B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5940/2017 lan DUA U r t e i l v o m 2 0 . S e p t e m b e r 2 0 1 9 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 15. September 2017 / N (…). D-5940/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein sri -lankischer Staatsangehöriger und eth- nischer Tamile mit letztem Wohnsitz in B._______ (Distrikt Jaffna, Nordpro- vinz), verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 16. Okto- ber 2015 auf dem Luftweg in Richtung Iran und reiste am 15. November 2015 von Österreich herkommend illegal in die Schweiz ein. Im Anschluss an seine Verhaftung nach einer Wohnungskontrolle durch die Kantonspo- lizei C._______ stellte der Beschwerdeführer am 19. November 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum D._______ ein Asylgesuch und wurde dort am 24. November 2015 zu seiner Identität, zum Reiseweg sowie sum- marisch zu den Gesuchsgründen befragt. Ausserdem wurde ihm das recht- liche Gehör zu einer allfälligen Wegweisung nach Griechenland, Slowenien oder Österreich sowie zu allfälligen gesundheitlichen Beeinträchtigungen gewährt. Das SEM hörte den Beschwerdeführer sodann am 17. August und 7. September 2017 ausführlich zu seinen Asylgründen an. A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, sein Bruder sei im Dezember 2012 inhaftiert wor- den. Er habe diesen daraufhin mehrmals im Gefängnis besuch t und sei dabei jeweils von Sicherheitskräften aufgehalten und befragt worden. Beim letzten Besuch im Dezember 2014 sei er zudem sexuell belästigt worden, weshalb er seine Besuche eingestellt habe. Als seine Mutter in der Folge den Bruder habe besuchen wollen, sei ihr gesagt worden, dieser sei nicht mehr dort. Nach der Verhaftung seines Bruders Ende 2012 hätten Ange- hörige des Criminal Investigation Department (CID) ihn 3-4 Mal in seinem Laden aufgesucht und zu Befragungen mitgenommen, letztmals im Januar 2015. Sie hätten ihn jeweils 30-60 Minuten lang zu seinem Bruder, welchen sie des Terrorismus verdächtigt hätten, befragt und ihn eingeschüchtert. Um die Freilassung seines Bruders sowie anderer Inhaftierter zu erreichen, habe er zwischen Ende 2012 und Juni 2015 an über zehn Demonstrationen teilgenommen, sei aber dabei nur Mitläufer gewesen. Am 15. Juni 2015 sei ein Hungerstreik geplant gewesen, welchen er mitorganisiert habe. Er und seine Kollegen seien aber vom CID daran gehindert worden, diesen durch- zuführen, und seien unverrichteter Dinge wieder nach Hause gegangen. Am 20. Juni 2015 sei er dann vom CID zuhause gesucht worden, sei aber nicht zuhause gewesen. Am 30. Juni 2015 sei der CID erneut zu ihm nach Hause gekommen und habe nach ihm gefragt. Er sei damals in Vavuniya an der Hochzeit einer Tante gewesen. Der CID habe ihn befragen wollen; sie hätten ihn verdächtigt, den Terrorismus zu befördern. Seine Mutter D-5940/2017 Seite 3 habe ihn darüber informiert und ihm gesagt, er solle nicht mehr nach Hause kommen, da er sonst festgenommen würde. Er sei deshalb drei Tage lang bei der Tante geblieben, während seine Mutter die Ausreise organisiert habe. Daraufhin sei er zum Schlepper gegangen – ebenfalls in der Region Vavuniya – und habe sich bis zur Ausreise dort versteckt. Einen Tag vor der Ausreise habe ihn der Schlepper nach Colombo gebracht, und a m 16. Oktober 2015 sei er mit dem Flugzeug aus Sri Lanka ausgereist. Im Januar 2017 sei sein Bruder aus dem Gefängnis entlassen worden und im März/April 2017 nach London gegangen, wo er nun bei einem Onkel lebe. Erst zu diesem Zeitpunkt habe er von seinem Bruder erfahren, dass dieser im Zusammenhang mit einem Waffen - und Geldbunker festgenommen worden sei, welchen die Behörden in einem von seiner Familie betreuten Hindutempel entdeckt hätten. Sein Bruder sei gefoltert und jahrelang inhaf- tiert worden, sei aber unschuldig. Ungefähr im März 2015 sei dann ein ge- wisser K. G. verhaftet worden. Dieser habe seinen Bruder entlastet und dafür ihn (den Beschwerdeführer) – zu Unrecht – belastet. Deshalb hätte er am 30. Juni 2015 verhaftet werden sollen. Er habe davon jedoch bis zur Freilassung seines Bruders nichts gewusst. Wenn er jetzt zurückkehren würde, würde er bereits am Flughafen verhaftet und wohl umgebracht wer- den. Der Beschwerdeführer machte ausserdem geltend, er habe einmal im Herbst 2016 in Genf an einer Kundgebung gegen das Antiterrorgesetz in Sri Lanka teilgenommen. A.c Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des vorinstanzlichen Ver- fahrens folgende Unterlagen zu den Akten: seine Identitätskarte, eine be- glaubigte Kopie seiner Geburtsurkunde, eine beglaubigte Kopie seiner Hei- ratsurkunde, eine Verhaftungsquittung betreffend den Bruder vom 14. De- zember 2012, eine Vermisstenanzeige vom 17. Dezember 2012, eine Be- stätigung der Human Rights Commissi on (HRC) Sri Lanka vom 18. De- zember 2012, ein Antragsformular für Besuchsbewilligung vom 13. Juni 2013, vier Fotos sowie einen Arbeitsvertrag mit einem Schweizer Gastro- nomiebetrieb vom 1. September 2017. B. Das SEM stellte mit Verfügung vom 15. September 2017 – eröffnet am 18. September 2017 – fest, die Asylvorbringen seien teils unglaubhaft, teils nicht asylrelevant. Daher verneinte es die Flüchtlingseigenschaft des Be- schwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug. D-5940/2017 Seite 4 C. Mit Beschwerde vom 18. Oktober 2017 an das Bundesverwaltungsgericht liess der Beschwerdeführer den vorinstanzlichen Asylentscheid anfechten. Dabei wurde beantragt, das SEM sei anzuweisen, sämtliche nicht öffentlich zugängliche Quellen des Lagebildes des SEM vom 16. August 2016 zu Sri Lanka offen zu legen. Anschliessend sei dem Rechtsvertreter eine an- gemessene Frist zur Einreichung e iner Beschwerdeergänzung einzuräu- men. Sodann sei festzustellen, dass die angefochtene Verfügung den An- spruch des Beschwerdeführers auf gleiche und gerechte Behandlung ver- letzte und demnach nichtig oder ungültig sei , weshalb das SEM anzuwei- sen sei, das Asylverfahren weiterzuführen. Ferner wurde beantragt, die vo- rinstanzliche Verfügung sei wegen formeller Mängel (Verletzung des Will- kürverbots, Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, Verletzung der Begründungspflicht, unvollständige und unrichtige Fest stellung des Sachverhalts) aufzuheben, und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei die angefochtene Verfügung auf- zuheben, und es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren, subeventuell sei di e angefochtene Verfügung teilweise aufzu- heben, und es sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs festzustellen. Ausserdem wurde um vorgängige Mitteilung des Spruchgremiums sowie Bestätigung der zufälligen Auswahl der Ange- hörigen des Spruchkörpers ersucht, und es wurde die Ansetzung einer Frist zur Einreichung von weiteren Beweismitteln sowie eventuell die erneute Anhörung des Beschwerdeführers durch das Bundesverwaltungsgericht beantragt. Der Beschwerde lagen folgende Unterlagen bei: eine Kopie der vorinstanz- lichen Verfügung vom 15. September 2017, eine Kopie einer Zwischenver- fügung des Bundesverwaltungsgerichts in einem anderen Verfahren, eine Stellungnahme des Advokaturbüros Püntener vom 30. Juli 2016 zum La- gebild des SEM vom 5. Juli 2016, eine Stellungnahme des Advokaturbüros Püntener vom 18. Oktober 2016 zum Lagebild des SEM vom 16. August 2016, zum Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts (E -1866/2015) vom 15. Juli 2016 und zum Migrationsabkommen vom 4. Oktober 2016, eine Pressemeldung des Tamil Guardian, ein Rechtsgutachten von Prof. Walter Kälin zuhanden der Vorinstanz vom 23. Februar 2014, eine Medi- enmitteilung des SEM vom 26. Mai 2014 betreffend die Verhaftung von zwei Asylsuchenden in Sri Lanka, ein Auszug aus dem Handbuch Asyl und Rückkehr des SEM, drei Haftverlängerungsverfügungen betreffend S. R. K. vom März, Juni und Dezember 2013 (Kopien), ein Bild eines angebli-D-5940/2017 Seite 5 chen entfernten Verwandten (Kopie), eine Urkunde betreffend die Lände- reien der Familie des Beschwerdeführers aus dem Jahr 1981 (Kopie), ein vom Rechtsvertreter verfasster Bericht zur allgemeinen Lage in Sri Lanka vom 12. Oktober 2017 inkl. einer CD mit Quellen, ein Blankoformular des sri-lankischen Generalkonsulats betreffend Ersatzreisepapierbeschaffung, ein Bericht der NZZ am Sonntag vom 27. November 2016, die UN-Resolu- tion 30/1 vom 1. Oktober 2015 betreffend Sri Lanka sowie zahlreiche Pres- seartikel und Berichte von internationalen Organisation zur Menschen- rechtslage in Sri Lanka. D. Mit Zwischenverfügung vom 31. Oktober 2017 teilte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer antragsgemäss den voraussichtlichen Spruchkör- per mit und bestätigte die Zuteilung des Verfahrens gemäss Zufallsprinzip. Im Weiteren wurde dem Beschwerdeführer eine Frist zur Einreichung von weiteren Beweismitteln eingeräumt; das damit verbundene Gesuch um An- setzung einer Frist zur Ergänzung der Beschwerde wurde abgewiesen. So- dann wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, innert Frist die Originale sowie eine Übersetzung der Beschwerdebeilagen 12 und 13 nachzu- reichen. Der Antrag auf Offenlegung sämtlicher nicht öffentlich zugängli- cher Quellen des Lagebildes des SEM vom 16. August 2016 zu Sri Lanka und Einräumung einer Frist zur Beschwerdeergänzung wurde abgewiesen, ebenso das Gesuch um Anhörung des Beschwerdeführers durch das Bun- desverwaltungsgericht. Schliesslich wurde der Beschwerdeführer aufge- fordert, innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– zu leisten. E. Der verlangte Kostenvorschuss wurde am 15. November 2017 einbezahlt. Mit Eingabe vom 17. November 2017 beklagte sich der Beschwerdeführer über die Höhe des Kostenvorschusses (ohne dabei ein Gesuch um unent- geltliche Prozessführung zu stellen) und reichte zudem eine englische Übersetzung der Beschwerdebeilage 13 (Grundstücksurkunde) zu den Ak- ten. F. Mit Eingabe vom 8. Dezember 2017 liess der Beschwerdeführer erneut die Offenlegung der Quellen des Lagebildes des SEM beantragen. Zudem wurde eine Übersetzung der Beschwerdebeilage 12 (Todesanzeige eines angeblichen Verwandten), ein vom Advokaturbüro Püntener bearbeitetes Lagebild des SEM vom 26. August 2016 sowie eine Haftverlängerungsver- fügung betreffend S. R. K. vom März 2014 (Kopie) zu den Akten gereicht. D-5940/2017 Seite 6 G. Mit Verfügung vom 19. August 2019 wurde dem Beschwerdeführer der Name der SEM-Mitarbeiterin mit dem Kürzel «Smb» mitgeteilt. H. Mit Eingabe vom 10. September 2019 liess der Beschwerdeführer bean- tragen, es sei ihm für die berechtigte Rüge betreffend die Nichtoffenlegung des Namens der SEM-Mitarbeiterin eine Entschädigung von Fr. 400.– aus- zurichten. Ausserdem wurde geltend gemacht, die Sicherheits - und Men- schenrechtslage in Sri Lanka habe sich in der letzten Zeit weiter ver- schlechtert. Der Eingabe lag eine DVD mit zahlreichen Beilagen sowie ei- nem aktualisierten Länderbericht (Version vom 22. Oktober 2018) bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls, und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde wurde frist - und formgerecht eingerei cht. Der Be - schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten. D-5940/2017 Seite 7 1.5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel verzichtet. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft machen können, dass er im Jahr 2015 wegen seines inhaftierten Bruders von den Behörden gesucht worden sei respektive dass man ihn aufgrund eines Vor- falls aus dem Jahr 2012 habe verhaften wollen. Er habe in diesem Zusam- menhang unglaubhafte Aussagen gemacht. So sei es insbesondere reali- tätsfremd, dass er bis zu seiner Ausreise nicht gewusst habe, was der ge- naue Grund für die Verhaftung seines Bruders im Jahr 2012 gewesen sei (nämlich ein Waffenbunker hinter dem Familientempel), obwohl er und die Mutter den Bruder regelmässig im Gefängnis besucht hätten. Auch das Vorbringen, die Behörden hätten am 30. Juni 2015 nach ihm gesucht, weil eine verhaftete Person aus dem Dorf behauptet habe, nicht sein Bruder, sondern er (der Beschwerdeführer) habe mit diesem Bunker zu tun gehabt, überzeuge nicht, zumal sich offenbar auch der Beschwerdeführer um den Familientempel gekümmert habe . Es sei realitätsfremd, dass der Be- schwerdeführer in diesem Zusammenhang erst Jahre später und nur a uf- grund der Behauptung eines Dorfbewohners hätte verhaftet werden sollen, obwohl er früher dreimal zu seinem Bruder befragt und g edrängt worden sei, den Bruder zu einem Geständnis zu bewegen. Es sei unplausibel, dass die Behörden so lange keinen Verdacht g egen ihn gehegt hätten, obwohl der Fall offenbar nicht geklärt gewesen sei. Es sei auch realitätsfremd, dass er von der Verhaftung des Dorfbewohners erst nach der Ankunft sei- nes Bruders in England erfahren habe, obwohl er im Zeitpunkt der Verhaf- tung selber noch im Dorf gelebt und die fragliche Person gekannt habe. Seinen Angaben zufolge sei davon auszugehen, dass er nach dem 30. Juni 2015 nicht mehr gesucht worden sei. Falls er jedoch tatsächlich ab Juni 2015 wegen Verdachts auf Terrorismus oder Beihilfe/Mi twisserschaft ge- sucht worden wäre, hätte man ihn wohl auch nach dem 30. Juni 2015 wei- terhin gesucht. Insgesamt sei nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer im Juni 2015 tatsächlich in Festnahmeabsicht behördlich gesucht worden sei. Bezüglich der Haft sei nes Bruders sei festzustellen, dass dessen In-D-5940/2017 Seite 8 haftierung an sich nicht bezweifelt werde. Jedoch habe der Beschwerde- führer nicht darlegen können, was dem Bruder konkret vorgeworfen wor- den sei, und habe nicht gewusst, ob dieser einmal vor Gericht gestellt wor- den sei. Er habe zudem nicht plausibel gemacht, dass die Haft bis ungefähr im Januar 2017 gedauert habe und weshalb die Behörden den Aufenthalts- ort des Bruders ab dem Jahr 2015 verschwiegen hätten. Aus diesen Grün- den sei zweifelhaft, dass der Bruder nach dem letzten Besuch im Jahr 2014 tatsächlich noch in Haft gewesen sei. Das eingereichte Foto (Bruder und Onkel in London) vermöge daran nichts zu ändern. Die geltend gemachten Vorfälle anlässlich der Gefängnisbesuche des Beschwerdeführers seien al- lesamt nicht intensiv genug, um asylrechtlich relevant zu sein. Seine De- monstrationsteilnahmen hätten keine konkreten Folgen gehabt; die Ein- schüchterungsversuche durch Armee und CID seien daher ebenfalls nicht asylbeachtlich. Auch die drei Befragungen durch den CID würden keine genügend intensive Verfolgung darstellen. Es sei zudem nicht plausibel, dass ihm im Januar 2015 immer noch dieselben Fragen zu seinem Bruder gestellt worden seien. Sodann bestehe auch kein begründeter Anlass zur Annahme, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka aus anderen Gründen mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba- rer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wäre. Eine allfällige Befragung bei der Wiedereinreise oder am Herkunftsort we- gen illegaler Ausreise respektive zwecks Registrierung und Überwachung stelle grundsätzlich keine asylrelevante Verfolgung dar. Der Beschwerde- führer habe nicht glaubhaft gemacht, dass er vor seiner Ausreise asylbe- achtlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen sei. Allfällige, im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten demnach kein Verfolgungsinteresse seitens der sri -lankischen Behörden ausgelöst. Es sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nun in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte , zu- mal sein Bruder inzwischen aus der Haft entlassen worden sei . Die Teil- nahme an einer Demonstration in Genf im Jahr 2016 ändere an dieser Ein- schätzung nichts. Ferner seien weder der Beschwerdeführer noch sein Bruder Mitglieder der LTTE gewesen. Die Vorbringen des Beschwerdefüh- rers würden insgesamt den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit respek- tive die Flüchtlingseigenschaft nicht standhalten, weshalb die Flüchtlings- eigenschaft zu verneinen und das Asylgesuch ab zulehnen sei. Die Vorinstanz führte im Weiteren aus, der Wegweisungsvollzug nach Sri Lanka sei zulässig, zumutbar und möglich. Insbesondere sei der Vollzug der Wegweisung generell zumutbar, und es seien auch keine individuellen Vollzugshindernisse ersichtlich. D-5940/2017 Seite 9 3.2 In der Beschwerde wird vorab – neben einer Zusammenfassung der Prozessgeschichte und des Sachverhalts – geltend gemacht, das SEM habe in verschiedener Hinsicht formelle Fehler gemacht, welche zu einer Kassation der angefochtenen Verfügung führen müssten (vgl. dazu im Ein- zelnen E. 4). Falls die gerügten Mängel aus Sicht des Gerichts keine Kas- sation rechtfertigten, müssten sie unter dem Titel der fehlerhaften Beweis- würdigung und/oder fehlerhaften Gesetzesanwendung geprüft werden. Weiter wird geltend gemacht, das SEM habe im angefochtenen Entscheid gestützt auf das Lagebild zu Sri Lanka vom 16. August 2016 eine unrichtige Ländereinschätzung vorgenommen. Zu verweisen sei namentlich auf die Ende Juli 2017 durch den High Court von Vavuniya erfolgte Verurteilung zu lebenslänglicher Haft eines früheren LTTE-Mitglieds, welches eine Reha- bilitation durchlaufen habe. Dieses Strafverfahren habe nämlich gezeigt, dass die sri -lankischen Behörden gegen ehemalige LTTE -Unterstützer selbst nach Jahrzehnten und auch nach erfolgter Rehabilitation eine Straf- verfolgung einleiten und drakonische Strafurteile aussprechen könnten. Die vom Rechtsvertreter dokumentierten neues ten Entwicklungen in Sri Lanka belegten die Unrichtigkeit der Einschätzungen im Lagebild des SEM sowie der Entscheide des SEM und des Bundesverwaltungsgerichts. Sodann wird im Sinne einer Sachverhaltsergänzung festgehalten, ein na- her Verwandter des Beschwerdeführers sei ein lokal bekanntes LTTE-Mit- glied und ein Märtyrer. Ferner wird ausgeführt, das S EM sei zu Unrecht von der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers ausge- gangen. Aufgrund der eingereichten Beweismittel sei erwiesen, dass sich der Bruder des Beschwerdeführers wegen Terrorverdachts vom Dezember 2012 bis im Jahr 2014 in Haft befunden habe. Die diesbezüglichen Beweis- mittel würden die Glaubhaftigkeit aller Aussagen des Beschwerdeführers erhöhen, was vom SEM ignoriert worden sei. Entgegen der Auffassung des SEM sei es plausibel, dass der Beschwerdeführer erst nach der Ausreise des Bruders aus Sri Lanka erfahren habe, weshalb dieser verhaftet worden sei; zu verweisen sei insbesondere auf die Verdunkelungsgefahr, aufgrund welcher es dem Beschwerdeführer verboten gewesen sei, sich während seiner Gefängnisbesuche mit dem Bruder über den Fall zu unterhalten. Es sei im W eiteren nicht klar, weshalb das SEM das Vorbringen des Be- schwerdeführers, wonach er von einem Dorfbewohner verraten worden sei, nicht glaube. Aufgrund der Sachlage müsse davon ausgegangen wer- den, dass die Behörden detaill ierte und konkrete Verdachtsmomente ge- genüber dem Bruder des Beschwerdeführers gehabt hätten, den Be- schwerdeführer hingegen bis kurz vor dessen Ausreise nicht verdächtigt hätten. Erst nach der Festnahme des Dorfbewohners und dessen Aussage sei der Beschwerdeführer behördlich gesucht worden. Da B._______, der D-5940/2017 Seite 10 Herkunftsort des Beschwerdeführers, rund 30'000 Einwohner aufweise, sei es zudem keineswegs realitätsfremd, dass der Beschwerdeführer nichts von der Verhaftung des fraglichen Dorfbewohners gewusst habe. Anläss- lich der Besprechung mit dem Rechtsvertreter habe der Beschwerdeführer erklärt, sein Bruder sei gegen Bestechung aus der Haft entlassen worden. Vermutlich sei der Bruder freigelassen worden, um die Überweisung der Sache an ein Gericht zu vermeiden, da es wohl diesfalls zu einem Frei- spruch und damit zu einer Desavouierung der Arbeit der Untersuchungs- behörde gekommen wäre. Wohl aus diesem Grund gebe es auch keine Entlassungsbestätigung. Da die Ehefrau des Beschwerdeführers nicht mehr an der früheren Ad resse wohne, wisse sie nicht, ob die Behörden weiterhin dort nach dem Beschwerdeführer suchten. Seine Mutter wolle ihn verständlicherweise nicht mit solchen Dingen belasten. Insgesamt sei es dem Beschwerdeführer gelungen, seine Asylvorbringen glaubhaft zu ma- chen, diese seien überwiegend wahrscheinlich. Die gegenteiligen Ausfüh- rungen des SEM seien spekulativ und falsch. Betreffend die Frage der Ge- fährdung tamilischer Rückkehrer sei zunächst auf das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 zu verweisen, worin Risikofaktoren definiert worden seien. Dieses Urteil sei allerdings da- hingehend auszulegen, dass die sri-lankische Regierung in sichtbaren exil- politischen Tätigkeiten oder Verbindungen zu den LTTE immer eine Gefahr für ein Wiederaufflammen von tamilischen Oppositionsbewegungen erbli- cke. Das (bereits vorstehend erwähnte) Urteil des Gerichts in Vavuniya vom Juli 2017 habe gezeigt, dass – entgegen den Ausführungen im unrich- tigen Lagebild des SEM – nicht nur Personen verfolgt würden, welche sich für das Wiederaufleben des tamilischen Separatismus einsetzten. Der Be- schwerdeführer sei als Flüchtling anzuerkennen, da er mehrere der vom Bundesverwaltungsgericht im erwähnten Referenzurteil definierten Risiko- faktoren erfülle. Der Bes chwerdeführer weise aufgrund des Waffen - und Geldfundes, der Denunziation durch einen Dorfbewohner, der langen Haft seines Bruders, der LTTE -Mitglieder in seiner Verwandtschaft und des früheren Besitzes von Grundstücken im Vanni-Gebiet klare Verbindungen zur LTTE auf. Er sei bereits vor der Ausreise ins Visier der Behörden gera- ten und habe sich ihrem Zugriff entzogen, weshalb sein Name auf der Watch- respektive Stop -List aufgeführt sei. Ferner habe er sich in der Schweiz exilpolitisch betätigt. Vor dem Hintergrund seiner angeblichen Un- terstützungsleistungen für die LTTE und der illegalen Flucht würden ihn die sri-lankischen Behörden auch wegen des langjährigen Aufenthalts in der Schweiz verdächtigen, den tamilischen Separatismus vom Exil aus zu un- terstützen. Ausserdem verfüge der Beschwerdeführer über keine gültigen D-5940/2017 Seite 11 Einreisepapiere. Diese Risikofaktoren müssten kumulativ und im Sinne ei- nes Gesamtprofils gewürdigt werden. Der Beschwerdeführer sei somit als Flüchtling anzuerkennen, und es sei ihm Asyl zu gewähr en. Hinsichtlich der Frage des Wegweisungsvollzugs wird in der Beschwerde geltend ge- macht, dieser sei unzulässig, da der Beschwerdeführer aufgrund seiner Vorgeschichte und den erwähnten Vorfällen bei der Rückschaffung von ta- milischen Asylgesuchstellern bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit einer unmenschlichen Behandlung (Verhaftung, Verhöre unter Anwendung von Folter) rechnen müsse. Der Wegweisungsvollzug sei zudem unzumutbar, weil der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr aufgrund der in Sri Lanka für tamilische Rückkehrer herrschenden schlechten Sicherheitslage sowie wegen der dargelegten Risikofaktoren und den Abklärungen im Rahmen der Papierbeschaffung konkret gefährdet wäre. Es bestehe insbesondere die Gefahr einer Festnahme, Verschleppung oder Tötung du rch Sicher- heitskräfte oder paramilitärische Kräfte. Ausserdem verfüge der Beschwer- deführer in Sri Lanka nicht über ein tragfähiges soziales Netz. Die im Aus- land lebenden Verwandten würden die Mutter des Beschwerdeführers un- terstützen, welche Grundstücke verkauft und sämtliche Ersparnisse aufge- braucht habe. Die Ehefrau könne bei der Schwiegermutter knapp überle- ben und sei nicht in der Lage, für den Beschwerdeführer aufzukommen. 3.3 In der Eingabe vom 8. Dezember 2017 wird der Antrag auf Offenlegung der Quellen i m Lagebericht des SEM wiederholt. Ausserdem wird eine Haftverlängerungsverfügung vom 12. März 2014 betreffend den Bruder des Beschwerdeführers (Kopie) zu den Akten gereicht und ausgeführt, die sri-lankischen Behörden würden den Bruder als wichtige Person innerhalb der LTTE erachten, dies ergebe sich aus der Aufzählung der ihm vorge- worfenen Delikte. Demnach müsse der Beschwerdeführer mit seinen Vor- bringen zu der daraus entstehenden Reflexverfolgung gehört werden. 3.4 Mit Eingabe vom 10. September 2019 wird soda nn geltend gemacht, die Sicherheits - und Menschenrechtslage in Sri Lanka habe sich inzwi- schen weiter verschlechtert. Am 19. August 2019 sei der Kriegsverbrecher Shavendra Silva zum neuen Armeechef ernannt worden, und in der Folge sei das Militär mit polizeilichen Kompetenzen ausgestattet worden. Daraus resultiere eine erhöhte Bedrohung für Minderheiten, insbesondere für die Tamilen. Zu verweisen sei insbesondere auf die Hausdurchsuchung bei ei- nem tamilischen Parlamentarier am 21. August 2019. Die erhöhte Gefähr- dungslage bestehe vor allem auch für zurückkehrende Asylgesuchsteller, da sich nun die Armee aufgrund ihrer neuen Kompetenzen bereits bei der Ankunft am Flughafen mit den zurückkehrenden Tamilen befassen werde. D-5940/2017 Seite 12 Ferner sei zu berücksichtigen, dass in Sri Lanka ein politischer Machtkampf tobe. Am 11. August 2019 sei der Bruder des ehemaligen Präsidenten Ma- hinda Rajapaksa, Gotabaya Rajapaksa, als Präsidentschaftskandidat no- miniert worden. Auch dieser sei ein gefürchteter Kriegsherr gewesen. Ma- hinda R ajapaksa seinerseits ha be bereits bei den Kommunalwahl en im Februar 2018 sein politisches Comeback gegeben und würde bei einer Wahl seines Bruders wohl Premierminister werden, nachdem der Putsch- versuch im Oktober 2018 misslungen sei . Der aktuelle Präsident Maithri- pala Sirisena arbeite offensichtlich mit dem Rajapaksa -Clan zusammen, um sein politisches Überleben abzusichern. Aufgrund der Zuspitzung des Machtkampfes im Hinblick auf die Wahlen im Dezember 2019 sei von einer weiteren Verschlechterung der Menschenrechtslage auszugehen. Das Mi- litär habe einen Machtzuwachs erfahren, und der ohnehin bloss vorgegau- kelte Reformkurs sei am Ende. Während der Dauer der Notstandsgesetz- gebung (April bis August 2019) nach den Terroranschlägen im April 2019 sei es zu einem m assiven Anstieg von Verhaftungen gekommen, und die Meinungsäusserungsfreiheit werde missachtet. Folterungen und Verfol- gungsmassnahmen gegenüber Angehörigen von ethnischen Minderheiten und Regimekritikern unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung würden zu- künftig zunehmen, da die Kompetenzen und die Macht der Armee zuge- nommen habe und Inhaftierungen durch die Armee einer rechtsstaatlichen Kontrolle entzogen seien. Folter sei in Sri Lanka weit verbreitet, systemisch und institutionalisiert. Personen, welche in A nwendung des Prevention of Terrorism Act (PTA) verhaftet worden seien, seien überwiegend Opfer von Folter geworden. Insbesondere Tamilen aus dem Norden Sri Lankas, wel- che verdächtigt würden, eine Verbindung zu den LTTE zu haben, seien davon betroffen. Menschenrechtsorganisationen würden bedroht und un- terdrückt und hätten oftmals keinen Zugang zu den Inhaftierten, welche wohl teilweise an «black sites» festgehalten würden. Seit den Terroran- schlägen von Ostern 2019 klaffe ein Informationsloch; diese Situation sei vergleichbar mit der letzten Phase des Bürgerkriegs. Auch wenn der Fokus der sri-lankischen Sicherheitskräfte zurzeit auf die muslimische Minderheit gerichtet sei, so bestehe die Angst vor dem Wiederaufflammen des tamili- schen Separatismus weiterhin. Besorgniserregend sei im Weiteren die An- näherung zwischen Sirisena und dem philippinischen Präsidenten Duterte namentlich in Bezug auf die Drogenpolitik. Sirisena versuche, in Sri Lanka die Todesstrafe wiedereinzuführen. Dies e Ankündigung sowie die allge- mein schlechte Menschenrechtslage in Sri Lanka und die fehlenden Fort- schritte im Versöhnungsprozess hätten in der internationalen Gemein- schaft Besorgnis ausgelöst. Angehörige religiöser und ethnischer Minder- heiten sowie spezifische Risikogruppen seien infolge der beschriebenen D-5940/2017 Seite 13 Entwicklungen in erhöhtem Masse gefährdet. Auch der Beschwerdeführer sei gefährdet, da er der Gruppe von Personen mit vergangenen, aktuellen oder vermeintlichen Verbindungen zu den LTTE oder zum tamilischen Se- paratismus sowie zur Gruppe von Menschenrechtsaktivisten und Perso- nen, welche nach längerer Zeit aus tamilischen Diasporazentren nach Sri Lanka zurückkehrten, angehöre. In der Eingabe wird an dieser Stelle auf mehrere Fälle von Verhaftungen und anderweitigen Verfolgungsmassnah- men hingewiesen (vgl. S. 20 ff.). Auch Journalisten seien von Verfolgung bedroht und könnten kaum mehr unabhängig berichten. Vor dem Hinter- grund der geschilderten zugespitzten Bedrohungslage sei die vom Be- schwerdeführer geltend gemachte Verfolgungsfurcht begründet. Aufgrund seines Profils sei er mehreren Risikogruppen zuzuordnen. Es sei nahelie- gend, dass er aufgrund seiner politischen Überzeugungen und Tätigkeiten bei einer Rückkehr von den Sicherheitskräften ins Visier genommen und Opfer von menschenrechtswidrige n Verfolgungsmassnahmen werden würde. Sodann wird auf den auf CD eingereichten, überarbeiteten Länder- bericht in der Version vom 22. Oktober 2018 verwiesen und ausgeführt, darin werde der Beweis angetreten, wie sich die Situation in Sri Lanka seit der Macht übernahme durch Sirisena tatsächlich präsentiere. Dem Ent- scheid des SEM liege eine unrichtige Sachverhaltsabklärung zugrunde, ausserdem würden darin die aktuellen Entwicklungen nicht berücksichtigt, weshalb die angefochtene Verfügung zu kassieren sei. 4. Im Folgenden ist vorab auf die in der Beschwerde erhobenen formellen Rügen einzugehen, da diese unter Umständen geeignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. ALFRED KÖLZ/I- SABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverf ahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 4.1 In der Beschwerde wird gerügt, dem Beschwerdeführer sei keine Ein- sicht in die nicht öffentlich zugänglichen Quellen des vom SEM verwende- ten Lagebildes zu Sri Lanka vom 16. August 2016 gewährt worden; diese könnten damit auch nicht überprüft werden. In diesem Zusammenhang sei auf die Beschwerdebeilagen 3 und 4 (Stellungnahmen des Rechtsvertre- ters zuhanden des SEM zum fraglichen Lagebild) zu verweisen. Der Be- schwerdeführer habe Anspruch auf Offenlegung dieser Quellen und Be- weismittel, weshalb das SEM anzuweisen sei, die fraglichen Quellen zu edieren. Anschliessend sei dem Beschwerdeführer eine Frist zur Einrei- chung einer Beschwerdeergänzung einzuräumen. Nachdem dieser Antrag mit Zwischenverfügung vom 31. Oktober 2017 abgewiesen wurde, liess D-5940/2017 Seite 14 der Beschwerdeführer den Antrag in seiner Eingabe vom 8. Dezember 2017 wiederholen, wobei er ein von ihm bearbeitetes Exemplar des Lage- bildes (in der Version vom 16. August 2016) zu den Akten reichte. Ange- sichts der in diesem Punkt unveränderten Sach - und Rechtslage ist der erneut gestellte Antrag um Offenlegung der (nicht öffentlich zugänglichen) Quellen des Lagebildes unter Verweis auf die vorgenannte Zwischenverfü- gung sowie die diesbezügliche Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ab- zuweisen (vgl. dazu beispielsweise die Urteile des BVGer D-6394/2017 vom 27. November 2017, E. 4.1, E-626/2018 vom 9. Juli 2018 E. 5 und D-109/2018 vom 16. Mai 2018 E. 6.2). 4.2 Weiter wird geltend gemacht, das SEM habe den Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung verletzt, indem die angefochtene Verfügung le- diglich das Kürzel «Smb» enthalte, damit jedoch für aussenstehende Per- sonen nicht nachvollziehbar sei, wer für den Entscheid verantwortlich sei. Dieser vom SEM systematisch begangene Fehler müsse zur Kassation der vorinstanzlichen Verfügung führen. Diesbezüglich ist Folgendes festzustel- len: Gemäss dem verfassungsmässigen Grundsatz von Art. 29 Abs. 1 BV hat eine Person in einem Verwaltungsverfahren Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung und somit Anspruch auf eine rechtmässig zusam- mengesetzte, zuständige und unbefangene Behörde. Dieser Anspruch setzt die Bekanntgabe der personellen Zusammensetzung der Behörde voraus, wobei eine Bekanntgabe in irgendeiner Form ausreicht, beispiels- weise, wenn deren Namen dem Betroffenen zwar nicht persönlich mitge- teilt werden, diese jedoch einer allgemein zugänglichen Publikation wie etwa in einem amtlichen Blatt, einem Staatskalender oder einem Rechen- schaftsbericht der Behörde entnommen werden können. Im vorliegenden Fall kann der Name der SEM-Mitarbeiterin, welche das Kürzel «Smb» trägt, nicht aus allgemein zugänglichen Quellen eruiert werden. Dadurch, dass die angefochtene Verfügung lediglich das Kürzel (sowie eine für nicht mit dem Namen vertraute Personen unleserliche eigenhändige Unterschrift) der zuständigen Fachspezialistin enthält, wird dem Beschwerdeführer ver- unmöglicht zu prüfen, ob diese Person den rechtsstaatlichen Anforderun- gen entspricht. Somit hat das SEM durch dieses Vorgehen den aus Art. 29 Abs. 1 BV fliessenden Anspruch verletzt, und die entsprechende Rüge ist als begründet zu erachten . Allerdings wurde dem Beschwerdeführer der Name der betreffenden Mitarbeiterin mit Verfügung vom 19. August 2019 nachträglich durch das Gericht mitgeteilt. In der Folge brachte der Be- schwerdeführer keine substanziierten Einwände gegen diese Person vor. Der Mangel ist somit als geheilt zu erachten (vgl. zum Ganzen auch das D-5940/2017 Seite 15 Teilurteil des BVGer D -1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 8 [zur Publikation vorgesehen]). 4.3 Sodann wird eine Verletzung des Willkürverbots gerügt. Dabei wird gel- tend gemacht, die Erwägungen des SEM seien willkürlich, weil es einige Vorbringen des Beschwerdeführers zu Unrecht als realitätsfremd bezeich- net habe. Zudem beruhten die Erwägungen teilweise auf reinen Spekulati- onen. Auch deswegen sei die angefochtene Verfügung zu kassieren. Ge- mäss Lehre und Praxis liegt Willkür indessen nur dann vor, wenn ein Ent- scheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsg edanken zu- widerläuft (vgl. JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHÄFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S.11; ULRICH HÄFELI/WALTER HALLER/HELEN KELLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl., Zürich 2012, N 811 f. S. 251 f.; BGE 133 I 149 E. 3.1, mit weiteren Hinweisen). Dabei muss das angeblich willkürliche Verhalten der Behörde rechtsgenüglich darge- legt werden (BGE 116 Ia 426 S. 428, mit weiteren Hinweisen). Im vorlie- genden Fall wird jedoch weder näher ausgeführt noch ist aus den Akten ersichtlich, dass und inwiefern die seitens des Beschwerdeführers als will- kürlich bezeichnete Sachverhaltswürdigung respektive Begründung unter die obgenannte Definition zu subsumieren sind. Vielmehr ist festzustellen, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung in nachvollziehbarer und genügend differenzierter Weise dargelegt hat, von welchen Überlegungen es sich leiten liess, und dass insbesondere das Ergebnis der bemängelten Rechtsanwendung unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten durchaus ver- tretbar ist. Die Rüge, wonach das SEM das Willkürverbot verletzt habe, ist daher als unbegründet zu qualifizieren. 4.4 Ausserdem wird vorgebracht, das SEM habe den Anspruch des Be- schwerdeführers auf rechtliches Gehör, die Prüfungs- und Begründungs- pflicht sowie die Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und voll- ständig festzustellen verletzt. 4.4.1 Zunächst wird gerügt, die Anhörung des Beschwerdeführers sei erst über eineinhalb Jahre nach der Befragung zur Person (BzP) erfolgt. Zudem habe sich die Sachbearbeiterin des SEM anlässlich der Anhörung nicht ob- jektiv und unparteiisch verhalten, weshalb kein Vertrauensklima habe ent- stehen können. Die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung würden ebenfalls zeigen, dass die Sachbearbeite rin voreingenommen gewesen sei. Diese Verfehlungen des SEM stellten eine Verletzung des Anspruchs D-5940/2017 Seite 16 auf rechtliches Gehör dar. Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte und in den Art. 29 ff. VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert e Grundsatz des rechtlichen Gehörs dient einerseits der Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien dar. Gemäss Art. 30 Abs. 1 VwVG hört die Behörde die Parteien an, bevor sie verfügt (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1). Bezüglich der vorge- brachten Rügen ist festzustellen, dass sich aus dem blossen Umstand, dass zwischen der BzP und der Anhörung rund eineinhalb Jahre liegen, keine Verletzung des rechtlichen Gehörs ergibt, zumal es sich bei der vom Beschwerdeführer in der B eschwerdebegründung zitierten Empfehlung, die Anhörung möglichst zeitnah zur BzP durchzuführen, nicht um eine jus- tiziable Verfahrenspflicht handelt. Im Übrigen wird seitens des Beschwer- deführers auch nicht dargelegt, inwiefern dem Beschwerdeführer durch die relativ lange Zeitdauer zwischen BzP und Anhörung konkrete Nachteile entstanden sind. Aufgrund der Aktenlage sind sodann entgegen den Aus- führungen in der Beschwerde keine schwerwiegenden Mängel in der An- hörung oder eine Voreingenommenheit der Sachbearbei terin ersichtlich. Zwar trifft es zu, dass die Sachbearbeiterin den Beschwerdeführer wäh- rend der Anhörung mehrmals unterbrochen und ihn angeha lten hat, sich kürzer zu fassen. Gleichzeitig ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer oftmals die ihm gestell ten Fragen nicht direkt beantwortete, sondern ab- schweifte oder sehr langfädige Antworten gab, was wohl auch mit ein Grund dafür war, dass die Anhörung insgesamt rund neun Stunden (verteilt auf zwei Tage) dauerte. Es ist in solchen Situationen Aufgabe der b efra- genden Person, das Aussageverhalten der befragten Person in geordnete Bahnen zu lenken , dies im Interesse einer korrekten Sachverhaltsermitt- lung. Die Befragerin zeigte im Übrigen durchaus auch Empathie mit der Situation des Beschwerdeführers (vgl. beis pielsweise A19 F103). Die Durchsicht der Protokolle erweckt insgesamt keineswegs den Eindruck, dass der Beschwerdeführer aufgrund des Verhaltens der Befragerin nicht in der Lage war, sich frei zu äussern. Die Hilfswerkvertretung brachte eben- falls keinerlei Einwände gegen den Befragungsstil vor (vgl. die Unterschrif- tenblätter A15 S. 18 und A19 S. 21). Sodann kann nicht allein aus den von der Sachbearbeiterin in der angefochtenen Verfügung verwendeten und vom Beschwerdeführer als unangemessen empfundenen Formulierungen (wie beispielsweise «realitätsfremd» respektive «absolut realitätsfremd») auf eine Befangenheit der SEM -Mitarbeiterin geschlossen werden. Die vom Beschwerdeführer kritisierten Formulierungen sind insbesondere we- der abwertend oder zynisch noch mo ralisierend, sondern gehören zum Grundvokabular von Asylentscheiden. Die Rüge, wonach das SEM mit D-5940/2017 Seite 17 dem erwähnten Verhalten den Gehörsanspruch verletzt habe, ist demnach insgesamt unbegründet. 4.4.2 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung der Prüfungs - und Be- gründungspflicht und führt dazu aus, das SEM habe in der angefochtenen Verfügung mehrere Sachverhaltselemente, welche die LTTE -Verbindung des Beschwerdeführers und seiner Familie beträfen, nicht gewürdigt. 4.4.2.1 Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Ab s. 2 BV, Art. 29 VwVG) folgt, dass alle erheblichen Parteivorbringen zu prüfen und zu würdigen sind (vgl. auch Art. 35 Abs. 1 VwVG). Nach den von Lehre und Praxis entwickelten Grundsätzen hat die verfügende Behörde im Rahmen der Entscheidbegründung die Übe rlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Begründung des Entscheides muss so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenen- falls sachgerecht anfechten kann. Die Behörde muss sich jedoch nicht mit jeder tatbeständlichen Behauptung auseinandersetzen, sondern kann sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (vgl. dazu LORENZ KNEUBÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 5 ff. zu Art. 35; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI; a.a.O., N. 629 ff.; BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2, BGE 136 I 184 E. 2.2.1 und 134 I 83 E. 4.1). 4.4.2.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers handelt es sich bei den in der Beschwerde genannten Sachverhaltselementen (vgl. Be- schwerde S. 22 oben) nicht um wesentliche Vorbringen. Der Beschwerde- führer hat nie geltend gemacht, er sei in Sri Lanka im Zusammenhang mit Verwandten, welche den LTTE nahegestanden und schon vor einiger Zeit umgekommen oder ausgereist seien, verfolgt worden. Er sa gte zudem auch nicht aus, es habe sich dabei um nahe Verwandte gehandelt. Sodann ist der Umstand, dass der Vater des Beschwerdeführers Ländereien im Vanni-Gebiet besass und an einem Herzversagen – offenbar aufgrund von Gefechtslärm – starb (vgl. A19 F35 ff.), ebenfalls nicht relevant für die Be- urteilung der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers. Die unterlas- sene Prüfung und Würdigung dieser nichtzentraler Sachverhaltselemente stellt daher keine relevante Verletzung der Prüfungs - und Begründungs- pflicht dar. Es ist vielmehr festzustellen, dass sich die Vorinstanz mit allen wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt hat und eine sachgerechte Anfechtung der vorinstanzlichen Verfügung ohne weiteres möglich gewesen ist. D-5940/2017 Seite 18 4.4.3 Gerügt wird ausserdem die mehrfache unvollständige und unrichtige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts. 4.4.3.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Am- tes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a-e auf- gelisteten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Dazu gehört, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken, allfällige Beweismittel vollständig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 4.4.3.2 Seitens des Beschwerdeführers wird geltend gemacht, das SEM habe nicht näher abgeklärt, inwiefern der Beschwerdeführer infolge seiner «LTTE-Verbindungen» gefährdet sei. Diesbezüglich ist festzustellen, dass der inhaftierte Bruder des Beschwerdeführers dessen Angaben zufolge kein LTTE-Mitglied war. Der Beschwerdeführer sagte im vorinstanzlichen Verfahren aus, sein Bruder sei im Zusammenhang mit der Auffindung eines Waffenlagers im Familientempel verhaftet worden. Im Jahr 2015 wurde er dann angeblich durch die Aussage einer Drittperson entlastet und darauf- hin im Jahr 2017 ohne Auflagen aus der Haft entlassen. Bei dieser Sach- lage bestand für das SEM keine Veranlassung zu weiteren Abk lärungen bezüglich einer allfälligen Reflexgefährdung des Beschwerdeführers . Be- zeichnenderweise wird in der Beschwerde auch nicht ausgeführt, was ge- nau hätte näher abgeklärt werden müssen. Sodann machte der Beschwer- deführer nicht geltend, er sei vor seiner Ausreise in Sri Lanka im Zusam- menhang mit (von ihm im vorinstanzlichen Verfahren nicht näher spezifi- zierten) Verwandten, welche der LTTE angehört und teils ins Ausland ge- flüchtet, teils als Märtyrer umgekommen seien, verfolgt worden. Dement- sprechend konnte das SEM zu Recht darauf verzichten, diesbezüglich wei- tere Abklärungen vorzunehmen. Im Übrigen hat das SEM diese unbe- stimmten Verwandten in der angefochtenen Verfügung durchaus erwähnt (vgl. S. 3 der angefochtenen Verfügung). Aufgrund der Aktenlage ist auch nicht ersichtlich, inwiefern der Umstand, dass der Vater des Beschwerde- führers Ländereien im Vanni-Gebiet besass, für die Beurteilung der Flücht- lingseigenschaft des Beschwerdeführers relevant ist respektive was genau das SEM diesbezüglich hätte abklären sollen, zumal der Beschwerdeführer D-5940/2017 Seite 19 auch in diesem Zusammenhang keine Verfolgung geltend machte. Insge- samt ergibt sich, dass dem SEM in Bezug auf die vorgenannten Sachver- haltselemente keine Verletzung der Pflicht zur korrekten Sachverhaltsfest- stellung vorgeworfen werden kann. 4.4.3.3 Weiter wird auf Beschwerdeebene (teilweise mehrfach) vorge- bracht, das SEM habe in der angefochtenen Verfügung die aktuelle Situa- tion in Sri Lanka unvollständig und unkorrekt abgeklärt sowie den Sachver- halt bezüglich der allgemeinen Menschenrechtslage in Sri Lanka falsch festgestellt und sei insbesondere zu Unrecht von einer grundsätzlichen Verbesserung der Lage ausgegangen. Das vom SEM verwendete Lagebild sei fehlerhaft, ebenso wie die aktuellen Entscheide des SEM sowie die Ur- teile des Bundesverwaltungsgerichts zu Sri Lanka. Entgegen der vom Be- schwerdeführer vertretenen Auffassung ist auch in diesem Punkt keine un- richtige oder unvollständige Sachverhalts feststellung erkennbar. Die Vor- bringen des Beschwerdeführers weisen vielmehr darau f hin, dass er die Frage der Würdigung des Sachverhalts mit der Sachverhaltserstellungs- pflicht der Vorinstanz vermengt. Die geäusserte Unzufriedenheit mit der Sachverhaltswürdigung der Vorinstanz respektive der Umstand, dass das SEM seine Einschätzung der allgemeinen Lage sowie der Menschen- rechtssituation in Sri Lanka auf andere Quellen stützt als vom Beschwer- deführer als opportun angesehen werden und gestützt auf seine Erkennt- nisse die Asylvorbringen anders als vom Beschwerdeführer gefordert wür- digt, können nicht unter den Tatbestand der ungenügenden Sachverhalts- feststellung subsumiert werden, sondern stellen vielmehr eine Kritik in der Sache selbst dar (vgl. dazu bereits das Urteil des Bundesverwaltungsge- richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 3.2.3 [als R eferenzurteil publi- ziert]). 4.4.4 Ausserdem wird ausgeführt, das SEM habe es unterlassen, in der angefochtenen Verfügung der zu erwartenden Vorsprache des Beschwer- deführers auf dem sri -lankischen Generalkonsulat zwecks Beschaffung von Ersatzreisepapieren sowie dem damit verbundene n Background- Check und der daraus resultierenden Gefährdung des Beschwerdeführers im Falle seiner Rückkehr nach Sri Lanka angemessen Rechnung zu tragen respektive habe diese Gefährdung nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Unter Hinweis auf einen in der NZZ am Sonntag vom 27. November 2016 veröf- fentlichten Bericht (vgl. Beilage 16) wird zudem ausgeführt, es seien nach den von der Schweizer Behörden organisierten Rückschaffungen vom 16. November 2016 in Sri Lanka Medienberichte erschienen, worin die Na- men und Herkunftsorte der betroffenen Personen veröffentlicht worden D-5940/2017 Seite 20 seien. Diese Informationen seien mutmasslich von der Schweizer Bot- schaft publik gemacht worden. Die fraglichen Personen befänden sich des- wegen in grosser Gefahr. Auch zeige dies, dass abgewiesene tamilische Asylgesuchsteller im Falle ihrer Rückschaffung generell einer asylbeacht- lichen Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien. Es liege somit ein neuer Asylgrund vor, welche berücksichtigt werden müsse. Ferner sei es auch im Jahr 2017 nach Rückschaffungen aus der Schweiz in Sri Lanka zu Verfol- gungen gekommen. Die entsprechenden Akten seien durch das Bundes- verwaltungsgericht beizuziehen. Diesbezüglich ist Folgendes festzustellen: Bei den Vorbringen betreffend die zu erwartende Vorsprache auf sri-lanki- schen Generalkonsulat handelt es sich im vorliegenden Fall nicht um be- stehende Sachverhaltselemente, sondern um hypothetische Zukunftssze- narien. Schon aus diesem Grund kann diesbezüglich keine ungenügende Sachverhaltsfeststellung seitens des SEM festgestellt werden. Im Übrigen hat die Vorinstanz die Ausführungen des Beschwerdeführers durchaus un- ter Berücksichtigung der aktuellen Lage in Sri Lanka gewürdigt. Sie kam dabei zum Schluss, die Asylvorbringen würden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht genügen. Die Vorgehensweise der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden, zumal sich das SEM mit den wesentlichen Aus- sagen des Beschwerdeführers hinreichend auseinandergesetzt hat und eine sachgerechte Anfechtung ohne weiteres möglich war. Der rechtser- hebliche Sachverhalt wurde demnach von der Vorinstanz richtig und voll- ständig festgestellt. Es besteht keine Veranlassung, die Akten der in der Beschwerdeschrift aufgeführten Verfahren von anderen Tamilen beizuzie- hen, weshalb der entsprechende Antrag abzuweisen ist. 4.5 Nach dem Gesagten erweisen sich die in der Beschwerde erhobenen formellen Rügen – mit Ausnahme der Rüge betreffend die Nichtoffenlegung des Kürzels der SEM-Mitarbeiterin – als unbegründet. Der Antrag auf Kas- sation der vorinstanzlichen Verfügung ist abzuweisen. Da der rechtserheb- liche Sachverhalt als richtig und vollständig erstellt zu erachten ist, ist auch der Antrag, wonach der Beschwerdeführe, erneut anzuhören sei, abzuwei- sen (vgl. dazu bereits die Zwischenverfügung vom 31. Oktober 2017). 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi- schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als D-5940/2017 Seite 21 ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy- chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf ge fälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge- schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluc htgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings- eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H., und 2009/29 E. 5.1). 6. Nachfolgend ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen- schaft erfüllt (vgl. Art. 3 und 7 AsylG). 6.1 Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs vor, er sei, als er jeweils seinen Bruder im Gefängnis besucht habe, von den dort anwesenden Sic herheitskräften schikaniert und befragt worden. Bei seinem letzten Besuch im Dezember 2014 sei er zudem sexuell beläs- tigt worden. Ausserdem sei er nach der Verhaftung des Bruders drei bis vier Mal vom CID mitgenommen, jeweils maximal eine Stunde lang zu sei- nem Bruder bef ragt und eingeschüchtert worden, letztmals im Januar 2015. Diese Vorfälle waren indessen offensichtlich nicht kausal für die Aus- reise des Bes chwerdeführers im Oktober 2015, zudem sind sie allesamt nicht intensiv genug, um als ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG qualifiziert zu werden. Diese Vorbringen sind daher – ungeachtet der Frage ihrer Glaubhaftigkeit – als nicht asylrelevant zu erachten. D-5940/2017 Seite 22 6.2 Als ausreisebegründendes Ereignis nannte der Beschwerdeführer so- dann die Suche nach ihm im Juni 2015. Dabei machte er in der Anhörung geltend, er sei am 30. Juni 2015 zuhause vom CID gesucht worden, sei aber nicht zuhause, sondern in Vavuniya an der Hochzeit einer Tante ge- wesen. Seine Mutter habe ihm mitgeteilt, der CID verdächtige ihn, den Ter- rorismus zu beförde rn, er solle nicht mehr nach Hause kommen. In der Schweiz habe er dann von seinem im Januar 2017 aus der Haft entlasse- nen Bruder erfahren, dass dieser im Zusammenhang mit einem Waffen - und Geldbunker festgenommen worden sei, welchen die Behörden in ei- nem von seiner Familie betreuten Tempel gefunden hätten. Im März 2015 sei dann ein gewisser K. G. verhaftet worden. Dieser habe seinen Bruder entlastet und dafür ihn (den Beschwerdeführer) – zu Unrecht – belastet. Dies sei der Grund für seine versuchte Verhaftung am 30. Juni 2015 gewe- sen. Diese Verfolgungsvorbringen sind indessen zu bezweifeln. In Bezug auf die geltend gemachte Inhaftierung des Bruders des Beschwerdeführers ist zunächst festzustellen, dass es aufgrund der vom Besch werdeführer eingereichten Beweismittel nicht auszuschliessen ist, dass sein Bruder im Jahr 2012 verhaftet wurde. Der Beschwerdeführer führte dazu weiter aus, er habe seinen Bruder im Dezember 2014 letztmals im Gefängnis besucht. Als später die Mutter zum B esuch ins Gefängnis gefahren sei, habe man ihr mitgeteilt, sein Bruder sei nicht mehr dort. Sie hätten erst wieder vom Bruder gehört, als dieser im Jahr 2017 aus der Haft entlassen worden und nach London gegangen sei. Angesichts dessen, dass der Bruder des Be- schwerdeführers angeblich bereits im Frühjahr 2015 durch die Aussagen von K. G. entlastet wurde, ist indessen nicht nachvollziehbar, weshalb er erst im Januar 2017 hätte entlassen werden und weshalb die Behörden den Angehörigen faktisch das Besuchsrecht hätten verweigern sollen. Zu- dem reichen die eingereichten Unterlagen zur Haft des Bruders nur bis ins Jahr 2014 (vgl. die auf Beschwerdeebene eingereichte dreimonatige Haft- verlängerung vom März 2014). Aufgrund dieser Unstimmigkeiten kann nicht geglaubt we rden, dass der Bruder des Beschwerdeführers erst im Januar 2017 entlassen wurde; es ist davon auszugehen, dass die Entlas- sung viel früher, mutmasslich im Verlauf des Jahres 2015, erfolgte. Das Vorbringen, wonach der Beschwerdeführer im Juni 2015 hätte verh aftet werden sollen, weil er von K. G. belastet worden sei, vermag sodann nicht zu überzeugen. Nach Angabe des Beschwerdeführers sass sein Bruder seit dem Jahr 2012 in Haft, weil die Behörden im Familientempel einen Waffen- und Geldbunker ausgehoben hätten. Da der Tempel aber offenbar von allen Familienmitgliedern gleichermassen besucht und gepflegt wurde, ist es unwahrscheinlich, dass die Behörden damals lediglich den Bruder D-5940/2017 Seite 23 des Beschwerdeführers verdächtigt haben. Es muss vielmehr davon aus- gegangen werden, dass in diesem Fall von Anfang an auch gegen den Be- schwerdeführer ermittelt worden wäre und dass er demnach auch schon damals den Grund für die Inhaftierung seines Bruders gekannt hätte. Aus dem Umstand, dass lediglich der Bruder des Beschwerdeführers inhaftiert und gegen den Beschwerdeführer kein Strafverfahren eröffnet wurde, muss daher geschlossen werden, dass der vom Beschwerdeführer be- hauptete Grund für die Inhaftierung seines Bruders ( Verdacht auf Verbin- dung zu einem Waffen - und Geldbunker im Famili entempel) nicht der Wahrheit entspricht. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Bruder aus einem anderen Grund inhaftiert wurde. Demzufolge kann auch nicht ge- glaubt werden, dass die Behörden den Beschwerdeführer im Juni 2015 aufgrund einer Denunziation durch K. G. im Zusammenhang mit dem frag- lichen Bunker im Tempel festnehmen wollten. Des Weiteren fällt auf, dass der Beschwerdeführer von seiner Mutter von der angeblichen Suche nach ihm am 30. Juni 2015 erfahren haben will. Aufgrund der Aktenlage er- scheint es indessen wenig glaubhaft, dass seine Mutter damals tatsächlich zuhause war; denn der Beschwerdeführer befand sich zu dieser Zeit an- lässlich der Hochzeit seiner Tante in Vavuniya, und es ist davon auszuge- hen, dass die Mutter ebenfalls dort anwesend war, zumal es realitätsfremd anmutet, dass sie der Hochzeit ihrer jüngeren Schwester (vgl. A15 F25) fernblieb. Überdies ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer wi- dersprüchliche Angaben zum Datum der angeblichen Suche nach ihm machte: In der Anhörung erklärte er, er sei am 30. Juni 2015 zuhause ge- sucht worden, sei jedoch nicht dort gewesen, da er nach Vavuniya an eine Hochzeitsfeier gereist sei (vgl. A19 F14). In der BzP gab er im Widerspruch dazu an, er sei am 20. Juni 2015 nach Vavuniya an die Hochzei t gereist und an diesem Datum zuhause gesucht worden (vgl. A7 S. 7). Die geltend gemachte Suche nach dem Beschwerdeführer am 30. Juni 2015 ist auch aus diesen Gründen nicht glaubhaft. Der Beschwerdeführer machte schliesslich auch nicht geltend, er sei nach dem 30. Juni 2015 noch zu- hause gesucht worden (vgl. A19 F69 ff.), was ebenfalls gegen die geltend gemachte Verfolgung spricht. Nach dem Gesagten kann dem Beschwer- deführer insgesamt nicht geglaubt werden, dass er am 30. Juni 2015 von den Behörden zuhause mit Verhaftungsabsicht gesucht wurde, weil er von K. G. im Zusammenhang mit dem Waffen - und Geldbunker im Familien- tempel denunziert worden war. Demnach erscheint auch die geäusserte Furcht, deswegen im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka verfolgt zu wer- den, als unbegründet. D-5940/2017 Seite 24 6.3 In der Beschwerde wird sodann vorgebracht, der Beschwerdeführer müsse im Falle seiner Rückkehr nach Sri Lanka mit asylbeachtlicher Ver- folgung rechnen, weil er Verbindungen zu den LTTE aufweise, respektive dessen verdächtigt werde, da seiner Familie Grundstücke im Vanni-Gebiet gehört hätten, sein Bruder wegen Verdachts auf Zusammenarbeit mit den LTTE inhaftiert gewesen sei und er zudem über weitere Verwandte mit LTTE-Bezug verfüge, welche ins Ausland gegangen oder als Märtyrer ge- storben seien. Diesbezüglich ist – unter Hinweis auf die vorstehenden Aus- führungen – festzustellen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise aus Sri Lanka im Oktober 2015 keiner asylbeachtlichen Verfolgung im Zu- sammenhang mit seinem Bruder ausgesetzt war. Es ist daher unwahr- scheinlich, dass er bei seiner Rückkehr nach Sri Lanka einer derartigen Reflexverfolgung ausgesetzt wäre, zumal sein Bruder den Angaben des Beschwerdeführers zufolge inzwischen freigelassen wurde. Der Beschwer- deführer wurde vor seiner Ausreise von den Behörden auch nie im Zusam- menhang mit anderen Verwandten behelligt , weshalb nicht ersichtlich ist, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka plötzlich deswegen ins Visier der Behörden geraten sollte. Im Übrigen sind seine Aussagen zu angebli- chen Verwandten mit LTTE-Verbindungen äusserst unsubstanziiert ausge- fallen (vgl. A19 F150 f.), insbesondere nannte der Beschwerdeführer in der Anhörung weder die Namen der angeblichen Verwandten mit LTTE-Bezug noch die konkreten Verwandtschaftsverhältnisse. Ausserdem ist das – trotz Gewährung der beantragten Frist zur Einreichung von weiteren Dokumen- ten – bis heute einzige diesbezüglich eingereichte Beweismittel ( eine To- desanzeige des im Jahr 2009 verstorbenen LTTE-Mitglieds und Märtyrers T. J.) offensichtlich nicht geeignet zu belegen, dass es sich dabei tatsäch- lich um einen Verwandten des Beschwerdeführers handelt. Schliesslich ist auch die ohne jegliche schlüssigen Indizien geltend gemachte Furcht, auf- grund des früheren Familienbesitzes von Grundstücken im Vanni -Gebiet zukünftig verfolgt zu werden, als offensichtlich unbegründet zu erachten. 6.4 In der Beschwerde wird ferner auf die exilpolitische Tätigkeit des Be- schwerdeführers und die damit einhergehende Verfolgungsgefahr verwie- sen. Damit werden subjektive Nachfluchtgründe geltend gemacht. Derar- tige Gründe sind dann anzunehmen, wenn eine asylsuchende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Wesentlich ist, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung befürchten mu ss. Personen mit subjekti-D-5940/2017 Seite 25 ven Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flücht- linge vorläufig aufgenommen (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). Für den vorliegenden Fall ist festzustellen, dass der Beschwerde- führer unter Verweis auf ein als Beweismittel eingereichtes Foto erklärte, er habe im Jahr 2016 in Genf an einer Kundgebung gegen Antiterrorgesetz teilgenommen. Es habe sich um eine grosse Kundgebung gehandelt, und er sei dort ein normaler Teilnehmer gewesen (vgl. A19 F141 ff.). Weitere exilpolitische Aktivitäten sind nicht aktenkundig. Aufgrund der dargelegten Sachlage erscheint es unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer allein aufgrund seiner einmaligen Teilnahme an einem von Tamilen besuchten Anlass in Genf im Jahr 20 16 in den Fokus der sri -lankischen Behörden gelangt ist. Ausserdem ist festzustellen, dass er nicht Mitglied einer von der sri-lankischen Regierung verbotenen exilpolitischen Organisation ist und sich in keiner Weise – weder schriftlich noch mündlich – als Regimegegner profiliert hat. Unter diesen Umständen ist nicht davon auszugehen, dass ihm seitens der sri -lankischen Behörden ein überzeugter Aktivismus mit dem Ziel der Wiederbelebung des tamilischen Separatismus zugeschrie- ben werden könnte (vgl. dazu das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert], E. 8.5.4, m.w.H.). Die geltend gemachte exilpolitische Tätigkeit ist daher offensicht- lich nicht geeignet, das Vorliegen einer flüchtlingsrechtlich relevanten Ver- folgungsfurcht im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. 6.5 Seitens des Beschwerdeführers wird schliesslich vorgebracht, er er- fülle zahlreiche Risikofaktoren und sei deswegen bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gefährdet. Das SEM habe sich bei der B eurteilung der Gefähr- dung auf ein fehlerhaftes Lagebild gestützt. Dessen Fehlerhaftigkeit zeige sich insbesondere auch daran, dass im Juli 2017 ein rehabilitiertes LTTE- Mitglied vom High Court in Vavuniya zu lebenslanger Haft verurteilt worden sei. In der Beschwerde wird ausserdem auf die Verfolgung von zwei aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückgeschafften abgewiesenen tamilischen Asylsuchende im Jahr 2016 sowie auf die sich aufgrund der zu erwarten- den Vorsprache auf dem sri -lankischen Generalkonsulat im Rahmen der Beschaffung von Ersatzreisepapieren ergebende Gefährdung verwiesen. 6.5.1 In Bezug auf das in der Beschwerde erwähnte Urteil des High Court von Vavuniya ist festzustellen, dass dieses einen Einzelfall betrifft, welcher keinerlei Bezug zum Beschwerdeführer aufweist; er vermag daher daraus nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. D-5940/2017 Seite 26 6.5.2 Zu den vom Beschwerdeführer erwähnte n Risikofaktoren ist vorab namentlich auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert] zu verweisen, worin das Gericht in Bezug auf die Kategorie der tamilischen Rückkehrer aus der Schweiz nach eingehender Lageanalyse und unter Berücksichtigung von zahlreichen einschlägigen Quellen verschiedene Kriterien aufgestellt hat, welche ein Verfolgungsrisiko begründen. Drei Faktoren wurden dabei als stark risikobegründend qualifiziert: Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE (darunter fallen auch tatsächliche oder vermutete familiäre Verbindungen zu LTTE -Mitgliedern und Hilfeleistungen für die LTTE [a.a.O., E. 8.4.1]), die Teilnahme an exil- politischen regimekritisc hen Handlungen sowie frühere Verhaftungen durch die sri -lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE. Demgegen- über würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangs- weise respektive durch die IOM begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Im Urteil wird weiter ausgeführt, von den Rückkehrenden, die diese Risikofaktoren erfüll- ten, habe allerdings nur eine kleine Gruppe tatsä chlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu be- fürchten; und zwar jene Personen, die nach Ansicht der sri-lankischen Be- hörden bestrebt seien, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und deshalb eine Gefahr für den sri -lankischen Einheitsstaat dar- stellten (a.a.O., E. 8.5.3). Mit Blick auf die dargelegten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen in der am Flugha- fen in Colombo abrufbaren "Stop -List" vermerkt seien und deren Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen Strafregisterein- trag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin- dung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-lankische Staats- angehörige, die sich im Ausl and regimekritisch betätigt hätten (a.a.O., E. 8.5.5). 6.5.3 Dem Beschwerdeführer ist es – wie vorstehend ausgeführt wurde – nicht gelungen glaubhaft zu machen, dass er selber vor der Ausreise im Visier der Behörden stand und/oder im Zusammenhang mit seinem Bruder oder anderen, angeblich den LTTE nahestehenden, Verwandten zukünftig eine Verfolgung zu gewärtigen hätte. Er war in Sri Lanka nie inhaftiert und hatte – ausser den geltend gemachten Behelligungen bei den Besuchen seines Bruders im Gefängnis und den dreimaligen kurzen Befragungen zu seinem Bruder – keine Probleme mit den Behörden, insbesondere auch nicht wegen seiner Teilnahme an einigen Kundgebungen (vgl. A19 F44). D-5940/2017 Seite 27 Es besteht demnach kein zureichender Grund zur Annahme, dass der Be- schwerdeführer in Sri L anka behördlich als Regimegegner registriert ist oder gar gesucht wird. Diese Einschätzung wird dadurch bestätigt, dass er – entgegen der aktenwidrigen Aussage in der Beschwerde (vgl. Be- schwerde S. 56 oben) – legal und problemlos aus seinem Heimatland aus- gereist ist (vgl. A7 S. 6 und A15 F16 und F17). Aus diesen Gründen ist entgegen der in der Beschwerde geäusserten Befürchtung im Übrigen auch nicht davon auszugehen, dass eine allfällige zukünftige Vorsprache des Beschwerdeführers auf dem sri -lankischen Generalkonsulat im Rah- men einer Ersatzreisepapierbeschaffung und den damit verbundenen Identitätsabklärungen seitens der sri -lankischen Behörden zu einer Ge- fährdungssituation führen würde, zumal es sich bei der Ersatzreisepapier- beschaffung um ein standardisiertes, lang erprobtes und gesetzlich gere- geltes Verfahren handelt, wobei den sri -lankischen Behörden nur die zu- lässigen, zur Identifikation des Beschwerdeführers notwendigen Daten übermittelt werden (vgl. dazu BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3). Sodann wurde vorstehend auch verneint, dass die vom Beschwerdeführer geltend ge- machte, einmalige Teilnahme an einer Kundgebung in Genf im Jahr 2016 zu einer relevanten Gefährdung im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka führen könnte. In Bezug auf die in der Beschwerde im Sinne von weiteren Risikofaktoren aufgezählten Kriterien ist anzufügen, dass auch der Um- stand, dass der Beschwerdeführer nach mehrjährigem Aufenthalt in der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehren würde, für sich genommen kein Ver- folgungsrisiko zu begründen vermag. Nicht alle der aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrenden tamilischen Asylsuchenden sind per se ei- ner ernstzunehmenden Gefahr ausgesetzt, bei ihrer Rückkehr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG (namentlich Verhaftung und Folter) zu erleiden. Massgebend für die Frage, ob der Beschwerdeführer im Falle sei- ner Rückkehr nach Sri Lanka eine Verfolgung seitens der Behörden be- fürchten muss, ist vielmehr, ob die sri-lankischen Behörden das Verhalten des Beschwerdeführers mutmasslich als staatsfeind lich einstufen. Diese Voraussetzung ist im vorliegenden Fall gestützt auf die vorstehenden Aus- führungen zu verneinen. Der Beschwerdeführer erfüllt offensichtlich nicht das Profil eines (mutmasslichen) aktiven und militanten LTTE-Anhängers, und es ist aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen, dass er im Vi- sier der sri-lankischen Behörden steht. Den Akten sind überdies keinerlei Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass er in der Schweiz nahe Kontakte zu den LTTE gepflegt hat respektive haben könnte. Entgegen den entspre- chenden, weitgehend spekulativen Bemerkungen in der Beschwerde be- stehen vorliegend insbesondere weder konkrete Hinweise noch plausible Gründe dafür, dass der Beschwerdeführer auf einer Watch- oder Stop-List D-5940/2017 Seite 28 der heimatlichen Behörden steht und deswegen im Falle seiner Rückkehr einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegt. Daher erscheint es auch in Anbetracht der in der Beschwerde geschilderten Einzelschicksale von ab- gewiesenen und in den Jahren 2016 und 2017 zurückgeschafften tamili- schen Asylgesuchstellenden insgesamt unwahrscheinlich, dass der Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr infolge seines Aufenthalts in der Schweiz in asylrelevanter Weise gefährdet wäre. An dieser Einschätzung vermögen weder die auf Beschwerdeebene eingereichten Dokumente , Medienberichte, Länderinformationen und Stellungnahmen zu Länderana- lysen des SEM (welche allesamt keinen persönlichen Bezug zum konkre- ten Fall des Beschwerdeführers aufweisen) noch der am 26. Oktober 2018 begonnene Machtkampf zwischen Maithripala Sirisen a, Mahinda Rajapa- ksa und Ranil Wickremesinghe, die Ernennung von Shavendra Silva zum Militärchef im August 2019 oder die neue, an die Philippinen angelehnte Drogenpolitik in Sri Lanka etwas zu ändern. Die aktuelle Lage in Sri Lanka ist zwar als angespannt und volatil zu beurteilen, es ist aber aufgrund des- sen nicht auf eine generell erhöhte Gefährdung von zurückkehrenden sri - lankischen Staatsangehörigen tamilischer Ethnie zu schliessen. Insbeson- dere ergeben sich aus den Akten keine Hinweise darauf, dass speziell der Beschwerdeführer einer erhöhten Gefahr ausgesetzt wäre. 6.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl- gründe respektive die Ausführungen in der Beschwerde nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bezie- hungsweise eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu begründen. Entge- gen der Auffassung des Beschwerdeführers liegt weder eine fehlerhafte Beweiswürdigung noch eine fehlerhafte Gesetzesanwendung durch das SEM vor. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaub- haft machen konnte. Die Vorinstanz hat daher zu Recht die Flüchtlingsei- genschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (A rt. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). D-5940/2017 Seite 29 8. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vo rläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das hei sst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (BVGE 2011/24 E. 110.2 m.w.H.). 8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat e ntgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 8.1.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. 8.1.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu- weisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An- wendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.1.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh- rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung D-5940/2017 Seite 30 ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kam- mer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, m.w.H.). Der EGMR hat zudem wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müsse eine Risi- koeinschätzung im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. beispielsweise das EGMR-Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Die Einzelfallprüfung fällt mangels hinreichender An- haltspunkte vorliegend negativ aus (vgl. E. 6). Die vom EGMR genannten Faktoren sind im Wesentlichen durch die im Referenzurteil des Bundesver- waltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 in Erwägung 8.4 und 8.5 identifizierten Risikofaktoren abgedeckt. Vorliegend wurde bereits festge- stellt, dass aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr aus der Schweiz nach Sri Lanka die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich ziehen wird. Demnach bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass ihm aus demselben Grund eine menschen- rechtswidrige Behandlung im Heimatland drohen würde. Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug im heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als un zulässig erscheinen (vgl. dazu auch BVGE 2011/24 E. 10.4.2). An dieser Einschätzung vermögen auch die diesbezüglichen Vorbringen auf Beschwerdeebene sowie die dort er- wähnten Berichte und Urteile (vgl. dazu insbesondere die als Beweismittel eingereichten Berichte zur aktuellen Lage in Sri Lanka [letzte Version: 22. Oktober 2018) sowie der Hinweis auf ein Urteil des EGMR (EGMR, X. gegen die Schweiz, Urteil vom 26. Januar 2017, Beschwerde Nr. 16744/14) nichts zu ändern, weshalb es sich erübrigt, darauf näher ein- zugehen. 8.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. D-5940/2017 Seite 31 8.2.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Zurzeit herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. In den beiden Refe- renzurteilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Ok- tober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung der Lage in Sri Lanka vorgen ommen. Dabei hat es festgestellt, dass der Wegweisungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter Einschluss des Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorliegen von bestimmten individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existen z eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aus- sicht auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann. 8.2.2 Das SEM hat demnach den Vollzug der Wegweisung des Beschwer- deführers an seinen Herkunftsort im Distrikt Jaffna, Nordprovinz, zu Recht als generell zumutbar erachtet. An dieser Einschätzung vermögen weder die neusten Gewaltvorfälle in der Region Colombo am 22. April 2019 noch der gleichentags von der sri-lankischen Regierung verhängte (und im Juni 2019 bis im August 2019 verlängerte) Ausnahmezustand etwas zu ändern. 8.2.3 In Bezug auf die individuellen Zumutbarkeitskriterien ist für den vor- liegenden Fall festzustellen, dass es sich beim Beschwerdeführer um ei- nen heute 34-jährigen Mann ohne aktenkundige gesundheitliche Probleme handelt. Seinen Angaben zufolge lebt seine Mutter (zusammen mit einer Grosstante) weiterhin am Herkunftsort; die Ehefrau und der Sohn des Be- schwerdeführers leben – ebenfalls im Distrikt Jaffna – bei der Schwieger- mutter. Vor seiner Ausreise arbeitete der Beschwerdeführer als Verkäufer im Geschäft eines Cousins. Diese Erwerbstätigkeit könnte er mutmasslich erneut aufnehmen. Seine Ehefrau ist ebenfalls erwerbstätig (vgl. A19 F32), und der Sohn besucht eine Privatschule (vgl. A15 F7, A19 F27 ff.). Es is t demnach davon auszugehen, dass Familie des Beschwerdeführers keine finanziellen Probleme hat, was von ihm im Übrigen sinngemäss bestätigt wurde (vgl. A19 F156). Somit kann festgestellt werden, dass der Beschwer- deführer an seinem Herkunftsort über ein tragfähiges soziales Netz sowie eine gesicherte Wohnmöglichkeit verfügt und zudem gute Chancen hat, sich dort nach seiner Rückkehr erneut eine wirtschaftliche Lebensgrund- lage aufzubauen. Der Vollzug der Wegweisung ist somit auch in individu- eller Hinsicht als zumutbar zu erachten. D-5940/2017 Seite 32 8.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaff en (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei- sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtenen Verfügungen Bundesrecht nicht verletzten, den rech tserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellen (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg- lich überprüfbar – angemessen sind. Die Beschwerde ist demnach abzu- weisen. 10. 10.1 Die Kosten des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sind aufgrund der sehr umfangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne indivi- duellen Bezug zum Beschwerdeführer auf insgesamt Fr. 1'500.– festzuset- zen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da eine der in der Beschwerde erhobenen formel- len Rügen zu Recht erfolgte (fehlende Offenlegung des Namens der SEM- Mitarbeiterin), sind die Verfahrenskosten – trotz Heilung des Mangels auf Beschwerdeebene – um Fr. 100.– auf Fr. 1'400.– zu reduzieren (vgl. Art. 63 Abs. 1 Satz 2 VwVG). Der am 15. November 2017 geleistete Kostenvor- schuss von Fr. 1'500.– ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwen- den; der Überschuss von Fr. 100.– ist dem Beschwerdeführer zurückzuer- statten. 10.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er- wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Obsiegt eine Partei nur teilweise, so ist die Partei- entschädigung zu kürzen (Art. 7 Abs. 2 VGKE). Sind die Kosten verhältnis- mässig gering, kann von einer Parteientschädigung abgesehen werden (Art. 7 Abs. 4 VGKE). Als geringe Kosten gelten Aufwendungen von weni- ger als Fr. 100.– (analog zu Art. 13 Bst. b VGKE: als verhältnismässig hohe D-5940/2017 Seite 33 Kosten gelten Spesen von mehr als Fr. 100.–; vgl. zum Ganzen: MO- SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsge- richt, 2. Aufl. 2013, Rz 4.69). Vorliegend hat sich lediglich eine formelle Rüge als begründet erwiesen. Mit allen anderen Rechtsbegehren ist der Beschwerdeführer unterlegen. Für die erwähnte Rüge geht das Bundes- verwaltungsgericht von einem Aufwand von pauschal Fr. 100.– aus. Das SEM ist demnach anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschä- digung von Fr. 100.– auszurichten. Der nicht näher substanziierte Antrag des Rechtsvertreters auf eine Entschädigung von Fr. 400.– ist abzulehnen, zumal ein derartiger Aufwand für diese eine Rüge aufgrund der Aktenlage nicht plausibel erscheint. (Dispositiv nächste Seite) D-5940/2017 Seite 34 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die reduzierten Verfahrenskosten von Fr. 1‘400.– werden dem Beschwer- deführer auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– wird zu Begleichung der Verfahrenskosten verwendet; der Überschuss von Fr. 100.– wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 100.– auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand: