<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2023.00230</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=224630&amp;W10_KEY=13045523&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2023.00230</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 15.01.2025</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung zur Vorbereitung der Heirat</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Kurzaufenthaltsbewilligung zur Eheschliessung: Rechtmässiger Aufenthalt? [Die kenianische Beschwerdeführerin und der äthiopische Beschwerdeführer, der als Flüchtling anerkannt ist, möchten heiraten. Sie haben einen gemeinsamen Sohn mit kenianischer Staatsbürgerschaft, der in die Flüchtlingseigenschaft des Vaters miteinbezogen wurde. Fraglich ist, ob der Beschwerdeführerin nach Eheschluss ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zusteht. Prüfung des umgekehrten Familiennachzugs zum Sohn.] Nach Art. 98 Abs. 4 ZGB müssen Verlobte, die nicht Schweizerbürgerinnen oder Schweizerbürger sind, während des Vorbereitungsverfahrens ihren rechtmässigen Aufenthalt in der Schweiz nachweisen, ansonsten die Zivilstandsbeamten die Trauung nicht vollziehen dürfen (E. 3.1). Rechtmässiger Aufenthalt nach Eheschluss: Umgekehrter Familiennachzug der Mutter zum Sohn? Unter dem Aspekt des Familienlebens ist Art. 8 EMRK berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne Weiteres möglich bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu pflegen (E. 3.4). Die Mutter weist zu ihrem dreijährigen Sohn eine enge affektive Beziehung auf. Eine besonders enge wirtschaftliche Beziehung wird in der Regel bei Bezahlung der geschuldeten Unterhaltsbeiträge bejaht. Der Unterhaltsbeitrag kann indessen auch als Naturalleistungen erfolgen. Vorliegend hat die Mutter ihren Sohn in ihrer alleinigen Obhut, weshalb sich die Situation anders präsentiert als bei einem lediglich besuchsberechtigten Ausländer, der zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet wurde. Ihr eigener und dessen Lebensunterhalt wird aus der öffentlichen Fürsorge bestritten. Bis zum Erreichen des dritten Altersjahrs ihres Sohns kann der Beschwerdeführerin der Bezug von Sozialhilfe ausländerrechtlich jedoch nicht entgegengehalten werden. Durch die Wahrnehmung der Betreuungsaufgaben erbringt die Beschwerdeführerin Naturalleistungen, welche Unterhaltsleistungen gleichzustellen sind. Das tadellose Verhalten wird getrübt durch einen Strafbefehl, Schulden und ihren Sozialhilfebezug, welcher ihr als Mutter eines Kleinkinds nicht entgegengehalten werden kann. Die Beschwerdeführerin war nie berufstätig, sondern besuchte vor der Geburt verschiedene Deutsch-Alphabetisierungskurse. Insgesamt erscheint in der Gesamteinschätzung, die nach Art. 8 EMRK vorzunehmen ist, dass dem privaten Interesse der Beschwerdeführerin und ihres Sohns, ihre sehr enge Beziehung zueinander aufrechterhalten zu können, höheres Gewicht zukommt, als die der Beschwerdeführerin vorzuwerfenden Beeinträchtigungen der öffentlichen Ordnung. Zur Zumutbarkeit der Ausreise ist zu bemerken, dass der Sohn über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfügt und er auch bei seinem Vater in der Schweiz bleiben könnte. Indes weist der dreijährige Sohn ein erhebliches Interesse daran auf, bei seinen in einer intakten Beziehung lebenden Eltern aufzuwachsen. Ins Gewicht fällt, dass eine Familienvereinigung in Kenia, dem Heimatland der Beschwerdeführerin und ihres Sohns, zur Folge hätte, dass Vater und Sohn binnen Jahresfrist ihre Flüchtlingseigenschaft verlieren würden und der Vater nicht über die kenianische Staatsbürgerschaft verfügt. Die Beschwerdeführerin kann gestützt auf die Beziehung zu ihrem Sohn einen Aufenthaltsanspruch geltend machen. Da auch das Erfordernis des rechtmässigen Aufenthalts nach (bzw. bereits vor) Eheschluss erfüllt ist, ist die Beschwerde bei der hier vorzunehmenden summarischen Prüfung gutzuheissen (E. 3.7). Das Migrationsamt wird angewiesen, der Beschwerdeführerin eine Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Vorbereitung der Heirat zu erteilen. Auferlegung der Rekurskosten dem Beschwerdegegner (E. 4.2). Abschreibung uP (E. 5.3). Gewährung URB für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren (E. 5.4). Gutheissung der Beschwerde. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AFFEKTIVE BEZIEHUNG">AFFEKTIVE BEZIEHUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: EHESCHLIESSUNG">EHESCHLIESSUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: EHEVORBEREITUNGSVERFAHREN">EHEVORBEREITUNGSVERFAHREN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FLÃCHTLING">FLÃCHTLING</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FLÃCHTLINGSEIGENSCHAFT">FLÃCHTLINGSEIGENSCHAFT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GEFESTIGTES ANWESENHEITSRECHT">GEFESTIGTES ANWESENHEITSRECHT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GEMEINSAME ELTERLICHE SORGE">GEMEINSAME ELTERLICHE SORGE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KURZAUFENTHALTSBEWILLIGUNG">KURZAUFENTHALTSBEWILLIGUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: MUTTER-KIND-BEZIEHUNG">MUTTER-KIND-BEZIEHUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: NATURALLEISTUNG">NATURALLEISTUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHT AUF FAMILIENLEBEN">RECHT AUF FAMILIENLEBEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTMÃSSIGER AUFENTHALT">RECHTMÃSSIGER AUFENTHALT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SOZIALHILFEABHÃNGIGKEIT">SOZIALHILFEABHÃNGIGKEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: TADELLOSES VERHALTEN">TADELLOSES VERHALTEN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: UMGEKEHRTER FAMILIENNACHZUG">UMGEKEHRTER FAMILIENNACHZUG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WIRTSCHAFTLICH BESONDERS ENGE BEZIEHUNG">WIRTSCHAFTLICH BESONDERS ENGE BEZIEHUNG</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 51 Abs. I AsylG</span><br/><span class="gerade">Art. 14 BV</span><br/><span class="ungerade">Art. 8 EMRK</span><br/><span class="gerade">Art. 12 EMRK</span><br/><span class="ungerade">§ 16 VRG</span><br/><span class="gerade">Art. 98 Abs. IV ZGB</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="591"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>2. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=69149" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2023.00230</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 2. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom 15. Januar 2025</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Andreas Frei<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Silvia Hunziker, Verwaltungsrichterin Viviane Sobotich, Gerichtsschreiberin Jsabelle Mayer. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>1. A,</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>2. B, </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>beide vertreten durch RA C,</span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrende,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung zur Vorbereitung der Heirat,</b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>A, geboren 1987, kenianische StaatsbÃ¼rgerin, reiste am 29. Dezember 2015 in die Schweiz, wo ihr als Ehegattin des Schweizer BÃ¼rgers D (geboren 1930) eine Aufenthaltsbewilligung im Kanton ZÃ¼rich erteilt wurde. Nachdem dem Ehemann das Getrenntleben mit VerfÃ¼gung und Urteil vom 25. Januar 2018 bewilligt wurde, verstarb D 2019. Bereits mit VerfÃ¼gung des Migrationsamts vom 22. Januar 2019 wurde die zuletzt bis 28. Dezember 2018 gÃ¼ltige Aufenthaltsbewilligung von A nicht mehr verlÃ¤ngert. Dabei gelangte das Migrationsamt u.a. aufgrund einem beim Staatssekretariat fÃ¼r Migration (SEM) eingeholten medizinischen Consulting zum Schluss, die HIV-Infektion von A kÃ¶nne auch im Heimatland medizinisch behandelt werden. Die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion wies einen dagegen erhobenen Rekurs mit Entscheid vom 16. Juli 2019 ab, unter BerÃ¼cksichtigung der Erkrankung von A an HIV im CDC-Stadium C3, HPV und AIDS. Mit Urteil vom 13. November 2019 (VB.2019.00598) wies das Verwaltungsgericht eine dagegen erhobene Beschwerde rechtskrÃ¤ftig ab. In der Folge beantragte das Migrationsamt dem SEM die vorlÃ¤ufige Aufnahme von A gestÃ¼tzt auf Art. 83 Abs. 6 des AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005 (AIG). Das SEM wies den Antrag auf vorlÃ¤ufige Aufnahme am 20. August 2020 ab. Das hernach angerufene Bundesverwaltungsgericht bestÃ¤tigte den Entscheid des SEM mit Urteil vom 26. November 2021 (F-4918/2020), unter Einbezug der aktuell benÃ¶tigten Behandlung der BeschwerdefÃ¼hrerin und deren VerfÃ¼gbarkeit und Erschwinglichkeit in Kenia. Hierauf setzte das Migrationsamt A eine Frist zum Verlassen der Schweiz bis 31. Januar 2022. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Am 13. Dezember 2021 gebar A in ZÃ¼rich einen Sohn, E, kenianischer StaatsangehÃ¶riger. Kindsvater ist B, geboren 1998, aus Ãthiopien. Am 24. Juni 2022 wurde mit Urteil und VerfÃ¼gung des Bezirksgerichts ZÃ¼rich die Vaterschaft bezÃ¼glich E festgestellt und die elterliche Sorge den Eltern gemeinsam Ã¼bertragen; die Obhut wurde allein der Kindsmutter zugeteilt. Der als MinderjÃ¤hriger per 24. Juni 2015 eingereiste Kindsvater wurde am 4. November 2019 vom SEM als FlÃ¼chtling anerkannt. Seit dem 15. November 2019 ist er im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung fÃ¼r den Kanton ZÃ¼rich. FÃ¼r den Sohn wurde am 16. November 2022 beim SEM der Einbezug in die FlÃ¼chtlingseigenschaft des Vaters beantragt.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>C. </b>Am 27. Januar 2022 stellte A beim Migrationsamt ein Gesuch um Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Vorbereitung der Heirat mit B. Mit VerfÃ¼gung vom 14. Oktober 2022 wies das Migrationsamt das Gesuch ab und hielt fest, dass A die Schweiz bis am 14. Dezember 2022 zu verlassen habe. </p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Einen gegen die Verweigerung der Kurzaufenthaltsbewilligung zur Eheschliessung von A und B erhobenen Rekurs wies die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion mit Entscheid vom 14. MÃ¤rz 2023 ab. Dabei wurde der Rekurrentin eine neue Frist zum Verlassen der Schweiz bis 14. Mai 2023 angesetzt. Das Gesuch um unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung und unentgeltlichen Rechtsbeistand wurde abgewiesen.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Mit Beschwerde vom 27. April 2023 beantragten A und B (nachfolgend: die BeschwerdefÃ¼hrenden) dem Verwaltungsgericht, der angefochtene Rekursentscheid sei unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen aufzuheben und das Migrationsamt anzuweisen, der BeschwerdefÃ¼hrerin eine Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Vorbereitung der Heirat zu erteilen. Ferner sei der BeschwerdefÃ¼hrerin im Sinn einer vorsorglichen Massnahme die vorlÃ¤ufige Anwesenheit in der Schweiz bis zum Abschluss des Beschwerdeverfahrens zu gewÃ¤hren. Schliesslich sei den BeschwerdefÃ¼hrenden fÃ¼r das vorangegangene Rekursverfahren und das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewÃ¤hren und in der Person von Rechtsanwalt C ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.</p> <p class="Urteilstext">Mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 2. Mai 2023 wurde angemerkt, dass wÃ¤hrend des Verfahrens alle Vollzugsvorkehrungen zu unterbleiben haben. </p> <p class="Urteilstext">Die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion verzichtete auf Vernehmlassung. Das Migrationsamt liess sich nicht vernehmen.</p> <p class="Urteilstext">GestÃ¼tzt auf die PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 6. Juni 2023 wurde auch das migrationsrechtliche Dossier des BeschwerdefÃ¼hrers eingereicht. Die BeschwerdefÃ¼hrenden reichten Ã¼berdies eine BestÃ¤tigung zu den Akten, wonach sie weiterhin sozialhilfeabhÃ¤ngig seien.</p> <p class="Urteilstext">Am 21. Juni 2023 teilte das SEM dem Verwaltungsgericht auf telefonische Anfrage hin mit, das Verfahren betreffend Miteinbezug des Sohns in die FlÃ¼chtlingseigenschaft des Vaters stehe kurz vor dem Abschluss. Um das beim SEM hÃ¤ngige Verfahren abzuwarten, wurde das vorliegende Beschwerdeverfahren informell sistiert. Nach mehrmaliger Nachfrage beim SEM, wann mit dem Entscheid zu rechnen sei, erging dieser schliesslich erst am 4. November 2024. Mit der genannten VerfÃ¼gung vom 4. November 2024 wurde E in die FlÃ¼chtlingseigenschaft seines Vaters miteinbezogen.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2">Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen Rechtsverletzungen einschliesslich Ermessensmissbrauch, ErmessensÃ¼berschreitung und Ermessensunterschreitung und die unrichtige oder ungenÃ¼gende Feststellung des Sachverhalts gerÃ¼gt werden, nicht aber die Unangemessenheit des angefochtenen Entscheids (§ 20 Abs. 1 in Verbindung mit § 50 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]). </p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.1 </span></b>Nach § 52 in Verbindung mit § 20a Abs. 2 VRG sind neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel im Beschwerdeverfahren grundsÃ¤tzlich zulÃ¤ssig. Abzustellen ist entsprechend auf die tatsÃ¤chlichen VerhÃ¤ltnisse im Zeitpunkt des gegenwÃ¤rtig zu fÃ¤llenden Entscheids (vgl. BGE 135 II 369 E. 3.3; BGr, 20. April 2009, 2C_651/2008, E. 4.2; VGr, 26. Juni 2023, VB.2023.00207, E. 2.1). Hingegen liegt ein unzulÃ¤ssiges neues Sachbegehren vor, wenn zwar dieselben Rechtsfolgen wie mit dem verfahrensauslÃ¶senden Gesuch bezweckt werden, dieses sich aber auf neue Tatsachen abstÃ¼tzt, welche vom ursprÃ¼nglich zu beurteilenden Sachverhalt wesentlich abweichen. Dies ist im Bereich des AuslÃ¤nderrechts der Fall, wenn sich der Anwesenheitsanspruch auf einen neuen Sachverhalt bezieht, welcher von den Vorinstanzen noch gar nicht beurteilt wurde (vgl. VGr, 11. Mai 2016, VB.2016.00062, E. 1.2.1; Marco Donatsch in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich [VRG], 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014 [Kommentar VRG], <span>§ 52 N. 17 und </span>§ 20a N. 10, 17 und 20; vgl. auch Martin Bertschi, Kommentar VRG, Vorbem. zu §§ 19â28a N. 44 ff.<span>). </span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Bereits vor Vorinstanz wurde geprÃ¼ft, ob der BeschwerdefÃ¼hrerin der Aufenthalt im umgekehrten Familiennachzug zum Sohn gestÃ¼tzt auf Art. 8 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) bewilligt werden kÃ¶nnte. Die Vorinstanz erwog, in diesem Zusammenhang wÃ¼rde die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an den sorge- oder obhutsberechtigten Elternteil ausschliesslich den Zweck verfolgen, dem andern Elternteil die AusÃ¼bung des Besuchsrechts zu erleichtern. Seit dem vorinstanzlichen Entscheid hat sich der Sachverhalt nun insofern verÃ¤ndert als der Sohn der BeschwerdefÃ¼hrenden aufgrund seines Einbezugs in die FlÃ¼chtlingseigenschaft seines Vaters selbst Ã¼ber ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfÃ¼gt. Folglich hat das Verwaltungsgericht im Rahmen der PrÃ¼fung, ob der BeschwerdefÃ¼hrerin nach der Eheschliessung mit dem BeschwerdefÃ¼hrer offensichtlich ein Anspruch auf Aufenthalt zukomme, vorfrageweise erneut die Voraussetzungen fÃ¼r einen umgekehrten Familiennachzug zu prÃ¼fen, dies unter Miteinbezug der neuen Tatsache (gefestigtes Anwesenheitsrecht des Sohns). Eine unzulÃ¤ssige Ausdehnung des Streitgegenstands (vgl. E. 2.1) ist darin nicht zu erblicken. </p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.1 </span></b>Nach Art. 98 Abs. 4 des Zivilgesetzbuchs (ZGB) mÃ¼ssen Verlobte, die nicht SchweizerbÃ¼rgerinnen oder SchweizerbÃ¼rger sind, wÃ¤hrend des Vorbereitungsverfahrens ihren rechtmÃ¤ssigen Aufenthalt in der Schweiz nachweisen, ansonsten die Zivilstandsbeamten die Trauung nicht vollziehen dÃ¼rfen (vgl. auch Art. 66 Abs. 2 lit. e in Verbindung mit Art. 67 Abs. 3 der Zivilstandsverordnung vom 28. April 2004 [SR 211.112.2]). In Konkretisierung des Gesetzeszwecks dieser Bestimmung und in Beachtung des von Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschÃ¼tzten Familienlebens sind die MigrationsbehÃ¶rden gehalten, Ehewilligen ohne Aufenthaltsrecht zur Vermeidung einer Verletzung ihres Rechts auf Ehe gemÃ¤ss Art. 12 EMRK bzw. dem analog ausgelegten Art. 14 BV eine (Kurz-)Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, sofern keine Hinweise dafÃ¼r vorliegen, dass die auslÃ¤ndische Person rechtsmissbrÃ¤uchlich handelt (Scheinehe, missbrÃ¤uchliche Anrufung der Familiennachzugsbestimmungen etc.), und "klar" erscheint, dass sie nach der Heirat mit dem Ehepartner in der Schweiz wird verbleiben kÃ¶nnen, das heisst, sie auch die weiteren hierfÃ¼r erforderlichen Voraussetzungen erfÃ¼llt (analoge Anwendung von Art. 17 Abs. 2 <span>AIG</span>; BGE 139 I 37 E. 3.5.2; BGE 137 I 351 [= Pra. 101/2012 Nr. 61] E. 3.5 und 3.7; BGr, 5. Oktober 2021, 2C_309/2021, E. 3.1). Wird nach der Eheschliessung kein offensichtlicher Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung bestehen, so liegt kein Grund vor, eine (Kurz-) Aufenthaltsbewilligung zum Zweck der Heirat auszustellen (BGr, 18. August 2020, 2C_288/2020, E. 3.2). <span>FÃ¼r die Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung zum Zweck der Eheschliessung ist sodann vorausgesetzt, dass mit dem Eheschluss in absehbarer Zeit zu rechnen ist (zum Ganzen VGr, 18. Februar 2021, VB.2020.00399, E. 2.1 Abs. 1). </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.2 </span></b><span>Bereits die Vorinstanz ging â unter Vorbehalt des Nachweises Ã¼ber den rechtmÃ¤ssigen Aufenthalt der BeschwerdefÃ¼hrerin â davon aus, dass die Eheschliessung mit dem BeschwerdefÃ¼hrer innert nÃ¼tzlicher Frist erfolgen kÃ¶nne. Das Zivilstandsamt der Stadt ZÃ¼rich bestÃ¤tigte am 20. November 2024, dass das Vorbereitungsverfahren eingeleitet sei. Die AktenprÃ¼fung sei erfolgreich abgeschlossen. Einzig der Nachweis Ã¼ber den rechtmÃ¤ssigen Aufenthalt fehle. Demzufolge ist mit dem Eheschluss in absehbarer Zeit zu rechnen. Hinweise auf eine Umgehungsehe liegen ebenfalls keine vor. Zudem legen die BeschwerdefÃ¼hrenden einen Mietvertrag fÃ¼r eine 4-Zimmerwohnung in der Wohnsiedlung F vor, mit Mietantritt ab 16. Februar 2025. Das gemeinsame Zusammenleben nach Eheschluss steht daher ausser Frage. </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.3 </span></b><span>Zu prÃ¼fen bleibt, ob der BeschwerdefÃ¼hrerin nach Eheschluss ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zukommt. Die BeschwerdefÃ¼hrerin verfÃ¼gt derzeit Ã¼ber keine Aufenthaltsbewilligung. Fraglich ist, ob ihr im umgekehrten Familiennachzug zu ihrem Sohn, der Ã¼ber ein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz verfÃ¼gt, eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen wÃ¤re.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.4 </span></b><span>GemÃ¤ss Art. 8 Ziff. 1 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) hat jede Person das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens. Zum geschÃ¼tzten Familienkreis gehÃ¶rt in erster Linie die Kernfamilie, d.</span>h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjÃ¤hrigen Kindern (BGE 144 I 266 E. 3.3). <span>Art. 8 Ziff. 1 EMRK verschafft zwar grundsÃ¤tzlich kein Recht auf Einreise und Aufenthalt, kein Recht auf einen Aufenthaltstitel, kein Recht auf Wahl des Familiendomizils oder FamilienzusammenfÃ¼hrung in einem bestimmten Staat (Urteil des EGMR B.F. gegen Schweiz vom 4. Juli 2023 [Nr. 13258/18] § 88 mit Hinweisen; BGE 144 I 266 E. 3.2; BGE 144 I 91 E. 4.2). AuslÃ¤nderrechtliche Fernhaltemassnahmen kÃ¶nnen aber unter bestimmten UmstÃ¤nden das Recht auf Familienleben verletzen. Unter dem Aspekt des Familienlebens ist Art. 8 EMRK berÃ¼hrt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsÃ¤chlich gelebte familiÃ¤re Beziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeintrÃ¤chtigt, ohne dass es dieser ohne Weiteres mÃ¶glich bzw. zumutbar wÃ¤re, ihr Familienleben andernorts zu pflegen (BGE 144 II 1 E. 6.1; BGE 144 I 266 E. 3.3; BGE 144 I 91 E. 4.2; BGr, 30. Mai 2024, 2C_273/2023, E. 5.2.1 [zur Publikation vorgesehen]). </span>Der Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemÃ¤ss Art. 8 Ziff. 1 EMRK gilt indes nicht absolut, sondern kann rechtmÃ¤ssig eingeschrÃ¤nkt werden, wenn dies gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck entspricht und zu dessen Realisierung in einer demokratischen Gesellschaft notwendig erscheint (Art. 8 Ziff. 2 EMRK). Die Konvention verlangt, dass die individuellen Interessen an der Erteilung bzw. am Erhalt des Anwesenheitsrechts und die Ã¶ffentlichen Interessen an dessen Verweigerung sorgfÃ¤ltig gegeneinander abgewogen werden (Art. 8 Ziff. 2 EMRK; BGE 143 I 21 E. 5.1).</p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.5 </span></b><span>Das Verfassungs- (Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 36 Abs. 3 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 [BV]) und das Konventionsrecht gebieten praxisgemÃ¤ss, die individuellen Anliegen an der Erteilung bzw. am Erhalt des Anwesenheitsrechts und die Ã¶ffentlichen Interessen an dessen Beendigung gegeneinander abzuwÃ¤gen, wenn zumindest eine der beteiligten Personen in der Schweiz Ã¼ber ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfÃ¼gt (BGE 143 I 21 E. 5.2; BGE 135 I 153 E. 2.2.1, BGE 135 I 143 E. 2.1). Erforderlich ist dabei (1) eine in affektiver und (2) in wirtschaftlicher Hinsicht besonders enge Eltern-Kind-Beziehung; (3) der Umstand, dass diese wegen der Distanz zwischen der Schweiz und dem Staat, in welchen die auslÃ¤ndische Person oder Personen mutmasslicherweise auszureisen hÃ¤tten, praktisch nicht aufrechterhalten werden kÃ¶nnte; und (4) dass sich die ausreisepflichtige Person hier weitgehend tadellos verhalten hat (BGE 142 II 35 E. 6.1 und 6.2; BGE 140 I 145 E. 3.2; BGE 139 I 315 E. 2.2). </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.6 </span></b><span>MinderjÃ¤hrige haben grundsÃ¤tzlich dem Inhaber der gemeinsamen elterlichen Sorge und der faktischen Obhut (im Sinne einer Ã¼berwiegenden Betreuung) zu folgen; das auslÃ¤ndische unmÃ¼ndige Kind teilt schon aus familienrechtlichen GrÃ¼nden (Art. 25 Abs. 1 und Art. 301 Abs. 3 sowie heute Art. 301a ZGB; BGE 133 III 305 E. 3.3) regelmÃ¤ssig das auslÃ¤nderrechtliche Schicksal des sorge-/betreuungsberechtigten Elternteils; es hat das Land gegebenenfalls mit diesem zu verlassen, wenn er Ã¼ber keine Aufenthaltsberechtigung (mehr) verfÃ¼gt (BGE 143 I 21 E. 5.4, BGE 139 II 393 E. 4.2.3; BGr, 12. Juli 2024, 2C_357/2023, E. 5.2). F</span>Ã¼r Kinder im anpassungsfÃ¤higen Alter ist der Umzug in ein anderes Land bzw. die Heimat zusammen mit der Inhaberin oder dem Inhaber der elterlichen Sorge bzw. dem Hauptbetreuungsanteil zumutbar, zumal wenn sie mit dessen Kultur durch Sprachkenntnisse, gelegentliche Ferienaufenthalte und einer entsprechenden Kulturvermittlung seitens der Eltern vertraut sind (vgl. BGE 143 I 21 E. 5.4; BGE 122 II 289 E. 3c). </p> <p class="Urteilstext"><span>Bei der InteressenabwÃ¤gung ist dem Kindeswohl und dem grundlegenden BedÃ¼rfnis des Kinds â als einem (wesentlichen) Element unter anderen â Rechnung zu tragen, in mÃ¶glichst engem Kontakt mit beiden Elternteilen aufwachsen zu kÃ¶nnen (BGE 143 I 21 E. 5.5.1; EGMR, El Ghatet gegen Schweiz, 8. Februar 2017, Rs. Nr. 56971/10, § 27, 28 und 46). </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.7 </span></b><span>Es ist unbestritten, dass die Mutter zu ihrem dreijÃ¤hrigen Sohn eine enge affektive Beziehung aufweist. Mutter und Kind leben seit der Geburt zusammen in einer Notunterkunft fÃ¼r Familien; die Beziehung ist intakt. </span></p> <p class="Erwgung2"><span>Eine besonders enge <i>wirtschaftliche Beziehung</i> wird in der Regel bei Bezahlung der geschuldeten UnterhaltsbeitrÃ¤ge bejaht (BGE 144 I 91 E. 5.2.2 = Pra 108 [2019] Nr. 11).</span><span> Der Unterhaltsbeitrag kann indessen auch als Naturalleistungen erfolgen, insbesondere bei alternierender Obhut (BGE 143 I 21 E. 6.3.5; siehe zum Ganzen auch VGr, 7. Juli 2021, VB.2020.00361, E. 3.3.1). Vorliegend hat die Mutter ihren Sohn in ihrer alleinigen Obhut, weshalb sich die Situation anders prÃ¤sentiert als bei einem lediglich besuchsberechtigten AuslÃ¤nder, der zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet wurde. </span><span>Was die wirtschaftliche Beziehung zu ihrem Sohn angeht, so wird ihr eigener und dessen Lebensunterhalt aus der Ã¶ffentlichen FÃ¼rsorge bestritten. Bis zum Erreichen des dritten Altersjahrs ihres Sohns kann der BeschwerdefÃ¼hrerin der Bezug von Sozialhilfe auslÃ¤nderrechtlich jedoch nicht entgegengehalten werden (vgl. dazu BGr, 17. Januar 2020, 2C_709/2019, E. 6.1.2; BGr, 14. Oktober 2019, 2C_234/2019, E. 6.1.2, je mit</span> weiteren Hinweisen; <span>VGr, 20. Oktober 2021, VB.2021.00505, E. 4.2.4; VGr, 22. Juli 2021, VB.2020.00797, E. 5.2.3). Durch die Wahrnehmung der Betreuungsaufgaben erbringt die BeschwerdefÃ¼hrerin Naturalleistungen, welche Unterhaltsleistungen gleichzustellen sind (vgl. dazu auch </span><span>Art. 276 Abs. 1 ZGB, wonach der Unterhalt des Kinds durch Pflege, Erziehung und Geldzahlung geleistet wird). Eine enge wirtschaftliche Beziehung der BeschwerdefÃ¼hrerin zum Sohn ist daher zu bejahen. </span></p> <p class="Erwgung2"><span>Weiter ist zu prÃ¼fen, ob das bisherige Verhalten der BeschwerdefÃ¼hrerin in der Schweiz zu keinerlei namhaften Klagen Anlass gegeben hat bzw. tadelloses Verhalten vorliegt. Dies ist in der Regel nicht der Fall, wenn gegen die auslÃ¤ndische Person, welche sich auf Art. 8 EMRK beruft, fremdenpolizeiliche Entfernungs- und FernhaltegrÃ¼nde sprechen, insbesondere sie sich massgebliches, strafrechtlich oder fremdenpolizeilich verpÃ¶ntes Fehlverhalten hat zuschulden kommen lassen (BGE 144 I 91 E. 5.2.4, mit Hinweisen; BGr, 12. September 2019, 2C_449/2019, E. 4.2). Zum tadellosen Verhalten ist auszufÃ¼hren, dass gegen die BeschwerdefÃ¼hrerin ein vom 6. April 2018 datierter Strafbefehl vorliegt. Dabei wurde sie wegen mehrfacher NÃ¶tigung, begangen gegen den mittlerweile verstorbenen Ehemann, mit einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 45 TagessÃ¤tzen zu je Fr. 30.- bestraft. GemÃ¤ss Auszug aus dem Betreibungsregister des Betreibungsamts ZÃ¼rich 10 vom 9. Juli 2018 wies die BeschwerdefÃ¼hrerin zudem zwei nicht getilgte Verlustscheine aus im Gesamtbetrag von Fr. 1'288.40. Sodann weist die BeschwerdefÃ¼hrerin gegenÃ¼ber der Kasse des Obergerichts Schulden in der HÃ¶he von Fr. 7'070.90 auf. Ferner bezieht die BeschwerdefÃ¼hrerin seit dem November 2018 Sozialhilfe. Der bezogene Betrag belief sich allein fÃ¼r die Zeitdauer vom 1. MÃ¤rz 2019 bis 31. MÃ¤rz 2022 auf Fr. 152'767.50, wobei die UnterstÃ¼tzung fortdauert. Wie erwÃ¤hnt, kann der BeschwerdefÃ¼hrerin als Mutter eines Kleinkinds der Sozialhilfebezug wÃ¤hrend der letzten drei Jahre nicht entgegengehalten werden. Indes musste sie vom November 2018 bis zur Geburt des Kinds im Dezember 2021 ebenfalls vollumfÃ¤nglich von der Ã¶ffentlichen FÃ¼rsorge unterstÃ¼tzt werden. ArbeitstÃ¤tig war sie in der Schweiz nie. Einzig vom 11. MÃ¤rz 2019 bis 5. April 2019 nahm sie an einem Arbeitsintegrationsprogramm teil. Hinsichtlich des Verschuldens der BeschwerdefÃ¼hrerin am Sozialhilfebezug vor der Geburt ihres Kinds ist zu berÃ¼cksichtigen, dass sie weder des Lesens noch des Schreibens mÃ¤chtig war bzw. als Analphabetin in die Schweiz eingereist ist. Dies hat ihre berufliche Integration erheblich erschwert (vgl. </span><span>Art. 77f lit. c der Verordnung vom 24. Oktober 2007 Ã¼ber Zulassung, Aufenthalt und ErwerbstÃ¤tigkeit [VZAE]<span>). Die BeschwerdefÃ¼hrerin besuchte nach der erfolgten Trennung von ihrem Schweizer Ehemann erstmals im MÃ¤rz 2018 Deutsch- und Alphabetisierungskurse der Autonomen Schule ZÃ¼rich; anschliessend absolvierte sie folgende Deutsch-Alphabetisierungskurse: Vom 22. Mai 2019 bis 21. Juni 2019, vom 24. Juni 2019 bis 19. Juli 2019, vom 22. Juli 2019 bis 16. August 2019, vom 19. August 2019 bis 13. September 2019, vom 16. September 2019 bis 11. Oktober 2019, vom 14. Oktober 2019 bis 8. November 2019, vom 11. November 2019 bis 6. Dezember 2019, von 9. Dezember 2019 bis 17. Januar 2020 (Alphabetisierung Intensiv), vom 1. MÃ¤rz 2021 bis am 10. September 2021 (Kursniveau 3). Zuletzt besuchte sie vom 12. September 2022 bis 10. Februar 2023 einen Deutsch-Alphabetisierungskurs bei FEMIA. Die BeschwerdefÃ¼hrerin hat sich damit aktiv um ihre Alphabetisierung bemÃ¼ht. Kurz nach Abschluss des besuchten Kurses auf Niveau 3 wurde die BeschwerdefÃ¼hrerin im Dezember 2021 Mutter. Der vergangene Sozialhilfebezug ist ihr daher grundsÃ¤tzlich nicht vorzuwerfen. Gleichwohl kann das Verhalten der BeschwerdefÃ¼hrerin, welche straffÃ¤llig geworden ist und Schulden aufweist, nicht als tadellos erachtet werden. Ohne die Situation der BeschwerdefÃ¼hrerin mit jener eines umgekehrten Familiennachzugs zu einem schweizerischen Kind gleichzusetzen (siehe dazu BGE 137 I 247 E. 4.2.2), erscheint indessen in der GesamteinschÃ¤tzung, die nach </span>Art. 8 EMRK<span> vorzunehmen ist, dass dem privaten Interesse der BeschwerdefÃ¼hrerin und ihres Sohns, ihre sehr enge Beziehung zueinander aufrechterhalten zu kÃ¶nnen, hÃ¶heres Gewicht zukommt, als die der BeschwerdefÃ¼hrerin vorzuwerfenden BeeintrÃ¤chtigungen der Ã¶ffentlichen Ordnung (BGE 140 I 145 E. 4.3 = Pra 103 [2014] Nr. 90), wie gleich zu zeigen sein wird.</span></span></p> <p class="Erwgung2"><span>Zur Zumutbarkeit der Ausreise der BeschwerdefÃ¼hrerin Ã¤usserte sich das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich eingehend: Mit Urteil vom 26. November 2021 (F-4918/2020) gelangte dieses zum Schluss, der BeschwerdefÃ¼hrerin sei die RÃ¼ckkehr nach Kenia trotz ihrer AIDS-Erkrankung (Stadium C3) sowie HPV-Erkrankung zumutbar, da die Behandlung in Kenia sichergestellt und diese fÃ¼r die BeschwerdefÃ¼hrerin auch zugÃ¤nglich sei. Diese Ãberlegungen des Bundesverwaltungsgerichts wurden in Unkenntnis der damals weit fortgeschrittenen Schwangerschaft der BeschwerdefÃ¼hrerin getroffen. Der Sohn der BeschwerdefÃ¼hrenden musste wegen einer mÃ¶glichen HIV-Infektion zuletzt im Alter von 24 Monaten regelmÃ¤ssig kontrolliert werden. Hinweise auf eine HIV-Infektion des heute dreijÃ¤hrigen Sohns bestehen aufgrund der Akten keine. Die Ausreise mit der BeschwerdefÃ¼hrerin nach Kenia, in ihr gemeinsames Heimatland, wÃ¼rde unter dem gesundheitlichen Aspekt wohl weiterhin zumutbar erscheinen. Indes ist Folgendes zu berÃ¼cksichtigen: Der Sohn der BeschwerdefÃ¼hrerin ist in die FlÃ¼chtlingseigenschaft seines Vaters einbezogen worden und verfÃ¼gt Ã¼ber ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Sein Vater Ã¼bt die elterliche Sorge zusammen mit der Mutter gemeinsam aus. Der Aufenthalt des Sohns in der Schweiz wÃ¤re durch eine RÃ¼ckkehr der Mutter in ihr Heimatland nicht infrage gestellt. E kÃ¶nnte auch bei seinem Vater in der Schweiz bleiben. Der erst dreijÃ¤hrige Sohn der BeschwerdefÃ¼hrerin weist jedoch ein erhebliches Interesse daran auf, bei seinen â in einer intakten Beziehung lebenden â Eltern aufzuwachsen. Ins Gewicht fÃ¤llt, dass eine Familienvereinigung in Kenia, dem Heimatland der BeschwerdefÃ¼hrerin und ihres Sohns, zur Folge hÃ¤tte, dass Vater und Sohn binnen Jahresfrist ihre FlÃ¼chtlingseigenschaft verlieren wÃ¼rden (Art. 64 Abs. 1 lit. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG]). Zudem verfÃ¼gt der Kindsvater nicht Ã¼ber die kenianische StaatsbÃ¼rgerschaft. Aufgrund dieser speziellen UmstÃ¤nde kommt dem Schutz des Familienlebens hier nach einer vorlÃ¤ufigen EinschÃ¤tzung ein erhÃ¶htes Gewicht zu und ist die Ausreise nach Kenia zwecks Familienvereinigung dem hier als FlÃ¼chtling anerkannten Kindsvater <i>prima facie</i> nicht zumutbar (siehe dazu BGr, 4. Februar 2021, 2C_502/2020, E. 5.5). </span></p> <p class="Erwgung2"><span>Nach dem Gesagten ist daher davon auszugehen, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin gestÃ¼tzt auf die Beziehung zu ihrem Sohn einen Aufenthaltsanspruch geltend machen kann. Dabei ist jedoch darauf hinzuweisen, dass e</span>ine fortgesetzte und erhebliche SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit dem Verbleib des sorgeberechtigten auslÃ¤ndischen Elternteils selbst bei einem umgekehrten Familiennachzug zum Schweizer Kind entgegenstehen kann, wenn keine Ãnderung absehbar erscheint (BGE 137 I 247 E. 5.2.5; BGr, 10. September 2018, 2C_7/2018, E. 3.1). Nachdem der Sohn der BeschwerdefÃ¼hrerin das dritte Altersjahr erreicht hat, wird erwartet, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin nun eine ErwerbstÃ¤tigkeit aufnimmt (vgl. vorstehend). Da nach der Heirat die ZusammenfÃ¼hrung der Familie geplant ist, kann der Kindsvater die BeschwerdefÃ¼hrerin in den Betreuungsaufgaben entlasten bzw. sollte es der Familie mit vereinten KrÃ¤ften mÃ¶glich sein, sich von der Sozialhilfe zu lÃ¶sen. </p> <p class="Urteilstext">Da auch das Erfordernis des rechtmÃ¤ssigen Aufenthalts nach (bzw. bereits vor) Eheschluss erfÃ¼llt ist, ist die Beschwerde bei der hier vorzunehmenden summarischen PrÃ¼fung gutzuheissen. <span>Das Migrationsamt ist anzuweisen, der BeschwerdefÃ¼hrerin eine Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Vorbereitung der Heirat zu erteilen. Es wird indessen ausdrÃ¼cklich darauf hingewiesen, dass bei der Erteilung bzw. VerlÃ¤ngerung einer Aufenthaltsbewilligung vertieft zu prÃ¼fen ist, ob eine vorwerfbare SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit vorliege. </span></p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>AusgangsgemÃ¤ss sind die Gerichtskosten dem Beschwerdegegner aufzuerlegen und es steht den BeschwerdefÃ¼hrenden eine ParteientschÃ¤digung zu (§ 13 Abs. 2 in Verbindung mit § 65a Abs. 2 sowie § 17 Abs. 2 VRG). Diese wird fÃ¼r das vorliegende Verfahren auf Fr. 1'500.- festgesetzt.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Vorliegend konnte sich die BeschwerdefÃ¼hrerin aufgrund des zwischenzeitlich erfolgten Miteinbezugs des Sohns in die FlÃ¼chtlingseigenschaft des Vaters erfolgreich auf ihren rechtmÃ¤ssigen Aufenthalt berufen. Der Sohn gelangte erst 20 Monate nach Ergehen des Rekursentscheids zu einem gefestigten Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Vor Vorinstanz prÃ¤sentierte sich die Sachlage daher noch ohne dieses Novum. Aus BilligkeitsgrÃ¼nden und dem in § 13 Abs. 2 Satz 2 VRG statuierten Verursacherprinzip kann von einer Kostenauflage an die unterliegende Partei und die Auferlegung einer ParteientschÃ¤digung im Sinn von § 17 Abs. 2 VRG unter anderem abgewichen werden, wenn eine Partei bzw. Amtsstelle im Rechtsmittelverfahren nur aufgrund von Noven unterliegt, welche im vorinstanzlichen Verfahren noch nicht berÃ¼cksichtigt werden konnten (vgl. Kaspar PlÃ¼ss, Kommentar VRG, § 13 N. 64; VGr, 17. April 2019, VB.2019.00145, E. 3; vgl. zum Verursacherprinzip im Allgemeinen auch PlÃ¼ss, Kommentar VRG, § 13 N. 55 ff. und § 17 N. 25 ff.). Zur vorinstanzlichen Kostenfolge ist Folgendes auszufÃ¼hren: Die BeschwerdefÃ¼hrenden beriefen sich vor Vorinstanz hauptsÃ¤chlich darauf, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin gestÃ¼tzt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG nach erfolgter Eheschliessung in die FlÃ¼chtlingseigenschaft des Ehemanns mit einbezogen werden kÃ¶nne. Beim Familienasyl spiele der Sozialhilfebezug keine Rolle. Auch der Umstand, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin eine andere NationalitÃ¤t als der BeschwerdefÃ¼hrer habe, spiele keine Rolle, weil dem BeschwerdefÃ¼hrer ein Leben in Kenia nicht zumutbar wÃ¤re. Dabei gingen die BeschwerdefÃ¼hrenden unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts in BVGE 2017 VI/4 E. 4.2 davon aus, dass die Bestimmungen zum Familienasyl auch dann zur Anwendung gelangten, wenn die Familiengemeinschaft erst in der Schweiz begrÃ¼ndet worden sei. DemgegenÃ¼ber geht das Bundesgericht in seiner Praxis davon aus, dass das Familienasyl gemÃ¤ss Art. 51 Abs. 1 AsylG eine <i>vorbestandene</i>, durch die Flucht getrennte eheliche Lebensgemeinschaft voraussetze (BGE 139 I 330 E. 1.3.2 sowie BGE 145 II 105 E. 3.5 = Pra 108 [2019] Nr. 131). Entsprechend sei zu prÃ¼fen, ob die Familie durch Flucht getrennt worden sei oder nicht. Sei die Familie nicht durch Flucht getrennt, sondern die Ehe erst danach eingegangen worden, hÃ¤tten die AuslÃ¤nderbehÃ¶rden die Familienvereinigung und allfÃ¤llige diesbezÃ¼glich bestehende RechtsansprÃ¼che <i>auslÃ¤nderrechtlicher</i> Natur in Anwendung von Art. 43 ff. AIG bzw. Art. 8 EMRK oder Art. 13 BV zu prÃ¼fen (BGE 139 I 330 E. 1.4.1; BGE 145 II 105 E. 3.5 = Pra 108 [2019] Nr. 131). Dies hat die Vorinstanz getan und kam zum Schluss, die Voraussetzungen nach Art. 44 AIG seien nicht gegeben. Dies war nicht zu beanstanden, erfÃ¼llten die BeschwerdefÃ¼hrenden damals auch nicht das Kriterium einer bedarfsgerechten Wohnung im Sinn von Art. 44 Abs. 1 lit. b AIG. Der Mietvertrag fÃ¼r eine bedarfsgerechte Wohnung (4-Zimmer-Wohnung in der Wohnsiedlung F) wurde erst vor Verwaltungsgericht eingereicht. Ferner stellte die Vorinstanz den BeschwerdefÃ¼hrenden insbesondere mit Blick auf den BeschwerdefÃ¼hrer eine negative Zukunftsprognose hinsichtlich der LoslÃ¶sung von der SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit, da der BeschwerdefÃ¼hrer selbst unter BerÃ¼cksichtigung der statusspezifischen UmstÃ¤nden bei FlÃ¼chtlingen mit Asylstatus nicht alles ihm Zumutbare unternommen habe, um auf dem Arbeitsmarkt den eigenen Unterhalt mÃ¶glichst autonom zu bestreiten und sich zumindest in einem bestimmten Umfang von der Sozialhilfe loslÃ¶sen zu kÃ¶nnen. Anders als vor Verwaltungsgericht musste unter dem Blickwinkel von Art. 44 Abs. 1 lit. c AIG somit auch der Sozialhilfebezug des BeschwerdefÃ¼hrers thematisiert werden. Diese vorinstanzlichen ErwÃ¤gungen erwiesen sich im damaligen Zeitpunkt als zutreffend. Indes ging die Vorinstanz nicht auf die RÃ¼ge der BeschwerdefÃ¼hrenden ein, wonach sie unabhÃ¤ngig davon, ob nach erfolgter Eheschliessung ein Aufenthaltsanspruch bestehe, das Recht hÃ¤tten, in der Schweiz die Ehe zu schliessen. Die BeschwerdefÃ¼hrenden fÃ¼hrten im Rekurs aus, es mÃ¼sse ihnen gestÃ¼tzt auf Art. 12 EMRK und Art. 14 BV mÃ¶glich sein, in der Schweiz zu heiraten, da es dem BeschwerdefÃ¼hrer als FlÃ¼chtling nicht zumutbar sei, in einem anderen Land zu heiraten. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist bei anerkannten FlÃ¼chtlingen â wie dem BeschwerdefÃ¼hrer â davon auszugehen, dass ihnen bei einer allfÃ¤lligen RÃ¼ckkehr in ihr Heimatland ernstliche Nachteile drohen wÃ¼rden und sie damit rechnen mÃ¼ssten, bei einer Heirat dort ihren FlÃ¼chtlingsstatus und das Asyl in der Schweiz zu verlieren. Zudem kann eine Ehe in der Regel nicht in zumutbarer Weise in einem Drittstaat geschlossen werden, wenn keiner der Beteiligten Wohnsitz in dessen Staatsgebiet hat (BGr, 18. August 2020, 2C_288/2020, E. 6.2; BGr, 13. Februar 2015, 2C_962/2013, E. 3.3.1). Ob es dem BeschwerdefÃ¼hrer zumutbar gewesen wÃ¤re, die Ehe in einem Drittstaat zu schliessen, hat die Vorinstanz nicht geprÃ¼ft. Der blosse Hinweis, die BeschwerdefÃ¼hrerin sei kenianische StaatsbÃ¼rgerin, weshalb eine FamilienzusammenfÃ¼hrung in Kenia nicht von vornherein ausgeschlossen sei, genÃ¼gt nicht. Damit lag eine GehÃ¶rsverletzung vor, welche â bei gleichbleibender Sachlage â zur Aufhebung des Entscheids der Vorinstanz und zu einer RÃ¼ckweisung hÃ¤tte fÃ¼hren mÃ¼ssen. Eine RÃ¼ckweisung zu neuem Entscheid bei offenem Ausgang ist in Bezug auf die Nebenfolgen als Obsiegen der beschwerdefÃ¼hrenden Partei zu behandeln (BGr, 28. April 2014, 2C_846/2013, E. 3.2 f. mit Hinweisen; Marco Donatsch, Kommentar VRG, § 64 N. 5). Somit sind auch die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens dem Beschwerdegegner aufzuerlegen und steht den BeschwerdefÃ¼hrenden fÃ¼r das Rekursverfahren eine ParteientschÃ¤digung in der HÃ¶he von Fr. 2'000.- zu. </p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden beantragen fÃ¼r das Beschwerde- sowie das Rekursverfahren die GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung und die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Nach § 16 Abs. 1 VRG ist Privaten, welchen die nÃ¶tigen Mittel fehlen und deren Begehren nicht offensichtlich aussichtslos erscheint, auf entsprechendes Ersuchen die Bezahlung von Verfahrenskosten und KostenvorschÃ¼ssen zu erlassen. Sie haben nach Abs. 2 derselben Bestimmung Anspruch auf die Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung, wenn sie nicht in der Lage sind, ihre Rechte im Verfahren selbst zu wahren. Offensichtlich aussichtslos sind Begehren, bei denen die Aussichten zu obsiegen wesentlich geringer sind, als die Aussichten zu unterliegen, und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden kÃ¶nnen (statt vieler VGr, 8. Mai 2024, VB.2024.00029, E. 3.2).</p> <p class="Erwgung2"><b>5.3 </b>Da bei diesem Verfahrensausgang die Gerichtskosten dem Beschwerdegegner aufzuerlegen sind, ist das Gesuch um GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung sowohl fÃ¼r das Beschwerde- als auch das Rekursverfahren als gegenstandslos geworden abzuschreiben, womit nur Ã¼ber das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters zu befinden ist.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.4 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden beziehen Sozialhilfe, weshalb von ihrer Mittellosigkeit auszugehen ist. Die vorliegende Beschwerde erweist sich angesichts des Verfahrensausgangs nicht als offensichtlich aussichtslos und die BeschwerdefÃ¼hrenden waren offensichtlich auch nicht in der Lage, ihre Rechte im Verfahren selbst zu wahren. Dem Gesuch um unentgeltliche RechtsverbeistÃ¤ndung ist deshalb zu entsprechen und den BeschwerdefÃ¼hrenden ist Rechtsanwalt C, welcher im Rekursverfahren teilweise durch MLaw G substituiert wurde, sowohl fÃ¼r das Beschwerde- als auch das Rekursverfahren als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.5 </b>Unentgeltlichen RechtsbeistÃ¤nden wird der notwendige Zeitaufwand nach den StundenansÃ¤tzen des Obergerichts fÃ¼r die amtliche Verteidigung entschÃ¤digt. Dabei werden die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses berÃ¼cksichtigt. Auslagen werden separat entschÃ¤digt (§ 9 Abs. 1 der GebÃ¼hrenverordnung des Verwaltungsgerichts vom 3. Juli 2018 [GebV VGr]). Als erforderlich ist jener Zeitaufwand zu betrachten, den auch eine nicht bedÃ¼rftige Person von ihrer Rechtsvertretung vernÃ¼nftigerweise erwartet hÃ¤tte und zu dessen Zahlung sie bereit gewesen wÃ¤re, um ihre Rechte im Verfahren zu wahren. § 3 der Verordnung Ã¼ber die AnwaltsgebÃ¼hren von 8. September 2010 (AnwGebV) sieht bei anwaltlicher Vertretung einen Stundensatz von Fr. 220.- vor, wobei bei nicht anwaltlicher Vertretung der Stundenansatz in der Regel halbiert wird (vgl. VGr, 21. August 2019, VB.2019.00322, E. 6.4).</p> <p class="Urteilstext"><span>Rechtsanwalt C reichte am 5. November 2024 eine sowohl das Rekurs- als auch das Beschwerdeverfahren umfassende Honorarnote ein. Der Aufwand bis und mit Eingang des Rekursentscheids (Abgrenzung per 15. MÃ¤rz 2023) belief sich auf Fr. 2'218.50, zzgl. Barauslagen von 3% und 7,7% MWST, total Fr. 2'461.-, was als angemessen erscheint. Die ParteientschÃ¤digung ist an die dem unentgeltlichen Rechtsbeistand zu leistende EntschÃ¤digung anzurechnen, weshalb Rechtsanwalt C unter Anrechnung der fÃ¼r das Rekursverfahren zugesprochenen ParteientschÃ¤digung nur noch im Mehrbetrag von Fr. 961.- aus der Staatskasse zu entschÃ¤digen ist.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>FÃ¼r das verwaltungsgerichtliche Verfahren weist Rechtsanwalt C in seiner Honorarnote vom 5. November 2024 einen zeitlichen Aufwand von 14,08 Stunden zu Fr. 220.- pro Stunde aus, woraus zzgl. Barauslagen von 3% und Mehrwertsteuer (7,7% bis 31.12.2023 und 8,1% ab 1.1.2024) eine EntschÃ¤digung von Fr. 3'439.30 resultiert. Der geltend gemachte Aufwand ist hoch. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es sich um einen besonders aufwÃ¤ndigen Fall handelte, der eine â fÃ¼r eine Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung â Ã¼berdurchschnittlich lange Verfahrensdauer nach sich zog, was wiederum der langen Verfahrensdauer beim SEM geschuldet war. Der geltend gemachte zeitliche Aufwand und die geltend gemachten Barauslagen erscheinen damit angemessen, weshalb Rechtsanwalt C unter Anrechnung der zugesprochenen ParteientschÃ¤digung nur noch im Mehrbetrag von Fr. 1'439.40 aus der Gerichtskasse zu entschÃ¤digen ist.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>In Bezug auf den von der Gerichts- bzw. Staatskasse zu bezahlenden Betrag sind die BeschwerdefÃ¼hrenden gestÃ¼tzt auf § 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 16 Abs. 4 VRG darauf aufmerksam zu machen, dass sie Nachzahlung leisten mÃ¼ssen, sobald sie dazu in der Lage sind. Entsprechend der an den unentgeltlichen Rechtsbeistand zu entrichtenden EntschÃ¤digung beschrÃ¤nkt sich die Nachzahlungspflicht auf den Fr. 1'500.- bzw. Fr. 2'000.- Ã¼bersteigenden Betrag, d. h. auf Fr. 961.- bzw. Fr. 1'439.40. Der Anspruch des Kantons verjÃ¤hrt zehn Jahre nach Abschluss des Verfahrens. </span></p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Urteilstext">Zur Rechtsmittelbelehrung des nachstehenden Dispositivs ist Folgendes zu erlÃ¤utern: Soweit ein Anwesenheitsanspruch geltend gemacht wird, ist Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG) zu erheben (vgl. Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG e contrario; BGE 139 I 330 E. 1.1). Ansonsten steht die subsidiÃ¤re Verfassungsbeschwerde gemÃ¤ss Art. 113 ff. BGG offen. Werden beide Rechtsmittel ergriffen, hat dies in der gleichen Rechtsschrift zu geschehen (Art. 119 Abs. 1 BGG).</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Gesuche um GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung fÃ¼r das Rekursverfahren sowie das Beschwerdeverfahren werden als gegenstandslos geworden abgeschrieben.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. <span>Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung</span> fÃ¼r das Beschwerdeverfahren<span> wird gutgeheissen und Rechtsanwalt C als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.</span></span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die VerfÃ¼gung des Migrationsamts vom 14. Oktober 2022 und der Entscheid der Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion vom 14. MÃ¤rz 2023 werden aufgehoben.</span></p> <p class="Einzug2"><span>Das Migrationsamt wird angewiesen, der BeschwerdefÃ¼hrerin eine Kurzaufenthaltsbewilligung zu erteilen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Kosten des Rekursverfahrens werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, den BeschwerdefÃ¼hrenden fÃ¼r das Rekursverfahren eine ParteientschÃ¤digung von total Fr. 1'500.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Rechtsanwalt C wird fÃ¼r das Rekursverfahren im Mehrbetrag von Fr. 961.- (Barauslagen und Mehrwertsteuer inbegriffen) durch die Vorinstanz aus der Staatskasse entschÃ¤digt. Die Nachzahlungspflicht der BeschwerdefÃ¼hrenden gemÃ¤ss § 16 Abs. 4 VRG bleibt vorbehalten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>7. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'070.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>8. <span>Die Gerichtskosten werden dem </span>Beschwerdegegner <span>auferlegt.</span></span></p> <p class="Einzug2"><span>9. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, den BeschwerdefÃ¼hrenden fÃ¼r das Beschwerdeverfahren eine ParteientschÃ¤digung von total Fr. 2'000.- (Mehrwertsteuer inklusive) <span>zu bezahlen. </span></span></p> <p class="Einzug2"><span>10. Rechtsanwalt C wird fÃ¼r das Beschwerdeverfahren im Mehrbetrag von Fr. 1'439.40 (Mehrwertsteuer inklusive) aus der Gerichtskasse entschÃ¤digt. Die Nachzahlungspflicht der BeschwerdefÃ¼hrenden nach § 16 Abs. 4 VRG bleibt vorbehalten.</span><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>11. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde im Sinn der ErwÃ¤gungen erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>12. Mitteilung an:<br/> a) die Parteien;<br/> b) die Sicherheitsdirektion;</span></p> <p class="Einzug2"><span> c) das Staatssekretariat fÃ¼r Migration (SEM);</span></p> <p class="Einzug2"><span> d) </span><span>die Kasse des Verwaltungsgerichts (zur Anweisung der EntschÃ¤digung).</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>