B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3916/2016 U r t e i l v o m 5 . J u l i 2 0 1 6 Besetzung Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), Richter David R. Wenger, Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner; Gerichtsschreiberin Lhazom Pünkang. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung); Verfügung des SEM vom 15. Juni 2016 / N (…). E-3916/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Heimat- staat am 20. März 2016 auf dem Luftweg zunächst nach (...) und reiste von dort aus am 31. Mai 2016 weiter in die Schweiz, wo er tags darauf am Flughafen Zürich sein Asylgesuch stellte. Der Beschwerdeführer reiste mit seinem persönlichen Reisepass und war in Besitz von Visa für (...) sowie den Schengen-Raum. Mit Verfügung vom 1. Juni 2016 verweigerte das SEM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz vorläufig und wies ihm für die Dauer von maximal 60 Tagen dem Transitbereich des Flugha- fens Zürich als Aufenthaltsort zu. Am 4. Juni 2010 führte das SEM am Flug- hafen Zürich eine summarische Befragung durch und a m 9. Juni 2016 hörte es den Beschwerdeführer einlässlich zu seinen Asylgründen an. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei tamilischer Ethnie, in Jaffna geboren und in (...) (Distrikt Kilinochchi) aufgewachsen. Er sei im Jahr 2009 zweimal durch die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zu Rekrutierungszwecken fest- gehalten worden, habe sich aber jeweils am nachfolgenden Tag aus deren Gewahrsam befreien können. Dagegen sei sein älterer Bruder 2008 durch die LTTE zwangsrekrutiert worden. Nach dem Ende des Bürgerkriegs im Mai 2009 habe die sri-lankische Armee den Bruder mehrmals in ihren Camps interniert und ihn im 2011 schliesslich freigelassen. Aufgrund dieser Umstände habe die sri-lankische Armee ihn – den Beschwerdeführer – und seine Familie der Unterstützung der LTTE verdächtigt, weshalb sie im Jahr 2009 mehrmals kurzzeitig inhaftiert worden seien. Als sein Bruder im Jahr 2013 wiederholt durch die sri-lankischen Behörden aufgesucht und befragt sowie unter Meldepflicht gestellt worden sei, habe dieser sich zur Ausreise nach Australien entschieden, wobei ihn der jüngere Bruder begleitet habe. Etwa drei Monate nach deren Ausreise sei der Vater durch Angehörige der sri-lankischen Armee bzw. Agenten des Criminal Investigation Department (CID) zunächst zweimal zu Hause aufgesucht und danach vermutlich durch dieselben Personen ermordet worden. Ungefähr drei Jahre später, im Feb- ruar 2016, seien diese Personen während seiner Abwesenheit bei ihm zu- hause gewesen und hätten seiner Mutter die Nachricht hinterlassen, er solle sich bei ihnen melden. Er habe dieser Aufforderung keine Folge leis- ten wollen und sei deshalb ausgereist. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer Kopien sei- ner Identitätskarte, einen Auszug aus dem Geburtsregister sowie seinen E-3916/2016 Seite 3 Führerschein zu den Akten. Betreffend den älteren Bruder legte er eine Haftbestätigung des IKRK, eine Identifikationskarte der Hilfsorganisation ICRS sowie eine „Rehabilitationsbestätigung“ ins Recht. B. Mit Verfügung vom 15. Juni 2016 – eröffnet am darauf folgenden Tag – lehnte das SEM das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung des Be- schwerdeführers aus dem Transitbereich des Flughafens sowie den Voll- zug der Wegweisung an. Zur Begründung führte es aus, die Verfolgungs- vorbringen des Gesuchstellers vermöchten weder den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) noch an jene der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG zu genügen. Den Wegwei- sungsvollzug erachtete das SEM als zulässig, zumutbar und möglich. C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 23. Juni 2016 focht der Beschwerdeführer die Verfügung des SEM vom 15. Juni 2016 beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte de ren Aufhebung, die Rückweisung der Sache an das SEM, die Gestattung der Einreise in die Schweiz, die Gewährung von Asyl und eventualiter die Gewährung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. In formeller Hinsicht beantragte er die Gewährung der aufschiebenden Wir- kung der Beschwerde und die Anweisung der Behörden, bis zum Entscheid auf Vollzugsmassnahmen zu verzichten. Ferner ersuchte er um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung sowie die unentgeltliche Rechts- verbeiständung und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Be- schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti- miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG). E-3916/2016 Seite 4 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver- zichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy- chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in BVGE 2010/57 mit den Anfor- derungen an das Glaubhaftmachen auseinandergesetzt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden. 5. 5.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, der Be- schwerdeführer habe den Zusammenhang zwischen den Schwierigkeiten seines Bruders und dem Mord an ihrem Vater nicht stichhaltig darlegen können. Insbesondere habe er zu den Personen, die ihn und seinen Bruder zu Hause aufgesucht hätten, sowie zu den damaligen Um ständen keine substantiierten Angaben machen können. So vermute er bloss, es handle sich bei diesen Personen um Angehörige der CID. Zudem habe er die An- zahl derer Besuche nicht nennen können . Das SEM zeigte in diesem Zu- sammenhang weitere Ungereimtheiten auf, auf welche an dieser Stelle mit Verweis auf die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz nicht weiter einzugehen ist. Sodann habe der Beschwerdeführer lediglich dürftig über das angeblich wegen des Mordes an seinem Vater eingeleitete Strafverfahren Aus kunft E-3916/2016 Seite 5 geben können. Auch habe er nicht plausibel erklären können, weshalb er erst im Februar 2016 von den Behörden vorgeladen worden sein soll, nach- dem er drei Jahre unbehelligt gelebt hatte. Auf entsprechende Nachfrage habe er pauschal geantwortet, rehabilitierte Leute würden nun wieder fest- genommen, was jedoch in Bezug zu seiner persönlichen Verfolgungsge- schichte keinen Sinn ergebe. Schliesslich sei der Beschwerdeführer ohne Probleme und mit dem eigenen Reisepass ausgereist, was ein weiteres Indiz dafür sei, dass er in Sri Lanka keinen Verfolgungsmassnahmen aus- gesetzt sei. Weiter drohe dem Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr nach Sri Lanka keine Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG. Gemäss eige- nen Angabe habe er nie mit den LTTE zusammen gearbeitet. Dass er un- mittelbar nach Ende des Bürgerkrieges unter Beobachtung der sri -lanki- schen Behörden gestanden sei, seien Massnahmen zur allgemeinen Be- kämpfung des Terrorismus der LTTE und als solche zu wenig intensiv, um von einer asylrelevanten Verfolgung zu sprechen. Auch sei der Beschwer- deführer seit seiner Entlassung aus dem Camp im Jahr 2009 nie von den Behörden verdächtigt, angeklagt oder verurteilt worden. Dem vorliegenden Sachverhalt seien demnach keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer eine einreiserelevante Verfolgung drohen könnte. 6. 6.1 Der Beschwerdeführer rügt in prozessualer Hinsicht , die Vorinstanz halte ihm vor, er habe beweismässig die Zusammenhänge nicht erstellt , habe ihm hierzu jedoch keine Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt. Damit sei sein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden. Aufgrund des Protokolls ergibt sich, dass der Mitarbeiter des SEM auf gewisse Un- stimmigkeiten in den Aussagen des Beschwerdeführers im Einzelnen ein- gegangen ist. Sodann konnte der Beschwerdeführer mit der vorliegenden Beschwerde hinreichend Stellung zu den Unstimmigkeiten in seinen Aus- sagen nehmen. Eine Verletzung des Anspruchs des rechtlichen Gehörs ist demnach nicht ersichtlich. Weiter rügt der Beschwerdeführer die Verletzung des Untersuchungs- grundsatzes. Aufgrund seiner Aussagen und der eingereichten Beweismit- tel hätten in seinem Fall hinreichende Anhaltspunkte für weitere Abklärun- gen bestanden. Indes legt er nicht substantiiert dar, aufgrund welcher kon- kreter Umstände nicht offenkundig sei, dass er die Flüchtlingseigenschaft E-3916/2016 Seite 6 weder beweisen noch glaubhaft machen könne (Art. 40 Abs. 1 AsylG). Sol- ches ist auch nicht ersichtlich. Die Rüge erweist sich als unbegründet und der Antrag auf weitere Abklärungen ist abzuweisen. 7. 7.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Gericht in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass sich aus den Vorbringen des Beschwer- deführers und den von ihm eingereichten Beweismitteln keine Anhalts- punkte für eine begründete Furcht vor Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG ergeben. Zwar kann den geltend gemachten behördlichen Behelligungen gegenüber dem Bruder des Beschwerdeführers und d ie dadurch veranlasste Ausreise desselben nicht von vornherein die Glaub- haftigkeit abgesprochen werden. Indes lässt sich hieraus in zweierlei Hin- sicht nicht schliessen, dass der Beschwerdeführer asylrelevante Nachteile zu befürchten hat. Einerseits zeichnen sich seine diesbezüglichen Aussa- gen durch Oberflächlichkeit und Vagheit aus und lassen die zu erwarten- den Realkennzeichen, wie Detailreichtum, freies assoziatives Erzä hlen, konkrete Interaktionsschilderungen oder inhaltliche Besonderheiten ver- missen (vgl. A17/13f.-19 F131 bis F154) . Andererseits erweisen sich die vorgebrachten behördlichen Massnahmen als zu wenig intensiv, um von ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG auszugehen. Der Beschwerdeführer vermag keine konkreten Umstände oder Argumente darzulegen, die auf eine gezielt e behördliche Suche nach ihm und damit verbundene Sanktionen schliessen liessen. Er wurde einzig im Februar 2016 behördlich aufgefordert, sich zu melden und letztmals bei seiner Ent- lassung aus dem Camp (2011) mit behördlichen Problemen konfrontiert (vgl. A17/12-19 F129). Die dargelegte Situation genügt offensichtlich nicht, um von einer tatsächlich drohenden Verfolgung auszugehen. Weiter hält die Vorinstanz zutreffend fest, dass die Ermordung des Vaters kaum in Zu- sammenhang mit der Ausreise des Bruders des Beschwerdeführers stehe. Denn alleine gestützt auf die mündliche Schilderung sowie den eingereich- ten Obduktionsbericht kann nicht geschlossen werden, dass die angebli- che Ermordung des Vaters auf die LTTE-Tätigkeit des älteren Bruders zu- rückzuführen ist. Schliesslich bleibt festzuhalten, dass die Ausführungen zum angeblich wegen Mordes an seinem Vater laufenden Strafverfahren äusserst ungenau und detailarm ausfielen (vgl. A 17/11-19 F114 ff.). 7.2 Im Weiteren kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der angefochtenen Verfügung verwiesen werden, denen der Beschwerdefüh- rer keine substanziierten Einwendungen e ntgegen zu halten vermag. Die E-3916/2016 Seite 7 Ausführungen in der Beschwerdeeingabe beschränken sich im Wesentli- chen auf die Wiederholung des aktenkundigen Sachverhalts und das Fest- halten am Wahrheitsgehalt der bisherigen Vorbringen, weshalb sie an der vorstehenden Einschätzung nichts zu ändern vermögen. 7.3 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sind in Sri Lanka unter anderem Personen einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausge- setzt, die verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung gestanden und sie unterstützt zu haben, die nach der Flucht behördlich gesucht wurden oder Rückkehrer aus der Schweiz, denen nahe Kontakte zu den LTTE un- terstellt werden (BVGE 2011/24 E. 8). Hierzu ist festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer nicht glaubhaft darzulegen vermochte, weshalb er wegen seines Bruders in Sri Lanka mit ernsthaften Problemen konfrontiert gewe- sen sein soll. Sodann macht er nicht geltend, selber Mitglied der LTTE ge- wesen zu sein, diese unterstützt oder ein militärisches Training absolviert zu haben. Der Beschwerdeführer vermag demnach aufgrund seiner ethni- schen Zugehörigkeit und Herkunft aus der Nordprovinz und dem Umstand, dass er ein Asylgesuch in der Schweiz eingereicht hat, keine Verfolgungs- gefahr abzuleiten (BVGE 2011/24 E. 9.4). Darüber hinaus hat der Be- schwerdeführer gemäss eigenen Angaben Sri Lanka auf legalem Weg ver- lassen, was als Hinweis dafür zu werten ist, dass er nicht behördlich ge- sucht wird. Was allfällige Massnahmen, die über einen sogenannten "Back- ground check" hinausgehen oder Personenkontrollen betrifft, denen ein Grossteil der tamilischen Bevölkerung im ganzen Land ausgesetzt sind, kommt solchen aufgrund mangelnder Intensität kein Verfolgungscharakter im Sinne von Art. 3 AsylG zu (Urteil des BVGer E-5097/2014 vom 20. Ok- tober 2014 E. 5). Schliesslich handelt es sich beim Beschwerdeführer nicht um eine besonders wohlhabende Person, weshalb er aufgrund seines Ver- mögens bei seiner Rückkehr keinem erhöhten Entführungs - und Erpres- sungsrisiko ausgesetzt wäre. Die Zugehörigkeit zu einer besonders gefähr- deten Gruppe von rückkehrenden Asylsuchenden ist beim Beschwerdefüh- rer nicht gegeben. Der Beschwerdeführer hat demnach keine asylrelevan- ten Nachteile im Zusammenhang mit einer Überprüfung bei seiner Wieder- einreise in Sri Lanka zu befürchten. 7.4 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Vo- rinstanz da s Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen hat. An diesem Schluss vermögen auch die bloss in Kopie eingereichten Beweismittel nichts zu ändern. E-3916/2016 Seite 8 8. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge- such ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt we- der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (BVGE 2013/37 E. 4.4). Die Wegwei- sung ist nicht zu beanstanden. 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 9.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nach Art. 83 Abs. 3 AuG unzulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste- hen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Voll- zuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völ- kerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkom- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei- sungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen ( BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wie- derholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkeh- renden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Es müsse jedoch im Einzelfall eine Risikoeinschätzung vorgenommen werden (Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11, Ziff. 37). Aus den Aussagen des Beschwerdeführers und den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaf- fung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge- setzt wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig. E-3916/2016 Seite 9 9.3 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AuG unzumut- bar sein, wenn der Ausländer oder die Ausländerin im Heimat - oder Her- kunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet ist. In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Der Beschwerdeführer ist in Jaffna (Nordprovinz) geboren und lebte bis zu seiner Ausreise an verschiedenen Orten in der Nordprovinz, wobei er kurz vor der Ausreise seinen Wohnsitz nach Jaffna verlegte, wo seine Mutter und seine Geschwister heute noch leben und ein Haus besitzen (vgl. A17/13-19 F135 und 142). Ein Rückkehr ins Vanni-Gebiet droht dem Be- schwerdeführer demnach nicht (BVGE 2011/24 E. 12–13). Ferner verfügt er in seiner Herkunftsregion über weitere Verwandte, namentlich die Grossmutter sowie mehrere Onkel und Tanten, mithin über ein tragendes soziales Beziehungsnetz, auf welches er bei einer Rückkehr zurückgreifen kann. Sodann hat er zehn Jahre die Schule besucht und diverse Berufser- fahrungen als (…) gesammelt, weshalb ihm zuzumuten ist, bei einer Rück- kehr eine neue Existenz aufzubauen (vgl. A7/6-16). Schliesslich lassen die Aussagen darauf schliessen, dass die wirtschaftliche Situation seiner Fa- milie relativ gut ist , weshalb davon auszugehen ist , dass er weiterhin auf finanzielle Unterstützung durch sein familiäres Beziehungsnetz im In- und Ausland zählen kann. Insgesamt erweist sich der Vollzug der Wegweisung somit als zumutbar. 9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. E-3916/2016 Seite 10 11.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist. 11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600. – (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Antrag auf Verzicht eines Kostenvorschusses ist damit gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) E-3916/2016 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Barbara Balmelli Lhazom Pünkang Versand: