<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 63 S.281</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">281</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>63 Umweltschutz.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Ideelle Immissionen (im konkreten Fall erzeugt von einem Schlacht-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>haus) fallen nicht unter das Umweltschutzrecht des Bundes, können</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">282</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>jedoch durch das kantonale und kommunale Recht geregelt werden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2/a).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 6. Februar 2001 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen F. gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Im Weitern machen die Beschwerdeführer unzumutbare Im-</span><br/> <span class="ft1">missionen geltend. Was im fraglichen Schlachthaus geschehe, sei für</span><br/> <span class="ft1">sie ekelerregend. Weil sie und ihre Kinder Vegetarier seien, hätten sie</span><br/> <span class="ft1">ein ganz anderes Verhältnis zu Tieren als andere Leute. Zudem gäben</span><br/> <span class="ft1">Tiere, die vor der Schlachtung stünden, in ihrer Todesangst sehr laute</span><br/> <span class="ft1">Geräusche von sich. Sie hätten ungehinderten Blick auf das Schlacht-</span><br/> <span class="ft1">lokal und könnten damit den Schlachtbetrieb mitverfolgen.</span><br/> <span class="ft1">a) Die Beschwerdeführer fühlen sich in erster Linie durch ide-</span><br/> <span class="ft1">elle (immaterielle) Immissionen gestört; darunter sind Einwirkungen</span><br/> <span class="ft1">durch Zustände oder Handlungen auf dem Ausgangsgrundstück zu</span><br/> <span class="ft1">verstehen, die das seelische Empfinden der Umgebung verletzen, in-</span><br/> <span class="ft1">dem sie unangenehme psychische Eindrücke wie Ekel oder Angst er-</span><br/> <span class="ft1">wecken (vgl. Arthur Meier-Hayoz, Berner Kommentar zum Schwei-</span><br/> <span class="ft1">zerischen Privatrecht, Band IV [Das Sachenrecht], Art. 684 N 72;</span><br/> <span class="ft1">BGE 108 Ia 144 ff.; VGE III/4 vom 31. Januar 1997 [BE.95.00268]</span><br/> <span class="ft1">in Sachen St., S. 11). Dem Umweltschutzrecht des Bundes ist dieser</span><br/> <span class="ft1">Begriff jedoch fremd (vgl. Heribert Rausch, Kommentar zum Um-</span><br/> <span class="ft1">weltschutzgesetz, hrsg. von der Vereinigung für Umweltrecht, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1994, Art. 7 N 7; Niccolò Raselli, Berührungspunkte des privaten</span><br/> <span class="ft1">und öffentlichen Immissionsschutzes, in: URP 11/1997, S. 286;</span><br/> <span class="ft1">ferner Bundesgericht, in: ZBl 94/1993, S. 89). Zu prüfen ist nun</span><br/> <span class="ft1">allerdings noch, ob sich die Beschwerdeführer auf § 63 der Bauord-</span><br/> <span class="ft1">nung (BO) der Gemeinde F. vom 26. Februar 1993/18. Januar 1994</span><br/> <span class="ft1">berufen können. Danach sind übermässige Einwirkungen auf das</span><br/> <span class="ft1">Eigentum der Nachbarn und die weitere Umgebung untersagt</span><br/> <span class="ft1">(Abs. 1); verboten sind insbesondere alle schädlichen und nach Lage</span><br/> <span class="ft1">sowie Beschaffenheit der Grundstücke oder nach Ortsgebrauch nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">283</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gerechtfertigten Einwirkungen durch Lärm, Erschütterung, Geruch,</span><br/> <span class="ft1">Abgase, Rauch, Russ, Dünste, Staub oder Strahlen (Abs. 2). Weil wie</span><br/> <span class="ft1">erwähnt das Bundesrecht den Begriff der ideellen Immission nicht</span><br/> <span class="ft1">kennt, verbleibt an sich dem kantonalen und kommunalen Recht auf</span><br/> <span class="ft1">diesem Feld noch ein Anwendungsspielraum (vgl. BGE 118 Ib 595</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweisen; AGVE 1999, S. 258 f.).</span><br/> <span class="ft1">§ 63 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 BO entspricht wörtlich § 160 des</span><br/> <span class="ft1">früheren Baugesetzes des Kantons Aargau vom 2. Februar 1971</span><br/> <span class="ft1">(aBauG). Zudem wird auf diese Bestimmungen noch eigens verwie-</span><br/> <span class="ft1">sen. Damit stellt der kommunale Gesetzgeber klar, dass er auch die</span><br/> <span class="ft1">einschlägige kantonale Praxis herangezogen wissen will. Der Begriff</span><br/> <span class="ft1">der Immission nach § 160 aBauG umfasste nun sowohl die materiel-</span><br/> <span class="ft1">len als auch die immateriellen Einwirkungen (vgl. Erich Zimmerlin,</span><br/> <span class="ft1">Baugesetz des Kantons Aargau, Kommentar, 2. Auflage, Aarau 1985,</span><br/> <span class="ft1">§§ 160/61 N 4). Allerdings wurde betont, dass subjektive Momente,</span><br/> <span class="ft1">d.h. behauptete psychische Beeinträchtigungen, stets nur unter</span><br/> <span class="ft1">grosser Zurückhaltung zu berücksichtigen seien (Zimmerlin, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">§§ 160/61 N 4 S. 416); abzustellen sei in objektiver Betrach-</span><br/> <span class="ft1">tungsweise darauf, wie sich die Immissionen auf einen nicht über-</span><br/> <span class="ft1">durchschnittlich empfindlichen Menschen auswirkten (Zimmerlin,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., §§ 160/61 N 6 S. 417). Nach diesem Massstab können die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer zwar nicht verlangen, dass der Betrieb im fragli-</span><br/> <span class="ft1">chen Schlachtlokal eingestellt oder reduziert wird. Demgegenüber</span><br/> <span class="ft1">muss und darf aber verlangt werden, dass das Tor zum Schlachtlokal</span><br/> <span class="ft1">- entgegen bisheriger Handhabung - während des ganzen Schlacht-</span><br/> <span class="ft1">vorgangs stets geschlossen bleibt. Auch für einen durchschnittlich</span><br/> <span class="ft1">empfindsamen Menschen erscheint es unzumutbar, unfreiwilliger</span><br/> <span class="ft1">Zeuge des Schlachtvorgangs sein zu müssen. Dass die Massnahme</span><br/> <span class="ft1">betrieblich möglich ist, ergibt sich schon daraus, dass nach den An-</span><br/> <span class="ft1">gaben von S. das Tor bei kalter Witterung meistens geschlossen wird;</span><br/> <span class="ft1">allfällige Zusatzeinrichtungen (Ventilation usw.) wären Sache des</span><br/> <span class="ft1">Betreibers. Im Übrigen wird das Schliessen des Tors vom Fachbe-</span><br/> <span class="ft1">amten des kantonalen Veterinäramts auch aus hygienischen Gründen</span><br/> <span class="ft1">als erforderlich erachtet.</span><br/></div> </div> </body> </html>