B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1140/2013 U r t e i l v o m 2 5 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Walter Stöckli, Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. Parteien A._______, Aegypten, vertreten durch Mara Urbani, BAS Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. Januar 2013 / N (…). E-1140/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein ägyptischer Staatsangehöriger arabischer Ethnie und christlichen Glaubens mit letztem Wohnsitz in Kairo – verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 21. Oktober 2011 im Besitz eines (schweizerischen) Schengen-Visums auf dem Luftweg und gelangte am gleichen Tag in die Schweiz, wo er am 25. Oktober 2011 um Asyl nachsuchte. Am 11. November 2011 wurde er im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ befragt. Am 1. März 2012 folgte e i- ne einlässliche Anhörung durch das Bundesamt. Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er habe als Christ Schwierigkeiten mit Muslimen gehabt, die ihn gesc hlagen und sei- ne Schwester sowie seine Verlobte bedroht hätten. Zudem hätten diese versucht, in sein Haus einzudringe n, wogegen er sich gewehrt habe; in- dessen sei er mit einem Brandsatz am Bein verletzt worden. Er habe bei der Polizei Anzeige erstattet . Diese hätten jedoch nichts gegen die Täter unternommen. Seither sei er auf der Strasse immer wieder angefeindet worden. Er habe schon seit seiner Kindheit Probleme gehabt. Damals habe er von der Polizei zwar Hilfe erhalten. Seit der Revolution habe sich die Situation jedoch ver schlechtert. Er habe zweimal den Wohnort g e- wechselt, um Problemen zu entgehen, sei dann wegen der hohen Miete wieder an den alten Wohnort zurückgekehrt . Seine in Ägypten verblieb e- nen Brüder würden unter ähnlichen Problemen leiden und hä tten ihre Ar- beit verloren. Für den Inhalt der weiteren Aussagen und Einzelheiten wird auf die Akten verwiesen. Der Beschwerdeführer reichte zur Untermauerung seiner Vorbringen fo l- gende Beweismittel (mit französischen Übersetzungen) ein: – Lehrdiplom vom 15. Februar 2004 (Original), – Polizeirapport des "(…)", C._______, vom 19. September 2011, – Arztbericht des "(…)", C._______, vom 20. September 2011, – Bestätigung der Kirche "(…)" vom 16. Oktober 2011. B. Das BFM stellte mit Verfügung vom 30. Januar 2013, eröffnet am 31. Januar 2013, fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es de s-E-1140/2013 Seite 3 sen Wegweisung sowie den Vollzug der Wegweisung aus der Schweiz an. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen damit, dass die geltend gemachten Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht standhalten würden, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Den Vollzug nach Ägypten befand die Vorinstanz für zulässig, zumutbar und möglich. Auf die Begründung im Einzelnen wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. C. Mit Eingabe vom 4. März 2013 an das Bundesverwaltungsgericht bea n- tragte der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfüg ung, die Feststellung der Flüchtlingseige n- schaft und die Gewährung von Asyl; eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzumutbar und die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses ersucht. Der Beschwerdeführer wies unter ande- rem darauf hin, dass er sich seit dem 21. Febr uar 2013 in psychiatrischer Behandlung in der Klinik D._______ befinde und dort bis auf weiteres sta- tionär behandelt werde. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Gleichzeitig wurden die folgenden Beweismittel eingereicht: – Todesanzeige von E._______ (Schwester des Beschwerdeführers) vom (…) 2008, – Todesanzeige von F._______ (Vater des Beschwerdeführers) vom (…) 2012, – ärztliche Bestätigung betreffend F._______ vom (…) 2013, – Triagebericht der Psychiatrischen Dienste (…), Triage D._______, vom (…) 2013, – ärztlicher Bericht (Aufnahmebericht) der (…), Psychiatrische Klinik D._______, vom (…) 2013, – ärztlicher Bericht der (…), Psychiatrische Klinik D._______ vom (…) 2013, sowie verschiedene Berichte zur Situation in Ägypten: – Al Jazeera. Evan Hill (2011): "In Egypt, the crisis endures", – Al Jazeera (2011): "What role can Copts play in a changing Egypt?", – United States Department of State : 2011 Report on International Religious Freedom – Egypt (Auszug), 30. Juli 2012, E-1140/2013 Seite 4 – Integrated Regional Information Networks (IRIN) : Egypt. Fresh worries for religious minorities, 12. Dezember 2012, – U.S. Commission on International Religious Freedom (2013): Annual Report 2012 (Auszug), März 2012. D. Mit Zwischenverfügung vom 27. März 2013 wurde das Gesuch um G e- währung der unentgeltlichen Prozessführung auf einen späteren Zei t- punkt verschoben. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer dazu aufg e- fordert, bis am 11. April 2012 eine Fürsorgebestätigung nachzureichen oder einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu bezahlen sowie einen ärzt- lichen Bericht und eine Entbindungserklärung von der ärztlichen Schwe i- gepflicht einzureichen. E. Am 27. März 2013 wurde ein Schreiben der behandelnden Ärzte der (…) vom (…) 2013 eingereicht. F. Mit Eingabe vom 10. April 2013 wurden eine Fürsorgebestätigung vom 5. April 2013, eine Entbi ndungserklärung von der ärztlichen Schweig e- pflicht und ein ärztlicher Bericht (Austrittsbericht) der (…), Psychiatrische Klinik D._______, vom (…) 2013 eingereicht. G. In ihrer Vernehmlassung vom 19. April 2013 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Bes chwerde. Diese wurde dem Beschwerdeführer am 24. April 2013 vom Bundesverwaltungsgericht unter Einräumung eines Replikrechts zur Kenntnis gebracht. Es wurde keine Stellungnahme ein- gereicht. H. Mit Eingabe vom 9. Oktober 2013 wurde ein aktueller ärztlicher Be richt der (…), externer psychiatrischer Dienst, vom (…) 2013 eingereicht. I. Am 14. April 2014 (vorab per Telefax) wurde ein weiterer ärztlicher Bericht der (…), externer psychiatrischer Dienst, vom (…) 2014 zu den Akten ge- reicht. E-1140/2013 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverw altungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimi ert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu wer den (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e-E-1140/2013 Seite 6 fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüch tlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das Bundesamt begründete seinen ablehnenden Entscheid im W e- sentlichen damit, dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, eine Ve r- folgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. So habe er trotz mehrmaliger Nachfrage nicht befriedigend beantworten können, wer ihn angegriffen habe und aus welchem Grund. Stattdessen habe er da zu ausweichende und repetitive Aussagen gemacht. Er habe auch die Angrif- fe bloss oberflächlich und detailarm beschreiben können. Er habe damit den Eindruck vermittelt, das Geschi lderte nicht oder zumindest nicht in dieser Form selbst erlebt zu haben. Weite r habe er bezüglich der beiden Angriffe vom 16. und 19. September 2011 widersprüchliche Angaben g e- macht, indem er im EVZ geltend gemacht habe, diese hätten in keiner d i- rekten Beziehung zueinander gestanden; beim ersten habe es sich um eine versuchte Entfüh rung von Frauen gehandelt und der zweite Angriff habe ihm direkt gegolten. Demgegenüber habe er bei der Bundesanh ö- rung angegeben, beide Angriffe hätten ihm gegolten und die Angreifer seien unter sich Freunde gewesen. Zudem habe er im EVZ nicht erwähnt, beim Angriff vom 16. September 2011 verletzt worden zu sein. 4.2 Der Beschwerdeführer hält dazu in seiner Rechtsmitteleingabe fest, entgegen der vorinstanzlichen Feststellungen habe er gewusst, wer hinter den Angriffen gestanden habe. Es seien Muslime gewesen, di e Kopten gegenüber feindlich eingestellt gewesen seien. Zudem habe er den Grund für die Angriffe – seine christliche Religionszugehörigkeit – nennen können. Ferner könne entgegen der Argumentation der Vorinstanz seinen Aussagen im EVZ nicht entnommen werde n, dass die beiden Angriffe vom 16. und 19. September 2011 nicht miteinander in Beziehung gesta n- den hätten. Schliesslich müsse er bei einer Rückkehr in seinen Heima t- staat mit weiteren Angriffen rechnen. Wie verschiedenen Berichten en t-E-1140/2013 Seite 7 nommen werden könne, s ei eine Zunahme der Gewalt gegen koptische orthodoxe Christen zu verzeichnen. Die Lage der Christen in Ägypten h a- be sich seit dem Regimewechsel von 2011 verschlechtert. Er werde vom ägyptischen Staat nicht hinreichend vor Angriffen Dritter geschützt. Beim Angriff vom 16. September 2011 habe er zwar die Polizei gerufen. Diese sei jedoch nicht ausgerückt. Drei Tage später seien seine Aussagen zum Vorfall vom 19. September 2011 nicht vollständig aufgenommen worden. Es sei auch kein Strafverfahren gegen die Tät er eingeleitet worden. Es stünde ihm auch keine innerstaatliche Flucht offen, da die Kopten in Ägypten landesweit gefährdet seien. Im Weiteren sei er psychisch ang e- schlagen und seit den Vorfällen in seinem Heimatstaat traumatisiert. Deswegen sei er in der Schweiz in die psychiatrische Klinik eingewiesen worden. 4.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung bezüglich der psych i- schen Probleme des Beschwerdeführers fest, es bestünden keine hinre i- chenden Anhaltspunkte dafür, dass der Wegweisungsvollzug für ihn eine konkrete Gefahr darstellen würde. 5. 5.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asyls u- chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei- le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürc h- ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure z u- gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden dro hen. Auf- grund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Z u- erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betrof- fene Person in ihrem Heimatland keinen adäquaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.1, mit Hinweisen). 5.2 Der Schutz vor privater Verfolgung ist als solcher ausreichend, wenn im Heimatstaat eine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, also in erster Linie polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe und ein Rechts - und Justizsystem, das eine effektive Strafverfo l- gung ermöglicht. Ob das bestehende Schutzsystem als in diesem Sinne effizient erachtet werden kann, hängt letztlich auch davon ab, dass der Schutz die von Verfolgung betroffene Person tatsächlich erreicht (vgl. BVGE a.a .O. E. 7.3). Die Inanspruchnahme eines solchen innerstaatl i- chen Schutzsystems muss dem Betroffenen einerseits objektiv zugän g-E-1140/2013 Seite 8 lich sein (unabhängig von persönlichen Merkmalen wie Geschlecht oder Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder religiösen Minderheit); anderer- seits muss sie für den Schutzbedürftigen auch individuell zumutbar sein, was beispielsweise dann zu verneinen ist, wenn der Betroffene sich mit einer Strafanzeige der konkreten Gefahr weiterer (oder anderer) Verfo l- gungsmassnahmen aussetzen würde. Nicht verlangt werden kann dag e- gen eine faktische Garantie des Schutzgewährers für langfristigen indiv i- duellen Schutz des von nichtstaatlicher Verfolgung Bedrohten. Keinem Staat gelingt es, die absolute Sicherheit aller seiner Bürger jederzeit und überall zu garantieren (vgl. BVGE 2008/5 E. 4.2). 6. 6.1 Vorab ist nach Prüfung der Akten darauf hinzuweisen, dass die Vo r- bringen des Beschwerdeführers, wie von der Vorinstanz dargelegt, un- glaubhaft ausgefallen sind. In seinen Aussagen hinsichtlich der geltend gemachten Angriffe vom 16. und 19. September 2011 hat es mehrere Ungereimtheiten gegeben. So gab der Beschwerdeführer im EVZ an, es hätten ihn zwei Personen mehrmals angegriffen und geschlagen. Auf eine entsprechende Frage führte e r aus, es habe kein Zusammenhang zw i- schen seinen Problemen mit diesen zwei Personen und den Schwieri g- keiten zwischen Christen und Muslimen gegeben (vgl. A3 S. 6). Dies stell- te er jedoch bei der Anhörung sowie in der Beschwerdeschrift anders dar: Seine christliche Religionszugehörigkeit sei der Grund für die beiden An- griffe gewesen (vgl. A14 S. 7 u.a.). Weiter gab er im EVZ an, beim Angriff vom 16. September 2011 hätten Muslime seine Schwester, seine Verlobte sowie bei ihm zuhause anwesende Nichten entführen wollen. Gleichzeitig reichte er im EVZ eine Polizeianzeige zu den Akten , worin festgehalten wurde, dass der Beschwerdeführer am 19. September 2011 angegriffen worden sei (A3 S. 7 , A4 Beilage 3 und A14 F18 und F43 ). Bei der Bu n- desanhörung gab er schliesslich erstmals zu Protokoll, beim Vorfall vom 16. September 2011, der den Frauen gegolten habe, sei er bei deren Ver- teidigung von einem Brandsatz, den die Angreifer durch die Tür geworfen hätten, verletzt worden (vgl. A14 S.4 f.). Aus dem hievor erw ähnten Poli- zeirapport vom 19. September 2011 geht jedoch hervor, dass der B e- schwerdeführer bei einem Angriff am 19. September 2011 verletzt worden sei. Bei der Durchsicht des Anhörungsprotokolls fällt zudem auf, dass der Beschwerdeführer bei der Schilderun g der zwei Angriffe und der Verlet- zungen, die ihm zugefügt worden seien, auf wiederholtes Nachfragen oft keine klaren Antworten geben konnte und die beiden Ereignisse vom 1 6. und 19. September 2014 durchein ander brachte (vgl. A14 S. 3 ff.). Im Weiteren gab es auch Ungereimtheiten in seinen Aussagen bezüglich der E-1140/2013 Seite 9 Ausstellung eines Arztberichtes. So gab er bei der Bundesanhörung an, er sei bei beiden Angriffen verletzt worden. Nach dem Vorfall vom 16. September 2011 sei er beim Arzt gewesen. Dieser habe ihm j edoch kein Zeugnis ausgestellt. Seine Wunde habe er bei einer Apotheke versorgen lassen. Bei der Polizeianzeige vom 19. September 2011 habe die Polizei nichts von der Verletzung beim Angriff vom 16. September 2011 wissen wollen. Demgegenüber machte er a uf Beschwerdeebene geltend, der Arztbericht vom 20. September 2011 beziehe sich auf die am 16. September 2011 entstandene Verletzung , was im Übrigen wiederum im Widerspruch zur eingereichten Polizeianzeige vom 19. September 2011 steht. Darin wurde festgehalten, der Beschwerdeführer werde zur ärztlichen Untersuchung an das Spital (…) in G._______ überwiesen. Im diesbezüglich erstellten Bericht des Spitals Maadi vom 20. September 2011 wurde festgehalten, dass die Verletzung des Beschwerdeführers (Prellung und Entzündung im linken Knie) – ausser bei auftretenden Komplikationen – eine Behandlung von zwanzig Tagen notwendig mache. Aufgrund dieser insgesamt unglaubhaften Vorbringen erübrigen sich w ei- tergehende Ausführungen zur Glaubhaftigkeit der Asylgründe, zumal die ägyptischen Behörden wie nachstehend ausgeführt, ohnehin als schut z- fähig und schutzwillig zu erachten sind. 6.2 Wie der Beschwerdeführer nämlich selber vorgebracht hat, hat er sich nach dem Vorfall vom 19. September 2011 an die Polizei gewe ndet und Anzeige gegen die Angreifer erstattet. Der eingereichten Polizeianzeige kann entnommen werden, dass ihm dabei Gelegenheit gegeben worden war, Angaben zum Übergriff, zu den Tätern und zu seiner Verletzung zu machen. Weiter wurde er ge fragt, ob er s ich einer ärztlichen Unters u- chung unterziehen möchte . Sch liesslich wurde festgestellt, dass eine Überweisung ins Spital erfolgen werde. Diese fand offenbar am 20. Se p- tember 2011 statt. Der Einwand des Beschwerdeführers, wonach die P o- lizei nichts ge gen die Täter unternommen habe und die ägyptischen B e- hörden somit keinen hinreichenden Schutz vor Angriffen Dritter gewähren würden, muss daher als reine Parteibehauptung gewertet werden. Im Weiterein sind die auf Beschwerdeebene eingereichten verschiedenen Berichte (vgl. Sachverhalt Bst. C) nicht geeignet, die Schutzunfähigkeit der ägyptischen Behörden zu belegen, zumal es – wie vorstehend in E. 5.2 ausgeführt – keinem Staat gelingt, die absolute Sicherheit aller seiner Bürger jederzeit und überall zu garantieren . Auch sind keine A n- haltspunkte vorhanden, dass die heutige Regierung nicht schutzwillig bzw. schutzfähig im Sinne der Rechtsprechung wäre (vgl. E. 8.5 hienach). E-1140/2013 Seite 10 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Die weiteren Beschwerdevorbringen und eingereichten Beweismittel sind nicht geeignet, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewirken. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführe rs somit zu Recht abg e- lehnt. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegwe isung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). E-1140/2013 Seite 11 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und ande re grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angef ochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Ägypten ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Ägypten dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr (« real risk») nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation nach Ägypten lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klare r- weise nicht als unzulässig erscheinen. Wie den auf Beschwerdeebene eingereichten ärztlichen Berichten en t- nommen werden kann, leidet der Beschwerdeführer an psychischen Problemen, die Einweisungen in die psychiatrische Klinik notwendig g e- macht haben (vgl. E. 8.5.3 hienach). Diese Beeinträchtigungen stellen un- ter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK kein völkerrechtliches Vollzugshi n- dernis dar, selbst wenn im Heimatland der medizinische Standard schlechter als in der Schweiz wäre, zumal die Ausweisung einer unter gesundheitlichen Beschwerden leidenden Person nur unter ganz ausse r- gewöhnlichen Umständen eine Verletzung von Art. 3 EMRK zur Folge hat (vgl. Urteil des EGMR vom 27. Mai 2008 i.S. N. gegen Vereinigtes K önig- reich [Grossbritannien], Ziffn. 34, 42, 43, 44, Beschwerde Nr. 26565/05; E-1140/2013 Seite 12 BVGE 2009/2 E. 9.1.3; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizer i- schen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 6 E. 7 S. 40 ff.). Solche ganz aussergewöhnlichen Umstände sind vor liegend nicht ersichtlich, umso weniger, als die erwähnten gesundheitlichen Beschwerden nicht le- bensbedrohlich sind. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass der EGMR grundsätzlich keinen durch die EMRK geschützten Anspruch auf Verbleib in einem Konventionsstaat anerkennt, um weiterhin in den Genuss med i- zinischer, sozialer oder anderer Formen der Unterstützung zu kommen. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, gibt es für die gesundheitliche Si- tuation des Beschwerdeführers auch in Ägypten medizinische Behan d- lungsmöglichkeiten (vgl. E. 8.5.4). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung insb e- sondere dann nicht zumutbar sein, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung au s- gesetzt wäre. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen angewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönlicher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingse i- genschaft noch jene des völkerrechtlichen Non -Refoulement-Prinzips er- füllen, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situ a- tion allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurüc kkehren können. Im Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wä- ren (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1 m.w.H.). Bei der hier ebenfalls zur Di s- kussion stehenden Gefährdungsvariante der medizinischen Notlage nach Art. 83 Abs. 4 AuG ist insbesondere zu beachten, dass nur dann auf U n- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn das Fehlen einer notwendigen medizinischen Behandlung im Heimatland nach der Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beei n- trächtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person führen würde. Dabei wird als wesentlich die allg emeine und dringende medizini- sche Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer mensche n- würdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls E-1140/2013 Seite 13 dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2 und BVGE 2011/50 E. 8.3). 8.5 8.5.1 In Ägypten herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb in konstanter Praxis von der generellen Zumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs dorthin ausgegangen wird (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsge- richts D-2007/2014 vom 14. August 2014 E. 8.3.1). 8.5.2 Der Beschwerdeführer gehört seinen Angaben zufolge der Glau - bensgemeinschaft der koptischen Christen an. Im heutigen Ägypten sind die koptischen Ch risten mit etwa neun Millionen Menschen eine Minde r- heit innerhalb der muslimischen Bevölkerungsmehrheit, die gesellschaftli- chen Benachteiligungen ausgesetzt sind. Nach dem Sturz des ehemal i- gen Präsidenten Mohammed Mursi von der Moslembruderschaft am 3. Juli 2013 und insbesondere auch nach der gewaltsamen Räumung von zwei Pro-Mursi-Protestlagern in Kairo am 14. August 2013 durch ägypt i- sche Sicherheitskräfte, bei der es zur Tötung von Hunderten von Mursi - Anhängern gekommen ist, kam es auch zu einer Gewaltwel le gegenüber Christen und christlichen Einrichtungen. Grund hierfür dürfte vorab der Umstand gewesen sein, dass der Führer der koptischen Kirche, Papst Tawadros II., den Putsch noch am Tage seiner Verkündung durch General Abd al-Fattah as-Sisi, dem heutigen Präsidenten Ägyptens, öffentlich b e- fürwortet hat, was die Kopten in der Folge aus Sicht der Moslembrüde r- schaft dem Vorwurf aussetzte, den Sturz von Mohammed Mursi ebenfalls gutgeheissen zu haben. Entsprechend ging auch der Grossteil der Übe r- griffe gegenü ber Christen von radikalen Anhängern der Muslimbrüder aus. Gleichzeitig gingen die staatlichen Sicherheitskräfte in der Folge massiv gegen Anhänger dieser Organisation vor. So erklärte am 23. September 2013 ein Gericht in Kairo die Muslimbruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal und beschloss die Konfiszierung ihrer Vermögenswerte, was am 6. November 2013 von einem Berufungsg e- richt bestätigt wurde. Im Weiteren wurden in mehreren Massenprozessen zahlreiche Islamisten, darunter auch führende Mitglieder der Muslimbr u- derschaft, zum Tode verurteilt. Dennoch ist zu beachten, dass beide Be- völkerungsgruppen das ägyptische Nationalbewusstsein verbindet, und Muslime und Christen Seite an Seite bei der ägyptischen Revolution für Frieden und Demokratie gebetet haben. Nach dem Sturz des der Mu s- limbruderschaft angehörigen Präsidenten Mohammed Mursi wurde eine E-1140/2013 Seite 14 Übergangsregierung gebildet, wobei der geschäftsführende Ministerpr ä- sident Hasem al -Beblawi vor allem Liberale und Experten einsetzte. Seit dem 15. J anuar 2014 hat Ägypten eine neue Verfassung, welche die christliche Minderheit schützt und Ende Mai 2014 fand die Präsiden t- schaftswahl statt. Gewählt wurde, wie vorstehend erwähnt, der ehemalige Armeechef Abd al-Fattah as-Sisi. Die neu gebildete Regierung setzt sich gemäss Medienberichten zu zwei Dritteln aus Mitgliedern des Übe r- gangskabinetts zusammen. Anhaltspunkte für eine Verschlechterung der Situation der Christen in Ägypten sind vor diesem Hintergrund nicht e r- sichtlich. Der Vollzug der Wegweisung erwe ist sich damit für Kopten aus Ägypten – auch unter Berücksichtigung der auf Beschwerdeebene einge- reichten Berichte – nicht als generell unzumutbar (vgl. Urteil e des BVGer D-1612/2014 vom 7. Juli 2014 und D-2007/2014 vom 14. August 2014). 8.5.3 Hinsichtlich der auf Beschwerdeebene angeführten Beeinträcht i- gungen des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers, welche durch die eingereichten medizinischen Unterlagen belegt wo rden sind, steht fest, dass dieser am (…) 2013 wegen psychischer Probleme erstmals einen Psychiater aufgesucht hat. Am (…) 2013 folgte eine Ei n- weisung in die psychiatrische Klinik der (...). Gemäss dem Aufnahmebe- richt der (...) vom (…) 2013 wurden bei ihm eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis (ICD -10 F20) und eine Anpassun gsstörung (F43) diagnostiziert. Im Arztbericht der (...) vom (…) 2013 wurde festg e- stellt, er leide an einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1). Zudem wurde der Verdacht auf Pavor nocturnus (ICD -10 F51.4) und Somnambulismus (ICD -10 F51.3) geä ussert. Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, er leide seit fünf bis sechs Jahren an Schlafprob- lemen, die sich in der Schweiz verschlimmert hätten. Er sei mehrfach nach Schlägereien für etwa einen Tag auf der Polizeiwache festgehalten worden; Folterer lebnisse habe er verneint. Er habe noch nie Psych o- pharmaka eingenommen. Seine Schwester und sein Vater hätten im Ja h- re 2008 respektive 2012 Suizid begangen. In der Nacht schlage er oft um sich. Die Frage nach Suizidalität könne nicht eindeutig beantwortet wer- den. Es bestünden keine Anhaltspu nkte für eine Fremdgefährdung. In e i- nem Schreiben der (...) vom (…) 2013 wurde eine Verlegung des B e- schwerdeführers in eine andere Asylunterkunft empfohlen, da dieser von seinen Mitbewohnern wegen seiner Religionszuge hörigkeit regelmässig bedroht wo rden sei . Die aktuellen Wohnverhältnisse würden eine Retraumatisierung begünstigen und könnten zu akuter Suizidalität führen. Im Austrittsbericht der (...) vom (…) 2013 wurde weiterhin der Verdacht einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD -10 F32.1), einer post-E-1140/2013 Seite 15 traumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und auf Pavor noctu r- nus (ICD-10 F51.4) geäussert. Am (…) 2013 sei der Beschwerdeführer in stabilisiertem Allgemeinzustand aus der Klinik entlassen worden. Er habe sich deutlich von Suizidalität distanzieren können . Es wurden die Med i- kamente Sequase 25mg, Seroquel XR 400mg, Lyrica 150mg und Rel a- xane verordnet. Zudem wurde eine ambulante Nachbehandlung ab dem (…) 2013 vorgesehen. Den weiteren ärztlichen Berichten der (...) (…) 2013 und vom (…) 2014 kann entnommen werden, dass der Beschwe r- deführer weiterhin in ambulanter psychiatrischer Behandlung sei, wobei zuletzt eine Besserung der Panikattacken zu verzeichnen gewesen sei. Der Gedanke an eine Rückkehr nach Ägypten veräng stige ihn weiterhin deutlich, da er sich aufgrund seines christlichen Glaubens Verfolgung ausgesetzt sehe. Eine medikamentöse Behandlung sei weiterhin indiziert. 8.5.4 Was die medizinische Versorgungslage in Ägypten und den Zugang zu derselben betrifft, hält das Bundesverwaltungsgericht Folgendes fest: Art. 18 der neuen Verfassung Ägyptens ist dem Recht jedes Bürgers auf Gesundheit und Gesundheitsfürsorge gewidmet (State Information Service [SIS], Constitution of the Arab Republic of Egypt 2014 [Unofficial Trans- lation], 18.01.2014, http://www.sis.gov.eg/Newvr/Dustor-en001.pdf, abge- rufen am 16.10.2014). Das Gesundheitsfürsorgesystem in Ägypten ist sehr komplex und verfügt über eine grosse Anzahl involvierter Akteure (World Health Organization [WHO] Regional Office for the Eastern Med i- terranean, Country Cooperation Strategy for WHO and Egypt 2010 -2014, http://applications.emro.who.int/docs/CCS_Egypt_2010_EN_14481.pdf?ua=1, abgerufen am 16.10.2014. Die Abdeckungsquote von Versicherten in Ägypten liegt zwar lediglich bei 50-58% (http://www. who.int/medicines/ areas/coordination/Egypt_PSCPNarrativeQuestionnaire_27112011.pdf, abgerufen am 16.10.2014 ). Aktuell sind Reformbestrebungen im Gange, welche den Zugang zum Gesundheitssystem für alle garantieren sollen. Grundsätzlich haben bereits heute auch Nichtversicherte Zugang zu Leis- tungen zum "public health service", wie ein Bericht des UNHCR über die Lage syrischer Flüchtlinge in Ägypten zeigt (UN High Commissioner for Refugees [UNHCR], 2014, Syria Regional Response Plan – Egypt, 2014, http://www.unhcr.org/syriarrp6/docs/syria-rrp6-egypt-response-plan.pdf#J, abgerufen am 16.10.2014 ). Zur Zeit ist das Gesundheitsministerium mit der Ausarbeitung einer neuen Gesundheitsversicherung beschäftigt. Di e- se sieht vor, auch nicht regel mässig Beschäftigte sowie Selbständige wie Bauern oder Fischer in das Versicherungssystem einzubeziehen (http://www.ahram.org.eg/NewsQ/258605. aspx, abgerufen am 7.10.2014). Zwar übernimmt der ägyptische Staat einen grossen Teil der Kosten für E-1140/2013 Seite 16 medizinische Behandlungen. Der grösste Teil der Ausgaben wird jedoch durch die Patienten selbst bzw. deren Angehörige übernommen (UN High Commissioner for Refugees [ UNHCR], 2014 Syria Regional Response Plan – Egypt, 2014, http://www.unhcr. org/syriarrp6/docs/syria-rrp6-egypt- response-plan.pdf#J, abgerufen am 07.10.2014 ). Was schliesslich die vom Beschwerdeführer benötigte ärztliche Behandlung seiner psych i- schen Erkrankung betrifft, ist eine solche in Ägypten grundsätzlich vor- handen. Es gibt Betten in psychiatrischen Spitälern. Auch allgemeine Spi- täler verfügen über psychiatrische Abteilungen. Zudem existieren mehr e- re "outpatient clinics" und Universitäten, welche Kapazitäten im Bereich psychischer Erkrankungen haben (International Journal of Mental Health Systems, Mental health policy and development in Egypt – integrating mental health into health sector reforms 2001 -9, 24.06.2010, http://down- load.springer.com/static/pdf/726/art% 253A10.1186%252F1752-4458-4- 17.pdf?auth66=1412685391_a3466b11c5facc6304a9bcb97a9d5cd0&ext =.pdf, abgerufen am 7.10.2014 ). Daneben sind Bestrebungen des G e- sundheitsministeriums im Gange, weitere psychiatrische Kliniken für die Behandlung der Bürger zu eröffnen. Die Behandlung von psychisch Kran- ken konzentriert sich im Wesentlichen auf d ie urbanen Zentren, davon zu einem grossen Teil im Raum Kairo (Department of Mental Health and Sub- stance Abuse, World Health Organization [WHO] . Mental Health Atlas 2011: Egypt, 2011, http://www.who.int/mental_health/evidence/atlas/ profi- les/egy_mh_profile.pdf?ua=1, abgerufen am 07.10.2014). Es wird in en t- sprechenden Berichten von Einschränkungen bei der Verschreibung von Medikamenten sowie der Diagnose und der Behandlung bei psychische n Erkrankungen durch medizinisches Personal geschrieben. Zudem ist die Verteilung von Medikamenten seit den Unruhen, die den Sturz des eh e- maligen Präsidenten Mubarak bewirkt haben, wegen Verknappungen von Medikamenten eingeschränkt geworden. Auch wenn die medizinische Versorgungslage in Ägypten nicht dieselbe Qualität wie in der Schweiz aufweist, muss der Beschwerdeführer bei e i- ner Rückkehr nach Ägypten angesichts der dort bestehenden medizin i- schen Strukturen indessen keine drastische und lebe nsbedrohende Ver- schlechterung seines Gesundheitszustandes befürchten. Es steht i hm of- fen, für die Fortsetzung der in der Schweiz begonnenen Behandlung se i- ner psychischen Leiden medizinische Hilfe in Ägypten in Anspruch zu nehmen. Dabei kann er seine Verwandten, welche weiterhin in Ägypten wohnen sowie diejenigen, die in der Schweiz, den USA und Italien wohn- haft sind, um finanzielle Unterstützung ersuchen (vgl. Akte A3 S. 5: Schwester in der Schweiz; Onkel und zwei Schwestern in den USA; Bru-E-1140/2013 Seite 17 der in Italien). Ausserdem könnte vorliegend für die Zeit vor und während der Rückreise in den Heimatstaat einer allfälligen – und gemäss den in den Akten liegenden medizinischen Unterlagen wohl nicht ganz ausz u- schliessenden – zeitweiligen Verschlechterung des psychi schen Zustan- des des Beschwerdeführers medikamentös und mit einer persönlichen Betreuung begegnet werden. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der individuellen Rückkehrhilfe die Möglichkeit hat, zusätzliche medizinische Hilfeleistungen (Medikame n- tenvorrat, Organisation einer medizinischen Behandlung) zu beantragen. 8.5.5 Im Übrigen sprechen auch keine anderen Gründe gegen die Z u- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs des Beschwerdeführers. Er ist g e- mäss seinen Angaben in Kairo geboren und aufgewachsen. Er verfügt über eine achtjährige Schulbildung sowie eine abgeschlossene Lehre als (…) sowie Berufserfahrungen als selbständig erwerbstätiger (…) (vgl. Ak- te A3 S. 4). Zudem hat er mit zwei Brüdern und dessen Familien, welche in seiner Nähe in Kairo leben sollen, ein soziales Beziehungsnetz, auf das er bei Bedarf zurückgreifen und das ihm allenfalls beim Neuaufbau einer Existenz Hilfe bieten kann (vgl. Akten A3 S. 4 und A14 S. 2). 8.5.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, der über einen ägypti- schen Reisepass und eine ägyptische Identitätskarte verfügt, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwe n- digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegw eisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde i st abzuweisen. E-1140/2013 Seite 18 10. Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin von der Beza hlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Mit verfahrensleite n- der Verfügung vom 27. März 2013 wurde die Behandlung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Ar t. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist gutzuheissen, weil die Beschwerdebegehren zum Zeitpunkt d e- ren Einreichung insgesamt nicht aussichtslos erschienen und in Berüc k- sichtigung der eingereichten Fürsorgebestätigung vom 5. April 2013 auch weiterhin von der prozessualen Bedürftigkeit auszugehen ist. Der B e- schwerdeführer ist von der Bezahlung der Verfahrenskosten zu befreien. (Dispositiv nächste Seite) E-1140/2013 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gutgeheissen. Der Beschwerdeführer wird von der Bezahlung der Verfah- renskosten befreit. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener Versand: