Seite 1 Entscheid vom 9. September 2016 (510 16 24) __________________________________________________ ___________________ Zustellung Veranlagungsverfügung / Verjährung der Erbschaftssteuer Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Steuer richter Dr. L. Schneider, Steuerrichterin Margrit Elbert, Peter Salathe, Stefan E. Schmid, Ge- richtsschreiberin i.V. K. Hänggi Parteien A.____ , vertreten durch Erich Heggendorn AG Unternehmensberatung , Schliefweg 30, 4106 Therwil Rekurrent gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Erbschaftssteuer Nachlass B.____ Seite 2 Sachverhalt: 1. Mit Erbschaftssteuer-Rechnung vom 9. November 2015 wu rden die gesetzlichen und testamentarisch eingesetzten Erben aus dem Nachlass B.____ , verstorben am 28. März 2010, veranlagt. Die Steuerverwaltung hat der Erbin C.____, Nichte des vorverstorbenen Ehemannes, gestützt auf den testamentarisch verfügten Anteil am Re invermögen eine Erbschaftssteuer in Höhe von Fr. 142‘589.-- auferlegt. 2. Mit Schreiben vom 14. November 2015 erhob die Pfli chtige Einsprache und beantragte die Aufhebung der Veranlagung. Zur Begründung führt e sie aus, sie habe aus der Erbschaft nichts erhalten, da sie nicht erbberechtigt gewesen se i. Betreffend Erbberechtigte und Teilung könne sich die Steuerverwaltung beim Willensvollstrecker erkundigen. Mit Schreiben vom 14. November 2015 führte der Vertr eter der Rekurrentin aus, die Steuerpflichtige sei keine gesetzliche Erbin, sondern se i von der Erblasserin für die Parzellen Nr. 139 und 4090 GB D.____ testamentarisch eingesetzt w orden. Dieser Sachverhalt ergebe sich aus dem Inventar Nr. 29619 vom 6. Juli 2010 und dem Kaufvertrag vom 2. Mai 2011. Wei- ter führte er aus, die Steuerverwaltung habe vom Erb schaftsamt E.____ am 6. Juli 2010 alle relevanten Unterlagen zu diesem Nachlass erhalten. Nach 6 4 Monaten sei nun die Erbschafts- steuer-Rechnung zugestellt worden, wobei möglicherweise die Verjährung eingetreten sei. Würde sich die Interpretation bezüglich der Verjährung als obsolet erweisen, sei die rektifizierte Erbschaftssteuer-Rechnung ihm zuzustellen, da der gesamte Restbestand der Barschaft in sei- ner Verwaltung liege und die Zahlung durch ihn erfolgen würde. 3. Mit Einsprache-Entscheid vom 15. März 2016 hiess die St euerverwaltung die Einspra- che teilweise gut, indem sie die Erbschaftssteuer-Rechnun g vom 9. November 2015 dahinge- hend änderte, dass die Erbin C.____ betreffend Erbschaf tssteuer lediglich für die Parzellen Nr. 139 und 4090 GB D.____ veranlagt wurde. Hinsichtlich d er Verjährung führte sie aus, die Erb- lasserin sei am 28. März 2010 verstorben. Die fünfjähri ge Verjährungsfrist habe erst nach Ab- lauf der Steuerperiode 2010 d.h. am 1. Januar 2011 zu laufen begonnen und dementsprechend am 31. Dezember 2015 geendet. Folglich sei die Erbschaftssteuer-Rechnung vom 9. November 2015 innert Frist eröffnet worden. Weiter führte sie aus, da im Kanton Basel-Landschaft die Erbschaftssteuer eine Erbanfallsteuer und Steuerobjekt de r Vermögensübergang auf den ein- zelnen Erben und Vermächtnisnehmer sei, seien grundsätzl ich auch die Erben und Vermächt- Seite 3 nisnehmer am Erbschaftssteuerverfahren beteiligt und die Verfügung an sie einzeln zu eröffnen. Der Willensvollstrecker könne jedoch von den Erben oder Ve rmächtnisnehmern bevollmächtigt werden, sie im Veranlagungs- und/oder Rechtsmittelverf ahren zu vertreten, was jedoch vorlie- gend nicht geschehen sei. 4. Mit Eingabe vom 19. März 2016 erhob der Vertreter der Pflichtigen mit dem sinngemäs- sen Begehren, es sei die Verjährung für die Erhebung d er Erbschaftssteuer festzustellen, Re- kurs. Zur Begründung führte er aus, im Inventar Nr. 29619 vom 6. Juli 2010 sei ersichtlich, dass er als Willensvollstrecker eingesetzt worden sei. Mit Br ief vom 19. Juli 2010 seien die entspre- chenden Vollmachten der Steuerverwaltung zugestellt wo rden. Die Erbschaftssteuer-Rechnung sei folglich ihm und nicht den Erben oder Vermächtnisne hmern zuzustellen. In der Einsprache hätte er angedeutet, dass die Verjährung möglicherwei se eingetreten sei, da die Rechnungs- stellung der Steuerverwaltung über fünf Jahre in Ansp ruch genommen habe, obwohl die not- wendigen Unterlagen für die Veranlagung spätestens Mit te 2011 eingereicht worden seien. Mit dem von ihm vorgeschlagenen Vorgehen, namentlich der ko rrekten Zustellung der rektifizierten Erbschaftssteuer-Rechnung an ihn, hätte die Verjährung noch abgewendet werden können. 5. Mit Vernehmlassung vom 10. Mai 2016 beantragte die Steuerverwaltung die Abweisung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, die Funktion des Willensvollstreckers sei auf die Verwaltung und Teilung des Nachlasses beschränkt und er sei daher grundsätzlich nicht Vertre- ter der Erben. Die Erledigung der Erbschaftssteuer zähl e lediglich dann zu seinen Aufgaben, wenn sie als Nachlassteuer ausgestaltet sei. Im Kanton B asel-Landschaft sei sie jedoch eine Erbanfallsteuer und betreffe nicht den Nachlass, sondern die einzelnen Erben selbst. Es seien zwar durch die einzelnen Erben Vollmachten an den Wille nsvollstrecker ausgestellt worden, diese würden jedoch die Abwicklung und Teilung des Nachla sses betreffen und nicht eine ex- plizite Bevollmächtigung in Erbschaftssteuer-Angelegenhei ten beinhalten. Deshalb könne aus diesen Vollmachten auch nicht abgeleitet werden, dass d ie Erbschaftssteuer-Rechnung an ihn hätte eröffnet werden sollen. 6. An der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Seite 4 Das Steuergericht zieht in Erwägung: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu- ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurt eilung des vorliegenden Rekurses zu- ständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstritt ener Steuerbetrag wie im vor- liegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stell enden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten. 2. Strittig ist vorliegend, ob ein Eröffnungsmangel a ufgrund der Zustellung der Erbschafts- steuer-Rechnung an die einzelnen Erben und Vermächtnisne hmer vorliegt und ob die Veranla- gungsverjährung zum Zeitpunkt der Zustellung der Erbschaf tssteuer-Rechnung bereits ein- getreten ist. Bevor dies geprüft werden kann, muss zunä chst die rechtliche Stellung des Vertre- ters der Rekurrentin bestimmen werden. Er bezeichnet si ch selbst sowohl in der Einsprache vom 14. November 2015 als auch im Rekurs vom 19. März 20 16 als Willensvollstrecker des Nachlasses B.____. Zu untersuchen ist, ob er die Voraussetz ungen eines Willensvollstreckers erfüllt. Im Weiteren werden die Stellung eines Erbscha ftsverwalters, eines Erbenvertreters und die des Beauftragten näher beleuchtet. a) Ein Willensvollstrecker wird gemäss Art. 517 des Schweiz erischen Zivilgesetzbu- ches vom 10. Dezember 1907 (ZGB) vom Erblasser in einer letztwilligen Verfügung mit der Vollstreckung seines Willens beauftragt. Die Bestellung des Willensvollstreckers kann einzig vom Erblasser durch eine (einseitige) letztwillige Verfü gung erfolgen (vgl. Berner Kommentar [BK] ZGB III - Künzle, Art. 517-518 N 17). In casu wurde der Vertreter der Rekurrentin nicht von der Erblasserin B.____ in ihrem Ehe- und Erbvertrag vom 23. Oktober 1968, im Nachtrag vom 3. Mä rz 1988, im Nachtrag vom 15. Okto- ber 2002 oder im Nachtrag vom 15. November 2004 als Willensvollstrecker ernannt, sondern er wurde von den einzelnen Erben und Legatnehmern nach dem Tod der Erblasserin zur Teilung des Nachlasses schriftlich bevollmächtigt. Da ein Willensvollstrecker zwingend vom Erblasser in Seite 5 einer letztwilligen Verfügung ernannt werden muss, erf üllt der Vertreter der Pflichtigen die Vo- raussetzungen eines Willensvollstreckers nicht. b) Eine Erbschaftsverwaltung kann gemäss Art. 554 Abs. 1 ZGB u.a. angeordnet werden, wenn ein Erbe, sofern es seine Interessen erfordern, dauernd und ohne Vertretung ab- wesend ist oder wenn nicht alle Erben des Erblassers bekannt sind. Er unterscheidet sich in der Bestellung vom Willensvollstrecker dadurch, dass er nicht vo m Erblasser durch letztwillige Ver- fügung, sondern von der zuständigen kantonalen Behörde ernannt wird und dies nicht auf Ver- langen des Erblassers oder eines Erben, sondern von Amte s wegen in den vom Gesetz ab- schliessend (Bundesgerichtsentscheid [BGE] 51 II 488 E. 2 S. 493) aufgezählten Fällen (BK ZGB III - Künzle, Vorbemerkung zu Art. 517-518 N 56). Vorliegend wurde der Vertreter der Steuerpflichtige n nicht von Amtes wegen von der zuständi- gen kantonalen Behörde als Erbschaftsverwalter ernannt, sondern er wurde von sämtlichen gesetzlichen und testamentarisch eingesetzten Erben zur Te ilung des Nachlasses B.____ schriftlich bevollmächtigt. Somit erfüllt er die Vorausse tzungen eines Erbschaftsverwalters in Bezug auf den Nachlass B.____ nicht. c) Ein Erbenvertreter kann gemäss Art. 602 Abs. 3 ZGB auf Begehren eines Miter- ben von der zuständigen Behörde für die Erbengemeinschaf t bis zur Teilung bestellt werden. Der Erbenvertreter wird auf Antrag von der zuständige n Behörde lediglich dann ernannt, wenn kein Willensvollstrecker, Erbschaftsverwalter oder Liquidat or vorhanden ist, Uneinigkeit unter den Erben besteht oder ein Erbe abwesend ist (vgl. BK ZGB III - Künzle, Vorbemerkung zu Art. 517-518 N 58). In casu wurde der Vertreter der Rekurrentin nicht auf Antrag eines oder mehreren Erben von der zuständigen Behörde als Erbenvertreter ernannt, son dern ihm wurde mit unterschiedlichem Datum zwischen dem 27. Mai 2010 und 17. Juni 2010 von sämtlichen Erben und Legatnehmern je eine Vollmacht zur Teilung des Nachlasses B.____ au sgestellt. Somit erfüllt er auch die Vo- raussetzungen eines Erbschaftsverwalters in Bezug auf den Nachlass B.____ nicht. d) Eine weitere Möglichkeit mit dem Verwalten oder Teilen des Nachlasses beauf- tragt zu werden, kann schliesslich gestützt auf die Bestimmu ngen zum einfachen Auftrag ge- mäss Art. 394 ff. des Bundesgesetzes vom 30. März 1911 betr effend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligatio nenrecht) (OR) erfolgen. Art. 394 Abs. 1 OR verpflichtet den Beauftragten, die ihm übe rtragenen Geschäfte oder Dienste ver- tragsgemäss zu besorgen (Basler Kommentar [BSK] OR I - Weber, Art. 394 N 1). Hauptgegen- Seite 6 stand des Auftrags ist regelmässig ein positiver Leistung sinhalt auf ein Tun, und zwar eine Tat- oder Rechtshandlung oder beides miteinander (BSK OR I - Weber, Art. 394 N 6). Gegenstand von Rechtshandlungen ist die Vornahme von Rechtshandlunge n, d.h. Erwerb, Ausübung und Übertragung von subjektiven Rechten (BSK OR I - Weber, Art. 394 N 10). Der Auftrag entsteht durch Willenseinigung, kann konkludent sowie formfrei z ustande kommen und jede mögliche, nicht widerrechtliche oder sittenwidrige Tätigkeit zum Inhalt haben (BSK OR I - Weber, Art. 395 N 2, 5, 9, 12). Vorliegend haben sämtliche gesetzlichen und testamentar isch eingesetzten Erben mit jeweili- gem signiertem Schreiben den Vertreter der Rekurrentin dazu beauftragt, den Nachlass B.____ in ihrem Namen zu verwalten und zu teilen. Da es sich d abei um keine widerrechtliche oder sittenwidrige Tätigkeit handelt und der Vertreter der Rekurrentin als direkter Stellvertreter zu Rechthandlungen beauftragt wurde, sind die Voraussetzung en des einfachen Auftrags erfüllt und es liegt damit ein Auftragsverhältnis gemäss Art. 394 ff. OR vor. 3. Da nun die Stellung des Vertreters der Rekurrentin klar ist, kann im Weiteren untersucht werden, ob die Erbschaftssteuer-Rechnung korrekt eröffn et wurde, indem sie den einzelnen Erben und Legatnehmern und nicht dem gemeinsamen Vertreter zugestellt worden ist. a) Die kantonale Steuerverwaltung hat gemäss § 119 St G dem Steuerpflichtigen die Einschätzung mit der Veranlagungsverfügung (Steuerrechnung) zu eröffnen. Gemäss § 12 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetz Basel-L andschaft vom 13. Juni 1988 (VwVG BL) können sich Parteien auf jeder Stufe des Verf ahrens verbeiständigen und soweit nicht persönliches Handeln erforderlich ist, mit schriftli cher Vollmacht vertreten lassen. Verfü- gungen werden dabei gemäss § 19 Abs. 1 VwVG BL den Par teien bzw. den Vertretungen schriftlich eröffnet. b) Sind mehrere Personen an einem Verfahren beteili gt, wie zum Beispiel mehrere Erben, so sind die Verfügungen nach dem Grundsatz der in dividuellen Zustellung jedem Ein- zelnen gesondert zuzustellen. Mit der individuellen Zustellung wird der Anspruch auf rechtliches Gehör gewahrt (vgl. Zweifel in: Zweifel/Athanas [Hrsg. ], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, Basel 2002, Art. 41 StHG N 22; Rich ner/Frei/Kaufmann, Handkommentar zum DBG, Zürich 2003, Art. 116 N 15). Wird der Steuerpfl ichtige vertreten, so muss die Verfügung, die den vertraglich vertretenen Steuerpflichtigen betrifft, dem Vertreter zugestellt werden, sofern und solange das Vertretungsverhältnis der Behörde beka nnt ist. Erfolgt die Zustellung an den Seite 7 vertretenen Steuerpflichtigen statt an den Vertreter, so ist die Eröffnung mangelhaft (Zweifel, a.a.O., Art. 41 StHG N 28, N 29; Richner/Frei/Kaufma nn, a.a.O., Art. 116 N 15; Steuergerichts- entscheid [StGE] vom 27. März 2009, 510 08 77, E. 4b; vgl. auch StGE vom 18. März 2016, 510 15 74). c) Vorliegend haben alle gesetzlichen und testamentari sch eingesetzten Erben des Nachlasses B.____ im Monat Mai und Juni 2010 den Vertre ter der Rekurrentin zur Teilung des Nachlasses schriftlich bevollmächtigt. Anschliessend wurden sämtliche Vollmachten mit Schrei- ben vom 19. Juli 2010 der Steuerverwaltung zugestellt. Da die Vollmachten von sämtlichen Er- ben und Legatnehmern ausgestellt und diese der Steuer verwaltung bekannt gemacht worden sind, hätte die Erbschaftssteuer-Rechnung vom 9. Novembe r 2015 entgegen der individuellen Zustellung und gestützt auf das Vertretungsverhältnis ni cht den einzelnen Erben und Legat- nehmern, sondern ihrem Vertreter zugestellt werden mü ssen. Daraus folgt, dass die Zustellung der Erbschaftssteuer-Rechnung mit einem Eröffnungsmangel behaftet ist. 4. Fraglich ist nun, wie in Fällen fehlerhafter Verwa ltungsakte, wozu die mangelhaft eröff- nete Erbschaftssteuer-Rechnung zählt, zu verfahren ist und welche Rechtsfolgen eine mangel- hafte Eröffnung nach sich zieht. a) Gemäss Art. 38 des Bundesgesetzes über das Verwalt ungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG) darf den Parteien kein Nachteil aus mangelhafter Eröffnung erwach- sen. b) Die Folgen mangelhafter Eröffnung werden in Art . 38 VwVG äusserst kurz und allgemein umschrieben. Der Leitgedanke bestimmt, dass d en Parteien aus mangelhafter Eröff- nung kein Nachteil erwachsen darf (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, N 1079; Uhlmann/ Schilling-Schwank in: Wald- mann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsver fahrensgesetz, 2. Auflage, Zü- rich 2016, Art. 38 N 1; Rhinow/Koller/Kiss/Thurnherr/B rühl-Moser, Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N 1245). Allgemein dazu ist zunä chst festzuhalten, dass fehlerhafte Ver- waltungsakte in der Regel nicht nichtig, sondern nur an fechtbar sind, und sie durch Nichtan- fechtung rechtsgültig werden (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 1088). Bei der Abgrenzung zwischen blosser Anfechtbarkeit und Nichtigkeit folgt die Rechtsprechung der sogenannten Evi- denztheorie. Danach ist eine Verfügung nichtig, wenn d er ihr anhaftende Mangel besonders Seite 8 schwer und offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar i st und zudem die Rechtssicherheit dadurch nicht ernsthaft gefährdet wird (BGE 139 II 243 , 260; BGE 138 II 501, 503; BGE 137 I 273, 275; Bundesverwaltungsgerichtsentscheid [BVGE] 2013 /38, E. 4.1; BVGE 2008/8, E. 6.2; StGE vom 19. September 2014, 510 14 15, E. 3a; StGE vom 26. Juni 2009, 510 09 7, E. 2d; StGE vom 27. März 2009, 510 08 77, E. 5a). Nichtigkeit bedeutet absolute Unwirksamkeit einer Verfügung, wobei die Verfügung dabei keinerlei Rechtsw irkungen entfaltet und vom Erlass an (ex tunc) und ohne amtliche Aufhebung rechtlich unverbi ndlich ist (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 1096 ff.; Uhlmann/Schilling-Schwank, a.a.O., Art. 38 N 3). c) Eine Verfügung erlangt weder rechtliche noch tatsäch liche Existenz, wenn ein unverzichtbarer, eigentlicher Verfahrensbestandteil fe hlt, welcher erst der Verfügung Geltungs- kraft vermitteln würde. So kommt die Verfügung gar ni cht erst zustande, wenn die Eröffnung vollständig unterbleibt. Die Bekanntgabe ist unabdingb arer Bestandteil des auf den Erlass der Verfügung hinzielenden Verwaltungsverfahrens. Wird dagegen die Verfügung nur einem einzel- nen Betroffenen nicht bekannt gemacht, so ist nicht das Zustandekommen der Verfügung an- gesprochen, sondern die Rechtsfolge des Eröffnungsfeh lers bezüglich der ungleich behandel- ten Betroffenengruppierungen (Stadelwieser, Die Erö ffnung von Verfügungen, St. Gallen 1994, S. 148; StGE vom 27. März 2009, 510 08 77, E. 5a). Nach der Anfechtbarkeit und der Nichtigkeit mangelhafter Verfügungen ist demnach eine weite- re Unterscheidung zu treffen. Die teilweise Nicht-Eröff nung einer Verfügung zieht weder Nich- tigkeit noch Anfechtbarkeit nach sich. Einzelne Rechtsfol gen für die bei der Eröffnung nicht be- rücksichtigten Personen beginnen noch nicht zu laufen. Di e Rechtsmittelfrist beginnt somit erst zu laufen, wenn der Partei tatsächlich die Verfügung eröffnet worden ist oder sie Kenntnis erhal- ten hat und die Eröffnung hätte erwirken können (vgl. Stadelwieser, a.a.O., S. 171; Kie- ner/Rütsche/Kuhn, Öffentliches Verfahrensrecht, 2. Auflag e, Zürich/St. Gallen 2015, N 622; BGE 134 V 306, 312 f.; BGE 116 Ib 321, 326; BGE 9C_ 791/2010, E. 2 ff.; BGE 2A.74/2003, E. 2.4; BGE 2P.187/2003, E. 6.2; BVGE C-1400/2012, E. 2; BVGE A-6799/2007, E. 3; StGE vom 18. März 2016, 510 15 74, StGE vom 19. September 2014 , 510 14 15, E. 3a, StGE vom 26. Juni 2009, 510 09 7, E. 3a; StGE vom 27. März 2009, 51 0 08 77, E. 5a). Der Adressat geniesst jedoch keinen Schutz, wenn er trotz des Eröffnungsfehler s keinen Nachteil erlitten hat (BVGE A-5540/2013, E. 2.2.2; BVGE A-5926/2012, E.2.3.1; BVGE A-2784/2010, E. 2.1). d) Vorliegend wurde die Erbschaftssteuer-Rechnung am 9 . November 2015 sämtli- chen Erben und Legatnehmern zugestellt und damit eröf fnet. Die Verfügungen hätten jedoch, wie unter Ziffer 3c hiervor ausgeführt wurde, aufgrund der ausgestellten und der Steuerverwal- Seite 9 tung bekannt gemachten Vollmachten ihrem Vertreter zugestellt werden müssen, sodass eine mangelhafte Eröffnung der Erbschaftssteuer-Rechnung vor liegt. Da dem Vertreter daraus kein Nachteil erwachsen darf, beginnt die Frist erst ab dem Zeitpunkt zu laufen, als er tatsächlich von der Verfügung Kenntnis erlangt hat. Der Zeitpunkt der tatsächlichen Kenntnisnahme ist vor- liegend nicht bekannt. Festzuhalten bleibt jedoch, da ss sowohl die Rekurrentin als auch der Vertreter mit jeweiligem Schreiben am 14. November 2 015 fristgerecht Einsprache gegen die Erbschaftssteuer-Rechnung erhoben haben. Somit ist weder den Vertretenen noch dem Vertre- ter trotz Eröffnungsmangel ein Rechtsnachteil erwachsen, weshalb sie keinen Schutz aus man- gelhafter Eröffnung geniessen. 5. Zu prüfen bleibt nun noch, ob die Verjährung zum Zeitpunkt der Zustellung der Erb- schaftssteuer-Rechnung bereits eingetreten ist. a) Gemäss Art. 47 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direk- ten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezem ber 1990 (StHG) verjährt das Recht, eine Steuer zu veranlagen, fünf Jahre, bei Stillstand oder Unterbrechung spätestens 15 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode. Nach § 18 des Gesetzes über die Erbschafts- und die Schen kungssteuer vom 7. Januar 1980 vom 7. Januar 1980 (ESchG) ist für die Veran lagung die kantonale Steuer- verwaltung zuständig. Im Weiteren finden gemäss § 24 E SchG die Bestimmungen des Steuer- gesetzes, ausgenommen § 20, unmittelbar oder sinngemäss Anwendung. Entsprechend § 24 ESchG i.V.m. § 147 Abs. 1 StG verj ährt somit das Recht eine Steuer zu veranlagen, 5 Jahre, bei Stillstand oder Unterbrechung der Verjährung spätestens 15 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode. b) Bei der Veranlagungsverjährung werden Beginn und Ende sowohl der relativen als auch der absoluten Verjährungsfrist abschliessend gere gelt. Gemäss Literatur sowie kon- stanter Praxis des Steuergerichts und des Kantonsgerichts b eginnt die fünfjährige relative Ver- jährungsfrist, innert der eine Steuer zu veranlagen ist, am ersten Tag nach Ablauf der Steuerpe- riode; bei Stillstand oder Unterbruch der Verjährung läuft die Frist spätestens nach 15 Jahren ab (vgl. Greminger in: Zweifel/Athanas [Hrsg.], Komm entar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, Art. 47 StHG N 8; vgl. auch Steuerinformationen der Schweizerischen Steuerkonferenz [SSK], kurzer Überblick über die Erbschafts- und Schenkung ssteuern, Stand März 2013, S. 9; Schneider/Merz in: Nefzger/Simonek/Wenk [Hrsg.], Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Seite 10 Basel-Landschaft, Basel 2004, § 147 N 3; Urteil des K antonsgerichts Basel-Landschaft vom 2. Juli 2003, Nr. 158. E. 2c; StGE vom 27. März 2009, 510 08 77, E. 6b; StGE vom 3. Juli 2009, 510 09 18, E. 2b). Aus diesem Grunde und mangels eigener Bestimmung im Er bschafts- und Schenkungs- steuergesetz sind Art. 47 Abs. 1 StHG und § 24 ESchG i.V .m. § 147 Abs. 1 StG sowie die ent- sprechende Lehre und Praxis bezüglich der Veranlagungsverjä hrung analog auf die Erb- schaftssteuer anwendbar, mithin beginnt die Verjährungsfrist, innert der eine Steuer zu veranla- gen ist, am ersten Tag nach Ablauf der Steuerperiode (vgl. Entscheid der Steuerrekurskommis- sion des Kantons Basel-Landschaft vom 21. März 1997, Nr. 27/1997, E. 2b; StGE vom 27. März 2009, 510 08 77, E. 5b; StGE vom 3. Juli 2009, 510 09 18, E. 2b). c) Gemäss § 147 Abs. 4 lit. a StG beginnt die Verjäh rung mit jeder auf Feststellung oder Geltendmachung der Steuerforderung gerichteten Amtshandlung, die einer steuerpflichti- gen oder mithaftenden Person zur Kenntnis gebracht wir d, neu, wobei unter anderem die Zu- stellung des Steuererklärungsformulars, die Aufforderun g zur Ergänzung der Beilagen der Steuererklärung und die Eröffnung einer definitiven oder provisorischen Steuerveranlagung sol- che Amtshandlungen darstellen (Beusch in: Zweifel/Atha nas [Hrsg.], Kommentar zum Schwei- zerischen Steuerrecht I/1, Art. 47 StHG N 5, 8; Schneide r/Merz, a.a.O. § 147 N 6). Die Verjäh- rung beginnt gemäss § 147 Abs. 3 lit. a StG nicht oder steht still, während eines Einsprache-, Rekurs-, Beschwerde- oder Revisionsverfahrens. Die Zeit des Stillstands der Verjährung darf für die Verjährungsdauer nicht mitgerechnet werden (Schneider/Merz, a.a.O. § 147 N 6). d) Die Erblasserin B.____ ist am 28. März 2010 verstorbe n. Die fünfjährige relative Veranlagungsverjährung hat am ersten Tag nach Ablauf der Steuerperiode, d.h. am 1. Januar 2011, zu laufen begonnen und endete, ohne Berücksichtig ung von Unterbruch und Stillstand, am 31. Dezember 2015. Die Erbschaftssteuer-Rechnung wurd e am 9. November 2015 inner- halb der relativen Veranlagungsverjährung den Erben u nd Vermächtnisnehmern zugestellt, wo- bei mit Zustellung der Erbschaftssteuer-Rechnung die Ve rjährung neu zu laufen begonnen hat, da es sich dabei um eine auf Geltendmachung der Steue rforderung gerichtete Amtshandlung handelt, die den Steuerpflichtigen zur Kenntnis gebra cht wurde. Folglich begann die Frist am 10. November 2015 neu zu laufen und würde, ohne Berücksichtigung von Unterbruch oder Still- stand, am 9. November 2019 enden. Dabei ist zusätzlich der Stillstand der Verjährung während eines Einsprache-, Rekurs-, Beschwerde- oder Revisionsverfahrens zu berücksichtigen. Ebenfalls hat die fünfzehnjährige absolute Veranlagu ngsverjährungsfrist am ersten Tag nach Ablauf der Steuerperiode, d.h. am 1. Januar 20 11, zu laufen begonnen und wird am 31. Seite 11 Dezember 2025 enden. Somit wurde sowohl die relative a ls auch die absolute Veranlagungs- verjährungsfrist zum Zeitpunkt der Zustellung der Erbschaftssteuer-Rechnung eingehalten. Der Rekurs erweist sich damit insgesamt als unbegründet und ist abzuweisen. 6. Ausgangsgemäss sind der unterliegenden Rekurrentin die Verfahrenskosten aufzuerle- gen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und Abs. 3 des Gesetze s vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO]) und es ist ihr keine Parteientschädigung zuzusprechen (§ 130 StG i.V.m. § 21 VPO). Seite 12 Demgemäss w i r d e r k a n n t : ://: 1. Der Rekurs wird abgewiesen. 2. Die Rekurrentin hat gemäss § 130 StG i.V.m. § 20 VPO die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘000.-- (inkl. Auslagen von pauschal Fr. 100.--) zu bezahlen, welche mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss verrechnet werden. 3. Der Antrag auf Ausrichtung einer Parteientschädigun g wird abgewiesen. 4. Mitteilung an den Vertreter, für sich und zhd. de r Rekurrentin (2) und die Steuerverwal- tung des Kantons Basel-Landschaft (3).