Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 1. September 2015 (400 15 14) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Zumutbarkeit zur Leistung von Mündigenunterhalt in finanzieller Hinsicht: Anrechnung eines Ersatzeinkommens als hypothetisches Einkommen und Zuschlag zum betrei- bungsrechtlichen Notbedarf Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader, Richterin Barbara Jermann Richter- ich (Ref.), Richter Dieter Freiburghaus; Gerichtsschreiber Hansruedi Zweifel Parteien A.____, vertreten durch Advokatin Stefanie Mathys-Währer, Kasernenstrasse 22a, Postfach 569, 4410 Liestal, Kläger gegen B.____, vertreten durch Advokatin Sabrina Stoll, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal, Beklagter und Berufungskläger Gegenstand Unterhalt Kind Berufung gegen das Urteil des Zivilkreisgerichtspräsidenten Basel- Landschaft Ost vom 28. Oktober 2014 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Bezirksgerichtspräsidenten Liestal vom 04.10 .2011 (Verfahren 120 11 759) wurde B.____ und seiner Ehefrau per 19.03.2011 das Ge trenntleben bewilligt, die Obhut über die gemeinsamen unmündigen Kinder der Ehefrau von B._ ___ übertragen und die Unterhalts- pflicht von B.____ geregelt. Mit Schlichtungsgesuch vom 30. 04.2014 stellte A.____ gegen B.____ betreffend Mündigenunterhalt folgendes Rechtsbegehren: „1. Es sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, dem Gesuchst eller monatlich und monatlich im Voraus und bis zum Abschluss seiner ordentlichen Erstausbildung einen angemessenen Unter- haltsbeitrag zu leisten. Die Bezifferung wird ausdrückl ich vorbehalten. Rückwirkende Begehren werden ebenso ausdrücklich vorbehalten (noch gilt das Urt eil vom 4. Oktober 2011 im Verfah- ren 120 11 759 Bezirksgericht Liestal). 2. Unter o/e Kostenfolge zu Lasten des Gesuchsgegners. 3. Es sei dem Gesuchsteller die unentgeltliche Prozessführ ung und Verbeiständung mit der Unterzeichneten zu gewähren (entsprechendes Gesuch wird nachgereicht).“ Die Schlichtungsverhandlung fand zusammen mit der Ehes chutzverhandlung am 09.05.2014 statt. Mit Urteil des Zivilkreisgerichtspräsidenten Basel-Landschaft Ost vom 09.05.2014 im Ehe- schutzverfahren 120 2014 677 III wurde die Unterhaltspf licht von B.____ abgeändert und B.____ ab 01.06.2014 u.a. zur Bezahlung eines Unterh altsbeitrags für A.____ von monatlich CHF 902.00 verpflichtet. Gleichzeitig wurde vom Zivilkreisgerichtspräsidenten Basel-Landschaft Ost festgestellt, dass bezüglich Mündigenunterhalt keine E inigung erzielt werden konnte, wes- halb dem Gesuchsteller für die gestellten Rechtsbegehre n die Klagebewilligung ausgestellt wurde. Am 28.05.2014 klagte B.____ auf Scheidung der Ehe und teilte im Rahmen der entspre- chenden Kurzbegründung mit, dass er nicht mehr gewillt se i, die Unterhaltsbeiträge gemäss Eheschutzurteil vom 09.05.2014 zu leisten. B. Am 29.07.2014 gelangte A.____ an das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost und bean- tragte, es sei der Beklagte zu verpflichten, dem Kläger monatlich und im Voraus und bis zum Abschluss seiner ordentlichen Erstausbildung mindestens ei nen Unterhaltsbeitrag von CHF 902.00 zuzüglich allfällige von ihm bezogene Ausbil dungszulagen zu leisten. Am 04.08.2014 meldete sich B.____ beim Regionalen Arbei tsvermittlungszentrum Liestal (RAV) zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung an. Mit Eingabe vom 08.08.2014 beantragte der Beklagte, den mit Eheschutzurteil vom 09.05.2014 bzw. de ssen Rektifikat vom 11.06.2014 fest- gesetzten Unterhaltsbeitrag zuzüglich Ausbildungszulagen bis zum Abschluss des Bachelors zu bestätigen und danach bis zum Abschluss des Masters neu fest zulegen. Anlässlich der Ge- richtsverhandlung vom 28.10.2014 beantragte der Beklagt e, den von ihm zu bezahlenden Un- terhalt an A.____ herabzusetzen, da er ab 27.08.2014 eine längerfristige Arbeit als Mathematik- lehrer an der deutschen Schule in C.____ begonnen hab e und viel weniger verdiene. Er könne den Unterhalt an A.____ nicht mehr bezahlen. Der Kläg er hielt an seinen Begehren fest. Mit Urteil vom 28.10.2014 verurteilte der Zivilkreisgerichtspr äsident Basel-Landschaft Ost den Be- klagten, dem Kläger ab 01.11.2014 bis zum ordentlichen Abschluss seiner Ausbildung, d.h. vo- raussichtlich bis Juli 2017 monatliche und vorauszahlbare Unt erhaltsbeiträge von CHF 902.00 zuzüglich allfällige von ihm bezogene Ausbildungszulagen zu bezahlen (Ziff. 1). Für die Monate August bis Oktober 2014 wurde die Unterhaltsverpflichtun g des Beklagten aufgehoben (Ziff. 2). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bei der gerichtsüblichen Indexierung wurde ein Basiseink ommen von CHF 7‘778.00 netto ohne Zulagen pro Monat festgesetzt (Ziff. 3). Einem Elter nteil könnten Unterhaltsleistungen an ein volljähriges Kind, das sich noch in Ausbildung befinde, n ur zugemutet werden, wenn ihm nach Ausrichtung der Unterhaltsleistungen noch ein Einkommen verbleibe, das den Notbedarf um ungefähr 20% übersteige, und wenn dem Kind nicht zugem utet werden könne, den Unterhalt aus seinem Arbeitserwerb oder anderen Mitteln zu bestreiten. Wer freiwillig auf ein genügendes Einkommen verzichte, habe sich die Differenz als hypothetisch es Einkommen anrechnen zu lassen. Die Zumutbarkeit und die tatsächliche Erzielbark eit müssten als Voraussetzungen für die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens kumulativ erf üllt sein. Nach der Kündigung seiner Sekundarlehrerstelle in D.____ mit einem monat lichen Nettoeinkommen von CHF 9'722.90 per 31.07.2014 habe er per 27.08.2014 eine Stelle als Mathematiklehrer an der Deutschen Auslandsschule in C.____ mit einem monatlichen Nettolohn von etwa CHF 2‘220.00 angetreten. Er habe demnach sein Einkommen freiwilli g erheblich reduziert. Würde er sich in der Schweiz bei der Arbeitslosenversicherung anmelden, könnte er ab November 2014 80% seines damaligen Verdienstes, CHF 7‘778.30 pro Monat er halten. Da er bereits per Ende Juli 2014 gekündigt habe, sollte er auch keine Einstelltage mehr erhalten, weshalb er bereits ab November 2014 Taggelder erhalten sollte. Dem Beklagten sei es durchaus zumutbar, sich per November 2014 bei der Arbeitslosenversicherung anzumelden und umgehend wieder in die Schweiz zu ziehen. Per November 2014 seien ihm Arbeitsl osentaggelder von monatlich CHF 7‘778.30 als Einkommen anzurechnen. Für die Berec hnung des Bedarfs des Klägers so- wie des Beklagten sei auf die Berechnungen entsprechend dem Eheschutzurteil vom 09.05.2014 abzustellen, weil sich die Positionen seithe r nicht verändert hätten. Der Bedarf von A.____ betrage monatlich CHF 2‘183.00. Nach Abzug se ines Einkommens von monatlich CHF 1‘031.00 netto zzgl. Ausbildungszulagen von CHF 25 0.00 verbleibe ein ungedeckter Be- darf von monatlich CHF 902.00. Der Bedarf des Beklagt en werde so behandelt, als würde er in der Schweiz leben, und betrage monatlich CHF 4‘597.0 0. Dementsprechend sei es ihm ohne Weiteres möglich, den Kläger bis Ende Juli 2017 in sei ner Ausbildung mit einer monatlichen Unterhaltszahlung von CHF 902.00 zu unterstützen. C. Mit Eingabe vom 26.01.2015 erklärte der Beklagte Beruf ung gegen die Ziff. 1 und 3 des Urteils des Zivilkreisgerichtspräsidenten Basel-Landschaft Ost vom 28.10.2014, beantragte de- ren Aufhebung und den Verzicht auf die Festlegung ein es Unterhaltsbeitrages des Berufungs- klägers an den Berufungsbeklagten. Eventualiter seien d ie Ziff. 1 und 3 des Urteils des Zivil- kreisgerichtspräsidenten Basel-Landschaft Ost vom 28.10.201 4 aufzuheben und sei die Ange- legenheit zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückz uweisen, alles unter o/e- Kostenfolge. Dem Berufungskläger sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. In verfah- rensmässiger Hinsicht ersuchte er um Sistierung des vorlieg enden Berufungsverfahrens bis zum Entscheid des Kantonsgerichts in der Berufungssache 4 00 14 314. Der Berufungskläger begründete seine Anträge im Wesentlichen wie folgt: Im Januar 2014 habe der Berufungskläger einen Zusammenb ruch erlitten und seinen arbeits- vertraglichen Pflichten nicht mehr nachkommen können. Seitens der Schule sei ihm nahe ge- legt worden zu kündigen, ansonsten die Kündigung durc h die Arbeitgeberin erfolgen werde. Er sei dieser Aufforderung nachgekommen. In der Folge ha be er sich sehr um eine Nachfolgelö- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sung ab August 2014 bemüht und sich für verschiedenste St ellen in der Schweiz beworben. Er reiche 20 Bewerbungen mit der Berufung ein. Die Lehr erstelle bei der Deutschen Schule in C.____ habe er akzeptiert, weil er in der Schweiz tr otz intensiver Suche keine Stelle gefunden habe und damit die bevorstehende Arbeitslosigkeit zumind est vorübergehend abgewendet ha- be. Aktuell verdiene er monatlich rund CHF 2‘160.00 ge mäss den beigelegten Lohnabrechnun- gen September bis Dezember 2014. Die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens von CHF 7‘778.30 grundsätzlich und auch per 01.11.2014 und damit die Festsetzung eines Unter- haltsbeitrags in der verfügten Höhe seien rechtswidrig u nd unzulässig, zumal die Sachverhalts- darstellung unvollständig und nicht korrekt erfolgt sei . Auch andere Parameter der vorinstanzli- chen Unterhaltsberechnung verstiessen gegen das geltend e Recht. Zur Anrechnung eines hy- pothetischen Einkommens genüge es nicht, dass der betro ffenen Person weitere Anstrengun- gen zugemutet werden könnten. Vielmehr müsse es dem Pf lichtigen auch möglich sein, auf- grund dieser Anstrengungen ein höheres Einkommen zu er zielen. Selbst bei Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit in Schädigungsabsicht dürfe nur dann ein hypothetisches Einkommen angerechnet werden, wenn der Pflichtige die Vermind erung seiner Leistungskraft rückgängig machen könne. Der Berufungskläger habe seine Stelle ni cht in Schädigungsabsicht und auch nicht freiwillig aufgegeben und nicht aus egoistischen G ründen gekündigt. Erst nachdem die Stellensuche im Schweizer Arbeitsmarkt Ende Juli 2014 habe als gescheitert betrachtet werden müssen, habe er sich zur Annahme der angebotenen Stelle in C.____ entschieden, um im Be- rufsleben zu verbleiben und seine Jobaussichten für die Zu kunft zu erhalten. Er habe vor, sich per Schuljahr 2015/2016 erneut für Lehrerstellen in der Schweiz zu bewerben. Alle diese Fakto- ren seien von der Vorinstanz nicht berücksichtigt worden. B ei der Annahme eines Ersatzein- kommens aus Arbeitslosenversicherung habe die Vorinstanz zu U nrecht nicht berücksichtigt, dass er einen befristeten und damit nicht kündbaren Arbe itsvertrag abgeschlossen habe, dass er sich per Ende August 2014 in der Schweiz abgemeldet u nd eine gültige Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung Voraussetzung für den Bezug von Arbeitslosentaggeldern sei, dass er die erlittene Einkommensreduktion nicht mehr rückgäng ig machen könne, zumal sich der versicherte Verdienst bereits im November 2014 anders z usammengesetzt habe als im ersten Semester des Jahres 2014. Die vorinstanzliche Sachverhalt sdarstellung sei vor diesem Hinter- grund unvollständig und nicht korrekt. Folglich habe die Vorinstanz auch das hypothetische Ein- kommen fehlerhaft bestimmt. Der Entscheid verletze überd ies die Bestimmungen zum Mündi- genunterhalt gemäss Art. 277 i.V.m. Art. 285 ZGB. Dem Berufungskläger sei es weder zuzumu- ten noch möglich, ein Einkommen von CHF 7‘778.30 pro Monat zu erzielen. Auch bei einer freiwilligen Ausreise ins Ausland und einer damit verbu ndenen Einkommenseinbusse müsse geklärt werden, ob es dem Unterhaltsschuldner möglich und zumutbar sei, in der Schweiz wei- terhin das bisherige Einkommen zu erzielen. Dies sei vor liegend nicht der Fall. Richtigerweise sei auf das tatsächlich erzielte Einkommen von monatlich rund CHF 2‘160.00 abzustellen. Das Existenzminimum des Berufungsklägers in C.____ betra ge CHF 2‘217.65 pro Monat. Die- ses müsse ihm belassen werden. Mit dem festgelegten Unter haltsbeitrag von monatlich CHF 902.00 werde in das Existenzminimum des Berufungskläge rs eingegriffen. Dies müsse umso mehr gelten, als einem Elternteil Unterhalt an e in mündiges Kind, das sich noch in Aus- bildung befinde, grundsätzlich nur zugemutet werden k önne, wenn ihm nach Ausrichtung der Unterhaltsleistungen noch ein Einkommen verbleibe, da s den erweiterten Notbedarf um unge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht fähr 20% übersteige, resp. sich der betroffene Elternte il nicht übermässig einschränken müsse. Der Berufungskläger könne somit nicht nur das Existenzmin imum beanspruchen, sondern den erweiterten Notbedarf von CHF 2‘640.00, womit noch weniger Raum für die Festlegung eines Unterhaltsbeitrags bestehe. Zudem sei der Berufungskläge r nicht nur zur Leistung von Unter- halt an den Berufungsbeklagten, sondern auch an die Ehe frau und an den unmündigen Sohn E.____ verpflichtet worden. Es sei falsch, einen Mündige nunterhalt festzulegen, obwohl der grundsätzlich vorrangige Unterhaltsbeitrag an den noch unmündigen Sohn und an die Ehefrau noch nicht abschliessend bestimmt sei. Obwohl die Unterhaltspflicht für das mündige Kind bei den Elternteilen obliege, habe die Mutter offenbar keine Unterstützung an den Berufungsbeklagten zu leisten. Insofern verstosse das vorinstanzliche Urteil auch gegen die Prinzipien von Art . 276 i.V.m. Art. 277 Abs. 2 ZGB. Beim Bedarf von A.____ sei weiter zu berücksichtigen, dass di e auswärtige Verpflegung lediglich während der Vorlesungszeit einzuberechnen sei, was eine n Betrag von durchschnittlich maxi- mal CHF 75.00 pro Monat ergebe. Die Bücherkosten von CHF 100.00 pro Monat und mutmass- liche Gesundheitskosten von CHF 50.00 würden bestritten und seien ohnehin unbelegt. Ferner habe der Berufungsbeklagte sicherlich Anspruch auf Prämi enverbilligung, die bislang nicht in die Bedarfsberechnung eingeflossen sei. Der ausgewiesen e Grundbedarf von A.____ betrage somit höchstens CHF 1‘583.00 plus Prämie der obligatori schen Krankenversicherung unter Ab- zug der Prämienverbilligung. Die Unterdeckung auf Sei ten des Berufungsbeklagten betrage somit nicht CHF 902.00. Schliesslich sei zu erwähnen, dass der Berufungsbeklagte den Kontakt zum Vater derzeit verweigere. Sofern der Berufungsbekla gte an dieser Haltung festhalte, spre- che auch dieser Umstand gegen die Festsetzung eines Unterhaltsbeitrags. D. Mit Verfügung vom 27.01.2015 wurde das Verfahren sist iert, bis der Entscheid des Kan- tonsgerichts, Abteilung Zivilrecht, in der Berufungssache 400 14 314 vorliegt oder bis zum Wi- derruf seitens einer der Parteien, und dem Berufungskl äger die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt. Nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfri st für eine Beschwerde ans Bundesge- richt betreffend den Entscheid des Kantonsgerichts, Abteilung Zivilrecht, in der Berufungssache 400 14 314 wurde die Sistierung des Verfahrens aufgeho ben und dem Berufungsbeklagten Frist zur Berufungsantwort eingeräumt. E. Mit Berufungsantwort vom 13.07.2015 beantragte der Berufungsbeklagte die kostenfällige Abweisung der Berufung und die Bewilligung der unen tgeltlichen Rechtspflege, und zwar aus folgenden Gründen: Die beschriebenen Umstände hinsichtlich des Einkommens des B erufungsklägers seien dem Entscheid des Kantonsgerichts vom 14.04.2015 im Verfahren 400 14 314 zugrunde gelegen, mit welchem die Berufung abgewiesen worden sei. Im vorl iegenden Verfahren bringe der Beru- fungskläger die gleichen Gründe vor, weshalb davon auszu gehen sei, dass das angerufene Gericht die Vorbringen des Berufungsklägers betreffend E inkommen genau gleich beurteilen werde. Demnach sei in Bezug auf das Einkommen und den B edarf des Berufungsklägers von der Berechnung des Urteils vom 28.10.2014 auszugehen, w onach das hypothetische Einkom- men des Berufungsklägers CHF 7‘778.30 und der Bedarf CHF 3‘695.00 (ohne Unterhaltsbeitrag Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht für A.____) pro Monat betrügen. Der Überschuss von mon atlich CHF 4‘083.30 ermögliche es dem Berufungskläger, nebst dem Unterhalt an seine Ehef rau und den jüngeren Sohn E.____ auch den Betrag von CHF 902.00 an den Berufungsbeklag ten zu bezahlen, ohne dass er sich einschränken müsse. Die Unterhaltsverpflichtungen gegenüber der Ehefrau u nd E.____ seien mittlerweile abschlies- send bestimmt. Die Mutter des Berufungsbeklagten arbei te wegen ärztlich attestierten, gesund- heitlich bedingten Einschränkungen in ihre Arbeitsfähig keit nur in einem Pensum von 50% und sei damit nur in der Lage, höchstens ihren eigenen Bed arf abzudecken. Zudem betreue sie völ- lig allein den 12-jährigen Sohn E.____. Der Bedarf des Berufungsbeklagten gemäss Berechnung des Eheschutzurteils vom 09.05.2014 bzw. 11.06.2014, worauf die Vorinstanz im Entscheid vom 28.10.2014 verwiesen habe, sei vom Berufungskläger akzeptiert worden. Er könne nun nicht in Frage stellen, was er ein halbes Jahr vorher anerkannt habe, ohne dass eine wesentliche und d auerhafte Veränderung der Verhält- nisse vorliege. Die Vorinstanz habe richtig festgestell t, dass sich die Positionen des Berufungs- beklagten seit ihrem Entscheid im Mai 2014 nicht verändert hätten. Insbesondere die Positionen auswärtige Verpflegung, Bücher und Arztauslagen seien vo m Berufungskläger zu keinem Zeit- punkt beanstandet oder gar bestritten worden. Der Be rufungskläger habe den Kontakt zu sei- nen Kindern und zu seiner Frau abgebrochen. Sie wüsst en bis heute nicht warum. Wo hier der Berufungsbeklagte für den fehlenden Kontakt verantwortlich sein solle, sei nicht ersichtlich. Eine Unzumutbarkeit der Leistungspflicht des Berufungsklägers in persönlicher Hinsicht werde be- stritten. F. Mit Verfügung vom 16.07.2015 wurde der Schriftenwechse l geschlossen, auf die Erhe- bung weiterer Beweise verzichtet und der Fall der Dreierkammer zum Entscheid gestützt auf die Akten überwiesen. Im Hinblick auf das Gesuch um unentge ltliche Rechtspflege reichte der Be- rufungsbeklagte am 23.07.2015 diverse Unterlagen nach. Mit Eingaben vom 31.07.2015 resp. 11.08.2015 reichten die Rechtsbeiständinnen ihre Honorarnoten ein. Erwägungen 1. Gegen einen Endentscheid in vermögensrechtlichen Strei tigkeiten mit einem Streitwert von mindestens CHF 10'000.00 kann gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 ZPO Berufung erhoben werden. Mit Berufung kann gemäss Art. 309 ZPO unrichtige Rechtsanwendung oder/ und unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend ge macht werden. Die Berufung ist schrift- lich und begründet innert 30 Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheides bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). D er Streitwert beträgt im vorliegenden Fall CHF 29‘766.00 (33 x CHF 902.00, Unterhaltsbeitra g von November 2014 bis und mit Juli 2017), womit die Streitwertgrenze klar erreicht ist. De r angefochtene Entscheid wurde dem Be- klagten am 11.12.2015 zugestellt. Die Rechtsmittelfrist ist unter Berücksichtigung der Weih- nachtsgerichtsferien durch die Berufung vom 26.01.2015 (Montag) somit eingehalten. Der Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht klagte rügt die unrichtige Feststellung des Sachverhalts und die unrichtige Anwendung des Bundeszivilrechts, womit er zulässige Berufungsgründe geltend macht. Gemäss § 6 Abs. 1 lit. c EG ZPO ist die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht de s Kantonsgerichts für die Beurteilung von Berufungen gegen Entscheide der Präsidien der Bezir ksgerichte sachlich zuständig. Da auch die übrigen Formalien für das Rechtsmittel der B erufung eingehalten sind, ist auf diese einzutreten. 2. Neue Tatsachen und Beweismittel können im Berufungsverfah ren nur noch in den Schranken von Art. 317 Abs. 1 ZPO vorgebracht werden. D as Bundesgericht hat die analoge Anwendung von Art. 229 Abs. 3 ZPO im Berufungsverfahre n abgelehnt und festgehalten, dass einzig Art. 317 Abs. 1 ZPO massgeblich sei (vgl. BGE 138 III 625 = Praxis 2013 Nr. 26 E. 2.2). Auch in den Verfahren, die der Untersuchungsmaxime unt erstehen, ist deshalb Art. 317 Abs. 1 ZPO zu beachten. Neue Tatsachen und Beweismittel, we lche die Parteien in den Prozess ein- bringen wollen, müssen die Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO erfüllen: Unechte Noven können nicht mehr vorgebracht werden, es sei denn, eine Partei rüge, die Vorinstanz habe eine bestimmte Tatsache in Verletzung der Untersuchungsmaxime nicht beachtet. Solche unechten Noven sind im Sinne von Art. 317 Abs. 1 lit. a ZPO ohne Verzug, d.h. mit der Berufungsbegrün- dung bzw. Berufungsantwort vorzubringen. Nach Berufun gsbegründung und -antwort können bis zur Phase der Urteilsberatung nur noch echte Noven vo rgebracht werden (vgl. BGE 138 III 788 E. 4.2). Die Berufung dient nicht dazu, d ie prozessualen Säumnisse einer Partei zu korrigieren oder das vorinstanzliche Verfahren zu wieder holen. Jede Partei, welche neue Tat- sachen oder Beweismittel einreicht, hat zu behaupten und zu beweisen, dass dies ohne Verzug geschieht. Will eine Partei unechte Noven einreichen , so trägt sie die Beweislast für die Zuläs- sigkeit der Noven und muss zusätzlich darlegen und beweisen , dass sie umsichtig und sorgfäl- tig gehandelt hat, sie aber dennoch keine frühere Ken ntnis von den neu vorgebrachten Tatsa- chen und Behauptungen hatte (Entscheid des Obergerichts des Kantons Zürich vom 05.02.2014, LB140003, E. 4.1). Die vom Berufungskläger mit der Berufungsschrift als Beil age 2 eingereichten Bewerbungen datieren alle vor dem 28.10.2014 und sind somit unechte Noven. Warum es dem Berufungsklä- ger im erstinstanzlichen Verfahren bei der gebotenen S orgfalt nicht möglich gewesen sein soll- te, diese Unterlagen bereits anlässlich der Verhandlun g vom 28.10.2014 der Vorinstanz vorzu- legen, ist unerfindlich. Die Tatsache, dass er damals noc h nicht anwaltlich vertreten war, reicht dazu als Begründung nicht aus. Selbst bei Zulassung der Beilage 2 zur Berufungsbegründung als Novum wäre sie für die Entscheidfindung nicht relev ant, weil die Vorinstanz auf ein Ersatz- einkommen (Arbeitslosenentschädigung) als hypothetisches E inkommen abgestellt hat. Das Gleiche gilt auch für die Beilagen 3 (Arbeitsvertrag vo m 18.08.2014), 4 (Schreiben des Beru- fungsklägers vom 24.08.2014 an die Vorinstanz im parall el laufenden Scheidungsverfahren) und 5a und 5b (Lohnabrechnungen per 20.09.2014 und 20.10.2014) zur Berufungsbegründung. Die Beilagen 6 (Mietvertrag vom 01.10.2014) und 8 (Ga srechnung vom 20.09.2014) sind eben- falls unechte Noven. Der Berufungskläger hat auch hier n icht nachgewiesen, dass ihm die Bei- bringung dieser Urkunde im vorinstanzlichen Verfahren ni cht zumutbar gewesen ist. Sie sind daher nicht zu berücksichtigen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Echte und zulässige Noven sind hingegen die Beilagen Nr. 5c und 5d (Lohnabrechnungen per 20.11.2014 und 15.12.2014), 7 (Wasserrechnung vom 02.1 2.2014) und 9 (Monatsabonnement öffentlicher Verkehr vom 02.12.2014) zur Berufungsbegr ündung. Diese Urkunden sind aller- dings für die Entscheidfindung nicht relevant, weil d ie Vorinstanz auf ein Ersatzeinkommen (Ar- beitslosenentschädigung) als hypothetisches Einkommen und a uf den bisherigen Grundbedarf des Berufungsklägers in der Schweiz abgestellt hat. Soweit der Berufungskläger in der Berufungsbegründung vorbringt, dass beim Bedarf des Beru- fungsbeklagten lediglich ein Betrag von monatlich CHF 7 5.00 für auswärtige Verpflegung anfal- le und dass der Berufungsbeklagte Anspruch auf Prämienve rbilligung habe, und soweit er Bü- cherkosten von monatlich CHF 100.00 und mutmassliche Gesund heitskosten von monatlich CHF 50.00 bestreitet, stellt er neue Tatsachenbehaupt ungen auf und reicht diesbezüglich neue Beweismittel (Beilagen 10 und 11 zur Berufungsbegründ ung) ein. Er hat hingegen nicht darge- tan und bewiesen, dass er diese Behauptungen bei der gebotenen Sorgfalt nicht schon vor ers- ter Instanz hätte vorbringen können. Folglich sind dies e neuen Behauptungen und die dazu angerufenen Beweismittel im Berufungsverfahren nicht zu berücksichtigen. Das Gleiche gilt auch für die im Berufungsverfahren erstmals aufgestellt en Behauptungen, dass die Mutter des Berufungsbeklagten keine Unterstützung an den Berufun gsbeklagten leiste und dass der Beru- fungsbeklagte den Kontakt zum Vater derzeit verweigere. Die mit der Berufungsantwort vom 13.07.2015 eingereich te Beilage (Entscheid der Sozialhilfe- behörde Liestal vom 31.07.2014) ist ein unechtes Novum. Der Berufungsbeklagte hat nicht nachgewiesen, dass ihm die Beibringung dieser Urkunde i m vorinstanzlichen Verfahren nicht zumutbar gewesen ist. Sie ist daher nicht zu berücksichti gen. Sie ist für die Entscheidung oh- nehin nicht relevant, weil sie sich auf verspätet vorgebra chte Behauptungen des Berufungsklä- gers bezieht. Die weiteren Beilagen zur Berufungsantwort sind echte Noven, werden jedoch nur im Zusammenhang mit dem Gesuch des Berufungsbeklagten u m unentgeltliche Rechtspflege angerufen. Das Gleiche gilt auch für die mit Eingabe vom 23.07.2015 vom Berufungsbeklagten eingereichten Unterlagen. Im Hinblick auf die materielle Beurteilung der Berufung sind sie daher im vorliegenden Verfahren ausser Acht zu lassen, zumal der Berufungskläger darauf verzichtet hat, diesbezüglich von seinem Replikrecht Gebrauch zu machen. Es wird den Parteien empfoh- len, sich über die Auswirkungen dieser echten Noven auf d ie Höhe des Mündigenunterhalts, insbesondere des Entscheids vom 19.06.2015 über Ausbildun gsbeiträge, direkt zu einigen, be- vor erneut das Gericht angerufen werden sollte. 3. Hat ein Kind nach Eintritt der Volljährigkeit noch kei ne angemessene Ausbildung, so ha- ben gemäss Art. 277 Abs. 2 ZGB die Eltern, soweit es i hnen nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf, für seinen Unterhalt aufzukommen, bis eine entsprechende Ausbildung ordentlicherweise abgeschlossen werden kann. Der Ausbildu ngsnachweis, die Ausbildungs- dauer, der Bedarf und das Einkommen des Berufungsbeklagt en, die finanzielle Leistungsfähig- keit der Mutter des Berufungsbeklagten wie auch die Zumutbarkeit des Mündigenunterhalts aus persönlichen Gründen sind nicht Streitgegenstand dieses Be rufungsverfahrens (vgl. dazu E. 2 hievor). Somit stösst der Berufungskläger mit seinen Rügen bezüglich des Bedarfs des Beru- fungsbeklagten, der finanziellen Leistungfähigkeit der Mutter des Berufungsbeklagten und der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zumutbarkeit des Mündigenunterhalts aus persönlichen Grün den ins Leere. Es geht allein um die Zumutbarkeit des Mündigenunterhalts in finanzieller Hinsicht. 4. Gemäss Art. 285 Abs. 1 ZGB ist grundsätzlich ein Beitrag in Geld zu leisten. Dieser be- misst sich nach den Bedürfnissen des Kindes, der Lebensha ltung der Parteien und der Leis- tungskraft des Pflichtigen, unter Berücksichtigung der Ei nkünfte und des Vermögens des Kin- des. Dabei ist grundsätzlich vom tatsächlich erzielten Einko mmen des Unterhaltspflichtigen auszugehen. Soweit dieses Einkommen allerdings nicht ausr eicht, um den ausgewiesenen Be- darf zu decken, kann ein hypothetisches Einkommen angerec hnet werden, sofern dieses zu erreichen zumutbar und möglich ist. Geht die Einkommensverminderung auf eine freiwillige und einseitige Entscheidung des Unterhaltspflichtigen zurück, so ist eine solche Verschlechterung in der Regel unbeachtlich; der Unterhaltsschuldner soll di e Folgen seines einseitig getroffenen Entscheides selber tragen und nicht auf den Unterhalt sgläubiger abwälzen. Die Konsequenz aus diesem Grundsatz besteht insbesondere darin, von der bisherigen höheren Leistungsfähig- keit des Unterhaltsverpflichteten auszugehen und ihm de mentsprechend ein hypothetisches Einkommen anzurechnen. Davon ist allerdings ausnahmsweis e abzusehen, wenn die vom Un- terhaltsverpflichteten getroffenen Dispositionen nicht mehr rückgängig gemacht werden können; in diesem Fall hat die Anrechnung eines hypothetischen E inkommens zu unterbleiben (BGer 5C.163/2001 E. 2.c mit weiteren Hinweisen). Die Anrec hnung eines hypothetischen, höheren Einkommens hat keinen pönalen Charakter. Es geht vielmehr darum, dass der Unterhaltspflich- tige das Einkommen zu erzielen hat, welches ihm zur Erfüllung seiner Pflichten tatsächlich mög- lich und zumutbar ist. Aus welchem Grund ein Unterhalts pflichtiger auf das ihm angerechnete höhere Einkommen verzichtet, ist im Prinzip unerheblich (BGE 128 III 5 E. 4.a, BGer 5A_170/2007 E. 3.1 und 5A_290/2010 E. 3.1). Insbesondere kann der (an sich zulässige) Weg- zug ins Ausland unbeachtlich bleiben, wenn eine weitere Arbeitstätigkeit in der Schweiz als zu- mutbar zu erachten ist. Dem unterhaltspflichtigen Elternteil steht es insofern nicht frei, nach Be- lieben ganz oder teilweise auf ein bei zumutbarer An strengung erzielbares Einkommen zu ver- zichten, um persönliche Wünsche und Pläne zu verwirklichen. Dass diese der Unterhaltspflicht hintanzustehen haben, ergibt sich aus dem Wesen des sog. h ypothetischen Einkommens zwangsläufig. Dessen Anrechnung bedeutet in der Regel a uch keine Verletzung verfassungs- mässiger Rechte. Indes muss die Erzielung eines entsprechenden Einkommens - nebst der tatsächlichen Möglichkeit, die sich anhand von Faktoren wi e Alter, Gesundheit, Ausbildung, Berufserfahrung, Arbeitsmarktlage, Erziehungspflichten, e tc. bestimmt - nach der eingangs zi- tierten Rechtsprechung auch zumutbar sein (BGer 5A_513/2012 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Dass der Berufungskläger seit seinem Wegzug per 27.08.2014 aus der Schweiz nach C.____ in tatsächlicher Hinsicht ein wesentlich tieferes Einkommen erzielt, ist unbestritten. Streitig ist hin- gegen, ob es dem Berufungskläger zumutbar gewesen wäre, in der Schweiz zu bleiben und hier während der Rahmenbezugsfrist Arbeitslosenentschä digung zu beziehen. Die Vorinstanz hält ihm also bloss vor, voreilig das erste Stellenangebo t aus dem Ausland angenommen und damit verschuldetermassen auf die Einkünfte aus der Arbei tslosenversicherung verzichtet zu haben, und verlangt von ihm nicht, weiterhin das bishe rige Einkommen zu erzielen. Daher sind sämtliche Ausführungen des Berufungsklägers zu den Gründ en der Kündigung der Sekundar- lehrerstelle und zu seinen Stellensuchbemühungen in d er Schweiz unerheblich. Es geht somit Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht um die Anrechnung einer effektiven Erwerbstätigkei t, welche für den Berufungskläger zu- mutbar und auch realisierbar im Sinne der Rückgängigm achung der getroffenen Dispositionen sein müsste. Vielmehr fragt sich einzig, ob es dem Beruf ungskläger in persönlicher und wirt- schaftlicher Hinsicht zumutbar war, in der Schweiz zu verbl eiben und zwecks Erfüllung seiner familienrechtlichen Unterhaltspflicht das ihm aus der A rbeitslosenversicherung zustehende Er- satzeinkommen zu beziehen. Ob er seinen freiwilligen Ver zicht auf den Bezug von Arbeitslo- senentschädigung im Zeitpunkt der erstinstanzlichen Verha ndlung noch rückgängig machen konnte, ist hingegen ohne Relevanz, weil es beim sozialversi cherungsrechtlichen Ersatzein- kommen im Unterschied zu einem effektiven Erwerbseinkommen auf die Kriterien des Arbeits- marktes, des Alters, der Gesundheit, der Ausbildung und d er Berufserfahrung des Unterhalts- pflichtigen nicht ankommt. Damit unterscheidet sich der vorliegende Fall wesentlich vom seitens des Berufungsklägers zitierten Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft Nr. 100 07 806 vom 06.05.2008, in welchem die Anrechnung eines über die Arbeitslosenentschädigung hin- ausgehenden, hypothetischen Erwerbseinkommens streitig war. Der Berufungskläger hat sich aktenkundig am 04.08.2014 beim RAV zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung angemeldet. Die vom Berufungskläger angegebenen Gründe für den Umzu g nach C.____ sind rein subjekti- ver Natur und vermögen nicht darzulegen, dass eine Rückkehr in die Schweiz nicht zumutbar wäre. Sie entspringen allein den persönlichen Wünsch en des Berufungsklägers und führen zu einer markanten Verminderung seines bisherigen Einkomme ns. Die Verwirklichung dieser per- sönlichen Wünsche geht der Unterhaltsverpflichtung gegen über mündigen, in Ausbildung be- griffenen Kindern keinesfalls vor. Das von ihm vorgebracht e Argument, er habe mit der Annah- me der Stelle an der Deutschen Schule in C.____ weni gstens die Berufserfahrung erhalten können, entpuppt sich als reines Scheinargument, verfüg t er doch bereits über eine langjährige Berufserfahrung als Sekundarlehrer. Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, dass der Beru- fungskläger aufgrund seiner familienrechtlichen Verpfl ichtungen ein volles Taggeld von 80% des versicherten Verdienstes von durchschnittlich CHF 7‘778.30 pro Monat erhalten hätte, wäre er in der Schweiz verblieben. Ferner hat sie berücksichtig t, dass er zufolge eigener Kündigung mit einer Einstellung von maximal 60 Arbeitstagen hätte rechnen und darum für die Monate Au- gust bis maximal Oktober 2014 keine Arbeitslosenentschädig ung erhalten hätte. Die Rüge der unrichtigen Sachverhaltsfeststellung in diesem Punkt erw eist sich somit als unzutreffend. Folg- lich hat die Vorinstanz zu Recht dem Berufungskläger späte stens ab November 2014 ein sozi- alversicherungsrechtliches Ersatzeinkommen in Höhe von CHF 7 ‘778.30 pro Monat angerech- net. Hinzu kommt, dass das Bundesgericht die Frage, ob einem Unterhaltspflichtigen, der sein Ein- kommen böswillig vermindert, ein hypothetisches Erwerbsein kommen selbst dann angerechnet werden soll, wenn sich die Verminderung nicht mehr rü ckgängig machen lässt, ausdrücklich offen gelassen hat (BGE 128 III 4 E. 4.a). In spätere n Entscheiden hat das Bundesgericht dann jeweils betont, dass der Anrechnung eines höheren hypot hetischen Einkommens kein pönaler Charakter zukomme und daher nicht von Belang sei, warum die betreffende Person auf früher vorhandene Ressourcen verzichtet habe; entscheidend seien die tatsächlichen Möglichkeiten, und diesbezüglich sei das Bundesgericht an die Sachverhalt sfeststellungen der kantonalen In- stanz gebunden (BGer 5A_210/2013 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). Ein Teil der Lehre bejaht die Anrechnung eines höheren hypothetischen Erwerbseinko mmens, wenn eine Person ihr Er- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht werbseinkommen böswillig reduziert und sich die Reduktion nicht rückgängig machen lässt (Spycher, Unterhaltsleistungen bei Scheidung, Diss. Bern 1 996, S. 80/81; Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum Scheidungsrecht, Art. 125 N 48; Sutter/ Kobel, Familienrecht, N 901). Gerade in Fällen, in denen der Unterhaltspflichtige in Kenn tnis seiner familienrechtlichen Pflichten frei- willig und damit familienrechtlich schuldhaft auf ein substanzielles Einkommen verzichtet, kann es nach Sinn und Zweck der Rechtsprechung über die Anrech nung eines hypothetischen Ein- kommens nicht angehen, für die Anrechenbarkeit eines so lchen die Rückgängigmachung der getroffenen Dispositionen zu fordern. Das Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, schliesst sich daher der zuvor zitierten Lehrmeinung an und hält daf ür, dass beim Berufungskläger ohnehin von einer böswilligen resp. schuldhaften Nichtinanspruchnahme der Arbeitslosenentschädigung in der Schweiz auszugehen ist. Im vorliegenden Fall lieg en besonders krasse Verhältnisse vor: Der Berufungskläger hat in Kenntnis seiner familienrech tlichen Pflichten, welche mit dem Ehe- schutzurteil vom 09.05.2014 auch hinsichtlich des Berufungsb eklagten betragsmässig noch- mals aktualisiert worden sind, und trotz seiner Beteuerun gen, in der Schweiz zu verbleiben und nur bei Misslingen seiner Bewerbungen in der Schweiz nach F.____ zu gehen, eine Lehrerstelle zu einem bloss seinen eigenen Bedarf deckenden Einkomme n in C.____ angenommen und damit seine wirtschaftliche Fähigkeit zur Leistung von Un terhaltsbeiträgen gänzlich vernichtet. Ob die Kündigung der bisherigen Sekundarlehrerstelle freiwillig erfolgt ist, spielt keine Rolle, weil die Vorinstanz von ihm nicht die Erzielung eines E rwerbseinkommens in bisheriger Höhe gefordert hat. Die Vorinstanz hat ihm einzig den freiw illigen Verzicht auf den Bezug des ihm gesetzlich zustehenden Ersatzeinkommens aus Arbeitslosenversicherung vorgehalten, und das völlig zu Recht. Angesichts der ihm bekannten Unterhaltspf licht und der bestehenden Möglich- keit zum Bezug einer Arbeitslosenentschädigung von monatli ch CHF 7‘778.30 in der Schweiz für die Dauer von 400 Arbeitstagen erscheint das Verhalten des Berufungsklägers, der ein intel- ligenter Mensch ist, als egoistische und rücksichtslose Flucht reaktion aus der familienrechtli- chen Verantwortung, weshalb es als absichtliche Schädigung der Unterhaltsansprüche des Be- rufungsbeklagten zu qualifizieren ist. Dieses Vorgehen d arf keinen Rechtsschutz in dem Sinne finden, dass ein Begehren um Aufhebung der Unterhaltsb eiträge gestützt auf diesen Sachver- halt gutgeheissen würde. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist der Entscheid der Vorinstanz, dem Berufungskläger als hypothetisches Einkommen das Ersatze inkommen, auf welches er freiwillig verzichtet hat, anzurechnen, nicht zu beanstanden. 5. In finanzieller Hinsicht ist einem Elternteil die Leistu ng von Mündigenunterhalt im Grund- satz nur zumutbar, soweit ihm unter Berücksichtigung weite rer Unterhaltspflichten der um die laufenden Steuern und gewisse Versicherungsprämien erweiterte und um ungefähr 20% erhöh- te betreibungsrechtliche Notbedarf verbleibt. Im Einze lfall sind aber Abweichungen von diesem Grundsatz möglich (FamKomm Scheidung/Wullschleger, Allg. Bem. zu Art. 276-293 ZGB, N 2; BGE 118 II 99 E. 4.b/aa). Die Vorinstanz hat in E. 7 ihrer Urteilsbegründung zwar auf diese Rechtsprechung verwiesen, sie jedoch im vorliegenden Fall bei der Beurteilung der Zumutbar- keit des Mündigenunterhalts in finanzieller Hinsicht gar nicht berücksichtigt. Die vom Beru- fungskläger vorgebrachte Rüge der Nichtberücksichtigung des 20%-Zuschlags erweist sich so- mit im Grundsatz als begründet. Hingegen ist nicht auf d en Bedarf des Berufungsklägers im Ausland, sondern in Übereinstimmung mit der Vorinstanz auf den vorherigen Bedarf des Beru- fungsklägers in der Schweiz abzustellen. Der betreibungsre chtliche Notbedarf des Berufungs- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht klägers beläuft sich ohne Einrechnung der Unterhaltsbei träge und ohne Steuern auf monatlich CHF 2‘945.00 (vgl. Berechnung auf S. 6 der vorinstanzli chen Urteilsbegründung). Ein Zuschlag von 20% auf diesem Grundbedarf beträgt CHF 589.00. Na ch Vornahme dieses Zuschlags und nach Hinzuzählung der laufenden Steuerlast von monatli ch CHF 750.00 und der Unterhaltsbei- träge für die Ehefrau und für den unmündigen Sohn E .____ von monatlich CHF 2‘830.00 ergibt sich ein Betrag von monatlich CHF 7‘114.00. Dem Beruf ungskläger kann somit ein Unterhalts- beitrag an den Berufungskläger nur soweit zugemutet wer den, als ihm monatlich CHF 7‘114.00 von seinem (hypothetischen) Monatseinkommen von CHF 7‘7 78.30 verbleiben. Daraus resul- tiert ein dem Berufungskläger in finanzieller Hinsicht zu mutbarer Unterhaltsbeitrag von CHF 664.30 resp. gerundet CHF 664.00 pro Monat für den Berufungsbeklagten. Dass im vor- liegenden Fall Umstände vorlägen, die ein Abweichen vom Regelzuschlag von 20% rechtferti- gen würden, ist von den Parteien nicht geltend gemacht worden. 6. Die Rüge des Berufungsklägers, es sei falsch, einen allfä lligen Unterhaltsbeitrag für den Berufungsbeklagten festzulegen, obwohl der grundsätzli ch vorrangig zu behandelnde Unter- haltsbeitrag an den noch unmündigen Sohn resp. die Ehefrau noch nicht abschliessend be- stimmt sei, erweist sich aus den nachfolgenden Gründen al s unzutreffend. Die Vorinstanz hat die Frage des Mündigenunterhalts im Anschluss an die Ve rfügung vom 28.10.2014 über vor- sorgliche Massnahmen im Ehescheidungsverfahren betreffend Unterhalt an die Ehefrau und den unmündigen Sohn entschieden und den dafür festgese tzten Unterhaltsbeitrag von monat- lich CHF 2‘830.00 im Verfahren betreffend Mündigenun terhalt vollumfänglich berücksichtigt. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Mittlerweile i st die Berufung gegen die Verfügung der Vorinstanz vom 28.10.2014 über vorsorgliche Massnah men im Ehescheidungsverfahren betreffend Unterhalt an die Ehefrau und den unmündi gen Sohn ohnehin rechtskräftig abgewie- sen worden (vgl. Verfahren 400 14 314). 7. Die Bedürftigkeit des Berufungsbeklagten im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung bis heute ist ausgewiesen, zumal er seit April 2014 Sozialhilfel eistungen bezieht. Folglich ist ihm für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege mi t seiner derzeitigen Rechtsbeiständin zu bewilligen. 8. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Berufung teilweise gutzuheissen und der ab November 2014 bis und mit Juli 2017 an den Berufun gsbeklagten zu bezahlende Unter- haltsbeitrag auf monatlich CHF 664.00 zuzüglich allfäl liger von ihm bezogener Ausbildungszu- lagen herabzusetzen. Gemäss Art. 106 Abs. 2 ZPO werden die Prozesskosten nach dem Aus- gang des Verfahrens verteilt, wenn keine Partei vollständig obsiegt hat. Der Berufungskläger ist zu rund einem Viertel mit seinem Begehren durchgedrun gen und zu rund drei Vierteln unterle- gen, weshalb die Prozesskosten des Berufungsverfahrens zu drei Vierteln dem Berufungsklä- ger und zu einem Viertel dem Berufungsbeklagten aufzuerlegen sind. Für das Berufungsverfah- ren ist die Gerichtsgebühr in Anwendung von § 9 Abs. 1 i.V.m. § 8 Abs. 1 lit. f GebT auf CHF 1‘200.00 festzusetzen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege an beide Par- teien gehen ihre Anteile an den Gerichtskosten zulasten des Staates. Gestützt auf Art. 122 Abs. 1 lit. d ZPO ist dem Berufungsbeklagten grundsätzl ich eine vom Berufungskläger zu ent- richtende, reduzierte Parteientschädigung von CHF 800. 00 zuzusprechen. Da diese aufgrund seines derzeitigen Wohnsitzes im Ausland und seines derzei tigen Einkommens voraussichtlich Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht einzubringen sein dürfte, ist der unentgeltlichen Rechtsbeiständin des Berufungsbeklagten der Betrag von CHF 800.00 gemäss Art. 122 Abs. 2 ZPO aus der Gerichtskasse zu entrichten. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege an den Berufungskläger ist seine unent- geltliche Rechtsbeiständin gemäss Art. 122 Abs. 1 lit. a Z PO ebenfalls aus der Gerichtskasse angemessen zu entschädigen, und es ist ihr ein Honorar von CHF 1‘924.95 zu entrichten. Zu- folge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege an den Berufungsbeklagten ist seiner unent- geltlichen Rechtsbeiständin gemäss Art. 122 Abs. 1 lit . a ZPO das Resthonorar von CHF 762.75 ebenfalls aus der Gerichtskasse zu entrichten. Demnach wird erkannt: ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Berufung wird Zi ff. 1 des Urteils des Zivil- kreisgerichtspräsidenten Basel-Landschaft Ost vom 28. Oktober 2014 wie folgt abgeändert: „Die Klage wird teilweise gutgeheissen und der Beklagt e verurteilt, dem Kläger mit Wirkung ab 1. November 2014 bis zum ordentl ichen A b- schluss seiner Ausbildung, d.h. voraussichtlich bis Juli 2017 m onatliche und vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 664.00 (zuzüglich all- fällige von ihm bezogene Ausbildungszulagen von CHF 250. 00, welche derzeit von der Ehefrau bezogen werden) zu bezahlen.“ Im Übrigen wird der vorinstanzliche Entscheid bestätigt. 2. Dem Berufungsbeklagten wird die unentgeltliche Rech tspflege bewilligt. 3. Die Gerichtsgebühr von pauschal CHF 1‘200.00 wird zu drei Vierteln dem Berufungskläger und zu einem Viertel dem Berufungsb eklagten auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege an beide Parteien gehen deren Kostenanteile zulasten des Staates. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Berufungskläger hat dem Berufungsbeklagten eine reduzierte Par- teientschädigung von CHF 800.00 inkl. Auslagen und inkl. MWST von CHF 59.25 zu bezahlen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechts- pflege an den Berufungsbeklagten und voraussichtlicher Ni chteinbring- lichkeit dieser Parteientschädigung wird das obige Anwa ltshonorar der unentgeltlichen Rechtsbeiständin des Berufungsbeklagt en aus der Ge- richtskasse bezahlt. Damit geht der Anspruch auf den Kanton über. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege an beide Parteien wird der unentgeltlichen Rechtsbeiständin des Berufung sklägers ein Anwaltshonorar von CHF 1‘924.95 inkl. Auslagen und inkl. MWST von CHF 142.60 und der unentgeltlichen Rechtsbeiständin des Berufungs- beklagten ein Resthonorar von CHF 762.75 inkl. Auslagen und inkl. MWST von CHF 56.50 aus der Gerichtskasse bezahlt. Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewäh rt wurde, ist zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 Abs. 1 ZPO). Der Anspruch des Kantons verjährt zehn Jahre nach Ab- schluss des Verfahrens (Art. 123 Abs. 2 ZPO). Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiber Hansruedi Zweifel