<h2>SubmittedText<h2><p>Der Schweizer Teratogen-Informationsdienst (STIS) befindet sich in der Universitätsklinik Lausanne (CHUV). Bei diesem in der Schweiz einzigartigen Dienst werden einerseits die Wirkungen von während der Schwangerschaft eingenommenen Medikamenten (Teratovigilance) kontrolliert, anderseits können sich hier Fachleute des Gesundheitswesens über die Gefahren, die mit der Einnahme solcher Medikamente verbunden sind, informieren und beraten lassen. Die gesammelten Daten werden erfasst und in einer Datenbank angelegt, sodass die Entwicklung in diesem Bereich verfolgt werden kann.</p><p>Die Aufgabe der Pharmacovigilance ist von Swissmedic anerkannt und wird von ihr unterstützt. Für die Sammlung der Informationen, die dabei zusammenkommen, und die Beratung hingegen gibt es keine Bundesmittel. Das STIS wurde 1975 gegründet; es gehört zur Abteilung Pharmakologie und Toxikologie des CHUV und hat 1,2 volle Stellen bei einem Budget von 100 000 Franken. Im Jahre 1997 unterschrieb die Interkantonale Kontrollstelle für Heilmittel (IKS) einen Vertrag, der die Finanzierung bis 2002 sicherstellte. Im Jahr 2005 stellte auch das CHUV aus den üblichen Spargründen seine Beteiligung am STIS infrage und gefährdete damit das Fortbestehen des STIS.</p><p>Nachdem Verhandlungen geführt wurden, sieht es so aus, als ob Swissmedic in eine Finanzierungslösung für 2006 in Form einer Stiftung einwilligen würde, vorausgesetzt, CHUV und Pharmaindustrie beteiligen sich an dieser Lösung. Letztere hüllt sich bisher allerdings in Schweigen. Das CHUV hat seine finanzielle Beteiligung für 2006 zugesichert, hat sich aber für die Zukunft nicht festgelegt. Das STIS erhält demnach für das Jahr 2006 lediglich 50 000 Franken vom CHUV. Seine Finanzierung für die kommenden Jahre steht in den Sternen. Catherine Roulet hat am 4. September 2006 im Waadtländer Grossen Rat eine Interpellation eingereicht, mit der sie die Waadtländer Regierung aufruft, ihre Verantwortung wahrzunehmen.</p><p>Die Zahl der Anfragen bei STIS hat zugenommen. Immer mehr kommen sie aus allen Regionen der Schweiz. Ebenfalls gestiegen ist die Nachfrage nach Beratungen. Der Dienst ist einzigartig in der Schweiz; er ermöglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Europäischen Netzwerk für Teratovigilance. Diese Zusammenarbeit ist unerlässlich, da nur das Sammeln und Erfassen von möglichst vielen Informationen zu möglichst vielen Einzelfällen den Fortschritt in diesem Bereich garantieren kann.</p><p>Deshalb bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Anerkennt er den Nutzen des Dienstes sowohl für Fachleute als auch für die Forschung, die sich mit den noch wenig bekannten Wirkungen von Medikamenten auf schwangere Frauen befassen?</p><p>2. Ist er nicht auch der Ansicht, dass ein so einzigartiger Dienst wie das STIS hauptsächlich durch den Bund finanziert werden sollte und dass mit dessen Schliessung ein Verlust an Fachwissen und eine Verschwendung von Ressourcen verbunden wären?</p><p>3. Ist er nicht auch der Auffassung, dass die Schweiz gerade wegen ihrer Pharmaindustrie besonders dazu aufgerufen ist, sich an der Erforschung eines so sensiblen Bereichs wie der Wirkung von Medikamenten auf schwangere Frauen zu beteiligen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Bundesrat ist sich der Bedeutung des Swiss Teratogen Information Service (STIS) für die Beratung von medizinischen Fachpersonen bewusst. Ärztinnen und Ärzte müssen Patientinnen, die während einer medikamentösen Behandlung schwanger werden, fundiert beraten können. Dies ist besonders wichtig, wenn die Behandlung nicht abgebrochen werden kann. Dabei muss die Wirkung der eingesetzten Medikamente auf das ungeborene Kind abgeklärt werden. Bei Wirkstoffen mit unsicheren oder negativen Auswirkungen auf den Fötus muss sich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt an kompetenter Stelle informieren können. Dabei ist sie oder er auch auf Informationen angewiesen, die in der Fachliteratur nicht zugänglich sind. Das STIS füllt mit seiner Beratung diese Lücke und leistet damit einen wichtigen Beitrag für die Gesundheit.</p><p>2./3. Das STIS hat eine ähnliche Funktion und erfüllt vergleichbare Aufgaben wie das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum (STIZ) in Zürich, wenn auch in einem viel kleineren Umfang. Das STIZ ist auf Beratung in Vergiftungsfällen spezialisiert. </p><p>Finanziert wird das STIZ zu je einem Drittel durch die Kantone und vertraglich geregelte Abgeltungen. Die Versicherungsbranche steuert 15 Prozent, die pharmazeutische Industrie 10 Prozent und die Apothekerschaft 4 Prozent bei. Spenden und andere Einnahmen machen 5 Prozent der Einnahmen aus.</p><p>Die Finanzierung des STIS kann ähnlich gelöst werden: Durch die Gründung einer Stiftung mit Mitgliedern aus der Industrie, dem Versicherungsbereich, der Kantone und der Leistungsbezüger kann die finanzielle Zukunft des STIS gesichert werden. Es erlaubt den Beteiligten, insbesondere auch der pharmazeutischen Industrie, ihre Verantwortung in diesem wichtigen Bereich wahrzunehmen.</p><p>So wichtig die Beratungstätigkeit des STIS auch ist, gehört sie jedoch nicht zu den Aufgaben des Bundes und kann daher nicht mit Mitteln des Bundes finanziert werden.</p>  Antwort des Bundesrates.