B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5082/2014/plo U r t e i l v o m 2 4 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren (…), Palästina, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Flughafenverfahren); Verfügung des BFM vom 5. September 2014 / N (…). D-5082/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein Bewohner des libanesischen Flüchtling s- lagers B._______ palästinensischer Herkunft, verl iess seinen Herkunfts- staat Libanon eigenen Angaben zufolge am 14. August 2014 legal mit seinem im Lib anon ausgestellten palästinensischen Reisepass über den Luftweg, reiste von C._______ nach D._______ und von dort weiter nach E._______. Über F._______ und D._______ erreichte er am 18. August 2014 mit einem gefälschten (...) Reisepass den Flughafen G._______, wo er am folgenden Tag das erste Asylgesuch einreichte. Dieses zog er am gleichen Tag zurück und zeigte sich bereit, in den Libanon zurückzufli e- gen. Am 20. August 2014 stellte er erneut ein Asylgesuch, weil er nicht über F._______ in den Libanon zurückkehren wollte. A.b Mit Zwischenverfügung des BFM vom 21. August 2014 wurde ihm die Einreise in die Schweiz vorläufig verweigert und ihm für die Dauer von maximal 60 Tagen der Transitbereich des Flughafens H._______ als Auf- enthaltsort zugewiesen. A.c Der Beschwerdeführer wurde vom BFM am 24. August 2014 summa- risch befragt und am 29. August 2014 einlässlich zu seinen Asylgründen angehört. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, dass er ein im Liba- non anerkannter palästinensischer Flüchtling sei und seit seiner Geb urt mit den Eltern und Geschwistern im Flüchtlingslager B._______ gelebt habe. Während der letzten Jahre sei er auf der Suche nach Arbeit gew e- sen. Vor fünf oder sechs Jahren hätten ihm im Lager B._______ erstmals Angehörige der Salafisten gruppe "Gond Al-Sham" (Soldaten Al -Shams) aufgefordert, die langen Haare zu schneiden und keinen Hip Hop mehr zu tanzen, womit er nicht einverstanden gewesen sei. Vor zwei Jahren sei er wieder von den Angehörigen der "Al-Sham" kontaktiert worden. Die Sala- fisten hätten ihn gegen eine Summe von 3 '000 $ rekrutieren und nach I._______ schicken wollen. Erneut habe er abge lehnt. Während der fo l- genden 18 Monate habe man ihn immer wieder telefonisch aufgefordert, sich der Gruppe anzuschliessen. Mehrmals habe er seinen Wohnsitz ge- wechselt, sei aber regelmässig zu seinen Eltern nach B._______ zurück- gekehrt. Im Flüchtlingslager sei er den Salafisten auch vor sechs Mon a- ten begegnet, und erneut sei er aufgefordert worden, am (...) Krieg teilzu- nehmen. Wieder habe er die Aufforderung zurückgewiesen, worauf er von den erzürnten Militanten mit dem Tod bedroht worden sei. Aus Angst um sein Leben habe er sich versteckt, zunächst im Lager selber und danach D-5082/2014 Seite 3 in einer von ihm gemieteten Wohnung in J._______. Dort habe er die Ausreise vorbereitet. Als Palästinenser werde er im Libanon diskriminiert und könne die libanesische Staatsangehörigkeit nicht erlangen. A.d Zur Stützung seiner Vorbringen gab der Beschwerdefü hrer die Kopie einer libanesischen Identitätskarte für Flüchtlinge und zwei Artikel a us dem Internet über den Anführer der "Al Sham" -Gruppe und die Zuständ e im Lager zu den Akten. Das Original der Identitätskarte habe er an se i- nem Wohnort zurückgelassen. B. Das BFM stellte mit Verfügung vom 5. September 2014 – eröffnet am fol- genden Tag – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig wurde er aus dem Transitbereich des Flughafens H._______ weggewiesen und – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – aufgefordert, den Transitbereich am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu ver- lassen. Der Kanton G._______ wurde mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt und dem Beschwerdeführer wurden die editionspflichtigen A k- ten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt. H insichtlich der Begründung ist auf die nachfolgenden Erwägungen zu verweisen. C. Mit Eingabe vom 11. September 2014 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean- tragte, die Verfügung des BFM vom 5. September 2014 sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und eventualiter sei er infolge fehle n- der Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit des Wegweisungsvol l- zugs vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Übersetzung der Begründung der Beschwerde von Amtes wegen und um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Einschluss des Verzichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Eingabe lag en Kopien eines (...) Reisepasses, einer Flüchtlingskarte und eines Familien- registerauszuges bei. Auf die Begründung wird – soweit entscheidwesent- lich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D. Die Akten trafen am 12. September 2014 und die von Amtes wegen bean- tragte Übersetzung der Beschwerdebegründung am 15. September 20 14 beim Bundesverwaltungsgericht ein. D-5082/2014 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebi et des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bund esrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. D-5082/2014 Seite 5 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirke n. Den frauenspezifi- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat oder mit beachtlicher Wahrscheinlichk eit und in absehbarer Zukunft berechtigterweise solche befürchten muss, wobei diese gezielt und aus den im Gesetz erwähnten Motiven zugefügt worden sein müssen oder solche zu befürchten sind. Als weitere Voraus- setzung muss ein in sachlicher und zeitlicher Hinsicht bestehender Ka u- salzusammenhang zwischen den geltend gemachten Nachteilen und der Ausreise vorliegen. Ferner hat die vorgebrachte oder befürchtete Verfo l- gung im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell zu sein. Schliesslich muss feststehen, dass die von einer Verfolgung bedrohte asylsuchende Person über keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt (vgl. BVGE 2013/5 E. 2007/31 E. 5.2 und 5.3). 4.4 Die Ausschlussklause l von Art. 1 D Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) ist nicht so zu verstehen, dass die unter das Mandat der United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East (UN R- WA) fallenden palästinensischen Personen generell vom Anwendungsbe- reich der FK und dam it von der allfälligen Anerkennung als Flüchtling auszuschliesen wären, da die UNRWA keinen Schutz vor Verfolgung zu D-5082/2014 Seite 6 gewähren oder zu vermitteln vermag, der sich mit dem vom Amt des H o- hen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) vermittelten dauerhaften Schutz vor Verfolgung vergleichen liesse (vgl. BVGE 2008/34 E. 6.5). Folglich sind die Vorbringen des Beschwerdeführers – unabhängig davon, ob die von ihm geltend gemachte palästinensische Herkunft als glaubhaft gilt oder nicht – unter dem Aspekt von Art. 1 A Ziff. 2 FK beziehungsweise Art. 3 AsylG zu prüfen. 5. 5.1 Das BFM vertritt in der angefochtenen Verfügung die Meinung, dass an der Identität des Beschwerdeführers Zweifel bestünden. Da er keine rechtsgenüglichen Identitätsausweise zu den Akten gegeben habe, könne nicht ausgeschlossen werden, dass er nicht palästinensischer Herkunft sei. Die aus dem Internet heruntergeladene Kopie seines Flüchtlingsau s- weises vermöge die Identität nicht zu beweisen, weil das Beweismittel aufgrund der leichten Manipuli erbarkeit einen geringen Beweiswert au f- weise. Der Aufforderung, das bei den Eltern befindliche Original schicken zu lassen, sei der Beschwerdeführer mit der Einrede, es sei nicht einfach, das Originaldokument per Post in die Schweiz schicken zu lassen, nic ht nachgekommen, obwohl neben der libanesischen Post mehrere internat i- onale Dienste wie DHL und UPS (United Parcel Service) im Libanon tätig seien. Diese könnten einen schnellen und effizienten Versand des Dok u- mentes in die Schweiz ermöglichen, weshalb der Einwand des B e- schwerdeführers zurückgewiesen werde. Der Beschwerdeführer habe zwar über tatsächlich existierende Diskriminierungen gegenüber Paläst i- nenser im Libanon berichtet; ausserdem kenne er die Anzahl der Flücht- lingslager und die Rolle der UNRWA. Indessen sei es ihm nicht gelungen, ausführliche Informationen über den Alltag im Lager B._______ zu Proto- koll zu geben. So habe er nicht gewusst, welche Betriebe für die Wasser - und Elektrizitätsversorgung zuständig seien, ob es im Lager eine eigene Verwaltung gebe, welche Gruppe im Lager die Macht ausübe und wer für die Sicherheit zuständig sei. Er habe zwar die Organisationen "Fatah - Intifada" und "Al Tahrir" genannt, jedoch nicht präzisieren können, wen die "Al Tahrir" im (...) Konflikt unterstütze. Somit vermöchten seine Aussa- gen die geltend gemachte Herkunft aus dem Flüchtlingslager B._______ nicht überzeugend zu belegen. Sein Wissen entspreche demjenigen e i- nes in C._______ lebenden Palästinensers oder Libanesen. Zudem ve r- möge die gesellschaftliche Di skriminierung der im Libanon lebenden P a- lästinenser keine Asylrelevanz zu begründen. Ausserdem habe der B e- schwerdeführer keine konkreten Vorfälle erwähnt, gestützt auf welche die geltend gemachte Diskriminierung oder eine wesentliche Einschränkung D-5082/2014 Seite 7 in der L ebensführung belegt werde. Auch die Angaben, er sei seit sechs Jahren von der Gruppierung "Al Sham" unter Druck gesetzt worden, i n- dem man von ihm verlangt habe, die Haare zu schneiden, den Hip Hop aufzugeben und im (...) Konflikt zu kämpfen, vermöchten nic ht zu übe r- zeugen. Während der Anhörung habe er lange Haare und kurze Hosen getragen, womit er einem Erscheinungsbild westlicher Kultur entspreche. Im Libanon sei er während der letzten Jahre immer wieder den Salafisten begegnet. Somit sei es nicht plausibe l, dass er während sechs Jahren dem Druck islamischer Fundamentalisten ausgesetzt gewesen sei. Auf die Ungereimtheiten angesprochen, habe er keine überzeugende Antwort gegeben. Das Vorbringen, er sei im Jahr 2012 aufgefordert worden, in I._______ zu kämpfe n, sei substanzlos und stereotyp vorgebracht wo r- den. So habe er nicht erklären können, weshalb die "Al Sham" ausg e- rechnet an seiner Person interessiert gewesen sei. Weder die Angabe, er sei nicht der Einzige gewesen, der belästigt worden sei, noch diejenig e, wonach Personen, die nicht mitmachen würden, als Feinde betrachtet würden, vermöge zu überzeugen. Auch sei es nicht nachvollziehbar, dass die Salafisten während 18 Monaten versucht hätten, ihn telefonisch zu rekrutieren, zumal dies amateurhaft erscheine . Vielmehr würden die Isl a- misten über persönliche Gespräche und über soziale Netze n eue Anhän- ger gewinnen. Dem Beschwerdeführer sei auch nicht bekannt, wie er hät- te vorgehen müssen für den Fall, dass er sich auf die Salafisten eingelas- sen hätte. Abgesehen von der Angabe, er hätte 3'000 $ bekommen, feh l- ten Einzelheiten. Der Beschwerdeführer sei auch nicht in der Lage gew e- sen, abgesehen von der geltend gemachten Todesdrohung und von zwei Namen weitere Angaben über die Gesprächspartner des dritten Ge- sprächs mit den Salafisten zu Protokoll zu geben. Ebenso wenig habe er überzeugend schildern können, warum er nach zwei Stunden wieder auf freien Fuss gesetzt worden sei. Die Aussage, seine Mutter sei vor dem Büro ausfällig geworden und habe so die Freilassung erwir kt, sei nicht überzeugend. Islamisten würden nicht aufgrund der Intervention einer ä l- teren Frau einen Häftling freilassen. Ferner habe der Beschwerdeführer keinerlei Kenntnisse über die "Al -Sham" und deren Ziele. Die Angabe, das Ziel der Gruppe sei "Leute zu töten" überzeuge nicht. Infolge der U n- glaubhaftigkeit dieser Angaben könne auch nicht geglaubt werden, dass er die geltend gemachte Verfolgung den libanesischen Behörden und den palästinensischen Hamas gemeldet habe. Schliesslich entspreche auch das Ver halten des Beschwerdeführers am Flughafen G._______ nicht demjenigen einer verfolgten Person. So habe er sich zunächst bereit e r- klärt, nach C._______ zurückzufliegen, und habe das Asylgesuch erst wieder gestellt, nachdem man ihm mitgeteilt habe, er müsse ü ber D-5082/2014 Seite 8 F._______ fliegen. Die vom Beschwerdeführer eingereichten Artikel aus dem Internet vermöchten seine Asylvorbringen nicht zu bestätigen, da weder er persönlich noch die von ihm geltend gemachten Ereignisse e r- wähnt würden. 5.2 Der Beschwerdeführer legte in seiner Beschwerdeschrift und deren Zusätzen zur Begründung dar, dass das Lager B._______ das Lager der Armut und des Leidens sei. Er habe nie Sonnenlicht gesehen und kaum aus dem Fenster geschaut. Die Häuser seien überfüllt, die Gassen eng und würden stin ken. Überall liege Abfall herum, selbst auf den Dächern. Die Lebensbedingungen seien schwierig, und er habe das Gefühl gehabt, in einem Grab zu leben. Die Medien würden lügen, seien politisch beei n- flusst und würden über das Lager kein richtiges Bild abgebe n. Er selber sei arbeitslos und brauche ein Land, das ihn beschütze, damit er in Fri e- den leben könne. Der Staat Libanon gebe den Flüchtlingen aus Palästina nicht alle Rechte, weshalb er staatenlos sei. Sein Staat stehe im Krieg und sei unter Besatzung. Nachträglich reiche er seine Flüchtlingskarte zu den Akten. Damit sei bestätigt, dass er Flüchtling im Libanon sei. Zudem würden fanatische Gruppen versuchen ihn zu rekrutieren. Weil er das verweigere, werde er gesucht. Diese Leute würden sich in seine privat en Angelegenheiten einmischen und auch seine Familie angreifen. Zuerst sei er psychisch unter Druck gesetzt worden und es sei ihm Angst g e- macht worden. Dann hätten sie ihn in Ruhe gelassen, um ihn später wi e- der anzugreifen. Er sei nicht der Einzige. Das pa ssiere dort den jungen Leuten tagtäglich. Vor eineinhalb Jahren habe man von ihm verlangt, in I._______ zu kämpfen, weil dies die Pflicht eines jeden Moslems sei. Er hätte nach K._______ in L._______ an der Grenze zwischen I._______ und dem Libanon gehen s ollen. Man habe ihm 3'000 $ versprochen. Er habe indessen abgelehnt. Dann sei er weggegangen und später zurüc k- gekommen. Die letzte Begegnung habe auf der Strasse stattgefunden. Man habe ihm gesagt, wenn er nicht mit ihnen gehe, dann sei er gegen sie, man h abe ihn auf das Büro mitgenommen, während zwei Stunden festgehalten und dann habe ihn seine Mutter gerettet. Man habe ihm auch mitgeteilt, dass er eines Tages getötet werde. Damit sei sein Leben in Gefahr. Er möge es zu tanzen und zu leben, er möge Musik u nd den Sport. Er wolle leben wie andere Jungs und nicht getötet werden. Seine Aussagen könne er nicht beweisen, weil er die Mitglieder von Gond Al - Sham nicht zu Aussagen vor den schweizerischen Asylbehörden zwingen könne. Die Wahrheit benötige zudem keine Beweise. Im Lager sowie im Libanon selber herrschten wegen der Armut Terrorismus und Fanatismus. Es komme zu Konfrontationen zwischen den zivilen Personen. Er b e-D-5082/2014 Seite 9 fürchte, getötet zu werden, so wie das zwei Soldaten aus dem libanes i- schen Militär geschehen sei. Im Fall einer Abweisung seines Gesuchs er- suche er um Gewährung von zwei Tagen, um in ein anderes europä i- sches Land zu reisen. Ausserdem möchte er seine Fingerabdrücke nicht registriert haben, damit er in einem anderen Land um Asyl nachsuchen könne. Er werde nicht in ein Land zurückkehren, das ihn nicht beschütze und seine Lage nicht berücksichtige. 5.3 Die Frage, ob es als überwiegend glaubhaft zu erachten ist, dass der Beschwerdeführer – wie von ihm dargelegt – palästinensischer Herkunft ist und aus dem Lager B._______ im Libanon kommt, ist vorliegend für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Fluchtgründe und für die Beurteilung der Asylrelevanz nicht von Bedeutung, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen werden. Selbst in der Annahme, dass die vorgebrachte Herkunft als überwiegend glaubhaft zu gelten hätte, würden die Vorbringen des Beschwerdeführers teilweise den Anforderun- gen an die Flüchtlingseigenschaft und teilweise denjenigen der Glau b- haftmachung nicht genügen, wie den nachfolgenden Erwägungen zu en t- nehmen ist . Folglich erübrigen sich Ausführungen seitens des Bunde s- verwaltungsgerichts zur Glaubhaftigkeit der dargelegten Herkunft. Unter diesen Umständen verzichtet das Gericht auch darauf, sich zu den die s- bezüglichen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung, zu den einge- reichten Kopien der Flüchtlingskarte und zu den Beteuerungen des Be- schwerdeführers eingehend zu äussern, zumal e ine allfällige Stellun g- nahme des Bundesverwaltungsgerichts a n der nachfolgenden Einschät- zung nichts ändern würde. 5.4 So stellen auch in der Annahme, der Beschwerdeführer stamme – wie von ihm vorgebracht – aus dem Lager B._______ und sei palästinens i- scher Herkunft, die von ihm vorgebrachten schwierigen Lebensbedingu n- gen im Libanon und insbesondere im Lager B._______ wie die engen Wohnverhältnisse, das Abfallproblem und die schwierige Arbeitssuche keine asylrelevanten Verfolgungsgründe dar, zumal es sich dabei einer- seits um wirtschaftliche, gesellschaftliche und soziale Benachteiligungen handelt, von welchen der grosse Teil der gesamten ansässigen Bevölke- rung betroffen ist, und die dargelegten Probleme andererse its gar keine Verfolgung im Sinne des Gesetzes darstellen. Daran vermag die Tats a- che, dass die allgemeine Situation im Libanon bekanntermassen nicht zu- friedenstellend ist und insbesondere in den verschiedenen Flüchtlingsl a- gern teilweise äusserst schwierige allgemeine Verhältnisse vorherrschen, nichts zu ändern. D-5082/2014 Seite 10 5.5 Selbst wenn der Beschwerdeführer – wie von ihm dargelegt – palästi- nensischer Herkunft ist und aus dem Flüchtlingslager B._______ kommt, kann zudem nicht von einer Kollektivverfolgung aller Personen palästi- nensischer Herkunft im Libanon beziehungsweise in den Palästinenserla- gern dieses Landes ausgegangen werden, auch wenn der Beschwerd e- führer kollektive Benachteiligungen im Sinne von Diskriminierungen wie beispielsweise der Verweigerung der libanesisc hen Staatsangehörigkeit oder der schlechteren Behandlung geltend macht. Diese beschränken sich nämlich auf gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Belange und stellen somit ebenfalls keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar, selbst wenn angeno mmen würde, sie seien aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten Motive erfolgt. Insbesondere stellen sie in ihrer Art und Intensität keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG dar. 5.6 Ferner ist auch nicht von einer G ruppenverfolgung i m Sinne von Art. 66 ff. AsylG aus zugehen, da Personen palästinensischer Herkunft vom Bundesrat nicht als Schutzbedürftige im Sinne des Gesetzes qualifi- ziert worden sind. 5.7 Somit bleibt zu prüfen, ob die konkreten Vorbringen des Beschwerd e- führers im Zusammen hang mit der von ihm erwähnten Salafistengruppe "Gond Al-Sham" zur Anerkennung als Flüchtling zu führen vermögen. Er macht geltend, er sei von dieser Gruppierung aufgefordert worden, die Haare zu schneiden, keinen Hip Hop mehr zu tanzen, seinen muslim i- schen Pflichten nachzukommen und sich für den Krieg in I._______ rek- rutieren zu lassen. 5.7.1 Bei der von ihm erwähnten "Gond Al -Sham" handelt es sich wohl um die arabische jund ash -sham, die Armee Schams ( Anmerkung des Gerichts: Scham ist die historische Region " Grossyrien", bestehend aus Syrien, dem Libanon, Palästina und Jordanien). Es gibt widersprüchliche Informationen über Gruppen, die sich so nennen: Einerseits soll die O r- ganisation im Jahr 1999 in Afghanisten von Jihadisten der Region Scham mit einer radika len Haltung gegründet worden sein und s päter soll sie auch im südlibanesischen Lager Ain al -Hilweh aktiv geworden sein ( vgl. Le Monde diplomatique, Al -Qaida roots itself in Lebanon, 02.2008, http://mondediplo.com/2008/02/02lebanon, abgerufen am 16. September 2014); andererseits ist jund ash -sham gemäss Informationen der Briti sh Broadcasting Corporation (BBC) eine radikale Splittergruppe der bereits radikalen usbar al-ansar und wurde im Jahr 2002 gegründe t, wobei BBC D-5082/2014 Seite 11 sich auf das Buch "Everyday Jihad: The Rise of Militant Islam among Pa- lestinians in Lebanon von Bernard Rougier stützt (vgl. BBC, Profile: Jund al-Sham, 04.06.2007, http://news.bbc.co.uk/2/hi/6719635.stm, abgerufen am 16. September 2014). Trotz dieser unterschiedlichen Entstehungsg e- schichte der jund ash -sham steht fest, dass sie g emäss dem libanes i- schen Nachrichtenportal NOW im Jahr 2004 offiziell ihre Existenz meldete (vgl. NOW Lebanon, Jund al-Sham, 12.06.2007, https://now.mmedia.me/lb/en/archive/Jund-alSham3589, ab gerufen am 16. September 2014). 5.7.2 Aufgrund dieser – wenn auch nicht ganz übereinstimmender – An- gaben ist vorliegend davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer von der jund ash -sham spricht. Daneben existiert ein Ableger d ieser Organi- sation in Syrien, welcher sich an den K ämpfen gegen das Regime an der Seite von jabhat an-nusra (der "Nusra-Front") beteiligt (vgl. The Daily Star [C._______], Fears as Islamist fighters flock to Lebanon, 22.03.2014, http://www.dailystar.com.lb/News/Lebanon-News/2014/Mar-22/251028- fears-as-islamist-fighters-flockto-lebanon.ashx#axzz3DTGDgLE0, abge- rufen am 16.September 2014). Auch diese Gruppe wurde vom B e- schwerdeführer erwähnt (vgl. Akte A15/17 S. 3). 5.7.3 Die Gruppe jund ash -sham soll vorwiegend im Lager Ain al-Hilweh, dem grössten Palästinenserlager nahe der südlibanesischen Stadt M._______ (J._______), aktiv sein (vgl. beispielsweise NOW Lebanon, Jund al -Sham, 12.06.2007, https://now.mmedia.me/lb/en/archive/Jund- alSham3589, abgerufen am 16. September 2014). In J._______ soll sich der Beschwerdeführer gemäss seinen Aussagen zeitweise vor dieser Gruppe versteckt haben (vgl. Akte A15/17 S. 8 und 9). Es ist indessen – trotz fehlender ents prechender Quellen – davon auszugehen , dass die Gruppe auch in anderen Lagern ihre Aktivitäten entfaltet hat. Die Tatsa- che, dass den libanesischen Behörden der Zugang zu den Palästinenser- lagern im Libanon durch ein jahrzehntealtes Abkommen verwehrt ist und die Sicherheit innerhalb der Lager durch Komitees, welche in Abhängi g- keit ihrer politischen Mutterorganisation agieren, garantiert wird, hat zur Folge, dass in den Lagern oft die Interessen der Komitees beziehung s- weise deren Mutterorganisationen durchgesetzt werden und sich dort wie auch in andern Teilen des Libanon extremistische Zellen einnisten kon n- ten (vgl. NOW Lebanon, Can ISIS make real gains in Lebanon?, 23.06.2014, https://now.mmedia.me/lb/en/reportsfeatures/552936-can- isis-make-real-gains-in-lebanon, abgerufen am 16. September 2014). Auch ist bekannt, dass jund ash-sham im zuvor erwähnten Palästinenser-D-5082/2014 Seite 12 lager junge Leute für den Krieg in Syrien rekrutiert (vg l. Al-Akhbar [C._______], The fight against fundamentalist recruitment of Palestinian youth in Ain al -Hilweh, 05.06.2014, http://english.al- akhbar.com/node/20055, abgerufen am 16. September 2014). Jund ash- sham wird sogar als grösster Rekrutierer jihadistischer Kämpfer bezeic h- net (vgl. Wall Street Journal, Young Palestinian Refugees Join Jihadists Fighting in Syria, 20.11.2013, http://online.wsj.com/news/articles/SB1000142405270230486840457919 2933607042794, abgerufen am 16. September 2014). Da es sich bei der jund ash-sham um eine extremistisch orientierte muslimische Organisat i- on handelt, ist auch anzunehmen, dass sie in den Lagern, in welchen sie vor Ort ist und ihre Macht ausübt, muslimische Traditionen durchzusetzen versucht. 5.7.4 Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse erscheinen die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Nötigungen (Haare abschneiden, Hip Hop aufgeben, muslimische Pflichten erfüllen) sowie der von ihm darg e- legte Druck zur Rekrutierung teilweise mit den Gegebenheiten vor Ort vereinbar zu sein. Soweit es sich bloss um die erwähnten Nötigungen handelt, vermögen diese aufgrund ihrer Art und Intensitä t den Anford e- rungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genü gen, weshalb ihnen keine Asylrelevanz zukommt. 5.7.5 Das Vorbringen, er sei von der Gruppierung jund ash-sham zur Teil- nahme am Krieg in I._______ aufgefordert und – als Folge seiner Ableh- nung – mit dem Tod bedroht worden, kann indessen in Übereinstimmung mit dem BFM nicht als glaubhaft betrachtet werden, wie die nachfolge n- den Erwägungen zeigen. 5.7.5.1 Zunächst ist festzustellen, dass die Ausführungen des Beschwe r- deführers bezüglich der Bedrohungen durch j und ash -sham durchwegs substanzlos und ohne Details dargestellt wurde n. Wie ein roter Faden ziehen sich seine beteiligungslosen und teilweise ausweichenden Antwor- ten durch die Protokolle. So lässt sich seinen Angaben beispielsweise nicht entnehmen, wie die Vertreter der jund ash -sham – mit Ausnahme des letzten geltend gemachten Kontakts, bei welchem er mit dem Tod be- droht worden sein will – auf seine Verweigerungen reagiert haben. Mehr- mals fragte die befragende Person nach, was geschehen sei, nachdem er die Aufforderungen, die Haare zu schneiden oder nicht mehr zu tanzen, nicht befolgt habe , worauf der Beschwerdeführer bloss darlegte, er sei dann für einige Monate weggegangen beziehungsweise am Schluss hä t-D-5082/2014 Seite 13 ten sie ihm mit dem Tod gedroht (vgl. Akte A15/17 S. 4 f.), womit indessen die gestellten Fragen nicht beantwortet wurden . Der Beschwerdeführer war – mit Ausnahme des letzten geltend gemachten Kontakts – nicht in der Lage, e ine nachvollziehbare Reaktion der Vertreter der jund ash - sham auf seine Verweigerungen darzustellen, was nicht nachvollziehbar ist. Dies erscheint vorliegend umso gravierender, als sich die Nötigungen und Drohungen gemäss seinen Aussagen über sechs Jahre hinweg g e- zogen haben sollen. Vielmehr wäre zu erwarten gewesen , dass die Ve r- treter der jund ash -sham ihre n Forderungen mehr Nachdruck verliehen hätten, was indessen vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht wu r- de. Es ist nicht nachvollziehbar, dass er von Vertretern einer der im Lager mächtigen Gruppe aufgefordert w urde, die Haare zu schneiden, den Hip Hop aufzugeben und muslimischen Pflichten nachzugehen, diese Auffor- derungen nicht befolgt hat und während sechs Jahren einfach nichts g e- schehen ist. Schon aus diesem Grund erscheinen die Vorbringen des Be- schwerdeführers wenig überzeugend. Sie vermitteln vielmehr den Ei n- druck, von anderen Personen erzählt und /oder aus dem Internet über- nommen worden zu sein. 5.7.5.2 Wie das BFM zudem zutreffend ausführte, sind die Aussagen des Beschwerdeführers über den geltend gemachten Zwang zur Rekrutierung auch im Übrigen ohne Substanz ausgefallen. So war er nicht in der Lage, konkret anzugeben, wann wer mit ihm worüber gesprochen habe. Zwar nennt er ein paar Namen und gibt auch einen Internetbericht zu den A k- ten, auf welchem diese Namen zu l esen sind. Indessen kann er die Ste l- lung der erwähnten Personen innerhalb der jund ash -sham nicht einor d- nen und weiss auch sonst nichts Konkretes über diese Personen, obwohl er mehrmals mit ihnen Kontakt gehabt haben will und diese sogar seine Telefonnummer gekannt haben sollen. Somit fehlt der persönliche Bezug des Beschwerdeführers zu den erwähnten Personen, womit seine Ang a- ben gelernt und nicht erlebt erscheinen, was die Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen untermauert. 5.7.5.3 Sodann kann dem Beschwerdeführer auch nicht geglaubt werden, dass er während 18 Monaten telefonisch zur Rekrutierung bedrängt wo r- den sein soll. Wie das BFM zu Recht ausführte, wäre dies als amateu r- haftes Vorgehen der Vertreter von jund ash -sham zu qualifizieren. I m- merhin ist davon auszugehen , dass diese Vertreter, welche gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers im Lager waren, wussten, wo er zu finden wäre, auch wenn er sich zwischenzeitlich da und dort versteckt haben sollte. Zudem machte der Beschwerdeführer nicht geltend, er habe D-5082/2014 Seite 14 sich wäh rend der gesamten 18 Monate ständig versteckt aufgehalten. Vielmehr will er immer wieder zu seinen Eltern zurückgekehrt sein. Schliesslich kann auch nicht nachvollzogen werden, dass der Beschwe r- deführer, sollte er in der Tat während 18 Monaten gegen seinen Willen immer wieder telefonisch zur Teilnahme an Kampfhandlungen aufgefo r- dert worden sein , nicht die Telefonnummer gewechselt hat, um für die Vertreter von jund ash-sham nicht mehr telefonisch erreichbar zu sein. 5.7.5.4 Nicht überzeugend wirken ferner die Aussa gen des Beschwerd e- führers über die jund ash -sham selber. Obwohl Vertreter dieser Gruppi e- rung im Flüchtlingslager ein - und ausgegangen sein sollen, folglich pra k- tisch ständig im Lager waren und ihn immer wieder kontaktiert haben so l- len, kennt er weder die g enaueren Hintergründe der Organisation noch deren Ziele. Seine Aussage, deren Ziel bestehe darin, Leute zu töten, ist einerseits äusserst pauschal und andererseits zumindest sehr unvol l- ständig. Dies umso mehr, als er auch geltend machte, er habe sich mit ihnen unterhalten, ihnen gut zugehört und mit ihnen hin und her diskutiert (vgl. Akte A15/17 S. 5), zumal er unter diesen Umständen besser als vo r- getragen über die jund ash-sham hätte informiert sein müssen. 5.7.5.5 Nicht zu vere inbaren mit einer drohenden Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes ist ferner die Tatsache, dass der Beschwerdeführer z u- nächst sein Asylgesuch zurückzog und bereit war, freiwillig in den Lib a- non zurückzukehren. Das zweite Asylgesuch stellte er erst, als ihm eröf f- net wurde, er müsse über F._______ zurückfliegen, womit er nicht einver- standen war (vgl. Post-it II Info Einreisesperre vom 22. August 2014). E i- ne im Herkunftsland (Libanon) tatsächlich in asylrelevanter Weise verfolg- te Person würde ihr Asylgesuch nicht zurückziehen und sich zur freiwilli- gen Rückkehr dorthin bereit erklären , wo sie verfolgt wird, sondern von Beginn weg an ihrem Asylgesuch festhalten; ebensowenig würde sie ei- nen Gesuchsrückzug deshalb widerrufen, weil sie nicht direkt, sondern nur über einen Zwischenhalt ins Herkunftsland zurückfliegen kann . Di e- ses Vorgehen des Beschwerdeführers ist nicht mit demjenigen einer ve r- folgten Person zu vereinbaren und lässt vermuten, dass er wohl eher in F._______ als im Libanon Probleme hat beziehungsweise befürchtet. An dieser Einschät zung vermögen seine Einwände, wonach er sein erstes Asylgesuch nicht zurückgezogen habe, nichts zu ändern, zumal die ko n- krete Aktenlage gegen diese Version spricht. 5.7.5.6 Ferner will der Beschwerdeführer gemäss seinen Aussagen seine Probleme bei den libanesisch en Behörden in C._______ und J._______ D-5082/2014 Seite 15 und verschiedenen Organisationen gemeldet haben (vgl. Akte A15/17 S. 3). Indessen ist allgemein bekannt, dass die libanesischen Behörden kei- nen Zutritt zu den selbst verwalteten Palästinenserlagern haben, somit gar nicht vor Ort kommen und für Ordnung sorgen konnten. Die Sicher- heit im Flüchtlingslager wird von anderen Organisationen gewährleistet, was dem Beschwerdeführer indessen offensichtlich nicht bekannt ist und weitere Fragen aufwirft, zumal er gemäss seinen Aussagen praktisch sein ganzes Leben in diesem Lager verbracht haben will und somit darüber im Bild sein sollte, wer im Lager für Ruhe und Ordnung sorgt. Seine Auss a- ge, er habe die Polizei in C._______ eingeschaltet (vgl. Akte A15/17 S. 9), lässt vermuten, dass er gar nicht im Lager sein konnte, weil die Polizei in C._______ für Sicherheitsprobleme im Lager nicht zuständig ist. Folg- lich können auch diese Aussagen nicht geglaubt werden. 5.7.5.7 In Übereinstimmung mit dem BFM ist schliesslich festzuhalten, dass der letzte vom Beschwerdeführer dargelegte Kontakt mit Vertretern der jund ash-sham realitätsfremd erscheint. Insbesondere kann ihm nicht geglaubt werden, dass seine Mutter mit Ausfälligkei ten gegenüber der Gruppierung eine allfällige Freilassung erwirkt haben kann. 5.7.6 Aufgrund dieser Erwägungen kann dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden, dass er von Vertretern der jund ash -sham unter Todes- drohungen hätte zwangsrekrutiert werden sollen. 5.8 Insgesamt ergibt sich aus den vorangehenden Erwägungen, dass dem Beschwerdeführer im Fall einer Rückkehr in den Libanon keine Ge- fährdung im Sinne des Asylgesetzes droht. 5.9 Folglich erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen in der B e- schwerde und die B eweismittel einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts ändern können. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Das BFM hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). D-5082/2014 Seite 16 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegwe isung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder e r- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrücksch iebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde -D-5082/2014 Seite 17 führers in de n Herkunftsstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in den Herkunftsstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen St rafe oder Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtsho- fes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folteraus- schusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr (« real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rüc k- schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur- teil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kam- mer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Da d er Beschwerdeführer nicht glaubhaft gemacht hat, dass er befürchten müsse, bei einer Rück kehr ins Herkunftsland die Aufmerksam keit der libanesischen Behörden oder der jund ash-sham in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass a uf sich zu ziehen, bestehen keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde dort aus dem- selben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung dro hen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Herkunftsstaat lässt den We g- weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Weder die allgemeine Lage im Libanon noch individuelle Gründe lassen auf eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers im Falle einer Rückkehr schliessen . Insbesondere ist festzuhalten, dass sich der B e- schwerdeführer gestützt auf seine Aussagen bereits mehrmals ausse r- halb des Flüchtlingslagers B._______, wo er mit seinen Eltern gewohnt habe, für einige Zeit aufgehalten und auch eine Wohnung gemietet habe, um allfälligen Behelligungen durch islamische Grupp ierungen auszuwei- chen. Nebst seinen Eltern und dem jüngeren Bruder, welche im erwäh n- ten Lager leben, hat er gestützt auf die Aktenlage weitere erwachsene Geschwister, welche ebenfall s ausserhalb des Lagers Wohnsitz haben D-5082/2014 Seite 18 und teilweise einer Arbeit nachgehen . Folglich verfügt er nicht nur im Flüchtlingslager B._______, sondern auch an andern Orten im Libanon über ein familiäres Beziehungsnetz. Dem noch jungen und gemäss A k- tenlage gesunden Beschwerdeführer ist es unter diesen Umständen z u- zumuten, sich in seinem He rkunftsland um Arbeit zu bemühen und sich eine eigene Existenz aufzubauen, auch wenn nicht in Abrede gestellt wird, dass es Personen palästinensischer Herkunft im Libanon nicht ein- fach haben, weil sie in gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht bisweilen benachteiligt sind. Indessen ist einerseits die gesamte paläst i- nensische Bevölkerung davon betroffen und andererseits stellen wir t- schaftliche, soziale und gesellschaftlic he Probleme keine Gefährdung im Sinne des Gesetzes dar, weshalb aus diesen Gründen nicht von der fe h- lenden Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG auszugehen ist. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung insgesamt auch als zumutbar. 7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des H erkunftsstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu be schaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegw eisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angef ochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Infolge Direktentscheid respektive mangels Erhebung eines Kostenvo r- schusses ist das Gesuch um Verzicht auf einen Kostenvorschuss g e- genstandslos geworden. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das Gesuch um Gewährung der D-5082/2014 Seite 19 unentgeltlichen Prozessführung abzuweisen. D ie Kosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-5082/2014 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird a b- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: