B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-7203/2014 U r t e i l v o m 7 . D e z e m b e r 2 0 1 7 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Karin Fischli. Parteien A._______, geboren am (…), Marokko, Beschwerdeführerin, Gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. November 2014 / N (…). D-7203/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess eigenen Angaben zufolge ihr Heimatland Marokko Mitte (…) 2014 auf dem Seeweg. Sie reiste von B._______ nach Spanien und gelangte via Frankreich in die Schweiz. Am 16. Juni 2014 – am Tag ihrer Ankunft – suchte sie in der Schweiz um Asyl nach. Am 25. Juni 2014 wurde sie summarisch zu ihren Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]) und am 6. November 2014 eingehend angehört. Zur Beg ründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie sei aus C._______, wo sie bis wenige Monate vor ihrer Ausreise mit ihren Eltern und Geschwistern gelebt habe. Sie sei ausgebildete (…), habe aber wegen (…) und einer (…) seit zwei Jahren nicht mehr arbeiten können. Durch D._______ – einen Mann in einer Fern- sehsendung – sei sie auf das Christentum aufmerksam geworden. Sie habe sich danach regelmässig die Sendung angeschaut und sei später auch in Besitz einer Bibel gelangt. Gottesdienste habe sie keine besuchen können, aber sie habe regelmässig mehrmals wöchentlich in einer Bibel- gruppe über die Bibel diskutiert. Diese Gruppe habe aus Freunden bestan- den, welche durch sie zum christlichen Glauben gekommen seien. Kurz nachdem sie ihre Bibel erhalten habe, habe ihre Mutter diese in ihrer Ta- sche gefunden. Ihre Mutter sei sehr besorgt gewesen, einerseits um das Ansehen der Familie und andererseits um ihr Wohl ( dasjenige der Be- schwerdeführerin), da sie umgebracht oder hätte inhaftiert werden können. Die übrigen Familienmitglieder hätten erst ungefähr zweieinhalb Jahre nach der Konvertierung davon erfahren. Herausgefunden hätten sie es, da sie (die Familie) sie (die Beschwerdeführerin) mehrmals beim Bibelstudium gesehen und ihre geän derte Verhaltensweise bemerkt hätten. Darauf hin hätten ihr Vater und ihr Bruder sie geschlagen. Als rund (…) Monate vor ihrer Ausreise zwei Mitglieder ihrer Bibelgruppe spurlos verschwunden seien, habe sie sich zur Ausreise entschieden. Sie sei zuerst nach B._______ gegangen, wo sie zwei Monate lang gewohnt habe, bevor sie schliesslich das Land verlassen habe. Nach ihrer Ankunft in der Schweiz habe sie sich am (…) 2014 in der (…) taufen lassen, was wie eine Neuge- burt für sie gewesen sei. Gesundheitlich gehe es ihr gut, allerdings sei sie im (…) 2013 in Marokko zwei Mal an (…) operiert worden. Bei einer Rück- kehr befürchte sie verhaftet oder getötet zu werden. Zudem habe sie kein gutes Verhältnis zu ihrer Familie und könne ihre Freunde von der Bibel- gruppe aufg rund geänderter Telefonnummern nach dem Verschwinden von zwei Mitgliedern nicht mehr erreichen. D-7203/2014 Seite 3 Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin ein Schrei- ben der (…) vom 5. November 2014 ein, welches ihre aktive Mitgliedschaft bei der (…) seit Mitte 2013 bestätigt. B. Mit Verfügung vom 17. November 2014 – eröffnet am 18. November 2014 – lehnte das BFM das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 10. Dezember 2014 erhob die Beschwerdeführerin gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean- tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. In formeller Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin einen Tauf- schein der (…), einen Auszug aus dem International Religious Freedom Report 2013 des U.S. Department of State zu Marokko, einen Artikel der internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) betreffend einen gefangenen marokkanischen Christ en und Konvertiten, einen Artikel von OpenDoors betreffend eine Haftstrafe für das Bekenntnis zum christlichen Glauben in Marokko, einen Länderbericht zur Religionsfreiheit in Marokko von missio sowie eine Bestätigung ihrer Mittellosigkeit zu den Akten. D. Mit Verfügung vom 17. Dezember 2014 stellte die Instruktionsrichterin fest, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Ferner hiess sie das Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und ver- zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig ersuchte sie die Vorinstanz eine Vernehmlassung einzureichen. E. Das BFM reichte am 19. Dezember 2014 eine Vernehmlassung zu den Ak- ten, wobei es die Abweisung der Beschwerde beantragte. Am 7. Januar 2015 nahm die Beschwerdeführerin – nach entsprechender Einladung durch das Bundesverwaltungsgericht – dazu Stellung. D-7203/2014 Seite 4 F. Mit Instruktionsverfügung vom 14. Juni 2017 wurde der Beschwerdeführe- rin erneut Gelegenheit geboten, allfällige Ergänzungen zum Sachverhalt und Beweismittel einzureichen, insbesondere bez üglich ihrer religiösen Betätigung in der Schweiz. Mit Eingabe vom 28. Juni 2017 reichte die Beschwerdeführerin drei Refe- renzschreiben vom 20. Juni 2017 im Zusammenhang mit ihren Aktivitäten in der (…) zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffend e Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). D-7203/2014 Seite 5 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das BFM im We- sentlichen aus, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin zu ihren Asyl- gründen verschiedentlich unsubstantiiert seien und Unplausibilitäten sowie Widersprüche aufweisen würden. Sie sei vorab nicht in der Lage, den Zeit- punkt ihres aufflammenden Interesses für das Christentum mit der nötigen Genauigkeit anzugeben. Ebenso ungenau seien ihre Aussagen bezüglich des Verschwindens ihrer beiden Freunde aus der Bibelgruppe. Am meisten erstaune ihre mangelnde Kenntnis über das Christentum, wo sie sich doch über drei Jahre hinweg intensiv damit beschäftigt haben wolle. Sodann ma- che sie widersprüchliche Angaben über ihr religiöses Engagement. Anläss- lich der Befragung habe die Beschwerdeführerin angegeben, Mitglied einer Bibelgruppe gewesen zu sein, zu welcher auch ein zum Christentum konvertierter Marokkaner gehört habe. Sie sei von dieser Gruppe mit einer Bibel und einem Kreuz ausgestattet worden . Aufgrund letzterem sei sie schliesslich aufgeflogen, da ihre Mutter dieses Kreuz in ihrer Tasche ge- funden habe. Demgegenüber habe sie im Rahmen der Anhörung den be- sagten zum Islam konvertierten Marokkane r als einen Sprecher in einer religiösen Fernsehsendung erwähnt. Des Weiteren habe die Beschwerde- führerin während der Anhörung aus geführt, sich auf eigene Initiative hin eine Bibel zugelegt und die genannte Bibelgruppe ins Leben gerufen zu D-7203/2014 Seite 6 haben. Aufgeflogen sei sie, weil ihre Mutter ihre Bibel gefunden habe. In den erstmaligen Besitz eines Kreuzes sei sie erst in der Schweiz gekom- men. Einen weiteren Widerspruch in den Aussagen der Beschwerdeführe- rin finde sich in dem von ihr dargelegten Ausreisegrund. Ausschlaggebend für die Ausreise sei gemäss den Aussagen in der Befragung das Ver- schwinden ihrer beiden Freunde aus der Bibelgruppe gewesen. Dies impli- ziere, dass sie unmittelbar nach dem Verschwinden der Beiden ausgereist sei. Demgegenüber nenne sie während der Anhörung als Zeitpunkt des Verschwindens ihrer beiden Freunde einen Zeitpunkt von (…) Monaten vor ihrer eigenen Ausreise. Diese Aussage widerspreche jeglicher Logik, da zu erwarten gewesen wäre, dass sie, in Angst lebend, mit ihrer eigenen Aus- reise nicht (…) zugewartet hätte. Angesichts all dieser Aussagen könne der vorgebrachte Ausreisegrund nicht geglaubt werden und es sei davon aus- zugehen, dass die Ausreise letztlich anderweitig motiviert gewesen sei. Ihrer Befürchtung aufgrund ihrer Taufe in der (…) in Marokko verhaftet oder getötet zu werden, sei zu entgegnen , dass die freiwillige Konvertie- rung vom Islam zu einer anderen Religion gemäss marokkanischer Ge- setzgebung legal sei. Entsprechend sehe das marokkanische Strafgesetz- buch für die Konvertierung von Muslimen zum christlichen Glauben keine Bestrafung vor. Seitens des Staates gebe es keine strafrechtlichen Sankti- onen gegenüber Konvertiten. Die Konvertierung von Muslimen zum christ- lichen Glauben führe in Marokko folglich nicht zu staatspolitischer Verfol- gung. Vor diesem Hintergrund würden sich keine Anhaltspunkte dafür eru- ieren lassen, dass der Beschwerdeführerin bei ihrer Rückkehr nach Ma- rokko strafrechtliche Sanktionen drohen würden. Ihre Vorbringen würden somit den Anforderungen an die Flü chtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG und an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. 4.2 Die Beschwerdeführerin entgegnete in der Beschwerde, dass sie sich von der Dolmetscherin – eine muslimische Marokkanerin – bei der Anhö- rung eingeschüchtert gefühlt habe, so dass sie sich nicht habe frei ausdrü- cken können. Weiter führte sie aus, dass sie sich zwar nicht an den ge- nauen Monat ihres aufflammenden Interesses für das Christentum erinnern könne, jedoch an verschiedene Begleitumstände, wie zum Beispiel, dass es sehr kalt gewesen sei, dass es im Jahre 2011 gewesen sei, oder dass der Mann im Fernseher, durch welchen sie auf das Christentum aufmerk- sam geworden sei, D._______ geheissen habe. Ausserdem liege das Er- eignis schon einige Jahre zurück, was natürlicherweise dazu führe, dass sie sich nicht mehr an das genaue Datum erinnern könne. Die Fragen zum Verschwinden ihrer Freunde könne sie nicht weiter beantworten, als sie D-7203/2014 Seite 7 dies schon getan habe, da sie über keine weiteren Informationen verfüge. Bis heute habe sie keine Nachricht von ihnen. Zum Vorwurf der Vorinstanz bezüglich der mangelhaften Kenntnis des Christentums sei zu präzisieren, dass sie ihr Wissen zum Christentum im Selbststudium der Bibel erarbeitet und sie nie Gelegenheit gehabt habe, einen Gottesdienst zu besuchen oder sich mit christlichen Autoritätspersonen auszutauschen. Für sie sei ausserdem das Wichtigste am Chr istentum, was Jesus gesagt habe. Es komme für sie nicht darauf an, wer welcher Gruppieru ng angehöre – dies habe auch D._______ nicht unterschieden. Zudem habe es bei der Über- setzung Missverständnisse geg eben, zum Beispiel als sie vom heiligen Geist gesprochen habe, aber dies mit heiliger Seele übersetzt worden sei. Des Weiteren gebe es entgegen der Interpretation des BFM in ihren Er- zählungen nicht nur einen christlichen Marokkaner, sondern zwei. Sie sei im Übrigen unmittelbar nach dem Verschwinden ihrer Kollegen nach B._______ gereist, allerdings habe sie von dort nicht gleich weiterreisen können. Das Wesentliche sei, dass sie als Christin in Marokko gefährdet und ihre Konvertierung zum Christentum belegt sei. Ferner führte die Beschwerdeführerin aus, dass Art. 220 des marokkani- schen Strafgesetzbuchs die Verbreitung des Glaubens für Nicht-Muslime verbiete. Auch das Verteilen von nicht-muslimischem Religionsmaterial sei verboten. Gegen diese Verbote habe sie verstossen, indem sie ihre Freunde, welche daraufhin die Bibelgruppe konstituiert hätten, in Kontakt mit der Bibel gebracht habe. Ausserdem respektiere ihre Familie ihren Glauben nicht, weshalb sie von ihrem Vater und ihrem Bruder geschlagen worden sei. Falls sie durch ihre Familie oder andere Personen verraten würde, würde sie vom marokkanischen Staat inhaftiert. Die freie Meinungs- äusserung und das Ausüben seiner eigenen Religion seien Menschen- rechte, welche der marokkanische Staat untergrabe . Zum christlichen Glauben gehöre es auch zu verbreiten, was Jesus gesagt habe. Falls sie ihre Familie wegen der gegen sie ausgeü bten Gewalt bei der Polizei an- zeigen würde, würde diese sie verraten, weil sie Informationen über das Christentum verbreitet habe. Deshalb könne sie nicht zur Polizei gehen. Ausserdem seien Christ innen und Christ en in Marokko nur mangelhaft durch die Polizei geschützt und seien oft Opfer von Übergriffen. Da diese Gefahr der Inhaftierung oder sonst Opfer von Übergriffen der Polizei in ganz Marokko bestehe, habe sie keine interne Fluchtmöglichkeit. Aufgrund der aufgezeigten und glaubhaft gemach ten Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG, sei ihr Asyl zu gewähren. D-7203/2014 Seite 8 4.3 Das BFM führte in seiner Vernehmlassung aus, dass die Beschwerde- führerin keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel vorbringe, welche eine Änderung ihres Entscheides rechtfertigen könnten , weshalb es die Abweisung der Beschwerde beantrage. 4.4 In ihrer Replik wies die Beschwerdeführerin darauf hin, dass es, wie sie schon in der Beschwerde gezeigt habe, zusätzliche Informationen bezogen auf ihren Fall gebe, ohne dies jedoch weiter auszuführen. 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaub haft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner im Gegensatz zu strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der Gesuchstellerin oder des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objek- tivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, 2010/57 E. 2.3). 5.2 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet die Vorbringen der Beschwer- deführerin – im Gegensatz zu der Einschätzung des SEM – nicht per se als unglaubhaft. So vermochte die Beschwerdeführerin beispielsweise den Moment, als sie die Fernsehsendung von D._______ entdeckte, durchaus substantiiert und detailliert zu schildern. Sie berichtete diesbezüglich aus- führlich, wie sie per Zufall darauf gestossen sei, dann genau zugeschaut und zugehört habe, was er für Argumente v orgebracht habe (vgl. Akten D-7203/2014 Seite 9 SEM A24/16 F13 ff.). Weiter weisen auch ihre Ausführungen zur Bibel- gruppe diverse Glaubhaftigkeitsmerkmale auf, indem sie die genaue An- zahl Mitglieder und deren Namen nennen konnte, und auch wo – in Cafés oder bei dem einen oder ander en Mitglied zuhause – sie sich getroffen hätten (vgl. A24/16 F30 ff.). Da sie sich bereits einen Monat nach ihrer An- kunft in der Schweiz taufen liess und seither gemäss den eingereichten Referenzschreiben regelmässig in ihre Kirche geht, ist ihre Konvertierung zum Christentum auch als belegt zu erachten. Allerdings ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass e inige Ausführungen der Beschwer deführerin Wider- sprüche und Ungenauigkeiten aufweisen. So beschreibt sie beispielsweise die Umstände, wie sie zu ihrer ersten Bibel und ihrem ersten Kreuz kam, in der Befragung und der Anhörung unterschiedlich (vgl. A3/10 S. 7 zu A14/16 F39). Darüber hinaus erstaunt – auch unter Berücksichtigung der Aneignung im Selbststudium – ihr rudimentäres Wissen über das Christen- tum, da sie sich schon mehrere Jahre damit befasst haben will (vgl. A 24/16 F40 ff.). Der in der Beschwerde angefügten Erklärung, sie habe sich auf- grund der Dolmetscherin nicht frei ausdrücken können, ist an dieser Stelle zu entgegnen, dass sie zu Beginn der Anhörung auf die Neutralität und Unparteilichkeit der Dolmetscherin aufmerksam gemacht und darauf hin- gewiesen wurde, dass diese keinen Einfluss auf den Entscheid habe. Die Beschwerdeführerin gab ferner an, dass sie die Dolmetscherin gut ver- stehe und brachte auch b ei der Rückübersetzung keine Änderungen im Protokoll an. Es gibt demnach keine Anzeichen auf ein grundlegendes Übersetzungsproblem in der Anhörung, weshalb davon ausgegangen wird, dass sie sich frei äussern konnte. 5.3 Eine abschliessende Beurteilung der Glau bhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin kann in Anbetracht der nachfolgenden Erwägun- gen jedoch offen gelassen werden, da die Vorbringen ohnehin nicht geeig- net sind, ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen. 6. 6.1 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht- lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Ver- folgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Eine Verfolgungshand- lung im Sinne von Art. 3 AsylG kann von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt zu- dem voraus, dass die betroffene Person einer landesweiten Verfolgung D-7203/2014 Seite 10 ausgesetzt ist und sich nicht in einem anderen Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingsei- genschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise bestehenden Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation zum Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wese ntlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der ein Asylgesuch stellenden Per- son zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/12 E. 5 und 2010/57 E. 2, beide m.w.H.). Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk- lichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be- drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor V erfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungs- massnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 m.w.H.). 6.2 6.2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass ihr Verfolgung durch den marokkanischen Staat drohe, da dieser generell gegen Christinnen und Christen – und speziell gegen marokkanische Konvertiten – vorgehe. Sodann seien auch zwei Kollegen aus ihrer Bibelgruppe spurlos ver- schwunden. Somit ist zu prüfen, ob Mitglieder der christlichen Glaubens- gemeinschaft – insbesondere christliche Konvertiten – in Marokko einer Kollektivverfolgung ausgesetzt sind. 6.2.2 Die Anforderungen an die Feststellung einer Kollektivverfolgung sind gemäss der Rechtsprechung sehr hoch. Alleine die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv, welches in seinen spezifischen Eigenschaften Ziel einer Verfol- gungsmotivation ist, reicht in der Regel nicht, um eine Kollektivverfolgung zu begründen. Vielmehr kommen auch bei geltend gemachter Verfolgung D-7203/2014 Seite 11 aufgrund der blossen Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kollektiv die Kri- terien der ernsthaften Nachteile oder der begründeten Furcht gemäss Art. 3 AsylG zur Anwendung (vgl. BVGE 2013/12, E. 6). Zur Annahme einer Kollektivverfolgung müssen die gezielten Nachteile in Relation zur Grösse des Kollektivs eine bestimmte Dichte aufweisen (BVGE 2013/12, E. 6). 6.2.3 Zur aktuellen Situation in Marokko hinsichtlich de s Themas Religi- onsfreiheit und der Ausübung des christlichen Glaubens ist festzuhalte n, dass in der marokkanischen Verfassung zwar der Islam als Staatsreligion festgelegt ist, Marokko aber gemäss seiner Verfassung die Religionsfrei- heit garantiert. Die Glaubensausübung anderer Religionen, wie des Chris- tentums, ist somit grundsätzlich gewähr leistet. Die marokkanische Bevöl- kerung beläuft sich auf etwa 33 Millionen Leute, wovon über 99 % sunniti- sche Muslime sind. Lediglich weniger als 1 % der Gesamtbevölkerung ge- hört anderen Glaubensgemeinschaften an (beispielsweise dem Judentum, dem Christentum oder dem schiitischen Islam). Die Angaben der Mitglie- deranzahl der christlichen Gemeinschaft in Marokko variieren stark. Die Grösse der Gruppe der ausländischen Christinnen und Christ en beträgt zwischen 5‘000 und 40‘000 Personen und jene der marokkanischen Kon- vertiten zwischen 2‘000 und 5 0‘000. Die freie Ausübung des christlichen Glaubens variiert erheblich zwischen diesen beiden Gruppen. Die auslän- dischen Christinnen und Christen können ihren Glauben im Allgemeinen frei praktizieren und auch Gottesdienst e abhalten und besuchen. Zum Christentum konvertierte Marokkanerinnen und Marokkaner hingegen üben ihren Glauben selten bis nie im öffentlichen Raum aus , da sie sehr oft Diskriminierung seitens der Gesellschaft erfahren. Denn eine Konver- tierung vom Islam z u einer anderen Religion ist nach islamischem Recht und der Tradition unzulässig und gilt in Marokko als grosse Schande. Des- halb reagiert das soziale Umfeld den marokkanischen Konvertiten gegen- über oftmals mit Abneigung und Isolation. Nebst den negativen Reaktionen des sozialen Umfelds wollen die marokkanischen Christinnen und Christen mit dem Verstecken ihres Glaubens auch Anschuldigungen des Missionie- rens vermeiden. Das Missionieren oder das Konvertieren von Muslimen zu anderen Religionen ist nämlich gemä ss Art. 220 des Strafgesetzbuches verboten. Es kann mit drei bis sechs Monaten Haft oder mit einer Geld- strafe bestraft werden. Vereinzelt gab es auch bereits Verhaftungen und Verurteilungen deswegen. Marokkanische Christinnen und Christen üben ihren Glauben deshalb nur sehr diskret aus, beispielsweise in geheimen Messen in privaten Räumen. Trotz allem Verstecken fürchten viele der ma- rokkanischen Konvertiten vom Staat überwacht zu werden. Gewisse Per- sonen hätten gemäss eigenen Angaben sodann auch mehrmals jä hrlich D-7203/2014 Seite 12 Anrufe lokaler Behörden bei ihnen zuhause erhalten, womit diese demons- triert hätten , dass sie in Besitz von Mitgliederlisten christlicher Gemein- schaften seien und deren Aktivitäten überwachen würden. Andere berich- ten darüber, von der Polizei verhört worden zu sein, nachdem ihre Konver- tierung bekannt geworden sei. Überdies werden die marokkanischen Be- hörden gemäss Berichten zunehmend intoleranter gegenüber Mitgliedern jeglicher anderer Religionen, abgesehen vom sunnitischen Islam. Hinge- gen gibt es auch Stimmen, gemäss welchen sich die nach der anfänglichen Bekanntgabe des Glaubenswechsels zum Christentum aufgekommene Abneigung und Intoleranz nach einer gewissen Zeit wieder beruhige und das Weiterleben in der marokkanischen Gesellschaft durchaus machbar sei (vgl. zum Ganzen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge [BAMF], Lage der Religionsgemeinschaften in ausgewählten islamischen Ländern, vom 31.08.2011, http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikatio- nen/Herkunftslaenderinformationen/lage-religionsgemeinschaft-islami- sche-laender-2011-08.pdf, besucht am 04.12.2017; Freedom House, Free- dom in the World 2015, Morocco , vom 28.01.2015, https://freedom- house.org/report/freedom-world/2015/morocco, besucht am 04.12.2017; Freedom House, Freedom in the World 2017, Morocco , https://freedom- house.org/report/freedom-world/2017/morocco, besucht am 04.12.2017; U.S. Department of State, 2015 International Religious Freedom Report, Morocco, vom 10.08.2016, https://www.state.gov/documents/organiza- tion/256493.pdf, besucht am 04.12.2017; U.S. Department of State, 2016 International Religious Freedom Report, Morocco , vom 29.08.2017, https://www.state.gov/documents/organization/269150.pdf, besucht am 04.12.2017; TelQuel, Mustapha Ramid: „Il n’y a aucune loi qui punit les apostats“, vom 07.07.2015, http://telquel.ma/2015/07/07/ramid-il-ny-texte- loi-punit-les-apostats_1454930, besucht am 04.12.2017; VICE News, ‚House-Churches‘ and Silent Masses – The Converted Christians of Morocco Are Praying in Secret, vom 23.03.2015, https://news.vice.com/ar- ticle/house-churches-and-silent-masses-the-converted-christians-of- morocco-are-praying-in-secret, besucht am 04.12.2017). 6.2.4 Basierend auf die aktuelle vorangehend zitierte Country of Origin In- formation (COI) müssen die marokkanischen Konvertitinnen und Konverti- ten mit erhöhter Aufmerks am der Behörden ihnen gegenüber sowie mit Diskriminierung seitens der Gesellschaft rechnen. Allerdings wird nur von sehr wenigen Verhaftungen und Verurteilungen berichtet, und d ies fast ausschliesslich im Kontext des Missionierungsverbots. Somit sind nur sehr wenige Personen von sporadischen staatlichen Massnahmen betroffen, und dies nur, wenn es sich um ein persönliches öffentliches Engagement D-7203/2014 Seite 13 für den christlichen Glauben handel t. Die vereinzelten Verfolgungsele- mente gegenüber den Mitgliedern der christlichen Glaubensgemeinschaft erreichen somit weder die Intensität ernsthafter Nachteile oder begründeter Furcht, solchen ausgesetzt zu werden, im Sinne von Art. 3 AsylG. Noch summieren sie sich zu einer genug grossen Menge, um die nötige Dichte – unter Berücksichtigung der Grösse der christlichen Glaubensgemein- schaft Marokkos – zur Annahme einer Kollektivverfolgung zu erreichen. 6.2.5 Bezüglich den zwei verschwundenen Bibelgruppenkollegen der Be- schwerdeführerin scheint es sodann unwahrscheinlich, dass sie zu diesen wenigen Personen zählen, welche Verfolgungsmassnahmen des marokka- nischen Staates ausgesetzt wurden. Denn ihre Bibelgruppe traf sich ge- mäss Angaben der Beschwerdeführerin stets im geheimen Rahmen und fiel nicht auf. Zum Verschwinden der zwei Kollegen konnte sie auch keine weiteren Details beisteuern – weder in den Befragungen noch in der Be- schwerde –, so dass es offen bleibt, warum genau und unter welchen Um- ständen die Beiden verschwunden sein könnten. Es gibt keine Hinweise, dass der marokkanische Staat für ihr Verschwinden verantwortlich ist. 6.2.6 Zusammenfassend kann somit nicht von einer systematischen Vor- gehensweise gegen Marokkos Christinnen und Christen ausgegangen werden, womit eine Kollektivverfolgung diesbezüglich zu verneinen ist. 6.3 6.3.1 Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, ihre Familie verstosse sie aufgrund ihrer Konvertierung zum Christentum. Sie sei deswegen auch von ihrem Vater und ihrem Bruder geschlagen worden. Zur Polizei könne sie allerdings nicht gehen. Diese würden ihr als Christin keinen Schutz bie- ten, da es in Marokko verboten sei, dem Christentum beizutreten. 6.3.2 Hierauf kann entgegnet werden, dass erstens die Frage der Kollek- tivverfolgung von Christinnen und Christen in Marokko in der vorangehen- den Erwägung 6.2 bereits verneint wurde, weshalb nicht von einer grund- sätzlichen Verweigerung der Polizei hinsichtlich der Schutzgewährung für die Christinnen und Christen Marokkos bei der Ausübung ihres Glaubens auszugehen ist. Zweitens ist zu ihrer vorgebrachten individuellen Verfol- gung auszuführen, dass es tatsächlich vereinzelt Verhaftungen und Verur- teilungen aufgrund von Verstössen gegen das Missionierungsverbot von marokkanischen Konvertiten gab. Die Beschwerdeführerin führt in der Be- schwerde aus, sie sei es gewesen, welche ihren Kolleginnen und Kollegen der Bibelgruppe erstmals vom Christentum erzählt habe und diese so das D-7203/2014 Seite 14 Interesse an dieser Religion gefunden hätten. Im Hinblick auf die lediglich kleine, acht Mitglieder umfassende Gruppe bestehend aus ihren Freundin- nen und Freunden, der Tatsache, dass sie keine erlebten negativen Erfah- rungen ihrerseits mit der Polizei geltend macht und der Seltenheit der Fest- nahmen und Verurteilungen, ist in ihrem Fall nicht davon auszugehen, dass sie den Behörden ins Auge gefallen ist oder gar wegen Verstosses gegen das Missionierungsverbot angeklagt und verurteilt würde. Eine individuelle Verfolgung der Beschwerdeführerin seitens der Behörden wegen Missio- nierungstätigkeiten beziehungsweise Ausübung ihres Glaubens ist somit zu verneinen. In Bezug auf ihre familiären Probleme ist ferner anzumerken, dass ihr zuzumuten ist, sich bei der Polizei zu melden. Es ist nicht von Hindernissen bei der Meldung der erfahrenen häuslichen Gewalt auszuge- hen, welche durch ihren Glauben begründet wären. Hierzu ist anzumerken, dass auch die in der Schweiz erfolgte Taufe in der (…) und die Ausübung christlicher Aktivitäten im Rahmen der Kirchenge- meinschaft (vgl. Referenzschreiben der (…) vom 5. November 2014 sowie die drei Referenzschreiben vom 20. Juni 2017) an diesem Ergebnis nichts zu ändern vermögen. 6.4 Die im Beschwerdeverfahren eingereichten Berichte und Artikel enthal- ten allgemeine Ausführungen zu den oben bereits erwähnten vereinzelten Verhaftungen und strafrechtlichen Verurteilungen, sowie über die gesell- schaftliche Diskriminierung von zum Christentum konvertierten Personen in Marokko (vgl. Beschwerdebeilagen Act. 3, 4, 5 und 6). Weiteres zu den Verfolgungsvorbringen vermögen sie aber nicht zu belegen. Auch die Re- ferenzschreiben der Kirchenmitglieder vom 20. Juni 2017 ändern nichts an dieser Einschätzung. 6.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass z war nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Konvertierung Diskriminierungen erdulden muss, diese aber in ihrer Intensität nicht als ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG einzustufen sind. Somit ist es ihr nicht gelungen, eine bestehende oder unmittelbar drohende asylre- levante Verfolgungsgefahr glaubhaft zu machen. Überdies ist weder von einer generellen Schutzunwilligkeit noch von einer Schutzunfähigkeit des marokkanischen Staates bezüglich Christinnen und Christen auszugehen, wodurch der Beschwerdeführerin auch der Weg einer innerstaatlichen Auf- enthaltsalternative an einen anderen Ort offen stünde, falls die Diskriminie- rung an ihrem Herkunftsort so unerträglich wäre, dass ihrerseits erneut D-7203/2014 Seite 15 Furcht aufkäme, ernsthafte Nachteile erleiden zu müssen. Die Beschwer- deführerin verbrachte ausserdem bereits vor ihre r Flucht in die Schweiz (…) Monate in B._______, wozu sie keine negativen Erfahrungen geltend machte. Somit hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft ver- neint und das Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu R echt angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmun gen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 8.2.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). D-7203/2014 Seite 16 8.2.3 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.4 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Marokko ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.2.5 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh- rerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Marokko dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr (« real risk ») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation i n Marokko lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als un- zulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 In Marokko kann gemäss der akt uellen Einschätzung des Bundes- verwaltungsgerichts nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder von D-7203/2014 Seite 17 kriegerischen beziehungsweise bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen ge- sprochen werden, die für die Beschwerdeführerin bei der Rückkehr eine konkrete Gefährdung darstellen würden. Eine gänzlich unsichere, von be- waffneten Konflikten oder anderen unberechenbaren Unruhen dominierte Lage im Land, aufgrund derer die Beschwerdeführerin sich bei einer Rück- kehr unweigerlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt sehe n würde, besteht mithin nicht. 8.3.3 Bezüglich möglicher individueller Gründe, welche die Rückkehr der Beschwerdeführerin in ihren Heimatstaat als unzumutbar erscheinen las- sen würden, stellt sich insbesondere die F rage, ob sie als alleinstehende Frau in Marokko wieder Fuss fassen kann. Seit der Verfassungsreform im Jahr 2011 wurden die Rechte der Frauen in Marokko wesentlich gestärkt. Die Verfassung garantiert gleiche Rechte für Frauen und Männer in zivilen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen so- wie die Um welt betreffenden Bereichen. Diese eingeschlagene Richtung der Verbesserung der Rechte der Frauen ist zwar auch in neuen Geset- zesänderungen ersichtlich. In vielerlei Hinsicht – auf gesetzlicher Ebene sowie im täglichen Leben – werden Frauen hingegen trotz allem stets stark diskriminiert (vgl. U.S. Department of State, 2016 Human Rights Report, Morocco, vom 03.03.2017, https://www.state.gov/documents/organiza- tion/265724.pdf, besucht am 04.12.2017; Freedom House, Freedom in the World 2017, Morocco , https://freedomhouse.org/report/freedom-world/ 2017/morocco, besucht am 04.12.2017). Die Beschwerdeführerin hat eine abgeschlossene Berufsausbildung als (...) und (...), worin sie auch Berufserfahrung vorweisen kann. Sie habe zwar einige Zeit vor ihrer Ausreise aufgrund medizinischer Probleme mit diesen Tätigkeiten aufhören müssen, jedoch habe sie zur Behandlung der Beschwerden zwei Operationen gehabt. Sodann ist davon auszugehen, dass sie nun wieder auf ihrem Beruf arbeiten könnte. Wie erwähnt, konnte sie ihre gesundheitlichen Probleme in Marokko behandeln lassen, weshalb auch diesbezüglich nichts gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs spricht. Es ist ferner davon auszugehen, dass sie in ihrer Heimat über ein soziales Beziehungsnetz verfügt. Ihr Vater und der eine Bruder hätten ihren Glaubenswechsel zwar nicht akzeptieren wollen und hätten sie des- wegen auch geschlagen, jedoch besteht die Familie noch aus weiteren Fa- milienmitgliedern – der Mutter, einem weiteren Bruder sowie zwei Schwes- tern. Ferner ha t sie eine grosse weitere Verwandtschaft mit fünf Onkeln D-7203/2014 Seite 18 und fünf Tanten väterlicherseits sowie zwei Onkeln und fünf bis zehn Tan- ten mütterlicherseits. Selbst wenn ihr Vater und Bruder sie nicht mehr un- terstützen wollen würden, so kann sie noch auf viele a ndere Verwandte zugehen. Vor ihrer Ausreise traf sie sich ausserdem regelmässig mit Freun- den in einer Bibelgruppe. Zwar hätten sie den Kontakt abbrechen müssen, als zwei Mitglieder der Gruppe verschwunden seien. Trotzdem würde die Möglichkeit bestehen, bei einer Rückkehr diesen Kontakt wieder auf zu- bauen. Somit ist nicht anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin über gar kein soziales Beziehungsnetz mehr verfügt , welches ihr bei ihrer Rein- tegration als alleinstehende Frau in Marokko behilflich sein könnte . Auf- grund dieser Sachlage kann insgesamt davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin in Marokko nicht in eine existenzbedrohende Lage geraten wird. 8.3.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit auch als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege mit Verfügung vom 17. Dezember 2014 gutgeheissen wurde, wer- den keine Verfahrenskosten auferlegt. (Dispositiv nächste Seite) D-7203/2014 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Karin Fischli Versand: