<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Einbürgerungen</span> <span class="page_no">261</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VIII. Einbürgerungen</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>43 Einbürgerung</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Erfordernis der Integration und Vertrautheit mit den schweizeri-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schen Verhältnissen</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Mangelnde Kooperation mit Schulbehörden als Grund für Nichtein-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bürgerung verneint (Erw. 6.3.)</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 21. August 2013 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">X. (WBE.2013.136).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">1.</span><br/> <span class="ft7">Der 1977 geborene serbische Staatsangehörige A.X. reiste 1990</span><br/> <span class="ft7">in die Schweiz ein. Seit Februar 2002 lebt A.X. in Y.. Seit 1998 ist</span><br/> <span class="ft7">A.X. mit der ebenfalls aus Serbien stammenden, 1978 geborenen</span><br/> <span class="ft7">B.X. verheiratet. Die Eheleute A.X. und B.X. sind Eltern von zwei in</span><br/> <span class="ft7">der Schweiz geborenen Kindern, dem am 17. September 2000 gebo-</span><br/> <span class="ft7">renen Sohn C.X. und der am 21. Mai 2005 geborenen Tochter D.X..</span><br/> <span class="ft7">Am 19. Juni 2008 reichten die Eheleute A.X. und B.X. für sich</span><br/> <span class="ft7">und für ihre beiden Kinder C.X. und D.X. in der Gemeinde Y. ein</span><br/> <span class="ft7">Gesuch um ordentliche Einbürgerung ein. Nach einem ersten Ge-</span><br/> <span class="ft7">spräch mit den Eheleuten A.X. und B.X. empfahl der Gemeinderat Y.</span><br/> <span class="ft7">am 16. Februar 2009 B.X., ihre Sprachkenntnisse mittels Deutsch-</span><br/> <span class="ft7">kurs zu verbessern.</span><br/> <span class="ft7">Am 17. Juni 2010 fand ein zweites Gespräch des Gemeinderats</span><br/> <span class="ft7">mit den Eheleuten A.X. und B.X. statt. Dabei stellte der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft7">fest, dass B.X. ihre Deutschkenntnisse in den letzten Monaten habe</span><br/> <span class="ft7">verbessern können. Sie habe hinsichtlich der sprachlichen Verständi-</span><br/> <span class="ft7">gung deutliche Fortschritte erzielt. In Bezug auf eine negative Stel-</span><br/> <span class="ft7">lungnahme der Schulpflege, welche das Einbürgerungsgesuch nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">262</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">unterstützte, vertrat der Gemeinderat klar die Auffassung, dass die im</span><br/> <span class="ft7">Bericht erwähnten Eigenschaften von C.X. nicht Anlass sein könn-</span><br/> <span class="ft7">ten, das Einbürgerungsgesuch abzulehnen.</span><br/> <span class="ft7">Am 25. November 2010 sicherte die Einwohnergemeindever-</span><br/> <span class="ft7">sammlung Y. den Eheleuten A.X. und B.X. sowie den ins Einbürge-</span><br/> <span class="ft7">rungsgesuch miteinbezogenen Kindern C.X. und D.X. mit 78 Ja-</span><br/> <span class="ft7">Stimmen gegen 20 Nein-Stimmen die Erteilung des Gemeinde-</span><br/> <span class="ft7">bürgerrechts zu.</span><br/> <span class="ft7">2.</span><br/> <span class="ft7">Am 12. April 2012 stellte das Departement Volkswirtschaft und</span><br/> <span class="ft7">Inneres dem Grossen Rat Antrag auf Erteilung des Kantonsbürger-</span><br/> <span class="ft7">rechts. In der Begründung des Antrags wird auf die schulischen</span><br/> <span class="ft7">Schwierigkeiten C.X.s eingegangen und namentlich ausgeführt, auf-</span><br/> <span class="ft7">grund des jugendlichen Alters von C.X. sowie des Einbezugs in das</span><br/> <span class="ft7">Gesuch der Eltern seien die schulischen Vorfälle nicht ausreichend,</span><br/> <span class="ft7">um das Gesuch von C.X. zu sistieren oder gar abzulehnen.</span><br/> <span class="ft7">Das Bundesamt für Migration erteilte am 6. Juni 2012 die eidg.</span><br/> <span class="ft7">Einbürgerungsbewilligung.</span><br/> <span class="ft7">3.</span><br/> <span class="ft7">Vom 2. Juli 2012 bis zum 25. Februar 2013 befassten sich die</span><br/> <span class="ft7">Kommission für Justiz und die Subkommission Einbürgerungen an</span><br/> <span class="ft7">insgesamt sechs Sitzungen mit dem Gesuch der Eheleute A.X. und</span><br/> <span class="ft7">B.X.. An ihrer Sitzung vom 25. Februar 2013 lehnte die Kommission</span><br/> <span class="ft7">für Justiz das Gesuch um Einbürgerung ab. Von diesem Entscheid</span><br/> <span class="ft7">nahm der Grosse Rat am 12. März 2013 Kenntnis.</span><br/> <span class="ft7">Dagegen liessen die Eheleute A.X. und B.X. am 17. April 2013</span><br/> <span class="ft7">beim Verwaltungsgericht Beschwerde erheben.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">2.</span><br/> <span class="ft7">Hier ist zunächst nicht streitig, dass die Beschwerdeführer die</span><br/> <span class="ft7">Voraussetzungen gemäss Art. 14 lit. c und d BüG erfüllen: Sie verfü-</span><br/> <span class="ft7">gen über einen einwandfreien Leumund; die Strafregisterauszüge</span><br/> <span class="ft7">weisen keine Strafen irgendwelcher Art aus. Ebenso mussten die Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Einbürgerungen</span> <span class="page_no">263</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">schwerdeführer gemäss den Betreibungsregisterauszügen nicht be-</span><br/> <span class="ft7">trieben werden und sie haben insbesondere ihre Steuern immer</span><br/> <span class="ft7">pünktlich und vollständig bezahlt. Gemäss den Erhebungen der Ge-</span><br/> <span class="ft7">meinde und des Departements Volkswirtschaft und Inneres kann</span><br/> <span class="ft7">auch keinem Zweifel unterliegen, dass sich die Beschwerdeführer zu</span><br/> <span class="ft7">den demokratischen Institutionen der Schweiz bekennen und die</span><br/> <span class="ft7">Werte der Bundes- und Kantonsverfassung achten. (...)</span><br/> <span class="ft7">3.</span><br/> <span class="ft7">3.1.-3.4.(...)</span><br/> <span class="ft7">4.</span><br/> <span class="ft7">4.1.-4.2.(...)</span><br/> <span class="ft7">4.3.</span><br/> <span class="ft7">4.3.1.</span><br/> <span class="ft7">Hier dreht sich der Streit allein darum, ob die Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft7">ausreichend integriert bzw. mit den schweizerischen Verhältnissen</span><br/> <span class="ft7">vertraut sind, insbesondere ob ihre Kooperation mit den Schulbehör-</span><br/> <span class="ft7">den im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten ihres Sohns C.X. als</span><br/> <span class="ft7">ausreichend bezeichnet werden kann oder ob sie unzulänglich und</span><br/> <span class="ft7">damit ein Indikator für eine unzureichende Eingliederung der Eltern</span><br/> <span class="ft7">in die schweizerischen Verhältnisse ist.</span><br/> <span class="ft7">4.3.2.</span><br/> <span class="ft7">C.X. war im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung (noch) 7, im</span><br/> <span class="ft7">Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids 12 Jahre alt.</span> <span class="ft8">Bei Kindern</span><br/> <span class="ft8">bzw. Jugendlichen und Schülern, die noch weitgehend in den fami-</span><br/> <span class="ft8">liären Verhältnissen leben und noch keine weiteren sozialen Aktivitä-</span><br/> <span class="ft8">ten entfalten, bedeutet die Prüfung der Einbürgerungsvoraussetzun-</span><br/> <span class="ft8">gen insbesondere, dass spezifisch auf das Verhalten in der Schule</span><br/> <span class="ft8">und um die Schule herum abgestellt wird (Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft8">vom 2. Juli 2008 [1D_17/2007 = ZBl 110/2009, 114] Erw. 4.4; Urteil</span><br/> <span class="ft8">des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2012 [BVR</span><br/> <span class="ft8">2012 S. 529] Erw. 6.3). Die Einbürgerungsbehörden haben somit bei</span><br/> <span class="ft8">der Frage, ob Kinder und Jugendliche in die schweizerischen Ver-</span><br/> <span class="ft8">hältnisse eingegliedert und mit den schweizerischen Lebensgewohn-</span><br/> <span class="ft8">heiten, Sitten und Gebräuchen vertraut sind, Abklärungen bei den</span><br/> <span class="ft8">Schulbehörden vorzunehmen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">264</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Die Schwierigkeiten C.X.s wurden weder vom Departement</span><br/> <span class="ft7">Volkswirtschaft und Inneres noch von der Kommission für Justiz als</span><br/> <span class="ft7">ausreichender Grund für eine unzureichende Integration von C.X. in</span><br/> <span class="ft7">die schweizerischen Verhältnisse betrachtet. Diese Schwierigkeiten</span><br/> <span class="ft7">erreichen nach Auffassung des Departements Volkswirtschaft und In-</span><br/> <span class="ft7">neres und des Grossen Rates damit nicht ein Ausmass, welches die</span><br/> <span class="ft7">Verweigerung des Bürgerrechts gegenüber C.X. wegen mangelnder</span><br/> <span class="ft7">Integration bzw. Vertrautheit mit den schweizerischen Verhältnissen</span><br/> <span class="ft7">zu rechtfertigen vermöchte. Unter diesen Umständen kann es auch</span><br/> <span class="ft7">unter der Herrschaft des Untersuchungsgrundsatzes (vgl. § 17 Abs. 1</span><br/> <span class="ft7">VRPG) nicht Aufgabe des Verwaltungsgerichts sein, diesbezüglich</span><br/> <span class="ft7">selbst noch nähere Abklärungen zu treffen. Es ist vielmehr davon</span><br/> <span class="ft7">auszugehen, dass C.X. trotz der in den Berichten der Schulbehörden</span><br/> <span class="ft7">erwähnten Schwierigkeiten (die im Übrigen bei weitem nicht das</span><br/> <span class="ft7">Ausmass der Probleme erreichen, wie sie in den beiden angeführten</span><br/> <span class="ft7">Beispielen aus der Rechtsprechung dokumentiert sind) ausreichend</span><br/> <span class="ft7">mit den schweizerischen Verhältnissen vertraut ist, damit er ins</span><br/> <span class="ft7">Schweizer Bürgerrecht aufgenommen werden kann. Daher ist im</span><br/> <span class="ft7">Folgenden allein der Frage nachzugehen, ob C.X.s Eltern, A.X. und</span><br/> <span class="ft7">B.X., ausreichend mit den schweizerischen Verhältnissen vertraut</span><br/> <span class="ft7">sind, um sie ins Kantonsbürgerrecht aufzunehmen. Wäre diese Frage</span><br/> <span class="ft7">zu verneinen, würde sich dies indessen infolge der Abhängigkeit des</span><br/> <span class="ft7">Gesuchs von C.X. von dem seiner Eltern in der Weise auswirken,</span><br/> <span class="ft7">dass auch C.X. die Einbürgerung zu verweigern wäre.</span><br/> <span class="ft7">5.</span><br/> <span class="ft7">5.1.</span><br/> <span class="ft7">Bei einer Gesamtwürdigung der Vertrautheit von A.X. und B.X.</span><br/> <span class="ft7">mit den schweizerischen Verhältnissen (Art. 14 lit. a und b BüG) fällt</span><br/> <span class="ft7">zunächst ins Gewicht, dass sie beide offenbar nicht nur über ausrei-</span><br/> <span class="ft7">chende, sondern sogar über gute (B.X.) bis sogar sehr gute (A.X.)</span><br/> <span class="ft7">Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen, die ihnen ohne weiteres</span><br/> <span class="ft7">eine Teilnahme am öffentlichen Leben in der Schweiz ermöglichen.</span><br/> <span class="ft7">Darüber hinaus haben beide die von ihnen absolvierten Tests betref-</span><br/> <span class="ft7">fend landes- und staatskundliche Kenntnisse über die Schweiz mit</span><br/> <span class="ft7">sehr gutem Ergebnis bestanden. Auch die Zeugnisse von den Arbeit-</span><br/> <span class="ft7">gebern geben keinen Anlass zur Annahme, A.X. und B.X. seien mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Einbürgerungen</span> <span class="page_no">265</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">den schweizerischen Verhältnissen nur unzureichend vertraut und/</span><br/> <span class="ft7">oder wären durch problematische Verhaltensweisen aufgefallen. All</span><br/> <span class="ft7">dies spricht für eine erfolgreiche Integration und eine erhebliche</span><br/> <span class="ft7">Vertrautheit mit den schweizerischen Verhältnissen.</span><br/> <span class="ft7">5.2.</span><br/> <span class="ft7">Die Auffassung, A.X. und B.X. seien unzureichend mit den</span><br/> <span class="ft7">schweizerischen Verhältnissen vertraut, wie sie von der Subkom-</span><br/> <span class="ft7">mission Einbürgerungen und der Kommission für Justiz vertreten</span><br/> <span class="ft7">wurde, beschränkt sich im Ergebnis denn auch allein auf den Vor-</span><br/> <span class="ft7">wurf, sie hätten im Zusammenhang mit schulischen Schwierigkeiten</span><br/> <span class="ft7">ihres Sohnes C.X. unzureichend mit den Schulbehörden kooperiert.</span><br/> <span class="ft7">6.</span><br/> <span class="ft7">6.1.-6.2.(...)</span><br/> <span class="ft7">6.3.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">Erkennbar ist zwar eine gewisse Zurückhaltung der Eltern, den</span><br/> <span class="ft7">Empfehlungen der Schulbehörden zu folgen. So haben sie sich offen-</span><br/> <span class="ft7">bar nur zögerlich dazu bereit erklärt, C.X. durch den schulpsycho-</span><br/> <span class="ft7">logischen Dienst begutachten zu lassen. Dass A.X. und B.X. erhebli-</span><br/> <span class="ft7">chen Widerstand gegen eine solche Begutachtung geleistet hätten,</span><br/> <span class="ft7">lässt sich den verschiedenen Berichten dagegen nicht entnehmen.</span><br/> <span class="ft7">Ebenso ergibt sich aus den Berichten nicht, dass die Eltern sich</span><br/> <span class="ft7">einer Zusammenarbeit mit dem Schulsozialarbeiter verweigert hät-</span><br/> <span class="ft7">ten; auch ein Heilpädagoge konnte offenbar mit Einwilligung der El-</span><br/> <span class="ft7">tern beigezogen werden.</span><br/> <span class="ft7">Die Eltern haben hingegen offenbar höhere Erwartungen an die</span><br/> <span class="ft7">schulische Karriere ihres Sohnes als dieser bisher erfüllen konnte.</span><br/> <span class="ft7">Dass Eltern - im (allenfalls nur vermeintlichen) Interesse ihrer Kin-</span><br/> <span class="ft7">der - darauf drängen, dass diese in die Sekundarschule und nicht in</span><br/> <span class="ft7">die Realschule übertreten können, mag unklug sein, ist aber ver-</span><br/> <span class="ft7">ständlich. Solchem Verhalten begegnet man nicht selten auch bei</span><br/> <span class="ft7">durchschnittlichen Schweizer Eltern. Offenbar haben die Eltern hier</span><br/> <span class="ft7">im Übrigen dann doch ohne grösseren Widerstand einem Übertritt</span><br/> <span class="ft7">von C.X. in die Realschule zugestimmt; in den Akten finden sich je-</span><br/> <span class="ft7">denfalls keine Hinweise darauf, dass die Eltern weitere Schritte im</span><br/> <span class="ft7">Hinblick auf einen Übertritt C.X.s in die Sekundarschule unternom-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">266</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">men hätten (z.B. Bestehen auf einer Prüfung für den Entscheid über</span><br/> <span class="ft7">den Übertritt in die Mittelstufe; Beschwerde gegen den Zuweisungs-</span><br/> <span class="ft7">entscheid).</span><br/> <span class="ft7">Dass sie einer Weiterleitung der Ergebnisse der schulpsycholo-</span><br/> <span class="ft7">gischen Untersuchung an die Realschulleitung (bisher) nicht zuge-</span><br/> <span class="ft7">stimmt haben und auch mit einem Sozialtraining (noch) zuwarten</span><br/> <span class="ft7">wollen, stellt auch keine mangelhafte Kooperation dar, haben sie</span><br/> <span class="ft7">doch eine Anmeldung C.X.s für den Fall versprochen, wenn in der</span><br/> <span class="ft7">Oberstufe die disziplinarischen Probleme weiterbestünden. Auch</span><br/> <span class="ft7">wenn die Zurückhaltung bei der Weitergabe der Ergebnisse der</span><br/> <span class="ft7">schulpsychologischen Untersuchung bedauerlich sein mag, ist ein</span><br/> <span class="ft7">solches Verhalten doch ohne weiteres nachvollziehbar und begegnet</span><br/> <span class="ft7">auch entsprechend häufig, haben Eltern doch oft - zu Recht oder zu</span><br/> <span class="ft7">Unrecht - Angst, dass ihr Kind frühzeitig und unnötig in eine Aus-</span><br/> <span class="ft7">senseiterrolle gedrängt wird.</span><br/> <span class="ft7">Zu bedauern ist mit den Schulbehörden, dass A.X. und B.X. -</span><br/> <span class="ft7">wohl vor allem deshalb, weil sie beide eine Erwerbstätigkeit ausüben</span><br/> <span class="ft7">- häufig für die Schulbehörden telefonisch nicht erreichbar waren</span><br/> <span class="ft7">(wobei es offenbar doch, soweit erforderlich, stets gelang, Termine</span><br/> <span class="ft7">für Gespräche zu vereinbaren) und C.X. zu Hause nicht im von Leh-</span><br/> <span class="ft7">rern und Schulbehörden geforderten Ausmass unterstützten.</span><br/> <span class="ft7">Was schliesslich die in sämtlichen Stellungnahmen der Schulbe-</span><br/> <span class="ft7">hörden auftauchende Aussage betrifft, es bestünden grundlegende</span><br/> <span class="ft7">Unterschiede mit Bezug auf die im Elternhaus C.X.s und die in der</span><br/> <span class="ft7">Schule vermittelten Werte, so wurde diese Aussage in keiner Art und</span><br/> <span class="ft7">Weise substanziiert. Es mag zwar von Schulbehörden zu Recht als</span><br/> <span class="ft7">pädagogisch verfehlt betrachtet werden, wenn Eltern mehr Wert auf</span><br/> <span class="ft7">die Noten ihrer Kinder als auf Fortschritte in ihrem Sozialverhalten</span><br/> <span class="ft7">legen. Eine solche Haltung ist aber weit verbreitet und zumindest</span><br/> <span class="ft7">verständlich, sind doch Eltern heute schon häufig sehr früh in Sorge</span><br/> <span class="ft7">um die mögliche berufliche Zukunft ihrer Kinder.</span><br/> <span class="ft7">Insgesamt ergibt sich damit aus den Berichten der Schulbehör-</span><br/> <span class="ft7">den für A.X. und B.X. das Bild von Eltern, die an der schulischen</span><br/> <span class="ft7">Zukunft ihres Sohnes sehr interessiert und dem Gespräch mit den</span><br/> <span class="ft7">Schulbehörden auch zugänglich sind. Sie entziehen sich im Hinblick</span><br/> <span class="ft7">auf Auffälligkeiten im Sozialverhalten ihres Sohnes und damit im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Einbürgerungen</span> <span class="page_no">267</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Zusammenhang stehenden nur unzureichenden schulischen Leistun-</span><br/> <span class="ft7">gen insbesondere aus Angst vor einer allfälligen Stigmatisierung ih-</span><br/> <span class="ft7">res Kindes zwar nicht den vorgeschlagenen Massnahmen, wollen in-</span><br/> <span class="ft7">dessen bei deren Einleitung etwas zurückhaltender vorgehen als die</span><br/> <span class="ft7">Schulbehörden. Dazu passt denn auch, dass A.X. und B.X. am</span><br/> <span class="ft7">9. Januar 2012 (d.h. noch bevor sie vom negativen Entscheid des</span><br/> <span class="ft7">Grossen Rats Kenntnis hatten) selbst einen Termin bei einem Fach-</span><br/> <span class="ft7">arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie für C.X. vereinbarten, um auf</span><br/> <span class="ft7">diese Weise - über die bisherigen Einschätzungen der Schulbehörden</span><br/> <span class="ft7">hinaus - eine weitere fachliche Meinung betreffend die Entwick-</span><br/> <span class="ft7">lungsschwierigkeiten von C.X. zu erhalten. Insgesamt fehlen jegliche</span><br/> <span class="ft7">Hinweise darauf, dass das Verhalten der von A.X. und B.X. gegen-</span><br/> <span class="ft7">über den Schulbehörden durch tiefgreifende kulturelle Unterschiede</span><br/> <span class="ft7">und die Nichtanerkennung von in der Schweiz anerkannten Werten</span><br/> <span class="ft7">im Zusammenhang mit der Erziehung von Kindern (z.B. autoritäres</span><br/> <span class="ft7">Verständnis von Kindererziehung, abweichendes Verständnis der</span><br/> <span class="ft7">Effekte der Bestrafung von Kindern, abweichendes Verständnis der</span><br/> <span class="ft7">Geschlechterrolle von Knaben etc.) verursacht wäre. Das Verhalten</span><br/> <span class="ft7">von A.X. und B.X. kann damit nicht als mangelnde Kooperation</span><br/> <span class="ft7">gegenüber den Schulbehörden bezeichnet und als Anzeichen für eine</span><br/> <span class="ft7">unzureichende Bereitschaft, sich in die schweizerischen Verhältnisse</span><br/> <span class="ft7">einzufügen, gedeutet werden. Die Verweigerung der Erteilung des</span><br/> <span class="ft7">Kantonsbürgerrechts durch die Kommission für Justiz wegen angeb-</span><br/> <span class="ft7">lich mangelhafter Kooperation mit den Schulbehörden erweist sich</span><br/> <span class="ft7">daher als rechtswidrig.</span><br/> <span class="ft7">Wenn die Schulbehörden, wie dies aus einigen der angeführten</span><br/> <span class="ft7">Stellungnahmen hervorgeht, ein Zuwarten mit der Einbürgerung</span><br/> <span class="ft7">empfehlen, weil sie sich davon offenbar versprechen, dass die Eltern</span><br/> <span class="ft7">C.X.s dann eher bereit wären, den Empfehlungen der Schulbehörden</span><br/> <span class="ft7">zu folgen, ohne diese zur Diskussion zu stellen und/oder sich zusätz-</span><br/> <span class="ft7">lich externen Rat (bei einem selbst zugezogenen Fachmann) zu ho-</span><br/> <span class="ft7">len, erweckt dies im Übrigen erhebliche Bedenken. Im Ergebnis</span><br/> <span class="ft7">versuchen die Schulbehörden damit, das Einbürgerungsverfahren in</span><br/> <span class="ft7">unzulässiger Weise für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren.</span><br/> <span class="ft7">Seitens des Departements Volkswirtschaft und Inneres ist denn auch</span><br/> <span class="ft7">anlässlich der Beratung des Einbürgerungsgesuchs durch die Sub-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">268</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">kommission Einbürgerungen zu Recht darauf aufmerksam gemacht</span><br/> <span class="ft7">worden, dass sich diese mit der Verweigerung der Einbürgerung zu</span><br/> <span class="ft7">einer "Art Vollstreckungsgehilfen" der Schulpflege mache.</span><br/> <span class="ft7">7.</span><br/> <span class="ft7">7.1. (...)</span><br/> <span class="ft7">7.2.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">A.X. und B.X. haben, wie dargelegt, entgegen den Feststellun-</span><br/> <span class="ft7">gen des Grossen Rats gegenüber den Schulbehörden kein unkoope-</span><br/> <span class="ft7">ratives Verhalten an den Tag gelegt, welches die Ablehnung ihres</span><br/> <span class="ft7">Einbürgerungsgesuchs zu rechtfertigen vermöchte. Sie haben inzwi-</span><br/> <span class="ft7">schen sogar selbst fachkundigen Rat für die Bewältigung der Ent-</span><br/> <span class="ft7">wicklungsprobleme ihres Sohnes C.X. beigezogen und damit zu er-</span><br/> <span class="ft7">kennen gegeben, wie ernst sie dessen Probleme nehmen und wie viel</span><br/> <span class="ft7">ihnen an deren Lösung liegt. Im Verfahren vor Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft7">sind auch sonst keine Tatsachen bekannt geworden, die auf eine</span><br/> <span class="ft7">mangelnde Kooperation der Eltern A.X. und B.X. mit den Schul-</span><br/> <span class="ft7">behörden hindeuten. Schliesslich haben weder das Departement</span><br/> <span class="ft7">Volkswirtschaft und Inneres noch der Grosse Rat im verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft7">richtlichen Verfahren weitere Tatsachen namhaft gemacht, die gegen</span><br/> <span class="ft7">eine Erteilung des Bürgerrechts sprechen würden. Unter diesen be-</span><br/> <span class="ft7">sonderen Umständen ist daher nicht nur der angefochtene Entscheid</span><br/> <span class="ft7">aufzuheben, sondern es ist das Gesuch der Beschwerdeführer um</span><br/> <span class="ft7">Aufnahme in das Kantons- und Gemeindebürgerrecht zu genehmigen</span><br/> <span class="ft7">(§ 5 Abs. 1 KBüG).</span><br/></div> </div> </body> </html>