B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5280/2015 U r t e i l v o m 2 2 . A u g u s t 2 0 1 7 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Simon Turnheer, Richter David R. Wenger, Gerichtsschreiberin Lara Ragonesi. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), Eritrea, alle vertreten durch Ass. iur. Christian Hoffs, HEKS Rechts- beratungsstelle für Asylsuchende Thurgau, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; vormals Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des SEM vom 4. August 2015 / N (…). E-5280/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die eritreischen Beschwerdeführenden reichten durch ihre Rechtsver- tretung am 19. Juli 2011 ein Asylgesuch aus dem Ausland ein. Dabei mach- ten sie im Wesentlichen geltend, A._______ (nachfolgend Beschwerdefüh- rer) sei in Eritrea während seiner Militärzeit aufgrund seiner politischen Ge- sinnung für zwei Jahre inhaftiert gewesen. Nachdem es ihm gelungen sei, aus dem Gefängnis zu entkommen, sei er Anfang 2011 mit seinen Kindern nach Äthiopien geflohen, wo sie nun unter schwierigsten Bedingungen – in E._______ – leben würden. Mit seiner Flucht aus dem Gefängnis sei er gleichzeitig aus dem Militärdienst desertiert und die Bestrafung von Dienst- verweigerung und Desertion sei als unverhältnismä ssig streng und poli- tisch motiviert einzustufen. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Deser- tion sei begründet, da er im aktiven Dienst gewesen sei und damit in kon- kretem Kontakt zu den Militärbehörden gestanden habe. Die eritreischen Behörden würden Perso nen, welche das Land illegal verlassen würden, eine regierungsfeindliche Haltung unterstellen und diese Personen bei ei- ner Rückkehr streng bestrafen, weshalb er begründete Furcht habe, bei seiner Rückkehr ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausge- setzt zu werden. Er erfülle aufgrund seiner Inhaftierung, der Flucht aus dem Gefängnis beziehungsweise der Desertion und seiner illegalen Ausreise die Flüchtlingseigenschaft. Die Ehefrau und Mutter der Beschwerdeführ enden, F._______, sei vor ihnen ausgereist und am 29. November 2010 von der Schweiz als Flücht- ling anerkannt und vorläufig aufgenommen worden. Bei den Beschwerde- führenden handle es sich somit um die Kernfamilie, damit sei die Bezie- hungsnähe zur Schweiz vorhanden und es komme kein Drittstaat f ür die Schutzgewährung in Frage. Schliesslich hätten die Beschwerdeführenden keine Verwandten und Be- kannten in Äthiopien und es verbinde sie auch keine besondere kulturelle oder sprachliche Nähe mit dem Land. Die Flüchtlingslager seien überfüllt und den Flüchtlingen biete sich keine Perspektive. Der Beschwerdeführer habe für (…) Kinder zu sorgen, was unter diesen Umständen eine beson- dere Belastung darstelle. Ein weiterer Verbleib in Äthiopien sei unzumut- bar. Die Schutzsuche in einem anderen Land komme nicht in Frage, da die Beschwerdeführenden zu keinem der umliegenden oder auch sonstigen Staaten eine Beziehung hätten und entsprechend auch die nötigen Papiere E-5280/2015 Seite 3 nicht beschaffen könnten. Zudem seien d ie Flüchtlingscamps in den an- grenzenden Staaten überlastet und die Flüchtlinge seien Übergriffen und Misshandlungen ausgesetzt. Überdies sei eine Weiterreise ins Ungewisse, gerade für die Kinder als besonders gefährdend zu betrachten. Mit dem Asylgesuch aus dem Ausland reichten die Beschwerdeführenden eine Kopie des Ausweises der in der Schweiz lebenden Ehefrau bezie- hungsweise Mutter der Beschwerdeführenden sowie eine Fotografie der Beschwerdeführenden ein. A.b Mit Schreiben vom 14. März 2012 (in englischer Sprache verfasst) reichten die Beschwerdeführenden ein w eiteres Schreiben zu den Akten. Darin führte der Beschwerdeführer aus, er sei verhaftet worden, weil er militärische Geheimnisse preisgegeben habe. Er machte zudem auf die hohen Temperaturen, verschiedene Krankheiten und die Lage bezüglich Lebensmittel sowie den Mangel an Bildungsmögli chkeiten im Flüchtlings- camp E._______ aufmerksam. Weiter führte er aus, dass sich das Camp nahe an der Grenze zu Eritrea befinde und ein eritreischer Spion versucht habe, ihn zu ermorden. B. Nach mehrfachen Anfragen zum Verfahrensstand teilte das BFM den Be- schwerdeführenden mit Zwischenverfügung vom 20. Juni 2012 mit, die Schweizerische Botschaft in Addis Abeba sei aufgrund begrenzter Res- sourcen nicht mehr in der Lage, Befragungen von Asylsuchenden durch- zuführen. In diesem Zusammenhang ersuchte das BFM die Beschwerde- führenden – unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht – zur Vervollständi- gung des rechtserheblichen Sachverhalts un d Beantwortung einiger kon- kreter Fragen. C. Mit Schreiben vom 22. August 2012 reichten die Beschwerdeführenden die Antworten zum vorerwähnten Fragekatalog ein. D. Nach mehrfachen Anfragen zum Verfahrensstand durch die Ehefrau bezie- hungsweise Mutter der Beschwerdeführenden und durch die Beschwerde- führenden selbst, teilte das BFM ihnen mit Schreiben vom 16. August 2013 mit, dass der Beschwerdeführer dennoch auf der Schweizerischen Vertre- tung in Addis Abeba angehört werden solle. E-5280/2015 Seite 4 E. Mit Schreiben vom 26. November 2013 erkundigte sich die Vorinstanz nach den aktuellen Kontaktdaten des Beschwerdeführers. Nach mehrfachen An- fragen zum Verfahrensstand teilte das BFM den Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 7. Oktober 2014 mit, dass bis dato keine Angaben zu den Kontaktmöglichkeiten eingegangen seien. Diese reichten die entsprechen- den Kontaktangaben mit Schreiben vom 28. Oktober 2014 ein. F. Mit Zwischenverfügung vom 15. Juni 2015 teilte die Vorinstanz den Be- schwerdeführenden mit, sie sei von der Schweizerischen Vertretung in Ad- dis Abeba informiert worden, dass ein erster Kontaktversuch mit dem Be- schwerdeführer gescheitert sei, da dieser erklärt habe, keinen „pass per- mit“ zu erhalten, um nach Addis Abeba zu reisen. Ein weiterer Kontaktver- such sei unbeantwortet geblieben. Das SEM gab dem Beschwerdeführer – unter Hinweis auf seine Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG – Gele- genheit, den Schweizerischen Behörden seine aktuelle Situation sowie all- fällige, seit dem 6. August 2012 neue und mit seinem Asylgesuch zusam- menhängende wichtige Ereignisse dazulegen. Weiter informierte das SEM die Beschwerdeführendenden, dass ihre Mutter beziehungsweise Ehefrau ein Kantonswechselgesuch gestellt habe, um mit ihrem neuen Partner, von dem sie ein Kind erwarte, zusammenzuleben und gab ihnen gleichzeitig die Möglichkeit, auch dazu eine Stellungnahme einzureichen. G. Mit Schreiben vom 9. Juli 2015 erklärten die Beschwerdeführenden bezie- hungsweise die – sich in der Schweiz befindliche – Ehefrau und Mutter, sie habe sich entgegen den Ausführungen der Vorinstanz nicht emotional für eine andere Familie entschieden. Für sie sei klar, wenn ihr Ehemann und die gemeinsamen Kinder in die Schweiz kommen würden, wünsche sie sich ein gemeinsames Leben mit ihnen. Auch wisse ihr neuer Partner, dass sie ein Leben mit ihrem Ehemann bevorzugen würde. H. Mit Verfügung vom 4. August 2015 – eröffnet am 5. August 2015 – verwei- gerte das SEM die Einreise der Beschwerdeführenden in die Schweiz und lehnte deren Asylgesuche ab. E-5280/2015 Seite 5 I. Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführenden am 31. August 2015 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten in ma- terieller Hinsicht, die Verfügung des SEM vom 4. August 2015 sei aufzuhe- ben, dem Beschwerdeführer und seinen Kindern sei zwecks Durchführung eines ordentlichen Asylverfahrens die Einreisebewilligung zu erteilen. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhalts und zur erneuten Entscheidung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege (samt Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses) und um Beior dnung eines amtlichen Rechtsbei- stands. J. Mit Zwischenverfügung vom 4. September 2015 hiess die zuständige In- struktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ord- nete ass. iur. Christian Hoffs als amtlichen Rechtsbeistand bei. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ersucht. K. Mit Schreiben vom 9. September 2015 hielt die Vorinstanz an ihren Erwä- gungen fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. E-5280/2015 Seite 6 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formge recht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Soweit mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. Sep- tember 2012 (AS 2012, 5359; in Kraft getreten am 29. September 2012) die Möglichkeit der Asylgesuchstellung im Ausland abgeschafft wurde, kommt dies im vorliegenden Fall nicht zur Anwendung, da gemäss Über- gangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012 für Asylgesu- che aus dem Ausland, die vor dem Inkrafttreten der Änderung gestellt wor- den sind – was vorliegend zutrifft –, die einschlägigen Normen in der bis- herigen Fassung gelten. 4. 4.1 Vorab ist die in der Beschwerde formulierte Rüge, die Vorinstanz habe den Sachverhalt mangelhaft festgestellt und damit den Untersuchungs- grundsatz verletzt, zu prüfen, da ein Verfahrensmangel allenfalls geeignet wäre, eine Kassation des vorinstanzlichen Entscheides zu bewirken (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1151 ff.). 4.2 Diesbezüglich bringen die Beschwerdeführenden vor, die Vorinstanz habe ihren Entscheid einzig und allein auf die beiden eingereichten Schrei- ben gestützt. Dass der Beschwerdeführer zu einer Befragung aufgeboten worden sei, zeige jedoch, dass der rechtserhebliche Sachverhalt, rein ge- stützt auf diese beiden Schreiben, nicht abschliesse nd erstellt gewesen sei. Anlässlich des Verfahrens sei er zudem nie aufgefordert worden, be- reits getätigte Aussagen zu präzisieren , sondern nur, seit dem 6. August E-5280/2015 Seite 7 2012 neue und mit seinem Asylgesuch zusammenhängende wichtige Er- eignisse darzulegen. 4.3 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen des Verwaltungs - bzw. Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird. Ferner ist dies der Fall, wenn die Vorinstanz nicht alle entscheidwesentlichen Ge- sichtspunkte des Sachverhalts prüfte, etwa weil sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneinte. Unvollständig ist die Sachve rhalts- feststellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrele- vanten Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043). Der Untersuchungsgrundsatz gilt indes nicht uneinge- schränkt, zumal er sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchen- den findet (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG ; vgl. CHRISTOPH AUER in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2008, Rz. 8 zu Art. 12) und durch die im Anspruch auf rechtliches Gehör mitenthaltenen Parteirechte auf Teilnahme am Ver- fahren und auf Einflussnahme auf den Prozess der Entscheidfindung er- gänzt wird (vgl. BGE 122 V 157 E. 1a). Die entscheidende Behörde darf sich trotz des Untersuchungsgrundsatzes in der Regel darauf besch rän- ken, die Asylvorbringen zu würdigen und die von der asylsuchenden Per- son angebotenen Beweise abzunehmen, ohne weitere Abklärungen vor- nehmen zu müssen (vgl. dazu BVGE 2012/21 E. 5.1). 4.4 Ein Asylgesuch kann – respektive konnte – gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer Schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hin- sichtlich des Verfahrens bei der Schweizerischen Vertretung im Ausland sieht aArt. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrens- fragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Per- son in der Regel eine Befragung durchführt. Ist eine solche Anhörung im Ausland nicht möglich, ist die asylsuchende Person gemäss aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1 aufzuf ordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (vgl. zum Ablauf des erstinstanzlichen Ausland-Asylverfahrens BVGE 2007/30 E. 5). E-5280/2015 Seite 8 4.5 Vorliegend konnten die Beschwerdeführenden aufgrund begrenzter Ressourcen nicht persönlich auf der Schweizerischen Botschaft in Addis Abeba angehört werden. Das BFM stellte vor diesem Hintergrund in der Zwischenverfügung vom 20. Juni 2012 fest, das schriftliche Asylgesuch lasse noch einige entscheidrelevante Fragen offen, welche im Rahmen der Sachverhaltsabklärung schriftlich zu beantworten seien. Die Beschwerde- führenden wurden dabei explizit darauf hingewiesen, dass die Beantwor- tung der Fragen möglichst genau und konkret erfolgen solle und dass sie gemäss Art. 8 AsylG an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken hät- ten. Dass der Beschwerdeführer zu einem späteren Zeitpunkt dennoch auf die Schweizerische Botschaft in Addis Abeba vorgeladen wurde, eine Be- fragung aber anscheinend nicht möglich war (fehlender „pass permit“ und fehlgeschlagene Kontaktaufnahme) zeigt zwar, dass die Vorinstanz noch ein Interesse an einer persönlichen Befragung hatte, allerdings wurde den Beschwerdeführenden mit Zwischenverfügung vom 15. Juni 2015 stattdes- sen Gelegenheit gegeben, ihre aktuelle Situation (seit dem 6. August 2012) und neue, mit ihrem Asylgesuch zusammenhängende Ereignisse, darzule- gen. Wie bereits erwähnt, darf sich die entscheidende Behörde trotz des Untersuchungsgrundsatzes in der Regel darauf beschränken, die Asylvor- bringen zu würdigen und die von der asylsuchenden Person angebotenen Beweise abzunehmen, ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen (vgl. dazu BVGE 2012/21 E. 5.1). Entgegen der Auffassung in der Rechtsmitteleingabe hatten die Beschwer- deführenden insgesamt genügend Möglichkeiten, ihre Asylgründe darzule- gen. Der Beschwerdeführer erhielt im Vorverfahren mehrmals die Möglich- keit, sich zu seinen Asylgründen zu äussern. Er wurde dabei explizit auf seine Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG hingewiesen. Im Hinblick auf die Dauer des Verfahrens wäre es ihm auch möglich gewesen, weitere Ein- gaben und damit weitere Ausführungen zu den vorgebrachten Asylgründen zu machen. Mit ihrer Vorgehensweise hat die Vorinstanz den Anforderun- gen an die Feststellung des rechtserhebl ichen Sachverhalts Genüge ge- tan. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes liegt demnach nicht vor. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass der Be- schwerdeführer auch in seiner Rechtsmitteleingabe keine diesbezüglichen Ergänzungen anbrachte. Nach dem Gesagten besteht kein Anlass, die Sa- che an die Vorinstanz zurückzuweisen. E-5280/2015 Seite 9 5. 5.1 Das Staatssekretariat bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet wer- den kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen an- dern Staat auszureisen (aArt. 20 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib na- mentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist, d.h. wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimm- ten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauung ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.2 Das SEM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hinweise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (aArt. 52 Abs. 2 AsylG). 5.3 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausset- zungen, wobei den Behörden ein weiter Beurteilungsspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind na- mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzge- währung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur ander- weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und As- similationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der be- treffenden Person, mithin die Prüfung der Frage, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wurde und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärungen zugemutet wer- den kann. Die Einreise ist aber selbst im Falle einer allfälligen Schutzbe- dürftigkeit zu verweigern, wenn Asylausschlussgründe vorliegen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/10 E. 3.3). 5.4 Eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ist dann glaubhaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den E-5280/2015 Seite 10 Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.5 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung vom 4. August 2015 im Wesentlichen aus, es sei vorweg darauf hinzuweisen, dass das Asylgesuch der – sich in der Schweiz befindlichen – Ehefrau und Mutter der Beschwerdeführenden deshalb abgelehnt worden sei, weil ihre Vor- bringen zu der angeblichen Festnahme des Beschwerdeführers und damit zusammenhängende Vorfälle den Anforderungen an die Glaubwürdigkeit (recte Glaubhaftigkeit) gemäss Art. 7 AsylG nicht genügen würden. Diese Verfügung sei unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Die Ausführungen des Beschwerdeführers seien ebe nfalls nicht überzeugend ausgefallen. Obwohl er darauf hingewiesen worden sei, seine Fluchtgründe genau, kon- kret und detailliert darzulegen, seien diese oberflächlich und pauschal aus- gefallen. Den Akten seien keine glaubhaft dargelegten Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass die Beschwerdeführenden im Zeitpunkt der Ausreise aus Eritrea einreiserelevante Nachteile erlitte n hätten oder ihnen solche drohen würden. Damit erübrige sich eine Prüfung der weiteren Vorausset- zungen der Erteilung einer Einreisebewilligung im asylrechtlichen Ausland- verfahren. Der Vollständigkeit halber werde dennoch darauf hingewiesen, dass sich die – in der Schweiz befindliche – Ehefrau und Mutter der Be- schwerdeführenden augenscheinlich emotional für eine neue Familie ent- schieden habe; das diesbezüglich eingereichte Schreiben vermöge nicht zu überzeugen. Nach dem Gesagten sei den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz zu verweigern und das Asylgesuch abzulehnen. 5.6 Die Beschwerdeführenden bringen dagegen vor, zwischen den Ausfüh- rungen im schriftlichen Asylgesuch vom 10. Juli 2011 und den persönlichen Schreiben des Beschwerdeführers würden keine Abweichungen vorliegen. Zudem müsse auf die Schwierigkeit des Informationsaustausches hinge- wiesen werden, da die Aussagen des Beschwerdefüh rers immer über seine in der Schweiz wohnhafte Frau an die Rechtsvertretung gelangt seien. Das SEM habe es zudem unterlassen, die sprachliche Barriere bei der Beurteilung der Aussagen des Beschwerdeführers zu würdigen. So habe dieser auf das in deutscher S prache verfasste Schreiben des SEM vom 20. Juni 2012 in Englisch geantwortet, was nicht seine Muttersprache sei. Es sei daher durchaus nachvollziehbar, dass die schriftlichen Antwor- ten nicht detaillierter ausgefallen seien. Auch aus dem Umstand, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers seine Inhaftierung nicht habe glaubhaft machen können, könne nicht geschlossen werden, dass er selbst im Zeit-E-5280/2015 Seite 11 punkt der Ausreise keine asylrelevanten Nachteile erlitten habe bezie- hungsweise von solchen bedroht gewesen sei. Vielmehr seien seinen Aus- führungen klare Anhaltspunkte zu entnehmen, dass er in Eritrea wegen fal- scher Anschuldigungen inhaftiert worden sei und dass er nach der Flucht aus dem Gefängnis Eritrea illegal verlassen habe und gleichzeitig deser- tiert sei. Da die Bestrafung für Dienstverweigerung und Desertion in Eritrea unverhältnismässig streng sei, sei er im Zeitpunkt seiner Ausreise einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt gewesen und die Vorinstanz hätte die weiteren Voraussetzungen der Erteilung einer Einreise bewilligung im asylrechtlichen Auslandverfahren prüfen müssen. 6. 6.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – zum Schluss, dass keine glaubhaft dargelegten An- haltspunkte vorliegen, die auf eine asylrelevante Gefähr dung der Be- schwerdeführenden im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Eritrea schliessen las- sen. So fielen die Ausführungen des Beschwerdeführers zu der angebli- chen Haft, den Haftbedingungen und der Ausreise aus Eritrea oberflächlich und pauschal aus. Zu den Haftbedingungen konnte der Beschwerdeführer nur verschiedene Krankheiten und eine Nahrungsknappheit erwähnen und dies, obwohl er angeblich zwei Jahre inhaftiert gewesen und ihm eine – auch im eritreischen Kontext nicht unerhebliche – Straftat vorgeworfen worden sein soll (vgl. Akten des Asylverfahrens, B7/4, S 3). Auch bezüglich der angeblichen Flucht gab der Beschwerdeführer – trotz Aufforderung, die Flucht möglichst detailliert zu schildern – nur knappe und oberflächliche Antworten (vgl. Akten des Asylverfahrens, B7/4, S. 2). Um weitere Wieder- holungen zu vermeiden, ist auf die zutreffenden Ausführungen in der vorinstanzlichen Verfügung zu verweisen. Dem Vorbringen des Beschwer- deführers, dass seine Ausführungen aufgrund der sprachlichen Barriere nicht detaillierter ausgefallen seien, ist entgegenzuhalten, dass dieser seit Beginn des Verfahrens vertreten ist. Zudem telefonierte er angeblich zwei bis dreimal wöchentlich mit seiner in der Schweiz lebenden Frau. Es wäre ihm deshalb möglich gewesen, eine Übersetzung – sei es telefonisch oder schriftlich – zu organisieren, um seine Asylgründe ausführlich darzulegen und damit seiner Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG nachzukommen. Schliesslich sei an dieser Stelle angemerkt, dass – wie die Vorinstanz be- reits z utreffend feststellte – auch die Vorbringen der Ehefrau des Be- schwerdeführers hinsichtlich seiner Inhaftierung als unglaubhaft erachtet wurden. Die Vorbringen der Beschwerdeführenden vermögen somit den Anforderungen an Art. 7 AsylG nicht zu genügen. E-5280/2015 Seite 12 6.2 Daran vermag auch das Vorbringen, dass die Beschwerdeführenden Eritrea illegal verlassen hätten, nichts zu ändern, zumal subjektive Nach- fluchtgründe (sofern keine Vorfluchtgründe vorliegen bzw. glaubhaft ge- macht wurden) zum Ausschluss des Asyls gemäss Art. 54 As ylG führen und die Einreise in die Schweiz entsprechend nicht bewilligt wird (vgl. BVGE 2011/10 E. 7). Der Vollständigkeit halber sei diesbezüglich erwähnt, dass das Bundesverwaltungsgericht im Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil pub liziert) nach einer eingehenden quellenge- stützten Lageanalyse (E. 4.6 -4.11) zum Schluss kam, dass die bisherige Praxis, wonach eine illegale Ausreise per se zur Flüchtlingseigenschaft führte, nicht mehr aufrechterhalten werden könne (E. 5.1). Für die Begrün- dung der Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext bedürfe es neben der illegalen Ausreise zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welche zu einer Verschärfung des Profils und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevan- ten Verfolgungsgefahr führen könnten (E. 5.2). 6.3 Da die Beschwerdeführenden nach dem Gesagten im Zeitpunkt ihrer Ausreise keine asylrelevante Gefährdung darzulegen vermochten, ist ihr Asyl- und Einreisegesuch unbesehen einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz und ohne Prüfung, inwiefern ei n Verbleib für sie in Äthiopien zu- mutbar ist, abzulehnen. Es erübrigt sich daher auch, auf die diesbezügli- chen Ausführungen in der Beschwerde einzugehen. Im Sinne einer Vermutung ist in denjenigen Fällen, in denen sich die Asyl- suchenden bereits in einem Drittstaat aufhalten, ohnehin davon auszuge- hen, die betroffenen Personen hätten in diesem Drittstaat bereits den er- forderlichen Schutz gefunden, was in der Regel zur Ablehnung des Asyl- gesuchs und der Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In jedem Falle sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit einer allfälli- gen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen (vgl. BVGE 2011/10). Werden die weiteren Kriterien (Zumutbarkeit der Zufluchtnahme und Be- ziehungsnähe zur Schweiz) im vorliegenden Fall dennoch geprüft, ist mut- masslich von einem zumutbaren Verbleib im derzeitigen Aufenthaltsstaat auszugehen, haben sich die Beschwerdeführenden doch an scheinend im UNHCR-Lager in E._______ registrieren lassen und verfügen folglich über einen legalen Aufenthaltsstatus. Allgemein lässt sich sagen, dass die Lage in Äthiopien nicht von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt geprägt ist, so dass das Bundesverwaltungsgericht eine Rückkehr E-5280/2015 Seite 13 von Personen dorthin, mithin ein dortiger Aufenthalt, als grundsätzlich zu- mutbar erachtet (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.3; Urteil des BVGer D-5604/2015 vom 17. Juli 2017 E. 9.4.2 ). Schliesslich vermag auch die familiäre Situa- tion der Beschwerdeführend en nichts an der gesamten Einschätzung zu ändern, zumal die Ehefrau und Mutter der Beschwerdeführenden schon seit mehreren Jahren getrennt von ihnen lebt und in der Schweiz offen- sichtlich eine neue Familie gründete. 6.4 Das SEM hat somit den Beschwerdeführenden zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert und ihre Asylgesuche abgelehnt. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig fes tstellt (Art . 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege ist jedoch auf die Erhebung von Ver- fahrenskosten zu verzichten. 8.2 Das Gesuch um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands im Sinne von Art. 110 a Abs. 1 AsylG wurde mit Zwischenverfügung vom 4. September 2015 gutgeheis sen und den Beschwerdeführenden der rubrizierte Rechtsvertreter als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Die notwendigerweise erwachsenen Parteikosten sind deshalb durch das Bun- desverwaltungsgericht zu übernehmen (vgl. Art. 110a Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 9–14 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nach Praxis des Gerichts werden amtlich bestellte Rechtsvertreter ohne Anwaltspatent mit einem Stundensatz von Fr. 100.– bis 150.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Dem amtlich bestellten Rechtsbei- stand ist – gemäss eingereichter Honorarnote vom 21. September 2015 – zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts ein Honorar von insgesamt Fr. 1‘065.– zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) E-5280/2015 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird durch das Bundesverwaltungsgericht eine Entschädigung von Fr.1‘065.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die Schwei- zerische Vertretung in Addis Abeba. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Lara Ragonesi Versand: