<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zur Forschung nach Ersatzmethoden und 3R-Forschung zu beantworten:</p><p>1. Wie gedenkt er aufgrund des derzeitigen Forschungsstillstands auf dem Gebiet der 3R, insbesondere betreffend Ersatzmethoden/Forschung ohne belastende Tierversuche, den europäischen und internationalen Anschluss als Bildungs-, Wirtschafts- und Forschungsstandort nicht zu verpassen?</p><p>2. Welche Möglichkeiten sieht er vor, um innovative 3R-Forscher, insbesondere solche, welche an Ersatzmethoden für Tierversuche arbeiten, verstärkt an nationalen Förderprogrammen teilhaben zu lassen?</p><p>3. Welche Vorkehrungen werden getroffen, um die gesetzlichen Vorgaben für die Entwicklung, Anerkennung und Anwendung von 3R-Methoden gemäss Artikel 22 TSchG einzuhalten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Neben der Methodenforschung zur Entwicklung von Alternativmethoden für Tierversuche bestehen in der 3R-Forschung weitere Ansätze, die sich mit den 3R-Grundsätzen befassen. Refinement- und Reduction-Projekte werden vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt, wenn sie integraler Bestandteil von ergebnisoffenen Forschungsprojekten sind. Verbesserte Versuchsplanung, adäquate Anwendung von Statistikmethoden oder effiziente Auswertung von zellulärem Ausgangsmaterial senken beispielsweise die Anzahl der Tierversuche. Projekte, die ausschliesslich auf die Methodenentwicklung fokussieren, können in der Regel nicht über Förderorganisationen wie dem SNF unterstützt werden, da sich die reglementarisch festgelegten Evaluationskriterien auf hypothesegeleitete Forschungsfragen konzentrieren.</p><p>Forschungsförderungsorganisationen wie den SNF tragen bei der Beurteilung der Qualität eines Projektes immer dem Gebrauch von Ansätzen, die dem 3R-Prinzip dienen, Rechnung. Projekte mit Tierversuchen müssen State-of-the Art-Anforderungen wie Aktualität und Eignung des methodischen Vorgehens und somit auch 3R-Prinzipien erfüllen, um gefördert zu werden.</p><p>Der Bund plant, zusammen mit den Hochschulen, per Ende 2017 ein Referenzzentrum für 3R einzurichten. Es sollen Wissenslücken in allen 3R-Bereichen aufgedeckt und Forschungsprojekte, namentlich methodische Weiterentwicklungen, angestossen werden. Im Weiteren soll die Überführung von Projektergebnissen in einsatzreife Methoden und die Aus- und Weiterbildung (vgl. Antwort auf die Interpellation Graf Maya 16.4121, "Alternativen zu Tierversuchen während der Ausbildung besser berücksichtigen") gefördert werden. Ziel ist es, den Informationsaustausch, die Entwicklung und Förderstrategien auf dem Gebiet 3R schweizweit gezielt weiterzuentwickeln. Das 3R-Kompetenzzentrum soll insbesondere auch den inhaltlichen Austausch zwischen Forschenden und Forschungsinstitutionen national und international fördern und die verschiedenen Stakeholder miteinander vernetzen. Der Bund sieht gemäss Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation in den Jahren 2017-2020 (BBl 2016 3211) vor, bei der finanziellen Bedarfsplanung zur Bundesunterstützung von Forschungseinrichtungen nach Artikel 15 FIFG (SR 420.1) in der Periode 2017-2020 für das geplante 3R-Kompetenzzentrum 3,5 Millionen Franken bereitzustellen.</p><p>2. Forschende, die mit Tierversuchen arbeiten, sind rechtlich, ethisch und aufgrund des wissenschaftlichen Wettbewerbs zu einem fachkundigen und verantwortungsbewussten Umgang mit Tieren verpflichtet. Innovative 3R-Forschung ist fester Bestandteil ihrer Forschungsarbeit und wird über Förderorganisationen wie den SNF, den ERC, das Europäische Rahmenprogramm und von privaten Stiftungen unterstützt. Als Teilprojekt können Projekte zur Erforschung von Ersatzmethoden im Rahmen von grösseren Forschungskonsortien, beispielsweise mit dem SNF-Förderinstrument Sinergia oder aber auch über europäische Programme, unterstützt werden.</p><p>3. Das Schweizer Tierschutzgesetz verpflichtet Forschende, Tierversuche auf das unerlässliche Mass zu beschränken und kein Tier unnötig leiden zu lassen. Die Kontrolle übernehmen dabei die kantonalen Tierversuchskommissionen. Sie müssen so bestellt sein, dass sie die verschiedenen Sichtweisen zu Tierversuchen in der Gesellschaft umfassen und die Fachkompetenz haben, tierexperimentelle Forschungsprojekte zu beurteilen. Als Förderorgan des Bundes wird sich der SNF bei Forschung mit tierexperimentellen Ansätzen auch in Zukunft an die vom Gesetzgeber vorgesehene Aufgabenteilung halten und den Entscheiden der Kantone und deren Tierversuchskommissionen folgen. Seinerseits sensibilisiert der SNF in seiner Kommunikation und in der Aufklärung der Forschenden für die Umsetzung der 3R-Prinzipien. Über das geplante 3R-Kompetenzzentrum soll auch die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Industrie zwecks Entwicklung, Anerkennung und Anwendung von Alternativmethoden gezielt gefördert werden.</p>  Antwort des Bundesrates.