B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-4303/2019 U r t e i l v o m 2 7 . A p r i l 2 0 2 0 Besetzung Richterin Susanne Genner (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. Parteien A._______, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken für B._______. F-4303/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. B._______, ein 1985 geborener dominikanischer Staatsangehöriger (nach- folgend: Gast bzw. Gesuchsteller), beantragte am 12. Juni 2019 bei der Schweizerischen Botschaft in Santo Domingo ein Schengen-Visum für ei- nen 60 -tägigen Besuchsaufenthalt in der Schweiz (vgl. Akt en der Vo- rinstanz [SEM-act.] 2/45-48). Die Gastgeberin (und Beschwerdeführerin) hatte zuvor am 26. Mai 2019 ein entsprechendes Einladungsschreiben zu- handen der Schweizerischen Botschaft in Santo Domingo verfasst und sich dabei als dessen Cousine zu erkennen gegeben (SEM-act. 2/43). B. Mit Formularverfügung vom 19. Juni 20 19 verweigerte die Botschaft in Santo Domingo das Visum mit der Begründung, die Absicht des Gastes, vor Ablauf des Visums aus dem Hoheitsgebiet der Schengen-Mitgliedstaa- ten auszureisen, habe nicht hinreichend festgestellt werden können (SEM- act. 2/15). C. Gegen die Verweigerung des Visums erhob die Gastgeberin am 20. Juni 2019 Einsprache bei der Vorinstanz (SEM-act. 1/12) D. Im Rahmen des Einspracheverfahrens nahm die Vorinstanz Einsicht in die Akten der Schweizerischen Botschaft in Santo Domingo und liess durch die Migrationsbehörde im Wohnsitzkanton der Gastgeberin weitere Abklä- rungen zum Sachverhalt vornehmen. Einen von dieser Behörde an sie ge- richteten Fragenkatalog beantwortete die Gastgeberin umgehend und gab an, ihr Gast habe Familienangehörige in seiner Heimat und arbeite dort als Chauffeur für eine Baufirma. Nach seiner Rückkehr aus der Schweiz wolle er dort weiter arbeiten (SEM-act. 6/64-66). E. Mit Verfügung vom 27. Juli 2019 wies das SEM d ie Einsprache ab. Dabei teilte es die Einschätzung der Schweizerischen Botschaft, wonach die an- standslose und fristgerechte Wiederausreise des Gastes nach seinem Be- suchsaufenthalt nicht als hinreichend gesichert betrachtet werden könne. Dieser stamme aus e inem Land, in welchem die dort herrschenden Ver- hältnisse einen starken Migrationsdruck erzeugen würden. Zudem bewirk- ten familiäre oder persönliche Beziehungen im Ausland eine zusätzliche Sogwirkung. Der Gast sei ledig und Vater eines fünfjährigen Sohnes. Zwar F-4303/2019 Seite 3 habe er dadurch gewisse familiäre Verpflichtungen, doch würden diese durch seinen beabsichtigten zweimonatigen Auslandaufenthalt relativiert. Im Weiteren seien aus seinen gesellschaftlichen und beruflichen Verhält- nissen keine Umstände ersichtlich, die besondere Gewähr für die Wieder- ausreise nach dem Besuchsaufenthalt bieten könnten (SEM-act. 7). F. Am 23. August 2019 gelangte die Gastgeberin mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das Schengen -Visum für einen Besuchs- aufenthalt zu erteilen. Aufgrund der neuen Beweismittel und Argumente sei das SEM aufzufordern, den angefochtenen Entscheid in Wiedererwägung zu ziehen und das schweizerische Konsulat in Santo Domingo anz uwei- sen, das Visum für den Gast auszustellen. G. In seiner Vernehmlassung vom 17. Oktober 2019 schloss das SEM auf Ab- weisung der Beschwerde. H. Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik. I. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Einspracheentscheide des SEM bezüglich Schengen-Visa sind mit Be- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Die Beschwerdeführerin hat am vorangegangenen Einspracheverfah- ren teilgenommen und ist als Gastgeberin durch die angefochtene Verfü- gung besonders berührt. Der festanberaumte Besuchszeitraum ist inzwi- schen abgelaufen. Durch die Einreichung des Rechtsmittels hat die Be- schwerdeführerin jedoch kundgetan, dass sie ihr Interesse an der Behand- lung der Beschwerde aufrechterhält. Die Beschwerdelegitimation gemäss F-4303/2019 Seite 4 Art. 48 Abs. 1 VwVG ist somit gegeben. Auf die frist- und formgerecht ein- gereichte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 1.3 In der vorliegenden Angelegenh eit entscheidet das Bundesverwal- tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün- dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent- scheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.; 2011/43 E. 6.1). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch eines dominikanischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen 60 -tägigen Be- suchsaufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich der Gast nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beab- sichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsberei ch der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schen- gen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechts- akte übernommen hat (BVGE 2014/1 E. 3; 2011/48 E. 3). Das Ausländer- und Integrationsgesetz und dessen Ausführungsbes timmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen -Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 4 AIG). 4. 4.1 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen - Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit- raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz eines Visums sind, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EU) 2018/1806 des Europäi- schen Parlaments und des Rates vom 14. November 2018 (Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aus-F-4303/2019 Seite 5 sengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Dritt- länder, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind [ABl. L 303/39 vom 28.11.2018; nachfolgend: Verordnung [EU] 2018/1806; in Kraft seit 15. Februar 2019]) erforderlich ist (Art. 6 Abs. 1 Bst. b der Verordnung [EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [K odifizierter Text] [Schengener Grenzkodex, SGK, Abl. L 77/1 vom 23.03.2016]; Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die Einreise und die Visumserteilung vom 15. August 2018 [VEV]; vgl. auch Art. 2 Ziff. 6 SGK; Art. 5 Abs. 1 Bst. a AIG). Als dominikanischer Staatsan- gehöriger unterliegt der Gesuchsteller unbestrittenermassen der Visum- pflicht (Anhang I der bereits erwähnten Verordnung Nr. 2018/1806; Art. 8 Abs. 1 VEV). 4.2 Voraussetzung zur Visumserteilung und zur Einreise ist unter anderem, dass die drittstaatsangehörige Person keine Gefahr für die öffentliche Ord- nung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internatio- nalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellt (Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK) und Gewähr für die gesicherte Wiederausreise bietet (Art. 32 Abs. 1 Bst. b der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visako- dex, VK, ABl. L 243/1 vom 15.09.2009]; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2011/48 E. 4.5; 2009/27 E. 5.2). Wenn die betreffende Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristgerecht wieder zu verlassen, ist eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK anzunehmen (BVGE 2014/1 E. 4.3 m.H.). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Aus- reise nicht besteht respektive dass die gesuchstellende Person für die ge- sicherte Wiederausreise Gewähr bietet (A rt. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 21 Abs. 1 VK; BVGE 2014/1 E. 4.4; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2009/27 E. 5.2). 4.3 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei- lung eines Visums. Die Schweiz ist daher grundsätzlich nicht gehalten, drittstaatsangehörigen Personen die Einreise zu gestatten. Das Schengen- Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es ein- heitliche Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitglied- staaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die F-4303/2019 Seite 6 Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Vi- sum vermittelt aber auch das Schengen-Recht nicht (BVGE 2014/1 E. 4.1.1 und E. 4.1.5; 2011/48 E. 4). 4.4 Sind sämtliche Voraussetzungen für die Visumserteilung erfüllt, ist das Schengen-Visum auszustellen. Ist hingegen einer der in Art. 32 Abs. 1 VK (nicht abschliessend) aufgelisteten Tatbestände gegeben, darf ein einheit- liches Visum nicht erteilt werden (vgl. Art. 21 Abs. 1 und Abs. 3 VK; Art. 32 Abs. 1 VK; BVGE 2014/1 E. 4.5; 2011/48 E. 4.6; Urteil des BVGer F-7617/2016 E. 4.1). Das Schengen-Visum ist deshalb unter anderem zu verweigern, wenn Zweifel an der von der drittstaatsangehörigen Person bekundeten Absicht bestehen, das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten vor Ablauf der Gültigkeit des beantragten Visums wieder zu verlassen (Art. 32 Abs. 1 Bst. b VK; BVGE 2014/1 E. 4.4). Den Behörden kommt bei der Be- urteilung, ob die Voraussetzungen für die Visumse rteilung erfüllt sind, ein weiter Beurteilungsspielraum zu (BVGE 2014/1 E. 4.1.5 in fine). 4.5 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die Einreisevoraussetzungen nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des betreffenden Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der betreffende Mitglied- staat unter anderem Gebrauch machen, wenn er es aus humanitären Gründen, aus solchen des nationalen Interesses oder aufgrund internatio- naler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 3 Abs. 4 VEV; Art. 25 Abs. 1 Bst. a VK; Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). 5. 5.1 In der Regel lassen sich keine gesicherten Feststellungen darüber tref- fen, ob eine drittstaatsangehörige Person tatsächlich beabsichtigt, vor Ab- lauf des Visums den Schengen-Raum zu verlassen, weshalb darüber eine Prognose zu erstellen ist. Hierzu sind alle Umstände des Einzelfalles zu würdigen. Die Beweisführungslast obliegt dabei der drittstaatsangehörigen Person (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II VK; Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK; BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.1). Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise können sich zunächst aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der drittstaatsan- gehörigen Person ergeben. Namentlich bei Einreisegesuchen von Perso- nen aus Staaten bzw. Regionen mit politisch, wirtschaftlich und sozial un- günstigen Verhältnissen rechtfertigt sich eine strenge Praxis, da die per- sönliche Interessenlage in solchen Fä llen erfahrungsgemäss häufig nicht F-4303/2019 Seite 7 mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein- klang steht (BVGE 2014/1 E. 6.1 m.H.). 5.2 Die dominikanische Wirtschaft hatte im Jahr 2017 mit 4,6% das zweit- stärkste Wachstum in der Region nach Panama. Wesentlich trug dazu die sehr gute Entwicklung in der Tourismusbranche bei (vgl. www.wko.at > Do- minikanische Republik, Informationen zu Wirtschaft, Recht und Steuern, sowie Reisen > Die Wirtschaft i n der Dominikanischen Republik, besucht im März 2020). Das Wachstum manifestierte sich allerdings nicht in einer breiten gesamtgesellschaftlichen Wohlstandsentwicklung, weshalb sich die Einkommensverteilung weiterhin sehr ungleich präsentiert (hierzu ein- gehend Urteil des BVGer F-1527/2018 vom 23. Juli 2018 E. 6.3; vgl. ferner F-4575/2017 vom 13. September 2019 E. 6). Mittlerweile hat jedoch das dynamische Wirtschaftswachstum nachgelassen. Insbesondere die Touris- musbranche traf ein herber Rückschlag. Dies unter anderem, da im ver- gangenen Jahr nach entsprechenden Berichten in amerikanischen Medien die Sicherheit des Reiselands in Frage gestellt wurde. Um den verlorenen Markt in den USA und Kanada wieder zurückzuerlangen, bedarf es erheb- licher Anstrengungen (vgl. www.domreptotal.com > Tourismus braucht ein Jahr zur Erholung, vom 20. Januar 2020, besucht im März 2020). 5.3 Vor diesem Hintergrund besteht vielfach der Wunsch nach Auswande- rung, welcher sich besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Per- sonen manifestiert. Dass viele Menschen aus der Dominikanischen Re- publik emigrieren, zeigt sich ebenfalls an den hohen Rückü berweisungen von im Ausland lebenden dominikanischen Staatsangehörigen, die den Binnenmarkt stützen und für die dominikanische Wirtschaftsleistung eine grosse Rolle spielen. Ein im Zielland bestehendes, minimales soziales Be- ziehungsnetz aus Verwandten oder Freunden ist zudem ein wichtiges Ele- ment, das den Entscheid auszuwandern erleichtern kann. Angesichts der restriktiven Zulassungsregelung führt dies nicht selten zur Umgehung von ausländerrechtlichen Bestimmungen, indem die Gesuchstellenden – ein- mal eingereist – versuchen, den Aufenthalt auf eine ganz andere rechtliche Basis abzustützen (BVGE 2014/1 E. 6.2.2). Das Risiko einer nicht fristge- rechten Wiederausreise des Gastes ist – auch mit Blick auf das Verwandt- schaftsverhältnis – demnach grundsätzlich als hoch einzuschätzen. 6. 6.1 In die Prognose über die Absicht einer gesuchstellenden Person, den Schengen-Raum fristgerecht zu verlassen, sind weiter deren persönliche, F-4303/2019 Seite 8 familiäre und berufliche Situation sowie deren Interessenlage miteinzube- ziehen (BVGE 2014/1 E. 6.3.1). Obliegt einer gesuchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dies die Prognose für eine anstands- lose Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten Einreise als hoch eingeschätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1 m.H.; 2009/27 E. 8). 6.2 Im Antragsformular gab der Gast an, er sei unverheiratet und arbeite als Chauffeur (SEM-act. 2/47 f.). Dem Gesuch lag unter anderem eine Be- stätigung seines Arbeitgebers vom 8. Mai 2019 bei, wonach der Gast seit 21. August 2018 für ihn arbeite und monatlich 25'000 DOP $ verdiene (SEM-act. 2/21). Im Fragebogen der schweizerischen Botschaft in Santo Domingo vermerkte er, dass er Vater eines fünfjährigen Sohnes sei. Ein zweimonatiger Aufenthalt in der Schweiz sei ihm möglich, d a er verreisen könne, wenn an seinem Ar beitsplatz keine Arbeit anfalle. Er wolle hier seine Cousine besuchen, die aus Venezuela stamme, seit Dezember 2018 in der Schweiz lebe und einen Coiffeur-Salon betreibe (SEM-act. 2/18). 6.3 Mit Rechtsschrift vom 23. August 2019 liess die Beschwerdeführerin dem Gericht verschiedene, den Gast betreffende Unterlagen zukommen, nämlich (soweit hier interessierend): - eine Bestätigung seines Arbeitgebers vom 22. August 2019, wonach er jährlich bis zu 45 Ferientage beziehen könne (in Kopie), - einen Geburtsregisterauszug, wonach sein Sohn am 23. September 2016 geboren wurde (in Kopie), - Wohnsitzbestätigungen vom 14. August 2019 für ihn und seine Partne- rin (in Kopie), - Kopie eines Badges seiner Partnerin, wonach sie für eine Fluggesell- schaft arbeitet, - Kontoauszüge von Mai 2019 bis August 2019 (in Kopie). In diesem Zusammenhang führte sie aus, bei ihrem Cousin handle es sich – entgegen der Annahme der Vorinstanz – nicht um einen jungen Man n, der zwar einen Sohn, aber sonst keine Verpflichtungen habe. Vielmehr lebe F-4303/2019 Seite 9 er mit seiner Lebenspartnerin, der Mutter des gemeinsamen Sohnes zu- sammen. Die Familie könne mietfrei in einem Haus leben, das dessen Va- ter gehöre. Seine Lebenspartnerin arbeite am Internationalen Flughafen für eine Fluggesellschaft. Da die Familie mietfrei wohnen könne und ihr Gast sowie dessen Partnerin eine «feste» Arbeit hätten, gehe es ihnen besser als dem Durchschnitt der Inselbewohner. Des Weiteren könne er (nach sei- nem Aufenthalt in der Schweiz) wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkeh- ren. 6.3.1 Demzufolge handelt es sich beim Cousin der Beschwerdeführerin um einen 35-jährigen Mann, der mit der Mutter des gemeinsamen Sohnes zu- sammenlebt. Aus diesen Angaben lässt sich zwar eine gewi sse soziale Einbindung in ein familiäres Gefüge erblicken, doch das genaue Verhältnis zu seiner Partnerin und seinem Sohn ist den Akten nicht zu entnehmen. Zudem erstaunt, dass er bis anhin angegeben hat, er habe einen fünfjähri- gen Sohn, während dem Geburtsregisterauszug zu entnehmen ist, dass er heute dreieinhalb Jahre alt ist (vgl. E. 6.3). Dessen ungeachtet können – gerade in Situationen angespannter wirtschaftlicher Verhältnisse – zurück- bleibende nahe Angehörige regelmässig nicht verlässlich davon abhalten, den Entschluss für eine Emigration zu fällen, zumal die Hoffnung besteht , die Zurückgebliebenen aus dem Ausland effizienter unterstützen oder spä- ter allenfalls gar nachziehen zu können. Somit führt die erstmals auf Be- schwerdeebene geltend gemachte Partnerschaft des Gastes zu keiner an- deren Einschätzung. 6.3.2 Auch in wirtschaftlicher Hinsicht kann nichts zu Gunsten des Gastes abgeleitet werden. Aus der eingereichten Bestätigung seines Arbeitgebers vom 22. August 2019 geht hervor, dass er monatlich 25'000 DOP $ ver- diene. Dies entspricht einem Betrag von Fr. 447.51.–. (Umrechnungskurs vom 30. März 2020). Der erstmals auf Beschwerdeebene geltend ge- machte Umstand, wonach seine Partnerin ebenfalls berufstätig sei und die Familie im Haus des Vaters mietfrei wohnen könne, vermag zu keiner an- deren Betrachtungsweise zu führen, zumal der Saldo des Bankkontos ge- mäss den eingereichten Unterlagen 149,01 DOP $ betrug, was einem Be- trag von Fr. 2,67.– entspricht (vgl. auch die dem damaligen Umrechnungs- kurs entsprechenden Angaben in der Vernehmlassung vom 17. Oktober 2019). 6.3.3 Des Weiteren ist unklar, wie der Cousin der Beschwerdeführerin ei- nen geplanten Aufenthalt von 60 Tagen mit einem Ferienguthaben von 45 Tagen (vgl. E. 6.3) abzudecken gedenkt. Jedenfalls lässt die Möglichkeit, F-4303/2019 Seite 10 dem Arbeitsplatz zwei Monate lang fernzubleiben, nicht auf eine besondere berufliche Verankerung schliessen. Demnach spricht auch der berufliche Hintergrund des Gastes nicht für eine anstandslose Wiederausreise. 6.4 Der Wunsch der Beschwerdeführerin, ihren Cousin in die Schweiz ein- zuladen, um ihm die Schweiz zeigen zu können, ist verständlich. Doch gilt es zu bedenken, dass sie als Gastgeberin nur für gewisse finanzielle Risi- ken Garantie leisten kann. Hingegen kann sie mangels rechtlicher und fak- tischer Durchsetzbarkeit nicht für ein bestimmtes Verhalten ihres Gastes Gewähr bieten (vgl. BVGE 2014/1 E. 6.3.7 m. w. H.; 2009/27 E. 9.). Zu keinem anderen Ergebnis führt der Hinweis der Beschwerdefüh rerin, schon früher zwei Gäste (SEM-act. 2/12) beziehungsweise drei Gäste (SEM-act. 6/65) empfangen zu haben, welche rechtzeitig wieder ausge- reist seien. Jedes Einreisegesuch ist nach Massgabe seiner spezifischen Gegebenheiten einzelfallweise zu beurteilen , was in casu auf korrekte Weise geschehen ist. 7. Unter Berücksichtigung der allgemeinen Situation im Herkunftsland und vor dem dargelegten persönlichen Hintergrund durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und an- standslose Wiederausreise des Gastes nach einem Besuchsaufenthalt be- steht. Demnach wurde das Visum für den gesamten Schengen -Raum zu Recht verweigert. Gründe humanitärer oder anderer Art, die die Erteilung eines Visums mit räumlich beschränkter Gülti gkeit gerechtfertigt hätten (vgl. dazu E. 4.5 vorstehend), wurden nicht geltend gemacht. 8. Die angefochtene Verfügung ist im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu bean- standen. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 9. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind d ie Kosten der Be- schwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-4303/2019 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 900.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] zurück) Der vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Susanne Genner Ulrike Raemy Versand: