Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 16. März 2020 (460 18 321) ____________________________________________________________________ Strafrecht Fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst Besetzung Vizepräsident Markus Mattle, Richterin Susanne Afheldt (Ref.), Richter Dominique Steiner; Gerichtsschreiberin Manuela Illgen Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin B.____, Privatkläger gegen A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Lorenz Baumann, Mühlebachstrasse 2, Postfach 22, 8024 Zürich, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 25. Juli 2018 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (nachfolgend Strafgericht) vom 25. Juli 2018 wurde A.____ (nachfolgend Beschuldigter bzw. Berufungskläger) gemäss Art. 222 Abs. 1 StGB der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst schuldig erklärt, wobei in Anwendung von Art. 5 StPO von einer Bestrafung abgesehen wurde (Dispositiv -Ziffer 1). Die beschlagnahmten Ge- genstände (1 Sparren und 1 Stück Gutex) wurden zur Vernichtung eingezogen (Dispositiv-Ziffer 2). Des Weiteren wurde die Entschädigungsforderung von B.____ (nachfolgend Privatkläger) ge- mäss Art. 126 Abs. 3 StPO dem Grundsatz nach gutgeheissen und im Übrigen auf den Zivilweg verwiesen (Dispositiv-Ziffer 3). Schliesslich wurden dem Beschuldigten die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 10'604.55, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 9'104.55 und der Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.--, auferlegt (Dispositiv-Ziffer 4). Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgend aufgeführten Parteianträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. B. Gegen das obgenannte Urteil meldete der Beschuldigte, dannzumal vertreten durch Rechtsanwalt PD Dr. Peter Reetz, am 31. Juli 2018 die Berufung an. Mit bereits kurz begründeter Berufungserklärung vom 30. Oktober 2018 beantragte der Beschuldigte, (1.) es sei das strafge- richtliche Urteil vollumfänglich aufzuheben, (2.) der Beschuldigte sei vom Vorwurf der fahrlässi- gen Verursachung einer Feuersbrunst freizusprechen, (3.) es seien die Verfahrenskosten des erstinstanzlichen Verfahrens, welche durch die Anträge zum Zivilpunkt verursacht worden seien, dem Privatkläger aufzuerlegen und die restlichen erstinstanzlichen Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu nehmen, eventualiter seien sämtliche Verfahrenskosten der ersten Instanz auf die Staatskasse zu nehmen, (3.) es seien die Kosten des Berufungsverfahrens auf die Staats- kasse zu nehmen, (4.) es sei dem Beschuldigten eine angemessene Entschädigung seiner Auf- wendungen für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte und eine angemessene Entschädigung für die wirtschaftlichen Einbussen, die ihm aus seiner notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden seien, auszurichten, zuzüglich MWSt. Des Weiteren stellte der Be- schuldigte die Beweisanträge, (1.) es sei ein Augenschein an der von der C.____ A G erstellten Dachnachbildung mit Verlängerung der Abgasanlage an der D.____strasse 4, E.____, durchzu- führen, (2.) es sei ein unabhängiges Zweitgutachten einzuholen, welches insbesondere sämtliche möglichen Zusammenhänge in Betracht ziehe, die zum Brand gef ührt hätten, (3.) schliesslich seien der Werkvertrag vom 20. Juli 2011 / 4. August 2011 / 6. August 2011 zwischen der Privat- klägerschaft und der C.____ AG (Arbeitgeberin des Beschuldigten; Beilage 3) sowie als weitere Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beweisurkunden die entsprechenden Pläne zum Werkvertrag (Beilage 4), die Schlussrechnung Nr. 200010250 der C.____ AG betreffend die Bedachungsarbeiten am F.____weg 16 in G.____ (Beilage 5), die Akontorechnung Nr. 200009520 vom 7. Oktober 2011 und die Akontorechnung Nr. 200009620 vom 26. Oktober 2011 (Beilage 7) entgegen zu nehmen. C. Die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft, Allgemeine Hauptabteilung (nachfolgend Staatsanwaltschaft) erklärte sodann am 5. November 2018 eine bereits summarisch begründete Anschlussberufung und stellte die Rechtsbegehren, (1.) es sei der Beschuldigte zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 20 Tagessätzen, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 500.-- zu verurteilen, wobei die Tagessatzhöhe im gerichtlichen Ermessen festzu- legen sei, (2.) es sei das vorinstanzliche Urteil im Übrigen zu bestätigen, so insbesondere im Schuldpunkt, (3.) die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen. D. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht (nachfolgend Kantonsgericht), vom 30. November 2018 wurde unter anderem festgestellt, dass der Privatklä- ger weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben hat. E. Das Kantonsgericht hielt mit weiterer Verfügung vom 7. Januar 2019 unter anderem fest, dass der Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft auf eine ergänzende Begründung der Beru- fungserklärung bzw. Anschlussberufungserklärung verzichtet haben. F. In ihrer Berufungsantwort vom 5. Februar 2019 stellte die Staatanwaltschaft die Anträge, (1.) es sei die Berufung des Beschuldigten abzuweisen, (2.) es sei die anschlussweise erhobene Berufung der Staatsanwaltschaft gutzuheissen, (3.) es seien die von der Verteidigung gestellten Beweisanträge abzuweisen und nur die eingereichten ergänzenden Beweisurkunden zu den Ak- ten zu nehmen, (4.) es sei der Erstgutachter zu kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung zu laden. G. In seiner Anschlussberufungsantwort vom 8. Februar 2019 verzichtete der Beschuldigte auf eine schriftliche Stellungnahme zur Anschlussberufung der Staat sanwaltschaft vom 5. No- vember 2018 und verwies auf seine Äusserungen im Rahmen des Parteivortrages anlässlich der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht. Dabei hielt der Beschuldigte an seinen Anträgen vollum- fänglich fest. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 20. Februar 2019 wurden unter anderem die Be- weisanträge des Beschuldigten, es sei ein Augenschein an der von der C.____ AG erstellten Dachstocknachbildung mit Verlängerung der Abgasanlage an der D.____strasse 4 in E.____ durchzuführen und es sei ein Z weitgutachten einzuholen, abgewiesen. Ebenso abgewiesen wurde der Beweisantrag der Staatsanwaltschaft, es sei der Sachverständige zur kantonsgericht- lichen Hauptverhandlung zu laden. Demgegenüber wurden die mit Berufungserklärung vom 30. Oktober 2018 eingereichten Dokumente, nämlich der Werkvertrag vom 20. Juli 2011 / 4. August 2011 / 6. August 2011 zwischen der Privatklägerschaft und der C.____ AG sowie die Pläne zum Werkvertrag, zu den Akten genommen. Sodann wurde der Schriftenwechsel geschlossen und die Parteien wurden zur kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung geladen, wobei dem Privatkläger die Teilnahme ins freie Ermessen gestellt wurde. I. Mit Eingabe vom 27. August 2019 ersuchte Rechtsanwalt PD Dr. Peter Reetz mangels persönlichen Kontakts mit dem Beschuldigten und damit gehöriger Vertretung desselben um Ver- schiebung der auf den 10. September 2019 angesetzten kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung. Mit weiterer Eingabe desselben vom 28. August 2019 wurde das Verschiebungsgesuch vom 27. August 2019 zurückgezogen sowie mitgeteilt, dass der Beschuldigte nicht mehr durch Rechtsan- walt PD Dr. Peter Reetz vertreten werde. J. Das Kantonsgericht verfügte am 30. August 2019 unter anderem die Abbietung der ur- sprünglich für den 10. September 2019 anberaumten kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung. K. Sodann wurde nach entsprechender Mitteilung des neuen Vertretungsverhältnisses durch Rechtsanwalt Lorenz Baumann vom 9. September 2019 mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 11. September 2019 unter anderem festgestellt, dass Rechtsanwalt Lorenz Baumann als Wahl- verteidiger des Beschuldigten bestimmt worden ist, und es wurden dem neuen Verteidiger die Verfahrensakten zur Einsichtnahme zugestellt. L. In seiner weiteren Eingabe vom 5. März 2020 unter Beilage einer Tabelle zur Berechnung der Branddauer wies der Beschuldigte, nunmehr vertreten durch Rechtsanwalt Lorenz Baumann, auf ein zwischenzeitlich von diesem selbst bei der H.____AG in Auftrag gegebenes und bereits im Entwurf vorliegendes zweites Gutachten (nachfolgend Privatgut achten) hin. Er stellte neben Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Beantragung der Aufnahme dieses Privatgutachtens zu den Akten anlässlich der Hauptver- handlung vorab die weiteren Beweisanträge, (1.) es sei der Privatgutachter I.____, Brandschutz- experte VKF und Stv. Leiter Brandschutzbera tung, anlässlich der Hauptverhandlung vom 16. März 2020 als Sachverständiger mündlich zu befragen und es sei ihm die Gelegenheit für eine Power-Point-Präsentation zu geben, (2.) es sei im Rahmen der Befragung von I.____ zu deren Veranschaulichung ein Augenschein an der von der C.____ AG erstellten Dachnachbildung mit Verlängerung der Abgasanlagen («Modell») im Gerichtssaal zu nehmen und es sei das Modell im Anschluss an einer geeigneten Örtlichkeit ausserhalb und in der Nähe des Gerichtsgebäudes des Kantonsgerichts im Sinne einer Live-Vorführung durch Benutzung der Abgasanlage zu erhit- zen, (3.) es sei die Einholung eines dritten Gutachtens von einer unabhängigen Stelle anzuord- nen, welches sich zu den gleichen Fragen äussere wie das Gutachten des Forensischen Instituts (FOR) J.____ vom 7. November 2016 (nachfolgend Hauptgutachten FOR) und dessen Ergän- zungs-Gutachten vom 14. März 2017 (nachfolgend Ergänzungsgutachten FOR), Stellung nehme zu den unterschiedlichen Antworten und Schlussfolgerungen im Hauptgutachtens FOR und des- sen Ergänzungsgutachten sowie denjenigen im Privatgutachten, insbesondere bestimmte aus- formulierte Fragen beantworte; zusätzlich sei im Rahmen des dritten Gutachtens eine detailge- treue Dachstocknachbildung inklusive Abgasanlage von einem unabhängigen Dritten anfertigen zu lassen, die mittels Strahlungswärme anlässlich eines Live-Versuchs erhitzt und durch Video- Aufnahme als Beilage zum Gutachten dokumentiert werde, wobei den Parteien Gelegenheit zur Teilnahme zu geben sei. M. Schliesslich wurden mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 29. März 2020 unter ande- rem die Beweisanträge 1 und 2 des Beschuldigten gemäss dessen Eingabe vom 5. März 2020 unter Hinweis auf die kantonsgerichtliche Verfügung vom 20. Februar 2019 einstweilen abgewie- sen. Betreffend Beweisantrag 3 wurde auf den Entscheid des Spruchkörpers anlässlich der kan- tonsgerichtlichen Hauptverhandlung vom 16. März 2020 verwiesen. N. Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht erscheinen der Be- schuldigte A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Lorenz Baumann, sowie die Staatsanwaltschaft, vertreten durch den Stv. Leitenden Staatsanwalt Pascal Pilet. Der Beschuldigte wiederholt seine Beweisanträge gemäss seiner Eingabe vom 5. März 2020 und begehrt zusätzlich, es sei das zwischenzeitlich fertig erstellte Privatgutachten vom 13. März 2020 zu den Akten zu nehmen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Seine Berufungsanträge gemäss Berufungserklärung vom 30. Okto ber 2018 ergänzt der Be- schuldigte dahingehend, dass (1.) der Beschuldigte vollumfänglich freizusprechen, (2.) die Ent- schädigungsforderung des Privatklägers abzuweisen, eventualiter insgesamt auf den Zivilweg zu verweisen und (3.) die Kosten auf die Staatskasse zu nehmen und der Beschuldigte angemessen (zuzügl. MWSt) zu entschädigen sei (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 2; Plädoyer Verteidigung, S. 2, 9). Die Staatsanwaltschaft begehrt demgegenüber eine Abweisung der Be- weisanträge des Beschuldigten (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 2). Hinsichtlich der Berufungsanträge wiederholt die Staatsanwaltschaft ebenfalls ihre bisherigen schriftlichen Anträge, wobei sie sich leicht abweichend davon mit Blick auf die Verfahrenskosten für das Ab- sehen von einer Verbindungsbusse ausspricht (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 8). Erwägungen I. Formelles Gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilw eise abgeschlossen worden ist. Laut Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschrei- tung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unri chtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit, wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Der Beschuldigte rügt sowohl die unrichtige Feststellung des Sach- verhalts als auch Rechtsverletzungen; die Staatsanwaltschaft ebenso. Nach Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO ist die Berufung zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufu ngsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzu- reichen. Aus den Akten ergibt sich, dass das Urteilsdispositiv des Strafgerichts dem Beschuldig- ten am 27. Juli 2018 zugestellt worden ist. Mit seiner am 31. Juli 2018 eingereichten Berufungs- anmeldung (act. S233 ff.) hat der Beschuldigte die zehntägige Frist gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO eingehalten. Auch die Frist zur Berufungserklärung gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO wurde vorlie- gend gewahrt: Das begründete Urteil des Strafgerichts wurde dem Beschuldigten gemäss Sen- dungsverfolgung der Schweizerischen Post am 10. Oktober 2018 zugestellt und mit Datum vom 30. Oktober 2018 hat der Beschuldigte die Berufungserklärung eingereicht. Ebenso geht aus den Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Akten hervor, dass die Berufungserklärung des Beschuldigten vom 30. Oktober 2018 der Staats- anwaltschaft am 2. November 2018 zugestellt worden ist. Indem die Staatsanwaltschaft am 5. November 2018 die Anschlussberufung erklärt hat, hat auch sie die 20 -tägige Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO eingehalten. Was die Form betrifft, so erfüllen die Eingaben des Be- schuldigten wie auch der Staatsanwaltschaft die Anforderungen gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsge- richt zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Schliesslich wird die Legitimation des Beschuldigten wie auch der Staatsanwaltschaft zur Ergreifung des Rechtsmittels in Art. 382 Abs. 1 und Art. 381 Abs. 1 StPO normiert. Es ist somit auf die Berufung des Beschuldigten wie auch auf die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft einzutreten. II. Gegenstand der Berufung 1. Gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO über prüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Die Rechtsmittelinstanz ist bei ihrem Entscheid nicht an die Begründungen der Parteien und an die Anträge der Parteien gebunden, ausser wenn sie Zivilklagen beurteilt (Art. 391 Abs. 1 StPO). Sie darf Entscheide nicht zum Nachteil der beschul- digten oder beurteilten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen worden ist (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO). Dieses Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in peius) gilt stets nur zugunsten des Beschuldigten (vgl. NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl., Art. 391 N 5). 2. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen das vorinstanzliche Urteil als Ganzes. In erster Linie wird der vorinstanzlich verhängte Schuldspruch wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst gemäss Art. 222 Abs. 1 StGB angefochten, auch wenn das Strafgericht in Anwendung von Art. 5 StPO von einer Bestrafung Umgang gen ommen hat. Damit zusammen- hängend ficht der Beschuldigte das vorinstanzliche Verdikt betreffend Beschlagnahmen, Zivilfor- derung und Kostenfolgen an. Demgegenüber beantragt die Staatsanwaltschaft in ihrer An- schlussberufung nicht nur eine Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils, sondern darüber hinaus eine Bestrafung des Beschuldigten in Form einer bedingten Geldstrafe. Aus diesem Grund gilt das Verbot der reformatio in peius im konkreten Fall nicht. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Der Beschuldigte und Berufungskläger verbindet seine mater iellen Anträge mit diversen Verfahrens- bzw. Beweisanträgen. Diese als Vorfragen i.S.v. Art. 339 Abs. 2 lit. d StPO einzustu- fenden Anträge sind in Anwendung von Art. 339 Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 405 Abs. 1 StPO vor der Prüfung der mit Berufung resp. Anschlu ssberufung angefochtenen Punkte im Einzelnen zu be- leuchten. Dabei ist zu beachten, dass hinsichtlich dieser Vorfragen der anlässlich der kantonsge- richtlichen Hauptverhandlung mündlich eröffnete Entscheid nur im Falle einer Abweisung nach- folgend schriftlich zu begründen ist (vgl. NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, a.a.O., Art. 339 N 13). Ebenso wenig zurückzukommen ist an dieser Stelle auf die bereits im Rahmen der Prozes- sinstruktion verfahrensleitend behandelten Beweis- und Verfahrensanträge der Parteien, welche vor den Schranken des Kantonsgerichts nicht mehr wiederholt worden sind. III. Die angerufenen Punkte im Einzelnen 1. Vorfragen / Beweis- und Verfahrensanträge 1.1 Der Beschuldigte begründet seine wie bereits vor Strafgericht auch vor Kantonsgericht wiederholt (vgl. Eingabe vom 5. März 2020) gestellten Beweisanträge zunächst damit, es sei schon aussergewöhnlich, dass das Strafverfahren zweimal durch das Strafgericht an die Staats- anwaltschaft zurückgewiesen worden sei und sich die Untersuchung des Sachverhalts selbst nach zweimaliger Nachbesserung immer noch als ungenügend erweise. Bei kritischer Prüfung sowohl des Haupt - als auch des Ergänzungsgutachtens FOR erkenne man rasch, dass d iese Gutachten zahlreiche Ungereimtheiten aufwiesen und deshalb insgesamt nicht überzeugen könn- ten. Der Sachverhalt sei deshalb von der Staatsanwaltschaft nur mangelhaft erstellt worden und die Brandursache bleibe auf Grund der Verfahrensakten ungeklärt. Zufolge bisheriger Ablehnung des Antrags auf Einholung eines Zweitgutachtens sei dem Beschuldigten nichts Anderes übrig- geblieben, als selber einen Brandschutzexperten mit der Erstellung eines Gutachtens zu beauf- tragen, um die offenen Fragen zu klären und di e Lücken im Sachverhalt zu schliessen. Dieses Gutachten liege somit mit Datum vom 13. März 2020, erstellt durch die H.____AG, vor. Allgemein hätten sowohl das Haupt- als auch das Ergänzungsgutachten FOR entscheidende Fakten ausser Acht gelassen und zudem g ewisse Sachverhaltsannahmen getroffen, die nicht belegt worden seien. Die Schlussfolgerungen des FOR zu Brandursache, Brandspuren, Brandbild bzw. Brand- verlauf und Branddauer basierten auf wissenschaftlich fragwürdigen Methoden und seien weder forensisch fundiert noch zumindest nachvollziehbar. Es sei nicht Sache des Beschuldigten, seine Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unschuld zu beweisen. Das Privatgutachten vermöge aber genügend Zweifel an den beiden Gut- achten des FOR hervorzurufen (vgl. Plädoyer Verteidigung, S. 2 f., 8). 1.2 Demgegenüber beantragt die Staatsanwaltschaft vor den Schranken des Kantonsge- richts, es seien alle Beweisanträge des Beschuldigten abzuweisen. Sie begründet dies unter an- derem damit, dass das Privatgutachten eindeutig verspätet eingereicht worden sei, nachdem das Hauptgutachten FOR bereits seit 2016 bekannt sei. Selbst wenn man das Privatgutachten zulas- sen würde, wäre es nicht geeignet, das Gutachten des FOR auf den Kopf zu stellen, da es ins- besondere hinsichtlich der Branddauer, des Brandverlaufs und des Brandbilds nicht zu überzeu- gen vermöge. Jedenfalls könne man dies nachträglich nicht mehr feststellen (vgl. Prot. Hauptver- handlung Kantonsgericht, S. 2 f.) 1.3.1 Was zunächst den Beweisantrag des Beschuldigten betrifft, es sei das Privatgutachten zu den Akten zu nehmen, so ist in formeller Hinsicht der Einwand der Staatsanwaltschaft, dass der Beschuldigte damit zu spät komme, nicht zu hören: Wie bereits oben erwähnt, handelt es sich bei diesem Beweisantrag um eine Vorfrage gemäss Art. 339 Abs. 2 lit. d StPO , welche seitens der Parteien explizit erst anlässlich der Hauptverhandlung aufgeworfen werden kann. In materieller Hinsicht sieht das Kantonsgericht auch keinen Anlass, das Privatgutachten nicht zu den Akten zu nehmen und einer Beweiswürdigung zu unterziehen: Ein Privatgutachten stellt nach konstanter Praxis zwar lediglich eine der freien Beweiswürdigung unterliegende Parteibehaup- tung als Bestandteil der Parteivorbringen dar, hat mithin nicht die Qualität eines Beweismittels (vgl. MARIANNE HEER, Basler K ommentar StPO, 2. Aufl., Art. 182 N 10 und Art. 189 N 6, unter Hinweis u.a. auf BGE 127 I 73, 82; 100 IV 249; 97 I 320, 325; ANDREAS DONATSCH, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl., Art. 182 N 15; NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, a.a.O., Art. 182 N 7). Damit ist aber noch nicht gesagt, dass solche Unterlagen unbeachtlich sind. Sie können von Gerichten entgegengenommen werden (vgl. MARIANNE HEER, a.a.O., Art. 182 N 10, unter Hinweis u.a. auf BGE 127 IV 82). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist gener ell das ge- samte vorhandene Beweismaterial ungeachtet dessen Herkunft und Bezeichnung rechtlich zu würdigen (vgl. MARIANNE HEER, a.a.O., Art. 189 N 6, unter Hinweis u.a. auf BGer 6B_272/2012 vom 29. Oktober 2012, Erw. 2.3; 6B_48/2009 vom 11. Juni 2009, Erw. 4.2; 6B_283/2007 vom 5. Oktober 2007, Erw. 2). Auch gemäss ANDREAS DONATSCH (a.a.O.) muss von eingereichten Par- teigutachten zumindest Kenntnis genommen werden. Daher sind Parteigutachten, die als Antwort Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf ein gerichtliches Gutachten eingereicht werden und den Zweck haben, dessen Unrichtigkeit oder Fehlerhaftigkeit darzulegen, sehr wohl in die Beweiswürdigung einzubeziehen, sofern diese nachvollziehbar begründet, in sich widerspruchsfrei, für die streitigen Belange umfassend, auf allseitigen Untersuchungen beruhend und in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden sind so- wie keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen (vgl. MARIANNE HEER, a.a.O., N 7). Wie bei jeder substantiiert vorgebrachten Einwendung ist das Gericht deshalb verpflichtet zu prüfen, ob das Privatgutachten die Schlussfolgerungen des behördlich bestellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (BGE 141 IV 369, 125 V 351 Erw. 3b und c; 6B_215/2013 vom 27. Januar 2014 Erw. 1.2; 6B_48/2009 vom 11. Juni 2009 Erw . 4.2). Häufig kann die Verteidigung ein fertig erstelltes amtliches Gutachten nur dann effektiv angreifen, wenn die von ihr vorgetragene Kritik von einem Privatgutachten unterstützt wird (BERNHARD ISENRING / RAHEL MÜLLER, Kommunikation zwischen Verteidigu ng und Gutachter im Strafprozess, AJP 2016, S. 1334 ff., 1341). Das Kantonsgericht stellt fest, dass das zwischenzeitlich durch den Beschuldigten in Auftrag ge- gebene Privatgutachten vom 12. März 2020 sowohl in formeller als auch in inhaltlicher Hinsicht eine Qualität aufweist, welche den Anforderungen an ein Gutachten gemäss Art. 182 ff. StPO durchaus zu genügen vermag. Dazu gehören insbesondere die Elemente der Vollständigkeit, Klarheit und Schlüssigkeit (vgl. dazu nachfolgend Erw. 2.5.3). Ob das Privatgu tachten zudem geeignet ist, die Erkenntnisse aus einem amtlichen Gutachten des FOR zu erschüttern, braucht an dieser Stelle noch nicht geprüft zu werden, da es sich hierbei um eine Frage der Beweiswür- digung (vgl. dazu nachfolgend Erw. 2.5.3) handelt. Nachdem das vorliegend eingereichte Privat- gutachten mehr als eine unbeachtliche Parteibehauptung darstellt, wird der Beweisantrag des Beschuldigten, es sei zu den Akten zu nehmen, gutgeheissen. 1.3.2 Was in einem nächsten Punkt den Beweisantrag betrifft, es sei ein drittes Gutachten bzw. eine «Oberexpertise» einzuholen, so ist zunächst zu beachten, dass das Rechtsmittelverfahren grundsätzlich auf jenen Beweisen beruht, die im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptver- fahren erhoben worden sind (Art. 389 Abs. 1 StPO). Demzufolge dient das zweitinstanzliche Ver- fahren nicht der Wiederholung des Beweisverfahrens und die Berufungsinstanz erhebt zusätzli- che Beweise nur mit Zurückhaltung. Beweisabnahmen des erstinstanzlichen Gerichts gemäss Art. 389 Abs. 2 StPO wer den folglich nur wiederholt, wenn Beweisvorschriften verletzt worden Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind (lit. a), die Beweiserhebungen unvollständig waren (lit. b) oder die Akten über die Beweiser- hebungen unzuverlässig erscheinen (lit. c). Die Rechtsmittelinstanz erhebt von Amtes wegen oder auf Antrag einer Partei bloss die erforderlichen zusätzlichen Beweise (Art. 389 Abs. 3 StPO). Demgegenüber wird gemäss Art. 139 Abs. 2 StPO über Tatsachen, die unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenüglich erwiesen sind, nicht Beweis geführt. Bereits mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 20. Februar 2019 ist der Antrag auf Einholen eines Zweitgutachtens unter Hinweis auf die obgenannten Bestimmungen abgewiesen worden. Nachdem vorliegend zusätzlich zu den berei ts vorhandenen Beweismitteln, wozu neben dem Hauptgutachten FOR auch das Ergänzungsgutachten FOR gehört, ein Privatgutachten vorliegt, welches sich mindestens ebenso vertieft und vollständig mit dem Sachverhalt gemäss Anklage- vorwurf auseinandersetzt (vgl. dazu nachfolgend Erw. 2.5.3), ist ein Anwendungsfall von Art. 389 Abs. 2 StPO umso mehr zu verneinen. Ein zusätzlicher Beweis in Form eines dritten Gutachtens erscheint auch im Sinne von Art. 139 Abs. 2 StPO als überflüssig, da nach Auffassung des Kan- tonsgerichts von einem neuen Gutachten keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind. Folglich ist der Beweisantrag, es sei ein drittes Gutachten bei einer unabhängigen Stelle anzufordern, wel- ches sich zu den gleichen Fragen äussere wie das Gutachten FOR, abzuweisen. 1.3.3 Hinsichtlich des Beweisantrags, es sei der Privatgutachter I.____ als Sachverständiger vor Kantonsgericht zu laden und zu befragen (inkl. Powerpoint-Präsentation), ist auf die bereits instruktionsrichterlich ergangene Verfügung des Kantonsgerichts vom 29. März 2020 hinzuwei- sen. Darin wurde derselbe Antrag unter Hinweis auf die obgenannten Bestimmungen abgewie- sen. Zum heutigen Zeitpunkt zeigt sich keinerlei Änderung der Sachlage, zumal nunmehr, nach Vorliegen der als eingehend und gründlich einzustufenden Ausführungen im Privatgutachten vom 13. März 2020 (vgl. dazu nachfolgend Erw. 2.5.3), nicht ersichtlich ist, inwiefern der entspre- chende Sachverständige vor Kantonsgericht in mündlicher Form neue, relevante Tatsachen vor- bringen würde. Aus den genannten Gründen ist auch der Beweisantrag, es sei der Privatgutach- ter I.____ vor Kantonsgericht zu befragen, abzuweisen. 1.3.4 Schliesslich ist aus denselben Gründen wie in Erw. 1.3.2 und 1.3.3 hievor der Beweisan- trag, es sei im Rahmen der Befragung der Privatgutachters I.____ zu deren Veranschaulichung ein Augenschein an der von der C.____ AG erstellten Dachnachbildung mit Verlängerung der Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abgasanlagen im Gerichtssaal zu nehmen und es sei das Modell im Anschluss an einer geeig- neten Örtlichkeit ausserhalb und in der Nähe des Gerichtsgebäudes des Kantonsgerichts im Sinne einer Live-Vorführung durch Benutzung der Abgasanlage zu erhitzen, ebenfalls abzuwei- sen. 2. Fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst 2.1 Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 19. Dezember 2017 (act. S. 1 ff.), welche erst nach zweifacher Rückweisung durch das Strafgericht (vgl. Verfügungen des Strafgerichts- präsidiums vom 30. März 2015 und 29. Juni 2017, act. 319 ff., 991 ff.) und basierend auf dem Strafbefehl vom 4. September 2014 (act. 253 ff.) erlassen worden war, legte dem Beschuldigten Folgendes zur Last: «lm Zeitraum vom 12. September 2011 bis 23. November 2011 führte die C.____ AG eine Dachsanierung an dem Mehrfamilienhaus am F.____weg 6 in G.____ BL durch. lm Rahmen die- ser Dachsanierung wurde das Dach angehoben, so dass die Durchführung der Abgasanlage des Cheminées der darunterliegenden Wohnung, welche von K.____ bewohnt wurde, neu gebaut werden musste. Die Abgasanlage selbst wurde dabei nich t verändert. Dabei war L.____ (sepa- rates Verfahren) als Zimmermannmeister und Baustellenchef / Polier eingesetzt. Bei den vorge- nommenen Arbeiten entfernte der ihm zugeteilte Zimmermann, der Beschuldigte, die zuvor vor- handenen nicht brennbaren Faserzementplatten und ersetzte sie auftragsgemäss durch brenn- bare Gutex-Platten. Dabei trug der Beschuldigte dem Brandschutz ungenügend Rechnung und baute die im Bereich des Unterdachs zwecks Dämmung angebrachten Gutex-Holzwerkstoffe zu nahe an der bestehenden Abgasan lage ein, womit er den vorschriftsgemässen Sicherheitsab- stand zur Abgasanlage von minimal 50 Millimetern (gemäss der VKF-Brandschutzanwendung Nr. 14983 der Vereinigung der Kantonalen Feuerversicherungen für die verwendete Abgasanlage) nicht einhielt. Zudem unterliess er die vorschriftsgemässe Ausrollung / Ausstopfung der Zwi- schenräume mit nicht brennbarem Material und verzichtete ebenfalls darauf, die um die Abgas- anlage herum verbauten nicht brennbaren Ytong -Platten (Porenbeton) zu verlängern, was auf- grund der Dachanhebung notwendig gewesen wäre, um die brennbaren Holzelemente des Dachs sowie die Gutex-Platten vor der Hitze der Abgasanlage zusätzlich zu schützen. Für den Beschul- digten wäre bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit erkennbar gewesen, dass die vorgen annten sorgfaltspflichtwidrig verursachten Mängel bzw. Unterlassungen im späteren Betrieb der Abgas- anlage zum Brand der Gutex-Platten führen könnten. Der Beschuldigte hatte insbesondere auch Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kenntnis von der Brennbarkeit der Gutex-Platten und davon, dass der vorgenannte Sicherheits- abstand von 50 mm einzuhalten gewesen wäre. Etwas mehr als einen Monat nach Abschluss der Dachsanierung, am 5. Januar 2012, um 19:00 Uhr, feuerte die Mieterin K.____ den Cheminée- ofen, der mit der vorgenannten Abgasanlage verbunden ist, ein. Die dabei entstandene Erhitzung der Abgasanlage bereitete die brennbare Dämmung (insb. die Gutex -Platte) thermisch auf, wodurch sich diese entzündete und sich der Brand auf den Holzsparren ausbreiten konnte. Die Mieterin konnte den Brand selber nicht löschen und musste die Feuerwehr zur Brandbekämpfung beiziehen. Durch den Brand ist ein Gebäudeschaden zum Nachteil von B.____in der Höhe von Fr. 31'187.90 entstanden. B.____ machen adhäsionsweise eine Entschädigungsforderung in der Höhe von Fr. 111'992.-- geltend.» 2.2 Das Strafgericht führte in tatsächlicher Hinsicht zunächst einleitend aus, dass das fragli- che Cheminée samt Abgasanlage im Jahr 2010 / 2011 in die Liegenschaft eingebaut und am 28. April 2011 durch den Kaminfegermeister M.____ ohne Mängel abgenommen worden sei. Aus den entsprechenden Werkverträgen gehe hervor, dass zwecks Dachsanierung vom 12. Septem- ber 2011 bis 23. November 2011 N.____ von der C.____ AG als Baustellenchef und die Archi- tektin O.____ von der P.____AG als Bauleiterin eingesetzt gewesen seien. Dem Beschuldigten würden insgesamt drei Vorwürfe gemacht: (1.) Zunächst habe er beim Ersetzen der nicht brenn- baren Faserzementplatten durch brennbare Gutex-Platten den Sicherheitsabstand von mindes- tens 50 mm zwischen den Gutex-Platten und der Abgasanlage des Cheminées nicht eingehalten; (2.) des Weiteren habe der Beschuldigte die vorschriftsmässige Ausrollung / Ausstopfung der Zwischenräume mit nicht brennbarem Material unterlassen; (3.) schliesslich habe der Bes chul- digte darauf verzichtet, die um die Abgasanlage herum verbauten, nicht brennbaren Ytong-Plat- ten zu verlängern, was aufgrund der Dachanhebung notwendig gewesen wäre, um die brennba- ren Holzelemente des Dachs sowie die Gutex-Platten vor der Hitze der Abgasanlage zusätzlich zu schützen (vgl. S. 7 f. des angefochtenen Urteils). Mit Blick auf die vorliegenden Beweise und Indizien, nämlich insbesondere die Feststellungen der Polizei am Brandort inkl. Fotomaterial, die Stellungnahme der Basellandschaftlichen Ge bäudeversicherung (BGV) vom 28. Januar 2013 samt Brandschutzvorschriften, die Stellungnahme der Polizei Basel -Landschaf, Forensik, vom 23. November 2015, das Hauptgutachten FOR, das Ergänzungsgutachten FOR und die Aussa- gen des Beschuldigten selbst in der V oruntersuchung wie auch vor Strafgericht, wonach er ins- besondere zugegeben habe, im Rahmen der Dachsanierung die Arbeiten an der Abgasanlage Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht als Zimmermann ausgeführt zu haben, erachtete das Strafgericht den Sachverhalt der Anklage- schrift im Umfang der Fes tstellungen des Gutachters als erstellt. Die Vorinstanz ging somit in tatsächlicher Hinsicht davon aus, dass der Brand sowohl auf die Nichteinhaltung des Brand- schutzabstands von 50 mm der Abgasanlage zur brennbaren Gutex -Platte als auch auf die un- terlassene Verlängerung der Ytong-Platten der Dachanhebung entsprechend zurückzuführen sei. So sei im Hauptgutachten FOR und im Ergänzungsgutachten FOR der Brandentstehungsprozess in Anwendung der wissenschaftlichen und technischen Regeln Schritt für Schritt nachvollziehbar dargelegt und die Behauptung des Beschuldigten über den Brandentstehungsort, das Feuer sei im Dach nicht von oben her, sondern unten entstanden und habe mit der Gutex -Platte nichts zu tun gehabt, widerlegt worden. Demgegenüber sei die in der Stellungnahme der BGV sowie in der Anklageschrift erwähnte Brandursache der Unterlassung der vorschriftsgemässen Ausrollung bzw. Ausstopfung der Zwischenräume zwischen dem Abgasrohr und der Aussenhülle mit nicht brennbarem Material vom Gutachter als Brandursache ausgeschlossen worden. Denn Glaswolle brenne grundsätzlich nicht und weise eine hohe Schmelztemperatur von über 1000 Grad Celsius auf. Somit sei die Ausrollungs- bzw. Ausstopfungsarbeit fachmännisch und unter Einhaltung der Brandschutzvorschriften ausgeführt worden. Es gebe keinen Grund, am geschilderten Ergebnis des Hauptgutachtens FOR und des Ergänzungsgutachtens FOR zu zweifeln (vgl. S. 8 -16 des angefochtenen Urteils). Bei ihrer rechtlichen Würdigung hielt die Vorinstanz fest, gemäss dem erstellten Sachverhalt sei der in der VKF-Brandschutzanwendung Nr. 14983 geregelte und durch die kantonale Verordnung über den Feuerschutz (welche zwischenzeitlich ohne materielle Änderung revidiert worden sei) verbindlich erklärte Mindestsicherheitsabstand von 50 mm zwischen der Abgasanlage des Che- minées und der brennbaren Gutex -Platte im Rahmen der vorliegenden Dachsanierung massiv unterschritten und somit nicht eingehalten worden. Nachdem das Cheminée am 5. Januar 2012 befeuert worden sei, sei es im Dach zum Nachteil der Privatklägerschaft zu einem Brand gekom- men. Dass der Brand infolge der Verletzung dieser den Brandschutz betreffenden Sorgfaltspflicht entstanden sei, gelte durch das Hauptgutachten FOR sowie das Ergänzungsgutachten FOR als nachgewiesen. Der Beschuld igte gebe zu, die fraglichen Gutex -Platten an das Abgasrohr des Cheminées mit zu geringem Abstand verlegt zu haben. Demzufolge sei der objektive Tatbestand hinsichtlich der Verursachung einer Feuersbrunst samt dem Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten des Beschuldigten sowie dem eingetretenen Erfolg erfüllt. Eine andere Brandur- sache komme nicht in Frage. Die Brandursache sei in der Anklageschrift geschildert worden und Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht es kämen dafür nicht noch weitere, im Sachverhalt nicht geschilderte (Teil -)Brandursachen in Betracht. Seitens des Gerichts könne daher eine Verletzung des Anklageprinzips nicht festgestellt werden. Den Aussagen der involvierten Personen könne nicht entnommen werden, dass der Be- schuldigte, der in Deutschland seine Ausbildung zum Zimmermann absolviert habe, im Rahmen der vorliegenden Dachsanierung von seinen Vorgesetzten irgendwelche konkreten Anweisungen zur Einhaltung von Brandschutzvorschriften erhalten habe. lndessen gehe aus den Aussagen von L.____, N.____ und O.____ hervor, dass dem Be schuldigten diese Vorschriften aufgrund seiner beruflichen Ausbildung und seiner Erfahrungen bekannt gewesen seien, was auch vom Beschuldigten selber nicht in Abrede gestellt worden sei. So habe er zugegeben, als Zimmer- mann mit mehrjähriger Berufserfahrung gewusst zu haben, dass der Sicherheitsabstand eines Kaminrohres zu brennbarem Material in der Schweiz 50 mm betrage. ln Bezug auf die Frage, warum er dann diese elementare Brandschutzvorschrift nicht eingehalten habe, habe er aus ge- sagt, dass er das erste Mal bei der vorliegenden Dachsanierung mit einem isolierten Kaminrohr zu tun gehabt habe, weshalb er bei der Messung des Sicherheitsabstands des Kaminrohrs zur Gutex-Platte fälschlicherweise auch die lsolation des Kaminrohrs mitberücksichtigt habe. Ein sol- cher lrrtum wäre aber für ihn zweifelsohne einfach vermeidbar gewesen, hätte er z.B. seine Vor- gesetzten L.____ oder N.____ oder aber auch O.____ diesbezüglich angesprochen. Das habe er jedoch nicht gemacht. Die lsolation der Abgasanlage sei Teil des Abgasanlagesystems gewe- sen, weshalb sie bei der Berechnung des Sicherheitsabstands nicht habe berücksichtigt werden dürfen, und zwar unabhängig davon, aus welchem Material sie gefertigt worden sei. Des Weiteren gehe aus den Aussagen des Beschuldigten hervor, dass er seine Arbeit nur von der oberen Dach- kante her angeschaut und festgestellt habe, dass dort der Sicherheitsabstand der Gutex -Platte zum Kaminrohr eingehalten gewesen sei. Er habe jedoch von unten her keinen Zugang gehabt, um dort die Einhaltung des Sich erheitsabstands zu kontrollieren. Unabhängig davon, dass ge- mäss den Gutachten FOR vorliegend der Sicherheitsabstand massiv unterschritten worden sei, stehe fest, dass es der Beschuldigte trotz seines Wissens um die Brandschutzvorschriften unter- lassen habe zu kontrollieren, ob der geschilderte Sicherheitsabstand überall im Bereich des Ka- minrohrs eingehalten worden sei. Als mit der Arbeit beauftragter Fachmann hätte der Beschul- digte die Einhaltung einer für den Brandschutz solch elementaren Vorschrift nicht d em Zufall überlassen dürfen. Somit sei er bei der Einhaltung der Brandschutzvorschrift unvorsichtig vorge- gangen. Hätte er diesen Mindestabstand eingehalten, wäre es zum vorliegenden Brand nicht ge- kommen. Angesichts der massiven Unterschreitung des Mindesta bstands sei es vorhersehbar Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht und eine Frage der Zeit gewesen, dass es bei Befeuerung des Cheminées zu einem Brand kom- men würde. Gemäss den Feststellungen des Gutachters wäre der Brand vermeidbar gewesen, wenn die Aussenhülle der Abgasanlage aus Ytong-Platten der Dacherhebung entsprechend ver- längert worden wäre. Dies hätte verhindert, die Gutex-Platte bis nahe an das Abgasrohr heran zu verlegen, bzw. dazu geführt, den Mindestsicherheitsabstand einzuhalten. Als Fachmann habe der Beschuldigte die Verlängerung der Ytong-Platte unterlassen, obwohl er nach seiner Aussage die Anweisung erhalten hatte: «Man solle es so machen, wie es war». Aus den erwähnten Grün- den sei auch der subjektive Tatbestand von Art. 222 Abs. 1 StGB erfüllt. Was die (Mit -)Verant- wortung weiterer Personen wie L.____, N.____ und O.____ betreffe, so seien diese ihren Sorg- faltspflichten offenbar nicht nachgekommen. Trotz der Dachänderung im Bereich der Abgasan- lage habe auch eine Abnahme hinsichtlich der Einhaltung der Brandschutzvorschriften durch ei- nen Kaminexperten nicht stattgefunden, obwohl dem Werkvertrag eine entsprechende Verpflich- tung zu entnehmen sei. All dies mache jedoch das Fehlverhalten des Beschuldigten nicht unge- schehen und unterbreche insbesondere den Kausalzusammenhang zwischen sein em Fehlver- halten und dem Erfolg auch nicht. Sein infolge mangelnder Aufmerksamkeit entstandener und bei pflichtgemässer Arbeitsausführung vermeidbarer Fehler sei vielmehr eine notwendige kausale Ursache für den Brand gewesen, und zwar unabhängig von der Ve rantwortlichkeit weiterer Per- sonen. Es gelte die Äquivalenztheorie: Alle Bedingungen, die überhaupt zum Eintritt des Erfolgs mitwirkten, seien gleichartig. Das Verhalten des Täters brauche weder alleinige noch unmittelbare Ursache des Erfolgs zu sein. Dem Vertrauensgrundsatz nach sei zu erwarten gewesen, dass der Beschuldigte als qualifizierte Fachperson seine Arbeit fachgerecht und korrekt ausführe, auch wenn er nur Mitglied eines Arbeitsteams der Dachsanierung gewesen sei und seine Vorgesetzten Überwachungs- und Kontrollpflichten gehabt hätten. Bei seiner Verfehlung gehe es schliesslich um eine der elementarsten Brandschutzvorschriften, welche er gekannt habe und die er nicht habe ausser Acht lassen dürfen. Dass die Staatsanwaltschaft gegen N.____ und O.____ kein Verfahren eröffnet und das Verfahren gegen L.____ vom Verfahren des Beschuldigten getrennt habe, sodass das Gericht darüber nicht entscheiden könne, ändere nichts an dieser Feststellung. Es gebe keine Gleichbehandlung im Unrecht. Somit erfolge ein Schuldspruch gemäss Art. 222 Abs.1 StGB (vgl. S. 16-19 des angefochtenen Urteils). 2.3 Demgegenüber machte der Verteidiger des Beschuldigten bereits anlässlich der Haupt- verhandlung vor Strafgericht geltend, dass dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden könne, die ihm in der Anklageschrift vorgeworfenen Handlungen bzw. Unterlassungen alleine Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder zusammen mit anderen Ursachen hätten den vorliegenden Brand verursacht. Bei der Dachsanierung hätten mehrere Personen in verschiedener Funktion mitgewirkt. Die unterlassene Verlängerung der Ytong-Platte, was im Gutachten FOR als Hauptfehler bezeichnet werde, sei im Rahmen der Planung der Dachsanierung nicht vorgesehen gewesen. Hier liege ein Planungs - und Konstruktionsfehler vor. Der Beschuldigte könne wegen Unterlassung dieser Arbeit nicht ver- antwortlich gemacht werden. Er sei auch nicht dafür verantwortlich gewesen, irgendwelche - in der Anklageschrift nicht näher bezeichneten - Zwischenräume ohne Arbeitszuteilung auszurollen bzw. auszustopfen. Es bleibe einzig die Nichteinhaltung des Abstands von 50 mm zwischen dem Abgasrohr und der Gutex-Platte übrig. Lediglich dies käme als Teilursache der Feuersbrunst in Frage, wenn der Glimmbrand aufgrund dieses zu geringen Abstands entstanden wäre. Diesbe- züglich gehe aus dem Gutachten FOR hervor, dass der Glimmbrand darauf zurückzuführen sei. Die Staatsanwaltschaft widerspreche der Schlussfolgerung des Gutachters aber, indem sie dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorwerfe, den Brand nicht durch diese eine, sondern durch drei Verfehlungen verursacht zu haben. Sie gehe somit bei der Schilderung der Kausalität zwi- schen dem Fehlverhalten des Beschuldigten von einer falschen Annahme bzw., entgegen der Schlussfolgerung des Gutachters, anstatt von einer, von drei Ursachen aus. Für die Einhaltung der Brandschutzvorschriften seien die Vorgesetzten des Beschuldigten verantwortlich gewesen. Diese hätten die vom Beschuldigten ausgeführten Arbeiten kontrollieren müssen, um allfällige Fehler zu beheben. Schliesslich weise die Schlussfolgerung des Gutachters, dass zuerst die Gu- tex-Platten und dann der Sparren Feuer gefangen hätten, keinen Beweiswert auf. Die gegentei- lige Behauptung, dass es zum Feuer unten gekommen sei, sei genauso möglich wie die Version des Gutachters, da sowohl die Gutex-Platte als auch der Sparren bei gleicher Wärme Feuer fin- gen (vgl. Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, act. S141 ff.). Auch in seiner bereits begründeten Berufungserklärung vom 30. Oktober 2018 führte der Be- schuldigte ins Feld, es sei nicht nachgewiesen, dass seine Arbeiten für die Entstehung des Bran- des ursächlich gewesen seien. Dagegen sprächen die fehlenden Brandspuren auf der oberen Seite der Sparren sowie das physikalische Gesetz, dass sich ein Feuer nicht nach unten aus- breite. Vielmehr seien der Brandherd weiter unten und damit die Brandursache im Bereich des Cheminées und der Abgasanlage zu suchen, wo der Beschuldigte gerade keine Arbeiten durch- geführt habe (vgl. S. 6 der Berufungserklärung). Allenfalls vorbestehende Mängel könne selbst das Gutachten FOR nicht mit letzter Sicherheit ausschliessen. Hinzu kämen konkret fassbare mögliche andere Brandursachen wie insbesondere ein Mangel der Abgasanlage. Nebenbei sei Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu beachten, dass das Verlegen von Ytong-Platten (= Steine) nicht Aufgabe eines Zimmermanns, sondern eines Maurers sei. Widersprüche weise das Gutachten FOR auch hinsichtlich der Dicke der Dämmplatten auf, was gegen eine Baugleichheit sprechen würde (vgl. S. 7 der Berufungser- klärung). Zusammenfassend könne das Gutachten FOR nicht konsistent aufzeigen, dass die Ar- beiten des Beschuldigten für die Brandentstehung verantwortlich gewesen wären. Bei der Dachsanierung hätten mehrere Personen in verschiedenen Funktionen mitgewirkt, was unzu- reichend in der Gesamtwürdigung eingeflossen sei, denn der entsprechende Vorfall werde einzig dem Beschuldigten angelastet, obwohl es zahlreiche andere Möglichkeiten gebe, welche den Brand verursacht haben könnten. Dem Grundsatz der Unschuldsvermutung sei durch die Vo- rinstanz keine Rechnung getragen worden (vgl. S. 8 der Berufungserklärung). In seiner weiteren Eingabe vom 5. März 2020 wies der Beschuldigte auf das zwischenzeitlich von ihm selbst in Auftrag gegebene Privatgutachten hin. Zusammenfassend gelange dieses – entge- gen den Gutachten FOR – zum Schluss, dass ein zu geringer Abstand zwischen dem Kaminrohr und den Gutex-Holzfaserplatten den Brand nicht verursacht haben könne, und zwar selbst dann nicht, wenn eine Unterschreitung des Sicherheitsabstands nachgewiesen werden könnte, was nach Ansicht des Experten ab er nicht mit hinreichender Genauigkeit möglich sei. Im Privatgut- achten werde überzeugend dargelegt, weshalb ein zu geringer Abstand weder mit den Wahrneh- mungen der Brandentdeckerin noch mit der Brandausbreitung, dem Spurenbild oder der mut- masslichen Branddauer in Übereinstimmung gebracht werden könne. Auf Grund dieser Beweis- mittel komme der Privatgutachter zum Schluss, dass eine andere Ursache zum Brand geführt haben müsse, wobei primär eine undichte Stelle im Kaminrohr in Frage komme (vgl. S. 1 der Eingabe). Auch in seinem Parteivortrag anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung hält der Ver- teidiger des Beschuldigten an seinen bisherigen Ausführungen fest. Ganz allgemein sei es zu- nächst auffällig und störend, dass von mehreren möglichen verantwortlichen Personen scheinbar willkürlich bloss der auf der niedrigsten Hierarchiestufe stehende Beschuldigte ins Recht gefasst worden sei. Die Erkenntnisse des zwischenzeitlich fertig erstellten Privatgutachtens seien ein- leuchtend und nachvollziehbar, nicht jedoch diejenigen des Gutachtens FOR. Die Schlussfolge- rungen des Privatgutachtens gäben somit Anlass zu erheblichen Zweifeln an der Richtigkeit des Gutachtens FOR (vgl. Plädoyer Verteidigung, S. 8). Der Verteidiger hält in tatsächlicher Hinsicht zusammenfassend fest, dass es nicht Aufgabe des Beschuldigten gewesen sei, die Ytong-Platten Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu verlängern. Und selbst wenn man sie verlängert hätte, hätte dies den angeblichen Brandaus- bruch im Bereich der Holzfaserplatten nicht verhindern können. Des Weiteren sei vollkommen irrelevant, ob im Hohlraum zwischen der Abgasanlage und den Holzfaserplatten Glaswolle ein- gebracht worden sei oder nicht. Schliesslich sei nicht nachgewiesen, dass der Abstand zwischen der Abgasanlage und der Gutex -Holzfaserplatte tatsächlich zu gering gewesen sei. Zudem sei nicht nachgewiesen, dass sich die Holzfaserplatten bei einem zu geringen Abstand tatsächlich entzündet hätten. Demgegenüber zeige das Privatgutachten eindrücklich auf, dass eine andere Ursache, nämlich die Annahme des Austrit ts heisser Gase an einer tiefer liegenden Stelle des Kaminrohrs deutlich wahrscheinlicher sei. Ein vorbestehender Mangel könne nur schon deshalb nicht ausgeschlossen werden, weil der Kaminfegermeister die Abnahme offenbar erst nach Fer- tigstellung des Baus und nicht, wie vorgeschrieben, bereits im Rohbau vorgenommen habe. Die Abnahme durch ihn habe somit keinen Beweiswert, weil er allfällige Mängel gar nicht hätte fest- stellen können. Aus den Akten gehe hervor, dass die Mieterin am Brandtag das Cheminée erst- mals angefeuert habe. Darum sei ohne weiteres möglich, dass der Brand zufolge eines vor der Dachsanierung bestehenden Fehlers entstanden sei. Bei einem Abstützen auf das Privatgutach- ten müsse im Zweifel der angeklagte Sachverhalt als nicht erstellt gelten. Angesichts der unüber- windbaren Zweifel sei zu Gunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass er seine Arbeiten mit pflichtgemässer Aufmerksamkeit vorgenommen und weder Mängel verursacht noch seine Sorgfaltspflicht verletzt habe. Die Vorinstanz habe mit dem Schuldspruch den Grundsatz in dubio pro reo gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO verletzt. Es habe vielmehr ein Freispruch zu erfolgen (vgl. Plädoyer Verteidigung, S. 9-14). 2.4 Die Staatsanwaltschaft vertrat im Gegensatz dazu schon vor Strafgericht die Auffassung, der Sachverhalt gemäss Anklageschrift sei klar erstellt und der angeklagte Tatbestand erfüllt. Mit Blick auf das Gutachten FOR, die Ausführungen der Forensik und der BGV sei der Brand auf ein Fehlverhalten des Beschuldigten zurückzuführen. Er habe den erforderlichen Abstand nicht ein- gehalten, obwohl er für die Einhaltung der Brandschutzvorschriften die Verantwortung trage (vgl. Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, act. S133). In ihrer Berufungsantwort vom 5. Februar 2019 führte die Staatsanwaltschaft ergänzend aus, dass die Werkverträge den Beschuldigten nicht entlasteten. Selbst ein allfälliges Fehlen einer sicherheitstechnisch notwendigen Massnahme im Werkvertrag entbinde einen Handwerker nicht, Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht alle notwendigen und nach technischem Stand sinnvollen Massnahmen zur Verhinderung von Gefahren, insbesondere Brandgefahren, zu treffen (vgl. S. 2 der Berufungsantwort). Vor den Schranken des Kantonsgerichts hält die Staatsanwaltschaft weiter am Vorwurf des zu geringen Abstands und an den zwei weiteren Teilur sachen betreffend Ausfüllen mit Glaswolle und Verlängerung der Ytong-Platten fest. Dass die Abgasanlage nicht korrekt erstellt worden sei, stelle eine reine Mutmassung dar. Es bestünden keine relevanten vernünftigen Zweifel am kau- salen Verlauf; die Zweifel seien nur theoretischer Natur. Denn die Ausführungen im Privatgutach- ten stellten nur eine Behauptung dar. Zusammengefasst sei somit die Kausalität erstellt, der Be- schuldigte habe als ausgebildeter Zimmermann - und nicht Hilfsarbeiter - eine Mitverantwortung getragen, wobei er einen Fehler gemacht habe. Darum sei der Schuldspruch entsprechend dem vorinstanzlichen Urteil zu bestätigen (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 6 f.). 2.5.1 Im vorliegenden Fall existieren die nachfolgend chronologisch aufgeführten objektiven und subjektiven Beweise und Indizien einschliesslich der Aussagen des Beschuldigten selbst, welche es sodann rechtlich zu würdigen gilt: 2.5.1.1 Aus einem Kontrollauftrag über Feuerungseinrichtungen vom 22. Juni 2011 an die Q.____GmbH betreffend die fragliche Liegenschaft geht hervor, dass die Anlage (Kamin und Cheminée) gemäss Kontrolle vom 28. April 2011 vom Kaminfegermeister M.____ für «in Ord- nung» befunden worden ist (vgl. act. 99). 2.5.1.2 Gemäss den Angaben der Brandentdeckerin und Mieterin K.____ vom 5. Januar 2012 habe diese etwa 45 Minuten, nachdem sie im Cheminée Feuer entfacht habe, immer stärker werdenden Brandgeruch und Rauchentwicklung festgestellt und dann gegen 21 Uhr die Feuer- wehr alarmiert (vgl. act. 43 f.). 2.5.1.3 Laut den Feststellungen der Polizei Basel-Landschaft im kriminaltechnischen Bericht vom 7. April 2012 (act. 59 ff.) inkl. Fotomaterial (act. 55 f., 65 ff., 105 ff.) sei für die Isolation des Un- terdaches insbesondere im Bereich des Kamins Glaswolle verwendet worden. Das Nichteinhalten der Brandschutzvorschriften bezüglich Abstände sei «höchstwahrscheinlich» Ursache bzw. es sei «nicht ausgeschlossen», dass Glaswolle durch Abstrahlungswärme des Kamins in Brand ge- rate (vgl. act. a.a.O.). Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5.1.4 In ihrer Stellungnahme vom 28. Januar 2013 schloss sich die Basellandschaftliche Ge- bäudeversicherung unter Hinweis auf die VKF Brandschutzanwendung Nr. 14983 den obgenann- ten Schlussfolgerungen der Polizei Basel-Landschaft betreffend Brandursache nur teilweise an: Das Brandereignis sei nicht auf einen nicht vorschriftskonformen Anschluss der während der Dachsanierung angebrachten Isolierung an die bestehende Abgasanlage zurückzuführen, da es sich bei Glaswolle um einen quasi nicht brennbaren Baustoff handle. Grund sei vielmehr das Nichteinhalten des Sicherheitsabstands von 50 mm zu brennbarem Material sowie eine fehlende Ausrollung mit nicht brennbarem Material (vgl. act. 81 ff., 145 ff., 533 ff.). 2.5.1.5 Der Vorarbeiter L.____ führte anlässlich seiner Einvernahme vom 6. März 2014 als Aus- kunftsperson befragt aus, seine Verantwortung sei die Führung der ihm unterstellten Mitarbeiter, darunter des Beschuldigten, gewesen. Er habe die Anweisung erteilt, die Dämmung, ohne eine Änderung an den Brandplatten vorzunehmen, zu erneuern. Er habe die Arbeiten von aussen (vom Dach) her angeschaut und dabei den Eindruck g ehabt, dass der Abstand von der Abgas- anlage zu den Gutex-Platten grösser gewesen sei als 50 mm. Ansonsten hätte er die Anweisung erteilt, mehr Abstand einzuhalten. Für die Einhaltung der Brandschutzvorschriften sei wohl die Architektin und Bauleiterin O.____ verantwortlich gewesen. Er habe sie gefragt, ob der Bereich der Abgasanlage nicht wie gewöhnlich einbetoniert werde. Sie habe ihn jedoch angewiesen, den Bereich lediglich auszustopfen (vgl. act. 191 ff.). 2.5.1.6 Sodann hielt die Polizei Basel-Landschaft, Forensik, mit Rektifikat / Stellungnahme vom 23. November 2015 fest, dass es sich beim Isolationsmaterial um eine Holzfaserdämmung handle. Der primäre Brandherd habe sich auf der Unterdachseite in unmittelbarer Durchführung der Abgasanlage zur Isolationsschicht (Holzfaserdämmung) befinden müssen. Die Initialzündung habe über den angrenzenden Dachsparren sowie die weitere baugleiche Holzfaserdämmung auf der Unterseite der Dachisolation ausreichend Nahrung gefunden. Durch die begrenzte Luftzufuhr dürfte sich jedoch das Feuer nicht sehr schnell ausgebreitet haben (act. 413 ff.). 2.5.1.7 Der Inhaber der obgenannten Q.____GmbH, R.____, gab als Auskunftsperson am 14. September 2015 und 5. September 2016 befragt im Wesentlichen an, die fragliche Abgasanlage sei durch den Kaminfegermeister M.____ überprüft und ohne Mängel abgenommen worden. Ein Funkensprung aus der Anlage sei nicht möglich, da sich die beiden Rohre im Kamin nur sehr Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwer auseinanderziehen liessen. Bei der Dachsanierung hätten die Zimmerleute den Mindest- abstand nicht eingehalten, was zum Brand geführt hätte. Die Abstände hätten jedenfalls durch den Baustellenleiter überprüft werden müssen oder er hätte selber zu diesem Zweck beigezogen werden müssen. Denn die Zimmerleute hätten die Brandschutzvorschriften gar nicht kennen kön- nen. Für ihn sei der Brand «absolut nachvollziehbar» durch das falsch verwendete Dämm-Mate- rial verursacht worden (vgl. act. 435 ff., 657 ff.). 2.5.1.8 Demgegenüber deponierte die Architektin O.____ am 21. und 22. März 2016 in schriftli- cher wie auch telefonischer Form gegenüber der Staatsanwaltschaft, sie sei als Oberbauleiterin und Architektin fast täglich auf der Baustelle gewesen, um den ganzen Bauablauf zu koordinieren und die Baufortschritte zu prüfen. Sie habe die Arbeiten auf dem Dach erst kontrollieren können, nachdem die Dachpappen gelegt werden seien. Mit Hinweis auf den Werkvertrag habe sie eine tadellose und fachmännische Ausführung der Arbeiten erwartet. Ein Zimmermann wisse aufgrund seiner Ausbildung, wie er die Arbeit im Bereich der Abgasanlage auszuführen habe. Die Einhal- tung der Brandschutzbestimmungen sei daher Aufgabe des Zimmermanns gewesen und habe nicht in ihrer Verantwortung gelegen. Deshalb habe sie den Bereich der Abgasanlage hinsichtlich der Einhaltung der Sicherheitsabstände etc. nicht überprüft. Davon, dass L.____ irgendwelche Bedenken geäussert habe, wisse sie nichts (vgl. act. 573 ff.). 2.5.1.9 In einer E -Mail vom 16. August 2016 erwähnte das Forensische Institut (FOR) J.____ gegenüber der Polizei Basel-Landschaft eine Unsicherheit hinsichtlich der Frage, ob nicht doch Gluten von der Abgasanlage im Bereich des Cheminées nach oben gelangt sein könnten (vgl. act. 633). 2.5.1.10 Das 17 Seiten umfassende Hauptgutachten FOR vom 7. November 2016, erstellt durch den Sachverständigen S.____, dipl. phys. ETHZ, Fachbereichsleiter Unfälle / Technik, den Kon- trolleur T.____, Leitender Fachexperte, und den Hauptsachbearbeiter U.____, Fachspezialist Elektrotechnik / Brände, gelangt hinsichtlich der Brandursache zu folgenden Schlussfolgerungen: Die Gutex-Platte sei zu nahe an das leicht isolierte Abgasrohr heran verlegt worden, sodass der Abstand zwischen dem isolierten Abgasrohr und der Gutex-Platte maximal 25 mm betragen habe. Als Hauptfehler zu bezeichnen sei ab er, dass im Rahmen der Dachsanierung die bestehende Aussenhülle aus Ytong-Platten um das Abgasrohr herum nicht verlängert worden sei. Die verän- derte Situation der Abgasanlage sei durch den zuständigen Kaminfeger nicht kontrolliert worden, Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht da er nach der Da chanhebung nicht über die Anpassungen informiert worden sei. Durch Strah- lungswärme sei innerhalb der Aussenhülle der Abgasanlage ein Wärmestau entstanden. Das heisse Innenrohr habe zusammen mit dem Wärmestau als Zündquelle gewirkt. In der Folge sei eine Selbstentzündungstemperatur der Dämmplatte erreicht worden, was zum Glimmbrand ge- führt habe, der sich bei niedriger Verbrennungstemperatur unter geringer Sauerstoffzufuhr lang- sam nach oben ausgebreitet habe. Durch die geschlossene, jedoch nicht luftdichte Au ssenhülle aus Ytong-Platten sei die Abfuhr der Wärme zusätzlich beeinträchtigt worden. Innerhalb der Aus- senhülle aus Ytong-Platten habe trotzdem genug Sauerstoff nachströmen können, weshalb der Glimmbrand nicht verlöscht sei. Danach habe sich der Glimmbran d weiter ausgebreitet bis zum Erfassen der Holzbalken. Die geschilderte Brandentwicklung lasse sich durch die Angaben der Brandentdeckerin K.____ bestätigen. Wären die Ytong-Platten verlängert worden, hätte die Gu- tex-Dämmplatte nicht bis nahe an das Abgasrohr heranverlegt werden können. Vor der Dachsa- nierung seien keine Mängel vorhanden gewesen. Auch eine Brandentstehung durch austretende Funken, z.B. Undichtheit im Kamin, werde ausgeschlossen (vgl. act. 687 ff.). 2.5.1.11 Das 5 Seiten umfassende Ergänzungsgutachten FOR vom 14. März 2017, erstellt durch den Sachverständigen S.____, dipl. phys. ETHZ, Fachbereichsleiter Unfälle / Technik, den Kon- trolleur T.____, Leitender Fachexperte, und den Hauptsachbearbeiter V.____, Teamchef Elekt- rotechnik / Brände, geht auf die Zusatzfragen des Verteidigers, warum die Oberseite der Sparren (und selbst die Klebebandspuren) völlig unversehrt, die Unterseite der Sparren hingegen völlig verkohlt seien, wie folgt ein: Mit Blick auf das bestehende Fotomaterial sei dieser Festst ellung zwar beizupflichten. Dieses Bild lasse sich aber damit erklären, dass die unbeschädigte Sparren- oberseite als Auflagefläche für die darüber angebrachte Gutex -Platte gedient habe, welche zu- sätzlich mit der darüber befindlichen Querlattung auf dem Sparren verschraubt gewesen sei. Al- lein schon wegen des Gewichts habe dies zu einem weitgehenden Luftausschluss in der Kon- taktfläche dieser beiden Materialien geführt, was sich stark brandhemmend ausgewirkt habe. Demgegenüber habe sich der Brand um die Sparren herum relativ leicht ausbreiten können (vgl. act. 737 ff., insb. 743). 2.5.1.12 Der Baustellenchef N.____ gab anlässlich seiner Einvernahme vom 19. September 2017 als Auskunftsperson befragt an, er sei als Bauführer der C.____ AG mindestens zweimal pro Woche auf der Baustelle gewesen, um einen Kontrollgang zu machen. Zudem habe er ca. alle Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht zwei Wochen ein Gespräch mit der Architektin O.____ geführt. L.____ als Polier sei für die fach- gerechte Umsetzung der Arbeiten verantwortlich gewesen, der Beschuldigte als rechte Hand von L.____ für die fachkompetente Ausführung der eigenen Arbeiten. Für die Einhaltung der Brand- schutzvorschriften seien L.____ und O.____ zuständig gewesen. Er trage in diesem Bereich keine Verantwortung. Im Übrigen bestritt N.____ das Ergebnis der Gutachten FOR hinsichtlich des Entstehungsortes des Brandes, da die Gutex -Platten «so gut wie keine Brandspuren» auf- gewiesen hätten, währenddem der Dachsparren stärker brandgeschädigt gewesen sei (vgl. act. 1145 ff.). 2.5.1.13 Das seitens des Beschuldigten in Auftrag gegebene, rund 26 Seiten umfassende Privat- gutachten der H.____AG vom 12. März 2020, erstellt durch I.____, Stv. Leiter Brandschutzbera- tung, Brandschutzexperte VKF, und W.____, Koreferat, Brandschutzexperte VKF, ist in einem ersten Schritt anhand der bei den Akten liegenden Fotos auf die beiden Gutachten des FOR eingegangen und hat untersucht, ob bzw. mit welcher Wahrscheinlichkeit die These / Behauptung des FOR bezüglich Brandursache, nämlich der ungenügende Abstand zwischen der brennenden Wärmedämmung und dem Kaminrohr, zutreffend ist. In einem zweiten Schritt hat es untersucht, ob und wenn ja, mit welcher Wahrscheinlichkeit andere Ur sachen zum fraglichen Brand geführt haben könnten (vgl. S. 3 des Privatgutachtens). Im ersten Teil erachtet das Privatgutachten hinsichtlich des Hauptgutachtens FOR die vorgenom- mene Versuchsanordnung im Muffelofen mit einer Strahlungswärme von allen Seit en als frag- würdig und untauglich zur Simulation der Verhältnisse in der Dachkonstruktion, da die rings um das Kaminrohr verlegten Holzfaserplatten primär einer horizontalen bzw. seitlichen Strahlungs- wärme ausgesetzt gewesen sein müssten. Das FOR gehe an einer Stelle von einem weitgehen- den Luftausschluss aus, währenddem es an anderer Stelle ausführe, dass doch genug Sauerstoff habe nachströmen können (vgl. S. 4 des Privatgutachtens). Sodann habe sich die Schätzung der Abstände zwischen dem Kaminrohr und der vom Beschuldigten verlegten Gutex-Holzfaserplatte einzig auf Fotos des Kaminrohrs gestützt, die erst nach dem Brand und den invasiven Löschar- beiten der Feuerwehr erstellt worden seien. Auf dem für den Abstand massgebenden Foto 2 sei kein Referenzmass vorhanden gewesen, weshalb das FOR auf das Foto 1 zurückgegriffen habe, auf welchem ein Massstab abgebildet sei, obwohl dort ein anderer Ausschnitt des Kaminrohrs, zudem aus einem anderen Winkel aufgenommen, abgebildet sei. Darum könne nicht mit hinrei- Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht chender Genauigkeit festgestellt werden, ob der vorgeschriebene Abstand von 50 mm unter- schritten bzw. exakt 25 mm betragen haben solle (vgl. S. 5 des Privatgutachtens). In einem wei- teren Punkt erkläre das FOR nicht, inwieweit sich seine Feststellungen mit den Wahrnehmungen der Brandentdeckerin deckten, denn eine Berechnung oder zumindest Schätzung der Brand- dauer anhand der Abbrandgeschwindigkeit der verschiedenen Materialen sei unterlassen wor- den. Abgesehen davon bestehe zwischen den wenigen Zeitangaben im Gutachten und den An- gaben der Brandentdeckerin eine grosse zeitliche Differenz (vgl. S. 5 f. des Privatgutachtens). Abklärungen von alternativen Brandursachen seien seitens des FOR nur oberflächlich, unter Hin- weis auf die Herstellerangaben und die Aussagen des Chem inéebauers R.____, wonach ein Auseinanderziehen der zwei Teile des Kaminrohrs nur mit grossem Aufwand möglich sei, vorge- nommen worden. Demgegenüber sei dem Hinweis des Beschuldigten, die Abgasanlage sei nicht sonderlich stabil konstruiert gewesen, nicht na chgegangen worden (vgl. S. 6 des Privatgutach- tens). In einem Zwischenfazit hält das Privatgutachten fest, dass im Hauptgutachten FOR weder über den Abstand zwischen dem Kaminrohr und der Holzfaserplatte noch über die Brandursache und deren Verlauf eine Aus sage gemacht bzw. ein Fazit hätte gezogen werden dürfen, da die Nachweisführung in zahlreichen Punkten lückenhaft und wissenschaftlich nicht fundiert sei (vgl. S. 7 des Privatgutachtens). Hinsichtlich des Ergänzungsgutachtens FOR führt das Privatgutach- ten sodann aus, es sei zunächst unklar, woraus das FOR seine Beantwortung der Ergänzungs- fragen des Verteidigers ableite. Für einen Luftausschluss hätte es eines viel grösseren Gewichts bedurft als vorliegend. Die Ausführung des FOR erscheine höchst fragwürdig, zumal es nicht näher wissenschaftlich untersucht habe, ob ein solcher Luftausschluss zwischen den rauen Ober- flächen des Holzbalkens und der Holzfaserplatte physikalisch überhaupt möglich wäre und wenn ja, welche Gewichtskraft es dafür gebraucht hätte. Ang esichts der vorliegend vorhandenen Ma- terialien bzw. deren Gewicht sei ein Luftausschluss ausgeschlossen. Das Brandbild spreche so- mit gegen die These des FOR. Hinzu kämen widersprüchliche Annahmen des FOR, welches an anderer Stelle davon ausgehe, dass immer eine Luftströmung vorhanden gewesen sei, welche einen Glimmbrand erst habe entstehen lassen. Auch die Erklärung des FOR hinsichtlich der Aus- breitung des Brandes erweise sich in mehrfacher Hinsicht als falsch, da sie nicht nur den physi- kalischen Gesetzen (Feuer wandere nicht vertikal nach unten, sondern steige in die Höhe) wider- spreche, sondern sich die Branddauer auch nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten, nämlich der nicht brennbaren Glaswolle in den Zwischenräumen, in Einklang bringen lasse. Ebenso das Spurenbild bleibe im Ergänzungsgutachten FOR gänzlich unberücksichtigt. Bei einer sorgfältigen Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht Untersuchung hätte auffallen müssen, dass nur der Holzbalken auf der rechten Seite des Kamin- rohrs völlig verkohlt gewesen sei, währenddem der Holzbalken links des Kaminrohrs kaum Brand- spuren aufgewiesen habe. Insgesamt vermöge somit das Ergänzungsgutachten FOR die gestell- ten Zusatzfragen nicht forensisch plausibel zu erklären (vgl. S. 7-11 des Privatgutachtens). Im zweiten Teil führt das Privatgutachten aus, mit Blick auf das aus dem vorhandenen Fotoma- terial erkennbare Brandbild könne die These des FOR, wonach sich der Brand innerhalb der Holzfaserplatten und damit oberhalb des Holzbalkens entzündet und ausgebreitet habe, nicht zutreffen. Vielmehr müsse der Br and unterhalb des Holzbalkens verursacht worden sein, was erkläre, weshalb nur an der unteren Seite der Holzfaserplatte (Auflagefläche auf dem Holzbalken) oberflächliche Brandspuren vorhanden seien. Es liege deshalb nahe, von einer anderen Brand- ursache, wie z.B. dem Austreten heisser Verbrennungsgase am Verbindungsstück der Kamin- rohre, auszugehen, wofür der Abbrand des Holzbalkens mit massivem Masse- und Volumenver- lust spreche (vgl. S. 11-14 des Privatgutachtens). Zum Brandbild / -verlauf äussert sich das Pri- vatgutachten dahingehend, dass das Spurenbild eine grössere horizontale als vertikale sowie eine asymmetrische, rechtsseitige Brandausbreitung erkennen lasse, was wiederum nicht mit den Schlussfolgerungen gemäss FOR in Einklang zu bringen sei (vgl. S. 14-16 des Privatgutachtens). Sodann lasse sich laut Privatgutachten nach einer Berechnung der Branddauer die diesbezügli- che Annahme des FOR gerade nicht mit den Depositionen der Brandentdeckerin in Einklang bringen, da eine Differenz von 8 bis 13 Stunden resultiere. Das FOR hätte daher andere Brand- ursachen, die zu einem schnelleren Abbrand der Holzfaserplatte und des Holzbalkens geführt haben könnten, näher untersuchen müssen. Auch das Brandbild spreche eher für einen Brand- ausbruch zufolge Austretens heisser Verbrennungsgase (vgl. S. 16 -21 des Privatgutachtens). Schliesslich spreche auch der Modellversuch, welcher ein anderes Brandbild aufweise, für eine andere Brandursache, nämlich das Austreten heisser Verbrennungsgase von unten (vgl. S. 21 - 23 des Privatgutachtens). Zusammenfassend kommt das Privatgutachten zum Schluss, dass das Hauptgutachten FOR und das Ergänzungsgutachten FOR sowie die getätigten Untersuchungen in vielerlei Hinsicht aus wissenschaftlicher Sicht mangelhaft seien und zahlreiche andere, not- wendige Untersuchungen unterlassen worden seien. Die These des FOR, wonach ein zu geringer Abstand der Holzfaserplatten durch Strahlungswärme zu einem Brand geführt habe, lasse sich widerlegen. Es sei kein lückenloser Nachweis der kausalen Zusammenhänge erbr acht und es seien nicht belegbare Vermutungen als Tatsachen dargestellt worden. Es sei somit äusserst un- wahrscheinlich, dass die These des FOR zutreffe. Viel naheliegender sei die Brandursache einer Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht undichten Stelle am Kaminrohr mit der Folge eines einseit igen Austritts heisser Verbrennungs- gase. Diese alternative Brandursache sei vom FOR abgesehen von den Angaben des Kamin- bauers nicht näher untersucht worden, obwohl diese Ursache die Brandspuren, das Brandbild bzw. den Verlauf sowie die rasche Abbrandgeschwindigkeit zu erklären vermöge (vgl. S. 24 des Privatgutachtens). 2.5.1.14 Der Beschuldigte selbst führte zunächst in der Voruntersuchung am 30. April 2014 als Auskunftsperson befragt aus, bei der Dachsanierung die Arbeiten im Bereich der Abgasanlage als Zimmermann ausgeführt zu haben. Solche Arbeiten habe er bis zu diesem Zeitpunkt ca. vier bis fünf Mal ausgeführt. Sein Vorarbeiter L.____ habe ihm keine genauen Anweisungen zu den einzuhaltenden Mindestabständen erteilt. Diesbezüglich hätten sie weder von O.____ noch von N.____ lnformationen erhalten. Es sei gesagt worden: «Macht dies, wie es zuvor war». Und zuvor sei diese Zementplatte an die Abgasanlage herangeführt gewesen. Komme es nicht zu speziellen Informationen, so führe er die Arbeiten nach bestem Wissen aus. Dabei achte er darauf, dass er einen Mindestabstand von 5 bis 10 cm zur Abgasanlage einhalte. Es hätten keine Kontrollen seiner Arbeiten stattgefunden. Vielleicht habe L.____ beim Vorbeigehen ein Auge auf seine Arbeit geworfen (act. 217 ff.). Anlässlich der am 9. Oktober 2017 erfolgten Einvernahme als beschuldigte Person bestätigte der Beschuldigte seine bisherigen Depositionen. ln Bezug auf die Einhaltung der Brandschutzbestim- mungen liege die Verantwortung bei der Bauleitung und somit bei O.____. Dafür sei weder er noch L.____ zuständig gewesen. Er und L.____ hätten hinsichtlich Brandschutzvorkehrungen keinerlei Informationen erhalten, weder von der Bauleitung, der Architektin O.____ noch vom Chef, Herrn N.____. Jedenfalls habe ihm L.____ diesbezüglich keine Anweisungen erteilt. Dies mache L.____ nur bei speziellen Anweisungen des Kaminfegers. Eine Verlängerung der Ytong- Platten sei zwar sinnvoll, jedoch nicht notwendig gewesen, «weil dies nicht unsere Aufgabe ist. Weil es dafür eine Bauleitung gibt und einen Kaminbauer, welcher von der Bauleitung normaler- weise aufgeboten wird». Er habe schon des Öfteren erlebt, dass auch bei einer Dachsanierung ohne Änderungen an der Abgasanlage ein Kaminbauer beigezogen werde. Dies sei bei der C.____ AG jedoch erst nach dem vorliegenden Brand erfolgt. Er sei der Meinung, dass sich der Brand, entgegen der Schlussfolgerung des Gutachters, nicht von oben her ausgebreitet habe, sondern von unten in einem Bereich, wo er keine Arbeiten ausgeführt habe. Den Hohlraum habe Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht er mit Glaswolle, mit nicht brennbarem Material, voll aufgefüllt. Die Abgasanlage sei nicht son- derlich stabil konstruiert gewesen; das Rohr habe sich in alle Richtungen bewegt. Der Beschul- digte sehe nun ein, dass der Abstand an der Unterkante der Gutex-Platte zum Kaminrohr weniger als 5 cm betragen habe. Er sei bei der Montage der Gutex-Platte davon ausgegangen, dass die lsolation des Schutzrohres auf den einzuhaltenden Mindestabstand von 50 mm angerechnet werde. Dies sei eine falsche Annahme gewesen. E r habe die Platte von oben her betrachtet eingepasst. Der Abstand sei demnach aufgrund der Dachneigung im Kontext der durch ihn er- folgten rechtwinkligen Zuschneidung nicht parallel zur Abgasanlage verlaufend. Durch die Sanie- rungsarbeiten habe sich die ganz e Situation um die Abgasanlage verändert. Aufgrund dieser neuen Situation hätte seiner Meinung nach eine erneute Abnahme bzw. eine Überprüfung durch einen Kaminfeger erfolgen müssen, was jedoch nicht passiert sei (1029 ff.). An der Hauptverhandlung vor St rafgericht vom 25. Juli 2018 blieb der Beschuldigte bei seinen bisherigen Schilderungen. Bei der fraglichen Dachsanierung habe er das erste Mal mit einem Abgasrohr mit lsolation zu tun gehabt. Er habe deshalb bei der Berechnung des Abstands auch die lsolation des Abgasrohres mitberücksichtigt. Als er auf dem Dach von oben her den Abstand angeschaut habe, habe er gesehen, dass dieser an der Kante 5 cm betragen habe. Von unten her habe er aber keinen Zugang gehabt, um sich den Abstand anzuschauen. Es gebe div erse Ofenhersteller und Kaminarten. Deshalb sei es die Aufgabe des Vorarbeiters oder des Baustel- lenchefs bzw. der Bauleiterin gewesen, ihm entsprechende Anweisungen zu erteilen. Niemand, weder L.____ noch N.____ oder O.____, hätten ihm im Zusammenhang mit den Brandschutz- vorschriften irgendwelche Anweisungen erteilt. Er habe den Hohlraum, wie ihm gesagt worden sei, mit Glaswolle aufgefüllt. Von seiner Ausbildung in Deutschland her wisse er, dass dort der Hohlraum, anders als in der Schweiz, einbetoniert werd e. L.____ habe ihm gesagt, dass er es «so machen» solle, «wie es zuvor» gewesen sei. Deshalb habe er als Zimmermann die Arbeiten entsprechend ausgeführt. L.____ habe diese Arbeiten gesehen und nichts gesagt. Niemand habe ihm gesagt, dass auch die Ytong-Platte der Dachanhebung entsprechend zu verlängern sei (vgl. Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, act. S121ff.). Vor den Schranken des Kantonsgerichts hält der Beschuldigte an seiner Version fest. Insbeson- dere wiederholt er, dass er die Abstände nur von oben betrachtet habe einschätzen können und dort seien es 5 cm gewesen. Bei einer Dachneigung von 45 Grad müsse man 7 cm hinzunehmen, da die Abstände nicht parallel verliefen. Die Unterkante habe er nur beschränkt einsehen können. Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht Er sei unter dem Kamin gestanden und habe nicht darüber schauen können. Er könne auch nicht auf das Dach klettern. Allein anhand der Fotos könne jedenfalls kein Mass genommen werden. Der Beschuldigte wiederholt seine Auffassung, wonach der zu geringe Abstand der Platten nicht der Ursprung des Brandes sein könne. Es sei schwierig räumlich vorstellbar, denn Feuer breite sich nach oben und seitlich aus und nicht seitlich runter. Dass das Kaminrohr im Holz verankert und nur unten eingeklemmt gewesen sei, währenddem es sich nach oben habe bewegen lassen, erkenne man selbst auf den Fotos. Darum sei denkbar, dass es durch Bewegung unten gelöst worden sei. Hier sei das Rohr sogar untypisch unstabil im Vergleich zu anderen Rohren gewesen. Dies habe er zwar seinem Vorarbeiter mitgeteilt und auch mit Herrn N.____ darüber gesprochen, doch er wisse nicht, ob der Hinweis bis zur Architektin gelangt sei. Der Auftrag habe jedenfalls gelautet: «Mach es, wie es war». Er habe auch nicht gewusst, dass sich der Ofen direkt unter dem Dach befinde. Ein Kaminr ohr werde jedenfalls nie so heiss, dass man es nicht anpassen könne. Was den Vorwurf der unterlassenen Verlängerung der Ytong-Platten betreffe, so erkenne man schon auf den Fotos, dass diese Platten parallel zum Holz verliefen, nämlich dort, wo die Folie breiter werde. Selbst wenn das kurze Stück nach oben verlängert werde, wäre noch ein Spalt frei gewesen. Der Beschuldigte betont, er sei Zimmermann und verlege keine Steinplatten; vielmehr sei dies Aufgabe eines Cheminéebauers. Abgesehen davon sei es auch n icht üblich, dass man verlängern müsse. Schliesslich habe es gegen den Wohnraum und zur Aussenhülle hin keine Ytong-Platte gegeben, sondern nur rechts und links, und zwar mit einer Länge entspre- chend der Sparren (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 4-6). In seinem letzten Wort gibt der Beschuldigte sein Bedauern kund, dass mit Blick auf die ihm vorgesetzten Verantwortli- chen heute nur er vor Gericht stehe. Die Fotos zeigten klar auf, dass das Feuer nur an den schwarzen Stellen gebrannt habe. Kunststofffolie brenne normal «wie Zunder»; wenn es aber so wie hier intakt geblieben sei, könne es an der Stelle unmöglich gebrannt haben (vgl. Prot. Haupt- verhandlung Kantonsgericht, S. 7). 2.5.2 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) hat das urteilende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Gericht trifft sein Urteil unabhängig von der Anzahl der Beweis- mittel, welche für eine bestimmte Tatsache sprechen, und ohne Rücksicht auf die Art des Be- weismittels. Auch besteht keine Rangfolge der Beweise. Massgebend ist allein deren Stichhaltig- keit (CHRISTOF RIEDO / GERHARD FIOLKA / MARCEL ALEXANDER NIGGLI, Strafprozessrecht, 2011, Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rz. 234; THOMAS HOFER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 41 ff.). Dem Sachge- richt steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher Ermessensspielraum zu (BGE 134 IV 132, Erw. 4.2; BGE 129 IV 6, Erw. 6.1). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist ge- mäss der aus Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK sowie Art. 10 Abs. 3 StPO verankerten Maxime «in dubio pro reo» bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist. Als Beweislastregel be- deutet dieser Grundsatz, dass die Anklagebehörde bzw. das Gericht die Schuld der angeklagten Person zu beweisen hat und nicht diese ihre Unschuld nachweisen muss. Die Beweislastregel wird verletzt, wenn das Strafgericht eine angeklagte Person mit der Begründung verurteilt, sie habe ihre Unschuld nicht nachgewiesen (vgl. BGE 127 IV 38, Erw. 2a; 120 Ia 31, Erw. 2c) . Als Beweiswürdigungsregel besagt dieser Grundsatz, dass sich der Strafrichter nicht von der Exis- tenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Beweis- würdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche im- mer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erheb- liche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der ob- jektiven Sachlage aufdrängen (BGE 138 IV 74, Erw. 7; BGE 127 I 38, Erw. 2a; BGE 124 IV 87, Erw. 2a; mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Das Kantonsgericht folgt mit Blick auf die obgenannten Beweise und Indizien der Vorinstanz in tatsächlicher Hinsicht nur insofern, als unbestrittenermassen das fragliche Cheminée samt Ab- gasanlage im Jahr 2010 / 2011 in die fraglic he Liegenschaft eingebaut und am 28. April 2011 durch den Kaminfegermeister M.____ abgenommen worden ist. Auch ist den entsprechenden Werkverträgen zu entnehmen, dass zwecks Dachsanierung vom 12. September 2011 bis 23. November 2011 N.____ von der C.____ AG als Baustellenchef und O.____ von der P.____AG als Bauleiterin eingesetzt gewesen sind. Daraufhin führten u.a. der Beschuldigte und sein Vorge- setzter L.____ die Sanierung des Daches durch. Am 5. Januar 2020 kam es sodann zum Brand gemäss Anklageschrift. Bestritten ist der zentrale Punkt der Brandursache. So wird seitens des Beschuldigten geltend gemacht, das Cheminée könne – entgegen der Protokollierung – schon vor der Dachsanierung Mängel aufgewiesen haben. Insbesondere liegt im Streit, ob dem Be- schuldigten der Vorwurf gemacht werden kann, dass er (1.) beim Ersetzen der nicht brennbaren Faserzementplatten durch brennbare Gutex-Platten den Sicherheitsabstand von mindestens 50 Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht mm zwischen den Gutex-Platten und der Abgasanlage des Cheminées nicht eingehalten habe, (2.) die vorschriftsmässige Ausrollung / Ausstopfung der Zwischenräume mit nicht brennbarem Material unterlassen habe sowie (3.) darauf verzichtet habe, die um die Abgasanlage herum ver- bauten, nicht brennbaren Ytong-Platten zu verlängern, was aufgrund der Dachanhebung notwen- dig gewesen wäre, um die brennbaren Holzelemente des Dachs sowie die Gutex-Platten vor der Hitze der Abgasanlage zusätzlich zu schützen. Nachdem die obgenannten Aussagen der befragten Personen ( L.____, Erw. 2.5.1.5; R.____, Erw. 2.5.1.7; O.____, Erw. 2.5.1.8; N.____, Erw. 2.5.1.12; Beschuldigter, Erw. 2.1.5.14) in we- sentlichen Punkten wie dem Zustand der Abgasanlage vor der Sanierung und insbesondere der Verantwortung für die Einhaltung der Brandschutzvorschriften auseinandergehen, gilt es vorder- hand, die objektiven Beweismittel zu beleuchten. Da auch die Feststellungen der Polizei Basel- Landschaft (Erw. 2.5.1.3, 2.5.1.6) und der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung (Erw. 2.5.1.4) hinsichtlich der Brandursache teilweise unters chiedliche Schlussfolgerungen enthalten und zur Feststellung des Sachverhalts besondere sachkundige Kenntnisse und Fähigkeiten i.S.v. Art. 182 StPO erforderlich sind, stellen die vorliegenden Gutachten, nämlich das Hauptgutachten FOR (Erw. 2.5.1.10), das Ergänzungsgutachten FOR (Erw. 2.5.1.11) sowie das Privatgutachten (Erw. 2.5.1.13) die zentralen Beweismittel dar. Diese gilt es nachfolgend zu würdigen, bevor fest- gestellt werden kann, ob dem Beschuldigten der angeklagte Sachverhalt nachgewiesen werden kann oder nicht. 2.5.3. Zieht das Gericht mangels eigener Fachkenntnis einen Experten bei, ist es bei der Würdi- gung des Gutachtens grundsätzlich frei (BGer a.a.O., unter Hinweis u.a. auf BGE 133 I 33, Erw. 2.1). Kriterien der Würdigung sind dabei die Vollständigkeit, die Nachvollziehbarkeit und die Schlüssigkeit (vgl. MARIANNE HEER, a.a.O., N 10). Auch wenn das gerichtlich eingeholte Gutach- ten grundsätzlich der freien Beweiswürdigung unterliegt, darf das G ericht in Fachfragen nicht ohne triftige Gründe von ihm abrücken und muss Abweichungen begründen. Die rechtsanwen- denden Behörden dürfen somit nur ausnahmsweise und aus triftigen Gründen von den Erkennt- nissen der Sachverständigen abweichen, da sie naturgemäss nicht über dieselbe Sachkunde wie die Sachverständigen verfügen (BGE 136 II 539, Erw. 3.2). Umgekehrt dürfen Gutachten von Strafbehörden und vorab Richtern dem Entscheid nur zugrunde gelegt werden, wenn sie die Richter bezüglich Grundlagen, Begründung u nd Ergebnis zu überzeugen vermögen. Bestehen Zweifel an der Richtigkeit bzw. Schlüssigkeit eines Gutachtens, sind Ergänzungen bzw. ein neues Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachten erforderlich (vgl. NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, a.a.O., N 5). Das Gericht handelt willkürlich i.S. von Art. 8, 9 und 29 Abs. 1 BV, wenn es einen Entscheid auf ein nicht zweifelsfreies, nicht schlüssiges oder sonst nach Art. 189 StPO mangelhaftes Gutachten stützt. Gleiches gilt, wenn das Gericht seinen Entscheid auf Schlussfolgerungen einer abweichenden, das ursprüng- liche Gutachten nicht überzeugend widerlegenden anderen Expertise stützt. Jedenfalls ist es die Pflicht des Gerichts, sich mit einem (vorab strittigen) Gutachten im Urteil auseinanderzusetzen; ein blosser Hinweis auf das Gutachten genügt nicht (vgl. NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, a.a.O.). Gemäss Art. 189 StPO (Ergänzung und Verbesserung des Gutachtens) lässt die Verfahrenslei- tung das Gutachten von Amtes wegen oder auf Antrag einer Partei durch die gleiche sachver- ständige Person ergänzen oder verbessern oder bestimmt weitere Sachverständige, wenn das Gutachten unvollständig oder unklar ist (lit. a.), mehrere Sachverständige in ihren Ergebnissen erheblich voneinander abweichen (lit. b.) oder Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens beste- hen ( lit. c.). Gemäss Art. 189 lit. b StPO zu berücksichtigen sind ebenfalls Privatgutachten, die zu anderen Ergebnissen kommen bzw. die Erkenntnisse amtlicher sachverständiger Personen als fraglich oder mindestens nachprüfungswürdig erscheinen lassen (vgl. NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, a.a.O., Art. 189 N 4). Allfällige Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens im Sinne von Art. 189 lit. c StPO müssen konkret und erheblich sein ( ANDREAS DONATSCH, a.a.O., Art. 189 N 14). Bei Widersprüchen unter den Beweismi tteln ist anzugeben, weshalb auf die eine und nicht auf die andere These abzustellen ist. Das muss auch gelten, wenn privat in Auftrag gegebene Er- kenntnisse formal und inhaltlich den üblichen Anforderungen genügen. Ein Parteigutachten kann geeignet sein, die Erstellung eines (zusätzlichen) Gutachtens zu rechtfertigen oder darzulegen, dass das gerichtliche oder amtliche Gutachten mangelhaft (i.S.v. Art. 189 lit. a-c StPO) oder nicht schlüssig ist. Es muss im Einzelfall geklärt werden, ob es die Überzeugungskraft eines gerichtli- chen oder amtlichen Gutachtens zu erschüttern vermag (vgl. MARIANNE HEER, a.a.O., N 6, unter Hinweis u.a. auf BGer 6B_272/2012 vom 29. Oktober 2012, Erw. 2.3; 6B_48/2009 vom 11. Juni 2009, Erw. 4.2; 6B_283/2007 vom 5. Oktober 2007, Erw. 2). Wenn das Parteigutachten ergibt, dass entscheidrelevante Aspekte im amtlich bestellten Gutachten nicht rechtsgenügend geprüft worden sind oder dass erhebliche Zweifel an der Schlussfolgerung dieses Gutachtens bestehen, müssen diese abgeklärt bzw. ausg eräumt werden (vgl. ANDREAS DONATSCH, a.a.O., Art. 182 N Seite 33 http://www.bl.ch/kantonsgericht 15). Gemäss NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, a.a.O., Art. 182 N 7) gilt es auch den Grundsatz der Beweisfreiheit zu beachten. Ein Privatgutachten stellt folglich einen Beweis wie ein anderer dar, bedarf aber besonders vorsichtiger richterlicher Würdigung. Ursprüngliche wie auch allenfalls durch eine andere sachverständige Person erstellte weitere Gutachten haben im Rahmen freier Beweiswürdigung den gleichen Stellenwert. Letztlich bleibt es bei widers prüchlichen Gutachten Sache des Richters, über deren Stichhaltigkeit zu entscheiden (vgl. NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, a.a.O., Art. 189 N 2). Wie vorliegend der inhaltlichen Wiedergabe sowohl des Hauptgutachtens FOR (Erw. 2.5.1.10) und des Ergänzung sgutachtens FOR (Erw. 2.5.1.11) einerseits als auch des Privatgutachtens (Erw. 2.5.1.13) andererseits zu entnehmen ist, gelangen das amtliche Gutachten einerseits und das privat erstellte Gutachten andererseits hinsichtlich der für den Anklagevorwurf zentr alen Frage der Brandursache zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen: Während das amtliche Gut- achten den ungenügenden Abstand zwischen Abgasanlage und Gutex-Platte sowie die unterlas- sene Verlängerung der Ytong-Platten um das Abgasrohr als Brandursache taxiert, stellt das Pri- vatgutachten eine andere Brandursache, am wahrscheinlichsten eine undichte Stelle im Kamin- rohr, welche zu einem Austreten von heissen Verbrennungsgasen geführt habe, in den Vorder- grund. Diese Gutachten sind daher hinsichtlich ihrer Vollst ändigkeit, Nachvollziehbarkeit und Schlüssigkeit miteinander zu vergleichen, bevor auf die eine oder andere darin enthaltene Thesen abgestellt werden kann. Bereits rein formell betrachtet fällt das Hauptgutachten FOR durch seinen geringen Umfang von lediglich 17 Seiten (inkl. Anhänge) auf. Unter dem Titel « Ausgangslage» wird darin ausgeführt, man könne den detaillierten Aufbau der Abgasanlage «nicht im Detail» beurteilen, weil darüber keine Unterlagen zur Verfügung gestanden seien (vgl. act. 697). Dies wirft von Vornherein Fragen hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Genauigkeit der gutachterlichen Einschätzungen auf. In die- selbe Richtung geht der weitere gutachterliche Hinweis, dass auf den Fotos Einzelheiten wie die Wärmedämmung, vermutlich wegen den Abbru charbeiten beim Löschen, «nicht mehr vollum- fänglich erkannt werden» könnten (act. a.a.O.). Sodann wird bei den Resultaten erklärt, es könne aufgrund des Referenzmasses auf Foto 1 auf Foto 2 «nachvollzogen werden», dass der Abstand der Dämmplatte zur Isolat ion der Abgasanlage maximal 25 mm betragen habe (act. 699). Mit Blick auf diese Fotos zeigt sich, dass nur auf dem Foto 1 (act. 713) ein Referenzmassstab er- sichtlich ist, nicht aber auf dem Foto 2 (act. 715). Angesichts dessen muss davon ausgegangen Seite 34 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden, dass die auf Foto 2 durch die Gutachter eingezeichneten Abstände zwischen 5 cm und 2 bis 2,5 cm auf blossen Schätzungen beruhen, zumal die beiden Fotos aus verschieden grossen Abständen und Blickwinkeln aufgenommen worden sind. Von einer präzisen, schlüssigen Ablei- tung kann hier keine Rede sein. Des Weiteren kann die Frage nach vor der Dachsanierung be- stehenden Mängeln an der Abgasanlage, welche bei der Kontrolle durch den Kaminfegermeister übersehen worden sein könnten, im Hauptgutachten FOR «nicht mit letzter Sicherheit beantwor- tet werden», da von der Erstabnahme durch den Kaminfeger keine Fotos oder anderweitigen Unterlagen zur Verfügung gestanden seien. «Insgesamt» bestehe aber «keine Veranlassung, an der korrekten Ausführung der Abgasanlage anlässlich der Neuerstellung zu zweifeln» (vgl. act. 705). Auch für diese Folgerung wird keine nachvollziehbare Begründung geliefert; vielmehr wer- den blosse Vermutungen als Tatsachen dargestellt. Bei der Beantwortung der weiteren Frage, ob aufgrund der vorliegenden Akten Rückschlüsse gezogen werden, dass der Brandherd, wie vom Beschuldigten behauptet, weiter unten im Zwischenbereich der Oberkante des Ofens und der Unterkante des Sparrens gelegen hat und die Brandursache deshalb eher im Bereich der Arbeiten bzw. Installationen betreffend das Cheminée und die Abgasanlage zu suchen ist, schickt das Hauptgutachten FOR voraus, dass die Abklärungen über Aufbau und Ausführung des Innen- rohres «viel Zeit in Anspruch genommen» hätten, «weil die nach dem Brand erstellten Fotos we- nig aussagekräftig» seien (act. 705). Auch dies spricht nicht für eine präzise gutachterliche Ein- schätzung. Das Hauptgutachten FOR folgert denn auch bloss unter Hinweis auf die Hersteller- vorschriften und auf die Aussagen des Cheminéebauers R.____, wonach sich die zwei in der Abgasanlage miteinander verbundenen Metallrohre nur mit grossem Aufwand lösen liessen, so- wie mangels «spurenkundlichen Hinweisen», es bestehe «kein Anlass zur Annahme», dass in- folge Undichtheit im Bereich der Oberkante des Cheminées od er bei der Rohrmuffe des Innen- rohrs glühende Funken austreten und den Brand hätten verursachen können (vgl. act. 707). Ab- gesehen davon, dass die Beweisgrundlage für diese Erkenntnis nur sehr dürftig ist, bleibt zu be- rücksichtigen, dass der Kaminbauer angesichts seiner womöglich eigenen Verantwortlichkeit ein Interesse gehabt haben dürfte, sich nicht selber zu belasten. Wiederum schliesst das Gutachten auch diesbezüglich von Vermutungen auf Tatsachen. Des Weiteren stützt sich das Hauptgutach- ten FOR offenkundig auch auf falsche Fakten. So geht es in seiner «Prinzipskizze» betreffend den Aufbau der Abgasanlage davon aus, diese sei an der Aussenhülle aus Ytong -Platten «um- mauert», d.h. von allen Seiten einbetoniert gewesen (vgl. Angang A, act. 719). Doch gerade dies war in casu nicht die Ausgangslage: Wie mehrere Fotos an anderer Stelle eindeutig aufzeigen (vgl. nur die anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung vom Verteidiger eingereichten Seite 35 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fotos, Beilagen 2 und 7), war die Ytong-Platte nur links und rechts der Abgasanlage angebracht, währenddem ober- und unterhalb der Abgasanlage deutlich ein grösserer Spalt zu erkennen ist. Das 5 Seiten umfassende Ergänzungsgutachten FOR, welches angesichts der seitens der Ver- teidigung gestellten Ergänzungsfragen durch die Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben worden ist, stützt sich auf dasselbe Beweismaterial wie das Hauptgutachten FOR (vgl. act. 741). Im Er- gänzungsgutachten FOR wird festgehalten, die Verteidigung habe «zutreffend festgestellt», dass die Oberseite de s Sparrens, auf denen die Gutex -Platten auflagen (und wo gemäss Hauptgut- achten FOR das Feuer entstanden sein soll) nur an den seitlichen Rändern brandgeschädigt sei. Ebenso sei das auf dem Sparren angebrachte Klebeband unbeschädigt. Demgegenüber weise die Unterseite (wo kein Kontakt zu den Gutex -Platten bestand) starke Brandspuren auf. Dieses Spurenbild lasse sich damit erklären, dass sich der Brand angesichts des Gewichts der Gutex - Platte und der Verschraubung mit der Querlattung nur um den Sparren herum e ntwickelt habe (vgl. act. 743). Weitere nachvollziehbare Erklärungen für die fehlende Übereinstimmung der Aus- führungen zum Brandherd im Hauptgutachten FOR mit dem durch zahlreiche Fotos belegten Spurenbild werden im Ergänzungsgutachten FOR nicht geliefert. Was demgegenüber das Privatgutachten betrifft, so konnte das Kantonsgericht bereits im Rah- men der vorfrageweisen Prüfung der eingereichten Beweismittel konstatieren, dass dieses Gut- achten sowohl in formeller als auch in inhaltlicher Hinsicht die an ein Gutachten gemäss Art. 182 ff. StPO gestellten Anforderungen, insbesondere der Vollständigkeit, Klarheit und Schlüssigkeit, in jeder Hinsicht erfüllt. Als geeignetes Beweismittel wurde es denn auch zu den Akten genom- men (vgl. oben Erw. 1.3.1). Das rund 26 Seiten umfassende Privatgutachten, welches sich – im Gegensatz zum amtlichen Gutachten – vertieft mit dem Brandbild, der Branddauer, dem Brand- verlauf und insbesondere mehreren möglichen Brandursachen auseinandersetzt, vermag das Kantonsgericht durch seine Fundiertheit und Schlüssigkeit zu überzeugen. Es setzt sich detailliert und kritisch mit der im amtlichen Gutachten aufgestellten These auseinander und weist neben den bereits oben beschriebenen, durch das Kantonsgericht konstatierten Mängeln plausibel in mehrfacher Hinsicht auf wissenschaftlich unzulängliche Methoden und Herleitungen im Gutach- ten des FOR hin. Das Kantonsgericht stellt nach eigener Prüfung sowie nach sorgfältiger Würdigung der im Privat- gutachten als überzeugend zu wertenden Erläuterungen z usammenfassend fest, dass das Seite 36 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hauptgutachten FOR in mehrfacher Hinsicht als unv ollständig, nicht nachvollziehbar und auch nicht schlüssig erscheint und auch das Ergänzungsgutachten FOR diese Mängel nicht auszuräu- men vermag. So wird einerseits die im Vordergrund stehende entscheidrelevante Brandursache des mangelnden Abstands zwischen der Gutex-Platte und der Abgasanlage wie auch der unter- lassenen Verlängerung der Ytong-Platte nur mangelhaft hergeleitet. Andererseits wird darin die ebenso relevante Möglichkeit einer anderen Brandursache wie insbesondere eines vorbestehen- den Mangels an der Abgasanlage ebenso wenig rechtsgenügend ausgeschlossen. Umso fragli- cher erscheint dieser Ausschluss, nachdem das FOR selbst noch diesbezüglich Unsicherheiten in seiner E-Mail vom 16. August 2016 gegenüber der Polizei Basel-Landschaft bekundete: Darin warf es die Frage auf, ob «nicht doch Gluten von der Abgasanlage im Bereich des Cheminées nach oben gelangt sein könnten» (vgl. Erw. 2.5.1.9). Insgesamt gelangt das Kantonsgericht daher zur Auffassung, dass das Privatgutachten die Überzeugungskraft des amtlichen Gutachtens der- art zu erschüttern vermag, dass begründete Zweifel an der Richtigkeit des amtlichen Gutachtens i.S.v. Art. 189 lit. c StPO bestehen. Ein Abstützen auf die da rin aufgestellte These durch das Gericht würde sich als willkürlich erweisen. Es ist daher nachfolgend, jeweils unter Zugrundele- gung der Privatgutachtens, auf die übrigen, in Erw. 2.5.1 dargestellten Beweismittel und Indizien zurückzukommen. 2.5.4 Wie bereits in Erw. 2.5.2 ausgeführt, gebietet es der Grundsatz «in dubio pro reo», dass sich ein Gericht nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn Zweifel an dessen Richtigkeit bestehen. Der Beschuldigte ist von der Voruntersuchung bis zur kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung bei seiner Kernaussage geblieben. Zusammenfassend habe er anlässlich der Dachsanierung von seinem Vorgesetzten lediglich die Anweisung erhalten, er solle es «so machen, wie es zuvor war». Er habe sich nach bestem Wissen und Gewissen und mit einem eingeschränkten Blick auf die Abgasanlage nur von oben her auf die Einhaltung von Mindestabständen geachtet, ohne dass er hierfür spezielle Vorgaben seitens der Vorgesetzten erhalten h ätte oder dass seine Arbeiten im Nachhinein durch die Vorgesetzten bzw. einen Kaminfegermeister kontrolliert worden seien. Die Einhaltung von Brandschutzvorschriften liege im Übrigen nicht in seinem Verantwortungsbe- reich. Ebenso wenig sei er als Zimmermann dafür ausgebildet, Steinplatten zu verlegen, wobei hinzukomme, dass selbst eine Verlängerung derselben nicht zu einer vollständigen Ummantelung Seite 37 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Abgasanlage geführt hätte. Abgesehen davon sei das Kaminrohr ungewöhnlich instabil kon- struiert gewesen, da es sich leicht habe bewegen lassen. Seiner Meinung nach könne mit Blick auf die Brandspuren der Brand nicht so wie im Gutachten des FOR beschrieben entstanden und verlaufen sein. Es sei vielmehr von einem Brandausbruch weiter unten an der Kaminanlage selbst auszugehen, wobei sich der Brand sodann nach oben hin weiter ausgebreitet habe (vgl. Erw. 2.5.1.14). Diese Depositionen erscheinen nicht nur nachvollziehbar; sie lassen sich zusätzlich hinsichtlich der Einhaltung der Abstände, der Verantwortlichkeit für die Einhaltung der übrigen Brandschutzvorschriften sowie der Brandspuren vollständig mit den Aussagen des Vorarbeiters L.____ (vgl. Erw. 2.5.1.5) wie auch teilweise mit denjenigen des Cheminéebauers R.____ (vgl. Erw. 2.5.1.7) und des Baustellenchefs N.____ (vgl. Erw. 2.5.1.12) in Einklang bringen, was für deren Glaubhaftigkeit spricht. Des Weiteren werden die Erklärungen des Beschuldigten durch das den Akten beiliegende Fotomaterial insbesondere betreffend die Brandspuren belegt, womit sich dessen Glaubwürdigkeit weiter verstärkt. Dass die seitens des Beschuldigten immer wieder vorgebrachte Möglichkeit einer Gasentweichung aus der instabilen Abgasanlage nicht nur plau- sibel erscheint, sondern sogar als Brandursache in den Vordergrund zu rücken ist, ergibt sic h nicht zuletzt aus den überzeugenden Schlussfolgerungen im Privatgutachten (vgl. oben, Erw. 2.5.1.13 sowie 2.5.3). Das Kantonsgericht erachtet nach Würdigung sämtlicher vorliegenden Beweise zunächst den Vorwurf, der Beschuldigte habe die Zwischenräume n icht vorschriftsgemäss mit nicht brennba- rem Material ausgerollt bzw. ausgestopft, als klar nicht nachgewiesen. Die Staatsanwaltschaft begründet in ihrer Anschlussberufung in keiner Weise, warum in Abweichung zum vorinstanzli- chen Urteil wie auch selbst zum Gutachten FOR dieser Vorwurf nunmehr wieder aufzugreifen sei. Auch mit Blick auf die übrigen Beweismittel, wie insbesondere die Stellungnahme der Baselland- schaftlichen Gebäudeversicherung vom 28. Januar 2013 (vgl. Erw. 2.5.1.4), gelingt der diesbe- zügliche Nachweis des angeklagten Sachverhalts nicht. Die Anschlussberufung der Staatsan- waltschaft ist daher in diesem Punkt abzuweisen. Was den weiteren Vorwurf des Nichteinhaltens des Mindestabstands von 50 mm zwischen der Gutex-Platte und der Abgasanlage betrifft, so ist im Zweifel, mit Blick auf die schlüssigen Ausführungen im Privatgutachten, welches hierzu auf die Angaben der Brandentdeckerin, das Spurenbild, die Brandausbreitung und die Branddauer ver- weist, zugunsten des Beschuldigten von der für ihn günstige ren Sachverhaltsvariante auszuge- hen, wonach dieser, so wie angegeben, den nötigen Abstand eingehalten hat. Doch selbst wenn der Beschuldigte diesen Abstand nicht eingehalten haben sollte, kann mit derselben Begründung Seite 38 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein Kausalzusammenhang zum Brand nicht rechtsgenüglich nachgewiesen werden. Hinsichtlich des letzten Vorwurfs sodann, der Beschuldigte habe eine Verlängerung der Ytong-Platten unter- lassen, ist mit Blick auf dessen plausiblen Ausführungen, das dem Gericht vorliegende Bildmate- rial (vgl. nur die anlässlich der Berufungsverhandlung seitens des Beschuldigten eingereichten Fotos, Beilage 2) sowie die nachvollziehbaren Feststellungen im Privatgutachten davon auszu- gehen, dass das Kaminrohr schon ursprünglich nur rechts - und linksseitig, nicht jedoch an der Ober- und Unterseite mit einer nicht brennbaren Ytong-Platte umgeben war; d.h. es bestand ge- rade keine Ummantelung der Abgasanlage. Darum ist im Zweifel von einem vorbestehenden Zu- stand der Kaminanlage dergestalt auszugehen, dass selbst eine Verlängerung dieser Ytong-Plat- ten durch den Beschuldigten nicht zu einer vollständigen Ummantelung der Anlage geführt hätte, was wiederum einen Kausalzusammenhang zwischen dem Handeln bzw. Unterlassen des Be- schuldigten und dem Brand ausschliesst. Abgesehen davon weist der Beschuldigte zu Recht da- rauf hin, dass er die Erfüllung des Auftrags, er müsse es «so machen, wie es vorher war», nur so verstehen konnte, dass er keinerlei Änderung an den Brandplatten aus Stein vornehmen durfte, zumal er hierfür nicht ausgebildet war. Dies wird im Übrigen durch den Vorarbeiter L.____ (vgl. Erw. 2.5.1.5) vollumfänglich bestätigt. Eine über die üblichen Arbeiten eines Zimmermanns hin- ausgehende Pflicht ist weder dem Werkvertrag vom 20. Juli 2011 / 4. August 2011 / 6. August 2011 zu entnehmen noch gab es entsprechende spezifische Anweisungen. Wie der Beschuldigte sodann berechtigterweise ins Feld führt, waren vorliegend mehrere Personen mit verschiedenen Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten hinsichtlich der Einhaltung von Brandschu tzvorschrif- ten sowie der Arbeiten an der Abgasanlage involviert. Es bleibt darauf hinzuweisen, dass selbst die Vorinstanz in ihrem Urteil (vgl. S. 16 -19) die Verletzung diverser Sorgfaltspflichten weiterer Personen bejahte und insbesondere unter Zugrundelegung des Hauptgutachtens FOR feststellte, dass nach der Dachsanierung keine Abnahme der Abgasanlage durch einen Kaminexperten stattgefunden hat. Das Strafgericht stützt sich zu Recht auf die Äquivalenztheorie. Beim vorlie- genden, abweichenden Beweisergebnis ist jedoch festzuhalten, dass dem Beschuldigten, unab- hängig von einer allfälligen Verantwortlichkeit anderer Personen, selbst eine Teilursache zur Ent- stehung des Brandes nicht nachgewiesen werden kann. Weitere Brandursachen, wie sie seitens des Beschuldigten bzw. im Privatgutachten aufgeworfen werden, brauchen vorliegend nicht mehr geprüft zu werden, da sie nicht angeklagt sind und es, wie bereits ausgeführt, nicht am Beschul- digten liegt, seine Unschuld zu beweisen. Im Ergebnis erweist sich die Berufung des Beschuldig- ten in diesem zentralen Punkt als begründet, weshalb sie gutzuheissen ist. Seite 39 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5.5 Zusammenfassend gilt somit der angeklagte Sachverhalt als nicht rechtsgenüglich nach- gewiesen. Angesichts der verbleibenden, nicht überwindbaren Zweifel ist der Beschuldigte daher von der Anklage der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst in Gutheissung seiner Beru- fung sowie in Abweisung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft freizusprechen. Dispo- sitiv-Ziffer 1 des vorinstanzlichen Urteils ist entsprechend abzuändern. 3. Beschlagnahmen Nachdem das Kantonsgericht den Beschuldigten nicht schuldig, sondern freispricht, gilt es, Dis- positiv-Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils in Gutheissung der Berufung des Beschuldigten da- hingehend zu ergänzen, dass die beschlagnahmten Gegenstände (1 Sparren und 1 Stück Gutex) ohne Einwand seitens der Berechtigten innerhalb von 30 Tagen seit Eintritt der Rechtskraft zur Vernichtung eingezogen werden. 4. Zivilforderung Ebenso ist Dispositiv-Ziffer 3 des vorinstanzlichen Urteils angesichts des durch das Kantonsge- richt erfolgten Freispruchs in Anwendung von Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO dahingehend abzuän- dern, dass die Entschädigungsforderung von B.____ nunmehr abzuweisen ist. Die Berufung des Beschuldigten ist auch in dieser Hinsicht gutzuheissen. 5. Kosten des Strafgerichts Schliesslich ist zufolge Freispruchs der Beschuldigten durch das Kantonsgericht Dispositiv-Ziffer 4 in Anwendung von Art. 428 Abs. 3 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO e contrario dahingehend abzu- ändern, dass die Verfahrenskosten des Strafgerichts in der Höhe von insgesamt Fr. 10'604.55, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 9'104.55 und der Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.--, zu Lasten des Staates gehen. Zusätzlich ist angesichts des Freispruchs in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO dem vor Strafgericht durch Advokat Dr. Yves Waldmann verteidigten Beschuldigten für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 14'659.50 (55,8 Stunden zu je Fr. 250.-- = Fr. 12'700.--, zuzüglich Auslagen von Fr. 709.50) zuzusprechen. Auch in diesem Punkt ist die Berufung des Beschuldigten somit gutzuheissen. Seite 40 http://www.bl.ch/kantonsgericht IV. Kosten des Kantonsgerichts 1. Ordentliche Kosten Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahren werden in Anwendung von § 12 Abs. 1 GebT Fr. 6’300.--, beinhaltend eine Urteilsgebühr von Fr 6'000. -- sowie Auslagen von Fr. 300. --, fest- gesetzt. Nachdem die Berufung des Beschuldigten gutgeheissen und die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft abgewiesen worden ist, gehen diese Kosten in Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO zu Lasten des Staates. 2. Ausserordentliche Kosten Der Verteidiger des Beschuldigten macht anlässlich der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht mit Honorarnote vom 16. März 2020 ein Honorar von Fr. 22'302. -- (74,34 Stunden zu je Fr. 300.--) zuzüglich Auslagen von 3% (= Fr. 669.05), insgesamt Fr. 22 '971.05, geltend. Dieser Aufwand erscheint mit Blick auf den Stundenansatz wie auch auf den Stundenaufwand als im Verhältnis zur Komplexität des vorliegenden Falles leicht erhöht. Er ist auf eine pauschale Par- teientschädigung von Fr. 17'500.-- (inkl. Auslagen), welche dem Beschuldigten gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zu Lasten der Staatskasse auszurichten ist, festzusetzen. Für die Erstellung des Gutachtens durch die H.____AG werden dem Kantonsgericht zwei Rech- nungen in der Höhe von insgesamt Fr. 14’488.10 eingereicht. Auch dieser Aufwand ist dem Be- schuldigten dem Ausgang des Verfahrens entsprechend zu Lasten der Staatskasse zu entschä- digen. Seite 41 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 25. Juli 2018, auszugs- weise lautend: «1. A.____ wird gemäss Art. 222 Abs. 1 StGB der fahrlässigen Ver- ursachung einer Feuersbrunst schuldig erklärt. ln Anwendung von Art. 5 StPO wird von einer Bestrafung abgesehen. 2. Die beschlagnahmten Gegenstände (1 Sparren und 1 Stück Gutex) werden zur Vernichtung eingezogen. 3. Die Entschädigungsforderung von B.____ wird gemäss Art. 126 Abs. 3 StPO dem Grundsatz nach gutgeheissen und im Übrigen auf den Zivilweg verwiesen. 4. A.____ trägt die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 10'604.55, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 9'104.55 und der Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.--. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründetes Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtliche Gebühr auf Fr. 750.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT).» wird in Gutheissung der Berufung des Beschuldigten und in Ab- weisung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft in den Ziffern 1, 2, 3 und 4 wie folgt geändert: «1. A.____ wird von der Anklage der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst freigesprochen. Seite 42 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Die beschlagnahmten Gegenstände (1 Sparren und 1 Stück Gutex) werden ohne Einwand seitens der Berechtigten innerhalb von 30 Tagen seit Eintritt der Rechtskraft zur Vernichtung eingezogen. 3. Die Entschädigungsforderung von B.____ wird gemäss Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 10'604.55, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 9'104.55 und der Gerichts- gebühr von Fr. 1'500.--, gehen zu Lasten des Staates. Dem Beschuldigten wird für die Verteidigung durch Advokat Dr. Yves Waldmann eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 14'659.50 (inkl. Auslagen) zugesprochen.» II. (…) Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von Fr. 6’300.--, beinhaltend eine Urteilsgebühr von Fr 6'000.-- sowie Aus- lagen von Fr. 300.--, gehen zu Lasten des Staates. Dem Beschuldigten wird eine pauschale Parteientschädigung für die Verteidigung von Fr. 17'500.-- (inkl. Auslagen) sowie für die Erstellung des Gutachtens durch die H.____AG von Fr. 14’488.10 zu Lasten der Staatskasse ausgerichtet. Vizepräsident Markus Mattle Dieser Entscheid ist rechtskräftig. Gerichtsschreiberin Manuela Illgen