B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6965/2017 law/gnb U r t e i l v o m 27 . D e z e m b e r 2 0 1 7 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richterin Mia Fuchs; Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des SEM vom 8. November 2017 / N (…). D-6965/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 24. August 2015 in der Schweiz erstmals um Asyl nach. Zu seiner Person gab er anlässlich der Befragungen zu Pro- tokoll, er sei kurdischer Ethnie und stamme aus B._______. Im Jahr 2013 habe er die Schule abgebrochen und sei im (…) 2013 in die Nähe von Da- maskus gezogen, wo er in (…) gearbeitet habe. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er zusammenfassend geltend, i m (…) 2014 habe seine Mutter einen Telefonanruf des staa tlichen Rekrutierungsbüros in C._______ erhalten, in welchem ihr mitgeteilt worden sei, er habe sich zwecks Rekrutierung zu melden. In der Folge habe er sich zumeist ver- steckt gehalten. Nebst einer Verfolgung seitens der syrischen Behörden habe er sich auch vor den Schergen des IS gefürchtet, da die Kurden als Ungläubige betrachtet würden. (…) 2015 sei er zusammen mit einem Freund im Koffer raum eines Schleppers nach D._______ geflohen und habe Syrien am (…) 2015 verlassen. B. Mit Verfügung vom 21. Oktober 2015 stellte das SEM fest, der Beschwer- deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Deren Vollzug schob das SEM indes infolge Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. C. Am 11. August 2017 reichte der Beschwerdeführer beim SEM eine als „Neues Asylgesuch Eventuell Wiedererwägungsgesuch“ bezeichnete Ein- gabe ein, in welcher er beantragte, es sei ihm in der Schweiz Asyl zu ge- währen, eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, sein (erstes) Asylgesuch sei wegen Unklarheiten, Missverständnissen und Ver- wirrungen abgelehnt worden. Seit dem rechtskräftigen Asylentscheid seien neue Ereignisse eingetreten. Das syrische Regime sei an der Rekrutierung eines jeden Mannes interessiert, wobei Kriegsrecht gelte und andere Ge- setze ausser Acht gelassen würden. Viele Männer würden bei Strassen- kontrollen direkt eingezogen. Dasselbe sei vielen geschehen, welche sich bei einem Rekrutierungsbüro gemeldet hätten, um ein Dienstbüchlein aus- stellen zu lassen. Deshalb habe er sich nicht melden wollen, weil er grosse Angst gehabt habe, auch direkt eingezogen zu werden. Es sei ihm dennoch ein Dienstbüchlein ausgestellt worden, welches seiner Familie übergeben D-6965/2017 Seite 3 worden sei. Die Militärbehörde habe ihn als diensttauglich erklärt, weil keine bekannten Gründe dagegen sprechen würden und weil die Armee durch die massiven Verluste dringend auf Nachschub angewiesen gewe- sen sei. Er gelte demnach als ausgehoben und hätte einrücken müssen. Es sei ihm beziehungsweise seiner Familie auch ein Marschbefehl über- geben worden. Weil er sich nicht gemeldet habe, sei er gemäss syrischem Militärgesetz zur Haft ausgeschrieben worden. Er habe erst viel später von diesen Dokumenten erfahren, da er lange Zeit keinen Kontak t zu seiner Familie und diese auch kein Interesse daran gehabt habe, ihm sofort von diesen Dokumenten zu erzählen, zumal sie ihn in Sicherheit gewähnt, je- doch nicht gewusst habe, wie relevant diese Dokumente sein könnten. Vor der Flucht habe sich seine Mutter grosse Sorgen gemacht und sei danach sehr erleichtert gewesen. Er sei nachweislich von der syrischen Armee als diensttauglich erklärt und einberufen worden. Demnach müsse er in Syrien Militärdienst leisten und gelte nun als Dienstverweigerer. Die syrischen Be- hörden würden solchen Personen grundsätzlich eine regierungsfeindliche Haltung unterstellen und diese bei einer Rückkehr nach Syrien sehr streng bestrafen, wobei sich die Strafmassnahmen durch ein hohes Mass an Bru- talität auszeichnen würden. Es drohe ihm demnach im Falle einer Rück- kehr eine asylrelevante Verfolgung. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer sein Dienstbüchlein, einen Marschbefehl und einen Haftbefehl, alle im Original, und entsprechende Übersetzungen ein. D. Mit Schreiben vom 18. August 2017 gewährte das SEM dem Beschwerde- führer das rechtliche Gehör zu seinem neuen Asylgesuch und stellte ihm schriftlich diverse Fragen zum eingereichten Dienstbüchlein. E. Mit Stellungnahme vom 30. August 2017 führte der Beschwerdeführer aus, das Dienstbüchlein sei vom Rekrutierungsamt E._______ ausgestellt und von der Rekrutierungspolizei circa (…) 2017 seiner Familie übergeben wor- den, wobei es vom Vater in Empfang genommen worden sei. Anschlies- send sei das Dienstbüchlein einer in Syrien auf Besuch weilenden Tante übergeben worden, welche es nach F._______ gebracht und dort einer in der Schweiz lebenden Person übergeben habe. Letztere Person habe ihm das Dienstbüchlein am (…) 2017 übergeben. Der Beschwerdeführer machte sodann geltend, das Rekrutierungsamt E._______ sei nach der Machtübernahme durch die Kurden am (…) 2012 in die Stadt C._______ D-6965/2017 Seite 4 ([…]) verlegt worden, bleibe aber weiterhin zuständig für die Rekrutierungs- aufgaben und administrativen Angelegenheiten in der Region E._______. F. Mit Verfügung vom 8. November 2017 – eröffnet am 10. November 2017 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht und lehnte sein Asylgesuch ab. An der mit Verfügung vom 21. Oktober 2015 angeordneten vorläufigen Aufnahme hielt die Vorinstanz fest. G. Mit Eingabe vom 7. Dezember 2017 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean- tragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihm Asyl zu ge- währen, eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht beantragte er, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Der Beschwerde lagen – nebst dem angefochtenen Entscheid – als Beweismittel zwei Auskünfte der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom 28. März 2015 respektive 23. März 2017 bei mit den Titeln „Syrien: Mobilisierung in die syrische Armee“ und „Syrien: Zwangsrekrutierung, Wehrdienstentzug, Desertion“. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonder s berührt und hat ein D-6965/2017 Seite 5 schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. 3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli- cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters bezie hungs- weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, wes- halb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-6965/2017 Seite 6 5. 5.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe nicht aufgezeigt, worin die behaupteten Miss- verständnisse und Verwirrungen bestanden hätten, aufgrund derer das erste Gesuch abgelehnt worden sei. Bei der Anhörung im ersten Verfahren sei der Rechtsvertreter zugegen gewesen und das Protokoll sei rücküber- setzt worden. Der Verlauf der Anhörung zeige keine auffälligen Passagen. Das erste Verfahren sei korrekt gewesen und der Beschwerdeführer habe es damals unterlassen, auf etwaige Unkorrektheiten hinzuweisen. Im Wei- teren würden die seit 2014 verstärkten Rekrutierungsanstrengungen des syrischen Militärs zum Aufruf und zur Anwerbung für den Militärdienst die- nen. Damit sei nicht gesagt, dass Personen willkürlich und ohne A ushe- bung in den Militärdienst geschickt würden. An Checkpoints würden ge- suchte Dienstverweigerer und Deserteure festgenommen, Personen also, die bereits ausgehoben worden seien, was beim Beschwerdeführer nicht der Fall sei. Im Übrigen nehme das syrische Regime in den von der kurdi- schen Miliz YPG kontrollierten Gebiet en, wozu auch E._______ gehöre, keine Festnahmen oder Zwangsrekrutierungen vor. Weiter sei auffällig, dass der Beschwerdeführer der im ersten Verfahren festgestellten Tatsa- che, noch nicht ausgehoben worden zu sein, mit neuen Beweismitteln ent- gegne. Dies stelle zwar ohne weiteres ein legitimes Vorgehen dar, müsse jedoch gerade im syrischen Kontext angezweifelt werden, zumal syrische Beweismittel käuflich leicht erhältlich seien und demnach erfahrungsge- mäss keinen Beweiswert hätten. Es dürfe auch nicht ausser Acht gelassen werden, dass viele militärische Gebäude von Oppositionskräften einge- nommen worden seien, womit sie vermutlich auch Zugang zu offiziellen Formularen und Stempeln erlangt haben könnten. Hinzu komme der Um- stand, dass das Dienstbüchlein am (…) 2015, also noch vor der Einrei- chung des ersten Asylgesuchs in der Schweiz, ausgestellt worden sei. Die zeitlich kurze Abfolge des Marschbefehls ( […] 2016 auf den Termin […] 2016) und des Haftbefehls ([…] 2016) würden auch eher gegen eine reelle Begebenheit sprechen. Es erstaune sehr, dass das Dienstbüchlein der Fa- milie erst ungefähr (…) 2017 und dem Beschwerdeführer am (…) 2017 überreicht worden sei, zumal die Familie bereits zum Zeitpunkt des ersten Asylverfahrens in E._______ gewohnt habe und der Marschbefehl bereits 2016 erfolgt sei. Nachdem der Beschwerdeführer bereits im ersten Asylge- such den Militärdienst als Begründung des Asylgesuchs angegeben habe, erstaune es, dass die Familie den Beschwerdeführer nicht sofort informiert habe, auch weil sie sich, insbesondere die Mutter, vor der Ausreise angeb- lich grosse Sorgen gemacht habe. D-6965/2017 Seite 7 5.2 In der Eingabe vom 7. Dezember 2017 macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, der Entscheid des SEM beruhe auf Mutmassun- gen und Spekulationen. Das SEM habe seine Situation falsch beurteilt und die Sorgfaltspflicht verletzt. Es sei belegt, dass er Syrien im dienstpflichti- gen Alter verlassen und sich durch seine Flucht der Militärdienstaushebung und -leistung entzogen habe, weshalb er als Militärdienstverweigerer im Sinne des syrischen Militärgesetzes gelte. Es seien keine medizinischen oder sonstigen Gründe bekannt, weshalb er nicht militärdiensttauglich sein könnte. Deserteure und Militärdienstverweigerer seien stets grossen Ge- fahren ausgesetzt und an Leib und Leben gefährdet. Die Strafen seien un- verhältnismässig hoch, willkürlich und würden ohne Gerichtsprozess ver- hängt. Darüber hinaus bestrafe das syrische Regime Familienangehörige von Militärdienst verweigerern. Eine innerstaatliche Fluchtalternative sei nicht gegeben. Das SEM hätte sich in s einem Entscheid mit einer mögli- chen Bestrafung wegen Wehrdienstverweigerung und Nichterfüllung von militärischen Pflichten befassen müssen. Dazu zitierte der Beschwerdefüh- rer aus der Auskunft der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom 30. Juli 2014 zu „Syrien: Rekrutierung durch die Syrische Armee“ (Quelle durch Beschwerdeführer nicht angegeben) sowie aus den im Dienstbüchlein ent- haltenen allgemeinen Hinweisen. Seine Familie habe nicht gewusst, wie wichtig die Dokumente für ihn seien, da sie davon ausgegangen sei, dass er für die syrischen Behörden uner- reichbar sei sowie Schutz und Sicherheit in der Schweiz geniesse. Die Fa- milie habe ihn mit diesen Neuigkeiten nicht beunruhigen wollen. Weil in Syrien viele junge Männer beim ersten Rekrutierungsgespräch ein- zogen würden, hätten viele Angst, sich für die Ausstellung des Dienstbüch- leins sowie für die Militärdienstaushebung zu melden. In Syrien könne ein Dienstbüchlein über verschiedene Wege ausgestellt werden. Wer gute Kontakte habe, könne viele Schritte im Ausstellungsprozess überspringen. Da er sich weder für die Ausstellung des Dienstbüchleins noch für die Mili- tärdienstaushebung gemeldet habe, sei ihm das Dienstbüchlein ausgestellt und er als diensttauglich erklärt worden, womit er als militärisch ausgeho- ben gelte. Dem Einrückungsbefehl sei er nicht nachgekommen, weshalb nach Ablauf der Frist am (…) 2016, (…) Uhr, gegen ihn ein Fahndungs- und Haftbefehl erlassen worden sei. Die syrische Militärbehörde verwalte bis heute die Militärgeschäfte in den von Kurden kontrollierten Gebieten und führe dort die Rekrutierungsämter und Militärregister. Bis heute würden Männer im dienstpflichtigen Alter aus D-6965/2017 Seite 8 diesen Gebieten aufgeboten und rekrutiert und es würden auch Suchakti- onen nach solchen Männern stattfinden, wobei es zu vielen Festnahmen komme. Die Informationen, die der Vorinstanz über diese Gebiete vorlie- gen würden, seien ungenau. Seit Herbst 2014 würden Beobachter feststel- len, dass das syrische Regime die Mobilisierungsmassnahmen in die syri- sche Armee für Rekruten und Reservisten intensiviert habe. Zusätzlich habe das Regime in allen von ihm kontrollierten Gebieten die Suche nach Refraktären intensiviert. Deserteure und Pers onen, die sich dem Militär- dienst entzogen hätten, würden inhaftiert und verurteilt. In Haft komme es zu Folter und Menschenrechtsorganisationen würden über Exekutionen von Deserteuren berichten. Auch Familienangehörige würden verhaftet oder von den syrischen Behörden unter Druck gesetzt. Viele Männer, die im Rahmen dieser Massnahmen einberufen worden seien, würden eine nur sehr begrenzte militärische Ausbildung erhalten und würden zum Teil innerhalb nur weniger Tage an die Front geschickt. Der Militärdienst in Sy- rien sei in der aktuellen Situation und seit dem Ausbruch des Krieges ei n Albtraum, weil Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Zivilbevölke- rung begangen würden. Die virtuelle Praxis des SEM bei der Beurteilung der Asylgesuche sowie Qualifizierung der Tatsachen und Aussagen führe zu falschen Einschätzungen und zu falschen Entscheiden. Seine Ausfüh- rungen seien realistisch, plausibel, glaubwürdig und asylrelevant. Des Weiteren wird auf verschiedene vorinstanzliche Entscheide verwiesen und geltend gemacht, das SEM habe die Flüchtlingseigenschaft in ver- schiedenen Fällen bejaht , unter anderem allein wegen der i llegalen Aus- reise aus Syrien oder im Falle von Syrern im dienst- und reservepflichtigen Alter. Der Grundsatz der Rechtsgleichheit gebiete, dass auch er als Flücht- ling anzuerkennen sei. Sodann habe das syrische Parlament am 10. No- vember 2017 einen Gesetzesartikel revidiert sowie weitere Massnahmen und Sanktionen gegen Syrer beschlos sen, die dem Militär- und Reserve- dienst ferngeblieben seien und sich bei den Behörden nicht gemeldet hät- ten. Insgesamt müssten spezifische Abklär ungen zur Situation von syri- schen Rückkehrern im wehrfähigen Alter im Hinblick auf eine Rekrutierung durch das syrische Militär und den Folgen einer Militärdienstverweigerung und zu seinen individuellen Umständen getroffen werden. Eine Gefährdung durch zukünftige Verfolgung könne aufgrund der Antiregime -Haltung, der Militärdienstverweigerung und der bereits geschehenen Vorkommnisse nicht ausgeschlossen werden. Es könne weiter nicht ausgeschlossen wer- den, dass er in Syrien nun als Dienstverweigerer gelte und deshalb mit unverhältnismässig langen Haftstrafen verbunden mit Folter und Miss- handlungen rechnen müsse. D-6965/2017 Seite 9 6. 6.1 Nach Prüfung der Akten teilt das Bundesverwaltungsgericht die Ein- schätzung der Vorinstanz, dass die neuen Vorbringen unglaubhaft und die Beweismittel nicht geeignet sind, eine tatsächlich erfolgte Rekrutierung und daraus resultierende Nachteile zu beweisen. Vorweg ist festzuhalten, dass das Gericht übereinstimmend mit der Vorinstanz davon ausgeht, das syri- sche Regime habe im (…) 2015 in den von der syrisch-kurdischen Partei PYD (Partiya Yekitîya Demokrat; Demokratische Einheitspartei) und deren bewaffneten Organisation YPG (Yekîneyên Parastina Gel; Volksverteidi- gungseinheiten) kontrollierten Gebieten, wozu E._______ gehört, keine Rekrutierungen für die staatliche Armee mehr durchgeführt (vgl. Urteile D- 890/2014 vom 12. April 2016 E. 7.5.1; D-4844/2013 vom 11. Februar 2016 E. 7.2.4). Nicht ersichtlich ist, inwiefern die diesbezüglichen vorinstanzli- chen Informationen über die von Kurden kontrollierten G ebiete ungenau sein sollen. Der Hinweis auf die intensivierte Suche nach Refraktären in allen vom Regime kontrollierten Gebieten ist vor diesem Hintergrund un- behelflich. Die im vorliegenden Verfahren eingereichten angeblichen mili- tärischen Dokumente sind somit schon unter diesem Gesichtspunkt als Fälschungen zu qualifizieren. Im Übrigen ist bekannt, dass solche Doku- mente im syrischen Kontext ohne weiteres käuflich erworben werden kön- nen. Ob, wie vom Beschwerdeführer behauptet, das Rekrutierungsamt E._______ nach C._______ verlegt worden ist, ändert an dieser Einschät- zung nichts. Das Vorbringen des Beschwerdeführers in der Beschwerde, seine Familie habe nicht gewusst, wie wichtig die Dokumente für ihn seien, da sie davon ausgegangen sei, er sei für die syris chen Behörden uner- reichbar und geniesse Schutz und Sicherheit in der Schweiz, vermag so- dann unabhängig von den vorstehenden Erwägungen nicht zu überzeu- gen. Das SEM stellte nämlich zu Recht fest, dass der Beschwerdeführer bereits im ersten Asylgesuch den Militärdienst als Begründung seines Asyl- gesuchs angegeben und insbesondere seine Mutter sich vor seiner Aus- reise grosse Sorgen um ihn gemacht habe. Vor diesem Hintergrund wäre zu erwarten gewesen, dass die Familie den Beschwerdeführer sofort über eintreffende militärische Dokumente informiert. Im Weiteren fällt auf, dass sich der Beschwerdeführer ausführlich zur Bestrafung der Familienange- hörigen von Militärdienstverweigerern äussert, jedoch nicht geltend macht, seine Familie hätte wegen ihm irgendwelche Nachteile erlitten. Sodann ist eine allfällige Revision der militärischen Strafbestimmungen durch das sy- rische Parlament unbeachtlich vor dem Hintergrund, dass der Beschwer- deführer aus einem von der kurdischen Miliz YPG kontrollierten Gebiet stammt und die Verhängung von gesetzlich verankerten Sanktionen ohne- hin grundsätzlich als staatlich legitime Massnahmen einzustufen sind. D-6965/2017 Seite 10 6.2 Ergänzend anzuführen bleibt, dass selbst wenn die eingereichten Do- kumente (Dienstbüchlein, Marschbefehl und Haftbefehl) authentisch wären und der Beschwerdeführer wegen Militärdienstverweigerung tatsächlich zur Verhaftung ausgeschrieben wäre, darin allein kein flüchtlingsrechtlich relevanter Nachteil zu erblicken wäre . Gemäss Rechtsprechung vermag eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion die Flüchtlingseigenschaft nur zu begründen, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist, mithin die betroffene Person aus den in dieser Norm genannten Gründen wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen hat, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt (vgl. BVGE 2015/3 E. 5.9). Bezogen auf die spezifische Situation in Syrien ist dies anzunehmen, wenn ein syrischer Refraktär kurdische r Ethnie aus einer oppositionell aktiven Familie ent- stammt und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatli- chen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen hat (vgl. a.a.O. E. 6.7.3). Der Beschwerdeführer hat gemäss seinen eigenen Angaben im ersten Asylverfahren in E._______ zwar an vielen Demonstrationen gegen das Regime teilgenommen, sei jedoch immer maskiert gewesen und nie erkannt worden. Ansonsten sei er nicht politisch aktiv gewesen und sei nie inhaftiert oder angeklagt worden. Auch sonst machte er keine konkreten persönlichen Probleme oder Konflikte mit Behörden oder anderen Organi- sationen geltend. Es liegen somit keine substan ziierten Hinweise für ein innerhalb oder ausserhalb seines Heimatlandes erfolgtes regimekritisches Engagement vor , welches den syrischen Behörden bekannt geworden wäre, und es ist auch sonst nicht ersichtlich, inwiefern der Beschwerdefüh- rer die besondere Aufmerksamkeit der syrischen Regierungsbehörden er- regt und von diesen als Gegner des Regimes identifiziert worden sein könnte. Der Beschwerdeführer erfüllte die Flüchtli ngseigenschaft somit auch dann nicht, wenn er tatsächlich in den Militärdienst einberufen worden wäre und dem Aufgebot keine Folge geleistet hätte. 6.3 Eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung des Beschwerdeführers aufgrund der (geltend gemachten) illegalen Ausreise aus Syrien ist gemäss konstanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. beispielhaft Urteile des BVGer E -3692/2016 vom 13. Oktober 2017 E. 4.7 und E -3845/2014 vom 3. Februar 2017 E. 5.2.5) ebenfalls nicht anzunehmen. 6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine Anhaltspunkte für eine falsche Sachverhaltsbeurteilung durch die Vorinstanz ersichtlich und die vorinstanzlichen Erwägungen nicht zu beanstanden sind. Es kann darauf verzichtet werden, auf die weiteren Ausführun gen in der Beschwerde D-6965/2017 Seite 11 einzugehen, da sie an der Würdigung des vorliegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Der Beschwerdeführer erfüllt die Flüchtlingseigenschaft nicht und das SEM hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 7. Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuwei- sen. 8. 8.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlich en Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden Er- wägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten ha- ben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist. 8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.− (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit dem Urteil ist der Antrag auf Erlass des Kostenvorschusses gegenstandslos gewor- den. (Dispositiv nächste Seite) D-6965/2017 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.− werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Barbara Gysel Nüesch Versand: