<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 165</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">FürsorgerischeFreiheitsentziehung</span> <span class="page_no">165</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Fürsorgerische Freiheitsentziehung</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>43</b></span> <span class="ft2"><b>Diverse EMRK-Rügen im Zusammenhang mit der Einweisung in das</b></span><br/> <span class="ft2"><b>REHA-Haus Effingerhort zur Durchführung einer stationären Langzeit-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>therapie</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 11. Oktober 2011 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen H. gegen das Bezirksamt X. (WBE.2011.335).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">I.</span><br/> <span class="ft5">1. (...)</span><br/> <span class="ft5">2.</span><br/> <span class="ft5">2.1.</span><br/> <span class="ft5">Das Feststellungsinteresse ist als Prozessvoraussetzung von</span><br/> <span class="ft5">Amtes wegen zu prüfen. Dabei handelt es sich um eine Erschei-</span><br/> <span class="ft5">nungsform des allgemeinen Rechtsschutzinteresses; es verhindert die</span><br/> <span class="ft5">missbräuchliche und nutzlose Prozessführung. Das Feststellungsin-</span><br/> <span class="ft5">teresse ist zu bejahen, wenn eine Ungewissheit, Unsicherheit oder</span><br/> <span class="ft5">Gefährdung der Rechtsstellung vorliegt, deren Fortdauer unzumutbar</span><br/> <span class="ft5">ist, und die nicht auf andere Weise als durch ein Feststellungsbegeh-</span><br/> <span class="ft5">ren behoben werden kann.</span><br/> <span class="ft5">Es versteht sich von selbst, dass nach rechtskräftigem Abschluss</span><br/> <span class="ft5">eines Verfahrens kein diesbezügliches Feststellungsinteresse besteht.</span><br/> <span class="ft5">Soweit die Beschwerdeführerin also Vorbringen und Einwendungen</span><br/> <span class="ft5">betreffend die Einweisung der Beschwerdeführerin in die</span><br/> <span class="ft5">Psychiatrische Klinik Königsfelden erhebt, soweit sie also beispiels-</span><br/> <span class="ft5">weise geltend macht, dass die damalige Einweisung in die Klinik</span><br/> <span class="ft5">Königsfelden zu Unrecht passiert bzw. diese "eine verdammte Saue-</span><br/> <span class="ft5">rei" gewesen sei, oder etwa, dass im Sinne des Verhältnimässigkeits-</span><br/> <span class="ft5">prinzips als mildere Massnahme eine Zwangsreinigung ebenso wir-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">166</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">kungsvoll gewesen wäre, so ist sie darauf hinzuweisen, dass die</span><br/> <span class="ft5">diesbezüglich Verwaltungsgerichtsbeschwerde (...) mit Urteil vom</span><br/> <span class="ft5">31. Mai 2011 abgewiesen wurde, und dass das entsprechende Verfah-</span><br/> <span class="ft5">ren mittlerweile seinen rechtskräftigen Abschluss gefunden hat. Auch</span><br/> <span class="ft5">Art. 5 EMRK i.V.m. Art. 13 EMRK ändert nichts daran, dass die</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführerin kein Feststellungsinteresse hat.</span><br/> <span class="ft5">Soweit die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 429a Abs. 1</span><br/> <span class="ft5">ZGB einen Anspruch auf Schadenersatz und/oder Genugtuung auf-</span><br/> <span class="ft5">grund einer widerrechtlichen Freiheitsentziehung geltend machen</span><br/> <span class="ft5">möchte, kann sie gegebenenfalls den Zivilweg beschreiten (Urteil</span><br/> <span class="ft5">des Bundesgerichts vom 11. April 2005 [5P.57/2005], Erw. 3.2). Ein</span><br/> <span class="ft5">"Verbrechen gegen die Menschenrechte" liegt - entgegen der Dar-</span><br/> <span class="ft5">stellung der Beschwerdeführerin - nicht vor. Die Vorbringen der</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang sind somit allesamt</span><br/> <span class="ft5">unbeachtlich.</span><br/> <span class="ft5">2.2. (...)</span><br/> <span class="ft5">2.3.</span><br/> <span class="ft5">Insoweit die Beschwerdeführerin geltend macht, es sei "eine</span><br/> <span class="ft5">verdammte Sauerei", dass die Email-Eingabe des Bruders der Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführerin vom 18. Mai 2011 zu Handen des Bezirksamtes X.</span><br/> <span class="ft5">der Beschwerdeführerin nicht zur Stellungnahme unterbreitet worden</span><br/> <span class="ft5">sei, weshalb dem Bezirksamt X. eine Verletzung von Art. 5 Ziffer 2</span><br/> <span class="ft5">EMRK vorgeworfen werde, was gerichtlich festzustellen sei, ist die</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführerin darauf hinzuweisen, dass dieses Vorbringen</span><br/> <span class="ft5">ebenfalls das rechtskräftig erledigte Verfahren betreffend die Einwei-</span><br/> <span class="ft5">sung in die Klinik Königsfelden betrifft. Nachdem die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führerin Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen die damalige fürsor-</span><br/> <span class="ft5">gerische Freiheitsentziehung erhoben hatte, und die damalige Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerde rechtskräftig abgewiesen wurde, kann nunmehr nicht da-</span><br/> <span class="ft5">rauf eingetreten werden, woran auch Art. 5 EMRK i.V.m. Art. 13</span><br/> <span class="ft5">EMRK nichts ändert, da die Beschwerdeführerin kein Feststellungs-</span><br/> <span class="ft5">interesse hat. Der Vollständigkeit halber sei angefügt, dass die Ein-</span><br/> <span class="ft5">gabe des Bruders der Beschwerdeführerin zu Handen des Bezirks-</span><br/> <span class="ft5">amtes X. in der Verfügung des Bezirksamtes X. vom 20. Mai 2011</span><br/> <span class="ft5">erwähnt wird; im Rahmen ihres Akteneinsichtsrechts hätte die Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">FürsorgerischeFreiheitsentziehung</span> <span class="page_no">167</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">schwerdeführerin verlangen können, dass ihr diese gezeigt wird. Dies</span><br/> <span class="ft5">hat sie offenbar unterlassen.</span><br/> <span class="ft5">2.4. (...)</span><br/> <span class="ft5">2.5.</span><br/> <span class="ft5">Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet ausschliesslich</span><br/> <span class="ft5">die Frage, ob die Einweisung der Beschwerdeführerin in das REHA-</span><br/> <span class="ft5">Haus Effingerhort "zur Alkohol- und Medikamentenentwöhnung"</span><br/> <span class="ft5">recht- und verhältnismässig ist. Insoweit die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft5">Ausführungen zum Thema psychiatrische Behandlung und</span><br/> <span class="ft5">psychiatrische Anstalten macht, ist sie darauf hinzuweisen, dass es</span><br/> <span class="ft5">im vorliegenden Fall nicht um eine psychiatrische Behandlung in</span><br/> <span class="ft5">einer psychiatrischen Anstalt geht, sondern vielmehr um eine statio-</span><br/> <span class="ft5">näre psychotherapeutische Behandlung in einer auf Suchterkrankun-</span><br/> <span class="ft5">gen spezialisierten Therapieeinrichtung.</span><br/> <span class="ft5">3.</span><br/> <span class="ft5">3.1.</span><br/> <span class="ft5">Anlässlich der Verhandlung liess die Beschwerdeführerin aus-</span><br/> <span class="ft5">führen, sie bestreite die Richtigkeit des gesamten Akteninhaltes,</span><br/> <span class="ft5">soweit er nicht in beweiskräftiger Form erhoben worden sei. Art. 6</span><br/> <span class="ft5">Ziff. 1 EMRK zwinge das Gericht, dass bei einer fürsorgerischen</span><br/> <span class="ft5">Freiheitsentziehung über sämtliche Tatsachen beweiskräftige Ele-</span><br/> <span class="ft5">mente (Zeugenbefragung unter Strafandrohung, Augenschein, Ur-</span><br/> <span class="ft5">kunden etc.) vorlägen. Gemäss Akten habe nicht die geringste Be-</span><br/> <span class="ft5">weisverhandlung stattgefunden; es handle sich einfach um Behaup-</span><br/> <span class="ft5">tungen, wobei es unzulässig sei, diese gegen die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft5">zu verwenden, zumal deren Bruder anlässlich der Verhandlung vom</span><br/> <span class="ft5">31. Mai 2011 nicht auf die Straffolgen eines falschen Zeugnisses</span><br/> <span class="ft5">aufmerksam gemacht worden sei. Die Berichte der Ärzte seien nicht</span><br/> <span class="ft5">beweiskräftig, da eine Anstalt keine Gutachterstellung habe. Die</span><br/> <span class="ft5">Anstalt sei vielmehr Gegenpartei und hätte unter Androhung der</span><br/> <span class="ft5">StGB-Straffolgen ihre Aussagen bezeugen müssen. Die in den Be-</span><br/> <span class="ft5">zirksamtsakten befindlichen Fotos seien "mitnichten" Beweis für</span><br/> <span class="ft5">eine Alkoholkrankheit der Beschwerdeführerin.</span><br/> <span class="ft5">3.2.</span><br/> <span class="ft5">Wie die Beschwerdeführerin richtig erkannt hat, stellen auch</span><br/> <span class="ft5">Urkunden anerkannte Beweismittel dar. Inwiefern die ärztlichen Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">168</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">richte bzw. die weiteren Dokumente in den Akten - so auch die Fotos</span><br/> <span class="ft5">- keine Urkunden im beweisrechtlichen Sinne darstellen sollen, führt</span><br/> <span class="ft5">die Beschwerdeführerin nicht aus, sondern sie lässt es lediglich beim</span><br/> <span class="ft5">Bewenden, die Berichte der Ärzte seien nicht beweiskräftig, da eine</span><br/> <span class="ft5">Anstalt keine Gutachterstellung habe, sondern vielmehr Gegenpartei</span><br/> <span class="ft5">sei. Das Verwaltungsgericht erachtet die diversen Dokumente als</span><br/> <span class="ft5">durchaus beweiskräftige Elemente. Nachdem die Einweisung bzw.</span><br/> <span class="ft5">die Zurückbehaltung in der Klinik Königsfelden nicht Gegenstand</span><br/> <span class="ft5">des vorliegenden Verfahrens bildet, ist auch nicht ersichtlich, inwie-</span><br/> <span class="ft5">fern die Klinik Königsfelden im vorliegenden Verfahren als "Ge-</span><br/> <span class="ft5">genpartei" zu gelten hat. Vielmehr unterliegen diese Urkunden der</span><br/> <span class="ft5">freien richterlichen Beweiswürdigung. So ist insbesondere der Aus-</span><br/> <span class="ft5">trittsbericht des zuständigen Oberarztes der Klinik Königsfelden vom</span><br/> <span class="ft5">6. Oktober 2011 (...) durchaus glaubwürdig und aussagekräftig.</span><br/> <span class="ft5">3.3.</span><br/> <span class="ft5">Der Status des Zeugen zieht (auch im Verwaltungsverfahren)</span><br/> <span class="ft5">weitreichende Folgen mit sich; so steht namentlich die falsche Zeu-</span><br/> <span class="ft5">genaussage unter Strafandrohung (vgl. Art. 307 i.V.m. Art. 309</span><br/> <span class="ft5">StGB). Aus diesem Grund sieht beispielsweise auch das Bundesge-</span><br/> <span class="ft5">setz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren die</span><br/> <span class="ft5">Zeugeneinvernahme als ultima ratio vor, also nur, wenn sich der</span><br/> <span class="ft5">Sachverhalt nicht anders hinreichend abklären lässt. Im vorliegenden</span><br/> <span class="ft5">Fall wurde der Bruder der Beschwerdeführerin anlässlich der Ver-</span><br/> <span class="ft5">handlung vom 31. Mai 2011 als Auskunftsperson einvernommen, um</span><br/> <span class="ft5">im Rahmen der Untersuchungsmaxime Auskünfte - das sind Infor-</span><br/> <span class="ft5">mationen zu konkreten Ereignissen, Begebenheiten oder Tatsachen,</span><br/> <span class="ft5">welche den Sachverhalt ausmachen - zur Situation zu erhalten. Aus</span><br/> <span class="ft5">diesem Grund war er auch nicht auf die Strafandrohung gemäss</span><br/> <span class="ft5">StGB bei falscher Zeugenaussage aufmerksam zu machen.</span><br/> <span class="ft5">Seine Aussagen - wie im Übrigen auch die Aussagen der übri-</span><br/> <span class="ft5">gen Beteiligten (Ärzte) anlässlich der Verhandlung vom 31. Mai</span><br/> <span class="ft5">2011 - unterliegen der freien richterlichen Beweiswürdigung wie</span><br/> <span class="ft5">sämtliche übrigen Beweismittel und finden dementsprechend auch</span><br/> <span class="ft5">im vorliegenden Verfahren Berücksichtigung.</span><br/> <span class="ft5">4. (...)</span><br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">FürsorgerischeFreiheitsentziehung</span> <span class="page_no">169</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">5.</span><br/> <span class="ft5">5.1.</span><br/> <span class="ft5">Anlässlich der Verhandlung liess die Beschwerdeführerin bean-</span><br/> <span class="ft5">tragen, es seien diverse EMRK-Verletzungen festzustellen, so die</span><br/> <span class="ft5">Verletzung von Art. 5 Ziffer 1, Art. 8 und Art. 4 EMRK.</span><br/> <span class="ft5">Wie bereits in Erw. I/2.1 hiervor ausgeführt, bedarf es als Pro-</span><br/> <span class="ft5">zessvoraussetzung eines Feststellungsinteresses.</span><br/> <span class="ft5">5.2.</span><br/> <span class="ft5">Die Beschwerdeführerin leitet die Zulässigkeit ihrer Feststel-</span><br/> <span class="ft5">lungsbegehren aus Art. 13 EMRK ab. Gemäss Art. 13 EMRK ist der</span><br/> <span class="ft5">Verletzte berechtigt, eine wirksame Beschwerde bei einer nationalen</span><br/> <span class="ft5">Instanz einzulegen, wenn die in der Konvention festgestellten Rechte</span><br/> <span class="ft5">und Freiheiten beeinträchtigt worden sind. Art. 13 EMRK ist indes-</span><br/> <span class="ft5">sen nicht unmittelbar anwendbar, falls im innerstaatlichen Recht be-</span><br/> <span class="ft5">reits eine wirksame Beschwerdemöglichkeit besteht (Urteil des Bun-</span><br/> <span class="ft5">desgerichts vom 11. April 2005 [5P.57/2005], Erw. 3.2).</span><br/> <span class="ft5">5.3.</span><br/> <span class="ft5">Art. 5 Ziffer 1 EMRK gewährleistet das Recht auf Freiheit und</span><br/> <span class="ft5">Sicherheit, wobei in Fällen eines rechtmässigen Freiheitsentzugs -</span><br/> <span class="ft5">u.a. bei "Alkohol- oder Rauschgiftsüchtigen" (lit. e) - die Freiheit</span><br/> <span class="ft5">auf die gesetzlich vorgeschriebene Weise entzogen werden darf. Die</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführerin hat gegen die vom Bezirksamt X. am 21. Sep-</span><br/> <span class="ft5">tember 2011 verfügte fürsorgerische Freiheitsentziehung fristgerecht</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft5">beurteilt nämlich unter anderem Beschwerden gegen fürsorgerische</span><br/> <span class="ft5">Freiheitsentziehungen (§ 54 Abs. 1 VRPG, Art. 397d ZGB, § 67o EG</span><br/> <span class="ft5">ZGB). Im innerstaatlichen Recht ist folglich eine wirksame Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdemöglichkeit gegeben, weshalb Art. 13 EMRK nicht unmit-</span><br/> <span class="ft5">telbar anwendbar ist. Insoweit die Beschwerdeführerin beantragt, es</span><br/> <span class="ft5">sei festzustellen, dass Art. 5 Ziffer 1 EMRK verletzt sei, kann des-</span><br/> <span class="ft5">halb darauf nicht eingetreten werden. Soweit sich das Feststel-</span><br/> <span class="ft5">lungsbegehren auf die Verfügung des Bezirksamtes X. vom 20. Mai</span><br/> <span class="ft5">2011 bezieht, kann auf Erw. I/2.1 hiervor verwiesen werden.</span><br/> <span class="ft5">5.4.</span><br/> <span class="ft5">Ein rechtmässiger Freiheitsentzug (das Verwaltungsgericht prüft</span><br/> <span class="ft5">im Rahmen des vorliegenden Verfahrens die Rechtmässigkeit der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">170</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">fürsorgerischen Freiheitsentziehung aufgrund der dagegen erhobenen</span><br/> <span class="ft5">Beschwerde) hat gezwungenermassen zur Folge, dass weitere (Men-</span><br/> <span class="ft5">schen-) Rechte der betroffenen Person tangiert werden.</span><br/> <span class="ft5">Die Beschwerdeführerin macht mit Hinweis auf Art. 8 EMRK</span><br/> <span class="ft5">geltend, ihr Menschenrecht auf Familien- und Privatleben sei inso-</span><br/> <span class="ft5">fern verletzt, als dass sie nicht in einer eigenen Wohnung leben</span><br/> <span class="ft5">könne; sie müsse an einem Ort in einer Zwangsgemeinschaft leben.</span><br/> <span class="ft5">Wird einer Person die Freiheit gemäss Art. 5 EMRK entzogen,</span><br/> <span class="ft5">hat dies zwangsläufig zur Folge, dass ihr Familien- bzw. Privatleben</span><br/> <span class="ft5">tangiert wird. Gestützt auf die obigen Erwägungen (Erw. 5.2 f.) kann</span><br/> <span class="ft5">auf das entsprechende Feststellungsbegehren der Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft5">rin somit ebenfalls nicht eingetreten werden, nachdem sie fristge-</span><br/> <span class="ft5">recht Verwaltungsgerichtsbeschwerde zur Überprüfung der Recht-</span><br/> <span class="ft5">mässigkeit der fürsorgerischen Freiheitsentziehung - und damit in-</span><br/> <span class="ft5">klusive (da notwendige Folge) auch gegen die mit dieser einherge-</span><br/> <span class="ft5">henden Einschränkungen der Freiheitsrechte - erhoben hat.</span><br/> <span class="ft5">5.5.</span><br/> <span class="ft5">Die selben Überlegungen gelten auch betreffend den Antrag der</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführerin, sie werde im REHA-Haus Effingerhort zu</span><br/> <span class="ft5">Zwangsarbeit gezwungen, was einen Verstoss gegen Art. 4 EMRK</span><br/> <span class="ft5">darstelle und entsprechend festzustellen sei.</span><br/> <span class="ft5">Art. 4 EMRK beinhaltet das Verbot der Sklaverei und der</span><br/> <span class="ft5">Zwangsarbeit. Im REHA-Haus Effingerhort arbeitet die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führerin zu 50% in der Hauswirtschafts-Gruppe.</span><br/> <span class="ft5">Die Arbeit der Beschwerdeführerin in der Hauswirtschafts-</span><br/> <span class="ft5">Gruppe ist Teil des therapeutischen Angebots des REHA-Hauses</span><br/> <span class="ft5">Effingerhort. Unter dem Motto "Den Alltag neu leben" lernen die Be-</span><br/> <span class="ft5">wohnerinnen und Bewohner Fähigkeiten und Fertigkeiten wie Ge-</span><br/> <span class="ft5">spräche zu führen, Konflikte zu lösen und Beziehungen zu pflegen.</span><br/> <span class="ft5">Auch das Erarbeiten einer sinnvollen Freizeitgestaltung und weitere</span><br/> <span class="ft5">Verhaltensweisen lernen und üben die Bewohner in Einzel- und</span><br/> <span class="ft5">Gruppentherapien. Die Arbeit in Garten, Landwirtschaft, Küche und</span><br/> <span class="ft5">Hauswirtschaft steigert die Motivation und das Selbstwertgefühl.</span><br/> <span class="ft5">Alle Patienten werden in ihrer Arbeit professionell begleitet</span><br/> <span class="ft5">(http://www.effingerhort.ch/de/rehahaus_effingerhort/angebot).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">FürsorgerischeFreiheitsentziehung</span> <span class="page_no">171</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Die Beschwerdeführerin übersieht in diesem Zusammenhang,</span><br/> <span class="ft5">dass in Art. 4 Ziffer 3 lit. a EMRK explizit ausgeführt wird, dass eine</span><br/> <span class="ft5">Arbeit nicht als Zwangs- oder Pflichtarbeit im Sinne dieses Artikels</span><br/> <span class="ft5">gilt, welche üblicherweise von einer Person verlangt wird, der unter</span><br/> <span class="ft5">den Voraussetzungen von Art. 5 EMRK die Freiheit entzogen wurde.</span><br/> <span class="ft5">Ob die Freiheitsentziehung rechtmässig ist, wird im Rahmen des vor-</span><br/> <span class="ft5">liegenden Verfahrens geprüft.</span><br/> <span class="ft5">Auf das entsprechende Feststellungsbegehren kann deshalb</span><br/> <span class="ft5">ebenfalls nicht eingetreten werden.</span><br/> <span class="ft5">II.</span><br/> <span class="ft5">1.</span><br/> <span class="ft5">Die Beschwerdeführerin macht des Weiteren eine Verletzung</span><br/> <span class="ft5">von Art. 8 Ziffer 1 EMRK geltend. Art. 8 Ziffer 1 EMRK beinhaltet</span><br/> <span class="ft5">u.a. das Recht auf Achtung der Korrespondenz. Zur Begründung</span><br/> <span class="ft5">wird ausgeführt, das Fax-Schreiben des Rechtsvertreters vom</span><br/> <span class="ft5">9. Oktober 2011 betreffend Ausstandsbegehren sei der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führerin nicht bereits am Sonntag ausgehändigt worden, was ein</span><br/> <span class="ft5">Verbrechen darstelle.</span><br/> <span class="ft5">2.</span><br/> <span class="ft5">Im Gegensatz zu den hiervor genannten Feststellungsbegehren,</span><br/> <span class="ft5">auf welche mangels Feststellungsinteresses nicht eingetreten werden</span><br/> <span class="ft5">konnte (Erw. I/5 hiervor), ist in Bezug auf das Recht auf Achtung der</span><br/> <span class="ft5">Korrespondenz ein Feststellungsinteresse der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft5">grundsätzlich zu bejahen. Mit einer fürsorgerischen Freiheitsentzie-</span><br/> <span class="ft5">hung ist nicht zwingend auch die Einschränkung des Rechts auf Ach-</span><br/> <span class="ft5">tung der Korrespondenz verbunden. Da die Beschwerdeführerin wei-</span><br/> <span class="ft5">terhin mittels fürsorgerischer Freiheitsentziehung im REHA-Haus</span><br/> <span class="ft5">Effingerhort bleiben wird, hat sowohl die Beschwerdeführerin wie</span><br/> <span class="ft5">auch das REHA-Haus Effingerhort ein Interesse an der gerichtlichen</span><br/> <span class="ft5">Feststellung, ob eine Verletzung von Art. 8 Ziffer 1 EMRK vorliegt.</span><br/> <span class="ft5">3.</span><br/> <span class="ft5">Wird einer Person die Freiheit gemäss Art. 5 EMRK entzogen,</span><br/> <span class="ft5">hat dies zwangsläufig zur Folge, dass ihr Recht auf Achtung der</span><br/> <span class="ft5">Korrespondenz in zeitlicher Hinsicht tangiert werden kann; dies</span><br/> <span class="ft5">umso mehr, als dass an einem Sonntag - der 9. Oktober 2011 fiel auf</span><br/> <span class="ft5">eine Sonntag - in den diversen Einrichtungen in der Regel "Sonn-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">172</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">tagsdienst" herrscht, was in praktischer Hinsicht bedeutet, dass an</span><br/> <span class="ft5">diesen Tagen weniger Personal anwesend ist, welches sich umgehend</span><br/> <span class="ft5">um die (auch postalischen) Angelegenheiten der Bewohner und Be-</span><br/> <span class="ft5">wohnerinnen kümmern kann. Sobald eine betroffene Person - wie im</span><br/> <span class="ft5">vorliegenden Fall - kein eigenes Fax-Gerät im Zimmer hat (was</span><br/> <span class="ft5">wohl in praktisch allen Fällen zutreffen dürfte), ist es gezwungener-</span><br/> <span class="ft5">massen so, dass eine Fax-Nachricht nicht unmittelbar in den Emp-</span><br/> <span class="ft5">fangsbereich des Betroffenen gelangt. Der Beschwerdeführerin wur-</span><br/> <span class="ft5">de die Eingabe ihres Vertreters vom 9. Oktober 2011 am darauf-</span><br/> <span class="ft5">folgenden Montag, d.h. am nächsten Arbeitstag, nachmittags im Rah-</span><br/> <span class="ft5">men eines gemeinsamen Gesprächs zwischen der Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft5">rin und der Leiterin des REHA-Hauses Effingerhort übergeben. Mit</span><br/> <span class="ft5">dieser Übergabe wurde Art. 8 Ziffer 1 EMRK nicht verletzt. Die Ein-</span><br/> <span class="ft5">gabe erforderte keine Reaktion der Beschwerdeführerin, da es sich</span><br/> <span class="ft5">dabei lediglich um eine Zustellung zur Kenntnis an die Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführerin bezüglich Ablehnungsbegehren der Präsidentin der ersten</span><br/> <span class="ft5">Kammer handelte (welches nota bene in der Folge abgewiesen</span><br/> <span class="ft5">wurde), und somit eine frühere Kenntnisnahme für die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führerin keine Auswirkungen gehabt hätte. Das Begehren auf ent-</span><br/> <span class="ft5">sprechende Feststellung ist dementsprechend abzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>