<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">278</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>45</b></span> <span class="ft3"><b>Rückforderung von Weiterbildungskosten</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Die Rückforderung von Weiterbildungskosten ist im Streitfall im Klage-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>verfahren vor Verwaltungsgericht geltend zu machen, wenn ein (öffent-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>lich-rechtliches) Anstellungsverhältnis vertraglicher Natur ist und die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kommunalen Personalerlasse in Bezug auf die Regelung der Beteiligung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>an Weiterbildungskosten und deren Rückerstattung keine Verfügungs-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kompetenz (der Anstellugsbehörde) vorsehen.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 2. November</span><br/> <span class="ft4">2016 in Sachen A. gegen Gemeinderat B. (WBE.2016.357).</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">II.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">279</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Das Anstellungsverhältnis zwischen den Parteien ist unstreitig</span><br/> <span class="ft1">öffentlich-rechtlicher Natur. Zu dessen Begründung haben sich die</span><br/> <span class="ft1">Parteien - wie im Personalreglement der Einwohnergemeinde B.</span><br/> <span class="ft1">vom [...] (nachfolgend: Personalreglement) implizit vorgesehen -</span><br/> <span class="ft1">der Vertragsform bedient.</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Beruht das öffentlich-rechtliche Anstellungsverhältnis - wie im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Fall - auf einer vertraglichen Abrede (anstatt auf einer</span><br/> <span class="ft1">[Anstellungs-]Verfügung), kann die Anstellungsbehörde Streitigkei-</span><br/> <span class="ft1">ten aus dem Anstellungsverhältnis in der Regel nur dann auf dem</span><br/> <span class="ft1">Verfügungsweg entscheiden, wenn die einschlägige Personalrechts-</span><br/> <span class="ft1">gesetzgebung eine entsprechende Verfügungskompetenz im Einzel-</span><br/> <span class="ft1">fall vorsieht (vgl. § 48 PLV; PRGE vom 15. September 2004</span><br/> <span class="ft1">[BE.2004.50001], S. 4).</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">Weder das Personalreglement noch die Personalverordnung der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde B. äussern sich zur Frage, ob die Rückforderung von Wei-</span><br/> <span class="ft1">terbildungskosten mittels Verfügung oder vertraglicher Erklärung,</span><br/> <span class="ft1">die im Streitfall im Klageverfahren (vor Verwaltungsgericht) zu be-</span><br/> <span class="ft1">urteilen ist, zu erfolgen hat. In Sachen Weiterbildungskosten be-</span><br/> <span class="ft1">stimmt Ziff. 14.14 Personalreglement lediglich, dass der Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">rat bezahlten oder unbezahlten Urlaub gewähren und Kostenbeiträge</span><br/> <span class="ft1">bewilligen kann. Art. 7 Personalverordnung konkretisiert die Kosten-</span><br/> <span class="ft1">beteiligung der Gemeinde (100-prozentige Kostenübernahme bei ob-</span><br/> <span class="ft1">ligatorischen Weiterbildungen und solchen im beidseitigen Interesse,</span><br/> <span class="ft1">keine Kostenübernahme bei Weiterbildungen im Interesse der Ange-</span><br/> <span class="ft1">stellten) und regelt die Voraussetzungen, unter welchen von der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde übernommene Weiterbildungskosten zurückzuerstatten sind</span><br/> <span class="ft1">(100-prozentige Rückerstattung bei vorzeitiger Kursbeendigung und</span><br/> <span class="ft1">bei Kündigung des Anstellungsverhältnisses während des Kurses</span><br/> <span class="ft1">oder innerhalb eines Jahres nach dessen Beendigung; 50-prozentige</span><br/> <span class="ft1">Rückerstattung bei Kündigung des Anstellungsverhältnisses inner-</span><br/> <span class="ft1">halb von zwei Jahren nach Beendigung des Kurses), schweigt sich</span><br/> <span class="ft1">jedoch darüber aus, ob die Gemeinde die Kurskosten bzw. ein Teil</span><br/> <span class="ft1">davon mittels Verfügung zurückfordern kann.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">280</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Ziff. 3 Abs. 1 Satz 2 Personalreglement gilt kantonales</span><br/> <span class="ft1">Personalrecht, wo das Personalreglement lückenhaft ist. Die subsidi-</span><br/> <span class="ft1">äre Anwendbarkeit des kantonalen Personalrechts ergibt sich sodann</span><br/> <span class="ft1">aus § 50 GG.</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">Folglich gelangt auf das Anstellungsverhältnis zwischen den</span><br/> <span class="ft1">Parteien des vorliegenden Verfahrens der bereits weiter oben (siehe</span><br/> <span class="ft1">Erw. 2 vorne) erwähnte § 48 PLV zur Anwendung. Danach werden</span><br/> <span class="ft1">(a) die Einreihung in die Lohnstufe, (b) die Festsetzung des Lohns</span><br/> <span class="ft1">und der Lohnzulagen, (c) die Bewilligung für die Ausübung von Ne-</span><br/> <span class="ft1">benbeschäftigungen und die Übernahme von öffentlichen Ämtern,</span><br/> <span class="ft1">(d) Disziplinarmassnahmen, (e) die Auflösung des Beamtenverhält-</span><br/> <span class="ft1">nisses aus wichtigen Gründen, und (f) der Entscheid über die Nicht-</span><br/> <span class="ft1">gewährung von Dienstaltersgeschenken in der Form der Verfügung</span><br/> <span class="ft1">erlassen (Abs. 1). Alle anderen - nicht in dieser abschliessenden Auf-</span><br/> <span class="ft1">zählung enthaltenen personalrechtlichen Belange, wozu auch die Be-</span><br/> <span class="ft1">teiligung an Weiterbildungskosten und deren Rückerstattung gehört -</span><br/> <span class="ft1">sind vertraglich zu regeln (Abs. 2).</span><br/> <span class="ft1">6.</span><br/> <span class="ft1">Damit steht fest, dass es sich bei der Rückforderung von Weiter-</span><br/> <span class="ft1">bildungskosten um eine vertragliche Streitigkeit handelt, die gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 39 lit. a PersG im Klageverfahren vor Verwaltungsgericht aus-</span><br/> <span class="ft1">getragen werden muss. Weder das kommunale noch das subsidiär</span><br/> <span class="ft1">anwendbare kantonale Personalrecht schaffen eine Grundlage dafür,</span><br/> <span class="ft1">dass der Gemeinderat B. die Rückerstattung von Weiterbildungskos-</span><br/> <span class="ft1">ten durch einen vertraglich angestellten Arbeitnehmer mittels Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung festsetzen kann.</span><br/> <span class="ft1">7.</span><br/> <span class="ft1">Insofern unterscheidet sich der vorliegende Fall auch grundle-</span><br/> <span class="ft1">gend von den Streitigkeiten, welche das Personalrekursgericht in den</span><br/> <span class="ft1">Urteilen vom 26. Mai 2010 (2-BE.2009.3), 3. November 2009 (2-</span><br/> <span class="ft1">BE.2009.5) und 25. Mai 2007 (2-BE.2006.24) zu beurteilen hatte. Im</span><br/> <span class="ft1">Urteil vom 26. Mai 2010 hielt das Personalrekursgericht fest, da das</span><br/> <span class="ft1">Anstellungsverhältnis als Ganzes auf einer Verfügung beruhe und die</span><br/> <span class="ft1">Rückerstattungspflicht im Anstellungsbeschluss festgelegt worden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">281</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sei, erweise es sich als naheliegend, dass auch die Rückforderung</span><br/> <span class="ft1">von Ausbildungskosten mittels Verfügung geschehe (Erw. I/2.2). In</span><br/> <span class="ft1">den Urteilen vom 3. November 2009 und 25. Mai 2007 ging es eben-</span><br/> <span class="ft1">falls um Anstellungsverhältnisse, die auf einer Verfügung beruhten.</span><br/> <span class="ft1">Zudem sah das kommunale Personalreglement in jenen Fällen expli-</span><br/> <span class="ft1">zit vor, dass Rückzahlungsvorbehalte zu verfügen sind. Daraus</span><br/> <span class="ft1">schloss das Personalrekursgericht, dass sich die kantonale Regelung,</span><br/> <span class="ft1">wonach die Rückforderung von Weiterbildungskosten eine vertragli-</span><br/> <span class="ft1">che Erklärung darstelle, nicht auf das kommunale Recht übertragen</span><br/> <span class="ft1">lasse. Sie basiere nämlich auf einer vertraglich vereinbarten Rücker-</span><br/> <span class="ft1">stattungspflicht, an der es in concreto fehle (Erw. I/2.2).</span><br/> <span class="ft1">Ob zwischen den Parteien des vorliegenden Verfahrens eine</span><br/> <span class="ft1">Rückzahlungsvereinbarung zustande gekommen ist oder der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat B. die Bedingungen der Rückerstattung von Weiterbil-</span><br/> <span class="ft1">dungskosten mit Beschluss vom 2. September 2013 einseitig mittels</span><br/> <span class="ft1">Verfügung festgelegt hat, ohne dass die Zustimmung des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers, der den betreffenden Beschluss zwar nicht gegen-</span><br/> <span class="ft1">gezeichnet, aber immerhin in seiner Funktion als Gemeindeschreiber</span><br/> <span class="ft1">unterzeichnet hat und damit Kenntnis davon hatte, fingiert werden</span><br/> <span class="ft1">darf, kann einstweilen offen bleiben. Entscheidend ist, dass die</span><br/> <span class="ft1">Rückerstattungspflicht des vertraglich angestellten Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rers vertraglich vereinbart werden musste und eine entsprechende</span><br/> <span class="ft1">Rückzahlungsvereinbarung Grundlage für Rückforderungen des Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderats bildet, der diese mangels Verfügungskompetenz in die-</span><br/> <span class="ft1">sem Bereich auf dem Klageweg geltend zu machen hat (vgl. dazu</span><br/> <span class="ft1">auch PRGE vom 31. März 2005 [KL.2004.50005], Erw. I/1c).</span><br/></div> </div> </body> </html>