Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht vom 15. Mai 2012 (460 11 103) ____________________________________________________________________ Strafrecht Einfache Körperverletzung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref.), Richter Beat Hersberger; Gerichtsschreiber Dominik Haffter Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Liestal, Rheinstrasse 27, 4410 Liestal, Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin A.____ , vertreten durch Advokat Javier Ferreiro, Gerbergasse 1, 4001 Basel, Opfer und Berufungskläger B.____ , vertreten durch Advokat Dr. Heiner Schärrer, Aeschenvorstadt 67, Postfach, 4010 Basel, Opfer gegen C.____ , vertreten durch Advokat Dr. Christian von Wartburg, Hauptstras- se 104, 4102 Binningen, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Einfache Körperverletzung etc. Berufung und Anschlussberufung gegen das Urteil des Strafge- richtsvizepräsidenten Basel-Landschaft vom 5. April 2011 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil vom 5. April 2011 erklärte der Strafgericht svizepräsident Basel-Landschaft C.____ in teilweiser Abänderung des Strafbefehls des Be zirksstatthalteramtes Arlesheim vom 9. März 2009 der einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von B.____ sowie der mehrfach versuchten einfachen Körpe rverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von A.____ und D.____ schuldi g und verurteilte ihn zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je CHF 70. 00, bei einer Probezeit von zwei Jahren, dies in Anwendung von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 S tGB (teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 StGB, Art. 46 StGB sowie Art. 49 StGB (Ziff. 1). Ferner wurde der Beschuldigte von der Ankla ge der einfachen Körperverletzung zum Nachteil von A.____ gemäss Fall 1 des Strafbefehls freige sprochen (Ziff. 2) und die gegen den Beschuldigten am 13. Juni 2007 vom Appellationsgericht Basel-Stadt neben einer Busse von CHF 500.00 bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je CHF 80.00 (bezie- hungsweise Ersatzfreiheitsstrafe von 150 Tagen), bei ei ner Probezeit von zwei Jahren, in An- wendung von Art. 46 Abs. 1 StGB vollziehbar erklärt (Z iff. 3). Die Schadenersatz- und Genug- tuungsforderung von A.____ sowie die geltend gemachten Anwaltskosten im Fall 1 des Strafbe- fehls wurden auf den Zivilweg verwiesen (Ziff. 4a) u nd die Schadenersatz- und Genugtuungs- forderung von B.____ im Fall 2 des Strafbefehls wurde gemäss Art. 38 Abs. 3 OHG dem Grundsatz nach gutgeheissen und im Übrigen auf den Zivilw eg verwiesen (Ziff. 4b). Der Be- schuldigte wurde überdies zur Bezahlung einer Parteient schädigung an B.____ von CHF 4'174.40 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) (Zi ff. 5) sowie der Verfahrenskosten von insgesamt CHF 3'447.75 verurteilt (Ziff. 6). Ausserde m wurde festgestellt, dass das Hono- rar des Offizialverteidigers in der Höhe von insgesamt C HF 2'843.85 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates gehe (Ziff. 7). Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Urteils eingegangen. B. Gegen obgenanntes Urteil meldete der Beschuldigte, ver treten durch Advokat Dr. Christian von Wartburg, mit Eingabe vom 19. April 2011 Berufung an. In seiner Berufungs- erklärung vom 14. Juli 2011 beantragte er, in Aufhebun g des Urteils vom 5. April 2011 sei er vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von B.____ und vom Vorwurf der mehrfach versuchten einfa chen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von A.____ und D._ ___ freizusprechen, unter o/e Kostenfolge. Ausserdem begehrte der Beschuldigte, es sei A.____ als Zeuge zur Verhand- lung zu laden und ein Sachverständigengutachten zur Fr age des allgemeinen Gesundheitszu- standes des Beschuldigten im Frühling 2008 sowie der da mit zusammenhängenden Frage der Schuldfähigkeit einzuholen. C. Mit Eingabe vom 21. April 2011 meldete A.____, vertr eten durch Advokat Javier Ferreiro, Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtsvizepräsidenten an. In seiner Berufungsbegründung vom 12. Juli 2011 begehrte A.____, es sei Ziff. 2 des Urteils aufzuheben und der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung zum Nachteil von A.___ _ zu verurteilen. Überdies sei Ziff. 4a des Urteils aufzuheben und der Beschuldigte zur Bezahlung von Schadenersatz in der Höhe Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht von CHF 2'217.50, einer Genugtuung von CHF 5'000.00 s owie einer Parteientschädigung von CHF 2'551.75 für das erstinstanzliche Verfahren zu verpfli chten. Eventualiter sei das Urteil auf- zuheben und an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzu weisen, unter o/e Kostenfolge. Eventualiter sei ihm bei Uneinbringlichkeit der beantr agten Parteientschädigungen für das erst- sowie das zweitinstanzliche Verfahren eine angemessene Par teientschädigungen aus der Ge- richtskasse zu gewähren. Ausserdem seien E.____ sowie D. ____ als Zeugen, eventualiter als Auskunftspersonen, zu befragen. D. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilu ng Liestal, erklärte mit Eingabe vom 3. August 2011 die Anschlussberufung gegen das Urteil vom 5. April 2011 und beantragte, es sei der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung zum Nachteil von A.____, der einfa- chen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von B.____ sowie der mehrfach versuchten einfachen Körperverletzung mit ei nem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von A.____ und D.____ schuldig zu erklären und zu einer bedingt vollziehbaren Geld- strafe von mindestens 180 Tagessätzen zu je CHF 70.00, be i einer Probezeit von vier Jahren, zu verurteilen. Im Übrigen sei das Urteil in Abweisung d er Berufung des Beschuldigten vollum- fänglich zu bestätigen. E. Mit Begründung der Anschlussberufung vom 13. September 2011 hielt die Staatsanwalt- schaft an ihren Rechtsbegehren gemäss Erklärung der Anschlussberufung vom 3. August 2011 fest. F. Der Beschuldigte wiederholte mit Berufungsbegründung vom 28. Oktober 2010 (recte: 2011) seine Rechtsbegehren gemäss Berufungserklärung vom 14. Juli 2011 und begehrte überdies, es sei ihm nach Eingang eines allfälligen Gut achtens die Möglichkeit zu geben, die Berufung ergänzend zu begründen und auch für das zweit instanzliche Verfahren die amtliche Verteidigung zu bewilligen. G. Der Präsident des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, A bteilung Strafrecht, bewilligte mit Verfügung vom 1. November 2011 dem Beschuldigten die a mtliche Verteidigung für das zwei- tinstanzliche Verfahren mit Advokat Dr. Christian von Wartburg. H. In ihrer Stellungnahme vom 16. November 2011 führte B.____, vertreten durch Advokat Dr. Heiner Schärrer, aus, sie schliesse sich hinsichtlich de r straf- und zivilrechtlichen Beurtei- lung den Anträgen der Staatsanwaltschaft vom 13. Sept ember 2011 vollumfänglich an und be- antrage, den Verfahrensantrag des Beschuldigten, es sei ein Sachverständigengutachten zur Frage der Schuldfähigkeit einzuholen, abzuweisen. I. Mit Berufungsantwort vom 1. Dezember 2011 begehrte d ie Staatsanwaltschaft, es sei die Berufung des Beschuldigten vollumfänglich abzuweisen, even tualiter sei A.____ als Auskunfts- person zur Verhandlung vor Kantonsgericht zu laden. Ferner sei der Antrag auf Einholung eines Sachverständigengutachtens über den Gesundheitszustand d es Beschuldigten im Frühjahr 2008 abzuweisen, die Berufung von A.____ gutzuheissen und eventualiter E.____ sowie Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht D.____ als Zeugen, eventualiter als Auskunftspersonen, zur Verhandlung vor Kantonsgericht zu laden. J. Mit Eingabe vom 13. Januar 2012 nahm A.____ Stellung zur Berufungsbegründung des Beschuldigten. K. Der Beschuldigte beantragte mit Anschlussberufungsantw ort vom 16. Januar 2012, es seien sowohl die Berufungsbegründung von A.____ als au ch die Anschlussberufungsbegrün- dung der Staatsanwaltschaft abzuweisen, unter o/e Kostenfolge. L. Mit Verfügung vom 18. Januar 2012 wies der Präsident d es Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, den Beweisantrag des Beschuldigten, es sei ein Sachverstän- digengutachten zur Frage seines allgemeinen Gesundheitszu standes im Frühling 2008 sowie seiner Schuldfähigkeit einzuholen, ab. Ferner wurde ve rfügt, dass A.____ als Auskunftsperson und E.____ sowie D.____ als Zeugen vor Kantonsgericht befragt werden. M. An der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kantonsgeri cht erscheinen der Beschuldigte und Berufungskläger C.____ mit seinem Verteidiger Adv okat Dr. Christian von Wartburg, die Staatsanwältin Caroline Horny, das Opfer und der Beru fungskläger A.____ mit der Vertretung seiner Verteidigerin Advokatin Dr. Sarah Wenger sowie der Verteidiger von B.____, Advokat Dr. Heiner Schärrer. Der Beschuldigte stellt vorab den Beweisantrag, es sei ein Sachverständi- gengutachten zur Frage seines allgemeinen Gesundheitszu standes im Tatzeitpunkt mit Fokus auf die im Schreiben von Dr. med. F.____ vom 25. Janua r 2010 umschriebenen Umstände so- wie hinsichtlich der damit zusammenhängenden Frage der Schuldfähigkeit einzuholen. Demge- genüber begehren sowohl die Staatsanwaltschaft als auch A.____ und B.____, es sei der Be- weisantrag abzuweisen. Im Übrigen wiederholen die Pa rteien ihre Rechtsbegehren gemäss ihren Eingaben. Auf die weiteren Ausführungen der P arteien wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. Formelles 1. - 3. […] II. Materielles 1. Beweisantrag 1.1 Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kant onsgericht stellt der Beschul- digte den Beweisantrag, es sei ein Sachverständigenguta chten zur Frage seines allgemeinen Gesundheitszustandes im Tatzeitpunkt mit Fokus auf die im Schreiben von Dr. med. F.____ vom 25. Januar 2010 umschriebenen Umstände sowie hinsich tlich seiner Schuldfähigkeit ein- zuholen. Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus, dass die Vorinstanz, soweit sie sein Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht fehlendes Erinnerungsvermögen als reine Schutzbehauptung qualifiziert habe, sich mit der Problematik seines Gesundheitszustandes hätte auseinander setzen müssen, zumal es keinen Anlass für die zu beurteilenden Handlungen gegeben habe. Im vorinstanzlichen Verfahren habe er auf ein Gutachten verzichtet, da er davon ausgegange n sei, das Schreiben von Dr. med. F.____ vom 25. Januar 2010 lege genügend dar, dass er ke ine Schutzbehauptung aufstelle. Insbesondere wenn man davon ausgehe, dass eine actio lib era in causa nicht zu diskutieren sei, müsse man nun ein Gutachten einholen. Es bedürfe eines Arztes, welcher erläutert, was die Krankheit sowie die Selbstbehandlungsversuche für Auswirkungen hätten. 1.2 Demgegenüber macht die Staatsanwaltschaft an der heu tigen Hauptverhandlung gel- tend, dass der Beschuldigte vor der Vorinstanz auf eine Begutachtung verzichtet habe. Zudem könne Dr. med. F.____ nicht beurteilen, ob der Beschu ldigte am fraglichen Abend etwas ge- trunken habe, zumal dieser im relevanten Tatzeitraum n icht in Behandlung gewesen sei. Eine heute durchgeführte Begutachtung könne ausserdem die Fr age des Gesundheitszustandes im damaligen Zeitpunkt nicht mehr klären. 1.3 A.____ bringt an der kantonsgerichtlichen Hauptverhand lung vor, ein Gutachten würde im heutigen Zeitpunkt zu spät erfolgen, da man nicht mehr sagen könne, was der Beschuldigte damals getrunken habe, namentlich, weil sich dieser selbst nicht mehr daran erinnern könne. 1.4 B.____ führt vor dem Kantonsgericht aus, das besagte S chreiben von Dr. med. F.____ sage hinsichtlich der Zurechnungsfähigkeit überhaupt nich ts aus. Überdies habe sich der Be- schuldigte im Tatzeitpunkt nicht in Behandlung befunden, weshalb ein Gutachter über die da- malige Schuldfähigkeit keine Ausführungen machen könn e. Einzig aufgrund der im Schreiben angeführten Diagnose der chronisch paranoiden Schizophrenie könne betreffend Zurechnungs- fähigkeit nichts geschlossen werden. 1.5 Besteht ernsthafter Anlass, an der Schuldfähigkeit de s Täters zu zweifeln, so ordnet die Untersuchungsbehörde oder das Gericht gemäss Art. 20 des Schweizerischen Strafgesetz- buches (StGB, SR 311.0) die sachverständige Begutachtung durch einen Sachverständigen an. Nicht massgebend ist dabei, ob die Untersuchungsbehörde oder das Gericht tatsächlich Zweifel an der Schuldfähigkeit des Täters haben, sondern allein, ob sie unter den gegebenen Umstän- den Zweifel haben sollten. Auslöser der Begutachtungs pflicht sind nur Zweifel aus ernsthaftem Anlass, mithin solche, die sich auf objektive Anhaltpunkte stützen. Soweit solche Zweifel vorlie- gen, statuiert die Regelung einen Anspruch auf Begut achtung (S TRATENWERTH /W OHLERS , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 2009, Ar t. 20 N 1; B OMMER , Basler Kom- mentar StGB, 2007, Art. 20 N 9). 1.6 In beweisrechtlicher Hinsicht ist festzuhalten, dass das Re chtsmittelverfahren grund- sätzlich auf den Beweisen beruht, die im Vorverfahren u nd im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind (Art. 389 Abs. 1 StPO), weshalb Be weise vor Kantonsgericht nur mit Zu- rückhaltung erhoben werden. Der stets anwaltlich vertret ene Beschuldigte hat sowohl mit Ein- gabe vom 23. September 2008 an das Bezirksstatthalteramt Arlesheim (act. 257) im Vorverfah- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren als auch mit Schreiben vom 17. November 2009 an das S trafgericht (act. 397) im erstin- stanzlichen Hauptverfahren keinen Antrag auf Einholung eines derartigen Gutachtens gestellt. Im Gegenteil hat der Beschuldigte während der strafg erichtlichen Hauptverhandlung sogar auf einen Antrag auf Begutachtung explizit verzichtet (vgl. Protokoll der Sitzung des Strafgerichts vom 5. April 2011; act. 443). 1.7 Der Beschuldigte stützt sich insbesondere auf das Schrei ben von Dr. med. F.____ vom 25. Januar 2010. Diesem Schreiben ist zu entnehmen, da ss sich der Beschuldigte im Zeitraum vom 23. März 2007 bis zum 26. Mai 2009, und somit auch im Tatzeitpunkt am 21. März 2008, nicht in Behandlung befand, weshalb von einem unauffä lligen Gesundheitszustand des Be- schuldigten im fraglichen Zeitraum auszugehen ist. Überdi es führt der Behandlungsunterbruch dazu, dass ein heutiger Sachverständiger in Bezug auf den damaligen Gesundheitszustand lediglich Vermutungen anführen kann, zumal seit dem Ta tzeitpunkt mittlerweile mehr als vier Jahre vergangen sind. Sodann setzt sich das Schreiben vo n Dr. med. F.____ vom 25. Januar 2010 in keinster Weise mit der Schuldfähigkeit des Be schuldigten auseinander, weshalb sich weder aus dem Schreiben noch den Verfahrensakten ein ern sthafter Anlass ergibt, an der Schuldfähigkeit des Täters zu zweifeln. In Bezug auf ein Gutachten betreffend den aktuellen Gesundheitszustand des Beschuldigten ist im Weiteren fest zustellen, dass einem solchen kein praktischer Nutzen zukommt. Wie es dem Beschuldigten heu te geht, ist nur von äusserst se- kundärer Relevanz, weshalb ein diesbezügliches Gutachten nicht angezeigt ist. Demzufolge ist der Beweisantrag abzuweisen. 2. Fall 1 des Strafbefehls 2.1 Der Strafgerichtsvizepräsident führt mit Urteil vom 5. A pril 2011 aus, A.____ habe aus- gesagt, dass er am 21. März 2008 zwischen 5:15 Uhr und 5 :20 Uhr auf der Tanzfläche des J.____ in Münchenstein mit B.____ am Tanzen gewesen sei, als er plötzlich vom Beschuldigten „geschubst“ worden sei. Als er den Beschuldigten aufgeford ert habe, damit aufzuhören, habe dieser ihn gefragt, ob er Probleme habe, was er vernei nt habe. Der Beschuldigte habe darauf- hin weiter auf ihn eingeredet, worauf er mit der Ha nd eine Geste gemacht habe, damit der Be- schuldigte ihn endlich in Ruhe lasse. Unmittelbar danach habe der Beschuldigte ihm einen Faustschlag gegen die linke Schläfe versetzt. Aufgrund des harten Schlags sei er ins Taumeln geraten, worauf seine Kollegen ihm zur Hilfe geeilt seien. Der behandelnde Arzt Dr. med. G.____ habe eine traumatische Verrenkung der Halswirbel säule sowie eine Verletzung der Halswirbelmuskulatur und der Bandstrukturen an der Halsw irbelsäule diagnostiziert. Dies habe zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit vom 21. März 2008 bi s zum 31. März 2008 und zu einer Ar- beitsfähigkeit von bloss 50% vom 1. April 2008 bis zum 30. April 2008 geführt. Der Beschuldigte selber habe sich sowohl in der Voruntersuchung als auch anlässlich der Hauptverhandlung da- hingehend geäussert, dass er sich an den Geschehensablauf in keiner Weise erinnern könne und lediglich noch wisse, dass er an jenem Abend mit dem Auto in die Stadt gefahren sei. Wei- ter führt der Strafgerichtsvizepräsident aus, dass die Sac hverhaltsdarstellungen von A.____ sowie der Zeugen B.____, H.____ und D.____ dahingehe nd übereinstimmten, als keiner der Anwesenden den Beschuldigten bei der Ausführung der Tat beobachtet habe. Einzig der Zeuge Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht E.____ habe den Beschuldigten als Urheber des Schlage s erkannt, wobei jedoch sowohl wäh- rend der Voruntersuchung als auch anlässlich der strafge richtlichen Hauptverhandlung keine Konfrontation zwischen ihm und dem Beschuldigten stattge funden habe. Gemäss der bundes- gerichtlichen Rechtsprechung dürften Aussagen von Zeuge n und von als Auskunftspersonen befragten Mitangeschuldigten in der Regel nur dann zu m Nachteil eines Angeschuldigten ver- wertet werden, wenn eine Konfrontation stattgefunden habe. Aufgrund der fehlenden Konfronta- tion sei die Aussage von E.____ wegen ihrer belastenden Wirkung im Rahmen der richterlichen Beweiswürdigung in casu nicht verwertbar. Demzufolge habe keiner der Beteiligten den Schlag ins Gesicht beobachtet. Da das diagnostizierte Verletzungsbi ld allein keinen genügenden Be- weis erbringe, erscheine eine Täterschaft des Beschuldigte n in Bezug auf den Faustschlag ge- gen die linke Schläfe von A.____ zweifelhaft, weshalb der Beschuldigte vom Vorwurf der einfa- chen Körperverletzung freizusprechen sei. 2.2 Demgegenüber bringt A.____ mit Berufungsbegründung vom 12. Juli 2011 vor, der Beschuldigte sei im Untersuchungsverfahren jeweils über se ine Rechte, namentlich Beweisan- träge zu stellen, belehrt worden und überdies seit Beg inn des Verfahrens anwaltlich vertreten. Spätestens nach Aktenschluss und Kenntnisnahme der vollstän digen Akten, insbesondere der belastenden Zeugenaussagen von E.____, hätte der Beschuldigte den Antrag auf eine Konfron- tationseinvernahme mit dem Belastungszeugen stellen können . Selbst bei einer Nichtverwer- tung der Aussagen von E.____ könne kein Freispruch erfol gen, da der Grundsatz „in dubio pro reo“ gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO voraussetze, dass unüberwin dliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat vor lägen, was in casu nicht der Fall sei. Der Beschuldigte habe den Faustschlag nie explizit be stritten, sondern bloss ausgesagt, er vermöge sich an nichts zu erinnern. Aufgrund der zeitlich nahen Abfolge zwischen der verbalen Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten und dem Faustsc hlag sei zweifellos davon auszu- gehen, dass der Beschuldigte der Täter sei, zumal keine D rittpersonen an der Auseinanderset- zung beteiligt gewesen seien. Sodann sei die Vorinstan z aufgrund des Untersuchungsgrund- satzes gehalten gewesen, das Verfahren entweder zwecks Vorla dung von E.____ und D.____ als Zeugen auszustellen oder an die Untersuchungsbehörd e zurückzuweisen, damit die Kon- frontationseinvernahme zwischen dem Beschuldigten und E .____ sowie die Täteridentifikation durch D.____ hätten nachgeholt werden können. Dem sei die Vorinstanz nicht nachgekommen, weshalb der Untersuchungsgrundsatz verletzt worden sei. Anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung fü hrt A.____ aus, sowohl E.____ als auch D.____ hätten heute ausgesagt, dass der Beschuldigt e ihm einen Faustschlag an die Schläfe verabreicht habe. Überdies hätten beide eine V erwechslung ausgeschlossen. Es sei daher klar belegt, dass der Beschuldigte ihm einen Faustschlag versetzt habe. 2.3 Die Staatsanwaltschaft macht mit Begründung der Ansch lussberufung vom 13. September 2011 geltend, A.____ habe am 13. Juni 2008 in Anwesenheit des damaligen Verteidigers des Beschuldigten ausgeführt, er habe zwar nicht gesehen, wie der Beschuldigte ausgeholt und ihn geschlagen habe, dennoch sei dieser nach dem Schlag direkt vor ihm ge- standen. Ebenso habe E.____ am 3. Juli 2008 in Anwese nheit des damaligen Verteidigers des Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschuldigten zu Protokoll gegeben, dass er gesehen hab e, wie der Beschuldigte gegen den Kopf von A.____ „die Faust abgedrückt“ habe. Aufgrund der Anwesenheit des damaligen Ver- teidigers des Beschuldigten seien die Verteidigungsrechte gewahrt und die Aussagen somit verwertbar. Der Beschuldigte hätte ausserdem vor Abschluss des Verfahrens die direkte Kon- frontation beantragen können, worauf dieser jedoch ausdrücklich verzichtet habe. Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung führt die Staatsanwaltschaft aus, dass das Recht auf direkte Konfrontation nach ständiger Rechtsprechung des E uropäischen Gerichtshofs für Men- schenrechte kein absolutes sei. Vielmehr genüge, dass min destens die Verteidigung Ergän- zungsfragen stellen könne. Gemäss der neusten Rechtsprech ung soll auch ohne Konfrontation auf Zeugenaussagen abgestellt werden können, wenn das V erfahren insgesamt fair geführt worden sei. Überdies könne man auf die heutigen Aussage n von E.____ und D.____ abstellen, weshalb an einer Täterschaft des Beschuldigten nicht mehr zu zweifeln sei. 2.4 Mit Anschlussberufungsantwort vom 16. Januar 2012 bri ngt der Beschuldigte vor, die Vorinstanz habe detailliert und ausführlich begründet , weshalb seine Täterschaft in Bezug auf einen Faustschlag gegen die linke Schläfe von A.____ als zweifelhaft erscheine, weshalb auf diese Begründung verwiesen werde. Der Beschuldigte macht an der heutigen Hauptverhandlu ng sodann geltend, er könne sich an nichts mehr erinnern. Dennoch leide die gesamte Untersuc hung unter einem erheblichen Man- gel. Die Polizei habe, nachdem die Anzeigesteller ihn als Täter genannt hätten, lediglich ein Foto von ihm hingelegt und die Anzeigesteller gefrag t, ob dies der Täter sei. Vielmehr hätte je- doch eine Auswahl von Bildern, aus welchen die Anzeig esteller den Beschuldigten hätten iden- tifizieren sollen, zur Verfügung gestellt werden müssen. Somit bleibe ein Zweifel an der Täter- schaft bestehen, da die gesamte Täteridentifikation auf dem Foto der Polizei basiere. Ferner sei seine Schuldfähigkeit fraglich. Aus dem Schreiben von Dr. med. F.____ vom 25. Januar 2010 ergebe sich, dass er an einer chronisch paranoiden Schizop hrenie leide. Es sei durchaus plau- sibel, dass er in der Tatnacht angefangen habe zu trink en, was in einem Exzess geendet und die Zurechnungsfähigkeit eingeschränkt habe, wobei von e iner mindestens stark verminderten Schuldfähigkeit auszugehen sei. 2.5 Mit Eingabe vom 16. November 2011 führt B.____ aus, das Arztzeugnis von Dr. med. F.____ vom 25. Januar 2010 lasse nicht den Schluss zu, di e Zurechnungsfähigkeit des Be- schuldigten sei dauernd und permanent reduziert gewesen. Vielmehr sei der Beschuldigte zwar in psychiatrischer Behandlung, doch sei seine Schuldfähig keit offensichtlich zu keinem Zeit- punkt grundsätzlich in Frage gestanden, zumal im Tatzeit punkt die psychiatrische Behandlung sogar für rund zwei Jahre ausgesetzt worden sei, was eher für eine Besserung des Zustandes spreche. Darüber hinaus habe sich der Beschuldigte offen sichtlich bewusst immer wieder in einen Rausch getrunken, was nicht zu einer Entlastung führen könne. Vor den Schranken des Kantonsgerichts macht B.____ heute geltend, aufgrund der überein- stimmenden Zeugenaussagen sei die Tat nachgewiesen, zum al es keine Anhaltspunkte dafür Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gebe, dass der Beschuldigte nicht der Täter sei. Die Ber ufung des Beschuldigten auf eine voll- ständige Amnesie müsse als Schutzbehauptung angenommen werden, insbesondere da er sich an gewisse Dinge noch erinnern könne. Zudem zeige sich aufgrund des Schreibens von Dr. med. F.____ vom 25. Januar 2010, dass der Beschuldigte zu aggressivem Verhalten neige. 2.6 Gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB begeht eine einfa che Körperverletzung, wer vor- sätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesundheit schädigt. Erfasst werden demnach Schädigungen der körperlichen und geistigen Gesu ndheit sowie Schädigungen des Körpers, die noch nicht in den Anwendungsbereich der sch weren Körperverletzung nach Art. 122 StGB fallen, die aber auch nicht mehr als eine blosse Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 StGB eingestuft werden können (STRATENWERTH /W OHLERS , a.a.O., Art. 123 N 2). 2.7 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 1 0 Abs. 2 StPO) hat das urtei- lende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewon- nenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Gericht trifft se in Urteil unabhängig von der Anzahl der Beweismittel, welche für eine bestimmte Tatsache sprec hen, und ohne Rücksicht auf die Art des Beweismittels. Auch besteht keine Rangfolge der Bewei se. Massgebend soll allein deren Stichhaltigkeit sein (R IEDO /F IOLKA /N IGGLI , Strafprozessrecht, 2011, Rz. 234; H OFER , Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 10 N 41 ff.). Nach der bu ndesgerichtlichen Rechtsprechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 101) fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 der Ko nvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verankerten Maxi me „in dubio pro reo“ bis zum gesetz- lichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen e iner strafbaren Handlung Be- schuldigte unschuldig ist. Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Straf- richter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, dass heisst um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdräng en (BGE 124 IV 87, E. 2a; mit Ver- weis auf BGE 120 Ia 31). Dem Sachgericht steht im Ber eich der Beweiswürdigung ein erhebli- cher Ermessensspielraum zu (BGE 134 IV 132, E. 4.2; BG E 129 IV 6, E. 6.1). Das Bundesge- richt greift auf Beschwerde hin nur ein, wenn das Sachg ericht diesen missbraucht, insbesonde- re offensichtlich unhaltbare Schlüsse zieht, erhebliche Beweise übersieht oder solche willkürlich ausser Acht lässt (BGE 132 III 209, E. 2.1). 2.8 Strittig und daher zu prüfen ist, ob der Sachverhalt als erstellt zu erachten ist. Aus den vorliegenden Verfahrensakten ist ersichtlich, dass A.____ anlässlich der Anzeigeerstattung auf dem Polizeistützpunkt Reinach am 26. März 2008 ausführt e, er habe sich in der Diskothek J.____ in Münchenstein auf der Tanzfläche befunden, a ls er plötzlich von jemandem „ge- schubst“ worden sei. Er habe sich umgedreht und zu dem Ma nn hinter ihm gesagt, er solle ihn Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht „schubsen“. In der Folge habe der Mann ihn gefra gt, ob er Stress wolle. A.____ habe das Verhalten als aggressiv empfunden und dem Mann entgegne t, er wolle keinen Stress, sondern nur tanzen. Darauf habe er sich von diesem Mann abgewen det und weiter getanzt. Plötzlich habe der Mann ihm einen Faustschlag gegen seine linke Schläfe versetzt. Bei dem Mann, wel- cher ihm ins Gesicht geschlagen habe, handle es sich um den Beschuldigten (vgl. Anzeige der Polizei Basel-Landschaft vom 14. Mai 2008; act. 21). F erner ergibt sich aus dem Einvernahme- protokoll von A.____ vom 13. Juni 2008, dass dieser in de r ersten Einvernahme als Zeuge er- neut ausgesagt hat, der Beschuldigte habe ihm gegen die linke Schläfe einen Faustschlag ver- abreicht (act. 119). Auf die Frage hin, ob er gesehe n habe, wie der Beschuldigte geschlagen habe oder ob er vom Schlag überrascht worden sei, gab A.____ zu Protokoll, er habe nicht ge- sehen, wie der Beschuldigte geschlagen habe. Erst nach d em Schlag habe er bemerkt, dass der Beschuldigte vor ihm gestanden sei. Auf die Nachfra ge hin, ob eine andere Person den Schlag hätte ausführen können, führte A.____ aus, er h abe zwar nicht gesehen, wie der Be- schuldigte ausgeholt und ihm den Schlag versetzt habe. Für ihn gebe es aber keine Zweifel, dass der Beschuldigte ihm den Schlag verabreicht habe, da sie unmittelbar zuvor die verbale Auseinandersetzung gehabt hätten (act. 121). Anlässlich d er Konfrontationseinvernahme zwi- schen A.____ und dem Beschuldigten vom 21. Juli 2008 be stätigte A.____ seine Aussage, der Beschuldigte habe ihm einen Faustschlag gegen die linke Schläfe verabreicht (act. 203). An der heutigen Hauptverhandlung gibt A.____ zu Protokoll, f ür ihn sei klar gewesen, dass der Be- schuldigte ihn geschlagen habe. Er habe zwar nicht gesehe n, dass der Beschuldigte ihn ge- schlagen habe, aber er habe aus den Augenwinkeln sehen können, dass der Beschuldigte noch hinter ihm gestanden habe (Protokoll der Hauptverhand lung vom 15. Mai 2012, S. 7). Es zeigt sich somit, dass A.____ durchwegs aussagte, der Beschuldigte h abe ihm einen Schlag an die linke Schläfe versetzt. Zwar habe er nicht gesehen, wie der Beschuldigte zugeschlagen habe, jedoch sei dieser vor, während und unmittelbar nach d em Schlag direkt hinter ihm gestanden, weshalb es für ihn keinen Zweifel gebe, dass der Beschul digte ihn geschlagen habe. Soweit gewisse geringfügige Unterschiede in den Aussagen ersich tlich sind, sind diese damit zu erklä- ren, dass seit der Tathandlung bereits mehr als vier Jahre vergangen sind, weshalb einzelne Diskrepanzen im Aussageverhalten verständlich sind. Die A ussagen von A.____ erweisen sich daher als prinzipiell widerspruchsfrei und nachvollziehbar. 2.9 Der Zeuge E.____ führte anlässlich der Einvernahme vo m 3. Juli 2008 aus, er habe gesehen, wie der Beschuldigte mit der Faust gegen den Kopf von A.____ geschlagen habe (act. 157). Dementsprechend bejahte E.____ auch ausdrücklich die Frage, ob er gesehen habe, wie der Beschuldigte zugeschlagen habe (act. 161). An der heutigen Hauptverhandlung vor den Schranken des Kantonsgerichts gibt E.____ sodann in Best ätigung seiner Aussagen erneut als Zeuge zu Protokoll, er habe gesehen, wie der Beschuldi gte A.____ mit der Faust gegen den Kopf geschlagen habe. Auf die Frage, ob er sicher sei, d ass es der Beschuldigte gewesen sei, der A.____ geschlagen habe, erklärt E.____, dass er sich zu 100% sicher sei. Eine Verwechs- lung könne ausgeschlossen werden (Protokoll der Zeugenbef ragung von E.____ vom 15. Mai 2012, S. 3 ff.). Es zeigt sich somit, dass sich die Aussagen von E.____ als widerspruchsfrei und glaubhaft erweisen, zumal diese in keiner Weise als über trieben zu qualifizieren und auch kei- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht nerlei Hinweise auf eine Falschbezichtigung des Beschuldi gten ersichtlich sind. Auf die Aussa- gen kann folglich abgestellt werden. 2.10 Im Weiteren ist aus den Verfahrensakten ersichtlich, das s der Zeuge D.____ in der Einvernahme vom 7. Juli 2008 aussagte, er habe gesehen , wie ein Mann A.____ einen Faust- schlag gegen die Schläfe verabreicht habe. Er glaube, d ass es die linke Schläfe gewesen sei (act. 179). Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung b estätigt D.____ als Zeuge seine Aussa- ge und identifiziert den Beschuldigten als den Mann, w elcher A.____ den Faustschlag verab- reicht habe (Protokoll der Zeugenbefragung von D.____ vom 15. Mai 2012, S. 3 ff.). Die Aussa- gen von D.____ sind sowohl nachvollziehbar als auch wide rspruchsfrei. Ebenso sind keine Gründe für eine Falschbezichtigung des Beschuldigten erken nbar, weshalb auf die Aussagen abzustellen ist. 2.11 Demzufolge zeigt sich, dass sowohl A.____ als auch E.____ und D.____ übereinstim- mend aussagen, der Beschuldigte habe A.____ gegen den Kopf geschlagen. Soweit der Be- schuldigte geltend macht, er könne sich an das damalige Ge schehen nicht erinnern, ist festzu- stellen, dass der fehlenden Erinnerung in casu keine en tlastende Wirkung zukommen kann. Im Weiteren führt der Beschuldigte aus, die Strafuntersuchung leide insofern an einem erheblichen Mangel, als die Polizei zur Täteridentifikation ledigl ich ein Foto von ihm vorgelegt und die An- zeigesteller gefragt habe, ob dies der Täter sei. Dem ka nn jedoch nicht gefolgt werden. Viel- mehr zeigt sich, dass sowohl die Anzeigesteller A.____ u nd B.____ als auch die Zeugen D.____ und E.____ gegenüber den Strafverfolgungsbehö rden von Anfang an deutliche und unmissverständliche Aussagen in Bezug auf die Täterschaft des Beschuldigten gemacht haben. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass aufgrund des Umst ands, dass bloss ein Foto des Beschuldigten vorgelegt wurde, eine Kontamination de r Strafuntersuchung stattgefunden hat. Sodann sind auch keine Hinweise darauf ersichtlich, dass eine Drittperson als Täterschaft in Frage kommen würde. Der Sachverhalt ist somit erstellt. 2.12 Im vorliegend zu beurteilenden Fall ist überdies strit tig, ob der Strafgerichtsvizepräsi- dent zu Recht davon ausging, die Aussage von E.____ dürfe nicht verwertet werden. Entspre- chend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat der Besc huldigte aufgrund der Verfahrens- garantien von Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 32 Abs. 2 BV u nd Art. 6 Ziff. 1 i.V.m. Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK ein Recht darauf, den Belastungszeugen zu befrage n, mithin direkt mit ihm konfrontiert zu werden. Der Beschuldigte muss in die Lage versetzt werd en, die persönliche Glaubwürdig- keit des Zeugen wenigstens einmal während des Verfahrens in direkter Konfrontation zu prüfen und den Beweiswert seiner Aussagen zu hinterfragen. Das Fragerecht ist in der Regel dem Be- schuldigten und seinem Verteidiger gemeinsam einzuräu men (BGer 6B_324/2011 vom 26. Oktober 2011, E. 1.2; HÄRING , Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 146 N 14). Wird der An- trag auf direkte Konfrontation abgelehnt, so ist der erhobene Beweis, mithin die Zeugenaussa- ge, mit einem Verwertungsverbot belegt. Der Anspruch a uf Konfrontation erfährt in der Praxis jedoch insofern eine gewisse Relativierung, als er nur dann uneingeschränkt gilt, wenn dem streitigen Zeugnis alleinige oder ausschlaggebende Bede utung zukommt, dieses also den ein- zigen oder einen wesentlichen Beweis darstellt und sich d er Beschuldigte nicht generell wirk- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht sam verteidigen konnte beziehungsweise er keinen fairen P rozess hatte (H ÄRING , a.a.O., Art. 146 N 16; BGE 131 I 476, E. 2.2; BGE 129 I 151, E. 3.1). 2.13 Aus den Verfahrensakten ist ersichtlich, dass einzig zwischen A.____ und dem Be- schuldigten eine Konfrontationseinvernahme stattfand (act . 199). Dessen ungeachtet nahm der damalige Verteidiger des Beschuldigten an allen Einver nahmen teil (act. 117, 131, 155, 167, 177, 191, 199), und hatte somit die Möglichkeit, die V erteidigungsrechte seines Mandanten wahrzunehmen. Ferner wurde dem Beschuldigten mit Verfü gung des damaligen Be- zirksstatthalteramtes Arlesheim vom 15. September 2008 der Schluss des Untersuchungsver- fahrens mitgeteilt und ihm zugleich das Recht zugestanden , Einsicht in die Akten zu nehmen sowie allfällige Beweisanträge zu stellen. Ausserdem wur de ausdrücklich erwähnt, dass die angeschuldigte Person das Recht hat, eine direkte Konfr ontation mit weiteren Verfahrensbetei- ligten zu verlangen (act. 155). Mit Schreiben vom 23. September 2008 teilte der damalige Ver- teidiger des Beschuldigten sodann mit, dass er keine weite ren Beweisanträge stellen werde (act. 257). Ebenso wurde dem Beschuldigten im Verfahre n vor dem Strafgericht mit Verfügung vom 8. Juli 2009 die Möglichkeit gegeben, Anträge auf E rgänzung der Beweisliste zu stellen (act. 331). Mit Schreiben vom 17. November 2009 stellte der heutige Rechtsvertreter des Be- schuldigten den Antrag, es sei der Securitas-Angestellte des J.____ in Münchenstein, welcher den Vorfall als Augenzeuge mitbekommen habe, als Zeuge zur Hauptverhandlung zu laden (act. 397). Ein Antrag auf direkte Konfrontation mit den übrigen Zeugen wurde jedoch nicht ge- stellt. Erst anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlu ng führte der Beschuldigte aus, es habe keine Konfrontationseinvernahme mit E.____ gegebe n, weshalb auf dessen Aussage nicht abgestellt werden könne (act. 451). Es zeigt sich d eshalb, dass der Beschuldigte - im Un- terschied zu den vorgenannten Urteilen des Bundesgericht s - in casu keinen Antrag auf Kon- frontation stellte. Vielmehr stellte er sich erst in der Hauptverhandlung vor dem Strafgerichtsvi- zepräsidenten auf den Standpunkt, es hätte eine Konfron tationseinvernahme stattfinden müs- sen. Überdies ist zu beachten, dass die Zeugenaussage von E .____ nicht den einzigen Beweis darstellt und der Zeuge - anders als in BGer 6B_324/20 11 vom 26. Oktober 2011 - vorliegend keine widersprüchlichen Aussagen zu Protokoll gab, weshalb es zumindest als fraglich er- scheint, ob die Einvernahme von E.____ im vorinstanzlichen Verfahren zu Recht nicht verwertet wurde. Dennoch kann diese Frage vorliegend offen gelassen werden, da - wie bereits dargelegt wurde - E.____ anlässlich der heutigen kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung in direkter Kon- frontation mit dem Beschuldigten seine Aussage wiederholte, weshalb auf diese abgestellt wer- den kann. 2.14 Dem Arztbericht von Dr. med. G.____ vom 20. Juni 2008 ist zu entnehmen, dass A.____ anlässlich der ersten Konsultation an Schmerzen in der linken Schläfenseite und in der linken Halsseite, an deutlichen Bewegungsschmerzen der Hal swirbelsäule in allen Richtungen sowie an einem ausgeprägten Muskelhartspann litt (act. 55). Es zeigt sich daher, dass der Be- schuldigte, indem er A.____ gegen den Kopf geschlagen und dadurch eine Schädigung dessen körperlichen Gesundheit verursachte, welche weder als schwe re Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB noch als blosse Tätlichkeit nach Art. 126 StGB zu qualifizieren ist, den objek- tiven Tatbestand der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfüllte. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Beschuldigte handelte mit Wissen und Willen im Sin ne von Art. 12 Abs. 1 StGB, zumal er mindestens in Kauf nehmen musste, durch den Schlag gege n den Kopf eine körperliche Schä- digung herbeizuführen, welche über den Rahmen einer blossen Tätlichkeit hinausgeht. Demzu- folge ist auch der subjektive Tatbestand der einfachen K örperverletzung zum Nachteil von A.____ gegeben. Ferner handelte der Beschuldigte unbestrittenermassen rechtswidrig. 2.15 Zu prüfen ist im Weiteren, ob der Beschuldigte schuld haft handelte. Beim erwachsenen Menschen gilt die Schuldfähigkeit als Regel. Das Gesetz regelt daher bloss mögliche Aus- schlussgründe (STRATENWERTH /W OHLERS , a.a.O., Art. 19 N 2). Gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB ist der Täter nicht strafbar, wenn er zur Zeit der Tat ni cht fähig war, das Unrecht seiner Tat einzu- sehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln. War der Tät er zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss di eser Einsicht zu handeln, so mildert das Gericht die Strafe (Art. 19 Abs. 2 StGB). Der Be schuldigte macht geltend, aufgrund des Schreibens von Dr. med. F.____ vom 25. Januar 2010 sei es durchaus plausibel, dass seine Zurechnungsfähigkeit im Tatzeitpunkt mindestens stark vermi ndert gewesen sei. Dem kann nicht gefolgt werden. Zunächst geht aus dem Schreiben von Dr. med. F.____ vom 25. Januar 2010 hervor, dass zwischen dem 23. März 2007 und dem 26. M ai 2009 ein Behandlungsunter- bruch stattfand, weshalb sich der Beschuldigte im Tatzei tpunkt, mithin am 21. März 2008, gar nicht in Behandlung befand. Dies weist darauf hin, da ss er im fraglichen Zeitpunkt an keinen gesundheitlichen Einschränkungen litt und führt überdies dazu, dass der ihn heute behandelnde Arzt hinsichtlich des Zustandes des Beschuldigten im Tatzeit punkt lediglich Mutmassungen an- stellen könnte. Ferner führt Dr. med. F.____ aus, der Beschuldigte leide an einer chronisch pa- ranoiden Schizophrenie. Ein leidiges Nebenproblem seie n immer wieder Selbstbehandlungs- versuche mit Alkohol gewesen, namentlich wenn die Medi kamentendosierung zu niedrig gewe- sen sei. Dies habe krankheitsbedingt zu sozial kaum mehr a kzeptablem Verhalten geführt und sei für seine Familie auch ein Problem gewesen. Anders als üblich habe der Beschuldigte je- weils mit sehr hoher Reizbarkeit reagiert, die bei ge ringem Anlass auch verbal und bei weiterer Provokation auch tätlich habe explodieren können. Die Folge sei eine massive Zunahme der inneren krankheitsbedingten Spannungen gewesen. Dass e s durch die Krankheit der Schizo- phrenie in Kombination mit einer hohen Dosis Alkohol b ei entsprechender Provokation bis zur Gewalttätigkeit kommen könne, sei durchaus möglich. Aufg rund dieser Ausführungen ist er- sichtlich, dass sich Dr. med. F.____ im besagten Schreiben in keiner Weise mit der Schuldfä- higkeit des Beschuldigten konkret auseinandersetzt. Da auch aus den übrigen Verfahrensakten keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt schuldunfähig ge- wesen wäre, ist davon auszugehen, dass dieser schuldhaft handelte. 2.16 Aufgrund der obigen Erwägungen erhellt, dass sich der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung zum Nachteil von A.____ schuldig gemacht hat. 3. Fall 2 des Strafbefehls 3.1 Der Strafgerichtsvizepräsident führt mit Urteil vom 5. A pril 2011 aus, A.____ habe aus- gesagt, infolge des gegen seine linke Schläfe gerichtet en Faustschlags sei er ins Taumeln ge- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht raten, worauf sein Kollege D.____ ihm zur Hilfe gee ilt sei. Er habe gesehen, wie der Beschul- digte eine 3 dl Flasche von der Theke der Bar an sich ge nommen und geworfen habe, wobei D.____ die Flasche an den Kopf erhalten habe und dies e infolge des Aufpralls in die Brüche gegangen sei. D.____ sei dabei unverletzt geblieben. Der Beschuldigte sei davon gerannt und er habe bemerkt, dass B.____ aufgrund der Scherben der zerbrochenen Flasche an der Wange geblutet habe. Der Strafgerichtsvizepräsident legt weite r dar, der Beschuldigte habe sowohl in der Voruntersuchung als auch an der Hauptverhandlung v or den Schranken des Strafgerichts angegeben, dass er sich an das Ereignis nicht erinnere und nicht einmal wisse, ob er den J.____ überhaupt besucht habe. Ferner habe der behande lnde Arzt auf der Notfallstation des Universitätsspitals Basel, Dr. med. K.____, bei B.____ e ine Schnittwunde an der rechten Wan- ge diagnostiziert. Dazu sei ein Fremdkörpergefühl im l inken Auge, welches gerötet gewesen sei, gekommen. Die Schnittverletzungen hätten bleibende Narben auf der rechten Gesichtshälf- te bewirkt. Da einzig zwischen A.____ und dem Beschuldigten eine Konfrontationseinvernahme stattgefunden habe, sei wiederum nur seine Aussage ungea chtet ihrer Wirkung verwertbar, währenddem von den übrigen Zeugenaussagen lediglich jene zu berücksichtigen seien, welche sich zugunsten des Beschuldigten auswirken würden. Die Aussa ge von A.____ sei überzeu- gend, weshalb von deren Richtigkeit auszugehen sei, zumal die Aussage durch das Verlet- zungsbild von B.____ objektiviert werde. Der Sachverhalt sei daher erstellt. Aufgrund der blei- benden Natur der Narben im Gesicht von B.____ sei auf eine Gesundheitsschädigung abzustel- len. Zudem handle es sich bei einer Flasche um einen ge fährlichen Gegenstand im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB, weshalb der objektive Tatbestand der einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand erfüllt sei. Ferner habe der Beschuldigte mindestens even- tualvorsätzlich gehandelt, weshalb der subjektive Tatbe stand gegeben sei. Da weder Rechtfer- tigungs- noch Schuldausschliessungsgründe ersichtlich seien , habe sich der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gege nstand zum Nachteil von B.____ schuldig gemacht. Weder bei A.____ noch bei D.____ sei der Erfolg der e infachen Körperverletzung im Sinne ei- ner Schädigung an Körper oder Gesundheit eingetreten, weshalb ein Versuch zu prüfen sei. Indem der Beschuldigte die Flasche in die Richtung von A.____ und D.____ geworfen habe, habe er es für möglich gehalten und zumindest in Kauf g enommen, wenigstens einen der bei- den ernsthaft zu verletzen, weshalb der subjektive Tatbe stand erfüllt sei. Ausserdem habe der Beschuldigte mit der Ausführung der Tat begonnen und somit den objektiven Tatbestand des Versuchs erfüllt. Da weder Rechtfertigungs- noch Schuldau sschliessungsgründe ersichtlich sei- en, habe sich der Beschuldigte der mehrfach versuchten e infachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von A.____ und D.____ strafbar gemacht. 3.2 Demgegenüber macht der Beschuldigte mit Berufungsbegr ündung vom 14. Juli 2011 geltend, einzig A.____ wolle den Flaschenwurf tatsächli ch gesehen haben. Anlässlich der ers- ten Einvernahme vom 13. Juni 2008 habe dieser jedoc h ausgesagt, er habe gesehen, dass eine Flasche am Kopf von D.____ in die Brüche gegangen sei. Daher gehe er davon aus, dass der Beschuldigte die Flasche gegen ihn habe werfen wo llen. Erst auf die Nachfrage des Unter- suchungsbeamten, ob er gesehen habe, wer die Flasche gewo rfen habe, habe A.____ ausge- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht sagt, es sei der Beschuldigte gewesen. Es bestünden desh alb Zweifel hinsichtlich der Täter- schaft, zumal A.____ weder spontan erklärt, er habe gese hen, dass der Beschuldigte die Fla- sche geworfen habe, noch ausgesagt habe, dass er genau ge sehen habe, wie und gegen wen die Flasche geworfen worden sei. Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung bringt der B eschuldigte sodann weiter vor, E.____ habe ausgesagt, der Beschuldigte sei mit einem Gegenstan d in der Hand auf die Tanzfläche gegangen. Demgegenüber habe jedoch D.____ ausgesagt, dass der Beschuldigte gerade nicht von der Tanzfläche aus geworfen habe. Ausserdem habe A._ ___ geltend gemacht, der Be- schuldigte habe von der Bar her geworfen. Es seien dah er die Aussagen in Zweifel zu ziehen und der Beschuldigte entsprechend dem Grundsatz „in dubio pro reo“ freizusprechen. 3.3 Mit Stellungnahme vom 13. Januar 2012 führt A.____ aus, es sei offenkundig, dass er bereits in der ersten Einvernahme von sich aus vorgebrac ht habe, der Beschuldigte habe die Flasche geworfen. Die Wortwahl „ich gehe davon aus“ hab e sich nur auf die Tatsache, wonach der Flaschenwurf ihm und nicht D.____ gegolten habe, bezogen. So habe er in seinen ersten Ausführungen spontan ausgesagt, der Beschuldigte habe nach dem ersten Flaschenwurf ver- sucht, etwas anderes zu behändigen, was auf der Theke der Bar gestanden habe. Vor den Schranken des Kantonsgerichts macht A.____ heute geltend, entgegen den Ausfüh- rungen des Beschuldigten bestehe kein Widerspruch zwischen den Aussagen von E.____ und D.____, da E.____ ausgesagt habe, er habe gesehen, wie der Beschuldigte auf die Tanzfläche zugelaufen sei. Dass der Beschuldigte bereits auf der Tanz fläche gestanden sei, habe E.____ nicht geltend gemacht. 3.4 Die Staatsanwaltschaft bringt mit Berufungsantwort vom 1. Dezember 2011 vor, A.____ habe auf die Frage, wer die Flasche geworfen habe, deutlich geantwortet, dass dies der Beschuldigte gewesen sei. Dies habe er gesehen. Bereits davor habe A.____ erklärt, der Be- schuldigte habe nach dem Flaschenwurf erneut etwas von d er Theke der Bar nehmen wollen. Die von ihm ausgesprochene Vermutung habe sich einzig darauf bezogen, dass er das Ziel des Flaschenwurfs habe sein sollen. Jedoch habe der Beschuldigt e mit der Flasche nicht ihn, son- dern den Hinterkopf von D.____ getroffen. Zudem habe A.____ seine Aussagen anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 21. Juli 2008 vollumfänglich und unmissverständlich bestätigt. 3.5 In Bezug auf die abstrakten Ausführungen betreffend einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB kann auf die Er wägung II. 2.6 dieses Urteils verwiesen werden. Die Qualifikation der einfachen Körperverlet zung mit einem gefährlichen Gegenstand gemäss Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB begeht, wer vorsätzl ich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesundheit schädigt und dabei einen ge fährlichen Gegenstand gebraucht. Ein Gegenstand gilt als gefährlich, wenn aufgrund der konkreten Art und Weise seiner Verwendung die Gefahr einer schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB gegeben ist (ROTH /B ERKEMEIER , Basler Kommentar StGB, 2007, Art. 123 N 19; S TRATENWERTH /W OHLERS , a.a.O., Art. 123 N 6). Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.6 Vorliegend strittig und daher zu prüfen ist, ob der S achverhalt als erstellt zu erachten ist. Aus den Verfahrensakten ergibt sich, dass A.____ anlässlich der Anzeigeerstattung auf dem Polizeistützpunkt Reinach vom 26. März 2008 aussagte, nach dem Faustschlag gegen seine linke Schläfe habe er benommen geschwankt und dabei be merkt, wie der Beschuldigte auf ihn habe losgehen wollen. Andere Besucher der Diskothek hätt en den Beschuldigten jedoch zu- rückgehalten. Dennoch sei es dem Beschuldigten gelungen, eine Glasflasche zu behändigen, welche hinter ihm auf der Theke der Bar gestanden habe. Diese Flasche habe der Beschuldigte nach ihm geworfen und dabei D.____ getroffen. Nach einer Weile habe er bemerkt, dass B.____, welche sich neben ihm auf der Tanzfläche befu nden habe, im Gesicht geblutet habe. Sie habe offensichtlich durch die herumfliegenden Gla sscherben eine Schnittverletzung im Ge- sicht erlitten (vgl. Anzeige der Polizei Basel-Landschaft vom 14. Mai 2008; act. 21). Ferner führ- te A.____ in der Einvernahme vom 13. Juni 2008 als Zeu ge aus, er habe gesehen, wie eine Flasche am Kopf von D.____ in die Brüche gegangen sei. Er gehe davon aus, dass der Be- schuldigte die Flasche habe gegen ihn schiessen wollen. D er Beschuldigte sei nach dem Faustschlag gegen ihn von Kollegen zurückgezogen worden, damit er nicht weiter auf ihn habe einschlagen können. Dennoch habe der Beschuldigte die F lasche genommen und sie gegen ihn geworfen. Anschliessend habe der Beschuldigte erneut etwas von der Theke behändigen wollen, seine Kollegen hätten ihn allerdings zur Seit e gestossen. Kurz darauf habe er gesehen, wie B.____ an der Wange geblutet habe. Dies sei dur ch die Scherben der Flasche, welche in die Brüche gegangen sei, geschehen (act. 119). Im Weiter en antwortete A.____ in derselben Einvernahme vom 13. Juni 2008 auf die Frage, wer die Flasche geworfen habe, ob er dies habe sehen können, dass dies der Beschuldigte gewesen sei. Dies habe er sehen können (act. 123). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme zwischen dem Besc huldigten und A.____ vom 21. Juli 2008 bestätigte Letzterer sodann seine Aussage, der Beschuldigte habe eine Flasche von der Bartheke behändigt und gegen den Hinterkopf vo n D.____ geworfen, wo sie in die Brü- che gegangen sei (act. 203). An der heutigen Hauptver handlung vor dem Kantonsgericht führt A.____ aus, er habe gesehen, wie der Beschuldigte eine Flasche von der Theke der Bar ge- nommen, auf ihn geschossen und D.____ getroffen habe. Erst später habe er gesehen, dass B.____ geblutet habe (Protokoll der Hauptverhandlung vom 15. Mai 2012, S. 6). Auf die Frage, ob er gesehen habe, dass der Beschuldigte etwas an sich genommen habe, sagte A.____ fer- ner aus, ja, er habe verfolgt, wo der Beschuldigte hin gegangen sei, da er gedacht habe, dieser könnte auf ihn zukommen. Jedoch hätten Kollegen des Bes chuldigten diesen weggezogen. Danach habe der Beschuldigte eine Flasche genommen und mit dieser D.____ getroffen. Ebenso bestätigte A.____ an der heutigen Hauptverhand lung, dass der Beschuldigte die Fla- sche gegen ihn geworfen habe (Protokoll der Hauptverha ndlung vom 15. Mai 2012, S. 8). Zu- nächst zeigt sich, dass - entgegen der Vorbringen des Beschuldigten - A.____ weder in der ers- ten Einvernahme vom 13. Juni 2008 noch in einem andere n Zeitpunkt aussagte, er vermute, dass der Beschuldigte die Flasche geworfen habe. Vielmeh r führte A.____ aus, er vermute, dass der Beschuldigte ihn treffen wollte. Hinsichtlich der Täterschaft des Flaschenwurfs hat er jedoch zu keinem Zeitpunkt eine Vermutung geäussert. Ü berdies zeigen die obigen Ausführun- gen deutlich, dass A.____ konstant die gleiche Aussage m achte, mithin dass der Beschuldigte Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Flasche geworfen habe. Seine Aussagen sind sodann a uch nicht übermässig belastend, weshalb sich diese als nachvollziehbar erweisen und darauf abzustellen ist. 3.7 Anlässlich der Einvernahme vom 3. Juli 2008 führte der Zeuge E.____ aus, nach dem Faustschlag habe er bemerkt, wie der Beschuldigte bei der Bar etwas am Suchen gewesen sei. Anschliessend sei der Beschuldigte auf die Tanzfläche zurückgekommen, wobei er etwas in der Hand gehalten habe. Er wisse jedoch nicht mehr, ob es e in Glas oder eine Flasche gewesen sei, da er dies in der Dunkelheit nicht habe erkennen kö nnen. In der Folge habe er gesehen, dass der Beschuldigte auf A.____ zugegangen sei. Er hab e realisiert, dass der Beschuldigte den Gegenstand gegen A.____ schlagen oder werfen würd e, weshalb er B.____ auf die Seite genommen habe, um zu verhindern, dass diese in die Aus einandersetzung miteinbezogen wer- de. In diesem Moment habe er gehört, wie etwas zerbro chen sei. Da er seinen Kopf vom Ge- schehen weggedreht habe, habe er dies jedoch nicht sehe n können. Obwohl er B.____ auf die Seite gezogen habe, sei diese von den herumfliegende n Scherben getroffen worden (act. 157). An der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht bestätigt E.____ als Zeuge, dass er gesehen habe, wie der Beschuldigte eine Flasche genom men habe und auf die Menge zuge- gangen sei. Da er Schlimmeres befürchtet habe, habe e r B.____ abgedeckt. Auf die Frage, ob er sicher sei, dass der Beschuldigte die Flasche geworfen habe, macht E.____ geltend, er habe lediglich gesehen, wie der Beschuldigte die Flasche geh olt habe und auf die Menge zugegan- gen sei. Danach habe er B.____ beschützt (Protokoll der Zeugenbefragung von E.____ vom 15. Mai 2012, S. 3 f.). Es fällt auf, dass E.____ in der ersten Einvernahme vom 3. Juli 2008 die Aussage machte, er habe den Gegenstand in der Hand des Beschuldigten nicht erkennen kön- nen. Demgegenüber führt er in der kantonsgerichtliche n Hauptverhandlung aus, der Gegens- tand in der Hand des Beschuldigten sei eine Flasche gew esen. Dieser Widerspruch ist jedoch aufgrund der langen Zeitabstände zwischen den beiden Au ssagen nicht beachtlich, zumal es verständlich ist, dass eine Aussage nach einer gewissen Zei t nicht mehr in allen Details gleich lautet. Namentlich weil E.____ vorbringt, er habe ni cht gesehen, dass der Beschuldigte die Fla- sche geworfen habe, sondern nur, dass er sie an sich genom men habe und auf A.____ zuge- gangen sei, erweist sich seine Aussage als glaubhaft und in keiner Weise als übertrieben. 3.8 Demzufolge erhellt, dass A.____ den Beschuldigten als T äter identifizierte und E.____ den Beschuldigten insofern belastete, als er diesen mit einem Gegenstand auf die Tanzfläche zugehen sah. Es bleiben daher keine vernünftigen Zweifel daran, dass der Beschuldigte die besagte Flasche geworfen hat, zumal keine Hinweise ersi chtlich sind, dass eine Drittperson als Täterschaft in Frage kommen würde. Der Sachverhalt ist daher erstellt. 3.9 In Bezug auf die Frage, ob die Einvernahme von E.___ _ im vorinstanzlichen Verfahren zu Recht nicht verwertet wurde, kann auf die Erwägung I I. 2.13 des vorliegenden Urteils ver- wiesen werden, wobei die Frage aufgrund der heutigen Konfrontation zwischen dem Beschul- digten und E.____ wiederum offen gelassen werden kann. 3.10 Gemäss dem Bericht der Notfallstation der Universität Ba sel vom 21. März 2008 erlitt B.____ Schnittwunden in der rechten Gesichtshälfte, welc he genäht werden mussten. Zudem Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe sie über ein Fremdkörpergefühl im linken Auge ge klagt (act. 79). Dr. med. L.____ hält mit Bericht vom 3. Juli 2008 fest, dass die unschönen Narbe n im Gesicht als bleibend zu erachten seien (act. 111 ff.). Aufgrund des erstellten Sachverhalt s ergibt sich sodann, dass die Schnitt- wunden durch die Glasscherben verursacht wurden, welche vom Flaschenwurf des Beschuldig- ten herrühren. Da die Narben von bleibender Natur si nd, muss von einer Schädigung der kör- perlichen Gesundheit ausgegangen werden. Ausserdem ist eine Flasche unbestrittenermassen als gefährlicher Gegenstand im Sinne von Art. 123 Zif f. 2 Abs. 2 StGB zu qualifizieren. Daraus folgt, dass der Beschuldigte, indem er eine Flasche wa rf, welche am Hinterkopf von D.____ in die Brüche ging und deren Glasscherben Schnittwunden i n der rechten Gesichtshälfte von B.____ verursachten, den objektiven Tatbestand einer ei nfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von B.____ erfüllt hat. Der Beschuldigte handelte mit Wissen und Willen im Sinne von Art. 12 Abs. 1 StGB, zum al er es mindestens für möglich hal- ten und in Kauf nehmen musste, dass er durch den Wurf d er Flasche B.____ traf. Der subjekti- ve Tatbestand ist somit ebenfalls erfüllt. Unbestrittener massen handelte der Beschuldigte rechtswidrig. 3.11 Hinsichtlich der Frage der Schuldfähigkeit des Beschuldigte n ist auf die vorstehende Erwägung II. 2.15 dieses Urteils zu verweisen. Daraus ergibt sich, dass von der Schuldfähigkeit des Beschuldigten auszugehen ist. 3.12 Aufgrund der obigen Erwägungen erhellt, dass sich der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von B.____ schuldig ge- macht hat. 3.13 Im Weiteren ist zu prüfen, ob sich der Beschuldigte der mehrfach versuchten einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von A.____ und D.____ schuldig gemacht hat. Ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB erfordert zunächst den Entschluss, eine Straftat zu begehen, mithin den subje ktiven Tatbestand. Ein Versuch liegt je- doch erst dann vor, wenn der Täter diesen Entschluss in H andlungen umsetzt, die als Beginn der Ausführung der Tat erscheinen (J ENNY , Basler Kommentar StGB, 2007, Art. 22 N 1; STRATENWERTH /W OHLERS , a.a.O., Art. 22 N 1 ff.). Aufgrund des erstellten S achverhalts ergibt sich, dass der Beschuldigte die Flasche in die Richtung von A.____ warf. Vor A.____ stand D.____, welchen die Flasche dann auch traf. Wie der St rafgerichtsvizepräsident mit Urteil vom 5. April 2011 zu Recht ausführt, kann zwar nicht abschli essend gesagt werden, dass der Be- schuldigte A.____ als Angriffsobjekt individualisiert hat , dennoch ist nach der allgemeinen Le- benserfahrung und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge ei ne Glasflasche als Wurfgeschoss ge- gen Personen durchaus geeignet, eine Schädigung der körperlichen Integrität zu bewirken, was dem Beschuldigten bewusst sein musste. Er hat es daher f ür möglich halten und in Kauf neh- men müssen, dass er durch den Flaschenwurf A.____ und D .____ ernsthaft verletzen könnte. Somit ist der Tatentschluss, mithin der subjektive Tatbestand, gegeben. Indem der Beschuldigte die Flasche in die Richtung von A.____ und D.____ war f und Letzteren sogar am Hinterkopf traf, hat er das Erfordernis des Beginns der Tatausführ ung ebenfalls klarerweise erfüllt. Ferner sind Rechtfertigungsgründe weder ersichtlich noch werden solche geltend gemacht. In Bezug Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die Frage der Schuldfähigkeit des Beschuldigten ist auf die vorstehende Erwägung II. 2.15 dieses Urteils zu verweisen, woraus sich ergibt, dass der B eschuldigte schuldhaft handelte. Demzufolge hat sich der Beschuldigte der mehrfach versuchten einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von A.____ und D.____ strafbar gemacht. 4. Strafzumessung 4.1 Mit Erklärung der Anschlussberufung vom 3. August 2011 ma cht die Staatsanwalt- schaft geltend, es sei reines Glück gewesen, dass durch den F laschenwurf keine schwerwie- gendere Verletzungen verursacht worden seien und B.____ beispielsweise nicht ihr linkes Auge verloren habe. Aufgrund der Vorstrafe des Beschuldigten, in deren Probezeit er die vorliegend zu beurteilenden Delikte begangen habe, sei zumindest eine verlängerte Probezeit festzuset- zen, wenn überhaupt eine bedingte Strafe auszusprechen sei. Es werde daher eine bedingte Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen zu je CHF 70. 00 mit einer Probezeit von vier Jah- ren beantragt. Vor den Schranken des Kantonsgerichts bringt die Staats anwaltschaft heute vor, das Verschul- den wirke schwer, zumal die Konsequenzen seiner Handlun gen dem Beschuldigten offensicht- lich egal gewesen seien. Dass es zum Teil bei einem Versu ch geblieben sei, sei nicht vom Be- schuldigten abhängig gewesen. Ausserdem sei er nach sein er Tat davon gerannt und habe in keiner Weise versucht, B.____ zu helfen. 4.2 Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kant onsgericht führt der Beschul- digte aus, die von der Staatsanwaltschaft beantragten 1 80 Tagessätze seien korrekt. Dennoch sei zu bedenken, dass der von der ersten Instanz angeordnete Widerruf in wenigen Tagen nicht mehr möglich wäre. Daher sei von der Kann-Vorschrift de s Art. 46 StGB Gebrauch zu machen und auf den Widerruf zu verzichten. Auch könne er die Ve rfahrens- und Verteidigungskosten sowie die Schadenersatzforderungen nicht bezahlen, wesh alb es sinnlos sei, ihn auch noch zu einer bedingt ausgesprochenen Geldstrafe zu verurteilen. 4.3 Gemäss Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach de m Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Ver hältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verlet- zung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimm t, wie weit der Täter nach den in- neren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefä hrdung oder Verletzung zu vermei- den (Abs. 2). Demgegenüber ist das Verschulden für die Wahl der Sanktionsart nicht von Rele- vanz. Massgebliche Kriterien bilden die Zweckmässigkeit, die Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie die präventive Effizienz (BGE 1 34 IV 97, E. 4.2; BGE 134 IV 82, E. 4.1; publiziertes Urteil der Dreierkammer des Kanto nsgerichts, Abteilung Strafrecht, vom 6. Juni 2011 [100 10 1532], E. 5.3). Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Der Strafgerichtsvizepräsident hat das Vorleben, die p ersönlichen Verhältnisse des Beschuldigten sowie den Strafrahmen im angefochtenen U rteil (III. 1. f., S. 15 f.) dargelegt, worauf an dieser Stelle verwiesen wird. Ebenso kann a uf die zutreffenden Ausführungen des Strafgerichtsvizepräsidenten hinsichtlich der Schwere des Ver schuldens hingewiesen werden (III. 2., S. 17 des angefochtenen Urteils). Namentlich aufgrund des Umstandes, dass der Be- schuldigte, ohne dazu den geringsten Anlass zu haben, wil lkürlich ausgesuchte Personen an- griff und nach dem Faustschlag sogar noch nachsetzte, inde m er eine Flasche in die Richtung von A.____ warf, ist das Verhalten des Beschuldigten als b rutal und absolut inakzeptabel zu qualifizieren. Das Verschulden wiegt daher schwer. Wie d er Strafgerichtsvizepräsident völlig zu Recht darlegt, ist dem Beschuldigten zugutezuhalten, da ss er sich seit der vorliegend zu beur- teilenden Delikten keiner weiteren Straftaten schuldig machte. Ebenso ist die überlange Verfah- rensdauer zugunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen. Dem gegenüber wird dem Strafge- richtsvizepräsidenten insofern nicht gefolgt, als der Verl ust der Eltern vorliegend nicht strafmil- dernd berücksichtigt wird, zumal zwischen dem Tatzeitpunkt un d dem Verlust der Eltern ge- mäss den Angaben des Beschuldigten vier bis fünf Jahre verg angen sind und überdies zwi- schen einer allfälligen Trauer über den Tod der Elter n und der Tatbegehung kein Zusammen- hang besteht. Das Kantonsgericht geht vom Strafmass der V orinstanz, mithin von 80 Tagessätzen zu je CHF 70.00, aus und erhöht dieses zuf olge dem erfolgten Schuldspruch betreffend einfache Körperverletzung zum Nachteil von A.____ unter Berücksichtigung sämtli- cher Umstände auf angemessene 120 Tagessätze zu je CHF 70 .00. Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe, v on gemeinnütziger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchsten s zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weite- rer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Es genügt s omit das Fehlen einer ungünstigen Prognose, um den bedingten Vollzug der Geldstrafe zu g ewähren. Wie bereits ausgeführt wur- de, hat sich der Beschuldigte seit den vorliegend zu beh andelnden Delikten nichts zu schulden kommen lassen und sich wieder in psychiatrische Behandlung be geben. Es ist daher keine un- günstige Prognose zu stellen, weshalb der bedingte Vollzu g zu gewähren ist, wobei jedoch die Probezeit auf vier Jahre verlängert wird, insbesondere a uch aufgrund des Umstandes, dass die durch das Appellationsgericht Basel-Stadt am 13. Juni 2007 bedingt ausgesprochene Geldstra- fe vom Kantonsgericht nicht widerrufen wird (II. Ziff. 5. des vorliegenden Urteils). 5. Widerruf 5.1 Gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB widerruft das Gericht die b edingte Strafe oder den be- dingten Teil der Strafe, wenn der Verurteilte währe nd der Probezeit ein Verbrechen oder Ver- gehen begeht und deshalb zu erwarten ist, dass er wei tere Straftaten verüben wird. Ist nicht zu erwarten, dass der Verurteilte weitere Straftaten beg ehen wird, so verzichtet das Gericht auf einen Widerruf. Es kann den Verurteilten verwarnen oder die Probezeit um höchstens die Hälfte der im Urteil festgesetzten Dauer verlängern (Art. 46 Abs. 2 StGB). Das zur Beurteilung des neuen Verbrechens oder Vergehens zuständige Gericht entsc heidet auch über den Widerruf (Art. 46 Abs. 3 StGB). Ferner darf der Widerruf gemä ss Art. 46 Abs. 5 StGB nicht mehr ange- ordnet werden, wenn seit dem Ablauf der Probezeit drei Jahre vergangen sind. Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Im vorliegend zu beurteilenden Fall wurde der Beschul digte mit Urteil des Appellati- onsgerichts Basel-Stadt vom 13. Juni 2007 wegen Gefähr dung des Lebens sowie grober Ver- letzung von Verkehrsregeln zu einer bedingt vollziehbar en Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je CHF 80.00, bei einer Probezeit von zwei Jahren, veru rteilt. Entgegen dem Strafgerichtsvize- präsidenten, welcher mit Urteil vom 5. April 2011 diese Vorstrafe widerrufen hat, sieht das Kan- tonsgericht von einem Widerruf ab, da nicht davon ausz ugehen ist, dass der Beschuldigte wei- tere Straftaten begehen wird. Vielmehr ist der Beschul digte seit den vorliegend zu behandeln- den Delikten nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung g etreten und befindet sich zudem zwi- schenzeitlich wieder in psychiatrischer Behandlung. Ausserde m ist ergänzend zu berücksichti- gen, dass die Frist von drei Jahren gemäss Art. 46 Abs. 5 StGB am 13. Juni 2012 enden wird. Die gegen den Beschuldigten am 13. Juni 2007 vom Appel lationsgericht Basel-Stadt neben einer Busse von CHF 500.00 bedingt ausgesprochene Geldst rafe von 150 Tagessätzen zu je CHF 80.00, bei einer Probezeit von zwei Jahren, ist daher für nicht vollziehbar zu erklären. 6. Zivilforderungen 6.1 - 6.6 […] III. Kosten 1. - 4. […] Demnach wird erkannt: ://: Das Urteil des Strafgerichtsvizepräsidenten Basel-La ndschaft vom 5. April 2011 wird in teilweiser Gutheissung der Berufung von A .____ und in teil- weiser Gutheissung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft, Hauptabteilung Liestal, sowie in teilwei ser Gutheissung der Berufung des Beschuldigten aufgehoben und durch folgen den Urteils- spruch ersetzt: 1. Der Beschuldigte wird in teilweiser Abänderung de s Strafbefehls des Bezirksstatthalteramtes Arlesheim vom 9. März 2009 der e in- fachen Körperverletzung zum Nachteil von A.____, der ein fachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zu m Nach- teil von B.____ sowie der mehrfach versuchten einfache n Körper- verletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nacht eil von A.____ und D.____ schuldig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht je CHF 70.00, bei einer Probezeit von vier Jahren, verurteilt, in Anwendung von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 StGB (teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), Ar t. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 StGB sowie Art. 49 StGB. 2. Die gegen den Beschuldigten am 13. Juni 2007 vom A ppellations- gericht Basel-Stadt neben einer Busse von CHF 500.00 b edingt ausgesprochene Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je CHF 80.00, bei einer Probezeit von zwei Jahren, wird in Anwen- dung von Art. 46 Abs. 2 StGB nicht vollziehbar erklärt. 3. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, A.____ Scha denersatz im Um- fang von CHF 791.65 sowie eine Genugtuung von CHF 1'0 00.00 zu bezahlen. Die darüber hinausgehende Genugtuungsfo rderung wird abgewiesen. b) Die darüber hinausgehende Schadenersatzforderun g in der Höhe von CHF 1'425.85 wird dem Grundsatz nach gutgeheissen und auf den Zivilweg verwiesen. c) Die Schadenersatz- und Genugtuungsforderung von B.__ __ im Fall 2 des Strafbefehls wird dem Grundsatz nach gutgehe issen und auf den Zivilweg verwiesen. 4. Der Beschuldigte wird verurteilt zur Bezahlung ei ner Parteient- schädigung von CHF 8'802.75 (inklusive Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer von CHF 568.88 sowie 7.6% Mehrwert steuer von CHF 129.59, insgesamt somit CHF 9'501.20, an A.____ , ver- treten durch Advokat Javier Ferreiro. 5. Der Beschuldigte wird verurteilt zur Bezahlung ein er Parteient- schädigung von CHF 7'666.60 (inklusive Auslagen und Mehr- wertsteuer) an B.____, vertreten durch Advokat Dr. Hei ner Schär- rer. 6. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von insgesamt CHF 3'447.75, bestehend aus den Kosten des Vorverfahren s von CHF 1'917.75, der Zeugenentschädigung von CHF 30.00 und der Gerichtsgebühr von CHF 1'500.00, gehen zu Lasten des B eschul- digten. 7. Das erstinstanzliche Honorar des Offizialverteidiger s in Höhe von Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht insgesamt Fr. 2'843.85 (inklusive Auslagen und Mehrwertste uer) geht zu Lasten des Staates. 8. Die zweitinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 13'3 00.00 (beinhaltend eine Gebühr von CHF 13'000.00 sowie Auslagen von CHF 300.00) gehen zu Lasten des Beschuldigten. 9. Zufolge Gutheissung der amtlichen Verteidigung f ür das Rechts- mittelverfahren wird dem Vertreter des Beschuldigten f ür seine Bemühungen im Berufungsverfahren ein Honorar von CHF 4'212.00 (inklusive Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteu er von CHF 336.95, insgesamt somit CHF 4'548.95, aus der Ge- richtskasse entrichtet. Der Beschuldigte, der zu den Verfahrenskosten verurtei lt wurde, wird verpflichtet, dem Kanton die Entschädigung zurückzuza hlen und der Verteidigung die Differenz zwischen der amtlich en Ent- schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Dominik Haffter