B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-266/2019 U r t e i l v o m 3 . J u n i 2 0 2 1 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Markus König, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. Parteien A._______, geboren am (…), ihre Kinder B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), alle Sri Lanka, alle vertreten durch MLaw Nora Maria Riss, Freiplatzaktion Zürich, Rechtsarbeit Asyl und Migration, (…) Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 18. Dezember 2018 / N (…). D-266/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin, eine sri-lanki- sche Staatsangehörige tamilischer Ethnie, aus dem Distrikt Jaffna (Nord- provinz) stammend, Ende Oktober, respektive am 20. Dezember 2015 ihr Heimatland. B. B.a Am 1. Februar 2016 ersuchte die Beschwerdeführerin am (…) um Asyl. Gleichentags wurde ihr per Verfügung die Einreise in die Schweiz vorläufig verweigert. B.b Die Beschwerdeführerin wurde am 4. Februar 2016 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) (…) zu ihrer Person, ihrem Reiseweg und sum- marisch zu ihren Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). B.c Am 18. Februar 2016 wurde der Beschwerdeführerin die Einreis e in die Schweiz bewilligt und sie wurde dem Kanton D._______ zugewiesen. B.d Mit Verfügung vom 29. Februar 2016 trat das SEM auf das Asylgesuch der Beschwer deführerin gemäss Art. 31a Abs. 1 B st. b AsylG nicht ein, dies, nachdem die deutschen Behörden dem Ersuchen um Rücküber- nahme am 22. Februar 2016 zugestimmt hatten. B.e Der Aufenthaltsort der Beschwerdeführerin galt seit dem 28. Juli 2016 als unbekannt. C. Mit Eingabe des damaligen Rechtsvertreters vom 23. August 2017 reichten die Beschwerdeführerin und ihr am (…) geborenes Kind B._______ ein zweites Asylgesuch ein. Die Beschwerdeführerin machte im Wesentlichen geltend, sie und ihre Tochter hätten die Schweiz nie verlassen, weshalb die Frist der Überstellung von 18 Monaten nach Deuts chland überschritten worden und die Zuständigkeit zur Prüfung ihres Asylgesuchs – seit dem 22. August 2017 – auf die Schweiz übergegangen sei. D. Mit Verfügung des SEM vom 13 . September 2017 wurde der Nichteintre- tensentscheid vom 29. Februar 2016 aufgehoben und das nationale Asyl- verfahren wurde aufgenommen. D-266/2019 Seite 3 E. E.a Am 12. März 2018 fand die Anhörung zu den Asylgründen statt. E.b Die Beschwerdeführerin brachte zu ihrem Lebenslauf vor, sie habe die Schule bis zum O-Level besucht, sei danach, ab 2005, zu Hause geblieben und habe bei ihren Eltern gewohnt . Sie habe eine Tochter, welche 2007 geboren sei. Im Jahr 2008 sei sie nach Frankreich gereist, um ihren jetzi- gen Ehemann im Rahmen einer arrangierten Ehe zu heiraten. E.c Zu ihren Asylgründen führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, sie ha be nach einer Vergewaltigung durch Angehörige der sri-lanki- schen Armee im Jahr 2007 eine Tochter geboren, welche sie bei ihren El- tern in Obhut gelassen habe. Seit Kriegsende im Jahr 2009 habe sie jedoch weder mit ihren Eltern und ihrer Tochter, noch mit ihrem Bruder oder ihrer Schwester Kontakt gehabt, welche beide bei den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) aktiv gewesen seien, da sie seither verschollen seien. Als sie 2008 nach Frankreich gereist sei, um die arrangierte Ehe mit ihrem jet- zigen Ehemann einzugehen, habe sie festgestellt, dass dieser über keinen Aufenthaltsstatus verfügte, und deshalb ein Asylgesuch gestellt. Zwischen 2008 und 2014 hätten sie und ihr Ehemann in Frankreich gelebt, ihre Asyl- gesuche seien jedoch abgelehnt worden. Sie habe auch 2010 und 2014 in Deutschland Asylgesuche eingereicht, man habe sie jedoch nach F rank- reich zurückgeschickt. Im August 2014 sei sie und ihr Ehemann von den französischen Behörden erwischt worden, als sie versucht hätten, über Pa- ris mit einem gefälschten Reisepass und einem Boardingpass für E._______ nach F._______ zu reisen. Man habe sie nach E._______ de- portiert und die dortigen Behörden hätten sie in der Folge während elf Mo- naten inhaftiert. Nach Beendigung der Haft sei sie gemeinsam mit ihrem Ehemann im Juli 2015 nach Sri Lanka zurückgebracht worden und sie hät- ten sich in G._______ aufgehalten. Anfang Oktober 2015 habe ihr Ehe- mann sie in der Gemeinde beim Dorfvorsteher und be i der Polizei anmel- den wollen. Bereits zwei Tage danach, abends, seien vier Beamte in einem Van bei ihnen zu Hause aufgetaucht und hätten sie in ein naheliegendes Camp mitgenommen, wo man sie und ihren Ehemann separiert und in der Folge befragt habe. Zuerst sei sie auf ihre Geschwister, welche bei den LTTE aktiv gewesen seien und ihren Ehemann, welcher früher Mitglied ei- nes Studentenvereins der LTTE gewesen sei, angesprochen worden. Wei- ter habe man von ih r wissen wollen, weshalb sie ins Ausland gereist sei und ob sie dort Geld für die LTTE gesammelt habe. Während der Befra- gung sei sie zuerst geschlagen und mit einem Eisen am Rücken verbrannt und später von einem der Beamten vergewaltigt worden. Am nächsten D-266/2019 Seite 4 Abend habe man sie und ihren Mann wieder freigelassen. Bereits am da- rauffolgenden Tag, respektive drei bis vier Wochen später hätten sie ihre Ausreise geplant und seien über Mannar mit dem Schiff nach Indien aus- gereist. Dem Gesuch wurden eine Kopie der sri-lankischen Identitätskarte des Ehe- mannes sowie eine Kopie dessen Geburtsregisterauszugs, eine Kopie der Heiratsurkunde vom 12. Juli 2015 der Victory Life Church (in H._______), ein Boardingpass und ein Gepäckschein der Turkish Airlines vom 31. Ja- nuar 2016, Kopien zw eier Internetauszüge von Hotels in Kuala Lumpur, eine Kopie einer Visitenkarte eines Transportunt ernehmens aus E._____ und ein Boardingpass eines Fluges von Kuala Lumpur via Istanbul nach Zürich zu den Akten gelegt. Zudem liegt ein Rückkehrh ilfegesuch aus Frankreich, eine Vorladung der französischen Behörden für die Rückkehr des Ehemannes aus dem Jahr 2010 sowie weitere Buchungsunterlagen den Ehemann betreffend im Dossier des Ehemannes (vgl. D-268/2019). Auf die weiteren Ausführungen der Bes chwerdeführerin wird, soweit we- sentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. F. Die Verfügung des SEM vom 10. Dezember 2018 wurde nicht abgeholt und nach Fristablauf retourniert. Mit neu adressierter Verfügung vom 18. De- zember 2019 – eröffnet am 19. Dezember 2018 – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingse igenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug. G. Die Beschwerdeführenden fochten mit Eingabe ihrer Re chtsvertreterin vom 14. Januar 2019 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsge- richt an und beantragten, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben, sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen sei Asyl zu gewähren oder eventualiter seien sie als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen. Als Subeven- tual- respektive Subsubeventualantrag stellten sie das Begehren, sie seien als Ausländer vorläufig aufzunehmen, respektive die Sache sei zur erneu- ten Abklärung und Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pro- zessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorsch usses. Weiter beantragten sie die Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin gemäss aArt. 110a Abs. 1 Bst. a und Abs. 3 D-266/2019 Seite 5 AsylG (SR 142.31) sowie, dass für die Beurteilung der Sache die Be- schwerde des Ehemannes ( I._______ [D-268/2019]) beigezogen werde. Es wurde ausserdem eine Kostennote zu den Akten gereicht. H. In der Beschwerde ihres Ehemannes befinden sich verschiedene Fotos, eine Bestätigung des Teaching Hospitals in J._______ über einen Aufent- halt vom 30. Juli 2015, ein Screenshot einer Nachricht auf Facebook sowie ein Foto der Todesanzeige der Mutter des Ehemannes der Beschwerde- führerin. I. Mit Eingabe vom 21. Januar 2019 reichte die Beschwerdeführerin eine Be- schwerdeergänzung ein und legte den Kurzbericht der Hilfswerksvertre- tung (HWV), datiert vom 12. März 2018, bei. J. Mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2019 hiess die damalige Instrukti- onsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und erhob keinen Kostenvor- schuss. Nora Maria Riss wurde antragsgemäss als amtliche Rechtsbei- ständin beigeordnet. Gleichzeitig wurde das SEM eingeladen, eine Ver- nehmlassung einzureichen. K. Die Vorinstanz äusserte sich in ihrer Vernehmlassung vom 6. Februar 2019 insbesondere zu den auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismitteln. L. Die Beschwerdeführenden replizierten mit Eingabe vom 25. Februar 2019. M. Das vorliegende Verfahren wurde aus organisatorischen Gründen auf die im Rubrum aufgeführte vorsitzende Richterin umgeteilt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den D-266/2019 Seite 6 Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26, E.5). 3. 3.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen damit, dass die Schilderungen der Beschwerdeführerin den An forderungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht genügen würden und hielt fest, dass ihre Biographie Lücken aufweise und die angebliche Abschie- bung nach E._______ durch die französischen Behörden nicht habe belegt werden können. Dies erstaune vor dem Hintergrund, da sie Bordkarten und Gepäckscheine für verschiedene andere Flüge, jedoch nicht für den betref- fenden Ausschaffungsflug nach E._______, habe einreichen können. Auch allfällige Belege für ihre geltend gemachte elfmonatige Haft habe weder sie D-266/2019 Seite 7 noch ihr Ehemann vorweisen können, obwohl Dokumente, wie etwa Ent- lassungspapiere, vorliegen müssten. Des Weiteren gebe es keine Beweis- mittel dafür, dass sie von Juli bis Oktober 2015 tatsächlich in Sri Lanka verbracht habe . Bei der eingereichten Kopie d er Heiratsurkunde vom 12. Juli 2015 einer Kirche in K._______ handle es sich weder um ein amt- liches Dokument, noch sei dieses fälschungssicher, weshalb mit diesem ihr Aufenthalt in Sri Lanka nicht belegt werden könne. Sodann sei es zu einigen Widersprüchen in ihren Aussagen gekommen. In der BzP habe sie angegeben, im Juli 2015 nach Sri Lanka eingereist und im November 2015 von Mitarbeitenden des Criminal Investigation Department (CID) während zwei Tagen einmal verhört worden zu sein, um am 20. Dezember 2015 mit ihrem Ehemann Sri Lanka mit dem Schiff in Richtung Indien zu verlassen. Diese Schilderungen stünden im Widerspruch zu ihren Aussagen während der Anhörung, anlässlich welcher sie darlegte, im Oktober 2015 von der sri-lankischen Armee vier - bis fünfmal verhört und im selben Monat aus dem Land ausgereist zu sein. Die Erklärung, dass sie anlässlich der BzP einen Aufenthalt in Deutschland habe verheimlichen wollen und deshalb ein falsches Ausreisedatum angegeben habe, überzeuge nicht. Weiter habe sie die Abläufe nach ihrer Haftentlassung unterschiedlich geschildert. Aus diesem Grund sei davon auszugehen, dass es sich bei ihren Schilde- rungen um ein Konstrukt handle und sie im Jahr 2015 nicht nach Sri Lanka zurückgekehrt und behördlich einvernommen worden sei. Auch erscheine es im länderspezifischen Kontext als unwahrscheinlich, dass sie und ihr Ehemann angesichts der eingestandenen Verbindungen zu den LTTE des Ehemannes, respektive der Mitgliedschaft ihrer Geschwister bei den LTTE trotz fortbestehendem Verdacht bereits nach zwei Tagen Haft wieder frei- gelassen worden sei. Zudem sei festzuhalten, dass ihre beiden Geschwis- ter seit 2007 als verschollen gelten und deshalb davon ausgegangen wer- den müsse, dass nach Ablauf von über zehn Jahren das behördliche Inte- resse an ihnen nicht mehr vorhanden sein könne und deshalb auch nicht eine begründete Furcht vor zukünftiger Reflexverfolgung vorliegen würde. Betreffend die angeblichen Verbindungen ihres Ehemannes zu den LTTE sei auf die Begründung in dessen Verfügung zu verweisen. Angesichts die- ser Gründe könne ihr nicht geglaubt werden, dass sie 2015 tatsächlich nach Sri Lanka zurückgekehrt sei sowie während zwei Tagen verhört, misshandelt, vergewaltigt und im Verdacht der Behörden gestanden zu ha- ben, Verbindungen zu den LTTE zu pflegen oder diese zu unterstützen. Ihre vorgebrachte Vergewaltigung im Jahr 2005 (recte 2006) durch einen sri-lankischen Soldaten sei insofern nicht asylrelevant, als dass dieses Er-D-266/2019 Seite 8 eignis als abgeschlossen zu betrachten sei und kein kausaler Zusammen- hang mit ihrer ersten Ausreise aus Sri Lanka im Jahr 2008 und dem Asyl- gesuch von 2016 bestehe. Sodann bestehe auch im Fall einer Rückkehr keine begründete Furcht vor einer künftigen Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG. Weiter bleibe es unklar, wann sie letztmals tatsächlich in Sri Lanka gewesen sei. Vor dem Hintergrund, dass sie unglaubhafte sowie wider- sprüchliche Angaben zu ihrer persönlichen Biographie gemacht habe, habe sie ihre Mitwirkungspflicht verletzt, weshalb nur beschränkte Möglich- keiten bestünd en, ihre Vorbringen auch auf eine künftige asylrelevante Verfolgung hin zu prüfen. Hinsichtlich allfälliger Wegweisungshindernisse sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin angegeben habe, zuletzt in L._______ in der Nordpro- vinz gelebt zu haben. Obwohl sie ausser einer Tante keine familiären Ver- bindungen im Heimatland aufweise, verfüge ihr Ehemann über ein beste- hendes Beziehungsnetz und stamme aus einer reichen Familie, besitze ein eigenes Haus und sei (…). Diese Voraussetzungen seien hinreichend, um sich eine neue Existenz in Sri Lanka aufbauen zu können. Trotz ihrer lan- gen Landesabwesenheit sei sie in Sri Lanka aufgewachsen und habe auch während ihrer Ehe die kulturellen Gepflogenheiten ausgeübt, weshalb die langjährige Landesabwesenheit nicht zu Nachteilen führen würde. Auch ihre Kinder seien noch zu jung, als dass eine Verwurzelung in der Schweiz angenommen werden könne. 3.2 Dagegen wendete die Beschwerdeführerin ein, die vorinstanzliche Ar- gumentation, dass sie ihre Abschiebung durch die französischen Behörden nach E._______, ihre anschliessende Haft sowie den darauffolgenden Auf- enthalt in Sri Lanka nicht habe belegen können, widerlaufe dem Grundsatz der Glaubhaftmachung und dem geltenden reduzierten Beweismass i n Asylverfahren. Im Sinne der bundesverwaltungsrechtlichen Rechtspre- chung dürften nebensächliche Widersprüche nicht ausschlaggebend sein, die Glaubhaftigkeit von Vorbringen zu bezweifeln. Ihre Schilderungen zu den zentralen Ereignissen habe sie substanziiert, schlüssig sowie mit Re- alkennzeichen versehen vorbringen können. Zudem sei es unbehel flich, dass im Zusammenhang mit der eingereichten Heiratsurkunde vom 12. Juli 2015 pauschal auf die leichte Fälschbarkeit des nicht amtlichen Dokuments hingewiesen werde, ohne diese einer Dokumentenprüfung unterzogen zu haben. Im Zusammenhang mit den widersprüchlichen Angaben zu ihrer Ausreise sei zu bemerken, dass sie sich lediglich um einen Monat geirrt habe, was angesichts der zwei Jahre, welche zwischen der BzP u nd der D-266/2019 Seite 9 Anhörung liegen würden, vernachlässigbar sei. Zudem würden sich ge- mäss dem Handbuch des SEM Asylsuchende schwer a n präzise Daten erinnern können, weshalb auf die gesamte Chronologie des Sachverhalts Bezug genommen werden solle. Die von ihr gemachte ungenaue Zeitan- gabe spreche deshalb nicht gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Verhaftung. Der Vorhalt der Vorinstanz, sie habe die Abläufe nach ihrer Haftentlassung unterschiedlich dargestellt, erweise sich als unbegründet, zumal sie nie da- nach gefragt worden sei, was zwischen der Haftentlassung und ihrer Aus- reise geschehen sei. Zudem sei es nicht besonders widersprüchlich, dass sie einmal angegeben habe, nach rund fünf bis sechs Tagen nach der Haft- entlassung ausgereist zu sein, und ein anderes Mal, im Dezember ausge- reist zu sein, was einen Höchstaufenthalt von drei Wochen nach der Haft- entlassung ausmachen würde. Ihre widersprüchlichen Aussagen zur An- zahl der Verhöre während ihrer Haft seien damit zu erklären, dass ihr di e diesbezüglichen Fragen unpräzise gestellt worden seien und sie diese des- halb auch lediglich ungenau habe beantworten können, wobei zu beachten sei, dass die Verhöre eng mit ihrer Vergewaltigung, also einem traumati- schen Erlebnis zusammenhängen würden und sie deshalb auch nicht klar habe antworten können. Des Weiteren habe es die Vorinstanz unterlassen aufzuzeigen, weshalb es im länderspezifischen Kontext unwahrscheinlich erscheine, dass sie trotz unterstellter Verbindungen zu den LTTE bereits nach zwei Tagen wieder aus der Haft entlassen worden sei, zumal sie er- klärt habe, aufgrund von Bestechungsgeldern freigekommen zu sein. Es sei darauf hinzuweisen, dass Korruption in Sri Lanka üblich sei. Sodann sei weder sie noch ihr Ehemann zu ihrer Deportation nach E._______ und der anschliessenden elfmonatigen Haft befragt worden. Insgesamt falle auf, dass kein Bezug auf ihre substanziierten Aussagen die Inhaftierung betreffend sowie ihre emotionalen Reaktionen während der Anhörung ge- nommen worden sei. Schliesslich sei auf die neuen Beweismittel, welche sich bei der Beschwerde des Ehemannes befinden würden, zu verweisen. In der Beschwerdeergänzung reichte die Beschwerdeführerin den Kurzbe- richt der HWV ein und wies darauf hin, dass diese im Bericht diverse Emo- tionen der Beschwerdeführerin während der Anhörung festgehalten habe. Weiter sei dem Bericht in Bezug auf die Glaubhaftigkeit zu entnehmen, dass ihre Schilderungen zwar eher knapp ausgefallen seien, dies jedoch damit zu tun habe, dass sie nicht viel über die Aktivitäten ihrer Geschwister bei den LTTE gewusst habe. Zudem würden die ausführlichen Aussagen des Ehemannes mit den ihren übereinstimmen. Obwohl einer HWV im Ver- fahren keine Parteirechte zukommen würden, seien ihre Beobachtungen während der Anhörung im Rahm en der Glaubhaftigkeitsprüfung dennoch D-266/2019 Seite 10 miteinzubeziehen, insbesondere, wenn sie zweimal auf die emotionalen Reaktionen der Beschwerdeführerin aufmerksam gemacht und hervorge- hoben habe, dass die teilweise nebensächlichen Details mit denen ihres Ehemannes übereinstimmen würden. 3.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung an ihren Erwägungen fest und erklärte, dass trotz eines herabgesetzten Beweismasses im Asylver- fahren die Rückkehr sowie die Ereignisse der Beschwerdeführerin nach Sri Lanka unklar bleiben würden. Die vom Ehemann eingereichten Fotos wür- den keine konk rete örtliche Zuordnung ermöglichen . Dasselbe gelte für den eingereichten Operationsbericht des Teaching Hospitals in J._______ vom August 2015, worin zwar ihr Name figuriere, jedoch keine eindeut ige Identifizierung ihrer Person und einen unzureichenden Hinweis auf ihren damaligen Aufenthalt in Sri Lanka zulasse. Zudem erstaune es in diesem Zusammenhang, dass weder sie noch ihr Ehemann erwähnt hätten, dass sie (die Beschwerdeführerin) kurz nach ihrer Einreise in Sri Lanka habe operiert werden müssen. Des Weiteren sei erneut festzustellen, dass we- der sie noch ihr Ehemann hätten glaubhaft darzulegen vermögen, in Sri Lanka einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt gewesen zu sein. Fer- ner sei darauf hinzuweisen, dass sie mit dem Unterlassen des Einreichens von Identitätsdokumenten ihre Mitwirkungspflicht verletzt habe. 3.4 In der Replik wurde bemängelt, dass sich die Vorinstanz auch in ihrer Vernehmlassung nicht mit den Glaubhaftigkeitselementen der Schilderun- gen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt und den Kurzbericht der HWV unberücksichtigt gelassen habe, weshalb sie ihrer Untersuchungs- pflicht erneut nicht nachgekommen sei. Hinsichtlich der feh lenden Identi- tätsdokumente und der ihr damit v orgeworfenen Verletzung der Mitwir- kungspflicht sei auf ihre ausführl ichen Erklärungen in der BzP zu verwei- sen, wo sie dargelegt habe, weshalb sie über keine solchen verfüge. Zu- dem wäre es der Vorinstanz möglich gewesen, sich bei den französischen Behörden nach ihrer Identitätskarte und ihrer Geburtsurkunde zu erkundi- gen. Die Operation im Spital in J._______ im August 2015 sei an der An- hörung nie zur Sprache gekommen, weil weder sie noch ihr Ehemann zu ihrem Aufenthalt in Sri Lanka befragt worden seien und es ausserdem kei- nen Grund gegeben habe, diese zu erwähnen. Auch sei zu bemängeln, dass ihre Anhörung zu kurz gedauert habe, dies sei auch ein Grund, wes- halb sie sich nicht zu ihrem Aufenthalt habe äussern können. Weiter müss- ten, obwohl keine konkrete Lokalisierung der eingereichten Aufnahmen er- folgen könne, diese als Hinweise auf die Glaubhaftigkeit ihrer Schilderun- gen berücksichtigt werden. Auch sei erneut zu erwähnen, dass die Vor -D-266/2019 Seite 11 instanz es unterlassen habe auszuführen, welche Unklarheiten zu ihrem Aufenthalt und ihrer Ausreise bestehen würden. 4. 4.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu behandeln sind, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. E 3.2.1). 4.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) und die Parteien eines Verfahrens haben Anspruch auf rechtliches Gehör. Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheid- begründung niederschlagen muss (vgl. dazu ausführlich BVGE 2015/10, E. 3 m.w.H.). 4.3 Die Beschwerdeführenden vermögen mit ihrem Antrag, die angefoch- tene Verfügung sei aufzuheben weil das SEM den Untersuchungsgrund- satz und das rechtliche Gehör verletzt habe, nicht durchzudringen. Soweit geltend gemacht wird, die Aussagen und Beweismittel seien ungenügend beziehungsweise falsch gewürdigt worden, wird im Wesentlichen die ma- terielle Einschätzung des SEM kritisiert, worauf nachfolgend einzugehen ist. Ebenso kann der Rüge der Beschwerdeführerin, die eingereichten Be- weismittel seien von der Vorinstanz nicht geprüft worden, nicht gefolgt wer- den, zumal in der Verfügung und der Vernehmlassung Bezug auf die ein- gereichten Dokumente genommen und begründet wurde, weshalb es sich dabei um nicht beweiskräftige Unterlagen handelt. Auch dem Vorwurf, die Anhörung sei zu kurz ausgefallen oder zu gewissen Sachverhalten sei zu wenig gefragt worden, kann insofern nicht gefolgt werden, als dass die Vor- instanz die relevanten Sachverhaltselemente erfragt und sich in ihrer Ver- fügung damit auseinandergesetzt hat. Auch zu weiteren Abklärungen zur Deportation von Frankreich nach E._______ bei den französischen Behör- den war das SEM nicht angehalten, zumal dies in Bezug auf die Frage des Aufenthaltes in Sri Lanka und einer Verfolgungssituation kaum Klärung ge- bracht hätte. D-266/2019 Seite 12 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nac hweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig un d plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikte n Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch- stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge- richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma- chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob D-266/2019 Seite 13 die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 6.2 Den Beschwerdeführenden ist demnach insofern Recht zu geben, als der Sachverhalt im Asylverfahren lediglich glaubhaft gemacht werden muss. Dies liegt darin begründet, als sich im Ausland zugetragene Sach- verhalte oft gar nicht durch Beweis belegen lassen. Daran vermag jedoch nichts zu ändern, dass als Indiz gegen die Glaubhaftigkeit zu sprechen ver- mag, wenn Beweismittel, die grundsätzlich vorhanden sein sollten oder be- schafft werden können, trotzdem nicht eingebracht werden. In diesem Sinne hat die Vorinstanz überzeugend ausgeführt, dass grundsätzlich da- von auszugehen wäre, dass zu einigen der geltend gemachten Ereignissen Beweismittel vorhanden sein sollten. Dies betrifft i nsbesondere die Ab- schiebung durch die französischen Behörden nach E._______, ihre dortige elfmonatige Haft sowie die Reise nach Sri Lanka und dem dortigen Aufent- halt von Juli bis Oktober 2015. Das Fehlen entsprechender Unterlagen er- staunt umso mehr, als dass die Beschwerdeführenden einen Boardingpass sowie einen Gepäckschein der Turkish Airlines vom Januar 2016 sowie Unterlagen der französischen Behörden aus den Jahren 2010 bis 2012 aufbewahrte und zu den Akten legte. Obwohl kein strikter Beweis für die Glaubhaftmachung im Asylverfahren verlangt wird, wäre es also durchaus zu erwarten gewesen, dass Nachweise, respektive insbesondere Flugun- terlagen hierzu wie auch zu ihrer geltend gemachten Haft in E._______ hätten eingereicht werden können. Das Fehlen solcher Beweismittel muss deshalb als gewichtiges Unglaubhaftigkeitsindiz gewürdigt werden. Daran vermögen die stattdessen eingereichten Beweismittel nichts zu ändern, zu- mal die Kopie der Heiratsurkunde einer Kirche in K._______ wenig Beweis- wert aufweist. Einerseits verfügen Kopien an sich über einen geringen Be- weiswert und es sich anderseits – wie bereits von der Vorinstanz zutreffend festgestellt – um kein amtliches Dokument handelt. Ausserdem ist kein Grund ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann zwei- mal kirchlich getraut worden sein sollen, zumal sie angab, bereits in einer Kirche in M._______ in Frankreich getraut worden zu sein (vgl. act. A81/15, F93). Wenig Aussagekraft hat auch die erst auf Beschwerdeebene einge- reichte Anamnese-Evaluation des J._______ Teaching Hospitals vom 30. Juli 2015. Und schliesslich lässt sich auch aus den eingereichten Fotos nicht belegen, dass die Beschwerdeführerin, wi e von ihr geschildert, sich 2015 in Sri Lanka aufgehalten hat, zumal aus die sen weder eine örtliche noch eine zeitliche Zuordnung erstellt werden kann. D-266/2019 Seite 14 6.3 Die erwähnten Zweifel werden sodann durch die teilweise widersprüch- lichen Aussagen zur Ausreise aus Sri Lanka bestätigt. Zwar trifft es zu, dass Details von Erlebnissen mit der Zeit verblassen können, insbeson- dere, wenn, wie vorliegend, zwischen den Anhörungen zwei Jahre liegen. Jedoch überzeugt die Argumentation der Beschwerdeführerin nicht, es handle sich hierbei um nebensächliche Details. Vielmehr stellen ihre Fest- nahme, die anschliessende Freilassung sowie die Ausreise einschnei- dende Erlebnisse dar und es wäre zu erwarten gewesen, dass sie sich daran erinnert, ob sie unmittelbar nach der Freilassung oder erst Wochen später ihr Heimatland verlassen hat. So gab sie in de r BzP an, rund drei Wochen nach ihrer Freilassung ausgereist zu sein (vgl. BzP , F5.01, F7.01), wo hingegen sie in der Anhörung darlegte, nach der Freilassung noch zwei Nächte in Sri Lanka verbracht zu haben (vgl. act. A81/15, F37). Folglich handelt es sich bei den unterschiedlichen Ang aben zum Ausreisedatum nicht um einen Unterschied von drei oder vier Wochen, sondern um eine Diskrepanz von fast zwei Monaten, wobei sie als Ausreisedatum in der BzP den 20. Dezember 2015 (vgl. BzP , F5.01) und in der Anhörung Ende Okto- ber angab (vgl. act. A81/15, F38). Derartige Widersprüche können nicht als nebensächlich qualifiziert werden. Auch die erste Erklärung der Beschwer- deführerin, sie habe verheimlichen wollen, im November 2015 in Deutsch- land gewesen zu sein und deshalb angegeben, erst im Dezember ausge- reist zu sein, überzeugt nicht beziehungsweise wirft diese Aussage weitere Fragen zu ihren Aufenthalten auf. Ferner ist festzustellen, dass die Vorbrin- gen zu ihrer Verhaftung und ihrer Haft im Jahr 2015 äusserst detailarm und substanzlos ausgefallen sind und jegliche Realkennzeichen vermissen las- sen. Die gewichtigen Widersprüche und Ungereimtheiten können sodann auch nicht durch einige durchaus vorhandenen Details und eine zum Teil emotionale Erzählweise aufgewogen werden, zumal sich daraus der Zeit- punkt von Übergriffen nicht festlegen lässt und nicht ausgeschlossen wer- den kann, dass die Beschwerdeführerin, wie von ihr geltend gemacht, im Jahre 2006 Übergriffe erlebt hatte. Insofern vermögen auch die Feststel- lungen der Hilfswerkvertretung in ihrem Kurzbericht zu keinem anderen Er- gebnis zu führen. 6.4 Vor diesem Hintergrund und in Einklang mit der Vorinstanz kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass es den Beschwerdeführen- den nicht gelungen ist, die geltend g emachten Ereignisse im Jahr 2015 glaubhaft zu machen. Folglich ist e s ihnen nicht gelungen, eine asylrele- vante Verfolgung im Sinne von Art. 3 und Art. 7 AsylG glaubhaft zu ma- chen. D-266/2019 Seite 15 7. 7.1 Weiter bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin über ein erhöhtes Risikoprofil verfügt und ihr bei einer Wiedereinreise ins Heimatland eine asylrelevante Verfolgung im Sinne von Nachfluchtgründen droht oder dro- hen könnte. 7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. a.a.O. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Ri- sikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaf- tung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei han- delt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder ver meintli- chen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teil- nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um das Vorlie- gen früherer Verhaftungen durch die sri -lankischen Behörden, üblicher- weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin- dung zu den LTTE (sogenannte stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erfor- derlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangs- weise zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sogenannte schwach risikobegründende Fakto ren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernst- haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri- lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den ta- milischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). 7.3 Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsi- denten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa -Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential- candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 5. März 2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehema- ligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht D-266/2019 Seite 16 war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen ge- gen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigun- gen (vgl. Human Righ ts Watch [HRW]: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bru- der Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Cha- mal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusam- men zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl. https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents- brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state 20191127174753, abgerufen am 4. März 2020). Beobachter und ethnische oder religiöse Min- derheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalis- tinnen und Journalisten, Oppos itionellen und regierungskritischen Perso- nen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Am 5. August 2020 fanden Parla- mentswahlen statt mit dem Resultat, dass der Rajapaksa-Clan seine Macht in Sri Lanka ausweitete n konnte (vgl. Sri Lanka: Rajapaksa -Clan weitet seine Macht weiter aus [nzz.ch] vom 7. August 2020). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu- gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E -1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein- zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 und den Parlaments- wahlen vom 5. August 2020 respektive deren Folgen besteht. 7.4 Die Beschwerdeführerin konnte nicht glaubhaft darlegen, 201 5 nach Sri Lanka eingereist und in der Folge von den sri -lankischen Behörden in Verbindung mit den LTTE gebracht worden zu sein. Weiter werden keine D-266/2019 Seite 17 exilpolitischen Aktivitäten vorgebracht, welche ein Risiko ernsthafter Nach- teile oder ein Verfolgungsrisiko bergen würden. Zwar ist nicht auszuschlies- sen, dass ihre Geschwister tatsächlich bei der LTTE waren. Allein daraus lässt sich jedoch kein Verfolgungsrisiko ableiten, zumal diese bereits seit vielen Jahren verschollen sind. Die von der Beschwerdeführerin g emäss eigenen Angaben erlittene Vergewaltigung im Jahre 2006 war für ihre Aus- reise im Jahr 2008 offenbar nicht fluchtauslösend, weshalb diese Ereig- nisse auch aus heutiger Sicht nicht zu einem erhöhten Risiko zu führen vermögen. Ferner befinden sich ihre vorhandenen Narben am Rücken so- wie eine kleine Narbe am linken Unterarm (vgl. BzP , F7.02), somit an nicht offensichtlichen St ellen am Körper und sind daher nicht ohne weiteres sichtbar. Es ist deshalb davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka keiner Gefahr ausgesetzt ist, deswegen einer vertieften Be- fragung unterzogen zu werden. Sodann ist davon auszugehen, dass sie ihr Heimatland letztmals 2008 legal mit einem Pass verlassen hat und ihr – auch unter Berücksichtigung ihrer langen Landesabwesenheit – deshalb keine Konsequenzen drohen (vgl. BzP , F4.01). 7.5 Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, dass die Beschwerdeführen- den bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt wäre n und ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG befürchten müssten. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flücht- lingseigenschaft verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, s o verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung en wurden demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). D-266/2019 Seite 18 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder S trafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement schützt nur Personen, welche die Flüchtlin gseigenschaft erfüllen. Da es den Be- schwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs- sig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäisch en Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste sie eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche D-266/2019 Seite 19 Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegwei- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.4 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä- ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien vom 31. Mai 2011, 41178/08; T.N. gegen Dänemark vom 20. Januar 2011, 20594/08; P .K. gegen Däne- mark vom 20. Januar 2011, 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien vom 17. Juli 2008, 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilinnen und Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. ge- gen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass die Be- schwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten „Background Check“ (Befragung und Überprüfung von Tätigkei- ten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass sie persönlich ge- fährdet wäre. 9.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.6 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Ge- walt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. In den beiden Referenzur- teilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D -3619/2016 vom 16. Oktober 2017 hat das Bundesverwaltung sgericht eine aktuelle Einschätzung der Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Wegwei- sungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter D-266/2019 Seite 20 Einschluss des sogenannten Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorlie- gen von individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann. Zu den individuellen Zumutbarkeitskriterien gehören insbesondere das Vorhan- densein eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so- wie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 E. 13.2 ff. und Urteil des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). 9.7 Die Beschwerdeführerin stammt aus der Nordprovinz, ist ein e junge gesunde Frau mit einem Schulabschluss. Ihr Ehemann war in Sri Lanka als (…) tätig. Obwohl sie über keine engen Familienangehörigen mehr ver- fügt, stammt ihr Ehemann aus einer sehr reichen Familie, welche im selben Distrikt lebt (vgl. BzP , F5.02, F7.01). Es ist davon auszugehen, dass diese der Beschwerdeführerin, i hrem Ehemann und den beiden gemeinsamen Kindern bei der Reintegration behilflich sein können und sie auch bei einem finanziellen Engpass adäquat unterstützen würden. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.8 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän- digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit D-266/2019 Seite 21 der Beschwerde eingegangene Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege mit Verfügung vom 20. März 2020 gutgeheissen wurde, werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 12. Die Kostennote vom 13. Januar 2019 weist einen Aufwand von 5 Stunden auf. Dabei ging die Rechtsvertreterin von einem Stundenansatz von Fr. 200.– aus. Mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2019 war darauf auf- merksam gemacht worden, dass bei einer nicht -anwaltlichen Vertretung bei einer amtlichen Rechtsvertretung in der Regel von einem Stundenan- satz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– ausgegangen werde (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Das Honorar ist entsprechend zu kürzen, der Stun- denansatz auf Fr. 150.– herabzusetzen und der amtlichen Rechtsbeistän- din ein Honorar von Fr. 1’100.– (inklusive Auslagen) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-266/2019 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird vom Bundesverwaltungsgericht ein Honorar in der Höhe von Fr. 1’100.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Martina von Wattenwyl Versand: