Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 24. November 2016 (720 16 197) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die vorliegenden medizinischen Gutachten geben genügend Aufschluss über den Ge- sundheitszustand des Versicherten und über die massgebenden Indikatoren (BGE 141 V 281 ff.). Der Beschwerdeführer weist keine relevante Leistungsbeeinträchtigung auf, weshalb er keinen Anspruch auf eine Rente hat. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ war vom 1. Juni 2000 bis 30. April 2013 a ls Lagermitarbeiter bei der B.____ AG tätig. Am 6. August 2012 (Eingang) meldete er sich unter Hinweis auf Rückenbeschwerden bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug a n. Die IV-Stelle gewährte dem Versicher- ten zunächst eine Arbeitsvermittlung. Da A.____ sic h ausser Stande sah, einer Tätigkeit nach- zugehen, wurde die Arbeitsvermittlung mit Mitteilun g vom 14. Mai 2014 abgeschlossen. In der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Folge prüfte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stel le) einen allfälligen Rentenanspruch des Versicherten. Nach Abklärung der gesundheitlichen und e rwerblichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 17. Mai 2016 gestützt auf einen IV-Grad von 0% einen Rentenan- spruch ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 13. Juni 201 6 Beschwerde beim Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht ( Kantonsgericht). Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Zur Begründun g brachte er im Wesentlichen vor, dass das bidisziplinäre Gutachten von Dr. med. C.____, F MH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin und Rheumato logie, vom 1. April 2015/15. Juni 2015 ungenügend sei, weshalb n icht darauf abgestellt werden könne. Weiter stellte er eine detaillierte Stellungnahme de s behandelnden Psychiaters Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in Aussicht, welche der Sozialdienst F.____ am 26. August 2016 einreichte. D. Mit Verfügung vom 22. Juli 2016 bewilligte die inst ruierende Präsidentin dem Be- schwerdeführer für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung. C. Die IV-Stelle liess sich mit Eingabe vom 16. Septemb er 2016 vernehmen und bean- tragte die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die form- und fristgerecht beim sachlich wie ör tlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Vorliegend ist strittig und zu prüfen, ob die IV-S telle den Anspruch des Beschwerdefüh- rers auf eine Rente zu Recht verneinte. Massgebend ist de r Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 17. Mai 2016 e ntwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterli chen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art . 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidität [IVG] vom 19. Juni 1959). Unter Erwerbsunf ähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit veru rsachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglich- keiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbe itsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Diese Definitionen entsprechenden vor Inkrafttre ten des ATSG per 1. Januar 2003 von der Rechtsprechung entwickelten Begriffen in der Invalidenversicherung (BGE 130 V 343 ff.). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad b estimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Jan uar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des IV-Grades bildet d ie Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Re chnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Absc hätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Ein- schätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht da zu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt nisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellt en fachmedizinischen Experten ander- seits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des Eidgenössischen Versi cherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu neh- men, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Ei nschätzungen gelangen. Vorbehal- ten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte be- nennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4.4 Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie au ch der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurtei lung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 5. Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind im Wesentlichen folgende medizini- schen Unterlagen zu beachten: 5.1 Am 3. Juli 2014 berichtete das Spital G.___, dass de r Beschwerdeführer an einer rechtseitigen Lumboischialgie ohne klare segmentale Zuor dnung leide. Der Schmerz sei belas- tungsabhängig und involviere in entsprechenden Situation en den gesamten Rücken bis nach okzipital. Es käme dann auch zu Kopfschmerzen. Weiter best änden segmental degenerative Veränderungen in den Abschnitten L4/5 und L5/S1, die möglicherweise schmerzerklärend sein könnten. Bei der Untersuchung habe sich ein Beckengradsta nd und ein Rundrücken sowie ein Schober 10/16 gezeigt. Die Reklination sei auf ein Dri ttel eingeschränkt. Seitneigung und Dre- hung seien in der Lendenwirbelsäule (LWS) aufgehoben . Neurologisch seien keine Auffälligkei- ten gefunden worden. Es bestehe ein Verschiebeschmerz be i den LWK 4 und 5 sowie ein Druckschmerz über den Facettengelenken L4/5 und L5/S1 beidseits. 5.2 Der behandelnde Psychiater Dr. E.____ diagnostizier te am 29. Oktober 2014 eine mit- tel- bis schwergradige depressive Episode ohne psychotisches Syndrom seit dem 24. April 2014. Der Beschwerdeführer sei altersentsprechend auss ehend, in gutem Ernährungszustand, allseits orientiert und bewusstseinsklar. Er wirke im Aff ekt deprimiert und es bestünden Angst- zustände, Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit, ein zunehmender sozialer Rückzug und Isolation sowie latente Selbstmordgedanken. Es seien keine formal en und inhaltlichen Denkstörungen und keine psychotischen Geschehen vorhanden. Da der Beschwerd eführer zunehmend sozial isoliert sei und in letzter Zeit den Eindruck gehabt ha be, nicht geliebt zu werden, seien latente Suizidgedanken immer wieder vorgekommen. Aktuell distanziere er sich aber von einer konkre- ten suizidalen Handlung. Aufgrund der Chronifizierung der Rückenschmerzproblematik und der sich daraus entwickelnden depressiven Symptomatik sei zum aktue llen Zeitpunkt die Prognose als ungünstig zu betrachten. Der Beschwerdeführer sei sehr motiviert, die Psychotherapie und die medikamentöse antidepressive Therapie weiterzuführen . Er sei seit dem 24. April 2014 zu 100% arbeitsunfähig. Mit einer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit sei ab Januar 2015 zu rechnen. 5.3 Die IV-Stelle holte zur Klärung des medizinischen Sa chverhaltes ein bidisziplinäres Gutachten bei den Dres. C.____ uns D.____ ein. 5.3.1 Aus psychiatrischer Sicht stellte Dr. C.____ in seine m Gutachten vom 1. April 2015 keine psychiatrische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeits fähigkeit fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine chronische Schmerzst örung mit somatischen und psychi- schen Faktoren (ICD-10 F45.41) sowie eine Anpassungsstörun g mit vorwiegender Beeinträch- tigung von anderen Gefühlen (ICD-10 F43.23). Das Ausmass der geklagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, könnten durch die soma- tischen Befunde nicht hinreichend objektiviert werden, sodass eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Vor dem Hintergrund der wir tschaftlichen und sozialen Belastun- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen durch die Trennung von seiner Ehefrau und seiner Familie sei die psychische Überlagerung der geklagten Beschwerden zu sehen. Es handle sich um ein e chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Zusätzlich liege eine Anpassungsstörung vor. Der Be- schwerdeführer sei anfangs 2014 durch eine Aussenbeziehun g seiner Ehefrau belastet gewe- sen. Lange Zeit habe er diese Situation aus Rücksicht au f die Kinder toleriert. Er habe aber zu- nehmend Mühe gehabt, dies zu akzeptieren, sei innerlich unruhig sowie aggressiv geworden und habe Angst gehabt, tätlich zu werden. Dies habe da zu geführt, dass er ab April 2014 eine ambulante psychiatrische Behandlung bei Dr. E.____ auf genommen habe. Er sei froh, sich mit jemandem in seiner Muttersprache über die Probleme unterhalten zu können. Der Explorand leide sehr unter der Trennung der Kinder. Er habe we nig Gelegenheit, diese zu sehen. Sobald er eine eigene Wohnung habe, könne er wieder mehr Z eit mit ihnen verbringen. Er leide auch unter Einschlafstörungen, die mit der unverarbeitete n Trennung von seiner Familie zusammen- hängen würden. Er habe am Morgen keine Mühe aufzustehe n. Tagsüber sei er aktiv, unter- nehme Spaziergänge und suche ein Begegnungszentrum auf, wo er Kollegen treffe und sich unterhalte. Bei der psychiatrischen Untersuchung sei die Stimmung herabgesetzt, klagsam, nicht eigentlich depressiv gewesen. Beim Exploranden könne eine Anpassungsstörung mit vor- wiegender Beeinträchtigung anderer Gefühle diagnostizi ert werden. Diese sei als Reaktion auf die bis anhin unverarbeitete Trennung von seiner Fami lie zurückzuführen. Aufgrund dieser Be- einträchtigungen lasse sich keine Arbeitsunfähigkeit begründen. Die Prognose sei aus rein psy- chiatrischer Sicht günstig. Eine schwere psychiatrische Störu ng liege nicht vor. Der Explorand zeige aber seit Jahren eine ausgeprägte subjektive Krank heitsüberzeugung, die sich weder durch die psychiatrischen noch durch die somatischen Befunde hinreichend objektiveren liesse. 5.3.2 Dr. D.____ unterzog den Beschwerdeführer am 20. Februar 2015 einer umfassenden rheumatologischen Untersuchung. In seinem Gutachten vom 15. Juni 2015 diagnostizierte er mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5) mit/bei progredienter Chondrose LWK4/ 5 mit mediolateraler, rechts gelegener Diskushernie, die zu einer Dorsalverlagerung mit beginne nder Kompression der Wurzel L5 re- zessal rechts führe, Osteochondrose LWK5/SWK1 mit sehr klei ner medialer Diskushernie ohne Nervenwurzelbeeinträchtigung, leichtgradige Chondrose LWK3/4 mit kleinem Anulusriss ohne Nervenwurzelbeeinträchtigung, weiterhin keine Anhaltspu nkte für eine irritative bzw. sensomo- torische Radikulopathie der unteren Extremitäten und kl inisch eine ausgeprägte muskuläre De- konditionierung mit Verspannung der Paravertebral- so wie der Glutealmuskulatur. Der Be- schwerdeführer sei aufgrund der lumbalen degenerativen Veränderungen nicht mehr arbeitsfä- hig in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Lagerist bei der B.____, nämlich in einer körperlich schweren bis extrem schweren Tätigkeit mit Notwendigkeit, repetitiv im Laufe des Tages Lasten über 25 kg (oft auch mehr) zu heben, zu tragen und zu stossen. Für eine körperlich leichte Ver- weistätigkeit, welche alternierend im Stehen, Gehen und Sitzen und nicht über der Horizontalen ausgeübt werden könne sowie bei welcher Lasten von weniger als 10 kg zu heben, tragen oder zu stossen seien, liesse sich aus rheumatologischer Sicht ke ine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Das Ausmass der degenerati ven Veränderungen der LWS würde sich durch dieses Belastungsprofil nicht negativ beeinflussen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Im Rahmen der Konsensbesprechung vom 31. März 201 5 kamen die Dres. C.____ und D.____ zum Schluss, dass die rheumatologische Beurte ilung als Gesamtbeurteilung gelte, da aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit bestehe. 5.5 Dr. E.____ hielt am 26. Juli 2016 fest, dass der Be schwerdeführer wegen einer mittel- gradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom (ICD -10 F32.11) seit April 2014 bei ihm in psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlu ng stehe. Er sei aufgrund der de- pressiven Entwicklung und der Chronifizierung der depressive n Symptomatik immer noch zu 100% arbeitsunfähig. 5.6 Die RAD-Ärztin Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 30. August 2016 zum Bericht von Dr. E.____ Stellung. Si e führte aus, dass im Vergleich zu dessen Bericht vom 29. Oktober 2014 eher eine Besserung des Gesundheitsschadens erwähnt werde. Der Beschwerdeführer sei insbesondere aus psychosozia len Gründen belastet. Abge- sehen davon bestünden aber keine Hinweise auf eine mitt elgradige bis schwere Depression. Die beschriebenen Symptome entsprächen der von Dr. C._ ___ gestellten Diagnose einer An- passungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf die Ergebnisse, zu denen Dr. C.____ und Dr. D.____ gel angt waren. Sie ging demzufolge da- von aus, dass dem Versicherten die Ausübung einer adapti erten körperlich leichten Tätigkeiten im Umfang von 100% zumutbar sei. Diese Beurteilung de r Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Wie oben unter E. 4.3 ausgeführt, ist den im Rahmen d es Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutachten wei st weder formale noch inhaltliche Män- gel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wir d (vgl. E. 4.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchung en, berücksichtigt die geklagten Be- schwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden , leuchtet in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medi zinischen Situation ein, setzt sich mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) fachärzt lichen Einschätzungen auseinander und ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. 6.2 Daran ändern die Rügen des Beschwerdeführers bzw. d es behandelnden Psychiaters nichts. Dabei ist zunächst mit Blick auf die Ausführungen von Dr. E.____ festzuhalten, dass das Gericht in Bezug auf seine Beurteilung der Erfahrungst atsache Rechnung tragen darf, dass er als behandelnder Spezialarzt mitunter im Hinblick auf s eine auftragsrechtliche Vertrauensstel- lung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten der Beschwerde führerin aussagt. Weiter lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therape utisch tätigen (Fach-) Arztes einer- seits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fa chmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administ- rativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2. 1, mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf drängt, weil die behandelnden Ärzte und Ärztinnen wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlich er Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 , mit Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Dr. E.____ diagnostizierte in seinem Bericht vom 29. Oktober 2014 eine mittel- gradige bis schwere Depression mit schwerer Ausprägung (IC D-10 F32.2). Am 26. Juli 2016 führte er bei gleichlautender Diagnose eine mittelschw ere Ausprägung (ICD-10 F32.11) auf. Insofern ist mit der RAD-Ärztin Dr. H.____ eher von ein er Verbesserung des Gesundheitszu- standes auszugehen. Zu beachten ist zudem im Zusammenhang mit mittelschweren depressi- ven Episoden, dass psychische Störungen dieser Ausprägung n ur als invalidisierend gelten, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr) angehbar sind. Dies setzt bei noch nicht lange chronifizierten Krankheitsgeschehen - wie vorliegend - vo raus, dass keine therapeutische Opti- on mehr gegeben ist und somit eine Behandlungsresistenz besteht (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 21. März 2016, 9C_539/2015, E. 4.1.3.1). Der Beschwerdeführer geht alle zwei Wo- chen zu Dr. E.____ in die Gesprächstherapie. Zudem nim mt er täglich 25 mg eines Antidepres- sivums und bei Bedarf 1 mg eines Anxiolytikums ein. Die Beschwerdegegnerin macht diesbe- züglich zu Recht geltend, dass die therapeutischen Möglichke iten nicht ausgeschöpft seien. Gerade im Hinblick auf die von Dr. E.____ diagnostizierte schwere Ausprägung der Erkrankung wäre zu erwarten, dass der Beschwerdeführer die therapeu tischen Massnahmen intensiviert. Dabei ist insbesondere an eine Erhöhung des sehr niedri gdossierten Antidepressivums und an eine Intensivierung der Gesprächsfrequenzen zu denken. A ber auch die Möglichkeit einer ta- gesklinischen oder stationären Behandlung könnte - entg egen den Ausführungen von Dr. E.____ - vom Beschwerdeführer verlangt werden. Unt er diesen Aspekten ist mit der vorste- hend zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts davon aus zugehen, dass der Beschwerde- führer an keinem invalidisierenden Gesundheitsschaden leidet, wie dies auch von Dr. C.____ in seinem Gutachten plausibel festgehalten wird. Auch aus den weiteren Argumenten gegen dessen Gutachte n kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. Soweit Dr. E.____ be tont, Dr. C.____ mache eine abwei- chende diagnostische Einordnung der erhobenen Befunde, kann ihm nicht gefolgt werden. Dr. C.____ erwähnte im Rahmen der Befundaufnahme un ter anderem eine bedrückte, klagsa- me, jedoch nicht depressive Stimmung. Aufgrund dieser Er hebungen kam er einleuchtend zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer die Voraussetzungen für die Annahme einer mittelgradi- gen bis schweren Depression nicht vorlägen. Dabei äussert er als Gutachter eine neutrale fach- spezifische Meinung, welche wegen der reichlichen Alltags aktivitäten des Beschwerdeführers, welche einem hohen Funktionsniveau entsprechen (vgl. oben E. 5.3.1), nachvollziehbar ist. Die von Dr. C.____ aufgrund seiner Erhebungen gestellte Diagnose einer Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (IC D-10 F43.23) leuchtet auch mit Blick auf die Angaben des Beschwerdeführers ein. Dieser beschre ibt, dass er sehr unter der Tren- nung von den Kindern leide und ihn diese Situation se hr belaste. Er schildert damit eine psy- chosoziale Belastungssituation, welche das Ausmass einer Depression nicht erfüllt. Zusammen- fassend ergibt sich, dass die Argumentation des Beschwerdef ührers nichts an der Verwertbar- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit des Gutachtens von Dr. C.____ zu ändern mag. Er g ing demnach zu Recht davon aus, dass der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht 100% arbeitsfähig ist. 6.3 Die von Dr. C.____ einlässlich begründete psychiatrisch e Beurteilung überzeugt auch im Lichte der mit BGE 141 V 281 ff. begründeten neue n Schmerzrechtsprechung des Bundes- gerichts. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass der Gutachter von einer ausgepräg- ten subjektiven Krankheitsüberzeugung ausgeht, welche dazu führe, dass der Versicherte we- nig Motivation zeige, sich trotz allfälliger Restbeschwer den aktiv den Belastungen der Arbeits- welt auszusetzen. Dr. C.____ sah sich aufgrund der subjekt iven Krankheitsüberzeugung aus- serstande, Vorschläge für medizinische Massnahmen zu machen . Dies steht der Annahme ei- nes gesetzlich vorausgesetzten objektivierbaren Gesundheitssch adens jedoch entgegen (BGE 141 V 295 E. 3.7.1 mit Hinweis auf Art. 7 Abs. 2 ATSG ; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_173/2015, E. 4.2.5 und 4.3). A us dem Gutachten von Dr. C.____ geht weiter hervor, dass die Ressourcen des Versicherten gut seie n. Er führt im Alltag ein weitge- hend normales Leben und unterhält regelmässige Kontakte zu seinen vier Kindern und seinen Kollegen. Somit überwiegen die Gründe, die keine massg ebliche Arbeitsunfähigkeit annehmen lassen, klar. Gesamthaft ergeben sich namentlich angesich ts der mobilisierbaren persönlichen Ressourcen keine erheblichen funktionellen Auswirkungen de r medizinisch festgestellten Diag- nose, weshalb Dr. C.____ die Somatisierungsstörung in nachvollziehbarer Weise als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt h at und eine Invalidität daher vorliegend auszuschliessen ist. 6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdef ührer gestützt auf das schlüssige bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und D .____ vom 1. April 2015 und 15. Juni 2015 in einer Verweistätigkeit zu 100% arbeitsfähig ist. 7. Gemäss Art. 16 ATSG ist der IV-Grad bei erwerbstätig en Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Da der Beschwerdeführer nach dem vorstehend Gesag- ten in adaptierten Verweistätigkeiten vollständig arb eitsfähig ist, kann ein solcher allerdings un- terbleiben und ohne weitere Erörterungen festgehalte n werden, dass der IV-Grad im Erwerbs- bereich 0% beträgt. Die gegen die Verfügung vom 17. Mai 2016 erhobene Beschwerde erweist sich daher als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten zu überbinde n sind. Da ihm mit Verfügung vom 22. Juli 2016 die unentgeltliche Prozessführung bewill igt wurde, werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. Der Beschwerdef ührer wird in diesem Zusammen- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht hang jedoch auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Org anisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Die ausseror- dentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht