Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. September 2017 (715 17 75 / 251) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit / Herabsetzung der Einstellungsdauer Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin i.V. Andrea Scheidegger Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1976 geborene A.____ war vom 1. Mai 2011 bis 30. November 2016 als Spezial- reiniger bei der B.____ AG tätig. Am 27. September 2016 kündigte die Arbeitgeberin das Ar- beitsverhältnis schriftlich per 30. November 2016. A.____ meldete sich am 11. Oktober 2016 beim zuständigen regionalen Arbeitsvermittlungszent rum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob am 12. Oktober 2016 bei der Öffentlichen Arbe itslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkas- se) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 1 . Dezember 2016. Mit Verfügung vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. Januar 2017 stellte ihn die Arbeitslosenkasse ab de m 1. Dezember 2016 wegen selbstver- schuldeter Arbeitslosigkeit für 32 Tage in der Anspruchsbe rechtigung ein. Gegen diese Verfü- gung erhob A.____ mit Schreiben vom 23. Januar 2017 E insprache, die vom Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) Baselland, Einspracheinstanz, mit Entscheid vom 10. Februar 2017 abgewiesen wurde. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 6. März 2017 Beschwerde beim Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, der Entscheid vom 10. Februar 2017 sei vollumfänglich aufzu heben und es sei festzustellen, dass der Entscheid willkürlich sei und auf falschen Tatsachen beruhe. Ausserdem sei auf die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung ab dem 1. Dezember 20 16 für die Dauer von 32 Tagen zu verzichten sowie eine ordentliche Arbeitslosenentschädigun g gemäss gesetzlicher Konzeption ab dem 1. Dezember 2016 auszurichten. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Arbeitslosenkasse. C. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 27. April 2017 die Ab- weisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungser lasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend kam der Beschwerdeführer seinen Kontrollpflichten im Kanton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu b ejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsg ericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Ver sicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist vor liegend, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu Recht für die Dauer von 32 Tagen in der Anspruchsberechtigung einge- stellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 195.30 beläuft sich der Streitwert somit auf Fr. 6‘249.60. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. K ommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funkt ion einer Haftungsbegrenzung der Versi- cherung für Schäden, die die versicherte Person hätte v ermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältn ismässigkeits- und Verschul- densprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schind- ler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizerisches Bunde sverwaltungsrecht, Soziale Sicher- heit, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828 ff.). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden ist. Dieser Tatbe- stand erfasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeits- losigkeit sind und eine Verletzung der Pflicht, Arbeitsl osigkeit zu vermeiden, bedeuten. Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a–d beispielhaf t Tatbestände auf, die unter den Begriff der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit fallen. So liegt selb stverschuldete Arbeitslosigkeit unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Ver- letzung arbeitsvertraglicher Pflichten, der Arbeitgebe rin Anlass zur Auflösung des Arbeitsver- hältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). D ie Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt kei ne fristlose Auflösung des Arbeitsverhält- nisses aus wichtigen Gründen nach Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 des Schweizerischen Obliga- tionenrechts (OR) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auch nicht eine eigentliche Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, dass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten innerhal b und ausserhalb des Betriebs be- rechtigten Anlass zur Kündigung gab (vgl. Urteil des Eidg enössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtl iche Abteilungen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Dab ei müssen nicht zwingend Beanstandun- gen in beruflicher Hinsicht vorgelegen haben. Es genügt beispielsweise, dass charakterliche Eigenschaften im weiteren Sinne, die den Arbeitnehmer für den Betrieb als untragbar erschei- nen lassen, zur Entlassung geführt haben (BGE 112 V 244, E. 1). Selbstverschuldete Arbeitslo- sigkeit im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt also im mer dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zu zuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt (vgl. Ur- teil des Bundesgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/200 8, E. 2.2 mit Hinweisen, publ. in: ARV 2009 S. 264). 2.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Inte rnationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (Über- einkommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Oktober 1991 in Kraft getreten ist, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Verdienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeit seinstellung ohne Unterbrechung des Beschäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekü rzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IA O ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheids im Einzelfall dienen zu können, und ist daher direkt anwendbar (BGE 122 V 54 ff.; Urteil des EVG vom 17. Oktober 200 0, C 53/00). Aufgrund des grundsätzli- chen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b des Üb ereinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nicht jedes schuldhafte Verhalten der versicherten Per- son, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (Urte il des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b). 2.4 Eventualvorsatz ist im Zusammenhang mit Art. 44 lit . a AVIV anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen mu ss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber führt (T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 837). Im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG darf somit bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der An- spruchsberechtigung erfolgen (JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberech- tigung, Zürich 1998, S. 76 f.). Im Entscheid vom 6. Ju ni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f. hat das Bundesgericht – unter Hinweis auf den im Strafrecht gel tenden Massstab – festgestellt, dass Eventualvorsatz und bewusste Fahrlässigkeit auf der Wissensseite übereinstimmen, indem dem Täter die Möglichkeit, das Risiko der Tatbestandsverwirklichung bewusst ist. Die entscheidende Differenz liegt auf der Willensseite. Auch wer die Mö glichkeit der Tatbestandsverwirklichung erkennt, kann sich, selbst leichtfertig, über sie hinwegsetzen, d.h. darauf vertrauen bzw. mit der Einstellung handeln, dass schon nichts passieren werde (bewusste Fahrlässigkeit). Demgegen- über erfordert der Eventualvorsatz, dass der Täter sich fü r die Tatbestandsverwirklichung ent- scheidet, sie in Kauf nimmt. Weitestgehend ausser Frage stehen dürfte das Willenselement nur, wenn der Täter die Tatbestandsverwirklichung für so nahe liegend hält, dass die Bereitschaft, sie als Folge seines Verhaltens hinzunehmen, vernünftige rweise nicht mehr bezweifelt werden kann; oder wenn sie ihm, im eigentlichen Sinn des Worte s, erwünscht oder recht war, wie wohl auch noch im Falle schierer Gleichgültigkeit. Als Faustre gel formuliert: dass der Täter die Tat- bestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, liegt grun dsätzlich näher, je wahrscheinlicher es ihm erschien, dass sie eintreten könnte, und je wenig er er sie innerlich ablehnte, und umge- kehrt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 20 08, 8C_504/2007, E. 5.4 mit Hin- weis). Zu den Umständen, die allenfalls auf eventualvor sätzliches Verhalten schliessen lassen, gehören die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der T atbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggrün de des Täters und die Art der Tathand- lung. Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf dessen Wil len schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich auf drängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnah me des Erfolgs ausgelegt werden kann. Was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, be trifft innere Tatsachen und ist somit Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der f estgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz berechtigt erscheint (BGE 138 V 74 E. 8.4.1 mit Hinweisen; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f.). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl . BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundes- gerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Die Mi twirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahre n zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung d es Sachverhalts (vgl. T HOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl., Bern 2 014, § 70 Rz. 3 und 20 ff.; FRITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 284 f.). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1984, S. 136). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach d em Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundes- gerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenver- sicherung und Insolvenzentschädigung, 4. Aufl., Zürich/Base l/Genf 2013, S. 161). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Gesche- hensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bi ldet die Anwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (vgl. dazu Urteil des EVG vom 17. Oktober 2 000, C 53/00, E. 3a). Praxisgemäss muss das der versicherten Person im Rahmen dieser Bestimmung zur Last gelegte Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar feststehen, ansonsten eine Ei nstellung ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 und vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; siehe im Weiteren auch BGE 112 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV Nr. 72 S. 220 E. 3b/bb; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 835). 3.3 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässi g auf die Parteivorbringen und insbesondere auf die Aussagen der Arbeitgeberin angewie sen. Diese sollte eine Sachverhalts- darstellung abgeben, ohne am Ausgang des Verfahrens in teressiert zu sein und ohne ein Inte- resse daran zu haben, die versicherte Person in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Solange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeit geberin zu zweifeln, ist auf diese ab- zustellen. Es darf hingegen insbesondere dann nicht einzig auf deren Aussagen zu den Um- ständen der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältni sses abgestellt werden, wenn diese be- stritten und durch keine weiteren Indizien gestützt we rden (vgl. BGE 112 V 245 E. 1; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; Urteil des EVG vom 8. März 2001, C 102/00, E. 1a). Denn eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung kann, wie eben dargestellt, nur verfügt werden, wenn das der versi- cherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht und von dieser vorsätzlich ausgeübt Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wurde. Bei Differenzen zwischen der Arbeitgeberin und dem Arbeitnehmer darf somit nicht ohne weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbeitneh mers geschlossen werden, wenn die Ar- beitgeberin nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für welche sie keine Beweise anführen kann (vgl. Urteil des EVG vom 26. April 20 01, C 380/00, E. 2b; BGE 112 V 245 mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). 4. Strittig ist, ob der Beschwerdeführer Anlass zu seine r Kündigung gegeben und deshalb die Folgen einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im S inne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG i. V. m. Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV zu tragen hat. In sbesondere ist dabei zu prüfen, ob er das ihm vorgeworfene Fehlverhalten mindestens eventualvorsätzlich begangen hat. 4.1 Die Arbeitslosenkasse begründet die Einstellung in der Anspruchsberechtigung im We- sentlichen mit dem von der Arbeitgeberin angegebenen Kündigungsgrund, die Arbeitseinstel- lung und die Leistungen des Beschwerdeführers hätten in den letzten Monaten sehr nachgelas- sen. Zudem habe der Beschwerdeführer am 5. April 2016 eine Verwarnung erhalten wegen Missachtung der Anordnung des Vorgesetzten und wegen mangelndem Arbeitsinteresse. 4.2 Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer a m 4. März 2016 und 5. April 2016 von der B.____ AG verwarnt worden ist. G emäss Verwarnung vom 4. März 2016 sei er am 28. und 29. Februar 2016 sowie am 1. März 20 16 der Arbeit unentschuldigt fernge- blieben. Mit der Verwarnung sei ihm die Kündigung b ei einem weiteren Fehlverhalten in Aus- sicht gestellt worden. Er bestätigte mit seiner Unter schrift, die Verwarnung gelesen zu haben. Am 5. April 2016 wurde der Beschwerdeführer erneut v on der Arbeitgeberin verwarnt. Sein Verhalten habe am 23. März 2016 erneut Anlass zu Beanstandungen gegeben. Die Arbeitsqua- lität im Objekt „C.____ “ sei schlecht gewesen, was zu ein er massiven Kundenreklamation ge- führt habe. Er habe Anordnungen des Vorgesetzten missacht et und mangelndes Arbeitsinte- resse gezeigt. Er sei damit das letzte Mal verwarnt worde n. Der Beschwerdeführer bestätigte wiederum mit Unterschrift vom Inhalt der Verwarnung Kenntnis genommen zu haben. 4.3 Dem Kündigungsschreiben der Arbeitgeberin vom 27. September 2016 ist zu entneh- men, dass das Arbeitsverhältnis des Versicherten unter Ein haltung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist per Ende November 2016 aufgelöst word en ist, ohne dass daraus allfällige Gründe für die Kündigung hervorgehen. Als Grund der K ündigung kann der Arbeitgeberbe- scheinigung vom 30. November 2016 entnommen werden, dass die Arbeitseinstellung und die Leistungen des Versicherten in den letzten Monaten sehr nachgelassen hätten. Ausserdem sei mit der Teamleitung eine Vorbildfunktion verbunden, w elche nicht mehr vorhanden gewesen sei. Demgegenüber hält das Arbeitszeugnis der B.____ AG vom 30. November 2016 fest, dass der Versicherte ein zuverlässiger, pünktlicher und ehrlich er Mitarbeiter gewesen sei, der die Arbeitgeberin mit seinen Leistungen immer zufrieden ge stellt habe. Das Verhalten des Be- schwerdeführers sei gegenüber Kunden, Vorgesetzten und M itarbeitern jederzeit höflich, kor- rekt und zuvorkommend gewesen. 4.4 Der Beschwerdeführer äussert sich im Antrag auf Arb eitslosenentschädigung vom 12. Oktober 2016 nicht zur Kündigung. Erst im Frageboge n betreffend rechtliches Gehör vom Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 17. Dezember 2016 nimmt er zu den Vorwürfen der Arbe itgeberin Stellung. Er bestätigt, dass es im Winter nicht sehr viel Arbeit gebe. Zudem gibt e r an, dass er nicht verwarnt worden sei, die beanstandeten Punkte jedoch mit ihm besprochen worden seien. 4.5 Der Versicherte macht in seiner Einsprache vom 23. Ja nuar 2017 geltend, dass es während seiner Anstellung bei der B.____ AG nie zu Re klamationen gekommen sei. Als Equipenchef hätte er die Aufgabe gehabt, die Arbeite n fertigzustellen und vom Kunden als „in Zufriedenheit erbracht“ bestätigen zu lassen. Es hätte weder – wie von der Arbeitgeberin ange- geben – an der richtigen Arbeitseinstellung noch an genügender Leistung gemangelt. Er sei zwar verwarnt worden, habe aber den wahren Grund dafür nicht gekannt. Vielmehr sei er genö- tigt worden, die Verwarnung (recte: die Verwarnunge n) zu unterschreiben, ansonsten ihm ge- kündigt worden wäre. Aus Angst vor der Kündigung habe er die Verwarnung unterschrieben. Er erachte es als äusserst unfair, dass diese Verwarnung als V orwand genommen werde, um sei- nen Arbeitslosenanspruch zu verkleinern, zumal er davon au sgegangen sei, die Kündigung sei Folge des schleppenden Geschäftsganges. 4.6 Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 10. Febru ar 2017 gelangt die Arbeitslo- senkasse zum Ergebnis, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Verwarnungen damit hätte rechnen müssen, dass weitere Verfehlungen von der Arbei tgeberin nicht mehr toleriert worden wären resp. das Arbeitsverhältnis sofort gekündigt worden wäre. 4.7 In der Beschwerdeschrift vom 6. März 2017 erklärt der Beschwerdeführer, die Behaup- tung, die Arbeitsqualität im Objekt „C.____ “ sei sch lecht gewesen und habe zu einer massiven Kundenreklamation geführt, sei gelogen. Ein Arbeiter hätte im betreffenden Objekt vergessen, die Scheibe eines Fensters gründlich zu reinigen, so dass dies in der Sonne sichtbar gewesen sei. Er sei zu dieser Zeit gesundheitlich angeschlagen g ewesen, so dass er diese Arbeit nicht habe kontrollieren können. Zudem sei die eigentliche K ontrolle und die Übergabe des Objektes zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen gewesen. Da er je doch am darauf folgenden Tag auf- grund seines schlechten Gesundheitszustandes notfallmässig h abe hospitalisiert werden müs- sen, habe er dieses Objekt nicht kontrollieren können. N och während seines Aufenthaltes im Spital habe er von der Arbeitgeberin eine Reklamatio n erhalten. Nach dem Austritt aus dem Spital sei er schliesslich verwarnt worden. Die gesundheit lichen Beschwerden würden seit län- gerer Zeit anhalten. Er habe sich aber stets bemüht, trotz dieser gesundheitlichen Beeinträchti- gungen seiner Arbeitstätigkeit in geordneter Art und Weise nachzugehen. Er habe nie ein wei- sungswidriges Verhalten an den Tag gelegt und sei auch seinen arbeitsvertraglichen Verpflich- tungen nachgekommen. 5. Wie in Erwägung 3.2 hiervor ausgeführt, muss die se lbstverschuldete Kündigung in beweismässiger Hinsicht klar feststehen, damit eine Einstellung in Betracht kommt. Dies bedeu- tet, dass das fehlerhafte Verhalten des Beschwerdeführe rs mit an Sicherheit grenzender Wahr- scheinlichkeit erstellt sein muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. März 2016, 8C_22/2016, E. 6.1 mit Hinweis). Dies muss vorliegend in Würdigung der gesamten Aktenlage bejaht wer- den. Der Beschwerdeführer gab der Arbeitgeberin durch sein Verhalten Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Indem er die Verwarnungen unte rschrieb und zur Kenntnis nahm, hat Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht er sein Fehlverhalten zugestanden. Dabei kann er sich ni cht auf mangelnde Deutschkenntnisse berufen. Der Anmeldung zur Arbeitsvermittlung vom 12. Oktober 2016 ist zu entnehmen, dass seine Deutschkenntnisse in Wort und Schrift gut sind. So mit ist davon auszugehen, dass er die beiden Verwarnungen entgegen seiner Aussage verstanden hat und sich der Konsequenzen bewusst war. Ausserdem bestätigt der Beschwerdeführer im Fragebogen zum rechtlichen Ge- hör vom 17. Dezember 2016, dass seine Arbeitseinstellung und Arbeitsleistung sehr nachge- lassen hätten. Unter diesen Umständen musste er mit eine r Kündigung rechnen und nahm die- se mindestens eventualvorsätzlich in Kauf. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung auf- grund selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ist somit im Grundsatz nicht zu beanstanden. 6.1 Zu prüfen bleibt, ob die Anzahl der Einstelltag e korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuld ens (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Sie be- trägt nach Art. 45 Abs. 2 AVIV 1-15 Tage bei leichtem Verschulden, 16-30 Tage bei mittel- schwerem Verschulden und 31-60 Tage bei schwerem Verschulden. Innerhalb dieses Rahmens entscheidet die Arbeitslosenkasse nach pflichtgemässem Erme ssen. Das Gericht greift nur mit Zurückhaltung in das der Arbeitslosenkasse zustehende Ermess en ein. Es setzt nicht sein Er- messen anstelle desjenigen der Arbeitslosenkasse, solange diese von ihrem Ermessen pflicht- gemäss Gebrauch gemacht hat, also allen einschlägigen G esichtspunkten gebührend Rech- nung getragen hat. Vorliegend hat die Arbeitslosenkasse das Verhalten des V ersicherten als schweres Verschul- den qualifiziert, was eine Einstelldauer von 31-60 Tage n zur Folge hat. Innerhalb dieses Rah- mens hat sie eine Einstellung in der Anspruchsberechtigun g für die Dauer von 32 Tagen ver- fügt. Bei der Festlegung der Dauer der Einstellung hat sie zu Gunsten des Beschwerdeführers die Situation auf dem Arbeitsmarkt berücksichtigt, wonach es in diesem Arbeitsgebiet im Winter wenig Arbeit gibt. 6.2 Entgegen der von der Arbeitslosenkasse vertretenen Auffassung liegen jedoch weitere Umstände vor, die das Verschulden des Versicherten milder n. Den ärztlichen Berichten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in den Monaten v or der Kündigung – wie auch schon vor den Verwarnungen – gesundheitlich beeinträchtigt w ar und sich ausserdem zweimal in Spi- talpflege begeben musste. Aus dem Bericht vom 1. April 2016 von Dr. med. D.____, FMH All- gemeine Innere Medizin, Spital E.____, geht hervor, d ass der Patient seit mehreren Tagen an anhaltenden, stechenden Schmerzen im linken oberen Tho rax bei tiefer Inspiration leide. Die Beschwerden seien in der hausärztlichen Notfallpraxis al s muskuloskelettal beurteilt worden. Ausserdem bestehe ein Gewichtsverlust von 7 kg in den l etzten drei Monaten mit immer wie- derkehrenden pulmonalen Infekten mit Reizhusten und m öglicherweise Fieber. Der Patient sei am 29. März 2016 im Spital E.____ hospitalisiert word en, da Verdacht auf eine Lungenembolie bestanden habe. Es sei ein CT-Thorax durchgeführt worden, welches keine Hinweise auf letzte- res, jedoch eine 4 cm grosse Raumforderung im Unterlapp en links posterobasal mit nachge- schalteter pneumonischen Infiltrat gezeigt habe. Am ehe sten sei von einem Abszess mit nach- geschalteter Pneumonie auszugehen. Gemäss Bericht vom 5. August 2016 sei der Patient vom 4. August 2016 bis 5. August 2016 aufgrund Verdachts au f einen respiratorischen Infekt noch- mals im Spital E.____ hospitalisiert worden. Auch weni ge Wochen vor der Kündigung – am Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 19. August 2016 – habe sich der Patient noch in ärztlich er Behandlung befunden. Dem Bericht von Dr. med. F.____, FMH Kardiologie, Spital E.____, vom 3. September 2016 ist zu entneh- men, dass der Patient über Fiebersymptome und Schmerzen im linken Hemithorax bei tiefer Einatmung klage. Die Leistungsfähigkeit sei eingeschränkt . Er leide stark unter Husten und ei- nem Druck im Kopf. Vom Vorliegen einer relevanten He rzerkrankung sei jedoch nicht auszuge- hen. Die gesundheitlichen Probleme sind somit durch ärzt liche Berichte bis in die Zeit vor der Kündigung dokumentiert. Dadurch wird der Vorwurf der Arbeitgeberin, die Arbeitseinstellung und die Leistungen des Beschwerdeführers hätten in den l etzten Monaten sehr nachgelassen, relativiert. Vorliegend hat die Arbeitslosenkasse die pe rsönlichen Verhältnisse des Versicherten bei der Bemessung des Verschuldens nicht berücksichtigt. De s Weiteren ist zu beachten, dass die von der Arbeitgeberin ausgesprochenen Verwarnungen vom 4. März 2016 und 5. April 2016 ein halbes Jahr vor der Kündigung ausgesprochen wurden. A usserdem wurden diese auf der Arbeitgeberbescheinigung vom 30. November 2016 nicht als Begründung für die Kündigung aufgeführt. Auch aus dem von der Arbeitgeberin ausge stellten Arbeitszeugnis vom 30. November 2016 geht ein Fehlverhalten des Beschwerd eführers in keiner Weise hervor. Im Weiteren ist seit dem Zeitpunkt der letzten Verwarnung vom 5. April 2016 kein weiteres Verhal- ten bekannt, welches ein schweres Verschulden rechtfertig en würde. Das Vorgehen der Vo- rinstanz, welche den Versicherten während 32 Tagen in d er Anspruchsberechtigung einstellte, ist somit zu streng. Es rechtfertigt sich daher, vom praxi sgemäss angenommenen Einstellungs- rahmen im Bereich des schweren Verschuldens abzuweichen und das Verschulden des Be- schwerdeführers im unteren Bereich des mittelschweren Versc huldens festzulegen (vgl. BGE 130 V 126, E. 3.2). Die Einstellungsdauer ist dahe r auf 16 Einstelltage zu reduzieren (vgl. auch Entscheid des Bundesgerichts vom 3. April 2007, C 277 /06, E. 6.2; Urteil des Kantonsge- richts Basel-Landschaft vom 16. März 2016, Abteilung Sozi alversicherungsrecht, 715 15 319, E. 7.1 ff.). Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis teilweise gutzuheissen. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind beim nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird insofern teilweise gutgehei ssen, als in Abänderung des Einspracheentscheids der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland vom 10. Februar 2017 die Einstellungsdauer von 32 Tagen auf 16 Tage herabgesetzt wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht