B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1612/2014 U r t e i l v o m 7. J u l i 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), Ägypten, alle vertreten durch Géraldine Walker, Rechtsanwältin, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Februar 2014 / N (…). D-1612/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden, koptische Christen ägyptischer Staatsang e- hörigkeit, reisten – zusammen mit ihrer volljährigen Tochter bzw. Schwes- ter D._______ (N […]) – am 31. Juli 2011 in die Schweiz ein, wo sie gle i- chentags im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______ um Asyl nachsuchten. Am 8. und am 16. August 2011 fanden die Befragu n- gen zur Person (BzP) und am 12. Januar 2012 die Anhörung en der Be- schwerdeführenden statt. Zur Begründung ihrer Asylgesuche machten sie im Wesentlichen geltend, Ende März 2011 sei D._______ nach einer kirchlichen Veranstaltung vor der Kirche von muslimischen Frauen ang e- sprochen worden. Als ihr Bruder C._______ sich zu ihr hin begeben h a- be, sei er von fremden Männern angegriffen und schwer verletzt worden, während D._______ in ein Auto verbracht und entführt worden sei. Sie sei in der Folge in einem fremden Haus fest - und zum Übertritt zum Islam angehalten worden, wobei man sie auch bedroht habe. Schliesslich s ei ihr in der dritten Nacht die Flucht aus einem Fenster gelungen, nachdem sie sich "pro forma" zum Islam bekannt habe. C._______ habe sich au f- grund der beim Überfall erlittenen schweren Verletzungen mehrere Tage im Spital aufhalten müssen. Nachdem der Vater den Vorfall bei der Polizei angezeigt habe, sei er für sieben Tage inhaftiert worden. Deswegen seien sie ausgereist. B. Die Beschwerdeführenden (Eltern) reichten zur Bestätigung ihrer Identität ihre ägyptischen Identitätskarten zu den Akten. C. Mit Schreibe n vom 21. November 2012 gewährte das BFM den B e- schwerdeführenden das rechtliche Gehör zum Umstand, dass angesichts des von der Flughafenpolizei Zürich beschlagnahmten ägyptischen Rei- sepasses von C._______ anlässlich dessen erneuter Einreise am 16. November 2012 davon auszugehen sei, die Beschwerdeführenden hätten vor ihrer Einreise in die Schweiz mehrere Jahre legal mit (immer noch gültiger) Aufenthaltsbewilligung in F._______ gelebt. D. Die Beschwerdeführenden liessen durch ihren Rechtsvertreter mit Eing a- be vom 18. Dezember 2012 mitteilen, sie verfügten über eine Aufen t- haltsbewilligung in F._______. Diese könne jedoch nicht mehr verlängert werden, da die Beschwerdeführenden die sehr hohen Gebühren nicht D-1612/2014 Seite 3 bezahlen könnten. Sie hätten ihren Aufenthalt in F._______ aus Angst, dorthin und in der Folge nach Ägypten abgeschoben zu werden, gege n- über den schweizerischen Asylbehörden verschwiegen. E. Mit Verfügung vom 21. Februar 2014 – eröffnet am 24. Februar 2014 – lehnte das BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab und or d- nete deren Wegweisung aus der Schweiz an, zudem erachtete es den Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich. Zur B e- gründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, angesichts der Einträge im beschlagnahmten Pass (ausgestellt in G._______ im Jahr 2006) von C._______ sei davon auszugehen, dass die Familie bereits mehrere Ja h- re in F._______ gelebt habe. Damit seien sowohl die Angaben zum Au s- reisezeitpunkt aus dem Heimatland als auch diejenigen zum fluchtausl ö- senden Ereignis als unglaubhaft z u betrachten. D ie Vorbringen der B e- schwerdeführenden hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. F. Die Beschwerdefüh renden liessen gegen diese Verfügung durch ihre (neu mandatierte) Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 26. März 2014 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und in materieller Hi n- sicht beantragen, die Ziffern 3, 4 und 5 der angefochtenen Verfügung sei- en aufzuheben, es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig und unzumutbar sei und die Vorinstanz sei anzuweisen, die Beschwerdeführenden vorläufig in der Schweiz aufzunehmen, eventual i- ter sei das Verfahren zur Neubeurteilung und Fests tellung des Sachve r- haltes an die Vorinstanz zurückzuweisen. In formeller Hinsicht ersuchten die Beschwerdeführenden um Bewilligung der unentgeltlichen Prozes s- führung, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und es sei ihnen ein unentgeltlicher Re chtsbeistand zu ernennen. Der Beschwerd e- schrift lagen diverse Beweismittel bei. Auf die Begründung der Beschwerdebegehren sowie die eingereichten Beweismittel wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfo l- genden Erwägungen eingegangen. G. Mit Zwischenverfügung vom 2. April 2014 wies der Instruktionsrichter die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von D-1612/2014 Seite 4 Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und um Gewährung der amtlichen Ve r- beiständung gemäss Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG sowie um Erlass des Kostenvorschusses ab und forderte die Beschwerdeführenden auf, bis zum 17. April 2014 einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– zu leisten. Dieser Aufforderung kamen die Beschwerdeführenden nach. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinn e von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]) liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-D-1612/2014 Seite 5 hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Die Beschwerdeführenden beantragen in der Beschwerdeschrift die Au f- hebung der Ziffern 3 bis 5 der angefochtenen Verfügung, mithin auch die- jenige im Wegweisungspunkt (Ziffer 3). Die Wegweisung als solche kann indessen nur aufgehoben werden, wenn ein Rechtsanspruch auf die E r- teilung einer kanton alen Aufenthaltsbewilligung besteht (BVGE 2011/24 E. 10.1; BVGE 2009/50 E. 9, je m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21), was vorlie- gend nicht geltend gemacht wird. Aus der Beschwerdebegründung ergibt sich überdies, dass der Wegweisungsvollzug bezüglich Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit angefochten wird. Die Verneinung der Flüchtlingse i- genschaft, die Ablehnung des Asylgesuches sowie die Wegweisung (Zi f- fern 1 bis 3 des Dispositivs der Verfügung vom 21. Februar 2014) sind somit – wie bereits in der Zwischenverfügung vom 2. April 2014 festgehal- ten – als unangefochten zu betrachten und in Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet entspr e- chend einzig die Prüfung, ob die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht angeordnet hat. 5. Die Beschwerdeführenden machen auf Beschwerdeebene geltend, ange- sichts ihrer Zugehörigkeit zur koptisch-orthodoxen Kirche drohe ihnen bei einem Vollzug der Wegweisung nach Ägypten Diskriminierung, Benac h- teiligung und Verfolgung, weshalb der Wegweisungsvollzug unzuläs sig sei. So weigerten sich beispielsweise Taxifahrer, koptische Christen zu einer Kirche zu fahren, und es komme zu Entführungen mit Lösegeldfo r- derungen. Das BFM habe die potentielle Gefährdungslage der B e- schwerdeführenden aufgrund ihrer Glaubensangehörigkeit nicht abgeklärt beziehungsweise dieser keine Rechnung getragen und somit den Unte r- suchungsgrundsatz verletzt. Überdies falle auch das Recht auf ein faires Strafverfahren unter den Schutzbereich von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten (EMRK, SR 0.101). In Ägypten würden keinerlei faire Verfahren statt- finden, wie die gegen die Muslimbrüder ausgefällten Todesurteile zeigten, und die Gefahr der Beschwerdeführenden, bei einer Wegweisung ebe n-D-1612/2014 Seite 6 falls in e in Gerichtsverfahren verwickelt zu werden, sei allgegenwärtig. Sodann widerspreche der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdefü h- renden aufgrund der aktuellen Sicherheits lage sowie der instabilen und unsicheren politischen Situation klar und deutlich Art. 83 Abs. 4 des Bun- desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Au s- länder (AuG, SR 142.20) und sei damit unzumutbar. Im Weiteren würden einer vorläufigen Aufnahme keine Gründe gemäss Art. 83 Abs. 7 AuG entgegenstehen. Der Beschwerdeführer verfüge über einen einwandfrei- en Leumund und habe sich während der Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz stets wohlverhalten. 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). Die Beschwerdeführenden rügen in Bezug auf die Durchführbarkeit des Vollzugs eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Der Einwand erweist sich indessen als unbegründet. Das BFM hat die religiöse Zug e- hörigkeit der Beschwerdeführenden nicht bezweifelt und erwogen, aus den Akten ergäben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass ih nen im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahr scheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Übe r- dies wurde ausgeführt, trotz der gegenwärtigen Spannungen in Ägypten herrsche keine Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. Damit besteht kein Anlass zur Annahme, die Vorinstanz habe den Vollzug der Wegweisung hinsichtlich der Situation in Ägypten bejaht, oh- ne über die notwendigen Kenntnisse zu verfügen beziehungsweise die erforderlichen Abklärungen getätigt zu haben . Der Eventualantrag auf Rückweisung des Verfahrens zur Neubeurteilung und Feststellung des Sachverhalts an die Vorinstanz ist deshalb abzuweisen. 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schwei z einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in D-1612/2014 Seite 7 den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben ode r ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da rechts- kräftig feststeht, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseige n- schaft nicht erfüllen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden nach Ägypten ist demnach un- ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 6.2.2 Sodann ergeben sich , wie bereits in der Zwischenverfügung vom 2. April 2014 dargelegt , weder aus den Aussagen der Beschwe rde- führenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Ägypten dort mit beachtlicher Wahrscheinlic h- keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder B e- handlung ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen G e- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti- Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Ge- fahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Der Hinweis in der B e- schwerdeschrift, bei den Verfahren gegen die Muslimbrüder habe es sich keinesfalls um faire Verfahren gehandelt, weshalb auch die Beschwerd e-D-1612/2014 Seite 8 führenden – sollten sie jemals in ein Strafverfahren verwickelt werden – kein faires Verfahren erwarten könnten, erweist sich als nicht stichhaltig, zumal allein wegen des massiven Vorgehens der staatlichen Organe g e- gen die Muslimbruderschaft nicht auf ein allenfalls zukünftiges unfaires Verfahren gegen die Beschwerdeführenden geschlossen werden kann . Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Ägypten lässt den Weg- weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung – entgegen der auf Beschwerdeebene geäusserten Meinung der Beschwerdeführenden – sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.3.1 In Ägypten herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb in konstanter Praxis mit dem BFM von der generellen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs dorthin ausgegangen wird (vgl. etwa Urteil e des BVGer E-2243/2014 vom 21. Mai 2014; D-3687/2013 vom 17. Juli 2013). 6.3.2 Die Beschwerdeführenden gehören – wie bereits erwähnt – der Glaubensgemeinschaft der koptischen Christen an. Im heutigen Ägypten sind die koptischen Christen mit etwa neun Millionen Menschen eine Minderheit innerhalb der muslimischen Bevölkerungsmehrheit, die gesel l- schaftlichen Benachteiligungen au sgesetzt sind. So kamen beispielswei- se im Januar 2011 in Alexandria bei der Explosion einer Kirche 23 Me n- schen ums Leben. Nur zwei Monate später, Anfang März, stand in Kairo eine Kirche in Flammen. Nach dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Mohammed Mursi von der Mosl embruderschaft am 3. Juli 2013 und in s- besondere auch nach der mit einem grossen Blutbad verbundenen g e- waltsamen Räumung von zwei Pro -Mursi-Protestlagern in Kairo am 14. August 2013 durch ägyptische Sicherheitskräfte, bei der es zur T ö- tung von Hunderten von Mursi-Anhängern gekommen ist, kam es auch zu einer Gewaltwelle gegenüber Christen und christlichen Einrichtungen. Grund hierfür dürfte vorab der Umstand gewesen sein, dass der Führer der koptischen Kirche, Papst Tawadros II., den Putsch noch am Tage sei- ner Verkündung durch General Abd al -Fattah as-Sisi, dem heutigen Pr ä-D-1612/2014 Seite 9 sidenten Ägyptens, öffentlich befürwortet hat, was die Kopten in der Folge aus Sicht der Moslembrüderschaft dem Vorwurf aussetzte, den Sturz von Mohammed Mursi ebenfalls gutgeheissen zu habe n. Entsprechend ging auch der Grossteil der Übergriffe gegenüber Christen von radikalen A n- hängern der Muslimbrüder aus. Gleichzeitig gingen die staatlichen S i- cherheitskräfte in der Folge massiv gegen Anhänger dieser Organisation vor. So erklärte am 23. September 2013 ein Gericht in Kairo die Musli m- bruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal und beschloss die Konfiszierung ihrer Vermögenswerte, was am 6. November 2013 von einem Berufungsgericht bestätigt wurde. Im Weiteren wurden in mehreren Massenprozessen zahlreiche Islamisten, darunter auch führende Mitgli e- der der Muslimbruderschaft, zum Tode verurteilt. Dennoch ist zu beach- ten, dass b eide Bevölkerungsgruppen das ägyptische Nationalbewuss t- sein verbindet, und Muslime und Christen Seite an Sei te bei der ägypt i- schen Revolution für Frieden und Demokratie gebetet haben. Nach dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi wurde eine Übergangsregierung gebildet, wobei der Geschäftsführende Ministerpräsident Hasem al - Beblawi vor allem Liberale und Experten e insetzte. Ende Mai 2014 fand die Präsidentschaftswahl statt. Gewählt wurde , wie vorstehend erwähnt, der ehemalige Armeechef Abd al-Fattah as-Sisi. Die neu gebildete Regie- rung setzt sich gemäss Medienberichten zu zwei Dritteln aus Mitgliedern des Übergangskabinetts zusammen. Anhaltspunkte für eine Verschlec h- terung der Situation der Christen in Ägypten sind vor diesem Hintergrund nicht ersichtlich. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit für Ko p- ten aus Ägypten nicht als generell unzumutbar. 6.3.3 Zwar ist das Vorliegen individueller Wegweisungsvollzugshindernis- se – ebenso wie die Zulässigkeit, die allgemeine Zumutbarkeit sowie die Möglichkeit des Vollzugs – von Amtes wegen zu prüfen, dieser Grundsatz findet indessen seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der B eschwerde- führenden. Es ist nicht Sache der Behörde, bei fehlend en oder (wie vor- liegend) vorenthaltenen Informationen nach etwaigen Vollzugshinderni s- sen zu forschen. Es besteht damit kein Anlass zur Annahme, die B e- schwerdeführenden würden bei der Rückkehr in ihr Heimatland in eine existenzielle Notlage geraten. Dies umso weniger, als das Bundesamt zu- treffend darauf hingewiesen hat, dass die Beschwerdeführenden in Ägyp- ten über ein weit verzweigtes familiäres Netz verfügen. Überdies sind der Beschwerde diesbezüglich auch keine Einwendungen zu entnehmen. Es sind damit keine Gründe ersichtlich, welche den – soweit aus den Akten ersichtlich – gesunden beschwerdeführenden Eltern und ihrem mittlerwei- le volljährigen Sohn eine Rückkehr verunmöglichten. D-1612/2014 Seite 10 Nach dem Gesag ten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. Die Beschwerdevorbringen und die eingereichten Beweismittel sind nicht geeignet, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewirken, zumal sie im Wesentlichen lediglich Vorfälle und Ereignisse von D rittper- sonen beziehungsweise allgemeine Berichte in öffentlich zugänglichen Quellen wiedergeben und eine potenzielle konkrete Gefährdung aufgrund der Glaubenszugehörigkeit bloss behauptet, nicht aber durch konkrete Indizien in Bezug auf die Beschwerdeführenden untermauert werden. 6.4 Der Sohn C._______ verfügt über einen Reisepass. Betreffend die El- tern obliegt es ihnen, sofern notwendig , sich bei der zuständigen Vertr e- tung des Heimatstaates die für eine Rückkehr benötigten Reisedokumen- te zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegw eisung auch als möglich zu b e- zeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. (Dispositiv nächste Seite) D-1612/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfah- renskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand: