Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, vom 15. März 2016 (400 15 432) ___________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Scheidung: Kinderunterhaltsbeitrag (insbesondere Frage der Anrechung der IV- Kinderrente der unterhaltsberechtigten Ehefrau), nachehelicher Unterhaltsbeitrag (insbesondere Frage der Dauer), Abänderung/Anpassung der Teilkonvention betref- fend Güterrecht und Vorsorgeausgleich Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader, Richter Dieter Freiburghaus (Ref.), Richterin Barbara Jermann Richterich; Gerichtsschreiberin Karin Arber Parteien A. ____ vertreten durch Advokat Dr. Dieter M. Troxler, Advokatur zum Wasser- turm, Wasserturmplatz 2, 4410 Liestal, Kläger und Berufungskläger gegen B. ____ vertreten durch Advokatin Sabrina Stoll, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal, Beklagte und Berufungsbeklagte Gegenstand Ehescheidung Berufung gegen das Urteil der Dreierkammer des Zivilkreisgerichts Ba- sel-Landschaft Ost vom 20. August 2015 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die Ehegatten A.____ und B.____ heirateten am 23. M ärz 2001 in X.____. Der Ehe ist der gemeinsame Sohn C.____, geboren am 23. Mai 2002 , entsprungen. Die Parteien leben seit dem 1. August 2011 getrennt. Die Folgen des Getre nntlebens mussten gerichtlich gere- gelt werden. B. a) Mit Eingabe vom 20. März 2013 reichte der Ehemann am Bezirksgericht Liestal (seit 1. April 2014: Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost) di e Scheidungsklage ein. In der Eini- gungsverhandlung vom 2. Oktober 2013 schlossen die Part eien eine Teilvereinbarung über den Scheidungspunkt, die elterliche Sorge, das Besuchs- und Ferienrecht, das Güterrecht (güterrechtlich auseinandergesetzt), den Rückzug des Stra fantrags des Ehemannes gegen die Ehefrau und über die hälftige Teilung der Pensio nskassenguthaben (Überweisung des Betrages von CHF 38‘435.00 von der Pensionskasse des Ehema nnes auf das Freizügig- keitskonto der Ehefrau). Strittig blieben die Kinderun terhaltsbeiträge und die nachehelichen Unterhaltsbeiträge. Die Vorinstanz führte in der Folge einen Schriftenwechsel durch. Mit Kla- gebegründung vom 7. Februar 2014 beantragte die Ehef rau einen Unterhaltsbeitrag für den Sohn von mindestens CHF 800.00 zuzüglich allfälliger Kinder- bzw. Ausbildungszulagen bis zum 31. Mai 2018 und danach von mindestens CHF 900.00 zuzüglich allfälliger Kinder- bzw. Ausbildungszulagen bis zur Volljährigkeit bzw. bis zum Abschluss einer angemessenen Aus- bildung des Sohnes. Für sich selbst verlangte die Ehefrau einen nachehelichen Unterhalts- beitrag von mindestens CHF 1‘885.00 bis zum 31. Mai 201 8 und danach von mindestens CHF 1‘785.00 bis zum Wegfall der Unterhaltspflicht geg enüber dem Sohn und nach Ab- schluss der angemessenen Ausbildung des Sohnes von mindestens CHF 2‘685.00. Für alle Unterhaltsbeiträge wurden Mehrforderungen vorbehalten. Ferner beantragte die Ehefrau die Feststellung eines Fehlbetrages zur Deckung des gebührende n Unterhalts von mindestens CHF 1‘957.40 bis zum Abschluss der angemessenen Ausbildung des Sohnes und danach von mindestens CHF 996.60. Schliesslich beantragte die E hefrau die Indexierung der Unter- haltsbeiträge, die Lohnanweisung an die Arbeitgeber in des Ehemannes und die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung. B. b) Der Ehemann beantragte mit Klageantwort vom 10. Mä rz 2014 die Festlegung der Un- terhaltsbeiträge für den Sohn auf CHF 800.00 zuzüglich Kinderzulagen, solange der Sohn die ordentlichen Schulen besucht, längstens jedoch bis und mit Mai 2018, und auf CHF 900.00 zuzüglich Ausbildungszulage ab Beginn von de ssen beruflichen Ausbildung bis und mit Mai 2020, wobei an diesen Unterhaltsbeitrag 50% des jeweiligen Netto-Lehrlings-/ Ausbildungseinkommens des Sohnes anzurechnen sei. Für d ie Ehefrau beantragte er die Festlegung der Unterhaltsbeiträge auf CHF 830.00 ab R echtskraft des Scheidungsurteils bis und mit April 2015 und von CHF 729.00 ab Mai 2015 bi s April 2016, danach sei kein Unter- haltsbeitrag mehr geschuldet. Der Ehemann ersuchte weit er um Bewilligung der unentgeltli- chen Rechtspflege. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantr agte er, der Schriftenwechsel sei zu schliessen und die Parteien seien zu einer Instruktion sverhandlung, eventuell mit an- schliessender Hauptverhandlung, zu laden. Ausserdem seien bei der IV-Stelle Baselland die gesamten IV-Akten betreffend die Ehefrau einzuverlang en und dem Ehemann zur Einsicht und ergänzender Antragsstellung zuzustellen. Weiter sei e ine amtliche Erkundigung bei der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht IV-Stelle über den Sachstand und darüber, bis wann mit einem Rentenentscheid zu rechnen sei, einzuholen. B. c) Mit Verfügung vom 11. März 2014 wurde der Schriftenw echsel im vorinstanzlichen Verfahren geschlossen und die Parteien zu einer Instruktio nsverhandlung vor den Gerichts- präsidenten mit Gelegenheit zur mündlichen Replik und Duplik geladen. Diese Instruktions- verhandlung, an welcher die Ehefrau weitere Unterlage n einreichte, fand am 14. April 2014 vor dem Präsidium des Zivilkreisgerichts statt. Die Ehefrau liess an dieser Verhandlung Aus- führungen zu ihrem gesundheitlichen Zustand vortragen und führte aus, es sei nicht klar, wie es weitergehe; die IV warte den Verlauf der Operatio n ab. Die ursprünglich auf den 25. No- vember 2014 angesetzte Hauptverhandlung wurde sodann mi t Verfügung vom 20. Novem- ber 2014 wieder abgeboten, um den IV-Entscheid abzuwar ten. Nachdem die IV- Rentenverfügung vom 5. März 2015 vorlag, wurden die P arteien mit Verfügung vom 10. März 2015 erneut zur Hauptverhandlung geladen. B. d) In der Hauptverhandlung vom 20. August 2015 vor der Dreierkammer des Zivilkreisge- richts Basel-Landschaft Ost, gab der Ehemann bekannt, dass ihm per 31. Juli 2015 gekün- digt worden und er seit 1. August 2015 arbeitslos geme ldet sei. Er sei aufgrund einer Schul- terverletzung nicht mehr arbeitsfähig und auch bei der IV-Stelle angemeldet. Das Taggeld der SUVA, welches 80% des Bruttolohnes ausmache, laufe we iter. Es sei unklar, wann die SUVA den Unfall abschliessen werde und was bei der IV un d der Arbeitslosenversicherung laufe. Er müsse wohl umgeschult werden. Die Ehefrau b eantragte, auf diese Noven sei nicht abzustellen, da sie nicht unverzüglich vorgebracht worde n seien. Die Ehefrau machte ihrer- seits Noven geltend betreffend ihre Gesundheitskosten und die ausstehenden Unterhaltsbei- träge. Die Ehefrau stellte betreffend die Unterhaltsb eiträge im Vergleich zu ihrer Klagebe- gründung leicht veränderte Anträge. Überdies beantrag te sie zum Güterrecht neu, es sei Ziffer 3 der Teilkonvention dahingehend abzuändern, d ass der Ehemann der Ehefrau per 20. August 2015 aus ausstehenden Unterhaltsbeiträgen der Unterhaltsspanne März und April 2015 noch einen Betrag von CHF 190.00 zuzüglich Zins von 5% seit 15. März 2015 schulde und die Parteien ansonsten güterrechtlich auseina ndergesetzt seien. Weiter sei Zif- fer 5 der Teilkonvention dahingehend abzuändern, dass d ie Pensionskasse des Ehemannes anzuweisen sei, einen Betrag von CHF 51‘429.50 auf das Freizügigkeitskonto der Ehefrau zu überweisen. Im Übrigen sei die Teilkonvention zu genehmigen. Der Ehemann liess an der Hauptverhandlung ausführen, wie die Unterhaltsbeiträ ge aufgrund der nunmehr zugespro- chenen IV-Rente der Ehefrau zu berechnen seien. Betr effend die Aufteilung der Pensions- kassenguthaben erachtete er die von der Ehefrau beantra gte Anpassung als rechtsmiss- bräuchlich, nachdem diese die Verzögerung des Verfahre ns verursacht habe. Die ausste- henden Unterhaltsbeiträge seien nicht zu berücksichtigen , da mit der Teilvereinbarung das Güterrecht verbindlich geregelt worden sei. Für den Vor sorgeunterhalt verwies er auf die Klageantwort. Weiter machte er geltend, die Ehefrau habe Anspruch auf Ergänzungsleistun- gen und Hilfslosenentschädigungen; er könne nicht für die Invalidität der Ehefrau verantwort- lich gemacht werden. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. e) Mit Urteil vom 20. August 2015 schied die Dreierkammer des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost die Ehe der Parteien (Dispositiv Ziffer 1) und genehmigte die Teilvereinba- rung der Ehegatten über die Scheidungsfolgen vom 2. Oktober 2013 mit Vorbehalt bezüglich der güterrechtlichen Auseinandersetzung und des aus der Pensionskassenteilung zu über- weisenden Betrages (Dispositiv Ziffer 2). Das Zivilkreisger icht hielt fest, dass der Ehemann der Ehefrau aus ausstehenden Unterhaltsbeiträgen der U nterhaltsspanne März und April 2015 noch einen Betrag von CHF 190.00 zuzüglich Zins v on 5% seit 15. März 2015 schulde (Dispositiv Ziffer 3). Die elterliche Sorge über den ge meinsamen Sohn der Ehegatten wurde der Ehefrau alleine zugeteilt (Dispositiv Ziffer 4). D er Ehemann wurde verpflichtet, der Ehe- frau an den Unterhalt des Sohnes monatliche und vorausza hlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 740.00 zuzüglich allfällige von ihm bezogene Kinder - bzw. Ausbildungszulagen bis zur Volljährigkeit resp. bis zum Abschluss einer angemessenen Au sbildung zu bezahlen (Dispo- sitiv Ziffer 5). Der Ehemann wurde verpflichtet, der Ehefrau gemäss Art. 125 ZGB monatliche und vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 1‘240.00 bis zur ersten angemessenen Ausbildung des Sohnes, längstens jedoch bis der Sohn 25 Jahre alt ist, und danach von CHF 1‘975.00 bis zur ordentlichen Pensionierung des Ehe mannes zu bezahlen (Dispositiv Ziffer 6). Die Unterhaltsbeiträge wurden sodann inde xiert und die Unterdeckung beziffert (Dispositiv Ziffer 7). Weiter wurde vorgesehen, die Pensionskasse des Ehemannes anzuwei- sen, den Betrag von CHF 50‘383.90 auf das Freizügigkeitsk onto der Ehefrau zu überweisen (Dispositiv Ziffer 8). Es wurde festgestellt, dass den Ehegatten die unentgeltliche Rechtspfle- ge bewilligt wurde und sie wurden auf die Nachzahlun gspflicht gemäss Art. 123 ZPO hinge- wiesen (Dispositiv Ziffer 9). Die Gerichtskosten wurden de n Parteien je hälftig auferlegt und jede Partei verpflichtet, für ihre eigenen Parteikoste n aufzukommen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege wurden die aus der Geri chtskasse zu bezahlenden Honorare für den Rechtsvertreter des Ehemannes auf CHF 8‘000.00 und für die Rechtsvertreterin der Ehefrau auf CHF 11‘997.20 festgelegt. C. a) Mit Eingabe vom 25. November 2015 an das Kantonsgerich t Basel-Landschaft, Abtei- lung Zivilrecht, erklärte der Ehemann gegen die Ziffer n 3 bis 8 des vorinstanzlichen Schei- dungsurteils vom 20. August 2015 die Berufung mit folgenden Anträgen: 1. Das angefochtene Urteil des Zivilkreisgerichts Basel-La ndschaft Ost vom 28.8.2015 sei im Sinne der nachfolgenden Anträge Ziffer 1.1 bis 1.6 abzuändern: 1.1 Ziffer 3 des Dispositives sei ersatzlos zu streichen. 1.2 Ziffer 4 des Dispositives sei aufzuheben und die elt erliche Sorge beiden Ehegatten zu- zuteilen mit ausschliesslicher Obhut durch die Ehefrau. 1.3 Ziffer 5 des Dispositives sei aufzuheben und den seit ens des Ehemannes als Kinder- unterhalt geschuldete Betrag auf CHF 300.00 festzusetzen. 1.4 Ziffer 6 des Dispositives Lemma 1 und 2 seien aufzuh eben und den der Ehefrau ge- schuldete Unterhaltsbeitrag auf CHF 740.00, inkl. Vors orgeunterhalt bis und mit Monat Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (recte: Mai) 2018 festzulegen und festzustellen, dass über den Monat Mai 2018 hinaus keinerlei Ehegattenunterhalt mehr geschuldet sei. 1.5 Gestützt auf die vorstehenden Anträge 2.1 bis 2.4 (recte: 1.1 bis 1.4) sei die Unterde- ckung bis und mit Monat Mai 2018 rechnerisch anzupassen. 1.6 Ziffer 8 des Dispositives sei aufzuheben und den als Vorsorgeausgleich seitens der PK des Ehemannes der Ehefrau geschuldeten Betrag auf CHF 38‘435.00 festzusetzen respektive die diesbezügliche Teileinigung der Parteien vom 2.10.2013 zu bestätigen. 2. Eventuell sei das angefochtene Urteil des Zivilkreisgeri chts Basel-Landschaft Ost vom 20.8.2015 aufzuheben und zur neuen und vollständigen Beurteilung im Sinne der Er- wägungen des Kantonsgerichts zurückzuweisen. 3. Dem Ehemann sei im kantonsgerichtlichen Berufungsverfa hren die vollständige unent- geltliche Rechtspflege mit einem Pauschalhonorar von C HF 5‘000.00 für das Beru- fungsverfahren zu gewähren und den Unterzeichnenden als dessen Rechtsbeistand zu bestellen. 4. Im Übrigen alles zulasten der Ehefrau. C. b) Die Ehefrau beantragte mit Berufungsantwort vom 11. Januar 2016 die vollumfängliche Abweisung der Berufung unter o/e-Kostenfolge und ers uchte für das Berufungsverfahren ebenfalls um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung. Weiter stell- te sie den Verfahrensantrag, es seien die mit Berufung seingabe des Berufungsklägers ein- gereichten Unterlagen allesamt als verspätet aus dem Recht zu weisen. Auf die vorinstanzliche Entscheidbegründung sowie die A usführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. C. c) Mit Verfügung vom 13. Januar 2016 schloss die Präsidenti n des Kantonsgerichts Ba- sel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, den Schriftenwech sel. Sie bewilligte die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung der Berufungsbeklagten mit Rechtsanwältin Sabrina Stoll vollumfänglich und dem Berufungskläger mit Rechtsanwalt Dr. Dieter Troxler mit einem Selbstbehalt von CHF 1‘000.00 für die unentgeltliche Verbeiständung. Weiter sah sie ohne Gegenbericht der Parteien eine Vergleichsverhandlung vor der Dreierkammer des Kantons- gerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, vor. C. d) Mit Eingabe vom 19. Januar 2016 beantragte der Ber ufungskläger, es sei ihm eine einmalige Frist zur Erstattung seiner Replik bis zum 12. Februar 2016 zu gewähren. Die Kan- tonsgerichtspräsidentin wies mit Verfügung vom 19. Januar 2016 den Antrag des Berufungs- klägers auf Fristansetzung zur Erstattung einer Replik ab und liess es ihm unbenommen, sich im Sinne des Replikrechts unaufgefordert zur Berufungsantwort zu äussern. Mit Eingabe Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 3. Februar 2015 (recte: 2016) reichte der Berufung skläger eine Vernehmlassung zu der Berufungsantwort vom 11. Januar 2016 ein. Mit Eingabe vom 18. Februar 2016 nahm die Berufungsbeklagte Stellung dazu. Auf die Ausführungen der Parteien in diesen Eingaben wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. C. e) Nachdem die Berufungsbeklagte mitteilte, dass sie auf eine Vergleichsverhandlung verzichte, ordnete die Kantonsgerichtspräsidentin mit Ve rfügung vom 26. Januar 2016 den Entscheid aufgrund der Akten ohne Durchführung einer P arteiverhandlung an. Mit Eingabe vom 27. Januar 2016 führte der Berufungskläger aus, er gehe davon aus, dass Beratungen des Kantonsgerichts parteiöffentlich seien. Aufgrund di eser Eingabe teilte die Kantonsge- richtspräsidentin den Parteien mit Verfügung vom 1. Feb ruar 2016 mit, die Urteilsberatung über den vorliegenden Fall finde am Dienstag 15. Mär z 2016, 08:00 Uhr, statt. Die Kantons- gerichtspräsidentin gab überdies die Besetzung der Drei erkammer bekannt und verfügte, es werde zu Beginn der Urteilsberatung durch die Dreierka mmer entschieden, ob die Urteilsbe- ratung parteiöffentlich abgehalten werde. C. f) Mit Mail vom 7. März 2016 übermittelte die KESB Leim ental dem Zivilkreisgericht Ba- sel-Landschaft Ost einen Bericht der Psychiatrie Baselland vom 5. März 2016 zum Notfallge- spräch des Oberarztes mit dem Berufungskläger und dem Sohn vom 4. März 2016. Das Zi- vilkreisgericht leitete das Mail mit dem Bericht an das K antonsgericht weiter. Mit Verfügung vom 9. März 2016 wurde der Bericht den Parteien zur Ke nntnisnahme übermittelt und ange- kündigt, dass dieser anlässlich der Urteilsberatung behan delt werde. Daraufhin nahm die Berufungsbeklagte mit Eingabe vom 10. März 2016 unaufgefordert Stellung zum Bericht. C. g) Zu Beginn der Urteilsberatung vom 15. März 2016 durch die Dreierkammer des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, wurde entschieden, dass die Urteilsbera- tung parteiöffentlich abgehalten wird. Der Berufungskl äger und dessen Rechtsvertreter wa- ren sodann an der Urteilsberatung als Zuhörer anwesend. Erwägungen 1. Formelles / Eintreten 1.1 Gegen erstinstanzliche Endentscheide kann Berufung er hoben werden. In vermö- gensrechtlichen Angelegenheiten, ist die Berufung nur zu lässig, sofern der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 ZPO). Im vorliegenden Fall ist zum einen die Zuteilung der elterlichen Sorge angefochten, welche keine vermögensrechtliche Stre itigkeit darstellt, zum anderen liegt der Streitwert betreffend der vermögensrechtli chen Punkte (Unterhaltsbeiträge, Güter- recht, Teilung der Freizügigkeitsleistungen) über CHF 1 0'000.00, womit auch die Streitwert- grenze erreicht ist. Die Berufung ist schriftlich und be gründet innert 30 Tagen seit Zustellung Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht des begründeten Entscheids bzw. seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegrün- dung bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Die schriftliche Be- gründung des Entscheids des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 20. August 2015 wurde dem Rechtsvertreter des Berufungsklägers am 26. Oktob er 2015 zugestellt. Die Rechtsmittelfrist ist folglich durch die Berufung vom 25 . November 2015 eingehalten. Auch die weiteren Formalien sind erfüllt, so dass auf die B erufung einzutreten ist. Gemäss § 6 Abs. 1 lit. d EG ZPO ist die Dreierkammer der Abteilu ng Zivilrecht des Kantonsgerichts für die Beurteilung von Berufungen gegen Entscheide der D reierkammern der Zivilkreisgerichte sachlich zuständig. 1.2 In Anlehnung an die Bezeichnungen der Parteien selb er in den Rechtsschriften des Berufungsverfahrens sowie zur Vereinfachung der Lesbarkei t werden die Parteien, obwohl der Scheidungspunkt selber nicht angefochten und die S cheidung somit rechtskräftig ist, im Folgenden weiterhin als Ehemann und Ehefrau bezeichnet. 2. Neue Tatsachen und Beweismittel: Mail KESB Leime ntal 2.1 Die KESB Leimental hat mit Mail vom 7. März 2016 den Bericht der Psychiatrie Basel- land zum Notfallgespräch vom 4. März 2016 an das Zivilkr eisgericht geschickt, welches das Mail mit dem Bericht an das Kantonsgericht weiter ge leitet hat. Im Bericht schildert Dr. D.____, dass der Ehemann seit November in der Psychi atrie Baselland in Behandlung sei und er am 4. März 2016 zusammen mit dem Sohn notfa llmässig in der ambulanten Bera- tungsstelle erschienen sei und Probleme zwischen der Mutter und dem Sohn geschildert habe. Der Arzt führte aus, es sollte in den kommenden Wochen zwischen den Anwälten der Parteien und dem Gericht eine neue Regelung des Besuc hsrechts besprochen werden, der Wille des Sohnes berücksichtigt und diesem ein unabhängig er Beistand zur Seite gestellt werden. 2.2 Die Ehefrau beantragte mit Eingabe vom 10. März 2016 , diese Unterlagen seien für den Berufungsentscheid nicht zu beachten, zumal die Fra ge der Obhut und des Besuchs- rechts nicht Thema des kantonsgerichtlichen Verfahrens seien. 2.3 Im vorliegenden Verfahren bildet lediglich das allein ige Sorgerecht der Ehefrau Ge- genstand der Berufung, nicht aber die Obhut und der p ersönliche Verkehr des Ehemannes mit dem Sohn. Bezüglich dieser nicht angefochtenen Punk te ist das erstinstanzliche Urteil entsprechend dem Grundsatz der Teilrechtskraft (Art. 315 Abs. 1 ZPO) vielmehr rechtskräftig geworden. Das Kantonsgericht ist daher für eine Beurt eilung des Besuchsrechts und der Obhut nicht zuständig. Der Bericht der Psychiatrie Basel land, in welchem Besprechungen des Besuchsrechts empfohlen werden, ist daher für den Ber ufungsentscheid unbeachtlich. Im Übrigen ist der Bericht weitgehend anamnestisch und gibt die Schilderungen des Sohnes und des Ehemannes wieder, ohne dass diese objektiviert werden können. Es wird im Bericht auch nicht dargelegt, ob tatsächlich Veränderungen i m Verhältnis zwischen der Ehefrau und dem Sohn eingetreten sind. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Neue Tatsachen und Beweismittel: Noven des Ehema nnes 3.1 Der Ehemann reichte mit seiner Berufung als neue Bewe ismittel die SUVA- Taggeldabrechnungen August bis November 2015 (Beilagen 4 bis 7), den neuen Unfall- schein mit dem Vermerk Bellikon (Beilage 9) und das Schr eiben der REHA-Klinik Bellikon vom 30. September 2015 (Beilage 10) ein. Der Ehemann ruft diese Beweismittel an, um ei- nerseits die Rüge eines von der Vorinstanz zu hoch errechneten Einkommens und um ande- rerseits das Andauern seines Versicherungsfalles zu belege n. Die Ehefrau beantragte, es seien die mit Berufungseingabe eingereichten Unterlag en - zumindest im Hinblick auf den nachehelichen Unterhaltsbeitrag - allesamt als verspätet aus dem Recht zu weisen. Zur Be- gründung führte sie aus, es sei nicht erlaubt, in der Berufung ein echtes Novum einzubringen um damit eine Tatsache zu beweisen, die bei zumutbarer Sorgfalt bereits vor erster Instanz hätte belegt werden können. Dies sei vorliegend der Fa ll, da der Ehemann bereits bei der Vorinstanz entsprechende Belege zu seiner Leistungsfähigkeit verspätet vorgebracht habe. 3.2 Im Berufungsverfahren werden neue Tatsachen und Bewei smittel nur noch berück- sichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und tro tz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Denn das No- venrecht darf nicht dazu führen, allfällige Versäumnisse bei der Vorinstanz nachzuholen. Es ist daher zunächst zu prüfen, ob die vom Ehemann an der vorinstanzlichen Hauptverhand- lung geltend gemachten Noven zu seiner Arbeitssituati on und seiner Gesundheit rechtzeitig eingebracht wurden oder ob die Vorinstanz diese zu Unre cht berücksichtigte, wie die Ehe- frau geltend macht. Massgebend für das vorinstanzliche Ve rfahren war Art. 229 ZPO. Ge- mäss Absatz 1 dieser Bestimmung werden in der Hauptverha ndlung neue Tatsachen und Beweismittel nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und erst nach Abschluss des Schriftenwechsels oder nach der letzten Instruktionsverhandlung ent- standen oder gefunden worden sind (echte Noven) oder b ereits vorher vorhanden waren, aber trotz zumutbarer Sorgfalt nicht vorher vorgebrach t werden konnten (unechte Noven). Die Parteien haben das Recht, zweimal unbeschränkt Tatsachen zu behaupten und Beweise einzureichen, danach tritt der Aktenschluss ein (BGE 140 III 312). Echte und unechte Noven sind nach diesem Zeitpunkt gemäss Art. 229 Abs. 1 ZPO n ur noch zulässig, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden. Die Noven sind unverzüglich nach deren Entdeckung in den Prozess einzuführen. Es wäre mit dem Beschleunigungsgebo t kaum vereinbar, wenn nach dem Aktenschluss mit dem Einbringen der Noven bis zur Hauptverhandlung zugewartet wür- de. Kann der Gegenpartei nicht zugemutet werden, an der Hauptverhandlung unvorbereitet auf die Noven zu antworten, müsste ihr Antrag auf Ver schiebung der Hauptverhandlung zur Wahrung des rechtlichen Gehörs gutgeheissen werden. Dies würde zu Verzögerungen füh- ren, welche nicht entstehen, wenn die Gegenpartei be reits vor der Hauptverhandlung Kennt- nis von den Noven bekommen würde. Weiter ist es auch mit dem Grundsatz von Treu und Glauben nicht vereinbar, wenn eine Partei die Noven während Wochen oder Monate zurück- hält und sie dann erst in der Hauptverhandlung vorbrin gt. Daher sind Noven, welche nach Aktenschluss entdeckt werden, unverzüglich vorzubringen und nicht erst in der Hauptver- handlung. Wie lange mit dem Vorbringen von Noven zuge wartet werden darf, ist im Gesetz nicht geregelt und wird unterschiedlich beantwortet. I m Allgemeinen wird eine Frist von 10 Tagen als angemessen betrachtet (C HRISTOPH LEUENBERGER , in: Sutter- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur S chweizerischen Zivilprozessord- nung, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 229 N 9 f.). Vorliegend hat der Ehemann seine seit dem Unfall vom September 2014 bestehende Arbeitsu nfähigkeit sowie die von seiner Arbeitgeberin mit Schreiben vom 1. April 2015 ausgesp rochene Kündigung erst an der Hauptverhandlung vom 20. August 2015 vorgebracht. Zu be achten ist indessen, dass hin- sichtlich der Kinderbelange das Gericht den Sachverhalt vo n Amtes wegen zu erforschen hat. Es berücksichtigt dabei neue Tatsachen und Beweismit tel bis zur Urteilsberatung (Art. 229 Abs. 3 ZPO). Für die Beurteilung des Kinderunterh altsbeitrages besteht daher keine Beschränkung und die Vorinstanz hat die geltend gemach ten Noven diesbezüglich zu Recht berücksichtigt. Damit liegt an sich keine Umgehung vor, wenn der Ehemann nunmehr im Berufungsverfahren das Andauern seiner Arbeitsunfähigkeit und sein tatsächliches Taggeld- einkommen ab August 2015 belegen will. Soweit es alle rdings um die SUVA- Taggeldabrechnungen geht, hätte der Ehemann bei zumut barer Sorgfalt im Hinblick auf die vorinstanzliche Hauptverhandlung ohne weiteres eine Tag geldabrechnung bei der SUVA, welche damals über alle Unterlagen verfügte, verlangen können und müssen. Die nunmehr erst mit der Berufung eingereichten Taggeldabrechnung en (Berufungsbeilagen 4 bis 7) er- folgten somit zu spät und sind nicht zu berücksichtigen. Zul ässig sind hingegen die Beru- fungsbeilagen 9 und 10, welche das Fortdauern der derze itigen Arbeitsunfähigkeit des Ehe- mannes und den REHA-Aufenthalt bestätigen und nicht f rüher eingereicht werden konnten. Soweit die Ehefrau ausführt, die Vorinstanz sei in der schriftlichen Entscheidbegründung von der mündlichen Beratung abgewichen, in welcher die No ven als unzulässig betrachtet wor- den seien, ist dem entgegen zu halten, dass dem vorinstanzl ichen Protokoll nicht zu ent- nehmen ist, wie über die Novenfrage entschieden wurde. Wie die mündlichen Begründungen lauteten ist jedoch ohnehin nicht von Bedeutung, denn die schriftliche Begründung darf von der kurzen mündlichen Begründung abweichen und es ist allein die schriftliche Begründung massgebend (BGE 138 V 154, E. 2.4; Bger 5P.227/2002 v om 01.10.2002, E. 2; G EORG NAEGELI , in: Paul Oberhammer [Hrsg.], Kurzkommentar zur Schwei zerischen Zivilprozess- ordnung, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 236 N 14). 4. Replik im Berufungsverfahren 4.1 Der Ehemann beantragte im Berufungsverfahren mit Ein gabe vom 19. Januar 2016, es sei ihm eine Frist zur Erstattung einer Replik bis zum 12. Februar 2016 zu gewähren. Gleichentags verfügte die Kantonsgerichtspräsidentin die Abweisung dieses Antrags, liess es dem Ehemann jedoch unbenommen, sich im Sinne des Re plikrechts unaufgefordert zur Berufungsantwort zu äussern. Als Begründung wurde ausgeführt, ein zweiter Schriftenwech- sel sei mangels Vorliegen von besonderen Umständen nicht angebracht. Der Ehemann reichte in der Folge am 3. Februar 2016 eine Replik ein, woraufhin der Ehefrau eine Frist zur fakultativen Stellungnahme gesetzt wurde. Die Ehefrau reichte mit Eingabe vom 18. Februar 2016 eine Stellungnahme ein. 4.2 Erachtet das Kantonsgericht einen zweiten Schriftenwech sel nicht als erforderlich, kann es den Schriftenwechsel schliessen und die Berufungsa ntwort der Gegenpartei zur Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kenntnisnahme zustellen. Es obliegt dann dem Berufungskläger zu prüfen, ob er von seinem Replikrecht Gebrauch machen will oder nicht. Will ei ne Partei unaufgefordert eine Stellung- nahme einreichen, hat sie dies umgehend zu tun oder zumi ndest zu beantragen, ansonsten ein Verzicht auf weitere Eingaben angenommen wird. Se tzt das Gericht keine Replikfrist an, hat es mit dem Entscheid so lange zuzuwarten, bis nach de n Regeln von Treu und Glauben ein Verzicht auf eine Replik angenommen werden darf (B GE 138 I 484, E. 2.2 ff.; BGE 132 I 42, E. 3.3.4). In der Praxis besteht Rechtsunsicherheit , ob innert angemessener Frist ein Gesuch um Replik zu stellen oder gleich die Replik einzureichen ist, wie auch über die Dauer einer angemessenen Frist. Im vorliegenden Fall wurde d ie Berufungsantwort zusammen mit der Verfügung vom 13. Januar 2016 am 14. Januar 201 6 vom Kantonsgericht an den Ehe- mann bzw. dessen Rechtsvertreter spediert. Dieser reagie rte nach Zustellung der Beru- fungsantwort sofort, indem er mit Eingabe vom 19. Janu ar 2016 eine Replikfrist beantragte. Dieser Antrag wurde mit Verfügung vom 19. Januar 2016 abgewiesen, dem Ehemann jedoch unbenommen gelassen, sich im Sinne des Replikrechts unaufgefordert zur Berufungsantwort zu äussern. Indem der Ehemann sodann am 3. Februar 20 16 seine Replik einreichte, nahm er sein Replikrecht angesichts dieser Vorgeschichte rechtzeitig wahr. Die Replik vom 3. Feb- ruar 2016 wie auch die Duplik vom 18. Februar 2016 sind somit zuzulassen. 5. Rechtsschutzinteresse der Ehefrau an ihren Ausfüh rungen in der Berufungsant- wort Der Ehemann stellte in seiner Replik vom 3. Februar 2 016 wiederholt das Rechtsschutzinte- resse der Ehefrau bezüglich ihrer Ausführungen in der Berufungsantwort in Frage. Indem die Ehefrau selber weder die Berufung noch die Anschlussbe rufung erklärt habe, beantrage sie implizit die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils. I hre Ausführungen, wonach sich das angefochtene Urteil höchstens zu Gunsten der Ehefrau korri gieren liesse, seien daher un- nütz und überflüssig. Einer berufungsbeklagten Partei steht es trotz Verzicht auf die Einreichung eines eigenen Rechtsmittels offen, den vorinstanzlichen Entscheid in einze lnen Punkten zu kritisieren. Sie kann sämtliche Berufungsgründe tatsächlicher und rechtli cher Art geltend machen, um Feh- ler des erstinstanzlichen Entscheids zu rügen, die ihr im Fall einer abweichenden Beurteilung durch die Berufungsinstanz zum Nachteil gereichen könnte n (P ETER REETZ /S TEFANIE THEILER , in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], K ommentar zur Schweizeri- schen Zivilprozessordnung, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 201 6, Art. 312 N 12 mit weiteren Hinweisen). Der Ehefrau kann daher kein fehlendes Rech tschutzinteresse an ihren Ausfüh- rungen in der Berufungsantwort vorgeworfen werden. 6. Anträge des Ehemannes im vorinstanzlichen Verfahr en 6.1 Die Vorinstanz hielt in der Urteilsbegründung fest, d er Ehemann habe vollumfänglich an seinen Rechtsbegehren gemäss Klageantwort vom 10. Mä rz 2014 festgehalten. Der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ehemann führt dagegen aus, er habe an der vorinstanzli chen Hauptverhandlung in Anbe- tracht der von der Ehefrau neu vorgetragenen Tatsache, dass ihr die IV eine 100%-Rente rückwirkend ab dem 1. November 2012 zugesprochen habe, se ine Rechtsbegehren betref- fend die Unterhaltsbeiträge angepasst und tiefere Unte rhaltsbeiträge beantragt, nämlich für die Ehefrau einen Unterhaltsbeitrag von CHF 569.00 be fristet bis zum 16. Altersjahr des Sohnes und für den Sohn von CHF 300.00 bis und mit Mai 2020. 6.2 Die Ehefrau entgegnet, der Ehemann habe an der vori nstanzlichen Hauptverhand- lung nach Vortragen der Noven nur durchblicken lassen, d ass er seine Anträge anpassen werde. Im Vortrag habe er jedoch auf neue Anträge ve rzichtet und lediglich zu denjenigen der Ehefrau Stellung genommen. Er habe zu keinem Zeitpunkt Rechtsbegehren vorgetragen, die verständlich oder genügend bestimmt gewesen seien , um diese bei Gutheissung zum Urteilsdispositiv erheben zu können. 6.3 Im vorinstanzlichen Protokoll sind die Anträge des Eheman nes nicht genau aufge- führt. Aus dem Protokoll geht jedoch hervor, dass der Rechtsvertreter des Ehemannes aus- führte, die IV-Rente der Ehefrau von CHF 1‘800.00 sei ihr anzurechnen und auch die Kinder- rente für den Sohn sei zu berücksichtigen. Er bezifferte sodann die Unterhaltsbeiträge ab Urteilsdatum für die Ehefrau auf CHF 669.00 und für den Sohn auf CHF 300.00. Ab Mai 2017 entfalle der Unterhaltsbeitrag. Er führte schlie sslich aus, dies seien die aktuellen Aus- wirkungen (Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 20. August 2015, S. 2). Im Schlussvortrag führte er sodann aus „man muss auf Anträge Em wie heute ausgeführt abge- stellt werden“ (Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverha ndlung vom 20. August 2015, S. 6). Das vorinstanzliche Protokoll der Hauptverhandlung ist hi nsichtlich der Ausführungen des Rechtsvertreters des Ehemannes zu den Unterhaltsbeiträgen in der erwähnten Passage auf S. 2 schwer verständlich. Auch ist dem Protokoll nicht zu en tnehmen, dass die Parteien zu aktuellen Anträgen befragt wurden. Anträge müssen nich t im Schlussvortrag enthalten sein, sondern können auch zuvor gestellt werden. Aus dem Pro tokoll ergibt sich, dass der Ehe- mann die Anrechnung der IV-Rente der Ehefrau und der IV-Kinderrente geltend machte und gestützt darauf Anpassungen der Unterhaltsbegehren bea ntragte und bezifferte. Die Fest- stellung der Vorinstanz, der Ehemann habe an den Anträ gen gemäss seiner Klageantwort festgehalten, ist damit falsch und aktenwidrig. 7. Hat die Ehefrau die Ausführungen in der Klageant wort bestritten? 7.1 Der Ehemann rügt, die Vorinstanz habe den Sachverhal t nicht lückenlos widergege- ben, da sie die Tatsache, dass die Klageantwort vollstän dig unbestritten geblieben sei, we- der erwähnt noch berücksichtigt habe. Die Ehefrau entgegnet, sie habe die von ihr beantrag- ten Unterhaltsbeiträge einlässlich begründet. Der Ehema nn habe in der Klageantwort fast ausschliesslich auf die Frage der Eigenversorgungskapazität der Ehefrau Bezug genommen und habe sich nicht zum geltend gemachten Bedarf geäu ssert. In der Replik vom 14. April 2014 habe sich die Ehefrau daher vor allem auf die vo m Ehemann aufgeworfene Frage ihrer Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsunfähigkeit konzentriert. Daneben seien die Aussagen des Ehemannes vollumfänglich bestritten worden, um zugleich an den eigenen Ausführungen festzuhalten. 7.2 Nachdem die Klagebegründung und die Klageantwort vor lagen, schloss die Vor- instanz mit Verfügung vom 11. März 2014 den Schriftenwechsel, lud die Parteien zur Instruk- tionsverhandlung vor den Präsidenten und teilte mit, dass die Parteien an der Instruktions- verhandlung Gelegenheit zur mündlichen Replik und Duplik erhalten würden. Diese Instrukti- onsverhandlung fand sodann am 14. April 2014 statt. De m Verhandlungsprotokoll vom 14. April 2014 ist zu entnehmen, dass die Ehefrau an ihrer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit festhielt, die vom Ehemann in der Klageantwort behaup tete Eigenversorgungskapazität be- stritten hatte und an den Ausführungen in der Klageb egründung festhielt. Auf die anderen Teile der Klageantwort ist die Ehefrau in ihrer münd lichen Replik nicht eingegangen und hat diesbezüglich weder die Klageantwort ausdrücklich bestrit ten noch an den eigenen Darstel- lungen festgehalten. Der Ehemann liess daraufhin an de r Instruktionsverhandlung explizit ausführen, dass die Klageantwort seines Erachtens unbest ritten sei. Obwohl der Ehemann diesen Punkt ausdrücklich ansprach, hat die Ehefrau nicht interveniert und nicht vorgebracht, alle Ausführungen in der Klageantwort würden bestritten. Zumindest geht dies nicht aus dem Protokoll hervor. Sind die Parteien anwaltlich vertreten und wird explizit zur mündlichen Rep- lik und Duplik geladen, ist eine gewisse formale Streng e angebracht. Dass die Ehefrau die Klageantwort, ausser betreffend die Eigenversorgungskapazität, nicht ausdrücklich bestritten hat, ist allerdings im vorliegenden Fall nicht relevan t. Soweit es um die Kinderbelange geht, ist ohnehin die Untersuchungs- und Offizialmaxime massgeb end. Ferner hat der Ehemann den lebensprägenden Charakter der Ehe - auch an der Verhandlung vom 14. April 2014 - nicht bestritten. Bezüglich der Ausführungen zum gebühr enden Unterhalt ist festzuhalten, dass es sich dabei um einen unbestimmten Rechtsbegriff h andelt, der vom Gericht zu kon- kretisieren ist, weshalb der vom Ehemann diesbezüglich gen annte Betrag keine Verbindlich- keit haben kann. Was das Existenzminimum des Ehemannes be trifft, ist die Vorinstanz schliesslich von einem höheren Betrag ausgegangen, als di eser in der Klageantwort selber berechnete, so dass ihm auch diesbezüglich kein Nachteil entstanden ist. 8. Elterliche Sorge 8.1 In der Teileinigung vom 2. Oktober 2013 hielten die Parteien unter Ziffer 2 fest, der Sohn C.____ werde unter die elterliche Sorge der Ehe frau und Mutter gestellt. Sie regelten unter dieser Ziffer auch das Besuchs- und Ferienrecht des Vaters mit dem Sohn. Mit Disposi- tiv Ziffer 4 des Scheidungsurteils teilte die Vorinstanz sodann die elterliche Sorge über das Kind der Ehefrau und Mutter zur alleinigen Sorge zu. Der Ehemann vertritt in der Berufung die Auffassung, unter dem im Zeitpunkt der Teileinigu ng geltenden Recht habe die gewählte Ausdrucksweise nur die gemeinsame Sorge ausgedrückt und der Begriff „unter die elterliche Sorge der Ehefrau (...) gestellt“ sei in der damalige n Praxis und den damals geltenden Rechtsgrundlagen immer nur als Obhut verstanden worden. Indem die Vorinstanz jedoch die elterliche Sorge der Ehefrau alleine zuteile, entziehe sie das gemeinsame Sorgerecht nach neuem Recht. Gründe für diesen Eingriff in die Elte rnrechte des Vaters seien nicht erkenn- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht bar. Ziffer 4 des Dispositivs verletze die Teilkonvention und das rechtliche Gehör, zumal kei- ne Begründung für die Zuteilung der alleinigen elterlichen Sorge vorliege. 8.2 Die Ehefrau erwidert, die Vorinstanz habe den Eheman n anlässlich der Hauptver- handlung ausdrücklich nochmals gefragt, ob er mit der Re gelung gemäss Ziffer 2 der Teil- konvention einverstanden sei, obwohl das Sorgerecht inzw ischen geändert habe. Dies habe der anwaltlich vertretene Ehemann klar und deutlich be jaht. Das rechtliche Gehör sei ihm gewährt worden und der Ehemann habe sich zu keinem Zei tpunkt dahingehend geäussert, entgegen der ursprünglichen Abmachung die elterliche So rge für den Sohn behalten zu wol- len. In der Folge sei die Teilvereinbarung vom 2. Oktob er 2013 vom Gericht genehmigt wor- den. Diese könne vom Ehemann nur noch wegen rechtser heblicher Willensmängel ange- fochten werden. Solche mache er jedoch nicht geltend. Der Begriff „elterliche Sorge“ habe zudem schon unter altem Recht dieselbe Bedeutung gehabt wie heute. Eine gemeinsame elterliche Sorge sei auch nicht im Kindswohl, weil elte rliche Streitigkeiten um den gemeinsa- men Sohn vorprogrammiert wären. Ziffer 4 des Scheidung surteils trage den vorliegenden Familienverhältnissen vollumfänglich Rechnung und bedürfe keiner Korrektur. 8.3 In der Teileinigung vom 2. Oktober 2013 findet sich u nter Ziffer 2 folgender Passus: „Der Sohn C.____ wird unter die elterliche Sorge der Ehefrau und Mutter gestellt“. Diese Tei- leinigung wurde noch unter altem Recht geschlossen. Di eses sah vor, dass das Gericht bei einer Scheidung die elterliche Sorge einem Elternteil zuweist und den Anspruch auf den per- sönlichen Verkehr regelt (Art. 133 Abs. 1 aZGB). Wenn sich die Eltern in einer genehmi- gungsfähigen Vereinbarung über ihre Anteile an der Betreuung des Kindes und die Vertei- lung der Unterhaltskosten verständigten, beliess das Geri cht auf gemeinsamen Antrag bei- den Eltern die elterliche Sorge, sofern dies mit dem K indeswohl vereinbar war (Art. 133 Abs. 3 aZGB). Am 1. Juli 2014 trat das neue Recht in Kr aft, welches gestützt auf Art. 12 Abs. 1 SchlT ZGB sogleich nach Inkrafttreten anzuwenden ist. Dieses sieht in Art. 298 Abs. 1 ZGB vor, dass das Gericht in einem Scheidungs- oder Eheschut zverfahren die alleinige Sor- ge einem Elternteil überträgt, wenn dies zur Wahrung des Kindeswohls nötig ist. Im neuen Recht wurde ein Systemwechsel dahingehend vorgenommen, als die gemeinsame elterliche Sorge nunmehr der Regelfall ist, von welchem nur ausn ahmsweise abzuweichen ist, wenn dies aus Gründen des Kindeswohls erforderlich ist (Bger 5A _202/2015 vom 26.11.2015, E. 3.3; Bger 5A_412/2015 vom 26.11.2015, E. 7.1). D er Begriff der elterlichen Sorge hat da- bei keine grundlegende Änderung erfahren. Den Ausfüh rungen des Ehemannes, dass unter vormaligem Recht der Ausdruck „unter die elterliche Sorge gestellt“ als Obhut verstanden worden sei, kann daher nicht gefolgt werden. Gemäss Ar t. 133 Abs. 2 ZGB berücksichtigt das Scheidungsgericht hinsichtlich der Elternrechte und –pflichten einen gemeinsamen An- trag der Eltern und soweit tunlich, die Meinung des K indes. Die Regelung der elterlichen Sorge ist aufgrund der Offizialmaxime (Art. 296 Abs. 3 ZPO) der Disposition der Parteien entzogen und diesbezügliche Vereinbarungen haben ledig lich die Wirkung eines gemeinsa- men Antrags an das Gericht im Sinne von Art. 133 Abs. 2 ZGB. Im vorliegenden Fall stellt Ziffer 2 der Teileinigung vom 2. Oktober 2013 einen gemeinsamen Antrag der Eltern auf Zu- sprechung der alleinigen elterlichen Sorge an die Ehefrau und Mutter dar. Im Nachgang zum Abschluss der Vereinbarung vom 2. Oktober 2013 hat der Ehemann die getroffene Vereinba- rung nicht in Frage gestellt, weder in der Klageantw ort noch im Rahmen der Duplik anläss- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich der Instruktionsverhandlung vom 14. April 2014, obw ohl das Inkrafttreten der revidierten Gesetzesartikel damals unmittelbar bevorstand. Auch an de r Hauptverhandlung vom 20. August 2015 hat der Ehemann keine Ausführungen hi nsichtlich der gemeinsamen elterli- chen Sorge gemacht bzw. dazu, dass aufgrund der Gesetzesr evision Ziffer 2 der Teilverein- barung nicht mehr zu beachten sei. Im Gegenteil ist d em vorinstanzlichen Protokoll die Ant- wort des Ehemannes „Kinderbelange soll alles so bleiben, obwohl Recht g eändert hat“ zu entnehmen. Dies kann nicht anders verstanden werden, als dass der Ehemann an der Zutei- lung der elterlichen Sorge an die Mutter festhielt. D ie Vorinstanz hat den Ehemann offenbar auf die geänderte Rechtslage hingewiesen und ihn zu d en Kinderbelangen ausdrücklich noch einmal befragt. Bei dieser Sachlage, namentlich dem weiterhin aufrechterhaltenen ge- meinsamen Antrag der Eltern auch nach Kenntnis der neue n Rechtslage, ist der Vorinstanz kein Vorwurf zu machen, wenn sie das Kind unter die elt erliche Sorge der Ehefrau stellte. Angesichts der übereinstimmenden Anträge war zudem eine Begründung nicht erforderlich, so dass auch keine Gehörsverletzung vorliegt. Ein Willensm angel ist ebenfalls nicht erkenn- bar, nachdem der Begriff der elterlichen Sorge sowie die Unterscheidung zur Obhut dem anwaltlich vertretenen Ehemann klar sein musste. Die Ber ufung erweist sich somit hinsicht- lich der elterlichen Sorge als unbegründet und Ziffer 4 des vorinstanzlichen Urteils ist zu be- stätigen. 9. Kindesunterhalt 9.1 Die Vorinstanz hat für den Kinderunterhaltsbeitrag a uf das Einkommen des Eheman- nes von CHF 4‘926.00 abgestellt und hiervon 15% bzw. CH F 740.00 als Kinderunterhalt festgelegt. Sie hat sodann eine Unterhaltsberechnung nach der Methode des um die Steuern erweiterten Existenzminimums mit Überschussverteilung für d ie Ehefrau und den Sohn ge- meinsam gemacht, in dieser Berechnung den Bedarf der Ehefrau mit dem Sohn ermittelt und die IV-Rente der Ehefrau sowie die IV-Kinderrente an gerechnet. Vom resultierenden ge- samthaften Unterhaltsbeitrag hat sie den Betrag von CHF 740.00 für den Sohn und den Rest für die Ehefrau bestimmt. 9.2 Der Ehemann ist der Auffassung, die Vorinstanz hätte a ngesichts seines Einkommens von CHF 4‘789.00 und des anwendbaren Prozentsatzes von 15% einen Kinderunterhaltsbei- trag von maximal CHF 719.00 ermitteln müssen. Weiter f ührte er aus, obwohl der Kinderun- terhalt bereits vollständig durch die Kinderzusatzrente finanziert sei, sei er freiwillig zur Leis- tung eines Kinderunterhaltsbeitrages von CHF 300.00 bereit. 9.3 Die Ehefrau erachtet den vorinstanzlich festgelegten K inderunterhaltsbeitrag als kor- rekt. Eine Reduktion des Kinderunterhaltsbeitrages aufg rund der Kinderrente sei weder op- portun noch rechtlich begründbar. Der Kinderunterhal t stehe dem Kind zu, wogegen der An- spruch auf eine Kinderrente der Ehefrau zustehe und be i ihrem Einkommen berücksichtigt werde, weshalb Kinderunterhalt und Kinderrente auch nicht miteinander verrechnet werden könnten. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.4 Es stellt sich die Frage, ob die der Ehefrau ausbezahlt e IV-Kinderrente von monatlich CHF 752.00 an den Kinderunterhalt anzurechnen ist. Ar t. 285 Abs. 2 ZGB legt fest, dass Kinderzulagen und Sozialversicherungsrenten, die dem Unt erhaltspflichtigen zustehen, zu- sätzlich zum Unterhaltsbeitrag zu bezahlen seien, soweit d as Gericht es nicht anders be- stimmt. Der umgekehrte Fall, in welchem wie hier vorli egend dem unterhaltsberechtigten Ehegatten eine IV-Kinderrente zusteht, ist im Gesetz ni cht geregelt. Das Bundesgericht hat im Entscheid 5C.173/2005 vom 07.12.2005, E. 2.3.2, fest gehalten, dass entsprechend Art. 276 Abs. 3 und Art. 285 Abs. 1 ZGB bei der Festle gung des Kinderunterhaltsbeitrages auch die finanziellen Verhältnisse des Kindes zu berücksicht igen seien. Zwar sei das Kind nicht selber Anspruchsberechtigte der IV-Kinderrente, so dass es sich nicht um eigene Ein- künfte des Kindes handle. Indes sei die Kinderrente nach ihrem gesetzlichen Zweck aus- schliesslich für den Unterhalt und die Erziehung des Kinde s zu verwenden und damit beim Unterhaltsbedarf des Kindes vorab zu berücksichtigen. Die IV-Kinderrente, welche die Ehe- frau und Mutter bezieht, ist daher im vorliegenden Fal l an den noch festzulegenden Bedarf des Sohnes anzurechnen. Auch angesichts der finanziellen Verhältnisse der Parteien ist der vorinstanzlich festgelegte Kinderunterhaltsbeitrag von mon atlich CHF 740.00 neben der IV- Kinderrente von CHF 752.00 nicht angemessen, da für das Kind mit diesen beiden Beträgen rund CHF 1‘500.00 und somit gar eine mögliche Sparquo te zur Verfügung stünde, während die Elternteile am oder unter dem Existenzminimum bzw. mit Sozialhilfeleistungen / Ergän- zungsleistungen leben müssten. 9.5 Das Kantonsgericht berechnet den Bedarf des Sohnes gest ützt auf die bei der Vor- instanz vorgelegenen Unterlagen. Die Wohnungsmiete der Ehefrau beträgt CHF 1‘450.00. Von diesem Betrag wird rund ein Drittel bzw. CHF 450. 00 als Wohnanteil des Sohnes ange- rechnet. Der Bedarf des Sohnes berechnet sich somit wie folgt: Bedarf Kind Grundbetrag CHF 600.00 Wohnkostenanteil CHF 450.00 Krankenkassenprämie KVG CHF 98.00 U-Abo CHF 50.00 Arztkosten CHF 28.00 Bedarf Total CHF 1‘226.00 An diesen Bedarf sind die IV-Kinderrente von CHF 752. 00 sowie die Prämienverbilligung für die Krankenkasse des Kindes anzurechnen. Die Prämienverbilligung für das Kind beträgt pro Jahr CHF 809.40 bzw. monatlich rund CHF 67.00 (vorinstanzliche Beilagen der Ehefrau, act. 128). Es resultiert somit eine Differenz von CHF 407.00 (1226.00 – 752.00 – 67.00), so dass der vom Ehemann zu bezahlende Kinderunterhaltsbeitr ag monatlich auf gerundet CHF 410.00 festzulegen ist, zuzüglich allfällige dem Ehe mann ausbezahlte Kinder- bzw. Ausbildungszulagen. Bezüglich der Kinder-/Ausbildungszul agen ist festzuhalten, dass der Ehemann diese zur Zeit angesichts der SUVA-Taggelder ni cht separat ausbezahlt erhält. Sollte der Ehemann dereinst wieder erwerbstätig sein , hat er die Kinder-/Ausbildungszulage Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht zusätzlich zum Kinderunterhaltsbeitrag an den Sohn weiterzuleiten. Kinderunterhaltsbeiträge können bis über die Volljährigkeit des Kindes, mithin bis zu dessen ersten ordentlichen Aus- bildung festgelegt werden (BGE 139 III 401). Dies mach t durchaus Sinn, da in der heutigen Zeit Erstausbildungen kaum noch vor Eintritt der Vollj ährigkeit abgeschlossen werden und das Kind nach Eintritt der Volljährigkeit die ihm zu stehenden Unterhaltsbeiträge nicht gegen den unterhaltspflichtigen Elternteil (allenfalls gerich tlich) soll geltend machen müssen. Der vom Ehemann an den Sohn zu bezahlende Unterhaltsbeitr ag von CHF 410.00 ist somit, wie dies die Vorinstanz machte, bis zur Volljährigkeit bzw. bi s zum Abschluss einer angemesse- nen Ausbildung des Sohnes, sofern diese über die Voll jährigkeit hinaus dauert, festzulegen. Da derzeit noch offen ist, ob der Sohn eine Lehre ma cht, in welchem Beruf und mit welchem Lehrlingslohn, kann ein allfälliger Lehrlingslohn entgegen den Ausführungen des Ehemannes nicht einbezogen werden. Diesbezüglich ist auf die Möglich keit einer Abänderungsklage bei wesentlicher Veränderung der Verhältnisse hinzuweisen. 10. Lebensprägung / nacheheliche Solidarität 10.1 Die Vorinstanz führte in der schriftlichen Urteilsbegrün dung aus, die Ehegatten seien bis zur Trennung 10.5 Jahre verheiratet gewesen. Überdi es sei der Ehe der gemeinsame Sohn entsprungen, weshalb ehebedingte Nachteile dur ch die Kinderbetreuung vorliegen würden. Die Ehefrau sei während der Ehe nicht berufst ätig gewesen und habe sich um die Erziehung des Sohnes und um die Führung des Haushaltes g ekümmert. Es liege somit eine lange und lebensprägende Ehe vor, weshalb die Ehefrau grundsätzlich Anspruch auf Fort- setzung des zuletzt gemeinsam gelebten Standards habe. Betreffend Dauer des Unterhalts- beitrags sei auf den Zeitpunkt abzustellen, bis zu welc hem es dem unterhaltsberechtigten Ehegatten nicht zumutbar sei, für seinen gebührenden U nterhalt selber aufzukommen. Komme eine Wiedereingliederung in das Erwerbsleben a ufgrund Alter und Ausbildung nicht in Frage, so sei eine unbefristete Rente oder eine bis zum Eintritt ins ordentliche Rentenalter befristete Rente zuzusprechen. Sei die Ehe als lebenspr ägend anzusehen, werde der Ge- sundheitszustand ungeachtet der Ehebedingtheit seiner Be einträchtigung berücksichtigt. Es spiele keine Rolle, in welchem Zeitpunkt während der l ebensprägenden Ehe die gesundheit- liche Beeinträchtigung eingetreten sei, solange dies vor dem Scheidungsurteil geschehe. Bei der Frage der grundsätzlichen Festsetzung eines Unterhaltsbeitrags sowie dessen Höhe und Dauer werde nicht danach unterschieden, ob sich die Ge sundheit eines Ehegatten vor oder nach Aufnahme des Getrenntlebens verschlechtert habe. H andle es sich wie hier um eine während der Ehe eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes, sei sie als Fak- tor bei der Beurteilung von Anspruch und Umfang des n achehelichen Unterhaltsbeitrags zu berücksichtigen. Unter diesen Umständen könne dahingestell t bleiben, wie es sich mit der nachehelichen Solidarität im Falle einer vorehelichen Beeinträchtigung der Gesundheit ver- halte. Vorliegend sei die Ehefrau zu 100% invalid, weshalb die Wiedereingliederung ins Be- rufsleben nicht möglich sei. Es sei ihr daher ein Unterh altsbeitrag bis zur ordentlichen Pensi- onierung des Ehemannes zuzusprechen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2 Der Ehemann bestreitet nicht, dass eine lebensprägende Ehe wegen dem gemein- samen Kind vorliege, stellt sich aber auf den Standpunkt , die Ehedauer liege im Grenzbe- reich zwischen kurzer und langer Ehedauer und lasse keinen eindeutigen Schluss zu, ob sich eine Vertrauensgrundlage gebildet habe. Die Erkran kung der Ehefrau stehe nicht im Zusammenhang mit der Ehe. Der ehebedingte Nachteil da uere nur bis zum 16. Altersjahr des Sohnes. Indem die Vorinstanz den nachehelichen Unterh altsbeitrag bis zur ordentlichen Pensionierung des Ehemannes festgelegt habe, und ihn som it zu nachehelichen Unterhalts- beiträgen während 15 Jahren verpflichtete, habe die Vorinstanz Art. 125 ZGB rechtswidrig und unangemessen angewendet. Die Ehefrau sei erst während der Trennungszeit arbeitsun- fähig geworden und habe die entsprechenden Umstände e rst in dieser Phase geltend ge- macht. Zu diesem Zeitpunkt sei die Ehe jedoch bereits definitiv gescheitert gewesen, so dass auch kein Vertrauensschutz mehr entstehe oder bestehen könn e. Es könne nicht auf die Gesundheit der Ehefrau als einziges Kriterium für nacheheliche Unterhaltsbeiträge abgestellt werden, zumal dem Ehemann die voreheliche Gesundheit d er Ehefrau nicht bekannt gewe- sen sei und keine schutzwürdige Vertrauensposition aus vore helichen Prädispositionen ab- geleitet werden könnten. Wenn die Ehefrau krankheitsb edingt nicht in der Lage sei für ihren Unterhalt selber aufzukommen, wäre sie es auch ohne die eingegangene Ehe nicht. Es wür- den daher keine ehebedingten Nachteile vorliegen. A ls Sachverhaltsrügen bringt der Ehe- mann in diesem Zusammenhang vor, die Vorinstanz habe n icht festgestellt, dass die IV- Stelle der Ehefrau die Rente mit Verfügung vom 29. Juli 2008 entzogen habe. Damit sei je- doch erstellt, dass die Ehefrau mindestens seit dem Jahr 2008 wieder als voll arbeitsfähig zu betrachten sei. Die Vorinstanz habe auch nicht beachtet , dass die Ehefrau sich erst am 4. Mai 2012 und somit nach der Trennung bei der IV- Stelle angemeldet habe. Zudem habe die Vorinstanz auch nicht berücksichtigt, dass die Ursache n, welche schliesslich zur IV- Rente geführt hätten, Rückenbeschwerden aufgrund eines Geburtsfehlers (Wirbelbruch wäh- rend des Geburtsvorganges) seien, was nur der Ehefrau ha be bekannt sein können, sowie eine relevante Persönlichkeitsstörung, welche dem Ehem ann weder vor noch im Zeitpunkt des Eheschlusses bekannt gewesen sei. Die neurotischen Tende nzen der Ehefrau hätten erst nach dem Scheitern ihrer ersten Ehe eingesetzt, hät ten remittiert als sie die Beziehung mit dem Ehemann eingegangen sei und sich nach dem Schei tern der heutigen Ehe erst wie- der chronifiziert. Dem Ehemann sei der voreheliche Gesund heitsstatus der Ehefrau nicht bekannt gewesen und Gegenteiliges sei von der Gegenseit e nicht behauptet worden. Erst mit dem Beizug der IV-Akten durch die Vorinstanz sei ih m dies bekannt geworden. Der Schriftenwechsel und die Instruktionsverhandlung seien in diesem Zeitpunkt bereits durchge- führt gewesen. 10.3 Die Ehefrau entgegnet, bis zur Aufnahme des Getrennt lebens hätte die Ehe 10.5 Jah- re gedauert, sodass eine lange Ehedauer vorliege. Die V orinstanz habe zu Recht die nach- ehelichen Unterhaltsbeiträge bis zur ordentlichen Pensi onierung des Ehemannes festgelegt. Es spiele keine Rolle, in welchem Zeitpunkt während der lebensprägenden Ehe die Beein- trächtigung in der Gesundheit der Ehefrau eingetrete n sei, solange dies vor dem Schei- dungsurteil geschehen sei. Die gesundheitlichen Probl eme müssten nicht während dem Zu- sammenleben eingetreten sein. Im Übrigen sei die Ehefr au vorliegend nicht erst nach der Trennung, sondern bereits während dem Zusammenleben g esundheitlich angeschlagen ge- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht wesen und sie habe seit März 2000 eine IV-Rente erhalten. Diese sei per Ende August 2008 vorübergehend aufgehoben worden, wobei nach den Fest stellungen der IV die Ehefrau zu diesem Zeitpunkt nicht 100% arbeitsfähig gewesen sei. Die IV-Stelle sei per 5. Oktober 2010 abermals von einer erheblichen Einschränkung in der Arbeitstätigkeit ausgegangen, weshalb der Ehefrau mit Wirkung ab 1. November 2012 wieder eine volle Rente ausgerichtet werde. Es sei entgegen den Ausführungen des Ehemannes auch nich t erforderlich, dass dieser bei Eheschluss von der Erkrankung Kenntnis gehabt haben musste. Im Übrigen sei dem Ehe- mann der Gesundheitszustand der Ehefrau sowohl bei der Heirat wie auch während der Dauer der Ehe bekannt gewesen, sei die Ehefrau doch schon in dieser Zeit von der IV unter- stützt worden. Die Eigenversorgungskapazität der Ehefrau sei zudem nicht nur wegen ge- sundheitlichen Gründen zu verneinen. So sei sie bis 31. M ai 2018 durch ihre Kinderbetreu- ungspflichten absorbiert und dann 52 Jahre alt. Sie h abe in den Jahren 1983 bis 1985 eine zweijährige Lehre in einer Haushaltsschule absolviert u nd nach der Lehre nicht mehr auf ihrem Beruf gearbeitet, sondern in verschiedenen Täti gkeiten mit minimalen Pensen. Sie stehe seit Jahren nicht mehr im Erwerbsleben und habe mi t dieser Vorgeschichte im Alter von 52 Jahren keine Chancen auf eine Anstellung. 10.4 Die bundesgerichtliche Rechtsprechung zum nachehelichen U nterhalt basiert auf der Unterscheidung, ob eine Ehe lebensprägend war oder n icht. Hat das eheliche Zusammenle- ben weniger als fünf Jahre gedauert, wird vermutet, dass keine Lebensprägung vorliegt, während eine Ehe, die mehr als zehn Jahre gedauert hat , vermutungsweise lebensprägend war. Unabhängig von der Dauer gilt die Ehe in der Re gel als lebensprägend, wenn aus ihr Kinder hervorgegangen sind. Liegt eine Lebensprägung vor, wird angenommen, dass das Vertrauen auf den Fortbestand der bisherigen, frei ver einbarten Aufgabenteilung objektiv schutzwürdig ist und der unterhaltsberechtigte Ehegatte grundsätzlich Anspruch auf Fortset- zung des zuletzt gemeinsam gelebten Standards hat (BGE 135 III 59, E. 4.1; 137 III 102, E. 4.1). Im vorliegenden Fall ist aus der Ehe ein Kin d hervorgegangen, so dass sie bereits aus diesem Grund lebensprägend war. Überdies hat sie bi s zur Trennung im Jahre 2011 insgesamt 10.5 Jahre gedauert und ist auch aus diesem Grund vermutungsweise lebensprä- gend. Die Parteien haben sodann die klassische Aufgaben teilung gelebt. Die Ehefrau war Hausfrau und hat sich um die Erziehung des gemeinsamen Kindes sowie um den Haushalt gekümmert und ist nach der Heirat keiner ausserhäuslich en Tätigkeit mehr nachgegangen. Die Vorinstanz schloss zu Recht, es liege eine lange und lebensprägende Ehe vor. Der Ehemann bestreitet nicht, dass eine lebensprägende Ehe wegen dem gemeinsamen Kind vorliegt, stellt sich aber auf den Standpunkt, es liege keine Vertrauensgrundlage vor, da die Krankheit der Ehefrau nicht ehebedingt sei, diese Krankheit vorehelich bestanden habe und ihm unbekannt gewesen sei, und überdies die Ehefr au ab dem Jahr 2008 wieder voll arbeitsfähig gewesen und ihr erst ab dem Jahre 2012 u nd somit nach der Trennung wieder eine IV-Rente zugesprochen worden sei. Der Ehefrau wu rde im Mai 2000 eine 100%-IV- Rente mit Wirkung ab 1. März 2000 zugesprochen (vorinstan zliche Akten, Beilagen Ehefrau, act. 56 ff.). Im Zeitpunkt der Heirat vom 23. März 200 1 hatte sie demnach eine volle IV- Rente. Mit Verfügung vom 29. Juli 2008 stellte die Sozi alversicherungsanstalt Basel- Landschaft die IV-Rente ein (vorinstanzliche Akten, Beil agen Ehefrau, act. 62 ff.). Mit Verfü- gung vom 5. März 2015 wurde der Ehefrau sodann wieder eine ganze IV-Rente rückwirkend Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht ab 1. November 2012 zugesprochen (vorinstanzliche Akten, Beilagen Ehefrau, act. 107 ff. und 112 ff.). Aufgrund der 100%-igen Invalidität ist eine Wiedereingliederung der Ehefrau in das Berufsleben aus gesundheitlichen Gründen nicht mögli ch, wie bereits die Vorinstanz zu Recht ausführte. Der Gesundheitszustand ist bei einer l ebensprägenden Ehe unabhängig von der Ehebedingtheit der Beeinträchtigung zu berücksichtigen, wie dies das Bundesgericht im Entscheid 5A_384/2008 vom 21. Oktober 2008 folgendermassen festhielt: „5.2.2 Keine Rolle spielt, in welchem Zeitpunkt während der lebensprägenden Ehe die Beein- trächtigung in der Gesundheit eintritt, solange dies vor dem Urteil über die Scheidung ge- schieht. Bei der Beurteilung, ob ein Unterhaltsbeitrag zu leisten sei und gegebenenfalls in welcher Höhe und wie lange (Art. 125 Abs. 2 ZGB), un terscheidet die Rechtsprechung nicht danach, ob sich die Gesundheit eines Ehegatten vor oder nach Aufnahme des Getrenntle- bens verschlechtert hat (z.B. BGE 130 III 537 S. 538 u nd E. 3.4 S. 544: Trennung im Mai 1995, Teilinvalidität ab Dezember 1999 und Scheidun gsurteil vom 26. November 2002). Handelt es sich hier um eine während der Ehe eingetret ene Verschlechterung des Gesund- heitszustandes, ist sie als Faktor bei der Beurteilung von Anspruch und Umfang des nach- ehelichen Unterhalts (Art. 125 Abs. 2 Ziff. 4 ZGB) zu berücksichtigen. Unter diesen Umstän- den kann dahingestellt bleiben, wie es sich mit der nac hehelichen Solidarität im Falle einer vorehelichen Beeinträchtigung der Gesundheit verhält (v gl. Urteil 5C.51/2003 vom 5. März 2003 E. 3, in: Fampra.ch 2003 S. 676 f.). 5.2.3 Ein ausnahmsweises Abweichen vom Scheidungszeitpunkt soll damit freilich nicht ausgeschlossen sein, muss aber begründet werden.“ Das Argument des Ehemannes, die Arbeitsunfähigkeit der E hefrau sei erst nach Aufnahme des Getrenntlebens eingetreten, ist nach dem zitierten B undesgerichtsentscheid nicht rele- vant. Gleiches gilt auch für den Umstand, dass die Ehef rau bereits vorehelich gesundheitli- che Probleme hatte, da dies nichts an der nachehelichen S olidarität ändert, welche sich al- lein aus der Lebensprägung ergibt. Überdies war die Ehefrau bereits im Zeitpunkt der Ehe- schliessung invalid und bezog eine volle IV-Rente. Indem die Parteien die Ehe trotz Invalidi- tät der Ehefrau eingingen, haben sie dieses Schicksal impl izit zum gemeinsamen gemacht und damit begründetes Vertrauen geschaffen, dass der Eh emann der Ehefrau eben gerade auch angesichts ihrer angeschlagenen Gesundheit Beistand leisten würde (Bger 5A_856/2011 vom 24.02.2012, E. 2.3). Der Ehemann mu sste bereits beim Eheschluss da- von ausgehen, dass die Ehefrau zeitlebens arbeitsunfähig b leiben und eine volle IV-Rente beziehen wird. Dass sie zwischenzeitlich für den Zeitraum von August 2008 bis November 2012 keine IV-Rente erhielt, kann daran nichts ändern . Der Ehemann vermag auch unter diesem Gesichtspunkt mit seinen Argumenten nicht zu über zeugen. Die gesundheitliche Be- einträchtigung der Ehefrau begründet folglich entge gen den Ausführungen des Ehemannes eine nacheheliche Solidarität. Eine Wiedereingliederung der Ehefrau in das Berufsleben wird im vorliegenden Fall aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein. Die Ehefrau kann mit ihrer vollen Invalidenrente von derzeit monatlich CHF 1‘880.00 ihr Existenzminimum nicht decken, so dass sie Anspruch auf einen nachehelichen Unterhaltsbeitrag hat. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11. Dauer des nachehelichen Unterhaltsbeitrags 11.1 Die Vorinstanz sprach der Ehefrau einen Unterhaltsbei trag bis zur ordentlichen Pen- sionierung des Ehemannes zu. Der Ehemann erachtet diese Dauer als unangemessen und beruft sich als Vergleich auf die Bundesgerichtsentscheid e 5A_14/2014, 5A_856/2011 und 5A_767/2011. 11.2 Gemäss Art. 125 Abs. 1 ZGB hat jeder Ehegatte nach d er Scheidung soweit möglich für seinen eigenen Unterhalt aufzukommen (sogenannter „clean break“). Ist ihm dies nicht zuzumuten, hat ihm der andere Ehegatten einen angemessenen Unterhaltsbeitrag zu leisten. Das Prinzip des clean break ist im vorliegenden Fall nicht anwendbar, weil die Ehefrau auf- grund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht mehr erwerbstätig sein kann. Diese Beeinträchtigungen sind – unbestrittenermassen - nicht ehebedingt. Die ehebedingten Nachteile, welche in der Betreuung des gemeinsamen So hnes liegen, dauern lediglich bis zum 16. Altersjahr des Sohnes, mithin bis im Mai 2018. Ab dann könnte die Ehefrau entspre- chend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung grundsätzlich wieder einer vollen Erwerbstä- tigkeit nachgehen. Die Vorinstanz hat den nachehelichen Unterhaltsbeitrag bis zur ordentli- chen Pensionierung des Ehemannes und somit bis und mit Jul i 2030 festgelegt. Angesichts der per 20. August 2015 ausgesprochenen Scheidung entspr icht dies rund 15 Jahren bzw. ab der im Eheschutzverfahren festgelegten Unterhaltspflicht knapp 19 Jahren (der Ehemann musste aufgrund des Eheschutzentscheides seit 1. Oktober 2011 Unterhaltsbeiträge leisten). Dies stellt für den vorliegenden Fall eine zu lange Da uer dar, zumal der nacheheliche Unter- haltsbeitrag nach Mai 2018 lediglich noch auf der nach ehelichen Solidarität und nicht mehr auf ehebedingten Nachteilen basiert. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Ehe 10.5 Jahre gedauert hat und somit an der unteren Grenze für die Vermutung einer langjährigen Ehe liegt. Schliesslich gilt auch zu beachten, dass der Ehema nn angesichts der zu leistenden Unterhaltsbeiträge selber am Existenzminimum bzw. je nach Berechnungsart nur knapp dar- über leben muss, und dies gemäss vorinstanzlichem Urteil bi s zu seiner ordentlichen Pensi- onierung. Auch wenn das Prinzip des clean break vorliegend nicht anwendbar ist, ist es doch angesichts dieser Umstände hinsichtlich der Dauer des nache helichen Unterhaltsbeitrags in Relation zu setzen. Eine Unterhaltspflicht, welche fast doppelt so lange dauert wie das eheli- che Zusammenleben, ist vorliegend nicht angemessen. Vie lmehr soll die Unterhaltsdauer im vorliegenden Fall insgesamt in etwa gleich lang sein , wie das eheliche Zusammenleben sel- ber gedauert hat (10.5 Jahre). Da der Ehemann bereit s seit 1. Oktober 2011 Unterhaltsbei- träge leisten muss, ist der Unterhaltsbeitrag entsprechen d diesen Ausführungen zu befristen bis zum 31. Dezember 2021. 12. Einkommen des Ehemannes 12.1 Die Vorinstanz führte unter der Entscheiderwägung Zif fer 5 auf Seite 6 aus, der Ehemann habe sich betragsmässig nicht über seinen aktuell en Lohn geäussert und keine aktuelle Taggeldabrechnung eingereicht. Er habe dem Gericht lediglich eine Anmeldung bei der SVA Basel-Landschaft (Sozialversicherungsanstalt Bas el-Landschschaft) vorgelegt. Er Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe auch nicht dargelegt oder belegt, woran er leid e und wie er sich seine zukünftige Ar- beitssituation vorstelle. Dem Gericht sei daher vollkomme n schleierhaft wie die zukünftige und auch jetzige gesundheitliche Situation des Ehemann es aussehe. Die Vorinstanz stellte in der Folge auf die Lohnabrechnung vom Februar 2015 ab, auf welcher ein SUVA-Taggeld in der Höhe von CHF 4‘803.55 aufgeführt ist, und kam auf ein durchschnittliches monatliches Taggeld von CHF 5‘215.30 (CHF 4‘803.55 : 28 d x 30.4 d), von welchem keine Sozialleistun- gen abgezogen würden. Da dieses Einkommen nicht tiefe r sei als das Einkommen, von wel- chem in der Verfügung vom 1. April 2015 (vorsorgliche M assnahmen) ausgegangen worden sei, stellte die Vorinstanz auf das in der Verfügung vom 1. April 2015 festgehaltene Einkom- men von CHF 4‘926.00 ab, zumal die Ehefrau in ihren Berechnungen auch von diesem Ein- kommen ausgegangen sei. 12.2 Der Ehemann hält in der Berufung diesen vorinstanzl ichen Ausführungen entgegen, er habe dem Gericht gegenüber am 20. August 2015 nur kundtun können, dass er weiterhin unfallbedingt arbeitsunfähig sei und die medizinischen Massnahmen noch nicht abgeschlos- sen seien. Er habe zu jenem Zeitpunkt nicht einmal darl egen können, ob der Fall versiche- rungsrechtlich demnächst abgeschlossen werde. Erst nach d er Hauptverhandlung habe sich ergeben, dass ein REHA-Aufenthalt angeordnet werde. Sein Unfall sei bis heute medizinisch nicht abgeschlossen. Die unfallbedingte Arbeitsunfähig keit sei von der Ehefrau auch gar nicht bestritten worden. Der Ehemann führte sodann in der Berufung aus, die Vorinstanz habe sein Einkommen aus den SUVA-Taggeldern falsch ber echnet. Aufgrund der Akten und einer zutreffenden rechtlichen Anwendung des Unfallversi cherungsgesetzes hätte die Vor- instanz das SUVA-Taggeld auf CHF 157.45 pro Tag berechnen müssen. Gestützt auf dieses Taggeld berechnet der Ehemann sein durchschnittliches Mo natseinkommen aus den SUVA- Taggeldern auf CHF 4‘789.00, welches nach seiner Ansich t die Vorinstanz als massgebli- ches Einkommen ihren Unterhaltsberechnungen hätte zugrunde legen müssen. 12.3 Die Ehefrau entgegnete in der Berufungsantwort, dass sie die unfallbedingte Arbeits- unfähigkeit des Ehemannes nie bestritten habe, lasse sich durch das Verhandlungsprotokoll widerlegen. Sie führte aus, der Ehemann hätte an de r Hauptverhandlung substantiiert darle- gen können, wie es um seine gesundheitliche und wirtschaf tliche Situation bestellt sei. Zu- mindest ansatzweise hätte er sein angebliches Leiden e rläutern können und beziffern müs- sen, von welchem Einkommen er ab August 2015 ausgehe. Die Ehefrau vertritt überdies die Meinung, der Ehemann habe seinen Job ausschliesslich mit Blick auf das Scheidungsverfah- ren selbstverschuldet verloren, weshalb eine entsprechend e Einkommensreduktion nicht zu berücksichtigen und ihm ein hypothetisches Einkommen im Um fang seines früheren Ver- diensts von CHF 4‘926.00 anzurechnen sei. Das Einkommen aus den SUVA-Taggeldern von CHF 4‘789.10 sei im Vergleich zum vorinstanzlich angeno mmenen Einkommen so minim, dass keine Veranlassung bestehe, die von der Vorinstanz f estgelegten Unterhaltsbeiträge anzupassen, zumal der Ehemann nach wie vor noch als Hauswart tätig sei. 12.4 Der Ehemann legte an der vorinstanzlichen Hauptverhandl ung keine Taggeldabrech- nungen vor. Er hätte rechtzeitig vor bzw. spätestens an d er Hauptverhandlung eine SUVA- Taggeldberechnung ins Recht legen können (siehe vorstehe nde Ausführungen unter Erwä- gung 3.2). Da er darauf verzichtet hat, muss er sich die Berechnung der Vorinstanz anrech- Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen lassen, soweit diese gestützt auf die Akten nachvollzi ehbar ist, was vorliegend zutrifft. Die Vorinstanz hat gestützt auf die Lohnabrechnung für Februar 2015, in welcher ein SUVA- Taggeld im Gesamtbetrag von CHF 4‘803.55 ohne weitere Ergänzung aufgeführt ist, das Taggeld auf CHF 5‘215.30 berechnet, jedoch als Einkomm en gestützt auf den vormaligen Lohn den Betrag von CHF 4‘926.00 eingesetzt. Dieser Betrag liegt nur geringfügig über dem vom Ehemann in der Berufung geltend gemachten Taggel d von CHF 4‘789.00. Nach den Ausführungen des Ehemannes soll die Vorinstanz das Tagge ld falsch berechnet haben, weil diese von einer Anzahl Taggelder von 29 anstatt von 31 Tagen ausgegangen sei. Dies kann der Vorinstanz nicht vorgeworfen werden, zumal auf der Lohnabrechnung nicht aufgeführt ist, für welchen Monat dieses Taggeld gelten soll und d er Ehemann keinerlei Ausführungen zur Höhe eines anzurechnenden Taggelds machte, geschweige denn Taggeldabrechnungen vorlegte. Der Ehemann muss sich somit das von der Vorinstanz eingesetzte Einkommen von CHF 4‘926.00 anrechnen lassen. Damit kann auch die Frag e eines Hauswarteinkommens, welches von der Ehefrau nicht substantiiert geltend ge macht wurde, offen bleiben. Die Diffe- renz des angerechneten Einkommens von CHF 4‘926.00 fä llt im Vergleich zum Taggeld von CHF 4‘789.00 ohnehin nicht ins Gewicht, da die Vorins tanz beim Ehemann trotz Wohnge- meinschaft den Grundbetrag von CHF 1‘200.00 anrechnete und sie auch die Auslagen für auswärtige Verpflegung berücksichtigte, welche jedoch bei Anrechnung des Taggeldes nicht zu berücksichtigen wären, da sie bei Arbeitsunfähigkeit a uch nicht anfallen (siehe nachfol- gende Ziffern 15.5 und 15.8). Ob bzw. inwieweit sich der Ehemann gesundheitlich erhol en wird, ist derzeit unklar. Der Ehemann führte in seiner Berufung denn auch selber a us, der Unfall sei medizinisch noch nicht abgeschlossen. Sollten sich seine Einkommensverhältn isse im Vergleich zum ange- rechneten Einkommen erheblich und dauernd verändern, kann er ein Verfahren auf Abände- rung der Unterhaltsbeiträge anstreben. 13. Einkommen der Ehefrau / Ergänzungsleistung und H ilfslosenentschädigung 13.1 Die Vorinstanz führte aus, Sozialhilfeleistungen und E rgänzungsleistungen seien subsidiär zum nachehelichen Unterhaltsbeitrag. Der Antrag des Ehemannes um amtliche Erkundigungen bei der Sozialhilfe und der AHV-Ausgleichskasse sei zu Recht in antizipierter Beweiswürdigung abgewiesen worden. Eine Hilfslosenentsc hädigung bezwecke die Finan- zierung der Hilfe, die im täglichen Leben benötigt werde. Dieser Anspruch stehe der hilflosen Person zu und sei ebenfalls nicht dem Einkommen zuzurechnen . Die Vorinstanz rechnete der Ehefrau als Einkommen einen Betrag von CHF 2‘771 .00 an (CHF 1‘880.00 IV-Rente, CHF 752.00 Kinderrente, CHF 139.00 Prämienverbilligung der Krankenkasse). 13.2 Hinsichtlich Ergänzungsleistung und Hilfslosenentschädigun g führte der Ehemann aus, diese hätten Auswirkungen auf den Bedarf der Ehef rau, da durch die entsprechenden Sozialversicherungseinrichtungen Gesundheitskosten direkt g etragen würden, so dass sol- che Kosten nicht auch noch im Bedarf der Ehefrau berücksic htigt werden könnten. Er mo- niert, die Vorinstanz habe keine Abklärungen zu der mit der IV-Rente zusammenhängenden Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiteren sozialversicherungs- und fürsorgerechtlichen Fra gen vorgenommen, was mit Blick auf die Kinderunterhaltsfragen durch den Untersuchung sgrundsatz geboten gewesen wäre. Zudem habe der Ehemann ein Rechtsschutzinteresse an dieser Beweismassnahme gehabt, da die IV rückwärtig per 1. November 2012 die IV-Rente leiste und somit auch über eine Zeit, in welcher der Ehemann bereits Unterhalt an die Ehefrau geleistet habe . 13.3 Die Ehefrau führte aus, aufgrund des Zugeständnisses des Ehemannes sei die IV- Rente nur im Umfang von CHF 1‘800.00 zur berücksichtigen. Hinzu kämen in der ersten Phase die Kinderrente von CHF 752.00 und die Prämienve rbilligung von CHF 67.45. Die Prämienverbilligung für den Sohn betrage nur CHF 67 .45 und nicht wie von der Vorinstanz angenommen CHF 139.00. Hinsichtlich der Ausführungen d es Ehemannes zu der Ergän- zungsleistung und Hilfslosenentschädigung verwies die Ehef rau auf die Ausführungen im vorinstanzlichen Entscheid. 13.4 Wie die Vorinstanz zu Recht festhielt, sind allfälli ge Ergänzungsleistungen subsidiär zum Unterhaltsbeitrag, was der Ehemann auch nicht bestre itet, und daher ohnehin nicht als Einkommen anzurechnen. Was die Hilfslosenentschädigung bet rifft, liegen weder Hinweise auf die Ausrichtung von solchen vor, noch ist ersichtlich, dass die Ehefrau für alltägliche Le- bensverrichtungen der Hilfe Dritter bedarf. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass in den angerechneten Gesundheitskosten Beträge enthalten sind, welche durch Hilfslosenentschä- digungen vergütet werden. Sollte die Ehefrau Anspruch auf eine Hilfslosenentschädigung haben, würde diese durch entsprechende zusätzliche Aufwen dungen ohnehin verbraucht. Auf die Ausführungen des Ehemannes zu Ergänzungsleistunge n und Hilfslosenentschädi- gungen ist daher nicht mehr weiter einzugehen. Der Ehemann hat bei der Ehefrau als IV- Rente die Anrechnung des Betrages von CHF 1‘800.00 zug estanden, so dass dieser Betrag einzusetzen ist. Die Kinderrente sowie die Krankenkassen- Prämienverbilligung für den Sohn wurden bereits in dessen separater Unterhaltsberechnung berücksichtigt. Eine Krankenkas- senprämienverbilligung für die Ehefrau geht aus den Akten nicht hervor. 14. Gebührender Bedarf der Ehefrau 14.1 Der Ehemann moniert, die Vorinstanz habe den massgebli chen gebührenden Unter- halt nicht festgestellt. Der Ehemann geht von einem ge bührenden Bedarf der Ehefrau von CHF 2‘250.00 aus. Er stellt auf den zuletzt gelebten L ebensstandard der Ehegatten ab und führte hierzu in der Klageantwort unter Rz 30 f. aus, den Ehegatten sei vor der Trennung das Einkommen des Ehemannes von monatlich netto CHF 5‘300.0 0 zur Verfügung gestanden, welches gesamthaft für den laufenden Unterhalt aufgew endet worden sei. Somit sei keine Sparquote angefallen. Von diesem Betrag von CHF 5‘3 00.00 zieht der Ehemann vorab die Kinderkosten von CHF 800.00 ab und teilt den Restbetrag von CHF 4‘500.00 je hälftig den beiden Ehegatten zu und errechnet so einen gebührend en Unterhalt der Ehefrau von CHF 2‘250.00. Basierend auf diesem gebührenden Unterh alt von CHF 2‘250.00 zuzüglich Vorsorgeunterhalt von CHF 290.00, abzüglich der IV-Re nte der Ehefrau von CHF 1‘800.00, kommt der Ehemann auf einen nachehelichen Unterhalts beitrag von CHF 740.00. Die Ehe- Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht frau berechnet dagegen den gebührenden Unterhalt fü r sich mit dem Sohn auf CHF 5‘479.40. 14.2 Es wurde bereits festgehalten, dass es sich beim gebühren den Unterhalt um einen unbestimmten Rechtsbegriff handelt, der vom Gericht zu konkretisieren ist, weshalb der vom Ehemann diesbezüglich genannte Betrag keine Verbindlich keit haben kann, auch wenn die Ehefrau diesen Betrag an der vorinstanzlichen Instruktionsverhandlung vom 14. April 2014 in ihrer Replik nicht explizit bestritten hat (siehe vorsteh ende Ausführungen unter Erwägung 7.2). Ausgangspunkt für den gebührenden Unterhalt ist nach einer langen und lebensprä- genden Ehe die zuletzt gemeinsam gelebte Lebenshaltu ng der Ehegatten zuzüglich der scheidungsbedingten Mehrkosten (statt vieler: BGE 134 II I 577, E. 3; BGE 137 III 102, E. 4.2.1.1 = Pra 3/2012 Nr. 27). Die Ausführungen d es Ehemannes zum zuletzt gemeinsam gelebten Standard bzw. der verbrauchten finanziellen Mittel von monatlich CHF 5‘300.00 sind zutreffend. Der Ehemann lässt allerdings für den gebührenden Unterhalt die schei- dungsbedingten Mehrkosten ausser Acht. So fallen nach de r Trennung - sofern nicht beide Ehegatten in einer neuen Wohngemeinschaft leben - hö here Kosten an indem zwei Woh- nungsmietzinsen zu begleichen sind und der Grundbetrag für eine alleinstehende Person höher ist als in ehelicher Lebensgemeinschaft. Es können d aher die während dem Zusam- menleben für den laufenden Unterhalt verbrauchten Mi ttel nicht einfach geteilt werden, wie dies der Ehemann macht, sondern es ist der Bedarf unter Berücksichtigung dieser schei- dungsbedingten Mehrkosten zu berechnen. Die Vorinstanz f ührte aus, die Ehegatten hätten keine Ersparnisse geäufnet und das Einkommen der Parteien werde wegen der zusätzlichen Kosten für zwei getrennte Haushalte zur Gänze verschlung en. Deshalb könne von der Be- rechnung der tatsächlichen Ausgaben der Ehegatten währe nd der Ehe abgewichen und die Methode des erweiterten Existenzminimums mit Aufteilung des Überschusses berücksichtigt werden. Die Vorinstanz berechnete sodann für eine erst e Phase den Bedarf der Ehefrau zusammen mit dem Sohn auf CHF 5‘153.60 und für eine zw eite Phase den Bedarf der Ehe- frau für sich alleine auf CHF 4‘228.00 jeweils inkl. CH F 560.00 Vorsorgeaufbau. Sowohl aus der Berechnung des Vorsorgeaufbaus als auch aus der festg estellten Unterdeckung von monatlich CHF 402.60 für den gebührenden Unterhalt ( Dispositiv Ziffer 7) geht hervor, dass die Vorinstanz den gebührenden Bedarf der Ehefrau auf CHF 4‘228.00 inkl. Vorsorgeaufbau bzw. auf CHF 3‘668.00 exkl. Vorsorgeaufbau berechnet hat , bzw. dass der gebührende Be- darf dem erweiterten Existenzminimum der Ehefrau entspricht. Der Ehemann kann daher mit seinem Einwand, die Vorinstanz habe den gebührenden Unterhalt und damit die Obergrenze für das Leistungsbegehren nicht festgestellt, nicht gehört werden. Es ist auch nicht zu bean- standen, wenn die Vorinstanz den gebührenden Bedarf de m erweiterten Existenzminimum gleichstellte, da vorliegend das Einkommen infolge der scheidungsbedingten Mehrkosten vollständig aufgebraucht wird. Die Ehegatten haben selb er auch nie einen erhöhten Lebens- standard oder zusätzliche Positionen für Hobbies, Ferien etc. geltend gemacht, so dass die Vorinstanz aufgrund der Verhandlungsmaxime im Bereich d es nachehelichen Unterhaltsbei- trags ohnehin keine solchen hätte berücksichtigen dürfen. Die Vorinstanz hat daher zu Recht den gebührenden Bedarf der Ehefrau ihrem erweiterte n Existenzminimum gleichgestellt. Auf die einzelnen Positionen in der Unterhaltsberechnung ist nachfolgend einzugehen. Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht 15. Berechnung des nachehelichen Unterhaltsbeitrage s 15.1 Der Ehemann moniert, die Vorinstanz habe zu Unrecht d ie Krankheitskosten des Ehemannes von CHF 100.00 gestrichen. Weiter kritisiert e r, dass die Vorinstanz als gebüh- render Unterhalt zur Berechnung des Vorsorgeunterhalts auf das Existenzminimum der Ehe- frau (bereinigt um die Positionen für den Sohn) abge stellt und zudem trotz Mankosituation Steuern eingesetzt habe. Hinsichtlich der von der Vorin stanz vorgenommenen Phasen mo- niert der Ehemann, eine erste Phase könne nur bis zum 1 6. Altersjahr des Sohnes dauern. Danach seien ein (hypothetischer) Lehrlingslohn zu berücksi chtigen sowie ein eigener Ver- sorgungsbeitrag des Sohnes in Höhe von 50%, mindestens aber 30%. Zudem müsse eine Zäsur per Mündigkeit des Sohnes erfolgen, da der Sohn ab Volljährigkeit eine eigene Woh- nung beziehen könne und sich die Wohnkosten der Ehefrau reduzieren würden. Wenn der Sohn auch nach Mündigkeit bei der Mutter wohne, lieg e kein Familienhaushalt mehr vor, sondern ein Haushalt zweier Erwachsener ohne Unterhalts pflichten respektive eine kosten- senkende Wohngemeinschaft mit tieferem Grundbetrag. D ies habe Auswirkungen auf den Bedarf der Ehefrau. Die Vorinstanz habe diesbezüglich ke ine Erwägungen vorgenommen. Betreffend Gesundheitskosten rügt der Ehemann, die Vo rinstanz habe bei der Ehefrau sol- che Kosten eingesetzt ohne zu prüfen, ob diese tatsächlich anfallen oder von Sozialversiche- rungsträgern direkt bezahlt würden. 15.2 Die Ehefrau legte dar, bei welchen Positionen in ih rer Berechnung Differenzen im Vergleich mit der vorinstanzlichen Unterhaltsberechnung zu ihren Gunsten bestehen würden. Es sind dies die Wohnkosten der Ehefrau, ihre Krankenka ssenkosten für die Grundversiche- rung und der Steuerbetrag. Die Ehefrau berechnet fü r die 1. Phase einen gebührenden Be- darf für sich und den Sohn von CHF 5‘479.40 und in der 2. Phase (nach Wegfall der Ausga- ben für den Sohn) von CHF 4‘547.20. Betreffend ihre Eigenversorgungskapazität führte sie aus, sie sei zu 100% arbeitsunfähig. Sie erhalte eine IV-Rente von CHF 1‘880.00, welche jedoch – da vom Ehemann zugestanden - nur zu CHF 1‘800 .00 anzurechnen sei. Die Prämi- enverbilligung für den Sohn betrage in der ersten Ph ase CHF 67.45 und nicht wie von der Vorinstanz eingesetzt CHF 139.00. Die Kinderrente betr age CHF 752.00. Weitere Einnah- men habe sie nicht und es entbehre jeglicher Grundlage, einen hypothetischen Lehrlingslohn des Sohnes anzurechnen. Insgesamt habe sie in der 1. P hase Einnahmen von CHF 2‘619.45 und in der zweiten Phase von CHF 1‘800.0 0. Damit könne sie den gebühren- den Unterhalt nicht decken. Die Ehefrau geht sodann auf den Bedarf des Ehemannes ein und rügt, die Vorinstanz habe beim Ehemann zu Unrecht einen Grundbetrag von CHF 1‘200.00 eingesetzt. Da er mit seiner Lebenspartnerin in einer Wohngemeinschaft lebe, wäre ein Grundbetrag von CHF 850.00 (halber Betrag für zwei Personen in Wohngemein- schaft) einzusetzen gewesen. Sofern beim Ehemann nicht me hr von dessen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde, sei auch die Position „auswärtige Verpflegung“ nicht mehr zu veran- schlagen. Die geltend gemachten Krankheitskosten von CH F 100.00 habe der Ehemann nicht belegt, weshalb sie von der Vorinstanz zu Recht nicht berücksichtigt worden seien. Der Steuerbetrag des Ehemannes sei im Betrag von CHF 80.00 angemessen. Der Bedarf des Ehemannes betrage CHF 2‘259.00 und die Vorinstanz habe ihm ein um CHF 690.00 zu ho- hes Existenzminimum berechnet. Nach korrekter Berechnung r esultiere ein höherer Unter- haltsbeitrag für die Ehefrau als von der Vorinstanz ve rfügt, nämlich für die 1. Phase ein mo- Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht natlicher Unterhaltsbeitrag von CHF 1‘927.00 und fü r die 2. Phase von CHF 2‘667.00. Es bestehe daher keine Veranlassung, die Unterhaltsbeiträ ge noch weiter herabzusetzen. Da die Ehefrau selber auf eine Anfechtung des Scheidungs urteils verzichtet habe, sei Ziffer 6 des vorinstanzlichen Urteils vollumfänglich zu bestätigen. 15.3 Die Vorinstanz hat die Grundlagen zum nachehelichen Unt erhalt korrekt ausgeführt. Die Festlegung des Unterhaltsbeitrags hat in folgenden drei Schritten zu erfolgen 1) Festle- gung des gebührenden Unterhalts, 2) Prüfung, inwiefern jeder Ehegatte diesen gebührenden Unterhalt je selber finanzieren kann und schliesslich 3 ) die Prüfung der Leistungsfähigkeit des Pflichtigen, sofern von einem Ehegatten nicht erwa rtet werden kann, dass er für seinen gebührenden Unterhalt selber aufkommen kann (BGE 141 III 465, E. 3.1; BGE 134 III 145, E. 4). Ausgangspunkt für den gebührenden Unterhalt ist nach einer langen und lebensprä- genden Ehe die zuletzt gemeinsam gelebte Lebenshaltu ng der Ehegatten zuzüglich der scheidungsbedingten Mehrkosten (siehe vorstehende Erwägung 14.2). Das Gesetz gibt für die Festlegung der Unterhaltsbeiträge keine bestimmte Berechnungsme- thode vor. Die Vorinstanz hat sich aufgrund der konkreten Verhältnisse für die Methode des erweiterten Existenzminimums mit Überschussverteilung ent schieden, was nicht zu bean- standen ist. Denn diese Methode kann auch für die Ber echnung von nachehelichen Unter- haltsbeiträgen herangezogen werden (vgl. BGE 134 III 577). Die Vorinstanz hat sodann zwei Phasen unterschieden, eine erste Phase bis zur ersten ange messenen Ausbildung des Soh- nes, längstens jedoch bis der Sohn 25 Jahre alt ist, un d eine zweite Phase für danach. Nach Entfallen des Kinderunterhaltsbeitrages vergrössert sich beim Ehemann der Überschuss und es ist ihm möglich, einen höheren nachehelichen Unterhaltsbeitrag zu bezahlen. Es ist daher durchaus sinnvoll und nicht zu beanstanden, wenn die Vor instanz eine neue Phase nach Wegfall des Kinderunterhaltsbeitrages berechnet. Auch d as Kantonsgericht lässt nach Weg- fall des Kinderunterhaltsbeitrages eine neue Phase eintreten. Da mit dem vorliegenden Beru- fungsentscheid der Bedarf und Unterhalt des Kindes jedo ch separat berechnet wird (siehe vorstehende Erwägung unter Ziffer 9), ist auch für den nachehelichen Unterhaltsbeitrag für beide Phasen eine Berechnung des Bedarfs der Ehefrau ohne das Kind vorzunehmen. 15.4 Der Ehemann hat in der Berufung die von der Vorinsta nz bei der Ehefrau eingesetz- ten Bedarfspositionen und Beträge einzig zum Vorsorgeau fbau und bei den Krankheitskos- ten bestritten. Die anderen Bedarfspositionen sind dah er wie von der Vorinstanz festgelegt zu übernehmen. Indem das Kantonsgericht allerdings f ür den Sohn eine separate Berech- nung macht und bei ihm von den Wohnungsmietkosten von C HF 1‘450.00 den Anteil von CHF 450.00 einsetzt, ist bei der Ehefrau in der ersten Phase für die Wohnkosten der Diffe- renzbetrag von CHF 1’000.00 anzurechnen. Für die zweite Phase, ab Wegfall des Kinderun- terhaltsbeitrages, ist wieder der gesamte Mietbetrag von CHF 1‘450.00, welcher angemes- sen ist, bei der Ehefrau einzusetzen. Für die Gesundhei tskosten der Ehefrau hat die Vor- instanz auf die effektiven und belegten Auslagen der Ehe frau abgestellt und einen Mittelwert berechnet, was nicht zu beanstanden ist. Es liegen keine Hinweise darauf vor, dass diese Kosten von Sozialversicherungseinrichtungen übernommen we rden, wie der Ehemann ver- mutet. Die von der Vorinstanz eingesetzten Gesundheitsko sten der Ehefrau von monatlich CHF 325.00 sind folglich zu übernehmen. Der Bedarf der Ehefrau ohne Berücksichtigung Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Sohnes bleibt somit bei dem von der Vorinstanz berech neten Betrag exkl. Vorsorgeauf- bau von CHF 3‘668.00 (Grundbetrag CHF 1‘200.00, Wohn kosten CHF 1‘450.00, Kranken- kassenprämie CHF 431.00, U-Abo CHF 62.00, Arzt-/Gesundh eitskosten CHF 325.00, Steu- ern CHF 200.00). Der Vorsorgeaufbau ist folglich auf diesem Betrag zu berechnen, was die Vorinstanz zu Recht gemacht hat. Der Ehemann macht diesbe züglich nicht geltend, die Vor- instanz habe eine falsche Berechnung an sich angestellt. Er selber setzt als Basis – zu Un- recht - den Betrag von CHF 2‘250.00 ein und gelangt mit diesem auf einen Vorsorgeaufbau von CHF 290.00. Die von der Vorinstanz vorgenommene Be rechnung auf der Basis von CHF 3‘668.00 ist folglich zu übernehmen und der vorinsta nzlich berechnete Vorsorgeunter- halt von CHF 560.00 einzusetzen. 15.5 Den Bedarf des Ehemannes hat die Vorinstanz dagegen zu Gunsten des Ehemannes nicht korrekt berechnet. Sie hat beim Grundbetrag nicht berücksichtigt, dass der Ehemann in einer Wohngemeinschaft lebt, und hat CHF 1‘200.00 an statt CHF 850.00 (Hälfte des Betra- ges für zwei Personen in Wohngemeinschaft) eingesetzt. Di e auswärtige Verpflegung wäre zudem bei Berücksichtigung der Taggelder nicht einzurechn en. Hinsichtlich der Krankheits- kosten hat die Vorinstanz beim Ehemann dagegen zu Recht ke inen Betrag eingesetzt, da er keine Krankheitskosten belegte. Selbst wenn jedoch mit d en von der Vorinstanz beim Ehe- mann eingesetzten Beträgen gerechnet wird, ergibt sich keine Änderung zu dessen Gunsten, wie aus den nachfolgenden Unterhaltsberechnungen hervorgeht. 15.6. Für die erste Phase, in welcher der Ehemann noch Kind erunterhaltsbeiträge leisten muss, ergibt sich folgende Berechnung: Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ehemann Ehefrau CHF CHF Monatlicher Grundbetrag Ex.Min./CHF alleinstehender Schuldner 1'200 1'200 alleinerziehender Schuldner 1'350 1'350 Ehepaar, eingetragene Partnerschaft, Paar mit Kin dern 1'700 Kind im Alter bis zu 10 Jahren 400 Kind über 10 Jahre 600 15 % Erweiterung bei Gesuch um uR Miet-/Hypothekarzins ohne Amortisation (Beleuchtung, Kochstrom und/oder Gas im Grundbetrag ) 900 1'000 Heiz- und Nebenkosten Hausratversicherung Sozialbeiträge (soweit nicht vom Lohn bereits abgez ogen), 353 431 Unumgängliche Berufsauslagen Auslagen für auswärtige Verpflegung (CHF 9.00-11.00 ) 220 U-Abo 76 62 Unterhaltsbeitrag für den Sohn 410 Schulung der Kinder (U-Abo: CHF 45.00, Schulmaterial usw.) Abzahlung oder Miete/Leasing von Kompetenzstücken Verschiedene Auslagen (Arzt, Arzneien, Franchise, G eburt und Pflege von Familienangehörigen, Wohnungswechsel etc.) 325 Vorsorgeaufbau 560 Laufende Steuern 200 200 Grundbedarf 3'359 3'928 Nettoeinkommen inkl. 13. Monatslohn/Gratifikation 4'926 1'800 Prämienverbilligung Krankenkasse Vermögensertrag/Spesenanteil 50 % Einkommen 6'726 4'926 1'800 Summe des ehelichen Einkommens 6'726 Summe des ehelichen Grundbedarfs 7'287 Überschuss -561 Anspruch am ehelichen Einkommen Grundbedarf 3'359 3'928 Anteil am Überschuss -3 -558 Total 3'356 3'370 ./. eigenes Einkommen -4'926 -1'800 Unterhaltsbeitrag -1'570 1'570 Kind Ehefrau 1'570 Der Ehemann hat entsprechend dieser Berechnung in de r ersten Phase für den Sohn CHF 410.00 und für die Ehefrau CHF 1‘570.00, somit insgesamt CHF 1‘980.00 zu bezahlen. Der vorinstanzliche Entscheid ist in diesem Punkt zu änder n. Die nunmehr für die erste Pha- se festgelegten Unterhaltsbeiträge entsprechen indes d em gleichen Gesamtbetrag wie bei der Vorinstanz, welche den Unterhalt für den Sohn au f CHF 740.00 und jenen für die Ehe- frau auf CHF 1‘240.00 festlegte. Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht 15.7 Für die zweite Phase stellt sich die Berechnung folgen dermassen dar: Ehemann Ehefrau CHF CHF Monatlicher Grundbetrag Ex.Min./CHF alleinstehender Schuldner 1'200 1'200 alleinerziehender Schuldner 1'350 1'200 Ehepaar, eingetragene Partnerschaft, Paar mit Kin dern 1'700 Kind im Alter bis zu 10 Jahren 400 Kind über 10 Jahre 600 15 % Erweiterung bei Gesuch um uR Miet-/Hypothekarzins ohne Amortisation (Beleuchtung, Kochstrom und/oder Gas im Grundbetrag ) 900 1'450 Heiz- und Nebenkosten Hausratversicherung Sozialbeiträge (soweit nicht vom Lohn bereits abgez ogen), 353 431 Unumgängliche Berufsauslagen Auslagen für auswärtige Verpflegung (CHF 9.00-11.00 ) 220 U-Abo 76 62 Unterhaltsbeitrag für den Sohn Schulung der Kinder (U-Abo: CHF 45.00, Schulmaterial usw.) Abzahlung oder Miete/Leasing von Kompetenzstücken Verschiedene Auslagen (Arzt, Arzneien, Franchise, G eburt und Pflege von Familienangehörigen, Wohnungswechsel etc.) 325 Vorsorgeaufbau 560 Laufende Steuern 200 200 Grundbedarf 2'949 4'228 Nettoeinkommen inkl. 13. Monatslohn/Gratifikation 4'926 1'800 Prämienverbilligung Krankenkasse Vermögensertrag/Spesenanteil 50 % Einkommen 6'726 4'926 1'800 Summe des ehelichen Einkommens 6'726 Summe des ehelichen Grundbedarfs 7'177 Überschuss -451 Anspruch am ehelichen Einkommen Grundbedarf 2'949 4'228 Anteil am Überschuss 2 -453 Total 2'951 3'775 ./. eigenes Einkommen -4'926 -1'800 Unterhaltsbeitrag -1'975 1'975 Kind Ehefrau 1'975 Für die zweite Phase bleibt der Grundbedarf der Part eien je gleich wie bereits von der Vor- instanz festgelegt. 15.8 Das beim Ehemann in beiden Phasen im Vergleich zum e ffektiven Taggeld von mo- natlich CHF 4‘789.00 um CHF 137.00 höher eingesetzte Einkommen wird bei weitem kom- pensiert durch den bei ihm zu hoch eingesetzten Grundbe trag. Auch die Berücksichtigung der Steuern trotz Unterdeckung fällt zu Gunsten des Ehema nnes aus, erhöht sich dadurch Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht doch sein zu schützendes Existenzminimum. Der Unterhaltsbei trag würde bei der vom Kan- tonsgericht als korrekt erachteten Berechnung (Grundb etrag beim Ehemann CHF 850.00, keine Steuern zu berücksichtigen) selbst bei Berücksichtigung der effektiven Taggelder des Ehemannes von CHF 4‘789.00 und der IV-Rente der Ehef rau von CHF 1‘880.00 höher aus- fallen als von der Vorinstanz festgelegt. Auch müsste bei Einrechnung der effektiven Taggel- der die auswärtige Verpflegung des Ehemannes gestrichen werden, da er diese dann auf- grund der berücksichtigten Erwerbsunfähigkeit nicht beansp ruchen könnte. Der Ehemann kann daher keine tieferen nachehelichen Unterhaltsbeiträge geltend machen. Der vorinstanz- lich festgelegte Unterhaltsbeitrag bleibt in der ersten Phase hinsichtlich der Gesamthöhe gleich und wird lediglich bei der Aufteilung des Betr ages an das Kind und die Ehefrau abge- ändert. Für die zweite Phase ist gar keine Änderung hinsichtlich der Höhe des Unterhaltsbei- trags vorzunehmen. Lediglich bei der Dauer des nachehel ichen Unterhaltsbeitrags (siehe vorstehende Erwägungen Ziffer 11) ist die Berufung tei lweise gutzuheissen und der nach- eheliche Unterhaltsbeitrag zu befristen auf 31. Dezember 2021. 15.9 Entsprechend diesen Berechnungen verändert sich die U nterdeckung bei der Ehe- frau. Werden in der ersten Phase von ihrem gebührenden Bedarf von CHF 3‘928.00 ihre effektive IV-Rente von CHF 1‘880.00 sowie der nunmehr festzulegende Unterhaltsbeitrag von CHF 1‘570.00 abgezogen, verbleibt ein Fehlbetrag von CHF 478.00, wogegen die Vor- instanz diesen in Ziffer 7 des Dispositivs auf CHF 402.60 ( recte: 405.60) bezifferte. Für die zweite Phase beträgt der Fehlbetrag der Ehefrau CHF 373.00 (CHF 4‘228 – 1‘880 – 1‘975); die Vorinstanz hat diesen mit CHF 234.00 festgehalten. Da die Ehefrau den vorinstanzlichen Entscheid nicht angefochten hat, ist die entsprechende Ziffer 7 des vorinstanzlichen Disposi- tivs auch nicht zu ihren Gunsten zu ändern. 16. Güterrecht 16.1 Die Vorinstanz hat in Ziffer 3 des angefochtenes Entsch eids festgehalten, der Ehe- mann schulde der Ehefrau aus ausstehenden Unterhaltsbei trägen der Unterhaltsspanne März und April 2015 noch einen Betrag von CHF 190.00 zuzüglich Zins von 5% seit 15. März 2015. In der vorangegangenen Ziffer 2 des Entscheids hat sie daher die Teilvereinbarung mit Vorbehalt von Ziffer 3 genehmigt. Der Ehemann monier t, die Vorinstanz halte sich damit nicht an die Dispositionsmaxime und habe auf Antrag der Ehefrau die Teileinigung vom 2. Oktober 2013, in welcher die Saldoeinigung verbin dlich getroffen worden sei, abgeändert und ihn unter dem Titel Güterrecht zu einer Zahlung von CHF 190.00 verpflichtet. Der angeb- liche Unterhaltsausstand sei nicht dem Güterrecht zuzusch lagen, denn mit Einreichung der Scheidungsklage sei das Güterrecht terminlich fixiert und danach entstehende Schulden hätten nichts mehr mit Güterrecht zu tun. Überdies schulde der Ehemann gar nichts mehr, so dass auch eine falsche Sachverhaltsfeststellung vorliege. Er beantrage daher die ersatzlose Aufhebung von Ziffer 3 des Dispositivs. 16.2 Die Ehefrau macht geltend, die Verhältnisse hätten si ch im Nachgang zur Teilkonven- tion vom 2. Oktober 2013 wesentlich verändert. Im Na chgang zum kantonsgerichtlichen Ur- Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht teil vom 14. Juli 2015 betreffend vorsorgliche Massnahmen habe sich gezeigt, dass der Ehemann der Ehefrau im März und April 2015 zu wenig Unterhalt im Betrag von CHF 190.00 bezahlt habe. Deshalb habe sie die Nichtgenehmigung d er Konvention in diesem Punkt be- antragt. Der Ehemann habe den Ausstand nicht bestritte n, sondern lediglich vorgebracht, dieser falle nicht unter das Güterrecht. Der Ehemann li ege jedoch falsch, da unbezahlt ge- bliebene Unterhaltsleistungen gegenseitige Schulden im Sinne von Art. 205 Abs. 3 ZGB dar- stellen würden und in die güterrechtliche Auseinander setzung miteinzubeziehen seien, an- sonsten sie nicht mehr geltend gemacht werden könnten. 16.3 In tatsächlicher Hinsicht ist zunächst festzustellen, dass der Ehemann anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung den behaupteten Fehlbe trag von CHF 190.00 nicht be- stritten hat. In rechtlicher Hinsicht ist von Ziffer 3 de r beidseitig unterzeichneten Vereinba- rung vom 2. Oktober 2013 auszugehen, wonach sich die Parteien in güterrechtlicher Hinsicht für vollständig auseinandergesetzt erklärt haben. Die Ve reinbarung ist für die Parteien mit Abschluss grundsätzlich verbindlich, noch vor der gerichtlichen Genehmigung. Mit Eintritt der Verbindlichkeit verbleibt einem Ehegatten, der an di e Vereinbarung einseitig nicht mehr ge- bunden sein will, die Möglichkeit, das Gericht um deren Nichtgenehmigung zu ersuchen, wobei er die Substantiierungs- und Beweislast für das Fehlen der Genehmigungsvorausset- zung trägt. Die Genehmigung darf nur bei Vorliegen w ichtiger Gründe verweigert werden (THOMAS SUTTER -SOMM / NICOLAS GUT , in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A ufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 279 N 25). Die Parteien konnten bei Unterzeichnung de r Teilkonvention am 2. Oktober 2013 den jetzt strittigen Ausstand gar nicht thematisieren, d a die Forderung zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht entstanden war. Die Klausel in der Vere inbarung bezog sich somit aus- schliesslich auf die bis zur Unterzeichnung entstandenen g egenseitigen Ansprüche. Unbe- zahlt gebliebene Unterhaltsbeiträge sind grundsätzlich als Schulden im Sinne von Art. 205 Abs. 3 ZGB zu qualifizieren und bei der Auflösung des G üterstandes in die Abrechnung ein- zubeziehen (Bger 5A_803/2010 vom 3. Dezember 2010, E. 3.2.1). Angesichts der Tatsache, dass die ausstehende Unterhaltsschuld im Zeitpunkt der Unte rzeichnung der Vereinbarung noch gar nicht entstanden war, ist der vorinstanzliche E ntscheid in diesem Punkt nicht zu beanstanden, auch wenn es sich bei Ziffer 3 des Dispositivs eher um eine Ergänzung als um einen Vorbehalt handelt. 17. Vorsorgeausgleich 17.1 Die Ehegatten einigten sich in der Teilvereinbarung vom 2. Oktober 2013 in Ziffer 5 darauf, dass die Pensionskassenguthaben je hälftig aufge teilt werden sollen und dement- sprechend die Pensionskasse des Ehemannes anzuweisen sei, ei nen Betrag von CHF 38‘435.00 auf das Freizügigkeitskonto der Ehefrau z u überweisen. An der vorinstanzli- chen Hauptverhandlung beantragte die Ehefrau, Ziffer 5 der Teilkonvention sei dahingehend abzuändern, dass die Pensionskasse des Ehemannes anzuweisen sei, den Betrag von CHF 51‘429.50 auf das Freizügigkeitskonto der Ehefrau zu überweisen. Die Vorinstanz wies Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit Ziffer 8 des Dispositivs des Scheidungsurteils die Pensio nskasse des Ehemannes an, den Betrag von CHF 50‘383.90 auf das Freizügigkeitskonto der Ehefrau zu überweisen. 17.2 Der Ehemann macht mit Berufung geltend, obwohl sich d ie Parteien am 2. Oktober 2013 auf den im Zeitpunkt der Einigung aktenkundig m assgeblichen Ausgleichungsbetrag geeinigt hätten, werde diese Teileinigung nicht respe ktiert, sondern auf die zwischenzeitlich auf Seiten des Ehemannes eingetretene Veränderung im Bestand seiner Austrittsleistung abgestellt. Die Prozessverschleppung sei durch die Ehefrau oder durch das Gericht ohne zwingenden Grund verursacht worden. Es könne daher nicht angehen, dem Ehemann die zeitliche Verzögerung von fast zwei Jahren seit der Teilein igung zu dessen Nachteil vorzu- halten. Die Teilung nunmehr per 20. August 2015 zu b erechnen, sei rechtsmissbräuchlich und wider Treu und Glauben. Die Teileinigung vom 2. Oktober 2013 über die Teilung der Austrittsleistungen müsse auch per 20. August 2015 massgebend bleiben, 17.3 Die Ehefrau entgegnet, im Nachgang zur Scheidungskon vention vom 2. Oktober 2013 hätten sich die Verhältnisse unter den Parteien wesentlich verändert. Das Scheidungs- verfahren habe sich unerwartet in die Länge gezogen, wa s weder von der Ehefrau noch von der Vorinstanz zu verantworten sei. Aufgrund der Offi zialmaxime, welche in diesem Bereich zur Anwendung gelange, könnten die Parteien diesbezügli ch gar keine Konvention im tech- nischen Sinne schliessen. Komme keine Vereinbarung zustand e und stehen die massgebli- chen Austrittsleistungen fest, habe das Gericht nach den Vorschriften des ZGB über das Teilungsverhältnis zu entscheiden (Art. 281 Abs. 1 ZPO). Dies habe die Vorinstanz getan, folglich sei die Anordnung gemäss Ziffer 5 des Urteils nicht zu beanstanden. 17.4 Nach Art. 280 Abs. 1 ZPO genehmigt das Gericht eine Ve reinbarung über die Teilung der Austrittsleistungen der beruflichen Vorsorge, wenn die Ehegatten sich über die Teilung sowie deren Durchführung geeinigt haben, die Bestätigu ng der beteiligten Vorsorgeeinrich- tungen über die Durchführbarkeit der getroffenen Regelung und die Höhe der Guthaben vor- legen und sich das Gericht davon überzeugt hat, dass die Vereinbarung dem Gesetz ent- spricht. Die Parteiautonomie ist in diesem Bereich ent sprechend dieser Bestimmung einge- schränkt. Eine Vereinbarung und die Durchführbarkeitsbestä tigung führen nicht automatisch zur Genehmigung durch das Gericht (H ANS -ULRICH STAUFFER , in: Sutter- Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur S chweizerischen Zivilprozessord- nung, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 280 N 2 6). Nach Art. 122 ZGB besteht ein An- spruch auf die hälftige Teilung der während der Ehe a ngefallenen Freizügigkeitsguthaben. Ein Verzicht auf diesen Anspruch ist nur eingeschränkt zulässig. Im vorliegenden Fall lag der Teilvereinbarung die Austrittsleistung des Ehemannes per Unterzeichnung zugrunde. Auf- grund der Verzögerung des Scheidungsverfahrens lagen bei Auflösung der Ehe im August 2015 geänderte Verhältnisse und Zahlen vor. Der vereinb arte Betrag wich erheblich von der Austrittsleistung des Ehemannes bei Auflösung der Ehe ab und die Vereinbarung war inso- weit nicht mehr gesetzeskonform. Daran vermag nichts zu än dern, dass bei der Ehefrau der Vorsorgefall aufgrund ihrer Invalidität bereits einget reten ist, da sich die angemessene Ent- schädigung im Sinne von Art. 124 Abs. 1 ZGB im vorliegenden Fall ebenfalls an der hälftigen Teilung orientieren muss. Die Teilung der Austrittsle istung des Ehemannes ist möglich und das Vorsorgeguthaben der Ehefrau, welches ihre letzte Ar beitgeberin auf ihr Freizügigkeits- Seite 33 http://www.bl.ch/kantonsgericht konto überwies, kann ebenfalls angerechnet werden, so da ss kein Grund ersichtlich ist, vom Grundsatz der hälftigen Teilung abzuweichen. Ein Verzicht der Ehefrau auf die hälftige Tei- lung lag nicht vor und wäre angesichts ihrer Lebensverhä ltnisse auch nicht genehmigungs- fähig gewesen, da ihre entsprechende Altersvorsorge n icht auf andere Weise gewährleistet ist. Soweit der Ehemann das Rechtsmissbrauchsverbot gemäss Art . 2 ZGB anruft, ist ihm nicht zu folgen. Das Verfahren hat sich zwar tatsächlich ve rzögert, was unter anderem auf die Unklarheiten zur gesundheitlichen Situation der Eh efrau zurück zu führen ist. So hat die Vorinstanz den IV-Rentenentscheid abgewartet, was durcha us sinnvoll war und nicht bean- standet werden kann. Dass jedoch die Ehefrau das Verfahren im Hinblick auf eine Verbesse- rung ihrer vorsorgerechtlichen Ansprüche bewusst verzögert haben soll, wird weder rechts- genüglich behauptet, noch belegt. Soweit dem Gericht die Verfahrensverzögerung vorgewor- fen wird, könnte dies – selbst wenn es zuträfe – nicht de r Ehefrau angelastet werden. Die Vorinstanz hat entsprechend diesen Ausführungen zu Rec ht für die Berechnung des zu überweisenden Betrages auf die Austrittsleistung des Ehe mannes per Urteilsdatum abge- stellt. Die Berufung ist folglich insoweit unbegründet und somit in diesem Punkt abzuweisen. 18. Kosten 18.1 Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der u nterliegenden Partei auferlegt. Hat keine Partei vollständig obsiegt, werde n sie nach dem Ausgang des Verfah- rens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Vorab ist festzuhalten, dass sich hinsichtlich der Unterhaltsbeiträge der Streitwert nicht exakt berechnen lässt, da der Zeitpunkt des Abschlusses der ang emessenen Erstausbildung des Sohnes offen ist. Aus den vorstehenden Erwägungen geht h ervor, dass der Ehemann mit seiner Berufung betreffend Dauer der nachehelichen U nterhaltsbeiträge zum grösseren Teil durchdringt, indem die Unterhaltsdauer im Gegensatz zu den von der Vorinstanz festgeleg- ten rund 15 Jahren (vom Scheidungsurteil bis zur orde ntlichen Pensionierung des Eheman- nes, d.h. bis und mit Juli 2030) nunmehr im Berufungsver fahren auf rund 6,5 Jahre (bis 31. Dezember 2021) gesenkt wird. Der Ehemann hatte d ie Begrenzung der nachehelichen Unterhaltsbeiträge per Ende Mai 2018 beantragt. Bet reffend Dauer der nachehelichen Un- terhaltsbeiträge dringt er somit zu rund 70% durch. D er nacheheliche Unterhaltsbeitrag stellt bei den Anträgen finanzieller Art mit Abstand den grö ssten Posten dar. Der Ehemann dringt sodann beim Kinderunterhaltsbeitrag insofern durch, al s dieser separat berechnet und die IV-Kinderrente angerechnet wird. Der Kinderunterhaltsbeitrag wird nunmehr von CHF 740.00 auf CHF 410.00 gesenkt. Allerdings erhöht sich dadurch d er nacheheliche Unterhaltsbeitrag für die erste Phase, so dass in der ersten Phase die Unt erhaltsbeiträge für die Ehefrau und das Kind insgesamt gleich hoch bleiben wie von der Vor instanz festgelegt und der Ehemann somit hinsichtlich der Gesamthöhe nicht obsiegt. Der Ehe mann unterliegt mit seinen Anträ- gen betreffend der elterlichen Sorge, des Güterrechts und des von seiner Pensionskasse an die Ehefrau zu überweisenden Betrags vollumfänglich, wobei das Güterrecht angesichts des geringen Streitbetrags nicht ins Gewicht fällt. Insgesa mt obsiegt der Ehemann etwas mehr als zur Hälfte. Die Ehefrau hatte für die Erstellung d er Duplik zusätzlichen Aufwand, welcher Seite 34 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom Ehemann durch das Einreichen von dessen Replik, welch e nicht erforderlich gewesen wäre (darauf wird nachfolgend noch eingegangen) verur sacht wurde und daher in Anwen- dung von Art. 108 ZPO von ihm zu vergüten wäre. Insgesamt scheint es in Anbetracht dieser Ausführungen angebracht, die Gerichtskosten den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen und jede Partei ihre eigenen Parteikosten tragen zu lassen. 18.2 Die Gerichtsgebühr, wird in Anwendung § 9 Abs. 1 i. V.m. § 8 Abs. 1 lit. i der Verord- nung über die Gebühren der Gerichte vom 15. November 2010 (Gebührentarif, GebT; SGS 170.31) auf CHF 10‘000.00 festgesetzt, und wie bereits ausgeführt den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen R echtspflege für beide Parteien gehen diese Gerichtskosten zu Lasten des Staates. 18.3 Der anwaltlich vertretene Berufungskläger beantragte m it dem Berufungsbegehren Ziffer 3, es sei ihm die vollständige unentgeltliche Re chtspflege mit einem Pauschalhonorar von CHF 5‘000.00 für das Berufungsverfahren zu gewähren und den Unterzeichnenden als dessen Rechtsbeistand zu bestellen. Nach Zustellung der Be rufungsantwort beantragte der Ehemann mit Eingabe vom 19. Januar 2016, es sei ihm e ine Frist zur Erstattung seiner Rep- lik zu gewähren. Mit Verfügung vom 19. Januar 2016 wurd e dieser Antrag abgewiesen und ausgeführt, dass im vorliegenden Berufungsverfahren ein zweiter Schriftenwechsel nicht angebracht sei. Es wurde dem Ehemann jedoch unbenommen gelassen, sich im Sinne des Replikrechts unaufgefordert zur Berufungsantwort zu äu ssern. Der Ehemann reichte sodann unaufgefordert mit Eingabe vom 3. Februar 2016 eine 17-seitige Replik sowie die aktualisier- te Anwaltsrechnung inkl. dem Aufwand für die Replik mit einem Honorar von insgesamt CHF 6‘836.40 (Zeitaufwand von 30 Stunden, Auslagen vo n CHF 330.00, MWST) abzüglich des Selbstbehalts von CHF 1‘000.00 ein. Das Kantonsgeri cht ist nach wie vor der Auffas- sung, dass die Replik nicht erforderlich war. Diese ent hält keine neuen Ausführungen. Viel- mehr legt der Ehemann darin seine Sicht der Dinge dar , zum Teil unter Verweis auf die Ak- ten, und bringt rechtliche Ausführungen vor. Die Repl ik enthält nichts, was sich nicht bereits aus den vorinstanzlichen Akten und den Berufungsschriften ergibt. Dass ein zweiter Schrif- tenwechsel nicht angebracht ist, wurde dem Ehemann bereits mit Verfügung vom 19. Januar 2016 mitgeteilt. Es kann nicht angehen, dass er den A ufwand für eine dennoch eingereichte Replik gestützt auf die unentgeltliche Rechtspflege vom K anton vergütet wissen will. Das Replikrecht bezieht sich auf das rechtliche Gehör und löst bei unentgeltlicher Verbeiständung nicht automatisch eine durch den Kanton zu bezahlende Entschädigung aus. Diese richtet sich vielmehr nach Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO und beinha ltet lediglich die Entschädigung für den angemessenen Aufwand. Entschädigungspflichtig ist al lein der im Zusammenhang mit einer sachkundigen, engagierten und effektiven Wahrnehmung der Parteiinteressen notwen- dige, nützliche und verhältnismässige Aufwand unter Einschluss der Mehrwertsteuer und der tatsächlichen Auslagen. Da die Replik nicht erforderlich und somit nicht notwendig war, ist der hierfür entstandene Aufwand auch nicht im Rahmen der unentgeltlichen Rechtspflege zu vergüten. Folglich ist auf den mit der Berufung gestell ten Antrag auf Gewährung eines Pau- schalhonorars von CHF 5‘000.00 abzustellen. Von dieser Entschädigung ist der Selbstbehalt von CHF 1‘000.00 abzuziehen, welcher dem Ehemann für die unentgeltliche Verbeiständung mit Verfügung vom 13. Januar 2016, Ziffer 3, auferleg t wurde. Dem Rechtsvertreter des Ehemannes ist dementsprechend in Anwendung von Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO eine Ent- Seite 35 http://www.bl.ch/kantonsgericht schädigung von pauschal CHF 4‘000.00 (inkl. Auslagen und MWST) aus der Gerichtskasse zu bezahlen. 18.4 Die Rechtsvertreterin der Ehefrau machte mit der Hono rarnote vom 10. März 2016 einen Aufwand von insgesamt CHF 4‘931.85 (inkl. Ausla gen von CHF 404.90 und MWST von CHF 365.30) geltend. Der Zeitaufwand der Advokati n wird mit 9 Stunden und jener des Mitarbeiters mit 18.16 Stunden aufgeführt. Dieser Au fwand ist angemessen, auch im Ver- gleich zum aufgeführten Aufwand der Gegenpartei von in sgesamt CHF 6‘836.40 (inkl. Aus- lagen von CHF 330.00 und MWST). Aufgrund der Replik war die Ehefrau zur Vermeidung allfälliger prozessualer Risiken gehalten, zumindest ein e kurze Stellungnahme einzureichen. Die Duplik vom 18. Februar 2016 wurde mit fünf Seite n in aller Kürze gehalten und ist somit angemessen. Die Bewilligung der unentgeltlichen Recht spflege beinhaltet nach konstanter hiesiger Praxis auch die vom Substituten der Rechtsvertret erin getätigten Arbeiten. Für die- sen befindet sich sodann in den vorinstanzlichen Akten ein e Substitutionsbewilligung der Advokatin der Ehefrau. Für den Substituten wird ein Stundenansatz von CHF 130.00 geltend gemacht, was den gesetzlichen Vorgaben von § 3 Abs. 3 d er Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte (SGS 178.112) entspricht. Die Honora rnote ist folglich zu genehmigen und der Rechtsvertreterin der Ehefrau in Anwendung von Ar t. 122 Abs. 1 lit. a ZPO eine Ent- schädigung von CHF 4‘931.85 (inkl. Auslagen von CHF 404.90 und MWST von CHF 365.30) aus der Gerichtskasse auszubezahlen. 18.5 Hinsichtlich der vorinstanzlich zugesprochenen Entschädigung für die unentgeltliche Verbeiständung der Ehefrau führte der Ehemann aus, es sei unbekannt, ob die Honorarnote der Gegenpartei von der Vorinstanz auf die Frage geprüft worden sei, ob die Leistungen des Substituten unter die bewilligte unentgeltliche Rechtspflege fallen könne, wobei er hierzu auf den Bundesgerichtsentscheid 8C_310/2014 verwies. Im angef ochtenen Entscheid hat die Vorinstanz in Ziffer 10 die ausserordentlichen Kosten we ttgeschlagen und den Parteivertre- tungen zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechts pflege angemessene Honorare aus der Gerichtskasse ausbezahlt. Es ist nicht ersichtlich und wird nicht dargelegt, inwiefern der Berufungskläger ein schützenswertes Interesse an einer Üb erprüfung des der gegnerischen Rechtsanwältin ausbezahlten Honorars haben soll, zumal keine Parteientschädigung zu Las- ten des Ehemannes gesprochen wurde. Auf die diesbezügliche n Ausführungen ist daher mangels Rechtsschutzinteresses nicht weiter einzugehen. 18.6 Die Parteien werden darauf hingewiesen, dass eine Pa rtei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichte t ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Der Anspruch des Kantons verjährt zehn Jahre nach Ab schluss des Verfahrens (Art. 123 ZPO). Seite 36 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird teilweise gutgeheissen und die Ziffe rn 5 und 6 des Urteils der Dreierkammer des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost vom 20. August 2015 werden aufgehoben und folgendermassen ersetzt: 5. Der Ehemann wird verpflichtet, der Ehefrau an den Unterhalt des Sohnes C.____ mit Wirkung ab Rechtskraft des Urteils mon atl i- che und vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 410 .00 zu- züglich allfällige von ihm bezogene Kinderzulagen bzw . Ausbil- dungszulagen bis zur Volljährigkeit des Sohnes resp. bis zum Abschluss von dessen angemessenen Erstausbildung, sofern diese über die Volljährigkeit hinaus dauert, zu bezahlen. 6. Der Ehemann wird verpfl ichtet, der Ehefrau gemäss Art. 125 ZGB mit Wirkung ab Rechtskraft des Urteils monatliche und vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge von • CHF 1‘570.00 bis zum Abschluss der ersten angemessenen Ausbildung des Sohnes, jedoch längstens bis 31. Dezember 2021, • CHF 1‘975.00 nach Abschluss der ersten angemessenen Ausbildung des Sohnes, jedoch längstens bis 31. Dezember 2021, zu bezahlen. Ab dem 31. Dezember 2021 ist kein nachehelicher Unterhaltsbeitrag mehr geschuldet. Ansonsten gilt das Urteil der Dreierkammer des Zivilkre isgerichts Ba- sel-Landschaft Ost vom 20. August 2015 unverändert. 2. Die Gerichtsgebühr von CHF 10‘000.00 wird den Parteie n je zur Hälfte auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege für beide Parteien gehen diese Kosten zu Lasten des Staates. Seite 37 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Jede Partei hat für ihre eigenen Parteikosten auf zukommen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständ ung für den Beru- fungskläger mit einem Selbstbehalt von CHF 1‘000.00 wi rd an dessen Rechtsvertreter, Dr. Dieter M. Troxler, ein reduziertes Honorar von pau- schal CHF 4‘000.00 (inkl. Spesen und MWST) aus der Gerichtskasse ausbezahlt. Zufolge vollumfänglicher Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung für die Berufungsbeklagte wird an deren Rechtsvertreterin, Sabrina Stoll, ein Honorar von CHF 4‘931.85 (inkl. Auslagen von CHF 40 4.90 und MWST von CHF 365.30) aus der Gerichtskasse ausbezahlt. 4. Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewäh rt wurde, ist zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage i st. Der Anspruch des Kantons verjährt zehn Jahre nach Abschluss des Verfahrens (Art. 123 ZPO). Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiberin Karin Arber Der Kläger/Berufungskläger hat gegen diesen Entscheid B eschwerde an das Schweizeri- sche Bundesgericht (Verfahrensnummer 5A_346/2016) erhoben.