Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 12. August 2015 (810 15 77) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Niklaus Ruckstuhl , Jgnaz Jermann, Yves Thommen, Beat Walther, Gerichtsschreiber Sandro Jaisli Parteien A. ____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Stefan Suter , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 0358 vom 10. März 2015) A. Der aus dem Kosovo stammende und 1976 geborene A .____ reiste erstmals mit Asyl- gesuch vom 9. September 1996 in die Schweiz ein, welches am 11. März 1997 vom Bundesamt für Flüchtlinge abgewiesen wurde. In der Folge kam es gegenüber A.____ zu mehrfachen Ver- längerungen von ihm angesetzten Ausreisefristen und zwei vorläufigen Aufnahmen in den Jah- ren 1999 und 2001. Die kosovarische Staatsangehörig e B.____, geboren 1978, mit welcher A.____ drei gemeinsame Kinder hat, reiste ebenfalls am 9. September 1996 in die Schweiz ein. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Kinder kamen in den Jahren 1996, 2000 und 2002 zur Welt. Am 19. August 2010 erteilte das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (Af M) B.____ und ihren drei Kindern ge- stützt auf Art. 84 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Au sländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 eine humanitäre Aufenthaltsbewi lligung. Die Aufenthaltsbewilligung von B.____ wurde seither jährlich verlängert. Am 3. Juni 2005 heiratete A.____ die Schweizerin, C.____, geboren 1986. Kurz darauf zog C.____ das am 13 . Juni 2005 eingereichte Familien- nachzugsgesuch aufgrund Nötigung zur Eheschliessung zurück, wor aufhin das Migrationsamt des Kantons Aargau das Gesuch mit Verfügung vom 13. Ju li 2005 abschrieb. Am 29. März 2006 wurde A.____ vom Bezirksamt Rheinfelden wegen ein facher Körperverletzung, Tätlich- keit, Drohung und Nötigung, jeweils begangen an C.___ _, zu einer Gefängnisstrafe von 60 Ta- gen bedingt bei einer zweijährigen Probezeit verurte ilt. Sodann verurteilte ihn das Bezirksstatt- halteramt Arlesheim mit Strafbefehl vom 7. Dezember 2009 wegen mehrfacher – zum Teil ver- suchter – Nötigung, mehrfacher Drohung, mehrfacher ein facher Körperverletzung, mehrfacher Tätlichkeit, mehrfacher Tätlichkeit an einem Kind sowie Ungehorsams gegen eine amtliche Ver- fügung zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe v on sechs Monaten bei einer Probezeit von fünf Jahren. Opfer dieser Straftaten seien B.____ sowie die gemeinsame älteste Tochter gewesen. Am 27. Mai 2010 stellte das damalige Bundesamt für Migration (BFM) (heute: Staats- sekretariat für Migration [SEM]) rückkommend auf die vor läufige Aufnahme aus dem Jahr 2001 gegenüber dem AfM das Erlöschen der vorläufigen Aufnahm e von A.____ fest. Das BFM be- gründete dies damit, dass A.____ seit dem 1. Dezember 2009 unbekannten Aufenthalts sei und deshalb davon ausgegangen werden könne, dass er die Schweiz verlassen habe. B. Nachdem A.____ am 13. April 2011 erneut einen Asyla ntrag (2. Asylantrag) gestellt hatte, heiratete er am 3. September 2012 B.____. In der Folge reichte B.____ am 10. Oktober 2012 beim AfM ein Gesuch um Familiennachzug von A.____ ein. C. Mit Verfügung vom 24. Oktober 2012 trat das BFM au f den 2. Asylantrag von A.____ nicht ein und wies ihn aus der Schweiz weg, da es sich bei m Kosovo um ein sicheres Land handle und keine konkreten Verfolgungshinweise bestehen würden. D. Mit Schreiben vom 14. Januar 2013 teilte das AfM B._ ___ mit, dass es nicht auf ihr Familiennachzugsgesuch vom 10. Oktober 2012 eintreten könne, da – sofern kein Anspruch auf Erteilung einer Bewilligung bestehe – nach Art. 14 de s Asylgesetzes (AsylG) vom 26. Juni 1998 zwischen der Einreichung eines Asylgesuchs und der Ausreise na ch rechtskräftigem Abschluss des Asylverfahrens kein Verfahren um fremdenpolizeiliche A ufenthaltsbewilligung durchgeführt werden könne. Im Übrigen sei aus den Unterlagen ersichtl ich, dass die Voraussetzungen für den Familiennachzug nicht erfüllt seien, da B.____ nich t über genügend finanzielle Mittel für den Unterhalt der Familie verfüge. Bei Veränderung d er Verhältnisse solle sie sich wieder beim AfM melden, was B.____, vertreten durch Advokatin Jessica Glanzmann, mit Schreiben vom 4. Juni 2013 auch tat. Darin beantragte sie die Gene hmigung des Familiennachzugsgesuches sowie die Gewährung des prozessualen Aufenthaltsrechts, sodass A.____ den Entscheid in der Schweiz abwarten könne. Im Übrigen seien die strafrechtli chen Verurteilungen auf eine mittler- weile therapierte Krankheit zurückzuführen und es sei zu beachten, dass A.____ nach Erhalt Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Aufenthaltsbewilligung in der Lage sein werde, d en Unterhalt der Familie zu bestreiten, zu- mal die älteste Tochter bald selber ein Erwerbseinkommen erzielen werde. E. Mit Verfügung vom 26. August 2013 trat das AfM au f das Gesuch um Familiennachzug mangels Anspruch von A.____ auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nicht ein und hielt fest, dass, selbst wenn man einen solchen Anspruch bejahen soll te, dieser aufgrund der strafrechtli- chen Verurteilungen von A.____ erloschen sei. F. Gegen diese Nichteintretensverfügung des AfM erhob A .____, vertreten durch Dr. Ste- fan Suter, Advokat in Basel, am 6. September 2013 Besch werde beim Regierungsrat des Kan- tons Basel-Landschaft (Regierungsrat), welche im Wesentl ichen damit begründet wurde, dass Art. 8 der Konvention zum Schutz der Menschenrechte un d Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 die Beziehung zwischen A.____ und sein er Ehefrau sowie seinen Kindern schütze. G. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 2026 vom 10. Dez ember 2013 hiess der Re- gierungsrat die Beschwerde teilweise gut und wies die A ngelegenheit an die Vorinstanz zur erneuten Prüfung zurück, da die Voraussetzungen für ein Nichteintreten nach Art. 14 AsylG nicht genügend geprüft worden seien. H. Gestützt auf den Rückweisungsbeschluss vom 10. Dezember 20 13 erliess das AfM am 9. Dezember 2014 eine neue Verfügung, mit welcher es A.____ die Erteilung der Aufenthalts- bewilligung verweigerte. Begründet wurde diese Verf ügung im Wesentlichen damit, dass A.____ keinen Anspruch auf ein Anwesenheitsrecht habe, da seine Ehefrau über kein gefestig- tes Anwesenheitsrecht verfüge. Selbst wenn man einen Anspruch aus Art. 8 Ziff. 1 EMRK beja- hen würde, erweise sich vorliegend ein Eingriff in das geschützte Rechtsgut nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK – aufgrund der strafrechtlichen Verurteilungen von A.____ – als statthaft. Zudem gehe A.____ bis heute keiner Arbeit nach, weshalb die Famil ie von der Sozialhilfe unterstützt werden müsse. I. Die gegen die Verfügung des AfM vom 9. Dezember 20 14 erhobene Beschwerde vom 12. Dezember 2014 wies der Regierungsrat mit RRB Nr. 0358 vom 10. März 2015 ab. Da sich die Ehefrau gestützt auf ihre humanitäre Aufenthaltsbe willigung erst seit vier Jahren ordnungs- gemäss in der Schweiz aufhalte, verfüge sie selber über ke in gefestigtes Anwesenheitsrecht, weshalb A.____ gestützt auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK kein An spruch auf Erteilung einer Aufenthalts- bewilligung habe. Insbesondere liege kein faktisches A nwesenheitsrecht vor, welches einen Familiennachzug zu rechtfertigen vermöge. Es bestehe som it weder gestützt auf das Auslän- derrecht des Bundes noch gestützt auf Verfassungs- oder Staatsvertragsrecht ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Vor diesem H intergrund fehle es an einem offensichtli- chen Anspruch, um gemäss Art. 14 Abs. 1 AsylG vom Grundsa tz der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens abzuweichen, womit feststehe, dass die Vorinst anz nicht auf das Familiennach- zugsgesuch hätte eintreten dürfen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Mit Eingabe vom 24. März 2015 erhob A.____, nach wi e vor vertreten durch Stefan Suter, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht), und beantragt unter o/e-Kostenfolge, es sei der RRB Nr. 0358 vom 10. März 2015 aufzuheben und es sei der Familiennachzug für A.____ bzw. das Aufenthalts- recht in der Schweiz zu bewilligen. Eventualiter sei die unentgeltliche Rechtspflege / Verbei- ständung zu bewilligen. Zur Begründung hält der Beschw erdeführer im Wesentlichen fest, dass er gestützt auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung habe. Sowohl die Ehefrau als auch der Beschwerdeführer würden über ein faktisches Anwe- senheitsrecht verfügen, umso mehr, als sie drei Kinder hä tten, die hier geboren worden und aufgewachsen seien. Zudem sei die Familie hier verwur zelt, was sich aus dem familiennäheren Umfeld mit Kindern, Schulbesuchen, Besuchen bei Freun den der Kinder etc. zweifelsfrei erge- be. Somit sei der kombinierte Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 berührt und die Schweiz vorliegend verpflichtet, Familiennachzu g zu gestatten. Der Beschwerdeführer habe zudem nachgewiesen, dass er, sobald er über ein gere geltes Aufenthaltsrecht verfüge, eine Stelle antreten könne. K. Mit Schreiben vom 13. April 2015 reicht der Beschw erdeführer das Gesuch um Bewilli- gung der unentgeltlichen Rechtspflege ein, welches mit Verfügung vom 13. Mai 2015 gutge- heissen wurde. L. Mit Eingabe vom 4. Mai 2015 liess sich der Beschwerd egegner vernehmen und bean- tragt unter o/e-Kostenfolge und mit Verweis auf den RRB Nr. 0358 vom 10. März 2015 die Ab- weisung der Beschwerde. M. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 13. Mai 2015 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Ka ntonsgericht zulässig. Der Be- schwerdeführer ist als Adressat vom angefochtenen Beschluss be rührt und hat ein schutzwür- diges Interesse an dessen Aufhebung. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind und sowohl die örtliche als auch die sachliche Zustän digkeit des Kantonsgerichts gegeben sind, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetreten werden. 2. Sofern der Beschwerdeführer über das Begehren um Au fhebung des angefochtenen RRB Nr. 0358 vom 10. März 2015 hinaus beantragt, dass da s Kantonsgericht selbst und direkt das Familiennachzugsgesuch bewilligen solle, kann auf di ese Begehren nicht eingetreten wer- den. Den Streitgegenstand bildet vorliegend einzig d ie Frage, ob der Regierungsrat zu Recht davon ausgeht, dass das AfM auf das Familiennachzugsbegehren nicht hätte eintreten dürfen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Gemäss Art. 14 Abs. 1 AsylG kann eine asylsuchende Person ab Einreichung des Asylgesuches bis zur Ausreise nach einer rechtskräftig angeordneten Wegweisung, nach einem Rückzug des Asylgesuches oder bis zur Anordnung einer Ersatzma ssnahem bei nicht durch- führbarem Vollzug kein Verfahren um Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilli- gung einleiten, ausser es bestehe ein Anspruch auf dere n Erteilung (Ausschliesslichkeitsprinzip des Asylverfahrens, vgl. BGE 137 I 351 E. 1.1, publ. in: Pra 101/2012 Nr. 61 S. 416). Reicht also eine (abgewiesene) asylsuchende Person ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung ein, tre- ten die kantonalen Behörden in Anwendung von Art. 14 Abs. 1 AsylG auf das Gesuch nicht ein, wenn sie zum Schluss gelangen, die gesuchstellende Person b esitze keinen grundsätzlichen Bewilligungsanspruch. Ist hingegen ein grundsätzlicher Anspruch auf Erteilung einer Aufent- haltsbewilligung gegeben, müssen die fremdenpolizeilichen bzw. ausländerrechtlichen kantona- len Behörden eine materielle Prüfung, ob sich ein al lfälliger grundrechtlich geschützter An- spruch gegenüber öffentlichen Interessen durchzusetzen ver mag, durchführen (BVGE D-737/2007 E. 5.2.1 mit Hinweisen). 3.2 Nach der Rechtsprechung wird eine Ausnahme von der A usschliesslichkeit des Asyl- verfahrens nur gewährt, wenn dieser nach Art. 14 Abs. 1 AsylG erforderliche Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung "offensichtlich" ist. Dies ist ni cht der Fall, wenn der Beschwerdeführer lediglich den Schutz des Familienlebens im Sinne von Art . 8 Ziff. 1 EMRK anruft, weil der Aner- kennung eines Anspruchs auf diesem Umweg ein Ausnahmecharakt er zukommt. Demgegen- über geht die Rechtsprechung davon aus, dass Art. 8 Zif f. 1 EMRK eine Ausnahme nach Art. 14. Abs. 1 AsylG zulässt, wenn es beim Recht auf Ach tung des Privat- und Familienlebens darum geht, die Beziehung zwischen Ehegatten zu schützen. Eine solche Ausnahme setzt aber neben einer engen und tatsächlichen Verbindung zwischen den Ehegatten voraus, dass der Gesuchsteller mit einer Person verheiratet ist, die ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz hat (BGE 137 I 351 E. 3.1, publ. in: Pra 101/2012 Nr. 61 S. 417 f.). 4.1 Im Folgenden ist daher zu prüfen, ob der Beschwerde führer einen solchen grundsätzli- chen Anspruch auf Erteilung einer ausländerrechtlichen A ufenthaltsbewilligung geltend machen kann. 4.2 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und Art. 11 des Bundesgesetzes über die Ausländ erinnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zuständ ige kantonale Behörde entscheidet in den Fällen nach Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahm en der gesetzlichen Vorschriften und Ver- träge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Z ulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilli- gung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht , es sei denn, das AuG oder völker- rechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 135 II 1 E. 1.1; P ETER UEBERSAX , in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg .], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Aus dem AuG kann der Beschwerdeführer keinen Ansp ruch auf Erteilung einer Aufent- haltsbewilligung ableiten, da gemäss Art. 44 AuG im F alle ausländischer Ehegatten von Perso- nen mit Aufenthaltsbewilligung kein Rechtsanspruch auf F amiliennachzug besteht (M ARTINA CARONI , in: Martina Caroni/Thomas Gächter/Daniela Thurnher r [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, Art. 44 N 2). 4.4 Fraglich ist dagegen, ob der Beschwerdeführer eine n Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung aus Verfassungs- oder Staatsvertra gsrecht geltend machen kann. Aus dem in Art. 8 Ziff. 1 EMRK sowie dem inhaltlich gleich wertigen Art. 13 Abs. 1 BV geschützten Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens können ausländische Staatsangehörige in besonderen Fällen einen Anspruch auf Aufenthalt ode r Verbleib in einem anderen Staat ablei- ten, wenn eine staatliche Entfernungsmassnahme einem A usländer, dessen Familienmitglieder hier weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das Familienleben vereitelt (A NDREAS ZÜND / THOMAS HUGI YAR , Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schweizerischen Auslä nderrecht, EuGRZ 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1; BGE 13 0 II 281 E. 3.1). Der Anspruch ist grund- sätzlich auf die Kernfamilie beschränkt (BGE 135 I 143 E . 1.3.1 f.). Dabei wird im Rahmen des Familiennachzuges vorfrageweise geprüft, ob der sich in d er Schweiz aufhaltende Angehörige über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt und ob d er Betroffene eine hinreichend enge Beziehung zu einem Familienmitglied bzw. zur Schweiz ha t. Nur wenn diese Anspruchsvoraus- setzungen kumulativ erfüllt sind, wird der angefochtene Entscheid nach Massgabe von Art. 8 EMRK geprüft (STEPHANIE MOTZ , Das Recht auf Familienleben von vorläufig aufgenom menen Personen, in: Asyl Nr. 4 2014, Ziff. 3.1 und 3.2) . 4.5 Folglich ist zunächst zu prüfen, ob die Ehefrau des B eschwerdeführers (Ehefrau) in der Schweiz über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt. Nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist ei n gefestigtes Anwesenheitsrecht dann gegeben, wenn die Person Schweizer Bürger ist oder über die Niederlassungsbewilligung oder Aufenthaltsbewilligung verfügt, die selbst auf ei nem gefestigten Rechtsanspruch beruht (BGE 137 I 351 E. 3.1, publ. in: Pra 101/2012 Nr. 61 S. 417 f.; BGE 130 II 281 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_551/2008 vom 17. November 2008 E. 4) . Darüber hinaus kann sich ein ge- festigtes Anwesenheitsrecht des aufenthaltsberechtigten ausländischen Angehörigen auch aus dem Recht auf Achtung des Privatlebens gemäss Art. 8 Zif f. 1 EMRK bzw. Art. 13 BV ergeben. Nach der Rechtsprechung bedarf es hierfür indessen beson ders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Bindungen gesellschaft licher oder beruflicher Natur bzw. entsprechend vertiefte soziale Beziehungen zum ausserfa miliären bzw. ausserhäuslichen Be- reich. Differenziert behandelt das Bundesgericht indessen jene Situationen, in denen von einem kombinierten Schutzbereich von Privat- und Familienleben auszugehen ist. Gestützt darauf kann einem Ausländer, dessen Anwesenheitsberechtigung üb er viele Jahre hinweg verlängert worden ist und damit zu einem eigentlichen Dauerstatus geführt hat, ein "faktisches" Anwesen- heitsrecht, das einen Familiennachzug zu rechtfertigen ver mag, zukommen (BGE 126 II 335 E. 2b/cc; STEPHANIE MOTZ , a.a.O., Ziff. 3.1). Diesfalls verlangt die Rechtsprechung nicht, dass die gleich strengen Bedingungen für einen allein aus dem Recht auf Privatleben abgeleiteten Bewilligungsanspruch (überdurchschnittliche, besondere Integration) vorliegen müssten (BGE Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 130 II 281 E. 3.2.2; Urteil des Bundesgerichts 2A.8/2005 vom 30. Juni 2005 E. 3.3). Ein solches faktisches Anwesenheitsrecht hat das Bundesgericht in einem Fall angenommen, in dem eine Aufenthaltsbewilligung während zwanzig Jahren erneuert worden war, wobei die Ehe des Be- troffenen seit zwölf Jahren bestand, sowohl er als auc h seine Ehefrau und die Kinder nie im Heimatstaat gelebt hatten und das Familienleben prakti sch nirgendwo anders in zumutbarer Weise gelebt werden konnte (BGE 130 II 281 E. 3.3). 4.5.1 Aus der seit BGE 130 II 281 ergangenen Rechtspr echung wird ersichtlich, dass an das Vorliegen eines "faktischen" Anwesenheitsrechts qualifizierte Anforderungen gestellt werden. In diesem Zusammenhang sind exemplarisch die folgenden Entscheide zu erwähnen: 4.5.2 Im Urteil 2A.2/2005 vom 4. Mai 2005 verneinte das Bundesgericht ein faktisches An- wesenheitsrecht eines türkischen Staatsangehörigen der mi t zehn Jahren in die Schweiz ein- reiste, während 16 Jahren in der Schweiz lebte und gut integriert war. Der Fall unterscheide sich grundlegend von BGE 130 II 281, da die Ehegatten einen gemeinsamen Heimatstaat hät- ten, in welchen sie zurückkehren könnten. Zudem sei die E he lediglich von sehr kurzer Dauer und es seien ihr keine gemeinsamen Kinder entsprossen. 4.5.3 Im Urteil 2A.435/2005 vom 2. März 2006 verneinte das Bundesgericht ein faktisches Anwesenheitsrecht eines 20 jährigen türkischen Staatsang ehörigen, der 1992 in die Schweiz einreiste, 1994 vorläufig aufgenommen wurde und 2003 eine Aufenthaltsbewilligung erhielt, womit er nicht eine ausserordentlich lange Aufenthalt sdauer aufweise. Da er beruflich nicht in- tegriert sei, überdies mit seiner Ehefrau bei seinen E ltern lebe und bereits um Sozialhilfe nach- gesucht habe, könne nicht von einer schutzwürdigen Verwu rzelung in der Schweiz gesprochen werden. Es lägen keine Anhaltspunkte vor, die es dem (ki nderlosen) Ehepaar verunmöglichen würden, ihre Ehe gemeinsam in der Türkei zu leben. Zu dem lasse sein zum Teil strafrechtlich relevantes Verhalten den Beschwerdeführer keineswegs als problemlos in die hiesigen Verhält- nisse integriert erscheinen, was indessen erforderlich wär e, um von einem faktischen Anwe- senheitsrecht ausgehen zu können. 4.5.4 Im Urteil 2A.8/2005 vom 30. Juni 2005 hatte da s Bundesgericht über das Vorliegen eines faktischen Anwesenheitsrechts einer iranischen Sta atsangehörigen zu entscheiden, wel- che im Jahr 1996 mit ihrem damaligen Mann und den 3 K indern in die Schweiz einreiste, im Jahr 2000 vorläufig aufgenommen wurde und im Jahr 200 3 eine Aufenthaltsbewilligung erhielt. Mit erneuter Heirat im Jahr 2003 heiratete die Beschwe rdeführerin einen Landsmann, den Sie anschliessend nachziehen wollte, wobei ihre beiden Söhn e zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bei ihr sondern beim leiblichen Vater wohnten und bereit s eine eigene Lehre absolvierten. Das Bundesgericht führte aus, dass sich auch dieser Fall von BG E 130 II 281 unterscheide, indem die Ehegatten (welche erst seit 1.5 Jahren verheiratet seien und keine gemeinsamen Kinder hätten) über einen gemeinsamen Heimatstaat verfügen wü rden, in den sie zurückkehren könn- ten. Damit verfüge sie zurzeit über keine hinreichend kl ar gefestigte Anwesenheit, die in den kombinierten Schutzbereich des Privat- und Familienleben s von Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. von Art. 13 Abs. 1 BV fallen würde (vgl. auch Urteil 2A.500/2006 vom 22. November 2006). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5.5 Im Urteil 2C_135/2007 vom 26. Juni 2007 vernei nte das Bundesgericht ein faktisches Anwesenheitsrecht eines serbischen Staatsangehörigen, der im Jahr 1993 im Familiennachzug zu seiner Mutter in die Schweiz kam und eine Aufenthaltsb ewilligung erhielt. Im Jahr 1996 hei- ratete er eine Landfrau mit welcher er sechs gemeinsame Kinder hat. Im Jahr 2000 erhielten die Ehefrau und alle Kinder ebenfalls eine Aufenthaltsbew illigung. Nachdem der Ehemann im Jahr 2003 seine Anstellung verloren hatte, wurde die Nichtver längerung der Aufenthaltsbewilligun- gen der ganzen Familie sowie deren Wegweisung verfügt. Das Bundesgericht führte aus, dass der Fall weder hinsichtlich der Aufenthaltsdauer in der Schweiz noch hinsichtlich der erfolgten Integration mit BGE 130 II 281 vergleichbar sei. Zudem sei die Rückkehr nach Serbien auch für die schulpflichtigen Kinder aufgrund ihres Alters zumu tbar. Am schwierigsten könne sich die Umstellung für den ältesten Sohn (14 jährig) erweisen , wobei dessen Schulleistungen nur im durchschnittlichen Bereich lägen. Mit einem gewissen Einsatz werde es auch ihm möglich sein, seine Schulzeit in Serbien erfolgreich zu beenden, wesh alb auch ihm eine Rückkehr dorthin zumutbar sei. 4.5.6 Im Urteil D-6493/2010 vom 21. September 2012 verneinte das Bundesverwaltungsge- richt das Vorliegen von faktischen Anwesenheitsrechten de r in den Jahren 2004 und 2008 in der Schweiz vorläufig aufgenommenen Beschwerdeführenden . Die Anwesenheit sei allein auf- grund der Zeitdauer der Anwesenheitsberechtigung noc h nicht als derart gefestigt anzusehen, dass daraus ein faktischer Anspruch auf Erteilung der Anw esenheitsbewilligung einzuräumen oder direkt gestützt auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK der Fami liennachzug zu bewilligen wäre (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6493/2010 vom 21. September 2012 E. 5.4). 4.6 Der vorliegende Fall lässt sich nicht mit den hiervo r erwähnten Entscheiden verglei- chen, weshalb er eine differenzierte Betrachtung erford ert. Die Ehefrau reiste am 9. September 1996 in die Schweiz ein. Faktisch hält sie sich somit bere its seit 19 Jahren in der Schweiz auf. Seit ihrer vorläufigen Aufnahme vom 27. Mai 1999 beru ht ihr Aufenthalt zudem auf einem rechtmässigen Aufenthaltsgrund. Seit dem 19. August 2010 sind die Ehefrau sowie die drei gemeinsamen Töchter schliesslich im Besitze einer Aufenth altsbewilligung, welche seither re- gelmässig verlängert wurde. Was die lange Anwesenheitsdau er der Ehefrau während der Zeit als vorläufig Aufgenommene betrifft, hat das Bundesgericht bereits in BGE 126 II 335 festgehal- ten, dass dem Betroffenen – im Falle einer vorläufigen Aufnahme, die über viele Jahre verlän- gert werden müsse und damit faktisch zu einem Dauerstatus würde – zwar nicht ein rechtliches, doch zumindest ein faktisches Anwesenheitsrecht zukommen könn e (BGE 126 II 335 E. 2.b.cc.). Indem sich die Beschwerdeführerin vorliegende nfalls bereits seit über 16 Jahren legal in der Schweiz aufhält, ist im Vergleich zu den hiervor erwähnten Urteilen von einer langen legalen Aufenthaltsdauer auszugehen. Zwar ist vorlieg end die Dauer der Ehe eher als kurz zu betrachten, was aber durch die Tatsache, dass die Ehegat ten Eltern von drei gemeinsamen Kindern sind, welche in den Jahren 1999, 2000 und 2002 zur Welt kamen, relativiert wird. Die Ehefrau hat alle drei Kinder in der Schweiz geboren und erfolgreich grossgezogen, bzw. ist wei- terhin daran, die vollständig hier aufgewachsenen und sich aktuell in der Pubertät befindenden Kinder/Jugendliche in dieser wichtigen Lebensphase zu belgeiten und zu erziehen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Regierungsrat hält dagegen fest, dass keine Hinweise für eine besonders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Bindun g gesellschaftlicher und beruflicher Na- tur, bzw. über vertiefte soziale Bindungen zum ausserfamil iären bzw. ausserhäuslichen Bereich bestehen würden. Dabei ist aus den Akten nicht ersichtlich, auf welche Abklärungen und Tatsa- chen sich der Regierungsrat – insbesondere hinsichtlich der Ehefrau und den Kindern – stützt. Unter Berücksichtigung der langen Aufenthaltsdauer der Ehefrau und der Tatsache, dass sie hier drei Kinder grossgezogen hat, kann ihr (als über w eite Strecken alleinerziehende Mutter von drei Kindern) nicht pauschal sämtliche Integration lediglich mit Verweis auf die Sozialhilfe- abhängigkeit abgesprochen werden, zumal sich die Ehefra u im Übrigen bisher immer korrekt verhalten hat und zu keinen weiteren Klagen Anlass gegeben hat. Dies gilt umso mehr, als dass im vorliegenden Fall keine qualifizierte Integration e rforderlich ist (vgl. E. 4.5 hiervor). Aufgrund des Gesagten ist als Zwischenfazit festzuhalten, dass die Ehefrau über ein faktisches und somit gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfügt. 5.1 Es ist weiter zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer da rüber hinaus ein grundsätzlicher Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung g estützt auf den umgekehrten Familien- nachzug – durch seine drei in der Schweiz geborenen und hier aufgewachsenen Töchter – zu- kommt (Urteil des Bundesgerichts 2C_364/2010 vom 23. Sept ember 2010 E. 1.3). Die drei ge- meinsamen und heute 19, 15 und 13 jährigen Töchter de s Beschwerdeführers und seiner Ehe- frau sind in der Schweiz geboren (D.____ geboren am 29 . September 1996, E.____, geboren am 8. Juni 2000 und F.____, geboren am 21. April 2002), hier aufgewachsen und befinden sich zurzeit in Ausbildung. Es handelt sich bei ihnen damit um Ausländer der zweiten Generation. Bei diesen gehen der Europäische Gerichtshof für Mensche nrechte (EGMR) und das Bundes- gericht in ihrer Rechtsprechung betreffend Fälle von aufenthaltsbeendenden Massnahmen von einem kombinierten Schutzbereich von Privat- und Familienleben aus (BGE 130 II 281 E. 3.2.2; BGE 129 II 193 E. 5.4; Urteil des Bundesgerichts 2C_44 5/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_480/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 4.4.1; Urteil des EGMR M.P.E.V. et al. gegen die Schweiz [3910/2013] vom 8. Juli 2014 § 32; Urteil des EGMR Maslov gegen Österreich [1638/03] vom 23. Juni 2008 § 63). Unabhängig vom Bestehen eines Famili- enlebens wird deshalb bei im Aufenthaltsstaat geborene n und aufgewachsenen (erwachsenen) Ausländerinnen und Ausländern der zweiten Generation i nsbesondere dann ein Anspruch aus der kombinierten Garantie des Privat- und Familienlebe ns angenommen, wenn eine aufent- haltsbeendende Massnahme die Trennung von den hier le benden Eltern und Geschwistern bedeutet (vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3; Urteil 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.2; Urteil des Bun desgerichts 2C_551/2013 vom 24. Feb- ruar 2014 E. 2.4; Urteil des EGMR Emre gegen die Schw eiz [42034/04] vom 23. Juni 2008 § 60; Urteil des EGMR Üner gegen die Niederlande [46 410/99] vom 18. Oktober 2006 § 59; MARTIN BERTSCHI /T HOMAS GÄCHTER , Der Anwesenheitsanspruch aufgrund der Garantie des Privat- und Familienlebens, ZBl 2003, S. 231). 5.2 Ob das durch Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte Rechtsgut überhaupt betroffen ist und gegebenenfalls welche Interessen in Anwendung von Art. 8 Ziff. 2 EMRK ge- geneinander abzuwägen sind, ist im Einzelfall zu beurt eilen. Steht die Bewilligung eines sorge- und obhutsberechtigten Elternteils eines ausländischen, in der Schweiz niedergelassenen Kin- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht des in Frage und ist die Ausreise dem Kind zumutbar, ü berwiegt in der Regel das öffentliche Interesse an einer restriktiven Einwanderungspolitik; zu b erücksichtigen ist jedoch auch die Ausübung des Besuchsrechts des anderen, in der Schweiz anwe senheitsberechtigten Eltern- teils, dessen fremdenpolizeiliche Bewilligung nicht in Frage steht (Urteil des Bundesgerichts 2C_414/2014 vom 12. März 2015 E. 2.2.3). Von einem ü berwiegenden privaten Interesse an einem Verbleib des sorge- und obhuts-, aber nicht aufen thaltsberechtigten Elternteils ist hinge- gen auszugehen, wenn eine intensive Beziehung in affekti ver und wirtschaftlicher Hinsicht zwi- schen dem hier anwesenheitsberechtigtem Elternteil und den Kindern besteht und sich der sor- ge- und obhutsberechtigte Elternteil, welcher um die Bewilligung nachsucht, seinerseits tadellos verhalten hat (BGE 137 I 247 E. 4.2.3). 5.3 Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür , dass die drei Kinder des Be- schwerdeführers nicht erfolgreich integriert wären. Da gegen geht aus den Unterlagen zumin- dest hervor, dass die älteste und mittlerweile erwachsene Tochter (D.____) eine Lehre im Ge- sundheitsbereich absolviert. Mit Verfügung der Gemeind e G.____ vom 1. Dezember 2014 konnte sie denn auch von der Sozialhilfe entlassen werde n. Aufgrund des Gesagten verfügen die Kinder als Ausländer der zweiten Generation über g efestigte Anwesenheitsrechte. Eine Rückkehr in den Kosovo ist ihnen aufgrund ihrer langen Aufenthaltsdauer in der Schweiz (alle sind hier geboren und haben nie irgendwo anders geleb t) und ihrem fortgeschrittenen Ausbil- dungsstadium heute nicht zumutbar (BGE 137 I 247 E. 4 .2.3). Aus den Unterlagen geht weiter hervor, dass der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2011 be i seiner heutigen Ehefrau und den drei gemeinsamen Kindern lebe und sie seit dann eine tatsächlich gelebte Familie bilden wür- den. Am 3. September 2012 heiratete der Beschwerdefü hrer die Mutter der drei gemeinsamen Töchter. Aus der Verfügung des AfM vom 9. Dezember 2014 ergibt sich, dass sich sowohl die beiden minderjährigen Töchter als auch die mittlerwei le erwachsene Tochter gut mit ihrem Va- ter verstehen und sich klar dafür aussprechen, dass sie ihn b rauchen und ein Familienleben ohne ihn ablehnen. Damit steht aufgrund des Gesagten fest, dass dem Beschwerdeführer – da seinen drei Töchtern eine Rückkehr in den Kosovo nicht zu mutbar ist – zumindest ein grund- sätzlicher Anspruch gestützt auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK zuste ht. Damit ist aber noch nichts darüber gesagt, ob vorliegend die öffentlichen Interessen oder die privaten Interessen des Beschwerde- führers überwiegen, da der Anspruch nicht absolut gilt . Vielmehr muss darüber in einer umfas- senden Prüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK entschieden werden (BGE 135 I 153 E. 2.1). 6. Es ist folglich festzuhalten, dass die hier ansässigen Fa milienmitglieder des Beschwer- deführers, und zwar sowohl seine Ehefrau als auch seine d rei Töchter, über gefestigte Anwe- senheitsrechte verfügen. Obwohl dies – wie aus den Akten ersichtlich wird – in der Vergangen- heit nicht immer der Fall war, liegen zurzeit keine A nhaltspunkte vor, welche Zweifel an einem tatsächlich gelebten engen Familienleben wecken würden, womit auch die Voraussetzung einer hinreichend engen Beziehung des Beschwerdeführers zu seinen Familienangehörigen erfüllt ist. 7. Zusammenfasend kann daher festgehalten werden, dass vor liegend der Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK eröffnet ist und der Beschwerd eführer gestützt darauf grundsätzlich ei- nen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilli gung hat. Damit greift die Ausnahmebe- stimmung von Art. 14 Abs. 1 AsyG, weshalb der Regierungsr at im angefochtenen RRB Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nr. 0358 vom 10. März 2015 zu Unrecht davon ausging, d ass das AfM nicht auf das Familien- nachzugsgesuch hätte eintreten dürfen. Bei diesem Ausga ng des Verfahrens ist die Angele- genheit an den Regierungsrat zurückzuweisen, der – basier end auf dem grundsätzlichen An- spruch des Beschwerdeführers auf Erteilung einer Aufenth altsbewilligung – in einer umfassen- den Beurteilung zu prüfen hat, ob sich ein Eingriff in das von Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützte Rechtsgut als zulässig erweist. 8.1 Es bleibt noch über die Kosten zu befinden. 8.2 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterlie genden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt. Kantonalen Behörden und den Gemeinden können nur dann Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn sie das Kantonsgericht in Anspr uch nehmen (vgl. § 20 Abs. 4 VPO). Demgemäss sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 8.3 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden (§ 21 Abs. 1 VPO). Gemäss dem Ausgang des Verfah rens ist dem Beschwerdeführer antragsgemäss eine Parteientschädigung zu Lasten des Besch werdegegners zuzusprechen. Der vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in seiner H onorarnote geltend gemachte Auf- wand von 9.5 Stunden (à Fr. 200.--) sowie die Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 46.-- sind nicht zu beanstanden. Demzufolge hat der Beschwerdege gner dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von total Fr. 2' 101.70 (inkl. Auslagen und 8% MWST) auszurichten 8.4 Bezüglich der Beurteilung der Kosten des vorinstan zlichen Verfahrens ist die Angele- genheit praxisgemäss zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird de r Entscheid des Regierungsrats Nr. 0358 vom 10. März 2015 aufgehoben und die An- gelegenheit wird an den Regierungsrat des Kantons Base l-Landschaft zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der Regierungsrat hat dem Beschwerdeführer für da s Verfahren vor Kantonsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe vo n Fr. 2'101.70 (inkl. Auslagen und 8% MwSt.) auszurichten. Präsidentin Gerichtsschreiber