B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4024/2013 U r t e i l v om 7 . N o v e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Claudia Cotting-Schalch, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A._______, Eritrea, vertreten durch B._______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 18. Juni 2013 / N (…). E-4024/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Mit Schreiben vom 31. Oktober 2011 stellte der Onkel und Rechtsver- treter des Beschwerdeführers, ein von der Schweiz anerkannter Flüch t- ling, für seine beiden Neffen eritreischer Staatsangehö rigkeit, C._______ und den Beschwerdeführer, ein sinngemässes Gesuch um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und Gewährung von Asyl. A.b Das BFM forderte den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Schreiben vom 2. März 2012 zur Beantwortung diverser Fragen auf, in s- besondere zum Aufenthalt der Neffen im Sudan. Dieser äusserte sich mit Schreiben vom 19. Juni 2012 und brachte unter anderem vor, von C._______ fehle jede Spur. Er gehe davon aus, dass dieser entführt wo r- den sei und befürchte, dass auch der Beschwerdeführer in die Hände von ägyptischen Menschenhändlern geraten könnte. A.c Mit Schreiben vom 28. November 2012 teilte das BFM dem Rechts- vertreter unter Bezugnahme auf BVGE 2011/39 mit, bis dato liege keine klar dem Beschwerd eführer zurechenbare Willensäusserung vor, mit der dieser zu erkennen gebe, dass er die Schweiz um Schutz ersuche. Damit ein zulässig gestelltes Asylgesuch vorliege, müsse der Beschwerdeführer persönlich eine Stellungnahme verfassen oder zumindest unterschreiben, oder mündlich angehört werden. Letzteres sei durch die Schweizerische Botschaft im Sudan aufgrund der Zunahme der eingereichten Asylges u- che, des begrenzten Personalbestands sowie fehlender Voraussetzungen im sicherheitstechnischen Bereich nicht möglich. Aus diesem Grund e r- suchte das BFM den Beschwerdeführer um Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhalts (Informationen zu seine Person , Beant- wortung konkreter Fragen betreffend das Vorhandensein von Familienan- gehörigen in Drittstaaten, seine A sylgründe und seinen Aufenthalt im Su- dan). Ferner forderte es ihn auf, Kopien von Identitätsausweisen und Be- weismitteln, die seine Vorbringen belegen würden, einzureichen. Schliesslich wurde ihm für den Fall, dass den Rechtsbegehren nicht stattgegeben werden könne, Gelegenheit zu abschliessenden Beme r- kungen eingeräumt. A.d Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantwortete mit Eing a- be vom 10. Dezember 2012 die Fragen der Vorinstanz und reichte e ine durch den Beschwerdeführer unterzeichnete Vertretungsvollmacht vom 20. Dezember 2012 zu den Akten. In der Folge wies ihn das BFM erneut darauf hin, dass das Stellen eines Asylgesuchs durch einen Rechtsvertre-E-4024/2013 Seite 3 ter unzulässig sei, dieser Mangel jedoch durc h eine persönliche schriftl i- che Stellungnahme des Beschwe rdeführers geheilt werden könne. Unter Androhung des Nichteintretens auf das Asylgesuch setzte es dem B e- schwerdeführer Frist zur Nachreichung einer rechtsgenüglichen Eingabe. A.e Der Beschwerdeführer liess sich mit Schreiben vom 21. Februar 2013 vernehmen. B. In den schriftlichen Eingaben vom 31. Oktober 2011, vom 19. Juni 2012, vom 10. Dezember 2012 und vom 21. Februar 2013 machte der B e- schwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, sein Vater befinde sich seit 2008 in Eritrea im Gefängnis. Nach dessen Inhaftierung sei seine Mutter durch die Polizei ständig unter Druck gesetzt und danach gefragt worden, ob sie mit seinem Onkel Kontakt h a- be und ob diese r sie unterstütze. Nach einiger Zeit sei sie krank gewor- den. Als er (Beschwerdeführer) in der Stadt eine Stelle gesucht habe, sei er von Militärangehörigen zum Zwecke der Zwangsrekrutierung verhaftet worden. Am (…) 2011 habe er beim Toilettengang gemeinsam mit Freun- den aus dem Gefän gnis fliehen können und sei in den Sudan gereist. Sein Bruder (der ebenfalls in den Sudan gelangt sei) sei dort verschwun- den und er (Beschwerdeführer) sei hilflos zurückgeblieben. Er ha be sich beim UN Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) registrieren lassen und sich seit dem (…) März 2012 im Flüchtlingslager Shagarab aufgehal- ten. Sein Onkel habe ih n von der Schweiz aus finanziell unterstützt. Die Situation im Sudan sei sehr gefährlic h, es gebe Menschen - und Or- ganhandel, und er gehe davon aus, dass bereits sein Bruder Opfer von Schleppern geworden sei. Am 22. Januar 2013 seien unbekannte bewaff- nete Männer ins Camp gekommen und hätten viele Menschen mitg e- nommen. Tags darauf sei er g emeinsam mit anderen Personen von der sudanesischen Polizei festgenommen worden und erst gegen Bezahlung von 200 sudanesischen Pfund wieder freigekommen. In Shagarab gebe es keine Sicherheitspatrouillen und das Camp sei anfällig für kriminelle Taten. Zudem erhalte man dort nicht die lebenswichtige Versorgung mit Nahrung, Klei dern, Trinkwasser und medizinischer Hilfe. Es bestünden überdies keine Ausbildungs- oder Erwerbsmöglichkeiten. Zum Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer Scans einer Fotografie sowie eines Ausweises des UNHCR zu den Akten. E-4024/2013 Seite 4 C. Mit Verfügung vom 18. Juni 2013 verweigerte das BFM dem Beschwerde- führer die Einreise in die Schweiz und wies dessen Asylgesuch ab. Gleichentags schrieb es das Asylgesuch von C._______ wegen fehlen- dem Rechtsschutzinteresse als gegenstandslos geworden ab. D. Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 15. Juni 2013 durch se i- nen Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht . Darin beantragte er die Aufhebung des Entscheids und die Rückweisung der Sache an das BFM, eventualiter die Bewilligung der Einreise in die Schweiz zur Durchführung d es ordentlichen Asylverfahrens. In verfa h- rensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährun g der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgese t- zes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zum Beweis seiner Vorbringen reichte er einen Bericht der Schwe izeri- schen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 5. Juli 2012 ( ALEXANDRA GEISER, Erit- rea: Entführungen, Erpressungen, Organhandel) und zwei In ternetartikel des UNHCR vom 25. Januar 2013 (UNHCR concern at refugee kidna p- pings, disappearances in eastern Sudan) sowie von Amnesty Internation- al vom 3. April 2013 (Egypt, Sudan: Kidnap and trafficking of refugees and asylum-seekers must be stopped) zu den Akten. E. Mit Schreiben vom 17. Juli 2013 bestätig te das Bundesverwaltungsg e- richt den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsc heidet E-4024/2013 Seite 5 auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Mit dringlicher Änderung des Asylgesetzes vom 28. Septemb er 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft trat, wurden u n- ter anderem die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsregelungen halten jedoch fest, dass für die vor dem Inkrafttreten de r Änderung vom 28. September 2012 im Ausland gestellten Gesuche die massgeblichen Artikel (Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 aAsylG) in der bisherigen Fassung nach wie vor anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden Fall die bisher i- gen Bestimmung en betreffend das Auslandverfahren anzuwenden. Im Übrigen richtet sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf diese ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. In formeller Hinsicht moniert der Beschwerdeführer, das BFM habe es un- richtigerweise unterlassen, einen Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seines Onkels gemäss Art. 51 Abs. 2 und 4 AsylG zu prüfen. Diese Rüge E-4024/2013 Seite 6 ist vorab zu behandeln, da sie geeignet sein könnte, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer führt aus, zwischen ihm und seinem Onkel best e- he ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 38 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311). Seine heutige Situation st e- he in einem engen persönlichen und sachlichen Z usammenhang mit der Flucht seines Onkels, da jene zur Verfolgung seiner gesamten Familie geführt habe. Er sei nicht nur finanziell von diesem abhängig, sondern bedürfe – da er seine Familie in Eritrea aus Sicherheitsgründen habe ver- lassen müssen – auch des sen moralischer und psychischer Unterstü t- zung. Unter zusätzlicher Berücksichtigung seiner Minderjährigkeit wäre somit eine Prüfung des Einbezugs in die Flüchtlingseigenschaft seines Onkels gemäss Art. 51 Abs. 2 und 4 AsylG angezeigt gewesen. Der ange- fochtene Entscheid leide d urch das Versäumnis der Vorinstanz an einem formellen Mangel, weshalb die Sache zur Neubeurteilung a n diese z u- rückzuweisen sei (vgl. die Beschwerde Ziff. 3). Die Rüge des Beschwerdeführers erweist sich als unbegründet. Den Ei n- gaben im vorinstanzlichen Verfahren ist – auch sinngemäss – kein Antrag auf Familienzusammenführung zu entnehmen. Daher war die Vorinstanz, unabhängig von der vormaligen Minderjährigkeit des Beschwerdeführers, nicht gehalten, e ine entsprechende Prüfung vorzunehmen. Eine Kassati- on der angefochtenen Verfügung ist somit nicht angezeigt. 5. 5.1 Gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG wird ein Ausländer als Flüchtling ane r- kannt, wenn er in seinem Heimatstaat oder im Land, wo er zuletzt woh n- te, wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zu gehörigkeit zu einer be- stimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, so l- chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mass - nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Gemäss Art. 19 Abs. 1 aAsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden. Nach Art. 20 Abs. 2 und 3 aAsylG ist die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr aus einem Grund nach Art. 3 AsylG glaubhaft g e- macht wird oder für die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts E-4024/2013 Seite 7 ein weiterer Aufenthalt im Wohn sitz- oder Aufenthaltsstaat oder die Au s- reise in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint. Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausse t- zungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind n a- mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schut z- gewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur a n- derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S . 126 und E. 5.1 S. 128). 5.3 Kann einer asylsuchenden Person, die sich im Ausland befindet, z u- gemutet werden, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen, so stellt dies einen Asylausschlussgrund dar (Art. 52 Abs. 2 aAsylG). Hält sich eine asylsuchende Person bereits in einem Drittstaat auf, ist im Si n- ne einer Vermutung davon auszugehen, die betreffende Person habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl in Bezug auf die Schutzg e- währung durch den Drittstaat (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch auf die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu pr ü- fen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung g e- funden hat oder erlangen kann, was i n der Regel zur Ablehnung des Asylgesuchs und zur Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In j e- dem Fall sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in di e- sem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit einer allfälligen Bez iehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Bei dieser Abw ä- gung sind neben der besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz auch die Beziehungsnähe zum Drittstaat oder zu an- deren Staaten sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimila- tionsmöglichkeiten in der Schweiz beziehungsweise im Drittstaat oder in anderen Staaten zu berücksichtigen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2 f. S. 131 f.). E-4024/2013 Seite 8 6. 6.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentl i- chen aus, die Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts erfordere die Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz nicht. Aufgrund des vollständig erstellten Sachverhalts könne davon ausgegangen we r- den, dass keine unmittelbare Gefährdung vorliege, die eine sofortige Ei n- reise als notwendig erscheinen liesse. Die Ausführungen im Asylgesuch sowie in der Stellungnahme vom 21. Februar 2013 würden darauf schliessen lassen, dass der Beschwerdeführer in Eritrea ernstzunehmen- de Schwierigkeiten mit den Behörden gehabt habe. Seit (…) 2011 befinde er sich jedoch im Sudan und habe sich beim UNHCR als Flüchtling regist- rieren lassen. Vor dem Hintergrund, dass zahlreiche eritreische Flüchtli n- ge und Asylbewerber im Sudan leben würden, sei nicht zu verkennen, dass die Lage vor Ort für diese Mensc hen sowie den Beschwerdeführer nicht einfach sei. Dennoch würden keine konkrete n Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, dass ihm ein weiterer Verbleib im Sudan nicht z u- mutbar oder nicht möglich sei. Die Angst des Beschwerdeführers vor e i- ner Verschleppung sei unbegründet; das Risiko einer Entführung für Eri t- reer, die im Sudan durch das UNHCR als Flüchtlinge anerkannt seien, sei – wie das Bundesverwaltungsgericht im Urteil D -756/2013 vom 26. Februar 2013 festgehalten habe – gering. Zwar verfüge der B e- schwerdeführer mit seinem Onkel über einen Anknüpfungs punkt i n der Schweiz. Dieser sei jedoch nicht derart gewichtig, dass eine Abwägung der Gesamtumstände dazu führen würde, dass gerade die Schweiz den erforderlichen Schutz gewähren solle. Mit anderen Worten be deute die Anwesenheit des Onkels noch keine enge Bindung mit der Schweiz in dem Sinne, dass Art. 52 Abs. 2 aAsylG nicht zur Anwendung kommen würde. In diesem Zusammenhang sei auch darauf zu verweisen, dass sich der Beschwerdeführer seit über zwei Jahren im Sudan aufhalte und die grosse eritreische Gemeinschaft im Sudan eine weitere Eingliederung erleichtern werde. Nach dem Gesagten benötige der Beschwerdeführer den zusätzlichen subsidiären Schutz der Schweiz nicht. Vielmehr sei es ihm zuzumuten, vorderhand im Sudan zu verbleiben. Dementsprechend sei ihm die Ei n- reise in die Schweiz zu verweigern, und das Asylgesuch sei abzulehnen. 6.2 Diesen Ausführungen der Vorinstanz hält der Beschwerdeführer in s- besondere entgegen, das BFM gehe in seinem Entscheid davon aus, dass er in Eritrea ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den Behörden gehabt habe und mithin die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Diese habe er E-4024/2013 Seite 9 nicht erst durch seine Flucht ausser Landes selber gesetzt, weshalb vo r- liegend nicht alleine ein subjektiver Nachfl uchtgrund vorliege. Entgegen der Auffassung des BFM stelle der Sudan für ihn als Minderjährigen keine zumutbare Fluchtalternative dar. Die Bedingungen, die er nach seiner Ausreise aus Eritrea im Flüchtlingscamp Shagarab im Sudan angetroffen habe, seien katastrophal gewesen. Es mangle unter anderem an Na h- rung, Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Er habe zudem be- gründete Angst, Opfer eine r Entführung zu werden. Dass diese Gefahr bestehe, könne verschiedenen Menschenr echtsberichten – unter and e- rem den eingereichten Beweismitteln – entnommen werden. Besonders gefährdet seien minderjährige und junge Personen. Auch er sei (am 23. Januar 2013 mit der Mitnahme durch die sudanesische Polizei ) be- reits Opfer eines korrupten Beamten geworden. Im Sudan verfüge er über keine Familienangehörigen, seit s ein älterer Bruder unbekannten Aufen t- halts sei, was an seiner psychischen Stabilität zerre. Nachdem sein Asy l- gesuch abgewiesen worden sei, lebe er in Khartum auf der Strasse und sei sehr verzweifelt. Der Sudan stelle für ihn aufgrund seines Alters, se i- nes fehlenden sozialen und familiären Beziehungsnetzes und der prek ä- ren Sicherheitslage keine zumutbare Fluchtalternative dar. 7. Nach eingehender Prüfung der Akten gelangt das Bundesverw altungsge- richt in Übereinstimmung mit dem BFM zum Schluss, dass der B e- schwerdeführer nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen ist. Ob er bei einer allfälligen Rückkehr nach Eritrea einer flüchtlingsrechtlich rel e- vanten Gefährdung ausgesetzt sein könnte, kann vorliegend offengela s- sen werden, da es ihm – wie im Nachfolgenden aufgezeigt wird – trotz den zugestandenermassen nicht einfachen Bedingungen im Sudan z u- zumuten ist, dort zu verbleiben. 7.1 Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdefüh rer mittlerwe ile volljährig ist und kindesschutzrechtliche Aspekte bei den nachfolgenden Ausführungen daher nicht mehr zu berücksichtigen sind. 7.2 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass sich der Beschwerdeführer nicht in einer existenziellen Notlage befindet. Er hält sich s eit zweieinhalb Jah- ren im Sudan auf und konnte dort bis auf den Vorfall vom 23. Januar 2013 unbehelligt leben. Er ist jung, verfügt über eine Schulbildung von acht Jahren (vgl. die vorinstanzlichen Akten B8/4 S. 1 und B16/11 S. 2) und ist, abgesehen von der psychischen Belastung durch seine derzeitige Lebenssituation, gesund. Gemäss eigenen Angaben ist er beim UNHCR E-4024/2013 Seite 10 als Flüchtling registriert, weshalb davon auszugehen ist, dass er über die erforderliche temporäre Bewilligung verfügt, um sich grundsätzlich i m Su- dan aufhalten zu dürfen. Zurzeit lebt er – wie viele eritreische Flüchtlinge, die das Flüchtlingslager Shagarab verlassen haben – unter nicht näher geschilderten Umständen in Khartum und wird finanziell durch seinen in der Schweiz lebenden Onkel unters tützt. Durch diese Unterstützung, die gemäss Angaben in der Eingabe vom 10. Dezember 2012 rund Fr. 100.– pro Monat ausmacht (vgl. B8/4 S. 3), befindet er sich in einer vergleich s- weise privilegierten Position. Es ist davon auszugehen, dass er sich mit den ihm zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln eine Unterkunft leis- ten und sich versorgen kann. Aufgrund seiner Schulbildung, seines ju n- gen Alters und de s Aufenthalts in Khartum dürfte er zudem Chancen h a- ben, zumindest als Gelegenheitsarbeiter Arbeit zu finden. Der Beschwerdeführer geniesst sodann weitgehend Schutz vor einer A b- schiebung in seinen Heimatstaat Eritrea. Obschon in letzter Zeit von D e- portationen von Eritreern in den Heimatstaat berichtet wurde (vgl. statt vieler die Urteile des Bundesverwal tungsgerichts E -6004/2011 vom 25. April 2012 E. 7.2.2 sowie E-5663/2012 vom 6. Dezember 2012 E. 8.3, je mit weiteren Hinweisen), ist eine diesbezügliche Gefahr für den B e- schwerdeführer, insbesondere angesichts der Zahl von gegen 170'000 eritreischen Flüchtlingen und Asylsuchenden im Sudan, als gering einz u- stufen. Auch anlässlich der Festhaltung vom 23. Januar 2013 wurde ihm nicht mit einer Deportation gedroht. Ferner ist es im Sudan zwar – wie sich auch aus den eingereichten Beweismitteln ergibt – in der Tat zu Ent- führungen von eritreischen Flüchtlingen gekommen. Indes erfolgten diese gemäss den eingereichten Berichten sowie weiteren verfügbaren Quellen ausschliesslich am Grenzübergang zwischen Eritrea und dem Sudan s o- wie in Flüchtlingslagern und um diese herum (vgl. etwa Reuters Alertnet, Traffickers attacking Eritrean refugees in Sudan – rights groups, 31. Ja- nuar 2013, abrufbar unter <http://www.trust.org/item/?map=traffickers- attacking-eritrean-refugees-in-sudan-rights-groups>; RACHEL HUMPHRIS/ UNHCR, Refugees and the Rashaida: Human smuggling and trafficking from Eritrea to Sudan and Egypt, März 2013, abrufbar unter <http://www. unhcr.org/51407fc69.html>, S. 12 –15; beide besucht am 25. Oktober 2013). Der Beschwerdeführer lebt hingegen seit eini ger Zeit in Khartum, wo eine derartige Gefahr aktuell nicht festgestellt worden ist. Aufgrund dieser Erwägungen gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, die Regelvermutung umzustossen, wonach er im Sudan Schutz gefunden habe oder diesen, sofern erforderlich, erlangen könnte . Daran vermag E-4024/2013 Seite 11 auch der Aufenthalt seines Onkels in der Schweiz nichts zu ändern. Di e- ser ist kein Mitglied seiner Kernfamilie, weshalb das BFM zutreffend fest- stellte, es bestehe kein derart gewich tiger Anknüpfungspunkt zur Schweiz, dass eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von Art. 52 Abs. 2 aAsylG dazu führen müsste, dass gerade hier dem Beschwerde- führer der erforderliche Schutz gewährt werden sollte. 7.3 Zusammenfassend erscheint es für den Beschwerdeführer objektiv zumutbar, den im Sudan gegenüber einer allfälligen Verfolgungsgefahr in Eritrea bestehenden Schutz weiterhin in Anspruch zu nehmen. Eine Schutzgewährung durch die Schweiz erscheint somit unter Berücksicht i- gung aller wesentlichen Umstände, welche mit dem Aufen thalt des B e- schwerdeführers im Sudan und seinem dortigen Status als vom UNHCR registrierter Flüchtling verbunden sind, nicht erforderlich (Art. 52 Abs. 2 AsylG). Unter diesen Umständen hat das BFM zu Recht die Erteilung ei- ner Einreisebewilligung verweigert und das Asylgesuch abgelehnt. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die B e- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Mit vorliegendem Entscheid wird das Gesuch um Verzicht auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer au f- zuerlegen (Art. 63 A bs. 1 VwVG). Aus verwaltungs ökonomischen Grün- den sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist i n- dessen auf die Erhebung der Verfahrenskosten zu verzichten. Damit wird auch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) E-4024/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und das BFM. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi Versand: