Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Mai 2017 (720 16 411 / 113) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente aufgrund übereinstimmender ärztlicher Berichte; Beweiswert einer RAD-Stellungnahme Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Markus Mattle, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Nikolaus Tamm, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1960 geborene A.____ arbeitet seit 7. Juli 2 014 als Maler bei der B.____ AG in C.____. Am 1. Dezember 2014 meldete er sich unter H inweis auf "Bandscheibenvorfälle" bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach durchge- führtem Vorbescheidverfahren lehnte die IV-Stelle B asel-Landschaft mit Verfügung vom 4. No- vember 2016 seinen Leistungsanspruch mangels rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung reichte A.____, vertreten du rch Advokat Nikolaus Tamm, am 9. Dezember 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteil ung Sozialversicherungsrecht, ein. Er beantragte, es sei ihm in Aufhebung der angefochten en Verfügung gestützt auf ein gericht- lich angeordnetes interdisziplinäres Gutachten eine unbef ristete Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zu r Durchführung von Eingliederungs- massnahmen und zur anschliessenden interdisziplinären Begut achtung zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. In der Begründung wurde eine mangel hafte Abklärung des Sachverhalts ge- rügt. Die dem ablehnenden Rentenentscheid zugrunde l iegende Beurteilung des Regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom 12. August 2016 sei nicht beweistauglich. Es fehle insbesondere an einer interdisziplinären Zumutbarkeitsbeurteilung, deren Notwendigkeit sich aus dem aus- führlichen Bericht der neurologisch-neurochirurgischen Pol iklinik des Spitals D.____ vom 28. November 2016 ergebe. Ohne weitere medizinische Ab klärungen wie z.B. einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFU) könne die A rbeitsfähigkeit nicht rechtsgenüglich be- urteilt werden. Der Rentenentscheid sei deshalb auch verfrüht erfolgt. C. Mit Vernehmlassung vom 1. Februar 2017 beantragte d ie IV-Stelle unter Verweis auf die RAD-Stellungnahme vom 10. Januar 2017 die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 9. Dezember 2016 ist demnach einzutreten. 2. Der Versicherte macht zunächst geltend, er habe Anspr uch auf Durchführung von Ein- gliederungsmassnahmen. Das prozessuale Verhältnis von Ein gliederungsmassnahmen und Invalidenrenten unterliegt der Rechtsprechung zum Anfechtungs- und Streitgegenstand gemäss BGE 125 V 413. Danach sind im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, z u denen die zuständige Verwaltungs- behörde vorgängig verbindlich in Form einer Verfügung Stellung genommen hat. Insoweit be- stimmt die Verfügung den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umge- kehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (vgl. a uch BGE 131 V 164 f. E. 2.1 mit Hin- weisen). Der Rentenanspruch sind einerseits und die einz elnen Eingliederungsmassnahmen andererseits als je unterscheidbare, streitgegenstandsf ähige Rechtsverhältnisse zu begreifen (vgl. U LRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, Zü- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht rich/Basel/Genf 2014, zu Art. 28 Rz. 18). Dabei ist stet s als Erstes zu prüfen, worüber die IV- Stelle tatsächlich verfügt hat. Vorliegend beurteilte die IV-Stelle in der Verfügung vom 4. No- vember 2016 einzig den Anspruch auf eine Invalidenrente . Die Durchführung von Eingliede- rungsmassnahmen wurde in dieser Verfügung nicht geprüft . Aus diesem Grund kann auf das Rechtsbegehren des Versicherten, soweit er damit die P rüfung von Eingliederungsmassnah- men beantragt, im vorliegenden Verfahren nicht eingetreten werden. 3.1 In materieller Hinsicht ist zu beurteilen, ob der Versicherte Anspruch auf eine unbefriste- te ganze Invalidenrente hat. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG h at die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf ein e Dreiviertelsrente, wenn sie zu min- destens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu minde stens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussi chtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit . Die Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, der geistigen oder der p sychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 3.3 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die d urch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.4 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem U mfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.5 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.6 Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung de r medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Ve rsicherten fest, eine zumutbare Er- werbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich ausz uüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2 bis IVG). Die RAD können bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von Versicherten durchführe n. Sie halten die Untersuchungs- ergebnisse schriftlich fest (Art. 49 Abs. 2 der Verordnu ng über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). RAD-Berichte sind versicherungsinte rne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrens- regeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Bericht en keine Wirkung (BGE 135 V 254 E. 3.4 S. 258; Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.1). 3.7 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, so fern sie den praxisgemässen Anfor- derungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232) genügen und die Arztper- son über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ve rfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1 S. 219). Allerdings ist hinsichtlich des Beweiswerts wie folgt zu differenzieren: Bezüglich Gerichtsgutach- ten hat die Rechtsprechung ausgeführt, das Gericht weiche "nicht ohne zwingende Gründe" von den Einschätzungen des medizinischen Experten ab. Hinsicht lich von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholter, den Anforde rungen der Rechtsprechung entspre- chender Gutachten externer Spezialärzte wurde festgehalten, das Gericht dürfe diesen Gutach- ten vollen Beweiswert zuerkennen, solange "nicht konkre te Indizien gegen die Zuverlässigkeit" der Expertise sprechen. Auf das Ergebnis versicherungsinte rner ärztlicher Abklärungen - zu denen die RAD-Berichte gehören - kann nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urt eil des Bundesgerichts vom 12. April 2017, 8C_839/2016, E. 3.1 f.; BGE 139 V 225 E. 5.2 S. 229, 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. und E. 4.7 S. 471. 4.1 Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass der Ve rsicherte am 7. August 2014 wegen eines Bandscheibenvorfalls L4/5 im Spital E.____ operiert wurde (vgl. Bericht des Spi- tals E.____ vom 31. Juli 2014 und Operationsbericht vom 7. August 2014). Am 2. Dezember 2014 berichtete der behandelnde Arzt des Spitals E.___ _, dass nun 3 Monate nach der Opera- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tion eine Arbeitsbelastungsprobe als Maler erfolgen kö nne. Es werde dem Versicherten zu- nächst eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt. Dabei seien schweres Heben und Verharren in Zwangshaltungen zu vermeiden. 4.2 Die Hausärztin Dr. med. F.____, FMH Allgemeinmedi zin, hielt in ihrem Bericht vom 22. Dezember 2014 als Diagnosen eine Diskushernie L4/ 5 mediolaterial rechts nach kaudal reichend sowie ein Zervikalsyndrom bei fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen C3 - C6 fest. Seit der Operation habe der Versicherte bei Ü berbelastung lumbale Schmerzen. Dazu kämen zunehmende Nackenschmerzen. Gemäss MRI vom 5. Novembe r 2014 beständen fort- geschrittene degenerative Veränderungen zwischen C3 - C 6 mit leicht- bis mittelgradiger Ein- engung der linken Neuroforamina. Die Tätigkeit als Mal er sei ungünstig. Seit 10. Dezember 2014 sei er in seiner angestammten Tätigkeit als Maler bis auf weiteres zu 50 % arbeitsunfähig. Dabei sollten Überkopfbewegungen, Tragen von Lasten übe r 8 kg und fixe Stellungen in Repe- tition vermieden werden. Es sei anzunehmen, dass die Au sübung des angestammten Berufes das Leiden des Versicherten verschlimmere und letztlich zu einem 100%igen Arbeitsausfall führe. 4.3 Auf Empfehlung des RAD-Arztes Dr. med.G.____, Fac harzt für Arbeitsmedizin, vom 16. Februar 2015 holte die IV-Stelle einen weiteren Bericht des Spitals E.____ ein. In seinem Bericht vom 20. Februar 2015 führte PD Dr. med. H.__ __, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, aus, dass der V ersicherte auf Höhe der Lenden- wirbelsäule (LWS) weitgehend beschwerdefrei sei. Es hätt en sich jedoch vermehrt Schmerzen an der Halswirbelsäule (HWS) entwickelt, welche bereits vor der Operation der LWS vorhanden gewesen sei, deren Behandlung aber wegen der aktuellen LWS-Problematik zurückgestellt worden seien. Wegen der HWS-Problematik könne er kei ne Arbeiten in Reklination und Zwangshaltungen ausführen. In Bezug auf die LWS sollt e der Versicherte schwere körperliche Arbeiten und schweres Heben vor dem Körpermittelpunkt vermeiden. Es sei dem Versicherten deshalb nicht mehr möglich, seinen angestammten Beruf als Maler auszuüben. PD Dr. H.____ attestierte ab 8. Januar 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. 4.4 Dr. G.____ führte in seiner Stellungnahme vom 5. März 2015 aus, dass der Versicherte gemäss den medizinischen Beurteilungen an einem LWS- u nd einem HWS-Syndrom leide. Der Gesundheitszustand sei inzwischen stabil. An der LWS sei er wenige Monate nach der Operati- on im August 2014 nicht mehr in seiner Arbeitsfähigkei t eingeschränkt gewesen. Es sollten je- doch rückenbelastende Tätigkeiten weiterhin vermieden werden. Das Hauptproblem sei das degenerative HWS-Syndrom, welches zwar keine neurologisc hen Ausfälle verursache, aber zu einer 50%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Bau- und Kundenmaler führe. In einer leidensangepassten Tätigkeit ohne erhöhte Belastung der HWS und LWS bestehe dagegen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Es sei zu erwarten, da ss das HWS-Syndrom weiterhin rezidivie- rende Beschwerden verursachen werde. Sofern aber das vo n PD Dr. H.____ definierte Belast- barkeitsprofil eingehalten werde, werde er vollzeitlich eine leidensangepasste Arbeit ausführen können. Ein wesentliches Besserungspotential bestehe nic ht, weshalb keine weiteren medizini- schen Abklärungen erforderlich seien. Es seien beruflich e Massnahmen zu prüfen. Am 24. November 2015 stellte Dr. G.____ fest, dass der Ve rsicherte immer wieder über starke Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schmerzen am Nacken, über beide Schultern und in der o beren Rückenhälfte klage. Ein Ar- beitsversuch sei gescheitert. Es sei deshalb davon auszugeh en, dass seit Anfang Juli 2015 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als Maler bestehe. Für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer alternativen Tätigkeit bedürfe es weiterer Abklärungen. 4.5 Am 30. November 2015 untersuchte Dr. med. I.____ , FMH Neurologie, den Versicher- ten. Er stellte dabei fest, dass sich neurologisch eine nor male Sensomotorik ohne Hinweise auf eine radikuläre Irritation oder eine radikuläre Ausf allsymptomatik zeige (vgl. auch Bericht vom 7. September 2015). 4.6 Dr. med. J.____, FMH Anästhesiologie, Klink L.__ __, kam in ihrem Bericht vom 9. De- zember 2015 zum Schluss, dass der Versicherte aufgrund sei ner Leiden an der LWS und der HWS seine angestammte Tätigkeit nicht mehr ausüben könn e, weil er keine Lasten heben und nicht mehr auf Leitern stehen könne. In Bezug auf eine Verweistätigkeit füllte sie das entspre- chende Formular der IV-Stelle aus. Danach könne der Ver sicherte eine leichte leidensange- passte wechselbelastende Tätigkeit (ohne Bücken, ohne Übe rkopfarbeiten, ohne Kauern, ohne Rotationen im Sitzen und Stehen, ohne Steigen auf Le itern und Gerüsten und ohne Heben von Lasten über 15 kg) vollzeitlich ausüben. 4.7 Wegen eines Vorhofflimmerns wurde der Versicherte am 16. Dezember 2015 im Spital E.____ kardiologisch untersucht. Im entsprechenden Bericht wurde festgehalten, dass das Vor- hofflimmern einmalig am 26. Oktober 2015 aufgetreten sei. Mit Beloc Zok hätten sich die Symp- tome gebessert. Anlässlich der Untersuchung habe sich ein kardiopulmonal kompensierter Pa- tient mit normotensivem Blutdruck gezeigt. Es sei deshalb die inzwischen etablierte Medikation fortzusetzen. 4.8 Am 6. Januar 2016 nahm Dr. G.____ abermals Stell ung zur medizinischen Aktenlage. Er schloss sich der Beurteilung von Dr. J.____ an, wonach in ei ner leidensangepassten leichten wechselbelastenden Verweistätigkeit eine volle Arbeitsfä higkeit bestehe. Eine abschliessende Beurteilung könne aber erst nach Vorliegen der Berichte der behandelnden Psychologin und von Dr. F.____ vorgenommen werden. 4.9 Die Psychologin K.____, Klinik L.____, berichtete am 12. Januar 2016, dass der Versi- cherte eine depressive Symptomatik aufweise, welche durch d ie Schmerzsymptomatik bedingt sei. Bei einer Besserung der Schmerzen und der körperliche n Leistungsfähigkeit würde sich auch die psychische Symptomatik reduzieren. 4.10 Dr. F.____ diagnostizierte in ihrem Bericht vom 2 1. Januar 2016 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Diskushernie L4/5 und ein C ervikalsyndrom bei Osteochondrose C4 - C7 mit pathologischer Kyphosierung und relativer spina ler Enge. Sie berichtete, dass sich die zervikalen Schmerzen nach lokalen Infiltrationen gebessert hätten. Dafür hätten im Herbst 2015 die lumbalen Beeinträchtigungen wieder zugenommen. D iese hätten mit Infiltrationen erfolg- reich behandelt werden können. In psychischer Hinsicht beständen je nach Symptomatik wech- selnd Euphorie und ein depressives Zustandsbild. Gegenwä rtig finde eine interdisziplinäre Zu- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sammenarbeit zwischen Dr. J.____, Dr. I.____ und der P hysiotherapie statt. Zusätzlich werde er in der Klinik L.____ psychologisch begleitet. Als Maler sei der Versicherte nicht mehr arbeits- fähig. Es sei jedoch zu erwarten, dass er bei geeigneter Arbeit voll leistungsfähig sei. Vorher sei aber die körperliche Leistungsfähigkeit abzuklären. 4.11 Das MRI der HWS vom 1. Februar 2016 zeigte osteod iskogen bedingte multisegmentale Neuroforaminalstenosen mit Affektion bzw. Kompression de r Nervenwurzeln C5 - C7 links und C6 - C7 rechts (vgl. Bericht der Radiologie und Nuklearm edizin, Spital D.____, vom 1. Februar 2016). 4.12 Vom 2. Mai 2016 bis 21. Mai 2016 hielt sich der V ersicherte stationär in der Klinik L.____ auf. Im Austrittsbericht vom 6. Juli 2015 wurd en als Diagnosen ein Zervikalsyndrom mit radikulärem Reizsyndrom C5/C6, ein chronisches Lumboverte bralsyndrom, eine teilremittierte depressive Episode sowie eine Hypovitaminose D festgehalte n. Während des Aufenthalts wur- de er internistisch, rheumatologisch, neurologisch und psychiatrisch abgeklärt. Bei der körperli- chen Untersuchung hätten sich paravertebral druckdolente F acettengelenke C4 - C6 gezeigt. Bei der HWS sei bildgebend eine Osteochondrose C3 - C 7 festzustellen. Diese degenerativen Veränderungen könnten sowohl die zervikalen Schmerzen als auch die Schmerzausstrahlung in den Arm erklären. Aufgrund der neurologischen Untersu chung könne elektroneurographisch und -myographisch eine Läsion des Nervus Ulnaris und von C8 ausgeschlossen werden. Wäh- rend der Hospitalisation habe der Versicherte aufgrund der verschiedenen Behandlungen seine Schmerzen teilweise reduzieren und die zervikale Stabili tät teilweise verbessern können. Aus psychiatrischer Sicht sei die depressive Episode als teilre mittiert zu betrachten. Es werde in dieser Hinsicht die Fortführung der medikamentösen Beha ndlung und der ambulanten Psycho- therapie empfohlen. 4.13 Am 21. Juni 2016 führte die Psychologin K.____ a us, dass sich der psychische Zustand nach dem stationären Aufenthalt in der Klinik L.____ vom 2. bis 21. Mai 2016 vorerst gebessert habe. Nach etwa 3 ½ Wochen seit der Entlassung seien aber Symptome wie Hilflosigkeit, Zu- kunftsängste, Selbstwertproblematik, Schlafstörungen, A ntriebsprobleme und ein impulsives Verhalten mit Wut und Niedergeschlagenheit aufgetret en. Die Auswirkungen der depressiven Symptomatik auf die Arbeitsfähigkeit habe ein Arzt zu beurteilen. 4.14 Am 12. August 2016 hielt der RAD-Arzt Dr. G.____ das Belastungsprofil fest. Danach seien dem Versicherten gemäss der medizinischen Aktenlage leichte wechselbelastende rü- ckenadaptierte Tätigkeiten zuzumuten. Dabei bestehe eine Gewichtslimite von 10 kg. Gewichte sollten nicht körperfern und mit einer Vornüberneigung gehoben werden. Zwangshaltungen des Rumpfes, Überkopfarbeiten, Reklinationen und Zwangshalt ungen des Kopfes seien nicht mehr möglich. Dr. G.____ nahm in seiner Stellungnahme vom 1 . November 2016 Stellung zum Ein- wand des Versicherten, wonach eine vollschichtige Arbeits fähigkeit in einer Verweistätigkeit nicht zumutbar und nicht rechtsgenüglich nachgewiesen se i. Dazu führte er aus, dass er sich bei seiner Beurteilung auf umfangreiche interdiszipli näre Untersuchungsergebnisse stütze, die er gesamtmedizinisch zusammengefasst gewürdigt habe. Aufg rund der vorliegenden ärztlichen Beurteilungen, der ausführlichen klinischen und bildge benden Befundlage habe ein Profil für Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Verweistätigkeit erstellt werden können. Dabei seien die degenerativen Veränderungen an der LWS und HWS berücksichtigt worden. Es sei davon auszug ehen, dass der Versicherte seit Austritt aus der Klinik L.____ am 21. Mai 2016 in eine r leidensangepassten Arbeit zu 100 % arbeitsfähig sei. In seiner Stellungnahme vom 1. Novem ber 2016 führte Dr. G.____ weiter aus, dass eine somatoforme Schmerzstörung fachärztlich nicht di agnostiziert worden sei. Gemäss der psychiatrischen Beurteilung der Klinik L.____ sei eine depressive Episode weitgehend re- mittiert. Da die umfangreichen rheumatologischen, neu rologischen und psychiatrischen Unter- suchungen in der Klinik L.____ einen guten Funktionsum fang des muskuloskelettalen Systems belegen und sensomotorische Ausfälle ausschliessen würden, halte er an seiner Zumutbar- keitsbeurteilung fest. 4.15 Gemäss Bericht der neurologisch-neurochirurgischen P oliklinik des Spitals D.____ vom 28. November 2016 lasse sich in den oberen Extremitäten k eine sensomotorische Ausfallsymp- tomatik finden. In Bezug auf das chronische Lumboverteb ralsyndrom bestände eine pseudora- dikuläre Ausstrahlung ins Gesäss. Das MRI der LWS vom 1. F ebruar 2016 zeige keine lumbale Wurzelkompression oder Spinalkanalstenose. Klinisch sei eine Hypästhesie des rechten Beines bei einem residuellen sensiblen Ausfallsyndrom im Derma tom L5 rechts festzustellen. Zudem bestehe ein Verdacht auf eine mögliche zusätzliche funkt ionelle Komponente der Beschwerden im rechten Bein. Die rechtsbetone Pallhypästhesie und La gesinnstörung der unteren Extremitä- ten könne auch in diesem Rahmen interpretiert werde n. Die Beschwerden des Versicherten würden seine Arbeitsfähigkeit als Maler beeinflussen. D abei werde die Arbeit als Maler als mit- telschwere bis schwere Tätigkeit betrachtet. Der Umfang de r Einschränkung der Arbeitsfähig- keit könne im Rahmen der neurologischen Untersuchung ni cht beurteilt werden. Es werde eine polydisziplinäre Begutachtung (neurologisch, psychiatrisch und internistisch) empfohlen. 4.16 In seiner Stellungnahme vom 10. Januar 2017 hiel t Dr. G.____ im Wesentlichen an sei- ner Stellungnahme vom 1. November 2016 fest. Weiter st ellte er sich auf den Standpunkt, dass eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit bei den klaren klinischen Befunden nicht erforderlich sei. Ein weiterer Abklärungsbedarf bestehe nicht. 5.1. Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung de s medizinischen Sachverhalts auf die Berichte der behandelnden Ärzte und die Einschätzung des RAD-Arztes Dr. G.____. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherte in seiner ange stammten Tätigkeit zu 100 % ar- beitsunfähig sei. Demgegenüber sei ihm zuzumuten, ab 21. Mai 2016 eine leichte wechselbe- lastende rückenadaptierte Tätigkeit zu 100 % auszuüben, sofern er keine Gewichte über 10 kg tragen, nicht körperfern heben, keine Arbeiten in ein er vornübergeneigten Haltung, in Zwangs- haltungen des Rumpfes und des Kopfes sowie bei über dem Kopf und in Reklination ausführen müsse. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu bea nstanden. Dr. G.____ setzte sich mit der medizinischen Aktenlage sorgfältig auseinande r und begründete seine Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit gestützt auf die Befunde und Beurteilungen der behandelnden Ärzte- schaft. Seine Zumutbarkeitsbeurteilung stimmt auch mit denjenigen von Dr. J.____ und Dr. F.____ überein, die sich als einzige der behandelnd en Fachpersonen zur Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit äusserten. Sie sind ebenfalls der Auffassung, dass der Versicherte in seinem angestammten Beruf als Maler nicht mehr arbeits fähig sei, aber es ihm zuzumuten sei, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine leidensangepasste Tätigkeit zu 100 % auszuführen (vgl. Bericht von Dr. J.____ vom 9. Dezember 2015, Dr. F.____ vom 21. Januar 2016). Auf grund der übereinstimmenden ärztli- chen Einschätzungen gibt es keinen Anlass, an der Einschätzung von Dr. G.____ zu zweifeln. 5.2 An diesem Ergebnis vermögen auch die Einwände de s Versicherten nichts zu ändern. Der Versicherte macht geltend, dass Dr. G.____ lediglich Arztberichte zugrunde lägen, welche Momentaufnahmen darstellten und keine näher begründet en Zumutbarkeitsbeurteilungen ent- hielten. Die Vorinstanz habe es deshalb versäumt, eine damit klar indizierte interdisziplinäre Begutachtung in die Wege zu leiten. Eine solche werde auch von der neurologisch- neurochirurgischen Poliklinik des Spitals D.____ empfohle n. Entgegen der Ansicht des Versi- cherten können die Berichte der behandelnden Ärzte ni cht als Momentaufnahmen bezeichnet werden. Insbesondere der Austrittsbericht der Klinik L.____ vom 6. Juli 2015 zeigt auf, dass der Versicherte während rund 3 Wochen beobachtet und beur teilt wurde. Dazu kommt, dass Dr. F.____ ihn als Hausärztin seit mehreren Jahren beh andelt und deshalb die Krankenge- schichte und den Verlauf gut kennt. Desgleichen wurde der Versicherte von der Ärzteschaft im Spitals E.____ mehrmals untersucht. Die behandelnden Ärzte und Ärztinnen konnten sich somit ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand des Versicherten machen. Eine interdiszip- linäre Untersuchung wurde beim Versicherten bereits dur chgeführt. So wurde er in der Klinik L.____ rheumatologisch, neurologisch und psychiatrisch begu tachtet. Die entsprechenden Be- urteilungen der Fachpersonen sind umfassend und schlüssig; dies wird vom Versicherten denn auch nicht bestritten. Da keine dem Austrittsbericht de r Klinik L.____ vom 6. Juli 2015 wider- sprechenden ärztlichen Beurteilungen vorliegen, besteht kein Anlass auf eine nochmalige inter- disziplinäre Abklärung. Dass die neurologisch-neurochirurg ischen Poliklinik des Spitals D.____ eine polydisziplinäre Begutachtung empfahl, ist wohl auf den Umstand zurückzuführen, dass die Ärzteschaft keine (vollständige) Einsicht in die Vorakten hatte und deshalb nicht wusste, dass der Versicherte bereits in anderen Fachdisziplinen abgeklärt wurde. 5.3 Zum Einwand der fehlenden Durchführung einer EFL ist festzuhalten, dass bei zuverläs- siger ärztlicher Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in d er Regel keine Notwendigkeit besteht, die Rechtsfrage der Erwerbsunfähigkeit durch eine EFL zu üb erprüfen. Ausnahmsweise kann eine solche erforderlich sein, wenn mehrere involvierte Ärzte eine solche angesichts eines multiplen und schwierig einzuschätzenden Krankheitsbildes ausdrücklich befürworten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Dezember 2016, 8C_711/2016, E. 3 .5). Diese Voraussetzungen sind hier nicht erfüllt. Den medizinischen Akten ist nicht zu e ntnehmen, dass der Versicherte an ei- nem komplexen Beschwerdebild leidet, dass zudem noch sch wer zu beurteilen ist. Dazu kommt, dass einzig Dr. F.____ in ihrem Bericht vom 21. Januar 2016 eine Abklärung der kör- perlichen Leistungsfähigkeit anregte. Aufgrund der be weiskräftigen medizinischen Aktenlage besteht auch kein weiterer Abklärungsbedarf (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. dazu BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399). 5.4 Eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes seit der Entlassung aus der Klinik L.____ ist nicht ausgewiesen. Zwar weist die Psychologin K.____ in ihrem Bericht vom 21. Juni 2016 darauf hin, dass wenige Wochen nach d em Austritt wieder depressive Symptome aufgetreten seien. Als Diagnose führte sie ein e depressive Symptomatik mittelgradi- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ger Ausprägung auf. Die Beurteilung der Auswirkungen der depressiven Störung auf die Ar- beitsfähigkeit überliess sie jedoch ausdrücklich einem Arzt oder einer Ärztin. In dieser Hinsicht ist zudem auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hin zuweisen, wonach leichte bis mittel- gradige depressive Störungen rezidivierender oder episod ischer Natur praxisgemäss einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht fall en, wenn sie erwiesenermassen therapie- resistent sind (statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3 S. 19 7 mit Hinweis). Vorliegend kann weder von einer Therapieresistenz noch von einer Chronifizieru ng der psychischen Problematik aus- gegangen werden. Dazu kommt, dass die behandelnde Psychologin über keine spezialärztliche Ausbildung als Psychiaterin verfügt. Ihre Diagnose kann deshalb nicht als erstellt gelten. Dem- nach kann der Versicherte aus der Beurteilung von K.____ selbst bei einem allfälligen Vorliegen einer Verschlechterung der depressiven Störung nichts zu seinen Gunsten ableiten. 5.5 Aufgrund des Gesagten ging die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung zutreffend davon aus, dass der Versicherte ab 21. Mai 2016 in einer leidensangepassten Verweistätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. 6.1 Gestützt auf dieses Zwischenergebnis ist in einem nächs ten Schritt zu prüfen, wie sich die geschilderte Entwicklung auf den Rentenanspruch des Versicherten auswirkt. 6.2 Der Invaliditätsgrad ist bei erwerbstätigen Versich erten aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Danach wird fü r die Bestimmung des Invaliditätsgra- des das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbe itsmarktlage erzielen könnte (Invalidenein- kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er werbseinkommen ziffernmässig mög- lichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Me thode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E.3.4 S. 348, 128 V 30 E. 1 S. 30). 6.3 Die IV-Stelle nahm in der angefochtenen Verfügun g vom 4. November 2016 den erfor- derlichen Einkommensvergleich vor. Dabei ermittelte sie g estützt auf die Angaben der Arbeit- geberin des Versicherten ein Valideneinkommen von Fr. 69 '030.--. Das Invalideneinkommen von Fr. 66'652.-- berechnete sie anhand der Tabellenlö hne der Schweizerischen Lohnstruk- turerhebung (LSE) 2014 des Bundesamtes für Statistik (BF S), Tabelle TA1_tirage_skill_level, Privater Sektor, Kompetenzniveau 1, Männer. Aus der Geg enüberstellung der beiden Einkom- men resultiert eine Einkommenseinbusse von Fr. 2'378.- - und somit ein Invaliditätsgrad von 3 %. Die konkrete Berechnung, die vom Versicherten nich t beanstandet wurde, erweist sich als rechtens. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die e ntsprechenden Ausführungen der IV- Stelle in der Verfügung vom 4. November 2016 verwiesen werden. Bei einem Invaliditätsgrad von 3 % hat der Versicherte keinen Anspruch auf eine Inva lidenrente. Die angefochtene Verfü- gung der IV-Stelle ist demnach nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde er- weist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist d er Versicherte unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Diese werden mit dem bereits geleiste- ten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.