Session des jeunes 76 25 septembre 1991 3. dass sie sich auch ausserhalb der Schweiz verstärkt für den Schutz der Umwelt einsetzen. Insbesondere soll der Bund wir- kungsvollere Massnahmen für den Erhalt der tropischen Re- genwälder und anderer Oekosysteme von globaler Bedeu- tung unternehmen; 4. die Förderung eines gerechten Handels in der Privatwirt- schaft. Die Bereicherung der Schweiz am Elend der anderen muss verhindert werden. Der Bund soll sich einsetzen für an- gemessene Weltmarktpreise, die eine faire Entlöhnung der Ar- beitnehmerinnen und Arbeitnehmerund eine umweltgerechte Gewinnung von Rohstoffen ermöglichen. Staatliche und sub- ventionierte Projekte müssen einer Entwicklungsverträglich- keitsprüfung unterzogen werden. Diese orientiert sich an den genannten Forderungen und will die Ermöglichung der Grundbedürfnisse (Nahrung, Gesundheit, Bildung); 5. die Erhöhung des Beitrages für die staatliche Entwicklungs- zusammenarbeit auf über 1 Prozent des schweizerischen Bruttosozialproduktes, so dass die Schweiz unter den westli- chen Industriestaaten einen Spitzenplatz einnimmt; 6. eine Konferenz aller europäischen Länder in der Schweiz einzuberufen, an der die Kontingentierung von Flüchtlingen in Europa und das Rückschiebungsverbot diskutiert werden sol- len, sowie die soziale und ökonomische Hilfe an die Länder zu verstärken, aus denen die Flüchtlinge kommen; 7. die Schweiz soll eine Politik betreiben, die das Entstehen von grossen Flüchtlingsströmen verhindert: a) In mehreren Staaten der Dritten Welt soll die Schweiz Aus- bildungsprogramme in umweltverträglicher und kulturell an- gepasster Form eröffnen. b) Die Schweizer Entwicklungshilfe soll Kleinhandwerk und Keinprojekte fördern. c) Die Schweiz soll im Rahmen des Gatt den Binnenmarkt in der Dritten Welt fördern. d) Die zur Verfügung stehenden Geldströme sollen projektbe- zogen sein und nicht in die Rüstung fliessen. e) Die gegenwärtigen Verfahren sollen administrativ beschleu- nigt werden und eine ernsthafte Unterscheidung von politi- schen Flüchtlingen und Wirtschaftsflüchtlingen gewährlei- sten; 8. einen wesentlichen Beitrag zum globalen Frieden. Damit meinen wir zum Beispiel ein generelles Waffenausfuhrverbot und einen massiven Abbau der Militärausgaben zugunsten völkerverbindender Aktivitäten und der internationalen Frie- densforschung; 9. der Bund soll vermehrt über seine Entwicklungspolitik und -projekte informieren. Wir sind nicht einverstanden mit der bisherigen Aussenpolitik von Bundesrat und Parlament. Darum gehen unsere Forde- rungen weiter, und wir erwarten, dass die Schweiz eine Vorrei- terrolle einnimmt, schnell reagiert und handelt. Wir fordern den Mut, offen Stellung zu nehmen und Gegenmassnahmen zu ergreifen, wenn offensichtliche Unsauberkeiten und Unge- rechtigkeiten herrschen.» Abstimmung - Vote Für Annahme des Petitionsentwurfes Dagegen (BeHall) 158 Stimmen 28 Stimmen #ST# Thema 3-Sujet 3 Zivildienst - Service civil Petitionsentwürfe Mehrheit Titel Petition «Zivildienst als Alternative zum Militärdienst» Wortlaut Wir, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Jugendses- sion 1991 sowie die Unterzeichneten, gelangen mit folgender Eingabe an die eidgenössischen Räte: Wir bitten Sie, sehr geehrte Damen und Herren, folgende Be- gehren wohlwollend zu prüfen: Wir wünschen: 1. die freie Wahl zwischen einem Zivildienst und einem Militär- dienst für Männer und Frauen. 2. Alle Schweizerinnen und Schweizer müssen entweder ei- nen Zivildienst oder einen Militärdienst leisten. Es muss aber Rücksicht auf die erziehende Person genommen werden. 3. Der Zivildienst darf nicht im Rahmen eines Strafverfahrens oder nach einer Gewissensprüfung angeordnet werden. 4. Der zivile Dienst und der militärische Dienst haben die glei- che Dauer. 5. Die Verwaltungsbehörde des Zivildienstes wird nicht dem Militärdepartement EMD unterstellt. Dies, um den Dienst an der Zivilbevölkerung und die Trennung zum Militärdienst her- vorzuheben. 6. Die Arbeiten innerhalb des zivilen Dienstes sind aus- schliesslich für soziale, ökologische, friedenspolitische Zwecke und Entwicklungszusammenarbeit bestimmt. 7. Bis zur Einführung eines Zivildienstes werden sämtliche Mili- tärdienstverweigerer sofort amnestiert und leisten nach Ein- führung Zivildienst unter Abzug der verbüssten Straftage. 8. In der Expertenkommission müssen mindestens 25 Pro- zent der Mitglieder Jugendliche unter 25 Jahren sein. 9. Um dem Zivildienst eine friedenspolitische Komponente zu geben, müsste das Armeebudget im Verhältnis der Militär- dienst- und Zivildienstleistenden auf die jeweiligen Bereiche aufgeteilt werden (je mehr Zivildienstleistende, desto weniger Militärausgaben). Mit dieser Petition möchten wir zum Ausdruck bringen, dass für unsere Identität als Schweizerinnen und Schweizer eine Einführung eines echten Zivildienstes sehr wichtig ist. Minderheit l Titel Petition «Zivildienst» Wortlaut 1. Es besteht eine allgemeine Dienstpflicht für Männer und auf freiwilliger Basis für Frauen. Die Dienstpflicht sieht einen militä- rischen Wehrdienst oder einen Zivildienst vor, wobei die militä- rischen Bestände gesichert sein müssen. 2. Die Dauer des Zivildienstes übertrifft die gesamte Zeit des Militärdienstes um einen Drittel. 3. Es besteht eine freie Wahlmöglichkeit zwischen Zivil- und Militärdienst. 4. Die Verwaltungsbehörde des Zivildienstes sollte nicht dem Militärdepartement EMD, sondern dem Departement des In- nern EDI unterstellt werden. 5. Der Zivildienst sieht folgende Einsatzmöglichkeiten vor: - Katastrophenhilfe - Dienste im Sozialwesen und im Umweltschutz - Kulturgüterschutz Minderheit II Titel Petition «Zivildienst»25. September 1991 77 Jugendsession Wortlaut 1. Der Militärdienst ist freiwillig. 2. Das EMD (Eidgenössisches Militärdepartement) wird zum EDG (Eidgenössisches Departement für den Gemeinschafts- dienst). 3. Dieser Gemeinschaftsdienst ist für die Männer obligatorisch und für die Frauen freiwillig, solange die Gleichberechtigung noch nicht verwirklicht ist. Es besteht die Möglichkeit, eine Er- satzabgabe proportional zum Einkommen zu leisten. 4. Dieses Departement besteht aus mehreren Abteilungen; die einzelnen können zwischen folgenden Möglichkeiten frei wählen: Umwelt, Soziales, Katastrophenhilfe, weltweite Frie- denspolitik und kleine Landesverteidigung. 5. Jede Abteilung beschäftigt sich mit der Abwehr jeglicher Be- drängung. 6. Die verschiedenen Abteilungen sind gleichwertig. 7. Wir müssen uns bemühen, die nationale Verteidigung un- nötig werden zu lassen. Projets de pétition Majorité Titre Pétition «Libre choix entre le service militaire et le service civil» Texte Nous, participant(e)s à la session des jeunes de 1991 et signa- taires, présentons la pétition suivante aux Chambres fédéra- les: Nous vous prions, Mesdames et Messieurs, d'examiner avec bienveillance la requête suivante. Nous souhaitons: 1. le libre choix entre un service civil et un 'service militaire pour les hommes et les femmes; 2. que toutes les Suissesses et tous les Suisses soient astreints à un service civil ou militaire. Il faut toutefois tenir compte de la personne chargée d'élever les enfants; 3. que le service civil ne soit pas imposé dans le cadre d'une poursuite pénale ou à la suite d'un examen de conscience; 4. une durée égale pour le service militaire et le service civil; 5. que les autorités administratives du service civil ne soient pas soumises au Département militaire fédéral (DMF), car il s'agit d'un service rendu à la population civile et il convient de montrer qu'il se distingue du service militaire; 6. que les travaux effectués dans le cadre du service civil soient uniquement réservés à des fins sociales, écologiques et pacifiques ainsi qu'à la coopération au développement; 7. jusqu'à la mise en vigueur d'un service civil, que tous les ob- jecteurs de conscience soient immédiatement amnistiés et puissent s'acquitter du service civil sous déduction des jours de pénalité déjà accomplis; 8. que la commission d'experts comprenne au minimum 25 pour cent de membres âgés de moins de 25 ans; 9. que le service civil soit marqué d'une composante pacifi- que. Il faudrait ainsi que le budget de l'armée soit réparti en proportion du nombre de personnes qui accomplissent res- pectivement le service civil ou le service militaire (plus nom- breux seront ceux qui accomplissent leur service civil, moins importantes seront les dépenses militaires). Nous aimerions montrer par cette pétition que l'introduction d'un véritable service civil est très importante pour notre iden- tité de Suissesses et de Suisses. Minorité I Titre Pétition «Service civil» Texte 1. Il existe une obligation de servir universelle pour les hom- mes et volontaire pour les femmes. L'obligation de servir pré- voit un service militaire ou un service civil, en tenant compte que les effectifs militaires doivent être garantis. 2. La durée du service civil dépasse d'un tiers la durée totale du service militaire. 3. Le libre choix entre un service civil ou militaire existe. 4. Les autorités administratives du service civil ne devraient pas dépendre du Département fédéral militaire (DMF), mais devraient être subordonnées au Département fédéral de l'inté- rieur (DFI). 5. Le service civil prévoit les possibilités d'opérations suivan- tes: - aide en cas de catastrophes; - activités dans le domaine social et protection de l'environne- ment; - protection des biens culturels. Minorité II Titre Pétition «Service civil» Texte 1. Le service militaire est volontaire. 2. Le DMF (Département militaire fédéral) devient le DFS (Dé- partement fédéral du service à la communauté). 3. Ce service à la communauté est obligatoire pour les hom- mes et volontaire pour les femmes, tant que l'égalité des sexes n'est pas effective. Il y a la possibilité de payer une taxe de rem- placement proportionnelle à son revenu. 4. Ce département se compose de plusieurs secteurs; les indi- vidus peuvent choisir librement: environnement, social, aide en cas de catastrophes, politique globale de paix et défense nationale légère. 5. Chaque secteur s'occupe de parer à toutes les sortes de menaces. 6. Les différents secteurs sont équivalents. 7. Nous devons nous efforcer de rendre la défense nationale inutile avec le temps. Progetti di petizione Maggioranza Tìtolo Petizione «Per un servizio civile quale alternativa al servizio mi- litare» Testo Le partecipanti e i partecipanti alla sessione dei giovani 1991 nonché i firmatari rivolgono alle Camere federali le seguenti ri- chieste: Onorevoli Signore e Signori, vi preghiamo di esaminare bene- volmente le seguenti richieste: Desideriamo: 1. la libera scelta tra un servizio civile e un servizio militare per uomini e donne; 2. tutte le svizzere e tutti gli svizzeri sono obbligati ad assolvere il servizio civile o militare. Bisogna tenere conto della persona incaricata dell'educazione dei bambini; 3. il servizio civile non deve essere imposto in caso di azione penale o dopo un esame di coscienza; 4. un'identica durata del servizio civile e di quello militare; 5. le autorità amministrative del servizio civile non sottostanno al Dipartimento militare federale (DMF) al fine di accentuare la differenza tra servizio alla popolazione civile e servizio militare; 6. i lavori nel contesto del servizio civile sono svolti esclusiva- mente a favore della collettività e della pace come pure della cooperazione allo sviluppo; 7. fino all'introduzione del servizio civile tutti gli obiettori di co- scienza devono essere immediatamente amnistati. Dopo l'in- troduzione gli obiettori devono prestare il servizio civile. I giorni già scontati verranno dedotti; 8. la commissione degli esperti deve essere composta da al- meno il 25 per cento di giovani sotto i 25 anni; 9. per dare al servizio civile una componente pacifista il pre- ventivo militare deve essere proporzionato al numero di per- sone che presta rispettivamente il servizio civile o il servizio mi- litare. Se il numero di coloro che assolvono il servizio civile è maggiore di quello del servizio militare, le spese militari dimi- nuiranno. Con la presente petizione desideriamo mettere l'accento sul fatto che l'introduzione di un vero servizio civile è importantis- simo per la nostra identità di Svizzere e Svizzeri.Session des jeunes 78 25 septembre 1991 Minoranza I Titolo Petizione «Servizio civile» Testo 1. Per gli uomini esiste l'obbligo universale di servire mentre le donne possono scegliere. L'obbligo di servire prevede un ser- vizio militare o un servizio civile; gli effettivi militari devono es- sere garantiti. 2. La durata del servizio civile supera di un terzo la durata to- tale del servizio militare. 3. Si può liberamente scegliere tra il servizio civile e militare. 4. Le autorità amministrative del servizio civile non devono di- pendere dal Dipartimento federale militare (DMF) bensì dal Di- partimento federale dell'interno (DFI). 5. Il servizio civile prevede le seguenti possibilità di opera- zione: - aiuto in caso di catastrofe; - attività nel campo sociale e della protezione dell'ambiente; - protezione dei beni culturali. Minoranza Jl Titolo Petizione «Servizio civile» Testo 1. Il servizio militare è volontario. 2. Il DMF (Dipartimento militare federale) diventa il DFS (Dipar- timento federale al servizio della popolazione civile). 3. Questo servizio alla popolazione civile è obbligatorio per gli uomini e volontario per le donne finché l'uguaglianza dei sessi sia effettiva. C'è la possibilità di pagare una tassa di compen- sazione proporzionale al guadagno personale. 4. Questo dipartimento si compone di più settori e i parteci- panti possono scegliere liberamente tra: ambiente, campo so- ciale, aiuto in caso di catastrofe, politica globale di pace e di- fesa nazionale leggera. 5. Ogni settore si occupa delle diverse minacce che ci circon- dano. 6.1 diversi settori sono equivalenti. 7. Col tempo dobbiamo sforzarci di rendere la difesa nazio- nale inutile. Scuola Teatro Dimitri Präsidentin: Ich danke der Dimitri-Schule herzlich für ihre Darbietungen. (Beifall) Die Diskussion über den Zivildienst ist ziemlich ausführlich: Wir haben drei Petitionen, eine Mehrheitspetition und zwei Minderheitspetitionen. Die Diskussion über den Zivildienst ist auch sehr aktuell. Wir diskutieren hier über den Zivildienst, nicht über die Abschaffung der Armee, obwohl vielleicht eine Mehrheit der hier Anwesenden auch über die Abschaffung der Armee diskutieren wollte. Ich nehme an, dass das auch daran liegt, dass wir im Nationalratssaal tagen und nicht irgendwo und dass wir uns an die Themen zu halten haben, die auch durch die politische Diskussion vorgegeben werden. Ich bitte Simon Ackermann und Gisela Pfranger, die Mehr- heitspetition vorzustellen. Gisela Pfranger, Berichterstatterin: Zuerst möchte ich eine Korrektur durchgeben, und zwar ist der Titel falsch. Es ist eine Petition zum Zivildienst als Alternative zum Militärdienst. In unserer Arbeitsgruppe ging es darum, dass man die Militär- dienstverweigerer entkriminalisiert. Der Zivildienst soll dem Militärdienst gleichgestellt werden. Der Zivildienst sollte nicht als Strafe angesehen werden, sondern als eine Alternative. Wir wünschen die freie Wahl zwischen einem Zivildienst und ei- nem Militärdienst für Frauen und Männer. Simon Ackermann, Berichterstatter: Ich habe einen weiteren Fehler bekanntzugeben. Es sollte heissen: «Alle Schweizerin- nen und Schweizer müssen entweder einen Zivildienst oder ei- nen Militärdienst leisten» und nicht «müssen Zivildienst lei- sten». Ich wiederhole noch einmal: Alle Schweizerinnen und Schweizer müssen also einen Gemeinschaftsdienst leisten. Es muss aber Rücksicht auf die erziehende Person genom- men werden. Das heisst: Wenn jemand Verpflichtungen als er- ziehende Person hat, egal ob Mann oder Frau, egal ob Vater oder Mutter, wird der Dienst verschoben. Es muss also auf die familiäre Situation Rücksicht genommen werden. Gisela Pfranger, Berichterstatterin: Der Zivildienst darf nicht im Rahmen eines Strafverfahrens oder nach einer Gewissens- prüfung angeordnet werden. Es soll eine freie Wahl sein. Simon Ackermann, Berichterstatter: Wir wünschen für den zi- vilen wie für den militärischen Dienst die gleiche Dauer. Die Wahl des Zivildienstes darf nicht mit einer längeren Dienst- dauer bestraft werden. Es handelt sich hier um die Wahl zwi- schen zwei Möglichkeiten, und diese Wahl darf nicht von vorn- herein durch eine Strafandrohung manipuliert werden. Gisela Pfranger, Berichterstatterin: Die Verwaltungsbehörde des Zivildienstes soll nicht dem EMD unterstellt werden; dies, um den Dienst an der Zivilbevölkerung und die Trennung zum Militärdienst hervorzuheben. Welches Departement die Ver- waltung übernimmt, steht frei. Jedoch soll das EMD keine Be- stimmungskraft haben. Simon Ackermann, Berichterstatter: Die Arbeiten innerhalb des Zivildienstes sind ausschliesslich für soziale, ökologische, friedenspolitische Zwecke und Entwicklungszusammenarbeit bestimmt. Jeder Schweizer und jede Schweizerin soll einen solidarischen Beitrag leisten, der es jedem und jeder ermög- licht, mit sozial Schwächeren in Kontakt zu kommen und sich aktiv für eine solidarischere Welt einzusetzen. Wir sehen als Beispiele für mögliche Einsätze im Inland Spitaldienst, Berg- hilfe, Altersbetreuung, Betreuung von sogenannten Rand- gruppen - Drogen und Alkohol -, Kinderhütedienst für allein- erziehende Männer und Frauen, ökologische Einsätze usw. Im Ausland gibt es folgende Möglichkeiten: Arbeitseinsätze in Drittweltländern, zum Beispiel koordiniert durch Hilfswerke, Unterstützung von Menschen in Krisenregionen, Flüchtlinge und ökologische Einsätze. Es gibt natürlich noch vieles mehr. Gisela Pfranger, Berichterstatterin: Wir wünschen, dass bis zur Einführung eines Zivildienstes sämtliche Militärdienstver- weigerer sofort amnestiert werden und nach dessen Einfüh- rung unter Abzug der verbüssten Straftage Zivildienst leisten. Das heisst nicht, dass Militärdienstverweigerer keinen Dienst leisten müssen; siesollen ihn nachholen. Es geht darum, dass sie nicht wie Schwerverbrecher behandelt werden. Simon Ackermann, Berichterstatter: Inderausserparlamenta- rischen Expertenkommission müssen mindestens 25 Prozent der Mitglieder Jugendliche unter 25 Jahren sein. Diese Zahl, 25 Prozent, soll demonstrieren, dass wir viel an Mitbestim- mungsrecht wünschen. Wir sind hier direkt betroffen und wol- len somit die Möglichkeit erhalten, direkt in die Formierung des Zivildieristes einzugreifen. Gisela Pfranger, Berichterstatterin: Um dem Zivildienst eine friedenspolitische Komponente zu geben, müsste das Armee- budget im Verhältnis der Militärdienst- und der Zivildienstlei- stenden auf die jeweiligen Bereiche aufgeteilt werden. Das heisst, dass man auch Geld für den zivilen Dienst und nicht nur für das EMD einsetzen soll. (Beifall) Präsidentin: Ich schlage vor, die beiden Minderheitsanträge vorzustellen. Am Schluss dieser Vorstellungen stimmen wir ab, an welchem der drei vorliegenden Petitionstexte wir in Form von Diskussion und Abänderungsanträgen weiterarbei- ten wollen.25. September 1991 79 Jugendsession Daniela Nater, Sprecherin der Minderheit l: Die Kommission geht mit ihrer Petition in wesentlichen Punkten zu weit; darum haben wir einen Minderheitsantrag ausgearbeitet. Ich lese ihn vor: «1. Es besteht eine allgemeine Dienstpflicht für Männer und auf freiwilliger Basis für Frauen. Die Dienstpflicht sieht einen militärischen Wehrdienst oder einen Zivildienst vor, wobei die militärischen Bestände gesichert sein müssen. 2. Die Dauer des Zivildienstes übertrifft die gesamte Zeit des Militärdienstes um einen Drittel. 3. Es besteht eine freie Wahlmöglichkeit zwischen Zivil- und Militärdienst. 4. Die Verwaltungsbehörde des Zivildienstes sollte nicht dem Militärdepartement (EMD), sondern dem Departement des In- nern (EDI) unterstellt werden. 5. Der Zivildienst sieht folgende Einsatzmöglichkeiten vor: Ka- tastrophenhilfe; Dienste im Sozialwesen und im Umwelt- schutz; Kulturgüterschutz.» Der Minderheitsantrag fordert klar die Dienstpflicht für Männer und auf freiwilliger Basis für Frauen, wie das auf breiter Ebene beim Volk abgestützt ist. Damit die Armeebestände gesichert sind, hat der Zivildienst eine um einen Drittel verlängerte Dauer des Militärdienstes. Eine Schwächung der Armee würde eine Verschiebung und eine Schwächung unserer Sicherheitspolitik bewirken, was ei- nerstillen Abschaffung der Armee gleichkäme. (Teilweiser Bei- fall) Karin Gilgen, Sprecherin der Minderheit II: Ganz am Anfang möchte ich auf folgendes aufmerksam machen: Ihr habt ein grünes Blatt ausgeteilt bekommen, welches aber die falsche Fassung ist. Unsere erste Fassung war richtig, es fehlte dort aber etwas im deutschen Text; die Revision auf dem grünen Blatt entspricht jedoch nicht.mehr unserer ursprünglichen Fassung. Wir wollen aber unsere ursprüngliche Fassung bei- behalten; ich lese sie Euch deshalb vor: «Der Militärdienst wird freiwillig. Das EMD wird aufgelöst, und seine Aufgaben werden einem neu zu schaffenden Departement für Gemeinschaftsdienste untergeordnet. Ein Gemeinschaftsdienst wird eingeführt, der für alle Bürger obligatorisch ist. Für die Bürgerinnen ist er freiwillig, da die Gleichberechtigung noch nicht absolut existiert. Es besteht die Möglichkeit, eine Ersatzabgabe proportional zum Einkom- men zu leisten. Dieses Departement für Gemeinschaftsdienst ist in Untergrup- pen aufgeteilt, aus denen der Dienstpflichtige wählen kann. Zum Beispiel: Umwelt, Soziales, Katastrophenhilfe, Friedens- erhaltung, Nationalgarde. Alle Untergruppen haben die Aufgabe, jede Art von Bedro- hung (Ausland, Inland usw.) zu vermindern. Alle Untergruppen sind absolut gleichwertig. Es muss unser Bestreben sein, dass die verbleibende Natio- nalgarde längerfristig ihre Existenzberechtigung verliert.» Wir finden den heutigen Zustand schlicht unzumutbar. Oder traut Ihr dem Staat zu, ein Gewissen zu prüfen? Es ist höchste Zeit, eine echte Alternative zu finden, wie wir das mit unserem vorgestellten Gemeinschaftsdienst versucht haben. Wir sind davon überzeugt, dass es im zivilen Sektor unzählige Heraus- forderungen auszuschöpfen gibt und damit Probleme gelöst werden können, die mit einer Armee unlösbar sind. Die wirk- lich grossen Probleme, die uns in Zukunft beschäftigen wer- den, können nur global gelöst werden. Ein Ozonloch bei- spielsweise kann trotz modernster Technik nicht mit Panzern gestopft werden. Auch das Problem der Migrationsströme kann mit der Armee an der Grenze nicht gelöst, höchstens auf- geschoben werden. Zudem werden Ressourcen und Geld verschleudert, die zum Aufbau des Sozialwesens, in der Bil- dung, in der Oekologisierung der Gesellschaft und in vielen anderen Bereichen bessere Verwendung fänden. Seien wir mutiger als das Parlament und unterstützen wir diese Petition, welche die Zukunft von uns allen betrifft! (Bei- fall) Präsidentin: Wir stimmen jetzt darüber ab, auf welcher Basis wir weiterdiskutieren wollen, und stellen zu diesem Zweck die verschiedenen Petitionsvorschläge einander gegenüber. Abstimmung - Vote Eventuell-A titre préliminaire Fürden Antrag der Minderheit II 97 Stimmen Für den Antrag der Minderheit l 84 Stimmen (Grosser Beifall) Definitiv - Définitivement Für den Antrag der Mehrheit 147 Stimmen Für den Antrag der Minderheit II 37 Stimmen (Beifall) Präsidentin: In den Arbeitsgruppen wurde heute morgen nicht nur diskutiert: Es wurde auch gemalt - die Plakate befin- den sich im Eingang -, und einige Leute aus der Arbeits- gruppe «Zivildienst» haben ein kleines Theaterstück kreiert, das ihre Sicht der heutigen Situation darstellt. Spontantheater «Zivildienst» Théâtre spontané «Service civil» Präsidentin: Die Diskussion über die Mehrheitspetition ist er- öffnet. Damian Käser: Bevor wir über die Zivildienstpetition diskutie- ren, möchten wir - trotz Deiner Ermahnung, Sonja - etwas in Erinnerung rufen - wir, das sind einige aus der Gruppe «Zivil- dienst»-: Vor knapp zwei Jahren war eine Mehrheit der jungen Men- schen in der Schweiz für die Abschaffung der Schweizer Ar- mee. Wenn wir jetzt über den Zivildienst diskutieren, dann kann das nur ein - allerdings sehr wichtiges - realpolitisches Zwischen- ziel sein. Hauptziel muss es sein - wenn wir Junge uns ernst nehmen wollen -, die Armee abzuschaffen. Wer dieses Anliegen unter- stützt, soll dies durch Aufstehen und mit lautem Applaus kund- tun. (Ein Teil der Anwesenden erhebt sich; Beifall) Felix Schmidt: Ich stelle mit Erstaunen fest, wie aus dem Thema Zivildienst, das uns angekündigt wurde, das Thema Ar- meeabschaffung wird. (TeilweiserBeifall) Ich habe bis jetzt immer gemeint, dass man im Nationalrats- saal zu den Themen diskutiere, die am Anfang angekündigt werden, und stelle nun fest, dass hier Petitionen angenommen werden, die nicht mehr viel mit dem Thema zu tun haben. Ich möchte daher folgende Abänderungen der Mehrheitspeti- tion beantragen: «Wirwünschen: 1. die freie Wahl zwischen einem Zivildienst und einem Militär- dienst für Männer und Frauen, wobei die Bestände der Armee gesichert sein müssen.» 2. Keine Aenderung. 3. Keine Aenderung. 4. «Der Zivildienst dauert ein Drittel länger als der Militär- dienst.» Damit bekunden diejenigen, die Zivildienst leisten wollen, ihren echten Willen, das zu unterstützen. 5. Keine Aenderung. 6. Keine Aenderung. 7. Dieser Punkt wird gestrichen. 8. Keine Aenderung.Session des jeunes 80 25 septembre 1991 9. «Die Festsetzung des Budgets für Militär- und Zivildienst wird wie bisher von der Vereinigten Bundesversammlung fest- gelegt.» (Teilweiser Beifall) Präsidentin: Wir stimmen direkt ab. Es sind vier Punkte, die geändert werden sollen: Es wird eine Bestandessicherung der Armeebestände aufgenommen. Es wird der Tatbeweis aufge- nommen, also Zivildienst ein Drittel länger. Die Idee der Amne- stie bis zur Einführung des Zivildienstes wird gestrichen. Die Festsetzung des Budgets erfolgt wie bisher. Abstimmung - Vote Für den Antrag Schmid Dagegen Minderheit Mehrheit Daniel Eberli: Ich finde es richtig, dass ein Mensch, der aus ethischen oder sonstigen Gründen den Kriegsdienst verwei- gert, einen anderen Gesellschaftsdienst leisten kann, wie es in dieser Petition vorgeschlagen wird. Ich bin der Meinung, dass der Gesellschaftsdienst für Mann und Frau obligatorisch sein sollte, wie es auch in der Petition steht. Ich möchte noch einmal betonen: erstens, um die Gleich- berechtigung zu fördern, und zweitens ist der Gesellschafts- dienst nicht nur ein Dienst an anderen, sondern man erfährt auch selbst etwas. Es ist ein Gruppenerlebnis, miteinander et- was anzupacken und miteinander etwas fertigzustellen. Ich finde es schade, dass das EMD noch nicht verstanden hat, dass die Armee ohne unwillige Soldaten besser funktionieren würde. Heutzutage macht man keinen Soldaten mehr willig. Man erzieht ihn nicht mehr zum knallharten Soldaten. Solche Leute sind eindeutig störende Faktoren in unserer Armee. Ich bin der Meinung, eine kleinere, aber effizientere Armee würde viel mehr bringen. (TeilweiserBeifall) Tiziano Balmelli: Vengo dal Ticino. Parlerò in italiano perché mi sembra giusto ricordare che in Svizzera ci sono diverse centinaia di migliaia di persone che parlano questa lingua. (Applauso) On ne doit pas oublier qu'en Suisse il y a aussi des gens qui parlent l'italien. Man sollte nicht vergessen, dass es selbst in der Schweiz Leute gibt, die italienisch sprechen. Voglio esprimere il mio completo sostegno a questa petizione che è stata adottata dalla maggioranza, perché credo che rap- presenti una soluzione concreta, seria e realizzabile per met- tere finalmente fine ad una situazione vergognosa - in Sviz- zera gli obiettori di coscienza vengono messi in prigione. Trovo che questo sia scandoloso e contro i più elementari di- ritti dell'uomo. (Applauso parziale) Concludo dicendo che gli obiettori di coscienza non sono sol- tanto l'utopia di domani, ma sono soprattutto la ragione e il co- raggio di oggi. (Applausoparziale) Fanni Fetzer: Solange die Männer in Wirtschaft, Politik, Wis- senschaft und Kultur und meistens auch noch zu Hause domi- nieren, bin ich als Frau nicht bereit, den gleichen Dienst zu lei- sten wie die Männer. Ich bin sehr wohl bereit, in einer anderen Gesellschaft einen sinnvollen Zivildienst zu leisten. Deshalb beantrage ich eine Aenderung des zweiten Punktes oder zumindest des ersten Satzes davon. Er soll ersetzt wer- den durch den ersten Satz des dritten Punktes bei der Petition der Minderheit II. (Beifall) Präsidentin: Habe ich Dich richtig verstanden: Du möchtest also das Obligatorium nur für die Männer haben, und für die Frauen soll es freiwillig sein? Fanni Fetzer: Ja, bis sich in unserer Gesellschaft etwas geän- dert hat. Abstimmung - Vote Für den Antrag Fetzer Dagegen 110 Stimmen 81 Stimmen Präsidentin: Die Petition wird insofern abgeändert, dass die Zivildienstpflicht nur für Männer gilt und die Frauen freiwillig Zi- vildienst leisten könnten. Beatrice Fischer: Ich möchte zu der vorhergehenden Abstim- mung nur soviel sagen: Ich finde es schade, dass wir jetzt noch Gesetze aufstellen wollen, die die Frauen nicht gleich be- handeln wie die Männer. (Beifall) Ich stehe voll hinter der Petition zum Zivildienst als Alternative zum Militärdienst. Ich habe noch folgende Ergänzung: Das Gebiet, in welchem der Schweizer oder die Schweizerin sei- nen bzw. ihren Zivildienst leisten soll, soll frei wählbar sein. Das heisst: Ich bin dafür, dass man wählen kann, in welcher Richtung man den Zivildienst leisten soll, ob in Richtung Sozi- aldienst (Spitalpflege, Altersheim usw.) oder in Richtung Ent- wicklungshilfe usw. (Teilweiser Beifall) Abstimmung - Vote Für den Antrag Fischer Dagegen Mehrheit Minderheit Präsidentin: Der Antrag ist klar angenommen. Ich schlage vor, die Debatte hier zu schliessen, weil wir sonst in Zeitnot geraten. Ich unterbreite die Petition zur Abstimmung. Dominik liest kurz vor, wie jetzt die Petition lautet, damit es al- len klar ist. Dominik Buche), Sekretär: «Wir wünschen: 1. die freie Wahl zwischen einem Zivildienst und einem Militär- dienstfür Männer und Frauen. 2. Dieser Gemeinschaftsdienst ist für die Männer obligatorisch und für die Frauen freiwillig, solange die Gleichberechtigung noch nicht verwirklicht ist. 3. Der Zivildienst darf nicht im Rahmen eines Strafverfahrens oder nach einer Gewissensprüfung angeordnet werden. 4. Der zivile Dienst und der militärische Dienst haben die glei- che Dauer. 5. Die Verwaltungsbehörde des Zivildienstes wird nicht dem Militärdepartement EMD unterstellt. Dies, um den Dienst an der Zivilbevölkerung und die Trennung zum Militärdienst her- vorzuheben. 6. Die Arbeiten innerhalb des zivilen Dienstes sind aus- schliesslich für soziale, ökologische, friedenspolitische Zwecke und Entwicklungszusammenarbeit bestimmt. 7. Das Gebiet des Zivildienstes ist frei wählbar. 8. Bis zur Einführung eines Zivildienstes werden sämtliche Mi- litärdienstverweigerer sofort amnestiert und leisten nach Ein- führung Zivildienst unter Abzug der verbüssten Straftage. 9. In der Expertenkommission müssen mindestens 25 Pro- zent der Mitglieder Jugendliche unter 25 Jahren sein. 10. Um dem Zivildienst eine friedenspolitische Komponente zu geben, müsste das Armeebudget im Verhältnis der Militär- dienst- und Zivildienstleistenden auf die jeweiligen Bereiche aufgeteilt werden (je mehr Zivildienstleistende, desto weniger Militärausgaben).» Abstimmung - Vote Für Annahme des Petitionsentwurfes Dagegen (Grosser Beifall) 166 Stimmen 42 Stimmen Präsidentin: Ich weiss nicht, ob alle den Elan haben, bis um 17.45 Uhr- so lange dauert die Sitzung nämlich noch - durch- zuhalten, oder ob wir hier eine Pause einlegen sollen. Wir ent- scheiden auf sehr demokratische Art und Weise: Wer für die Pause ist, soll es mit Klatschen bezeugen, wer gegen die Pause ist, ebenfalls. Abstimmung - Vote Für die Pause Dagegen Minderheit Mehrheit Präsidentin: Das Resultat ist klar - Ihr wollt möglichst viel dis- kutieren.Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Thema 3 - Zivildienst Sujet 3 - Service civil In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1991 Année Anno Band - Volume Volume Session Jugendsession Session Session des jeunes Sessione Sessione dei giovani Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 01 Séance Seduta Geschäftsnummer --- Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 25.09.1991 - 14:00 Date Data Seite 76-80 Page Pagina Ref. No 20 019 578 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. 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