B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2884/2024 U r t e i l v o m 1 6 . M a i 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Esther Marti, mit Zustimmung von Richter Walter Lang; Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Rechtsanwältin Lea Hungerbühler substituiert durch Clara Böttinger, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat - Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG); Verfügung des SEM vom 1. Mai 2024 / N (…). E-2884/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin suchte am 3. März 2024 in der Schweiz um Asyl nach. B. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Eurodac) ergab, dass sie am 8. Dezember 2023 illegal in das Hoheitsgebiet der Dub- lin-Staaten eingereist war und am 21. Dezember 2023 in Griechenland um Asyl ersucht hatte. C. Gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver- fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt- staatsangehöriger (Rückführungsrichtlinie) und das Abkommen vom 28. August 2006 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Re- gierung der Hellenischen Republik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt (SR 0.142.113.729) ersuchte das SEM die grie- chischen Behörden am 11. März 2024 um Rückübernahme der Beschwer- deführerin. Die griechischen Behörden stimmten dem Ersuchen am 12. März 2024 zu, und teilten mit, dass die Beschwerdeführerin am 18. Januar 2024 als Flüchtling anerkannt worden sei und sie über eine bis am (…) 2027 gültige Aufenthaltsbewilligung verfüge. D. Am 20. März 2024 wurde die Beschwerdeführerin anlässlich des persönli- chen Gesprächs das rechtliche Gehör zum Nichteintreten und zur Rück- führung nach Griechenland sowie zum medizinischen Sachverhalt gewährt (vgl. SEM-Akten 1317880 [nachfolgend A]19/9). Hierbei machte sie gel- tend, sie habe sich nur für eine kurze Zeit in Griechenland aufgehalten, wo sie keinen richtigen Ort gehabt habe, um zu leben und um sich niederzu- lassen. Sie habe dort kein richtiges Leben gehabt. Aus diesem Grund habe sie sich entschieden in die Schweiz zu reisen. Ausserdem halte sich ihre Schwester in der Schweiz auf. In Griechenland habe sie sich auf der Insel Lesbos in einem Camp aufge- halten; dort habe ihr niemand Unterstützung angeboten . Trotz entspre- chender Bemühungen habe sie – wie auch andere – mangels entspre-E-2884/2024 Seite 3 chender Sprachkenntnisse keine Beschäftigung erhalten. Sie wisse nicht, welche Organisation für das Camp zuständig gewesen sei , oder ob es überhaupt Organisationen gegeben habe; den Begriff «HELIOS» habe sie noch nie gehört. Sie habe, nachdem sie einen positiven Entscheid erhalten habe, nichts unternommen, um eine Wohnung zu bekommen. Auch habe sie weder beim griechischen Staat noch bei NGO’s, Kirchen und Drittper- sonen um Unterstützung ersucht, da die NGO ’s weder Informationen ge- geben noch Unterstützung geleistet hätten. Nachdem sie die Aufenthalts- bewilligung von den griechischen Behörden erhalten habe, hätten ihr Mit- arbeiter im Camp gesagt, sie solle so schnell wie möglich versuchen, von dort wegzukommen. Sowohl auf der Insel als auch im Camp sei die Sicher- heitslage schlecht gewesen. Alle hätten Angst vor Streitereien , aber auch vor einer Vergewaltigung gehabt und hätten so schnell wie möglich weg- gehen wollen. Auf der Insel habe es auch keine staatlichen Sprachkurse gegeben. Diese seien nur in der Stadt angeboten worden. Eine Teilnahme sei nur mit entsprechenden finanziellen Mitteln möglich gewesen. Weder die griechische Steuernummer noch die griechische Sozialversicherungs- nummer seien ihr ein Begriff. Ihre Asylverfahrensakten aus Griechenland habe sie dort zurückgelassen, da sie davon ausgegangen sei, sie nicht mehr zu benötigen. Nachdem sie Ihre Fingerabdrücke für die Passausstel- lung abgeben habe, habe sie keine Verpflegung mehr erhalten. Sie habe sich das Essen über Landsleute ausleihen müssen. Hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes erklärte sie, es gehe ihr körperlich gut. Da sie auch in Griechenland fit und gesund gewesen sei, habe sie keine Erfahru ngen mit dem griechischen Gesundheitswesen gemacht. Psychisch habe sie, w egen der Vorfälle, die sich in ihrer Heimat und auf der Reise ereignet hätten, Angst. Wenn sie plötzlich laute Stimmen oder Geräusche höre, bekomme sie Angst. E. Mit Schreiben vom 26. April 2024 gewährte die Vorinstanz der Rechtsver- tretung das rechtliche Gehör zum Entscheidentwurf und am gleichen Tag reichte diese ihre Stellungnahme ein. F. Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 1. Mai 2024 trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das Asylge- such der Beschwerdeführerin nicht ein, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, forderte die Beschwerdeführerin – unter Androhung von Zwangs- mitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der E-2884/2024 Seite 4 Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, beauftragte den zuständigen Kan- ton mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. G. Ebenfalls am 1. Mai 2024 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung dem SEM die Niederlegung ihres Mandates mit. H. Mit Eingabe ihrer neu mandatierten Rechtsvertreterin vom 8. Mai 2024 liess die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung des S EM erheben. Sie beantragt, es sei die ange- fochtene Verfügung aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei ihr die vorläufige Aufnahme zu ge- währen. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vo- rinstanz zurückzuweisen. Sub-subeventualiter seien vom SEM spezifische Garantien von den griechischen Behörden einzuholen, um eine ange- brachte Unterbringung und medizinische Versorgung sicherzustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt sie die Gewährung der unentgelt- lichen Prozessführung sowie den Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. Zudem sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und es sei im Sinn einer superprovisorischer Massnahme die Aus- setzung des Vollzugs anzuordnen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31– 33 VGG). 1.2 Die Beschwerdeführerin ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.3 Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu (Art. 55 Abs. 1 und 2 VwVG) und das SEM hat diese auch nicht ent -E-2884/2024 Seite 5 zogen, womit auf den Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung nicht einzutreten ist. Für vollzugshemmende superprovisorischen Mass- nahmen bestand ebenfalls keine Veranlassung. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorge - nommen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung prüft. 3.2 Die vorliegende Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegrün- det, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustim- mung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohn e Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung der angefochtenen Verfügung Fol- gendes aus: 4.1.1 Die Beschwerdeführerin sei in Griechenland, das als sic herer Dritt- staat im Sinn von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG gelte, als Flüchtling anerkannt worden und könne – nachdem die griechischen Behörden ihrer Rücküber- nahme explizit zugestimmt hätten – dorthin zurückkehren ohne eine Rück- schiebung in Verletzung des Non-Refoulement-Gebots befürchten zu müs- sen. Demnach sei in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG nicht auf ihr Asylgesuch einzutreten. 4.1.2 Sodann sei der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland zuläs- sig, zumutbar und möglich. Griechenland sei an die Richtlinie 2011/95/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 E-2884/2024 Seite 6 (Qualifikationsrichtlinie) gebunden, welche die Ansprüche von Personen mit internationalem Schutzstatus regle und diese, etwa in Bezug auf Für- sorge, Zugang zu Gerichten oder medizinischer Versorgung griechischen Bürgerinnen und Bürgern gleichstelle. Unterstützungsleistungen und wei- tere Rechte müssten direkt bei d en griechischen Behörden eingefordert werden, nötigenfalls auf dem Rechtsweg. Ausserdem bestehe die Möglich- keit, sich an Hilfsorganisationen zu wenden. Es seien – im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts – keine Gründe ersicht- lich, dass die Beschwerdeführerin bei einer allfälligen Rückkehr nach Grie- chenland in eine existenzielle Notlage geraten werde, auch wenn sich die Lebensbedingungen als schwierig erweisen könnten. Aus den Akten er- gebe sich nicht, dass sie während ihres bisherigen Aufenthalts in Griechen- land Versorgungsschwierigkeiten gehabt oder sich vergeblich um Unter- stützung der griechischen Behörden oder Nichtregierungsorganisationen bemüht hätte. Vielmehr habe sie, nachdem sie den positiven Entscheid er- halten habe, keine Bemühungen unternommen, um eine Wohnung in Grie- chenland zu finden. Zudem gebe es auch in Griechenland verschiedene Branchen, wo fehlende Sprachkenntnisse kein Hindernis für eine Arbeits- tätigkeit darstellten. Zudem würden mehrere Hilfsorganisationen Unterstüt- zung bei der Arbeitssuche, aber auch Sprachkurse in Englisch und Grie- chisch sowie Computerkurse anbieten. Auch sei ihr zuzumuten, sich um die Ausstellung einer griechischen Steuer - sowie einer Sozialversiche- rungsnummer zu bemühen, zumal sie auch d iesbezüglich Unterstützung von verschiedenen Stellen in Griechenland erhalten könne. Schliesslich stehe auch ihr Gesundheitszustand einer Überstellung nach Griechenland nicht entgegen; die medizinische Versorgung sei dort gewährleistet. Aus der Anwesenheit ihrer Schwester in der Schweiz lasse sich kein Zustän- digkeitskriterium ableiten , zumal kein Abhängigkeitsverhältnis ersichtlich sei. 4.2 Die Beschwerdeführerin hält dieser Einschätzung im Wesentlichen ent- gegen, die Aufnahmebedingungen in Griechenland seien selbst für Schutz- berechtigte unzureichend. Da sie mittellos sei, bestehe für sie die ernst- hafte Gefahr unfreiwillig in eine Situation extremster Armut zu geraten und ihre elementarsten Bedürfnisse nicht mehr befriedigen zu können. Sie macht erstmals geltend, schwer traumatisiert zu sein. Ihr würde in Grie- chenland eine psychologische Unterstützung verwehrt werden ; habe sie dort doch als schwer traumatisierte Person auch keine Unterstützung er- halten respektive habe sie keinen Zugang zu staatlichen Hilfeleistung en gehabt. Bereits nachdem sie die Asylunterkunft habe verlassen müssen, wäre sie dort in die Obdachlosigkeit abgestiegen. Das SEM habe es E-2884/2024 Seite 7 unterlassen, ihre konkrete Situation vor Ort in Griechenland rechtsgenüg- lich zu analysieren und ihre Aussagen diesbez üglich zu würdigen. Ange- sichts ihrer Vulnerabilität seien vor einer Überstellung nach Griechenland jedenfalls individuelle Garantien betreffend ihre Grund - und die medizini- sche Versorgung einzuholen. 5. 5.1 Das SEM tritt in der Regel auf ein Asylgesuch nicht ein, wenn Asyl - suchende in einen sicheren Drittstaat im Sinn von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren können, in welchem sie sich vorher aufgehalten ha- ben (Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG). 5.2 Der Bundesrat hat Griechenland mit Beschluss vom 14. Dezember 2007 als verfolgungssicheren Drittstaat im Sinn von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet. Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin in Grie- chenland als Flüchtling anerkannt wurde, sie dort eine Aufenthaltsbewilli- gung erhalten hat und die griec hischen Behörden ihrer Rückübernahme ausdrücklich zugestimmt haben. 5.3 Gemäss der Regelvermutung von Art. 6a AsylG existiert in verfolgungs- sicheren Drittstaaten keine asylrechtlich relevante staatliche Verfolgung, und der Schutz vor nicht-staatlicher Verfolgung ist in diesen Ländern eben- falls gewährleistet. Diese Vermutung kann im Einzelfall mit konkreten und substanziierten Hinweisen widerlegt werden, was der Beschwerdeführerin aber nicht gelingt. In der Beschwerde wird gegen das Nichteintreten insbe- sondere vorgebracht, gemäss Rechtsprechung des EuGH reiche es nicht aus, mit dem Argument, dass bereits ein anderer EU -Mitgliedsstaat inter- nationalen Schutz gewährt habe, ein Ersuchen als unzulässig zu erklären, wenn in diesem Staat eine Grundrechtsverletzung drohe . Die Beschwer- deführerin vermag aber gerade nicht, die Vermutung, Griechenland halte seine völkerrechtlichen Verpflichtungen (auch in ihrem Fall) ein, umzustos- sen. Dazu kann auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen werden. Eine weitere Auseinandersetzung mit diesem Argument erübrigt sich des- halb. Demnach ist die Vorinstanz zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten. 6. 6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). E-2884/2024 Seite 8 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4, 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den ge- setzlichen Bestimmun gen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom- mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101], Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 der Kon- vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101]) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen- stehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 7.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Referenzurteil E -3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 festgehalten, dass der Vollzug der Weg- weisung nach Griechenland für Personen, die dort einen Schutzstatus er- halten haben, grundsätzlich zulässig ist (vgl. a.a.O. E. 11.2 und 11.4). Na- mentlich wurde erwogen, dass nicht von einer Situation auszugehen sei, in der jeder Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und erniedrigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde. Trotz existierender Schwachstellen könne nicht von einem dysfunktionalen Aufnahmesystem gesprochen werden. Gewisse Ange- bote, die auch fü r Schutzberechtigte offen stünden, würden existieren, wenn auch die Kapazitäten kaum ausreichend sein dürften und diese bis- her vor allem von internationalen Akteuren in Zusammenarbeit mit der E-2884/2024 Seite 9 lokalen Zivilgesellschaft erbracht und finanziert würden. Trotz dieser schwierigen Verhältnisse sei davon auszugehen, dass schutzberechtigte Personen grundsätzlich in der Lage seien, ihre existenziellen Bedürfnisse abzudecken. Auch sei davon auszugehen, dass Rückkehrenden keine menschenunwürdige Behandlung drohe, wesha lb für sie kein «real risk» einer völkerrechtswidrigen Behandlung bestehe. 7.2.3 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung einlässlich begründet, weshalb dem Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin keine völ- kerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz entgegenstünden, zumal Grie- chenland, das sie als Flüchtling anerkannt habe, ihr als sicherer Drittstaat Schutz vor Refoulement gebe und auch in Bezug auf Art. 3 EMRK seinen Verpflichtungen nachkomme. Darauf kann verwiesen werden. D ie Be- schwerdeführerin hat sich nach der Schutzgewährung in Griechenland nur sehr kurz dort aufgehalten und ihre Angaben sind äusserst pauschal ge- blieben, insbesondere hat sie so rasch wie möglich das Land verlassen und von vornherein nicht versucht, Zugang zu den ih r zustehenden Leis- tungen zu erhalten. Nichts abzuleiten vermag sie aus dem zitierten Urteil des EGMR in der Sache A.R. und andere gegen Griechenland (Nr. 59841/19 und 2 andere) vom 18. April 2024, zumal dem Entscheid nicht vergleichbare Konstellationen zu Grunde lagen. Einerseits ging es um die Situation in den Aufnahmezentren, andererseits waren insbesondere Schutzsuchende betroffen, die an schwerwiegenden Erkrankungen litten. In diesem Zusammenhang findet im Übrigen die Behauptung, bei der Be- schwerdeführerin handle es sich u m eine schwer traumatisierte Person (vgl. Beschwerde Rz. 28) nicht ansatzweise eine Stütze in den Akten. Zu- nächst kann auf ihre Angaben am persönlichen Gespräch verwiesen wer- den (vgl. A19/9 und Sachverhalt Bst. D). Am 25. März 2024 hat sie dann medizinische Hilfe in Anspruch genommen für ihre trockenen Augen. Zur Linderung ihrer Beschwerden wurde ihr Similasan verordnet (vgl. A21). Ab- klärungen des SEM vom 22. April 2024 ergaben schliesslich, dass keine weiteren Medizinalakten vorhanden und keine weiteren Ar zttermine aus- stehend seien (vgl. A23). Soweit die Beschwerdeführerin auf die schlechte Sicherheitslage verweist, wird sie sich gegebenenfalls an die zuständigen griechischen Behörden zu wenden haben, die ihr Schutz gewähren wer- den. 7.2.4 Der Vollzug der Wegweisung ist demnach als zulässig zu qualifizie- ren. E-2884/2024 Seite 10 7.3 7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht die Vermutung, dass eine Wegwei- sung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (vgl. Refe- renzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 E. 11.3). Diese Vermutung gilt in Bezug auf Griechenland grundsätzlich auch für vul- nerable Personen, wie zum Beispiel Personen, die an ges undheitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind (vgl. a.a.O. E. 11.5.1). Es obliegt auch diesbezüglich der betroffenen Person, die Vermutung umzustossen. Dazu hat sie ernsthafte Anhalts- punkte dafür vorzubringen, dass sie im Fall einer Rückkehr nach Griechen- land dort aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. a.a.O. E. 11.4). 7.3.2 Nach Durchsicht der Akten und unter Berücksicht igung der Be- schwerdevorbringen lassen sich keine Hinweise darauf finden, dass die Beschwerdeführerin im Falle einer Rückführung nach Griechenland in eine existenzielle Notlage geraten würde. Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine (…)-jährige gesunde Frau, welche nur kurze Zeit als aner- kannter Flüchtling in Griechenland verbracht hat. Konkrete Hinweise auf eine ausgeprägte Hilflosigkeit im alltäglichen Leben lassen sich den Akten nicht entnehmen. Wie bereits erwähnt geht aus den Akten sodann nich t hervor, dass sie aktiv um Hilfe bei den griechischen Behörden ersucht hätte und ihr dauerhaft jegliche Unterstützung verweigert beziehungsweise die ihr zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten worden wä- ren. Vielmehr hat sie explizit erklärt, keine entsprechenden Bemühungen hinsichtlich der Wohnungssuche unternommen zu haben. Von ihr darf je- doch erwartet werden, sich bei Unterstützungsbedarf an die griechischen Behörden zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Nichtregierungsorganisationen können ihr in die- ser Hinsicht ebenfalls behilflich sein. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die detaillierten Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwie- sen werden. Abgesehen von allgemeinen Beschreibungen de r kritischen Situation von Schutzberechtigten in Griechenland mit Hinweis auf E-2884/2024 Seite 11 diesbezügliche Berichte, setzt sich die Beschwerde mit diesen Erwägun- gen nicht auseinander. Damit vermag die Beschwerdeführerin offenkundig die geltende Legalvermutung nicht umzustossen. Festzustellen ist sodann auch hier, dass es sich bei ihr nicht um eine vulnerable Person im Sinne des massgeblichen Referenzurteils handelt, die an schweren Krankheiten leiden und bei denen der Vollzug der Wegweisung nur bei Vorliegen be- sonders günstiger Umstände zumutbar ist . Vielmehr ist sie grundsätzlich gesund. Sollte sie künftig auf medizinische Versorgung angewiesen sein, ist es ihr zuzumuten, in Griechenland Anstrengungen zu unternehmen, um medizinische Hilfe zu erhalten. Sodann haben alle Personen in lebensbe- drohlichen Situationen, unabhängig von ihrem rechtlichen Status, in Grie- chenland Zugang zu Notfallstationen (vgl. Referenzurteil E-3427/2021, E- 3431/2021 vom 28. März 2022 E. 9.8.2). Ebenfalls zuzumuten ist ihr, sich, gegebenenfalls mit entsprechender Unterstützung , um eine Arbeitsstelle zu bemühen. 7.3.3 Die Beschwerdeführerin vermag demnach die Vermutung, der Voll- zug der Wegweisung nach Griechenland sei auch in ihrem Fall zum utbar, nicht umzustossen. 7.4 Ohne die persönlichen Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin bei ei- ner Rückkehr nach Griechenland zu verkennen, gelingt es ihr zusammen- fassend nicht, die Vermutung umzustossen, wonach Griechenland seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt und ein Wegweisungsvoll- zug in diesen EU-Mitgliedstaat auch zumutbar ist. Es ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass auch die nach Einschätzung des Gerichts deutlich bes- seren Lebensumstände für schutzberechtigte Personen in der Schweiz für die Bejahung von Wegweisungsvollzugshindernissen mit Bezug auf den Drittstaat nicht ausreichen. Insbesondere steht es den um Schutz ersu- chenden Personen nicht frei, ihren Aufenthaltsstaat selbst zu wählen. An dieser Einschätzung vermag auch der in der B eschwerde erneut geäus- serte Wunsch sie wolle in der Schweiz bleiben, da ihre Schwester in B._______ lebe, nichts zu ändern. 7.5 Nach dem die Beschwerdeführerin die genannten Vermutungen nicht umzustossen vermag, besteht auch kein Raum zur Einholung individueller Garantien bezüglich einer angebrachten Unterbringung und der medizini- schen Versorgung der Beschwerdeführerin nach ihrer Rückkehr nach Grie- chenland (vgl. Beschwerde Rz. 38). Der entsprechende Antrag ist abzu- weisen. Abzuweisen ist auch der Rückweisungsant rag. Eine mangelhafte Auseinandersetzung der Vorinstanz mit der persönlichen Situation der E-2884/2024 Seite 12 Beschwerdeführerin ist entgegen ihrer Auffassung nicht feststellbar (vgl. Beschwerde Rz. 36). 7.6 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich schliesslich auch als mög- lich, zumal die griechischen Behörden am 12. März 2024 der Rücküber- nahme der Beschwerdeführerin explizit zugestimmt haben und sie über eine bis am 27. Januar 2027 gültige Aufenthaltsbewilligung verfügt. 7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht ver letzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – ange- messen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf sie einzutreten ist (vgl. E. 1.3). 9. 9.1 Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses er- weist sich mit vorliegendem Urteil als gegenstandslos. 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich – unbesehen der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin – die Beschwerde entsprechend den vorstehen- den Erwägungen als aussichtlos erwiesen hat. Demzufolge sind die Ver- fahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– der Beschwerdeführerin aufzuer- legen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-2884/2024 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerde- führerin auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Esther Marti Ulrike Raemy Versand: