B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-3887/2009 U r t e i l v o m 3 0 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Jean-Daniel Dubey, Richterin Marie-Chantal May Canellas, Gerichtsschreiber Lorenz Noli. Parteien X._______, Beschwerdeführer, vertreten durch lic. iur. Roger Wirz, Advokat, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Zustimmung zur kantonalen Aufenthaltsregelung gestützt auf Art. 14 Abs. 2 AsylG. C-3887/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein 1982 geborener türkischer Staatsangehöriger aus der Provinz Y ._______, gelangte im Dezember 2003 in die Schweiz und ersuchte um Asyl. Für die Dauer des Asylverfahrens wurde er dem Kanton Base l-Landschaft zugewiesen. Mit Verfügung vom 31. Ja- nuar 2005 wurde der Asylantrag erstinstanzlich abgelehnt, der Beschwer- deführer wurde aus der Schweiz weggewiesen und der Vollzug der We g- weisung angeordnet. Einer gegen diese Verfügung erhobenen Be - schwerde war kein Erfolg beschieden (Urteil des Bundesverwaltungsge - richts D-4389/2006 vom 7. November 2008). B. Im Nachgang zu einem entsprechenden Gesuch des Beschwerdeführers gelangte die Migrationsbehörde des Kantons Basel -Landschaft am 24. Februar 2009 an die Vorinstanz mit dem Antrag auf Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 14 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31). Nach Einladung zur Stellungnahme, von der der Beschwerdeführer mit einer Eingabe vom 7. Mai 2009 Gebrauch gemacht hatte, erliess die Vorinstanz am 13. Mai 2009 eine abweisende Verfügung. C. Gegen die letztgenannte Verfügung legte der Beschwerdeführer am 15. Juni 2009 Rechtsmittel beim Bundesverwaltungsgericht ein und stellte die folgenden Rec htsbegehren: Es sei in Gutheissung der Beschwerde die Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung aus humanitä - ren Gründen zu erteilen und er sei zu diesem Zweck von der zahlenmä s- sigen Begrenzung auszunehmen, eventualiter sei die Vorin stanz anz u- weisen, die Zustimmung zu erteilen und ihn von der zahlenmässi gen Be- grenzung auszunehmen. D. Auf Aufforderung hin reichte der Beschwerdeführer am 2. Juli 2009 einen Arztbericht der kantonalen psychiatrischen Klinik in Liestal vom 18. Juni 2009 zu den Akten. E. Gestützt auf eine entsprechende Rüge des Beschwerdeführers kam die Vorinstanz im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens am 2. Septem - ber 2009 auf die angefochtene Verfügung zurück, hob sie auf und er -C-3887/2009 Seite 3 setzte sie durch eine neue, mit der die Begehren des Beschwerdeführers unter einer zusätzlichen Rechtsgrundlage geprüft, aber wiederum abg e- wiesen wurden. F. In einer Instruktionsanordnung des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. September 2011 wurde dem Beschwerdeführer Gelegenheit zur Aktu- alisierung des Sachverhalts gegeben. Davon machte er mit einer Eingabe vom 7. Oktober 2011 Gebrauch. G. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit entscheidrelevant, in den Erwä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Verfügungen des BFM betreffend Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG unterliegen der Be - schwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 31, Art. 32 sowie Art. 33 Bst. d des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). 1.2. Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwal - tungsverfahren (VwVG, SR 172.021) soweit das Verwaltungsgerichtsge - setz und das Asylgesetz nichts anderes bestimmen (Art. 6 AsylG und Art. 37 VGG ). 1.3. Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf seine frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 49 ff. VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bun desverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be schwerde- verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann C-3887/2009 Seite 4 die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3. 3.1. Nach Art. 14 Abs. 2 AsylG kann der Kanton mit Zustimmung des BFM einer ihm nach dem Asylgesetz zugewiesenen Person eine Aufenthalt s- bewilligung erteilen, wenn diese Person sich seit Einreichung des Asylge- suches mindestens fünf Jahre in der Schweiz aufhält (Bst. a), ihr Aufen t- haltsort den Behörden immer bek annt war (Bst. b) und wegen ih rer fort- geschrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher Härte fall vor- liegt (Bst. c). Die Regelung des Art. 14 Abs. 2 AsylG bildet eine Ausna h- me von dem in Abs. 1 derselben Bestimmung verankerten Grundsatz der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens, der die Durchfüh rung eines au s- länderrechtlichen Bewilligungsverfahrens von der Einreichung eines Asyl- gesuchs bis zur Ausreise oder bis zur Anordnung der vor läufigen Auf- nahme verbietet, es sei denn es bestehe ein Anspr uch darauf. Die Au s- nahmeregelung des Art. 14 Abs. 2 AsylG kommt unabhän gig davon zur Anwendung, ob das Asylverfahren noch rechtshängig ist. 3.2. Der Beschwerdeführer hat den Status einer nicht ausgereisten au s- ländischen Person mit negativem Asyl - und Wegweisungsentscheid. Da er über keinen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ver - fügt, muss er den Grundsatz der Ausschliesslichkeit des Asylverfah rens gemäss Art. 14 Abs. 1 AsylG gegen sich gelten lassen. Folge ist, dass die ausländerrechtliche R egelung seines weiteren Aufenthaltes in der Schweiz nur gestützt auf die Ausnahmeregelung des Art. 14 Abs. 2 AsylG möglich ist. Die Voraussetzungen des Art. 14 Abs. 2 Bst. a und b AsylG erfüllt der Beschwerdeführer: Denn er hält sich seit Einreichung des A syl- gesuchs im Jahr 2003 mehr als fünf Jahre in der Schweiz auf, und sein Aufenthaltsort war den Behörden immer bekannt. Zu prüfen bleibt, ob bei ihm nach Massgabe von Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG "wegen der fortg e- schrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher Härte fall vo r- liegt". 3.3. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ent - spricht der unbestimmte Rechtsbegriff des schwerwiegenden persönli - chen Härtefalls nach Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG weitgehend dem Härt e- fallbegriff von Art. 30 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 16. Dezem- ber 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20), der seinerseits auf der Vorgängerregelung des Art. 13 Bst. f der Verord nung C-3887/2009 Seite 5 vom 6. Oktober 1986 über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (BV O, AS 1986 1791) aufbaut. Die namentlich vom Bundesgericht zum Här - tefallbegriff des Art. 13 Bst. f BVO entwickelte Rechtsprechung ist da her im Kontext von Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG weiterhin massgebend (vgl. dazu eingehend BVGE 2009/40 E. 5 mit Hinweisen). 4. 4.1. In gleicher Weise wie im ordentlichen Ausländerrecht darf auch im Anwendungsbereich des Asylgesetzes ein schwerwiegender persönlicher Härtefall nicht leichthin angenommen werden. Erforderlich ist, dass sich die ausländische Person in einer Notlage befindet. Das bedeutet, dass ih- re Lebens - und Existenzbedingungen, gemessen am durchschnittlichen Schicksal von ausländischen Personen, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sind bzw. die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung für sie mit schweren Nach teilen verbunden wäre. Entscheidend ist, ob die Auf - gabe des Aufenthaltes in der Schweiz und die Rückkehr in das Herkunfts- land die Existenz der ausländischen Person in gesteigertem Masse in Frage stellen und mithin eine besondere Härte darstellen würde. D arüber ist aufgrund der gesamten Umstände des Einzelfalles zu befinden. B e- sonders wichtige Wertungsgesichtspunkte führt beispielhaft Art. 31 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) in A nlehnung an die Rechtspre - chung zum altrechtlichen Härtefallbegriff des Art. 13 Bst. f BVO auf. Im Einzelnen werden folgende Kriterien genannt: Die Integration (Bst. a), die Respektierung der Rechtsordnung (Bst. b), die Familienverhältnisse (Bst. c), die finanziellen Verhältnisse sowie der Wille zur Teilhabe am Wirt - schaftsleben und zum Erwerb von Bildung (Bst. d), die Dauer der Anw e- senheit (Bst. e), der Gesundheitszustand (Bst. f) und die Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im Herkunftsland (Bst. g). 4.2. Die Anerkennung als Härtefall setzt nicht zwingend voraus, dass die Anwesenheit in der Schweiz das einzige Mittel zur Verhinderung einer persönlichen Notlage darstellt. Auf der anderen Seite genügen eine lan g- dauernde Anwesenheit und die gute Integration sowie ein klagloses Ve r- halten für sich allein betrachtet nicht, um einen schwerwiegenden persön- lichen Härtefall zu begründen. Vielmehr wird vorausgesetzt, dass die aus- ländische Person so enge Beziehungen zur Schweiz unterhält, dass von ihr nicht verlangt werden kann, in einem anderen Land – insbesondere in ihrem Heimatstaat – zu leben. Berufliche, freundschaftliche und nachbar- schaftliche Beziehungen, welche die be troffene Person während ihres Aufenthaltes in der Schweiz knüpfen konnte, genügen dieser Anforderung C-3887/2009 Seite 6 gewöhnlich nicht (vgl. BGE 130 II 39 E. 3 S. 41 f. und BVGE 2007/45 E. 4.2 je mit Hinweisen). Immerhin wer den bei einer sehr langen Aufen t- haltsdauer weniger hohe Anforderungen an das Vorliegen besonderer Umstände, wie etwa eine überdurchschnitt liche Integration oder andere Faktoren, gestellt, welche die Rückkehr ins Hei matland als ausgespr o- chen schwierig erscheinen lassen (vgl. BGE 124 II 110 E. 3 S. 113; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-4306/2007 vom 11. Dezember 2009 E. 6.3). 4.3. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass die ausländerrechtliche Zulassung wegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles nicht das Ziel verfolgt, eine ausländische Person gegen die Folgen eines Krie - ges oder des Missbrauchs staatlicher Gewalt zu schützen . Dafür stehen die Rechtsinstitute des Asyls oder der vorläufigen Aufnahme zur Verfü - gung (BGE 123 II 125 E. 3 S. 127 f.; 119 Ib 33 E. 4b S. 42 f.). Im Zusam - menhang mit dem schwerwiegenden persönlichen Härtefall sind aus - schliesslich humanitäre Gesichtspu nkte ausschlaggebend, wobei im Zentrum der Überlegungen die Verankerung der ausländischen Person in der Schweiz steht. Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG betont diesen Umstand ausdrücklich, indem er verlangt, dass der Härtefall gerade wegen der fortgeschrittenen Integration in der Schweiz eintritt. Im Rahmen einer Ge - samtschau sind jedoch gemäss langjähriger Praxis auch der Gesun d- heitszustand einer Person sowie die Möglichkeiten einer Wiederein - gliederung im Herkunftsland in die Beurteilung einzubeziehen (heut e sind diese von der Rechtsprechung entwickelten Kriterien in Art. 31 Abs. 1 Bst. f und g VZAE positivrechtlich verankert). Das kann nicht los gelöst von den persönlichen, familiären und ökonomischen Schwierigkei ten gesche- hen, denen eine ausländische Pers on in ihrem Hei matland ausgesetzt wäre (vgl. BGE 123 II 125 E. 3 S. 128). Daraus er gibt sich eine gewisse Überschneidung von Gründen, die den Wegwei sungsvollzug betreffen, und solchen, die einen Härtefall (mit)begründen kön nen. Dies ist nicht zu vermeiden und in Kauf zu nehmen. 5. Vor dem Hintergrund der erwähnten Beurteilungskriterien stellt sich der entscheidswesentliche Sachverhalt wie folgt dar: 5.1. Der Beschwerdeführer hält sich seit etwas mehr als acht Jahren in der Schweiz auf. Die Dauer seines bisherigen Aufenthalts kann (im vorlie- genden rechtlichen Kontext) sicherlich nicht mehr als kurz, aber auch noch nicht als besonders lange betrachtet werden. Ausschlaggebende C-3887/2009 Seite 7 Bedeutung kommt ihr jedenfalls nicht zu. Insbesondere kann der B e- schwerdeführer nichts aus der Rechtsprechung des Bundesgerichts ab - leiten, wonach bei einer ausländischen Person, die sich seit zehn Jah ren in der Schweiz aufhält, in der Regel vom Vorliegen eines schwerwiegen - den persönlichen Härtefalles auszugehen ist, sofern sie finan ziell unab- hängig, sozial und beruflich gut integriert, sich bis dahin klag los verhalten und die Dauer des bisherigen Aufenthalts nicht durch miss bräuchliches Ergreifen von Rechtsmitteln selbst verursacht hat. Denn diese Rech t- sprechung bezieht sich auf Asyl bewerber, über deren Asylge such nach zehn Jahren immer noch nicht befunden wurde (BGE 124 II 125 E. 3 S. 112 f.). Damit wird der besonderen Situation dieser Personenkategorie Rechnung getragen, die von Verfahrens wegen gezwungen ist, den Ko n- takt zum Herku nftsland abzubrechen. Der Beschwerdeführer befindet sich aber in einer anderen Situation. Über die asylrechtliche Erheblichkeit der von ihm geltend gemachten Fluchtgründe wurde erstin stanzlich im Januar 2005, zweitinstanzlich im November 2008 entschie den. Sein Auf- enthalt über die definitive Ausreisefrist hinaus gründet sich ausschlies s- lich auf der Duldung durch den Aufenthaltskanton während der Recht s- hängigkeit des ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahrens. We der war der Beschwerdeführer während dieser Zeit gezwungen, den Kontakt zu seiner Heimat abgebrochen zu halten, noch konnte er in guten Treuen davon ausgehen, dass sein Aufenthalt in der Schweiz trotz abgewie - senem Asylgesuch geregelt werde. Es rechtfertigt sich vorliegend auch nicht, gestützt auf die Dauer des bisherigen Aufenthalts die Anforde - rungen an andere zu prüfende Wertungsgesichtspunkte herabzusetzen. 5.2. Bezüglich seiner sozialen Integration machte der Beschwerdeführer in seinem an die kantonale Migrationsbehörde gerichteten, verfahrens - auslösenden Gesuch vom 10. Dezember 2008 geltend, er habe sich dank seiner persönlichen Fähigkeiten, seines Charakters und Willens rasch in die hiesige Gesellschaft eingegliedert. Er habe bei seiner Arbeitstätigkeit in einem Restaurant und als Mitglied eines F itness-Clubs zahlreiche Kon- takte zur schweizerischen Bevölkerung geknüpft. In sieben beigebrachten Schreiben verwendeten sich Bekannte des Beschwerdeführers für ein Bleiberecht und bestätigten dabei seine guten Charaktereigenschaften und eine gelungene I ntegration. Ebenfalls für ein Bleiberecht sprachen sich 26 Petitionäre auf einem Unterschriftsbogen aus, der bei gleicher Gelegenheit zu den Akten gegeben wurde. Demnach sei der Beschwe r- deführer in seinem Umfeld als herzlicher und freundlicher Mitmensch b e- kannt. In seiner Stellungnahme zuhanden der Vorinstanz vom 7. Mai 2009 wies der Beschwerdeführer zusätzlich darauf hin, dass er regel -C-3887/2009 Seite 8 mässig eine öffentliche Bibliothek besuche, dort ausschliesslich deutsc h- sprachige Medien ausleihe, und er hier in der Sch weiz die Prü fung für Fahrzeugführer abgelegt habe. In der Beschwerde legt er Wert auf die Feststellung, dass er in der Zeit seines Aufenthalts in der Schweiz ein "erstaunlich dichtes und intensives Beziehungsnetz" habe aufbauen kön - nen. In sprachlicher Hinsicht habe er einen Deutschkurs besucht, obwohl er die kantonalen Anforderungen an die Sprachkenntnisse bereits zu vor erfüllt habe. Die kantonale Migrationsbehörde bestätigte schon in ih rer Überweisung vom 24. Februar 2009, dass der Beschwerdeführer gut Deutsch spreche und einen Sprachtest sehr gut bestanden habe. Die vorhandenen Akten lassen ohne Zweifel darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer – vor allem an seinem Arbeitsplatz, aber auch im pr i- vaten Bereich – um eine Integration in sein schweize risches Umfeld be - müht ist und er dabei auch gut vorankommt. Dennoch kann entgegen sei- ner eigenen Darstellung nicht davon ausgegangen werden, seine bishe - rige Integration in persönlich -sozialer Hinsicht sei weit überdurch - schnittlich. Darauf ist weder aus der Anzahl, noch dem Inhalt eingereich - ter Unterstützungsschreiben und auch nicht etwa schon aus einem ohne spezielle Aufforderung absolvierten Sprachkurs oder regelmässigen B e- suchen einer öffentlichen Bibliothek zu schliessen. 5.3. Die Rechtsordnung scheint der Beschwerdeführer problemlos zu be - achten. Jedenfalls sind keine strafrelevanten Vorkommnisse aktenkundig und der Beschwerdeführer ist auch betreibungsrechtlich nicht verzeich - net, kommt also seinen finanziellen Verpflichtungen nach. 5.4. In beruflicher Hin sicht begann der Beschwerdeführer im April 2004 (und damit frühzeitig) als Küchenbursche in einer Pizzeria zu arbeiten, übernahm schon bald zusätzliche Arbeiten im Zusammenhang mit der Zubereitung von Speisen und zügelte Mitte 2006 mit seinem Arbeitgeber in ein neues Lokal. Im März 2008 kündigte er sein Arbeitsverhältnis und trat bei einem Bruder seines bisherigen Arbeitgebers, ebenfalls in einer Pizzeria eine gleichartige Stelle an. Diesen Arbeitsplatz belegt er offenbar noch heute. In beruflicher Hinsi cht hat sich der Beschwerdeführer dem - nach in der Schweiz bisher als treuer und beständiger Arbeitnehmer e r- wiesen. Auch in dieser Hinsicht kann sicherlich auf eine solide, nicht hin - gegen auf eine weit überdurchschnittliche Integration geschlossen wer - den. C-3887/2009 Seite 9 5.5. Definitiv nicht geteilt werden kann die Einschätzung des Beschwe r- deführers in Bezug auf die Möglichkeit einer Wiedereingliede rung in der Türkei. Er weist darauf hin, dass er aus einer politisch aktiven und en t- sprechend verfolgten Familie stamme und an eine soziale Reintegra tion unter solchen Umständen "nicht zu denken" sei. Demgegen über hat der Beschwerdeführer Verwandte nicht nur in seiner Herkunftsregion, so n- dern beispielsweise auch in Istanbul. Warum diese An gehörigen nicht in der Lage sein sollt en, ihn gegebenenfalls zu unterstüt zen, ist nicht ei n- sichtig. Tritt hinzu, dass das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerde- führer in seinem asylrechtlichen Urteil D -4389/2006 vom 7. November 2008 nur bescheidenes politisches Profil zuerkannt und die von i hm gel- tend gemachte Furcht vor einer Reflexverfolgung als unbegründet b e- trachtet hat (E. 5.2). Unsubstantiiert, wenn nicht gar realitätsfremd sind auch die pauschal erhobenen Einwände in Bezug auf zu befürchtende Folgen eines versäumten Militärdienstes. De r Beschwerdeführer behaup- tet in diesem Zusammenhang, er habe eine empfindliche Strafe zu erwar- ten und müsse den versäumten Militärdienst unter widrigen Bedingungen nachholen. Mit solchen Einwänden ist – selbst wenn sie begründet sein sollten – eine Reintegration nicht ernsthaft in Frage zu stellen. Im Übrigen kann auf die Erwägungen unter Zif. 4.3 vorstehend verwiesen werden. Nicht geteilt werden kann auch die Auffassung des Beschwerdeführers, wonach ihm die berufliche Entwicklung in der Schweiz vom Kücheng ehil- fen zum Küchenchef einer Pizzeria und die in diesem Zusammenhang er- teilten guten Referenzen in der Türkei nichts nützen würden. Tatsache ist, dass er nicht nur mit seiner beruflichen Betätigung, sondern auch mit den hier erworbenen Sprachkennt nissen Fähigkeiten erlangt hat, die – bei- spielsweise im touris tischen Sektor – in der Türkei von grossem Nutzen sein können. 5.6. In gesundheitlicher Hinsicht machte der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe vom 15. Juni 2009 geltend, er sei durch den able h- nenden Entscheid der Vorinstanz in eine existentielle seelische Not ge - raten, welche einen Suizidversuch zur Folge gehabt und die Einwei sung in die kantonale Psychiatrische Klinik in Liestal notwendig gemacht habe. Aus dem nachgereichten ärztlichen Zeugn is der genannten Einrich tung vom 18. Juni 2009 ergibt sich, dass der Patient wegen akuter Suizidali tät freiwillig eingetreten sei. Er sei beim Eintritt affektiv deutlich her abge- stimmt gewesen und habe von massiven Ängsten und Anspannun gen im Zusammenhang mit dem "negativen Bescheid aus Bern" berichtet. Inzw i- schen sei die Suizidalität in den Hintergrund getre ten, hingegen bestü n- den Symptome einer Depression. Diese habe durch aus Krankheitswert, C-3887/2009 Seite 10 auch wenn sich keine Hinweise auf eine vorbestan dene psyc hiatrische Erkrankung ergäben. Im Falle einer Ausschaffung müsse mit erneuter akuter Suizidalität gerechnet werden. In seiner Ein gabe vom 7. Oktober 2011 hält der Beschwerdeführer fest, seine gesund heitliche Situation ha- be sich seit dem Aufenthalt in der psychiatrischen Kli nik stabilisiert. Er stehe momentan nicht in Behandlung. Die Stabilisie rung sei darauf z u- rückzuführen, dass er seither nicht mehr in akuter Weise mit der Gefahr einer Rückschaffung in die Türkei konfrontiert worden sei. Bereits die letz- te Korrespondenz des Bundesverwaltungsgerichts habe bei ihm aber wieder Verunsicherung und Angst ausgelöst. 5.6.1. Die psychische Beeinträchtigung steht nach dem soeben Gesagten in einem ursächlichen Zusammenhang mit der angefochtenen Verfügung, mit der dem B eschwerdeführer eine Regelung seines Aufenthalts in der Schweiz versagt wurde. Dass der drohende Verlust einer tragfähigen Le- bensperspektive in der Schweiz und der damit verbundene Wegwe i- sungsvollzug je nach Veranlagung der betroffenen Person Depressi onen bis hin zu suizidalen Gedanken bewirken kann und in vie len Fällen auch bewirkt, liegt auf der Hand. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass im Vol l- zugsstadium Drohungen mit Suizid einen neurotisch mani pulativen As- pekt haben können, weshalb ihnen in aller Regel kritisch zu begegnen ist. 5.6.2. Beim Beschwerdeführer handelt es sich gemäss den Ausführungen der beurteilenden Psychiaterin um einen motivierbaren und kooperativen Patienten, weshalb davon auszugehen ist, dass den erwähnten Risiken mit geeigneten Mitteln wirksam begegnet werden kann. Den Vollzug als solchen bzw. die Chancen einer Wiedereingliederung im Heimatland stel - len diese Risiken für sich allein nicht in Frage ( zur Suizidalität im Vollzug vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C -7090/2007 vom 23. August 2011, E. 6.3.2.3). E ine adäquate Behandlung wäre auch in der Türkei möglich, sollte sich eine solche nach Durchführung des Vollzugs noch als notwendig erweisen. In der Türkei werden psychiatrische Behandlung s- möglichkeiten in ausreichendem Mass angeboten; mittellosen Bürgeri n- nen und Bürgern stehen sie kostenlos zur Verfügung (vgl. Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts C-7090/2007 vom 23. August 2011, E. 6.3.2.3). 5.7. Im Sinne einer Gesamtbetrachtung aller im Zusammenhang mit der Härtefallfrage zu berücksichtigenden Faktoren ist demnach Fol - gendes festzustellen: Der Beschwerdeführer weist eine – gemessen an der Dauer seiner bisherigen Anwesenheit in der Schweiz – solide soziale und berufliche Integration auf. Andererseits bringt er aber auch C-3887/2009 Seite 11 alle Voraussetzungen mit, die für eine erfolgreiche Reintegration in seinem Heimatland notwendig und hilfreich sind. Er ist verhältnis - mässig jung, familiär ungebunden, hat sich w ährend seines Aufenthalts in der Schweiz berufliche und sprachliche Fähigkeiten zugelegt, die auch in der Türkei von Interesse sein können, und verfügt offenbar über Wesenszüge, die ihm den Zugang zu andern Menschen erleich - tern. Tritt hinzu, dass der Besc hwerdeführer – bis auf die er wähnte psychische Beeinträchtigung – gesund ist. Dass es ihm grosse Mühe bereitet, den Aufenthalt in der Schweiz und das hier aufgebaute berufliche und soziale Umfeld aufzugeben, ist nachvollziehbar. Dieser Umstand kann aber f ür die Beantwortung der Frage, ob eine Notlage im Sinne der einschlägigen Normen besteht, nicht entscheidend sein. Die Lebens - und Existenzbedingungen des Beschwerdeführers sind, gemessen am durchschnittlichen Schicksal von ausländischen Perso - nen, durch e ine Rückkehr in die Türkei nicht in gesteigertem Mass in Frage gestellt. Die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung ist für ihn nicht mit untragbar schweren Nachteilen verbunden. 6. Aus dem Einwand, wonach die Vorinstanz in einem angeblich vergleic h- baren Fall anders entschieden habe, kann der Beschwerdefüh rer nichts für sich ableiten. Sollte es zutreffen, dass im vom Beschwerdeführer a n- gerufenen Vergleichsfall bei allen Beurteilungskriterien identische Ve r- hältnisse bestanden – was der Beschwerdeführer mi t seinem recht pa u- schalen Einwand ("alleinstehende Person, 6 Jahre Aufenthaltsdauer, T ä- tigkeit als Pizzabäcker") nicht dargetan hat – so könnte daraus allenfalls auf einen praxiswidrigen Einzelfall, nicht aber schon auf eine abweiche n- de Praxis geschlossen werden (vgl. zum Ganzen ULRICH HÄFELIN / GE- ORG MÜLLER / FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage 2010, N 518 ff.). 7. Ist nach dem bisher Gesagten beim Beschwerdeführer nicht vom Vorli e- gen eines schwerwiegender persönlicher Härtefalles auszug ehen, so hat die Vorinstanz die Zustimmung zu einer Aufenthaltsregelung gestützt auf Art. 14 Abs. 2 AsylG zu Recht verweigert. Die angefochtene Ver fügung erweist sich demnach als rechtmässig (Art. 49 VwVG) und die Beschwe r- de ist abzuweisen. 8. Bei diesem A usgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer die C-3887/2009 Seite 12 Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Regle - ments vom 21. Februar 2008 über Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 9. Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge set- zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). (Dispositiv Seite 13) C-3887/2009 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor schuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage N […]) – das Amt für Migration Basel-Landschaft (Beilage: Dossier BL […]) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Lorenz Noli