B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2595/2012 U r t e i l v o m 2 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli; Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. April 2012 / N (…). E-2595/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein s ri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, verliess sein Heimatland eigenen Angaben zufolge am 6. Oktober 2009 mit dem Flugzeug und gelangte über Italien am 8. Oktober 2009 in die Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte. Am 23. Oktober 2009 fand im EVZ B._______ die summarische Befragung und am 24. November 2009 die Bundesanhörung zu den Asylgründen statt. Anlässlich der Befragung gab er verschiedene Dokumente zu den A kten (nationale Identitätskarte, eine beglaubigte Kopie seiner Geburtsurkunde in fremder Sprache, Sri - lankischer Führerausweis, Seemannsbuch der C._______, diverse Di p- lome und Zertifikate seiner Seemannsausbildung, Arbeitsvertrag mit D._______ sowie Lohnabrechnungen der E._______). B. Mit Verfügung vom 4. April 2012 – eröffnet am 11. April 2012 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 11. Mai 2012 erhob der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bea n- tragte, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben, das Verfahren sei an das BFM zur Vervollständigung des Sachverhalts und zum neuen Ent- scheid zurückzuweisen, eventualiter sei ihm Asyl zu gewähren, subeve n- tualiter sei er infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. D. Mit Zwischenverfügung vom 16. Mai 2012 teilte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer mit, er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und setzte Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 600.-. Am 31. Mai 2012 wurde dieser einbezahlt. E-2595/2012 Seite 3 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig fü r die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bunde s- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das V erfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 1.4 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. Über offensichtlich unbegründete Bes chwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). E-2595/2012 Seite 4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 3. 3.1 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Beschwerde vorweg eine Verlet- zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör respektive des Unters u- chungsgrundsatzes und macht geltend, das BFM lege seinem Entscheid den Sachverhalt zugrunde, wie er sich im April respektive November 2009 präsentiert habe. Seither sei er vom BFM weder kontaktiert noch angefragt worden, ob sich zwischenzeitlich Veränderungen ergeben hä t- ten. So lägen mehrere Umstände vor, die sich erst nach der letzten B e- fragung im April respektive November 2009 verwirklicht hätten und die von asylrelevanter Bedeutu ng sein könn ten, hingegen aber in der a nge- fochtenen Verfügung gänzlich unberücksichtigt und unerwähnt geblieben seien. Diese Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs ist vorweg zu prüfen, da das Vorliegen eines formellen Mangels einer materiellen Behand lung der vorliegenden Beschwerde im Wege stehen könnte. 3.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör wird durch die Art. 29 - 33 VwVG konkretisiert. So umfasst dieser als Teilaspekte einen Anspruch der Pa r- teien auf vorgängige Anhörung durch die Behörde (Art. 30 und Art. 30a VwVG), auf Anhörung in Bezug auf erhebliche Vorbringen einer Gege n- partei (Art. 31 VwVG), auf Prüfung eigener erheblicher Vorbringen durch die Behörde ( Art. 32 VwVG ) sowie auf Abnahme der angebotenen und tauglichen Beweise durch die Behörde (Art. 33 VwVG). Antworten auf die Frage, welche spezifischen Teilgehalte der Anspruch des rechtlichen G e- hörs im Einzelnen umfasst, können sich darüber hinaus auch unmittelbar aus dem übergeordneten Verfassungs recht in Form von Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) ergeben. 3.3 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV umfasst unbestrittenermassen ei- ne Anzahl verschiedener verfassungsrech tlicher Verfahrensgarantien (vgl. etwa MICHELE ALBERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 202 ff.; ANDREAS AUER/GIORGIO MALINVERNI/MICHEL HOTTELIER, Droit constitutionnel suisse. Vol. II. Les droits fondamentaux, 2. Aufl., Bern 2006, S. 606 ff.; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfah-E-2595/2012 Seite 5 ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 46, 107 ff.). Zunächs t – und f ür die Proze ssparteien regelmässig im Vordergrund stehend – gehört dazu das Recht auf vorgängige Äusserung und Anhörung, welches den Betroffenen einen Einfluss auf die Ermittlung des wesentlichen Sachverhaltes sichert. Unerlässliches Gegenstück der Mitwirkungsrechte der Parteien bildet ausserdem als weiterer Teilgehalt des rechtlichen Gehörs die Pflicht der Behörden, die Vorbringen der B e- troffenen sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen; daraus folgt schliesslich auch die grund sätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen (BGE 123 I 31 E. 2c; vgl. etwa, ANDREAS AUER/GIORGIO MALINVERNI/MICHEL HOTTELIER, a.a.O., S. 611 ff.; REINHOLD HOTZ, St. Galler Kommentar zu Art. 29 BV, Rz. 34 ff.; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, a.a.O., S. 119; MARKUS SCHEFER, Grund- rechte in der Schweiz, Bern 2005, S. 300 ff.). Im vorliegenden Fall fragt sich allerdings, ob der Beschwerdeführer jene – erst in der Rechtsmitteleingabe geltend gemachten – Vorbringen, wel- che das BFM in Verletzung des r echtlichen Gehörs nicht abgenommen haben soll, überhaupt im gemeinten Rechtssinn angeboten hat. Im Hi n- blick auf die Beantwortung dieser Frage ist die behördliche Pflicht zur Beweisabnahme im Kontext weiterer wesentlicher Verfahrensgrundsätze zu betrachten. Von Bedeutung ist für diesen Zusammenhang zunächst, dass im Verwaltungsverfahren der Untersuchungsgrundsatz und die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts gelten (Art. 12 VwVG; vgl. auch Art. 49 Bst. b VwVG; für das Asylverfahren ausserdem Art. 6 AsylG). Mithin ist die zuständige B e- hörde verpflichtet, den für die Beurteilung eines Asylgesuchs relevanten Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (vgl. zur Bedeutung des U n- tersuchungsgrundsatzes allgemein etwa ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜL- LER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, S. 375 f.; PIERRE MOOR, Droit administratif. Vol. II. Les actes administr a- tifs et leur contrôle, 2. Aufl., Bern 2002., S. 258 ff.). Dieser Grundsatz wird allerdings durch die allgemeine Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 13 VwVG) sowie im Asylverfahren durch die besondere Mitwirkungspflicht einer asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG) begleitet (s. zum Verhältnis zwischen Untersuchungsgrundsatz und Mitwirkungspflic ht im Asylverfa h- ren Entscheide und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylre- kurskommission [EMARK] 1993 Nr. 7 E. 3d, EMARK 1995 Nr. 23 E. 5a, EMARK 2003 Nr. 13 E. 4c). Für die asylsuchende Person bringt dies in s- besondere mit sich, dass sie der Behörde alle Gründe mitzuteilen hat, die für die Asylgewährung oder für den Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-E-2595/2012 Seite 6 sung relevant sein könnten. Ferner ergibt sich aus Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG, dass die asylsuchende Person verpflichtet ist, allfällige Beweismit- tel vollständig zu bezeichnen und sie unverzüglich einzureichen oder, soweit dies zumutbar erscheint, sich darum zu bemühen, sie innerhalb einer angemessenen Frist zu beschaffen. Diese Mitwirkungspflichten können denn auch nicht unberücksichtigt bleiben wenn es darum geht, ob ein bestimmtes Beweismittel der zuständigen Behörde angeboten worden ist, mit der gehörsrechtlichen Verpflichtungsfolge seitens dieser Behörde im Sinne von Art. 33 VwVG. Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer erst- mals auf Beschwerdeebene ausführte, das Schicksal von (... und ...) so- wie die Verhaftung von (...) und die fortgesetzte n Bedrohungen seiner Familie könnten für den Ausgang des Verfahrens asylrelevant sein. Diese Aspekte s eien vom BFM aber nicht berücks ichtigt worden, weil es ihn nach der Anhörung vom November 2009 nicht mehr kontaktiert habe. 3.4 Aufgrund des Ausgeführten e rgibt sich, dass der Beschwerdeführer seiner Mitwirkungspflicht nicht in hinreichender Weise nachgekommen ist und somit dem BFM die fr aglichen Vorbringen und eventuellen Bewei s- mittel auch nicht im Sinne von Art. 33 VwVG angeboten worden sind, weshalb es dem BFM nicht möglich gewesen ist, diese – nicht belegten – Ereignisse mit in seine Erwägungen einzubeziehen . Damit ist das rechtl i- che Gehör nicht verletzt und die entsprechende Rüge unbegründet. Das BFM war – entgegen der in der Beschwerde geäusserten Ansicht – auch nicht gehalten, den Beschwerdeführer vor Erlass seiner Verfügung anz u- fragen, ob er seiner Sachverhaltsdarstellung noch etwas beifügen möch- te. Der Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neub e- urteilung ist somit abzuweisen. Bezeichnenderweise hat es der B e- schwerdeführer bis heute unterlassen, die in der Beschwerdeschrift in Aussicht gestellten Beweismittel einzure ichen (vgl. Beschwerde S. 3 u n- ten). 4. 4.1 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingsei- genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen . Die Flüch t- lingseigenschaft ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhanden - sein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig b e- gründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entspr e-E-2595/2012 Seite 7 chen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel ab- gestützt werden. 4.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asyls u- chende Person, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begrün deterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und au f- grund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungswe i- se zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme b e- steht, eine Verfolgung hätte sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich mit ebenso l- cher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukun ft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen ko n- krete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus e i- nem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5, BVGE 2010/44 E. 3.4). 4.3 Der Beschwerdeführer machte anlässlich der Befragung vom 23. O k- tober 2009 und der Anhörung vom 24. November 200 9 im Wesentlichen geltend, er stamme aus F._______ (Distrikt Mannar) und sei seit dem Jahr 2006 als (...) tätig gewesen. Nachdem er am 21. Juli 2009 ferienhal- ber von (...) zurückgekehrt und zu seiner Familie gegangen sei, sei er am 26. Juli 2009 von Unbeka nnten zu Hause entführt worden. Die Entführer hätten ihn bis zum 29. Juli 2009 an einem ihm unbekannten Ort fes t- gehalten und von ihm zwei Millionen Rupien für seine Freil assung ve r- langt, danach gäben sie ihm Reisepass und (...) zurück. Im Versprechen, den Betrag zu bezahlen, sei er freigelassen worden. Nachdem er sich zwei Monate bei einem Kollegen in G._______ (Distrikt Mannar) versteckt gehalten habe, habe er am 6. Oktober 2009 Sri Lanka verlassen. 4.4 Aus der Beschwerde ergibt sich als Rüge, das Bundesa mt habe dem Beschwerdeführer zu Unrecht nicht Asyl gewährt und damit Bundesrecht verletzt. Die Begründung der erhobenen Rüge erweist sich indes als zu wenig stichhaltig, um die Richtigkeit der vorinstanzlichen Schlussfolg e- rung zu bezweifeln. So stellte das BFM in seiner Verfügung zutreffend fest, dass die geltend gemachten Fluchtgründe asylrechtlich als nicht r e- levant zu erachten sind, da keine Gründe dafür ersichtlich sin d, dass es E-2595/2012 Seite 8 sich bei der geltend gemachten Entführung durch Unbekannte um eine gezielte staatliche Verfolgung gehandelt haben könnte . In Übereinsti m- mung mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nicht bereits nach drei Tagen mit dem blossen Versprechen, die zwei Mil- lionen Rupien zu bezahlen, wieder freigelassen wor den wäre, da die staatlichen Behörden oder die Karuna-Gruppe in der Regel mit aller Härte gegen vermeintliche Angehörige der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Ee- lam) vorgehen. Sodann hätte er sich nach der Freilassung nicht noch wei- tere zwei Monate unbehelligt im Heimatland aufhalten können, wäre er – wie in seiner Eingabe behauptet – tatsächlich von staatlicher Seite ver- folgt worden. Demnach kann mit dem BFM zu Recht angenommen wer- den, die Entführung habe nur der Gelderpressung gedient. Dafür spricht auch, dass er eigenen Angaben zufolge nicht wisse, wer ihn entführt habe ("Ich weiss es nicht, aber sie trugen keine Uniform….") und nie politisch aktiv oder Mitglied der LTTE gewesen sei ("ich hatte nie mit einer Bew e- gung zu tun", vgl. Akten BFM A11/12 S. 3 und 6). Aus den Akten ist nichts ersichtlich, was zu einem ande ren Schluss führen könnte . Vor diesem Hintergrund sind die Entgegnungen in seiner Beschwerde, die Entführung sei politisch motiviert und er werde aufgrund der Kontakte zu den LTTE verfolgt, als nachges chobene und durch nichts belegte Schutzbehau p- tungen zu werten. D ie anlässlich des vorinstanzlichen Verfahrens in s Recht gelegten Dokumente sind ebenso wenig dazu geeignet, seine Ver- folgungsvorbringen in ein anderes Licht zu rücken. Ferner ist der Vori n- stanz zuzustimmen, dass trotz der sich stark veränderten politischen La- ge in Sri Lanka seit Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 nicht gänzlich auszuschliessen ist, dass sich frühere Angehörige paramilitäri- scher Gruppierungen weiterhin kriminell betätigen und die lokale Bevölke- rung mit Drohungen und Erpressungsversuchen unter Druck setzen. So l- che Verfolgungsmassnahmen seitens Dritter werden hingegen – entge- gen der Behauptung des Be schwerdeführers – von den sri -lankischen Behörden geahndet, weshalb sich der Beschwerdeführer an die lokalen Sicherheitskräfte wenden kann, um Schutz zu ersuchen. Die Tatsache, dass die sri-lankischen Behörden schutzfähig und -willig sind, der B e- schwerdeführer sich jedoch nicht an sie gewendet hat , um Schutz zu e r- suchen, kann den Behörden nicht angelastet werden. Vor diesem Hinte r- grund vermag die Entführung und die Gelderpressung – wie vom BFM zu Recht ausgeführt – nicht zur Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und zur Gewährung von Asyl zu führen. Ebenso wenig bestehen im vor lie- genden Fall Anhaltspunkte dafür , er gehöre einer Risikogruppe an, we s- halb ihn die sri-lankischen Behörden bei einer Rückkehr missliebiger poli- tischer Kontakte respektive Tätigkeiten bezichtigen könnten (vgl. dazu E-2595/2012 Seite 9 Grundsatzurteil BVGE 2011/24 E. 8.4 ), weshalb auch diesbezüglich ke i- ne begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Heimatsstaat ausz u- machen ist. Abschliessend ist festzuhalten, dass die in der Beschwerde erstmals vorgebrachten Behauptungen, (...) gelte seit dem Kriegsende als verschwunden, dessen Ehefrau habe in der Schweiz ein Asylverfahren pendent und dessen (...) wiederum, Angehöriger des politischen Flügels der LTTE, sei in H._______ als Flüchtling anerkannt worden, in keinen di- rekten Bezug zu den geltend gemachten Asylgründen des Besch werde- führers gestellt werden und auch kein solcher aufgrund der Akten ersich t- lich ist. 4.5 Unter Verzicht auf weitere Ausführungen und zur Vermeidung von Wiederholungen kann im Übrigen auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. 4.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und die Vorinstanz das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. 5. 5.1 Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordne t den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer ve r- fügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Das B undesamt hat die Anordnung der Wegweisung zu Recht verfügt. 5.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahm e von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6. 6.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völke r- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Da dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigenschaft zukommt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 E-2595/2012 Seite 10 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zu - lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver- fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV); Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfre iheiten [EMRK, SR 0.101]. Im Lichte dieser Bestimmungen sind keine Anhaltspunkte dafür auszum a- chen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer verbotenen Strafe oder Behandlung au sgesetzt wäre. Der Wegweisungsvollzug ist demnach zulässig. 7. 7.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner G ewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Aus der vom Bundesverwaltungsgericht im Grundsatzurteil BVGE 2011/24 vorgenommenen umfassenden Analyse der Situation in Sri La n- ka geht hervor, dass sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts zw i- schen der sri-lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 die allgeme i- ne Lage in Sri Lanka erheblich verbessert hat. Die Situation in der Ost- provinz hat sich weitgehend stabilisiert und normalisiert, so dass der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprovinz als grun d- sätzlich zumutbar zu erachten ist (vgl. Urteil a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist indes gebietswei se sehr unterschiedlich. So herrscht in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierungskontrolle stehen, das heisst in den Distrikten Jaffna und in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar (mit anderen Worten: die Nordprovinz u n- ter Ausschluss des sogenannten "Vanni -Gebietes") keine Situation allg e- meiner Gewalt. Zudem ist die dortige politische Lage nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eing e- stuft werden müsste. Angesichts der im humanitäre n und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich allerdings beim Wegwe i- sungsvollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zurückhaltende Beurte i- lung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf. Nebst der allgemeinen E-2595/2012 Seite 11 Zumutbarkeit ist dabei auch dem zeitlichen Element Rechnung zu tragen. Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich z u- mutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens - und Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zeitpunkt der Ausreise g e- herrscht hat und dem Wegweisungsvollzug zurück dorthin nichts im Wege steht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der Nordpr o- vinz indessen längere Zeit zurück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten he r- vor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise massgeblich verän- dert haben können, sind die aktuell vorliegenden Lebens - und Wohnver- hältnisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzuges hin zu überprüfen. In diesem Zusammenhang erscheinen namentlich die Exi stenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation als massgebliche Faktoren. Falls solche begünstigenden Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit einer in- nerstaatlichen Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. Urteil a.a.O. E. 13.2.1). 7.2 Der Beschwerdeführer, der erst nach Ende des Bürgerkrieges sein Heimatland verlassen hat, stammt aus F._______ (Distrikt Mannar), wo nach wie vor (...) leben. In Mannar selbst verfügt er zudem (Angaben über Familienangehörige) (vgl.A1/13 S. 3 f.). Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen gesunden, jungen Mann, der über eine gute Schul- und Ausbildung verfügt und als Angestellter bei E._______ gear- beitet hat. Er konnte seinen Lebensunterhalt selbstständig bestreiten, ver- fügt neben seinem familiären zweifelsohne auch übe r ein soziales Netz, welches ihn bei seiner Rückkehr in sein Heimatland unterstützen wird. Damit erfüllt der Beschwerdeführer alle Zumutbarkeitskriterien, weshalb eine innerstaatliche Aufenthaltsalternative nicht geprüft zu werden braucht. Der Wegweisungsvollzug erweist sich als zumutbar. 8. Nach Art. 83 Abs. 2 AuG ist der Wegweisungsvollzug schliesslich auch als möglich zu bezeichnen, da es dem Beschwerdeführer obliegt, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwe n- digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). E-2595/2012 Seite 12 9. Die Vorinstanz hat den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, z u- mutbar und möglich erachtet, weshalb die Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (vgl. Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600. - dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 31. Mai 2012 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) E-2595/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag wird mit dem am 31. Mai 2012 in gleicher Höhe geleis- teten Kostenvorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Chantal Schwizer Versand: