B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5752/2011 U r t e i l v o m 2 2 . M a i 2 0 1 3 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), beide Russland, vertreten durch lic. iur. Patricia Müller, Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende Aargau, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Sep- tember 2011 / N (…). E-5752/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden, ein Geschwisterpaar russischer Staatsangehö- rigkeit und kabardinischer Ethnie aus dem Ort C._______ in der Republik Kabardino-Balkarien (Russische Föderation), reichten am 11. Juli 2011 beim (…) in Begleitung ihrer in der Schweiz wohnhaften (…) ein Asylge- such ein. In der Folge wurde n sie an das Empfangs- und Verfahrenszent- rum (EVZ) in Basel verwiesen. Am 21. Juli 2011 wurden sie im Rahmen der Befragung zur Person zu ihren Ausreisegründen befragt. Dabei machte der Beschwerdeführer B._______ im Wesentlichen geltend, sie hätten das Land ver lassen, weil sie wegen der beruflichen Tätigkeit ih- res Vaters, der für die Polizei gearbeitet habe, bedroht worden seien. So sei er beispielsweise in der Schule von einem Jungen bedroht worden. Seine Schwester sei für ihn eingetreten und deswegen geschlage n und als Kind eines Polizeimitarbeiters beschimpft worden. Es sei ihnen mittels Ze t- telchen gedroht worden, dass sie umgebracht würden, wenn sie diesen Vorfall der Polizei melde ten. Im März 2011 hätten sie die Schule gewec h- selt. Der Vater sei nicht mit ihn en ausgereist, da er das Land nicht verla s- sen dürfe. Er sei im Jahre 2005 für zirka drei Monate inhaftiert gewesen und nach einer Anzeige freigelassen und wieder in seine Funktion einge- setzt worden. Die Beschwerdeführerin A._______ führte aus, sie sei wie ihr Bruder noch minderjährig und habe im Heimatland die (…) Klasse besucht. Ihr Vater ar- beite seit (…) Jahren für das Ministerium des Innern, unter anderem auch in der (…). Er habe ständig Drohungen – teilweise in Form von Briefen – erhalten, dass ihm oder der Familie etwas angetan würde . Die Eltern hä t- ten alles versucht, damit die Kinder dies nicht zu spüren bekämen. Sie hät- ten ihnen daher die Briefe nicht gezeigt. Sie hätten viermal den Wohnort wechseln müssen. Die Eltern hätten ihnen verboten zu sagen, wo der Vater arbeite, da bei ihnen sogenannte Wa hhabiten und Islamisten aktiv seien , welche nicht davor zurückschreckten, Polizeibeamte niederzustechen. Vie- le Freunde des Vaters seien bereits umgekommen. Wegen der Vorfälle ha- be der Vater Angst um die Kinde r gehabt. Sie seien wegen des Vaters i m- mer wieder provoziert worden. Im März 2011 sei sie in der Schule von e i- nem Schüler, welcher Wa hhabit sei, dermassen zusammengeschlagen worden, dass sie zwei bis drei Wochen habe im Krankenhaus bleiben müssen. Ihr Vater habe dem Schuldirektor gegenüber erwähnt, dass er e i- ne Anzeige in Erwägung ziehe. Dies hätten die Wa hhabiten erfahren, und E-5752/2011 Seite 3 man habe ihnen gedroht, dass es ihnen dann noch schlechter ergehen würde. Danach hätten sie und ihr Bruder die Schule gewechselt. Am neuen Ort hätten die Lehrer versucht, für sie einzutreten, was aber nichts g e- bracht habe. Der Vater habe im Jahr 2005 vergeblich versucht, seine A r- beitsstelle aufzugeben. Dieser Versuch habe damit geendet, dass er ins Gefängnis gekommen sei. In Ka bardino-Balkarien gebe es im Moment die gleichen Probleme wie zuvor in Tschetschenien. Es gebe ständig angstein- flössende Explosionen und Niedermetzelungen. Sie hätten schon lange fortgehen wollen, doch hätten sie erst jetzt die Gelegenheit dazu gehabt. Ihr Vater habe sie mit dem Wagen in die Ukraine gebracht. Die Beschwerdeführenden wiesen sich mit Kopien von Identitätsdokume n- ten aus (vgl. BFM-Akte A16). Sie wurden daher am 21. Juli 2011 unter A n- drohung eines Nichteintretensentscheides aufgefordert, innert 48 Stun den gültige Identitätspapiere im Original zu den Akten zu reichen. Unter den von den Beschwerdeführenden mitgebrachten Beweismitteln be- findet sich ein Schreiben ihrer Eltern, in welchem diese die Gründe für die Asylgesuchstellung ihrer Kinder darlegen. Zu dem ersuchen sie in einem weiteren Schreiben, dass ihrem Antrag um Obhutgewährung der Kinder bei einer nahen Verwandten in der Schweiz stattgegeben werde. B. Am 10. August 2011 wurden die Beschwerdeführenden gemäss Art. 29 Abs. 1 und Art. 41 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) im Beisein einer (provisorischen) Vertrauensperson für Minder- jährige sowie einer Hilfswerksvertreterin zu ihrem Asylgesuch angehört. Die Beschwerdeführerin führte dabei aus, ihr Vater sei (…). Damit sei er (…). Er arbeite seit über (…) Jahren bei der Polizei und sei (…). Seit zwei Jahren sei er nun (…). Die Arbeit des Vaters sei für niemanden ein G e- heimnis gewesen und mit jeder Beförderung sei auch der Grad der Dr o- hungen gestiegen. Er habe ständig Angst um d as Leben der Kinder g e- habt. Er habe sie gewarnt, immer vorsichtig zu sein. Seit dem Jahr 2000 sei es in der Republik immer öfter zu Anschlägen der Wahhabiten, die we- gen der wirtschaftlich schlechten Lage grossen Zulauf hätten, auf die Poli- zei gekommen. Ihr Vater habe im Jahre (…) vergeblich versucht, die Ar- beitsstelle zu kündigen. Wegen der ständigen An schläge und des Mangels an (…) habe man ihn nicht gehen lassen. Als Konsequenz für das Entla s- sungsbegehren habe man ihm ein Delikt angehängt – es sei um eine gros- se Summe Geld gegangen – und ihn während (…) inhaftiert. Es sei ihm ge-E-5752/2011 Seite 4 lungen, seine Unschuld zu beweisen. Mit der Zeit habe sich die Situation verschärft, und es sei wöchentlich zu Sprengstoffattentaten gekommen. Imame sowie Polizisten und deren Fa milien seien getötet worden. Der Va- ter habe begonnen, die Drohbriefe der Wah habiten für seine Vorgesetzten zu sammeln, doch sei ihm gesagt worden, diese reichten nicht aus, um e i- ne Gefährdung nachzuweisen, und solche Drohbriefe seien normal ange- sichts seiner beruflichen Tätigkeit. Im Jahr 2011 sei es zu einem Konflikt in der Schule gekommen, bei welchem die Beschwerdeführerin verletzt wo r- den sei. Sie habe eine Gehirnerschütterung gehabt , und es hätten sich Krämpfe eingestellt, die sie aber schon seit ihrer Kindheit oft gehabt habe. Sie habe sich in der Folge für drei Wochen in Spitalpflege begeben mü s- sen. Ihr Vater habe ein Strafverfahren eingeleitet. Die Familie des Angre i- fers habe ihnen mittels Drohungen nahegelegt, die Anzeige zurück zuzie- hen. Freunde des Angreifers hätten gedroht, die Beschwerdeführerin nie- derzustechen, wenn die Anzeige nicht zurückgezogen werde. In der Zw i- schenzeit hätten die Eltern sie an einer anderen Schule platziert und die Ausreise vorbereitet. Sie selbst hätten von den Plänen der El tern nichts gewusst. Zuvor, im Mai 2011, sei es zu einem weiteren Zwischenfall g e- kommen. Die Familie eines Freundes des Vaters sei in dessen Dienst wa- gen anlässlich (…), an der sie auch teilgenommen hätten, beschossen worden. Auch ihr Auto habe fünf Schüsse abbekommen. Die Frau des Freundes sei bei dieser Schiesserei ums Leben gekommen. Sie selbst h a- be beim Anblick der Blutlache das Bewusstsein verloren und sei ins Spital gebracht worden. Von der Untersuchungsbehörde hätten sie später erfah- ren, dass der Ansc hlag eigentlich ihrer Familie gegolten habe. Der Vater sei seither mehrfach einvernommen worden . Nach den Tätern werde we i- terhin gefahndet. Am 22. Juni 2011 sei es im Hof ihres Hauses zu einem letzten Vorfall gekommen. Jugendliche und Islamisten seien in e inen Streit geraten, letztere hätten Messer und Stöcke verwendet. Ihr Bruder sei darin involviert worden, ebenso der Islamist, mit dem sie bereits die Auseinan- dersetzung an der Schule gehabt hätten. Als ihr Bruder nach Hause g e- kommen sei, hätten sie auf de ssen Rücken Schürfwunden von Steinen entdeckt. Dies zeige, dass sie sich nicht ohne weiteres draussen aufhalten könnten. Die Eltern hätten im Jahr 2011 bereits viermal den Wohnort g e- wechselt. Die Vorfälle hätten die Familie g esundheitlich in Mitleidenschaf t gezogen. Sie selbst habe immer häufiger Anfälle und Krämpfe, ihr Vater sei an Tuberkulose erkrankt und leide immer häufiger an Anfällen im Kopf. Es sei ihrem Vater schon lange nicht mehr möglich gewesen, sie zu beschü t- zen und zu verstecken , wie er dies mit dem jüngsten , im Heimatland z u- rückgebliebenen Bruder tun könne . An einem neuen Ort hätten sie sich maximal zwei Monate aufhalten können. Sie hoffe, dass die Wa hhabiten E-5752/2011 Seite 5 mit den Drohungen ihren Eltern gegenüber aufhör ten, wenn sie erf ühren, dass sie (die Beschwerdeführenden) nicht mehr da seien. Der Beschwerdeführer gab an, wegen des (…)postens des Vaters (…) sei- en sie mehrfach mittels Briefen bedroht worden. In den letzten fünf Jahren sei die islamistische Bewegung des Terroris mus im Kaukasus erstarkt. Es sei zu vielen Anschlägen gekommen, si e hätten sich deswegen um ihren Vater gesorgt. Der Vater habe den Unterboden des Autos jeweils nach Bomben untersucht. Wenn er für eine (…) im Kaukasus unterwegs gew e- sen sei, habe er immer damit rechnen müssen, in die Luft gesprengt zu werden. Sie hätten auch Drohbriefe erhalten, wobei er und die Schwester diese nie gesehen hätten. Die Eltern hätten zwar nichts von den Briefen erzählt, sie hätten aber aus dem Umstand, dass die Mutter ständig geweint habe sowie hysterisch geworden sei , und der Vater ebenfalls ausser sich gewesen sei, geschlossen, dass es solche Briefe gebe. In der Schule habe es einen Vorfall gegeben, bei welchem er als Polizistensöhnchen b e- schimpft worden sei. Dabei sei seine Schwester verprügelt worden und ha- be danach während dreier Wochen im Spital gepflegt werden müssen. Sein Vater habe danach bei der Polizei Anzeige erstattet , diese dann aber wegen der Drohungen wieder zurückgezogen . Die "Islamisten-Jungs" hät- ten der Familie gedroht, die Tochter niede rzustechen, wenn die Anzeige nicht zurückgezogen würde. Sie hätten danach weiterhin Drohbriefe erha l- ten. Die Eltern hätten sie in e iner ander en, städtischen Schule in C._______ eingeschrieben, wo sie noch bis zu den Ferien Ende Mai 2011 hingegangen seien. Im Mai 2011 sei es zu einem tödlichen Anschlag an- lässlich eines (…) gekommen, welcher eigentlich ihnen gegolten habe. Beim Beschuss des Dienstwagens des Vaters, welchen dieser ausgeliehen habe, sei eine Bekannte ums Leben gekommen. Seine Schwester sei beim Anblick des Blutes bewusstlos geworden und mit dem verletzten Bekann- ten des Vaters und Ehemann der Getöteten ins Spital gebracht worden. Die Polizeiuntersuchungen hätten ergeben, dass der Anschlag ihnen g e- golten habe. Sie hätten befürchtet, dass sich dies er Anschlag wiederhole. Im Juni 2011 sei er von einer Menschenmenge, darunter vom Schüler, der bereits für den letzten Vorfall verantwortlich gewesen sei, erneut angegri f- fen worden. Er sei mit Steinen und Stöcken be worfen worden. Auch habe man ihm "Polizisten-Welpe" hinterher gerufen. Sein ganzer Rücken sei von den Steinwürfen mit blauen Flecken übersät gewesen. C. Am 22. August 2011 wurden die Beschwerdeführenden seitens (…) formell E-5752/2011 Seite 6 darüber informiert, dass ihnen eine Vertrauensperson für Minderjährige zu- geordnet werde beziehungsweise worden sei. D. Mit Verfügung vom 15. September 2011, eröffnet am 19. September 2011, wies das BFM d ie Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab und ordnete deren Wegweisung samt Vollzug an. Zur Begründung führte es an, d eren Vorbringen vermöchten weder den Anforderungen von Art . 7 des Asylge- setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) an die Glaubhaftigkeit noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG zu genügen. Den Wegweisungsvollzug nach Russland era chtete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. Auf die detaillierte Begründung wird in den nachfo l- genden Erwägungen eingegangen. E. Mit Eingabe vom 18. Oktober 2011 erhoben die Beschwerdeführenden durch ihre Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgerich t Beschwerde gegen den Entscheid des BFM. Sie beantragten die Aufhebung der Verf ü- gung und die Gewährung des Asyls. Eventualiter sei die Verfügung des Bundesamtes für Migration aufzuheben, und die Sache sei zur Neubeurtei- lung an die Vorinstanz zurückzuweise n. Subeventualiter sei festzustellen, dass die Wegweisung der Beschwerdeführenden unzulässig und ihnen da- her die vorläufige Aufnahme zu gewähren sei. In verfahrensrechtlicher Hin- sicht ersuchten die Beschwerdeführenden um Gewährung der unentgeltl i- chen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses. Der Eingabe lag eine Kostennote bei. F. Mit Verfügung vom 24. Oktober 2011 teilte die Instruktionsrichterin den B e- schwerdeführenden mit, dass sie den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könnten und auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses verzichtet werde. Den Entscheid betreffend Gewährung der unentgelt- lichen Prozessführung verschob sie auf einen späteren Zeitpunkt. Die Be- schwerdeführenden wurden in diesem Zusammenhang aufgefordert, eine Fürsorgebestätigung zu den Akten zu reichen . Sodann wurde eine Frist eingeräumt, um ein ärztliches Zeugnis die Beschwerdeführerin betreffend einzureichen. G. Am 31. Oktober 2011 reichten die Beschwerdeführenden eine Fürsorg e- bestätigung ein. E-5752/2011 Seite 7 H. Am 3. Nove mber 2011 wurde das verlangte ärztliche Zeugnis, datierend vom 2. November 2011, zu den Akten gereicht. Diesem ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin erst kürzlich in hausärztliche Behan d- lung begeben habe , und es sich bei der Erkrankung um ein hysteriformes Bild und eine depressive Entwicklung im Rahmen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zu handeln scheine, dies als mögliche Folge ei- nes Überfalls im April 2011. Weitere Aussagen könne der Arzt derzeit nicht machen. Eine Anmeldung beim Psychiater sei lanciert. I. Am 7. Februar 2012 reichte die Rechtsvertreterin einen psychiatrischen Bericht einer Praxisgemeinschaft für Psychotherapie und Psychiatrie vom 6. Februar 2012 zu den Akten. Darin w urden der Beschwerdeführerin eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion bei psychosozialer Belastungsstörung (Trennung von den Eltern, Schwierigkeiten bei der ku l- turellen Eingewöhnung, soziale Zurückweisung) , ein Verdacht auf eine PTBS bei Betroffen-Sein von Feindseligkeiten und Mite rleben eines terro- ristischen Anschlags im Heimatland sowie ein Verdacht auf Panikstörung attestiert. J. In seiner Vernehmlassung vom 14. September 2012 beantragt e das BFM die Abweisung der Beschwerde und wies darauf hin, dass die Beschwerde- führenden ihre Probleme vom Vater ableiteten, dieser jedoch nach wie vor mit der restlichen Familie in Russland lebe. Er sei dort offenbar keiner Ver- folgung ausgesetzt. Umso weniger sei eine solche bei den Kindern anz u- nehmen, deren Vorbringen sich denn auch nicht als glaub haft erwiesen hätten. K. Am 2. Oktober 2012 reichte die Rechtsvertreterin eine Replik sowie einen Arztbericht vom 26. September 2012 über den Therapieverlauf die B e- schwerdeführerin betreffend zu den Akten. Zur Gefährdung des Vaters ent- gegnete sie, dieser sei ständig unterwegs und daher für seine Feinde nicht fassbar. Den Kindern sei es aber unmöglich, ein solches Leben zu führen. Zudem müsse der Sohn bald Militärdienst leisten, was ein Untertauchen im Land völlig verunmögliche. Der Vater habe im Übrigen die B itte der in der Schweiz lebenden (…) abgewiesen, die aktuelle Gefährdungssituation zu dokumentieren und Beweismittel in die Schweiz zu schicken, da die s zu gefährlich sei. Die Rechtsvertreterin verwies schliesslich auf ein bei den E-5752/2011 Seite 8 Akten liegendes Asylgesuch des Vaters, welches bis anhin nicht beh andelt und nicht übersetzt worden sei. Schliesslich macht e die Rechtsvertreterin bezüglich anderweitiger Schutzmassnahmen geltend, laut den Kindern h a- be der Vater keinerlei Vertrauen in die Behörden. Es gebe überall Spitzel und daher keine Möglichkeit, die Kinder mit Hilfe der russischen Behörden vor einem Übergriff zu schützen. Betreffend den Therapieverlauf führte die Rechtsvertreterin aus, der Zustand der Beschwerdeführerin habe sich laut Bericht verbessert, sie s ei aber weiterhin auf eine psychiatrisch - psychotherapeutische Behandlung angewiesen. Dem ärztlichen Bericht vom 26. September 2012 ist konkret zu entnehmen, dass sich die Situation der Beschwerdeführerin aufgrund diverser Integrationsmassnahmen g e- bessert habe. Sie leide aber nach wie vor (…), welche am ehesten einer Panikstörung entsprächen. Allenfalls könne es sich auch um Flashbacks im Rahmen einer PTBS handeln. Die psychiatrisch -psychotherapeutische Be- handlung müsse noch mindestens sechs Monate fortgesetzt werden. L. Mit Schreiben vom 24. Oktober 2012 teilte die Instruktionsrichterin der Rechtsvertreterin mit, beim fraglichen Asylgesuch des Vaters/der Eltern handle es sich um ein solches für deren Kinder. Die betreffenden Dok u- mente befänden sich im Dossier des BFM und seien von diesem übersetzt worden. Der Rechtsvertreterin wurde durch das Bundesverwaltungsgericht mit den entsprechenden Kopien bedient. E-5752/2011 Seite 9 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behö r- den nach Art. 33 VGG und ist daher ei ne Vorinstanz des Bundesverwa l- tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichts- gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bu n- desverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das AsylG und das VGG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, d ie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des E-5752/2011 Seite 10 Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgr ünden ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tats a- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM hat die Asylgesuche der Beschwerdeführenden einerseits mit der Begründung abgewiesen, dass deren Vorbringen nicht substanziiert, nicht nachvollziehbar und widersprüchlich seien. So seien die beiden Ge- schwister nicht in der Lage ge wesen, die ber ufliche Tätigkeit des Vaters genau zu beschreiben. Danach gefragt, was die Beschwerdeführerin unter einem (…) verstehe, habe sie aus dem Dienstausweis ihres Vaters ablesen müssen. Weiter seien sie auch nicht in der Lage gewesen, über die Dr o- hungen, die ein gemeinsames Leben mit der Familie verunmöglicht hätten, konkret zu berichten. Sie hätten lediglich erklärt, die Eltern hätten sie schützen wollen, daher hätten sie ihnen kaum etwas darüber berichtet. Dieser Einwand vermöge jedoch nicht zu überzeugen, sei doch die B e- schwerdeführerin einerseits gut über die allgemeine Lage informiert und habe sie andererseits angegeben, der Vater habe ihr, als sie grösser g e- worden sei, immer erzählt, was passiert sei und was er erlebt habe. Weiter hätten die Beschwerdeführen den auch nicht nachvoll ziehbar auf zeigen können, weshalb der Vater nicht in der Lage gewesen sei, Sicherheitsvo r- kehrungen zu treffen, die seiner Familie einen gewissen Schutz hätten bie- ten können. Dies gelte umso mehr, als dieser gemäss den Aussagen der Beschwerdeführenden (…) bekleidet habe. Die diesbezügliche Erklärung der Beschwerdeführerin, es gäbe keine solchen Massnahmen, überzeuge nicht. Auf die Nachfrage, weshalb sie gerade im Juli 2011 ihre Heimat ve r- lassen hätten, obwohl die Drohungen bereits vie l früher begonnen hätten, habe die Beschwerdeführerin bloss angegeben, sie seien nun älter, früher sei die Ausreise aufgrund ihres Alters nicht möglich gewesen. Die B e- schwerdeführerin sei somit nicht in der Lage gewesen, die Motivation für die Ausreise konkret anzugeben. Sodann hätten die Beschwerdeführenden divergierende Angaben zum Beginn der Drohungen gemacht. Die B e- schwerdeführerin habe davon gesprochen, dass die Drohungen bereits seit E-5752/2011 Seite 11 Jahren erfolgten, dass sie mit der Zeit einfach immer stärker geword en seien, und sie im Jahr 2011 viermal hätten umziehen müssen. Der B e- schwerdeführer habe dagegen angegeben, sie hätten erst seit der Prügelei in der Schule im Februar/März 2011 Kenntnis von diesen Drohungen . Vor diesem Vorfall hätten sie nie etwas von Droh ungen bemerkt. Der B e- schwerdeführer habe sodann auch abweichend von der Beschwerdeführ e- rin angegeben, der Vater habe die Anzeige zurückgezogen. Hinsichtlich der eingereichten Beweismittel hielt das BFM in knapper Weise fest, diese vermöchten keine Beweiskraft zu entfalten, da sie nicht geeignet seien , die Vorbringen zu untermauern, und ohnehin nur in Kopie vorlägen. Zur Asylrelevanz der Vorbringen und zum Umstand, dass die Region K a- bardino-Balkarien in den letzten Jahren wiederholt Schauplatz von A n- schlägen der Wahhabiten/Islamisten war, äusserte sich das BFM wie folgt: Übergriffe durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, seien nur dann asylrelevant, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht in der Lage sei, Sc hutz zu gewähren. Generell sei Schutz dann gewährleistet, wenn der Staat geeignete Massnahmen treffe, um die Verfolgung zu verhindern, beispielsweise durch wirksame Polizei - und Justizorgane zur Ermittlung, Strafverfolgung und Ahndung von Verfo l- gungshandlungen, und wenn Antragsteller Zugang zu diesem Schutz hä t- ten. Weiter stellten Nachteile, die auf die allgemein en politischen, wir t- schaftlichen oder sozialen Lebensbedingungen in einem Staat zurückz u- führen seien, keine asylbeachtliche Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes dar. In der Republik Kabardino-Balkarien bestünden staatliche Strukturen, die die Anschläge der Islamisten und allgemein Übergriffe von Dritten ah n- den würden, und – falls die Täter gefasst würden – diese auch zur R e- chenschaft zögen. Dies bedeute, dass die angespannte Lage in Kabardino- Balkarien keine asylbeachtliche Verfolgung darstelle. Die Vorbringen ve r- möchten somit auch den Anforderungen von Art. 3 AsylG nicht standzuhal- ten. 4.2 In der Beschwerde h ielt die Rechtsvertreterin den Erwägungen zur Glaubhaftigkeit entgegen, Jugendliche wüssten oft nicht genau über die beruflichen Tätigkeiten der Eltern Bescheid. Der minderjährigen Beschwer- deführerin dürfe daher kein Vorwurf gemacht werden, dass sie die genaue Stellung ihres Vaters aus dem Dienstausw eis abgelesen habe. Sie habe einfach sicher sein wollen, dass sie die richtige Bezeichnung nenne. Dass sie sodann auch über die Drohungen nicht konkret habe berichten können, liege daran, dass sie nicht selbst Zeuge davon geworden sei. Es könne ihr nicht z um Vorwurf gemacht werden, dass ihr die Eltern nichts über die E-5752/2011 Seite 12 Drohbriefe erzählt hätten. Es sei verständlich, dass Eltern ihre Kinder vor solchen Schriftstücken schützten. Immerhin habe die Beschwerdeführerin berichtet, dass sie nach Erhalt eines solchen Briefes hätten zu Hause blei- ben müssen, dass sich die Eltern zurückgezogen hätten und dass die Mut- ter geweint habe. Die Rechtsvertreterin wies in der Folge auf die ausführl i- che Beschreibung der Vorfälle hin, von denen die Beschwerdeführerin selbst betroffen gewesen sei. Bezüglich des Vorhalts, dass die Eltern keine Schutzmassnahmen getroffen hätten, führte die Rechtsvertreterin aus, es seien sehr wohl solche getroffen worden, indem die Kinder viermal den Wohnort gewechselt hätten und zuweilen zu Hause gebli eben seien. Auch die unterschiedlichen Angaben zum Beginn der Drohungen sprächen nicht gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen, sei es doch nicht ungewöhnlich, dass Kinder nicht auf demselben Wissens stand seien wie die Eltern . Betreffend die Erwägung, dass die Beschwerdeführenden nicht genau hä t- ten angeben können, weshalb sie gerade im Juli 2011 ausgereist seien, führte die Rechtsvertreterin den Umstand an, dass die beiden auf Russisch statt auf Kabardinisch befragt worden seien. Sodann habe sich das BFM nur unklar darüber geäussert, weshalb den eingereichten Beweismitteln keine Beweiskraft zukomme. Auch zum Dienstausweis des Vaters habe es sich nicht geäussert, und es habe es unterlassen (beispielsweise mittels Botschaftsanfrage) abzuklären, ob es sich bei m Vater tatsächlich um (…) handle. Insgesamt ergebe sich somit ein Gesamtbild, welches für die Glaubhaftmachung der gemachten Vorbringen im Sinne von Art. 7 AsylG spreche. Die Rechtsvertreterin macht e weiter unter Hinweis auf das Urteil E-969/2011 vom 15 . April 2011 geltend, die Beschwerdeführenden hätten aufgrund ihrer persönlichen Situation und der Lage im Nordkaukasus b e- gründete Furcht vor künftiger Verfolgung. Gemäss dem erwähnten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts habe sich die Situation im Nordkau kasus in den letzen Jahren verschlechtert. Im Zusammenhang mit dem Krieg in Tschetschenien hätten sich Gewalt, Spannungen und massive Mensche n- rechtsverletzungen im gesamten Nordkaukasus ausgebreitet. Als Folge davon seien Terroranschläge, Entführungen und massive Mensche n- rechtsverletzungen an der Tagesordnung. Destabilisierend wirkten sich nebst ethnischen Spannungen hauptsächlich der Machtzuwachs eines fundamentalistischen Islams, aber auch Clanstrukturen, bewaffnete Gru p- pierungen, die organisierte Kriminalität und die Korruption aus. Die Rechts- vertreterin leitete aus dieser Lagebeschreibung ab, dass Kinder von exp o- nierten Personen zweifellos besonders gefährdet seien, Opfer von Me n- schenrechtsverletzungen zu werden. Der Umstand, dass der Vater der B e-E-5752/2011 Seite 13 schwerdeführenden, (…), seine beiden Kinder in die Schweiz geschickt habe, zeige auf, dass die vom BFM ins Feld geführte Schutzgewährung durch die staatlichen Sicherheitskräfte nicht wirksam sei. Den Beschwerde- führenden stehe keine innerstaatliche Aufenthaltsalte rnative innerhalb der Russischen Föderation zur Verfügung, sie erfüllten daher die Flüchtlingsei- genschaft. Als Minderjährige könne von ihnen auch nicht erwartet werden, dass sie sich um eine innerstaatliche Schutzalternative bemühten. Ein trag- fähiges Bezie hungsnetz ausserhalb Kabardino -Balkariens bestehe nicht. Zudem hätten die Beschwerdeführenden erwähnt, dass sie nicht über die nötigen Papiere verfügten, um sich längere Zeit ausserhalb ihrer ang e- stammten Republik aufzuhalten. 4.3 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach einlässlicher Auseinander- setzung mit den Protokollen und den vorliegenden Informationen zur Lage vor Ort zu folgender Einschätzung: Zwar vermag es die (negativen) Glaub- haftigkeitserwägungen des BFM nicht gänzlich zu stützen, und es erachtet einen Teil der Übergriffe durchaus als überzeugend dargestellt , hingegen teilt es im Ergebnis die Argumentation betreffend fehlende Asylrelevanz der Vorbringen, dies nicht zuletzt unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Beschwerdeführenden im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens, mithin seit bald zwei Jahren, keine Übergriffe auf die im Heimatland zurückgeblie- bene Familie vorgebracht haben. Da die Vorbringen die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft letztlich nicht erfüllen (mehr dazu nachstehend), kommt der Frage der Glaubhaftig- keit grundsätzlich mindere Bedeutung zu. Weil d er Wahrheitsgehalt be- stimmter Aussagen der Beschwerdeführenden dennoch nicht bedeutungs- los ist, sei nachfolgend dargelegt, zu welcher differenzierten diesbezügli- chen Einschätzung das Gericht kommt. So vermag es h insichtlich der tätli- chen Übergriffe im Gegensatz zum BFM keine Unglaubhaftigkeitselemente auszumachen. Die Aussagen zu den drei Übergriffen sind übereinstim- mend und gekennzeichnet von diversen Realkennzeichen ausgefallen. Die Beschwerdeführenden scheinen insbesondere vom terroristischen A n- schlag auf den Wagen ihres Vaters, den sie hautnah miterlebt haben und von dem sie glauben, dass er ihnen gegolten hat, gezeichnet. Anlässlich der Anhörungen waren sie offensichtlich nur schwer und unter Tränen in der Lage, über den Anschlag (…) zu berichten. Das Gericht vermag dem BFM weiter auch nicht beizupflichten, dass die Aussagen der Kinder zur beruflichen Tätigkeit ihres Vaters unzureichend ausgefallen seien. Auch wenn die Beschwerdeführerin die Funktion auf dem Ausweis des Vaters abgelesen hat, finden sich in den Protokollen doch genügend weitere Ste l-E-5752/2011 Seite 14 len, an denen die jugendlichen Beschwerdeführenden derart detailliert über die berufliche Tätigkeit ihres Vaters Auskunf t zu geben vermochten, dass dem Gericht diesbezüglich keine Zweifel aufkommen. Hinzu kommt, dass die Kinder die Berufstätigkeit des Vaters auch mittels einer Kopie des Dienstausweises zu untermauern vermochten (vgl. A 16). Zu Recht hat die Rechtsvertreterin in diesem Zusammenhang angeführt, dass das BFM auf die eingereichten Beweismittel nur unzureichend e ingegangen sei. Soweit die Vorinstanz sodann in gewissen Bereichen fehlende Übereinstimmung der Aussagen der Geschwister konstatiert hat, ist im Übrigen f estzuhalten, dass dieses es v ersäumt hat, den Beschwerdeführenden das rechtliche Gehör dazu zu gewähren, weshalb das Abstellen auf Ungereimtheiten o h- nehin als unzulässig zu bezeichnen ist (vgl. Entscheidungen und Mitteilun- gen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 14). Einen markanten Qualitätsunterschied (im Vergleich zu der Schilderung der tätlichen Übergriffe) weisen hingegen die übrigen Aussagen der Beschwer- deführenden auf, so diejenigen zu den Drohungen, zum Verbleib der Pa- piere und zu den Gründen, w eshalb – abgesehen vom Umzug und dem Schulwechsel innerhalb der gleichen Ortschaft – seitens der Eltern keine effizienteren Schutzmassnahmen ergriffen worden seien. Hinsichtlich der Drohbriefe ist mit dem BFM festzustellen, dass die Aussa gen vage, u n- stimmig und ausweichend ausgefallen sind. Keines der Geschwister ver- mochte zu den angeblichen Drohbriefen überzeugende Angaben zu m a- chen, und dies, obwohl der Vater diese für seine Vorgesetzten gesammelt habe (A14/16, S. 5). Die Beschwerdeführenden gaben einerseits (überein- stimmend) an, diese Briefe nie gesehen zu haben (A2/9 S. 5, A14/16 S 10, A15/10 S. 4). An anderer Stelle behauptete der Beschwerdeführer aber, er habe die Mutter bei deren Lektüre und beim gleichzeitigen Weinen be o- bachtet (A15/10 S. 5). Zudem sei sein Vater nach Erhalt solcher Briefe je- weils ausser sich gewesen. Aus diesem Verhalten habe er auf den Eingang von Drohbriefen geschlossen. Auf Nachfrage, wie sich dieses "Ausser-sich- sein" geäussert habe, führte er aber bloss aus, der Vater habe seine Angst nicht zeigen wollen und sei in die Stadt gefah ren (A15/10 S. 5). Die Be- schwerdeführerin gab ihrerseits an, obwohl sie die Briefe nie gelesen habe, wisse sie, dass ihnen darin mit dem Tod gedroht worden sei. Dass eine schriftliche Drohung gekommen sei, habe sie daran erkannt, dass ihre Mut- ter immer geweint habe. Die Eltern hätten ihnen aber nie gesagt, dass man ihre Kinder bedrohe (A14/16 S. 10). Mit diesen Aussagen vermögen die Beschwerdeführenden das Gericht nicht davon zu übe rzeugen, dass die Familie dauernd in der genannten Art und Weise mittels Briefen bedroht worden sei. E-5752/2011 Seite 15 Als wenig überzeugend erweisen sich weiter auch die Aussagen zu den ergriffenen Sicherheitsvorkehrungen beziehungsweise den Schutzmass- nahmen für die Kinder, die sich vernünftigerweise aufgedrängt hätten . Die Beschwerdeführenden gaben zwar an, im Jahr der Ausreise innerhalb C._______ viermal den Wohnort und einmal die Schule gewechselt zu h a- ben. Diese Massnahmen , die sich auf denselben Wohnort beschränken, können – beispielsweise im Vergleich zu einem Wegzug in eine Grossstadt der Russischen Föderati on (oder als erste Massnahme auch nur zum im weiteren Umkreis von C._______ wohnhaften (…) – kaum als wirklich effi- ziente Schutzmassnahme angesehen werden. Die Beschwerdeführenden gaben an, andere Schutzmassnahmen und Sicherheitsvorkehrungen h ät- ten einfach nicht bestanden ; ein Wegzug wäre zwar innerhalb des föder a- len Bezirks möglich gewesen, doch hätten sie nicht in eine andere Stadt ziehen dürfen, da sie dort niemanden gehabt hätten (A14/16 S. 11 f. ). Der Beschwerdeführer gab – nach möglichen Schutzmassnahmen für Angehö- rige von (…) Sicherheitsbeamten gefragt – an, man habe ihnen gesagt, welche Massnahmen auch immer sie ergriffen, die Wahhabiten würden da- von erfahren, und es würde ihnen noch viel schlimmer ergehen (A17/10 S. 7). Auch diese Stellungnahme erscheint dem Gericht als ausweichend und zeugt – wie bereits diejenige der Beschwerdeführerin – nicht von einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten nachhaltiger Schutzsuche innerhalb der Russischen Föderation, wie sie von den Eltern nach dem Anschlag im Mai 2011 hätte erwartet werden dürfen. Aus den vagen Ausführungen der Beschwerdeführenden und der Koinzidenz der Ausreise kurz nach Ablegung der Prüfungen an der Schule schliesst das Gericht, dass sie beziehungsweise ihre Eltern von Anfang an die Reise der Kinder (…) in die Schweiz nach Abschluss der Prüfungen geplant und i n- nerrussische Schutzmöglichkeiten gar nicht in Betracht gezogen haben. Auch die Aussagen zum Verbleib der Inlandpässe vermögen das Gericht nicht zu überzeugen. Sowohl die angebliche Pflicht der Deponie der Pässe der Kinder beim Arbeitgeber des Vaters (A14/16 S. 3) , als auch der en Verbleib bei der Schule über die Prüfungsablegung hinaus, erscheinen dem Gericht nicht als plausibel. Weiter ist auch die Aussage der B e- schwerdeführerin, dass die Eltern nun ihre Beziehungen spielen lassen müssten, um die Inlandpässe von der Schule zu hol en (A14/16 S12), nicht mit der an gegebenen Pflichtdeponierung beim Arbeitgeber vereinbar. Das Gericht vermag aufgrund der Gesamtumstände nicht zu glauben, dass die Beschwerdeführenden beziehungsweise deren Eltern nicht im Besitze der für Inlandreisen und W ohnsitzregistrierung nötigen Inlandpässe der Kinder gewesen sind beziehungsweise sind. Vielmehr scheint es sich bei ihren E-5752/2011 Seite 16 Aussagen zum Verbleib der Pässe um ein Konstrukt zu handeln, um die Pässe einerseits den Schweizer Behörden nicht aushändigen zu müsse n, sowie um Erschwernisse bei der innerstaatlichen Wohnsitzverlegung vo r- zutäuschen. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass das Gericht zwar keine ernsthaften Zweifel an den erwähnten Übergriffen durch Wahhabi- ten/Islamisten hegt, die weiteren geltend gemachten Schwierigkeiten sowie die behaupteten, fehlenden innerrussischen Ausweichmöglichkeiten aber als nicht überwiegend glaubhaft erachtet. 4.4 Die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt eine asyl - suchende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit be - achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterwei-se befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfol - gungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden dro - hen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 , BVGE 2011/51 E. 6.1, 6.2). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Per son in ihrem Hei matland keinen adäquaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f. , BVGE 2011/51 E. 7.1, E. 8). Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven S i- tuation im Heimatstaat zw ischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berüc k- sichtigen (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1 S. 507 f., BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Ueber- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., B a- sel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). In Bezug auf die Frage, welche Art und welcher Grad von Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung im Heimatstaat als adäquat zu erachten ist und damit – aufgrund der Subsidi- arität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes – eine Anerkennung als Flüchtling ausschliesst, ist nicht eine faktische Garantie für langfristigen individuellen Schutz der von nichtstaatlicher Verfolgung bedrohten Person zu verlangen, weil es keinem Staat gelingen kann, die absolute Sicherheit aller seiner E-5752/2011 Seite 17 Bürger und Bürgerinnen jederzeit und überall zu garantieren. Erforderlich ist vielmehr, dass ei ne funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, wobei in erster Linie an polizeiliche Aufgaben wah r- nehmende Organe sowie an das Rechts - und Justizsystem zu denken ist, das eine effektive Strafverfolgung ermöglicht. Im Weiteren mu ss die Ina n- spruchnahme des Schutzes der betroffenen Person objektiv zugänglich und individuell zumutbar sein (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2. S. 37 f. , BVGE 2011/51 E. 7 und 8; je mit weiteren Hinweisen). 4.5 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass im konfliktreichen Nordkaukasus seit Jahren radikalislamische Rebellen für die Errichtung e i- nes Gottesstaates kämpfen und es in d iversen Teilrepubliken, allen voran in Dagestan und Inguschetien, aber auch in Kabardino -Balkarien, immer wieder zu blutigen Anschläge n kommt. So sind die in der Beschwerde zi- tierten Ausführungen zur Lage im Nordkaukass aus dem Urteil E-969/2011 vom 15. April 2011, welches jedoch konkret die Rückkehr nach Dagestan zum Thema hatte, weiterhin als gültig zu bezeichnen. Nach wie vor fallen in Russland um die 90 Prozent der landesweiten Terrorakte auf den Nordkaukasus (http: //de.rian.ru/security_AND _military/ 20120903/ 264354698. html, besucht am 15. Mai 2013). Aktualisierend kann dazu festgehalten werden, dass i m Jahre 2012 im Nordkaukasus wiederum um die 380 Rebellen von Si cherheitskräften getötet worden sind; gleichzeitig kamen über 200 Sicherheitskräfte beim Kampf gegen den Terrorismus ums Leben (http://bazonline.ch/ausland/asien -und-ozeanien/Russlands- Achilles-ferse /story/26653120, besucht am 15. Mai 2013). Anderen Quelle zufolge halten sich die Verluste auf beiden Seiten etwa die Waage (http://www.nzz.ch/aktuell/international/gewalt-und-gegengewalt-im-nord kaukasus-1.17659999, besucht am 15. Mai 2013). Bereits in den ersten zwei Monaten des Jahrs 2013 haben die Sicherheitskräfte im gesamten Nordkaukasus 50 Mitglieder bewaffneter Formationen, darunter 14 Anfü h- rer getötet und weitere 66 Verdächtige festgenommen (vgl. http://russland.ru/ schlagzeilen/ morenews.php?iditem=55984, besucht am 15. Mai 2013). Die Aktivitäten der Sicherheitskräfte gegen die Separatisten werden in den Medien zwar als teilweise unangemessen und Gegengewalt auslösend kritisiert. Gleichzeitig zeigen die vielen Anti-Terror-Aktionen der Sicherheitskräfte sowie der vermehrte Einsatz von "Befriedungstruppen" aus Moskau (http://bazonline.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Russlands- Achillesferse/ story/26653120) , dass Kabardino -Balkarien grundsätzlich über gut ausgebaute Polizei- beziehungsweise Sicherheitsstrukturen ver- fügt, nötigenfalls Unterstützung aus dem übrigen Russland erhält und auch willens ist, gegen den Terrorismus vorzugehen und den Bürgern den erfor-E-5752/2011 Seite 18 derlichen Schutz zukommen zu lassen . Dass diese Teilrepublik (wie auch andere Teilrepubliken Russlands) nicht in der Lage ist, angesichts der zahl- reichen terroristischen Aktionen die umfassende Sicherheit der Bevölk e- rung zu garantieren, vermag daher – wie erwähnt – nicht dazu zu führen, dass ihre Schutzfähigkeit generell zu verneinen und von Gewalt Betroffe- nen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen wäre. Vorliegend ist zudem zu berücksichtigen, dass die ausschliesslich in C._______ von nichtstaatlicher Gewalt betroffenen Beschwerdeführenden nach keinen innerrussischen Ausweichmöglichkeiten gesucht haben und aufgrund ausgebliebener Meldungen ( durch die Beschwerdeführenden ) davon auszugehen ist, dass es seit Sommer 2011 offenbar zu keiner weite- ren akuten Gefährdungssituation der in Kabardino-Balkarien zurückgeblie- benen Familienangehörigen gekommen ist. Den auf Replikebene ins Feld geführten Einwand, der Vater habe aus Sicherheitsgründen (trotz Anfrage […]) nicht über weitere Ereignisse seit der Ausreise der Kinder berichten wollen, erachtet das Gericht ebenfalls als nicht plausibel. Die Besch werdeführenden vermochten , wie erwähnt, nicht glaubhaft zu machen, dass sie (beziehungsweise ihre Eltern) den für einen innerruss i- schen Wohnsitzwechsel und eine Registrierung nötigen Inlandpass im Zeitpunkt der Ausreise nicht besessen hätten beziehungsweise heute nicht besitzen. Das Gericht geht aufgrund der Akten - und der Rechtslage im Heimatland davon aus, dass den Jugendlichen ein innerrussischer Woh n- sitzwechsel offengestanden hätte, wenn deren Eltern dies tatsächlich in Betracht gezogen hätten. In diese m Zusammenhang kann auf Art. 27 der russischen Verfas sung, w elcher grundsätzlich die Niederla s- sungsfreiheit ga rantiert, die landesweit gültigen Registrierungsvorausse t- zungen sowie auf die russlandweiten 58 Beratungsstellen der Organisation "Migration und Recht" verwiesen werden, welche jährlich über 20'000 Per- sonen in dieser Angelegenheit beraten. Die Beratungsstellen setzen sich nötigenfalls sowohl mit ausserprozessualen als auch mit prozessualen Mi t- teln meist erfolgreich für Migrationswil lige ein, welchen eine Registrierung in einer anderen Teilrepublik trotz grundsätzlicher Niederlassungsfreiheit verweigert werden sollte (vgl. VGH Baden -Württemberg, Urteil vom 15. Februar 2012, A z. A 3 S 1876/09, http:// openjur.de/u/358155.html). Auch die International Organization for Migration (IOM) fungiert als Anlaufstelle für Rückgeführte und bietet verschiedene Integrationshilfen an (vgl. Bun- desamt für Migration und Flüchtlinge, Informationszentrum Asyl und Migra- tion, Russische Föderation, Informationen zur Menschenrechtslage und po- litischen Entwicklung, Lage im Nordkaukasus, Januar 2010, S. 1) E-5752/2011 Seite 19 Das Gericht vermag nach dem Gesagten somit keine nicht überwindbaren Hindernisse auszumachen, welche – sofern erwünscht – einer Registrie- rung der Jugendlichen ausserhalb C._______ oder in einer anderen Teilre- publik entgegengestanden hätte n. Von den Eltern hätte vernünftigerweise erwartet werden dürfen, dass sie den Aufenthalt ihrer Kinder unter Zuhilfe- nahme der erwähnten Institutionen und/oder des (…) (in seine r Funktion als Arbeitgeber des Vaters ) in einen anderen Landesteil der Russischen Föderation verlegen. Diese Betrachtungsweise gilt heute um so mehr, als die Beschwerdeführerin bereits die Volljährigkeit erreicht hat und der B e- schwerdeführer (…) davorsteht, so dass diese einen allfälligen Wegzug heute selbst an die Hand nehmen können. Mit der Registrierung und Lega- lisierung des Aufenthalts am neuen Ort stünde ihnen zudem der Zugang zu Bildung, zum legalen Arbeitsmarkt, zu Sozialhilfe, zu staatlich gefördert en Wohnungen und zum kostenlosen Gesundheitssystem offen (vgl. oben an- geführtes Urteil des VGH Baden Württemberg, S. 16). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass jedenfalls heute, mithin bald zwei Jahre nach der Ausreise der Beschwerdeführenden, trotz der weiterhin an- gespannten Sicherheitslage in Kabardino-Balkarien nicht mehr vom Best e- hen begründeter Furcht vor künftiger Verfolgung ausgegangen werden kann. Dies einerseits vor der Hintergrund, dass die Beschwerdeführenden aufgrund ihres Erwachsenenalters nicht mehr in den durch die berufliche Tätigkeit des Vaters mit Risiko behafteten Familienverband zurückkehren müssten, sondern ein eigenständiges Leben führen könnten, und andere r- seits, dass ohnehin von der Beruhigung der familiären Bedrohungslage ausgegangen werden kann, nachdem die Beschwerdeführenden für die letzten beiden Jahre keine feindlichen oder gar terroristischen Übergriffe gegenüber der Restfamilie (Eltern und kleiner Bruder) mehr geltend g e- macht haben (zu den diesbezüglich unbehelflichen Einwänden auf Repli k- ebene wurde bereits Stellung genommen) . Sollten die Beschwerdeführen- den dennoch nicht in ihre Herkunftsrepublik zurückkehren wollen, stünde es ihnen wie erwähnt frei, sich in einer anderen Teilrepublik, allenfalls mit Hilfe vorerwähnter Organisationen, um eine Aufenthaltsalternative zu b e- mühen. Bei dieser Sachlage drängen sich keine weiteren Beweismas s- nahmen auf. Soweit die Rechtsvertreterin monierte, die Angaben zur beruf- lichen Tätigkeit des Vaters hätten mittels Botschaftsanfrage überprüft we r- den müssen, ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht den be- ruflichen Hintergrund des Vaters nicht in Frage stellt. E-5752/2011 Seite 20 Die Beschwerdeführenden erfüllen nach dem Gesagten die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht. Das BFM hat ihr Asylgesuch somit zu Recht abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtl i- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet . 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht z umutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländeri nnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweissta n- dard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidg e- nossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinko m-E-5752/2011 Seite 21 mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u n- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Pr axis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Pe r- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Au s- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Ge fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschi e- bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, B e- schwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Auch die all- gemeine Menschenrechtssituation lässt – trotz der zuweilen mit Menschen- rechtsverletzungen verbundenen Anti -Terror-Aktionen in Kabardino - Balkarien – den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als u n- zulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwe isung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In der Republik Kabardino-Balkarien herrscht kei- ne Situation allgemeiner flächendeckender Gewalt, aufgrund derer die ziv i-E-5752/2011 Seite 22 le Bevölkerung generell als existenziell gefährdet zu betrachten wäre . Die kaukasische Guerilla i n Kabardino-Balkarien, genannt Jarmuk, welche für die wiederkehrenden Gewaltakte verantwortlich ist, umfasst laut dem russi- schen Innenministerium bloss etwa 50 Personen (vgl. Stiftung Wisse n- schaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Siche r- heit, Uwe Halbach, Russlands inneres Ausland, Der Nordkaukasus als Notstandszone am Rande Europas, Berlin 2010, S . 18). Dennoch ist anzumerken, dass sich die politische Situation im Nordkaukasus und in s- besondere auch in Kabardino -Balkarien, wo die zunehmende Radikalisi e- rung die Gesellschaft immer stärker spaltet, in den letzten Jahren eher ver- schlechtert hat (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -7309/2009 vom 16. Dezember 2011 E. 7.4). Die Beschwerdeführerin macht auf Beschwerdeebene sodann medizin i- sche Wegweisungshindernisse gelten. Dazu ist festzustellen, dass sie si ch bereits vor ihrer Ausreise wegen ihrer laut Akten seit dem Kleinkindalter bestehenden Krankheit ([…]) und den durch Gewalt hervorgerufenen Rezi- diven im Heimatland hat medizinisch behandeln lassen. Sie hat zu keinem Zeitpunkt geltend gemacht, die se Behandlung im Heimatland sei unzurei- chend ausgefallen. Laut ihren Angaben hat sich auch die Lehrerschaft um ihre gesundheitlichen Probleme gekümmert und einen Arzt gerufen oder sie nötigenfalls begleitet (A14/16, S. 8 und 14). Angeblich neu hinzugetre- ten ist während des Aufenthaltes in der Schweiz eine Behandlung wegen psychischer Probleme. Die Beschwerdeführerin hat sich nach Ablehnung ihres Asylgesuches erstmals deswegen in hausärztliche Behandlung bege- ben. Sie wurde in der Folge an einen Facharzt für Ps ychiatrie und Psycho- therapie weiterverwiesen. Im Arztbericht vom 6. Februar 2012 vermutet dieser einerseits eine PTBS bei Betroffen -Sein von Fein dseligkeiten und Miterleben eines terroristischen Anschlags sowie ande rerseits eine Pani k- störung. Zudem diagnos tiziert er bei der Beschwerdeführerin eine Anpa s- sungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion bei psychosozialer B e- lastungssituation (Trennung von den Eltern, Schwierigkeiten bei der kult u- rellen Eingewöhnung). Die Beschwerdeführerin benötige eine längerfristige psychiatrische Behandlung inklusive Psychotherapie und antidepressiver Medikation. Dem weiteren Verlaufsbericht vom 26. September 2012 ist s o- dann zu entnehmen, dass sich in den letzten Monaten eine positive Dyn a- mik gezeigt habe und eine Verb esserung der depressiven Symptomatik eingetreten sei. Die Beschwerdeführerin leide jedoch weiterhin (…), welche am ehesten einer Panikstörung entsprächen. Sie benötige für mindestens weitere sechs Monate eine psy chiatrisch-psychotherapeutische Behan d- lung. E-5752/2011 Seite 23 Das Bundesverwaltungsgericht stellt dazu fest, dass die Beschwerdeführ e- rin wegen (…) im Heimatland in Behandlung war. Gemäss Abklärungen der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH, Russische Föderation: Behandlung von PTBS , Rainer Mattern, Bern, 20. April 2009) kann auch das Krank- heitsbild PTBS in grossen und grösseren Städten Russlands behandelt werden. In diesem Zusammenhang sei bemerkt, dass sich auch der Vater laut Angaben der Beschwerdeführerin in den Grossstädten Moskau und St. Petersburg hat behandeln lassen (A14/16, S. 8). Im Rahmen des russ i- schen Gesundheitssystems stehen Strukturen zur Behandlung psychischer Erkrankungen zur Verfügung. Sollte die Beschwerdeführerin befürchten, al- lenfalls im Rahmen einer Neureg istrierung nur mit Verzögerung Zugang zu allfällig weiterhin benötigter Medikation zu erhalten, steht es ihr frei, die s- bezüglich beim BFM medizinische Rückkehrhilfe zu beantragen. Schliess- lich ist festzustellen, dass der vom Facharzt im Verlaufsbericht erw ähnte Therapiezeitraum in der Zwischenzeit verstrichen ist. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als individuell zumutbar. 6.5 Was die Tatsache betrifft, dass die Beschwerdeführenden bei der Ei n- reichung ihrer Asylgesuche und beim Erge hen der vorinstanzlichen Verf ü- gung minderjährig waren, hielt die Vorinstanz insbesondere fest, es stehe eine Rückkehr zu den Eltern und zum jüngeren Bruder in C._______ in Frage, wo die Beschwerdeführenden immer gemeinsam gelebt und auch die Schule besucht hätten; sie könnten bei ihrer Rückkehr mithin auf ein tragfähiges Beziehungsnetz in einem ihnen vertrauten Umfeld zurückgre i- fen. In der Zwischenzeit ist die Beschwerdeführerin volljährig geworden, und der Beschwerdeführer wird die Volljährigkeit (…) erlangen. Es steht zudem eine gemeinsame Rückkehr beider Geschwister in Frage, und die Rückkehr kann zu den Familienangehörigen in C._______ erfolgen. Diesen Umständen, und der vorderhand noch bestehenden Minderjährigkeit des Beschwerdeführers wird durch die Vo llzugsbehörden Rechnung zu tragen sein. 6.6 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän- digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.7 Zusammenfassend hat die Vorinsta nz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht. E-5752/2011 Seite 24 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die B e- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem die Beschwerde jedoch nicht als aussichtslos qualifiziert we rden kann und die Beschwerdeführenden weiterhin bedürftig sind, ist ihr Gesuch um Gewä h- rung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gut- zuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-5752/2011 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gu t- geheissen. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird verzichtet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Gabriela Oeler Versand: