<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 14 S.64</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">64</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>14</b></span> <span class="ft2"><b>§ 5a Abs. 1 StPO</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Zuständigkeit für die gerichtliche Beurteilung wird durch den</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Strafantrag in der Anklage und nicht durch das Urteil bestimmt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 1. Strafkammer vom 17. November</span><br/> <span class="ft3">2005 i.S. Staatsanwaltschaft gegen U.C.-L.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft1">1. Die Staatsanwaltschaft hatte mit Anklage vom 12. November</span><br/> <span class="ft1">2003 beim Bezirksgericht Bremgarten Anklage gegen die Angeklagte</span><br/> <span class="ft1">erhoben und dabei eine Strafe von 18 Monaten Gefängnis beantragt.</span><br/> <span class="ft1">Die Angeklagte liess in ihrem schriftlichen Plädoyer einen Frei-</span><br/> <span class="ft1">spruch, eventualiter eine Strafe von weniger als 10 Monate Gefäng-</span><br/> <span class="ft1">nis beantragen.</span><br/> <span class="ft1">1.1. Der Gerichtspräsident von Bremgarten beurteilte den Fall</span><br/> <span class="ft1">als Einzelrichter in Strafsachen, wobei er auf eine Strafe von 6 Mo-</span><br/> <span class="ft1">naten Gefängnis und eine Busse von Fr. 5'000.-- erkannte. Hin-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich der sachlichen Zuständigkeit verweist das vorinstanzliche</span><br/> <span class="ft1">Urteil auf § 5a Abs. 1 StPO ohne hierzu weitere Ausführungen zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">65</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">machen (Urteil S. 3). Mit Berufung macht die Staatsanwaltschaft gel-</span><br/> <span class="ft1">tend, dass der Gerichtspräsident aufgrund der beantragten Strafe von</span><br/> <span class="ft1">18 Monaten Gefängnis sachlich nicht zuständig gewesen sei.</span><br/> <span class="ft1">1.2. Gemäss § 217 Abs. 2 StPO können mit der Berufung auch</span><br/> <span class="ft1">Mängel am vorinstanzlichen Verfahren geltend gemacht werden.</span><br/> <span class="ft1">Dies allerdings grundsätzlich nur dann, wenn nebst dem Verfahrens-</span><br/> <span class="ft1">mangel auch ein materieller Antrag gestellt, das heisst eine Änderung</span><br/> <span class="ft1">des Urteils verlangt wird (Brühlmeier, Aargauische Strafprozessord-</span><br/> <span class="ft1">nung, Kommentar, 2. Aufl., Aarau 1980, S. 375). Vorliegend hat es</span><br/> <span class="ft1">die Staatsanwaltschaft zwar versäumt, einen materiellen Antrag zu</span><br/> <span class="ft1">stellen, da sie jedoch - anders als z.B. die Angeklagte - auch für die</span><br/> <span class="ft1">richtige Durchführung des Verfahrens zu sorgen hat - kann es unter</span><br/> <span class="ft1">gewissen Vorsaussetzungen genügen, wenn sich ihre Berufung auf</span><br/> <span class="ft1">die Rüge eines Verfahrensmangels beschränkt, sofern dieser beson-</span><br/> <span class="ft1">ders schwer ist (vgl. Dubach, in: Aargauisches Strafprozessrecht,</span><br/> <span class="ft1">Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des Aargauischen Juristenver-</span><br/> <span class="ft1">eins, Aarau 1961, S. 193: Die Staatsanwaltschaft kann die nochmali-</span><br/> <span class="ft1">ge Durchführung eines "tumultischen" Verfahrens verlangen).</span><br/> <span class="ft1">Die Beurteilung durch die sachlich zuständige Behörde und</span><br/> <span class="ft1">auch deren richtige Besetzung ist für ein korrektes Verfahren unent-</span><br/> <span class="ft1">behrlich, weshalb auf die Berufung der Staatsanwaltschaft einzutre-</span><br/> <span class="ft1">ten ist.</span><br/> <span class="ft1">Im Folgenden ist daher zu prüfen, wie sich die sachliche</span><br/> <span class="ft1">Zuständigkeit bei der Beurteilung von Straffällen bestimmt. Mit</span><br/> <span class="ft1">anderen Worten ist zu prüfen, wer die Abgrenzung zwischen der</span><br/> <span class="ft1">Kompetenz des Einzelrichters in Strafsachen gemäss § 5a StPO und</span><br/> <span class="ft1">jener des Gesamtgerichtes gemäss § 6 StPO vorzunehmen hat.</span><br/> <span class="ft1">2. Das Gesetz muss in erster Linie aus sich selbst heraus, das</span><br/> <span class="ft1">heisst nach Wortlaut, Sinn und Zweck und den ihm zugrunde liegen-</span><br/> <span class="ft1">den Wertungen auf der Basis einer teleologischen Verständnismetho-</span><br/> <span class="ft1">de ausgelegt werden. Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung</span><br/> <span class="ft1">im normativen Gefüge, ausgerichtet auf ein befriedigendes Ergebnis</span><br/> <span class="ft1">aus der ratio legis. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist</span><br/> <span class="ft1">hierbei keine der bekannten Auslegungsmethoden vorrangig anzu-</span><br/> <span class="ft1">wenden, sondern diese sind nur in ihrer Gesamtheit massgebend und</span><br/> <span class="ft1">im Einzelfall gegeneinander abzuwägen (BGE 124 IV 106 Erw. 3a,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">66</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">121 III 219 Erw. 1 d/aa; Häfelin/Haller, Schweizerisches Bundes-</span><br/> <span class="ft1">staatsrecht, 6. Aufl., Zürich 2005, § 3 N 130; Höhn, Praktische Me-</span><br/> <span class="ft1">thodik der Gesetzesauslegung, Zürich 1993, S. 256). Die Regeln der</span><br/> <span class="ft1">Gesetzesauslegung sind im Strafprozess die gleichen wie in den</span><br/> <span class="ft1">übrigen Rechtsgebieten (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches</span><br/> <span class="ft1">Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 6 N 1).</span><br/> <span class="ft1">2.1. Mit der Revision der StPO vom 2. Juli 2002 (Inkrafttreten</span><br/> <span class="ft1">am 1. Januar 2003) wurde der Einzelrichter in Strafsachen einge-</span><br/> <span class="ft1">führt. § 5a Abs. 1 StPO lautet seither:</span><br/> <span class="ft5">Der Präsident des Bezirksgerichts kann als Einzelrichter eine Freiheits-</span><br/> <span class="ft5">strafe von höchstens sechs Monaten, allenfalls verbunden mit einer</span><br/> <span class="ft5">Busse oder eine Busse allein aussprechen und ambulante oder, mit Ein-</span><br/> <span class="ft5">verständnis des Verurteilten, stationäre Massnahmen gemäss Art. 43</span><br/> <span class="ft5">Ziff. 1 Abs. 1 und Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 StGB anordnen.</span><br/> <span class="ft1">Ausgangspunkt jeder Auslegung ist der Gesetzeswortlaut (BGE</span><br/> <span class="ft1">105 Ib 49 Erw. 3a). § 5a Abs. 1 StPO bestimmt zwar, dass der Einzel-</span><br/> <span class="ft1">richter eine Strafe von höchstens 6 Monaten aussprechen kann, legt</span><br/> <span class="ft1">somit die Höhe seiner Strafkompetenz fest, die Bestimmung sagt</span><br/> <span class="ft1">aber nichts darüber aus, wer darüber entscheidet, ob ein Fall dem Ge-</span><br/> <span class="ft1">samtgericht oder dem Einzelrichter in Strafsachen zum Entscheid</span><br/> <span class="ft1">vorgelegt wird.</span><br/> <span class="ft1">2.2. Bei der systematischen Auslegung wird der Sinn einer</span><br/> <span class="ft1">Rechtsnorm bestimmt durch ihr Verhältnis zu anderen Rechtsnormen</span><br/> <span class="ft1">und durch den systematischen Zusammenhang, in dem sie sich in ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Gesetz präsentiert (Häfelin/Haller, a.a.O., § 3 N 97).</span><br/> <span class="ft1">Abgesehen von hier nicht weiter interessierenden Kompetenzen</span><br/> <span class="ft1">der Verwaltungsbehörden auf dem Gebiet der Übertretungsstrafen</span><br/> <span class="ft1">(§ 4 StPO) sind in der aargauischen Strafprozessordnung (neben dem</span><br/> <span class="ft1">Obergericht als Berufungsinstanz und dem Jugendgericht) drei ver-</span><br/> <span class="ft1">schiedene strafrichterliche Behörden vorgesehen: Zunächst der Straf-</span><br/> <span class="ft1">befehlsrichter, dessen Kompetenzen in § 5 StPO geregelt sind, dann</span><br/> <span class="ft1">der bereits erwähnte Einzelrichter in Strafsachen (§ 5a StPO) und</span><br/> <span class="ft1">schliesslich sieht § 6 StPO im Sinne einer Generalnorm vor, dass alle</span><br/> <span class="ft1">nicht in die Zuständigkeit einer anderen Behörde fallenden Strafsa-</span><br/> <span class="ft1">chen, durch das Bezirksgericht zu beurteilen sind (vgl. auch § 99</span><br/> <span class="ft1">KV).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">67</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Es ist festzustellen, dass der Gesetzgeber für die Kompetenzum-</span><br/> <span class="ft1">schreibung des Strafbefehlsrichters und für jene des Einzelrichters</span><br/> <span class="ft1">nicht den gleichen Wortlaut gewählt hat: Der Strafbefehlsrichter ist</span><br/> <span class="ft1">zuständig im Strafbefehlsverfahren strafbare Handlungen abzuwan-</span><br/> <span class="ft1">deln, wenn eine Freiheitsstrafe von höchstens neunzig Tagen, die</span><br/> <span class="ft1">Verbindung einer Freiheitsstrafe von höchstens neunzig Tagen mit ei-</span><br/> <span class="ft1">ner Busse oder eine Busse allein <b>in Betracht fällt</b> (§ 5 Abs. 1 StPO).</span><br/> <span class="ft1">Bei der Umschreibung der Kompetenz des Einzelrichters in Strafsa-</span><br/> <span class="ft1">chen hingegen wurde nicht diese Formulierung gewählt, sondern</span><br/> <span class="ft1">stattdessen bestimmt, dass der Einzelrichter eine Freiheitsstrafe von</span><br/> <span class="ft1">höchstens sechs Monaten aussprechen <b>kann</b> (§ 5a Abs. 1 StPO). Die</span><br/> <span class="ft1">Formulierung für den Strafbefehlsrichter in § 5 Abs. 1 StPO umfasst</span><br/> <span class="ft1">neben der Kompetenzbeschränkung auf neunzig Tage Freiheitsstrafe,</span><br/> <span class="ft1">d.h. der Strafbefehlsrichter darf nur eine solche bis 90 Tage ausspre-</span><br/> <span class="ft1">chen, auch ein wertendes Element, d.h. es ist am Strafbefehlsrichter</span><br/> <span class="ft1">zu entscheiden, ob er eine Strafe von maximal 90 Tagen für ange-</span><br/> <span class="ft1">messen hält und daher die Kompetenz zur Verhängung derselbigen</span><br/> <span class="ft1">hat oder ob er die Sache der Staatsanwaltschaft zur Anklageerhebung</span><br/> <span class="ft1">überweisen will. Wie ausgeführt wurde für die Umschreibung der</span><br/> <span class="ft1">Einzelrichterkompetenz nicht die gleiche Formulierung gewählt, son-</span><br/> <span class="ft1">dern eine, die eben kein wertendes Element enthält, sondern lediglich</span><br/> <span class="ft1">eine Beschränkung der Strafkompetenz.</span><br/> <span class="ft1">Da sich aber das Strafbefehlsverfahren von jenem des ordentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Strafverfahrens vor dem Einzelrichter teilweise stark unter-</span><br/> <span class="ft1">scheidet, kann aus dem Umstand der unterschiedlichen Formulierung</span><br/> <span class="ft1">nicht einfach der Schluss gezogen werden, dass der Gesetzgeber dem</span><br/> <span class="ft1">Strafbefehlsrichter die Kompetenz zum Entscheid über die sachliche</span><br/> <span class="ft1">Zuständigkeit im Bereich der Strafen bis neunzig Tage zukommen</span><br/> <span class="ft1">lassen wollte und wegen der anderslautenden Formulierung beim</span><br/> <span class="ft1">Einzelrichter, diesem nicht.</span><br/> <span class="ft1">2.3. Die historische Auslegung stellt auf den subjektiven Willen</span><br/> <span class="ft1">des Gesetzgebers ab. Anhaltspunkte für diesen liefern Entwürfe, amt-</span><br/> <span class="ft1">liche Berichte, die Botschaft, Protokolle der Ratsverhandlungen etc.</span><br/> <span class="ft1">(Häfelin/Haller, a.a.O., § 3 N 102 f.).</span><br/> <span class="ft1">In der Botschaft des Regierungsrates vom 21. März 2001 über</span><br/> <span class="ft1">die Teilrevision der Kantonsverfassung und des Gesetzes über die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">68</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Strafrechtspflege (Bericht und Entwurf zur ersten Beratung) wird auf</span><br/> <span class="ft1">S. 14 vorgeschlagen, dass der Einzelrichter Freiheitsstrafen bis höch-</span><br/> <span class="ft1">stens sechs Monate aussprechen dürfe, wobei für die Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">der Zuständigkeit nicht auf den Antrag der Anklagebehörde abge-</span><br/> <span class="ft1">stellt werde, da sonst diese allein mit einem entsprechenden Antrag</span><br/> <span class="ft1">die Zuständigkeit des Bezirksgerichts bestimmen könne.</span><br/> <span class="ft1">Weiter äussert sich die Botschaft zu dieser Thematik nicht. Es</span><br/> <span class="ft1">wird also nicht erwähnt, wie sich bzw. wer die sachliche Zuständig-</span><br/> <span class="ft1">keit bestimmen soll. Auch in den beiden Beratungen im Grossen Rat</span><br/> <span class="ft1">war dieses Problem nicht diskutiert worden (vgl. Protokolle der Sit-</span><br/> <span class="ft1">zung des Grossen Rates vom 18. Dezember 2001, vom 8. Januar</span><br/> <span class="ft1">2002 [1. Beratung] und 25. Juni 2002 [2. Beratung]).</span><br/> <span class="ft1">Allerdings ist festzuhalten, dass der oben zitierte Auszug aus</span><br/> <span class="ft1">der Botschaft des Regierungsrates keinen Eingang in die gesetzliche</span><br/> <span class="ft1">Bestimmung gefunden hat. Den Materialien kommt aber grundsätz-</span><br/> <span class="ft1">lich nur dort entscheidendes Gewicht zu, wo sie im Gesetzeswortlaut</span><br/> <span class="ft1">einen Niederschlag gefunden haben (BGE 114 Ia 191, Erw. 3b/bb).</span><br/> <span class="ft1">Für den Richter verbindlich können die Gesetzesmaterialien schon</span><br/> <span class="ft1">deshalb nicht sein, weil die Motive in den gesetzgebenden Gremien</span><br/> <span class="ft1">oft divergieren und weil im Bund (und auch im Kt. Aargau, vgl.</span><br/> <span class="ft1">Art. 62 f. KV) die Stimmbürger die oberste gesetzgebende Instanz</span><br/> <span class="ft1">sind, die das Gesetz entweder stillschweigend - wenn das Referen-</span><br/> <span class="ft1">dum nicht ergriffen wird - oder ausdrücklich, wenn das Referendum</span><br/> <span class="ft1">ergriffen, aber verworfen wurde - genehmigen. Aus welchen Grün-</span><br/> <span class="ft1">den die Mehrheit ja gestimmt hat oder aus welchen Gründen das</span><br/> <span class="ft1">Referendum nicht ergriffen wurde, lässt sich kaum je für eine einzel-</span><br/> <span class="ft1">ne Gesetzesbestimmung und deren Formulierung feststellen (Trech-</span><br/> <span class="ft1">sel/Noll, Schweizerisches Strafrecht, AT I, 6. Aufl., Zürich 2004,</span><br/> <span class="ft1">S. 50).</span><br/> <span class="ft1">2.4. Da die auszulegende Bestimmung erst seit knapp drei Jah-</span><br/> <span class="ft1">ren in Kraft ist, es sich demzufolge um eine sehr neue Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">handelt, erübrigt sich eine zeitgemässe Auslegung, welche im Gegen-</span><br/> <span class="ft1">satz zur historischen Auslegung auf die Verhältnisse abstellt wie sie</span><br/> <span class="ft1">gegenwärtig, d.h. im Rechtsanwendungszeitpunkt bestehen, da sich</span><br/> <span class="ft1">seit dem Zeitpunkt der Gesetzgebung kaum etwas geändert hat. Statt-</span><br/> <span class="ft1">dessen ist im Rahmen der teleologischen Auslegung zu prüfen, wel-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">69</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">che Zweckvorstellung § 5a StPO innewohnt, d.h. welche Zielvorstel-</span><br/> <span class="ft1">lungen der Gesetzgeber damit verfolgte (Häfelin/Haller, a.a.O., § 3</span><br/> <span class="ft1">N 120). Bei § 5a StPO ging es in erster Linie darum, den Einzel-</span><br/> <span class="ft1">richter in Strafsachen einzuführen, weil man sich vom Wegfall der</span><br/> <span class="ft1">Aktenzirkulation im Richtergremium eine wesentliche Beschleuni-</span><br/> <span class="ft1">gung des Strafverfahrens versprach und der schon länger bestehende</span><br/> <span class="ft1">Einzelrichter in Zivilsachen sich in der Praxis sehr bewährt hatte</span><br/> <span class="ft1">(Botschaft, a.a.O., S. 9, 14).</span><br/> <span class="ft1">2.5. Nach der Erörterung von § 5a Abs. 1 StPO im Lichte der</span><br/> <span class="ft1">einzelnen Auslegungsmethoden, ist festzustellen, dass sich anhand</span><br/> <span class="ft1">der Materialien, konkret der Botschaft des Regierungsrates, zwar er-</span><br/> <span class="ft1">gibt, dass für die Bestimmung der Zuständigkeit nicht auf den Antrag</span><br/> <span class="ft1">der Anklagebehörde abgestellt werden soll (vgl. oben Ziff. 2.3.), dass</span><br/> <span class="ft1">diese Anmerkung in der Botschaft indessen erstens keinen Nieder-</span><br/> <span class="ft1">schlag im Gesetz selber fand und zweitens im Gesetz auch nichts</span><br/> <span class="ft1">darüber ausgesagt wurde, wer sonst über die sachliche Zuständigkeit</span><br/> <span class="ft1">bestimmen soll. Wenn es der Wille des Gesetzgebers gewesen wäre,</span><br/> <span class="ft1">dass der Gerichtspräsident trotz Generalnorm von § 6 StPO selber</span><br/> <span class="ft1">darüber bestimmt, in wessen Zuständigkeit ein angeklagter Sachver-</span><br/> <span class="ft1">halt fällt, wäre § 5a Abs. 1 StPO analog der Bestimmung betreffend</span><br/> <span class="ft1">Strafbefehlsrichter zu formulieren oder eine andere Abfassung zu</span><br/> <span class="ft1">wählen gewesen, die ausdrücklich dem Gerichtspräsidenten die</span><br/> <span class="ft1">Kompetenz zur Bestimmung über die sachliche Zuständigkeit zuge-</span><br/> <span class="ft1">wiesen hätte.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Auslegung von</span><br/> <span class="ft1">§ 5a Abs. 1 StPO zu keinem Ergebnis führt bzw. die Frage, wem die</span><br/> <span class="ft1">Kompetenz zur Bestimmung der sachlichen Zuständigkeit zukommt,</span><br/> <span class="ft1">nicht beantwortet werden kann.</span><br/> <span class="ft1">Da es sich bei der gestellten Frage um eine wichtige organisa-</span><br/> <span class="ft1">torische Frage handelt, kann nicht von einem qualifizierten Schwei-</span><br/> <span class="ft1">gen des Gesetzgebers ausgegangen werden. Vielmehr ist anzuneh-</span><br/> <span class="ft1">men, dass der Gesetzgeber die Regelung dieser Frage schlicht</span><br/> <span class="ft1">vernachlässigt hat. Demnach ist von einer Gesetzeslücke oder ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss neuerer Terminologie von einer planwidrigen Unvollständigkeit</span><br/> <span class="ft1">des Gesetzes auszugehen, welche vom Richter zu beheben ist</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">70</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl., Zürich 2004, N 68; Häfelin/</span><br/> <span class="ft1">Haller, a.a.O., § 3 N 137 ff.).</span><br/> <span class="ft1">3. Lücken im Gesetz sind nach dem Sinn des entsprechenden</span><br/> <span class="ft1">Erlasses im Gefüge der gesamten Rechtsordnung von der rechts-</span><br/> <span class="ft1">anwendenden Behörde auszufüllen und zwar in analoger Anwendung</span><br/> <span class="ft1">von Art. 1 Abs. 2 und 3 ZGB (BGE 98 Ia 226 Erw. 4b; Häfelin/</span><br/> <span class="ft1">Haller, a.a.O., § 3 N 147; Schmid, a.a.O., N 68; Hauser/Schweri/</span><br/> <span class="ft1">Hartmann, a.a.O., § 6 N 6).</span><br/> <span class="ft1">3.1. Es kommen gestützt auf die StPO und die behördliche</span><br/> <span class="ft1">Organisation zwei Möglichkeiten in Frage: Entweder entscheidet die</span><br/> <span class="ft1">Staatsanwaltschaft mit ihrem Antrag über die sachliche Zuständig-</span><br/> <span class="ft1">keit, d.h., bei einem Antrag der Staatsanwaltschaft von über 6 Mona-</span><br/> <span class="ft1">ten Freiheitsstrafe ist das Gesamtgericht, bei einem Strafantrag bis</span><br/> <span class="ft1">und mit 6 Monaten Freiheitsstrafe (allenfalls) verbunden mit einer</span><br/> <span class="ft1">Geldstrafe oder einer Geldstrafe allein der Gerichtspräsident als</span><br/> <span class="ft1">Einzelrichter zur Beurteilung zuständig. Oder aber der Gerichtspräsi-</span><br/> <span class="ft1">dent entscheidet selber und unabhängig vom Strafantrag der Staats-</span><br/> <span class="ft1">anwaltschaft über die sachliche Zuständigkeit.</span><br/> <span class="ft1">3.1.1. Wie bereits ausgeführt war mit ein Grund zur Einführung</span><br/> <span class="ft1">des Einzelrichters in Strafsachen, dass sich der Einzelrichter in</span><br/> <span class="ft1">Zivilsachen in der Praxis sehr gut bewährt hatte. Der Gesetzgeber</span><br/> <span class="ft1">hatte somit die Vorstellungen über den Einzelrichter in Zivilsachen</span><br/> <span class="ft1">vor Augen, als er den Einzelrichter in Strafsachen einführte. Es er-</span><br/> <span class="ft1">scheint daher nahe liegend, die beiden Regelungen betreffend Einzel-</span><br/> <span class="ft1">richter miteinander zu vergleichen:</span><br/> <span class="ft1">Organisatorisch betrachtet geht es darum, durch den Einsatz der</span><br/> <span class="ft1">Einzelrichter das Gesamtgericht zu entlasten und die Verfahren zu</span><br/> <span class="ft1">beschleunigen. Mit anderen Worten sollen ,,kleinere" Verfahren</span><br/> <span class="ft1">durch den Einzelrichter erledigt werden. Zur Abgrenzung, was ein</span><br/> <span class="ft1">,,kleiner" Fall ist und was nicht, wird beim Einzelrichter in Zivilsa-</span><br/> <span class="ft1">chen bei Streitsachen mit einem Streitwert auf die Höhe des</span><br/> <span class="ft1">Streitwertes abgestellt (§ 11 lit. a ZPO). Der Streitwert bestimmt sich</span><br/> <span class="ft1">aufgrund der beim erstinstanzlichen Richter angehobenen Klage</span><br/> <span class="ft1">(§ 16 ZPO). Der Einzelrichter in Zivilsachen ist zur Beurteilung von</span><br/> <span class="ft1">vermögensrechtlichen Streitigkeiten mit einem Streitwert von weni-</span><br/> <span class="ft1">ger als Fr. 20'000.-- zuständig, sofern sie nicht einem besonderen Ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">71</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">richt zugewiesen sind (§ 11 lit. a ZPO). Somit bestimmt der Kläger</span><br/> <span class="ft1">mit seiner Klage und nicht etwa der Einzelrichter über die sachliche</span><br/> <span class="ft1">Zuständigkeit.</span><br/> <span class="ft1">3.1.2. Als nächstes ist der Ablauf des Strafverfahrens vor Augen</span><br/> <span class="ft1">zu halten: In der Regel überweist das Bezirksamt nach abgeschlosse-</span><br/> <span class="ft1">ner Untersuchung einen Fall der Staatsanwaltschaft, wenn es zum</span><br/> <span class="ft1">Schluss kommt, dass eine Freiheitsstrafe von über 90 Tagen in Be-</span><br/> <span class="ft1">tracht fällt und die Staatsanwaltschaft ihrerseits erhebt dann, wenn</span><br/> <span class="ft1">zureichende Gründe vorliegen, Anklage (§§ 2, 5, 135 und 143 StPO).</span><br/> <span class="ft1">Der Gerichtspräsident prüft danach die Prozessvoraussetzungen und</span><br/> <span class="ft1">bestimmt Ort und Zeit der Gerichtsverhandlung (§§ 146 und 148</span><br/> <span class="ft1">StPO).</span><br/> <span class="ft1">Im Zeitpunkt der Anklageerhebung hat sich der betreffende</span><br/> <span class="ft1">Staatsanwalt mit dem Fall eingehend auseinander gesetzt und ge-</span><br/> <span class="ft1">stützt darauf einen ihm angemessen erscheinenden Strafantrag ge-</span><br/> <span class="ft1">stellt. Würde nun dem Gerichtspräsidenten die Kompetenz zukom-</span><br/> <span class="ft1">men, über die sachliche Zuständigkeit zu entscheiden, so müsste er</span><br/> <span class="ft1">jeweils sogleich nach Eingang der Anklage den gesamten Fall einge-</span><br/> <span class="ft1">hend studieren und Tatbestandsmässigkeit sowie Strafzumessung</span><br/> <span class="ft1">prognostizieren, um über die sachliche Zuständigkeit befinden zu</span><br/> <span class="ft1">können, bevor überhaupt die Gerichtsverhandlung stattgefunden hat,</span><br/> <span class="ft1">in welcher nicht selten aufgrund des persönlichen Eindruckes über</span><br/> <span class="ft1">den Angeklagten oder der Zeugen Änderungen bei der Sachverhalts-</span><br/> <span class="ft1">feststellung und/oder der Strafzumessung möglich sind. Zwar könnte</span><br/> <span class="ft1">der Gerichtspräsident in einem Fall, wo er die sachliche Zuständig-</span><br/> <span class="ft1">keit des Einzelrichters bejaht hat und nach oder während der</span><br/> <span class="ft1">Verhandlung zum Schluss kommt, dass eine Freiheitsstrafe von mehr</span><br/> <span class="ft1">als sechs Monaten in Betracht fallen könnte, den Fall noch dem Be-</span><br/> <span class="ft1">zirksgericht überweisen (§ 5a Abs. 5 StPO). Daraus würde jedoch ein</span><br/> <span class="ft1">enormer Mehraufwand resultieren, was dem gesetzgeberischen</span><br/> <span class="ft1">Zweck der Verfahrensbeschleunigung bei der Einführung des Einzel-</span><br/> <span class="ft1">richters in Strafsachen widerspräche. Entscheidet aber die Staatsan-</span><br/> <span class="ft1">waltschaft mit ihrem Strafantrag über die Zuständigkeit, so hat sich</span><br/> <span class="ft1">eine juristisch geschulte Person (vgl. § 3 Abs. 2 StPO) mit dem Fall</span><br/> <span class="ft1">auseinander gesetzt und einen ihrer Meinung nach angemessenen</span><br/> <span class="ft1">Strafantrag gestellt, sodass die Gefahr der oben erwähnten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">72</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Doppelspurigkeit (Überweisung vom Einzelrichter ans Gesamtge-</span><br/> <span class="ft1">richt) sehr klein ist, zumal das Bezirksgericht als Gesamtgericht auch</span><br/> <span class="ft1">Freiheitsstrafen unter sechs Monaten aussprechen kann.</span><br/> <span class="ft1">Anzufügen bleibt, dass es für die Staatsanwaltschaft keine Rolle</span><br/> <span class="ft1">spielt, ob ein Fall dem Einzelrichter oder dem Bezirksgericht als Ge-</span><br/> <span class="ft1">samtgericht vorgelegt wird, da die Staatsanwaltschaft nach Einrei-</span><br/> <span class="ft1">chung der Anklage mit dem erstinstanzlichen Verfahrensgang eigent-</span><br/> <span class="ft1">lich nichts mehr zu tun hat, also insbesondere grundsätzlich nicht an</span><br/> <span class="ft1">der Verhandlung zu erscheinen hat, ausser bei einer beantragten Frei-</span><br/> <span class="ft1">heitsstrafe von über 18 Monaten oder wenn es der Gerichtspräsident</span><br/> <span class="ft1">ausdrücklich verlangt, was erfahrungsgemäss selten vorkommt</span><br/> <span class="ft1">(§ 149 Abs. 2 StPO). Dem Gesagten zufolge ist die Staatsanwalt-</span><br/> <span class="ft1">schaft in ihrer Entscheidung, ob sie einen Fall dem Einzelrichter oder</span><br/> <span class="ft1">dem Gesamtgericht zur Beurteilung vorlegt, unabhängig.</span><br/> <span class="ft1">3.1.3. Weiter ist zu berücksichtigen, dass der Gesetzgeber auch</span><br/> <span class="ft1">in anderen wichtigen Belangen der Staatsanwaltschaft Kompetenzen</span><br/> <span class="ft1">zum Entscheid übertragen hat: So schreibt § 59 Abs. 2 StPO vor, dass</span><br/> <span class="ft1">der Gerichtspräsident dem Angeklagten einen amtlichen Verteidiger</span><br/> <span class="ft1">zu bestellen hat, wenn die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von</span><br/> <span class="ft1">mindestens 12 Monaten oder eine freiheitsentziehende Massnahme</span><br/> <span class="ft1">beantragt hat. Ebenso hat es die Staatsanwaltschaft mit ihrem Straf-</span><br/> <span class="ft1">antrag grundsätzlich in der Hand, darüber zu entscheiden, ob sie an</span><br/> <span class="ft1">der Verhandlung teilnimmt oder nicht (vgl. § 149 StPO).</span><br/> <span class="ft1">3.1.4. Rechtsvergleichend ist festzustellen, dass ein grosser Teil</span><br/> <span class="ft1">der Kantone, welche den Einzelrichter in Strafsachen in ihrer Straf-</span><br/> <span class="ft1">prozessgebung überhaupt kennen, die sachliche Zuständigkeit da-</span><br/> <span class="ft1">hingehend regelt, dass der Staatsanwalt mit seinem Strafantrag dar-</span><br/> <span class="ft1">über bestimmt (so Zürich [§ 24 GVG], Solothurn [§ 12 Abs. 1 lit. c</span><br/> <span class="ft1">GO], Baselland [§ 3 StPO], St. Gallen [§ 18 StP, vgl. hierzu: Ober-</span><br/> <span class="ft1">holzer, Grundzüge des Strafprozessrechts, 2. Aufl., Bern 2005, S. 71]</span><br/> <span class="ft1">und wohl auch Zug [§ 30 GOG]). Auch der Vorentwurf für eine</span><br/> <span class="ft1">eidgenössische StPO vom Juni 2001 (...) sieht die Schaffung eines</span><br/> <span class="ft1">Einzelgerichtes vor, wobei für die Bestimmung der sachlichen</span><br/> <span class="ft1">Zuständigkeit auf den Strafantrag der Staatsanwaltschaft abgestellt</span><br/> <span class="ft1">werden soll (vgl. Art. 24 Vorentwurf).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">73</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.1.5. Abschliessend ist festzustellen, dass gerade ein Fall wie</span><br/> <span class="ft1">der vorliegende, die grundlegende Problematik aufzeigt, wenn der</span><br/> <span class="ft1">Entscheid über die sachliche Zuständigkeit beim Gerichtspräsidenten</span><br/> <span class="ft1">liegt: Im konkreten Fall hatte nämlich nicht nur die Staatsanwalt-</span><br/> <span class="ft1">schaft einen Strafantrag von 18 Monaten Gefängnis gestellt, sondern</span><br/> <span class="ft1">auch die Verteidigung ging mit dem Eventualantrag auf Verurteilung</span><br/> <span class="ft1">zu einer Gefängnisstrafe von ,,nicht mehr als 10 Monaten" im Falle</span><br/> <span class="ft1">eines Schuldspruches offensichtlich von einer Freiheitsstrafe von</span><br/> <span class="ft1">über sechs Monaten aus.</span><br/> <span class="ft1">3.2. Zusammenfassend ergibt sich, dass § 5a Abs. 1 StPO eine</span><br/> <span class="ft1">Gesetzlücke aufweist, da sich dieser Gesetzesnorm auch mittels</span><br/> <span class="ft1">Auslegung keine Antwort auf die Frage entnehmen lässt, wem zur</span><br/> <span class="ft1">Bestimmung der sachlichen Zuständigkeit die Kompetenz zukommt.</span><br/> <span class="ft1">Im Rahmen der richterlichen Lückenfüllung ist das Obergericht nach</span><br/> <span class="ft1">umfassender Prüfung zum Schluss gelangt, dass diese Kompetenz</span><br/> <span class="ft1">der Staatsanwaltschaft obliegt, da es üblicher prozessualer Ordnung</span><br/> <span class="ft1">entspricht, dass der Antrag einer Partei über die sachliche Zuständig-</span><br/> <span class="ft1">keit entscheidet und nicht der Gerichtspräsident. Im Übrigen wären</span><br/> <span class="ft1">durch die vorweggenommene Prüfung des Gerichtspräsidenten die</span><br/> <span class="ft1">Leitplanken, innerhalb welcher die Strafe zu ergehen hätte, bereits</span><br/> <span class="ft1">vor Durchführung der Hauptverhandlung gesteckt. Kommt hinzu,</span><br/> <span class="ft1">dass bei anderen wichtigen Entscheidungen auch auf den Strafantrag</span><br/> <span class="ft1">der Staatsanwaltschaft abgestellt wird. Zudem lässt ein Blick auf die</span><br/> <span class="ft1">anderen Kantone keinen Zweifel daran, dass die vom Obergericht ge-</span><br/> <span class="ft1">wählte Lösung auch der Regelung in einem grossen Teil der Kanto-</span><br/> <span class="ft1">ne, welche die Figur des Einzelrichters in Strafsachen kennen, ent-</span><br/> <span class="ft1">spricht.</span><br/> <span class="ft1">4. Unter Berücksichtigung der obigen Erwägungen ist festzu-</span><br/> <span class="ft1">stellen, dass der Gerichtspräsident von Bremgarten, als er den vor-</span><br/> <span class="ft1">liegenden Fall selbst beurteilte statt ihn dem Gesamtgericht zur Beur-</span><br/> <span class="ft1">teilung vorzulegen, obschon der Strafantrag auf 18 Monate Gefäng-</span><br/> <span class="ft1">nis lautete, sachlich unzuständig war. Dies ist als schwerer Verfah-</span><br/> <span class="ft1">rensmangel zu betrachten, weshalb das Urteil aufzuheben und die</span><br/> <span class="ft1">Sache an das Bezirksgericht Bremgarten (Gesamtgericht) zur neuen</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung zurückzuweisen ist (§ 223 StPO; vgl. auch Hau-</span><br/> <span class="ft1">ser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 99 N 26).</span><br/></div> </div> </body> </html>