Seite 1 Entscheid vom 3. Mai 2013 (530 13 2) __________________________________________________ ___________________ Weiterbildungskosten Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Gerich tsschreiberin I. Wissler Parteien A. und B. , Beschwerdeführer gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin betreffend direkte Bundessteuer 2010 Seite 2 In E r w ä g u n g : - dass die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 29. Dez ember 2012 gegen den Einspra- che-Entscheid der Steuerverwaltung vom 29. November 20 12 betreffend die Veranlagungs- verfügung zur direkten Bundessteuer 2010 vom 18. August 2 011 mit den Begehren, es sei- en die geltend gemachten Kosten für Weiterbildung, sowie die Fahrtkosten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte, welche in der Veranlagungsverfügun g gestrichen worden seien, vollum- fänglich zum Abzug zuzulassen, unter Wahrung von Frist u nd Form, Beschwerde erhoben hat, - dass das Steuergericht gemäss Art. 140 des Bundesgeset zes über die direkte Bundessteu- er (DBG) vom 14. Dezember 1990 zur Anhandnahme der vor liegenden Streitsache zustän- dig ist, wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vom 13. Dezember 1994 i.V.m. § 129 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindest euern (Steuergesetz, StG) vom 7. Februar 1974 Beschwerden, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 2’000.-- nicht übersteigt, vom Präsidenten des Steuergerichts als Einzelrichter beurteilt wer- den, weshalb ohne weitere Ausführungen auf die Beschwerde eingetreten werden kann, - dass der Bund im Rahmen der direkten Bundessteuer gem äss Art. 1 lit. a DBG eine Ein- kommenssteuer von den natürlichen Personen erhebt, zu d iesem Zweck das Reineinkom- men ermittelt wird, indem von den gesamten steuerbaren Einkünften die Aufwendungen und die allgemeinen Abzüge nach Art. 26-33 DBG abgezogen werden (Art. 25 DBG), nach Art. 26 Abs. 1 lit. d DBG insbesondere "die mit dem Beruf zusammenhängenden Weiterbil- dungs- und Umschulungskosten" zum Abzug zugelassen werden , damit nach dem Willen des Gesetzgebers das gleiche Kriterium angewendet werden soll, wie bei den Gewinnungs- kosten Selbständigerwerbender, die nach Art. 27 Abs. 1 D BG die "geschäfts- oder berufs- mässig begründeten Kosten" abziehen können (vgl. Entsche id des Bundesgerichts [BGE] 2C_28/2011 Urteil vom 15. November 2011, E. 2.1; BGE 2C_104/2010 vom 23. Juni 2010, E. 2ff.), - dass nach der Verordnung des EFD über den Abzug von Berufskosten der unselbständigen Erwerbstätigkeit bei der direkten Bundessteuer (Beruf skostenverordnung) Art. 8 die mit der gegenwärtigen Berufsausübung unmittelbar zusammenhäng enden Weiterbildungs- und Umschulungskosten abziehbar sind, wobei eigentliche Ausbildungskosten nach Art. 34 lit. b DBG nicht abzugsfähig sind, Seite 3 - dass als "mit dem Beruf zusammenhängende Weiterbildun gskosten" indessen nur solche Kosten abziehbar sind, die im Rahmen des bereits erlernt en und ausgeübten Berufs anfal- len, nicht dagegen "Ausbildungskosten" für die erstmali ge Aufnahme einer Berufstätigkeit bzw. für einen neuen (oder zusätzlichen) Beruf sind, zur Anerkennung als abzugsfähige Weiterbildungskosten es aber nicht notwendig ist, dass de r Steuerpflichtige das Erwerbs- einkommen ohne die streitige Auslage überhaupt nicht hä tte erzielen können; vielmehr le- diglich darauf abzustellen ist, ob die Aufwendungen für die Erzielung des Einkommens nütz- lich sind und nach der Verkehrsauffassung im Rahmen des Ü blichen liegen, wobei dazu nicht nur Anstrengungen gehören, um den Stand bereits erworbener Fähigkeiten zu erhal- ten, sondern vor allem auch der Erwerb verbesserter Kennt nisse für die Ausübung des glei- chen Berufs zählt; abzugsfähig insbesondere Fortbildun gskosten zur Sicherung der bisheri- gen Stelle ohne im Wesentlichen zusätzliche Berufschancen sind, hingegen Auslagen für eine Fortbildung, die zum Aufstieg in eine eindeutig vom bisherigen Beruf zu unterscheiden- de höhere Berufsstellung (sog. Berufsaufstiegskosten) oder gar zum Umstieg in einen ande- ren Beruf dienen, keine Weiterbildungskosten darstellen , da sie nicht für eine Weiterbildung im Rahmen des bereits erlernten und ausgeübten Berufs, sondern letztlich für eine neue Ausbildung erbracht werden; es sich auch dann um Beruf saufstiegskosten handelt, wenn die absolvierte Ausbildung im Gegensatz zu einer blossen Aktualisierung und Vertiefung vorhandener Kenntnisse, zu wesentlichen Zusatzkenntnissen mit eigenem Wert führt und die Berufsaussichten deutlich verbessert werden (vgl. BGE 2C_28/2011 Urteil vom 15. No- vember 2011, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A. Zürich 2009, Art. 26 N 59ff.), - dass die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde ausge führt hat, dass sie als Manualthera- peutin verschiedene Methoden brauche, um ein umfängliches Angebot anbieten zu können, im Jahre 2009 die Abstimmung zum Komplementär-Therape ut erfolgt sei, was die zukünfti- ge Bezeichnung für Therapeuten verschiedener Methoden sei, somit die Bezeichnung Ma- nualtherapeut oder später Komplementär-Therapeut der angestammte Beruf sei und weitere Methoden zur Sicherung der erreichten Stellung und fü r den Aufstieg in diesem Beruf die- nen würden, - dass die Beschwerdeführerin an der heutigen Verhandlu ng diverse Unterlagen eingereicht hat, aus welchen hervorgeht, dass sie bereits im Jahre 200 9 eine eigene Praxis zusammen mit einer weiteren Therapeutin in C. eröffnet hat u nd als Therapeutin tätig war und dies der Seite 4 Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, Liestal mit Schreiben vom 27. März 2009 mitge- teilt hat, aus den Unterlagen im Weiteren ersichtlich i st, dass sich die Rekurrentin ursprüng- lich in klassischer Massage hat ausbilden lassen und darauf aufbauend weitere Kurse, zum Thema Lymphdrainage, Fussreflexzonenmassage und die Breus s-Dorn-Fleig-Methode be- sucht und schliesslich die Kenntnisse zur Craniosacral-Prakt izierenden erworben hat, sie zudem ausführt, dass gemäss dem "ErfahrungsMedizinischen Re gister" (EMR) alle Perso- nen als Therapeuten bezeichnet werden, das Anbieten ei ner Methode jedoch nicht genügt und es sich dabei um ein riesiges Gebiet handelt und die Therapeuten jeweils mehrere Me- thoden anwenden, sich ein Therapeut gemäss EMR zudem zur jährlichen Fortbildung zu verpflichten hat (EMR Reglement Ziff. 7.8), - dass die Beschwerdeführerin daher bislang eine Ausbi ldung zur klassischen Masseurin vorweisen kann, sie zudem auf diesem Gebiet bereits vor Beginn der Weiterbildung zur Craniosacral-Therapeutin berufstätig war und sie zur Vergrösserung ihres Tätigkeitsgebiets, sowie zur Erfüllung der Anforderungen des EMR wie auch der Erhaltung ihrer Konkurrenz- fähigkeit gegenüber weiteren Anbietern ähnlicher Therapieanwendungen, weitere Kurse be- sucht hat, wobei es sich speziell im Falle der Beschwerdefü hrerin aufgrund ihrer bereits nachweislich umfangreichen medizinischen Ausbildung und m edizinischen Kenntnisse, beim Erwerb der Fähigkeiten zur Craniosacral-Therapeu tin, nicht um eine Ausbildung im herkömmlichen Sinne handelt, sondern um einen Fall von Weiterbildung, - dass es sich demzufolge bei den hier in Frage stehende n Kosten in Höhe von Fr. 14'366.-- um abzugsfähige Weiterbildungskosten handelt die zum Abzug zuzulassen sind, - dass die Beschwerdeführerin im Weiteren Fahrtkosten i n Höhe von Fr. 822.-- für ein Um- weltabonnement geltend gemacht hat, wobei die Steuerverwaltung diese mangels Nachweis der entstanden Kosten nicht zum Abzug zugelassen hat, si e jedoch im Rahmen ihrer Be- schwerdeeingabe eine Honorar-Rechnung der D. AG in E. eingereicht hat, aus welcher her- vorgeht, dass der Beschwerdeführerin gegen ein Honorar ein Arbeitsplatz sowie Computer zur Erledigung der Buchhaltung zur Verfügung gestellt wurde, sie zudem an der heutigen Verhandlung erklärt hat, dass sie zum damaligen Zeitpunk t lediglich die Buchhaltung für die F. GmbH erstellt habe, die übrigen Arbeiten jedoch du rch die D. AG erledigt worden seien, sie zur Erstellung der Buchhaltung auf eine fremde Infrastruktur habe zurückgreifen können, die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich diese Arbeit aufge geben hat, um sich vollumfäng- lich um ihre Praxis zu kümmern, Seite 5 - dass gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a DBG bei unselbständi g Erwerbstätigen die notwendigen Kosten für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte als Berufskosten abgezogen werden können, gemäss Art. 5 Abs. 1 der Berufskostenverordnung a ls notwenige Kosten für Fahr- ten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte bei Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel die tat- sächlich entstehenden Auslagen abgezogen werden können, di e Rekurrentin an der heuti- gen Verhandlung den Nachweis für die entstandenen Kost en erbracht hat und diese in Hö- he von Fr. 822.--, d.h. die Kosten für ein Umweltschu tzabonnement zum Abzug zuzulassen sind, - dass aufgrund all dieser Erwägungen die Beschwerde gu tzuheissen ist, - dass der Beschwerdeführerin ausgangsgemäss keine Verfahre nskosten aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG) sind, Seite 6 Demgemäss w i r d e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Steuerverwaltung wird angewiesen, betreffend Ziff. 155 der Veranlagung einen Verlust von Fr. 14'366.-- und bezüglich Ziff. 505 die Kosten für ein U-Abo von Fr. 822.-- zusätzlich zum Abzug zuzulassen. 3 Es werden keine Kosten erhoben. Der bereits bezahlte Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 400.-- wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 4. Mitteilung an die Beschwerdeführer (1), die eidge nössische Steuerverwaltung, Bern (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3). Steuergerichtspräsident: C. Baader Gerichtsschreiberin: I. Wissler