<h2>SubmittedText<h2><p>Vor dem Hintergrund der heutigen wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen stellen sich zunächst Fragen nach der sozialen Ausgrenzung und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt, nach der Lebensqualität und dem Wohlergehen der Bevölkerung sowie nach den Unterschieden zwischen sozialen Gruppen. 1989 ersuchte ich deshalb den Bundesrat in einem Postulat (89.815), gestützt auf koordinierte repräsentative Haushaltbefragungen Statistiken zur Lebensqualität der Bevölkerung zu erheben. Der Bundesrat hiess das Postulat gut, und der Nationalrat überwies es im Juni 1990.</p><p>In seinen Antworten auf verschiedene Interventionen, unter anderem die Interpellationen Spoerry (95.3049, Datenkoordination zum Thema Mittelstand), Aguet (95.3242, Vermögenskonzentration. Verbesserung der Statistiken), die Motion Goll (94.3309, Statistik über gesamtgesellschaftlich geleistete Arbeit von Frauen und Männern) sowie die Motion der freisinnig-demokratischen Fraktion (95.3044, Gleichstellung der Geschlechter. Schliessung von Forschungslücken) hat der Bundesrat Mikrozensen über die Lebensbedingungen und die sozialen Unterschiede sowie über das Zeitbudget angekündigt.</p><p>Offensichtlich ergeben sich für das Bundesamt für Statistik bei der Durchführung dieser Aufgabe einige Schwierigkeiten. Deshalb bitte ich den Bundesrat um eine Antwort auf folgende Fragen:</p><p>1. Welche Bedeutung misst der Bundesrat dem Bereich Lebensbedingungen zu? Vertritt er auch die Ansicht, dass das Wohlergehen der Bevölkerung im Zentrum des staatlichen und politischen Handelns stehen und deshalb den statistischen Erhebungen zur Analyse der Lebensbedingungen und deren Entwicklung Priorität eingeräumt werden muss?</p><p>2. Welche Arbeiten zur Statistik sind in den kommenden Jahren geplant, damit aufgrund koordinierter Berichte eine Übersicht über die Lebensbedingungen und über soziale Gruppen (Frauen, junge Menschen, Ausländerinnen und Ausländer, sprachliche Gemeinschaften usw.) erstellt werden kann?</p><p>3. Welche finanziellen und personellen Ressourcen gedenkt der Bundesrat in den kommenden Jahren für den Bereich Lebensbedingungen bereitzustellen? In welchem Verhältnis stehen sie zu den Mitteln, die für andere Bereiche der Statistik aufgewendet werden?</p><p>4. Welche Bedeutung misst der Bundesrat den repräsentativen Haushaltbefragungen (Mikrozensen) diesbezüglich bei? Ist er auch der Ansicht, dass Mikrozensen ein sehr gutes und effizientes Mittel darstellen, um über die Bevölkerung Daten zu erheben, und meint er nicht auch, ihre systematische Auswertung sollte ein strategisches Ziel des Bundesamts für Statistik sein?</p><p>5. Zu welchen Themenschwerpunkten gedenkt der Bundesrat in den kommenden Jahren Mikrozensen durchzuführen? Kann er in den nächsten Jahren die Durchführung der Mikrozensen gewährleisten, die er in seinen Antworten auf die Vorstösse versprochen hat?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat nimmt zu den einzelnen Punkten der Interpellation wie folgt Stellung:</p><p></p><p>1 . Die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung steht im Zentrum des staatlichen und politischen Handelns. Der Bundesrat anerkennt deshalb die fundamentale Bedeutung der von der Interpellantin aufgeworfenen Fragen hinsichtlich der Lebensqualität und des Wohlergehens der Bevölkerung sowie des sozialen Zusammenhalts respektive der Unterschiede zwischen bestimmten sozialen Gruppen. Will man sich Klarheit verschaffen über die soziale Realität unseres Landes, sind neben den Untersuchungen im Bereiche der Wirtschaft und der Institutionen statistische Erhebungen über die Lebensbedingungen und deren Entwicklung von zentraler Bedeutung.</p><p></p><p>2. Verschiedene Erhebungen und statistische Arbeiten befassen sich mit der Untersuchung der Lebensbedingungen der Bevölkerung. Sie werden in den kommenden Jahren fortgeführt und vertieft werden:</p><p></p><p>Die Bundesstatistik hat zum Ziel, unter Ausnutzung der bestehenden Quellen eine Übersicht über die Lebensbedingungen verschiedener Bevölkerungsgruppen zu vermitteln. So wird das Bundesamt für Statistik noch dieses Jahr die aktualisierte Version eines Berichts über die Situation der Frauen in der Schweiz publizieren, den es ursprünglich 1993 anhand von Daten aus verschiedenen Bereichen und Erhebungen herausgegeben hatte. Im Rahmen des Auswertungsprogramms der Volkszählung 1990 wurde unter anderem die Wohnsituation einzelner Bevölkerungsgruppen, die Lage der Sprachgruppen in der Schweiz, der sozioprofessionellen Gruppen, der Betagten, der Ausländer und einzelner Familientypen detailliert untersucht. Der Mikrozensus Familie 1994 hat die Berufs-, Bildungs- und Farnilienbiographien insbesondere der Frauen in ihrem gegenseitigem Wechselverhältnis zum Thema gemacht. 1996 wird ein umfassender Bericht zum Thema "Bevölkerung und sozialer Wandel" veröffentlicht, der individuelle Verhaltensweisen mit dem gesellschaftlichen Kontext verbindet (Arbeit und Bildung, Krankheitshäufigkeit, Migration, Veränderungen der Haushaltsstrukturen und Lebensformen).</p><p></p><p>Bei der Auswertung der Daten von Stichprobenerhebungen wird den Lebensbedingungen einzelner Bevölkerungsgruppen besondere Beachtung geschenkt. So liefert die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) als jährliche Erhebung Informationen über das Erwerbsverhalten, die Arbeitsbedingungen und die sozio-demografischen Merkmale der Bevölkerung. In der SAKE werden ab 1996 zusätzlich Aspekte über die soziale Mobilität, die Weiterbildung und die unbezahlte Arbeit erhoben. Die Verbrauchserhebung 1990 lieferte namentlich Informationen über die wirtschaftliche Lage nach sozio-ökonomischen Bevölkerungsgruppen und die Ausstattung der Haushalte mit dauerhaften Konsumgütern. Die Einkommens- und Verbrauchserhebung 1998 soll überdies vertiefte Erkenntnisse über die Einkommensverhältnisse und deren Auswirkungen auf die Lebensgewohnheiten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufzeigen. Im Rahmen der Gesundheitsbefragung 1992/93 wurden das gesundheitliche Wohlbefinden und die gesundheitlichen Lebensbedingungen der Frauen, der Ausländer, der Betagten sowie der in Institutionen lebenden Menschen ausführlich untersucht. Bei der Gesundheitsbefragung 1997 werden unter anderem auch subjektive Dimensionen der Lebensqualität und der Gesundheit der Jugendlichen einbezogen. Der Mikrozensus Weiterbildung 1993 analysierte das Weiterbildungsverhalten im Zusammenhang mit der Arbeitswelt, insbesondere die Beteiligung sowie die Gründe der Nichtbeteiligung an der Weiterbildung. Schliesslich soll auch ein Satz von Kernvariablen gebildet werden, der in allen Haushaltsbefragungen (inkl. Volkszählung) zur Anwendung kommt und der die erhebungsübergreifenden Analysemöglichkeiten verbessert.</p><p></p><p>Der Schweizerische Nationalfonds hat, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Bundesstellen, Erhebungen zur Lebensqualität der Bevölkerung durchführen lassen. 1996 werden die Ergebnisse der im Rahmen des NFP 29 (Wandel der Lebensformen und Soziale Sicherheit) erstellten nationalen Armutsstudie veröffentlicht werden, die auf einer Stichprobe in der Grösse eines Mikrozensus fusst und über Lebenslage und Einkommenssituation der Bevölkerung ausführlich informieren wird.</p><p></p><p>Allerdings erlaubt diese Vielfalt von Erhebungen, welche jeweils spezifische Zielsetzungen erfassen, keine umfassende synthetische Gesamtschau der Lebensbedingungen der Bevölkerung. Einzelne Themen, insbesondere zum Wohnbereich, zur sozialen Partizipation, zum Freizeitbereich, zur persönlichen Sicherheit und zur Zeitverwendung fehlen oder werden nicht in der gewünschten Tiefe erhoben. Zudem können vernetzte synthetische Arbeiten nur partiell vorgenommen werden: So können Einkommens- und Vermögensvariablen nicht mit der Lebenslage der Bevölkerung kohärent verbunden werden, und Auswertungen zur Mehrfach-Benachteiligung von Bevölkerungsgruppen, zur Homogenität / Heterogenität von Lebenslagen sowie zur Zeitstruktur sind nicht realisierbar.</p><p></p><p>Die Auswertungen werden in Publikationen zur Situation der Frau (1996), der Jugend (1996/97), der Ausländer und der Sprachgruppen (1997/98) veröffentlicht. Zudem ist es vorgesehen, eine Synthese-Publikation zur Lebenslage der Gesamtbevölkerung bis Mitte 1998 herauszugeben.</p><p></p><p>3. Da Informationen über die Lebensbedingungen der Bevölkerung in verschiedenen Bereichen der amtlichen Statistik erhoben werden (Bevölkerung, Erwerbsleben, Preise, Wohnungswesen, Verkehr, Gesundheit, Bildung, Soziale Sicherheit, Kultur, Rechtspflege usw.), sind auch die personellen und finanziellen Mittel mehreren Bereichen zugeordnet. Dasselbe gilt indessen auch für zahlreiche andere Erhebungen, die Elemente für Synthesestatistiken bereitstellen.</p><p></p><p>4./5. Seit 1991 hat der Bundesrat das Systemder regelmässigen Stichprobenerhebungen bei der Bevölkerung stark erweitert. Diesen kommt heute eine Schlüsselrolle im statistischen System der Schweiz zu, die konsolidiert und weiter gestärkt werden sollen. Das Bundesamt für Statistik plant entsprechend dem Mehrjahresprogramm für die Bundesstatistik 1995-1999 für die kommenden Jahre die jährliche Schweizerische Arbeitskräfteerhebung sowie die Gesundheitsbefragung (1997), die Einkommens- und Verbrauchserhebung (1998) sowie den Mikrozensus Verkehr (2000). Angesichts der gegenwärtigen Finanzlage mussten im Hinblick auf die verfügbaren Ressourcen Prioritäten gesetzt werden. Neue Erhebungen sind nur in einem begrenzten Rahmen durchführbar. Im Mehrjahresprogramm sind deshalb die Mikrozensen "Lebensbedingungen" und "Zeitverwendung" zurückgestellt worden. Es wird jedoch angestrebt, diese Erhebungen spätestens während der nächsten Legislaturperiode durchzuführen.</p>  Antwort des Bundesrates.