<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 99 S.465</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verfahren</span> <span class="page_no">465</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>99</b></span> <span class="ft3"><b>Verfahren vor der Schlichtungskommission für Personalfragen.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Im Rahmen der Instruktion kommt der Schlichtungskommission</b></span><br/> <span class="ft3"><b>eine Verfügungskompetenz zu. Werden die Sachentscheidsvoraus-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>setzungen für die Abgabe einer Empfehlung verneint, so bildet dies</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den Endentscheid, gegen den das Personalrekursgericht angerufen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>werden kann (Erw. I/3 - 4.3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 30. Mai 2008 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">S. gegen Kreisschulverband O. (2-BE.2008.6).</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">I/3. Zwischenentscheide sind verfahrensleitende bzw. prozess-</span><br/> <span class="ft8">leitende Verfügungen oder Entscheide, die das Verfahren nicht ab-</span><br/> <span class="ft8">schliessen, sondern es im Rahmen der Prozessinstruktion von der</span><br/> <span class="ft8">Rechtshängigkeit zum Endentscheid führen. Typische Zwischenent-</span><br/> <span class="ft8">scheide sind unter anderem diejenigen, welche das Vorliegen der Sa-</span><br/> <span class="ft8">churteilsvoraussetzungen bejahen. Ein Entscheid, welcher deren</span><br/> <span class="ft8">Vorliegen verneint, ist kein Zwischen-, sondern ein Endentscheid</span><br/> <span class="ft8">(vgl. Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollver-</span><br/> <span class="ft8">fahren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechts-</span><br/> <span class="ft8">pflege, Kommentar zu den §§ 38 - 72 VRPG, Zürich 1998, § 38</span><br/> <span class="ft8">N 53).</span><br/> <span class="ft8">Grundsätzlich sind Zwischenentscheide nicht selbständig an-</span><br/> <span class="ft8">fechtbar. Anders ist ausnahmsweise dann zu entscheiden, wenn ein</span><br/> <span class="ft8">Zwischenentscheid für den Betroffenen unter Berücksichtigung der</span><br/> <span class="ft8">sich stellenden Rechtsschutzinteressen einen später nicht wieder gut-</span><br/> <span class="ft8">zumachenden Nachteil mit sich bringen kann (vgl. zum Ganzen:</span><br/> <span class="ft8">Merker, a.a.O., § 38 N 55 mit Hinweisen). Blosse prozessökonomi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">466</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">sche Überlegungen begründen keine selbständige Anfechtbarkeit von</span><br/> <span class="ft8">Zwischenentscheiden.</span><br/> <span class="ft8">4.</span><br/> <span class="ft8">4.1. Die auffälligste Besonderheit des Verfahrens vor der</span><br/> <span class="ft8">Schlichtungskommission bildet die Regelung, dass es gemäss dem</span><br/> <span class="ft8">Wortlaut von § 35 Abs. 2 Satz 1 GAL mittels einer Empfehlung ab-</span><br/> <span class="ft8">geschlossen wird. Der Wortlaut dieser Bestimmung mag zum Schluss</span><br/> <span class="ft8">verleiten, dass der Schlichtungskommission generell keinerlei Verfü-</span><br/> <span class="ft8">gungsbefugnis zusteht. Aus den Akten lässt sich darauf schliessen,</span><br/> <span class="ft8">dass auch die Schlichtungskommission zu dieser Meinung neigt.</span><br/> <span class="ft8">Die Auffassung greift indessen zu kurz. Es ist offensichtlich un-</span><br/> <span class="ft8">abdingbar, dass der Schlichtungskommission im Rahmen der In-</span><br/> <span class="ft8">struktion, welche das Verfahren der Erledigung mittels Empfehlung</span><br/> <span class="ft8">entgegenführt, eine Verfügungskompetenz zukommt. Ohne die Mög-</span><br/> <span class="ft8">lichkeit, prozessleitende Anordnungen wie beispielsweise die</span><br/> <span class="ft8">Fristansetzung zur Stellungnahme, die Einforderung von Aktenstü-</span><br/> <span class="ft8">cken oder die Vorladung zur Verhandlung vornehmen zu können,</span><br/> <span class="ft8">wäre eine effiziente und zielgerichtete Verfahrensleitung ausge-</span><br/> <span class="ft8">schlossen. § 35 Abs. 2 Satz 1 GAL ist daher restriktiv auszulegen</span><br/> <span class="ft8">und die Schlichtungskommission nur dort auf den Erlass einer Emp-</span><br/> <span class="ft8">fehlung zu verpflichten, wo sie sich materiell mit einer bestimmten</span><br/> <span class="ft8">Streitigkeit auseinandersetzt. Folgerichtig ist der Schlichtungskom-</span><br/> <span class="ft8">mission in Bezug auf den Entscheid, ob ein bestimmter Fall materiell</span><br/> <span class="ft8">an die Hand genommen bzw. ob eine Empfehlung abgegeben werden</span><br/> <span class="ft8">darf oder nicht, eine Verfügungskompetenz zuzubilligen.</span><br/> <span class="ft8">4.2. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der separate Entscheid</span><br/> <span class="ft8">der Schlichtungskommission, ein Verfahren an die Hand zu nehmen,</span><br/> <span class="ft8">eine Zwischenverfügung darstellt. Diese ist nur anfechtbar, falls den</span><br/> <span class="ft8">Betroffenen ein nicht wieder gutzumachender Nachteil droht. Wer-</span><br/> <span class="ft8">den demgegenüber die Sachurteilsvoraussetzungen für die Abgabe</span><br/> <span class="ft8">einer Empfehlung verneint, so bildet dies ein Endentscheid. Gegen</span><br/> <span class="ft8">diesen Entscheid kann stets das Personalrekursgericht angerufen</span><br/> <span class="ft8">werden.</span><br/> <span class="ft8">Beiden Konstellationen ist gemeinsam, dass entgegen dem Ge-</span><br/> <span class="ft8">setzeswortlaut ohne erneuten Entscheid der Anstellungsbehörde di-</span><br/> <span class="ft8">rekt ein Rechtsmittel an das Personalrekursgericht erhoben werden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verfahren</span> <span class="page_no">467</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">kann. Bei Bejahung der Sachurteilsvoraussetzungen wird in beiden</span><br/> <span class="ft8">Fällen die Streitsache der Schlichtungskommission zur materiellen</span><br/> <span class="ft8">Beurteilung zurückgewiesen.</span><br/> <span class="ft8">4.3. Besondere Merkmale des Schlichtungsverfahrens, aufgrund</span><br/> <span class="ft8">derer alle umstrittenen Eintretensentscheide der Schlichtungskom-</span><br/> <span class="ft8">mission an das Personalrekursgericht weiterziehbar sein müssten,</span><br/> <span class="ft8">sind nicht erkennbar. Erst recht besteht kein Anlass, der Schlich-</span><br/> <span class="ft8">tungskommission die Möglichkeit einzuräumen, den Fall gewisser-</span><br/> <span class="ft8">massen "von Amtes wegen" dem Personalrekursgericht vorzulegen.</span><br/> <span class="ft8">Aus prozessökonomischen Gründen ergeben sich ebenfalls</span><br/> <span class="ft8">keine anderen Schlussfolgerungen. Zum einen bestehen diesbezüg-</span><br/> <span class="ft8">lich keine relevanten Unterschiede zu anderen verwaltungsinternen</span><br/> <span class="ft8">Verfahren. Zum andern dürfte die Schlichtungskommission regel-</span><br/> <span class="ft8">mässig Fälle zu bearbeiten haben, in denen auf Seiten der Anstel-</span><br/> <span class="ft8">lungsbehörde keine Bereitschaft für eine vermittelnde Lösung be-</span><br/> <span class="ft8">steht. Ob sich die Behörde dabei auf materielle Gründe beruft oder</span><br/> <span class="ft8">geltend macht, die Schlichtungsbehörde sei zur Abgabe einer Emp-</span><br/> <span class="ft8">fehlung nicht befugt, spielt für die Einigungsbemühungen letztlich</span><br/> <span class="ft8">nur eine untergeordnete Rolle. Auch aus diesem Blickwinkel recht-</span><br/> <span class="ft8">fertigt es sich folglich nicht, im Streitfall das Personalrekursgericht</span><br/> <span class="ft8">vorab darüber entscheiden zu lassen, ob auf ein Schlichtungsgesuch</span><br/> <span class="ft8">einzutreten ist oder nicht.</span><br/></div> </div> </body> </html>