Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. August 2022 (715 22 32 / 192) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Hinreichender Nachweis des Lohnflusses während mindestens zwölf Monaten; Rückwei- sung der Angelegenheit an die Vorinstanz zur Prüfung der übrigen Anspruchsvorausset- zungen sowie zur Abklärung der Widersprüche hinsichtl ich der Höhe des versicherten Verdienstes. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Susanne Afheldt, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin i.V. Andrina Lang Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Der 1989 geborene A.____ war zuletzt für die B._ ___ GmbH als deren alleiniger Ge- sellschafter und Geschäftsführer tätig. Das Arbeitsverhäl tnis endete am 3. August 2021 mit ei- ner Kündigung beziehungsweise mit dem Konkurs des Unterne hmens. Mit Gesuch vom 15. September 2021 stellte A.____ bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslo- senkasse) einen Antrag auf Ausrichtung von Arbeitslosenentsc hädigung ab 25. August 2021. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit Verfügung vom 19. November 2021 lehnte die Arbei tslosenkasse die Anspruchsberechti- gung wegen Nichterreichens der Mindestgrenze des versiche rten Verdienstes ab. Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Einsprachein stanz der Arbeitslosenkasse mit Entscheid vom 16. Dezember 2021 ab. Zur Begründung brachte sie vor, der Lohnfluss sei wäh- rend der Rahmenfrist vom 26. August 2019 bis 25. August 2021 nicht nachgewiesen und die Höhe des versicherten Verdienstes könne nicht festgestellt werden. Somit habe der Versicherte die Mindestgrenze des versicherten Verdienstes nicht erreicht. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit Eingabe vo m 26. Januar 2022 Beschwerde ans Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversic herungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er sinngemäss, es seien ihm in Aufhebun g des angefochtenen Entscheids ab dem 26. August 2021 die ihm zustehenden Arbeitslosentagg elder auszuzahlen; unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorg ebracht, dass er den Lohnfluss in ausreichender Höhe genügend nachgewiesen und somit die erforderliche Beitragsdauer er- reicht habe. C. Mit Vernehmlassung vom 8. April 2022 beantragte di e Arbeitslosenkasse die Abwei- sung der Beschwerde, da der Versicherte den erforderliche n Lohnfluss aus dem Arbeitsverhält- nis mit der B.____ GmbH nicht zu beweisen vermöge. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit den Art . 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts ( ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitsl osenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich z uständig ist nach Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversiche rung und die Insolvenzent- schädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungser lasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend hat der Beschwerdeführer die Kontrollpflicht im Kanton Basel-Landschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (V PO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicher ungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zu- ständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht er hobene Beschwerde vom 26. Januar 2022 ist deshalb einzutreten. 2.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nac h Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslo s ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schwe iz wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreich t hat noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), vermittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). 2.2.1 Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb de r dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit von zwei Jahren (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine bei- tragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 A bs. 1 AVIG; vgl. AVIG-Praxis ALE, Ar- beitsmarkt und Arbeitslosenversicherung, Rz. B143). Die R ahmenfrist für die Beitragszeit be- ginnt gemäss Art. 9 Abs. 3 AVIG zwei Jahre vor der Rahme nfrist für den Leistungsbezug zu laufen. Letztere wiederum fängt gemäss Art. 9 Abs. 2 A VIG mit dem Tag an, an dem sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. 2.2.2 Nach Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG ist für die Arbei tslosenversicherung beitragspflichtig, wer nach dem Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. De- zember 1946 obligatorisch versichert und für Einkommen au s unselbständiger Tätigkeit bei- tragspflichtig ist, d.h. massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG bezieht (BGE 122 V 251 E. 2b mit Hinweisen). Die Beitragspfli cht einer versicherten unselbständig er- werbenden Person entsteht mit dem Leisten von Arbeit. Beiträge sind indessen erst bei Reali- sierung des Lohn- oder Entschädigungsanspruchs geschulde t (BGE 111 V 166 E. 4a und b). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist im Rahmen des Art. 13 Abs. 1 AVIG deshalb vorausgesetzt, dass die versicherte Person effektiv eine beitragspflichtige Beschäftigung aus- geübt und der Arbeitgeber für diese Beschäftigung ta tsächlich auch einen Lohn entrichtet hat (BGE 128 V 190 E. 3a/aa; Urteil des Eidgenössischen Ver sicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 28. Fe bruar 2003, C 127/02, E. 1). Mit dem Erfordernis des Nachweises effektiver Lohnzahlung solle n Missbräuche im Sinne fiktiver Lohn- vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ver hindert werden (vgl. ARV 2001 Nr. 27 S. 228 E. 4c). 2.2.3 In BGE 131 V 444 präzisierte das EVG, die bisheri ge Rechtsprechung sei nicht in dem Sinne zu verstehen, dass eine beitragspflichtige Beschäf tigung überhaupt nur dann zur Bildung von Beitragszeiten führe, wenn und soweit der Nachweis t atsächlicher Lohnzahlungen erbracht ist. Unter dem Gesichtspunkt der erfüllten Beitragszeit na ch Art. 8 Abs.1 lit. e AVIG in Verbin- dung mit Art. 13 Abs. 1 AVIG sei die faktische Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung während der geforderten Dauer die einzige Voraussetzu ng für den Anspruch auf Arbeitslo- senentschädigung. Dem Nachweis tatsächlicher Lohnzahlung komme deshalb nicht der Sinn einer selbständigen Anspruchsvoraussetzung zu, wohl aber jener eines bedeutsamen und in kritischen Fällen unter Umständen ausschlaggebenden Indize s für die Ausübung einer bei- tragspflichtigen Beschäftigung (BGE 131 V 444 E. 3.3 in fine). Das im Gesetz zwar nicht aus- drücklich genannte, nach ständiger Rechtsprechung aber m assgebliche Erfordernis der genü- genden Überprüfbarkeit der beitragspflichtigen Beschäft igung, diene der Verhinderung von Missbräuchen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Dezember 2005, C 258/04, E. 3.2 mit Hin- weis). Fehle es am Nachweis einer tatsächlich ausgeübten unselbständigen Tätigkeit, sei das Anspruchserfordernis nach Art. 8 Abs. 1 lit. e und Art . 13 AVIG nicht gegeben. Dies gelte auch bei Bestehen von erfolgten Zahlungen des Arbeitgeber s, welche als Lohn bezeichnet oder auf Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein als Lohnkonto definiertes Konto überwiesen wurden. Dieser Umstand bilde eben nur, aber immerhin, ein bedeutsames Indiz für eine beitragspflic htige Beschäftigung (BGE 131 V 444 E. 3.2.2). 2.2.4 Gemäss präzisierender bundesgerichtlicher Rechtsprech ung ist in den Fällen, in denen eine tatsächliche Lohnzahlung nicht hinreichend belegt werden kann, der Anspruch auf Arbeits- losenentschädigung nicht kurzerhand abzulehnen (Urteil des EVG vom 18. August 2006, C 83/06 und vom 6. März 2007, C 111/06). Massgebend se i nach dem klaren Wortlaut des Ge- setzes einzig, dass innerhalb der Rahmenfrist für die Beit ragszeit eine beitragspflichtige Be- schäftigung während der Mindestdauer von zwölf Monaten r echtsgenüglich dargetan sei. So- weit eine beitragspflichtige Beschäftigung nachgewiesen , der exakt ausbezahlte Lohn jedoch unklar geblieben sei, habe eine Korrektur über den ve rsicherten Verdienst zu erfolgen (Urteil des EVG vom 18. August 2006, C 83/06, E. 2.2 mit Hin weis auf BGE 131 V 444 E. 3.2.3). Was die Einkommenshöhe betreffe, habe sich die mangelnde Bestimmbarkeit der Lohnhöhe diesfalls grundsätzlich zu Ungunsten der versicherten Person auszuwirk en (Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2007, C 111/06, E. 3.4). 2.3 Als versicherter Verdienst gilt der im Sinne der AHV -Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeitraumes aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnis- sen normalerweise erzielt wurde; eingeschlossen sind die vertraglich vereinbarten regelmässi- gen Zulagen, soweit sie nicht Entschädigung für arbeits bedingte Inkonvenienzen darstellen (Art. 23 Abs. 1 Satz 1 AVIG). Der Verdienst gilt nicht als versichert, wenn er die Mindestgrenze von monatlich Fr. 500.-- nicht erreicht (Art. 23 Abs. 1 Satz 3 i.V.m. Art. 40 AVIV). Praxisgemäss ist bei der Ermittlung des versicherten Verdienstes der im Bemessungszeitraum tatsächlich er- zielte Lohn massgebend; eine davon abweichende Lohnab rede zwischen Arbeitgeber und Ar- beitnehmer hat grundsätzlich unbeachtlich zu bleiben (BGE 131 V 444 E. 3.2.1, mit Hinweisen). Der versicherte Verdienst nach Art. 23 AVIG bildet ein K orrektiv bei allfälligen missbräuchlichen Lohnvereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, indem grundsätzlich die tatsäch- lichen Lohnbezüge im Bemessungszeitraum massgebend sind (B GE 131 V 444 E. 3.2.3 mit Hinweis). Von dieser Regelung im Einzelfall abzuweiche n, rechtfertigt sich nur dort, wo ein Missbrauch im Sinne der Vereinbarung fiktiver Löhne, we lche in Wirklichkeit nicht zur Auszah- lung gelangt sind, praktisch ausgeschlossen werden kann (BGE 128 V 190 E. 3a/aa; Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2012, 8C_913/2011, E. 3.1, je mit Hinweisen). 2.4.1 Als Beweis für den tatsächlichen Lohnfluss genügen Belege über entsprechende Zah- lungen auf ein Post- oder Bankkonto, welches auf den Namen des Arbeitnehmers lautet. Bei behaupteter Barauszahlung fallen Lohnquittungen sowie Auskünfte von ehemaligen Mitarbei- tern – allenfalls in Form von Zeugenaussagen – in Betr acht. Höchstens Indizien für tatsächliche Lohnzahlungen bilden Arbeitgeberbescheinigungen und vom Arbeitnehmer unterzeichnete Lohnabrechnungen oder AHV-Lohnblätter sowie Steuerer klärungen (BGE 133 V 447 E. 1.2 mit Hinweisen; Urteil des EVG vom 28. Juli 2004, C 250/03, E. 2.1; ARV 2004 Nr. 10 S. 115 ff.; BARBARA KUPFER BUCHER , Der Nachweis des Lohnflusses als Voraussetzung für den Ans pruch auf Arbeitslosenentschädigung, in: SZS 2005, S. 138 f.). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4.2 Gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG haben Persone n, die in ihrer Eigenschaft als Gesell- schafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgeber s bestimmen oder massgeblich beeinflussen können, sowie ihre mitarbeitenden Ehegatte n, keinen Anspruch auf Kurzarbeits- entschädigung. Praxisgemäss ist diese der Vermeidung von Missbräuchen dienende Bestim- mung analog auf arbeitgeberähnliche Personen und deren Ehegatten anzuwenden, die Arbeits- losenentschädigung beantragen (BGE 145 V 200 E. 4.1 mi t Hinweisen). Daher hat die Arbeits- losenkasse bei Personen, die vor ihrer Arbeitslosigkeit ei ne arbeitgeberähnliche Stellung inne- hatten, näher zu prüfen, ob diese tatsächlich einen Loh n bezogen haben (AVIG-Praxis ALE, Rz. B32 und B146). Lassen sich in Fällen, die weitergehe nde Abklärungen bedingen, Bank- oder Postbelege beibringen, ist damit der Lohnfluss un d die Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung in der Regel nachgewiesen (AVIG-Praxis ALE , Rz. B147). Wurde der Lohn bar bezogen, können das bei der Steuerverwaltung mit Lohn ausweis deklarierte Einkommen, Lohnquittungen oder durch ein Treuhandbüro geführte Geschäftsbücher in Verbindung mit ei- nem entsprechenden individuellen Kontoauszug der AHV ( IK-Auszug) als Nachweis für den Lohnbezug akzeptiert werden. Widersprechen die genann ten Beweismittel dem IK-Auszug, so ist für die Bestimmung des versicherten Verdienstes vom geringeren Betrag auszugehen. Es ist denkbar, dass die versicherte Person, welche den Lohn bar bezogen hat, durch eine Kombina- tion von anderen Beweismitteln den Lohnfluss nachzuweisen vermag. Der Lohnfluss lässt sich aber zum Beispiel allein durch eine Lohnabrechnung, e ine Lohnquittung, einen Arbeitsvertrag, eine Kündigungsbestätigung oder eine Lohnforderungse ingabe im Konkurs nicht nachweisen. Solche Dokumente stellen lediglich Parteibehauptungen dar, über deren Wahrheitsgehalt nie- mand ausser der versicherten Person, die ja eine arbeitgeberähnliche Stellung innehatte, selbst Angaben machen kann. Ergeben sich aufgrund der einger eichten Belege keine klaren Rück- schlüsse auf die in der fraglichen Zeit effektiv ausbezah lten Löhne, liegt Beweislosigkeit zulas- ten der versicherten Person vor, womit ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung infolge fehlender Beitragszeit verneint werden muss (AVIG-Praxi s ALE, Rz. B148). Hierbei ist immer der Einzelfall zu untersuchen (KUPFER BUCHER , a.a.O., S. 133) 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit . c ATSG; BGE 144 V 427 E. 3.2). Mass- nahmen zur Klärung des rechtserheblichen Sachverhalts müsse n vorgenommen oder veran- lasst werden, wenn dazu auf Grund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten er- gebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht. R echtserheblich sind dabei alle Tatsa- chen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den stre itigen Anspruch so oder anders zu ent- scheiden ist (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Oktober 20 21, 8C_288/2021, E. 3.2.1 mit Hin- weisen). Die Untersuchungspflicht dauert so lange, bis ü ber die für die Beurteilung des streiti- gen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klar heit besteht (Sozialversicherungs- recht - Rechtsprechung [SVR] 2020 MV Nr. 3, E. 3.3.1). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Besc hwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem B estehen überzeugt sind. Im Sozi- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofer n das Gesetz nicht etwas Abwei- chendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu fol gen, die es von allen möglichen Ge- schehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 144 V 427 E. 3.2, 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). 3.3 Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es nach dem Gesagten Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammen tragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Pa rteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entsch eid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich e rweist, im Rahmen des Untersu- chungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zu- mindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklic hkeit zu entsprechen (BGE 144 V 427 E. 3.2, 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). 4. Im vorliegenden Fall ist zu prüfen, ob die Arbeitsl osenkasse die Anspruchsberechti- gung des Beschwerdeführers für die Zeit ab 26. August 2 021 mangels Erfüllens der erforderli- chen Beitragszeit gemäss Art. 13 AVIG zu Recht abgelehnt hat. 5.1 Die Beschwerdegegnerin begründet die Ablehnung d er Anspruchsberechtigung des Versicherten mit dem fehlenden Nachweis eines Lohnflusses, da hinsichtlich einer Lohnzahlung keine Post- oder Bankbelege vorhanden seien. Ihrer Auff assung nach handle es sich bei den vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen betreffe nd die Lohnzahlungen lediglich um Parteibehauptungen, da diese überwiegend vom Beschwe rdeführer in seiner Funktion als Ge- sellschafter und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift se lbst ausgestellt und unterzeichnet worden seien. Ferner stünden die gemachten Angaben im Widerspruch zueinander. Gemäss den monatlichen Abrechnungen habe der Nettolohn im Jahr 2020 Fr. 5’221.45 betragen, wäh- rend auf dem Lohnausweis von 2020 ein Nettolohn in de r Höhe von Fr. 69'899.-- bescheinigt worden sei. Ebenso weiche der bei der Ausgleichskasse Base l-Landschaft deklarierte Brutto- lohn per 1. Januar 2020 in der Höhe von Fr. 67'600. -- vom in der Steuererklärung deklarierten Bruttolohn 2020 in der Höhe von Fr. 70'658.-- um Fr . 3'058.-- ab. Eine weitere Diskrepanz be- stehe zwischen den Angaben der Arbeitgeberbescheinigung und dem Vorsorgeausweis 2020. 5.2.1 Dagegen bringt der Beschwerdeführer vor, dass säm tliche Löhne an alle Arbeitnehmer jeweils in bar ausbezahlt worden seien, weshalb es keine Post- oder Bankauszüge gebe. Einem solchen Nachweis gleichwertig sei seiner Ansicht nach jedo ch das in der Buchhaltung für jeden Mitarbeiter separat geführte Lohndurchlaufkonto. Weit er führt der Beschwerdeführer aus, er habe die AHV-Beiträge für die Jahre 2019 und 2020 f ür alle Mitarbeiter und ihn als Inhaber be- glichen. Da er aufgrund des Konkurses nicht mehr auf d ie Geschäftskonten zugreifen könne, sei die Bezahlung der ausstehenden Beträge für das Jahr 2021 unmöglich. Hinsichtlich der Dis- krepanz zwischen Arbeitgeberbescheinigung und Vorsorgeausweis 2020 erklärt er, letztere hät- ten korrigiert werden müssen, da die alte Buchhaltung die Lohnsumme bei der Sammelstiftung Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht C.____ falsch deklariert habe. In der Folge habe er ve rsehentlich ebenfalls diese falsche Sum- me in seiner Steuererklärung angegeben. 5.2.2 Als Nachweis für die geltend gemachten Lohnsummen reichte der Beschwerdeführer diverse Unterlagen ein. Hierbei fällt auf, dass die ge ltend gemachten Lohnzahlungen für die Jahre 2019 und 2020 seitens des Beschwerdeführers teilwe ise in unterschiedlicher Höhe aus- gewiesen wurden. Die am 27. September 2021 eingerei chten und unterzeichneten Abrechnun- gen weisen für das Jahr 2019 und 2020 einen Bruttoloh n von monatlich Fr. 6'100.-- aus. Am 29. Oktober 2021 stellte der Beschwerdeführer der Ausg leichskasse nicht unterzeichnete Ab- rechnungen zu, welche für das Jahr 2019 einen Bruttolo hn in der Höhe von Fr. 5'200.-- und ab dem Jahr 2020 in der Höhe von Fr. 6'125.-- beinhalten. Der jeweilige Bruttojahreslohn 2019 und 2020 ist im Vorsorgeausweis, im IK-Auszug, in der korrigi erten Arbeitgeberbescheinigung, im Lohndurchlaufkonto, im Lohnausweis und in der AHV-Lohnb escheinigung jeweils in gleicher Höhe ausgewiesen und beläuft sich im Jahr 2019 auf Fr. 67'600.-- und im Jahr 2020 auf Fr. 79'625.--. Nicht übereinstimmend, aber auch nicht stark voneinander abweichend, sind die gemachten Angaben zum Nettoeinkommen in den jeweilig en Steuererklärungen im Vergleich zu denjenigen in den Lohnausweisen beziehungsweise Lohnab rechnungen. So beträgt das steuerbare Nettoeinkommen für das Jahr 2019 Fr. 59'6 95.--, während gemäss Lohnausweis desselben Jahres der Nettolohn bei Fr. 59'830.-- lieg t. Die Steuererklärung für das Jahr 2020 beinhaltet ein Nettoeinkommen in der Höhe von Fr. 70 '658.--, wobei der entsprechende Lohn- ausweis einen Nettolohn von Fr. 69'899.-- ausweist. 6.1 Dem Handelsregister des Kantons Basel-Landschaft kann entnommen werden, dass der Beschwerdeführer seit der Gründung der Gesellschaft im Januar 2019 als alleiniger Gesell- schafter und Geschäftsführer mit Einzelzeichnungsbefugnis der B.____ GmbH eingetragen ist und sämtliche Stammanteile von Fr. 20'000.-- hält. Fol glich hatte der Beschwerdeführer vor der Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung eine arbeitgeberähnliche Stellung inne, weshalb er einerseits das Innehaben einer beitragspflichtigen Beschäftigung sowie andererseits einen Lohnfluss darzulegen hat (vgl. E. 2.4.2 hiervor ). Aufgrund der nachweislich stets einbe- zahlten sozialversicherungsrechtlichen Beiträge und einge reichten Arbeitsverträge ist das An- stellungsverhältnis zwischen der B.____ GmbH und dem Beschw erdeführer für den vorliegend massgebenden Zeitraum vom 1. September 2019 bis zum 3. August 2021 genügend belegt. Seit dem 3. August 2021 befindet sich die B.____ GmbH in Liquidation, weshalb der Beschwer- deführer keine Einflussmöglichkeiten mehr auf die Geschi cke der Gesellschaft hat. Demzufolge ist unbestritten, dass im genannten Zeitraum eine uns elbständige Tätigkeit vorlag und dem Be- schwerdeführer seit der Konkursanmeldung überdies keine arbeitgeberähnliche Stellung in der B.____ GmbH mehr zukommt. Da der Beschwerdeführer die B.____ GmbH jedoch beherrschte und gleichzeitig Arbeitgeber und Arbeitnehmer war, si nd an den Beweis einer beitragspflichti- gen Beschäftigung und den Lohnfluss erhöhte Anforderungen zu stellen. 6.2 Wie hiervor in Erwägung 2.4.2 erwähnt, ist bewei smässig das stärkste Indiz für den Bestand einer beitragspflichtigen Beschäftigung der Na chweis des Lohnflusses. Soweit die Überweisung eines Lohnbetrags durch den Arbeitgeber au f ein Konto des Arbeitnehmers mit- tels entsprechenden Kontoauszugs nachgewiesen ist, ist ei ne beitragspflichtige Beschäftigung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht im entsprechenden Umfang mit überwiegender Wahrscheinli chkeit nachgewiesen, da anzu- nehmen ist, dass ohne entsprechende Arbeitsleistung auch keine Zahlung erfolgen würde. Im vorliegenden Fall weisen die Kontounterlagen der B.____ GmbH keine Lohnüberweisungen auf ein Konto des Beschwerdeführers aus. Solche Überweisung en werden vom Beschwerdeführer auch gar nicht behauptet. Er macht vielmehr geltend, dass sämtliche Lohnauszahlungen in bar erfolgt seien. Zwar findet sich in den Kontounterlagen der B.____ GmbH auch anderweitig kein Hinweis auf Lohnzahlungen. Allein daraus kann jedoch n icht geschlossen werden, dass keine Lohnzahlungen in bar erfolgt sind. Angesichts der Tatsa che, dass einige Arbeitnehmer schrift- lich bestätigt haben, sie hätten ihren Lohn im Jahr 2019 und/oder 2020 bar ausbezahlt erhalten, erscheint seine Aussage plausibel und nachvollziehbar. De nnoch ist festzustellen, dass keine objektiven Beweise für die exakte Höhe der geltend gem achten Lohnzahlungen in bar vorlie- gen, da der Beschwerdeführer teilweise verschiedene Bet räge ausgewiesen hatte (vgl. E. 2.4.1 und 5.2.2 hiervor). 6.3 Die Beschwerdegegnerin stützt ihren Ablehnungsentsch eid massgeblich auf den Um- stand der teilweise uneinheitlich ausgewiesenen Lohnbe träge. Statt darüber hinaus beim Be- schwerdeführer nach den möglichen Ursachen hierfür zu f ragen, kommt sie zum Schluss, dass anhand der vorliegenden Unterlagen der versicherungsrech tlich relevante Lohnfluss nicht nachgewiesen werden könne. Dieses Vorgehen der Beschwe rdegegnerin ist zu beanstanden. Es liegen keine Zweifel am Bestehen eines Arbeitsverhält nisses zwischen der B.____ GmbH und dem Beschwerdeführer vor. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann des- halb mit Verweis auf die uneinheitlich ausgewiesenen Beträge nicht das Vorhandensein des Lohnflusses verneint werden. Grundsätzlich ist davon auszuge hen, dass im Rahmen eines Ar- beitsverhältnisses für die geleistete Arbeit eine entsp rechende Entlöhnung entrichtet wird. Ge- mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung muss lediglich m it genügender Wahrscheinlichkeit belegt werden, dass tatsächlich Lohn bezogen und der mon atliche Mindestverdienst von Fr. 500.-- erreicht worden ist (vgl. E. 2.2.4 hiervor ). Dies legt der Beschwerdeführer mittels der eingereichten Unterlagen genügend glaubhaft dar. Zw ar liegen einige Differenzen und Unklar- heiten betreffend die effektive Lohnhöhe vor, jedoch weichen die einzelnen, nicht übereinstim- menden Beträge nicht stark voneinander ab (vgl. E. 5.2. 2 hiervor). Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass es für die uneinheitlichen Beträge eine Erklärung gibt. Bei solchen Unstim- migkeiten wäre es gemäss geltendem Untersuchungsgrundsatz Aufgabe der Arbeitslosenkasse gewesen, beispielsweise durch Kontaktaufnahme mit dem Beschwerdeführer oder der involvier- ten Treuhänderin, der D.____ GmbH, den Sachverhalt w eiter abzuklären, um die tatsächliche Höhe des versicherten Verdienstes zu ermitteln. Im Übri gen stimmen die Ausweise weitestge- hend überein. Weiter ist unwahrscheinlich, dass die Angest ellten des Beschwerdeführers teils gut bezahlt wurden, während er sich selbst keinen Lo hn ausgerichtet hätte. Demnach ist ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung grundsätzlich gegeben. 6.4 Schliesslich überzeugt weder das Argument, der Besch werdeführer hätte keine Be- weggründe für eine Barauszahlung gehabt, da er ein P rivatkonto habe, noch der Hinweis auf die unklare Zweifachzahlung im Dezember 2020. Unabhän gig davon, ob die Angestellten ein Privatkonto besitzen, steht es dem Arbeitgeber frei, den Lohn bar auszuzahlen. Überweisungen auf ein Gehaltskonto des Arbeitnehmers entsprechen ledig lich der Üblichkeit (KUPFER BUCHER , Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht a.a.O., S. 134 mit Hinweis). Eine solche Barzahlung wi rd sodann auch von anderen Angestell- ten bestätigt (vgl. E. 6.2 hiervor). Hinsichtlich der unklaren Zweifachzahlung im Dezember 2020 besteht die Möglichkeit, dass es sich hierbei um den aus bezahlten 13. Monatslohn handelt, auf welchen der Beschwerdeführer gemäss dem Arbeitsvertrag vom 1. Januar 2020 Anspruch hat. 6.5 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass der B eschwerdeführer den Lohn- fluss im vorliegend massgebenden Zeitraum vom 26. Augu st 2019 bis 25. August 2021 rechts- genüglich belegt hat und die erforderliche Beitragszeit erfüllt. Die Arbeitslosenkasse hat daher zu Unrecht die Anspruchsberechtigung des Versicherten auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 26. August 2021 abgelehnt. Der angefochtene Einspr acheentscheid vom 16. Dezember 2021 ist folglich aufzuheben. Die Angelegenheit wird zur Prüfung der übrigen Anspruchsvo- raussetzungen sowie zur Abklärung der Widersprüche hinsicht lich der Höhe des versicherten Verdienstes an die Vorinstanz zurückgewiesen. Bestehen diesbezüglich weiterhin Unklarheiten, so wirken sich diese zu Ungunsten des Versicherten aus (vgl. E. 2.2.4 hiervor). In der Folge hat die Vorinstanz entsprechend den Abklärungen neu über die Sache zu verfügen. Die Beschwer- de vom 26. Januar 2022 wird in diesem Sinne gutgeheissen. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Nach Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Da das AVIG keine grundsätzliche Kostenpflicht vorsieht, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid vom 16. Dezember 2021 aufgehoben und es wird festge- stellt, dass der Versicherte die erforderliche Beitragsze it erfüllt. Die Angelegenheit wird zur weiteren Abklärung und Prüfun g der übrigen Anspruchsvoraussetzungen im Sinne der Erwägungen sowie zum Erlass einer neuen Verfügung an die Öffentliche Arbeit slosenkasse Baselland zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht