<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 101 S.478</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">478</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main">[...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>101 Rechtsverweigerung; nachträgliches Baubewilligungsverfahren</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Rechtsverweigerungsbeschwerde setzt auch bei Laien voraus,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dass sie vorerst beim Gemeinderat einen Antrag gestellt haben, was</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dieser beschliessen soll, und diesen Antrag begründet haben, es sei</b></span><br/> <span class="ft2"><b>denn, ein solches Vorgehen käme einem Verfahrensleerlauf gleich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 4g).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Das Rechtsschutzinteresse am Durchführen eines nachträglichen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Baubewilliungsverfahrens fehlt, wenn ausschliesslich immissions-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rechtliche Rügen geltend gemacht werden (Erw. 6c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 9. Juni 2008</span><br/> <span class="ft5">i.S. M. gegen den Gemeinderat W.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4. a) Eine Rechtsverweigerung liegt vor, wenn es eine Behörde</span><br/> <span class="ft1">ausdrücklich ablehnt oder stillschweigend unterlässt, eine Entschei-</span><br/> <span class="ft1">dung zu treffen, obwohl sie dazu verpflichtet ist (vgl. BGE 124 V</span><br/> <span class="ft1">133; BGE 107 Ib 164).</span><br/> <span class="ft1">b) Im vorliegenden Fall fragte die Beschwerdeführerin den Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat «höflichst» an, für welche Art von Nutzung die fragliche</span><br/> <span class="ft1">Parzelle rechtlich zugelassen ist und verblieb «in Erwartung Ihrer</span><br/> <span class="ft1">Antwort» (Schreiben vom 11. November 2003). Nachdem der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat auf Nachfrage hin zunächst um etwas Geduld für weitere</span><br/> <span class="ft1">Abklärungen ersucht hatte, antwortete er am 5. April 2004, die Par-</span><br/> <span class="ft1">zelle sei im Zusammenhang mit dem Baugesuchsverfahren für den</span><br/> <span class="ft1">Bau der Mehrzweckhalle im Jahr 1987 als Spielwiese ordnungsge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">479</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mäss bewilligt worden. Der Gemeinderat erteilte somit eine konkrete</span><br/> <span class="ft1">Auskunft auf eine konkrete Frage und beantwortete die Frage damit.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin erhob daraufhin Rechtsverweigerungsbe-</span><br/> <span class="ft1">schwerde.</span><br/> <span class="ft1">c) Bei Rechtsverweigerungsbeschwerden (wie auch bei Rechts-</span><br/> <span class="ft1">verzögerungsbeschwerden) besteht die Besonderheit, dass keine Ver-</span><br/> <span class="ft1">fügung als Anfechtungsobjekt vorliegt und keine gesetzliche Frist zur</span><br/> <span class="ft1">Einreichung eingehalten werden muss. Es fragt sich deshalb, ob</span><br/> <span class="ft1">besondere andere Sachentscheidsvoraussetzungen gegeben sein müs-</span><br/> <span class="ft1">sen, um auf eine Beschwerde eintreten zu können, oder bestimmte</span><br/> <span class="ft1">Grundvoraussetzungen erfüllt sein müssen, ohne deren Vorliegen</span><br/> <span class="ft1">eine Beschwerde von vorneherein abzuweisen ist.</span><br/> <span class="ft1">Publizierte Entscheide zur Rechtsverweigerung im engeren</span><br/> <span class="ft1">Sinn sind - insbesondere zum aargauischen Recht - selten. Meistens</span><br/> <span class="ft1">handelt es sich um klare Gutheissungen oder haben die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führenden vergeblich um eine anfechtbare Verfügung innert Frist er-</span><br/> <span class="ft1">sucht, so dass sich die entscheidenden Behörden nicht im Einzelnen</span><br/> <span class="ft1">zu den Voraussetzungen einer Rechtsverweigerungsbeschwerde äus-</span><br/> <span class="ft1">sern mussten.</span><br/> <span class="ft1">d) Häufiger wird in der Praxis zum Mittel der Rechts<i>verzöge-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>rungs</i>beschwerde gegriffen. Die Rechtsverzögerung ist eine abge-</span><br/> <span class="ft1">schwächte Form der Rechtsverweigerung; die Behörde gibt dabei zu</span><br/> <span class="ft1">erkennen, dass sie sich mit der Sache befassen will, verzögert aber</span><br/> <span class="ft1">die Entscheidung ohne zureichenden Grund. Ob ein Grund zu-</span><br/> <span class="ft1">reichend ist, beurteilt sich gemäss Rechtsprechung nach der Bedeu-</span><br/> <span class="ft1">tung der Angelegenheit für den Beschwerdeführer, nach dem Um-</span><br/> <span class="ft1">fang des Falls sowie nach dem Verhalten des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">während der Dauer des Verfahrens. Eine Rechtsverzögerung wird</span><br/> <span class="ft1">gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung dann nur zurückhaltend</span><br/> <span class="ft1">angenommen, wenn der Beschwerdeführer seinerseits keine beson-</span><br/> <span class="ft1">deren Anstrengungen unternommen hat, damit das Verfahren beför-</span><br/> <span class="ft1">derlich zu Ende geführt werden kann (vgl. BGE 119 Ib 327). Das</span><br/> <span class="ft1">BVU verlangt in seiner Praxis in der Regel, dass der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer die mit der Streitsache befasste Instanz um beförderliche Erledi-</span><br/> <span class="ft1">gung ersucht hat (Entscheid des BVU vom 22. November 2002 i.S.</span><br/> <span class="ft1">W. AG. S. 5).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">480</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">e) Auch bei Rechtsverweigerungsbeschwerden ist von den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführenden ein bestimmtes vorgängiges Verhalten vorauszu-</span><br/> <span class="ft1">setzen. Es versteht sich bei Bausachen von selbst, dass eine betrof-</span><br/> <span class="ft1">fene Person nicht ohne jegliche Vorwarnung eine Rechtsverweige-</span><br/> <span class="ft1">rungsbeschwerde gegen den Gemeinderat als Baupolizeibehörde ein-</span><br/> <span class="ft1">reichen kann. Dies verbietet schon die Pflicht zu einem Verhalten</span><br/> <span class="ft1">nach Treu und Glauben (vgl. § 2 Satz 1 der Verfassung des Kantons</span><br/> <span class="ft1">Aargau vom 25. Juni 1980 [KV] und § 3 Abs. 2 VRPG). Der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat muss vorgängig wissen, ob etwas und was eine Person von</span><br/> <span class="ft1">ihm verlangt. Andernfalls ist er nicht verpflichtet, eine Entscheidung</span><br/> <span class="ft1">zu treffen und es liegt keine «Entscheidverweigerung» vor.</span><br/> <span class="ft1">f) Die Rechtsverweigerungsbeschwerde ist im aargauischen</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsverfahrensrecht grundsätzlich analog zu jener im Bun-</span><br/> <span class="ft1">desrecht ausgestaltet und leitet sich als Rechtsmittel im Wesentlichen</span><br/> <span class="ft1">auch aus den Rechtsgrundsätzen des Bundesverfassungsrechts ab.</span><br/> <span class="ft1">Für die Auslegung können daher auch die Rechtsprechung und Lehre</span><br/> <span class="ft1">zur Regelung im Bund beigezogen werden.</span><br/> <span class="ft1">Der Bund regelt die Rechtsverweigerungsbeschwerde im Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsverfahren in Art. 46a des Bundesgesetzes über das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG). Voraussetzung für</span><br/> <span class="ft1">eine Rechtsverweigerungsbeschwerde nach VwVG ist, dass die</span><br/> <span class="ft1">Rechtssuchenden zuvor ein Begehren auf Erlass einer Verfügung bei</span><br/> <span class="ft1">der zuständigen Behörde gestellt haben und ein Anspruch auf Erlass</span><br/> <span class="ft1">einer solchen Verfügung besteht (Urteil des Bundesverwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richts A-2723/2007 vom 30. Januar 2008, E. 3 mit Hinweis auf</span><br/> <span class="ft1">A</span><span class="ft5">LFRED</span> <span class="ft1">K</span><span class="ft5">ÖLZ</span> <span class="ft1">/</span> <span class="ft1">I</span><span class="ft5">SABELLE</span> <span class="ft1">H</span><span class="ft5">ÄNER</span><span class="ft1">, Verwaltungsverfahren und Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 255;</span><br/> <span class="ft1">A</span><span class="ft5">NDRÉ</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft5">OSER</span> <span class="ft1">/</span> <span class="ft1">P</span><span class="ft5">ETER</span> <span class="ft1">U</span><span class="ft5">EBERSAX</span><span class="ft1">, Prozessieren vor eidgenössi-</span><br/> <span class="ft1">schen Rekurskommissionen, Basel und Frankfurt a.M. 1998, Rz. 5.1</span><br/> <span class="ft1">ff.). Ein solcher Anspruch besteht dann, wenn einerseits eine Be-</span><br/> <span class="ft1">hörde nach dem anzuwendenden Recht verpflichtet ist, in Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gungsform zu handeln, und wenn andererseits die gesuchstellende</span><br/> <span class="ft1">Person nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung bean-</span><br/> <span class="ft1">spruchen kann (K</span><span class="ft5">ÖLZ</span><span class="ft1">/H</span><span class="ft5">ÄNER</span><span class="ft1">, a.a.O., S. 78, S. 255). Fehlt es einer</span><br/> <span class="ft1">Person, welche ausdrücklich den Erlass einer Verfügung verlangt hat,</span><br/> <span class="ft1">an der Parteieigenschaft, hat die Behörde eine anfechtbare Nichtein-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">481</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tretensverfügung zu erlassen (vgl. zum Ganzen BGE 130 II 521</span><br/> <span class="ft1">E.</span> <span class="ft1">2.5 mit Hinweisen; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">A-2723/2007 vom 30. Januar 2008, E. 3). Wenn eine Behörde der</span><br/> <span class="ft1">Ansicht ist, dass sie für den Erlass einer Verfügung nicht zuständig</span><br/> <span class="ft1">sei, darf sie ebenfalls nicht untätig bleiben. Zunächst hat sie in einem</span><br/> <span class="ft1">solchen Fall zu prüfen, ob die Sache an die zuständige Behörde</span><br/> <span class="ft1">überwiesen werden kann (Art. 8 Abs. 2 VwVG). Wenn die gesuch-</span><br/> <span class="ft1">stellende Person ausdrücklich den Erlass einer Verfügung verlangt</span><br/> <span class="ft1">hat, hat die Behörde einen Nichteintretensentscheid zu fällen und</span><br/> <span class="ft1">ihre Unzuständigkeit festzustellen (Art. 9 Abs. 2 VwVG; M</span><span class="ft5">OSER</span><span class="ft1">/</span><br/> <span class="ft1">U</span><span class="ft5">EBERSAX</span><span class="ft1">, a.a.O., Rz. 5.4).</span><br/> <span class="ft1">Im Bereich des Umweltrechts, vorab in Fällen betreffend Lärm-</span><br/> <span class="ft1">sanierungspflicht, wurde in den letzten Jahren in der schweizerischen</span><br/> <span class="ft1">Lehre das Konzept einer «Vollzugsklage» im Umweltrecht ent-</span><br/> <span class="ft1">wickelt (vgl. H</span><span class="ft5">ANS</span> <span class="ft1">R</span><span class="ft5">UDOLF</span> <span class="ft1">T</span><span class="ft5">RÜEB</span><span class="ft1">, Rechtsschutz gegen Luftverun-</span><br/> <span class="ft1">reinigung und Lärm - Das Beschwerdeverfahren bei Errichtung und</span><br/> <span class="ft1">Sanierung ortsfester Anlagen im Geltungsbereich des Umwelt-</span><br/> <span class="ft1">schutzgesetzes, Zürich 1990, S. 205 ff.). In der Folge übernahm die</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung dieses Konzept und liess die Rechtsverweigerungs-</span><br/> <span class="ft1">beschwerde zur Durchsetzung von Sanierungspflichten zu (vgl. zum</span><br/> <span class="ft1">Ganzen T</span><span class="ft5">HOMAS</span> <span class="ft1">G</span><span class="ft5">ÄCHTER</span><span class="ft1">, Durchsetzung von Sanierungspflichten</span><br/> <span class="ft1">mittels Rechtsverweigerungsbeschwerde, in: Umweltrecht in der</span><br/> <span class="ft1">Praxis [URP] 2005, S. 775 ff.; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">A-2723/2007 vom 30. Januar 2008, E. 3). Mit der Rechtsverweige-</span><br/> <span class="ft1">rungsbeschwerde kann kein Entscheid in der Sache selbst erlangt</span><br/> <span class="ft1">werden, sondern nur die Weisung an die (untätige) Vorinstanz, eine</span><br/> <span class="ft1">Verfügung zu erlassen. Der «Vollzugsklage» kommt damit nur eine</span><br/> <span class="ft1">Anstossfunktion zu (H</span><span class="ft5">ANS</span> <span class="ft1">R</span><span class="ft5">UDOLF</span> <span class="ft1">T</span><span class="ft5">RÜEB</span><span class="ft1">, a.a.o., S. 226 f.). In der</span><br/> <span class="ft1">Praxis setzt die Rechtsverweigerungsbeschwerde einen Antrag an die</span><br/> <span class="ft1">zuständige Behörde voraus, wenn eine Behörde untätig bleibt und</span><br/> <span class="ft1">keine Verfügung erlässt (Entscheid des Verwaltungsgerichts des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Zürich VB.2004.00354 vom 6. April 2005, publiziert im</span><br/> <span class="ft1">Internet www.vgrzh.ch; vgl. auch Entscheid des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft1">A.81/2005 vom 13. Mai 2005).</span><br/> <span class="ft1">g) Dass eine Behörde eine Entscheidungspflicht gegenüber ei-</span><br/> <span class="ft1">ner betroffenen Person trifft, setzt in Fällen wie dem vorliegenden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">482</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">voraus, dass diese Person die Behörde auf eine Rechtswidrigkeit oder</span><br/> <span class="ft1">einen Missstand aufmerksam gemacht hat; denn dies verlangt bereits</span><br/> <span class="ft1">die Aufsichtsbeschwerde gemäss § 59a VPRG, die als Rechtsbehelf</span><br/> <span class="ft1">keinen Anspruch auf einen förmlichen Entscheid (sondern lediglich</span><br/> <span class="ft1">auf Beantwortung) begründet. Umso mehr muss dies beim Rechts-</span><br/> <span class="ft1">mittel der Rechtsverweigerungsbeschwerde gelten. Ferner gibt es</span><br/> <span class="ft1">keinen Grund, nicht auch für die Rechtsverweigerungsbeschwerde</span><br/> <span class="ft1">nach aargauischem Recht wie im Bundesrecht zusätzlich zu verlan-</span><br/> <span class="ft1">gen, dass die beschwerdeführende Person der Behörde vorgängig</span><br/> <span class="ft1">mitgeteilt hat, inwieweit ihre Rechte verletzt sind, und eine Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung verlangt hat. Ohne Gesuch um Erlass einer Verfügung besteht</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich keine Entscheidpflicht. Ausnahmsweise kann auf ein</span><br/> <span class="ft1">Gesuch unter Umständen verzichtet werden, wenn von vorneherein</span><br/> <span class="ft1">feststeht, dass es aussichtslos ist; denn das käme einem Verfahrens-</span><br/> <span class="ft1">leerlauf gleich. Jedenfalls aber erfordert die Rechtsverweigerungsbe-</span><br/> <span class="ft1">schwerde gemäss § 40 Abs. 4 VPRG auch bei juristisch nicht ausge-</span><br/> <span class="ft1">bildeten Personen zumindest, dass sie vorgängig einen Antrag, was</span><br/> <span class="ft1">der Gemeinderat beschliessen soll, gestellt und ihn begründet haben,</span><br/> <span class="ft1">analog wie die Rechtsverweigerungsbeschwerde selbst einen Antrag</span><br/> <span class="ft1">und eine Begründung erfordert.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall wäre zumindest notwendig gewesen, dass</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführerin gegenüber dem Gemeinderat klar zum Aus-</span><br/> <span class="ft1">druck bringt, welche Nutzung ihrer Ansicht nach stattfindet, dass sie</span><br/> <span class="ft1">diese Nutzung mangels Baubewilligung für unzulässig hält und dass</span><br/> <span class="ft1">sie die Rechtslage förmlich (nicht bloss mit einer Auskunft) geklärt</span><br/> <span class="ft1">haben möchte. ...</span><br/> <span class="ft1">h) Zusammenfassend ergibt sich, dass der Gemeinderat gegen-</span><br/> <span class="ft1">über der Beschwerdeführerin keine Rechtsverweigerung begangen</span><br/> <span class="ft1">hat. ...</span><br/> <span class="ft1">6. a) Die Beschwerdeführerin verlangt in der Beschwerde, dass</span><br/> <span class="ft1">für die Sport- und Spielnutzung auf Parzelle 360 ein nachträgliches</span><br/> <span class="ft1">Baugesuchsverfahren durchgeführt wird. ...</span><br/> <span class="ft1">c) Erlässt ein Gemeinderat gegenüber gesuchstellenden Nach-</span><br/> <span class="ft1">barn eine Verfügung, worin er es ablehnt, ein nachträgliches Baube-</span><br/> <span class="ft1">willigungsverfahren durchzuführen, richtet sich die Legitimation der</span><br/> <span class="ft1">beschwerdeführenden Nachbarn nach § 38 Abs. 1 VRPG. Demnach</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">483</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ist im ordentlichen Beschwerdeverfahren zur Beschwerdeführung</span><br/> <span class="ft1">nur berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den ange-</span><br/> <span class="ft1">fochtenen Rechtsmittelentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges</span><br/> <span class="ft1">eigenes Interesse an deren oder dessen Aufhebung hat. Am erforder-</span><br/> <span class="ft1">lichen Rechtsschutzinteresse fehlt es beispielsweise dann, wenn ein</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer das mit der Beschwerde verfolgte Ziel auf andere,</span><br/> <span class="ft1">einfachere Art erreichen kann (vgl. M</span><span class="ft5">ICHAEL</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft5">ERKER</span><span class="ft1">, a.a.o., § 38</span><br/> <span class="ft1">N 129 f. mit Hinweisen). Werden ausschliesslich immissionsrechtli-</span><br/> <span class="ft1">che Rügen erhoben, fehlt es gemäss der neueren verwaltungsgericht-</span><br/> <span class="ft1">lichen Rechtsprechung Beschwerdeführenden am erforderlichen</span><br/> <span class="ft1">Rechtsschutzinteresse, die Durchführung eines nachträglichen Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligungsverfahrens zu verlangen, weil sie solche Rügen auch in</span><br/> <span class="ft1">einem Immissionsschutzverfahren erheben können (VGE III/47 vom</span><br/> <span class="ft1">28. August 2007, S. 7).</span><br/> <span class="ft1">Analoges muss auch für eine entsprechende Rechtsverweige-</span><br/> <span class="ft1">rungsbeschwerde gemäss § 40 Abs. 4 VRPG gelten, denn bei ihr</span><br/> <span class="ft1">wird lediglich auf das Vorliegen eines Anfechtungsobjekts verzichtet</span><br/> <span class="ft1">(oder dann von der Fiktion ausgegangen, dass das unrechtmässige</span><br/> <span class="ft1">«Nichtverfügen» auch eine Verfügung ist), nicht aber auf das Erfor-</span><br/> <span class="ft1">dernis des Rechtsschutzinteresses.</span><br/></div> </div> </body> </html>