Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Februar 2017 (720 12 175 / 37) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beweistauglichkeit eines Gerichtsgutachtens im Lichte von BGE 141 V 281 Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Philip Stolkin , Recht s- anwalt, Freiestrasse 73, Postfach 1223, 8032 Zürich gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1958 geborene A.____ arbeitete als Fachlehre rin an der Berufsschule B.____ in einem 50 %-Pensum. Daneben arbeitete sie als selbständig Erwerbende mit eigenem Geschäft als Schneiderin und Designerin in C.____. Sie melde te sich am 24. August 2000 bei der Eidge- nössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungs bezug an unter Hinweis auf multiple weichteilrheumatische Beschwerden, Myotendinosen, P eriarthritiden, ein zervikales und lum- bovertebrales Schmerzsyndrom sowie eine chronische depressive Verstimmung mit rezidivie- renden Angstzuständen (Bericht von Dr. med. D.____, Innere Medizin FMH, vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 14. September 2000). Am 24. September 2002 verletzte sich die Versicherte bei einem Sturz vom Pferd. Diagnostiziert wurden eine Beckenkontusion und eine Distorsion der HWS. Mit Ver- fügung vom 10. März 2003 teilte ihr die IV-Stelle Bas el-Landschaft (IV-Stelle) mit, dass die be- ruflichen Massnahmen abgeschlossen worden seien und die Ang elegenheit zur Abklärung des Rentenanspruchs an die zuständige Abteilung weitergele itet werde. Nach Einholung von zwei verwaltungsexternen medizinischen Gutachten (polydisziplinär es Gutachten der MEDAS Kan- tonsspital Basel vom 8. Dezember 2004 sowie polydiszipli näres Gutachten der ZVMB GmbH, MEDAS Bern, vom 6. Dezember 2010) lehnte die IV-Ste lle mit Verfügung vom 22. Februar 2012 den Rentenanspruch von A.____ bei einem errechne ten IV-Grad von 0 % bis 28. Februar 2003 und von 20 % ab März 2003 ab. Dabei stützte sich d ie IV-Stelle auf das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS Bern vom 6. Dezember 2010 und gin g davon aus, dass sowohl als Leh- rerin als auch in jeder anderen Verweistätigkeit aufgru nd der diagnostizierten anhaltenden so- matoformen Schmerzstörung eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % bestehe. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwal t Philip Stolkin, mit Eingabe vom 28. März 2012 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich. Darin liess sie unter o/e-Kostenfolge beantragen, es sei die angef ochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihr eine Rente auf der Basis von 100 % zuzusprechen. Ausserdem sei ein polydisziplinäres Gutachten anzuordnen und es sei Prof. Dr. med. E.____ , Neurologie FMH und Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, als Zeuge zu befragen . In der Beschwerde wurde im Wesent- lichen geltend gemacht, dass der medizinische Sachverhalt nicht korrekt abgeklärt worden sei, da das Gutachten der MEDAS Bern nicht beweistauglich se i. Zudem sei die Normhypothese der somatoformen Schmerzstörung nicht zulässig. Mit Beschlu ss vom 30. März 2012 trat das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich nicht auf die Beschwerde ein und überwies die Akten nach Eintritt der Rechtskraft ans Kantonsgericht Ba sel-Landschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). C. Mit Vernehmlassung vom 27. September 2012 beantrag te die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 10. Dezember 20 12 reichte die Beschwerdeführe- rin weitere ärztliche Berichte zu den Akten und hielt a n den bereits gestellten Rechtsbegehren fest. Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 11. Februar 2013 am Abweisungsantrag fest. D. Anlässlich der Urteilsberatung vom 25. Juli 2013 ge langte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der An gelegenheit gestützt auf die medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Auf das Gutach ten der MEDAS Bern vom 6. Dezember 2010 könne nicht abgestellt werden, da erh ebliche Zweifel an seiner Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestünden und es weder auf allseitigen Untersuchungen beruhe noch in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden sei. Zur Klärung der medizinischen Sachlage wurde die MEDAS Zentralschweiz mit der Erstel lung eines polydisziplinären Gerichtsgutachtens beauftragt. In der Folge erhielten die Parteien die Gelegenheit, zum Gutachtensauftrag und dem Fragekatalog Stellung zu neh men und allfällige Ergänzungsfragen einzureichen. Mit Schreiben vom 23. Oktober 2013 wurde d as Gutachten bei der MEDAS Zentralschweiz in Auftrag gegeben. Mit Eingabe vom 25. Februar 2014 teilte die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführerin mit, dass sie sich nach der Begutachtu ng aufgrund ihrer Schmerzen in die Obhut des Rheumazentrums F.____ habe begeben müssen. Der Arztbericht des Rheumazentrums F.____ vom 18. Februar 2014 sei der MED AS Zentralschweiz zu unterbreiten. In der Folge liess das Kantonsgericht de r MEDAS Zentralschweiz diesen Bericht zukommen (Schreiben vom 26. Februar 2014). Die MEDAS Z entralschweiz reichte ihr Gerichtsgutachten am 7. Mai 2014 ein. Auf Nachfrage hin nahm die MEDAS Zentralschweiz mit Eingabe vom 13. Juni 2014 nachträglich Stellung zum Ber icht des Rheumazentrums F.____ vom 18. Februar 2014. E. Mit Stellungnahme vom 1. Juli 2014 hielt die Beschw erdegegnerin an ihrem Abwei- sungsantrag fest und führte unter Hinweis auf die Stel lungnahme von Dr. med. G.____, Fach- arzt Psychiatrie/Psychotherapie, RAD, vom 26. Juni 2014 aus, dass die neuen ärztlichen Be- richte keine Änderung der gesundheitlichen Situation ergeben hätten. Sie seien auch weit nach Verfügungserlass ergangen. Hinsichtlich der Prüfung der Foerster-Kriterien bleibe die von den Gutachtern postulierte Komorbidität von erheblicher S chwere, Intensität, Ausprägung und Dau- er unklar. Sie stehe zudem in Widerspruch zu den Befund en und den Diagnosen, insbesondere zur neuropsychologischen Beurteilung. Im Ergebnis sei die a ttestierte Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit nicht nachvollziehbar. Mit Eingabe vom 19. August 2014 nahm die Beschwerdefüh rerin zum Gerichtsgutachten Stel- lung. Sie hielt an ihren bereits gestellten Anträgen fest und beantragte eine Rente auf der Basis einer 100 %-igen Arbeitsunfähigkeit. Zudem wies sie d arauf hin, dass Dr. med. H.____, Fach- arzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein Gutachte n zum hirnorganischen Psychosyn- drom verfassen werde. Die Beschwerdeführerin gehe insbe sondere mit den Ausführungen des psychiatrischen Gerichtsgutachters nicht einig, soweit die entsprechenden Ausführungen das hirnorganische Psychosyndrom betreffen würden. Dem Gutach ten könne deshalb nicht gefolgt werden, zumindest was die innere Begründung für die A rbeitsunfähigkeit betreffe. Im Weiteren wurde auch das rheumatologische Teilgutachten bemänge lt. Neuropsychologisch sei zudem nicht nur von einer mental verminderten Belastungsfähi gkeit auszugehen, sondern von einer organisch verminderten Belastbarkeit. In der Folge stel lte die Beschwerdeführerin dem Gericht mit Schreiben vom 3. Dezember 2014 das psychiatrische Guta chten von Dr. H.____ vom 29. November 2014 zu und führte aus, dass Dr. H.____ zum Sch luss gelange, dass eine Persön- lichkeitsveränderung bei einem chronischen Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.80) vorliege, die ohne initiales Unfallereignis nicht denkbar wäre. Die Arbeitsfähigkeit werde von Dr. H.____ et- was tiefer veranschlagt als von der MEDAS Zentralschweiz. Am 13. Januar 2015 nahm die Be- schwerdeführerin zur Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 1. Juli 2014 Stellung und hielt an ihren Anträgen fest. Entgegen der Auffassung der Besch werdegegnerin liege ein psychiatri- sches Leiden vor. Daher gelange nicht die diskriminierend e Rechtsprechung zu den somato- formen Schmerzstörungen zur Anwendung. Falls das Gericht keinen reformatorischen Ent- scheid fälle, sei der MEDAS Zentralschweiz das Gutachten von Dr. H.____ zuzustellen. F. Die Beschwerdegegnerin stellte mit Eingabe vom 15. Januar 2015 den Antrag, es sei- en den Gerichtsgutachtern das psychiatrische Gutachten von D r. H.____ vom 29. November Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2014 und die Eingabe der Beschwerdeführerin vom 19. Au gust 2014 zur Stellungnahme zu un- terbreiten, da die Beschwerdeführerin das Gerichtsgutachten dezidiert kritisiere. G. In der Folge unterbreitete das Kantonsgericht der M EDAS Zentralschweiz das Gutach- ten von Dr. H.____ vom 29. November 2014 sowie die Ei ngaben der Parteien. Der psychiatri- sche Gutachter der MEDAS Zentralschweiz, Dr. med. I.____ , Psychiatrie und Psychotherapie FMH, nahm in der Folge dazu am 4. März 2015 Stellung und hielt an seiner bisherigen Auffas- sung fest. Zusammenfassend kommt Dr. I.____ zum Schluss, da ss die Einschätzung der Ar- beitsfähigkeit durch Dr. H.____ relativ ausgeprägt au f subjektiven Einschätzungen der Versi- cherten und relativ wenig auf dem Abgleich zwischen Anfo rderungen der Tätigkeit an die Versi- cherte und ihren Fähigkeiten und Ressourcen beruhe. H. Am 8. Mai 2015 nahm die Beschwerdegegnerin nochmals Stellung. Sie vertrat nach wie vor die Auffassung, dass die Schmerzproblematik überwi ndbar sei und stützte sich auf ei- nen Bericht von Dr. G.____ vom 24. März 2015. Die Beschwerdeführerin nahm in der Folge am 8. Mai 2015 und am 13. Juli 2015 ebenfalls Stellung und hielt an den Rechtsbegehren fest. In ihrer Eingabe vom 13. Juli 2015 wies sie auf das neue Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2015, 9C_492/2014 (BGE 141 V 281) hin, mit dem das B undesgericht seine Praxis zur Beurtei- lung des Anspruchs auf eine Invalidenrente infolge som atoformer Schmerzstörung und ver- gleichbarer psychosomatischer Leiden änderte. Am 6. Aug ust 2015 informierte die Beschwer- deführerin das Gericht über die Krebserkrankung des Ehe mannes und beantragte das Zuwar- ten mit einem Entscheid, bis ein entsprechender Berich t der behandelnden Psychiaterin Dr. med. J.____, Fachärztin FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vorliege. I. In der Folge nahmen die Parteien Stellung zu den Auswirkungen von BGE 141 V 281 auf die vorliegende Streitigkeit. Mit Eingabe vom 10 . September 2015 stellte die Beschwerde- gegnerin den Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Eve ntualiter seien bei der MEDAS Zent- ralschweiz die schriftlichen Unterlagen betreffend den i m Zirkulationsverfahren erarbeiteten Konsensfindungsprozess aller beteiligten Fachärzte einzuh olen. Ein Zuwarten auf weitere ärzt- liche Berichte sei nicht nötig. Unter Hinweis auf die S tellungnahme von Dr. G.____ vom 14. August 2015 führte sie zu BGE 141 V 281 aus, dass ei ne Analyse der Standardindikatoren ergeben habe, dass eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 20 % vorliege. Bei der Beschwerde- führerin würden ausreichend Ressourcen bestehen. Mit Eingabe vom 2. November 2015 wurde dem Gericht von Seiten der Beschwerdeführerin berichtet, dass die neue Psychiaterin mannigfaltige neue Diagnosen habe erheben können. Mit Eingabe vom 3. Februar 2016 wurde schliesslich der Ber icht von Dr. J.____ eingereicht und beantragt, Dr. J.____ als sachverständige Zeugin einzuvernehmen. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs nahm die Beschwerdegegnerin dazu mit Eingabe vom 9. Februar 2016 Stellung und hielt fest, dass sich die Ausführungen von Dr. J.____ nich t mit dem Gerichtsgutachten ausei- nander setzen würden. J. Anlässlich der Urteilsberatung vom 18. Februar 2016 gelangte das Gericht erneut zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Ang elegenheit gestützt auf die vorhan- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dene medizinische Aktenlage nicht möglich sei. In Anbetra cht von BGE 141 V 281 sah es die Einholung einer ergänzenden Stellungnahme von Dr. Sc hwarzenbach als notwendig an (vgl. dazu ausführlich Beschluss vom 18. Februar 2016). In der Folge äusserten sich die Parteien zur Fragestellung. Die Beschwerdegegnerin verlangte mit E ingabe vom 11. März 2016 wiederholt die Einholung der Unterlagen betreffend Konsensfindu ng, da zwischen der Einschätzung von Dr. I.____ und den Neuropsychologinnen ein Widerspruch bestehe. Mit Verfügung vom 2. Mai 2016 wies das instruierende Präsidium die Verfahrensant räge der Parteien ab und erteilte den Auftrag an Dr. I.____. Mit Eingabe vom 27. Mai 2016 liess die Beschwerdeführerin den Bericht der Klinik K.____ zu den Akten reichen und teilte mit Eingabe vom 1. Juni 2016 mit, dass der an die MEDAS Zentralschweiz geschickte Fragekatalog dem Grun dsatz der Verfahrensfairness widerspreche. K. Die MEDAS Zentralschweiz reichte die psychiatrische Begu tachtung am 18. August 2016 ein (Gutachten von Dr. I.____ vom 8. August 201 6). Mit Eingabe vom 21. Oktober 2016 nahm die Beschwerdegegnerin dazu Stellung. Sie hielt an ihrem Abweisungsantrag fest und beurteilte das Ergänzungsgutachten gestützt auf die Aus führungen von Dr. G.____ vom 27. September 2016 als nicht verlässlich. Die Beschwerdeführe rin äusserte sich mit Eingabe vom 26. Oktober 2016 zum Gutachten. Darin führte sie aus, da ss sie das Gutachten als vollständig, gut begründet und grundsätzlich schlüssig halte bis auf di e Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, die zu tief bemessen sei. Es werde daher angeregt, Dr. I.____ ergänzend zu befragen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der Beschwerdegegneri n vom 22. Februar 2012, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsproze ssordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherung sgericht als einzige gerichtliche In- stanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kanto nalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 28. M ärz 2012 ist demnach einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die Beschwer deführerin Anspruch auf eine IV- Rente hat. 3.1 Die Beschwerdeführerin meldete sich im August 2000 bei der Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug an. Die angefochtene Verfügung datier t vom 22. Februar 2012. Damit ist ein Sachverhalt zu beurteilen, der sich teilweise vor dem Inkrafttreten der 4. IV-Revision am 1. Januar 2004 und der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 verwirklicht hat. Da eine Invalidenren- te strittig ist, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, gilt der allgemeine übergangsrecht- liche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die im Zeit- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht punkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen R echtsfolgen führende Sachverhalt ver- wirklicht hat (BGE 130 V 445, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). 3.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG in der bis Ende 2003 gülti gen Fassung hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu minde stens 66 2 /3 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der von 1. Januar 2004 bis Ende 2007 gültig gewesenen Fas- sung) bzw. nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Jan uar 2008 anwendbaren Fassung) hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn si e zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vor aussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausg eglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG, Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). F ür die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Re vision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 3.4 Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anh altende somatoforme Schmerzstö- rung oder eine vergleichbare Störung ohne erkennbar e organische Ursache begründet als sol- che noch keine Invalidität. Nach der bisherigen Rechtsp rechung bestand eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit e iner zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Danach konnten bestimmte Umstände, we lche die Schmerzbewältigung in- tensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in de n Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwen- digen Ressourcen verfügte. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3). Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbe- messung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursache und vergleichbaren psy- chosomatischen Leiden angepasst und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksi chtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Das bisherige Regel/Ausnahme- Modell wird durch ein strukturiertes Beweisverfahren erse tzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG ändert sich dadurch nichts. An die Stelle de s bisherigen Kriterienkatalogs treten im Regelfall Standardindikatoren. Die Anerkennung ein es rentenbegründenden Invaliditätsgra- des ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkunge n der medizinisch festgestellten ge- sundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschei nlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie v or die materiell beweisbelastete versi- cherte Person zu tragen (E. 6). Die im Regelfall bea chtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht in BGE 141 V 281 wie folgt: • Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3): o Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1):  Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1. 1)  Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)  Komorbiditäten (E. 4.3.1.3) o Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persön liche Ressourcen; E. 4.3.2) o Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3) • Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4): o gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Le- bensbereichen (E. 4.4.1) o behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiese ner Leidensdruck (E. 4.4.2) Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Einzelfall relevan- ten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwender n Indizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteil ung der Arbeitsunfähigkeit bei psy- chosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von medizini- schen Fachpersonen zur Verfügung zu stellen sind. Deren Au fgabe ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in we lchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist ( BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätig- keiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauig- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schla uri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Be schwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 121 V 47 E. 2a, 115 V 142 E. 8b, je mit Hinweisen). Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medi zinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würd igen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dies er für die streitigen Belange umfas- send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch d ie geklagten Beschwerden berücksich- tigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben w orden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi nischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.1 Nachdem das Kantonsgericht anlässlich der ersten Urtei lsberatung vom 25. Juli 2013 zur Auffassung gelangte, dass eine abschliessende Beurteil ung der Angelegenheit gestützt auf die bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen n icht möglich sei (vgl. dazu die ausführ- liche beweisrechtliche Würdigung der bei den Akten lieg enden fachärztlichen Berichte im Be- schluss vom 25. Juli 2013), wurde die MEDAS Zentralschweiz a m 23. Oktober 2013 mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens beauftragt. Das Gutachterteam der MEDAS Zent- ralschweiz, bestehend aus Dr. med. L.____, Rheumatologie FMH, Dr. med. M.____, Innere Medizin FMH, Dr. med. N.____, Facharzt FMH Rheumatolo gie, Dr. med. O.____, Neurologie FMH, lic. phil. P.____, Fachpsychologin für Neuropsycholo gie FSP, und lic. phil. Q.____, Fach- psychologin für Neuropsychologie FSP, sowie Dr. med. I.___ _, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnostiziert in seinem Gutachten vom 7. Mai 2014 auf S. 42 aus polydisziplinärer Sicht mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfä higkeit eine Neurasthenie ICD-10 F48.0, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen un d psychischen Faktoren ICD-10 F45.41, ein chronisches zervikospondylogenes Syndrom bei Feh lform mit zervikaler Streckhal- tung und bei degenerativ bedingter Segmentkyphose C4 b is C6 mit Segmentdegeneration C4/C5 mit Osteochondrose, Unkose, beginnender Spondylarthrose und mit degenerativ beding- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ter Foraminaleinengung C4/C5 links, mit Segmentdegen eration C5/C6 mit deutlicher Osteo- chondrose, Spondylarthrose und Unkose sowie mit degener ativ bedingter segmentaler Gefüge- lockerung mit Retroposition von C5 gegenüber C6 und mit degenerativ bedingter Einengung von Spinalkanal und Neuroforamina, bei Status nach HWS- Distorsionstrauma anlässlich eines Reitunfalles am 24. September 2002, bei Status nach a namnestischer Halswirbelsäulenverlet- zung infolge einer Tätlichkeit 2004, bei Status nach HWS -Distorsionstrauma infolge Heckauf- fahrunfall am 28. Januar 2011, ein chronisches lumbovert ebragenes Schmerzsyndrom bei Segmentdegeneration L3 bis S1, insbesondere fortgesch rittener erosiver Osteochondrose L5/S1 und bei hypertropher Spondylarthrose L3 bis L5 so wie ein symptomatisches Meniskus- ganglion medial rechts. Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeit sfähigkeit, aber mit Krankheitswert, diagnostizieren die Gutachter den Status nach Thoraxkont usion links mit sonographisch sekun- där festgestellten nichtdislozierten Frakturen der Rippen 4 bis 7 infolge Sturzes am 4. August 2009, eine unspezifische Gonalgie links bei Status nach K niearthroskopie links und nach me- dialer Meniskusresektion am 5. März 2013, Knick-Senk-Spre izfuss beidseits mit symptomati- schem Hallux valgus, Zustand nach fraglichem Borrelien-I nfekt 1996 mit rezidivierenden Er- schöpfungszuständen und Status nach Rocephin-Infusionsbehandlung, eine ausgeprägte Poly- allergie, eine belastete gynäkologische Anamnese und wahrscheinlicher Myopie. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit halten die Gutachter fest, dass sie davon ausgehen würden, dass die Explorandin in ihren früheren Berufstä tigkeiten als ehemalige Leiterin des Lehrlingsateliers zu 50 % und parallel dazu als Inhaber in eines Modegeschäfts ebenfalls zu 50 % tätig gewesen sei. Aus rein körperlicher Optik ( rheumatologisch/neurologisch) sei die Ex- plorandin in diesen Tätigkeiten nicht eingeschränkt und w äre zur Weiterführung der Tätigkeiten in der Lage. Alleinige Einschränkungen in den angesta mmten Tätigkeiten erkenne Dr. I.____, der der Explorandin eine teilweise Arbeitsunfähigkeit attestiere. Im angestammten Beruf bzw. in den angestammten Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsfähi gkeit von 55 % und in einer leidensan- gepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 65 %. In Bezug auf die divergierenden ärztlichen Einschätzunge n der MEDAS Basel und der MEDAS Bern äussern sich die Gutachter zusammenfassend dahingeh end, dass die von der MEDAS Basel mit Gutachten vom 8. Dezember 2004 erhobene Dia gnose eines organischen Psycho- syndroms nach traumatischer Hirnverletzung für nicht über wiegend wahrscheinlich erachtet werde. Aus diesem Grund sei die hohe Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollzieh- bar. Die Mängel des Gutachtens der MEDAS Bern vom 6. Dezember 2010 seien so gravierend, dass die Einschätzung dieser Gutachter einer kaum einges chränkten Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar sei. Mit ergänzender Stellungnahme vom 13. Juni 2014 nim mt die MEDAS Zentralschweiz zum Be- richt des Rheumazentrums F.____ vom 28. Februar 2014 St ellung. In diesem Bericht würden keine neuen Aspekte geschildert, weshalb an der Beurteil ung der Arbeitsfähigkeit festgehalten werde. In Bezug auf die Therapiemöglichkeiten werde jedoch darauf hingewiesen, dass der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht somatisch-pharmakologische Weg im Fall der Explorandin d er falsche sei, stattdessen werde dringend die Aufnahme einer Psychotherapie empfohlen. 5.2 Anlässlich der zweiten Urteilsberatung vom 18. Febru ar 2016 gelangte das Kantons- gericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilu ng der Angelegenheit gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage in Anbetracht vom i n der Zwischenzeit ergangenen BGE 141 V 281 noch immer nicht möglich sei. Das Gutacht erteam der MEDAS Zentralschweiz sei im Gerichtsgutachten vom 7. Mai 2014 zum Ergebnis gel angt, dass die Neurasthenie und die chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychische n Faktoren eine Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit im Umfang von 45 % bewirken würden. Diese Einschätzung sei gestützt auf die durch BGE 130 V 352 begründete „Schmerzrechtspre- chung“ mit ihrer Überwindbarkeitsvermutung und der Anw endung der „Foerster-Kriterien“ er- folgt. Die Würdigung des Gerichtsgutachtens zeige zwar, dass sich die Gutachter, insbesondere Dr. Schwarzenbach, bereits in grossen Teilen an die Rahmenbedingungen, die nun in BGE 141 V 281 festgelegt worden seien, gehalten hätten. Besondere Bedeutung komme im vorliegenden Fall den Ressourcen zu; diese beantworte das Gerichtsgut achten noch nicht in der umfassen- den Weise, wie dies die neue Rechtsprechung verlange. Es werde daher als notwendig erach- tet, bei Dr. I.____ ein ergänzendes psychiatrisches Gu tachten einzuholen, das der neuen Sichtweise von BGE 141 V 281 folge und sich zu den Standardindikatoren äussere. 5.3 Mit psychiatrischem Gutachten vom 18. August 2016 diagn ostiziert Dr. I.____ nach nochmaliger persönlicher Untersuchung der Beschwerdeführerin und nach ausführlicher Würdi- gung der in der Zwischenzeit ergangenen ärztlichen Berichte und der Eingaben der Parteien mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit einen Sturz vom Pferd am 24. September 2002 mit HWS- Distorsion (Diagnose Spital S.____ und Rehaklinik U.____ ) und mit Contusio capitis und leich- ter traumatischer Hirnverletzung (Diagnose Rehaklinik U .____), einen tätlichen Angriff 2004, einen Sturz am 4. August 2009 mit Thorax/Wirbelsäulen-K ontusion/Distorsion mit posttraumati- scher bilateraler Bronchopneumonie und generalisiertem Arzneimittel-Exanthem durch Aug- mentin (Diagnose Dr. med. R.____, Innere Medizin FMH), einen Autounfall am 1. Februar 2011 mit Beschleunigungstrauma Stadium II Quebec Task Force (D iagnose Prof. Dr. E.____) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Störung (ICD-10: F33.8), bei komplizierter, schwerer Trauerreaktion (ICD -10: F38.8) und mit ausgeprägten Er- schöpfungssymptomen sowie eine chronische Schmerzstörung mit so matischen und psychi- schen Faktoren (ICD-10: F45.41) mit andauernder Persönl ichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10: F62.80). Psychiatrische Diagnosen oh ne Auswirkungen auf die Ar- beitsfähigkeit könnten keine gestellt werden. Zusammenfassend kommt Dr. I.____ zum Schluss, dass im Jahr 2014 die Erschöpfung und die Konzentrationsschwierigkeiten und damit die Neurastheni e im Vordergrund gestanden seien. Grundsätzlich habe eine Neurasthenie immer Auswirkungen a uf den Gesundheitszustand, vor allem durch die Gedächtnis- und Konzentrationsstörung en, die Einschränkungen von Antrieb und Durchhaltevermögen, sie wirke sich aber nicht immer a uf die Arbeitsfähigkeit aus. Eine Neurasthenie könne höchstens bei einer hochqualifizier ten Arbeit, zum Beispiel bei Führungs- funktionen oder hohen Anforderungen an die Kreativit ät und Flexibilität, eine Arbeitsunfähigkeit Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 50 % oder mehr bewirken. Die von der Explorandin zuletzt ausgeübte Tätigkeit stelle sehr hohe Anforderungen an die Konzentration, Genauigkei t, Zuverlässigkeit, manuelle Geschick- lichkeit, Kreativität und Flexibilität und umfasse auch Führungsfunktionen. Aufgrund der Neuras- thenie seien unter anderem der Antrieb, die Ausdauer und die Konzentrationsfähigkeit beein- trächtigt und der Pausenbedarf erhöht. Dazu kämen die Schmerzen, wobei diese zwar diagnos- tisch von der Neurasthenie getrennt werden könnten, aber kaum in Bezug auf die klinischen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Die Schmerzstörun g mit der andauernden Persönlich- keitsstörung bei chronischem Schmerzsyndrom wirke sich vor allem durch die Konzentrations- störungen, die Verlangsamung, die Schwankungen der Le istungsfähigkeit, die Schlafstörungen mit der erhöhten Tagesmüdigkeit und dem vermehrten Pa usenbedarf auf die Arbeitsfähigkeit aus. Aufgrund der psychischen Störungen seien die Ausdauer, das Selbstvertrauen, die kognitiven Fähigkeiten, vor allem die Konzentrationsfähigkeit u nd die Gedächtnisfunktion, das Arbeitstem- po, die Kontakt- und Verkehrsfähigkeit und der Antrie b, die Flexibilität und das Selbstvertrauen beeinträchtigt. Die Explorandin zeige auch Schwanku ngen der Leistungsfähigkeit, was eine gewisse zeitliche Flexibilität bedinge und zudem zu einem vermehrten Pausen- und Erholungs- bedarf führe. Sie habe Schlafstörungen und sei vermeh rt müde und kraftlos, was auch die Re- generationsfähigkeit einschränke, das heisst, eine Präse nzzeit von etwa fünf Stunden am Tag (60 %) wäre möglich. Ihre Leistungsfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht um etwa 25 % einge- schränkt. Zusammengefasst könne für die bisherige Tätigkei t von einer Arbeitsunfähigkeit von etwa 55 % ausgegangen werden. In Bezug auf die Verweistätigkeit hält Dr. I.____ fest, dass eine Umschulung wenig Sinn mache. Eine höhere Leistungsfähigkeit wäre nur in einer Tät igkeit denkbar, die extrem tiefe Anforde- rungen stelle wie die einer Hilfsarbeit. In einer Ve rweistätigkeit, die keine besonderen Anforde- rungen an die psychische Belastbarkeit stelle oder besond ere Fähigkeiten verlange, könne sie aufgrund der psychischen Störungen zeitlich nur eingeschrä nkt arbeiten, das heisst eine Prä- senzzeit von fünf Stunden am Tag (60 %) wäre möglich. I hre Leistungsfähigkeit sei aus psychi- atrischer Sicht um etwa 20 % eingeschränkt. Im Haushalt bestehe eine Einschränkung der Leis- tungsfähigkeit von etwa 25 %. In Bezug auf den Begin n der Arbeitsunfähigkeit hält Dr. I.____ fest, dass sich der Gesundheitszustand zwar vorübergehend verschlechtert habe, sich aber insgesamt dauerhaft nicht wesentlich verändert habe und damit die aktuelle Arbeitsunfähigkeit seit dem 6. März 2003 gelte. Mit Blick auf BGE 141 V 281 führt Dr. I.____ unter de m Titel „Kategorie funktioneller Schwere- grad, Komplex Gesundheitsschädigung und Komplex Persönl ichkeit“ aus, dass es aus medizi- nischer Sicht Sinn mache, sich zuerst mit den möglichen Ri sikofaktoren und den Ressourcen auseinander zu setzen, zu denen auch Persönlichkeitseigenschaften gehören würden, da diese zur Entstehung und Ausprägung der Gesundheitsschädigung, zum funktionellen Schweregrad, der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und dem Umgang damit und auch zum sozialen Kontext und zur Konsistenz beitragen könnten. Er führt zusammenfasse nd aus, dass die Explorandin ein sehr gutes Verhältnis zur Herkunftsfamilie habe, die sie auch unterstütze, was eine wertvolle Ressource sein könne. Die 1. Ehe sei schwierig gewesen, und mit Beruf, Haushalt und Kind Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe eine langjährige Mehrfachbelastung bestanden, wa s als Risikofaktor zu bewerten sei. Weiter nannte er als Risikofaktor die Scheidung. Die Risi kofaktoren seien hier immer bezogen auf das Risiko, an einer Schmerzerkrankung, einer Depressio n oder Ähnlichem zu erkranken. Weitere Risikofaktoren seien ausserdem der Tod des 2. E hemannes und die körperlichen Er- krankungen. Als Ressource bezeichnet Dr. I.____ die berufliche Ausbildung und die leicht über- durchschnittliche Intelligenz. Die Beschwerdeführerin se i sehr leistungsorientiert und habe Per- sönlichkeitszüge, die günstig seien wie Dankbarkeit für da s Leben und die Erfolge. Zudem zei- ge sie Engagement für ihr wichtige Menschen. Er attestie rt ihr auch Kreativität und Flexibilität. Die Ressourcen würden zusammenfassend überwiegen. Dana ch diskutiert Dr. I.____ die De- pressionssymptomatik. Mit Blick auf die Trauer um den verstor benen Ehemann sei der Trauer- prozess in eine chronische Depression übergegangen. Die De pression sei aktuell gegenüber der Neurasthenie im Vordergrund, weshalb letztere Diagnose nicht mehr gestellt werden könne. An der Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit so matischen und psychischen Symp- tomen hält er hingegen fest. Mit Blick auf die funktion ellen Einschränkungen bei Arbeit, Haus- halt und Tagesablauf sei von einer mittelgradigen bis sch weren Schmerzstörung auszugehen. Eine Komorbidität von erheblicher Schwere und Intensität sei mit Blick auf die neurasthenischen Probleme und die Persönlichkeitsstörung bei chronischem S chmerzsyndrom zu bejahen. Be- züglich Konsistenz äussert er sich wie folgt: Hinweise auf Verdeutlichung und Aggravation seien keine zu finden. Ohne die Alltagsaktivitäten, den Tagesa blauf und die sozialen Kontakte zu be- nennen, bezeichnet er diese als kongruent zu den Befunde n. Es bestehe ein Leidensdruck auch mit Blick auf die wiederaufgenommene psychiatrische Behandlung. Die psychosozialen und soziokulturellen Aspekte wie Alter, Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und die subjektive Über- zeugung, nicht mehr leisten zu können, würden keine Er krankung darstellen. In seinem Fazit kommt Dr. I.____ zum Schluss, dass die Arbeitsunfähigkeit im Lichte von BGE 141 V 281 auf- grund der neuen Standardindikatoren und der Ressourcen leicht höher liege. Dies sei vor allem auf den Einbezug der Ressourcen zurückzuführen, wie er i m Kapitel Risikofaktoren und Res- sourcen mit Verweis auf das Meikirch-Modell dargelegt hab e. Dazu komme auch, dass die Be- urteilung der Komorbidität nicht mehr von juristischer Seite beeinflusst werde, sondern gemäss den Vorgaben des Bundesgerichts weitgehend nach medizinischen Regeln erfolge. 6.1 In Erwägung 4.3 hiervor wurden bereits die allge meinen Grundsätze zur Beweistaug- lichkeit von ärztlichen Berichten dargelegt. In Bezug auf von einem Gericht eingeholten Gutach- ten gelten zudem die folgenden Grundsätze: Bei Gerich tsgutachten weicht das Gericht nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinisc hen Fachpersonen ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zu r Verfügung zu stellen, um einen be- stimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen (BGE 135 V 46 5 E. 4.4, 125 V 352 f. E. 3b/aa). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Ger ichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schluss- folgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung ka nn ferner gerechtfertigt sein, wenn ge- gensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erschei- nen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu ste llen, sei es, dass es die Überprü- fung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Ob erexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachten s abweichende Schlussfolge- rungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Das Gerichtsgutachten der MEDAS Zentralschweiz vom 7 . Mai 2014 sowie die ergän- zende Beurteilung von Dr. I.____ vom 8. August 2016 sin d in formeller Hinsicht nicht zu bean- standen. Sie sind umfassend, basieren auf einer vollständi gen Aktenkenntnis, berücksichtigen die geklagten Beschwerden, enthalten eine umfassende An amnese und nehmen zu abwei- chenden ärztlichen Meinungen Stellung. Die Parteien t eilen grundsätzlich diese Auffassung, weichen aber in Bezug auf die Höhe der Arbeitsfähigkeit vom Gutachten ab bzw. halten es diesbezüglich als nicht überzeugend. Die Beschwerdegegner in nimmt dabei eigene medizini- sche und rechtliche Würdigungen vor und vertritt den St andpunkt, dass in Anbetracht der vor- handenen überdurchschnittlichen Ressourcen sowie der gege benen Therapieoptionen auch nach der Prüfung der Standardindikatoren keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit berücksich- tigt werden dürfe, weshalb keine Auswirkungen auf den a bgelehnten Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin auszumachen seien. Die Beschwerdefüh rerin ist der Auffassung, dass die von Dr. I.____ geschätzte zumutbare Arbeitsfähigkeit vo n 45 % in der angestammten bzw. von 55 % in einer Verweistätigkeit in Anbetracht der von ihm festgestellten physischen und psychi- schen Beeinträchtigungen zu hoch sei und nicht zu überzeugen vermöge. 6.3 Zu prüfen ist daher, ob zwingende Gründe vorliegen , die Zweifel an der Beweistaug- lichkeit der beiden Gutachten der MEDAS Zentralschweiz i n Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit wecken und dieses als nicht nachvollziehb ar und überzeugend erscheinen las- sen. 7.1 Die Beschwerdeführerin beanstandet die rheumatol ogischen Ausführungen des Ge- richtsgutachtens vom 7. Mai 2014 unter Hinweis auf die Befunderhebung des Rheumazentrums F.____ im Bericht vom 18. Februar 2014. Darin werden eine akute immobilisierende Exazerba- tion des chronischen thorakolumbovertebralen Syndroms sow ie eine Osteopenie diagnostiziert. Weiter wird festgehalten, dass eine Infiltration keine Besserung gebracht habe, neurologische Ausfälle nicht vorliegen würden und die Patientin in gutem Zustand habe entlassen werden können. Der Bericht des Rheumazentrums F.____ enthält weder Dia gnosen noch sonstige Befunderhe- bungen, die den Gerichtsgutachtern nicht bereits bekan nt gewesen wären (vgl. Stellungnahme der MEDAS Zentralschweiz vom 13. Juni 2014). Die rheumatologische Beurteilung im Gerichts- gutachten ist äusserst umfassend und detailliert. Dr. N.____ stellt vorab fest, dass sich die klini- sche Untersuchung aufgrund der Schmerzen und des auffälli gen Schmerzverhaltens der Be- schwerdeführerin schwierig gestaltet habe. Weiter stellt er fest, dass weder lumbal noch zervi- kal eine Reiz- oder Ausfallsymptomatik vorliege. Die Schul terbeweglichkeit bezeichnet er als erheblich mit normaler Muskeltrophik und bei fehlender Einschränkung beim An- und Auszie- hen. Die Kniegelenke würden stabile Verhältnisse und keine Ergüsse aufweisen. Dr. N.____ diagnostiziert ein chronifiziertes, therapierefraktäres S chmerzsyndrom diffus im Bereich der gesamten Halswirbelsäulen/Schulterpartie, im Bereich des Hinterkopfs, viszero-kranial temporo- mandibulär, diffus im Bereiche des gesamten Schultergü rtels und der Arme bis in die distalen Vorderarme, im Bereich der Wirbelsäule sowie paravert ebral, lumbo-pelvi-trochantär, präsakral und präkokzygeal (S. 12 des rheumatologischen Teilgutachte ns vom 16. Februar 2014). Es bestehe eine generell herabgesetzte Schmerzschwelle und e ine diffuse Allodynie im Sinne ei- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht ner ausgeprägten Berührungs- und Druckempfindlichkeit de r genannten Körperareale. Ein Fi- bromyalgiesyndrom verneint er aufgrund der generalisierten Druck- und Berührungsschmerzen. Das Ausmass der degenerativen Veränderungen im Bereich d er Halswirbelsäule könne eine gewisse Minderbelastung hinsichtlich körperlicher Schwerarbeiten oder stundenlangen Arbeiten in einer zervikalen Zwangshaltung erklären, nicht aber d as von der Beschwerdeführerin ange- gebene diffuse, allodyn sich präsentierende Schmerzbild i n der gesamten Nacken-/ Schulterpartie (Gutachten vom 7. Mai 2014, S. 38). W eiter legt Dr. N.____ nachvollziehbar dar, dass die radiologisch deutliche Osteochondrose in der Le ndenwirbelsäule zu einer Minderbe- lastung des Achsenorgans auf lumbalen Niveau hinsichtlich körperlichen Schwerarbeiten und besonders rückenbelastenden Arbeitspositionen führe. Bezüg lich der von der Beschwerdefüh- rerin geklagten Kniebeschwerden bestehen gemäss Dr. N.__ __ keine schweren bzw. relevan- ten Gonarthrosen. Im rechten Knie liegt eine Meniskusp athologie vor, die einer Behandlung zugeführt werden kann (Gerichtsgutachten vom 7. Mai 20 14, S. 39). Zusammenfassend ist ge- stützt auf die überzeugenden Ausführungen von Dr. N.___ _ davon auszugehen, dass es sich um eine chronische Schmerzkrankheit handelt, die durch di e objektivierbaren degenerativen Veränderungen am Bewegungsapparat keine hinreichende Erklärung findet. Die Beschwerde- führerin hat aus rheumatologischer Sicht zwar gewisse kör perliche Einschränkungen, diese wirken sich aber nicht einschränkend auf ihre angestammte Tätigkeit oder eine leidensange- passte Tätigkeit aus. 7.2 Gestützt auf die nachvollziehbar begründeten Ausführ ungen der neurologischen Gut- achterin Dr. O.____ ist zum Schluss zu kommen, dass aus neuro logischer Sicht ebenfalls ein Schmerzsyndrom im Vordergrund steht, das im Nacken-/Schultergürtelbereich, im Beckengürtel bis ins linke Bein sowie im Kopf zu lokalisieren ist. Die Expertin führt dazu aus, dass eine aus- geprägte Berührungsempfindlichkeit und Myogelosen im S chultergürtelbereich sowie eine ein- geschränkte HWS-Motilität in allen Bewegungsrichtungen bei ansonsten Fehlen von motori- schen oder sensiblen Defiziten vorliegen würden. Ein mani festes zerviko- oder lumbo- radikuläres Reiz- und Ausfallsyndrom oder ein myeläres A usfallsyndrom werden von ihr eben- falls verneint. Es würden auch keine Ausfälle von periph eren Nerven und auch kein zentral be- dingtes neurologisches Defizit vorliegen. Neurologische Aus fälle seien auch in den Akten nicht beschrieben worden. Weiter legt Dr. O.____ nachvollzie hbar dar, dass die anhaltenden Schmerzen im Nacken, im Hals und im Schultergürtel sowie im Kopf nicht durch die Folgen des Sturzes vom Pferd erklärt werden könnten. In einem MRI der HWS seien degenerative Verän- derungen im unteren Bereich der HWS nachweisbar. Dies kö nne zu Schmerzen führen. Die Arbeitstätigkeit als Lehrerin und als Fachfrau für Mode und Gestaltung im Atelier sei aus neuro- logischer Sicht jedoch als günstig zu beurteilen. Weite r weist Dr. O.____ darauf hin, dass die Auswirkungen der chronischen Schmerzen aufgrund der degen erativen Veränderungen der HWS in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit vom Rheumatologe n beurteilt würden. Die Zusatzfrage der Beschwerdeführerin, ob es beim Reitunfall zu eine m Schädel-Hirntrauma gekommen sei, wird von Dr. O.____ verneint. Die Frage, ob neuropsych ologische Funktionsstörungen beste- hen, wird von Dr. O.____ unter Hinweis auf die Unters uchungsergebnisse der Neuropsycholo- ginnen ebenfalls verneint. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 Die Beschwerdeführerin rügt weiter die neuropsycho logische Abklärung. Soweit sie dabei für die Herabsetzung der Konzentration eine org anische Ursache geltend macht, fehlen dafür, wie bereits in vorstehender Erwägung 7.2 ausge führt, entsprechende Anhaltspunkte. Im Weiteren erweist sich auch das neuropsychologische Teilgu tachten als umfassend und nach- vollziehbar. 7.4 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, dass si e an einem organischen Psy- chosyndrom nach traumatischer Hirnverletzung (Schädel-Hir n-Trauma) leide, was von der MEDAS Zentralschweiz verneint wird. Im Nachgang zum Reit unfall vom 24. September 2002 wurde vom Spital S.____ am 14. Oktober 2002 lediglich eine Distorsion der HWS diagnostiziert. Diese Diagnose wurde von Prof. Dr. med. T.____, Neurologie FMH, im Bericht vom 19. Novem- ber 2002 bestätigt. Eine Contusio Capitis und eine Com motio Cerebri mit leichter traumatischer Hirnverletzung wurden erstmals anlässlich der Hospitalisation in der Rehaklinik U.____ im Früh- jahr 2003 diagnostiziert, somit mehrere Monate nach d em Unfall. Vor dem Hintergrund dieser zeitnahen Beurteilungen der erstbehandelnden Klinik un d des erfahrenen Neurologen wird im Gerichtsgutachten vom 7. Mai 2014 (S. 41) und im Ergä nzungsgutachten vom 18. August 2016 (S. 15 f.) nachvollziehbar dargelegt, weshalb diese Di agnose nicht gestellt werden kann. Auch Dr. H.____ ist auf S. 18 seines Gutachtens der Meinung, dass ein solches Syndrom nicht sicher diagnostiziert werden könne. Das Vorliegen eines orga nischen Psychosyndroms ist damit nicht überwiegend wahrscheinlich; Zweifel an der Beweistaug lichkeit der Gerichtsgutachten sind nicht gegeben. 7.5 Zu klären bleibt somit, ob zwingende Gründe vorlieg en, um betreffend psychiatrische Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vom Gerichtsgutachten sowie dem ergänzenden Gutachten von Dr. I.____ abzuweichen. 7.6.1 Die Beschwerdeführerin beruft sich auf das Gutacht en von Dr. H.____ vom 29. No- vember 2014 und den Bericht von Dr. J.____ vom 19. Janu ar 2016, um die Beweistauglichkeit der Beurteilung des MEDAS Zentralschweiz in Zweifel zieh en. Dr. H.____ diagnostiziert in sei- nem Gutachten mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende Persönlichkeitsver- änderung im Rahmen eines chronischen Schmerzsyndroms. Ohne Auswirkungen bleibe eine rezidivierende depressive Störung, chronifiziert, mit le ichteren bis allenfalls mittelgradigen Epi- soden bzw. Mischzuständen, aber keiner Major Depression. Dr. I.____ führt dazu in seiner Stel- lungnahme vom 9. März 2015 und im Gutachten vom 18. Aug ust 2016 aus, dass er die Argu- mentation von Dr. H.____ zwar einleuchtend und interessant finde, er aber mit dessen Schluss- folgerungen in Bezug auf die Diagnose und die Arbeit sfähigkeit nicht einverstanden sei. In Be- zug auf die Diagnose Neurasthenie, die Dr. H.____ verne ine, da keine sorgfältige Beobachtung über längere Zeit vorliege, führt Dr. I.____ aus, dass sich diese Voraussetzung in den ICD-10- Kriterien nicht finden lasse. Zu Recht weist Dr. I.___ _ darauf hin, dass es nicht relevant sei, ob die Diagnose im DSM-Katalog aufgeführt sei. In Bezug auf die von Dr. H.____ diagnoszierten andauernden Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmer zsyndrom hält Dr. I.____ fest, dass die Diagnose F62.80 zwar im ICD-Code enthalten se i, aber die Kriterien für deren Diag- nostik nicht explizit erwähnt würden. Er weist dann zu Recht darauf hin, dass die diagnostizierte Persönlichkeitsänderung Teil der Erkrankung der chronisch en Schmerzen sei und damit keine Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht eigenständige Komorbidität darstelle. Zudem weist er richtigerweise darauf hin, dass Dr. H.____ die Kriterien zur Erfüllung seiner Diagnose nicht nen ne. Betreffend die Einschätzung von Dr. H.____ in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führt Dr. I .____ nachvollziehbar aus, dass dessen Schätzung relativ ausgeprägt auf subjektiven Einschätzungen der Explorandin beruhe und rela- tiv wenig auf dem Abgleich zwischen Anforderungen der Tä tigkeit an die Explorandin und ihren Fähigkeiten und Ressourcen. 7.6.2 In Bezug auf den Bericht von Dr. J.____ ist in for meller Hinsicht darauf hinzuweisen, dass sich die behandelnde Psychiaterin nicht mit der Beur teilung der MEDAS Zentralschweiz auseinander setzt. Hinzu kommt, dass sie die Beschwerdefü hrerin erst seit August 2014 be- handelt und damit erst nach Erstattung des Gerichtsgutacht ens beigezogen wurde. In diagnos- tischer Hinsicht weist sie darauf hin, dass ihre Diagnose n nicht wesentlich von denjenigen von Dr. H.____ abweichen würden. Einzig in Bezug auf die rezidivierende Depression bestehe ein Unterschied, denn diese sei nicht von leichtem bis mittle rem Grad, sondern von schwerem Ausmass und sie sei begleitet von einer schweren psychophysisch en Erschöpfung respektive einer Burnout-Problematik, die sich zusätzlich auf die Ar beitsfähigkeit auswirke. Zudem bestün- den belastende chronifizierte Angst- und Panikattacken, di e Dr. H.____ nicht erwähnt habe. Dr. J.____ nimmt in ihren Ausführungen stark Bezug auf die schwere Tumorerkrankung des Ehe- mannes der Beschwerdeführerin im Jahr 2015 und seinen Tod am 20. November 2015. 7.6.3 Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass diese beid en fachärztlichen Berichte aus einer Gesamtwürdigung heraus nicht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen. In Bezug auf die psychiatrische Diagnostik ist daher auf die Ausführungen von Dr. I.____ abzustellen. Im Gutachten vom 18. August 2016 diagnostiziert er mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwär- tig mittelgradige depressive Störung (ICD-10: F33.8) b ei komplizierter, schwerer Trauerreaktion (ICD-10: F38.8) sowie eine chronische Schmerzstörung (ICD -10: F45.41) mit somatischen und psychischen Faktoren mit andauernder Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyn- drom (ICD-10: F62.80). Seine Diagnosen unterscheiden sich damit von denjenigen des Gutach- tens vom 7. Mai 2014 (Neurasthenie ICD-10: F48.0 und chronische Schmerzstörung mit soma- tischen und psychischen Faktoren ICD-10: F45.41). In Bezug auf die Depression führt Dr. I.____ auf S. 16 aus, dass er anlässlich der erstmaligen Begutachtung im Jahr 2014 keine ein- deutige Depression gefunden habe. Es habe insbesonder e das Leitsymptom einer wenig ver- änderlichen depressiven Stimmung gefehlt und die emoti onale Reaktivität sei erhalten gewe- sen. Klinisch seien aber gewisse Hinweise auf eine Depression bereits vorhanden gewesen wie eine gedrückte Stimmung und ein Libidoverlust. Von dah er habe bereits damals die Diagnose einer subsyndromalen Depression gestellt werden können, d ie durchaus funktionale Konse- quenzen haben könne. Allerdings sei die Grundstimmung nur etwas angespannt gewesen und zum Teil bedrückt. Dies habe eher für eine Reaktion auf die anhaltenden Schmerzen und nicht für eine Depression gesprochen. Unter Hinweis auf die Di agnosen von Dr. H.____ und den Be- richt der Klinik K.____ sowie die ICD-Beschreibung führ t Dr. I.____ schlüssig aus, dass der kli- nische Eindruck einer mittelgradigen Depression wohl die beste Annäherung an den tatsächli- chen Schweregrad sein dürfte. Die Explorandin befinde si ch seit Jahren in einem Trauerpro- zess, der durch die unerwartete Erkrankung und den Tod d es Ehepartners reaktiviert worden Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei. In der Zwischenzeit sei der Trauerprozess zumindest t eilweise in eine chronische Depres- sion übergegangen. Anders als 2014 seien die depressive S ymptomatik und die Trauer aktuell so ausgeprägt, dass sie gegenüber der damals diagnostizierten neurasthenischen Symptomatik im Vordergrund stehe. Daher sei die Diagnose Neurast henie aktuell nicht mehr zulässig, auch wenn die Erschöpfung verglichen mit 2014 eher noch zuge nommen habe. Das sei verständlich, da eine schwere Trauer fast immer mit einer schweren Er schöpfung verbunden sei. Weiterhin Gültigkeit habe die Diagnose der chronischen Schmerzstörun g mit somatischen und psychi- schen Faktoren. Diesbezüglich stellt Dr. I.____ fest, da ss sich in Bezug auf die Schmerzen kei- ne Veränderung objektivieren lasse. 7.6.4 Gestützt auf die nachvollziehbaren Ausführungen vo n Dr. I.____ wird deutlich, dass die Krankheit und der Tod des Ehemannes zu einer wesent lichen Veränderung des psychi- schen Zustands geführt haben. Der aktuelle Gesundheitszustan d ist geprägt von den Folgen der Betreuung des erkrankten Ehemannes und der Trauer um ihn nach seinem Tod (Dr. I.____, S. 21). Die diagnostische Abweichung zwischen der ersten und der zweiten Begutachtung ist somit nicht als Widerspruch und damit als erheblicher Man gel zu betrachten, sondern erfolgte unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Entwicklung. Da für den vorliegenden Fall jedoch der Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 22. Februar 201 2 relevant ist, ist bezüglich psychi- scher Diagnostik auf das Gutachten vom 7. Mai 2014 abzustel len. Damit ist auch die von Dr. I.____ im Rahmen der chronischen Schmerzstörung aufgef ührte Diagnose der andauernden Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-1 0: F62.80) für die Beurtei- lung nicht zu berücksichtigen (vgl. dazu auch die Ausfü hrungen der Beschwerdegegnerin vom 21. Oktober 2016). Selbst wenn sie berücksichtigt würde, würde dies an der rechtlichen Würdi- gung nichts ändern, da diese Diagnose ebenfalls nach de n rechtlichen Kriterien zu beurteilen wäre, die für somatoforme Schmerzstörungen und ähnliche Leiden gelten (Urteil des Bundesge- richts vom 8. Oktober 2010, 9C_55/2010, E. 2.3). 7.7 Es ist somit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführer in im Zeitpunkt des Verfü- gungserlasses in psychischer Hinsicht mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit an einer Neu- rasthenie (ICD-10: F48.0) und einer chronischen Schmerzs törung mit somatischen und psychi- schen Faktoren (ICD-10: F45.41) litt. 8.1.1 Zu klären bleibt die Verwertbarkeit des Gerichtsg utachtens in Bezug auf die Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit. Unbestrittener Weise hande lt es sich bei den vorliegend gestellten Diagnosen um unklare Beschwerdebilder, weshalb die mit B GE 141 V 281 eingeführten neuen beweisrechtlichen Anforderungen zu gelten haben (vgl. d azu Erwägung 3.4 hiervor). Dabei bil- den auf den funktionellen Schweregrad bezogene Indikato ren das Grundgerüst. Anschliessend müssen die daraus gezogenen Folgerungen einer Konsistenzprüfung standhalten. 8.1.2 Das Bundesgericht hält in diesem Zusammenhang f est, dass die Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit anhand der normativ vorgegebenen Kriter ien sowohl Aufgabe der begutachten- den Ärzte als auch der Organe der Rechtsanwendung ist. Be ide prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Be- einträchtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arb eitsfähigkeit. Diese bildet wichtige Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilun g, welche Arbeitsleistung der versicher- ten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E . 5.2.1). In diesem Sinne lautet die normativ bestimmte Gutachterfrage, wie die sachverständ ige Person das Leistungsvermögen einschätzt, wenn sie dabei den einschlägigen Indikatore n folgt. Die Rechtsanwender prüfen dabei die medizinischen Angaben frei, insbesondere darau fhin, ob die Ärzte sich an die mass- gebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben. Das heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folg en der gesundheitlichen Beeinträchti- gung sind (Art. 7 Abs. 2 ATSG), und ob die versicherun gsmedizinische Zumutbarkeitsbeurtei- lung auf objektivierter Grundlage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Auf diese Weise wird eine ein- heitliche und rechtsgleiche Einschätzung der Arbeitsfä higkeit gesichert (BGE 141 V 281 E. 5.2.2). Recht und Medizin tragen, je nach ihren fachli chen und funktionellen Zuständigkeiten, zur Feststellung ein und derselben Arbeitsunfähigkeit be i. Das heisst, dass die medizinischen Gutachter nicht, wie häufig anzutreffen, eine quasi f reihändige Beurteilung abgeben und dane- ben noch Grundlagen liefern sollen, anhand derer die Rechtsanwender eine von der subjektiven ärztlichen Einschätzung losgelöste Parallelüberprüfung vornehmen. Es gibt keine unterschiedli- chen Regeln gehorchende, getrennte Prüfung einer med izinischen und einer rechtlichen Ar- beitsfähigkeit (BGE 141 V 281 E. 5.2.3). Es können sich aber Konstellationen ergeben, bei wel- chen von der im medizinischen Gutachten festgestellten Arb eitsfähigkeit abzuweichen ist, ohne dass die gesamte gutachterliche Beurteilung ihren Bewe iswert verliert (Urteil des Bundesge- richts vom 29. Dezember 2016, 9C_497/2016, E. 5.1). 8.2.1 Vorab ist auf die Rüge der Beschwerdegegnerin ( Eingaben vom 10. September 2015 und vom 21. Oktober 2016) einzugehen, dass Dr. I.____ E inschränkungen im Bereich der Aus- dauer, der kognitiven Fähigkeiten, vor allem der Konze ntrationsfähigkeit und der Gedächtnis- funktionen, dem Arbeitstempo oder im Bereich der Kontakt- und Verkehrsfähigkeit erwähne und als Begründung für die verminderte Arbeitsfähigkeit a nführe, dieser Einschätzung aber die Er- gebnisse der neuropsychologischen Abklärung diametral ent gegen stehen würden. In diesem Zusammenhang erachtet es die Beschwerdegegnerin zudem al s problematisch und als formel- len Mangel des Gutachtens, dass nirgendwo nachvollzogen we rden könne, weshalb die Gut- achter in ihrer auf dem Zirkularweg erfolgten Konsensb esprechung trotz überdurchschnittlicher Leistung anlässlich der neuropsychologischen Testung zum S chluss gelangt seien, es würden doch Beeinträchtigungen bestehen. Es sei nicht erkennba r, wie die Neuropsychologinnen und Dr. I.____ die Ungereimtheiten auf dem schriftlichen Weg aus der Welt geschafft hätten. 8.2.2 Zwischen Dr. M.____ und Dr. L.____ fand am 28. März 2014 eine Schlussbespre- chung statt, die auf einem vorgängig im Zirkulationsver fahren erarbeiteten Konsensfindungs- prozess aller beteiligten Fachleute beruhte. Dies bede utet, dass auch die beiden Neuropsycho- loginnen im Rahmen des Zirkulationsverfahrens auf die Gesamtbeurteilung haben Einfluss nehmen können. Weiter ist ein inhaltlicher Widerspruch des Gutachtens, der unentdeckt geblie- ben wäre, auszuschliessen, nachdem bei der Frage 8.4 (S. 46) des Gutachtens explizit festge- halten wird, dass die Beschwerdeführerin nicht an neur opsychologischen Einschränkungen lei- de und keine Funktionsstörungen festgestellt worden seien , und die Ermüdbarkeit sowie die Konzentrationsschwierigkeiten auf die psychischen Leiden, speziell auf die Neurasthenie, zu- rückzuführen seien. Die Gutachter waren sich somit im Kl aren über die Ergebnisse der neu- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht ropsychologischen Tests. Auch Dr. I.____ nimmt auf S. 4 des psychiatrischen Teilgutachtens auf die Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung vom 31. Januar 2014 Bezug. Wei- ter gilt es zu berücksichtigen, dass die beiden Neuropsychologinnen in ihrem Teilgutachten vom 31. Januar 2014 unter Ziffer 5 zwar festhalten, dass sich eine alters- und ausbildungsadäquate kognitive Leistungsfähigkeit bei anamnestisch verminderter mentaler Belastbarkeit finden lasse. Sie führen aber weiter aus – und dies ist vorliegend en tscheidend –, dass die kognitiven Leis- tungen von einer Vielzahl von Kontextfaktoren abhängi g seien (u.a. Schmerzintensität, Medika- tion, Schlafqualität, Müdigkeit), weshalb intermittierende Leistungsschwankungen im Alltag trotz grundsätzlich unauffälliger kognitiver Leistungen nachvol lziehbar seien. Weiter halten sie fest, dass die mentale Belastbarkeit für eine dreistündige U ntersuchung gegeben sei, sie aber zur Belastbarkeit über einen längeren Zeitraum (Arbeitsta g/Arbeitswoche) keine verlässlichen An- gaben machen könnten. Insoweit die Beschwerdegegnerin auf die konkrete Untersuchungssitu- ation Bezug nimmt (Freitagmorgen, hohes Schmerzniveau), vermag dieser Einwand die Aus- führungen der Neuropsychologinnen deshalb nicht in Frage zu stellen. Dr. I.____ hält im Psychostatus (Teilgutachten vom 10. Februar 2014, S. 3) fest, dass die Be- schwerdeführerin zu Beginn des Gesprächs wach und frisch gewirkt habe, sie aber zunehmend müde und erschöpft geworden sei, was sich im Laufe des Ges prächs noch verstärkt habe. Auf- fällig sei zudem, dass sie wiederholt einen Satz begon nen habe, dann den Faden verloren ha- be, habe abbrechen müssen oder eine neue Formulierung begonnen habe. Sie habe wiederholt lange mit der Antwort gezögert, vor allem bei für sie neuen Fragen und habe offensichtlich län- gere Zeit nachgedacht. Er interpretiert dieses Verhalt en als Konzentrationsstörungen, verneint aber konsistent mit den neuropsychologischen Erkenntnissen klin isch relevante Gedächtnis- und Wahrnehmungsstörungen. Ein massgeblicher Widerspruch im Gutachten in Bezug auf die neuropsychologischen Einschränkungen ist damit nicht auszumachen, weshalb die Beweistaug- lichkeit des Gerichtsgutachtens nicht in Zweifel zu ziehen ist. 8.2.3 Damit ist gestützt auf die nachvollziehbaren Ausfüh rungen von Dr. I.____ davon aus- zugehen, dass die Neurasthenie bei der Beschwerdeführer in zu Gedächtnis- und Konzentrati- onsstörungen, Einschränkungen im Antrieb und Durchhaltev ermögen führt. Die Schmerzstö- rung bewirkt ebenfalls Konzentrationsstörungen, darüber hinaus aber auch eine Verlangsa- mung, Schwankungen der Leistungsfähigkeit sowie Schlafst örungen mit erhöhter Tagesmüdig- keit, die zu einem vermehrten Pausenbedarf führen. Bei de Diagnosen verursachen vermehrte Müdigkeit und Kraftlosigkeit, was die Regenerationsfähi gkeit der Beschwerdeführerin ein- schränkt. 8.3 In Bezug auf die konkrete Einschätzung der Arbeitsfäh igkeit ist der Beschwerdegegne- rin dahingehend zuzustimmen, dass nicht ganz klar wird, w eshalb Dr. I.____ anlässlich der zweiten Begutachtung zu einer um jeweils 10 % höheren Einschränkung sowohl in der ange- stammten als auch in einer angepassten Tätigkeit gelangt e. Insoweit er auf S. 24 des neuen Gutachtens ausführt, dass die Arbeitsunfähigkeit im Licht e der neuen Sichtweise von BGE 141 V 281 aufgrund der neuen Standardindikatoren und de r Ressourcen leicht höher liege, ist dies nicht ganz schlüssig. Denn wie von der Beschwerdegegnerin ausgeführt, bezieht sich Dr. I.____ auf den Umstand, dass die Beurteilung der Komorbidität neu nicht mehr von juristischer Seite Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht beeinflusst werde. Entgegen der damaligen Rechtsprechun g bejahte er bereits anlässlich der ersten Begutachtung das Vorliegen einer Komorbidität, obwohl es sich um zwei Störungen aus dem somatoformen Formenkreis handelte. Darüber hinaus ze igt ein Vergleich der im ersten Gutachten und im Ergänzungsgutachten aufgeführten Ein schränkungen, dass diese von Dr. I.____ nahezu identisch beschrieben worden sind. Daher erscheint eine Erhöhung der Arbeits- unfähigkeit um 10 % auch von dieser Warte aus betrachtet nicht plausibel (Gutachten vom 18. August 2016, S. 22; Gutachten vom 10. Februar 2014, S. 14 in Bezug auf die angestammte Tätigkeit und S. 23 und S. 16 in Bezug auf eine ang epasste Tätigkeit). Aus diesem Grund ist – auch unter Berücksichtigung des Umstands, dass das Gericht i n Bezug auf die Diagnosen grundsätzlich auf das erste Gutachten abstellt – von den Einschätzungen von Dr. I.____ im ers- ten Gutachten auszugehen. 8.4 Die Beschwerdegegnerin stellt sich in der Eingabe v om 21. Oktober 2016 unter Hin- weis auf die Stellungnahme von Dr. G.____ vom 27. Sept ember 2016 und BGE 141 V 281 zu- dem auf den Standpunkt, dass aufgrund der vorhandenen ü berdurchschnittlichen Ressourcen sowie der gegebenen Therapieoptionen auch nach Prüfun g der Standardindikatoren keine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt werden dürfe. 8.5 Vorab ist nochmals in Erinnerung zu rufen, dass es ni cht genügt, dass ein anderer Facharzt zu einer anderslautenden Einschätzung gelangt, um die Beweiskraft des Gerichtsgut- achtens in Frage zu stellen. Dies muss grundsätzlich auch be i einem auf Indikatoren basieren- den Beweisverfahren gelten. Ebenso ist zu berücksichtige n, dass Berichten versicherungsinter- ner medizinischer Fachpersonen, trotz ihrer grundsätzliche n Beweiseignung, praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zukommt wie einem gerichtlich en oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachverständiger (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/bb/ee). 8.6 Ab S. 24 des Gutachtens vom 8. August 2016 beantw ortet Dr. I.____ die Fragen des Gerichts im Zusammenhang mit den auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Indikato- ren, die das Grundgerüst der Folgenabschätzung bilden. Dr. I.____ hat alle Fragen beantwortet, wobei er unter anderem auch auf das Gutachten verweist. Er stellt die beiden Diagnosen Neu- rasthenie und chronische Schmerzstörung ICD-konform und ä ussert sich detailliert und nach- vollziehbar zu den einzelnen diagnoserelevanten Kriterie n. Er ist dabei klar und methodisch vorgegangen, hat gängige Untersuchungsverfahren angewe ndet, so z.B. den psychopathologi- schen Befund nach dem AMDP-System erfasst und dokumentiert . Weiter beruhen seine Schlussfolgerungen auf einer zweimaligen, jeweils mehr stündigen Untersuchung der Be- schwerdeführerin. Ebenfalls von grosser Sorgfalt zeugt d ie detaillierte Auseinandersetzung mit allfälligen anderen Diagnosen, bei denen er fundiert darlegt, weshalb er diese ausschliesst. Dr. I.____ setzt sich auch mit den Wechselwirkungen der beid en Diagnosen auseinander. Gestützt auf seine Ausführungen kann nicht davon ausgegangen w erden, dass es sich bei den beiden Diagnosen lediglich um diagnostisch unterschiedlich erfasste Varianten derselben Entität mit identischen Symptomen handelt. Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht In Bezug auf die Symptomatik hält Dr. I.____ fest, dass diese vor allem dann auftrete, wenn die Explorandin unter einem gewissen Druck stehe, Forderunge n an sie gestellt würden und sie Leistungen erbringen müsse. Es leuchtet ein, dass sich di ese Symptomatik im Arbeitsalltag be- sonders stark auswirkt und die Arbeitsfähigkeit einschränkt. Nach den von der Beschwerdefüh- rerin von Dr. I.____ als glaubhaft eingestuften Angab en ist sie somit durch die multiplen Schmerzen und die Erschöpfung in geistigen und körperl ichen Aktivitäten eingeschränkt und in ihren Alltagsfunktionen beeinträchtigt (Ziffer 6.1 des Gutachtens vom 8. August 2016). Diese Einschätzungen erscheinen schlüssig, insbesondere unter Berü cksichtigung des Umstands, dass die Beschwerdeführerin seit fast 20 Jahren die gl eichen Symptome schildert. Weiter ist festzustellen, dass Dr. I.____ nicht iv-relevante Faktore n explizit ausgeschieden hat. Was die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome betrifft, kann daher vollumfänglich auf die ausführlichen und nachvollziehbaren Ausführungen von Dr. I.____ verwiesen werden. 8.7 In Bezug auf den Indikator „Behandlungs- und Eingl iederungserfolgs oder -resistenz“ stellt sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, dass Therapiemöglichkeiten bestehen würden und die Beschwerdeführerin diese nicht ausgenut zt habe, weshalb nicht von einem in- validisierenden Leiden ausgegangen werden könne, weil e s nicht schwer sei und therapeutisch noch angegangen werden könne. Dr. I.____ zeige insbe sondere eine kognitive Verhaltensthe- rapie nebst weiteren diskutierten Therapieansätzen auf , die schon zwischen 2003 und Februar 2012 geeignet gewesen wären, den Gesundheitszustand und damit zusammenhängend die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu verbessern. Auf das Bestehen von Therapiemög- lichkeiten habe nicht erst Dr. I.____ hingewiesen. Es zie he sich durch sämtliche bisher erstell- ten Gutachten, dass stets Therapiemassnahmen empfohlen worden seien. Dr. I.____ stellt fest, dass die aktuelle Therapie lege artis sei. Ein Blick in die langjährige Kran- kengeschichte der Beschwerdeführerin zeigt, dass sie sich im mer wieder in psychotherapeuti- scher Behandlung befand. Bereits 1996/97 war sie bei D r. med. V.____, Psychiatrie und Psy- chotherapie FMH, in Behandlung. Nachdem ihr im Rahme n des Aufenthalts in der Rehaklinik U.____ im Frühjahr 2003 vom konsiliarisch beigezogenen P sychiater Dr. med. W.____, Psychi- atrie und Psychotherapie FMH, eine psychotherapeutische Be handlung empfohlen wurde, be- gab sie sich ab April 2003 in eine neuropsychologisch ori entierte Psychotherapie sowie eine wöchentliche Kunsttherapie bei Dr. phil. X.____ (Austrittsbericht der Rehaklinik U.____ vom 22. April 2003, iv-act. 23). Die Gutachter der MEDAS Basel , die im Jahr 2004 von einem organi- schen Psychosyndrom ausgingen, hielten fest, dass Dr. X.___ _ auf Schädel-Hirn- Traumaverletzungen und deren Therapie spezialisiert sei , weshalb die neuropsychologische Therapie weitergeführt und intensiviert werden sollte. Dem Gutachten der MEDAS Bern sodann kann auf S. 9 entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin die Behandlung bei Dr. X.____ als sehr hilfreich erlebt habe. Diese sei, entgegen ihr es eigenen Bedürfnisses, nach zwei Jah- ren beendet worden, nachdem keine Versicherung mehr d ie Kosten habe übernehmen wollen. Auch nach der aktuellen Gerichtsbegutachtung befolgte d ie Beschwerdeführerin die Empfeh- lungen von Dr. I.____ und begab sich erneut in eine Psychotherapie, dieses Mal bei Dr. J.____. Daneben liess sich die Beschwerdeführerin über Jahre hinw eg, immer auch wieder stationär, somatisch-pharmakologisch behandeln. Die ärztliche Empfeh lung der MEDAS Zentralschweiz im Schreiben vom 13. Juni 2014, die Beschwerdeführerin h abe dringend von einer somatisch Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht orientierten Therapie auf eine psychiatrische zu wechseln , ist in diesem Zusammenhang als Ausdruck dafür zu werten, dass das Leiden von den Gutachter n nicht als leichtgradig ange- schaut wird (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Februar 2017, 9C_688/2016, E. 3.8). Es ist somit von einem chronifizierten Krankheitsgeschehen auszugehen, dessen Therapiemög- lichkeiten zwar noch nicht gänzlich ausgeschöpft worden sind , aber an dessen Schweregrad nicht zu zweifeln ist. In diesem Sinne hält Dr. I.____ eine negative Prognose fest, indem er fest- stellt, dass so ausgeprägte Neurasthenien erfahrungsgemäss lange brauchen würden, bis es zu einer Verbesserung komme. Zudem sei die Verbesserung de s Gesundheitszustands oft leider auch nur eine teilweise, so dass nicht damit zu rechnen sei, dass die Beschwerdeführerin die notwendige Belastbarkeit für ein Vollpensum in ihrer bisherigen Arbeit wieder erreiche. 8.8 Die Beschwerdegegnerin legt zudem dar, dass Dr. I._ ___ festhalte, dass die weit überdurchschnittlichen Ressourcen die Risiken und Belastunge n überwiegen würden. Dr. I.____ zeigt ab S. 13 des Ergänzungsgutachtens äusser st detailliert und fundiert die Risiko- faktoren und die Ressourcen der Beschwerdeführerin auf. Auf S. 15 hält er zwar, wie von der Beschwerdegegnerin dargelegt, zusammenfassend fest, dass die Ressourcen die Risiken und Belastungen überwiegen würden. Anschliessend führt er aber aus, und das dürfte für den vor- liegenden Fall entscheidend sein, dass wahrscheinlich ein Missverhältnis bestehe zwischen den weit überdurchschnittlichen Ressourcen und den Belastun gen und Anforderungen, die das Le- ben an die Beschwerdeführerin stelle, da sich trotzdem Sym ptome entwickelt hätten. Mit ande- ren Worten, so Dr. I.____ weiter, seien die Belastung en wahrscheinlich aussergewöhnlich hoch gewesen, wenn die Beschwerdeführerin krank werde. 8.9 Dr. I.____ nimmt eine Konsistenzprüfung vor und hä lt auf S. 20 seines Gutachtens vom 18. August 2016 zusammenfassend fest, dass in Bezug a uf die im Vordergrund stehende Symptomatik die Schilderung der Beschwerden, des Tagesab laufs, der Aktivitäten und der so- zialen Kontakte konsistent mit den Befunden und den Akten und kongruent mit den Diagnosen seien. Ungleichmässigkeiten konnte er nicht eruieren. In Anbetracht des Umstands, dass er der Beschwerdeführerin lediglich eine teilweise Arbeitsunf ähigkeit von nicht mehr als 45 % attes- tiert, vermögen daher Autofahrten oder die Pflege vo n Angehörigen kein inkonsistentes Verhal- ten der Beschwerdeführerin darzulegen. Weiter ist darau f hinzuweisen, dass die Beschwerde- führerin über Jahre hinweg einen Teil ihrer Restarbe itsfähigkeit verwertet hat, weshalb Alltags- aktivitäten die von medizinischer Sicht her attestierten Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit nicht grundsätzlich in Frage zu stellen vermögen. Die Schilderungen zum Tagesablauf und zum Sozialen stehen gemäss gutachterlicher Auffassung, an der nicht zu zweifeln ist, mit der attes- tierten Restarbeitsfähigkeit im Einklang. Weiter ist aufgrund der jahrelang in Anspruch genom- menen Therapien, die auch mehrfach stationär erfolgt sind, auf einen erheblichen Leidensdruck der Beschwerdeführerin zu schliessen. Dass es sich dabei a us gutachterlicher Sicht um unzu- reichende, eher am Körperlichen orientierte Therapiem assnahmen handelte, ändert nichts da- ran, dass die geschilderten Beschwerden und die Inanspr uchnahme der Therapie übereinstim- men. Im Schreiben vom 13. Juni 2014 verwenden Dr. L.__ __ und Dr. M.____ sogar den Begriff der Therapieabhängigkeit. Die Schlussfolgerung von Dr . I.____, dass es keine Inkonsistenzen Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht gibt, ist daher überzeugend. Er hat dabei keine Überbe leuchtung von Einzelaspekten vorge- nommen, sondern alle Kriterien gemäss BGE 141 V 281 in seine Einschätzung miteinbezogen. 8.10 Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass Dr. I._ ___ gesundheitliche Beeinträch- tigungen von erheblicher Schwere und deren funktionell en Auswirkungen in erwerblicher Sicht objektiv, schlüssig und widerspruchsfrei ausgewiesen hat ( Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es kann des- halb der gutachterlichen Einschätzung der Restarbeitsfä higkeit (Einschränkung im angestamm- ten Beruf von 45 % und von 35 % in einer Verweistätig keit) gefolgt werden. Anhaltspunkte für eine höhere Arbeitsunfähigkeit, wie von der Beschwerd eführerin mit Eingabe vom 26. Oktober 2016 dargelegt, liegen keine vor. Dr. I.____ hat die Erschöpfung der Beschwerdeführerin in ge- höriger Weise bei der Einschätzung der Arbeitsfähigke it berücksichtigt. Es besteht daher kein Anlass für weitere medizinische Abklärungen. 9.1 Es bleibt der Einkommensvergleich. Gemäss Art. 16 AT SG wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades einer erwerbstätigen versicherten Person das Erwerbseinkommen, das diese nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführu ng der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zum utbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid ge worden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypotheti- schen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermitte lt und einander gegenüberge- stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 104 V 136). Nach der Rechtsprechung des Bundesger ichts ist für die Vornahme des Ein- kommensvergleichs in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des Rentenbeginns abzustellen (vgl. BGE 129 V 222, 128 V 17 4). Sind Validen- und Invalidenein- kommen ausgehend vom gleichen Lohn zu berechnen, erübri gt sich deren genaue Ermittlung; diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit. 9.2.1 In einem ersten Schritt ist der frühestmögliche R entenbeginn festzulegen. Die Be- schwerdegegnerin hielt dazu in der angefochtenen Verfü gung fest, dass die Abklärungen erge- ben hätten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund des Ge sundheitsschadens weder in der Vergangenheit noch zum aktuellen Zeitpunkt in ihrer A rbeitsfähigkeit mehr als 20 % einge- schränkt gewesen sei. Daher habe der Gesundheitsschaden keine langandauernde Erkrankung im versicherungsrechtlichen Sinne bewirkt. Die gesetzliche Wartezeit mit einer durchschnittli- chen Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % und nach Abla uf der Wartezeit andauernden Ar- beitsunfähigkeit von 40 % sei nicht erfüllt. Daher sei das Wartejahr gar nie abgelaufen. 9.2.2 Sowohl nach der bis Ende 2007 geltenden Bestimmu ng von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG als auch gemäss der seit dem 1. Januar 2008 in Kraft stehen den Regelung von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG setzt der Anspruch auf eine IV-Rente voraus, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mind estens 40 % arbeitsunfähig gewe- sen ist (sog. Wartejahr). Die Wartezeit im Sinne von A rt. 29 Abs. 1 lit. b IVG gilt in jenem Zeit- punkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträc htigung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. Als erheblich gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (Urteil des Bundesgerichts vom Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht 24. November 2010, 9C_757/2010, E. 4.1). Dabei ist nur die Arbeitsunfähigkeit von Bedeutung, das heisst die als Folge des Gesundheitsschadens bedingte E inbusse an funktionellem Leis- tungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Dezember 2011, 8C_652/2011, E. 2). Der Zeitpunkt d es Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen sein. Dieser Nach weis darf nicht durch nachträgli- che erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulat ive Überlegungen ersetzt werden. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (übe rzeugenden) medizinischen Ein- schätzung, die ordentlicherweise echtzeitlicher Natur ist (SVR 2010 IV Nr. 17, 8C_195/2009, E. 5). 9.2.3 Mit der 5. IVG-Revision per 1. Januar 2008 wurde eine sechsmonatige Wartefrist ab Einreichung des Leistungsgesuchs eingeführt (Art. 29 Ab s. 2 IVG). Der Rentenanspruch kann heute folglich frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leis- tungsanspruchs ausgerichtet werden. Vorliegend wurde das Gesuch von der Beschwerdeführe- rin im August 2000 eingereicht. Aufgrund der in Erw ägung 3.1 hiervor zitierten allgemeinen in- tertemporalen Regelung gelangt daher die bis Ende 2007 in Kraft gestandene Fassung von Art. 29 Abs. 2 IVG zur Anwendung, wonach die Rente vom Begin n des Monats an ausgerichtet wird, in dem der Anspruch entsteht. 9.2.4 Dr. I.____ legt den Beginn der von ihm attesti erten Arbeitsunfähigkeit per Austritt aus der Rehaklinik U.____ am 6. März 2003 fest. Weiter zurück konnte er keine Aussage machen. Daher ist eine Beurteilung gestützt auf die in den Akte n vorhandenen echtzeitlichen medizini- schen Angaben vorzunehmen. Die lange Abklärungsdauer da rf der Beschwerdeführerin in die- sem Zusammenhang nicht zum Nachteil gereichen. Dr. D._ ___ und Dr. med. Y.____, Amtsarzt des Gesundheitsamts des Kantons Z.____, attestierten d er Beschwerdeführerin in der Zeit zwi- schen IV-Anmeldung und Reitunfall eine Arbeitsunfähig keit von 12 % in der angestammten Tä- tigkeit (Arztbericht für Erwachsene vom 14. September 2000, IV act. 4, sowie Arztbericht vom 3. Juli 2001, IV act. 16). Bis zum Reitunfall musste sich d ie Beschwerdeführerin zwei Operationen unterziehen, die aber nicht zu längerdauernden Arbei tsunfähigkeiten führten. Es ist daher da- von auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in der Zeits panne zwischen der Anmeldung im Jahr 2000 und dem Zeitpunkt des Reitunfalles nicht währe nd eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig war. Erst nach dem Unfallzeitpunkt trat eine höhere Arbeitsunfähigkeit ein; so zuerst vom 15. Oktober 2002 bis 5. März 2003 eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit, dann gemäss Gerichtsgutacht en ab dem 6. März 2003 eine Ar- beitsunfähigkeit von 45 % im angestammten Beruf. Somit hat das gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG (in der bis Ende 2007 gültigen Fassung) vorgesehen e Wartejahr am 15. Oktober 2002 zu laufen begonnen und endete am 14. Oktober 2003, wom it frühestmöglicher Rentenbeginn Ok- tober 2003 wäre. Dies gilt auch unter Berücksichtigung d er festgestellten Einschränkungen im Aufgabenbereich. Gemäss erstem Haushaltsabklärungsbericht a nlässlich der Abklärung vom 30. Mai 2001 (IV act. 15) wurde lediglich eine Einschrä nkung von 32 % (ungewichtet) festge- stellt. Da das Wartejahr erst im Oktober 2003 abgelaufen ist, erübrigt sich die Auseinandersetzung mit der von der Beschwerdegegnerin bis 28. Februar 2003 angewendeten gemischten Methode Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit einer Gewichtung von Erwerb 80 % und Haushalt 20 %. Der IV-Grad ist gestützt auf einen Einkommensvergleich nach Art. 16 ATSG zu ermitteln. D abei sind die am 1. Oktober 2003 ge- gebenen Einkommensverhältnisse massgebend, weshalb im Ver gleich zur angefochtenen Ver- fügung eine neue Berechnung zu erfolgen hat. 9.3 Zur Berechnung des Valideneinkommens stellte die Be schwerdegegnerin auf die An- gaben des Arbeitgebers ab. Sie ging davon aus, dass die angestammte Tätigkeit die Lehrerin- nentätigkeit sei. Zur Tätigkeit in der eigenen Modeb outique äusserte sich die Beschwerdegeg- nerin in der angefochtenen Verfügung nicht. Die Würd igung der Akten zeigt, dass die Be- schwerdeführerin mit dem Laden, den sie im Jahr 1997 g egründet hatte, nie ein existenzsi- cherndes Einkommen hatte erwirtschaften können. Dies bedeutet – wäre sie nicht krank gewor- den –, dass sie zwangsläufig früher oder später vollzeitli ch in ihre angestammte Tätigkeit als Lehrerin hätte wechseln müssen, um ihren Lebensunterhal t nach der Scheidung alleine zu be- streiten. Daher ist für die Berechnung des Validenein kommens auf die Lehrerinnentätigkeit ab- zustellen, wie das die Beschwerdegegnerin ebenfalls gema cht hat. Gemäss Unfallmeldung UVG vom 21. Oktober 2002 verdiente die Beschwerdeführer in bei 11.5 Wochenlektionen und einer betriebsüblichen Wochenarbeitszeit von 25 Lektionen im Grundlohn Fr. 3‘629.40 (x 13) (IV act. 18). Da es sich hierbei um die zeitnahesten Zahlen handelt, ist zur Berechnung des Vali- deneinkommens auf diese Angaben abzustellen. Das Jahreseinkommen im Jahr 2002 hätte bei einem 100 % Pensum Fr. 102‘558.-- betragen. Bei eine r Nominallohnentwicklung von 2.1 % (Tabelle T1.2.93_V, Frauen, 2002-2010, Abschnitt M, N, O, Unterrichtswesen) ergäbe sich im Jahr 2003 somit ein Valideneinkommen von Fr. 104‘711.--. 9.4.1 Das Invalideneinkommen bezeichnet das mit dem inval idisierenden Gesundheitsscha- den zumutbarerweise noch erzielbare Erwerbseinkommen. D r. I.____ erachtet die angestamm- te Tätigkeit zu 55 % als zumutbar. In der angestammte n Tätigkeit könnte die Beschwerdeführe- rin im Jahr 2003 daher ein Einkommen von Fr. 57‘591.-- (Fr. 104‘711.-- x 0.55) erzielen. 9.4.2 Zu klären bleibt, ob die Beschwerdeführerin in e iner leidensangepassten Tätigkeit ein höheres Invalideneinkommen erzielen und damit ihre Reste rwerbsfähigkeit besser verwerten könnte. Gestützt auf die Einschätzung von Dr. I.____ ist davon auszugehen, dass die Be- schwerdeführerin in einer einfachen Hilfstätigkeit ein e Restarbeitsfähigkeit von 65 % hat. Zur Berechnung des hypothetischen Einkommens in einer einfa chen Hilfsarbeit ist auf die Schwei- zerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik 2002 (LSE) Tabelle TA1, Privater Sektor, Anforderungsniveau 4, Spalte Frauen, Fr. 3'820.-- monatlich, basierend auf 40 Wochen- stunden, abzustellen. Angepasst an die Nominallohnentwi cklung von 1.7 % (vgl. BFS T1.2.93 Nominallohnindex Frauen 1993-2004) und die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (vgl. die Volkswirtschaft, 3-2007, S. 90, Tabelle B 9.2) x 12 Monate ergibt sich ein Jah- reseinkommen von Fr. 48'600.--. Bei einem zumutbaren Pensum von 65 % ist von einem Invali- deneinkommen von Fr. 31‘590.-- auszugehen. Für einen l eidensbedingten Abzug (vgl. dazu BGE 126 V 75) ist kein Platz, da die leidensbedingten E inschränkungen bereits im Pensum be- rücksichtigt worden sind und sich Teilzeitarbeit bei Frauen nicht lohnmindernd auswirkt (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 3. August 2012, 8C_503 /2012, E. 7). Andere Hinweise für einen deutlich tieferen Lohn gibt es nicht. Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.4.3 Die vorstehenden Ausführungen zeigen, dass die Besc hwerdeführerin in ihrer ange- stammten Tätigkeit ein deutlich höheres Invalideneinkomm en erwirtschaften könnte. In Berück- sichtigung der allen versicherten Personen obliegenden S chadenminderungspflicht und Art. 16 ATSG ist zur Berechnung des IV-Grads daher auf dieses Einkommen abzustellen, womit ein IV- Grad von 45 % resultiert. 10. Die Beschwerde erweist sich damit als begründet, wesh alb sie gutgeheissen wird. Die Verfügung vom 22. Februar 2012, mit der die Beschwerde gegnerin den Anspruch auf eine IV- Rente verneint hat, wird aufgehoben. Gestützt auf di e überzeugenden Beurteilungen der Gut- achter der MEDAS Zentralschweiz, welche die funktionell en Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei nachgewiesen haben, ist ein ren tenbegründender Invaliditätsgrad anzuer- kennen, wobei von einem IV-Grad von 45 % auszugehen i st. Die Beschwerdeführerin hat damit ab dem 1. Oktober 2003 Anspruch auf eine Viertelsrente. 11.1 Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss Art . 69 Abs. 1bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli gung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht koste npflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemesse- nem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegne rin unterliegende Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorin stanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskoste n auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die Beschwerdegegnerin als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Es werden deshalb keine Verfahre nskosten erhoben. Der geleistete von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss in de r Höhe von Fr. 600.-- wird ihr zu- rückerstattet. 11.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträ ger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 entschieden hat , sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV- Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht wei ter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Mit BGE 139 V 496 E. 4.4 hat das Bundesgericht weitere Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage zu be- rücksichtigen sind, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens d er Verwaltung auferlegt werden können. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Untersuchungsman- gel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellationen der Fall: Wen n ein manifester Widerspruch zwischen Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztlichen Auffassu ngen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründete Argumente e ntkräftet habe (BGE 135 V 465 E. 4.4, siehe auch BGE 139 V 225 E. 4 und Urteil des Bun desgerichts vom 27. Juni 2013, 8C_71/2013, E. 2); wenn die Verwaltung zur Klärung d er medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise a bgestellt habe, welche die Anforde- rungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (BGE 125 V 351 E. 3a). Wenn die Verwaltung dagegen den Untersuchungsgrundsatz res pektiert und ihre Auffassung auf ob- jektive konvergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rechtsgenüglichen Expertise ge- stützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinsta nzlichen Gerichtsgutachtens an sie nicht gerechtfertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens). Vorliegend wurden von der Beschwerdeführerin keine neu en Beweismittel aufgelegt, die das Kantonsgericht veranlasst hätten, anlässlich der ersten Urte ilsberatung vom 25. Juli 2013 das Gerichtsgutachten einzuholen. Stattdessen wurde festgestellt, dass das Gutachten der MEDAS Bern erhebliche formelle und inhaltliche Mängel aufweist. Zudem bestand ein manifester Wider- spruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten psychi atrischen Auffassungen. Diese Umstände wurden von der Beschwerdeführerin bereit s im vorinstanzlichen Verfahren gerügt. Unter diesen Umständen ist es gerechtfertigt, die Kosten der Gerichtsbegutachtung, welche sich gemäss den vier Honorarrechnungen vom 7. Mai 2014 (Fr. 12‘550.--), vom 18. Juni 2014 (Fr. 228.85), vom 9. März 2015 (Fr. 395.65) sowi e vom 18. August 2016 (Fr. 6‘150.--) auf insgesamt Fr. 19‘324.50 belaufen, der Beschwerdegegnerin zu auferlegen. 11.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Be schwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfa hrens entsprechend ist der Be- schwerdeführerin deshalb eine angemessene Parteientschäd igung zuzusprechen. Der Rechts- vertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarn ote vom 8. Dezember 2016 einen Zeit- aufwand von 54.29 Stunden sowie Auslagen von Fr. 2‘299 .50 geltend gemacht. Nicht berück- sichtigt werden können die im Rahmen der Auslagen gelte nd gemachten Kosten für das Privat- gutachten von Dr. H.____ in der Höhe von Fr. 2‘000.-- . Nach der Rechtsprechung sind unter dem Titel Parteientschädigung die Kosten privat einge holter Gutachten zu vergüten, soweit die Parteiexpertise für die Entscheidfindung unerlässlich war (BGE 115 V 63 E. 5c; Urteil des Bun- desgerichts vom 24. April 2007, I 1008/06, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz ist für das Verwaltungsverfahren ausdrücklich in Art. 45 Abs. 1 ATSG festgehalten. Das Gericht hat in den für den Entscheid wesentlichen Punkten nicht auf das Gutachten von Dr. H.____ ab- gestellt, weshalb die Kosten nicht zu den notwendigen Expertenkosten gehören. Aus diesem Grund ist der Beschwerdeführerin unter dem Titel Part eientschädigung keine Vergütung für das Gutachten von Dr. H.____ zuzusprechen. Es bleiben somit Au slagen in der Höhe von Fr. 229.50. Ebenfalls nicht berücksichtigt werden kann der geltend gemachte Kostenvorschuss, da dieser der Beschwerdeführerin vom Gericht rückerstattet wird. Damit ist der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 14‘981.75 (54.29 Stunden x Fr. 250.-- plus Aus- lagen von Fr. 299.50 und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzuspre- chen. Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 22. Februar 2012 aufgehoben und der Beschwerdeführer in wird ab dem 1. Oktober 2003 eine Viertelsrente zugesprochen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der gele istete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführ erin zu- rückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 19‘324.50 werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. 4. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 14‘981.75 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht