Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. August 2020 (720 19 267 / 201) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Rückweisung zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Daniel Tschopp, Advo- kat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1964 geborene, zuletzt als Handelsreisende für die B.____ AG tätig gewesene A.____ meldete sich am 13. Dezember 2007 unter Hinwei s auf die Folgen eines Meniskus- schadens am rechten Knie, der nach einem Unfall im Jahr 2 005 festgestellt worden sei, bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Lei stungen an. Nach Abklärung der beruflichen und erwerblichen Verhältnisse der Versi cherten ermittelte die IV-Stelle Basel- Landschaft - im Wesentlichen gestützt auf die Ergebni sse des von ihr eingeholten Gutachtens des Zentrums für Medizinische Begutachtung (ZMB) vom 1 4. Juli 2016 - folgende Invaliditäts- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht grade: ab 30. Mai 2008: 100%, ab 4. Mai 2009: 7 %, ab 4. November 2009: 100 %, ab 1. Au- gust 2010: 54 %, ab 28.Dezember 2011: 100 % und ab 7. Mai 2016: 7 %. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle A.____ nach durchgefüh rtem Vorbescheidverfahren mit Verfü- gung vom 20. Juni 2019 folgende befristete Renten zu: Vom 1. Mai 2008 bis Ende August 2009 und vom 1. November 2009 bis Ende Oktober 2010 jeweils e ine ganze Rente, vom 1. Novem- ber 2010 bis Ende Februar 2012 eine halbe Rente und vom 1. März 2012 bis Ende August 2016 wiederum eine ganze Rente. Gleichzeitig hielt si e fest, dass ab 1. September 2016 kein Rentenanspruch mehr bestehe. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Daniel Tschopp, am 22. August 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilu ng Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung teilweise aufzuheben und es sei ihr ab Dezember 2006 bis auf Weiteres eine ganze IV-Rente auszurichten. Zudem seien ihr die unentgeltliche Prozessführung und die unentgel tliche Verbeiständung mit ihrem Rechts- vertreter zu bewilligen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 3. Oktober 2019, der si e eine Aktennotiz und einen Be- richt von pract. med. C.____, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 3. bzw. vom 10. September 2019 beilegte, beantragte die IV-Stel le, das Beschwerdeverfahren sei als erle- digt von der Kontrolle abzuschreiben. Nach Einsichtnahme in die aktuellsten Suva-Akten habe man festgestellt, dass sich die Befunde und die Funktionsfähigkeit des rechten Kniegelenks seit der letzten, Mitte 2016 im ZMB erfolgten Begutachtung der Versicherten relevant verschlechtert hätten. Ob und in welchen Disziplinen erneute Abklärung en notwendig seien, sei nach Einho- lung aktueller Berichte der behandelnden Ärzte zu beur teilen. Die IV-Stelle ersuchte das Kan- tonsgericht deshalb, die Beschwerdeführerin anzufragen , ob sie mit der Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen einverstanden sei. D. Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Eingabe vom 24. Oktober 2019 geltend, sie gehe davon aus, dass die IV-Stelle lediglich das orthopädische Teilgutachten des ZMB als nicht (mehr) beweistauglich erachte und ansonsten am ZMB-Gutachten festhalten möchte. Sie , die Versicherte, sei aber mit dem ZMB-Gutachten insgesamt nicht einverstanden. Sie könne sich jedoch dem Vorschlag der IV-Stelle anschliessen, sofern d iese umfassend die Beweisuntaug- lichkeit des ZMB-Gutachtens anerkenne und eine neue Begut achtung - keine Verlaufsbegut- achtung - bei einer bisher nicht involvierten medizinische n Institution in Auftrag gebe. Zudem müsse vor der Begutachtung die Aktenlage vollumfänglich aktualisiert werden und die IV-Stelle habe sämtliche Kosten für das Gerichtsverfahren zu tragen . Alle diese Bedingungen müssten kumulativ erfüllt sein. Im Weiteren zog die Beschwerdeführerin in dieser Eingabe ihr Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und de r unentgeltlichen Verbeiständung zu- rück. E. Mit Eingabe vom 8. November 2019 teilte die IV-S telle mit, dass sie teilweise auf die Forderungen der Beschwerdeführerin eingehen könne. S o handle es sich bei dem künftig ein- zuholenden Gutachten aufgrund der zeitlichen Distanz von mehr als zwei Jahren nicht mehr um ein Verlaufsgutachten im engeren Sinne, eine Folgebeg utachtung durch das ZMB sei deshalb Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht angezeigt. Nach einer Aktualisierung der Aktenlage sei vielmehr eine erneute Begutach- tung bei einem bislang nicht involvierten medizinischen In stitut in Auftrag zu geben. Dem ZMB- Gutachten vom 14. Juli 2016 komme allerdings, soweit es um die Beurteilung des damaligen Gesundheitszustands gehe, weiterhin voller Beweiswert zu. Gleichzeitig legte die IV-Stelle ihren Ausführungen eine weitere Beurteilung der RAD-Ärztin pract. med. C.____ vom 5. November 2019 bei. Die Beschwerdeführerin wiederum reichte am 18. November 2019 einen aktuellen Bericht der Klinik D.____ vom 15. November 2019 ein. F. Mit einer zweiten Vernehmlassung vom 22. Januar 202 0 beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei teilweise gutzuheissen. Bis mindestens z um Untersuchungszeitpunkt sei je- doch auf das nicht zu beanstandende ZMB-Gutachten vom 1 4. Juli 2016 abzustellen. In der Folge sei es aber zumindest aus somatischer Sicht zu einer relevanten Verschlechterung des Gesundheitszustands gekommen. Es seien deshalb weitere m edizinische Abklärungen ange- zeigt. In dieser Eingabe stützte sich die IV-Stelle auf eine weitere RAD-Einschätzung von pract. med. C.____ vom 17. Dezember 2019. G. Am 12. Februar 2020 reichte die Beschwerdeführerin einen aktuellen Bericht von Dr. med. E.____, Oberarzt, Klinik D.____, vom 10. Feb ruar 2020 ein. Die IV-Stelle nahm am 7. April 2020 dazu Stellung, wobei sie ihre Ausführu ngen auf eine weitere Einschätzung der RAD-Ärztin pract. med. C.____ vom 24. Februar 2020 un d auf eine Stellungnahme des RAD- Arztes pract. med. F.____, Facharzt für Psychiatrie und P sychotherapie, vom 28. März 2020 stützte. H. Anlässlich der Urteilsberatung vom 2. Juli 2020 zog das Kantonsgericht in Betracht, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenhe it zur nochmaligen Abklärung des medizinischen Sachverhalts und anschliessender Neuentscheid ung an die IV-Stelle zurückzu- weisen. Unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtspr echung, wonach der Beschwerde führenden Partei auch dann Gelegenheit zum Rückzug der B eschwerde zu geben ist, wenn eine rentenzusprechende Verfügung aufgehoben und die Sache zu weiterer Abklärung und neuer Entscheidung an die IV-Stelle zurückgewiesen werde n soll (BGE 137 V 314), beschloss es, den Fall auszustellen und der Versicherten vorab Gel egenheit zu geben, ihre Beschwerde zurückzuziehen. I. Mit Eingabe vom 5. August 2020 teilte die Versicher te mit, dass sie an der Beschwerde festhalte. Gleichzeitig ersuchte sie darum, im Hinblick au f die beabsichtigten weiteren Abklä- rungen der bisherigen überlangen Verfahrensdauer Rec hnung zu tragen. Eine kommende Be- gutachtung sollte deshalb zielgerichtet, bidisziplinär ( Orthopädie/Psychiatrie) und insbesondere durch einen "ADHS-Spezialisten" erstellt werden. K. An der parteiöffentlichen Sitzung vom 2. Juli 2020 , bei welcher die Versicherte als Zu- hörerin zugegen war, beriet das Kantonsgericht einlässlic h über deren Beschwerde. Der Fall wurde damals lediglich deshalb ausgestellt, weil der Versicherten vor der Urteilsfällung noch die Möglichkeit eingeräumt werden musste, allenfalls ihre Be schwerde zurückzuziehen. In der Zwi- schenzeit erklärte die Versicherte am 5. August 2020, dass sie an ihrem Rechtsmittel festhalte. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auch wenn die Beschwerdeführerin in dieser Eingabe zu sätzlich noch auf Aspekte hinwies, die aus ihrer Sicht bei den in Betracht gezogenen weiteren Abklärungen zu beachten seien, ist es unter den geschilderten Umständen vertretbar, von der Ansetzung einer erneuten Urteilsbera- tung abzusehen und den vorliegenden Entscheid mit der selben personellen Besetzung des Spruchkörpers auf dem Zirkulationsweg zu fällen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf di e Beschwerde der Versicherten vom 22. August 2019 ist demnach einzutreten. 1.2 In ihrer Vernehmlassung vom 3. Oktober 2019 beant ragte die IV-Stelle, das Beschwer- deverfahren sei als erledigt von der Kontrolle abzuschrei ben. Zur Begründung gab sie an, sie sei zur Erkenntnis gelangt, dass zusätzliche Abklärungen zum Gesundheitszustand notwendig seien. Wie aus den nachfolgenden Eingaben der Parteien hervorgeht, besteht nun allerdings keine Einigkeit bezüglich des Zeitraums, für den weitere Abklärungen notwendig sind, und auch bezüglich der fachlichen Ausrichtung der medizinischen Ab klärungen stimmen die Parteien nicht überein. Zudem unterscheiden sich ihre Standpunkte bezüglich der beweisrechtlichen Verwertbarkeit des ZMB-Gutachtens vom 14. Juli 2016 i n erheblichem Masse. Während die IV- Stelle bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts bis mindestens zum Untersuchungs- zeitpunkt auf diese Expertise abstellen möchte, ist d ie Versicherte mit diesem Gutachten insge- samt nicht einverstanden. Vor diesem Hintergrund kommt eine - auch nur teilweise - Abschrei- bung des Verfahrens infolge Gegenstandslosigkeit nicht in Frage (vgl. im Übrigen zur Unteilbar- keit des Streitgegenstands "Rentenanspruch": BGE 131 V 164 E. 2.2). Die IV-Stelle hielt denn auch im weiteren Verlauf des Beschwerdeverfahrens nicht mehr an ihrem Abschreibungsantrag fest, sondern sie beantragt mittlerweile eine teilwei se Gutheissung der Beschwerde hinsichtlich des Abklärungsbedarfs für den Zeitraum nach der ZMB-Begutachtung. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 4.2 Zu ergänzen ist, dass das Bundesgericht mit BGE 143 V 418 entschieden hat, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukt urierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses Verfahren de finiert systematisierte Indikatoren, die - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Bela stungsfaktoren einerseits und Kom- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht pensationspotentialen (Ressourcen) anderseits - im Reg elfall erlauben, das tatsächlich erreich- bare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch zu beurteilen (BGE 141 V 281 E. 3.6). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostische n Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 5.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszusta nds und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten das ZMB-Gutachten vom 14. Juli 2016 ei n, das Abklärungen in den Fachbe- reichen der Inneren Medizin, der Orthopädie und der P sychiatrie beinhaltet. Die Gutachter er- hoben darin als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbe itsfähigkeit eine chronische Gonalgie rechts mit multidirektionaler ligamentärer Instabilit ät und veränderter Belastbarkeit. Als Leiden ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden in erster Linie eine hyperkinetische Störung (anamnestisch; ICD-10 F90), eine Panikstörung (ICD-10 F 41.0), eine Benzodiazepinabhängig- keit (ICD-10 F13.26), eine akzentuierte Persönlichkeit ( ICD-10 F61.1) sowie ein chronisches Schultersyndrom rechts und ein chronisches vertebrogenes C ervikalsyndrom mit paravertebral- en Tendomyosen diagnostiziert. In Bezug auf die Arbei tsfähigkeit gelangten die Gutachter zur Auffassung, dass die Explorandin in der zuletzt ausgeübt en Tätigkeit als Aussendienstmitarbei- terin im Verkauf von Werbeflächen uneingeschränkt arbeit sfähig sei. Auch für andere Arbeiten mit leichter körperlicher Belastung, ohne längere Gehstr ecken, ohne längeres Stehen, ohne regelmässige Belastungen des rechten Kniegelenks, ohne reg elmässige Tätigkeiten über Schulterhöhe und ohne stärkere Belastungen der Arme bestehe eine uneingeschränkte Arbeits- fähigkeit. 5.2 In der angefochtenen Verfügung vom 20. Juni 201 9 stützte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlich en auf die Ergebnisse dieses ZMB- Gutachtens vom 14. Juli 2016. Im Laufe des vorliegenden Beschwerdeverfahrens gelangte sie jedoch zur Auffassung, dass es bei der Versicherten nach Erstellung dieses Gutachtens - aber noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung - aus soma tischer Sicht zu einer relevanten Ver- schlechterung des Gesundheitszustands gekommen sein könnte. D arum seien weitere medizi- nische Abklärungen angezeigt. Bis zum Zeitpunkt der Unt ersuchungen im ZMB könne jedoch vollumfänglich auf die Ergebnisse abgestellt werden, zu denen das ZMB-Ärzteteam gelangt sei. Der ZMB-Expertise vom 14. Juli 2016 komme mit anderen Worten für den damaligen Gesund- heitszustand weiterhin voller Beweiswert zu. Dieser vorinstanzlichen Beurteilung des medizini- schen Sachverhalts kann nun aber aus den nachfolgenden Gründen nicht gefolgt werden. 6.1 Der Beweiswert des ZMB-Gutachtens wird als erstes dur ch den Umstand beeinträch- tigt, dass dieses lediglich die Entwicklung des medizinische n Sachverhalts bis zum 14. Juli 2016 berücksichtigt und die Rentenverfügung jedoch erst i m Juni 2019 ergangen ist. Massge- bend für die Beurteilung des Rentenanspruchs ist aber der ganze Zeitraum bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung. In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung, dass sich laut den Suva-Akten die Befunde und die Funktionsfähigkeit des rechten Kniegelenks seit der Begutach- tung im ZMB verschlechtert haben könnten. Das ZMB-Gutach ten stellt deshalb in somatischer Hinsicht bezüglich des Zeitraums von Juni 2016 bis Juli 20 19 keine zuverlässige Entscheid- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht grundlage dar. Dies wird auch von der Beschwerdegegneri n nicht in Frage gestellt, ist sie doch ebenfalls der Auffassung, dass in somatischer Hinsicht - jedenfalls in Bezug auf die Entwicklung des medizinischen Sachverhalts nach Verfügungserlass - we itere medizinische Abklärungen erforderlich sind. 6.2.1 Was den psychischen Gesundheitszustand betrifft, stell en sich Fragen nicht nur in Be- zug auf dessen Entwicklung seit der Begutachtung, sondern ganz generell auch hinsichtlich der im Raum stehenden Diagnosen und deren Schweregrad. Wäh rend im ZMB-Gutachten der Schluss gezogen wird, dass keine Hinweise auf eine schwer ere psychiatrische Problematik mit Funktionsstörungen zu finden seien, hält Dr. E.____ in seinem Bericht vom 10. Februar 2020 fest, dass die Beschwerdeführerin seit längerem unter einem komplexen und offensichtlich während langer Zeit unerkannt gebliebenen schwerwiegenden psychisc hen Status leide . Seines Erach- tens leide die Versicherte an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Ausserdem geht e r von einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptom e, einer Panikstörung, einer grossen Symptombelastung aus dem ADHS und einer Substanz gebrauchsstörung aus. Auf- grund dieser Leiden attestiert Dr. E.____ der Versicherten - im Gegensatz zum ZMB-Gutachten - eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Liegen bei der Beschwerdeführerin aber, wie dies Dr. E.____ annimmt, tatsächlich eine Borderline-Persö nlichkeitsstörung und eine schwere de- pressive Episode vor, so dürfte die Einschätzung der Arbe itsfähigkeit durch die ZMB-Gutachter nicht nur aktuell, sondern auch bezogen auf den Untersu chungszeitpunkt im Jahr 2016 kaum haltbar sein. In diesem Fall müsste davon ausgegangen werden, dass wohl schon damals eine schwerwiegendere psychische Gesundheitsstörung bestanden hat. 6.2.2 Unsicherheiten bezüglich der im ZMB-Gutachten gest ellten psychiatrischen Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestehe n sodann auch deshalb, weil das Akti- vitätsniveau der Beschwerdeführerin im Alltag - im Geg ensatz zur Würdigung im ZMB- Gutachten - durchaus als eingeschränkt imponiert. Die Versi cherte kocht regelmässig für zwei psychisch erkrankte Freunde, denen sie dann das Essen vorbeib ringt, und sie produziert Le- bensmittel, die sie gelegentlich auf dem Markt verkauft. Bei diesen Tätigkeiten muss sie jedoch, was im ZMB-Gutachten nicht berücksichtigt ist, nicht in ei nem Team funktionieren und sie hat diesbezüglich keine Arbeitspflicht und somit auch keinen Druck. Zu berücksichtigen ist sodann, dass der früher behandelnde Psychologe lic. phil. G.____ (vgl. dessen Berichte vom 7. November 2013 und 31. März 2015) und die involvierte n Psychiater Dr. med. H.____, Psy- chiatrie und Psychotherapie FMH, im Bericht vom 2. Januar 2018 und Dr. med. I.____, Psychi- atrie und Psychotherapie FMH, im Bericht vom 14. August 2018 schwerwiegendere Diagnosen gestellt und weit erheblichere Einschränkungen festgestellt haben als die ZMB-Gutachter. 6.2.3 Zu berücksichtigen ist schliesslich die letzte, von pra ct. med. F.____ erstellte RAD- Beurteilung vom 28 . März 2020. Darin weist der genannte Facharzt darauf hi n, dass die von Dr . E.____ gestellten Diagnosen fachärztlich erhoben worden seien und durch Testdiagnostik zum Teil untermauert würden, weshalb sie "prima vista" n icht in Zweifel zu ziehen seien. Es werde daher gutachterlich zu klären sein, welche psychiatri schen Diagnosen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten und wie der zeitliche Verlau f der Arbeitsunfähigkeit in Relation mit dem Längsschnitt der psychischen Störungen einzuordnen sei . Mit dieser Beurteilung anerkannt somit Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch der RAD, dass der medizinische Sachverhalt aus psychiatrischer Sicht einer nochmaligen, umfassenden fachärztlichen Abklärung bedarf. 6.3 In Anbetracht der geschilderten diskrepanten medizini schen Einschätzungen lässt sich der Rentenanspruch der Versicherten nicht zuverlässig prüf en. Diese Feststellung gilt nicht nur in masslicher, sondern auch in zeitlicher Hinsicht, denn a uch in Bezug auf den Rentenbeginn sind zusätzliche Abklärungen notwendig. Die IV-Stelle g eht in ihrer Verfügung von einem Un- terbruch der Arbeitsunfähigkeit aus und legt den Rente nbeginn deshalb nach neuem Recht auf den 1. Mai 2008 fest. Was die allfälligen Einschränkung en in der Arbeitsfähigkeit in der Zeit vor 1. Mai 2008 betrifft, werden allerdings erst weitere fachärztliche Abklärungen die notwendigen Aufschlüsse bringen, so dass heute auch der Rentenbeginn noch nicht festgelegt werden kann. 6.4 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die vorhan dene medizinische Akten- lage keine abschliessende Beurteilung des Rentenanspru chs der Versicherten zulässt. Die Ab- klärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren sind mit andern Worten nicht ausreichend beweiskräftig, der relevante medizinische Sachverhalt be darf vielmehr weiterer Abklärung. Die IV-Stelle, an welche die Angelegenheit zurückzuweisen ist, hat in einem ersten Schritt die me- dizinische Aktenlage zu aktualisieren und danach ein weite res Gutachten zum aktuellen Ge- sundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit der Versicherten einzuholen. Dabei geht es - entge- gen der Ansicht der IV-Stelle - nicht nur um die Klär ung der Frage, ob und - gegebenenfalls - in welchem Umfang sich die Befunde und die Funktionsfähigke it des rechten Kniegelenks seit der Begutachtung im ZMB verschlechtert haben. Vielmehr bed ürfen der somatische und der psy- chische Gesundheitszustand der Versicherten insgesamt - und zwar für den gesamten Zeitraum ab dem frühestmöglichen Rentenbeginn - einer nochmali gen, umfassenden gutachterlichen Abklärung. Diese neue Begutachtung ermöglicht es im Übri gen auch, den Anforderungen an das mittlerweile bei allen psychischen Leiden zu beachtende strukturierte Beweisverfahren (vgl. dazu E. 4.2 hiervor) Rechnung zu tragen. Festzuhalt en bleibt sodann, dass für die Erstellung dieses neuen Gutachtens das vorbefasste ZMB nicht in Frage kommt. 6.5 In ihrer abschliessenden Stellungnahme vom 5. August 2020 ersuchte die Beschwer- deführerin darum, "im Hinblick auf die beabsichtigten weiteren Abklärungen der bisherigen überlangen Verfahrensdauer Rechnung zu tragen." Eine kommende Begutachtung sollte des- halb zielgerichtet, bidisziplinär (Orthopädie/Psychiatrie ) und insbesondere durch einen "ADHS- Spezialisten" erstellt werden. Dieses Anliegen erweist sich als begründet. Insbesondere erweist es sich in Anbetracht der im Raum stehenden Diagnosen als ausreichend, die erforderlichen medizinischen Abklärungen nicht (mehr) im Rahmen eines polydisziplinären, sondern in Form eines bidisziplinären, orthopädisch/psychiatrischen Gutach tens vornehmen zu lassen. Ebenso dürfte es richtig sein, mit der Erstellung des psychiat rischen Fachteils des Gutachtens nach Möglichkeit eine fachärztliche Person zu beauftragen, di e über Erfahrungen mit der Diagnostik und der Behandlung der ADHS verfügt. 6.6 Somit ist als Ergebnis festzuhalten, dass die Beschwerd e in dem Sinne gutzuheissen ist, als die angefochtene Verfügung vom 20. Juni 2019 a ufzuheben und die Angelegenheit zur Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Er lass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückzuweisen ist. 7.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 215 E. 6.2, je mit Hinweisen). 7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 7.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin hat in seinen Honorarnoten vom 22. Oktober 201 9 und 12. Februar 2020 für das vorlie- gende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 18 St unden und 40 Minuten geltend ge- macht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen und des um- fangreichen Schriftenwechsels als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozi- alversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fäl le zur Anwendung gelangen- den Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in den beiden Honorarnoten ausgewiesenen Auslagen im Gesa mtbetrag von Fr. 99.50. Der Be- schwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5‘133.15 (18 Stunden und 40 Minuten à Fr. 250.-- + Auslagen vo n Fr. 99.50 zuzüglich 7,7 % Mehrwert- steuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid a n den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 20. Juni 2 019 aufgeho- ben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die I V-Stelle Basel- Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 5‘133.15 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht