<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">C 427/99 Vr </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>IV. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Borella, Rüedi und Bundesrichterin Leuzinger; </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Hostettler </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 30. März 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">H.________, 1945, Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Arbeitslosenkasse Graubünden, Grabenstrasse 8, Chur, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden, Chur </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Mit Verfügung vom 3. Juni 1999 verneinte die Arbeits- </div> <div class="para">losenkasse Graubünden die Anspruchsberechtigung des 1945 </div> <div class="para">geborenen H.________ ab 1. Januar 1999 mit der Begründung, </div> <div class="para">er sei seit dem 1. August 1998 bei der Ausgleichskasse als </div> <div class="para">Selbstständigerwerbender im Haupterwerb beitragspflichtig </div> <div class="para">und damit nicht mehr versichert. </div> <div class="para"> Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungs- </div> <div class="para">gericht des Kantons Graubünden mit Entscheid vom 24. Sep- </div> <div class="para">tember 1999 ab. </div> <div class="para"> H.________ führt Verwaltungsgerichtsbeschwerde und </div> <div class="para">beantragt sinngemäss, es seien ihm die gesetzlichen Leis- </div> <div class="para">tungen zu erbringen. - Die Arbeitslosenkasse Graubünden </div> <div class="para">schliesst auf Abweisung der Beschwerde, während sich das </div> <div class="para">Staatssekretariat für Wirtschaft nicht vernehmen lässt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- a) Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerde- </div> <div class="para">führer ab 1. Januar 1999 Ansprüche auf Arbeitslosenentschä- </div> <div class="para">digung hat, nachdem ihm zur Aufnahme einer selbstständigen </div> <div class="para">Erwerbstätigkeit besondere Taggelder gewährt worden waren </div> <div class="para">und er eine solche Tätigkeit tatsächlich aufgenommen hat. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Gemäss <span class="artref">Art. 1 Abs. 2 AVIG</span> will das Gesetz durch </div> <div class="para">arbeitsmarktrechtliche Massnahmen zu Gunsten von versicher- </div> <div class="para">ten Personen drohende Arbeitslosigkeit verhüten und beste- </div> <div class="para">hende Arbeitslosigkeit bekämpfen. Dies ist das Ziel der ar- </div> <div class="para">beitsmarktlichen Massnahmen (<span class="artref"><artref id="CH/837.0/59" type="start"></artref>Art. 59 - 75 AVIG</span><artref id="CH/837.0/75" type="end"></artref>). </div> <div class="para"> Die in den <span class="artref"><artref id="CH/837.0/71^a" type="start"></artref>Art. 71a - 71d AVIG</span><artref id="CH/837.0/71^d" type="end"></artref> geregelte Förderung der </div> <div class="para">selbstständigen Erwerbstätigkeit ist eine im Rahmen der </div> <div class="para">zweiten Teilrevision von 1995 neu eingeführte Leistungsart </div> <div class="para">(eingefügt durch Ziff. I des Bundesgesetzes vom 23. Juni </div> <div class="para">1995 und in Kraft seit dem 1. Januar 1996; AS 1996 273 293; </div> <div class="para">BBl 1994 I 340). Gefördert wird der Statuswechsel vom Un- </div> <div class="para">selbstständigerwerbenden zum Selbstständigerwerbenden. Da- </div> <div class="para">mit liegen nicht eigentlich vom AVIG nicht vorgesehene </div> <div class="para">Leistungen an Selbstständigerwerbende vor, sondern sie sind </div> <div class="para">als Nachwirkung der beitragspflichtigen Arbeitnehmertätig- </div> <div class="para">keit zu sehen. Dem Zweck des Instruments entsprechend kann </div> <div class="para">nur die Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit ge- </div> <div class="para">fördert werden, welche die Arbeitslosigkeit des Gesuchstel- </div> <div class="para">lers voraussichtlich ganz beendet (Nussbaumer, Arbeitslo- </div> <div class="para">senversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht </div> <div class="para">[SBVR], Rz 625 S. 230). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Das AVIG kennt keinen eigenen Arbeitnehmerbegriff, </div> <div class="para">sondern knüpft in Art. 2 Abs. 1 an die unselbstständige Er- </div> <div class="para">werbstätigkeit im Sinne des AHVG an. Da die <span class="artref">Art. 71a ff. </span></div> <div class="para">AVIG keine Definition der selbstständigen Erwerbstätigkeit </div> <div class="para">enthalten, ist für diesen Begriff ebenfalls auf das AHVG </div> <div class="para">abzustellen und darunter die selbstständige Erwerbstätig- </div> <div class="para">keit im Sinne von <span class="artref">Art. 9 AHVG</span> zu verstehen. Liegt für die </div> <div class="para">beabsichtigte Aufnahme der selbstständigen Erwerbstätigkeit </div> <div class="para">noch kein durch die zuständige Ausgleichskasse rechts- </div> <div class="para">kräftig festgelegtes Statut vor, hat die kantonale Amts- </div> <div class="para">stelle vorfrageweise die beitragsrechtliche Stellung zu </div> <div class="para">prüfen (Nussbaumer, a.a.O., Rz 626 S. 230 f.). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) Die Leistungen bestehen nach <span class="artref">Art. 71a AVIG</span> in </div> <div class="para">höchstens 60 besonderen Taggeldern während der Planungs- </div> <div class="para">phase (Abs. 1) oder in der Übernahme von 20 % des Verlust- </div> <div class="para">risikos für eine nach Massgabe des Bundesbeschlusses vom </div> <div class="para">22. Juni 1949 über die Förderung der gewerblichen Bürg- </div> <div class="para">schaftsgenossenschaften gewährte Bürgschaft (Abs. 2). Beide </div> <div class="para">Leistungen können kumulativ zur Ausrichtung gelangen </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 95d AVIV</span>). Sie greifen zu unterschiedlichen Zeit- </div> <div class="para">punkten ein. Die besonderen Taggelder werden während der </div> <div class="para">Planungsphase eines Projekts erbracht, die Übernahme des </div> <div class="para">Verlustrisikos setzt bei Vorlage eines ausgearbeiteten </div> <div class="para">Projekts ein, was bereits während der Planungsphase sein </div> <div class="para">kann (Nussbaumer, a.a.O., Rz 627 S. 231). </div> <div class="para"> Nach Abschluss der Planungsphase, spätestens aber mit </div> <div class="para">dem Bezug des letzten besonderen Taggeldes, hat der Versi- </div> <div class="para">cherte oder die Bürgschaftsgenossenschaft, sofern der Ver- </div> <div class="para">sicherte ihr ein Projekt zur Beurteilung vorgelegt hat, der </div> <div class="para">kantonalen Amtsstelle mitzuteilen, ob er eine selbst- </div> <div class="para">ständige Erwerbstätigkeit aufnimmt (<span class="artref">Art. 71d Abs. 1 AVIG</span>). </div> <div class="para"> Nimmt der Versicherte nach Bezug des letzten besonde- </div> <div class="para">ren Taggeldes eine selbstständige Erwerbstätigkeit auf oder </div> <div class="para">hat er sie zu diesem Zeitpunkt bereits aufgenommen, ist </div> <div class="para">seine Arbeitslosigkeit beendet und er erhält keine weiteren </div> <div class="para">Leistungen der Arbeitslosenversicherung (SVR 1999 AlV </div> <div class="para">Nr. 23 S. 55; Nussbaumer, a.a.O., Rz 647 S. 236). </div> <div class="para"> Bei Abbruch der selbstständigen Erwerbstätigkeit gilt </div> <div class="para">für den allfälligen Bezug weiterer normaler oder besonderer </div> <div class="para">Taggelder eine Rahmenfrist von vier Jahren (<span class="artref">Art. 71d Abs. 2 </span></div> <div class="para">AVIG), gerechnet ab Stichtag bei der Eröffnung der ur- </div> <div class="para">sprünglichen Rahmenfrist für den Leistungsbezug. Damit wird </div> <div class="para">die laufende zweijährige Rahmenfrist um zwei Jahre er- </div> <div class="para">streckt (<span class="artref">Art. 95e Abs. 2 AVIV</span>). Der Versicherte soll für </div> <div class="para">das freiwillig auf sich genommene Risiko nicht benachtei- </div> <div class="para">ligt werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Der Beschwerdeführer, von Beruf gelernter Maler- </div> <div class="para">Tapezierer, bezog seit dem 1. März 1998 Leistungen der Ar- </div> <div class="para">beitslosenversicherung. Mit Verfügung vom 11. Juni 1998 </div> <div class="para">sprach ihm das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Ar- </div> <div class="para">beit (KIGA) für die Planungsphase eines Projekts zur Auf- </div> <div class="para">nahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit für die Zeit </div> <div class="para">vom 8. Juni 1998 bis 28. August 1998 60 besondere Taggelder </div> <div class="para">zu. Mit Schreiben vom 2. Oktober 1998 teilte das KIGA der </div> <div class="para">Arbeitslosenkasse mit, der Versicherte habe mit Ablauf der </div> <div class="para">besonderen Taggelder die selbstständige Erwerbstätigkeit </div> <div class="para">aufgenommen. Gleichzeitig wurde das Gemeindearbeitsamt </div> <div class="para">gebeten, die Abmeldung von der Arbeitsvermittlung per </div> <div class="para">29. August 1998 vorzunehmen. Am 1. Januar 1999 meldete sich </div> <div class="para">der Versicherte wieder zur Arbeitsvermittlung und stellte </div> <div class="para">erneut Anspruch auf Arbeitslosentaggelder. Mit Schreiben </div> <div class="para">vom 11. Februar 1999 teilte die Ausgleichskasse mit, dass </div> <div class="para">der Gesuchsteller seit 1. August 1998 als Selbstständiger- </div> <div class="para">werbender im Haupterwerb erfasst sei. Daraufhin wurde der </div> <div class="para">Antragsteller gebeten, eine Bestätigung einzureichen, aus </div> <div class="para">der hervorgehe, ab welchem Datum er nicht mehr als Selbst- </div> <div class="para">ständigerwerbender registriert sei. Er reichte jedoch le- </div> <div class="para">diglich ein Schreiben der Schweizerischen Unfallversiche- </div> <div class="para">rungsanstalt (SUVA) ein, wonach sein Status als Selbststän- </div> <div class="para">digerwerbender nur provisorischen Charakter habe und er für </div> <div class="para">zusätzliche Tätigkeiten, die er in anderen Bereichen man- </div> <div class="para">gels Aufträgen ausführe, nach wie vor als vorübergehend </div> <div class="para">Unselbstständigerwerbender gelte. Mit Schreiben vom 20. Mai </div> <div class="para">1999 orientierte die Arbeitslosenkasse den Gesuchsteller, </div> <div class="para">dass er als Selbstständigerwerbender nicht anspruchsberech- </div> <div class="para">tigt sei. Die Bestätigung der SUVA reiche nicht aus, be- </div> <div class="para">nötigt werde eine Bestätigung der Ausgleichskasse. Eine </div> <div class="para">solche wurde jedoch nicht beigebracht. Da der Gesuchsteller </div> <div class="para">als Selbstständigerwerbender nicht anspruchsberechtigt sei, </div> <div class="para">lehnte die Arbeitslosenkasse das Begehren ab (Verfügung vom </div> <div class="para">3. Juni 1999). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Die Vorinstanz zieht in Erwägung, dass der Be- </div> <div class="para">schwerdeführer gestützt auf den AHV-Status nicht im Sinne </div> <div class="para">des Arbeitslosenversicherungsgesetz versichert und daher </div> <div class="para">nicht anspruchsberechtigt sei. </div> <div class="para"> Der Beschwerdeführer beruft sich dagegen erneut auf </div> <div class="para">das Schreiben der SUVA, wonach sein Status als Selbst- </div> <div class="para">ständigerwerbender nur provisorischen Charakter habe und er </div> <div class="para">für zusätzliche Tätigkeiten nach wie vor als vorübergehend </div> <div class="para">Unselbstständigerwerbender gelte. </div> <div class="para"> Vorliegend steht fest, dass der Beschwerdeführer unbe- </div> <div class="para">strittenermassen die projektierte selbstständige Erwerbstä- </div> <div class="para">tigkeit nicht nur aufgenommen hat, sondern diese auch wei- </div> <div class="para">terhin ausübt. Es bestehen keine Hinweise dafür, dass er </div> <div class="para">sie als gescheitert betrachtet und endgültig aufzugeben ge- </div> <div class="para">willt ist. Diesem Ergebnis steht auch das Schreiben der </div> <div class="para">SUVA nicht entgegen. </div> <div class="para"> Der vorinstanzliche Entscheid erweist sich damit im </div> <div class="para">Ergebnis als richtig. </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsge- </div> <div class="para"> richt des Kantons Graubünden, dem Arbeitsamt Grau- </div> <div class="para"> bünden und dem Staatssekretariat für Wirtschaft zu- </div> <div class="para"> gestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 30. März 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der IV. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>