Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. April 2013 (725 12 162 / 68) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Verletzung der Mitwirkungs- und Schadenminderungspflichten: Durchführung des ge- setzlichen Mahn- und Bedenkzeitverfahrens, Rechtsfolgen Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Markus Schmid, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen AXA Versicherungen AG , General Guisan-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Kath- rin Hässig, Rechtsanwältin, Löwenplatz / Dorfstrasse 18, 8630 Rüti ZH Betreff Leistungen A.1 Der 1946 geborene A.____ betrieb als Selbstständig erwerbender bis zum 23. September 2009 ein Modellflugzeuggeschäft und war für diese Tätigkeit bei der AXA Versi- cherungen AG (AXA Winterthur) freiwillig gegen Unfäl le versichert. Am 22. August 2007 verun- fallte A.____, als er mit dem Motorrad mit einem Aut o, dessen Lenker ihn beim Abbiegen bzw. Überqueren der Gegenfahrbahn übersah, kollidierte. Er zog sich dabei Verletzungen an der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechten Schulter und am linken Fuss zu. A.____ wurde am 16. Februar 2009 zur Restabilisie- rung der Clavicula eine Balser-Platte an der Schulter e ingesetzt. Beim Herunterholen einer Ja- cke von einem Kleiderhaken verspürte der Versicherte ein akutes Knacken in der rechten Schulter. In der Folge wurde festgestellt, dass die Pl atte ausgehängt war, so dass am 13. März 2009 eine Revision der Schulter mit Entfernung der Pla tte vorgenommen wurde. Die AXA Win- terthur erbrachte seit dem Unfall die gesetzlichen Leistungen. A.2 Am 14. September 2009 stellte der behandelnde A rzt eine deutliche Atrophie des Musculus supraspinatus fest. Die AXA Winterthur bat darauf hin um eine Magnetresonanz- Arthrographie (MR-Arthrographie) des rechten Schulterg elenks, um die Unfallkausalität der Muskelatrophie abzuklären. Die Untersuchung wurde vom V ersicherten mit Verweis auf eine vorbestehende Klaustrophobie abgelehnt. Daran hielt e r fest, nachdem die AXA Winterthur ihn auf seine Mitwirkungspflichten hingewiesen und zur Stel lungnahme aufgefordert hatte. Eine daraufhin angeordnete Begutachtung durch die B.____ ergab am 23. August 2010, dass A.____ an einer subacromialen Impingement-Symptomatik leide. Die B.____ empfahl ein arthroskopisches Débridement mit eventueller Erweiterun g des subacromialen Raums mit arthroskopischen Inaugenscheinnahme des Zustands der Rota torenmanschette und der Supraspinatussehne. Nach Einholung einer Stellungnahme durch den behandelnden Orthopä- den lehnte der Versicherte mit Schreiben vom 9. März 2 011 den empfohlenen Eingriff ab. Die AXA Winterthur holte in der Folge eine ergänzende S tellungnahme der B.____ ein und wies den Versicherten mit Schreiben vom 7. Juli 2011 und 1. September 2011 erneut auf seine Mit- wirkungspflichten hin, wobei sie ihm androhte, bei ein er weiteren Verweigerung diagnostischer Massnahmen anhand der Akten über seinen Leistungsanspruch zu entscheiden. A.3 Mit Verfügung vom 3. Oktober 2011 stellte die AXA Winterthur fest, dass der Versi- cherte durch seine wiederholten Weigerungen, sich den v on ihr angeordneten diagnostischen Abklärungen zu unterziehen, sowohl seine Mitwirkungspfli cht als auch seine Schadenminde- rungspflicht verletzt habe. Ein unfallkausaler Befund als Grundlage für die Einschränkungen und die Behandlungsbedürftigkeit sei somit nicht mehr überwiegend wahrscheinlich belegbar, bzw. die Atrophie sei im Zusammenhang mit der Verlet zung aus medizinischer Sicht nicht er- klärbar. Aus diesem Grund würden sämtliche Leistungen rü ckwirkend auf den 31. Dezember 2010 eingestellt. Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die AXA Winterthur mit Entscheid vom 17. April 2012 ab. In den Erwägunge n führte sie aus, dass der Versicherte die MR-Arthrographie grundlos verweigerte, da die Untersuchung unter Sedierung und in einem offenen Gerät hätte durchgeführt werden können. Für d ie von den Gutachtern empfohlene Be- handlung der Impingement-Symptomatik habe eine gute Prognose bestanden. Im Übrigen stell- ten diagnostische und therapeutische Massnahmen grundsätzli ch keine Gefahr für Leben oder Gesundheit dar, weshalb der Versicherte mit seiner Weig erung, sich dieser diagnostischen Massnahme zu unterziehen, seine Mitwirkungspflicht klar ve rletzt habe. Die Behandlung mittels einer Schulterarthroskopie sei ferner zumutbar, da es si ch um einen minimalinvasiven Eingriff handle und dessen Folge eine mögliche Beschwerdefreiheit sei. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat M arkus Schmid, mit Eingabe vom 16. Mai 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gericht), und beantragte, es sei der angefochtene Ein spracheentscheid aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm über den 31. Dezember 2010 hinaus die gesetzlichen Leistungen auszurichten; unter o/e Kostenfolge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass sich eine Leistungseinstellung nicht auf eine Verletz ung der Mitwirkungs- und Schaden- minderungspflichten stützen lasse. Der Gesundheitsschaden s ei unbestritten und die Vernei- nung der Kausalität durch die Beschwerdegegnerin nicht nachvollziehbar. Weder die verlangte MR-Arthrographie noch das arthroskopische subacromiale Dé bridement seien dem Beschwer- deführer zumutbar. C. Die Beschwerdegegnerin schloss mit Vernehmlassung vom 2 1. August 2012 auf vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Mit seiner We igerung, sich einer zweiten MRT- Untersuchung zu unterziehen, habe der Beschwerdeführer klar seine gesetzliche Mitwirkungs- pflicht verletzt. Der vorgeschlagene Eingriff des arthrosko pischen subacromialen Débridements sei indiziert und medizinisch zumutbar. Die Ablehnung di eses Eingriffs durch den Beschwerde- führer stelle eine Verletzung der Schadenminderungspflicht dar. Entsprechend ihrer Androhung habe die Beschwerdegegnerin deshalb aufgrund der Akten entschieden. Da aufgrund der Akten kein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bestehender un fallkausaler Befund belegbar sei, seien die Taggeldleistungen zu Recht eingestellt worden. D. Mit Replik vom 8. November 2012 hielt der Beschwerde führer an seinem Rechtsbe- gehren fest und beantragte im Eventualfall die Einhol ung eines gerichtlichen Gutachtens zur Frage der Indikation und Zumutbarkeit der empfohlenen Arthroskopie sowie zur Frage, ob durch den Eingriff eine wesentliche Verbesserung des Gesun dheitszustands herbeigeführt werden könne. E. In ihrer Duplik vom 10. Januar 2013 hielt die Bes chwerdegegnerin an ihren Rechts- begehren fest. Zum Eventualantrag auf Einholung eines gerichtlichen Gutachtens führte sie ergänzend aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund der V erletzung seiner Mitwirkungspflich- ten im Verwaltungsverfahren seinen Anspruch auf weite re medizinische Abklärungen verwirkt habe. Es sei aufgrund der vorliegenden Akten zu entsche iden. Der Beschwerdeführer sei im Übrigen unbestrittenermassen in einer angepassten Tätig keit vollschichtig 100% arbeitsfähig. Unabhängig von der Unfallkausalität sei es ihm folglich seit Längerem zumutbar und möglich gewesen, mit einer angepassten Tätigkeit ein taggeld- und rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1, Art 4 Abs. 1 und Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfa llversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Unfallversicherer beim zus tändigen kantonalen Versiche- rungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versiche- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhe- bung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in Schönenbuch, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bej ahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versi cherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorlie genden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – B eschwerde des Versicherten ist demnach einzutreten. 2. In ihrer Verfügung vom 3. Oktober 2011, die sie mi t dem angefochtenen Einsprache- entscheid vom 17. April 2012 bestätigt hat, hat die Be schwerdegegnerin die Einstellung ihrer Versicherungsleistungen per 31. Dezember 2010 beschlossen. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer über dieses Datum hinaus weiterhin Ans pruch auf Leistungen aus der obli- gatorischen Unfallversicherung hat. 3.1 Gemäss Art. 6 UVG hat der Unfallversicherer, soweit das Gesetz nichts anderes be- stimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrank- heiten zu gewähren. 3.2 Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist d ie versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Ar t. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Tag- geld. Der Anspruch entsteht am dritten Tag nach dem U nfalltag und erlischt mit der Wiederer- langung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn e iner Rente oder mit dem Tod der versi- cherten Person (Art. 16 Abs. 2 UVG). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindes- tens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine I nvalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erlei- det sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schä digung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspru ch auf eine angemessene Integritätsent- schädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetz t oder, falls kein Rentenanspruch be- steht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 3.3 Für Leistungen nach UVG hat der Unfallversicherer gr undsätzlich nur unter der Voraus- setzung aufzukommen, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, I ntegritätsschädigung) ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusam- menhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. n icht zur gleichen Zeit eingetreten ge- dacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall di e alleinige oder unmittelbare Ursa- che gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige In tegrität der versicherten Person beein- trächtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht w eggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (B GE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitl ichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahme n der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zus ammenhangs genügt für die Begrün- dung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers spielt im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 127 V 103 E. 5b/bb mit Hinweisen). 3.4 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Be urteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person sowie der Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin und der ange zeigten Untersuchungs- und Be- handlungsmethoden – ist die rechtsanwendende Behörde re gelmässig auf Unterlagen ange- wiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Be- weisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdige n. Dies bedeutet, dass das Sozial- versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von we m sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterl agen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf e s bei einander widersprechen- den medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf di e eine und nicht auf die andere medi- zinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist demnach ent- scheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinische n Zusammenhänge und in der Beur- teilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.5 Gemäss dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz ha- ben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von A mtes wegen und ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständi ge Feststellung des Sachverhaltes zu sor- gen (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 443 f. Rz 2 ff.). Rechtserheblich sind alle Tatsache n, von deren Vorliegen es abhängt, ob über die Rechte und Pflichten so oder anders zu entsch eiden ist. Besteht aufgrund der Partei- vorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender A nhaltspunkte hinreichender Anlass, haben die Verwaltungsbehörden beziehungsweise im Beschwe rdefall das Gericht stets zusätz- liche Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 117 V 283 E. 4a). Es liegt im Ermessen des Rechts- anwenders, also des Versicherungsträgers oder des Gerichts, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären ist. Es sind bloss jen e Untersuchungen zu tätigen, die not- wendig sind, um eine taugliche Entscheidbasis zu erhalte n. Grundsätzlich kommt der Behörde Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht jedoch ein grosser Ermessenspielraum in Bezug auf Notwen digkeit, Umfang und Zweckmäs- sigkeit der Erhebungen und Abklärungen zu (M ARKUS FUCHS , Rechtsfragen im Rahmen des Abklärungsverfahrens bei Unfällen, in: Schweizerische Zei tschrift für Sozialversicherungsrecht und berufliche Vorsorge [SZS] 2006, S. 288). Der Unt ersuchungsgrundsatz schliesst die Be- weislast im Sinne einer Beweisführungspflicht begriffsn otwendig aus. Im Sozialversicherungs- prozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen ge- bliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will (LOCHER , a.a.O., S. 451 Rz 41). Nach der Praxis des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG, seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, Sozialrecht- liche Abteilungen) liegt die Beweislast bei anspruchsbe gründenden Tatfragen demzufolge bei der Partei, welche den Anspruch geltend macht. Bei an spruchsaufhebenden Tatfragen liegt sie bei der Partei, welche sich auf das Dahinfallen des Ans pruches beruft (vgl. Kranken- und Un- fallversicherung – Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RK UV] 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). Diese Beweisregeln kommen allerdings erst dann zur Anwendung, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatze s auf Grund einer Beweiswürdi- gung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest di e überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wahrheit zu entsprechen (vgl. BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 3.6 Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkun gspflichten der Parteien ergänzt (vgl. BGE 121 V 210 E. 6c mit Hinweisen; F UCHS , a.a.O., S. 292). Die versicherte Person hat sich im Rahmen ihrer Pflicht zur Mitwirkung an der Abklärung des Sachverhalts namentlich ärzt- lichen und fachlichen Untersuchungen zu unterziehen, die für die Beurteilung ihres Leistungs- anspruchs notwendig und zumutbar sind (Art. 43 Abs. 2 AT SG; Art. 55 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung vom 20. Dezember 1982 [UVV] ; vgl. auch: U ELI KIESER , ATSG- Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, Rz 44 f zu Art. 43). Notwendig heisst, dass die Untersuchungen rechtserheblich, d.h. von entscheidender Bedeutung für die Abklärung des Gesundheitszustands, der Arbeitsfähigkeit und der Eing liederungsmöglichkeiten, sind (F UCHS , a.a.O., S. 293). Zumutbar sind in der Regel alle diagnostischen Massnahmen, ausser sie wären mit einem aussergewöhnlich hohen und somit nicht zu rech tfertigenden Risiko verbunden (vgl. GABRIELA RIEMER -KAFKA [Hrsg.] Versicherungsmedizinische Gutachten, Bern 2007, S. 54). Die Zumutbarkeit ist stets anhand der konkreten subjektiven und objektiven Umständen des Einzel- falls zu beurteilen (vgl. F UCHS , a.a.O., S. 293). Die Art der Durchführung einer m edizinischen Untersuchung im Einzelnen liegt in der Verantwortung der untersuchenden Ärzte, die sich dabei an den Stand der ärztlichen Wissenschaft zu halten haben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2009, 8C_528/2009, E. 7.2 mit Hinweisen). Verweigert die versicherte Person die notwendige und zumutbare Mitwirkung an Abklärungen in unentschuldbarer Weise, so kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichtein- treten beschliessen (Art. 43 Abs. 3 Satz 1 ATSG). Die Ve rletzung der Mitwirkungspflicht ist un- entschuldbar, wenn die Weigerung der versicherten Perso n nicht mehr nachvollziehbar ist, wenn also ein Rechtfertigungsgrund nicht erkennbar oder das Verhalten schlechthin unver- ständlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2009, 8C_528/2009, E. 7.2; Urteil des Bundesgerichts vom 30. Januar 2007, I 166/06, E. 5.1; KIESER , a.a.O., Rz 51 zu Art. 43). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.7 Im Rahmen der Schadenminderungspflicht ist die versi cherte Person gehalten, sich me- dizinischen und sonstigen Massnahmen zu unterziehen, die gee ignet sind, die gesundheitliche Beeinträchtigung oder deren nachteilige Folgen zu mil dern oder zu beheben (Urteil des EVG vom 22. April 2005, U 417/04, E. 4.5). Gemäss Art. 48 UVG ist der Versicherungsträger er- mächtigt, unter angemessener Rücksichtnahme auf den Versic herten und seine Angehörigen die nötigen Anordnungen zur zweckmässigen Behandlung zu t reffen. Der Unfallversicherer darf folglich die vorzunehmenden medizinischen Massnahmen festlegen. "Rücksichtsnahme" bedeu- tet in diesem Zusammenhang, dass lediglich verhältnismä ssige, d.h. zumutbare Behandlungen angeordnet werden dürfen (FUCHS , a.a.O., S. 303). Die Zumutbarkeit einer Operation ist zu be- jahen, wenn es sich um einen erfahrungsgemäss unbedenklich en, nicht mit Lebensgefahr ver- bundenen Eingriff handelt, der mit Sicherheit oder ü berwiegender Wahrscheinlichkeit völlige Heilung oder doch erhebliche Besserung des Leidens und damit verbunden eine wesentliche Erhöhung der Erwerbsfähigkeit erwarten lässt, der fe rner nicht zu einer normalerweise sichtba- ren Entstellung führt und nicht übermässige Schmerzen verursacht. Die Frage der Zumutbarkeit ist dabei aufgrund der konkreten Umstände und mit Blick auf die betroffene Person zu beurtei- len (Urteil des EVG vom 1. März 2005, U 287/03, E. 2. 1 mit Hinweisen; vgl. auch: L OCHER , a.a.O., S. 270 Rz 34). Behandlungen und Eingliederun gsmassnahmen, die eine Gefahr für Le- ben und Gesundheit darstellen, sind nie zumutbar (Art. 21 Abs. 4 Satz 3 ATSG). Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbare n Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erw erbsfähigkeit oder eine neue Er- werbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigene m Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr gemäss Art. 21 Abs. 4 Satz 1 ATSG di e Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Ergänzend be stimmt Art. 61 UVV, dass einer versi- cherten Person, die sich ohne zureichenden Grund weigert , sich einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederungsmassnahme zu unterziehen, nur die Le istungen gewährt werden, die beim erwarteten Erfolg dieser Massnahmen wahrscheinlich gewährt werden müssten. 3.8 Sowohl die Rechtsfolgen bei Verletzung der Mitwi rkungspflichten gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG (Nichteintreten, Aktenentscheid) wie auch diejenig en bei Verletzung der Schadenminde- rungspflichten gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG bzw. Art. 61 UVV (Kürzung oder Verweigerung von Leistungen) können erst nach Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens eintreten (Art. 43 Abs. 3 Satz 2 ATSG; Art. 21 Abs. 4 Satz 2 ATS G; BGE 134 V 194 E. 2.2). Dazu muss der Versicherungsträger die versicherte Person vorher schriftlich mahnen, sie über die rechtli- chen Konsequenzen einer weiteren Verweigerung informie ren und ihr eine angemessene Be- denkzeit einräumen (vgl. BGE 134 V 195 E. 3.1). Diese Vorgehensweise ist zwingend einzuhal- ten. Sinn und Zweck des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens ist es, die versicherte Person auf die möglichen nachteiligen Folgen ihres Widerstandes gegen die vorgesehenen Abklärungen und Massnahmen aufmerksam zu machen und sie so in die Lage zu versetzen, in Kenntnis der we- sentlichen Faktoren ihre Entscheidung zu treffen. Die versicherte Person soll nicht Folgen eines Verhaltens tragen, über dessen Auswirkungen sie sich mögli cherweise keine Rechenschaft abgelegt hat (vgl. BGE 134 V 194 E. 2.3, 122 V 218 f f.; Sozialversicherungsrecht - Rechtspre- chung [SVR] 2005 IV Nr. 30 E. 2.2). Aus dem Grundsatz von Treu und Glauben ergibt sich aus- serdem, dass bloss die angedrohte Rechtsfolge eintreten kann (vgl. Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 1 8. April 1999 [BV], L OCHER , a.a.O., S. 446 Rz 13 mit Verweis auf Art. 40 Abs. 2 ATSG). 4. Die Beschwerdegegnerin begründet die Einstellung sä mtlicher Leistungen in erster Linie mit dem fehlenden bzw. nicht nachgewiesenen Kausalzusammen hang zwischen der Atrophie des Musculus supraspinatus und dem Unfallereignis vom 22. August 2007. Dieser Entscheid habe aufgrund der Aktenlage so gefällt werden müssen, da sich der Beschwerdeführer wieder- holt die Mitwirkung an einer zweiten MRT-Untersuchung ve rweigert habe, die für die Klärung der Kausalitätsfrage von massgeblicher Bedeutung sei. E rgänzend bringt die Beschwerdegeg- nerin vor, dass sich eine Leistungseinstellung auch aufgrund der aktenkundigen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers rechtfertige. Der Aktenentscheid stüt zt sich auf Art. 43 Abs. 3 ATSG und sanktioniert eine Verletzung der Mitwirkungspflicht der Versicherten an (medizinischen) Abklärungsmassnahmen. In einem ersten Schritt ist demnach zu prüfen, ob die Beschwerde- gegnerin das vorgeschriebene Mahn- und Bedenkzeitverfahr en eingehalten hat. Weiter ist zu beurteilen, ob die Beschwerdegegnerin wegen der unen tschuldbaren fehlenden Mitwirkung des Beschwerdeführers an einer MR-Arthroskopie anhand der A kten entscheiden durfte und gege- benenfalls, ob aufgrund der vorliegenden Aktenlage ein Kausalzusammenhang zwischen den vorliegend geklagten Schulterbeschwerden und dem Unfall ereignis verneint werden muss bzw. die Möglichkeit eines taggeld- und rentenausschliessendes Einkommens anzunehmen ist. 4.1 Betreffend die Mitwirkungspflicht hinsichtlich der MRT-Untersuchung hat die Beschwer- degegnerin das vorgeschriebene Mahn- und Bedenkzeitverfa hren korrekt durchgeführt. So hat sie den Beschwerdeführer erstmals mit Schreiben vom 24. No vember 2009 auf seine Mitwir- kungspflicht gemäss Art. 28 ATSG in Verbindung mit Art. 43 Abs. 2 und 3 ATSG hingewiesen, ihm Frist zur Stellungnahme gegeben und ihm angedroht , bei fehlendem Einverständnis auf- grund der vorliegenden Akten zu entscheiden. In spätere n Schreiben erläuterte die Beschwer- degegnerin, weshalb eine MRT-Untersuchung aus ihrer S icht notwendig sei, und berief sich diesbezüglich insbesondere auf die Ausführungen ihres Ve rtrauensarztes Dr. med. C.____, FMH Chirurgie, vom 11. Februar 2010, wonach die Atrop hie des Musculus supraspinatus nicht überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall vom 22. Augu st 2007 zurückzuführen sei. Mit Schreiben vom 2. Juni 2010 wies die Beschwerdegegnerin d en Beschwerdeführer erneut auf seine Pflicht hin, an diagnostischen Massnahmen mitzuwirke n, und ordnete eine orthopädische Begutachtung durch die B.____ an. Mit Schreiben vom 7 . Juni 2011 und 1. September 2011 stellte die Beschwerdegegnerin fest, dass der Beschwerdefü hrer wiederholt seine Pflicht zur Mitwirkung an diagnostischen Untersuchungen verletzte un d kündigte an, den Sachverhalt auf- grund der vorliegenden Akten zu entscheiden. Aufgrund des korrekt durchgeführten Mahn- und Bedenkzeitverfahrens ist die Beschwerdegegnerin nach dem Ausgeführten grundsätzlich be- rechtigt, bei einer schuldhaften Verletzung der Mitwir kungspflicht die angedrohte Rechtsfolge, namentlich einen Entscheid aufgrund der Akten, eintre ten zu lassen. Ob die angeordnete Un- tersuchung zumutbar ist, was der Beschwerdeführer bestre itet, kann im Hinblick auf die nach- folgenden Überlegungen offen gelassen werden. 4.2 Für die Beurteilung des vorliegenden Falls und in sbesondere der Unfallkausalität sind folgende medizinische Unterlagen von Bedeutung: Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.1 Mit Stellungnahme vom 11. Februar 2010 hielt d er Vertrauensarzt Dr. C.____ fest, dass die isolierte Atrophie des Musculus supraspinatus gegen e inen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 22. August 2007 spreche. Bei einer Schonung des Schultergürtels müssten auch die restlichen Muskeln der Schulter betroffen sein. Weiter se i 14 Monate nach dem Unfall in einem MRI keine Muskelatrophie festgestellt worden, obwohl de r Patient in dieser Zeit nicht schmerz- frei gewesen sei. Die Rotatorenmanschette sei bei beide n Operationen nicht tangiert worden. Dass der Beschwerdeführer am 7. März 2009 seine Jacke von einer Garderobe herunter holen konnte, spreche ebenfalls dafür, dass die Abduktion des re chten Armes zu diesem Zeitpunkt gut funktionierte. 4.2.2 Das Gutachten der B.____ vom 23. August 2010 dia gnostizierte beim Beschwerdeführer mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Impingemen t-Syndrom der Schulter rechts subac- romial, eine posttraumatische AC-Gelenkarthrose rechts sowie eine knöchern konsolidierte Me- tatarsale III – V-Fraktur links. Ohne Auswirkungen auf d ie Arbeitsfähigkeit seien die Diagnosen der arteriellen Hypertonie, der Hypercholesterinämie u nd des Diabetes mellitus Typ II anzuse- hen. Nach dem Unfall sei in der MR-Arthrographie eine Tendinose der Supraspinatussehne im Ansatzbereich ohne Nachweise der Rotatorenmanschettenru ptur oder muskulären Atrophie gesehen worden. Gemäss der im Rahmen der Begutachtung durchgeführten Computertomo- graphie bestehe nach wie vor ein Claviculahochstand gegenüber dem Acromion von knapp hal- ber Schaftbreite mit unregelmässiger knöcherner Begrenzu ng und Callusbildung bei Status nach der in den Akten beschriebenen Ermüdungsfraktur der Acromion. Es lägen keine indirek- ten Zeichen einer relevanten Rotatorenmanschettenrupt ur vor, allerdings seien aufgrund der gewählten Methode Partialrupturen oder Tendinopathi en nicht auszuschliessen. Es liege keine relevante fettige Atrophie der Rotatorenmanschettenmuskulatur vor. Die Gutachter stellten fest, dass es im Verlauf einer Operation zur Behebung des U nfallsschadens mit dem Versagen des Osteosynthesematerials zu einer Komplikation gekommen sei. Konsekutiv sei es zu einer Ein- engung des Subacromialraums gekommen. Aus diesem Grund st ellten die vom Beschwerde- führer geklagten Impingement-Beschwerden über die posto perative Komplikation eine mittelba- re Konsequenz des Unfalls vom 22. August 2007 dar. Als He ilbehandlung empfiehlt die Ärzte- schaft der B.____ ein arthroskopisches subacromiales Débridem ent, gegebenenfalls mit Erwei- terung des subacromialen Raums im Sinne einer Acromiopla stik bei Inaugenscheinnahme des Zustands der Rotatorenmanschette und gegebenenfalls Beh andlung allfälliger Schäden. Das entsprechende Vorgehen werde als erfolgversprechend und prognostisch gut angesehen. 4.3 Aufgrund der nachvollziehbaren, schlüssigen und unb estrittenen gebliebenen Aussagen des orthopädischen Gutachtens vom 23. August 2010 ist davon auszugehen, dass die vom Be- schwerdeführer geklagten Beschwerden und die erhobenen Befunde auf den Unfall vom 22. August 2007 bzw. auf die im Zusammenhang mit diese m Unfall aufgetretenen postoperati- ven Komplikationen zurückzuführen sind. Es sind keine Anhalt spunkte ersichtlich, wonach ent- gegen den Schlussfolgerungen des Gutachtens auf die älte re, aufgrund von Akteneinsicht ver- fasste Stellungnahme des Vertrauensarztes abzustellen wäre . Dr. C.____ selbst gibt in einer Stellungnahme vom 5. Oktober 2010 an, dass das Gutachten der B.____, auch in Bezug auf die Beurteilung der natürlichen Kausalität, schlüssig und nachvollziehbar sei. Zwar äussern sich die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachter zur Unfallkausalität der umstrittenen Atrophie nicht; festzustellen ist jedoch, dass das Gutachten auch keinen entsprechenden Befund erhebt. Die Beschwerden des Beschwerdefüh- rers werden vielmehr auf die Diagnosen des festgestell ten Impingement-Syndroms, der post- traumatischen AC-Gelenkarthrose und der knöchern konsolid ierten Metatarsale III – V-Fraktur links zurückgeführt, welche allesamt als unfallkausal ang esehen werden. Die von der Be- schwerdegegnerin angeordnete MRT-Untersuchung zur Fest stellung der Unfallkausalität hat sich mit dem Gutachten der B.____ wohl erübrigt. Die Beschwerdegegnerin selbst verlangte die Durchführung dieser diagnostischen Massnahme nach Vorlieg en des Gutachtens vom 23. August 2010 nicht mehr, sondern ordnete das arthrosko pische subacromiale Débridement an. Dabei handelt es sich aber gemäss dem empfehlenden G utachten nicht um eine diagnosti- sche Massnahme, sondern um eine Heilbehandlung, die wede r neue Erkenntnisse zur (festge- stellten) Unfallkausalität verspricht, noch im Hinblick auf die Mitwirkungspflicht von Art. 43 ATSG erfasst wird (vgl. F UCHS , a.a.O., S. 306). Nach dem Ausgeführten ist festzust ellen, dass gemäss den vorliegenden Akten der (mittelbare) Kausalzu sammenhang zwischen den Be- schwerden des Beschwerdeführers und dem versicherten Unfalle reignis zu bejahen ist. Eine Leistungseinstellung aufgrund fehlender oder weggefall ener Kausalität kommt somit nicht in Betracht. 4.4 Ob die von der Beschwerdegegnerin erstmals in der Vernehmlassung vom 21. August 2012 vorgebrachte aktenkundige Arbeitsfähigkeit des Be schwerdeführers in einer angepassten Tätigkeit im vorliegender Verfahren Streitgegenstand bildet, was vom Beschwerdeführer bestrit- ten wird, kann letztlich ebenfalls offen gelassen werden . Dieser Punkt ist von der Beschwerde- gegnerin in verschiedener Hinsicht nicht genügend abgekl ärt worden. Namentlich hat sich die Beschwerdegegnerin – wie aus den Akten ersichtlich wird – nicht mit der Zumutbarkeit einer angepassten Tätigkeit bzw. Verwertbarkeit einer Restar beitsfähigkeit beim Beschwerdeführer, der bereits das Pensionsalter erreicht hat, auseinander gesetzt. Fraglich ist ausserdem die Ein- haltung der prozessualen Vorgaben zu Art. 6 Satz 2 ATS G, namentlich die Aufforderung zu einem Berufswechsel und die Einräumung einer Übergang sfrist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2008, 8C_173/2008, E. 2.3). Zu prüfen wäre ausserdem – aufgrund Ziffer 9 des Gutachtens vom 23. August 2010 – die allfällige Ausrichtu ng einer Integritätsentschädigung, gegebenenfalls unter Berücksichtigung einer hypothetische n Annahme gemäss Art. 61 UVV. Eine Verweigerung oder Kürzung weiterer Leistungen au fgrund der Möglichkeit eines taggeld- und rentenausschliessenden Einkommens bedürfte somit wei terer vorgängiger Abklärungen durch die Beschwerdegegnerin. 5. Bei der Einstellung ihrer Leistungen stützt sich die Beschwerdegegnerin des Weiteren auf Art. 21 Abs. 4 ATSG. Der Beschwerdeführer habe d ie Behandlung eines arthroskopischen Débridements verweigert, obwohl der Eingriff minimalinvasiv und nicht überdurchschnittlich risi- kobehaftet und somit in Anbetracht der Folge einer mö glichen Beschwerdefreiheit als zumutbar zu erachten sei. Damit beruft sich die Beschwerdegegnerin auf eine Verletzung der Schaden- minderungspflicht. Auch bezüglich dieses Punktes ist vorab zu prüfen, ob das zwingende Mahn- und Bedenkzeitverfahren rechtsgenüglich eingehalten wor den ist. Bejahendenfalls ist umstrit- ten, ob die angeordnete Behandlung zumutbar und die (dauerhafte) Einstellung der Leistungen rechtmässig ist. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Wie unter Erwägung 4.1 hiervor ausgeführt, hat die Beschwerdegegnerin den Be- schwerdeführer seit November 2009 zunächst im Hinblick au f die angeordnete MRT- Untersuchung, danach fälschlicherweise auch im Hinblick au f die Heilbehandlung eines arthroskopischen subacromialen Débridements, mehrfach au f seine Mitwirkungspflicht hinge- wiesen. In den Schreiben vom 8. September 2011 erwäh nt sie in Zusammenhang mit der an- geordneten Heilbehandlung auch die Schadenminderungsp flicht, welche dem Beschwerdefüh- rer obliegt. Hingegen fehlt in allen Schreiben ausser dem vom 2. Juni 2010, welches sich je- doch noch auf die diagnostische Massnahme der MR-Arthro skopie bezog, ein Hinweis auf die korrekte gesetzliche Bestimmung. In sämtlichen Schreiben betreffend die Heilbehandlung – und damit die Schadenminderungspflicht – fehlt es ausserdem an der Androhung einer in Art. 21 Abs. 4 ATSG vorgesehenen Rechtsfolge. Die Androhung de r konkreten Rechtsfolge bildet je- doch massgeblicher Bestandteil des zwingenden Mahn- und Bedenkzeitverfahrens, da sich die versicherte Person nur so der Folgen ihrer Weigerung vol lumfänglich bewusst werden kann (vgl. Erwägung 3.8 hiervor). Somit ist festzustellen, d ass die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die Sanktionen bei Verletzung der Schadenminderungspfl icht das zwingend vorgeschriebene Mahn- und Bedenkzeitverfahren nicht korrekt durchgeführt hat. Der angefochtene Entscheid ist bereits aus diesem Grund aufzuheben. Sollte die Beschwerd egegnerin weiterhin eine Kürzung oder Einstellung der Leistungen wegen Verletzung der Schadenminderungspflicht anstreben, so hat sie vorgängig das in Art. 21 Abs. 4 Satz 2 ATSG vorg eschriebene Mahn- und Bedenkzeit- verfahren durchzuführen. 5.2 Ergänzend ist festzustellen, dass die Eignung des an geordneten arthroskopischen su- bacromialen Débridements, eine vollständige Heilung od er zumindest erhebliche Besserung des Leidens des Beschwerdeführers herbeizuführen und – da mit zusammenhängend – die Zu- mutbarkeit dieses Eingriffs unter den Parteien weiterh in umstritten ist, was möglicherweise An- lass zu weiteren Abklärungen geben könnte. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang insbe- sondere auch, dass gemäss Art. 61 UVV der Unfallversicherer bei Verweigerung von Heilbe- handlungen weiterhin diejenigen Leistungen zu gewähr en hat, die beim erwarteten Erfolg der Massnahmen wahrscheinlich gewährt werden müssten. Der Umfa ng der allenfalls zu erwarten- den Verbesserung ist von der Beschwerdegegnerin bisher n icht beurteilt worden. Zu dieser Frage wären demnach von der Beschwerdegegnerin gegebe nenfalls weitere Abklärungen vor- zunehmen. 6. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die vorliegende Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen ist, dass der angefochtene Einspracheentscheid vom 17. April 2012 aufzuheben und die Angelegenheit zu allfälligen weiteren Abkläru ngen sowie zum weiteren Vorgehen im Sinne der vorstehenden Ausführungen und zum Erlass eine r neuen Verfügung an die Be- schwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 7. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weite ren Vorgehen im Sinne der Erwägun- gen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwe rdegegnerin zurück, so gilt in pro- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht zessualer Hinsicht die beschwerdeführende Partei als (vol lständig) obsiegende und die Be- schwerdegegnerin als unterliegende Partei (vgl. BGE 137 V 61 f. E. 2.1, 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). Gestützt auf Art. 61 lit. a ATSG sind für das vorliegende Verfahren keine ordentli- chen Kosten zu erheben. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat d ie obsiegende beschwerdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsiegende Partei ist demnach eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerd egegnerin zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 4. Februar 2013 für das vorlieg ende Verfahren geltend gemachte Zeit- aufwand von 14 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sod ann – auch im Hinblick auf den vorliegenden doppelten Schriftenwechsel – die in der H onorarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von Fr. 738.–. Dem Beschwerdeführer ist desha lb eine Parteientschädigung in der geltend gemachten Höhe von Fr. 4'577.05 (14 Stunden à Fr. 250.– + Auslagen von Fr. 738.00 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zu ständigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öff entlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid vom 17. April 2012 aufgehoben und die Ange- legenheit zur weiteren Abklärung und zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen sowie zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vor- instanz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 4'577.05 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu entrichten. Gegen dieses Urteil wurde am 16. September 2013 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahrens-Nr. 8C_662/2013 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht