Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. April 2022 (720 21 280 / 74; 720 21 281 / 75) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Verwaltungsgutachten beweiskräftig; Anspruch auf eine Invalidenrente verneint Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Chris Bräutigam, Rechts- anwalt, Advokatur zum Schloss, Schlossgasse 1, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1978 geborene A.____ arbeitete zuletzt bis Apr il 2014 bei der Firma B.____ in X.____ als Landschaftsgärtner (Pensum 90 %). Am 4. März 2014 meldete er sich unter Hinweis auf unfallbedingte Rückenbeschwerden bei der Eidgenössisch en Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nachdem die IV-Stelle Basel-Landsc haft (IV-Stelle) die Verhältnisse abgeklärt hatte, sprach sie ihm vom 1. Januar 2015 bis 31. Mai 2015 eine ganze Invalidenrente zu (Verfügung vom 19. Oktober 2018). Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Chris Bräutigam, am 19. November 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozial- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht versicherungsrecht (Kantonsgericht; Verfahren 720 18 376) . Nachdem die IV-Stelle die ange- fochtene Verfügung lite pendente zwecks Durchführung wei terer medizinischer Abklärungen aufgehoben hatte, schrieb die instruierende Präsident in des Kantonsgerichts das Beschwerde- verfahren infolge Gegenstandslosigkeit ab (Beschluss vom 16. Januar 2019). Am 16. Juli 2019 beauftragte die IV-Stelle Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, mit einem Gutachten, welches am 31. Oktober 2019 erstat tet wurde. Im Rahmen des Vorbe- scheidverfahrens holte sie sodann bei den behandelnden Ä rzten des Spitals D.____ und des Spitals E.____ Erkundigungen ein. Nach Rücksprache mit d em Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) sprach sie A.____ vom 1. Januar 2015 bis 31. Mai 2 015 und vom 1. Oktober 2015 bis 30. April 2016 eine ganze Invalidenrente zu (Verfügu ng vom 12. August 2021). Gleichentags verfügte sie zu dieser Rente eine entsprechende Kinderrente. B. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Bräutigam, am 13. September 2021 zwei separate Beschwerden beim Kanto nsgericht (Verfahren 720 21 280 und 720 21 281). Er beantragte, in Gutheissung der Be schwerden seien die Verfügungen vom 12. August 2021 aufzuheben und es sei festzustellen, d ass er mit Wirkung ab 1. Mai 2015 An- spruch auf eine unbefristete ganze Rente inkl. Kinderre nte habe. Eventualiter sei zur Beurtei- lung seiner Arbeitsfähigkeit ein Gerichtsgutachten einzuholen, subeventualiter sei die Sache zur Vornahme ergänzender Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Bewilli gung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Rechtsanwalt Bräutigam als Rechtsvertreter. Zur Be gründung führte er im Wesentlichen aus, dass der Entscheid über seinen Leistungsanspruch auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe und die Bemessung der Invalidität nicht zutreffend erfolgt sei. C. Mit Verfügung vom 17. September 2021 wurden die V erfahren 720 21 280 und 720 21 281 vereinigt. D. Am 28. Oktober 2021 bewilligte die instruierende Präsidentin des Kantonsgerichts, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht, dem Beschwerdeführer fü r das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Rechtsanwalt Bräuti- gam als Rechtsvertreter. E. In ihrer Vernehmlassung vom 4. November 2021 schloss d ie IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführunge n eine Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. F.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsap- parats, vom 1. Oktober 2021 bei. F. Am 16. November 2021 zog das Kantonsgericht bei der S chweizerischen Unfallversi- cherungsanstalt (Suva) die Akten des Versicherten bei. G. Mit Instruktionsverfügung vom 25. November 2021 wurd e die Angelegenheit der Dreier- kammer zur Beurteilung überwiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bilden zwei Verfügungen der IV-Stelle Basel -Landschaft, so dass die örtliche Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahe n ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. Auf die frist- und formgerecht erho- benen Beschwerden vom 13. September 2021 ist demnach einzutreten. 2. Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Ände- rung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kra ft. Die vorliegend angefochtenen Verfü- gungen ergingen vor dem 1. Januar 2022. Nach den allg emeinen Grundsätzen des intertempo- ralen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (st att vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher d ie Bestimmungen des IVG und diejenigen der IVV sowie des ATSG in der bis 31. Dezember 2021 g ültig gewesenen Fassung anwendbar (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021 E. 2). Sie werden im Fol- genden jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 3. Streitig ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführer s. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfüg ungen vom 12. August 2021 entwi- ckelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemä ss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2). 4.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 4.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsun fähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Unt ervarianten des Schätzungs- oder Pro- zentvergleichs (vgl. BGE 114 V 313 E. 3a) und der ausse rordentlichen Methode (vgl. BGE 128 V 29). 4.4 Gemäss Art. 35 Abs. 1 IVG i. V. m. Art. 22 ter Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Al- ters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dez ember 1946 haben Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente zusteht, für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Wai- senrente der Alters- und Hinterlassenenversicherung beansp ruchen könnte, Anspruch auf eine Kinderrente. 5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheiden d, ob dieser für die streitigen Be- lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen ber uht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin ode r des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandeln- den Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsa che Rechnung tragen, dass diese mit- unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauen sstellung in Zweifelsfällen eher zu Guns- ten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschied- liche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tä tigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinisc hen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des damaligen Eidge nössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stet s in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnde n Ärzte zu anderslautenden Einschät- zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf- drängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und n icht rein subjektiver ärztlicher Interpretati- on entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un- gewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgericht s vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welch e für den vorliegenden Entscheid zentral sind. 7.2 Die IV-Stelle beauftragte Dr. C.____ mit einem rheumatologischen Gutachten. Am 31. Oktober 2019 diagnostizierte er mit Einfluss auf di e Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lum- bovertebralsyndrom mit spondylogener Ausstrahlung links. O hne Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit bestünden eine Meralgia paraesthetica nocturna links, ein Status nach Handfraktur links, nach Kieferfaktur und nach arthoskopischer Knieoperatio n links. Der Versicherte habe am 28. Januar 2014 bei einer Drehbewegung eine akute Lum bago erlitten. In der Folge seien di- verse Infiltrationen und am 17. September 2014 eine d orsale Spondylodese L5/S1 erfolgt. Postoperativ habe sich eine lokale Schädigung des sensiblen Nervus cutaneus femoris leteralis links gezeigt. Nach initial gutem Verlauf der lumbalen Schmerzen sei es zu einem Rückfall ge- kommen, weshalb am 13. Oktober 2015 erneut eine Spon dylodese L5/S1 durchgeführt worden sei. In der Folge habe sich vorübergehend eine Besserun g eingestellt. Am 31. August 2018 sei eine Osteosynthesematerial-Entfernung links mit posterolateraler Fusion L5/S1 beidseits durch- geführt worden. Diese sowie die nachfolgenden Infilt rationen hätten jedoch keine relevante Besserung gebracht. Aktuell schildere der Versicherte eine erhebliche chronisch-lumbale Schmerzsymptomatik und Schmerzen in etwa im Ausbreitungsge biet des Nervus cutaneus femoris lateralis links. Im Unterschenkel seien die Schme rzen nur zeitweise vorhanden. Die klinische Untersuchung zeige keine radikuläre Problematik. Klinisch bestünde der Verdacht auf eine Instabilität. Diese lasse sich aber bildgebend nich t darstellen. Radiologisch sei keine An- schlussdegeneration ersichtlich. Es sei nicht möglich, eine klare organische Ursache der Schmerzsymptomatik zu bezeichnen, was aber nicht bedeute, d ass kein Substrat bestünde, da operationsbedingte Läsionen von kleinen Nerven durchau s chronische Schmerzen auslösen könnten. Die Alltagsaktivitäten des Versicherten würden Tätigkeiten auf einem körperlich leich- ten Niveau entsprechen, wie dies auch bei einer entspr echenden Berufstätigkeit möglich wäre. So besorge er seinen Haushalt, reinige (in Etappen) seine Wohnung, kaufe leichte Sachen selbst ein, koche, spaziere, fahre Auto und pflege soziale Kontakte. Er gebe an, die meiste Zeit des Tages im Bett zu liegen, da er so am wenigsten Schm erzen habe. Klinisch würden sich jedoch keine Schonungszeichen der Muskulatur zeigen, wes halb von einem regelmässigen Einsatz der Muskulatur ohne relevante Behinderung auszugehen sei. In Bezug auf eine körper- lich leichte Tätigkeit würden normale Ressourcen beste hen. Die bisherige Arbeit als Land- schaftsgärtner sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar. V ermieden werden sollten zudem dauerndes Sitzen oder Stehen, Arbeiten in Zwangshalt ungen, repetitives Vornüberbeugen oder Bücken sowie dauernde Überkopf-Arbeiten. Zudem sollten keine Gewichte über 7,5 kg geho- ben, gestossen oder gezogen werden. In einer körperlich leichten Tätigkeit bestünde wegen der chronischen Schmerzsymptomatik ein erhöhter Pausenbedarf, weshalb die Arbeitsfähigkeit mit 80 % zu veranschlagen sei. Im zeitlichen Verlauf sei der Versicherte während der Hospitalisati- on im Spital G.____ vom 28. Januar 2014 bis 1. Februa r 2014 vollständig und hernach bis 16. September 2014 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen. Zu dem habe nach der ersten Operation vom 17. September 2014 bis 27. Februar 2015 eine voll ständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Vom 28. Februar 2015 bis 12. Oktober 2015 sei von ein er 80%igen Arbeitsfähigkeit auszuge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht hen. Nach der zweiten Operation am 13. Oktober 2015 se i der Versicherte bis 31. Januar 2016 wiederum zu 100 % und danach bis 29. August 2018 zu 20 % arbeitsunfähig gewesen. Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit habe sodann vom 30. Au gust 2018 bis 30. November 2018 be- standen (3. Operation). Danach betrage die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dauerhaft 20 %. 7.3 Der Versicherte unterzog sich im Spital D.____ einer Schmerzsprechstunde. Im Bericht vom 20. März 2020 diagnostizierte Prof. Dr. med. H.___ _, FMH Anästhesiologie, eine chroni- sche Lumboischialgie links. Der Versicherte gebe an, dass d ie Schmerzen bereits durch gerin- ge Aktivitäten massiv zunehmen würden. Seine Tagesstruktur sei weitgehend verloren gegan- gen und er zeige einen sozialen Rückzug. Es liege eine au sgeprägte Kinesiophobie und wahr- scheinlich ein damit verbundenes katastrophierendes Denken vor. Zudem zeige er eine Abhän- gigkeit von seiner Opioidtherapie. Aufgrund der komple xen Vorgeschichte und den vielen ge- scheiterten Therapieversuchen sei eine stationäre Rehab ilitation zu befürworten. Für die Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit sei der behandelnde Hau sarzt oder ein Versicherungsmediziner zu- ständig. Die Behandlung sei vorläufig abgeschlossen. 7.4 Am 24. August 2020 fand im Spital E.____ eine i nterdisziplinäre Schmerzsprechstunde (Schmerztherapie, Allgemeine Innere Medizin, Psychosomati k) statt. Im Bericht vom 3. September 2020 diagnostizierten die behandelnden Ä rzte ein chronisches therapierefrektä- res lumbospondylogenes Schmerzsyndrom L5/S1 links und schmerzth erapeutische Interventio- nen (anamnestisch alle ohne Effekt). Es bestünde eine ch ronisch lokalisierte muskostkelettäre Schmerzerkrankung im Bereich der unteren Lendenwirbel säule (LWS) mit belastungsabhängig verstärkten Schmerzen. Es zeige sich keine lokale Struktur , die schmerztherapeutisch ange- gangen werden könnte. Eine Indikation für ein station äres Opioid-Entzugsprogramm bestünde aktuell nicht. Im Vorfeld müsse sicherlich das Krankheitsm odell des Versicherten besprochen werden. In diesem Zusammenhang sollte auch das im Jahr 2016 durchgeführte SPECT-CT diskutiert werden. Hier zeige sich zwar ein erhöhter Knochenstoffwechsel im Bereich der L5/S1. Bei zweimalig diagnostischer und therapeutischer Infiltr ationen der Facettengelenke ohne jegli- che Verbesserung sei die klinische Relevanz allerdings fra glich. Aus psychosomatischer Sicht liesse sich nach so langer Zeit wohl kaum ein somatisch-org anischer Grund für die Schmerzen finden. Bemerkenswert sei, dass der Versicherte durch den Schmerz enorm eingeschränkt sei und durch ihn wie gebannt zu vollständiger Schonung ge zwungen werde. Es sei anzunehmen, dass ein sekundärer Krankheitsgewinn bestünde. Eine Beu rteilung der Arbeitsfähigkeit wurde nicht vorgenommen. 7.5 Am 8. Oktober 2020 nahm der RAD-Arzt Dr. F.____ S tellung. Er hielt fest, dass die anhaltenden Schmerzen des Versicherten mit einem somatisc h nicht begründbaren dysfunktio- nalen Schonverhalten einhergehen würden, wie es auch von Dr. C.____ beschrieben worden sei. Auch die Experten des Spitals E.____ hätten festg estellt, dass sich die Schmerzen kaum einer definierten somatisch-organischen Ursache zuordnen lassen würden. Der Gutachter habe die vorhandenen bildgebenden Unterlagen berücksichtigt. Die Tatsache, dass er trotz fehlen- dem organischem Korrelat einen mehr als betriebsübliche n Pausenbedarf von 20 % bejaht ha- be, sei zu Gunsten des Versicherten. Auf das Gutachten von Dr. C.____ vom 31. Oktober 2019 könne weiterhin abgestellt werden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Die IV-Stelle stützte sich in der Verfügung vom 12 . August 2021 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf die Ergebnisse im Gut- achten von Dr. C.____ vom 31. Oktober 2019. Sie ging demgemäss davon aus, dass der Versi- cherte vom 28. Januar 2014 bis 1. Februar 2014 zu 100 % , vom 2. Februar 2014 bis 16. September 2014 zu 50 %, vom 17. September 2014 b is 27. Februar 2015 zu 100 %, vom 28. Februar 2015 bis 12. Oktober 2015 zu 20 %, vom 13. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016 zu 100 %, vom 1. Februar 2016 bis 29. August 2018 zu 20 %, vom 30. August 2018 bis 30. November 2018 zu 100 % arbeitsunfähig war und se it dem 1. Dezember 2018 zu 80 % ar- beitsfähig ist. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung i st im Ergebnis nicht zu beanstanden. Wie in Erwägung 5.3 hiervor ausgeführt, prüft das Ge richt frei, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Hinsichtlich des Be- weiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob d ieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, i n Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusamme nhänge einleuchtet und seine Schlussfolgerungen begründet sind. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Gutachten von Dr. C.____ vom 31. Oktober 2019 in Frage zu stel- len oder gar davon abzuweichen. Vielmehr erfüllt es sowohl in formeller Hinsicht als auch inhalt- lich die bundesgerichtlichen Anforderungen an eine bewe iskräftige medizinische Entscheid- grundlage. Der Gutachter hatte Kenntnis von sämtlich en bei den Akten liegenden medizini- schen Unterlagen, er setzte sich in angemessener Weise m it den geäusserten Beschwerden auseinander und begründete die Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer Weise. In inhaltlicher Hinsicht vermag sodann die Feststellung zu überzeugen, dass der Beschwerdeführer infolge der Hospitalisationen resp. im Nachgang zu den operati ven Eingriffen vollständig resp. erheb- lich arbeitsunfähig war und sich hernach eine Besserung d es Gesundheitszustands einstellte, die eine angepasste Arbeit im Umfang von 80 % erlaubt e. Insgesamt bestehen keine Anhalts- punkte dafür, dass die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung als wichtigste Grundlage gutachtli cher Feststellungen und Schlussfol- gerungen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. August 2016, 9C_410/2016, E. 2.2.1 mit Hin- weis, in: SVR 2016 IV Nr. 53 S. 178) nicht lege artis erfolgt wäre. Die entsprechenden, vorste- hend (vgl. E. 7.2) wiedergegebenen Darlegungen des G utachters vermögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. 8.2 Wenn der Beschwerdeführer einwendet, er sei entg egen der Ansicht von Dr. C.____ seit dem 28. Januar 2014 bis heute durchgehend vollständ ig arbeitsunfähig, kann ihm nicht ge- folgt werden. So legt er nicht substanziiert dar und es ist auch nicht ersichtlich, dass Dr. C.____ die medizinischen Vorakten unzutreffend gewürdigt oder Gesichtspunkte der behandelnden Ärzte nicht berücksichtigt hätte. Vielmehr steht seine Be urteilung mit den Angaben in den echt- zeitlichen Berichten der behandelnden Ärzte Prof. Dr. I .____, FMH Neurochirurgie, und PD Dr. med. J.____, FMH Neurologie, insofern im Einkl ang, als diese jeweils einen unkompli- zierten postoperativen Verlauf mit Schmerzrückgang beschrie ben (vgl. Berichte vom 26. September 2014, 27. Februar 2015, 23. Oktober 20 15 und 15. März 2016). Soweit der Be- schwerdeführer geltend macht, aufgrund der Beurteilungen der behandelnden Ärzte des Spitals K.____ und des Spitals D.____ aus den Jahren 2014 bis 20 18 sei von einer durchgehenden Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, ist darauf h inzuweisen, dass es die unterschiedli- che Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch täti gen Fachperson einerseits und Begut- achtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4) nicht zulässt, ein Administrati vgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. The- rapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Weiter ist zu beachten, dass eine Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessen sfrei erfolgen kann. Sie eröffnet den Gutachtern praktisch immer einen Spielraum für verschiede ne medizinische Interpretationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern der Gutachter – wie hier – lege artis vorgegangen ist. Der Beschwerdeführer legt nicht dar und es ist auch nicht ersichtlich, dass aus den Berich- ten der behandelnden Ärzte des Spitals K.____ und des S pitals D.____ aus den Jahren 2014 bis 2018 Gesichtspunkte hervorgingen, die von Dr. C.____ n icht berücksichtigt worden wären oder dessen Zumutbarkeitsbeurteilung als offensichtlich unz utreffend erscheinen liessen. Viel- mehr differenzierte er zwischen den subjektiv empfundene n Beschwerden und den geltend ge- machten Einschränkungen im Alltag einerseits und den ob jektiv feststellbaren Befunden ande- rerseits. Er erkannte als Schmerzursache zwar kein eindeutig es organisches Substrat, erachte- te aber operationsbedingte Läsionen von kleinen Nerven, welche die chronischen Schmerzen erklären, als möglichen Auslöser dafür. Der Schmerzsituatio n trug er sodann insofern Rech- nung, als er wegen eines erhöhten Pausenbedarfs auch für angepasste Tätigkeiten eine leichte Leistungseinschränkung von 20 % attestierte. Insgesamt ergibt die gutachterliche Einschätzung auch hinsichtlich der beschriebenen Inkonsistenzen (keine Schonungszeichen der Muskulatur, obwohl der Versicherte angibt, die meiste Zeit des Tages im Bett zu liegen) ein schlüssiges Bild zum Gesundheitszustand und der daraus resultierenden Lei stungsfähigkeit. Demnach sind die soziale Zurückgezogenheit und das eher tiefe Aktivitätsniveau nicht krankheitsbedingt und inva- lidenversicherungsrechtlich deshalb nicht relevant. Daran vermag die abweichende eigene Ein- schätzung des Beschwerdeführers nichts zu ändern. Bei diese r Sachlage besteht weder An- lass, an der Zumutbarkeitsbeurteilung des Gutachters zu zw eifeln, noch ein weiterer Abklä- rungsbedarf zur Schmerzursache. Letzteres gilt umso mehr , als für die Belange der Invaliden- versicherung nicht die Diagnose, sondern die Auswirkungen des fachärztlich festgestellten Lei- dens auf die Arbeitsfähigkeit massgebend ist (vgl. Urte il des Bundesgerichts vom 23. April 2019, 9C_184/2019, E. 4.2). Insgesamt ergibt sich aus den Akten nichts, was darauf schliessen lassen könnte, dass die gutachterliche Beurteilung der L eistungsfähigkeit unzutreffend wäre oder sich zwischenzeitlich eine massgebliche Verschlechterun g der Leistungsfähigkeit einge- stellt hätte, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf die beantragte zusätzliche Abklärung verzic htet werden kann. Nach dem Ge- sagten ist im Ergebnis nicht zu beanstanden, dass die IV -Stelle bei der Beurteilung des Ge- sundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers gestützt auf die Ergebnisse im Gutachten von Dr. C.____ vom 31. Oktober 2019 davo n ausgegangen ist, dass dieser im hier zu beurteilenden Zeitraum mit Ausnahme abklärung s- und operationsbedingt höherer Ar- beitsunfähigkeiten eine Verweistätigkeit im Umfang von 80 % ausüben könnte. 9.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ver- sicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Die von der IV-Stelle vorge- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nommene Bemessung des Valideneinkommens aufgrund der A ngaben der ehemaligen Arbeit- geberin und des Invalideneinkommens aufgrund der Lohnst rukturerhebung (LSE) des Bundes- amtes für Statistik (BfS) hat der Beschwerdeführer zu R echt nicht bestritten. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der R echtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung der Vergleic hseinkommen vorzunehmen wäre, erübrigt sich eine detaillierte Darstellung der Berechnung. 9.2 Der Beschwerdeführer verlangt aber eine leidensbe dingte Reduktion des LSE- Tabellenlohns von 20 %. Mit dem Abzug vom Tabellenlohn nach BGE 126 V 75 soll der Tatsa- che Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufl iche Merkmale, wie Art und Aus- mass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationa lität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsf ähigkeit auch auf einem ausgegliche- nen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwer blichem Erfolg verwerten kann (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juli 2017, 8C_114/2017, E. 3.1). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzel- fall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen u nd darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2). Der g esamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nich t darum gehen, dass die kontrollieren- de richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurtei- len, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behör de nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in ein em konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetätigung der Vor- instanz eingegriffen werden, muss sich die richterliche Be hörde demnach auf Gegebenheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausüb ung als näher liegend erscheinen lassen (vgl. BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 9.3 Aus dem Gutachten der Dr. C.____ vom 31. Oktober 2 019 ergibt sich, dass der Versi- cherte in einer angepassten Verweistätigkeit im Umfang v on 80 % arbeitsfähig war, wobei ein zusätzlicher Pausenbedarf von 20 % berücksichtigt wurde. Die Tatsache allein, dass dem Ver- sicherten nur noch körperlich angepasste Arbeiten zumutba r sind, stellt aber auch bei einge- schränkter Leistungsfähigkeit keinen Grund für einen Abzug dar, weil der Tabellenlohn im Kom- petenzniveau 1 bereits eine Vielzahl solcher Tätigkeiten umfasst (vgl. Urteile des Bundesge- richts vom 22. März 2017, 8C_805/2016, E. 3.4.2 und vom 16. Juli 2014, 8C_97/2014, E. 4.2). Ferner ist nicht ersichtlich, dass körperliche Limitierung en bestehen, die nicht bereits im gut- achterlichen Anforderungs- und Belastungsprofil enthal ten sind. Insbesondere darf der Um- stand, dass der Beschwerdeführer einen höheren Pausenbeda rf hat, nicht durch einen Abzug vom Tabellenlohn und damit doppelt berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juli 2017, 9C_264/2016, E. 5.2.2). Die weiteren Kriterien (Alter, Dienstjahre, Beschäftigungs- grad und Nationalität/Aufenthaltskategorie) rechtferti gen vorliegend ebenfalls keinen Abzug. Daher erscheint der von der IV-Stelle gewährte Abzug v om Tabellenlohn von 5 % eher gross- zügig. Er liegt aber dennoch innerhalb des Ermessensspiel raums, welcher der Beschwerde- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegnerin offenstand. Bei dieser Sachlage besteht für d as Gericht kein Anlass, in ihr Ermessen einzugreifen. 10. Nach dem Gesagten ist die IV-Stelle gestützt auf di e Ergebnisse im Gutachten von Dr. C.____ vom 31. Oktober 2019 zu Recht davon ausgega ngen, dass der Versicherte – mit Ausnahme von Zeiten vorübergehender höherer Arbeitsun fähigkeit – eine Verweistätigkeit im Umfang von 80 % ausüben könnte. Die vorinstanzliche Bemes sung der Invalidität ist nicht zu beanstanden. Demnach hat der Beschwerdeführer vom 1. Ja nuar 2015 bis 31. Mai 2015 und vom 1. Oktober 2015 bis 30. April 2016 Anspruch auf ein e ganze Invalidenrente (inkl. entspre- chender Kinderrente). Ein weitergehender Rentenanspru ch besteht nicht. Die angefochtenen Verfügungen vom 12. August 2021 sind im Ergebnis nic ht zu beanstanden und die dagegen erhobenen Beschwerden deshalb abzuweisen. 11.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskoste n in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend unte rliegt der Beschwerdeführer, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Ver- fügung vom 28. Oktober 2021 die unentgeltliche Prozessf ührung bewilligt worden, weshalb die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen werden. 11.2 Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgan g des Verfahrens nicht ausgerichtet. Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 28. Oktober 2021 auch die unentgeltliche Ver- beiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 d er Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Hon orar bei unentgeltlicher Verbeistän- dung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Besc hwerdeführers hat in seiner Honorar- note vom 8. Dezember 2021 für das vorliegende Verfahr en einen Zeitaufwand von insgesamt 17,2 Stunden geltend gemacht. Dieser Aufwand ist in v erschiedener Hinsicht zu hoch. Vorab sind die noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung e rgangenen Bemühungen für das ver- waltungsinterne Einwandverfahren in Abzug zu bringen, w oraus ein Zeitaufwand von 9,95 Stunden resultiert. Bei der Bemessung der Entschädi gung an den unentgeltlichen Rechts- vertreter ist sodann dem Umstand Rechnung zu tragen, dass rund die Hälfte der 17-seitigen Beschwerdeschrift eine Zusammenfassung der Akten resp. in weiten Teilen kopierte Passagen aus der Beschwerdeschrift vom 19. November 2018 (Verfahren 720 18 376) beinhaltet, die aber bereits in jenem Verfahren abgegolten worden sind. In Anbetracht dessen erweist sich der vor- liegend geltend gemachte Aufwand für das Beschwerdever fahren als zu hoch, weshalb die Ta- rifposten vom 12. und 14. September 2021 (Aktenstudium [3,5 Stunden] / Finalisierung Eingabe [4 Stunden]) um die Hälfte auf insgesamt 3,75 Stunden gekürzt werden. Für das vorliegende Verfahren ist demnach eine Entschädigung von Fr. 1'352.70 (6,2 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auslagen von Fr. 16.-- [zwei Beschwerden] und 7,7 % Meh rwertsteuer) gerechtfertigt. Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wird deshalb ein Honorar in dieser Höhe aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. 11.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerden werden abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Dem Beschwerdeführer wird keine Parteientschädigun g ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘352.70 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse bezahlt. http://www.bl.ch/kantonsgericht