<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 4" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 4</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">55</span> </div> <div class="page" id="S55"> <span class="text"><b>I. Strassenverkehrsrecht </b></span><br/> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>4 </b> <b>Gewährung des rechtlichen Gehörs vor einer Annullierung des Führer-</b></span><br/> <span class="text">ausweises auf Probe</span><br/> <span class="text">Es stellt eine schwerwiegende Verletzung des Rechts auf Gewährung des</span><br/> <span class="text">rechtlichen Gehörs dar, wenn der Führerausweis auf Probe annulliert</span><br/> <span class="text">wird und erst mit dieser Verfügung das rechtliche Gehör gewährt wird.</span><br/> <span class="text">Eine Heilung ist vorliegend ausgeschlossen, der angefochtene Entscheid</span><br/> <span class="text">ist aufzuheben und die Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an</span><br/> <span class="text">das Strassenverkehrsamt zurückzuweisen. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 31. Januar</span><br/> <span class="text">2018, in Sachen E. gegen das Strassenverkehrsamt des Kantons Aargau und</span><br/> <span class="text">das Departement Volkswirtschaft und Inneres (WBE.2017.457).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">II.</span><br/> <span class="text">1.</span><br/> <span class="text">1.1.</span><br/> <span class="text">In formeller Hinsicht bringt die Beschwerdeführerin vor, das</span><br/> <span class="text">Strassenverkehrsamt habe ihren Anspruch auf rechtliches Gehör</span><br/> <span class="text">dadurch verletzt, dass es sie vor Erlass der Verfügung vom 21. April</span><br/> <span class="text">2015 nicht angehört habe. Indem das Strassenverkehrsamt das recht-</span><br/> <span class="text">liche Gehör auf einen Zeitpunkt nach Erlass der Verfügung ver-</span><br/> <span class="text">schiebe, werde einerseits faktisch die Rechtsmittelfrist verkürzt und</span><br/> <span class="text">anderseits führe dies zu einem Instanzverlust. Eine Heilung dieses</span><br/> <span class="text">Mangels komme im Rechtsmittelverfahren nicht in Frage, da die Ver-</span><br/> <span class="text">letzung besonders schwer wiege.</span><br/> <span class="text">1.2.</span><br/> <span class="text">Die Vorinstanz verneinte eine Verletzung des Gehörsanspruchs,</span><br/> <span class="text">wozu es auf die langjährige Praxis verwies, wonach bei Ausweisent-</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">56</span> </div> <div class="page" id="S56"> <div role="main"> <span class="text">zügen, die aus Gründen der Verkehrssicherheit ergehen, das recht-</span><br/> <span class="text">liche Gehör zusammen mit der Entzugsverfügung gewährt werden</span><br/> <span class="text">könne. Es verweist dazu auf das Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="text">22. Oktober 2014 (1C_574/2013), auf den Entscheid des Verwal-</span><br/> <span class="text">tungsgerichts vom 12. August 2010 (WBE.2010.111) sowie auf</span><br/> <span class="text">AGVE 1997, S. 475. Aufgrund des Selbstunfalls habe das Stras-</span><br/> <span class="text">senverkehrsamt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen</span><br/> <span class="text">müssen, dass die Beschwerdeführerin innerhalb der Probezeit eine</span><br/> <span class="text">zweite Widerhandlung, die mit einem Führerausweisentzug zu ahn-</span><br/> <span class="text">den ist, zu verantworten hatte, weshalb aufgrund einer gesetzlichen</span><br/> <span class="text">Vermutung von einer fehlenden Fahreignung auszugehen und der</span><br/> <span class="text">Führerausweis zu annullieren sei. Überdies würden sowohl das DVI</span><br/> <span class="text">als auch das Verwaltungsgericht über eine umfassende Kognition</span><br/> <span class="text">verfügen. Es liege somit keine Verletzung des Gehörsanspruchs vor.</span><br/> <span class="text">2.</span><br/> <span class="text">2.1.</span><br/> <span class="text">2.1.1.</span><br/> <span class="text">Aufgrund der formellen Natur des Anspruchs auf Gewährung</span><br/> <span class="text">des rechtlichen Gehörs ist diese Rüge vorab zu beurteilen. In Art. 29</span><br/> <span class="text">Abs. 2 BV, in Art. 23 Abs. 1 Satz 2 SVG, in § 22 Abs. 1 KV sowie in</span><br/> <span class="text">§ 21 Abs. 1 VRPG ist der Anspruch auf Gewährung des rechtlichen</span><br/> <span class="text">Gehörs statuiert. Dieser Anspruch dient der Sachaufklärung und</span><br/> <span class="text">garantiert den Verfahrensbeteiligten ein persönlichkeitsbezogenes</span><br/> <span class="text">Mitwirkungsrecht. Sie haben insbesondere Anspruch auf Äusserung</span><br/> <span class="text">zur Sache vor Fällung des Entscheids, auf Abnahme ihrer erheb-</span><br/> <span class="text">lichen, rechtzeitig und formrichtig angebotenen Beweise und auf</span><br/> <span class="text">Mitwirkung an der Erhebung von Beweisen oder zumindest auf</span><br/> <span class="text">Stellungnahme zum Beweisergebnis. Voraussetzung dafür sind genü-</span><br/> <span class="text">gende Kenntnisse über den Verfahrensverlauf, was auf das Recht hin-</span><br/> <span class="text">ausläuft, in geeigneter Weise über die entscheidwesentlichen Vor-</span><br/> <span class="text">gänge und Grundlagen vorweg orientiert zu werden. Dabei geht es</span><br/> <span class="text">nicht nur um formelle Abläufe wie insbesondere die Abnahme von</span><br/> <span class="text">Beweisen, sondern auch um inhaltliche Anforderungen. Eine Aus-</span><br/> <span class="text">nahme kann nur für solche Verfahrensschritte gelten, die</span><br/> <span class="text">unaufschiebbar sind oder von der Natur her eine vorgängige</span><br/> <span class="text">Ankündigung ausschliessen, weil sie diesfalls gar nicht erfolgreich</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">57</span> </div> <div class="page" id="S57"> <div role="main"> <span class="text">sein könnten, wie dies etwa für Überwachungen oder verdeckte Er-</span><br/> <span class="text">mittlungen im Strafverfahren zutreffen kann (BGE 140 I 99, Erw. 3.4</span><br/> <span class="text">mit Hinweisen).</span><br/> <span class="text">Bei einem Entzug des Führerausweises, der aus Gründen der</span><br/> <span class="text">Verkehrssicherheit ergeht, ist es - wie in Art. 108 Abs. 3 VZV vorge-</span><br/> <span class="text">sehen - gemäss Praxis und Lehre zulässig, dass ein vorsorglicher</span><br/> <span class="text">Entzug im Sinne von Art. 30 VZV ohne vorgängige Anhörung des</span><br/> <span class="text">Betroffenen ergeht (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Oktober 2013</span><br/> <span class="text">[1C_574/2013], Erw. 2.4.; AGVE 1997, S. 475; Urteil des Verwal-</span><br/> <span class="text">tungsgerichts vom 12. August 2010 [WBE.2010.111], Erw. 3.2.;</span><br/> <span class="text">CÉDRIC MIZEL, Droit et pratique illustrée du retrait du permis de</span><br/> <span class="text">conduire, Bern 2015, S. 191, 643, 698 je mit Hinweisen). In diesem</span><br/> <span class="text">Fall ist das rechtliche Gehör in einem allfälligen Beschwerdeverfah-</span><br/> <span class="text">ren sowie im Verfahren bezüglich des definitiven Entzugs zu gewäh-</span><br/> <span class="text">ren (MIZEL, a.a.O., S. 191, 698). Der Verfall des Führerausweises auf</span><br/> <span class="text">Probe nach einer zweiten Widerhandlung, die zum Entzug des</span><br/> <span class="text">Ausweises führt, erfolgt aus Gründen der Verkehrssicherheit (Urteile</span><br/> <span class="text">des Bundesgerichts vom 9. September 2013 [1C_324/2013],</span><br/> <span class="text">Erw. 2.4; vom 22. Oktober 2013 [1C_574/2013], Erw. 2.3; vom</span><br/> <span class="text">9. Februar 2015 [1C_67/2014], Erw. 2.1.; JÜRG BICKEL, in: MARCEL</span><br/> <span class="text">ALEXANDER NIGGLI/THOMAS PROBST/BERNHARD WALDMANN</span><br/> <span class="text">[Hrsg.], Basler Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, Basel 2014,</span><br/> <span class="text">Art. 15a N 46; MIZEL, a.a.O., S. 640; PHILIPPE WEISSENBERGER,</span><br/> <span class="text">Kommentar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2.</span><br/> <span class="text">Aufl., Zürich 2015, Art. 15a N 21), weshalb der Ausweis grundsätz-</span><br/> <span class="text">lich umgehend vorsorglich zu entziehen ist (Urteile des Bundesge-</span><br/> <span class="text">richts vom 22. Oktober 2013 [1C_574/2013], Erw. 2.3; vom</span><br/> <span class="text">9. Februar 2015 [1C_67/2014], Erw. 2.1.; BICKEL, a.a.O., Art. 15a</span><br/> <span class="text">N 46). Dies gilt jedenfalls in Fällen, in denen die Widerhandlung mit</span><br/> <span class="text">hoher Wahrscheinlichkeit erstellt ist, wohingegen von einem vorsorg-</span><br/> <span class="text">lichen Entzug abgesehen werden kann, wenn nicht klar ist, ob ein be-</span><br/> <span class="text">stimmtes Verhalten eine Widerhandlung darstellt (MIZEL, a.a.O.,</span><br/> <span class="text">S. 643 f.; vgl. auch Art. 35a Abs. 1 Satz 2 VZV, wonach - wenn zwi-</span><br/> <span class="text">schenzeitlich bereits ein unbefristeter Führerausweis erteilt worden</span><br/> <span class="text">ist - auch ein unbefristeter Führerausweis zu annullieren ist).</span><br/> <span class="text">2.1.2.</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">58</span> </div> <div class="page" id="S58"> <div role="main"> <span class="text">Vorliegend wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom</span><br/> <span class="text">21. August 2013 ihr Ausweis auf Probe für die Dauer von einem Mo-</span><br/> <span class="text">nat entzogen und die Probezeit wurde verlängert. Innerhalb der</span><br/> <span class="text">Probezeit kam es zum Vorfall vom 25. Januar 2015. Gemäss dem</span><br/> <span class="text">Eingangsstempel ging der Polizeirapport vom 13. Februar 2015, auf</span><br/> <span class="text">den sich das Strassenverkehrsamt stützte, am 19. März 2015 beim</span><br/> <span class="text">Strassenverkehrsamt ein. Am 21. April 2015 annullierte es den</span><br/> <span class="text">Führerausweis, ohne dass der Beschwerdeführerin die Eröffnung des</span><br/> <span class="text">Administrativverfahrens angezeigt worden wäre und ohne dass die</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführerin die Möglichkeit gehabt hätte, sich zur Sache zu</span><br/> <span class="text">äussern. Hätte das Strassenverkehrsamt die Widerhandlung als mit</span><br/> <span class="text">hoher Wahrscheinlichkeit erstellt erachtet, so hätte es den Führeraus-</span><br/> <span class="text">weis gestützt auf Art. 30 VZV vorsorglich entziehen müssen. Im</span><br/> <span class="text">Rahmen eines Rechtsmittelverfahrens gegen den vorsorglichen Ent-</span><br/> <span class="text">zug oder im Verfahren bezüglich Annullierung wäre dann das recht-</span><br/> <span class="text">liche Gehör zu gewähren gewesen. Dies gilt umso mehr, als die</span><br/> <span class="text">Verfügung erst rund einen Monat nach Eingang beim Strassenver-</span><br/> <span class="text">kehrsamt erlassen wurde, womit es sich das Strassenverkehrsamt sel-</span><br/> <span class="text">ber zuzuschreiben hat, dass die Beschwerdeführerin während dieser</span><br/> <span class="text">Zeit fahren durfte. Hinzu kommt der Umstand, dass sich die Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführerin bis zum Erlass der Verfügung des Strassenver-</span><br/> <span class="text">kehrsamts auch nicht in einem den Vorfall betreffenden Straf-</span><br/> <span class="text">verfahren äussern konnte und das Strassenverkehrsamt seine Ver-</span><br/> <span class="text">fügung auch nicht auf einen Strafbefehl oder auf ein Strafurteil</span><br/> <span class="text">stützen konnte. Indem das Strassenverkehrsamt den Führerausweis</span><br/> <span class="text">annullierte, ohne der Beschwerdeführerin zuvor das rechtliche Gehör</span><br/> <span class="text">gewährt zu haben, hat es dieses verfassungsmässige Recht in gravie-</span><br/> <span class="text">render Art und Weise verletzt.</span><br/> <span class="text">Durch das Konstrukt, gleichzeitig mit einem definitiven Siche-</span><br/> <span class="text">rungsentzug respektive mit einer Annullierung des Führerausweises</span><br/> <span class="text">auf Probe das rechtliche Gehör zu gewähren und eine neue Verfü-</span><br/> <span class="text">gung zu erlassen, sofern jemand eine Stellungnahme einreicht (vgl.</span><br/> <span class="text">die durch das Strassenverkehrsamt beschriebene Vorgehensweise in</span><br/> <span class="text">der Aktenüberweisung des Strassenverkehrsamts an das DVI),</span><br/> <span class="text">schafft das Strassenverkehrsamt im Ergebnis ein Einspracheverfah-</span><br/> <span class="text">ren, das sich auf keine gesetzliche Grundlage stützen kann. Auch der</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">59</span> </div> <div class="page" id="S59"> <div role="main"> <span class="text">Hinweis, ein vorsorglicher Entzug des Führerausweises auf Probe ab</span><br/> <span class="text">sofort habe einen erheblichen Mehraufwand sowie Mehrkosten für</span><br/> <span class="text">die Beschwerdeführerin zur Folge, ändert daran nichts. Der Mehrauf-</span><br/> <span class="text">wand ist - unabhängig von der Frage, ob er als erheblich zu bezeich-</span><br/> <span class="text">nen ist - darauf zurückzuführen, dass in einem rechtsstaatlich</span><br/> <span class="text">durchgeführten Verfahren die verfassungsmässigen Rechte der Bür-</span><br/> <span class="text">ger - wozu unter anderem der Anspruch auf Gewährung des recht-</span><br/> <span class="text">lichen Gehörs gehört - zu wahren sind. Dass dies Mehrkosten zur</span><br/> <span class="text">Folge haben kann, ist angesichts dieses Umstands hinzunehmen, wo-</span><br/> <span class="text">bei darauf hinzuweisen ist, dass in § 27 Abs. 1 der Verordnung über</span><br/> <span class="text">die Steuern, Abgaben und Gebühren im Strassenverkehr vom</span><br/> <span class="text">5. November 1984 (SAR 755.111) keine Mindestgebühr vorgeschrie-</span><br/> <span class="text">ben wird, womit das Strassenverkehrsamt mit moderaten Gebühren</span><br/> <span class="text">dem Umstand Rechnung tragen kann, dass zwei Verfügungen zu</span><br/> <span class="text">ergehen haben. Überdies kann gerade die Vorgehensweise des Stras-</span><br/> <span class="text">senverkehrsamts zu Mehrkosten führen, weil nämlich eine Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführerin, die sich dafür entscheidet, sich zur Sache zu äus-</span><br/> <span class="text">sern, parallel eine Beschwerde an das DVI einreichen muss, um</span><br/> <span class="text">sicher zu gehen, dass sie die Rechtsmittelfrist wahrt, da sie nicht</span><br/> <span class="text">voraussehen kann, ob das Strassenverkehrsamt seine Verfügung auf-</span><br/> <span class="text">hebt, wenn sie sich im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur Sache</span><br/> <span class="text">äussert.</span><br/> <span class="text">2.2.</span><br/> <span class="text">2.2.1.</span><br/> <span class="text">Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des recht-</span><br/> <span class="text">lichen Gehörs kann ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die be-</span><br/> <span class="text">troffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittel-</span><br/> <span class="text">instanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechts-</span><br/> <span class="text">lage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber</span><br/> <span class="text">hinaus - im Sinne einer Heilung des Mangels - selbst bei einer</span><br/> <span class="text">schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör</span><br/> <span class="text">von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen,</span><br/> <span class="text">wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leer-</span><br/> <span class="text">lauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit</span><br/> <span class="text">dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 6 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">60</span> </div> <div class="page" id="S60"> <div role="main"> <span class="text">an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren</span><br/> <span class="text">wären (vgl. BGE 137 I 195, Erw. 2.3.2 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="text">2.2.2.</span><br/> <span class="text">Die Gehörsverletzung wiegt vorliegend schwer. Auch wenn das</span><br/> <span class="text">Verwaltungsgericht über die gleiche Kognition wie das Strassenver-</span><br/> <span class="text">kehrsamt verfügt, ist eine Heilung vorliegend ausgeschlossen. Einer-</span><br/> <span class="text">seits kann bei einer Rückweisung nicht von einem formalistischen</span><br/> <span class="text">Leerlauf gesprochen werden, ist es doch denkbar, dass in der</span><br/> <span class="text">Zwischenzeit das strafrechtliche Verfahren rechtskräftig beendet wird</span><br/> <span class="text">und sich das Strassenverkehrsamt in seiner neuen Verfügung auf ein</span><br/> <span class="text">rechtskräftiges Strafurteil stützen kann. Anderseits steht die durch die</span><br/> <span class="text">Rückweisung entstehende Verzögerung den Interessen der Beschwer-</span><br/> <span class="text">deführerin nicht entgegen. So geht die anwaltlich vertretene</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführerin selber davon aus, dass die Verletzung des recht-</span><br/> <span class="text">lichen Gehörs schwer wiegt und vorliegend eine Heilung nicht in</span><br/> <span class="text">Frage kommt. Somit liegen die Voraussetzungen für eine Heilung der</span><br/> <span class="text">Verletzung des Anspruchs auf Gewährung des rechtlichen Gehörs</span><br/> <span class="text">nicht vor, weshalb aufgrund der formellen Natur dieses Rechts der</span><br/> <span class="text">angefochtene Entscheid sowie die Verfügung des Strassenverkehrs-</span><br/> <span class="text">amts vom 21. April 2015 aufzuheben sind.</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>