Kantonsgericht Schwyz Urteil vom 9. November 2021 ZK1 2021 21 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsidentin lic. iur. Daniela Pérez-Steiner, Kantonsrichter Pius Schuler, Jörg Meister, Josef Reichlin und lic. iur. Jeannette Soro, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch. In Sachen A.________, Klägerin und Berufungsführerin, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, gegen 1. C.________, 2. D.________, 3. E.________, 4. F.________, 5. G.________, 6. H.________, 7. I._________, 8. J.________, Beklagte und Berufungsgegner, vertreten durch Rechtsanwalt K.________, betreffend Vermächtnisklage (Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Schwyz vom 17. Februar 2021, ZGO 2019 20);- hat die 1. Zivilkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. Der zuletzt in Steinen wohnende, volljährig in Deutschland adoptierte Erblasser L.________ sel., geboren am ________, von Polen und Deutsch- land, war katholischer Priester und verstarb am ________ in der Gemeinde Schwyz. Seine eigenhändige Verfügung von Todes wegen vom 5. Oktober 1998 lautet (KB 2/6): In dem Fall meines Todes A.________ oder M.________ sind berechtig meine Ersparnise sowie Vermögen in der Schweiz u. Deutschland den Zwecken ihrer Meinung zu bestimmen und Unkosten groβzügig für sich zu nehmen. SKA-Konten in Schwyz,+ Depot Post Sparbuch Deutschland LVM Versicherungen Münster. Steinen, 5. X. 1998 [unterzeichnet] L.________ a) Die ehemalige Präsidentin am Bezirksgericht Schwyz wies A.________ als damalige Willensvollstreckerin am 28. Dezember 2018 aufsichtsrechtlich an, die in der Schweiz gelegenen Vermögensmittel mangels Nachweis, dass diese nicht zum Nachlass gehörten, gemäss dem Teilungsvertrag und gericht- lichen Vergleich an die Erben zu verteilen, wobei offengelassen wurde, ob die Verfügung vom 5. Oktober 1998 ein gültiges Vermächtnis darstelle (ZES 2018 229). In der Folge trat A.________ als Willensvollstreckerin zurück und das Kantonsgericht schrieb deren gegen die Anweisungen eingereichte Be- schwerde am 17. Juli 2019 als gegenstandslos geworden ab. Es wurde eben- falls ausdrücklich offengelassen, wie die Verfügung vom 5. Oktober 1998 aus- zulegen sei (ZK2 2019 1 E. 4). b) Mit Klage vom 7. Oktober 2019 stellte A.________ hauptsächlich fol- genden, anlässlich der Hauptverhandlung vom 14. Oktober 2020 beim Be- zirksgericht Schwyz modifizierten Antrag Ziffer 1 (Vi-act. 30):Kantonsgericht Schwyz 3 Es seien die Beklagten zu verpflichten, der Klägerin das in der letztwilli- gen Verfügung des Erblassers, L.________ (gest. ________), vom 5. Ok- tober 1998 ausgesetzte Vermächtnis „Ersparnisse sowie Vermögen in der Schweiz u. Deutschland“ zu bezahlen, entsprechend einem nach dem Beweisergebnis festzusetzenden Betrag, min. aber von CHF 418‘173.70 zzgl. Zins zu 5 % seit dem 6. August 2015. Die Klägerin wurde anlässlich der Hauptverhandlung befragt (Vi-act. 29 S. 7 ff.), wobei sie unter anderem zu Protokoll gab, ihr habe L.________ sel. ge- sagt, ganz sicher dürfe das Spendengeld nicht seine Familie erben (ebd. S. 9 Frage 5). Mit Urteil vom 17. Februar 2021 wies das Bezirksgericht die Klage ab und hob eine vorsorglich angeordnete Kontosperre bei der N.________ (Bank I) auf. Mit rechtzeitiger Berufung vom 24. März 2021 beantragt die Klä- gerin, dieses Urteil aufzuheben und ihre Klagebegehren vollumfänglich gutzu- heissen, eventualiter sei die Sache zwecks Sachverhaltsermittlung und Neu- beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beklagten verlangen mit Berufungsantwort vom 22. April 2021 die Berufung vollumfänglich abzuwei- sen, eventualiter für den Fall der gänzlichen oder teilweisen Gutheissung der Klage seien sie für berechtigt zu erklären, eine Gegenforderung von Fr. 24‘000.00 zur Verrechnung zu bringen (KG-act. 9). Dazu nahm die Kläge- rin nochmals Stellung (KG-act. 13). 2. Die Vorinstanz stellte fest, zwischen den Parteien sei nur Inhalt und Gül- tigkeit des Dokuments vom 5. Oktober 1998 umstritten, nicht aber, dass es sich um eine eigenhändige Verfügung im Sinne von Art. 505 Abs. 1 ZGB handle, deren Inhalt und Gültigkeit nurmehr zu prüfen sei (angef. Urteil E. 8.2). Im Berufungsverfahren wird die im angefochtenen Urteil zum Vermächtnisbe- griff (ebd. E. 5, zum Prinzip der materiellen Höchstpersönlichkeit vgl. unten E. 3) und zur Auslegung letztwilliger Verfügungen (ebd. E. 8.2.1; vgl. auch noch unten lit. a) erwähnte Rechtsprechung und Lehre nicht infrage gestellt. Die Vorinstanz erwog, nach dem Wortlaut des Dokuments sei klar, dass der Erblasser das Vermögen in der Schweiz und Deutschland nicht der Klägerin persönlich zuwenden wollte. Deshalb nahm sie ohne Berücksichtigung aus-Kantonsgericht Schwyz 4 serhalb der Urkunde liegender Umstände an, dass kein Vermächtnis im Sinne des Gesetzes vorliege. a) Ausgangspunkt der Auslegung einer letztwilligen Verfügung bildet deren Wortlaut; enthält dieser für sich selbst betrachtet eine klare Aussage, kann gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts davon grundsätzlich nicht abgewichen werden (Wolf-Hrubesch Millauer, Schweizerisches Erbrecht, 2. A. 2020, § 12 N 311 ff. m.H.). Sind dagegen die testamentarischen Anord- nungen so formuliert, dass sie ebenso gut im einen wie im andern Sinn ver- standen werden können, oder lassen sich mit guten Gründen mehrere Ausle- gungen vertreten, dürfen ausserhalb der Testamentsurkunde liegende Be- weismittel zur Auslegung herangezogen werden (BGE 131 III 106 E. 1.1). aa) In der Vorstellung, der Erklärende verstehe das geschriebene Wort dem allgemeinen Sprachgebrauch (Verkehrssprache, Rechtssprache) entspre- chend, wird die Übereinstimmung von Gewolltem und Erklärtem vermutet. Indessen kann die vom Erklärenden verwendete Bezeichnung oder Aus- drucksweise sich als missverständlich oder als unrichtig erweisen, sei es we- gen eines blossen Verschriebs, sei es deshalb, weil Ausdrücke in einer von der Verkehrs- oder Rechtssprache abweichenden Bedeutung verwendet wur- den. Nach der ausdrücklichen Vorschrift von Art. 18 Abs. 1 OR, die bei der Auslegung letztwilliger Verfügungen sinngemäss heranzuziehen ist (Art. 7 ZGB), ist der wirkliche Wille beachtlich, nicht die unrichtige Bezeichnung oder Ausdrucksweise. Wer sich auf einen vom objektiv verstandenen Sinn und Wortlaut abweichenden Willen des Erblassers beruft, ist beweispflichtig und hat entsprechende Anhaltspunkte konkret nachzuweisen (BGer 5A_914/2013 vom 4. April 2014 E. 2.1 m.H.; etwa Wiegand, BSK, 7. A. 2020, Art. 18 OR N 16 m.H.). bb) Die Regel, dass nur bei unklarem Wortlaut ausserhalb der Testaments- urkunde liegende Beweismittel zur Auslegung herangezogen werden dürfen Kantonsgericht Schwyz 5 (vgl. oben lit. a), soll nach einem neueren Entscheid des Bundesgerichts die Folge der Formvorschriften sein, denen die Verfügungen von Todes wegen unterliegen. Sie ändere nichts daran, dass es eine "an sich" klare Erklärung nicht geben und der Wortlaut als solcher keinen selbständigen Bestand haben könne (BGer 5A_799/2019 vom 14. Mai 2020 E. 5.3.2 m.H.). Insoweit er- scheint das Urteil der Vorinstanz, das Testament vom 5. Oktober 1998 enthal- te klar kein Vermächtnis zu Gunsten der Klägerin, gegen die Sachverhaltsrü- gen der Klägerin wegen der Nichtberücksichtigung von ausserhalb des eigent- lichen Erklärungsvorgangs liegender Tatsachen und Beweismittel (namentlich ihrer Aussagen) nicht immun. Dennoch bleibt abzuwarten, ob sich das Bun- desgericht mit diesem Entscheid von der Eindeutigkeitsregel lösen will (vgl. AJP 9/2021 S. 1175). Dass es keine in sich (rekursiv) klaren Erklärungen geben soll, ist immerhin umstritten und zudem keine Frage von bloss rechtli- chem Belang. Selbst wenn gesicherte sprachliche Konventionen über buchstäbliche oder erste Bedeutungen methodisch grundsätzlich infrage ge- stellt werden, dürfen in der Auslegung die Vorstellungen der Parteien, über das, was ihnen der Erblasser sagen wollte, nicht einen auf Anhieb klaren bzw. im Vordergrund stehenden Sinn des Testaments verdrängen. Die Formvor- schriften garantieren dem Erblasser die Realisierung seiner Willensäusserun- gen, bieten aber auch den gesetzlichen Erben die Gewähr, dass nur eine au- thentische und ernstliche Willensäusserung des Erblassers ihre Rechte be- schneiden (Breitschmid, BSK, 6. A. 2019, Art. 498 ZGB N 7). b) Offensichtlich ist, dass sich der Erblasser im umstrittenen Dokument grammatikalisch und orthographisch unzulänglich erklärt, was jedoch ebenso wenig wie die unbeholfene Ausdrucksweise die Authentizität des Sinnes sei- ner Erklärung beeinträchtigt. So hält die Vorinstanz in Bezug auf die Ver- mächtnisklage zutreffend dafür, der Wortlaut der Erklärung des Erblassers sei insofern klar, als sie der Klägerin bzw. deren Sohn nur die Rolle zukommen lasse, die Zwecke zu bestimmen, für welche die Ersparnisse und das Vermö- gen des Erblassers in der Schweiz und Deutschland verwendet werden sollen. Kantonsgericht Schwyz 6 Die fraglichen Formulierungen lassen sich nach ihrer „normalen“ Bedeutung nicht so verstehen, dass die Klägerin bzw. deren Sohn mit den Vermögens- werten bedacht werden sollen. Der Erklärung selber lässt sich nicht einmal ansatzweise entnehmen, was eine solche Deutung zuliesse, geschweige denn in den Vordergrund drängte. Vielmehr ist sie, wie die Klägerin selber sagt, aus sich selbst heraus verständlich (Vi-act. 29 S. 9 Einstieg der Antwort auf Frage 5). Trotz den sprachlichen Unzulänglichkeiten unterscheidet das Dokument des Erblassers klar zwischen dem, was die Klägerin bzw. ihr Sohn für sich nehmen und für was sie nur die Zwecke bestimmen können, weil sie nur „Un- kosten grosszügig für sich“ nehmen dürfen. c) Die Anwälte der Klägerin tragen im Berufungsverfahren vor, der Zweck bedeute „das Ziel einer Handlung“, weshalb die Vorinstanz mit ihrer Unter- scheidung von „Eigen-Zweck“ und „Dritt-Zweck“ die deutsche Sprache falsch nutze. Das Wort „Zweck“ allein könne nicht entscheiden, in was bzw. für wen Geld verwendet wird bzw. wem das Geld gehöre. Die Behauptung, vorliegen- der Fall spiele „sich nicht in einer kapitalistischen, rechtlich normierten, trans- aktionalen Grundstruktur“ ab, „sondern in einer fundamentalen religiösen Grundstruktur, die Eigentum altruistisch“ werte, wendet sich dagegen, dem Erblasser übliche (ökonomische) Zweck-Mittel-Relationen zu unterstellen. Je- doch spricht wenn überhaupt nur wenig für die Annahme, die Erklärung des Erblassers, die Klägerin habe die Ersparnisse und Vermögen in der Schweiz und Deutschland „den Zwecken ihrer Meinung zu bestimmen“, könnte darauf- hin deuten, der Erblasser habe von der normalen Zweck-Mittel-Relation ab- weichend erklären wollen, dass die Klägerin die Mittel für sich nutzen bzw. sich zu eigen machen könne. Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist, was die Behauptung, es handle sich bei diesem Satzteil um ein Wissens- und kein Willenselement, gegen die Feststellung einer fehlenden testamentarischen Übertragung der Vermögenswerte auf die Klägerin ausrichten soll. Selbst wenn die Passage das Wissen des Erblassers wiederspiegeln sollte, die Klä- gerin würde die Zwecke nach bestem Wissen und Gewissen bestimmen, gibt Kantonsgericht Schwyz 7 der Wortlaut der Erklärung nichts her, was dafürspräche, dass er ihr selber das Geld vermachen wollte. d) Abgesehen davon lässt sich auch den Aussagen der Klägerin nicht ent- nehmen, dass sie in der Zwecksetzung völlig frei gewesen wäre. Vielmehr war ihr klar, das Geld nur für die Zwecke verwenden zu dürfen, wie es der Erblas- ser selber als gut dachte (Vi-act. 29 S. 10 Frage 8). Nur dafür sollte sie sich für den zeitlichen Aufwand grosszügig entschädigen dürfen, was sie selber jedoch angesichts ihrer guten finanziellen Verhältnisse für nicht nötig befindet (ebd. S. 9 Frage 6). Es ist ferner nicht ersichtlich, dass die Vorinstanz die Aussagen der Klägerin aus dem Zusammenhang gerissen haben soll. Entge- gen der Behauptung in der Berufung bestätigte nicht einmal die Klägerin in eigenen Worten ein ihr durch die Frage ihres Anwalts vorinstanzlich suggerier- tes Verständnis, das Geld „nach eigenem Gusto“ verwenden zu können. Viel- mehr sagte sie nur aus, den Willen des Erblassers zu kennen und, dass sie das Vermögen in diesem Sinne verwenden würde (ebd. S. 11 Frage 15). Oh- nehin wäre die Deutung der Verfügung des Erblassers durch die Klägerin nicht massgeblich (BGE 131 III 106 E. 1.1), was in der Berufung auch zuge- standen wird (vgl. KG-act. 1 N 47); abgesehen davon, dass das Verständnis der Klägerin entgegen den Behauptungen ihrer Anwälte von demjenigen der Vorinstanz nicht abweicht (vgl. oben lit. b). Als Beispiel dafür, was der Erblas- ser nicht habe schreiben wollen, führt sie auf (Vi-act. 29 S. 9 in Antwort auf Frage 5): Mutter Theresa, das wäre ich, erbt das. Mutter Theresa bekommt das. Dann stellt sie die ihr angeblich für die in dieser Erklärung getroffenen Lösung durch den Erblasser angegebenen Gründe wie folgt dar (ebd.): Weil er hat gesagt, was weiss ich, wenn ich sterbe, ob die noch vertrau- enswürdig sind, ob die in der Zwischenzeit korrupt geworden sind, ob sich bei irgendeiner Organisation herausstellt, dass dort ein Missbrauch von Priestern besteht oder ich weiss nicht, was alles möglich wäre. Also wäre es am besten, du würdest es dann entscheiden, wenn ich tot wäre, Kantonsgericht Schwyz 8 oder der M.________, wem ihr das Geld geben wollt. Weil ihr denkt ja wie ich. (…). Diese Angaben der Klägerin lassen sich in Übereinstimmung mit dem Wortlaut der Erklärung des Erblassers einzig auf diese Weise deuten, dass sie und allenfalls ihr Sohn darüber zu entscheiden befugt seien, wem sie das Geld geben wollen, nicht aber, dass sie diese Vermögenswerte bekommen. Die Klägerin selber betrachtete sich demnach aufgrund der erinnerten Gespräche mit dem Erblasser als Willensvollstreckerin (ebd. S. 10 Frage 11 sowie S. 11 Frage 15), aber nicht als Person, welche das Geld je selber bekommen sollte, welches der Erblasser Bedürftigen zuwenden will. e) Die Prämisse der Berufung, der Wortlaut liesse nach normalem Ver- ständnis offen, ob die Klägerin die Ersparnisse und das Vermögen des Erb- lassers bekommen soll, bleibt mithin sowohl nach dem Wortlaut (vgl. oben lit. b und c) als auch aufgrund der Aussagen der Klägerin (lit. d) unbegründet. Hätte der Erblasser diesen Willen gehabt, hätte er einfach die Passage „den Zwecken ihrer Meinung zu bestimmen und Unkosten grosszügig“ weglassen können. Er sprach sich über die Inhaberschaft der Mittel für den Fall seines Todes mithin klar aus, wie das die Vorinstanz als zutreffend aus dem Wortlaut der letztwilligen Verfügung ableitet. Er wollte seine Nachlasswerte nicht der Klägerin vermachen, sondern ihr nur die Rolle, respektive die Befugnis über- lassen, Zwecke bzw. Empfänger zu bestimmen. f) Der Aussage der Klägerin, der Erblasser habe ihr gesagt, das Spenden- geld dürfe sicher nicht seine Familie erben, lässt sich nichts Massgebliches entnehmen, weil weder behauptet noch bewiesen wird, inwiefern die umstrit- tenen Nachlasswerte aus Spenden und nicht aus Ersparnissen und Vermö- genswerten des Erblassers geäufnet wurden. Dass der Erblasser die Vermö- genswerte nicht einfach in den gesetzlichen Erbgang geben wollte, liegt den- noch nahe, soll doch die Klägerin oder ihr Sohn die Verwendungszwecke für die Ersparnisse und das Vermögen bestimmen. Inwiefern dieser möglichen Kantonsgericht Schwyz 9 Intention Rechnung getragen werden kann, ist indes in vorliegendem Verfah- ren der Vermächtnisklage nicht zu beurteilen. Für die Sicherung des Erbgan- ges sorgt das Erbschaftsamt (Art. 551 Abs. 1 und etwa Art. 556 Abs. 3 ZGB; §§ 38 ff. EGzZGB, vgl. auch ZK2 2019 1 vom 17. Juli 2019 E. 3). Da die Ver- fügung des Erblassers keine zu begünstigenden Personen oder Organisatio- nen bezeichnet, sind keine entsprechenden Auflagen auszumachen. Selbst wenn trotz des Grundsatzes der Höchstpersönlichkeit (dazu noch nachfolgend E. 3) ein Willensvollstrecker Begünstigte konkretisieren könnte, gab die Kläge- rin dieses Mandat jedoch auf (vgl. oben E. 1.a). Im Übrigen fehlt ihr nach dem Gesagten die behauptete materielle Stellung in der Erbteilung, wie die Vor- instanz wie gesagt zutreffend schlussfolgerte (angef. Verfügung E. 8.4) und die Umdeutung der Erklärung des Erblassers nach der Regel des „favor tes- tamenti“ in ein Vermächtnis mit Auflage angesichts des klaren Auslegungser- gebnisses zu Recht verwarf (ebd. E. 8.6 sowie nachfolgend E. 3). Mangels einer Erbeinsetzung bzw. eines Vermächtnisses ist die Klägerin keine mit ei- ner Auflage beschwerte Person (vgl. zum Ganzen Grüninger/Liatowitsch, PK Erbrecht, 4. A. 2019, Art. 482 ZGB N 23 f.). 3. Weiter kritisieren die Anwälte der Klägerin die Anwendung des unge- schriebenen Prinzips der materiellen Höchstpersönlichkeit, wobei sie einräu- men, die Vorinstanz lege die diesbezügliche höchstrichterliche, in ihrer jünge- ren Tendenz weniger restriktive strenge Rechtsprechung zutreffend dar. Sie halten dafür, diese Rechtsprechung noch zurückhaltender zu berücksichtigen. Es sei vielmehr der jüngeren weniger strengen herrschenden Lehre zu folgen, welche festhalte, eine erbrechtliche Anordnung verstosse dann nicht gegen das Prinzip der materiellen Höchstpersönlichkeit, wenn im Zeitpunkt der Wil- lensäusserung ein abschliessender Entscheid über die Bestimmung des Nachlasses nicht möglich war. a) Gemäss dem ungeschriebenen Grundsatz der materiellen Höchstper- sönlichkeit muss der Inhalt einer Verfügung von Todes wegen vom Erblasser Kantonsgericht Schwyz 10 selbst bestimmt werden. Es ist unzulässig, dem Willen Dritter die Befugnis zu delegieren, die Person des erbrechtlich Bedachten oder den zuzuwendenden Nachlassgegenstand zu bestimmen (Wolf-Hrubesch Millauer, a.a.O., § 12 N 296 ff.; Lenz, PK Erbrecht, 4. A. 2019, Art. 498 ZGB N 27; Seiler, Die erb- rechtliche Ungültigkeit, N 704). Die Lehre ist bezüglich der Strenge des Dele- gationsverbotes in Anwendung des Grundsatzes der materiellen Höchstper- sönlichkeit ohne klare Mehrheiten uneinheitlich (Lenz, a.a.O., N 27 m.H.; Sei- ler, a.a.O., N 704). Die Vorinstanz befand, der letztwilligen Verfügung fehlten vorliegend jegliche Kriterien einer annähernden Konkretisierung des begüns- tigten Personenkreises und es seien keine Gründe dargetan oder ersichtlich, dass diese Bestimmung dem Erblasser nicht möglich war, weshalb er entwe- der keinen klaren Willen gefasst oder dies bequemlichkeitshalber unterlassen habe und beides zur Ungültigkeit der Delegation führe (angef. Urteil E. 8.6.2). Mit dieser Begründung setzt sich die Berufung nicht konkret auseinander. So- weit die Anwälte der Klägerin in allgemeiner Weise für eine Lockerung der Rechtsprechung plädieren und auf die Grenzen des Prinzips bei wohltätigen Zuwendungen sowie neu im ZGB kodifizierte andere Institute wie der Vorsor- geauftrag oder die Patientenverfügung hinweisen, ist auf die Berufung nicht einzutreten. b) Abgesehen davon ist nicht ersichtlich, inwiefern der Erblasser sich im Zeitpunkt der Testierung noch nicht auf Institutionen, die seinen Willen am besten umsetzen würden, hätte festlegen können bzw. sollen, zumal es ihm jederzeit offenstand, eine entsprechend hinreichend bestimmte letztwillige Verfügung zu widerrufen (Art. 509 ZGB), zu vernichten (Art. 510 ZGB) oder abzuändern (Art. 511 ZGB), falls ihn die bedachten Institutionen im Verlauf der Zeit hinsichtlich ihrer wohltätigen Orientierung nicht mehr überzeugt hätten. In der Unterlassung, die Adressaten und Zwecke seiner Wohltätigkeit selber zu bestimmen, kann keine Weitsichtigkeit ausgemacht werden, umso weniger als sich seiner Verfügung überhaupt keine dahingehenden Kriterien entnehmen lassen (anders als in BGE 100 II 98 „Leprakranke“). Unter diesen Umständen Kantonsgericht Schwyz 11 ist wie gesagt (vgl. oben E. 2.f) eine Konversion der Erklärung in ein Ver- mächtnis mit Auflage nicht zulässig, zumal deren Wortlaut ausschliesst, dass er der Klägerin etwas vermachen wollte. Das Prinzip der materiellen Höchst- persönlichkeit ist neben inhaltlichen Aspekten auch von formaler Bedeutung, weil vorab die gesetzlichen Erben im Prinzip nur den Willen des Erblassers gegen sich gelten lassen müssen (Breitschmid, a.a.O., Art. 498 ZGB N 12 m.H.). Angesichts des klaren Wortlauts der Verfügung von Todes wegen, ent- behrt die vorliegende Vermächtnisklage der Grundlage (vgl. oben E. 2). Daher lässt sich die eingeklagte Begünstigung der Klägerin auch nicht gestützt auf den Grundsatz des „favor testamenti“ aus dem Testament herauslesen und den gesetzlichen Erben entgegenhalten. Bei der Erteilung der blossen Befug- nis den Verwendungszweck zu bestimmen, handelte es sich allenfalls um das inzwischen von der Klägerin abgelehnte Willensvollstreckungsmandat (vgl. oben E. 1.a). Darüber hinaus liegt keine Willenserklärung vor, welche die Wirkungen einer Verfügung von Todes wegen zu Gunsten der Klägerin entfal- ten könnte oder als Vermächtnis unter Auflage konvertierbar zu interpretieren wäre. 4. Aus diesen Gründen ist die Berufung abzuweisen, soweit auf sie einzu- treten ist, und es erübrigen sich Erörterungen insbesondere zur Frage der Verjährung. Ausgangsgemäss wird die Klägerin prozesskostenpflichtig (Art. 106 Abs. 1 i.V.m. Art. 95 Abs. 1 ZPO; §§ 2, 6 und 11 GebTRA);-Kantonsgericht Schwyz 12 erkannt: 1. Die Berufung wird, soweit auf sie einzutreten ist, abgewiesen. 2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 10‘000.00 werden der Klä- gerin auferlegt. Sie werden aus dem geleisteten Vorschuss gedeckt und der Klägerin aus der Kantonsgerichtskasse Fr. 8‘000.00 zurückbezahlt. 3. Die Klägerin wird verpflichtet, die Beklagten für das Berufungsverfahren insgesamt mit Fr. 6‘000.00 (inkl. Auslagen und MWST) zu entschädigen. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 72 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Zivilsa- chen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden; die Be- schwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. Der Streitwert beträgt Fr. 418'173.00. 5. Zufertigung an die Vertreter der Klägerin (2/R), den Vertreter der Beklag- ten (9/R) und die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, mit den Akten) und an die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der 1. Zivilkammer Die Kantonsgerichtsvizepräsidentin Der Gerichtsschreiber Versand 10. November 2021 kau