TPF 2005 116 116 AusnahmsweisekannsiemitZustimmungderGenehm igungsbehördedie Mitteilungl ängeraufschiebenodervonihrabsehen,wenndieErkenntnisse nichtzuBeweiszweckenverwendetwerdenund(Art.22Abs.2BVE):( … ) diePersonnichterreichbarist(Art.22Abs.2lit.dBVE).( …. )Imvorlie- gendenFallhatdieBAmitVerf ügungvom11.Juni2004denEinsatzeines verdecktenErmittlersbewilligt,derimAnschlussdaranmiteinemMitglied einesmutmasslichinternationaloperierendenDrogenringesinKontakttrat. DiesePersonstelltesich gegenüberdemverdecktenErmittleralsA.vor, konnteallerdingsnichteindeutigidentifiziertwerden,zumalsiesicham Telefon „B.“oder „C.“nannteundeinemGespr ächsteilnehmergarerkl ärte: „Denk daran,dassichmichA. nenne.“ Zudemer klärtederangeblicheA. gegenüberdemverdecktenErmittler,erseiKolumbianer,lebeaberinPeru. OffiziellsolleraberausZ.,Venezuelastammen.ZudemsollderInhaber desReisepassesNr.D.,mitdemderangeblicheA.eingereistist,nichtiden- tischmitA.sein.( … )NacheinigenwenigenTreffenzwischendemangeb- lichenA.unddemverdecktenErmittlerimJuni2004verliessderBeschul- digte überraschendschnelldieSchweiz.SeinderzeitigerAufenthaltist unbekanntbzw.nichteindeutigauszumachen.DiebetroffenePersonist damitnichterreichbar,eskannfolglichausnahmsweiseaufeineMitteilung desEinsatzesdesverdecktenErmittlersverzichtetwerdenbzw.istdieMit- teilung zufolge Unerreichbarkeit nichtmöglich. (… ) TPF 2005116 31.AuszugausdemEntscheiddesPr äsidentenderBeschwerdekammerin SachenBundesanwaltschaftgegenA.undMitbeteiligtevom20.Mai2005 (TK.2005.61) Telefonüberwachung; Verlängerung der Überwachung. Art. 7 Abs. 4 und 5 BÜPF Die Verlängerung einer Überwachungsmassnahmewirdnichtgenehmigt,wenn keineVerdichtungundKonkretisierungdesTatverdachtsdargetanwird.Dies gilt für alleKatalogtaten, für welchedie Überwachungangeordnetwurde, insbesondereauch für denSachverhalt,welcherdieZ uständigkeitdesBundes begründet.TPF 2005 116 117 Surveillance téléphonique; prolongation de la surveillance. Art. 7 al. 4 et 5 LSCPT Laprolongationd'unemesuredesurveillanceneserapasauto risée lorsquela corroborationetlaconcr étisation des soupçons d'infractionsnesontpas éta- blies.Cecivautpourtouteslesinfractionsducataloguepourlesquelleslasur- veillancea étéordonnée, enparticulierpourlesfaitsquifondentla compétence de la Confédération. Sorveglianza telefonica; proroga della sorveglianza. Art. 7 cpv. 4 e 5 LSCPT Laprorogadiunamisuradisorveglianzanonvieneapprovatasenonvengono dimostrate un’intensificazioneeunaconcretizzazione dell’indiziodireato. Questovalepertuttiireatiperiquali è stataordinatalasorveglianza,inparti- colare anche per i fatti che motivano la competenza della Confederazione. Zusammenfassung des Sachverhalts: DieBundesanwaltschaftordneteimRahmeneinesErmittlungsverfahrens zahlreiche Überwachungenan,welchemehrfachver längertwurden.Nach neunMonaten ÜberwachungsdauerwurdewiederumeinVer längerungsge- suchgestellt,welchemjedochkeine zusätzlichenverfahrensrelevantenEr- kenntnissezugrunde gelegt werdenkonnten. DerPr äsidentderBeschwerdekammergenehmigtedieVer längerungder laufenden Überwachung des Fernmeldeverkehrsnicht. Der Präsident der Beschwerdekammer erwägt: Katalogtat:Art.19Ziff.2BetmG,Art.260 ter StGB.SchwerederTat:Gr ös- serer Betäubungsmittel-Handel.Tatverdacht:ImRahmenderOperation „H.“ wurdenerstmalsam6.September2004(vomPr äsidenten derBe- schwerdekammerdesBundesstrafgerichtsam7.September2004geneh- migt)unddanachinregelm ässigenAbständenÜbe rwachungsmassnahmen durchgeführt.Insgesamtundmitdemvorliegendenwurden30Genehmi- gungsgesuchef ürangeordnete Überwachungsmassnahmengem äss BÜPF undBVEbeimPr äsidentenderBeschwerdekammerdesBundesstrafge- richtseingereicht.Die Überwachungsmassnahmendauernmithinseitnun-TPF 2005 116 118 mehr überneunMonatenan,ohnedasssichdie nötigenErfolgebeider GewinnungvonBeweismaterialinBezugaufdieinkriminiertenDelikte eingestellth ätten,dennandernfalls wärenweitere Überwachungennicht mehrerforderlichund dürftenauchnichtdurchgef ührtwerden(Art.10 Abs. 1 BÜPF). Bleibt aber die Überwachung wie vorliegend während länge- rerZeitergebnislos,d.h. können keinebeweisrelevantenInformationen gewonnenwerden,istsieebenfallszubeenden.Daskannz.B.daranliegen, dassdie überwachtePersonkeine alsBeweismittelverwendbare Infor- mationen überdievermuteteStraftatweitergibt(H ANSJAKOB, BÜPF/VÜPF, KommentarzumBundesgesetz überdie ÜberwachungdesPost-undFern- meldeverkehrs,St.Gallen,2002,N.3zuArt.10 BÜPF).Diesistvorliegend derFall.AuchdaszurBeurteilungvorliegende,aufgrundseinerhohenSei- tenzahlschwerf ällige und unübersichtlicheGesuchbestehtwiebereitsseine VorgängerinersterLinieauseiner FüllevonGespr ächsprotokollenund MutmassungenhinsichtlichdersuspektenVerhaltensweisender überwach- tenPersonen,dochenth ält esinqualitativerHinsichtkeinehandfestenHin- weiseaufinBezugaufkonkreteStraftatenbeweisrelevanteInformationen, dieeineVer längerungder ÜberwachungdesfraglichenAnschlussesrecht- fertigenw ürden.DassdieGespr ächsteilnehmersichincodierten Sätzen miteinanderunterhaltenmagzuBeginnderErmittlungenimHinblickauf denTatverdachtausreichen,rechtfertigtabereineWeiterf ührungder Über- wachungnicht,wennsichdieVerdachtsmomentenichtkonkretisierenund beweistauglichwerden.Eine ÜberwachungaufunabsehbareZeiteinzig gestütztaufdasArgument,die überwachtenPersonen würdensichsuspekt verhaltenundverschl üsselteBegriffeverwenden,istnicht zulässig.Die lange Überwachungsdauervon überneunMonatenwurdeeinzigdeshalb toleriert,weilessichvermutungsweiseumErmittlungenimMilieuorgani- sierterKriminalit äthandelt,wosichdieBeweismittelbeschaffungbekann- termassenschwierigergestaltet.Aberauchf ürErmittlungenindiesemBe- reich wäreeineweitereVer längerungder Überwachungsdauermitdem GrundsatzderVer hältnismässigkeit nichtmehrinEinklangzubringen, habensichdochauch bezüglichderkriminellenOrganisationi.S.v. Art. 260ter StGBkeines chlüssigenErkenntnisseergeben.DerBegriffder organisiertenKriminalit ät istzur ückhaltendauszulegenunddiestrafrechtli- chenTatbestandsmerkmaleengerzufassenalsdiekriminalpolitisch- kriminologischeUmschreibungdesBegriffs.Ausschliesslichhochgef ährli- cheterroristischeZusamm enschlüsse odermaf iaähnlicheVerbrechersyndi- katestellenkriminelleOrganisationenimSinnedesGesetzesdar.Mitdem siecharakterisierendenMerkmalderdauerhaften,festverankertenStruktu- renunterscheidetsichdiekriminelleOrganisationvonanderenverbrecheri-TPF 2005 119 119 schenZusamm enschlüssen wiebeispielsweisedesjenigenzueinerBande. DasZusammenwirkenmehrererPersonenzurVer übung vonStraftaten, beispielsweisedesDrogenhandels,erlaubtf ürsichalleinnichtdenSchluss aufdasBesteheneinerkriminellenOrganisation(vgl.RStrS-BJPN ° 1 2005,S.25f.).Dieausder ÜberwachunggewonnenenErkenntnissever- mögen nicht schlüssigdarzutun,dassessichbeidenmutmasslichen Tätern um AngehörigeeinerkriminellenOrganisationhandeltundnicht(bloss)um einebandenm ässig organisierteinternationaleDr ogenhändlergruppe.Das Gesuchist gestütztaufdieseEr wägungennichtzugenehmigen.Die Über- wachungdesbetroffenenAnschlusses(TelefonnummerI.)istdemzufolge umgehendabzubrechenunddieseitderAnordnungderzurGenehmigung anstehenden Überwachunggewonnenen Überwachungsresultatesindun- verzüglichzu vernichten(Art. 7 Abs. 4 BÜPF). TPF 2005119 32.Extraitdel ’arrêtdelaCourdesplaintesdanslacauseA.contreMinis- tère publicde la Conf édération du 1er juin 2005 (BB.2005.10) Droit d'être entendu; consultation du dossier; pièces à usage interne. Art. 116 PPF Lesimplefait qu’un documenta étécité encoursde procédure, dansdescir- constancesnon élucidées, ouquesonexistencea étéportée detouteautrema- nièreà laconnaissanceduplaignant,tend à luidonnerlavaleurde piècedu dossier (consid. 2.2). Danslamesure oùl’existencedurapportlitigieux a étéportéeà laconnaissance de l’inculpé etquecedocumentafait l’objetd’échangesdecorrespondance entrelespartiessansquele Ministère publicdela Confédérationn’en excluea priorilaqua lité de piècedudossier,ilnepeutplus être questiondelequalifier desimpleoutildetravailinterne.Lesdoutesexpri més parle Ministère public dela Confédération quant à lavaleurdesinformationsquerelateleditrapport nesauraientnonplusjustifierlaqualificationdedocumentinterne(con- sid. 2.5).