Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 9. Januar 2019 (810 18 182) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Direkte Bundessteuer 2016 / Unterstützungsabzug für das erwachsene Kind in Ausbil- dung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsricht er Claude Jeanneret, Markus Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiber Stefan Suter Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Beschwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Rechtsdienst, Rheinstrasse 33, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV , Eigerstrasse 65, Postfach , 3003 Bern, Beigeladene Betreff Direkte Bundessteuer 2016 (Entscheid der Abteilung Steuergericht vom 9. März 2018) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ erhob am 12. Juni 2017 Einsprache gegen die Veranlagungsverfügung betref- fend die direkte Bundessteuer 2016 und beantragte, sie sei als Geschiedene nach dem Eltern- tarif zu besteuern, unter Gewährung des Kinderabzugs inkl usive Versicherungsprämien- pauschale. Sie machte im Wesentlichen geltend, sie leb e mit ihrem volljährigen Sohn in einem gemeinsamen Haushalt. Ihr Sohn absolviere im Rahmen sei ner Erstausbildung ein Vollzeitstu- dium an der Universität Basel und erziele kein Einkomm en. Sie unterstütze ihn unter anderem durch die Gewährung von Kost und Logis sowie durch die Übernahme der Krankenkassenprä- mien. Sie habe deswegen Anspruch auf die gesetzlichen Steuervorteile für Elternteile mit unter- stützungsbedürftigen Kindern. B. Die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft ( Steuerverwaltung) wies die Ein- sprache mit Entscheid vom 13. September 2017 ab. Die Gewährung der Tarifvergünstigung und des Kinderabzugs setze die Unterstützungsbedürftigkeit de s volljährigen Kindes voraus. Ent- scheidend sei, dass das Kind auf die Leistungen der Eltern angewiesen sei. In dieser Hinsicht sei nicht allein das Einkommen des Kindes massgebend, sond ern auch dessen Vermögen. Der Sohn der Steuerpflichtigen habe im Jahr 2016 über ein Nettovermögen von Fr. 113'836.-- ver- fügt. Solange sein Vermögen die Steuerfreiheitsgrenze von Fr. 75'000.-- übersteige, sei es ihm möglich und zumutbar, an seinen eigenen Unterhalt bei zutragen, zumal er durch die häusliche Gemeinschaft wesentliche Auslagen für den Lebensunterh alt einspare. Dieser Umstand führe dazu, dass die anbegehrten Steuervorteile nicht gewährt werden könnten. C. Dagegen erhob A.____ am 11. Oktober 2017 Beschwerd e beim Steuer- und Enteig- nungsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Ste uergericht (Steuergericht), wobei sie bei gleichbleibenden Hauptbegehren neu eventualiter d ie Gewährung des einfachen Unterstüt- zungsabzugs begehrte. Das Steuergericht wies die Beschwerde mit Entscheid vom 9. März 2018 ab. In der Begründung stützte das Gericht im Erge bnis die Rechtsauffassung der Steuer- verwaltung, wobei es sich für das als Notgroschen zu belass ende Vermögen an den Ergän- zungsleistungen zur AHV und IV orientierte und die dor tige Vermögensfreigrenze von Fr. 37'500.-- analog heranzog. Das über diesem Betrag liegende Vermögen habe der Sohn der Steuerpflichtigen zur Deckung seines Lebensbedarfs heranzu ziehen. Bei einer Regelstudien- dauer von fünf Jahren stünden ihm aus dem Vermögensverze hr pro Jahr Fr. 15'267.-- zur Ver- fügung. Er erhalte zudem nicht steuerbare Unterhalt szahlungen seines Vaters in der jährlichen Höhe von Fr. 13'500.--. Nachdem die in der Steuererklä rung 2016 des Sohnes deklarierten Ab- züge die Einkünfte um Fr. 3'006.-- überstiegen, zog das Gericht diese Summe ab. Da der resul- tierende Betrag die steuerfreie Einkommensgrenze von Fr. 25'000.-- überschreite, sei der Sohn nicht unterstützungsbedürftig und es entfalle ein Kinde rabzug. Daraus folge, dass auch kein reduzierter Steuersatz zur Anwendung gelange und keine Versicherungsprämienpauschale geltend gemacht werden könne. Mangels Unterstützungsbedü rftigkeit des Kindes stehe der Steuerpflichtigen sodann kein Unterstützungsabzug zu. D. Mit Eingabe vom 2. Juli 2018 hat A.____ gegen den Entscheid des Steuergerichts beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsre cht (Kantonsgericht), Beschwerde erhoben. Sie beantragt sinngemäss, der angefochtene En tscheid sei aufzuheben und sie sei unter Gewährung des Unterstützungsabzugs sowie des Versicherungsabzugs nach dem Eltern- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tarif zu veranlagen. Eventualiter sei die Sache zur Neub eurteilung an die Vorinstanz zurückzu- weisen. Dies habe unter o/e-Kostenfolge zu geschehen. Sie bringt zusammengefasst vor, die vorinstanzliche Herleitung der Unterstützungsbedürftigkei t ihres Sohnes weiche ohne Begrün- dung von der im Baselbieter Steuerbuch publizierten kl aren Praxis der Steuerverwaltung ab. Insbesondere werde ein deutlich höherer Vermögensverzehr als zumutbar erachtet. Mit der (ausdrücklich nicht angefochtenen) Verweigerung des Kinder abzugs entfalle indes nicht auto- matisch die Möglichkeit eines Unterstützungsabzugs. Der A bzug verlange Unterstützungsbe- darf, nicht aber eine eigentliche Notlage des unterstützten Kinds. E. Die kantonale Steuerverwaltung und das Steuergerich t schliessen auf Abweisung der Beschwerde. Die Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV hat sich nicht vernehmen lassen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 145 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 i.V.m. § 3 der kantonalen Vollzugsver ordnung zum DBG vom 13. De- zember 1994 können Entscheide des Steuergerichts betreffen d die direkte Bundessteuer mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht als le tzter kantonaler Instanz angefoch- ten werden. Da sämtliche formellen Voraussetzungen gem äss den Art. 140 ff. DBG und den §§ 43 ff. des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwalt ungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfüllt sind, ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten. 2. Mit der Beschwerde in Steuersachen können alle Mäng el des angefochtenen Entscheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden (Art . 145 Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 140 Abs. 3 DBG). Das Kantonsgericht prüft somit den angefochtenen Entscheid mit voller Kognition. 3. Die Beschwerdeführerin verlangt die Gewährung des U nterstützungsabzugs, des Versi- cherungsabzugs und die Besteuerung nach dem Elterntarif . Gemäss Art. 35 Abs. 1 lit. b DBG wird für die Steuerberechnung für jede erwerbsunfähige oder beschränkt erwerbsfähige Person, zu deren Unterhalt die steuerpflichtige Person mindes tens in der Höhe des Abzugs beiträgt, pauschal Fr. 6'500.-- vom Reineinkommen in Abzug gebra cht. Dieser Unterstützungsabzug soll als klassischer Sozialabzug den privatrechtlichen Leistungsverpf lichtungen innerhalb einer Fa- miliengemeinschaft Rechnung tragen und die Steuerlast im Verhältnis zu Steuerpflichtigen mit gleichem Einkommen ohne entsprechende Unterstützungsleistungen ausbalancieren (vgl. FELIX RICHNER /WALTER FREI /STEFAN KAUFMANN /HANS ULRICH MEUTER , Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., Zürich 2016, Art. 35 Rz. 2). Kann die steuer pflichtige Person einen Unterstützungsab- zug geltend machen, erhöhen sich gleichzeitig die allge meinen Abzüge für Versicherungsprä- mien und Zinsen von Sparkapitalien (vgl. Art. 33 Abs . 1bis lit. b DBG). Lebt eine geschiedene Steuerpflichtige mit der unterstützungsbedürftigen Per son in häuslicher Gemeinschaft und be- streitet sie deren Unterhalt zur Hauptsache, kommt sie ausserdem in den Genuss der Tarifver- günstigung für Verheiratete und der so ermittelte Ste uerbetrag ermässigt sich zusätzlich um Fr. 251.-- für jedes Kind oder jede unterstützungsbedürftige Person (Art. 36 Abs. 2bis DBG, sog. "Elterntarif"). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin für i hren Sohn Unterstützungsleistun- gen mindestens in der Höhe des Abzuges erbringt. Zentral er Streitpunkt des vorliegenden Ver- fahrens bildet die Frage, ob der Sohn als erwerbsunfä hige oder beschränkt erwerbsfähige Per- son und damit als unterstützungsbedürftig im steuerrechtl ichen Sinn zu qualifizieren ist, was für die Beschwerdeführerin wie soeben aufgezeigt eine vorte ilhaftere Besteuerung zur Folge hätte. Ist der Sohn nicht unterstützungsbedürftig, entfallen au ch die beantragten Steuervergünstigun- gen. 5.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, die vorinstanzli che Herleitung der Unterstützungsbe- dürftigkeit ihres Sohnes weiche ohne Begründung von der im Baselbieter Steuerbuch publizier- ten klaren Praxis der Steuerverwaltung ab. Insbesondere w erde ein deutlich höherer Vermö- gensverzehr als zumutbar erachtet. Der Abzug verlange Un terstützungsbedarf, nicht aber eine eigentliche Notlage des unterstützten Kinds. 5.2 Unterstützungsbedürftig im steuerrechtlichen Sinn sin d Personen, die wegen ihres Al- ters, ihrer Gesundheit oder aus anderen (dauerhaften) Gründen nicht in der Lage sind, ein ge- nügendes Einkommen zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts zu erzielen (vgl. Baselbieter Steuerbuch, Band 1, 33 Nr. 2 Ziff. 1, mit Verweis au f MATTHIAS SCHWEIGHAUSER , in: Nefzger/ Simonek/Wenk [Hrsg.], Kommentar zum Steuergesetz des Kant ons Basel-Landschaft, Basel 2004, § 33 Rz. 14). Dazu zählen neben erwerbsunfähigen Menschen auch Personen, die aus objektiven Gründen daran gehindert sind, ihre an sich b estehende Erwerbsfähigkeit voll auszu- üben, und daraus eine finanzielle Bedürftigkeit result iert. Ob eine dauerhafte Bedürftigkeit vor- liegt, beurteilt sich nach objektiven Kriterien und n icht nach den subjektiven Bedürfnissen des Leistungsempfängers. Keine Unterstützungsbedürftigkeit im Sinne des Gesetzes liegt vor, wenn die unterstützte Person freiwillig und ohne zwingenden Grund auf die Erzielung eines genügen- den Einkommens verzichtet oder wenn diese ihren Lebensun terhalt aus vorhandenem Vermö- gen bestreiten kann (E RICH BOSSHARD /HANS -RUDOLF BOSSHARD /WERNER LÜDIN , Sozialabzüge und Steuertarife im schweizerischen Steuerrecht, Zürich 2000, S. 182 f.; Urteil des Kantonsge- richts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 7. Juni 2006 [810 05 453] E. 8b). 5.3 Die Steuerverwaltung vertritt in der Vernehmlassun g vom 8. August 2018 erstmals im Verfahren den Standpunkt, der Sohn der Beschwerdeführ erin sei als Student objektiv gesehen nicht dauernd finanziell bedürftig. In der Tat ist ein Kind in Ausbildung weder dauerhaft er- werbsunfähig noch unfreiwillig beschränkt erwerbsfähig und ist die Gewährung des Unterstüt- zungsabzugs im Grunde genommen sachwidrig (vgl. Bericht de r Expertenkommission zur Überprüfung des schweizerischen Systems der Familienbesteue rung [Kommission Familienbe- steuerung], Bern 1998, S. 47). Aus sozialpolitischen Grü nden wird in der Praxis dennoch die Unterstützungsbedürftigkeit bejaht, wenn eine Person aus Ausbildungsgründen daran gehindert ist, ein (genügendes) Erwerbseinkommen zu erzielen. Da es sich bei einer solchen Ausbildung um eine Ursache handeln muss, die in ihren Wirkungen de r Erwerbsunfähigkeit gleichkommt, fällt nur die eigentliche Vollausbildung bis zum Abschl uss des Erststudiums, nicht aber eine allfällige Weiterbildung oder ein Zweitstudium in Be tracht. Erzielt ein Kind während seiner voll- zeitlichen beruflichen Erstausbildung kein genügendes Einkommen und muss es deswegen von Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht seinen Eltern unterstützt werden, gilt es demnach grundsä tzlich als unterstützungsbedürftig (BOSSHARD /BOSSHARD /LÜDIN , a.a.O., S. 190 f.; KGE VV vom 14. Januar 2015 [810 14 265] E. 5.2). Der Sohn der Beschwerdeführerin befindet sich in der Erstausbildung und ist deswegen nur beschränkt erwerbsfähig, so dass eine finanzielle Un terstützungsbedürftigkeit entgegen dem Dafürhalten der Steuerverwaltung durchaus in Betracht kommt. 6.1 Die Bestimmung der Unterstützungsbedürftigkeit verla ngt eine Gegenüberstellung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse auf der einen und der notwendigen Aufwendungen zum Lebensunterhalt auf der anderen Seite. Die Schwell e, unterhalb derer eine Bedürftigkeit vorliegt, ist vom Gesetz nicht definiert. 6.2 Die Feststellung der Unterstützungsbedürftigkeit or ientiert sich nach der kantonalen Pra- xis an bestimmten Einkommens- und Vermögensobergrenzen. Alleinstehende Personen gelten gemäss dem Baselbieter Steuerbuch als unterstützungsbed ürftig, wenn ihr steuerbares Ein- kommen Fr. 25'000.-- nicht erreicht. Die Obergrenze be i verheirateten Personen liegt bei Fr. 45'000.--. Für alleinstehende Personen mit Kinde rn im gleichen Haushalt wird eine Grenze von Fr. 35'000.-- als sachgerecht beurteilt. Verfügt d ie unterstützte alleinstehende Person über ein grösseres Vermögen und bleibt nach Abzug eines Freib etrages von Fr. 75'000.-- noch steu- erbares Vermögen übrig, so werden 10 % hiervon als virtu eller Ertrag dem Einkommen ange- rechnet (vgl. Baselbieter Steuerbuch, Band 1, 33 Nr. 2 Ziff. 2). 6.3 Auch wenn bei der Frage der Bedürftigkeit aus Pr aktikabilitätsgründen eine gewisse Schematisierung unumgänglich ist, so darf der Gesichtspun kt der Rechtsgleichheit nicht aus den Augen verloren werden. Eine rechtsgleiche Anwendun g des Gesetzes bedingt, dass auch bei Sozialabzügen bei vergleichbaren Sachverhalten stets gleich entschieden wird, und umge- kehrt, dass wesentliche Unterschiede berücksichtigt werden (vg l. BOSSHARD /BOSSHARD /LÜDIN , a.a.O., S. 184; ERNST BLUMENSTEIN /PETER LOCHER , System des schweizerischen Steuerrechts, 7. Aufl., Zürich 2016, S. 30 ff.). Ein blindes Abstell en auf die im Steuerbuch publizierten Zahlen vermag diesen verfassungsmässigen Vorgaben nicht gerecht zu w erden, sondern würde viel- mehr in einer nicht zu vernachlässigenden Anzahl von Ko nstellationen zu stossenden Un- gleichbehandlungen führen. Mit dem einzigen Kriterium des steuerbaren Einkommens werden etwa sämtliche steuerfreien Einkünfte ausgeblendet, wel che durchaus eine namhafte Höhe er- reichen können. Dieses Einkommen steht den Betroffenen ebenso wie die besteuerten Einkünf- te zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts effektiv zur Ver fügung und es ist nicht einsichtig, weshalb es für die Berechnung der Unterstützungsbedürft igkeit nicht mit einbezogen werden soll. Im vorliegenden Fall zeigt sich diese Problematik exe mplarisch, empfängt der Sohn der Beschwerdeführerin doch steuerfreie jährliche Unterhal tszahlungen seines Vaters in der Höhe von Fr. 13'500.--. Fixe Einkommensgrenzen tragen auch auf der Ausgabenseite den individuel- len Lebenssituationen nicht immer genügend Rechnung. Di e im Baselbieter Steuerbuch publi- zierten Zahlen sind demnach als Orientierungshilfen und Richtgrössen bei der Bestimmung der Bedürftigkeit zu verstehen. Die Beurteilung hat vor diesem Hintergrund im Einzelfall anhand der konkreten Umstände zu erfolgen, wobei eine gewisse (verfe inerte) Schematisierung und Pau- schalisierung durchaus notwendig, zulässig und sinnvoll ist. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4 Die Vorinstanz ist beim Sohn der Beschwerdeführeri n von einem anrechenbaren jährli- chen Vermögensverzehr von Fr. 15'267.-- ausgegangen. Zu sammen mit dem Unterhaltsbeitrag des Vaters von jährlich Fr. 13'500.--, abzüglich des steuerbaren Gesamteinkommens von minus Fr. 3'006.--, ergibt das gemäss der Rechnung der Vori nstanz einen verfügbaren Betrag zur De- ckung des Lebensbedarfs von Fr. 25'761.--. Gestützt auf d en Einkommensfreibetrag von Fr. 25'000.--, wie ihn die Steuerverwaltung für alle instehende Personen annimmt, gelangte die Vorinstanz zum Schluss, dass der Sohn nicht in die Kategor ie unterstützungsbedürftiger Perso- nen falle. Diese Art der Bestimmung der Unterstützungsbe dürftigkeit erscheint im vorliegenden Fall nicht sachgerecht, denn sie blendet die Ausgabense ite vollkommen aus. Im Fall eines Stu- denten, der wie vorliegend zu Hause wohnt und verpflegt wird, fallen wesentliche Budgetposten eines Haushalts wie Miete und Verpflegung zu Hause w eg, ebenso die Kosten für Internet, Ra- dio und Fernsehen. Die Wohnform hat einen massgeblich en Einfluss auf die Ausgaben. Durch die häusliche Gemeinschaft mit der Beschwerdeführerin er spart sich der Sohn erhebliche Auf- wendungen für den Lebensbedarf, welche bei einer all einstehenden und alleinwohnenden Per- son unweigerlich anfallen. Eine Berücksichtigung dieses Unt erschieds erscheint unter dem As- pekt der Rechtsgleichheit zwingend geboten, denn der Ein kommensfreibetrag von Fr. 25'000.-- ist vorliegend mit Blick auf die mit der Wohnform verbundenen tieferen Lebenshal- tungskosten augenscheinlich zu hoch angesetzt. 6.5 Es liegt nicht am Kantonsgericht, einen bestimmten allgemeinen Freibetrag für bei den Eltern wohnende Studenten zu proklamieren. Im Allgeme inen kann aber nicht von den Werten ausgegangen werden, welche für ausserhalb des Elternh auses lebende alleinstehende Perso- nen angenommen werden. Im vorliegenden Fall bietet e s sich an, auf die statistisch ermittelten durchschnittlichen Studien- und Lebenshaltungskosten von Studierenden zurückzugreifen. Am massgebenden Stichtag am Ende der Steuerperiode (Art. 35 Abs. 2 DBG) war der damals 22- jährige Sohn der Beschwerdeführerin an der Juristischen Fakultät der Universität Basel einge- schrieben. Gemäss den Erhebungen des Bundesamtes für Stat istik (BFS) beliefen sich die mo- natlichen Gesamtausgaben von Studierenden der Universi tät Basel, die im elterlichen Haushalt wohnten, im Jahr 2009 auf durchschnittlich Fr. 1'100.-- , wobei jüngere Studenten über ein ten- denziell tieferes Ausgabenbudget verfügten (BFS, Studie ren unter Bologna, Neuenburg 2010, S. 62 ff.). Da die Semestergebühr der Universität zwisch enzeitlich um Fr. 150.-- angehoben worden war, ansonsten die allgemeine Teuerung aber insgesamt negativ verlaufen war und der Sohn zur jüngeren Studierendengruppe zu zählen ist, kan n für das Jahr 2016 von einem jährli- chen Bedarf in der Höhe von Fr. 13'500.-- (12 x Fr. 1 '100.-- + Fr. 300.--) ausgegangen werden. Genau diesen Betrag erhielt er als Kinderunterhalt von seinem Vater. Dazu kommen ein Ne- benerwerb von Fr. 2'159.--, Erwerbsersatz von Fr. 58.- - und ein Wertschriftenertrag von Fr. 745.--, insgesamt also Einkünfte von nicht ganz Fr. 16'500.--. Mit diesen Einnahmen ver- mochte der Sohn der Beschwerdeführerin seine Lebenshalt ungskosten ohne Weiteres zu de- cken. Er war unabhängig vom Vermögen bereits aufgrund s eines Einkommens nicht unterstüt- zungsbedürftig. Nichts anderes ergibt sich, wenn auf die B ehauptung der Beschwerdeführerin abgestellt wird, wonach ihrem Sohn eigene Mittel in d er Höhe von Fr. 14'374.-- zur Bestreitung des Lebensbedarfs zur Verfügung gestanden hätten. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Ein Vergleich mit alternativen Berechnungsmodellen für die Bedürftigkeit wie die betrei- bungsrechtliche Existenzminimumberechnung oder die Bedar fsberechnung nach den Richtli- nien der Sozialhilfe bestätigt diese Einschätzung. Der betreibungsrechtliche Grundbedarf ist für alleinstehende Personen auf Fr. 1'200.-- pro Monat fe stgelegt, der sozialhilferechtliche Grund- bedarf liegt bei Fr. 986.-- (bei eigener Wohnung), dies jeweils ohne Miete und Krankenkasse. Auch wenn die Krankenkasse und die Ausbildungskosten hinzu gerechnet werden, führen diese Berechnungsansätze ebenfalls zum Schluss, dass nicht von eine r Bedürftigkeit des Sohnes ausgegangen werden kann. In welchem Umfang dem Sohn e in Vermögensverzehr zumutbar wäre, muss bei dieser Sachlage nicht entschieden werden. 7. Was die Beschwerdeführerin gegen das Vorgehen der Vorinstanzen einwendet, schlägt nicht durch. Wie die Steuerverwaltung in der Vernehmla ssung zutreffend vorbringt, kommt dem Baselbieter Steuerbuch - anders als die Beschwerdeführe rin suggeriert - kein Gesetzescharak- ter zu. Das Steuerbuch ist als elektronische Datensammlun g konzipiert, in der die Vollzugspra- xis der kantonalen und kommunalen Steuerverwaltungen exemplarisch wiedergegeben wird, ohne dass auf jede denkbare Einzelfallkonstellation eingegangen werden kann. Der Fall eines im Elternhaus wohnenden Studenten ist darin nicht auf geführt, so dass zu diesem Sachverhalt gar keine publizierte Praxis existiert, von der abgewiche n werden könnte. Ohnehin könnte (und müsste) die Steuerbehörde in begründeten Fällen wie d iesem ihre bisherige Praxis anpassen. Wie vorstehend bereits ausgeführt wurde, verlangt das Gebot der Rechtsgleichheit gerade, dass in der Rechtsanwendung Unterscheidungen getroffen we rden, wenn sich diese aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse aufdrängen. Bei der Wohnform handelt es sich um einen solchen signifikanten Unterschied, der bei der Bestimmung der Unterstützungsbedürftigkeit berücksich- tigt werden muss. 8. Aus dem Gesagten folgt, dass der Sohn der Beschwerdef ührerin für die massgebliche Steuerperiode nicht als unterstützungsbedürftig im steuerrechtlichen Sinn gelten kann. Die Vor- instanzen haben der Beschwerdeführerin demnach im Ergebn is zu Recht den Unterstützungs- abzug, den Versicherungsabzug und die Veranlagung zum Elterntarif verweigert. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Für die Beschw erde an das Kantonsgericht als weitere kantonale Beschwerdeinstanz im Bereich der direkten Bundessteuer gelten laut Art. 145 Abs. 2 DBG die Vorschriften von Art. 140 bis Art. 144 DBG sinngemäss. Gemäss Art. 144 Abs. 1 DBG werden die Kosten der unterliegenden Parte i auferlegt. Die Höhe der Kosten des Verfahrens wird durch das kantonale Recht bestimmt (Art. 144 Abs. 5 DBG). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- der unterlege- nen Beschwerdeführerin aufzuerlegen und mit dem gelei steten Kostenvorschuss in derselben Höhe zu verrechnen. Ausgangsgemäss sind die Parteikosten w ettzuschlagen (Art. 145 Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes [VwVG] vom 20. Dezember 1968). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber