B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1810/2014 U r t e i l v om 1 4 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Bruno Huber, Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A._______, Sri Lanka, c/o Schweizerische Botschaft in Colombo, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 20. Januar 2014 / N (…). E-1810/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin , eine Tamilin christlichen Glaubens aus B._______ (Distrikt Jaffna), ersuchte mit Eingabe vom 9. September 2009 aus dem (…) Detention Camp in C._______ (Südprovinz) bei der Schweizerischen Botschaft in Colombo (nachfolgend: Botschaft) um B e- willigung der Einreise in die Schweiz sowie um Gewährung von Asyl. A.b Am 15. Februar 2010 teilte sie der Botschaft mit, sie sei aus der Haft entlassen worden und lebe wieder bei ihren Eltern. Die Botschaft forderte sie daraufhin mit Schreiben vom 3. März und 20. April 2010 zur Bean t- wortung von Fragen betreffend ihre Asylgründe und zur Einreichung von Beweismitteln sowie Kopien ihrer Identitätsdokumente auf. Mit Eingaben vom 15. April u nd 21. Mai 2010 machte die Beschwerdeführerin ergä n- zende Angaben und reichte Beweismittel zu den Akten. A.c Mit Schreiben vom 23. Juli 2013 kündigte die Botschaft der B e- schwerdeführerin eine baldige Befragung an und ersuchte sie, vorgängig allfällige neue Bewe ismittel einzureichen. Diese liess sich mit zwei Schreiben vom 15. August 2013 unter Beilage von Beweismitteln ver- nehmen. A.d Am 2. Dezember 2013 wurde die Beschwerdeführerin auf der Bo t- schaft zu ihren Asylgründen befragt. B. In ihren Eingaben sowie anlässlich der Botschaftsbefragung brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, sie sei Ende Juni 1998 als Schülerin im Alter von (…) Jahren in D._______ von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zwangsrekrutiert und ins Vanni -Gebiet g ebracht worden. Nach der sechsmonatigen Grundausbildung sei sie medizinisch ausgebildet und in verschiedenen Spitälern der LTTE in Kilinochchi, E._______ und F._______ als Krankenpflegerin eingesetzt worden . Im Jahre 2000 sei sie bei einem Luftangriff bei E._______ so stark am Bein verletzt worden, dass dieses habe amputiert werden müssen. Danach sei sie zur Pharmazeutin ausgebildet worden und habe im medizinischen La- bor des Spitals von G._______ gearbeitet. Im Jahre 2004 sei sie vom Dienst befreit worden und nach Hause zurü ckgekehrt. Zwei Jahre später sei sie wieder ins Vanni-Gebiet gegangen und habe gegen Bezahlung im Spital der LTTE in G._______ gearbeitet. Am 10. Mai 2009 sei sie auf dem Seeweg nach H._______ gereist und dort verhaftet worden. Auf der E-1810/2014 Seite 3 Polizeistation sei sie mas siv mit einem Schlagstock geschlagen und durch ein Mitglied des Criminal Investigation Department (CID) zu ihren Tätigkeiten in B._______ und zum Beitritt zu den LTTE befragt worden. Nach einer Woche sei sie zu einer Polizeistation in Batticaloa geb racht und erneut befragt worden. Einen Monat später habe man sie ins (…) De- tention Camp überstellt, wo sie zusammen mit anderen Frauen von weib- lichen Offizieren gezwungen worden sei, sich auszuziehen. Nachdem sie sich wieder angezogen hätten, seien sie in einen sehr kleinen Raum g e- bracht worden, der nicht genug Platz geboten habe, damit sich alle hätten hinlegen können. Sie (Beschwerdeführerin) sei immer wieder zu Befr a- gungen aus dem Raum geholt worden. Dabei sei sie jedes Mal gefragt worden, ob sie an Gefechten teilgenommen habe. Die Anwesenden hät- ten sie auch dreimal geschlagen und ihr nicht geglaubt, dass sie nur im medizinischen Bereich tätig gewesen sei . Am (…) Januar 2010 sei sie aus dem Camp entlassen worden. Beim Entlassungsgespräch habe sie sich wieder ausziehen müssen. Zunächst sei ihr gesagt worden, dass sie und acht weitere Personen zur Rehabilitation geschickt würden, was auch in ihrem Entlassungsschreiben vermerkt sei. Danach sei jedoch entschie- den worden, sie zu entlassen. Es sei ihr mitgeteilt worden, sie solle ihr Überweisungsschreiben (in die Rehabilitation) im 4. Stock des Gebäudes abholen, was sie jedoch aus Angst nicht getan habe. Nach der Entlassung aus der Haft habe sie sich in B._______ aufgehal- ten. Am (…) Januar 2010 sei sie von de r dortigen Polizei vorgeladen und verhört worden. Danach sei sie oftmals beziehungsweise insgesamt vier Mal in der Öffentlichkeit von Sicherheitskräften als LTTE -Kadermitglied bezeichnet, und nach ihrer Vergangenheit bei den LTTE sowie weiterge- henden Tätigkeiten für die Bewegung befragt worden. Sie habe aus di e- sem Grund eine Beschwerde bei der Human Rights Commission of Sri Lanka (HRC) eingereicht. Als sie einmal unterwegs gewesen sei, sei sie von einem Offizier des CID nach ihrem Bein gefragt worden. Sie habe ihm gesagt, sie habe es bei einem Unfall verloren. Als sie in ein Schiff ha- be einsteigen wollen, habe der Offizier sie in die Hand gestochen. D a- nach habe sie die Reise fortsetzen können. Ein anderes Mal sei sie zu Hause von einem Offizier der Sicherhe itskräfte bedroht und befragt wor- den, wobei ihr beschämende, für die Befragung nicht relevante Fragen gestellt worden seien. Am 18. Oktober 2010 seien zwei Offiziere zu ihr nach Hause gekommen, als ihre Familie bei der Messe gewesen sei. Sie hätten ihr gesagt, sie seien für eine Befragung da, hätten sie jedoch dann in der Absicht , sie zu vergewaltigen, geknebelt. Dann habe aber eine Nachbarin ihren Schrei gehört und sei dazugekommen, woraufhin die E-1810/2014 Seite 4 Männer von ihr abgelassen hätten. Sie habe den Vorfall bei der Polizei in B._______ und beim der HRC gemeldet. Die Polizei habe sich jedoch geweigert, eine Anzeige anzunehmen. Am 10. April 2011 seien dieselben Offiziere spätabends wieder vorbeigekommen, als sie bereits geschlafen habe. Während einer der Männer mit ihrem Vater gesprochen habe, habe der andere in ihrem Zimmer ihren Rock hochgeschoben und sie gefragt, wo ihr Bein sei. Dann habe er sie vergewaltigt. Sie habe sich gewehrt, worauf er sie weggestossen habe. Sie sei zu Boden gefallen und später habe sie das Bewusstsein verloren. Am Tag nach diesem Vorfall habe sie B._______ verlassen und sich fort- an bei einer Tante in Vavuniya aufgehalten. Am 5. Januar 2012 sei sie dort von Offizieren des CID aufgesucht worden. Diese hätten ihr gesagt, dass sie sie befragen wollten. Als sie sich geweigert habe, sofort Auskunft zu geben, hätten die Männer sie gegen ihr Fahrzeug gestossen, so dass sie ihre Beinprothese verloren habe und zu Boden gefallen sei. Als ihre Tante und ihre Cousine zu ihr gerannt sei en, seien die Offi ziere wegge- fahren. Die Tante habe sie danach jedoch nicht mehr beherbergen wollen. Daher sei sie zwei Tage später in ein Auffangheim in Mannar gezogen. Weil sie dort keinen Frieden gefunden habe, sei sie etwa fünf Monate später nach Kilinochchi gegangen und habe bei der Mutter eines Bekann- ten ihres Bruders gewohnt . Da sie Depressionen gehabt habe, habe sie sich bei einem Psychologen in Jaffna in Behandlung begeben. Dieser ha- be ihr empfohlen, nach Indien zu reisen , um den Kopf freizubekommen. Vor ihrer Abrei se sei sie noch einmal von Mitglieder n der sri-lankischen Sicherheitskräfte während etwa 30 Minuten befragt worden. Vom (…) Februar 2013 bis zum (…) Juni 2013 habe sie sich in Indien aufgehalten. Sie habe sich dort sehr wohl gefühlt, habe jedoch aufgrund des Ablaufs ihres Visums nach Sri Lanka zurückkehren müssen. Bei der Rückkehr sei sie am Flughafen während fünf Minuten befragt worden. Seither wohne sie bei einer Tante in J affna. Bis zur Botschafts befragung am 2. Dezember 2013 habe es keine Vorfälle mehr gegeben. Zum Beweis ihrer Identität und ihrer Vorbringen reichte die Beschwerde- führerin Kopien verschiedener Beweismittel zu den Akten ( Identitätskarte und Reisepass, Übersetzungen ihres Geburtsscheins und eines undatier- ten Police Investigation Reports, Assistance Distribution Card des Inte r- nationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), Gerichtsdokument vom Januar 2010 betreffend einen Antrag der Terror Inquiry Division (TID) auf Entlassung der Beschwerdeführerin und anderer Personen aus der Haft samt englischer Übersetzung, Schreiben eines stellvertretenden Bi l-E-1810/2014 Seite 5 dungsministers vom (…) Januar 2010 betreffend die Entlassung der B e- schwerdeführerin aus der Haft, Bestätigung des IKRK vom 24. Februar 2010 betreffend ihren Aufenthalt im Detention Camp und Bestätigung der HRC vom 25. März 2010 betreffend Registrierung einer Beschwerde). C. Mit Schreiben vom 26. Dezember 2013 (Eingang BFM: 16. Januar 2014) und vom 16. Januar 2014 (Eingang BFM: 30. Januar 2014) führte die Be- schwerdeführerin aus, es sei in den Nachrichten über die Inhaftierung und das Verschwinden von etwa 600 Personen in Jaffna, Kilinochchi und Mullaitivu berichtet worden. Sie sei sehr besorgt, ebenfalls vom CID, TID oder de r Army Intelligence Unit festgenommen und in einem Detention Camp erneut physischer und sexueller Folter unterworfen zu werden. Aus einem Bericht der Zeitung "The Island" gehe hervor, dass diejenigen Pe r- sonen, die anlässlich des Kriegsendes im Mai 20 09 nicht verhaftet wo r- den seien, nicht in das Rehabilitationsprojekt der Regierung einbezogen worden seien. Dazu werde bald eine Entscheidung erwartet. Auch sie sei dem Rehabilitationsprogramm unter einer Auflage entkommen, weshalb sie jederzeit verhaftet und in ein entsprechendes Zentrum gebracht we r- den könnte. Aufgrund ihres amputierten Beins befinde sie sich überdies in einer sehr schwachen physischen Verfassung. D. Mit Verfügung vom 20. Januar 2014 (von der Botschaft an die Beschwer- deführerin geschickt a m 29. Januar 20 14) verweigerte das BFM ihr die Einreise in die Schweiz und wies das Asylgesuch ab. E. Mit Eingabe vom 26. Februar 2014 in tamilischer und vom 17. März 2014 in englischer Sprache erhob die Beschwerdeführerin gegen die vor - instanzliche Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Bewilligung der Einreise in die Schweiz zur Durchführung des o r- dentlichen Asylverfahrens. Als weitere Beweismittel reichte si e ein Schreiben vom 10. September 2013 eines Reverends des Bishop House in Jaffna und zwei Schreiben vom 30. November 2013 des Generalsekretärs der Tamil National Pe o- ple's Front (TNPF) und der B._______ Fishermen's Cooperative Societies Union (alles in Kopie) zu den Akten. E-1810/2014 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgült ig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor , weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Mit dringlicher Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft trat, wurden u n- ter anderem die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsregelungen halten jedoch fest, dass für die vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 im Ausland gestellten Gesuche die massgeblichen Artikel ( aArt. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fassung nach wie vor anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden Fall die bisher i- gen Bestimmungen betreffend das Auslandverfahren anzuwenden. Im Übrigen richtet sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG ; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die B e- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-1810/2014 Seite 7 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverh alts, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen and e- ren Staat auszureisen ( aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib namentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist. Schutzbedürftig im Sinne des AsylG sind Personen, die in ihrem He i- matstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernstha ften Nachteilen aus- gesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausg e- setzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge - fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck b ewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). Die er- littenen beziehungsweise drohenden Nachteile müssen nachgewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht werden (Art. 7 AsylG). 4.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Voraus - setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu - kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von a Art. 52 Abs. 2 AsylG na- mentlich di e Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schut z- gewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur ander- weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederu ngs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126). 5. 5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentl i- chen aus, für die Gewährung der Einreise sei die Gefährdung einer asy l- suchenden Person im Zeitp unkt der Einreisebewilligung massgebend. Vergangene Verfolgung sei nur dann beachtlich, wenn sie noch andauere oder konkrete Hinweise auf eine zukünftige Verfolgung bestehen würden. Befürchtungen, künftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein, seien überdies nur dann einreisebeachtlich, wenn sie aufgrund E-1810/2014 Seite 8 ihrer Art und Intensität ein menschenwürdiges Leben im Verfolgerstaat verunmöglichen oder in unzumutbarer Weise erschweren würden, so dass sich die verfolgte Person dieser Zwangssituation nur durch Flucht ins Ausland entziehen könne. Die Beschwerdeführerin bringe vor, ab Mai 2009 in einem Rehabilitat i- onscamp (recte: Detention Camp) gewesen und im Januar 2010 offiziell entlassen worden zu sein. Danach sei sie mehrfach von Sicherheitskrä f- ten und Angehörigen des CID befragt worden und in ihrer Gegend sei es zu wiederholten Verhaftungen gekommen. Ihre Furcht vor einer zukünft i- gen Verfolgung müsse bei einer objektiven Betrachtungsweise jedoch als nicht begründet im Sinne des AsylG eingestuft werde n. Es würden keine Anhaltspunkte bestehen, wonach sie aufgrund des Aufenthalts im (…) Detention Camp in absehbarer Zukunft erneut staatlichen Verfolgung s- massnahmen ausgesetzt sein könnte. Lediglich aus dem Umstand eines Aufenthalts in einer solchen Einrich tung könne nicht abgeleitet werden, dass sie aktuell von asylrelevanter Verfolgung bedroht sei. Zwar sei nicht auszuschliessen, dass sie auch nach ih rer Freilassung unter Beobac h- tung der sri -lankischen Behörden gestanden habe und aufgefordert wo r- den sei, sich registrieren zu lassen. Solchen Massnahmen komme inde s- sen aufgrund mangelnder Intensität kein Verfolgungscharakter zu. Wären die Behörden auch nach der Freilassung davon ausgegangen, dass sie in irgendeiner Weise eine Gefahr für die Staatssicherheit da rstellen würde, wäre sie zweifellos erneut inhaftiert worden. Dies sei jedoch nicht g e- schehen. Vielmehr sei ihr im Oktober 2012 sogar ein neuer Pass ausg e- stellt worden. Den Akten sei zu entnehmen, dass sie seit der Rückkehr aus Indien im Juni 2013 keinen w eiteren Vorfällen mehr ausgesetzt g e- wesen sei. Die angeblichen Massenverhaftungen könnten nicht als eine gezielte Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG qualifiziert werden. Der letzte gezielte Vorfall liege über 18 Monate zurück. Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Nachteile könnten demzufolge nicht zur Gewährung einer Einreisebewilligung führen. Sie weise kein Gefährdungsprofil auf, das im heutigen Zeitpunkt mit erhebl i- cher Wahrscheinlichkeit auf eine Verfolgung seitens des sri -lankischen Staats schliessen lassen würde. Daher sei darauf zu verzichten, auf allfäl- lige Unglaubhaftigkeitselemente in ihren Asylvorbringen einzugehen. Zusammenfassend sei fe stzustellen, dass die Beschwerdeführerin nicht schutzbedürftig im Sinne des AsylG sei. Die Einreise in die Schweiz sei daher zu verweigern und ihr Asylgesuch sei abzulehnen. E-1810/2014 Seite 9 5.2 Die Beschwerdeführerin hält den Ausführungen des BFM entgegen, sie habe ihre aktuelle S ituation bereits in mehreren Schreiben an das BFM dargelegt. Ihr Leben sei nicht sicher, und sie werde von den Siche r- heitskräften weiterhin verdächtigt. Am 10. März 2014 seien Mitglieder des CID erneut zu ihr nach B._______ gekommen und hätten sie befragt. Sie fürchte sich vor dem weiteren Leben in Sri Lanka. 6. Nach Prüfung d er Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht in Übe r- einstimmung mit dem BFM zum Schluss , dass die Beschwerdeführerin nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen ist. 6.1 Mit dem BFM ist festzustellen, dass eine Prüfung der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen der Be schwerdeführerin grundsätzlich unterbleiben kann, da sich diese als nicht asylrelevant erweisen . Der Vollständigkeit halber ist jedoch zu ergänzen, dass die seit der Entlassung aus dem D e- tention Camp vom (…) Januar 2010 geltend gemachten Vorkomm nisse nicht mit einschlägigen Beweismitteln belegt wurden. Bei den eingereich- ten Briefen vom 10. September 2013 und vom 30. November 2013 ha n- delt es sich um Gefälligkeitsschreiben, die inhaltlich teilweise von den Schilderungen der Beschwerdeführerin abweichen. Aus der Bestätigung der HRC vom 25. März 2010 betreffend die Registrierung einer B e- schwerde lässt sich sodann nichts über deren Inhalt aussagen. Anzumer- ken ist ferner, dass der von der Besc hwerdeführerin geltend gemachte Vorfall, welchem die höchste Intensität zukommt – die angebliche Verge- waltigung im April 2011 – unsubstanziiert und widersprüchlich geschildert wurde. Sie vermochte weder über die Tat noch über deren Begleitu m- stände realitätsnah zu berichten und gab auf zahlreiche Nachfragen der Botschaftsmitarbeiterin hin an, sich an diese Dinge nicht erinnern zu kö n- nen (vgl. die vorinstanzlichen Akten A15/17 S. 8 f.). 6.2 Wie vom BFM zutreffend festgestellt , muss eine Verfolgungssituation aktuell sein, um gemäss Art. 3 AsylG als relevant zu gelten. Bei den von der Beschwerdeführerin geschilderten Vorfällen seit der Haftentlassung handelt es sich , abgesehen von der unsubstanziiert vo r- gebrachten Vergewaltigung , um Ereignisse mit geringer Intensität, n a- mentlich um Befragungen durch verschiedene Sicherheitskräfte, Beleidi- gungen und Schikanen. Aus ihren Ausführungen ergibt sich zudem eine stetige Ab nahme der Anzahl und des Ausmasses der Belästigungen. E-1810/2014 Seite 10 Nach dem Vorfall vom April 2011 machte sie lediglich noch einen Befr a- gungsversuch im Januar 2012, bei dem sie gegen das Auto von zwei O f- fizieren des CID gestossen worden sei, eine 30 -minütige Befragung im Februar 2013, eine 5 -minütige Befragung anlässlich der Rückkehr aus Indien und eine Befragung durch Beamte des CID im März 2014 geltend. Diese Behell igungen haben mangels Intensität keinen Verfolgungsch a- rakter im Sinne von Art. 3 AsylG und vermögen auch keinen unerträgl i- chen psychischen Druck zu bewirken. 6.3 Die subjektive Furcht der Beschwerdeführerin, inskünftig einem R e- habilitationszentrum zugeführt zu werden, erweist sich als objektiv unb e- gründet. Zwar ergibt sich aus den Übersetzungen des Police Investigation Reports und Gerichtsdokuments vom Januar 2010, dass zehn Verdächti- ge – darunter die Beschwerdeführerin – aus dem (…) Army Camp entlas- sen würden, bis sie in Zukunft zur Rehabilitation aufgeboten würden. Je- doch bringt die Beschwerdeführerin nicht vor, dass ihr seit der Entlassung aus dem Detention Camp am (…) Januar 2010, beispielsweise anlässlich der verschiedenen Befragungen, jemals eine Einweisung in ein Rehabil i- tationszentrum angedroht worden sei. Auch ansonsten gibt es keine A n- zeichen dafür, dass die sri -lankischen Behörden sie einer solchen Mass- nahme zu unterziehen gedenken, zumal seit ihren letzten unterstütze n- den Tätigkeiten für die LTTE mittlerweile fünf und seit der Entlassung aus der Haft über vier Jahre vergangen sind. Der Beschwerdeführerin wurde am 17. Oktober 2012 zudem ein Pass ausgestellt, mit dem sie am (…) Februar 2013 eine Reise nach Indien antrat. Dass sie diese Reise wagte und sich damit den Behörden am Flughafen zweimal präsen tierte, weist darauf hin, dass sie von diesen keine Verfolgungsmassnahmen befürc h- tete. Bei der Rückkehr Ende Juni 2013 kam sie sodann in direkten Ko n- takt mit den Behörden. Dennoch wurde sie lediglich während fünf Minuten befragt und konnte anschliessend ohne Auflagen zu ihrer Tante nach Jaffna zurückkehren. In der Folge wurde sie b is Mitte März 2014 nicht mehr von sri-lankischen Sicherheitskräften aufgesucht und befragt. Es ist folglich nicht davon auszugehen, dass ihr in Zukunft die Einweisung in ein Rehabilitationszentrum droht. 6.4 Im Übrigen kann auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden, denen sich das Bundesverwaltungsgericht vollu m- fänglich anschliesst. E-1810/2014 Seite 11 6.5 Nach dem Gesagten ist die Beschwerdeführerin nicht schutzbedürftig im Sinne von Art. 3 AsylG. Die Vorinstanz hat ihr somit zu Recht die Ei n- reise in die Schweiz verweigert und das Asylgesuch abgelehnt. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde i st abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwa l- tungsökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Febr uar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist indessen auf die Erhebung der Verfahrensko s- ten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-1810/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die Schwei- zerische Vertretung in Colombo. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi Versand: