Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Oktober 2018 (715 18 78 / 297) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung. Der Beschwerdeführer hat durch sein Verhal- ten seine Entlassung nicht eventualvorsätzlich in Kauf genommen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberi n i.V. Martina Somogyi Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1956 geborene A.____ arbeitete vom 1. Februa r 2009 bis 30. Juni 2017 als Mitar- beiter im Stundenlohn bei der B.____ AG. Das Arbeit sverhältnis wurde mit Schreiben der Ar- beitgeberin vom 21. April 2017 per 30. Juni 2017 au fgelöst. Begründet wurde die Kündigung damit, dass A.____ trotz zweimaliger mündlicher Ver warnung das Uniformreglement verletzt und er sich gegenüber einer Kundin negativ über Spa rmassnahmen geäussert habe sowie zu spät zum Dienst erschienen sei. Am 20. Juni 2017 me ldete sich A.____ beim Regionalen Ar- beitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlu ng an und erhob am 23. Juni 2017 An- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht spruch auf Arbeitslosenentschädigung bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Basel-Landschaft (Arbeitslosenkasse) ab 1. Juli 2017. Mit Verfügung vom 27. Juli 2017 stellte die Arbeitslo senkasse A.____ ab dem 1. Juli 2017 we- gen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für 31 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Hierge- gen erhob er am 24. September 2017 Einsprache, die vom Kantonalen Amt für Industrie, Ge- werbe und Arbeit Baselland (KIGA), Abteilung Öffent liche Arbeitslosenkasse, Einsprache- instanz, mit Entscheid vom 7. Februar 2018 abgewiesen wurde. B. Gegen den Entscheid des KIGA richtet sich die vorlieg ende Beschwerde, welche A.____ am 4. März 2018 beim Kantonsgericht Basel-Landscha ft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), erhob. Er beantragte, der Entscheid vom 7. Februar 2018 sei voll- umfänglich aufzuheben, es sei von einer Einstellung der Anspruchsberechtigung wegen selbst- verschuldeter Arbeitslosigkeit abzusehen. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass die Arbeitgeberin ihm zu Unrecht Fehler vorgewor fen habe. Er habe dem Uniformregle- ment entsprechende Schuhe getragen, sei nur wenige Mi nuten zu spät zum Dienst erschienen und er habe sich gegenüber einer Kundin der Arbeitge berin nicht negativ über Sparmassnah- men geäussert. C. Zur Beschwerde liess sich die Arbeitslosenkasse am 22. Mai 2018 vernehmen und beantragte deren Abweisung. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die o bligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Jun i 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mi t Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obl igatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Ver fügungserlasses die Kontrollpflicht er- füllt. Vorliegend kommt der in X.____ lebende Beschwe rdeführer seinen Kontrollpflichten im Kanton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zust ändigkeit zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versi cherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zuständi gkeit des Kantonsgerichtes gege- ben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht ei ngereichte Beschwerde vom 4. März 2018 ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die pr äsidierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeite n bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu Recht wegen selbstverschuldeter Arb eitslosigkeit für die Dauer von 31 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt ha t. Bei einem Taggeld von Fr. 55.60 be- läuft sich der Streitwert auf Fr. 1‘723.60. Die Angel egenheit ist deshalb präsidial zu entschei- den. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri - sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosen versicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Dieser Tatbestand er- fasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeitslosigkeit sind und eine Verletzung der Pflicht, Arbeitslosigkeit zu vermeiden, bedeuten. Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a-d beispielhaft Tatbestände au f, die unter den Begriff der selbstverschul- deten Arbeitslosigkeit fallen. So liegt selbstverschuldet e Arbeitslosigkeit unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, in sbesondere wegen Verletzung arbeits- vertraglicher Pflichten, der Arbeitgeberin Anlass zur A uflösung des Arbeitsverhältnisses gege- ben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). Die Einstellun g in der Anspruchsberechtigung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus wichtigen Gründen nach Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 des Schweizerischen Obligationenrechts (OR) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auch n icht unbedingt eine eigentliche Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, son dern es genügt, dass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten innerhalb und ausser halb des Betriebs berechtigten An- lass zur Kündigung gab (vgl. Urteil des Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilu ngen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Dabei müssen n icht zwingend Beanstandungen in beruf- licher Hinsicht vorgelegen haben. Es genügt beispielsweis e, dass charakterliche Eigenschaften im weiteren Sinne, die den Arbeitnehmer für den Bet rieb als untragbar erscheinen lassen, zur Entlassung geführt haben (BGE 112 V 244 E. 1). Selbstv erschuldete Arbeitslosigkeit im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt also immer dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Ar- beitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönli- chen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versichert en Person liegt (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mi t Hinweisen, publ. in: ARV 2009 S. 264). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Inte rnationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (Über- einkommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Oktober 1991 in Kraft getreten ist, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Verdienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeit seinstellung ohne Unterbrechung des Beschäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekü rzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheids im Einzelfall dienen zu können, und ist daher direkt anwendbar (BGE 122 V 54 ff.; Urteil des EVG vom 17. Oktober 200 0, C 53/00). Aufgrund des grundsätzli- chen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b des Übe reinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nicht jedes schuldhafte Verhalten der versicherten Per- son, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 3 0 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (Urte il des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b). 2.4 Eventualvorsatz ist im Zusammenhang mit Art. 44 lit . a AVIV anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen mu ss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber führt (NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). Im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG darf somit bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung erfolgen (J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zü- rich 1998, S. 76 f.). Im Entscheid vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f. hat das Bundesge- richt – unter Hinweis auf den im Strafrecht geltenden Massstab – festgestellt, dass Eventualvor- satz und bewusste Fahrlässigkeit auf der Wissensseite überein stimmen, indem dem Täter die Möglichkeit, das Risiko der Tatbestandsverwirklichung bewusst ist. Die entscheidende Differenz liegt auf der Willensseite. Auch wer die Möglichkeit de r Tatbestandsverwirklichung – hier der Arbeitgeberkündigung – erkennt, kann sich, selbst leicht fertig, über sie hinwegsetzen, d.h. da- rauf vertrauen bzw. mit der Einstellung handeln, dass sc hon nichts passieren werde (bewusste Fahrlässigkeit). Demgegenüber erfordert der Eventualvor satz, dass der Versicherte sich für die Tatbestandsverwirklichung entscheidet, sie in Kauf nimmt. Weitestgehend ausser Frage stehen dürfte das Willenselement nur, wenn der Versicherte d ie Kündigung durch den Arbeitgeber für so naheliegend hält, dass die Bereitschaft, sie als Folge seines Verhaltens hinzunehmen, ver- nünftigerweise nicht mehr bezweifelt werden kann; oder wenn sie ihm, im eigentlichen Sinn des Wortes, erwünscht oder recht war, wie wohl auch noch i m Falle schierer Gleichgültigkeit. Als Faustregel formuliert: Dass der Versicherte die Tatbestan dsverwirklichung in Kauf genommen hat, liegt grundsätzlich näher, je wahrscheinlicher es ihm erschien, dass sie eintreten könnte, und je weniger er sie innerlich ablehnte, und umgekeh rt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2008, 8C_504/2007, E. 5.4 mit Hinweis). Zu den Umständen, die allenfalls auf eventualvorsätzliches Verhalten schliessen lassen, gehören die Grösse des dem Versicherten bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwer e der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Versicherten und die Art der Tath andlung. Das Gericht darf vom Wissen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Versicherten auf dessen Willen schliessen, wenn sich i hm der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann. Wa s der Versicherte wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft innere Tatsachen und ist somit Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der festgestellten Tatsachen der Schluss auf E ventualvorsatz berechtigt erscheint (BGE 138 V 74 E. 8.4.1 mit Hinweisen; zum Ganzen: Urt eil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f.). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzun ehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten erg ebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2 009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1; T HOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversiche- rungsrechts, 4. Aufl., Bern 2014, § 70 Rz. 3 und 20 ff.). 3.2 Das Kantonsgericht hat in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprüfungs- befugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG vom 6. Oktober 2000; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwalt ung als verfügende Instanz und im Be- schwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nu r dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, S. 135). Im Sozialversicherungsrecht hat da s Gericht seinen Entscheid nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fäll en. Die blosse Möglichkeit eines be- stimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sach- verhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 1 95 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die Anwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (vgl. dazu Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00, E. 3a). Praxisgemäss muss das der versicher- ten Person im Rahmen dieser Bestimmung zur Last gelegte Verhalten in beweismässiger Hin- sicht klar feststehen, ansonsten eine Einstellung ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 und vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; siehe im Weite- ren auch BGE 112 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV Nr. 72 S. 220 E. 3b/bb; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 829). 3.3 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässi g auf die Parteivorbringen und insbesondere auf die Aussagen der Arbeitgeberin angewie sen. Diese sollte eine Sachverhalts- darstellung abgeben, ohne am Ausgang des Verfahrens in teressiert zu sein und ohne ein Inte- resse daran zu haben, die versicherte Person in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Solange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeit geberin zu zweifeln, ist auf diese ab- zustellen. Es darf hingegen insbesondere dann nicht einzig auf deren Aussagen zu den Um- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständen der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältni sses abgestellt werden, wenn diese be- stritten und durch keine weiteren Indizien gestützt werd en (vgl. BGE 112 V 245 E. 1; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; Urteil des EVG vom 8. März 2001, C 102/00, E. 1a). Denn eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung kann, wie eben dargestellt, nur verfügt werden, wenn das der versi- cherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht und von dieser vorsätzlich ausgeübt wurde. Bei Differenzen zwischen der Arbeitgeberin und dem Arbeitnehmer darf somit nicht ohne weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbeitneh mers geschlossen werden, wenn die Ar- beitgeberin nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für welche sie keine Beweise anführen kann (vgl. Urteil des EVG vom 26. April 20 01, C 380/00, E. 2b; BGE 112 V 245 mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). 4.1 Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zur Kündig ung Anlass gab respektive, ob er diese durch sein Verhalten voraussehen musste und, für de n Fall ihres Eintritts, in Kauf ge- nommen hat. Fraglich ist somit, ob er die Folgen der s elbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mi t Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV zu tragen hat. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob auf der Ebene des Sachverhaltes ein bestimmtes Verhal- ten klar feststeht und dem Versicherten zur Last gelegt w erden muss, damit eine Kündigung im vorgenannten Sinne (vgl. hiervor E. 3.3) riskiert zu haben. 4.2.1 Nach den Angaben der Arbeitgeberin haben folg ende Ereignisse zur Kündigung ge- führt. Laut Gesprächsprotokoll vom 20. April 2017 sei d er Beschwerdeführer mit seinem Team am 21. März 2017 fünfundzwanzig Minuten zu spät zum Die nst an der C.____ erschienen und habe sich anschliessend gegenüber einer Kundin negativ ü ber Sparmassnahmen der D.____ geäussert. Der Chef Verkauf & Führungssektion habe sich b ei der Kundin entschuldigen müs- sen. Mit Schreiben vom 21. April 2017 habe sie das Arbe itsverhältnis per 30. Juni 2017 gekün- digt. Begründet wurde die Kündigung damit, dass der B eschwerdeführer trotz zweimaliger mündlicher Verwarnung das Uniformreglement verletzt un d er sich gegenüber einer Kundin ne- gativ über Sparmassnahmen geäussert habe. Diese Angaben bestätigte die Arbeitgeberin in ihrem Schreiben vom 24. Mai 2017 an die Arbeitslosen kasse. Gemäss Aktennotiz vom 18. Mai 2017 klärte die Arbeitgeberin die Sachlage auf Wunsch des Beschwerdeführers nochmals ab, wobei die Kundin bei ihren Aussagen geblieben sei re sp. jene der Arbeitgeberin bestätigt habe. Auch in der Arbeitgeberbescheinigung vom 23. Juni 2017 wiederholte die Arbeitgeberin sodann die Kündigungsgründe des Verstosses gegen das Uniformre glement und das negative Verhal- ten des Beschwerdeführers. Auf Nachfrage führte sie aus, dass der Beschwerdeführer trotz zwei Ermahnungen Schuhe, die nicht dem Uniformreglemen t entsprochen hätten, getragen ha- be. Neben den negativen Äusserungen gegenüber einer K undin bezüglich Sparmassnahmen sei er zudem zu spät zum Dienst bei derselben Kundin er schienen. Im Rahmen des Ein- spracheverfahrens veranlasste die Arbeitslosenkasse am 23. Oktober 2017 eine amtliche Er- kundigung bei der Arbeitgeberin. Am 8. November 2017 teilte diese mit, dass der Beschwerde- führer sich am 21. März 2017 gegenüber der Kundin wie folgt geäussert habe: „Für das Geld, was sie der B.____ bezahlen, sind wir noch früh da.“ 4.2.2 Der Beschwerdeführer nannte im Antrag auf Arbe itslosenentschädigung vom 23. Juni 2017 als Kündigungsgrund „Fehlererfassung, Ein satz und Uniformierung“. Im Fragebo- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen „Rechtliches Gehör“ vom 25. Juli 2017 führte er aus, dass er sich nach der Aufbauphase bei der C.____ über das zu knappe Arbeitspensum beklag t habe. Die Arbeitgeberin habe ihm darauf verschiedene Fehler vorgeworfen. Weiter hielt der Beschwerdeführer fest, dass es ande- ren Mitarbeitern ähnlich ergangen sei. Entweder man h abe ihnen gekündigt oder man habe sie veranlasst, selbst zu kündigen. Im Einspracheverfahren wiederholte der Beschwerdeführer die bereits gemachten Angaben und konkretisierte im Schreiben „Rechtliches Gehör zu Einspra che“ vom 27. November 2017 die von der Arbeitgeberin konstruierte Fehlermeldung. Sie habe behauptet, er habe eine beim Mes- sestand abgestellte Palette mit Beleuchtungsmaterial be schädigt. Er sei sodann aufgefordert worden, die Beschädigung zuzugeben, da die Versicherung den Schaden bezahlen würde. Den verspäteten Antritt am Einsatzort begründete der Besch werdeführer damit, dass er eine neu zusammengesetzte Gruppe zuerst habe instruieren müssen. E ine gute Instruktion ermögliche, dass später kleine Probleme selbst gelöst werden könnten. Ausserdem hätten einige Mitarbeiter nochmals die Garderobe aufsuchen müssen, da es nicht mehr erlaubt gewesen sei, persönliche Gegenstände während des Dienstes auf sich zu tragen. Er sei der Ansicht, die Verspätung am Einsatzort habe weniger als fünf Minuten gedauert. Zud em wies er darauf hin, dass er seinen Dienst wie meist sogar einiges früher begonnen habe. Weiter bestritt der Beschwerdeführer in Bezug auf die geltend gemachten negativen Äusserun- gen gegenüber der Kundin Sparmassnahmen erwähnt zu hab en. Er machte zwei mögliche Va- rianten geltend, wie es zu diesem „Missverständnis“ gekomm en sein könnte. Gemäss erster Variante könnte ein Mitarbeiter der Reinigungsfirma ein Gespräch mit der Kundin geführt ha- ben. Dabei sei vielleicht vor oder nach dem Gespräch von e iner Drittperson eine solche Aussa- ge getätigt worden. Alternativ könnte ein Mitarbeiter der Reinigungsfirma etwas falsch verstan- den und dies der Kundin mitgeteilt haben. In seiner Stellungnahme vom 27. November 2017 zur amtlichen Erkundigung schilderte der Beschwerdeführer so dann, dass es im Gespräch mit der Kundin um die Bewachung während der Reinigung gegan gen sei. Dass dabei Sparmassnah- men zur Sprache gekommen seien, schliesst er nicht aus. Bezüglich der vorgeworfenen Uniformreglementverletzun g machte der Beschwerdeführer gel- tend, dass er weder verwarnt worden sei noch einen Verw eis erhalte habe. Er machte geltend, er habe die Schuhe bereits in den vergangenen Jahren g etragen. Zudem sei es ihm nicht mög- lich gewesen, neue Schuhe zu besorgen, da die an ihn ger ichtete Aufforderung an einem Wo- chenende erfolgt sei. 4.2.3 Die Arbeitslosenkasse ging in ihrer Verfügung vo m 27. Juli 2017 von einer zumindest teilweisen selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit aus und ste llte den Versicherten deshalb in der Anspruchsberechtigung für 31 Tage ein. Daran hielt sie sowohl im Einspracheverfahren als auch in der Vernehmlassung des Beschwerdeverfahrens fest. Die von der Arbeitgeberin geltend gemachten Kündigungsgründe seien nachvollziehbar. Die Ausführungen des Beschwerdefüh- rers seien hingegen pauschal gehalten und würden weder durch genaue Daten noch Namen betroffener Personen konkretisiert, weshalb seinen Behauptungen nicht gefolgt werden könne. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 In der vorliegenden Beschwerde verweist der Beschwer deführer auf seine bereits er- wähnten Ausführungen. 5. Wie in Erwägung 3.2 hiervor ausgeführt, muss die sel bstverschuldete Kündigung in be- weismässiger Hinsicht klar feststehen, damit eine Einstellu ng in Betracht kommt. Massgeblich ist nicht, welcher Verfahrensablauf als der überwiegend wahrscheinliche anzusehen ist, son- dern, ob das fehlerhafte Verhalten des Beschwerdeführe rs mit an Sicherheit grenzender Wahr- scheinlichkeit erstellt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vo m 3. März 2016, 8C_22/2016, E. 6.1 mit Hinweis). Dies muss vorliegend in Würdigung der gesam ten Aktenlage verneint werden. In Bezug auf den Vorwurf, dass der Beschwerdeführer sich nich t ans Uniformreglement gehalten habe, weist die Arbeitgeberin darauf hin, ihn zwei Ma l mündlich ermahnt zu haben, passendes Schuhwerk zu tragen. Der Beschwerdeführer bestreitet die s und macht im Wesentlichen gel- tend, er sei lediglich darauf hingewiesen worden, er müsse bei der Arbeit reglementskonforme Schuhe tragen. Er habe diese Schuhe aber bereits bei fr üheren Einsätzen getragen, ohne dass dies beanstandet worden sei. In einer solchen Konstell ation darf rechtsprechungsgemäss – wie in Erwägung 3.3 erwähnt – nicht unbesehen auf die Dar stellung der ehemaligen Arbeitgeberin abgestellt werden. Dies umso weniger, als sie in ihrem S chreiben vom 8. November 2017 nicht mehr angibt, den Beschwerdeführer ermahnt zu haben, so ndern ihn nur darauf hingewiesen habe, passendes Schuhwerk zu tragen. Zudem schliesst sie sel bst nicht mehr aus, dass er die beanstandeten Schuhe bereits früher angehabt habe. Unter diesen Umständen kann aber nicht ohne weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbei tnehmers geschlossen werden. Nicht anders verhält es sich betreffend den verspäteten Dienstant ritts. Die Arbeitgeberin bringt in die- ser Hinsicht vor, der Beschwerdeführer sei 25 Minuten zu spät am Einsatzort erschienen. Auch dies wird vom Beschwerdeführer bestritten. Bereits in s einer Einsprache vom 24. September 2017 führte er aus, dass er seinen Dienst wie immer einiges früher als verlangt begonnen habe. Er habe dabei die neu zusammengesetzte Gruppe instruiert. Dies habe zu einer Verspätung von wenigen Minuten geführt. Daran hielt er auch in der vorliegenden Be- schwerde fest, weshalb der Arbeitgeberin auch in dieser Hinsicht nicht bedenkenlos gefolgt werden kann. Sie untermauert ihre Behauptung vor alle m mit dem Gesprächsprotokoll vom 20. April 2017, welches vom Beschwerdeführer aber nicht unterzeichnet worden war. Auch die- sem ist jedoch zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer ber eits im Rahmen dieser Ausspra- che die ihm vorgeworfene Verspätung von 25 Minuten bestritt. In der Arbeitgeberbescheinigung vom 23. Juni 2017 wird die Verspätung als Kündigungsgr und gar nicht mehr erwähnt und eine Verwarnung hierfür erfolgte ebenfalls nicht (vgl. Schre iben der B.____ AG vom 24. Mai 2017). Somit ist letztlich aber auch in Bezug auf die vorgewor fene Verspätung ein Fehlverhalten des Beschwerdeführers nicht klar erstellt. Es ist damit ni cht ausgewiesen, dass er seiner Arbeitge- berin mindestens eventualvorsätzlich Anlass zur Kündigung g egeben bzw. eine Kündigung in Kauf genommen hätte. Schliesslich habe auch das weitere Verhalten des Beschwerdeführers an der C.____, wonach er sich gegenüber einer Kundin negativ über Sparmassnahmen geäus- sert habe, zur Auflösung des Arbeitsvertrags geführt. D er Beschwerdeführer stellt sich jedoch auch hierzu auf den Standpunkt, dass dies nicht zutreffe; er habe sich gegenüber der Kundin nur über das knappe Arbeitspensum beklagt. Diesbezüglich wird in der Stellungnahme vom 24. Mai 2017 festgehalten, dass der Beschwerdeführer sich negativ geäussert habe. In der Ar- beitgeberbescheinigung vom 23. Juni 2017 wird als Künd igungsgrund in erster Linie der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verstoss gegen das Uniformreglement genannt. Das Fehlverh alten wird nur insofern angedeu- tet, als das Arbeitsverhältnis auch deshalb aufgelöst word en sei. Eine Verwarnung wurde nicht ausgesprochen, was aber in Anbetracht der vorgeworfen en Äusserungen betreffend Sparmas- snahmen nicht erstaunt, handelt es sich dabei doch kaum u m ein derart gravierendes Vor- kommnis, dass auch ohne Verwarnung mit einer Entlassung zu rechnen gewesen wäre (vgl. Urteil des Bundesgericht vom 10. Januar 2007, C354/05, 4.4). Unter diesen Umständen musste der Beschwerdeführer – entgegen der Auffassung der Besc hwerdegegnerin – auch in Bezug auf sein Verhalten an der C.____ nicht davon ausgehen, dass dieses eine Entlassung zur Folge haben könnte. 6. Zusammenfassend steht fest, dass der Beschwerdeführer d ie Kündigung und den Ver- lust seiner Arbeitsstelle nicht eventualvorsätzlich in Kauf genommen hat. Folglich fehlt es an der beweismässigen Voraussetzung für eine Einstellung nach Art . 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbin- dung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV. Eine Einstellung ist demnach nicht möglich. Die Beschwerde ist nach dem Ausgeführten gutzuheissen und der angefoch tene Einspracheentscheid vom 7. Februar 2018 ist aufzuheben. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozess ausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der ange fochtene Einsprache- entscheid vom 7. Februar 2018 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht