<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2021-12-20-8C_577-2021.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>8C_577/2021</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 20. Dezember 2021</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>I. sozialrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Maillard, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichterin Viscione, Bundesrichter Abrecht, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Grünvogel. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, 9016 St. Gallen, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Ronald Pedergnana, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Invalidenversicherung (Prozessvoraussetzung), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Beschluss des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1. Juli 2021 (IV 2020/19 Z). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">Beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ist unter der Verfahrensnummer IV 2020/19 Z das von A.________, geboren 1968, gegen die Verfügung der IV-Stelle des Kantons St. Gallen vom 6. Dezember 2019 angestrengte Beschwerdeverfahren hängig. </div> <div class="para">Am 6. Juli 2020 liess A.________ replicando eine handschriftlich mit "Tonaufnahmen A.________" beschriftete CD-ROM ins Recht legen, worauf die IV-Stelle beantragte, diese Tonaufnahmen wie auch die Replik aus dem Recht zu weisen und zu vernichten. </div> <div class="para">Das kantonale Gericht wies diese Anträge mit Beweisbeschluss vom 1. Juli 2021 im Sinne der Erwägungen - indem das Gericht bei der Beweiswürdigung auch die Tonaufnahmen und die Replik berücksichtigen muss - ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Dagegen führt die IV-Stelle Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Antrag, in Aufhebung des Beweisbeschlusses vom 1. Juli 2021 seien die vorinstanzlich gestellten Begehren gutzuheissen. </div> <div class="para">Es wird kein Schriftenwechsel durchgeführt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Beim angefochtenen Beweisbeschluss handelt es sich, da das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, um einen selbstständig eröffneten Zwischenentscheid im Sinne von <span class="artref">Art. 93 BGG</span>. Die Zulässigkeit der Beschwerde setzt somit alternativ voraus, dass der Entscheid einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (Abs. 1 lit. a) oder dass die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Abs. 1 lit. b). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Es stellt sich die Frage, ob der Entscheid der Vorinstanz bei der Beschwerdeführerin einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von <span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span> bewirken kann. Dass die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen könnte, wird (zu Recht) nicht thematisiert, weshalb sich Weiterungen dazu erübrigen (zur diesbezüglichen Rügepflicht: <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=26&amp;from_date=17.12.2021&amp;to_date=05.01.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-III-80%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page80">BGE 141 III 80</a> E. 1.2; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=26&amp;from_date=17.12.2021&amp;to_date=05.01.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-III-324%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page324">137 III 324</a> E. 1.1 mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Ein nicht wieder gutzumachender Nachteil im Sinne von <span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span> liegt dann vor, wenn er auch durch einen für die Beschwerde führende Partei günstigen späteren Entscheid nicht mehr behoben werden kann (so etwa <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=26&amp;from_date=17.12.2021&amp;to_date=05.01.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-289%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page289">BGE 141 IV 289</a> E. 1.2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.1.</b> Im Beweisbeschluss wurde dem Begehren der Beschwerdeführerin nicht entsprochen, die Tonaufnahmen und die darauf beruhende Replik aus den Akten zu weisen und ab sofort ein diesbezügliches Verwertungsverbot auszusprechen. Ein derartiger (Beweis-) Entscheid stellt grundsätzlich keinen Nachteil im Sinne von <span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span> dar, kann doch die Berücksichtigung des Beweismittels auch noch in einer Beschwerde gegen den Endentscheid gerügt werden (Urteil 2C_578/2017 vom 8. August 2017 E. 2.1). Dies wird etwa dann der Fall sein, wenn die Vorinstanz mit dem Hauptentscheid die angefochtene Verfügung der IV-Stelle vom 6. Dezember 2019 zu deren Ungunsten abändert. Sollte die Angelegenheit hingegen für weitere Abklärungen in Berücksichtigung der CD-ROM bzw. der daraus gewonnenen Erkenntnisse an die Verwaltung zurückgehen, wird ihr (ebenfalls) die Möglichkeit offen stehen, gegen diesen (Rückweisungs-) Entscheid beim Bundesgericht Beschwerde zu erheben mit der Begründung, der Rückweisungsentscheid enthalte beweismässige Vorgaben, welche die Verwaltung bei ihrem neuen Entscheid befolgen müsse (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=26&amp;from_date=17.12.2021&amp;to_date=05.01.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-V-282%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page282">BGE 140 V 282</a> E. 4.2 mit Hinweisen; siehe dazu auch Urteil 9C_236/2021 vom 3. September 2021 E. 1.3.4). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.2.</b> Allein wenn die Vorinstanz die Verfügung der IV-Stelle vom 6. Dezember 2019 bestätigen sollte, ist der Verwaltung der Weg ans Bundesgericht mangels Beschwer verwehrt. Insoweit ist den beschwerdeführerischen Ausführungen beizupflichten. Indessen führt der fragliche Beweisentscheid keineswegs dazu, dass die CD-ROM und die Replik über das konkrete Verfahren hinaus in allfälligen künftigen weiteren Leistungsprüfungen berücksichtigt werden müssten. Von der Verwaltung darf erwartet werden, dass sie in späteren Verfahren in der Lage ist, die aus ihrer Sicht unzulässigen Beweise von den zulässigen zu unterscheiden und sich bei der Würdigung ausschliesslich auf Letztere zu stützen (vgl. Urteil 2C_258/2017 vom 8. August 2017 E. 2.1 wie auch für das Strafverfahren <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=26&amp;from_date=17.12.2021&amp;to_date=05.01.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-387%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page387">BGE 143 IV 387</a> E. 4.4 mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.3.</b> Selbst wenn die zur Beurteilung anbegehrte Rechtsfrage, wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht, Grundsatzcharakter aufweisen sollte, führt dies für sich allein nicht zu einem nicht wieder gutzumachenden rechtlichen Nachteil im Sinne von <span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span>. Auch ist damit noch kein besonders gewichtiges Interesse an einer unverzüglichen Feststellung der Unverwertbarkeit der Beweise für den Fortgang des Verfahrens dargetan, das ein Abweichen vom Grundsatz der Nichtanhandnahme direkter Beschwerden gegen Beweisentscheide mangels Vorliegens der Eintretensvoraussetzungen von <span class="artref"><artref id="CH/173.110/93/b" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/93/1/b" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/93/1/a" type="start"></artref>Art. 93 Abs. 1 lit. a und b BGG</span><artref id="CH/173.110/93/1/b" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/93/b" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/b" type="end"></artref> ausnahmsweise rechtfertigen könnte. Ein solches könnte in Anlehnung an die zur Strafprozessordnung (StPO) ergangene Rechtsprechung etwa dann angenommen werden, wenn das Gesetz ausdrücklich die sofortige Vernichtung rechtswidriger Beweise vorsieht oder die Unverwertbarkeit aufgrund des Gesetzes oder der Umstände ohne Weiteres feststeht. Derartige Umstände können allerdings nur angenommen werden, wenn der Betroffene ein besonders gewichtiges rechtlich geschütztes Interesse an der unverzüglichen Feststellung der Verwertbarkeit des Beweises geltend macht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=26&amp;from_date=17.12.2021&amp;to_date=05.01.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-284%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page284">BGE 141 IV 284</a> E. 2.3; 289 E. 1.3), was vorliegend nicht dargetan ist. Insoweit braucht auch nicht abschliessend darüber befunden zu werden, ob und inwieweit die zur ausnahmsweisen Anfechtbarkeit von Beweisentscheiden im Strafprozess ergangene Rechtsprechung auf vorliegenden Fall überhaupt anwendbar ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.4.</b> Zusammengefasst ist auf die gegen den Beweisbeschluss erhobene Beschwerde nicht einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Bei diesem Ausgang des Verfahren sind die Gerichtskosten der Beschwerdeführerin zu überbinden (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>) </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b> Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen und dem Bundesamt für Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 20. Dezember 2021 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Maillard </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Grünvogel </div> </div></body></html>