Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. Mai 2022 (725 21 379 / 109) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Medizinischer Endzustand, Bemessung der Invalidität Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Thibaut Meyer, Rechts- anwalt, schadenanwaelte AG, Totentanz 5, Postfach 2039, 4001 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Die 1993 geborene A.____ war als lernende Feinwer koptikerin der Firma B.____AG bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen versi- chert, als sie sich am 12. Oktober 2018 bei einem Treppe nsturz eine Fraktur der linken Hand zuzog. In der Folge entwickelte sich ein komplizierter Ver lauf mit verzögerter Knochenheilung und mehreren operativen Eingriffen. Die Suva anerkann te für die Folgen dieses Ereignisses Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen L eistungen (Taggelder, Heilbehandlung). Mit formlosen Schreiben vom 11. Januar 2021 und 29. März 2021 verneinte sie die Unfallkausa- lität der geklagten Gefühlsstörungen in der linken Kö rperhälfte, dem linken Bein sowie der Schulter- und Armbeschwerden links. Am 8. April 2021 te ilte sie A.____ gestützt auf die Ergeb- nisse einer kreisärztlichen Aktenbeurteilung vom 30. März 2021 mit, dass von weiteren ärztli- chen Behandlungen keine wesentliche Verbesserung des Gesund heitszustands erwartet wer- den könne, weshalb die Leistungen für die Unfallfolgen an der linken Hand per 30. April 2021 eingestellt würden. Mit Verfügung vom 11. Juni 2021 ve rneinte sie einen Rentenanspruch man- gels unfallbedingter Erwerbseinbusse und sprach der Versicherten bei einer Integritätseinbusse von 5 % eine Integritätsentschädigung von Fr. 7'410.-- zu. Die hiergegen erhobene Einsprache wies sie nach Rücksprache mit dem kreisärztlichen Dienst ab ( Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2021). B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Thibaut Meyer, am 2. November 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der B eschwerde sei der Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2021 aufzuheben und die Beschwerdegeg nerin zu verpflichten, die gesetzli- chen Leistungen zu erbringen. Insbesondere seien ihr Hei lkosten, Taggelder und gegebenen- falls eine Rente auszurichten. Eventualiter sei ein medi zinisches Gutachten anzuordnen, sube- ventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurü ckzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Beschwer degegnerin habe den Fall zu früh abgeschlossen, die Unfallkausalität der Schulter- und Armbeschwerden links zu Unrecht ver- neint und das Valideneinkommen nicht korrekt bemessen. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 26. November 2021 auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Instruktionsverfügung vom 10. Dezember 2021 wurd e die Angelegenheit der Dreier- kammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde vom 2. November 2021 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch der Versicherten. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass des angefochte nen Einspracheentscheids vom 14. Oktober 2021 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bil det rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2). 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behan dlung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfall es voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeits- unfähigkeit 80 % des versicherten Verdiensts. Bei teilwe iser Arbeitsunfähigkeit wird es entspre- chend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am drit- ten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wie dererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versi cherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid ist. Der Rentenanspruch entsteh t, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesund heitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingl iederungsmassnahmen der Invalidenver- sicherung (IV) abgeschlossen sind. Die Besserung bestimmt sich nach Massgabe der zu erwar- tenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträch- tigt, wobei die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (vgl. BGE 134 V 109 E. 4.3). Diese Frage ist prospektiv zu beurteilen (vgl. SVR 2010 UV Nr. 3 S. 14 E. 8.2; zum Ganzen SVR 2020 UV Nr. 24 S. 96 E. 5.2). Mit dem Rentenbeginn fallen d ie Heilbehandlung und die Taggeldleistun- gen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 3.2 Der Unfallversicherer haftet für einen Gesundheitssch aden nur insoweit, als dieser in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (vgl. BGE 129 V 177 E. 3). Ursachen im Sinne des natü rlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne die der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei- chen Weise bzw. nicht als zur gleichen Zeit eingetreten g edacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erfor- derlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelba re Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeint rächtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die einget retene gesundheitliche Störung ent- fiele ("conditio sine qua non"; BGE 142 V 435 E. 1, 1 29 V 177 E. 3.1; SVR 2019 IV Nr. 9 S. 26 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts vom 21. September 2018, 8C_781/2017, E. 5.1). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzu- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die V erwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs- recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinl ichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhanges genügt für die Begründu ng eines Leistungsanspruchs nicht (vgl. BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 121 E. 5.1). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insbe sondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hin- weisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Be- lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen ber uht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin ode r des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispiel sweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachperson en. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein V ersicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen au ch nur geringe Zweifel an der Zu- verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen är ztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Ur- teil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). In Bezug auf Berichte von Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfa hrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche V ertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen ( vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die un- terschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fa chmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des damaligen Eidgen össischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 1 3. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stet s in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnde n Ärzte zu anderslautenden Einschät- zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf- drängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und n icht rein subjektiver ärztlicher Interpretati- on entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un- gewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerich ts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Berichte wiedergegeben werden, welche für den Entscheid zentral sind. 6.2 Am 28. April 2020 liess die Beschwerdegegnerin die Versicherte durch Prof. Dr. med. C.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, untersuchen. Am 2. Juni 2020 diagnostizierte er in der linken Hand ein neurop athisches Schmerzsyndrom mit möglicher vegetativ unterhaltener Schmerzkomponente und ein Asthm a bronchiale. Anamnestisch be- stünden ein protrahierter Verlauf mit Dauerschmerzen in der linken Hand und Ausstrahlung bis in den Schulterbereich, einschiessende Sensationen und Missempfindungen, eine ulnar betonte Druck- und Berührungsempfindlichkeit und teilweise Zuckung en bis in den Arm. Die bisherigen schmerztherapeutischen und ergotherapeutischen Massnahmen h ätten keine substanzielle Besserung des Zustands gebracht. Die Hals-, Brust-, und L endenwirbelsäule (HWS, BWS und LWS) seien frei beweglich, der periphere Gelenkstatus bland und es bestünden keine Hinweise auf Synovitiden oder periartikuläre Druckdolenzen. Di e Hauttemperatur sei symmetrisch und der Faustschluss, die Handgelenksflexion/-extension sowie die Pro- und Supination seien ebenso frei wie der Ellbogen und die Schulter. Es b estünden eine ausgeprägte Allodynie (brush, pinprick) Dig. IV und V und vom ulnaren Vorder arm bis in den Ellbogenbereich sowie Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein Auslösen von einschiessenden Sensationen bis in den Sc hulterbereich. Auf Befundebene würden sich keine Hinweise für ein florides komplexes r egionales Schmerzsyndrom (CRPS) zeigen. Die Beschwerden seien am ehesten auf ein ausgep rägtes neuropathisches Schmerzsyndrom mit vegetativ unterhaltener Schmerzkomponen te zurückzuführen. Aus physi- kalisch-medizinischer Sicht seien die Schulung der linken o beren Extremität und schmerzthera- peutische Massnahmen zu empfehlen. 6.3 Die Versicherte hielt sich vom 10. August 2020 bis 8. September 2020 in der Klinik D.____ auf. Im Austrittsbericht vom 10. September 202 0 wurden eine subkapitale Metacarpale- V-Fraktur links (adominant) und ein Asthma bronchiale diagnostiziert. Während der Rehabilitati- on hätten Fortschritte hinsichtlich Handkraft und -koord ination links sowie der allgemeinen Be- lastbarkeit erzielt werden können. Die Schmerzen an der linken Hand hätten sich aber nicht wesentlich verbessert. Das Ausmass der physischen Einschränkung en an der linken Hand las- se sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärungen sowie den Diagnosen aus soma tischer Sicht weitgehend erklären. Aufgrund der Unfallfolgen sei die Versicherte nicht mehr in der Lage, die erlernte Tätigkeit als Feinwerkoptikerin uneingeschränkt auszuüben. Mittelschwe re Arbeiten ohne Vibrations- oder Stossbelastungen, Kälteexposition, Zwangshaltungen mit Kraftaufwand der linken Hand seien ihr aber ganztags zumutbar. In der Woche vor Reha-Ende habe die Versicherte über eine Ge- fühlsstörung in der linken Körperhälfte berichtet. Ei ne klinische Untersuchung sei unauffällig ausgefallen. Später habe sie gegenüber der Suva angeg eben, seit den EFL-Testungen Rü- ckenschmerzen und ein Taubheitsgefühl im linken Bein zu haben. Dem EFL- und dem Behand- lungs-Team gegenüber habe die Versicherte aber zu keinem Zeitpunkt Rückenschmerzen an- gegeben. Nach den EFL-Testungen hätten sich lediglich Muskelkater und zunehmende Be- schwerden im bekannten Problembereich der linken Hand gezeigt, was nicht unüblich sei. Wäh- rend des Therapieprogramms hätten sich keine Hinweis e auf eine Funktionseinschränkung ausserhalb der linken Hand ergeben. 6.4 Am 8. Februar 2021 berichtete die behandelnde Är ztin Dr. med. E.____, FMH Neurologie, die Versicherte habe unverändert eine Allodynie im Versorgungsgebiet des Ramus dorsalis des Nervus ulnaris links und eine leichte Hyp ästhesie im Bereich des Ramus profundus des Nervus ulnaris. Die Therapien hätten zu keiner nachhaltigen Verbesserung ge- führt und das mehrwöchige Reha-Programm in der Klinik D.____ habe diesbezüglich nichts gebracht. Momentan habe die Versicherte seit 1,5 Wochen brennende bzw. stechende Schmerzen im Bereich der linken Schulter, vor allem in Ruheposition, mit Ausstrahlung in Rich- tung Scapula. Es komme zu elektrisierenden Missempfindun gen von der Schulter bis in Dig. I links und z.T. entlang der ganzen Wirbelsäule bi s in die LWS. Neurographisch zeige sich wie vor einem Jahr eine normale Ulnarisneurographie. Die klinischen Befunde seien unverän- dert. Da die Versicherte Umschulungsmassnahmen aufnehme , sei eine begleitende, möglichst intensive physio- und ergotherapeutische Behandlung zu befürworten. 6.5 Am 22. März 2021 berichtete Dr. E.____, das MRT d er HWS und des Plexus brachialis links vom 3. März 2021 zeige keine Nervenwurzelkompression a uf der Höhe C6-C8 links. Der Plexus brachialis links sei unauffällig. Eine anhaltende manuelle Tätigkeit, wie zuletzt im Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rufseignungs-Abklärungsprogramm, führe zu einer Zunahm e der Beschwerden. Momentan sei die Versicherte zu 40 % arbeitsfähig. 6.6 Die Beschwerdegegnerin legte die Sache ihrem krei särztlichen Dienst zur Beurteilung vor. Dr. med. F.____, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte am 7. April 2021 an der linken Hand ein unfallkausales neuropathisches S chmerzsyndrom mit möglicher vegeta- tiv unterhaltener Schmerzkomponente. Unfallfremd seien linksbetonte Cervicobrachialgien und eine lumbale Skoliose. Die geltend gemachten Beschwer den an der linken Schulter und im lin- ken Arm seien nicht mindestens mit überwiegender Wahrsc heinlichkeit auf das Ereignis vom 12. Oktober 2018 zurückzuführen. Die bereits sehr zei tnah durchgeführte MRT vom 20. No- vember 2018 würde eine normale Darstellung der HWS oh ne eine signifikante degenerative Discopathie, Gefügestörung oder foraminale resp. spina le Stenose zeigen. Eine Myelopathie bestünde ebenfalls nicht. Der Plexus zervikobrachialis stell e sich rechts unauffällig dar und im Bereich der oberen Thoraxapertur bestünden keine Hin weise auf Raumforderun- gen/Abflussbehinderungen. Das MR-Angiogramm der supr aaortalen Gefässäste bei Armeleva- tion sei normal und die Verlaufs-MRT der HWS vom 3. März 2021 bland. Des Weiteren bestün- den erst- und echtzeitlich keine ausgewiesenen Schulter - oder Oberarmbeschwerden. Sodann habe die Untersuchung durch Prof. Dr. C.____ vom 2. Ju ni 2020 eine freie Funktion der linken Schulter und des linken Ellenbogens gezeigt. Von weite ren Behandlungen könne mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit keine Besserung des unfallbedin gten Gesundheitszustands an der linken Hand erwartet werden. Die durch Dr. E.____ am 17. März 2021 (recte wohl: 22. März 2021) angegebenen Diagnosen seien nicht unfallkausal. Seit dem Austritt aus der Klinik D.____ ergäben sich weder klinisch noch elektroneurographisch no ch bildgebend neue Befunde an der linken Hand. Der medizinische Endzustand sei erreicht. Die angestammte Tätigkeit als Fein- werkoptikerin sei der Versicherten aufgrund der feinman uellen Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Sehr leichte Arbeiten seien ihr aber ganztags möglich. Einschränkungen bestünden für vibrati- onsbelastende Tätigkeiten oder solchen mit andauernder Kälteexposition. Nicht zumutbar seien repetitive Arbeiten wie Akkord- oder Stückarbeit, das Be steigen von Leitern und Gerüsten und Arbeiten mit Zwangspositionen der linken Hand. 6.7 Am 3. Mai 2021 diagnostizierte Dr. med. G.____, FMH Physikalische Medizin und Re- habilitation, ein neuropathisches Schmerzsyndrom und seit dem 29. August 2020 ein therapie- resistentes lumboradikuläres Ausfallsyndrom L5 links. Sie hielt fest, dass die bis anhin durchge- führte ambulante Physio- und Ergotherapie mit Spiegel therapie sowie Neuraltherapie zu keiner Symptombesserung geführt hätten, weshalb ein intensives, multimodales Therapieprogramm mit Physiotherapie, Ergotherapie, medizinischer Trainin gstherapie, Osteopathie, transkutaner elektrischer Nerven-Stimulation (TENS), Akupunktur und t raditioneller chinesischer Medizin zu empfehlen sei. 6.8 Am 6. Mai 2021 diagnostizierte die behandelnde Är ztin Dr. med. H.____, FMH Handchi- rurgie, eine Allodynie im Bereich des Ramus dorsalis Ne rvi ulnaris links, eine beginnende Ring- bandstenose am Ringfinger links und eine Zervikobrachia lgie linksbetont, differenzialdiagnos- tisch ein Thoracic-outlet-Syndrom. Die Patientin klage n ach wie vor über eine Überempfindlich- keit am linken ellenseitigen Handrücken mit Ausstrahlun g in den Unterarm. Nächtlich würden Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht regelmässig Krämpfe auftreten. Zudem bestünden Schmerzen im Bereich der Schulter- und Nackenmuskulatur. In der klinischen Untersuchung zeige sich vom inspektorischen Aspekt eine unauffällige Trophik der gesamten oberen Extremität. Es bestünde ein Allodynieareal am streckseitigen Handrücken betreffend Metacarpale IV und V , welches sich nach proximal über das Handgelenk ziehe. Die Beweglichkeit im Handgelenk se i seitengleich. Zudem gelinge der Faustschluss und die Fingerstreckung sei vollständig. Die Nervenaustrittspunkte am Unter- und Oberarm sowie supraclaviculär seien laut der Versicherten r echts spürbar, links bestünde eine Art Taubheit. Der repetitive Faustschluss-Test in 90° S chulterabduktion sei links nach wenigen Sekunden positiv. Die Grobkraft gemessen mit dem Jamar-Dyn amometer betrage rechts 34 kg und links 6 kg. Bildgebend sei die Fraktur praktisch nicht mehr erkennbar. Zudem bestünden weder erkennbare knöcherne Veränderungen noch eine Os teopenie im Vergleich zur rechten Hand. Ein weiterer, spezifisch auf die Problematik der linken oberen Extremität ausgelegter ambulanter Rehabilitationsversuch sei zu befürworten. Es sei davon auszugehen, dass sich mit physikalischen Massnahmen eine deutliche Reduktion der Schme rzproblematik erzielen lasse. Aktuell sei die Versicherte zu 50 % arbeitsfähig. Nachdem in der MR-Untersuchung der HWS und der oberen Thoraxapertur ein degenerativer Schaden ausgeschlossen worden sei, sei das Schmerzbild, dass die Patientin nach dem Unfall entwi ckelt habe, als Unfallfolge zu qualifizie- ren. 6.9 Ebenfalls am 6. Mai 2021 beantwortete Dr. H.____ die Fragen des Rechtsvertreters der Versicherten. Sie hielt fest, dass aus ihrer Sicht der Endzustand in Bezug auf die unfallkausalen Beschwerden an der linken Hand noch nicht erreicht sei, zumal die letzte Rehabilitation eher allgemein gehalten gewesen sei und sich nicht auf die Beschwerden der linken oberen Extremi- tät ausgerichtet habe. Nachdem MR-tomographisch auf Höhe der HWS und der oberen Thorax- Apertur degenerative Schäden bzw. ein Thoracic outlet Syndrom hätten ausgeschlossen wer- den können, sei davon auszugehen, dass die Beschwerden am linken Arm und der linken Schulter unfallkausal seien. Ausserdem berichte die Patientin, dass die Schmerzen vergleichbar seien mit denen in der Hand. Es sei von einer Allodynie ausgehend von der ellenseitigen Hand- kante links mit Ausstrahlung nach körpernah auszugehen. 6.10 Am 4. Juni 2021 nahm der Kreisarzt Dr. med. I.__ __, Facharzt für Orthopädische Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, Stellu ng. Er hielt fest, dass die von Dr. G.____ vorgeschlagene und von Dr. H.____ unterstützt e multimodale ambulante Therapie nicht indiziert sei. Es seien keine neuen medizinischen Bef unde erhoben worden, welche die Beurteilung der Kreisärztin Dr. F.____ vom 7. April 2 021 in Frage stellen könnten oder Ergän- zungen notwendig machen würden. Es sei nicht damit zu rechnen, dass durch die vorgeschla- gene Therapie eine erhebliche Besserung des unfallbed ingten Gesundheitszustands erwartet werden könne. Die Versicherte habe sich vor gut einem ha lben Jahr für gesamthaft vier Wo- chen in der Klinik D.____ zur Abklärung und Behandlung aufgehalten, wobei eine multimodale Behandlung erfolgt sei. Seitdem seien keine neuen m edizinischen Sachverhalte und Befunde bekannt geworden. Es sei nicht ersichtlich, wie durch eine nochmalige multimodale Behandlung nach einem knapp dreijährigen intensiven Behandlungsmarathon eine Verbesserung der reinen Unfallfolgen erreicht werden könnte. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2021 bei der Beurteilung der Unfallkausal ität der Beschwerden, des Gesundheits- zustands und der Leistungsfähigkeit der Versicherten auf die kreisärztlichen Aktenbeurteilungen vom 7. April 2021 und 4. Juni 2021. Sie ging in der Folge davon aus, dass die Gefühlsstörun- gen in der linken Körperhälfte und im linken Bein sowie die Schulter-und Armbeschwerden links nicht unfallkausal, von weiteren ärztlichen Behandlungen betreffend die linke Hand keine we- sentliche Verbesserung des Gesundheitszustands zu erwarten und der Versicherten angepass- te Verweistätigkeiten ganztags zumutbar seien. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie bereits ausgeführt (vgl. E. 4.3 hi ervor), sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen, wenn sich der angefo chtene Entscheid ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen stützt. Bereit s bei geringen Zweifeln an der Zu- verlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen sind ergänzende Abklärungen vor- zunehmen. Vorliegend ergibt sich indes nichts, was Zweife l an der Stichhaltigkeit der Angaben der Dres. F.____ und I.____ wecken würde. Die von der Beschwerdegegnerin übernommenen Schlüsse der kreisärztlichen Erkenntnisse beruhen auf einem sorgfältigen Studium der vorhan- denen medizinischen Akten. Die Beurteilungen erweisen si ch sowohl in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen als überzeugend. Insgesamt erfüllen diese Beurteilungen die höchstrichterlichen Beweisanforde- rungen und erbringen vollen Beweis, weshalb darauf ab zustellen ist. Demnach etablierte sich bei der Beschwerdeführerin infolge des Unfalls vom 1 2. Oktober 2018 an der linken Hand ein neuropathisches Schmerzsyndrom mit möglicher vegetativ unter haltener Schmerzkomponente. Die Gefühlsstörungen in der linken Körperhälfte und de m linken Bein sowie die Schulter-und Armbeschwerden links stehen hingegen nicht in einem (na türlichen) Kausalzusammenhang mit dem besagten Ereignis. Die Fortsetzung der gelernten Tätigkeit als Feinwerkoptikerin ist der Beschwerdeführerin unfallbedingt nicht mehr möglich. Hingegen sind ihr angepasste Verweistä- tigkeiten ganztags zumutbar. 7.2 Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt verfän gt nicht. Entgegen ihren Ausfüh- rungen hat die Beschwerdegegnerin den Fallabschluss (pe r 30. April 2021) nicht verfrüht vor- genommen, nachdem die Experten der Klinik D.____ nach durchgeführter EFL-Testung am 10. September 2020 feststellten, dass ihr angepasste Ve rweistätigkeiten ganztags möglich sei- en. Damit war von der Fortsetzung der ärztlichen Behand lung – selbst wenn therapeutisch eine Verbesserung der Handbeschwerden erreicht werden könnte – keine bedeutende Steigerung der Arbeitsfähigkeit mehr zu erwarten (vgl. E. 3.1 hi ervor). Dazu kommt, dass die behandelnde Ärztin Dr. E.____ im Bericht vom 8. Februar 2021 fest stellte, dass sich im Vergleich zur Vorun- tersuchung im Jahr zuvor unverändert eine normale Uln arisneurographie gezeigt hätte und die klinischen Befunde unverändert seien. In Anbetracht diese r Ausgangslage kann entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht gesagt werden , die kreisärztliche Beurteilung des medizinischen Endzustands sei nicht begründet. Soweit sie sich auf die Berichte der behan- delnden Ärztin Dr. H.____ vom 6. Mai 2021 beruft, ist zunächst in Erinnerung zu rufen, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag de r therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellt en fachmedizinischen Experten oder Expertin anderseits praxisgemäss nicht zulässt, ein Administra tivgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, w enn die behandelnden Arztperso- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (vgl. Ur teil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2018, 8C_29/2018, E. 3.2.2). Vorbehalten bleiben Fä lle, in denen sich eine abweichende Beur- teilung aufdrängt, weil diese wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt od er ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Mai 2018, 8C_874/2017, E. 5.2.2). Die Beschwerdefüh- rerin legt nicht substanziiert dar und es ist auch nicht ersichtlich, dass aus den Berichten von Dr. H.____ vom 6. Mai 2021 Gesichtspunkte hervorgingen, die von den Dres. F.____ und I.____ nicht berücksichtigt worden wären. Zudem stellte Dr. H.____ die Erkenntnisse im Aus- trittsbericht der Klinik D.____ vom 10. September 2020 (vgl. E. 6.3 hiervor) nicht fundiert in Fra- ge. Insgesamt liegt nichts vor, was auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüs- sigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen begründet könnte. Demnach ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin in Bezu g auf die Beschwerden an der linken Hand den medizinischen Endzustand zum Zeitpunkt de r Leistungseinstellung per 30. April 2021 als erreicht erachtete. 7.3 Soweit die Beschwerdeführerin rügt, die kreisärztl ichen Darstellungen hinsichtlich der Unfallkausalität der Schulter- und Armbeschwerden seien unzutreffend und tatsachenwidrig, kann ihr ebenfalls nicht beigepflichtet werden. Zwar er gibt sich aus den vorliegenden Unterla- gen, dass die Versicherte im Verlauf verschiedentlich übe r Arm- und Schulterbeschwerden klagte. So gab sie erstmals am 25. Oktober 2019 an, durc h eine Schonhaltung im Arm, der Schulter und am Rücken Verspannungen zu verspüren (act. 7 2). Sodann stellte Prof. Dr. C.____ anlässlich seiner persönlichen Unters uchung vom 2. Juni 2020 eine ausge- prägte Schmerzempfindlichkeit bis in den Ellbogenberei ch und einschiessende Schmerzen bis in den Schulterbereich fest und empfahl die Schulung d er linken oberen Extremität. Er stellte aber weder eine (unfallbedingte) Diagnose im linken Schulter- und Armbereich noch eine ein- geschränkte Funktion der linken Schulter und des linken E llenbogens fest (act. 144). Weiter ergibt sich aus dem EFL-Bericht der Klinik D.____ vom 28. September 2020 (act. 178) und der Telefonnotiz vom 28. Januar 2021 (act. 209), dass die Versicherte über Schmerzen mit Aus- strahlung teilweise bis in die linke Schulter klagte. In den vorliegenden medizinischen Unterla- gen findet sich aber zu den subjektiv geschilderten Beschwer den kein entsprechendes medizi- nisches Korrelat. Vor diesem Hintergrund verneinte die Kreisärztin Dr. F.____ einleuchtend eine überwiegend wahrscheinlich unfallbedingte Kausalität d er geltend gemachten Schulter- und Armbeschwerden links. Ihre Einschätzung, welche auf ein em lückenlosen medizinischen Be- fund basiert, steht demnach im Einklang mit der medizini schen Aktenlage. Auch Dr. H.____ benennt in ihren Berichten vom 6. Mai 2021 für die ge klagten Arm- und Schulterbeschwerden kein entsprechendes medizinisches Korrelat. Bei der von i hr erwähnten Zervikobrachialgie (Schulter-Arm-Syndrom) handelt es sich um Schmerzen im B ereich des Halses, des Schulter- gürtels und der Arme, deren Ursachen nicht zwingend unf allkausal sein müssen. Wenn sie die Unfallkausalität der Schulter- und Armbeschwerden aus der Tatsache ableitet, dass MR- tomographisch auf Höhe der HWS und der oberen Thorax-A pertur degenerative Schäden bzw. ein Thoracic outlet Syndrom hätten ausgeschlossen werden können und die Schmerzen ver- gleichbar seien mit denen in der Hand, vermag dies nic ht zu überzeugen. Denn nach der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung kann erst dann von organisch objektiv ausgewiesenen Unfall- folgen gesprochen werden kann, wenn die erhobenen Bef unde mit apparativen/bildgebenden Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abklärungen hinreichend bestätigt wurden (vgl. BGE 138 V 248 E. 5.1; Urteil des Bundesge- richts vom 7. August 2008, 8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der Fall, weshalb die Versicherte die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat, da sie aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten möchte (vg l. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juni 2014, 9C_701/2013, E. 4.1; BGE 117 V 261 E. 3b mit Hinweis). 7.4 Nach dem Gesagten ist als Zwischenergebnis festzuhalten , dass keine Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der kreisärztlichen Aktenbeur teilungen vom 7. April 2021 und 4. Juni 2021 bestehen, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf zusätzliche Abklärungen verzichtet werden kann. Es ist demzufolge nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin davon ausging, dass in Bezug auf die unfallkausalen Beschwerden an der linken Hand der medizi nische Endzustand zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 30. April 2021 erreicht war und die Arm- und Schulterbeschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfa llereignis vom 12. Oktober 2018 zu- rückzuführen sind. Die kreisärztliche Beurteilung der Zumu tbarkeit wurde von der Beschwerde- führerin zu Recht nicht beanstandet. Demnach steht fes t, dass ihr trotz der unfallbedingten Restbeschwerden in der linken Hand angepasste Verweistätigkeiten zu 100 % zumutbar sind. 8.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchtigun- gen. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 18 Abs. 2 UVG). Danach ist der Invalidit ätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, d as die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (lnvalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invalidit ätsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 8.2.1 Für die Bemessung des Valideneinkommens ist entsc heidend, was die versicherte Per- son im massgebenden Zeitpunkt des frühestmöglichen Renten beginns (hier: 1. Mai 2021) auf- grund ihrer beruflichen Fähigkeiten und ihrer persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ohne Gesundheitsschaden tatsächlich verdient hätte. Das Valideneinkommen ist so konkret wie möglich festzusetzen . Da nach empirischer Erfahrung in der Regel ohne gesundheitliche Beeinträchtigung die b isherige Tätigkeit weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens grundsätzlich der letz- te vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötig enfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (vgl. BGE 134 V 322 E. 4.1; Urteil des Bundes- gerichts vom 17. November 2020, 9C_109/2020, E. 2.2.2 ). Ausnahmen müssen mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. BGE 139 V 28 E. 3.3.2 mit Hinweisen). Ist ein kon- kreter Lohn nicht eruierbar oder hätte die versicherte Person ihre bisherige Stelle auch ohne gesundheitliche Beeinträchtigung verloren, so können d ie Zahlen der Lohnstrukturerhebung Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht (LSE) des Bundesamts für Statistik (BfS) herangezogen werden (vgl. Urteile des Bundesge- richts vom 21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1 und vom 9. Juni 2015, 9C_212/2015, E. 5.4). 8.2.2 Im angefochtenen Einspracheentscheid ermittelte d ie Beschwerdegegnerin das Vali- deneinkommen anhand der Angaben der ehemaligen Arbe itgeberin und ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2021 ein Einkommen von Fr. 54'750.-- (13 x Fr. 4'200.-- plus Fr. 150.-- Gratifikation; vgl. act. 242) erzielt hätte, wäre sie nicht invalid geworden. Dem hält die Beschwerdeführerin entgegnen, sie habe sich bei der ehemaligen Arbeitgeberin in einem befris- teteten Arbeitsverhältnis (Lehrvertrag) befunden, wel ches – unabhängig vom Unfallereignis – am 31. Juli 2020 geendet habe. Eine Weiterbeschäftigu ng im Betrieb sei nicht möglich gewe- sen, weshalb das Valideneinkommen aufgrund der LSE zu ermitteln sei. 8.2.3 Der Argumentation der Beschwerdeführerin ist be izupflichten. Entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin ist bei der Ermittlung des Valid eneinkommens nicht von Bedeutung, ob die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Unfallereign isses am 12. Oktober 2018 (noch) in einem Arbeitsverhältnis stand. Entscheidend ist, was sie im massgebenden Zeitpunkt des frü- hestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der übe rwiegenden Wahrscheinlichkeit ohne Gesundheitsschaden tatsächlich verdient hätte. Aus den Akten ergibt sich, dass der Lehr- vertrag mit der B.____AG per 31. Juli 2020 endete (a ct. 125) und eine Weiterbeschäftigung der Versicherten im Lehrbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich war (act. 141). Folglich lässt sich nicht abschliessend beantworten, wie sich die ber ufliche Laufbahn der Beschwerde- führerin im Gesundheitsfall weiterentwickelt hätte, w eshalb der Validenlohn nicht aufgrund des zuletzt bei der Firma B.____AG verdienten Einkommens, sondern rechtsprechungsgemäss an- hand der LSE zu bestimmen ist. Da die Versicherte ein e abgeschlossene Ausbildung als Fein- werkoptikerin hat und in diesem Beruf anhand von tech nischen Zeichnungen optische und me- chanische Bauteile für optische Geräte hergestellt werden , rechtfertig es sich, das Validenein- kommen aufgrund der LSE 2018, Tabelle TA1, Wirtschaftszw eig 26 ("Herst. v. Datenverarbei- tungsge., elektron. u. opt. Erz.; Uhren"), Frauen, zu e rmitteln, wobei nach erfolgreichem Lehr- abschluss vom Kompetenzniveau 2 auszugehen ist. Der entsprech ende monatliche Bruttolohn (Zentralwert bei einer standardisierten Arbeitszeit von 40 Wochenstunden) der Frauen beträgt Fr. 5‘023.--. Die Umrechnung auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 40,5 Wo- chenstunden (vgl. Bundesamt für Statistik, T 03.02.03.01. 04.01 [Wirtschaftszweig 26]) und auf zwölf Monate ergibt ein Jahreseinkommen von Fr. 61'029 .45 (Fr. 5‘023.-- : 40 x 40,5 x 12). Un- ter Berücksichtigung der branchenspezifischen Nominallohn entwicklung bis ins Jahr 2021 (frü- hestmöglicher Rentenbeginn: 1. Mai 2021; vgl. E. 8.2.1 hiervor) resultiert ein massgebendes Valideneinkommen von Fr. 62'563.90 (Fr. 61'029.45 x 1 01,7 % [2019] x 100,7 % [2020] x 100,1 % [2021]; vgl. Bundesamt für Statistik, Nominall ohnindex, 2016-2020; Quartalsschätzung der Nominallohnentwicklung [2021]). 8.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist n ach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in we lcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzun ehmen ist, dass sie die ihr verbleiben- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Sozia llohn, gilt grundsätzlich der tatsäch- lich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkom- men gegeben, namentlich weil die versicherte Person nac h Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue E rwerbstätigkeit aufgenommen hat, so sind für die Bemessung des Invalideneinkommen die Tabe llenlöhne heranzuziehen (vgl. BGE 143 V 295 E. 2.2). 8.3.2 Die Beschwerdegegnerin ging bei der Berechnung des Invalideneinkommens innerhalb der TA1 der LSE 2018 vom "Total" der Frauenlöhne im Kompetenzniveau 2 (praktische Tätig- keiten wie Verkauf/Pflege/Datenverarbeitung und Admini stration/Bedienen von Maschinen und elektronischen Geräten/Sicherheitsdienst/Fahrdienst) und somit von einem Monatslohn von Fr. 4'849.-- aus. Die Einstufung in das Kompetenznivea u 2 ist jedoch weder begründet noch sachgerecht. Wenn die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität – wie hier (vgl. E. 6.6 hiervor) – nicht auf den angestammten Beruf zurückgreif en kann, rechtfertigt sich die Anwen- dung von LSE-Kompetenzniveau 2 praxisgemäss nur dann, wenn sie über besondere Fertigkei- ten und Kenntnisse verfügt (vgl. Urteil des Bundesgerich ts vom 26. März 2019, 8C_732/2018, E. 8.2.1). Unbestritten verfügt die Beschwerdeführeri n über einen Lehrabschluss als Feinwerk- optikerin. Davor absolvierte sie eine Vorlehre als Kle inkindererzieherin, verschiedene Praktika (Kindergarten, Tagesheim, Café) sowie den Vorkurs der Schule für Gestaltung. Vor diesem Hin- tergrund kann nicht davon ausgegangen werden, dass die B eschwerdeführerin über besondere Fertigkeiten und Kenntnisse verfügt, die sie gewinnbrin gend in verschiedene Tätigkeitsgebiete einzubringen vermag, was ein Abstellen auf das Kompetenzniveau 2 rechtfertigen würde. Dem- nach ist bei der Bemessung des Invalideneinkommens auf das Kompetenzniveau 1 abzustellen. Der in der LSE 2018 in TA1 unter Totalwert für im K ompetenzniveau 1 tätige Frauen ausgewie- sene Monatsverdienst beträgt Fr. 4'371.--. Angepasst an die Wochenarbeitszeit von 41,7 Stun- den (vgl. Bundesamt für Statistik, T 03.02.03.01.04.01 [Total Wirtschaftszweige 1-96]) und an die Lohnentwicklung bis 2021 (vgl. Bundesamt für Statist ik, Nominallohnindex, 2016-2020; Quartalsschätzung der Nominallohnentwicklung [2021]) ergibt dies ein Invalideneinkommen von jährlich Fr. 55'670.35 ([12 x Fr. 4'371.--.: 40 x 41,7 x 100,9 % [2019] x 100,8 % [2020] x 100,1 % [2021]). 8.3.3 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage d er LSE ermittelt, kann der entspre- chende Ausgangswert allenfalls gekürzt werden. Ohne für jedes zur Anwendung gelangende Merkmal separat quantifizierte Abzüge vorzunehmen, ist de r Einfluss aller Merkmale auf das Invalideneinkommen (leidensbedingte Einschränkung, Al ter, Dienstjahre, Nationali- tät/Aufenthalts-kategorie und Beschäftigungsgrad) unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. De r Abzug darf 25 % nicht überstei- gen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrol- lierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stell e der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Er- messen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen . Soll in die Ermessensbetätigung Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Vorinstanz eingegriffen werden, muss sich die richter liche Behörde demnach auf Gegeben- heiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näherliegend erschei- nen lassen (vgl. BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 8.3.4 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin im angef ochtenen Einspracheentscheid bei der Bemessung des Invalideneinkommens einen leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn von 10 % vorgenommen. Diese Beurteilung erscheint aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerde- führerin in einer angepassten Tätigkeit weiterhin vollständig arbeitsfähig ist, keine faktische Ein- armigkeit vorliegt und die Kriterien Alter, Dienstjah re, Beschäftigungsgrad und Nationali- tät/Aufenthaltskategorie keinen Abzug rechtfertigen, in diesem Umfang nicht angemessen. Ein- zig aufgrund des relativ eng formulierten Zumutbarkeitsp rofils, wonach der Versicherten nur noch sehr leichte Arbeiten zumutbar sind und zudem Ein schränkungen bei repetitiven Arbeiten sowie solchen mit Zwangspositionen für die linke Hand bestehen, dürfte sie im Vergleich zu gesunden Arbeitnehmerinnen Lohneinbussen in Kauf zu nehmen haben, was – nur, aber im- merhin – einen geringfügigen Abzug vom Tabellenlohn im Umfang von 5 % rechtfertigt (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 201 6, 8C_477/2016, E. 4.3). Wird das vorstehend ermittelte Invalideneinkommen von Fr. 55'670 .35 um 5 % gekürzt, resultiert daraus ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 52'886.85 (Fr. 55'670.35 x 95 %). 8.4 Stellt man im Einkommensvergleich das Invalideneinko mmen von Fr. 52'886.85 dem oben (vgl. E. 8.2.3 hiervor) ermittelten Valideneinko mmen von Fr. 62'563.90 gegenüber, so re- sultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 9'677.05, w as einen Invaliditätsgrad von 15,47 % bzw. gerundet von 15 % ergibt (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 ff.). Da dieser Wert die gesetzliche Erheblichkeitsgrenze von 10 % (Art. 18 A bs. 1 UVG) übersteigt, hat die Be- schwerdeführerin Anspruch auf eine auf einem Erwerbsun fähigkeitsgrad von 15 % basierende Invalidenrente der Beschwerdegegnerin. Nachdem diese d ie Taggeldzahlungen per 30. April 2021 eingestellt hatte (Schreiben der Beschwerdegegne rin vom 8. April 2021), ist der Be- schwerdeführerin die Invalidenente ab 1. Mai 2021 zuzusp rechen. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 9.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinde n. Gemäss Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kosten pflichtig, wenn dies im jeweiligen Ein- zelgesetz vorgesehen ist. Sieht das Einzelgesetz keine Kos tenpflicht vor, kann das Gericht ei- ner Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhä lt, Gerichtskosten auferlegen. Da das UVG keine Kostenpflicht vorsieht und sich die Parteien weder mutwillig noch leichtsinnig verhalten haben, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerde führerin Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Dieser wird vo m Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsach e und nach der Schwierigkeit des Prozes- ses bemessen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote eingereicht, weshalb das Honorar nach Ermessen festzusetzen ist. In Anbetracht des Aktenumfangs und der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen erscheint für das vorliegende Verfahren ein Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufwand von 9 Stunden als angemessen. Die Bemühungen si nd zu dem in Sozialversiche- rungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zu r Anwendung gelangenden Stun- denansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Somit ist der Beschwerde führerin für das vorliegende Be- schwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'423.25 (9 Stunden à Fr. 250.-- [inkl. Auslagen] und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzu- sprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der Ein- spracheentscheid der Suva vom 14. Oktober 2021 aufgehoben und festgestellt wird, dass die Beschwerdeführerin ab 1. M ai 2021 An- spruch auf eine Invalidenrente basierend auf einem Inval iditätsgrad von 15 % hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Suva hat der Beschwerdeführerin eine Parteie ntschädigung in der Höhe von Fr. 2'423.25 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwe rtsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht