Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 25. August 2021 (810 20 290) ____________________________________________________________________ Personalrecht Kündigung des Arbeitsverhältnisses infolge Verhinderung an der Aufgabenerfüllung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Hans Furer, Markus Clausen, Daniel Häring, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin i.V. Isabelle Amacker Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin gegen Kantonsspital Baselland , Beschwerdegegner Betreff Kündigung des Arbeitsverhältnisses (Verfügung des Kantonsspitals Baselland vom 26. November 2020) A. A.____ ist diplomierte Pflegefachfrau und war seit dem 1. April 2017 beim Kantonsspi- tal Baselland angestellt. Seit dem 2. September 2017 bestand bei ihr aufgrund Krankheit eine 100-prozentige Arbeitsunfähigkeit. B. A.____ wurde in der Folge von ihrem Vorgesetzten mit E-Mail vom 29. November 2017 zu einem persönlichen Gespräch am 5. Dezember 2017 eing eladen, welches sie jedoch ab- lehnte. Mit Schreiben vom 5. Dezember 2017 wurde A.____ das rechtliche Gehör zu einer mög- lichen Kündigung aufgrund Verhinderung an der Aufgab enerfüllung gewährt. Die Möglichkeit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zur Stellungnahme bis am 17. Dezember 2017 wurde von A .____ nicht wahrgenommen. Am 18. Dezember 2017 folgte die Kündigung durch das Kan tonsspital Baselland. Da A.____ am 2. Januar 2018 mitteilte, dass sie schwanger und mindest ens bis zum 24. Juli 2018 arbeitsun- fähig sei, erklärte das Kantonsspital Baselland die Kün digung mit Schreiben vom 14. Februar 2018 für nichtig. C. Nach Ende des Mutterschaftsurlaubs kehrte A.____ aufgr und erneuter krankheitsbe- dingter Arbeitsunfähigkeit seit dem 11. Dezember 2018 nicht an den Arbeitsplatz zurück. Am 7. Juni 2019 gewährte das Kantonsspital Baselland ihr das rechtliche Gehör zu einer beabsich- tigten Kündigung aufgrund Verhinderung an der Arbei tserfüllung. A.____ teilte daraufhin mit Schreiben vom 17. Juni 2019 mit, dass sie erneut schwanger sei, und reichte ein Attest zu ihrer ab sofort bestehenden Arbeitsunfähigkeit ein. D. Mit Schreiben vom 13. März 2020 gratulierte das Kan tonsspital Baselland A.____ zur Geburt ihres Kindes und bat sie zu einem Gespräch im April 2020 hinsichtlich der Wiederauf- nahme der Arbeit. A.____ lehnte das Gespräch ab. E. Nach dem Mutterschaftsurlaub war der Arbeitsantritt von A.____ per 2. Juni 2020 vor- gesehen. Mit Schreiben vom 28. Mai 2020 teilte A.____ mit, dass sie krankheitshalber arbeits- unfähig sei. In der Folge reichte sie jeweils die aktuel len Arztzeugnisse ein, welche die anhal- tende Arbeitsunfähigkeit attestierten. F. Mit E-Mail vom 1. September 2020 ersuchte das Kanto nsspital Baselland um die Ter- minbestätigung zu einem persönlichen Gespräch. A.___ _ entgegnete noch gleichentags, dass ihr ein persönliches Gespräch aus gesundheitlichen Gründe n nicht zugemutet werden könne, und reichte zu einem späteren Zeitpunkt ein entsprechendes Arztzeugnis ein. G. Das Kantonsspital Baselland gewährte A.____ mit Schr eiben vom 3. November 2020 das rechtliche Gehör zur in Betracht gezogenen Kündigung. Mit E-Mail vom 12. November 2020 teilte A.____ mit, dass sie seit ihrem letzten Arztbesuch aufgrund einer neuen Diagnose krank- geschrieben sei und somit eine neue Sperrfrist gelte. H. Das Kantonsspital Baselland nahm in Folge mit der Krankentaggeldversicherung von A.____ Kontakt auf. Die Krankentaggeldversicherung infor mierte, dass bis zum 23. September 2020 eine Krankschreibung aufgrund der langen unklaren Diagnose bestanden habe und es ab dem 24. September 2020 zu einem Rückfall gekommen sei. Zudem wurde ausgeführt, dass das von der Versicherung in Auftrag gegebene vertrauensärzt liche Gutachten vom 25. Juli 2020 nicht verwertbar sei, da die medizinischen Unterlagen ni cht aussagekräftig seien (E-Mail der B.____ an das Kantonsspital Baselland vom 23. November 2020). I. Mit Verfügung vom 26. November 2020 kündigte das K antonsspital Baselland das Ar- beitsverhältnis mit A.____ per 28. Februar 2021 aufgr und Verhinderung an der Aufgabenerfül- lung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Gegen die Kündigung vom 26. November 2020 erhob A. ____ mit am 7. Dezember 2020 beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Ve rfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), eingegangener Eingabe Beschwerde. Si e beantragte die kostenfällige Aufhe- bung der Verfügung vom 26. November 2020. Zur Begrün dung wurde ausgeführt, dass das Kantonsspital Baselland die notwendigen Informationen zu ihrer neuen Krankheit nicht einge- holt habe, obwohl die Möglichkeit bestanden habe. Es h abe eine Krankheit bis zum 25. September 2020 vorgelegen, anschliessend habe ein weiterer Krankheitsgrund vorgelegen und seit dem 17. November 2020 sei sie neu wegen Rückensc hmerzen krankgeschrieben. Die Kündigung sei somit in der Sperrfrist erfolgt und folglich nichtig. K. Am 5. Februar 2021 reichte das Kantonsspital Basel land seine Vernehmlassung ein und beantragte die kostenfällige Abweisung der Beschwe rde. Es wurde insbesondere auf den langen und schwierigen Austausch mit der Beschwerdeführer in, die Verletzung der Mitwir- kungspflichten durch sie und die anderslautenden medizini schen Aussagen der Krankentag- geldversicherung verwiesen. L. Mit Verfügung vom 11. März 2021 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. M. Am 3. August 2021 reichte die Beschwerdeführerin b eim Kantonsgericht einen fach- ärztlichen Bericht sowie einen radiologischen Befund ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 i.V.m. § 25 des Spitalgesetzes (Spitalgesetz) vom 17. November 2011 und Ziff. 18.4 Abs. 3 des Gesamtar beitsvertrags Kantonsspital Basel- land/Psychiatrie Baselland (GAV) vom 1. Juli 2015 könne n letztinstanzliche Verfügungen und Entscheide der Organe des Kantonsspitals Baselland und de r Psychiatrie Baselland nach den allgemeinen Bestimmungen über die Verwaltungsrechtspfl ege beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, angefochten werden. Da die Beschwerdeführerin Adressa- tin der angefochtenen Verfügung ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung hat und die übrigen formellen Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, kann auf die Be- schwerde eingetreten werden. 2. Bei der Beurteilung der Beschwerde ist die Kognitio n des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den an gefochtenen Entscheid hinsichtlich all- fälliger Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts zu über- prüfen bzw. zu prüfen, ob der Beschwerdegegner ein all fälliges Ermessen rechtsfehlerhaft aus- geübt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist dem Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Strittig ist vorliegend die Frage, ob die Kündigu ng vom 26. November 2020 durch den Beschwerdegegner rechtmässig erfolgt ist. 4.1 Die Beschwerdeführerin war beim Kantonsspital Basel land angestellt. Für die Ange- stellten des Kantonsspitals Baselland gelten die Bestimmungen des GAV, welche am 1. Januar 2016 in Kraft traten. Bis zum 31. Dezember 2015 galt für diese Angestellten das Gesetz über die Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiterinnen und Mitar beiter des Kantons (Personalgesetz) vom 25. September 1997. Der GAV ist öffentlich-rechtlicher Natur. Er stützt sich auf § 11 Spitalgesetz (Ziff. 4. Abs. 1 GAV). Das Spitalgese tz geht dem GAV vor. Können dem Spi- talgesetz und dem GAV keine Vorschriften entnommen werd en, so gelten insbesondere sinn- gemäss die Bestimmungen des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizeri- schen Zivilgesetzbuches (OR) vom 30. März 1911 und des Bu ndesgesetzes über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (Arbeitsgesetz, ArG) vom 23. März 1964 (Ziff. 4 Abs. 2 GAV). 4.2 Ziff. 10.4 GAV regelt die Beendigung des Arbeitsve rhältnisses. Gemäss Ziff. 10.4 Abs. 2 GAV endet das Arbeitsverhältnis durch Ablauf der b efristeten Anstellung (lit. a); Kündi- gung (lit. b); Fristlose Auflösung (lit. c); Auflösung in gegenseitigem Einvernehmen (lit. d); Ar- beitsunfähigkeit infolge Invalidität (lit. e); Pensionierung/vorzeitige Pensionierung (lit. f) oder Tod (lit. g). Wird eine Kündigung durch den Arbeitgeber erwogen, so ist die betroffene Person anzu- hören und es ist ihr das rechtliche Gehör zu gewähren ( Ziff. 10.5 Abs. 3 GAV). Ziff. 10.5 Abs. 4 lit. a GAV sieht vor, dass der Arbeitgeber das Arbeitsv erhältnis nach Ablauf der Probezeit kün- digen kann, wenn wesentliche Gründe diese Massnahme re chtfertigen. Ein wesentlicher Grund liegt vor, wenn die Mitarbeitenden längerfristig oder dauernd an der Aufgabenerfüllung verhin- dert sind. Ab wann ein Fall von längerfristiger oder dauernder Verhinderung an der Aufgabener- füllung vorliegt, ist im Einzelfall zu klären (N OAH BIRKHÄUSER , Die Kündigung im öffentlichen Personalrecht des Kantons Basel-Landschaft, in: Basler Juristische Mitteilungen [BJM] 2009, S. 12 f.; NICOLE SCHULER LEBER , Das Personalrecht des Kantons Basel-Landschaft, in: Bia ggi- ni/Achermann/Mathis/Ott, Staats- und Verwaltungsrecht d es Kantons Basel-Landschaft, 3. Band, 2007, S. 161 f.). Die Kündigungsfrist beträ gt nach Ablauf der Probezeit drei Monate (Ziff. 10.6 Abs. 1 GAV). 4.3 Ziff. 10.11 Abs. 1 lit. b GAV regelt die Sperrfr ist und statuiert, dass nach Ablauf der Probezeit der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis nicht kün digen darf, während der Arbeitnehmer ohne eigenes Verschulden durch Krankheit oder durch Un fall ganz oder teilweise an der Ar- beitsleistung verhindert ist, und zwar im ersten Dienstjahr während 90 Tagen und ab dem zwei- ten Dienstjahr während 180 Tagen. Gemäss Ziff. 10.11 Abs. 3 GAV ist eine während der Sperr- frist ausgesprochene Kündigung nichtig. Ist dagegen di e Kündigung vor Beginn einer solchen Frist erfolgt, aber die Kündigungsfrist bis dahin noc h nicht abgelaufen, so wird deren Ablauf unterbrochen und erst nach Beendigung der Sperrfrist fortgesetzt. Das Bundesgericht hat mehr- fach in seiner Rechtsprechung zum gleichlautenden Art. 3 36c Abs. 2 OR entschieden, dass jeder Verhinderungsfall nach Art. 336c Abs. 1 OR, wel cher auf einer neuen Krankheit oder ei- nem neuen Unfall beruht, eine neue Sperrfrist auslöst. Krankheiten und Unfälle sind neu, wenn sie zu früheren Krankheiten oder Unfällen in keinem Zusammenhang stehen (Urteil des Bun- desgerichts 8C_275/2020 vom 6. August 2020 E. 5.1.3; BG E 124 III 474 E. 2b/aa; 120 II 124 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3d). Es gilt zu beachten, dass die neue Arbeitsverhin derung nicht auf dem gleichen Grund beruht wie eine frühere. Rückfälle oder Folgeerscheinungen lösen keine neuen Sperrfristen aus (ULLIN S TREIFF /ADRIAN VON KAENEL /ROGER RUDOLPH , Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319-362 OR, 7. Aufl., Zürich 2012, N 4 zu Art. 3 36c OR). Sperrfristen haben zum Zweck, den Arbeitnehmer vor dem Verlust seiner Arbeitsstelle zu schützen, nämlich dann, wenn er in der Regel keine Möglichkeit zur Stellensuche hat oder keine Anstellung finden würde, wenn der Arbeitsgeber Kenntnis von der momentanen Arbeitsunfäh igkeit hätte (S TREIFF /VON KAENEL / RUDOLPH , a.a.O., N 2 zu Art. 336c OR). 4.4 Das Kantonsgericht ermittelt den Sachverhalt von Am tes wegen (§ 12 Abs. 1 VPO). Der Untersuchungsgrundsatz hat jedoch keinen Einfluss auf die objektive Beweislast. Bleibt ein Sachumstand unbewiesen, so greift die allgemeine Beweislastregel nach Art. 8 des Schweizeri- schen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 im ö ffentlichen Verfahrensrecht ana- log (Entscheid des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassun gs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 15. Februar 1017 [810 16 127] E. 4.3.2). Die beschwerdeführende Person trägt die objekti- ve Beweislast, wonach unbewiesen gebliebene Behauptungen für den Entscheid keine Berück- sichtigung finden (vgl. BGE 121 II 257 E. 4c). Für den Beweis der krankheitsbedingten Arbeits- unfähigkeit reicht in der Regel das Vorliegen eines ärztlichen Zeugnisses. Ein Arztzeugnis muss dem Arbeitgeber grundsätzlich nur dann eingereicht wer den, wenn diese Pflicht im Arbeitsver- trag oder in einem GAV vorgesehen ist (O LIVER KÄLIN , Das Arztzeugnis als Beweismittel bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten, in: Schweizerische Zeitschrift für Zivilprozess- und Zwangsvoll- streckungsrecht [ZZZ] 2006, S. 335). Der hier massgebende GAV bestimmt in Ziff. 13.1 Abs. 1, dass der Mitarbeiter im Falle der Arbeitsverhinderung umgehend den Vorgesetzten benachrich- tigen muss und die voraussichtliche Dauer bekannt gibt. B ei krankheitsbedingter Absenz von Mitarbeitenden ist der Arbeitgeber berechtigt, ein A rztzeugnis zu verlangen. Auf jeden Fall ha- ben die Mitarbeitenden ab dem 6. Absenztag ein Arztzeug nis beizubringen (Ziff. 13.1 Abs. 4 GAV). Der Arbeitgeber ist berechtigt, erkrankte Mitarbe iter durch einen Vertrauensarzt untersu- chen zu lassen (Ziff. 13.2 Abs. 2 GAV). Gemäss Ziff. 13. 2 Abs. 1 GAV wird der Arbeitnehmer zudem dazu angehalten, den behandelnden Arzt auf Verl angen des Arbeitgebers von der Schweigepflicht gegenüber dem Vertrauensarzt zu entbinden. 4.5 Nach § 12 Abs. 1 VPO stellt das Gericht von Amtes wege n die für den Entscheid we- sentlichen Tatsachen fest und ist in der Beweiswürdigu ng frei. Gemäss Empfehlung enthält ein Arztzeugnis einen Stempel, das Datum sowie eine eigenhändige Unterschrift des behandelnden Arztes, andernfalls ist es generell nicht gültig (vgl. E mpfehlung zur Ausstellung von ärztlichen Zeugnissen, Ärztegesellschaft des Kantons Zürich AGZ vom 7. Juni 2000). In der Regel werden Grad sowie Dauer der Arbeitsunfähigkeit festgehalten , nicht aber eine Begründung resp. eine Diagnose (KÄLIN , a.a.O., S. 335 f.). Dies hat seine Gründe im Beruf sgeheimnis des Arztes und dient zugleich dem Schutz der Persönlichkeit des Arbeitnehmers (KÄLIN , a.a.O., S. 336 f.). 5.1 Das Kantonsspital Baselland führt in seiner Verneh mlassung vom 5. Februar 2021 aus, die aufgrund der Arbeitsunfähigkeit bestehende Sperrf rist sei im November 2020 abgelaufen. Nachdem der Beschwerdeführerin am 3. November 2020 das rechtliche Gehör zu einer beab- sichtigten Kündigung gewährt worden sei, habe sie mit E-Mail vom 12. November 2020 mitge- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilt, dass sie seit ihrem letzten Arztbesuch mit einer neuen Diagnose krankgeschrieben sei. Das Kantonsspital Baselland habe daraufhin versucht, zu schlüssigen Informationen über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zu gelangen, da diese keine entsprechende ärzt- liche Bescheinigung beigebracht habe. Nach Anfrage des Kantonsspitals Baselland habe die zuständige Krankentaggeldversicherung mitgeteilt, dass d ie Beschwerdeführerin immer noch aufgrund derselben Krankheit arbeitsunfähig sei. Inf olgedessen sei die Kündigung des Arbeits- verhältnisses verfügt worden. 5.2 Die Beschwerdeführerin stellt sich in ihrer Beschwe rde auf den Standpunkt, dass das Kantonsspital Baselland die notwendigen Informationen über ihre vorliegende Krankheit von der medizinischen Praxisassistentin hätte erhalten können. Da s Kantonsspital Baselland habe es jedoch unterlassen, die notwendigen Informationen einzuholen. Zudem verweist sie auf das der Beschwerde beigelegte ärztliche Zeugnis vom 4. Dezembe r 2020, welches darlege, dass sie seit dem 17. November 2020 wegen Rückenproblemen krank geschrieben sei. Die Kündigung habe sich somit auf einen falschen Sachverhalt gestützt u nd sei innerhalb der Sperrfrist erfolgt, weshalb sie nichtig sei. Mit Eingabe, welche am 3. August 2021 beim Kantonsgericht einging, reichte die Beschwerdeführerin einen radiologischen Bef und sowie einen fachärztlichen Bericht ein, welche ihre neue Erkrankung (Bandscheibenvorfall) belegen sollen. 6.1 Mit E-Mail vom 12. November 2020 teilte die Beschw erdeführerin dem Beschwerde- gegner mit, dass sie aufgrund einer neuen Diagnose kra nkgeschrieben sei. Für weitere Aus- künfte verwies die Beschwerdeführerin den Beschwerdegeg ner mit E-Mail vom 23. November 2020 an die Krankentaggeldversicherung. Eine Entbindu ng des behandelnden Arztes von der Schweigepflicht gegenüber dem Beschwerdegegner lehnte si e ausdrücklich ab. Die Beschwer- deführerin erteilte nach wiederholter Aufforderung durch den Beschwerdegegner schliesslich der medizinischen Praxisassistentin ihrer Arztpraxis eine V ollmacht, damit diese gegenüber dem Beschwerdegegner die Diagnose, welche vom 17. November 2020 bis zum 23. November 2020 bestanden habe, bestätigen könne. Der Beschwerdegegner habe am 20. November 2020 in der Praxis angerufen, jedoch niemanden erreicht. Da am 23. November 2020 ein erneuter Arzttermin der Beschwerdeführerin angestanden habe, vo n dem Aufschluss über die Arbeitsfä- higkeit erwartet worden sei, habe der Beschwerdegegner auf eine erneute Kontaktaufnahme mit der Mitarbeiterin der Arztpraxis verzichtet. Am 23. November 2020 reichte die Beschwerde- führerin das Arztzeugnis nach und teilte gleichzeitig mit, dass ihr Arzt keine diagnosebezogenen Atteste ausstellen werde und auch im Übrigen dem Beschw erdegegner keine Auskünfte erteile. Auf Anfrage des Kantonsspitals Baselland hielt die zust ändige Krankentaggeldversicherung B.____ in ihrer E-Mail vom 23. November 2020 fest, da ss die Arztsekretärin gegenüber der B.____ mitgeteilt habe, dass die Beschwerdeführerin ni cht durchgehend krankgeschrieben ge- wesen sei und die Behandlung im Januar 2019 abgeschlosse n worden sei. Anschliessend sei sie schwanger geworden und habe wegen der Risikoschwangersch aft krankgeschrieben wer- den müssen. Darauf sei der Mutterschaftsurlaub gefolgt. Bis zum 23. September 2020 sei die Beschwerdeführerin wegen einer während langer Zeit u nklaren Diagnose krankgeschrieben gewesen. Ab dem 24. September 2020 habe ein Rückfall vorgelegen. Ferner sei im vorliegen- den Fall im Juli 2020 ein vertrauensärztliches Gutachten durch den Vertrauensarzt der B.____ Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht erstellt worden, welches sich mangels einschlägiger Unte rlagen des behandelnden Arztes der Beschwerdeführerin als unbrauchbar erwiesen habe. 6.2 Es stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin d ie geltend gemachte neue Krank- heit und die daraus folgende krankheitsbedingte Arbeits unfähigkeit, welche sie am 12. Novem- ber 2020 ihrem Arbeitgeber gemeldet hat und seit dem 17. November 2020 bestehen soll, hin- reichend belegt hat. Es kann aufgrund der Akten festge stellt werden, dass das Kantonsspital Baselland aufgrund der anhaltenden Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin immer wieder das Gespräch gesucht hat, wobei dies jeweils seitens der Beschwerdeführerin verweigert wurde bzw. die Kommunikation nur auf schriftlichem Weg erfol gte. Ferner entband die Beschwerde- führerin entgegen ihrer Pflicht nach Ziff. 13.2 Abs. 1 GAV ihren Arzt nicht von der Schweige- pflicht, so dass ihr Arbeitgeber keine Informationen übe r ihre allfällige Arbeitsunfähigkeit erlan- gen konnte. Schliesslich wandte sich das Kantonsspital Base lland an die Krankentaggeldversi- cherung der Beschwerdeführerin, um an die benötigten Informationen zu gelangen. Gestützt auf die Auskunft der B.____, welche wiederum nur das wiede rgeben konnte, was in den vom be- handelnden Arzt erhaltenen Unterlagen enthalten war, musste das Kantonsspital Baselland davon ausgehen, dass es sich bei der erneuten Krankschrei bung der Beschwerdeführerin um einen Rückfall handelte. Die Beschwerdeführerin war zu vor nicht bereit, Auskünfte über die vo- rangegangenen Krankheiten an den Beschwerdegegner zu erteilen. Dem Kantonsspital Basel- land blieb mangels anderslautender Informationen nich ts anderes übrig, als auf die Auskunft der B.____ abzustellen. 6.3 Das zusammen mit der Beschwerde eingereichte Arztzeug nis der Beschwerdeführerin enthält mehrere Diagnosen, namentlich das Reizdarmsynd rom, die psychische Dekompensati- on/Anpassungsstörung und die Lumboischialgie rechts. Diese Diagnosen lassen für sich allein nicht auf eine allfällig bestehende Arbeitsunfähigkei t schliessen. Ferner enthält das Zeugnis vom 4. Dezember 2020 keine Angaben zum Grad der Arbeitsunfähigkeit. Das Arztzeugnis weist somit keine Aussagekraft hinsichtlich der rechtlich relevant en krankheitsbedingten Arbeitsunfä- higkeit auf. Die Beschwerdeführerin hat mit undatiert er Eingabe, welche am 3. August 2021 beim Kantonsgericht einging, weitere Unterlagen einge reicht. Darunter befindet sich ein ambu- lanter Bericht der Neurochirurgie vom 1. März 2021 des Kantonsspitals Aarau sowie ein Unter- suchungsbericht des Radiologischen Zentrums in Baden vom 2 . Februar 2021. Beide Berichte enthalten eine Anamnese, Befunde und eine Beurteilun g zum weiteren Prozedere. Sie äussern sich jedoch nicht zum Grad der Arbeitsunfähigkeit. Den beiden Berichten kann nicht entnom- men werden, inwiefern der Befund eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bzw. -unfähigkeit der Beschwerdeführerin hat. Auch die allfällige Daue r einer Arbeitsunfähigkeit lässt sich aus den Berichten nicht entnehmen. Die von der Beschwerdefü hrerin eingereichten Unterlagen be- legen somit nicht eine auf einer neuen Krankheit basie rende Arbeitsunfähigkeit, welche eine neue Sperrfrist auslösen würde. Da aufgrund der Akten eine Arbeitsunfähigkeit infolge einer neuen Krankheit nicht erstellt ist, hat die Beschwerdef ührerin in Anbetracht der Beweislastregel gemäss Art. 8 ZGB das Risiko der Beweislosigkeit zu tragen. 6.4 Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, i hre aufgrund einer neuen Krankheit eingetretenen krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit, welche seit November 2020 bestehen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht soll, hinreichend darzulegen, ist keine neue Sperrfrist ausgelöst worden, welche die Nichtigkeit der Kündigung zur Folge hat. Die Kündigung ist folglich grundsätzlich zulässig. 7.1 Liegt ein Kündigungsgrund vor, muss sich der Arbeit geber darüber hinaus an den Grundsätzen staatlichen Handelns orientieren (H ARRY NÖTZLI , in: Portmann/Uhlmann [Hrsg.], Handkommentar zum Bundespersonalgesetz, Bern 2013, Rz 5 z u Art. 12 BPG). Als Eingriff in die Rechte der Betroffenen muss eine Kündigung eines öf fentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnis- ses damit insbesondere den Grundsatz der Verhältnismässi gkeit beachten (BGE 101 Ia 172 E. 3). Die Kündigung setzt demnach eine Interessenabwä gung voraus und erweist sich dann als verhältnismässig, wenn sie zur Verwirklichung des im öff entlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und notwendig ist (ULRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Ver- waltungsrecht, 8. Aufl., Zürich/St. Gallen 2020, Rz 51 4 ff. und 2018). Damit ist eine Kündigung grundsätzlich sachlich begründet, wenn die Weiterbeschäfti gung des betreffenden Angestellten dem öffentlichen Interesse, insbesondere demjenigen ei ner gut funktionierenden Verwaltung widerspricht (P ETER HÄNNI , Das öffentliche Dienstrecht der Schweiz, 2. Aufl., Z ürich 2008, S. 549 und S. 558; KGE VV vom 18. November 2015 [810 15 18] E. 6.2). 7.2 Das öffentliche Interesse an der Beendigung des Ar beitsverhältnisses ergibt sich aus dem Umstand, dass das Kantonsspital Baselland nicht funkti onieren kann, wenn die Arbeit durch die Mitarbeitenden nicht erbracht wird. Das Kanto nsspital Baselland ist für das Funktio- nieren des Betriebs auf die Arbeitsleistung der Mitar beitenden angewiesen. In Anbetracht der langen Abwesenheit der Beschwerdeführerin und weil si ch keine Veränderung in dieser Hin- sicht abzeichnet, liegt eine Weiterbeschäftigung nicht i m Interesse eines gut funktionierenden Betriebs und damit nicht im öffentlichen Interesse. Di e Kündigung ist geeignet, das im öffentli- che Interesse liegende Ziel eines gut funktionierenden Betriebs zu erreichen. Zudem ist die Kündigung notwendig, da keine milderen Massnahmen ersich tlich sind, welche denselben Zweck erreichen würden. Die öffentlichen Interessen überw iegen die privaten Interessen der Beschwerdeführerin an der Weiterführung des Arbeitsver hältnisses, weshalb die Kündigung verhältnismässig ist. 8. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdefüh rerin nicht darlegen konn- te, dass eine neue Krankheit vorliegt, welche eine neu e Sperrfrist auslöste. Im Zeitpunkt der angefochtenen Kündigung lag folglich keine krankheitsbedi ngte Sperrfrist gemäss Ziff. 10.11 Abs. 1 lit. b GAV vor. Unter Würdigung des vorliegen den Sachverhalts ist aufgrund der anhal- tenden Verhinderung an der Arbeitserfüllung durch die Beschwerdeführerin ein wesentlicher Grund für die Kündigung im Sinn von Ziff. 10.5 Abs. 4 lit. a GAV zu bejahen. Die Kündigung vom 26. November 2020 erfolgte demzufolge rechtmässig. D ie Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und ist vollumfänglich abzuweisen. 9. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1 '800.-- ausgangsgemäss der Be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführerin aufzuerlegen und mit dem geleisteten K ostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- zu verrechnen. Die Parteikosten sind gemäss § 21 VPO wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.