B. Gerichtsentscheide 3549 61 2. Obergericht und übrige Gerichte 2.1 Zivilrecht 3549 Ehescheidung. Regelung der Schulden (Art. 166 und 210 ZGB). Wer im Aussenverhältnis Schuldner ist, bestimmt sich nach dem en t- sprechenden Vertrag. Im Innenverhältnis ist zwischen einer güte r- rechtlichen und einer eherechtlichen Betrachtung zu unterscheiden. Aus den Erwägungen: Vorliegend ist offensichtlich, dass bei beiden Ehegatten die Pass i- ven die Aktiven übersteigen und sie deshalb einen Rückschlag erle i- den. Dieser ist nicht zu berücksichtigen (Art. 210 Abs. 2 ZGB). Hinge- gen is t über die Schuldentragung und den Ersatzanspruch aus der Mobiliarverteilung zu entscheiden. Wer im Aussenverhältnis Schuldner ist, bestimmt sich nach dem entsprechenden Vertrag. Haben sich die Ehegatten als Solidarschul d- ner verpflichtet, kann der Gläubige r auswählen, von wem er wie viel fordern will. Im Innenverhältnis ist zwischen einer güterrechtlichen und einer eherechtlichen Betrachtung zu unterscheiden. Güterrechtlich bleibt ein Rückschlag nach Art. 210 Abs. 2 ZGB ausser Betracht. Jeder Ehegatte hat s ein Defizit selbst zu tragen und zwar unabhängig davon, aus welchen Gründen es entstanden ist (U r- teil des Obergerichtes Aargau vom 24. Januar 2006, in: FamPra 2006, S. 728). Aus dem Güterrecht ergibt sich kein Rechtstitel auf Beteil i- gung an einem Passivsal do (Hausheer/Reusser/Geiser, Berner Ko m- mentar, Bern 1992, N 19 zu Art. 210 ZGB). B. Gerichtsentscheide 3550 62 Eherechtlich haftet jeder Ehegatte für seine Schulden mit seinem ganzen Vermögen (Art. 202 ZGB). Für Schulden, die vom anderen Ehegatten begründet worden sind, entsteht diese Haftung nur, wenn aufgrund der Vorschriften über die Vertretung der ehelichen Gemei n- schaft (Art. 166 ZGB) oder gestützt auf das Recht der Stellve rtretung eine Vertretungsmacht zugunsten des anderen Ehegatten nachg e- wiesen ist. Nach Art. 166 ZGB vertritt jed er Ehegatte die eheliche Gemeinschaft für die laufenden (Abs. 1) und im Falle der Ermächt i- gung des anderen Gatten oder bei Dringlichkeit auch für die übrigen Bedürfnisse der Familie (Abs. 2). Die Vertretungsordnung spielt j e- doch nur während der Dauer des Z usammenlebens der Ehegatten (FamPra 2006 S. 727). Muss ein Ehegatte für die von ihm gege nüber Dritten begründeten Unterhaltsschulden im Verhältnis unter den Eh e- gatten nicht aufkommen, kann er seinen Unterhaltsanspruch nach Art. 163 ZGB gegenüber dem andere n Ehegatten geltend machen und auf diesem Weg den Ersatz seiner Auslagen erhalten. Solche Leistungen können aller dings nur für das Jahr vor Einreichung des Begehrens gefordert werden (FamPra 2006 S. 727). Wurde die Grundlage der Forderung während der Ehe g elegt, läuft die Einjahres- frist ab dem Trennungsdatum und wurde sie nachher b egründet, läuft sie ab diesem Zeitpunkt. KGer 11.01.2010 3550 Ehescheidung. Berufliche Vorsorge. Angemessene Entschädigung, wenn bei einem Ehegatten der Vorsorgefall bereits einge treten ist (Art. 124 Abs. 1 ZGB). Verzinsung der angemessenen Entschädigung. Sachverhalt: Die Austrittsleistung der Appellantin bei der Pensionska s- se A & C AG betrug per 31. Oktober 2009 Fr. 7'330.20. Per 31. Juli 2010 ist sie auf Fr. 9'257.50 angewachsen. Diese hat die A p- pellantin vollumfänglich während der Ehe erworben. Der Appellant verfügt seit seiner Pensionierung im J ahre 2006 über kein Pensionskassenguthaben mehr. Er hat sich die Austrittslei s- tung der Pensionskasse in Höhe von Fr. 8'891.30 sowie sei n Freizü-