Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 13. November 2013 (810 12 239) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Obhutsentzug und Fremdplatzierung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Beat Walther , Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertr eten durch Stefanie Mathys -Währer , Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Beschwerdege g- ner Beigeladener C.____ Betreff Obhutsentzug und Fremdplatzierung des Sohnes D .____ (Beschluss der Vormundschaftsbehörde F.____ vom 24. Juli 2012) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ zog im Herbst 2011 mit ihrem Sohn D.____, g eboren 2001, von E.____ nach F.____, um näher bei ihrem früheren Ehemann und Vat er von D.____ und ihren beiden Töch- tern zu wohnen. Mutter und Sohn waren mit der Überna hme der Beistandschaft durch die Vor- mundschaftsbehörde F.____ (Vormundschaftsbehörde) sowi e der Ernennung von G.____, So- zialarbeiterin, als Erziehungsbeiständin einverstanden. Bi s Herbst 2011 besuchte D.____ die H.____ Sprachheilschule I.____ (H.____), anschliessend di e 3. Kleinklasse in F.____. Gemäss Verfügung der Vormundschaftsbehörde vom 31. Januar 201 2 hatte die Erziehungsbeiständin unter anderem die Notwendigkeit einer Familienbegleitung abzuklären. Gestützt auf den Bericht der Erziehungsbeiständin vom 7. Februar 2012, in wel chem ausgeführt wurde, dass D.____ in der 3. Kleinklasse in F.____ überfordert sei und nach ei ner Lösung gesucht werden müsse so- wie dass A.____ für die Erziehung ihres Sohnes im Alltag und die Hausaufgabenbegleitung gerne Hilfe annehme, wies die Vormundschaftsbehörde A.____ mit Verfügung vom 14. Februar 2012 an, für 6 Monate die Unterstützung von J.____, So zialpädagogische Familienbegleitung, in Anspruch zu nehmen. Den Antrag von A.____ vom 14. F ebruar 2012 auf Aufhebung der Er- ziehungsbeistandschaft ihres Sohnes wies die Vormundschaft sbehörde mit Entscheid vom 19. März 2012 ab. Gemäss Antrag der Erziehungsbeiständin entzog die Vormundschaftsbehör- de mit Verfügung vom 26. Juli 2012 (Sitzung der Vormu ndschaftsbehörde vom 24. Juli 2012) A.____ die Obhut über ihren Sohn D.____ gemäss Art. 3 10 Abs. 1 des Schweizerischen Zivil- gesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 und platzierte ihn gestützt auf Art. 310 ZGB in Verbindung mit Art. 314a in der bis zum 31. Dezember 2012 geltenden Fassung des Schweize- rischen Zivilgesetzbuches (aZGB) vom 10. Dezember 1907 per 6. August 2012 in das Kinder- heim K.____ in L.____. Einer allfälligen Beschwerde wurde gestützt auf Art. 314 Ziff. 2 aZGB die aufschiebende Wirkung entzogen. Mit Verfügung vom g leichen Tag wurde die Erziehungs- beistandschaft auf M.____, Soziale Dienste, F.____, übertragen. B. Gegen die Verfügung der Vormundschaftsbehörde vom 2 6. Juli 2012 betreffend Obhut- sentzug und Heimplatzierung erhob A.____, vertreten du rch Stefanie Mathys-Währer, Advoka- tin, mit Eingabe vom 7. August 2012 beim Kantonsgerich t, Abteilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde und beantragte , es sei der Beschluss der Vormund- schaftsbehörde vom 24. Juli 2012 vollumfänglich aufzuheben . Es sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, D.____ umgehend in eine heilpädagogische Tagesschule einzuschulen. Eventuali- ter sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, D.____ bei der Tochter der Beschwerdeführerin im Sinne einer Pflegefamiliensituation zu platzieren und ihn umgehend in eine heilpädagogische Tagesschule einzuschulen (ohne Entzug der elterlichen Obh ut); alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessfüh- rung und Verbeiständung zu gewähren. Als dringliche vorsorgliche Massnahmen für die Dauer des V erfahrens beantragte die Be- schwerdeführerin, es sei der Beschwerde gemäss Art. 314 Z iff. 2 aZGB per sofort die aufschie- bende Wirkung zu erteilen und die Beschwerdegegnerin a nzuweisen, D.____ bis auf weiteres der Beschwerdeführerin zurückzubringen und ihm den Schulbesuch in seiner bisherigen Klasse zu ermöglichen. (D.____ sei am 6. August 2012 bei seine r Mutter abgeholt und ins Heim ge- bracht worden). Es sei per sofort eine Fachstelle mit de r Erarbeitung eines umfassenden Gut- achtens betreffend die allgemeinen und schulischen Bedü rfnisse von D.____ sowie die Erzie- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht hungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu beauftragen. Nach Eingang des Gutachtens sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, neu in der Sache zu entsche iden. Eventualiter sei den Par- teien Gelegenheit zur Antragsstellung zu erteilen. C. Mit präsidialer Verfügung vom 10. August 2012 wurde der Beschwerdeführerin die un- entgeltliche Prozessführung und Verbeiständung bewilli gt. Nach Eingang der Vernehmlassung der Vormundschaftsbehörde vom 23. August 2012 und ein es Schreibens des Kinderarztes von D.____, Dr. N.____, Facharzt für Kinder- und Jugendm edizin FMH, F.____, vom 31. August 2012 wies das Gerichtspräsidium mit Verfügung vom 21. Se ptember 2012 das Gesuch der Be- schwerdeführerin um Erteilung der aufschiebenden Wirkun g ab. Es begründete seinen Ent- scheid unter anderem damit, dass die Platzierung von D.____ in ein Heim von allen involvierten Stellen befürwortet worden sei. Die Vormundschaftsbehörde entliess mit Verfügung vom 2. Oktober 2012 auf Antrag der Be- schwerdeführerin M.____ per sofort aus dem Amt als Beista nd und ernannte als neue Beistän- din O.____, Sozialarbeiterin. D. Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs betr effend gutachterliche Abklärung von D.____ beantragte die Vormundschaftsbehörde in ihr em Schreiben vom 25. Oktober 2012, es sei im Einverständnis der Kindsmutter eine stationäre Abklärung von D.____ anzuordnen. Die Vormundschaftsbehörde legte der Vernehmlassung ein Schreiben des Heimes K.____ vom 25. September 2012 bei, in welchem das Heim erklärte, es hoffe, dass D.____ umgehend zur genauen Abklärung dem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst zugeführt werde. Die Ein- weisung in das Heim K.____ müsse als Fehlplatzierung taxi ert werden. Des Weiteren lag der Vernehmlassung ein Bericht des Klassenlehrers von D.____ vom 27. September 2012 bei. Die Beschwerdeführerin liess sich mit Eingabe vom 30. Oktober 2012 vernehmen. Mit Verfügung vom 12. November 2012 wies das Kantonsgericht den Antr ag der Vormundschaftsbehörde auf gerichtliche Anordnung einer stationären Begutachtun g von D.____ ab und erteilte Dr. P.____, Chefärztin, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychiatrie Baselland (KJP), den Auftrag, ein Gut- achten zu erstellen und die formulierten Fragen zu beantworten. E. Mit Schreiben vom 20. November 2012 stellte die Beschw erdeführerin den Antrag, es sei ihr zu bewilligen, D.____ umgehend und mindestens bis zu einer Empfehlung der zurzeit laufenden Begutachtung zu sich nach Hause zu nehmen. D ie Beschwerdegegnerin sei anzu- weisen, die Rückkehr von D.____ nach Hause und den Schulb esuch in der angestammten Kleinklasse zu organisieren. Eventualtier sei der Beschwerdeführerin zu bewilligen, D.____ um- gehend und mindestens bis zur Empfehlung der zurzeit lau fenden Begutachtung zu sich nach Hause zu nehmen. Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, eine Platzierung in einer heilpä- dagogischen Tagesschule zu organisieren. Subenventualiter sei die Gutachterin aufzufordern, in Kenntnisnahme der Berichte des Heimes K.____ umgehend eine Empfehlung zu Handen des Gerichts betreffend den Aufenthalt von D.____ für die Dauer des Verfahrens abzugeben. So- dann sei den Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme und zur Formulierung von Anträgen be- treffend den Aufenthalt von D.____ für die Dauer de s Verfahrens zu erteilen und neu zu ent- scheiden; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdege gnerin. Die Beschwerdeführerin Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht stützte sich dabei auf die Berichte des Heimes K.____ un d des Klassenlehrers von D.____ von Ende September 2012. Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Vernehmla ssung vom 6. Dezember 2012 die Ab- weisung des Antrags der Beschwerdeführerin und legte de m Schreiben einen Bericht der Er- ziehungsbeiständin von D.____, O.____, vom 4. Dezember 2012 bei. F. Mit Verfügung vom 9. Januar 2013 wies das Gerichtsp räsidium den Verfahrensantrag der Beschwerdeführerin vom 20. November 2012 um Erlass von vorsorglichen Massnahmen ab. Es verwies dabei vor allem auf den Bericht des Heims K .____ vom 25. September 2012, den Bericht des Klassenlehrers von D.____, Q.____ (R.____ Schulhaus S.____), vom 27. Sep- tember 2012, den Bericht der Beiständin vom 4. Dezember 2012 und die Ausführungen des Gesamtleiters des Heimes K.____ vom 4. Dezember 2012 und die Tatsache, dass die Abklä- rung von D.____ in Gange sei. Das Präsidium kam zum Schluss, dass die Umstände nicht so seien, dass die allfälligen Vorteile einer erneuten Ve ränderung der Wohn- und Schulform bis zum Abschluss des gerichtlichen Verfahrens die allfälligen Nachteile einer nicht optimalen Lö- sung überwiegen würden. Im April 2013 leitete die aufgrund der per 1. Januar 2013 in Kraft getretenen Änderungen des Erwachsenenschutzes, Personenrechts und Kindesrechts nunm ehr zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) die Gefährdungsm eldung der Schulleitung der Schule S.____ vom 15. März 2013 betreffend D.____ an das Kantonsgericht weiter. G. Die Gutachterinnen der KJP Dr. P.____ und die Psycho loginnen T.____ und U.____ empfahlen in ihrem Gutachten vom 17. Mai 2013 die Rückp latzierung von D.____ zur Mutter, dessen Einschulung in die Tagesschule V.____, eine sozia lpädagogische Familienbegleitung, eine enge Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt von D.____ (Dr. N.____), psychotherapeutische Einzel- und Familientherapie für die Beschwerdeführeri n und für D.____, den Beitritt von D.____ in einen Sportverein und den Wechsel in der Beistandschaft. H. Nach Eingang der Stellungnahmen der Beschwerdeführ erin und der Beschwer- degegnerin zum Gutachten, und nachdem sich die Beschwe rdeführerin einverstanden erklärt hatte, mit dem Antrag der Beschwerdegegnerin vorderhand mit weiteren Verfahrenshandlungen bis Ende Schulferien zuzuwarten, ersuchte das Kantonsge richtspräsidium am 25. Juni 2013 die Beschwerdegegnerin das Kantonsgericht über den Stand des Verfahrens bzw. die eingeleiteten Massnahmen zu informieren und allfällige Anträge zu stel len. Mit Schreiben vom 24. Juli 2013 erklärte die KESB unter anderem, dass D.____ durch die Beiständin in der V.____ Schule an- gemeldet worden sei und die Gutachterin der KJP, Dr. P.____, die nötige Empfehlung (Indikati- on) für die Finanzierung an das Amt für Volksschulen geschickt habe. Eine verbindliche Klärung der Schulsituation liege aber noch nicht vor, weshalb D .____ nach den Sommerferien noch im Heim K.____ zu bleiben habe. In ihrer Eingabe vom 8 . August 2013 beantragte die Beschwer- deführerin unter anderem, dass die KESB anzuweisen sei, mit der Schulleitung der V.____ die umgehende Einschulung von D.____ trotz nicht abgeschlosse nen Finanzierungsprozesses zu prüfen, und es sei der Beschwerdeführerin zu bewillige n, D.____ bei sich zu behalten, bis die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einschulung in die V.____ stattfinden könne. Nach Einga ng der Stellungnahme der KESB vom 9. August 2013 und der Gefährdungsmeldung des Heimes K.____ vom 30. Juli 2013 lehnte das Gerichtspräsidium die Anträge der Beschwerdeführerin v om 8. August 2013 ab, soweit diese nicht gegenstandlos geworden seien und ersuchte die Besch werdeführerin dem Gericht mitzu- teilen, ob in der Zwischenzeit ihren Anträgen gemäss Zi ffer 1 und 2 der Beschwerde vom 7. August 2012 entsprochen worden sei – wobei der Ant rag Ziffer 2 von der Beschwerdeführerin in der Zwischenzeit insofern modifiziert worden sei, als dass diese auch mit dem Eintritt in die V.____ Schule einverstanden sei – und dem Kantonsgeri cht ihre Anträge bezüglich des weite- ren Vorgehens zu stellen. I. Am 9. September 2013 teilte die Beschwerdeführeri n dem Kantonsgericht mit, dass für den 17. September 2013 eine Aussprache unter a nderem mit dem Amt für Volksschu- len und T.____, welche als Psychologin am Gutachten von D.____ mitgearbeitet habe, organi- siert worden sei. Mit Eingabe vom 26. September 2013 informierte die Beschwerdeführerin das Kantonsgericht darüber, dass die Gemeinde F.____ in ihr er Sitzung vom 25. September 2013 die Finanzierung des Schulbesuchs von D.____ in der V.___ _ Schule abgelehnt habe und bat um eine Fristerstreckung zur Einreichung der Anträge be treffend den weiteren Verlauf des Ver- fahrens. Mit Eingabe vom 10. Oktober 2013 stellte die B eschwerdeführerin mehrere Anträge betreffend das weitere Vorgehen. Mit Verfügung vom 14. Oktober 2013 wurden die Anträge der Beschwerdeführerin, es seien der sofortige Eintritt von D.____ in die V.____ Schule und die Umsetzung der Empfehlungen gemäss Ziffer 8 des Gutachten s der KJP anzuordnen, abgewie- sen, soweit darauf eingetreten werden könne, der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen und die Parteiverhandlung auf den 13. November 2013 festgesetzt. Zur Parteiverhandlung wur- den zusätzlich die Gutachterin T.____ und die Beiständin O.____ geladen. Mit Eingabe vom 24. Oktober 2013 teilte die Beschwer deführerin dem Kantonsgericht mit, dass sie gegen den Entscheid des Amtes für Volksschulen vom 14. Oktober 2013 beim Regierungs- rat Beschwerde erhoben habe. Dem beiliegenden Entschei d des Amtes für Volksschulen war zu entnehmen, dass der Antrag der Beschwerdeführerin au f Spezielle Förderung von D.____ an einer Privatschule gemäss § 46 des Bildungsgesetzes vom 6. Juni 2002 einzig mit der Be- gründung abgelehnt worden war, dass das Amt für Volksschu len auf Primarstufe ein derartiges Gesuch nur bewillige, wenn eine Kostengutsprache der Einwohnergemeinde vorliege. J. Mit Eingabe vom 22. Oktober 2013 beantragte die KE SB unter Hinweis auf einen Entscheid des Bundesgerichts, es seien zur Verhandlung e ine Vertretung des Amtes für Volks- schulen und des Gemeinderates F.____ zu laden. Dieser A ntrag wurde mit Verfügung vom 31. Oktober 2013 abgelehnt. K. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen die Beschw erdeführerin und ihre Rechtsvertreterin, W.____ als Vertreter der KESB sowie die Mitverfasserin des Gutachtens T.____ und die Beiständin O.____ als Auskunftspersonen t eil. Der beigeladene Kindsvater hat dem Kantonsgericht kurzfristig mitgeteilt, der Parteive rhandlung fern zu bleiben. Im Übrigen wird hier der Vollständigkeit halber festgehalten, da ss sich der beigeladene Kindsvater nie hat vernehmen lassen. Die Beschwerdeführerin beantragt dem Gericht, es sei die Beschwerde gut- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuheissen und es sei die KESB anzuweisen, die flankierenden Massnahmen im Sinne des Gut- achtens der KJP (ausser der Anweisung, dass D.____ die V. ____ Schule zu besuchen habe und der Änderung der Person der Beiständin) anzuordnen. Der Vertreter der KESB erklärt, dass die angefochtene Verfügung im Zeitpunkt des Erlasses gere chtfertigt gewesen sei, dass jetzt aber der Obhutsentzug und die Fremdplatzierung aufgehoben werden sollten. Er beantragt dem Kantonsgericht, die notwendigen Massnahmen im Sinne der milderen als der verfügten Mass- nahmen anzuordnen und verweist auf die Problematik der Kostenfrage bei ambulanten Mass- nahmen hin. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Die angefochtene Verfügung wurde vor Inkrafttret en der per 1. Januar 2013 in Kraft getretenen Änderung des Erwachsenenschutzes, Personenrech ts und Kindesrechts erlassen. Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung war gemäss Art. 315 Abs. 1 aZGB in Verbindung mit § 85 Abs. 1 in der bis zum 31. Dezember 2012 geltenden Fassung des Geset- zes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (aEG ZGB) vom 16. November 2006 die Vor- mundschaftsbehörde der Gemeinde F.____ für die Anord nung der vorliegend zur Diskussion stehenden Kindesschutzmassnahmen zuständig. Wurde der Obh utsentzug und gleichzeitig die Platzierung in eine Anstalt wie das Kinderheim K.____ in L.____ angefochten, so war für die Beschwerde gegen die vormundschaftliche Massnahme direkt das Kantonsgericht und nicht die Aufsichtsbehörde für Vormundschaftswesen (damals Kanton ales Vormundschaftsamt) zustän- dig (vgl. statt vieler Urteil des Kantonsgerichts [810 07 191] vom 12. September 2007 E. 1.1 - 1.4). Der angefochtene Entscheid der Vormundschaftsbehö rde wurde somit zu Recht beim Kantonsgericht angefochten. Aufgrund der per 1. Januar 2013 in Kraft getretenen Änderungen wurde die Vormundschaftsbehörde F.____ per Ende 2012 aufgehoben und neu trat an deren Stelle die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____. Gemäss dem per 1. Januar 2013 in Kraft getretenen § 66 Abs. 1 EG ZGB in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (Verwaltungsproze ssordnung, VPO) vom 16. De- zember 1993 ist das Kantonsgericht, Abteilung Verfassun gs- und Verwaltungsrecht, zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide de r Kindes- und Erwachsenenschutz- behörde (Art. 450 Abs. 1 ZGB). Nach Art. 14 Abs. 1 de s Schlusstitels des ZGB (SchlT) gilt für den Erwachsenenschutz (Erwachsenenschutz, Personenrecht un d Kindesrecht) das neue Recht mit dessen Inkrafttreten und somit per 1. Januar 2 013. Nach Art. 14a SchlT findet für hängige Verfahren das neue Verfahrensrecht Anwendung. Somit ist auch aufgrund des neuen Rechts und der Übergangsbestimmungen für die vorliegende Beschwerde das Kantonsgericht zuständig (Art. 14a Schlusstitels [SchlT] des ZGB). 1.2. Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB in Verbindung mit Art. 314 Abs. 1 ZGB sind zur Be- schwerde gegen Entscheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Personen befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Ände rung des angefochtenen Ent- scheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist Mutter des unmündigen D.____ und Inhabe- rin der elterlichen Sorge und somit zur Beschwerdeerheb ung legitimiert. Da auch die übrigen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht formellen Voraussetzungen gegeben sind, kann auf die Besch werde unter Vorbehalt der nach- folgenden Ausführungen grundsätzlich eingetreten werden. 2.1. Die Beschwerdeführerin beantragt in ihrer Beschw erde vom 7. August 2012, es sei die KESB anzuweisen, D.____ umgehend in eine heilpäda gogische Tagesschule einzuschulen (2. Rechtsbegehren) und es sei eventualiter die Besch werdegegnerin anzuweisen, D.____ bei der Tochter der Beschwerdeführerin im Sinne einer Pflegefamiliensituation zu platzieren und ihn umgehend in eine heilpädagogische Tagesschule einzuschulen (3. Rechtsbegehren). 2.2. Der Kindesschutz gliedert sich in verschiedene Bereiche . So gibt es den zivilrechtlichen Kindesschutz (vgl. z.B. Art. 307 ZGB), den strafrechtlich en Kindesschutz und weitere Bereiche des Kindesschutzes, wie insbesondere den Kindesschutz durch die Schule. Unter die zivilrechtlichen Kindesschutzmassnahmen fallen z.B . die in Art. 307 ZGB und in Art. 310 ZGB vorgesehenen Massnahmen. So trifft gemäss A rt. 307 Abs. 1 ZGB die Kindes- schutzbehörde die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kind es, wenn das Wohl des Kin- des gefährdet ist und die Eltern nicht von sich aus für A bhilfe sorgen oder sie dazu ausserstan- de sind. Die Kindesschutzbehörde kann nach Art. 307 Abs. 3 ZGB insbesondere die Eltern, die Pflegeeltern oder das Kind ermahnen, ihnen bestimmte Weisungen für die Pflege, Erziehung oder Ausbildung erteilen und eine geeignete Person o der Stelle bestimmen, der Einblick und Auskunft zu geben ist. So kann die KESB gestützt auf A rt. 307 Abs. 3 ZGB die Eltern z.B. auf- fordern, das Kind in einen Hort zu schicken, resp. einen solchen oder eine andere geeignete Betreuung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu organisi eren, schulische Nachhilfe zu akzep- tieren, dem Kind eine bestimmte Therapie zukommen zu l assen oder etwa eine pädagogische Familienbegleitung zu akzeptieren (Y VO BIDERBOST , in: Breitschmid/ Rumo-Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Personen- und Familienrecht inkl. Kindes- und Er- wachsenenschutzrecht, Art. 1 - 456 ZGB, 2. Aufl., Züri ch/Basel/Genf 2012, Rz 17 zu Art. 307 ZGB). Nach Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die KESB das Kind den Elt ern oder, wenn es sich bei Dritten be- findet, diesen wegzunehmen und in angemessener Weise unterzubringen, wenn der Gefähr- dung des Kindes nicht anders begegnet werden kann. Die K ESB hat zu bestimmen, wo das Kind untergebracht wird. In Betracht kommen Familien pflege, eine betreute Wohngruppe, Heimpflege oder eine selbständige Unterkunft (P ETER BREITSCHMID , in: Honsell/Vogt/ Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Z ivilgesetzbuch I, Art. 1 - 456 ZGB [Basler Kommentar], 4. Auflage, Basel 2010, Rz 8 zu Art. 310 ZGB). Ein Bereich des Kindesschutzes erfolgt - wie oben erwähnt - durch die Schulen. Die Lehrer bzw. die Schule haben bei Wahrnehmung von Förderungsbe dürfnissen geeignete Schritte z.B. Kontaktnahme mit den Eltern, gegebenenfalls auch dire kt mit der Kinder- und Jugendpsychiat- rie oder der KESB einzuleiten. Den Schulbehörden ste ht in ihrem Zuständigkeitsbereich - näm- lich dem Kind einen seiner Reife und seinen Fähigkeit en angepassten Unterricht zu erteilen bzw. entsprechende Stütz- und Fördermassnahmen einzulei ten und die für solche Entscheide gebotenen Untersuchungen vorzunehmen - ein selbstständiger Schutzauftrag zu. Im Gegensatz Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu dem im ZGB geregelten zivilrechtlichen und dem in die vormundschaftliche Zuständigkeit fallenden Kindesschutz handelt es sich dabei um verwaltung srechtliche Verfahren; der Eingriff bedarf der gesetzlichen Grundlage und hat dem Grundsat z der Verhältnismässigkeit zu genü- gen, was bei Zuweisung eines Kindes, welches dem Unterri cht in einer Normalklasse nicht zu folgen vermag, in eine Sonder- oder Kleinklasse bzw. j eglicher weiterer sonderpädagogischen Massnahme gegeben ist. Führt die schulische Massnahme zu ei nem über den Schulbetrieb hinauswirkenden Eingriff in das Familienleben (Einweisu ng eines Schülers in ein Sonderschul- heim), so ist für den damit verbundenen Obhutsentzug e ntweder die Zustimmung der Eltern erforderlich, oder aber er fällt als zivilrechtliche Kindesschutzmassnahme (für welche die schuli- sche Schwäche oder/und weitere Gründe Auslöser sind) in die Zuständigkeit der KESB. Unter den Behörden hat im Blick auf die Kostentragung für d ie Massnahmen ein Meinungsaustausch über die Indikation stattzufinden (PETER BREITSCHMID , a.a.O., Rz 18 zu Art. 307 ZGB). 2.3. Den obigen Ausführungen ist zu entnehmen, dass be i einer schulischen Massnahme wie die Schulheimeinweisung, welche zu einem über den Schulbebetrieb hinauswirkenden Ein- griff in das Familienleben führt, die KESB zu bestimm en hat, wo das Kind untergebracht wird. Führt die schulische Massnahme nicht zu einem über den Sch ulbetrieb hinauswirkenden Ein- griff in das Familienleben, wie z.B. die Einweisung i n eine heilpädagogische Tagesschule oder in eine Privatschule, sind grundsätzlich die Schulbehörd en für die Entscheidung betreffend ge- eignete Schulform zuständig. Daraus folgt, dass die KESB - zumindest nicht ohne die v orangegangene diesbezügliche Ent- scheidung durch die zuständige Schulbehörde - nicht den Besuch in eine heilpädagogische Tagesschule verfügen kann. Damit kann das Kantonsgericht auf die Rechtsbegehren 2 und 3 der Beschwerdeschrift (Schulbesuch an einer heilpädagogischen Tagesschule) nicht eintreten. 3. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwe rde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 4. Die KESB ist gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB dazu verpfli chtet, bei einer Gefährdung des Kindeswohls die geeigneten Massnahmen zum Schutze des Kin des zu ergreifen, wenn die El- tern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder dazu ausserstande sind. Gemäss Art. 310 Abs. 1 ZGB ist das Kind den Eltern wegzunehmen und in angem essener Weise unterzubringen, wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist, die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder dazu ausserstande sind und wenn der Gefährdung nicht anders begegnet werden kann. Die Gefähr- dung des Kindes, die Anlass zur Wegnahme von den es zu be treuenden Eltern und im beson- deren zu seiner Unterbringung z.B. in ein Heim gibt, muss darin liegen, dass das Kind in der elterlichen Obhut nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für seine körperliche, geistige und sittliche Entfaltung nötig wäre. Unerheblich ist, a uf welche Ursachen die Gefährdung zu- rückzuführen ist: Sie können in den Anlagen oder in eine m Querverhalten des Kindes, der El- tern oder der weiteren Umgebung liegen. Entscheidend ist, dass die Vorkehr das richtige Mittel zur Verwirklichung des Ziels ist; d.h. die Unterbringung in ein Heim muss besser als jene beim Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht bisherigen Obhutsinhaber Gewähr dafür bieten, dass das K ind in seiner Entfaltung geschützt und gefördert wird (BGE 5C.34/2002 vom 3. April 200 2 E. 2a; vgl. auch C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Auflage, Bern 1999, Rz 27.36). Alle Kindesschutzmassnahmen müssen erforderlich sein (Subsid iarität), und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme anzuordnen (Pro portionalität); diese sollen elterli- che Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplem entarität). Die Entziehung der elterlichen Obhut ist daher nur zulässig, wenn andere M assnahmen ohne Erfolg geblieben sind oder von vornherein als ungenügend erscheinen (Urteil des Bundesgerichts 5A_188/2013 vom 17. Mai 2013 E. 3; 5A_701/2011 vom 12. März 2012 E. 4.2.1). 5.1. Es ist zu prüfen, ob der Obhutsentzug und die Ein weisung in das Heim K.____ im Zeit- punkt des Erlasses gesetzesmässig waren. 5.2. In der Verfügung vom 21. September 2012, mit w elcher das Gesuch der Beschwerde- führerin um Erteilung der aufschiebenden Wirkung abg ewiesen wurde, hat sich das Gerichts- präsidium in den Erwägungen 4.1 bis 4.8 mit den verschiedenen Unterlagen (Schlussbericht der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel vom 9. Mai 20 11, E-Mail der Schulleitung Primar- schule und Kindergarten F.____ vom 22. September 2011 an die H.____-Geschäftsführung und Schulleiterin, Sprachheilschule I.____, Schlussbericht d es Beistandes von X.____ vom 2. Januar 2012 über den Zeitraum vom 15. April 2010 bis 2. Januar 2012, Bericht der Erzie- hungsbeiständin vom 29. März 2012, Schlussbericht der Erzi ehungsbeiständin vom Juni 2012, Bericht vom 18. Juni 2012 von J.____, Bericht vom 3. Ju li 2012 von Y.____, lic. phil. Fachpsy- chologin FSP, Erziehungsberatung und Schulspychologischer Dienst) auseinandergesetzt und hat zusammenfassend festgehalten, dass verschiedene Abkläru ngen dem angefochtenen Ent- scheid zugrunde liegen würden. Es hätten Gespräche mit de r Logopädin, dem Schulpsycholo- gischen Dienst, der Mutter, D.____, dem Lehrer und de m Schulleiter stattgefunden. Zudem sei die Beschwerdeführerin von der Familienbegleitung unte rstützt worden. Aus den Akten gehe hervor, dass sich das Kind nicht altersgerecht verhalte und sich nicht altersentsprechend entfal- te und entfalten könne und der Grund dafür im jetzigen Umfeld gesehen werde. Ein erhebliches Problem sei offensichtlich, dass die Mutter Schwierigkeit en habe, sich bei D.____ durchzuset- zen und ihn zum Schulbesuch zu motivieren und er unter anderem auch aus diesem Grund soziale und schulische Probleme habe, so dass die Schulabse nzen ein erhebliches Mass an- genommen hätten. Zudem wurden die Schulprobleme von D .____ erwähnt. Die Platzierung in ein Heim werde von allen involvierten Stellen befürwor tet. (Lediglich im Bericht der Familienbe- gleitung sei diesbezüglich nichts ausgeführt). Den Akten sei zudem zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin auch umfassende Unterstützung erhal ten habe und eine klare Besserung erzielt worden sei. Nach dem Umzug nach F.____ habe sich die Situation jedoch wieder ver- schlechtert. Das Gerichtspräsidium kam zum Schluss, dass der Obhutsentzug und die Fremdplatzierung nicht zu beanstanden seien und die Massnahme verhältnismässig sei. 5.3. Mit Schreiben vom 20. November 2012 stellte die Beschwerdeführerin unter anderem den Antrag, es sei ihr zu bewilligen, D.____ umgehend und mindestens bis zu einer Empfeh- lung der laufenden Begutachtung zu sich nach Hause zu ne hmen. Die Beschwerdeführerin Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht stützte sich dabei auf die Berichte des Heimes K.____ un d des Klassenlehrers von D.____ von Ende September 2012. Mit Verfügung vom 9. Januar 2013 setzte sich das Gerichtspräsidium mit den Berichten des Heimes K.____ vom 25. September 2012, des Klassenlehrers von D.____ vom 27. September 2012 und der Erziehungsbeistä ndin vom 4. Dezember 2012 einge- hend auseinander und lehnte die Anträge der Beschwerde führerin ab. Im Wesentlichen führte das Gerichtspräsidium aus, dass – da primär die nicht alt ersgerechte Erziehung von D.____, das mangelnde Durchsetzungsvermögen der Kindsmutter und die vielen Schulabsenzen ent- scheidende Gründe für die Fremdplatzierung gewesen seien – sich an den Gründen, die zur Fremdplatzierung geführt hätten, nichts geändert habe. Es könne diesbezüglich vollumfänglich auf die Ausführungen in der präsidialen Verfügung vo m 21. September 2012 betreffend auf- schiebende Wirkung verwiesen werden. 5.4. An der heutigen Verhandlung wird die Auskunftspe rson T.____ gefragt, ob die Vor- mundschaftsbehörde im Sommer 2012 anders hätte vorgehe n müssen. T.____ führt aus, es wäre wohl besser gewesen, wenn die Vormundschaftsbehörde mit der Beschwerdeführerin eine gemeinsame Lösung gesucht hätte, denn wenn die Mutter hinter etwas stehe, würde dies auch D.____ tun. Die Einweisung in ein Heim müsse ultima ratio sein. Zudem sei die “Einschulung“ in F.____ nicht optimal und sehr überstürzt vonstattenge gangen. An der heutigen Verhandlung haben sowohl T.____ als auch die Beschwerdeführerin ausge sagt, den Ernst der Lage seit der Fremdplatzierung erkannt zu haben. 5.5. Bezüglich der überstürzten “Einschulung“ von D.____ in F.____ ist festzuhalten, dass dies auch in den Akten verschiedentlich erwähnt wird. Wie in der Verfügung vom 21. September 2012 ausgeführt, ging D.____ bis im Herbst 2011 in d ie H.____. Er war auch in jener Schule sehr oft dem Schulunterricht fern geblieben. Des Weiter en geht aus den Akten hervor, dass D.____ nach dem Umzug nach F.____ vorläufig weiterhin die H.____ hätte besuchen können und trotz der Empfehlung von Y.____ (und wie dem Gut achten der KJP zu entnehmen ist auch des ehemaligen Beistandes von D.____, Herrn Z.____) die Mutter und die H.____ die Zusam- menarbeit dann per sofort abgebrochen hätten, worauf in der Schule F.____ sofort ein mög- lichst geeigneter Schulplatz angeboten worden sei. Aus d en Akten ist ersichtlich, dass die Mut- ter den Schulweg als zu lange erachtete. Es ist somit fes tzuhalten, dass die Mutter durch ihr Verhalten den nicht optimalen Übergang in die Schule in F.____ mitverschuldet hat. 5.6. Das Gesamtgericht kommt aus den bereits in den Verf ügungen vom 21. September 2012 und vom 9. Januar 2013 ausgeführten Argumenten, dem Gutachten und den heutigen Ausführungen der Parteien zum Schluss, dass die angefocht ene Verfügung im Zeitpunkt ihres Erlasses rechtmässig war. Aufgrund der schon lange andauer nden Probleme unter anderem mit dem mangelhaften Schulbesuch, den vielfältigen, zu m Teil intensiven und langjährigen am- bulanten Massnahmen, welche dem Obhutsentzug vorangegang en waren, und vor allem der nicht unbeachtlichen Verschlechterung der Situation na ch dem Umzug in F.____ – und somit bereits nach Vollzug einiger ambulanten Massnahmen, di e vorerst auch eine Besserung der Situation erzielt hatten – nicht zu beanstanden ist, d ass die Vormundschaft im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung nicht weiterhin mi ldere Massnahmen als den Obhuts- entzug und die Fremdplatzierung verfügt hat. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1. Als nächstes ist zu prüfen, ob die angefochtene Ver fügung auch heute noch zu schützen ist. 6.2. Im umfangreichen Gutachten der KJP vom 17. Mai 2013 halten die Gutachterinnen Dr. P.____, Chefärztin, und die Psychologinnen T.____ und U.____ fest, dass D.____s kogniti- ve Leistungsfähigkeit verglichen mit der Altersnorm im Durchschnittbereich liege. Seine Auf- merksamkeitsleistungen seien teils auffällig. Die vorliege nden Befunde würden Hinweise für Teilaspekte eines ADS liefern. Durch die emotionalen B elastungen werde die Schwierigkeit der Aufmerksamkeitsaufrechterhaltung verstärkt. Der klinische Ein druck weise vor allem auf ein auffälliges Verhalten in Situationen von Unsicherheit h in. D.____ sei ein feinfühliger Junge, der sensibel auf sein Umfeld reagiere. Die Gutachterinnen g ingen davon aus, dass sich die Auf- merksamkeitsleistungen verbessern würden, wenn sich die emotionalen Belastungen stabilisiert hätten. D.____ zeige eine grosse Selbstwertproblematik. Diese Unsicherheiten würden auch im sozialen Kontext deutlich. Sozial sei D.____ nur bedingt integriert. Es falle ihm schwer Freund- schaften zu knüpfen und aufrecht zu erhalten. Es sei in diziert, Massnahmen zur Förderung der sozialen Interaktionen zu vollziehen. Im emotionalen Bereich neige D.____ dazu, auf emotiona- le Belastungen mit psychosomatischen Symptomen zu reagiere n. Die derzeitige Heim- und Schulsituation belaste D.____ sehr. Er leiste einen pa ssiven Widerstand gegenüber der unfrei- willigen Platzierung, indem er sich durch sein Verhalte n verweigere. Dies geschehe einerseits durch seine Langsamkeit, andererseits durch seine negati ven Verhaltensweisen in der Schule. Die Heimeinweisung sei für D.____s Persönlichkeitsentwicklu ng nicht förderlich. Ihre Abklä- rungsergebnisse würden zeigen, dass es D.____ im Heim ga r nicht gut gehe, weil weder er noch die Mutter einer Fremdplatzierung zugestimmt hät ten, noch diesbezüglich adäquat infor- miert worden seien und am Platzierungsprozess hätten akt iv teilhaben können. Unter den aktu- ellen gegebenen Bedingungen würden sie D.____ im Hei m in seiner weiteren persönlichen Entwicklung gefährdet sehen. Des Weiteren wird ausgeführt, dass sich die starke und en ge Bindung zwischen D.____ und seiner Mutter aufgrund ihrer Einschätzung nicht durch e ine von aussen erzeugte Trennung lo- ckern liesse. Nur eine wiedergefundene, auch räumliche Nähe, könne D.____ die Möglichkeit und Sicherheit für ein ihn stärkendes Explorationsverhal ten geben. Diese wieder gewonnene Nähe wiederum solle als Basis für eine beidseitige Auto nomieentwicklung dienen. Die Erzie- hungsfähigkeit der Beschwerdeführerin wurde klar bejah t. Die Gutachterinnen erachteten eine sozialpädagogische Familienbegleitung für die Beschwerde führerin als sehr hilfreich. Die Fremdplatzierung wurde zur Sicherstellung des Kindeswoh ls als nicht notwendig erachtet. Die Gutachterinnen kamen zum Schluss, dass der Umzug, der dami t verbundene Schulwechsel und die Heimeinweisung auf D.____ extrem destabilisierend gewirkt hätten und sich negativ auf seine psychische, emotionale und soziale Entwicklung ausge wirkt hätten. Sie würden deshalb eine ambulante Lösung befürworten, mit welcher auch d ie Mutter einverstanden sei und emp- fahlen die Rückplatzierung von D.____ zur Mutter, dessen Einschulung in die Tagesschule V.____, eine sozialpädagogische Familienbegleitung, ei ne enge Zusammenarbeit mit dem Kin- derarzt (Dr. N.____) von D.____, psychotherapeutische E inzel- und Familientherapie für die Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführerin und für D.____, den Beitritt von D .____ in einen Sportverein und den Wechsel in der Beistandschaft. 6.3. Das Gutachten kommt klar zum Schluss, dass der Obhut sentzug aufzuheben ist und D.____ wieder bei der Mutter wohnen soll. Wie die n ach dem Erstellen des Gutachtens von der KESB in die Wege geleiteten Schritte und die heutige n Ausführungen des Vertreters der KESB zeigen, befürwortet auch die KESB die Rückplatzierung vo n D.____ zu seiner Mutter. Auch an- lässlich der heutigen Ausführungen bestätigt die Gutachterin T.____, dass eine Rückplatzierung von D.____ mit Begleitmassnahmen angezeigt ist, dass die Beschwerdeführerin sehr wohl er- ziehungsfähig ist, jedoch Unterstützung brauche und dass eine Massnahme nur dann erfolgver- sprechend sein könne, wenn die Mutter hinter diese stehen könne, da D.____ sich auch nur auf eine Massnahme einlassen könne, wenn er die positive Einstellung der Mutter spüre. Anlässlich der Verhandlung wurde auch ausgeführt, dass sowohl D.__ __ als auch die Mutter durch die Fremdplatzierung von D.____ den Ernst der Lage und d ie Wichtigkeit des Schulbesuchs einge- sehen hätten. 6.4. Das Gericht darf praxisgemäss in Fachfragen nicht o hne triftige Gründe von Gutachten abweichen (BGE 133 II 384 mit Hinweisen, KGE VV [810 11 264] vom 15. Februar 2012 E. 5.1). Die Gutachterinnen zeigen schlüssig auf, inwiefern die F remdplatzierung dem Kindswohl wider- spricht und die Kindsmutter mit der nötigen Unterstützu ng sehr wohl erziehungsfähig, lernfähig und lernwillig ist. Vorliegendenfalls gibt es keine Anh altspunkte dafür, vom Gutachten in Bezug auf die Aufhebung des Obhutsentzugs und der Fremdplatzie rung abzuweichen. Überdies hat sich auch die KESB nicht für die Aufrechterhaltung des O bhutsentzugs und der Fremdplatzie- rung ausgesprochen. Da aufgrund des Gutachtens die Au frechterhaltung der Fremdplatzierung dem Kindeswohl widerspricht und die erhofften und erw ünschten Ziele mit milderen Massnah- men – wie z.B. unter anderem die Errichtung einer sozia lpädagogischen Familienbegleitung – als den angefochtenen erzielt werden können, ist die an gefochtene Verfügung aufzuheben. Die KESB wird im Rahmen ihrer gesetzlichen Pflichten die notwendigen Massnahmen verfügen und umsetzen müssen. Dabei stellt das Gutachten eine Leitp lanke dar, welche Massnahmen zu treffen sind. Die KESB ist im Rahmen ihrer Entscheidkom petenz aber frei, von den empfohle- nen Massnahmen abzuweichen und andere gleichwertige Ma ssnahmen bzw. Lösungen zu fin- den. 6.5. Es gilt noch festzuhalten, dass die Beschwerdeführe rin anlässlich der heutigen Ver- handlung klar ausgeführt hat, dass sie in der Zwischenzei t ein gutes Verhältnis zur Beiständin aufgebaut hat und sie – im Gegensatz zu der zwischenzeitlic h überholten Empfehlung im Gut- achten der KJP – keine Änderung der Person der Beiständi n mehr wünscht. Die Beiständin ih- rerseits hat erklärt, von ihrer Seite her nie Probleme mit der Beschwerdeführerin gehabt zu ha- ben. 7.1. Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Di esbezüglich wird vorerst festgehal- ten, dass der beigeladene Kindsvater bei der Kostenverte ilung unberücksichtigt bleibt, da er sich nicht am Verfahren beteiligt hat. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2. Gestützt auf § 20 Abs. 1 VPO in Verbindung mit § 20 Abs. 3 VPO können der Vor- instanz im vorliegenden Fall keine Kosten auferlegt werden. Unter Beachtung, dass die in der angefochtenen Verfüg ung angeordneten Massnahmen im Zeitpunkt des Erlasses rechtmässig waren, dies jedoch im B eurteilungszeitpunkt nicht mehr sind, rechtfertigt es sich, die Verfahrenskosten in der G esamthöhe von 18'325.-- (bestehend aus einer Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 1'800.-- und Expertisekosten in der Höhe von Fr. 16'525.--) zur Hälfte der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin wird der auf sie anfallende Verfahrenskostenanteil in der Höhe von Fr. 9'162.50 (bestehend aus einem Gerichtsgebührenanteil in der Höhe von Fr. 900.-- und einem Expertisekostenanteil in der Höhe von Fr. 8'262.50) auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung geht dieser Verfahrenskostenanteil zu Lasten der Gerichtskasse. Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie zur Nachzahlung verpflicht et ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Ger ichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Der auf die Vorinstanz hypothetisch anfallende Gerichts gebührenanteil in der Höhe von Fr. 900.-- wird – da der Vorinstanz keine Kosten auferl egt werden können – nicht erhoben. Die Hälfte der von der KJP in Rechnung gestellten Expertise kosten und somit Fr. 8‘262.50 gehen aus demselben Grund zu Lasten der Gerichtskasse. 7.3. Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Pa rteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Die Beschwerdeführer in hat insofern obsiegt, als dass der Obhutsentzug im heutigen Zeitpunkt nicht mehr aufrechte rhalten werden kann. Somit ist eine Übernahme der hälftigen Parteikosten der Beschwerdeführerin durch die KESB gerechtfertigt. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin macht in ihrer Honorarnote vom 24. Oktober 2013 einen Aufwand von 27.25 Stunden sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 115.-- zuzüglich 8% Mehrwertsteuer geltend. Wie der Auflistung der Be mühungen zu entnehmen ist, fallen ge- wisse Arbeitsbemühungen in die Zeit vor Erlass und Erhal t der angefochtenen Verfügung. Das Kantonsgericht erachtet demzufolge eine pauschale Redukti on auf 20 Stunden als gerechtfer- tigt. Der Rechtsvertreterin werden für die Vorbereit ung der heutigen Verhandlung und die Teil- nahme an der heutigen Verhandlung drei Stunden ange rechnet, so dass ein Arbeitsaufwand von 23 Stunden resultiert. Gestützt auf die Tarifordnun g ist ein Stundenhonorar von Fr. 250.-- angemessen (vgl. § 3 der Tarifordnung für die Anwälti nnen und Anwälte vom 17. November 2003). Damit hat die KESB der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine reduzierte Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. Fr. 3'167.10 (1 1.5 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Ausla- gen in der Höhe von Fr. 57.50 und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der u nentgeltlichen Verbeiständung wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'297.70 (11.5 Stun- den à Fr. 180.-- zuzüglich Auslagen in der Höhe von Fr. 57.50 und 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Die Beschwerdeführerin, w ird auch bezüglich der Parteikosten Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie zur Nachzahlung ve rpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 GOG). Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen g utgeheissen, soweit darauf eingetreten werden kann, und der Entscheid der Vormund- schaftsbehörde F.____ vom 26. Juli 2012 aufgehoben. 2. Der Beschwerdeführerin wird ein Verfahrenskostenant eil in der Höhe von Fr. 9'162.50 (bestehend aus einem Gerichtsgebührenantei l in der Höhe von Fr. 900.-- und einem Expertisekostenanteil in der Höhe von Fr. 8'262.50) auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung geht der Verfah- renskostenanteil zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'167.10 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen werden di e Parteikosten wettgeschl agen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird der Rechts- vertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'297.70 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Gerichts- kasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin