B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6894/2008 U r t e i l v o m 9 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Bettina Schwarz. Parteien A._______, geboren am (…) und B._______, geboren am (…) sowie deren Kinder C._______, geboren am (…) und D._______, geboren am (…), Syrien, alle vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, (…) Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. September 2008 / N (…). D-6894/2008 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden, eine kurdische Familie aus der Provinz E._______, verliessen nach eigenen Angaben zusammen mit dem Bruder respektive Schwager ( D-6903/2008) am 5. Februar 2008 ihr Heimatland und reisten am 29. Februar 2008 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags ein Asylgesuch einreichten. Am 10. März 2008 wurden sie summarisch im Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen (EVZ) zur Person befragt und am 30. April 2008 vom Bundesamt für Migration zu ihren Asylgründen angehört. Das Bundesamt ersuchte am 12. August 2008 die Schweizer i- sche Vertretung in F._______ um nähere Informationen zur Identität der Beschwerdeführenden, zu den Umständen ihrer Ausreise und einer allfäl- ligen Gefährdung ihrer Person. Am 2 . September 2008 traf die Antwort ein, worauf die Beschwerdeführenden am 23. September 2008 (Ein- gangsstempel BFM) fristgerecht Stellung zum Ergebnis der Botschaftsan- frage vom 12. August 2008 nahmen. B. Die Beschwerdeführenden machten im Wesentlichen geltend, dass der Beschwerdeführer (A._______) Fussballer sei und am 11. März 2004 im Stadion von Ka mischli Fussball gespielt hab e, als der Aufstand au s- gebrochen sei. Es sei ihm vorgeworfen worden, die Zuschauer gegen die Regierung aufgehetzt zu haben. Am folgenden Tag habe er an der D e- monstration von Kamischli teilgenommen und sei deswegen am 18. März 2004 zu Hause festgenommen worden. Während seiner Haft sei er wi e- derholt verhört und geschla gen worden. Am 2. Juni 2004 habe man ihn freigelassen, ihm aber ein Fussballverbot auferlegt. Am 16. Dezember 2007 habe der Beschwerdeführer an einer Kundgebung vor einem G e- richt in F._______ teilgenommen, um seine Solidarität mit fünf angekla g- ten Kurden zu manifestieren. Dabei sei er verhaftet worden und in einem Lastwagen ein paar Stunden festgehalten worden . Am 22. Dezember 2007, während er bei der Arbeit gewesen sei, hätten ihn die Behörden bei ihm zu Hause gesucht. Er habe sich in der Folge bei einem Freund und anschliessend bei einer Tante versteckt. Die Beschwerdeführerin (G._______) schloss sich den Asylvorbringen ihres Ehegatten an. C. Mit Verfügung vom 30. September 2008 lehnte das BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab und stellte fest , dass sie die Flüchtlings - eigenschaft nicht erfüllen würden. Gleichzeitig verfügte das BFM die D-6894/2008 Seite 3 Wegweisung und ordnete deren Vollzug an . Auf die Begründung wird nachfolgend – soweit entscheidwesentlich – eingegangen. D. Mit Eingabe vom 31. Oktober 2008 (Poststempel) liessen die Beschwe r- deführenden durch ihren Rechtsvertreter gegen die Verfügung des BFM Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhebe n und beantrag ten, die Verfügung der Vorinstanz sei vollumfänglich aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vo r- läufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht liessen die B e- schwerdeführenden um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über da s Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und um Ve r- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses er suchen. Zudem reich- te der Rechtsvertreter die Vertretungsvollmachten der Beschwerdefüh- renden, Fotokopien ihrer Reisepässe sowie eine Fotokopie eines Spieler- ausweises des Beschwerdeführers und eine DVD mit einer Interviewau f- zeichnung des Roj TV's zu den Akten. E. Mit prozessleitender Verfügung vom 25. November 2008 wies das Bu n- desverwaltungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG ab und verfügte, dass über das Gesuch der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu einem späteren Zeitpunkt befunden und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet werde. Des Weiteren wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen. F. Am 29. Januar 2009 nahm das BFM Stellung zur Beschwerde und bea n- tragte deren Abweisung. G. Am 26. März 2009 reichten die Beschwerdeführenden eine Replik mit fol- genden Berichten ein: einen Bericht der Kurdischen Demokratischen Par- tei der Einheit in Syrien (Yekiti), der Human Rights Organization in Syria - MAF, der Kurdischen Organisationen in der Schweiz, der Partie de l'Union démocratique sowie sechs Bildausdrucke, die die politische Demonstrat i- onstätigkeit des Beschwerdeführers in der Schweiz aufzeigen. D-6894/2008 Seite 4 H. Am 23. Februar 2010 (Poststempel) reichte der Rechtsvertreter weitere Beweismittel zu den Akten, die die exilpolitische Tätigkeit des Beschwer- deführers belegen: Ein Bestätigungsschreiben des Vorstan dsvorsitzen- den der Kurdish Yekiti Party in Syria ( P .Y .K.S.) Sektion Schweiz vom 17. Februar 2010, einen Bericht über die Ermordung von Dr. Scheich Mo- hamad Al Khaznawi, eine Erklärung an die Öffentlichkeit Syrien der Yekiti, zwei weitere arabischsprachige Berichte, einen Auszug aus einem selbst verfassten Artikel des Beschwerdeführers sowie die Kopie eines Ei ntritts- kärtchens für das Newroz -Fest der Yekiti -Partei der Schweiz vom 21. März 2010. I. Mit Eingabe vom 10. September 2010 (Poststempel) reichte d er Rechts- vertreter weitere Beweismittel, welche die neuen Aktionen der Exilopposi- tion sowie die Tatsache, dass der Beschwerdeführer Fussballer war, dar- legen, sowie eine gemeinsame Erklärung der Parteien mit einem Bild zu einer Kundgebung vor der US-Botschaft in H._______, eine Erklärung der Kurdisch Azadi Partei in Syrien zu einer Kundgebung mit drei Bildern und eine Kopie eines Interviews mit dem Beschwerdeführer über seine Karrie- re als Fussballer in Syrien, ein. J. Weitere Beweismittel wurden am 25. März 2011 (Poststempel) nachg e- reicht: Es handelt sich um Unterlagen zu den Demonstrationen vom 12. und 16. März 2011 in I._______ sowie zur Aktion vom 4. Februar 2011, einen Bericht zur Kundgebung vom 13. Ok tober 2010 und 10. D e- zember 2010 sowie Unterlagen zur Parteikonferenz der Yekiti Partei Schweiz vom 5. Dezember 2010. Weiter lagen der Eingabe ohne Erkl ä- rung und wohl versehentlich ein Artikel von Amnesty International vom 22. Februar 2011, in welchem über die Verhaftung eines kurdischen Folksin- gers "Abd al -Rahman Mohammed Omar" berichtet wird, sowie ein M e- dienbericht der Reporters without Borders vom 17. März 2011 in welchem von der Festnahme " Mazen Darwich's" die Rede ist, bei. K. Im Rahmen eines weiteren Schriftenwechsels zog das Bundesamt am 26. September 2011 den Entscheid vom 30. September 2008 teilweise in Wiedererwägung, indem es die Ziffern 1, 4 und 5 des Dispositivs der Ver- fügung vom 30. September 2008 aufhob und feststellte, dass der B e- schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft aufgrund subjektiver Nac h-D-6894/2008 Seite 5 fluchtgründe erfülle und die Beschwerdeführerin und die gemeinsamen Kinder gestützt auf den Grundsatz der Einheit der Familie ebenfalls als Flüchtlinge anerkannt würden. Da gemäss Art. 54 AsylG eine Asylgewäh- rung ausgeschlossen sei, ordnete die Vorinstanz die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz an. L. Mit Verfügung vom 28. September 2011 forderte das Bundesverwa l- tungsgericht die Beschwerdeführenden auf, sich innert Frist dahingehend zu äussern, ob sie an der Beschwerde festhalten wollen. M. Die Beschwerdeführenden gaben mit Schreiben vom 13. Oktober 2011 bekannt, dass sie an der Beschwerde im Asylpunkt festhalten wollen. N. Mit Vernehmlassung vom 14. November 2011 liess sich die Vorinstanz erneut zur eingereichten Beschwerde der Beschwerdeführenden ve r- nehmen und beantragte deren Abweisung. O. Mit Eingabe vom 8. Dezember 2011 reichte der Rechtsvertreter eine Rep- lik mit Kopien der Impfscheine der Kinder in arabischer Sprache mit deut- scher Übersetzung ein. P. Am 20. Dezember 2011 (Poststempel) liessen die Beschwerdeführenden eine Bestätigung der Gynäkologin der Beschwerdeführerin zu den Akten reichen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Die angefochtene Verfügung ist beschwerdefähig. Da keine das Sachgebiet betreffende Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt und das BFM zu den Vorinstanzen im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG gehört, ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurte i- lung der Beschwerde zuständig. Das Verfahren richtet sich nach dem D-6894/2008 Seite 6 VwVG, soweit das VGG oder das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 105 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig, ausser bei Vorliegen eines Aus- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgese t- zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Ände- rung, weshalb sie zur Beschwerde legitimiert sind (Art. 48 Abs. 1 VwVG). 1.3. Die Beschwerdefrist (Art. 108 Abs. 1 AsylG) und die Anforderungen an die Beschwerdeschrift (Art. 52 Abs. 1 VwVG) sind gewahrt. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Mit Verfügung vom 26. September 2011 zog das BFM die Verfügung vom 30. September 2008 teilweise in Wiedererwägung, sprach den Beschwer- deführenden die Flüchtlingseigenschaft zu und nahm sie wegen Unzuläs- sigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig auf. Da die Beschwerdefü h- renden insbesondere zufolge subjektiver Nachfluchtgründe des B e- schwerdeführers als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen wurden, b e- schränkt sich das vorliegende Beschwe rdeverfahren nu nmehr auf die Frage der Asylgewährung und auf die Wegweisung. 4. 4.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen D-6894/2008 Seite 7 psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). Die erlittene Verfolgung beziehungs- weise die begründete Furcht vor künftiger Verfolgung muss nicht nur sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat - oder Her- kunftsstaat, sondern auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. Dies bedeutet insbesondere, dass Veränderungen der objektiven Si- tuation im Heimatland im Zeitraum zwischen Ausreise und Asylentscheid zugunsten und zulasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen sind (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.3 ; BVGE 2008/34 E. 7.1., S. 507 f., je mit weiteren Hinweisen). 4.2. Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG ist nicht die Situation im Zeitpunkt der Ausreise, sondern die S i- tuation im Zeitpunkt des Asylentscheides. So ist gegebenenfalls eine asylsuchende Person als Flüchtling zu anerkennen, die erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise im Falle einer Rückkehr in ihren Heimat - oder Herkunftsstaat in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt wü r- de. Zu unterscheiden ist dabei zwischen objektiven und subjektiven Nachfluchtgründen. Objektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen; der von einer Verfolgung b e- drohten Person ist in solchen Fällen die Flüchtlingseigen schaft zuzuer- kennen und Asyl zu gewähren. Subjektive Nachfluchtgründe sind gemäss Art. 54 AsylG dann anzunehmen, wenn eine asylsuchende Person erst wegen ihres Verhaltens anlässlich oder nach der Ausreise eine Verfo l- gung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, wobei ihr kein Asyl ge- währt wird. 4.3. Unter Reflexverfolgung versteht man behördliche Belästigungen oder Behelligungen von Angehörigen auf Grund des Umstandes, dass die B e- hörden einer gesuchten, politisch unbequemen Person nicht habhaft wer- den oder s chlechthin von deren politischer Exponiertheit auf eine solche auch bei Angehörigen schliessen. Der Zweck einer solchen Reflexverfo l- gung kann insbesondere darin liegen, Informationen über effektiv gesuch- te Personen zu erlangen beziehungsweise Geständnisse von Inhaftierten zu erzwingen. Begründete Furcht vor künftiger Verfolgung liegt sodann grundsätzlich vor, wenn aufgrund objektiver Umstände in nachvollziehb a- rer Weise subjektiv befürchtet wird, die Verfolgung werde sich mit beacht- licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen (vgl. EMARK 2000 Nr. 9, S. 78 mit Hinweisen). Gemäss EMARK 1993 Nr. 6 (vgl. E. 3b und 4 mit weiteren Hinweisen) kommen beweiserleichternde D-6894/2008 Seite 8 Grundsätze bei der Prüfung der begründeten Furcht zur Anwendung, wenn die Vor bringen im Kontext einer Reflexverfolgung stehen. Neben dem bereits Erlebten werden insbesondere die Aktivitäten von Verwan d- ten mitberücksichtigt. Dies geschieht aus der Überlegung, dass Nachteile, die im Zeitpunkt der Ausreise objektiv keine Furcht vor zu künftiger Verfol- gung hätten begründen können, in einer Situation der Reflexverfolgung unvermittelt in längere Inhaftierungen, Folter oder körperliche Misshan d- lung umschlagen können. 5. 5.1. Die Vorinstanz begründete die Ab lehnung des Asylgesuches damit, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden teils den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG und teils den Anford e- rungen an die Glaubwürdigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten würden. So habe der Beschwerdeführer unsubstanzi ierte Auss agen betreffend der Versammlung zu der Demonstration am 16. Dezember 2007 gemacht und auch nach wiederholter Aufforderung, diese Abl äufe genau zu schildern, seien seine Aussagen sehr oberflächlich und stere o- typ geblieben. Des Weiteren seien seine Aussagen tatsachenwidrig. So habe der Beschwerdeführer angegeben, sich im Dezember 2007 zuerst eine Woche bei einem Freund und anschliessend zwei Monate bei seiner Tante versteckt zu haben, nachdem er erfahren habe, dass die Behörden nach ihm gesucht hätten. Später gab er zu Protokoll, dass die Behörden während seiner Abwesenheit mehrmals nach ihm gefragt hätten. D ie Vor- instanz erachte das angegebene Verhalten des Beschwerdeführer s als nicht nachvollziehbar, zumal er damit hätte rechnen müssen, dass die S i- cherheitsbehörden, welche seinen Ausführungen zufolge einen erhebl i- chen Fahndungsaufwand betrieben haben sollen, damit beginnen wü r- den, bei Verwandten nach ihm zu suchen. Somit sei es realitätsfremd, dass er sich unbehelligt während zwei er Monate bei einer nahen Ve r- wandten aufgehalten haben soll. Ferner habe der Beschwerdeführer aus- gesagt, dass er durch telefonischen Kontakt mit seiner Familie erfahren habe, dass die Behörden mehrmals zu Hause nach ihm gesucht u nd zweimal seinen Bruder mitgenommen hätten. Es sei nich t nachvollzieh- bar, dass der Beschwerdeführer nicht genau wiss en könne , wie oft die Behörden nach ihm gefragt und was diese genau beabsichtigt hätten. Es wäre zudem zu erwarten gewesen, dass er sich mehr über das Schicksal seines Bruders, der wegen ihm verhaftet worden sein soll, interessieren würde. Ausserdem hätte er aus dem Verhalten der Behörden auf seine eigene Gefahr schliessen können. Die Botschaftsabklärungen würden überdies bestätigen, dass die Beschwerdeführenden behörd lich nicht ge-D-6894/2008 Seite 9 sucht würden . Die Abklärungen hätten auch ergeben, dass die B e- schwerdeführenden keine Pässe besitzen würden. In der Stellungnahme zum rechtlichen Gehör hätten aber die Beschwerdeführenden mitge teilt, dass sie sehr wohl Pässe besitzen würden, das B FM aber ihr e Namen falsch geschrieben oder übersetzt habe und sie so im syrischen Register nicht gefunden worden seien. Aus diesem Grund hätten die Abklärungen auch ergeben, dass nichts gegen sie vorliege. Das BFM halte dem jedoch entgegen, dass der Botschaftsanfrage eine Kopi e der Identitätskarte d er Beschwerdeführenden beigelegt worden sei und sie aufgrund ihrer N a- men und der Familiennummer hätten zweifelsfrei identifiziert werden kön- nen. Aufgrund der vielen Ungereimtheiten in den Ausführungen der B e- schwerdeführenden könn e di e geltend gemachte Verfolgung durch die Behörden nach der Kundgebung vom Dezember 2007 nicht geglaubt werden. Weiter habe der Beschwerdeführer geltend gemacht, nach dem Fussball- spiel an der Kundgebung im März 2004 in Kamischli verhaftet worden zu sein. Tatsächlich sei es im März 2004 während den Unruhen vom K a- mischli in verschiedenen Städten zu Massenverhaftungen gekommen. Jedoch seien alle ausser den Rädelsführern dieser Unruhen nach wen i- gen Monaten wieder freigelassen und behördlich nicht mehr behellig t worden. Dies entspreche auch den Ausführungen der Beschwerdefü h- renden, wonach sie zwischen 2004 und 2007 keine Probleme gehabt h a- ben sollen. Die vorgebrachten Ereig nisse vom März 2004 liessen daher nicht auf eine begründete Furcht vor asylrelevanter Verf olgung schlie s- sen. Zudem seien die Befürchtungen des Beschwerdeführers, aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeit Nachteile n seitens der syrischen Behörden au s- gesetzt zu sein, unbegründet und somit nicht asylbeachtlich. 5.2. In der Beschwerdeschrift machte der Rechtsvertreter geltend, dass sich das Botschaftsabklärungsergebnis nachweislich als falsch erw iesen habe, da die Beschwerdeführenden Kopien ihrer Reisepässe nachträglich einreichen konnten. Wenn die Botschaft den Eintrag im Passregister "übersehen" ha be, so erst recht denjenigen im Fahndungsregister. Z u- dem sei bekannt, das die Inlandgeheimdienste in Syrien keineswegs alle Personen in den gemeinrechtlichen Registern zur Fahndung ausschre i- ben würden. Es sei zu vermuten, dass die syrischen Behörden daran in- teressiert seien, des Beschwerdeführers wieder habhaft zu werden. D a- her hätten sie wohl die Tatsache, dass dieser einen Reisepass besitze, D-6894/2008 Seite 10 unterdrückt. Diese Tatsache werfe ein ungünstiges Licht auf die Bo t- schaftsabklärung und somit auf die Verlässlichke it der Vertrauensperson. Indem nachweislich diese Auskunft der Botschaft falsch gewesen sei, sei umso mehr daran zu zweifeln, dass der Beschwerdeführer laut Auskunft auch nicht behördlich ge sucht sein soll. Die Reisepässe seien - mit Aus- nahme desjenigen ei nes Kindes - im Übrigen mittels Bestechung erst kurz vor der Flucht ausgestellt worden. Es falle auf, dass sich die Vori n- stanz mit dem Vorwurf, die Vorbringen seien nicht hinreichend begründet worden, nicht auf die Ereignisse von 2004 bezogen habe. Diese erläuter- ten Vorbringen würden durchaus eine Dichte aufweisen, die auf eine Glaubhaftigkeit schliessen liessen. Die Vorinstanz beziehe sich auf die jüngsten Ereignisse vor der Ausreise, die nicht gleich intensiv gewesen seien, wie die zuvor erlittene Verfol gung. Es könne zudem vom B e- schwerdeführer, der keinen Beruf erlernt habe, keine besondere differe n- zierte Schilderung dieser Zusammenhänge erwartet werden. Hingegen müsse festgehalten werden, dass die sich zugetragenen Ereignisse ganz widerspruchsfrei gesch ildert worden seien. Der Beschwerdeführer habe sich im Übrigen bei einer 30 km entfernten Tante versteckt, die nach ihrer Verheiratung nicht mehr den Familiennamen des Beschwerdeführers tr a- ge. Es wäre somit ein immenser Aufwand für die Behörden gewesen, den Beschwerdeführer bei der gesamten Verwandtschaft zu suchen. Der B e- schwerdeführer habe zudem aus Schuldgefühlen sich nicht genauer nach seinem Bruder erkundigt, weil dieser wegen seiner politischen Aktivität mitgenommen worden sei. Es entspreche der Wahrh eit, dass der B e- schwerdeführer ausser dem Fussballverbot nach der Freilassung im Ja h- re 2004 keine Nachteile erlitten habe, bis er wieder verhaftet worden sei. Doch seien seine Erlebnisse als Grund für die Furcht vor künftiger Verfo l- gung relevant in Zusamme nhang mit der neuen Festnahme und darüber hinaus mit den geltend gemachten Nachfluchtaktivitäten. Auch sei zu b e- merken, dass auch eine kurze Haft mit traumatischen Erfahrungen schwere psychische Nachteile nach sich ziehen könne. 5.3. Mit Vernehmlassung vom 29. Januar 2009 führte die Vorinstanz aus, dass als Reaktion auf die Einreichung einer Passkopie von Seiten der Beschwerdeführenden auf Vernehmlassungsstufe eine neue Botschaf ts- anfrage in Auftrag gegeben worden sei. Die Abklärungen hätten dann er- geben, dass die Beschwerdeführenden am 23. Februar 2008 Syrien über den Flughafen von F._______ in Richtung Ägypten mit ihren Reisepässen verlassen hätten. Somit seien die Aussagen der Beschwerdeführenden, sie hätten die syrisch -türkische Grenze zu Fuss überquert, kla r tats a- chenwidrig. Die Tatsache, dass die Beschwerdeführenden sich im Jahre D-6894/2008 Seite 11 2005 nach den Vorfällen von Kamischli von 2004 einen Pass hätten aus- stellen lassen k önnen, spreche gegen eine behördliche Suche nach de n Beschwerdeführenden. Hätte n ämlich nach den geltend gemachten E r- eignissen von 2004 noch etwas gegen den Beschwerdeführer vorgel e- gen, wäre ihm und seiner Familie kein Pass ausgestellt worden. Überdies sei es der ganzen Familie möglich gewesen, über den stark kontrollierten Flughafen von F._______ legal auszureisen. Dies stütz e e benfalls das Abklärungsresultat der Schweizer Vertretung in F._______, wonach der Beschwerdeführer in Syrien behördlich nicht gesucht werde. Zusamme n- fassend sei festzuhalten, dass die kontrollierte Ausreise und die Tatsache, dass die Beschwerdeführenden behördlich nicht gesucht würden, die von ihnen geltend gemachte Verfolgung klar wiederlegen würden. 5.4. In der Replik bemerkte der Rechtsvertreter, dass die Botschaftsa b- klärung, die gestützt auf die Ausführungen in der Beschwerdeschrift getä- tigt worden sei, ein gegenteiliges Ergebnis zur vorherigen Abklärungen der Vorinstanz darstelle und diese Unterschiedlichkeit von der Vorinstanz nicht erwähnt worden sei. Immerhin habe die Abklärung derselben Bo t- schaft zuvor ergeben, dass die Bes chwerdeführenden nie über Pässe verfügt hätten. Es sei davon auszugehen, dass die Passkopien offensicht- lich übersehen worden seien. Da nun aber doch Passkopien vorliegen würden, werde von den Behörden behauptet, es sei ein Eintrag einer l e- galen Ausreise ü ber den Flughafen von F._______ nach Ägypten regis t- riert worden und die Beschwerdeführenden würden nicht gesucht werden. Die Beschwerdeführenden würden gerne ihre bisherige Angaben zu Au s- reise korrigieren. So hätten sie aus Furcht vor dem Schlepper dessen In- struktionen genau befolgt und zwar leider auch was die Verschleierung der genauen Ausreisemodalitäten betroffen habe. Selbst gegenüber ihm (Rechtsvertreter) hätten sie anlässlich der Beschwerdebesprechung noch die vorherige Behauptung aufrecht erhalten. Der Bruder des Beschwerde- führers habe mit ihrem Vater zusammen die Ausreise organisiert. Er habe einen Schlepper gefunden, der über erstklassige Kontakte zu den Offizi e- ren am Flughafen F._______ und anderen Landesflughäfen verfüge und eine Ausreise habe ga rantieren können. Die Beschwerdeführenden hä t- ten jedoch den Schlepper selber nie zu Gesicht bekommen. Dieser habe ihnen einen Mann beschrieben, der sie am Flughafen empfangen und i h- nen die Pässe und Tickets aushändigen werde, was auch so gewesen sei. Allerdings habe es bei der Ausreise Probleme gegeben, indem sie von einem Offizier über den Ausreisegrund befragt worden seien und der Beschwerdeführer für eine halbe Stunde festgehalten und dabei b e- schimpft und beleidigt worden sei. Schliesslich sei ein höhere r Offizier D-6894/2008 Seite 12 dazugetreten und habe die Anweisung gegeben, die Beschwerdeführe n- den ausreisen zu lassen. Später hätten sie die Reisepässe vernichtet. Das Abklärungsergebnis der zweiten Botschaftsanfrage sei im Punkt des Ausreiseweges und des Datums korrekt, je doch nicht, was die legale Ausreise betreffe. Angesichts der notorischen Korruption in Syrien e r- staune es nicht, dass es professionelle Schlepper gäbe, die über die nöt i- gen Kontakte verfügen würden, um für viel Geld eine solche Ausreise zu garantieren. Da sich die beiden bisherigen Botschaftsabklärungen im gleichen Fall widersprächen, sei auf die Auskunft, wonach die Beschwe r- deführenden nicht als gesuchte Personen registriert seien, kein Verlass. 5.5. In der Stellungnahme vom 13. Oktober 2011 erklärte der Recht sver- treter im Namen der Beschwerdeführenden das Festhalten an der B e- schwerde und teilte mit, dass die inzwischen gewonnenen Erkenntnisse über das absolut skrupellose Vorgehen der syrischen Sicherheitskräfte nicht nur die von den Beschwerdeführenden geschilderten Vorkommnisse vor der Flucht als glaubwürdig erscheinen liessen. So würden auch die Veränderung der Verhältnisse in Syrien im Sinne von objektiven Nac h- fluchtgründen jeden in der Diaspora sich befindlichen Kurden, und jegl i- che Kurden, die bereits irgendwie dem Regime aufgefallen seien, objektiv zu Flüchtlingen sur place mache. Zu betonen sei, dass die drohende Ve r- folgung im Falle einer Rückkehr die Angehörigen gezielt treffen würde, da eine Reflexverfolgung in Syrien zurzeit System habe. Damit würden a uch die Ehefrau und die Kinder des Beschwerdeführers, entgegen der Ansicht der Vorinstanz, die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Hinzu komme, dass die Ehefrau und die Kinder des Beschwerdeführers selber keine subjekt i- ven Nachfluchtgründe gesetzt hätten. Ind em sie die Flüchtlingseige n- schaft erfüllen würden, ihnen mithin eine Reflexverfolgung drohe, die sie nicht selber zu verantworten hätten, komme der Ausschlussgrund der subjektiven Nachfluchtgründe bei ihnen nicht zur Anwendung. Ihnen sei daher ohnehin Asyl zu gewähren. 5.6. In der erneuten Vernehmlassung vom 14. November 2011 legte die Vorinstanz dar, dass es zutreffe, dass sie die Vorbringen des Beschwer- deführers, betreffend die geltend gemachte Festnahme im Zusamme n- hang mit den Gewaltereignissen in Kamischli i m März 2004 nur unter dem Blickwinkel der Asylrelevanz geprüft hätten. Diese s Vorgehen ent- spreche der Praxis, gemäss welcher es sich erübrige, nicht asylbeachtl i- che Vorbringen auch im Hinblick auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Es sei jedoch darauf hinzu weisen, dass das Vorbringen auch einer Prüfung gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten könne. So sei darauf hinzuweisen, D-6894/2008 Seite 13 dass es nicht den Tatsachen entspreche n könne, dass der Beschwerd e- führer zwischen dem (…) und dem (…) in Haft gewesen s ei, da dieser Zeitpunkt unvereinbar mit der Geburt seines Sohnes J._______ sei, des- sen Zeugung zu einem Zeitpunkt gewes en sein müsse , zu welchem der Beschwerdeführer angeblich in Haft gewesen sei. Ferner sei erneu t zu bemerken, dass die Beschwerdeführenden offensichtlich nicht den Tatsa- chen entsprechende Aussagen zu den Umständen und zum Zeitpunkt ih- rer Ausreise aus Syrien gemacht hätten. Es dränge sich der Schluss auf, dass die Beschwerdeführenden die wahren Reiseumstände gegen über den schweizerischen Asylbehörden versc hwiegen hätten, um den Ei n- druck von in Syrien verfolgten Person en zu erwecken. Dass der B e- schwerdeführer zum Zeitpunkt der Ausreise in Syrien offensichtlich nicht verfolgt gewesen sei, werde im Übrigen auch durch die Inhalte der Bo t- schaftsberichte vom 2. September 2008 und vom 19. Januar 2009 best ä- tigt, welche ergeben hätten, dass der Beschwerdefüh rer seitens der syri- schen Behörden nicht gesucht werde. An diesem Abklärungsbefund ve r- möge auch der in der Beschwerde geprüfte Umstand nichts zu ändern, dass erst die zweite Botschaftsabklärung ergeben habe, dass die B e- schwerdeführenden im Besit ze eines Reisepasses seien und somit S y- rien legal verlassen hätten. Zusammenfassend ergebe sich somit, dass insbesondere der Beschwerdeführer erst nach seiner Ausreise aus Syrien – durch seine exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz – zum Flüchtling geworden sei. Die Prüfung, ob in einem Herkunftsstaat von Asylsuchen- den eine Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) bestehe, sei im Ra h- men der Prüfung des Wegweisungsvollzuges nicht bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne objektiver Nachfluchtgründe zu prüfen. Da die Beschwerdeführenden vorläufig als Flüchtling aufgenommen wo r- den seien, sei der Vollzug der Wegweisung unzulässig und somit eine Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzug erübrige sich daher. 5.7. In der Replik zu r zweiten Vernehmlassung vom 8. Dezember 2011 stimmte der Rechtsvertreter mit der Vorinstanz überein, dass eine Ze u- gung von J._______ angesichts der Haft des Beschwerdeführers zw i- schen dem (…) und dem (…) ausser Betracht fallen wür de. Der Wide r- spruch begründe sich jedoch nicht in der Inhaftierung des Beschwerd e- führers, sondern im falschen Geburtsdatum seines Sohnes. Beide Kinder seien zu Hause auf die Welt gekommen und in ländlichen Gegenden S y- riens sei es üblich, die Geburt des Kindes erst zu Beginn des Folgejahre s zu melden und registrieren zu lassen. Vorzugsweise würde dann als Ge-D-6894/2008 Seite 14 burtstagsdatum ein Januartag gewählt werden, um Vorteile bei der Schul- jahresplanung zu erwirken. Die effektiven Geburtstage der Kinder seien der 3. Juli 2002 und der 12. Juli 2004. Die Mutter der Kinder habe die ef- fektiven Geburtsdaten bei verschiedenen Gelegenheiten angegeben . Dies beispielsweise bei den Impfungen der Kinder sowie auch gegenüber der Frauenärztin im Zusammenhang mit der jeweils aktuell bestehenden Schwangerschaft. Was die Botschaftsabklärungen betreffe, so seien di e- se in sich selbst widersprüchlich und könnten deshalb nicht zuungunsten der Glaubhaftmachung ausgelegt werden. Das vorgebrachte Argument der objektiven Nachfluchtgründe scheine die Vorinstanz nicht zu verst e- hen. So lägen objektive Nachfluchtgründe vor, wenn sich die Situation im Herkunftsland einer Person in solch einer Weise verändere, dass die Be- schwerdeführenden eine neu begründete Furch t vor Verfolgung hätten. Im vorliegenden Fall seien die objektiven Nachfluchtgründe in zwe ierlei Hinsicht von Relevanz. Erstens würden heutzutage alle Kurden, die das Land verlassen hätten, seit dem Beginn der massiven Übergriffe des R e- gimes Assad "sur place" zu Flüchtlingen im Sinne der Konvention wer- den. In diesem Sinne würde n bei den Beschwerdeführenden – unabhän- gig ihrer persönlichen Verfolgung – wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten eth nischen Gruppierung objektive Nachfluchtgründe vor lie- gen, wenn sie einmal ausgereist sind und im Ausland um Asyl nachg e- sucht haben. Das Vorgehen der syrischen Regierung gegen die Kur den werde auf www.kurdwatch.org ausführlich dokumentiert und müsse für die Beurteilung der Verfolgung der Kurden als eth nische Gruppe berück- sichtigt werden. Zudem wirke sich die vom BFM anerkannte subjektiv b e- gründete Verfolgung des Beschwerdeführers objektiv auf die Verfolgungs- lage von dessen Ehefrau und seiner Kinder aus. Angesichts des systema- tischen Vorgehens der syrischen Behörden sei davon auszugehen, dass die Ehefrau und die Kinder bei einer Rückkehr in ihr Heimatland re flexar- tig ernsthafte Nachteile zu befürchten hätten. In diesem Zusammen hang sei auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. November 2010, E-5108/2006 zu verweisen, in dem die Reflexverfolgung des Vaters eines politisch aktiven Sohnes bejaht worden sei. Dieses Urteil weise we- sentliche Parallelen zu diesem Sachverhalt auf. Die Ehefrau und die Ki n- der des Beschwerdeführers seien nicht von der Asylgewährung nach Art. 54 AsylG auszuschliessen, d a sie ihre Verfolgung nicht selbst begründet hätten und deshalb nicht für das Verhalten des Beschwerdeführers "a b- gestraft" werden dürften. D-6894/2008 Seite 15 6. 6.1. Im Verwaltungsverfahren gelten der Untersuchungsgrundsatz und die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechts erheblichen Sachverhalts (Art. 12 VwVG; vgl. auch Art. 49 Bst. b VwVG; für das Asyl- verfahren ausserdem Art. 6 AsylG). Mithin ist die zuständige Behörde verpflichtet, den für die Beurteilung eines Asylgesuchs relevanten recht s- erheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (vgl. zur Bedeu - tung des Untersuchungsgrundsatzes allgemein etwa ULRICH HÄFE- LIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwal tungsrecht, 5. Aufl., Zürich/ St. Gallen 2010, S. 375 f.; PATRICK KRAUSKOPF/KATRIN EMMENEGGER, in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 12, N 15 ff.). 6.2. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt unter anderem, dass die verfügen- de Behörde die Vorbringen der Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich en t- sprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Ferner soll die Abfassung der Begründung de n Betroffe- nen ermöglichen, den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufec h- ten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl d ie Betroffenen als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können, wobei sich die verfügende Behörde allerdings nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinander setzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesicht s- punkte beschränken kann. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und den Intere s- sen des Betroffenen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rech t- lich geschützten Interessen des Betroffenen - und um solche geht es bei der Frage der Gewährung des Asyls - eine sorgfältige Begründung ve r- langt wird (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f., EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1 S. 256). 6.3. Der Rechtsvertreter de r Beschwerdeführenden brachte – nach der teilweisen Wiedererwägung der ursprünglichen Verfügung und Zuspr e- chung der Flüch tlingseigenschaft an die Beschwerdeführenden vom 26. September 2011 – mit der Eingabe vom 13. Oktober 2011 explizit vor, dass die Veränderung der Verhältnisse in Syrien im Sinne von objektiven Nachfluchtgründen jeden Kurden und jede Kurdin als Zugehörige e iner bestimmten Gruppe objektiv zu Flüchtlingen sur place mache . Weiter sei auch zu betonen, dass die Beschwerdeführerin und ihre Kinder aufgrund D-6894/2008 Seite 16 der exilpolitischen Tätigkeit des Beschwerdeführers begründete Furcht vor einer Reflexverfolgung hätten, wesha lb ihnen aufgrund objektiver Nachfluchtgründe Asyl zu gewähren sei (vgl. oben E. 5.5.). Die Vorinstanz nahm auf dieses Vorbringen in ihrer Vernehmlassung vom 14. November 2011 lediglich insofern Bezug, in dem sie ausführte, dass die Frage, ob in einem Herkunftsstaat von Asylsuchenden eine Situation allgemeiner G e- walt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG bestehe, im Rahmen der Prüfung des Wegweisungsvollzugs vorzunehmen sei und nicht bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft. Da die Beschwerdeführenden als Flüch tlinge vorläufig aufgenommen worden seien, sei der Vollzug der Wegweisung unzulässig und eine Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollz u- ges erübrige sich daher. 6.4. Wie in der Replik vom 8. Dezember 2011 zu Recht geltend gemacht wird, verkennt die Vorinsta nz mit dieser Argumentation, dass sich au f- grund der erwähnten Einwände in der Eingabe vom 13. Oktober 2011 die Frage stellt, ob d ie Beschwerdeführe nden aufgrund objektiver Nac h- fluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft erfüll en. Das BFM hat sich mit dieser Fragestellung nicht auseinandergesetzt und sich über das Vorli e- gen einer Kollektivverfolgung von syrischen Kurden und Kurdinnen in der Schweiz aufgrund der veränderten Situation in Syrien nicht geäussert. Die Vorinstanz hat insoweit weder den rechtserheblich en Sachverhalt vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in Syrien vollständig festgestellt noch die in diesem Zusammenhang vom Beschwerdeführer geltend g e- machten Einwände sorgfältig und ernsthaft geprüft und damit Bunde s- recht verletzt. 6.5 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Eine Verle t- zung des rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich – das heisst un- geachtet der materiellen Auswirkungen – zur Aufhebung des daraufhin ergangenen Entscheides (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3. 4 S. 676 f., BVGE 2008/14 E. 4.1 S. 185, BVGE 2007/30 E. 8.2 S. 371 m.w.H., BVGE 2007/27 E. 10.1 S. 332). Die Heilung von Gehörsverletzungen ist aus prozessökonomischen Gründen auf Beschwerdeebene nur möglich, s o- fern das Versäumte nachgeholt wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz im streitigen Fall die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt, sowie die festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende Ents cheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit ve r- tretbarem Aufwand hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f.). D-6894/2008 Seite 17 6.6 Im vorliegenden Fall ist die letztlich unsorgfältig gebliebene Prüfung des Asylgesuches des Beschwerdeführers als schwerwieg end zu b e- zeichnen. Das BFM ist im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels auf die im Zusammenhang mit der veränderten Situation in Syrien in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft erhobenen Einwände nicht eingegangen und hat es insofern versäumt, die ihren Verf ügungen vom 30. September 2008 beziehungsweise vom 26. September 2011 zugrunde liegenden Mängel zu beseitigen. Es ist vor diesem Hintergrund nicht Aufgabe des Bundesverwaltungsgerichts, Versäumnisse des Bundesamtes auf B e- schwerdeebene zu beheben und damit die Vorinstanz gleichsam von e i- ner sorgfältigen Verfahrensführung zu entbinden, zumal den Beschwerde- führenden durch ein solches Vorgehen eine Instanz verloren ginge. Eine Heilung der festgestellten Mängel in der angefochtenen Verfügung aus prozessökonomischen Gründen fällt somit nicht in Betracht. 7. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als damit die Aufhebung der angefochtenen Verfügung im Asylpunkt bea n- tragt wird. Die Verfügung vom 30. September 2008 ist demnach bezüglich der Frage der Asylgewährung aufzuheben und das BFM anzuweisen in der Sache neu zu entscheiden. 8. 8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 8.2. Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erw achsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter hat eine vom 12. Oktober 2011 datierende Honorarnote eingereicht, die den Vertretungsaufwand für die Beschwerdeführenden , als auch für den Bru- der des Beschwerdeführers aufführt. Darin wird der erforderliche Zeitau f- wand genügend detailliert aufgeschlüsselt und bei ein em Stundenansatz von Fr. 200.- auf insgesamt 15.9 Stunden veranschlagt. Dieser Aufwand von rund Fr. 3'515.- erscheint dem Gericht angesichts der Tatsache, dass der Rechtsvertreter in den beiden Parallelverfahren (D -6903/08 und D - 6894/08) grösstenteils die identischen Eingaben tätigte, was zu unvol l- ständigen und mithin falschen Ausführungen (insbesondere im Verfahren D-6903/08) und damit zu erheblichem Mehraufwand für das Gericht führ- te, zu hoch. Der geltend gemachte Vertretungsaufwand ist dementspr e-D-6894/2008 Seite 18 chend zu kürzen auf insgesamt Fr. 2640.-. Neben den Kosten der Vertre- tung macht der Rechtsvertreter keine weiteren notwendigen Auslagen geltend (Art. 8 VGKE). Aufgrund der gemeinsamen Be schwerdeführung mit dem Bruder respektive Schwager sind die Aufwendungen hälft ig zu veranschlagen, weshalb die vom BFM auszurichtende Parteientschäd i- gung im vorliegenden Verfahren alsdann auf insgesamt auf Fr. 1320. - festzusetzen ist. (Dispositiv nächste Seite) D-6894/2008 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit sie die Aufhebung der Verf ü- gung im Asylpunkt betrifft. 2. Die Dispositivziffer 2 der Verfügung vom 30. September 2008 wird aufg e- hoben und das BFM wird angewiesen, in der Sache neu zu entscheiden. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden eine Parteien t- schädigung von Fr. 1'320.- (inkl. allfällige Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Bettina Schwarz Versand: