<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 56 S.274</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">274</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>56</b></span> <span class="ft3"><b>Formelle Voraussetzungen, wenn die Aufrechterhaltung einer fürsor-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gerischen Freiheitsentziehung gestützt auf einen anderen Schwächezu-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>stand erfolgt; Zurückbehaltung in der Anstalt zur Untersuchung nach</b></span><br/> <span class="ft3"><b>durchgeführtem Entzug.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Nach Durchführung des Entzugs - im Rahmen einer ordentlichen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Einweisung - kann ein Drogensüchtiger (vorläufig) zur Untersuchung</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">275</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>weiterhin in der Klinik zurückbehalten werden, wenn genügend An-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>haltspunkte für das Vorliegen einer Geisteskrankheit/Geistesschwä-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>che i.S.v. Art. 397a ZGB bestehen (Erw. 2.).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Befristung einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung zur Untersu-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>chung (Erw. 3.).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Ergibt die Untersuchung eine über die Drogensucht hinaus beste-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>hende Geisteskrankheit/Geistesschwäche, hat die definitive Einwei-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sung ("Zurückbehaltung") gestützt auf die Abklärungsergebnisse</b></span><br/> <span class="ft3"><b>mittels neuer Verfügung zu erfolgen (Erw. 3.3.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 26. Juli 2005 in Sa-</span><br/> <span class="ft4">chen M.T. gegen Verfügung des Bezirksamts X.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">M.T. musste behördlicherseits wegen seiner langjährigen Dro-</span><br/> <span class="ft1">gensucht mehrmals in die Klinik Königsfelden zum Drogenentzug</span><br/> <span class="ft1">eingewiesen werden. Noch vor jeglichem Kontakt mit Drogen fielen</span><br/> <span class="ft1">bei M.T. psychische Probleme auf. Wegen verbal-aggressivem Ver-</span><br/> <span class="ft1">halten und Wahnideen sowie psychotischen Reaktionen gegenüber</span><br/> <span class="ft1">seinen Eltern und der Nachbarschaft musste er im Jahr 2004 mittels</span><br/> <span class="ft1">fürsorgerischer Freiheitsentziehung in der Klinik Königsfelden sta-</span><br/> <span class="ft1">tionär behandelt werden. Im Juni 2005 fiel M.T. erneut durch psy-</span><br/> <span class="ft1">chotisches Verhalten auf. Innert kürzester Zeit musste er mehrmals</span><br/> <span class="ft1">mittels fürsorgerischer Freiheitsentziehung in der Klinik Königsfel-</span><br/> <span class="ft1">den hospitalisiert werden, so zwischen dem 9. und 14. Juni sowie 21.</span><br/> <span class="ft1">und 22. Juni 2005. Als er nach seiner letzten Entlassung erneut</span><br/> <span class="ft1">herumschrie, Passanten beschimpfte und bedrohte, wurde er durch</span><br/> <span class="ft1">den Bezirksarzt X. mittels fürsorgerischer Freiheitsentziehung in die</span><br/> <span class="ft1">Klinik Königsfelden eingewiesen. Aufgrund der bisherigen Erfah-</span><br/> <span class="ft1">rungen und auf Hinwirken des Bezirksarztes und des Bezirksarzt-</span><br/> <span class="ft1">Stellvertreters X. bestätigte das Bezirksamt X. mit Verfügung vom</span><br/> <span class="ft1">27. Juni 2005 die Einweisung von M.T. in der Klinik Königsfelden</span><br/> <span class="ft1">zur Durchführung eines Drogenentzugs. Nach Abschluss des Dro-</span><br/> <span class="ft1">genentzugs hob das Bezirksamt X. mit Anschlussverfügung vom</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">276</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">18. Juli 2005 diejenige vom 27. Juni 2005 auf und ordnete die</span><br/> <span class="ft1">weitere Zurückbehaltung des Beschwerdeführers in der Klinik</span><br/> <span class="ft1">Königsfelden zur Untersuchung der psychischen Problematik an. Die</span><br/> <span class="ft1">Zurückbehaltung wurde befristet bis Ende September 2005.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Gemäss § 67d EGZGB kann die Einweisungsbehörde vor</span><br/> <span class="ft1">dem Entscheid über eine Anstaltsunterbringung eine ärztliche Unter-</span><br/> <span class="ft1">suchung anordnen und die Person zur Durchführung der Untersu-</span><br/> <span class="ft1">chung vorübergehend in eine Anstalt einweisen. Voraussetzung ist,</span><br/> <span class="ft1">dass genügend objektive Anhaltspunkte vorliegen, wonach eine</span><br/> <span class="ft1">definitive fürsorgerische Freiheitsentziehung überhaupt ernsthaft in</span><br/> <span class="ft1">Betracht kommt, über einzelne Einweisungsvoraussetzungen aber</span><br/> <span class="ft1">noch Ungewissheit besteht, die die Einweisungsbehörde weder durch</span><br/> <span class="ft1">eigene Abklärung noch durch Anordnung einer ambulanten</span><br/> <span class="ft1">Untersuchung beheben kann. Die Klinik hat die gestellten Fragen</span><br/> <span class="ft1">(z.B. nach dem Vorliegen einer Geisteskrankheit) der Einweisungs-</span><br/> <span class="ft1">behörde zu beantworten, worauf diese entscheiden muss, ob eine</span><br/> <span class="ft1">definitive Einweisung zur Behandlung (in diesem Fall ist eine neue</span><br/> <span class="ft1">Verfügung zu erlassen) oder eine Entlassung erfolgt (§ 67d Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">und 2 EGZGB; AGVE 2003, S. 138; 1995, S. 248 mit Hinweisen;</span><br/> <span class="ft1">1989, S. 188; Eugen Spirig, in: Zürcher Kommentar, Art. 397 a</span><br/> <span class="ft1">- 397 f ZGB, Zürich 1995, Art. 397 d N 285 ff.).</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1. Im Folgenden ist zu prüfen, ob im Zeitpunkt der Einwei-</span><br/> <span class="ft1">sung bzw. Zurückbehaltung des Beschwerdeführers in der Klinik</span><br/> <span class="ft1">Königsfelden zur Untersuchung am 18. Juli 2005 dem zuständigen</span><br/> <span class="ft1">Bezirksamt genügend Anhaltspunkte vorlagen, um das Vorliegen</span><br/> <span class="ft1">einer zu behandelnden psychischen Störung bzw. einer Geistes-</span><br/> <span class="ft1">krankheit/Geistesschwäche im Sinne von Art. 397a ZGB ernsthaft in</span><br/> <span class="ft1">Betracht zu ziehen. Bis anhin stand beim Beschwerdeführer dessen</span><br/> <span class="ft1">langjährige Drogenproblematik im Vordergrund. Seit einiger Zeit</span><br/> <span class="ft1">fällt er allerdings vermehrt durch psychotisches und verbal aggressi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">277</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ves Verhalten auf, das nicht mehr allein auf den Drogenkonsum</span><br/> <span class="ft1">zurückgeführt werden kann.</span><br/> <span class="ft1">2.1.1. Bereits der langjährige Hausarzt des Beschwerdeführers,</span><br/> <span class="ft1">der ihn seit seiner Jugend kennt, hatte bei ihm noch vor jeglichem</span><br/> <span class="ft1">Kontakt mit Drogen psychische Auffälligkeiten bemerkt. Gemäss</span><br/> <span class="ft1">Angaben des AVS-Betreuers in X., der den Beschwerdeführer seit</span><br/> <span class="ft1">1994 betreut, habe dieser oft von Menschen berichtet, welche über</span><br/> <span class="ft1">ihn sprechen würden und konnte sich immer mehr hineinsteigern.</span><br/> <span class="ft1">Der tägliche Einkauf sei ihm wegen seiner sozialen Phobie zum</span><br/> <span class="ft1">Stress geworden. In Stresssituationen leide er unter kreisrundem</span><br/> <span class="ft1">Haarausfall und hochrotem Kopf, was ihn wiederum in der Öffent-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit hemme. Er habe Angst, seine Wohnung zu verlassen, da er</span><br/> <span class="ft1">draussen beobachtet werde. Am Fernsehen werde ebenfalls über ihn</span><br/> <span class="ft1">gesprochen. In letzter Zeit sei der Beschwerdeführer mit Zahlungen</span><br/> <span class="ft1">von Miete etc. überfordert gewesen und habe sich auch nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">richtig ernährt. Zusätzlich konsumiere er unkontrolliert Alkohol und</span><br/> <span class="ft1">Cannabis.</span><br/> <span class="ft1">2.1.2. Die psychischen Auffälligkeiten nahmen dermassen zu,</span><br/> <span class="ft1">dass der Beschwerdeführer schliesslich vom 8. Oktober bis 5. No-</span><br/> <span class="ft1">vember 2004 mittels fürsorgerischer Freiheitsentziehung in der Kli-</span><br/> <span class="ft1">nik Königsfelden hospitalisiert werden musste. Gemäss dem einwei-</span><br/> <span class="ft1">senden Bezirksarzt-Stellvertreter habe der Beschwerdeführer seit</span><br/> <span class="ft1">einiger Zeit seine Umgebung ,,terrorisiert". Dieser sei überzeugt</span><br/> <span class="ft1">gewesen, seine Eltern würden ihn und sein Zahnproblem nicht ernst</span><br/> <span class="ft1">nehmen, und sie würden Videoclips und Fotos von ihm im Internet</span><br/> <span class="ft1">veröffentlichen. Der Beschwerdeführer habe Nachrichten auf Pa-</span><br/> <span class="ft1">piertüten geschrieben, welche lauteten: ,,Löscht die Internet-Adresse,</span><br/> <span class="ft1">löscht endlich die Internet-Adresse, ich bin nicht Spielzeug und Box-</span><br/> <span class="ft1">sack". In der Klinik berichtete er, er habe den Verdacht, dass ihn</span><br/> <span class="ft1">seine Eltern beim Sex mit seiner Freundin gefilmt und dies im Inter-</span><br/> <span class="ft1">net veröffentlicht hätten. Diesen Verdacht habe er geschöpft, weil</span><br/> <span class="ft1">seine Mutter Andeutungen gemacht habe. Sie habe gesagt, dass er</span><br/> <span class="ft1">weite Hosen anhabe. Auch hätten ihm Kollegen angedeutet, mit wel-</span><br/> <span class="ft1">chem T-Shirt er geschlafen habe, weshalb er sicher sei, dass sie es im</span><br/> <span class="ft1">Internet gesehen und mitverfolgt hätten. Bei Klinikeintritt war der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer psychotisch und unruhig mit Beziehungsideen und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">278</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wahnhaften Gedankengängen. Es wurde eine neuroleptische Be-</span><br/> <span class="ft1">handlung mit Clopixol eingeleitet. Nach einigen Tagen wurde der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer ruhiger und entspannter und äusserte in Gesprä-</span><br/> <span class="ft1">chen Zweifel daran, dass seine Eltern tatsächlich Informationen über</span><br/> <span class="ft1">ihn im Internet public gemacht hätten. Die Diagnose lautete damals</span><br/> <span class="ft1">u.a. auf akute polymorphe psychotische Störung mit Symptomen</span><br/> <span class="ft1">einer Schizophrenie ohne akute Belastung.</span><br/> <span class="ft1">2.1.3. Nach der Entlassung aus der Klinik nahm der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer weiterhin Clopixol ein. Als er ab Mai 2005 eine IV-Rente zu</span><br/> <span class="ft1">beziehen begann, konsumierte er mit dem Geld nebst Methadon und</span><br/> <span class="ft1">Valium vermehrt Alkohol und Cannabis. Die Medikamente setzte er</span><br/> <span class="ft1">ab. In der Folge nahmen die psychischen Auffälligkeiten erneut zu.</span><br/> <span class="ft1">Die Klinikeinweisung am 9. Juni 2005 erfolgte, nachdem der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer in den Tagen vor dem Eintritt Dinge aus dem</span><br/> <span class="ft1">Fenster geworfen und laut herumgeschrien hatte, so dass die Polizei</span><br/> <span class="ft1">beigezogen werden musste. Die Einweisung erfolgte wegen einer</span><br/> <span class="ft1">psychotischen Störung im Rahmen eines Abhängigkeitsproblems.</span><br/> <span class="ft1">Die Klinikärzte diagnostizierten bei ihm eine substanzinduzierte</span><br/> <span class="ft1">psychotische Störung. Er wurde am 14. Juni 2005 wieder entlassen.</span><br/> <span class="ft1">2.1.4. Die Einweisung am 21. Juni 2005 erfolgte, nachdem der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer in alkoholisiertem Zustand beim Sozialdienst X.</span><br/> <span class="ft1">erschienen war und sich verbal aggressiv verhalten und herum ge-</span><br/> <span class="ft1">fuchtelt hatte, so dass sich die Angestellten bedroht fühlten. Der So-</span><br/> <span class="ft1">zialdienst X. meldete, dass der Beschwerdeführer mehrmals täglich</span><br/> <span class="ft1">bei ihnen aufgetaucht sei und an die Türen gepoltert, geschrien,</span><br/> <span class="ft1">getobt und Geld verlangt habe. Er habe auch schon Steine ge-</span><br/> <span class="ft1">schmissen. In Absprache mit dem Sozialdienst X. wurde der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer am nächsten Tag wieder aus der Klinik entlassen.</span><br/> <span class="ft1">2.1.5. Vor der Einweisung am 27. Juni 2005 war der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer auf der Fensterbrüstung seiner Wohnung gestanden und</span><br/> <span class="ft1">hatte erneut herumgeschrieen. Aufgrund der sich häufenden Vorfälle</span><br/> <span class="ft1">mit Klinikeinweisungen in kurzen zeitlichen Abständen und weil der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer bisher zu keiner Entzugstherapie bereit war,</span><br/> <span class="ft1">wurde er vom Bezirksamt X. zur Durchführung eines Drogenentzugs</span><br/> <span class="ft1">in der Klinik Königsfelden zurückbehalten. Am 4. Juli 2005 entwich</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer aus der Klinik. Zurück in seiner Wohnung fiel</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">279</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">er erneut auf, weil er sehr laut Musik laufen liess und Gegenstände</span><br/> <span class="ft1">aus dem Fenster warf. Er wurde noch gleichentags von der Polizei in</span><br/> <span class="ft1">die Klinik zurückgeführt und zur Durchführung des Drogenentzugs</span><br/> <span class="ft1">auf die Drogenentzugsstation der Klinik Königsfelden (DES) verlegt.</span><br/> <span class="ft1">Die Klinikärzte beurteilten bei ihm ein präpsychotisches Zustands-</span><br/> <span class="ft1">bild. Die Differentialdiagnose lautete auf hirnorganische Störung</span><br/> <span class="ft1">(beginnender Korsakow), Persönlichkeitsstörung, beginnende schi-</span><br/> <span class="ft1">zophrene Erkrankung, hypomanische Episode.</span><br/> <span class="ft1">2.1.6. In seinem Schreiben an das Bezirksamt X. vom 24. Juni</span><br/> <span class="ft1">2005 führt der Bezirksarzt-Stellvertreter X. aus, dass die Grunder-</span><br/> <span class="ft1">krankung beim Beschwerdeführer eine psychotische Störung sei.</span><br/> <span class="ft1">Zusammen mit dem Drogenkonsum rutsche er immer wieder in eine</span><br/> <span class="ft1">desolate, Zwangsmassnahmen erfordernde Situation. In ihrer</span><br/> <span class="ft1">Stellungnahme vom 14. Juli 2005 zu Handen der Vormundschafts-</span><br/> <span class="ft1">behörde X. halten die Klinikärzte fest, dass es wichtig sei, zuerst</span><br/> <span class="ft1">einen stationären Drogenentzug durchzuführen. Anschliessend sei</span><br/> <span class="ft1">eine Neubeurteilung der psychischen Verfassung sowie der hirnorga-</span><br/> <span class="ft1">nischen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers notwendig. In</span><br/> <span class="ft1">weiterer Zukunft sei eine betreute Wohnform für den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer unumgänglich.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund dieser Erkenntnisse lag der Verdacht nahe, dass die</span><br/> <span class="ft1">psychotischen und verbal-aggressiven Ausbrüche des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers nicht bzw. nicht nur drogeninduziert, sondern Ausdruck einer</span><br/> <span class="ft1">psychischen Grunderkrankung sind, die noch festgestellt werden</span><br/> <span class="ft1">musste. Um das Vorliegen einer behandelbaren psychischen Störung</span><br/> <span class="ft1">bzw. einer Geisteskrankheit oder Geistesschwäche im Sinne des</span><br/> <span class="ft1">Gesetzes definitiv abzuklären, war es notwendig, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer eine gewisse Zeit in einem drogenfreien Zustand</span><br/> <span class="ft1">beobachtet und untersucht werden konnte.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">2.2.1. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit fordert, dass</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsmassnahmen ein geeignetes und notwendiges Mittel</span><br/> <span class="ft1">darstellen, um das zu verwirklichende Ziel zu erreichen, und dass sie</span><br/> <span class="ft1">in einem vernünftigen Verhältnis zu den Freiheitsbeschränkungen</span><br/> <span class="ft1">stehen, die dem Privaten auferlegt werden (Ulrich Häfelin/Georg</span><br/> <span class="ft1">Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Zürich/Basel/</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">280</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Genf 2002, Rz. 581). Sie müssen im Hinblick auf das im öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Interesse angestrebte Ziel erforderlich sein und dürfen in sachlicher,</span><br/> <span class="ft1">räumlicher, zeitlicher und personeller Beziehung nicht über das</span><br/> <span class="ft1">Notwendige hinausgehen (Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 591, 594) und</span><br/> <span class="ft1">sie müssen durch ein das private überwiegendes öffentliches</span><br/> <span class="ft1">Interesse gerechtfertigt sein (Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 615). Dies</span><br/> <span class="ft1">gilt auch im Falle einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung. Diese</span><br/> <span class="ft1">einschneidende Massnahme ist nur dann zulässig, wenn das</span><br/> <span class="ft1">Fürsorgebedürfnis des Betroffenen unter Berücksichtigung seiner</span><br/> <span class="ft1">eigenen Schutzbedürftigkeit und der Belastung der Umgebung sie</span><br/> <span class="ft1">erfordert und andere, weniger weitgehende Vorkehren nicht genügen</span><br/> <span class="ft1">(Art. 397 a Abs. 1 und 2 ZGB; AGVE 1997, S. 240; 1992, S. 276;</span><br/> <span class="ft1">1990, S.</span> <span class="ft1">223; Thomas Geiser, in: Basler Kommentar, ZGB</span> <span class="ft1">I,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage, Basel/Genf/München 2002, Art. 397 a N 12 f.; Spirig,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., Art. 397 a N 259 f.).</span><br/> <span class="ft1">2.2.2. Die Verhältnismässigkeit der Klinikeinweisungen im Juni</span><br/> <span class="ft1">2005 wurden vom Bezirksarzt-Stellvertreter sowie Bezirksamt X. mit</span><br/> <span class="ft1">Fremd- und Selbstgefährdung begründet. Auslöser der Einweisungen</span><br/> <span class="ft1">waren stets Reklamationen der Nachbarn, da der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">in der Wohnung herumgeschrieen, gepoltert, laut Musik laufen lassen</span><br/> <span class="ft1">und Nachbarn und Passanten beleidigt und sogar mit Erschiessen</span><br/> <span class="ft1">gedroht hatte. Ähnlich hatte er sich beim Sozialdienst X. verhalten.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer wurde nach jeder Klinikeinweisung nach</span><br/> <span class="ft1">relativ kurzen Aufenthalten wieder entlassen, nachdem er nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">als selbst- und fremdgefährlich eingestuft worden war und mangels</span><br/> <span class="ft1">klarer Diagnose keine weiterführende Behandlung eingeleitet werden</span><br/> <span class="ft1">konnte. Nach jeder Entlassung kam es jedoch innert kürzester Zeit</span><br/> <span class="ft1">erneut zu einer Eskalation mit Selbst- und Fremdgefährdung und</span><br/> <span class="ft1">anschliessender Klinikeinweisung. Im Zeitpunkt der Zurückbehal-</span><br/> <span class="ft1">tung des Beschwerdeführers zur Untersuchung bestanden somit ge-</span><br/> <span class="ft1">nügend Anhaltspunkte dafür, dass eine fürsorgerische Freiheitsent-</span><br/> <span class="ft1">ziehung erneut ernsthaft in Betracht kommen könnte, wenn der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer - wie bis anhin - in die alten Verhältnisse entlassen</span><br/> <span class="ft1">würde. Bei der letzten Einweisung zwecks Drogenentzugs hatte der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer sodann eine weiterführende Behandlung im An-</span><br/> <span class="ft1">schluss an den Entzug abgelehnt. Unter diesen Umständen war klar,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">281</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dass die Abklärung einer psychischen Störung nicht ambulant durch-</span><br/> <span class="ft1">geführt werden konnte.</span><br/> <span class="ft1">2.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass zum Zeitpunkt der</span><br/> <span class="ft1">Einweisung bzw. Zurückbehaltung des Beschwerdeführers zur Un-</span><br/> <span class="ft1">tersuchung genügend objektive Anhaltspunkte für die Annahme einer</span><br/> <span class="ft1">psychischen Störung vorhanden waren, welche eine fürsorgerische</span><br/> <span class="ft1">Freiheitsentziehung zur Behandlung erforderlich gemacht hätte.</span><br/> <span class="ft1">Wegen der offenkundigen Uneinsichtigkeit des Beschwerdeführers in</span><br/> <span class="ft1">Bezug auf das eigene Verhalten konnte das Bezirksamt X. eine</span><br/> <span class="ft1">ambulante Durchführung der Untersuchung nicht in Betracht ziehen.</span><br/> <span class="ft1">Erst im Verlauf der heutigen Verhandlung erklärte sich der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer bereit, die Untersuchung ambulant durchführen zu</span><br/> <span class="ft1">lassen. Die Zurückbehaltung des Beschwerdeführers in der Klinik</span><br/> <span class="ft1">Königsfelden zur Untersuchung vom 18. Juli 2005 war somit ge-</span><br/> <span class="ft1">rechtfertigt und verhältnismässig.</span><br/> <span class="ft1">3. Bei einer Einweisung zur Untersuchung darf die betroffene</span><br/> <span class="ft1">Person gemäss § 67 d Abs. 3 EG ZGB nur so lange zurückbehalten</span><br/> <span class="ft1">werden, als es für die Untersuchung erforderlich ist.</span><br/> <span class="ft1">3.1. Das Bezirksamt X. hat die Zeitdauer der Untersuchung bis</span><br/> <span class="ft1">Ende September 2005 befristet. Der Beschwerdeführer verlangt die</span><br/> <span class="ft1">sofortige Entlassung aus der Klinik. Zur Begründung führte er an der</span><br/> <span class="ft1">Verhandlung aus, dass die Abklärungen auch ambulant durchgeführt</span><br/> <span class="ft1">werden könnten. Er sei jetzt schon fünf Wochen in der Klinik und</span><br/> <span class="ft1">diese hätte genügend Zeit gehabt, die Untersuchungen abzuschlies-</span><br/> <span class="ft1">sen.</span><br/> <span class="ft1">3.2. Die zuständigen Klinikärzte erklärten anlässlich der heuti-</span><br/> <span class="ft1">gen Verhandlung, dass man beim Beschwerdeführer u.a. einen hirn-</span><br/> <span class="ft1">organischen Abbau vermute. Man habe den Beschwerdeführer zur</span><br/> <span class="ft1">Untersuchung mittels Elektroenzephalogramm (EEG) sowie zu</span><br/> <span class="ft1">testpsychologischen Abklärungen angemeldet, nachdem der Dro-</span><br/> <span class="ft1">genentzug abgeschlossen gewesen sei. Die Termine seien bereits</span><br/> <span class="ft1">festgestanden. Der Beschwerdeführer habe jedoch beide Untersu-</span><br/> <span class="ft1">chungen verweigert. Er sei nach wie vor unterschwellig aggressiv.</span><br/> <span class="ft1">Im Falle einer Entlassung würde er, wie bis anhin, Schwierigkeiten</span><br/> <span class="ft1">bekommen und müsste erneut eingewiesen werden. Bezüglich des</span><br/> <span class="ft1">Vorschlags des Beschwerdeführers, die Untersuchungen ambulant</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">282</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">durchführen zu lassen, erklärten die Klinikärzte, dass die Klinik</span><br/> <span class="ft1">Königsfelden dafür einen stationären Aufenthalt zwingend vor-</span><br/> <span class="ft1">schreibe. Die Fachrichterin bestätigte, dass es im Kanton Aargau</span><br/> <span class="ft1">keine ambulante Möglichkeit für testpsychologische Abklärungen</span><br/> <span class="ft1">gebe. Gemäss Angaben der zuständigen Klinikärzte ist ein EEG-Test</span><br/> <span class="ft1">jederzeit durchführbar. Eine testpsychologische Untersuchung sei</span><br/> <span class="ft1">erst nächste Woche möglich. Die Abklärungen seien wichtig, um</span><br/> <span class="ft1">festzustellen, ob es sich bei den psychotischen Phasen des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers um drogeninduzierte Zustandsbilder, um eine hirnorgani-</span><br/> <span class="ft1">sche Schädigung oder um eine Erkrankung aus dem schizophrenen</span><br/> <span class="ft1">Formenkreis handle, sowie um die geeignete Behandlung zu bestim-</span><br/> <span class="ft1">men.</span><br/> <span class="ft1">3.3. Zunächst ist festzuhalten, dass aufgrund der Aussagen der</span><br/> <span class="ft1">Klinikärzte, wonach die Untersuchungen in ca. 10 Tagen durchge-</span><br/> <span class="ft1">führt werden könnten, sich die Aufrechterhaltung der vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">fürsorgerischen Freiheitsentziehung bis Ende September 2005 als zu</span><br/> <span class="ft1">lange erweist. Andererseits ist erstellt, dass die Abklärungen hin-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich der Frage, ob beim Beschwerdeführer eine zu behandelnde</span><br/> <span class="ft1">psychische Störung vorliegt, im heutigen Zeitpunkt noch nicht abge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen sind. Angesichts der latenten Aggressivität mit Fremdge-</span><br/> <span class="ft1">fährlichkeit sowie des Umstands, dass dessen Symptomatik nun</span><br/> <span class="ft1">schon ein Jahr vorliegt und deshalb eine Lösung gefunden werden</span><br/> <span class="ft1">muss, erweist sich die Durchführung der Untersuchungen nach wie</span><br/> <span class="ft1">vor als notwendig. Da im Falle einer sofortigen Entlassung - wie in</span><br/> <span class="ft1">früheren Fällen - mit einer baldigen Eskalation der Situation und</span><br/> <span class="ft1">Wiedereinweisung zu rechnen wäre, liegt es im eigenen wohlver-</span><br/> <span class="ft1">standenen Interesse des Beschwerdeführers, die Abklärungen durch-</span><br/> <span class="ft1">zuführen. Das Verwaltungsgericht erachtet es als gerechtfertigt und</span><br/> <span class="ft1">verhältnismässig, wenn der Beschwerdeführer noch für höchstens</span><br/> <span class="ft1">drei Wochen in der Klinik Königsfelden zurückbehalten wird, damit</span><br/> <span class="ft1">die Untersuchungen abgeschlossen und eine allfällige Behandlung</span><br/> <span class="ft1">eingeleitet werden kann. Das Bezirksamt X. wird spätestens am</span><br/> <span class="ft1">16. August 2005 zu entscheiden haben, ob es gestützt auf die Abklä-</span><br/> <span class="ft1">rungsergebnisse eine (definitive) Einweisung zur Behandlung als</span><br/> <span class="ft1">notwendig erachtet oder ob eine Entlassung in Frage kommt. In die-</span><br/> <span class="ft1">sem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.</span><br/></div> </div> </body> </html>