Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. März 2020 (720 19 221 / 43) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf Umschulung verneint, da keine 20%ige Erwerbseinbusse vorliegt Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin i.V. Esther Zäch Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff Berufliche Massnahmen A. Der 1978 geborene A.____ absolvierte in den Jahren 1997 bis 2001 eine Ausbildung zum Schaltanlagenmonteur. Aufgrund einer als Kind erlittenen Hirnblutung, welche eine Halbsei- tenlähmung nach sich zog, unterstützte ihn die Invalidenversicherungsstelle X.____ dabei. Nach bestandener Ausbildung arbeitete er bis Ende 2004 bei verschiedenen Arbeitgebern als Schalt- anlagenmonteur. Ab dem 1. Februar 2005 bis zum 31. M ai 2016 war er mit einem Pensum von 100 % bei der B.____ GmbH als Maschinist tätig. Nachde m sein Pensum ab dem 1. Juni 2016 aus wirtschaftlichen Gründen auf 50 % reduziert wurde, löste die Arbeitgeberin das Arbeitsver- hältnis in der Folge ganz auf. Am 14. Juni 2016 melde te sich A.____ bei der Eidgenössischen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. In der Folge unterstützte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) den Versicherten mit Massna hmen zur beruflichen Eingliederung. Mit dieser Unterstützung konnte er bei der C.____ für neun Monate im Bereich Elektronik sowie dem Berufsfeld Automatikmonteur berufliche Fertigkeite n erlernen. Des Weiteren konnte er bei der D.____ AG für sechs Monate Erfahrungen im ersten Arbeitsmarkt sammeln. Der Versicherte wurde zusätzlich ab März 2018 bis Januar 2019 durch individuelles Coaching mit aktiver Stellen- suche unterstützt. Mit Verfügung vom 20. Mai 2019 lehnte die IV-Stelle – nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens – den Anspruch auf weitere berufl iche Massnahmen ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, am 24. Juni 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, die Verfügung vom 20. Mai 2019 sei aufzuhe- ben und es sei festzustellen, dass er Anspruch auf berufl iche Massnahmen habe. Zur Begrün- dung führte er im Wesentlichen aus, er sei in seinem gelernten Beruf als Schaltanlagenmonteur nicht mehr arbeitsfähig und habe damit Anspruch auf eine Umschulung. Zudem habe er als un- gelernter Arbeitnehmer einen geringeren Verdienst und ein grösseres Risiko, die Stelle zu verlie- ren und insbesondere schlechtere Chancen im Falle der Arbeitslosigkeit eine neue Stelle zu fin- den. Schliesslich erwähnte er, ab Juli 2019 könne er e ine neue Arbeitsstelle bei der E.____ AG als CAD-Zeichner / technischer Sachbearbeiter antreten. C. In ihrer Vernehmlassung vom 5. August 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. Beim Versicherten sei im Wesent lichen die für eine Umschulung not- wendige Voraussetzung einer 20 %igen Erwerbseinbusse nicht gegeben. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt der Beschwerdeführer in seiner Replik vom 4. November 2019 an dem in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren fest. Jedoch liess er mitteilen, die E.____ AG habe ihm per 7. Oktober 2019 gekündigt, da er aufgrund seiner kör- perlichen und kognitiven Einschränkungen nicht in der Lage gewesen sei, die ihm übertragenen Aufgaben zu erfüllen. E. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Duplik vom 3. De zember 2019 nach wie vor die Abwei- sung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. 1.2. Die formellrechtliche Zulässigkeit eines Feststellu ngsbegehrens setzt als Sachurteils- voraussetzung ein schutzwürdiges Interesse des Beschwerdefüh rers rechtlicher oder tatsächli- cher Natur an der verlangten Feststellung voraus, dass best immte Rechte oder Pflichten beste- hen oder nicht bestehen. Nur wenn ein unmittelbares und aktuelles Rechtsschutzinteresse in diesem Sinn vorliegt, sind Feststellungsbegehren zulässig. An einem schutzwürdigen Interesse am Erlass eines Feststellungsentscheides fehlt es namentl ich dann, wenn das Rechtsschutzin- teresse der Beschwerdeführerin durch ein rechtsgestaltendes Urteil gewahrt werden kann (BGE 125 V 24 E. 1b mit Hinweisen, 122 V 30 E. 2b; F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 151 f.). 1.3 Der Beschwerdeführer beantragte in seiner Beschwe rde vom 24. Juni 2019 die Verfü- gung der Beschwerdegegnerin vom 20. Mai 2019 sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass er Anspruch auf berufliche Massnahmen habe. Grundsätzl ich kann auf dieses Feststellungsbe- gehren nicht eingetreten werden, da auch ein Leistung sbegehren möglich ist. Jedoch kann das Begehren mit Hilfe der Begründung in der Beschwerde sinngemäss als Leistungsbegehren inter- pretiert werden. Mit dieser Einschränkung ist auf die i m Weiteren form- und fristgerecht einge- reichte Beschwerde einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle die b eruflichen Massnahmen – insbesondere den Umschulungsanspruch – zu Recht eingestellt hat. 3.1 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide oder von ein er Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notw endig und geeignet sind, die Er- werbsfähigkeit wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzun- gen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfü llt sind (lit. b). Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Art. 8 Abs. 1 bis IVG). Laut Art. 8 Abs. 3 IVG bestehen die Einglieder ungsmassnahmen unter anderen in Massnahmen beruflicher Art (lit. c). Zu diese n gehören die Berufsberatung (Art. 15 IVG), die erstmalige berufliche Ausbildung (Art. 16 IVG), die Umschulung (Art. 17 IVG), die Ar- beitsvermittlung (Art. 18 Abs. 1 IVG), der Arbeitsversuch (Art. 18a IVG), Einarbeitungszuschüsse (Art. 18b IVG), Entschädigungen für Beitragserhöhungen (Art. 18c IVG) sowie die Kapitalhilfe (Art. 18d IVG). 3.2 Versicherte haben Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurc h die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IV G). Unter Umschulung ist dabei grund- sätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbil dender Art zu verstehen, die not- wendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invali dität bereits erwerbstätig gewesenen versi- cherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwer tige Erwerbsmöglichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der „annähernden Gleichw ertigkeit“ nicht in erster Linie auf das Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Ver- dienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungs- zweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Um- ständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will di e Eingliederung lediglich so weit si- cherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber a uch genügend ist (BGE 130 V 488 E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts vom 8. August 2008, 8C_163/2008, E. 2.2). 3.3 Invalid im Sinne von Art. 17 IVG ist eine versichert e Person, wenn sie wegen der Art und Schwere des eingetretenen Gesundheitsschadens in den bi sher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offenstehenden no ch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsein busse von etwa 20 % erleidet; dabei be- misst sich die Einbusse an dem vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten Erwerbseinkom- men (BGE 124 V 108). Bei der Erheblichkeitsschwelle vo n 20 % handelt es sich um einen von der Rechtsprechung entwickelten Richtwert. Hintergrund der Erheblichkeitsschwelle sind die re- lativ hohen Kosten einer Umschulung; so widerspricht es dem Verhältnismässigkeitsgrundsatz, wenn die Kosten einer Umschulung jene der auszugleichenden Erwerbseinbusse erheblich über- steigen. Dabei wird allerdings ausser Acht gelassen, da ss unter den Umschulungsbegriff nicht nur (teure) Berufsausbildungen, sondern auch weniger kostspielige Massnahmen, wie eine kurze oder berufsbegleitende Ausbildung, fallen. Immerhin st ellt die Erheblichkeitsschwelle von 20 % keine starre Grenze dar: Insbesondere bei Berufen mit tiefen Anfangslöhnen berücksichtigt die Rechtsprechung neben den aktuellen Verdienstmöglichkeiten im Rahmen einer Prognose auch weitere Faktoren, wie Lohnentwicklung und Aktivitätsdauer. Regelmässig berücksichtigt wird ins- besondere die zu erwartende zukünftige Einkommensentwi cklung in der ursprünglich gelernten und einer allfälligen Hilfstätigkeit (BGE 130 V 488 E. 4.2; 124 V 108 E. 3; Urteil des Bundesge- richts vom 11. Januar 2018, 8C_808/2017, E. 3). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren u nd der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende I nstanz und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen ann ehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat die rechtsanw endende Behörde ihren Ent- scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mögl ichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Verwaltung und Gericht haben vielmehr jener Sachver- haltsdarstellung zu folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrschein- lichste würdigen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). 4.2 Ausgangspunkt der Ermittlung der Invalidität bild et die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 4.3 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Ve rfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE 132 V 99 f. mit weiteren Hinweisen). 4.4 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerich tsbeschwerdeverfahren gilt ferner der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversi- cherungsgericht die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie um- fassend und pflichtgemäss zu würdigen (Art. 61 lit. c AT SG; R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N 1001). Für das Beschwerdeve rfahren hat dies zur Folge, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel – unabhängig davon, von wem sie stammen – ob- jektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. 5. Der strittigen Angelegenheit liegen im Wesentlich en die folgenden medizinischen Unter- lagen zu Grunde. 5.1 Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin u nd Infektiologie, führte in ihrem Be- richt vom 19. Juli 2017 aus, der Versicherte habe seit der Kindheit körperliche Einschränkungen aufgrund einer Hirnblutung mit einer teilweisen Halbseitenlähmung auf der linken Seite und eine Nervenschwäche am Bein, weswegen er eine Schiene trage. Durch einen Verkehrsunfall im Jahre 2007 sei es zusätzlich zu einer komplizierten Verle tzung am rechten Unterschenkel ge- kommen, welcher mehrfach habe operiert werden müssen. A ls Spätfolge beider Ereignisse be- stünden nun zunehmende Schmerzen sowohl der Hüftgelenke sowie des Rückens, welche mit den jahrelangen Fehlbelastungen und durch Kompensatio n der lokalen Einschränkungen jetzt vermehrt die Beweglichkeit einschränken würden. Für Dr. F.____ sei es plausibel, dass eine un- eingeschränkte Belastbarkeit im angestammten Beruf als Schaltanlagenmonteur nicht mehr mög- lich sei. 5.2 Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst beider Basel (RAD), hielt im Bericht vom 21. September 2017 fest, es liege mindestens eine Einschrän- kung von 20 % in der angestammten Tätigkeit als gelernte r Schaltanlagenmonteur vor. In der letzten Tätigkeit als Maschinist bei der B.____ GmbH sei keine Einschränkung vorhanden gewe- sen, da der Versicherte dort zu 100 % gearbeitet habe und ihm aus rein wirtschaftlichen Gründen gekündigt worden sei. Als negatives Zumutbarkeitsprofil hält Dr. G.____ folgendes fest: keine schweren Arbeiten/Lasten; keine andauernden mittelschwe ren Arbeiten/Lasten; keine Zwangs- haltungen; kein repetitives Bücken; kein unebener Boden; keine Gerüste. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Gemäss Abschlussbericht der Eingliederungsmassnahmen vom 11. März 2019 sei beim Beschwerdeführer bei der C.____ vom 23. Oktober 2017 bis zum 21. Januar 2018 eine Abklärung durchgeführt worden. Nachfolgend habe er bei derselben Institution ein sechsmonatiges Arbeits- training absolviert. Dabei habe er ein Pensum von 100 % einhalten können. Jedoch habe er nach etwa zwei Stunden stehender Tätigkeit bzw. nach etwa d rei Stunden sitzender Tätigkeit einen Wechsel der Haltung gebraucht. Es sei von Anfang an sichtbar gewesen, dass der Beschwerde- führer gute feinmotorische Fertigkeiten habe. Er habe in der Berufsbildungsabteilung Elektronik sowie für einen Einsatz in der Produktion Elektro gear beitet. Des Weiteren habe er diverse Ar- beiten aus dem Berufsfeld Automatikmonteur erledigt und so zusätzlich berufsspezifische Fertig- keiten erlernen können. Ab dem 22. April 2018 sei da s Pensum auf 80 % reduziert worden und dem Beschwerdeführer ein Coach zur Unterstützung bei der Stellensuche im ersten Arbeitsmarkt zur Seite gestellt worden. Dadurch sei ein sechsmonatiger Einsatz bei der D.____ AG im ersten Arbeitsmarkt zustande gekommen. Eine Festanstellung habe sich daraus jedoch nicht ergeben. Nach Abschluss der Eingliederungsmassnahmen habe sich der B eschwerdeführer bei der Ar- beitslosenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefocht enen Verfügung vom 20. Mai 2019 im Wesentlichen auf den Standpunkt, der Umschulungsans pruch sei nicht gegeben, weil keine Erwerbseinbusse von 20 % vorliege. In der Tätigkeit als M aschinist bestünden gestützt auf den Bericht des RAD vom 21. September 2017 keine gesundheit lichen Einschränkungen. Die IV- Stelle habe den Beschwerdeführer aus Kulanz mit Massnahme n zur beruflichen Integration un- terstützt. Des Weiteren habe der Beschwerdeführer bei der B.____ GmbH zuletzt Fr. 4'950.-- pro Monat verdient, wobei der Durchschnittslohn für einen Schaltanlagenmonteur bei Fr. 5'120.-- pro Monat und jener des CAD-Maschinisten bei Fr. 5'870.-- pro Monat liege. Somit erübrige sich die Argumentation über den Einkommensvergleich gänzlich. Schliesslich sei auch unter Berücksich- tigung der bei der erlernten Tätigkeit als Schaltanlagenmonteur zu erwartenden Lohnentwicklung mit der Zeit von keiner 20 %igen Erwerbseinbusse zu rechnen. Der Beschwerdeführer habe auch bei der Tätigkeit als Maschinist eine Lohnsteigerung erfahren. So sei sein jährliches Einkommen vom Jahr 2005 bis ins Jahr 2015 um Fr. 4'707.-- gestiegen. 7.2 Der Beschwerdeführer entgegnet, die von der Beschwe rdegegnerin geltend gemachten Durchschnittslöhne seien in keiner Weise nachvollziehbar. Schliesslich müsste auch ohne eine Erwerbseinbusse von 20 % der Umschulungsanspruch bejaht we rden, denn er habe als unge- lernte Arbeitskraft einen geringeren Verdienst. Zudem habe er als ungelernte Arbeitskraft ein grösseres Risiko, eine Stelle zu verlieren und insbeson dere auch viel schlechtere Chancen, im Fall der Arbeitslosigkeit eine neue Stelle zu finden. D es Weiteren zeige der Verlust seiner Ar- beitsstelle bei der E.____ AG seine Einschränkungen. Er sei aufgrund seiner körperlichen und kognitiven Einschränkungen nicht in der Lage gewesen, die ihm übertragenen Aufgaben zu er- füllen. 8.1 Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden, wie s ich den nachfolgenden Ausführungen entnehmen lässt. Der Beschwerdeführer verfügt über eine Ausbildung zum Schaltanlagenmon- teur. Unbestritten ist, dass er diese Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann. Die Tätigkeit als Maschinist bei der B.____ GmbH üb te der Versicherte in einem Pensum Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 100 % während rund elf Jahren aus. Die Kündigung e rfolgte aus rein wirtschaftlichen Grün- den. Dies geht aus dem Arbeitgeberfragebogen der B.____ GmbH vom 22. Juni 2016 hervor und wird überdies vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Es ist somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in der Tätigkeit als Maschinist zu 100 % arbeitsfähig gewesen ist. Gestützt auf die Abklärungen der C.____ sowie den Bericht von Dr. G. ____, RAD, vom 21. September 2017 ist anzunehmen, dass der Beschwerdeführer auch in einer anderen angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. Schliesslich ist anzumerken, dass keinerlei Hinweise vorhanden sind, dass sich die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers in der Zwischenzeit verschlechtert hätte. 8.2 Die Beschwerdegegnerin zeigt in der angefochtenen Verfügung vom 20. Mai 2019 sowie in ihrer Vernehmlassung vom 5. August 2019 durch statistische Lohnangaben schlüssig auf, dass der Durchschnittsverdienst als Schaltanlagenmonteur unter jenem eines Maschinisten liegt. Der Beschwerdeführer legt dagegen in keiner Weise dar, we shalb diese Einkommenszahlen nicht nachvollziehbar sein sollten. Zwar fällt sein Einkomme n als ungelernte Arbeitskraft wohl etwas tiefer aus. Jedoch verdiente er bei der B.____ GmbH mon atlich Fr. 4'950.--, was im Vergleich zum Durchschnittseinkommen eines Schaltanlagenmonteurs zu keiner relevanten Erwerbsein- busse führt. Bei der E.____ AG konnte er gar ein monatliches Einkommen von Fr. 5'500.-- erzie- len, was über dem Durchschnittslohn eines Schaltanlagenmo nteurs liegt. Zu beachten ist schliesslich, dass der Beschwerdeführer bei einer neuen Anst ellung auf seine Fertigkeiten als gelernter Schaltanlagenmonteur und seine elfjährige Berufserfahrung als Maschinist zurückgrei- fen kann. Zu keinem anderen Ergebnis würde die Anwendung der T abellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statisti k 2016, Tabelle TA1, Privater Sektor führen: Die Tätigkeit des Beschwerdeführers sowohl als Schaltanlagenmonteur als auch als Ma- schinist fällt unter einen der Sektoren «Herstellung vo n Datenverarbeitungsgeräten, elektroni- schen und optischen Erzeugnissen», «Herstellung von elektrisch en Ausrüstungen» oder «Ma- schinenbau». Welcher Sektor konkret betroffen ist, kann o ffenbleiben. Als Valideneinkommen gelangt das jeweilige Einkommen im Kompetenzniveau 2, Männer zur Anwendung, wobei als Invalideneinkommen die jeweilige Spalte Kompetenzniveau 1, Männer relevant ist. Bei einer Ge- genüberstellung dieser Validen- und Invalideneinkommen resultiert ein Invaliditätsgrad von höchstens 11.5 %. Folglich ist davon auszugehen, dass der gesundheitlich bedingte Berufswech- sel keine 20 %ige Erwerbseinbusse mit sich gebracht hat bzw. noch bringen wird. 8.3 Schliesslich rechtfertigt sich unter Berücksichtigung d es Lebensalters des Beschwerde- führers und der damit verbleibenden Aktivitätsdauer auch nicht, ausnahmsweise vom Erfordernis der Mindesterwerbseinbusse von 20 % abzuweichen (vgl. E. 3.3). Dasselbe gilt für die vom Be- schwerdeführer geltend gemachten Nachteile, wonach er als ungelernte Arbeitskraft ein grösse- res Risiko habe, die Stelle zu verlieren und im Falle d er Arbeitslosigkeit schlechtere Chancen, eine neue Stelle zu finden. Wie die Beschwerdegegneri n zutreffend ausführt, lässt sich sein Ar- gument, er habe drei Jahre gebraucht, um nach dem Ve rlust der Arbeitsstelle bei der B.____ GmbH eine neue Stelle zu finden, nicht bestätigen. E r nahm ab Oktober 2017 bis Ende Januar 2019 an Eingliederungsmassnahmen teil, wobei er nach deren Abschluss nach relativ kurzer Zeit Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht – nach rund fünf Monaten – die neue Stelle bei der E.____ AG antreten konnte. In Bezug auf den Verlust dieser Stelle ist schliesslich festzuhalten, dass dies k eine Rückschlüsse auf die Frage eines Umschulungsanspruchs zulässt. Im Kündigungsschreiben hält die E.____ AG fest, der Be- schwerdeführer habe die ihm übertragenen Aufgaben durch kognitive und körperliche Beeinträch- tigungen nicht erfüllen können. Dies hätte eine länge re Einarbeitungszeit als üblich zur Folge gehabt, was ihr kleines Arbeitsteam überfordert hätte. Daraus kann geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer das 100 %-Pensum hätte behaupten können, falls ein Arbeitsteam vor- handen gewesen wäre, das die zeitlichen Ressourcen für eine Einarbeitung des Versicherten gehabt hätte. 8.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die für den Um schulungsanspruch vorausge- setzte 20 %ige Erwerbseinbusse im vorliegenden Fall nicht gegeben ist. Zudem liegen keine Um- stände vor, welche den Verzicht auf diese Mindesterwerb seinbusse rechtfertigen würden. Des Weiteren sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche eine andere berufliche Massnahme – ne- ben dem Anspruch auf eine Umschulung – rechtfertigen wü rden. Dies wird denn auch vom Be- schwerdeführer nicht geltend gemacht. Die Beschwerdegegnerin hat somit den Anspruch auf be- rufliche Massnahmen zu Recht abgelehnt, weshalb sich die Beschwerde als unbegründet erweist und abzuweisen ist. 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens ei nheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Reg el der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerde führer unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten ihm aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Entsprechen d dem Ausgang des Verfahrens ist keine Parteientschädigung auszurichten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.