<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">361</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Gesundheitsrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>78</b></span> <span class="ft3"><b>Apotheken-Notfalldienst (§ 38 Abs. 2 und 3 GesG)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Über die Pflicht zur Leistung von Notfalldienst beziehungsweise zur Leis-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>tung der Ersatzabgabe haben die Berufsverbände durch Verfügung zu</b></span><br/> <span class="ft3"><b>entscheiden. Massgebend für die Einteilung der Notfalldienstkreise sind</b></span><br/> <span class="ft3"><b>objektive, insbesondere geographische Gesichtspunkte, nicht subjektive</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Wünsche der Dienstpflichtigen. Diese haben keinen Anspruch darauf, die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>bisherige Form der Ausübung fortsetzen zu können.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Regierungsrats, vom 9. März 2017, i.S. Apotheke</span><br/> <span class="ft4">A. gegen Aargauischen Apothekerverband (RRB 2017-000209).</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft6">1.1</span><br/> <span class="ft6">Gemäss § 38 Abs. 2 des Gesundheitsgesetzes (GesG) vom</span><br/> <span class="ft6">20. Januar 2009 erfolgt die Organisation des ambulanten Notfall-</span><br/> <span class="ft6">diensts der verschiedenen Berufssparten des Gesundheitswesens</span><br/> <span class="ft6">durch die betreffenden Berufsverbände. Die pflichtigen Personen ha-</span><br/> <span class="ft6">ben sich dabei gemäss den vom jeweiligen Berufsverband in ihrer</span><br/> <span class="ft6">Dienstregion beschlossenen Modalitäten zu beteiligen. Die Berufs-</span><br/> <span class="ft6">verbände können bei Vorliegen wichtiger Gründe Personen vom am-</span><br/> <span class="ft6">bulanten Notfalldienst befreien und von diesen eine zweckgebundene</span><br/> <span class="ft6">Entschädigung erheben.</span><br/> <span class="ft6">Diese Umschreibung der Befugnisse der Berufsverbände deutet</span><br/> <span class="ft6">darauf hin, dass ihnen die Kompetenz zukommt, über die Leistung</span><br/> <span class="ft6">von Notfalldienst durch die Angehörigen der eigenen Branche durch</span><br/> <span class="ft6">Verfügung zu entscheiden. Dem scheint jedoch Absatz 3 derselben</span><br/> <span class="ft6">Bestimmung entgegenzustehen, wonach die zuständige Behörde bei</span><br/> <span class="ft6">Streitigkeiten zwischen dem Berufsverband und der notfalldienst-</span><br/> <span class="ft6">pflichtigen Person entscheidet. Gemäss den Ausführungen in der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">362</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Botschaft des Regierungsrats an den Grossen Rat zur Totalrevision</span><br/> <span class="ft6">des Gesundheitsgesetzes vom 21. Mai 2008 zum gleichlautenden</span><br/> <span class="ft6">§ 39 des Entwurfs sollte der Kanton nur tätig werden, wenn zwischen</span><br/> <span class="ft6">dem Berufsverband und der notfalldienstpflichtigen Person Differen-</span><br/> <span class="ft6">zen entstehen ([08.141] Botschaft, 1. Beratung, Seite 72). Auch diese</span><br/> <span class="ft6">Formulierung liess nicht darauf schliessen, dass den Verbänden die</span><br/> <span class="ft6">Kompetenz zum Erlass von Verfügungen zukommen soll. Anlässlich</span><br/> <span class="ft6">der Teilrevision des Gesundheitsgesetzes von 2015 wurde § 38</span><br/> <span class="ft6">Abs. 3 GesG zwar nicht geändert. Die Ausgestaltung der Notfall-</span><br/> <span class="ft6">dienstpflicht bildete jedoch einen zentralen Gegenstand der Revision.</span><br/> <span class="ft6">Die Medizinalpersonen sollten verpflichtet werden, ihre Pflicht nicht</span><br/> <span class="ft6">unkoordiniert auf eigene Faust zu erfüllen, sondern gemeinsam</span><br/> <span class="ft6">koordiniert mit den anderen Standesangehörigen gemäss den Vorga-</span><br/> <span class="ft6">ben der Berufsverbände. Bei einer Verweigerung der vorgesehenen</span><br/> <span class="ft6">Pflichten durch eine Medizinalperson sollte die den Verbänden neu</span><br/> <span class="ft6">eingeräumte Ermächtigung zur Erhebung einer Ersatzabgabe auch</span><br/> <span class="ft6">eine entsprechende Verfügungskompetenz zur Folge haben, sowohl</span><br/> <span class="ft6">mit Bezug auf die Notfalldienstpflicht selbst als auch betreffend die</span><br/> <span class="ft6">Leistung einer Ersatzabgabe. Der Entscheid des Berufsverbandes</span><br/> <span class="ft6">sollte mit Beschwerde beim Regierungsrat anfechtbar sein ([14.198]</span><br/> <span class="ft6">Botschaft des Regierungsrats an den Grossen Rat zur Änderung des</span><br/> <span class="ft6">Gesundheitsgesetzes vom 15. Oktober 2014, 1. Beratung, Seiten 12</span><br/> <span class="ft6">f.). Die Revisionsvorlage wurde vom Grossen Rat unverändert und</span><br/> <span class="ft6">unbestritten angenommen (Protokoll der Sitzung vom 13. Januar</span><br/> <span class="ft6">2015).</span><br/> <span class="ft6">Diesem erst vor kurzem klar, deutlich und einhellig ausgedrück-</span><br/> <span class="ft6">ten Willen des Gesetzgebers kommt ein hohes Gewicht zu. Aus dem</span><br/> <span class="ft6">Wortlaut von § 38 Abs. 3 GesG kann daher nicht mehr der Schluss</span><br/> <span class="ft6">gezogen werden, die zuständige kantonale Behörde habe erstinstanz-</span><br/> <span class="ft6">lich über die Pflicht zur Leistung von Notfalldienst beziehungsweise</span><br/> <span class="ft6">zur Entrichtung einer Ersatzabgabe zu entscheiden. Vielmehr ist von</span><br/> <span class="ft6">einer Verfügungskompetenz der zuständigen Berufsverbände auszu-</span><br/> <span class="ft6">gehen, und der Beschwerdegegner hat somit befugterweise den Ent-</span><br/> <span class="ft6">scheid vom 29. August 2016 erlassen.</span><br/> <span class="ft6">1.2</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">363</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Im angefochtenen Entscheid wird als Rechtsmittel unter Ver-</span><br/> <span class="ft6">weis auf Art. 14 des Reglements des aargauischen Apotheken-</span><br/> <span class="ft6">Notfalldiensts vom 3. Dezember 2015 (nachfolgend: Reglement) die</span><br/> <span class="ft6">Beschwerde an das Departement Gesundheit und Soziales bezeich-</span><br/> <span class="ft6">net. Gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft6">rechtspflege (Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRPG) vom 4. Dezem-</span><br/> <span class="ft6">ber 2012 beurteilt der Regierungsrat Beschwerden gegen Entscheide</span><br/> <span class="ft6">mit hoheitlichen Befugnissen ausgestatteter Privater, kann diese</span><br/> <span class="ft6">Kompetenz nach Absatz 2 allerdings durch Verordnung delegieren.</span><br/> <span class="ft6">Verfügungen des Beschwerdegegners betreffend den Notfalldienst</span><br/> <span class="ft6">zählen jedoch nicht zu denjenigen Gegenständen, gegen die § 12 der</span><br/> <span class="ft6">Verordnung über die Delegation von Kompetenzen des Regierungs-</span><br/> <span class="ft6">rats (Delegationsverordnung, DelV) vom 10. April 2013 die Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerde an das Departement Gesundheit und Soziales vorsieht. In</span><br/> <span class="ft6">der Botschaft des Regierungsrats an den Grossen Rat zur Revision</span><br/> <span class="ft6">des Gesundheitsgesetzes von 2014 wurde wie bereits erwähnt</span><br/> <span class="ft6">ebenfalls der Regierungsrat als zuständige Behörde bezeichnet.</span><br/> <span class="ft6">Der Aargauische Apothekerverband ist als privatrechtliche</span><br/> <span class="ft6">Organisation nicht befugt, den durch das geltende Recht festgelegten</span><br/> <span class="ft6">Instanzenzug zu verändern, und hat auch durch § 38 Abs. 2 GesG</span><br/> <span class="ft6">keine solche Kompetenz übertragen erhalten. Demnach ist entgegen</span><br/> <span class="ft6">der im angefochtenen Entscheid erteilten Rechtsmittelbelehrung</span><br/> <span class="ft6">nicht das Departement, sondern der Regierungsrat für die Beurtei-</span><br/> <span class="ft6">lung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Nach § 14 Abs. 1 DelV</span><br/> <span class="ft6">obliegt die Instruktion gleichwohl dem Departement Gesundheit und</span><br/> <span class="ft6">Soziales.</span><br/> <span class="ft6">...</span><br/> <span class="ft6">1.4</span><br/> <span class="ft6">Im angefochtenen Entscheid wird der Antrag der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führerin auf Umteilung in den Notfall-Dienstkreis Lenzburg abge-</span><br/> <span class="ft6">wiesen und die Zuteilung in den Notfall-Dienstkreis Baden aufrecht-</span><br/> <span class="ft6">erhalten. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann nur sein, was</span><br/> <span class="ft6">bereits Inhalt des angefochtenen Entscheids war beziehungsweise</span><br/> <span class="ft6">hätte sein müssen. Es können daher in der Beschwerde keine</span><br/> <span class="ft6">Begehren gestellt werden, über die zuvor nicht entschieden wurde</span><br/> <span class="ft6">(M</span><span class="ft4">ICHAEL</span> <span class="ft6">M</span><span class="ft4">ERKER</span><span class="ft6">, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">364</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">fahren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechts-</span><br/> <span class="ft6">pflege, Zürich 1998, § 39 N. 26). Die Rechtslage hat sich durch die</span><br/> <span class="ft6">Totalrevision des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (Ver-</span><br/> <span class="ft6">waltungsrechtspflegegesetz, VRPG) von 2007 in diesem Punkt nicht</span><br/> <span class="ft6">geändert. Die Beschwerdeführerin hat in ihrem letzten Schreiben an</span><br/> <span class="ft6">den Beschwerdegegner vom 8. Juli 2016 angekündigt, sie werde den</span><br/> <span class="ft6">Notfalldienst wie bisher in der eigenen Apotheke leisten, sich aber</span><br/> <span class="ft6">den Lenzburger Apothekern anschliessen, sobald die Apotheke im</span><br/> <span class="ft6">Kantonsspital Aarau (KSA) operativ sein werde. Der angefochtene</span><br/> <span class="ft6">Entscheid ist im Licht dieser Aussage zu lesen, die zwar keinen</span><br/> <span class="ft6">Antrag im eigentlichen Sinn darstellte, die Verfügung jedoch</span><br/> <span class="ft6">auslöste. Zwar wurde über beide Punkte im Dispositiv nicht aus-</span><br/> <span class="ft6">drücklich entschieden. Aus dem Zusammenhang und den Erwägun-</span><br/> <span class="ft6">gen wird jedoch klar, dass die Abweisung des Antrags auf Umteilung</span><br/> <span class="ft6">in den Notfall-Dienstkreis Lenzburg und die Aufrechterhaltung der</span><br/> <span class="ft6">Zuteilung in den Dienstkreis Baden einen Anschluss an die geplante</span><br/> <span class="ft6">Apotheke im KSA ausschliesst. Über dieses Begehren ist daher im</span><br/> <span class="ft6">vorliegenden Entscheid mit zu befinden.</span><br/> <span class="ft6">Auf das Eventualbegehren der Beschwerdeführerin, ihr wie</span><br/> <span class="ft6">weiterhin die Ausübung des Notfalldiensts in Zusammenarbeit mit</span><br/> <span class="ft6">dem ärztlichen Hintergrunddienst des Bezirks Baden zu gestatten,</span><br/> <span class="ft6">beziehen sich die Hinweise des Beschwerdegegners betreffend das</span><br/> <span class="ft6">mögliche weitere Vorgehen (E. 5 des angefochtenen Entscheids),</span><br/> <span class="ft6">welche diese Möglichkeit ausschliessen.</span><br/> <span class="ft6">Formell hat er darüber noch nicht entschieden. Aus diesem</span><br/> <span class="ft6">Grund kann auch über den entsprechenden Eventualantrag nicht</span><br/> <span class="ft6">förmlich befunden werden. Um ein unnötiges weiteres Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">verfahren trotzdem zu vermeiden, rechtfertigt es sich aber, zu diesem</span><br/> <span class="ft6">Punkt ebenfalls Stellung zu nehmen (vgl. hinten E. 3).</span><br/> <span class="ft6">2.2</span><br/> <span class="ft6">...</span><br/> <span class="ft6">Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kann aus dem</span><br/> <span class="ft6">Umstand, dass der Bezirk Zurzach mit dem Bezirk Baden zu einer</span><br/> <span class="ft6">gemeinsamen Notfalldienstregion zusammengeschlossen wurde mit</span><br/> <span class="ft6">24-Stunden-Apotheke in Dättwil, nicht abgeleitet werden, dass ihre</span><br/> <span class="ft6">eigene Zuteilung zur Region Baden der sachlichen Begründung ent-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">365</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">behrt. Aus der geltend gemachten Maximaldistanz innerhalb des</span><br/> <span class="ft6">Kreises (26 Kilometer von Full-Reuenthal bis Baden-Dättwil) folgt</span><br/> <span class="ft6">nicht ihr Recht, sich für die Leistung des eigenen Notfalldiensts einer</span><br/> <span class="ft6">Einrichtung anzuschliessen, die ebenso weit von den eigenen</span><br/> <span class="ft6">Standorten entfernt liegt. Notfalldienstregionen dürfen zwar nicht</span><br/> <span class="ft6">allzu gross sein, sonst nehmen die maximalen Entfernungen bis zur</span><br/> <span class="ft6">diensthabenden Einrichtung ein Ausmass an, das ein genügend ra-</span><br/> <span class="ft6">sches Erreichen für erhebliche Teile des Gebiets und der Bevölke-</span><br/> <span class="ft6">rung verunmöglicht und daher mit Sinn und Zweck des Instituts nicht</span><br/> <span class="ft6">mehr vereinbar ist. Diese Schwelle ist vorliegend noch nicht erreicht.</span><br/> <span class="ft6">Es gilt auch zu berücksichtigen, dass der Bezirk Zurzach vergleichs-</span><br/> <span class="ft6">weise ländlich und dünn besiedelt ist, so dass dort schwerlich die</span><br/> <span class="ft6">gleiche Versorgungsdichte sichergestellt werden kann wie in städti-</span><br/> <span class="ft6">scheren Gegenden insbesondere um Baden und Aarau. Aus den</span><br/> <span class="ft6">Grenzen, an welche die Notfalldienste in den zentrumsferneren</span><br/> <span class="ft6">Regionen stossen, können umgekehrt Inhaber zentrumsnaher Apo-</span><br/> <span class="ft6">theken jedoch nicht den Anspruch ableiten, aus rein subjektiven</span><br/> <span class="ft6">Gründen die von ihnen zu gewährleistende Versorgung durch An-</span><br/> <span class="ft6">schluss an eine weiter entfernte zentrale Einrichtung auf das gleiche</span><br/> <span class="ft6">Niveau abzusenken. Dies hätte mit einer sachlich begründeten Pla-</span><br/> <span class="ft6">nung und Führung des Notfalldiensts nichts zu tun. Da die Apothe-</span><br/> <span class="ft6">ken der Beschwerdeführerin nur ca. x Kilometer von der Notfallapo-</span><br/> <span class="ft6">theke beim Kantonsspital Baden entfernt liegen, befinden sie sich in</span><br/> <span class="ft6">einer ganz anderen Situation als die Apotheken des Bezirks Zurzach.</span><br/> <span class="ft6">Es bleibt auch unerfindlich, welche sachlichen Unterschiede beste-</span><br/> <span class="ft6">hen sollen zwischen der Einrichtung, die sie vehement ablehnt, und</span><br/> <span class="ft6">der anderen, deutlich weiter entfernten, an die sie sich anschliessen</span><br/> <span class="ft6">will. Wie sich schon aus dem angefochtenen Entscheid ergibt und</span><br/> <span class="ft6">nachfolgend (E. 3.1. i.f.) bestätigt wird, kommt ein Anschlusszwang</span><br/> <span class="ft6">mit Bezug auf eine bestimmte Institution im Übrigen ohnehin nicht</span><br/> <span class="ft6">in Betracht.</span><br/> <span class="ft6">Zudem ist die Kreiseinteilung in erster Linie für die dienst-</span><br/> <span class="ft6">pflichtigen Apothekerinnen und Apotheker massgebend und nicht für</span><br/> <span class="ft6">die Bevölkerung. Davon geht offenbar auch die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">selbst aus (vgl. Replik S. 6). In den Grenzbereichen zwischen den</span><br/> <span class="ft6">einzelnen Kreisen kann es sich ergeben, dass eine diensthabende</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">366</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Einrichtung in einem Nachbarkreis gelegentlich besser erreichbar ist</span><br/> <span class="ft6">als diejenige im eigenen. Im zitierten Beispiel Full-Reuenthal bei-</span><br/> <span class="ft6">spielsweise könnte das die Apotheke Süssbach in Brugg oder die</span><br/> <span class="ft6">Pelikan-Apotheke in Laufenburg sein. Diese dürfen keine Notfall-</span><br/> <span class="ft6">kunden abweisen, die ihren Wohnsitz in einem anderen Kreis haben,</span><br/> <span class="ft6">und werden dies auch keineswegs wollen. Anzuführen ist in diesem</span><br/> <span class="ft6">Zusammenhang § 16 GesG, der alle in Berufen des Gesundheits-</span><br/> <span class="ft6">wesens tätigen Personen verpflichtet, im Rahmen ihrer beruflichen</span><br/> <span class="ft6">Kenntnisse und Fähigkeiten in dringenden Fällen Beistand zu leisten.</span><br/> <span class="ft6">Dieser Pflicht können sie sich nicht unter Hinweis auf die Notfall-</span><br/> <span class="ft6">kreiseinteilung des Verbandes entziehen. Dergleichen ist denn auch</span><br/> <span class="ft6">im Reglement des Beschwerdegegners nicht vorgesehen. Von daher</span><br/> <span class="ft6">ist die Bedeutung der Kreiseinteilung für die Bevölkerung der be-</span><br/> <span class="ft6">troffenen (Rand-)Regionen etwas zu relativieren.</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführerin beruft sich daher mit Bezug auf die</span><br/> <span class="ft6">Zuteilung zu einer Notfalldienstregion zu Unrecht (sinngemäss) auf</span><br/> <span class="ft6">Gleichbehandlung im Unrecht.</span><br/> <span class="ft6">3.1</span><br/> <span class="ft6">In ihrem Hinweis (E. 5 des angefochtenen Entscheids) nennt die</span><br/> <span class="ft6">Vorinstanz als Möglichkeiten für das weitere Vorgehen einerseits die</span><br/> <span class="ft6">Beteiligung an der künftigen zentralen Notfallapotheke in Baden-</span><br/> <span class="ft6">Dättwil, anderseits die Dispensation vom Notfalldienst verbunden</span><br/> <span class="ft6">mit der Leistung einer Ersatzabgabe und Aufwandsentschädigung.</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführerin verlangt demgegenüber eventualiter, ihr sei</span><br/> <span class="ft6">zu gestatten, den Notfalldienst weiterhin wie in den letzten zehn Jah-</span><br/> <span class="ft6">ren zu aliquoten Teilen bezogen auf die Anzahl Apotheken im</span><br/> <span class="ft6">Dienstkreis Baden in enger Zusammenarbeit mit dem ärztlichen Hin-</span><br/> <span class="ft6">tergrunddienst des Bezirks Baden zu erbringen, insgesamt 22 Tage</span><br/> <span class="ft6">Notfalldienst. Zwar hat der Beschwerdegegner darüber wie vorange-</span><br/> <span class="ft6">hend dargelegt (E. 1.4) nicht formell entschieden und kann die Frage</span><br/> <span class="ft6">daher auch hier nicht Teil des Streitgegenstands bilden, es rechtfer-</span><br/> <span class="ft6">tigt sich jedoch, auch darauf einzugehen, nicht zuletzt um nach Mög-</span><br/> <span class="ft6">lichkeit ein weiteres Beschwerdeverfahren vermeiden zu können.</span><br/> <span class="ft6">3.2</span><br/> <span class="ft6">Die Gesetzesrevision von 2014 verfolgte nicht zuletzt gerade</span><br/> <span class="ft6">den Zweck, für einen koordinierten Notfalldienst zu sorgen und Ein-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">367</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">zelgänge von Medizinalpersonen zu unterbinden (Botschaft 14.198,</span><br/> <span class="ft6">S. 12 f.). § 38 Abs. 2 Satz 2, wonach die pflichtigen Personen sich</span><br/> <span class="ft6">gemäss den vom jeweiligen Berufsverband in ihrer Dienstregion be-</span><br/> <span class="ft6">schlossenen Modalitäten zu beteiligen haben, erlaubt es diesem, ge-</span><br/> <span class="ft6">stützt auf entsprechende Bestimmungen im eigenen Reglement von</span><br/> <span class="ft6">ihnen eine andere Form der Mitwirkung als die persönliche Dienst-</span><br/> <span class="ft6">leistung zu verlangen. Die Beschwerdeführerin wendet diesbezüglich</span><br/> <span class="ft6">ein, gemäss Art. 8 des Reglements leisteten die Apotheker den</span><br/> <span class="ft6">Notfalldienst persönlich an ihrem Arbeitsort. Es bestehe keine Mög-</span><br/> <span class="ft6">lichkeit, sie zur Abtretung dieser Verpflichtung gegen Entgelt zu</span><br/> <span class="ft6">zwingen, da eine blosse Kann-Bestimmung vorliege. Der Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">degegner erwidert, die Bestimmungen müssten im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft6">mit den übrigen und mit den rechtlichen Grundlagen ausgelegt</span><br/> <span class="ft6">werden. Art. 5 des Reglements sehe die Möglichkeit vor, den Not-</span><br/> <span class="ft6">falldienst an eine überregionale Organisation wie eine zentrale 24-</span><br/> <span class="ft6">Stunden-Apotheke zu übertragen. Dabei bestehe Ermessen, jedoch</span><br/> <span class="ft6">nicht für die einzelnen Apotheker, sondern zugunsten der Kom-</span><br/> <span class="ft6">mission. Art. 8 gelte nur für den Fall, dass keine solche zentrale Lö-</span><br/> <span class="ft6">sung bestehe. Gleiches gelte für Art. 10 Abs. 2: Nur wenn die</span><br/> <span class="ft6">Apotheker ihren Notfalldienst gemäss den festgelegten Dienstplänen</span><br/> <span class="ft6">selbst wahrnähmen, könnten sie diesen an Kollegen abtreten.</span><br/> <span class="ft6">Nach Art. 11 des Reglements können Bewilligungsinhaber (nur)</span><br/> <span class="ft6">bei Vorliegen wichtiger Gründe und auf Gesuch an den Verband vom</span><br/> <span class="ft6">Notfalldienst befreit werden. Ein wichtiger Grund ist insbesondere</span><br/> <span class="ft6">die Existenz einer im Notfalldienstkreis des Gesuchstellers liegenden</span><br/> <span class="ft6">überregionalen Notfalldienstorganisation wie einer zentralen</span><br/> <span class="ft6">24-Stunden-Apotheke. Der Wortlaut dieser Bestimmung scheint den</span><br/> <span class="ft6">Standpunkt der Beschwerdeführerin zu stützen. Diese Bestimmung</span><br/> <span class="ft6">darf allerdings nicht isoliert für sich betrachtet werden. Hat die Kom-</span><br/> <span class="ft6">mission gestützt auf Art. 5 Abs. 1 des Reglements den Notfalldienst</span><br/> <span class="ft6">für eine oder mehrere Regionen an eine überregionale Organisation</span><br/> <span class="ft6">wie eine zentrale 24-Stunden-Apotheke übertragen, so fällt nach</span><br/> <span class="ft6">Sinn und Zweck der Bestimmung die primäre Pflicht der Apotheker</span><br/> <span class="ft6">zur persönlichen Dienstleistung weg, ja sogar die Möglichkeit dazu,</span><br/> <span class="ft6">da auch das öffentliche Interesse daran und die Notwendigkeit hierzu</span><br/> <span class="ft6">durch die neue Einrichtung dahinfallen. Insoweit ist der Argumenta-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">368</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">tion des Beschwerdegegners zuzustimmen. Wie bereits ausgeführt</span><br/> <span class="ft6">haben sich die pflichtigen Personen auch nach § 38 Abs. 2 GesG am</span><br/> <span class="ft6">Notfalldienst gemäss den vom jeweiligen Berufsverband in ihrer Re-</span><br/> <span class="ft6">gion beschlossenen Modalitäten zu beteiligen. Es kommt daher nicht</span><br/> <span class="ft6">in Frage, dass die Beschwerdeführerin selbst festlegt, in welcher</span><br/> <span class="ft6">Weise sie ihre Notfalldienstpflicht erfüllt.</span><br/> <span class="ft6">Wie lange die von ihr betriebene lokale Organisationsform be-</span><br/> <span class="ft6">reits in der heutigen Form bestand, ist entgegen ihrer Auffassung</span><br/> <span class="ft6">ebenfalls nicht massgebend. Allein aus dem Umstand, dass sie offen-</span><br/> <span class="ft6">bar während Jahrzehnten ihren Dienst in der Weise geleistet hat, die</span><br/> <span class="ft6">sie - zumindest eventualiter - weiterführen will, ergibt sich kein An-</span><br/> <span class="ft6">spruch, dies auch tun zu dürfen. Sie kann sich diesbezüglich nicht</span><br/> <span class="ft6">auf eine durch den Kanton oder den Beschwerdegegner geschaffene</span><br/> <span class="ft6">Vertrauensgrundlage berufen. Die Revision des Gesundheitsgesetzes</span><br/> <span class="ft6">2015 hat wie bereits dargelegt (E. 1.1) die Rechtslage mit Bezug auf</span><br/> <span class="ft6">die medizinischen Notfalldienste grundlegend verändert. Die Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführerin verfügt über keinerlei Rechtstitel, mit dem sie ge-</span><br/> <span class="ft6">gen das jetzt geltende Recht aufkommen könnte. Der Auffassung des</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdegegners, es sei vorliegend weder derogierendes Gewohn-</span><br/> <span class="ft6">heitsrecht entstanden noch gebe es einen Besitzstand der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerin, der dem Schutz des Vertrauensprinzips unter-</span><br/> <span class="ft6">stehe, ist daher beizupflichten.</span><br/> <span class="ft6">Auch ihr Eventualantrag wäre daher abzuweisen, falls darauf</span><br/> <span class="ft6">eingetreten werden könnte, was aber wie dargelegt nicht der Fall ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>