Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1508 N 24 septembre 1990 Frau Daepp: Die Zuckerrübenverarbeitungskampagne be- ginnt nächstens. In den nächsten Tagen werden die Zuckerrü- ben geerntet und in die Zuckerfabriken geliefert. Wäre es nicht höchste Zeit - Sie haben mir das letzte Woche mündlich ver- sprochen -, dass Sie heute den Zuckerrübenpreis beraten würden, damit die Produzenten endlich wissen, wieviel sie für ihre Rüben erhalten, die sie bereits ein halbes Jahr gepflegt und gehegt haben? Ich möchte Ihnen danken dafür, dass Sie es wenigstens probiert hätten, wenn alle anwesend gewesen wären. Bekanntlich forderten die Rübenpflanzer eine Preisanpas- sung von 2.20 Franken pro 100 kg, das haben Sie bereits er- wähnt. Ich glaube, wir dürfen uns auf diese Berechnungen stützen. Sie entsprechen auch dem neuen Zuckerbeschluss. Die letzte Zuckerrübenpreisanpassung - ich möchte nicht ein- fach immer mit den letzten drei Jahren vergleichen -, welche den Pflanzern materielle Verbesserungen brachte, geht ins Jahr 1976 zurück. Das möchte ich hier festhalten. Seither sind die Produktionskosten nach unseren Berechnungen um 34 Prozent, der Rübenpreis um 12 Prozent gestiegen. Frage: Wird nächsten Montag die Preiserhöhung festgelegt? M. Delamuraz, conseiller fédéral: Pour l'heure, Madame la Conseillère nationale, je ne peux que vous assurer que le Con- seil fédéral traitera cet objet lundi prochain. #ST# Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse Crise du Golfe. Interventions parlementaires 90.664 Dringliche Interpellation der Kommissison für auswärtige Angelegenheiten Golfkrise Interpellation urgente de la commission des affaires étrangères Crise du Golfe Wortlaut der Interpellation vom 16. August 1990 Der Bundesrat wird eingeladen, das Parlament über die neue- ste Entwicklung in der Golfregion zu orientieren und eine Ein- schätzung der von ihm getroffenen Massnahmen vorzuneh- men. Texte de l'interpellation du 16 août 1990 Le Conseil fédéral est prié d'informer le Parlement sur les der- niers développements dans la région du Golfe et de procéder à une appréciation des mesures qu'il a prises. 90.667 Dringliche Interpellation der liberalen Fraktion Wirtschaftssanktionen gegen Irak Interpellation urgente du groupe libéral Sanctions économiques envers l'Irak Wortlaut der Interpellation vom 17. September 1990 Die internationale Verurteilung des irakischen Ueberfalls auf Kuwait erfolgte spontan und deutlich. Diese Verurteilung wurde durch den Beschluss des Sicher- heitsrates der Organisation der Vereinten Nationen bestätigt, welcher sich einstimmig, bei zwei Enthaltungen, für Wirt- schaftssanktionen gegenüber dem irakischen Aggressor aus- gesprochen hat. Die Schweiz als Nicht-Uno-Mitglied hat rasch beschlossen, sich diesen Wirtschaftssanktionen anzuschliessen und ist da- mit zahlreichen Demokratien gefolgt. Welche Konsequenzen hat dieser Schritt für die zukünftige Ge- staltung der schweizerischen Neutralitätspolitik? Wird mit diesem Schritt eine Einschränkung der bisher völli- gen Unabhängigkeit der schweizerischen Aussenpolitik be- wirkt? Texte de l'interpellation du 17 septembre 1990 La condamnation par la communauté internationale de l'inva- sion irakienne du Koweït a été claire et spontanée. Elle a été confirmée par la décision du Conseil de sécurité de l'Organisation des Nations unies qui, à l'unanimité moins deux abstentions, s'est déclaré favorable à des sanctions économi- ques à rencontre de l'Irak.24. September 1990 N 1509 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse Pays non membre de l'ONU, la Suisse a décidé rapidement de s'associer aux sanctions économiques, suivant en cela l'exemple de nombreuses démocraties. Quelles conséquences cette décision aura-t-elle sur la con- ception future de la politique suisse de neutralité? La totale indépendance de la politique extérieure de la Suisse s'en trouvera-t-elle restreinte? Sprecher-Porte-parole: Burckhardt 90.684 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion Golfkrise Interpellation urgente du groupe socialiste Crise du Golfe Wortlaut der Interpellation vom 18. September 1990 1. Wieweit kann der Beschluss des Bundesrates, die Wirt- schaftssanktionen gegen den Irak zu unterstützen, als Zei- chen für eine Neuorientierung der schweizerischen Neutrali- tätspolitik beurteilt werden, hat doch der Bundesrat zum Bei- spiel Boykottmassnahmen gegenüber Südafrika während Jahren immer wieder abgelehnt? 2. Welche Handlungsmöglichkeiten sieht der Bundesrat für die Schweiz, zu einer politischen Lösung des Golfkonflikts bei- zutragen? Ist der Bundesrat aufgrund der wachsenden Flüchtlingsnot in der Golfregion bereit, die humanitäre Hilfe zur Lösung des Flüchtlingsproblems über den bereits beschlossenen Rah- men hinaus massiv aufzustocken? 3. Inwiefern ist nach Auffassung des Bundesrates die Golfkrise unter anderem die Folge der starken wirtschaftlichen und mili- tärischen Einflussnahme sowie der massiven Aufrüstung der Golfstaaten durch die Industrieländer in Ost und West? Wie beurteilt der Bundesrat diesbezüglich die Rolle der schweizeri- schen Aussenwirtschaftspolitik gegenüber den Staaten in der Golfregion in den letzten Jahren? Welche Schlüsse zieht der Bundesrat aus der Golfkrise in Be- zug auf die Praxis der Waffenausfuhr (zum Beispiel Lieferung von sogenannten Dual-use-Produkten wie PC-7/PC-9 Flug- zeuge, Lieferung von Waffenkomponenten usw.)? Ist der Bundesrat gestützt auf Artikel 11 Absatz 2 des Kriegs- materialgesetzes (Lieferung in Konflikt- und Spannungsge- biete) bereit, die Lieferung von Kriegsmaterial an die Golfstaa- ten, einschliesslich die Türkei, zu verbieten? Texte de l'interpellation du 18 septembre 1990 1. Comme on le sait, pendant des années, le Conseil fédéral a toujours refusé de participer aux mesures de boycottage contre l'Afrique du Sud. Dans ces conditions, dans quelle me- sure la décision du gouvernement de soutenir les sanctions économiques à rencontre de l'Irak témoigne-t-elle d'un chan- gement dans la politique de neutralité de la Suisse? 2. Selon le Conseil fédéral, de quels moyens d'action dispose la Suisse en vue de contribuer activement à une solution politi- que de la crise du Golfe? Vu la détresse croissante des réfugiés dans la région du Golfe, le Conseil fédéral est-il prié d'accroître massivement l'aide hu- manitaire en vue de trouver une solution au problème des réfu- giés. 3. De l'avis du Conseil fédéral, dans quelle mesure la crise du Golfe est-elle liée à la forte influence économique et militaire des puissances industrielles à l'Ouest comme à l'Est, ainsi qu'au réarmement massif des pays du Golfe par ces mêmes puissances? A ce propos, comment le Conseil fédéral juge-t-il le rôle de la politique économique extérieure que la Suisse a pratiquée ces dernières années à l'égard des pays du Golfe? Quelles conclusions le Conseil fédéral tire-t-il de la crise du Golfe en ce qui concerne la pratique des exportations d'armes (par exemple livraison de produits à usages multiples, tels que les avions de type PC-7 ou PC-9, livraison d'éléments d'arme- ment etc.)? Le Conseil fédéral est-il prêt, en vertu de l'article 11, 2e alinéa, de la loi fédérale sur le matériel de guerre (livraison à destination de territoires où des conflits armés ont éclaté ou menacent d'éclater ou dans lesquels régnent des tensions dangereuses), à interdire la livraison de matériel de guerre aux pays du Golfe, y compris à la Turquie? 90.686 Dringliche Interpellation der LdU/EVP-Fraktion Neutralitätspolitik nach den Irak-Sanktionen Interpellation urgente du groupe Adl/PEP Sanctions à ('encontre de l'Irak et politique de neutralité Wortlaut der Interpellation vom 18. September 1990 Erstmals hat sich die Schweiz voll - und nicht nur durch Ein- führung des courant normal -an Sanktionen beteiligt, die vom Uno-Sicherheitsrat verhängt wurden. Wir stellen dem Bundes- rat in diesem Zusammenhang die folgenden Fragen: 1. Worin unterscheidet sich das Verhalten der Schweiz von demjenigen, zu dem sie bei einer Mitgliedschaft in der Uno verpflichtet gewesen wäre? Sehen wir uns heute nicht in der Lage, dass wir die Pflichten - nicht aber die Rechte - eines Uno-Mitgliedstaates haben? 2. In welchen Fällen wird die Schweiz in Zukunft ähnliche Sanktionen verhängen? Wird dies zum Beispiel auch bei Völ- kerrechtsverletzungen der entsprechenden Art der Fall sein, wenn die Uno keine Sanktionen verfügt? Wird sich die Schweiz an Sanktionen der Uno beteiligen, wenn diese nicht wegen Verletzung des Völkerrechts sondern zum Beispiel we- gen Menschenrechtsverletzungen verhängt werden? 3. Kontrastiert die jetzige harte Haltung der Schweiz nicht selt- sam mit den früheren Beiträgen zur irakischen Rüstung durch die Lieferung von sowohl zivil als auch militärisch verwend- baren Gütern? 4. Welche Folgerungen für die Sicherheitspolitik der Schweiz zieht der Bundesrat aus der Golf krise? 5. Die Verordnung vom 7. August 1990 sieht in Artikel 4 Ab- satz 1 Ausnahmen für die Wirtschaftssanktionen vor. Wie viele Ausnahmebewilligungen wurden erteilt, welche Güter in wel- chen Mengen betreffen sie? Welches sind die Begründungen für die einzelnen Ausnahmen? In welchen Situationen wurde insbesondere die Härteklausel (Art. 4 Abs. 1 Bst. e) ange- wandt? Texte de l'interpellation du 18 septembre 1990 Pour la première fois, la Suisse a participé pleinement - et non seulement en introduisant le principe du courant normal - à des sanctions décrétées par le Conseil de sécurité de l'ONU. Dans ce contexte, nous posons les questions suivantes au Conseil fédéral: 1. En quoi le comportement de la Suisse se distingue-t-il de celui qu'elle aurait dû adopter si elle était membre de l'ONU? Dans la situation actuelle, n'avons-nous pas les obligations d'un Etat membre de l'ONU, sans en avoir les droits? 2. Dans quels cas la Suisse décrétera-t-elle à l'avenir des sanc- tions similaires? Le fera-t-elle par exemple aussi en réponse à des violations du droit international public, violations suscepti- bles d'entraîner de telles mesures, dans les cas où l'ONU n'or-Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1510 N 24 septembre 1990 donnera pas de sanctions? La Suisse participera-t-elle à des sanctions de l'ONU lorsque ces dernières seront décrétées par exemple en raison de violations des droits de l'homme, et non à la suite d'une violation du droit international public? 3. La dureté dont la Suisse fait actuellement preuve ne con- traste-t-elle pas étrangement avec les contributions précéden- tes à l'armement de l'Irak, sous la forme de livraisons de mar- chandises à usage tant civil que militaire? 4. Quelles conclusions pour la politique de sécurité de la Suisse le Conseil fédéral tire-t-il de la crise du Golfe? 5. L'ordonnance du 7 août 1990 prévoit, à l'article 4, 1er ali- néa, des exceptions aux sanctions économiques. Combien d'autorisations ont été accordées, quelles marchandises con- cernent-elles, et en quelles quantités? Sur quels motifs se fon- dent ces différentes exceptions? Dans quelles situations la clause des cas de rigueur (article 4,1er alinéa, lettre f) a-t-elle notamment été appliquée? Sprecher- Porte-parole: Widmer 90.691 Dringliche Interpellation der grünen Fraktion Golfkrise Interpellation urgente du groupe écologiste Crise du Golfe Wortlaut der Interpellation vom 18. September 1990 Der Bundesrat wird gebeten darzulegen, welche Schlussfol- gerungen er aus den Ereignissen nach der Invasion Kuwaits durch den Irak zieht. Er wird insbesondere ersucht, zu folgen- den Fragen Stellung zu nehmen: - Hätte die Golfkrise international die gleiche Bedeutung er- langt, wenn sie die Erdölversorgung der Industrienationen nicht gefährden würde? - Müssten die Industrienationen zur Verminderung der Gefahr eines weltweiten Konflikts nicht versuchen, ihre Abhängigkeit von den Förderländern durch die Herabsetzung ihres Erdöl- verbrauchs zu verringern? - Die Schweiz ist von ihrer traditionellen Neutralität abgewi- chen und hat sich den von der internationalen Gemeinschaft gegen den Irak verhängten Sanktionen angeschlossen. Sollte sie dies aus Gründen der Kohärenz nicht auch in anderen Si- tuationen tun? - Hätte die Golfkrise dasselbe Ausmass angenommen, wenn nicht der Irak dank den Lieferungen modernster Vernichtungs- mittel durch die Industrieländer seine Armee hätte aufrüsten können? - Wie ist der Beitrag der schweizerischen Industrie zur militäri- schen Aufrüstung des Iraks zu beurteilen? -Müsste die Schweiz-falls sie der Auffasungist, dasssiedem Irak besser keine Waffen geliefert hätte - nicht den Waffenex- port in die Dritte Welt vollständig einstellen, um dies auch von den anderen Industrieländern verlangen zu können? Texte de l'interpellation du 18 septembre 1990 Le Conseil fédéral est prié de dire quelles conséquences il tire des événements qui ont suivi l'invasion du Koweït par l'Irak, en prenant position notamment sur les questions suivantes: - La crise du Golfe aurait-elle pris la même importance sur le plan international, si elle ne mettait pas en danger l'approvi- sionnement en pétrole des pays industrialisés? - Pour réduire le danger d'un conflit mondial, les pays indus- trialisés ne devraient-ils pas mettre tout en oeuvre pour réduire leur consommation de pétrole, afin de réduire leur dépen- dance à l'égard des pays producteurs? - La Suisse est sortie de sa neutralité traditionnelle pour parti- ciper aux sanctions de la communauté internationale contre l'Irak. La cohérence ne commande-t-elle pas qu'elle le fasse également dans d'autres situations? - La crise du Golfe aurait-elle une pareille ampleur si l'Irak n'avait pas pu équiper son armée de moyens de destruction modernes grâce aux livraisons des pays industrialisés? - Comment faut-il juger la participation de l'industrie suisse à l'équipement militaire de l'Irak? - Si la Suisse considère qu'il eût mieux valu ne pas livrer d'ar- mements à l'Irak, ne devrait-elle pas renoncer totalement à ex- porter des armes vers le tiers monde, afin de pouvoir exiger des autres pays industrialisés qu'ils en fassent autant? Sprecher-Porte-parole: Rebeaud Le président: En accord avec le Conseil fédéral, nous avons décidé de procéder comme suit: il s'agit là d'une procédure écrite, mais étant donné que le Conseil fédéral n'a donné sa réponse que ce matin, il ne lui était pas possible d'utiliser la forme écrite, dans les deux langues. C'est la raison pour la- quelle il répondra maintenant aux diverses interpellations ur- gentes. En accord avec MM. Felberet Delamuraz, conseillers fédéraux, nous avons décidé de dissocier les cinq premières interpellations urgentes des deux dernières. Nous aurons donc deux débats. M. Felber, conseiller fédéral: Je vous prie de bien vouloir ex- cuser d'entrée de cause la relative longueur de la réponse du Conseil fédéral, qui est justifiée par le fait que nous répondons simultanément, en ce qui concerne les problèmes politiques, à cinq interpellations. La première moitié de l'année 1990, nous pouvions tous nous réjouir de la détente Est-Ouest et des premiers effets positifs qu'elle avait eus sur certains conflits régionaux: en Afrique australe, en Amérique centrale, en Afghanistan, dans le sud- est asiatique. Certains, parmi les observateurs de la politique internationale, en étaient déjà à évaluer ce qu'on appelle les dividendes de la paix. A qui vont-ils profiter? Nous avons donc été surpris, et avec nous les meilleurs servi- ces d'information occidentaux - ayons la franchise de le re- connaître - par l'invasion brutale, nocturne, du Koweit, le 2 août dernier, alors même que l'auteur de ce forfait internatio- nal était en pourparlers avec les autorités koweïtiennes. On a pu néanmoins se féliciter de voir le Conseil de sécurité de l'ONU, puis la communauté internationale quasi unanime, condamner ce coup de force flagrant. Evidemment, cette crise a une résonance considérable dans le monde. Elle revêt une dimension stratégique, car elle me- nace de remettre en question le contrôle sur les plus grandes réserves pétrolières de la planète. A ce sujet, on né peut s'em- pêcher d'observer que l'Occident a la mémoire assez courte. Il faut attendre une réelle menace pour s'aviser que nous de- vrions peut-être réduire notre dépendance envers le pétrole. Les données militaires: sur le terrain, l'Irak a renforcé sa pré- sence militaire au Koweit et dans le sud de l'Irak, région où, se- lon le Pentagone américain, 265 000 combattants feraient face aux troupes de l'Occident. Le désengagement sur le plan ira- nien, terminé le 22 août, permettrait d'autre part au président Saddam Hussein de disposer d'environ 500000 hommes supplémentaires, dont quelques dizaines de milliers ont déjà été déployés le long de la frontière avec la Turquie et celle avec la Syrie. En ce qui concerne les Etats-Unis, environ 150 000 hommes sont installés en Arabie Saoudite, à Abu Dhabi, Qatar, et dans les Emirats arabes unis. L'acheminement du matériel lourd se poursuit. Près de 50 navires de guerre américains sont actuel- lement dans le Golfe, en Mer Rouge ou en Méditerranée, épaulés par des unités navales des pays de l'Union euro- péenne occidentale - que j'ai cités tout à l'heure - et du camp occidental, dont certains, en particulier la France et la Gran- de-Bretagne, ont également dépêché des forces aériennes et terrestres au Proche-Orient. D'autres Etats non européens: l'Egypte, la Syrie, ont fourni et continuent de fournir des contin- gents, stationnés pour la plupart en Arabie Saoudite.24. September 1990 N 1511 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse Les Etats-Unis souhaitent voir se constituer à plus longue échéance de nouvelles structures internationales de maintien de la paix pour la région, incluant la présence de forces ar- mées de pays arabes modérés. La récupération du Koweit serait une opération difficile qui en- traînerait ipso facto la destruction des puits de pétrole et provo- querait un nombre important de victimes de part et d'autre. Or, la détermination du président des Etats-Unis sera populaire aussi longtemps qu'elle ne sera pas la cause de pertes incon- sidérées en vies humaines. Or, au vu de l'utilisation par M. Saddam Hussein des boucliers humains à proximité des cen- tres névralgiques de l'Irak - utilisation qui est totalement contraire à l'article 28 de la 4ème Convention de Genève à la- quelle l'Irak a adhéré en 1956 - aussi longtemps que nous ne pouvons pas écarter cette menace, une intervention occiden- tale ne peut être sérieusement envisagée. La politique de la Suisse: l'invasion militaire du Koweit par l'Irak le 2 août 1990 viole l'interdiction de recourir à la force pré- vue par le droit coutumier international, viole l'article 2, ali- néa 4, de la Charte des Nations Unies. Conformément à cet ar- ticle, les membres de l'organisation s'abstiennent dans leurs relations internationales de recourir à la menace ou à la force contre l'intégrité territoriale ou l'indépendance politique d'un Etat. Le 2 août, respectivement le 7 août 1990, le Conseil fédéral a publiquement condamné l'invasion du Koweit par les troupes irakiennes. Il a exigé leur retrait immédiat et inconditionnel. C'était ce que j'appellerai la phase déclamatoire de la politique étrangère que nous tenions à consolider. Comme le Conseil de sécurité, dans sa résolution 662 et la très grande majorité des pays du monde entier, la Suisse ainsi ne reconnaît pas l'annexion du Koweit par l'Irak, ce qui a été porté à plusieurs reprises à la connaissance des autorités irakiennes, du repré- sentant légitime du Koweit et du gouvernement résidant ac- tuellement à l'étranger. A la suite de la résolution 661 du Conseil de sécurité du 7 août 1990, le Conseil fédéral a adopté le même jour encore une or- donnance instituant de manière autonome des mesures éco- nomiques envers la république d'Irak et l'Etat du Koweit. L'or- donnance interdit toute activité commerciale avec ces deux pays, notamment l'importation et le transit de marchandises d'origine irakienne et l'exportation de marchandises à destina- tion de l'Irak. Sont en outre interdites toutes transactions finan- cières à l'intention du gouvernement irakien, à l'intention d'entreprises ou de particuliers en Irak ou au Koweit. Peuvent être exceptés de cette ordonnance l'exportation et le transit notamment de marchandises à des fins médicales, ainsi que de denrées alimentaires dans des situations exceptionnelles au titre de l'aide humanitaire. Le Département fédéral de l'économie publique peut accorder de telles dérogations. Cette décision a été non seulement comprise, mais appréciée par l'ensemble de nos concitoyens. Elle a été appréciée et soulignée par la communauté interna- tionale. Si nous avons pu agir rapidement, c'est grâce aux ser- vices des divers départements fédéraux qui ont travaillé avec conscience, rapidité, ce qui a permis au Conseil fédéral d'adopter le texte de l'ordonnance qui allait entrer en vigueur quelques heures après sa décision, soit peu après l'adoption des sanctions prises par le Conseil de sécurité. En ce qui concerne les avoirs koweitiens en Suisse, le 2 août 1990, le Conseil fédéral a invité les banques à faire preuve d'une vigilance accrue, les a engagées à refuser, en cas de doute, des demandes de retrait. Mais le 10 août 1990, i! a pro- mulgué une ordonnance précise en vertu de laquelle des me- sures de blocage doivent être prises pour assurer la protection des valeurs patrimoniales en Suisse de l'Etat du Koweit. Les avoirs koweitiens sont ainsi protégés tant que la question du droit d'en disposer n'est pas résolue. S'agissant de l'appréciation des sanctions économiques suis- ses sous l'angle du droit de la neutralité et de la politique de neutralité, il convient de souligner qu'à plusieurs reprises déjà, le Conseil fédéral a déclaré que la Suisse, au besoin, pourrait s'associer à de telles mesures. Il s'est en particulier exprimé à ce sujet dans son message du 21 décembre 1981 concernant l'adhésion de la Suisse à l'Organisation des Nations Unies. Il y a défini les conditions d'une participation de la Suisse à des sanctions économiques. L'adoption de sanctions économi- ques n'est pas contraire au droit de la neutralité. Ce droit n'im- pose pas à l'Etat neutre le devoir de maintenir des relations économiques avec une partie impliquée dans un conflit. L'adoption ou non de sanctions économiques par un Etat neu- tre en permanence doit être appréciée du point de vue de sa politique de neutralité, et la mise en oeuvre de cette politique est laissée à sa discrétion. L'Etat neutre en permanence doit cependant tout mettre en oeuvre pour ne pas être entraîné dans une guerre et s'abstenir de tout ce qui pourrait l'impliquer militairement dans un tel conflit. Pour les raisons suivantes, le Conseil fédéral parvient à la conclusion que les mesures économiques prises à l'encon- tre de l'Irak ont été décrétées dans l'intérêt de la politique de neutralité de la Suisse. Premièrement, il ne fait aucun doute que l'Irak a violé de ma- nière flagrante des normes fondamentales du droit des gens par l'invasion militaire et l'annexion du Koweit. Un petit Etat comme la Suisse a un intérêt essentiel à ce que le droit interna- tional soit respecté, en particulier le principe selon lequel tous les Etats doivent s'abstenir de recourir à la menace ou à l'em- ploi de la force contre l'intégrité territoriale ou l'indépendance politique d'un pays. La Suisse se doit donc de soutenir la com- munauté des Etats lorsque celle-ci réagit contre l'entité qui a violé le droit d'une manière flagrante. Deuxièmement, la communauté internationale a été quasi unanime à condamner l'Irak et à adopter des sanctions écono- miques. Les mesures décidées par le Conseil de sécurité de l'Organisation des Nations Unies lient tous les Etats membres de cette organisation, y compris les Etats neutres d'Europe. Il existe de bonnes raisons de penser que ces mesures sont mi- ses en oeuvre de manière universelle et qu'elles ne manque- ront pas d'avoir des conséquences tangibles pour l'Irak à plus ou moins brève échéance. La participation de la Suisse à ces sanctions s'imposait égale- ment du point de vue de la solidarité internationale. La Suisse, n'étant pas membre de l'ONU, a été amenée à prendre une décision autonome -je tiens à préciser qu'il faut renvoyer les journalistes de langue française à leurs dictionnaires car ils ne savaient pas ce que signifiait «autonome» et traduisaient le len- demain ce terme par «plus faible»! Dans un conflit opposant deux parties aussi inégales, à savoir d'un côté l'entité qui a violé le droit et de l'autre l'ensemble de la communauté inter- nationale, le principe du traitement paritaire n'est guère appli- cable. En ne s'associant pas aux sanctions économiques ou en se bornant à maintenir les échanges au niveau du courant normal, la Suisse se serait pratiquement et moralement ran- gée du côté de l'Irak. Une pareille attitude n'aurait pas été comprise à l'étranger, ni en Suisse. Notre crédibilité dans le monde entier en aurait gravement souffert et nous n'aurions même pas profité, économiquement, de cette décision de peur, de couardise, de lâcheté. Les sanctions économiques adoptées ne risquent pas d'en- traîner la Suisse dans un conflit armé et ne l'empêcheront pas en cas de guerre de se conformer aux devoirs qui lui sont im- posés par le droit de la neutralité. La décision du Conseil fédé- ral ne préjuge en rien l'adoption de sanctions à l'avenir ou la question de savoir si la participation à des sanctions décrétées par exemple par la Communauté européenne seraient ou non compatibles avec la neutralité de la Suisse. Le Conseil fédéral n'a fait qu'appliquer à un cas concret notre politique continue de neutralité, instrument de notre politique étrangère. Si la question des sanctions devait se poser encore un jour, de la même manière, après avoir pesé les intérêts en présence et pris en considération tous les paramètres, en particulier les devoirs découlant du statut de neutralité permanente de la Suisse, le Conseil fédéral serait amené à se prononcer au sujet de la participation de notre pays à de telles mesures. En ce qui concerne la fermeture de notre ambassade au Ko- weit, devant l'ultimatum irakien de fermer sa représentation di- plomatique au Koweit d'ici le 24 août 1990, la Suisse a décidé, en étroite collaboration avec d'autres Etats - principalement les Etats neutres et les Etats de la Communauté européenne - de passer outre à cette sommation et de laisser en poste sonCrise du Golfe. Interventions parlementaires 1512 N 24 septembre 1990 chargé d'affaires et son responsable de chancellerie, MM. Besomi et Bischof. Cette décision traduit la volonté de la Suisse à la fois de protester contre l'annexion du Koweït et sa disparition de la carte politique, de ne pas reconnaître cette annexion, et d'être solidaire de la communauté internationale, et enfin sa volonté de protéger les citoyens suisses restés sur place. Ce n'est que le 12 septembre, lorsque tous les Suisses désireux de quitter le Koweït l'eurent fait- il n'y reste qu'une fa- mille qui a déclaré expressément vouloir y demeurer- après le départ des représentants des Etats neutres, finlandais et sué- dois, des diplomates norvégiens et des diplomates de trois ambassades de la communauté, le Portugal, le Danemark et la Grèce, que nos représentants ont reçu l'instruction de se re- tirer du Koweit en même temps que le représentant diplomati- que autrichien. Il est sans doute plus facile de parler de générosité assis der- rière un pupitre à Berne que lorsqu'on est représentant diplo- matique au Koweit après le 2 août 1990. La sécurité physique de nos représentants était menacée, la situation ne cessait de se dégrader, ces hommes étaient des prisonniers dans leur ré- sidence. Cette démarche a été effectuée sous la contrainte, elle ne peut donc être interprétée que comme la mise en veil- leuse temporaire de l'ambassade de Suisse au Koweit. Cela n'implique en aucune manière une quelconque reconnais- sance par la Suisse de l'annexion de ce pays par l'Irak. Cette prise de position juridique a été portée officiellement à la con- naissance des autorités irakiennes. En ce moment, MM. Besomi et Bischof qui ne jouissent plus depuis le 24 août d'un statut particulier au regard de la Con- vention de Vienne sur les relations diplomatiques, demeurent bloqués à Bagdad mais nous nous efforçons d'obtenir, pour eux aussi, leur retour en Suisse. Les démarches entreprises en vue de l'évacuation des ressor- tissants suisses et autres étrangers: avant que la crise du Golf n'éclate, environ cent Suisses résidaient au Koweit et septante autres en Irak. Au début du mois d'août, la plus grande partie de la colonie suisse se trouvait, par chance, en vacances, loin de ces pays. Au terme d'un voyage mouvementé de plusieurs jours, 37 Suisses du Koweit ont réussi à quitter l'Irak les 23 et 27 août via Bagdad et la frontière turque. Le 2 septembre, pro- fitant de l'offre du président irakien à l'endroit des femmes et des enfants, six Suissesses et six enfants ont pu revenir en Suisse. A l'heure actuelle, 87 citoyens suisses, dont plusieurs sont des doubles-nationaux se trouvent encore en Irak et au Koweit. Notre ambassade de Bagdad entretient des contacts réguliers quasi quotidiens avec tous nos compatriotes. Leur état de santé est jugé satisfaisant, nos compatriotes subissent néan- moins des pressions psychologiques toujours plus mar- quées. Le Conseil fédéral condamne avec véhémence le fait que les Suisses et tous les autres étrangers désireux de quitter la zone du conflit soient retenus en otages - le terme s'impose - depuis des semaines par les autorités irakiennes, qu'ils soient contraints à vivre séparés, éloignés de leurs familles. Nous dénonçons cette atteinte au droit des gens et nous expri- mons notre sympathie aux familles que cet ignoble acte de vio- lence a brutalement séparées. Le Conseil fédéral assure les personnes concernées qu'il n'aura de cesse de leur faire quit- ter l'Irak et que les démarches en vue de leur évacuation se poursuivront en étroite collaboration avec tous les Etats neu- tres, avec les autres pays de l'Europe de l'Ouest. A cet effet, le Département fédéral des affaires étrangères a entrepris plusieurs démarches officielles, tant à Berne qu'à Bagdad. Au cours de celles-ci, nos porte-parole ont en outre protesté contre l'annexion du Koweit et contre la sommation de fermer notre ambassade dans ce pays. Ces négociations bilatérales ont été menées conjointement avec trois Etats neu- tres: la Suède, la Finlande et l'Autriche. Dès que la crise du Golfe a éclaté, une cellule de crise, char- gée de toutes les questions relatives au conflit, et actuellement dirigée par l'ancien ambassadeur en Irak, a immédiatement été constituée au sein du Département des affaires étrangè- res. Sont représentés dans cette cellule les services du Dépar- tement des affaires étrangères touchés par ce type de conflit ainsi que les autres départements concernés: le Département militaire fédéral, le Département fédéral de l'économie publi- que, le Département fédéral de justice et police, le Départe- ment fédéral des transports, des communications et de l'éner- gie. Les membres de cette cellule se réunissent pratiquement chaque jour, analysent et jugent en permanence la situation et son développement dans cette région, tirent des conclusions, en informent le Conseil fédéral. En outre, la cellule est respon- sable pour les questions techniques et assure une perma- nence de 24 heures sur 24. Les responsables en poste dans la région du Golfe qui se trouvaient en vacances au début des hostilités ont tous été invités à regagner leur poste sans délai. Parallèlement, le Département de l'économie publique a mis sur pied un groupe de travail pour discuter de la mise en appli- cation des mesures économiques. Le 18 septembre, notre nouvel ambassadeur en Irak, M. Friedrich Moser, s'est envolé pour Bagdad après avoir reçu l'agrément des autorités irakien- nes et sur notre instruction personnelle précise. Par ailleurs notre ambassade sera temporairement renforcée par l'arrivée prochaine d'un vice-consul. Mesdames et Messieurs, il appartient à la diplomatie du XIXe siècle de croire qu'on s'oppose à un pays en retirant son ambassadeur en période de crise. C'était l'époque où il n'y avait pas de téléphone, où il n'y avait pas de télex, où il n'y avait pas de Telefax, où il fallait rappeler son ambassadeur pour écouter ce qu'il avait à dire et lui donner des instructions. Au- jourd'hui, il est indispensable que nos gens restent sur place quand il y a des crises, c'est le seul moyen pour nous d'être in- formés, c'est le seul moyen pour nos interlocuteurs étrangers de recevoir notre point de vue dans les plus brefs délais. Il faut cesser de réclamer sans cesse le rappel des ambassa- deurs en période de crise. Avec cette tradition, on en est à l'époque de Stendhal, éventuellement de Paul Claudel, mais pas à la fin du XXe siècle! Dans le contexte actuel, la seule contribution que la Suisse peut apporter à une solution politique de la crise, c'est de s'as- socier, encore une fois de manière autonome, aux résolutions des Nations Unies. Nous ne pouvons pas nous désolidariser. Il y a en outre toute la dimension humaine provoquée par cette crise, qui ne nous est pas indifférente. Cette crise engendrée par l'occupation d'un petit Etat par l'Irak a condamné des cen- taines de milliers d'étrangers, sur un total de 1,5 à 2 millions, à un exode dramatique vers les pays voisins. Si quelque 100 000 personnes ont provisoirement pu être accueillies en Jordanie dans des camps de tentes, environ 360 000 person- nes déplacées provenant d'Egypte et de divers pays asiati- ques - le Bangladesh, le Sri Lanka, le Pakistan, les Philippines - attendent leur rapatriement à la frontière jordano-irakionne, et leur sort est extrêmement précaire. Il y a encore une autre préoccupation majeure, à savoir le ravitaillement du très grand nombre de travailleurs asiatiques - environ 400 000. Le Co- mité des sanctions de l'ONU étudie présentement la manière de leur venir en aide. La Suisse a été l'un des premiers pays à se mobiliser pour sou- tenir des campagnes d'aide en faveur des personnes dépla- cées, bloquées en Jordanie. Par leurs efforts conjugués, le Co- mité international de la Croix-Rouge, la Ligue des Sociétés de la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge, le Corps suisse pour l'aide en cas de catastrophes ont fait ce qui était en leur pou- voir pour atténuer la détresse des personnes déplacées, blo- quées à la frontière jordano-irakienne. Vingt-cinq délégués du CICR sont à l'oeuvre dans trois camps de transit jordaniens. Réagissant sans délai, la Division aide humanitaire et aide suisse en cas de catastrophes du Département des affaires étrangères a dépêché neuf experts en Jordanie. Par ailleurs, des centaines de citernes d'eau, des installations de distribution d'eau, des canalisations préfabriquées, des jer- ricans, des couvertures à usages multiples et des tentes, re- présentant un montant total de quelques centaines de milliers de francs, ont déjà été acheminés. Deux spécialistes des com- munications délégués par le Corps suisse pour l'aide en cas de catastrophes prêtent leur concours à la Croix-Rouge jorda- nienne en vue de créer un réseau de communications reliant les camps. Des mesures d'aide en faveur des personnes dé- placées en Turquie sont à l'étude actuellement. La Direction pour l'aide humanitaire et la coopération techni-24. September 1990 N 1513 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse que a débloqué, dès le début de la crise, environ 600 000 francs pour soutenir l'action du CICR sur le terrain. Le Comité international pour les Migrations des Nations Unies a reçu de notre part une somme de 250 000 francs destinée au finance- ment d'un objectif prioritaire, le rapatriement des réfugiés. Le 17 septembre, il y a une semaine exactement, le Conseil fédé- ral a accordé 10 millions de francs à titre d'aide d'urgence, principalement en faveur des victimes de la crise du Golfe blo- quées en Jordanie. Sur ce montant, 6 millions sont destinés au financement conjoint des ponts aériens - la Suisse a affrété un appareil charter pour le transport des personnes déplacées - alors que 4 millions sont destinés à l'aide sur le terrain, pour les personnes déplacées attendant leur rapatriement. Ces der- nières sont assistées par l'Organisation des Nations Unies et les organisations humanitaires. Une aide financière et économique aux pays tiers directement touchés par la crise du Golfe est à l'étude. Là aussi, la Suisse est disposée à fournir sa contribution, qui ne sera pas négli- geable, vous aurez l'occasion de le mesurer. Nous estimons que la distribution à titre humanitaire de vivres à l'Irak doit s'ef- fectuer exclusivement par l'intermédiaire d'organisations internationales ou de la Croix-Rouge, ce qu'indiqué par ail- leurs le texte de la résolution du Conseil de sécurité. Pour l'ins- tant, la distribution de denrées alimentaires n'entre pas en li- gne de compte pour notre pays à titre immédiat, mais par le truchement de ces organisations humanitaires. La livraison de médicaments, telle que prévue en vertu de résolutions de l'Or- ganisation des Nations Unies et de l'ordonnance fédérale, est subordonnée à l'autorisation du Département fédéral de l'éco- nomie publique. Celui-ci a donné son accord la semaine der- nière, à la suite de demandes expresses de firmes suisses, pour des cas limités et des produits pharmaceutiques au sens strict du terme. La politique pratiquée en la matière par la Suisse correspond à celle de l'ensemble des pays de l'OCDE. En vertu de la législation actuelle sur l'exportation de matériels de guerre, aucune arme n'a été livrée à l'Irak pendant toute la guerre du Golfe. Quant à l'éventuelle participation d'entrepri- ses suisses à la production de l'industrie irakienne d'arme- ment, seules sont connues des autorités compétentes les ven- tes de marchandises dont l'exportation est autorisée en vertu des lois et prescriptions en vigueur. Il est néanmoins difficile de déterminer dans quelle mesure des produits destinés à une production civile auraient pu servir à des fins d'armement - nous pensons plus spécialement au domaine chimique. Lors- que récemment des indications ont laissé penser que l'Irak s'employait à mettre sur pied des installations de production de gaz de combat chimiques et biologiques ainsi que leurs systèmes porteurs, des fusées, nous avons examiné avec une attention toute particulière les affaires susceptibles de donner lieu à un emploi abusif, portées à notre connaissance. C'est ainsi que le Conseil fédéral, se référant à l'article 102, chiffre 8, de la Constitution fédérale, a interdit, en novembre 1989, l'exportation d'un stand d'essai de fusées, l'exportation et l'installation d'appareils biotechniques qui pouvaient être utilisés pour la production de gaz de combat biologiques. Plus récemment, le Ministère public a fait séquestrer des pièces métalliques d'une maison suisse, qui auraient pu être desti- nées à la fabrication du fameux super-canon en Irak. L'Office fédéral des affaires économiques extérieures s'est adressé, ce printemps, au Vorort pour le rendre attentif à la préoccupation des autorités suisses au sujet d'une possible participation suisse au développement de l'industrie irakienne d'arme- ment. Ainsi que vous l'avez par ailleurs appris par la presse, une en- quête est menée par le Ministère public de la Confédération, afin de déterminer si deux entreprises suisses pourraient avoir commis une infraction à la loi sur l'énergie nucléaire. Enfin, le Conseil fédéral a interdit cet été, avant les événe- ments, l'exportation d'un laboratoire et d'une installation de développement destinés à la production de carburant pour fu- sées. Depuis que l'Irak a procédé aux premiers engagements d'armes chimiques, des mesures ont été prises pour éviter la prolifération de ces armes. Ainsi, la loi fédérale sur le matériel de guerre a été complétée, en 1987, par une ordonnance con- cernant la désignation des substances chimiques soumises à autorisation. La liste des substances qui ne peuvent pas être exportées sans autorisation spéciale a été complétée la der- nière fois en 1989. Actuellement, ces substances sont au nom- bre de douze. En outre, la Suisse participe aux travaux du groupe Australie qui coordonne et, dans la mesure du possi- ble, uniformise dans le domaine de la chimie les contrôles na- tionaux des pays industriels occidentaux les plus importants. Afin d'empêcher l'utilisation abusive d'installations ou de par- ties d'installations et de leur technologie, auxquelles la législa- tion sur le matériel de guerre ou sur l'énergie atomique n'est pas applicable, le Conseil fédéral a chargé un groupe de tra- vail d'élaborer une future base légale. Celle-ci sera destinée au contrôle de l'exportation d'installations qui pourraient servir à la fabrication d'armes chimiques et biologiques ou à la techno- logie en matière de construction de missiles. Ce groupe de tra- vail aura vraisemblablement préparé un premier projet au cours de l'hiver 1990-1991. Le Conseil fédéral prendra prochainement une décision de principe au sujet des exportations d'armes à destination des pays du Golfe et de la Turquie. Aucune exportation ne sera au- torisée vers ces régions avant que cette décision ne soit prise. Par ailleurs, à la suite des postulats du 21 novembre 1989 dé- posés par la Commission de gestion du Conseil national, après son inspection dans le domaine du matériel de guerre, le champ d'application de la loi sur le matériel de guerre devra être examiné ainsi que toute la pratique qui en découle. Au sujet de la question posée par le groupe écologiste concer- nant une interdiction d'exportation de matériel de guerre à destination du tiers monde, il convient de constater que la loi en vigueur n'offre pas, dans les circonstances actuelles, une base légale suffisante. Les critères contenus dans les arti- cles 10 et 11 de la loi sur le matériel de guerre sont donc appli- cables à tous les Etats. Je terminerai par une brève analyse de l'évolution de la situa- tion. L'intransigeance de M. Saddam Hussein qui, le 28 août, a proclamé le Koweït 19e province d'Irak et rebaptisé l'an- cienne capitale de l'émirat, n'est pas entamée et reste de na- ture à compromettre les chances d'un règlement négocié. Au- jourd'hui, la crise du Golfe est entrée dans une nouvelle phase qui devrait montrer si la communauté internationale sait avoir la fermeté de faire respecter les sept résolutions du Conseil de sécurité, car l'Organisation des Nations Unies ne sortirait pas renforcée si ses résolutions devaient rester lettre morte. Mais encore faudrait-il, à propos des résolutions de l'ONU, ne pas avoir des exigences sélectives. Pour la communauté des Etats, les résolutions de l'ONU ne sont pas négociables, elles doivent être appliquées sans condition par l'Irak. Or, le prési- dent Hussein s'est enfermé dans une attitude de refus que seul l'embargo pourra peut-être ébranler. Cependant, si le blocus parvient à mettre l'économie de l'Irak dans une situation insupportable, une initiative désespérée reste possible. La crise pourrait s'étendre à d'autres pays de la région. Les Etats-Unis n'excluent pas un recours à la force si les sanctions tardaient à avoir les effets escomptés. L'Union soviétique et la plupart des autres Etats préconisent quant à eux de s'en tenir à l'embargo. Les sanctions, rien que les sanc- tions, toutes les sanctions! Pour notre part, nous devons être prêts à soutenir tout effort international visant à éviter ce que certains, même parmi mes amis, ont appelé la logique de guerre. Cette nouvelle crise au Moyen-Orient aura démontré, pour la première fois depuis 1945, la large convergence de vues entre les deux grandes puissances et leurs gouvernements, Mos- cou et Washington. Elle aura donné à l'URSS l'occasion d'être politiquement présente dans la région. Pour notre pays, cette crise nous rappelle que la détente Est-Ouest ne peut et ne doit pas nous faire oublier toutes les autres sources de conflits. Notre politique, telle qu'elle sera définie dans le domaine de la sécurité dans un prochain rapport doit aussi prendre en compte les crises extra-européennes, leurs causes et les con- séquences de ces crises sur la Suisse. Dans sa politique envers l'Irak, la Suisse a suivi une ligne de conduite conforme à la très grande majorité des Etats. Il ne s'agit pas d'exclure l'Irak en tant qu'Etat, en tant que nation de la Communauté des nations, mais de démontrer que l'agres-Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1514 N 24 septembre 1990 sion ne paie pas, que celui qui foule délibérément aux pieds les normes les plus élémentaires du droit des gens ne peut pas le faire impunément. Il s'agit aussi, à travers les sanctions, d'éviter le renouvellement de telles agressions, de telles prises d'otages, et de faire respecter la prééminence du droit re- connu par les parties dans les relations internationales. Pour un petit pays comme la Suisse, il s'agit là d'un intérêt fonda- mental. Mais il ne faut pas cacher une autre réalité. S'ils veu- lent éviter de nouvelles agressions, les pays industrialisés du monde devront à l'avenir s'interroger sérieusement sur leurs exportations d'armes, sur leurs exportations de technologies avancées ou de matériel servant en fin de compte à la multipli- cation à travers la planète des arsenaux destinés à servir des intérêts qui s'opposeront très vite aux nôtres. Le président irakien essaie de diviser le front international qui l'a condamné. Il tente de placer son agression, puis l'annexion du Koweït sous l'étiquette de l'opposition entre l'Occident et la nation arabe ou bien entre les pays industrialisés et le tiers monde. Il ne faut pas nier qu'il existe souvent une incompré- hension profonde entre l'Occident et le monde arabe et qu'on doit s'employer à la surmonter. La position de la Suisse, celle des pays occidentaux n'est pas une position anti-arabe, elle est la position de pays qui choisissent le droit pour régler les problèmes. C'est encore plus vrai que le problème du tiers monde est loin d'être résolu, mais nous devons fermement dé- mentir, dénoncer des amalgames qui ne cherchent qu'à légiti- mer un évident acte d'agression. Il est dans l'intérêt de la Suisse'et de toute la communauté internationale de faire com- prendre que dans notre monde la force du droit doit l'emporter sur le droit de la force. (Applaudissements) Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen offensichtliche Mehrheit Minderheit Le président: En ce qui concerne la succession des orateurs et des oratrices, je vous propose les modalités suivantes: s'ex- primeront, premièrement, les auteurs des interpellations, qui sont d'ailleurs souvent les porte-parole des groupes. Ils auront à disposition, quant ils sont porte^parole des groupes, dix mi- nutes, si ce n'est pas le cas, cinq minutes. Ensuite, s'exprime- ront les porte-parole des groupes qui n'ont pas présenté d'interpellation, puis les orateurs à titre individuel. Je vous rappelle encore une fois que nous discutons des cinq premières interpellations qui concernent le Département fédé- ral des affaires étrangères. Bundi: Ich glaube, ich darf eines im Namen der gesamten Kommission für auswärtige Angelegenheiten tun, nämlich Herrn Bundesrat Felber für die umfassenden Darlegungen zur Interpellation, die wir eingereicht haben, danken. Wir alle waren über die brutale Niederschlagung Kuwaits über- rascht. Das Schweizer Volk hat eigentlich einmütig die Verur- teilung der Invasion durch den Bundesrat, und ebenfalls das unbedingte Verlangen nach Rückzug, gebilligt. Der Bundesrat hat heute die Gründe für sein Handeln nach Ausbruch der Golfkrise dargelegt. Er hat damit die Ausführungen, die er am 16. August vor der aussenpolitischen Kommission machte, weitgehend bestätigt. Die Kommission hat schon damals dem Bundesrat für sein rasches Handeln gedankt. Sie hat gross- mehrheitlich seinen Beschluss, die Wirtschaftsmassnahmen gegen den Irak mitzuvollziehen, begrüsst und unterstützt. Sie hat aber keinen einheitlichen Gesichtspunkt in Bezug auf die Interpretation des mit der Boykottmassnahme verbundenen Neutralitätskurses oder in Bezug auf die künftig zu führende Neutralitätspolitik erlangt. Die heutige Diskussion mag dazu beitragen, auch eine teilweise Klärung dieser Frage herbeizu- führen. Ich möchte zunächst kurz auf die Begründung der schweizeri- schen Sanktionen durch den Bundesrat eingehen. In mehre- ren Verlautbarungen des Bundesrates nach seinem Sankti- onsbeschluss wurde erklärt, ein Abseitsstehen der Schweiz wäre ihr als Schwäche und Feigheit ausgelegt worden. Dieses Verhalten hätte uns in den Augen der Weltöffentlichkeit auf die Seite des Iraks gestellt, hätte dem Image unseres Landes ge- schadet. Dies alles ist wohl zutreffend. Allein, es ist die Frage zu stellen, ob dies die stichhaltigen Argumente waren, ob es nicht herzhafter und glaubwürdiger gewesen wäre, zu sagen: «Wir schliessen uns einfach aus Solidarität den weltweiten Massnahmen an. Wir wollen mithelfen, diese krasse Verlet- zung des Völkerrechtes zu beseitigen!» Das Wort Solidarität, von dem wir sonst so häufig Gebrauch machen, hätte ohne weitere Beifügungen zur Begründung herangezogen werden können. Wie es der Bundesrat formulierte, tönt es fast ein biss- chen so, als ob es mit seinem Mut nicht gerade sehr weit her wäre. Und noch eine weitere Bemerkung in diesem Zusammen- hang: Der Bundesrat hat auch erklärt, er habe seinen Be- schluss für die Sanktionen autonom gefasst. Es ist wohl anzu- erkennen, dass der Bundesrat schnell reagiert hat, dass er im Hinblick auf den zu erwartenden Beschluss der Uno die nähe- ren Umstände und Folgen von Sanktionen aus juristischer, politischer und wirtschaftlicher Sicht seriös abklären Hess und dass er schliesslich aus freiem Entschluss gehandelt hat, und zwar rechtzeitig, nur einige Stunden nach dem Beschluss des Sicherheitsrates. Aber dass er völlig autonom gehandelt hätte, entspricht wohl nur zum Teil den Realitäten. Richtigerweise hat der Bundesrat vorher sowohl die ändern zwei Neutralen als auch die übrigen Mitglieder der Efta konsultiert, die alle ihre Bereitschaft zum Mitmachen signalisierten. Alsdann gab es die Aufforderung des Sicherheitsrates, die Nichtmitgliedstaa- ten der Uno sollten sich auch an den Sanktionen beteiligen. Damit war klar, dass die Schweiz gar nicht anders konnte. Der Sanktionsentscheid war trotzdem für die Schweiz einmalig, wie er auch für die Uno wegen dessen Schnelligkeit und Ein- mütigkeit, einmalig war. In der Beurteilung unserer Neutralität nun will der Bundesrat nach dem Sanktionsentscheid keine historische Wende er- blicken. Er beruft sich auf das Haager Abkommen betreffend Rechte und Pflichten eines Neutralen von 1907. Dieses aufer- lege dem Neutralen strikte Enthaltung im Kriegsfalle und Ver- bot von finanzieller, Waffen- und Munitionshilfe, schreibe in wirtschaftlicher Hinsicht aber nichts vor. Unter bestimmten Be- dingungen könne ein Neutraler auch wirtschaftliche Massnah- men ergreifen. Angesichts der Einmütigkeit des Uno-Beschlusses vom Au- gust 1990 waren nun diese bestimmten Bedingungen gege- ben. Der Bundesrat erklärte denn auch, sein Beschluss sei keine grundsätzliche Abkehr vom traditionellen Neutralitäts- kurs. Er gedenke in Zukunft die Sachlage von Fall zu Fall zu er- wägen. Diese Auffassung hat uns heute Herr Bundesrat Felber wieder bestätigt. So sehr man für diese bundesrätliche Interpretation Verständ- nis aufbringt, fällt es einem schwer, sie in allen Punkten zu tei- len. Einmal gilt es festzuhalten, dass die Schweiz während fast ei- nes Jahrzehnts nach dem Ersten Weltkrieg - als Mitglied des Völkerbundes - die Maxime der differentiellen Neutralität klar und offen verkündet hatte, d. h. sie hatte sich zum Mitmachen bei wirtschaftlichen Sanktionen verpflichtet. Aufgegeben hat sie diesen Grundsatz schliesslich aus Nützlichkeits-, um nicht zu sagen aus egoistischen Erwägungen. Teilweise begreiflich war die damalige Abkehr, weil der Völkerbund nicht universal und zudem auch am Abbröckeln war. Heute ist die Uno eine universelle Völkerorganisation. Sankti- onsbeschlüsse, welche von diesem Gremium einmütig gegen Aggressoren gefasst werden, werden wir in Zukunft- nicht nur von Fall zu Fall - alle mittragen müssen. Also kann unser neu- tralitätspolitischer Kurs meines Erachtens klar definiert wer- den: différentielle Neutralität für alle einstimmig von der Uno beschlossenen Sanktionen. Ueberdies wird man um die Frage nicht herumkommen, ob diese différentielle Neutralität nicht auch je nach Fall bei menschenrechtsorientierten Sank- tionen oder bei Sanktionen der ganzen Europäischen Ge- meinschaft gelten soll. Zur Golfkrise möchte ich folgendes beifügen: Erstmals wird ein Aggressor durch eine fast einmütige Kundgebung der Völ- kergemeinschaft verurteilt und in die Schranken gewiesen, durch eine weltumspannende Aktion soll er zum Rückzug ge-24. September 1990 N 1515 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse zwungen werden; das ist lobenswert und verdient uneinge- schränkte Unterstützung. Zwei Probleme in diesem Zusam- menhang gilt es jedoch zu beachten und nicht einfach zu ver- drängen: Das eine ist der Gegensatz zwischen reich und arm. Der ge- waltige Reichtum, welcher in Kuwait angehäuft und zur Schau gestellt wurde, musste gegenüber den armen Nachbarn als eine Provokation erscheinen. In einer an Rohstoffen überquel- lenden Region äusserte sich ein Verteilungsproblem, dem man in den weit entfernten Industriestaaten wohl kaum die not- wendige Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Es ist auch ein Pro- blem, das sich eines Tages auf eine viel grössere Region aus- weiten könnte, nämlich auf die Nord-Süd-Dimension. Um hier einen offenen Konflikt grösseren Ausmasses zu verhindern, braucht es wohl viel grössere Anstrengungen der Industrie- staaten als bisher. Im Kampfe gegen Armut und Verschuldung der Entwicklungsländer braucht es massive Ausgleichsfonds im ökonomischen, sozialen und ökologischen Bereich. Der zweite Punkt betrifft die Waffenausfuhr: Saddam Husseins Aufrüstung erfolgte zu einem grossen Teil mit westlicher Hilfe. Westeuropäische und amerikanische Hochtechnologieunter- nehmen wetteiferten im Beliefern des Irak mit Rüstungsgütern. An der Lieferung von Industriewaren, die indirekt der Kriegs- führung dienen, beteiligte sich auch die Schweiz. Wir haben heute Beispiele von Herrn Bundesrat Felber gehört. Diese Tat- sachen werfen die Frage nach einschränkenderen Massnah- men für die Ausfuhr von indirekt zu Kriegszwecken dienenden Gütern auf. Sie lassen aber auch die Lieferung von Kriegsma- terial an nichtdemokratische, labile, unberechenbare Staaten und Regierungen als sehr bedenklich erscheinen. Es ist sehr zu begrüssen, dass der Bundesrat eine Arbeitsgruppe einge- setzt hat, die diesen gesamten Fragenkomplex abklären soll. Zum Schluss: Es ist schon mehrfach gesagt worden, Neutrali- tätspolitik sei Interessenpolitik. Soweit unter Interessenpolitik nicht nur unsere internen Interessen gemeint sind, einverstan- den. Gerade heute aber und vor allem im Rahmen der Golf- krise muss sich unsere Devise von Neutralität und Solidarität bewähren. Damit meine ich, dass unser Engagement im Rah- men der Flüchtlingshilfe, bei humanitärer Aktionen, aber auch in der Wirtschaftshilfe an die von der Golfkrise betroffenen An- rainerstaaten bedeutend auszubauen und zu verstärken ist. Herr Bundesrat Felber hat eine Reihe von Massnahmen erläu- tert, die der Bundesrat in Gang gesetzt hat, um in dieser Rich- tung zu helfen. Ich möchte aber Herrn Bundesrat Felber zum Schluss doch fragen, ob er der Auffassung ist, dass diese be- schlossene Hilfe genügt oder ob nicht umfassendere Pakete, die annähernd an die Grössenverhältnisse unserer Nachbar- staaten herankämen, beschlossen werden müssten. Burckhardt: Die Besetzung Kuwaits durch die irakische Ar- mee ist das bisher gefährlichste Ereignis in einer Reihe gros- ser Ereignisse der letzten Jahre, von denen wir wohl sagen dürfen, sie stellten zusammen einen weltgeschichtlichen Schub dar, der unsere Gesellschaft unwiderbringlich in neue Bahnen mit neuen Möglichkeiten und neuen Gefahren lenkt. Wir kennen die Elemente dieses Schubes von der Perestroika bis zur Beendigung des Kalten Krieges. In diese Reihe wird nun die Golfkrise eingeordnet. Mit einem grossen Unterschied allerdings: Während die neuesten Ereignisse in Europa einem Wegweiser in Richtung Frieden folgen, weist die Stossrich- tung am Persischen Golf in bestürzendem Masse auf Krieg: auf Oelkrieg, auf Religionskrieg, auf Rassenkrieg, auf Sozial- krieg. Die Welt hat auf die irakische Provokation in erstmaliger Einig- keit rasch reagiert und zwei Grossmassnahmen eingeleitet, Wirtschaftssanktionen gegen Irak unter Führung des Uno- Sicherheitsrates und Aufmarsch von Luft-, See- und Land- streitkräften im Golfgebiet unter Führung der USA. Die Schweiz- da wollen wir dankbar sein - hat sich kurz entschlos- sen in die Aktion der Sanktionen eingeordnet. Damit haben sich für die Schweizer eine Reihe von Fragen bezüglich der Neutralität und Unabhängigkeit sowie der Möglichkeiten, wei- terhin bei Konflikten ihre guten Vermittlerdienste anzubieten, ergeben. Der Bundesrat hat soeben diese Fragen, die wir gestellt ha- ben, in sehr befriedigender Weise beantwortet. Die liberale Fraktion dankt ihm dafür. Es mag Gründe internationalen Rechts, insbesondere der Neutralitätsrechte, geben, welche es dem Bundesrat hätten nahelegen können, andere Wege mit ähnlicher Zielsetzung zu suchen, aber trotzdem hat der Bundesrat auf solche Auswege verzichtet und sich klar und loyal gegenüber den Aktiven in der Weltgeschichte, die jetzt gestaltet wird, geäussert. Man könnte für diese Stellungnahme zahlreiche gute Gründe angeben. Ich werde hier nur versuchen, einige aus der ge- schichtlichen Entwicklung erwachsene Gründe anzuführen. Das sich dem Ende zuneigende 20. Jahrhundert, unser Jahr- hundert, hat zwei in Europa herbeigeführte Weltkriege erlebt, in welchen es die Aufgabe der Schweiz gewesen ist, die Alpen- stellung zu halten und sich die demokratische Freiheit zu wah- ren. Eine klare, allen verständliche und fast allen erwünschte Pflicht. Vor dem Ersten Weltkrieg beherbergte Europa fünf Imperien: auf der feudalen Seite die Kaiserreiche Deutschland, Oester- reich-Ungarn und Russland, auf der freiheitlichen Seite Frank- reich und Grossbritannien. Aus dieser Situation ist damals eine so spannungsgeladene politische Atmosphäre entstan- den, dass es, wie es uns viele Historiker darstellen, fast unge- wollt zum kriegerischen Konflikt kommen musste. Das Kriegsglück hätte sich trotz schlechter politischer Füh- rung dem deutschen feudalen Reich zuwenden können, wenn nicht in höchster Not die USA bereit gewesen wären, durch ei- genes militärisches Eingreifen die Situation für die Demokra- tien und die Freiheit zu retten. Man muss sich einmal vor Au- gen führen, dass schon damals - und trotz der Monroe-Dok- trin - den amerikanischen Bürgern zugemutet worden ist, ihre Söhne in einen Krieg, der eigentlich gegen ihren Willen unter Dritten entbrannt war, in Todesgefahr zu schicken - für eine Sache, die eigentlich gar nicht die ihre gewesen ist. Auf Anregung der USA ist der endliche Sieg anno 1918 mit der Konstituierung eines von den USA insinuierten und den Frie- den garantierenden Völkerbundes besiegelt worden, dessen segensreiche Wirkung am harten Frieden von Versailles schei- tern musste, einen Frieden, der - letzten Endes ohne die ent- täuschten USA abgeschlossen - die Keime eines zweiten eu- ropäischen Krieges schon in sich barg. Wie es zu diesem Zweiten Weltkrieg kam, haben viele von uns miterlebt: die Schwäche des Balkanraumes, das Wiederer- wachen des deutschen Militarismus, die faschistischen Er- folge in Abessinien, das Akzeptieren der Rheinlandbesetzung und des Einmarsches in Oesterreich durch die sogenannten Siegermächte, die Kapitulation Grossbritanniens und Frank- reichs in München, die Besetzung der Tschechoslowakei im März 1939, und endlich der Ueberfall auf Polen. Ich erinnere mich genau des bösen Eindruckes, den uns da- mals, am 26. August 1939, das Bild Molotows und Ribben- trops in den Tageszeitungen gemacht hat. Die beiden Aussen- minister unterzeichneten den Freundschaftsvertrag, der dem Deutschen Reich und Russland die Teilung Polens und damit die Eröffnung des Zweiten Weltkrieges ermöglichen sollte. Im Hintergrund des Bildes von damals war ein lachender Stalin zu sehen. Den wenigsten aber ist die Europareise des ameri- kanischen Sonderbotschafters Sumner Welles in Erinnerung geblieben, der im Winter 1939/40 die europäischen Gross- mächte im Auftrag des Präsidenten Roosevelt besucht und ge- mahnt hat, zum Frieden zurückzukehren: November/Dezem- ber/Januar 1939/40, ohne Erfolg. Letzten Endes ist der siegreiche Ausgang des Zweiten Welt- krieges wiederum und weitgehend dem aktiven Eingreifen der USA zu verdanken, welche diesen weder verschuldet noch ge- wollt hatten. Auch in Jalta hat es nicht an den amerikanischen Zielsetzungen, sondern eher an der tödlichen Krankheits- schwäche ihres Präsidenten gelegen, dass es zur Teilungssi- tuation eines Eisernen Vorhanges in einer so harten Weise hat kommen können. Mit dem Marshall-Plan haben die Amerikaner ihrem Teil, d. h. dem westlichen Teil Europas, zum überraschenden Wirt- schaftswunder verholten. Sie haben auch unter Truman 1947 mit einer Luftbrücke den demokratischen Teil Berlins für denCrise du Golfe. Interventions parlementaires 1516 N 24 septembre 1990 Westen erhalten. Sie haben sich überall im Namen ihres De- mokratieverständnisses für die Freiheit und für die Demokratie eingesetzt; selbst in Vietnam, in ihrer Art, wo ihnen als unge- wollte Erben der Franzosen der Kampf gegen den Kommunis- mus ins Haus gestanden hat. Sie haben es sich zur Pflicht gemacht, gegen Diktaturen und gegen die Machtgelüste der UdSSR anzutreten, das schlechte Beispiel der nachgebenden Haltung Münchens vor Augen. So ist es nicht nur das Verdienst Gorbatschows, dass im Bereiche des russischen Imperiums Tauwetter herrscht, sondern auch jenes der USA, welche im kalten Krieg nicht nachgegeben ha- ben. Und nun müssen die Amerikaner am Golf wieder mit militäri- scher Macht antreten, die Möglichkeit eines Krieges im Auge müssen sie die Verantwortung für den Weltfrieden im grossen, für das Schicksal zahlreicher Geiseln im kleinen weitgehend auf ihre Schultern laden. Man glaube nicht, die USA seien kriegslüstern. Das Prinzip der Monroe-Doktrin, sich ausserhalb Amerikas nicht zu engagie- ren, beweist das Gegenteil. Sie greifen trotzdem ein, weil sie wissen, dass man von ihnen weltweit Hilfe erwartet, wenn es gefährlich wird, und dass letzten Endes heute das Schicksal ihrer eigenen Nation vom Weltgeschehen abhängig ist, das sie deshalb mitlenken helfen müssen. Sie haben sich bei der Erfüllung ihrer politischen Supermachtpflichten finanziell und wirtschaftlich geschwächt, während die Hauptverursacher des Zweiten Weltkrieges so etwas wie wirtschaftliche Super- mächte geworden sind - das sind Japan und Deutschland -, immer noch vom Schütze der USA abhängig. Es ist wirklich wichtig, dass wir gegenüber den USA als unse- rer Schutzmacht loyal bleiben - im Rahmen der uns gegebe- nen Möglichkeiten der Neutralität-, und loyal gegenüber der Uno, welche mit Sanktionen den Frieden aufrechterhalten will, den sie sich auf ihre Fahnen geheftet hat. Braunschweig: Ich schliesse mich dem Dank an Herrn Bun- desrat Felber für die Ausführungen und vor allem die Arbeit an, die er in den letzten Wochen leisten und für die Entscheidun- gen, die er treffen musste. Dieser Dank umschliesst selbstver- ständlich auch alle seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die daran beteiligt waren und in kurzer Zeit weitreichende Ent- scheidungentreffen mussten. Schliesslich sage ich ausdrücklich: Unsere Solidarität gehört den Geiseln, denn ihr Schicksal ist ein entsetzliches Schick- sal; ich denke dabei besonders an die getrennten Familien, auch an die Flüchtlinge, die Verfolgten und Unterdrückten. Ich bin dankbar, dass uns Herr Felber zugesichert hat, es sei schon manches geleistet worden und es werde noch etliches zu leisten sein. Ich ermutige ihn, gerade in dieser Beziehung so grosszügig wie möglich zu sein. Wenn wir heute und dort helfen, ist das Risiko etwas kleiner, dass dereinst die Flücht- linge an unsern Grenzen stehen und neue und grössere Schwierigkeiten bereiten. Denn wir wissen, dass ein Teil unse- res Volkes nicht sehr tolerant ist. Auch deswegen sollten wir an Ort und Stelle soviel wie möglich tun. Wir stehen voll und ganz hinter Bundesrat Felber in der Verur- teilung des Regimes von Saddam Hussein. In einem Punkt al- lerdings gehen wir noch einen Schritt weiter: Was Saddam Hussein Kuwait angetan hat, ist das eine; was er darüber hin- aus auch seinem eigenen Land -Teilen des Volkes, den Min- derheiten, der Opposition und vor allem den Kurden-angetan hat, ist ein zusätzliches Verbrechen, und das verurteilen wir zu- sätzlich und in ganz besonderer Weise. Deshalb stehen wir hinter den getroffenen Wirtschaftssanktionen. Ich greife eine Frage heraus, weil wir ihr in unserer Interpella- tion besonderes Gewicht geschenkt haben, nämlich die Frage des Kriegsmaterialexportes. An dieser Stelle - muss ich sagen, Herr Bundesrat Felber - wäre ich dankbar, wenn Sie noch etwas deutlicher sagen könnten, weswegen bis heute noch kein Ausfuhrverbot für alle Golfstaaten beschlossen worden ist. Warum hat der Bundes- rat bei den Wirtschaftssanktionen so speditiv gehandelt und hier so schleppend? Nach Pressemeldungen soll er erst am 14. November 1990 darüber entscheiden. Es dürfen doch heute einfach keine Waffen mehr in diese Gebiete geschickt werden! Dieser Stopp ist sofort zu erlassen. Ich bitte Sie ganz dringend um einen entsprechenden Beschluss. In einem Punkt muss ich Ihnen, Herr Bundesrat, widerspre- chen. Sie haben gesagt, es sei schon möglich, dass ziviles Material, das während des irakisch-iranischen Krieges dorthin geschickt worden sei - legal nach dem Buchstaben des Ge- setzes -, auch für den Krieg gebraucht worden sei. Ich wäre froh, wenn der Bundesrat nicht nur nach dem Buchstaben, sondern auch nach dem Geist des Gesetzes entscheiden würde. In Einzelfällen wissen wir, Sie und ich und wir alle, ganz genau, dass Material für den Kriegseinsatz gebraucht worden ist. Ich habe vor Jahren eine Anfrage zu Notstromgruppen ge- stellt, die an das Luftfahrtministerium von Irak geschickt wur- den. Es kann doch niemand behaupten, dieses kriegswichtige Material sei für irgendwelche friedlichen, zivilen Zwecke ver- wendet worden. Das wussten wir alle; wir sollten vor uns selber ehrlicher sein. Ich wäre dankbar, wenn der Bundesrat nach diesen Erfahrun- gen über die Bücher gehen würde. Es gibt noch andere Punkte, die es dringend nötig machen und die ich wegen der Zeitbegrenzung nicht detailliert darstellen kann. Der Bundes- rat hat über die Grundsatzfrage - Kriegsmaterial in die arabi- schen Staaten, in den nahöstlichen Raum - zu lange nicht sel- ber entschieden, sondern es der Verwaltung überlassen, ob- wohl er eigentlich vom Gesetz her verpflichtet wäre, dort, wo es ganz schwierig und heiss ist, selber zu entscheiden. Etwas Ueberraschendes ist geschehen. Ich habe vor mir die erwähnte Verordnung des EVD überWirtschaftsmassnahmen gegenüber der Republik Irak und dem Staat Kuwait. In Arti- kel 1 Absatz 1 steht, dass diesen Sanktionen auch «die Ver- mittlung von Waffen» unterstellt ist. Erinnern Sie sich: Wie viele Male haben wir im Falle des Kriegsmaterialexportes gesagt, auch die Vermittlung von Waffen sollte dem Verbot unterstellt werden! Wie viele Male haben uns die Vorsteher des EMD ge- sagt: 1951, Bundesgerichtsentscheid! Wie an die Bibel haben sie sich damals an diesen Bundesgerichtsentscheid von vor vierzig Jahren geheftet. Und heute ist es möglich, auf Departe- mentsstufe mit einem Federstrich auch die Vermittlung von Waffen einzubeziehen. Ich hoffe, dass die Vermittlung ebenso speditiv in das Kriegsmaterialrecht einbezogen wird. In einem weiteren Punkt bin ich von der bisherigen Diskussion nicht befriedigt. Ich kann das Personalisieren und die Ausrich- tung dieses Konflikts auf Saddam Hussein nicht mitvollziehen. Ich habe es noch in den Ohren: Vor Jahren hat man in dersel- ben Weise von Nasser gesprochen; später von Ghadhafi, den die USA sogar zu Tode bombardieren wollten. Heute will man so etwas wieder planen, es gibt einzelne Militärs, die solche Ideen aussprechen. Dann war Arafat der Feind, dann bis vor kurzem Khomeiny - bis zu seinem Ende aus Altersgründen. Ich glaube nicht ganz an dieses personenbezogene Sünden- bockdenken. Wenn Saddam Hussein getötet würde, dann kä- men Nachfolger, die wahrscheinlich dieselbe Auffassung ver- treten würden. Nach dem Tode von Khomeiny ist in der irani- schen Politik auch nicht ein ganz anderer Weg eingeschlagen worden. Wir spüren doch diesen fundamentalistischen Auf- bruch in allen arabischen Staaten! Ich wäre dankbar, Herr Bundesrat, wenn Sie zu diesem Aspekt Ergänzendes sagen könnten. Dieser Auf bruch, der nicht nur in Irak stattfindet, sondern auch in Nordafrika, im Iran und in den Nachbarstaaten, bereitet uns grosse Mühe. Ich habe schon mehrmals, auch an diesem Ort, gesagt, wir mussten uns mehr um die Geschichte der arabi- schen Staaten, um ihre Kultur, vor allem aber um ihr Denken und Fühlen und um den Islam kümmern, um diesen Aufbruch besser verstehen und beurteilen zu können. Dann kämen wir zu weniger falschen Schlüssen und würden die Golfkrise um- fassender und weniger isoliert beurteilen. Es gibt in dieser Region nicht nur die Annexion Kuwaits, son- dern auch den Bürgerkrieg in Libanon. Seit Jahrzehnten wird dieses Land zugrunde gerichtet. Die Staaten, die militärisch aktiv geworden sind, haben für den Staat Libanon bisher kaum den kleinen Finger gerührt. Dort sind eben keine Oelinteres- sen im Spiel. Dieses ungleiche Verhalten muss uns peinlich berühren wenn nicht gar beschämen. Es gibt zusätzlich den Konflikt in den besetzten Gebieten Israels sowie den Kurden-24. September 1990 N 1517 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse Konflikt in mindestens drei Staaten. Von den'Kurden sprechen viele Leute erst heute, obschon die Kurden schon seit Jahren verfolgt und nicht nur in Irak unterdrückt werden. Dann gibt es - auf einer zweiten Ebene - schon seit über vier- zig Jahren den Konflikt zwischen Israel und den arabischen Staaten. Wir im Westen und die Vereinigten Staaten, die vorhin hochgelobt worden sind, haben in den letzten Jahren nichts mehr zur Lösung dieses Konflikts beigetragen. Es gibt auf einer dritten Ebene den Konflikt zwischen der indu- strialisierten und der Dritten Welt. Herr Bundesrat, Sie haben das erwähnt, aber mir scheint diese Problematik doch von grösserer Bedeutung zu sein, als Sie es dargestellt haben. Ich frage mich, ob später die Geschichtsschreibung nicht sa- gen wird, in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts habe es den Konflikt Vereinigte Staaten/Vietnam, Sowjetunion/Afgha- nistan und die Industriestaaten gemeinsam gegen die arabi- schen Staaten gegeben. Kommt noch das Seltsame hinzu, dass die arabischen Staa- ten ausserordentlich geteilt sind und differenziert zu Irak/ Kuwait Stellung nehmen. Vor Wochenfrist haben sich 10 oder 12 Staaten in Amman versammelt, die eher dem Irak naheste- hen. Wir müssen darüber nachdenken, warum das so ist. Jetzt sind Iran und Syrien zusammengekommen. Sie haben die Er- oberung von Kuwait verurteilt, aber auch die Intervention der Vereinigten Staaten gegen Irak abgelehnt. Saudi-Arabien, das vielleicht von den Vereinigten Staaten «gerettet» worden ist, hat gesagt: Keine militärischen Handlungen von unserem Ter- ritorium aus! Meine letzte Frage: Kann die Schweiz wirklich gar nichts ande- res tun, als nur die Uno unterstützen? Wir haben in all diesen arabischen Staaten unsere qualifizierten Botschafter. Könnten wir von ihnen nicht mehr von diesen Differenzen erfahren? Könnten wir uns nicht an den Prozessen, die sich abspielen, beteiligen? Sollten wir nicht höhere Ansprüche an unsere Di- plomaten und an uns selber stellen? Das würde weiter führen, wäre fruchtbarer, als wenn wir bei der Verurteilung stehenblei- ben. Was die Verurteilung anbelangt, sind wir uns ja ohnehin einig. Widmer: Ich möchte versuchen, die Thematik der Sanktionen gegen Irak in den grösseren Rahmen der Entwicklung schwei- zerischer Neutralitätspolitik zu stellen. Selbstverständlich be- grüssen wir, wie alle ändern, den Beschluss des Bundesrates, sich den Uno-Sanktionen anzuschliessen. Man muss sich aber im klaren sein, dass es sich dabei um einen ganz norma- len, mehr oder weniger opportunistischen Beschluss gehan- delt hat. Man muss sich noch mehr im klaren sein darüber, dass der Bundesrat gar keine Möglichkeit hatte, irgend etwas anderes zu beschliessen. Es wurde demzufolge auch keine heilige Kuh geschlachtet; davon kann gar keine Rede sein, schon deshalb nicht, weil - um beim gleichen Bild zu bleiben - gar keine heilige Kuh vorhanden war, weder im Stall noch auf der Wiese. Warum nicht? Weil es für eine begriffsgetreue Neutralitätspoli- tik mindestens zwei verschiedene Parteien haben muss, wenn möglich noch mehr. In diesem Fall aber herrschte, wie Ihnen allen geläufig ist, bei allen für uns relevanten Gesprächspart- nern, also bei den westlichen Demokratien, von Anfang an eine vollständige Einigkeit, es gab für uns gar keine Wahlmög- lichkeit. Man könnte nun etwas darüber nachdenken, wieso auf einmal eine solche doch recht überraschende Einigkeit entstehen konnte. Ich will nur einen einzigen Aspekt auswählen, mögli- cherweise ist es der wichtigste: Offensichtlich hat sich die Hal- tung der Sowjetunion gegenüber den westlichen Demokratien - das ist Ihnen allen geläufig, Stichwort Perestroika - grundle- gend gewandelt. Die Sowjetunion war gezwungen, auch in diesem Fall, sich sogleich den Wünschen der westlichen De- mokratien anzuschliessen. Dafür gab es verschiedene Gründe: Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Sowjetunion. Das Land braucht Dollars und harte Mark, um sich wirtschaftlich zu erholen. Aber, was sicher wichtiger ist und gerne vergessen geht: die Sowjetunion wird unmittelbar bedroht von den fun- damentalistischen Entwicklungen im Islam. Bedenken Sie, dass es in der Sowjetunion rund 50 Millionen Moslems gibt. Wenn diese Völkerschaften, die sich alle im Süden der Sowjet- union aufhalten, von den aggressiven fundamentalistischen Bewegungen ergriffen würden, so wäre die heutige Sowjet- union politisch erledigt. Die Sowjetunion hat deshalb ein ganz eminentes Interesse daran, dass die Entwicklung, die sich jetzt im Irak abzeichnet, gestoppt wird. Ob diese Einigkeit, die auch noch andere Gründe hat, in Zukunft andauert, das ist wieder eine andere Frage. Auf diesem Hintergrund ist der Sanktionsbeschluss des Bun- desrates zu interpretieren als eine schüchterne, vorsichtige Rückkehr zu früheren Vorstellungen von schweizerischer Neu- tralitätspolitik. Da komme ich auf ein Anliegen, das ich Ihnen schon bei anderer Gelegenheit unterbreiten durfte und das ich für wirklich wesentlich halte: Die Schweiz und die Schweizer Politiker leben heute immer noch in der falschen Vorstellung, dass die Neutralitätspolitik, die wir ungefähr seit Ende der dreissiger Jahre betreiben, die richtige und einzig mögliche Neutralitätspolitik sei. Das ist grundfalsch, denn unser junger Bundesstaat von 1848 hat eine ganz andere Aussenpolitik, eine aktive, unternehmungslustige Neutralitätspolitik betrie- ben. Ich erinnere daran, mit welcher Tapferkeit, mit welchem Mut und weicher Entschlossenheit man sehr bald nach der Grün- dung des Bundesstaates, nämlich im Jahr 1856/57, die soge- nannte Neuenburger Krise bewältigt hat. Die Preussen wollten damals ihre Rechte im Fürstentum Neuenburg Wiederaufle- ben lassen. Was war die Reaktion des schweizerischen Bun- desrates? Man mobilisierte die Armee, man wählte Dufour noch einmal zum General. Dufour entwarf sofort einen An- griffsplan, er wollte von Schaffhausen aus nordwärts gegen die Preussen marschieren, ohne jedes Zögern das schweizeri- sche Territorium aktiv verteidigen und sich ohne Rücksicht auf irgendwelche theoretische Erwägungen ganz klar für die na- tionale Aufgabe engagieren. Sie erinnern sich daran, wie die Schweiz sich noch nach dem Ersten Weltkrieg verhalten hat, also 1918. 1918 hat die Schweiz den Grossmächten einen eigenen Entwurf für eine Weltfriedensorganisation unterbreitet. Das war ein interessan- ter, wirkungsvoller Vorschlag; er hat wesentlich dazu beigetra- gen, dass Genf Sitz des Völkerbundes und mehrerer anderer internationaler Organisationen wurde. An diesem Beispiel sehen Sie sehr gut, dass wir heute noch von dieser früheren, aktiven Aussenpolitik profitieren. 1945 aber - das ist das Gegenbeispiel - waren wir so eingeschüch- tert, so daran gewöhnt, uns auch geistig ins Réduit zurückzu- ziehen, dass wir weitgehend passiv blieben und dass die Ent- wicklung an uns vorbeigezogen ist. Es ist ausgeschlossen, dass die Schweiz auf die Dauer immer noch von den Leistungen früherer Generationen zehren kann. Insofern bin ich auch mit Herrn Bundi einverstanden, der ge- wisse Vorbehalte gegenüber den vorsichtigen Formulierun- gen des Bundesrates angebracht hat, als wären die Sanktio- nen mit der Neutralitätspolitik nicht vereinbar. Wir sind ent- schieden der Auffassung, Sanktionen gehören zu einer akti- ven Neutralitätspolitik. Allerdings bedeutet das, Neutralitäts- politik soll nicht von Krämergeist, sondern von Idealismus, von Solidarität, von Humanität getragen werden. Da muss natür- lich der Name Dunantfallen, derfür unsere Aussenpolitik auch heute noch massgebend ist. Damit komme ich zu einem ganz wesentlichen Gedanken: Es ist höchste Zeit, dass das Parlament die Aussenpolitik als ein wesentliches Thema erkennt. Ich fürchte, Sie sind sich nicht bewusst, was sich im Laufe der letzten zwei Monate abgespielt hat, nämlich folgendes: Bei der höchstwahrscheinlich wichtig- sten Frage, vor der die Schweiz heute steht - bei der Bezie- hung der Schweiz zur EG -, ist die Initiative nicht vom Parla- ment, nicht von den Parteien, sondern von zwei Printmedien übernommen worden, die eine Volksinitiative gestartet haben. Wir sind in den verschiedensten Zirkeln jetzt eifrig beschäftigt, nachzuvollziehen, was andere ausserhalb des Parlamentes in Gang gesetzt haben. Anders ausgedrückt: Das Parlament muss nun endlich einmal zur Einsicht kommen, dass es eine Illusion ist, die Schweiz als ein Land zu sehen, das sich ohne Aussenpolitik, möglichst ohne Aussenpolitik, so durch dieCrise du Golfe. Interventions parlementaires 1518 N 24 septembre 1990 Schwierigkeiten schlängeln kann. Das führt selbstverständlich - das wird Sie nicht überraschen -zum Stichwort Uno. Herr Bundesrat Felber hat sehr richtig aus der Botschaft vom Jahre 1981 zitiert, die dannzumal den Uno-Beitritt einleiten wollte. Damals wurde ausdrücklich und richtig gesagt: Auch wenn man nicht Mitglied der Uno ist, wird man früher oder spä- ter gezwungen sein, sich an wirtschaftlichen Sanktionen zu beteiligen, ob es einem passt oder nicht. Das war damals der Hauptauseinandersetzungspunkt in der Volksabstimmung. Die Gegner des Uno-Beitrittes haben immer gesagt: Das ist das Gefährliche, das müssen wir vermeiden. Wenn wir Uno- Mitglied werden, dann müssen wir mitmachen bei solchen Wirtschaftssanktionen, und das darf auf keinen Fall gesche- hen. Sie haben beim Publikum Echo gefunden, wie Sie alle wissen. Der Beitritt wurde abgelehnt. Nun, was haben wir heute für eine Tatsache? Der Bundesrat hat Wirtschaftssanktionen beschlossen. Damit nicht genug, die Oeffentlichkeit hat absolut positiv darauf reagiert. Mit ande- ren Worten, etwas abgekürzt: Man hat gute Gründe anzuneh- men, es sei nun der Zeitpunkt gekommen, das Thema Uno- Beitritt wiederaufzunehmen; nicht nur allein deshalb, weil Liechtenstein nun Mitglied der Uno geworden ist. Das muss uns nicht unbedingt zwingende Begründung sein. Aber es sind sachliche Gründe, die uns heute zwingen, das Thema wiederaufzunehmen. Deshalb haben wir - damit möchte ich schliessen-ein Postulat eingereicht, das vom Bundesrat Aus- kunft darüber wünscht, wann er der Uno beizutreten gedenkt. M. Rebeaud: Je pourrais vous annoncer, presque comme un perroquet, à la suite des propos de M. Widmer, que cette dis- cussion a aussi eu lieu au sein de notre groupe et que nous déposons aujourd'hui, non pas un postulat mais une motion demandant que soit rapidement reprise la question de la parti- cipation pleine et entière de notre pays aux travaux de l'Orga- nisation des Nations Unies. Dans l'ensemble et dans les grandes lignes, notre groupe peut se déclarer satisfait des réponses du Conseil fédéral aux questions contenues dans son interpellation. Je demande ce- pendant au représentant du gouvernement de nous en dire davantage su certaines de ses déclarations. En effet, si nous sommes satisfaits de sa réponse, nous ne pouvons pas, pour l'instant, nous déclarer rassurés. Pour cela, nous n'aurions pas besoin d'un discours du Conseil fédéral mais de préci- sions sur sa politique. La première concerne le pétrole. Il me paraît évident - si évi- dent que le Conseil fédéral n'a pas jugé utile de le répéter - que l'unanimité des Etats industrialisés et presque de tous ceux de la planète, quant à l'intervention de l'ONU sur le conflit du Golfe, est due au fait que les grandes puissances ont un intérêt économique et stratégique à ce que la région ne soit pas déstabilisée, et surtout à ce que les prix du pétrole n'aug- mentent pas trop rapidement. Les dernières expériences de crise pétrolière, qui ont été relativement légères par rapport à celle qui résulterait d'un embrasement militaire dans le Golfe, nous ont rendus prudents à cet égard. Monsieur Felber, vous avez déclaré ajuste raison: «l'Occident a la mémoire un peu courte. Il devrait peut-être réduire sa dé- pendance à l'égard du pétrole». Quand vous parlez de l'Occi- dent, de qui s'agit-il? J'ai le sentiment que, dans le cas particu- lier, le rôle principal de l'Occident est joué par les Etats-Unis, mais que la totalité du monde industrialisé participe, de près ou de loin, à l'action de ce pays, pour les mêmes raisons (la dépendance à l'égard du pétrole). Nous sommes aussi l'Occi- dent et nous aussi, petite Suisse, sommes coupables d'avoir eu la mémoire courte. Notre dépendance à l'égard du pétrole et notre consommation excessive de cette ressource rendent explosive la situation mondiale. Notre neutralité ne nous proté- gera pas contre les dégâts éventuels d'une troisième guerre mondiale liée à une crise autour du pétrole. Par conséquent, le Conseil fédéral - maintenant qu'il en a les compétences grâce à l'acceptation par le peuple de l'article sur l'énergie - est-il décidé à mettre tout en oeuvre pour ré- duire notre dépendance à l'égard du pétrole? Ma deuxième question porte sur les armes. Monsieur le Con- seiller fédéral, vous avez dit à juste titre, une fois de plus, que les Occidentaux doivent s'interroger sérieusement sur le rôle des livraisons d'armes dans les pays du tiers monde. Nous avons pu lire dans les journaux de dimanche que le Conseil fé- déral avait renoncé à interdire la livraison de matériel de re- change pour des canons de 35 mm. destinés à des porte- avions séoudiens. N'aurait-il pas mieux valu, tout de suite, que le gouvernement interdise d'exporter la moindre arme dans les Etats du Golfe comme dans ceux du tiers monde? En effet, nous savons que la plupart de ces Etats n'ont pas une stabilité politique nous permettant d'être assurés que les armes que nous leur vendons ne seront pas utilisées à de tristes fins. Les Etats-Unis et l'Occident, malgré ou à cause d'eux, sont en train de choisir d'autres alliés contre Saddam Hussein. On a traité celui-ci de boucher: je veux bien, il a du sang sur les mains, mais je voudrais que l'on me dise pourquoi tout à coup, son voisin Hafezel-Assad ne mériterait pas, lui aussi, ce qualifi- catif. Le jeu des alliances des bouchers les uns contre les uns ne mène nulle part, à long terme. La seule chose que nous puissions entreprendre, puisque nous ne sommes pas dépen- dants des Etats-Unis pour les messages politiques que nous adressons au reste du monde, c'est de mettre en oeuvre une politique exemplaire de non-exportation d'armes et de réduc- tion de notre dépendance à l'égard du pétrole. Cela est une politique à long terme mais, selon vos propos, Monsieur le Conseiller fédéral, nous devrions avoir la mémoire moins courte. J'espère donc que le gouvernement suisse prendra désormais cette menace au sérieux, et j'attends avec intérêt votre réponse sur ces points précis. Auer: Vorerst möchte ich, auch im Namen der freisinnigen Fraktion, Herrn Bundesrat Felber für seine Antwort und ihm und seinen Mitarbeitern für den Einsatz in den letzten Wochen herzlich danken. Es lohnt sich, wieder einmal - Herr Widmer gab schon den An- stoss dazu - über die Neutralität nachzudenken. Wir können dabei - wenn wir die Diskussion verfolgen - drei Lager ausma- chen: Ein erstes, eher konservatives, sieht in der Neutralität ein un- umstössliches Dogma, einen unverrückbaren Teil helveti- schen Selbstverständnisses, fast so alt wie die Eidgenossen- schaft selbst und offenbar für die Ewigkeit bestimmt. Das «Stil- lesitzen» nach der Lektion von Marignano habe sich bewährt. Aufs Maul hocken sollten wir weiterhin. Das überwältigende Nein des Volkes zum Uno-Beitritt ist zu einem erheblichen Teil auf diese Haltung zurückzuführen. Das zweite Lager vertritt die Gegenthese. Es kann deshalb nicht a priori als fortschrittlich bezeichnet werden, wohl aber teils als überheblich. Die Neutralität sei längst überholt, eine «heilige Kuh», das «Instrument von berechnenden Krämersee- len», das «Kalkül von blossem Opportunismus und Eigen- nutz», alles andere als moralisch; man drücke sich damit bloss nichtswürdig vor internationalen Solidaritätspflichten. Hierzu zweierlei: 1. Right or wrong - der Neutralitätsgedanke ist in unserem Volk tief verankert. Als befürwortender Referent für den Uno- Beitritt habe ich das weidlich erfahren müssen. Ob wir diese Einstellung richtig oder falsch finden: Dass viele Mitbürgerin- nen und Mitbürger die Neutralität als eine tragende Säule un- serer helvetischen Identität betrachten, ist zu respektieren. 2. Die Neutralität-wenn auch nicht sie allein-hat uns nun seit bald 200 Jahren vor Kriegen verschont. Ohne chauvinistisch zu sein oder die helvetische Schulmeisterrolle spielen zu wol- len: Wenn andere Länder unserem Beispiel gefolgt wären, wäre uns mancher Krieg erspart geblieben. Nicht von unge- fähr ist heute die strukturelle Nichtangriffsfähigkeit à la Suisse ein aktuelles Postulat in der internationalen Konfliktverhinde- rungspolitik geworden. Allzu tief brauchen wir also das Licht- lein der bewaffneten Neutralität nicht unter den Scheffel zu stellen. Das dritte Lager sieht in der Neutralität weder ein unerschütter- liches Dogma noch etwas, das auf den Schutthaufen der Ge- schichte gehört, sondern ein durchaus bewährtes, freilich den Umständen anzupassendes Instrument unserer Aussenpoli- tik; kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck, nämlich zur Wahrung der Unabhängigkeit des Landes.24. September 1990 N 1519 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse Die Auffassung dieses dritten Lagers deckt sich mit jener des Bundesrates und unserer Fraktion. Dabei unterscheiden wir zwischen dem Neutralitätsrecht und der Neutralitätspolitik. Das erstere, völkerrechtlich verankert, verpflichtet den Neutra- len, sich aus kriegerischen Auseinandersetzungen herauszu- halten. Das ist nach wie vor der Hauptzweck der Neutralität. Weniger klar - und in der Handhabung schwieriger - ist die Neutralitätspolitik. Die Behauptung wäre blauäugig, sie sei stets konsequent und geradlinig gewesen, wir seien nicht mit- unter vom Weg der Tugend abgewichen - zuweilen unter er- heblichem ausländischem Druck -, die aussenpolitische Ge- sinnung habe stets mit der Neutralitätspolitik übereinge- stimmt, wir hätten nicht oft wirtschaftlichen Ueberlegungen die Priorität eingeräumt-einräumen müssen! Berechtigt ist aber auch nicht der Vorwurf, allein Opportunis- mus habe unsere Neutralitätspolitik geleitet. Man kann sie als Interessenpolitik qualifizieren. Aber kein Staat handelt aussen- politisch altruistisch und stellt nicht eigene Interessen in den Vordergrund! Solidarität übt der Bundesrat aus mit seinen Massnahmen zur humanitären Hilfe für die Hunderttausenden von Flüchtlingen am Golf. Unsere Beteiligung an den Uno-Sanktionen gegenüber Irak ist - auf der einen Seite nahezu euphorisch, auf der ändern eher resignierend - als «Bruch mit der bisherigen Politik» und als «Abdankung der Neutralität» kommentiert worden, als «histori- sche Kehrtwende» und - wieder einmal - als «Schlachten einer heiligen Kuh». Das alles ist es nicht! Wenn der Bundesrat zumindest in einem Punkt bemerkens- werte Weitsicht gezeigt hat, dann hier. Im Uno-Bericht von 1981 wird nämlich ausgeführt: «Dauernd neutrale Staaten wer- den, ob sie Mitglieder der Uno sind oder nicht, in allen Fällen den umfassend gehandhabten wirtschaftlichen Sanktionen der Organisation Rechnung tragen müssen: die Mitglieder aufgrund ihrer Mitgliedverpflichtungen, die Nichtmitglieder unter dem Druck der nicht weniger imperativen Sachzwänge» (Botschaft vom 21.12.81, S. 54). Schon zuvor, im zweiten Uno-Bericht von 1969 und im dritten Uno-Bericht von 1976, hatte der Bundesrat dargelegt, nicht- militärische Sanktionen seien nicht zum vornherein unverein- bar mit der Neutralität. Genau jetzt ist der vom Bundesrat skiz- zierte Fall eingetreten: Der Sicherheitsrat beschloss die Sank- tionen einmütig, und zwar - erstmals in der Geschichte der Uno - nicht mit dem Ziel, innenpolitische Veränderungen her- beiführen zu wollen, wie in den Fällen Rhodesien und Süd- afrika, sondern als Gegenzug zu einer verdammungswürdi- gen und brutalen Aggression auf ein Mitgliedland. Eine «historische Wende» ist nicht die Haltung des Bundes- rates, sondern es sind die erstmalige Geschlossenheit der in der Uno vereinten Völkergemeinschaft und die von ihr Schlag auf Schlag getroffenen, drastischen Massnahmen gegenüber dem Irak. Historisch ist allenfalls-was das Verhalten deraussenstehen- den Schweiz betrifft -, dass sich unser Land rasch und ohne Wenn und Aber einem Uno-Entscheid anschliessen konnte - anschliessen musste! Das war kein «mutiger Entscheid», wie kommentiert wurde, sondern schlicht ein solcher der Vernunft. Es blieb gar keine andere Wahl. Ein Nein oder nur eine Be- schränkung auf den Courant normal hätte uns dem Vorwurf der Feigheit, der Schwäche und des unsolidarischen Verhal- tens ausgesetzt. Man hätte uns der Begünstigung des Aggres- sors bezichtigt. Die grosse Mehrheit des Volkes, die u. a., wie schon Herr Widmer sagte, der drohenden Sanktionsverpflich- tungen wegen den Beitritt zur Uno, eines angeblich saftlosen Debattierklubs abgelehnt hat, die grosse Mehrheit des Volkes dürfte den Bundesratsentscheid begrüsst haben. Unsere Fraktion unterstützt die Haltung der Landesregierung. Drei kritische Bemerkungen seien gestattet: Erstens erfolgte unmittelbar nach der Aggression Iraks keine Stellungnahme des Bundesrates, sondern bloss eine solche des EDA. Ueberdies war diese dem Wortlaut nach - bei allem Respekt vor der Sprache der Diplomaten - angesichts des hin- terhältigen und brutalen Vorgehens der irakischen Militär- macht gegenüber dem Kleinstaat allzu sanft und leisetrete- risch. Zweitens waren anfänglich die Informationen aus dem Bun- deshaus nicht eindeutig und offenbar nicht koordiniert. Die In- terpretationen der Neutralitätspolitik durch Staatssekretär Ja- cobi am 6. August und anderntags durch Bundesrat Felber stimmten nicht überein, zumindest nicht gemäss der Bericht- erstattung. Mit einem Hinweis auf den erwähnten früheren Positionsbe- zug des Bundesrats in den Uno-Berichten hätte der unnötige publizistische Wirbel um «heilige Kühe» und «neutralitätspoliti- sche Wendehälse» vermieden werden können. Das Dritte ist keine Kritik, sondern ein Wunsch: Das Mitma- chen an den Uno-Sanktionen möge den Bundesrat nicht hin- dern, auch Bagdad die Guten Dienste der Schweiz anzubie- ten. Zwar sieht es im Moment nicht so aus, als trachte Saddam Hussein nach einer friedlichen Lösung. Aber seine spektaku- lären politischen Kehrtwendungen und aufrührerischen Bran- dreden sind Teile von kalkuliertem Nervenkrieg. Dass das verbal Verkündete nicht alleweil mit dem wirklich Ge- wollten übereinstimmt, gilt bei den Arabern noch mehr als an- derswo. Man kennt das aus den Basaren. In der Diplomatie ist es ebenso. Wir hoffen, dass die Krise ohne Krieg überwunden werden kann. Den USA gebührt Dank, dass sie mit ihrer Streitmacht ein uner- bittliches, für Saddam Hussein offensichtlich unerwartetes «Halt!» geboten haben. Trotz west-östlicher Uebereinstim- mung wäre der Beschluss des Sicherheitsrates blosse Maku- latur, wenn nicht die USA der Uno ein Machtinstrument in die Hände gegeben hätten. Zum Schluss: Wir werden in den nächsten Jahren gewiss nicht darum herumkommen - Herr Widmer hat darauf hingewiesen -, die Neutralität neu zu diskutieren. Anlass dazu geben wer- den u. a. die zunehmende globale Interdependenz, das verän- derte Europa und unsere Stellung darin, die Entwicklung der EG und unsere Beziehungen zu ihr, die zukünftige Sicher- heitspolitik, z. B. im Falle kooperativer Sicherheitssysteme, und wohl auch die Ueberprüfung der Waffenausfuhr, vielleicht wenn wir die Frage des Uno-Beitritts erneut prüfen müssen. Wir wissen nicht, wie sich die schweizerische Neutralitätspoli- tik weiterentwickeln wird. «C'est le secret de l'avenir», wie der Neutralitätsexperte par excellence, Edgar Bonjour, kürzlich sagte. Aufgabe des Parlaments ist es jedenfalls, diese Fragen zu diskutieren und den Souverän auf einen möglichen Wandel hinzuweisen. Rychen: Die SVP-Fraktion verurteilt die Aggression Iraks ge- gen Kuwait. Mildern Einmarsch in Kuwait und auch mit der offi- ziell deklarierten Annexion dieses Kleinstaates wurde das Völ- kerrecht auf krasseste Weise verletzt. Dies ist schlicht unan- nehmbar. In diesem Sinne unterstützen wir die Sanktionspoli- tik des Bundesrates. Die Solidarität, die weltweit geübt wurde, vor allem auch die Geschlossenheit, die Einigkeit unter den Grossmächten in Ost und West, die Einigkeit der ständigen Mitglieder des Uno-Sicherheitsrates, all dies ist beein- druckend. Als Kleinstaat sind wir von den Vorgängen in der Golfregion beeindruckt, weil auch hier sich wieder etwas ab- gespielt hat, das in der Geschichte oft vorkommt: Der Grosse, vergreift sich am Kleinen. Dies berührt unsere politische Seele ganz besonders. In diesem Zusammenhang hat sich die SVP-Fraktion die Frage gestellt, wie es sich jetzt in diesem Fall mit der Neutrali- tätspolitik unseres Landes verhält. Die Frage, die gestellt war, war eindeutig: Handelt es sich hier nun um eine Wende in der Neutralitätspolitik, ja oder nein? Die SVP gibt eine ganz klare Antwort: Nein, es ist keine Wende in der Neutralitätspolitik. Auch in diesem Sinne stützen wir den Bundesrat in seiner Hal- tung. Natürlich, auch das unterstreichen wir: Neutralitätspolitik muss neue aussenpolitische Umfelder beachten. Neutralitäts- politik muss auch aus unserer Sicht fähig sein, mit Verände- rungen in dieser Welt fertig zu werden. Unser neutralitätspoliti- sches Handeln muss aber von Fall zu Fall festgelegt werden. Jedes neue Ereignis ist neu zu beurteilen. Wer also aus dieser Sanktionspolitik, diesem Sich-anschliessen an die weltweiten Sanktionsmassnahmen, ableiten möchte, dass wir das in je- dem Fall tun, wenn es andere auch machen, der zieht wahr-Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1520 N 24 septembre 1990 scheinlich die falschen Schlüsse. Wir wollen keine Wende in dem Sinn, dass wir uns für alle Zukunft festschreiben, sondern wir wollen eine pragmatische Neutralitätspolitik und keine dogmatische. Die SVP hält also an der Neutralität der Schweiz ganz klar fest. Diese Neutralität ist ja nicht nur historisch gewachsen, sie ist auch mehr als eine politische Tradition, sie ist nämlich ein sehr wichtiges Instrument, ein Mittel eines Kleinstaates, um sich zu schützen. Wir warnen vor zu leichtfertigem Umgang mit der Neutralität. Die Diskussion im Nachgang zu diesem Bundesratsbe- schluss hat den Eindruck hinterlassen, dass es Kreise in die- sem Staat gibt, die jetzt mit dieser Neutralitätspolitik leichtfertig umgehen wollen. Vertrauenswürdige Neutralität lässt sich nur durch jahrzehntelange Politik erarbeiten, vor allem das Ver- trauen in die Neutralität und Neutralitätspolitik. Ich möchte fast sagen: Neutralität ist wie ein rohes Ei - wenn man es fallen lässt, dann ist es endgültig zerschlagen. Es gibt keinen Grund, von unseren neutralitätsrechtlichen, freiwillig eingegangenen Verpflichtungen abzurücken. Die Neutralitätspolitik braucht auch in Zukunft subtiles Ueberlegen und Handeln, vorsichti- gen Umgang. Als dritte Frage stellte sich die SVP die Frage der Solidarität. Sind wir Profiteure? Sind wir jene, die nur von der Neutralität profitieren wollen und dann alle negativen Lasten den übrigen Staaten gemeinsam überlassen wollen? Ja, es stellt sich tat- sächlich die Frage der Fünfer-und-Weggli-Politik auch hier. Diese Frage ist ernst zu nehmen. Unsere Antwort darauf ist: Wir sind der Meinung, dass es richtig ist, wie der Bundesrat es gemacht hat, nämlich im humanitären Bereich, im Bereich des Flüchtlingsdramas am Golf zu helfen. Wir meinen aber, Herr Bundesrat Felber, dass es einiges mehr sein könnte, dass un- sere Solidarität in diesem Fall grösser und massiver ausfallen dürfte, dass wir also für die Hilfe zur Heimschaffung von diesen Flüchtlingen, dass wir für das menschliche Schicksal etwas mehr tun dürften als im Rahmen von 10 Millionen Franken. In diesem Sinne stehen wir.für die Politik des Ja zur Neutralität, des Ja zu diesen Sanktionen. Wir sollten uns offen halten für zukünftige Fälle, von Fall zu Fall entscheiden zu können. Aber wir sagen auch klipp und klar ja zu einer starken, sichtbaren Solidarität, und ich wiederhole, Herr Bundesrat Felber, in Sa- chen Solidarität gegenüber den Flüchtlingsdramas in der Gol- fregion darf man mehr unternehmen. Dietrich: Die CVP-Fraktion begrüsst das Vorgehen des Bun- desrates und ist einverstanden mit dem Beschluss, sich den Sanktionen der Uno anzuschliessen, der im Volk hohe Akzep- tanz gefunden hat. Wir sind mit fast allen Schweizern empört über die Verletzung des Völkerrechts durch den Potentaten des alten Babylon. Wir haben aber auch gesehen, wie verletz- lich der Friede ist und wie hilflos wir der Ungewissheit entge- genstehen, der Angst beispielsweise vor dem Einsatz von che- mischen Kampfmitteln. Wir danken dem Bundesrat, seinen Mitarbeiterinnen und Mit- arbeitern, besonders aber auch allen Leuten an der Front, vom IKRK, vom Katastrophenhilfekorps, die Hilfe leisten. Wir sind der Meinung, dass die humanitäre Hilfe soweit wie möglich mithelfen soll, menschliches Ungemach zu erleichtern. Auch in der Kommission für auswärtige Angelegenheiten hat die Haltung des Bundesrates gute Aufnahme gefunden, wenn auch die Mitwirkung des Parlaments und die Diskussion um Probleme der Neutralität einen recht breiten Raum eingenom- men haben. Angesichts der Entwicklungen: - Sanktionen, An- schluss an die Uno-Resolution, Veränderungen im West-Ost- Verhältnis, Beziehungen zu Europa - müssen die Dimensio- nen der schweizerischen Neutralität neu überdacht werden, wie das auch von einzelnen Vorrednern gesagt worden ist. Da- bei dürfte der Sicherheitsbericht, der in Aussicht gestellt ist und eine ganzheitliche Beurteilung der Sicherheitslage brin- gen wird, massgebend zu berücksichtigen sein. Was wäre bei- spielsweise geschehen, wenn sich die Schweiz der Uno nicht angeschlossen, keine Sanktionen ergriffen hätte? Hätten wir die Wirtschaftstätigkeiten aufrechterhalten können? Was wäre im Falle einer Blockade durch die anderen Mitgliedstaaten ge- genüber uns geschehen? Wir wären ins Offside gekommen, wären diskriminiert gewesen in dieser Welt. Man muss doch schlicht und einfach feststellen: Es blieb uns nichts anderes übrig, als diese Sanktionen ebenfalls zu treffen. Aber gleichzeitig muss man feststellen, dass die Selbstbestim- mung unseres Landes von aussen her ganz erheblich unter- laufen wird. Das zeigt die Problematik des Neutralitätsstatutes unseres Landes auf. Der Bundesrat hat zu Recht erklärt, dass die Sanktionen keine grundsätzliche Wende in der Neutrali- tätspolitik bedeuten. Es war ein überlegter, abgewogener Ent- scheid für einen Fall, für den Fall Irak/Kuwait. Also keine diffe- renzièlle Neutralitätspolitik, obwohl auch diese vertreten wer- den könnte. Denn schon in der Botschaft von 1919, die der Bundesrat zum Beitritt zum Völkerbund veröffentlicht hat, hat Max Huber erklärt, die geographische Lage und die wirtschaft- liche Abhängigkeit würden es der Schweiz äusserst schwer machen, sich der mittelbaren Wirkung der Sperrmassnahmen zu entziehen. Ich denke, es ist notwendig, Diskussionen zu führen und den Neutralitätsstatus zu überdenken, im Hinblick auf die EG, aber auch im Hinblick auf die universelle Gemeinschaft der Uno. Bei beiden aber stellt sich die Frage: Können wir mitbestim- men, oder können wir es nicht? Können wir nur reagieren? Sind wir gezwungen zur Anpassung? Ich bin mit Herrn Wid- mer, mit Herrn Auer sehr einverstanden, dass die Frage des Uno-Beitritts, die Frage unseres Verhältnisses zur EG rasch neu gestellt werden muss. Ich denke, dass auch Frau That- cher bei ihrem Besuch in der Schweiz sehr ermutigende Si- gnale gesetzt hat. In der Samstag/Sonntag-Ausgabe der «Neuen Zürcher Zei- tung» hat Professor Dr. Schindler unter der Ueberschrift «Neu- tralität am Wendepunkt?» Ueberlegungen zur Neutralität heute angestellt. Er vergleicht die neuesten Entwicklungen mit dem Rechtsgutachten, das er seinerzeit für die Graupe de ré- flexion und den Bundesrat im Zusammenhang mit dem Inte- grationsbericht erstellt hat. Er hält drei Entwicklungen der Neutralitätspolitik fest, die sich geändert haben: 1. Die geopolitische Funktion verliert an Bedeutung. 2. Das gleiche gilt für die innenpolitische Funktion angesichts der Entwicklungen der Technik, des Kommunikationswesens, der Wirtschaft, des Verkehrs, derOekologie, der Internationali- sierung all dieser Probleme. 3. Was bleibt, ist die Funktion der Guten Dienste, also eine der wesentlichen Funktionen schweizerischer Neutralität. Ich denke, die Schweiz ist nach wie vor geeignet, gute Dienste zu leisten. Denn wir haben uns daran gewöhnt, innenpolitisch seit Jahrhunderten einvernehmliche Lösungen zu finden. Wir haben Erfahrungen als Schutzmacht, in der humanitären Hilfe, als Ueberwachungsorgan bei Waffenstillstandsverhandlun- gen usw. In früheren Jahrhunderten sind die Schweizer als Söldner in fremde Lande gezogen, haben Kriege geführt. Ich denke, trotz allem sollten wir aus schweizerischer Tradition heraus versu- chen - auch im Golfkonflikt -, unsere Guten Dienste nicht als Söldner für den Krieg, sondern als Diener für den Frieden, als milice de paix, anzubieten. Die Neutralität ist in unserem Land in der Geschichte, in der Tradition und im Staatsverständnis verwurzelt. Es ist aber not- wendig, dass wir uns an unser Pflichtenheft erinnern. Ich denke, das Parlament muss jetzt die Diskussion milder Regie- rung pflegen. Es heisst in unserem Pflichtenheft, in Artikel 85 BV: «Die Gegenstände, welche in den Geschäftskreis beider Räte fallen, sind insbesondere folgende: 6. Massregeln für die äussere Sicherheit, für Behauptung der Unabhängigkeit und Neutralität der Schweiz .... ».«Massregeln», also die Regeln für das Mass. Es ist Zeit, dass wir uns zum Gespräch und zum Ent- scheid über eine zukunftsgerichtete, eine praktikable und glaubwürdige Neutralitätspolitik finden. Meier-Glattfelden: Ich zitiere aus einer Rede von George Bush vom 11. September 1990: «Eine neue Welt kämpft um ihre Ent- stehung; eine ganz andere Welt als die, die wir bisher kannten. Eine Welt, in der Rechtsstaatlichkeit das Dschungelgesetz ab- löst. Eine Welt, in der Nationen die gemeinsame Verantwor-24. September 1990 N 1521 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse tung für Freiheit und Gerechtigkeit anerkennen. Eine Welt, in der der Starke das Recht des Schwachen respektiert.» Tatsächlich, in einer vor kurzem noch undenkbaren Koalition stellt sich der sowjetische Präsident Gorbatschow zusammen mildem Präsidenten der Vereinigten Staaten gegen einen blu- trünstigen Diktator, der das Völkerrecht schon mehrmals auf das schändlichste gebrochen hat. Die grüne Fraktion begrüsst die Haltung unseres Bundesra- tes, der sich in der Golfkrise nicht hinter die traditionelle Neu- tralität verschanzt, sondern die Sanktionen der internationalen Völkergemeinschaft mitträgt. Wir wünschen uns allerdings diese Haltung auch bei anderen Verletzungen des Völker- rechts und der Menschenrechte. Wenn aber die internationale Zweckgemeinschaft am Golf nicht nur gegen den irakischen Diktator Erfolg haben will, sondern, wie George Bush sagt, zu einer gerechteren und friedlicheren Weltordnung führen soll, braucht es längerfristig eben mehr als Soldaten, Waffen und Milliarden für das Rüstungsgeschäft. Es braucht eine neue, auf Harmonie und Gerechtigkeit statt auf Vorherrschaft und Profit ausgerichtete Politik. Wo waren die Weltmächte, als Saddam Hussein die Massaker an Tausenden von Kurdinnen und Kurden verübte? Diese Gift- einsätze wären nicht möglich gewesen, ohne die Lieferung von entsprechenden Substanzen durch die Industrieländer. Auch hätte der iranisch-irakische Krieg ohne die Lieferung der weltweiten Rüstungsindustrie nicht über sieben Jahre lang ge- dauert. Wir alle wissen, wie die durch die Ost-West-Entspan- nung geschockte Rüstungsindustrie aufatmete, als Saddam Hussein Anfang August zuschlug. Man kann wieder liefern. Für Milliarden an die Saudis, für Hunderte von Millionen an die Israelis; auch an Aegypten und die Emirate sollen Waffen ge- liefert werden. Auch die Schweiz hat und hatte Anteil an die- sem Waffengeschäft in das Spannungsgebiet Naher Osten - ich erinnere Sie daran: 1980 bis 1988, trotz Golfkrieg, für unge- fähr 850 Millionen Franken Rüstungsgüter in die Türkei, nach Saudi-Arabien, Oman und Pakistan-, hat doch unser Bundes- rat das Kriegsmaterialgesetz mit den Begriffen «Spannungs- gebiet» und der Definition davon, was Kriegsmaterial ist, sehr grosszügig zugunsten der Rüstungsindustrie ausgelegt. Auch der Irak besitzt trotz unserem Kriegsmaterialgesetz Waf- fentechnologie made in Switzerland; brasilianische Raketen- werfer sind mit Contraves-Elektronik bestückt. Ich erinnere an die Stabilisatorflügel der Alusuisse, an Granaten. Wir betrei- ben seit langem das Waffengeschäft mit Saudi-Arabien. Unse- rer Meinung nach wären diese Geschäfte nach Kriegsmaterial- gesetz nicht möglich gewesen. Herr Bundesrat Koller, damals Chef des EMD, hat uns in der GPK erklärt, Saudi-Arabien gehöre zu keinem Spannungs- gebiet, wie wenn Saudi-Arabien Hunderte von Kilometern weit weg vom Golf, von Iran und von Irak wäre. Auch jetzt ist Saudi- Arabien scheinbar immer noch kein Spannungsgebiet. Immer noch werden vollkommen legal Waffen nach Saudi-Arabien geliefert, vor allem von Bührle. Unser Bundesrat handelt nicht. MUSS denn der Krieg zuerst ausbrechen, bis er endlich diese Waffenausfuhr stoppt? Kurzfristig mag sogar ein Waffeneinsatz der internationalen Völkergemeinschaft gegen den irakischen Diktator nötig wer- den. Langfristig aber wird das Hineinpumpen von Waffen in die Staaten der Golfregion die Quelle von weiteren, gefährli- chen Konflikten sein. Eine neue Welt braucht weniger und nicht mehr Waffen. Die Milliarden, die heute wieder für Rüstung ausgegeben werden, fehlen für den wirtschaftlichen Ausgleich zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West. Sie fehlen auch für den Schutz der ökologischen Lebensgrundlagen. Herr Bundesrat Felber, ich habe aus Ihrem Votum heraus- gehört, dass Sie diese Waffenlieferungen auch in Frage stel- len. Sie haben auch auf das Nord-Süd-Gefälle hingewiesen. Ich danke Ihnen dafür; aber der Bundesrat soll jetzt handeln. Die Schweiz als machtpolitisch kleines, aber wirtschaftlich sehr starkes Land, sollte vorangehen in einer neuen Friedens- politik. Die grüne Fraktion hat deshalb eine Motion eingereicht, die verlangt, dass Bundesverfassung und Gesetzgebung so ge- ändert werden, dass die Ausfuhr von Kriegsmaterial verboten wird. Die Schweiz als Ursprungsland des Roten Kreuzes könnte damit ein Zeichen setzen und der ganzen Welt einen Friedensdienst leisten. Spalti: Die Golfkrise ist in ihrer Ursache und in den zum Teil noch völlig offenen Auswirkungen viel zu komplex, um in fünf Minuten dazu umfassend Stellung nehmen zu können. Es können wohl nur einige Gedanken und erste offensichtliche Schlüsse geäussert werden. Es ist ein seltsames Gefühl, im schweizerischen sicherheitspo- litischen Umfeld und bei den Diskussionen, die bei uns geführt werden, mitzuerleben, wie die viertgrösste Militärmacht der Welt - und das ist Irak - einen souveränen Kleinstaat militä- risch besetzt und in brutalster Art und Weise das Völkerrecht verletzt. Wir können nun beklagen, dass es vor allem westeuropäische Industriestaaten und die Sowjetunion waren, die den Irak auf- gerüstet haben. Wir mögen beklagen, dass das kleine Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen nicht die notwendige Kraft aufgebracht hat, sich ein Instrument zur Erhaltung der ei- genen Souveränität zu schaffen. Es wäre aber naiv zu glauben, diese Vorgänge, die etwa 2000 km entfernt sind, würden uns nicht betreffen. Ich glaube, ein wesentlicher Schluss, den es einmal zu ziehen gibt, ist der, dass auch mit Blick auf die neuen Konstellationen der Supermächte die Entwicklung der sicher- heitspolitischen Lage weder langfristig berechenbar noch vor- aussehbar ist. Rasche und abrupte Szenenwechsel, wie eben jetzt im Golf, sind immer möglich, wenn die militärischen Po- tentialevorhanden sind. Es lässt sich auch nicht vom Tisch wischen, dass trotz aller Entspannungs- und Abrüstungsschritte seitens der Gross- mächte weiterhin eminente Bedrohungen über dieser Welt lie- gen. Die Aufspaltung in Nord-Süd, in verschiedene Rassen und Religionen, in Arm und Reich, ist immer noch stärker als die einigenden und verbindenden Kräfte. Es ist zu hoffen, dass gerade Europa im Zusammenhang mit der Golfkrise neben den Problemen der wirtschaftlichen und der politischen Inte- gration wieder einmal über seine sicherheitspolitische Rolle nachdenkt, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem peniblen Verhalten einzelner EG-Staaten gegenüber den Ereignissen im Golf. Drei Dinge scheinen mir sicherheitspolitisch besonders er- wähnenswert: Erstens einmal ist die Erkenntnis erschreckend, dass unter dem Deckmantel strategisch-nuklearen Gleichgewichts, wie man es nennt, skrupellose Diktatoren ihr Land bis an die Zähne bewaffnen und sich eine regionale Vormachtstellung verschaffen können. Diese Vormachtstellung, rücksichtslos ausgenützt, hat gerade im Mittleren Osten wegen der Bedeu- tung der Region für die Oelversorgung internationale Dimen- sionen erreicht. Und die Frage - die uns nun wirklich nicht gleichgültig sein kann - stellt sich, ob die Welt noch den Willen und die Macht hat - das gehört nämlich dazu -, solchen Dikta- toren Einhalt zu gebieten. Nur ein Land - das ist keine beson- ders erfreuliche Feststellung -, nämlich die USA, ist noch in der Lage, dies zu tun, und die USA engagieren sich im Mitt- leren Osten auch für uns, das muss einmal deutlich gesagt werden. Zweiter Punkt: Auch innenpolitisch drängt sich eine Lehre auf. Der ehemalige US-Aussenminister Kissinger hat einmal ge- sagt: «Die Grundursache des Dilemmas unsererZeit liegt darin, dass-wenn der Friede zum einzigen politischen Ziel wird -die Furcht vor dem Krieg zur Waffe in den Händen der Rücksichtslo- sesten wird; das erzeugt die moralische Abrüstung.» Und ge- nau mit dieser Situation rechnet der Herrscher über den Irak. Diese moralische Abrüstung müssen auch wir verhindern. Friede und Freiheit werden in dieser Welt nicht ohne Macht durchzusetzen sein. Das zeigt sich im Golf wieder deutlich. Friedeund Freiheitwerden immerwiedergegen Aggressionen, gegen Skrupellosigkeit verteidigt werden müssen. Und noch ein Drittes und Letztes: Das grosse Problem der ato- maren Rüstung ist heute viel weniger das Potential der Gross- mächte, sondern jenes von regionalen Aggressoren, von tota- litären Regimen, die kaum unter Kontrolle gehalten werden können. Westeuropa liegt heute bereits im WirkungsbereichCrise du Golfe. Interventions parlementaires 1522 N 24 septembre 1990 solcher nuklearer Raketen, die von Verrückten eingesetzt wer- den können! Ich meine, für jene, die etwas denken, sind das bedenkliche Erkenntnisse. Ott: Ich kann dem Bundesrat nur zustimmen und gratulieren zu dem Entschluss, das Handelsembargo der Uno mitzuvoll- ziehen. Es war dies freilich kein aussergewöhnlicher und kein beson- ders mutiger, aber es war ein demonstrativ richtiger Ent- schluss. Wie wäre die neutrale, humanitäre Schweiz dagestanden vor den Augen der ganzen Welt, vor allen befreundeten Staaten, wenn wir aus sinnwidrigem - ich betone: sinnwidrigem - Neu- tralitätsverständnis heraus als einziger Staat den Aggressor faktisch gegen die Weltgemeinschaft unterstützt hätten? Es gab nur eine vertretbare Antwort. Das war die Antwort des Bun- desrates. Wir haben in den Beratungen der nationalrätlichen Kommis- sion vor der Uno-Abstimmung seinerzeit genau diesen Fall mit einem eindeutigen Ergebnis schon durchgespielt. Wir hätten durch ein anderes Verhalten die Maxime der Neutralität aufs schwerste kompromittiert. Meines Erachtens muss dieser Ent- scheid des Bundesrates als Präjudiz dienen für jeden künfti- gen analogen Fall. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte funktioniert die Uno so, wie sie in ihrer Gründungsakte eigentlich gemeint war. Bisher war dieser ursprüngliche Zweck der Uno immer blockiert worden. Bei allen grossen sonstigen Leistungen der Uno war dieser ur- sprüngliche Zweck durch die Uneinigkeit der Grossmächte, also durch das Veto, immer blockiert worden. Korea und Rho- desien sind keine regulären Fälle im Sinne der Uno-Charta. Zum ersten Mal zeigt sich, dass die Idee eines Völkerfriedens durch ein kollektives Sicherheitssystem der Völker keine Illu- sion bleiben muss. Darum ist die Golfkrise ein so entscheiden- der Testfall für die Zukunft, ein Testfall, der kein Nachgeben von Seiten der Uno und der Weltgemeinschaft duldet. Er dul- det auch kein Junktim mit irgendeinem ändern politischen Problem, so sehr wir wünschen, dass das Volk der Palästinen- ser bald seine Autonomie und Eigenstaatlichkeit gewinnen möge. Aber der Fall des Ueberfalls, der Annexion Kuwaits dul- det kein Junktim, denn es muss ein für allemal klar werden, dass Aggression sich nicht lohnen darf. Und heute scheint die Welt an dem Punkt angelangt zu sein, wo dieser lebenswich- tige Grundsatz durchgesetzt werden kann. Es darf aber auch auf einen Punkt nachdrücklich hingewiesen werden - einige Vorredner haben es schon getan -, nämlich darauf, wie verantwortungslos und egoistisch die Aufrüstung des Irak während des Iran-Irak-Krieges durch viele Staaten, sowohl im Osten wie im Westen, war. Man hätte sich den Golf- konflikt in dieser Form durch ein verantwortlicheres Verhalten im internationalen Waffenhandel ersparen können. Wenn wir über die neue Weltsituation nach dem Ende des kal- ten Krieges nachdenken, über das Verständnis und die Mög- lichkeiten der Neutralitätspolitik, wenn wir neu durchdenken, was die Aufgabe der Neutralen heute sein kann, so drängt sich der Gedanke auf, dass der Neutrale ein Vorkämpfer des Frie- dens und der Sicherheit unter den Völkern sein muss. Sein ganzer und kompromissloser Einsatz muss der Stärkung und Verfeinerung des internationalen Sicherheitsnetzes gelten, das heute in Entstehung begriffen ist: Nicht nur im Bereich der friedlichen Konfliktlösung - hier ist ja die Schweiz ein Cham- pion, wenigstens auf dem Gebiete der KSZE -, sondern auch auf Gebieten wie einer strengen internationalen Kontrolle des Waffenhandels, der Non-Proliferation von Massenvernich- tungswaffen, des totalen Atomtestverbotes und der Einbezie- hung der qualitativen Entwicklung von Waffentechnologie in die Rüstungskontrollgespräche. Das ist die Aufgabe des Neu- tralen in der gegenwärtigen Weltstunde: das Friedensnetz zu verstärken. Lassen Sie mich mit einer Bemerkung schliessen: Die berech- tigte Verurteilung der irakischen Aggresssion darf uns im We- sten nicht dazu verleiten, anstelle des alten Feindbildes vom totalitären Weltkommunismus nun ein neues Feindbild vom Weltislamismus oder Panarabismus zu kreieren. Dafür gibt es keinen legitimen Grund. Müller-Meilen: Die Politik des Bundesrates, eine Politik der Sanktionen und der Demarchen bei Irak gegen den Ein- marsch in Kuwait und gegen die Verhinderung der Ausreise der Ausländer, hat die breite Mehrheit der Schweizer Bevölke- rung hinter sich. Ich teile weitgehend die Auffassungen von Herrn Bundesrat Felber, ich teile aber auch die pessimistische Beurteilung der Friedenschancen im Mittleren Osten. Die Si- tuation im Golf gibt mir zu fünf an sich lapidaren, aber doch nicht selbstverständlichen Feststellungen Anlass und zu vier Fragen: Die Golfkrise zeigt, dass auch hochgerüstete, kleine und mitt- lere Nationen zu einer Gefahr für den Frieden, in besonderen Fällen sogar für den Weltfrieden werden können. Das heisst, dass wir gegenüber allen Tendenzen zur Friedenseuphorie vorsichtig sein müssen; die Friedensapostel, die vor einem Jahr nicht laut genug auftreten konnten, sind auch etwas ruhi- ger geworden. Die Golfkrise ist aber auch ein Zeichen dafür, dass der Verbrei- tung von Atombomben und chemischen Waffen Einhalt gebo- ten werden muss. Denn skrupellose Diktatoren können in vie- len Gegenden der Welt an die Macht kommen, und sie hätten wohl in extremis keine Hemmungen, auch Atomwaffen einzu- setzen. Erstmals ist eine Zusammenarbeit der Supermächte zur Ein- dämmung eines Aggressors und zur Rückgängigmachung ei- ner Aggression Wirklichkeit geworden. Das ist ein hoffnungs- volles Zeichen. Es ist aber zugleich auch der Beweis dafür, dass es neben der Zusammenarbeit nur eine Macht in der Welt gibt, die einen solchen Aggressor heute stoppen kann: die Vereinigten Staaten, wenn sie auch mit der Hilfe der Uno und anderer Mächte agieren. Darin kommt die Bedeutung auch der Atlantischen Allianz für Europa zum Ausdruck. Wenn man auch nicht mit allem einverstanden sein kann, was die Verei- nigten Staaten in der Weltpolitik bisher getan haben, so muss man diese positiven Seiten heute doch deutlich unterstrei- chen und für ein gerechtes Urteil hervorheben. Die Golfkrise zeigt die Gefährlichkeit der Extremisten und Fun- damentalisten aller Schattierungen in der Politik, die kein Ver- antwortungsgefühl für die gesamte Menschheit und keine Achtung vor Menschenrechten und Freiheit haben; deshalb ist auch der Weltfriede immer und immer wieder gefährdet. Zu den vier Fragen: Unsere Neutralitätspolitik ist in der Golf- krise flexibler, das heisst aber auch in der Anwendung schwie- riger geworden. Die Beteiligung an Sanktionen könnte künftig auch einige Probleme stellen, zum Beispiel: Wo sieht der Bun- desrat etwa die heikle Grenze zwischen internationaler Solida- rität und nationaler Neutralität bei anderen aggressiven Aktio- nen und Besetzungen, wie sie etwa in früherer Zeit bei den Falkland-lnseln durch Argentinien geschehen sind, was ja auch unter Bruch des Völkerrechts geschah. Wo ist ein ein- stimmiger Uno-Beschluss Voraussetzung für die Beteiligung der Schweiz an solchen Sanktionen? Oder: Wo liegen die Grenzen? Wie gross sind die Fluchtgelder, die seit Beginn der Golfkrise in die Schweiz geströmt sind? Werden sie Auswirkungen auf die Zinsentwicklung in Richtung auf eine Senkung haben? Und eine weitere Frage, die für unser Land von grosser Wich- tigkeit ist: Wie wirken sich die Produktionsausfälle, die ja auf- gefangen werden sollen, und die Unsicherheit kurz- und lang- fristig auf die Entwicklung des Oelpreises und damit indirekt auf die Inflation in der Schweiz aus? Im ganzen hat der Bundesrat wohl eine richtige Politik geführt, und wir müssen ihm dafür dankbar sein. Sager: Nach den «weltgeschichtlichen Betrachtungen», an- gestellt vom Herrn Kollegen Burckhardt, der es seinem Na- men, und vom Kollegen Widmer, der es seinem Stand als Hi- storiker schuldig war, und in der Nachfolge der Ausführungen des Kollegen Auer möchte ich mich einem recht konkreten Problem zuwenden. Zwei Vorbemerkungen: 1. Ich bin erstens kein sturer, unbelehrbarer Anhänger und Vertreter der Neutralität. Ich kann mir leicht vorstellen, dass sie24. September 1990 N 1523 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse in der Neutralität einer Union Europas, aufgehen oder in der Solidarität zu einer Union Europas untergehen kann. Die Neu- tralität ist für mich Instrument der Aussenpolitik. Indes ist zu berücksichtigen-auch durch uns-, dass sie wegen ihrer jahr- hundertelangen Praktizierung einen emotioneilen Wert und damit auch einen Zielcharaktererhalten hat. 2. Ich bin im Grunde genommen darüber erstaunt, wie wenig die Neutralität, und zwar rechtlich und politisch, in ihrer gan- zen Tiefe ausgelotet wird, weshalb wir recht oft zu falschen Schlussfolgerungen gelangen können. Es haben einige Personen und einige Zeitungen den Stand- punkt vertreten, dass die Einhaltung der Sanktionen durch un- ser Land eine Aufgabe oder eine Aenderung unserer Neutrali- tätspolitik bedeute. Das ist völlig falsch, auch wenn es noch so hohe Personen sagen oder noch so weit verbreitete Zeitungen ausführen. Das ist keine Aenderung, sondern es ist die konse- quente Weiterführung unserer Neutralitätspolitik unter verän- derten Umständen. Wir haben uns vor Augen zu halten, dass die Konflikte bleiben - die Golfkrise zeigt es uns auf eindringliche Art und Weise -; aber die Formen der Konfliktausübung können sich verän- dern, und das haben wir mitzuberücksichtigen. Im Neutralitätsrecht, das Bestandteil des völkerrechtlichen Kriegsrechtes ist, wird die Neutralität im Falle eines militäri- schen Ueberfalles ausgesetzt. Heute und als Folge der unge- heuervertieften gegenseitigen Abhängigkeit und der verstärk- ten internationalen Vernetzung ist die Aggression Saddam Husseins gegen Kuwait als eine Angriffshandlung zu verste- hen, welche die Neutralität aussetzen muss und die Sanktio- nen rechtfertigt. Der Nachweis für die Richtigkeit dieser Meinung kann auch ausfolgender Ueberlegung abgeleitet werden: Wenn Sanktio- nen und weitergehende Reaktionen ausgeblieben wären, so hätte Saddam Hussein mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit auch Saudi-Arabien überfallen und annek- tiert. Das aber hätte einem Mann, der nur mit pathologischen Massstäben gemessen werden kann, eine Machtfülle gesi- chert, die einen Weltenbrand hätte verursachen müssen; dann wären alle Massnahmen der Staatengemeinschaft und der Schweiz zu spät gekommen. Im Lichte dieses Hinweises bin ich erstaunt, dass man nun for- dern kann, die Waffenausfuhr sei einzustellen. Will man damit unterstreichen, dass der hochbewaffnete Saddam Hussein das Recht habe, seine Nachbarstaaten zu überfallen? Will man damit diesen Nachbarstaaten das Recht nehmen, sich selber verteidigen zu können? Will man sich hinter dieser Forderung verstecken und einmal mehr die Neutralität als Passivität auf- fassen und handhaben, wie es zu Recht vom Kollegen Widmer kritisiert worden ist? Eine letzte Bemerkung: Ich bin angenehm überrascht über die Bekundungen der Solidarität durch unsere Regierung, nur habe ich sehr wenig davon erfahren. Ich war während des Mo- nats August in einem ausländischen Spital und konnte keine Schweizer Sender empfangen, aber BBC. Mitte August wurde dort zu meinem Entsetzen mitgeteilt, dass die Schweiz mit Schweden, Indonesien und Malaysia die Botschaft in Kuwait geschlossen hätte, was ja nicht zutraf. Der Irrtum ist möglich, aber es ist keine Korrektur erfolgt, auch nicht durch unsere schweizerische Botschaft in London. Das hätte doch getan werden sollen. Und es hätte sich vielleicht auch als günstig er- wiesen, wenn die Parlamentarier laufend über diese Bekun- dungen der schweizerischen Solidarität orientiert worden wä- ren. M. Spielmann: Pour être clair, je voudrais préciser d'emblée que je suis d'accord avec le Conseil fédéral et sa condamna- tion de l'invasion du Koweit par l'Irak. Je salue les décisions prises qui auraient d'ailleurs encore plus de crédibilité si elles s'appuyaient davantage sur une logique constante de con- damnation des interventions militaires et de violation des droits de l'homme que sur une politique d'alignement sur les Etats-Unis. S'il est réconfortant d'entendre soudain, dans un monde do- miné par l'argent et la violence, des nations unanimes plaider le droit de redonner sa véritable vocation à l'Organisation des Nations Unies, cette soudaine réapparition de la vocation des Nations Unies n'est bien sûr pas totalement innocente. Lorsqu'on entend s'exprimer ceux qui s'élèvent aujourd'hui contre Saddam Hussein, on ne peut s'empêcher de penser à des pyromanes qui crient au feu. D'ailleurs, la lecture de cer- tains journaux, et notamment de journaux américains, est tout à fait édifiante. On peut lire ainsi que l'Europe et les peuples d'Europe, à l'abri pendant des décennies sous le parapluie américain, ont provoqué l'atrophie des muscles politiques susceptibles de soutenir une action militaire. C'est là un rappel utile, tout comme les but fixés à ce conflit: souveraineté et inté- grité du Koweit. Breszinski, l'ancien conseiller à la Maison- Blanche, est plus précis. Il écrit, dans le Herald Tribune que le but en fait est d'assurer l'approvisionnement pétrolier. Proté- ger les flux pétroliers est en fin de compte un impératif améri- cain, alors que la libération du Koweit relève de la responsabi- lité de la communauté internationale. Il est clair que si l'on sé- pare ainsi les missions des objectifs on peut s'attendre à ce qu'à une victoire militaire, même aléatoire, succède une dé- faite politique. Autre question importante: comment Saddam Hussein, le grand ami de l'Occident, est-il devenu en une nuit le grand Sa- tan? Pourtant personne n'ignorait les moyens utilisés contre son peuple par cet ami de l'Occident. C'est par la violence qu'il est arrivé au pouvoir et l'on peut citer à son actif le massacre de milliers de communistes en 1963, ce qui ne souleva d'ailleurs que fort peu d'émotion ou d'envolées lyriques des médias contre un régime qui était paré alors de toutes les vertus. En- suite, une politique qui afait fuir des centaines de milliers d'Ira- kiens: la répression des Kurdes, des villages rasés, des popu- lations gazées. Qui d'ailleurs se soucie aujourd'hui à l'ONU des droits des Kurdes, qu'ils soient en Irak, en Turquie ou en Iran? Pour donner un éclairage plus crédible à la soudaine mutation de Saddam Hussein et au rôle personnel que lui attri- buent les médias dans ce conflit, il convient d'examiner la si- tuation de l'ensemble du monde arabe. Tout d'abord la dette: 208 milliards de dollars de dette, tandis que les avoirs dépassent 670 milliards de dollars, mais ces avoirs sont concentrés dans six pays, qui composent le Con- seil de coopération du Golfe, à savoir Arabie Saoudite, Bah- rein, les Emirats arabes unis, Koweit, Oman et Qatar. Ensem- ble, ils ne dépassent pas 10 millions d'habitants, sans la popu- lation étrangère, mais ils disposent d'un excédent de 462 mil- liards de dollars déposés dans les banques occidentales, alors que 190 millions d'autres Arabes croulent sous le poids de la dette et de ses intérêts, une dette qui représente 32 pour cent du produit brut de tous les pays arabes et 181 pour cent de leurs exportations, pétrole compris. On peut ajouter à cette situation le refus d'aide et d'investissement de ces pays en- vers les pays arabes, moins de 7 pour cent des investisse- ments à l'étranger se faisant vers d'autres pays arabes. Il y a aussi le fait que le Koweit a produit, selon des informa- tions du Newsweek du 13 août, des quantités énormes de pé- trole au-dessus des quotas auxquels il a droit selon l'OPEP, dont il est membre; de plus il a cassé les prix, à tel point que, selon ces informations, l'économie irakienne aurait perdu plus de 14 milliards de dollars en quelques années. On peut encore ajouter l'exigence du remboursement de la folle dette due à l'aventure iranienne de l'Irak, qui dépasse les 10 milliards de dollars. Tous ces événements ont certainement contraint l'Irak à une nouvelle fuite en avant, à une nouvelle aventure militaire, fuite en avant qui sera payée encore une fois au prix fort par une po- pulation déjà meurtrie par la guerre contre l'Iran, qui fit, dans l'indifférence générale, des milliers de victimes. Ces réalités doivent être fixées dans nos esprits si nous voulons mesurer les conséquences de nos décisions et rester crédibles. Com- ment l'être par exemple, face au déploiement actuel de forces, face aux multiples violations qui ont fait l'objet de décisions de l'ONU mais restées sans suite? La Syrie, par exemple, qui, sans la moindre légitimité, occupe une partie du Liban et con- tribuerait aujourd'hui à chasser les troupes irakiennes du Ko- weit. Et la résolution N° 242 de l'ONU, de novembre 1962, qui condamne l'occupation par la force de la Cisjordanie et de Gaza par l'armée israélienne et qu'aucune mesure pratiqueCrise du Golfe. Interventions parlementaires 1524 N 24 septembre 1990 n'a suivi pour la faire respecter en vingt-trois ans. Voilà l'appli- cation sélective du droit qui nuit à la crédibilité des démarches actuelles. On peut ajouter encore l'annexion de Jérusalem-Est en 1968, l'occupation des îles Tumb par le shah d'Iran en 1971, l'an- nexion du Golan par Israël en 1981, l'invasion de la Syrie. On pourrait multiplier les exemples, sans oublier le raid américain sur la Libye, le minage des ports du Nicaragua où les Etats- Unis ont refusé de reconnaître le droit de la justice et la compé- tence de la Cour de La Haye. Voilà autant de situations qui font que si l'on veut être crédible, il faut qu'on s'appuie sur une poli- tique suivie et continue et non pas sur une politique sélective. Donner la primeur à la force du droit sur le droit à la force, comme l'a dit le Conseil fédéral, je suis d'accord, mais la déter- mination n'interdit ni la réflexion ni l'indépendance, faute de quoi elle ne serait que participation ou soutien à une aventure militaire dont les pages de l'histoire sont déjà trop marquées par les drames subis par les populations. Frau Grendelmeier: Es erfüllt mich mit stiller Genugtuung, wenn ich den Ausführungen nachlausche, die ich zum Thema Neutralität und der Kompatibilität der Neutralität mit der aktuel- len Politik des Bundesrates in Betracht ziehe. Das war nicht immer so. Es werden Erinnerungen wach; sie sind erst etwa vier Jahre alt. Während der Debatte zum Beitritt der Schweiz zur Uno wurde die Neutralität immer wieder und bei jeder Ge- legenheit dazu benützt - um nicht zu sagen: missbraucht -, um sich weiterhin als Igelchen in einer bösen Welt benehmen zu können. Wir wissen nun - nicht erst seit dem Votum von Sigmund Wid- mer -, dass die Neutralität keine heilige Kuh ist, es nicht sein darf, dass sie lediglich ein Instrument ist und keine Ideologie; trotzdem wird sie von verschiedenen Leuten nach wie vor ge- handhabt, als wäre sie eine Religion, nicht nur eine Ideologie. Allerdings handelt es sich um eine Religion, die für den Sonn- tag taugt und nicht für alle Tage. Eine Religion sozusagen nach Bedarf, zum Beispiel zur Sicherung der Bequemlichkeit, zur Sicherung von Vorurteilen, aber auch von Vorteilen, vor al- lem von wirtschaftlichen Vorteilen. Sie dient aber auch zur Er- haltung des «Logenplatzes», auf dem wir uns so bequem in- stalliert haben, von dem aus man die Weltgeschichte, das Weltgeschehen, aus einiger Sicherheitsdistanz betrachten kann, wo man - ohne Verantwortung übernehmen zu müssen, aber auch ohne einen eigenen Beitrag leisten zu müssen - ab- wägen kann, wo wir handeln sollen oder eben nicht. Ich möchte sagen: Wir huldigen da einer Art «Prinzip Torquato Tasso», den Goethe sagen liess: «Erlaubt ist, was gefällt.» Und gefallen hat uns schon immer das Geschäft, Neutralität auf oder ab, hin oder her. Eine Neutralität, die es erlaubt, mit Waf- fen zu handeln, ist an sich erstaunlich und meines Erachtens unwürdig. Und wenn wir gestern in der «Sonntags-Zeitung» le- sen konnten, dass die Waffenfabrik Oerlikon-Bührle Waffen nach Saudi-Arabien schicken darf, offenbar mit dem Segen der Behörden und mit dem fadenscheinigen Argument, sie müsse Verträge einhalten, so ist das nur noch Opportunismus und hat mit Neutralität nicht mehr viel zu tun, ganz sicher nicht mit Glaubwürdigkeit. Es ist erstaunlich, dass der Bundesrat nicht Gebrauch macht von seiner gesetzlichen Möglichkeit, nach dem Bundesgesetz zum Kriegsmaterialexport sofort und jederzeit diese Lieferungen zu verbieten, wenn es sich um ein Krisengebiet handelt. Wer heute noch behauptet, Saudi-Ara- bien liege nicht in einem globalen Krisengebiet, der ist auf bei- den Augen blind. Wie gesagt, das ist nur ein einziges Beispiel, wo wir unsere Neutralität schon immer geritzt haben, aber ein besonders beschämendes. Auf dem Spiel steht unsere Glaubwürdigkeit. Das ist das ein- zige, was wir inzwischen überhaupt noch verlieren können. Wie leichtfertig wir mit dieser Glaubwürdikeit umgehen, hat ge- nau dieses Beispiel gezeigt. Ich bin mit Herrn Sager nicht ein- verstanden; es tut mir leid, ihm widersprechen zu müssen: Ich teile sein Erstaunen darüber nicht, dass wir gegen eine Aufrü- stung von Saudi-Arabien sind. Wir wissen inzwischen, dass es auch für die USA gefährlich sein kann, für 20 Milliarden Dollar an ein arabisches Land Waffen zu liefern, von dem wir nicht wissen, ob es sich nicht eines Tages - genau wie der Iran - zum Irak schlägt. Wir laufen da sehenden Auges ins offene Messer. Ich frage den Bundesrat: Ist er bereit, der Oerlikon-Bührle so- wie allen anderen Fabrikanten von Waffen oder Zubehör von Kriegsmaterial sofort zu verbieten, aufgrund des Gesetzes, das ihm zur Verfügung steht, diese Lieferungen weiterhin in diese Länder zu schicken? Bonny: Im Rahmen meiner fünfminütigen Redezeit werde ich mich auf die Auswirkungen der Golfkrise auf unsere Neutrali- tätspolitik konzentrieren, insbesondere auf die Frage unserer Partizipation an den vom Uno-Sicherheitsrat beschlossenen Wirtschaftssanktionen. Vorweg möchte ich sagen, dass ich Herrn Bundesrat Felber für seine nuancierten Ausführungen zu unserer Neutralitätspolitik sehr dankbar bin. Er hat einiges wieder ins Lot gebracht. Das war aber auch dringend nötig. In einzelnen Massenmedien, aber auch bei verschiedenen Po- litikern war die Verwirrung mit Bezug auf unsere Neutralitäts- politik zeitweise sehr gross. Der Kolumnist einer am Sonntag erscheinenden Zeitung sprach vom Ende der Neutralität. Gleich titelte auch eine grosse Monatszeitschrift. Diese politi- schen und journalistischen Schnellschüsse hatten eines ge- meinsam: Sie übersahen Essentialien, Grundprinzipien unse- rer Aussenpolitik und unserer Neutralitätspolitik. Vielleicht wollten diese Leute sie auch nicht sehen. Da wird leider in einzelnen Voten oberflächlich - auch heute in dieser Diskussion - über Neutralität gesprochen. Es wird nicht unterschieden - das gehört eben zu diesem Grundsätzlichen - zwischen Neutralitätsrecht und Neutralitätspolitik. Das Neu- tralitätsrecht besteht aus einigen wenigen, aber klar umrisse- nen Normen, die vor allem auf dem Haager Abkommen von 1907 basieren. Die Neutralitätspolitik demgegenüber umfasst einen viel weiter gesteckten, aber auch einen entsprechend flexibleren Bereich von möglichen Massnahmen. Dadurch sol- len die politischen Voraussetzungen - so möchte ich es kurz umschreiben - geschaffen werden, welche die Rolle als Neu- traler im internationalen Konzert der Weltpolitik glaubwürdig erscheinen lässt. Der Begriff «glaubwürdige Politik» scheint mir ein Schlüssel- wort zu sein. Wer sich überlegt, wie sich das Mitmachen der Schweiz an den Wirtschaftssanktionen der Uno gegenüber Irak zu Neutralitätsrecht und Neutralitätspolitik verhält, kommt rasch zu ziemlich klaren Erkenntnissen. Wer sich einigermas- sen im Neutralitätsrecht auskennt, weiss, dass diesbezüglich für uns nicht das geringste Problem besteht. Neutralitätsrecht- liche Pflichten beziehen sich praktisch ausschliesslich auf die Teilnahme beziehungsweise Nichtteilnahme an militärischen Handlungen. Neutralitätspolitisch ist die Antwort nach der Kompatibilität unseres Mitmachens bei den Wirtschaftssank- tionen vielleicht etwas weniger offenkundig, aber doch klar ge- nug. Entscheidend ist dabei, dass der Beschluss des Sicher- heitsrates der Uno einstimmig erfolgte, dass sich praktisch die ganze Welt hinter den Sanktionsbeschluss gestellt hat. In casu geht es also weniger um eine Frage der Parteinahme zwi- schen zwei Lagern, sondern angesichts der flagranten Verlet- zung von Völkerrecht durch Saddam Hussein vielmehr um eine Frage der Solidarität, die ja mit der Neutralitätspolitik zu- sammen eine der Maximen unserer Aussenpolitik ist. Lieber Kollege Sigi Widmer, bei aller Anerkennung deiner aus- senpolitischen Kenntnisse muss ich doch sagen, dass hierein fundamentaler Unterschied gegenüber der damaligen Diskus- sion um den Uno-Beitritt besteht. 1986 und in den Jahren vor- her, als wir den Uno-Beitritt diskutierten, stand die Welt noch im Zeichen des kalten Krieges. Es bestand eine Polarisierung, die sich sehr stark auch in der Uno ausgewirkt hat. Unter die- sen Auspizien waren punkto Wirtschaftssanktionen andere Voraussetzungen gegeben, als dies heute der Fall ist. Ich muss auch sagen, dass bei einigen Aeusserungen im Zu- sammenhang mit dem sogenannten Ende unserer Neutrali- tätspolitik der Vater des Gedankens mitgespielt hat, nämlich diese für gewisse Leute unsympathische Konstante unserer Politik abzuschütteln. Und noch ein Zweites: In der Neutralitätspolitik, aber auch in der Aussenpolitik, ist es entscheidend, dass sie langfristig an- gelegt ist. Wir haben glücklicherweise in der Neutralitätspolitik24. September 1990 N 1525 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse selber eine gewisse Bandbreite, die es erlaubt - wie im vorlie- genden Fall -, uns an neue Situationen anzupassen; aber es wäre verheerend, wenn wir diese Konstante wegen einer Si- tuation, wie sie jetzt gegeben ist, gleichsam wegen einer politi- schen Modeströmung aufgeben würden. Ich glaube, dass die Neutralitätspolitik nach wie vor in unse- rem Volk stark verankert ist. Das Schlimmste für unsere Aus- senpolitik - wir glauben, unter Bundesrat Felber Fortschritte gemacht zu haben - wäre, wenn wir eine Aussenpolitik führen würden, die sich nicht mehr im Volk abstützen kann. Jaeger: Wir haben bei früheren Gelegenheiten schon ver- schiedentlich die bundesrätliche Aussenpolitik kritisiert: passi- ver Absentismus, Neutralität im Sinne der Gesinnungsneutrali- tät. Ich möchte Sie, Herr Bundesrat, zu diesem neuen Akt der Aussenpolitik, wie Sie ihn dokumentiert haben, beglückwün- schen. Ich möchte Ihnen gratulieren, dass Sie nicht nur die Neutralität als Instrument der Aussenpolitik, sondern als In- strument einer aktiven Aussenpolitik interpretiert und umge- setzt haben. ' Wenn in der heutigen Diskussion verschiedentlich darauf hin- gewiesen wurde, es gehe darum, zwischen Neutralitätsrecht und Neutralitätspolitik zu unterscheiden, möchte ich, Herr Bonny, betonen, dass wir in erster Linie über Neutralitätspolitik zu entscheiden haben. Denn das Neutralitätsrecht ist ein ge- gebenes Faktum. Aber wir haben hier unsere Politik zu formu- lieren. Andere Stimmen, die sagen, die Neutralität als solche sei aufgegeben worden, übersehen, dass Neutralitätspolitik immer nur Reflex der weltpolitischen Situation oder in unse- rem Fall auch der europapolitischen Situation sein kann. Da haben doch qualitativ verschiedene, fundamentale Verände- rungen der weltpolitischen Konstellationen stattgefunden, die eine neue Pragmatik unserer Neutralitätspolitik verlangen. Die Golf krise, so schrecklich sie sich - vor allem auch mit ihren Risiken - darstellt, hat eines aber gezeigt: Sie war die Lack- musprobe für die Entspannung zwischen den Supermächten Ost und West. Die einhellige Annahme des Sanktionenkon- zepts hat bewiesen, dass sich das West-Ost-Verhältnis offen- sichtlich grundlegend und definitiv verändert hat. Das hat für unsere Neutralitätspolitik, ihre Formulierung und ihre Interpre- tation ganz einschneidende Konsequenzen. Aber nicht nur das. Auch unser europäisches Umfeld verlangt eine Neufor- mulierung der bisher gehandhabten Neutralität. Auch die Uno präsentiert sich jetzt in einem anderen Licht. Zugegeben, Herr Bonny, die Situation hat sich geändert, die Grossmächte neutralisieren sich innerhalb der Uno nicht mehr gegenseitig per Veto, sondern arbeiten offensichtlich zusam- men. Aber, Herr Bonny, damals war dieser Zustand nicht die Schuld der Uno, sondern das war die damalige weltpolitische Konstellation. Die Uno ist ein dynamisches Gebilde, die Welt- politik auch. Wir sind deshalb der Auffassung, dass heute- un- ter diesen veränderten Voraussetzungen - neu über einen Bei- tritt zur Uno diskutiert werden muss. Auch die Neutralitätsfrage muss in diesem Zusammenhang in einem neuen Licht disku- tiert werden, zusammen mit dem Parlament, zusammen auch mit dem Souverän. Eine letzte Bemerkung zum Waffenausfuhraspekt: Herr Spalti hat mit Recht darauf hingewiesen, es zeige sich die Problema- tik, wenn ein Abenteurer wie Saddam Hussein mit Waffen be- liefert werde. Einverstanden! Denken wir aber daran, wie der Westen seinerzeit das Schah-Regime aufgerüstet hat. Als die- ses Regime durch den Khomeiny-Fundamentalismus abge- löst worden ist, hat man dessen Gegner, den Irak, aufgerüstet. Die Schweiz war dabei. Jetzt ist man daran, wieder andere Machtträger aufzurüsten, immer nach dem Prinzip: «Rüste den Feind deines Feindes auf.» Die Schweiz macht wieder mit. Ich meine, das ist falsch. Waffenhandel, Aufrüstung führen in jedem Fall und immer ins Schlamassel. Wir werden es früher oder später mit neuen Potentaten zu tun haben. Ich weiss nicht, wer das ist. Aber es könnten durchaus jene sein, die jetzt von uns in der Meinung aufgerüstet werden, sie würden uns helfen, einen Feind zu bekämpfen. Auch dieser Feind könnte abgelöst werden und der Freund von heute könnte der Feind von morgen werden. Ich bitte den Bundesrat - wir werden einen entsprechenden Vorstoss unternehmen -, hier einen Riegel zu schieben. Waf- fenhandel und Aufrüstung sind noch nie langfristige frucht- bare Instrumente der Aussenpolitik gewesen. Sie waren im- mer nur reiner Opportunismus. Herczog: Nachdem wir nun alle die Sanktionen gegen Irak befürworten und nachdem wir über unsere Neutralitätspolitik hinlänglich gestritten haben, muss sich uns notwendiger- weise die Frage stellen: Wo liegen allfällige politische Lö- sungspotentiale des Konfliktes? Wie kann man dieser «Logik des Krieges», wie dies von Mitterrand bezeichnet wurde, aus- weichen? Für uns lautet die Hauptfrage - für den Westen, für die Schweiz und ihre guten Dienste -: Mit welchen Mitteln kommen wir - die westlichen Demokratien - mit der arabi- schen Welt in ein dauerhaftes Bündnis? Wie man in ein dauer- haftes Bündnis hineinkommen könnte, zeigt sich an zwei ent- scheidenden Punkten: Erster Punkt: die Israelpolitik. Wie Arnold Hottinger ausführlich in der «Neuen Zürcher Zeitung» beschrieben hat, wäre ein ge- rechter Friede mit Israel anzustreben. Und gerecht heisst hier ganz spezifisch ein Friede, der von der arabischen Welt ins- gesamt und auch von den Palästinensern - nicht allein von der PLO - als gerecht betrachtet würde. Dieser gerechte Friede mit Israel ist eine wichtige Voraussetzung, um in der Golfregion von dieser politischen Konfliktsituation wegzukommen. Eine zweite wichtige Voraussetzung: dass die Schweiz, die USA, generell die westliche Welt, Vorsicht in den Allianzen pflegt mit Regimen, die äusserst aristokratischen oderfeudali- stischen Strukuren frönen. Sie kennen diese Länder; sie um- geben den Golf. Es kann Kuwait, es kann Saudi-Arabien sein. Wir dürfen uns nicht in Allianzen hineinzwingen, die uns in ein Herrschaftsbündnis mit Regimes bringen, die aus momenta- nen Bündnisabsichten heraus das Volk gegen uns, gegen die demokratischen Länder aufbringen, die den Nationalismus, den Fundamentalismus derart weit treiben und so das, was heute eine leitende Ideologie in der arabischen Welt ist, näm- lich die Ablehnung gegenüber dem Westen, massiv fördern. Zum Schluss noch einmal: Wir müssen uns - neben der Neu- tralitätspolitik, neben dem, dass man jetzt den USA so gross dankt, dass sie im Golf aufmarschiert sind - überlegen, wo po- litische Lösungen gesucht werden müssen, bevor der erste Schuss fällt, wie es vielleicht verschiedene Medien gern haben möchten: 1. In der Israel-Politik sollen nicht nur die Irak-Resolutionen der Uno durchgesetzt werden, sondern es sollen auch jene Resolutionen akzeptiert und konsequent befolgt werden, die Israel von den besetzten Gebieten weghaben möchten. 2. Wir dürfen uns nicht in Allianzen hineindrängen lassen, wo wir plötzlich als Bündnispartner von feudalistischen Regimes dastehen und nicht mehr im Bündnis mit der Bevölkerung handeln können. Keller: Ich möchte dem Bundesrat meine Anerkennung und meinen Dank aussprechen, dass er mit Blick auf den Sankti- onsbeschluss der Uno sofort erkannt hat, dass er gar nicht an- ders handeln konnte, als er handelte. Er erfüllte damit die Er- wartungen der Völkergemeinschaft. Er erfasste aber auch die politische Einstellung des eigenen Volkes. Es sei noch kurz daran erinnert, wie wir uns anlässlich der De- batte über den Eintritt der Schweiz in die Uno ausserordentlich schwer getan haben mit der Frage, wie wir uns verhalten soll- ten, wenn allenfalls einmal der Uno-Sicherheitsrat einen Sank- tionsbeschluss fassen sollte. Das schien den damaligen Geg- nern eines Beitritts ein fast unlösbares Problem. Früher als er- wartet sind wir nun vor einen solchen Uno-Beschluss gestellt worden, und was die damaligen Uno-Befürworter immer wie- der gesagt haben, trifft ein: Auch als Nicht-Uno-Mitglied kann sich die Schweiz in einem solchen Fall gar nicht anders verhal- ten als einen Sanktionsbeschluss mitzutragen. Das damals eher hochstilisierte Problem erweist sich bei der ersten Gele- genheit in seiner ganzen Nichtigkeit. Natürlich: Eine ungeteilte Eingliederung in die internationale Solidarität hat auch Nachteile. Hätte die Schweiz nicht mitge- macht, hätte sie sich auf die Position des Courant normal zu- rückgezogen -für mich besteht kein Zweifel, dass dann Sad-Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1526 N 24 septembre 1990 dam Hussein die Schweizer Geiseln entlassen hätte. So sehr das auch mit Blick auf diese 87 Schweizerinnen und Schwei- zer, die im Irak festgehalten werden, wünschenswert wäre, so sehr wäre doch auch diese Privilegierung der Schweiz durch einen verachtenswerten Diktator unserem Ansehen internatio- nal abträglich gewesen. Ich möchte zum Schluss Herrn Bundesrat Felber noch eine Frage stellen. Ich gehe davon aus, dass die Uno ihre weltpoliti- sche Rolle, die ihr seit Wilsons Völkerbund nach dem Ersten Weltkrieg zugedacht war, heute offensichtlich immer besser erfüllt. Meine Frage: Wie steht es heute mit den Guten Diensten der Schweiz? Wären diese innerhalb der Uno nicht besser zu erfüllen? Oder anders gefragt: Sind sie ausserhalb der Uno nicht weniger gefragt als früher? M. Felber, conseiller fédéral: Permettez-moi, après ce long débat, d'abord de vous remercier de vous être exprimés si pré- cisément à propos des problèmes que posait la situation du Golfe et, plus particulièrement, de la prise de position du Con- seil fédéral qui s'est rallié aux sanctions du Conseil de sécurité de l'Organisation des Nations Unies. Vous me permettrez-je crois que vous le comprendrez à cette heure tardive - de ne pas m'appesantir sur chacune des questions, mais de repren- dre les principaux domaines que vous avez bien voulu traiter. A M. Bundi, président de la Commission des affaires étrangè- res de votre Conseil, je répète que nous considérons - nous le ferons toujours - que la décision du Conseil fédéral de se ral- lier aux sanctions et d'adopter une ordonnance appliquant des sanctions était une décision autonome. Nous pouvions, soit ne pas prendre position, soit nous rallier plus tard à cette tradition helvétique du courant normal que beaucoup de gens nous ont proposée. Mais, lorsque leurs lettres nous sont par- venues, la décision était déjà prise. Nous aurions très bien pu choisir cette position. Il fallait prendre une position formelle d'une manière autonome, c'est-à-dire tout à fait indépen- dante, quant à l'adoption de sanctions suisses par rapport aux événements du Koweit. Le principal problème que vous avez soulevé sur le plan politi- que est relatif à la position de la Suisse et des pays de la com- munauté internationale, plus particulièrement de ceux formant les démocraties occidentales pluralistes, par rapport à la situa- tion qui existait avant le 2 août 1990 au Koweit. Ce sont les questions de MM. Herczog, Braunschweig et Jaeger. Nous pouvons affirmer que la position du Conseil fédéral ne doit pas être considérée comme le soutien à un régime particulier, c'est-à-dire à celui que certains d'entre vous considèrent comme féodal, celui du Koweït. Nous avons simplement pris une position qui condamnait la violation du droit des gens, des articles du droit international public et de la Charte des Nations Unies par la République d'Irak. Je le répète: «Pas de soutien à tel ou tel gouvernement.» De même - et c'est très important - la Suisse tient à manifester par sa prise de position qu'elle n'a pas la volonté de suivre une politique antiarabe. Cela me per- met de répondre directement à M. Braunschweig qui nous de- mandait de ne pas trop personnaliser la crise Irak-Koweit à tra- vers le chef de l'Etat irakien. Comment voulez-vous ne pas la personnaliser? Nous n'avons pas pris position contre le peu- ple irakien! En général, nous ne prenons pas position contre une république, mais contre la violation du droit qui a été déci- dée par un chef d'Etat tout puissant. Dans ce pays, il n'y a pas deux chefs d'Etat tout puissants. Il y en a un, il s'appelle Sad- dam Hussein et il faut avoir le courage de dire son nom. Ce n'est pas une prise de position contre le peuple irakien, mais contre la direction de la République irakienne. Ici, on ne peut pas faire autrement que de personnaliser la question. C'est un élément de politique générale qu'il nous paraît important de soulever et qui répond à plusieurs de vos questions. Le deuxième problème fait plutôt partie de notre définition de la politique de neutralité. Je ne vais pas reprendre chacun des éléments qui ont été soulignés, établis et défendus. Le Conseil fédéral a très clairement fait la différence entre le principe de neutralité qui, par l'intermédiaire des accords de La Haye du 18 octobre 1907, engage les pays neutres à des droits et des devoirs précis, en particulier en cas d'affrontement militaire, et la politique de neutralité qui est l'instrument de la politique étrangère qui - nous le répétons - ne doit pas se traduire par peur, couardise ou lâcheté. Elle doit aussi faire valoir que la Suisse neutre sait être solidaire des autres Etats du monde. Dans le cas particulier, il est évident que la décision paraissait plus facile à prendre parce qu'une absence de la Suisse aurait signifié qu'elle seule donnait pratiquement raison à l'Etat qui avait ouvertement et clairement violé les principes du droit des gens. Cela dit, nous continuons à affirmer que le Conseil fédé- ral n'a pas voulu manifester une volonté particulière de chan- gement profond de la politique étrangère de notre pays. Il a uti- lisé les possibilités actives que lui donne la politique de neutra- lité s'appuyant sur le droit de la neutralité. Je vous assure, Mesdames et Messieurs les conseillers natio- naux, que le Conseil fédéral n'a pas discuté quatre heures de cette possibilité après qu'il est entré en possession des analy- ses qui lui ont été fournies, concernant précisément la limite entre le droit de la neutralité et la politique de neutralité. Il lui a fallu quelques heures de réflexion, une discussion nourrie et une approbation. C'était la possibilité que le Conseil fédéral saisissait d'utiliser activement la politique de neutralité. S'agis- sait-il d'un changement? Pas dans notre esprit, puisque nous disons que lorsque nous devons manifester notre solidarité, nous pouvons utiliser cette politique de neutralité. Ce qu'il y avait d'évident, c'est que c'était relativement nouveau. En ef- fet, les circonstances internationales qui nous permettaient d'appliquer de cette manière dynamique la politique de neu- tralité, ces circonstances internationales étaient nouvelles, avaient changé. C'est là l'élément le plus important qui a per- mis au Conseil fédéral et à tous ceux qui ont préparé cette dé- cision de la justifier. Cela ne signifie donc pas que si les circonstances chan- geaient brutalement - ce que nous ne souhaitons pas nous puissions d'une manière égale appliquer tout le temps le même type de décision. Encore une fois, s'il s'agit de politique de neutralité, le gouvernement devra chaque fois se pronon- cer, analyser et décider ensuite des applications qu'il fera de celle-ci. Nous sommes heureux de souligner que la situation générale, politique, aux Nations Unies entre les différentes pays de la communauté internationale nous a permis de nous engager, avec cette dernière, dans une mesure qui nous pa- raissait justifiée, judicieuse, nécessaire. Nous souhaitons que des circonstances analogues ne se représentent pas, parce qu'elles sont toujours significatives de guerre et de tensions, mais nous souhaitons, si cela devait se présenter encore, que la même unanimité dans les Etats de la communauté interna- tionale apparaisse de manière à ce que nous puissions nous associer à cette solidarité internationale. L'autre problème que vous avez très directement discuté est celui des exportations d'armes, lié à la situation actuelle du Golfe. Comme nous l'avons dit dans notre première interven- tion, le Conseil fédéral regrette - question de M. Rebeaud - que l'Occident - dont nous faisons partie, ne nous cachons pas derrière les mots, nous sommes donc parmi les corespon- sables - ait permis, pas toujours par des gestes, mais par men- talité, par peur, par timidité ou par lassitude, d'armer un pays qui, aujourd'hui, nous montre de quelle manière il peut retour- ner ses armes contre la paix pour déclencher une crise très grave. Nous croyons, en effet, que des fautes ont été commi- ses. Comme plusieurs d'entre vous l'ont dit, nous admettons qu'armer l'ennemi de son ennemi ne signifie pas que l'on ne va pas retrouver, à la fin du compte, un autre ennemi devant soi. C'est parfaitement correct, nous admettons cette analyse. Cependant, nous aimerions vous rappeler un certain nombre d'éléments. Il n'y a pas besoin d'une intervention particulière aujourd'hui pour empêcher une livraison d'armes dans les pays du Golfe. La loi actuelle suffit, puisqu'elle précise qu'on ne peut pas livrer d'armes dans les pays situés dans une ré- gion en crise. Il n'y a pas de discussion possible: lorsque tous les jours on parle de la crise du Golfe, que les pays de cette ré- gion sont en crise, nous pouvons appliquer les dispositions de la loi sur l'exportation du matériel de guerre pour empêcher toute exportation. Cela signifie qu'il n'y a pas besoin de déci- sion spéciale du Conseil fédéral. Toute nouvelle demande de- puis le 2 août d'exportation de matériel de guerre en direction des pays du Golfe est tout simplement interdite.24. September 1990 N 1527 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse L'autre problème est celui des autorisations accordées avant la crise, et nous vous accordons que le Conseil fédéral devra se préoccuper de ces problèmes. Donc, en ce qui concerne les pays qui recevaient des armes suisses, comme l'Arabie Saoudite, comme peut-être la Jordanie -je ne les connais pas par coeur - qui avaient des fournisseurs suisses au bénéfice d'autorisations d'avant la crise du Golfe, les fournisseurs ne sont pas nécessairement dans l'obligation de nous informer qu'ils poursuivent leurs livraisons. De même on peut encore hésiter sur un fait, c'est que les pays qui reçoivent les armes ne sont pas encore en guerre, même s'ils sont dans une région en crise. Nous admettons que ce problème est important. Le Conseil fédéral, non pas au mois de novembre comme récrivaient certains journalistes qui savaient toujours la vérité, mais dans les très prochaines semaines, va s'occuper de ces problèmes. Quand pouvons-nous suspendre? Comment pou- vons-nous suspendre des autorisations qui ont été accor- dées? Nous ne l'avons fait jusqu'ici qu'une seule fois depuis la mise en application de la loi sur les exportations de matériel de guerre, à propos de la Chine populaire, quand le Conseil fédé- ral a suspendu toute autorisation qui avait été accordée de li- vrer du matériel militaire à la Chine populaire, à la suite des événements du mois de juin 1989 à la place Tien an men. Ce problème n'est pas bien réglé. Il faudra donc que nous le re- voyions. Il faudra certainement aussi préciser un certain nom- bre d'éléments dans la loi sur l'exportation de matériel de guerre de manière à ce que les interprétations ne soient pas trop éloignées les unes des autres. Ensuite, nous devrons revoir également un autre problème dont il a souvent été question ici, celui de l'application du prin- cipe du respect des droits de l'homme. Et là, il est certain que nous touchons encore un autre domaine mais que l'applica- tion du principe du respect des droits de l'homme, comme d'ailleurs la Commission de gestion nous en avait chargés, de- vra devenir un élément important de l'appréciation laissée au Conseil fédéral pour autoriser des livraisons d'armes. Cela dit, nous considérons que le Parlement puis le peuple suisse devront préciser très exactement ce qu'ils souhaitent dans le domaine des exportations d'armes. Nous savons tous qu'une interdiction pure et simple de toute exportation, qui philosophiquement peut être acceptable, signifie la dispari- tion d'une industrie particulière de notre pays. Tout cela doit être mis en équilibre, analysé, afin de permettre au Conseil fé- déral de présenter au Parlement des propositions plus préci- ses dans le domaine des exportations d'armes. En ce qui concerne l'Occident, j'ai répondu à M. Rebeaud que nous nous considérons également comme faisant partie de l'Occident et que nous portons sans aucun doute notre part de responsabilités sur les causes profondes du conflit. Nous n'aurons jamais de solution réelle. L'Irak était un pays en totale déconfiture économique dont le régime était, par là même, menacé. Il avait subi, c'est vrai, une perte extrêmement importante dans la vente de son pétrole brut, parce que les pays producteurs de l'OPEP n'avaient pas réussi à s'entendre. Or, cela n'est pas de la faute des Occidentaux ni des consom- mateurs occidentaux de pétrole. Il y avait eu des dumping sur les prix de gros du pétrole brut et un pays, qui se relevait de huit ans de guerre - ce que nous n'avions pas non plus sou- haité - avait besoin de devises et n'a pas pu les obtenir. Il est vrai que le Koweït, comme l'Arabie Saoudite, ont contribué à la baisse des prix du pétrole, par conséquent à la diminution des recettes d'autres pays producteurs tels que l'Irak, l'Algérie qui ont perdu énormément et avaient besoin de ces ressources. C'est certainement l'un des motifs de cette crise puisque, pré- cisément, avant même qu'elle ne soit déclenchée sur le plan militaire, elle avait été l'objet de négociations. La situation en général: comme plusieurs d'entre vous l'ont re- levé, s'agit-il de la suite ou de la fin des problèmes liés à l'exis- tence d'Israël, à l'insécurité au Moyen-Orient? Nous n'en som- mes pas persuadés. Les informations et les prises de position ne coïncident pas. Nous pensons que si tous les problèmes sont bel et bien liés dans cette région du monde, d'une ma- nière ou d'une autre, ce n'est pas la question Israël/Palestine qui est certainement le motif le plus important de cette crise. Nous savons aussi que la solution du conflit doit être politique si l'on ne veut pas détruire des centaines de milliers d'hommes et de civils. Elle est entre les mains de l'Organisation des Na- tions Unies qui a voté des résolutions, et qui est chargée avant tout de négocier. Elle est aussi entre les mains des pays ara- bes et de la Ligue des Etats arabes qui pourra sans doute, mieux que tout autre, convaincre les Etats arabes d'aboutir à une solution. Cela ne signifie pas que nous n'ayons rien à dire. Dès le lende- main de notre prise de position, nous avons aussi informé les autres pays neutres d'Europe que nous étions prêts àtravailler ensemble à une solution visant à rétablir la paix dans le Golfe. Nous avons aussi informé les parties au conflit, qui se font face avec leur armée, que nous étions prêts, si elles nous le deman- daient, à tenter des médiations. Cela dit, nous devons être très prudents parce qu'il ne s'agit pas de donner un mauvais signal et de laisser entendre que nous nous désolidarisons en agissant sur ce terrain-là. Voilà ce que nous tenions à répondre à la plupart des interven- tions, en vous remerciant encore une fois d'avoir soutenu le Conseil fédéral dans sa prise de position. En ce qui concerne l'ONU, nous aurons sans doute l'occasion d'en reparler prochainement. Le président: Les interpellateurs sont satisfaits de la réponse du Conseil fédéral. 90.665 Dringliche Interpellation der Wirtschaftskommission Golfregion. Wirtschaftsbeziehungen Interpellation urgente de la commission des affaires économiques Région du Golfe. Relations économiques Wortlaut der Interpellation vom 21. August 1990 Der Bundesrat wird eingeladen, das Parlament über die Wirt- schaftsbeziehungen mit der Golfregion, insbesondere mit dem Irak und Kuwait, umfassend zu informieren, die Auswir- kungen des weltweiten Boykotts wie seiner eigenen Massnah- men auf die Schweizer Wirtschaft und die Wirtschaftsentwick- lung darzulegen. Texte de l'interpellation du 21 août 1990 Le Conseil fédéral est prié d'informer le Parlement de manière approfondie sur les relations économiques avec la région du Golfe, en particulier avec l'Irak et le Koweït, et d'exposer les re- tombées du boycottage mondial ainsi que ses propres mesu- res sur l'économie suisse et sur le développement économi- que en général. 90.685 Dringliche Interpellation Fischer-Seengen Auswirkungen des Handelsboykotts gegen die Republik Irak und den Staat Kuwait auf die schweizerische Wirtschaft Interpellation urgente Fischer-Seengen Boycottage économique de l'Irak et du Koweit Wortlaut der Interpellation vom 18. September 1990 Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fra- gen:Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1528 N 24 septembre 1990 1. Wie viele Unternehmen werden durch das vom Bundesrat am 7. August 1990 erlassene Handelsverbot gegen die Repu- blik Irak und den Staat Kuwait im Sinne von Artikel 3 der Ver- ordnung direkt betroffen? 2. Wie gross ist das entsprechende Handelsvolumen in Schweizerfranken? 3. Ist der Bundesrat nicht auch der Ansicht, dass den betroffe- nen Unternehmen der ausgewiesene Schaden wenigstens teilweise ersetzt werden sollte? Texte de l'interpellation du 18 septembre 1990 Je prie le Conseil fédéral de bien vouloir répondre aux ques- tions suivantes: 1. Combien d'entreprises sont directement concernées, au sens de l'article 3 de l'ordonnance, par l'interdiction de com- merce avec la République d'Irak et l'Etat du Koweït, interdic- tion décrétée le 7 août 1990 par le Conseil fédéral? 2. A combien se monte, en francs suisses, le volume des échanges touché par ces mesures? 3. Le Conseil fédéral n'est-il pas aussi d'avis que le préjudice justifié subi par les entreprises concernées devrait être au moins partiellement réparé? Schriftliche Begründung - Développement par écrit Durch den vom Bundesrat am 7. August 1990 verordneten Handelsboykott gegen die Republik Irak und den Staat Kuwait werden weit mehr Unternehmen betroffen als ursprünglich an- genommen, und das entsprechende Handelsvolumen ist be- trächtlich. Unter anderem können auch bereits fertiggestellte Anlagen nicht mehr geliefert werden und die in guten Treuen getätigten Vorinvestitionen (Materialeinkäufe, Projektierungs- und Produktionsarbeiten etc.) gehen in solchen Fällen gröss- tenteils verloren, da eine spätere Lieferung nur selten möglich wäre. Namentlich kleinere und mittlere Unternehmen treffen die daraus resultierenden Verluste besonders hart. Es scheint mir deshalb nicht billig, wenn einige wenige, zudem noch meist mittlere und kleinere Unternehmen die Folgen des Boy- kotts allein zu tragen hätten. M. Delamuraz, conseiller fédéral: Je traiterai dans ma ré- ponse à la première intervention des effets économiques de la crise du Golfe sur la conjoncture internationale et plus particu- lièrement sur l'économie suisse, puis j'aborderai la deuxième interpellation de M. Fischer-Seengen. La crise au Proche-Orient, la hausse des pétroles de 18 à 30 dollars le baril - c'étaient les chiffres de la semaine der- nière, aujourd'hui ils sont bien plus hauts - ainsi que l'incerti- tude sur les marchés financiers ont réveillé les craintes d'un troisième choc pétrolier et d'une récession immédiate. Les faits: il est vrai de dire que, depuis le début de cette année, la croissance mondiale s'est ralentie, mais que les effets du ra- lentissement ont été ressentis essentiellement aux Etats-Unis, dans une certaine mesure en Grande-Bretagne. La hausse des prix du pétrole va renforcer l'inflation et la tendance au ra- lentissement de la conjoncture dans le monde. Les analyses de l'OCDE prévoient une accélération de l'inflation de l'ordre d'un demi pour cent, peut-être de trois quarts pour cent pour l'année à venir et un recul de la croissance économique des pays industrialisés d'un ordre de grandeur comparable, ce qui ramènerait les perspectives de croissance de trois pour cent telles que calculées par l'OCDE pour l'année prochaine, à moins de deux et demi pour cent. Ces prévisions sont établies sur la base d'une augmentation du prix du pétrole brut d'envi- ron 10 dollars le baril. Or, je répète qu'il s'agit là d'une augmen- tation qui sera très probablement dépassée, qui est déjà dé- passée aujourd'hui. Au vu de la conjoncture fragile aux Etats-Unis, on ne peut pas exclure même une récession dans ce pays. Chacun sait qu'une récession dans ce pays a des significations extra- américaines considérables. C'est essentiellement dans le sec- teur de l'industrie automobile américaine que l'on ressent ces signes de récession. Les difficultés de la Banque centrale américaine, qui est con- frontée à la nécessité de lutter contre une inflation qui s'accé- lère et de prévenir une récession se sont donc accentuées. L'augmentation des prix du pétrole, le risque accru d'inflation, les problèmes budgétaires non résolus restreignent considé- rablement la marge de manoeuvre de la Banque centrale amé- ricaine; un assouplissement de la politique monétaire et une réduction des taux d'intérêt sont peu probables. Heureuse- ment, la conjoncture très robuste sera moins affectée au Ja- pon et dans la plupart des pays européens occidentaux, no- tamment en République fédérale allemande où elle bénéficie du boom des investissements en vue du marché commun de 1993 et aussi des événements de l'Europe de l'Est. Mais les grands perdants - mon collègue Felber a eu l'occa- sion d'y faire allusion dans le débat intéressant qui a précédé mon intervention - sont les pays en développement importa- teurs de pétrole. Ils sont véritablement frappés de plein fouet. De même, il faut dire que dans les pays de l'Europe de l'Est, les problèmes d'adaptation, suite à leur passage à un approvi- sionnement en pétrole au prix du marché mondial - c'est nou- veau pour eux - en seront accentués d'autant. D'une manière générale, nous ne sommes pas en présence de chocs pétroliers de l'ampleur de ceux de 1973 et 1979. La hausse des prix du pétrole reste aujourd'hui inférieure, je dirai même nettement inférieure à cent pour cent, alors qu'en 1973 ils avaient quadruplé et qu'en 1979 ils avaienttriplé. La densité en pétrole de la production dans les pays industrialisés a chuté depuis 1973: en Suisse d'un tiers environ. La conjonc- ture dans les pays industrialisés est aujourd'hui nettement plus robuste et plus saine. Par conséquent, les besoins de cor- rection de politique économique sont plus faibles. On a donc appris quelque chose des deux crises antérieures. Mais c'est avant tout l'ajustement structurel et la libéralisation des marchés qui ont amélioré la capacité des économies des pays industrialisés d'absorber les chocs extérieurs. Je parle bien des chocs extérieurs. Enfin, plusieurs pays exportateurs de pétrole sont aujourd'hui prêts à compenser dans une large mesure la perte du pétrole irakien et koweitien. En résumé, il apparaît du point de vue de l'examen macro- économique de la situation mondiale que l'insécurité va en augmentant, qu'il faut s'attendre à un ralentissement de la croissance de l'économie mondiale et des échanges, pour au- tant que les circonstances dans le Golfe n'empirent pas, mais que nous ne sommes pas en vue de drame, de crise, de rup- ture de l'ordre de celles que nous avons connues en Suisse. J'en viens plus particulièrement à l'examen de la situation suisse. La nouvelle hausse prévue des taux d'intérêts, des prix du pétrole et le raffermissement du franc se situent heureuse- ment dans une conjoncture solide qui résiste à beaucoup d'épreuves, ce qui n'était pas le cas auparavant. Les perspecti- ves de commandes pour le proche avenir sont bonnes, bien que la demande d'exportation dans l'industrie enregistre des signes d'affaiblissement et que, de manière générale, les pro- visions des entrepreneurs se soient considérablement assom- bries. La quatrième hausse des taux hypothécaires, qui reste d'actualité et qui occupera sans doute votre conseil dans la troisième semaine de cette session, vient s'ajouter pénible- ment et douloureusement - parce que c'est un facteur inté- rieur et non pas, comme la crise du pétrole, un facteur exté- rieur auquel toute politique monétaire ne peut que peu de chose - et va malheureusement infléchir la tendance dans lo mauvais sens. On peut donc s'attendre à un ralentissement prononcé de la conjoncture intérieure et à un ralentissement un peu plus im- portant que prévu de la croissance des exportations. Mais il est vraisemblable que le taux d'utilisation des capacités de pro- duction, très élevé dans notre pays, et le plein emploi seront maintenus. Il semble inévitable que les profits des entreprises, qui étaient jusqu'à présent très bons, voire excellents, s'éro- dent quelque peu et même se dégradent. Les perspectives d'inflation restent relativement bonnes. Cer- tes, le taux d'inflation sera légèrement plus élevé dans le cou- rant de cette année qu'il n'avait été prévu, et surtout au début de l'année prochaine. Nous devons le considérer comme une donnée. Le franc suisse, dont tout le monde a souhaité le réta- blissement de la belle santé - et on y est arrivé - est facteur de risque, quoiqu'il en soit. Son raffermissement soutient la lutte contre l'inflation, certes, mais il renforce aussi, du côté des ex-24. September 1990 N 1529 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse portations, les dangers d'une récession. A plusieurs occa- sions, la Banque nationale a déclaré sa disposition à une cer- taine souplesse en cas de situation exceptionnelle. J'ose es- pérer qu'elle sera capable, dans ces circonstances et si les si- gnaux extérieurs le veulent, de cette souplesse, non pas en discours et en remarques, mais en actes et en décisions. Nos relations économiques, puisque c'est la deuxième partie de la question posée par l'interpellation, avec l'ensemble de la région du Golfe - je parle de l'ensemble du Golfe parce que tout cela se tient et que le conflit ne se limite pas à cette région mais touche l'ensemble du Moyen-Orient - sont, de notre point de vue, assez différentes. D'une part, le Moyen-Orient comprend les Etats à revenus pétroliers: Arabie Séoudite, Ko- weit, Bahrein, Qatar, Emirats arabes unis et d'Oman, Irak, Iran; d'autre part, les pays non producteurs de pétrole: Afghanis- tan, Yemen, Jordanie, Liban; et, dans une moindre mesure mais le produit pétrolier y est relatif: Syrie. Economiquement, la région du Moyen-Orient est importante pour la Suisse en raison de ses riches gisements de pétrole et de gaz naturel; 66 pour cent des stocks pétroliers connus à ce jour dans le monde proviennent de la région. L'Europe occi- dentale recueille quelque 60 pour cent de ses besoins en pé- trole par la production des Etats du Moyen-Orient et cette forte dépendance de cette région s'élèvera encore dans les années qui viennent. Elle pourrait atteindre, au tournant de ce siècle, 80 pour cent, en raison du tarissement graduel des gisements pétroliers de l'Europe du nord et des Etats-Unis. La dépen- dance du Japon vis-à-vis des produits pétroliers du Moyen- Orient est encore plus grande. Du point de vue économique, cette dépendance implique des conditions normales de circulation des produits, des services, des capitaux, avec les pays producteurs de pétrole. Jusque dans un passé très récent, la majeure partie de ces revenus pétroliers servait à couvrir les besoins en biens d'investisse- ment et en services nécessaires au développement économi- que et structurel de toute la région. Peu à peu, les besoins en biens de consommation et en investissements de ces régions en capitaux, aussi bien dans les Etats d'Europe occidentale que d'Amérique du nord et d'Amérique du sud ont pris le re- lais. Pour ce qui concerne la Suisse, la situation est heureusement très différente de celle d'un nombre considérable de pays in- dustrialisés, en ce sens que nous sommes dépendants - et que nous le serons davantage - de l'ensemble des pays du Moyen-Orient producteurs de pétrole, mais beaucoup moins de l'Irak et du Koweit. En effet, les importations suisses de l'Irak, produits pétrochimiques et autres marchandises, ont re- présenté la somme dérisoire de 1,75 million de francs en 1989, du Koweit de 2,3 millions, cependant que nos exportations vers l'Irak étaient de l'ordre de 300 millions l'an dernier et vers le Koweit de 94 millions, avec des tendances respectivement à la diminution et à la reprise. Ce ne sont donc pas des interlocuteurs économiques impor- tants pour notre économie. Il n'empêche que les problèmes de la crise du Golfe ne se réduisent pas aux seules consé- quences directes et saisissables sur les comportements com- merciaux de l'Irak et du Koweit et qu'ils ont, je le répète, des ra- mifications indirectes avec l'ensemble des pays du Moyen- Orient. C'est en ceci que la situation peut poser un problème à la Suisse, à plus long terme. Si la crise s'éternise et si cette der- nière devait s'aggraver, il est bien clair que toutes les évalua- tions, somme toute assez tranquilles et assez bénignes, aux- quelles je me livre devant vous quant à l'avenir, seraient trans- formées dans le sens d'une aggravation peut-être considéra- ble. La situation mérite donc une analyse de tous les instants. Cela me conduit à des vues plus concrètes dans la réponse que je dois donner à l'interpellation urgente de M. Fischer- Seengen, conseiller national. M. Fischer me demande tout d'abord combien d'entreprises suisses sont directement tou- chées par l'article 3 de l'ordonnance qui institue des mesures économiques envers l'Irak et l'Etat du Koweit. Je vous répon- drai, Monsieur le Conseiller national, qu'il n'est pas encore possible d'indiquer le nombre exact des entreprises suisses qui sont directement touchées par cette ordonnance. Ces entreprises devaient s'annoncer jusqu'au 14 septembre der- nier. Selon une première estimation de mon département, en- viron 200 entreprises suisses pourraient être plus ou moins touchées par les mesures d'embargo décidées par le Conseil fédéral. Vous me demandez ensuite quel est le volume des exporta- tions concernées en francs suisses. Il est également difficile d'indiquer maintenant des chiffres exacts, mais pour ce qui concerne l'année dernière je répète ce que je viens de vous in- diquer: les exportations suisses vers l'Irak dépassaient 300 millions de francs et elles étaient de l'ordre de 94 millions de francs vers le Koweit. Cela représente 0,4 pour cent de la totalité des exportations suisses. Les effets directs sur l'écono- mie d'exportation suisse sont donc modestes mais, et il est intéressant de le relever, c'est une chose de faire les moyen- nes ou les totaux pour l'ensemble de l'économie, tandis que citer de manière quelque peu décontractée ce chiffre de 0,4 pour cent seulement, c'en est une autre. Dans l'économie de ces entreprises-là, celles qui ont des flux commerciaux an- ciens ou nouveaux avec les entreprises de l'Irak et du Koweït, les problèmes se posent dans des termes tout à fait différents et parfois même douloureux. Ce sont finalement, Monsieur le Conseiller national, une quarantaine d'entreprises suisses qui se sont adressées à mon département et, plus particulière- ment, à l'Office fédéral des affaires économiques extérieures- en français Bawi - pour obtenir une autorisation exception- nelle. Plusieurs cas concernaient l'exportation de produits pharmaceutiques et c'est dans ce secteur que des autorisa- tions ont pu être accordées mais elles ne l'ont été - que cela soit bien précisé au passage, comme le rappelait aussi M. Fel- ber, conseiller fédéral, tout à l'heure - qu'avec l'accord parfait des autres Etats ayant pratiqué l'embargo. Vous me demandez dans votre troisième question si le Con- seil fédéral partage l'opinion selon laquelle les entreprises concernées seront au moins partiellement indemnisées pour les pertes subies. Le Conseil fédéral répond que les soucis des entreprises, et notamment de celles qui avaient de grands marchés en cours avec l'Irak ou le Koweit, constituent un pro- blème digne d'attention mais qu'un dédommagement géné- ral n'est pas prévu. Les mesures économiques envers l'Irak et le Koweit se fondent sur l'article 102, chiffres 8 et 9, de la Cons- titution fédérale, qui stipule que le Conseil fédéral veille aux intérêts de la Confédération, à l'extérieur. Il n'existe donc au- cune base légale qui autoriserait la Confédération, et encore moins qui la contraindrait, à répondre en tant que telle de dom- mages consécutifs à des mesures économiques décidées par le gouvernement. D'après la loi sur la responsabilité, la Confé- dération répond du dommage causé sans droit à un tiers par un fonctionnaire dans l'exercice de ses fonctions, mais cette disposition ne concerne pas les mesures économiques insti- tuées par le Conseil fédéral. Par conséquent, la Confédération ne répond pas de dommages consécutifs aux mesures éco- nomiques prises à l'endroit du Koweit et de l'Irak. D'un autre côté, il est bien clair que les autorités fédérales sont prêtes à aider les entreprises dans le cadre des lois en vigueur. La loi sur l'assurance-chômage, Monsieur Fischer, pourrait of- frir une possibilité. A l'article 51 de l'ordonnance, il est prévu, en effet, qu'une entreprise qui perd du travail à la suite notam- ment d'une interdiction d'exporter des marchandises, peut dé- cider une réduction de l'horaire de travail et bénéficier des in- demnités prévues en ce cas. Voilà dans quelles limites - limites étroites je le reconnais - la Confédération pourrait intervenir, s'agissant des entreprises qui, dans ce pays, avaient des contrats, préparaient des contrats ou appliquaient des contrats avec l'un ou l'autre de ces deux pays. Il est bien clair que nous ferons tout notre possible pour que ces mécanismes de solidarité collectifs puissent jouer en fa- veur d'entreprises qui, frappées par des cas de rigueur, con- naîtraient, du fait des décisions gouvernementales, de réelles, de profondes et de substantielles difficultés économiques mais, d'une manière générale, l'arsenal qui est à notre disposi- tion est un arsenal relativement limité. Oehler: Die Wirtschaftskommission hat den Bundesrat in ei- ner dringlichen Interpellation gebeten, zur Lage namentlichCrise du Golfe. Interventions parlementaires 1530 N 24 septembre 1990 auch der Schweizer Wirtschaft Stellung zu nehmen. Ich möchte Herrn Bundesrat Delamuraz für seine Ausführungen danken. In unserer Kommission kam klar zum Ausdruck, dass wir den Bundesrat unterstützen und dass wir mit den ändern Staaten solidarisch sein müssen. In diesem Sinne haben wir es denn auch nicht begriffen, dass von gewissen Seiten vom Bundes- rat verlangt wurde, dass man zum Courant normal zurückfin- den sollte und wir auf diese Art und Weise weiterhin, insbeson- dere mit Irak, Handel betreiben sollten. Wir sind dankbar, dass der Bundesrat einen anderen Weg, nämlich die Solidarität mit den ändern Staaten, gewählt hat. Diese Solidarität mit ändern Staaten wird in unserem Lande ei- nige Unternehmungen etwas kosten. Die Frage liegt nun auf der Hand, wer für diese Solidarität aufzukommen hat. Herr Bundesrat Delamuraz hat eben erwähnt, dass man u. a., sollte ein Unternehmen in Schwierigkeiten geraten, auf die Ar- beitslosenversicherung zurückgreifen kann. Meines Erach- tens, Herr Bundesrat, ist das ungenügend, insbesondere dann, wenn ein Unternehmen wegen den Boykottmassnah- men in existentielle Nöte kommt - existentielle Nöte, welche ein Unternehmen mittelfristig an den Rand des Ruins bringen werden. Das bedeutet für mich, dass wir unsere Solidarität mit ändern Staaten, nämlich das Mittun im Boykott, nicht auf Ko- sten einzelner Unternehmen ausüben und jene Unternehmen das alleine finanzieren lassen dürfen. In diesem Sinne genügt es meines Erachtens nicht, wenn wir bloss auf das Arbeitslosengesetz verweisen, wenn wir rück- blickend auf den 14. September dieses Jahres vom Bund die Eingaben einverlangten und nun 200 Unternehmen da sind, die offenbar in Schwierigkeiten kommen. Ich bitte den Bundesrat, sich im Einzelfall etwas einfallen zu lassen, damit nicht die einzelnen Regionen, einzelne Unter- nehmen - nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die In- haber dieser Unternehmen - in den Ruin getrieben werden. Die Kosten für Arbeitnehmer - ich finde das richtig - können wir über die Arbeitslosenversicherung auffangen. Wir haben heute aber offenbar keine Möglichkeit, mit den geltenden Ge- setzgebungen den Unternehmungen unter die Arme zu grei- fen. In diesem Sinne, Herr Bundesrat, ist für mich Ihre Antwort im Hinblick auf die 200 Unternehmungen, Ihr Hinweis auf das Arbeitslosenversicherungsgesetz, nicht genügend. Ich bitte Sie, hier etwas klarer zu werden. Fischer-Seengen: Gestatten Sie mir, meine Sorge mit folgen- dem konkreten Beispiel zu illustrieren: Eine Firma in Wettin- gen mit rund 80 Mitarbeitern hat sich vor rund drei Jahren ge- genüber einer staatlichen kuwaitischen Gesellschaft verpflich- tet, für das geplante Telekommunikationszentrum eine Strom- versorgungsanlage im Gegenwert von rund 1,7 Millionen Franken zu erstellen. Dies entspricht etwa 10 Prozent des ge- samten Jahresumsatzes dieser Firma. Die Anlage sollte im kommenden Oktober/November geliefert und installiert wer- den. Bei Erlass des Handelsboykotts gegen den Irak und Ku- wait am 7. August 1990 arbeitete ein Grossteil der Belegschaft an diesem Auftrag. Sofort nach Bekanntwerden des Handels- boykotts wurden sämtliche Arbeiten eingestellt und es wur- den, so gut es ging, andere Aufträge vorgezogen. Beim Stopp waren indessen bereits folgende Kosten aufgelaufen: Von Zu- lieferanten bereits gelieferte oder zumindest bestellte Materia- lien für 800 000 Franken, geleistete Projektierungsarbeiten 100000 Franken, geleistete Produktionsarbeiten 200000 Franken, Totalkosten: 1,1 Millionen Franken. Die teilweise ausländischen Zulieferanten sind aus verständlichen Grün- den nicht bereit, die gelieferte oder teilweise bereits bezahlte Speziesware einfach zurückzunehmen. Auch bei aller Kulanz der Zulieferanten wird die betroffene Firma allein unter diesem Titel einen Schaden von einigen hunderttausend Franken er- leiden. Da auch sämtliche Projektierungs- und Produktionskosten un- widerruflich verloren sind, dürfte schliesslich ein Schaden von mindestens 600 000 bis 800 000 Franken resultieren. Daran würde sich selbst dann nichts ändern, wenn in naher Zukunft der Handelsboykott gegenüber Kuwait aufgehoben würde. Aus Platzgründen musste nämlich bereits der grösste Teil des Materials an die Zulieferanten zurückgeschoben werden, so dass in den meisten Fällen eine Wiederverwendung ausge- schlossen wäre. Dazu kommt ein weiteres Problem: Durch den Boykott ist diese Firma gezwungen worden, den Vertrag mit dem iraki- schen Partner zu brechen. Daraus ergibt sich eine Schadener- satzpflicht, die besonders dann zum Tragen kommt, wenn ent- sprechende Beträge mit Gegenforderungen des Irak verrech- net werden können. Es wäre unfair, wenn auf das Unternehmerrisiko hingewiesen würde. Der Bundesrat hat das richtigerweise nicht getan. Er macht sich dennoch die Sache zu einfach, wenn er sich hinter Artikel 102 Ziffer 8 BV verschanzt und das Fehlen einer Rechts- grundlage für die Entschädigungen geltend macht, die sich aus Handlungen bei der Anwendung dieser Verfassungsbe- stimmung ergeben. Der Verweis auf die Arbeitslosenversiche- rung - Herr Oehler hat das bereits gesagt - stösst auch im vor- liegenden Fall ins Leere, da sich der Schaden nicht in Arbeits- losigkeit oder Kurzarbeit niederschlägt. Die Frage musste viel- mehr aus der Optik der Gerechtigkeit und der Zumutbarkeit für die betroffenen Unternehmungen beurteilt werden und den Bundesrat dazu veranlassen, de lege ferenda solchen Fällen Rechnung zu tragen. Nach der erstmaligen Anwendung dieser neuen neutralitäts- politischen Praxis ist damit zu rechnen, dass sich solche Fälle wiederholen. Neue Massnahmen erfordern hinsichtlich deren Folgen neue Ueberlegungen. Ich frage deshalb den Bundes- rat an, ob er bereit ist, dieser neuen, für die Betroffenen schwerwiegenden Situation gesetzgeberisch Rechnung zu tragen. Fischer-Sursee: Die CVP-Fraktion begrüsst den verhängten Boykott, vor allem auch, weil der Bundesrat rasch gehandelt hat, ohne Wenn und Aber und nicht hinterher wie die alte Fas- nacht. Er hatte aber im Grunde keine andere Wahl. Wenn sich schon die ganze Völkergemeinschaft entschliesst, gegen ei- nen brutalen Rechtsbrecher vorzugehen, wäre es unverständ- lich, wenn die Schweiz abseits stehen und sich den Vorwurf, wieder einmal als Profiteur dazustehen, einhandeln würde. Es geht uns vor allem auch um die Frage der Ueberwachung, und ich bitte Herrn Delamuraz, dafür zu sorgen, dass dieses Embargo gut überwacht wird. Das grosse Problem, das jetzt besteht, ist die Frage des Schadens in der Schweiz. Es wurde darauf hingewiesen, dass dieses Embargo für verschiedene Unternehmungen Schaden, Verluste einbringen kann. Ich bin der Meinung, dass wir eine generelle Schadenersatz- haftpflicht nicht diskutieren können, und dass eine generelle Entschädigungspflicht nicht besteht. Es gibt aber schon ver- schiedene Beispiele - Sie haben vorhin eines von Herrn Fi- scher-Seengen gehört -, dass vor allem kleine und mittlere Betriebe - mir sind auch solche Fälle bekannt - in Bedrängnis geraten, weil sie fertiggestellte Waren nicht mehr ausliefern können oder auf halb ausgeführten Aufträgen sitzen bleiben. Ich glaube, hier können wir das nicht so einfach abtun, wie es der Herr Bundesrat dargelegt hat: dass die gesetzlichen Grundlagen fehlen, dass die Arbeitslosenversicherung bezah- len soll. Ich glaube, hier ist es nun unsere Pflicht, aus Solidari- tät gegenüber Unternehmungen, die in eine existentielle Be- drohung kommen, zu helfen. Es gibt übrigens noch ein weiteres Problem: Es sitzen immer noch einige Schweizer im Irak fest, das sind vor allem Mon- teure, die sogar nur kurzfristig dort waren und vom Vorfall überrascht wurden. Auch hier stellt sich die Frage, wie ihren Angehörigen finanziell geholfen werden kann. Es ist möglich, dass hier die Arbeitslosenversicherung eine Zeitlang zahlt. Aber ich glaube, das ist keine Lösung. Man sollte auch hierfür die Angehörigen eine finanzielle Lösung finden, die tragbar und richtig ist. Es stimmt, dass wir im Augenblick dazu keine gesetzliche Grundlage haben. Ich glaube aber, das ist kein Entschuldi- gungsgrund, sondern wir müssen eben diese gesetzliche Grundlage schaffen. Die Billigkeit fordert das. Wenn wir schon sehen, dass die EG und die anderen Industriestaaten den An- rainer-Golfstaaten, die durch diesen Konflikt und diese Mass- nahmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, hei-24. September 1990 N 1531 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse fen, warum sollen wir dann nicht unseren eigenen Staatsbür- gern und unseren Unternehmen, die allenfalls in echte Schwierigkeiten geraten, unsere solidarische Hilfe zukommen lassen? M. Delamuraz, conseiller fédéral: Tout d'abord en ce qui con- cerne les cas qui nous ont été soumis à la suite des décisions prises par le Conseil fédéral, nous devons constater qu'il y a des cas préoccupants, mais qu'il n'y a aucun cas catastrophe. Je veux dire par là que dans aucune entreprise il n'a été ap- porté la preuve que la décision d'embargo allait signifier des conséquences économiques graves, voire gravissimes et que ces conséquences économiques pourraient aller jusqu'à la fermeture de l'entreprise. Il y a donc -jusqu'à maintenant en tout cas à notre connaissance - un certain nombre de cas di- gnes d'attention mais il n'y a eu, heureusement, aucun cas catastrophe. Je remercie M. Oehler, président de la commission, MM. Fi- scher-Seengen et Fischer-Sursee d'avoir attiré notre attention sur la signification pour certaines entreprises de la décision d'embargo. Je peux leur répondre en quatre points. En premier lieu, je constate que contrairement à ce qui a pu être dit, à notre connaissance, aucun des Etats pratiquant l'embargo sur l'Irak et le Koweit n'a jusqu'à maintenant intro- duit, en faveur des entreprises touchées par les conséquen- ces de cet embargo, d'indemnités autres que les indemnités courantes que connaissent leurs législations. Si certaines législations nationales vont au-delà des nôtres, c'est possible, mais en général pas tellement au-delà des nôtres, en sorte que ce que l'on peut dire aujourd'hui, en droit international comparé, c'est que les autres Etats appliquant l'embargo n'ont pas pris de mesures particulières consécutives à cette décision, en faveur de celles de leurs entreprises nationales touchées. Ce n'est pas une raison, s'ils ne l'ont pas fait, pour que nous ne le fassions pas nous-mêmes, mais voilà l'état de droit tel que je peux vous le décrire. Deuxièmement, j'ai annoncé tout à l'heure la possibilité de re- courir aux institutions de l'assurance-chômage. C'est en effet, en l'état actuel du droit, l'institution la plus directement utilisa- ble dans ce cas, pour autant bien sûr que des ruptures de contrats forcées par l'embargo entraînent des restrictions de la durée du travail dans telle ou telle entreprise. Je confirme de manière très claire et très nette que le Conseil fédéral fera un usage particulièrement souple et efficace des dispositions de cette assurance-chômage pour répondre aux cas de rigueur qui se poseraient à lui en ce domaine. Un troisième point réclame notre attention. Il s'agit de l'enga- gement de la garantie des risques à l'exportation, de la GRE, en ce domaine. Je n'en ai pas parlé dans ma réponse, mais je puis dire maintenant qu'il y a là quelques ressources, mais elles ne sont - je dois bien le reconnaître - pas très nombreu- ses. En effet, je constate que la GRE ne pourrait fonctionner, s'agissant d'entreprises engagées auprès de l'Irak ou auprès du Koweit, que pour des contrats qu'elle aurait préalablement assurés. Là, son rôle et sa responsabilité seraient bel et bien d'assumer les pertes enregistrées par ces entreprises. Mais il faut bien le dire, il y a peu d'entreprises en relation tant avec l'Irak qu'avec le Koweit, qui aient été ornées de la bénédiction de la GRE; en sorte que je ne voudrais pas éveiller des espoirs excessifs et dire de manière plus réaliste que l'outil de la GRE est à disposition, mais que pratiquement et concrètement les effets qu'on peut en espérer sont limités particulièrement avec l'Irak, un peu moins avec le Koweit où les relations et le courant normal ont été de tous temps plus intenses, proportionnelle- ment meilleurs et plus confiants qu'avec l'Irak. Quatrièmement, je répète aux honorables préopinants que tout le problème est de savoir si nous disposons de la base lé- gale pour parvenir à un dédommagement, compte tenu des effets de cette politique à l'égard des entreprises touchées de plein fouet par nos dispositions. La réponse est non. Hormis les quelques dispositions de la loi sur l'assurance-chômage et de la GRE, il n'y a pas de base légale; la question est alors de savoir si nous voulons et si nous devons la créer. Le Conseil fédéral n'a pas voulu le faire directement et spontanément lorsqu'il a présenté ses dispositions relatives à l'embargo. Ce dernier va examiner très attentivement - M. Oehler je vous en donne la garantie, vous qui n'étiez pas plus satisfait que M. Fischer de la réponse que j'ai faite - cas par cas, les situations qui lui ont été données dans le délai du 14 septembre, c'est-à- dire il y a dix jours. Si réellement il devait constater qu'il y a des cas dignes d'intérêt individuel ou dignes d'intérêt régional que les dispositions actuelles ne permettent pas de prendre en compte, sachez bien que le Conseil fédéral ne fera pas la sourde oreille et qu'il examinera alors la possibilité d'étendre les bases légales à sa disposition pour, le cas échéant, éviter ce que j'ai appelé des drames d'entreprises ou des drames ré- gionaux. Jusqu'à maintenant, rien de semblable, je vous l'ai affirmé. Mais, rien ne me dit que nous n'aurons pas, dans les temps qui viennent, l'annonce de situations beaucoup plus préoccupantes que celles qui ont été énoncées. Je prends donc l'engagement devant le conseil qu'à l'examen des cas qui nous sont soumis, le Conseil fédéral se réserve l'éventualité d'aller au-delà des possibilités légales actuelle- ment inscrites et de proposer au Parlement - vraisemblable- ment c'est lui qui en sera responsable - d'éventuelles possibi- lités de réparation fondées sur de nouvelles bases légales pre- nant en compte les situations qui seront connues de nous. C'est dans cet esprit, non de promesse quant à la substance, mais d'ouverture quant à l'examen qui sera effectué, que je puis - du moins je l'espère - apaiser l'inquiétude de ceux qui se sont exprimés dans ce sens et celle des chefs d'entreprises qui sont confrontés à des situations difficiles. Oehler: Ich möchte Herrn Bundesrat Delamuraz danken. Er hat immerhin die Bereitschaft zu erkennen gegeben, dass man gewillt ist, etwas zu tun. Ich möchte nur noch den Satz beifügen - das muss dann mit- beachtet werden -: Wenn jemand in den vergangenen Jahren mit einem Akkreditiv mit diesen beiden Staaten gearbeitet hat, war es für ihn nicht mehr nötig, die ERG abzuschliessen. Das muss dann berücksichtigt werden. Ich bin von der Antwort des Bundesrates befriedigt. Fischer-Seengen: Dank der Replik von Herrn Bundesrat Dela- muraz kann auch ich mich von der Antwort befriedigt erklären. Ich freue mich darüber, dass er Hand bieten will, solchen Här- tefällen mit geeigneten Massnahmen zu begegnen. Schluss der Sitzung um 20.35 Uhr La séance est levée à 20 h 35Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse Crise du Golfe. Interventions parlementaires In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1990 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 06 Séance Seduta Geschäftsnummer --- Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 24.09.1990 - 14:30 Date Data Seite 1508-1531 Page Pagina Ref. No 20 018 980 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.