<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 85 S.352</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">352</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft1"><b>85</b></span> <span class="ft1"><b>Zuständigkeit. Beschwerdelegitimation. Kostenauflage.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Ist die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts im Hauptpunkt ge-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>geben, so erstreckt sie sich auch auf Nebenpunkte wie die Kosten-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>verlegung; der Kostenpunkt kann auch allein angefochten werden</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. I/1).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Schutzwürdiges Interesse als Voraussetzung der Beschwerdelegiti-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>mation: Gegeben, soweit die Befreiung von Verfahrenskosten verlangt</b></span><br/> <span class="ft1"><b>wird, nicht aber hinsichtlich der Frage, wer sonst die Kosten zu</b></span><br/> <span class="ft1"><b>tragen hat (Erw. I/2).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Kostenauflage an den obsiegenden Beschwerdeführer wegen ver-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>späteten Vorbringens von Sachverhaltselementen, aber in der Regel</b></span><br/> <span class="ft1"><b>nicht wegen verspäteten Vorbringens rechtlicher Argumente</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. II).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 7. Dezember 2000 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen M.J.M. gegen Entscheid des Steuerrekursgerichts. Zur Publikation</span><br/> <span class="ft2">vorgesehen in StE 2001.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">Der Steuerpflichtige M. zog aus der Gemeinde V. nach W. Dort</span><br/> <span class="ft4">wurde er zu einer Jahressteuer veranlagt, deren Tatbestand sich be-</span><br/> <span class="ft4">reits vor dem Umzug verwirklicht hatte. Er erreichte im Rekursver-</span><br/> <span class="ft4">fahren, dass die Veranlagung der Steuerkommission W. wegen örtli-</span><br/> <span class="ft4">cher Unzuständigkeit aufgehoben wurde. Das Steuerrekursgericht</span><br/> <span class="ft4">auferlegte ihm gleichwohl die Kosten des Rekursverfahrens, mit der</span><br/> <span class="ft4">Begründung, er habe dieses Argument im Einspracheverfahren vor</span><br/> <span class="ft4">der Steuerkommission W. nicht vorgebracht und dadurch das Re-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">353</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">kursverfahren verursacht. Mit Beschwerde beantragte M., die Kosten</span><br/> <span class="ft4">des Rekursverfahrens seien der Gemeinde W. aufzuerlegen.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">I. 1. Das Verwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen</span><br/> <span class="ft4">sämtliche Entscheide des kantonalen Steuerrekursgerichts in Staats-</span><br/> <span class="ft4">und Gemeindesteuersachen (§ 54 Abs. 1 VRPG). Ist die Zuständig-</span><br/> <span class="ft4">keit im Hauptpunkt gegeben, so erstreckt sie sich auch auf Neben-</span><br/> <span class="ft4">punkte, wie insbesondere die Verlegung der Verfahrenskosten; der</span><br/> <span class="ft4">Kostenpunkt kann auch für sich allein angefochten werden (AGVE</span><br/> <span class="ft4">1983, S. 230). Das Verwaltungsgericht ist somit zur Behandlung des</span><br/> <span class="ft4">vorliegenden Falles zuständig und überprüft den angefochtenen</span><br/> <span class="ft4">Entscheid im Rahmen der Beschwerdeanträge vollumfänglich (§ 56</span><br/> <span class="ft4">Abs. 3 VRPG).</span><br/> <span class="ft4">2. Gemäss § 38 Abs. 1 VRPG setzt die Beschwerdeführung ein</span><br/> <span class="ft4">schutzwürdiges eigenes Interesse voraus; ein solches liegt vor, wenn</span><br/> <span class="ft4">die tatsächliche oder rechtliche Situation des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft4">durch den Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann (vgl.</span><br/> <span class="ft4">Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren</span><br/> <span class="ft4">nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege</span><br/> <span class="ft4">[Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG], Zürich 1998, § 38 N 129 f.).</span><br/> <span class="ft4">Die Legitimation des Beschwerdeführers ist gegeben, soweit er die</span><br/> <span class="ft4">Befreiung von den auferlegten Verfahrenskosten beantragt. Wer die</span><br/> <span class="ft4">Kosten diesfalls zu tragen hat, ob der Staat oder die Einwohnerge-</span><br/> <span class="ft4">meinde W., berührt ihn dagegen nicht (VGE II/54 vom 26. Juli 2000</span><br/> <span class="ft4">in Sachen A.W., S. 4). Es ist denn auch anzunehmen, dass es ihm in</span><br/> <span class="ft4">erster Linie darum geht, von der Kostenauflage befreit zu werden.</span><br/> <span class="ft4">II. 1. Gemäss § 138 Abs. 1 StG werden die amtlichen Kosten</span><br/> <span class="ft4">des Rekurs- und des Beschwerdeverfahrens der unterliegenden Partei</span><br/> <span class="ft4">auferlegt. In Abweichung hiervon können die Gerichtskosten unab-</span><br/> <span class="ft4">hängig vom Ausgang des Verfahrens verteilt werden, wenn der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">354</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">unterliegende Steuerpflichtige das Rechtsmittel in guten Treuen er-</span><br/> <span class="ft4">griffen hat oder wenn der obsiegende Steuerpflichtige das Rekurs-</span><br/> <span class="ft4">oder Beschwerdeverfahren durch sein Verhalten in der Vorinstanz</span><br/> <span class="ft4">verursacht hat (§ 138 Abs. 3 StG; vgl. auch § 33 Abs. 2 VRPG).</span><br/> <span class="ft4">Die (ausnahmsweise) Kostenauflage an den obsiegenden Steu-</span><br/> <span class="ft4">erpflichtigen kommt namentlich dann in Frage, wenn er sich trö-</span><br/> <span class="ft4">lerisch oder widersprüchlich verhalten hat, wenn er die ihm obliegen-</span><br/> <span class="ft4">den Mitwirkungs- und Verfahrenspflichten trotz Mahnung nicht er-</span><br/> <span class="ft4">füllt hat (vgl. Jürg Baur, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft4">Muri/BE 1991, § 138 N 11), allgemein, wenn er wesentliche Sach-</span><br/> <span class="ft4">verhaltselemente, die den Steuerbehörden nicht bekannt sind, ver-</span><br/> <span class="ft4">spätet vorbringt oder Beweismittel zu spät vorlegt. Bei verspäteter</span><br/> <span class="ft4">Geltendmachung von <i>rechtlichen Argumenten</i> ist eine Kostenauflage</span><br/> <span class="ft4">zwar auch nicht völlig ausgeschlossen. Sie ist aber auf diejenigen</span><br/> <span class="ft4">Fälle zu beschränken, wo die Steuerbehörde - in aller Regel im</span><br/> <span class="ft4">Zusammenhang mit neuen tatbeständlichen Aspekten - zu einer</span><br/> <span class="ft4">neuen rechtlichen Beurteilung gelangt, nachdem sie zuvor keinen</span><br/> <span class="ft4">Anlass hatte, diesen Rechtsstandpunkt in Betracht zu ziehen. In den</span><br/> <span class="ft4">anderen Fällen kann nicht gesagt werden, der Steuerpflichtige habe</span><br/> <span class="ft4">das Rechtsmittelverfahren verursacht, zumal die korrekte Rechts-</span><br/> <span class="ft4">anwendung der Behörde von Amtes wegen obliegt (§ 1 Abs. 1 und 2</span><br/> <span class="ft4">i.V.m. § 20 Abs. 1 Satz 2 VRPG; vgl. auch Baur, a.a.O., § 127 N 2,</span><br/> <span class="ft4">24). Wo es vorwiegend oder ebensosehr der Steuerbehörde anzu-</span><br/> <span class="ft4">lasten ist, dass das Rechtsmittelverfahren erforderlich wurde, ist es</span><br/> <span class="ft4">nicht gerechtfertigt, dem obsiegenden Steuerpflichtigen Kosten auf-</span><br/> <span class="ft4">zuerlegen.</span><br/> <span class="ft4">2. b) ... Dass der Beschwerdeführer die erhaltene Kapitalleis-</span><br/> <span class="ft4">tung in seiner in W. abgegebenen Steuererklärung deklarierte, war</span><br/> <span class="ft4">korrekt. Die Steuerkommission W. hätte ihre örtliche Zuständigkeit</span><br/> <span class="ft4">hinsichtlich der Jahressteuer von Amtes wegen prüfen müssen</span><br/> <span class="ft4">(Bernhard Meier, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, § 60</span><br/> <span class="ft4">N 3). Somit kann nicht gesagt werden, der Beschwerdeführer habe</span><br/> <span class="ft4">durch sein Verhalten im Veranlagungs- und Einspracheverfahren das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">355</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Rekursverfahren verursacht oder es liege überwiegend an ihm, dass</span><br/> <span class="ft4">das Rekursverfahren notwendig wurde, auch wenn er erst in seinem</span><br/> <span class="ft4">Rekurs auf die Zuständigkeit der Gemeinde V. hinwies.</span><br/> <span class="ft4">3. Die Auferlegung der Kosten des Rekursverfahren an den Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführer erweist sich somit als nicht gerechtfertigt. In Gut-</span><br/> <span class="ft4">heissung der Beschwerde sind ihm diese Kosten abzunehmen. Pra-</span><br/> <span class="ft4">xisgemäss sind sie vom Staat zu tragen (vgl. § 35 Abs. 1 VRPG).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>