<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">[AZA 0] </div> <div class="para">I 34/01 Vr </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV. Kammer </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Borella, Rüedi und Bundesrichterin Leuzinger; </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Jancar </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 26. Juni 2001 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para">H.________, 1971, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Roland Ilg, Rämistrasse 5, 8024 Zürich, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para">IV-Stelle des Kantons Thurgau, St. Gallerstrasse 13, 8500 Frauenfeld, Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para">AHV/IV-Rekurskommission des Kantons Thurgau, Weinfelden </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der 1971 geborene H.________ war als Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft tätig. Am 19. Mai 1998 erlitt er beim Sturz von einer Grasmähmaschine eine Femurschaftfraktur rechts. Am 24. November 1999 meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle des Kantons Thurgau prüfte in der Folge die Rentenfrage. Zu diesem Zweck holte sie Berichte des Dr. med. R.________, Allgemeine Medizin FMH (vom 2. Juli 1998, 9. und 22. Januar 1999 sowie 26. Februar 1999), der Dres. med. U.________ und S.________ (vom 10. Juli 1998), des Dr. med. F.________, Orthopädische Chirurgie FMH, Klinik X.________ AG (vom 14. </div> <div class="para">und 22. Juli 1998, 7. September 1998, 1. März 1999 und </div> <div class="para">13. Dezember 1999), und des Dr. med. Z.________, Arzt für Allgemeine Medizin FMH (vom 31. Mai 1999, 25. Juni 1999 und </div> <div class="para">26. Oktober 1999), sowie zwei Unfallscheine UVG ein. Gestützt auf diese Unterlagen verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 30. Juni 2000 den Rentenanspruch, da der Versicherte kein Jahr lang ohne wesentlichen Unterbruch in rentenbegründendem Ausmass arbeitsunfähig gewesen sei. </div> <div class="para">Die dagegen erhobene Beschwerde wies die AHV/IV-Rekurskommission des Kantons Thurgau ebenso wie das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung ab (Entscheid vom 21. Dezember 2000). </div> <div class="para">Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde lässt H.________ beantragen, es sei ihm eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; ferner ersucht er sowohl für das vor- als auch für das letztinstanzliche Verfahren um Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung. </div> <div class="para">Die IV-Stelle schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, während sich das Bundesamt für Sozialversicherung nicht vernehmen lässt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.- Die Vorinstanz hat die gesetzliche Bestimmung und die Grundsätze über den Beginn des Rentenanspruchs (<span class="artref">Art. 29 Abs. 1 IVG</span>; AHI 1998 S. 124) sowie den Begriff der Arbeitsunfähigkeit (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=24&amp;from_date=25.06.2001&amp;to_date=14.07.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F105-V-156%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page159">BGE 105 V 159</a> Erw. 2a, 97 V 231 Erw. 2; vgl. auch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=24&amp;from_date=25.06.2001&amp;to_date=14.07.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F114-V-281%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page286">BGE 114 V 286</a> Erw. 3c) zutreffend dargelegt. Richtig ist auch die Feststellung, dass die einjährige Wartezeit gemäss <span class="artref">Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG</span> nach einem wesentlichen Unterbruch bei erneuter (relevanter) Arbeitsunfähigkeit ohne Anrechnung der bis zum Unterbruch bereits zurückgelegten Perioden von Arbeitsunfähigkeit neu zu laufen beginnt (nicht veröffentlichtes Urteil R. vom 17. September 1993, I 209/91; Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 236). Darauf kann verwiesen werden. </div> <div class="para">Zu ergänzen ist, dass nach <span class="artref">Art. 4 Abs. 1 IVG</span> als Invalidität die durch einen körperlichen oder geistigen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit gilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Wartezeit nach <span class="artref">Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG</span> wird unterbrochen, wenn der Versicherte an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (<span class="artref">Art. 29ter IVV</span>). Ein Unterbruch kann nur dann angenommen werden, wenn während mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen eine wirtschaftlich verwertbare Arbeitsfähigkeit bestand, ohne Rücksicht auf die Entlöhnung (Meyer-Blaser, a.a.O., S. 236 mit Hinweis auf die Rechtsprechung). </div> <div class="para">Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=24&amp;from_date=25.06.2001&amp;to_date=14.07.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-256%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page261">BGE 125 V 261</a> Erw. 4, 115 V 134 Erw. 2, 114 V 314 Erw. 3c, 105 V 158 Erw. 1). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.- Streitig ist als Erstes der Anspruch auf eine Invalidenrente. </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer erlitt am 19. Mai 1998 eine Femurschaftfraktur rechts. Da das Leiden labiler Natur ist, richtet sich der Rentenbeginn nach <span class="artref">Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG</span>. </div> <div class="para">Aufgrund der medizinischen Unterlagen steht fest, dass der Beschwerdeführer ab 19. Mai 1998 bis 19. Januar 1999 100 % und ab 20. Januar 1999 bis 2. Februar 1999 50 % arbeitsunfähig war. Vom 3. Februar 1999 bis 31. Oktober 1999 war er indessen im angestammten Beruf 100 % arbeitsfähig. </div> <div class="para">Ab 1. November 1999 - als die Femurnagel-Stellschrauben entfernt wurden - wurde ihm wieder eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Berichte des Dr. med R.________ vom 26. Februar 1999, des Dr. med. Z.________ vom 25. Juni und </div> <div class="para">31. Mai 1999 sowie des Dr. med. F.________ vom 13. Dezember 1999; Unfallscheine UVG). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die am 19. Mai 1998 begonnene einjährige Wartezeit durch die vom 3. Februar 1999 bis 31. Oktober 1999 dauernde unverminderte Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Sinne von <span class="artref">Art. 29ter IVV</span> unterbrochen worden ist. Der zuständige Unfallversicherer erbrachte denn auch in dieser Zeit keine Taggeldleistungen. </div> <div class="para">Ein Rentenanspruch ist demzufolge zumindest bis zum massgeblichen Datum der angefochtenen Verfügung vom 30. Juni 2000 (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=24&amp;from_date=25.06.2001&amp;to_date=14.07.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-V-362%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page366">BGE 121 V 366</a> Erw. 1b mit Hinweisen) nicht entstanden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Daran vermögen die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhobenen Einwendungen nichts zu ändern. Das Vorbringen, die Invalidenversicherung habe auch eine nicht unfallkausale Arbeitsunfähigkeit zu berücksichtigen, ist unbehelflich, da keine anderen als die unfallbedingten Leiden in Frage stehen. Die Einwände, dass der Beschwerdeführer ab 1. November 1999 erneut arbeitsunfähig gewesen sei und der Unfallversicherer die Taggeldleistungen wieder aufgenommen habe, ändern nichts daran, dass im fraglichen Zeitraum vom 19. Mai 1998 bis 30. Juni 2000 keine im Wesentlichen ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % vorlag. </div> <div class="para">Der vorinstanzliche Entscheid ist deshalb nicht zu beanstanden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.- Streitig ist weiter, ob die Vorinstanz zu Recht das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung abgewiesen hat. </div> <div class="para">a) Gemäss <span class="artref">Art. 69 IVG</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 85 Abs. 2 lit. f AHVG</span> ist die unentgeltliche Verbeiständung vor der kantonalen Rekursbehörde zu bewilligen, wenn die Verhältnisse es rechtfertigen. Ob und unter welchen Voraussetzungen darauf ein Anspruch besteht, beurteilt sich somit nach Bundesrecht (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=24&amp;from_date=25.06.2001&amp;to_date=14.07.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-54%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page57">BGE 110 V 57</a> Erw. 3a). Nach der Rechtsprechung sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die Verbeiständung durch einen Anwalt notwendig oder doch geboten ist (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=24&amp;from_date=25.06.2001&amp;to_date=14.07.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-201%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page202">BGE 125 V 202</a> Erw. 4a, 122 III 393 Erw. b). </div> <div class="para">Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Praxis Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. </div> <div class="para">Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. </div> <div class="para">Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=24&amp;from_date=25.06.2001&amp;to_date=14.07.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-265%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page275">BGE 125 II 275</a> Erw. 4b, 124 I 306 Erw. 2c mit Hinweis). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Der Beschwerdeführer brachte im vorinstanzlichen Verfahren keine ernsthaften und begründeten Einwände gegen die ärztlich ausgewiesene volle Arbeitsfähigkeit in der Zeit vom 3. Februar bis 31. Oktober 1999 vor, weshalb die Beschwerde als aussichtslos zu bezeichnen ist. Die Vorinstanz hat daher das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung im Ergebnis zu Recht abgewiesen. Unter diesen Umständen kann offen bleiben, ob die vorinstanzlichen Ausführungen zur Gebotenheit der anwaltlichen Vertretung korrekt sind. </div> <div class="para">4.- Da die Verwaltungsgerichtsbeschwerde offensichtlich unbegründet ist, wird sie im Verfahren gemäss <span class="artref">Art. 36a OG</span> erledigt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5.- Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde muss als aussichtslos bezeichnet werden, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung abzuweisen ist (<span class="artref">Art. 152 Abs. 1 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para">III. Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV.Dieses Urteil wird den Parteien, der AHV/IV-Rekurskommission des Kantons Thurgau, der Ausgleichskasse des Kantons Thurgau und dem Bundesamt für Sozialversicherung </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">zugestellt. </div> <div class="para">Luzern, 26. Juni 2001 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der IV. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>