Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. August 2016 (715 16 48 / 192) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Taggeldberechtigung aufgrund selbstverschuldeten Verlusts des Zwi- schenverdienstes vorliegend nicht möglich, da nicht erstellt ist, dass die Versicherte die Kündigung des Arbeitsverhältnisses in Kauf genommen hat; daher ist die Beschwerde gutzuheissen Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei berin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. A.____ meldete sich am 1. November 2013 beim Reg ionalen Arbeitsvermittlungszent- rum (RAV) B.____ zur Arbeitsvermittlung an und erho b am 6. November 2013 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 4. November 2013. In der Folge arbeitete sie in verschiede- nen Arbeitsstellen im Zwischenverdienst, so unter a nderem ab dem 10. September 2014 bei der C.____ AG auf Stundenlohnbasis als Pflegehelfer in SRK. Am 13. Januar 2015 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 28. Februar 2015. Mit Verfügung Nr. 505/2015 vom 17. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht März 2015 stellte die Öffentliche Arbeitslosenkasse (Arbe itslosenkasse) A.____ wegen selbst- verschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. März 2015 für di e Dauer von 16 Tagen in der An- spruchsberechtigung ein. Aufgrund der finanziellen Auswir kungen durch die erhaltene Kündi- gung auf die Arbeitslosenentschädigung wurden der Versi cherten lediglich 8.4 Tage belastet. Eine gegen diese Verfügung gerichtete Einsprache wies d ie Arbeitslosenkasse mit Einsprache- entscheid vom 15. Januar 2016 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ mit E ingabe vom 12. Februar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte sie, es seien der angef ochtene Entscheid vom 15. Januar 2016 und die Verfügung vom 17. März 2016 aufzuheben und es se ien ihr insgesamt Fr. 8‘000.-- aus- zubezahlen. C. Mit Vernehmlassung vom 1. April 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abwei- sung der Beschwerde. Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichte n Akten wird, soweit erforderlich, im Rah- men der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (A TSG) vom 6. Oktober 2000 ist ein Gericht als letzte kantonale Instanz für die Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung sachlich zuständig. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorisch e Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 und Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 AVIV das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versi cherte Person zur Zeit des Verfü- gungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Nach § 54 A bs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht Beschwerden gegen E inspracheentscheide der Versi- cherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Die Beschwerdeführe rin erfüllte ihre Kontrollpflicht beim RAV B.____. Örtlich und sachlich zuständig ist daher da s Kantonsgericht. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist eine Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Umfang von 16 Tagen bei einem Taggeld von Fr . 104.90 zu beurteilen. Über die Be- schwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerd eführerin infolge selbstverschul- deter Arbeitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 16 Ta gen in der Anspruchsberechtigung ein- stellte. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Sch adenminderungspflicht; BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2a). Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung verfügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versiche- rung für Schäden, die die versicherte Person hätte verm eiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältn ismässigkeits- und Verschul- densprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, 3. Aufl., Basel 2015, Rz. 828 ff.). 3.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt unter anderem dann vor , wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung arbeitsvertra glicher Pflichten, der Arbeitgeberin An- lass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). Die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus wichtigen Gründen nach Art. 337 beziehungsweise Art. 346 Abs. 2 des Schweizerischen Obligationenrechts (O R) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auch nicht zwingend eine eigentliche Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, dass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhal- ten innerhalb und ausserhalb des Betriebs berechtigten Anlass zur Kündigung gab (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrecht- liche Abteilungen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3 .1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Erfor- derlich ist demnach lediglich ein von der Verwaltung beziehungsweise dem Gericht nachgewie- senes vermeidbares Fehlverhalten der versicherten Person (JACQUELINE CHOPARD , Die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 108 ). Dabei müssen nicht zwingend Bean- standungen in beruflicher Hinsicht vorgelegen haben. Es g enügt beispielsweise, dass charak- terliche Eigenschaften im weiteren Sinne, die die Arb eitnehmende für den Betrieb als untragbar erscheinen lassen, zur Entlassung geführt haben (BGE 112 V 244 f. E. 1). Von selbstverschul- deter Arbeitslosigkeit im Sinne der Arbeitslosenversicheru ng ist folglich dann auszugehen, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Verhältnissen v ermeidbaren Verhalten der versicher- ten Person liegt (ARV 1998 Nr. 9 E. 2b mit Hinweisen; GERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Bern und Stuttgart 1987, Bd. I, N 8 zu Art. 30). 3.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Inte rnationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (Über- einkommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Oktober 1991 in Kraft trat, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Verdienst- ausfall infolge einer vorübergehenden Arbeitseinstell ung ohne Unterbrechung des Beschäfti- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekürzt we rden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vorsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheides im Einzelfall dienen zu könn en (BGE 122 V 54 ff.); er ist daher direkt anwendbar. Aufgrund des grundsätzlichen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nicht jedes schuldhafte Verhalten der versicherten Person, das der Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Überein- kommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt. Somit darf im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolgen (J ACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 76 f.; implizit auch BGE 124 V 234 E. 3b mit Hinweis auf das Urteil des Bu ndesgerichts vom 17. Oktober 2000, C 53/00). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzun ehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten erg ebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2 009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1; T HOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversiche- rungsrechts, 4. Aufl., Bern 2014, § 70 Rz. 3 und 20ff.). 4.2 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässi g auf die Parteivorbringen und insbesondere auf die Aussagen der Arbeitgeberin angewie sen. Diese sollte eine Sachverhalts- darstellung abgeben, ohne am Ausgang des Verfahrens in teressiert zu sein und ohne ein Inte- resse daran zu haben, die versicherte Person in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Solange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeit geberin zu zweifeln, ist auf diese ab- zustellen. Es darf hingegen insbesondere dann nicht einzig auf deren Aussagen zu den Um- ständen der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältni sses abgestellt werden, wenn diese be- stritten und durch keine weiteren Indizien gestützt wer den (BGE 112 V 245 E. 1; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; Urteil des EVG vom 8. März 2001, C 102/ 00, E. 1a). Denn eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung kann, wie eben dargestellt, nur verfügt werden, wenn das der versi- cherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht und von dieser vorsätzlich ausgeübt wurde. Ein derartiges Verhalten muss demnach als solches au ch bewiesen werden und nicht bloss mit dem ansonsten im Bereich des Sozialversicherungsre chts erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein (Urt eile des EVG vom 26. April 2006, C 11/06, E. 3, vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 u nd vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; BGE 112 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV Nr. 72 S. 220 E. 3b/bb; T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 829). Bei Differenzen zwischen der Arbeitgeberin und der Arbeitnehmerin darf somit Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht ohne weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbeitnehmers geschlossen werden, wenn die Arbeitgeberin nur unbestimmte Gründe gelten d zu machen vermag, für welche sie keine Beweise anführen kann (Urteil des EVG vom 26. Apr il 2001, C 380/00, E. 2b; BGE 112 V 245 mit Hinweisen; THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). 5.1 Zur Klärung der strittigen Fragen liegen die fol genden Unterlagen vor: 5.2 In der schriftlichen Kündigung des Arbeitsvertrages vo m 13. Januar 2015 führte die Arbeitgeberin aus, dass sie die verschiedenen Auffassungen betreffend Pflegephilosophie zur Kündigung bewogen hätten (Oeka act. 940). 5.3 Mit Email vom 11. Februar 2015 hielt die Beschwer deführerin gegenüber der Be- schwerdegegnerin fest, dass sie für sexuelle Fantasien der Patienten nicht zuständig sei. Was der Patient in seiner Wut alles über sie berichtet ha be, wisse sie nicht und es interessiere sie auch nicht. Normalerweise gebe es einen Unterschied zwi schen Nachtwache und Nachtbereit- schaft. Bei einer Nachtwache bleibe man wach, so wie d ie Krankenschwestern im Spital. Sie habe demgemäss Nachtwachen ausgeübt, die jedoch als Nachtb ereitschaft bezahlt worden seien. Dies mache einen Unterschied von Fr. 150.-- aus. D arüber hinaus habe sie den Patien- ten auch massiert (Oeka act. 938). 5.4 Weiter ist den Akten eine Telefonnotiz vom 11. Febr uar 2015 zu entnehmen (Oeka act. 937). Anlässlich des Telefonats erkundigte sich die Beschwe rdegegnerin bei der Arbeitgeberin nach dem Kündigungsgrund. Gemäss Notiz habe sich die Arb eitgeberin dahingehend geäus- sert, dass mit der Versicherten vereinbart worden sei, da ss sie hauptsächlich im Nachtdienst und für längere Einsätze eingesetzt würde. Während ei nes längeren Einsatzes bei einem Pati- enten sei dieser mit der Angestellten sehr unzufrieden gewesen, da sie die Arbeit nicht gesehen und sich keine Mühe gegeben habe. Daher sei das Arbeitsverhältnis aufgelöst worden. 5.5 In der Folge räumte die Beschwerdegegnerin der Be schwerdeführerin vor Erlass der Verfügung die Möglichkeit ein, zum Kündigungsgrund und zur Auskunft der ehemaligen Arbeit- geberin Stellung zu nehmen. Mit Schreiben vom 28. Febr uar 2015 (Oeka act. 982f.) führte die Beschwerdeführerin aus, dass es stimme, dass der Patient sehr unzufrieden gewesen sei, als sie sich geweigert habe, in der Nacht seine „Eier“ zu „che cken“. Er sei aber nicht immer unzu- frieden gewesen. Sie hätten sich jeden Abend lange un terhalten. In der dritten Nacht sei der Urin nicht aus dem Stomasack in den Kathedersack gelaufen , weil der Ausgang verstopft ge- wesen sei. Der Beutel sei fast voll gewesen und der Pati ent sei hysterisch geworden. Sie habe als Pflegehelferin nicht die Erlaubnis gehabt, den St omasack auszuwechseln. Sie habe dem Patienten vorgeschlagen, den Pikettdienst oder den Not fallarzt des Spitals Z.____ zu rufen. Beides habe der Patient nicht gewollt. Stattdessen habe der Patient nach seinem Neffen geru- fen. Zusammen habe man den Stomasack geleert. Der Pati ent habe geschimpft und sei der Auffassung gewesen, dass dies ihre Aufgabe gewesen wäre. Am Morgen habe er dann bei der Arbeitgeberin angerufen und sich beschwert. Sie sei dan n am nächsten Abend nochmals dort hingegangen und habe einige nasse Stellen im Bett vorgefunden. Wieder habe der Patient nach seinem Neffen gerufen und gemeinsam habe man dann di e Laken gewechselt. Das sei auch Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht diejenige Nacht gewesen, in welcher sie die „Eier“ hät te „checken“ sollen. Sie habe anschlies- send mit der Pflegefachfrau darüber gesprochen. Es sei kl ar gewesen, dass sie da nicht mehr hingehen könne und werde. Ansonsten sei man so verbliebe n, dass sie für die Abenddienste und an den Wochenenden eingesetzt werde. Sie habe deswe gen auch den Führerausweis um- schreiben lassen. Die Kündigung sei aus heiterem Himmel erfolgt. 5.6 In der Verfügung vom 17. März 2015 hielt die Beschw erdegegnerin einzig fest, dass sie aufgrund der Angaben der Arbeitgeberin der Auffa ssung sei, dass die Versicherte die Ar- beitslosigkeit selbst verschuldet habe. 5.7 In der Folge erkundigte sich die Beschwerdeführerin bei der ehemaligen Arbeitgeberin nach den Gründen für die Kündigung. Mit Email vom 7. April 2015 (Oeka act. 1025) führte die Arbeitgeberin aus, dass sich der Patient nicht gut gepf legt und bei der Mobilisation unsicher gefühlt habe. Er habe beim Pikettdienst bemängelt, da ss sie während des Einsatzes draussen geraucht habe, weshalb sie ihn nicht habe rufen hören. Auch habe ihn der Nikotingeruch ge- stört. Weiter sei sie ja auf ihren eigenen Wunsch hin a ufgrund einer Überforderung aus der Morgenpflege ausgeplant worden. Auf Wunsch des Patiente n sei sie sodann ab dem 28. No- vember 2014 auch aus dem Nachtdienst ausgeplant worden. Als ein Arbeitskollege am 27. No- vember 2014 zur Morgenpflege gekommen sei, habe er sie i n T-Shirt und Unterwäsche bzw. Shorts angetroffen. Dies alles habe zur Kündigung geführt. 5.8 Daraufhin verlangte die Beschwerdeführerin in de r Email vom 8. April 2015 (Oeka act. 1025) zuhanden der Beschwerdegegnerin und der ehemalig en Arbeitgeberin, dass der Patient und der Arbeitskollege ihre Aussagen schriftlich bestätigte n müssten. Gleichentags meldete sich die Beschwerdeführerin nochmals per Email bei der Beschwerdegegnerin (Oeka act. 1028) und hielt fest, dass sie Nichtraucherin sei. Es sei richtig, dass sie aus der Morgenpflege ausge- plant worden sei. Es sei gesetzlich nicht erlaubt, nach einer Nachtschicht noch einen Morgen- einsatz anzuhängen. Ausserdem sei sie gar nicht eingearbe itet worden und der Lift sei ganz anders gewesen als dass sie sich das vorgestellt habe. Der Pa tient liege nachts im Bett, könne sich nicht bewegen und fühle sich unsicher, wenn er von ihr auf die Seite gedreht werde, wo ein Holzrahmen sei, an dem er sich festhalten könne. 5.9 Mit Einsprache vom 15. April 2015 führte die Beschw erdeführerin aus, dass die Verfü- gung auf einem Satz, in keiner Weise jedoch auf einer Beweisführung beruhen würde. Sie wolle zur Stellungnahme der ehemaligen Arbeitgeberin anfüg en, dass es die persönliche Sache des Patienten sei, was er fühle (Oeka act. 1036). Sie habe die Anweisungen der Kundendokumen- tation betreffend Pflege im Bett befolgt. Es sei ihr nicht ganz klar, wie man sich im Bett unsicher fühlen könne. Sie habe in ihrer ganzen SRK Laufbahn keinen Sturz bzw. Unfall mit einem Pati- enten produziert. Sie rauche nicht. Sie sei am 28. Nove mber 2014 ausgeplant worden, habe aber im Dezember noch einen Dienst geleistet. Es sei rich tig, dass sie auf eigenen Wunsch hin aus der Morgenpflege ausgeplant worden sei. Dieser Wunsc h habe auf folgenden Überlegun- gen beruht: Sie hätte Überzeit leisten müssen, weshalb die Bezahlung auch anders gewesen wäre. Zudem hätte eine Pause eingebaut werden müssen. Sie sei betreffend morgendlichen Pflegeablauf beim Patienten nicht eingeführt worden. Sie habe somit keine Gelegenheit gehabt, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Transport mit dem Lift zu üben. Die Pflege von ein em Tetraplegiker und das Auswechseln eines Stomasacks hätten ihre Kompetenzen überschritten. S ie arbeite auf Sicherheit hin. Sie sei vertraglich nicht verpflichtet, den Genitalbereich von Männern zu massieren. Es sei ihr rät- selhaft, wie der Pfleger dazu komme zu behaupten, sie s ei in Unterwäsche herumgelaufen. Ei- ne schriftliche Aussage liege nicht vor. 5.10 Nachdem die ehemalige Arbeitgeberin von der Besch werdegegnerin mit Schreiben vom 11. November 2015 (Oeka act. 1169) um Stellungnahme zu den Umständen der Beendi- gung des Arbeitsverhältnisses gebeten wurde, antwortete d iese mit Schreiben vom 18. Dezem- ber 2015 (Oeka act. 1176-1187). Die Arbeitgeberin hie lt fest, dass die Beschwerdeführerin of- fensichtlich mit der Situation beim Patienten überfor dert gewesen sei. Dies komme in den bei- gefügten Dokumenten deutlich zum Ausdruck. Es habe ihr insbesondere an Einfühlungsvermö- gen sowie am Sachverstand, in einer allfälligen schwieri geren Situation auf den Kunden einge- hen zu können, gefehlt. Sie sei von einem anderen Mita rbeiter, der die Morgenpflege über- nommen habe, schlafend und nur mit einem T-Shirt und Shorts bekleidet vorgefunden worden. Eine Erscheinung, die – auch wenn man Schlafpikett aus übe – inakzeptabel sei. Da sich der Kunde über die Arbeitnehmerin beklagt habe, habe man davon ausgehen müssen, dass sie die Bedürfnisse des Kunden nicht wahrgenommen habe. Der K unde habe sich gegenüber dem Pikettdienst darüber beklagt, dass die Versicherte den Ab lauf der Pflege nicht gekannt habe. Sie sei selber zum Schluss gekommen, dass die Einsätze nicht so gegangen seien wie ge- dacht, sodass diese hätten abgebrochen werden müssen. Si e habe den Kunden offensichtlich missverstanden. Dieser sei Ausländer und könne sich nicht rich tig ausdrücken, weshalb man daraus nicht einen Annäherungsversuch ableiten könne. Si e habe den Kunden falsch verstan- den, was auf ihre Inkompetenz hinweise. Anlässlich der Mi tarbeiterbesprechung vom 1. De- zember 2014 sei mit ihr vereinbart worden, dass sie keine Einsätze mehr bei diesem Kunden machen müsse. Die Beschwerdeführerin habe ein sicheres und überzeugtes Auftreten gehabt. Aufgrund der langjährigen Berufserfahrung habe man nicht davon ausgehen können, dass sie den Aufgaben nicht gewachsen sei. Erst ihr Verhalten im Umgang mit dem Kunden und das inakzeptable Antreffen in leichter Bekleidung hätten der Arbeitgeberin gezeigt, dass sie nicht den Vorstellungen und der Pflegephilosophie des Unternehmens entspreche. Unter diesen Um- ständen hätten auch keine zumutbaren Einsätze mehr organisiert werden können. 5.11 In ihrer Stellungnahme vom 28. Dezember 2015 (Oe ka act. 1192) führte die Be- schwerdeführerin folgendes aus: Der Kunde habe am Morg en des 28. Novembers geschrien, dass er sich beschweren werde, dass sie eine nichtsnutzige Krankenschwester sei und dass sie ab sofort bei ihm Hausverbot habe. Daher habe sie bei der Arbeitgeberin nachgefragt, ob er sich beschwert habe. Trotz der Beschwerde des Kunden habe sie dann nochmals eine Nacht dort gearbeitet. Der Kunde habe in der Nacht erhöhte Temperatur gehabt und dann einen Teil des Tages wegen einer Infektion im Spital verbracht. Er kommandiere auch die Damen der Spi- tex herum. Er habe ihr in jener Nacht alles Mögliche e rzählt. Es sei ein schwieriger Kunde ge- wesen, der schwierige Situationen für die Betreuenden geboten habe. Sie habe sich mit seiner ständigen Schreierei und einer ungeübten Morgenrouti ne mit dem fremden Lift überfordert ge- fühlt und habe kein Risiko eingehen wollen. Sie habe d ort die Morgenpflege nie gemacht. Sie verlange, dass der Arbeitskollege, der sie schlafend vorg efunden habe, die Aussage schriftlich Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht mache. Die Einführung am ersten Tag habe gar nicht ri chtig stattfinden können, weil der Kunde nicht da gewesen sei. Am Abend habe sie ein paar nasse Stellen auf dem Laken vorgefunden. Das Laken sei dann ausgewechselt worden. Sie wisse nicht, weshalb er seine „Eier gecheckt haben wollte“, denn der Urin laufe ja in den Stomasa ck. Er sei sehr erbost darüber gewesen, dass sie das nicht gemacht habe. Es sei auch nicht sein e rster Versuch gewesen sie dazu zu bewegen, an „seinen Genitalien rumzufummeln“. Das steh e aber nicht in ihrem Vertrag. Das Leeren oder Wechseln eines Urinsackes sei kein Problem, das habe sie schon oft gemacht. Der Stomasack sei verstopft gewesen und der Neffe habe bereits Erfahrung gehabt, was am besten in einer solchen Situation zu tun sei. Sie sei über sein e Hilfe sehr froh gewesen. Sie habe auch eine Ritzarthrose im rechten Daumen, weshalb es nicht einfach sei, dünne festgesteckte Schläuche zu bearbeiten. Sie sei mit ihren vielen Wehweh chen nicht mehr für die Pflege geeig- net und habe dieses Problem auch nicht erwartet. Sie rauche nicht. Sie habe bis zum 9. De- zember gemeint, dass sie neue Aufgaben zugeteilt bekommen werde. Sie habe den Führer- schein gewechselt, damit sie mit dem Firmenwagen zu den Kunden fahren könne. Man könne bei einem Nachtpikettdienst auch schlafen. Der Dienst b ei diesem Kunden sei aber einer Sitz- wache gleichgekommen. 5.12 Im Einspracheentscheid vom 15. Januar 2016 wurde ausgeführt, dass die angefochte- ne Verfügung nicht nur auf einer Annahme der Beschwer degegnerin beruhe. Sie basiere auf dem Kündigungsschreiben vom 13. Januar 2015, der telefonischen Nachfrage vom 11. Februar 2015 bei der ehemaligen Arbeitgeberin sowie den schri ftlichen Stellungnahmen der Beschwer- deführerin vom 11. Februar 2015 sowie vom 28. Februar 2015. Die ehemalige Arbeitgeberin verstehe unter dem Begriff der Pflegephilosophie den gesamten Umgang mit dem Kunden. Der Kunde habe sich beschwert, als der Vorfall mit dem Stom asack passiert sei. Es sei gut nach- vollziehbar, dass ein Kunde mit einem fast vollen Stomas ack in der Nacht in Panik gerate, erst recht, wenn er Tetraplegiker sei. Die Einsprecherin ze ige kein Verständnis für seine Situation. Erwartet werde aber, dass sie den Kunden zu beruhigen versuche und den Stomasack nach ihren Fachkenntnissen entleere. Sie hätte dies ohne K ompetenzüberschreitung tun können. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie ihre Kompetenzen ü berschritten habe und mit einem Laien den Stomasack ausgewechselt habe. Die Weisungen d iesbezüglich seien klar gewesen. Werde eine Kompetenzüberschreitung verlangt, sei unver züglich der Pikettdienst zu verständi- gen. Sie hätte gegen den Willen des Kunden anrufen m üssen. In einer weiteren Nacht hätten die Laken gewechselt werden müssen, wiederum mit Hilfe des Neffen. Der Kunde habe sich nicht sicher gefühlt bei der Mobilisation, worauf sie mi t Unverständnis reagiert habe. Es sei nachvollziehbar, dass sich der Kunde bei der Arbeitgeber in beschwert habe. Obwohl sie einen Kurs besucht habe, bei dem es um fremde Haushalte und Sitten gegangen sei, komme in den Aussagen der Beschwerdeführerin zum Ausdruck, dass sie geg enüber dem Kunden kein Ver- ständnis gehabt habe. Ihre Bemerkungen würden herablass end klingen. Wenn der Kunde ge- schrien habe, habe sie lediglich an die Nachbarn gedach t. Es fehle ihr am Einfühlungsvermö- gen, das zu einer Krankenpflege gehöre. Das Verhalten der Beschwerdeführerin im Umgang mit Menschen lasse mehrfach Mängel erkennen, so gegenüber der ehemaligen Arbeitgeberin als auch gegenüber der Arbeitslosenkasse. Es sei daher nicht verwunderlich, dass der Einspre- cherin keine weiteren Einsätze zugeteilt hätten werden können. Die Pflege durch die Einspre- cherin habe Mängel aufgewiesen und sie habe keinerlei Verständnis für den Patienten aufbrin- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen können. Sie habe ihn lediglich kritisiert und habe möglichst wenig mit seiner Pflege zu tun haben wollen. Deshalb habe sie ihre Kündigung eventualvorsätzlich in Kauf genommen. 5.13 Die Beschwerdeführerin wies in ihrer Beschwerde d arauf hin, dass der Stomasack nur geleert worden sei. Sie habe nie behauptet, dass er a usgewechselt worden sei. Sie habe sich korrekt verhalten. Der Kunde sei in einem Patientenbet t gelegen, bei dem man die Gitter auf beiden Seiten rauf und runter machen könne. Sie sei es nicht gewöhnt, angeschrien zu werden. Es sei in keinem Spitexbetrieb üblich, auf Verlangen Massagen im Genitalbereich zu machen. Sie habe das nicht falsch verstanden, denn der Kunde ha be es mehrmals versucht. Es sei rich- tig, dass sie die Schreiben der Beschwerdegegnerin verbessert habe. Hier gehe es aber um die Beurteilung von Pflegekompetenzen. Es handle sich beim Einspracheentscheid um eine Eigen- interpretation der Beschwerdegegnerin. Sie arbeite i mmer noch bei einem anderen Pflege- dienst. Hier sei sie nicht mit solchen Beschuldigungen konfrontiert gewesen. Sie habe weder beim Kunden geraucht noch sei sie in Unterwäsche bei ihm herumgelaufen. 5.14 Die Beschwerdegegnerin führte in der Vernehmlassu ng aus, dass die Beschwerdefüh- rerin bei der Kommunikation mit den Vollzugsbehörden massiv die Anstandsregeln überschrit- ten habe. Die Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin sei mangelhaft gewesen und die Unzu- friedenheit des Kunden sei gut nachvollziehbar. Es handl e sich um eine Kündigung, die auf die mangelhafte Arbeitsleistung und das Verhalten der Beschwerdeführerin zurückzuführen sei. 6.1 In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob der Eint ritt der Arbeitslosigkeit auf ein nach den persönlichen Umständen und Verhältnissen vermeidbares Ver halten der Beschwerdeführerin zurückzuführen ist. Wie bereits dargelegt, muss das der Besch werdeführerin zur Last gelegte Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar feststehen, anson sten fällt eine Einstellung ausser Betracht (vgl. Erwägung 4.2 hiervor). 6.2.1 Die ehemalige Arbeitgeberin geht von einem ina kzeptablen Verhalten der Beschwerde- führerin aus, da sie am Arbeitsplatz geraucht habe und zudem inadäquat gekleidet angetroffen worden sei. Diese beiden Vorwürfe basieren auf mündli chen Aussagen von zwei Drittpersonen. Sie werden von der Beschwerdeführerin bestritten. Es li egt somit Aussage gegen Aussage vor. Gestützt auf die bisherigen Abklärungen ist damit das der Beschwerdeführerin zur Last gelegte Fehlverhalten in beweismässiger Hinsicht nicht klar erstellt. Hier müssten im Rahmen von amtli- chen Erkundigungen zuerst schriftliche Auskünfte bei den Drittpersonen eingeholt werden. Ebenso wenig ist beweismässig klar erstellt, dass die Besch werdeführerin die Bedürfnisse des Kunden – wie von der Beschwerdegegnerin behauptet – nicht wahrnahm und betreffend Stomasackproblematik ihre Kompetenzen überschritt. Auch d er Umstand, dass die Arbeitgebe- rin aufgrund eines allfälligen sprachlichen Missverständn isses zwischen dem Kunden und der Beschwerdeführerin auf die Inkompetenz der Beschwerdeführerin schloss, vermag ein Fehlver- halten in arbeitslosenversicherungsrechtlicher Hinsicht nicht als klar erstellt zu begründen. Dass die Beschwerdeführerin nachträglich in einem Verwaltun gsverfahren das Verhalten des Patien- ten in Frage stellt und ihr eigenes Verhalten rechtf ertigt, lässt zudem keine Mutmassungen zu, wie sie sich gegenüber dem Patienten und dem Neffen verhielt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.2 Die ehemalige Arbeitgeberin bringt in der Ste llungnahme vom 18. Dezember 2015 wei- ter vor, dass die Beschwerdeführerin mit der Situation beim Kunden offensichtlich überfordert gewesen sei. Diese Überforderung habe man aufgrund des Lebenslaufs und des Auftretens der Arbeitnehmerin nicht voraussehen können. Der Umstand, d ass die Pflege dieses Patienten der Beschwerdeführerin Mühe bereitete und sie womöglich an die Grenzen ihrer fachlichen Kennt- nisse brachte, wird von ihr nicht weiter bestritten. Sow eit die ehemalige Arbeitgeberin die Kün- digung nachträglich mit diesem Argument begründet, i st aber klarzustellen, dass eine Kündi- gung aufgrund ungenügender beruflicher Qualifikation eine Einstellung in der Anspruchsberech- tigung nicht zu rechtfertigen vermag (B ARBARA KUPFER BUCHER , Bundesgesetz über die obliga- torische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, 4. Aufl., Zürich 2013, Art. 30, S. 168 mit Hinweis auf ARV 1980 N 28 E. 2a). 6.2.3 Ein vermeidbares Fehlverhalten der Beschwerdefüh rerin ist somit nicht klar erstellt. Die Vorhaltungen der Arbeitgeberin und der Beschwerdegeg nerin beruhen auf Angaben von Dritt- personen, die von der Beschwerdeführerin jedoch bestritt en werden. Eine Sanktion, die sich lediglich auf Mutmassungen und Interpretationen stützt , ist aber nicht zulässig. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich die Beschwerdeführerin gegenüber der Beschwerdegegne- rin und anderen Verwaltungseinheiten wie dem RAV me hrmals deutlich im Ton vergriffen hat. Auch wenn dieses Verhalten unangebracht ist, kann dara us nicht unbesehen auf ein Fehlver- halten der Beschwerdeführerin im Arbeitsverhältnis geschlossen werden und eine Sanktion we- gen selbstverschuldetem Verlust des Zwischenverdienstes verfügt werden. 6.3.1 Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung set zt neben einem beweismässig klar erstellten Fehlverhalten voraus, dass die versicherte Perso n wusste, dass das Verhalten vom Arbeitgeber nicht toleriert wird und sie ihr Verhalte n trotz Wissen um die Missbilligung nicht än- derte. Zu prüfen ist deshalb, ob die Beschwerdeführer in die Gefahr einer Kündigung erkennen konnte, mit ihr rechnen musste und sich mit ihr abfand, womit sie den Verlust des Zwischenver- dienstes in Kauf nahm. Fehlt es an dieser Voraussetzung, so erübrigen sich weitere Sachver- haltsabklärungen zu einem allfälligen Fehlverhalten der Beschwerdeführerin. 6.3.2 Mit Stellungnahme vom 28. Februar 2015 (Oeka act . 982f.) hielt die Beschwerdeführe- rin fest, dass die Kündigung für sie aus heiterem Himm el erfolgt sei. Aus der Auskunft der ehe- maligen Arbeitgeberin vom 18. Dezember 2015 geht herv or, dass es am 1. Dezember 2014 eine Mitarbeiterbesprechung gegeben habe, wobei mit der Beschwerdeführerin vereinbart wor- den sei, dass sie keine Einsätze mehr bei diesem Kunden m achen müsse. Der Email der Be- schwerdeführerin an die Arbeitgeberin vom 26. November 2014 kann ebenfalls nicht entnom- men werden, dass die Beschwerdeführerin wusste, dass ein e Kündigung drohen könnte. Darin ersuchte sie die Arbeitgeberin, jemand anderen für die Morgenpflege zu organisieren. Zudem schilderte sie den Ablauf des Dienstes in der Nacht vom 25 . November 2014. Nach Erhalt der schriftlichen Kündigung erkundigte sich die Beschwerdefü hrerin am 25. Januar 2015 bei der Arbeitgeberin nach dem Kündigungsgrund und bat um Er klärung betreffend die unterschiedli- chen Pflegeauffassungen (Oeka act. 1179). Die Arbeitgeb erin nahm gegenüber der Beschwer- deführerin erst nachträglich zu den Kündigungsgründen Stellung (Email vom 7. April 2015, Oe- ka act. 1177). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.3 In den Akten findet sich kein Hinweis darauf, dass die Arbeitgeberin mit der Beschwer- deführerin vor der Kündigung ein Gespräch führte, in welchem die Missbilligung des Verhaltens mitgeteilt wurde. Fest steht lediglich, dass mit der Be schwerdeführerin vereinbart wurde, dass sie bei dem Kunden keine weiteren Einsätze mehr leisten muss. Damit trat die Unzufriedenheit der Arbeitgeberin aber nicht offen und klar zu Tage. D ie Beschwerdeführerin selbst wünschte eine Ausplanung bei diesem Kunden. Es ist somit nicht erst ellt, dass die Beschwerdeführerin trotz Wissen um eine Missbilligung ihr Verhalten nicht ä nderte, weshalb sie der Arbeitgeberin Anlass zur Kündigung gab bzw. eine solche in Kauf nahm. Hinzu kommt, dass es sich beim Kündigungsgrund „Divergenzen betreffend Pflegephilosop hie“ nicht um ein so gravierendes Vorkommnis handelt, bei dem gleich ohne Vorwarnung mi t der Entlassung zu rechnen wäre (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Januar 2007, C 354/0 5, E. 4.4). Kompetenzüberschreitun- gen werden der Beschwerdeführerin von der ehemaligen A rbeitgeberin – entgegen der Auffas- sung der Beschwerdegegnerin – nicht vorgeworfen. 6.4 Zusammenfassend ist damit nicht erstellt, dass die Besch werdeführerin die Kündigung und den Verlust des Zwischenverdienstes vorsätzlich bzw. eve ntualvorsätzlich in Kauf nahm. Aus diesem Grund erübrigen sich weitere Abklärungsmassna hmen zum Fehlverhalten der Be- schwerdeführerin. Kann der Beschwerdeführerin kein event ualvorsätzliches Verhalten zur Last gelegt werden, ist von einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Umfang von 16 Tagen abzusehen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheisse n und der Einspracheentscheid vom 15. Januar 2016 ist aufzuheben. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 7.2.1 Abschliessend bleibt über die ausserordentlichen K osten des Verfahrens zu befinden. Die Beschwerdeführerin beantragt, es sei die Beschwerdeg egnerin zu verpflichten, ihr insge- samt einen Betrag Fr. 8‘000.-- zu leisten, da sie sich mi t vielen umgeschriebenen Aussagen habe beschäftigen müssen. Mit der Bezahlung dieser Summe sei auch die Ausbildung als Sprachlehrerin gewährleistet. 7.2.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende B eschwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Darunter werden insbe sondere die Vertretungskosten der versicherten Person verstanden. Dazu zählen die Entschädigun g, welche die Rechtsvertreterin oder der Rechtsvertreter für den erbrachten Aufwand geltend macht, und die Barauslagen der Vertreterin bzw. des Vertreters. Der nicht vertretenen Partei ist nach der Rechtsprechung für persönlichen Arbeitsaufwand und Umtriebe grundsätzlich keine Parteientschädigung zu gewäh- ren. Von diesem Grundsatz ist nur ausnahmsweise abzuweichen, wenn besondere Verhältnisse gegeben sind. Eine solche Ausnahmesituation ist anzunehmen , wenn folgende Voraussetzun- gen kumulativ gegeben sind: Es muss sich um eine kompliziert e Sache mit hohem Streitwert handeln; ferner muss die Interessenwahrung einen hohen Arbeitsaufwand notwendig machen, der den Rahmen dessen überschreitet, was die einzelne Person üblicher- und zumutbarerweise nebenbei zur Besorgung der persönlichen Angelegenheite n auf sich zu nehmen hat. Erforder- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich ist somit ein Arbeitsaufwand, welcher die normale (z.B. erwerbliche) Betätigung während einiger Zeit erheblich beeinträchtigt. Schliesslich hat zwischen dem betriebenen Aufwand und dem Ergebnis der Interessenwahrung ein vernünftiges Verh ältnis zu bestehen (BGE 127 V 207 E. 4b, 110 V 82 E. 7 und 135 E. 4d; THOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , a.a.O., § 76 Rz. 65). 7.2.3 Die Beschwerdeführerin hat sich im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht anwalt- lich vertreten lassen, weshalb ihr keine Vertretungskost en entstanden sind. Die geschilderten strengen Voraussetzungen für die ausnahmsweise Zusprechu ng einer Parteientschädigung bzw. einer Umtriebsentschädigung an eine nicht vertretene Partei sind ebenfalls nicht erfüllt, da es sich nicht um eine komplizierte Sache handelt. Dieses B egehren der Beschwerdeführerin ist daher abzuweisen. Demzufolge sind die ausserordentliche n Kosten des Verfahrens wettzu- schlagen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angef ochtene Einsprache- entscheid vom 15. Januar 2016 und die Verfügung vom 17 . März 2015 werden aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht