<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">145</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>32</b></span> <span class="ft2"><b>Widerruf der Niederlassungsbewilligung; Verstoss gegen die öffentliche</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Sicherheit und Ordnung; Verhältnismässigkeit</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Ein Widerrufsgrund im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG liegt vor,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wenn die relevanten Aspekte in ihrer Gesamtheit als schwerwiegen-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu quali-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>fizieren sind (Erw. 2.3.5.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Fehlen strafrechtliche Verurteilungen, ist das öffentliche Interesse</b></span><br/> <span class="ft2"><b>daran zu bemessen, welche Bereiche der öffentlichen Sicherheit und</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">146</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>Ordnung tangiert wurden und wie gravierend der Verstoss dagegen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>war (Erw. 3.2.1.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>I.c. erweisen sich der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz als verhält-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nismässig (Erw. 3.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 22. Oktober</span><br/> <span class="ft5">2013 in Sachen A. gegen das Amt für Migration und Integration</span><br/> <span class="ft5">(WBE.2011.1064).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt (Zusammenfassung)</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer reiste 1991 im Alter von zehn Jahren in</span><br/> <span class="ft1">die Schweiz ein. Er wurde schon bald nach seiner Einreise erstmals</span><br/> <span class="ft1">straffällig und konsumierte ab 1995 illegale Suchtmittel. Bis im Jahr</span><br/> <span class="ft1">2010 kam es regelmässig zu Verurteilungen (hauptsächlich wegen</span><br/> <span class="ft1">Vermögensdelikten sowie Widerhandlungen gegen das Betäubungs-</span><br/> <span class="ft1">mittelgesetz), wobei der Beschwerdeführer zu Freiheitsstrafen von</span><br/> <span class="ft1">insgesamt über 17 Monaten verurteilt wurde. Auch vermochte er sei-</span><br/> <span class="ft1">nen öffentlich- und privatrechtlichen Verpflichtungen kaum je nach-</span><br/> <span class="ft1">zukommen und musste in erheblichem Umfang von der öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Fürsorge unterstützt werden. Nachdem das MKA den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer mehrmals erfolglos verwarnt respektive ermahnt hatte, wurde</span><br/> <span class="ft1">schliesslich am 27. Mai 2011 der Widerruf seiner Niederlassungs-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung verfügt und der Beschwerdeführer aus der Schweiz weg-</span><br/> <span class="ft1">gewiesen.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG liegt ein Widerrufsgrund vor,</span><br/> <span class="ft1">wenn eine ausländische Person in schwerwiegender Weise gegen die</span><br/> <span class="ft1">öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland</span><br/> <span class="ft1">verstossen hat oder sie gefährdet.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">147</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">2.3.1. - 2.3.4. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.3.5.</span><br/> <span class="ft1">Die erwähnten Gesichtspunkte [wiederholte Straffälligkeit wäh-</span><br/> <span class="ft1">rend mehr als zehn Jahren, langjähriger Konsum von illegalen Sucht-</span><br/> <span class="ft1">mitteln, Verstoss gegen öffentlich- und privatrechtliche Verpflichtun-</span><br/> <span class="ft1">gen, erfolglose Androhung von migrationsrechtlichen Massnahmen]</span><br/> <span class="ft1">erscheinen unterschiedlich gravierend und vermögen je für sich al-</span><br/> <span class="ft1">leine kaum die Voraussetzungen eines Widerrufs nach Art. 63 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">lit. b AuG zu erfüllen. In ihrer Gesamtheit ergibt sich aber, dass der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer durch die Vielzahl sowie zum Teil die Tragweite</span><br/> <span class="ft1">der von ihm begangenen Straftaten, seine seit 17 Jahren andauernde</span><br/> <span class="ft1">Suchtproblematik, die regelmässige Nichterfüllung seiner öffentlich-</span><br/> <span class="ft1">und privatrechtlichen Verpflichtungen sowie das Ignorieren der An-</span><br/> <span class="ft1">ordnungen des MIKA in schwerwiegender Art und Weise gegen die</span><br/> <span class="ft1">öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen hat. Damit ist der Wi-</span><br/> <span class="ft1">derrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Widerruf bzw. die Verweigerung einer Bewilligung recht-</span><br/> <span class="ft1">fertigt sich nur, wenn die jeweils im Einzelfall vorzunehmende Inte-</span><br/> <span class="ft1">ressenabwägung die entsprechende Massnahme als verhältnismässig</span><br/> <span class="ft1">erscheinen lässt (BGE 135 II 377, Erw. 4.3). Konkret muss bei Ge-</span><br/> <span class="ft1">genüberstellung aller öffentlichen und privaten Interessen ein über-</span><br/> <span class="ft1">wiegendes öffentliches Interesse an der Entfernung aus der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">resultieren.</span><br/> <span class="ft1">Ob sämtliche relevanten Kriterien berücksichtigt und richtig an-</span><br/> <span class="ft1">gewandt worden sind bzw. ob sich der Widerruf als verhältnismässig</span><br/> <span class="ft1">erweist, ist als Rechtsfrage durch das Verwaltungsgericht frei zu prü-</span><br/> <span class="ft1">fen.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">3.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Liegt ein Widerrufsgrund vor, weil ein Betroffener in schwer-</span><br/> <span class="ft1">wiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder sie gefährdet hat,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">148</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bestimmt sich das Mass des öffentlichen Interesses vorab anhand der</span><br/> <span class="ft1">Schwere des Verschuldens des Betroffenen.</span><br/> <span class="ft1">Wurde der Betroffene strafrechtlich belangt, sind die vom Straf-</span><br/> <span class="ft1">richter verhängten Strafen Ausgangspunkt und Massstab für die Be-</span><br/> <span class="ft1">messung des öffentlichen Interesses. Das heisst, je höher die Strafen</span><br/> <span class="ft1">ausfallen, umso höher ist das Verschulden eines Betroffenen zu qua-</span><br/> <span class="ft1">lifizieren. Bei Festsetzung des Strafmasses werden strafmildernde</span><br/> <span class="ft1">Umstände überdies stets mitberücksichtigt, weshalb auf die Beurtei-</span><br/> <span class="ft1">lung des Strafrichters grundsätzlich abzustellen ist (BGE 129 II 215,</span><br/> <span class="ft1">Erw.</span> <span class="ft1">3.1 sowie Urteil des Bundesgerichts vom 12.</span> <span class="ft1">Juni 2012</span><br/> <span class="ft1">[2C_797/2011], Erw. 2.2). Wird ein Strafurteil in Bezug auf die</span><br/> <span class="ft1">Strafzumessung nicht angefochten, bleibt damit in der Regel kein</span><br/> <span class="ft1">Raum, im migrationsrechtlichen Verfahren die diesbezügliche Beur-</span><br/> <span class="ft1">teilung des Strafrichters zu relativieren (Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft1">vom 19. Januar 2005 [2A.570/2004], Erw. 3.3). Bei schweren Straf-</span><br/> <span class="ft1">taten, insbesondere bei Gewalt-, Sexual- und schweren Betäubungs-</span><br/> <span class="ft1">mitteldelikten, sowie bei wiederholter Delinquenz bzw. erneuter De-</span><br/> <span class="ft1">linquenz nach Untersuchungshaft, nach verbüsster Freiheitsstrafe</span><br/> <span class="ft1">oder nach migrationsamtlicher Verwarnung erhöht sich aus migrati-</span><br/> <span class="ft1">onsrechtlicher Sicht das öffentliche Interesse am Widerruf bzw. an</span><br/> <span class="ft1">der Verweigerung der Bewilligung entsprechend.</span><br/> <span class="ft1">Wurde der Betroffene nicht strafrechtlich belangt, ist das öffent-</span><br/> <span class="ft1">liche Interesse daran zu bemessen, welche Bereiche der öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland tangiert</span><br/> <span class="ft1">wurden und wie gravierend der Verstoss dagegen war. Je gewichtiger</span><br/> <span class="ft1">die tangierten Bereiche der öffentliche Sicherheit und Ordnung ein-</span><br/> <span class="ft1">zustufen sind und je grösser das Verschulden des Betroffenen zu qua-</span><br/> <span class="ft1">lifizieren ist, umso höher ist das öffentliche Interesse am Widerruf</span><br/> <span class="ft1">bzw. an der Verweigerung einer Bewilligung.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer wurde zwischen Februar 2000 und No-</span><br/> <span class="ft1">vember 2010 zu Freiheitsstrafen von insgesamt rund 17 Monaten und</span><br/> <span class="ft1">Geldstrafen von insgesamt 135 Tagessätzen sowie zu diversen Bus-</span><br/> <span class="ft1">sen verurteilt. Die längste Freiheitsstrafe von sechs Monaten datiert</span><br/> <span class="ft1">aus dem Jahr 2002, die letzte Freiheitsstrafe von 75 Tagen Gefängnis</span><br/> <span class="ft1">wurde im Mai 2005 und die letzte Geldstrafe von 30 Tagessätzen im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">149</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">November 2010 ausgesprochen. Seither sind keine Verurteilungen</span><br/> <span class="ft1">gegen den Beschwerdeführer mehr ergangen. Jedoch wurde im Feb-</span><br/> <span class="ft1">ruar 2013 gegen den Beschwerdeführer ein Strafverfahren wegen Er-</span><br/> <span class="ft1">schleichens einer Leistung sowie Urkundenfälschung eröffnet, wel-</span><br/> <span class="ft1">ches mit Verfügung der Staatsanwaltschaft B. vom 16. Mai 2013 sis-</span><br/> <span class="ft1">tiert wurde. Die Sistierung erfolgte, da der Ausgang des Strafverfah-</span><br/> <span class="ft1">rens gegen den Beschwerdeführer vom Verfahren gegen eine Dritt-</span><br/> <span class="ft1">person abhängig ist, weshalb der Ausgang dieses Verfahrens ab-</span><br/> <span class="ft1">zuwarten ist.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer delinquierte damit während einer Zeit-</span><br/> <span class="ft1">spanne von mehr als zehn Jahren und liess sich von keinerlei straf-</span><br/> <span class="ft1">und/oder migrationsrechtlichen Massnahmen beeindrucken. Zudem</span><br/> <span class="ft1">wurde gegen den Beschwerdeführer bereits wieder ein Strafverfahren</span><br/> <span class="ft1">eröffnet, welches derzeit sistiert ist. Das Verschulden an diesem ins-</span><br/> <span class="ft1">gesamt als schwerwiegend zu qualifizierenden Verstoss gegen die</span><br/> <span class="ft1">öffentliche Sicherheit und Ordnung wiegt dementsprechend schwer,</span><br/> <span class="ft1">auch wenn die Art der begangenen Delikte das öffentliche Interesse</span><br/> <span class="ft1">nicht weiter erhöht. Insgesamt ist aufgrund der Vielzahl der begange-</span><br/> <span class="ft1">nen Delikte und der ausgefällten Strafen von einem grossen öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers auszugehen.</span><br/> <span class="ft1">3.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Soweit der Beschwerdeführer im Weiteren geltend macht, von</span><br/> <span class="ft1">ihm gehe im heutigen Zeitpunkt keine Gefahr mehr aus, da seine De-</span><br/> <span class="ft1">linquenz (fast) ausschliesslich durch seine Drogensucht bedingt ge-</span><br/> <span class="ft1">wesen sei und er noch dazu im jungen Erwachsenenalter gewesen</span><br/> <span class="ft1">sei, ist darauf hinzuweisen, dass gemäss bundesgerichtlicher Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung eine hinreichend schwere und gegenwärtige Gefährdung</span><br/> <span class="ft1">der öffentlichen Sicherheit lediglich bei Staatsangehörigen (und de-</span><br/> <span class="ft1">ren Angehörigen) von Mitgliedstaaten des FZA verlangt wird. Der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer kann sich daher nicht auf die entsprechende Praxis</span><br/> <span class="ft1">zu Art. 5 Anhang I FZA berufen (vgl. BGE 130 II 176, Erw. 4.2). Das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht geht zudem in Fortführung der konstanten Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung des RGAR davon aus, dass bei Staatsangehörigen von</span><br/> <span class="ft1">Drittstaaten grundsätzlich auch generalpräventive Überlegungen bei</span><br/> <span class="ft1">der Bemessung des öffentlichen Interesses mitberücksichtigt werden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">150</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">können (RGAE vom 16.</span> <span class="ft1">November 2010 [1-BE.2009.31],</span><br/> <span class="ft1">Erw.</span> <span class="ft1">II./3.2.2, bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft1">22. März 2011 [2C_13/2011], Erw. 2.2).</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Verfahren fällt auf, dass bezüglich des Verhal-</span><br/> <span class="ft1">tens des Beschwerdeführers in den vergangen zwei bis drei Jahren in</span><br/> <span class="ft1">verschiedener Hinsicht gewisse Besserungen eingetreten sind und die</span><br/> <span class="ft1">letzte Verurteilung beinahe drei Jahre zurück liegt. Jedoch musste ge-</span><br/> <span class="ft1">gen den Beschwerdeführer bereits wieder ein Strafverfahren wegen</span><br/> <span class="ft1">Erschleichen einer Leistung und Urkundenfälschung eröffnet wer-</span><br/> <span class="ft1">den. Dieses Strafverfahren ist derzeit sistiert. Die Dauer von knapp</span><br/> <span class="ft1">drei Jahren seit der letzten Verurteilung bietet aber - selbst unter</span><br/> <span class="ft1">Ausserachtlassung des laufenden Strafverfahrens - mit Blick auf die</span><br/> <span class="ft1">über zehn Jahre andauernde Straffälligkeit keine Gewähr für ein</span><br/> <span class="ft1">künftiges Wohlverhalten. So hat sich der Beschwerdeführer auch</span><br/> <span class="ft1">zwischen Mai 2005 und Mai 2007 über zwei Jahre hinweg wohl ver-</span><br/> <span class="ft1">halten und ist anschliessend erneut (und wiederholt) straffällig</span><br/> <span class="ft1">geworden.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer lässt ausführen, er konsumiere seit Ja-</span><br/> <span class="ft1">nuar 2010 keine harten Drogen mehr. Jedoch wurde anlässlich des</span><br/> <span class="ft1">mit Beschluss vom 27. Mai 2013 angeordneten Drogentests durch</span><br/> <span class="ft1">das Kantonsspital A. in der untersuchten Haarprobe Methadon sowie</span><br/> <span class="ft1">dessen Abbauprodukt nachgewiesen. Aufgrund der untersuchten</span><br/> <span class="ft1">Haarprobe konnten Rückschlüsse für den Zeitraum des Konsums</span><br/> <span class="ft1">(Mitte Januar bis Mitte März 2013) gezogen werden. Damit ist er-</span><br/> <span class="ft1">stellt, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum von Mitte Januar bis</span><br/> <span class="ft1">Mitte März 2013 Methadon konsumiert hat. Der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">hat anlässlich der Haarentnahme angegeben, das methadonhaltige</span><br/> <span class="ft1">Schmerzmittel Ketalgin eingenommen zu haben. Gemäss den Anga-</span><br/> <span class="ft1">ben des Hausarztes des Beschwerdeführers hat dieser ihm jedoch zu-</span><br/> <span class="ft1">letzt am 4. Januar 2010 Methadon als Substitutionsmittel verschrie-</span><br/> <span class="ft1">ben. Dem Schreiben des Hausarztes des Beschwerdeführers vom</span><br/> <span class="ft1">19. August 2013 lässt sich entnehmen, dass er dem Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer für die Zeit vom 9. Januar 2010 bis 8. Februar 2010 Methadon</span><br/> <span class="ft1">zur täglichen Einnahme verschrieben hat. Weiter lässt sich diesem</span><br/> <span class="ft1">Schreiben entnehmen, dass die im Anschluss an diese Zeit durchge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">151</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">führten Urinproben jeweils negativ auf Opiate bzw. Methadon gewe-</span><br/> <span class="ft1">sen seien. Die im Juni 2013 nachgewiesenen Rückstände von Metha-</span><br/> <span class="ft1">don und dessen Abbauprodukt können somit nicht vom damals ver-</span><br/> <span class="ft1">schriebenen Methadon herrühren. Gemäss dem Schreiben des Haus-</span><br/> <span class="ft1">arztes des Beschwerdeführers muss der Beschwerdeführer das</span><br/> <span class="ft1">Methadon von einer dem Hausarzt unbekannten Stelle erhalten ha-</span><br/> <span class="ft1">ben. Der Beschwerdeführer führt in seiner Stellungnahme vom</span><br/> <span class="ft1">21. August 2013 diesbezüglich lediglich aus, für welchen Zeitraum</span><br/> <span class="ft1">er im Jahr 2010 durch seinen Hausarzt Methadon verschrieben erhal-</span><br/> <span class="ft1">ten hat und vermag darüber hinaus keine plausible Erklärung des an-</span><br/> <span class="ft1">lässlich des Drogentests im Juni 2013 nachgewiesenen Methadons zu</span><br/> <span class="ft1">liefern. Insbesondere führt der Beschwerdeführer nicht aus, weshalb</span><br/> <span class="ft1">er das methadonhaltige Schmerzmittel Ketalgin genommen haben</span><br/> <span class="ft1">will und durch welchen Arzt ihm dieses verschrieben worden sei. Im</span><br/> <span class="ft1">Gegenteil: der Beschwerdeführer macht in seiner Stellungnahme</span><br/> <span class="ft1">vom 21. August 2013 nicht einmal mehr geltend, das Methadon über-</span><br/> <span class="ft1">haupt von ärztlicher Seite verschrieben erhalten zu haben. Die Absti-</span><br/> <span class="ft1">nenz von harten Drogen kann ausserdem nicht darüber hinwegtäu-</span><br/> <span class="ft1">schen, dass anerkanntermassen eine Suchtproblematik in Bezug auf</span><br/> <span class="ft1">Alkohol und leichte Drogen besteht. Der Beschwerdeführer aner-</span><br/> <span class="ft1">kennt deren Ernsthaftigkeit selber, indem er zugibt, er habe sie "bis</span><br/> <span class="ft1">heute wohl verharmlost". Die angebliche Bereitschaft, sich dem</span><br/> <span class="ft1">Problem zu stellen, vermag für sich allein noch keine günstige Prog-</span><br/> <span class="ft1">nose zu begründen.</span><br/> <span class="ft1">Ab dem 24. September 2010 arbeitete der Beschwerdeführer in</span><br/> <span class="ft1">einer festen Anstellung als Call Center Mitarbeiter. Seit dem</span><br/> <span class="ft1">21. Januar 2013 hatte der Beschwerdeführer einen unbefristeten Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsvertrag bei einem Verlagshaus. Dieses Arbeitsverhältnis wurde</span><br/> <span class="ft1">jedoch per 31. August 2013 durch die Arbeitgeberin aufgelöst. Auf-</span><br/> <span class="ft1">grund der vormaligen Festanstellung kann mitnichten davon gespro-</span><br/> <span class="ft1">chen werden, dass sich der Beschwerdeführer nunmehr beruflich</span><br/> <span class="ft1">etabliert hätte. Hinzu kommt, dass der Lohn von monatlich netto</span><br/> <span class="ft1">CHF 2'150.00 (Stand Oktober 2011) dem Beschwerdeführer nur ei-</span><br/> <span class="ft1">nen sehr geringen finanziellen Spielraum gelassen hat; entgegen sei-</span><br/> <span class="ft1">nen Aussagen war keine "markante Verbesserung der wirtschaftli-</span><br/> <span class="ft1">chen Situation" erkennbar, die eine "günstige Zukunftsprognose" be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">152</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gründet hätte. Zudem wurde dieses Arbeitsverhältnis per Ende Au-</span><br/> <span class="ft1">gust 2013 durch die Arbeitgeberin gekündet und es ist aktenkundig,</span><br/> <span class="ft1">dass der Beschwerdeführer derzeit keiner Arbeitstätigkeit mehr nach-</span><br/> <span class="ft1">geht.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer ist seit dem 28. Februar 2013 bis min-</span><br/> <span class="ft1">destens 31. Oktober 2013 zu 100% krank geschrieben. Dem Bericht</span><br/> <span class="ft1">der Psychiatrischen Dienste A. (PDAG) ist zu entnehmen, dass beim</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer eine anamnestisch emotional instabile Persön-</span><br/> <span class="ft1">lichkeitsstörung vom Borderline Typus mit Verdacht auf Aktivitäts-</span><br/> <span class="ft1">und Aufmerksamkeitsstörung diagnostiziert wurde. Diesem Bericht</span><br/> <span class="ft1">lässt sich jedoch auch entnehmen, dass sich der Behandlungsverlauf</span><br/> <span class="ft1">schleppend gestalte, da der Beschwerdeführer Konsultationen unent-</span><br/> <span class="ft1">schuldigt verpasst habe und auch die vereinbarte Behandlung im</span><br/> <span class="ft1">Beratungszentrum B. (Suchtberatungsstelle) nicht wie vereinbart auf-</span><br/> <span class="ft1">genommen habe. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer gemäss dem Schreiben des Beratungszentrums B. diese Be-</span><br/> <span class="ft1">ratungsstelle zuletzt im Jahr 2006 konsultiert hat. Die PDAG führen</span><br/> <span class="ft1">in ihrem Bericht vom 7. August 2013 aus, dass aus psychiatrischer</span><br/> <span class="ft1">Sicht zunächst eine stationäre oder teilstationäre intensive Behand-</span><br/> <span class="ft1">lung zu empfehlen sei. Der Beschwerdeführer spreche sich jedoch</span><br/> <span class="ft1">gegen ein derartiges Vorgehen aus. Offenbar hat der Hausarzt für den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer überdies ein Gesuch um Leistungen der Invaliden-</span><br/> <span class="ft1">versicherung gestellt.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten kann der Beschwerdeführer unter dem As-</span><br/> <span class="ft1">pekt des Wohlverhaltens nichts zu seinen Gunsten ableiten. Abgese-</span><br/> <span class="ft1">hen davon, dass er nach wie vor THC konsumiert, kann ihm entge-</span><br/> <span class="ft1">gen seiner Behauptung auch nicht attestiert werden, er lebe frei von</span><br/> <span class="ft1">harten Drogen. Hinzu kommt, dass keine Rede davon sein kann,</span><br/> <span class="ft1">seine Beschäftigungssituation wirke sich stabilisierend auf sein Le-</span><br/> <span class="ft1">ben aus. Zwar ist der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht</span><br/> <span class="ft1">auffällig und es wird gar eine stationäre oder teilstationäre intensive</span><br/> <span class="ft1">Behandlung empfohlen. Dies bedeutet aber nicht, dass ihm sein Ver-</span><br/> <span class="ft1">halten nicht zugerechnet werden könnte und von einem tieferen</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Interesse an einer migrationsrechtlichen Massnahme we-</span><br/> <span class="ft1">gen vermindertem Verschulden ausgegangen werden müsste.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">153</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Schliesslich ist zu beachten, dass der Druck des vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">Verfahrens betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung bzw.</span><br/> <span class="ft1">Wegweisung einen positiven Effekt auf den Beschwerdeführer ge-</span><br/> <span class="ft1">habt haben dürfte, für eine Nachhaltigkeit dieses Einflusses besteht</span><br/> <span class="ft1">indessen keine Gewähr.</span><br/> <span class="ft1">3.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Insgesamt ist das öffentliche Interesse am Widerruf der Nieder-</span><br/> <span class="ft1">lassungsbewilligung des Beschwerdeführers und an seiner Wegwei-</span><br/> <span class="ft1">sung unter Berücksichtigung der Verbesserung in seinem Verhalten</span><br/> <span class="ft1">als sehr gross zu beurteilen.</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Dem festgestellten sehr grossen öffentlichen Interesse an der</span><br/> <span class="ft1">Entfernung des Beschwerdeführers aus der Schweiz ist sein privates</span><br/> <span class="ft1">Interesse an einem weiteren Verbleib gegenüberzustellen.</span><br/> <span class="ft1">3.4.</span><br/> <span class="ft1">3.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Bezüglich des privaten Interesses ist im Rahmen der Verhältnis-</span><br/> <span class="ft1">mässigkeitsprüfung vorab die Anwesenheitsdauer in der Schweiz zu</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigen. Je länger eine ausländische Person in der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">anwesend war, desto strengere Anforderungen sind grundsätzlich an</span><br/> <span class="ft1">den Widerruf der Niederlassungsbewilligung zu stellen (BGE 130 II</span><br/> <span class="ft1">176, Erw. 4.4.2). (...)</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer ist seit September 1991, d.h. seit gut</span><br/> <span class="ft1">22 Jahren, mit einer Niederlassungsbewilligung in der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">wohnhaft. Selbst unter Berücksichtigung dessen, dass die Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsdauer abstrakt - unter Abzug der in Unfreiheit verbrachten Zeit-</span><br/> <span class="ft1">spanne</span> <span class="ft1">-</span> <span class="ft1">zu berechnen ist (vgl. RGAE vom 25.</span> <span class="ft1">Juni 2010</span><br/> <span class="ft1">[1-BE.2009.23], Erw. II/4.3.1), ergibt sich ein anrechenbarer Zeit-</span><br/> <span class="ft1">raum von über 15 Jahren, während dem der Beschwerdeführer unun-</span><br/> <span class="ft1">terbrochen in der Schweiz lebte. Aufgrund dieser langen Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft1">dauer ist ihm ein entsprechend grosses privates Interesse am Verbleib</span><br/> <span class="ft1">in der Schweiz zuzubilligen.</span><br/> <span class="ft1">3.4.2.</span><br/> <span class="ft1">In Bezug auf die Umstände des Einzelfalls spielen insbesondere</span><br/> <span class="ft1">die familiären Verhältnisse des Beschwerdeführers, d.h. seine Bezie-</span><br/> <span class="ft1">hungssituation, und dabei namentlich die Auswirkungen und Nach-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">154</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">teile eines Widerrufs der Niederlassungsbewilligung auf sie eine</span><br/> <span class="ft1">Rolle.</span><br/> <span class="ft1">In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass der volljährige</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer ledig ist und keine Kinder hat. Obwohl es nach-</span><br/> <span class="ft1">vollziehbar ist, dass ihm und seinen in der Schweiz lebenden Fa-</span><br/> <span class="ft1">milienangehörigen (Mutter, Bruder, Stiefvater) eine Wegweisung</span><br/> <span class="ft1">grosse Mühe bereiten würde, bildet dies keinen Grund, dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer die Niederlassungsbewilligung zu belassen. Dies gilt</span><br/> <span class="ft1">umso mehr, als er den Kontakt mit seiner Familie - wenngleich ein-</span><br/> <span class="ft1">geschränkt - auch vom Heimatland aus pflegen kann. Schliesslich</span><br/> <span class="ft1">besteht - auch nach Massgabe seiner eigenen Darlegungen - nicht der</span><br/> <span class="ft1">geringste Anhaltspunkt dafür, dass der Beschwerdeführer besonderer</span><br/> <span class="ft1">Strukturen oder einer besonderen Betreuung bedürfte, die ihm einzig</span><br/> <span class="ft1">seine Familie bieten könnten. Schliesslich gilt es darauf hinzuweisen,</span><br/> <span class="ft1">dass nach den Darstellungen des Sozialdienstes W. (Schreiben vom</span><br/> <span class="ft1">22. Oktober 2010) die innerfamiliäre Beziehung eher schwierig zu</span><br/> <span class="ft1">sein scheint und folglich die gegenteiligen Ausführungen in der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde bzw. die gegenteiligen Beteuerungen der Familienangehö-</span><br/> <span class="ft1">rigen entsprechend relativiert werden müssen.</span><br/> <span class="ft1">Bezüglich der Beziehung zu seiner Mutter, seinem Bruder und</span><br/> <span class="ft1">seinem Stiefvater kann dem Beschwerdeführer somit bestenfalls ein</span><br/> <span class="ft1">leicht erhöhtes privates Interesse am weiteren Verbleib in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz zugebilligt werden.</span><br/> <span class="ft1">3.4.3.</span><br/> <span class="ft1">In persönlicher Hinsicht ist sodann insbesondere auf die wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftliche Integration des Beschwerdeführers einzugehen sowie auf</span><br/> <span class="ft1">seine Chancen einer ökonomischen Wiedereingliederung in die hei-</span><br/> <span class="ft1">matlichen Verhältnisse.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer verfügt über keine Berufsausbildung.</span><br/> <span class="ft1">Offenbar gelang es ihm im Laufe der letzten Jahre dennoch, diverse</span><br/> <span class="ft1">Anstellungen zu finden und auszuüben. So war er ab 2006 unter</span><br/> <span class="ft1">anderem als Betriebsmitarbeiter/Hilfsmonteur, als Gartenarbeiter, als</span><br/> <span class="ft1">Logistikmitarbeiter und als Betriebsmitarbeiter-Aushilfe im Bereich</span><br/> <span class="ft1">Wohnungs- und Geschäftsumzüge sowie Räumungen und Entsorgun-</span><br/> <span class="ft1">gen tätig. Der Beschwerdeführer arbeitete ab dem 24. September</span><br/> <span class="ft1">2010 als Call-Agent in B.. Vom 21. Januar 2013 bis 31. August 2013</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">155</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">war der Beschwerdeführer bei einem Verlagshaus angestellt, wobei</span><br/> <span class="ft1">er seit dem 28. Februar 2013 zu 100 % arbeitsunfähig war. Der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer vermag über diese Festanstellung kein Arbeitszeug-</span><br/> <span class="ft1">nis vorzuweisen, sondern hat lediglich eine Arbeitsbestätigung erhal-</span><br/> <span class="ft1">ten. Seit September 2013 steht der Beschwerdeführer nicht mehr in</span><br/> <span class="ft1">einem Arbeitsverhältnis.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer vermochte seinen Lebensunterhalt zeit-</span><br/> <span class="ft1">weise selber zu bestreiten und war zwischenzeitlich nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">erheblich von der Sozialhilfe abhängig. Mit Ausnahme dieser Unter-</span><br/> <span class="ft1">brüche musste der Beschwerdeführer aber jeweils vom Sozialdienst</span><br/> <span class="ft1">W. unterstützt werden. Allein aufgrund der diversen Gelegenheitsar-</span><br/> <span class="ft1">beiten sowie der Tätigkeit als Call Center Mitarbeiter und in einem</span><br/> <span class="ft1">Verlagshaus kann keine Rede von einer gelungenen beruflichen</span><br/> <span class="ft1">Integration sein. Da das Arbeitsverhältnis des Beschwerdeführers mit</span><br/> <span class="ft1">einem Verlagshaus per Ende August 2013 beendet wurde und der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer derzeit keiner Arbeitstätigkeit nachgeht, müsste er</span><br/> <span class="ft1">bei einem Verlassen der Schweiz kein stabiles Arbeitsumfeld aufge-</span><br/> <span class="ft1">ben, welches er im Heimatland nicht wieder aufbauen könnte. Dies</span><br/> <span class="ft1">gilt namentlich in Anbetracht der fehlenden Berufsbildung sowie der</span><br/> <span class="ft1">langen Erwerbslosigkeit. Aufgrund der schlechteren wirtschaftlichen</span><br/> <span class="ft1">Bedingungen im Heimatland ist dem Beschwerdeführer in diesem</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang bestenfalls ein leicht erhöhtes privates Interesse am</span><br/> <span class="ft1">weiteren Verbleib in der Schweiz einzuräumen.</span><br/> <span class="ft1">Über die finanzielle Situation des Beschwerdeführers lässt sich</span><br/> <span class="ft1">den Akten nichts entnehmen, was sein Interesse am Verbleib in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz erhöhen würde; im Gegenteil: Insgesamt musste der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer bis zum 4. Juli 2013 vom Sozialdienst W. mit einem</span><br/> <span class="ft1">Betrag von CHF 294'665.25 unterstützt werden, wobei der Unterstüt-</span><br/> <span class="ft1">zungsumfang pro Monat rund CHF 1'700.00 beträgt. Per Anfang</span><br/> <span class="ft1">März 2011 wies der Beschwerdeführer zudem Betreibungen von</span><br/> <span class="ft1">über CHF</span> <span class="ft1">6'000.00 sowie offene Verlustscheine von über</span><br/> <span class="ft1">CHF 18'500.00 auf. Auch das zwischenzeitlich in seiner Festanstel-</span><br/> <span class="ft1">lung bei einem Verlagshaus erzielte monatliche Nettoeinkommen</span><br/> <span class="ft1">von CHF 2'150.00 (Stand Oktober 2011) eröffnete ihm keine nen-</span><br/> <span class="ft1">nenswerten wirtschaftlichen Spielräume.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">156</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Nach Massgabe der wirtschaftlichen Integration besteht somit</span><br/> <span class="ft1">kein Anlass, dem Beschwerdeführer ein relevant erhöhtes privates</span><br/> <span class="ft1">Interesse an einem weiteren Verbleib in der Schweiz zuzubilligen.</span><br/> <span class="ft1">3.4.4.</span><br/> <span class="ft1">Zur Feststellung der privaten Interessen des Beschwerdeführers,</span><br/> <span class="ft1">die gegen einen Widerruf der Niederlassungsbewilligung sprechen,</span><br/> <span class="ft1">sind weiter mit Blick auf den Grad der Integration insbesondere die</span><br/> <span class="ft1">sprachlichen Fähigkeiten und das persönliche Umfeld sowie seine</span><br/> <span class="ft1">Persönlichkeitsentwicklung zu beachten. Zu prüfen ist mithin, ob der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer bei einem Verlassen der Schweiz in unzumutbarer</span><br/> <span class="ft1">Weise aus einem sozialen Umfeld herausgerissen bzw. ob er im Hei-</span><br/> <span class="ft1">matland auf unüberwindbare (Re-)Integrationsprobleme stossen wür-</span><br/> <span class="ft1">de oder ob durch die Ausreise eine positive Persönlichkeitsentwick-</span><br/> <span class="ft1">lung zunichte gemacht würde.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer hat die ersten zehn Jahre seines Lebens</span><br/> <span class="ft1">in Marokko bei seiner Grossmutter verbracht. Dadurch sowie durch</span><br/> <span class="ft1">die Vermittlung seiner Mutter ist ihm die dortige Kultur vertraut.</span><br/> <span class="ft1">Ebenso hat er den von seiner Grossmutter gesprochenen Dialekt als</span><br/> <span class="ft1">Muttersprache erlernt; in arabischer und französischer Sprache kann</span><br/> <span class="ft1">er sich aber offenbar nicht verständigen. Da der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">zudem über keine näheren familiären Bindungen mehr zu Marokko</span><br/> <span class="ft1">verfügt und er demzufolge auf keine Unterstützung vor Ort zählen</span><br/> <span class="ft1">kann, dürfte ihm die Integration in sein Heimatland nicht leicht fal-</span><br/> <span class="ft1">len. Diese Schwierigkeiten schliessen indessen eine erfolgreiche</span><br/> <span class="ft1">Wiedereingliederung keineswegs aus. Der Vollständigkeit halber ist</span><br/> <span class="ft1">darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer sich immerhin inso-</span><br/> <span class="ft1">fern in seinem Heimatland zu behaupten weiss, als er 1999 im</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang mit Unklarheiten mit seinem Pass kurzerhand nach</span><br/> <span class="ft1">Marokko reiste und die Probleme zu lösen vermochte.</span><br/> <span class="ft1">Inwiefern der Beschwerdeführer - abgesehen von seinen hier le-</span><br/> <span class="ft1">benden Familienangehörigen - überdurchschnittlich enge Beziehun-</span><br/> <span class="ft1">gen pflegen würde, deren Abbruch bei einem Widerruf der Niederlas-</span><br/> <span class="ft1">sungsbewilligung und einer damit verbundenen Wegweisung zu einer</span><br/> <span class="ft1">unzumutbaren Entwurzelung führen könnte, ist nicht ersichtlich und</span><br/> <span class="ft1">wird nicht dargetan.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">157</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer macht geltend, er zeige "erstmals Anzei-</span><br/> <span class="ft1">chen einer deutlichen Besserung" und "diese positive Entwicklung"</span><br/> <span class="ft1">dürfe nicht durch eine Wegweisung "zunichte gemacht" werden. Zu-</span><br/> <span class="ft1">dem konsumiere er seit Januar 2010 keine harten Drogen mehr. Dem</span><br/> <span class="ft1">kann nicht gefolgt werden. Immerhin wurden in der kürzlich unter-</span><br/> <span class="ft1">suchten Haarprobe Rückstände von Methadon und dessen Abbaupro-</span><br/> <span class="ft1">dukt nachgewiesen, wobei der Beschwerdeführer die Einnahme</span><br/> <span class="ft1">methadonhaltiger Medikamente behauptet, jedoch nicht zu begrün-</span><br/> <span class="ft1">den vermag, unter welchen Umständen er die Medikamente einge-</span><br/> <span class="ft1">nommen haben will. Nachdem es sich um verschreibungspflichtige</span><br/> <span class="ft1">Medikamente handelte, ist aus dem Umstand, dass der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer keinen entsprechenden Nachweis einer ärztlichen Verordnung</span><br/> <span class="ft1">der Medikamente erbringen konnte, einzig zu schliessen, dass er sich</span><br/> <span class="ft1">die Medikamente illegal beschafft hatte. Anzeichen einer Besserung</span><br/> <span class="ft1">liegen damit im Bereich des Drogenkonsums nicht vor. Gleiches gilt</span><br/> <span class="ft1">für seine Beschäftigungssituation. (...) Seine zeitweise Berufstätig-</span><br/> <span class="ft1">keit erlaubte es ihm zwar, seinen Lebensunterhalt zwischenzeitlich</span><br/> <span class="ft1">selber zu finanzieren und nicht mehr erheblich der Sozialhilfe zur</span><br/> <span class="ft1">Last zu fallen. Derzeit geht der Beschwerdeführer jedoch keiner</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätigkeit mehr nach und ist zu 100% krankgeschrieben. Dem</span><br/> <span class="ft1">Bericht der PDAG vom 7. August 2013 lässt sich sodann entnehmen,</span><br/> <span class="ft1">dass beim Beschwerdeführer eine anamnestisch emotional instabile</span><br/> <span class="ft1">Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus diagnostiziert wurde</span><br/> <span class="ft1">und aus psychiatrischer Sicht zu Beginn eine stationäre oder teilsta-</span><br/> <span class="ft1">tionäre intensive Behandlung zu empfehlen sei, der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer sich aber dagegen ausspreche. Zudem wurde gegen den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer im Februar 2013 bereits wieder ein Strafverfahren</span><br/> <span class="ft1">eröffnet. Eine positive Persönlichkeitsentwicklung, die bei einem</span><br/> <span class="ft1">Verlassen der Schweiz zunichte gemacht würde, ist damit nicht er-</span><br/> <span class="ft1">kennbar.</span><br/> <span class="ft1">Insgesamt ist in diesem Bereich einzig aufgrund der zu erwar-</span><br/> <span class="ft1">tenden Schwierigkeiten, sich wieder im Heimatland integrieren zu</span><br/> <span class="ft1">können von einem erhöhten privaten Interesse an einem Verbleib in</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz auszugehen.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">158</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.4.5.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend beruht das private Interesse des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers an einem weiteren Verbleib in der Schweiz primär auf seiner</span><br/> <span class="ft1">langen Aufenthaltsdauer in der Schweiz, auf der Beziehung des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers zu seinem sozialen Umfeld sowie gewissen, jedoch</span><br/> <span class="ft1">nicht unüberwindbaren Reintegrationsproblemen im Heimatland und</span><br/> <span class="ft1">ist als gross zu qualifizieren.</span><br/> <span class="ft1">3.5.</span><br/> <span class="ft1">Bei einer Gesamtwürdigung der sich gegenüberstehenden Inte-</span><br/> <span class="ft1">ressen ist das sehr grosse öffentliche Interesse an der Entfernung des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers gegenüber dessen privaten Interesse, weiter in</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz leben zu können, höher zu gewichten. Ausschlaggebend</span><br/> <span class="ft1">für diese Beurteilung ist letztlich, dass die zahlreichen migrations-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Massnahmen über viele Jahre hinweg nichts fruchteten.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer zeigte zwar zwischenzeitlich Anzeichen einer</span><br/> <span class="ft1">Besserung, war aber nicht in der Lage, zu zeigen, dass er sich</span><br/> <span class="ft1">nachhaltig ändern kann. Damit sind der Widerruf der Niederlas-</span><br/> <span class="ft1">sungsbewilligung und die Wegweisung des Beschwerdeführers aus</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz nach nationalem Recht nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft1">(Hinweis: Gegen diesen Entscheid wurde eine Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">beim Bundesgericht erhoben [2C_1113/2013]. Das Verfahren war bei</span><br/> <span class="ft1">Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen.)</span><br/></div> </div> </body> </html>