B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3956/2020 U r t e i l v o m 2 7 . A u g u s t 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichterin Mia Fuchs, mit Zustimmung von Richterin Barbara Balmelli, Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. Parteien A._______, geboren am (…), Albanien, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist); Verfügung des SEM vom 29. Juli 2020 / N (…). D-3956/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu- folge zuletzt am 7. Februar 2020 zusammen mit seiner Ehefrau und seiner Tochter. Mit einem Taxi fuhren sie unter Verwendung ihres Reisepasses über verschiedene Staaten in die Schweiz. Währe nd die Ehefrau und die Tochter weitergereist seien – mutmasslich in die Niederlande, wo sich sein Sohn B._______ aufhalte – stellte er am 11. Februar 2020 in der Schweiz ein Asylgesuch. Nach der Personalienaufnahme am 17. Februar 2020 im Bundes-asylzentrum (…) wurde mit dem Beschwerdeführer am 10. März 2020 eine Erstbefragung durchgeführt. In der Folge hörte ihn das SEM am 29. Mai 2020 einlässlich zu seinen Asylgründen an. Mit Verfügung vom 9. Juli 2020 wurde er dem erweiterten Verfahren zugewiesen. B. B.a Der Beschwerdeführer machte geltend, er stamme aus C._______, sei verheiratet und habe drei erwachsene Kinder. Er habe bis 1990 als (…) gearbeitet und sei danach in verschiedenen handwerklichen Berufen tätig gewesen. Im Jahr (...) habe er ein Erbschaftsverfahren eingeleitet. Weil die staatlichen Stellen korrupt seien und die Gegenseite die Richter bezahlt habe, sei zu seinen Ungunsten entschieden worden und er habe einen grossen Vermögensschaden erlitten. In den folgenden Jahren habe er sich bei verschiedenen Behörden und Institutionen beschwert. Unter anderem habe er im Jahr 2008 ein Schreiben an den Justizminister gerichtet und ihn über die Machenschaften der involvierten Richter, Staatsanwäl te und Rechtsanwälte informiert, insbesondere auch darüber, dass ein Staatsan- walt namens D._______ korrupt sei. Um ihn mundtot zu machen, habe die- ser gestützt auf gefälschte Beweise und mit Hilfe von manipulierten Zeugen ein Strafverfahren gegen seinen Sohn B._______ eingeleitet. Wegen an- geblichen Raubüberfallen sei sein Sohn daraufhin zu zehn Jahren Haft ver- urteilt worden. Auch darüber habe er den Justizminister und verschiedene höhere Amtsstellen in Kenntnis gesetzt. Weil diese aber gut miteinander vernetzt seien, sei er nicht durchgekommen mit seinen Anliegen und sämt- liche Berufungsverfahren seien fehlgeschlagen. Auf seine Beschwerden hin habe er oft gar keine Antwort erhalten. Nach achteinhalb Jahren in Haft sei B._______ Ende 2015 wegen guter Führung vorzeitig entlassen wor- den. Als er selbst wenige Tage später auf der Strasse unterwegs gewesen sei, habe eine unbekannte Person auf ihn geschossen, wobei sie ihn aber nicht getroffen habe. Anzeige habe er nicht erstattet, da er keine Hoffnung auf eine Untersuchung der Sache gehabt habe. Da er weiterhin um seine D-3956/2020 Seite 3 Rechte gekämpft habe, sei er zudem mündlich bedroht und mehrmals zu Unrecht verhaftet sowie in Strafverfahren verwickelt worden. Als er die Si- tuation nicht mehr ausgehalten habe, sei er mit seiner Ehefrau sowie den beiden älteren Kindern im Februar 2017 in die Niederlande gegangen. Dort habe er ein Asylgesuch gestellt, welches zweimal abgewiesen worden sei; ein drittes Verfahren sei noch hängig. In den Niederlanden sei er erneut bedroht worden durch eine unbekannte Person. Diese gehöre zu einer kri- minellen Gruppierung und habe seinen Sohn B._______ per SMS kontak- tiert. Dabei sei es auch um die Tonbandaufnahme eines Gesprächs zwi- schen ihm und D._______ gegangen, in welchem letzterer seine Machen- schaften zugegeben habe. Schliesslich sei er selbst, seine Frau u nd die Tochter von der niederländi schen Polizei abgeholt und am (…) Februar 2020 nach Albanien ausgeschafft worden. Sein Sohn B._______ sei von der Polizei nicht angetroffen worden und in den Niederlanden verblieben. Nach fünf Tagen hätten sie ihren Heimatstaat erneut verlassen. B.b Der Beschwerdeführer reichte seinen albanischen Pass, seine Identi- tätskarte und seinen Führerschein im Original sowie Kopien der Pässe sei- ner Ehefrau und seiner Tochter ein. Weiter legte er den Ausdruck eines Chatverlaufs zwischen seinem Sohn B._______ und einer unbekannten Person vor. Zudem reichte er dem SEM eine selbst erstellte, in albanischer Sprache verfasste 16-seitige Zusammenfassung der Ereignisse in Alba- nien ein und nahm dabei auf 55 Dokumente in albanischer Sprache – ins- besondere Gerichtsurteile, Beschwerdeschreiben an die Behörden sowie deren Antworten – Bezug, welche er ebenfalls zu den Akten gab. C. Mit am Folgetag eröffneter Verfügung vom 29. Juli 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch gestützt auf Art. 40 i.V.m. Art. 6 a Abs. 2 Bst. a AsylG (SR 142.31) ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Weiter hielt es fest, der Beschwerdeführer sei verpflichtet, die Schweiz sowie den Schengen-Raum bis am Tag nach Eintritt der Rechtskraft zu verlassen, an- dernfalls könne die Wegweisung unter Zwang vollzogen werden. Sodann wurde der zuständige Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt und die editionspflichten Akten dem Beschwerdeführer ausgehändigt. D. Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 6. August 2020 beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese n Entscheid und be an-D-3956/2020 Seite 4 tragte, die Verfügung des SEM sei aufzuheben, seine Flüchtlingseigen- schaft sei festzustellen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Weiter sei fest- zustellen, der Vollzug der Wegweisung sei unzulässig, unzumutbar und un- möglich und eine vorläufige Aufnahme sei anzuordnen. In verfahrensrecht- licher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistands. Zudem sei eventuell die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen. E. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 7. August 2020 den Eingang der Beschwerde. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Gericht gleichen- tags in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffend e Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung – einzutreten. 1.4 Soweit in der Rechtsmitteleingabe eventualiter die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung beantragt wird, ist festzuhalten, dass der Be- schwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (vgl. D-3956/2020 Seite 5 Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz diese vorlie- gend nicht entzogen hat. In Ermangelung eines Rechtsschutzinteresses ist auf diesen Antrag daher nicht einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zwei ten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchfü hrung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfäl schte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Die Vorinstanz lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 40 AsylG i.V.m. Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG ab. Gemäss Art. 40 AsylG wird ein Asylgesuch ohne weitere Abklärungen abgelehnt, wenn auf-D-3956/2020 Seite 6 grund der Anhörung offenkundig wird, dass Asylsuchende ihre Flüchtlings- eigenschaft weder beweisen noch glaubhaft machen können und ihrer Wegweisung keine Gründe entgegenstehen. Gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet der Bundesrat Staaten als sichere Drittstaaten, in denen nach seinen Feststellungen Sicherheit vor Verfolgung herrscht. Bei Alba- nien handelt es sich gemäss Anhang 2 der Asylverordnung 1 (SR 142.311) um einen verfolgungssicheren Staat. 5. 5.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen aus, dass sämtliche der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Prob- leme mit den albanischen Gerichten auf gängigen behördlichen Prozessen beruhten. Diese seien zwar nicht zu seinen Gunsten verlaufen, es gelinge ihm aber nicht, schlüssig darzulegen, dass dahinter Machenschaften ge- gen seine Person stünden. Es sei weder ein flüchtlingsrechtlich relevantes Verfolgungsmotiv noch ein Verfolgungsinteresse der albanischen Behör- den an ihm persönlich ersichtlich, da er nicht über ein politisches Profil ver- füge. Die geltend gemachten Anzeigen und Verfahren gegen ihn – wegen Drohungen gegen einen Rechtsanwalt und Missachtung der Sicherheits- vorschriften in einem Gefängnis – seien als legitime staatliche Massn ah- men zur Ahndung von Straftaten zu taxieren. Daraus lasse sich keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung ableiten, zumal er in allen Belan- gen freigesprochen worden sei und ihm der Rechtsweg jederzeit offen ge- standen habe. Sein Sohn B._______ sei gemäss den eingereichten Doku- menten von fünf verschiedenen geschädigten Personen des Raubes sowie der Körperverletzung bezichtigt worden. E in politisches Motiv für dessen Verurteilung sei nicht ersichtlich, weshalb das SEM von einer legitimen staatlichen Verfolgung ausgehe. Dem Vorbringen, dass der Sohn eigentlich wegen den Problemen des Beschwerdeführers verurteilt worden sei, fehle es an jeglicher Grundlage. Vielmehr würden die eingereichten Chatnach- richten belegen, dass der Sohn sehr wahrscheinlich aufgrund von illegalen Geschäften mit Kokain Probleme mit kriminellen Banden habe. Die Ein- schätzung des Beschwerdeführers, dass im Chat auf seinen eigenen Kon- flikt mit dem Staatsanwalt D._______ eingegangen werde, könne nicht ge- teilt werden, da sich dem Chatprotok oll keine Anzeichen für eine Verbin- dung zu seiner Person entnehmen liessen. Die Ausführungen des Be- schwerdeführers, dass sowohl die albanische Polizei, die Staatsanwalt- schaft sowie die Richterschaft bis hin zum höchsten Gericht korrupt seien und mit kriminellen Banden zusammenarbeiten würden, seien unbegrün- det und haltlos. Aus den vorgelegten Unterlagen gehe hervor, dass sich die albanischen Behörden jahrelang sowohl mit seinen Korruptionsvorwürfen D-3956/2020 Seite 7 als auch mit dem Fall seines Sohnes auseinandergesetzt hätten. In einem Schreiben werde dem Beschwerdeführe r von Seiten der Behörden zum wiederholten Mal mitgeteilt, dass der Staatsanwalt D._______ – welchen er für die Verurteilung seines Sohnes verantwortlich mache – weder in sei- nen Gerichtsprozess noch in Ermittlungen gegen seine Familienmitglieder involviert gewesen sei. Zudem habe ihn das Justizministerium in einem an- deren Schreiben darüber informiert, dass im Rahmen der Untersuchungen zu seinen Korruptionsvorwürfen keine Anzeichen von Korruption hätten ge- funden werden können. Es sei auch zu erwähnen, dass das Gerichtsurteil betreffend seinen Sohn bis zur höchsten Instanz der albanischen Recht- sprechung angefochten und der entsprechende Rekurs im Jahr 2014 ab- gelehnt worden sei. Insgesamt lasse sich aus den zu sei nen Ungunsten ausgefallenen Prozessen sowie den eingereichten Unterlagen keine flücht- lingsrechtlich relevante Verfolgung ableiten. Sein Sohn sei nach Verbüssen seiner Strafe vorzeitig entlassen worden und befinde sich seit einigen Jah- ren auf freiem Fuss. Er selbst sei von der albanischen Justiz nie ungerecht- fertigt belangt worden. Weiter mache der Beschwerdeführer geltend, dass er in Albanien Opfer eines Mordanschlags geworden sei. Es sei jedoch eine blosse Vermutung seinerseits, dass D._______ einer kriminellen Bande den Auftrag dazu ge- geben habe. Weiter habe er es unterlassen, diesbezüglich bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Dies hätte in seinen Augen keinen Sinn ergeben, weil Polizei, Staatsanwaltschaft und Richterschaft in Albanien generell korrupt seien. Das SEM gehe jedoch davon aus, dass solche Übergriffe vom alba- nischen Staat weder geschützt noch gebilligt würden, wobei die pauscha- len Ausführungen des Beschwerdeführers zur Korruption in seiner Heimat an dieser Einschätzung nichts ändern würden. Es befremde auch, dass der Beschwerdeführer einen Mordversuch nicht zur Anzeige bringe, obwohl er sich seit Jahren aufgrund diverser Rechtsstreitigkeiten an die albanischen Behörden gewandt habe. Zusammenfassend hielten seine Vorbringen den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht stand. 5.2 Der Beschwerdeführer brachte in seiner Rechtsmitteleingabe vor, das SEM gehe zu Unrecht davon aus, dass er in Albanien nicht verfolgt werde, weshalb er allen im Entscheid genannten Punkten widerspreche. Die 55 von ihm eingereichten Dokumente seien nicht ausreichend untersucht und gewürdigt worden; das SEM habe diese auch nicht übersetzt. Diese Unter- lagen sowie das ebenfalls eingereichte Audiodokument würden seine Ver-D-3956/2020 Seite 8 folgung durch den albanischen Staat beziehungsweise D._______ – wel- cher vom Staat aktiv geschützt werde – belegen. Aufgrund der mangelhaf- ten Prüfung der Dokumente sei die Vorinstanz zu einem falschen Schluss gekommen. Die albanische Regierung sei ebenso wi e das Justizministe- rium notorisch korrupt. Zudem habe das SEM die von ihm vorgelegten Chatnachrichten falsch interpretiert. Darin heisse es, dass B._______ ein Audiodokument besitze, das der Chef haben wolle. Weiter habe er seine Verfolgung auf 16 Seiten zusammengefasst und das Wichtigste hervorge- hoben, wobei das SEM diese Eingabe ebenfalls nicht übersetzt habe. Sein Sohn werde aus Rache seinetwegen verfolgt und es handle sich dabei nicht um legitime staatliche Handlungen. Zum Mordversuch an seiner Per- son sei festzuhalten, dass er sicher sei, dass D._______ diesen initiiert habe. Dies sei nicht bloss eine Vermutung. Die Audioaufnahme sei der Be- weis dafür, da auf dieser deutlich zu hören sei, wie D._______ ihm erkläre, dass er Racheakte gegen ihn plane, dies noch nicht alles gewesen sei und es weitergehen werde. Zudem habe D._______ gesagt, dass er gegen ihn nichts machen könne, weil er mächtig sei. 6. Der Beschwerdeführer rügt, dass das SEM diverse der von ihm eingereich- ten Unterlagen nicht übersetzt habe. Es ist jedoch festzuhalten, dass sich bei den Akten neben einer zusammenfassenden Übersetzung seiner 16- seitigen Eingabe auch eine ebenfalls zusammenfassende Übersetzung der wichtigsten Beweismittel befindet (vgl. SEM-Akte 1061939/7 [nachfolgend Akte 7] Beweismittel 8 und 9). Zudem wurde der Chatverlauf zwischen Sohn B._______ und der unbekannten Person auszugsweise übersetzt, wobei namentlich Übersetzungen der vom Beschwerdeführer als wesent- lich bezeichneten Seiten fünf und sechs vorliegen (vgl. Akte 7, Beweismittel 7 und SEM-Akte 1061939-32/13 [nachfolgend Akte 32], F35 und F40). Ent- gegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung ist nicht er- sichtlich, dass eine weitergehende Übersetzung der umfangreichen vorge- legten Beweismittel erforderlich gewesen wäre. Zusätzlich zu den erwähn- ten Übersetzungen gab der Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörung auch Erläuterungen zu einzelnen Unterlagen ab und führte aus, warum diese aus seiner Sicht relevant seien (vgl. Akte 32 , F41 ff.). Auf dieser Grundlage war es der Vorinstanz ohne weiteres möglich, die Vorbringen des Beschwerdeführers sachgerecht zu beurteilen. Zudem ist festzuhalten, dass die von ihm erstellte Zusammenfassung lediglich seine Version der Ereignisse in Albanien wiedergibt – unter Verweis auf die von ihm einge- reichten Beweismittel – und damit im Wesentlichen seine Asylvorbringen, wie er sie bei den Befragungen durch das SEM dargelegt hat, beinhaltet. D-3956/2020 Seite 9 Auf Beschwerdeebene wird nicht ausgeführt, welche seiner Vorbringen vom SEM nicht angemessen berücksichtigt respektive gänzlich ausser Acht gelassen worden seien. Vielmehr wird pauschal behauptet, das SEM habe die eingereichten Dokumente nicht ausreichend untersucht, gewür- digt und übersetzt, was dazu geführt habe, dass es das Vorliegen einer Verfolgung verneint habe. Es fehlt jedoch an einer Auseinandersetzung mit der vorinstanzlichen Argumentation sowie an weiteren Angaben dazu, wel- che Dokumente zusätzlich respektive einlässlich hätten überse tzt werden müssen. Allein aus dem Umstand, dass der Bes chwerdeführer aus den Beweismitteln andere Schlüsse zieht als die Vorinstanz, lässt sich nicht ab- leiten, dass der Sachverhalt – wegen der fehlenden Übersetzung von Do- kumenten – unrichtig oder unvollständig festgestellt worden wäre. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer machte geltend, dass er im Jahr (…) in ein Erb- schaftsverfahren verwickelt gewesen sei. Er habe den Prozess auf grund von korrupten Behördenmitgliedern verloren und sich in den folgenden Jahren bei verschiedenen Stellen erfolglos beschwert (vgl. Akten SEM 1061939-24/16 [nachfolgend Akte 24], F43). Aus seiner Sicht handelt es sich beim Strafverfahren gegen seinen Sohn B._______ um einen Rache- akt gegen seine Person respektive um den Versuch, ihn zum Schweigen zu bringen. Es gelingt dem Beschwerdeführer jedoch n icht, den Zusam- menhang zwischen dem Erbschaftsprozess und dem Strafverfahren schlüssig darzulegen. Angeblich soll der Staatsanwalt D._______ – wel- cher für die Verurteilung des Sohnes verantwortlich sein soll – im Rahmen des Erbschaftsverfahrens Geld von der Gegenpartei erhalten haben. Dies scheint der Beschwerdeführer aber lediglich zu vermuten. Zwar gab er an, die Beweise führten dazu, dass es "tatsächlich zu 100 Prozent geschehen ist" (vgl. Akte 24, F70 ff.). Er präzisiert jedoch nicht, welche Beweise er da- mit meint. Vielmehr sind s eine Aussagen dazu, inwiefern D._______ so- wohl in die Erbschaftsangelegenheit als auch ins Strafverfahren von B._______ involviert gewesen sei, als äusserst vage einzustufen. Dabei bleibt insbesondere unklar, ob D._______ im Fall des Sohnes tatsächlich als Staatsanwalt Ermittlungen geführt und Anklage erhoben hat oder ob der Beschwerdeführer lediglich davon ausgeht, dass dieser aufgrund sei- ner Position Einfluss auf den Strafprozess genommen hat (vgl. Akte 24, F110 ff.). Die Angaben des Beschwerdeführers lassen zwar darauf schlies- sen, dass er selbst davon überzeugt ist, dass D._______ für die Verurtei- lung des Sohnes verantwortlich ist. Er führt jedoch nicht aus, auf welche konkreten Beweise er diese Annahme stützt. Im Schreiben des Justizmi- nisteriums vom (…) 2015 wird dagegen ausgeführt, D._______ habe nie D-3956/2020 Seite 10 ein Strafverfahren gegen Familienangehörige des Beschwerdeführers ge- führt und sei auch nicht an einem solchen beteiligt gewesen ( vgl. Akte 7, Beweismittel 8, Schriftstück 55). Es ist darauf hinzuweisen, dass die straf- rechtliche Verurteilung des Sohnes durch das Bezirksgericht C._______ wegen des Vorwurfs, mehrere Raubüberfälle begangen zu haben, vom Be- rufungsgericht bestätigt wurde. Aus welchen Gründen D._______ einen derart grossen Einfluss auf das Justizsystem haben sollte, dass er auf Ent- scheide von mehreren Gerichtsinstanzen sowie auf Antwortschreiben aus dem Justizministerium einwirken könnte, lässt sich weder aus den Aussa- gen des Beschwerdeführers noch aus den Akten erkennen. Namentlich ist nicht ersichtlich, anhand von welchen der vom Beschwerdeführer vorge- legten Beweismittel sich herleiten lassen könnte, dass D._______ derart einflussreich ist und diesen Einfluss tatsächlich dazu genutzt hat, die Ver- urteilung von B._______ zu erwirken. 7.2 Bei den eingereichten Beweismitteln (vgl. Akte 7, Beweismittel 9) han- delt es sich um zahlreiche Eingaben des Beschwerdeführers respektive seines Sohnes an unterschiedliche Behörden, um Gerichtsurteile sowie um Prozessakten. Daneben liegen diverse Antwortschreiben von Institutionen vor, welche der Beschwerdeführer über die von ihm erhobenen Korrupti- onsvorwürfe in Kenntnis gesetzt hat. In seinen selbst verfassten Eingaben legt er aber lediglich seine eigene Sichtweise dar, weshalb diese für sich genommen nicht als Beweise dafür zu werten sind, dass die Vorwürfe tat- sächlich zutreffen und die von ihm hergestellten Zusammenhänge wirklich bestehen. Das SEM wies in dieser Hinsicht zu Recht darauf hin, dass sich die albanischen Behörden über Jahre hinweg sowohl mit den Korruptions- vorwürfen als auch mit dem Fall des Sohnes befasst haben. In seiner 16-seitigen Zusammenfassung legt der Beschwerdeführer unter anderem dar, aus welchen Gründe n er davon ausgeht, dass es im Strafv erfahren gegen seinen Sohn zu Ungereimtheiten gekommen ist. Namentlich macht er geltend, dass die Zeugen manipuliert gewesen seien und deren Aussa- gen nicht der Wahrheit entsprochen hätten. Es ist jedoch festzuhalten, dass diese Einwände im entsprechenden Strafverfahren einzubringen ge- wesen wären – und dort wohl auch eingebracht worden sind – und es Sa- che der albanischen Gerichte ist, die Rechtmässigkeit des Strafverfahrens zu beurteilen und die Beweise zu würdigen. Der Umstand, dass der Be- schwerdeführer die Einschätzung der heimatlichen Gerichte nicht teilt, weil er die Beweise anders würdigt und somit zu einer anderen Auffassung ge- langt als diese, bedeutet noch nicht, dass das Verfahren mangelhaft ist und die Behörden durchwegs korrupt sind. Es ist darauf hinzuweisen, da ss D-3956/2020 Seite 11 B._______ nicht nur aufgrund der Aussage eines einzigen Zeugen, son- dern wegen rund fünf Raubüberfällen auf verschiedene Personen verurteilt wurde. Sowohl das Bezirksgericht in C._______, das Berufungsgericht und der Oberste Gerichtshof haben sich mit dem Fall befasst (vgl. Akte 7, Be- weismittel 8 Schriftstücke 20 und 37; Beweismittel 9, Schriftstücke 29, 34 und 35). Der Beschwerdeführer erachtet die Beweiswürdigung durch die Gerichte als fehlerhaft und schliesst daraus, dass das Verfahren gegen sei- nen Sohn aus Rache eingeleitet wurde respektive um ihn zum Schweigen zu bringen. Objektive Anhaltspunkte für den geltend gemachten Zusam- menhang zwischen dem Erbschaftsverfahren und dem Strafverfahren las- sen sich daraus jedoch nicht ableiten und aus den vorgelegten Beweismit- teln sind auch keine solchen ersichtlich. 7.3 Der Beschwerdeführer brachte weiter vor, dass seine Gegner versucht hätten, ihn ebenfalls strafrechtlich zu belangen. Auf die Frage nach konkre- ten Anklagen erklärte er bei der Erstbefragung, dass ihm an gebliche Be- drohungen vorgeworfen worden seien . Zudem erwähnte er einen Vorfall, bei dem ihm jemand eine Patrone in die Tasche geschmuggelt habe, als er seinen Sohn im Gefängnis habe besuchen wollen. Verurteilt worden sei er jedoch nie, da es eine allgemeine Amnestie gegeben und er Glück gehabt habe (vgl. Akte 24, F66 f. und F74 f.). Anlässlich der Anhörung bestätigte er, dass er wegen illegalen Waffenbesitzes sowie wegen des Vorwurfs, sei- nen Anwalt bedroht zu haben, angezeigt worden sei (vgl. Akte 32, F55 ff). Es ist jedoch festzuhalten, dass diese beiden Verfahren nicht grundsätzlich illegitim erscheinen, zumal der Beschwerdeführer offenbar mit einer Pat- rone – unabhängig davon, wie diese in seine Tasche gelangt ist – im Ge- fängnis erschienen ist und sei nen Anwalt eigenen Angaben zufolge "zur Rede gestellt" hat, weil dieser ihn nicht ordentlich verteidigt habe. In beiden Verfahren ist es nicht zu einer Verurteilung gekommen, weshalb sich aus diesen nicht schliessen lässt, dass das Justizsystem in Albanien nicht funk- tioniert. Zudem erstaunt, dass es einem Staatsanwalt wie D._______, der gemäss Angaben des Beschwerdeführers im Strafverfahren gegen B._______ wegen mehrfachen Raubes sowo hl die Entscheide des Be- zirksgerichts, des Berufungsgerichts als auch des höchsten Gerichts be- einflusst habe, nicht möglich gewesen sein soll, eine erstinstanzliche Ver- urteilung des Beschwerdeführers aufgrund von weit geringfügigeren Delik- ten zu erwirken. Der Beschwerdeführer führte hierzu lediglich aus, die Be- hörden hätten versucht, ihn zu belangen; es sei ihnen jedoch nicht gelun- gen (vgl. Akte 32, F66). Dies vermag jedoch nicht zu erklären, weshalb D._______ in der Lage sein sollte, eine unrechtmässige Verurteilung von D-3956/2020 Seite 12 B._______ zu zehn Jahren Haft zu erwirken, während er beim Beschwer- deführer lediglich eine Anklage aufgrund von deutlich weniger schwerwie- genden Delikten hätte veranlassen können, welche überdies nicht zu einer Verurteilung führte. Die angeblich unberechtigten Anklagen gegen den Be- schwerdeführer – mit welchem ihm aus seiner Sicht hätten Straftaten un- tergeschoben werden sollen – können daher nicht als Indiz für Korruption im albanischen Justizsystem angesehen werden. 7.4 Sodann machte der Beschwerdeführer geltend, er sei nach der Entlas- sung seines Sohnes aus der Haft p er Ende 2015 Opfer eines Mordan- schlags geworden. Er sei auf der Strasse unterwegs gewesen, als eine unbekannte Person von der gegenüberliegen Strassenseite aus auf ihn ge- schossen habe. Glücklicherweise sei er nicht getroffen worden und habe sich vom Tatort entfernen können. Nach diesem Vorfall sei er immer wieder bedroht worden (vgl. Akte 24, F51 und F55; Akte 32, F67). Weder aufgrund des Anschlags noch wegen den Drohungen habe er bei der Polizei Anzeige erstattet, da er gewusst habe, wer hinter dem Anschlag stehe. Dieser sei von seinem Gegner D._______ veranlasst worden, welcher als Staatsan- walt über sehr gute Verbindungen zu den Gerichten sowie zum Justizsys- tem verfügt habe (vgl. Akte 24, F52 f.). Ausserdem hätte die Polizei seinen Angaben keinen Glauben geschenkt und ihn der Falschaussage verdäch- tigt (vgl. Akten 32, F69). Die Vorinstanz merkte in dieser Hinsicht zutreffend an, es befremde, dass sich der Beschwerdeführer seit Jahren wegen diverser Rechtsstreitigkeiten an d ie albanis chen Behörden gewandt habe , jedoch darauf verzicht et habe, einen Mordversuch an seiner Person anzuzeigen. Dies ist nicht nachvollziehbar, nachdem er zu jenem Zeitpunkt bereits zahlreiche Einga- ben aus unterschiedlichen Gründen an verschiedene Amtsstellen und In- stitutionen getätigt hatte. Dabei hielt ihn der Umstand, dass er mit seinen Anliegen nicht durchgedrungen ist, nicht davon ab, über Jahre hinweg wei- tere Schreiben einzureichen. Von einer Anzeige wegen eines vermuteten Mordanschlags sowie Drohungen will er dagegen abgesehen haben, weil er dies von vornherein als aussichtslos erachtet habe. Dieses Vorgehen erscheint wenig einleuchtend. Zudem ist auch in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass weder eine objektiv erkennbare Verbindung von D._______ zur Schussabgabe einer unbekannten Person auf den Be- schwerdeführer noch eine solche zu den geltend gemachten Drohungen ersichtlich ist. D-3956/2020 Seite 13 7.5 Des Weiteren lässt sich dem vom Beschwerdeführer eingereichten Chatverlauf zwischen seinem Sohn B._______ und der unbekannten Per- son – angeblich Mitglied einer kriminellen Organisation – entnehmen, dass unter anderem von einem Gespräch die Rede ist respektive davon, dass B._______ dem Chef des Gesprächspartners etwas mitzuteilen habe. Nach Auffassung des Beschwerdeführers geht es dabei um die Aufnahme eines Gesprächs zwischen ihm und D._______, in welchem Letzterer seine Machenschaften zugebe (vgl. Akte 24, F79 ff.). Im Chat wird jedoch weder auf den Beschwerdeführer noch auf D._______ Bezug genommen. Um was es sich beim erwähnten Gespräch beziehungsweise der Mitteilung, die B._______ für den Chef haben soll, handelt, wird nicht weiter ausgeführt. Vielmehr schreibt der Sohn mehrmals, dass er wohl mit jemandem ver- wechselt werde und nicht wisse, wovon der andere spreche. Im späteren Verlauf des Chats ist von Drogenhandel und Kokain die Rede (vgl. Akte 7, Beweismittel 5 und 7 ). Der vom Beschwerdeführer hergestellte Zusam- menhang zwischen seinen Problemen mit den albanischen Behörden und diesem Chatverlauf, welchen e r als erneute Bedrohung seiner eigenen Person auffasst, ist für das Gericht nicht ersichtlich. Es ist auch darauf hin- zuweisen, dass die Gesprächsaufnahme zwischen dem Beschwerdeführer und D._______ offenbar nach der erstinstanzlichen Verurteilung von B._______ entstand, welche im Jahr 2009 erfolgte (vgl. Akte 24, F109; Akte 7, Beweismittel 8 Schriftstück 20). Der Chat soll dagegen während des Auf- enthalts der Familie in den Niederlanden stattgefunden haben, mithin frü- hestens im Jahr 2017 (vgl. Akte 24 , F14 u nd F79) und damit rund acht Jahre nach der Entstehung der Tonbandaufnahme. Vor diesem Hinter- grund ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer annimmt, in diesem Chat zwischen seinem Sohn und einer unbekannten Person – in dem lediglich ohne weitere Präzisierungen von einem Gespräch respektive einer Mitteilung die Rede ist – werde auf die Aufnahme eines Gesprächs zwischen ihm und D._______ Bezug genommen. Er legt denn auch nicht dar, aus welchen Gründen er zu diesem Schluss kommt. Konkrete Hin- weise darauf, dass der Chatverlauf irgendeinen Zusammenhang zum Be- schwerdeführer, zu D._______ oder den früheren Gerichtsverfahren in Al- banien haben könnte, sind nicht erkennbar. Nach Auffassung des Beschwerdeführers ist die erwähnte Audioaufnahme des Gesprächs zwischen ihm und D._______ äusserst wichtig, da diese viel aussage und D._______ darin seine Machenschaften zugebe (vgl. Akte 24, F81 f. und Akte 32, F82 ff.) In der Beschwerdeschrift führte er zum Inhalt der Aufnahme ergänzend aus, dass D._______ erkläre, er plane Ra-D-3956/2020 Seite 14 cheakte gegen ihn. Insbesondere sage er, das sei noch nicht alles gewe- sen und es werde noch weitergehen. Diesbezüglich ist jedoch zu beachten, dass das Gespräch gemäss dem Beschwerdeführer nach der erstinstanz- lichen Verurteilung von B._______ stattgefunden habe. Sollte D._______ darin tatsächlich erwähnen, dies sei noch nicht alles gewesen, könnte sich dies ebenso gut auf das Strafverfahren des Sohnes – das in der Folge noch über mehrere Jahre hinzog – beziehen. Welche allfälligen Rac heakte D._______ im Anschluss vorgenommen haben könnte, sind nicht ersicht- lich. Namentlich hat sich d er geltend gemachte Mordversuch Ende 2015 und damit mehrere Jahre nach dem Entstehen der Audioaufnahme abge- spielt, was einen Zusammenhang zwischen diesen E reignissen als äus- serst unwahrscheinlich erscheinen lässt. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass der Beschwerdeführer in die Aussagen von D._______, welche dieser im Jahr 2009 getätigt haben soll, eine objektiv nicht nachvollziehbarere Be- drohung seiner Person hineininterpretiert. 7.6 Schliesslich hielt die Vorinstanz zu Recht fest, dass der Beschwerde- führer nicht über ein politisches Profil verfügt. Seinen Vorbringen lassen sich keine Hinweise auf eine Verfolgung aus einem der in Art. 3 AsylG ge- nannten Motive – Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be- stimmten sozialen Gruppe sowie politische Anschauungen – entnehmen. 7.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, glaubhaft zu machen, dass er in seinem Heimatstaat eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu befürchten hätte. Vielmehr las- sen seine Vorbringen und die eingereichten Beweismittel darauf schlies- sen, dass er sich jederzeit an die albanischen Behörden und Gerichte wen- den konnte. Aus dem Umstand, dass die von ihm geführten Verfahren nicht zu seinen Gunsten ausgegangen sind, lässt sich nicht ableiten, dass sämt- liche Institutionen, die sich mit seinen Anliegen befasst haben, korrupt sind. Insbesondere lässt sich den Akten nicht entnehmen, dass es sich bei m Strafverfahren gegen B._______ um einen Racheakt gegen seine Person gehandelt habe. Die Vorinstanz hat daher zu Recht die Flüchtlingseigen- schaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 8. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Gr undsatz der Einheit der Familie. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die D-3956/2020 Seite 15 Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Die Voraussetzungen für die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme sind vorliegend offensichtlich nicht erfüllt. Die Vorinstanz hat in der angefochte- nen Verfügung zutreffend erkannt, dass der in Art. 5 AsylG v erankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingsei- genschaft keine Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtli- chen Vollzugshindernisse erkennbar sind, die gegen die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen. Der Bundesrat hat Albanien als Staat er- klärt, in den die Rückkehr in der Regel zumutbar ist. Vorliegend sprechen weder die aktuelle politische Lage in Albanien noch andere, individuelle Gründe gegen die Zumutb arkeit des Wegweisungsvollzuges . Das SEM führte diesbezüglich aus, dass der Beschwerdeführer mit seinem erwach- senen Sohn und seinem Bruder im Heimatstaat Familienangehörige habe, welche ihn bei der Reintegration unterstützen könn ten. Bei seiner letzten Rückkehr im Februar 2020 sei es ihm problemlos gelungen, mithilfe von Freunden und Bekannten eine Mietwohnung zu organisieren. Zwar leide er seit seiner Kindheit an (…) und habe (…). Es sei jedoch davon auszuge- hen, dass er diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen auch im Heimat- staat behandeln lassen könne. Konkrete Hinweise darauf, dass er bei einer Rückkehr in eine medizinische Notlage oder eine existenzbedrohende Si- tuation geraten könnte, liessen sich weder seinen Aussagen noch den Ak- ten entnehmen. Diesen zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz werden auf Beschwerdeebene keine Einwände entgegengehalten. Sodann ist der Beschwerdeführer im Februar dieses Jahres legal und unter Verwendung eines bis 2026 gültigen Reisepasses ausgereist, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 82 Abs. 2 AIG). 9.2 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). D-3956/2020 Seite 16 Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei der Covid -19-Pande- mie nach der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts um ein bloss tempo- räres Vollzugshindernis handelt, welchem im Rahmen der Vollzugsmodali- täten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist (vgl. statt vie- ler Urteil des BVGer E-1725/2020 vom 28. April 2020 S. 12 m.H.). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen, so- weit darauf einzutreten ist. 11. 11.1 Mit dem vorliegenden Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses gegenstand slos. In der Beschwerde- schrift wurde zudem die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und die Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistandes beantragt. Aus den vor- stehenden Erwägungen ergibt sich, dass die gestellten Begehren als zum vornherein aussichtslos zu erachten sind. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht gegeben, weshalb das entsprechende Gesuch – und folglich auch das Gesuch um Beiord- nung eines amtlichen Rechtsbeistands – abzulehnen ist. 11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-3956/2020 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und amtli- chen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Mia Fuchs Regula Aeschimann Versand: