Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Juli 2015 (720 15 29 / 167) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bei der Berechnung des Valideneinkommens wurde in der LSE-Tabelle zu Recht auf den Bereich „sonstige persönliche Dienstleistungen“ abg estellt, weil die Beschwerdeführerin vor Eintritt des Gesundheitsschadens ausschliesslich Tätigkeiten ausgeübt hat, welche als „persönliche Dienstleistungen“ zu qualifizieren sind, obwohl ihr auch alle anderen Tätigkeiten im Anforderungsniveau 4 offen gestanden wären Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin E lisabeth Berger Götz, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Daniel Altermatt, Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Berufliche Massnahmen / IV-Rente A. Die 1961 geborene A.____ arbeitete vom 1. Novem ber 2008 bis 31. Januar 2009 bei der B.____ AG als Putzhilfe. Ab Februar 2010 bis August 2011 arbeitete sie in einem Pensum von 5 - 10 % als Raumpflegerin bei einer Privatperson. Zudem war sie vom Januar 2011 bis April Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2011 bei der Putzfrauenvermittlung 4 Stunden pro Wo che als Raumpflegerin angestellt. Seit Juni 2011 ist sie als Seniorenbetreuerin bei der C.____ GmbH zwischen 4 und 18 Stunden pro Woche tätig. Am 7. Juli 2010 meldete sich A.____ mit Hinweis auf Weichteilrheuma und Häma- ngiom oder Lymphangiom vor der Achillessehne bei der Ei dgenössischen Invalidenversiche- rung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der ber uflichen und gesundheitlichen Ver- hältnisse sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stel le) A.____ – nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens – mit Verfügung vom 15. Dezember 2014 eine vom 1. Januar bis 30. Juni 2011 befristete Viertelsrente zu. Ein Anspruch auf b erufliche Massnahmen wurde abge- lehnt. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Daniel Altermatt, am 25. Januar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Darin beantragte sie, die angefochtene Verf ügung sei aufzuheben. Es seien ihr Ein- gliederungsmassnahmen in Form einer Ausbildung zur Fussreflexzonen-Therapeutin zu gewäh- ren und die Beschwerdegegnerin entsprechend zu verpflichte n, die Ausbildungskosten zu tra- gen und ihr für die Dauer der Ausbildung ein Taggel d zuzusprechen. Ausserdem sei ihr vom 1. Januar 2011 bis 30. Juni 2011 eine halbe Rente sowie ab 1. Juli 2011 eine Viertelsrente zuzu- sprechen. Ausserdem ersuchte A.____ um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. C. Mit Verfügung vom 4. Februar 2015 gewährte die i nstruierende Gerichtspräsidentin der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege. D. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 13. Februar 2015 die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die IV -Stelle in der angefochtenen Verfü- gung vom 15. Dezember 2014 der Beschwerdeführerin zu Recht eine Viertelsrente vom 1. Ja- nuar bis zum 30. Juni 2011 zugesprochen und ab 1. Juli 2011 einen Rentenanspruch der Be- schwerdeführerin abgelehnt hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG d arauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen ( Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 3.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 bis IVV). 3.5 Die Beschwerdeführerin war in der Vergangenheit b is zu ihrer Scheidung zwar vorwie- gend im Haushalt tätig. Weil ihre Kinder inzwischen erwachsen sind und sie sich im Jahre 2006 hat scheiden lassen, ist unbestritten, dass sie auf Grund d er Umstände und aus finanziellen Gründen im Gesundheitsfall eine Erwerbstätigkeit in e inem Vollzeitpensum ausüben würde. Demzufolge ist der IV-Grad nach der allgemeinen Method e des Einkommensvergleichs (vgl. oben E. 3.2) zu bestimmen. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbesondere auch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die recht sanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterlagen angewi esen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicher- te Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen e ine wichtige Grundlage für die Beurtei- lung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversi- cherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Vorliegend hat die IV-Stelle zur Bestimmung der Ar beitsunfähigkeit der Beschwerde- führerin auf das polydisziplinäre Gutachten der D.____ vom 28. März 2012 sowie die ergänzen- de Stellungnahme der D.____ vom 9. August 2012 abgestellt. 5.1 Im Gutachten der D.____ vom 28. März 2012 haben di e medizinischen Fachpersonen als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode mit somati- schem Syndrom, und Verdacht auf eine akzentuierte Pers önlichkeit eine anhaltende somato- forme Schmerzstörung und unklare Raumforderung ventral d er Achillessehne links diagnosti- ziert. Sie attestieren in der aktuellen Tätigkeit in d er Seniorenbetreuung mit Haushaltsaufgaben wie Kochen, Bettenüberziehen und Wohnungsreinigung, wi e auch in jeder anderen körperlich leichten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70 %. Die Einschränkung ergebe sich aus psychiat- rischer Sicht einerseits wegen einem vermehrten Pausenbe darf zur Fussentlastung und ande- rerseits wegen der ausgeprägten Ermüdbarkeit, Verlangs amung und den subjektiven Konzent- rationsstörungen sowie kognitiven Beeinträchtigungen un d Frustrationsintoleranz. Wie in der ergänzenden Stellungnahme der D.____ vom 9. August 20 12 ausgeführt, sei die Beschwerde- führerin in einer Tätigkeit, welche den belastungsab hängigen Fussschmerzen Rechnung trage, weniger stark eingeschränkt. Insgesamt bleibe es bei einer Einschränkung von 30 % wegen der psychiatrischen Diagnose und dort insbesondere aus der Kom bination der affektiven Störung mit der akzentuierten Persönlichkeit mit Anhaltspunkten für eine Borderline- Persönlichkeitsstruktur. Mit psychiatrischer Therapie könnte n nach Vermutung der Experten recht schnell sichtbare Behandlungsergebnisse erzielt werden. Bis dann gelte eine 30%ige Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der Kombinati on von Depression und akzentuierter Persönlichkeit. Die Situation sei aber in kurzen Zeitab ständen zu überprüfen. Diese Einschät- zung gelte spätestens ab dem IV-Bericht des Bruderholzspi tals vom 20. März 2011. Bis dahin würden dessen Berichte von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgehen. 5.2 Vorliegend ist zu Recht unbestritten geblieben, d ass auf die Angaben der D.____- Gutachter abgestellt werden kann und daher bis 30. März 2011 von einer 50%igen Arbeitsunfä- higkeit und danach von einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist. 6. In Bezug auf den Einkommensvergleich bestreitet die Beschwerdeführerin die Berech- nung des Valideneinkommens. Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, dass zur Ermittlung des Valideneinkommens auf den Durchschnitt aller Tätigke iten im Anforderungsniveau 4 und nicht auf den Durchschnitt im Sektor „sonstige persönliche Dienstleistungen“ im Anforderungs- niveau 4 der Tabelle 1 der Lohnstrukturerhebung 2010 (LSE) abzustellen sei. 6.1 Vorweg ist festzuhalten, dass vorliegend für die Erm ittlung des Valideneinkommens der bisher erzielte Verdienst nicht massgebend ist, weil die Beschwerdeführerin einerseits in mini- malen Teilzeitstellen tätig war, die es in Vollzeit gar nicht gibt (Reinigung von Privathaushalt) und andererseits hat sie innert kurzer Zeit diverse Male die Stelle gewechselt. Die Beschwerde- führerin war in den Jahren 2000 - 2006 als Abwartin u nd ab 2009 als Putzhilfe, Raumpflegerin und in der Seniorenbetreuung im Haushalt tätig. Unte r diesen Umständen muss auf die LSE abgestellt werden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Beschwerdeführerin war nach ihrer Ehescheidung im Jahr 2006 ab 1. November 2008 bis 31. Januar 2009 als Putzhilfe tätig. Ab Februar 2010 bis August 2011 hat sie in einem Pensum von 5 bis 10 % als Raumpflegerin in einem Privathaushalt gearbeitet und von Januar bis April 2010 war sie bei der Putzfrauenvermittlung 4 Stunden pro Woche als Raumpflegerin tätig. Seit Juni 2011 arbeitet sie zwischen 4 und 18 Stunden pro Woch e als Seniorenbetreuerin. Die Be- schwerdeführerin hat somit seit der Aufnahme einer ausse rhäuslichen Tätigkeit ausschliesslich Arbeiten ausgeübt, welche unter den Begriff „persönl iche Dienstleistungen“ fallen. Diese Tätig- keiten hat sie ausgeübt, obwohl ihr vor Eintritt des Ge sundheitsschadens auch alle anderen Tätigkeiten im Anforderungsniveau 4 offen gestanden w ären. Damit ist die IV-Stelle bei der Er- mittlung des hypothetischen Valideneinkommens – entgege n der Auffassung der Beschwerde- führerin – zu Recht vom Bereich „sonstige persönliche Dien stleistungen“ ausgegangen. Nicht bestritten wurde sodann die konkrete Berechnung des Va lideneinkommens. Das so ermittelte Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 44‘447.-- (ausgehend von Fr. 3‘524.-- pro Monat, ange- passt an die Nominallohnentwicklung und umgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 42 Stunden) ist nicht zu beanstanden. 6.2 Zu Recht nicht bestritten wurde die Berechnung de s Invalideneinkommens, welches gestützt auf das Total der Arbeiten im Anforderungsn iveau 4 (einfache und repetitive Tätigkei- ten für Personen ohne Ausbildung und Berufskenntnisse) f ür Frauen berechnet wurde. Dabei ergibt sich ein Einkommen von Fr. 53‘383.-- (ausgehend von Fr. 4‘225.-- pro Monat, angepasst an die Nominallohnentwicklung und umgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeits- zeit von 41,7 Stunden). Das reduzierte Pensum von 50 % b eziehungsweise 70 % wirkt sich bei Frauen nicht zusätzlich lohnmindernd aus und dem vermehrten Pausenbedarf wurde bereits mit der ärztlicherseits attestierten Einschränkung in der Arb eitsfähigkeit Rechnung getragen. Trotz der zusätzlichen Einschränkung durch die Fussproblematik st eht der Beschwerdeführerin ein genügend grosses Einsatzgebiet zur Verfügung. Die IV-S telle hat dennoch zusätzlich einen leidensbedingten Abzug von 10 % vorgenommen, was bei einem Pensum von 50 % zu einem IV-Grad von gerundet 46 % führt. Eine Erhöhung des l eidensbedingten Abzugs – wie dies von der Beschwerdeführerin beantragt wurde – ist gestützt a uf die obigen Ausführungen jedenfalls nicht in Betracht zu ziehen. Ab Juli 2011 ergibt sich unter Berücksichtigung einer Arbe itsfähigkeit von 70 % und einem lei- densbedingten Abzugs von 10 % ein IV-Grad von 16 % wesha lb ab diesem Zeitpunkt ein Ren- tenanspruch entfällt. 6.3 Die IV-Stelle hat demzufolge der Beschwerdeführe rin zu Recht eine Viertelsrente ab 1. Januar 2011 bis 30. Juni 2011 zugesprochen und ab 1. Juli 2011 einen Rentenanspruch ver- neint. 7. Die Beschwerdeführerin beantragt ausserdem, es sei i hr als Eingliederungsmassnah- me eine Ausbildung zur Fussreflexzonen-Therapeutin zu ge währen. Entsprechend sei die Be- schwerdegegnerin zu verpflichten, die Ausbildungskosten zu tragen und ihr für die Dauer der Ausbildung ein Taggeld zuzusprechen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von ein er Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notw endig und geeignet sind, die Er- werbsfähigkeit wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Vorausset- zungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erf üllt sind (lit. b). Als Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 gilt die voraussic htlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchti- gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundhei t verursacht, wobei sie im IV- Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG, Art. 3 und 4 ATSG). Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus- übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidi tät. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Art. 8 Abs. 1 bis IVG). Laut Art. 8 Abs.3 IVG bestehen die Eingliederun gsmassnahmen unter anderem in Mass- nahmen beruflicher Art (lit. c). Zu diesen gehören die Berufsberatung (Art. 15 IVG), die erstma- lige berufliche Ausbildung (Art. 16 IVG), die Umschulun g (Art. 17 IVG), die Arbeitsvermittlung (Art. 18 Abs. 1 IVG), der Arbeitsversuch (Art. 18a IVG), Einarbeitungszuschüsse (Art. 18b IVG), Entschädigungen für Beitragserhöhungen (Art. 18c IVG) sowie die Kapitalhilfe (Art. 18b IVG). 7.2 Die versicherte Person hat nach Art. 17 Abs. 1 IVG Anspruch auf Umschulung in eine neue Erwerbstätigkeit, wenn diese infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfä- higkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kan n. Laut Art. 6 Abs. 1 IVV gelten als Umschulung Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Absch luss einer erstmaligen be- ruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerb stätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benö- tigen. Nach der Rechtsprechung wiederum ist unter Umschul ung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehe n, die notwendig und geeignet sind, dem vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstä tig gewesenen Versicherten eine – seiner früheren annähernd gleichwertige – Erwerbsmöglichkeit zu vermitteln. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Mass- nahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständ en bestmöglichen Vorkehren. Dies deshalb, weil die Eingliederung nach dem Willen des Gesetzgebers lediglich so weit sicherzu- stellen ist, als dies im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 489 f. E. 4.2). 7.3 Die Beschwerdeführerin erfüllt zwar die Vorausset zung einer dauernden Erwerbsein- busse von rund 20 %, sie hat jedoch keine Berufsbildung abgeschlossen. Ihre Coiffeurlehre wie auch ihre Banklehre hat sie abgebrochen und danach hat sie sich während Jahren der Famili- enarbeit gewidmet. In der Folge hat sie Reinigungs- und Betreuungsaufgaben übernommen. Da die Beschwerdeführerin keine Ausbildung absolviert hat, hat sie keinen Anspruch auf Umschu- lungsmassnahmen, auch nicht auf eine Umschulung zur Fussref lexzonen-Therapeutin, da es an der geforderten Gleichwertigkeit im Vergleich zum u rsprünglichen Beruf fehlt. Es ist nicht Aufgabe der IV, einen behinderten Versicherten in ein e bessere beruflich-erwerbliche Stellung zu führen, als er sie vor Eintritt der Invalidität inn ehatte (U LRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], in: St auffer/Cardinaux [Hrsg.], Rechtspre- chung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 3. Auf l., Zürich 2014, Rz. 15 f. zu Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 17). Gründe von der Voraussetzung der Gleichwerti gkeit des angestrebten und des ur- sprünglichen Berufs abzuweichen, sind vorliegend keine ersichtlich. Die IV-Stelle hat in ihrer Verfügung lediglich Leistungen im Zusammenhang mit der beantragten Umschulung abgelehnt. Massnahmen zur Wiedereingliederun g hat sie hingegen ausdrücklich angeboten. Die Finanzierung einer Umschulung beziehungsw eise unter den vorliegenden Um- ständen einer erstmaligen beruflichen Ausbildung, lässt sich entgegen der Annahme der Be- schwerdeführerin auch nicht auf Art. 8 Abs. 1 bis IVG stützen, weil für die einzelnen Eingliede- rungsmassnahmen jeweils die spezifischen Erfordernisse der einzelnen Massnahme erfüllt sein müssen. Konkret muss bei der Umschulung – wie bereits erwäh nt – unter anderem die annä- hernde Gleichwertigkeit von bisherigem Beruf und neuer Tätigkeit nach der Umschulung gege- ben sein. Diese Voraussetzung kann vorliegend nicht bejaht werden. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass die IV-Stelle der Be schwerdeführerin zu Recht eine Viertelsrente vom 1. Januar bis 30. Juni 2011 zugespro chen und ab 1. Juli 2011 einen Renten- anspruch verneint hat. Ebenfalls zu Recht abgelehnt ha t die IV-Stelle den Antrag der Be- schwerdeführerin auf „Eingliederungsmassnahmen in Form einer Ausbildung zur Fussreflexzo- nen-Therapeutin“. Demzufolge ist die vorliegende Beschwerde abzuweisen. 9. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens e inheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr aufzuerlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist nun aller- dings mit Verfügung vom 4. Februar 2015 die unentgelt liche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 4. F ebruar 2015 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wo rden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Hono rar bei unentgeltlicher Verbeistän- dung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Be schwerdeführerin hat in seiner Honorar- note vom 21. Mai 2015 für das vorliegende Beschwerdeverf ahren einen Zeitaufwand von 6 Stunden und 45 Minuten geltend gemacht, was sich umfa ngmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 50.--. Dem R echtsvertreter ist deshalb ein Hono- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht rar in der Höhe von Fr. 1‘512.-- (6 Stunden und 45 M inuten à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 50.-- + 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1‘512.-- (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Gerichts- kasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht