<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para">{T 0/2} </div> <div class="para">6B_3/2011 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 8. Dezember 2011 </div> <div class="para">Strafrechtliche Abteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Mathys, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Schneider, Wiprächtiger, </div> <div class="para">Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari, </div> <div class="para">Bundesrichter Denys, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Briw. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">X.________, vertreten durch Rechtsanwalt Linus Bruhin, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Schwyz, Postfach 1201, 6431 Schwyz, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Vorsätzliche Störung des Polizeidienstes im Sinne des kantonalen Strafrechts und der kantonalen Polizeiverordnung; vorsätzliche Zuwiderhandlung gegen das kantonale Hundegesetz, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen das Urteil des Bezirksgerichts March, Einzelrichter, vom 10. Juni 2010 und den Beschluss des Kantonsgerichts des Kantons Schwyz, 2. Rekurskammer, vom 29. November 2010. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sachverhalt: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A. </div> <div class="para">Das Bezirksamt March büsste X.________ mit Strafverfügung vom 21. Januar 2010 in Anwendung von § 27 Abs. 2 des Gesetzes über das kantonale Strafrecht (KStR/SZ) wegen Nichtnachkommens einer polizeilichen Anordnung sowie gemäss § 2 Abs. 1 des Gesetzes über das Halten von Hunden (HuG/SZ) wegen Nichtanleinens von Hunden in öffentlichen Anlagen und auf öffentlichen Wegen mit Fr. 400.--. X.________ erhob Einsprache. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In der Folge klagte das Bezirksamt March X.________ am 15. April 2010 beim Einzelrichter des Bezirks March (nachfolgend: Bezirksgericht) an wegen vorsätzlicher Störung des Polizeidienstes gemäss § 27 Abs. 2 KStR/SZ i.V.m. §§ 1, 5, 6, 7, 17, 20 der Polizeiverordnung (PolV/SZ) sowie <span class="artref"><artref id="CH/312.0/15" type="start"></artref>§<artref id="CH/312.0/107" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/15" type="start"></artref>§ 15 und 107 StPO</span><artref id="CH/312.0/107" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/15" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/107" type="end"></artref>/SZ und wegen vorsätzlicher Zuwiderhandlung gegen § 12 i.V.m. § 2 Abs. 1 HuG/SZ. Nach der Anklage ging X.________ am Mittwoch, 25. November 2009, um ca. 13.00 Uhr, mit seinem Labrador auf dem öffentlichen Seeweg in Altendorf/SZ Richtung Pfäffikon/SZ. Den Hund führte er nicht an der Leine. Er liess ihn frei laufen. Im Gebiet "Winkel" bzw. "Ezelwerk-Badi" kam ihm eine uniformierte Polizistin der Kantonspolizei Schwyz entgegen. X.________ erkannte sie als Polizistin. Sie forderte ihn mehrmals auf, den Hund an die Leine zu nehmen. Er kam diesen Aufforderungen nicht nach, sondern ging auf dem Seeweg weiter in Richtung Pfäffikon, wobei er seinen Hund weiterhin frei laufen liess. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Bezirksgericht büsste X.________ am 10. Juni 2010 wegen vorsätzlicher Störung des Polizeidienstes (§ 27 Abs. 2 KStR/SZ i.V.m. § 1 PolV/SZ) und vorsätzlicher Zuwiderhandlung gegen § 12 i.V.m. § 2 Abs. 1 HuG/SZ mit Fr. 600.--. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Kantonsgericht Schwyz wies am 29. November 2010 die gegen das bezirksgerichtliche Urteil eingereichte Nichtigkeitsbeschwerde von X.________ ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B. </div> <div class="para">X.________ erhebt Beschwerde in Strafsachen mit dem Antrag, das bezirksgerichtliche und das kantonsgerichtliche Urteil aufzuheben und ihn von Schuld und Strafe freizusprechen. </div> <div class="para">Das Bezirksgericht und die Oberstaatsanwaltschaft verzichten auf Vernehmlassung. Das Kantonsgericht beantragt, die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Erwägungen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Die Beschwerde in Strafsachen ist gegen Entscheide letzter kantonaler Instanzen zulässig (<span class="artref">Art. 80 Abs. 1 BGG</span>). Auf den Antrag, das bezirksgerichtliche Urteil aufzuheben, ist nicht einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer macht eine Verletzung des Anklagegrundsatzes geltend, weil weder das Bezirksamt noch das Bezirksgericht, sondern erstmals die Vorinstanz § 3 HuG/SZ angewendet habe. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Auf diese Rüge ist mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten (<span class="artref">Art. 81 Abs. 1 lit. b BGG</span> sowie <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=20.11.2011&amp;to_date=09.12.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-121%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page121">BGE 133 IV 121</a> E. 1.1). Die Ausführungen der Vorinstanz zu § 3 HuG/SZ sind für den Schuldspruch unerheblich (unten E. 4.4). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer rügt eine willkürliche Sachverhaltsfeststellung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Vorinstanz stellt gestützt auf Aussagen des Beschwerdeführers willkürfrei fest, der Hund habe sich "zumindest zeitweise unangeleint auf dem Seeweg aufgehalten" (angefochtenes Urteil S. 3). Dies bestätigt der Beschwerdeführer vor Bundesgericht mit seinem Einwand, bei der Begegnung mit der Polizistin habe er seinen Hund am Halsband festgehalten (Beschwerde S. 8). Somit hielt sich der Hund auf dem Seeweg auf und war nicht angeleint. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4. </div> <div class="para">Der Schuldspruch stützt sich auf § 2 Abs. 1 HuG/SZ: "In öffentlichen Anlagen, auf öffentlichen Wegen und im Strassenverkehr sind Hunde an der Leine zu führen. Ausgenommen sind Hunde beim Viehtrieb." Zuwiderhandlungen sind mit Busse zu bestrafen (§ 12 HuG/SZ). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.1 <span class="artref">Art. 80 BV</span> weist dem Bund eine umfassende Rechtsetzungskompetenz für den Tierschutz zu. Sie betrifft den Schutz der Tiere und nicht den Schutz des Menschen. Massgebend sind insbesondere das Tierschutzgesetz (TSchG; SR 455) und die Tierschutzverordnung (TSchV; SR 455.1). Diese Bundesgesetzgebung hindert die Kantone nicht, Polizeivorschriften zur Verhütung von Hundeangriffen bzw. zum Schutz der Sicherheit und der öffentlichen Ordnung zu erlassen. Solche Erlasse dürfen nur keine dem Bundesrecht zuwiderlaufenden Bestimmungen enthalten (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=20.11.2011&amp;to_date=09.12.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">BGE 136 I 1</a> E. 3<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=20.11.2011&amp;to_date=09.12.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-172%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page172">133 I 172</a></span> E. 2, 249 E. 3.2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.2 Gemäss <span class="artref">Art. 71 Abs. 1 TSchV</span> müssen Hunde täglich im Freien und entsprechend ihrem Bedürfnis ausgeführt werden. Soweit möglich sollen sie sich dabei auch unangeleint bewegen können. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">§ 2 Abs. 1 HuG/SZ schreibt vor, dass Hunde auf öffentlichen Wegen an der Leine zu führen sind. Diese Vorschrift hält sich im zu beurteilenden Anwendungsbereich im Rahmen des bundesrechtskonformen polizeirechtlichen Schutzes vor Hundeangriffen und ist mit <span class="artref">Art. 71 Abs. 1 TSchV</span> vereinbar. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.3 Die Anwendung des kantonalen Rechts prüft das Bundesgericht auf Willkür. Willkür liegt vor, wenn die Rechtsanwendung eine Norm krass verletzt. Dass eine andere Lösung ebenfalls als vertretbar oder gar zutreffender erscheint, genügt nicht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=20.11.2011&amp;to_date=09.12.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-I-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">BGE 137 I 1</a> E. 2.4). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Nach dem massgebenden Sachverhalt (<span class="artref">Art. 105 Abs. 1 BGG</span>) ging der Beschwerdeführer auf einem öffentlichen Weg (dem Seeweg) und liess seinen Hund frei laufen (und nahm ihn trotz Anweisung der Kantonspolizistin nicht an die Leine). Der Seeweg ist unbestritten ein öffentlicher Weg im Sinne von § 2 Abs. 1 HuG/SZ (angefochtenes Urteil S. 5). Damit handelte der Beschwerdeführer § 2 Abs. 1 HuG/SZ zuwider und konnte gemäss § 12 Abs. 1 HuG/SZ gebüsst werden. Willkür ist nicht gegeben. Der Schuldspruch verletzt auch nicht die Eigentumsgarantie (Beschwerde S. 16 f.). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.4 Zu prüfen ist einzig, ob die auf § 12 i.V.m. § 2 Abs. 1 HuG/SZ gestützte Busse willkürlich ist. Das ist zu verneinen. Es besteht eine bundesrechtskonforme gesetzliche Grundlage (oben E. 4.1). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Auf die für den Beschwerdeführer im Vordergrund stehenden Fragen, "ob im Kanton Schwyz ein allgemeiner Leinenzwang für Hunde gemäss der heutigen Auslegung der Behörden zulässig ist oder ob [der Leinenzwang] dem eidgenössischen Tierschutzrecht widerspricht" (Beschwerde S. 5), ist nicht einzutreten. Das Bundesgericht prüft die Verfassungsmässigkeit nicht auf alle möglichen Konstellationen hin, sondern nur in der konkreten Anwendung (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=20.11.2011&amp;to_date=09.12.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-I-49%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page49">BGE 132 I 49</a> E. 4). Damit ist bei der so genannten inzidenten oder akzessorischen Normenkontrolle anders als bei der Erlassbeschwerde (<span class="artref">Art. 82 lit. b BGG</span>) eine weitergehende (vorfrageweise) Prüfung des Vorrangs des Bundesrechts (<span class="artref">Art. 49 BV</span>) ausgeschlossen. Auf die abstrakte Kritik ist nicht einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Soweit die Vorinstanz andere kantonal- oder bundesrechtliche Normen in ihre Begründung einbezieht, handelt es sich um für den Schuldspruch unerhebliche obiter dicta. Darauf ist nicht einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5. </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer wendet ein, die Anweisung der Polizistin entbehre jeglicher Gesetzesgrundlage, und folglich könne er den Polizeidienst nicht gestört haben (Beschwerde S. 8, 14 f.). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gemäss § 27 Abs. 2 KStR/SZ wird wegen Störung des Polizeidienstes mit Haft oder Busse bestraft, "wer der Anordnung, die ein Polizeiorgan innerhalb seiner durch Gesetz oder Verordnung umschriebenen Befugnisse erlässt, nicht nachkommt". Die Kantonspolizei sorgt gemäss § 1 PolV/SZ "für die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung". Dieses Polizeirecht ist hinreichend bestimmt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=20.11.2011&amp;to_date=09.12.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-I-49%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page49">BGE 132 I 49</a> E. 6.2 f.). Die materiellgesetzliche Grundlage der Anweisungsbefugnis der Kantonspolizistin besteht in § 2 Abs. 1 HuG/SZ. Willkür liegt nicht vor. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6. </div> <div class="para">Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Dem Beschwerdeführer sind die Kosten aufzuerlegen (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien, dem Bezirksgericht March, Einzelrichter, und dem Kantonsgericht des Kantons Schwyz, 2. Rekurskammer, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 8. Dezember 2011 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Mathys </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Briw </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> </div></body></html>