Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 7. Mai 2013 (400 13 25) ____________________________________________________________________ Obligationenrecht Auslegung eines mündlich abgeschlossenen Werkvertrags, Vereinbarung eines Pau- schalpreises Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader, Richter Edgar Schü rmann (Ref.), Richter René Borer; Gerichtsschreiber i.V. Severin Christen Parteien A.____SA , vertreten durch Advokat Dr. Georg Gremmelspacher, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach, 4002 Basel, Klägerin und Berufungsbeklagte gegen B.____ , vertreten durch Advokat Dr. Reto Krummenacher, Marktplatz 18, Post- fach 760, 4001 Basel, Beklagter und Berufungskläger Gegenstand Obligationenrecht allg. / Forderung Berufung gegen den Entscheid des Bezirksgerichtspräsidenten Arles- heim vom 11. Oktober 2012 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Im Juni 2011 kontaktierte B.____ die A.____SA, da er an seinem Boot verschiedene Ma- ler- und Reparaturarbeiten vornehmen lassen wollte. Da raufhin schlossen die Parteien einen mündlichen Werkvertrag, welcher einerseits Reparaturar beiten am Schwarz lackierten Schiffs- rumpf und andererseits das Neustreichen von diversen weiss en Flächen am Deck des Bootes vorsah. B. Nachdem das Boot Ende Juni 2011 ausgewassert worden war, begann die A.____SA mit den abgesprochenen Arbeiten, von welchen der Grossteil bis zur erneuten Einwasserung des Bootes am 19. Juli 2011 erledigt wurde. Einige letzte Arbeiten wurden dann noch nach der Ein- wasserung am Liegeplatz des Bootes vorgenommen. C. Am 29. Juli 2011 erhob B.____ gegenüber der A.____SA eine schriftliche Mängelrüge, in welcher verschiedene Mängel bezüglich der am Boot ausgeführten Arbeiten aufgeführt wurden. Im gleichen Schreiben hielt er fest, dass er darauf best ehe, dass die Arbeiten zum vorgängig mündlich vereinbarten Pauschalbetrag von CHF 11'000.00 bis CHF 13'000.00 zu erledigen sei- en. D. Mit Schreiben vom 23. August 2011 stellte die A.____SA B.____ zwei Rechnungen zu. Die erste bezog sich auf die in Weiss ausgeführten Arbeit en am Deck des Bootes und belief sich abzüglich einer bereits geleisteten Akontozahlung von CHF 5'000.00 auf CHF 13'569.80. Für die am schwarzen Rumpf getätigten Arbeiten wurden in einer zweiten Rechnung CHF 5'416.20 gefordert. E. Daraufhin retournierte B.____ die genannten Rechnun gen mit Schreiben vom 2. Septem- ber 2011 an die A.____SA und führte aus, er sei nicht bereit, den geforderten Betrag zu bezah- len. Dies, da einerseits die Beträge nicht den mündliche n Abmachungen entsprechen würden und er andererseits mit einem Teil der geleisteten Ar beit aufgrund diverser Mängel unzufrieden sei. F. Im Anschluss daran leitete die A.____SA gegen B.____ b eim Betreibungsamt Binningen die Betreibung für eine Forderung von gesamthaft CH F 18'986.00 ein. Gegen den Zahlungsbe- fehl vom 21. September 2011 erhob B.____ am 30. September 2011 Rechtsvorschlag. G. Nachdem sich die Parteien auch anlässlich der Schlichtungsver handlung vor dem Frie- densrichteramt Oberwil vom 17. November 2011 nicht einig en konnten, reichte die A.____SA am 22. November 2011 beim Bezirksgericht Arlesheim Klage ein und begehrte sinngemäss, B.____ sei zur Zahlung von CHF 18'986.00 nebst Zins vo n 5 % seit 29. August 2011 sowie zur Erstattung der Zahlungsbefehlskosten in der Höhe von CHF 100.00 zu verpflichten. Gleichzeitig wurde die Aufhebung des Rechtsvorschlages im gleichen Umfang in der Betreibung Nr. 21112012 des Betreibungsamtes Binningen verlangt. H. Anlässlich der Hauptverhandlung vor der Vorinstanz beantragte der Beklagte die Gutheis- sung der Klage in der Höhe von CHF 6'000.00, eventual iter in der Höhe von CHF 11'416.00, und die Abweisung der Klage im restlichen Umfang des geforderten Betrags. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Entscheid des Bezirksgerichtspräsidenten Arlesheim vom 11. Oktober 2012 wurde die Klage teilweise gutgeheissen und der Beklagte verurteil t, der Klägerin CHF 16'986.00 nebst Zins zu 5 % seit 24. September 2011 sowie CHF 100.00 Z ahlungsbefehlskosten in Betreibung Nr. 21112012 des Betreibungsamtes Binningen zu bezahlen . Zudem wurde der Rechtsvor- schlag in besagter Betreibung aufgehoben. Ausserdem wur den dem Beklagten die Friedens- richterkosten von CHF 300.00, die Gerichtsgebühr von CHF 1'900.00, Expertisenkosten von CHF 1'590.00 sowie das Zeugengeld von CHF 240.00 auferlegt. Schliesslich wurde der Beklag- te verpflichtet, der Klägerin eine Umtriebsentschädigu ng von CHF 200.00 zu bezahlen. Zur Be- gründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass in dem zwischen den Parteien geschlosse- nen Werkvertrag entgegen den Behauptungen des Beklagt en kein Pauschalpreis vereinbart worden sei. Der Werklohn bestimme sich deshalb nach der dispositiven Regelung von Art. 374 OR, gemäss welcher die Höhe der Vergütung nach Massgabe d es Wertes der Arbeit und der Aufwendungen der Klägerin festzusetzen sei. Die eingeholte Expertise lege den Wert der Arbeit auf CHF 25'500.00 fest, wovon der Beklagte bereits CHF 5'000.00 bezahlt habe. Von den ein- geklagten CHF 18'986.00 seien schliesslich für die vom Ex perten festgestellte Behebung der Mängel CHF 2'000.00 in Abzug zu bringen. Somit sei d ie Klage im Umfang von CHF 16'986.00 teilweise gutzuheissen. J. Gegen diesen Entscheid des Bezirksgerichtspräsidenten Arl esheim erhob B.____, vertre- ten durch Advokat Dr. Reto Krummenacher, mit Eingabe vo m 28. Januar 2013 Berufung beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht. E r beantragte, der Entscheid der Vorin- stanz vom 11. Oktober 2012 sei aufzuheben und es sei der Berufungskläger zur Zahlung von CHF 6'000.00 zu verurteilen, eventualiter sei eine obergerichtliche Expertise anzuordnen und ein Augenschein durchzuführen, unter Kostenfolge zu Last en der Berufungsbeklagten im Um- fang von 2/3 sämtlicher o-/ und e-Kosten. Begründet wu rde dies im Wesentlichen damit, dass die Vorinstanz die Zeugenaussagen, die vom Beklagten ein gereichten Handnotizen sowie das vereinbarte Kostendach unzutreffend gewürdigt habe und deshalb zu einer falschen Schlussfol- gerung gelangt sei. Eine korrekte Würdigung ergäbe, d ass zwischen den Parteien für sämtliche Arbeiten eine Pauschale von CHF 13'000.00, eventuali ter ein Kostendach von CHF 13'000.00 abgemacht worden sei. Auch die Aussagen des Expertengutac htens wurden bestritten. Auf die weiteren Ausführungen wird, soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen. K. Am 12. März 2013 reichte die Berufungsbeklagte, vertre ten durch Advokat Dr. Georg Gremmelspacher, eine Berufungsantwort ein und begehrte , die Berufung sei in vollem Umfang abzuweisen und der Entscheid des Gerichtspräsidenten des Bezirksgerichts Arlesheim vom 11. Oktober 2012 sei zu bestätigen. Die ordentlichen u nd ausserordentliche Kosten sowohl des erstinstanzlichen wie auch des Berufungsverfahrens seien d em Berufungskläger aufzuerlegen. Soweit erforderlich, wird auf die weiteren Ausführungen in den Erwägungen eingegangen. L. Mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 18. März 2013 wurde festgestellt, dass eine nach- trägliche Einreichung der von den Parteien zur Edition offerierten Urkunden nicht statthaft sei, da den Parteien eine umgehende Einreichung zumutbar g ewesen wäre. Ausserdem wurde ver- fügt, dass von der Anordnung einer Oberexpertise und von der Durchführung eines Augen- scheins zur Zeit abgesehen werde. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht M. Zu der heutigen Hauptverhandlung vor der Dreierkammer des Kantonsgerichts erschie- nen der Berufungskläger B.____ mit seinem Rechtsvertrete r Dr. Reto Krummenacher und für die Berufungsbeklagte C.____ mit Rechtsanwalt Dr. Georg Gremmelspacher sowie seiner Ehe- gattin D.____. Keine der Parteien machte Noven gelte nd. Eingangs fand eine kurze Parteibe- fragung statt. In den Schlussvorträgen hielten die Parteien an sämtlichen Rechtsbegehren fest. Erwägungen 1.1 Gegen einen Endentscheid in vermögensrechtlichen Strei tigkeiten mit einem Streitwert von mindestens CHF 10'000.00 kann gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 ZPO Berufung erhoben werden. Mit der Berufung kann gemäss Art. 31 0 ZPO unrichtige Rechtsanwendung oder/und unrichtige Feststellung des Sachverhalts gelten d gemacht werden. Die Berufung ist schriftlich und begründet innert 30 Tagen seit Zustellun g des begründeten Entscheides bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Die Streitwertgrenze ist im vorliegen- den Fall erreicht. Die schriftliche Begründung des ang efochtenen Entscheides wurde dem Be- klagten am 11. Dezember 2012 zugestellt, so dass die Rechtsmittelfrist durch die Berufung vom 29. Januar 2013 (Art. 145 Abs. 1 lit. c ZPO) eingehal ten wurde. Gemäss § 6 Abs. 1 lit. c EG ZPO ist die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Ka ntonsgerichts für die Beurteilung von Berufungen gegen Entscheide der Präsidien der Bezirksgerichte sachlich zuständig. 1.2 Die Klägerin macht geltend, der Berufungskläger sei sein er Begründungspflicht nicht nachgekommen, da er sich in seiner Berufungsschrift nicht näher mit der Begründung des erst- instanzlichen Entscheids auseinandergesetzt und sich lediglich damit begnügt habe, seine Sicht der Dinge vorzutragen. Gemäss Art. 310 ZPO hätte der B erufungskläger vielmehr aufzeigen müssen, inwiefern der Entscheid des Bezirksgerichts Arleshei m nicht richtig sei und zwar im Hinblick auf die Tatsachenfeststellung sowie die Rechtsanwendung. Art. 311 ZPO schreibt vor, dass die Berufung bei der R echtsmittelinstanz schriftlich und be- gründet einzureichen ist. Dies bedeutet, dass aus der Be rufungsschrift klar hervorgehen muss, inwiefern der vorinstanzliche Entscheid aus Sicht des Beru fungsklägers Recht verletzt oder in- wiefern der Sachverhalt unrichtig festgestellt wurde (M AYTHS , Baker & McKenzie [Hrsg.] Kom- mentar ZPO, Art. 311 N 13). Vorliegend erfüllt die eingereichte Berufungsschrift die gesetzli- chen Anforderungen ohne Weiteres. Der Berufungsbeklagte hat sich detailliert mit der aus sei- ner Sicht fehlerhaften Würdigung der Zeugenaussage durch die Vorinstanz auseinandergesetzt. Weiter werden auch die richterliche Würdigung der eing ereichten Handnotizen, des Experten- gutachtens sowie die aus der Sachverhaltsfeststellung ge zogene Schlussfolgerung kritisiert. Zudem hat die Berufungsbeklagte aus ihren Behauptungen auch keine Rechtsfolgen abgeleitet, insbesondere hat sie kein Rechtsbegehren auf Nichteintre ten gestellt. Da die Begründungs- pflicht sowie auch alle übrigen Berufungsformalien erfüllt sind, ist auf die Berufung einzutreten. 2.1 Unbestritten ist vorliegend, dass zwischen den Parteien ein Werkvertrag bezüglich am Boot des Berufungsklägers auszuführender Arbeiten geschlossen wurde. Ebenfalls unbestritten ist, dass die Berufungsbeklagte diese Arbeiten im Somme r 2011 erbracht hat. Strittig ist indes- sen der geschuldete Werklohn. Die Berufungsbeklagte bring t diesbezüglich vor, die am Boot Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht verrichteten Arbeiten seien in Regie ausgeführt worde n, weshalb sich der geschuldete Betrag auf Basis der aufgewendeten Arbeitsstunden berechne. Der Berufungskläger macht hingegen geltend, zwischen den Parteien sei ein Pauschalpreis ver einbart worden. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass sich eine Abmachung bezüglich eines Pauscha lpreises nicht nachweisen lasse, und wendete deshalb die dispositive Regelung von Art. 374 OR an, gemäss welcher die Höhe der Vergütung nach Massgabe des Wertes der Arbeit u nd der Aufwendungen des Unter- nehmers festzusetzen ist. Zu prüfen ist somit vorliegend, ob die Verneinung einer Pauschal- preisvereinbarung zwischen den Parteien durch die Vorinst anz eine unrichtige Sachverhalts- feststellung darstellt. 2.2 Die Vergütungspflicht des Bestellers gehört zum notwendig en Inhalt des gesetzlich gere- gelten Werkvertrages. Haben die Parteien diesbezüglich ni chts vereinbart, bestimmt sich die Höhe der geschuldeten Vergütung grundsätzlich nach Massgabe des Wertes der Arbeit und der Aufwendungen des Unternehmers (Art. 374 OR). Es steht d en Parteien allerdings frei, sich be- reits im Voraus auf einen bestimmten Pauschalpreis zu ein igen. Eine solche Preisvereinbarung ist für beide Parteien verbindlich. Der Unternehmer i st verpflichtet, das vereinbarte Werk man- gelfrei für die vereinbarte Pauschalsumme abzuliefern , und der Besteller muss die vereinbarte Pauschalsumme bezahlen. Der Pauschalpreis ist somit unabän derlich und zwar auch dann, wenn die Erstellungskosten höher oder geringer sind, al s dies beim Vertragsschluss vorgese- hen war (GAUCH , Der Werkvertrag, 5. Aufl., N 900 ff.). Anstelle eine s exakt bestimmten Preises können die Parteien aber auch einen sogenannten "Circa- Preis" vereinbaren. Dabei einigen sich die Parteien auf eine verbindliche Höchst- und Minde stgrenze, innerhalb welcher der Werkpreis liegen muss, der innerhalb dieses Rahmens nach Aufwand ermittelt wird (BSK OR I- ZINDEL /P ULVER , Art. 374 N 10). Auch in diesem Fall schuldet der Be steller auf keinen Fall mehr oder weniger als eine Vergütung innerhalb der festgel egten Grenzen, auch wenn der Wert der Arbeit und der Aufwendungen des Unternehmers höher o der tiefer sein sollte. Dadurch unter- scheidet sich diese Vereinbarung vom ungefähren Kostenansat z, welcher keine bindenden Preislimiten setzt und lediglich Auskunft über den mutma sslichen Preis gibt. Ob ein Pauschal- preis respektive ein Circa-Preis vereinbart wurde oder o b zwischen den Parteien lediglich ein ungefährer Kostenansatz diskutiert wurde, ist mittels Ve rtragsauslegung zu ermitteln (G AUCH , a.a.O., N 941). Dabei gilt es zuerst den tatsächlichen u nd übereinstimmenden Willen der Par- teien zu ermitteln (subjektive Auslegung). Sollte sich d er wirkliche Wille der Parteien nicht fest- stellen lassen, muss der Richter die Erklärung und das Verh alten der Parteien nach der Ver- trauenstheorie auslegen und darauf abstellen, was vernün ftig und redlich handelnde Parteien unter den gegebenen Umständen gewollt und ausgedrückt hätten respektive wie eine Partei die Willensäusserung oder Verhaltensweise der anderen Par tei nach Treu und Glauben und unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände verstehen konnte und m usste (objektive Auslegung; BGE 131 III 606 E. 4.1; HUGUENIN , Obligationenrecht, N 278 ff.) 2.3 Vorliegend wurde der Werkvertrag lediglich mündlich a bgeschlossen, weshalb der tat- sächliche Wortlaut des Vertrages als primäres Auslegungsmittel nicht mehr eruiert werden kann und deshalb für die Auslegung nicht zur Verfügung steht. Als ergänzende Auslegungsmittel sind deshalb die Entstehungsgeschichte sowie die Begleitumstän de des Vertragsschlusses zu be- rücksichtigen (HUGUENIN , a.a.O., N 290). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Hierzu wurde vor der Vorinstanz der Zeuge E.____ befrag t. Der Berufungskläger macht geltend, die Vorinstanz habe die Aussage des Zeugen fal sch gewürdigt, aus dieser würde sich nämlich eindeutig ergeben, dass zwischen den Parteien ei n Pauschalpreis vereinbart worden sei. Ein Zeuge ist jemand, der Tatsachen aus eigener Wa hrnehmung bestätigen kann. Als Zeu- ge ist grundsätzlich jede Person abgesehen von den Parte ien zulässig. Es ist die Aufgabe des Gerichts, die Glaubwürdigkeit des Zeugen und die Brau chbarkeit der Aussage im Rahmen der Beweiswürdigung zu beurteilen (M ÜLLER , DIKE Kommentar ZPO, Art. 169 N 10; WEIBEL /N AEGELI , in: S UTTER -SOMM /H ASENBÖHLER /L EUENBERGER [Hrsg.], ZPO Kommentar, 2. Aufl., Art. 169 N 6). Vorliegend ist die Aussage de s Zeugen bezüglich Neutralität problema- tisch. Der Zeuge war Angestellter der Berufungsbeklagt en, was auf eine gewisse Verbunden- heit hindeutet. Allerdings wurde das Arbeitsverhältnis d es Zeugen durch die Berufungsbeklagte fristlos gekündigt, in diesem Zusammenhang ist gemäss Au ssage des Zeugen auch noch ein Strafverfahren im Gange. Dieser Umstand würde wieder um eher eine gewisse Feindseligkeit zwischen dem Zeugen und der Berufungsbeklagten vermuten lassen. Zudem bestand auch zwischen dem Berufungskläger und dem Zeugen anscheinend e in näheres Verhältnis, diese haben sich bereits vor Zustandekommen des Werkvertrages an einer Bootsmesse kennenge- lernt. Hinzu kommt, dass die vom Zeugen gemachten Aussa gen widersprüchlich sind. Er sagte zuerst aus, der Preis für die Arbeit sei im Voraus ziem lich genau definiert worden. Dann sagte er allerdings, er sei nicht mehr dabei gewesen, als ein neuer Preis festgesetzt worden sei. An einer anderen Stelle konnte er sich nur noch daran e rinnern, dass ein Preis inklusive Vorbehalt diskutiert worden sei. Auf die Ergänzungsfrage des Recht sanwaltes des Berufungsklägers hat er dann wieder geantwortet, dass er über das Kostendach von CHF 13'000.00 Bescheid ge- wusst habe. Doch auch mit den gestellten Ergänzungsfrag en wurden die Widersprüchlichkeiten zwischen den verschiedenen vom Zeugen getätigten Aussagen nicht geklärt, weshalb diese Widersprüchlichkeit bestehen bleibt. Aus den genannten Gründen ist die Zeugenaussage somit für keine der Parteien verwertbar und sie ist nicht bra uchbar, um die zwischen den Parteien getroffene Abmachung bezüglich des Werkpreises festzustellen. 2.5 Nebst der Zeugenaussage bleiben vorliegend als Beweismittel primär die Parteiaussagen. Die Parteibefragung ist ein vollwertiges Beweismittel und kann unter Umständen für sich alleine als Beweis einer umstrittenen Tatsache dienen. Dies gilt auch für Aussagen, welche die Partei- en zu ihren eigenen Gunsten machen. Hier ist es Sache de s Gerichts, die Glaubwürdigkeit der Aussagen im Rahmen der Beweiswürdigung zu beurteilen (CARCAGNI ROESLER , Baker & Mc- Kenzie [Hrsg.] ZPO Kommentar, Art. 191 N 2 f.). Der Berufungskläger hat anlässlich der heuti- gen Hauptverhandlung seine bereits vor der Vorinstanz ge tätigte Aussage wiederholt, dass von Beginn an stets die Rede davon war, dass die Arbeiten fü r einen Betrag von CHF 11'000.00 bis 13'000.00 erledigt werden. Auch in seinem an die Ge genpartei gerichteten Schreiben vom 29. Juli 2011, welches mit "Mängelrüge" überschrieben war, wies der Berufungskläger auf einen vorgängig mündlich vereinbarten Betrag von CHF 11'000 .00 bis 13'000.00 hin. C.____ hat für die Berufungsbeklagte anlässlich der heutigen Verhandl ung ausgesagt, dass zu Beginn nur Arbeiten am Rumpf des Bootes zur Diskussion gestanden seien. Hierfür habe sein früherer Mit- arbeiter E.____ einen Preis von CHF 5'000.00 bis 6'00 0.00 geschätzt, womit er einverstanden gewesen sei. Später habe man sich dann über die zusätzli chen Arbeiten am Deck des Bootes unterhalten. Er habe nachgefragt, ob diesbezüglich zwischen E.____ und dem Berufungskläger Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht bereits über den Preis gesprochen worden sei, worauf d er Berufungsbeklagte einen Preis von CHF 11'000.00 bis 13'000.00 genannt habe. Daraufhin habe er seinen damaligen Mitarbeiter beauftragt, für die Arbeiten am Deck eine genaue Off erte zu erstellen. Hierzu sei es aber auf- grund eines Todesfalls in dessen Familie nie gekommen. C .____ hat weiter bestätigt, dass auch bei einem späteren Gespräch die Zahl von CHF 13 '000.00 im Raum gestanden sei. An- lässlich der Verhandlung vor dem Bezirksgericht hatte die Berufungsbeklagte sodann hand- schriftliche Notizen eingereicht, welche D.____, die Ehe gattin von C.____ und als gelernte Bootbauerin ebenfalls Geschäftsführerin der Berufungs beklagten, während eines Gespräches mit dem Berufungskläger am 5. Juli 2011 erstellt habe. Auf diesen Notizen wurde unter dem Titel "Rumpf" mit dem zusätzlichen Hinweis "Kostendach" ein Betrag von CHF 6'000.00 notiert. Weiter unten wurde unter dem Titel "Deck" ein Betrag von CHF 11'000.00 bis 13'000.00 aufge- schrieben. Obwohl nicht als Zeugin vorgeladen, hat D._ ___ mit dem Einverständnis des Beru- fungsklägers zu diesen von ihr angefertigten Notizen anlässlich der heutigen Hauptverhandlung ausgeführt, sie habe nach kurzer Zeit festgestellt, dass einige Unklarheiten herrschen. Deshalb sei sie zum Berufungskläger gegangen, um die finanzielle Situation klarzustellen. Sie sei von CHF 6'000.00 für den Rumpf und CHF 13'000.00 für die Arbeit in Weiss am Deck ausgegangen. Sie sagte zwar aus, dass sie gemerkt habe, dass die Arbeit zu diesem Preis fast nicht zu schaf- fen sei, sie hat aber nicht ausgesagt, dies auch gegenübe r dem Berufungskläger festgehalten zu haben. Diesem habe sie lediglich gesagt, dass das B udget nicht eingehalten werden könne, falls er den Arbeitern weiterhin Anweisungen geben würde. 2.6 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass zwischen den Parteien von Beginn an die Rede von fest abgemachten Preisen für die auszuführenden Arbei ten war. So hat auch C.____ ausge- sagt, er habe sich mit der Preisangabe seines Angestellten von CHF 5'000.00 bis 6'000.00 be- züglich der Arbeiten am Rumpf einverstanden erklärt. Au ch bezüglich der übrigen Arbeiten gibt er zu, dass bereits zu Beginn ein Preis von CHF 11'000.00 bis 13'000.00 genannt worden sei. Ebenso hat D.____ ausgesagt, sie sei anlässlich des Gesprä chs mit dem Berufungskläger von CHF 6'000.00 für die Arbeiten am Rumpf und von CHF 13'000.00 für die Arbeiten am Deck ausgegangen. Diese Aussage deckt sich ferner mit den eing ereichten handschriftlichen Noti- zen, bei welchen sie zudem selbst das Stichwort "Kostendach " notiert hat. Gegenüber dem Be- rufungskläger hat die Berufungsklägerin dem ursprünglich abgemachten Preisen denn auch nie widersprochen. Obwohl angeblich geplant, hat sie dem B erufungskläger nach dem ersten Ge- spräch nie eine den genannten Preis korrigierende Offe rte zukommen lassen. Auch auf das Schreiben des Berufungsklägers vom 29. Juli 2011 hat die Berufungsbeklagte nicht reagiert, sondern die ausstehenden Arbeiten einfach weitergeführ t. Obwohl diesem Schreiben entgegen der Auffassung des Berufungsklägers nicht die Eigenschaft ei nes kaufmännischen Bestäti- gungsschreibens zugesprochen werden kann, so zeigt dieser Umstand doch, dass die Beru- fungsbeklagte stets wusste, dass der Berufungskläger von eine m im Voraus vereinbarten Preis ausging und dieser Vorstellung trotzdem nie widersproche n hat. Daran ändert entgegen der Ansicht der Berufungsbeklagten auch die Tatsache, dass f ür die erledigten Arbeiten Stunden- rapporte ausgefüllt wurden, nichts. Auch bei der Verei nbarung eines Pauschalpreises ist es für einen Unternehmer sinnvoll, seinen tatsächlichen Aufwa nd festzuhalten. Es ist somit davon auszugehen, dass sich die Parteien bereits vor Beginn der Arbeit über einen Pauschalpreis oder eventuell einen Circa-Preis geeinigt haben. Die subjektive Vertragsauslegung führt somit Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zum Ergebnis, dass die Parteien beim Abschluss des Werkver trages einen bestimmten Preis vereinbart hatten. Auf diese Abmachung muss sich die Beru fungsbeklagte behaften lassen, auch wenn sich der tatsächliche Aufwand im Nachhinein al s grösser als erwartet herausgestellt haben sollte. 2.7 Doch selbst wenn man davon ausgeht, dass zwischen den Parteien nie ein Konsens über die Vereinbarung eines Pauschalpreises oder eventuell ei nes Circa-Preises bestanden habe oder dass eine solche Einigung prozessual nicht nachgewie sen werden könnte, so ist im Sinne der objektiven Auslegung dennoch festzuhalten, dass der Be rufungskläger nach Treu und Glauben aufgrund der gesamten Umstände darauf vertrau en durfte, dass die Arbeiten an sei- nem Boot zu einem im Voraus bestimmten Preis erledigt w erden. Im Rahmen einer solchen objektiven Vertragsauslegung sind dabei dieselben Indizi en ausschlaggebend, welche schon bei der subjektiven Auslegung für eine Einigung der Par teien bezüglich eines bestimmten Prei- ses gesprochen haben (BK Art. 1-18 OR-K RAMER , Art. 18 N 71). Entscheidend sind deshalb auch hier die Umstände, dass einerseits bereits vor Begi nn der Arbeit zwischen den Parteien stets von einem bestimmten Preis gesprochen wurde und d ass diesem von Seiten der Beru- fungsbeklagten im Nachhinein auch nie widersprochen wurd e. Diese Indizien durfte der Beru- fungskläger in guten Treuen so deuten, dass zwischen den P arteien eine Einigung bezüglich eines bestimmten Preises und nicht nur hinsichtlich eine s ungefähren Kostenansatzes besteht. Hinzu kommt, dass im Zweifelsfalle grundsätzlich ohneh in die für den Schuldner günstigere Deutung eines Vertrages vorzuziehen ist (J ÄGGI /G AUCH , Zürcher Kommentar Art. 18 OR, N 448). Bezüglich eines Werkvertrages bedeutet dies, dass bei Unsicherheiten, ob die Parteien nur einen ungefähren Kostenansatz oder einen verbindlichen Preis respektive eine verbindliche Preisspanne vereinbart haben, im Zweifel die für den Besteller als Vergütungsschuldner günsti- gere Bedeutung vorzuziehen ist (GAUCH , a.a.O., N 941). 2.8 Zu klären ist somit noch, ob die Parteien einen Pausch alpreis für die gesamte Arbeit oder jeweils einen Preis für die Arbeit am Rumpf und einen für die Arbeit am Deck vereinbart haben. Hier ergibt die Auslegung unter Beachtung aller Umstän de eindeutig, dass die Arbeiten am Rumpf und diejenigen am Deck des Bootes von Anfang an kla r getrennt wurden. So war zu Beginn der Gespräche nur der Rumpf Gegenstand der Disku ssion, die Arbeiten am Deck des Bootes wurden erst zu einem späteren Zeitpunkt thematisi ert, weshalb für beide von Beginn an auch ein gesonderter Preis vereinbart wurde. Dies ist so auch aus den Notizen von D.____ er- sichtlich, auf welchen die Preise für die Arbeiten am Ru mpf und für diejenigen am Deck klar getrennt sind. Für die Arbeiten am Rumpf wurde demen tsprechend ein Pauschalpreis von CHF 6'000.00 vereinbart. Ob für die Arbeiten am Deck e benfalls ein Pauschalpreis von CHF 13'000.00 oder lediglich ein Circa-Preis mit einer Preisspanne von CHF 11'000.00 bis 13'000.00 vereinbart wurde, kann offen gelassen werd en, da der Wert der Arbeit gemäss dem eingeholten Expertengutachten den in Rechnung gestellten Betrag ohnehin übersteigt. 2.9 Somit ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Sachverhal t bezüglich einer Einigung der Parteien über einen im Voraus bestimmten Preis falsch f estgestellt hat. Die Parteien haben be- züglich der Arbeiten am Rumpf des Bootes einen Preis vo n CHF 6'000.00 und bezüglich der Arbeiten am Deck einen Preis von maximal CHF 13'000.00 vereinbart. Somit kann die Beru- fungsbeklagte für die von ihr ausgeführten Arbeiten ma ximal einen Betrag von insgesamt Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 19'000.00 fordern. Davon ist einerseits die bereits geleistete Anzahlung von CHF 5'000.00 in Abzug zu bringen. Zusätzlich sind von diesem Betrag n ochmals CHF 2'000.00 für die vom Experten festgestellten Mängel abzuziehen. Dieser für die Behebung der Mängel notwendige Betrag wurde von der Berufungsbeklagten denn auch nicht bestritten. Somit ergibt sich ein Restbetrag von CHF 12'000.00 zuzüglich Zins von 5 % seit dem 24. September 2011, welchen der Berufungskläger der Berufungsbeklagten noch zu bezahlen hat. 3. Abschliessend ist über die Verlegung der Prozesskosten für das vorinstanzliche Verfahren und für das Rechtsmittelverfahren zu entscheiden. Gemäss A rt. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden Partei auferlegt. Hat keine Partei vollständig obsiegt, werden die Prozesskosten nach dem Ausgang des Verfahrens verteil t (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Bei der Vorinstanz war ein Betrag von CHF 18'986.00 eingeklagt . Da der Berufungskläger erst anläss- lich der Hauptverhandlung eine Forderung von CHF 6'00 0.00 eingestanden hat, kann dies bei der Verteilung der Prozesskosten nicht mehr berücksichtigt werden. Somit ist er beim jetzigen Verfahrensausgang vor der Vorinstanz zu 2/3 unterlegen. Die Gerichtskosten des erstinstanzli- chen Verfahrens inklusive Friedensrichterkosten von insgesamt CHF 4'030.00 sind deshalb zu 2/3 dem Berufungskläger und zu 1/3 der Berufungsbeklagt en aufzuerlegen. Beide Parteien ha- ben ihre Parteikosten für das Verfahren vor der Vorin stanz selbst zu tragen. Die Zahlungsbe- fehlskosten von CHF 100.00 gehen vollumfänglich zu Laste n des Berufungsklägers, da diese auch bei einer Betreibung für eine geringere Summe nicht tiefer ausgefallen wären. Im zweitinstanzlichen Verfahren sind beide Parteien ung efähr im gleichen Umfang unterlegen, da von Seiten des Berufungsklägers von Beginn an eine F orderung von CHF 6'000.00 einge- standen wurde. Folglich sind die Gerichtskosten der zweite n Instanz je zur Hälfte den beiden Parteien aufzuerlegen. Die Gerichtsgebühr ist gemäss § 8 Abs. 1 lit. f und § 9 Abs. 1 GebT auf CHF 2'000.00 festzusetzen. Die zweitinstanzlichen Parte ikosten sind bei diesem Verfah- rensausgang wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird teilweise gutgeheissen. In Abänderu ng von Ziffer 1 des Entscheids des Bezirksgerichts Arlesheim vom 11. Oktober 2012 wird der Berufungskläger verurteilt, der Berufungsbekl agten CHF 12'000.00 nebst Zins zu 5% seit dem 24. September 2011 sowie CHF 100.00 in Betreibung Nr. 21112012 des Betreibung samtes Binni n- gen zu bezahlen. 2. In Abänderung von Ziffer 3 des Entscheids des Bezirksg erichts Arle s- heim vom 11. Oktober 2012 werden die Friedensrichterkosten von CHF 300.00, die Gerichtsgebühr des erstinstanzlichen Verfah rens von CHF 1'900.00, die Expertisenkosten von CHF 1'590.00 so wie das Ze u- gengeld von CHF 240.00 zu 2/3 dem Berufungskläger und zu 1/3 der Berufungsbeklagten auferlegt. Beide Parteien haben ihre Parteikosten für das Verfahren vor der Vorinstanz selbst zu tragen. 3. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren von CH F 2'0 00.00 wird den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Die Parteikost en für das Berufung s- verfahren haben die Parteien selbst zu tragen. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiber i.V. Severin Christen