B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2233/2011 U r t e i l v o m 1 7 . J u n i 2 0 1 3 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richterin Christa Luterbacher; Gerichtsschreiberin Tu-Binh Truong. Parteien A._______, geboren (…), Syrien, vertreten durch Stefan Hery, Rechtsberatungsstelle für Asylsu- chende St. Gallen/Appenzell, (…), Beschwerdeführer, 5 gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. März 2011 / N (…). E-2233/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer – ein syrischer Staatsangehöriger aramäi- scher Ethnie aus B._______ mit letztem Wohnsitz in C._______ – ver- liess Syrien nach eigenen Angaben am 11. Januar 2010 und gelangte über die Türkei auf dem Landweg am 14. Januar 2010 in die Schweiz, wo er gleichentags , zusammen mit seinem Bruder S. (Verfahren E - 2334/2011, N 536 217), um Asyl nachsuchte. Am 20. Januar 2010 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ summarisch befragt und am 18. Juni 2010 vom BFM einlässlich zu seinen Asylgrü n- den angehört. A.b Zu den Beweggründen seiner Ausreise machte der Beschwerdefü h- rer im Wesentlichen Folgendes geltend: Er habe am 3. Dezember 2007 in der Nacht einen Bus nach C._______ besteigen wollen und sei dabei zu- fällig in eine Personenkontrolle geraten. Er habe für seinen Bruder S. , welcher ein (Berufsort) betrieben habe, dem E._______, einem Auftrag- geber seines Bruders, ein Kuvert mit politisch brisanten Unterla gen brin- gen wollen. Man habe ihn aufgrund d es Inhalts des Kuverts festgeno m- men, und er sei in der Folge vom politischen Sicherheitsdienst in B._______ verhört und misshandelt worden. Man habe ihm vorgeworfen, er sei ein "Landesverräter" und ein Mitglied der "Erklärung von Dama s- kus". Nach drei bis vier Monaten habe man ihn in ein Gefängnis der al l- gemeinen Abteilung des Geheimdienstes in Damaskus überführt. Dort sei er weiterhin verhört und geschlagen worden. Am 12. April 2009 habe der Sicherheitsdienst in Damaskus ihn, nachdem er eine Erklärung unte r- zeichnet habe, wonach er in der Haft weder gefoltert noch schlecht be- handelt worden sei, nach B._______ transferiert, wo man ihn schliesslich unter der Auflage, er müsse sich alle fünfzehn Tage beim Sicherheit s- dienst melden und Informationen liefern, aus der Haft entlassen habe. Die Situation in B._______ sei nach der Haftentlassung indes unerträglich geworden, da er in ständiger Angst gelebt habe, dass sie ihn erneut inhaf- tieren würden, zumal er über keine Informationen zu E._______ oder an- dere Personen der Opposition verfügt habe und weder politisch intere s- siert noch tätig gewesen sei . Der Vater habe deshalb für ihn und seinen Bruder ab dem 15. August 2009 einen neuen Aufenthalt in C._______ or- ganisiert. In der Folge hätten die Behörden Druck auf seine Eltern ausge- übt. Weil das Leben im Versteckten auch in C._______ unerträglich ge- wesen sei, habe er Syrien am 11. Januar 2010 zusammen mit seinem Bruder S. verlassen. E-2233/2011 Seite 3 B. Eine vom BFM am 29. Juni 2010 in Auftrag gegebene Botschaftsabkl ä- rung der Schweizer Vertretung in Damaskus ergab, dass der Beschwe r- deführer Inhaber eines in F._______ ausgestellten syrischen Passes mit der Nummer (…) sei, Syrien am 22. Dezember 2009 Richtung G._______ verlassen habe und von den heimatlichen Behörden nicht gesucht werde. Zu diesen Ergebnissen gewährte das BFM mit Zwischenverfügung vom 5. Januar 2011 dem Beschw erdeführer das rechtliche Gehör, d.h. er er- hielt Gelegenheit, sich bis zum 17. Januar 2011 dazu zu äussern und Gegenbeweismittel zu bezeichnen. Zudem wur de er aufgefordert, dem BFM umgehend seinen Reisepass zuzustellen. C. Mit Schreiben vom 14. Januar 2011 nahm der Beschwerdeführer durch seinen mit Vollmacht vom 11. Januar 2011 ermächtigte n Rechtsvertreter zur Botschaftsabklärung dahingehend Stellung, dass er und sein Bruder nicht im Besitze von Reisepässen seien und am 22. Dezember 2009 nicht über den Flughafen von Damaskus nach G._______ ausgereist seien, sondern – wie bei der Befragung und der Anhörung ausgeführt – per Auto über die Grenze in die Türkei gelangt seien. In G._______ seien sie noch nie gewesen. Die diesbezüglichen Abklärungen der Botschaft seien daher unzutreffend. Ferner habe der Beschwerdeführer telefonischen Kontakt mit seinem Vater in Syrien aufgenommen. Dieser habe berichtet, dass er mehrmals von der Polizei gesucht worden sei. Diese habe explizit h e- rausfinden wollen, wo in der Schweiz sich seine beiden Söhne aufhalten würden. Dass die beiden Brüder von den syrischen Behörden nicht g e- sucht würden, stimme demnach ebenfalls nicht. D. Mit Verfügung vom 14. März 2011 – eröffnet am 16. März 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab , verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. E. Mit Eingabe vom 15. April 2011 liess der Beschwerdeführer Beschwerde erheben und beantragte, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihm sei Asyl zu gewä h- ren. Eventualiter sei die Unzulässi gkeit bzw. Unzumutbarkeit des We g- weisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Eventualiter sei die Sache zur richtigen und vollständigen Abklärung des E-2233/2011 Seite 4 Sachverhaltes an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. F. F.a Das Bundesverwaltungsgericht hiess die verfahrensrechtlichen A n- träge mit Verfügung vom 29. April 2011 gut. F.b Mit Verfügung vom 23. Juni 2011 wurde die Vorinstanz zur Vernehm- lassung eingeladen. Auf Anfrage d es BFM, ob das Gericht mit einer e r- gänzenden Botschaftsabklärung durch die Vorinstanz einverstanden sei, verlangte dieses die Rücksendung der Akten unter vorläufigem Verzicht auf eine Botschaftsabklärung. G. G.a Mit Verfügung vom 6. Juni 2012 wurde die Vorinstanz – angesichts der Tatsache, dass die Situation in Syrien sich seit Juli 2011 in dramat i- scher Weise verschlechtert hatte – erneut um Vernehmlassung ersucht. G.b Das BFM hob mit Verfügung vom 8. Juni 2012 seinen Entscheid vom 4. März 2011 bezüglich der Ziffern 4 und 5 des Dispositivs wiedererw ä- gungsweise auf und verfügte, die Wegweisung werde zur Zeit wegen U n- zumutbarkeit nicht vollzogen und der Vollzug zu Gunsten einer vorläuf i- gen Aufnahme aufgeschoben. Im Übrigen hielt die Vorinstanz an ihren Erwägungen in der angefochtenen Verfügung fest. G.c Mit Verfügung vom 25. Juni 2012 stellte das Bundesverwaltungsg e- richt die Gegenstandslosigkeit der Beschwerdebegehren den Wegwe i- sungsvollzugspunkt betreffend aufgrund der wiedererwägungsweise a n- geordneten vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers fest und er- suchte um Mitteilung, ob an der Beschwerde (betreffend Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung) festgehalten oder diese zurückge- zogen werden wolle. G.d Der Beschwerdeführer liess mit Schreiben vom 4. Juli 2012 mitteilen, dass er an den in der Beschwerde formulierten Rechtsbegehren festhalte, und nahm zur BFM-Verfügung vom 8. Juni 2012 Stellung. Zudem reichte der Rechtsvertreter eine Kostennote für die Bearbeitung sowohl des vo r- liegenden als auch des Verfahrens E-2234/2011 ein. E-2233/2011 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bunde sgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgese t- zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Der Beschwerdeführer wurde mit Verfügung vom 8. Juni 201 2 in der Schweiz wiedererwägungsweise wegen Unzumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzugs vorläufig aufgenommen und die Dispositivziffern 4 und 5 der Verfügung vom 14. März 2011 wurden aufgehoben. Im Schreiben vom 4. Juli 2012 (vgl. Prozessgeschichte Bst. G.d) wird da- rauf hingewiesen, dass in der Beschwerde die Feststellung der Unzuläs- sigkeit des Wegweisungsvollzug beantragt worden sei, da es bekannte r- massen bei Personen, die nach der Abweisung ihres Asylgesuchs im E-2233/2011 Seite 6 Ausland nach Syrien zurück kehren, immer wieder zu Verhaftungen und Folter komme; dazu habe das BFM sich in der Verfügung nicht geäussert. Soweit damit subjektive Nachfluchtgründe – nämlich erst durch die Flucht und die Asylgesuchstellung im Ausland entstandene drohende Verfolgung (vgl. Art. 54 AsylG) – geltend gemacht werden, ist die Begründetheit di e- ses Vorbringen s im Zusammenhang mit der Anerkennung der Flüch t- lingseigenschaft zu prüfen (nachfolgende E. 6). Hingegen ist festzuste l- len, dass Wegweisungsvollzugshindernisse gemäss Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) alternativer Natur sind; gegen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme der (ab - und weggewiesenen) asylsuchenden Person steht wiederum die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht offen (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 44 Abs. 2 AsylG), wobei in jenem Verfahren sämtl iche Vollzugshindernisse von Amtes wegen und nach Massgabe der dannzumal herrschenden Verhältnisse zu prüfen sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 m.H.a. Entsche i- dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 6 E. 4.2; EMARK 1997 Nr. 27). Damit besteht kein ak- tuelles Rechtsschutzinteresse mehr hinsichtlich des (impliziten) B e- schwerdebegehrens auf Prüfung individueller Vollzugshindernisse , n a- mentlich der Unzulässigkeit des Vollzugs. Die Verfügung vom 14. März 2011 ist, soweit sie sich auf den Wegweisungsvollzugspunkt bezieht (Dispositivziffern 4 und 5), somit insoweit in Rechtskraft erwachsen, als sie diesbezüglich vom Gericht nicht zu überprüfen ist. Da die Feststellung der Undurchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme einer rechtskräftigen Wegweisung bed ürfen, steht die Vollziehbarkeit d ieser beiden Punkte allerdings unter dem Vorbehalt, dass die angefochtene Anordnung der Wegweisung vom Gericht bestätigt wird. Auf Ausführungen zur Unzulässi gkeit des Wegweisungsvollzugs in der Beschwerdeschrift musste die Vorinstanz – soweit sie nicht als Ge l- tendmachung von subjektiven Nachfluchtgründen zu verstehen waren – in ihrer Vernehmlassung nicht eingehen. Prozessgegenstand des Beschwerdeverfahrens bilden somit lediglich die Überprüfung der verweigerten Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, der Asylgesuchsabweisung und der Anordnung der Wegweisung (Dispo- sitivziffern 1-3). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im E-2233/2011 Seite 7 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen au sgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden ; als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbeso ndere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das BFM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, da seine Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermöchten. So habe er als fluchtauslösende Umstände eine rund 16 -monatige Fest- nahme seitens des politischen Sicherheitsdienstes und die gegen ihn an- lässlich der Haftentlassung verfügte n belastenden Auflagen genannt, in- des habe er über diese Ereignisse nicht ausführlich b eziehungsweise nicht in einer Art und Weise berichtet, welche von persönlicher Betroffen- heit zeuge. So hätten seine Ausführungen zur Festnahme am 3. Deze m- ber 2007, zum Gefängnisalltag , zu den Haftumständen, zur Ankunft im Gefängnis in Damaskus, zu den stundenlangen Verhören, zur Haftentlas- sung und zu der ihm auferlegt en Meldepflicht keinerlei Realkennzeichen enthalten. Es sei vielmehr offensichtlich, dass er eine sich zuvor ko n- struierte und ei ngeprägte Verfolgungsgeschichte, die kaum je eine echte Betroffenheit zum Ausdruck bringe, wiedergebe. Weiter habe der B e- schwerdeführer ungereimte Angaben zu den ange blich erlittenen Mis s- handlungen gemacht: Bei der Befragung habe er vorgebracht, er sei a n- lässlich seiner Inhaftierung in Damaskus während der ersten zwei Monate misshandelt und danach nur noch unter psychischen Druck g esetzt wor- den. Diese Aussage impliziere, dass er mindestens während der letzten zehn Monate seiner insgesamt 16 -monatigen Inhaftierung nicht mehr misshandelt worden sei. Im Widerspruch dazu habe der Beschwerdefü h- rer bei seiner Anhörung berichtet, er sei lediglich in den letzten drei Mona-E-2233/2011 Seite 8 ten nicht mehr misshandelt worden. Schliesslich erscheine es im vorli e- genden Länderkontext – insbesondere wegen der häufigen Personenkon- trollen – grundsätzlich realitätsfremd, dass der Beschwerdeführer eine n Briefumschlag mi t offensichtlich äusserst brisantem Inhalt ausgerechnet per Nachtbus nach C._______ habe überbringen wollen . Vielmehr wäre zu erwarten gewesen, dass heikle Parteimaterialien unter möglichst u n- auffälligen Umständen – beispielsweise mit einem zur Hauptreisezeit ver- kehrenden Bus – transportiert würden. Im Lichte dieser Erwägungen würden wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Sachverhalt s- darstellung sprechen. Es müsse daher erheblich daran gezweifelt we r- den, dass er sein Heimatland verlassen habe, weil er dort seitens der B e- hörden Verfolgungsmassnahmen erlitten respektive zu befürchten gehabt habe. Diese Einschätzung würde durch die Botschaftsabklärung bestätigt, wonach der Beschwerdeführer seitens der heimatlichen Behörden nicht gesucht werde. Im Rahmen des dem Beschwerdeführer am 5. Januar 2011 gewährten rechtlichen Gehörs habe er durch seinen Rechtsvertreter erklären lassen, es sei unzutreffend, da ss er seitens der Behörden nicht gesucht werde ; v ielmehr hätten die Abklärungen seitens der Schweizer Vertretung in Damaskus dazu geführt, dass die Polizei seine Familie auf- gesucht habe und von seinem Vater habe wissen wollen, wo in der Schweiz er sich auf halte. Angesichts der erfahrungsgemäss zuverlässig und diskret durchgeführten Abklärungen seitens der Schweizer Botschaft gebe es keine verlässlichen Hinweise, wonach durch diese in Syrien l e- bende Familienangehörige von überprüften Asylsuchenden gefährdet worden wären. Die unbelegten Anschuldigungen müssten daher als reine Schutzbehauptung eingestuft werden. Zusammenfassend könne nicht geglaubt werden, dass der Beschwerde- führer aus Syrien ausgereist sei, weil er dort aus den von ihm geltend gemachten Gründen seitens der Behörden verfolgt worden sei respektive Verfolgungsmassnahmen zu befürchten gehabt habe. Vielmehr sei offen- sichtlich, dass er sein Heimatland "unverfolgt und behördlich kontrolliert " über den Flughafen von Damaskus verlassen habe und bei ein er Rück- kehr nach Syrien keine Verfolgung zu befürchten habe. 5.2 Diesen Erwägungen hielt der Beschwerdeführer in seiner Beschwe r- de zum einen entgegen, die Vorinstanz habe, abgesehen von einer Unge- reimtheit in seinen Vorbringen, keine Widersprüche in den Vorbringen der beiden Brüder gefunden. Deren Aussagen bezüglich des gemeinsam E r-E-2233/2011 Seite 9 lebten würden sich decken; die Schilderungen bezüglich des getrennt vom anderen Erlebten würden keine Widersprüche enthalten. Vielmehr würden sie sich wechselseitig ergänzen. Es sei kaum vorstellbar, dass zwei Personen eine zuvor konstruierte, komplexe Geschichte während mehrstündigen Interviews übereinstimmend und ohne Unstimmigkeiten wiedergeben könnten. Zum anderen würden die Schilderungen entgegen der pauschalen und unbegründeten Feststellung des BFM zahlreiche Re- alkennzeichen aufweisen und seien in sich schlüssig und plausibel. So würden die Ausführungen zahlreiche Details, Schilderungen von wec h- selseitigen Gesprächen, Gefühle und Bezüge zu früher Erwähntem en t- halten. Bezüglich der grundsätzlichen Zuverlässigkeit von Abklärungen durch die Schweizer Botschaft in Damaskus verwies der Beschwerdeführer in se i- ner Rechtsschrift auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. September 2010 (D-3608/2010). Danach sei "in Bezug auf Botschafts- antworten aus Syrien festzu stellen, dass diese in der Regel sehr knapp ausfallen, indem beispielsweise (wie auch im vorliegenden Fall) ohne n ä- here Angaben erklärt wird, die fragliche Person werde von den syrischen Behörden nicht gesucht. Dabei wird weder erläutert, bei welchen Behö r- den nachgeforscht wurde noch ist klar, was genau mit dem Begriff 'ge- sucht' gemeint ist. Derartig rudimentäre Auskünfte mögen allenfalls genü- gen, wenn den Akten keinerlei konkrete Hinweise auf eine asylrelevante Verfolgung durch die Behörden des Heimatlandes zu entnehmen sind." Zudem wurde darauf hingewiesen, dass die Schweizerische Flüchtling s- hilfe (SFH) in ihrem Gutachten vom 7. September 2010 ( AUREL SCHMID, Syrien: Zuverlässigkeit von Botschaftsabklärungen: ‹von den Behörden gesucht› – Auskunft der SFH-Länderanalyse) grosse Bedenken dahing e- hend geäussert habe, ob Botschaftsabklärungen in Syrien tatsächlich stichhaltige Beweise liefern könnten, ob eine Person von den Behörden politisch motivierte Verfolgung zu befürchten habe. Daraus ergebe sich, dass der Beschwerdeführer und sein Bruder ihre Vorbringen glaubhaft gemacht hätten und das BFM daher zu Unrecht darauf verzichtet habe, die Asylrelevanz der Vorbringen zu prüfen. Es sei davon auszugehen, dass die beiden Brüde r im Fall einer Rückkehr in ihr Heimatland einer asylrechtlich relevanten Gefährdung ausgesetzt wären beziehungswiese begründete Furcht hätten, dort ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu erleiden. Dem Beschwerdeführer (und sei- nem Bruder) sei daher die Flüchtlingseigenschaft "zuzusprechen" und ih-E-2233/2011 Seite 10 nen sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Prüfung der Asylrelevanz an die Vorinstanz zurückzuweisen. 5.3 Im Vernehmlassungsverfahren hielt das BFM an seiner ablehnenden Haltung zur Frage der Flüchtlingseigenschaft fest. Es bestritt nicht, dass Abklärungen seitens der Schweizer Vertretung in Damaskus in wenigen Einzelfällen zu unbefriedigenden Resultaten geführt hätten, weshalb das BFM Asylgesuche nicht lediglich gestützt auf Botschaftsauskünft e abwei- se, sondern diese – als weitere Abklärungen im Sinne von Art. 41 Abs. 1 AsylG – komplementär verwende. Dies bedeute, dass solche Abkläru n- gen bei der Entscheidbegründung insbesondere dann beigezogen wü r- den, wenn sie einen auch unter anderen Aspekten unglaubhaften Sach- verhalt inhaltlich bestätigen würden. Das treffe vorliegend zu. Obwohl der Beschwerdeführer die Richtigkeit der Botschaftsabklärungen bestritten und erklärt habe, er habe nie einen Pass besessen und sei auf dem Landweg über die Türkei in die Schweiz gekommen, sei er nicht in der Lage gewesen, seine Reise aus der Türkei in die Schweiz ausführlicher zu schildern. Weiter stehe fest, dass der Beschwerdeführer und sein Br u- der S. ihre Asylgesuche am 14. Januar 2010 eingereicht hätten. Die für die beiden Brüder einzeln durchgeführten Botschaftsabklärungen hätten indes ergeben, dass beide am 22. Dezember 2009 über den Flughafen von Damaskus aus Syrien gereist seien. Falls diese Ergebnisse unzutre f- fend seien, entspreche es einem grossen Zufall, dass die Ausreisdaten sowie die Umstände der Ausreise (Flug nach G._______) übereinsti m- men würden. Zudem seien die Angaben auch stimmig bezüglich des Aus- reisedatums, habe der Beschwerdeführer doch sein Asylgesuch in der Schweiz rund drei Wochen nach seinem Flug von Syrien nach G._______ eingereicht. Auch dies könne kaum ein Zufall sein. Angesichts dessen stehe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass er und sein Bruder S. Syrien kontrolliert mit ihren Reisepässen verlassen hätten und am 22. Dezember 2009 nach G._______ geflogen seien. Diese Ausreiseum- stände seien indessen unvereinbar mit der Behauptung, wonach d ie bei- den zum Zeitpunkt der Ausreise gesucht worden seien. Folglich sei auch die Auskunft der Schweizer Vertretung in Damaskus , wonach der B e- schwerdeführer seitens der Behörden nicht gesucht werde, stimmig und daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zutreffend. 5.4 Dazu nahm der Beschwerdeführer im Schreiben vom 4. Juli 2012 wie folgt Stellung: Er und sein Bruder hätten, um nach G._______ bezie- hungsweise in den Schengen -Raum einreisen zu können, ein Visum b e- nötigt. Wäre ihnen ein Visum ausgestellt worden, dann wären das Datum E-2233/2011 Seite 11 der Visumsausstellung und der Staat, der das Visum ausgestellt habe, in der "Eurodac" -Datenbank ersichtlich gewesen. Das B FM habe gemäss Aktenverzeichnis eine "Eurodac"-Anfrage getätigt, die offenbar aber keine Treffer ergeben habe, da sonst ein Verfahren gemäss der "Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bes timmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines Asylantrags zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in einem Mitgliedstaat gestellt hat" (Dublin -II-Verordnung) ein- geleitet worden wäre. Dass die beiden allenfalls mit gefälschten Päs sen und gefälschten Visa nach G._______ gereist seien, stehe nicht zur Di s- kussion, denn dann hätte die Botschaftsabklärung zu einem anderen E r- gebnis führen müssen. Gegen die Argumentation des BFM und zugun s- ten der Schilderung des Reiseweges durch den Besch werdeführer und seinen Bruder spreche zudem der Ort der Gesuchseinreichung in der Schweiz. Es sei naheliegend, dass die Schlepper die beiden Brüder von Süden herkommend in D._______ aussteigen liessen, damit diese a n- schliessend im dortigen EVZ ein Asylgesu ch stellen konnten. Umgekehrt sei kaum anzunehmen, dass sie von G._______ herkommend nach D._______ gereist wären, wenn sie auch in (andere EVZ Standorte) ein Asylgesuch hätten einreichen können. Daraus folge, dass die Aussagen in der Verfügung des BFM vom 8. Juni 2012, wonach der Beschwerd e- führer und sein Bruder mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gemeinsam und seitens der Behörden kontrolliert mit ihren Reisepässen Syrien ve r- lassen hätten und nach G._______ gereist seien und daher seitens der Behörden nicht gesucht würden, nicht zutreffen würden. Schliesslich stel- le sich die Frage, ob die beiden angesichts der veränderten Situation in Syrien aufgrund objektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft erfüllen würden. Sie seien aramäische r Ethnie. Die derzeitigen Verhält- nisse in Syrien würden sie deshalb als Mitglieder einer ethnischen und re- ligiösen Minderheit objektiv zu Flüchtlingen machen. Gemäss den beige- legten Berichten (Ausdrucke der Internetseite http://ayunion.wordpress.com der Aktionsgruppe JAU [Junge Aramäische Union]) hätten sich in der derzeitigen Bürgerkriegssituation "die bislang künstlich auseinander gebrachten Minderheiten gegen das Assad - Regime verbündet". Die Christen hätten Angst, in ihre Häuser zurückz u- kehren, und würden Angriffe auf Kirchen, Vertreibung und Entführungen befürchten. Als Mitglieder der aramäischen Religion und Ethnie seien sie gefährdet, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. Sie würden daher die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. E-2233/2011 Seite 12 6. 6.1 Das BFM stützte seine Feststellungen zu einem grossen Teil auf die Ergebnisse der Botschaftsabklärung vom 21. März 2010 ab (vgl. E. 5.1 und 5.3). Dazu gilt es festzuhalten, dass die nachfolgenden Ausführungen zur Zuverlässigkeit von Botschaftsabklärungen sich selbstverständlich auf die Lage vor Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien beziehen, zumal die Schweizer Vertretung in Damaskus offiziell am 29. Februar 2012 ihre T ü- re geschlossen hat. 6.2 Soweit der Beschwerdeführer in der Beschwerdesch rift rügt, die Aus- kunft der Botschaft, der Beschwerdeführe r werde von den Heimatbehö r- den nicht gesucht ("Il n' est pas recherché par les autorités syriennes"), lasse nicht grundsätzlich auf das Fehlen eines behördlichen Ergreifung s- interesses schliessen, so ist dieser Einwand nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Wie das Bundesverwaltungsgericht schon mehrfach festg e- stellt hat, können sich in Anbetracht der Struktur des syrischen Gehei m- dienstapparates Zweifel daran ergeben, ob Ahndungsmassnahmen sämt- licher potenzieller Verfolger mit hinreichender Schlüssigkeit abgeklärt werden können (vgl. statt vieler das Urteil D -4731/2009 vom 20. April 2011). Dem Beschwerdeführer ist damit insoweit beizu pflichten, dass diese Auskunft vom Gericht so verstanden wird, die Botschaft könne eine behördliche Suche nach dem Beschwerdeführer nicht bestätigen. 6.3 Indessen ist im vorliegenden Fall kein Grund ersichtlich, weshalb die Angaben der Botschaft zum Zeitpunkt und zu den Umständen der Ausrei- se des Beschwerdeführers anzuzweifeln wären. Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass es den Auss a- gen des Beschwerdeführers zumindest in Bezug auf die Schilderung der Ausreise und der Reiseumstände tatsächlich an Substantiiertheit mangelt (vgl. A1/10 S. 7 f.; A13/23 S. 18 f.). Ferner überzeugen die Erklärungs- und Entkräftigungsversuche in der Stellungnahme vom 4. Juli 2012, wonach ein fehlender "Eurodac" -Treffer und der Standort der Asylgesuchstellung in der Schweiz zugunsten der Sachverhaltsdarstellung des Beschwerde- führers sprechen würden, in keiner Hinsicht. So erweist sich einerseits das Vorbringen, das Datum der Visumsausstellung und der Staat, der das Visum ausgestellt habe (vorliegend G._______), wären in der "Eurodac" - Datenbank ersichtlich gewesen, al s tatsachenwidrig. Die "Eurodac" - Datenbank enthält lediglich Fingerabdrücke von Asylsuchenden und Pe r- sonen aus Drittstaaten, welche sich illegal im Dublin-Raum aufhalten oder die beim illegalen Überqueren der Aussengrenze zu diesem aufgegriffen wurden. And ererseits vermag der vom Beschwerdeführer gewählte E-2233/2011 Seite 13 Standort der Gesuchseinreichung ( D._______ statt [andere EVZ Orte] ) die Botschaftsabklärung in keiner Weise zu widerlegen. Im Hinblick auf die Ausreise des Beschwerdeführers bedeutet das Abklärungsergebnis folglich nichts anderes, als dass dieser Syrien am 22. Dezember 2009 un- ter Verwendung seines eigenen, im Jahr 2009 ausgestellten Reisepasses über den streng kontrollierten internationalen Flughafen von Damaskus legal nach G._______ verlassen konnte. Dies wiederum lässt darauf schliessen, dass er von den syrischen Behörden zum Zeitpunkt seiner Ausreise nichts zu befürchten hatte, da es ihm keinesfalls gelungen wäre, die strengen Passkontrollen zu passieren, wäre er aufgrund der ihm g e- mäss eigenen Angaben zu Unrecht zur Last gelegten politischen Aktivitä- ten den heimatlichen Behörden, insbesondere dem Geheimdienst, b e- kannt gewesen. Mit anderen Worten ergibt sich die Erkenntnis, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt seiner Ausreise von den syrischen B e- hörden nicht gesucht wurde, zwar nicht aus dem entsprechenden Passus in der Botschaftsauskunft, wonach er nicht gesucht werde, sondern aus den offensichtlich vertrauenswürdigen Angaben zu den Modalitäten se i- ner Ausreise über den Flughafen Damaskus in Richtung G._______. 6.4 Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer offensichtlich legal über den Flughafen von Damaskus ausreisen konnte, bewirkt indes nicht ohne weiteres die Unglaubhaftigkeit der angeblich fluchtbegründenden Inhaftie- rung. Allerdings kann diese Frage vorliegend offen gelassen werden, denn zumindest im Ausreisezeitpunkt hatte der Beschwerdeführer nach dem Vorgesagten offensichtlich keine asylrelevante Verfolgung (mehr) zu befürchten. Um asylrelevant zu sein, muss die Verfolgungssituation akt u- ell sein, und es muss zwischen der Verfolgungshandlung und der Flucht ein enger zeitlicher und sachlicher Kausalzusammenhang bestehen. Di e- ser sachliche Kausalzusammenhang ist im vorliegenden Fall klar zu ve r- neinen. Auch unter der Annahme, dass der Beschwerdeführer w ie ange- geben tatsächlich vom syrischen Sicherheitsdienst am 3. Dezember 2007 unter dem (fälschlicherweise gegen ihn erhobenen) Vorwurf illegaler pol i- tischer Aktivitäten festgenommen und unter Folter zu seiner "Kollaborat i- on" mit der "Erklärung von Damaskus " verhört und am 12. April 2009 u n- ter Auferlegung einer jeweils fünfzehntägigen Meldepflicht aus der Haft entlassen wurde, so war er offensichtlich am 22. Dezember 2009 selbst davon überzeugt, dass er nicht (mehr) im unmittelbaren Fokus des staa t- lichen Sicherheitsdienstes stehe. Ansonsten hätte er eine Ausreise über den streng kontrollierten Flughafen von Damaskus nach der allgemeinen Logik des Handelns wohl vermieden, da dort das Risiko viel zu hoch g e- wesen wäre, von den Behörden gefasst zu werden. Damit k ann festge-E-2233/2011 Seite 14 stellt werden, dass zumindest zum Zeitpunkt der Ausreise keinerlei ko n- krete Hinweise auf eine asylrelevante Verfolgung durch die syrischen B e- hörden (mehr) bestanden haben. Folglich wird auf die teilweise zu Recht in der Beschwerdeschrift erhobene n Einwände, die Schilderung des B e- schwerdeführers zur Inhaftierung habe eine Reihe von Realkennzeichen enthalten, wogegen die entsprechenden Vorhalte der Vorinstanz unb e- gründet und unlogisch seien, nicht weiter eingegangen, da sie letztlich nichts an der E inschätzung zu ändern vermögen, dass es diesem Vo r- bringen mangels Aktualität an der Asylrelevanz fehlt. 6.5 Im vorliegenden Fall ist zudem festzuhalten, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers auch unter Berücksichtigung der gegenwärtigen pol i- tischen Entwicklungen in Syrien nicht zur Einschätzung führen, es liege aus heutiger Sicht aufgrund von im Herkunftsstaat vor der Ausreise Erleb- tem eine asylrechtlich relevante Gefährdungssituation vor. 6.6 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, ihm sei angesichts der ve r- änderten Sachlage in Syrien und seiner Ethnie aufgrund objektiver Nac h- fluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft zuzusprechen, erweist sich ebe n- falls als unbegründet. Bei objektiven Nachfluchtgründen handelt es sich um nach der Ausreise entstandene äussere Umstä nde, auf die der Asy l- suchende keinen Einfluss nehmen konnte, und welche zur Verfolgung im Falle einer Rückkehr führen würden. Eine begründete Furcht vor Verfo l- gung gestützt allein auf seine Ethnie, im Sinne einer Kollektivverfolgung, ist auch mit der verän derten politischen Lage nicht zu erkennen und e r- gibt sich auch nicht aus den eingereichten Belegen. 6.7 Schliesslich ist auch in Bezug auf die sinngemäss geltend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe – drohende Verfolgung bei einer Rückkehr aufgrund des Verhaltens nach der Ausreise, namentlich wegen des Auf- enthaltes und der Asylgesuch seinreichung im Ausland (vgl. E. 3 oben) – festzustellen, dass diese Vorbringen nicht geeignet sind, eine flüchtling s- rechtlich relevante Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers zu begrün- den. Im in der Beschwerdeschrift erwähnten "Gutachten des Europäischen Zentrums für Kurdische Studien in Berlin vom 25. November 2009" (vgl. http://www.ecoi.net/file_upload/6_1263981627_16407syr.pdf) werden zwar Fälle zitiert, in denen exilpol itisch nicht (besonders) exponierte Personen nach einem Auslandaufenthalt und erfolgloser Asylgesuchstellung bei der Rückkehr festgenommen, in "ungeeigneten Räumlichkeiten" (z.B. im Ke l- ler oder sonstigen Räumen ohne Licht) inhaftiert und "psychisch gefoltert" (Androhung von Gewalt) wu rden. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen E-2233/2011 Seite 15 Festnahme werde durch bestimmte Aspekte erhöht, namentlich durch exilpolitisches Engagement, parteipolitisches Engagement auf Führung s- ebene, Tätigkeiten in sicherheitsrelevanten (z.B. im militärischen) Berei- chen vor der Ausreise und Denunziation. Der Beschwerdeführer fällt in- des unter keine dieser Kategorien, ist er doch gemäss eigenen Angaben weder im Ausland noch i n der Schweiz je (exil)politisch tätig ge wesen, weshalb die Wahrscheinlich keit einer Festnahme als gering erscheint. Zudem vermöchte das beschriebene Ausmass der drohenden Bestrafung für exilpol itisch nicht aktiv gewesene Personen ( nämlich eine 14-tägige Freiheitsstrafe sowie eine Geldstrafe von umgerech net Fr. 7. – [vgl. http://www.ecoi.net/file_upload/6_1263981627_16407syr.pdf]) die flüch t- lingsrelevante Intensität von Verfolgungsmassnahmen nicht zu erreichen. 6.8 Aus dem Gesagten ergibt sich zusamm enfassend, dass das BFM im Ergebnis zu Recht zur Beurteilung gelangt ist, der Beschwerdeführer h a- be keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft gemacht und erfülle somit die Flüchtlingseigenschaft im Sinne des Art. 3 AsylG nicht. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVG E 2011/24 E. 10.1. m.w.H.). 8. Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Syrien im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG wurde durch das BFM mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen. Auf diesen Punkt ist fol g- lich im vorliegenden Verfahren zufolge eingetretener Gegenstandslosi g- keit nicht weiter einzugehen. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist, Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und E-2233/2011 Seite 16 angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesa g- ten abzuweisen. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens wären an sich r e- duzierte Verfahrenskosten zu e rheben (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde der mit der Beschwerdeschrift gestellte Antrag auf unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 29. April 2011 gutgeheissen, und aufgrund der Aktenlage ist davon au s- zugehen, d ass der Beschwerdeführer nach wie vor bedürftig ist. Somit hat der Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten zu tragen. 10.2 Nachdem die Vorinstanz den angefochtenen Entscheid den Vollzug der Wegweisung betreffend in Wiedererwägung gezogen und wegen U n- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme ang e- ordnet hat, ist der Beschwerdeführer faktisch mit seinen Beschwerdebe- gehren teilweise durchgedrungen. Somit ist ihm eine angemessene, in An- betracht des als hälftiges Obsiegen zu wertenden Prozessausgangs redu- zierte Parteientschädigung zu entrichten (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG; Art. 7 ff. des Reglements vom 11. Dezember 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der gemäss Honorarab rechnung vom 4. Juli 2012 nicht mehrwertsteuerpflichtige Rechtsvertreter hat für die Bearbeitung des vo r- liegenden Verfahrens und des jenigen des Bruders des Beschwerdefü h- renden ( E-2234/2011) einen Aufwand von Fr. 2040. – ausgewiesen. Ge- stützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 -13 VGKE) und in Anbetracht des als angemessen erscheinenden Vertr e- tungsaufwandes ist die Entschädigung für das vorliegende Verfahren zu halbieren (da die Kostennote sich auf zwei Verfahren bezieht) und ang e- sichts des Anteils des Unterliegens hälftig zu kürzen. Mithin sind dem B e- schwerdeführer Fr. 510.– (inkl. Auslagen) zuzusprechen. Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das BFM zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) E-2233/2011 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist, a b- gewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 510.– (inkl. Auslagen) zu entrichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Stöckli Tu-Binh Truong Versand: