<h2>SubmittedText<h2><p>In der Schweiz werden seit 1991 gentechnologisch veränderte Kartoffeln freigesetzt. Der Bundesrat hat versprochen, laufend über die Auswirkungen davon zu berichten. Weil dies bis jetzt nicht geschehen ist, bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wieso ist entgegen früheren Versprechen die Schweizer Bevölkerung nicht laufend über die Forschungsergebnisse in Changins informiert worden?</p><p>2. Welche Forschungsresultate wurden 1992 erzielt? Besonders interessiert: Welche neuen Viren sind entstanden, welche möglichen Risiken sind damit verbunden oder werden diskutiert?</p><p>3. Wurden erneute Freisetzungsversuche wegen der erkannten potentiellen Risiken zurückgestellt?</p><p>4. Wurde neben dem Mechanismus der heterologen Enkapsidierung ("Bio Technology", 10. September 1992) auch derjenige der Rekombination studiert?</p><p>5. Welche Forschungsergebnisse sind 1993 in der Landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Changins erzielt worden?</p><p>6. Besteht heute die ausreichende Möglichkeit, negative Langzeiteffekte zu erkennen?</p><p>7. Wann und in welcher Form soll die Schweizer Öffentlichkeit über alle neuen Ergebnisse informiert werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die mit transformierten Kartoffeln der Sorte Bintje durchgeführten Freisetzungsversuche wurden für zwei Jahre geplant und durch die Interdepartementale Koordinationsstelle der Bewilligungsverfahren für die Anwendung von rDNS-Organismen (Kobago) und die Interdisziplinäre Schweizerische Kommission für Biologische Sicherheit in Forschung und Technik (SKBS) begleitet. Zusätzlich wurde über die jährlichen Beobachtungen im Rahmen der wichtigsten Arbeiten an der Landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Changins (RAC) 1992 und 1993 in Form eines Kurzberichtes informiert. Dieser Bericht wurde der Presse über das CRIA (Centre romand d'information en agriculture) übermittelt. Ebenfalls wurden die Mitglieder der Beratenden Kommission für die eidgenössischen landwirtschaftlichen Forschungsanstalten bedient. Ausserdem publiziert die RAC im Rahmen der Anstaltstätigkeit alle zwei Jahre einen Bericht. So werden die Versuche von 1991 im Bericht 1991/92 auf Seite 267f. vorgestellt. Über die neusten Resultate wird der noch nicht fertiggestellte Tätigkeitsbericht 1992/93 informieren.</p><p>2. Nachdem die Sorte Bintje durch Einbau des Gens, welches das Hüllprotein des Virus PVYN produzieren lässt, genetisch verändert wurde, ist die Virusresistenz der Pflanzen im Freien geprüft worden. Während den beiden Prüfungsjahren zeigten sich die transgenen Pflanzen vollständig resistent gegenüber PVYN und teilresistent gegenüber anderen PVY-Viren. Die im ersten Jahr beobachteten morphologischen Veränderungen der Knollen sind im zweiten Prüfungsjahr praktisch verschwunden, ausser dass die Knollen etwas länglicher ausfielen. Diese beobachteten morphologischen Unterschiede können teilweise auf den physiologischen Zustand der sehr jungen Knollen, die als Saatgut verwendet wurden, zurückgeführt werden. Es wurden keine signifikanten biochemischen (Stärke, Eiweiss und Aminosäuren) und geschmacklichen Unterschiede festgestellt. Das Vorhandensein von zwei Markergenen (Antibiotikaresistenz) zur Identifikation des Transfers, welche aber agronomisch überflüssig sind, verhindert die Vermarktung dieser Bintje. Eine Verbesserung dieser genetischen Veränderung ist im Gange.</p><p>Was das Entstehen neuer Viren betrifft, so konnten keine diesbezüglichen Beobachtungen gemacht werden (vgl. Ziff. 4).</p><p>3. Der Versuch mit transformierter Bintje war auf zwei Jahre angesetzt. Aufgrund der erhaltenen, vielversprechenden Resultate ist zurzeit eine Weiterentwicklung mit neuen Sorten mittels einer verbesserten Technologie im Gange (vgl. Ziff. 5).</p><p>4. Die Interpellantin bezieht sich auf einen Artikel, der in der amerikanischen Zeitschrift "Bio Technology" im September 1992 veröffentlicht wurde. Dieser Artikel, der von den Forschern in Changins abgefasst wurde, erwähnt die Notwendigkeit einer vertieften Forschung auf dem Gebiet der Risikoabschätzung. Es scheint jedoch ein gewisses Missverständnis im Zusammenhang mit dem erwähnten Artikel zu bestehen. In den Gewächshausversuchen konnte das Auftreten heterologer Enkapsidierung (Enkapsidierung durch eine Hülle eines anderen Virusstammes) beobachtet werden. Dagegen wird aber in diesem Artikel ebenfalls erwähnt, dass keinerlei Rekombinationen beobachtet werden konnten, welche das Entstehen neuer Viren möglich gemacht hätten. Im Rahmen eines laufenden Projektes ist eine Studie in Arbeit, die sich mit der Umweltgefährdung in Zusammenhang mit der Gentechnologie beschäftigt. Die zurzeit vorliegenden Daten schliessen jegliche Rekombinationsrisiken aus.</p><p>5. Die in den Jahren 1991/92 beobachteten Deformationen an gewissen Knollen stehen in keinem Zusammenhang mit dem durchgeführten Gentransfer, sondern sind auf somaklonale Unterschiede zurückzuführen. So konnte gezeigt werden, dass diese Deformationen durch die ausschliessliche Verwendung von Kambiumzellen (verfügen über grösseres Regenerationspotential) weitgehend eliminiert werden konnten.</p><p>Genomische Neukombinationen, durch die man eine Virusresistenz erreichen möchte, konnten erfolgreich durchgeführt werden. Diese Tatsache führt dazu, dass zukünftig auf den Gebrauch von unnötigen genetischen Markern (Ampicillinresistenz) verzichtet werden kann. Eine Virusresistenz konnte aufgrund erwähnter Technologie in neue Sorten eingeführt werden, welche speziell in qualitativer Hinsicht interessant sind.</p><p>6. Aufgrund der bis anhin erhaltenen Resultate im Rahmen eines noch laufenden Projektes, in dem es um die Abklärung potentieller Risiken geht, können keinerlei Schlüsse auf mögliche Befürchtungen gezogen werden. Diese Beobachtung wird durch eine von der OECD durchgeführte Studie (Analyse des introductions de plantes transgéniques au champ 1986--1992 [1993]) bestätigt: Bei insgesamt 46 in den Jahren 1986 bis 1992 durchgeführten Freisetzungsversuchen mit transgenen Kartoffeln (Virusresistenz) konnten keine negativen Auswirkungen bezüglich deren biologischer Sicherheit festgestellt werden.</p><p>Für die in den Jahren 1991/92 an der RAC durchgeführten Versuche wurden alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um mögliche Umweltgefährdungen auszuschliessen.</p><p>7. Die RAC ist in Zusammenarbeit mit dem BLW bemüht, die Öffentlichkeit laufend und umfassend über die aktuellen Forschungsarbeiten und die damit erhaltenen Resultate zu informieren. Ein detaillierter Bericht über die Versuche der letzten zwei Jahre wurde bereits in der "Revue suisse d'agriculture" vom November/Dezember 1993 publiziert. Ferner wird in der Nummer vom März/April 1994 der gleichen Zeitschrift ein weiterer Artikel unter dem Titel "Bilan et perspectives en matière de sécurité pour l'environnement" erscheinen.</p>