B. Gerichtsentscheide 2278 67 2278 Bauen ausserhalb der Bauzonen . Das generelle Eingliederungs - gebot (Art. 112 Abs. 2 BauG) und die insbesondere bei der Materialwahl erhöhten Anforderungen in den kantonal en Landschafts - schutzzonen (Art. 82 Abs. 2 BauG) gelten auch bei der Renovation eines geschützten Kulturobjektes kumulativ zu den B estimmungen in Art. 86 BauG. Die demnach erforderliche Anpassung der Fa ssaden- verkleidungen an die herkömmliche Bauart ist bei Um bauten, Reno - vationen und Neubauten zwingend verlangt, da diese Einordnungs- vorschriften auch in der Fassung nach neuem Baugese tz nicht unter einem Abwägungsvorbehalt stehen. Sachverhalt: Das Gasthaus R. wurde bekannt durch die im Saaltrak t (nördlicher Gebäudeteil) durchgeführten Sennenbälle. Dieser Saa ltrakt wurde 1981 durch eine Gasexplosion stark beschädigt und d anach wieder aufgebaut. Beim Wiederaufbau wurden am Saaltrakt hi nterlüftete Holzschindelschirme angebracht, welche aufgrund die ser Hinter - lüftung rasch anfaulten und in der Folge wetterseit ig im Rahmen einer Ausnahmebewilligung durch Eternitschindelschirme er setzt wurden. Der Holzschindelschirm an der Ostfassade des Saaltr aktes blieb aber unverändert. Der Südtrakt des Gasthauses, mit Gasts tube, Wohnung und Terrasse wurde bei der Gasexplosion weniger sta rk beschädigt. Er weist strassenseitig nach wie vor eine herkömmli ch gestemmte Holztäferfassade auf. Auch dessen Südfassade wies n och bis ins Jahr 2006 einen herkömmlichen (nicht hinterlüfteten) Hol zschindelschirm auf; die Ostfassade dieses Südtraktes ist bis heute mit herkömmlichen Holzschindeln verkleidet. Das Gasthaus R. liegt in der kantonalen Landschaftsschutzzone und ist im kantonalen Schutzz onenplan von 1991 als Ganzes als "Kulturobjekt ausserhalb der Ba uzone Nr. 1.9" verzeichnet (für die Rechtswirkung wird im kantonal en Schutz - zonenplan noch auf Art. 16 des inzwischen aufgehobenen EG zum RPG vom 28. April 1985 verwiesen). Dieser von der B audirektion erlassene kantonale Schutzzonenplan lag in den Geme inden vom 3. Juni bis 2. Juli 1991 öffentlich auf, wurde in der vorliegend mass - gebenden Fassung mit seiner Auflage rechtswirksam u nd ist heute noch gültig (vgl. Art. 18 Abs. 4 des EG zum RPG und Abl. 1991, S. 483). Gemäss dem aktuell gültigen Zonenplan der Gemeinde liegt das 67B. Gerichtsentscheide 2278 68 Gasthaus in der Landwirtschaftszone. Mit Baugesuch vom 11. Januar 2006 ersuchten die Eigentümer um Bewilligung einer Sanierung der Südfassade des Gasthaus - und Wohntraktes mittels Schiefereternit nach. Das Planungsamt erteilte die raumplanerische Bewilligung mit der Auflage, dass anstelle der vorgesehenen Eternit schindeln wiederum Holzschindeln anzubringen seien; ferner se ien Baudetails, Materialien und Farben mit dem kantonalen Denkmalpf leger zu besprechen und nach Absprache zu bemustern. Diesen Entscheid des Planungsamtes fochten die Eigentümer mit Rekurs , später mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde und zuletzt beim Bund esgericht erfolglos an. Weil die Beschwerdeführer schon im Ve rlauf des Re - kursverfahrens die herkömmlichen Holzschindeln an d er Südfassade entfernt und entgegen der Auflage durch Eternitschi ndeln ersetzt haben, ordnete das Departement Bau und Umwelt mit s einem Rekursentscheid auch die Entfernung dieser Eternits chindeln und deren Ersatz durch Holzschindeln an. Die Frist zur Wiederherstellung wurde auf drei Monate ab Rechtskraft festgesetzt. A uch dieser Teil des Rekursentscheides wurde vor Verwaltungsgericht und Bundes - gericht erfolglos angefochten. Aus den Erwägungen: 2. Dass für die Sanierung der Südfassade des ausserhal b der Bauzonen gelegenen Gasthauses R. die Voraussetzunge n im Sinne von Art. 24c und Art. 24d RPG und von Art. 42 der Raum - planungsverordnung (RPV; SR 700.1) erfüllt sind, ist unbestritten. Nicht mehr bestritten ist ferner, dass das Gasthaus R. im kantonalen Schutzzonenplan von 1991 rechtskräftig als Kulturob jekt Nr. 1.9 verzeichnet ist und damit nach wie vor rechtsgültig unter Schutz steht (nach Art. 123 Abs. 2 des am 1. Januar 2004 in Kraft getretenen BauG bleiben Schutz - und Nutzungspläne und damit auch der kantonale Schutzzonenplan von 1991 bis zu ihrer Anp assung in Kraft; eine Anpassung ist bis dato weder erfolgt, noch dem Vernehmen nach beabsichtigt). Auch die Beschwerdeführer selber lie ssen dartun, dass sie zu keiner Zeit die Aufhebung der Unterschutzste llung des Gasthauses beantragt haben. Unter diesen Umständen besteht nun spätestens vor Gericht weder Anlass noch Handhabe, die Schutzwürdigkeit des Gasthauses R. als Kulturobjekt im Sinne von Art. 86 Abs. 4 BauG zu überprüfen. [...] Nach den Akten steht oh nehin fest, dass diese Unterschutzstellung im Rahmen eine s öffentlichen 68B. Gerichtsentscheide 2278 69 Auflage- und Einspracheverfahrens erfolgt ist, so dass den betroffenen Grundeigentümern schon damals die Mögli chkeit offen stand, ihre Interessen zu vertreten […]. Ergänzend ist einzig auf folgendes hinzuweisen: Sow eit in der Legende zum kantonalen Schutzzonenplan von 1991 für die Rechts - wirkung der Bezeichnung als Kulturobjekt (und die B ezeichnung als Teil der Landschaftsschutzzone) noch auf Art. 16 (bzw. Art . 13) des EG zum RPG vom 28. April 1985 verwiesen wird, ergib t sich aus Art. 125 Abs. 1 des neuen BauG, dass diese Gesetzesbestimmungen nun zwar formell aufgehoben sind. Es ist indessen z u Recht unbestritten, dass an Stelle dieser altrechtlichen Schutzbestimmungen nun die nach Wortlaut und Inhalt im Wesentlichen id entischen Schutzbestimmungen in Art. 86 Abs. 2, 3 und 5 (für Kulturobjekte) sowie in Art. 82 BauG (für Bauten in den Landschaftsschutzzonen) auf das strittige Bauvorhaben anwendbar sind, und z war in Ver - bindung mit dem unverändert in Kraft gebliebenen ka ntonalen Schutzzonenplan (von 1991). Da der umstrittene Eter nitschindel- schirm auch offenkundig erst nach dem Inkrafttreten des neuen BauG ohne rechtskräftige Baubewilligung angebracht wurde , kann i m Folgenden wie schon seitens der Vorinstanz ausschli esslich auf die neurechtlichen Schutz - und Gestaltungsbestimmungen in den Art. 82, 86 und 112 BauG abgestellt werden. 3. Für alle Bauten und Anlagen gilt nach kantonalem Re cht generell, dass diese sich so in ihre bauliche und l andschaftliche Umgebung einzufügen haben, dass eine gute Gesamtwir kung ent - steht und dass diese das Orts -, Quartier - und Landschaftsbild nicht wesentlich beeinträchtigen (Art. 112 Abs. 1 BauG). Ausserhalb der Bauzonen haben sich Neubauten sowie Umbauten und Re novationen an traditionellen Gebäuden überdies der herkömmlich en Bauart zumindest in Bezug auf Gebäude - und Dachform sowie Material - und Farbwahl anzupassen, und die Umgebung ist möglichst unverändert zu belassen (Art. 112 Abs. 2 BauG). Weil das Vorhaben ein Gebäude ausserhalb der Bauzone betrifft, muss die umstritte ne Renovation der Südfassade diesen erhöhten Anforderungen insbesonde re auch be - züglich der Materialwahl genügen. Dies umso mehr al s vorliegend eine herkömmliche Holzschindelfassade am Südtrakt e rsetzt werden soll (bzw. ersetzt wurde), welche sowohl gegen West en als auch gegen Osten hin je direkt an Holzfassaden herkömmli cher Bauart anschliesst (Westfassade: herkömmliche Holztäferung ; Ostfassade: 69B. Gerichtsentscheide 2278 70 herkömmlicher Holzschindelschirm). Dazu kommt, dass der um - strittene Eternitschindelschirm an einer Baute in d er kantonalen Landschaftsschutzzone gemäss Schutzzonenplan von 19 91 anstelle eines herkömmlichen Holzschindelschirms angebracht werden soll (bzw. wurde). Das umstrittene Vorhaben hat deshalb in Bezug auf Gestaltung, Farbgebung und Einpassung ins Landschaf tsbild zu - sätzlich den erhöhten Anforderungen in Art. 82 Abs. 2 und 3 BauG zu genügen: Nach Art. 82 Abs. 3 BauG haben Neubauten, Umbauten und Renovationen sich der herkömmlichen Bauart insb esondere in Bezug auf die Gliederung und Verkleidung der Fassad en, die Fenstereinteilung und die Umgebungsgestaltung anzup assen. Nach der zur altrechtlichen, jedoch gleichlautenden Best immung in Art. 13 Abs. 2 und 3 EG zum RPG ergangenen und daher weiterhin massgebenden Rechtsprechung des Verwaltungsgericht, haben selbst Neubauten und erst recht Umbauten und Renova tionen sich zwingend am herkömmlichen Baustil zu orientieren, u nd die An - passung daran kann nicht von einer Interessenabwägu ng abhängig gemacht werden. Nachdem der Gesetzgeber in Art. 82 Abs. 3 BauG unverändert am gleichen Wortlaut festgehalten hat, ist für das vorliegende Vorhaben daraus zu schliessen, dass man gels eines Abwägungsvorbehaltes eine Anpassung namentlich der Fassaden- verkleidungen an die herkömmliche Bauart nach wie v or zwingend verlangt ist. An traditionellen Bauten und selbst a n Neubauten, welche in der kantonalen Landschaftsschutzzone realisiert werden, sind daher unverändert stilgerechte Bauteile verlangt un d können stil - fremde Materialien untersagt werden (VGer in: AR GV P 9/1997, Nr. 2160). Für die umstrittene Materialwahl (Eternit - anstelle eines herkömmlichen Holzschindelschirms) sind es vorab di ese für alle Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzonen und in d er Landschaftsschutzzone geltenden Anforderungen (Art. 112 Abs. 2 und Art. 82 Abs. 3 BauG), welchen das Bauvorhaben zu genügen hat. Dass es sich bei der betroffenen Baute überdies auc h um ein geschütztes Kulturobjekt gemäss dem Schutzzonenplan von 1991 handelt (vgl. AR GVP 18/2006, Nr. 1437), ist zu bea chten, aber demnach nicht allein entscheidend. Die umstrittene Materialwahl hat auch bei diesem Kulturobjekt kumulativ dem an sich schon strengen Massstab in Art. 112 Abs. 2 und Art. 82 Abs. 3 BauG zu genügen. Deshalb kann es im Folgenden nicht allein auf die b ei der Vorinstanz umstrittene Auslegung des für dieses Kulturobjekt a uch geltenden, auf 70B. Gerichtsentscheide 2278 71 Substanzerhaltung abzielenden Art. 86 BauG ankommen. Ferner ist zu beachten, dass ein herkömmlicher Holzschindelsch irm naturge - mäss eine beschränkte Lebensdauer aufweist und desh alb im Rahmen der gesetzlichen Unterhaltspflicht auch an K ulturobjekten periodisch zu ersetzen ist (Art. 86 Abs. 3 und Art. 87 Abs. 1 BauG), ohne dass dadurch deren Schutzwürdigkeit in Frage g estellt wäre. Es ist deshalb verfehlt, wenn die Beschwerdeführer aus der (eigen - mächtigen) Entfernung des bis 2006 an der Südfassad e vor - handenen Holzschindelschirms schliessen, dass damit schutzwürdige Substanz verloren gegangen und das Kulturobjekt des halb nicht länger schutzwürdig sei. Dass das Gasthaus R. weite rhin als Kulturobjekt Nr. 1.9 unter Schutz steht, hat zur Fo lge, dass dieses Kulturobjekt einerseits in seiner baulichen Substan z, aber auch in seinem Charakter zu erhalten ist (Art. 86 Abs. 3 BauG). Als Grundeigentümer dieses Kulturobjektes sind die Besc hwerdeführer demnach verpflichtet, es diesem Schutzzweck entspre chend zu pflegen und zu unterhalten. Für einen verwitterten Holzschindelschirm kann dies nur bedeuten, dass ein solcher schon im R ahmen dieser Unterhaltspflicht periodisch durch einen neuen Holz schindelschirm zu ersetzen ist, denn in aller Regel kann der Charakte r des Kulturobjektes nur so erhalten werden. Nach Art. 86 Abs. 5 BauG sind Bauten und Anlagen in der Umgebung so zu gestalten, dass sie das geschützte Kulturobjekt nicht beeinträchtigen und i n ihrer optischen Wirkung dem Schutzziel nicht widersprechen. Werden solche Schutz- objekte (wie hier beispielsweise der Saaltrakt) zer stört oder beeinträchtigt, kann die Wiederherstellung des ursp rünglichen Zu - standes angeordnet werden (Art. 87 Abs. 2 BauG). 3.1 Die umstrittene Südfassade des in der Landschaftssc hutz- zone gelegenen Gasthauses R. war bis 2006 noch mit einem herkömmlichen Holzschindelschirm verkleidet, wie di es bei einer Nebenfassade eines herkömmlichen Appenzeller Hauses und auch im Falle eines herkömmlichen Gasthauses typisch und we it verbreitet ist. Auch seine Ostfassade weist angrenzend an die umstr ittene Südfassade nach wie vor einen herkömmlichen Holzsch indelschirm auf, genauso wie strassenseitig die Westfassade nac h wie vor ein stilgerecht gestemmtes Holztäfer aufweist, wie dies für die Haupt - fassade eines herkömmlichen Appenzeller Hauses typi sch ist. Den bemalten Holzschindelschirm an der Südfassade haben die Be - 71B. Gerichtsentscheide 2278 72 schwerdeführer im Jahr 2006 noch während des damals hängigen Rekursverfahrens und damit formell rechtswidrig ent fernt. 3.2 Da nebst Neubauten auch Umbauten und Renovationen s ich in der Landschaftsschutzzone der herkömmlichen Baua rt insbeson - dere in Bezug auf die Verkleidung, Gliederung und V erkleidung der Fassaden anzupassen haben, ist das Anbringen eines Eternit- anstelle eines herkömmlichen Holzschindelschirms vo rab schon mit Art. 82 Abs. 3 BauG nicht zu vereinbaren. Eternit ist beim Appenzellerhaus offenkundig kein herkömmliches Mate rial zur Fassadenverkleidung. Es wird zwar an Nebenfassaden ausserhalb der Bauzonen seit längerem da und dort als pflegele ichter Holz - schindelersatz bewilligt, jedoch jeweils nur an der wetterseitigen Nebenfassade (vgl. AR GVP 19/2007, Nr. 1449; Planun gsamt Appenzell A.Rh, Baugestaltung ausserhalb der Bauzon e, St. Gallen 2001, S. 22). In der Landschaftsschutzzone verlangt Art. 82 Abs. 3 BauG unmissverständlich, dass sich insbesondere auc h Renova - tionen in Bezug auf die Verkleidung der Fassaden de r herkömmlichen Bauart anzupassen haben. Selbst Eternitschindeln en tsprechen dieser Anforderung nicht, da sie im Nahbereich erke nnbar anders als der entfernte, vorliegend bemalte herkömmliche Holz schindelschirm in Erscheinung treten. Weil die Südfassade vorliegend auch je an die noch herkömmlich mit Holz verkleideten Fassaden im Westen und Osten angrenzt, entsteht durch den Eternitschirm ei ne den Charakter des Gasthaus - und Wohntraktes deutlich beeinträchtigende Lücke i n der Fassadenmaterialisierung. Dazu kommt, dass der an der Süd - fassade eigenmächtig entfernte Holzschindelschirm n och bis 2006 je von einem herkömmlichen Eck -Pilaster eingerahmt war; beides prägende Fassadenelemente, welche durch die durchge hende Ver - kleidung mit Eternit nun verloren gingen. Die durch gehend mit Eternit verkleidete Südfassade kann somit weder von ihrer G liederung noch ihrem Material her für sich beanspruchen, sie trete der herkömmlichen Bauart (Holzschindelschirm mit Eck -Pilastern) angepasst in Erschei - nung. Wenn die Vorinstanzen und mit ihr die kantona le Denkmal - pflege für die Südfassade unverändert auf einer Ver kleidung mit herkömmlichen Holzschindeln bestehen, so besteht da für allein schon in Art. 82 Abs. 3 BauG eine hinreichend bestimmte gesetzliche Grund - lage. Dazu kommt, dass der Ersatz des herkömmlichen Ho lzschindel- schirms mit je einem Eck -Pilaster durch den Eternitschindelschirm auch offenkundig nicht geeignet ist, den Charakter dieser Südfassade 72B. Gerichtsentscheide 2278 73 als prägender und gut einsehbarer Teil des geschütz ten Kulturob - jektes zu wahren (Art. 86 Abs. 3 BauG). Da die Erhaltung des Charakters als Kulturobjekt und die erforderliche A npassung an die herkömmliche Bauart nach den einschlägigen Bestimmu ngen in Art. 82 Abs. 3 und Art. 86 Abs. 3 BauG nicht unter einem Ab - wägungsvorbehalt stehen, ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz der ohne Baubewilligung angebrachten Ete rnitverkleidung die nachträgliche Baubewilligung verweigert hat. 3.3 […] 3.4 […] Daran ändert schliesslich auch nichts, dass an der Südfassade die Fensteranordnung im Laufe der Zeit e inige Ände - rungen erfahren hat. Dass eine ursprünglich vorhand ene Symmetrie der Südfassade weggefallen und dadurch die Schutzwü rdigkeit des Südtraktes nicht mehr gegeben sei, trifft nicht zu. Die Beschwer - deführer verkennen, dass im Unterschied zur symmetr ischen Strenge klassizistischer Bauten (z.B. im Ortsbild von Heide n) beim her - kömmlichen Appenzeller Haus namentlich an den Neben fassaden bei der Anordnung der Fenster die Symmetrie nie massgeb end war, sondern dessen "hoher Reiz […] gerade in der ungezw ungenen, nur der inneren Zweckmässigkeit entsprungenen Ungleichm ässigkeit" liegt ( Salomon Schlatter , Das Appenzeller Haus und seine Schön - heiten, 3. A., 1944, S. 28). […] 3.5. Zusammenfassend steht damit fest, dass die Vorinsta nz der ohne Baubewilligung angebrachten Eternitfassade zu Recht die nachträgliche Bewilligung verweigert hat. Der damit einhergehende Materialwechsel und die Aufgabe auch der herkömmlic hen Fassaden- gliederung (mit Eck -Pilastern) ist mit den für dieses Kulturobjekt in d er Landschaftsschutzzone geltenden Schutz - und Gestaltungsbestim - mungen nicht zu vereinbaren. Zu prüfen bleibt indes sen, ob das als Auflage verfügte Entfernen der Eternitschindeln und Wiederanbringen eines herkömmlichen Holzschindelschirms von den Bes chwerdefüh- rern zu Recht als unverhältnismässig und mit dem Gu tglaubensschutz nicht vereinbar gerügt wird. 4. Die Beschwerdeführer anerkennen, dass sie den Etern itschirm im Juni 2006 angebracht haben, obschon das Planungs amt das An - bringen eines Holzschindelschirms (anstelle des im Baugesuch be - antragten Eternitschindelschirms) verfügt hatte und der dagegen er - hobene Rekurs in diesem Zeitpunkt noch hängig war; insofern 73B. Gerichtsentscheide 2278 74 anerkennen sie ausdrücklich, dass sie dadurch bösgl äubig gehandelt haben. […] 4.1 Ist eine Baute oder ein Bauteil materiell rechtswid rig, hat ein Abbruch nur zu erfolgen, wenn dieser im öffentliche n Interesse liegt und verhältnismässig ist. Vor dem Grundsatz der Ver hältnismässigkeit hält ein Abbruch als Grundrechtseingriff nur stand, wenn er zur Erreichung des angestrebten Ziels geeignet und erfo rderlich ist, und das verfolgte Ziel in einem vernünftigen Verhältnis zu den einge - setzten Mitteln steht (BGE 128 I E. 33/cc). Ist die Abweichung vom Gesetz jedoch gering und vermögen die berührten all gemeinen Interessen den Schaden, der dem Eigentümer durch de n Abbruch entstünde, nicht zu rechtfertigen, ist ein Beseitig ungsbefehl unverhält - nismässig (Urteil BGer 1P.708/2006 vom 13.04.2007, E. 5.1, auch zum Folgenden). Dabei kann sich grundsätzlich auch der Bauherr, der nicht gutgläubig gehandelt hat, gegenüber einem Abbruch - oder Wiederherstellungsbefehl auf den Grundsatz der Verhält - nismässigkeit berufen. Er muss aber in Kauf nehmen, dass die Behörden aus grundsätzlichen Erwägungen, nämlich zu m Schutz der Rechtsgleichheit und der baurechtlichen Ordnung, de m Interesse an der Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustandes erhöhtes Ge - wicht beimessen und die dem Bauherrn erwachsenden N achteile nicht oder nur in verringertem Mass berücksichtigen (BGE 111 Ib 213). 4.2 Dass den Beschwerdeführern im Jahr 2003 am Saaltrak t zwei Eternitfassaden bewilligt wurden, vermag an ihrer z ugestandenen Bösgläubigkeit, die sich aus ihrem Handeln entgegen der Auflage im angefochtenen Bauentscheid des Planungsamtes ergibt , nichts zu än - dern. Denn auch der Bauentscheid betreffend den Saa ltrakt erging im Jahre 2003 vom Planungsamt, so dass die Beschwerdef ührer daraus von vornherein nicht ableiten konnten, wie die bisl ang in keines der beiden Verfahren involvierte Rekursinstanz entschei den wird; weil die Rekursinstanz dem Planungsamt übergeordnet ist und mit voller Kognition entscheidet, konnten die Beschwerdeführer aus dem früheren Bauentscheid des Planungsamtes auch nicht auf eine präjudizielle, die Rekursinstanz bindende Wirkung s chliessen. Die Berufung auf die Vorgeschichte und damit auf den Ve rtrauens- grundsatz geht fehl. Letzteres auch deshalb, weil j edenfalls die Beschwerdeführerin als Architektin um diese Zuständ igkeits- und Rechtsmittelordnung wusste oder bei pflichtgemässer Aufmerksam - 74B. Gerichtsentscheide 2278 75 keit hätte wissen müssen. Dieses Wissenmüssen muss sich nach der oben zuletzt zitierten Rechtsprechung der Beschwerd eführer als Mit - eigentümer ohne weiteres anrechnen lassen. Unter di esen Um - ständen kann das eigenmächtige Vorgehen der Beschwe rdeführer auch nicht als "bloss formalrechtlich bösgläubig" b ezeichnet werden. Daher ist jedenfalls nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz dem Interesse an der Wiederherstellung des gesetzmässig en Zustandes (Entfernen der Eternitschindeln, erneutes Anbringen eines Holzschindelschirms) erhöhtes Gewicht beigemessen h at. 4.3 Dass dem Verzicht auf die Entfernung der Eternitsch indeln keine präjudizielle Bedeutung zukommen soll, ist mi t der Vorinstanz zu verneinen. Bei der Südfassade handelt es sich in der Tat nicht einfach um eine unscheinbare Nebenfassade, sondern diese ist Teil einer herkömmlichen Baute in der Landschaftsschutzz one und eines geschützten Kulturobjektes. Der Augenschein hat bes tätigt, dass die Südfassade angesichts ihrer Grösse und guten Einseh barkeit gegen den Gartensitzplatz und auch gegen die Schwägalpstr asse hin geradezu repräsentativ in Erscheinung tritt. Erst d ie Entfernung der Eternitschindeln und die Wiederherstellung als Holz schindelschirm wird sicherstellen, dass der südliche Gast - und Wohnhaustrakt wieder geschlossen als herkömmliche, mit Holz verkleidete Baute appen - zellischer Bauart in Erscheinung treten kann. Weil für solche Bauten namentlich für die Verkleidung der Fassaden eine An passung an die herkömmliche Bauart verlangt ist (Art. 82 Abs. 3 BauG) und beim Appenzeller Haus für solche Verkleidungen tradition ell Holz Verwendung findet, trifft nicht zu, dass mit dem mo dernen Baustoff Eternit nur geringfügig von der gesetzlich erlaubte n Bauart abgewichen wird. Denn die planen und formgleichen E ternitschindeln lassen eine Baute im Nahbereich deutlich anders als mit einem herkömmlichen Holzschindelschirm in Erscheinung tre ten. Dass die kantonale Bewilligungspraxis ausserhalb der Bauzone n an Neben - fassaden auf der jeweiligen Wetterseite kleinformat ige Eternit - schindeln zulässt (Planungsamt, Baugestaltung ausse rhalb Bauzone, 2001, S. 22; AR GVP 19/2007, Nr. 1449) trifft zu, d enn Art. 112 Abs. 2 BauG lässt für untergeordnete Bauteile Ausnahmen zu . Dies ändert aber nichts daran, dass für die Verkleidung von Fas saden an Bauten in der Landschaftsschutzzone und an Kulturobjekten nach Art. 82 Abs. 2 und 86 BauG erhöhte Anforderungen gelten, so dass an der umstrittenen Südfassade auch als Nebenfassade nicht von einem 75B. Gerichtsentscheide 2278 76 geringfügigen Abweichen von der gesetzlichen Ordnun g gesprochen werden kann, wenn anstelle einer gesetzeskonform wi eder mit Holz - schindeln verkleideten Fassade dort auf die Entfern ung der Eternit - verkleidung verzichtet würde. 4.4 Dass es sich anders als bei den Fassaden des wieder - aufgebauten Saaltraktes bei der umstrittenen Südfas sade um eine der Sonne und dem zumeist trockenen Föhn zugewandte Neb enfassade handelt, rechtfertigt unter präjudiziellen Gesichts punkten erst recht, dass dort auf dem Anbringen einer herkömmlichen Hol zverkleidung bestanden wird. Die Gebote der Rechtsgleichheit und der Rechts - sicherheit verlangen, dass auch hier wie anderswo b ei der Sanierung eines Kulturobjektes oder einer Baute in der Landsc haftsschutzzone nicht nur bei der getäferten Hauptfassade, sondern auch bei den gegen Süden und Osten orientierten Nebenfassaden au f einer herkömmlichen Holzverkleidung bestanden wird. Dageg en müsste eine Eternitverkleidung wohl bestenfalls an einer d em Wetter besonders ausgesetzten Westfassade toleriert werden , wie dies am wieder aufgebauten Saaltrakt bereits früher im Rahm en einer Ausnahmebewilligung geschehen ist. Dass den Beschwerdeführern durch das Entfernen der Eternit- schindeln erhebliche Kosten entstehen, trifft zu, a ber die Wieder - herstellung mit Holzschindeln wird vorab deshalb al s verhältnismässig beurteilt, weil die Beschwerdeführer diesen Schaden durch das zumutbare Abwarten des Rekursentscheides ohne weite res hätten vermeiden können. Angesichts auch der Bösgläubigkei t der Be - schwerdeführer kommt das Gericht wie schon die Vori nstanz zum Schluss, dass dem Interesse an der Wiederherstellun g des gesetz - mässigen Zustandes zum Schutz der Rechtsgleichheit und der baurechtlichen Ordnung ein erhöhtes und die Kosten überwiegendes Gewicht beigemessen werden muss. Ein Verzicht auf d ie Entfernung der Eternitverkleidung und auf das Wiederanbringen eines Holz - schindelschirms hätte nämlich die präjudizielle Fol ge, dass künftig auch anderswo an geschützten Kulturobjekten und an den zahl - reichen Bauten in den Landschaftsschutzzonen die Ve rwendung von Holz als herkömmliches Material zur Fassadenverklei dung kaum noch durchgesetzt werden könnte, wenn dieses, wie vorlie gend, eigen - mächtig durch Eternit ersetzt würde. Dabei ist auch in Betracht zu ziehen, dass die heute noch weit verbreiteten Holzs chindelschirme naturgemäss periodisch ersetzt werden müssen, wesha lb die reelle 76B. Gerichtsentscheide 2278 77 Gefahr besteht, dass an solchen Objekten Eternit al s langlebigeres oder günstigeres Fassadenmaterial die herkömmlichen Holzver - kleidungen rasch und in den Landschaftsschutzzonen auch weit - räumig verdrängen könnte. Diese präjudizielle Wirku ng und nicht pönale Überlegungen führen das Gericht zum Schluss, dass das öffentliche Interesse an der Entfernung der Eternit schindeln und am Ersatz wiederum durch einen Holzschindelschirm insg esamt die gegenläufigen, vorab finanziell beachtlichen Intere ssen der Be - schwerdeführer überwiegt […]. Die Beschwerde erweist sich durch- wegs als unbegründet und ist abzuweisen. VGer, 27.06.2007 Das Bundesgericht hat eine gegen dieses Urteil erho bene Be - schwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten abgewiesen, soweit darauf einzutreten war (1C_231/2008, Urteil v om 11. Dezem- ber 2008). 77