B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6420/2018 U r t e i l v o m 27 . N o v e m b e r 2 0 1 9 Besetzung Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Roswitha Petry, Gerichtsschreiberin Kinza Attou. Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau B._______, geboren am (…), und ihre Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), alle aus Syrien, alle vertreten durch MLaw Sara Lenherr, Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 11. Oktober 2018 / N (…). E-6420/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden, syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie, suchten gemeinsam mit ihren Kindern am 21. Dezember 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragungen zur Person (BzP) vom 11. Januar 2016 und der Anhörungen vom 12. September 2018 führten sie im Wesentlichen Folgendes aus: Zuletzt hätten sie und ihre Kinder in E._______ im Quartier F._______ ge- lebt. Zur Begründung der Ausreise machten sie übereinstimmend geltend, aufgrund der bürgerkriegsbedingten prekären Sicherheitslage sei ihr Le- ben in Gefahr gewesen. Der Beschwerdeführer sei früher als staatenloser Ajnabi lange Zeit ver- schiedenen Benachteiligungen ausgesetzt gewesen. Im Jahr (…) habe er zwar die syrische Staatsangehörigkeit erhalten. Als der Beschwerdeführer in der Folge seine Identitätskarte und das Familienbuch abgeholt habe, sei ihm auch das Militärdienstbüchlein mitgegeben worden. Gleichzeitig sei er von den syrischen Behörden vom Militär - und Reservedienst befreit wor- den. In E._______ habe er in einem Häuserkomplex al s (…) gearbeitet. Eines Tages hätten die Sicherheitsbeamten ihn auf einen Kontrollposten mitgenommen und ihn befragt, nachdem unbekannte Personen politische Parolen in den Lift des Gebäudes geschrieben hätten. Sie hätten von ihm verlangt, dass er als Spitzel für sie arbeite. Er habe sich jedoch geweigert. Nach zwei Tagen sei er von den Anwohnern des Gebäudes "freigekauft" worden. Wenig später sei er erneut von den Sicherheitsbeamten verhaftet, auf den Kontrollposten gebracht und verhört worden. Letztere hät ten ihn erneut aufgefordert, für sie zu arbeiten. Da er sich anfänglich geweigert habe, hätten sie ihn geschlagen und gefoltert. Schliesslich habe er zum Schein eingewilligt. Etwa ein bis zwei Monate später habe seine Frau ihn telefonisch kontaktiert und i hm mitgeteilt, dass uniformierte Soldaten zur Wohnung gekommen seien und ihr eine für den Beschwerdeführer be- stimmte Aufforderung für den Militärdienst übergeben hätten. Ohne noch- mals nach Hause zu gehen, sei er direkt nach G._______ zu Verwandten gegangen. Die Beschwerdeführerin habe sich ebenfalls mit den gemeinsa- men Kindern sofort nach G._______ begeben. Von dort seien sie via Ka- mischli in die Türkei ausgereist. Die Beschwerdeführerin machte keine eigenen Fluchtgründe geltend. Sie gab an, wegen der Probleme ihres Ehemannes aus ihrem Heimatstaat aus- gereist zu sein. E-6420/2018 Seite 3 Die Beschwerdeführenden reichten ihre syrischen Identitätskarten (im Ori- ginal, ohne diejenigen ihrer Kinder), ihr Familienbüchlein (im Original), ein Militärdienstbüchlein sowie ein Aufgebot z um Militärdienst (in Kopie) zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 11. Oktober 2018 – eröffnet am 12. Oktober 2018 – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingsei- genschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig wurde der Wegweisungsvollzug wegen Un- zumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben. C. Mit Eingabe vom 12. November 2018 fochten die Beschwerdeführenden – handelnd durch ihre bevollmächtigte Rechtsvertreterin – die Verfügung des SEM vom 11. Oktober 2018 beim Bundesverwaltungsgericht an. Materiell ersuchten sie um Aufhebung der angefochtenen Verfügung, um Feststel- lung ihrer Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl. Eventualiter er- suchten sie um Rückweisung der Sache an das SEM zur erneuten Über- prüfung. In prozessualer Hinsicht beantragten sie, ihnen sei die unentgelt- liche Prozessführung zu bewilligen und ihnen sei in der Person der Unter- zeichnenden eine unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen. Der Besch werde beigelegt war eine Unterstützungsbestätigung vom 19. Oktober 2018. D. Mit Zwischenverfügung vom 13. Dezember 2018 hiess die Instruktionsrich- terin das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege – unter dem Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der fina nziellen Verhältnisse der Be- schwerdeführenden – gut, ordnete die von den Beschwerdeführenden mandatierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei und ver- zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zudem forderte sie das SEM auf, eine Vernehmlassung einzureichen. E. Mit Vernehmlassung vom 19. Dezember 2018 , welche den Beschwerde- führenden mit Schreiben vom 21. Dezember 2018 zur Kenntnis gebracht wurde, beantragte das SEM die Abweisung der Beschwerde und verwies im Übrigen auf seine Erwägungen in der angefochtenen Verfügung. E-6420/2018 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül- tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Hinsichtlich der in der Beschwerdeschrift erhobenen formellen Rüge, wo- nach das SEM den Anspruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör (Art. 29 VwVG) verletzt habe, indem es die eingereichten Beweis- mittel nicht gewürdigt habe, ist festzustellen, dass sich diese Rüge als un- begründet erweist. Zum einen hat das S EM alle Beweismittel, welche die Beschwerdeführenden im vorinstanzlichen Verfahren eingereicht haben, im angefochtenen Entscheid aufgeführt (vgl. act. A36, E. I Ziff. 3, S. 3). Zum anderen hat es das Militärdienstbüchlein und die militärische Aufforderung E-6420/2018 Seite 5 im Sachverhalt aufgenommen und würdigte diese hinreichend im Rahmen einer Gesamtbeurteilung. Es hat festgehalten, dass derartige Dokumente keinerlei fälschungssichere Merkmale aufwiesen und im Heimatstaat der Beschwerdeführenden käuflich erwerbbar seien, weshalb die Beweiskraft solcher Dokumente als entsprechend gering einzustufen sei. Zu bemerken ist in diesem Zusammenhang, dass das SEM nicht verpflichtet ist, eine Do- kumentenanalyse vorzunehmen, wenn es davon ausgeht, dass die beige- brachten Beweismittel käuflich und leicht fälschbar sind, und daher selbst die Feststellung der Echtheit keine Aussagekraft hätte. Alleine der Um- stand, dass das SEM die vorgebrachten Ausreisegründe und die zu deren Stützung eingereichten Beweismittel anders ge wichtet hat als die Be- schwerdeführenden, ist nicht als Verletzung des rechtlichen Gehörs zu werten. Im Übrigen bildet die Frage, ob diese Dokumente geeignet sind, die Fluchtvorbringen der Beschwerdeführenden zu belegen, Gegenstand der (nachfolgenden) mater iellen Würdigung. Es ergeben sich denn auch nach Prüfung der Akten keine Anhaltspunkte, welche den Schluss zulas- sen, das SEM habe das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden ver- letzt. Nach dem Gesagten besteht somit keine Veranlassung, die Verfü- gung des SEM aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur Neu- beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der entsprechende Antrag ist daher abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus - gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings- eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbe sondere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-6420/2018 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 5. 5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentsch eids qualifizierte die Vorinstanz die Vorbringen der Beschwerdeführenden als weder den Anfor- derungen an die Glaubhaftigkeit noch an die Flüchtlingseigenschaft genü- gend. 5.2 Bezüglich des Vorbringens des Beschwerdeführers, wonach er sich dem syrischen Militär dienst entzogen haben soll, erwog das SEM, dass weder das eingereichte syrische Militärbüchlein noch das militärische Auf- gebot fälschungssichere Merkmale aufwiesen und zudem allgemein be- kannt sei, dass derartige Dokumente in Syrien käuflich erwerbbar seien . Entsprechend stufte es die Beweiskraft der eingereichten Dokumente als gering ein. Im Weiteren führte es aus, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die syrischen Behörden den Beschwerdeführer zum Leisten des Militär - beziehungsweise Reservedienstes hätten aufbieten sollen, obschon er im Zeitpunkt der Ausstellung des Schreibens bereits (…) Jahre alt gewesen sei und über keine militärischen Erfahrungen verfügt habe. Der Beschwer- deführerin sei es auch nicht gelungen, erlebnisgeprägt und substantiiert über die Begegnung mit den uniformierten Soldaten und dem überreichten Aufgebot zum Militär - beziehungsweise Reservedienst zu berichten. Im Weiteren bestünden auch Unstimmigkeiten in Bezug auf den Erhalt des militärischen Aufgebots. So habe die Beschwerdeführerin angegeben, nach dem Erhalt des Aufgebots unmittelbar das Haus verlassen zu haben. Auf die Frage hin, welche Dokumente sie mitgenommen habe, habe sie weder das Militärdienstbüchlein noch das zuvor erhaltene Militärdienstauf- gebot erwähnt. Erst als sie auf die logische Unstimmigkeit in Bezug auf das spätere Einreichen der entsprechenden Dokumente in der Schweiz auf- merksam gemacht worden sei, habe sie ihre Aussage entsprechend korri- giert. Diese Aussagen seien demnach als Schutzbehauptungen zu erach- ten. Zusammenfassend sei es den Beschwerdeführenden aufgrund der un- tauglichen Beweismittel und mangels konkreter, substanzi ierter Hinweise nicht gelungen, das Vorbringen glaubhaft zu machen. In Bezug auf das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er von syri- schen Behörden verhaftet, verhört und misshandelt worden sei, weil er sich geweigert habe, für sie als Spitzel zu arbeiten , beziehungsweise weil im E-6420/2018 Seite 7 Häuserkomplex, in welchem er als (…) gearbeitet habe, politische Parolen an den Wänden angebracht worden seien, hält das SEM im Wesentlichen fest, die diesbezüglichen Aussagen des Beschwerdeführers seien insge- samt oberflächlich und widersprüchlich ausgefallen. Dies betreffe zunächst seine Angaben zur Anzahl und zur Dauer der Festnahmen. Er sei nicht in der Lage gewesen anzugeben , ob er zwei oder drei Mal festgenommen worden sei. Hinsichtlich der Dauer hätten die Beschwerdeführenden eben- falls keine übereinstimmenden Angaben zu Protokoll gegeben. Im Übrigen fehle es seinem Vorbringen aber selbst bei Wahrunterstellung an einem asylrelevanten Verfolgungsmotiv i.S.v. Art. 3 AsylG. Die unsichere und gefährliche Situation in Syrien, auf die sich die Be- schwerdeführenden beriefen, sei bedauerlich, aber nicht asylrelevant; aus den Akten ergäben sich keine Hinweise auf eine gezielt gegen die Be- schwerdeführenden gerichtete Verfolgung in Syrien. Nachdem es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei, eine vor seiner Ausreise bestehende Verfolgung glaubhaft zu machen, vermöge eine Wehrdienstverweigerung für sich gesehen ohnehin keine Asylrelevanz zu begründen, nachdem sich gemäss der Praxis des Bundesv erwaltungsge- richts eine Furcht vor politisch motivierter Bestrafung im Sinne von Art. 3 AsylG durch die heimatlichen Behörden wegen Dienstverweigerung oder Desertion im syrischen Kontext lediglich dann als objektiv begründet er- weise, wenn der Betroffene in der Vergangenheit bereits als Regimegegner aufgefallen sei (Verweis auf das Urteil BVGE 2015/3 vom 18. Februar 2015 E. 6 f.). 5.3 In ihrer Rechtsmitteleingabe halten die Beschwerdeführenden an der Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz ihrer Vorbringen fest. Die Aussagen der Beschwerdeführenden zur Einberufung in den Militärdienst stimmten so- dann mit den zugänglich gemachten Informationen überein . Im Alter von (…) Jahren sei der Beschwerdeführer durchaus noch im wehrdienstfähigen Alter gewesen. Öffentlich zugänglic he Quellen zufolge würden die s yri- schen Behörden die Freistellungen nicht immer akzeptieren und die Um- setzung sei willkürlich. Zum Militärdienstaufgebot führten sie aus, dass die Militärbehörde den Beschwerdeführer schriftlich mittels Benachrichti- gungsbefehl über die Pflicht zur Meldung für den Militär- beziehungsweise Reservedienst benachrichtigt hätten. Die Übersetzung dieses Dokument s habe ergeben, dass er das Einrücken zum Militärdienst versäumt habe, obwohl er nie ein Aufgebot erhalten habe. Dem Schreiben könne aber ent-E-6420/2018 Seite 8 nommen werden, dass das Rekrutierungszentrum, von wo aus der Rekru- tierungsentscheid ergangen sei, in H._______ sei. Vermutlich sei ein sol- ches bereits früher ergangen, aber nicht bis zu ihm nach I._______ gekom- men. Aus diesem Grund werde er nun von der syrischen Regierung ge- sucht, als Oppositioneller eingestuft und sei daher einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt. Überdies sei d ie Mitteilung an alle zu- ständigen Ämter verschickt worden. Eine innerstaatliche Fluchtalternative sei nicht gegeben. Weiter schilderten die Beschwerdeführenden allgemein die Situation von Militärdienstverweigerern und Regimegegnern sowie ih- ren Familienangehörigen in Syrien, insbesondere die verschärften Reakti- onen des Regimes auf Wehrdienst verweigerungen und Desertionen. Auf- grund der Weigerungshaltung und illegalen Ausreise gelte der Beschwer- deführer als regimefeindlich und müsse im Falle der Rückkehr mit dem Ein- zug in den Dienst, Haft und schwerwiegenden Konsequenzen rechnen. Was die von der Vorinstanz aufgezeigten Widersprüche betreffe, so seien diese nicht erheblich und teilweise gesucht. Der Beschwerdeführer habe bereits in der BzP zu Protokoll gegeben, dass er zwei, drei Mal von den Sicherheitsbehörden festgenommen worden sei. Anlässlich der Anhörung habe er ebenfalls von zwei oder drei Festnahmen gesprochen, habe jedoch gleichzeitig eingeräumt, dass er sich hinsichtlich der Anzahl nicht mehr si- cher sei. Hinsichtlich der Dauer treffe es zwar zu, dass die Beschwerde- führenden unterschiedliche Aussagen gemacht hätten, die Diskrepanz sei jedoch marginal. 6. Eine einlässliche Prüfung der Akten ergibt, dass die Vorbringen der Be- schwerdeführenden nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. 6.1 Der Beschwerdeführer macht zur Hauptsache eine drohende Verfol- gung aufgrund seiner Weigerung zum Einzug in den Reservedienst gel- tend. 6.1.1 Voranzustellen ist, dass praxisgemäss eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion für sich alleine die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begrün- den vermag, sondern nur, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist (vgl. BVGE 2015/3 E.5.9). Im syrischen Kontext wird dies dann angenommen, wenn die Dienstverweigerung als Ausdruck der Regimefeindlichkeit aufgefasst wird, das heisst, dass die drohende E-6420/2018 Seite 9 Strafe nicht allein der Sicherstellung der Wehrpflicht dienen würde, son- dern damit zu rechnen ist, dass der Beschwerdeführer als politischer Geg- ner qualifiziert und als solcher unverhältnismässig schwer bestra ft würde (a.a.O. E. 6.7.3). Wie die Vorinstanz zunächst z utreffend feststellt, ist es den Beschwerde- führenden nicht gelungen, den Erhalt des Aufgebots in den Militärdienst glaubhaft zu machen. Zur Untermauerung der geltend gemachten Einbe- rufung reichten d ie Beschwerdeführenden ein Schreiben vom Aushe- bungsbüro H._______ (Provinz Al-Hasaka) zu den Akten. Weil solche Do- kumente im syrischen Kontext käuflich erwerbbar und leicht fälschbar sind (vgl. dazu etwa das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -5017/2016 vom 9. Februar 2018, E. 5.1), ist die Beurteilung der Echtheit solcher Do- kumente schwierig und jeweils in eine Gesamtbetrachtung mit den Vorbrin- gen zu stellen . Im vorliegenden Fall muss de m eingereichten Dokument jedoch die Beweistauglichkeit abgesprochen werden, weil sich die Schilde- rungen des Beschwerdeführers zu den Umständen der Einberufung in den Militärdienst in wesentlichen Punkten widersprechen und sie auch in sich nicht schlüssig sind. Ergänzend zu den diesbezüglich überzeugenden Aus- führungen der Vorinstanz, auf die zur Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich verwiesen werden kann, fällt ins Auge, dass der Beschwer- deführer widersprüchliche Angaben zur Art machte, wie er in den Militär- dienst einberufen worden sei. Anlässlich der Befragungen füh rte der Be- schwerdeführer aus, am 15. Juni 2015 ein Aufgebot für den Militärdienst erhalten zu haben (act. A3, F7.01; act. A31, F27 f., F50 ff., F54 ff.). Das Aufgebot habe er (beziehungsweise seine Frau) schriftlich ausgehändigt erhalten. Auf Beschwerdeebene wird hingegen geltend gemacht, er habe nicht ein Aufgebot in den Militärdienst, sondern einen Einberufungsbefehl für den Reservedienst erhalten. Vermutlich sei das Aufgebot bereits früher ergangen, aber nicht bis zu ihm nach I._______ gekommen (vgl. Be- schwerde S. 5). Diese Aussage lässt sich nicht mit seinen Aussagen an der Anhörung vereinbaren. Sodann geht auch das Gericht davon aus, dass es in Bezug auf die Rek- rutierungspraxis nicht eine absolut verlässliche Vorgehensweise in Syrien gibt. Vorliegend steht aber fest, dass der Beschwerdeführer als Ajnabi von der Dienstpflicht befreit war, was in dem von ihm eingereichten Militär- dienstbüchlein auch so vermerkt ist. Der Beschwerdeführer war zum da- maligen Zeitpunkt bereits (…) Jahre alt. Seine jüngeren Brüder, die eben- falls in E._______ wohnhaft waren (act. A3, Ziff. 3.01), unterstanden offen- bar keiner entsprechenden Pflicht (act. A31, F65), beziehungsweise führte E-6420/2018 Seite 10 der Beschwerdeführer aus, sein jüngerer Bruder J._______ sei auch ein- mal zum Militärd ienst aufgefordert worden, ein bekannter Offizier habe aber dafür gesorgt, dass diese Aufforderung gestoppt werde. Für ihn selbst habe der Offizier nichts tun können (act. A31, F65 ff.). In der Anhörung da- mit konfrontiert, warum er in der bisherigen Schild erung nicht erwähnt habe, dass er sich hilfesuchend an den Offizier gewandt habe, vermochte der Beschwerdeführer keine plausible Erklärung abzugeben, sondern wen- dete ein, er sei danach nicht gefragt worden (act. A31 , F68). Das Gericht erachtet dieses Element aber doch als einen nicht unwesentlichen Aspekt, da er auch nicht in das Bild der von den Beschwerdeführenden geschilder- ten sofortigen und überstürzten Ausreise der Familie aus E._______ passt. Auffällig ist ausserdem, dass die Schilderung en der Beschwerdeführerin zum Erhalt der Vorladung, ein Ereignis welches aus objektiver Sicht sehr prägend gewesen sein muss, nicht die Substanz aufweisen, welche die Beschwerdeführerin im Vergleich dazu zur Beschreibung der damals in E._______ beziehungsweise ihrem St adtteil herrschenden Situation und die der Familie aufweisen. Der von ihr widergegebene Dialog mit den Si- cherheitskräften wird sodann auch vom Beschwerdeführer quasi wortge- treu wiedergegeben. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass dieses Ereig- nis konstruiert wurde (vgl. act. A32, F31, F33 ff. gegenüber act. A31, F41, F54). 6.1.2 Des Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, er sei zwei drei Mal von Sicherheitsbehörden festgenommen worden und auf einen Kon- trollposten gebracht, verhört und misshandelt worden. Mi t der Vorinstanz ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer an den Anhörungen teil- weise widersprüchlich zur Häufigkeit und Dauer der vorgebrachten Behel- ligungen durch die syrischen Behörden äusserte (vgl. act. A31, F73 gegen- über F41, sowie act. A3, F7.02). Die Ausführungen in der Beschwerde- schrift vermögen dem nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen. Zudem fällt es auf, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers zur ersten Inhaftie- rung nicht näher substanziiert werden, wobei festzuhalten ist, dass in der Anhörung auch nicht entsprechend nachgefragt wurde. Vielmehr kon- zentrierte sich die Anhörung auf die zweite Inhaftierung, welche nach An- gaben des Beschwerdeführers drei Tage und zwei Nächte gedauert haben soll (act. A31, F41). Die Inhaftierung schildert der Beschwerdeführer denn auch ausführlich. In sich ist das Vorbringen aber insofern nicht stimmig, als der Beschwerdeführer seine Abholung zu Hause, die Befragung, das Ver- bleiben über Nacht und die Entlassung am folgenden Tag beschreibt und damit eine Inhaftierung, die während lediglich einer Nacht und zwei Tagen E-6420/2018 Seite 11 erfolgte (vgl. act. A31, F41 ff., F71-F75). Die Vorbringen des Beschwerde- führers lassen sich sodann auch nicht plausibel nachvollziehen. Es er- scheint durchaus vorstellbar, dass Sicherheitskräft e des Quartiers ihn in seiner Funktion zu Spitzeltätigkeiten anwerben wollten und auch einen ge- wissen Druck auf ihn ausübten. Dass er aber nicht mit Anreizen, sondern von vornherein mit den beschriebenen massiven Sanktionen belegt wor- den sein soll, scheint schwer vorstellbar, zumal der Beschwerdeführer kei- nerlei Profil aufweist, welches ihn gegenüber den Sicherheitskräften in ir- gendeiner Form exponierte (act. A31, F41, F46). Darauf, dass sich die Vor- bringen der Ehefrau in Bezug auf die Dauer der Inhaftnahme n zu denen des Beschwerdeführers widersprechen, hat das SEM bereits zutreffend hingewiesen. 6.1.3 Der Beschwerdeführer verneinte sodann, jemals politisch aktiv gewe- sen zu sein und weist kein Profil auf, welches darauf schliessen lassen könnte, dass er vor seiner Ausreise aus dem Heimatstaat in den Fokus der syrischen Sicherheitskräfte geraten sein könnte (act. A31, F37). 6.1.4 Insgesamt sind vorliegend somit keine Umstände zu bejahen, welche darauf schliessen lassen, dass der Beschwerdeführer in seiner Person als Regimegegner angesehen werden könnte und somit aus politischen Grün- den eine unverhältnismässige Strafe zu befürchten hätte. Demnach haben die Beschwerdeführenden weder ein Aufgebot in den Reservedienst der syrischen Armee noch einen Politmalus glaubhaft machen können. 6.2 Schliesslich können die Beschwerdeführenden auch aus ihrer kurdi- schen Ethnie keine asylrelevante Verfolgung aufgrund ihrer kurdischen Ethnie ableiten. So verneint das Bundesverwaltungsgericht das Vorliegen einer Kollektivverfolgung der Kurden in S yrien in konstanter Praxis (vgl. statt vieler die Urteile E -1276/2015 vom 18. Juli 2017 E. 7.1.3, D-1966/2015 vom 9. Juni 2017 E. 5.2 und E -2793/2016 vom 26. Februar 2018 E. 6.6, je m.w.H.). 6.3 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die F lüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden zu Recht verneint und ihre Asylgesuche abgewie- sen. Weder die in der Beschwerde erhobenen Einwände noch die Beweis- mittel vermögen daran etwas zu ändern. E-6420/2018 Seite 12 7. Im Sinne einer Klarstellung ist abschliessend festzuhalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerde- führerenden seien zum heutigen Zeitpunkt aufgrund der Entwicklung in Sy- rien nicht gefährdet. Das SEM hat der Gefährdung der Beschwerdeführer- enden mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG bereits entsprechend Rechnung getragen. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen jedoch mit Ver- fügung vom 13. Dezember 201 8 die unentgeltliche Prozessführung ge- währt wurde und seither keine Veränderung der finanziellen Lage ersicht- lich ist, ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 10.2 Ebenfalls mit Zwischenverfügung vom 13. Dezember 2018 wurde das Gesuch um eine a mtliche Verbeiständung gutgeheissen und die Rechts- vertreterin des Beschwerdeführers als amtliche Rechtsbeiständin einge- setzt. Folglich ist dieser ein amtliches Honorar für ihre notwendigen Auf- wendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Der in der Kosten note vom 12. November 2018 ausgewiesene zeitliche Vertretungsaufwand von 11 Stunden erscheint den konkreten Verfahrens- umständen als angemessen. Hingegen ist der zur Verrechnung gebrachte E-6420/2018 Seite 13 Stundenansatz unter Verweis auf die Ausführungen in der Verfügung vom 13. Dezember 2018 auf Fr. 150.– zu reduzieren. Das Honorar der amtli- chen Rechtsbeiständin beläuft sich damit auf Fr. 1'700.– (inkl. Auslagen) und ist durch die Gerichtskasse zu vergüten. (Dispositiv nächste Seite) E-6420/2018 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird zulasten der Gerichtskasse ein Ho- norar in der Höhe von Fr. 1'700.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Kinza Attou