Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. November 2014 (720 14 258 / 294) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Invaliditätsbemessung bei selbstständig erwerbstätigem Versicherten; Anwendung der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber i.V. Thomas Hunkeler Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.8665.6727.63) A. Der am 3. Februar 1962 geborene A.____ ist als G eschäftsführer der B.____ AG in C.____ tätig. Ab dem 6. Februar 2012 war er aufgrun d eines Rückenleidens arbeitsunfähig und bezog in der Folge bis 1. März 2013 Krankentaggelde r. Am 7. September 2012 meldete sich A.____ bei der Eidgenössischen Invalidenversicherun g (IV) mit Hinweis auf Rückenprobleme zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundhei tlichen und erwerblichen Verhältnisse und Durchführung eines Vorbescheidverfahrens, lehnt e die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle) mit Verfügung vom 1. Juli 2014 einen Rentenan spruch des Versicherten aufgrund eines Invaliditätsgrades von 0 % ab. B. Hiergegen erhob A.____ am 4. September 2014 Besch werde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung vom 1. Juli 2014 aufzu heben und es sei ihm eine Invalidenren- te auszurichten. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, ein Revisionsverfahren einzuleiten und über das Leistungsbegehren neu zu befinden; unter o/e-Kostenfolgen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 17. Oktober 2014 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. L aut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 4. September 2014 ist somit einzutreten. 1.2 Dem Rechtsbegehren, die Beschwerdegegnerin sei even tualiter anzuweisen ein Revi- sionsverfahren einzuleiten, kann mangels formell rechtskräftiger Verfügung oder formell rechts- kräftigem Einspracheentscheid gemäss Art. 53 Abs. 1 des Bun desgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 nicht gefolgt werden. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist der Rente nanspruch des Beschwerdeführers. 3.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähig- keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (li t. a) und während eines Jahres ohne we- sentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arb eitsunfähig gewesen sind (lit. b) sowie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invali d sind (lit. c), Anspruch auf eine Rente. 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zu m 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) bleib t folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: S CHAFFHAUSER /S CHLAURI [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den i m Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdef ührers sind im Wesentli- chen die folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 Dem ärztlichen Bericht von Dr. med. D.____, FMH R heumatologie, vom 20. April 2012 zufolge sei beim Beschwerdeführer ein unspezifischer Kreu zschmerz rechts mit fraglicher spondylogener Beteiligung bei altersentsprechenden leichtgradigen degenerativen Veränderun- gen der Lendenwirbelsäule (LWS) und funktioneller Überlagerung festzustellen. Ein Befund, der eine Teilarbeitsunfähigkeit rechtfertigen würde, lie sse sich weder bildgebend noch klinisch ob- jektivieren. 5.2 Gemäss dem Bericht von Dr. med. E.____, FMH Allgeme inmedizin, vom 11. Juni 2012 könne beim Versicherten eine chronische Lumboischialgie mi t spondylogener Beteiligung diag- nostiziert werden. Der Patient klage über lumbale Rückenschmerzen. Seit dem 6. Februar 2012 und bis auf weiteres sei der Versicherte im Umfang von 50 % arbeitsunfähig. 5.3 In dem von der Krankentaggeldversicherung in Auftra g gegebenen Gutachten vom 11. September 2012 diagnostizierte Dr. med. F.____, F MH Allgemeine Innere Medizin, Rheu- matologie und Physikalische Medizin und Rehabilitation, einen chronisch-unspezifischen Kreuzschmerz sowie eine lumbodegenerative Wirbelsäulenverä nderung im Bereich L4/5. Be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht treffend die Arbeitsfähigkeit hielt Dr. F.____ fest, dass dem Versicherten eine Tätigkeit mit ein- geschränkter Zumutbarkeit für Heben (max. 17.5 kg selte n, Tragen max. 15 kg selten, vorge- neigtes Stehen / Rumpfverdrehen manchmal) ganztags (bei voller Leistung) zumutbar sei. 5.4 Gemäss Bericht von Dr. med. G.____, FMH Orthopädische Chirurgie, und Dr. med. H.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologi e des Bewegungsapparates, Spital I.____, vom 11. Oktober 2012 seien beim Versicherten rezi divierende, belastungsabhängige Flankenschmerzen rechts bei hypotropher rumpfstabilisiere nder Muskulatur und altersentspre- chender degenerativer Veränderungen der LWS zu diagnost izieren. Aufgrund der klinischen Untersuchung und der vorhandenen Bildgebung komme ein e Ursache der geschilderten Be- schwerden ausgehend von der LWS nicht in Frage. Die Ar beitsunfähigkeit betrage bis zum 21. Oktober 2012 50 %. Anschliessend sei wieder mit ein er vollen Arbeitsfähigkeit im ange- stammten Beruf zu rechnen. 5.5 Gemäss der Stellungnahme von Dr. med. J.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler ärztli cher Dienst beider Basel (RAD), ha- be beim Beschwerdeführer in der angestammten Tätigke it vom 14. Januar 2012 bis 5. Februar 2012 eine volle Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Ab 6. Februar 2012 gehe die IV-Stelle von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit aus. In einer leichten Verw eistätigkeit mit eingeschränkter Zumutbar- keit für Heben bestehe beim Beschwerdeführer hingegen eine volle Arbeitsfähigkeit ganztags. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer Verfügu ng vom 1. Juli 2014 bei der Beur- teilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigke it vollumfänglich auf das Gutachten von Dr. F.____ vom 11. September 2012. Sie ging demna ch davon aus, dass dem Beschwer- deführer aus medizinischer Sicht die Ausübung einer ange passten Verweistätigkeit zu 100 % zumutbar sei. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor ), ist den im Rahmen des Verwaltungs- verfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinne n und -ärzte, die aufgrund einge- hender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Ei nsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb nissen gelangen, bei der Beweiswür- digung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht kon krete Indizien gegen die Zuverlässig- keit der Expertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Die fachärztlichen Einschät- zungen des medizinischen Sachverhalts und der Arbeitsfähi gkeit sind ausreichend begründet und nachvollziehbar. Es wird deutlich, dass dem Beschwerde führer aufgrund der gestellten Di- agnosen eine leichte Verweistätigkeit zu 100 % zumutb ar ist. Sowohl die medizinische Diagno- se als auch die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit stimme n dabei mit den Beurteilungen der an- deren Ärzte überein. Dem Bericht der Dres. G.____ und H.____ zufolge wäre gar mit einer vol- len Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf zu rechnen. Soweit der Beschwerdegegner dage- gen vorbringt, dass er nicht mehr in der Lage sei, e iner angepassten Tätigkeit nachzugehen, kann ihm daher nicht gefolgt werden. Die medizinischen U nterlagen sind diesbezüglich eindeu- tig und klar. Argumente für eine andere Interpretati on lassen sich auch in den Berichten der behandelnden Ärzte nicht finden. Zusammenfassend ist fest zustellen, dass die IV-Stelle für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts, wie auch in Bezug auf die Einschätzung der Ar- beitsfähigkeit zu Recht auf die Ausführungen von Dr. F.____ vom 11. September 2012 abstell- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht te. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführ er in einer angepassten Er- werbstätigkeit voll arbeitsfähig ist. 6.2 Da die vorhandenen medizinischen Unterlagen eine z uverlässige Beurteilung der ver- bleibenden Restarbeitsfähigkeit des Versicherten bis zum Verfügungserlass zulassen, kann auf eine zusätzliche medizinische Abklärung verzichtet werden. Der Anspruch auf rechtliches Ge- hör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, u nd – als Korrelat – die Pflicht der Be- hörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses v erfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für d ie Entscheidung der Streitsache er- heblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des rel evanten Sachverhalts ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Eine solche antizipierte Beweiswürdigung ist na ch konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (vgl. BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 7.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Gemäss Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades einer erwerbstä- tigen versicherten Person das Erwerbseinkommen, das diese nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und all fälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invali- deneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen , das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). B ei der Ermittlung des für die Bestim- mung des Invaliditätsgrades massgebenden hypothetischen E inkommens ohne Gesundheits- schaden (Valideneinkommen) ist entscheidend, was der Ver sicherte im massgebenden Zeit- punkt des Rentenbeginns (Urteil des EVG vom 30. Oktober 2002, I 517/02, E. 1.2) nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunder tatsächlich verdient hätte. Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu er folgen, dass die beiden hypotheti- schen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermitte lt und einander gegenüberge- stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 10 4 V 136). Die Einkommenser- mittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel vom letzten Lohn, den der Versicherte erzielt hat, auszugehen ist (ZAK 1990 S. 519 E. 3c). 7.2 Namentlich bei Selbständigerwerbenden kann sich eine zuverlässige Ermittlung der beiden hypothetischen Vergleichseinkommen als schwierig o der unmöglich erweisen. Lässt sich das hypothetische Erwerbseinkommen nicht zuverlässig e rmitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die Methode für Nichterwerbstätige ein Betätigungsvergleich anzustellen (vgl. dazu Art. 5 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 3 ATSG ; vgl. dazu U ELI KIESER , a.a.O., N 13 ff. und N 20 zu Art. 8), und der Invaliditätsgrad ist nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten e rwerblichen Situation zu bestimmen. Diesfalls ist zunächst anhand des Betätigungsvergleichs d ie leidensbedingte Behinderung fest- zustellen; sodann aber ist diese im Hinblick auf ihre er werbliche Auswirkung besonders zu ge- wichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen eines Erwerbstäti- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise ein e Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben (ausserordentliches Bemessungsverfahren; BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 137 E. 2c; AHI-Praxis 1998 S. 120 E. 1a; Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Inva- lidenversicherung [KSIH] Rz. 3112 ff.). Eine gesetzliche Regelung, welche Bemessungsmetho- de bei Selbständigerwerbenden anzuwenden ist, gibt es nicht. Welche Methode Anwendung findet, hängt somit in erster Linie davon ab, ob sich d as hypothetische Erwerbseinkommen zu- verlässig schätzen lässt (allgemeine Methode) oder nicht ( ausserordentliche Methode). Anzufü- gen ist in diesem Zusammenhang, dass den Verwaltungsbeh örden bezüglich der Auswahl der Methode ein gewisser Ermessensspielraum zusteht, in den das Gericht nicht ohne Not eingreift. 7.3.1 Nach der Rechtsprechung gilt im Gebiet der Inval idenversicherung ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmö glich zu mildern; deshalb besteht kein Rentenanspruch, wenn die Person selbst ohne Eingliede rungsmassnahmen zumutbarerweise in der Lage wäre, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkomm en zu erzielen. Die Selbstein- gliederung als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderu ngspflicht ist eine Last, welche die versicherte Person auf sich zu nehmen hat, soll ihr Leistungsanspruch - auf gesetzliche Einglie- derungsmassnahmen oder Rente - gewahrt bleiben. Von de r versicherten Person dürfen dabei nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigu ng der gesamten objektiven und sub- jektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind ( AHI-Praxis 2001 S. 282, E. 5a/aa; BGE 113 V 28 E. 4a). 7.3.2 Aufgrund der geschilderten Schadenminderungspfli cht darf deshalb von selbständigen Erwerbstätigen erwartet werden, dass sie sich im Betrieb soweit möglich so organisieren, dass sie Arbeiten verrichten können, die ihnen gesundheitsh alber noch zumutbar sind. Ist dies über- haupt nicht möglich oder erscheint die bisherige Tätig keit aus gesundheitlichen Gründen als ungeeignet, so steht die Aufnahme einer unselbstständi gen (Haupt-)Erwerbstätigkeit zur Dis- kussion. Nach der Rechtsprechung kann eine solche als zum utbar erscheinen, wenn hiervon eine bessere erwerbliche Verwertung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann und der berufli- che Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände (A lter, Aktivitätsdauer, Ausbil- dung, Art der bisherigen Tätigkeit, persönliche Leben sumstände) als zumutbar erscheint (Urteil des EVG vom 7. Juni 2006, I 38/06, E. 3.2 mit Hinweisen ). Die Anforderungen an die Pflicht zur Selbsteingliederung als Ausdruck der allgemeinen Schade nminderungspflicht dürfen dabei zu- lässigerweise dort höher sein, wo eine verstärkte Inanspruc hnahme der Invalidenversicherung in Frage steht. In die erforderliche Interessenabwägung sind deshalb auch die in Frage stehen- den Rentenleistungen einzubeziehen (Urteil des Bundesg erichts vom 21. Juli 2009, 9C_111/2009, E. 2.2.2 mit Hinweisen). 7.3.3 Im Lichte der geschilderten Grundsätze hat das dam alige EVG überdies mehrfach festgehalten, dass eine versicherte Person unter Umständen invalidenversicherungsrechtlich so behandelt wird, wie wenn sie ihre Tätigkeit als Selbs tständigerwerbende aufgibt, d.h. sich im Rahmen der Invaliditätsbemessung jene Einkünfte anrechnen lassen muss, welche sie bei Auf- nahme einer leidensangepassten unselbstständigen Erwerbs tätigkeit zumutbarerweise verdie- nen könnte (AHI-Praxis 2001 S 283, E. 5a/bb mit Hinweisen). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Der Beschwerdeführer ist vorliegend, wie eingangs erwähnt, seit 2001 als Geschäfts- führer der B.____ AG selbständig tätig. Das Aktienkap ital dieser Gesellschaft wird dabei zu 80 % vom Versicherten und zu 20 % von dessen Ehefrau geh alten. Zur genaueren Abklärung der betrieblichen Verhältnisse gab die IV-Stelle eine n „Abklärungsbericht Selbständigerwerben- de“ in Auftrag, welcher am 30. April 2014 erstattet wurde. Gestützt auf diesen Abklärungsbericht hat die IV-Stelle die Invaliditätsbemessung nach der allgemeinen Methode des Einkommens- vergleichs vorgenommen. Basierend auf den Geschäftsabschlüss en von 2008 – 2011 wurde dabei ein durchschnittliches, aufgeteuertes Valideneinkom men von Fr. 74‘033.-- ermittelt. Für das Invalideneinkommen wurde gemäss den Geschäftsabschlüssen von einem Einkommen von Fr. 107‘157.-- (2012) bzw. Fr. 119‘811.-- (2013) ausgegangen, woraus im Verhältnis zum ermit- telten Valideneinkommen keine Erwerbseinbusse resultiere. Der im Rahmen des Abklärungsbe- richts erfolgte Betätigungsvergleich ohne Gewichtung h abe zudem ergeben, dass der Be- schwerdeführer aufgrund seiner Rückenbeschwerden vor all em im Bereich der Rohrreinigung und der handwerklichen Arbeit eingeschränkt sei. Die Auf gaben in den Bereichen Personalfüh- rung/Disposition, Kundenbetreuung sowie administrative Tätigkeiten seien ihm aber weiterhin möglich und zumutbar. Diese Tätigkeiten hätten nach d er Aufgabe der schweren handwerkli- chen Arbeiten auch an Gewicht zugenommen. Dank seiner E rfahrung und Fachkenntnissen könne der Beschwerdeführer Arbeiten delegieren und die Mitarbeiter falls notwendig anweisen. 8.2 Der ausführliche Abklärungsbericht, auf welchen die Beschwerdegegnerin die Invalidi- tätsbemessung stützt, legt in schlüssiger Weise dar, dass ei ne zuverlässige Ermittlung der bei- den hypothetischen Vergleichseinkommen vorliegend basier end auf den Geschäftsabschlüsse möglich ist. Die Geschäftsergebnisse der B.____ AG zeige n, dass sowohl der Gewinn der Ge- sellschaft als auch das Erwerbseinkommen des Beschwerdeführ ers seit 2008 kontinuierlich gesteigert werden konnten. Obwohl es dem Versicherten se it 2012 nicht mehr möglich ist, die schweren handwerklichen Arbeiten selber zu verrichten und er deshalb insbesondere die Tätig- keiten im Bereich der Rohrreinigung nicht mehr ausführen kann, scheint es ihm dennoch gelun- gen zu sein, den Betrieb so zu organisieren, dass gar eine Erhöhung des Erwerbseinkommens möglich war. Seine Einschränkungen im handwerklichen Ber eich konnte der Beschwerdeführer zum Teil in den Bereichen Personalführung und Dispositio n kompensieren. Aus diesem Grund würde die Durchführung eines erwerblich gewichteten Betätigungsvergleichs absehbar keine brauchbaren Ergebnisse liefern, weshalb die Ermittlung des Invaliditätsgrades nach der ausser- ordentlichen Bemessungsmethode vorliegend nicht zielführ end wäre. Die IV-Stelle hat den In- validitätsgrad des Versicherten daher im Sinne einer mög lichst konkreten Einkommensermitt- lung zu Recht nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs ermittelt. 8.3 Sowohl das Valideneinkommen als auch das Invalidenein kommen des Beschwerde- führers wurden im Abklärungsbericht korrekt ermittelt. D as die IV-Stelle für Ermittlung des Vali- deneinkommens auf die Durchschnittswerte der Jahre 2008 – 2011 abstützte, ist nicht zu bean- standen. Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers wurden die Krankentaggeldzah- lungen beim Einkommensvergleich richtigerweise nicht a ls Bestandteil des Invalideneinkom- mens mitberücksichtigt. Selbst wenn man das Invalideneinkom men vergleichsweise, wie dies von der Krankentaggeldversicherung in ihrer Verfügung vom 23. November 2013 (recte 2012) Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemacht wurde, unter Beizug der Tabellenlöhne der S chweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik ermitteln würde, hätte dies keinen rentenbegründenden IV- Grad zur Folge. Abgesehen davon würde die Ermittlung des Invalideneinkommens unter Bei- zung der LSE-Tabellenlöhne die konkrete Erwerbssituatio n des Beschwerdeführers nicht in adäquater Weise widerspiegeln. 8.4 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die IV -Stelle den IV-Grad zu Recht nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs un d gemäss den überzeugenden Ausführungen im „Abklärungsbericht Selbständigerwerbend e“ vom 30. April 2014 ermittelt hat. Stellt man das Invalideneinkommen von 2013 (Zeitpunkt des potentiellen Beginns des Renten- anspruchs) in der Höhe von Fr. 119‘811.-- dem ermittelten Valideneinkommen von Fr. 74‘033.-- gegenüber, so resultiert daraus keine Erwerbseinbusse und somit ein Invaliditätsgrad von 0 %. Die IV-Stelle hat folglich einen Rentenanspruch des V ersicherten zu Recht abgelehnt. Die ge- gen die Verfügung vom 1. Juli 2014 erhobene Beschwerd e erweist sich als unbegründet, wes- halb sie abzuweisen ist. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahr en bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten zu überbinden und mit dem bereits geleisteten Kos- tenvorschuss zu verrechnen sind. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.