Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. Mai 2021 (720 20 432 / 140) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente; Prüfung des medizinischen Sachverhalts, Beweiskraft des von der IV-Stelle eingeholten Gutachtens Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Matthias Aeberli, Ad- vokat, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1972 geborene A.____ arbeitete zuletzt vom 1. Februar 2002 bis 31. Dezember 2018 bei den B.____, zuletzt als Sachbearbeiter Systeme Verkauf Innendienst. Am 22. Januar 2012 meldete er sich erstmals unter Hinweis auf eine mittelschwere Depression und ein Burnout bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Le istungsbezug. Die zuständige IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) führte in der Folg e ein Coaching durch, verneinte indes mit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung vom 2. Oktober 2014 den Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente, da die- ser seit dem 1. November 2013 wieder in einem Pensum von 80% beim ursprünglichen Arbeits- geber tätig sei. Mit Formular vom 8. Juni 2017 meld ete sich A.____ unter Hinweis auf eine de- pressive Erkrankung erneut bei der IV zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheit- lichen und erwerblichen Verhältnisse, namentlich der Ei nholung eines psychiatrischen Gutach- tens bei Dr. med. univ. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, sowie Durchführung eines Vorbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle dem Versiche rten mit Verfügung vom 6. Oktober 2020 für die Zeit vom 1. März 2018 bis 31. August 2018 eine ganze Rente, für die Zeit vom 1. Februar 2019 bis 31. März 2019 eine Dreiviertelsrente sowie für die Zeit vom 1. April 2019 bis 30. September 2019 erneut eine ganze Rente der Invali denversicherung zu. Während der Zeit vom 6. August 2018 bis 31. Januar 2019 habe der Versich erte eine berufliche Massnahme ab- solviert und ein Taggeld der IV erhalten. Für die Zei t ab 1. Oktober 2019 wurde der Rentenan- spruch abgelehnt. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Advokat Dr. Matthias Aeberli, am 6. November 2020 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilu ng Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 6. Oktober 2020 insoweit aufzuheben, als ihm per 1. März 2018 eine ganze Inva lidenrente basierend auf einem Invalidi- tätsgrad vom mindestens 70% auszurichten sei, unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass das von der Beschwerdegegnerin eingeholte Gutachten nicht den rechtssprechungsgemässen Anforderungen genüge. Vielmehr sei auf die Einschätzung des behandelnden Psychiaters abzustellen. Zu bemängeln sei ferner, dass kein leidensbedingter Ab- zug vorgenommen worden sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 18. Dezember 2020 schloss di e Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Auf das eingeholte Gutachten könne abgestellt werden. Ein leidens- bedingter Abzug beim Invalideneinkommen sei im vorliegenden Fall nicht angezeigt. D. Mit Verfügung vom 14. Januar 2021 wurde der Fall dem Gericht zur Beurteilung über- wiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen fr ist- und formgerecht eingereichte Be- schwerde vom 6. Oktober 2020 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verf ügung vom 6. Oktober 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Über- prüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu min destens 40 % invalid sind (lit. c). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu min- destens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu m indestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente , wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im S inne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein- zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erw erbsfähigkeit unabhängig von der Diag- nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgew iesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsle istung zu erbringen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 1 27 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in w elchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.4 Die Rechtsprechung erachtet es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als ver- einbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Ein- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnis- sen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedi- zinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; U rteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslau- tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben F älle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte w ichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt g eblieben sind (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4.5 Das Bundesgericht hat mit BGE 143 V 418 entschiede n, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unter- ziehen sind. Dieses Verfahren definiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einersei ts und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – im Regelfall erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch zu beurteilen (BGE 141 V 281 E. 3.6). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Be- urteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevan ten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang d ie ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). 5. Zur Beurteilung des vorliegenden Falles liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folgenden sollen indessen lediglich diejenigen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welche sich für den vorliegenden Entscheid als zentral erweisen. 5.1 Der behandelnde Facharzt Dr. med. D.____, FMH Psych iatrie und Psychotherapie, di- agnostizierte mit Arztbericht zuhanden der Beschwerdegegn erin vom 17. Juni 2017 eine rezidi- vierende depressive Störung (ICD-10 F 33.11), eine neurotische Depression (ICD-10 F 34.1) so- wie eine ängstliche Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F 60.6). Der Patient habe sich vor einem Jahr mit zunehmenden depressiven Episoden in seine Behandlun g begeben. Die Symptomatik um- fasse unter anderem eine bedrückte Stimmungslage, Konzentrationsstörungen, ein massiv redu- ziertes Selbsterleben, Dysphorie, rasche Ermüdbarkeit, Af fektlabilität, Morgentiefs, Interessen- verlust sowie sozialer Rückzug. Die Erkrankung habe sich seit dem Jahr 2016 verschlimmert. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eine deutliche Verschlechterung bestehe auch bei der ängstlichen Persönlichkeitsstörung. Dies- bezüglich leide der Patient unter den Symptomen einer andauernden Anspannung und Besorgt- heit sowie ausgeprägten sozialen Insuffizienzgefühlen. Er empfinde sich als unbeholfen und un- attraktiv und zeige einen deutlich eingeschränkten Lebensstil, Angst vor zwischenmenschlichen Kontakten und grosse Sorge, kritisiert zu werden. Die Symptome der ängstlichen Persönlichkeits- störung seien auch nach Abklingen der depressiven Episode deutlich nachweisbar. Die depres- sive Neurose sei mit den anderen Diagnosen verhängt. Seit März 2017 leide der Patient an einer anhaltenden mittelschweren bis schweren depressiven Episode. 5.2 Nach einem von der Beschwerdegegnerin in die Wege geleiteten Aufbautraining führte der zuständige Arbeitscoach des Vereins E.____ mit Abschl ussbericht vom 18. Mai 2018 aus, dass der Versicherte immer wieder über Schlafprobleme un d eine bleierne Müdigkeit geklagt habe, sich diese Symptome aber nach dem Absetzen der Medikamente unter ärztlicher Aufsicht gebessert hätten. Gegen Ende der Massnahme hätte beobachtet werden können, dass der Ver- sicherte erneut in eine traurige Phase verfiel. Er ar beite enorm perfektionistisch und strukturiert und überforderte sich dadurch schnell. Auch zeigte er immer wieder Tendenzen, Überzeit aufzu- bauen. Innerhalb des Teams sei er sehr beliebt gewesen. Am Ende der Massnahme habe der Versicherte ein stabiles Pensum von 80% mit 100%iger Leistungsfähigkeit aufbauen können. 5.3 Mit Arztbericht vom 8. Februar 2019 teilte Dr. D._ ___ mit, dass sein Patient sich in stati- onärer Behandlung befinde. Die Prognose zur Arbeitsf ähigkeit sei sehr schlecht, die Eingliede- rung müsse als gescheitert angesehen werden. Der Patient weise eine sehr geringe Belastungs- fähigkeit und eine sehr geringe Stresstoleranz auf. 5.4 Die Ärzteschaft der Klinik F.____ in G.____ erstatt ete mit Schreiben vom 5. April 2019 Bericht über den stationären Aufenthalt des Versicherten vom 24. Januar 2019 bis 12. März 2019. Sie diagnostizierte im Rahmen des Aufenthalts eine re zidivierende depressive Störung, gegen- wärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F 33.1), Belastungen in Verbindung mit der beruflichen Si- tuation (ICD-10 Z 56) sowie ängstlich-vermeidende Persö nlichkeitszüge (ICD-10 Z 73.1). Beim Patienten habe sich eine massive Angst vor der Zukunft und auch vor einer beruflichen Wiedereingliederung aufgebaut, die letztlich auch während des Klinikaufenthalts nicht habe abgebaut werden können. Der Patient traue sich die berufliche Eingliederung nicht zu, wes- halb auch die Prognose eher negativ sei. Es hätten sich beim Patienten immer wieder ein auffäl- liges Gedankenabreissen sowie längere Antwortlatenzen gezeigt, welche die Berufstätigkeit mas- siv beeinträchtigen könnten. Diesbezüglich würden weitere Abklärungen empfohlen. Bei Austritt habe die Arbeitsfähigkeit 70% betragen. 5.5 Am 12. Juni 2019 wurde in der Klinik H.____ des I .____-Spitals eine neuropsychologi- sche Untersuchung des Versicherten vorgenommen. Mit Berich t vom 22. Juli 2019 wurden im Anschluss folgende Diagnosen gestellt: (1) eine leichte kognitive Störung sowie eine stark redu- zierte kognitive Belastbarkeit, am ehesten im Rahmen der Diagnosen (2) und (3), möglicherweise verstärkt durch Diagnose (4); (2) eine rezidivierende depressive Störung, wobei aktuell die Krite- rien nach ICD nicht erfüllt seien; (3) gemäss Bericht von Dr. D.____ eine ängstliche Persönlich- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht keitsstörung sowie (4) eigenanamnestisch ein leichtes zentrales Schlafapnoesyndrom. Der Pati- ent arbeite bei der Untersuchung kooperativ und motiviert mit, so dass die Ergebnisse als valide betrachtet werden könnten. Es hätten sich bloss einzelne auffällige Parameter ergeben in den Bereichen freier verzögerter Abruf und Wiedererkennen im verbal-episodischen Gedächtnis, Ar- beitstempo (visomotorische Aufgabe) sowie beim visuellen A rbeitsgedächtnis. Eigenanamnes- tisch würden sich aufgrund der Werte aus dem Fragebogen erlebter Defizite der Aufmerksamkeit (FEDA) Hinweise für eine erhebliche Aufmerksamkeitsstörun g im Alltag ergeben. Bei der Inter- pretation der Befunde sei zu beachten, dass die schwer au sgeprägte Erschöpfung sich unter Alltagsbedingungen stärker auf die kognitive Leistungsf ähigkeit auswirken könne als dies unter den optimalen Rahmenbedingungen einer Testuntersuchun g objektivierbar werde, mit entspre- chenden Konsequenzen für die Arbeitsfähigkeit. 5.6 Die Beschwerdegegnerin gab im Rahmen der Sachverh altsabklärung des vorliegenden Falles am 12. August 2019 eine psychiatrische Begutachtun g in Auftrag. Mit Gutachten vom 15. November 2019 diagnostizierte der beauftragte Gutachter Dr. C.____ eine rezidivierende de- pressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F 33.4) sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge, v.a. vermeidend (ICD-10 Z 73.1). Seit der stationären Behandlung Anfang des Jahres 2019 habe sich der Zustand des Exploranden markant verbessert. Die Kriterien für eine depressive Episode würden nicht mehr erfüllt: es liessen sich weder eine Anhedonie noch eine tiefe Traurigkeit nach- weisen. Die depressive Störung sei deshalb gegenwärtig als remittiert zu diagnostizieren. Im Rah- men der Begutachtung habe der Explorand keine Beeintr ächtigungen der Bewusstseinsklarheit oder Bewusstseinhelligkeit gezeigt. Müdigkeit oder Schlä frigkeit seien nicht zu beobachten ge- wesen, die Aufmerksamkeit und Konzentration habe für die Dauer des Gesprächs durchgehend aufrechterhalten werden können. Der formale Gedankeng ang sei zu Beginn und vereinzelt im Verlauf der Untersuchung stockend gewesen. Wenn der Exp lorand sich bei einzelnen Fragen unter Druck gefühlt habe, habe er innegehalten und angegeben, keinen klaren Gedanken fassen zu können. Nach einem kleinen Hinweis konnte der Gedank e aber ohne Mühe zu Ende geführt werden. Das Tempo sei ungestört gewesen. Inhaltlich sei der Explorand mässig auf die Symp- tome der Konzentrationsstörung und Müdigkeit eingeengt gewesen. Es seien aber keine krank- heitswertigen inhaltlichen Denkstörungen feststellbar. In der Grundstimmung habe der Explorand mehrheitlich ausgeglichen gewirkt, er sei schwingungsfäh ig und ein affektiver Rapport sei her- stellbar gewesen. Eine Interessenlosigkeit oder ein Verl ust des Freudeempfindens seien nicht nachweisbar gewesen. Der Antrieb habe ungestört gewirkt , subjektiv habe der Explorand aber insbesondere am Morgen von einem deutlich reduzierten Antrieb berichtet. In Bezug auf die Per- sönlichkeit könne festgehalten werden, dass beim Explorand eine negative Emotionalität mit er- höhter Ängstlichkeit und Pessimismus vorherrsche. Er sei mehrheitlich introvertiert und wenig gesellig mit einer etwas unterdurchschnittlich ausgeprägten Offenheit für Erfahrungen. Er scheine um Anpassung bemüht und zeige eine recht hohe Gewissenha ftigkeit. Klinisch zeige sich ein überwiegend ängstlich-orientierter Persönlichkeitsstil. Im Rahmen der psychometrischen Zusat- zuntersuchungen habe der Explorand beim Rey-15 Item Mem ory Test (RMT) ein unauffälliges Ergebnis gezeigt. Beim Minnesota Multiphasic Personality Inventory-2 Restuctured Form (MMPI) habe sich ein Antwortmuster ergeben, das für eine mang elnde Kooperation sprechen könnte. Eine Standardinterpretation der Daten würde vermutl ich eine Beschreibung liefern, welche die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegenwärtige Verfassung des Exploranden nicht widerspiegle. Auf eine weitergehende Interpre- tation des Testergebnisses werde deshalb verzichtet. Tiefgreifende und dauerhafte Abweichun- gen von den kulturell erwarteten Normen in den Bereichen Kognition, Affektivität, Impulskontrolle und Handhabung zwischenmenschlicher Beziehungen fänden sich nicht in einer Ausprägung, dass daraus ein erheblicher Leidensdruck für den Exploranden oder seine Umgebung ersichtlich würde. Auch testpsychologisch (MMPI) habe das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung nicht bestätigt werden können. Diagnostisch sei deshalb von einer Persönlichkeitsakzentuierung aus- zugehen. In der angestammten Tätigkeit als Sachbearbeiter bei einem Energieunternehmen er- gebe sich aufgrund des reduzierten Durchhaltevermögens, der etwas reduzierten Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie dem erhöhten Pausenbedarf ab Mitte Juni 2019 eine Arbeitsunfähig- keit von 30%. Die gemäss Akten ab März 2017 attestierte Arbeitsunfähigkeit erscheine bis zu diesem Zeitpunkt als plausibel. In einer dem Leiden optimal angepassten Tätigkeit mit gut struk- turierten Arbeitsaufträgen, Arbeit in einem kleinen stabilen Team, mit geringen Anforderungen an die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, mit der Möglichkeit zu kürzeren selbstgewählten Pausen und ohne Termindruck lasse sich ab ca. Mitte Juni 2019 ke ine Einschränkung in der Arbeitsfä- higkeit mehr belegen, d.h. es bestehe in einer solchen Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit. Zu den abweichenden Einschätzungen in den medizinischen Akt en hielt der Gutachter fest, dass augenscheinlich die subjektiven Angaben des Patienten von den behandelnden Ärzten unkritisch übernommen worden seien. Im Rahmen der beruflichen Massnahmen seien geringere funktio- nelle Defizite festgestellt worden. Der psychopathologi sche Befund, der Krankheitsverlauf im Längsschnitt und das Aktivitätenniveau im Alltag würde e ine aufgehobene oder stark einge- schränkte Arbeitsfähigkeit aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht begründen können. 5.7 Mit Schreiben vom 25. April 2020 nahm Dr. D.____ zum Gutachten Dr. C.____ vom 15. November 2019 Stellung und kritisierte es in verschi edener Hinsicht. Namentlich brachte er vor, dass betreffend die Diagnose einer Persönlichkeitsst örung nicht auf die Ergebnisse des MMPI-Tests abgestellt werden dürfe, nachdem ein auffälliges Antwortmuster festgestellt worden sei. Auffallend sei, dass lediglich diejenigen Diagnosen gestellt würden, die die Voraussetzungen für eine Berentung mindern würden. Die Diagnose ein er remittierten depressiven Episode dürfe nicht gestellt werden, da der Versicherte unter einer vo ll ausdosierten antidepressiven Behand- lung stehe. Die von der Klinik H.____ festgestellte leichte kognitive Störung und stark reduzierte kognitive Belastbarkeit lasse keine Arbeitstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt in der bisherigen Tätigkeit zu. Das Verweisprofil einer dem Leiden angepassten Arbeitstätigkeit entspreche einem geschützten Arbeitsplatz und sei im ersten Arbeitsmarkt unrealistisch. 5.8 Am 12. Juni 2020 empfahl Dr. med. J.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, des Regio- nalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin nach Rücksprache mit Dr. med. K.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, auf das Gutachten von Dr. C.____ abzustellen, da es trotz der bestehenden Kritikpunkte die Anforderungen erfülle und die gesund- heitliche Entwicklung einschliesslich der bestehenden Einschränkungen hinreichend abbilde. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefocht enen Verfügung vollumfänglich auf das eingeholte psychiatrische Gutachten von Dr. C.__ __ vom 15. November 2019. Sie ging demzufolge davon aus, dass beim Beschwerdeführer vom März 2017 bis Juli 2018 sowohl in der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht angestammten als auch einer leidensangepassten Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit vorlag. Für den Zeitraum vom August 2018 bis 16. Januar 2019 habe eine Arbeitsfähigkeit von 50% bestanden. Vom 17. Januar 2019 bis 12. März 2019 sei der Versicher te nicht arbeitsfähig gewesen, an- schliessend habe sich die Arbeitsfähigkeit in der Zeit vom 13. März 2019 bis Ende Mai 2019 auf 30% erhöht. Ab Juni 2019 sei er in der angestammten T ätigkeit zu 70% arbeitsfähig; in einer angepassten Tätigkeit mit gut strukturierten Arbeitsaufträgen, in einem kleinen stabilen Team, mit geringen Anforderungen an die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, mit der Möglichkeit zu kür- zeren, selbst gewählten Pausen und ohne Termindruck b estehe ab diesem Zeitpunkt eine volle Arbeitsfähigkeit. 6.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.4 hiervor), ist de n im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelan gen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen. Das vorliegend umstrittene Gutachten Dr. C.____ vom 15. November 2019 weist keine formalen Mängel auf und beruht auf einer eingehenden Untersuchung des Beschwerdefüh- rers sowie detaillierter Aktenkenntnis. Entgegen der Au ffassung des Beschwerdeführers setzt sich der Gutachter auch mit den abweichenden medizinischen Einschätzungen in den Akten hin- reichend auseinander. 6.3 Tatsächlich finden sich inhaltlich im Gutachten jed och augenscheinlich Mängel und Wi- dersprüche. So hätte – wie dies beide Parteien anerkennen – das Ergebnis der MMPI-Testung in der Beurteilung nicht verwertet werden dürfen, da das Antwortverhalten des Beschwerdeführers diesbezüglich auffällig gewesen ist. Indessen beruht di e diagnostische Verneinung des Vorlie- gens einer Persönlichkeitsstörung durch Dr. C.____ entge gen der Ansicht des Beschwerdefüh- rers nicht bloss auf dem Ergebnis dieses Tests. Vielmehr ber uft er sich dabei auch auf seine eigenen Beobachtungen, der Befragung des Beschwerdefü hrers sowie auf die Einschätzungen in den Akten, namentlich durch die Ärzteschaft der Klin ik Schützen, sowie den Beobachtungen im Rahmen der beruflichen Massnahme. Die diagnostische Einordnung des ängstlich-vermeiden- den Verhaltens des Beschwerdeführers erscheint damit als nachvollziehbar und schlüssig, zumal der behandelnde Psychiater die von ihm gestellte Diagno se einer Persönlichkeitsstörung bloss ungenügend zu begründen vermag. Die Kritik des Beschwerdeführers respektive seines behan- delnden Psychiaters betreffend die Diagnose der remittierten depressiven Störung geht ebenfalls fehl. Die Frage, ob formell-psychiatrisch eine depressive Störung als remittiert angesehen werden kann, obschon der Patient mit einer therapeutischen Dosi s von Antidepressiva behandelt wird, kann innerhalb des zulässigen und zu respektierenden Spielraums der medizinischen-psychiatri- schen Interpretationen offengelassen werden. Vorliegend haben indes sowohl der Gutachter wie auch die Ärzteschaft der Klinik H.____ festgestellt, dass die Diagnosekriterien für eine akute de- pressive Episode nicht (mehr) gegeben seien und damit den aktuellen Gesundheitszustand wie- dergegeben. Dies ist – ebenso wie die entsprechende A nnahme einer Verbesserung des Ge- sundheitszustandes – nicht zu beanstanden. Augenscheinliche Widersprüche in der gutachterli- chen Beurteilung finden sich indessen bei der Beurteilung der neuropsychologischen Beeinträch- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht tigungen. Entgegen der Beurteilung durch die Klinik H.____ vom 22. Juli 2019 und trotz verschie- dener entsprechender Beobachtungen anlässlich der Begutachtung (stockender Gedankengang des Beschwerdeführers, Hilfestellung durch den Gutachter bei der Prüfung der Konzentration) scheint Dr. C.____ das Vorliegen einer neuropsychologisch en Einschränkung ohne nähere Be- gründung zu verneinen. Vielmehr beschränkt er sich darauf, festzustellen, dass der Ursprung der kognitiven Einschränkungen nicht habe geklärt werden könne n. Auch auf die Angaben des Be- schwerdeführers zu seiner Müdigkeit und zu seinem Tagesablauf scheint der Gutachter nur un- genügend einzugehen und seine Schlussfolgerungen wirken entsprechend unbegründet. Dies- bezüglich vermag das Gutachten vom 15. November 2019 nic ht vollends zu überzeugen. Als massgebend erweist sich indessen das Ergebnis des Gutachtens, n amentlich die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit und die Definition des leidensang epassten Tätigkeitsprofils. In gewisser Weise entgegen seinen eigenen Ausführungen erkennt der Gutachter hier Einschränkungen des Beschwerdeführers bezüglich Arbeitsstrukturierung, Flexi bilität, Umstellungsfähigkeit, sozialen Anforderungen, Termindruck sowie Pausenbedarf. Damit berücksichtigt er sowohl die attestierten persönlichkeitsbezogenen Aspekte als auch die kognitiven Einschränkungen und die Erschöpf- barkeit des Beschwerdeführers. Die umschriebene Arbeitsfähigkeit erscheint damit – trotz miss- verständlich und augenscheinlich widersprüchlich formulie rtem Gutachten – als schlüssig und wird dem Versicherten gerecht. Damit vermag das Gutachten im Ergebnis zu überzeugen. Da es die übrigen beweisrechtlichen Anforderungen ebenfalls erfüllt (vgl. E. 6.2 hiervor), durfte die Be- schwerdegegnerin darauf abstellen. 7.1 Zu prüfen bleibt die Bemessung der Invalidität. Wie eingangs ausgeführt (vgl. E. 3.4 hier- vor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versich erten aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen (vgl. Art. 16 ATSG). Dabei ist in zeitlicher Hinsicht auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns abzustellen (vgl. BGE 129 V 222, 128 V 174), welcher unbestritten auf den 1. März 2018 zu liegen kommt. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 6. Oktober 2020 den erforderlichen Eink ommensvergleich vorgenommen. Für das Valideneinkommen hat sie dabei auf das vom Beschwerdeführer zuletzt erzielte Einkommen als Sachbearbeiter abgestellt, wobei sie richtigerweise eine Hochrechnung des Einkommens auf ein 100%-Pensum vorgenommen hat, da der Beschwerdefüh rer sein Arbeitspensum nach sei- nem Burnout im Jahr 2012 krankheitsbedingt auf 80% red uziert hat. Das Invalideneinkommen hat die Beschwerdegegnerin anhand der Tabelle T17 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2016, Bürokräfte und verwandte Berufe, Spalte Männer, ermittelt. Der Beschwerdeführer beanstandet – zu Recht – weder das ermittelte Valideneinkommen noch den ermitte lten Grundwert für das Invalidenein- kommen. Hingegen sei beim Invalideneinkommen ein leid ensbedingter Abzug von 25% vorzu- nehmen. 7.2 Praxisgemäss kann von dem anhand der Tabellenlöhne d er Schweizerischen Lohnstruk- turerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) ermittelten Invalideneinkommen unter bestimm- ten Voraussetzungen ein leidensbedingter Abzug vorgenommen werden. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können u nd je nach Ausprägung die versi- cherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Ar- beitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfo lgen und darf 25% nicht übersteigen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa-cc). Der ge samthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende rich- terliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinst anz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach d em ihr zustehenden Ermessen im Ein- klang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem k onkreten Fall getroffen hat, nicht zweck- mässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Soll in di e Ermessensbetätigung der Vorinstanz eingegriffen werden, muss sich die richterliche Behörde demnach auf Gegebenheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näher liegend erscheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vo m 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 7.3 Solche Gegebenheiten sind vorliegend nicht ersichtli ch und werden vom Beschwerde- führer auch nicht substantiiert vorgebracht. Die Beschwerdegegnerin bringt zutreffend vor, dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen bereits im lei densangepassten Tätigkeitsprofil berück- sichtigt seien. Da die weiteren in Frage kommenden Mer kmale Lebensalter, Dienstjahre, Natio- nalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad im vorliegenden Fall gleichsam keine negative Auswirkung auf die Lohnhöhe haben, ist der Entscheid der IV-Stelle, keinen leidensbe- dingten Abzug vorzunehmen, nicht zu beanstanden. 7.4 Setzt man im Einkommensvergleich die so korrekt erm ittelten Invalideneinkommen dem Valideneinkommen von Fr 96’850.-- gegenüber, resulti ert für den Zeitraum vom 23. März 2018 bis 31. Juli 2018 ein Invaliditätsgrad von 100%, für d ie Zeit vom 1. August 2018 bis 16. Januar 2019 ein solcher von 62%, für die Zeit vom 17. Januar 2019 bis 12. März 2019 ein Invaliditätsgrad von 100%, für die Zeit vom 13. März 2019 bis 14. Juni 2019 ein solcher von 77% und für die Zeit ab 15. Juni 2019 ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 25%. Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer für die Zeit vom 1. März 2018 bis 31. August 2018 eine ganze Rente, für die Zeit vom 1. Februar 2019 bis 31. März 2019 eine Dreiviertelsrente so- wie für die Zeit vom 1. April 2019 bis 30. September 2019 erneut eine ganze Rente der Invaliden- versicherung zugesprochen. 8. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Besch werdegegnerin den Ren- tenanspruch des Beschwerdeführers korrekt ermittelt u nd namentlich für die Zeit ab 1. Oktober 2019 einen solchen zu Recht verneint hat. Die Beschwerde ist nach dem Ausgeführten abzuwei- sen. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ve rfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Sie werden mit dem geleisteten Kosten- vorschuss verrechnet. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens ist keine Parteientschädigung zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorsch uss von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Gegen diesen Entscheid hat der Beschwerdeführer am 15. September 2021 Beschwerde ans Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilungen, erhoben (siehe nach Vorliegen des Urteils des Bundesgerichts: Verfahrensnummer 9C_494/2021 ). http://www.bl.ch/kantonsgericht