<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 35 S.178</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">178</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>35</b></span> <span class="ft1"><b>Nutzungsweise in der Landwirtschaftszone.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Trennung zwischen der Frage der Baubewilligungspflicht und jener</b></span><br/> <span class="ft1"><b>der materiellen Rechtmässigkeit der Nutzung (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Eine Nutzung als Blumenwiese oder Rasen stellt keine landwirt-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>schaftliche Nutzung im Sinne von Art. 16 RPG dar (Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Fehlen der Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung gemäss</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Art. 24 RPG (Erw. 4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 8. November 2005 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen Einwohnergemeinde Dintikon gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. 1.1. Die Beschwerdegegner haben gestützt auf die Baubewil-</span><br/> <span class="ft6">ligung des Gemeinderats Dintikon vom 22. Juli 2002 auf der Parzelle</span><br/> <span class="ft6">Nr. 1032 eine zweigeschossige Wohnbaute realisiert. Das Grundstück</span><br/> <span class="ft6">liegt gemäss dem Zonenplan der Gemeinde Dintikon vom 30. Mai /</span><br/> <span class="ft6">28. Oktober 1997 in der Wohnzone 2. Streitgegenstand im Verfahren</span><br/> <span class="ft6">vor Verwaltungsgericht bildet die Nutzung einer südlich an die Par-</span><br/> <span class="ft6">zelle Nr. 1032 angrenzenden, auf der Parzelle Nr. 170 gelegenen</span><br/> <span class="ft6">Teilfläche von ca. 44 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span><span class="ft6">. Die im Eigentum von R. stehende Parzelle</span><br/> <span class="ft6">Nr. 170 liegt gemäss dem Kulturlandplan der Gemeinde Dintikon</span><br/> <span class="ft6">vom 23. November 1992 / 21. Dezember 1993 in der Landwirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftszone. Die Beschwerdegegner haben mit der Eigentümerin per</span><br/> <span class="ft6">1. März 2003 einen mündlichen Pachtvertrag auf 10 Jahre zur Nut-</span><br/> <span class="ft6">zung und Bewirtschaftung dieses Landstücks abgeschlossen; (...).</span><br/> <span class="ft6">1.2. Die Beschwerdegegner haben auf der in Frage stehenden</span><br/> <span class="ft6">Landfläche Rasen gesät sowie vier bis fünf einheimische Sträucher</span><br/> <span class="ft6">und einen Niederstammapfelbaum gepflanzt. Zusätzlich haben sie im</span><br/> <span class="ft6">südöstlichen Bereich der Rasenfläche zwei Gartenbeete angelegt,</span><br/> <span class="ft6">welche durch locker gesetzte und begehbare Gartenplatten voneinan-</span><br/> <span class="ft6">der abgetrennt sind.</span><br/> <span class="ft6">2. Das Baudepartement hat die Streitfrage, ob die Nutzung der</span><br/> <span class="ft6">gepachteten Landfläche der in der Landwirtschaftszone zulässigen</span><br/> <span class="ft6">Nutzungsweise entspreche, auf die Frage fokussiert, ob eine baube-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">179</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">willigungspflichtige Massnahme vorliege. Nach Prüfung aller dies-</span><br/> <span class="ft6">bezüglichen Gesichtspunkte ist es zum Schluss gelangt, es bestehe</span><br/> <span class="ft6">"insgesamt keine Veranlassung, den vorliegenden Sachverhalt einem</span><br/> <span class="ft6">Baubewilligungsverfahren zu unterwerfen". Die Beschwerdegegner</span><br/> <span class="ft6">schliessen sich dieser Betrachtungsweise an; die Frage, ob eine be-</span><br/> <span class="ft6">stimmte Nutzung zonenkonform sei, stelle sich erst, wenn die Frage</span><br/> <span class="ft6">nach der Baubewilligungspflicht der Nutzung bejaht werde.</span><br/> <span class="ft6">Bauten und Anlagen dürfen nur mit behördlicher Bewilligung</span><br/> <span class="ft6">errichtet oder geändert werden (Art. 22 Abs. 1 RPG). Alle Bauten</span><br/> <span class="ft6">und ihre im Hinblick auf die Anliegen der Raumplanung, des Um-</span><br/> <span class="ft6">weltschutzes oder der Baupolizei wesentliche Umgestaltung, Erwei-</span><br/> <span class="ft6">terung oder Zweckänderung bedürfen der Bewilligung durch den</span><br/> <span class="ft6">Gemeinderat (§ 59 Abs. 1 BauG). Nach der in Rechtsprechung und</span><br/> <span class="ft6">Lehre üblichen Umschreibung gelten als "Bauten und Anlagen" je-</span><br/> <span class="ft6">denfalls jene künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegten Ein-</span><br/> <span class="ft6">richtungen, die in bestimmter fester Beziehung zum Erdboden stehen</span><br/> <span class="ft6">und die Nutzungsordnung zu beeinflussen vermögen, weil sie entwe-</span><br/> <span class="ft6">der den Raum äusserlich erheblich verändern, die Erschliessung be-</span><br/> <span class="ft6">lasten oder die Umwelt beeinträchtigen (BGE 123 II 259 mit Hin-</span><br/> <span class="ft6">weisen; AGVE 2001, S. 287 mit zahlreichen weiteren Hinweisen).</span><br/> <span class="ft6">Aufgrund dieser Umschreibung ist offenkundig, dass die in Frage</span><br/> <span class="ft6">stehende Nutzung keinen baubewilligungspflichtigen Tatbestand dar-</span><br/> <span class="ft6">stellt; insoweit schliesst sich das Verwaltungsgericht der Meinung</span><br/> <span class="ft6">des Baudepartements an. Wie die Beschwerdeführerin nun aber zu</span><br/> <span class="ft6">Recht einwendet, greift dieser Ansatz zu kurz, weil hier nur die</span><br/> <span class="ft6">(materielle) Rechtmässigkeit der Nutzung das Thema ist und die</span><br/> <span class="ft6">Baubewilligungspflicht mit dieser Beurteilung nicht direkt zusam-</span><br/> <span class="ft6">menhängt, sondern ausschliesslich der vorgängigen Kontrolle eines</span><br/> <span class="ft6">Bauvorhabens durch die Behörde dient (AGVE 2001, S. 288 mit</span><br/> <span class="ft6">Hinweisen). Wird durch die Errichtung von Bauten ohne Bewilli-</span><br/> <span class="ft6">gung, unter Verletzung einer solchen <i>oder auf andere Weise</i> ein un-</span><br/> <span class="ft6">rechtmässiger Zustand geschaffen, so kann in allen Fällen - also auch</span><br/> <span class="ft6">wenn keine Baubewilligungspflicht besteht - die Herstellung des</span><br/> <span class="ft6">rechtmässigen Zustands angeordnet werden (§ 159 Abs. 1 BauG);</span><br/> <span class="ft6">vorgängig muss selbstredend geprüft werden, ob ein Widerspruch</span><br/> <span class="ft6">mit dem objektiven Recht vorliegt (AGVE 1996, S. 326 mit Hinwei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">180</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">sen; siehe auch § 30 Abs. 3 Satz 1 ABauV). Diese Prüfung ist auch</span><br/> <span class="ft6">hier vorzunehmen.</span><br/> <span class="ft6">3. 3.1. Nach Art. 16 Abs. 1 Satz 2 RPG (in der Fassung vom</span><br/> <span class="ft6">20. März 1998) umfassen Landwirtschaftszonen Land, das sich für</span><br/> <span class="ft6">die landwirtschaftliche Bewirtschaftung oder den produzierenden</span><br/> <span class="ft6">Gartenbau eignet und zur Erfüllung der verschiedenen Aufgaben der</span><br/> <span class="ft6">Landwirtschaft benötigt wird (lit. a) oder das im Gesamtinteresse</span><br/> <span class="ft6">landwirtschaftlich bewirtschaftet werden soll (lit. b). Die landwirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftliche Bewirtschaftung umfasst einerseits die bodenabhängige</span><br/> <span class="ft6">und bodenunabhängige Erzeugung von pflanzlichen und tierischen</span><br/> <span class="ft6">Produkten und anderseits die Pflege von ökologischen Ausgleichs-</span><br/> <span class="ft6">flächen (Peter Hänni, Planungs-, Bau- und besonderes Umwelt-</span><br/> <span class="ft6">schutzrecht, 4. Auflage, Bern 2002, S. 171 mit Hinweisen). In Bezug</span><br/> <span class="ft6">auf den Gartenbau ist dabei festzuhalten, dass in der Landwirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftszone nur derjenige Gartenbau als zonenkonform anerkannt</span><br/> <span class="ft6">wird, der in Arbeitsweise und Landbedarf mit der landwirtschaftli-</span><br/> <span class="ft6">chen Nutzung vergleichbar ist und zur Bewirtschaftung freien Lan-</span><br/> <span class="ft6">des eine hinreichend enge Beziehung aufweist. Gemeint sind dabei</span><br/> <span class="ft6">vorab Freilandgärtnereien, welche Pflanzen in Treibhausanlagen vor-</span><br/> <span class="ft6">ziehen und später in offenes Land versetzen. Dagegen gelten Be-</span><br/> <span class="ft6">triebe in der Landwirtschaftszone, die überwiegend mit künstlichem</span><br/> <span class="ft6">Klima unter ständigen, festen Abdeckungen arbeiten, nicht als zo-</span><br/> <span class="ft6">nenkonform. Vielmehr sind nur überwiegend bodenabhängig produ-</span><br/> <span class="ft6">zierende Gartenbaubetriebe in der Landwirtschaftszone zugelassen,</span><br/> <span class="ft6">wobei darunter Betriebe zu subsumieren sind, die bei gesamthafter</span><br/> <span class="ft6">Betrachtung ihres langfristigen Bewirtschaftungskonzepts und der zu</span><br/> <span class="ft6">dessen Realisierung eingesetzten Mittel als Freilandbetriebe qualifi-</span><br/> <span class="ft6">ziert werden können (BGE 125 II 281). Mithin gehört bloss gestal-</span><br/> <span class="ft6">tender und nichtproduzierender Gartenbau nicht dazu (Hänni, a.a.O.).</span><br/> <span class="ft6">3.2. Die streitbetroffene Nutzung der gepachteten Flächen auf</span><br/> <span class="ft6">der Parzelle Nr. 170 kann unzweifelhaft nicht dem Gartenbau im</span><br/> <span class="ft6">vorgenannten Sinne zugerechnet werden. Das Baudepartement hat</span><br/> <span class="ft6">diese Nutzung unter Verweisung auf BGE 112 Ib 404 ff. unter den</span><br/> <span class="ft6">Begriff der Freizeitlandwirtschaft subsumiert. Im erwähnten Ent-</span><br/> <span class="ft6">scheid hat das Bundesgericht im Zusammenhang mit der Prüfung der</span><br/> <span class="ft6">Zulässigkeit eines Gerätehäuschens in der Landwirtschaftszone aus-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">181</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">geführt, der Wortlaut von Art. 16 Abs. 1 lit. a RPG lasse die Frage</span><br/> <span class="ft6">offen, ob auch "Hobbylandwirtschaft" als landwirtschaftliche Nut-</span><br/> <span class="ft6">zung gelten könne. Es kam jedoch in Würdigung der einschlägigen</span><br/> <span class="ft6">kantonalen und kommunalen Bestimmungen sowie im Lichte von</span><br/> <span class="ft6">Art. 3 Abs. 2 lit. a RPG zum Schluss, dass ein solches Geräte-</span><br/> <span class="ft6">häuschen nicht landwirtschaftszonenkonform sei, da es bloss hobby-</span><br/> <span class="ft6">mässiger Bodennutzung diene (BGE 112 Ib 406). Das Bundesgericht</span><br/> <span class="ft6">hat zudem in nicht veröffentlichten Entscheiden festgehalten, dass</span><br/> <span class="ft6">die Bewirtschaftung des Bodens als solche noch nicht ausreichend</span><br/> <span class="ft6">sei, um eine landwirtschaftliche Nutzung im Sinne von Art. 16 RPG</span><br/> <span class="ft6">anzunehmen. Vielmehr müsse die Aktivität des Bewirtschafters in</span><br/> <span class="ft6">einem bestimmten Umfang ökonomisch rentabel sein. Eine reine</span><br/> <span class="ft6">Hobbylandwirtschaft könne jedenfalls nicht als landwirtschaftliche</span><br/> <span class="ft6">Nutzung qualifiziert werden. Diese Grundsätze gelten nach Auffas-</span><br/> <span class="ft6">sung des Bundesgerichts auch nach der Revision des RPG vom</span><br/> <span class="ft6">20. März 1998, was in Art. 34 Abs. 5 RPV zum Ausdruck komme,</span><br/> <span class="ft6">wonach Bauten und Anlagen für die Freizeitlandwirtschaft nicht als</span><br/> <span class="ft6">zonenkonform gelten (BGE vom 20. September 2002 [1A.104/2002],</span><br/> <span class="ft6">Erw. 2.2 mit Hinweis auf die nicht publizierten BGE vom 20. Mai</span><br/> <span class="ft6">1998 [1A.296/1997], Erw. 3/a, und vom 23. März 1994</span><br/> <span class="ft6">[1A.37/1993], Erw. 3/e).</span><br/> <span class="ft6">3.3. Die Rechtsprechung des Bundesgerichts lässt mithin keinen</span><br/> <span class="ft6">Zweifel daran offen, dass die Nutzung der gepachteten Fläche auf der</span><br/> <span class="ft6">Parzelle Nr. 170 als Blumenwiese oder Rasen nicht als landwirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftliche Nutzung im Sinne von Art. 16 RPG qualifiziert werden</span><br/> <span class="ft6">kann und damit nicht zonenkonform ist: Weder betreiben die Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdegegner in ökonomisch relevanter Weise (siehe dazu Hänni,</span><br/> <span class="ft6">a.a.O., S. 168), d.h. auf der Grundlage eines langfristigen Bewirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftungskonzepts eine bodenabhängige Produktion von Landwirt-</span><br/> <span class="ft6">schafts- oder Gartenbauerzeugnissen, noch ist die allenfalls - wenn</span><br/> <span class="ft6">überhaupt - als Freizeitlandwirtschaft zu bezeichnende Form ihrer</span><br/> <span class="ft6">Wiesenbewirtschaftung bundesrechtlich bzw. aufgrund der bundesge-</span><br/> <span class="ft6">richtlichen Rechtsprechung als landwirtschaftszonenkonforme Tätig-</span><br/> <span class="ft6">keit zu qualifizieren. In Anbetracht ihrer geringen Grösse von ca.</span><br/> <span class="ft6">44 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span> <span class="ft6">fällt die streitbetroffene Pachtfläche auch nicht unter das land-</span><br/> <span class="ft6">wirtschaftliche Pachtrecht, da sie die gesetzlich geforderte Mindest-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">182</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">fläche von 25 Aren klar unterschreitet (siehe Art. 2 Abs. 1 lit. b</span><br/> <span class="ft6">LPG).</span><br/> <span class="ft6">4. 4.1. Durch die Nutzungsplanung werden die Gebrauchsmög-</span><br/> <span class="ft6">lichkeiten des Bodens unmittelbar, d.h. mit rechtsverbindlicher Wir-</span><br/> <span class="ft6">kung für jeden Grundeigentümer, eingeschränkt (Thierry Tanquerel,</span><br/> <span class="ft6">in: Kommentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung, Art. 21</span><br/> <span class="ft6">Rz. 6 f. und 18 f.; Hänni, a.a.O., S. 191; Walter Haller / Peter Karlen,</span><br/> <span class="ft6">Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht, Band 1, 3. Auflage, Zürich</span><br/> <span class="ft6">1999, Rz. 228). Die Verbindlichkeit der Nutzungspläne gilt insoweit</span><br/> <span class="ft6">nicht absolut, als ausnahmsweise auch nicht zonenkonforme Nutzun-</span><br/> <span class="ft6">gen bzw. die Erstellung nicht zonenkonformer Bauten und Anlagen</span><br/> <span class="ft6">gestattet werden darf, wobei ein Abweichen vom Gebot der Zonen-</span><br/> <span class="ft6">konformität ausserhalb der Bauzonen in jedem Fall nur nach Mass-</span><br/> <span class="ft6">gabe der Art. 24 ff. RPG (in der Fassung vom 20. März 1998) mög-</span><br/> <span class="ft6">lich ist. In Bezug auf zonenwidrige <i>Nutzungen</i>, welche wie erwähnt</span><br/> <span class="ft6">als solche keiner Baubewilligungspflicht unterstehen (vorne Erw. 2),</span><br/> <span class="ft6">normiert das Bundesrecht keine besonderen Ausnahmebestimmun-</span><br/> <span class="ft6">gen. Wenn allerdings Bauten und Anlagen nach Massgabe von Art.</span><br/> <span class="ft6">24 RPG einer Ausnahmebewilligung zugänglich sind, muss dies nach</span><br/> <span class="ft6">den Grundsätzen in maiore minus und per analogiam auch für zonen-</span><br/> <span class="ft6">widrige Bodennutzungen gelten, welche ohne Bauten oder Anlagen</span><br/> <span class="ft6">ausserhalb der Bauzonen ausgeübt werden.</span><br/> <span class="ft6">4.2. Art. 24 RPG setzt für eine Ausnahmebewilligung voraus,</span><br/> <span class="ft6">dass der Zweck der Bauten und Anlagen einen Standort ausserhalb</span><br/> <span class="ft6">der Bauzonen erfordert (lit. a) und keine überwiegenden Interessen</span><br/> <span class="ft6">entgegenstehen (lit. b). Nach der bundesgerichtlichen Recht-</span><br/> <span class="ft6">sprechung darf die Standortgebundenheit nur bejaht werden, wenn</span><br/> <span class="ft6">eine Baute aus technischen oder betriebswirtschaftlichen Gründen</span><br/> <span class="ft6">oder wegen der Bodenbeschaffenheit auf einen bestimmten Standort</span><br/> <span class="ft6">ausserhalb der Bauzone angewiesen ist; dabei beurteilen sich die</span><br/> <span class="ft6">Voraussetzungen nach objektiven Massstäben, und es kann weder auf</span><br/> <span class="ft6">die subjektiven Vorstellungen und Wünsche des Einzelnen noch auf</span><br/> <span class="ft6">die persönliche Zweckmässigkeit und Bequemlichkeit ankommen</span><br/> <span class="ft6">(BGE 111 Ib 217 E. 3b mit Hinweisen). Eine derartige Standortge-</span><br/> <span class="ft6">bundenheit für die streitbetroffene Nutzung des Landwirtschaftslands</span><br/> <span class="ft6">als Rasenfläche ist vorliegendenfalls weder ersichtlich noch darge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">183</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">tan. Zudem kommt dem Interesse der Beschwerdegegner an der Nut-</span><br/> <span class="ft6">zung des Pachtlandes als Rasen mit einheimischen Sträuchern und</span><br/> <span class="ft6">einem Obstbaum sowie Gemüsebeeten zu nicht- bzw. bloss hobby-</span><br/> <span class="ft6">landwirtschaftlichen Zwecken ein geringes Gewicht zu. Dem steht</span><br/> <span class="ft6">ein erhebliches öffentliches Interesse daran entgegen, dass die Land-</span><br/> <span class="ft6">wirtschaftszone nicht für zonenfremde Nutzungen missbraucht wird.</span><br/> <span class="ft6">Wie die Beschwerdeführerin zutreffend ausführt, ist nicht zu überse-</span><br/> <span class="ft6">hen, dass mit einer Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids ein</span><br/> <span class="ft6">Präjudiz für Erweiterungen von Hausgärten zu Lasten des Kulturlan-</span><br/> <span class="ft6">des geschaffen würde. Nachdem das Bundesgericht an der strikten</span><br/> <span class="ft6">Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet festhält und etwa die Er-</span><br/> <span class="ft6">schliessung von Wohnhäusern in der Landwirtschaftszone nach wie</span><br/> <span class="ft6">vor ablehnt (BGE vom 31. August 2005 [1A.256/2004], Erw. 5),</span><br/> <span class="ft6">steht dem Interesse der Beschwerdegegner ein überwiegendes öf-</span><br/> <span class="ft6">fentliches Interesse entgegen, so dass auch unter diesem Gesichts-</span><br/> <span class="ft6">winkel gesehen eine Ausnahmebewilligung ausgeschlossen ist (Bun-</span><br/> <span class="ft6">desgericht, in: ZBl 103/2002, S. 364 mit Hinweis; AGVE 2001,</span><br/> <span class="ft6">S. 280 mit Hinweis).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>