Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 24. Juni 2021 (725 20 398 / 175) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Verfrühter Fallabschluss des Unfallversicherers Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch J osef Flury, Rechtsan- walt , Hirschmattstrasse 1, 6003 Luzern gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1965 geborene A.____ war seit 1. Oktober 2009 als Schaler bei der B.____ GmbH tätig und durch die Arbeitgeberin bei der Schweizerisch en Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Beru fskrankheiten versichert. Am 11. Oktober 2010 stürzte er bei Schalungsarbeiten in einen Liftschacht und zog sich dabei eine offene dista- le Unterschenkelfraktur links zu, welche gleichentags im Spital C.____ operativ versorgt wurde (vgl. den Operationsbericht vom 20. Oktober 2010). In der Folge erbrachte die Suva die gesetz- lichen Leistungen für diesen Unfall, vorerst in Form von Heilbehandlung und Taggeldern. Später Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprach sie A.____ mit Verfügung vom 14. Mai 2013 für d ie verbleibenden Beeinträchtigungen aus dem Unfallereignis mit Wirkung ab 1. Juni 2013 eine auf einer Erwerbsunfähigkeit von 11 % basierende Invalidenrente und eine auf einer Integri tätseinbusse von 5 % beruhende Integri- tätsentschädigung zu. Der Versicherte erhob gegen diese Verfügung vorerst Einsprache bei der Suva, welche diese mit Entscheid vom 20. September 20 13 abwies, und anschliessend gegen diesen Einspracheentscheid Beschwerde beim Sozialversicher ungsgericht Basel-Stadt, die mit Urteil vom 18. November 2014 ebenfalls abgewiesen wurde. Nachdem die Suva im Rahmen eines Rentenrevisionsverfahren s zur Auffassung gelangt war, dass die Erwerbsfähigkeit des Versicherten trotz weiterhi n vorhandener geringer Unfallfolgen nicht mehr in einem ins Gewicht fallenden Ausmass beeintr ächtigt sei, hob sie mit Verfügung vom 5. April 2017 die laufende Rente des Versicherten rückwirkend ab 1. November 2016 auf. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Im Januar 2019 ersuchten der Versicherte bzw. das Spital C.____ die Suva um Kostengutspra- che für eine dort vorgesehene OSG-Arthroskopie mit ante riorem Débridement sowie partieller Metallentfernung OSG links. Die Suva nahm dieses Gesuch als Rückfallmeldung zum Unfall vom 11. Oktober 2010 entgegen und erteilte Kostengut sprache für die geplante Spitalbehand- lung, worauf der Eingriff am 5. Februar 2020 durchg eführt wurde. Am 11. Februar 2020 sprach A.____ am Schalter der Suva vor und ersuchte wegen der bestehenden Arbeitsunfähigkeit zu- sätzlich um Ausrichtung von Taggeldern. Am 20. Februar 2020 erliess die Suva eine Verfügung, mit der sie einen Taggeldanspruch des Versicherten ver neinte. Zur Begründung machte sie geltend, der Versicherte sei bereits vor dem Rückfall au fgrund von Rückenbeschwerden voll- ständig arbeitsunfähig gewesen. Diese Rückenbeschwerden s tünden in keinem Zusammen- hang mit dem Unfallereignis vom 11. Oktober 2010, son dern seien krankheitsbedingt. Eine sol- che krankheitsbedingte volle Arbeitsunfähigkeit, die bere its vor dem Rückfall bestanden habe, schliesse ein Taggeld des Unfallversicherers aus. Sodann prü fte die Suva in der erwähnten Verfügung vom 20. Februar 2020, ob der Versicherte a ufgrund der verbleibenden Unfallfolgen (wieder) Anspruch auf eine Invalidenrente und auf ei ne weitere Integritätsentschädigung habe. Gestützt auf den von ihr ermittelten Invaliditätsgrad von 7,6 % lehnte sie einen Rentenanspruch mit der Begründung ab, dass keine erhebliche unfallbe dingte Beeinträchtigung der Erwerbsfä- higkeit von mindestens 10 % vorliege. Gleichzeitig sprach sie A.____ auf der Basis eines Integ- ritätsschadens von gesamthaft 15 % und in Berücksichtigung de r im Jahr 2013 bereits ausge- richteten, auf einer Einbusse von 5 % berechneten Entsch ädigung eine Integritätsentschädi- gung entsprechend einer zusätzlichen Einbusse von 10 % zu. Die vom Versicherten gegen die- se Verfügung vom 20. Februar 2020 erhobene Einsprache wies die Suva mit Einspracheent- scheid vom 11. September 2020 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertre ten durch Rechtsanwalt Josef Flury, am 15. Oktober 2020 Beschwerde beim Kantonsgeri cht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht), wobei er folgende Anträge stellte: „1. Die Verfügung vom 20. Februar 2020 und der Eins prache-Entscheid vom 11. September 2020 seien aufzuheben. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Die Vorinstanz sei zu verpflichten, rückwirkend ab No vember 2018 die gesetzlichen Leistungen bis auf Weiteres auszurichten. 3. Die Vorinstanz sei zu verpflichten, den medizinische n Sachverhalt weiter abzuklären und ein neutrales Gutachten in Auftrag zu geben, welches sich zu r Kausalität der Rückenbeschwerden zum Unfallereignis, zum Endzustand und zu allfälligen bleibenden Einschränkungen in Bezug auf die Erwerbstätigkeit äussert. 4. Nach Abschluss der unfallbedingten Behandlung sowie bei Klarheit über die verbleibende Rest- arbeitsfähigkeit sei der Rentenanspruch neu zu berechne n und gegebenenfalls auszurichten. Dabei sei ein leidensbedingter Abzug von mindestens 15% zu berücksichtigen. 5. Es sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen. 6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin.“ C. In ihrer Vernehmlassung vom 20. November 2020 beant ragte die Suva die Abweisung der Beschwerde. D. Im Hinblick auf die Beurteilung der vorliegenden Be schwerde zog des Kantonsgericht bei der IV-Stelle Basel-Landschaft die IV-Akten des Ver sicherten bei. Nach deren Eingang gab es den Parteien Gelegenheit, sich hierzu zu äussern. E. Während die Suva am 1. Dezember 2020 mitteilte, d ass sie auf die Einreichung einer Stellungnahme zu den beigezogenen IV-Akten verzichte, äusserte sich der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 30. Dezember 2020 hierzu. Gleichzeitig nahm er im Sinne einer Replik zu den Ausführungen der Suva in der Vernehmlassung vom 20. Nove mber 2020 Stellung. Dabei hielt er an seinen in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren und den wesentlichen bisherigen Vorbringen fest. Am 3. Februar 2021 machte die IV-St elle von der Möglichkeit Gebrauch, sich zur Replik der Gegenpartei zu äussern. Dabei erneuerte si e unter Hinweis auf die Darlegungen in der Vernehmlassung ihren Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in D.____ (BL), weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht richts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtlich e Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 15. Oktober 2020 ist demnach einzutreten. 1.2 In ihrer Verfügung vom 20. Februar 2020 lehnte die Suva einen Anspruch des Versi- cherten auf Taggelder und einen solchen auf eine Invalidenrente ab. Gleichzeitig sprach sie ihm aber eine Integritätsentschädigung auf der Basis einer zusätzlichen Integritätseinbusse von 10 % zu. Die vom Versicherten hiergegen erhobene Einspr ache richtete sich ausschliesslich gegen die Ablehnung des Taggeld- und des Rentenanspr uchs. Darüber hinaus enthielt die Ein- gabe keine Anhaltspunkte, dass der Versicherte zusätzlich a uch die Höhe der Integritätsent- schädigung, wie sie in der Verfügung festgesetzt worden war, anfechten wollte. Die Suva sah somit - zu Recht - keine Veranlassung, diese im Rahmen d es Einspracheentscheids von Amtes wegen in die Beurteilung einzubeziehen. Im Lichte de r bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Rügeprinzip im Einspracheverfahren und zur Frage d er Teilrechtskraft von nicht angefoch- tenen Verfügungsbestandteilen ist vielmehr festzuhalte n, dass die Verfügung vom 20. Februar 2020 bezüglich der darin festgesetzten Integritätsentsc hädigung mangels Anfechtung in (Teil-) Rechtskraft erwachsen ist (vgl. dazu BGE 144 V 354 E. 4.3 mit Hinweisen; BGE 119 V 347). Im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu beurteilen sind somit einzig der Taggeld- und der Ren- tenanspruch des Versicherten. 2.1 In der obligatorischen Unfallversicherung werden na ch Art. 6 Abs. 1 UVG, soweit die- ses Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleist ungen bei Berufsunfällen, Nichtbe- rufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Gemäss Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfall folgen (Heilbehandlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilwei se arbeitsunfähig, so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähi gkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Be- ginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Pe rson. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, w enn sie infolge des Unfalls zu mindes- tens 10 Prozent invalid ist und sofern sich der Unfall vo r Erreichen des ordentlichen Rentenal- ters ereignet hat. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Be- handlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsma ssnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die He ilbehandlung und die Taggeldleistun- gen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 2.2 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt vorau s, dass zwischen dem versicher- ten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit , Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integri- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusamm enhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Um- schreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzus ammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache g esundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis- tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetrete ne gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zu sammenhangs genügt für die Begrün- dung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Für eine Bejahung der Leistungspflicht des Unfall versicherers muss zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nicht nu r ein natürlicher, sondern auch ein adä- quater Kausalzusammenhang bestehen. Nach der Rechtsp rechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geei gnet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 mit Hinwei s). Im Bereich organisch objektiv ausge- wiesener Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtli che Eingrenzung der sich aus dem natürli- chen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallve rsicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlich en Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1, 127 V 102 E. 5b/bb). 2.4 Laut Art. 11 der Verordnung über die Unfallversi cherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfäl le gewährt. Dabei handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Be- handlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsu nfähigkeit kommt. Rückfälle schliessen begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur dann auslösen, wen n zwischen den erneut geltend ge- machten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschä- digung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren u nd der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollst ändige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfügen de Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewies en annehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat die rechtsanwendende Behörde ihren Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes v orsieht, nach dem Beweisgrad der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sach- verhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Verwalt ung und Gericht haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen mög lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast be griffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügenden Ver waltungsstelle) ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). 3.2 Da es sich beim Vorliegen eines natürlichen Kausalzu sammenhangs im Bereich der obligatorischen Unfallversicherung um eine leistungsbegründende Tatfrage handelt, liegt hierfür die Beweislast - im vorstehend umschriebenen Sinne - bei der versicherten Person. 3.3 Bei der Leistungspflicht der obligatorischen Unfall versicherung gemäss Art. 11 UVV für Rückfälle und Spätfolgen kann der Unfallversicherer nicht auf der Anerkennung des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs beim Grundfall oder bei früheren Rückfällen behaftet werden, weil die unfallkausalen Faktoren durch Zeita blauf wegfallen können. Es obliegt dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines Kausalzusammenhangs zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge geltend gemachten Beschwerdebild und d em Unfall nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leis- tungspflicht des Unfallversicherers; dabei sind an den Wa hrscheinlichkeitsbeweis umso stren- gere Anforderungen zu stellen, je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist (U rteil des Bundesgerichts vom 1. Dezem- ber 2016, 8C_592/2016, E. 2.2 mit Hinweisen). Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Juni 2014, 8C_193/2014, E. 2 mit Hinweisen). 4.1 Zur Beurteilung medizinischer Sachverhalte (Gesund heitszustand und Arbeitsfähigkeit der versicherten Person, Vorliegen eines natürlichen Kau salzusammenhangs zwischen schädi- gendem Ereignis und gesundheitlicher Störung) bedarf es verlässlicher medizinischer Entschei- dungsgrundlagen (BGE 134 V 231 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversi- cherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfas- send und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu ent- scheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverl ässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einan der widersprechenden medizini- schen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das ge samte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische The- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht se abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Hinsichtlich des Bewe iswertes eines Arztberichtes ist dem- nach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belan ge umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksicht igt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 23 1 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hin- weis). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispiel sweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärunge n vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5. Als erstes ist zu prüfen, ob die Suva dem Beschwerdef ührer für die von ihm ab Okto- ber/November 2018 geklagten Rückenbeschwerden Leistungen in Form von Heilbehandlung und Taggeldern zu erbringen hat. 5.1 Die Suva verneint eine diesbezügliche Leistungspfli cht mit der Begründung, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Rückenschmerzen i n keinem Zusammenhang zum Unfallereignis von 2010 stünden. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass der Versicherte ge- mäss seinen eigenen Angaben und laut der Hausärztin Dr. med. E.____, Allgemeine Innere Medizin FMH, seit rund 20 Jahren unter Beschwerden im B ereich der Lendenwirbelsäule und an der linken Hüfte leide. Zudem weist sie darauf hin, dass im Rahmen der Behandlung des Unfallereignisses vom 11. Oktober 2010 radiologische Abkl ärungen der Wirbelsäule durchge- führt worden seien. In der damaligen Röntgenaufnahm e der Halswirbelsäule seien bereits eine leichte Segmentdegeneration C5/6 und leichte Facetten gelenksarthrosen tiefcervical ersichtlich gewesen. Im CT der Lendenwirbelsäule seien keine unfa llkausalen strukturellen Läsionen er- sichtlich gewesen, insbesondere habe sich auch kein Hinweis fü r eine Wirbelfraktur ergeben. Demgegenüber hätten sich bereits damals eine mehrsegment ale Spondylosis deformans und bilaterale Facettengelenksarthrosen gezeigt. Dass die R ückenbeschwerden des Versicherten degenerativen Ursprungs sind, wird sodann auch durch den Radiologie-Rapport des Spitals F.____ vom 14. Juni 2019 bestätigt, wird darin doch un ter anderem von multisegmentalen Dis- kusdegenerationen ab LWK 1/2 bis LWK 4/5 berichtet. Im Lichte der eigenen Angaben des Ver- sicherten (vgl. die Aktennotiz der Suva vom 11. Februar 2 019 über die Vorsprache des Versi- cherten am Schalter) und der geschilderten medizinischen Unterlagen ist deshalb die Beurtei- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung der Suva, wonach die geltend gemachten Rückenbeschwerden in keinem Zusammenhang zum Unfallereignis vom 11. Oktober 2010 stehen, klarerweise nicht zu beanstanden. 5.2 In seiner Beschwerde bringt der Versicherte vor, er habe am 9. November 2018 bei der Arbeit ein Verhebetrauma erlitten. Seither leide er an sehr starken Rückenschmerzen, die aber auch in das linke Bein und die Hüfte ausstrahlen würd en. Als Belege für diese Darstellung ver- weist er auf den Arztbericht des Spitals C.____ vom 16. Januar 2019, die Aktennotiz der Suva vom 11. Februar 2019 sowie die Arztzeugnisse von Dr. E.___ _ vom 27. Februar 2019 und 18. März 2019. Mit diesen Dokumenten lässt sich aber kein neues, am 9. November 2018 erlit- tenes Unfallereignis belegen. So wird im angeführten Bericht des Spitals C.____ lediglich fest- gehalten, dass der Versicherte parallel zu der dort lau fenden Behandlung des Sprunggelenks bezüglich "eines nicht näher definierten Rückenleidens" in Behandlung im Spital F.____ sei. In der Aktennotiz der Suva vom 11. Februar 2019 über die Vorsprache des Versicherten am Schalter werden zwar anhaltende Rückenschmerzen seit dem 9. November 2019 genannt, ein angebliches Verhebetrauma hat der Versicherte aber nic ht erwähnt, vielmehr hat er offenbar erklärt, er habe die Arbeit aufgrund krankhafter Rücken schmerzen aussetzen müssen. Sodann ist im Schreiben der Hausärztin vom 27. Februar 2019 ü berhaupt nicht von Rückenschmerzen, sondern vielmehr von im Dezember 2018 vermehrt aufgetretenen Schmerzen im linken Bein die Rede. Im Schreiben vom 18. März 2019 wiederum erwähnt Dr. E.____ zwar seit November 2018 bestehende Rückenschmerzen, eine Ursache dafür nenn t sie aber nicht. Auffallend ist im Übrigen auch, dass der Versicherte gegenüber der Suva e in am 9. November 2018 erlittenes Verhebetrauma in den Monaten danach nie erwähnte. Er st mit Schreiben vom 22. Mai 2019 machte der Rechtsvertreter des Versicherten der Suva ge genüber geltend, sein Mandant sei bei der Arbeit auf dem Bau verunglückt, als er zusammen mit einem Polier einen Tisch ge- schleppt habe und dabei plötzlich ausgerutscht sei. Nur kurze Zeit später (anlässlich der kreis- ärztlichen Besprechung vom 5. Juni 2019) erklärte dann allerdings der Versicherte selber - ab- weichend von der Schilderung seines Rechtsvertreters - dass d ie langjährigen Rückenbe- schwerden im Oktober 2018 während des Tragens von Fenster n erneut aufgetreten seien. Im Lichte der geschilderten medizinischen Aktenlage sowie der erst mehr als ein halbes Jahr nach dem angeblichen Ereignis erfolgten und zudem widersprüchlichen Darstellung des Versicherten ist nicht einzusehen, weshalb die Suva von einem die R ückenleiden auslösenden oder ver- schlimmernden, im November 2018 erlittenen Verhebetrau ma hätte ausgehen müssen, bzw. weshalb sie - entgegen der heute vom Beschwerdeführer ve rtretenen Auffassung - verpflichtet gewesen wäre, diesbezüglich weitere Sachverhaltsabklärungen zu treffen. 5.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass es die Suva zu Recht abgelehnt hat, dem Versicherten im Zusammenhang mit seinem Rückenleid en Versicherungsleistungen (Heil- behandlung und insbesondere die beantragte Ausrichtun g von Taggeldern) zu erbringen. Die vorliegende Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet. 6. Strittig ist im Weiteren, ob die Suva den medizini schen Sachverhalt bezüglich der vom Versicherten geklagten und auch medizinisch aktenkundigen Beschwerden im linken OSG ge- nügend abgeklärt hat und ob sie im angefochtenen Eins pracheentscheid bezüglich der Sprung- gelenksbehandlung zu Recht von einem Endzustand ausgegangen ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Wie im obigen Sachverhalt ausgeführt, ersuchten d er Versicherte bzw. das Spital C.____ die Suva im Januar 2019 um Kostengutsprache für eine dort vorgesehene OSG- Arthroskopie mit anteriorem Débridement sowie partieller Metallentfernung OSG links. Die Suva nahm dieses Gesuch als Rückfallmeldung zum Unfall vom 1 1. Oktober 2010 entgegen und er- teilte Kostengutsprache für die geplante Spitalbehan dlung, worauf der Eingriff am 5. Februar 2020 durchgeführt wurde. Im Operationsbericht vom gen annten Tag wurde als weitere Diagno- se eine OSG-Arthrose links, differentialdiagnostisch posttraumatisch, festgehalten. Am 30. März 2019 berichtete das Spital C.____ im Zusammenhang mit dem erfolgten Eingriff von einem zu- friedenstellenden Verlauf mit deutlicher Regredienz d er Schwellung. Die behandelnden Ärzte empfahlen eine Vorstellung beim kreisärztlichen Dienst d er Suva zur weiteren Abklärung der beruflichen Eingliederung. Gleichzeitig hielten sie f est, dass ein Wiedereinstieg als Bauarbeiter unwahrscheinlich sei. In einem weiteren Verlaufsbericht von Ende April 2019 bezeichnete das Spital C.____ die Situation wiederum als zufriedenstel lend, die Schwellung sei regredient und die Schmerzen würden deutlich abnehmen. Die Beweglichkeit des OSG bleibe unverändert. 6.2.1 Am 8. Mai 2019 fand die durch die behandelnden Ärzte empfohlene kreisärztliche Un- tersuchung des Versicherten durch Dr. med. G.____, Fach ärztin für Chirurgie, statt. In ihrem Bericht vom 9. Mai 2019 wies die Kreisärztin darauf hi n, dass der Versicherte erhebliche Be- schwerden nach der Metallentfernung im Bereich der di stalen Tibia geschildert habe. Die Be- lastbarkeit des linken Beins habe deutlich abgenommen, es komme zu Unsicherheitsgefühlen und starken Schmerzen, vor allem nach Bewegung und Bel astung. Da die vom Versicherten geklagten Beschwerden nicht vollumfänglich erklärbar seien, ersuchte Dr. G.____ die Administ- ration der Suva, zunächst die perioperativen Röntgenbilder aus dem Spital C.____ anzufordern. Nach Vorlage der Bilder könne entschieden werden, ob ge gebenenfalls eine CT-Untersuchung erforderlich sei, um eine straffe Pseudoarthrosenbildu ng auszuschliessen. Die Beurteilung der Unfallfolgen und deren Veränderung seit der letzten kreisärztlichen Untersuchung vom 17. April 2013 könne, so Dr. G.____ weiter, ohne die Röntgenbi lder und gegebenenfalls eine weiterfüh- rende Diagnostik nicht vorgenommen werden. 6.2.2 In der Folge stellte die Administration der Suv a der Kreisärztin lediglich das im An- schluss an das Unfallereignis vom 11. Oktober 2010 erstellte Bildmaterial zu. Wie ihrem Bericht vom 5. Juni 2019 zu entnehmen ist, sah Dr. G.____ durch dieses Bildmaterial zwar ihre Auffas- sung bestätigt, dass die vom Versicherten aktuell geklagten Rückenbeschwerden in keinem Zusammenhang zum Unfallereignis vom 11. Oktober 2010 st ünden. Bezüglich der Sprungge- lenkbeschwerden konnte sie aus dem alten Bildmaterial je doch keine Schlüsse ziehen und das von ihr angeforderte neue Material wurde ihr - sowei t ersichtlich - offenbar nicht vorgelegt. Ent- sprechend hielt die Kreisärztin in ihrem Bericht über di e Besprechung vom 5. Juni 2019 fest, dass die vom Versicherten geschilderte Zunahme der Beschwer desymptomatik nach der am 5. Februar 2019 erfolgten Entfernung des Osteosynthesem aterials aus kreisärztlicher Sicht nicht vollumfänglich erklärbar bleibe. Insgesamt sollte, so das Fazit von Dr. G.____, die nächste ärztliche Kontrolle im Spital C.____ abgewartet werde n. Dort könnten dann weitere, gegebe- nenfalls auch operative Therapiemöglichkeiten, abgewogen werden. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Diese von der Kreisärztin angesprochene nächste Kont rolle des Versicherten im Spital C.____ fand am 25. Juni 2019 statt. Im hierzu erstellten Bericht hielten die untersuchenden Ärz- te fest, bezüglich der Behandlung des OSG sei zurzeit e in Endzustand in dem Sinne erreicht, als weitere medizinischen Behandlungen - abgesehen von intermittierender Physiotherapie zum Erhalt der Beweglichkeit und Bedarfs-Analgesie - keine A ussicht auf eine relevante Verbesse- rung der Situation hätten. Man könne deshalb die Beh andlung abschliessen, obwohl gemäss den Angaben des Patienten die Schmerzen im Gelenksberei ch - auch wenn sie im Vergleich zum Zustand vor der Operation etwas regredient seien - weiterhin bestehen würden. 6.4 Gestützt auf die geschilderten medizinischen Unterla gen - und insbesondere auf den Bericht des Spitals C.____ vom 25. Juni 2019 - ging die Suva davon aus, dass bezüglich der Unfallfolgen im Bereich des linken OSG der Endzustand e rreicht sei. Sie nahm deshalb den Fallabschluss vor und prüfte, ob der Versicherte aufgrun d der verbleibenden Unfallfolgen (wie- der) Anspruch auf eine Invalidenrente und auf eine we itere Integritätsentschädigung habe. Die- ser vorinstanzliche Fallabschluss erweist sich, wie der Beschwe rdeführer zu Recht geltend macht, jedoch als verfrüht. 6.5.1 Den Akten kann entnommen werden, dass der Versiche rte auch in der Zeit nach dem 25. Juni 2019 weiterhin in ärztlicher Behandlung war und zwar nicht nur wegen seines Rücken- leidens, sondern auch bezüglich seiner Beschwerden im link en OSG. Insbesondere wurde er am 1. September 2020 in der Klinik H.____ erneut am linken OSG operiert. Laut Suva war (auch) dieser Eingriff mit überwiegender Wahrscheinlic hkeit auf den Unfall vom 11. Oktober 2010 zurückzuführen, weshalb sie hierfür eine Kostengutsprache erteilte. 6.5.2 In diesem Zusammenhang gilt es nun zu berücksich tigen, dass nach ständiger Recht- sprechung das Sozialversicherungsgericht die Gesetzesmässigke it der Verwaltungsverfügun- gen in der Regel nach dem Sachverhalt beurteilt, der zur Zeit des Verfügungserlasses gegeben war (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). In den Rechts gebieten, in denen - wie im hier zur Be- urteilung stehenden Bereich des Unfallversicherungsrechts - gesetzlich ein Einspracheverfah- ren vor dem Versicherungsträger vorgesehen ist, ist der S achverhalt zu berücksichtigen, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids en twickelt hat (Urteil des dama- ligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bu ndesgericht, sozialrechtliche Ab- teilungen] vom 3. Januar 2005, I 172/04). Der hier an gefochtene Einspracheentscheid datiert vom 11. September 2020, d.h. die am 1. September 2020 erfolgte erneute Operation des linken OSG und die medizinischen Gründe, die zu diesem Eingrif f geführt haben, sind daher bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde mit zu berücksichtigen. 6.5.3 Der Umstand, dass es beim Versicherten im September 2020 zu einem erneuten ope- rativen Eingriff im Bereich des linken OSG gekommen ist , stellt zumindest ein Indiz dar, dass der von der Suva bezüglich der Unfallfolgen im Bereich des linken OSG per Sommer 2019 vor- genommene Fallabschluss verfrüht erfolgt war. Wie es sich damit verhält, hätte die Suva vor Erlass des Einspracheentscheids genauer abklären müssen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Für die Annahme, dass der Fallabschluss bezüglich de r Unfallfolgen im Bereich des linken OSG verfrüht erfolgt war, sprechen aber auch d ie Berichte von Dr. G.____ vom 9. Mai 2019 und 5. Juni 2019. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 6. 2 hiervor), war die Kreisärztin anlässlich der Untersuchung vom 8. Mai 2019 zur Auffassung gelangt, dass eine Beurteilung der Unfallfol- gen im Bereich des linken OSG und deren Veränderung seit der letzten kreisärztlichen Unter- suchung ohne die aktuellen Röntgenbilder und gegebene nfalls eine weiterführende Diagnostik nicht vorgenommen werden könne. Sie ersuchte deshalb die Administration der Suva, zunächst die perioperativen Röntgenbilder aus dem Spital C._ ___ anzufordern. Nach Vorlage der Bilder könne entschieden werden, ob gegebenenfalls eine CT-Unt ersuchung erforderlich sei. In der Folge wurden jedoch der Kreisärztin diese Bilder - jedenfalls soweit ersichtlich - nicht zugestellt. Sie hielt deshalb in ihrem Bericht über die Besprechun g vom 5. Juni 2019 fest, dass die vom Versicherten geschilderte Zunahme der Beschwerdesymptomatik nach der am 5. Februar 2019 erfolgten Entfernung des Osteosynthesematerials aus kreisär ztlicher Sicht nicht vollumfänglich erklärbar bleibe. Die Kreisärztin sah sich somit im Zeitp unkt ihrer Untersuchung aufgrund der ihres Erachtens unvollständigen medizinischen Aktenlage (noch) gar nicht in der Lage, zur Fra- ge Stellung zu nehmen, ob bezüglich der Unfallfolgen im Bereich des linken OSG ein Endzu- stand erreicht sei. Ebenso hielt sie fest, dass die Beurt eilung der Unfallfolgen und deren Verän- derung seit der letzten kreisärztlichen Untersuchung vom 17. April 2013 ohne die Röntgenbilder und gegebenenfalls eine weiterführende Diagnostik nich t vorgenommen werden könne. Folge- richtig verfasste die Kreisärztin in ihrem Bericht vom 9. Mai 2019 im Hinblick auf die Beurteilung der Rentenfrage denn vorerst auch lediglich ein provisorisches Zumutbarkeitsprofil. 6.7 Aus dem Gesagten folgt, dass die Vorinstanz den me dizinischen Sachverhalt nicht ausreichend abgeklärt hat. Angesichts des fehlenden Bei zugs der von ihr angeforderten medi- zinischen Akten konnte die Kreisärztin relevante Fragen ga r nicht beantworten und lediglich auch nur eine provisorische Zumutbarkeitsbeurteilung abg eben. Zudem ist zu berücksichtigen, dass sich der Versicherte anfangs September 2020 einem ern euten Eingriff am linken OSG unterzog. Unter den geschilderten Umständen bleibt offe n, ob die Suva im angefochtenen Ein- spracheentscheid in Bezug auf die Unfallfolgen im Bere ich des linken OSG von einem Endzu- stand ausgehen und den Fallabschluss vornehmen durfte. Die Angelegenheit ist deshalb an die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese wird die offen gebliebene n Fragen durch ein versicherungs- externes fachärztliches Gutachten abklären zu lassen haben. 7. Im Zusammenhang mit dem vom Beschwerdeführer gelte nd gemachten Taggeldan- spruch ist immerhin noch Folgendes festzuhalten: In tatsä chlicher Hinsicht kann als erstellt gel- ten, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt, in welche m er am Schalter der Suva vorsprach (11. Februar 2019) und im Zusammenhang mit dem am 5 . Februar 2019 erfolgten operativen Eingriff am linken oberen Sprunggelenk um Ausrichtung von Taggeldern ersuchte, bereits auf- grund seines Rückenleidens vollständig krankgeschrieben war. Dies ergibt sich, nachdem hier- zu anfänglich missverständliche und zum Teil widersprüchlich e Angaben vorgelegen hatten, aus der entsprechenden, den Sachverhalt nunmehr klarst ellenden Erklärung der Hausärztin Dr. E.____ vom 18. März 2019. Somit konnte der Versiche rte - jedenfalls im damaligen Zeit- raum - im Zusammenhang mit der Behandlung der Unfallfolgen im Bereich des linken OSG kei- ne Taggelder der Beschwerdegegnerin beanspruchen. Ab we lchem Zeitpunkt die attestierte Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsunfähigkeit gegebenenfalls auf die Beschwerden im linken OSG und nicht mehr auf das unfallfremde Rückenleiden zurückzuführen war, lässt sich anhand der aktuellen Aktenlage nicht entscheiden. Die Suva wird diese Frage im Hinblick auf d ie Beurteilung eines allfälligen unfall- versicherungsrechtlichen Taggeldanspruchs des Versicherten im Rahmen ihrer ergänzenden Sachverhaltsabklärungen zusätzlich zu prüfen und zu beurteilen haben. 8. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandene medizini sche Aktenlage nicht möglich ist. Der angefochtene Einspracheentscheid ist deshalb aufzuheben u nd die Angelegenheit ist zur Ver- vollständigung des medizinischen Sachverhalts an die Beschwe rdegegnerin zurückzuweisen. Anschliessend wird diese gestützt auf die Ergebnisse der A ktenergänzung über den Leistungs- anspruch des Versicherten neu zu befinden haben. Die vor liegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gültig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Art. 83 ATSG) hält fest, dass das Verfahren vor de m kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Hebt das Kantonsgericht - wie hie r - einen bei ihm angefochtenen Ent- scheid auf und weist es die Angelegenheit zu ergänzender Abklärung und neuer Beurteilung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2. 1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Partei entschädigung zu Lasten der Be- schwerdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Be schwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 9. Februar 2021 für das vorliegende V erfahren einen Zeitaufwand von 17,75 Stunden geltend gemacht. Dieser Aufwand erweist sich zwar als hoch, in Anbetracht, dass ein doppelter Schriftenwechsel durchgeführt wurde, letztlich aber noch als vertretbar. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen pra xisgemäss zur Anwendung ge- langenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen . Nicht zu beanstanden sind die aus- gewiesenen Auslagen von Fr. 133.15. Dem Beschwerdeführ er ist deshalb eine Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 4‘922.60 (17,75 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 133.15 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid a n den Versicherungsträger zur Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid der Suva vom 11. September 2020 aufgeho- ben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Suva zurück- gewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Suva hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsc hädigung in der Höhe von Fr. 4‘922.60 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwe rtsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht