Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. März 2014 (720 13 255 / 84) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhalte s / Auf das schlüssige Verwal- tungsgutachten kann abgestellt werden Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Sonja Ryf, Advokatin, Dornacherstrasse 192, Postfach, 4018 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1958 geborene, zuletzt bis im August 1992 al s Betriebsarbeiterin/Näherin erwerbs- tätig gewesene A.____ hatte sich im Oktober 1994 un ter Hinweis auf verschiedenste Gesund- heitsbeeinträchtigungen erstmals bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug angemeldet. Nach Abklärung der gesundhei tlichen sowie der erwerblichen Verhält- nisse hatte die IV-Stelle Basel-Landschaft mit Verf ügung vom 21. Juni 1996 in Anwendung der allgemeinen Methode der Invaliditätsbemessung gestü tzt auf einen IV-Grad von 30 % einen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rentenanspruch von A.___ abgewiesen. Am 9. August 200 2 meldete sich A.____ erneut bei der IV zum Leistungsbezug an. Nach Vornahme der erforde rlichen Abklärungen lehnte die IV- Stelle mit Verfügung vom 6. Dezember 2004 - nunmehr in Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung - einen Rentenanspruch von A._ ___ gestützt auf einen IV-Grad von 20 % ab. Daran hielt die IV-Stelle auf Einsprache der Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 24. September 2007 fest, wobei sie neu einen IV-Gr ad von 15 % berechnete. Die von A.____ hiergegen erhobene Beschwerde hiess das Kantonsg ericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 22. August 2008 in dem Sinne teilweise gut, als es den angefochtenen Einspracheentscheid aufhob und der Beschwerdeführerin rückwirkend für den Zeitraum ab 1. August 2002 bis 31. August 2003 ge stützt auf einen IV-Grad von 41 % eine Viertelsrente und ab 1. September 2003 bis 31. Oktober 2006 gestützt auf einen IV-Grad von 58 % eine halbe Rente zusprach. Gleichzeitig hielt es fest, dass ab dem 1. November 2006 auf Grund eines IV-Grades von 15 % kein Rentenanspruch der Beschwerdeführerin mehr bestehe. Dieses Urteil erwuchs in der Folge unangefochten in Rechtskraft. Am 8. April 2011 meldete sich A.____ erneut bei der I V zum Leistungsbezug an, wobei sie auf „immer noch gravierende Schmerzen in der linken Schulte r“ und auf eine zunehmende Ver- schlechterung ihres Gesundheitszustandes hinwies. Nachdem si e die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte d ie IV-Stelle bei der Versicherten in An- wendung der allgemeinen Methode der Invaliditätsbeme ssung einen Invaliditätsgrad von 24 %. Gestützt auf dieses Ergebnis und nach Durchführung des Vor bescheidverfahrens lehnte die IV- Stelle mit Verfügung vom 9. Juli 2013 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Sonja Ryf, am 12. September 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die IV-S telle zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Zudem seien ihr die unentgelt liche Rechtspflege und die unentgeltli- che Verbeiständung mit ihrer Rechtsvertreterin zu bewil ligen; alles unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie sodann, es sei ihr eine angemessene Nachfrist zur Einreichung einer ausführlichen Beschwerdebegründung zu gewähren. C. Mit Verfügung vom 13. September 2013 bewilligte d as Gericht der Beschwerdeführerin gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorl iegende Beschwerdeverfahren die unent- geltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbei ständung mit Advokatin Sonja Ryf als Rechtsvertreterin. Gleichzeitig wies es deren Verfahrensa ntrag, es sei ihr eine Nachfrist zur Einreichung einer ausführlichen Beschwerdebegründung zu gewähren, ab. D. Am 26. September 2013 reichte die Beschwerdeführeri n einen von Dr. med. B.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und Frau C.____, Diplom-Psychologin, verfassten Bericht vom 16. September 2013 nach. E. In ihrer Vernehmlassung vom 7. November 2013 beant ragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Mit Replik vom 16. Dezember 2013 hielt die Beschwer deführerin an ihren bisherigen Anträgen und Ausführungen fest, wobei sie ihrer Eing abe einen Bericht von Dr. med. D.____, Neurologie FMH, vom 18. November 2013 beilegte. Die I V-Stelle wiederum ersuchte in ihrer Duplik vom 12. Februar 2014 weiterhin um Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 12. September 2013 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2 , 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Nach Eingang der im April 2011 erfolgten Neuanme ldung der Versicherten gab die IV-Stelle zur Abklärung des aktuellen medizinischen Sachverhaltes bei der Begutachtungsstelle E.____ eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten mit fachärztlichen Untersuchungen in den Bereichen Innere Medizin, Orthopädie, Neurolog ie und Psychiatrie in Auftrag. In ihrem umfangreichen Gutachten, welches sie am 14. August 201 2 erstatteten, hielten die beteiligten Ärzte als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit einen chronifizierten linksseitigen Schulterschmerz mit erheblicher aktiver Bewegungseinschr änkung bei nachgewiesener PHS calcarea, minimaler Läsion der Supraspinatussehne und I mpingementsymptomatik und Status Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach arthroskopischer Intervention am 15.03.2012 (subacr omiale Dekompression, Bizepsseh- nenenotomie) fest. Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erhoben die Gut- achter ein panvertebrales Schmerzsyndrom bei nachgewiesene n leichten degenerativen Ver- änderungen thoracolumbal und der unteren LWS, eine beginnende leichtgradige, rechtsseitige Gonarthrose, Angaben über Sensibilitätsstörungen im Ber eich der ganzen linken Körperhälfte unklarer Ätiologie, Spannungskopfschmerzen, eine Adiposi tas, einen Diabetes mellitus Typ II, einen Status nach Strumektomie (Euthyreose), eine anha ltende somatoforme Schmerzstörung und akzentuierte (dysphorische) Persönlichkeitszüge. Im Rahmen ihrer interdisziplinären Konsensbeurteilung führen die Gutachter zur Frage der Ar- beitsfähigkeit der Versicherten aus, im Vordergrund der aktuellen Symptomatik stehe eine Be- wegungseinschränkung der linken Schulter, wobei die Explo randin im März 2012 arthroskopiert worden sei. Diesbezüglich bestehe ein labiles pathologi sches Geschehen, die Versicherte be- schreibe noch Schmerzen und werde weiterhin mit Physioth erapie behandelt. Es sei jedoch eher unwahrscheinlich, dass sich der Beweglichkeitsumfang der linken Schulter in den nächs- ten Monaten deutlich verbessern lasse. Ferner bestehe bei der Explorandin ein panvertebrales Schmerzsyndrom mit nachgewiesenen degenerativen Veränderu ngen, besonders im Bereich der LWS. Diese Pathologie schränke jedoch die Arbeitsf ähigkeit der Explorandin nicht weiter ein. Das Gleiche gelte für die internistischen Erkrankun gen. Diesbezüglich sei zu erwähnen, dass bei der Versicherten ein Diabetes mellitus Typ II beka nnt sei, dass man jedoch keine Hin- weise für eine diabetische Polyneuropathie gefunden h abe. Die Versicherte habe in der Schweiz einige Jahre als Näherin gearbeitet, seit 1992 se i sie allerdings keiner ausserhäusli- chen Tätigkeit mehr nachgegangen. Die Tätigkeit als Nähe rin wäre der Versicherten heute - nach Ende der postoperativen Phase der Schulterarthro skopie links - vollumfänglich zuzumu- ten. Die Explorandin wäre auch in der Lage, vielen anderen Tätigkeiten nachzugehen. Aufgrund der Schulterpathologie könne sie keine Überkopfarbeiten verrichten. Ebenso nicht zumutbar seien ihr körperlich mittelschwere und schwere Arbeiten mit z.B. Tragen von Gewichten über 5 kg. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe dagegen ein normales Rendement der Explorandin. 5.2 Nach Auffassung der IV-Stelle kommt diesem Gutachte n der Begutachtungsstelle E.____ vom 14. August 2012 bei der Würdigung des aktue llen medizinischen Sachverhaltes ausschlaggebende Beweiskraft zu. Diese vorinstanzliche Festst ellung erweist sich insofern als zutreffend, als bei der Beweiswürdigung in der Tat voll umfänglich auf die Ergebnisse des Gut- achtens der Begutachtungsstelle E.____ abgestellt werde n kann. Allerdings zieht die IV-Stelle, wie sich aus dem Folgenden ergibt, zum Teil unzutreffen de Schlussfolgerungen aus dem von ihr eingeholten Gutachten. 5.3 Soweit es um die Beurteilung des aktuellen Gesundhe itszustandes der Versicherten geht, ist die vorinstanzliche Beweiswürdigung nicht zu be anstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfa hrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und b ei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zien liegen hier keine vor. Die Gutachter haben die Ver sicherte eingehend untersucht, sie ge- hen in ihrem ausführlichen Bericht einlässlich auf dere n Beschwerden ein, sie setzen sich mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinander und sie vermitteln dadurch ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand der Versicherten. 5.4 Nicht nachvollzogen werden können hingegen die Schl üsse, welche die IV-Stelle hin- sichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus dem G utachten der Begutachtungsstelle E.____ zieht. In der angefochtenen Verfügung führt si e aus, die Abklärungen hätten ergeben, dass der Versicherten „aus medizinischer Sicht die Ausübun g einer Tätigkeit (ohne Überkopfar- beiten und ohne körperlich mittelschwere und schwere A rbeiten) im Umfang von 75 Prozent zumutbar ist.“ Demzufolge geht die IV-Stelle auch im Rahmen des Einkommensvergleichs bei der Bemessung des Invalideneinkommens der Versicherten von einer 75 %-igen Arbeitsfähig- keit aus. Diese Annahme widerspricht nun aber den eindeutigen gutachterlichen Feststellungen, sodass der Vorinstanz in dieser Hinsicht nicht beigepflichte t werden kann. Die Gutachter ma- chen nämlich in ihren Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit deutlich, dass die Versicherte zwar keine Überkopfarbeiten sowie keine körperlich mittelschwer e und schwere Arbeiten verrichten kann, darüber hinaus sind sie aber der Auffassung, dass in einer adaptierten Tätigkeit ein nor- males Rendement der Explorandin bestehe. Hält man sich diese gutachterlichen Feststellungen vor Augen, so bleibt für die Annahme einer lediglich 75 %-igen Arbeitsfähigkeit, wie sie die IV- Stele in der angefochtenen Verfügung getroffen hat, kein Raum. Gestützt auf die auch in dieser Hinsicht schlüssigen und überzeugenden Ergebnisse des Gutac htens ist vielmehr davon aus- zugehen, dass die Versicherte in einer leidensadaptiert en, körperlich leichten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. 6. An diesem Ergebnis vermögen die verschiedenen Einwänd e, welche die Beschwerde- führerin hinsichtlich der beweisrechtlichen Verwertbarke it des Gutachtens der Begutachtungs- stelle E.____ vom 14. August 2012 erhebt, nichts zu ändern. 6.1 Die Beschwerdeführerin beanstandet als erstes, dass es die Gutachter unterlassen hätten, mit dem behandelnden Psychiater Dr. B.____ Rücksprache zu nehmen. 6.1.1 Das Kantonsgericht hat schon mehrfach betont (vgl. etwa das Urteil B. des Kantonsge- richts, Abteilung Sozialversicherungsrecht, vom 12. Janua r 2012, 720 11 122 / 10, E. 6.5 mit weiteren Hinweisen), dass eine gutachterliche Auseinande rsetzung mit der Beurteilung eines behandelnden psychiatrischen Arztes für die Vollständigke it eines psychiatrischen Gutachtens von wesentlicher Bedeutung ist. So wie auch im Sinne e iner vollständigen medizinischen Sach- verhaltsabklärung regelmässig ein Bericht des behandelnden (Haus-) Arztes eingeholt wird, ist demnach im Sinne einer umfassenden medizinischen Sachve rhaltsabklärung grundsätzlich ein Bericht des behandelnden Psychiaters anzufordern, falls e ine versicherte Person in psychiatri- scher Behandlung steht. Dies ermöglicht es dem psychiatrische n Gutachter, sich mit der Auf- fassung des behandelnden Arztes auseinanderzusetzen. Denn hinsichtlich des Beweiswertes eines Gutachtens ist nicht nur entscheidend, ob der Beri cht für die streitigen Belange umfas- send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht und die geklagten Beschwerden berücksichtigt, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sondern auch, dass er in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist. Letzterem Erfordernis kann nur nachgelebt werden, wenn die Vorakten vollständig sind. 6.1.2 Der von der Beschwerdeführerin monierte Umstand, dass die Gutachter vorliegend keine Rücksprache mit ihrem behandelnden Psychiater geno mmen hätten, wird weder von der IV-Stelle noch von den Gutachern in Frage gestellt. Letztere führen dazu jedoch aus, die Explo- randin habe zwar angegeben, dass sie vor ca. einem Jahr bei einem Psychiater in F.____ eine Behandlung begonnen habe, sie sei jedoch nicht in der Lage gewesen, den Namen des Psy- chiaters zu nennen. Aus diesem Grund sei es nicht möglich gewesen, Kontakt mit dem behan- delnden Psychiater aufzunehmen. Diese Argumentation ve rmag nicht zu überzeugen. Es wäre der Begutachtungsstelle ohne allzu grossen Aufwand - sei es durch eine Aufforderung an die Versicherte, den Namen des Arztes nachträglich mitzuteilen , sei es durch eine Rückfrage bei der IV-Stelle, welcher der Name des behandelnden Arzte s seit Mai 2011 bekannt war - möglich gewesen, den Namen des behandelnden Psychiaters in Erfah rung zu bringen. Der Beschwer- deführerin ist deshalb beizupflichten, dass das Gutachten aufgrund der fehlenden Rücksprache der Gutachter mit dem behandelnden Psychiater grundsät zlich an einem Mangel leidet. Trotz dieser Feststellung kann dem Gutachten aber in casu ausschla ggebender Beweiswert zuge- messen werden. Die vom behandelnden Psychiater Dr. B.____ vertretene Einschätzung der gesundheitlichen Situation seiner Patientin lässt sich nämlich den beiden von ihm verfassten und bei den Akten liegenden Arztberichten vom 5. Novembe r 2012 und vom 16. September 2013 entnehmen. Im zweiten - und somit aktuelleren - B ericht vom 16. September 2013 hält Dr. B.____ fest, dass bei der Versicherten als Diagnosen eine rezidivierende depressive Stö- rung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F32.0), und eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) vorliegen würden. Aufgrund dieser Beeinträchtigungen müsse bei der Versicherten derzeit aus rein psychiatrischer Sicht von einer 30 %-igen Arbeitsunf ähigkeit ausgegangen werden. Diese Einschätzung wird - ebenso wie die Diagnosestellung - nun aber in keiner Weise begründet, sie ist deshalb nicht geeignet, die ausführlich dargelegten und schlüssigen Ergebnisse in Zweifel zu ziehen, zu denen die Gutachter der Begutachtungsstelle E .____ im Rahmen ihrer Beurteilung der psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen und der daraus resultierenden Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gelangt sind. Unter diesen Umst änden kann aber davon abgesehen werden, die Gutachter (allenfalls) noch nachträglich zu d en Ausführungen des behandelnden Psychiaters Stellung nehmen zu lassen. Von solchen ergänze nden gutachterlichen Ausführun- gen sind keine zusätzlichen, bis anhin nicht oder allenfal ls nur unzureichend berücksichtigte Erkenntnisse zu erwarten. 6.2 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens hat die Versichert e einen Bericht des Neurolo- gen Dr. D.____ eingereicht, den dieser am 18. Novembe r 2013 zu Handen ihrer Hausärztin verfasst hatte. Darin hält der genannte Facharzt gestütz t auf seine Abklärungen fest, dass die Beschwerden der Versicherten aktuell klinisch-neurologisch n icht zu objektivieren seien. Insge- samt seien die Beschwerden wenig wahrscheinlich neurogen zu erklären. Diese Beurteilung deckt sich weitestgehend mit den Einschätzungen, zu denen vorgängig bereits die für den neu- rologischen Fachteil des ZMB-Gutachtens verantwortliche Fachärztin gelangt war. Es bedarf deshalb keiner weiteren Ausführungen, dass die Beschwe rdeführerin aus dem erwähnten Be- richt des Dr. D.____ für den vorlegenden Fall nichts zu ihren Gunsten ableiten kann. Dasselbe Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gilt sodann auch in Bezug auf den von der Beschwerdef ührerin zu den Akten gegebenen Be- richt des behandelnden Psychiaters Dr. B.____ vom 16. September 2013. Dieser ist, wie bereits oben ausgeführt (vgl. E. 6.1.2 hiervor), nicht geeigne t, die sorgfältig begründeten und schlüssi- gen Ergebnisse in Zweifel zu ziehen, zu denen die Gutach ter der Begutachtungsstelle E.____ im Rahmen ihrer Beurteilung der psychischen Gesundheitsb eeinträchtigungen und der daraus resultierenden Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gelangt sind. 6.3 Schliesslich beanstandet die Beschwerdeführerin, da ss die Gutachter im Zusammen- hang mit ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Näherin von einem falschen Arbeitsprofil ausge- gangen seien. Die Gutachter hätten keine Vorstellungen von den Arbeitsbedingungen in einer Näherei, insbesondere habe es sich bei der von ihr verri chteten Arbeit - entgegen der Auffas- sung der Gutachter - nicht um eine leichte Tätigkeit gehandelt. Ohne Kenntnis der tatsächlichen konkreten Arbeitsumstände lasse sich die verbleibende Arb eitsfähigkeit aber nicht bestimmen. Wie es sich mit diesem Einwand verhält, braucht an dies er Stelle nicht weiter geprüft zu wer- den. Die Beschwerdeführerin übersieht, dass sich die IV-Stelle im Zusammenhang mit der Inva- liditätsbemessung zu keinem Zeitpunkt auf den Standpunkt gestellt hat, dass die Versicherte (weiterhin) im zuletzt ausgeübten Beruf als Näherin tä tig wäre bzw. dass sie sich als Invaliden- einkommen das zuletzt als Näherin erzielte Gehalt anrechne n lassen müsse. Vielmehr ist sie gestützt auf die überzeugende Zumutbarkeitsbeurteilung der Gutachter der Begutachtungsstelle E.____ - zu Recht - davon ausgegangen, dass die Versiche rte in der Lage sei, verschiedenar- tigste unqualifizierte Hilfsarbeiten auszuüben, die dem Tätigkeitsprofil für körperlich leichte Ver- weisarbeiten entsprechen würden. Unter diesen Umstände n ist es vorliegend aber irrelevant - und es kann entsprechend offen bleiben -, ob es sich b ei der von der Beschwerdeführerin zu- letzt ausgeübten Tätigkeit als Näherin effektiv um eine kö rperlich leichte Arbeit gehandelt hat oder ob diese eher den mittelschweren, für die Versich erte nicht mehr in Frage kommenden Tätigkeiten zugeordnet werden müsste. 7. Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hie rvor), ist der Invaliditätsgrad bei er- werbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergle ichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). 7.1 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entschei dend, was die versicherte Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrsche inlichkeit als gesunde Person tat- sächlich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel vom letzten Lohn, den die versichert e Person vor Eintritt des Gesund- heitsschadens erzielt hat, auszugehen ist (Urteil I. des E VG vom 26. November 2002, I 491/01, E. 2.3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Vorliegend ist d ie Versicherte nun allerdings im Jahr 1992 letztmals einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgeg angen, sodass der IV-Stelle für den vorliegend massgebenden Zeitraum der Invaliditätsbemessu ng - die Neuanmeldung der Versi- cherten erfolgte im April 2011 - keine aussagekräftigen Lohndaten der Versicherten zur Verfü- gung standen. Bei dieser Ausgangslage hat sie das Valid eneinkommen zu Recht unter Beizug der entsprechenden Tabellenlöhne der Schweizerischen Lo hnstrukturerhebung (LSE) des Bun- desamtes für Statistik ermittelt (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Laut Tabelle TA1 der LSE 2010 belief sich der Zentralwert für die mit einfachen und Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht repetitiven Aufgaben (Anforderungsniveau 4) beschäftigten Frauen im privaten Sektor im Jahre 2010 auf Fr. 4'225.-- (LSE 2010, Privater Sektor, Tabelle TA1, Frauen, Total Ziff. 01-96). Dieser Betrag ist der bis ins Jahr 2011 erfolgten Nominallohne ntwicklung von + 1 % (Bundesamt für Statistik, Die Lohnentwicklung 2011, S. 21, Tabelle T1 .1.10, Frauen, Total) anzupassen, was ein Valideneinkommen von Fr. 4'267.25 pro Monat ergib t. Sodann ist zu beachten, dass dieser Tabellenlohn auf einer einheitlichen Arbeitszeit von 4 0 Wochenstunden beruht und für das Jahr 2011 auf die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41, 7 Stunden (vgl. Die Volkswirtschaft 3/2013 S. 90 Tabelle B 9.2) umzurechnen ist. Daraus re sultiert für die Versicherte ein Monats- lohn von Fr. 4'448.60 bzw. ein Jahresgehalt von Fr. 53'383.--. Diese Berechnung der Vorinstanz ist in keiner Weise zu beanstanden. Die IV-Stelle hat de m Einkommensvergleich demnach zu Recht diesen Betrag als massgebendes Valideneinkommen der Versicherten zu Grunde gelegt. 7.2 Da die Versicherte keine zumutbare leidensangepasste Tätigkeit ausübt, ist (auch) das Invalideneinkommen praxisgemäss unter Beizug der LSE-Tabellenlöhne zu ermitteln Geht man nach dem oben Gesagten gestützt auf das überzeugende Z MB-Gutachten vom 14. August 2012 davon aus, dass die Versicherte in einer leidensadap tierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfä- hig ist (vgl. E. 5.2 hervor), so kann bei der Ermittl ung des Invalideneinkommens wiederum vom oben erwähnten, gestützt auf die LSE-Tabellenlöhne be rechneten Jahreseinkommen von Fr. 53'383.-- ausgegangen werden. 7.3.1 Von dem auf diese Weise erhobenen statistischen We rt sind praxisgemäss verschie- dene Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das damalige EVG seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterentwickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persön- lichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalle s abhängt (leidensbedingte Ein- schränkung, Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität /Aufenthaltskategorie und Beschäfti- gungsgrad), welche nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaf t zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung al ler jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). 7.3.2 Vorliegend hat die IV-Stelle der Versicherten i n der angefochtenen Verfügung keinen solchen Abzug vom Tabellenlohn gewährt. Dadurch hat sie a ber, was von der Beschwerdefüh- rerin zu Recht beanstandet wird, die konkreten Fallumstä nde nur unzureichend berücksichtigt. Indem die Versicherte laut der massgebenden gutachterl ichen Zumutbarkeitsbeurteilung keine Überkopfarbeiten sowie keine körperlich mittelschwere un d schwere Arbeiten mehr verrichten kann, ist ihre Einsetzbarkeit auf dem für sie in Frage kommenden Arbeitsmarkt nicht unerheb- lich eingeschränkt. Solche Stellensuchende, denen auch im Sektor der einfachen und unqualifi- zierten Hilfsarbeiten gesundheitsbedingt lediglich noch ein Teil des Arbeitsmarktes offen steht, vermögen beruflich häufig nur dann Fuss zu fassen, wenn ein neuer Arbeitgeber sie zu einem für diesen günstigeren, das heisst tieferen Lohn einstel len kann (vgl. Urteil S. des EVG vom 5. September 2006, I 447/06, E. 3.2.2). Dieser Nacht eil ist bei der Bemessung des Invaliden- einkommens durch die Vornahme eines leidensbedingten Ab zuges auszugleichen. Unter den geschilderten Umständen rechtfertigt es sich deshalb, der Beschwerdeführerin einen Abzug vom Tabellenlohn von 10 % zu gewähren. Nimmt man eine n 10 %-igen Abzug vom Tabellen- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht lohn vor, so resultiert daraus ein massgebendes Invaliden einkommen der Beschwerdeführerin von Fr. 48'045.-- (Fr. 53’383.-- x 90 %). 7.4 Setzt man im Einkommensvergleich diesen Betrag dem Valideneinkommen von Fr. 53’383.-- (vgl. E. 6.1 hiervor) gegenüber, so re sultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 5’383.--, was einen Invaliditätsgrad von 10 % ergi bt. Da dieser unter dem für einen Renten- anspruch mindestens erforderlichen IV-Grad von 40 % lie gt, hat die IV-Stelle einen Rentenan- spruch der Versicherten - wenn auch fälschlicherweise gestü tzt auf einen sich als zu hoch er- weisenden Invaliditätsgrad von 24 % - im Ergebnis zu Rec ht abgelehnt. Die gegen die betref- fende Verfügung vom 9. Juli 2013 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sin d. Der Beschwerdeführerin ist nun aller- dings mit Verfügung vom 13. September 2013 die unentg eltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorlä ufig auf die Gerichtskasse genom- men. 8.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin in der Verfügung vom 13 . September 2013 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrer Rechtsvertreterin bewilligt worden ist, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Das Honorar beträgt bei unentgeltlicher Verbeistän- dung für den bis Ende 2013 erbrachten Aufwand Fr. 18 0.-- pro Stunde (§ 3 Abs. 2 der Tariford- nung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. Novembe r 2003 [TO], in der bis 31. Dezember 2013 gültig gewesenen Fassung) und für den ab 1. Janua r 2014 erbrachten Aufwand Fr. 200.-- pro Stunde (§ 3 Abs. 2 TO, in der seit 1. Januar 2014 geltenden Fassung). Die Rechtsvertrete- rin der Beschwerdeführerin hat in ihrer Honorarnote vom 6. März 2014 für das vorliegende Ver- fahren einen Zeitaufwand von 17 Stunden und 35 Minut en, wovon 15 Stunden und 35 Minuten im Jahr 2013 und zwei Stunden im Jahr 2014 erbracht wur den, sowie Auslagen von Fr. 200.-- geltend gemacht. Die detaillierte Abrechnung beinhal tet nun allerdings auch Bemühungen von 40 Minuten, die im Rahmen des Verwaltungsverfahrens bi s zum Erlass der Rentenverfügung erbracht worden sind. Bei der Bemessung des Honorars für das versicherungsgerichtliche Ver- fahren kann aber nur der im Rahmen des eigentlichen Be schwerdeverfahrens, d.h. der nach der Zustellung der Verfügung entstandene Aufwand berücksichtigt werden. Für die Festsetzung des Honorars können somit aus der Honorarnote vom 6. März 2014 lediglich der für den Zeit- raum nach dem 12. Juli 2013 (Zustellung der Verfügung ) ausgewiesene Aufwand von 16 Stunden und 55 Minuten (14 Stunden und 55 Minuten aus dem Jahr 2013 und zwei Stunden Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht au dem Jahr 2014) berücksichtigt werden. Dieser Aufwand erweist sich umfangmässig in Anbe- tracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfrage n zwar als eher hoch, insgesamt kann er aber noch als angemessen bezeichnet werden. Der Rechtsvertreterin ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘547.80 (14 Stunden und 55 Min uten à Fr. 180.-- + zwei Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 200.-- + 8 % Mehrwerts teuer) aus der Gerichtskasse auszu- richten. 8.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘547.80 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht