B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-4448/2025 U r t e i l v o m 26 . J u n i 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichter Basil Cupa, mit Zustimmung von Richter Yannick Antoniazza-Hafner; Gerichtsschreiber Lukas Schmid. Parteien A._______, geboren am (...), Afghanistan, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 16. Juni 2025 / N (…). F-4448/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 24. Mai 2025 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruckdatenbank (Eurodac) ergab, dass er bereits am 31. Mai 2024 in Deutschland um Asyl ersucht hatte. B. Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer im Rahmen des Dublin - Gesprächs am 6. Juni 2025 das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nicht- eintretensentscheid und der Möglichkeit der Überstellung nach Deutsch- land, dessen Zuständigkeit für die Behandlung des Asylgesuchs grund- sätzlich in Frage komme. C. Die deutschen Behörden hiessen das Gesuch des SEM vom 11. Juni 2025 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers am 13. Juni 2025 gut ge- stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Eu- ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in ei- nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). D. Mit Verfügung vom 16. Juni 2025 (eröffnet am 17. Juni 2025) trat die Vor- instanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz weg und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte sie den Kanton Zü- rich mit dem Vollzug der Wegweisung und hielt fest, einer allfälligen Be- schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. E. Am 17. Juni 2025 legte die bisherige Rechtsvertretung des Beschwer de- führers ihr Mandat nieder. F. Mit Beschwerde vom 19. Juni 2025 gelangte der Beschwerdeführer an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, das Asylgesuch F-4448/2025 Seite 3 erneut zu prüfen. Zudem sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. G. Am 20. Juni 2025 ordnete der Instruktionsrichter gestützt auf Art. 56 VwVG einen superprovisorischen Vollzugsstopp an. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Behandlung der Beschwerde zuständig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 31 ff. VGG) und die Sachur - teilsvoraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Du rchführung eines Schriftenwechsels und mit summari- scher Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 2. 2.1 Die Vorinstanz hat korrekt erwogen, dass gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO grundsätzlich Deutschland für die Behandlung des Asylge- suchs des Beschwerdeführers zuständig ist, dass das deutsche Asylsys- tem rechtsprechungsgemäss keine systemischen Schwachstellen auf- weist, aufgrund derer die Zuständigkeit gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf die Schweiz überginge (vgl. jüngst statt viele r Urteile des BVGer F-4167/2025 vom 16. Juni 2025 E. 2.1 und F-2620/2025 vom 12. Juli 2025 E. 5.1 m.w.H.), und dass vorliegend keine völkerrechtlichen Vollzugshin- dernisse ersichtlich sind, welche die Schweiz zu einem Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO verpflichten würden. Die Vor instanz hat in rechtsfehlerfreier Ausübung des ihr nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) zukommenden Ermessens von einem Selbsteintritt der Schweiz abgesehen. Sie ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein- getreten und hat in Anwendung von Art. 44 AsylG seine Wegweisung nach Deutschland angeordnet. Zur näheren Begründung wird auf die Erwägun- gen der Vorinstanz verwiesen. F-4448/2025 Seite 4 2.2 Was der Beschwerdeführer auf Rechtsmittelebene vor bringt, vermag nichts an der Richtigkeit der angefochtenen Verfügung zu ändern. Soweit er die Angst vor einer Rückschiebung durch die deutschen Behörden nach Afghanistan geltend macht ist darauf hinzuweisen, dass das deutsche Asylsystem rechtsprechungsgemäss keine systemischen Schwachstellen aufweist (vgl. E. 2.1 hiervor) und dass sich bei dieser Ausgangslage Wei- terungen zur Einhaltung des Non -Refoulement-Gebots durch die deut- schen Behörden erübrigen (einlässlich dazu Urteil des EuGH vom 30. No- vember 2023, verbundene Rechtssachen C-228/21, C-254/21, C-297/21, C-315/21 und C-328/21, §§ 129-142 und Ziff. 2 des Dispositivs). Der Be- schwerdeführer wurde gemäss Bericht (…) am 18. Juni 2025 aufgrund von Suizidalität in die Klinik Schlosstal der Integrierten Psychia trie Winterthur eingewiesen. Den Akten sind jedoch keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass er bereits vor Eröffnung der angefochtenen Verfügung suizidgefähr- det sein soll. Vielmehr gab er anlässlich des Dublin-Gesprächs lediglich an, an Schlafproblemen, An gstzuständen, Depression und Gelenk - sowie Kopfschmerzen zu leiden. Diese geltend gemachten Leiden wurden von den zuständigen Behörden auch in den Überstellungsmodalitäten berück- sichtigt, obwohl sich ansonsten keine Belege für diese Beschwerden in den Akten finden. Angesichts der Beschwerdevorbringen ist davon auszuge- hen, dass die nun im Raum stehende Suizidalität erst als Reaktion auf den angefochtenen Nichteintretensentscheid zurückzuführen ist. Dafür spricht auch, dass die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers ihr Mandat nach Erlass der angefochtenen Verfügung niederlegte und dass sich der Be- schwerdeführer erst danach in psychiatrische Behandlung begab. Gemäss konstanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts können Suiziddrohun- gen für sich alleine den Vol lzug einer Wegweisung nicht in Frage stellen, solange konkrete Massnahmen zur Verhütung der Umsetzung einer Dro- hung getroffen werden (vgl. statt vieler Urteil F -2620/2025 vom 12. Juni 2025 E. 6.3 m.H.). Es ist in diesem Kontext darauf hinzuweisen, dass Sui- zidalität gemäss Rechtsprechung grundsätzlich kein Vollzugshindernis dar- stellt (vgl. Urteile des BGer 2C_221/2020 vom 19. Juni 2020 E. 2 oder 2C_856/2015 vom 10. Oktober 2015 E. 3.2.1 sowie statt vieler Urteil F- 2620/2025 E. 6.3) und die Geltendmachung eines Suizidrisikos die Behör- den nicht verpflichtet, von einer Ausschaffung abzusehen (Entscheid des EGMR Al-Zawatia gegen Schweden vom 22. Juni 2010, 50068/08, § 57 f.). In Bezug auf die übrigen vom Beschwerdeführer geltend gemachten psy- chischen Leiden ist darauf hinzuweisen, dass Deutschland über eine aus- reichende medizinische Infrastruktur zur Versorgung physischer und psy- chischer Leiden verfügt (statt vieler: Urteil des BVGer F -2624/2025 vom 29. April 2025 E. 3.2.7). F-4448/2025 Seite 5 2.3 Schliesslich gewährt die Dublin-III-VO den Antragstellenden kein Wahl- recht hinsichtlich des Mitgliedstaates, der ihren Antrag prüfen soll (BVGE 2010/45 E. 8.3 [noch die Dublin-II-VO betreffend]), und es ist festzuhalten, dass die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragten schweizerischen Behörden den medizinischen Umständen bei der Bestim- mung der konkreten Modalitäten der Überstellung des Beschwerdeführers Rechnung zu tragen haben, dem Beschwerdeführer allfällig notwendige Medikamente mitzugeben und die deutschen Behörden vorgäng ig in ge- eigneter Weise über den psychischen Zustand des Beschwerdeführers zu informieren haben (vgl. Art. 31 Dublin-III-VO). 3. Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden (Art. 106 AsylG) und die Beschwerde ist abzuweisen. Mit dem vorliegen- den Urteil fällt der am 20. Juni 2025 angeordnete Vollzugsstopp dahin. Das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ist mit heutigem Entscheid gegenstandslos geworden. 4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem un terliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR173.320.2]). 5. Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; vgl. Urteil des BGer 2C_697/2023 vom 28. Dezember 2023 E. 3). (Dispositiv: nächste Seite) F-4448/2025 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und die kan- tonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Basil Cupa Lukas Schmid Versand: 30. Juni 2025