<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 50 S.245</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">245</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>50 Zuschlagskriterien.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Preis als einziges Zuschlagskriterium.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 6. Juli 2005 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">A. AG gegen Baudepartement, Abteilung Tiefbau.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. 2.1. Gemäss den Ausschreibungsunterlagen hat die Vergabe-</span><br/> <span class="ft1">behörde den Preis (Angebotspreis bereinigte Summe) zum einzigen</span><br/> <span class="ft1">massgebenden Zuschlagskriterium bestimmt. Die Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft1">rin ist der Meinung, es gehe vorliegend um die Vergabe von an-</span><br/> <span class="ft1">spruchsvollen Brückenobjekten (Überführung für Nationalstrassen).</span><br/> <span class="ft1">Durch den Verzicht auf das Festlegen weiterer Zuschlagskriterien</span><br/> <span class="ft1">habe das Baudepartement gegen § 18 SubmD verstossen, worin aus-</span><br/> <span class="ft1">drücklich vorgeschrieben sei, dass das wirtschaftlich günstigste An-</span><br/> <span class="ft1">gebot den Zuschlag erhalte. Eine ausschliessliche Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft1">des Preises mit einem gleichzeitigen und vollständigen Verzicht auf</span><br/> <span class="ft1">die Beurteilung anderer massgebender Zuschlagskriterien, wie ins-</span><br/> <span class="ft1">besondere Qualität, Erfahrung, Termin, Garantie- und Unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">leistungen, führe zu einer Überschreitung oder gar einem Missbrauch</span><br/> <span class="ft1">des pflichtgemässen Ermessens.</span><br/> <span class="ft1">2.2. Gemäss § 18 Abs. 1 SubmD erhält das wirtschaftlich</span><br/> <span class="ft1">günstigste Angebot den Zuschlag. Kriterien zur Ermittlung des wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlich günstigsten Angebots sind insbesondere Qualität, Preis,</span><br/> <span class="ft1">Erfahrung, Innovation, Termin, Garantie- und Unterhaltsleistungen,</span><br/> <span class="ft1">Ästhetik, Umweltverträglichkeit, Kundendienst, gerechte Abwechs-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">246</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lung und Verteilung sowie die Ausbildung von Lehrlingen (§ 18</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 SubmD). Die von der Vergabebehörde ausgewählten Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlagskriterien sind in der Reihenfolge ihrer Bedeutung und mit ich-</span><br/> <span class="ft1">rer Gewichtung in der Ausschreibung aufzuführen. Fehlt diese An-</span><br/> <span class="ft1">gabe, gilt als Zuschlagskriterium der Preis (§ 18 Abs. 3 SubmD). Der</span><br/> <span class="ft1">Zuschlag für weitgehend standardisierte Güter kann ausschliesslich</span><br/> <span class="ft1">nach dem Kriterium des niedrigsten Preises erfolgen (§ 18 Abs. 4</span><br/> <span class="ft1">SubmD).</span><br/> <span class="ft1">Bei der Auswahl und Gewichtung der einzelnen Kriterien steht</span><br/> <span class="ft1">der Vergabebehörde dabei ein weiter Ermessensspielraum zu, in den</span><br/> <span class="ft1">das Verwaltungsgericht nicht eingreifen darf (AGVE 1998, S. 384;</span><br/> <span class="ft1">ferner Matthias Hauser, Zuschlagskriterien im Submissionsrecht,</span><br/> <span class="ft1">in: AJP 2001, S. 1411; Peter Galli / Daniel Lehmann / Peter Rechstei-</span><br/> <span class="ft1">ner, Das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1996, Rz. 464; Peter Gauch, Das öffentliche Beschaffungswesen in</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz, Ein Beitrag zum neuen Vergaberecht, in: recht 1997,</span><br/> <span class="ft1">S. 179). Die Zuschlagskriterien müssen aber im Hinblick auf den</span><br/> <span class="ft1">konkret zu vergebenden Auftrag bestimmt werden. Im Grundsatz un-</span><br/> <span class="ft1">zulässig ist es daher, vergabefremde Kriterien heranzuziehen, d.h.</span><br/> <span class="ft1">Kriterien, die sich nicht auf die Wirtschaftlichkeit des Angebotes</span><br/> <span class="ft1">beziehen, bzw. sich nicht am Nutzen des konkreten Beschaffungs-</span><br/> <span class="ft1">objekts selbst messen lassen; dazu zählen namentlich regional-, steu-</span><br/> <span class="ft1">er- oder strukturpolitische Überlegungen (AGVE 1999, S. 296 f.;</span><br/> <span class="ft1">1999, S. 328; BR 2000, S. 57 Nr. S10, S. 58 f. Nrn. S12 - 17; VGE</span><br/> <span class="ft1">III/82 vom 9. August 2001 [WBE.2001.206], S. 4 f.; Hauser, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">S. 1408; Peter Gauch / Hubert Stöckli, Vergabethesen 1999, Thesen</span><br/> <span class="ft1">zum neuen Vergaberecht des Bundes, Freiburg 1999, S. 27 ff.; ferner</span><br/> <span class="ft1">auch Bernt Elsner, Vergaberecht, Wien 1999, S. 28 ff.).</span><br/> <span class="ft1">2.3. Wie bereits erwähnt, kann gemäss § 18 Abs. 4 SubmD der</span><br/> <span class="ft1">Zuschlag für weitgehend standardisierte Güter ausschliesslich nach</span><br/> <span class="ft1">dem Kriterium des niedrigsten Preises erfolgen. Ob die Voraus-</span><br/> <span class="ft1">setzungen für dieses Vorgehen erfüllt sind, ist eine Rechtsfrage, bei</span><br/> <span class="ft1">deren Beurteilung der Vergabebehörde jedoch, da es sich dabei um</span><br/> <span class="ft1">die Anwendung des unbestimmten Gesetzesbegriffs der weitgehend</span><br/> <span class="ft1">standardisierten Güter geht, ein Beurteilungsspielraum zusteht. Der</span><br/> <span class="ft1">Begriff der weitgehend standardisierten Güter wird in § 18 Abs. 4</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">247</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">SubmD nicht umschrieben. Obschon der Wortlaut ("Güter") dies</span><br/> <span class="ft1">nahe zu legen scheint, lässt sich eine Beschränkung auf Lieferauf-</span><br/> <span class="ft1">träge über die Beschaffung von beweglichen Gütern im Sinne von</span><br/> <span class="ft1">§ 6 Abs. 1 lit. b SubmD sachlich nicht rechtfertigen. Die Vergabe</span><br/> <span class="ft1">ausschliesslich nach dem Preis muss auch bei weitgehend standardi-</span><br/> <span class="ft1">sierten Bauarbeiten und bei Dienstleistungen zulässig sein. Die</span><br/> <span class="ft1">Zulässigkeit der Vergabe aufgrund des niedrigsten Preises hängt</span><br/> <span class="ft1">nicht von der Art der nachgefragten Leistung, sondern von der</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit ihrer Standardisierung ab. Nach Sinn und Zweck muss</span><br/> <span class="ft1">die Standardisierung der Leistung soweit gehen, dass die</span><br/> <span class="ft1">Vergabestelle auch ohne Verwendung der in § 18 Abs. 2 SubmD</span><br/> <span class="ft1">genannten weiteren Zuschlagskriterien mit einer ihren Bedürfnissen</span><br/> <span class="ft1">genügenden Leistung rechnen kann. Für die Standardisierung</span><br/> <span class="ft1">kommen naturgemäss nur Aspekte in Frage, die - wie Qualität oder</span><br/> <span class="ft1">Ästhetik - die offerierte Leistung selbst prägen, nicht jedoch unter-</span><br/> <span class="ft1">nehmensbezogene Aspekte, wie die Erfahrung oder Lehrlingsaus-</span><br/> <span class="ft1">bildung. Der gemeinsame Standard kann dabei die Folge verschie-</span><br/> <span class="ft1">dener Umstände sein, sei es, dass die qualitativen Anforderungen</span><br/> <span class="ft1">durch Normen der einschlägigen Branche oder aber durch die</span><br/> <span class="ft1">Vergabebehörde in der Ausschreibung genau umschrieben werden.</span><br/> <span class="ft1">Auch muss die Standardisierung - wie aus § 18 Abs. 4 SubmD folgt -</span><br/> <span class="ft1">keineswegs vollständig, sondern nur weitgehend vorhanden sein. Zu</span><br/> <span class="ft1">beachten ist ferner, dass die Zuschlagskriterien nach § 18 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">SubmD oftmals Qualitätsanforderungen umschreiben, die sich nicht</span><br/> <span class="ft1">direkt aus der (noch gar nicht erbrachten) Leistung, sondern nur indi-</span><br/> <span class="ft1">rekt, anhand der Qualifikationen des anbietenden Unternehmens</span><br/> <span class="ft1">(z.B. Betriebsorganisation, Fähigkeiten des Schlüsselpersonals, tech-</span><br/> <span class="ft1">nische Mittel, Referenzobjekte) beurteilen lassen. Anforderungen</span><br/> <span class="ft1">dieser Art, die mehr anbieter- als leistungsbezogen sind, können auch</span><br/> <span class="ft1">als Eignungskriterien verwendet werden, gemäss welchen ein</span><br/> <span class="ft1">bestimmtes Mindestmass nicht unterschritten werden darf. Wird die</span><br/> <span class="ft1">geforderte Eignung der Anbieter auf diese Weise in ausreichendem</span><br/> <span class="ft1">Mass definiert, kann auf entsprechende Zuschlagskriterien verzichtet</span><br/> <span class="ft1">werden. Bei einem Einladungsverfahren kann die Vergabebehörde</span><br/> <span class="ft1">zudem von vornherein darauf achten, dass sie nur Unternehmen</span><br/> <span class="ft1">einlädt, welche die diesbezüglichen Anforderungen erfüllen (siehe</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">248</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zum Ganzen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons</span><br/> <span class="ft1">Zürich vom 11. September 2003 [VB.2003.00116], E. 3b - d).</span><br/> <span class="ft1">2.4. Die hier strittige Vergabe umfasst die Gussasphaltarbeiten</span><br/> <span class="ft1">im Zusammenhang mit der Instandsetzung mehrerer Überführungs-</span><br/> <span class="ft1">bauwerke über die N3 (Überführung Wallweg in Möhlin, Tschüpis-</span><br/> <span class="ft1">weg in Möhlin, Weingartenweg in Eiken, Überführung K 465 in</span><br/> <span class="ft1">Oeschgen) im Abschnitt Rheinfelden - Frick. Es liegt ein detailliertes</span><br/> <span class="ft1">Leistungsverzeichnis (mit Beschreibung der Arbeiten und Mengen-</span><br/> <span class="ft1">angaben) vor. Die Beschwerdeführerin weist einzig darauf hin, es</span><br/> <span class="ft1">handle sich um anspruchsvolle Brückenobjekte, da es um Über-</span><br/> <span class="ft1">führungen für Nationalstrassen gehe. Hingegen macht sie nicht gel-</span><br/> <span class="ft1">tend, dass der vorliegende Auftrag überdurchschnittliche oder</span><br/> <span class="ft1">aussergewöhnliche Anforderungen an die Unternehmer stellt, wes-</span><br/> <span class="ft1">halb von vornherein nicht alle im Bereich Gussasphalt tätigen An-</span><br/> <span class="ft1">bietenden, sondern nur speziell qualifizierte und erfahrende Un-</span><br/> <span class="ft1">ternehmen in Betracht kommen. Dafür gibt es auch in den Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibungsunterlagen keine Anhaltspunkte. Zu beachten ist über-</span><br/> <span class="ft1">dies, dass es sich vorliegend um ein Einladungsverfahren handelt und</span><br/> <span class="ft1">die Vergabebehörde die in Betracht kommenden Offerenten selbst</span><br/> <span class="ft1">bestimmen konnte. Sie hatte es damit grundsätzlich in der Hand, nur</span><br/> <span class="ft1">Unternehmen zur Offertabgabe einzuladen, die sie als geeignet und</span><br/> <span class="ft1">zur qualitativ ausreichenden Arbeitsausführung befähigt erachtete.</span><br/> <span class="ft1">Insofern erscheint es als sachlich vertretbarer Entscheid, wenn sie</span><br/> <span class="ft1">vorliegend den Preis als einziges Zuschlagskriterium festgesetzt hat.</span><br/> <span class="ft1">Eine Überschreitung oder gar ein Missbrauch des ihr zukommendes</span><br/> <span class="ft1">Ermessens ist darin entgegen der Beschwerdeführerin nicht zu er-</span><br/> <span class="ft1">kennen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>