Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. September 2012 (725 121 55) ___________________________________________________________________ Unfallversicherung Integritätsentschädigung Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Chris- tina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Monica Armesto, Advo- katin, indemnis, Spalenberg 20, 4001 Basel gegen SWICA Versicherungen AG , Römerstrasse 37, Postfach, 8401 Winterthur, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. A.____, geb. 1979, ist bei der SWICA gegen Unfäll e und Berufskrankheiten versichert. Am 18. April 2007 war sie mit dem Fahrrad unterwegs, als ein Personenwagen das Hinterrad touchierte und sie zu Fall brachte. Bei der Erstuntersu chung gleichentags wurden Schürfungen am linken Ellenbogen, am rechten Daumen, am rechten Kn ie und an der rechten Hüfte festge- stellt. Da sich Nackenschmerzen einstellten, suchte A.____ am 20. April 2007 ihre Hausarzt- praxis auf. Dr. med. B.____, FMH Innere Medizin, stellt e eine HWS-Distorsion bei starken Seite 2 muskulären Verspannungen links fest. Gemäss Dokumentation sbogen für Erstkonsultation nach kranio-cervikalem Beschleunigungstrauma diagnostizie rte Dr. med. C.____, FMH Innere Medizin, in Anlehnung an die Quebec Task Force-Klassifik ation eine HWS-Verletzung "Grad II mit Nackenbeschwerden". Am 9. April 2009 nahm Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie, im Beisein von Prof. Dr. med. E.____, FMH Neurologie, au f Höhe C1/2 eine beidseitige Manipula- tion unter Kurznarkose vor. Ab 1. November 2009 war die Versicherte wieder zu 100% arbeits- fähig. Auf Veranlassung der SWICA erstellte das F.____ ein bid isziplinäres (neurologisches und rheumatologisches) Gutachten. Prof. Dr. med. G.____, F MH Neurologe, und Dr. med. H.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologie, kamen gemäss Gut achten vom 3. November 2009 zum Schluss, dass sich die geltend gemachten Beschwerden zum Z eitpunkt der Begutachtung nicht objektivieren liessen. Sie hielten fest, dass kein natürlicher Kausalzusammenhang mehr zwischen den Gesundheitsbeschwerden und dem Unfall vom 18. April 2007 bestehe. A.____ reichte ein neurologisches und rheumatologisch es Gegengutachten von Dr. med. I.____, FMH Neurologie, und Dr. med. J.____, FMH Inn ere Medizin und Rheumatologie, vom 21. September 2010 ein. Die volle Arbeitsfähigkeit ab 1. November 2009 wurde bestätigt. Die Kausalität der HWS-Beschwerden wurde bejaht und ein In tegritätsschaden von 10% bei einem Zustand nach Wirbelsäulenverletzung attestiert. Mit Verfügung vom 17. Januar 2011 stellte die SWICA g estützt auf das Gutachten des F.____ vom 3. November 2009 ihre Leistungen per 31. Oktober 2009 ein. Auf eine Rückforderung der erbrachen Heilungskosten vom 1. November bis 31. Dezem ber 2009 wurde verzichtet. Auf- grund des fehlenden adäquaten Kausalzusammenhangs zwi schen Unfall und dem heutigen Gesundheitszustand habe die Versicherte keinen Anspruch me hr auf Leistungen der Unfallver- sicherung. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Monica Armesto, Einsprache. Sie beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die A usrichtung einer Integritätsentschädi- gung basierend auf einem Integritätsschaden von 10%. En tgegen der Auffassung der SWICA sei eine organisch objektivierbare Ursache der Beschwerden in Form der im funktionellen HWS- CT vom 9. Januar 2009 bildgebend nachgewiesenen strukturellen Läsion im Bereich C1/C2 und C3/C4 links gegeben. Die natürliche Kausalität falle som it mit der adäquaten zusammen, so dass die SWICA über das Datum des 31. Oktober 2009 hinaus leistungspflichtig bleibe. Mit Entscheid vom 28. März 2012 wies die SWICA die Einsp rache ab. Selbst mit dem Partei- gutachten könne keine organisch objektivierbare Ursache der Beschwerden ausgewiesen wer- den. So führe Dr. J.____ an, dass weder ein Hinweis für eine Läsion der Ligamenta alaria noch für ossäre Verletzungen gegeben sei. Die natürliche Kausalität sei damit klar zu verneinen. Seite 3 B. Mit Eingabe vom 14. Mai 2012 erhob A.____ durch i hre Rechtsvertreterin Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Si e beantragte, der Einspracheent- scheid sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu ver pflichten, über den 31. Oktober 2009 hinaus die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Dr. J.____ und Dr. I.____ attestierten ab 1. November 2009 eine volle Arbeitsfähigkeit. Sie hielten jedoch fest, dass der Residualzustand eine klare Unfallfolge sei. Ausserdem bestätigten sie, da ss die Versicherte bis zur Behandlung in der K.____ im April 2009 unter unfallkausalen, organisch objektivierbaren Beschwerden gelit- ten habe. Die Beschwerdeführerin sehe sich gezwungen, d as vorliegende Verfahren trotz ihrer wiedererlangten Arbeitsfähigkeit durchzuführen, nachd em sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt stelle, die Beschwerden seien weder orga nisch objektivierbar noch unfallkau- sal. Somit könne sie ihren Schaden gegenüber dem Haft pflichtigen nicht bzw. bloss unter äus- serst erschwerten Bedingungen geltend machen. Für die Beschwerdegegnerin bedeute die vor- liegende Sachlage, dass sie der Beschwerdeführerin bei B ejahung der Kausalität lediglich eine Integritätsentschädigung im Umfang von 10% bezahlen mü sse. Dr. J.____ und Dr. I.____ stell- ten in ihrem Gutachten vom 21. September 2010 fest, da ss bei der Beschwerdeführerin per 1. November 2009 der Endzustand eingetreten sei und keine u nfallbedingte Arbeitsunfähigkeit im erwerblichen Bereich mehr vorliege. Auf das Gutachten v on Prof. Dr. G.____ und Dr. H.____ könne nicht abgestellt werden, da es wesentliche Sach verhaltselemente und medizinische Ak- ten gänzlich ausser Acht lasse und daher keine umfassende Beurteilung der Angelegenheit wiedergebe. Zudem erfassten die Gutachter den Sachverhalt in mehreren Punkten nicht korrekt und gingen deshalb, gerade was den Unfallhergang anb elange, von einem völlig falschen Sachverhalt aus. Insbesondere der Umstand, dass die Versich erte bis zur Behandlung in der K.____ unter einer organisch objektivierbaren Beeinträchtigung an der HWS gelitten habe, igno- rierten die Gutachter. Ebenso sei vorliegend die Adäquanz der Beschwerden zu be jahen. Massgebend sei in diesem Zusammenhang der Umstand, dass die Beschwerdeführerin an lässlich des Unfalls vom 18. April 2007 nicht bloss eine gewöhnliche HWS-Distorsio n erlitten habe, sondern eine orga- nisch objektivierbare Verletzung an der oberen HWS in Form der im funktionellen HWS-CT vom 9. Januar 2009 bildgebend nachgewiesenen strukturelle n Läsion im Bereich C1/2 und C3/4. Durch die in der K.____ im April 2009 durchgeführte Manipulation sei diese Verletzung behan- delt worden, worauf sich die Beschwerden der Versicherten massgeblich gebessert hätten. Für die Beurteilung der Adäquanz sei somit nicht der Zustan d, wie er sich nach der Behandlung dargestellt habe, massgebend, sondern jener bis dahin. Somit sei von einer organischen Ver- letzung auszugehen, weshalb die Adäquanz ohne Weiteres zu bejahen sei. C. Mit Vernehmlassung vom 6. Juli 2012 beantragte di e SWICA, vertreten durch L.____, die Abweisung der Beschwerde. Laut dem medizinischen Gu tachten von Dr. G.____ und Dr. H.____ habe die Versicherte weder aus neurologischer noch aus rheumatologischer Sicht einen Integritätsschaden erlitten. Das Parteigutachten von Dr. I.____ und Dr. J.____ attestiere der Versicherten eine Verletzung der oberen HWS mit typischen cervicocephalen Beschwerden. Seite 4 Eine objektivierbare Verletzung mit Dauerfolgen werde jedoch nicht beschrieben. Trotzdem werde der Integritätsschaden auf 10% geschätzt, was nicht nachvollziehbar sei. D. An der heutigen Parteiverhandlung halten die Part eien an ihren Anträgen und Begrün- dungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversi cherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligatorischen U nfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Be rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. 1.2 Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist d ie versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art . 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Tag- geld. Der Anspruch entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wieder- erlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versi- cherten Person (Art. 16 Abs. 2 UVG). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindes- tens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erlei- det sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schä digung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruc h auf eine angemessene Integritätsent- schädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetz t oder, falls kein Rentenanspruch be- steht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 2. Streitig und zu prüfen ist, ob aus dem Unfall vom 1 8. April 2007 über den 1. November 2009 hinaus Anspruch auf Leistungen der obligatorische n Unfallversicherung besteht. Es ist unbestritten, dass der medizinische Endzustand Ende Oktober 2009 eingetreten ist. Die SWICA hat den Fallabschluss somit zu Recht vorgenommen. Einigke it besteht auch darüber, dass die Versicherte, welche seit 1. November 2009 wieder 100% a rbeitsfähig ist, keinen Anspruch auf Rentenleistungen hat. Zu prüfen bleibt, ob Anspruch auf eine Integritätsentschädigung besteht. 3.1 Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemes- sene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfal l eine dauernde erhebliche Schädi- gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrit ät erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. De zember 1982 gilt ein Integritätsscha- den als dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganze n Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körp erliche, geistige oder psychische Integ- rität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfäll ig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2). Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschäden aus einem oder mehre- Seite 5 ren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädig ung nach der gesamten Beeinträchti- gung festgesetzt (Art. 36 Abs. 3 Satz 1 UVV). 3.2 Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsentsch ädigung in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie wird entsprechend der Schwere des Integ ritätsschadens abgestuft, wobei sie den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jah resverdienstes nicht übersteigen darf. Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gel- ten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der Bundesrat in einer als gesetzmässig anerkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 113 V 219 E. 2a; RKUV 1988 Nr. U 48 S. 236 E. 2a mi t Hinweisen) häufig vorkommende und typische Schäden prozentual gewichtet. 3.3 Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integritä tsschäden entspricht die Entschädi- gung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höch stbetrages des versicherten Ver- dienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für speziel le oder nicht aufgeführte Integritätsschä- den wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert ab geleitet (Ziff. 1 Abs. 2 Satz 1). In die- sem Zusammenhang erarbeitete die SUVA in Weiterentwi cklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form. Diese in den Mitteilungen der medi- zinischen Abteilung der SUVA Nr. 57 bis 59 herausgegebenen Tabellen (teilweise geändert und ergänzt in den Mitteilungen Nr. 60, 62 und 66) sind, soweit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewä hrleistet werden soll, mit dem An- hang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32 E. 1c, 116 V 157 E. 3a mit Hinweis). 3.4 Bei der Bestimmung des Schweregrades einer gesundh eitlichen Beeinträchtigung han- delt es sich um eine Tatfrage, für deren Beantwortung Verwaltung und Gerichte auf fachärztli- che Mithilfe angewiesen sind. Dem Gericht ist es nicht m öglich, die Beurteilung auf Grund der aktenkundigen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfung des in den Tabellen offen gelassenen Bemessungsspielraums entsprechende Fachkenntnisse voraussetzt und von einem medizinischen Laien eine zuverlässige Zuordnung nicht er wartet werden kann. Die Beurteilung der einzelnen Integritätseinbussen obliegt somit den ärztlichen Sachverständigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 4. Der Unfallversicherer haftet jedoch für einen Gesund heitsschaden nur insoweit, als die- ser nicht nur in einem natürlichen, sondern auch in e inem adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht ( BGE 129 V 177 E. 3 S. 181). Dabei spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kaus alzusammenhang ergebenden Haf- tung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt ( BGE 134 V 109 E. 2 S. 111 f.; 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). Dabei gilt es zu beachten, dass bei- spielsweise das Thoracic-outlet Syndrom oder myofasziale und tendinotische bzw. myotendino- Seite 6 tische Befunde für sich allein nicht als organisch hinreic hend nachweisbare Unfallfolgen zu be- trachten sind. Auch Verhärtungen und Verspannungen der Muskulatur, Druckdolenzen im Na- cken sowie Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit können fü r sich allein nicht als klar aus- gewiesenes organisches Substrat der Beschwerden qualifizier t werden. Gleiches gilt für Na- ckenverspannungen bei Streckhaltung der HWS mit Retrohal tung (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Januar 2011, 8C_749/2010, E. 4.1 mit Hinweisen ). Objektivierbar sind Untersuchungs- ergebnisse, die reproduzierbar sind und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befu nde mit apparativen/bildgebenden Ab- klärungen bestätigt wurden und die hierbei angewende ten Untersuchungsmethoden wissen- schaftlich anerkannt sind (Urteil des Bundesgerichts vom 7 . August 2008, 8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen Hinweisen). Sind die geklagten Beschwerd en natürlich unfallkausal, nicht aber in diesem Sinne objektiv ausgewiesen, so ist bei der Beu rteilung der Adäquanz vom augenfälli- gen Geschehensablauf auszugehen, und es sind gegebenenfa lls weitere unfallbezogene Krite- rien einzubeziehen ( BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.). Hat die versicherte Person einen U nfall erlitten, welcher die Anwendung der Schleudertrauma-R echtsprechung rechtfertigt, so sind hierbei die durch BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff. präzisierten Kriterien massgebend. I st diese Rechtsprechung nicht anwendbar, so sind grundsätzlich di e Adäquanzkriterien, welche für psy- chische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wur den ( BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140), anzuwenden ( BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts v om 10. Juni 2008, 8C_ 583/2007, E. 2.2). 5. Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der Be urteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit sowie der Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin - ist die rechtsanwendende Behörd e regelmässig auf Unterlagen angewie- sen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grund satz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm- liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu w ürdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig , von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbare n Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es a uf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes e ines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange u mfassend ist, auf allseitigen Untersuchun- gen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt , in Kenntnis der Vorakten (Anam- nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der med izinischen Zusammenhänge und in der Seite 7 Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E 6.1 Dr. med. M.____ von der N.____ untersuchte die Ve rsicherte am Unfalltag und stellte multiple oberflächliche Schürfungen fest (vgl. Bericht vom 18. April 2007). Am 20. April 2007 suchte die Versicherte aufgrund von Nackenbeschwerden ihr e Hausarztpraxis auf. Dr. B.____ diagnostizierte eine HWS-Distorsion (vgl. Bericht vom 5. September 2007) und Dr. C.____ stell- te ein Beschleunigungstrauma sowie muskuloskelettale Ein schränkungen (verminderte Beweg- lichkeit und punktuelle Druckschmerzhaftigkeit mit eingeschlossen) fest. Das Röntgenbild zeigte unauffällige ossäre Verhältnisse. Er attestierte der V ersicherten eine 100%ige Arbeitsunfähig- keit vom 20. April bis 6. Mai 2007, eine 50%ige ab 7. Mai bis 30. Juni 2007 und ab 1. Juli 2007 bis auf weiteres eine 25%ige (vgl. Bericht vom 10. August 2007). Wegen der persistierenden Schmerzen in der oberen HWS wurde am 3. Oktober 2007 eine MRT durchgeführt, welche eine unauffällige Darstellung der HWS ohne Hinweise auf eine post- traumatische Läsion zeigte. Hinweise auf eine Fehlstell ung im Bereich der atlanto-occipitalen Gelenke oder atlanoaxial fehlten und das Alignement der Wirbelkörper und der Intervertebralge- lenke war normal (vgl. Bericht vom 3. Oktober 2007). Die weitere Behandlung fand bei Dr. med. O.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, in der P.____ statt. Diagnostiziert wur- de ein posttraumatisch aufgetretenes Syndrom der obere n HWS li, eine "Konvergenz Dysfunk- tion C2/3 li" und myofasciale Triggerpunkte suboccipital li. Es folgte eine physiotherapeutische Behandlung (vgl. Notiz vom 23. November 2007). Dr. C._ ___ führte am 11. Februar 2008 aus, dass es unter der regelmässigen Deblokierung und Kräftigu ng der Halsmuskulatur zu einer deutlichen Besserung gekommen sei. Mit Schreiben vom 24. Juli 2008 berichtete Dr. O.____, dass die Leistungsfähigkeit aber immer noch eingeschränkt sei. Er stellte ein posttraumatisch persistierendes cervico-cephales Schmerzsyndrom links fest. Derzei t sei mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit über 75% nicht zu rechnen. Aufgrund des schleppenden Verlaufs überwies Dr. O.____ die Versicherte im Januar 2008 für eine second opinion an Dr. D.____. Mit Bericht vom 9. Januar 2009 führte Dr. D.____ an, dass ein Verdacht auf eine strukturelle Läsion im Bereich von C2/3, C3/4 links, eine Mal-/Fehlrotation C2 und eine Instabilität C3/4 links bestehe. Die Versicherte klage seit dem Unfall über schwers- te, zum Teil invalidisierende hoch cervicale Beschwerden links mit Ausstrahlungen occipital und entlang des Nackens. Aktuell könne die Versicherte den Nacke n kaum nach links bewegen. Eine tiefe Palpation der Facetten sei nicht möglich auf grund der starken Schmerzhaftigkeit. Die radiologischen Untersuchungen inkl. Funktionsaufnahmen zei gten einen möglichen Hinweis für eine translatorische Instabilität Höhe C3/4. Um dies besse r zu objektivieren, werde ein CT bei Dr. med. Q.____, FMH Neurologie, durchgeführt. Sollt e sich die Malformation bewahrheiten, würde allenfalls eine Untersuchung in Kurznarkose zum Aussch luss einer Instabilität und zur Korrektur der Malrotation durchgeführt. Seite 8 6.2 Am 12. Januar 2009 fand ein Funktions-CT von C0 bis C7 statt. Dr. Q.____ stellte eine leichte rotatorische Fehlstellung von C1 um 3° nach links und von C2 um 4° nach links. Als Fol- ge klaffe das Atlanto-Axialgelenk links im Vergleich zu rec hts etwas. Die ossären Strukturen seien gesamthaft unauffällig. 6.3 Am 9. April 2009 berichtete Dr. D.____, dass die V ersicherte im Beisein von Prof. E.____ in Kurznarkose auf Höhe C 1/2 beidseitig manipuliert worden sei. Die anfänglich palpier- ten Dysfunktionen beidseits linksbetont Höhe C 1/2 hätte n gut gelöst werden können. Direkt nach der Aufwachphase sei eine Verbesserung der Mobil ität spürbar gewesen. Innerhalb von 14 Tagen habe sich eine deutliche Verbesserung der Gesamt problematik ergeben. Die Versi- cherte berichte über ein praktisch normales Bewegungsmuste r im Bereich der HWS und über deutlich weniger subjektive Beschwerden. Sie gebe noch leichte Restbeschwerden in Form von muskulären Verspannungen an, welche physiotherapeutisch b ehandelt würden. Am 24. April 2009 führte Dr. D.____ an, dass die Versicherte nach zw ei Wochen eine deutliche Besserung der hoch cervicalen Beschwerden links verspüre. Nach der Ma nipulation habe sich keine Blo- ckade mehr im Bereich der HWS gezeigt. Mit Bericht vom 8. Juni 2009 erklärte Dr. D.____, dass die positive Wirkung nach wie vor anhalte. Ab und zu bestünden noch Schmerzverstär- kungen, die jedoch unter Therapie oder nach Zuhause du rchgeführten Übungen oder nach Schwimmen wieder regredient seien. Osteopathische und ph ysiotherapeutische Unterstützung nehme sie weiterhin in Anspruch. Die Verspannungszustände hoch cervical hätten wahrschein- lich auch mit der Dysfunktion im Bereich des lumbosacrale n Übergangs und SIG aktuell rechts zu tun. Die Behandlung der distal gelegenen Dysfunktionen sei zu empfehlen. 6.4 Die SWICA gab ein bidisziplinäres Gutachten beim F .____ in Auftrag. In neurologischer Hinsicht führte Prof. Dr. G.____ mit Teilgutachten vom 3. November 2009 unter Diagnosen Fol- gendes auf: "Kein sicherer oder wahrscheinlicher Anhalt für eine behindernde Läsion am zent- ralen oder peripheren Nervensystem, der Wirbelsäule oder der paravertebralen Strukturen. Kein hinreichend sicherer oder wahrscheinlicher Anhalt für e ine stattgehabte Distorsion der Halswir- belsäule." Ausreichende Hinweise für eine unfallbedingte Gesundheitsschädigung, die geeignet wäre, die hier beklagten Beschwerden zu erklären, bestün den aus seiner Sicht nicht. Dr. H.____ begutachtete die Versicherte in rheumatologische r Hinsicht. Er diagnostizierte eine chronifizierte, linksseitige Schmerzsymptomatik und ein pan vertebrales, vor allem cervikover- tebrales Syndrom. Die subjektiv geklagten Beschwerden lie ssen sich durch die objektiven Be- funde zumindest nicht hinreichend erklären. Allerdings f änden primäre Kopfschmerzen übli- cherweise kein objektives Korrelat. Zudem sei die angege bene Schmerzhaftigkeit bei fehlen- den, objektivierbaren muskulären Befunden zu diffus und zu wechselhaft, als dass ein myofas- ziales Schmerzbild diagnostiziert werden könne, obwohl ei n solches durchaus die Phänomeno- logie der Schmerzsymptomatik erklären würde. Die aktuell b eschriebene gesundheitliche Stö- rung stehe in keinem natürlichen Kausalzusammenhang mehr zum Ereignis vom 18. April 2007. Aufgrund der Primärsymptomatik und des Beschwerdeverlaufs sei davon auszugehen, dass spätestens nach einem halben Jahr der status quo sine mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Seite 9 erreicht worden sei. Aus medizinischer Sicht sei das erwähn te Beschwerdebild nach HWS- Distorsionstrauma weder typisch noch spezifisch. Im aktuellen Fall sei dieses zudem höchstens ansatzweise vorhanden, wobei schon die Diagnose einer HW S-Distorsion äusserst fraglich sei. Es handle sich um eine chronifizierte Schmerzsymptomatik ohn e hinreichendes somatisches Korrelat. Die Versicherte sei 100% arbeitsfähig. 6.5 Die Versicherte liess am 21. September 2010 ein pri vates Gegengutachten erstellen mit den Gutachtern Dr. J.____ und Dr. I.____. Aus rheumat ologischer Sicht bestehe nach Dr. J.____ ein chronisches linksseitiges hoch cervicales Schmerzsyndr om sowie ein cervicocepha- les Schmerzsyndrom mit aktuell noch minimalem Restbefund, b ei Zustand nach Velosturz und mutmasslichem Hyperreklinations- bzw. HWS-Distorsionstrauma am 18. April 2007 mit residuel- ler Dysfunktion C2/C3 sowie C1/C2 links und muskulärer Dys balance vom Schulter- Nackengürteltyp. Es fänden sich auch positive Irritationszon en in den betroffenen Segmenten sowie auch Zeichen der muskulären Dysbalance mit entsprechen den Druckdolenzen. Die ob- jektivierbare segmentale Dysfunktion vor allem im Bereich d er mittleren BWS müsse als konsti- tutionell, unfallfremd und auch bereits vorbestehend beschrieben werden. Insgesamt könne somit verglichen mit früheren Untersuchungen der HWS zu m aktuellen Zeitpunkt eine deutliche Besserung der früher eingeschränkten linksseitigen HWS-R otation und Funktion der oberen HWS dokumentiert werden. Zusammenfassend könnten aufg rund der aktuellen rheumatologi- schen Untersuchung die noch fassbaren, wenn auch in der Z wischenzeit nur noch geringgradi- gen Befunde ausreichend erklärt und nachvollzogen werde n. Bezüglich Kausalität gelte festzu- halten, dass die Versicherte bis zum besagten Unfall unter keinerlei ähnlichen Beschwerden gelitten habe, wie diese im Verlauf und aktuell aufg etreten seien. Ebenso müsse das Unfaller- eignis als geeignet für den im Anschluss geklagten Beschwerdekomplex betrachtet werden. Die Berichterstattung über die vorliegenden Dysfunktionen im linksseitigen HWS-Bereich durch ver- schiedene erfahrene Manualtherapeuten sowie insbesondere auch die rapide Verbesserung der Beschwerdesymptomatik nach durchgeführter Manipulation vo n C1/C2 spreche für das Vorlie- gen einer strukturellen, zur entsprechenden Funktionsei nschränkung führenden Läsion, welche als überwiegend wahrscheinlich mit dem Unfall vom 18. A pril 2007 in Verbindung stehe. Aus neurologischer Sicht bestehe nach Dr. I.____ ein Zustand nach Verkehrsunfall am 18. April 2007 mit Fahrradsturz und HWS-Distorsion mit heute noch bestehendem mässigem linksbeton- tem oberem Cervicalsyndrom sowie mässig ausgeprägten cervico cephalen Beschwerden mit cervicogen getriggerten Kopfschmerzen im Sinne einer Mig räne cervical. Im Vorgutachten von Prof. G.____ fielen eine Reihe von falschen Annahmen und Inkonsistenzen auf, welche im neu- rologischen Teilgutachten eingehend diskutiert worden seien. Der Verletzungsmechanismus sei verharmlost und die Befunde nicht korrekt erhoben worden. Der Integritätsschaden sei auf 10% bei Zustand nach Wirbelsäulenverletzung einzuschätzen. Mehr als drei Jahre nach dem Unfall- ereignis sei von einem Residualszustand auszugehen, so dass de r Zeitpunkt zum versiche- rungsrechtlichen Abschluss gegeben sei. Ab 1. November 2 009 bestehe keine Arbeitsunfähig- keit mehr. Seite 10 Aus bidisziplinärer Sicht seien sich die Referenten eini g, dass die Versicherte eine Verletzung der oberen HWS erlitten habe mit in der Folge typischen cervicocephalen Beschwerden. 7. Umstritten ist zunächst, ob die HWS-Beschwerden org anisch objektiv ausgewiesen sind. 7.1 Die Versicherte bringt vor, es bestehe ein organischer Unfallschaden und verweist auf die funktionelle HWS-CT vom 12. Januar 2009, wo eine st rukturelle Läsion bildgebend nachge- wiesen worden sei. Vorliegend handelt sich dabei um ein Funktions-CT von C0 bis C7. Erkenn- bar ist eine leichte rotatorische Fehlstellung von C1 um 3 Grad nach links und C2 um 4 Grad nach links. Auf den Funktionsaufnahmen ist weiter eine H ypomobilität von C2 nach links und eine leichte Hypermobilität von C1 nach rechts mit leich ter segmentaler Störung C2/3 festge- stellt worden. Die übrigen Werte liegen im Normberei ch. Eine strukturelle Läsion ist dagegen nicht sichtbar. Einzig Dr. J.____ stellte die Vermutung auf, dass eine strukturelle Läsion vorlie- gen könnte. Dies genügt jedoch nicht, um von einem orga nisch objektiven Befund auszugehen. In Bezug auf die rotatorischen Fehlstellungen kann davo n ausgegangen werden, dass diese geringen Normabweichungen anlässlich der erfolgreichen B ehandlung vom 9. April 2009 korri- giert wurden. Und da Verhärtungen, Verspannungen der Muskulatur, Druckdolenzen im Nacken sowie Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit für sich alle in nicht als ausgewiesenes organi- sches Substrat gelten, fehlt es an einem objektivierbare n Befund. Nicht zuletzt ist die gewählte Untersuchungsmethode des Funktions-CT wissenschaftlich nicht anerkannt, weshalb ihr bei der Beurteilung der Unfallkausalität von Beschwerden rec htsprechungsgemäss kein Beweiswert zukommt (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Januar 2011, 8C _749/2010. E. 4.2.4; BGE 134 V 231). 7.2 Abgesehen davon, dass die Befunde nicht als organi sch objektiv ausgewiesen gelten, kann heute aufgrund der erfolgreichen Behandlung in der K.____ am 9. April 2009 und nach Würdigung der Arztberichte und Gutachten nicht von einer dauernden und erheblichen Beein- trächtigung der Integrität ausgegangen werden. So ber ichtete Dr. J.____ von einem mässigen, linksbetonten oberem Cervicalsyndrom sowie von mässig ausgepr ägten cervicocephalen Be- schwerden. Er stellte fest, dass in der Zwischenzeit nur n och geringgradige Befunde vorlägen und folglich aktuell noch ein minimaler Restbefund beste he. Die Annahme einer Integritätsein- busse von 10% kann somit nicht nachvollzogen werden und w ird seitens der Gutachter Dr. J.____ und Dr. I.____ auch nicht näher erläutert. Weit er erklärte Dr. D.____, dass die Malrotati- on, welche zu Dysfunktionen geführt habe, habe korrigi ert werden können. Den nachfolgenden Arztberichten nach zu beurteilen, wurde die Funktionsein schränkung damit aufgehoben. Geblieben ist eine muskuläre Dysbalance vom Schulter-Nacke ngürteltyp. In diesem Sinne be- richtete die Versicherte auch nachvollziehbar, dass sie den Nacken bei ausserordentlichen Be- lastungen (Tragen einer schweren Tasche, zum Tram rennen) stärker spüre. Aus der Be- schwerdeschrift geht jedoch auch hervor, dass sie ansonsten kaum mehr unter Nackenbe- schwerden leide. Von einer augenfälligen und starken Be einträchtigung gemäss Art. 24 Abs. 1 Seite 11 UVG kann unter diesen Umständen nicht gesprochen werden. Somit entfällt bereits aus diesem Grund ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung. 8. Selbst wenn von einer erheblichen und dauernden B eeinträchtigung ausgegangen wer- den würde, wäre ein Anspruch auf eine Integritätsent schädigung zu verneinen, da die Voraus- setzung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Unfaller eignis und den heutigen Restbeschwerden nicht erfüllt wäre. Die Frage, ob ein n atürlicher Kausalzusammenhang be- steht, kann offen bleiben (BGE 135 V 465 E. 5.1). Geht man zugunsten der Beschwerdeführerin davon aus, dass die für sie günstigere "Schleudertraumap raxis" zur Anwendung gelangt (BGE 134 V 109), ist Folgendes zu berücksichtigen: 8.1 Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhang s ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Ent stehung der Arbeits- und der daraus resultierenden Erwerbsunfähigkeit zukommt. Dies trifft zu, wenn er eine gewisse Schwere auf- weist oder mit andern Worten ernsthaft ins Gewicht fäl lt. Für die Beantwortung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - zwischen banalen oder leichten Unfällen einerseits, schwer en Unfällen andererseits und schliesslich dem dazwischen liegenden mittleren Bereich unt erschieden wird. Während der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel bei schweren U nfällen ohne weiteres bejaht und bei leichten Unfällen verneint werden kann, lässt sich di e Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehe ns allein schlüssig beantworten. Es sind vielmehr weitere objektiv erfassbare Umstände, welc he unmittelbar mit dem Unfall in Zu- sammenhang stehen oder als direkte bzw. als indirekte Folg en davon erscheinen, in eine Ge- samtwürdigung miteinzubeziehen. Dabei gelten als adäqua nzrechtlich massgebende Kriterien nach der in BGE 134 V 109 neu gefassten Umschreibung: b esonders dramatische Begleitum- stände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles, die Schwere oder besondere Art der erlit- tenen Verletzungen, eine fortgesetzt spezifische, belaste nde ärztliche Behandlung, erhebliche Beschwerden, ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfal lfolgen erheblich verschlimmert, ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie eine erhebliche Arbeitsunfä- higkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und unabhängig davon, ob einzelne dies er Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder es müssen mehrere herangezogen werden. 8.2 Die Schwere des von der Beschwerdeführerin am 18. April 2007 erlittenen Unfalls ist ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf zu beurtei len. Aus den Akten geht hervor, dass die Versicherte als Velofahrerin unterwegs war als ih r ein Personenwagenlenker auf das Hinterrad auffuhr und sie zu Fall brachte. Aufgrund d es Unfallgeschehens und den Polizeibe- richten ist der Unfall den leichten, höchstens aber den Unfällen im mittleren Bereich an der Grenze zu den leichten Unfällen einzuordnen. Die Adäqu anz eines Kausalzusammenhangs wäre somit nur dann zu bejahen, wenn eines der relevant en Adäquanzkriterien in besonders Seite 12 ausgeprägter Weise gegeben ist oder mindestens vier Kri terien erfüllt sind (SVR 2010 UV Nr. 25 S. 100; Urteil des Bundesgerichts vom 7. September 2011, 8C_465/2011 E. 8.2). 8.3 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitum stände oder besonderen Eindrück- lichkeit des Unfalles ist objektiv zu beurteilen und muss vor liegend verneint werden (RKUV 1999 Nr. 335 S. 207; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2008, U 56/07 E. 6.1). 8.4 Das Vorliegen eines Schleudertraumas besagt ledigli ch, dass sich die Adäquanzprüfung nach der Schleudertraumapraxis zu richten hat. Hingegen genügt die Diagnose einer HWS- Distorsion für sich allein noch nicht zur Bejahung des Kri teriums der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung. Eine Verletzung der HWS lässt sich entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin heute nicht zuverlässig nachweisen. 8.5 Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfo lgen erheblich verschlimmert hätte, fand nicht statt. 8.6 Auch das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs u nd der erheblichen Komplikatio- nen ist nicht erfüllt. Diese beiden Teilaspekte müssen nicht kumulativ erfüllt sein (BGE 117 V 359 E. 7b). Aus der ärztlichen Behandlung und den erhe blichen Beschwerden darf nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder erheblichen Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf besonderer Gründe, welche die Heilung beei nträchtigt haben. Solche sind vorliegend nicht ersichtlich. Die Durchführung verschiedener Therapi en genügt nicht zur Bejahung dieses Kriteriums. 8.7 Bezüglich des Erfordernisses der fortgesetzten, spezi fischen und belastenden ärztlichen Behandlung ist zu beachten, dass sich die Beschwerdeführe rin unter anderem Physiotherapie und Osteopathie sowie einer Manipulation an der HWS i n Kurznarkose unterzogen hat. Selbst wenn mit Blick auf diese Manipulation mit der Versicher ten das Kriterium der belastenden Be- handlung als erfüllt betrachtet würde, so doch nicht in ausgeprägter Weise. 8.8 Gleich verhält es sich bezüglich der erheblichen Be schwerden. An der Glaubwürdigkeit der über längere Zeit beträchtlichen Beschwerden ist n icht zu zweifeln. Diese haben sich aber nach der Manipulation stark verbessert und sind praktisch ganz weggefallen. 8.9 Beim Kriterium der Arbeitsunfähigkeit ist dem Umst and Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertrauma ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt aus als eher u ngewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist daher massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsth afte Anstrengungen unternimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alle s daran zu setzen, wieder ganz oder teil- weise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstrengungen nicht, ist ihr dies durch Seite 13 Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wil le erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung raschmöglichst wieder optimal in den Arbeits prozess einzugliedern, was schon der allgemeine sozialversicherungsrechtliche Grundsatz der Scha denminderungspflicht gebietet. Solche Anstrengungen der versicherten Person können sich in sbesondere in ernsthaften Ar- beitsversuchen trotz allfälliger persönlicher Unannehml ichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen Therap iemassnahmen zu berücksichti- gen. Sodann können Bemühungen um alternative, der ges undheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen ( BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 f.). Recht- sprechungsgemäss ist dieses Kriterium dann besonders ausge prägt erfüllt, wenn die versicher- te Person Bemühungen, die eindeutig über das im Norm alfall zu erwartende Ausmass hinaus- gehen, nachzuweisen in der Lage ist (Urteil des Bundesg erichts vom 31. März 2009, 8C_987/2008, E. 6.7.2). Die Beschwerdeführerin bewies einen grossen Willen, sich trotz persönlicher Unannehmlichkei- ten rasch wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern. Wegen der Beschwerden war es ihr nicht möglich, in ihrer Kadertätigkeit eine volle Leistung zu erbringen. Sie war vom 18. April bis 6. Mai 2007 zu 100%, vom 7. Mai 2007 bis 30. Juni 2007 zu 50% und vom 1. Juli 2007 bis 31. Oktober 2009 zu 25% arbeitsunfähig. Aufgrund der Überforder ung als Controllerin, beschloss sie schliesslich, intern den Arbeitsplatz zu wechseln und als Sa chbearbeiterin zu arbeiten. Nach der Manipulation erreichte sie wieder eine 100%ige A rbeitsfähigkeit und es gelang ihr, in ihre alte Kaderfunktion zurückzuwechseln. Ohne Frage erlebte die Versicherte eine schwierige be- rufliche Zeit. Da aber keine Arbeitsunfähigkeit mehr vorliegt, kann das Kriterium nicht als erfüllt betrachtet werden. 9. Im Ergebnis sind demnach höchstens zwei der massgebenden Adäquanzkriterien in nicht ausgeprägter Form erfüllt, weshalb die Adäquanz der Unfallfolgen zu verneinen ist. 10. Zusammenfassend kann somit gesagt werden, dass kein d auernder und erheblicher Gesundheitsschaden vorliegt, weshalb bereits aus diesem Grund kein Anspruch auf eine Integ- ritätsentschädigung besteht. Aber selbst wenn eine Inte gritätseinbusse gegeben wäre, bestün- de ebenfalls kein Anspruch auf eine Integritätsentschädi gung, da der adäquate Kausalzusam- menhang zwischen Unfallereignis und Restbeschwerden zu ve rneinen wäre. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 11. Es sind keine Verfahrenskosten zu erheben. Entsprechend dem Ausgang des Verfah- rens sind die ausserordentlichen Kosten wettzuschlagen. Seite 14 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Gesundheit Vizepräsident Gerichtsschreiberin Urteil einfügen Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsmittel belehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit schriftlicher Eröffnung beim Bundesgericht Beschwer- de in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) vom 17. Juni 2005 eingereicht werden. Diese Frist kann nicht verlängert werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, einzureichen. Sie ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, der en Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten (Art. 42 Abs. 1 BGG ). In der Begründung ist in gedrängter Form darzu- legen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 BGG). Die Urkunden, auf die sich die Beschwerde führende Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat. Ebenfalls beizulegen ist der angefochtene Entscheid (Art. 42 Abs. 3 BGG).