B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4577/2013 U r t e i l v o m 2 6 . F e b r u a r 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher, Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______, Sri Lanka, vertreten durch Christian Wyss, Fürsprecher, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Juli 2013 / N (…). E-4577/2013 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer, ein Tamile aus dem Distrikt Jaffna, seinen Heimatstaat gemäss eigenen Angaben am 10. September 2010 verliess und am 17 . Oktober 2010 im Empfangs - und Verfahrenszentrum Kreu z- lingen um Asyl nachsuchte, dass er anlässlic h der Befrag ung zur Person vom 2 0. Oktober 2010 und der eingehenden Anhörung vom 5. April 2011 im Wesentlichen vorbrach- te, er habe in Sri Lanka als (…) gearbeitet und (...) aufgebaut, während der Friedenszeit auch für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), dass er am 22. Dezember 2009, als er für seinen Bruder, welcher (...) produziere, einen Laden mit (…) habe beliefern wollen, an der (...)- Kreuzung von der Armee angehalten und kontrolliert worden sei, wobei ihm seine Identitätskarte abgenommen und er aufge fordert worden sei, sich um 19 Uhr im Camp in B._______ zu melden, dass er aus Angst nicht zum Camp gegangen sei, und später, gegen 21 Uhr, zwei Personen in Zivilkleidung mit einem Motorrad zu ihm nach Hause gekommen seien, dass er, als er die Motorradgerä usche gehört und die Männer vom Fen s- ter aus gesehen habe, aus dem Haus gerannt sei und sich bei einem On- kel und später bei einem Cousin versteckt habe, dass er unter anderem deshalb Angst gehabt habe, sich bei der Armee zu melden, weil er im Jahre 2002 am Pongu Tamil Tag der LTTE teilg e- nommen habe und dabei fotografiert worden sei, dass für die weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers auf die Befr a- gungsprotokolle (vgl. die v orinstanzlichen Akten A1 und A20 ) zu verwe i- sen ist, dass er bei der Vorinstanz seine Geburtsurkunde zu den Akten reichte, dass das BFM das Asylgesuch mit Verfügung vom 8. Juli 2013 (eröffnet am 15. Juli 2013) gestützt auf Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz s o- wie den Vollzug anordnete, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 14. August 2013 durch sei- nen Rechtsvertreter Beschwerde erheben und in materieller Hinsicht die E-4577/2013 Seite 3 Aufhebung der Verfügung, die Gewährung von Asyl, eventualiter die A n- ordnung der vorläufigen Aufnahme sowie eine Nachfrist von 30 Tagen zum Einreichen von Beweismitteln beantragen liess, dass er mit der Beschwerde ein Bestätigungsschreiben seines Vaters beibrachte, dass das Bundesverwaltungsgericht am 21. August 2013 den Eingang der Beschwerde bestätigte u nd festhielt, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Beschwerdeverfahrens einstweilen in der Schweiz a b- warten, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des V erwaltungsverfah- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 –33 des Verwaltu ngsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung hat und daher zur Ei nreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass über offensichtlich begründete Beschwerden i n einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), E-4577/2013 Seite 4 dass gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet wurde, dass die Begründung der Beschwerdeanträge das Bundesverwaltungsge- richt nicht bindet und es die Beschwerde auch aus anderen als den ge l- tend gemachten Gründen gutheissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer von jener der Vorinstanz abweichenden Begrü n- dung bestätigen kann (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG), dass die Vorinsta nz in Asylverfahren, die Staatsangehörige Sri Lankas mit tamilischer Ethnie betreffen, aufgrund der Inhaftierung zweier abg e- wiesener tamilischer Asylsuchender durch die sri -lankischen Behörden bei der Wiedereinreise, systematisch dazu übergegangen ist, ber eits an- geordnete Ausreisefristen aufzuheben und keine neuen mehr anzuse t- zen, bis eine vertiefte Abklärung der Vorfälle sowie der allgemeinen Lage in Sri Lanka stattgefunden hat, dass sie dadurch faktisch sämtliche Verfahren – praktisch unbesehen der konkreten Umstände im Einzelfall – in Wiedererwägung zieht und implizit davon ausgeht, deren Sachverhalte seien nicht (mehr) vollständig festg e- stellt, dass sich daher auch der der vorinstanzlichen Verfügung vom 8. Ju- li 2013 zugrunde liegende Sachverhalt aktuel l als nicht vollständig e r- weist, dass dieser formelle Mangel nicht im Beschwerdeverfahren zu heilen, sondern die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zur Wahrung des Instanzenzuges an das für die Feststellung des Sachve r- halts primär zuständige BFM zurückzuweisen ist, dass die Beschwerde mithin gutzuheissen und die angefochtene Verf ü- gung aufzuheben ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheben sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG), dass der Beschwerdeführer insoweit als ob siegende Partei gilt, als se i- nem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung stattzugeben ist, E-4577/2013 Seite 5 dass ihm daher in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwalt ungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Parte i- entschädigung für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten auszuric h- ten ist, dass keine Kostennote zu den Akten gereicht wurde, der notwendige Ver- tretungsaufwand sich indes aufgrund der Akten zuverlässig abschätze n lässt, weshalb auf die Einholung einer Kostennote verzichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE), dass dem Beschwerdeführer gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 –13 VGKE) zu Lasten der Vorinstanz ei ne Parteientschädigung von Fr. 7 00.– (inkl. Auslagen und MWSt) zuzuspr e- chen ist. (Dispositiv nächste Seite) E-4577/2013 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. Die ang e- fochtene Verfügung vom 8. Juli 2013 wird aufgehoben und das Verfahren wird im Sinne der Erwägungen zur Wiederaufnahme an das BFM zurüc k- gewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von gesamthaft Fr. 700.- (inkl. Auslagen und MWSt) zu entrichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel Versand: