<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 101 S.443</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Enteignungsrecht</span> <span class="page_no">443</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>101 Formelle Enteignung; Beeinträchtigung durch Bauarbeiten.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Vorübergehende Störungen, die sich aus Bauarbeiten auf den</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Nachbarparzellen ergeben, vermitteln Grundeigentümern und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Mietern in der Regel keinen Entschädigungsanspruch. Sind die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Einwirkungen jedoch ihrer Art, Stärke und Dauer nach</b></span><br/> <span class="ft2"><b>aussergewöhnlich und führen sie zu einer beträchtlichen Schä-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>digung des von den Bauarbeiten betroffenen Nachbarn, so</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kann eine Entschädigung geschuldet sein.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Ist der Zugang während der Bauarbeiten erschwert, aber</b></span><br/> <span class="ft2"><b>möglich, so bildet die Zugangserschwernis, insbesondere wenn</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ein Geschäft nicht geradezu von sog. Laufkundschaft lebt, im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>allgemeinen keine hinreichende Eingriffsstärke (Erw. 4.1.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Keine Entschädigung für den Wegfall des Werbeeffekts wäh-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rend der Bauarbeiten (Erw. 4.2.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Beeinträchtigungen von maximal neun Wochen erfüllen das</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Kriterium der aussergewöhnlichen Dauer nicht (Erw. 4.3.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus einem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft4">27. Februar 2001 in Sachen Kanton Aargau gegen F.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.2. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung haben</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümer und Mieter vorübergehende Störungen, die sich</span><br/> <span class="ft1">aus Bauarbeiten auf den Nachbarparzellen ergeben, in der Regel</span><br/> <span class="ft1">entschädigungslos hinzunehmen (vgl. auch die auf kantonaler Ebene</span><br/> <span class="ft1">statuierten Duldungspflichten der Anstösser in § 110 Abs. 1 lit. a</span><br/> <span class="ft1">BauG, wobei in Abs. 4 eine Entschädigung nach den Vorschriften</span><br/> <span class="ft1">über die Enteignung vorbehalten wird). Ersatz ist nur zu leisten,</span><br/> <span class="ft1">wenn die Einwirkungen ihrer Art, Stärke und Dauer nach ausserge-</span><br/> <span class="ft1">wöhnlich sind und zu einer beträchtlichen Schädigung von Nachbarn</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">444</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">führen (BGE 113 Ia 357, mit weiteren Hinweisen). In diesem Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid wurde in rechtlicher Hinsicht nicht zwischen den ins Feld</span><br/> <span class="ft1">geführten Lärmimmissionen und den weiteren Baubeeinträchtigun-</span><br/> <span class="ft1">gen unterschieden.</span><br/> <span class="ft1">4. Der Gesuchsteller macht geltend, infolge der Ausbauarbeiten</span><br/> <span class="ft1">an der Kantonsstrasse sei die (direkte) Zufahrt zu seinem Betrieb</span><br/> <span class="ft1">aufgehoben gewesen und der an die Strasse angrenzende Ausstell-</span><br/> <span class="ft1">platz für Occasionsautos habe geräumt werden müssen, was dazu</span><br/> <span class="ft1">geführt habe, dass er während dieser Zeit keine Occasionsautos habe</span><br/> <span class="ft1">verkaufen können (...).</span><br/> <span class="ft1">4.1. Die Bauarbeiten führten dazu, dass die bisherige direkte</span><br/> <span class="ft1">Zufahrt von der Kantonsstrasse K ... zur Werkstatt des Gesuchstellers</span><br/> <span class="ft1">während der Wochen 18 bis 26 nicht möglich war; die Liegenschaft</span><br/> <span class="ft1">war aber bei einem Mehrweg von ca. 30 m jederzeit über das Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindestrassennetz erreichbar (...). Der Gesuchsteller bestätigte in</span><br/> <span class="ft1">seiner Replik, dass die Zufahrt zur Werkstatt sichergestellt war (...).</span><br/> <span class="ft1">In BGE vom 27. November 1987 i. S. J. und M. B. vs. Einwoh-</span><br/> <span class="ft1">nergemeinde Wettingen, Staat Aargau, Verwaltungsgericht des Kan-</span><br/> <span class="ft1">tons Aargau (teilweise veröffentlicht in BGE 113 Ia 353 ff.), be-</span><br/> <span class="ft1">merkte das Bundesgericht auf S. 8-10, dass der Zugang zum be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführenden Betrieb - einem Restaurant - wohl erschwert,</span><br/> <span class="ft1">jedoch für die Quartierkundschaft nicht völlig unterbunden gewesen</span><br/> <span class="ft1">sei; dies führte zur Verneinung der übermässigen Einwirkung und</span><br/> <span class="ft1">damit der Entschädigungspflicht. Eine blosse Zugangserschwernis</span><br/> <span class="ft1">weist deshalb, insbesondere wenn ein Geschäft nicht geradezu von</span><br/> <span class="ft1">sog. Laufkundschaft lebt, im allgemeinen keine hinreichende Ein-</span><br/> <span class="ft1">griffsstärke auf (Beatrice Wagner Pfeifer/Daniel Gebhardt, Enteig-</span><br/> <span class="ft1">nungsrechtliche Entschädigungsansprüche beim Bau der Nordtan-</span><br/> <span class="ft1">gente - aus der Praxis der Eidgenössischen Schätzungskommission</span><br/> <span class="ft1">Kreis 7, in: Basler Juristische Mitteilungen, 2000, S. 22). So stellte</span><br/> <span class="ft1">das Bundesgericht auch in BGE 100 Ib 197 f. fest, dass eine Ent-</span><br/> <span class="ft1">schädigungspflicht (aufgrund des eidgenössischen Enteignungsgeset-</span><br/> <span class="ft1">zes) nur dort in Frage kommt, wo ein Grundeigentümer (als Folge</span><br/> <span class="ft1">einer Teilenteignung) jeden Zugang zur öffentlichen Strasse verliert</span><br/> <span class="ft1">(so auch Aargauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE]</span><br/> <span class="ft1">1985, S. 143). Auch nach Art. 113 Abs. 2 BauG fällt eine Entschädi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Enteignungsrecht</span> <span class="page_no">445</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gungspflicht dahin, wenn die Benutzung eines anderen Weges unent-</span><br/> <span class="ft1">geltlich ermöglicht wird. Da in casu eine andere Zufahrt, wenn auch</span><br/> <span class="ft1">auf einem etwas verlängerten Weg, stets gewährleistet war, ist eine</span><br/> <span class="ft1">Entschädigungspflicht wegen der bauzeitigen Aufhebung der bishe-</span><br/> <span class="ft1">rigen Zufahrt zu verneinen.</span><br/> <span class="ft1">4.2. In der Zeit, als die bisherige direkte Zufahrt von der K ...</span><br/> <span class="ft1">zur Werkstatt des Gesuchstellers nicht möglich war und dementspre-</span><br/> <span class="ft1">chend vor dem Ausstellungsplatz Bauarbeiten vorgenommen wurden</span><br/> <span class="ft1">(Woche 18 bis 26), fiel auch der Werbeeffekt weg, welcher durch die</span><br/> <span class="ft1">Lage des Ausstellungsplatzes direkt an der K ... hervorgerufen wird.</span><br/> <span class="ft1">Der Werbeeffekt aufgrund der Lage an einer öffentlichrechtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Strasse stellt bloss ein sog. faktisches Interesse dar und wird</span><br/> <span class="ft1">von der Eigentumsgarantie nicht erfasst. Entsprechend stellt der</span><br/> <span class="ft1">Wegfall des Werbeeffekts bloss eine Beeinträchtigung tatsächlicher,</span><br/> <span class="ft1">jedoch nicht rechtlich geschützter Interessen dar (Schweizerisches</span><br/> <span class="ft1">Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 1986, S. 371</span><br/> <span class="ft1">E.4). Dies gilt selbst dann, wenn dadurch die Existenz von Gewerbe-</span><br/> <span class="ft1">betrieben bedroht ist (Verwaltungspraxis der Bundesbehörden [VPB]</span><br/> <span class="ft1">63.76; BGE 100 Ib 199). Daher fällt eine Entschädigung von Ein-</span><br/> <span class="ft1">kommenseinbussen des Gesuchstellers infolge des während der Bau-</span><br/> <span class="ft1">arbeiten wegfallenden Werbeeffekts ausser Betracht.</span><br/> <span class="ft1">4.3. Der Ausstellungsplatz wurde frühestens ab der Woche 23</span><br/> <span class="ft1">(ab 5. Juni 2000), als die Erstellung der Zufahrt von der Kantons-</span><br/> <span class="ft1">strasse in Angriff genommen wurde, und sicher in den Wochen 25</span><br/> <span class="ft1">und 26 (19. bis 30. Juni 2000), als darauf ein neuer Belag einge-</span><br/> <span class="ft1">bracht wurde, durch die Bauarbeiten bzw. Anpassungsarbeiten direkt</span><br/> <span class="ft1">beansprucht (...) und war damit der Nutzung durch den Gesuchsteller</span><br/> <span class="ft1">entzogen. Stellte der Gesuchsteller einen Teil der auszustellenden</span><br/> <span class="ft1">Autos unmittelbar an den Strassenrand (...), so dürfte dieser Bereich</span><br/> <span class="ft1">des Ausstellungsplatzes schon vorher nicht nutzbar gewesen sein,</span><br/> <span class="ft1">nämlich frühestens ab Beginn der Bauarbeiten auf der der</span><br/> <span class="ft1">Liegenschaft zugewandten Strassenhälfte, d. h. ab der Woche 18 (d.h.</span><br/> <span class="ft1">ab 1. Mai 2000), womit die Beeinträchtigung maximal neun Wochen</span><br/> <span class="ft1">andauerte.</span><br/> <span class="ft1">Wie in Erw. 3.2. erwähnt, ist nur Ersatz zu leisten, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Einwirkungen ihrer Art, Stärke und Dauer nach aussergewöhnlich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">446</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sind und zu einer beträchtlichen Schädigung des von den Bauarbei-</span><br/> <span class="ft1">ten betroffenen Nachbarn führen (BGE 113 Ia 357, mit weiteren</span><br/> <span class="ft1">Hinweisen). Hinsichtlich der Voraussetzung der Dauer führte das</span><br/> <span class="ft1">Bundesgericht in BGE 106 Ib 251 aus, dass eine Störung, welche</span><br/> <span class="ft1">von einer Baustelle über einen Zeitraum von drei bzw. sechs Mona-</span><br/> <span class="ft1">ten ausgeht, in der Regel entschädigungslos hinzunehmen ist; dieser</span><br/> <span class="ft1">Hinweis erfolgte bei Beurteilung eines unbefristeten Mietverhältnis-</span><br/> <span class="ft1">ses. Daraus lässt sich auf den vorliegenden Fall schliessen, dass die</span><br/> <span class="ft1">maximale Einwirkung von neun Wochen das Kriterium der ausser-</span><br/> <span class="ft1">gewöhnlichen Dauer von vornherein nicht erfüllt. Ob die Einwirkun-</span><br/> <span class="ft1">gen durch die Bauarbeiten ihrer Art und Stärke nach aussergewöhn-</span><br/> <span class="ft1">lich waren, kann unter diesen Umständen offen bleiben.</span><br/> <span class="ft1">Immerhin sei noch angeführt, dass die vom Gesuchsteller bezif-</span><br/> <span class="ft1">ferte Einkommenseinbusse von Fr. 2'500.- für einen Geschäftsbetrieb</span><br/> <span class="ft1">nicht als beträchtlicher Schaden gelten kann.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>