des Anspruchs auf rechtliches Gehörs gilt diese Einschränkung jedoch dann nicht, wenn die betroffene Person noch keine Gelegenheit g ehabt hat, sich zur Frage der Konstituie- rung zu äussern, so etwa, wenn eine Einstellung ergeht, ohne dass die Strafverfolgungsbehör- de diese zuvor auf ihr Konstituierungsrecht aufmerksam g emacht hat, oder bei einer Nichtan- handnahme (vgl. zum Ganzen BGer 1B_298/2012 vom 27. Aug ust 2012 E. 2.1, mit Hinweisen zur Lehre und Praxis; Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafpro- zesses, BBl 2005, 1308 Fn. 427). Die Strafverfolgungsb ehörden trifft denn auch eine entspre- chende Auf- und Abklärungspflicht (vgl. Art. 118 Abs. 4 StPO), deren Versäumnis nicht zu einer Verwirkung der Verfahrensrechte der betroffenen Person führen soll. Im vorliegenden Fall ist zufolge der Nichtanhandnahmeverfügung davon auszugehen , dass der Beschwerdeführer kei- ne Gelegenheit gehabt hat, sich als Privatkläger zu konsti tuieren. Insofern ist dessen Be- schwerdelegitimation auch ohne formelle Konstituierung als Privatkläger zufolge seiner Position als Adressat der angefochtenen Verfügung im Zweifel zu bejahen (vgl. hierzu auch BGer 6B_761/2016 vom 16. Mai 2017 E. 3.3 ff.). Nachdem also die Beschwerdelegitimation des Be- schwerdeführers für das vorliegende Verfahren gegeben i st und im Übrigen die angefochtene Verfügung ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, der Beschwerdeführer eine zulässige Rü- ge erhebt, die Rechtsmittelfrist gewahrt hat sowie der Begründungspflicht in dem von soge- nannten Laienbeschwerden zu erwartenden Umfang nachgeko mmen ist, ist ohne Weiteres auf das vorliegende Rechtsmittel einzutreten. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung des angefo chtenen Entscheids zusammen- gefasst aus, es sei festzustellen, dass der Empfänger eines Telefonanrufs selbst sicherstellen müsse, dass er durch die Entgegennahme während einer Au tofahrt keine Drittpersonen gefähr- de; hierfür könne er nicht den Anrufer verantwortlich machen. Ferner könne der Empfänger ei- nes Anrufs, welcher diesen bewusst über eine Freisprechan lage in Anwesenheit Dritter entge- gennehme oder entgegennehmen lasse, sich nicht darauf berufen, dass der Anrufer das Be- rufsgeheimnis verletze; zumal in casu offensichtlich nicht von einem ausführlichen und langen Telefongespräch die Rede sei, sondern von einem blosse n Versuch von B.____, einen Termin abzusprechen. Infolgedessen sei der Tatbestand der Verle tzung des Berufsgeheimnisses ein- deutig nicht erfüllt. Des Weiteren sei die angebliche Aussage von B.____, wonach die Staats- anwaltschaft den Beschwerdeführer auch abholen könne, im vorliegenden Kontext, in welchem A.____ offensichtlich sehr ablehnend auf den Versuch der Terminvereinbarung reagiert habe, inhaltlich korrekt, da bei einem Nichterscheinen zur psychiatrischen Begutachtung eine polizeili- che Vorführung möglich sei. Demnach seien auch die Tatb estände der Drohung und Nötigung eindeutig nicht erfüllt. Im Resultat seien damit keine Tatbestände erfüllt, weshalb das Verfahren nicht an Hand zu nehmen sei. In ihrer Beschwerdeantwort führt die Staatsanwaltschaft ergän- zend aus, das vorliegende Verfahren diene offensichtlich a ls Verteidigungsmanöver gegen die von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt angeordnete Begu tachtung. Der Beweisantrag vom 17. Oktober 2019 sei formell nicht zu behandeln gewesen, da er nach Erlass der angefochtenen Verfügung eingegangen sei. Abgesehen davon wäre er o hnehin abzuweisen gewesen, da trotz der Einreichung eines weiteren Whatsapp-Auszugs kein re levanter Anfangsverdacht vorgele- gen habe. 2.2 Demgegenüber ist der Beschwerdeführer im Wesentlichen der Ansicht, der Umstand, wonach die Staatsanwaltschaft keine Untersuchung gegen d en Beschuldigten eröffnet und auch keine Einvernahme durchgeführt habe, verstosse ge gen seinen Anspruch auf ein faires Verfahren. Soweit die angefochtene Nichtanhandnahmev erfügung zum Ergebnis komme, die fraglichen Tatbestände seien nicht erfüllt, stelle die s eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Er habe diesbezüglich nämlich den Beweisantrag geste llt, es sei D.____ als Zeuge einzu- vernehmen. Es sei mit einem fairen Verfahren nicht ver einbar, einerseits den Sachverhalt über- haupt nicht zu untersuchen, um dann andererseits gestützt auf diesen unvollständigen Sach- verhalt eine Nichtanhandnahme mangels Tatverdachts zu verfügen. Auch sei es grob aktenwid- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rig, zu behaupten, es lägen eindeutig keine Hinweise a uf ein strafbares Verhalten des Beschul- digten vor, da selbst die Staatsanwaltschaft anerkenne, dass dieser ihn mit "Abholen" bedroht habe. Es liege nicht in der Kompetenz eines Psychiaters, derartige Zwangsmassnahmen ei- genmächtig anzuordnen. Unter diesen Umständen verstosse di e angefochtene Verfügung ge- gen die Maxime "in dubio pro duriore". 2.3 Der Beschuldigte lässt sich dahingehend vernehmen, er sei 2018 mit der psychiatrischen Begutachtung des Beschwerdeführers beauftragt worden. A ngesichts der damals bestehenden heiklen Konstellation habe er sich entschieden, ihn nicht einfach schriftlich aufzubieten, sondern ihm die Möglichkeit zu geben, eigene Terminwünsche vorzu bringen. Ein Gespräch und eine Untersuchung seien aber nicht zustande gekommen. Im Juli 2019 habe er sich abermals ent- schlossen, den Beschwerdeführer anzurufen, um einen all fälligen Termin zu vereinbaren. Die- ser habe jedoch wiederum nicht mit ihm reden wollen. Wenn man bedenke, dass eine Explora- tion nach wie vor im Raume stehe, seien die Anzeige im Oktober 2019 und die nachfolgende Beschwerde leicht einzuordnen. Es sei nicht nachvollzie hbar, weshalb er mit einer polizeilichen Vorführung gedroht haben soll, da er eine solche Massn ahme gar nicht anordnen könne und zudem nicht zu erwarten sei, dass der Explorand unter Anw endung von Zwang mit ihm reden würde. Auch habe er weder gewusst, dass der Beschwerdefü hrer mit 200 km/h unterwegs ge- wesen sei, noch dass dieser nicht habe frei sprechen könne n, da das Telefonat abgebrochen worden sei, ohne dass ein Gespräch zustande gekommen sei. 3.1 a) Eine Nichtanhandnahmeverfügung hat zu ergehen, wenn die Staatsanwaltschaft allein aufgrund der Ermittlungsergebnisse oder der Strafanzeige die Untersuchung nicht eröffnet, weil die Führung eines Verfahrens geradezu aussichtslos erscheint. Dies ist gemäss Art. 310 Abs. 1 StPO unter anderem der Fall, wenn feststeht, dass die fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen eindeutig nicht erfüllt sind (lit. a) oder wenn Verfahrenshindernisse bestehen (lit. b). Das Prinzip „in dubio pro duriore“ schreibt vor, dass eine Nichtanhandnahme von der Staatsanwaltschaft nur ausgesprochen werden darf, wenn es klar erscheint, dass der Sachverhalt nicht strafbar ist oder nicht bestraft werden kann. Die Bestimmung besitzt zwingen- den Charakter, weshalb bei Vorliegen der in Art. 310 Abs. 1 StPO genannten Gründen der Staatsanwaltschaft kein Ermessen in Bezug auf den Erla ss einer Nichtanhandnahmeverfügung zukommt. Sind die Nichtanhandnahmegründe nicht mit abs oluter Sicherheit gegeben, hat das Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahren eröffnet zu werden. Entsprechend kommt ein e Nichtanhandnahme nur in Frage, wenn keine Untersuchungshandlungen vorgenommen werden m üssen. Es muss sich folglich allein aus den Akten um sachverhaltsmässig und rechtlich klar e Fälle handeln. Mit dem soforti- gen Entscheid, kein Untersuchungsverfahren durchzuführen, soll primär verhindert werden, dass Personen durch grundlose Anzeigen oder Ermittlunge n Nachteile verschiedenster Art entstehen sowie nutzlose Umtriebe anfallen (ESTHER OMLIN , in: Basler Kommentar, Schweizeri- sche Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 8 zu A rt. 386 StPO, mit Hinweisen; NATHAN LANDSHUT / THOMAS BOSSHARD , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafpro- zessordnung, 2. Auflage, Zürich 2014, N 1 f. zu Art. 310 StPO, mit Hinweisen; BGer 1B_368/2012 vom 13. Mai 2013 E. 3; BGE 137 IV 285 E. 2.3). b) Der Nichtanhandnahmegrund der eindeutigen Nichterfül lung der fraglichen Straftatbe- stände oder der Prozessvoraussetzungen gemäss Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO liegt vor, wenn mit Sicherheit feststeht, dass der zur Beurteilung vorliege nde Sachverhalt unter keinen Straftatbe- stand fällt oder gar nicht verfolgbar ist (OMLIN , a.a.O., N 9 zu Art. 310 StPO). Die Situation muss sich für die Staatsanwaltschaft demnach so präsentieren, dass gar nie ein Verdacht hätte an- genommen werden dürfen oder der Anfangsverdacht voll ständig entkräftet worden ist. Der Staatsanwaltschaft kommt bei der Beurteilung der Frage, ob klare Straflosigkeit gegeben ist, ein gewisser Spielraum zu. Bei missbräuchlichen oder von vorn herein aussichtlosen Strafanzeigen hat ebenfalls eine Nichtanhandnahme zu erfolgen. Wirr e und nicht einzuordnende Anzeigen können allenfalls sogar formlos abgelegt werden (L ANDSHUT / BOSSHARD , a.a.O., N 4 zu Art. 310 StPO; BGE 138 IV 86 E. 4.1.2). Bei blossen Z weifeln, ob ein Straftatbestand vorliegt oder ob der Nachweis strafbaren Verhaltens gelingen wird, darf keine Nichtanhandnahme erfol- gen. In diesen Fällen ist die Untersuchung zu eröffnen oder der Tatverdacht durch eigene oder polizeiliche Ermittlungen abzuklären (L ANDSHUT / BOSSHARD , a.a.O., N 5 zu Art. 310 StPO; BGer 1B_478/2012 vom 26. November 2012 E. 2.2). Obsc hon nicht explizit erwähnt, kann eine Nichtanhandnahmeverfügung nach Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO auch ergehen, wenn offenkundig ein Rechtfertigungsgrund besteht. Eine Untersuchungs eröffnung kann unterbleiben, wenn ein tatbestandsmässiges Verhalten (z.B. aufgrund einer Amtspf licht) erlaubt oder gar geboten ist (LANDSHUT / BOSSHARD , a.a.O., N 5a zu Art. 310 StPO; O MLIN , a.a.O., N 11a zu Art. 310 StPO; BGer 1B_158/2012 vom 15. Oktober 2012 E. 2.6). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht c) In Anwendung von Art. 321 Ziff. 1 StGB werden unte r anderem Ärzte und Psychologen, die ein Geheimnis offenbaren, das ihnen infolge ihre s Berufes anvertraut worden ist oder das sie in dessen Ausübung wahrgenommen haben, auf Antrag m it Freiheitsstrafe bis zu drei Jah- ren oder Geldstrafe bestraft. Geheimnis im Sinne diese r Bestimmung ist alles, was der Patient dem Arzt zwecks Ausführung des Auftrags anvertraut oder wa s der Arzt in Ausübung seines Berufes wahrnimmt. Tathandlung ist das Offenbaren, d. h. ein Verhalten, welches zur Kenntnis- nahme der geheimen Tatsache durch einen Aussenstehenden führt oder diesem mindestens die Kenntnisnahmemöglichkeit eröffnet. Subjektiv ist V orsatz, mindestens Eventualvorsatz er- forderlich (STEFAN TRECHSEL / HANS VEST , in: TRECHSEL / PIETH [Hrsg.], Schweizerisches Straf- gesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Auflage, Zürich / St. G allen 2018, N 20 ff. zu Art. 321 StGB, mit Hinweisen). d) Nach Art. 180 Abs. 1 StGB wird, auf Antrag, mit Fre iheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer jemanden durch schwere Drohu ng in Schrecken oder Angst versetzt. Gemäss Art. 181 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu dr ei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unte rlassen oder zu dulden. Der Tatbestand schützt die Freiheit der Willensbildung und Willensbetä tigung des Einzelnen. Der Taterfolg be- steht darin, dass eine andere Person dazu veranlasst wird, sich entsprechend dem Willen des Täters zu verhalten. Das abgenötigte Verhalten kann da rin bestehen, dass das Opfer eine be- stimmte Handlung vornimmt, eine bestimmte Handlung un terlässt oder aber darin, dass das Opfer das Verhalten des Täters oder eines Dritten dul det. Die Tathandlung besteht darin, dass der Täter Gewalt anwendet, dem Opfer ernstliche Nacht eile androht oder auf andere Weise seine Handlungsfreiheit beschränkt. Gewalt ist die physische Einwirkung auf den Körper des Opfers, die geeignet ist, die Willensfreiheit zu beein trächtigen. Welches Mass an Zwangswir- kung erforderlich ist, entscheidet sich aufgrund der Umstä nde des Einzelfalls. Eine Androhung ernstlicher Nachteile liegt vor, wenn nach der Darstell ung des Täters der Eintritt des Nachteils als von seinem Willen abhängig erscheint und wenn die A ndrohung geeignet ist, den Betroffe- nen in seiner Entscheidungsfreiheit einzuschränken. Ob der Täter das angedrohte Übel tatsäch- lich bewirken will oder kann, ist irrelevant. Ernstlich sind die angedrohten Nachteile, wenn diese geeignet sind, auch eine verständige Person in der Lag e des Betroffenen gefügig zu machen. Die Generalklausel der anderen Beschränkung der Handlu ngsfreiheit bedarf einer restriktiven Auslegung. Erfasst sind allein Verhaltensweisen, denen e ine den Alternativen der Gewaltan- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht wendung und der Androhung ernstlicher Nachteile vergle ichbare Zwangswirkung zukommt. Die Tathandlung muss ursächlich dafür sein, dass sich das Opfer in der vom Täter gewünschten Art und Weise verhält. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz e rforderlich, wobei bedingter Vorsatz ge- nügt. Eine weitergehende Absicht ist nicht vorausgesetzt. Die Rechtswidrigkeit der Nötigung ist nur gegeben, wenn diese positiv begründet werden kann. Rechtswidrig ist eine Nötigung dann, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel zum erstrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfun g zwischen einem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist. Vollendet ist die Nötigung, wenn sich das Opfer dem Willen des Täters entsp rechend verhält. Misslingt die Be- stimmung von Willensbildung oder Willensbetätigung, bleibt es beim Versuch (G ÜNTER STRATENWERTH / WOLFGANG WOHLERS , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 2. Auflage, Bern 2009, N 1 ff. zu Art. 181 StGB, mit zahlreichen Hinweisen). 3.2 a) Der Beschwerdeführer sieht in casu eine Verletzung de s Berufsgeheimnisses durch den Beschuldigten darin begründet, dass dieser ihn angerufe n habe, während er mit einer Drittper- son im Fahrzeug auf dem Weg nach X.____ auf der Autoba hn unterwegs gewesen sei. Hierzu hat bereits die Staatsanwaltschaft zu Recht erkannt, dass der Beschwerdeführer als Empfänger eines Anrufs, welchen er bewusst über die Freisprechanl age in Anwesenheit Dritter entgegen- genommen hat oder hat entgegennehmen lassen, sich nich t darauf berufen kann, dass der An- rufer das Berufsgeheimnis verletze. Es wäre dem Beschwer deführer ohne Zweifel freigestan- den, den fraglichen Anruf schlicht und einfach zu ignorieren. Dies gilt umso mehr, als er gemäss eigenen Angaben zum Zeitpunkt des Anrufs auf der Autob ahn mit einer Geschwindigkeit von über 200 km/h unterwegs gewesen ist und sich zufolge seiner Konzentration auf die allgemeine Verkehrslage gar nicht hat darum kümmern können. Immer hin hat der Beschuldigte den Anruf, mittels welchem er lediglich dem Beschwerdeführer die M öglichkeit hat einräumen wollen, sich zu einer allfälligen Terminansetzung vernehmen zu lassen, um 20 Uhr auf dessen privates Te- lefon getätigt, wodurch er zweifellos hat ausgehen können, dass keine unbefugte Person davon Kenntnis nimmt. Unter diesen Umständen ist ohne Weiter es der Vorinstanz zu folgen, wonach der Tatbestand der Verletzung des Berufsgeheimnisses gemäss Art. 321 Ziff. 1 StGB eindeutig nicht erfüllt ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) Hinsichtlich des ebenfalls beanzeigten Straftatbestandes d er Nötigung nach Art. 181 StGB ist zu konstatieren, dass für dessen Erfüllung als obj ektive Tatbestandselemente voraus- gesetzt sind entweder die Anwendung von Gewalt (d.h. eine physische Einwirkung auf einen anderen), die Androhung ernstlicher Nachteile (was bei m Adressaten zu einer unzulässigen Freiheitsbeschränkung führt) oder eine andere Beschränk ung der Handlungsfreiheit (wie z.B. die Blockierung von Zutritten; vgl. zum Ganzen V ERA DELNON / BERNHARD RÜDY , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, Basel 2019, N 1 8 ff. zu Art. 181 StGB, mit Hinweisen). Solcherlei wird weder vom Beschwerdeführer substantiie rt geltend gemacht, noch wäre für das Kantonsgericht ersichtlich, dass ein im Sinne des Strafrech ts relevantes irgendwie geartetes Nötigungsmittel vorliegen könnte. Den vom Beschwerdefüh rer in diesem Zusammenhang vor- gebrachten Vorwürfen ist in einem ersten Schritt nochma ls zu erwidern, dass die Entgegen- nahme eines Telefonanrufs ‒ zumal wenn dies während einer Autofahrt geschieht ‒ in der Selbstverantwortung eines jeden Einzelnen liegt. Sodan n stellt der Versuch einer Kontaktauf- nahme eines von der Staatsanwaltschaft beauftragten Psych iaters zwecks Vereinbarung eines Explorationstermins im Verfahren gegen die beschuldigte Person, wenngleich dies vom Be- troffenen in casu als belästigend wahrgenommen wird, zweifellos keinen strafbaren Sachverhalt dar. Auch der wiederholte Versuch einer Kontaktaufnah me, vom Beschwerdeführer als mehrfa- cher Belästigungsversuch bezeichnet, führt nicht zur Annah me einer Nötigung. Statt den Be- troffenen persönlich zu kontaktieren, wäre es durchaus a uch möglich gewesen, diesen einfach schriftlich auf einen bestimmten Termin hin vorzuladen. Diese Vorgehensweise hätte im Übri- gen gleichermassen als sozialadäquates Verhalten gegolten und hätte demnach ebenfalls keine Nötigung im strafrechtlichen Sinne dargestellt. In di esem Zusammenhang ist ferner die Aussa- ge, wonach der Beschwerdeführer bei Verweigerung sein es Erscheinens zur psychiatrischen Begutachtung auf Geheiss der Staatsanwaltschaft polizeil ich zugeführt werden könne ‒ soweit diese Bemerkung tatsächlich vom Beschuldigten getätigt w orden sein soll, was von diesem aber bestritten wird ‒ wiederum weder eine Drohung noch eine Nötigung, son dern entspricht vielmehr unter den gegebenen Voraussetzungen nach Art . 196 ff. StPO einer gesetzlich vorge- sehenen Möglichkeit. Demzufolge hat die Staatsanwaltscha ft zu Recht erkannt, dass auch die Tatbestände der Drohung nach Art. 180 Abs. 1 StGB sowie der Nötigung gemäss Art. 181 StGB eindeutig nicht erfüllt sind. c) Im Hinblick auf die weiteren Vorbringen des Beschwerd eführers in seiner Beschwerde ist zu erwägen, dass sein Beweisantrag vom 17. Oktober 2019 vo n der Vorinstanz bereits aus Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht formellen Gründen nicht zu behandeln gewesen ist, da d ieser erst nach Erlass der angefochte- nen Verfügung vom 18. Oktober 2019 bei der Staatsanwa ltschaft eingegangen ist. Infolgedes- sen stellt dessen Nichtberücksichtigung in der Nichtanhandnah meverfügung keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Gleichermassen ist es keine Ve rletzung des rechtlichen Gehörs, sondern bloss das Resultat einer differenzierten Rechtsauf fassung, soweit die Staatsanwalt- schaft in der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung zum Ergebnis gekommen ist, dass die fraglichen Tatbestände nicht erfüllt sind. Schliessli ch ist es auch kein Verstoss gegen den Anspruch des Beschwerdeführers auf ein faires Verfahren, dass die Staatsanwaltschaft eine Nichtanhandnahme verfügt hat, ohne eine Untersuchung ge gen den Beschuldigten zu eröffnen und ohne eine Einvernahme durchgeführt zu haben. Vielmehr hat diese, auch unter Berücksich- tigung der vom Beschwerdeführer gerügten Maxime "in d ubio pro duriore", den gesetzlichen Regelungen folgend korrekterweise erkannt, dass im vorli egenden Fall zufolge des Fehlens eines Anfangsverdachts gestützt auf Art. 309 Abs. 4 StP O sowie Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO auf eine Verfahrenseröffnung zu verzichten und von vornherein kein Verfahren an Hand zu nehmen gewesen ist. Gemäss diesen Erwägungen ist die Beschwerde vom 24. Oktob er 2019 in Bestätigung der an- gefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung vom 18. Oktober 2019 vollumfänglich abzuweisen. 4. Bei diesem Verfahrensausgang gehen nach Art. 428 Abs. 1 StPO die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von CHF 800.-- (be inhaltend eine Gebühr von CHF 750.-- sowie Auslagen von CHF 50.--) zu Lasten des Beschwerdeführers. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von CHF 800.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 750.-- sowie Auslagen von CHF 50.--) gehen zu Lasten des Beschwerdeführers. Vizepräsident Stephan Gass Gerichtsschreiber Pascal Neumann