Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Dezember 2017 (715 17 207 / 335) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit / Herabsetzung der Einstellungsdauer Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin i.V. Andrea Scheidegger Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1985 geborene A.____ war vom 1. Juli 2009 bi s 30. Juni 2016 für die B.____ AG tätig. Am 1. August 2016 trat sie eine befristete Praktikumsstelle bei C.____ an, welche sie zwei Monate später auf den 31. Dezember 2016 kündigte. D araufhin meldete sie sich am 28. Oktober 2016 beim zuständigen regionalen Arbeit svermittlungszentrum (RAV) zur Arbeits- vermittlung an und erhob am 4. November 2016 bei de r Öffentlichen Arbeitslosenkasse Basel- land (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Arbeitslosene ntschädigung ab dem 1. Januar 2017. Mit Verfügung Nr. 342/2017 vom 15. Februar 2017 stellte sie die Arbeitslosenkasse ab dem Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Januar 2017 wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für 36 Tage in der Anspruchsberech- tigung ein. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Schreiben vom 25. Februar 2017 Einspra- che, die vom Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KI GA) Baselland, Einspracheinstanz, mit Entscheid vom 7. Juni 2017 teilweise gutgeheissen wurd e. Die Verfügung vom 15. Februar 2017 wurde in dem Sinne aufgehoben, als die Einstelldauer auf 24 Tage herabgesetzt wurde. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 26. Juni 20 17 Beschwerde beim Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrech t (Kantonsgericht). Sie beantragte – unter Berücksichtigung ihrer konkreten Umstände – die Re duzierung der Einstelldauer der festgesetzten 24 Tage bei mittelschwerem Verschulden. C. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 16. August 2017 die Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungser lasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend kam die Beschwerdeführerin ihren Kontrollpflichten im Kanton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu b ejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsg ericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Ver sicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist vorl iegend, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin zu Recht für die Dauer von 24 Tagen in der Anspruchsberechtigung einge- stellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 238.90 beläuft sich der Streitwert somit auf Fr. 8‘600.40. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. K ommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funkt ion einer Haftungsbegrenzung der Versi- cherung für Schäden, die die versicherte Person hätte v ermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältn ismässigkeits- und Verschul- densprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schind- ler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizerisches Bunde sverwaltungsrecht, Soziale Sicher- heit, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828 ff.). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem n ach den persönlichen Umständen und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalt en der versicherten Person liegt (ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann d er Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Dabei ist eine Auflösung im gegen seitigen Einvernehmen als Selbstkündi- gung zu qualifizieren (vgl. AVIG-Praxis ALE vom Januar 2016, D23). 2.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach A rt. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzule gen ist (BGE 124 V 234 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Um- stände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemute t werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gef unden hat (ARV 1976 Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S . 116). Die Zumutbarkeit zum Verblei- ben an der bisherigen Arbeitsstelle wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). 2.4 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Ar t. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. J uni 1988 über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinkommen ; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige („volontairement“) Auf- geben einer Stelle ohne triftigen Grund („sans motif légitime“) sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 2.5 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt di e Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Gesundheitsgefährdende Arbeitsstellen sind nicht mehr zumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine Un zumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherh eit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht mit blossen Behauptungen der versicherten Person be gnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, welche primär die versicherte P erson im Rahmen der ihr oblie- genden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachver halts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb). 2.6 Dagegen vermögen ein schlechtes Arbeitsklima und Mein ungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen grundsätzlich keine Unzu mutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses zu begründen (SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 323, C128/96). Bei Schwierigkei- ten wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und derg leichen ist es der versicherten Per- son grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusic herung einer neuen Anschlussstelle aufzugeben. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass belastende Verhältnisse am Arbeitsplatz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht r echtfertigen. Sie können aber allen- falls beim Verschulden berücksichtigt werden (Urteil des E idgenössischen Versicherungsge- richts [EVG, seit 2007 Schweizerisches Bundesgericht] vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstellungen der versicher ten Person nicht entsprechendes Be- triebsklima genügt hierzu keineswegs (ARV 1986 Nr. 24 S. 95). Zur freiwilligen Stellenaufgabe können deshalb nur zwingende Gründe führen, so etwa me dizinische oder gesundheitsgefähr- dende Gründe. Diese müssen durch ein eindeutiges Arztzeugnis oder Gutachten belegt sein. 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 193 E. 2; 122 V 157 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl . BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundes- gerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Die Mi twirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahre n zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung d es Sachverhalts (vgl. T HOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl., Bern 2 014, § 70 Rz. 3 und 20 ff.; FRITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 284 f.). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüge nde Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b; 125 V 193; 121 V 45 E. 2a; 204 E. 6b mit Hinweis). 4.1 Es steht unbestritten fest, dass die Beschwerdeführeri n am 26. Oktober 2016 im ge- genseitigen Einverständnis mit C.____ das bestehende Arb eitsverhältnis auf den 31. Dezem- ber 2016 auflöste, ohne dass ihr im Kündigungszeitpunkt von anderer Seite verbindlich eine neue Arbeitsstelle zugesichert gewesen wäre. Die Frage der Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung beurteilt sich demgemäss danach, ob ihr ein V erbleiben an der bisherigen Arbeits- stelle bis zum Auffinden einer neuen zumutbar gewesen wäre (vgl. E. 2.3 hiervor). 4.2 Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen gelten d, dass es ihr aufgrund des für ihren Lebensunterhalt nicht ausreichenden Lohnes einerse its und der fehlenden Bildungsmög- lichkeiten andererseits nicht zumutbar gewesen sei, das Praktikum bis Ende Juli 2017 weiterzu- führen. Aus den Akten geht hervor, dass sie sich Anfang 201 6 entschieden habe, von der Pharmabranche in die Tourismusbranche zu wechseln. Aus di esem Grund habe sie ihre Fest- anstellung bei der B.____ AG auf den 30. Juni 2016 ge kündigt und das auf ein Jahr befristete Praktikum bei C.____ begonnen. Angesichts des geplanten Branchenwechsels sei sie bereit gewesen, während des Praktikums einen geringen Lohn in K auf zu nehmen, unter der Voraus- setzung, sich viel branchenspezifisches Wissen anzueignen; „na ch dem Motto: eine hohe Aus- bildungskomponente rechtfertigt einen tieferen Lohn u nd umgekehrt“. Im Laufe des Praktikums habe sich jedoch gezeigt, dass ihr nicht so viel beigebrac ht werden könne, wie ihr das zu Be- ginn mitgeteilt worden sei und sie sich gewünscht hätt e. Auch sei ihr keine Festanstellung nach Beendigung der Praktikumszeit in Aussicht gestellt worden . Eine Kündigung des befristeten Praktikumsvertrages sei ausschliesslich während der Probezeit von drei Monaten möglich ge- wesen. Da für sie die Situation nicht mehr zumutbar gew esen sei, habe einzig die Möglichkeit bestanden auf Ende Oktober 2016 ihr Arbeitsverhältnis zu kündigen. Die Option, zuerst eine andere Anstellung zu finden, habe für sie nicht bestand en. Da Anfang Dezember 2016 ein für C.____ sehr wichtiger internationaler Workshop in X.____ stattgefunden habe, habe der Arbeit- geber darauf bestanden, dass sie bis Ende Dezember 2016 weiter arbeite. 4.3. Wie unter E. 2.3 ff. dargelegt, hat die versicher te Person legitime, d.h. medizinische oder gesundheitsgefährdende Gründe zu nennen, dass von einer Unzumutbarkeit des Verblei- bens an der bisherigen Arbeitsstelle gesprochen werden kann. Vorliegend stellen weder der tiefe Lohn, noch der Wunsch, so viel wie möglich in kurzer Zeit zu lernen, als auch der Einwand, es sei ihr keine Festanstellung nach Beendigung des Prakt ikums in Aussicht gestellt worden, legitime Gründe für die vorzeitige Auflösung des Arbe itsverhältnisses dar. Auch wenn aus Sicht der Beschwerdeführerin das Verlassen der Praktikumsstelle w egen dieser Umstände nachvoll- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ziehbar erscheint, vermögen diese keine Unzumutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnis- ses zu begründen. Dies gilt umso mehr, als die Beschwerdef ührerin das Arbeitsverhältnis nicht bereits per Ende der Kündigungsfrist am 4. November 2 016, sondern im Einverständnis mit C.____ erst auf den 31. Dezember 2016 auflöste. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung ist demnach im Grundsatz nicht zu beanstanden. 5.1 Die Beschwerdeführerin bringt einzig vor, dass die E instellungsdauer zu reduzieren sei, da ihre konkrete Ausgangslage im Einspracheentscheid vom 7. Juni 2017 nicht berücksich- tigt worden sei. Zu prüfen bleibt demzufolge, ob die Anzahl der Einstelltage korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach de m Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Sie beträgt nach Art. 45 Abs. 2 AVIV 1 b is 15 Tage bei leichtem Verschulden, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem Verschulden und 31 bis 6 0 Tage bei schwerem Verschulden. Innerhalb dieses Rahmens entscheidet die Arbeitslosenkasse n ach pflichtgemässem Ermes- sen. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtli che Abteilung des Kantonsgerichts bzw. deren präsidierende Person bei Präsidialentscheiden die angefochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprüfen, sie greift jedo ch bei der Beurteilung der durch die Vorinstanz angeordneten Einstellungsdauer praxisgemäss n ur mit Zurückhaltung in dessen Ermessensspielraum ein. 5.2 Gemäss Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV liegt ein schwer es Verschulden vor, wenn die versi- cherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung ei- ner neuen Arbeitsstelle aufgegeben hat. Insofern ging die Arbeitslosenkasse zunächst von ei- nem schweren Verschulden aus und verfügte eine Einstellun g in der Anspruchsberechtigung von 36 Tagen. In ihrem Einspracheentscheid vom 7. Juni 2017 korrigierte sie ihren Entscheid jedoch dahingehend, als sie die Einstelldauer auf 24 T age herabsetzte. Dabei unterschritt sie den grundsätzlichen Sanktionsrahmen für ein schweres Versch ulden. Dies kann gemäss bun- desgerichtlicher Rechtsprechung dann angezeigt sein, wen n zwar kein entschuldbarer Grund für die Stellenaufgabe, wohl aber besondere Umstände im Einzelfall vorliegen (vgl. BGE 130 V 125 E. 3.2). Diese können sich auf die subjektive Situation der betroffenen Person oder auf eine objektive Begebenheit beziehen (Urteil des Bundesgericht s vom 17. Dezember 2009, 8C_829/2009, E. 3.1). Bei der Reduzierung der Dauer der Einstellung auf 24 Tage ist zu Guns- ten der Beschwerdeführerin zu Recht berücksichtigt worde n, dass es sich um eine befristete Stelle handelte. 5.3 Entgegen der von der Arbeitslosenkasse vertretenen Auffassung liegen jedoch weitere Umstände vor, die das Verschulden der Versicherten mildern . Zu ihren Gunsten ist zu berück- sichtigen, dass die Auflösung des Arbeitsverhältnisses währen d der Probezeit erfolgte (vgl. CHOPARD , a.a.O., S. 170). Dabei ist nicht nur die Tatsache zu beachten, dass die Kündigung – wie die Arbeitslosenkasse in ihrem Einspracheentscheid vo m 7. Juni 2017 ausführt – lediglich während der Probezeit möglich war, sondern, dass das Ve rschulden bei einer während der Probezeit durch die versicherte Person erfolgten Kündig ung im Allgemeinen weniger streng zu beurteilen ist, als wenn sie das Arbeitsverhältnis zu eine m späteren Zeitpunkt auflöst. Dies ergibt sich aus dem Zweck der Probezeit, welche den arb eitsvertraglichen Parteien nicht nur ermöglicht, das Vertragsverhältnis unter erleichterten B edingungen aufzulösen, sondern ihnen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht in erster Linie eine Bedenkzeit einräumt, während welch er sie Gelegenheit haben, sich gegen- seitig kennenzulernen und zu prüfen, ob das Anstellungsve rhältnis den gegenseitigen Erwar- tungen entspreche (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21 . Dezember 2005, C 296/05, E. 3.3 mit Hinweis). Vorliegend ist festzuhalten, dass die bef ristete Praktikumsstelle ohne vorgängige Kündigung bis Ende Juli 2017 gedauert hätte und die B eschwerdegegnerin somit nicht berück- sichtigte, dass die Versicherte noch während weiterer siebe n Monate bei C.____ zu den ver- traglich festgelegten Konditionen angestellt gewesen wäre. Hierbei ist hervorzuheben, dass der Beschwerdeführerin monatlich lediglich ein Bruttolohn von Fr. 2‘050.-- ausgerichtet wurde, wel- cher angesichts der fehlenden Bildungsmöglichkeiten als nich t befriedigend einzustufen ist, weshalb sich auch dieser Aspekt zu Gunsten der Beschwerdef ührerin auswirkt (vgl. B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht , Bundes- gesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung un d Insolvenzentschädigung, 4. Auflage, Zürich 2013, S. 187). Unter Berücksichtigun g dieser verschuldensmindernden Gründe ist das Vorgehen der Vorinstanz, welche die Ver sicherte während 24 Tagen in der An- spruchsberechtigung einstellte, zu streng. Es rechtfertigt sich daher, vom mittleren Bereich des mittelschweren Verschuldens abzuweichen und das Verschulden der Beschwerdeführerin im unteren Bereich des mittelschweren Verschuldens festzulege n. Die Einstellungsdauer ist daher auf 18 Einstelltage zu reduzieren (vgl. Urteil des Bund esgerichts vom 27. Januar 2003, C 139/02; Urteil des Bundesgerichts vom 4. August 2017, 8C_205/2017). 6. Aus dem Gesagten folgt, dass der angefochtene Einsprach eentscheid vom 7. Juni 2017 insofern abzuändern ist, als die Einstell dauer von 24 Tagen auf 18 Tage herabzu- setzen ist. Die Beschwerde erweist sich folglich als begründet und ist gutzuheissen. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind beim nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer wettzuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird insofern gutgeheissen, als in Abänderung des Einspracheentscheids der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland vom 7. Juni 2017 die Einstellungsdauer von 24 Tagen auf 18 Tage herabge- setzt wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht