Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. September 2021 (720 19 358 / 247) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Deborah Büttel, Rechts- anwältin, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1971 geborene A.____ arbeitete zuletzt bis Ende März 2017 als Pflegeassistent beim B.____-Spital. Am 12. Juli 2016 meldete er sich unter Verweis auf eine depressive Entwick- lung, Schwindel und starken Tinnitus beidseitig bei de r Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheit lichen und erwerblichen Verhält- nisse und durchgeführtem Vorbescheidverfahren lehnte die IV-Stelle die Ausrichtung einer Rente aufgrund eines nach der allgemeinen Methode des Einkom mensvergleichs ermittelten Invalidi- tätsgrades von 32 % mit Verfügung vom 2. Oktober 2019 ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Deborah Büttel, mit Schreiben vom 4. November 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-La ndschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzu- heben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem B eschwerdeführer ab 1. Januar 2017 basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % eine ganze Invalidenrente zuzuspre- chen und auszurichten. Eventualiter sei ein zufallsbasiert es polydisziplinäres gerichtliches Gut- achten in den Fachrichtungen Neurochirurgie, Rheumatol ogie und Psychiatrie einzuholen und nach Vorliegen des Gutachtens neu über den Leistungsanspruch zu entscheiden. Subeventuali- ter sei die Streitsache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese zu verpflichten, ein zufallsbasiertes polydisziplinäres gerichtliches Gutachten in den Fachrichtungen Neurochirurgie, Rheumatologie und Psychiatrie einzuholen; alles unter o/e-Kostenfolge. Ausserdem ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. C. Mit Verfügung vom 5. Dezember 2019 bewilligte da s Kantonsgericht dem Beschwerde- führer die unentgeltliche Prozessführung und die unent geltliche Verbeiständung mit Advokatin Deborah Büttel als Rechtsvertreterin. D. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 16. Dezember 2019 die Abweisung der Beschwerde. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 19. März 2020 ge langte das Kantonsgericht zur Auf- fassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Es beschloss deshalb, den Fall auszustellen und ein psychiatrisches Gerichtsgutachten bei Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, von der Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) einzuholen. Gleichzeiti g unterbreitete das Gericht den Par- teien den vorgesehenen Fragenkatalog. Die Beschwerdegegnerin teilte mit Schreiben vom 8. Mai 2020 mit, dass sie keine Einwände gegen die Gutachteri n und keine Ergänzungsfragen habe. Nachdem der Beschwerdeführer innert peremptorisch angesetzter Frist keine Stellungnahme ab- gegeben hatte, erteilte das Gericht Dr. C.____ mit Schreiben vom 8. Juli 2020 den Gutacherauf- trag. F. Das von Dr. C.____ erstellte Gerichtsgutachten datiert vom 21. Dezember 2020. In der Folge wurde den Parteien Gelegenheit gegeben, sich zum Gutachten sowie zu den Auswirkun- gen der medizinischen Beurteilung auf den Leistungsanspruch zu äussern. Die Beschwerdegegnerin führte mit Schreiben vom 26. Januar 2021 unter Hinweis auf eine Stel- lungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) aus, es würden Anhaltspunkte dafür be- stehen, dass die Gutachterin durch die Drohungen des Beschwerdeführers im Rahmen der Be- gutachtung beeinflusst worden sein könnte. Es sei ausserdem kein Rückzug in allen Lebenslagen auszumachen. Weiter sei auf die bestehenden Ressourcen des Beschwerdeführers hinzuweisen. Sollte das Gericht auf das Gutachten abstellen, so ergebe sich gestützt auf die gutachterlich fest- gelegte 50%ige Arbeitsunfähigkeit und aus dem vorzunehmenden Einkommensvergleich ein IV- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grad von 52 % und somit ein Anspruch auf eine halbe Rente. Eine allfällige Rente wäre frühes- tens ab Januar 2017 auszurichten. Der Beschwerdeführer hielt mit Schreiben vom 13. Januar 2020 (Eingang am Kantonsgericht am 28. Januar 2021) fest, es sei nicht nachvollziehbar, we shalb Dr. C.____ lediglich eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigke it festgestellt habe und nicht auf den Ar- beitsversuch auf der Bettenstation des B.____-Spitals abgestellt habe. Der Arbeitsversuch sei mit einem Pensum von täglich zwei Stunden begonnen worden. Eine Steigerung auf drei Stunden sei nicht möglich gewesen, sondern das Pensum habe nach kurzer Zeit wieder auf zwei Stunden reduziert werden müssen, bevor der Arbeitsversuch letztlich vorzeitig erfolglos habe beendet wer- den müssen. Dr. C.____ habe lediglich die Einschränkungen durch die narzisstische Persönlich- keitsstörung berücksichtigt, nicht jedoch die Beeinträchtigung durch die Schlafstörungen und den Tinnitus. Es sei davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführ er in einer leidensangepassten Tätigkeit ein Pensum von maximal zwei Stunden täglich zumutbar sei. Das Arbeitsplatzprofil sei mit derart viel Vorbehalten beschrieben, dass nicht von einer 20%igen Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ausgegangen werden könne, sondern d ass sich diese Arbeitsfähigkeit auf einen Arbeitsplatz im geschützten Rahmen beziehe. In Bezug auf den Verlauf sei davon auszu- gehen, Dr. C.____ habe aufzeigen wollen, dass seit November 2015 auch in einer leidensange- passten Tätigkeit maximal eine 20%ige Arbeitsfähigkeit habe attestiert und erreicht werden kön- nen, weshalb ab 1. Januar 2017 ein Anspruch auf eine ganze Rente bestehe. Sollte das Gericht an der Beurteilung von Dr. C.____ festhalten, wäre bi s Ende Dezember 2020 eine befristete ganze Rente und ab Januar 2021 eine halbe Rente zuzusprechen. G. Nachdem der Fall mit Verfügung vom 12. Februar 202 1 dem Gericht erneut zur Beurtei- lung überwiesen worden war, nahm der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 13. Januar 2020 (Eingang am Kantonsgericht am 19. März 2021) nochmals S tellung. Er führte im Wesentlichen aus, dass eine allfällige verbleibende Arbeitsfähigkeit nicht mehr verwertbar sei. H. Mit Eingabe vom 14. April 2021 hielt die IV-Stell e fest, dass eindeutig von der Verwert- barkeit der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte – Be- schwerde vom 4. November 2019 ist demnach einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfä-hig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutb are Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and ern Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur-sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltend e somatoforme Schmerzstö- rung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden (vg l. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur (B GE 143 V 409, 143 V 418), sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berücksichti- gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät- zen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4-3.6 und 4.1). Gemäss altem Verfahrensstandard (z.B. BGE 130 V 352) eingeholte Gutachten verlieren nicht per se i hren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen s pezifischen Gegebenheiten und den er- hobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abste llen auf die vorhandenen Beweis- grundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh-rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzi elen könnte (Invalideneinkom-men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen kö nnte, wenn sie nicht invalid ge- worden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergle ich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau er- mittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus de r Einkommensdifferenz lässt sich der In- validitätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). 3.3 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d des Versicherten nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs bemessen, was vom Beschwerdeführer – zu Recht – nicht bestritten wird. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Aus- künfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Per- son noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu-ge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des m edizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergut- achten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerung en gelangt. Eine abweichende Be- urteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gege nsätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis de s Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). Im Weiteren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezial- ärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auc h der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6. Die IV-Stelle wies das Leistungsbegehren mit Verfüg ung vom 2. Oktober 2019 ab. Sie stützte sich dabei auf das von ihr zur Abklärung des medizinischen Sachverhaltes in Auftrag ge- gebene polydisziplinäre Verwaltungsgutachten des BEGAZ vom 1. Februar 2019 in den Diszipli- nen Psychiatrie, Otorhinolaryngologie und Neurologie sowie die Stellungnahme des BEGAZ vom 12. März 2019. Die Gutachter kamen zum Schluss, dass in d er angestammten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit und in einer adaptierten Tä tigkeit ohne Zeitdruck, ohne dass sich der Beschwerdeführer dauernd neuen Situationen anpassen müsse, wo keine starken sozialen Inter- aktionsmöglichkeiten bestehen würden und der Beschwerdeführer nicht in einem Team arbeiten müsse, eine Arbeitsfähigkeit von 70 % bestehe. Gestützt auf das Gutachten ging die IV-Stelle davon aus, dass der Beschwerdeführer in einer Verweistätigkeit zu 70 % arbeitsfähig ist. 6.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen. Anlässlich der ersten in dieser Angelegenh eit erfolgten Urteilsberatung vom Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 19. März 2020 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass den dazumal vorliegenden me- dizinischen Unterlagen keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. Das Kantonsgericht gelangte zum Schluss, dass dabei insbesondere auf das psychiatrische Teil- gutachten von Dr. med. D.____ nicht abgestellt werden könne. So habe Dr. D.____ den Arbeits- versuch nicht berücksichtigt bzw. habe eine Auseinandersetzung damit nicht stattgefunden. Wei- ter sei aufgefallen, dass die von E.____, lic. phil., P sychotherapeutin FSP, attestierte narzissti- sche Persönlichkeitsstörung vom Gutachter zwar durchaus habe nachvollzogen werden können. Eine Begründung, warum diese Diagnose keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit haben solle, sei aber ausgeblieben. Dr. D.____ habe neben der nar zisstischen Persönlichkeit (ohne Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit) eine rezidivierende depressive Störung aktuell leicht bis mittelgradig mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert. Er habe dann aber ausgeführt, es sei an- zunehmen, dass diese affektiven Schwankungen oder rezidivierenden depressiven Störungen im Rahmen der Persönlichkeit zu interpretieren seien und nicht als eigenständige Störung und daher auch ungenügend auf die medikamentösen Massnahmen ansprechen würden. Dies müsse wohl so verstanden werden, dass die Probleme letztlich durch di e Persönlichkeitsstörung begründet seien. Das Gericht erachtete die Diagnosestellung nich t als schlüssig und hielt fest, dass eine eigentliche Herleitung der Diagnosen nicht bzw. nur seh r oberflächlich stattgefunden habe. Des Weiteren sei auch die Indikatorenprüfung sehr oberflächlich ausgefallen (vgl. dazu die ausführli- che Begründung im Beschluss des Kantonsgerichts vom 19. März 2020). 7. Am 21. Dezember 2020 ergeht das Gutachten von Dr. C .____ gestützt auf die Explora- tion vom 14. September 2020. Dr. C.____ hält als Di agnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit eine narzisstische Persönlichkeitsstörung (ICD10: F6 0.8) sowie eine rezidivierende de- pressive Störung, ggw. remittiert (ICD10: F33.4), fest. Eine Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde nicht gestellt. In der Beurtei lung gelangt die Gutachterin zum Schluss, dass anhand der subjektiven Angaben des Exploranden, den zu objektivierenden Befunden in der Untersuchungssituation und vor allem auch anhand der Aktenlage beim Exploranden die Di- agnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung nachvollzogen werden könne. Der narzissti- schen Persönlichkeitsstörung zugrundeliegend sei ein brüchiges Selbstwertgefühl, das hinter ei- ner selbstbewussten Fassade versteckt werde. Betroffene Personen würden vor allem im späte- ren Arbeitsleben durch diverse Konflikte und Arbeitsleistungen auffallen, die hinter ihren eigenen Ansprüchen und auch Fähigkeiten liegen würden. Die betroffenen Personen könnten in existen- tielle Krisen mit grosser innerer Verzweiflung geraten. Die Persönlichkeitsstörung weise eine hohe Suizidrate (ca. 14 %, je nach Literatur) auf. Anhand der biographischen Angaben lasse sich dieser typische Krankheitsverlauf beim Exploranden nachvollziehen. Das Verhalten zeichne sich hierbei durch einen Mangel an Empathie aus. Dies sei beim Exploranden im Rahmen der Schil- derung von Konflikten deutlich geworden. Die eigenen Fähigkeiten würden häufig überschätzt und es bestehe ein gesteigertes Verlangen nach Anerken nung. Insbesondere bei den Schilde- rungen verschiedener beruflicher Situationen sei aufgefallen, dass der Explorand seine eigenen Leistungen übermässig betont habe und sich von seinen Vor gesetzten und den anderen Mitar- beitern nicht gebührend anerkannt bzw. belohnt gefühlt habe. Nicht zuletzt seien Arbeitsverhält- nisse auch daran gescheitert, dass seine eingebrachten Id een nicht die gewünschte Anerken- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nung gefunden hätten oder seine Forderungen nicht akzeptiert worden seien. In Anbetracht sei- ner damals bekleideten Position am Arbeitsplatz könne wa hrscheinlich zu einem Teil von unge- rechtfertigten Forderungen ausgegangen werden bzw. habe auch die Kommunikation der Forde- rung an sich ein Konfliktpotential dargestellt. Auch im zwischenmenschlichen Bereich werde ein reduziertes Einfühlungsvermögen deutlich. Der Explorand lehne zwischenmenschliche Bezie- hungen ab, bei welchen der Partner oder auch der Bruder die eigenen Probleme mit ihm bespre- chen wollten. Er empfinde dies als ausgenutzt werden und "abladen". Ebenfalls liege ein deutlich erhöhtes Kränkungserleben vor. Er gebe an, generell keine Menschen mehr zu ertragen und mit dem System fertig zu sein. Auch dies stelle eine Vermeidung bzw. Abwehr im Umgang mit Kon- flikten und zwischenmenschlichen Beziehungen bei Empfindl ichkeit gegenüber Kritik und Krän- kung dar. Er reagiere bei entsprechenden Konflikten m it einer Verweigerungshaltung, Bezie- hungsabbruch oder impulsiven Handlungen. Es werde die Einschätzung der ambulanten Behand- ler geteilt, dass sich der Explorand in eine Krisensituation hineinmanövriert habe, die vornehmlich durch eine Verweigerungshaltung gekennzeichnet sei. Es bestehe ein Teufelskreis aus Versa- gensängsten, Angst vor Kritik und Ablehnung, einem erhöhten Kränkungserleben, einer verzerr- ten Wahrnehmung zwischenmenschlicher Beziehungen, welche grösstenteils als feindselig wahr- genommen würden, und den eigenen persönlichen Ansprüchen und Einschätzungen der eigenen Fähigkeiten. Weiter führt die Gutachterin aus, dass d ie depressiven Episoden im Rahmen der rezidivierend depressiven Störung an und für sich kein eig enständiges Krankheitsbild darstellen würden und im Sinne eines insuffizienten Copings im Rahmen der narzisstischen Persönlichkeits- störung zu verstehen seien. Diese Einschätzung werde auch bereits durch den Vorgutachter Dr. D.____ postuliert. Aufgrund der Persönlichkeitssymptomati k würden limitierte Umgangsstrate- gien bei der Bewältigung von Konflikten, Stress, Frustration und psychosozialer Belastung beste- hen. Der Explorand reagiere in entsprechenden Situationen mit der Ausprägung einer depressi- ven Symptomatik und Somatisierungstendenzen (u.a. Verstärkung des Tinnitus und der Schlaf- störungen). Dennoch werde die Diagnose einer rezidivierend depressiven Störung als eigenstän- diges Krankheitsbild mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt, da sie im Verlauf immer wie- der einen Ausprägungsgrad erreicht habe, so dass auch die Diagnosekriterien einer eigenständig depressiven Episode erfüllt gewesen seien. In Bezug auf das Gutachten von Dr. D.____ hält die Gutachterin fest, dass die Kriterien einer narzisstischen P ersönlichkeitsstörung eingehend be- schrieben und gemäss Diagnosesystem hergeleitet worden seien. Auch sei die Diagnose von Dr. D.____ kriteriengeleitet dargestellt worden. Vor dem Hintergrund der Schilderungen im Vorgut- achten müsse unklar bleiben, warum die Diagnose einer n arzisstischen Persönlichkeitsstörung als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit deklariert werde. Es scheine zudem sehr widersprüch- lich, dass die rezidivierend depressive Störung, welche gemäss Vorgutachter gar kein eigenstän- diges Krankheitsbild darstelle, als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit attestiert werde. Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Pf legeassistent führt Dr. C.____ aus, dass diese seit November 2015 zu 100 % eingeschränkt sei. Es sei unwahrscheinlich, dass der Explo- rand in seiner angestammten Tätigkeit in einem Stationsteam mit komplexer sozialer Interaktion jemals wieder arbeitsfähig sein werde. Aus gutachterl icher Sicht bestehe in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % seit Erstellungsdatum des Gutachtens. Die 50%ige Ein- schränkung sei durch die Schwere der Persönlichkeitsstörung und der intermittierenden Ausprä- gung depressiver Symptome begründet. Die Tätigkeit sollte keine komplexen Interaktionen in ei- nem Team erfordern und dem Exploranden bspw. die Möglichkeit geben, einen klar umrissenen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsauftrag möglichst selbständig, in angemessener Ze it, durchführen zu können. Aus gut- achterlicher Sicht habe es sich bei der Tätigkeit im Rahmen des letzten Arbeitsversuchs auf der Bettenstation um eine geeignete, angepasste Tätigkeit für den Exploranden gehandelt und das Scheitern erscheine nicht ohne weiteres nachvollziehbar. Die Leistungsfähigkeit werde auch durch krankheitsunabhängige Faktoren beeinflusst. Darüber hinaus könne aufgrund verschiede- ner Hinweise im Verhalten und der Alltagsstrukturierun g durchaus von einem gewissen Funkti- onsniveau ausgegangen werden. Es sei davon auszugehen, d ass sich im November 2015 eine Dekompensation des psychischen Zustandes mit vollständig aufgehobener Arbeitsfähigkeit ein- gestellt habe. Die behandelnde Psychotherapeutin E.____ habe einen Wiedereinstieg in einer leidensangepassten Tätigkeit ab Herbst 2016 für realistisch gehalten, in der Folge habe sich je- doch wieder eine Verschlechterung eingestellt. Im Nove mber 2017 habe E.____ weiterhin eine Verschlechterung mit 100%iger Arbeitsunfähigkeit attestiert und von einem geplanten stationären Aufenthalt berichtet. Anfangs 2018 sei der Explorand zum stationären Aufenthalt in die Klink Schützen eingetreten mit aufgehobener Arbeitsfähigkeit. Bei Austritt sei eine Beschäftigungsfä- higkeit von 20 % postuliert worden, welche auch durch d ie ambulante Behandlerin mit Bericht vom Juli 2019 aufgrund einer angstbedingten Verweigerungshaltung aufrechterhalten worden sei. 8.1 Die IV-Stelle bringt mit Hinweis auf die Stellun gnahme des RAD-Arztes Dr. E.____ vom 4. Januar 2021 gegen das Gutachten vor, dass Anhaltspunkte dafür vorliegen würden, dass die Gutachterin bei ihrer Beurteilung durch die Drohunge n des Beschwerdeführers im Rahmen der Begutachtung beeinflusst worden sein könnte. Diese Auffassung lässt sich mit Blick auf das Gut- achten nicht erhärten. Auf Seite 13 des Gutachtens wird vielmehr festgehalten, dass das Verhal- ten des Exploranden zu keinem Zeitpunkt aggressiv oder bedrohlich auf die Gutachterin gewirkt habe. Er sei während des Gesprächs mehrfach in einen aufgebrachten, wütenden Gemütszu- stand geraten, dieser sei aber nach Beendigung der en tsprechenden Schilderung sofort ver- schwunden. Nach der freundlichen Verabschiedung habe er das Untersuchungszimmer verlas- sen, um zum anschliessenden Labortermin begleitet zu werden. Damit kann zweifellos nicht da- von ausgegangen werden, dass die Gutachterin durch Drohungen beeinflusst worden ist. Weiter bringt die IV-Stelle bzw. der RAD vor, dass beim Beschwerdeführer kein sozialer Rückzug in allen Lebenslagen bestehe, beim Beschwerdeführer Ressourcen auszumachen seien und auch inva- liditätsfremde Faktoren vorliegen würden. Die Gutachte rin führt aus, der Freizeitbereich sei nur insofern beeinträchtigt, als dass der Explorand nur wenige soziale Kontakte pflege und Interessen nachgehe, welche er alleine durchführen könne. Klini sch sei bekannt, dass bei der Möglichkeit zur Selbstgestaltung des Alltags und des Tagesablaufs mit der Wahrung der eigenen Interessen und Bedürfnisse, bei persönlichkeitsgestörten Personen ein gutes Funktionsniveau bestehen könne. Dem Exploranden sei es durchaus möglich, mit seine n Kindern Zeit zu verbringen und dabei Freude und Ruhe zu empfinden. Auch treffe er nahezu täglich seine Eltern, welche er auch unterstütze. Das Richten nach einem Diätplan und die dazugehörige Einkaufsorganisation seien ihm gut und auch erfolgreich möglich. Diese gutachterl iche Einschätzung solle keinesfalls die Symptomatik des Exploranden abmildern und auch nicht eine gewisse Schwere der Persönlich- keitsstörung in Frage stellen, sondern darauf hinweisen, dass trotz der Störung ein gewisses Funktionsniveau bestehe, welches für eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit spreche. Die Gutach- terin hat also die Themen sozialer Rückzug, Ressourcen und invaliditätsfremde Faktoren berück- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichtigt und in ihre Beurteilung einbezogen. Dabei fäl lt auf, dass der Beschwerdeführer zwar ei- nen guten Kontakt zu seinen Kindern und Eltern, also zur engsten Familie, jedoch keinen Kontakt zu Drittpersonen hat. 8.2 Der Beschwerdeführer seinerseits bringt vor, die Gu tachterin habe das Ergebnis des Arbeitsversuchs bzw. dessen vorzeitige Beendigung sowie die Konzentrationsstörungen infolge des Tinnitus und der Schlafstörungen nicht gebührend m itberücksichtigt. Die Gutachterin hielt fest, hinsichtlich des letzten, gescheiterten Arbeitsversuchs des Exploranden in der Bettenabtei- lung des B.____-Spitals werde zumindest teilweise auch von einer negativen Beeinflussung der Leistungsfähigkeit durch die genannten, krankheitsunabhängigen Faktoren ausgegangen. Es sei nicht ohne weiteres nachvollziehbar, warum es dem Explo randen trotz seiner Erkrankung nicht gelungen sei, in einem solch geringen Pensum ohne Zei tdruck leichte körperliche Tätigkeiten auszuführen. Zudem seien auch keine komplexen sozialen I nteraktionen im Tätigkeitsprofil er- kennbar gewesen, welche den Exploranden derart eingeschränkt hätten. Die Leistungsfähigkeit des Exploranden werde auch durch krankheitsunabhängige Faktoren beeinflusst. Die Gutachte- rin hat auch berücksichtigt, dass der Explorand in Stresssit uationen mit der Ausprägung einer depressiven Symptomatik und Somatisierungstendenzen (u.a. Verstärkung des Tinnitus und der Schlafstörungen) reagiere. Es ist damit davon auszugehen , dass die Gutachterin entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers sowohl die Konzentrationsstörungen infolge des Tinnitus und der Schlafstörungen mitberücksichtigt hat, wobei anzufügen bleibt, dass die Schlafstörungen be- handelbar wären. Des Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, die von Dr. C.____ formulierten Arbeitsplatz- anforderungen seien auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht zu finden. In einem ähnlich gelagerten Fall habe das Bundesgericht mit Urteil vom 2. Dezember 2020, 8C_416/2020 entschieden, dass es an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeits fähigkeit auf dem ausgeglichenen Ar- beitsmarkt fehle, weshalb eine vollständige Erwerbsunfäh igkeit vorliege. In Bezug auf dieses Bundesgerichtsurteil ist vorweg festzuhalten, dass sich der dortige Sachverhalt in wesentlichen Punkten vom vorliegenden Fall unterscheidet. Insbesonder e fällt auf, dass die Ausprägung der gesundheitlichen Störungen bzw. die gezeigten Verhaltensauffälligkeiten wesentlich stärker wa- ren als beim Beschwerdeführer. Auch zeigt das im Bunde sgerichtsurteil geschilderte Verhalten wesentliche Unterschiede zum Verhalten des Beschwerdeführe rs im vorliegenden Verfahren. Aus der Berufsbiographie des Beschwerdeführers ergibt sich, dass dieser immer wieder in mehr- jährigen Anstellungen (z.B. 10 Jahre im B.____-Spital , 2,5 Jahre als Aussendienstmitarbeiter, 4 Jahre im Patiententransport) tätig war, während die diversen Anstellungen der Betroffenen im Bundesgerichtsurteil offensichtlich konfliktbeladen und lediglich von kurzer Dauer gewesen sind. Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die Betroffene im bundesgerichtlichen Urteil als Be- triebsökonomin eine hohe Ausbildungsqualifikation aufwies und das Bundesgericht deshalb er- wogen hat, dass sich die Betroffene aufgrund der narzissti schen Anteile an ihrer Persönlichkeit gewiss nicht auf Tätigkeiten einlassen werde, die sie als ihrem intellektuellen Niveau unangepasst empfinden könnte, weshalb kein eigentlicher Fächer möglicher Tätigkeiten mehr verbleibe, son- dern bloss noch ein von vornherein sehr limitiertes Ange bot (vgl. E. 6.2.3 am Ende). Im vorlie- genden Fall ist davon auszugehen, dass der Fächer möglicher Tätigkeiten für den Beschwerde- führer deutlich grösser ist. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt, stellt somit das gutachterlich erwähnte Erforder- nis einer Tätigkeit mit klar umrissenem Arbeitsauftrag, der möglichst selbständig und in angemes- sener Zeit durchgeführt werden kann, bei der Stellensu che keine unüberwindbare Hürde dar, weshalb das Finden einer passenden Stelle nicht als derart unrealistisch erscheint, dass es von vornherein als ausgeschlossen gelten muss. Im vorliegenden Fall ist somit nicht von einer Unver- wertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auszugehen. 9. Gestützt auf die obigen Ausführungen ist das Gutachte n von Dr. C.____ sowohl formal als auch inhaltlich nicht zu beanstanden. Es ist überzeugend, schlüssig und nachvollziehbar be- gründet und geht auf die anderslautenden Arztberichte ein. Wie bereits ausgeführt, ist von einem Gerichtsgutachten nur bei Vorliegen triftiger Gründe abzuweichen (vgl. E. 4.3 hievor). Solche Gründe liegen – wie oben dargelegt – nicht vor, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist. Damit ergibt sich, dass der Beschwerdeführer seit November 2015 – dies gestützt auf die echtzeitlichen ärztlichen Unterlagen – zu 0 % und ab Erstellung des Gut achtens bzw. ab Begutachtungszeit- punkt im September 2020 zu 50 % in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig ist. 9.1 Da der Beschwerdeführer sein Leistungsbegehren am 1 2. Juli 2016 eingereicht hat, ist ihm ab Januar 2017 eine volle Invalidenrente zuzusprechen (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG, wonach der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leis- tungsanspruchs entsteht). 9.2 Nachdem der Beschwerdeführer ab September 2020 n ur noch zu 50 % arbeitsunfähig ist, ist der Invaliditätsgrad ab Januar 2021 (vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV, wonach eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung der Leistung zu berücksichtigen ist, wenn diese ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat) gestützt auf die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs zu berechnen (vgl. oben E. 3.2). Dabei werden die von der IV-Stelle her- angezogenen Validen- und Invalideneinkommen vom Beschwe rdeführer zu Recht nicht bestrit- ten. Beide Parteien gehen dementsprechend von einem Invaliditätsgrad von 52 % aus, weshalb ein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine halbe Rente ab Januar 2021 besteht. 9.3 Gestützt auf die obigen Ausführungen hat der Besch werdeführer Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ab 1. Januar 2017 und auf eine halbe Invalidenrente ab 1. Januar 2021. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und folglich die angefochtene Verfügung der IV- Stelle Basel-Landschaft vom 2. Oktober 2019 aufzuheben. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘ 000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Die Ver- fahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in de r Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hat deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei die Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahrenskosten zu tragen. Die Verfahrenskosten in der H öhe von Fr. 800.-- sind demnach der IV-Stelle aufzuerlegen. 10.2.1 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungst räger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rück- weisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht weiter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.2). In BGE 139 V 496 hat das Bun- desgericht präzisierend Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferlegt werden können, zu berücksichtigen sind. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Unt ersuchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellationen der Fall: Wenn ein manifester Widerspruch zwischen den verschie- denen, aktenmässig belegten ärztlichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründete Argumente entkräftet habe; wenn die Verwaltung zur Klärung der me- dizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder wenn sie auf eine Exper- tise abgestellt habe, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle. Wenn die Verwaltung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre Auffas- sung auf objektive konvergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rechtsgenüglichen Ex- pertise gestützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzlichen Gerichtsgutachtens an sie nicht gerechtfertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatguta chtens; zum Ganzen: BGE 139 V 496 E. 4.4 mit Hinweisen). 10.2.2 Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich der Urteilsberatung vom 19. März 2020 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Wie vorstehend in E. 6.1 ausgeführt, kam dem BEGAZ-Gutachten vom 1. Feb- ruar 2019 bzw. dem psychiatrischen Teilgutachten von Dr. D .____ mit Blick auf die Anforderun- gen an den Beweiswert ärztlicher Berichte und Gutachten keine ausschlaggebende Beweiskraft zu. Da auch die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte in psychiatrischer Hin- sicht keine verlässliche Entscheidungsgrundlage bildeten, waren die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren nicht ausreichend beweiskräftig. Demnach wies das Verwaltungsver- fahren Untersuchungsmängel auf, die eine Gerichtsexpertise notwendig machten. Die Kosten des Gerichtsgutachtens, welche sich gemäss der eingereichten Ho norarnote vom 31. Dezember 2020 auf Fr. 6'882.95 belaufen, sind unter diesen Umständen der IV-Stelle aufzuerlegen. 10.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die (ganz oder tei lweise) obsiegende beschwerdefüh- rende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Beschwerdeführers, Advokatin Deborah Büttel, macht e in ihrer Honorarnote vom 9. Juni 2021 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 24 Stunden und 50 Minuten geltend, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als zu hoch erweist, wobei dies insbesondere für den Aufwand von 14 Stunden für die Beschwerdeausarbeitung gilt. Ein Aufwand von 11 Stunden für die Beschwerdeausarbei tung sollte angesichts der nicht sehr umfangreichen Akten und der nicht allzu komplexen Rech tsfragen genügen, weshalb eine Kür- zung des Aufwands um 3 Stunden vorzunehmen ist. Damit resultiert ein zu entschädigender Auf- wand von 21 Stunden und 50 Minuten. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungspro- zessen praxisgemäss zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädi- gen. Zu keinen Bemerkungen Anlass geben sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Aus- lagen von Fr. 54.20. Dem Beschwerdeführer ist folglich eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle in der Höhe von Fr. 5'936.10 (21.83 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 54.20 zu- züglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 2. Oktober 2019 aufge- hoben und festgestellt wird, dass der Beschwerdeführer ab 1. Januar 2017 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente und ab 1. Januar 2021 auf eine halbe Invalidenrente hat. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 6'882.95 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine redu- zierte Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 5'936.10 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer)zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht