B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-935/2021 U r t e i l v o m 1 6 . M ä r z 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichter Lorenz Noli, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiber Kevin Schori. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Fethiye Yalcin, RECHTSBÜRO, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Mehrfachgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 22. Februar 2021 / N (…). E-935/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin suchte am 24. Januar 2016 erstmals in der Schweiz um Asyl nach. Im Rahmen eines darauffolgenden Zuständigkeits- verfahrens gestützt auf die Verordnung (EU) Nr. 604/20 13 vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö- rigen oder Staatenlosen gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu- ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) wurde festgestellt, dass Österreich für die Durchführung ihres weiteren Verfahrens zuständig ist. Gestützt da- rauf erliess das SEM einen Nicht eintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR. 142.31) und verfügte ihre Wegweisung nach Ös- terreich. Diese Verfügung ist in Rechtskraft erwachsen und die Beschwer- deführerin wurde am 6. April 2016 nach Österreich überstellt. B. B.a Eigenen Angaben zufolge versuchten die Beschwerdeführerin und ihr in der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenommener angeblicher Partner B._______ (N […]) zu einem nicht näher bekannten (in der näheren Ver- gangenheit liegenden) Zeitpunkt beim Zivilstandsamt C._______ angeblich ein Ehevorbereitungsverfahren einzuleiten. Da sie die vom Zivilstandsamt geforderten Unterlagen aber nicht habe einreichen können, sei dieses Un- terfangen in der Folge nicht weiterverfolgt worden. Ein kantonales Bewilli- gungsverfahren sei bisher auch nicht angestrebt worden; dies, weil die hei- matlichen Ausweisschriften der Beschwerdeführerin , die für e in solches Verfahren erforderlich wären, ohnehin noch bei den österreichischen Be- hörden hinterlegt seien. Ein ordentliches Familiennachzugsgesuch wurde bis dato ebenfalls nicht eingereicht. B.b Zu nicht näher bekanntem Zeitpunkt reiste die Beschwerdeführerin so- dann illegal in die Schweiz ein und ersuchte mit Eingabe an das SEM vom 2. Dezember 2020 um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres angeb- lichen Partners B._______ (N […]) und vorläufige Aufnahme in der Schweiz. Darin verzichtete sie auf die Ge ltendmachung eigener Asyl- gründe. Sie wolle einzig und alleine nur endlich mit B._______ zusammen- leben und in der Schweiz heiraten dürfen. Das SEM nahm diese Eingabe als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c AsylG entgegen. E-935/2021 Seite 3 B.c Ein Informationsersuchen des SEM vom 9. Dezember 2020 betreffend den Stand des österreichischen Asylverfahrens der Beschwerdeführerin beantworteten die österreichischen Behörden am 22. Januar 2021 (vgl. vorinstanzliche Akten […]-10/3; nachfolgend «act. 10/3»). Daraus geht un- ter anderem hervor, dass der Asylantrag der Beschwerdeführerin abge- lehnt worden, gegenwärtig aber ein Beschwerdeverfahren in zweiter In- stanz hängig ist. B.d Mit Schreiben vom 27. Januar 2021 gewährte das SEM der Beschwer- deführerin das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Öst erreichs zur Durch- führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gemäss Dublin-III-VO, zum Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG sowie zur Wegweisung nach Österreich und ersuchte sie zudem um Beantwortung verschiedener Fragen (vgl. act. 11/4). B.e Am 2. Februar 2021 ersuchte das SEM die österreichischen Behörden um Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO (vgl. act. 12/5). Dem Ersuchen stimmten die österrei- chischen Behörden am 3. Februar 2021 zu (vgl. act. 15/2). B.f Am 3. Februar 2021 reichte die Beschwerdeführerin eine schriftliche Stellungnahme ein, mit welchem sie ihr rechtliches Gehör wahrnahm und die Fragen des SEM beantwortete (vgl. act. 17/6). C. C.a Mit Verfügung vom 22. Februar 2021 – eröffnet tags darauf – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Gesuch der Beschwerdeführerin nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach Österreich sowie den Vollzug an. Gleichzeitig verfügte das SEM die Aushändigung der editionspflichtigen Akten, stellte fest, einer all- fälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und erhob eine Gebühr in Höhe von Fr. 600.–. C.b Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen aus, dass die Be- schwerdeführerin am 22. Januar 2016 in Österreich ein Asylgesuch einge- reicht habe und die österreichischen Behörden ihrer Rückübernahme ge- stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zugestimmt hätten. Somit liege die Zuständigkeit zur weiteren Durchführung ihres Verfahrens bei Öster- reich. Mit ihrer Stellungnahme vom 3. Februar 2021 habe sie keine Gründe vorgebracht, welche zu einem anderen Resultat führen könnten. Die Prü- fung von Asylgründen sei schliesslich nicht Gegenstand des vorliegenden E-935/2021 Seite 4 Zuständigkeitsverfahrens. Es ergäben sich ferner keine Hinweise, dass die Überstellung unzulässig, unzumutbar oder nicht möglich wäre. Es lägen auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass sich Österr eich nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten und das Asyl- und Weg- weisungsverfahren nicht korrekt durchführen würde. Sodann lägen auch keine Gründe gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO vor, welche die Schweiz verpflichten würden, ihr Asylgesuch zu prüfen. Es seien auch keine Gründe gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ersichtlich, welche eine Prüfung ihres Asylgesuchs in der Schweiz nahelegen würden. Sie und ihr Partner seien nicht verheiratet und würden seit ihrer Wegweisung nach Österreich v om 6. April 2016 getrennt leben, wobei sie den Kontakt mit Hilfe diverser sozi- aler Netzwerke aufrechterhielten. Von einer tatsächlichen, gelebten und dauerhaften Beziehung könne nicht ausgegangen werden, weshalb die Vo- raussetzungen für eine Berufung auf Art. 8 EMRK nicht erfüllt seien. Es sei sodann klar nicht Sinn und Zweck des Asylverfahrens, ausländer- rechtliche Bestimmungen des Familiennachzugs gezielt zu umgehen. Es könne ihr und ihrem Partner zugemutet werden, dass dafür vorgesehene ordentliche Familienzusammenführungsverfahren bei der zuständigen ös- terreichischen beziehungsweise schweizerischen Behörde einzuleiten. Zu- dem könne es der Beschwerdeführerin zugemutet werden, den Ausgang eines solchen Verfahrens respektive eines allfälligen Ehevorbereitungsver- fahrens in Österreich abzuwarten. Der mit der Trennung der Familie ein- hergehende Eingriff sei daher verhältnismässig, zumal die räumliche Tren- nung nicht sonderlich gross und überdies nur vorübergehend wäre, sofern das Familienzusammenführungsgesuch posi tiv verlaufen würde. Nach dem Gesagten sei die geltend gemachte Beziehung nicht als dauerhaft im Sinne von Art. 8 EMRK zu werten und es bestehe keine Pflicht, die Souve- ränitätsklausel anzuwenden. Da in casu auch nicht von einem Konkubi- natsverhältnis ausgegangen werden könne, seien letztlich auch die Vo- raussetzungen nach Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht erfüllt. D. Mit Eingabe vom 2. März 2021 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und Rückwei- sung der Sache an das SEM zur materiellen Behandlung sowie die Bewil- ligung, den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten zu dürfen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unent geltlichen Rechtspflege inklusive Kostenvorschussverzicht und Bestellung der rubri- zierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. E-935/2021 Seite 5 Zur Begründung ihrer Beschwerde machte die Beschwerdeführerin im We- sentlichen geltend, dass das SEM ihr Gesuch fälschlicherweise als Mehr- fachgesuch qualifiziert habe. Der Nichteintretensentscheid sei daher unbe- gründet. Auch wenn die Schweiz für die Prüfung ihres Gesuchs nicht zu- ständig wäre, hätte das SEM aus humanitären Gründen gemäss Art. 17 Dublin-III-VO von den Zuständigkeitskriterien abweichen, ihren Antrag prü- fen und sie anhören müssen. Das SEM habe nicht vollständig ermittelt, ob eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung bestehe. Es treffe auch nicht zu, dass sie ihr Gesuch eingereicht habe, bloss um ausländer- rechtliche Bestimmungen zu umgehen. E. Mit Zwischenverfügung vom 4. März 2021 bestätigte das Bundesverwal- tungsgericht der Beschwerdeführerin den Eingang ihrer Beschwerde und stellte ihren einstweiligen legalen Aufenthalt in der Schweiz für die Daue r des Verfahrens fest. F. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 3. März 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwer- deführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-935/2021 Seite 6 3. 3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz d er Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs sowie des Einbezugs in die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt. 4. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. Die formelle Rüge der Beschwerdeführerin, wonach das SEM ihr Gesuch fälschlicherweise als Mehrfachgesuch qualifiziert habe, weshalb die Sach- verhaltsfeststellung fehlerhaft sei, ist unbegründet. D ie Vorgehensweise des SEM, das Gesuch der Beschwerdeführerin als Mehrfachgesuch zu qualifizieren, ist nicht zu beanstanden und entspricht – wie nachfolgend dargestellt – der Vorgehensweise in ähnlich gelagerten Fällen. Da es sich bei der Prüfung der Anwendbarkeit von Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht um die Prüfung der originären, sondern um diejenige der derivativen (also abge- leiteten) Flüchtlingseigenschaft handelt, steht im vorliegenden Fall die Be- urteilung der persönlichen Verfolgungssituation – wie von der Beschwer- deführerin ja auch explizit selbst festgestellt – gar nicht im Raum. Die Prü- fung der Anwendbarkeit von Art. 51 Abs. 1 AsylG erweist sich somit im Kon- text des vorliegend gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG gefällten Nicht- eintretensentscheids als zulässig (vgl. Urteil des BVGer D-2082/2015 vom 8. September 2015 E. 5.2; vgl. in einer ähnlichen Konstellation auch D - 4228/2017 und D-4663/2017 vom 13. Juni 2018 ). Weiter ist auch festzu- halten, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen des rechtlichen Gehörs E-935/2021 Seite 7 vom 27. Januar 2021 vom SEM ber eits darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ihr Gesuch als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c AsylG entgegengenommen wurde. Diese Vorgehensweise des SEM wurde von der Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme nicht beanstandet. Die Vo- rinstanz hat im Übrigen – obwohl es sich vorliegend prinzipiell um einen Nichteintretensentscheid handelt – den Wunsch nach einem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft des Partners erkannt (wie aus dem Wortlaut der angefochtenen Verfügung an mehreren Stellen hervorgeht, vgl. a.a.O. S. 3) und ist hierauf in Teil III d er Verfügung auch vertieft eingegangen. Schliesslich gewährte das SEM der Beschwerdef ührerin die Gelegenheit, zu ihrer Beziehung ausführlich Stellung zu nehmen. Es ist deshalb nicht ersichtlich, inwiefern der Sachverhalt diesbezüglich nicht genügend abge- klärt worden wäre; dies zumal der Qualität ihrer Beziehung angesichts der im vorliegenden Verfahren festzustellenden offensichtlichen Rechtsumge- hung – wie nachfolgend in E. 6 noch dargelegt wird – ohnehin kein Gewicht beizumessen ist. Die entsprechenden Beschwerdevorbringen sind deshalb nicht zu hören. 6. 6.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen (Ehe- gatten rechtlich gleichgestellt sind in einer dauerhaften eheähnlichen Ge- meinschaft lebende Partner, vgl. Art. 1a Bst. e AsylV1 [SR 142.311]) eben- falls als Flüchtlinge anerkannt, wenn keine besonderen Umstände dage- gensprechen. Ungeachtet der Frage, ob die Beziehung zwischen der Be- schwerdeführerin und ihrem Partner überhaupt in den Anwendungsbereich des Familienasyls fällt (vgl. hierzu nachfolgend E. 6.4), liegen vorliegend solche besonderen Umstände gegen einen Einbezug der Beschwerdefüh- rerin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Partners vor. 6.2 Nachdem die Vorinstanz auf ihr erstes Asylgesuch vom 24. Januar 2016 in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG nicht eingetreten ist und das erste Asylverfahren rechtskräftig erledigt worden war, wurde die Beschwerdeführerin am 6. April 2016 nach Österreich rücküberstellt, wo ihr Asylverfahren seine Fortsetzung fand. Obwohl ihr Asylgesuch dort noch nicht abgeschlossen ist (gegenwärtig ist Angaben der österreichischen Be- hörden zufolge ein Beschwerdeverfahren in zweiter Instanz hängig, vgl. act. 10/3), reiste sie augenscheinlich illegal wiederum in die Schweiz e in und beauftragte die rubrizierte Rechtsvertreterin mit der Einreichung eines weiteren asylrechtlichen Gesuchs, welches in der Folge am 2. Dezember 2020 gestellt wurde. Darin führte sie im Wesentlichen an, gar keine eige- nen Asylgründe geltend machen zu wollen, sondern einzig und alleine nur E-935/2021 Seite 8 endlich mit B._______ zusammenleben und diesen heiraten zu wollen. Letzteres sei ihr bisher aber noch nicht möglich gewesen, zumal sämtliche ihrer Dokumente bei den österreichischen Behörden deponiert seien. Aus diesem Grund habe sie auch gar nie eine ausländerrechtliche Bewilligung beantragt. Auch auf Beschwerdeebene führte sie für ihre erneute illegale Einreise in die Schweiz und die Einreichung ihres Gesuchs einzig den Grund ihrer Vereinigung mit B._______ an. Angesichts dieser Sachlage ist entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh- rerin davon auszugehen, dass sie bewusst in Umgehung der anwendbaren Gesetzesbestimmungen erneut in die Schweiz einreiste und hierzulande einzig mit dem Ziel der Familienzusammenführung ein asylrechtliches Ge- such (um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ) stellte. Aus ihren Be- schwerdeausführungen, wonach sie aufgrund fehlender Dokumente gar nie erst ein Gesuch um eine ausländerrechtliche Bewilligung gestellt habe respektive dass die rubrizierte Rechtsvertreterin nebst dem Beschwerde- verfahren auch ein ausländerrechtliches Verfahren habe einleiten wollen, scheint offenkundig, dass sie sich der einschlägigen Gesetzesbestimmun- gen im Klaren war und wider besseren Wissens und aufgrund aktuell nicht greifbarer Dokumente den aus ihrer Sicht erfolgversprechenderen Weg des asylrechtlichen Verfahrens einschlug. Dieses Vorgehen ist als Rechts- umgehung zu qualifizieren und kann nicht geschützt werden. Anders zu entscheiden würde bedeuten, die Umgehung der im AIG (SR 142.20) vor- gesehenen Bestimmungen zum Familiennachzug zu schützen (vgl. etwa die Urteile des BVGer D-5808/2018 vom 22. Januar 2020 E. 5.3.1 sowie D-4228/2017 und D-4663/2017 E. 4.4). 6.3 Wenn die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht erfüllt sind, können weder die Bestimmungen von Art. 8 EMRK noch jene des UNO - Pakts II über bürgerliche und politische Rechte (Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte vom 16. Dezember 1966, SR 0.103.2) ergänzend angewendet werden . Die Frage nach einem allfälligen An- spruch auf Regelung des Aufenthalts der Beschwerdeführerin in der Schweiz als Partnerin de s in der Schweiz als Flüchtling anerkannten B._______ ist von der zuständigen kantonalen Migrationsbehörde zu be- urteilen (vgl. EMARK 2002 Nr. 6 E. 5 S. 44 f.). Es bleibt ihr unbenommen, ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung respektive um Fami- lienzusammenführung bei der dafür zuständigen Behörde einzureichen. Im entsprechenden Verfahren ist wiederum Art. 8 EMRK Rechnung zu tragen. E-935/2021 Seite 9 Unter diesen Umständen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsmitteleingaben näher einzugehen, da sie an obiger Erkennt- nis nichts zu ändern vermögen. 6.4 Im Sinne einer Nebenbemerkung ist zu erwähnen, dass zumindest zweifelhaft erscheint, ob die geltend gemachte Beziehung der Beschwer- deführerin mit B._______ überhaupt in den Anwendungsbereich von Art. 51 AsylG respektive Art. 8 EMRK fällt. Sie sind weder verheiratet noch haben sie – mit Ausnahme des kurzen Aufenthalts der Beschwerdeführerin in der Schweiz – in einem gemeinsamen Haushalt, sondern vorher jahre- lang getrennt gelebt. Ohnehin dürfte wohl selbst bei Annahme einer dau- ernden eheähnlichen Gemeinschaft respektive einer Beziehung, welche in den Schutzbereich von Art. 8 E MRK fiele, eine Verletzung der genannten Bestimmungen durch eine Wegweisung nach Österreich nicht zu bejahen sein, zumal es der Beschwerdeführerin wie erläutert offensteht, den hierfür vorgesehenen ordentlichen Weg des ausländerrechtlichen Familiennach- zugs zu beschreiten. Diese Frage kann aber vorliegend letztlich offenge- lassen werden. 7. 7.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin -III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref- fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 7.2 Die Beschwerdeführerin verzichtete explizit auf die Geltendmachung eigener Asylgründe und bestreitet nicht, in Österreich ein Asylgesuch ein- gereicht zu haben respektive dass ihr Asylverfahren dort nach wie vor hän- gig ist. Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates blieb damit unbestritten, sie machte auch keine Gründe im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO geltend, welche auf systemische Schwachstellen im Asylver- fahren und den Aufnahmebedingungen in Österreich hinweisen würden, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwür digenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden. E-935/2021 Seite 10 Ferner steht es der Beschwerdeführerin offen, den Ausgang ihres Asylver- fahrens in Österreich abzuwarten und – wie oben dargelegt - den ordentli- chen Rechtsweg über die ausländerrechtlichen Bestimmungen der Famili- enzusammenführung gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG zu beschreiten. 7.3 Das SEM ist demnach in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG zu Recht auf das neuerliche Gesuch der Beschwerdeführerin nicht einge- treten und hat folgerichtig die Wegweisung in den zuständigen Dublin-Staat Österreich verfügt. 8. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt (derzeit) nicht über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung, und selbst wenn ihre Beziehung zu B._______ vorliegend unter den Schutzbereich v on Art. 8 EMRK subsumiert würde, wäre der mit einer Wegweisung verbundene Eingriff gerechtfertigt. Ihr hauptsächliches Anliegen liegt nämlich nicht in der Behandlung ihres Asyl- gesuchs, sondern in einer Familienzusammenführ ung nach den Bestim- mungen des AIG und es kann von ihr gefordert werden, dass sie ein sol- ches Verfahren mit einem entsprechenden Gesuch von Österreich respek- tive bei negativem Verlauf ihres österreichischen Asylverfahrens und ent- sprechendem Wegweisungsvollzug auch von der Türkei aus bei der dafür zuständigen Behörde in der Schweiz oder Österreich einleitet (vgl. hierzu die vorstehenden Ausführungen unter E. 6; ferner bspw. auch das Urteil des BVGer D-3715/2016 vom 1. Juli 2016). Die Wegweisung wurde dem- nach vom SEM zu Recht angeordnet. 9. Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 10. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. E-935/2021 Seite 11 11. Aufgrund obiger Erwägungen ist die eingereichte Beschwerde von vornhe- rein als aussichtslos zu erachten, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG unbesehen der allfälligen Mittellosigkeit abzuweisen ist. Dementsprechend ist auch das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung abzuweisen. Mit dem vorliegenden Direktentscheid ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge- samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-935/2021 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt- licher Verbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Lorenz Noli Kevin Schori Versand: