A bteilung IV D -5042/2007 {T 0/2} U rte il v o m 2 4 . S e p te m b e r 2 0 0 7 R ichter Bendicht Tellenbach (Vorsitz) R ichterin C laudia C otting-Schalch, R ichter H ans Schürch G erichtsschreiber Jürg H ünerw adel. B ._______, und deren Kind C ._______, Kongo (Kinsha- sa), Beschw erdeführerin, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Auferlegung von G ebühren bei zw eitem Asylgesuch; Verfügung des BFM vom 16. Juli 2007. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l B esetzung P arteien G egenstandD -5042/2007 Sachverhalt: A . D ie Beschw erdeführerin stellte am 25. August 1999 bei der Em pfangs- stelle (heute: Em pfangs- und Verfahrenszentrum / EVZ) Basel ein Asyl- gesuch, w elches m it Verfügung des Bundesam tes vom 18. Septem ber 2000 – unter gleichzeitiger Anordnung der W egw eisung aus der Schw eiz und deren Vollzuges – abgew iesen w urde. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschw erde w urde m it U rteil der dam als zustän- digen Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) vom 6. N ovem - ber 2000 ebenfalls abgew iesen. B . D as Bundesam t setzte der Beschw erdeführerin in der Folge eine Frist bis zum 15. Januar 2001 zum Verlassen der Schw eiz. M it Schreiben vom 12. Februar 2001 m eldete die zuständige Frem denpolizeibehörde die Beschw erdeführerin als seit dem 15. Januar 2001 verschw unden. C . Am 31. Juli 2006 ersuchte die Beschw erdeführerin beim EVZ Basel er- neut um Asyl. Anlässlich der Befragungen im EVZ vom 8. August 2006 und durch die zuständige kantonale Behörde vom 31. O ktober 2006 brachte die Beschw erdeführerin zur Begründung ihres G esuchs im W esentlichen vor, sie habe die Schw eiz nach der Abw eisung ihres ers- ten Asylgesuchs verlassen und sich von Januar 2001 bis zu ihrer er- neuten Einreise in die Schw eiz am 31. Juli 2006 in Frankreich aufge- halten. D ort habe sie ihre Tochter zur W elt gebracht und ebenfalls ein Asylgesuch gestellt, w elches im Juni 2006 rechtskräftig abgew iesen w orden sei. Sie ersuche aus anderen G ründen um Asyl, als im ersten Verfahren. Sie sei zw ar in der Zw ischenzeit nicht in ihrem H eim atland gew esen, könne jedoch nicht dahin zurückkehren, w eil sie dort niem anden m ehr habe; aus diesem G rund sei sie w ieder in die Schw eiz gekom m en, w o der Vater ihres Kindes – ein m it einer Schw eizerin verheirateter Lands- m ann – und ihr ebenfalls m it einer Schw eizerin verheirateter eigener Vater lebten. D . M it Verfügung vom 16. Juli 2007 – eröffnet am 19. Juli 2007 – trat das BFM in Anw endung von A rt. 32 Abs. 2 Bst. e des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) auf das zw eite Asylgesuch der Be- S eite 2D -5042/2007 schw erdeführerin nicht ein; gleichzeitig ordnete es die W egw eisung der Beschw erdeführerin und deren Tochter aus der Schw eiz an, ver- fügte jedoch zufolge U nzum utbarkeit des W egw eisungsvollzuges de- ren vorläufige Aufnahm e. G estützt auf A rt. 17b Abs. 4 i.V.m . A rt. 17b Abs. 1 AsylG und A rt. 7a Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) erhob das Bundes- am t schliesslich eine G ebühr von Fr. 600.--. E. M it Eingabe vom 23. Juli 2007 (Poststem pel: 24. Juli 2007) erhob die Beschw erdeführerin gegen die Verfügung des BFM vom 16. Juli 2007 teilw eise – sow eit die G ebührenauferlegung betreffend (D ispositiv-Zif- fer 7) – Beschw erde und beantragte, es sei von der Erhebung der G e- bühr von Fr. 600.-- abzusehen. Zur Begründung brachte sie unter Bei- lage einer Fürsorgebestätigung der zuständigen Behörde vom 20. Juli 2007 vor, sie könne den auferlegten Betrag nicht aus eigenen M itteln bestreiten, da sie w eder auf ein Erw erbseinkom m en noch auf eigenes Verm ögen zurückgreifen könne. F. M it Zw ischenverfügung vom 27. Juli 2007 bestätigte der zuständige Instruktionsrichter den Eingang der Beschw erde und verzichtete auf das Erheben eines Kostenvorschusses. G . D as Bundesam t hielt in seiner Vernehm lassung vom 2. August 2007 an der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. Auf die Begründung w ird, sow eit entscheidw esent- lich, in den Erw ägungen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss A rt. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw altungsgericht (Verw altungsgerichtsgesetz, VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach A rt. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach A rt. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in A rt. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen S eite 3D -5042/2007 des BFM , w elche gestützt auf das AsylG erlassen w urden; das Bun- desverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (A rt. 105 AsylG ; A rt. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BG G , SR 173.110]). 1.2 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich- tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die U nangem essenheit gerügt w erden (A rt. 106 Abs. 1 AsylG ). 1.3 D ie Beschw erdeführerin hat am Verfahren vor dem Bundesam t teilgenom m en, ist durch die angefochtene Verfügung besonders be- rührt und hat ein schutzw ürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie- hungsw eise Änderung. D am it ist sie zur Einreichung der Beschw erde legitim iert (A rt. 6 AsylG i.V.m . A rt. 48 Abs. 1 Vw VG ). 1.4 D ie Beschw erde w urde innert der gesetzlichen Frist von 5 Arbeits- tagen in gültiger Form eingereicht (A rt. 108a AsylG sow ie A rt. 6 AsylG i.V.m . A rt. 52 Vw VG ). D em zufolge ist auf diese einzutreten. 2. D ie Vernehm lassung des BFM vom 2. August 2007 w urde der Be- schw erdeführerin bislang nicht überm ittelt, da – w ie nachstehend aus- geführt – ihren R echtsbegehren vollum fänglich entsprochen w ird (A rt. 30 Abs. 2 Bst. c Vw VG ); sie w ird ihr m it dem U rteil zur Kenntnisnahm e zugestellt. 3. D ie Beschw erde vom 23. Juli 2007 richtet sich ausschliesslich gegen die Auferlegung der G ebühr von Fr. 600.-- gem äss D ispositiv-Ziffer 7 der Verfügung des BFM vom 16. Juli 2007. Bei dieser Sachlage ist die Verfügung, sow eit die D ispositiv-Ziffern 1 – 6 betreffend, unangefoch- ten in R echtskraft erw achsen. Es ist daher im vorliegenden Beschw er- deverfahren einzig zu prüfen, ob die Vorinstanz zu R echt eine Spruch- gebühr erhoben hat. 4. 4.1 G em äss A rt. 17b Abs. 1 AsylG erhebt das Bundesam t bei negati- vem Ausgang eines W iederw ägungsverfahrens eine G ebühr. G em äss A rt. 17b Abs. 4 AsylG findet diese Bestim m ung auch auf zw eite (und S eite 4D -5042/2007 allfällige w eitere) Asylgesuche sinngem äss Anw endung, ausser die asylsuchende Person ist aus dem H eim at- oder H erkunftsstaat in die Schw eiz zurückgekehrt. 4.2 Es ist im vorliegenden Fall unbestritten, dass die Beschw erdefüh- rerin nach erfolglosem D urchlaufen eines ersten Asylverfahrens ein zw eites Asylgesuch gestellt hat. Angesichts der Tatsache, dass sie sich laut eigenen Angaben nach Abschluss des ersten Verfahrens seit Januar 2001 in Frankreich aufhielt und von dort – ohne eine zw ischen- zeitliche R ückkehr in ihren H eim atstaat – am 31. Juli 2006 erneut in die Schw eiz gelangte, erfüllt sie ohne w eiteres den Tatbestand von A rt. 17b Abs. 4 AsylG , w elcher zu einer grundsätzlichen G ebührenpflicht führt. 4.3 D er Anw endung dieser Bestim m ung steht sodann nicht entgegen, dass sie erst m it der G esetzesnovelle vom 16. D ezem ber 2005 einge- führt w urde, w elche insow eit am 1. Januar 2007 in Kraft getreten ist. D ie Beschw erdeführerin hat zw ar ihr zw eites Asylgesuch am 31. Juli 2006, m ithin vor dem Inkrafttreten der N orm , gestellt. Angesichts der Ü bergangsbestim m ung von A rt. 121 Abs. 1 AsylG – auf w elche die Vorinstanz in ihrer Vernehm lassung vom 2. August 2007 zu R echt ver- w eist – und der allgem einen R egeln des intertem poralen R echts, w o- nach neue Verfahrensbestim m ungen grundsätzlich auch auf bereits hängige Angelegenheiten anw endbar sind (vgl. ALFR E D KÖ LZ/ISABELLE H ÄN E R , Verw altungsverfahren und Verw altungsrechtspflege des Bun- des, 2. Aufl., Zürich 1998, S.29; U LR IC H H ÄFELIN /G EO R G M Ü LLER /FELIX U H LM AN N , Allgem eines Verw altungsrecht, 5. Aufl., Zürich/Basel/G enf 2006, R z. 327a), konnte das BFM ohne w eiteres A rt. 17b Abs. 4 AsylG anw enden. 4.4 Im G egensatz zu anderen neu eingeführten Verfahrenbestim m un- gen ist hinsichtlich der seit 1. Januar 2007 bestehenden grundsätzli- chen G ebührenpflicht bei W iedererw ägungs- und M ehrfachgesuchen indessen festzustellen, dass sie direkte und nicht unerhebliche finan- zielle Folgen für die gesuchstellenden Personen nach sich zieht, in- dem ihnen gegebenenfalls Beträge bis zu Fr. 1'800.-- auferlegt w erden können (A rt. 7a Abs. 1 und 2 AsylV 1). A rt. 17b Abs. 2 AsylG sieht zw ar vor, dass eine gesuchstellende Person nach Einreichung ihres erneuten Schutzbegehrens auf G esuch hin von der Bezahlung von Verfahrenskosten befreit w erden kann, sofern sie bedürftig ist und ihre Begehren nicht von vornherein aussichtslos erscheinen. Bei Verfahren, S eite 5D -5042/2007 w elche im Zeitpunkt des Inkrafttretens von A rt. 17b AsylG bereits beim BFM hängig w aren, bestünde die M öglichkeit der Einreichung eines derartigen G esuches um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege sodann durchaus auch noch in einem späteren Verfahrensstadium (vgl. JÖ R G PAU L M Ü LLER , G rundrechte in der Schw eiz, 3. Aufl., Bern 1999, S. 546). 4.5 Im vorliegenden Fall ist diesbezüglich allerdings zu beachten, dass die Beschw erdeführerin ihr zw eites G esuch bereits ein halbes Jahr vor der Einführung der G ebührenpflicht gestellt hat und sich als juristische Laiin ohne R echtsvertretung kaum ein Bild über die per 1. Januar 2007 in Kraft getretene Bestim m ung von A rt. 17b AsylG hat m achen können, zum al sie nicht zur Leistung eines Kostenvorschus- ses gem äss A rt. 17b Abs. 3 AsylG aufgefordert w urde. Es hätte vor diesem H intergrund dem von der Vorinstanz zu beachtenden G ebot der Fairness des Verfahrens entsprochen, die Beschw erdeführerin auf die zw ischenzeitlich eingeführte grundsätzliche G ebührenpflicht hinzu- w eisen und ihr dadurch die G elegenheit zur Einreichung eines G esu- ches um Kostenbefreiung zu geben. D a die M öglichkeit der Einrei- chung eines G esuches um unentgeltliche R echtspflege dem Anspruch auf rechtliches G ehör in einem w eiteren Sinne zuzurechnen ist (vgl. KÖ LZ/H ÄN E R , a.a.O ., S. 46), liegt insofern eine Verletzung dieses An- spruches vor, w elche angesichts dessen form eller N atur zur Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung – sow eit die D ispositiv-Ziffer 7 be- treffend – führt. Eine R ückw eisung der Sache an die Vorinstanz zur Beurteilung des im R ahm en des Beschw erdeverfahrens nunm ehr sinn- gem äss gestellten Begehrens um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege im erstinstanzlichen Verfahren erscheint indessen aus prozessökonom ischen G ründen nicht angezeigt, da die Beschw erde- führerin unter Berücksichtigung der von ihr zu den Akten gereichten Fürsorgebestätigung vom 20. Juli 2007 bedürftig ist und ihr zw eites Asylgesuch vom 31. Juli 2006 angesichts der vom BFM in der Folge festgestellten U nzum utbarkeit des W egw eisungsvollzuges nicht als von vornherein aussichtslos zu bezeichnen w ar, m ithin die Vorausset- zungen der unentgeltlichen R echtspflege gem äss A rt. 17b Abs. 4 i.V.m . A rt. 17b Abs. 2 AsylG offensichtlich gegeben sind. 5. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt (A rt. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist dem nach S eite 6D -5042/2007 gutzuheissen und die Verfügung des BFM vom 16. Juli 2007 teilw eise – sow eit die D ispositiv-Ziffer 7 betreffend – aufzuheben. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (A rt. 63 Abs. 1 Vw VG ). 6.2 Trotz ihres O bsiegens ist der Beschw erdeführerin sodann keine Parteientschädigung auszurichten, da sie im Beschw erdeverfahren keine R echtsvertretung m it der W ahrung ihrer Interessen beauftragt hat und aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen ist, dass ihr selber durch die Beschw erdeführung verhältnism ässig hohe Kosten im Sinne von A rt. 64 Abs. 1 Vw VG erw achsen sind. (D ispositiv nächste Seite) S eite 7D -5042/2007 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. D ie Verfügung des BFM vom 16. Juli 2007 w ird teilw eise – sow eit die D ispositiv-Ziffer 7 betreffend – aufgehoben. 2. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es w ird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. D ieses U rteil geht an: - die Beschw erdeführerin (Einschreiben; Beilage: Kopie der Vernehm - lassung des BFM vom 2. August 2007) - die Vorinstanz D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Jürg H ünerw adel Versand: S eite 8