Abteilung III C-119/2008 {T 0/2} U r t e i l v o m 2 7 . M a i 2 0 0 9 Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Bernard Vaudan, Richter Andreas Trommer, Gerichtsschreiberin Barbara Haake. Y._______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Verweigerung der Einreisebewilligung für X._______. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandC-119/2008 Sachverhalt: A. Am 9. November 2007 beantragte die 1973 geborene X._______, Staatsangehörige von Thailand, bei der Schweizerischen Botschaft in Bangkok ein Visum für einen dreimonatigen Besuchsaufenthalt (15. Januar 2008 bis 14. April 2008) bei ihrem im Kanton Freiburg lebenden Bekannten Y._______. Nach formloser Verweigerung übermittelte die Vertretung dieses Gesuch zum Entscheid an die Vorinstanz. B. Nachdem das Amt für Bevölkerung und Migration des Kantons Freiburg weitere Abklärungen zum beabsichtigten Besuchsaufenthalt vorgenommen hatte, wies die Vorinstanz das Einreisegesuch – unter Bezugnahme auf die schriftlichen Angaben der Gesuchstellerin – mit Verfügung vom 13. Dezember 2007 ab. Sie begründete ihre Ablehnung damit, dass die Erteilung einer Einreisebewilligung unter anderem dann zu verweigern sei, wenn die anstandslose und fristgerechte Wie- derausreise der gesuchstellenden Person nicht als gesichert betrach- tet werden könne, sei es als Folge der in ihrem Ursprungsland herr- schenden Lage bzw. sozioökonomischen Verhältnisse oder aufgrund ihrer persönlichen Situation. Wie die in zahlreichen Fällen gemach te Erfahrung zeige, würden insbesondere Touristen- oder Besuchervisa immer wieder von Personen, welche sich eigentlich dauerhaft hier niederlassen möchten, missbraucht. Die Gesuchstellerin stamme immerhin aus einer Region, aus welcher der starke Zuwande rungs- druck anhalte. Sie sei zwar verheiratet und anscheinend berufstätig; dennoch erscheine das vorgängig beschriebene Risiko als hoch. C. Gegen diese Verfügung erhob Y._______ am 7. Januar 2008 Be- schwerde mit dem Begehren um Erteilung der beantragten Einreise- bewilligung. Er macht geltend, er wolle später einmal mit seiner Freundin zusammenleben und sie daher vorab zu sich einladen, damit sie sich ein Bild vom Leben in der Schweiz machen könne. An ihrer Rückkehr bestünden keinerlei Zweifel. Zur Zeit habe sie einen Job als Kassiererin und wohne bei ihrer Schwester. Seit längerer Zeit sei sie von ihrem Ehemann getrennt, habe sich aber bisher noch nicht scheiden lassen können. Auch er selbst, der Gastgeber, plane ein neues Privatleben. Mit X._______ habe er eine Person gefunden, die ihn verstehe und sein Leben bereichere. Die angefochtene Verfügung Seite 2C-119/2008 sei für ihn als ehrlichen Bürger, der für den Aufenthalt seiner Freundin vollumfänglich aufkommen werde, unverständlich. Abgesehen davon sei der Besuchszeitraum, von dem die Vorinstanz ausgehe, gar nicht zutreffend. Er selbst habe in dem für X._______ eingereichten Visumsantrag (es handelt sich dabei in Wirklichkeit um ein am 27. September 2007 der Botschaft übersandtes Einladungsschreiben) klar dargelegt, dass er nach einem Urlaub in Thailand am 29. Februar 2008 gemeinsam mit seiner Freundin zurückfliegen wolle und dass sie erst ab dann drei Monate bei ihm verbringen werde. Niemals sei ihre Einreise für Mitte Januar 2008 geplant gewesen. D. In ihrer Vernehmlassung vom 11. März 2008 spricht sich die Vorinstanz unter Erläuterung der bereits genannten Gründe für die Abweisung der Beschwerde aus. Sie weist darauf hin, dass die Integrität des Gastge- bers keinesfalls in Frage gestellt werde, dass dessen Argumente aber nicht zu einer anderen Einschätzung führen könnten. E. In seiner darauf folgenden Stellungnahme vom 21. April 2008 wider- spricht der Beschwerdeführer der dargelegten Einschätzung der Vor- instanz, die er als willkürlich und diskriminierend bezeichnet. Er könne garantieren, dass die Gesuchstellerin die Schweiz nach Ablauf des Visums wieder verlassen werde. Im Übrigen werde sie spätestens im Mai 2008 im Besitz ihrer Scheidungspapiere sein. In einer weiteren Eingabe vom 27. August 2008 übersandte der Be- schwerdeführer die Kopie einer ins Englische übersetzten Scheidungs- bestätigung. F. Der weitere Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen Berücksichtigung finden. Seite 3C-119/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden ge- gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM betreffend Verweigerung der Ein- reisebewilligung, welche vom Bundesverwaltungsgericht endgültig beurteilt werden (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be- schwerde berechtigt. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50–52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts- erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be- schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge- mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge- bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Rechts- und Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent- scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur- teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003). 3. Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie alle anderen Staa- ten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Auslän- Seite 4C-119/2008 dern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Ver- pflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189). 4. Am 1. Januar 2008 sind das Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) sowie die dazu gehörigen Ausführungsverordnungen (u.a. die Verordnung vom 24. Oktober 2007 über das Einreise- und Visumsverfahren [VEV, AS 2007 5537]) in Kraft getreten. In der Volksabstimmung vom 5. Juni 2005 wurde dem Bundesbeschluss vom 17. Dezember 2004 über die Ge nehmigung und die Umsetzung der bilateralen Abkommen zwi- schen der Schweiz und der EU über die Assoziierung an Schengen und an Dublin (SR 362) zugestimmt. Die entsprechenden Assozi- ierungsabkommen (darunter das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Europäischen Union und der Europäischen Gemeinschaft über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands [SAA, SR 0.360.268.1]) sind sodann für die Schweiz am 12. Dezember 2008 definitiv in Kraft getreten. Seitdem ist die Schweiz verpflichtet, den übernommenen Schengen-Besitzstand anzuwenden und umzusetzen, wie u.a. die Bestimmungen zur gemein- samen Visapolitik, auf die verschiedentlich in EG-Rechtsakten verwie- sen wird. Durch die Übernahme des Schengen-Besitzstandes wurden im AuG entsprechende Anpassungen notwendig (vgl. u.a. Art. 2 Abs. 4 AuG, wonach die Bestimmungen über das Visumverfahren und über die Ein- und Ausreise nur gelten, sofern das Schengen-Recht keine abweichenden Bestimmun gen enthält). Im Weiteren ist die VEV total revidiert worden (Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204], in Kraft seit 12. Dezember 2008). Art. 57 VEV sieht vor, dass hängige Verfahren nach dem neuen, übergeordneten (Schengen-)Recht fortgeführt werden. Das bedeu tet, dass die Schweiz ungeachtet der übergangsrechtlichen Bestimmung von Art. 126 Abs. 1 AuG völkerrechtlich verpflichtet ist, auf Verfahren, die am 12. Dezember 2008 hängig sind, das neue Recht anzuwenden (zum Vorrang des internationalen Rechts: vgl. BGE 131 II 352 E. 1.3.1 [mit Hinweis auf Rechtsprechung und zitierte Doktrin], 119 V 171 E. 4; R AINER J. SCHWEIZER , Zur Einleitung: Das Bundesverwaltungsgericht im System der öffentlich-rechtlichen Rechtspflege des Bundes, in: Bern- Seite 5C-119/2008 hard Ehrenzeller/Rainer J. Schweizer [Hrsg.], Das Bundesverwaltungs- gericht: Stellung und Aufgaben, St. Gallen 2008, S. 24). 5. 5.1 Bezüglich der Einreisevoraussetzungen für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten verweist Art. 2 Abs. 1 VEV auf die Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen (Schengener Grenzkodex [SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1–32]). Art. 5 Abs. 1 SGK präzisiert die Ein- reisevoraussetzungen für Drittstaatsangehörige. Diese benötigen zur Einreise ein oder mehrere gültige Reisedokumente und – sofern sie der Visumspflicht unterliegen – ein gültiges Visum (Bst. a und b). Sie müssen den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen (Bst. c). Im Weiteren dürfen sie nicht im Schengener Informationssys- tem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentli- che Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglied- staats darstellen (Bst. d und e). 5.2 Die Einreisevoraussetzungen gemäss Schengener Grenzkodex entsprechen im Wesentlichen Art. 5 Abs. 1 Bst. a–d AuG. Das in Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK genannte Erfordernis, Zweck und Umstände des ge- planten Aufenthalts zu belegen, wird in Art. 5 Abs. 1 AuG nicht explizit erwähnt. Demgegenüber verlangt Art. 5 Abs. 2 AuG, dass im Falle eines nur vorübergehenden Aufenthalts für die gesicherte Wiederaus- reise Gewähr zu bieten ist. Dies stellt jedoch kein zusätzliches im nationalen Recht verankertes Erfordernis dar und steht daher nicht im Widerspruch zum Schengener Grenzkodex. Die Angabe des vorüber- gehenden Aufenthaltszwecks stellt nämlich zugleich eine Absichtser- klärung dar, nach Erfüllung dieses Zwecks wieder ausreisen zu wollen. Erfolgen widersprüchliche oder unglaubwürdige Angaben zum Aufent- haltszweck, so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass der je- weilige Gesuchsteller nicht willens ist, nach Ablauf des geplanten Auf- enthalts den Schengenraum fristgerecht zu verlassen. In diesem Sinne äussert sich auch die Gemeinsame Konsularische Instruktion an die diplomatischen Missionen und die konsularischen Vertretungen, die von Berufskonsularbeamten geleitet werden (GKI, ABl. C 326 vom 22.12.2005, S. 1–149), die eine analoge Auslegung vornimmt. Die GKI verlangt hinsichtlich des Entscheids über den Visumsantrag die Ein- Seite 6C-119/2008 schätzung des Migrationsrisikos; es muss geprüft werden, "ob der An- tragsteller die Absicht hat, in das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten mit Hilfe eines zu Touristik-, Studien-, Geschäfts- bzw. zu Familienbe- suchszwecken ausgestellten Visums einzuwandern und sich dort nie- derzulassen“ (vgl. ABl. C 326, S. 10). Die laut Art. 5 Abs. 2 SGK zur Glaubhaftmachung des Aufenthaltszwecks in Frage kommenden Bele- ge werden beispielhaft in Anhang I des Schengener Grenzkodex auf- gelistet. 5.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist somit festzuhalten, dass die nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK erforderliche Überprüfung des Aufenthaltszwecks dieselbe Fragestellung aufwirft wie die Überprüfung des in Art. 5 Abs. 2 AuG genannten Merkmals der gesicherten Wieder- ausreise. Es kann daher an die bisherige Praxis und Rechtsprechung bezüglich des letztgenannten Merkmals angeknüpft werden. 6. Das Schengen-Recht nimmt eine Differenzierung in Bezug auf die Visumspflicht von Drittstaatsangehörigen vor. Die Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 (ABl. L 81 vom 21.03.2001, S. 1–7) verweist in Art. 1 Abs. 1 und 2 auf die Anhänge I und II, welche jeweils eine Liste von Drittländern enthalten. In An- hang I sind diejenigen Drittstaaten aufgelistet, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen der Schengen-Mitgliedstaaten im Besitz eines Visums sein müssen; Anhang II dagegen führt diejeni- gen Drittländer auf, deren Staatsangehörige von der Visumspflicht be- freit sind. Als thailändische Staatsangehörige unterliegt die Gesuch- stellerin damit der Visumspflicht. 7. Das Bundesamt verweigerte der Gesuchstellerin die Visumserteilung insbesondere mit der Begründung, dass die im Vergleich zur Schweiz schlechteren Lebensbedingungen in Thailand auf eine fehlende Rück- kehrbereitschaft hindeuteten. Der Beschwerdeführer hat der Vorinstanz deswegen vorgeworfen, diskriminierend und willkürlich entschieden zu haben. 7.1 Geht es um die Beurteilung des Kriteriums der gesicherten Wie- derausreise, so können bezüglich eines solchen künftigen Verhaltens keine gesicherten Feststellungen, sondern lediglich Prognosen getrof- fen werden. In diesem Rahmen ist Einreisegesuchen von Personen aus Staaten beziehungsweise Regionen mit politisch oder wirtschaft- Seite 7C-119/2008 lich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen von vornherein mit Zurückhaltung zu begegnen, da deren persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht. Wenn die Visumser- teilung von der Staatsangehörigkeit und der sozialen, familiären und beruflichen Situation des Gesuchstellers abhängig gemacht wird, kann darin nicht Willkür oder Diskriminierung erblickt werden. Vielmehr ergeben sich die vorzunehmenden Wertungen aus den einschlägigen Bestimmungen des Landesrechts und des übernommenen Schengen- Besitzstands (vgl. Art. 16 des bis zum 31. Dezember 2007 geltenden Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Nieder- lassung der Ausländer [ANAG, BS 1 121] sowie Art. 5 AuG, Art. 5 SGK und GKI [hierzu oben E. 5.2]). 7.2 Demnach kann es unter Umständen im öffentlichen Interesse liegen, gewisse Personengruppen aus bestimmten Ländern nicht ein- reisen zu lassen. Zu Unrecht geht der Beschwerdeführer davon aus, dass die Vorinstanz den (gar nicht möglichen) Beweis einer künftigen nicht fristgerechten Wiederausreise erbringen müsse und dass die Gesuchstellerin als freier Mensch das Recht habe, seiner Einladung in die Schweiz Folge zu leisten. Aufgrund des grossen Ermessens, das der entscheidenden Behörde zukommt, kann jeder gegen das öffent- liche Interesse an einer Einreise sprechende Umstand den Ausschlag geben, ein Gesuch abzulehnen. 7.3 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz unter Berücksich- tigung der Verhältnisse im Herkunftsland der Gesuchstellerin und unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Lebensumstände einen ermes- sensfehlerfreien Entscheid getroffen hat. 8. Die internationale Finanzkrise hat seit dem letzten Quartal 2008 auch auf die Wirtschaft Thailands deutlich spürbare Auswirkungen. Hauptur- sache ist deren Exportabhängigkeit und das Wegbrechen wichtiger Ab satzmärkte (USA, Japan, EU, China). Überlagert wurde der Ende vergangenen Jahres einsetzende Abwärtstrend durch die politische Konfrontation zwischen damaliger Regierung und regierungskritischen Demonstranten, die Ende November 2008 in der Besetzung der inter- nationalen Flughäfen Bangkoks gipfelte und zu einem massiven Ein- bruch im Tourismus führte. Die Regierung Abhisit hat auf den wirt- schaftlichen Rückgang relativ rasch reagiert und bereits am 13. Januar Seite 8C-119/2008 2009 die erste Staffel eines umfangreichen Konjunkturprogramms mit einem Volumen von rund 1,5 Mrd. Euro verabschiedet. Dennoch ist unübersehbar, dass der Abwärtstrend bis auf Weiteres anhalten wird. Angesichts der schwer einschätzbaren internationalen Risiken, ins- besondere der Entwicklung der thailändischen Exportmärkte, bleiben die Prognosen für das Jahr 2009 vorsichtig und gehen von einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts zwischen 0 und 2% aus. Eine Rezession wird nicht ausgeschlossen. Der Einbruch im Exportsektor dürfte 2009 zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote – sie lag Ende 2008 nach offiziellen Angaben bei 1,4% – auf 3,4 bis 4% führen (Quelle: http://www.auswaertiges-amt.de, Länder- und Reiseinforma- tionen>Thailand>Wirtschaft, Stand: März 2009, besucht im Mai 2009). Vor diesem Hintergrund besteht ein vielfacher Wunsch zur Aus- wanderung, der sich vor allem bei denjenigen manifestiert, die bereits über ein minimales soziales Beziehungsnetz im Ausland verfügen. Im Falle der Schweiz führt dies angesichts der restriktiven fremdenpoli- zeilichen Zulassungsregelung nicht selten zur Umgehung ausländer- rechtlicher Bestimmungen. Dabei geht es nicht etwa allein um die Einreichung von Asylgesuchen nach erfolgter Einreise, sondern es wird oftmals versucht, den Aufenthalt zu verlängern oder – beispiels- weise durch Ausbildung oder Heirat – auf eine andere migrations- rechtliche Grundlage zu stellen. 9. Die geschilderten Umstände im Heimatland der Gesuchstellerin deu- ten zwar auf das latente Risiko einer nicht fristgerechten Wieder- ausreise hin; sie entbinden die Vorinstanz aber nicht von einer einzel- fallbezogenen Beurteilung. Namentlich können berufliche, gesell- schaftliche oder familiäre Verpflichtungen die Prognose für eine an- standslose Wiederausreise begünstigen. 9.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 36-jährige Frau, die laut ihrem Visumsantrag in einem Restaurant als „account“ ar- beitet. Der Beschwerdeführer hat dieses Tätigkeitsgebiet zunächst als Buch haltung bezeichnet, wovon auch die Vorinstanz ausgegangen ist. Zutreffender – und wie in der Beschwerde vorgebracht – dürfte jedoch sein, dass die Gesuchstellerin beruflich weniger qualifiziert und le- diglich als Kassiererin beschäftigt ist. Dass sie hiervon ihren Lebens- unterhalt bestreiten kann, ist zu bezweifeln, hat doch der Beschwerde- führer in seinem an die Botschaft gerichteten Schreiben vom 27. Sep- tember 2007 mitgeteilt, dass er seine Freundin und deren Familie mit Seite 9C-119/2008 monatlich 230 Franken unterstütze. Angesichts dessen und auch an- gesichts der mittelfristig ungünstigen Perspektiven in ihrem Heimat- land wäre ihr etwaiger Wunsch zur Emigration nachvollziehbar. Immer- hin ist die Gesuchstellerin mittlerweile sogar geschieden und hat offen- sichtlich keine weiteren familiären Verpflichtungen. Der Beschwerde- führer, Jahrgang 1959, selbst alleinstehend bzw. getrenntlebend (vgl. die beim Gastgeberkanton eingereichten Belege), hat dementspre- chend auch eingeräumt, dass er später einmal mit seiner Freundin zusammenleben wolle. 9.2 Ob X._______ dieselbe Lebensplanung hat, kann den Akten nicht entnommen werden. Immerhin ist aber ersichtlich, dass der Beschwerdeführer seine Freundin im April 2007 in einem Restaurant in Bangkok kennen gelernt hat und dass sich aus dieser Ferien- bekanntschaft der Wunsch nach einem Wiedersehen in der Schweiz entwickelt hat. Dabei fällt auf, dass die Gesuchstellerin im Visums- formular einen Besuchszeitraum (15. Januar bis 14. April 2008) genannt hat, der gar nicht dem Wunsch ihres Gastgebers entsprach. Dieser hat – offensichtlich in Unkenntnis darüber, dass ein Visums- antrag persönlich gestellt werden muss – in seiner Beschwerde ausdrücklich betont, dass niemals eine Einreise für Mitte Januar 2008, sondern erst für den 1. März 2008 geplant gewesen sei. Angesichts dieses Widerspruchs ist der von der Gesuchstellerin angegebene Besuchszweck erst recht zu bezweifeln. 10. Vor dem geschilderten Hintergrund kann nicht ausgeschlossen wer- den, dass X._______ – einmal in die Schweiz eingereist – der Ver- pflichtung zur anstandslosen Wiederausreise womöglich nicht mehr nachkommt . Demgegenüber stellt der Beschwerdeführer die frist- gerechte Rückkehr seines Gastes nicht in Frage und verweist insofern auf die ihm selbst obliegende Verantwortung. Dem ist jedoch entge- genzuhalten, dass bei der Abwägung des Risikos einer nicht frist- gerechten Wiederausreise nicht so sehr die Absichten des Gast- gebers, sondern in erster Linie das mögliche Verhalten des Gastes selbst von Bedeutung sind. Nur Letzterer ist in der Lage, hinreichend Gewähr für seine Rückkehrbereitschaft zu bieten. Der Gastgeber kann zwar für gewisse finanzielle Risiken garantieren, mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit nicht aber für ein bestimmtes Verhalten des Gastes (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-7257/2008 vom 30. April 2009 E. 8.5). Dies gilt auch im vorliegenden Seite 10C-119/2008 Fall, wo selbst die Vorinstanz die Redlichkeit des Beschwerdeführers nicht in Frage gestellt hat. 11. Die Vorinstanz durfte unter den gegebenen Umständen zu Recht da- von ausgehen, dass die fristgerechte Wiederausreise der Gesuch- stellerin nicht gewährleistet sei. Zwar lässt sich diese Einschätzung nicht zu einer völlig gesicherten Feststellung verdichten; sie reicht aber aus, um die Erteilung einer Einreisebewilligung – auf welche, wie erwähnt, ohnehin kein Rechtsanspruch besteht – abzulehnen. 12. Aus diesen Darlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Er- gebnis rechtmässig ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. 13. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 und Art. 3 des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Dispositiv nächste Seite Seite 11C-119/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: - den Beschwerdeführer (Einschreiben) - die Vorinstanz - das Amt für Bevölkerung und Migration des Kantons Freiburg Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Haake Versand: Seite 12