B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6415/2014 U r t e i l v o m 1 8 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Sylvie Cossy, Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren (…), Marokko, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin- Verfahren); Verfügung des BFM vom 22. Oktober 2014 / N (…). E-6415/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Heimatstaat im Jahr 2003 und reiste über Spanien nach Italien. Nach ei- nem langjährigen illegalen Aufenthalt i n Italien gelangte er am 26. Juli 2014 in die Schweiz, wo er am 31. Juli 2014 um Asyl nachsuchte. An der Befragung vom 14. August 2014 wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Ge hör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit einer Überstellung nach Italien gewährt, welches Land gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen P arlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Ve r- fahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend : Dublin-III-VO) grundsätzlich für die Behandlung seines Antrags zuständig sei. Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates wur de vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Allerdings trug er vor , er habe sich in Italien lange Zeit illegal aufgehalten und keine Hilfe bekommen. Die dorti- ge Lage sei momentan schlimmer als in Afrika und er habe viele Proble- me gehabt. Zwar habe er fünf Jahre schwarz arbeiten können, jedoch be- komme er infolge der Wirtschaftskrise derzeit keine Arbeit. Deshalb kö n- ne er nicht nach Italien zurückkehren, und es wäre gar besser, nach M a- rokko zu gehen. Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid mit Überstellung nach Spanien machte er nur geltend, er kenne Spanien nicht gut und es gebe dort zur Zeit viele Probleme; er wolle auch nicht nach Spanien zurückkehren. A.b Am 18. August 2014 ersuchte das BFM die italienischen Behörden um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 2 Dublin -III- VO. Dieses Gesuch blieb innert der in Art. 22 A bs. 1 Dublin-III-VO vorge- sehenen Frist unbeantwortet. Am 27. Oktober 2014 teilte das BFM den italienischen Behörden mit, dass es Italien für die Prüfung des vorliege n- den Asylgesuchs als zuständig erachte (vgl. Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO). A.c Mit Verfügung vom 22. Oktober 2014 – eröffnet am 30. Oktober 2014 – trat das BFM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein , ver- fügte seine Wegweisung nach Italien und ordnete den Vollzug an. Es stellte weiter fest, dem Beschwerdeführer würden die editionspflicht igen Akten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt und einer allfälligen B e- schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. E-6415/2014 Seite 3 B. Mit Eingabe vom 3. November 2014 (Datum Poststempel) erhob der B e- schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschw erde und bea n- tragte, die Verfügung des BFM vom 22. Oktober 2014 sei aufzuheben und das Bundesamt anzuweisen, das Asylgesuch neu zu prüfen und ihm in der Schweiz Schutz zu gewähren. C. Mit Telefax vom 4. November 2014 setzte das Bundesverwaltungsgericht als superprovisorische Massnahme gestützt auf Art. 56 VwVG den Voll- zug der Wegweisung per sofort vorläufig aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungs gericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vor instanz des Bun- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet be treffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorlie- gend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer - deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägungen – einzutreten. 1.3 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder E-6415/2014 Seite 4 unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.). Die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung von Asyl bilden demgegenüber nicht Gegenstand des ang e- fochtenen Nichteintretensentscheides und damit auch nicht des vorli e- genden Verfahrens. Auf die entsprechenden Beschwerdeanträge ist des- halb nicht einzutreten. 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich z u- ständigen Staates prüft das BFM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dub- lin-III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mi t- gliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das BFM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Übe rstellung oder Rüc k- überstellung zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein. 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8-15 Dublin-III-VO) als zuständig er Staat bestimmt wird. Jedes di e- ser Kriterien wird nur angewendet, wenn das vorangehende Kriterium im spezifischen Fall nicht anwendbar ist (Prinzip der Hierarchie der Zustä n- digkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). 3.3 Erweist es sich als unmögli ch, einen Antragsteller in den eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingu n- gen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europä i- schen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterie n ein anderer Mi t- gliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Ist dies nicht der Fall , E-6415/2014 Seite 5 wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mi t- gliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 3.4 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, eine gesuchstellende Person, die in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin -III-VO aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO). 3.5 Diese Verpflichtung erlischt, gemäss Art. 18 Abs . 1 Bst. c oder d , wenn die gesuchstellende Person das Herrschaftsgebiet der Mitgliedstaa- ten während einer Dauer von mindestens drei Monaten verlassen hat, ausser sie verfüge über einen durch den zuständigen Mitgliedstaat au s- gestellten Aufenthaltstitel (vgl. Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO). 3.6 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen g e- stellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung z u- ständig ist ( Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). Sowohl der Mitgliedstaat, in dem ein Antrag auf internationalen Schutz gestellt worden ist und der das Verfahren zur Bes timmung des zuständ i- gen Mitgliedstaates durchführt, als auch der zuständige Mitgliedstaat kann vor der Erstentscheidung in der Sache jederzeit einen anderen Mi t- gliedstaat ersuchen, den Antragsteller aus humanitären Gründen oder zum Zweck der Zusammenführun g verwandter Personen aufzunehmen, wobei die betroffenen Personen diesem Vorgehen schriftlich zustimmen müssen (Art. 17 Abs. 2 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. humanitäre Klausel). 4. Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ei n- reise in die Schweiz in Italien gelebt hat. Anlässlich seiner EVZ-Befragung führte er aus, er sei über Spanien nach Italien gereist, und habe sich von dort nach einem langjährigen Aufenthalt in die Schweiz begeben. Das BFM ersucht e die italienischen Behörden am 18. A ugust 2014 gestützt auf Art. 13 Abs. 2 Dublin -III-VO um Aufnahme des Beschwerdeführers . Die italienischen Behörden liessen das Übernahmeersuchen innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet, womit sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannten ( vgl. Art. 22 Abs. 7 Dublin- III-VO). Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates blieb sei- tens des Beschwerdeführers unbestritten. Auch der Umstand, dass die italienischen Behörden dem Beschwerdeführer ein Einreiseverbot aufer-E-6415/2014 Seite 6 legt haben, ändert nichts an der Zuständigkeit Italiens zur Prüfung seines Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zumal davon ausgegangen werden kann, Italien ordne eine Wegweisung gegebenenfalls erst nach einer asyl- und völkerrechtskonformen Prüfung der Akten an. Italien steht es im Üb- rigen frei, Personen im Einklang mit der nationalen Gesetzgebung und den völkerrechtlichen Verpflichtungen mit einer Einreisesperre zu bel e- gen. Es obliegt dem Beschwerdeführer, bei der zuständigen italienischen Stelle Beschwerde einzureichen, sollte er sich ungerecht oder rechtswi d- rig behandelt fühlen . Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens ist somit gegeben. 5. 5.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentl i- che Gründe für die Annahme gibt, das Asylve rfahren und die Aufnahm e- bedingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische Schwac h- stellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürd i- genden B ehandlung im Sinne des Art . 4 der EU -Grundrechtecharta mit sich bringen würden. 5.1.1 Italien i st Signatarstaat der EMRK, des Über einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), des A b- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0 .142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und es bestehen keine konkreten Hinweise dafür, dass sich Italien im konkreten Fall nicht an die daraus resultierenden Verpflic h- tungen hält. Zwar steht das italienische Fürsorge system für Asylsuchende und Perso- nen mit Schutzstatus in der Kritik (vgl. u.a. die Berichte der Schweizer i- schen Flüchtlingshilfe [SFH], Italien: Aufnahmebedingungen, Aktuelle S i- tuation von Asylsuchenden und Schutzberechtigten, insbesondere Dublin- Rückkehrenden, Bern, Oktober 2013 ; MURIEL TRUMMER, Bewegungsfrei- heit in Italien für mittellose Perso nen mit Schutzstatus – Abklärungen im Nachgang zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 14. November 2013, D-4751/2013, Bern, 4. August 2014; UNHCR, Recommendations on Important Aspects of Refugee Protection in Italy, Juli 2013, Ziff. 5: "Re- ception conditions for asylum -seekers"). Gemäss den bisherigen Er- kenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts werden Dublin-Rückkehrende und verletzliche Personen bezüglich Unterbringung von den italienischen Behörden indes bevorzugt behandelt. Auch nehmen sich private Hilfso r-E-6415/2014 Seite 7 ganisationen der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen an. Im kürzlich ergangenen Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschen- rechte vom 4. November 2014 in Sachen Tarakhel gegen die Schweiz (Beschwerde Nr. 29217/12) stellte der EGMR h insichtlich der Lebensb e- dingungen in den zur Verfügung stehenden Unterkünfte fest, die Situation in Italien könne in keiner Weise mit der Situation in Griechenland vergl i- chen werden, weshalb die Herangehensweise im vorliegenden Fall nicht die gleich e wie im Urteil des EGMR vom 21. Januar 2011 in Sachen M.S.S. gegen Belgien und Griechenland (Beschwerde Nr. 30696/09) sein könne. Aufgrund der Strukturen und der allgemeinen Lebensbedingungen in den Unterkünften allein seien deshalb nicht jegliche Überstellungen nach Italien ausgeschlossen. Allerdings bestünden ernsthafte Zweifel be- züglich der momen tanen Unterbringungskapazitäten, weshalb nicht au s- geschlossen werden könne, dass eine signifikante Anzahl von Asyls u- chenden ohne Unterkunft, in überfüllten Unterkünften ohne Privatsphäre oder gar in gesundheits schädigenden oder gewalttätigen Verhältnissen landen würden. Immerhin stellte der EGMR fest, dass dann , wenn Kinder von der Überstellung betroffen wären, darauf geachtet werden muss, dass die Lebensbedingungen ihrem Alter angepasst sind, damit daraus keine Situation mit Stress, Angst und traumatisierenden Folgen entstehe ; andernfalls würden die Lebensbedingungen jene Schwelle der Ernstha f- tigkeit erreichen, die eine Verlet zung von Art. 3 EMRK darstelle . Deshalb müssten die Schweizer Behörden in solchen Konstellationen von den ita- lienischen Behörden Zusicherungen einholen, da ss die Unterbringung in Italien in einer Weise erfolgt, die dem Alter der Kinder angemessen sei und der Familie das Zusammenbleiben ermögli che. Das BFM und das Bundesverwaltungsgericht werden sich an diese Vorgaben halten und in Fällen von Familien mit min derjährigen Kindern sowie bei anderen b e- sonders verletzlichen Personengruppen nicht nur eine sorgfältige Abklä- rung der möglichen Vollzugshindernisse im Einzelfall vornehmen (vgl. z.B. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-7075/2013 vom 20. März 2014, E. 6.4; E-258/2014 vom 21. Mai 2014, E. 6.3 - 6.4), sondern dort, wo vom EGMR gemäss dem zitierten Urteil gefordert, vorgängig Zusiche- rungen von den italienischen Behörden einholen. 5.1.2 Der Beschwerdeführer gehört als alleinstehender Mann offensich t- lich nicht zu einer der umschriebenen Gruppen, welchen ein besonderes Augenmerk zu schenken ist. Er kann mithin nichts zu seinen Gunsten ab- leiten. Im Übrigen hat er sich bis anhin gar nie um eine Aufnahme in das italienische Asylsystem bemüht, und er hat in all den Jahren in Italien o f- fensichtlich seinen Lebensunterhalt bestreiten und sich auch anderweitig E-6415/2014 Seite 8 arrangieren können. Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO mithin nicht gerechtfertigt. 5.2 Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, er habe in Italien als Zeuge in einem Strafverfahren gegen eine Gruppe von organisierten Ver- brechern ausgesagt und habe nun fliehen müssen, weil er um sein Leben fürchte. Ausserdem sei die dortige Lage momentan schlimmer als in Afr i- ka und er erhalte keine Hilfe. Er habe viele Probleme in Italien gehabt und infolge der Wirtschaftskrise derzeit keine Arbeit. Aus diesen Gründen wol- le er nicht dorthin zurückkehren. Mit seinen Vorbringen fordert er implizit die Anwendung der Ermessen s- klausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO, was zum Selbsteintritt der Schweiz und zur Beurteilung des Antrags auf internationalen Schutz fü h- ren würde. 5.2.1 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die italienischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzu- nehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu g emeinsamen Verfahren für die Zue r- kennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfa h- rensrichtlinie) zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Italien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausserdem hat er nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Italien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Er hat auch keine konkreten Hinweise für die Annahme dargetan, Italien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Richtlinie des Europäischen Parl a- ments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz b e- antragen (sog. Aufnahmerichtlinie) zustehenden minimalen Lebensbedin- gungen vorent halten. Sein Vorbringen, es sei ihm die notwendige Hilfe beziehungsweise Unterstützung verwehrt worden, vermag jedenfalls nicht überzeugen, zumal das Gericht davon aus geht, dass er sich im Fall der Überstellung an die italienischen Behörden wird wenden kön nen, um die E-6415/2014 Seite 9 ihm zustehenden Aufnahmebedingungen (wenn nötig auch auf dem Rechtsweg) einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 5.2.2 Das BFM wies in seiner angefochtenen Verfügung zudem zu Recht darauf hin, dass Italien ein Rechtsstaat ist, welcher über ein e funktionie- rende Polizeibehörde verfügt, die sowohl schutzwillig wie auch schutzf ä- hig ist und es vorliegend keine begründeten Anhaltspunkte für die A n- nahme gibt, Italien würde keinen Schutz vor Übergriffen Dritter gewähren. Demnach obliegt es dem Beschwerdeführer, die allfälligen, konkret erst- mals auf Beschwerdestufe geltend gemachten allfälligen Schwierigkeiten mit Personen des organisierten Verbrechens zunächst bei den zuständ i- gen italienischen Behörden vorzubringen und be i diesen durchzusetzen ; diesbezüglich wird er auf den Rechtsweg verwiesen. 5.2.3 Weiter sind seine gesundheitlichen Probleme – er leide an Asthma und benötige deshalb einen Spray – nicht von einer derartigen Schwere, dass von einer Überstellung abgesehen werden müsste (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die Praxis des EGMR). Im Übrigen verfügt Italien über eine ausreichende medizin ische Infr a- struktur. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die erfor- derliche medizinische Versorgung, die zu mindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zug änglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigen- falls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Italien dem Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung verwe i- gern würde. Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der a n- gefochten Verfügung beauftragt sind, werden den medizinischen U m- ständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung des Beschwerdeführers Rechnung tragen und gegebenenfalls die italieni- schen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über allfällige spezifische medizinische Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). 5.2.4 Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer schliesslich in korrekter Weise das rechtliche Gehör zu einer möglichen Überstellung nach Italien gewährt. Bei dieser Gelegen heit hat der Beschwerdeführer nichts vorg e- tragen, was gegen seine Überstellung sprechen würde. Das BFM ist de s- halb zu Recht davon ausgegangen, dass in seinem Einzelfall keine A n-E-6415/2014 Seite 10 haltspunkte oder Hinweise vorliegen, die auf eine abweichende Einschä t- zung hinsichtlich der Zulässigkeit einer Überstellung nach Italien hinde u- ten würden. Seine Äusserung anlässlich der Befragung, es wäre gar bes- ser, nach Marokko statt nach Italien zu gehen, lässt entgegen der Intent i- on des Beschwerdeführers nicht die Situation in It alien als besonders schlimm erscheinen, sondern lässt vielmehr vermuten, dass er in seinem Heimatland nichts Ernsthaftes zu befürchten hat. 5.2.5 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwä hlen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). 5.3 Somit bleibt Italien der für die Durchführung des vorliegenden As yl- und Wegweisungsverfahrens zuständige Mitgliedstaat gemäss der Dub- lin-III-VO. 6. Das BFM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Italien in An- wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). 7. Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretens gemäss Art . 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2010/45 E. 10). 8. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen , soweit darauf ei n- zutreten war, und die Verfügung des BFM zu bestätigen. 9. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten von Fr. 600.– dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; (Art. 1-3 des Regl e- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). E-6415/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Stöckli Natasa Stankovic Versand: