Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer II II 2021 67 Entscheid vom 19. November 2021 Besetzung Dr.iur. Vital Zehnder, Vizepräsident Dr.oec. Andreas Risi, Richter Dr.iur. Frank Lampert, Richter MLaw Manuel Gamma, Gerichtsschreiber Parteien A.________, Beschwerdeführerin, gegen Amt für Arbeit, Lückenstrasse 8, Postfach 1181, 6431 Schwyz, Vorinstanz, Gegenstand Arbeitslosenversicherung (Erlassgesuch Rückerstattungsforderung)2 Sachverhalt: A.A.________ (Jg. 1983) arbeitete ab 28. November 2016 in einem befriste- ten Arbeitsverhältnis bis 30. November 2017 als Mitarbeiterin Administration im B.________ (Einsatzbetrieb). Am 3. Juli 2018 stellte A.________ Antrag auf Ar- beitslosenentschädigung ab 16. Juli 2018. In der Folge bezog sie ab 16. Juli 2018 Leistungen der Arbeitslosenkasse. Per Ende Januar 2019 wurde sie von der Arbeitsvermittlung abgemeldet; am 1. Februar 2019 trat sie eine neue Ar- beitsstelle an. B.Im Zuge von durch eine Seco-Meldung veranlassten Abklärungen, bei wel- chen Arbeitslosentaggeldbezüge mit den gemeldeten Einträgen im individuellen Konto (IK) abgeglichen werden, stellte die Arbeitslosenkasse fest, dass A.________ in den Monaten Juli bis November 2018 nicht deklarierte Zwischen- verdienste erzielt hatte. Mit Schreiben vom 29. Juni 2020 teilte die Arbeitslosen- kasse A.________ sinngemäss mit, es seien Fr. 739.55 zu viel Arbeitslosenent- schädigung ausbezahlt worden und in diesem Umfang bestehe eine Rückforde- rung. Die Versicherte liess dazu mit Eingabe vom 3. Juli 2020 (Posteingangs- stempel 14.7.2020) eine Stellungnahme einreichen, worin sie namentlich um Er- lass der Rückforderung ersuchte. C.Mit Verfügung Nr. 443 vom 14. Juli 2020 forderte die Arbeitslosenkasse von A.________ einen Betrag von Fr. 739.55 an zu Unrecht ausbezahlten Ar- beitslosengeldern zzgl. allfällige Betreibungskosten zurück (Vi-act. 10). Eine von A.________ am 5. August 2020 dagegen erhobene Einsprache (Vi-act. 11), worin gleichzeitig um Erlass der Forderung ersucht wurde, wies die Arbeitslosen- kasse mit Einspracheentscheid Nr. 07/2021 vom 2. Juni 2021 ab. Das Verwal- tungsgericht wies die dagegen erhobene Beschwerde mit VGE II 2021 80 vom 20. September 2021 ab und das Bundesgericht trat mit Urteil 8C_730/2021 vom 5. November 2021 auf eine Beschwerde von A.________ nicht ein. Mithin wurde die Rückforderung im Betrag von Fr. 739.55 rechtskräftig. D.Bereits mit Eingabe vom 3. Juli 2020 (Posteingangsstempel 14.7.2020) hat- te A.________ die Arbeitslosenkasse um Erlass der Rückforderung ersucht (vgl. Vi-act. 12 Sachverhalt Ziff. 3). E.Mit Verfügung vom 9. März 2021 verfügte das Amt für Arbeit was folgt (Vi- act. 12): 1. Das Gesuch der versicherten Person A.________ […] um Erlass der Rückforderung von CHF 739.55 plus allfällige Betreibungskosten wird abgewiesen.3 2. Der Betrag von CHF 739.55, welcher von der Arbeitslosenkasse des Kantons Schwyz mit Verfügung Nr. 443 vom 14. Juli 2020 zurückgefordert wurde, ist der Kasse zurückzuerstatten. F.Eine von A.________ am 8. April 2021 gegen diese Verfügung vom 9. März 2021 erhobene Einsprache (Vi-act. 13) wies das Amt für Arbeit des Kan- tons Schwyz mit Einspracheentscheid Nr. 211/21 vom 27. April 2021 ab (Vi-act. 14). G.Gegen diesen Einspracheentscheid Nr. 211/21 vom 27. April 2021 (Ver- sand am gleichen Tag; Zustellung am Schalter am 3.5.2021) erhebt A.________ mit als "Einsprache" betitelter Eingabe vom 21. Mai 2021 (Postaufgabe am 31.5.2021) fristgerecht Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz. Sie macht namentlich geltend bzw. beantragt was folgt: Hiermit erhebe ich Einspruch gegen den Einspracheentscheid Nr. 211/21 betreffend der Verfügung vom 9. März 2021. Gleichzeitig bitte ich Sie um einen Erlass Ihrer Forderung von CHF 739.55 Franken. H.Mit Vernehmlassung vom 29. Juli 2021 beantragt die Vorinstanz, die Be- schwerde sei vollumfänglich abzuweisen. Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.1Gemäss Art. 95 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Ar- beitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (Arbeitslosenversiche- rungsgesetz, AVIG; SR 837.0) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG; SR 830.1) vom 6. Oktober 2000 sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt. Guter Glaube und grosse Härte müssen kumulativ erfüllt sein, damit unrechtmässig gewährte Leistungen ganz oder teilweise erlassen werden können (VGE III 2017 32 vom 26.8.2017 Erw. 2.1). Über den Umfang der Rückforderung wird eine Verfügung erlassen, worin auf die Möglichkeit des Erlasses hinzuweisen ist (Art. 3 Abs. 1 und 2 Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSV; SR 830.11] vom 11.9.2000). Die Verfahren betreffend Rückerstattungspflicht einerseits und Erlass anderseits sind getrennt zu führen (vgl. Dormann, in: BSK-ATSG, Art. 25 N 93; vgl. auch VGE II 2021 80 vom 20.9.2021 Erw. 1.1). 4 1.2Die Rückerstattung unrechtmässig gewährter Leistungen, die in gutem Glauben empfangen wurden, wird bei Vorliegen einer grossen Härte ganz oder teilweise erlassen (Art. 4 Abs. 1 ATSV). Massgebend für die Beurteilung, ob eine grosse Härte vorliegt, ist der Zeitpunkt, in welchem über die Rückforderung rechtskräftig entschieden ist (Art. 4 Abs. 2 ATSV). Der Erlass einer Rückforde- rung ist mittels schriftlichen Gesuchs zu verlangen. Das Gesuch ist zu begründen und mit den nötigen Belegen zu versehen. Es kann im direkten Anschluss an die Zustellung der Rückerstattungsverfügung oder noch im Anschluss an den Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids, spätestens innert 30 Tagen, gestellt werden (Art. 4 Abs. 4 ATSV), wobei der Frist zur Stellung eines Erlassgesuchs Ord- nungscharakter beizumessen ist; es handelt sich nicht um eine Verwirkungsfrist (BGE 132 V 42 Erw. 3.4). Über den Erlass wird wiederum eine Verfügung erlas- sen (Art. 4 Abs. 5 ATSV; VGE III 2017 32 vom 26.8.2017 Erw. 2.1 m.H.). Der Versicherer verfügt (ohne Erlassgesuch) den Verzicht auf die Rückforderung, wenn offensichtlich ist, dass die Voraussetzungen für den Erlass gegeben sind (vgl. Art. 3 Abs. 3 ATSV; zum Ganzen Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 25 N 75 f.). 1.3.1Ein gutgläubiger Bezug einer Sozialversicherungsleistung liegt vor, wenn das Bewusstsein über den unrechtmässigen Leistungsbezug fehlt, sofern dieses Fehlen in einer objektiven Betrachtungsweise unter den konkret gegebenen Um- ständen entschuldbar ist (Kieser, a.a.O., Art. 25 N 65 m.H.). 1.3.2Die Rechtsprechung unterscheidet zwischen dem guten Glauben als feh- lendem Unrechtsbewusstsein und der Frage, ob sich jemand unter den gegebe- nen Umständen auf den guten Glauben berufen konnte oder bei zumutbarer Aufmerksamkeit den bestehenden Rechtsmangel hätte erkennen können. Während das Vorliegen oder Fehlen des Unrechtsbewusstseins zum inneren Tatbestand gehört und eine Tatfrage darstellt, gilt die Frage nach der Anwen- dung der gebotenen Aufmerksamkeit als frei überprüfbare Rechtsfrage, soweit es darum geht, ob sich jemand angesichts der jeweiligen tatsächlichen Verhältnisse auf den guten Glauben berufen kann (VGE III 2017 32 vom 26.8.2017 Erw. 2.2.1, II 2016 25 vom 17.5.2016 Erw. 4.4.1, je mit weiteren Hinweisen, u.a. auf BGE 122 V 221 Erw. 3 und Urteil BGer 8C_612/2011 vom 7.12.2011 Erw. 3.2). 1.3.3Der gute Glaube entfällt nicht nur bei wissentlichem Bezug von zu Unrecht ausgerichteter Leistungen. Vielmehr darf sich der Leistungsempfänger nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Der gute Glaube ist somit von vornherein nicht gegeben, wenn die zu Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine arglistige oder grobfahrläs-5 sige Melde- oder Auskunftspflichtverletzung zurückgeht. Demgegenüber kann sich die rückerstattungspflichtige Person auf den guten Glauben berufen, wenn ihr fehlerhaftes Verhalten (beispielsweise die Meldepflichtverletzung) nur eine leichte Fahrlässigkeit darstellt (BGE 112 V 97 Erw. 2c; AHI 2003, S. 161 Erw. 3a, I 553/01). Wie in anderen Bereichen beurteilt sich die geforderte Sorgfalt nach einem objek- tiven Massstab, wobei jedoch das den Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare (Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) nicht ausgeblendet werden darf (VGE I 2011 69 vom 24.10.2011 Erw. 2.2; Urteile BGer 8C_594/2007 vom 10.3.2008 Erw. 5.1 und 5.2; 9C_14/2007 vom 2.5.2007 Erw. 4.1; SVR 2007 IV Nr. 13 S. 49 Erw. 4.4, I 622/05). 1.3.4Wer nachweisbar absichtlich unrechtmässige Leistungen böswillig entge- gennimmt, kann von vornherein nicht gutgläubig sein (VGE I 2011 69 vom 24.10.2011 Erw. 2.3; Meyer-Blaser, Die Rückerstattung von Sozialversicherungs- leistungen, ZBJV 1995, S. 481 m.H.). 1.3.5Die Frage nach dem guten Glauben ist praxisgemäss in Bezug auf die Pe- riode, in welcher die zurückverlangte Leistung bezogen wurde, zu beurteilen (VGE II 2011 97 vom 22.12.2011 Erw. 3.4; vgl. auch Urteile BGer 8C_888/2008 vom 19.8.2009 Erw. 6.2.1 und 9C_805/2008 vom 13.3.2009 Erw. 2.4). 1.3.6Nach Art. 31 Abs. 1 ATSG ist jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen von den Bezügerinnen und Bezügern, ih- ren Angehörigen oder Dritten, denen die Leistung zukommt, dem Versicherungs- träger oder dem jeweils zuständigen Durchführungsorgan zu melden. Die Versicherten werden über ihre Rechte und Pflichten eingehend informiert (vgl. Art. 22 AVIV). In der Broschüre "Ein Leitfaden für Versicherte Arbeitslosig- keit" (Vi-act. 3) wird auf S. 12, Ziff. 4 festgehalten, dass den Vollzugsstellen jegli- che Änderungen im Zusammenhang mit dem Arbeitslosenentschädigungsan- spruch mitzuteilen sind, worunter auch die Erzielung eines (Zwischen-) Verdienstes fällt (vgl. VGE II 2014 5 vom 15.5.2014 Erw. 3.3; vgl. auch Vi-act. 3 S. 15 Ziff. 9: "Was ist ein Zwischenverdienst […]?"). 1.4Eine grosse Härte liegt vor, wenn die vom Bundesgesetz vom 6. Oktober 2006 über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversi- cherung (ELG; SR 831.30) anerkannten Ausgaben und die zusätzlichen Ausga- ben nach Art. 5 Abs. 4 ATSV die nach ELG anrechenbaren Einnahmen überstei- gen (Art. 5 Abs. 1 ATSV). 6 2.Es stellt sich vorab die Frage, ob die Vorinstanz verfrüht über das Erlass- gesuch befunden hat. 2.1Mit Verfügung Nr. 443 vom 14. Juli 2020 forderte die Vorinstanz von der Beschwerdeführerin Fr. 739.55 an zu Unrecht ausbezahlten Taggeldern zurück (Ingress Bst. C). Bereits schon am 3. Juli 2020 (Posteingangsstempel 14.7.2020) ersuchte die Beschwerdeführerin um Erlass der Rückforderung (Ingress Bst. D). Über dieses Erlassgesuch entschied die Vorinstanz mit Verfügung vom 9. März 2021 resp. dem angefochtenen Einspracheentscheid Nr. 211/21 vom 27. April 2021. Damit entschied die Vorinstanz über den Erlass offensichtlich vor Eintritt der Rechtskraft der Rückforderungsverfügung Nr. 443 vom 14. Juli 2020: Gegen die Letztere erhob die Beschwerdeführerin am 5. August 2020 Einsprache. Der ent- sprechende Einspracheentscheid Nr. 07/2021 betreffend Rückforderungspflicht datiert (erst) vom 2. Juni 2021 und wurde in der Folge ans Verwaltungsgericht (Verfahren II 2021 80) sowie ans Bundesgericht (Verfahren 8C_730/2021) wei- tergezogen. Erst am 5. November 2021 entschied das Bundesgericht über die Beschwerde (vgl. Ingress Bst. C). Die Erlassfrage wurde mithin bereits während dem noch hängigen Verfahren betreffend die Rückerstattungspflicht beurteilt. Damit aber konnte die Frage der grossen Härte gar nicht im relevanten Zeitpunkt, nämlich als rechtskräftig über die Rückerstattung entschieden wurde (vgl. oben Erw. 1.2; Art. 4 Abs. 2 ATSV), beurteilt werden. Mithin hat die Vorinstanz zu Un- recht bereits über das Erlassgesuch entschieden, noch bevor die Frage der Rückerstattung rechtskräftig entschieden war (vgl. auch Urteile BGer 9C_747/2018 vom 12.3.2019 Erw. 1.2; 9C_466/2014 vom 2.7.2015 Erw. 4). 2.2Der Erlass der Rückforderung setzt - wie erwähnt - kumulativ das Vorhan- densein der Kriterien des guten Glaubens einerseits und der grossen Härte an- derseits voraus. Zwar ist für die Beurteilung, ob eine grosse Härte vorliegt, der Zeitpunkt, in welchem über die Rückforderung rechtskräftig entschieden ist, massgebend (Art. 4 Abs. 2 ATSV); insofern drängt sich grundsätzlich ein Abwar- ten bzw. eine Sistierung des Erlassverfahrens bis zum Zeitpunkt der Rechtskraft der Rückforderungsverfügung auf. Art. 4 Abs. 2 ATSV beschlägt indes nur das Kriterium der grossen Härte. Steht fest, dass das andere, kumulativ erforderliche Kriterium des guten Glaubens nicht erfüllt ist und ein Erlass damit nicht in Frage kommt, dann käme die Aufhebung des Einspracheentscheides zur Rückweisung und Prüfung der Erlassvoraussetzungen einer unnötigen Verfahrensverlängerung gleich. Dies zumal das Kriterium des (Nicht-)Vorhandenseins des guten Glau- bens regelmässig anhand zeitlich vorgelagerter Sachverhalte zu beurteilen ist und sich im Nachhinein nicht verändern lässt (vgl. hiervor Erw. 1.3.5). 7 2.3Soweit also die Vorinstanz das Erlassgesuch zu Recht mangels guten Glaubens der Beschwerdeführerin abgelehnt hat, ist trotz des Verfahrensman- gels von einer Rückweisung der Sache abzusehen, muss doch für den Erlass neben der grossen Härte kumulativ auch ein guter Glaube vorhanden sein. Ent- sprechend gilt es nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin die un- rechtmässigen Leistungen gutgläubig bezog. Ist dies der Fall, ist der Einspra- cheentscheid aufzuheben und die Sache zur Prüfung der kumulativen Voraus- setzung der grossen Härte an die Vorinstanz zurückzuweisen. Kann sich die Be- schwerdeführerin jedoch - wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid fest- stellte - nicht auf den guten Glauben berufen, muss das Erlassgesuch abgewie- sen werden; von einer Rückweisung kann diesfalls abgesehen werden. 3.1Die Beschwerdeführerin macht in ihrer (Laien-)Beschwerde im Wesentli- chen dieselben Ausführungen wie bereits einspracheweise (vgl. Vi-act. 13) vor der Vorinstanz. So macht sie geltend, es seien keine fixen Jobs, sondern nur sol- che auf Abruf gewesen. Aufträge hätten nicht ausgeführt werden können, weil keine Verbindung zum Internet sowie Intranet der Firma vorhanden gewesen sei. Der Lohn habe nicht zum Leben gereicht. Sie sei in einer finanziellen Notlage gewesen. Zur gleichen Zeit habe sie "doppelte Steuern" der Kantone C.________ und Schwyz erhalten. Im Jahr 2012 habe sie einen schweren Bran- dunfall (Verbrennungen 3. Grades) erlitten; seither müsse sie diverse Schmerz- mittel, Antiallergika sowie Spezialanzüge organisieren; für diese Kosten habe sie selber aufkommen müssen. Auch sei die Corona-Situation bzw. die hieraus re- sultierte Kurzarbeit zu berücksichtigen. Abschliessend bittet die Beschwerdefüh- rerin um Entschuldigung des "Missverständnis[ses]" - es sei keine Absicht gewe- sen und werde in Zukunft nicht mehr vorkommen - sowie darum, von der Rück- forderung von Fr. 736.55 abzusehen. Im aktenkundigen Schreiben vom 5. August 2020 (Vi-act. 11 = Einsprache gegen die Rückforderungsverfügung Nr. 443 vom 14.7.2020) erklärte die Beschwerde- führerin: "Aufgrund dessen, dass es keine fixe Arbeit [war] und ich somit kein re- gelmässiges Einkommen erhielt, verzichtete ich auf eine Deklaration." 3.2Die Beschwerdeführerin ist nicht beanwaltet. Dabei ist zu beachten, dass bei juristischen Laien an Antrag und Begründung keine hohen Anforderungen gestellt werden (vgl. VGE II 2020 107 vom 17.12.2020 Erw. 3, m.H.a. Griffel, in: Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. Aufl., Zürich 2014, § 23 N 12, 17 und § 54 N 1). Den Ausführungen lässt sich ohne Weiteres entnehmen, dass die Beschwerdeführerin sinngemäss sowohl ei- nen guten Glauben als auch eine grosse Härte geltend macht. 8 4.1Die Beschwerdeführerin bezog ab dem 16. September 2018 Leistungen der Arbeitslosenkasse, was unbestritten ist. In den Formularen "Angaben der versicherten Person für den Monat" Juli, August, September, Oktober sowie No- vember 2018 bestätigte die Beschwerdeführerin gegenüber der Arbeitslosenkas- se konsequent, für keine Arbeitgeber tätig gewesen zu sein und keinen Zwi- schenverdienst erzielt zu haben; ebenso konsequent gab die Beschwerdeführe- rin in diesen Formularen an, weiterhin arbeitslos zu sein und im Umfang von 100% ab sofort Arbeit zu suchen (Vi-act. 8). Gemäss den aktenkundigen Arbeit- geberbescheinigungen bzw. Lohnabrechnungen hat die Beschwerdeführerin in den genannten Monaten bei der D.________ AG (Vi-act. 6), bei der E.________ AG (Vi-act. 4), bei der F.________ AG (Vi-act. 5) sowie bei der G.________ AG (Vi-act. 7 [wobei das diesbezügliche Einkommen nicht als Zwischenverdienst an- gerechnet worden war]) Einkommen erzielt (vgl. auch Vi-act. 9 = Ausgleichskas- se Zug, Auszug aus dem IK der Beschwerdeführerin, namentlich für das Jahr 2018). Es ist damit erstellt, dass die Beschwerdeführerin in der fraglichen Zeit mehrere Arbeitsverhältnisse hatte und hieraus Lohn erzielte, diesen gegenüber der Ar- beitslosenkasse aber nicht deklariert und im entsprechenden Umfang zu viel Taggelder bezogen hat (vgl. auch VGE II 2021 80 vom 20.9.2021). 4.2Die versicherten Personen werden bei der Anmeldung zum Bezug von Ar- beitslosenentschädigung über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt und sie erhal- ten den vorerwähnten "Leitfaden für Versicherte Arbeitslosigkeit" (Vi-act. 3; hier- vor Erw. 1.3.6). Es liegen keine Anhaltspunkte vor, dass die Beschwerdeführerin nicht hinreichend aufgeklärt worden wäre, noch wird dies von ihr selber vorge- bracht. Abgesehen davon werden die versicherten Personen in den monatlich einzureichenden Formularen "Angaben der versicherten Person für den Monat" ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, der (Arbeitslosen-)Kasse unbedingt jede Arbeit zu melden, die sie während des Bezugs von Arbeitslosenentschädi- gung ausführen, dass unwahre und unvollständige Angaben zum Leistungsent- zug und zu einer Strafanzeige führen können und dass zu Unrecht bezogene Leistungen zurückbezahlt werden müssen (vgl. Vi-act. 8; angefochtener Einspra- cheentscheid Erw. 4). Die Beschwerdeführerin hat die "Jobs" bei den oberwähnten Unternehmungen wohl insbesondere deshalb angenommen, weil sie dafür entschädigt wurde. Mit anderen Worten erhielt sie für ihre Arbeitsleistung eine Gegenleistung. Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, ist unter Erwerbseinkommen jedes Entgelt für per- sönliche Arbeitsleistung, sei es aus dauernder oder gelegentlicher ("auf Abruf", 9 vgl. Beschwerde S. 1) Arbeitstätigkeit, zu verstehen (angefochtener Einspra- cheentscheid Erw. 3 S. 2 unten f.; VGE II 2017 32 vom 26.8.2017 Erw. 3.2). Die Beschwerdeführerin hat es ungeachtet dieser ihr bekannten Pflichten und den Hinweisen auf den Formularen "Angaben der versicherten Person für den Monat" während eines Zeitraumes von fünf Monaten unterlassen, in ihren monat- lichen Angaben gegenüber der Arbeitslosenkasse einerseits ihre verschiedenen Arbeitgeber zu bezeichnen und anderseits ihre erzielten Einkommen zu deklarie- ren. Stattdessen hat sie stets angegeben, weiterhin arbeitslos zu sein, wobei sie diese Angaben unterschriftlich bekräftigte. Angesichts dieser fortwährenden Ver- säumnisse liegen klare Verhältnisse vor. Es handelt sich nach objektiver Betrach- tungsweise um grobfahrlässige Meldepflichtverletzungen, welche den guten Glauben regelmässig ausschliessen (vgl. VGE II 2014 5 vom 15.5.2014 Erw. 4.2). 4.3Es ist denkbar, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich irrtümlicherweise davon ausging, dass sie keine Zwischenverdienste erzielte (vgl. vorstehend Erw. 4.1, wonach es sich gemäss ihrer Darstellung um ein Missverständnis han- delt). Dies allein macht jedoch noch keinen guten Glauben aus. Vielmehr ist vorausgesetzt, dass sie in diesem Irrglauben sein durfte, dass er ihr nicht vor- werfbar ist. Weshalb sie berechtigterweise annehmen durfte, keinen zu deklarie- renden Zwischenverdienst zu erzielen, weil "es keine fixe Arbeit" war und weil sie kein regelmässiges Einkommen generierte, führt die Beschwerdeführerin nicht weiter aus. Sie nennt keinen Grund, der sie in dieser Annahme bekräftigte. Hin- gegen weist die Vorinstanz zu Recht auf die Tatsache hin, dass Arbeitslose über ihre Rechte und Pflichten orientiert werden. Sie werden - wie erwähnt - informiert, dass im Rahmen der Mitwirkungspflicht Zwischenverdienste zu melden sind und dass Zwischenverdienst jedes Einkommen ist, das kleiner ist als die Arbeitslo- senentschädigung (Vi-act. 3 S. 15 Ziff. 9). Ebenso werden die Versicherten mo- natlich nach allfälligen Zwischenverdiensten befragt (vgl. bereits Erw. 4.2 hier- vor). Kommt hinzu, dass die Beschwerdeführerin - wie im VGE II 2021 80 vom 20. September 2021 betreffend Rückerstattung festgehalten wurde - teilweise über schriftliche Arbeitsverträge verfügte, Lohnabrechnungen erhielt und explizit auch Arbeitszeugnisse verlangte. Mithin musste sie sich im Klaren sein, dass sie angestellt war und Lohn erzielte. Aber genau dies wurde in den monatlichen Formularen abgefragt und von der Beschwerdeführerin stets verneint. 4.4Mit Verweis auf die Lehre, wonach grobfahrlässig handelt, wer bei der Er- füllung der Meldepflicht nicht das ihm nach seiner Fähigkeit und seinem Bil- dungsgrad zumutbare Mindestmass an Sorgfalt anwendet, sowie auf die Recht- sprechung, wonach schuldhaftes Verhalten insbesondere auch in der Unterlas-10 sung bestehen kann, sich bei der Verwaltung nicht zu erkundigen (angefochtener Einspracheentscheid Erw. 3), hält die Vorinstanz zu Recht fest, die Beschwerde- führerin habe in nicht entschuldbarer Weise nicht das Mindestmass an Aufmerk- samkeit walten lassen, das von einer verständigen Person in gleicher Lage und bei gleichen Umständen verlangt werden darf (angefochtener Einspracheent- scheid Erw. 4 ff., Erw. 6 insbesondere). Es handelt sich nicht um eine leichte Nachlässigkeit, die den guten Glauben nicht zerstört. Nachdem die Beschwerdeführerin bereits zuvor Arbeitslosengeld bezogen hatte (gem. IK-Auszug [Vi-act. 9] Juli bis November 2016, Dezember 2017 bis Juli 2018), hätte von ihr - auch aufgrund ihrer Erfahrung mit der Arbeitslosenkasse sowie dem RAV - erwartet werden dürfen, dass sie sich bei der Verwaltung zu- mindest erkundigt, ob es sich bei den Einkünften um zu deklarierende Zwischen- verdienste handelt. Indem sie das Entgelt eigenmächtig nicht deklarierte, befand sie sich in einem nicht entschuldbaren Irrtum, sodass auch vor diesem Hinter- grund von einem grobfahrlässigen Handeln auszugehen ist (vgl. VGE II 2017 32 vom 26.8.2017 Erw. 3.2). 4.5Wenn bereits der gute Glaube als kumulative Voraussetzung für den Erlass der Rückerstattung zu verneinen ist, erkannte die Vorinstanz zu Recht, dass die weitere Voraussetzung der grossen Härte nicht weiter zu prüfen war und ist (vgl. angefochtener Einspracheentscheid Erw. 6 i.f.). Als unbehelflich erweisen sich damit namentlich die in der Beschwerde (erneut) vorgetragenen Vorbringen be- züglich einer allfälligen finanziellen Notlage (doppelte Steuern; Materialbeschaf- fungskosten [Telefon, Laptop]; Kosten für Schmerzmittel, Spezialanzüge etc. zu- folge der von der Beschwerdeführerin erlittenen Brandverletzung; Kurzarbeits- entschädigung [welche vorliegend gem. Bf-act. 1 ohnehin das grundsätzlich [vgl. immerhin Kieser, a.a.O., Art. 25 N 75] nicht relevante Jahr 2020 betrifft]). Da es am guten Glauben für den unrechtmässigen Bezug von Arbeitslosengel- dern mangelt, kommt ein Erlass nicht in Frage. Entsprechend erübrigt sich eine Rückweisung der Sache zur Prüfung der kumulativen Voraussetzung der gros- sen Härte (vgl. oben Erw. 2.3). 4.6Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde gegen den Einspra- cheentscheid Nr. 211/21 vom 27. April 2021 als unbegründet und ist daher ab- zuweisen. 5.Es werden keine Kosten erhoben (vgl. Art. 61 lit. f bis ATSG). Parteientschä- digungen sind keine zuzusprechen. 11 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwer- de* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, Schwei- zerhofquai 6, 6004 Luzern, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundes- gesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005). Soweit die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nicht zulässig ist, kann in derselben Rechtsschrift subsidiäre Verfassungsbe- schwerde* erhoben und die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden (Art. 113ff. BGG). 4. Zustellung an: -die Beschwerdeführerin (R) -die Vorinstanz (EB) -und das Staatssekretariat für Wirtschaft, SECO, 3003 Bern (A). Schwyz, 19. November 2021 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Vizepräsident: Der Gerichtsschreiber: *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 30. November 2021