BRKE I Nr. 150/2001 vom 29. Juni 2001 in BEZ 2001 Nr. 40 1. b) Beim zwei Vollgeschosse aufweisenden W ohngebäude ist zusätzlich auch ein Dachgeschoss geplant. Dieser mit einem Flachdach versehene Gebäudeabschnitt, de s- sen zulässige Ausdehnung die Bauherrschaft anhand eines hypothetischen Schrägd a- ches mit parallel zur Gebäudeschmalseite verlaufendem First bestimmte, präsentiert sich wie folgt: Nordostseits ist der fragliche Gebäudeabschnitt über die gesamte Läng s- seite des Gebä udes von 12,6 m sowie im Umfang von 2,5 m auch auf der 8,15 m me s- senden Gebäud eschmalseite mit den Vollgeschossfassaden bündig ausgestaltet. E r- möglicht wird dies d adurch, dass die traufseitig zulässigen Dachaufbauten fluchtend mit der Nordostfassade in der nordwestlichen bzw. südöstlichen Gebäudeecke erstellt we r- den sollen. An den vorstehend umsch riebenen Teil des Dachgeschosses schliesst sü d- westseits ein je 2,15 m von den Gebäudeschmalseiten sowie 1,5 m von der Südwes tfas- sade der Vollgeschosse zurückversetzter Vorbau mit praktisch vollständig aus Glas b e- stehenden Fassaden an. Die um den Vorbau her um verbleibende Dachfläche (des da r- unter befindl ichen Obergeschosses) wird als Terrasse genutzt. Diese ist auf den G e- bäudeschmalseiten durch eine Betonbrüstung gesichert. Auf der südwestlichen Gebä u- delängsseite ist demgegenüber eine lichtdurchlässige Absch rankung vorgesehen. Diese wird durch eine 1 m tiefe und 0,2 m starke (dicke), U- förmige Betonblende überspannt, welche als rein stilistisches Element die Silhouette des vorerwähnten nordöstlichen Teils des Dachgeschosses aufnimmt. (...) 4. a) Ausgangspunkt der Beurteilung bildet der Umstand, dass das Planungs- und Baugesetz Attikageschosse als eigenständigen Geschosstypus nicht kennt. Derartige Gebäudeabschnitte werden lediglich mittelbar durch die sich auf Dachaufbauten bezi e- hende Vorschrift von § 292 PBG erfasst. Nach dieser Norm dürfen, wo nichts anderes bestimmt ist, Dachaufbauten (ausgenommen Kamine, Anlagen zur Nutzung von So n- nenenergie und kleinere technisch bedingte Aufbauten) insgesamt nicht breiter als ein Drittel der betreffen den Fassadenlänge sei n, sofern sie bei Schrägdächern über die ta t- sächliche Dachebene hinausragen (lit. a) bzw. bei Flachdächern die für ein entspr e- chendes Schrägdach zulässigen Ebenen durchstossen (lit. b). b) Darüber, wie das Profil des (hypothetischen) Schrägdaches zu bilden sei, spricht sich das Gesetz nicht näher aus. Aus der Verwendung des Ausdrucks "entsprechend" ergibt sich jedoch, dass die Profilansetzung so zu erfolgen habe, wie wenn beim jeweils fraglichen Gebäude effektiv ein Schrägdach erstellt würde. Da solche im K anton Zürich zumeist mit einem parallel zur Gebäudelängsseite verlaufenden First realisiert werden, ging der G esetzgeber beim Erlass von § 292 lit. b PBG zweifellos von diesem Regelfall aus. In der Skizze zu § 292 PBG im Anhang der Allgemeinen Bauverordnun g sind denn auch die G ebäudelängsseiten als Traufseiten dargestellt. Der erwähnten Skizze kommt - 2 - allerdings, da sie gemäss § 29 Abs. 2 ABV lediglich der Erläuterung dient, kein Gese t- zes- bzw. Verordnungscharakter und damit keine absolute Verbindlichkeit zu. Es ist da- her nicht unzulässig, ein Gebäude mit Schrägdach im "Chaletstil", das heisst mit der Gebäudelängsseite als Giebelfassade zu erstellen. Je nach der Gebäudelänge kö nnen sich hierbei allerdings Pro bleme mit der nach § 281 Abs. 1 PBG maximal zulässig en Firsthöhe ergeben. Bei Flac hdachgebäuden ist ebenfalls nicht grundsätzlich ausg e- schlossen, dass die kürzere Gebäudeseite als Trauffassade angenommen und das nach § 292 lit. b PBG zu bildende Profil entsprechend angesetzt wird. Dies gilt jedoch nicht uneingeschränkt. Attikageschosse u nterliegen aufgrund ihrer speziellen optischen W ir- kung besonderen Regeln. Der Zweck von § 292 lit. b PBG liegt darin, Attikageschosse soweit zu begrenzen, dass diese als Dachg eschosse erkennbar und von Vollgescho s- sen klar unt erscheidbar sind. Damit dies zutrifft, ist das Profil des entsprechenden Schrägdaches ungeachtet dessen, ob die zulässige G ebäudehöhe ausgeschöpft sei oder nicht, durch eine am tatsächlichen Schnittpunkt zwischen Fassade und Flachdach anzusetzende 45° -Linie zu bilden. Es darf mit anderen W orten kein fiktiver Kniestock veranschlagt werden bzw. es dürfen die 45° -Linien nicht auf der maximal zulässigen Gebäudehöhe angesetzt werden. Der Grund liegt darin, dass Attikageschosse, deren Ausdehnung durch ein derart erhöhtes hypothetisches Dachprofil bestimmt würde, kaum mehr von den Vollgeschossen zurückversetzt sein müssten und optisch als reduzierte Vollgeschosse erschienen. Als solche wären sie rechtlich auch zu qualifizieren (RB 1993 Nr. 42). c) In ähnlicher W eise ist auch die Frage zu beantworten, ob und inwieweit das Pr o- fil des entsprechenden Schrägdaches im Sinne von § 292 lit. b PBG mit der Gebäud e- längsseite als Giebelfassade gebildet werden dürfe. Bedeutung kommt hierbei dem U m- stand zu, dass Dachgeschosse gie bel(stirn-)seitig nicht von den Vollgeschossfass aden zurückversetzt sein müssen. Dies bietet bei Bauten mit Schrägdach keinerlei Pro bleme. Selbst bei einem im "Chaletstil" erstellten Schrägdachgebäude werden die über der Schnittlinie Fassade/Dachfläche bef indlichen Gebäudeabschnitte ungeachtet der alle n- falls m arkanten Giebelfassade optisch ohne weiteres als Dachgeschosse empfunden. Bei Flachdachgebäuden ist die Erkennbarkeit des Attikageschosses als Dachgeschoss demgegenüber nur dann gegeben, wenn der fragl iche Gebäudeabschnitt nicht in zu weitgehendem Umfang bis zu den Vollgeschossfassaden vorspringt. Eben dies ist der Fall, wenn bei einem Gebäude mit deutlich unterschiedlicher Gebäudebreite und -länge das Profil des entsprechenden Schrägdaches im Sinne von § 292 lit. b PBG mit der G e- bäudeschmalseite als Trauffassade gebildet wird, womit das Attikageschoss im Extre m- fall auf beiden Gebäudelängsseiten in weitem Umfang bündig mit den Vollgeschossfa s- saden ausgebildet werden kann. Zusätzlich wären auf den Gebäude schmalseiten Dach- aufbauten möglich, die - allerdings beschränkt auf einen Drittel der Fassadenlänge - ebenfalls bis zu den Vollgeschossfassaden vorspringen dürften. Ein derartiges Attikag e- schoss wäre kaum mehr von einem Vollgeschoss zu unterscheiden. Bei F lachdachbau- ten mit einem Grundriss in Form eines mehr oder wenigen langgezogenen Rechtecks steht Bauherren aus diesem Grund keine freie W ahl zwischen (hypothetischer) Trauf - und Giebelfassade zu. Vielmehr ist das Profil des entsprechenden Schrägdaches en t- sprechend dem Regelfall zu bilden, welcher wie erwähnt den Skizzen zu § 292 PBG im Anhang der Allgemeinen Bauverordnung zugrundegelegt ist. d) Die Bestimmung der zulässigen Gestaltung bzw. Grösse von Attikageschossen kann mit anderen W orten nur dann durch e ine beliebige Ansetzung des Profils eines entsprechenden Schrägdaches erfolgen, wenn das Gebäude einen quadratischen Grundriss aufweist bzw. wenn sich Gebäudebreite und -länge nicht wesentlich unte r-- 3 - scheiden. Letzteres trifft angesichts des geplanten W ohnkubus mit einem Grundriss von 8,15 x 12,6 m in casu nicht zu. Ist die Dachebene beim geplanten Gebäude mithin derart anzusetzen, dass die Gebäudelängsseite die (hypothetische) Trauffassade darstellt, so wird diese durch den in Frage stehenden Gebäudeabschnit t in unzulässiger W eise durchstossen, weshalb ein überzähliges Vollgeschoss vorliegt (RB 1993 Nr. 42).