<h2>SubmittedText<h2><p>Aufkeimende Inflationsängste und eine Trendwende bei den Aktienkursen haben umgekehrt die Kurse von längerfristigen Anleihen/Obligationen fallen lassen. Diese Entwicklung kann sich im Falle einer wirtschaftlichen Erholung, verbunden mit einer vorübergehend höheren Inflation, noch wesentlich verstärken. Die Folge ist, dass die Portefeuilles jener Investoren, die angesichts der Krise ihren Aktienanteil stark reduziert oder die grundsätzlich aus Sicherheitsüberlegungen vor allem auf Obligationen setzen, stark an Wert verloren haben und gemäss den Prognosen der meisten Ökonomen in den kommenden Monaten noch weiter nachgeben werden. </p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat die aktuelle Situation und die weiteren Aussichten an den Obligationenmärkten? </p><p>2. Sieht er Handlungsbedarf, angesichts der bereits angespannten Situation vieler Pensionskassen und anderer institutioneller Investoren? </p><p>3. Können oder müssen seitens des Bundes mittelfristig Lehren aus den Erfahrungen der letzten Wochen und Monate gezogen werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Entwicklung der sogenannten risikolosen Renditen auf Bundesanleihen war in den vergangenen zwölf Monaten durch markante Ausschläge gekennzeichnet. Bei den privaten Schuldnern waren die Ausschläge infolge der Risikoprämien noch frappanter.</p><p>In der zweiten Jahreshälfte 2008, insbesondere aber seit Herbst 2008 haben die Finanzkrise und der sich abzeichnende konjunkturelle Einbruch zu einem markanten Rückgang der Renditen auf Bundesanleihen geführt. Die steigende Nachfrage nach sicheren Anlagen hat die Preise für Staatsanleihen steigen lassen und entsprechend die Renditen gedrückt. Verstärkt wurde der Rückgang der Nominalrenditen zusätzlich durch die sinkenden Inflationserwartungen. Die Renditen fielen auf unter 2 Prozent. Zwischen Ende 2008 und Mitte 2009 kam es sodann zu einer gegenläufigen Entwicklung. Steigende Renditen für Bundesobligationen gingen mit steigenden Aktienkursen einher. Ein Rückgang an Unsicherheit dürfte zu Portfolioumschichtungen in risikoreichere Anlagen geführt haben. Die schwächere Nachfrage nach Staatspapieren führte wiederum zu einem Anstieg der entsprechenden Renditen. Im dritten Quartal 2009 sind die Renditen auf Bundesobligationen erneut gesunken.</p><p>Es ist äusserst schwierig, die weiteren Aussichten an den Obligationenmärkten einzuschätzen. Die Unsicherheiten bestehen sowohl bezüglich der Weltkonjunktur als auch hinsichtlich der Erholung des Finanzsektors. Die Gefahr einer Deflation scheint zwar relativ gering zu sein. Dennoch könnte ein erneuter kräftiger weltweiter Nachfrageeinbruch in eine solche münden. Gleichzeitig kann ein Inflationsszenario nicht ausgeschlossen werden. Sollte es nämlich den Zentralbanken nicht gelingen, den Liquiditätsüberhang rechtzeitig abzuschöpfen, wird dieser bei anziehender Konjunktur eine inflationäre Wirkung entfalten. Die geldpolitischen Massnahmen wirken verzögert auf die Realwirtschaft sowie die Inflation. Die Zentralbanken müssen daher bereits bei den ersten Anzeichen einer nachhaltigen konjunkturellen Erholung beginnen, die geldpolitischen Zügel zu straffen. Zu diesem Zeitpunkt dürfte sich nun aber die Arbeitslosigkeit, die verzögert auf das BIP-Wachstum reagiert, noch auf hohem Niveau befinden. In einem solchen Umfeld besteht die Gefahr, dass die Notenbanken eher zu spät Gegensteuer geben und dadurch ein Inflationspotenzial geschaffen wird. Steigende Inflationserwartungen bedeuten nun aber auch anziehende Langfristzinsen und damit verbunden fallende Obligationenpreise.</p><p>Es ist nicht Aufgabe des Bundes, in den Preismechanismus auf den Obligationenmärkten einzugreifen, zumal die Möglichkeiten auch nur sehr beschränkt gegeben wären, da auf den Kapitalmärkten ein sehr starker internationaler Zusammenhang besteht. Der Bund signalisiert jeweils zu Beginn des Jahres den Märkten, wann und in welchem Umfang er während des Jahres Bundesanleihen zu emittieren gedenkt. Dieser Emissionskalender ist jedoch nicht verbindlich, d. h., der Bund kann je nach Bedarf davon abweichen.</p><p>Die Pensionskassen tragen die Verantwortung für die Verwaltung des Vermögens. Es gehört u. a. zu ihren Aufgaben, entsprechend den Marktentwicklungen Umschichtungen vorzunehmen bzw. Vermögenspositionen abzusichern. Da die Vorsorgeeinrichtungen auf der Aktivseite zu Marktwerten bilanzieren, schlagen Kursschwankungen auf den Anleihensbeständen auf die Bilanz durch. Die Vorsorgeeinrichtungen haben mithilfe von verschiedenen Mechanismen wie Bewertungsreserven, Einschüssen des Arbeitgebers, Nullzinsrunden und temporären Beitragserhöhungen die bisherigen Finanzkrisen gemeistert.</p><p>Die Lebensversicherer unterstehen einem strengen prudenziellen Aufsichtsregime durch die Finma. Die Finma prüft risikoorientiert je nach Marktgrösse, Risikoexponierung und Eigenmittelausstattung quartalsweise oder monatlich bei den beaufsichtigten Lebensversicherern die Deckung der Versicherungsverpflichtungen mit zulässigen Kapitalanlagewerten sowie die Solvenz. Die Entwicklung des Zinsniveaus ist tatsächlich für die Lebensversicherer die wichtigste Risikokategorie. Das bestehende Aufsichtsinstrumentarium ist eigens dafür konzipiert worden. Die Finma arbeitet daran, die Erfahrungen aus der Finanzkrise laufend einzubeziehen.</p><p>Für den Bundesrat besteht zurzeit kein Handlungsbedarf. Er verfolgt die weitere Entwicklung jedoch aufmerksam.</p>  Antwort des Bundesrates.