B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4588/2011 U r t e i l v o m 2 8 . S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter François Badoud, Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer-Bänziger. Parteien A._______, geboren (…), Somalia, vertreten durch Christian Hoffs, HEKS, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. Juli 2011 / N (…). E-4588/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess Somalia eigenen Angaben zufolge am (…) auf dem Luftweg und reiste am 12. November 2008 in Frankreich ein, von wo aus er am 13. November 2008 auf dem Landweg in die Schweiz gelangte und gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso (EVZ) um Asyl nachsuchte. Am 1. Dezember 2008 wurde er zur Person, zu den Gesuchsgründen sowie zum Reiseweg (BzP) befragt und am 29. März 2010 gemäss Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) zu seinen Asylgründen angehört. B. Zur Begründung seines Asylgesuches brachte der Beschwerdeführer vor, er habe in (…) gelebt und gehöre dem (…)-Clan an. Er habe acht Jahre die Schule besucht und zwei Jahre eine Berufsausbildung (Medien) ab- solviert. Seit (…) habe er als Berichterstatter bei (…) gearbeitet. Seine Hauptaufgabe sei es gewesen, Informationen zu sammeln, welche je- weils um elf Uhr beim (…) hätten abgeliefert werden müssen. Dort seien sie kontrolliert, korrigiert und ausgestrahlt worden. In Somalia gebe es keine Pressefreiheit. Er habe bis zu seiner Flucht unzählige Telefondr o- hungen erhalten, namentlich von der Al Shabab (islamistische militante Bewegung, Anm. BVGer) . Diese habe verlangt, dass er für si e mit fa l- schen Berichten Propaganda mache. Weil er dies abgelehnt habe, seien ihm Morddrohungen zugegangen. Im Jahr e 2007 seien während seiner Abwesenheit drei Vermummte mit Pistolen bewaffnet nach Hause g e- kommen. Diese hätten seiner Mutter und seiner Ehef rau die Nachricht hinterlassen, dass es ihnen gelingen werde, seiner habhaft zu werden und ihn zu beseitigen. Im selben Jahr sei ein Berufskollege umgebracht worden. Von der Gruppierung Hisbul Islam sei er ebenfalls bedroht wo r- den. Am (…) sei er vom B._______ festgenommen und zwei Monate i n- haftiert worden. Dieser habe ihm zu Unrecht vorgeworfen, falsche Nac h- richten über ihn verbreitet zu haben. Anlässlich der Anhörung ergänzte der Beschwerdeführer, am (…) sei die Situation eskaliert, sein Leben sei in gros ser Gefahr gewesen. Er sei d a- mals mit einem Freund zusa mmen gewesen. Als er ihn für 20 Minuten verlassen habe, sei dieser von zwei bewaffneten Männern umgebracht worden. Es sei allgemein bekannt, dass es Auftragskiller gebe. Die Quar- tierbewohner und seine Angehörigen hätten ihm nach diesem Vorfall ge- raten, sofort zu fliehen. E-4588/2011 Seite 3 C. Mit Verfügung vom 20. Juli 2011 – eröffnet am 21. Juli 2011 – wies das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, ordnete dessen We g- weisung an und nahm ihn zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs in der Schweiz vorläufig auf. D. Mit Eingabe vom 19. August 2011 erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bea n- tragte in materieller Hinsicht – unter Kosten- und Entschädigungsfolge – die Aufhebung der Ziffern 1 bis 3 (Flüchtlingseigenschaft, Asyl und Weg- weisung) der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtling s- eigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständigen F eststellung des rechtser- heblichen Sachverhalts und zur erneuten Entscheidung. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, insbesondere um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. E. Mit Zwischenverfügung vom 31. August 2011 wies der Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) ab und setzte Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses. Diesen leistete der Beschwerdeführer fristgerecht. F. Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 23. September 2011 die Abweisung der Beschwerde; gleichentags wurde diese dem Be- schwerdeführer zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und en t- scheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, E-4588/2011 Seite 4 SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und den BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerd e- führung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eing e- reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einz u- treten. 1.4 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Vorweg ist auf die in der Rechtsmitteleingabe vorgebrachte Rüge ein- zugehen, der Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör sei, verletzt worden indem ihm das BFM keine Gelegenheit eingeräumt habe, sich zum letztl ich entscheidenden Ausreisegrund (Ermordung seines Freundes C._______) nochmals zu äussern. 2.2 Der Beschwerdeführer gibt an , er habe diesen Vorfall nur deshalb nicht erwähnt, weil ihm im Rahmen der BzP gesagt worden sei, er werde seine Asylgründe noch a usführlich bei der Anhörung vorbringen können. Die BzP habe lediglich die Funktion, den Asylsuchenden summarisch zu befragen. Aus diesem Grund sei auch der Teil "Motivi della domanda" mit einer Seite sehr kurz ausgefallen. Zudem sei nicht auszuschliessen, dass ihm die Bedeutung dieser Befragung nicht bewusst gewesen sei. Auffa l- lend sei nämlich, dass er bereits auf die zweite Frage "(…)?" geantwortet habe, "(…)", und die BzP dann in einem Wechsel von vielen Fragen und kurzen Antworten ohne Gelegenheit zur freien Schilderung der Asylgrü n- de abgelaufen sei. 2.3 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Art. 30 Abs. 1 VwVG besagt, dass die Behörde die Parteien a n- hört, bevor sie verfügt. Das Recht auf vorgängige Anhörung ist Teilge halt des rechtlichen Gehörs und wird – als dessen Kernelement – auch als "rechtliches Gehör im engeren Sinn" bezeichnet. Der Anspruch auf vo r- gängige Anhörung beinhaltet auch, dass die Behörde sich beim Erlass E-4588/2011 Seite 5 ihrer Verfügung nicht auf Tatsachen abstützen darf, zu denen sich die von der Verfügung betroffene Person nicht vorgängig äussern und diesbezüg- lich Beweis führen konnte; e r besteht also primär in Bezug auf die Fes t- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts (vgl. BERNHARD WALDMANN / JÜRG BICKEL, in: W aldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009, Art. 30 N 3, 18; BVGE 2009/53). 2.4 Das BFM hat dem Beschwerdeführer vorliegend sowohl in der Befr a- gung als auch in der Anhörung Gelegenheit gegeben, sich zu den Asy l- gründen zu äussern. In der BzP fragte es nach der (kurzen) Aussage des Beschwerdeführers zu seinen Asylgründen explizit nach. D essen Antwort auf die Frage " (…)?" lautete allerdings nicht – wie in der Beschwerd e- schrift nicht präzise wiedergegeben – "(…)", sondern " (…)" (vgl. Akten BFM A1/9 S. 5). Auch auf die abschliessende Frage zu den Asylgründen "(…)?" antwortete er mit "(…)" (vgl. A1/9 S. 6). Eine Verletzung des recht- lichen Gehörs ist damit nicht zu erkennen. Das Bundesverwaltungsgericht teilt vielmehr die Auffassung der V orinstanz, dass die Erwähnung der E r- mordung seines Freundes als angeblich fluchtauslösender Grund bereits in der Befragung zu erwarten gewesen wäre. 2.5 Des Weiteren ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall auch kein Anlass besteht, auf eine Verletzung der Begründungspflicht zu schlie s- sen. Es wird in der Beschwerdeschrift nicht weiter ausgeführt, inwiefern die Vorinstanz lediglich die Argumente, die gegen den Beschwerdeführer sprechen, in der Gesamtwürdigung betrachtet haben soll. Der Eventua l- antrag, di e Sache sei zur vollständigen Feststellung des rechtserhebl i- chen Sachverhalts und zur erneuten Entscheidung an die Vorinstanz z u- rückzuweisen, ist demnach ebenfalls abzuweisen. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). E-4588/2011 Seite 6 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaub haft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das BFM aus, die Vorbri n- gen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft, sie seien widersprüch- lich. So habe er zunächst behauptet, im (…) sei er auf Betreiben eines (…) festgenommen und zwei Monate festgehalten worden. B ei der BzP habe er angegeben, dass er mit diesem ein Interview gemacht habe. Als der (...) das Interview im (…) habe, sei er so verärgert gewesen, dass er ihn habe festnehmen lassen. In der Anhörung hingegen habe er vorge- bracht, er habe einen Bericht über ein Gefecht verfasst, bei dem die pe r- sönlichen Sicherheitskräfte des (...)s teilgenommen hätten. Daraufhin ha- be dieser ihm Verleumdung vorgeworfen und ihn verfolgt. Er behaupte, seitdem er als Reporter tätig gewesen sei, habe man ihn bis zur Ausreise ständig telefonisch bedroht. Angesichts dieser Umstände sei es wenig plausibel, dass er nie seine Telefonnummer habe ändern wollen. Erwartungsgemäss hätte er versucht, sich dadurch den Behelligungen zu entziehen. Überdies habe er erklärt, trotz der ständigen Dr ohungen nicht daran g e- dacht zu haben, den Beruf zu wechseln oder etwas anderes zu machen. Es sei kaum nachvollziehbar, dass er aus ökonomischen Motiven die mit dieser Tätigkeit verbundenen Risiken auf sich genommen habe. Dies gel- te umso mehr, als die Entschädigung nicht ausreichend gewesen sei, um damit seine Familie zu ernähren. Weiter habe er angegeben , im Jahre 2007 hätten drei bewaffnete und vermummte Personen ihn in seiner Abwesenheit zu Hause gesucht und erklärt, dass es ihnen irgendwann einmal g elingen werde, ihn zu erw i- schen und zu beseitigen. Da er zudem immer wieder telefonisch bedroht worden sein soll, sei nicht zu verstehen, dass er trotz dieser Bedrohungs- situation noch monatelang weiter zu Hause gelebt habe. E-4588/2011 Seite 7 Auch falle auf, dass er erst in der Anhörung von einem schrecklichen Vor- fall berichtet habe, der eine grössere Rolle für seine Ausreise gespielt und sich kurz zuvor ereignet haben soll. Diese Ungereimtheiten würden in einer Gesamtwürdigung zum Schluss führen, dass sich der Beschwerdefüh rer auf eine konstruierte Asylb e- gründung abstütze. Es erübrige sich, auf weitere einzugehen. Zwar habe er zwei Dokumente (Diplom und Ausweis) als Beweismittel für die angegebene Tätigkeit ( …) eingereicht. Erfahrungsgemäss seien so l- che Dokumente in Somalia jedoch käuflich leicht erhältlich und könnten deshalb ohne weiteres unrechtmässig erworben werden. Deshalb sei ihr Beweiswert als äusserst gering einzustufen. Die eingereichten Beweismit- tel seien nicht geeignet, den behaupteten Sac hverhalt glaubhaft zu m a- chen. Der Beschwerdeführer berufe sich auf die allgemeine unsichere Situation und die fehlenden Lebensperspektiven in seinem Lande. E r habe vorg e- bracht, am (…) sei seine junge Familie durch (…) ausgelöscht worden sei. Dazu sei anzumerken, dass die allgemeine Unsicherheit, die als u n- ausweichliche Folge des Konflikts in Teilen des Landes herrsche und die daraus entstehenden tragischen Folgen die gesamte somalische Bevö l- kerung in gleichem Masse treffe. Schliesslich habe er ausgeführt, er habe sich im Januar 2007 an einen Kriegsschauplatz begeben, um von den Kämpfen zu berichten. Dabei hätten ihn äthiopische Soldaten für einen Angehörigen der Gegner gehal- ten und ihn zunächst bedroht. Er habe jedoch unversehrt entkommen können. Im vorliegenden Fall sei der Kausalzusammenhang nicht geg e- ben. Die letzten beiden Vorbringen würden den Anforderungen an die Flüch t- lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. 4.2 In der Rechtsmitteleingabe hält der Beschwerdeführer nach einer Re- kapitulation der bereits früher geltend gemachten Vorkommnisse dem vorinstanzlichen Entscheid entgegen, er wolle klarstellen, dass im (…) sein Bericht über B._______ und dessen Sicherheitskräfte gesendet wor- den sei, in dem ein Originalton aus einem Interview mit diesem verwendet worden sei. Dass dies schlüssig sei, belege seine Aussage in der in der Anhörung: "Vor Gericht konnte er nicht beweisen, dass ich etwas verbr o- chen habe, weil man den Bericht selber vor Gericht präsentierte." Aus E-4588/2011 Seite 8 dieser Antwort gehe hervor, dass die Anschuldigung durch die Wiederg a- be des Interviewausschnitts mit B._______ vor Gericht habe widerlegt werden können. Somit sei der vermeintliche Widerspruch aufgelöst. Das BFM halte ihm vor, es sei unplausibel, dass er die Telefonnummer nicht gewechselt habe. Indessen sei er Journalist und auf die Erreichba r- keit für seine Mitarbeiter und Informanten angewiesen gewesen. Das Te- lefon sei eines, wenn nicht das wichtigste Kontaktmedium für ihn gew e- sen. Zudem sei die Begründung des Bundesamtes nicht plausibel, da von den Drohanrufen gerade keine akute Gefahr ausgegangen sei, sondern ihm nur deutlich geworden sei, dass sich eine poten zielle Gefahr in a b- sehbarer Zeit verwirklichen könn te. Er habe gewusst, dass er sich der Gefahr, irgendwann direkt durch die Al Shabab angegriffen zu werden, nicht durch Änderung seiner Telefonnummer entziehen könne. Zur Feststellung des Bundesamtes, es sei nicht nachvollziehbar, dass er sich nicht beruflich umorientiert habe, wolle er darauf hinweisen, dass ihm seine Arbeit wichtig gewesen sei. Obwohl er als neutraler Berichterstatter zwischen die Fronten geraten sei, habe er sich für Pressefreiheit eing e- setzt. Zudem seien 100 US D in einem Land, in dem viele Menschen von der Hand in den Mund leben würden und Berufstätige in der Minderheit seien, angesichts eines nicht vorhandenen S taatsgefüges vielleicht nicht genug, aber zumindest grundexistenzsichernd. Der weiteren Feststellung, es sei nicht verständlich, dass er noch mon a- telang zu Hause gelebt habe, sei entgegenzuha lten, dass er dieses Ris i- ko auf sich genommen habe, weil er Gottvertrauen habe. Dies möge für einen gänzlich rational denkenden Menschen schwer nach vollziehbar sein, für einen gläubigen Menschen jedoch nicht. Stossend sei, dass die eingereichten Originaldokumente ohne nähere Be- gründung als ungeeignet bezeichnet worden seien. Er sei glaubhaft von Milizen bedroht worden; die Schutzfähigkeit staatli- cher Behörden sei mangels wirksame r Existenz auszuschliessen. Da er seine Verfolgung überwiegend glaubhaft gesch ildert habe, sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zu gewähren und Asyl zu erteilen. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glau b- haftmachen der Vorbringen in einem jüngeren Entscheid dargelegt und E-4588/2011 Seite 9 folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann vorweg in grundsätzlicher Hi n- sicht verwiesen werden (vgl. statt vieler BGVE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 5.2 Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nichts unte r- nommen hat, um seine behauptete Identität zu untermauern. Er hat im vorinstanzlichen Verfahren zwar sein Diplom des " (…)" und seinen Au s- weis als (…) von (...) zu den Akten gereicht. Wie die Vorinstanz jedoch zu Recht festhält, sind solche Dokumente käuflich leicht erhältlich. Hinzu kommt, dass das Foto auf den beiden Dokumenten nicht ohne weiteres dem Beschwerdeführer zugeordnet werden kann. Dass sich dieser seit der Aufnahme der Fotos Anfang des Jahres (…) bis zur biometrischen Er- fassung durch die Vorinstanz im November 2008 äusserlich stark verä n- dert hat, ist ebenso denkbar wi e die Möglichkeit, dass es sich bei der auf den Dokumenten abgebildeten Person um eine mit dem Beschwerdefü h- rer nicht identische, ihm ähnlich sehende handelt. Das Gericht sieht ke i- nen Anlass, die Auf fassung der Vorinstanz, der Beweiswert der beiden Dokumente sei als äusserst gering einzustufen, zu beanstanden. 5.3 Vor diesem Hintergrund fallen die widersprüchlichen Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem Reisepass besonders ins Gewicht und lassen Zweifel an seiner Identität aufkommen. So gab er anlässlich der Befragung an, er habe nie einen Reisepass oder eine Identitätskarte b e- sessen, er sei mit einem Reisepass gereist, den ihm der Schlepper b e- sorgt habe. Der Pass habe auf den Namen "D._______" gelautet und das Foto einer Person enthalten, die ihm ähnlich gesehen habe (vgl. A1/9 S . 4). Bei der Anhörung dagegen führte er a us, er habe einen somalischen Pass, lautend auf seinen Namen und ausgestellt von der Reiseagentur "E._______" in (…), gehabt. Mit diesem sei er nach (…) gereist, wo der Pass im Haus seiner Tante verloren gegangen sei (vgl. A9/19 S. 2). Auf die unterschiedlichen Angaben angesprochen brachte der Beschwerd e- führer vor, er habe damals (bei der Befragung, Anm. BVGer) angegeben, dass er sehr klein gewesen sei, als es eine Zentralregierung gegeben habe beziehungsweise es könne sein, dass es zu einem Missverständnis gekommen sei . Diese Angaben lassen sich anhand des Protokolls der Befragung nicht erhärten und erscheinen als unglaubhaft. Sie vermögen den Widerspruch nicht aufzulösen. 5.4 Zweifel an der Tragweite der behaupteten Tätigkeit bei (...) entstehen auch aufgrund der diesbezüglich Angaben. So gab der Beschwerdeführer an, sein Beruf sei Reporter (vgl. A1/9 S . 2). Auf die Nachfrage, ob er Journalismus mache, verneinte er und führte aus, er habe Filmreportagen E-4588/2011 Seite 10 über Ereignisse in (…) gemacht (vgl. A1/9 S . 2). Er habe keine (…) ge- habt, nur ein (…) (vgl. A1/9 S. 5). Seine Aufgabe sei es gewesen, Info r- mationen für die Nach richtensendungen zu sammeln. Die gesammelten Informationen hätten gegen elf Uhr in der (…) abgeliefert werden mü s- sen. Dann seien diese kontrolliert sowie korrigiert und gesendet worden (vgl. A9/19 S . 6 f.). Aufgrund dieser Aussagen ist nicht davon auszug e- hen, dass ein allfälliger Beitrag des Beschwerdeführers für eine Berich t- erstattung mit bedeutender Aussenwirkung geeignet und folglich mit e i- nem erheblichen Gefahrenpotenzial verbunden gewesen wäre. Daran ändert seine Vorbringen, er habe auch Interviews gemacht und ei- nige Politiker der (...) befragt (vgl. A1/9 S . 5), nichts. Zum einen fällt in diesem Zusammenhang auf, dass der Beschwerdeführer keinerlei ko n- kreten Unterlagen eingereicht hat, welche seine Reportertätigkeit unter- mauern könnten. Zu denken wär e etwa an das von ihm angeblich ve r- wendete (…) (vgl. A9/19 S . 7: "Ein ganz kleines."), an Interviewnotizen oder an (…), insbesondere jenen Beitrag, der angeblich bei der Gerichts- verhandlung vorgelegt worden ist . Von einem professionellen Reporter wäre zu erwarten, dass es ihm gelingen würde, während der nahezu vier- jährigen Aufenthaltsdauer in der Schweiz irgendwelche konkreten Belege für seine Behauptungen einzureichen. Indessen hat er nichts beigebracht, und es ist – ebenso wie bei seiner Identität – nicht ersichtlich, dass er sich jemals ernsthaft darum bemüht hätte. 5.5 Zweifel sind auch bezüglich der geltend gemachten Haft berechtigt. Die Vorinstanz hat denn auch zu Recht einen wichtigen Widerspruch in den Aussagen des Beschwerdeführers festgestellt. So nannte er in der Befragung als Motiv der Festnahme, er habe ein Interview mit einem Ve r- treter der (...) gemacht. Als dieses Interview im Radio gesendet worden sei, sei man irritiert gewesen (vgl. A1/9 Seite 5). In der Anhörung aller- dings erklärte er, er habe über ein Gefecht berichtet, an dem die persönli- chen Sicherheitskräfte eines wichtigen (...)s teilgenommen hätten. Dieser habe ihm vorgeworfen, falsche Nachrichten über ihn verbreitet zu haben (vgl. A9/19 S. 9). Der Hinweis in der Rechtsmittelschrift auf seine Aussa- ge in der Anhörung ("Vor Gericht konnte er nicht beweisen, dass ich e t- was verbrochen habe, weil man den Bericht selber vor Gericht präsentier- te") löst den Widerspruch nicht auf. Hätte es sich – wie in der Beschwer- de unterstellt – beim "Bericht", der vor Gericht präsentiert worden ist, um das Interview mit dem (...) gehandelt, so ist nicht nachvollziehbar, we s- halb der Beschwerdeführer dies nicht explizit so erwähnt und statt dessen von einem Bericht über ein Gefecht gesprochen hat. E-4588/2011 Seite 11 5.6 In Bezug auf den Vorwurf des BFM, es sei in Anbetracht der behau p- teten Drohanrufe nicht plausibel, dass der Beschwerdeführer die Telefo n- nummer nicht gewechselt habe, ist diesem insofern beizupflichten, als ei- ne neue Telefonnummer allfällige Angriffe durch die Al-Shabab wohl nicht hätte verhindern können. In diesem Zusammenhang ist jedoch seine Be- merkung von Bedeutung, durch die Drohanrufe sei ihm nur deutlich g e- worden, "dass sich eine poten zielle Gefahr in absehbarer Zei t hätte ve r- wirklichen können." (vgl. Beschwerdeschrift Seite 3). Damit stellt der B e- schwerdeführer selbst fest, dass er sich nicht in einer konkreten Gefäh r- dungssituation befunden hat, mithin die für die Asylgewährung erforderl i- che Intensität der behauptet en Verfolgungsmassnahmen fehlt . Vor die- sem Hintergrund ist es auch verständlich, dass er eigenen Angaben zu- folge trotz der behaupteten Drohanrufe noch monatelang weiter zu Hause gelebt hat. Dieses Verhalten würde jenem einer gezielt verfolgten Person widersprechen. 5.7 Schliesslich vermag auch der Einwand des Beschwerdeführers, er habe sich deshalb nicht beruflich umorientiert, weil ihm einerseits seine Arbeit wichtig gewesen sei und and erseits 100 US D zumindest grun d- existenzsichernd seien, nicht zu überzeugen. Insbesondere stellt sich die Frage, weshalb er nicht zu seiner Tante nach (…) geflüchtet ist, welche seinen Angaben zufolge auch im Ausland im (…) tätig ist . Seine Erkl ä- rung, er habe Angst gehabt, dass ihn seine Verfolger auch dort erwischen würden, ist nicht glaubhaft (vgl. A9/19 vgl. S. 15 F157) . Nachdem die an- geblichen Verfolger – Leute der Al Shabab – an einer bestimmten B e- richterstattung und nicht an der Person des Beschwerdeführers selbst i n- teressiert waren, ist nicht einzusehen, weshalb sie diesen nach Beendi- gung der Reportertätigkeit über die Landesgrenze hinaus hätten verfo l- gen sollen. 5.8 Der Beschwerdeführer hat somit nichts vorgebracht, das geeignet wä- re, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder gl aubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksic htigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). E-4588/2011 Seite 12 6.2 Der Beschwerdeführer ve rfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6.3 Da der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 20. Juli 2011 in der Schweiz vorläufig aufgenommen wurde, erübrigen sich Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer - deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG, auf insgesamt Fr. 600.- fest- zusetzen (Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Ko s- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) E-4588/2011 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie werden mit dem am 12. September 2011 geleisteten Kostenvo r- schuss in gleicher Höhe verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und E._______. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Jeannine Scherrer-Bänziger Versand: