Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Mai 2016 (710 15 242) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Gutheissung der Beschwerde. Die Angelegenheit wird an die Vorinstanz zurückgewie- sen, damit diese weitere Abklärungen im Bereich der Körperpflege (Baden/Duschen) vornimmt. Gestützt darauf hat die Beschwerdegegnerin erneut über den Anspruch der Versicherten auf eine Hilflosenentschädigung der AHV zu entscheiden. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h B.____ gegen Ausgleichskasse Berner Arbeitgeber , Murtenstrasse 137a , 3008 Bern, Beschwerdegegnerin Betreff Hilflosenentschädigung A. Die 1938 geborene A.____ meldete sich am 13. Nov ember 2014 (Eingang) bei der IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) für den Bezug e iner Hilflosenentschädigung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) an. Mit Verfügung vom 23. Januar 2015 lehnte die Aus- gleichskasse Berner Arbeitgeber das Leistungsbegehr en der Versicherten ab. Aufgrund ihrer Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abklärungen hätten sie festgestellt, dass A.____ seit Janua r 2011 in einer alltäglichen Lebens- verrichtung der Dritthilfe bedürfe. Zusätzlich benötige sie seit November 2014 medizinisch- pflegerische Hilfe. Die Anspruchsvoraussetzungen für eine Hilflosenentschädigung seien damit nicht erfüllt. Eine hiergegen erhobene Einsprache wies die Ausgleichskasse Berner Arbeitgeber mit Einspracheentscheid vom 11. Juni 2015 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch B.____, am 13. Juli 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei der Einspracheentscheid vom 11. Juni 2015 aufzuheben und das Leis- tungsbegehren auf Hilflosenentschädigung rückwirkend ab 1 . April 2011 gutzuheissen. Even- tualiter sei der Einspracheentscheid vom 11. Juni 2015 aufzuheben und das Leistungsbegehren auf Hilflosenentschädigung rückwirkend ab 1. November 201 3 gutzuheissen. Subeventualiter sei die Sozialversicherungsanstalt Basel-Landschaft/Ausglei chskasse Berner Arbeitgeber an- zuweisen, das Leistungsbegehren auf Hilflosenentschädigu ng rückwirkend ab 1. Juli 2015 gut- zuheissen. In verfahrensmässiger Hinsicht beantragte sie, es s ei ihr Einsicht in die Akten der Sozialversicherungsanstalt Basel-Landschaft/Ausgleichskasse Berner Arbeitgeber zu gewähren und es sei ihre Hilflosigkeit im Sinne des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts gutachterlich abzuklären; unter Kosten folge zu Lasten der Sozialversi- cherungsanstalt Basel-Landschaft/Ausgleichskasse Berner Arbeitgeber. Zur Begründung brach- te sie im Wesentlichen vor, dass sie in mehr als zwei allt äglichen Lebensverrichtungen regel- mässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ang ewiesen sei, wegen der permanenten Sturzgefahr dauernder persönlicher Überwachung bedürf e sowie wegen ihrer Immobilität ge- sellschaftliche Kontakte nur Dank regelmässiger und erhebli cher Dienstleistungen Dritter pfle- gen könne. Damit liege mindestens eine leichte, wenn nicht sogar eine mittlere Hilflosigkeit vor. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 9. September 2015 auf Abweisung der Beschwerde. D. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Besch werdeführerin mit Replik vom 26. November 2015 und die Beschwerdegegnerin mit Dupl ik vom 30. Dezember 2015 an ihren eingangs gestellten Rechtsbegehren fest. E. Die Beschwerdeführerin beantragte in ihrer Beschwerd ebegründung sowie in ihrem Schreiben vom 12. Februar 2016 die Befragung von diversen Personen als Auskunftspersonen. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 18. März 2016 wurde dieser Antrag unter Vorbehalt des Beschlusses durch das Dreiergericht vorerst abgewiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 60 Ab s. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Ver- fügungen und Einspracheentscheide eines Sozialversicherungsträgers beim zuständigen Versi- cherungsgericht innerhalb von 30 Tagen Verwaltungsgeri chtsbeschwerde erhoben werden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zuständig ist gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versicherung sgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person oder der Beschwerde führende Dritte zum Zeitpunkt der Beschwer- deerhebung Wohnsitz hat. Die örtliche und gemäss § 54 Ab s. 1 lit. c des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 auch die sachli- che Zuständigkeit des Kantonsgerichts ist vorliegend somit g egeben. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 13. Juli 2015 ist deshalb einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die B eschwerdeführerin Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung der AHV hat. 3.1 Gemäss Art. 43 bis des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassene nversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 haben Bezüger von Altersren ten oder Ergänzungsleistungen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 ATSG ) in der Schweiz, die in schwerem oder mittlerem oder leichtem Grad hilflos (Art. 9 ATS G) sind, Anspruch auf eine Hilflosenent- schädigung. Dem Bezug einer Altersrente ist der Rentenvor bezug gleichgestellt (Art. 43 bis Abs. 1 AHVG). Der Anspruch auf eine Hilflosenentschädig ung entsteht am ersten Tag des Mo- nats, in dem sämtliche Voraussetzungen erfüllt sind und die Hilflosigkeit schweren, mittleren oder leichten Grades ununterbrochen während mindestens eines Jahres bestanden hat. Er er- lischt am Ende des Monats, in dem die Voraussetzungen na ch Absatz 1 nicht mehr gegeben sind (Art. 43 bis Abs. 2 AHVG). Die monatliche Entschädigung für eine Hilflosigkeit schweren Grades beträgt 80 Prozent, jene für eine Hilflosigkeit mittleren Grades 50 Prozent und für eine Hilflosigkeit leichten Grades 20 Prozent des Mindestbetra ges der Altersrente nach Art. 34 Abs. 5 (Art. 43 bis Abs. 3 AHVG). Für die Bemessung der Hilflosigkeit sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 sinngemäss an- wendbar. Die Bemessung der Hilflosigkeit zuhanden der Ausgleichskassen obliegt den IV- Stellen. Der Bundesrat kann ergänzende Vorschriften erlassen (Art. 43 bis Abs. 5 AHVG). Gemäss Art. 66 bis Abs. 1 der Verordnung über die Alters und Hinterlass enenversicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 ist für die Bemessung der H ilflosigkeit Art. 37 Absätze 1, 2 Buchstaben a und b sowie 3 Buchstaben a-d der Verordn ung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sinngemäss anwendbar. 3.2 Das Gesetz unterscheidet zwischen schwerer, mittelschwe rer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG). Die Hilflosigkeit gilt als leicht , wenn die versicherte Person trotz der Abga- be von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Leben sverrichtungen regelmässig in erhebli- cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist; einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwändigen Pflege bedarf; wegen einer schweren Sinnesschädigung oder ein es schweren körperlichen Gebre- chens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistun gen Dritter gesellschaftliche Kon- takte pflegen kann; oder dauernd auf lebenspraktische Beg leitung im Sinne von Art. 38 IVV an- gewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a - e IVV). Die H ilflosigkeit gilt gemäss Art. 37 Abs. 2 IVV als mittelschwer , wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hil fsmitteln in den meisten all- täglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebliche r Weise auf die Hilfe Dritter angewie- sen ist (lit. a); sie in mindestens zwei alltäglichen Le bensverrichtungen regelmässig in erhebli- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und übe rdies einer dauernden Überwachung bedarf (lit. b); oder in mindestens zwei alltäglichen L ebensverrichtungen regelmässig in erhebli- cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist (lit. c). Schliesslich gil t die Hilfslosigkeit als schwer , wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fa ll, wenn sie in allen alltäglichen Lebens- verrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die H ilfe Dritter angewiesen ist und über- dies der dauernden Pflege oder persönlichen Überwachung bedarf. 3.3 Nach ständiger Rechtsprechung sind die folgenden se chs alltäglichen Lebensverrich- tungen massgebend: Ankleiden/Auskleiden; Aufstehen/Absitzen/Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichtung der Notdurft; Fortbewegung (im oder ausse r Haus)/Kontaktaufnahme (BGE 133 V 463 E. 7.2, 127 V 97 E. 3c, 121 V 90 E. 3; Urteil de s Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht] vom 1. April 2004, I 815/0 3, E. 1). Weiter muss die Hilfe Dritter re- gelmässig und erheblich sein. Die Hilfe ist regelmässig, wenn sie die versicherte Person täglich benötigt oder eventuell täglich nötig hat (Kreisschrei ben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], Rz. 8025). Der Begriff der Erheblichkeit ist in Relation zu setzen zum zeitlichen Aufwand, den die Hilfsperson hat. Die H ilfe ist mithin insbesondere erheblich, wenn die versicherte Person mindestens die Teilfunktion einer einzelnen Lebensverrichtung überhaupt nicht mehr, nur mit unzumutbarem Aufwand o der nur auf unübliche Art und Weise selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen Zustandes nich t vornehmen würde (AHI- Praxis 1996 S. 171 f. E. 3; ZAK 1981 S. 388 f. E. 2a; KSIH Rz. 8026). Von der direkten Dritthilfe bei der Ausführung der alltäglichen Lebensverrichtunge n ist die indirekte Dritthilfe zu unter- scheiden. Indirekte Hilfe ist gegeben, wenn die versicher te Person die alltäglichen Lebensver- richtungen zwar funktionsmässig selber ausführen kann, dies aber nicht, nur unvollständig oder zu Unzeiten tun würde, wenn sie sich selbst überlassen wäre . Die indirekte Dritthilfe setzt vo- raus, dass die Drittperson regelmässig anwesend ist und di e versicherte Person insbesondere bei der Ausführung der in Frage stehenden Verrichtung en persönlich überwacht, sie zum Han- deln anhält oder von schädigenden Handlungen abhält u nd ihr nach Bedarf hilft. Eine blosse Erschwerung oder Verlangsamung bei der Vornahme von Le bensverrichtungen begründet grundsätzlich keine Hilflosigkeit (ZAK 1989 S. 213, 1986 S. 481). Ob eine Hilfe notwendig ist, ist objektiv, nach dem Zust and der versicherten Person, zu beurtei- len. Dabei ist unerheblich, ob die versicherte Person al lein, in der Familie oder sonst wie in ei- ner der heutzutage verbreiteten Wohnformen lebt. Massg ebend ist allein, ob die versicherte Person, wäre sie auf sich allein gestellt, erhebliche Dritthilfe benötigen würde. Demgegenüber ist die tatsächlich erbrachte Mithilfe von Familienmit gliedern eine Frage der Schadenminde- rungspflicht, die erst in einem zweiten Schritt zu prüf en ist. Eine solche Hilfe geht zwar weiter als die ohne Gesundheitsschaden üblicherweise zu erwartend e Unterstützung, jedoch darf den Familienangehörigen keine unverhältnismässige Belastung e ntstehen (Urteil des Bundesge- richts vom 1. April 2010, 9C_410/2009, E. 5.1 und 5.5). 4. Sowohl bei der Erarbeitung der Grundlagen für di e Bemessung der Hilflosigkeit in den alltäglichen Lebensverrichtungen wie auch bei der Hilf losigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung ist eine enge, sich ergänzend e Zusammenarbeit zwischen Ärzte- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schaft und Verwaltung erforderlich. Erstere hat anzugebe n, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen bzw. geistigen Funktionen durch das Le iden eingeschränkt ist. Der Versiche- rungsträger kann an Ort und Stelle weitere Abklärunge n vornehmen, wobei bei Unklarheiten über physische und psychische Störungen und/oder deren Au swirkungen in der Alltagspraxis Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur z ulässig, sondern notwendig sind (BGE 130 V 61 E. 6.1.1). Damit dem Abklärungsbericht vo ller Beweiswert zukommt, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Als Berichterstat terin wirkt eine qualifizierte Person, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse hat sowie mit den seitens der Medizin ge- stellten Diagnosen und den sich daraus ergebenden Beei nträchtigungen vertraut ist. Der Be- richtstext muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebens- verrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erfordernissen der lebenspraktischen Begleitung sein. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Per sonen zu berücksichtigen, wobei diver- gierende Meinungen im Bericht aufzuzeigen sind. Genügt der Bericht über die Abklärung vor Ort den einzelnen rechtsprechungsgemässen Beweisanforde rungen, greift das Gericht in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschät- zungen vorliegen (BGE 133 V 468 E. 11.1.1, 130 V 63 E. 6.2; Urteil des EVG vom 2. Juni 2004, I 127/04, mit Hinweis auf BGE 129 V 67 E. 2.3.2, BGE 128 V 93; Urteil des EVG vom 4. Sep- tember 2001, I 175/01). 5. Für die Beurteilung der gesundheitlichen Situatio n bzw. für die Bemessung der Hilflosig- keit der Beschwerdeführerin stehen die nachfolgenden Unterlagen zur Verfügung: 5.1 Im Austrittsbericht des Spitals C.____ vom 20. Novembe r 2013 berichteten Dr. med. D.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation sowi e Allgemeine Innere Medizin, und E.____, Assistenzärztin, über die Hospitalisation der B eschwerdeführerin in der muskuloske- lettalen Rehabilitation vom 21. Oktober 2013 bis 9. N ovember 2013. Sie stellten die folgenden Diagnosen: eine Reposition, Osteosynthese proximales Femu r links mittels Cerclage und 10- Loch DCS am 12. Oktober 2013 (1.), einen Verdacht auf ein Rezidiv einer lymphozytären Colitis (2.), eine passagere Hyponatriämie (3.), eine passagere Hypokaliämie (4.), einen Status nach Cataracta Operation beidseits (5.), einen Morbus Parkinson mit dementieller Entwicklung, links- betontem hypokinetischem rigidem Syndrom mit intermittierendem Tremor und posturaler Insta- bilität (6.), eine koronare 3-Gefässerkrankung (7.), e inen Status nach 3-4 Etagenthrombose links 03/2013 (8.), einen Status nach passageren Armschme rzen links unklarer Genese 07/2013 (9.), drop attacks mit rezidivierenden Stürzen (1 0.) sowie eine vaskuläre Enzephalopa- thie und zerebrale Atrophie mit intermittierenden Verwirrtheitszuständen (11.). 5.2 Mit ärztlichem Zeugnis vom 13. August 2014 hielt Dr . med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, fest, dass die Beschwerdeführerin wegen st arker Inkontinenz Tena-Einlagen/- Pants benötige. 5.3 Am 29. September 2014 berichteten Prof. Dr. med. G.____, FMH Chirurgie, und H.____, Assistenzarzt, von der Hospitalisation der Beschwerdeführerin im Spital C.____ vom 26. bis 27. September 2014. Die Versicherte sei notfallmässig ins S pital eingetreten, da sie eine contusio capitis mit einem Hämatom rechts occipital aufgrund ein es Sturzes unter Alkoholeinfluss (2,2 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Promille) erlitten habe. Als weitere Diagnosen wurden im Wesentlichen die folgenden festgehal- ten: rezidivierende Stürze multifaktorieller Aetiologie bei: Morbus Parkinson, Demenz, Status nach hämorrhagischem Hirninsult mit Fazialisparese links 2005, Status nach Subduralhämatom rechts frontoparietal 2007, orthostatischer Dysregulatio n, schwerer Atherosklerose, eine koro- nare 3-Gefässerkrankung, ein Status nach 3-4 Etagenphle bothrombose sowie ein Status nach lymphozytärer Colitis 04/2013 und 08/2012. 5.4 In ihrer Anmeldung vom 13. November 2014 gab die Versicherte an, unter diversen Be- schwerden zu leiden, zum Beispiel unter Inkontinenz, Rückenbeschwerden sowie Beschwerden am linken Knie. Die Frage, ob sie bei den alltäglichen Verrichtungen auf Dritthilfe angewiesen sei, bejahte sie im Bereich Baden/Duschen (sie benötige Hilfe beim Ein- und Aussteigen in die/aus der Badewanne), im Bereich Fortbewegung im Fr eien (sie brauche einen Rollator und teilweise Begleitung, ausserdem benötige sie einen Stock und könne nur kurze Strecken gehen; sie mache ganz kleine Schritte und habe einen unsicheren Gang, auch mit dem Stock) sowie im Bereich Pflege gesellschaftlicher Kontakte. Des Weiter en gab die Beschwerdeführerin an, nicht in der Lage zu sein, den Haushalt zu führen, weswegen si e seit April 2011 eine Haushälterin habe. Ausserdem benötige sie tagsüber dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe, weil sie diver- se Medikamente einnehmen müsse. Die Frage, ob sie persön lich überwacht werden müsse, wurde von der Versicherten verneint. Das Anmeldeformula r wurde vom Ehemann der Versi- cherten ausgefüllt und von beiden Ehegatten unterzeichnet. Dr. F.____ hielt im Anmeldeformular unter dem Abschni tt „Angaben des behandelnden Arztes“ am 1. November 2014 als Diagnosen rezidivierende Stürze multifaktoriell bei Morbus Parkin- son, Demenz, einen Status nach Hirninsult 2005, ein Su bduralhämatom 2007, eine koronare Herzkrankheit sowie einen Infarkt 1995 fest. Er gab an, dass sich die Angaben der Versicherten im Anmeldeformular mit den von ihm erhobenen Befunden decken würden. 5.5 Weiter liegt den Akten ein „Abklärungsbericht Hilf losigkeit AHV“ vor, welcher am 19. Ja- nuar 2015 von I.____ erstellt wurde. Bei der Abklärun g vor Ort seien die Beschwerdeführerin, ihr Ehemann, ihre Haushälterin Frau J.____ sowie Her r I.____ von der IV-Stelle anwesend ge- wesen. Herr I.____ hielt unter den Angaben zur gesund heitlichen Beeinträchtigung fest, dass bei der Versicherten gemäss den medizinischen Unterlagen r ezidivierende Stürze, Parkinson, Demenz, ein Status nach Hirninsult 2005, ein Subdural hämatom 2007, eine koronare Herz- krankheit sowie ein Infarkt 1995 vorliegen würden. Die F rage, ob die Beschwerdeführerin we- gen ihrer Hilflosigkeit und trotz der Verwendung von Hi lfsmitteln regelmässig in erheblicher Weise der Hilfe Dritter bedürfe, bejahte Herr I.___ _ lediglich bei der Lebensverrichtung der Fortbewegung im Freien. Diese Einschränkung bestehe se it Januar 2011. Die Versicherte ver- lasse das Haus ausschliesslich mit dem Rollator und in Beglei tung. Sie leide unter Knie- und Rückenschmerzen. Spaziergänge mit dem Rollator erfolgten verlangsamt bis maximal 200 Me- ter am Stück. Öffentliche Verkehrsmittel würden nicht g enutzt, da die Beschwerdeführerin nicht rasch genug aus diesen ein- und aussteigen könne. Unter dem Bereich Körperpflege, Ba- den/Duschen führte Herr I.____ aus, dass die Versicherte nicht dusche, sondern bade, da ihr dies lieber sei. Beim Baden müsse die Haushälterin sie beim Ein- und Aussteigen in die/aus der Badewanne stützen. Sie trockne sich anschliessend selbständ ig ab und könne sich genügend Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht waschen. Mit Hilfe einer Stehdusche und eines Sitzbrettes oder einer ähnlichen Sitzgelegenheit wäre es der Versicherten zumutbar, sich ohne erhebliche und regelmässige Dritthilfe selbstän- dig zu duschen. Das Baden erfolge aufgrund persönliche r Vorlieben. Die geleistete Dritthilfe beim Ein- und Aussteigen erfolge nicht im nötigen erhe blichen Rahmen. Die Versicherte sei körperlich in der Lage, sich selbständig zu duschen und ge nügend zu waschen. Unter dem Be- reich der Fortbewegung bemerkte Herr I.____ hinsichtlich der Pflege gesellschaftlicher Kontak- te, dass die Beschwerdeführerin selbständig TV und Radio konsumiere und regelmässig lese. Schreiben könne sie nur noch stark eingeschränkt und unleser lich. Gesellschaftliche Kontakte könnten mit dem Telefon gepflegt werden. Die Versicher te sei geistig nicht eingeschränkt und könne Kontakte selbständig pflegen. Körperlich bedingt könne sie nur kurz an Anlässen teil- nehmen. Diese Einschränkung sei unter dem Punkt der Fo rtbewegung berücksichtigt worden. Geistig sei die Beschwerdeführerin gemäss eigener Aussage nicht eingeschränkt. Bejaht wurde des Weiteren die Frage, ob die Versicherte der dauern den medizinisch pflegerischen Hilfe be- dürfe. Die Haushälterin ziehe ihr die Beinschiene an, dies seit November 2014. 5.6 In ihrer leistungsablehnenden Verfügung vom 23. Ja nuar 2015 stützte sich die Be- schwerdegegnerin auf den Abklärungsbericht vom 19. Januar 2015. Nachdem die Versicherte dagegen Einsprache erhoben hatte, nahm Herr I.____ a m 18. März 2015 Stellung dazu. Er führte aus, im Anmeldeformular sei eine regelmässige und erhebliche Dritthilfe in den Bereichen Körperpflege (Baden/Duschen) und Fortbewegung (im Fre ien und Pflege gesellschaftlicher Kontakte) angegeben worden. Die geltend gemachte Dritthilfe in den Bereichen des Haushaltes (Reinigung der Toilette) könne gemäss KSIH Rz. 8010 nicht für die Bemessung der Hilflosigkeit angerechnet werden. Vor Ort habe die Versicherte angegeben, sich morgens ohne Dritthilfe an- und ausziehen zu können. Die geltend gemachte Dritthi lfe bei den Stützstrümpfen werde unter dem Bereich der medizinisch-pflegerischen Dritthilfe an gerechnet. Dies gelte auch für das Ein- cremen der Beine, das Anziehen der Beinschiene sowie die Einnahme und Kontrolle der Medi- kation (wobei die Beschwerdeführerin vor Ort angegeben habe, die Medikamente selbständig einnehmen zu können). Des Weiteren sei es der Versicherte n gemäss KSIH Rz. 8085 zumut- bar, ohne Dritthilfe zu duschen. Dies hätte für die K örperpflege keinen Einfluss. Dabei könnte sie sich auf einem Duschstuhl sitzend selbständig einseife n und anschliessend abduschen. Im Abklärungsgespräch habe sie ihm mitgeteilt, dass sie sich se lber abtrocknen könne. Die Versi- cherte sei im Bereich der Notdurft ebenfalls auf keine erhebliche und/oder regelmässige Dritthil- fe im Sinne des KSIH Rz. 8021 angewiesen. Sie habe an gegeben, selbständig die Toilette auf- suchen und sich intim reinigen zu können. Eine Dritthilfe sei im Anmeldeformular auch klar ver- neint worden. Eine allfällige Unterstützung bei Durch fall erfolge nicht im anrechenbaren regel- mässigen Umfang gemäss KSIH Rz. 8025 (täglich) und könne daher auch nicht angerechnet werden. Die permanente Sturzgefahr und dadurch benöt igte Begleitung an Anlässe und Termi- ne (Arzt etc.) sei im Bereich der Fortbewegung im Freie n angerechnet worden. Gesellschaftli- che Kontakte würden von der Beschwerdeführerin weiterhin ohne Dritthilfe gepflegt. Dies sei ihr altersentsprechend im familiären Rahmen mit Einsatz d iverser Hilfsmittel (Telefon, TV, Radio) möglich. Auch schaue sie regelmässig TV und könne sich so über das Geschehen in ihrem Um- feld informieren. Eine dauernde persönliche Überwach ung sei auf dem Anmeldeformular ver- neint worden. Es habe weder aus den medizinischen Unte rlagen noch vor Ort eine Eigen- oder Fremdgefährdung festgestellt werden können, welche ei ne dauernde und persönliche Überwa- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht chung rechtfertige. Abschliessend führte Herr I.____ aus, dass die Situation vor Ort gemeinsam mit der Versicherten, ihrem Ehemann und der Pflegerin besprochen worden sei. Eine anre- chenbare, erhebliche und regelmässige Dritthilfe sei in einem Bereich der alltäglichen Lebens- verrichtungen notwendig (Fortbewegung im Freien). Säm tliche weitere, von der Beschwerde- führerin geltend gemachte Dritthilfe erfolge nicht im erheblichen und regelmässigen Ausmass oder berühre Bereiche, welche nicht die alltäglichen Lebensverrichtungen betreffen würden. Die Situation vor Ort habe der in der Anmeldung vom 13. N ovember 2014 wiedergegebenen nöti- gen Dritthilfe entsprochen. Das Gespräch sei adäquat, klar und ohne Anzeichen auf eine einge- schränkte Situation der Gesprächspartner verlaufen. Der schriftlichen Anmeldung und Aussage vor Ort sei somit eine hohe Verbindlichkeit zu attestieren (Aussage der ersten Stunde). 5.7 Im Rahmen des Einspracheverfahrens berichtete Herr I .____ am 12. Mai 2015 von sei- ner ergänzenden telefonischen Abklärung mit der Versicherten. Diese habe ihm mitgeteilt, dass sie aufgrund einer Urininkontinenz täglich Einlagen benötige. Die Einlagen würden von ihr selb- ständig und regelmässig gewechselt. Eine Dritthilfe im Bereich der Notdurft sei nicht nötig. Sie reinige sich selbständig nach dem Toilettengang intim u nd werde auch nicht auf die Toilette begleitet. Herr I.____ führte weiter aus, das Telefongespräch sei adäquat verlaufen und die Be- schwerdeführerin habe objektiv Auskunft geben können. Geist ige Einschränkungen seien ge- mäss den vorhandenen medizinischen Akten nicht dokumentiert. Die Aussage der Versicherten sei somit verbindlich. Als Fazit schloss Herr I.____, eine e ventuelle Dritthilfe in Ausnahmesitua- tionen wie Durchfall erfülle in diesem Falle nicht das erforderliche Kriterium der Regelmässigkeit nach KSIH Rz. 8025. Die Beschwerdeführerin sei somit im Bereich der Notdurft nicht auf erheb- liche und/oder regelmässige Dritthilfe angewiesen. 6.1 Die Ausgleichskasse Berner Arbeitgeber stützte sich im Einspracheentscheid vom 11. Juni 2015 weiterhin auf den Abklärungsbericht vom 19. Januar 2015 und ging demzufolge davon aus, dass die Versicherte seit Januar 2011 in einer alltäglichen Lebensverrichtung (Fort- bewegung im Freien) der Dritthilfe bedürfe. Zusätzlich benötige sie seit November 2014 medizi- nisch-pflegerische Hilfe. Die Anspruchsvoraussetzungen für eine Hilflosenentschädigung seien damit nicht erfüllt. 6.2 Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwer de vom 13. Juli 2015 auf den Standpunkt, die Beweistauglichkeit des Telefonates vom 12 . Mai 2015 müsse – sofern das Te- lefonat überhaupt stattgefunden habe – aufgrund ihre r neurologischen Erkrankung und ihres psychischen Zustandes ernsthaft in Frage gestellt werden. Bereits bei der Befragung vor Ort sei sie mit Suggestivfragen dazu gebracht worden, ihre Hi lfs- und Überwachungsbedürftigkeit zu verneinen. Weiter ziehe sie es nicht aus persönlichen Grün den vor, zu baden statt zu duschen. Sie könne weder selbständig duschen noch baden und sei so mit bei der täglichen Körperpflege auf jeden Fall auf Hilfe angewiesen. Zusammenfassend kö nne festgehalten werden, dass sie seit 1. April 2011 (Einstellung der Haushälterin und Pflegerin); eventualiter spätestens ab 1. November 2013 (Fraktur des Oberschenkels); subeventualiter allerspätestens ab 1. Juli 2015 (ihr Allgemeinzustand habe sich kontinuierlich verschlecht ert) in mehr als zwei alltäglichen Le- bensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen sei (kör- perliche Grundpflege, An- und Auskleiden, Medikamenten einnahme), wegen der permanenten Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sturzgefahr dauernder persönlicher Überwachung bedürf e sowie wegen ihrer Immobilität ge- sellschaftliche Kontakte nur dank regelmässiger und erhebli cher Dienstleistungen Dritter pfle- gen könne. Es liege somit mindestens eine leichte, wenn nicht sogar eine mittlere Hilflosigkeit vor. 6.3 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nahm Herr I.___ _ am 25. August 2015 erneut Stellung zu den Einwänden der Versicherten. Er führte aus, das Gespräch vor Ort habe in ei- nem sehr freundlichen und angenehmen Klima im Wohnzimmer der Versicherten stattgefunden. Alle anwesenden Personen hätten aktiv daran teilgenomm en und sich jederzeit zu den Aussa- gen der Beschwerdeführerin äussern können. Die Unterste llung von Suggestivfragen müsse klar verworfen werden. Die Abklärungsperson verfolge ei nzig das Ziel, die Situation vor Ort wahrheitsgetreu und realistisch zu erfassen und in einem dazu definierten Bericht schriftlich wiederzugeben. Eine Suggestion der Versicherten mit Aussagen und Fragen wäre in jedem Fall kontraproduktiv und deshalb in der Praxis unzulässig. Wie b ereits im Abklärungsbericht vom 19. Januar 2015 festgehalten, könne die Assistenzhilfe seit ens der Betreuerin beim Ein- und Aussteigen in die/aus der Badewanne nicht als erheblich e Dritthilfe im Sinne des KSIH Rz. 8026 anerkannt werden. Die Beschwerdeführerin müsse nic ht zwingend gestützt werden. Die Assistenz und Anwesenheit erfolge präventiv, da die Versich erte eventuell stürzen könnte, da sie stets bade und daher tief sitzen müsse. Gemäss Aussagen der Versicherten wäre sie in der Lage, sich in der Dusche selbständig abzuduschen und ans chliessend abzutrocknen. Eine re- gelmässige und/oder erhebliche Dritthilfe beim Duschen kö nne somit klar verneint werden. Die aktuelle Situation erfülle die Kriterien im Bereich d er Körperpflege nach KSIH Rz. 8020 nicht, weshalb die Dritthilfe hierbei nicht angerechnet werd en dürfe. Die Situation vor Ort in Kombina- tion mit den Angaben von Dr. F.____ vom 1. November 20 14 würde zeigen, dass die Be- schwerdeführerin sehr wohl in der Lage sei, die Situat ion adäquat und wahrheitsgetreu wieder- zugeben. Sie habe im erneuten Telefongespräch am 12. Mai 2015 das Telefon adäquat ab- nehmen und sich auf Anhieb an die Abklärungsperson erinnern können. 6.4 Die Beschwerdegegnerin vertrat in ihrer Vernehml assung vom 9. September 2015 die Auffassung, die Abklärung vor Ort sowie die telefonische Abklärung entsprächen im Wesentli- chen den Angaben der Anmeldung und des Hausarztes. Im G egensatz zu diesen in sich stim- migen Vorakten sei in der Einsprache erstmals Bedarf a n Dritthilfe in Bereichen angegeben worden, in welchen dieser zuvor immer negiert worden s ei. Zudem stützte sich die Beschwer- degegnerin auf die Stellungnahme von Herrn I.____ vom 25. August 2015 und führte ergänzend aus, wäre die Befragung tatsächlich in der in der Besch werde dargelegten Weise durchgeführt worden, wäre zu erwarten gewesen, dass sich die Versicherte oder eine der anderen anwesen- den Personen zeitnah über diese Vorgehensweise beschwert hätte. Weiter vermöge der Bedarf an Einlagen als solches keine Hilflosigkeit zu begründen. A us den eingeholten medizinischen Unterlagen ergäben sich schliesslich keine neuen Hinweise a uf eine Hilflosigkeit. Im Gegenteil werde darin die Darstellung des Abklärungsdienstes bezüglich des Zustandes der Beschwerde- führerin bestätigt („Bei Eintritt sahen wir eine 75j ährige Patientin in unauffälligem Allgemeinzu- stand, bewusstseinsklar, psychisch unauffällig“). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die Be schwerdeführerin im Bereich Fort- bewegung regelmässig und in erheblichem Masse der Dritthilfe bedarf. Ebenfalls einig sind sich die Parteien darüber, dass die Versicherte in verschieden ster Hinsicht dauernde Pflege (medi- zinisch-pflegerische Hilfe) benötigt. Auf diese Punkte ist daher im Folgenden nicht weiter einzu- gehen. Streitig ist hingegen insbesondere, ob die Ver sicherte in den beiden alltäglichen Le- bensverrichtungen des Verrichtens der Notdurft sowie der Körperpflege auf Dritthilfe angewie- sen ist. Weiter ist umstritten, ob die Beschwerdeführeri n der dauernden persönlichen Überwa- chung bedarf. 7.2.1 Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin dauernd persönlich überwacht wer- den muss. Der Begriff der dauernden persönlichen Überw achung bezieht sich nicht auf die all- täglichen Lebensverrichtungen. Hilfeleistungen, die ber eits als direkte oder indirekte Hilfe in einem Bereich der alltäglichen Lebensverrichtung Berücksic htigung gefunden haben, können bei der Beurteilung der Überwachungsbedürftigkeit nicht nochmals ins Gewicht fallen. Vielmehr ist darunter eine medizinische und pflegerische Hilfelei stung zu verstehen, welche infolge des physischen und/oder psychischen Gesundheitszustandes der versich erten Person notwendig ist. Um als anspruchsrelevant zu gelten, muss die persön liche Überwachung ein gewisses Mass an Intensität aufweisen. Eine Überwachungsbedürft igkeit darf angenommen werden, wenn die versicherte Person ohne Überwachung mit überw iegender Wahrscheinlichkeit sich selbst oder Dritte gefährden würde (KSIH Rz. 8035). Im Anmeldeformular hat die Beschwerde- führerin die Frage, ob sie persönlich überwacht werden müsse, verneint. Im Rahmen des Ein- spracheverfahrens sowie des Beschwerdeverfahrens brachte die Versicherte dann erstmals vor, aufgrund der permanenten Sturzgefahr einer daue rnden Überwachung zu bedürfen. Dem ist entgegenzuhalten, dass diese Aussage nicht mit der Aktenlage in Übereinstimmung ge- bracht werden kann. Denn sie wird weder durch Dr. F.__ __ noch durch die Abklärungsperson noch durch sonstige (medizinische) Verfahrensakten bestä tigt. Ausserdem erscheint es nicht nachvollziehbar, wieso die Beschwerdeführerin dies nicht bereits im Anmeldeformular geltend gemacht hat. An dieser Stelle ist anzumerken, dass das An meldeformular nicht von der Versi- cherten selbst, sondern von ihrem Ehemann ausgefüllt wur de. Allfällige geistige bzw. psychi- sche Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin können de mentsprechend keine Rechtferti- gung dafür sein, dass diese Frage nicht schon damals bejah t worden ist. Ferner ist festzuhal- ten, dass, wenn die Versicherte beim Duschen/Baden oder bei der Fortbewegung im Freien aufgrund sturzbedingter Verletzungsgefahr gestützt werd en muss, diese Hilfeleistungen in die- sen Bereichen berücksichtigt werden und daher gemäss obgenannter Regelung nicht nochmals bei der Beurteilung der Überwachungsbedürftigkeit eine Rolle spielen dürfen. Unter diesen Um- ständen hat die Beschwerdegegnerin die Notwendigkeit einer dauernden persönlichen Überwa- chung zu Recht verneint. 7.2.2 Des Weiteren ist zu prüfen, ob die Versicherte i m Bereich des Verrichtens der Notdurft auf die Hilfe Dritter angewiesen ist. Hilflosigkeit li egt vor, wenn die versicherte Person für die Körperreinigung bzw. das Überprüfen der Reinlichkeit, für das Ordnen der Kleider oder für das Absitzen bzw. Wiederaufstehen der Hilfe Dritter bedarf (BGE 121 V 88 E. 6). Hilflosigkeit ist ferner bei einer unüblichen Art der Verrichtung der N otdurft gegeben (beispielsweise Topf ans Bett bringen und entleeren, Urinflasche reichen, mit dem Urinal ausrüsten, regelmässige Hilfe Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht beim Urinieren usw.) (KSIH, Rz. 8021 1/14). Im Anmeldeformular verneinte die Beschwerdefüh- rerin die Frage, ob sie bei der Notdurft auf regelmä ssige und erhebliche Dritthilfe angewiesen sei. Auch in der Einsprache brachte sie nicht vor, beim V errichten der Notdurft erhebliche Dritt- hilfe zu benötigen. Ausgeführt wurde hingegen im Wesentlichen, dass die Versicherte an Inkon- tinenz und starkem Durchfall leide und deswegen tagsübe r und nachts Windeln tragen müsse. Die Inkontinenz und der Durchfall führten dazu, dass das B ett, das Badezimmer, die Toilette sowie weitere Räumlichkeiten regelmässig verschmutzt seien und gründlich gereinigt werden müssten. Dies könne von der Beschwerdeführerin nicht meh r oder nur unzureichend selber ausgeführt werden. Damit wird aber nicht geltend gem acht, dass die Versicherte beim Verrich- ten der Notdurft an und für sich auf Dritthilfe ange wiesen sei, sondern bei den Reinigungsarbei- ten, die aufgrund der Inkontinenz sowie des Durchfalls entstehen. Auf dieses Vorbringen wird nachfolgend unter der E. 7.2.4 näher einzugehen sein . Die Beschwerdeschrift setzte sich so- dann nicht weiter mit dem Bereich des Verrichtens der Notdurft auseinander. In der Replik brachte die Beschwerdeführerin erstmals vor, dass ihre Wi ndeln von der Haushälterin und der Vertreterin gewechselt und entsorgt werden müssten. S ie selbst sei nicht in der Lage, dies zu erledigen, da sie die Windeln nicht richtig zuklebe und diese dadurch undicht seien. Ab und zu ziehe sie die Windeln selber aus, diese lasse sie dann stun delang irgendwo offen herumliegen, da sie aufgrund ihrer Demenz- und Parkinsonerkrankung v ergesse, diese zu entsorgen. In der Zusammenfassung der Anträge wurde eine regelmässige und erhebliche Dritthilfe im Bereich des Verrichtens der Notdurft jedoch weiterhin nicht gel tend gemacht. Anlässlich der telefoni- schen Abklärung (vgl. E. 5.7 hiervor) gab die Versicherte an, im Bereich der Notdurft keine Hilfe zu benötigen. Wie nachfolgend noch aufzuzeigen sein wi rd (vgl. E. 7.2.3), kann auf die Aussa- gen der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer geistigen Verfassung nicht vollumfänglich abgestellt werden. Im Bereich des Verrichtens der Notdurft stimmen ihre telefonisch getätigten Angaben jedoch weitestgehend mit der Aktenlage überein. Eine regelmässige und erhebliche Dritthilfe wurde im Anmeldeformular noch klar verneint. Im Einspra cheverfahren wurden sodann insbe- sondere die mit dem Verrichten der Notdurft zusammenhä ngenden Reinigungsarbeiten vorge- bracht. Des Weiteren enthielt die Beschwerdeschrift keine Ausführungen oder Anträge in Bezug auf den Bereich des Verrichtens der Notdurft. In der Re plik führte die Beschwerdeführerin erst- mals aus, dass die Windeln von ihrer Haushälterin und ihr er Vertreterin gewechselt und ent- sorgt werden müssten. Vor diesem Hintergrund stellen d ie Ausführungen in der Replik lediglich Parteibehauptungen dar und vermögen angesichts des späte n Vorbringens nicht zu überzeu- gen. Unter diesen Umständen ist eine Dritthilfe im Be reich des Verrichtens der Notdurft zu ver- neinen. 7.2.3 Schliesslich ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführer in im Bereich der Körperpflege, na- mentlich beim Baden/Duschen auf Dritthilfe angewiesen ist. Hilflosigkeit liegt vor, wenn die ver- sicherte Person eine täglich notwendige Verrichtung im Rahmen der Körperpflege (Waschen, Kämmen, Rasieren, Baden/Duschen) nicht selber ausführe n kann (KSIH, Rz. 8020). In ihrer Anmeldung bejahte die Versicherte die Frage, ob sie im Bereich Körperpflege auf Dritthilfe an- gewiesen sei. Sie vermerkte, dass sie beim Ein- und Auss teigen in die/aus der Badewanne Hil- fe benötige. In ihrer Beschwerde führte sie aus, dass sie es nicht aus persönlichen Gründen vorziehe, zu baden statt zu duschen. Sie könne weder selbständig duschen noch baden und sei somit bei der täglichen Körperpflege auf jeden Fall auf Hilfe angewiesen. Aufgrund der medizi- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht nischen Aktenlage ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführer in in den vergangenen Jahren be- reits einige Male gestürzt ist. Lediglich in Bezug auf den einen Sturz im Jahre 2014 geht aus den Akten hervor, dass die Versicherte unter Alkoholeinfluss gestürzt ist. Gemäss der Diagnose der Ärzte des Spitals C.____ leidet sie ausserdem unter so genannten „drop attacks“ mit rezidi- vierenden Stürzen. Als „drop attack“, deutsch "Sturzattacke ", bezeichnet man ein plötzliches Sturzereignis bei ungetrübter Bewusstseinslage in Folge eines Tonusverlustes der unteren Ext- remitäten. Des Weiteren wurde bei der Beschwerdeführ erin ein Morbus Parkinson mit unter anderem linksbetontem hypokinetischen rigiden Syndrom mit intermittierendem Tremor (Zittern) und posturaler Instabilität (Haltungsinstabilität) diagnostiziert. Insofern erstaunt die Aussage der Beschwerdegegnerin, dass die Beschwerdeführerin beim Ba den/Duschen nicht zwingend ge- stützt werden müsse. Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrem Entscheid auf den Abklä- rungsbericht von Herrn I.____. Dieser wiederum stützte sich in seinen Berichten im Wesentli- chen auf die Aussagen der Beschwerdeführerin, welche an gab, selbständig duschen zu kön- nen. Die Abklärungsperson wies in ihren verschiedenen B erichten und Stellungnahmen wieder- holt darauf hin, dass die Versicherte geistig nicht eingeschränkt sei und dass auf ihre Aussagen abgestellt werden könne (vgl. E. 5.5 und 5.7 hiervor). Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass die Beschwerdeführerin gemäss der medizinischen Aktenlage an Morbus Parkinson mit demen- tieller Entwicklung bzw. an Demenz sowie Verwirrtheitszus tänden leidet (vgl. E. 5.1 und 5.3 hiervor). Herr I.____ hielt auf der ersten Seite sein es Berichts vom 19. Januar 2015 unter den Angaben zur gesundheitlichen Beeinträchtigung unter a nderem fest, dass bei der Beschwerde- führerin rezidivierende Stürze, Parkinson und Demenz vo rliegen würden. Vor diesem Hinter- grund ist nicht nachvollziehbar, dass er an anderen Stel len desselben Berichtes, in seinen er- gänzenden Stellungnahmen dazu sowie in seinem Bericht über die telefonische Abklärung fest- hält, dass die Versicherte geistig nicht beeinträchtigt se i. Insofern bleibt fraglich, ob Herr I.____ im vorliegenden Fall – wie es die Rechtsprechung für e inen voll beweiskräftigen Abklärungsbe- richt fordert (vgl. E. 4 hiervor) – mit den seitens d er Medizin gestellten Diagnosen bzw. insbe- sondere den sich daraus ergebenden Beeinträchtigungen ver traut war. Unter diesen Umstän- den ist es notwendig, dass die Beschwerdegegnerin im Ber eich der Körperpflege, namentlich des Badens/Duschens, anhand eines neuen Berichtes abklären lässt, inwiefern die Versicherte auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen i st. Daraus folgt, dass die Beschwerde insofern gutzuheissen ist, als die Angelegenheit in diese m Punkt zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. 7.2.4 Schliesslich ist der Vollständigkeit halber festzuha lten, dass die Haushaltsführung nicht zu den alltäglichen Lebensverrichtungen gehört (KSIH, Rz. 8012). Die Beschwerdeführerin hat in ihrer Anmeldung angegeben, nicht in der Lage zu sei n, den Haushalt zu führen, weshalb sie seit April 2011 eine Haushälterin habe. Ausserdem hat sie vorgebracht, dass sie die Reinigung der infolge Inkontinenz und Durchfall verschmutzten Räum lichkeiten nicht oder nur unzu- reichend selber ausführen könne (vgl. E. 7.2.2 hiervor) . Mit der Beschwerdegegnerin ist jedoch festzustellen, dass dies aufgrund vorgenannter Bestimmung vorliegend nicht im Rahmen der Einschränkungen in den alltäglichen Lebensverrichtungen b erücksichtigt werden kann. Des Weiteren sind Hilfsmittel, die der medizinischen Behandlung dienen (beispielsweise die von der Beschwerdeführerin benötigten Kompressionsstrümpfe oder die orthopädische Beinschiene) nicht unter der Verrichtung Ankleiden/Auskleiden, sondern bei der Pflege zu berücksichtigen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die dauernde Pflege bzw. die medizinische oder pfleger ische Hilfeleistung beinhaltet zum Bei- spiel auch das tägliche Verabreichen von Medikamenten ode r das Anlegen einer Bandage (BGE 107 V 136) (KSIH Rz. 8032). Beim An-/Auskleiden d ürfen nur Hilfsmittel berücksichtigt werden, die zur Aufrechterhaltung einer alltäglichen Lebensverrichtung dienen (zum Beispiel Orthese oder Prothese für das Gehen) (KSIH, Rz. 8014.1). 7.3 Aus dem Gesagten folgt, dass der angefochtene Einsp racheentscheid vom 11. Juni 2015 aufzuheben und die Beschwerde der Versicherten vom 1 3. Juli 2015 insofern gutzuheis- sen ist, als die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuw eisen ist, damit diese im Sinne der Erwägungen (vgl. insbesondere E. 7.2.3 hiervor) weite re Abklärungen im Bereich der Körper- pflege (Baden/Duschen) vornehme und gestützt darauf ü ber den Leistungsanspruch der Versi- cherten neu verfüge. 8. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zust ändigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öff entlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nac hteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Besch werde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid vom 11. Juni 2015 aufgehoben und die Angel egenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur N euverfügung an die Ausgleichskasse Berner Arbeitgeber zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht