<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">H 93/99 Gi </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>II. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Präsident Lustenberger, Bundesrichter Meyer und Ferrari; </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Keel </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 14. März 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">E.________ AG, Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Ausgleichskasse des Basler Volkswirtschaftsbundes, Viadukt- </div> <div class="para">strasse 42, Basel, Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Versicherungsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Liestal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Die Ausgleichskasse des Basler Volkswirtschafts- </div> <div class="para">bundes stellte anlässlich der Arbeitgeberkontrolle vom </div> <div class="para">21. Juli 1997 fest, dass die E.________ AG, in den Jahren </div> <div class="para">1992 bis 1996 den beiden Verwaltungsratsmitgliedern </div> <div class="para">A.________ und L.________ Tantiemen und Provisionen ausge- </div> <div class="para">richtet hatte, ohne darauf AHV/IV/EO/ALV-Beiträge abzurech- </div> <div class="para">nen. Mit Nachzahlungsverfügung vom 29. Juli/8. August 1997 </div> <div class="para">(korrigierte Fassung) erhob sie von der Firma die ent- </div> <div class="para">sprechenden Sozialversicherungsbeiträge (Fr. 40'584.95), </div> <div class="para">zuzüglich Verwaltungskosten (Fr. 437.80) und Verzugszinsen </div> <div class="para">(Fr. 6'493.85). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Die von der E.________ AG gegen die "Aufrechnung" </div> <div class="para">der Tantiemen erhobene Beschwerde wies das Versicherungsge- </div> <div class="para">richt des Kantons Basel-Landschaft mit Entscheid vom </div> <div class="para">17. Februar 1999 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt die </div> <div class="para">E.________ AG die Aufhebung des kantonalen Entscheides und </div> <div class="para">der Kassenverfügung, soweit sie die auf den Tantiemen erho- </div> <div class="para">benen Beiträge betrifft. </div> <div class="para"> Während die Ausgleichskasse auf Abweisung der Verwal- </div> <div class="para">tungsgerichtsbeschwerde schliesst, lässt sich das Bundesamt </div> <div class="para">für Sozialversicherung nicht vernehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Da keine Versicherungsleistungen streitig sind, </div> <div class="para">hat das Eidgenössische Versicherungsgericht nur zu prüfen, </div> <div class="para">ob der vorinstanzliche Entscheid Bundesrecht verletzt, ein- </div> <div class="para">schliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, </div> <div class="para">oder ob der rechtserhebliche Sachverhalt offensichtlich un- </div> <div class="para">richtig, unvollständig oder unter Verletzung wesentlicher </div> <div class="para">Verfahrensbestimmungen festgestellt worden ist (Art. 132 in </div> <div class="para">Verbindung mit Art. 104 lit. a und b sowie <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 </span></div> <div class="para">OG). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- a) Erlässt eine Ausgleichskasse auf dem Gebiet der </div> <div class="para">paritätischen Beiträge eine Verfügung, stellt sie eine Bei- </div> <div class="para">tragsschuld sowohl des Arbeitgebers als auch des Arbeitneh- </div> <div class="para">mers fest (Art. 4 und 5 sowie <span class="artref"><artref id="CH/831.10/12" type="start"></artref>Art. 12 und 13 AHVG</span><artref id="CH/831.10/13" type="end"></artref>). </div> <div class="para">Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind in gleicher Weise betrof- </div> <div class="para">fen, weshalb die Verfügung im Hinblick auf die Wahrung des </div> <div class="para">rechtlichen Gehörs grundsätzlich beiden zu eröffnen ist. </div> <div class="para">Ausnahmen von diesem Grundsatz hat das Eidgenössische Ver- </div> <div class="para">sicherungsgericht dort zugelassen, wo der Ausgleichskasse </div> <div class="para">aus praktischen Gründen die Zustellung von Verfügungen an </div> <div class="para">die Arbeitnehmer nicht zugemutet werden kann. Dies trifft </div> <div class="para">beispielsweise zu, wenn es sich um eine grosse Zahl von An- </div> <div class="para">gestellten handelt, sich deren Wohnsitz im Ausland befindet </div> <div class="para">oder wenn es nur um geringfügige Beiträge geht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=02.03.2000&amp;to_date=21.03.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F113-V-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page3">BGE 113 V 3</a> </div> <div class="para">Erw. 2 mit Hinweisen). Diese Grundsätze gelten nicht nur, </div> <div class="para">wenn Beitragsstatut oder Natur einzelner Zahlungen streitig </div> <div class="para">sind, sondern auch bei nachträglichen Lohnerfassungen, wenn </div> <div class="para">umstritten ist, ob bestimmte Vergütungen zum massgebenden </div> <div class="para">Lohn im Sinne von <span class="artref">Art. 5 Abs. 2 AHVG</span> gehören (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=02.03.2000&amp;to_date=21.03.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F113-V-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page4">BGE 113 V 4</a> </div> <div class="para">Erw. 3a). </div> <div class="para"> Ist eine Beitragsverfügung nur dem Arbeitgeber eröff- </div> <div class="para">net worden und hat dieser Beschwerde erhoben, muss der </div> <div class="para">erstinstanzliche Richter - ausser in den genannten Ausnah- </div> <div class="para">mefällen - entweder den Arbeitnehmer beiladen oder die Sa- </div> <div class="para">che an die Verwaltung zurückweisen, damit diese durch Zu- </div> <div class="para">stellung der Beitragsverfügung an den oder die betroffenen </div> <div class="para">Arbeitnehmer deren Verfahrensrechte wahrt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=02.03.2000&amp;to_date=21.03.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F113-V-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page5">BGE 113 V 5</a> </div> <div class="para">Erw. 4a). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Wie sich aus den Akten ergibt, wurde die angefoch- </div> <div class="para">tene Nachzahlungsverfügung formell lediglich der Beschwer- </div> <div class="para">deführerin als Arbeitgeberfirma zugestellt, obwohl die Vor- </div> <div class="para">aussetzungen für ein Absehen von der Eröffnung an die Ar- </div> <div class="para">beitnehmer nicht erfüllt waren. Da indessen die beiden da- </div> <div class="para">von betroffenen Verwaltungsratsmitglieder, L.________ und </div> <div class="para">A.________, auf Grund ihrer Stellung in der Firma von der </div> <div class="para">Nachzahlungsverfügung Kenntnis erlangen mussten und offen- </div> <div class="para">bar auch erlangt haben, was sich schon daraus ergibt, dass </div> <div class="para">sie die an die Vorinstanz gerichtete Beschwerdeschrift un- </div> <div class="para">terzeichneten, sind ihre Verfahrensrechte gewahrt. Auf </div> <div class="para">ihre Beiladung als Mitinteressierte kann auch im letztin- </div> <div class="para">stanzlichen Verfahren, in welchem sie ebenso die Beschwer- </div> <div class="para">deschrift zeichneten, verzichtet werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Nach <span class="artref">Art. 5 Abs. 2 AHVG</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 7 </span></div> <div class="para">lit. h AHVV gehören die an Mitglieder der Verwaltung ausge- </div> <div class="para">richteten Tantiemen zum massgebenden Lohn. Wie das Eidge- </div> <div class="para">nössische Versicherungsgericht in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=02.03.2000&amp;to_date=21.03.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F103-V-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page5">BGE 103 V 5</a> Erw. 2e fest- </div> <div class="para">gehalten hat, gilt dies unabhängig davon, ob sie bezwecken, </div> <div class="para">die von einem Verwaltungsratsmitglied geleistete Arbeit und </div> <div class="para">getragene Verantwortung in Form eines Entgeltes zu entschä- </div> <div class="para">digen, oder ob sie eher als eine besondere Art von Gewinn- </div> <div class="para">ausschüttung gedacht sind. Die (als gesetzmässig erkannte) </div> <div class="para">Bestimmung des <span class="artref">Art. 7 lit. h AHVV</span> will verhindern, dass </div> <div class="para">sich die Verwaltungsorgane oder im Streitfall der Sozial- </div> <div class="para">versicherungsrichter mit wirtschaftlichen Zusammenhängen </div> <div class="para">befassen müssen, deren Wertung je nach dem zu beurteilenden </div> <div class="para">Sachverhalt kaum zuverlässig vorgenommen werden kann; diese </div> <div class="para">beitragsrechtliche Behandlung der Tantiemen entspricht in- </div> <div class="para">sofern der wirtschaftlichen Betrachtungsweise, als diese </div> <div class="para">ihrem Wesen nach regelmässig als Entgelt für geleistete </div> <div class="para">Dienste und übernommene Verantwortung gelten. Daraus ergibt </div> <div class="para">sich, dass bei eigentlichen Tantiemen nicht mehr weiter zu </div> <div class="para">prüfen ist, ob deren Vergütung ihren hinreichenden Grund im </div> <div class="para">Arbeitsverhältnis hat; dies wird auf Grund einer wirt- </div> <div class="para">schaftlichen Betrachtungsweise vielmehr vorausgesetzt, so </div> <div class="para">dass eine eigentliche Tantieme auch dann als massgebender </div> <div class="para">Lohn zu erfassen ist, wenn sie eher als eine besondere Art </div> <div class="para">von Gewinnausschüttung gedacht ist. </div> <div class="para"> Voraussetzung für die Anwendung der erwähnten Recht- </div> <div class="para">sprechung ist, dass es sich bei entsprechenden Ausschüttun- </div> <div class="para">gen einer Aktiengesellschaft tatsächlich um Tantiemen han- </div> <div class="para">delt, d.h. um Entschädigungen an die Mitglieder der Verwal- </div> <div class="para">tung im Sinne eines Anteils am ausgewiesenen Reingewinn der </div> <div class="para">Gesellschaft (<span class="artref">Art. 677 OR</span>). Die Ausrichtung von Tantiemen </div> <div class="para">zählt zu den unübertragbaren Befugnissen der Generalver- </div> <div class="para">sammlung (<span class="artref">Art. 698 Abs. 2 Ziff. 4 OR</span>) und ist nur dann zu- </div> <div class="para">lässig, wenn die Ausrichtung eines solchen Gewinnanteils in </div> <div class="para">den Statuten vorgesehen ist (<span class="artref">Art. 627 Ziff. 2 OR</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- Auf Grund der anlässlich der Arbeitgeberkontrolle </div> <div class="para">vom 21. Juli 1997 geprüften Unterlagen und den Gesell- </div> <div class="para">schaftsstatuten steht vorliegend fest und ist unbestritten, </div> <div class="para">dass es sich bei den zu wenig abgerechneten, an die Verwal- </div> <div class="para">tungsratsmitglieder L.________ und A.________ ausgerichte- </div> <div class="para">ten Vergütungen um Tantiemen im Sinne des <span class="artref">Art. 677 OR</span> han- </div> <div class="para">delt. Die Beschwerdeführerin lässt diesbezüglich einzig und </div> <div class="para">an sich zutreffend (vgl. Forstmoser/Meier-Hayoz/Nobel, </div> <div class="para">Schweizerisches Aktienrecht, Bern 1996, S. 310 Rz 126) gel- </div> <div class="para">tend machen, dass die Tantiemen (von der Gesellschaft) zu </div> <div class="para">versteuern seien. Indessen kann, wie im angefochtenen Ent- </div> <div class="para">scheid richtig dargelegt, aus der Gewinnsteuerbelastung </div> <div class="para">nicht geschlossen werden, dass die beitragsrechtliche Er- </div> <div class="para">fassung der Tantiemen gemäss <span class="artref">Art. 7 lit. h AHVV</span> unzulässig </div> <div class="para">wäre (vgl. ZAK 1973 S. 571 Erw. 3). Soweit die Beschwerde- </div> <div class="para">führerin im Übrigen erneut auf die Verfügung der Aus- </div> <div class="para">gleichskasse des Verbandes der Industriellen von Baselland </div> <div class="para">vom 6. September 1985, in welcher ihr auf Tantiemen ent- </div> <div class="para">richtete Beiträge rückerstattet wurden, hinweist, hat be- </div> <div class="para">reits die Vorinstanz zutreffend dargetan, dass im heutigen </div> <div class="para">Zeitpunkt nicht mehr nachvollzogen werden kann, wie diese </div> <div class="para">Verfügung zu Stande gekommen ist, und dass sich aus der </div> <div class="para">früheren Vorgehensweise jedenfalls keine wohlerworbenen </div> <div class="para">Rechte ergeben, so wenig als die heutige gesetzmässige Be- </div> <div class="para">handlung gegen Treu und Glauben verstösst (vgl. ZAK 1973 </div> <div class="para">S. 571 Erw. 3 in fine). Nichts ableiten lässt sich aus der </div> <div class="para">damaligen Verfügung schliesslich auch mit Bezug auf die </div> <div class="para">Verzugszinspflicht, welche im Sinne eines vereinfachten </div> <div class="para">Schadens- und Vorteilsausgleichs unabhängig von einem all- </div> <div class="para">fälligen Verschulden des Zahlungspflichtigen besteht (ZAK </div> <div class="para">1992 S. 167 Erw. 4b mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 5.- Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder </div> <div class="para">Verweigerung von Versicherungsleistungen geht (Erw. 1 </div> <div class="para">hievor), ist das Verfahren kostenpflichtig (<span class="artref">Art. 134 OG</span> e </div> <div class="para">contrario). Die unterliegende Beschwerdeführerin hat die </div> <div class="para">Gerichtskosten zu tragen (<span class="artref">Art. 156 Abs. 1 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Die Gerichtskosten von Fr. 800.- werden der Beschwer- </div> <div class="para"> deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kosten- </div> <div class="para"> vorschuss verrechnet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsge- </div> <div class="para"> richt des Kantons Basel-Landschaft und dem Bundesamt </div> <div class="para"> für Sozialversicherung zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 14. März 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der II. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>