A bteilung IV D -7577/2006 P ostfach C H -3000 B ern 14 Telefon +41 (0)58 705 26 90 Fax +41 058 705 29 80 w w w .B undesverw altungsgericht.ch {T 0/2} G eschäfts-N r. D -7577/2006 U rteil vom 20. Juli 2007 M itw irkung: R ichter M artin Zoller, Jean-D aniel D ubey, Thom as W espi G erichtsschreiber D aniel M erkli B ._______, Türkei, vertreten durch lic. iur. Ali C ivi, Advokaturbüro Albrecht & R iedo, M arktgasse 6, 4051 Basel, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 19. D ezem ber 2006 i.S. N ichteintreten auf A sylgesuch und W egw eisung B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest, dass der Beschw erdeführer - ein türkischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie aus W ._______ - am 15. August 2005 in der Schw eiz um Asyl nachsuchte, dass er dabei im R ahm en der Erstbefragung vom 22. August 2005 im Em pfangszentrum Basel und anlässlich der direkten Bundesanhörung vom 6. Septem ber 2005 im W esent- lichen geltend m achte, an seinem H eim atort seien er und seine Fam ilie unter dem Ver- dacht, die G uerillas zu unterstützen, unter grossen behördlichen D ruck geraten, dass 1990 der Bruder des Beschw erdeführers die Türkei verlassen und in Frankreich Asyl erhalten habe, dass der Beschw erdeführer von 1993 bis 1999 in X._______ gelebt habe, w o er als Kurde von der Polizei diskrim iniert und von R echtsradikalen bedroht w orden sei, dass sich ein G uerillakäm pfer den Behörden gestellt und seinen Vater als U nterstützer der PKK bezeichnet habe, w eshalb dieser verhaftet, gefoltert und zu drei Jahren und neun M onaten G efängnis verurteilt w orden sei, w eshalb sein Vater die Flucht ergriffen und in der Folge in der Schw eiz Asyl erhalten habe (vgl. A11, S. 5), dass sein O nkel 1999 von den Soldaten erschossen w orden sei (vgl. A11, S. 5), dass der Beschw erdeführer nach seiner R ückkehr im Jahre 1999 von den Behörden be- lästigt und m ehrere M ale für ein paar Stunden festgenom m en und zu m öglichen Verste- cken der G uerilla befragt w orden sei, dass er anfangs 2004 bei einer erneuten kurzzeitigen Festnahm e geschlagen w orden sei und sich dabei durch einen Sturz auf einen Stein eine Verletzung am Arm zugezo- gen habe (vgl. A11, S. 7), dass er w egen dieses Vorkom m nisses am 5. August 2005 ausgereist sei, um in die Schw eiz zu gelangen, dass der Beschw erdeführer zur Stützung seiner Vorbringen - jew eils in Kopie - G erichts- akten seinen Vater betreffend (U rteil des D G M Y._______ vom 3. N ovem ber 1994, G e- richtsvorladung vom 26. M ärz 1999 und U rteilsbestätigung), eine Zeitungsnotiz und ein Schreiben des türkischen M enschenrechtsvereins (IH D ) hinsichtlich seines O nkels so- w ie einen H aftbefehl vom 25. O ktober 2002 betreffend seinen C ousin B._______ einreichte, dass nach M itteilung der deutschen Asylbehörden vom 7. Septem ber 2005 der Be- schw erdeführer am 21. Juli 2004 in D eutschland eingereist sei und am 22. Juli 2004 ei- nen Asylantrag gestellt habe, w elcher am 17. Februar 2005 abgelehnt w orden und am 10. M ärz 2005 rechtskräftig gew orden sei, dass der Beschw erdeführer in seiner Stellungnahm e vom 13. Septem ber 2005 bestätig- te, in D eutschland erfolglos ein Asylverfahren durchlaufen zu haben und im W eiteren angab, sich nach dem ablehnenden Entscheid bei einem Freund in D eutschland ver- steckt gehalten zu haben und dann direkt in die Schw eiz gereist zu sein, um hier um Asyl nachzusuchen, 3 dass er bei einer R ückkehr in die Türkei seinen ausstehenden M ilitärdienst leisten m üs- se, dass der Beschw erdeführer nach einer M itteilung des Zivilstandsam tes Z._______ vom 17. N ovem ber 2006 die Frist, einen H eiratsterm in m it einer türkischstäm m igen Schw ei- zerin zu vereinbaren, ungenutzt verstreichen liess, dass das BFM m it Entscheid vom 19. D ezem ber 2006 in Anw endung von Art. 32 Abs. 2 Bst. f des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschw erdeführers nicht eintrat, dessen W egw eisung anordnete und den Vollzug als zulässig, zum utbar und m öglich erachtete, dass der Beschw erdeführer m it Eingabe seines R echtsvertreters vom 27. D ezem ber 2006 an die dam als zuständige Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) gegen diesen Entscheid Beschw erde erhob und dabei in verfahrensrechtlicher H insicht um G e- w ährung der unentgeltlichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verw altungs- verfahrensgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021) ersuchte, dass das Bundesverw altungsgericht m it Zw ischenverfügung vom 19. Januar 2007 m it- teilte, dass das bei der AR K eingeleitete Beschw erdeverfahren seit dem 1. Januar 2007 vom Bundesverw altungsgericht (unter der G eschäfts-N r. D -7577/2006) w eitergeführt w erde, w obei das neue Verfahrensrecht zur Anw endung gelange (Art. 53 Abs. 2 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]), dass der dam als zuständige Instruktionsrichter auf das Erheben eines Kostenvorschus- ses verzichtete m it dem H inw eis, über das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG w erde zu einem späteren Zeitpunkt ent- schieden, dass der R echtsvertreter des Beschw erdeführers m it Eingabe vom 15. Februar 2007 die Kopie eines sogenannten Zusatzurteils vom 13. M ärz 2006, den Vater des Beschw erde- führers betreffend, einreichte, dass die Vorinstanz in ihrer Vernehm lassung vom 9. Februar 2007 die Abw eisung der Beschw erde beantragte, und zieht in Erw ägung, dass das Bundesverw altungsgericht endgültig über Beschw erden gegen Verfügungen (Art. 5 Vw VG ) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m . Art. 31 - 34 VG G ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]), dass der Beschw erdeführer durch den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzw ürdiges Interesse an dessen Aufhebung beziehungsw eise Änderung hat und da- her zur Einreichung der Beschw erde legitim iert ist, dass som it auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde einzutreten ist,4 dass m it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht die Verletzung von Bundes- recht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts und die U nange- m essenheit gerügt w erden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG ), dass das Bundesverw altungsgericht über offensichtlich unbegründete Beschw erden in einem vereinfachten Verfahren entscheidet und die vorliegende Beschw erde, w ie nach- folgend aufgezeigt, offensichtlich unbegründet ist, w eshalb der Beschw erdeentscheid nur sum m arisch zu begründen ist (Art. 111 Abs. 1 AsylG ), dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten w ird, w enn Asylsuchende in einem Staat der Europäischen U nion (EU ) oder des Europäischen W irtschaftsraum s (EW R ) einen ableh- nenden Asylentscheid erhalten haben, ausser die Anhörung ergebe H inw eise auf zw i- schenzeitlich eingetretene Ereignisse, die geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen oder die für die G ew ährung vorübergehenden Schutzes relevant sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. f AsylG ), dass der Beschw erdeführer am 22. Juli 2004 in D eutschland, einem M itgliedstaat des EU -/EW R -R aum es, ein Asylgesuch stellte und dabei im W esentlichen dieselben Asyl- gründe geltend m achte w ie im R ahm en des nachfolgenden Asylverfahrens in der Schw eiz, dass der Beschw erdeführer nach ablehnendem , in R echtskraft erw achsenem Entscheid des deutschen Bundesam tes für M igration und Flüchtlinge vom 17. Februar 2005 (vgl. A22) nach eigenen Angaben nicht in seinen H eim atstaat zurückkehrte, sondern nach il- legalem Aufenthalt in D eutschland in die Schw eiz reiste, um ein Asylgesuch zu stellen, dass som it nach dem ablehnenden Entscheid der deutschen Asylbehörden vom 17. Fe- bruar 2005 keine Ereignisse eingetreten sind, die für die Flüchtlingseigenschaft relevant sind, dass zw ar nach der w eiterhin geltenden R echtsprechung der AR K auf das Asylgesuch einer Person, w elche einen ablehnenden Asylentscheid eines Staates der europäischen U nion (EU ) oder des Europäischen W irtschaftsraum es (EW R ) erhalten hat, einzutreten ist, w enn diese die auf dem ablehnenden Asylentscheid beruhende Verm utung, dass sie die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht erfüllt, um stossen kann, auch w enn sie keine in der Zw ischenzeit eingetretenen, für die Flüchtlingseigenschaft relevanten Ereignisse anführen kann (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der AR K / EM AR K 2006 N r. 33), dass sich indes aus dem Entscheid des deutschen Bundesam tes für M igration und Flüchtlinge vom 17. Februar 2005 ergibt, dass der Beschw erdeführer in D eutschland im W esentlichen dieselben Asylgründe geltend m achte w ie im R ahm en des vorliegenden Asylverfahrens in der Schw eiz, dass der Beschw erdeführer im vorinstanzlichen Verfahren und auf Beschw erdeebene m ehrere Bew eism ittel einreichte, w oraus hervorgeht, dass zum Einen der Vater des Be- schw erdeführers w egen U nterstützung der PKK zu einer G efängnisstrafe verurteilt w or- den sei und zum Anderen andere Verw andte (O nkel, C ousin) von den türkischen Sicher- heitsbehörden um gebracht oder behelligt w orden seien, dass diese nicht bestrittenen Tatsachen im Entscheid des deutschen Bundesam tes für M igration und Flüchtlinge vom 17. Februar 2005 jedoch berücksichtigt und entsprechend gew ürdigt w orden sind,5 dass sich die übrigen Argum ente in der Beschw erdeschrift in einer W iederholung der bereits im vorinstanzlichen Verfahren geltend gem achten Vorbringen erschöpfen, dass schliesslich die vom Beschw erdeführer geltend gem achte Tatsache, bei einer R ückkehr in die Türkei M ilitärdienst leisten zu m üssen, w ie von der Vorinstanz zutref- fend festgehalten, keine asylbeachtliche M assnahm e im Sinne des Asylgesetzes dar- stellt, dass daher die Argum ente des Beschw erdeführers nicht geeignet sind, die auf den ab- lehnenden Entscheid der deutschen Asylbehörden beruhende Verm utung der fehlenden Flüchtlingseigenschaft in Frage zu stellen, dass das Bundesam t som it zu R echt auf das Asylgesuch des Beschw erdeführers nicht eingetreten ist, dass, befindet sich der Asylsuchende nicht im Besitz einer frem denpolizeilichen Aufent- haltsbew illigung, die Anordnung einer W egw eisung die gesetzliche R egelfolge des N ichteintretens auf ein Asylgesuch ist (Art. 44 Abs. 1 AsylG ), dass der Beschw erdeführer nach einer M itteilung des Zivilstandsam tes Z._______ vom 17. N ovem ber 2006 die Frist, einen H eiratsterm in m it einer türkischstäm m igen Schw ei- zerin zu vereinbaren, ungenutzt verstreichen liess und bis zum jetzigen Zeitpunkt keine w eiteren konkreten H eiratsabsichten aktenkundig sind, dass der Beschw erdeführer daher über keine derartige Bew illigung verfügt und auch kei- nen Anspruch auf eine solche geltend m achen kann, w eshalb die von der Vorinstanz ausgesprochene W egw eisung im Einklang m it den gesetzlichen Bestim m ungen steht und zu bestätigen ist (vgl. EM AR K 2001 N r. 21), dass das Bundesam t, ist der Vollzug nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zu-m utbar, das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern regelt (Art. 44 Abs. 2 AsylG ), dass der Vollzug der W egw eisung in Beachtung der m assgeblichen völker- und landes- rechtlichen Bestim m ungen zulässig ist, dass keine G ründe ersichtlich sind, w elche gegen die Zum utbarkeit des jungen, ledigen, nach eigenen Angaben gesunden Beschw erdeführers, w elcher im H eim atstaat über be- rufliche Erfahrungen und ein intaktes Beziehungsnetz verfügt, sprechen w ürden, dass es dem Beschw erdeführer obliegt, sich - sofern nicht bereits vorhanden - bei der zuständigen Vertretung um die Ausstellung von R eisepapieren zu bem ühen, so dass der Vollzug der W egw eisung auch m öglich ist (Art. 8 Abs. 4 AsylG ), dass der W egw eisungsvollzug som it als zulässig, zum utbar und m öglich im Sinne von Art. 14a Abs. 2-4 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N ieder- lassung der Ausländer (AN AG , SR 142.20) zu erachten ist, dass die angefochtene Verfügung, da diese w eder Bundesrecht verletzt noch unange- m essen ist und der rechtserhebliche Sachverhalt von der Vorinstanz richtig und voll- ständig festgestellt w urde (vgl. Art. 106 AsylG ), zu bestätigen und die Beschw erde da- her abzuw eisen ist, dass der Beschw erdeführer als unterliegende Partei grundsätzlich die Kosten des Ver- fahrens zu tragen hat (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ),6 dass dieser jedoch in seiner Beschw erdeschrift um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG ersucht hat, dass nach Art. 65 Abs. 1 Vw VG eine bedürftige Partei, deren Begehren nicht aussichts- los erscheint, auf G esuch davon befreit w ird, Verfahrenskosten zu bezahlen, dass die Beschw erde im Zeitpunkt ihrer Einreichung nicht als aussichtslos erschien und daher das G esuch um unentgeltliche R echtspflege nach Art. 65 Abs. 1 Vw VG gutzu- heissen ist, zum al die Bedürftigkeit des Beschw erdeführers ausgew iesen ist, dass som it dem Beschw erdeführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. (D ispositiv nächste Seite)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D as G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege w ird gutge- heissen, und dem Beschw erdeführer w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter des Beschw erdeführers, 2 Ex. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten D er R ichter: D er G erichtsschreiber: M artin Zoller D aniel M erkli