<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 123 S.575</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">575</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>123 Grosser</b></span> <span class="ft3"><b>Grenzabstand.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Kriterien für die Bestimmung der Hauptwohnseite.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Baudepartements vom 01. Mai 2001 in Sachen C.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3. a) Legt die Gemeinde einen grossen Grenzabstand fest, so ist</span><br/> <span class="ft6">dieser senkrecht vor der massgeblichen Fassade von bewohnten</span><br/> <span class="ft6">Bauten einzuhalten. Die für den grossen Grenzabstand massgebliche</span><br/> <span class="ft6">Fassade wird nach den örtlichen Verhältnissen (Lärm, Besonnung,</span><br/> <span class="ft6">Nutzung der Räume, Einpassung usw.) bestimmt (§ 17 Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">ABauV). Die Bau- und Nutzungsordnung der Gemeinde W., welche</span><br/> <span class="ft6">mit dem Zonenplan erlassen worden ist, legt einen grossen Grenzab-</span><br/> <span class="ft6">stand fest (Art. 9 Abs. 2 BNO). Wie die massgebliche Fassade zu</span><br/> <span class="ft6">bestimmen ist, regelt sie nicht. Kommunale Regelungen dürfen oh-</span><br/> <span class="ft6">nehin nur berücksichtigt werden, soweit sie § 17 Abs. 2 ABauV nicht</span><br/> <span class="ft6">widersprechen (Urteil des Verwaltungsgerichts vom 6. November</span><br/> <span class="ft6">1995 [VGE III/85] i.S. R.).</span><br/> <span class="ft6">b) Die Parzelle 4512 weist eine längliche Form auf mit von</span><br/> <span class="ft6">Nordwesten nach Südosten abnehmender Bautiefe. Aufgrund der</span><br/> <span class="ft6">Parzellenform sollen die Längsseiten der Baute unter Einhaltung des</span><br/> <span class="ft6">Minimalabstandes nach Südwesten und Nordosten ausgerichtet wer-</span><br/> <span class="ft6">den, wogegen die Stirnseiten nach Südosten und Nordwesten orien-</span><br/> <span class="ft6">tiert sind. Auf beiden Stirnseiten befinden sich Sitzplätze und Bal-</span><br/> <span class="ft6">kone, wobei diejenigen auf der Nordwestseite erheblich grösser sind.</span><br/> <span class="ft6">Streitig ist nun, welche Fassade die massgebliche ist im Sinne von</span><br/> <span class="ft6">§</span> <span class="ft6">17 Abs. 2 ABauV. Über Sinn und Zweck des grossen</span><br/> <span class="ft6">Grenzabstandes sind sich der Beschwerdeführer und der</span><br/> <span class="ft6">Gemeinderat durchaus einig, hingegen gehen die Meinungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">576</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">auseinander, auf welcher Seite er einzuhalten ist: Während der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer die gegen die Flurstrasse gerichtete Nordwestseite</span><br/> <span class="ft6">als massgebliche Fassade betrachtet, hält der Gemeinderat die</span><br/> <span class="ft6">Südwestfassade für die Hauptwohnseite. Der Beschwerdeführer legt</span><br/> <span class="ft6">Wert auf die Feststellung, dass die streitige Fassade mehr nach</span><br/> <span class="ft6">Westen als nach Nordwesten ausgerichtet ist. Indessen ist dies für</span><br/> <span class="ft6">den Ausgang des Verfahrens nicht relevant.</span><br/> <span class="ft6">c) Im erwähnten Urteil vom 6. November 1995 hatte das Ver-</span><br/> <span class="ft6">waltungsgericht einen vergleichbaren Fall zu beurteilen. Das Gericht</span><br/> <span class="ft6">hat erwogen, die bisherige Praxis, nach welcher massgebend für die</span><br/> <span class="ft6">Bestimmung der Hauptwohnseite ist, auf welche Gebäudeseite die</span><br/> <span class="ft6">meisten Wohnräume orientiert sind, entspreche auch den Kriterien</span><br/> <span class="ft6">von § 17 Abs. 2 ABauV. Weiter hat es ausgeführt, die Orientierung</span><br/> <span class="ft6">lasse sich in erster Linie aus der Grösse und Bedeutung der Fenster</span><br/> <span class="ft6">und der Fläche der betreffenden Räume ablesen. Dabei seien Fenster</span><br/> <span class="ft6">auf der Südwestseite im Hinblick auf die direkte Sonneneinstrahlung</span><br/> <span class="ft6">grundsätzlich bedeutsamer als solche auf der Nordwestseite.</span><br/> <span class="ft6">Schliesslich zählten Kinderzimmer genauso wie Wohn-/Esszimmer</span><br/> <span class="ft6">zu den für die Bestimmung der Hauptwohnseite massgebenden</span><br/> <span class="ft6">Räumen.</span><br/> <span class="ft6">4. Angewendet auf den vorliegenden Fall ergibt sich was folgt:</span><br/> <span class="ft6">a) Unübersehbar ist, dass die Südwestseite die weitaus grössere</span><br/> <span class="ft6">Zahl von Fenstern bzw. Glastüren aufweist als die Nordwestseite.</span><br/> <span class="ft6">Vergleicht man die Glasflächen der beiden Seiten insgesamt, ergibt</span><br/> <span class="ft6">sich für die Südwestseite ein Überhang von 2,37 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span><span class="ft6">. Indessen sind</span><br/> <span class="ft6">nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung nicht nur die</span><br/> <span class="ft6">Fenster für sich allein massgebend, sondern auch die Flächen der</span><br/> <span class="ft6">betreffenden Räume.</span><br/> <span class="ft6">b) Ausschliesslich auf die Nordwestseite orientiert ist der Ess-</span><br/> <span class="ft6">bereich mit einer Fläche von 21,7 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span><span class="ft6">. Der Bereich Wohnen weist</span><br/> <span class="ft6">eine grosse Sitzplatz- bzw. Balkontüre auf der Nordwestseite auf. Er</span><br/> <span class="ft6">wird aber auch durch ein Fenster auf der Südwestseite belichtet. Al-</span><br/> <span class="ft6">lerdings ist dieses nach der Auffassung des Beschwerdeführers von</span><br/> <span class="ft6">untergeordneter Bedeutung, weil seine Grösse lediglich ca. einen</span><br/> <span class="ft6">Drittel der auf den Balkon bzw. Sitzplatz gerichteten Glasfläche</span><br/> <span class="ft6">ausmache. Nach seiner Meinung darf deshalb höchstens ein Drittel</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">577</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">der Wohnbereichsfläche von 34,5 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span> <span class="ft6">der Südwestseite zugeschlagen</span><br/> <span class="ft6">werden. Laut den bewilligten Plänen beträgt die Fläche der Sitzplatz-</span><br/> <span class="ft6">bzw. Balkontüre im Wohnbereich auf der Nordwestseite 7 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span> <span class="ft6">und</span><br/> <span class="ft6">diejenige des Fensters auf der Südwestseite 3 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span><span class="ft6">; die Fensterfläche</span><br/> <span class="ft6">auf der Südwestseite macht also rund 42 % von derjenigen auf der</span><br/> <span class="ft6">Nordwestseite aus. Wird berücksichtigt, dass nach der verwaltungs-</span><br/> <span class="ft6">gerichtlichen Rechtsprechung Fenster auf der Südwestseite wegen</span><br/> <span class="ft6">der direkten Sonneneinstrahlung grundsätzlich bedeutsamer sind,</span><br/> <span class="ft6">rechtfertigt sich die hälftige Aufteilung der Fläche von 34,5 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span> <span class="ft6">auf</span><br/> <span class="ft6">die Nordwest- und Südwestseite. Im Fall, den das Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft6">richt im erwähnten Entscheid zu beurteilen hatte, betrug die Fenster-</span><br/> <span class="ft6">fläche auf der Südwestseite ca. 27 % von derjenigen auf der Nord-</span><br/> <span class="ft6">westseite.</span><br/> <span class="ft6">c) Unbestritten ist, dass das Kinderzimmer 1 auf allen drei Ge-</span><br/> <span class="ft6">schossen ausschliesslich nach Südwesten orientiert ist. Während es</span><br/> <span class="ft6">im Erdgeschoss eine Glastüre ins Freie aufweist, ist es in den beiden</span><br/> <span class="ft6">Obergeschossen mit einem Fenster versehen. Beim Kinderzimmer 2</span><br/> <span class="ft6">verhält es sich auf der Südwestseite genau gleich wie beim Kinder-</span><br/> <span class="ft6">zimmer 1. Zusätzlich weist es aber auf der Südostseite eine Sitzplatz-</span><br/> <span class="ft6">bzw. Balkontüre auf. Der Beschwerdeführer hält deshalb dafür, dass</span><br/> <span class="ft6">höchstens die Hälfte der Fläche des Kinderzimmers 2 der Südwest-</span><br/> <span class="ft6">seite zugeschlagen werden darf. Diese Betrachtungsweise ist nicht</span><br/> <span class="ft6">von der Hand zu weisen.</span><br/> <span class="ft6">Demnach ergibt sich - pro Geschoss - folgende Aufteilung: Der</span><br/> <span class="ft6">Nordwestseite zuzuschlagen sind 38,95</span> <span class="ft6">m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span> <span class="ft6">(21,7</span> <span class="ft6">m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span> <span class="ft6">Essen +</span><br/> <span class="ft6">17,25 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span> <span class="ft6">Wohnen), der Südwestseite 43,2 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span> <span class="ft6">(17,25 + 17,3 + 8,65).</span><br/> <span class="ft6">Somit ergibt sich für die Südwestseite eine Mehrfläche von 4,25 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span><span class="ft6">.</span><br/> <span class="ft6">d) Abgesehen von der - geringen - zahlenmässigen Mehrfläche</span><br/> <span class="ft6">auf der Südwestseite sowohl bezüglich der Fensterfläche als auch der</span><br/> <span class="ft6">dieser zugeordneten Raumfläche spricht die Sitzplatz- bzw. Balkon-</span><br/> <span class="ft6">gestaltung im Wohn-/Essbereich für die Südwestseite als massgebli-</span><br/> <span class="ft6">che Fassade: Durch den Fassadenrücksprung auf der Nordwestseite</span><br/> <span class="ft6">wird die Sitzplatz- bzw. Balkonfläche im Wohnbereich wesentlich</span><br/> <span class="ft6">grösser als im Essbereich. Damit ist sie nicht nur nach Nordwesten,</span><br/> <span class="ft6">sondern auch nach Südwesten ausgerichtet (AGVE 1996, S. 522).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">578</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beurteilung des</span><br/> <span class="ft6">Gemeinderates W., dass die Südwestfassade als massgebliche Fas-</span><br/> <span class="ft6">sade im Sinne von § 17 Abs. 2 ABauV zu gelten habe, haltbar ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>