Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 13. Dezember 2021 (810 21 270) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Vorsorglicher Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts und Platzierung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Gerichtssch reiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dominique Anwander, Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Annalisa Landi, Advoka- tin Betreff Vorsorglicher Entzug des Aufenthaltsbestimmungsre chts und Platzie- rung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 15. September 2021) A. D.____, geboren 2019, und E.____, geboren 2018, sind die gemeinsamen Kinder der unverheirateten und gemeinsam sorgeberechtigten Eltern C.____ und A.____. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KE SB) erhielt am 27. August 2021 von der Polizei Basel-Landschaft (Polizei) eine Meldung über einen Polizeiein- satz bei den Kindseltern. In der Meldung wurde auf ei n Gerangel zwischen den Kindseltern in Anwesenheit der beiden Kinder hingewiesen und festge halten, dass keine Anzeige erstattet worden sei. In der Folge nahm der interne Abklärungsd ienst der KESB am 31. August 2021 telefonisch Kontakt zu den Kindseltern auf. Im Rahmen dieser Gespräche habe die Kindsmutter geäussert, dass der Kindsvater ihr gegenüber Gewalt ausübe und sie Angst habe. Beide Kinds- eltern wurden daraufhin getrennt zu einem Beratungsgespräch eingeladen. C. Die Kindsmutter teilte der KESB mit E-Mail vom 8. September 2021 mit, dass sie sich nach einem Gespräch bei der Opferhilfestelle entschieden habe, nicht nach Hause zurückzu- kehren. Sie begebe sich mit den Kindern an einen sicheren Ort und wolle nicht, dass der Kinds- vater ihren Aufenthalt kenne. Aufgrund dieser Entwickl ungen eröffnete die KESB am 10. September 2021 ein Verfahren zur Prüfung von Ki ndsschutzmassnahmen. Die Kindseltern wurden von der KESB am 14. September 2021 getrennt zu m vorsorglichen Entzug des Aufent- haltsbestimmungsrechts und zur Fremdplatzierung sowie zu r vorsorglichen Errichtung der Bei- standschaft angehört. D. Mit Entscheid des Vizepräsidenten vom 15. September 20 21 wurde den Kindseltern vor- sorglich das Aufenthaltsbestimmungsrecht über D.____ und E .____ entzogen (Ziffer 1) und die beiden Kinder wurden vorsorglich per sofort im institu tionellen Rahmen untergebracht (Ziffer 2). Weiter wurde vorsorglich eine Erziehungsbeistandschaft gem äss Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB errichtet und ein Beistand ernannt. Einer allfäll igen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. E. A.____, nachfolgend vertreten durch Dominique Anw ander, Advokatin, erhob mit Einga- be vom 27. September 2021 gegen den Entscheid der KES B Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Er beantrag- te, es seien Ziffer 1 und Ziffer 2 des Entscheids der KE SB vom 15. September 2021 aufzuhe- ben und es sei dem Beschwerdeführer das Aufenthaltsbesti mmungsrecht über die beiden Kin- der zu belassen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurt eilung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen. Alles unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtliche r Hinsicht sei die von der Vorinstanz entzogene aufschiebende Wirkung wiederherzustellen und die Akten der Vorinstanz beizuzie- hen. F. Die KESB liess sich mit Eingabe vom 18. Oktober 202 1 vernehmen und schloss auf Ab- weisung der Beschwerde. Zur Hauptsache wurde ausgeführt , dass eine vorläufige, regelmässi- ge und minimale Besuchsrechtsregelung habe getroffen we rden können und die Übergabemo- dalitäten hätten vereinbart werden können, sodass sich di e Kindseltern nicht begegnen müss- ten. Die bestehende Regelung gelte vorläufig für die Dauer des Abklärungsverfahrens. G. C.____, nachfolgend vertreten durch Annalisa Landi , Advokatin, reichte mit Eingabe vom 3. November 2021 ihre Vernehmlassung ein. Sie bean tragte, es sei die Beschwerde des Beschwerdeführers abzuweisen. Sollte die Beschwerde gutg eheissen werden, sei das Aufent- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht haltsbestimmungsrecht beider Elternteile wiederherzus tellen und es seien die Kinder für die Dauer der Abklärung unter die Obhut der Beschwerdegeg nerin zu stellen. Unter o/e- Kostenfolge, wobei der Beschwerdegegnerin die unentgel tliche Prozessführung und Verbei- ständung zu gewähren sei. H. Mit Verfügung vom 8. November 2021 wurde der Antr ag auf Erteilung der aufschieben- den Wirkung abgewiesen. I. Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe vom 16. Nove mber 2021 Stellung zur Ver- nehmlassung der Beschwerdegegnerin und hielt fest, dass d eren Ausführungen bestritten wür- den. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit Art. 3 14 Abs.1 ZGB kann gegen Ent- scheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Von Bundesrechts wegen anfechtbar sin d sämtliche Endentscheide (Art. 450 Abs. 1 ZGB) sowie Zwischenentscheide über vorsorgliche Ma ssnahmen (Art. 445 Abs. 3 ZGB). Beim angefochtenen Präsidialentscheid, welcher die Anor dnung vorsorglicher Massnahmen zum Gegenstand hat, handelt es sich um einen Zwischenentsch eid im Sinne von Art. 445 Abs. 3 ZGB. Die Zuständigkeit zur Beurteilung der vorlieg enden Streitsache liegt demnach in analo- ger Anwendung von § 43 Abs. 2bis lit. f des Gesetzes ü ber die Verfassungs- und Verwaltungs- prozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 bei der prä sidierenden Person (§ 66 Abs. 2 des Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches [EG ZGB] vom 16. November 2006 in Verbindung mit § 1 Abs. 3 lit. f VPO). Da auch die we iteren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Nach Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhal ts (Ziff. 2) sowie die Unangemes- senheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht k ommt bei der Beurteilung der vorliegen- den Beschwerde somit volle Kognition zu. 3.1 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid g estützt auf die Gespräche mit den Kindseltern, dass beide Kinder mehrfach Zeugen von hä uslicher Gewalt geworden seien. Die behördlichen Abklärungen würden zwar noch am Anfang st ehen, es sei aber aufgrund der bis jetzt bekannten Sachlage von einer Kindswohlgefährdun g bei beiden Kindern auszugehen. Damit beide Kinder zur Ruhe kommen könnten, werde der aktuelle Aufenthalt im institutionellen Rahmen, wo die Beschwerdegegnerin sowie die Kinder pr ofessionell betreut würden, von der KESB befürwortet. Zur Sicherstellung des Schutzes der Kinder während des Abklärungsverfah- rens werde den Eltern vorsorglich das Aufenthaltsbestimmu ngsrecht entzogen. Anlässlich der persönlichen Anhörungen hätten sich beide Eltern sowohl mit der vorsorglichen Errichtung der Beistandschaft als auch mit dem Entzug des Aufenthaltsbesti mmungsrechts und der Platzie- rung der Kinder einverstanden erklärt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Der Beschwerdeführer macht dagegen in seinen Eing aben zusammengefasst geltend, dass nicht bestritten werde, dass es zwischen den Kindsel tern teilweise zu Unstimmigkeiten und Differenzen gekommen sei. Die Kinder seien dabei allerdings nur am 27. August 2021 zu- gegen gewesen, da sie sich im Wohnzimmer aufgehalten hä tten. Es treffe nicht zu, dass die Kinder andere Auseinandersetzungen der Eltern mitbeko mmen hätten. Auch wenn die Bezie- hung der Eltern in letzter Zeit konfliktbehaftet gewe sen sei, sei festzustellen, dass dieser Um- stand alleine keinen Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts rechtfertigen könne. Das insbe- sondere auch deshalb nicht, weil die Vorinstanz keine m ilderen Massnahmen in Betracht gezo- gen oder ausgeschöpft habe. Der Beschwerdeführer habe sich lediglich damit einverstanden erklärt, dass sich die Kinder zur Beruhigung der Situat ion kurzfristig an einem neutralen Ort aufhalten würden. Mit dem Entzug des Aufenthaltsbestimm ungsrechts sei er hingegen nicht einverstanden gewesen. Dem Beschwerdeführer sei bewusst , dass es einer Veränderung in- nerhalb der Partnerschaft, insbesondere durch eine räum liche Trennung, bedürfe. Die Be- schwerdegegnerin habe sich seit der zweiten Schwangerschaf t stark verändert. Ihr sei alles gleichgültig und sie kümmere sich um nichts mehr. Der B eschwerdeführer kümmere sich um den Haushalt und grösstenteils um die Kinderbetreuung. Der Beschwerdeführer mache sich grosse Sorgen um den Gesundheitszustand der Beschwerdegeg nerin. Diese Sorge beruhe insbesondere auf dem äusserst provozierenden Verhalten d er Beschwerdegegnerin, mit wel- chem sie immer wieder Streit mit dem Beschwerdeführer i nitiieren würde. Der Beschwerdefüh- rer versuche jedoch, dem Streit aus dem Weg zu gehen. Zu keinem Zeitpunkt sei der Be- schwerdeführer unsanft gegenüber seinen Kindern gewese n. Das Wohl seiner Kinder stehe an oberster Stelle. Es sei dem Beschwerdeführer ein Anlie gen, mit der Beschwerdegegnerin eine ruhige und aggressionsfreie Gesprächsebene zu finden. 3.3 Die Beschwerdegegnerin führt in ihrer Vernehmlassun g aus, dass sich die Beziehungs- probleme während der zweiten Schwangerschaft zugespitzt hätten. Der Beschwerdeführer ha- be rund um die Uhr gearbeitet, was dazu geführt habe , dass er sich nicht mehr adäquat um die Familie habe kümmern können. Er habe immer aggressiver reagiert und sei der Beschwerde- gegnerin gegenüber immer lauter geworden, was die K inder mitbekommen hätten. Leider habe mehr als eine Aggression zu körperlicher Gewalt ihr ge genüber geführt. Dies geschehe schon seit 2020 und nehme zu. Die Aggressionen hätten zu einem teils unsanften Umgang mit den Kindern geführt. Die Beschwerdegegnerin habe versucht, eine Familientherapie zu initiieren. Der Beschwerdeführer habe jedoch von ihr nur verlangt, im Haushalt zu funktionieren. Bis heute sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage, zu erkennen, welche Arbeit die Beschwerdegegne- rin geleistet habe und immer noch leiste und welchen Anteil er an ihrer Erschöpfung trage. Zwi- schenzeitlich habe sich die Beschwerdegegnerin in der Institution recht gut erholen können. 4.1 Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde ist gemäss Art. 445 Abs. 1 ZGB zuständig, die für die Dauer des Verfahrens notwendigen vorsorgl ichen Massnahmen zu treffen. Sie kann insbesondere eine Massnahme des Kindesschutzes vorsorglich ano rdnen. Vorsorgliche Mass- nahmen müssen unumgänglich, d.h. so dringlich sein, dass de r ordentliche, spätere Entscheid nicht abgewartet werden kann, ohne einen erheblichen Nachteil für die betroffene Person in Kauf zu nehmen (vgl. CHRISTOPH HÄFELI , Grundriss zum Kindes- und Erwachsenenschutzrecht, 2. Auflage, Bern 2016, S. 314). Sie ergehen gestützt auf eine bloss summarische Prüfung der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sach- und Rechtslage, wobei für deren Anordnung das B eweismass der Glaubhaftmachung genügt (vgl. C HRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 29 zu Art. 445). 4.2 In materieller Hinsicht ist von Art. 310 Abs. 1 ZGB auszugehen, wonach die Kindes- schutzbehörde, wenn einer Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden kann, dieses den Eltern wegzunehmen und in angemessener Weise unte rzubringen hat. Die Gefährdung muss darin liegen, dass das Kind in der elterlichen Obhut nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für seine körperliche, geistige und sittliche Entf altung nötig wäre. Unerheblich ist, auf welche Ursachen die Gefährdung zurückzuführen ist: sie könn en in den Anlagen oder in einem Fehlverhalten des Kindes, der Eltern oder der weiter en Umgebung liegen. Desgleichen spielt keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefä hrdung trifft. Massgebend sind die Ver- hältnisse im Zeitpunkt der Entziehung. Alle Kindesschutzmassnahmen müssen erforderlich sein (Subsidiarität), und es ist immer die mildeste Erfolg v ersprechende Massnahme anzuordnen (Proportionalität); diese sollen elterliche Bemühunge n nicht ersetzen, sondern ergänzen (Kom- plementarität). Der Entzug der elterlichen Obhut ist d aher nur zulässig, wenn andere Massnah- men ohne Erfolg geblieben sind oder von vornherein als ungenügend erscheinen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_561/2013 vom 10. Januar 2014 E. 7.2). Eine Kindswohlgefährdung kann sich unter anderem bei Unfähigkeit der Eltern ergeben, sich adäquat um das Kind zu kümmern, weil sie durch persönliche Probleme übermässig absorbiert oder weil sie allgemein überfordert sind (vgl. CHRISTOPH HÄFELI , a.a.O., S. 413). 5.1 Der polizeilichen Meldung an die KESB vom 27. Au gust 2021 lässt sich entnehmen, dass die Beziehung zwischen den Kindseltern seit längerer Zeit angespannt sei und es am be- sagten Tag im Haus der Familie ein Gerangel zwischen den Eltern gegeben habe, wobei beide Kinder anwesend gewesen seien. Im Rahmen des Telefongesprächs mit dem Abklärungsdienst der KESB, welches kurz nach dem Vorfall geführt wurde, äusserte sich die Beschwerdegegne- rin dahingehend, dass der Beschwerdeführer ihr gegenüber Gewalt ausüben würde und sie sich nicht sicher fühle (vgl. Aktennotiz der KESB vom 31. Aug ust 2021). Anlässlich ihrer Anhörung bei der Vorinstanz am 7. September 2021 führte die B eschwerdegegnerin aus, dass es seit längerer Zeit Konflikte zwischen den Kindseltern gebe u nd es ihnen nicht gelinge, miteinander zu kommunizieren. Am 27. August 2021 sei es zu einem Ha ndgemenge gekommen und der Beschwerdeführer habe sie geschlagen. Die Tochter sei d anebengestanden und habe geweint. Es sei schon mehrmals vorgekommen, dass die Beschwerdegegner in vom Beschwerdeführer geschlagen worden sei. Die Kinder würden die Konflikt e jeweils mitbekommen. Die Abstände der Eskalationen würden immer kürzer. Die Beschwerdegeg nerin führte weiter an, dass die Kinder auf die Situation ängstlich und verunsichert re agieren würden. Der Beschwerdeführer gibt bei seinem Gespräch mit der Vorinstanz am 9. Sept ember 2021 an, dass sich die Be- schwerdegegnerin seit der zweiten Schwangerschaft verändert habe. Sie schlafe oft, könne den Haushalt nicht erledigen und vieles würde liegen ble iben. Es sei zudem zu sexuellen Übergrif- fen seitens der Beschwerdegegnerin gekommen. Im Streit würde ihn die Beschwerdegegnerin jeweils auffordern, sie zu schlagen. Es entspreche der Wahrheit, dass er die Beschwerdegeg- nerin am 27. August 2021 geschlagen habe. Er habe ihr auch einmal ein Stück Zahn ausge- schlagen, als sie ihn habe festhalten und er sich habe lo smachen wollen. Einmal habe er die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schlüssel und ein anderes Mal eine Tube Mayonnaise nach i hr geworfen. Der Beschwerdefüh- rer bestätigt ebenfalls, dass die Kinder die Konflikte zwischen den Eltern miterleben würden und er den Sohn teilweise als bedrückt und in sich gekehrt wa hrnehme. Um die Beschwerdegegne- rin mache er sich Sorgen und er vermute, dass diese eine psychische Erkrankung habe, welche behandelt werden müsse. Der Beschwerdeführer gibt in seiner Anhörung mit der Vorinstanz am 14. September 2021 weiter an, dass er den Provokationen der Beschwerdegegnerin und den Konflikten immer aus dem Weg gegangen sei und sich im B üro eingeschlossen habe. Als es zum Polizeieinsatz gekommen sei, habe er sich auch wieder im Büro einschliessen wollen, die Beschwerdegegnerin habe ihn jedoch davon abgehalten und da sei ihm die Hand ausgerutscht. Die Beschwerdegegnerin schildert im Rahmen ihrer Anhö rung mit der Vorinstanz am 14. September 2021 ebenfalls eine konfliktreiche familiäre Situation. Sie führt aus, dass sich die Streitigkeiten gehäuft hätten, nachdem der Beschwerde führer ins Homeoffice versetzt worden sei. Dabei sei es auch zu Handgreiflichkeiten gekommen. Sie könne im Moment nicht abschät- zen, wie die Beziehung zum Beschwerdeführer weitergehen solle. Sie sei froh, dass sie jetzt räumlichen Abstand habe und zur Ruhe kommen könne. Es se i ihr jedoch wichtig, dass die Kinder Kontakt zum Beschwerdeführer hätten. Dem allge meinen Polizeibericht vom 11. September 2021, welcher aufgrund von Schilderunge n des Beschwerdeführers erstellt wur- de, ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin habe anzeigen wol- len. Die vom Beschwerdeführer erhobenen Vorwürfe hät ten im Verlauf des Gesprächs auf dem Polizeiposten jedoch grösstenteils geklärt werden können. Durch den diensthabenden Polizis- ten wurde im Bericht angemerkt, dass beide Kindseltern mit ihrer momentanen Lebenssituation seiner Ansicht nach überfordert seien. 5.2 Aus den Akten ergibt sich somit, dass die familiäre S ituation sehr angespannt ist und sich die Kindseltern gegenseitig der häuslichen Gewalt b eschuldigen. Beide Kinder sind seit längerer Zeit einer konfliktreichen familiären Umgebu ng ausgesetzt und Zeugen von psychi- scher sowie physischer Gewalt geworden (vgl. Aktennotiz der KESB vom 9. September 2021). Vor dem Hintergrund der obigen Ausführungen und ins besondere unter Bezugnahme auf die Gesprächsprotokolle beider Eltern, muss von einer sehr angespannten und von häufigem Streit geprägten Familienatmosphäre ausgegangen werden, we lcher beide Kinder ausgesetzt sind und die sie direkt wahrnehmen. Ebenso muss zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund des Ausmasses der Konflikte zwischen den Eltern davon ausgegangen werd en, dass diese nach wie vor beste- hen und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch wieder eskalie ren würden. Um die Kinder zu schützen, mussten diese umgehend aus dem bestehenden Fami lienumfeld herausgenommen werden. Durch die räumliche Trennung der Familie sind die Kinder den elterlichen Konflikten nicht mehr direkt ausgesetzt und können während des Abkl ärungsverfahrens im geschützten Rahmen zur Ruhe kommen. Dass eine Gefährdung des Kind swohls vorliegt, wird auch nicht ernstlich bestritten und beide Eltern geben an, dass die Kinder ihre Auseinandersetzungen mit- bekommen hätten und E.____ teilweise verängstigt und bedrückt wirke. Zudem habe E.____ wieder angefangen einzukoten (vgl. Gesprächsprotokolle der KESB vom 7. September 2021 und 9. September 2021). Die verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Eltern gefährden die Entwicklung ihrer beiden Kinder. Die KESB war folglich gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB verpflichtet, geeignete Massnahmen zum Schutz d es Kindswohls von D.____ und E.____ für die Dauer des Abklärungsverfahrens zu treffen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Den Akten lässt sich weiter entnehmen, dass die Tocht er noch teilweise gestillt wird, weshalb beide Kinder am Aufenthaltsort der Beschwerdegegnerin platziert wurden, was nicht zu beanstanden ist. Ferner sei die Beschwerdegegnerin mit den beiden Kindern gut in der Instituti- on angekommen und gebe sich sehr Mühe, sich mit den Kin dern dort einzuleben (vgl. Aktennotiz der KESB vom 10. September 2021). Gem äss Angaben der Beschwerdegeg- nerin würden sich die Kinder in der Institution wohl f ühlen, es seien kindgerechte Angebote vor- handen und E.____ habe schon Freundschaften knüpfen könn en. Zwischenzeitlich konnte mit Hilfe des Beistands auch ein Besuchsrecht zwischen dem Besch werdeführer und den beiden Kindern aufgegleist werden, welches vorerst ohne ein Au feinandertreffen der Kindseltern statt- finde und bis jetzt ohne grössere Schwierigkeiten habe durchgeführt werden können (vgl. Kurz- bericht der Beistandsperson vom 5. Oktober 2021). 6. Nach dem Gesagten erweisen sich der vorsorglich angeor dnete Entzug des Aufent- haltsbestimmungsrechts und die damit verbundene Plat zierung der beiden Kinder gestützt auf die gebotene summarische Würdigung der Sach- und Recht slage als verhältnismässig und an- gemessen. Angesichts der Schwere des damit verbundenen E ingriffs in die Persönlichkeits- rechte des Beschwerdeführers hat die Vorinstanz die weit eren Abklärungen umgehend vorzu- nehmen und alsdann den Hauptentscheid zu treffen. Di e vorsorgliche Anordnung einer Bei- standschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB wird vom Be schwerdeführer zu Recht nicht be- stritten. Mit Blick auf die dem Beistand übertragenen A ufgaben und Kompetenzen im Zusam- menhang mit der Unterbringung der Kinder erweist sich diese als erforderlich und sachgerecht. Die Beschwerde ist demnach vollumfänglich abzuweisen. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegen- den Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Demgemäss sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 800.-- zu verrechnen. 7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann f ür den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden (§ 21 Abs. 1 VPO). Gemäss dem Ausgang des Verfahrens ist der anwaltlich vertretenen Beschwerdegegnerin antragsgemäss eine Parteientschädigung zu Lasten des Beschwerdefüh- rers zuzusprechen. In der Honorarnote vom 12. November 2021 weist die Rechtsvertreterin der Beschwerdegegnerin ein Honorar von 7.5 Stunden à Fr. 300.-- und Auslagen von Fr. 115.-- aus. Der ausgewiesene Aufwand von 7.5 Stunden sowie die Auslagen in der Höhe von Fr. 115.-- erscheinen für das vorliegende Verfahren al s angemessen. Im vorliegenden Fall er- scheint für die Parteientschädigung ein Stundenansatz von Fr. 250.-- als angemessen, weshalb die Parteientschädigung entsprechend zu kürzen ist. Demzufolge hat der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 2'143.20 (7.5 Stunden à Fr. 250.-- zzgl. Fr. 115.-- für Auslagen und 7.7% MWST) auszurich- ten. Die übrigen Parteikosten sind wettzuschlagen. Das v on der Beschwerdegegnerin gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege erweist sich bei diesem Verfahrensausgang als gegen- standslos. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch der Beschwerdegegnerin um unentgeltliche Rechtspflege wird als gegenstandslos abgeschrieben. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorsc huss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 4. Der Beschwerdeführer hat der Beschwerdegegnerin ei ne reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'143.20 (inkl . Auslagen und 7.7% MWST) auszurichten. Die übrigen Parteikosten werde n wettge- schlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin