Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. November 2012 (720 12 234 / 314) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Begutachtung / Befangenheit eines Gutachters Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Laura Manz Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 28, 4143 Dornach 1 gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Anordnung medizinische Begutachtung A. Die 1962 geborene A.____ meldete sich am 20. Mai 2 010 unter Hinweis auf eine schwere Depression, Schwindel und Schwäche bei der IV-Stel le Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der haushalterische n und erwerblichen Verhältnisse liess die IV-Stelle A.____ zur gesundheitlichen Abklärung durch die Gutachterstelle B.____ psy- chiatrisch, internistisch sowie rheumatologisch begutachte n. Mit Gutachten vom 14. Februar Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2011 wurde der Explorandin unter Hinweis auf eine le ichte depressive Episode sowie eine an- dauernde somatoforme Schmerzstörung eine Arbeitsfähigk eit von 80% für jegliche leichten bis mittelschweren Arbeiten attestiert. Basierend auf diese m Gutachten teilte die IV-Stelle A.____ mit Vorbescheid vom 28. September 2011 die vorgesehe ne Ablehnung des Leistungsbegeh- rens aufgrund eines Invaliditätsgrads von 10% mit. Mit Einwand vom 2. November 2011 beantragte A.____, vertreten durch Advokat Daniel Alter- matt, der Entscheid der IV-Stelle sei nochmals in Erwäg ung zu ziehen und es seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen. Am 31. Januar 2012 reichte sie zudem einen Aus- trittsbericht der Klinik C.____ vom 19. Januar 2012 ein. Dabei machte sie geltend, dass der Be- richt vom Ergebnis der B.____-Begutachtung stark abweich e und eine erneute Abklärung indi- ziert sei. Eine weitere Begutachtung durch das B.____ lehne sie allerdings ab. Mit Eingabe vom 9. Juni 2012 hielt A.____, weiterhin vertreten durch Advokat Daniel Altermatt, daran fest, dass sie eine erneute Begutachtung durch das B.____ ablehne , da die Gutachter befangen erschei- nen würden. Demgegenüber würde sie eine stationäre Be gutachtung in Betracht ziehen. Nach erfolgter Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) teilte die IV-Stelle A.____ mit Zwischenverfügung vom 21. Juni 2012 mit, dass an eine r Verlaufsbegutachtung durch das B.____ festgehalten werde. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat D aniel Altermatt, am 12. August 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Aufhebung der Zwischenverfügung vom 21. Juni 2012 sei die Sache zur kon- sensualen Bestimmung eines psychiatrischen Gutachters an die Beschwerdegegnerin zurück zu weisen. Eventualiter sei eine stationäre psychiatrische B egutachtung der Beschwerdeführe- rin anzuordnen; alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begr ündung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass keine konsenuale Auswahl des Gutachters statt gefunden habe, zudem sei das Vertrauensverhältnis zu Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, als Gutachter des B.____ zerstört, da dieser sie ungerechtfertigter Weise beschuldigt habe, ihre Medikamente nicht einzunehmen. Aufgrund dieser fehlerhaften erstm aligen Begutachtung seien das B.____ respektive Dr. D.____ für eine weitere Untersuchung als befangen zu qualifizieren. C. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 21. Septe mber 2012 auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Zwischenverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bej ahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Be i der Rüge der Beschwerdeführe- rin, der durch die IV-Stelle ausgewählte Gutachter sei befangen, handelt es sich um eine mate- rielle Einwendung, wie sie den kantonalen Gerichten n unmehr beschwerdeweise unterbreitet werden kann (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Auf die form - und fristgerecht eingereichte Be- schwerde vom 12. August 2012 ist einzutreten. 2. Unbestritten ist vorliegend die Notwendigkeit einer weiteren psychiatrischen Abklä- rung. Strittig ist hingegen die von der IV-Stelle ang eordnete Begutachtung des B.____ durch Dr. D.____. 3. Die Beschwerdeführerin rügt zunächst einen Verfahrens fehler durch die IV-Stelle, in- dem diese an der B.____-Begutachtung festgehalten hab e, ohne den Vorschlag einer stationä- ren psychiatrischen Begutachtung seitens der Beschwerdeführerin zu prüfen. 3.1 Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgeme inen Teil des Sozial- versicherungsrechts (ATSG) statuiert die Sachverhaltsabkläru ng von Amtes wegen. Dem Un- tersuchungsgrundsatz zufolge ist es in erster Linie Sach e der zuständigen Behörde, die mate- rielle Wahrheit zu ermitteln (SVR 2007 IV Nr. 22 S. 77). Auch liegt es im Ermessen des Versi- cherungsträgers, darüber zu befinden, mit welchen Mitt eln der Sachverhalt abzuklären ist. Aus dem gesetzlichen Untersuchungsgrundsatz fliesst das Recht un d die Pflicht zur Einholung von medizinischen Gutachten, wobei der versicherten Person ke in Wahlrecht hinsichtlich der Per- son des Gutachters zusteht. Im unlängst ergangenen BGE 1 37 V 210, hielt das Bundesgericht aber fest, dass das Bestreben um eine einvernehmliche Gut achtenseinholung in den Vorder- grund zu stellen sei. Ein Konsens über die Gutachterstel le respektive Gutachterperson ist zwar erstrebenswert, indes besteht darauf kein Rechtsanspruch. Bei fehlendem Konsens hat die An- ordnung eines Administrativgutachtens durch den Versicherungsträger in Form einer anfechtba- ren Verfügung im Sinne von Art. 49 ATSG zu erfolgen (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.6). 3.2 Der Beschwerdeführerin ist zwar insofern beizupflich ten, als sich aus den vorliegenden Akten keine Hinweise ergeben, dass sich die Beschwerdegegne rin um eine einvernehmliche Gutachtenseinholung bemüht hat. In der Einwandbegründ ung vom 31. Januar 2012 hielt die Beschwerdeführerin fest, dass sie eine erneute Begutachtu ng durch das B.____ ablehne. Der RAD nahm in der Folge am 8. Februar 2012 sowie am 4 . April 2012 dahingehend Stellung, dass eine erneute Begutachtung durch Dr. D.____ respekti ve durch das B.____ angezeigt sei. Die Beschwerdeführerin unterbreitete schliesslich mit Sch reiben vom 9. Juni 2012 den Vor- schlag einer stationären Begutachtung. Nach einer erne uten Stellungnahme durch den RAD vom 15. Juni 2012, wonach an der Verlaufsbegutachtung du rch das B.____ festzuhalten sei, erliess die IV-Stelle am 21. Juni 2012 die vorliegend a ngefochtene Zwischenverfügung. Aus dieser Aktenlage geht zum einen hervor, dass sich die IV- Stelle mit dem Einwand der Be- schwerdeführerin, dass eine erneute Begutachtung durch d as B.____ abgelehnt werde, ausei- nandersetzte. Zum anderen erliess sie entsprechend den bundesgerichtlichen Anforderungen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine anfechtbare Zwischenverfügung, nachdem offensichtli ch war, dass eine konsensuale Eini- gung auf eine Gutachterstelle nicht zu Stande kommen würde. Damit hat die Beschwerdeführe- rin Gelegenheit, die Gründe, die ihrer Ansicht nach gegen eine Begutachtung durch das von der IV-Stelle vorgeschlagene B.____ sprechen, im Rahmen eines Gerichtsverfahrens überprüfen zu lassen. Der Vorinstanz ist damit kein Verfahrensfehler vorzuwerfen. 4. Zu prüfen ist weiter, ob die Beschwerdeführerin zu Recht einen Ausstandsgrund ge- gen das B.____, respektive gegen Dr. D.____ geltend ma cht, der bereits eine Begutachtung im Rahmen der medizinischen Abklärungen vorgenommen hat. V orab ist festzuhalten, dass mit der psychiatrischen Begutachtung durch das B.____ aktenk undig Dr. D.____ beauftragt würde, weshalb es zu prüfen gilt, ob er in der Angelegenheit als befangen erscheint. 4.1.1 Vorbefassung begründet nicht zwingend den Anschein der Befangenheit. Nach der Rechtsprechung kann ein Sachverständiger nicht allein deshalb abgelehnt werden, weil er die Explorandin schon früher einmal begutachtet hat (BGE 132 V 110 E. 7.2.2). Als massgebendes Kriterium für die Beurteilung dieser Frage im Einzelfall hielt das Bundesgericht fest, es sei gene- rell zu fordern, dass das Verfahren in Bezug auf den konkr eten Sachverhalt und die konkret zu entscheidenden Rechtsfragen trotz der Vorbefassung als of fen erscheine und nicht der An- schein der Vorbestimmtheit erweckt werde (BGE 117 Ia 184 E. 3b mit Hinweis). Es ist somit danach zu fragen, ob das Ergebnis der Begutachtung nac h wie vor als offen und nicht vorbe- stimmt erscheint. Kann die Offenheit bejaht werden, ist die Besorgnis der Voreingenommenheit trotz Vorbefassung unbegründet (R EGINA KIENER /M ELANIE KRÜSI , Die Unabhängigkeit von Ge- richtssachverständigen, in: ZSR 2006 S. 506). Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der Exper- te andere Fragen zu beantworten oder sein erstes Gutach ten lediglich zu erklären, zu erläutern oder zu ergänzen hat, nicht aber, wenn er die Schlüssig keit seiner früheren Expertise zu über- prüfen oder objektiv zu kontrollieren hat (Urteil des B undesgerichts 2A.259/1998 vom 30. No- vember 1998; 8C_89/2007 vom 20. August 2008). 4.1.2 Für Sachverständige gelten grundsätzlich die gle ichen Ausstands- und Ablehnungs- gründe, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach ist Be fangenheit anzunehmen, wenn Um- stände vorliegen, die in objektiver Weise und nicht bl oss aufgrund des subjektiven Empfindens der Partei geeignet sind, Misstrauen in die Unparteili chkeit und Unvoreingenommenheit der sachverständigen Person zu erwecken (BGE 132 V 109 E. 7.1 mit Hinweis). Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche medizinischen Gutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit der begutachtenden Ärzte ei n strenger Massstab anzulegen (BGE 132 V 110 E. 7.1; 120 V 367 E. 3b in fine mit Hinweisen). 4.1.3 Das Expertenverhalten während der Exploration kan n objektiv den Anschein von Be- fangenheit erwecken. Zu denken ist etwa an Äusserungen, welche die Glaubhaftigkeit der An- gaben des Exploranden oder der Explorandin zum Gesundh eitszustand und zur Selbstein- schätzung der Arbeitsfähigkeit von vornherein mehr oder weniger offen verneinen, abschätzige Bemerkungen persönlicher Natur oder unter Umständen d ie Art und Weise, wie die Untersu- chung durchgeführt wird und in diesem Zusammenhang auch die Dauer der Massnahme. Die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Objektivität der Beurteilung steht auch in Frage, wen n die begutachtende Person von weitge- hend sachfremden Kriterien auf Aspekte des Gesundheitszust andes schliesst, welche für die zumutbare Arbeitsfähigkeit von Bedeutung sind (SVR 200 7 UV Nr. 26; vgl. auch BGE 120 V 365 E. 3b). Schliesslich kann die Abfassung einer medizinischen Expertise in beleidigen- dem Ton oder sonst auf unsachliche Art und Weise objekti v Zweifel an der Unvoreingenom- menheit der sachverständigen Person wecken. Für die Frage , ob bestimmte Äusserungen oder das Verhalten des Experten oder der Expertin objektiv den Anschein der Befangenheit zu erwe- cken vermögen, kann allenfalls auch von Bedeutung sein, o b das Verhältnis zwischen der sachverständigen und der zu explorierenden Person angespannt war, ohne dass Anhaltspunkte für ein negatives unkooperatives Verhalten seitens der ab zuklärenden Person bestand (SVR 2007 UV Nr. 26). Der Umstand, dass ein insbesondere im therapeutischen Kontext wichtiges Vertrauensverhältnis zwischen begutachtendem Arzt und Patient nicht hergestellt werden konn- te, lässt jedoch nicht auf Voreingenommenheit schliessen ( zum Ganzen: Urteil des Bundesge- richts 8C_905/2011 vom 6. Juni 2012 E. 4.2). 4.2.1 Vorliegend ist erstellt, dass die Beschwerdeführer in bei der Blutuntersuchung anlässlich der B.____-Begutachtung fälschlicherweise auf das Medikam ent Duloxetin getestet wurde, an- statt auf das ihr verschriebene Antidepressivum Venlafaxi n, weshalb das von ihr eingenomme- ne Antidepressivum im Medikamentenspiegel nicht zu erkenn en war. Die Beschwerdeführerin bringt in diesem Zusammenhang gegen eine erneute Be gutachtung durch Dr. D.____ vor, die- ser sei bei der erstmaligen Begutachtung von falschen Tat sachen ausgegangen, insbesondere habe er ihr im Gutachten vom 14. Februar 2011 angesich ts der Ergebnisse der Blutuntersu- chung vorgeworfen, ihre Medikamente entgegen ihrer Au ssagen nicht regelmässig oder gar nicht einzunehmen. Da allerdings ein falsches Medikament getestet worden sei, seien die An- schuldigungen und die behauptete Malcompliance haltlos. Diese ungerechtfertigten Vorwürfe hätten sie sehr verletzt, weshalb das für eine psychiatrisc he Begutachtung erforderliche Ver- trauensverhältnis nicht mehr vorhanden sei. Die IV-Stelle hielt zum Einwand, die Medikation sei falsch überprüft worden, lediglich fest, der Vorwurf de r Malcompliance hätte auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit keinen Einfluss gehabt, es seien höch stens die falschen Schlüsse aus der fehlerhaften Blutuntersuchung gezogen worden. 4.2.2 Die Annahme von Dr. D.____, die Explorandin wü rde die ihr verschriebenen Medika- mente nicht einnehmen, äusserte sich im Gutachten vom 14. Februar 2011 an folgenden Stel- len: Auf Seite 9 wird darauf hingewiesen, dass die D osierungen der Medikamente zu tief sei und diese im Medikamentenspiegel kaum erkennbar seien. Wie daraus geschlossen werden müsse, nehme die Explorandin die Medikamente nicht bezi ehungsweise unregelmässig ein (S. 10). Man müsse die Medikation mit der Explorandin besprechen, denn es mache keinen Sinn, Medikamente zu verordnen, wenn sie diese nicht regelmässig einnehme (S. 11). In der Gesamtbeurteilung wird schliesslich festgehalten: "Nebst d er Situation, dass zu den subjektiv geklagten Beschwerden der Explorandin keine objektivierba ren Befunde klinisch zu erheben sind, ist auch festzustellen, dass sie offensichtlich die a ls eingenommen angegebenen Antide- pressiva nicht einnimmt. Ein Psychopharmakon war kaum nachwe isbar, das andere war gar nicht nachweisbar. Offenbar hält sich die Explorandin n icht relevant depressiv" (S. 17). Weiter Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht solle die Malcompliance mit der Explorandin besprochen w erden. Allerdings sei die subjektive Krankheitsüberzeugung der Explorandin trotz dieser Massnahme nicht zu beeinflussen (S. 17). 4.2.3 Vorliegend steht der Vorwurf der Malcompliance zwar nicht im direkten Zusammen- hang mit der psychiatrischen Diagnose. Es ist jedoch nicht zu verkennen, dass die mangelhaft durchgeführte Blutuntersuchung bei Dr. D.____ einen F ehlschluss bewirkte, der ein falsches Bild der Beschwerdeführerin zeichnete. Es ist aus dem Gut achten klar ersichtlich, dass der Gutachter sich hierdurch beeinflussen liess. Dies ist auch n icht verwunderlich, kann insbeson- dere bei einer psychiatrischen Begutachtung der persönliche Eindruck des Gutachters sowie die Glaubwürdigkeit der Explorandin eine grosse Rolle spielen. Eine aus der Annahme, die Explorandin habe hinsichtlich ihrer Medikation falsche An gaben gemacht, resultierende negati- ve Einstellung gegenüber der Explorandin kann aufgrund der diesbezüglichen Kommentare im Gutachten vom 14. Februar 2011 nicht ausgeschlossen werd en (vgl. dazu auch das Beispiel in Erwägung 4.1.3 hiervor). Der Vorwurf an die Beschwerd eführerin, den Gutachter angelogen zu haben, wiegt schwer und führt verständlicherweise dazu, dass die Beschwerdeführerin das Ver- trauensverhältnis zu Dr. D.____ als zerstört betrachtet. Wie die Beschwerdeführerin zudem zu Recht darlegt, besteht in einer derartigen Situation die Gefahr, dass der Gutachter die Bedeu- tung des in der ersten Begutachtung unterlaufenen Feh lers herunterspielen würde. Mit Blick darauf, dass bei der Beurteilung der Unparteilichkeit eines medizinischen Gutachters ein hoher Massstab anzuwenden ist, erscheint Dr. D.____ für eine e rneute Begutachtung der Beschwer- deführerin als befangen, weshalb er dafür ausser Betracht fällt. 4.3 Die Motivation der IV-Stelle, erneut eine poly disziplinäre Begutachtung beim B.____ in Auftrag zu geben, lag darin, Dr. D.____ eine psychiat rische Verlaufsbegutachtung erstellen zu lassen. Nachdem Dr. D.____ als Gutachter ausser Betracht fällt wird die IV-Stelle zu klären ha- ben, ob angesichts der offenen Fragen in Bezug auf den Gesundheitszustand der Beschwerde- führerin eine monodisziplinäre psychiatrische Begutachtung ausreichen würde. In jedem Falle wird die IV-Stelle angewiesen, für ein erneutes psychiat risches Gutachten eine Gutachterstelle respektive eine Gutachterperson zu bestimmen, die bis a nhin in keiner Weise mit der Angele- genheit befasst war. Die Beschwerde ist dementsprechend i m Sinne der Erwägungen gutzu- heissen und die Sache zur erneuten Bestimmung einer Gut achterperson an die IV-Stelle zu- rückzuweisen. 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanz en – vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten au ferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unter liegens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegende n Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens ents prechend ist der Beschwerdeführe- rin eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuz usprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 20. Oktober 2012 für das vorliegende Ver- fahren einen Zeitaufwand von 9 Stunden und 30 Minut en geltend gemacht, was sich umfang- mässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- un d Rechtsfragen als angemessen er- weist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsp rozessen praxisgemäss für durch- schnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansa tz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 52.--. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine P arteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'621.10 (9,5 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 52.-- zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 6. Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen selbständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des Bundesgesetzes über das Bunde sgericht (BGG) vom 17. Juni 2005. Demnach ist dagegen eine Beschwerde in öffentlic h-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG gen annten Voraussetzungen zulässig. Wie das Bundesgericht nunmehr im Grundsatzurteil 9C_950/201 1 vom 9. Mai 2012 festgestellt hat, sind kantonale Entscheide über Beschwerden gegen Verfüg ungen der IV-Stellen betreffend die Einholung von medizinischen Gutachten nicht an das Bunde sgericht weiterziehbar, sofern nicht Ausstandsgründe beurteilt worden sind. Der Entscheid dar über, ob die Voraussetzungen für eine Beschwerde im vorliegenden Fall erfüllt sind, obl iegt dem Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Angele genheit zur erneuten Anordnung einer Begutachtung im Sinne der Erwägunge n an die IV- Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2'621.10 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen.