2003 1 Art. 320 StGB; Art. 396 Abs. 1 StPO; Art. 16 Abs. 2 PG; Art. 127 StG. Amtsgeheimnis. Auskunftspflicht der übrigen Behörde n gegenüber den Strafrechtspflegeorganen (Beschluss der Aufsichtsbehörde über das Schuldbetreibungs- und Konkurswesen Nr. 92/2003/20 vom 17. April 2003 i.S. X. AG). Die anderen Behörden von Kanton und Gemeinden habe n den Straf- rechtspflegeorganen die für das Strafverfahren erfo rderlichen Akten ohne Ermächtigung durch die vorgesetzte Behörde auszuhän digen. Vorbehalten bleiben Rechtsgebiete, für welche besondere Vorschr iften eine spezielle Schweigepflicht begründen. Das Untersuchungsrichteramt führt eine Strafunters uchung gegen die verantwortlichen Personen der X. AG wegen des Verda chts von Konkurs- delikten. In diesem Verfahren forderte es das Konku rsamt Schaffhausen ge- stützt auf Art. 396 Abs. 1 der Strafprozessordnung für den Kanton Schaff- hausen vom 15. Dezember 1986 (StPO, SHR 320.100) auf, ihm die Akten des Konkursverfahrens der erwähnten Aktiengesellschaft vorzulegen. Auf dessen Gesuch hin entband die Aufsichtsbehörde über das Sc huldbetreibungs- und Konkurswesen den Konkursbeamten in dieser Sache vom Amtsgeheimnis. Aus den Erwägungen: ... Im Interesse der Wahrheitsfindung und da keine überwiegenden, ent- gegenstehenden Interessen ersichtlich sind, ist dem Gesuch zu entsprechen (Art. 320 Ziff. 2 des Schweizerischen Strafgesetzbu chs vom 21. Dezember 1937 [StGB, SR 311.0] i.V.m. Art. 24 Abs. 1 StPO). Der Konkursbeamte ... ist somit gegenüber dem Unte rsuchungsrichter- amt des Kantons Schaffhausen vom Amtsgeheimnis zu e ntbinden, soweit die verlangten Auskünfte und die Gewährung der Aktenein sicht den Gegenstand des Strafverfahrens in Sachen X. AG betreffen. Im Hinblick auf allfällige künftige ähnliche Fälle bleibt folgendes zu bemerken: Nach der Praxis ist es zwischen Verwaltungsbehörden und Gerich- ten desselben Kantons üblich, dass die für die Durc hführung eines Verfahrens erforderlichen Akten einander ausgehändigt werden, wenn nicht ein überwie- gendes Geheimhaltungsinteresse besteht (vgl. Art. 1 6 Abs. 2 des Gesetzes 2003 2 über das Dienstverhältnis des Staatspersonals vom 2 6. Oktober 1970 [Perso- nalgesetz, PG, SHR 180.100]; OGE vom 26. Oktober 19 90 i.S. Bundes- anwaltschaft, E. 3b, Amtsbericht 1990, S. 173 mit H inweisen). Im Rahmen des amtlichen Verkehrs ist damit eine Aktenaushändi gung auch ohne schrift- liche Ermächtigung möglich (OGE vom 19. Februar 199 0 i.S. Bundesanwalt- schaft, E. 3c, Amtsbericht 1990, S. 176). Vorbehalt en bleiben freilich Rechts- gebiete, für welche besondere Vorschriften eine spe zielle Schweigepflicht be- gründen. Letzteres gilt beispielsweise fürs Steuerw esen. Denn das Steuer- geheimnis reicht in seiner Tragweite über das allgemeine Amtsgeheimnis hin- aus; als qualifiziertes Amtsgeheimnis ist es besond ers streng zu beachten. Der Unterschied kommt im Umfang der gegenseitigen Amtsh ilfepflicht unter Verwaltungsbehörden zum Ausdruck. Das allgemeine Am tsgeheimnis hat dieser in der Regel zu weichen, das Steuergeheimnis dagegen nur ausnahms- weise (Art. 127 des Gesetzes über die direkten Steu ern vom 20. März 2000 [StG, SHR 641.100]; OGE vom 19. Februar 1993 i.S. K ., E. 3a, Amtsbericht 1993, S. 161 mit Hinweisen). Im Unterschied zum Ste uerwesen besteht für den Bereich des Schuldbetreibungs- und Konkursrecht s kein qualifiziertes Amtsgeheimnis der erwähnten Art. Das Konkursamt ist daher befugt, sofern im konkreten Fall nicht ein überwiegendes Geheimhal tungsinteresse ersicht- lich ist, auch ohne Einwilligung der Aufsichtsbehör de einem Gesuch des Un- tersuchungsrichteramts um Vorlegung von Akten zu entsprechen.