Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Juni 2012 (715 2011 438) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Mangelhafte Eröffnung Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschreiber Ma urizio Greppi Parteien A.___, Beschwerdeführer, vertreten durch Erik W assmer, Advokat, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen KIGA Baselland , Postfach, 4133 Pratteln 1, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Mit Verfügung vom 24. August 2011 des Regionalen Ar beitsvermittlungszentrums Lies- tal (RAV) wurde A.___ wegen fehlender Arbeitsbemühungsnachweisen für den Monat Juli 2011 in der Anspruchsberechtigung eingestellt. Mit Eingabe vom 21. Oktober 2011 zeigte Erik Wassmer, Advokat, gegenüber der Einspracheinstanz an, dass er die Interessen von A___ ver- trete und beantragte die Aufhebung der Verfügung. G leichzeitig beantragte er die Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung. B. Die Einspracheinstanz bestätigte am 25. Oktober 2011 d en Eingang der Einsprache, forderte eine gültige Vollmacht für die Vertretung an und machte den Vertreter von A.___ darauf aufmerksam, dass die Frist für die Einspracheerhebung bere its abgelaufen sei. Mit Eingabe vom 2. November 2011 reichte dessen Vertreter eine gül tige Vollmacht ein, datiert vom 27. Ok- tober 2011, und beantragte, auf die Einsprache vom 25 . Oktober 2011 sei einzutreten, da die angefochtene Verfügung mangelhaft eröffnet worden sei , weil sie trotz bekanntem Vertretungs- verhältnis direkt seinem Mandanten zugestellt worden sei. C. Mit Entscheid vom 7. November 2011 trat die Einspra cheinstanz des Kantonalen Am- tes für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) auf die Einsprache nicht ein und lehnte das Ge- such um Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung ab. Zur Begründung machte sie gel- tend, dass die angefochtene Verfügung vom 24. August 20 11 per Einschreiben an A.___ ver- sandt worden und davon auszugehen sei, dass die Zustellu ng spätestens am 3. September 2011 erfolgt sei. Die 30-tägige Einsprachefrist habe spätestens am 4. September 2011 zu lau- fen begonnen und am 3. Oktober 2011 geendet. Die Ein sprache vom 21. Oktober 2011 sei so- mit verspätet erfolgt. Ferner legte die Einspracheinst anz dar, dass sich entgegen den Behaup- tungen des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers keine Vollmacht vom 4. April 2011 bei den Akten befinden würde. Eine in Zusammenhang mit der A nfechtung einer Verfügung der Öffent- lichen Arbeitslosenkasse (OeKa) vom 27. April 2011 einger eichte Vollmacht, betitelt mit "betref- fend Autounfall vom 16. Oktober 2003 in Liestal; Zürich -Versicherung" und datiert vom 28. No- vember 2003, habe sich nicht auch auf das Einspracheverfa hren gegen die Verfügung der Oe- Ka vom 27. April 2011 erstreckt. Nach einer Aufforderun g und mehrmaligen Fristerstreckungen sei die Vollmacht danach mit Eingabe vom 16. August 201 1 bei der Einspracheinstanz einge- gangen. Auch dieser Vollmacht sei nicht zu entnehmen, d ass sie sich über den genannten Ver- fügungsgegenstand auf Verfügungen des RAV erstrecken soll e. Ferner befände sich keine ent- sprechende Gesprächsnotiz bei den Akten, wonach A.___ der Personalberaterin des RAV Lies- tal bereits anlässlich des Aufnahmegesprächs seine anwaltl iche Vertretung bekannt gegeben habe. Die angefochtene Verfügung sei demnach zu Recht a n A.___ und nicht an dessen an- waltliche Vertretung geschickt worden. Von einer mangelhaft eröffneten Verfügung könne daher nicht die Rede sein. Die unentgeltliche Verbeiständung können nicht bewilligt werden, weil das Verfahren keine schwierigen rechtlichen Fragen aufwerfe. D. Mit Eingabe vom 7. Dezember 2011 erhob A.___, wie derum vertreten durch Erik Wassmer, Advokat in Liestal, Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht) und beantragte, es sei der Einspr acheentscheid vom 7. November 2011 aufzuheben und die Einspracheinstanz anzuweisen, auf d ie Einsprache vom 21. Oktober 2011 einzutreten. A.___ sei für das Einspracheverfahren die unentgeltliche Verbeiständung zu bewil- ligen. Demgemäss sei die Angelegenheit zum Entscheid in der Hauptsache und zur Festset- zung des Honorars an die Einspracheinstanz zurückzuweisen, alles unter o/e-Kostenfolge, wo- bei ihm für das vorliegende Beschwerdeverfahren die une ntgeltliche Prozessführung und Ver- beiständung zu bewilligen sei. Zur Begründung führte er an, dass die Einspracheinstanz zu Un- recht vorbringe, es habe sich keine rechtsgültige Vollmacht bei den Akten befunden. Bereits am 4. April 2011 sei dem KIGA das Vertretungsverhältnis be kannt gegeben worden. Auch der frü- heren Einsprache vom 27. Mai 2011 sei eine Vollmacht beigelegen. Die Haltung der Ein- spracheinstanz zeuge von überspitztem Formalismus und das V ertretungsverhältnis habe als hinlänglich bekannt vorausgesetzt werden dürfen. Trotz des bekannten Vertretungsverhältnis- ses habe das RAV die Verfügung vom 24. August 2011 seinem Rechtsvertreter nicht zugestellt. Nach dem Vertrauensprinzip habe er davon ausgehen dürfe n, dass sämtliche Verfügungen mit dem Briefkopf "KIGA BASELLAND" an seinen Rechtsvertre ter zur Fristwahrung zugestellt wer- den. Das Signet "KIGA BASELLAND" finde sich sowohl auf dem Briefkopf der OeKa als auch auf dem Briefkopf des RAV. Damit liege entgegen der Ansicht der Einspracheinstanz eine man- gelhafte Eröffnung vor. Nach der bundesgerichtlichen R echtsprechung treffe eine anwaltlich vertretene Person, welcher regelwidrig eine Verfügung trotz Vertretungsverhältnis direkt zuge- stellt worden sei, eine Sorgfaltspflicht dahingehend, dass sich diese spätestens am letzten Tag der laufenden Rechtsmittelfrist bei ihrem Rechtsvertreter nach dem Stand der Dinge erkundigen und ihm ein Exemplar der Verfügung zur Verfügung st ellen müsse, womit ab diesem Zeitpunkt gestützt auf Treu und Glauben eine entsprechende Rec htsmittelfrist einzuräumen sei. Daraus ergebe sich, dass die Einsprache vom 21. Oktober 2011 als rechtzeitig zu gelten habe. Die Ein- spracheinstanz lasse ausser Acht, dass A.___ nicht nur wegen der Komplexität der Materie, sondern bereits aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sei, seine Interessen im be- hördlichen Verfahren selbst zu wahren. Deshalb hätte ihm die Einspracheinstanz die unentgelt- liche Verbeiständung bewilligen müssen. E. Die Einspracheinstanz beantragte in ihrer Vernehm lassung vom 4. Januar 2012 die Abweisung der Beschwerde. Sie wies darauf hin, dass zwisch en der OeKa und dem RAV auf- grund ihrer unterschiedlichen Funktionen und organisatorischen Unabhängigkeit zu trennen sei. Es erfolge kein automatischer Dokumentenaustausch unter d iesen Behörden, sofern dafür kein Anlass bestehe, gleich wie zwischen RAV und privaten Arbe itslosenkassen. Diese Unterschei- dung sei dem Laien nicht immer klar, dürfte aber dem Rechtsvertreter von A.___ bekannt sein und als bekannt vorausgesetzt werden. Eine Vollmacht, die dem KIGA am 4. April 2011 per Fax zugestellt worden sei, finde sich nicht bei den Akten. Gleich unbewiesen bleibe die Behauptung, dass die anwaltliche Vertretung gegenüber der zuständig en Personalberaterin des RAV bereits anlässlich des Aufnahmegesprächs bekannt gegeben worden se i. Zu berücksichtigen sei fer- ner, dass A.___ zahlreiche, der angefochtenen Verfügun g vorangegangene Korrespondenz direkt zugestellt erhalten habe, ohne dass er dies je mo niert habe. Die Beschwerdegegnerin begründete Ihren Antrag im Weiteren mit den Ausführu ngen, die sie bereits im angefochtenen Einspracheentscheid getätigt hatte. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (A TSG) vom 6. Oktober 2000 ist ein Gericht als letzte kantonale Instanz für die Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung sachlich zuständig. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 und Art. 119 Abs. 1 der Verordnung ü ber die obligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. A ugust 1983 die Rekursinstanz am Ort, wo die versicherte Person die Kontrollpflicht erfü llt. Nach § 54 Abs. 1 lit. k des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der Arbeitslosenkasse sowie des kantonalen Ar- beitsamtes gemäss Art. 100 und 101 lit. b AVIG. Auf di e beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person des Versicherungsge- richts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorlie- genden Fall ist eine Einstellung in der Anspruchsberec htigung im Umfang von 15 Tagen zu be- urteilen, was einem Streitwert von weniger als Fr. 10' 000.-- entspricht. Über die Beschwerde ist somit präsidial zu entscheiden. 2. Im vorliegenden Fall ist streitig, ob eine mangelha fte Eröffnung der einspracheweise angefochtenen Verfügung vom 24. August 2011 vorliegt. 2.1 Aus den Akten ergibt sich und ist unbestritten, dass d ie OeKa und auch die Beschwer- degegnerin als Einspracheinstanz schon lange Zeit vor Er lass der Verfügung vom 24. August 2011 durch das RAV mit dem Rechtsvertreter des Beschwerdef ührers korrespondiert hatte. Es ist aktenmässig belegt, dass dieser zunächst mit Eingabe vo m 4. April 2011 der OeKa nach- weislich per Fax eine IV-Verfügung und ein in jener Sa che ergangenes Urteil des Kantonsge- richts vom 6. Januar 2010 gesandt hatte. Ferner erhob e r im Namen des Beschwerdeführers am 27. Mai 2011 Einsprache gegen eine Verfügung vom 27 . April 2011 betreffend Ablehnung der Anspruchsberechtigung ab 15. Februar 2011 wegen N ichterfüllung der Beitragszeit. Die Beschwerdegegnerin bestätigte mit Schreiben vom 14. Ju ni 2011 den Eingang dieser Einspra- che und forderte den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers auf, eine aktuelle Vollmacht sowie das ausgefüllte Gesuchsformular um unentgeltliche Rec htspflege nachzureichen. Am 15. Au- gust 2011 sandte dieser der Beschwerdegegnerin die in diesem Verfahren angeforderte Voll- macht. Im vorliegenden Verfahren erging die angefochte ne Verfügung am 24. August 2011, also zu einem Zeitpunkt, wo sich der Rechtsvertreter des B eschwerdeführers bereits mehrmals mit der OeKa und Beschwerdegegnerin korrespondiert hat te und im Namen des Beschwerde- führers auch Rechtsmittel ergriffen hatte. Die im vorli egenden Verfahren streitgegenständliche Verfügung erliess indessen das RAV, das womöglich tatsächl ich keine Kenntnis vom Vertre- tungsverhältnis hatte. Es stellt sich deshalb die Frage, ob sich das RAV die anwaltliche Vertre- tung des Beschwerdeführers entgegenhalten lassen muss, ha ndelt es sich doch um eine Be- hörde, die gleich wie die OeKa dem KIGA untersteht (vg l. Art. 18 Abs. 2 lit. l und lit. m der Dienstordnung der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion vom 22. Dezember 2009). 2.2 In Art. 85 AVIG sind die Aufgaben der kantonalen Amtsstelle als Durchführungsorgan in der Arbeitslosenversicherung geregelt. Kantonale Amt sstelle im Sinne der Arbeitslosenversi- cherung ist gemäss § 2 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes übe r die Arbeitsvermittlung und die Arbeitslosenversicherung (AVLG) vom 25. März 1999 das Ka ntonale Amt für Industrie, Gewer- be und Arbeit (KIGA). Der Kanton führt unter dem Na men Öffentliche Arbeitslosenkasse Basel- Landschaft eine öffentliche Arbeitslosenkasse, die Teil des KIGA ist (§ 2 AVLG). Art. 85 b AVIG bestimmt, dass die Kantone den RAV Aufgaben der kantona len Amtsstelle übertragen können. Wesentlich ist auch, dass die Planung, Errichtung und Ko ordination der RAV der kantonalen Amtsstelle obliegen, die gleichzeitig auch die Aufsicht über den Betrieb der RAV ausübt (Art. 119a AVIV). Die Verordnung über die Übertragung von Aufgaben der Kantonalen Amtsstelle an die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren und die Log istik-Stelle für arbeitsmarktliche Mass- nahmen bezeichnet sodann im Einzelnen die Aufgaben, die den RAV übertragen sind. RAV und OeKa haben demnach je ihren eigenen, spezifischen Aufga benbereich, der letztlich aber aus- schliesslich der Durchführung des Arbeitslosenrechts dient. 2.3 Der Beschwerdeführer macht eine Verletzung des V ertrauensgrundsatzes geltend. Der Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 Bundesverf assung der Schweizerischen Eidge- nossenschaft [BV] vom 18. April 1999) gebietet ein lo yales und vertrauenswürdiges Verhalten im Rechtsverkehr. Er ist für die Beziehungen unter den Privaten wie für das Verhältnis zwischen dem Gemeinwesen und den Privaten elementar, gilt jed och auch im Verhältnis zwischen Ge- meinwesen (HÄFELIN /M ÜLLER , Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts, Zürich 19 93, Rz. 521). Der Grundsatz von Treu und Glauben wirkt sich im Ve rwaltungsrecht insbesondere in der Form des sogenannten Vertrauensschutzes (vgl. Art. 9 BV) a us. Dieser verleiht den Privaten einen Anspruch auf Schutz ihres berechtigten Vertrauen s in behördliche Zusicherungen oder in sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden. Der Vertrauens- schutz will im Sinne der Rechtsstaatsidee die Privaten gege n den Staat schützen. Damit der Vertrauensschutz wirksam wird, muss zunächst eine Vertrau ensgrundlage geschaffen werden. Von dieser muss der Betroffene Kenntnis haben und er da rf ihre allfällige Fehlerhaftigkeit nicht kennen und hätte sie auch nicht kennen müssen. Des Weiteren kann Vertrauensschutz nur gel- tend machen, wer gestützt auf sein Vertrauen eine D isposition getätigt hat, die ohne Nachteil nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Sind die se Voraussetzungen kumulativ erfüllt, kann sich der Betroffene auf den Vertrauensschutz berufen, soweit im Einzelfall nicht überwie- gende öffentliche Interessen vorgehen (vgl. zum Ganzen HÄFELIN /M ÜLLER Rz. 525 ff.; BGE 127 I 36 E. 3c; 124 V 220 E. 2; 121 II 479 E. 2c; 118 Ia 254 E. 4b). 2.4 Für den Laien, aber auch für juristisch gebildete Personen ist die Aufgabenteilung zwi- schen RAV und Arbeitslosenkasse nicht ohne weiteres geläu fig. Mitteilungen und Verfügungen dieser beiden Amtsstellen erfolgen im Briefpapier imm er auch unter Bezugnahme auf das KIGA. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin greift daher zu kurz, wenn sie dem Rechts- vertreter des Beschwerdeführers vorhält, dass er dem RAV das Vertretungsverhältnis nicht an- gezeigt habe. Da die Abklärungen, Mitteilungen und V erfügungen dieser beiden Behörden in pekuniärer Hinsicht immer die Frage der Anspruchsberech tigung eines Versicherten betreffen, ist es lebensfremd anzunehmen, ein Versicherter wolle sich nur im Verfahren bei der einen Be- hörde vertreten lassen. Die RAV und die OeKa müssen ihr e Tätigkeiten untereinander ohnehin koordinieren. Es darf daher auch vorausgesetzt werden, dass die Anzeige eines Mandatsver- hältnisses an eine Behörde der anderen weitergeleitet wird. So statuiert Art. 8 Abs. 1 VwVG eine Weiterleitungspflicht für eine an die falsche Beh örde eingereichte Eingabe. In maiore mi- nus darf das auch für Eingaben gelten, die den Zuständ igkeitsbereich zweier Behörden betref- fen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung genügt es, wenn für die Leistungsfestset- zung das Zusammenwirken mehrerer Behörden notwendig i st, dass die erforderliche Kenntnis bei einer der zuständigen Verwaltungsstellen vorhanden i st (BGE 119 V 433 Erw. 3a, 112 V 183 Erw. 4c). Bestehen Zweifel über die Tragweite de r Rechtsvertretung, so darf von den Be- hörden eine Rückfrage an die Rechtsvertretung erwartet werden. 2.5 Die Beschwerdegegnerin macht auch geltend, dass die in einem anderen Verfahren bei der OeKa eingereichte Vollmacht sich nicht auf Verfügungen des RAV erstrecke. Die Einrei- chung einer schriftlichen Vollmacht ist indessen keine not wendige formelle Voraussetzung da- für, dass jemand im Verwaltungsverfahren als Parteivertr eter auftreten und von der Verwaltung als solcher anerkannt werden kann. Art. 11 Abs. 2 des Bu ndesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG) erteilt der Behörde lediglich die Befugnis, den Vertreter aufzufordern, sich durch schriftliche Vollmacht auszuwei- sen. Grundsätzlich ist somit auch eine mündliche oder durch konkludentes Handeln erteilte Ver- tretungsvollmacht gültig. 2.6 Nach dem Gesagten kann nicht zweifelhaft sein, da ss die Beschwerdegegnerin Dr. E. Wassmer als bevollmächtigten Vertreter des Beschwerdef ührers hätte betrachten müssen, obwohl keine schriftliche Vollmacht vorlag, die sich auf d ie Anfechtung der vorliegenden Verfü- gung bezog. Gemäss Art. 11 Abs. 3 VwvG macht die Behörd e ihre Mitteilungen an den Vertre- ter, solange die Partei die Vollmacht nicht widerruft. Dieser Vorschrift ist die Beschwerdegegne- rin nicht nachgekommen, wenn sie sich mit der Vorinstanz auf den Standpunkt stellt, die für den Fristenlauf massgebende Eröffnung sei jene, die spätesten s am 3. September 2011 an den Beschwerdeführer persönlich erfolgt sei. Art. 11 Abs. 3 VwVG ist nicht eine blosse Ordnungs- vorschrift, von deren Einhaltung allenfalls ohne weitere Rechtsfolgen abgesehen werden darf. Vielmehr dient diese Bestimmung - im Interesse der Recht ssicherheit - dazu, allfällige Zweifel darüber zum vorneherein zu beseitigen, ob die Mitteilu ngen an die Partei selber oder an ihren Vertreter zu erfolgen haben, sowie um klarzustellen, wel ches die für einen Fristenlauf massge- benden Mitteilungen sein sollen (vgl. BGE 99 V 177 S. 182). 2.7 Unbehelflich ist der Einwand der Beschwerdegegneri n, der Beschwerdeführer oder auch sein Rechtsvertreter hätten gegen die persönliche Zu stellung von Korrespondenz des RAV nie opponiert. Zum einen scheint der Beschwerdefüh rer tatsächlich vom Verfahrensablauf überfordert gewesen zu sein, da er auf Aufforderungssch reiben des RAV offenbar nie reagierte und die ersten zwei eingeschrieben versandten Verfügung en des RAV vom 29. Juni 2011 und 3. August 2011 nicht abholte. Sein Rechtsvertreter war o ffensichtlich nicht über den Erlass und die Zustellversuche dieser Verfügungen orientiert, andernfalls er auch diese angefochten hätte. 3. Die Zustellung einer beschwerdefähigen Verfügung an die Partei persönlich anstatt an ihren Vertreter stellt somit eine mangelhafte Eröffnung dar, aus der laut Art. 38 VwVG einer Par- tei kein Nachteil erwachsen darf. 3.1 Auch die fehlerhaft eröffnete Verfügung kann so mit rechtsbeständig werden, nämlich dann, wenn der Verwaltungsakt nicht innert vernünftige r Frist ( BGE 111 V 150 Erw. 4c, 106 V 97 Erw. 2a, 104 V 166 Erw. 3; vgl. auch BGE 105 V 111 Erw. 3 in fine) seit jenem Zeitpunkt in Frage gestellt wird, da der Verfügungsadressat Kenntn is vom Verfügungsinhalt hat. Der Zeit- raum der vernünftigen Frist, innert der das Zuwarten berücksichtigt wird, bemisst sich praxis- gemäss nach den besonderen Umständen des Einzelfalls, wob ei vor allem darauf abgestellt wird, ob der von der fehlerhaften Verfügungseröffnun g Betroffene Anlass hatte, sich bei der Verwaltung nach dem Verfügungserlass zu erkundigen (nicht publizierte Urteile B. vom 24. Sep- tember 1996 [I 157/96], F. vom 28. März 1991 [I 320/89] und B. vom 22. Mai 1987 [H 16/86]). 3.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung trifft eine anwaltlich vertretene Person, welcher regelwidrig eine Verfügung trotz Vertretungsve rhältnis direkt zugestellt worden ist, eine Sorgfaltspflicht dahingehend, dass sich diese spätestens am letzten Tag der laufenden Rechtsmittelfrist bei ihrem Rechtsvertreter nach dem Stan d der Dinge erkundigen und ihm ihr Exemplar der Verfügung zur Verfügung stellen muss, womit ab diesem Zeitpunkt gestützt auf Treu und Glauben eine Rechtsmittelfrist einzuräumen ist (Urteil des Bundesgerichts C 168/00 vom 13. Februar 2001). Für den Beginn des Fristenlaufs ist massgeblich, wann die angefochte- ne Verfügung dem Beschwerdeführer zugestellt wurde. Ei n Zustellnachweis wurde von der Be- schwerdegegnerin bzw. von der Vorinstanz nicht erbracht. Selbst bei einer frühestmöglichen Zustellung am Ausstelldatum der Verfügung vom 24. August 2011 ist die Einsprachefrist ab 23. September 2011 zu gewähren und hat am Montag, den 24. Oktober 2011 als abgelaufen zu gelten. Die Einsprache vom 21. Oktober 2011 ist damit gestützt auf die angeführte Rechtspre- chung rechtzeitig erfolgt, weshalb die Beschwerdegegner in auf die Einsprache hätte eintreten müssen. Die Angelegenheit ist deshalb zur materiellen Entscheidung an die Beschwerdegegne- rin zurückzuweisen. 4.1 Gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG wird der gesuchstellend en Person, wo die Verhältnisse es erfordern, ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewill igt. Als Voraussetzungen der unentgeltli- chen Verbeiständung gelten die finanzielle Bedürftigkei t, die fehlende Aussichtslosigkeit sowie die Erforderlichkeit der Vertretung. Die Konkretisieru ng der einzelnen Voraussetzungen erfolgt in Analogie zu den entsprechenden Kriterien im Geri chtsverfahren, wobei allerdings im Verwal- tungsverfahren an die Voraussetzung der Erforderlichkeit der Vertretung höhere Anforderungen gestellt werden dürfen und diese jeweils eingehend zu prüfen sind. Dabei ist auf die Schwierig- keit des Falles und auf die Verfahrensphase abzustellen (UELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zü- rich, Basel, Genf 2003, Art. 37 Rz 21 mit Hinweisen au f die bundesrätliche Botschaft zum ATSG). Die im Rahmen von alt Art. 4 BV zu den Vorau ssetzungen der unentgeltlichen Ver- beiständung im Verwaltungs- und Einspracheverfahren ergangene Rechtsprechung (Bedürftig- keit der Partei, fehlende Aussichtslosigkeit der Rechtsbege hren, sachliche Gebotenheit im kon- kreten Fall; BGE 125 V 34 E. 2, 117 V 408; AHI 2000 S. 164 E. 2b) ist nach dem Willen des Gesetzgebers weiterhin anwendbar (Urteil M. vom 29. Nove mber 2004 [I 557/04] E. 2.1.; Bun- desblatt 1999 V S. 4595; KIESER , a.a.O., Art. 37 Rz 15 ff.). 4.2 Ob die anwaltliche Vertretung notwendig oder do ch sachlich geboten ist, beurteilt sich nach den konkreten objektiven und subjektiven Umständen. Die unentgeltliche Vertretung muss grundsätzlich gewährt werden, sofern sie nach den konkret en objektiven und subjektiven Um- ständen nicht als unnötig erscheint. Im Einzelfall ist zu fragen, ob eine nicht bedürftige Partei unter sonst gleichen Umständen vernünftigerweise eine Ad vokatin oder einen Advokat beizie- hen würde, weil sie selber zu wenig rechtskundig ist und das Interesse am Prozessausgang den Aufwand rechtfertigt. Im Rahmen der Einzelfallpr üfung zu berücksichtigen sind etwa auch die Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften sowie die Besonderheiten des jeweili- gen Verfahrens. Dabei fallen neben der Komplexität de r Rechtsfragen und der Unübersichtlich- keit des Sachverhalts auch in der Person des Betroffenen liegende Gründe in Betracht, wie et- wa seine Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden. Falls ein besonders starker Eingriff in die Rechtsstellung des Bedürftigen droht, ist die Ver beiständung grundsätzlich geboten, an- dernfalls bloss, wenn zur relativen Schwere des Falls be sondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten hinzukommen, denen der Gesuchsteller a uf sich alleine gestellt nicht gewach- sen ist (BGE 125 V 35 f. E. 4b) und eine Verbeiständu ng durch Verbandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institu tionen nicht in Betracht fällt. Der Beizug kann sich daher rechtfertigen, wenn der Sachverhalt ver wickelt, schwierige Rechtsfragen zu beantworten oder komplizierte Prozessvorschriften zu beach ten sind. Auch die Bedeutung der Streitsache ist zu berücksichtigen. Die sachliche Notwendigkeit wird nicht allein dadurch ausge- schlossen, dass das in Frage stehende Verfahren von der Of fizialmaxime oder dem Untersu- chungsgrundsatz beherrscht wird. Die Offizialmaxime rechtf ertigt es jedoch, an die Vorausset- zungen, unter denen eine Verbeiständung durch einen A dvokat oder eine Advokatin sachlich geboten ist, einen strengen Massstab anzulegen (Urteil S . des EVG vom 7. April 2004 [U 333/03] E. 4.2.). 4.3 Strittig ist, ob die anwaltliche Vertretung sachl ich geboten war. Inhaltlich geht es beim vorliegenden Sachverhalt um die Frage, ob der Beschwer deführer zu Recht wegen fehlenden Arbeitsbemühungen für 15 Tage im Juli 2011 in der An spruchsberechtigung eingestellt worden ist. Die Beantwortung dieser Frage dürfte präjudiziel le Wirkung für den Ausgang des Einspra- che gegen die Verfügung des RAV vom 6. Oktober 2011 hab en, wonach dem Beschwerdefüh- rer gestützt auf die erfolgten drei Einstellungen in der Anspruchsberechtigung - zwei davon sind in Rechtskraft erwachsen - die Vermittlungsfähigkeit abg esprochen wurde. Es handelt sich da- bei um einen grossen Eingriff in die Rechtsstellung des B eschwerdeführers, der mit Absprache der Vermittlungsfähigkeit gänzlich seiner Ansprüche auf A rbeitslosenentschädigung verlustig geht. In prozessualer Hinsicht stellte sich sodann die F rage, ob die angefochtene Verfügung mangelhaft eröffnet wurde. Wie die obigen Erwägunge n aufzeigen, handelt es sich dabei um eine Rechtsfrage, die einen gewissen Schwierigkeitsgra d aufweist und einer sorgfältigen Argu- mentation bedarf. Aus diesen genannten Gründen ist ein e anwaltliche Vertretung geboten, zu- mal der Beschwerdeführer nach den Ausführungen seines Rechtsvertreters auch aus gesund- heitlichen Gründen nicht in der Lage ist, seine eigenen Interessen wahrzunehmen. Für die Prü- fung der weiteren Voraussetzungen zur Gewährung der u nentgeltlichen Verbeiständung ist die Angelegenheit auch in diesem Punkt an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 5. Zusammenfassend ergibt sich demnach, dass die Einsprach e gutzuheissen und die Angelegenheit zur materiellen Entscheidung sowie zur Pr üfung der weiteren Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung an die Beschwerdegegnerin zurückzu- weisen ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der Eins pracheentscheid vom 7. November 2011 aufgehoben. 2. Die Angelegenheit wird zur materiellen Entscheidu ng und zur Prüfung der weiteren Voraussetzungen für die Gewährung der une ntgeltlichen Verbeiständung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung von Fr. 2'023.40 (inkl. Auslagen und MWSt von 8%) zu bezahlen. Mitteilung an Parteien Direktion für Arbeiten (seco) Präsident Gerichtsschreiber Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit schriftlicher Eröffnung beim Bundesgericht Beschwer- de in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) vom 17. Juni 2005 eingereicht werden. Diese Frist kann nicht verlängert werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, einzureichen. Sie ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, der en Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten (Art. 42 Abs. 1 BGG ). In der Begründung ist in gedrängter Form darzu- legen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 BGG). Die Urkunden, auf die sich die Beschwerde führende Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat. Ebenfalls beizulegen ist der angefochtene Entscheid (Art. 42 Abs. 3 BGG). http://www.bl.ch/kantonsgericht