Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. August 2022 (720 21 266 / 184) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der medizinischen Berichte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Holger Hügel, Rechtsan- walt , Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1974 geborene A.____ ist Inhaber einer Autowe rkstatt. Am 5. Mai 2017 meldete er sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leist ungsbezug an infolge von Hüft- und Rückenbeschwerden sowie eines Taubheitsgefühls in de n Füssen. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Massnahmen sprach die IV-Stelle A.____ nach Durchfüh- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 5. Juli 2021 eine befristete halbe Invaliden- rente vom 1. November 2017 bis 31. Januar 2019 sowie ein e befristete ganze Invalidenrente vom 1. September 2019 bis 31. März 2020 zu. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Holger Hügel, mit Eingabe vom 9. September 2021 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht. Er beantragte, die Verfügung vom 5. Juli 2021 sei aufzuh eben und die IV-Stelle zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Namentli ch sei im Zeitraum 1. November 2017 bis 31. Januar 2019 eine höhere als die zugesprochene halbe Invalidenrente zuzusprechen. Ferner sei in den Zeiträumen 1. Februar 2019 bis 31. August 2021 und ab 1. April 2020 eine Invalidenrente zu gewähren und im Zeitraum 1. Septemb er 2019 bis 31. März 2020 die ganze Invalidenrente zu bestätigen. Eventualiter sei zur Abkl ärung des medizinischen Sachverhalts ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten einzuholen. Sube ventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zur Einholung eines polydisziplinären, ver waltungsexternen Gutachtens sowie zur Neuverfügung zurückzuweisen. Der medizinische Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt worden. Die IV-Stelle stütze die Rentenverfügung ein zig auf die Berichte der behandelnden Ärzte sowie die Einschätzung des Regionalen Ärztlichen Di enstes (RAD) ab, was in beweis- rechtlicher Hinsicht ungenügend sei. Es fehle insbesonde re an einer polydisziplinären, verwal- tungsexternen Beurteilung der gesundheitlichen Einschränkungen sowie deren Wechselwirkun- gen und Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit. Ferner se i der auf der Basis der unzureichen- den Sachverhaltsabklärung vorgenommene Einkommensvergleich unrichtig und ermessensfeh- lerhaft. Richtigerweise bestehe mindestens Anspruch auf eine Dreiviertelsrente vom 1. November 2017 bis 31. Januar 2019 und ab 1. Februar 2019 bis 31. August 2019 sowie nach dem 31. März 2020 mindestens Anspruch auf eine Viertelsrente. C. Mit Vernehmlassung vom 18. November 2021 beantragte die IV-Stelle eine teilweise Gutheissung der Beschwerde. Bezüglich der Invalidenren te vom 1. September 2019 bis 31. März 2020 sei der IV-Stelle ein Fehler unterlaufe n. Der Anspruch ende aufgrund der drei- monatigen Karenzfrist gemäss Art. 88a Abs. 1 der Veror dnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 erst per 30. Juni 2020 und nicht schon per 31. März 2020. In diesem Punkt sei die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Darüber hinaus sei sie abzuweisen. D. Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 24. Janua r 2022 an seinen Rechtsbegeh- ren fest und stellte in verfahrensrechtlicher Hinsicht d en Antrag, das Verfahren zu sistieren bis das Bundesgericht seinen Grundsatzentscheid im Verfahr en 8C_256/2021 in Bezug auf die Anwendung der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstru kturerhebung (LSE), insbesonde- re Tabelle TA 1, gefällt habe. Im Anschluss daran sei de n Parteien eine angemessene Frist zur Stellungnahme anzusetzen. E. Mit Duplik vom 23. Februar 2022 teilte die IV-Stel le mit, dass sie dem Sistierungsan- trag nicht zustimme. F. Das Kantonsgericht wies mit Verfügung vom 1. März 20 22 das Sistierungsgesuch ab und der Fall wurde dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel -Landschaft, so dass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen i st. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (V PO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde des Versicherten vom 9. September 2021 ist demnach einzutreten. 2. Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Ände- rung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kra ft. Die vorliegend angefochtene Verfü- gung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgeme inen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmu ngen des IVG und diejenigen der IVV sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des S ozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. Dezember 2021 gülti g gewesenen Fassung anwendbar (Ur- teil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/20 2, E. 2). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die vo raussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der g esundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 4. Eine rückwirkend ergangene Verfügung über eine befr istete oder im Sinne einer Re- duktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits d ie Zusprechung der Leistung und ande- rerseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (Art. 17 Abs. 1 ATSG) vorliegen, wobei der Zeitpunkt d er Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV f estzusetzen ist (Urteil des Bundesge- richts vom 17. Dezember 2008, 8C_534/2008, E. 2.3 mit Hinweisen). Ob eine für den Renten- anspruch erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eing etreten und damit der für die Befris- tung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegebe n ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung ode r des Rentenbeginns mit demjeni- gen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Rente (BGE 130 V 343 E. 3.5). 5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Sämtliche Beweismittel, somit auch medizinische Ber ichte und Sachverständigengut- achten, unterliegen der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Im Sinne einer Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärz- ten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und U ntersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverläs- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 125 V 351 E. 3b/bb). Demgegenüber kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen zwar nach der Recht- sprechung Beweiswert zu, praxisgemäss haben sie aber nich t dieselbe Beweiskraft wie ein ge- richtliches oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebenen Gutachten. Soll ein Versicherungsfall ohne E inholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Beste- hen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinter- nen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklär ungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4, 122 V 157 E. 1d). 6. Zwischen den Parteien ist der Rentenanspruch streitig . Während die IV-Stelle der Auf- fassung ist, dass Anspruch auf eine befristete halbe Inv alidenrente vom 1. November 2017 bis 31. Januar 2019 bestehe sowie auf eine befristete ganze Invalidenrente vom 1. September 2019 bis 30. Juni 2020, macht der Beschwerdeführer gel tend, dass er ab 1. November 2017 Anspruch auf eine abgestufte unbefristete Invalidenrente habe. Die Arbeitsfähigkeit in einer op- timal behinderungsangepassten Tätigkeit seit Ablauf der Wartefrist im November 2017 sei bis heute ungeklärt, sodass es an der wesentlichen Entscheid basis zur Beurteilung des Anspru- ches auf eine Invalidenrente mangle. 6.1 Die IV-Stelle stützte ihren Rentenentscheid auf di e medizinischen Berichte der behan- delnden Ärzte sowie auf die Beurteilung des RAD-Arzte s Dr. med. B.____, Facharzt für Ortho- pädie und Physikalische und Rehabilitative Medizin. Aus de r Anmeldung zum Bezug von Invali- denleistungen vom 5. Mai 2017 geht hervor, dass der Be schwerdeführer wegen eines Nieren- leidens (Glomerulonephritis) seit 2009 bei Dr. med. C. ____, FMH Allgemeine Innere Medizin und Nephrologie, in Behandlung ist, seit 2015 bei Dr. med. D.____, FMH Neurochirurgie und Neurologie, wegen eines Rückenleidens, und seit 2016 wegen eines Hüftleidens bei Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologi e des Bewegungsapparates, Klinik F.____, und Dr. med. G.____, FMH Orthopädische Chiru rgie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates. 6.2.1 Der Beschwerdeführer litt seit Januar 2016 an Hü ftbeschwerden links. Behandelt wur- de er von Dr. E.____, der ein Hüftimpingement festste llte. Die MRT-Bilder vom 10. Februar 2016 bestätigten den Verdacht auf einen Labrumriss. Fe rner waren deutliche Knorpelschädi- gungen acetabulär zu erkennen. Da Infiltrationen kein e langfristige Verbesserung brachten, die Schmerzen vielmehr zunahmen, wurde der Versicherte an de n Hüftchirurgen Dr. G.____ über- wiesen (vgl. Verlaufsberichte vom 4. Februar 2016, 24. F ebruar 2016, 1. März 2016, 21. März 2016, 30. September 2016 und 29. November 2016). Be i einem diagnostizierten FAl (Femoro- Acetabuläres Impingement [Enge-Syndrom zwischen Hüftkop f und -pfanne]) mit sekundärer Coxarthrose links stellte er die Indikation zur Operation. Am 28. Dezember 2016 wurde der Ver- sicherte von Dr. G.____ operiert (vgl. Arztzeugnis vom 24 . April 2017 und Operationsbericht vom 28. Dezember 2016). Gemäss Verlaufsbericht vom 23. M ärz 2017 berichtete der Versi- cherte über persistierende Beschwerden. Dr. E.____ stell te als Diagnose einen "Verdacht auf eine lumboradikuläre Schmerzkomponente Bein links bei akuter Schmerzexazerbation Hüfte links bei Status nach Hüftarthroskopie mit Labrumsanieru ng und Débridement links am 28. De- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zember 2016 bei degenerativer Labrumläsion und acetabu lärer Knorpelschädigung Hüfte links und anamnestisch bekannter Diskusherniation L5/S1". Nebe n den persistierenden Hüftbe- schwerden scheine nun auch eine lumboradikuläre Symptoma tik vorzuliegen. Nach weiteren bildgebenden Abklärungen stellte Dr. E.____ fest, dass die Coxarthrose progredient sei. Er at- testierte eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 14. März 2 017 bis 31. Mai 2017 (vgl. Berichte vom 23. März 2017, 3. April 2017 und 12. Mai 2017). 6.2.2 Es folgten weitere Infiltrationen zur Behandlun g der Schmerzsymptomatik und eine Verlaufs-MRT am 26. Juni 2017. Dr. E.____ erachtete e inen Gelenkersatz als indiziert, da der Versicherte nicht suffizient auf die konservative Behandlung anspreche. Er attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 8. Juni 2017 bis 30. Septemb er 2017 (vgl. Berichte vom 8. Juni 2017, 5. Juli 2017, 17. Juli 2017, 14. August 2017 und 1. September 2017). Am 4. Dezember 2017 fand eine präoperative Besprechung statt für die am 20. Dezember 2017 geplante Implantation einer Hüfttotalprothese links aufgrund der zunehmend immobilisierenden Coxarthrose und der ausgereizten konservativen wie auch gelenkserhaltenden o perativen Massnahmen. Dr. E.____ nahm sodann den Eingriff in der Klinik F.____ im stati onären Rahmen wie geplant vor (vgl. Operationsbericht vom 21. Dezember 2017). Gemäss Aus trittsbericht vom 9. Januar 2018 habe der Versicherte im stationären Verlauf zunehmend ü ber Schmerzen in der linken Hüfte geklagt. Das Röntgenbild sei unauffällig gewesen. Da die linke Extremität besonders im Bereich des Oberschenkels zunehmend angeschwollen sei und trotz Ei nstellung der Medikation Schmerzen bereitet habe, sei am 27. Dezember 2017 eine MRT der Hüfte durchgeführt worden. Auf den Bildern sei ein Hämatom von 4,5 x 5 x 7 cm erken nbar gewesen. Die Medikation sei in der Folge angepasst worden. Ansonsten habe sich ein kompl ikationsloser peri- und postopera- tiver Verlauf gezeigt. Der Versicherte habe am 1. Janua r 2018 in gutem Allgemeinzustand ent- lassen werden können. 6.2.3 Sieben Wochen nach dem Eingriff folgte die Verl aufskontrolle. Insgesamt zeigte sich ein regelrechter Verlauf bei noch bestehenden muskulären Beschwerden. Eine weitere klinische Kontrolle wurde nach weiteren sechs Wochen vorgesehen (vgl. Bericht von Dr. E.____ vom 12. Februar 2018). Nach der Untersuchung am 13. April 201 8 berichtete Dr. E.____, dass insge- samt eine deutliche Besserung der Schmerzen in der Hüfte zu verzeichnen sei. Störend sei eine ausgeprägte Schwäche und Hypotrophie des äusseren Ob erschenkelmuskels. In diesem Bereich beständen auch Schmerzen und Gefühlsstörungen. Dr. E.____ riet zur neurologischen Beurteilung und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit vo m 1. April 2018 bis 1. Juni 2018 (vgl. Be- richte vom 16. April 2018 und 14. Mai 2018). 6.3 Das neurologische Konsilium fand am 17. Mai 2018 i n der Neuropraxis bei Dr. med. H.____, FMH Neurologie, statt. Laut Bericht vom 24. M ai 2018 diagnostizierte er eine axonale Teilschädigung des Nervus femoralis links "mit vorwiegen dem Betreffen" des Vastus lateralis des Musculus quadrizeps femoris, am ehesten aufgrund intram uskulärer Läsionen durch ein postoperatives Hämatom und einer unvollständig abgesch lossenen Reinnervation im Vastus lateralis des Musculus quadrizeps femoris. Ferner liege eine ausgeprägte Atrophie der lateralen Oberschenkelmuskulatur sowie geringgradig des übrigen Musculus quadrizeps femoris vor. Die Reinnervation im Vastus lateralis in der neurogenen Lä sion sei bisher noch nicht abgeschlos- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen und von einer weiteren leichten Besserung im Verlau f könne ausgegangen werden. Im Va- stus medialis des Musculus quadrizeps femoris fänden sich a llenfalls minimale Veränderungen, sodass am ehesten von einer intramuskulären Schädigung des N ervus femoralis auszugehen sei. Die Taubheit am Oberschenkel sei am ehesten im Rahm en einer Schädigung der Hautner- ven durch die Operation selber anzusehen. Die Reinnervat ion könne durchaus noch ein halbes bis ein Jahr dauern. Eine weitergehende Abklärung ersche ine aufgrund der fehlenden patholo- gischen Spontanaktivität im Muskel aktuell nicht notwendig , da keine Progredienz zu erwarten sei. Ebenso bestehe eine erhaltene Nervenkontinuität. Zur Verbesserung der Beweglichkeit sowie der Kraft wäre eine gezielte Therapie sinnvoll. 6.4 Aus dem Verlaufsbericht vom 11. Juli 2018 von Dr. E.____ geht hervor, dass sich im Vergleich zur Voruntersuchung noch ein komplett atropher , distaler Vastus lateralis zeige bei recht gut ausgeprägtem Vastus medialis. Von Seiten der H üfte sei die Wunde reizfrei mit leich- ter Druckdolenz und Verhärtung im Bereich des Zugangs. Ferner bestehe eine Hypersensibilität der lateralen und distalen Narbe. Der Versicherte sollt e wie bisher intensiv physiotherapeutisch und selbständig trainieren. Nach wie vor sei eine Arbei tsunfähigkeit von 100 % als Automecha- niker aufgrund der deutlichen Muskelschwäche rechts gegeben. Am 16. Oktober 2018 berichte- te Dr. E.____, dass es erfreulicherweise in den letzten drei Monaten zu einer Besserung der zuletzt noch vollständigen Atrophie des Musculus Vastus late ralis gekommen sei. Es bestehe zwar weiterhin noch ein deutliches Kraftdefizit. Mit den 2x täglichen, selbständig durchgeführten Übungen und der regelmässigen Physiotherapie sollte sich diesbezüglich eine Besserung ein- stellen. Da das rechte Bein noch nicht voll belastet werd en könne, liege die Arbeitsunfähigkeit als Automechaniker weiterhin bei 100 %. Die Untersuchu ng vom 7. Januar 2019 ergab, dass der Versicherte aufgrund eines schweren bronchialen Inf ektes in den letzten Wochen das Trai- ning nicht habe konsequent durchführen können. Aufgrund dessen verspüre er verstärkt Schmerzen im Bein. Von Seiten der Hüften beständen ke ine Beschwerden. Durch die deutliche Krafteinschränkung und die nicht mögliche volle Flexion sei ihm das Arbeiten als Automechani- ker noch nicht möglich. Dr. E.____ attestierte weiterhi n eine volle Arbeitsunfähigkeit bis 10. Februar 2019 (vgl. Bericht vom 8. Januar 2019). 6.5.1 Zur Beurteilung des weiteren Vorgehens wurde d er Fall RAD-Arzt Dr. B.____ unterbrei- tet. Mit Bericht vom 4. Januar 2019 schlug er vor, ei ne Stellungnahme der Klinik F.____ hin- sichtlich der Arbeitsfähigkeit des Versicherten im angestam mten Beruf und in einer Verweistä- tigkeit einzuholen. Die IV-Stelle gelangte in der Fol ge am 7. Januar 2019 mit einem entspre- chenden Fragebogen an die Klinik F.____. 6.5.2 Dr. E.____ beantwortete am 21. Januar 2019 di e von der IV-Stelle gestellten Fragen. Aktuell sei dem Versicherten die angestammte Tätigkeit als Automechaniker nicht zumutbar. Beim Versicherten bestehe eine deutliche Krafteinschränkung am rechten Oberschenkel und es sei ihm nicht möglich, das Kniegelenk länger in Flexion zu belasten beziehungsweise zu knien. Lediglich Supervisions- und Instruktionsarbeiten wären th eoretisch möglich. Gemäss seiner Dokumentation sei der Versicherte seit 14. März 2017 bis heute zu 100 % arbeitsunfähig. Be- züglich Verweistätigkeiten seien dem Versicherten leichte Tätigkeiten vor allem im Sitzen und temporär auch im Stehen prinzipiell zumutbar, theoret isch zu 100 %. Mittelschwere und schwe- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht re Arbeiten seien aktuell nicht möglich. Eine leidensangepasste, leichte Tätigkeit von März 2017 bis zum 20. Dezember 2017 (Hüftoperation) wäre zumutbar gewesen. Auf die Frage der IV- Stelle, ob ab Mitte / Ende März 2018 (drei Monate na ch der Hüftoperation links) wieder eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten bestanden habe, erklärte Dr. F.____, dass es leider im postoperativen Verlauf durch Bildung e ines Hämatoms zu einer partiellen Schädigung des Nervus femoralis gekommen sei mit komplette m Ausfall des Vastus lateralis. Dies habe den postoperativen Verlauf deutlich verzögert. Aufgrund dessen habe der Versicher- te nicht wie geplant drei Monate nach der Hüftoperation seine Arbeit wieder aufnehmen können. In Bezug auf die Frage, ob ab Mitte / Ende Juni 2018 zumindest wieder von einer 80%igen Ar- beitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten auszuge hen sei, antwortete Dr. F.____, dass theoretisch eine Teilarbeitsfähigkeit für leichte körperliche Tätigkeiten bestehe. 6.6 RAD-Arzt Dr. B.____ kam daraufhin mit Beurteilung vom 7. Februar 2019 zum Schluss, dass der Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei. In einer leichten, wechselrhythmischen Tätigkeit mit etwa hälftigem sitzenden Anteil, ohne Sprung- oder Stauchungsbelastungen, ohne Arbeiten in Zwangspositione n der Hüften, ohne Hochdrücken schwerer Lasten aus der Hocke heraus und ohne Arbeiten au f Gerüsten und Leitern sei grund- sätzlich eine Arbeitsfähigkeit gegeben. Zum Beginn und Verlauf der Arbeitsunfähigkeiten in ei- ner Verweistätigkeit stellte er folgende Perioden auf: 22. November 2016 bis 27. März 2017 100 % 28. März 2017 bis 19. Dezember 2017 50 % 20. Dezember 2017 bis 11. Februar 2018 100 % 12. Februar 2018 bis 14. Oktober 2018 50 % 15. Oktober 2018 bis Dezember 2019 20 % 7. Mit Vorbescheid vom 27. September 2019 informiert e die IV-Stelle den Beschwerde- führer, dass er nach Ablauf der Wartefrist Anspruch auf eine befristete halbe Invalidenrente ab 1. November 2017 bis 31. Januar 2019 habe. Dagegen erh ob der Versicherte am 24. Oktober 2019 und 23. Dezember 2019 Einwand. Er bemängelte di e Rentenhöhe sowie die Befristung. Neben seinen Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat l eide er auch an einer Niereninsuffi- zienz. Diese beeinträchtige seine Leistungsfähigkeit. In sbesondere dürfe er wegen der Nie- renerkrankung nur zurückhaltend Schmerzmedikamente gegen die starken Beschwerden am Bewegungsapparat einnehmen, was ihn zusätzlich in seiner Leistungsfähigkeit einschränke. Ferner habe er zwischenzeitlich auch notfallmässig wegen Herzinsuffizienz hospitalisiert wer- den müssen. Dazu reichte er einen Kurzbericht von Dr. C. ____ vom 9. Oktober 2019 ein, worin sie unter anderem eine neue Beurteilung der medizinischen Situation empfiehlt. 8. Gemäss Konsilium der Kardiologie des I.____ vom 13. September 2019 hatte der Be- schwerdeführer seit mehreren Tagen inspiratorische Schmerzen. Die stationäre Aufnahme wur- de empfohlen aufgrund einer dilatativen Kardiopathie linksvetrikulär unklarer Genese. Aus dem von der IV-Stelle eingeholten Bericht des I.____ vom 27 . Dezember 2019, welcher nach einer Verlaufskontrolle am 17. Dezember 2019 erstellt wurde, geht der hochgradige Verdacht auf toxische Kardiomyopathie bei multiplem Substanz-Abusus her vor. Als weitere Diagnosen wur- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht den eine arterielle Hypertonie, eine chronische Niereninsuffizienz KDIGO Grad 2-3, ein obstruk- tives Schlafapnoe-Syndrom, eine chronisch-obstruktive Pneumo pathie (COPD) sowie ein Sta- tus nach Einsetzung einer Hüft-Totalprothese links mit Coxarthrose gestellt. Anamnestisch be- schreibe der Versicherte nach wie vor einen kardial unko mplizierten Verlauf in den letzten drei Monaten. Er habe wie verordnet kein Training mehr abs olviert. Die Rhythmus-Anamnese sei bland. Die installierte medikamentöse Herzinsuffizienz- Therapie werde gut vertragen, ohne re- levante unerwünschte Wirkungen. Weiterhin bestehe ein ge wisser Anabolika-Konsum, welchen der Versicherte langsam reduzieren möchte. In der Zwisc henzeit sei eine Herzkatheter- Untersuchung durchgeführt worden mit Ausschluss einer kor onaren Herzerkrankung. Die MRT- Untersuchung vom 19. November 2019 habe ferner gezeigt, dass keine postentzündlichen Ver- änderungen im Sinne einer Myokarditis / postmyokarditisch en Situation beständen. Somit kä- men differenzialdiagnostisch eine idiopathische dilatati ve Kardiomyopathie in Frage oder eine toxische Kardiomyopathie bei multiplen Substanzabusus. Aus kardialer Sicht liege ein komplika- tionsloser Verlauf seit der letzten Konsultation vor. H erzinsuffizienz-Zeichen beständen nicht. Klinisch sei der Versicherte kardiopulmonal kompensiert. Sportliche Aktivitäten dürfe er in mo- deraten Zügen wieder aufnehmen. 9. Mit Verlaufsbericht vom 27. Dezember 2019 informie rte Dr. E.____, dass aufgrund der Leistungsminderung mit Belastungsdyspnoe in den letzten W ochen und Monaten der Kraftauf- bau sistiert worden sei. Entsprechend beständen wieder vermehrt Schmerzen im linken Bein. Die generelle Leistungsschwäche habe sich nunmehr in d en letzten Wochen etwas gebessert. Der Versicherte nehme das Training wieder auf und unte rnehme voraussichtlich ab Februar 2020 wieder einen Arbeitsversuch. 10. Mit Bericht vom 9. März 2020 teilte Dr. C.____ mi t, dass sie den Versicherten letztmals am 5. Oktober 2019 gesehen habe. Am 13. September 20 19 habe sie ihn wegen akuten atem- abhängigen Schmerzen und Verdachts auf eine Lungenemb olie notfallmässig ins Spital I.____ überwiesen. In Bezug auf die Nierenproblematik sei die Prognose der IgA Glomerulonephritis grundsätzlich nicht ungünstig. Beim Versicherten sei die Ausgangssituation mit Hypertonie, be- deutender Proteinurie, Tubusatrophie und Fibrose so wie rezidivierenden Infekten etwas weni- ger gut. Die Arbeitsfähigkeit sei zurzeit kaum von de r Niereninsuffizienz als vielmehr von der Herzinsuffizienz und der Schädigung des Nervus femoralis bestimmt. 11. RAD-Arzt Dr. B.____ nahm am 5. Mai 2020 eine Neu beurteilung der medizinischen Situation vor. Er fasste zusammen, dass im Rahmen der Ein wandbegründung des Rechtsver- treters des Beschwerdeführers vom 23. Dezember 2019 insb esondere die Niereninsuffizienz thematisiert worden sei, ferner die damit verbundene Einschränkung der Schmerzmedikamente. Des Weiteren sei auf die neuen kardiologischen Befunde und Abklärungen hingewiesen wor- den. Es bleibe zu diskutieren, inwieweit die Niereninsu ffizienz und ab 13. September 2019 die Herzinsuffizienz Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten . Diesbezüglich sei eine klärende Rück- frage bei Dr. C.____ vorzunehmen. In Bezug auf die H erzproblematik seien die kardiologischen Verlaufsberichte einzuholen mit einer entsprechenden Leistungseinschätzung. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12. Dem Sprechstundenbericht der Abteilung Kardiologi e des I.____ vom 27. März 2020 (Untersuchung am 9. März 2020) ist zu entnehmen, dass der Versicherte seit der letzten Kon- sultation im Dezember 2019 eine soweit stabile körperli che Leistungsfähigkeit beschreibe, nur ab und zu habe er Atemnot. Seit drei Monaten traini ere er wieder moderat, seit letzter Woche fast täglich. Er verspüre keine Orthopnoe, keine Nykturi e und keine Rhythmusstörungen und versichere, dass er seit ca. acht Monaten keine toxischen Sub stanzen mehr einnehmen würde. In einem weiteren Bericht vom 13. Mai 2020 an die I V-Stelle bestätigte der behandelnde Herz- spezialist, dass aus kardialer Sicht eine Arbeitstätigkeit von 80 % - 100% möglich sei. Die Nach- frage bei Dr. C.____ zur Arbeitsfähigkeit ergab, dass der Versicherte in einer angepassten Tä- tigkeit aus nephrologischer Sicht zum heutigen Zeitpun kt zu 80 % arbeitsfähig sei (Bericht vom 3. Juni 2020). 13. Zur abschliessenden Beurteilung verlangte RAD-Arzt Dr . B.____ noch den Verlaufsbe- richt der Kardiologie des I.____ von Juli 2020. Die beh andelnden Ärzte berichteten, dass eine transthorakale Echokardiographie sowie eine Spiroergom etrie durchgeführt worden seien. Seit der letzten Konsultation vor vier Monaten beschreibe der Versicherte einen insgesamt kardial stabilen und komplikationslosen Verlauf bei guter körpe rlicher Leistungsfähigkeit und aktuell ohne Limitationen im Alltag. Bei hochgradigem Verda cht auf toxische Kardiopathie mit initial schwer eingeschränkter linksventrikulärer Ejektionsfraktion erfolge heute die Verlaufskontrolle unter ausgebauter Herzinsuffizienztherapie sowie bei A bstinenz von leistungssteigernden Sub- stanzen. Es liege ein kardial komplikationsloser Verlauf bei guter körperlicher Leistungsfähigkeit vor. In der durchgeführten Spiroergometrie habe der Versicherte eine altersentsprechende, gute Leistung gezeigt. Der Belastungstest sei klinisch wie e lektrisch unauffällig gewesen. Unter Be- lastung zeigten sich namentlich keine relevanten Rhythm usstörungen (vgl. Bericht vom 17. Juli 2020). 14. Im RAD-Bericht vom 10. Dezember 2020 ging Dr. B._ ___ in Bezug auf die Gesund- heitsverschlechterung schliesslich von folgenden Arbeitsunfähigkeiten aus: 13. September 2019 bis 17. Dezember 2019 100 % 18. Dezember 2019 bis 9. März 2020 50 % ab 10. März 2020 20 % 15. Die Beurteilung von Dr. B.____ basiert auf einer umfangreichen, fachärztlichen Doku- mentation des Gesundheitszustandes. Die Frage ist, ob sie auch als Grundlage für die Beurtei- lung der Rentenfrage ausreichend ist. Der Beschwerdefü hrer bringt diesbezüglich nämlich vor, dass der medizinische Sachverhalt nicht hinreichend und be weisverwertbar abgeklärt worden sei, weshalb das tatsächliche Ausmass der Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit nicht beurteilbar sei. So würden bei den Beurteilunge n von RAD-Arzt Dr. B.____ vom 7. Febru- ar 2019 und 10. Dezember 2020 respektive den von ihm postulierten Arbeitsfähigkeiten in den von ihm genannten Zeiträumen im Umfang von 50 % bzw. 80 % die Erkrankungen des Bewe- gungsapparates im Vordergrund stehen, weshalb die Be urteilung der Arbeitsfähigkeit lediglich auf Basis dieser Beeinträchtigungen erfolgt sei. Tatsac he sei indessen, dass neben den Beein- trächtigungen am Bewegungsapparat, kardiologische Proble me sowie eine Niereninsuffizienz Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorlägen, die die Leistungsfähigkeit beeinträchtigten. Zu berücksichtigen sei ferner, dass er we- gen seiner Nierenerkrankung, wenn überhaupt, nur ausg ewählte und mengenmässig einge- schränkte Schmerzmedikamente gegen seine starken Beschwerde n am Bewegungsapparat einnehmen dürfe, was wiederum Auswirkungen auf die Lei stungsfähigkeit habe. Dieser Punkt sei bisher nicht berücksichtigt und auch nicht abgeklärt wo rden. Es bedürfe deshalb einer poly- disziplinären Beurteilung der komplexen gesundheitlichen Situation. 16.1 Dem kann nicht gefolgt werden. Nach eingehender Würdigung der medizinischen Be- richte lässt sich ein zuverlässiges Bild über den Gesundhei tszustand und allfällige Wechselwir- kungen der verschiedenen Krankheitsbilder erstellen. Im Vordergrund stehen sicher die Be- schwerden am Bewegungsapparat. Der Heilverlauf war na ch den Hüftoperationen schwierig und der Versicherte trug mit seiner Trainingsdisziplin viel dazu bei, wieder mobil zu werden. Unbestritten ist, dass er seine bisherige und jede ander e schwere Tätigkeit nicht mehr ausüben kann. Gestützt auf die medizinischen Berichte erhob RAD-A rzt Dr. B.____ ein Zumutbarkeits- profil für eine leidensangepasste Tätigkeit, das im Gru nde nicht hinterfragt wurde. In der Folge legte er nach dem medizinischen Verlauf und den entspr echenden ärztlichen Berichten die Ar- beitsunfähigkeiten fest und zwar in einer ersten Phase a ufgrund der Einschränkungen am Be- wegungsapparat und in einer zweiten infolge der kardiologischen Beschwerden. 16.2 Die nephrologische Situation war den Ausführunge n von Dr. C.____ zufolge über die ganze Beurteilungsperiode hinweg stabil gewesen und e ine Arbeitsunfähigkeit diesbezüglich und auch im Zusammenhang mit den Beschwerden am Bewegu ngsapparat wurde nie beschei- nigt beziehungsweise die aktuelle Arbeitsfähigkeit von 8 0 % bestätigt (vgl. Bericht vom 3. Juni 2020). Schon in den älteren Arztberichten wies Dr. C._ ___ darauf hin, dass die Nierenkrankheit (IgA-Nephritis ED, passager mit nephrotischem Syndrom so wie chronischer Niereninsuffizienz [Stadium 3]) keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe, sondern vielmehr die Beschwerden am Bewegungsapparat (vgl. Berichte vom 7. Juli 2017 und 21. August 2017, 14. Juni 2018 so- wie Begleitbrief vom 15. Juni 2018). 16.3 Soweit Dr. C.____ Wechselwirkungen in ihrem Berich t vom 9. März 2020 zwischen der Nephropathie und den "schweren Herzrhythmusstörungen" ni cht ausschloss, ist festzuhalten, dass Art und Ausmass solcher Wirkungen nicht näher beschrie ben wurden. Sie erklärte viel- mehr, dass die Arbeitsfähigkeit zurzeit kaum von der Ni ereninsuffizienz, sondern von der Herz- insuffizienz beeinflusst sei. Das sah auch Dr. B.____ als ge geben, als er infolge der kardiologi- schen Problematik vom 13. September 2019 bis 17. Dezemb er 2019 eine 100%ige Arbeitsun- fähigkeit, danach bis 9. März 2020 eine 50 %ige und a b 10. März 2020 eine 20%ige attestierte. Ferner ist nach dem kardiologischen Bericht vom 27. März 2020 davon auszugehen, dass die kardiale Situation stabil war und die körperliche Leistu ngsfähigkeit sich soweit normalisierte, dass der Versicherte wieder jeden Tag Sport treiben konn te. Schliesslich wurde eine Arbeitsfä- higkeit von 80 % - 100 % vom behandelnden Kardiologen bestätigt (vgl. Bericht vom 13. Mai 2020). Von schweren Herzrhythmusstörungen kann folglich nach Genesung und Absetzung der Anabolika nicht mehr gesprochen werden, ebenso wenig von Wechselwirkungen, die nach Ab- klingen der akuten Phase die Ausübung einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit erschwe- ren würden. Hier darf auf die Berichte der behandeln den Ärzte sowie auf die Gesamtschau von Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. B.____ abgestellt werden. Der RAD-Arzt geht in sei nen Berichten ausdrücklich und einge- hend auf die Frage ein, inwieweit die Niereninsuffizienz und ab 13. September 2019 die Herzin- suffizienz zusätzlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit h aben. Dabei hat der RAD-Arzt bezie- hungsweise auf dessen Empfehlung die IV-Stelle klärende Rückfragen an die behandelnden Fachpersonen getätigt und jeweils mit einer Entscheidun g zugewartet, wenn noch Verlaufsbe- richte ausstanden, die eine allfällige Änderung hätten bewirken können. 16.4 Der Vorwurf, dass Dr. B.____ fachärztlich nicht gee ignet sei, die medizinische Situation gesamthaft einzuschätzen, scheint auf den ersten Blick nicht unbegründet. Bei näherer Betrach- tung verliert er jedoch an Gewicht. Dr. B.____ ist F acharzt für Orthopädie und deshalb in der Lage, die Situation bezüglich Bewegungsapparat zu beurteilen. Auch nahm er diesbezüglich mit dem behandelnden Arzt Rücksprache. Als Facharzt für Physika lische und Rehabilitative Medi- zin ist Dr. B.____ ausserdem ein Generalist, der fachüb ergreifend analysiert. Die Primärdiag- nostik verbleibt dabei in den Spezialgebieten, die gan zheitliche Beurteilung mit allfälligen Wechselwirkungen verschiedener Beeinträchtigungen und Funktionsstörungen liegt dagegen im Sachbereich des Rehabilitationsmediziners. In Bezug auf die kardiale und nephrologische Prob- lematik hielt sich Dr. B.____ an die Einschätzungen de r behandelnden Spezialisten. Die Beur- teilung von Dr. B.____ ist deshalb nicht zu beanstanden. 16.5 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, dass un berücksichtigt geblieben sei, dass er infolge der Niereninsuffizienz nicht ausreichend Schme rzmedikamente einnehmen könne, um die Folgen der Hüftoperationen zu lindern. Seine Leistungsfähigkeit sei deshalb zusätzlich eingeschränkt. Dieser Sachverhalt wird in den zahlrei chen medizinischen Unterlagen weder erwähnt noch diskutiert, selbst von Dr. C.____ nicht, die neben ihrem Spezialgebiet der Nephro- logie auch Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin un d Hausärztin des Beschwerdeführers ist und über die gesamte gesundheitliche Situation in Kenn tnis war. Zur Linderung der Schmerzen im Hüftbereich wurden Infiltrationen verabreicht und im Austrittsbericht vom 9. Januar 2018 be- züglich Implantation der Hüft-Totalprothese steht zum Th ema Medikamente, dass die hausärzt- lich verordnete Medikation während des Spitalaufenthalt es weitergeführt wurde. Aufgrund zu- nehmender Schmerzen wegen eines Hämatoms sei die Schm erztherapie in Zusammenarbeit mit dem Anästhesisten angepasst worden. Von einer einge schränkten respektive der Nierener- krankung angepassten Schmerzmedikation wird nicht berichtet . Insofern fehlen Hinweise für eine zusätzliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit aufgrund einer unzureichenden Behand- lung der Schmerzen am Bewegungsapparat. 16.6 Im Ergebnis sind die RAD-Berichte von Dr. B.____ vom 7. Februar 2019 und 10. Dezember 2020 als Basis für die Berechnung der Invalidenleistungen nicht zu beanstanden. Namentlich wurden die behandelnden Ärzte in die Beurteilung miteinbezogen und die Ergebnis- se von Dr. B.____ im Rahmen einer ganzheitlichen Betra chtung gewertet. Zweifel an der medi- zinischen Würdigung und der Zumutbarkeitsbeurteilung be stehen nicht. Die Einholung eines polydisziplinären Gutachtens erübrigt sich damit. 17.1 Raum für Interpretation lässt hingegen die der V erfügung zugrunde gelegte Berech- nung der Arbeitsunfähigkeiten wegen der Einschränkung en am Bewegungsapparat (E. 6.6). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unbestritten ist der Beschwerdeführer in der angestammte n Tätigkeit als Automechaniker in Konsens mit der Klinik F.____ seit dem 22. November 201 6 100 % arbeitsunfähig. Bezüglich Verweistätigkeiten sind ferner die attestierte volle Ar beitsunfähigkeit vom 22. November 2016 bis 27. März 2017 sowie die 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 28. März 2017 bis 19. Dezember 2017 ebenfalls nachvollziehbar, decken sie sich doch mit d en Ausführungen von Dr. E.____ in seiner Stellungnahme vom 21. Januar 2019. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten nach der Operation am 20. Dezember 2017 spricht Dr. E .____ im selben Bericht von einer Ver- zögerung des Heilverlaufs und dass der Beschwerdeführer nicht wie geplant drei Monate nach der Operation seine Arbeit habe wieder aufnehmen kö nnen. Ob er damit die Tätigkeit als Auto- mechaniker meinte, ist zwar nicht ganz klar, darf aber so verstanden werden, weil sich Dr. E.____ in allen Verlaufsberichten nur zur Arbeits fähigkeit in der angestammten Tätigkeit äusserte. Dr. B.____ kam insofern zum Schluss, dass in de r Kontrolluntersuchung in der Klinik F.____ vom 12. Februar 2018 und somit sieben Wochen n ach der Operation soweit ein guter Verlauf beschrieben worden sei, dass sich der Versicherte o hne Gehstützen fortbewegen kön- ne. Ab diesem Zeitpunkt sei wieder von einer Teilarb eitsfähigkeit von 50 % in einer leidensan- gepassten Tätigkeit auszugehen. Nach der Kontrollunters uchung in der Klinik F.____ vom 15. Oktober 2018 sei von einer weiteren Verbesserung des Gesundheitszustandes auszuge- hen. Der Muskelaufbau im Bereich des Vastus lateralis s ei langsam sichtbar. Das Hüftgelenk sei frei beweglich und indolent. Ab diesem Zeitpunkt s ei unter Berücksichtigung der noch vor- handenen Restsymptomatik von einer Arbeitsfähigkeit von 8 0 % in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen. Gemäss Auskunft von Dr. E.____ wäre eine 80%ige Arbeitstätigkeit be- reits ab Mitte / Ende Juni 2018 möglich gewesen. Klein e Variationen in Höhe und Dauer der jeweiligen Arbeitsunfähigkeiten könnten somit diskutiert werden, die Lösung, welche Dr. B.____ präsentierte, ist aber alles in allem sachgerecht und p lausibel. Ferner ist nicht davon auszuge- hen, dass die Arbeitsfähigkeit im Nachhinein genauer e rmittelt werden könnte und überhaupt ein für den Versicherten vorteilhafteres Ergebnis resultieren würde. 17.2 Die Arbeitsunfähigkeiten infolge der kardialen Problematik ab 13. September 2019 sind von Dr. B.____ in seinem RAD-Bericht vom 10. Dezember 2020 nachvollziehbar und in Berück- sichtigung der fachärztlichen Berichte begründet, weshal b darauf verwiesen werden kann. Zu- sammenfassend kann folglich von folgenden Arbeitsunfähigkeitsphasen ausgegangen werden: 22. November 2016 bis 27. März 2017 100 % 28. März 2017 bis 19. Dezember 2017 50 % 20. Dezember 2017 bis 11. Februar 2018 100 % 12. Februar 2018 bis 14. Oktober 2018 50 % 15. Oktober 2018 bis 12. September 2019 20 % 13. September 2019 bis 17. Dezember 2019 100 % 18. Dezember 2019 bis 9. März 2020 50 % ab 10. März 2020 20 % 17.3 Gestützt darauf berechnete die IV-Stelle mittels E inkommensvergleichs den Rentenan- spruch des Beschwerdeführers und kam zum Schluss, dass di eser nach Ablauf des Wartejah- res Anspruch auf eine befristete halbe Invalidenrente vo m 1. November 2017 bis 31. Januar Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2019 und vom 1. September 2019 bis 31. März 2020 Ansp ruch auf eine befristete ganze Invali- denrente habe. In der Vernehmlassung vom 18. November 2019 räumte die IV-Stelle ein, dass gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV aufgrund der dreimonatige n Karenzfrist die Bezugsfrist erst per 30. Juni 2020 ende, weshalb der Versicherte bis zu diesem Zeitpunkt Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. 18.1 Beim Einkommensvergleich stützte sich die IV-Stelle sowohl in Bezug auf das Validen- einkommen als auch in Bezug auf das Invalideneinkommen a uf die Tabellenlöhne der LSE 2016. Für die Bemessung des Valideneinkommens berücksich tigte sie die Tabelle TA1_tirage_skill_level, Sektor Reparatur von Motorfahrz eugen (45-46), Kompetenzniveau 1, Spalte Männer, Fr. 5'178.-- monatlich, basierend auf 40 Wochenstunden. Nach Anpassung des Monatslohnes an die Nominallohnentwicklung von 0,4 % un d Umrechnung auf die betriebsübli- che wöchentliche Arbeitszeit von 41.9 Stunden mal 12 resultierte ein jährliches Einkommen von Fr. 65'348.--. 18.2 Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, das Kompet enzniveau 1 sei zu tief. Er führe seit 2014 eine eigene Autowerkstatt und diese Tätigkei t beinhalte neben der inzwischen auch notwendigen Personalführung auch Rechnungstellung, B uchhaltung, Einkauf, Bestellung von Ersatzteilen, Bertriebsplanung, Akquisition und Kundenb etreuung. Entsprechend sei von Kom- petenzniveau 3 auszugehen, namentlich wegen der komplex en, praktischen Tätigkeit, welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetze. Die IV-Stelle hielt dagegen, dass der Beschwerdeführer ursprünglich eine Berufslehre als Maurer absolviert habe. Bis vor kurzem sei er in der berufsfremden Automobilbranche selbständig erwerbend gewesen. Eine Tätigkeit in Kompetenzniveau 3 erscheine demnach aufgrund seiner b eruflichen Laufbahn als unwahr- scheinlich. So fehle ihm einerseits die entsprechende Be rufsausbildung, andererseits habe er während seiner Tätigkeit als Selbständigerwerbender für administrative Aufgaben einen Treu- händer beauftragt und ergänzend auch einen Betriebsmit arbeiter angestellt, an welchen der Versicherte komplexe Tätigkeiten delegiert habe. 18.3 Der Beschwerdeführer hat zwar keine Ausbildung al s Automechaniker, er verfügt aber doch über Spezialkenntnisse in diesem Bereich, was zu ber ücksichtigen ist. Ferner ist die Tat- sache, dass er Teile der Administration ausgliederte, fü r Handwerker nicht aussergewöhnlich, sondern vernünftig. Der Versicherte ist weiter aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen nicht mehr in der Lage, schwere und mittelschwere Arbe iten auszuführen, weshalb die Einstel- lung eines Betriebsmitarbeiters eine logische Folge d arstellt. Die Tätigkeit des Beschwerdefüh- rers entspricht zwar nicht dem Kompetenzniveau 3. Die Anw endung von Kompetenzniveau 1 wird ihm jedoch nicht gerecht. Angemessen erscheint, die Tätigkeit des Versicherten in Kompe- tenzniveau 2 anzusiedeln, was zur Folge hat, dass das Val ideneinkommen auf Fr. 70'295.-- (12 x Fr. 5'570.--, umgerechnet auf wöchentlich 41.9 Stunde n sowie Anpassung an die Nominal- lohnentwicklung von 0,4 %) zu heben ist. 18.4 Beim Invalidenlohn stützte sich die IV-Stelle auf Tabelle TA 1_tirage_skill_level, Priva- ter Sektor Total, Kompetenzniveau 1, Spalte Männer, F r. 5'340.-- monatlich, basierend auf 40 Wochenstunden. Nach Anpassung an die Nominallohnentwicklung von 0,4 % und Umrechnung Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41. 7 Stunden mal 12 resultierte ein Jah- reseinkommen von Fr. 67'071.-- für ein Vollpensum. D iese Berechnung wird grundsätzlich nicht bestritten. In Bezug auf die vom Beschwerdeführer ange führte wissenschaftliche Diskussion und Kritik bezüglich Anwendung der LSE-Tabellenlöhne ist auf das zwischenzeitlich ergangene Grundsatzurteil des Bundesgerichts vom 9. März 2022 (BGE 1 48 V 174) zu verweisen, wonach die bisherige Rechtsprechung zur Anwendung der LSE-Ta bellenlöhne und zur Berechnung des leidensbedingten Abzuges bestätigt wurde. 18.5.1 Der Beschwerdeführer macht schliesslich geltend, d ass der leidensbedingte Abzug vom Invalidenlohn in Höhe von 5 % zu tief sei. Vielmehr sei ein solcher von 10 % gerechtfertigt. 18.5.2 Mit dem Abzug vom Tabellenlohn nach BGE 126 V 75 soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmal e, wie Art und Ausmass der Behin- derung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungs- grad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und j e nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg ver werten kann (BGE 135 V 297 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juli 2017, 8C_114/2 017, E. 3.1). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2, 126 V 75 E. 5b/bb-cc). 18.5.3 Die Erhöhung des leidensbedingten Abzuges von 5 % auf 10 % lehnte die IV-Stelle ab mit der Begründung, dass die eingeschränkte funktionelle Leistungsfähigkeit bereits mit dem reduzierten Pensum von 80 % abgegolten und mit dem zusätzlichen Abzug von 5 % vom Tabel- lenlohn den erwerblichen Möglichkeiten des Beschwerdeführers entsprochen worden sei. Diese Schlussfolgerung scheint nicht verkehrt zu sein. Letztlich kann die Diskussion aber offen blei- ben, denn selbst mit einem leidensbedingten Abzug von 10 % resultiert in der Zeit vom 1. No- vember 2017 bis 31. Januar 2019 keine höhere als eine ha lbe Invalidenrente. Ferner bleibt in den Phasen der 80%igen Arbeitsfähigkeit der Invalidi tätsgrad unter 40 %, womit kein Renten- anspruch besteht. Setzt man nämlich das Valideneinkommen von Fr. 70'295.-- dem Invaliden- einkommen von Fr. 30'182.-- (für ein 50 %-Pensum mit e inem leidensbedingten Abzug von 10 %) gegenüber, resultiert ein Invaliditätsgrad von 57 %. Bei einem Pensum von 80 % resul- tiert ein Invalideneinkommen von Fr. 48'291.-- (mit e inem leidensbedingten Abzug von 10 %) und ein rentenausschiessender Invaliditätsgrad von 31 %. 19. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass sich die Kor rektur in Bezug auf das Kompetenzniveau sowie eine allfällige Erhöhung des le idensbedingten Abzuges auf 10 % nicht auf das Rentenergebnis auswirkt. Die Beschwerde ist jedoch insoweit teilweise gutzuheissen, als dass der Beschwerdeführer in Anwendung von Art. 88a Abs. 1 IVV Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bis 30. Juni 2020 hat. Darüber hinaus ist sie abzuweisen. 20.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwer- deverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung od er die Verweigerung von IV-Leistungen vor Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Na ch § 20 Abs. 3 VPO werden die Ver- fahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerde- führer nur zu einem geringen Teil mit seinen Begehren durchgedrungen. Entsprechend rechtfer- tigt es sich, die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 8 00.-- zwischen den Parteien aufzuteilen und zwar so, dass der IV-Stelle Fr. 200.-- auferlegt we rden und dem Beschwerdeführer Fr. 600.--. Der Anteil des Beschwerdeführers wird mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 800.-- verrechnet und die Differenz von Fr. 200.-- wird ihm zurückerstattet. 20.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Somit ist dem teilweise obsiege nden Beschwerdeführer eine entspre- chende Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'109. 30 (4 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 30.-- [3 % von Fr. 1'000.--] und 7. 7 % Mehrwertsteuer) zulasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der IV- Stelle Basel-Landschaft vom 5. Juli 2021 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer Anspruch hat au f eine halbe Invalidenrente vom 1. November 2017 bis 31. Januar 201 9 und auf eine ganze Invalidenrente vom 1. September 2019 bis 30. Juni 2020. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden im Umfang von Fr. 200.-- der IV-Stelle Basel-Landschaft und im Umfang von Fr. 600.-- dem Beschwerdeführer auferlegt. Der Antei l des Beschwer- deführers wird mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet und die Differenz von Fr. 200.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle hat dem Beschwerdeführer eine Part eientschädigung von Fr. 1'109.30 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht