B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2098/2017 pjn U r t e i l v o m 3 1 . M a i 2 0 1 7 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Rechtsverzögerung/Rechtsverweigerung / N (…). D-2098/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin – eine iranische Staatsangehörige – reiste am 17. März 2013 mit einem gefälschten Reisepass, respektive mit einem ge- fälschten (…), auf dem Luftweg von B._______ über C._______ nach D._______, wo sie ihr Asylgesuch einreiche. Mit Verfügung des damaligen Bundesamtes für Migration (BFM) vom 19. März 2 013 wurde ihr die Ein- reise in die Schweiz vorläufig verweigert und sie wurde für maximal 60 Tage dem Transitbereich des Flughaftens E._______ zugewiesen. Am 21. März 2013 fand in F._______ eine Befragung statt und am 2. April 2013 wurde dort auch die Anhör ung durchgeführt. Gestützt auf ein Telefaxschreiben vom 4. April 2013 wurde der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz bewilligt. Mit Zuweisungsentscheid des BFM vom 4. April 2013 wurde sie für den Aufenthalt in der Schweiz während des Asylverfahre ns dem Kanton D._______ zugewiesen. B. Mit Schreiben des BFM vom 8. April 2013 wurde die Beschwerdeführerin zur Fortsetzung der Anhörung eingeladen, welche indessen wieder abge- sagt wurde. Mit Eingabe vom 17. April 2013 wurde das Mandatsverhältnis angezeigt. Mit Schreiben des BFM vom 26. Juni 2015 wurde die Beschwer- deführerin erneut zur Fortsetzung der Anhörung für den 10. Juli 2015 ein- geladen. Zudem wurde sie mit Schreiben vom 6. Juli 2015 aufgefordert, bis am 8. August 2015 weitere Beweismittel nachzureichen. Die Fortsetzung der Anhörung wurde mit Schreiben des SEM vom 6. Juli 2015 auf den 17. August 2015 verschoben. An diesem Tag führte das SEM den zweiten Teil der Anhörung durch. C. Mit Eingabe vom 26. April 2016 wurde unter anderem um Beschleunigung des erstinstanzlichen Asylverfahrens ersucht. D. Gemäss einer Gesprächsnotiz vom 6. Juni 2016 wurde die Beschwerde- führerin in eine (…) Klinik eingewiesen. Zudem wurde von Seiten der Be- treuung auch nach dem Verfahrensstand gefragt. E. Mit Eingabe vom 16. Juni 2016 wurde unter Beilage eines ärztlichen Be- richtes geltend gemacht, die Beschwerdeführerin leide unter dem lange D-2098/2017 Seite 3 dauernden Asylverfahren. Es wurde erneut um einen raschen Entscheid ersucht. F. Mit Schreiben des SEM vom 20. Juli 2016 wurde dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass die mehrmals eingereichten Beweis- mittel nicht alle in die deutsche Sprache übersetzt worden seien, was zu- sätzlichen Aufwand verursache. Zudem habe das SEM weitere Abklärun- gen veranlasst, welche mehr Zeit in Anspruch nehmen würden als ur- sprünglich angenommen worden sei. Hinzu komme eine hohe Belastung der zuständigen Fachreferentin. Angesichts des aktuellen Verfahrensstadi- ums würde jedoch die Übernahme des Dossiers durch andere Mitarbei- tende des SEM nicht zu einer Beschleunigung des Verfahrens führen. G. Mit Eingabe vom 28. Februar 2017 wurde darum ersucht, innert Monatsfrist einen Entscheid zu fällen, zumal das erstinsta nzliche Verfahren nunmehr über vier Jahre dauere und die Beschwerdeführerin unter der viel zu langen Verfahrensdauer leide. Weitere Belege über die jüngsten exilpolitischen Aktivitäten würden nicht nachgereicht, um nicht noch mehr Aufwand zu ver- ursachen. H. Gemäss der Telefonnotiz vom 17. März 2017 habe sich die Betreuerin der Beschwerdeführerin telefonisch gemeldet, weil die Beschwerdeführerin trotz Anhörung noch immer keinen Entscheid erhalten habe und darunter leide. Sie bitte um Mitteilung zum Stand des Asylverfahrens. I. Gemäss der Telefonnotiz vom 24. März 2017 nahm das SEM mit der Be- treuerin der Beschwerdeführerin telefonisch Kontakt auf und erklärte ihr, dass der Entschied für den Monat April vorgesehen sei. J. Mit Eingabe vom 7. April 2017 liess die Beschwerdeführerin beim Bundes- verwaltungsgericht eine Rechtsverzögerungsbeschwerde einreichen und dabei beantragen, es sei festzustellen, dass die Behandlung ihres Asylver- fahrens zu lange dauere und die Vorinstanz damit Art. 29 Abs. 1 BV verletzt habe. Die Vorinstanz sei anzuweisen, das Asylgesuch der Beschwerdefüh- rerin beförderlich zu behandeln, sie gegebenenfalls zu einer Anhörung vor-D-2098/2017 Seite 4 zuladen und zügig einen Entscheid zu fällen. In verfahrensrechtlicher Hin- sicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Ein- schluss des Verzichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung in der Person des die Be- schwerde Unterzeichnenden ersucht. Auf die Begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer anfechtbaren Verfügung kann Beschwerde geführt werden (Art. 46 a VwVG). Beschwerde kann wie gegen d ie Verfügung selbst geführt werden (vgl. MARKUS MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler (Hrsg.), Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), Zürich 2008, Rz. 3 zu Art. 46a). Demnach ist das Bundesverwal- tungsgericht für die Beurteilung der vo rliegenden Rechtsverzögerungsbe- schwerde zuständig. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Rechtsverzögerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichterlass einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdelegitimation setzt voraus, dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass einer Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht . Ein Anspruch ist anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu han- deln, und der ansprechenden Person nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2, mit Hinweisen). Da die Beschwerdeführerin um Asyl in Form einer anfechtbaren Verfügung ersucht hat, ist sie zur Beschwerdeführung legitimiert. 1.3 Beschwerde gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer Verfügung kann jederzeit geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Die Grenze bildet der Grundsatz von Treu und Glauben. Bietet eine bestimmte behördliche Handlung oder Äusserung objektiv begründeten Anlass für D-2098/2017 Seite 5 eine Rechtsverweigerungs - oder Rechtsverzögerungsbeschwerde, darf nicht beliebig lange zugewartet werden. Vielmehr muss die Beschwe rde innert angemessener Frist erhoben werden. Was angemessen ist, bemisst sich nach den konkreten Umständen, namentlich nach der zumutbaren Sorgfaltspflicht. Verweigert die Behörde ausdrücklich den Erlass einer Ver- fügung, so ist nach diesen Grundsätzen inn erhalb der gesetzlichen Frist von 30 Tagen Beschwerde zu erheben (Urteil des Bundesgerichts 2P .16/2002; BVGE 2008/15; Markus Müller, a.a.O., Rz. 10 zu Art. 46a; RHI- NOW/KOLLER/KISS/THURNHERR/BRÜHL-MOSER, Öffentliches Prozessrecht, 2. Aufl., 2010, Rz. 1606). 1.4 Mit Eingabe vom 26. April 2016 wurde erstmals um Beschleunigung des erstinstanzlichen Verfahrens ersucht. Auch von Seiten der Betreuerin wurde am 6. Juni 2016 telefonisch nach dem Verfahrensstand gefragt. Mit Eingabe vom 16. Juni 2016 wurde unter Hinweis auf die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin erneut um einen raschen Entscheid ge- beten. Überdies wurde mit Eingabe vom 28. Februar 2017 ein Entscheid innert Monatsfrist beantragt mit der Begründung, das erstinstanzliche Ver- fahren dauere nunmehr über vier Jahre und die Beschwerdeführerin leide unter der viel zu langen Verfahrensdauer. Dieses Schreiben wurde vom SEM nicht beantwortet. Schliesslich lässt sich einer Telefonnotiz entneh- men, dass die Betreuerin am 17. März 2017 erneut um Mitteilung zum Stand des Asylverfahrens gebeten hat, und gemäss einer weiteren Tele- fonnotiz ist ersichtlich, dass das SEM der Betreuerin mitteilte, der Asylent- scheid sei für den Monat April (2017) vorgesehen. Dem Rechtsvertreter wurde dies gestützt auf die Aktenlage jedoch nicht mitgeteilt. Unter diesen Umständen durfte die Beschwerdeführerin davon ausgehen, dass ihre Be- mühungen beziehungsweise diejenigen ihres Rechtsvertreters erfolglos blieben, weshalb sie trotz der telefonischen Zusage des SEM an die Be- treuerin (und nicht an den Rechtsvertreter), wonach ein Entscheid im April vorgesehen sei, nach Treu und Glauben annehmen durfte, dass vorläufig nicht mit einem Entscheid zu rechnen ist. Angesichts dessen erweist sich die am 7. April 2017 beim Bundesverwaltungsgericht erhobene Be- schwerde als fristgerecht. Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten. 2. In der Rechtsmitteleingabe wird im Wesentlichen ausgeführt, dass seit der Einreise der Beschwerdeführerin in die S chweiz mehr als vier Jahre ver- gangen seien, ohne dass in dieser Zeit eine erstinstanzliche Verfügung ge- fällt worden sei. Der Rechtsvertreter habe sich in seiner Eingabe vom D-2098/2017 Seite 6 16. Juni 2016 nach dem Verfahrensstand erkundigt und vom SEM zur Ant- wort bekommen, dass weitere Abklärungen getätigt werden müssten und die zuständige Fachreferentin einer hohen Belastung ausgesetzt sei. Auf das Schreiben des Rechtsvertreters vom 28. Februar 2017, gemäss wel- chem ein Entscheid innerhalb eines Monats gefordert worden sei, habe das SEM nicht reagiert und auch keine Auskunft über den Verfahrensstand erteilt. Zudem seien während des erstinstanzlichen Verfahrens mehrere Beweismittel eingereicht worden. Das SEM habe es indessen unterlassen, weitere Sachverhaltsabklärungen vorzun ehmen. Für die Verzögerung seien keine Rechtfertigungsgründe ersichtlich. Seit dem Schreiben des SEM vom 20. Juli 2016, in welchem es erklärt habe, warum das Verfahren noch nicht habe entschieden werden können, seien weitere acht Monate verstrichen, während derer es keinen Entscheid gefällt habe, obwohl seit- her bewusst keine neuen Beweismittel mehr eingereicht worden seien, um das Verfahren nicht noch zusätzlich zu belasten. Ausserdem seien diejeni- gen Beweismittel, welche teilweise nicht übersetzt worden seien, zwischen dem 27. Januar 2014 und dem 26. April 2016 in grösseren Zeitabständen eingereicht worden, weshalb es stossend erscheine, die Verzögerung mit einer vorübergehenden Belastung der Mitarbeitenden zu begründen. Trotz der angeblichen, vom SEM geltend gemachten Überlastung der Fachrefe- rentin sei bis am 20. Juli 2016 genügend Zeit vergangen, während welcher die Beweismittel hätten gewürdigt und der Sachverhalt endgültig hätte ab- geklärt werden können. Zudem sei das Verbot der Rechtsverzögerung auch dann verletzt, wenn die Behörde wegen Personalmangels oder Über- lastung nicht innert angemessener Frist handle. Es sei davon auszugehen, dass die Verzögerung keinen legitimen Grund in der Schwierigkeit der Ma- terie oder im Umfang beziehungsweise der Komplexität der Sache finde. Da ausserdem die Ungewissheit des Verfahrensausgangs für die Be- schwerdeführerin eine Belastung darstelle, sei die Untätigkeit der Vor -in- stanz noch weniger zu rechtfertigen. Dieser Faktor habe bei der Beschwer- deführerin zu (…) geführt. Das Bundesgericht habe zudem in einem ande- ren asylrechtlichen Verfahren die Verfahrensdauer von 39 Monaten als zu lange qualifiziert und dies mit einer objektiv nicht begründbaren Untätigkeit begründet. In einem weiteren Verfahren sei vom Bundesgericht die Verfah- rensdauer von 33 Monaten und vom Bundesverwaltungsgericht diejenige von 37 Monaten als überlang qualifiziert worden. Vorliegend weise das erstinstanzliche Verfahren eine Dauer von über 48 Monaten auf, was an- gesichts des vergleichsweise einfachen Sachve rhalts umso weniger ver- ständlich sei. Es sei nicht nur kein Entscheid gefällt, sondern auch kein Schritt in Richtung Entscheidfällung getan worden. Damit liege eine Verlet- zung des Anspruchs auf Beurteilung innert angemessener Frist gemäss D-2098/2017 Seite 7 Art. 29 Abs. 1 BV vor. Das SEM sei daher anzuweisen, das hängige Asyl- gesuch unverzüglich an Hand zu nehmen und zügig abzuschliessen. 3. 3.1 Das Verbot der Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung ergibt sich als Teilgehalt aus der allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 BV. Danach hat jede Person vor Gerichts- und Verfahrensinstanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf Beurteilung in- nert angemessener Frist (sog. Beschleunigungsgebot). 3.2 Eine Rechtsverweigerung liegt vor, wenn eine Behörde sich weigert , eine Verfügung zu erlassen, obwohl sie dazu aufgrund der einschlägigen Rechtsnormen verpflichtet wäre. Die Rechtsverzögerung ist eine abge- schwächte Form. Sie ist anzunehmen, wenn behördliches Handeln zwar nicht grundsätzlich infrage steht, sondern ledigl ich nicht binnen gesetzli- cher oder – falls eine solche fehlt – angemessener Frist erfolgt und für das "Verschleppen" keine objektive Rechtfertigung vorliegt. Die Angemessen- heit der Dauer eines Verfahrens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Umstände zu beurteilen. In Betracht zu ziehen sind namentlich die Komplexität der Sache, die Bedeutung der Angelegenheit für den Be- troffenen, dessen Verhalten und schliesslich einzelfallspezifische Entschei- dungsabläufe (vgl. zum Ganzen BGE 130 I 312 E. 5.1 und 5; MARKUS MÜL- LER, a.a.O. Rz. 6 zu Art. 46a). Ein Verschulden der Behörde an der Verzö- gerung wird nicht vorausgesetzt, weshalb eine Behörde das Rechtsverzö- gerungsverbot auch verletzt, wenn sie wegen Personalmangels oder Über- lastung nicht innert angemessener Frist verfügt (FELIX UHLMANN / SIMONE WÄLLE-BÄR, in: Praxiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), 2009, Art. 46a N 20). 3.3 Gemäss Art. 37 Abs. 2 AsylG sind Entscheide – abgesehen von Nicht- eintretensentscheiden – in der Regel innerhalb von 10 Arbeitstagen nach der Gesuchstellung zu treffen. 4. 4.1 Dem Bundesverwaltungsgericht ist bekannt, dass die Vorinstanz bei der Bewältigung ihrer hohen Arbeitslast nicht untätig ist und Massnahmen getroffen hat, um die Pendenzen abzubauen. In Anbetracht der hohen Pen- denz kann deshalb offensichtlich nicht jedes Asylverfahren innerhalb der im Asylgesetz vorgegebenen Frist entschieden werden. Aufgrund dieser D-2098/2017 Seite 8 besonderen Umstände sind Verfahren, die länger als die gesetzlichen Be- handlungsfristen dauern, unvermeidbar, was in der gesetzlichen Formulie- rung von Art. 37 AsylG ("in der Regel") zum Ausdruck kommt. 4.2 Die Beschwerdeführerin reichte am 19. März 2013 ein Asylgesuch ein. Am 21. März 2013 fand die Befragung zur Person statt. Am 2. April 2013 wurde sie vom BFM angehört und am 17. August 2015 führte das SEM die Fortsetzung der Anhörung durch. Seither, mithin seit mehr als eineinhalb Jahren, hat die Vorinstanz – abgesehen von einer summarischen hand- schriftlichen Übersetzung eines Dokuments (vgl. Akte A48/9) – keine wei- teren erkennbaren Verfahrenshandlungen vorgenommen. So fehlt es bis zum heutigen Zeitpunkt insbesondere an einer das erstinstanzliche Asyl- verfahren abschliessenden anfechtbaren Verfügung. Gestützt auf Art. 37 Abs. 2 AsylG hätte eine anfechtbare Verfügung innerhalb von 10 Arbeitsta- gen nach der Einreichung des Asylgesuchs ergehen müssen. Zwar kann diese kurze Frist – wie vorangehend festgehalten – nicht immer eingehal- ten werden; zudem musste vorliegend gemäss einer unpaginierten hand- schriftlichen Notiz auf einem Post-it im Dossier des SEM auf eine Antwort der federführenden Abteilung gewartet werden. Indessen ist nicht ersicht- lich, auf welche Anfrage die Antwort hätte folgen und welche Frage hätte beantwortet werden sollen. Es kann aufgrund der bestehenden Akten auch nicht nachvollzogen werden, zu welchem Zeitpunkt die unbekannte Frage gestellt wurde, wer genau für die Beantwortung zuständig wäre und aus welchem Grund bisher keine weiterführende Antwort erfolgt ist. Unter die- sen Umständen lassen sich den Akte n des SEM für einen Zeitraum von über 18 Monaten keine konkreten Bemühungen für den Abschluss des erstinstanzlichen Verfahrens mittels anfechtbarer Verfügung entnehmen. 4.3 Vorliegend ergibt sich aus den Akten, dass teilweise umfangreiche An- hörungsprotokolle vorliegen und zahlreiche fremdsprachige Beweismittel ins Recht gelegt wurden, die zum Teil vom SEM übersetzt werden mussten. Mithin ist der Aktenumfang grösser als in anderen vergleichbaren Fällen. Dies führt bei der Bearbeitung des Falles unbestrittenermassen zu einem zeitlichen Mehraufwand beim SEM. Ausserdem weist die vorangehend er- wähnte handschriftliche Notiz, gemäss welcher auf die Antwort der feder- führenden Abteilung zu warten sei, darauf hin, dass beim SEM ein noch nicht vorliegender amtsinterner Entscheid oder eine solche amtsinterne Einschätzung zu berücksichtigen ist, was ebenfalls mehr als üblich Zeit in Anspruch nimmt. Indessen lässt sich nicht feststellen, dass in casu beson- ders schwierige und zeitlich aufwändige Sachverhalts- oder Rechtsfragen oder eine Grundsatzfrage zu lösen wären. Andernfalls müsste dies in den D-2098/2017 Seite 9 bestehenden Akten zum Ausdruck kommen, was nicht der Fall ist. So lässt sich insbesondere nicht erklären, warum vom SEM zwischen dem 17. Au- gust 2015 und dem 7. April 2017 keine weiterführenden Schritte unternom- men wurde n, welche einen Abschluss des erstinstanzlichen Verfahrens hätten näherbringen können. Zudem ist zu bemängeln, dass das SEM die Eingabe des Rechtsvertreters vom 28. Februar 2017 nicht beantwortete. 4.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz ohne ersichtlichen Grund die in Art. 29 Abs. 1 und Art. 37 Abs. 2 AsylG vorgegebene Behand- lungsfrist massiv überschritten hat, was einer Rechtsverzögerung gleich- kommt. Sie hat bis anhin keine anfechtbare Verfügung erlassen. So liegen zwischen dem ersten Teil der Anhörung vom 2. April 2013 und dem zweiten Teil der Anhörung vom 17. August 2015 21 Monate, während welcher den Akten keine konkreten weiterführenden Abklärungen oder Massnahmen zu entnehmen sind. Ausserdem ist aus den Akten nicht ersichtlich, dass nach dem zweiten Teil der Anhörung am 17. August 2015 – abgesehen von der bereits erwähnten Übersetzung – konkrete Untersuchungsmassnahmen oder Abklärungen vorgenommen wurden, welche der Entscheidfindung ge- dient hätten, womit erneut mehr als 18 Monate ergebnislos verstrichen sind. Insgesamt liegt somit eine Nichtbehandlung während beinahe 40 Mo- naten vor, was grundsätzlich zu lange ist. Das Beschleunigungsgebot von Art. 29 Abs. 1 BV ist somit verletzt. 5. Die Rüge der Rechtsverzögerung erweist sich nach dem Gesagten, unbe- sehen davon, dass die Beschwerdeführerin gestützt auf die Aktenlage auch (…) Probleme hat, was ein weiterer Grund für die Beschleunigung des Verfahrens darstellen würde, als begründet, weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist. Die Akten gehen an die Vorinstanz zurück, verbunden mit der Anweisung, das Asylgesuch de r Beschwerdeführerin vom 19. März 2013 beförderlich zu behandeln und baldmöglichst einer anfechtbaren Ver- fügung zuzuführen. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gesuche um Verzicht auf die Er- hebung von Verfahrenskosten und eines Kostenvorschusses sind infolge- dessen als gegenstandslos zu betrachten. Das Gesuch um amtliche Ver- beiständung ist angesichts der Gutheissung der Beschwerde ebenfalls ge- genstandslos. D-2098/2017 Seite 10 6.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung für die ihr notwendiger- weise erwach senen Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und Art. 10 Abs. 2 des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertre- ter hat eine Kostennote eingereicht, welche einen zeitlichen Aufwand von zweieinhalb Stunden und ein Stundenhonorar von Fr. 300.– umfasst, was als angemessen zu betrachten ist. Das SEM hat der Beschwerdeführerin somit eine Parteientschädigung inklusive der Eingabe vom 25. April 2017 in der Höhe von gerundet Fr. 850.– auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-2098/2017 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und es wird festgestellt, dass die Be- handlung des Asylgesuchs vor dem SEM zu lange dauert. 2. Das SEM wird angewiesen, das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zügig anhand zu nehmen und baldmöglichst einer anfechtbaren Verfügung zuzu- führen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin eine Parteientschädi- gung von Fr. 850.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: