Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. November 2015 (725 14 379 / 287) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Da weder die Leistungszusprechung zweifellos unrichtig war noch eine wesentliche Ver- änderung des Gesundheitszustandes vorliegt, erfolgte die Leistungsaufhebung durch die Versicherung zu unrecht. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Sebastian Laubscher, Advokat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen Allianz Suisse Versicherungs -Gesellschaft AG , Hohlstrasse 552, Postfach, 8010 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1964 geborene A.____ arbeitete unter anderem seit dem 6. Juni 1995 bei der Pra- xisgemeinschaft Dr. B.____ + Dr. C.____, während acht Stunden pro Woche als Teilzeitreinige- rin und war dadurch bei der Allianz Suisse Versiche rungs-Gesellschaft AG (Allianz) obligato- risch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsu nfällen sowie von Berufskrankheiten versi- chert. Wegen eines gleichzeitig bestehenden Anstell ungsverhältnisses bei der D.____ AG als Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Teilzeitreinigerin war A.____ auch bei der Schweizerische n Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtbe rufsunfällen sowie von Berufskrankhei- ten versichert. Am 1. Februar 2000 erstattete die D.____ AG der SUVA eine Unfallmeldung, wonach A.____ am 23. Januar 2000 beim Überqueren der Strasse von ei nem Auto erfasst worden sei und sich dabei an der linken Hand und am Kopf verletzt habe. D ie SUVA kam in der Folge für die Heil- behandlung auf und richtete Taggelder aus. Am 6. Augu st 2003 sprach die SUVA A.____ ver- fügungsweise eine Rente basierend auf einer 100%igen Erwerbsunfähigkeit sowie eine Integri- tätsentschädigung gestützt auf eine Integritätseinbusse von 55 % zu. Mit Unfallmeldung vom 7. Februar 2004 orientierte di e Praxisgemeinschaft Dr. B.____ + Dr. C.____ die Allianz darüber, dass A.____ im Unfallzeitp unkt bei ihnen als Teilzeitreinigerin an- gestellt gewesen sei. Mit Verfügung vom 13. September 2004 bewilligte die SUVA A.____ eine Hilflosenent- schädigung aufgrund einer Hilflosigkeit leichten Grades. Die Allianz, welche zwischenzeitlich die Fallführung über nommen hatte, bestätigte die Verfü- gungen der SUVA mittels Verfügung vom 2. Juni 2008 be ziehungsweise mit Einspracheent- scheid vom 12. Dezember 2008. Die Allianz ging dabei eb enfalls von einer vollständigen Er- werbsunfähigkeit aus ohne eigene medizinische Abklärungen vorzunehmen. Mit Schreiben vom 22. Juni 2011 stellte die Haftpflichtversicherung des unf allverursachenden Lenkers der Allianz das neurologisch-neuropsychologische Gutachten von Prof. Dr . med. E.____, FMH Neurologie, vom 20. April 2011 und das psychiatrische Gutachten vom 6. Juni 2011 von Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, zu. Gestützt auf diese Gutachten stellte die Allianz mit Zwischenverfügung vom 9. August 2011 die bis dahin gewäh rten Leistungen im Sinne einer vorsorglichen Massnahme per sofort ein. Eine dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht), abgewiesen. Mit Verfügung vom 14. Juni 2012 hob die Allianz den Einspracheentsche id vom 12. Dezember 2008 auf und verneinte einen Anspruch von A.____ auf unfallversicherung srechtliche Leistungen. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Allianz mi t Einspracheentscheid vom 13. No- vember 2014 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Sebastian Laubscher, beim Kantonsgericht Beschwerde und beantragte, es sei d er angefochtene Einspracheent- scheid aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin anzuw eisen, der Beschwerdeführerin unverzüglich weiterhin beziehungsweise rückwirkend ab Lei stungseinstellung die ursprünglich zugesprochenen Leistungen sowie sämtliche sonstigen Leistung en nach UVG zu gewähren. Ausserdem wurde beantragt, es seien die Kosten für die Stellungnahme von Prof. Dr. G.____, Chefarzt der Psychiatrischen S.____, der Beschwerdegegner in aufzuerlegen, es sei eine Par- teiverhandlung durchzuführen und die aufschiebende Wir kung der Beschwerde sei wieder her- zustellen; unter o/e-Kostenfolge. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Mit Verfügung vom 14. Januar 2015 stellte die instr uierende Gerichtspräsidentin nach Eingang der Stellungnahme der Beschwerdegegnerin fest, dass der Beschwerde der Versicher- ten keine aufschiebende Wirkung zukomme. D. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 18. Februar 2015 die Abweisung der Beschwerde. E. Mit Schreiben vom 23. März 2015 reichte die Beschwer deführerin durch ihren Rechts- vertreter dem Gericht eine ärztliche Stellungnahme von Prof. G.____ vom 17. März 2015 ein. F. Die Beschwerdegegnerin nahm mit Schreiben vom 28. M ai 2015 zu den Ausführungen von Prof. G.____ Stellung und hielt dabei an ihrem Rechtsbegehren fest. G. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung hielten d ie Parteien an ihren Anträgen und wesentlichen Begründung fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit . a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 199 3 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht erhobene – Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die B eschwerdegegnerin die Verfügung vom 2. Juni 2008 beziehungsweise den Einspracheentscheid vom 12. Dezember 2008 zu Recht aufgehoben und die Versicherungsleistungen für die Fol gen des Unfallereignisses vom 23. Januar 2000 eingestellt hat. 2.1 Die Zusprechung von sozialversicherungsrechtlichen Leist ungen erfolgt grundsätzlich durch Verfügung (Art. 49 Abs. 1 ATSG). Steht diese mit den massgebenden rechtlichen oder tatsächlichen Grundlagen nicht mehr in Übereinstimmung , stellt sich die Frage einer Korrektur dieser Verfügung. Zielsetzung ist es, die gesetzliche Ord nung wieder herzustellen (BGE 122 V 227). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 53 ATSG ermöglicht die Wiedererwägung formell r echtskräftiger Verfügungen, wobei aller- dings die zweifellose Unrichtigkeit der Verfügung vora usgesetzt wird. Darunter fallen rechtliche wie sachliche Mängel (Art. 53 Abs. 2 ATSG); anderseits i st eine Revision vorzunehmen, wenn neue Tatsachen oder Beweise zu einer anderen rechtliche n Beurteilung führen (Art. 53 Abs. 1 ATSG). Wird eine solche rückwirkende Korrektur einer Ver fügung vorgenommen, entfällt die rechtliche Grundlage für die zugesprochenen Leistungen. Diese werden damit – im Nachhinein – zu unrechtmässigen Leistungen (BGE 122 V 138; U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015, Art. 25 Rz 5 ff.). 2.2 Was die prozessuale Revision betrifft, müssen formell rechtskräftige Verfügungen ge- mäss Art. 53 Abs. 1 ATSG dann in Revision gezogen werden , wenn die versicherte Per- son oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Als "neu" gelten Tatsachen, welche sich bis zum Zeitpunkt, da im Hauptverfahren noc h tatsächliche Vorbringen prozessual zulässig waren, verwirklicht haben, jedoch der um Revision e rsuchenden Person trotz hinrei- chender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsa chen müssen ferner erheblich sein, d.h. sie müssen geeignet sein, die tatbeständliche Grundlage d es angefochtenen Urteils zu verän- dern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu eine r andern Entscheidung zu führen. Be- weismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tat- sachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil der Gesuch stellenden Person u nbewiesen geblieben sind. Ent- scheidend ist ein Beweismittel, wenn angenommen werden muss, es hätte zu einem andern Urteil geführt, falls das Gericht im Hauptverfahren hi evon Kenntnis gehabt hätte (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Januar 2007, U 68/06, E. 2.2 mit Hinweisen). 2.2.1 Die Beschwerdegegnerin hob mit Verfügung vom 14 . Juni 2012 ihre ursprüngliche leis- tungszusprechende Verfügung vom 2. Juni 2008 bzw. ihren E inspracheentscheid vom 12. De- zember 2008 gestützt auf Art. 53 Abs. 1 ATSG mit der Begründung auf, es ergebe sich aus dem Gutachten von Dr. F.____, dass die Versicherte simuli ert habe. Im nun angefochtenen Einspracheentscheid vom 13. November 2014 kam die Beschwer degegnerin zum Schluss, es könne aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wah rscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Versicherte simuliert habe. Die Vorausset zungen für eine Revision im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG seien demnach nicht gegeben. 2.2.2 Gestützt auf die Akten kann in der Tat keine Rede davon sein, dass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel im Sinne der bunde sgerichtlichen Rechtsprechung auf- gefunden wurden. So ist insbesondere nicht davon au szugehen, dass die Beschwerdeführerin ihre Beschwerden bewusst vorgetäuscht habe, wie dies im Gu tachten von Dr. F.____ vom 6. Juni 2011 dargestellt wurde. Diese Auffassung wurde von allen späteren ärztlichen Beurteilun- gen abgelehnt. Damit ist die Beschwerdegegnerin in ihr em Einspracheentscheid vom 13. No- vember 2014 zu Recht nicht mehr von einem Revisionstatbe stand im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG ausgegangen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Die Beschwerdegegnerin machte in ihrem Einspracheen tscheid vom 13. November 2014 nun jedoch geltend, die ursprüngliche Verfügung k önne gestützt auf Art. 53 Abs. 2 ATSG in Wiedererwägung gezogen werden, wenn diese zweifell os unrichtig gewesen sei. Im vorlie- genden Fall hätte die SUVA bei dieser komplexen und w idersprüchlichen medizinischen Sach- lage (atypischer Beschwerdeverlauf, keine bildgebend na chweisbaren Schädigungen, unklare Diagnose, unklare Kausalität, unklare Arbeitsfähigkeit) nicht ohne weitere umfassende, interdis- ziplinäre medizinische Abklärung zur Berentung schreiten d ürfen. Demzufolge sei der damalige Entscheid der SUVA zweifellos unrichtig gewesen. Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn die ursprün gliche Rentenzusprechung nach damaliger Sach- und Rechtslage (vgl. BGE 125 V 383 E. 3 S. 389; Urteil des Bundesgerichts vom 4. Januar 2008, 9C_655/2007, E. 2 mit Hinweis) zwei fellos unrichtig war und – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (vgl. BGE 119 V 475 E. 1c S. 480 mit Hinwei- sen; SVR 2001 IV Nr. 1 S. 3, I 401/98 E. 5c; Urteil d es Bundesgerichts vom 12. November 2010, 8C_769/2010, E. 2.2) – ihre Berichtigung von e rheblicher Bedeutung ist. Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt , wenn eine Leistungszusprache aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener Rechtsregeln erfol gt ist oder wenn massgebliche Be- stimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. And ers verhält es sich, wenn der Wieder- erwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetz ungen liegt, deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (Invaliditätsb emessung, Arbeitsunfähigkeits- schätzung, Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtig keit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, da ss die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss – derjenige auf die Unrichtigkeit de r Verfügung – denkbar (SVR 2010 IV Nr. 5 S. 10, 8C_1012/2008; Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2010, 9C_339/2010, E. 3, vom 17. November 2010, 9C_760/2010, E. 2, vom 1 8. Oktober 2007, 9C_575/2007). Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrich- tigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Festst ellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts (BGE 117 V 8 E. 2c mit Hinweis; SVR 2006 IV Nr. 21 S. 74, I 545/02 E. 1.2; Urteil des Bundesgerichts vom 2. Juli 2007, 9C_215/2007, E. 3. 1). Darunter fällt insbesondere eine unvollständige Sachverhaltsabklärung aufgrund einer kl aren Verletzung des Untersuchungs- grundsatzes (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG; Urteil 9C_466/2010 vom 23. Au- gust 2010 E. 3.2.2 mit Hinweis). Die ursprüngliche Leistungszusprechung durch die SUVA erfolgte mit Verfügung vom 6. August 2003. Die Allianz hat die in dieser Verfügung festgeha ltene volle Erwerbsunfähigkeit der Be- schwerdeführerin mit Verfügung vom 2. Juni 2008 beziehun gsweise mit Einspracheentscheid vom 12. Dezember 2008, ohne weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen, übernommen. Die SUVA stützte sich bei ihrer Verfügung im Wesentlichen auf folgende ärztliche Unterlagen: Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3.1 Am 28. Januar 2000 berichtete Prof. Dr. med. H.____, Chefarzt Notfallstation und Lei- tender Arzt der I.____, die Versicherte sei vom 23. bis 25. Januar 2000 auf der Chirurgischen Notfallbettenstationen hospitalisiert gewesen. Sie hab e eine Commotio cerebri, eine Riss- quetschwunde (RQW) frontal rechts und eine Scaphoidfrakt ur links erlitten. Bei Eintritt sei die Patientin leicht benommen gewesen bei einem GCS von 1 4, Pupillen isokor mit normaler Licht- reaktion, keine fokalen neurologischen Ausfälle. Es habe keine Bewusstlosigkeit vorgelegen. Während den regelmässigen neurologischen Kontrollen hab e sich ein stabiler GCS-Wert ge- zeigt. Die Patientin sei jedoch prolongiert etwas benommen gewesen, so dass sicherheitshalber am Tage nach der Hospitalisation ein Schädel-CT durchg eführt worden sei. In diesem habe eine Schädelfraktur oder eine intracerebrale Blutung ausgeschlossen werden können. Eine Ur- sache für einen rechts leicht positiven Babinsky-Reflex habe nicht gefunden werden können. Die RQW an der Stirne sei mit Einzelknopfnähten versorgt worden. 2.3.2 Im Arztzeugnis UVG vom 14. Februar 2000 hielt de r Hausarzt der Versicherten, Dr. med. J.____, FMH Innere Medizin, fest, die Erstbehandlung habe am 31. Januar 2000 stattgefunden. Gestützt auf die Angaben der Versicherten wurde festge halten: Keine Bewusstlosigkeit, retro- und anterograde Amnesie. Sie sei vom 23. Januar 2000 bis voraussichtlich 3. April 2000 zu 100 % arbeitsunfähig. 2.3.3 Mit Arztzeugnis UVG vom 15. Februar 2000 führte D r. med. A. Heisler, Ass. Arzt I.____ Basel, folgende Befunde an: Bei Eintritt leichte Ben ommenheit mit GCS 14, Pupillen isocor mit normaler Lichtreaktion, keine focalen neurologischen A usfälle. Ca. 3 cm lange RQW frontal rechts, schmerzhaftes und geschwollenes Handgelenk links. Al s Röntgenbefund der Schädel- Computer-Tomographie wurde unter anderem angegeben: Kein Anhalt für Schädelfraktur oder intracerebrale Blutung. Als Diagnose wurden eine comm otio cerebri und RQW frontal rechts sowie eine Scaphoidfraktur links angeführt. Es würden aussc hliesslich Unfallfolgen vorliegen. Ab 7. Februar 2000 sei eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben. 2.3.4 Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung bei Dr. K.____, FMH Chirurgie, vom 26. April 2000 hielt dieser fest, es würden noch interm ittierend Kopfschmerzen bestehen. Ge- gen Ende der Untersuchung habe die Versicherte wiederum über Gedächtnisstörungen geklagt, welche auch vom Ehemann bestätigt worden seien. Es erschei ne angebracht, die Versicherte neuropsychologisch untersuchen zu lassen. Er habe die Arb eitsaufnahme zu 50 % ab 1. Mai 2000 im Unfallschein bestätigt. 2.3.5 Im Bericht von L.____, Neuropsychologin O.____ B asel, vom 22. Juni 2000 führte diese über die neuropsychologische Untersuchung vom 18. und 23. Mai 2000 zusammenfassend aus, die Gesamtergebnisse würden auf ein relativ diffuses Bi ld hinweisen. Es seien jedoch deutliche Befunde festgestellt worden, die eine psychisch bedingte Leistungsunfähigkeit ausschliessen liessen. Frau Barros wirke in ihrem Antrieb deutlich reduziert. Ihr apathisch wirkendes Verhalten verweise auf Symptome, die nach (rechts) frontalen Schädig ungen auftreten könnten. Als star- ke Einflussfaktoren bei der Beurteilung seien Schulbil dung und Kultur (insbesondere, dass die Untersuchung nicht in der Muttersprache der Versicherten durchgeführt worden sei) zu erwäh- nen, welche eine Beurteilung nach standartisierten Daten verunmöglichen würden. Die Resulta- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht te der Untersuchung würden in ihrem Ausmass einer mittl eren bis schweren Hirnfunktionsstö- rung, rechts frontal betont, entsprechen. Die Befunde dieser Abklärung, das von ihr beschriebe- ne Verhalten während der Abklärung, die subjektiven An gaben, die Angaben des Ehemannes und die beschriebene Verstärkung der Beschwerden nach ein er 2-stündigen Belastung würden auf eine stärkere Schädigung als nur der bisher beschri ebene commotio cerebri hinweisen. Ausserdem seien in den Akten unterschiedliche Angaben in Bezug auf die Dauer der Bewusst- losigkeit der Versicherten nach dem Unfall festgehalten: Im Bericht des I.____ vom 28. Januar 2000 werde über „keine Bewusstlosigkeit“ berichtet. Im SUVA-Bericht vom 5. April 2000 sei von „bewusstlos wurde sie ins Spital transportiert“ die Re de. Die Familie habe von mindestens 24 Stunden anhaltender Nichtansprechbarkeit und einer noch länger andauernden Verwirrung und Desorientierung berichtet. Sie empfehle eine weitere, vertiefte organische Abklärung mit bildge- benden Verfahren und Ergotherapie zur Behandlung der Hirnfunktionsstörung. Aus neuropsy- chologischen Gründen werde die Versicherte als noch arbei tsunfähig erachtet. Die bisher ge- leisteten 2 Stunden am Morgen müssten als Arbeitsversuch betrachtet werden. 2.3.6 Ein MRT des Neurocraniums vom 24. August 2000 dur ch das M.____ habe als Befund keine fokalen Hirnläsionen, keine Raumforderung, ein sc hlankes mittelständiges Ventrikelsys- tem und ein unauffällige basale Zisternen gezeigt. In der Beurteilung wurde ein unauffälliges MRT des Neurocraniums festgehalten. 2.3.7 Mit ärztlichem Zwischenbericht hielt Dr. med. N._ ___, Oberarzt Neurologie der O.____, am 29. Januar 2001 subjektiv nach wie vor Kopfschmerzen mit Nackenschmerzen und Schwin- delgefühlen fest; objektiv wurden eine Anosmie beidseit s, Barani links verzögert, ein Unterber- gertretversuch mit Abweichungstendenz nach rechts um 45° , Gangbild frei, Zehen-Fersen- Gang, Einbeinstand links unsicher, neurologische Befunde unauffällig aufgeführt. Es wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bis auf weiteres angegeben . Des Weiteren wurde festgehalten, einige Hirnkontusionen, insbesondere frontale Hirnabsc hnitte, seien in Ausnahmefällen auch ohne ersichtlichen GCS-Abfall möglich. Es würden keine u nfallfremden Faktoren vorliegen. Re- lativierend müssten allerdings die gängige Schulbildung und die kulturellen Besonderheiten bei der Patientin erhoben werden. Die Fremdanamnese, durch die Familie aufgenommen, bestätige gerade in den sprachlichen Bereichen aber posttraumatisch eindeutig neu aufgetretene Leis- tungsdefizite. 2.3.8 Dr. N.____ führte in seinem ärztlichen Zwischenb ericht vom 26. Juni 2001 zum Verlauf aus: „Anosmie beidseits, Barani links verzögert, Unterberg ertretversuch nach rechts grenzwer- tig, übriger somatischer Neurostatus unauffällig. Neurop sychologisch persistieren mittelschwe- re-schwere Hirnfunktionsstörungen mit Schwerpunkt rechts f rontal. Kopf- und Nackenschmer- zen, Schwindelgefühle, Vergesslichkeit und Konzentration sprobleme“. Er hielt fest, es würden keine unfallfremden Faktoren vorliegen. Unklar sind sei ne Angaben zum Punkt „Arbeitsaufnah- me a) Wiederaufnahme der Arbeit“. Dort wird festgeha lten: „0%, das heisst 100 % AUF seit 04/01 vorgesehen bis auf weiteres“, wobei das U von AUF handschriftlich gestrichen wurde. Der Punkt „b) Zuweisung geeigneter Arbeit“ wurde mit „Nein“ beantwortet. Des Weiteren wurde ausgeführt, erfahrungsgemäss würden im kognitiven Bereic h posttraumatische Leistungsdefizi- te als Nachteil bestehen bleiben (persistierend). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3.9 Im ärztlichen Zwischenbericht vom 20. August 2001 hielt Dr. N.____ fest, dass ab 1.September mit der arbeitswilligen Patientin ein Ar beitsversuch mit 50%iger Arbeitsfähigkeit organisiert worden sei. Leider sei dies in kürzester Ze it gescheitert, so dass eine 100%ige Ar- beitsunfähigkeit habe verschrieben werden müssen. Retrosp ektiv bestehe aus Neurorehabilita- tionssicht und den dokumentierten Unfallfolgen ab initio bisher eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Aufgrund des jungen Alters der Patientin empfehle er unbedingt therapeutische Massnahmen in Form von Ergotherapie und psychologischer Betreuung, sowie die Reevaluation allfälliger ande- rer beruflicher Optionen in 6 - 9 Monaten. 2.3.10 Ein im I.____, Abteilung für klinische Neurophy siologie durchgeführtes EEG vom 30. November 2001 ergab eine leichte Allgemeinveränderung, interferierend mit Zeichen von Ver- spannung. Kein Herd, keine epilepsiespezifischen Potentia le. Keine Hinweise, dass die wäh- rend der Hyperventilation aufgetretene Episode epilep tischer Genese sein könnte. Auffällig sei die unter Hyperventilation verstärkte Tachykardie der Pati entin (am Ende der Ableitung wieder Normokardie). 2.3.11 In einer Aktennotiz des SUVA-Kreisarztes Dr. K .____ vom 26. September 2001 wird auf ein Telefongespräch mit Dr. med. P.____, Ass.-Ärztin N eurorehabilitation, O.____ Basel, hin- gewiesen, wonach im April 2001 ein Arbeitsversuch mit 50%-Leistung gescheitert sei. Daraufhin sei die Versicherte wieder zu 100% arbeitsunfähig geschr ieben worden. Mit Aktennotiz vom 1. November 2001 hielt Dr. K.____ fest, Dr. P.____ werde versuchen, die Patientin im WWB zu integrieren, obwohl eine Arbeitsfähigkeit von 50 % vo rausgesetzt werde. In einer weiteren Ak- tennotiz von Dr. K.____ vom 18. Januar 2002 wurde ausge führt, Dr. P.____ habe berichtet, eine berufliche Eingliederung der Versicherten im Y.____WWB habe nicht durchgeführt werden können, da das WWB prinzipiell nur Leute aufnehme, die mindestens 4 Stunden am Stück ar- beiten könnten. Dies treffe bei der Versicherten zurzeit nicht zu. Dr. P.____ schlage nun eine berufliche Abklärung in der Z.____ vor. Mit Bericht vo m 28. Januar 2002 sprach sich auch Dr. K.____ für einen stationären Aufenthalt in der Z.____ aus. 2.3.12 Dr. med. Q.____, Neurologe, aus dem SUVA-Ärzte team Unfallmedizin brachte am 7. März 2002 einige Bemerkungen zu Handen von Dr. N.____ an, aus denen Zweifel an der Beur- teilung durch die O.____ hervorgingen. Eine eigene Beurteilung nahm Dr. Q.____ nicht vor. 2.3.13 Dr. med. R.____, FMH Psychiatrie und Psychotherap ie, stellte im psychiatrischen Konsi- lium vom 3. April 2002 aus psychiatrischer Sicht keine Di agnosen. Es gebe keine Indikation für eine psychopharmakologische Behandlung oder eine weitere psychiatrische Abklärung. 2.3.14 Im Bericht des Universitätsinstituts für Radiologie des I.____ vom 3. Juli 2002 wurde als Befund und Beurteilung des MRT des Neurokraniums eine r egelrechte Darstellung des Hirnpa- renchyms ohne Hinweis auf fokale Läsionen angegeben. In den Haemato-Sequenzen, welche sensitiv auf Haemosiderin-Ablagerung im Sinne alter Blu tungen seien, befinde sich keine Dar- stellung von entsprechenden Veränderungen. Nach Kontrast mittelgabe gebe es kein pathologi- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sches Enhancement und keinen Nachweis einer Gliose. Auch g ebe es „MR-mässig“ keine Er- klärung für die vorhandene Klinik. 2.3.15 Die Neuropsychologin L.____ hielt in ihrem Beri cht vom 23. Oktober 2002 fest, die Er- gebnisse der Untersuchung würden in ihrem Ausmass mindest ens einer mittelschweren bis schweren Hirnfunktionsstörung entsprechen. Eine entsprechende organische Läsion habe aber nicht nachgewiesen werden können. Die subjektiven und f remdanamnestischen Angaben seien jedoch sehr typisch für eine organische Läsion nach Hirnverletzung. 2.3.16 Am 6. November 2002 berichtete Dr. N.____ zu Handen des SUVA-Vertrauensarztes, die Versicherte habe sich beim Verkehrsunfall vom 23. Janu ar 2000 eine commotio, möglicher- weise eine leichte Contusio cerebri zugezogen. Die neuro psychologische Testung habe mittel- schwere bis schwere Hirnleistungsdefizite ergeben. Der MRT -Befund sei allerdings unauffällig gewesen. Mit Zwischenbericht vom 7. November 2002 zu Han den des Vertrauensarztes der SUVA hielt Dr. N.____ als Diagnosen einen Verkehrsunfal l mit gesicherter Commotio cerebri und RQW frontal rechts; Contusio cerebri möglich aufgrund neuro-psychologischem Testbefund sowie mittelschwere bis schwere Hirnleistungsdefizite fest. Zusätzlich führte er aus, es sei un- wahrscheinlich, dass unfallfremde Faktoren mitspielen würden. Bezüglich Arbeitsaufnahme hielt er fest, dass die Versicherte seit 19. April 2001 als Rei nigerin 50 % bei einer Präsenzzeit von 100 % tätig sei, eine Steigerung sei unwahrscheinlich. 2.3.17 Mit Stellungnahme vom 15. November 2002 zum Zwischenbericht von Dr. N.____ weist Dr. K.____ auf eine Diskrepanz zwischen dem Befund einer mittelschweren bis schweren post- traumatischen Hirnfunktionsstörung und der Tatsache, dass im MRI keine Hirnverletzung fest- stellbar sei, hin. 2.3.18 Dr. N.____ führte mit Schreiben vom 12. Febru ar 2003 zu Handen des SUVA- Vertrauensarztes aus, dass die Versicherte aus neurorehabi litativer Sicht ohne Berücksichti- gung psychiatrischer Zusatzaspekte als Reinigerin maximal zu 50 % theoretisch noch arbeitsfä- hig wäre. Eine erfolgversprechende berufliche Reinte gration dürfte aber bei nur geringer Be- lastbarkeit (max. 2 Stunden pro Tag) nicht mehr realist isch sein. Die Situation sei mit dem SUVA-Neurologen Dr. Q.____ eingehend auch so telefonisch diskutiert worden. 2.3.19 Am 14. Februar 2003 nahm Dr. K.____ die Beur teilung des Integritätsschadens vor. Als Befund wurde ein mittelschweres bis schweres posttraumatisch es Psychosyndrom und ein leichtes posttraumatisches Cervikalsyndrom erhoben. Die Be schwerden seien unfallbedingt, dauernd und erheblich. Der Integritätsschaden wurde m it 55 % angegeben. Zur Begründung gab Dr. K.____ an, für das Psychosyndrom gelte Tabelle 8. 4; hier könne für eine mittelschwere Störung ein Wert von 50 % eingesetzt werden. Aus der psychiatrischen Beurteilung von Dr. R.____ gehe hervor, dass auch unfallfremde psychosoziale Faktoren am ganzen Gesche- hen beteiligt seien. Weitere 5 % würden für das leichte Cervikalsyndrom hinzukommen. Leichte, wechselbelastende Tätigkeiten seien ganztags zumutbar. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Die SUVA hat gestützt auf diese ärztlichen Unterl agen ihre Verfügung vom 6. August 2003 erlassen, mit welcher sie der Versicherten eine Rente gestützt auf eine 100%ige Erwerbs- unfähigkeit zusprach. Zu prüfen ist nun, ob die mit die ser Verfügung erfolgte Leistungszuspre- chung zweifellos unrichtig im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG war. Die Ärzte der O.____ gingen davon aus, dass die mittelschweren bis schweren Hirnleistungsde- fizite durch eine organische Läsion entstanden seien. De r Psychiater Dr. R.____ konnte keine psychiatrische Diagnose stellen und sah diesbezüglich keinen Handlungsbedarf. Dr. Q.____ hat in seinem Schreiben vom 7. März 2002 kritische Fragen zu de n Berichten der O.____ formu- liert. Eine Stellungnahme von Dr. Q.____ zur Frage, ob die Hirnfunktionsstörung organisch oder psychiatrisch bedingt ist, liegt jedoch nicht vor. Dr. K.__ __ hat zwar auf eine Diskrepanz zwi- schen dem Befund einer mittelschweren bis schweren postt raumatischen Hirnfunktionsstörung und der Tatsache, dass im MRI keine Hirnverletzung festst ellbar sei, hingewiesen. Er hat in seiner Beurteilung vom 14. Februar 2003 als Befund e in posttraumatisches Psychosyndrom und ein leichtes posttraumatisches Cervikalsyndrom erhoben u nd ist bei der Festsetzung der Integritätsentschädigung von einer erheblichen Integritätsbeeinträchtigung von 55 % ausgegan- gen. Die Beschwerden wurden von ihm als unfallbedingt, dauernd und erheblich bezeichnet. Dr. K.____ erachtete leichte angepasste Tätigkeiten – ohne Begründung und trotz der erhebli- chen Integritätseinbusse – als ganztags zumutbar. Die O. ____ dagegen ging von einer Arbeits- fähigkeit der Beschwerdeführerin als Reinigerin von the oretisch maximal 50 % aus und be- zeichnete eine erfolgversprechende berufliche Reintegrat ion bei nur geringer Belastbarkeit als nicht mehr realistisch. 2.5 Die SUVA hat offensichtlich auf die Beurteilung d er Fachärzte der O.____ (Neurologie) und von Dr. R.____ (Psychiatrie) abgestellt und ist zum Schluss gekommen, die mittelschweren bis schweren Hirnleistungsdefizite seien organisch und nicht psychiatrisch bedingt. Es ist dabei festzuhalten, dass keine divergierenden fachärztlichen Me inungen vorlagen, die zwingend wei- tere Abklärungen als notwendig hätten erscheinen lassen. Dr. Q.____ hat in seinem Schreiben vom 7. März 2002 lediglich Bemerkungen zu Berichten der O .____ angeführt, ohne dabei eige- ne Schlüsse zu ziehen oder die Berichte der O.____ als u nzutreffend zu qualifizieren. Die SUVA hat in Kenntnis der gegensätzlichen Beurteilungen von den Ärzten der O.____ einerseits und von Dr. K.____ andererseits von weiteren Abklärunge n abgesehen. Ob zusätzliche Abklä- rungen weitere Erkenntnisse gebracht hätten, ist unwahrscheinlich oder zumindest fraglich. Un- ter diesen Umständen und gestützt auf die echtzeitlichen Unterlagen ist es nachvollziehbar, dass die SUVA auf die Meinungen der Fachärzte der O. ____ (Neurologie) und von Dr. R.____ (Psychiatrie), welche von einer unfallbedingten organi schen und nicht psychiatrischen Ursache der Beschwerden ausgingen, abgestellt hat und nicht a uf die Einschätzung des Chirurgen Dr. K.____. 2.6. Auch das im Rahmen des vorliegenden Verfahrens von der Beschwerdegegnerin in Auf- trag gegebene Gutachten des T.____, vom 21. Januar 2014 sowie das von der Beschwerdefüh- rerin veranlasste interdisziplinäre Gutachten der S.____ (neurologisch, neuropsychologisch und psychiatrisch) vom 27. November 2012 lassen diesbezüglich keinen anderen Schluss zu. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Im Gutachten des T.____ wird ausgeführt, der Sachverhalt sei aus medizinischer Sicht im Zeit- punkt der Verfügungen vom 6. August 2003, vom 19. Apri l 2004 und vom 2. Juni 2008 jeweils nicht ausreichend abgeklärt gewesen. Es hätten dazumal n och eine gründliche psychiatrische Untersuchung durchgeführt werden müssen. Hingegen wir d im Gutachten der S.____ die da- malige Zusprache von Leistungen der Unfallversicherung aufgrund der Annahme der Unfallkau- salität als vertretbar bezeichnet. Angesichts der Tatsache, dass die Ärzte des O.____ im Zeit punkt der ursprünglichen leistungs- zusprechenden Verfügung der SUVA davon ausgingen, dass di e Beschwerden der Beschwer- deführerin auf eine organische Läsion zurückzuführen seien und der Psychiater Dr. R.____ kei- ne psychiatrische Diagnose stellen konnte und auch keinen weiteren Handlungsbedarf sah, bestand für die SUVA kein Anlass, weitere Untersuchungen zu veranlassen. Jedenfalls war der Entscheid die Rentenverfügung gestützt auf die damals vo rliegenden ärztlichen Unterlagen zu erlassen, nicht zweifellos unrichtig. 2.7 Nach dem Gesagten kann nicht davon ausgegangen werden , dass die ursprüngliche Rentenverfügung zweifellos unrichtig war, weshalb eine Wiedererwägung gestützt auf Art. 53 Abs. 2 ATSG nicht zulässig ist. 3. Die Beschwerdegegnerin machte ausserdem geltend, d er Gesundheitszustand der Be- schwerdeführerin habe sich seit der Verfügung vom 6. Au gust 2003 erheblich verändert, wes- halb eine Überprüfung der Rente gestützt auf Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzunehmen sei. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Renten für die Zukunft zu erhöhen, herabzu- setzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung anerkennt als Revisionsgrund namentlich die erhebliche Verbesserung oder Verschlechterung des Gesundh eitszustandes; eine Rente kann ferner auch revidiert werden, wenn sich die erwerbliche n Auswirkungen eines an sich gleich gebliebenen Gesundheitsschadens erheblich verändert habe n (vgl. BGE 109 V 116 E. 3b mit Hinweisen; vgl. zum Ganzen: KIESER , a.a.O., S. 254 ff. m.w.H.). Ob eine anspruchserhebliche Tatsachenänderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 E. 2 mit Hinweis). Zeitli- cher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserhebl ichen Änderung bildet nach der Rechtsprechung die letzte (der versicherten Person eröff nete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit r echtskonformer Sachverhaltsabklä- rung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Ges undheitszustands) beruht; vorbehal- ten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4, S. 114). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Es ist somit zu prüfen, ob sich gegenüber der ursprüng lichen Rentenverfügung vom 6. August 2003 im Zeitpunkt der streitigen Revisionsverfü gung bzw. des Einspracheentscheids vom 13. November 2014 eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands der Be- schwerdeführerin ergeben und sich dadurch der Invaliditä tsgrad in einer für den Anspruch er- heblichen Weise verändert hat. 3.2.1 Im interdisziplinären Gutachten der S.____ vom 27 . November 2012 wird zur Frage, ob seit der ursprünglichen Rentenverfügung von einer wese ntlichen Veränderung in den tatsächli- chen Verhältnissen auszugehen sei, festgehalten, die Expl orandin sei immer noch stark einge- schränkt. Möglicherweise seien noch weitere unfallbeding te Beschwerden hinzugekommen. In diesem Zusammenhang müsse die Abklärung der neurodegene rativen Erkrankung abgewartet werden. Weiter wurde ausgeführt, die Explorandin sei i n ihrem angestammten Beruf nicht ar- beitsfähig. Die Arbeitsunfähigkeit habe mit dem erlit tenen Schädelhirntrauma begonnen. Es bestehe keine Hoffnung auf eine signifikante Verbesser ung des neuropsychologischen Zustan- des. Im Gutachten des T.____ vom 21. Januar 2014 wird die Fr age nach einer Veränderung des unfallbedingten Gesundheitszustandes seit 2003 respektive 2008 aus medizinischer Sicht wie folgt beantwortet: Der unfallbedingte Gesundheitszustan d hat sich seit 2003 respektive 2008 nicht wesentlich verändert. Im Vordergrund steht die Per sönlichkeit mit auffälligem, stark re- gressivem Verhalten (Seite 59, Ziff. 7.4.1). Zur Frage wann bezüglich der Folgen des Unfalles vom 23. Januar 2000 der Endzustand erreicht worden se i, wurde ausgeführt, ein genauer Zeit- punkt, wann der Endzustand erreicht worden sei, lasse sich nicht angeben. Bei der vorliegen- den Problematik handle es sich um eine pathologische En twicklung. Gemäss Akten sei auf- grund der Hirnfunktionsstörung von den Ärzten des O.___ _ ab 1. Mai 2001 eine 100%ige Ar- beitsunfähigkeit angegeben worden. Eine weitere Verb esserung des Gesundheitszustandes lasse sich aufgrund der Akten nach diesem Zeitpunkt nicht feststellen, somit könne davon aus- gegangen werden, dass der Endzustand damals erreicht gewesen sei. 3.2.2 Gestützt auf das Gutachten des T.____ ist die Frage , ob eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes eingetreten ist, zu verneinen. Auch wenn im Gutachten der S.____ darauf hingewiesen wird, dass möglicherweise noch weitere unfallbedingte Beschwerden hin- zugekommen seien, so ist damit eine wesentliche Veränder ung nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargetan, weshalb die Voraussetzungen für eine Überprü- fung der Rente gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht gegeb en sind. Selbst wenn aber von einer Veränderung des Gesundheitszustandes auszugehen wäre – w ie dies die Beschwerdegegnerin geltend macht –, so würde sich der Invaliditätsgrad dad urch nicht in einer für den Anspruch er- heblichen Weise ändern. Unbestrittenermassen ist die Be schwerdeführerin seit dem Unfall zu 100 % arbeitsunfähig, weshalb jedenfalls eine Veränderung des Invaliditätsgrades zu verneinen ist. Demzufolge liegen die Voraussetzung für eine Anpa ssung der Verfügung der SUVA vom 6. August 2003 bzw. des Einspracheentscheides vom 12. Dezem ber 2008, mit welchen die Be- schwerdegegnerin die Verfügungen der SUVA übernommen hat, nicht vor. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Gestützt auf die obigen Ausführungen ist die Beschwe rde gutzuheissen und der Ein- spracheentscheid vom 13. November 2014 aufzuheben. Demge mäss hat die Beschwerdegeg- nerin ihre Leistungen weiterhin auszurichten. 4.1 Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdever fahren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 4.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Be schwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verf ahrens entsprechend ist der Versi- cherten deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Versicherten machte in seiner Ho norarnote vom 25. August 2015 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 65 Stunden und 10 Minuten (oh- ne Hauptverhandlung) geltend. Dieser Aufwand erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als zu hoch und ist deshalb zu kürzen. Vorweg ist anzufügen, dass sowohl sachverhaltsmässig wie auch rechtlich zu berücksic htigen ist, dass der Anwalt der Beschwerdeführerin nicht nur im Einspracheverfahren, so ndern bereits seit dem Jahre 2002 und damit vor dem Erlass der ersten Verfügung der SUVA in diesem Verfahren als Rechtsver- treter tätig war und sich deshalb im vorliegenden Besch werdeverfahren nicht neu einarbeiten musste. Beim vorliegenden Fall handelt es sich zwar nicht um einen leichten, aber auch nicht um einen schwierigen, sondern um einen durchschnittlic hen Fall. Der Parteivertreter macht in seiner Honorarnote allein für das Erstellen der Beschwer deschrift einen Aufwand von über 44 Stunden geltend. Dabei hat er in seiner 36 Seiten u mfassenden Beschwerdeschrift auf den ers- ten 28 Seiten im Wesentlichen den medizinischen Sachver halt zusammengefasst. Dies hätte durchaus unterbleiben oder – wenn schon – kürzer gefasst werden können, da sich doch das Gericht regelmässig selber ein Bild über die medizinische Vorgeschichte macht. Lediglich auf 6 Seiten nimmt der Parteivertreter zu rechtlichen Fragen Stellung. Insbesondere äussert er sich dabei zur Frage, ob die ursprüngliche Verfügung zweife llos unrichtig im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG gewesen sei (ca. 2 ½ Seiten) und warum au f das T.____-Gutachten vom 21. Ja- nuar 2014 nicht abgestellt werden könne (ca. 2 Seite n). Auf weiteren 2 Seiten wird der Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung begrün det. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mit diesem Antrag unterlegen i st (vgl. Verfügung vom 14. Januar 2015), weshalb dafür keine Parteientschädigung zuzusprec hen ist und dieser Aufwand daher nicht berücksichtigt werden kann. Damit ergibt sich, dass nu r rund 4 ½ Seiten zu rechtlichen Fragen verfasst wurden, die auch zu entschädigen sind. Ang esichts des Umfangs der rechtli- chen Erläuterungen erscheint die Berücksichtigung eines Au fwandes von insgesamt höchstens 10 Stunden für das Erstellen der Beschwerdeschrift gere chtfertigt. Neben dem Aufwand für das Erstellen der Beschwerde verbleibt ein weiterer gelten d gemachter Aufwand von 21 Stunden. Dieser Aufwand ergibt sich im Wesentlichen aus dem Stu dium des Einspracheentscheides und der Beschwerdeantwort sowie Schreiben an Prof. G.____ u nd weiteren Abklärungen in diesem Zusammenhang. Auch dieser Aufwand erweist sich als zu hoch. Insbesondere der angegebene Aufwand vom 17. November 2014 (Einspracheentscheid, Abkl ärungen) von 5 ½ Stunden, vom 19. November 2014 (Abklärungen, Schreiben an Prof. G. ____) von 6 ½ Stunden – dazwischen wurde noch ein Aufwand von 7 Stunden vom 18. Novembe r 2014 für die Beschwerde geltend Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemacht – sowie die im Zusammenhang mit der Beschwerde antwort angegeben 2 ½ Stunden vom 23. Februar 2015 (Beschwerdeantwort, Abklärungen, Schreiben an Prof. G.____) und 2 Stunden vom 27. Juli 2015 (Beschwerdeantwort) erweisen sich teilweise als unnötig oder zu- mindest überhöht. Dabei ist festzuhalten, dass die von der Beschwerdeführerin nach Erlass des Einspracheentscheides von Prof. G.____ angeforderte Ste llungnahme für das vorliegende Ver- fahren nicht von Bedeutung ist, da die Aktenlage im Zeitpunkt des Einspracheentscheides mas- sgebend ist und sich überdies aus dieser Stellungnahme auch keine für den vorliegenden Ent- scheid relevanten Erkenntnisse ergeben haben. Demzufolge kann weder der diesbezügliche Aufwand noch die geltend gemachten Kosten der Stellun gnahme vom 17. März 2015 berück- sichtigt werden, weshalb dieses Begehren (Ziff. 2 der Re chtsbegehren in der Beschwerde- schrift) abzuweisen ist. Für die Tätigkeiten neben dem Verfassen der Beschwerde erscheint ein Aufwand von höchstens 10 Stunden als angemessen. In der H onorarnote nicht enthalten ist hingegen der Aufwand für die Vorbereitung und Durchf ührung der Parteiverhandlung, weshalb dafür ein Aufwand von 4 Stunden hinzuzurechnen ist. Insgesamt ergibt sich damit ein zu entschädigender Gesamtau fwand von 24 Stunden. Diese Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für d urchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu en tschädigen. In Bezug auf die Ausla- gen erweist sich der Ansatz von Fr. 2.-- pro Kopie als zu hoch und ist auf Fr. 1.50 zu reduzieren (§ 15 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwä lte vom 17. November 2003). Damit erge- ben sich Auslagen in der Höhe von Fr. 436.--. Der Beschwe rdeführerin ist deshalb eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 6‘950.90 (24 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 436.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid vom 13. November 2014 aufgehoben und die Allianz Versicher ungs- Gesellschaft AG angewiesen, der Beschwerdeführerin die UVG- Leistungen gemäss Verfügung vom 2. Juni 2008 bzw. Einspr acheent- scheid vom 12. Dezember 2008 weiter auszurichten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Antrag der Beschwerdeführerin, der Allianz Versiche rungs- Gesellschaft AG seien die Kosten für die Stellungnahme von Prof. Dr. med. G.____ vom 17. März 2015 aufzuerlegen (Ziff. 2 der Rechtsbe- gehren in der Beschwerdeschrift vom 2. Dezember 2014), w ird abge- wiesen. 3. Die Allianz Versicherungs-Gesellschaft AG hat der Besch werdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr 6‘950.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde am 14. März 2016 Beschwerde beim Bundesgericht erhoben (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_193/2016). http://www.bl.ch/kantonsgericht