Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 29. März 2017 (810 16 315) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Erweiterung der Beistandschaft um eine Mitwirkungsbeistandschaft Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dieter Roth , Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz Betreff Erweiterung der Beistandschaft um eine Mitw irkungsbeistandschaft / Entzug der aufschiebenden Wirkung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 29. September 2016) A. Mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzb ehörde B.____ (KESB) vom 28. Oktober 2013 wurde für A.____, geboren am XX.XX .1985, eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung errichtet, da sie an einer Erkrankung aus dem Schizophrenieformen- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht kreis (Hebephrenie) leidet. Als Beiständin wurde C.____ ernannt. Sie stellte am 17. Juli 2015 einen Antrag auf Einschränkung der Handlungsfähigkeit von A.____, weil Letztere diverse Ver- träge abgeschlossen habe, welche aus finanzieller Sicht nicht tragbar gewesen und nicht mit ihr abgesprochen worden seien. B. Mit Entscheid der KESB vom 5. Oktober 2015 wurde die Handlungsfähigkeit von A.____ in Bezug auf die Veräusserung ihrer Liegenschaf t Parzelle Nr. 2083, Grundbuch D.____, entzogen und dem entsprechenden Freihandverka uf zugestimmt. Die Liegenschaft wurde zu einem Preis von Fr. 910'000.-- veräussert. C. Mit Entscheid vom 26. Juli 2016 ernannte die KESB E .____ als neuen Beistand und entliess die bisherige Beiständin aus ihrem Amt. Aufgru nd von veränderten Verhältnissen (na- mentlich Beistandswechsel und liquides Vermögen zufolge des Liegenschaftsverkaufs) wurde vorerst von einer Einschränkung der Handlungsfähigkeit von A.____ abgesehen. D. Mit Schreiben vom 18. September 2016 beantragte de r Beistand der KESB insofern eine Erweiterung der bestehenden Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung, als für A.____ eine Mitwirkungsbeistandschaft für Verträge und Geschäfte, welche den Betrag von Fr. 100.-- übersteigen, errichtet werden solle. Er beg ründete seinen Antrag damit, dass A.____ die Tragweite ihres Handelns nicht erkenne. Ihr monatl iches Einkommen würde sich auf knapp Fr. 2'500.-- belaufen, dennoch habe sie unlängst vier verschiedene Verträge für ihre iPhones bei der F.____ und G.____ sowie einen Leasingvertrag für einen Neuwagen abgeschlossen, obwohl ihr Auto funktionsfähig sei. Ferner habe sie ei ne Putzfrau für monatlich Fr. 700.-- enga- giert und würde hohe Krankenkassenkosten generieren, da sie die Modalitäten des Hausarzt- modelles nicht einhalte. In der Folge würden die Vert ragsabschlüsse bei A.____ innere Span- nungen auslösen, welche sie nicht verarbeiten könne. A us diesem Grund sei die bestehende Beistandschaft um eine Mitwirkungsbeistandschaft zu ergänzen. E. Am 26. September 2016 wurde A.____ von der KESB t elefonisch angehört. Sie wen- dete sich gegen die vorgesehene Erweiterung der Beistand schaft mit der Begründung, dass es ihr gesundheitlich gut gehe, eine Beistandschaft nicht mehr notwendig sei und sie stets berech- tigte Gründe für die getätigten Vertragsabschlüsse gehabt habe. F. Mit Eingabe vom 28. September 2016 teilte A.____, nachfolgend vertreten durch Dieter Roth, Advokat in Liestal, der KESB nochmals mit, sie sei mit der Erweiterung der Beistand- schaft nicht einverstanden und habe grosse Mühe mit dem eingesetzten Beistand. Dieser hän- dige ihr lediglich Fr. 100.-- pro Woche aus, wovon sie nicht leben könne. G. Mit Entscheid vom 29. September 2016 erweiterte die KESB die bestehende Vertre- tungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung über A.____ um eine Mitwirkungsbeistand- schaft, und zwar insofern, als sie Verträge, welche Fr. 100.-- übersteigen, nur mit Zustimmung des Beistands rechtsgültig abschliessen könne (Ziffer 1); als Beistand wurde E.____ ernannt (Ziffer 2) und einer allfälligen Beschwerde wurde di e aufschiebende Wirkung entzogen (Zif- fer 3). Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführ t, A.____ habe krankheitsbedingt kei- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen realistischen Bezug zu Geld und gebe jeweils mehr G eld aus, als es ihr monatliches Budget erlaube. H. Dagegen erhob A.____ mit Eingabe vom 31. Oktober 2 016 Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrec ht (Kantonsgericht), mit den Rechtsbe- gehren: 1. Es sei der Entscheid der KESB vom 29. Sept ember 2016 aufzuheben; 2. Eventuali- ter sei unter Aufhebung des Entscheids der KESB vom 29 . September 2016 die Sache zur neuerlichen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen; 3. Unter o/e-Kostenfolge. In verfah- rensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Erteilung de r aufschiebenden Wirkung und demzu- folge sei die Vorinstanz unverzüglich anzuweisen, ihr auch bereits während der Dauer des Be- schwerdeverfahrens das Recht zu erteilen, Verträge, welc he den Betrag von Fr. 100.-- über- steigen, ohne Zustimmung des Beistands abschliessen zu können. I. Am 9. November 2016 liess sich die KESB vernehmen u nd schloss auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. J. Mit präsidialer Verfügung vom 30. November 2016 wu rde der Fall der Kammer zur Be- urteilung überwiesen sowie der Antrag auf Wiederherste llung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde abgewiesen. Ferner wurden die Akten der di e Beschwerdeführerin betreffenden kantonsgerichtlichen Beschwerdeverfahren (Verfahren 810 14 123, 810 15 61, 810 15 304, 810 16 237, 840 13 166, 840 14 111, 840 14 145, 840 15 142, 840 15 168, 840 15 220) beigezogen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz buches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 kann gegen Entscheide der Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Gestützt auf Art. 4 50 Abs. 1 ZGB i.V.m. § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 und § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuchs (EG ZGB) vom 16. November 2006 ist das Kantonsgericht, Abtei lung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht, für die Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis 450e ZGB. Im Übrigen sind di e Bestimmungen des kantonalen Ver- waltungsprozessrechts anwendbar (vgl. § 66 Abs. 2 EG ZG B). Demnach ist die Fünferkammer der Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht des Ka ntonsgerichts zur Beurteilung der vor- liegenden Beschwerde zuständig (§ 1 Abs. 2 VPO). Nach A rt. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person na- he stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschw erdeführerin als Adressatin des an- gefochtenen Entscheids ist ohne weiteres zur Beschwerdeer hebung legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB i. V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie ihre finanziellen Angelegenheiten zweckmässig besorge und sie für die getätigten Vertragsabschlüsse berechtigte Gründe gehabt habe. Ferner habe sie einzig einen Vertrag über eine grössere Summe abgeschlossen und demzufolge bestehe kein Schutzbedürfnis. Ihre Hauptau sgaben seien auf die Kosten für die Beistandschaft sowie für die Verfahrens- und Anwaltskoste n im Rahmen der laufenden Be- schwerdeverfahren zurückzuführen. Dabei könne insbesonder e nicht die Rede davon sein, dass sie diese Rechtshandlungen zu ihrem eigenen Schaden vornehme. Sie gewähre überdies keine Darlehen oder Schenkungen an Bekannte und schlies se keine ruinösen Abzahlungsge- schäfte ab. Die Beschwerdeführerin erklärt weiter, ihr E x-Freund habe mehrfach ohne ihr Wis- sen Geld von ihrem Konto abgehoben. Den Pin-Code hab e er heimlich bei einer durch sie vor- genommenen Zahlung abgeschaut. Sie habe daher eine S trafanzeige gegen ihren Ex-Freund eingeleitet. Der vom Beistand gewährte Freibetrag rei che für ihre Bedürfnisse nicht aus, viel- mehr sollte es ihr möglich sein, einmal in der Woche au swärts essen zu gehen oder sich sonst etwas Schönes zu gönnen. Der ihr zweimal in der Woche ausbezahlte Betrag von je Fr. 100.-- reiche beispielsweise auch nicht für Winterkleider. Schliesslich sei sie gesund und somit würden die Voraussetzungen für die Beistandschaft nicht mehr vorliegen. 2.2 Die Vorinstanz führt demgegenüber aus, die Beschwerd eführerin habe krankheitsbe- dingt keinen realistischen Bezug zu Geld und gebe mehr Geld aus, als es ihr monatliches Budget erlaube. Indem sie ohne Wissen des Beistands teur e Verträge wie etwa einen Leasing- vertrag für ein neues Fahrzeug abschliesse, und unüberleg t eine Menge Geld ausgebe, drohe die Gefahr, dass ihr Vermögen bald aufgebraucht sei. D emzufolge sei eine Einschränkung der Handlungsfähigkeit dringend erforderlich. Der Beistand könne ferner seiner Hauptaufgabe, das Einkommen und Vermögen im Interesse der Beschwerdeführe rin zu verwalten, nicht nachkom- men, wenn die Beschwerdeführerin stets neue Verpflichtun gen eingehe. Bereits die damalige Beiständin habe einen Antrag auf Einschränkung der Han dlungsfähigkeit gestellt, weil die Be- schwerdeführerin diverse Kreditkarten- und sonstige Vertr äge abgeschlossen habe, welche finanziell nicht tragbar gewesen und nicht mit der Bei ständin abgesprochen worden seien. Auf- grund des damals bevorstehenden Liegenschaftsverkaufs sowie d es Beistandswechsels sei von einer Einschränkung der Handlungsfähigkeit vorerst ab gesehen worden. Der kurze Zeit nach Amtsantritt erfolgte Antrag des neuen Beistands au f Einschränkung der Handlungsfähig- keit sei ebenfalls damit begründet worden, dass die Beschwerdeführerin krankheitsbedingt nicht mit Geld umgehen könne und der Beistand regelmässig mit Rechnungen überhäuft worden sei. Sofern sie weiterhin ohne Einschränkung Verträge abschl iessen könne, werde ihr Vermögen in absehbarer Zeit aufgebraucht sein. Die Anordnung eine r Mitwirkungsbeistandschaft sei vorlie- gend das mildeste zielführende Mittel, welches es der Besch werdeführerin weiterhin ermögli- che, gewisse Geschäftsabschlüsse eigenständig zu tätigen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Einleitend kann festgehalten werden, dass vorliegen d einzig zu prüfen ist, ob die finan- ziellen Angelegenheiten der Beschwerdeführerin im Rah men der bestehenden Vertretungsbei- standschaft mit Vermögensverwaltung hinreichend zuverlässi g geregelt werden können; oder ob dafür weiterreichende Vorkehrungen im Sinne der v orinstanzlich angeordneten Mitwirkungs- beistandschaft erforderlich sind. 3.2 Die KESB errichtet eine Beistandschaft, wenn eine v olljährige Person wegen einer geistigen Behinderung, einer psychischen Störung oder ei nes ähnlichen in der Person liegen- den Schwächezustands ihre Angelegenheiten nur teilwei se oder gar nicht besorgen kann (Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Eine Mitwirkungsbeistan dschaft wird errichtet, wenn bestimmte Handlungen der hilfsbedürftigen Person zu deren Schut z der Zustimmung des Beistands oder der Beiständin bedürfen (Art. 396 Abs. 1 ZGB). Die Mi twirkungsbeistandschaft bezweckt den Schutz der verbeiständeten Person vor sich selbst oder vor Dritten, indem bestimmte Handlun- gen nur mit Zustimmung des Beistands oder der Beiständi n gültig sind (Abs. 1) und die Hand- lungsfähigkeit von Gesetzes wegen entsprechend eingeschränkt ist (Abs. 2). Sie ist somit für Personen bestimmt, bei welchen die Gefahr besteht, da ss sie Rechtshandlungen zu ihrem ei- genen Schaden vornehmen oder sich von Dritten zu solchen verleiten lassen, die also etwa vor ruinösen Abzahlungsgeschäften oder vor leichtfertiger Gewährung von Darlehen oder Schen- kungen an dubiose Bekannte oder Beteiligung an riskante n Spekulationen geschützt werden müssen (HELMUT HENKEL , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 5. Auflage, Basel 2014, N 1 zu Art. 396 ZGB). Die Mi twirkungsbeistandschaft kann nur ange- ordnet werden, wenn die materiellen Voraussetzungen für die Errichtung einer Beistandschaft gemäss Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB erfüllt sind. Im Ra hmen der Mitwirkungsbeistandschaft han- delt die verbeiständete Person selbst. Sie muss somit h insichtlich der fraglichen Angelegenhei- ten urteilsfähig sein. Die Mitwirkungsbeistandschaft räu mt dem Beistand oder der Beiständin keinerlei Vertretungsbefugnisse ein, sondern lediglich die Kompetenz, den Handlungen der ver- beiständeten Person zuzustimmen oder die Zustimmung zu verweigern (HENKEL , a.a.O., N 2 zu Art. 396 ZGB). Diese Form der Beistandschaft kann auch gegen den Willen der hilfsbedürftigen Person angeordnet werden (HENKEL , a.a.O., N 11 zu Art. 396 ZGB; PHILIPPE MEIER , in: Büchler/ Häfeli/Leuba/Stettler [Hrsg.], Fam Kommentar, Erwachsenenschutz, Bern 2013, N 6 zu Art. 396 ZGB). 3.3 Bei der Beschwerdeführerin besteht eine langjähri ge psychiatrische Vorgeschichte und sie musste aufgrund ihrer psychischen Beeinträchtigung se it Juni 2012 zwölfmal stationär in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden. Gemäss Gut achten der H.____, Ambulatorium D.____, vom 10. August 2015 leidet die Beschwerdeführ erin an einer hebephrenen Schizo- phrenie (ICD-10 F20.1) und einer Persönlichkeitsakzentui erung mit abhängigen und selbstun- sicheren Zügen (ICD-10 Z73.1). Weiter besteht der Verd acht auf eine atypische Bulimie (ICD- 10 F50.3). Damit ist gestützt auf das erwähnte Gutacht en festzustellen, dass die Beschwerde- führerin – wie die Vorinstanz zu Recht ausführt – an einer psychischen Störung leidet und bei ihr ein Schwächezustand im Sinne von Art. 390 Abs. 1 ZGB vorliegt. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Der Schwächezustand alleine genügt nicht, sondern er muss zur Folge haben, dass die betroffene Person faktisch oder rechtlich verhindert ist, ihre Angelegenheiten selbst zu be- sorgen, oder dies nur teilweise zu tun vermag (vgl. MEIER , a.a.O., N 18 zu Art. 390 ZGB). 3.5 Gemäss den Ausführungen der früheren Beiständin wü rde die Beschwerdeführerin ohne Absprache Geschäfte abschliessen, welche ihre fina nziellen Möglichkeiten übersteigen würden. Aus diesem Grund stellte sie mit Schreiben vom 17. Juli 2015 erstmals den Antrag, die Handlungsfähigkeit der Beschwerdeführerin einzuschränken . Am 18. September 2016 bean- tragte auch der nunmehr eingesetzte Beistand eine Erwe iterung der bestehenden Beistand- schaft und zwar insofern, als Verträge und Geschäfte, wel che den Betrag von Fr. 100.-- über- steigen würden, nur mit Zustimmung des Beistands gestütz t auf Art. 396 ZGB abgeschlossen werden können sollen. Seinen Antrag begründete er dam it, dass die Beschwerdeführerin die Tragweite ihres Handelns nicht erkennen würde, so habe si e etwa einen Neuwagen bestellt, obwohl sie über ein funktionstüchtiges Fahrzeug verfüge. Ferner beschäftige sie eine Putzfrau, welche mit monatlich Fr. 700.-- entlöhnt werde. Hinzu komme, dass sie regelmässig ihre Ärzte und Kliniken wechsle, was mit dem Hausarztmodell nicht ver einbar sei und zusätzliche Kosten generiere. Darüber hinaus habe die Beschwerdeführerin vier parallele Verträge für Mobiltelefo- ne abgeschlossen. Demgegenüber würde sich ihr monatliches E inkommen bestehend aus der IV-Rente und dem geschützten Arbeitsplatz auf Fr. 2'5 00.-- belaufen (vgl. Schreiben des Bei- stands vom 18. September 2016). 3.6 Aus den Verfahrensakten ergeben sich mehrere Hinwe ise auf das Unvermögen der Beschwerdeführerin, ihre Finanzen selber zu regeln: Die Beschwerdeführerin leidet an einer hebephrenen Schizophrenie und einer Persönlichkeitsakzent uierung mit abhängigen und selbstunsicheren Zügen. Weiter besteht der Verdacht auf eine atypische Bulimie (vgl. Gutach- ten der H.____ vom 10. August 2015). Die Erkrankung der Beschwerdeführerin hat zur Folge, dass sie nur über eine geringe Einsichtsfähigkeit in die eigene Problematik verfügt. Das Gutach- ten legt schlüssig dar, dass es sich in den meisten Fällen be i einer wie bei der Beschwerdefüh- rerin diagnostizierten Grunderkrankung um einen chronische n Verlauf handelt, welcher nur in geringem Mass auf pharmakotherapeutische Interventionen anspricht. Die Krankheit geht ein- her mit einem sorglosen, kindlichen Gemüt, welches im Hier und Jetzt lebt und die Folgen des eigenen Handelns sowie deren Ausmass für die betroffenen Personen sowie deren Umgebung nur begrenzt erfassen kann (vgl. Gutachten der H.____ vom 10. August 2015, S. 3). Aus die- sem Grund wurde auch die seit dem 28. Oktober 2013 best ehende Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung errichtet, weil die Beschwerdeführerin schon damals Schwierigkeiten bei der Regelung ihrer finanziellen Angelegenheiten aufwies bzw. auf Hilfe in finanziellen Be- langen angewiesen war. Wie sich aus den übereinstimmende n Ausführungen der Beistands- personen ergibt, schliesst die Beschwerdeführerin regelm ässig Käufe ab, welche nicht zweck- mässig oder nicht mit dem ihr monatlich zur Verfügung s tehenden Budget vereinbar sind. Zu beachten ist auch, dass die sich vornehmlich deckenden Ber ichte der Beistandspersonen über einen längeren Zeitraum erfolgten. Aufgrund der vorst ehenden Erwägungen ist damit erstellt, dass die Beschwerdeführerin an einer psychischen Störung i m Sinne von Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB leidet und ihre Angelegenheiten ohne Errichtung einer Beistandschaft nicht beziehungs- weise nur teilweise besorgen kann. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.7 Zweck der behördlichen Massnahmen des Erwachsenenschu tzes ist nach Art. 388 Abs. 1 ZGB, das Wohl und den Schutz hilfsbedürftiger Pe rsonen sicherzustellen. Basis ist stets das Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Person. Es soll soweit wie möglich erhalten und gefördert werden (Art. 388 Abs. 2 ZGB). Das Gesetz verzichtet daher weitgehend auf gesetzlich umschriebene, starre Massnahmen zum Schutz hilfsbedürftig er Menschen. In Art. 389 ZGB unterstellt der Gesetzgeber alle behördlichen Massnahmen des Erwachsenenschutzes den bei- den Maximen der Subsidiarität und der Verhältnismässigkei t. Subsidiarität (Art. 389 Abs. 1 ZGB) bedeutet, dass behördliche Massnahmen nur dann anzuordnen sind, wenn die Betreuung der hilfsbedürftigen Person auf andere Weise nicht angemessen sichergestellt ist (vgl. Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Änderung des Schweizerischen Zivi lgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht], Bundesblatt [BBl] 200 6 S. 7042 Ziff. 2.2.1). Ist die gebotene Unterstützung der hilfsbedürftigen Person anderweitig – durch die Familie, andere nahestehen- de Personen oder private oder öffentliche Dienste – g ewährleistet, ordnet die KESB keine Massnahme an (Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Der Grundsa tz der Subsidiarität betrifft somit das Verhältnis der erwachsenenschutzrechtlichen Massnahmen zu – sofern zielführend – vorrangig zu verwirklichenden alternativen Lösungen. Kommt die KE SB zum Schluss, die vorhandene Unterstützung der hilfsbedürftigen Person sei nicht au sreichend oder von vornherein ungenü- gend, so muss ihre behördliche Massnahme verhältnismässig, das heisst erforderlich und ge- eignet sein (Art. 389 Abs. 2 ZGB). Es gilt der Grundsa tz "so viel staatliche Fürsorge wie nötig, so wenig staatlicher Eingriff wie möglich" (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_702/2013 vom 10. Dezember 2013 E. 4.3.1; BBl 2006 S. 7017 Ziff. 1.3.4 in fine). Die KESB hat dabei – wie erwähnt – nicht gesetzlich fest umschriebene, starre Massn ahmen, sondern "Massnahmen nach Mass" zu treffen, also solche, die den Bedürfnissen d er betroffenen Person entsprechen (Art. 391 Abs. 1 ZGB). Unter den verschiedenen geeigne ten Varianten ist die zurückhaltendste zu wählen; diese muss zudem in einem vernünftigen Verhält nis zur Einschränkung des Selbst- bestimmungsrechts stehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_7 95/2014 vom 14. April 2015 E. 4.2.1). Dies gilt auch für eine Erweiterung der b ereits errichteten Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung nach Art. 396 Abs. 1 ZGB. 3.8 Aus den vorliegenden Verfahrensakten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin über keine Krankheitseinsicht verfügt und ihre Hilfsbedürfti gkeit verneint. Die Argumentation der Be- schwerdeführerin, wonach sie für die getätigten Vertrag sabschlüsse jeweils berechtigte Gründe gehabt habe und daher kein Schutzbedürfnis bestehe, ist mit Blick auf die aktenkundigen Ver- haltensweisen, die ihrerseits im Zusammenhang mit ihrer psychischen Erkrankung stehen, we- nig behelflich. Vielmehr ergibt sich aus den vorstehende n Erwägungen, dass die genannten Verhaltensweisen die wirtschaftliche Existenz der Beschwerdeführerin gefährden. Auch die zwi- schen den Beteiligten getroffene Übereinkunft (vgl. Entscheid der KESB vom 26. Juli 2016), mit welcher aufgrund des Beistandswechsel und Liegenschaftsve rkaufs der geerbten Liegenschaft, welcher ihre finanzielle Situation erheblich verbesserte, vorerst auf eine Einschränkung der Handlungsfähigkeit der Beschwerdeführerin verzichtet wu rde, vermochte an ihren Verhaltens- weisen nichts zu ändern (vgl. Entscheid der KESB vom 26. Juli 2016, S. 2; Entscheid der KESB vom 5. Oktober 2015; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 20. Januar 2016 [810 15 304]). Vielmehr zeigt der kurze Zeit danach durch den Beistand eingereichte Antrag auf Erweiterung der Bei standschaft, dass die bisherigen Mass- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nahmen nicht mehr ausreichen, um die Beschwerdeführeri n zu schützen. Die Gefahr des im- pulsiven, unüberlegten Ausgebens namhafter Geldbeträge begründet eine Hilfsbedürftigkeit, die es mit darauf abgestimmten erwachsenenschutzrechtlichen M assnahmen aufzufangen gilt. Vor diesem Hintergrund erweist sich eine Erweiterung der Schutzmassnahmen als angezeigt. Dabei gilt mit Blick auf das Verhältnismässigkeits- und Subsidiari tätsprinzip zu beachten, dass na- mentlich durch die Kombination von verschiedenen Beista ndschaften verhindert werden soll, dass als ultima ratio eine umfassende Beistandschaft errichtet werden muss (vgl. MEIER , a.a.O., N 2 zu Art. 397 ZGB). Die KESB ordnete vorliegend ge rade keine umfassende Beistandschaft an, sondern begnügte sich mit einer kombinierten Vertr etungs- und Mitwirkungsbeistandschaft (Art. 394 und Art. 395 Abs. 1 und 2 ZGB i.V.m. Art. 396 ZGB). Damit bleibt die Beschwerdefüh- rerin grundsätzlich handlungsfähig (vgl. Urteil des Bund esgerichts 5A_410/2016 vom 24. März 2017 E. 5.3.2). Im Rahmen der bestehenden Hilfsbedü rftigkeit erscheint die Verknüpfung der gewählten Beistandschaften als geeignet und zielführend, weil die angeordnete Erweiterung der Massnahme die Gefahr des unbedachten Ausgebens voraussicht lich eindämmt, ohne aber die Handlungsfähigkeit der Beschwerdeführerin grundsätzlich einzuschränken. Die angeordnete Erweiterung der Schutzmassnahmen rechtfertigt sich somit auch deshalb, weil sie im Vergleich zu einer umfassenden Beistandschaft deutlich weniger e inschneidend ist. Eine Beschränkung der Verfügungsrechte über die eigenen Mittel auf Fr. 100.-- erachtet das Gericht demgegenüber angesichts des Umstands, dass die Beschwerdeführerin über ein nicht unerhebliches Vermö- gen verfügt, und es ihr dementsprechend nicht vollständig verwehrt sein soll, sich ab und zu etwas leisten zu können, als zu weitgehend. Vor diesem H intergrund ist ihr Vorbringen, wonach zahlreiche Alltagsgeschäfte (wie etwa der Kauf von Win terkleidern oder das Essen im Restau- rant) den Betrag von Fr. 100.-- übersteigen und sie de mzufolge in ihrer Handlungsfähigkeit massiv eingeschränkt würde, nicht unberechtigt. Mit Blick auf das Verhältnismässigkeitsprinzip ist die errichtete Mitwirkungsbeistandschaft deshalb dahi ngehend abzuändern, als es der Be- schwerdeführerin möglich sein soll, sich rechtsgeschäftlich im Umfang von Fr. 200.-- zu ver- pflichten. Damit ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. 4.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Beim vorliegenden Ausgang des Verfahrens sind die Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- zwischen den Ver fahrensparteien aufzuteilen. Den Be- hörden können nach § 20 Abs. 3 und 4 VPO nur Verfahren skosten auferlegt werden, wenn sie das Kantonsgericht in Anspruch nehmen. Demzufolge wird d er auf die Vorinstanz hypothetisch entfallende Verfahrenskostenanteil nicht erhoben und d er Beschwerdeführerin wird ein Verfah- renskostenanteil in der Höhe von Fr. 700.-- auferlegt. Der Verfahrenskostenanteil der Be- schwerdeführerin ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu ver- rechnen und der zu viel bezahlte Kostenvorschuss in der Hö he von Fr. 700.-- ist der Beschwer- deführerin zurückzuerstatten. 4.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird nach § 21 Abs. 2 VPO keine Parteient- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht schädigung zugesprochen. In seiner Honorarnote vom 19. D ezember 2016 macht der Rechts- vertreter der Beschwerdeführerin einen Aufwand von Fr. 1'142.60 (bestehend aus 3.92 Stunden à Fr. 250.-- und 0.25 Stunden à Fr. 166.-- sowie Spe sen in der Höhe von Fr. 37.30) geltend. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens rechtfertigt si ch eine reduzierte Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 500.--. Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin demzufolge eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 500.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) auszurichten. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und die Ziffer 1 des Ent- scheids der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ v om 29. September 2016 wie folgt neu gefasst: 1. Die Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung g emäss Art. 394 und 395 ZGB über A.____, […], wird wie folgt erweitert: Für A.____ wird eine Mitwirkungsbei- standschaft gemäss Art. 396 ZGB errichtet, mit der Wirkun g, dass Verträge, welche Fr. 200.-- übersteigen, nur mit Zustimmung des Beistan ds rechtsgültig abgeschlos- sen werden können. 2. Der Beschwerdeführerin wird ein Verfahrenskostenant eil in der Höhe von Fr. 700.-- auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvor schuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. Der zu viel bezahlte K ostenvorschuss in der Höhe von Fr. 700.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ hat der Beschwer- deführerin eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 500.- - (inkl. Auslagen und 8% MWST) zu bezahlen. Die übrig en Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin