<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp326480"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>142 III 795<br/><br/><br/><div class="paraatf">101. Auszug aus dem Urteil der II. zivilrechtlichen Abteilung i.S. A. gegen Bezirksgericht Lenzburg (Beschwerde in Zivilsachen)</div> <div class="paraatf">5A_386/2016 vom 27. Oktober 2016</div> <a name="idp327776"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf">Letztinstanzlicher kantonaler Entscheid betreffend Massnahmen des kantonalen Rechts (<span class="artref">Art. 437 Abs. 2 ZGB</span>); Rechtsmittel. <div class="paratf">Zulässiges Rechtsmittel an das Bundesgericht ist die Beschwerde in Zivilsachen (Art. 72 Abs. 2 lit. b Ziff. 6 BGG) (E. 2). </div> </div> </div> <a name="idp331312"></a> <a name="idp335072"></a> <br/><div> <a name="idp338736"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 795</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page795"></a><div class="center pagebreak">BGE 142 III 795 S. 795</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp340448"></a><span class="bold">A. </span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp341488"></a><span class="bold">A.a </span>A. (geb. 16. Februar 1977) leidet seit einigen Jahren an einer paranoiden Schizophrenie. 2015 wurde er infolge einer Verschlechterung seiner psychischen Störung fürsorgerisch in die Psychiatrische Klinik U. eingewiesen. Bei seiner Entlassung wurde eine Nachbetreuung angeordnet. Nach Ablauf der auf sechs Monate befristeten Nachbetreuung setzte A. die Medikamente ab und seine paranoide Schizophrenie verstärkte sich wieder, so dass er erneut in der Klinik U. fürsorgerisch untergebracht werden musste.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp343456"></a><span class="bold">A.b </span>Am Vortrag seiner Entlassung aus der Psychiatrischen Klinik ordnete der zuständige Kaderarzt im Rahmen einer Nachbetreuung gemäss § 67k Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen <a name="page796"></a><div class="center pagebreak">BGE 142 III 795 S. 796</div>Zivilgesetzbuch und Partnerschaftsgesetz vom 27. März 1911 (EGZGB/AG; SAR 210.100) eine ärztlich zu verabreichende Depotmedikation sowie eine monatliche psychiatrische Betreuung an.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp346048"></a><span class="bold">B. </span>A. wandte sich an das Familiengericht Lenzburg und ersuchte um Aufhebung der angeordneten Massnahmen. Nach Anhörung von A. bestätigte das Familiengericht die angeordnete Nachbetreuung und befristete diese bis zum 18. April 2017. Das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau wies die gegen den Entscheid des Familiengerichts gerichtete Beschwerde von A. am 29. April 2016 ab.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp347904"></a><span class="bold">C. </span>Gegen dieses Urteil gelangt A. mit Beschwerde in Zivilsachen vom 20. Mai 2016 (Postaufgabe) an das Bundesgericht. Er ersucht um Aufhebung der Massnahmen.</div> <div class="paraatf"> <i>(Zusammenfassung)</i> </div> <br/><div> <a name="idp349888"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Aus den Erwägungen:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp350848"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp356000"></a><span class="bold" id="consideration_2.1">2.1 </span>Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Bestimmungen über den Kindes- und Erwachsenenschutz grundsätzlich als öffentliches Recht zu bezeichnen sind. Ebenso anerkannt ist indes, dass die entsprechenden Normen aufgrund der Zivilrechtskompetenz des Bundes erlassen wurden (<span class="artref">Art. 64 aBV</span>; <span class="artref">Art. 122 BV</span>; ARNOLD MARTI, in: Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 1998, N. 96 Vorbem. zu <span class="artref"><artref id="CH/210/5" type="start"></artref>Art. 5 und 6 ZGB</span><artref id="CH/210/6" type="end"></artref>); sie stehen in engem Zusammenhang mit dem Zivilrecht und dienen seiner Verwirklichung, weshalb sie auch als ergänzendes bzw. formelles Bundeszivilrecht bezeichnet werden und nach traditioneller Betrachtungsweise zur Zivilrechtsgesetzgebung gehören (CHRISTOPH LEUENBERGER, in: Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N. 11 zu <span class="artref">Art. 122 BV</span>; vgl. auch AUBERT/MAHON, Petit commentaire de la Constitution fédérale de la Confédération suisse du 18 avril 1999, 2003, N. 5 zu <span class="artref">Art. 122 BV</span>; so bereits für das Vormundschaftsrecht: Urteil 5A_582/ 2011 vom 3. November 2011 E. 3.2, nicht publiziert in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2016&amp;to_year=2016&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-III-531%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page531">BGE 137 III 531</a>). Dem trägt das geltende Bundesgerichtsgesetz (BGG; SR 173. 110) Rechnung, indem es in Art. 72 Abs. 2 lit. b für öffentlich-rechtliche Entscheide, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Zivilrecht stehen, insbesondere entsprechende Entscheide auf dem Gebiet des Kindes- und Erwachsenenschutzes, die Beschwerde in Zivilsachen als Rechtsmittel an das Bundesgericht vorsieht (Art. 72 Abs. 2 lit. b Ziff. 6 BGG). <a name="page797"></a><div class="center pagebreak">BGE 142 III 795 S. 797</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp371840"></a><span class="bold" id="consideration_2.2">2.2 </span>Zutreffend ist, dass die vorliegend strittige medizinische Nachbehandlung aufgrund der in <span class="artref">Art. 437 Abs. 2 ZGB</span> enthaltenen Delegationsnorm dem kantonalen Recht unterstellt ist. Der angefochtene Entscheid stützt sich denn auch auf § 67k Abs. 1 EGZGB/AG und damit auf kantonales Recht. Das ändert aber nichts daran, dass die vom Kanton ausgesprochenen Massnahmen solche des Erwachsenenschutzes sind und der entsprechende Entscheid ein solcher auf dem Gebiete des Erwachsenenschutzes darstellt. Das ergibt sich nicht zuletzt aus dem Umstand, dass die Delegationsnorm im dritten Abschnitt (<span class="artref"><artref id="CH/210/426" type="start"></artref>Art. 426-439 ZGB</span><artref id="CH/210/439" type="end"></artref> über die fürsorgerische Unterbringung) enthalten ist. Im Übrigen spricht <span class="artref">Art. 72 Abs. 2 lit. b BGG</span> von öffentlich-rechtlichen Entscheiden, ohne allerdings zu präzisieren, um welches öffentliche Recht es sich handelt. In diesem Zusammenhang drängt es sich auf, den Begriff des öffentlichen Rechts im Sinn von <span class="artref">Art. 82 lit. a BGG</span> (Grundsatz der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten) auszulegen, der auch das öffentliche Recht der Kantone umfasst (BERNHARD WALDMANN, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, N. 17 zu <span class="artref">Art. 82 BGG</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp384224"></a><span class="bold" id="consideration_2.3">2.3 </span>Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der besagte Entscheid des Verwaltungsgerichts als letzter kantonaler Instanz in seiner Eigenschaft als Rechtsmittelinstanz (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/75/2" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/75/1" type="start"></artref>Art. 75 Abs. 1 und 2 BGG</span><artref id="CH/173.110/75/2" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/2" type="end"></artref>) beim Bundesgericht mit Beschwerde in Zivilsachen (<span class="artref">Art. 72 ff. BGG</span>) angefochten werden kann. Diese Auffassung hat das Bundesgericht im Übrigen im Urteil 5A_341/2016 vom 3. Juni 2016 E. 1 bestätigt. Damit scheidet die subsidiäre Verfassungsbeschwerde aus (<span class="artref">Art. 113 BGG</span>). Der Beschwerdeführer erfüllt die Voraussetzungen von <span class="artref">Art. 76 Abs. 1 BGG</span>. Die Beschwerde ist auch rechtzeitig erfolgt (<span class="artref">Art. 100 Abs. 1 BGG</span>). (...)</div> </div></body></html>