<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">394</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>74</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO. Bei Verfahren, die nicht besonders stark in die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechtsposition der betroffenen Partei einzugreifen drohen oder die neben</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der relativen Schwere des Falls keine tatsächlichen oder rechtlichen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Schwierigkeiten aufweisen (Ausdehnung des Besuchsrechts, Anordnung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einer Beistandschaft oder Ähnliches), denen die gesuchstellende Partei,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auf sich allein gestellt, nicht gewachsen wäre, ist die gerichtliche Bestel-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lung einer Rechtsbeiständin oder eines Rechtsbeistands in aller Regel</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht notwendig.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Zivilgericht, 4. Kammer, vom</span><br/> <span class="ft3">2. Dezember 2013 in Sachen L.J. (ZSU.2013.346).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">395</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Im Zeitpunkt des Gesuchs um Bewilligung der unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft1">Rechtspflege vom 15. August 2013, auf den abzustellen ist (BGE 135</span><br/> <span class="ft1">I 221 Erw. 5.1), war die Gesuchstellerin im Besitz des Schreibens der</span><br/> <span class="ft1">Anwältin ihres Ehemanns vom 12. August 2013, dem zu entnehmen</span><br/> <span class="ft1">war, dass es diesem lediglich um ein ausgedehnteres Besuchsrecht</span><br/> <span class="ft1">und nicht um eine Gefährdungsmeldung ging. Diese Auffassung hat</span><br/> <span class="ft1">sie in ihrer Stellungnahme vom 15. August 2013 selbst geäussert.</span><br/> <span class="ft1">Ferner war ihr bewusst, dass für Kindesschutzmassnahmen kein be-</span><br/> <span class="ft1">gründeter Anlass bestand, wie sich ebenfalls ihrer Stellungnahme</span><br/> <span class="ft1">vom 15. August 2013 entnehmen lässt. Sie kann somit nicht behaup-</span><br/> <span class="ft1">ten, die Tragweite des Verfahrens sei für sie nicht absehbar gewesen.</span><br/> <span class="ft1">Unter diesen Umständen war der Beizug eines Rechtsanwalts zur</span><br/> <span class="ft1">Wahrung ihrer Rechte nicht notwendig. Weder drohte das in Frage</span><br/> <span class="ft1">stehende Verfahren besonders stark in ihre Rechtsposition einzugrei-</span><br/> <span class="ft1">fen noch kamen zur relativen Schwere des Falls besondere tatsächli-</span><br/> <span class="ft1">che oder rechtliche Schwierigkeiten hinzu, denen die Gesuchstelle-</span><br/> <span class="ft1">rin, auf sich allein gestellt, nicht gewachsen gewesen wäre (BGE 128</span><br/> <span class="ft1">I 225 Erw. 2.5.2). Sprachliche Schwierigkeiten können den Beizug</span><br/> <span class="ft1">eines Anwalts nicht rechtfertigen. Sie hätten allenfalls Anlass für eine</span><br/> <span class="ft1">behördliche Unterstützung und Anspruch auf Beizug eines Überset-</span><br/> <span class="ft1">zers gegeben (Entscheid des Bundesgerichts 5A_692/2009 vom</span><br/> <span class="ft1">5. Januar 2012 Erw. 3.3), sofern im Umfeld der Gesuchstellerin nie-</span><br/> <span class="ft1">mand vorhanden gewesen wäre, der ihr bei schriftlichen Eingaben</span><br/> <span class="ft1">hätte behilflich sein können. Der Verweis auf den zitierten Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richtsentscheid vom 5. Januar 2010 verfängt nicht, da dieser einzig</span><br/> <span class="ft1">die anwaltschaftliche Verbeiständung im Rechtsmittelverfahren be-</span><br/> <span class="ft1">schlägt (Entscheid des Bundesgerichts 5A_692/2009 vom 5. Januar</span><br/> <span class="ft1">2012 Erw. 3.3). Da aufgrund des Schreibens der Anwältin ihres Ehe-</span><br/> <span class="ft1">manns vom 12. August 2013 klar war, dass es nicht um die Obhut</span><br/> <span class="ft1">über ihr Kind ging, kann sie sich auch nicht auf die Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">des Bundesgerichts berufen, welche die Notwendigkeit einer anwalt-</span><br/> <span class="ft1">lichen Verbeiständung in solchen Fällen in aller Regel bejaht</span><br/> <span class="ft1">(BGE 130 I 180).</span><br/></div> </div> </body> </html>