B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3299/2011 U r t e i l v o m 4. F e b r u a r 2 0 1 3 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), Kosovo, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und Asylwiderruf; Verfügung des BFM vom 11. Mai 2011 / N (…). D-3299/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer suchte zusammen mit seinen Eltern (Asylwi- derrufsverfahren […]) und seinem Bruder B._______ am 21 . Dezember 1990 in der Schweiz um Asyl nach. Der Vater des Beschwerdeführers brachte zur Begründung im Wesentlichen vor, er sei als Polizist albani- scher Ethnie mit serbischen Polizeibeamten in Konflikt geraten, als er diese im März 1990 aufgefordert habe aufzuhören, auf albanische D e- monstranten einzuschlagen. In der Folge sei er zunächst vom Dienst suspendiert und schliesslich im August 1990 entlassen worden. Nach der Entlassung sei er überwacht , wiederholt festgenommen und verhört wo r- den. Auch die Wohnung sei mehrere Male durchsucht worden. Nachdem ihm die Polizei in seiner Abwesenheit am 17. Dezember 1990 eine Vorla- dung für die Militärmobilmachung habe zustellen wollen, habe er sich zur Ausreise entschlossen. Er befürchte, bei einer Rückkehr in den Militä r- dienst eingezogen oder inhaftiert zu werden. A.b Mit Entscheid vom 17. Dezember 1993 gewährte das damalige Bu n- desamt für Flücht linge (BFF, heute: BFM ) dem Beschwerdeführer und seinen Angehörigen unter Feststellung der Flüchtlingseigenschaft Asyl. B. Mit Schreiben vom 29. Juli 2010 – eröffnet am 25. August 2010 – teilte das BFM dem Beschwerdeführer unter Ansetzung einer Frist zur Ste l- lungnahme mit, dass es beabsichtige, ihm die Flüchtlingseigenschaft a b- zuerkennen und das Asyl zu widerrufen. Die politische Situation in Kos o- vo habe sich seit dem Entscheid vom 17. Dezember 1993 grundlegend verändert und entspreche nicht mehr derjenigen, die zur Asylgewähru ng geführt habe. Das Land sei seit dem 17. Februar 2008 unabhängig und der Bundesrat habe es am 6. März 2009 als verfolgungssicheren Staat ("safe country") bezeichnet. Der Asylwiderruf würde nicht bedeuten, dass er die Schweiz dauerhaft verlassen müsste. Ein solcher Entscheid hätte in erster Linie zur Folge, dass er nicht mehr dem Asylgesetz, sondern dem allgemeinen Ausländerrecht unterstehen würde. Die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung läge daher in der Kompetenz der kantonalen Behörde. Auf eine bereit s erteilte Niederlassungsbewil ligung hätt e d er Asylwiderruf keinen Einfluss. Indes würde sein Flüchtlingsausweis einge- zogen und er müsste einen h eimatlichen Reisepass beschaffen . Um zu vermeiden, dass er nach Erlass eines Asylwiderrufs über kein Reisep a-D-3299/2011 Seite 3 pier mehr verfüge, werde ihm geraten, zwecks Papierbeschaffung mit der heimatlichen Vertretung in der Schweiz Kontakt aufzunehmen. C. In seiner Stellungnahme vom 11. Oktober 2010 ersuchte der Beschwe r- deführer das BFM, von der Aberkennung der Flüchtlingseige nschaft und dem Widerruf des Asyls abzusehen. Er stamme aus einer gemischt - ethnischen Familie ( …) aus C._______ , wo es imm er wieder zu Zusam- menstössen zwischen Albanern und Serben komme. Er kenne seine dor- tigen Verwandten nicht und spreche kein Albanisch. Seine Sicherheit wä- re in C._______ gefährdet. Sein Bruder B._______, der straffällig gewor- den und ausgewiesen worden sei, sei in C._______ Anfeindungen aus- gesetzt, da er nur Serbokroatisch sprech e (Anmerkung B undesverwal- tungsgericht: B._______ verzichtete mit schriftlicher Erklä rung vom […] auf die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl und wurde am […] nach Ko- sovo ausgeschafft). D. D.a Mit Verfügung vom 11. Mai 2011 aberkannte das BFM die Flüch t- lingseigenschaft des Beschwerdeführers und widerrief das i hm am 17. Dezember 1993 gewährte Asyl gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) i.V.m. Art. 1 Bst. C Ziff. 5 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30). D.b Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die politische Situation in Kosovo entspreche nicht mehr derjenigen, welche die Flucht des Beschwerdeführers verursacht und zur Asylgewährung geführt habe. Kosovo habe am 17. Februar 2008 die Unabhängigkei t erklärt, wo bei auch nach dem Statuswechsel eine internationale z ivile und militärische Präsenz vorgesehen sei. Die am 9. Dezember 2008 gestartete Rechts- staatlichkeitsmission der Europäischen Union ( EULEX) sei statusneutral. Die internationalen Sicherheitskräfte und die "Kosovo Police" (KP) wür- den die Sicherheit garantieren. Angesichts dieser grundlegenden polit i- schen Änderungen habe der Bundesrat Kosovo mit B eschluss vom 6. März 2009 als "safe country" im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet. Der Widerrufsgrund von Art. 1 Bst. C Ziff. 5 FK, wonach eine Person nicht mehr unter die FK falle, wenn sie nach dem Wegfall der Umstände, auf Grund derer sie als Flüchtling anerkannt worden sei, es nicht mehr ablehnen könne, den Schutz ihres Heimatstaates in Anspruch zu neh men, sei erfüllt. Der Beschwerdeführer müsse die Schweiz nicht D-3299/2011 Seite 4 dauerhaft verlassen, sondern sich nur zur B eschaffung heimatlicher Pa- piere für kurze Zeit nach C._______ begeben. Dabei könnten ihm seine dortigen Verwandten sicher behilflich sein. Die Befürchtung, dass er Be- helligungen ausgesetzt werden könnte, müsse keineswegs zutreffen, zu- mal er Kosovo vor mehr als zwei Jahrzehnten verlassen habe. Doch auch der Umstand, dass die Papier beschaffung mit erheblichem Aufwand und allfälligen Unannehmlichkeiten verbunden sein könnte, stehe einem Asylwiderruf nicht entge gen. Durch die Aberkennung der Flüchtlingse i- genschaft und den Asylwiderruf unterstehe der Beschwerdeführer nicht mehr der FK, weshalb der gestützt auf dieses Abkommen ausgestellte Reiseausweis zurückzugeben sei. E. E.a Mit Eingabe seines damaligen Rechtsvertreter s vom 9 . Juni 2011 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht B e- schwerde ein, worin um Aufhebung der vorinsta nzlichen Verfügung vom 11. Mai 2011 und um Feststellung des Weiterbestands der Flüchtlingse i- genschaft und des Asyls ersucht wurde. E.b Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er sei in der serbischen Hälft e der Stadt C._______ geboren worden. Sein Vater stamme aus dem albanischen Teil der Stadt und seine Mutter sei im serbischen Teil aufgewachsen. Die Situation seiner Familie sei auf- grund der gemischt -ethnischen Ehe seiner Eltern besonders schwierig gewesen, weshalb sie sich Ende 1990 zur Flucht in die Schweiz en t- schlossen hätten. Er habe hier d en Kindergarten und die S chule besucht und danach eine Lehre zum (…) absolviert. Er sei Vater zwei er (Kinder) (geb. […] und […] ), (…). Für ihn sei die Schweiz zur Heimat geworden. Seine Verwandten in Kosovo ken ne er nicht und er spreche kein Alb a- nisch. Die Umstände, welche sei nerzeit die Flucht begründet hätten, sei- en keineswegs weggefallen. Laut dem Hohen Kommissariat der Verein- ten Nationen für Flüchtlinge ( UNHCR) komme es in C._______ nach wie vor zu ethnisch motivierten Auseinandersetzungen. Angehörige gemischt- ethnischer Familien würden von beiden Seiten nicht akzep tiert und seien Zielscheibe gesellschaftlicher und admini strativer Schikanen und Me n- schenrechtsverletzungen. C._______ sei 1999 in einen Südteil mit fast ausschliesslich albanischer Bevölkerung und einen Nordteil mit überwi e- gend serbischer Bevölkerung aufgeteilt worden. Immer wieder komme es zu schweren Unruhen. Er habe diverse diesbezügliche Presseartikel beim BFM eingereicht. Hinsichtlich Vorfällen aus dem letzten halben J ahr lege er weitere Presseartikel ins Recht. Auch wenn man Kos ovo trotz d ieser D-3299/2011 Seite 5 erschütternden B erichte als "safe country" bezeichnen wolle, bedeu te dies nicht, dass er nicht an Leib und Lebe n bedroht wäre, wenn er nach C._______ zurückkehren würde. Die Verpflichtung, heimatliche Reisepa- piere zu beschaffen, sei für ihn mit aussergewöhnlichen Härten verbu n- den. Sein Bruder B._______ lebe in C._______ mit dem (Verwandten) wie in einem Ghetto . Bereits einma l sei er grundlos verprügelt wor den, weil er als Verräter oder Feind betrachtet werde, da er nur Serbokroatisch spreche. Obwohl sein Bru der B._______ kosovarischer Staatsangehöri- ger sei, stehe er nicht unter dem Schutz seines Heimatstaates, sondern könne als Angehöriger einer gemischt -ethnischen Familie ungestraft a n- gegriffen und schikaniert werden. Von einer grundlegenden Verbesserung der Menschenrechtssituation könne daher nicht gesprochen werden. Er (der Beschwerdeführer) müs se ebenfalls mit Angriffen rechnen, wenn er sich nach C._______ begeben würde ; gemäss Auskunft des kosovar i- schen Konsulats in Zürich sei die Papierbeschaffung nur im Heimatland möglich. Das BFM verlange zudem etwas Unmögliches von ihm . Da er seinerzeit gar nicht in Kosovo erfasst worden sei und bei der Volkszä h- lung im Ap ril 2011 nur in Kosovo lebende Personen registriert worden seien, sei es ihm gar nicht möglich, in C._______ Papiere zu beschaffen. Schliesslich sei zu berücksichtigen, dass er an (…) leide und die medizi- nische Grundversorgung in Kosovo nicht gewährleistet wäre. E.c Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer folge n- de Dokumente ein: – Ärztliches Zeugnis des Kantonsspitals D._______, 9.5.2011; – UNHCR-Richtlinien zur Feststellung des internationalen Schutzbedar fs von Personen aus dem Kosovo, 9.11.2009; – 8 Presseartikel zu Vorkommnissen in C._______, 13.-16.5.2011. F. Mit Zwischenverfügung vom 22. Juni 2011 forderte der Instruktionsrichter den Beschwerdeführer auf, bis zum 7. Juli 2011 einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu bezahlen, ansonsten auf die Beschwerde nicht eingetr e- ten werde. Am 5. Juli 2011 wurde der Kostenvorschuss geleistet. G. In seiner Vernehmlassung vom 20. Juli 2011 beantragte das BFM die Ab- weisung der Beschwerde. Diese enthalte keine neuen erheblichen Tatsa- chen oder Beweismittel, welche eine Änderung seines Standpunkts recht- fertigen könnten. Es gebe keinen zwingenden Grund für die Annahme, D-3299/2011 Seite 6 der Beschwerdeführer könnte während eines Aufenthalts in Koso vo Übergriffen ausgesetzt sein . Zudem würd en die nationalen Sicherheit s- kräfte und die KP die Sicherheit garantieren. Nebst dem Bruder B._______ würden noch weitere Verwandte in C._______ leben, die dem Beschwerdeführer behilflich sein könnten. Im Übrigen sei ein dortiger Aufenthalt auf eine kurze Zeit beschränkt, so dass sich die Frage der me- dizinischen Versorgung kaum stellen werde. Überdies handle es sich bei (…) offenbar nicht um eine lebensgefährliche Erkrankung. H. H.a In seiner Replik vom 31. August 2011 machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, es bestehe sehr wohl Grund zur Annahme, er könnte während eines Aufenthalts in Kosovo Übergriffen ausgesetzt we r- den. Sein Bruder B._______ sei am (…) von einer Gruppe ethnischer Al- baner angegriffen und mit ei ner Metallstange am Kopf verletzt word en. Die Wunde habe mit elf Sti chen genäht werden müssen und B._______ befinde sich immer noch in Behandlung. Bei de n Angreifern handle es sich um (…). Eine Person sei verhaftet, indes anscheinend auf Interventi- on der Regierung bereits nach zwei Tagen wieder freigelassen worden. Sein Vater, der selber ehemaliger Polizist sei, habe telefonisch in Erfa h- rung bringen können, dass der zuständige Polizeibeamte die Freilassung auf Anweisung verfügt habe, da ihm andernfalls der Verlust der Arbeit s- stelle angedroht wo rden sei. Die Angelegenheit sei zwar der EULEX ge- meldet worden, es sei jedoch bisher keine Rückmeldung erfolgt. Die A n- nahme des BFM, die internationalen Sicherheitskräfte und die KP würden die Sicherheit garantieren, sei reines Wunschdenken. Kürzlich habe der gewaltsame Grenzstreit, der zwischen Serbien und Kosovo im Gange sei, zu einem Toten und Verletzten geführt. H.b Der Beschwerdeführer reichte folgende weitere Dokumente ein: – 2 Röntgenbilder-Kopien des Bruders B._______, (…); – Foto des Bruders B._______, (…); – Kopie Spitalbericht betreffend den Bruder B._______ , (…) (ohne Überse t- zung), – 7 Presseartikel, 27./28.7.2011 und 31.8.2011. I. Mit Eingabe vom 7. Juni 2012 teilte d er Rechtsvertreter mit, dass er den Beschwerdeführer nicht mehr vertrete. D-3299/2011 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist dah er zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was in casu nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än derung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG wird die Flüchtlingseigenschaft aberkannt und das Asyl widerrufen, wenn Gründe nach Art. 1 Bst. C Ziff. 1-6 FK vorliegen. Die erschöpfend aufgezählten Beendigungsklau- seln von Art. 1 Bst. C Ziff. 1-6 beruhen a uf der Überlegung, (subsidiärer) internationaler Schutz solle nicht mehr gewährt werden, wenn er nicht mehr erforderlich sei. Gemäss Art. 1 Bst. C Ziff. 5 FK fällt namentlich eine Person nicht mehr unter die FK und ihr Flüchtlingsstatus endet, wenn sie nach dem Wegfall der Umstände, auf Grund derer sie als Flüchtling ane r- kannt worden ist, es nicht mehr ablehnen kann, den Schutz ihres Heima t- staates in Anspruch zu nehmen. D-3299/2011 Seite 8 3.2 Das BFM aberkannte die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefü h- rers und widerrief das ihm gewährte Asyl gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1 Bst. C Ziff. 5 FK. Der Einschätzung des BFM, wonach sich die objektive Situation in Koso vo seit der Asylgewährung grundle- gend verändert habe und nicht mehr derjenigen entspr eche, die die Flucht des Beschwerdeführers Ende 1990 verursacht und zur Asylgewäh- rung im Jahr 1993 geführt habe, ist beizupflichten. Es kann diesbezüglich auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung ve r- wiesen werden. Der Bundesrat hat Kosovo angesichts der massgeblichen politischen Änderungen mit Beschluss vom 6. März 2009 als verfolgungs- sicheren Staat bezeichnet. Wird eine solch grundlegende Veränderung in einem Herkunftsland bejaht, so schafft dies grundsätzlich – vorbehältlich der Ausnahmebestimmung von Art. 1 Bst. C Ziff. 5 Abs. 2 FK – für alle aus diesem Land stammenden Personen einen Beendigungsgrund in Be- zug auf die Flüchtlingseigenschaft (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [ EMARK] 2002 Nr. 8 E. 7 S. 63). Zu prüfen bleibt, ob im Einzelfall Gründe gegen die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft bestehen, d. h. ob die individuel- le Verfolgung der betroffenen Person trotz der objektiven Veränderung der Situation fortbesteht. Der Asylgewährung des Beschwerdeführers lag die damalige Furcht seines Vaters vor der Einziehung in den Mili tärdienst sowie dessen Entlassung aus dem Polizeidienst im August 1990 und der damit verbunde ne Konflikt zugrunde. Eine persönliche Verfolgung des Beschwerdeführers ist im heutigen Zeitpunkt aufgrund dieser früheren, lange zurückliegenden Asylgründe seines Vaters nicht ersichtlich. Auch mit dem Hinweis, dass es in C._______ immer wieder zu ethnisch moti- vierten Auseinandersetzungen zwischen Albanern und Serben komme und sein Bru der B._______ zusammengeschlagen worden sei , vermag der Beschwerdeführer keine konkrete, aktuelle Verfolgung seiner Person im Sinne von Art. 3 AsylG zu begrün den. Im Übrigen ist diesbezüglich – wie bereits er wähnt – vom grundsätzlichen Schutzwillen und der Schut z- fähigkeit der heimatlichen Behörden auszugehen (vgl. EMARK 2006 Nr. 18). Der Einwand des Beschwerdeführers auf Beschwerdeebene, es sei ihm mangels Registrierung in C._______ gar nicht möglich, kosovar i- sche Papiere zu beschaffen, widerspricht der Aktenlage, gemäss welcher ihm am (…) eine kosovarische Identitätskarte ausgestellt wurde, und sein Geburtsort C._______ somit in den heimatlichen Registern verzeichnet ist. Im Übrigen stellt ein erheblicher Aufwand bei der Beschaffung neuer heimatlicher Papiere beziehungsweise der Erfassung in den neuen kos o- varischen Registern kein Kriterium bezüglich der Flüchtlingsaberkennung und des Asylwiderrufs dar. D-3299/2011 Seite 9 3.3 Es sprechen auch keine zwingenden Gründe nach Art. 1 Bst. C Ziff. 5 Abs. 2 FK gegen die Beendigung der Flüchtlingseigenschaft beziehung s- weise den Widerruf des Asyls des Beschwerdeführers. Diese Besti m- mung sieht vor, dass eine erlittene Vorverfolgung auch nach Wegfall einer zukünftig drohenden Verfolgungsgefahr weiterhin als asylrelevant zu b e- trachten ist, wenn eine Rückkehr in den früheren Verfolgungsstaat aus triftigen Gründen nicht zumutbar ist (vgl. EMARK 1993 Nr. 31, EMARK 2001 Nr. 3, bestätigt in BVGE 2007/31). Als zwingende Gründe in diesem Zusammenhang sind vorab traumatisierende Erlebnisse zu betrachten, die es der betroffenen Person angesichts erlebter schwerwiegender Ve r- folgungen – insbesondere Folterungen – im Sinne einer Langzeittraum a- tisierung verunmöglichen, ins Heimatland zurückzu kehren (vgl. EMARK 1995 Nr. 16 E. 6d). Der Beschwerdeführer macht solche Gründe weder geltend, noch ergeben sie sich aus den Akten. Im Übrigen verfügt der Be- schwerdeführer in der Schweiz ü ber eine Niederlassungsbewilligung und der Widerruf des Asyls berührt die ausländerrechtliche Anwesenheitsb e- rechtigung grundsätzlich nicht. Das BFM hat denn auch in der angefoc h- tenen Verfügung weder die Wegweisung noch den Wegweisungsvollzug angeordnet. Der Asylwiderruf bewirkt vielmehr nur, dass der Beschwerde- führer den diplomatischen Schutz Kosovos in Anspruch zu nehmen hat, ohne aber zu einer dauerhaften Rückkehr in sein Heimatland gezwungen zu sein ( vgl. EMARK 1995 Nr. 16 E. 6 f.) . Ausführungen zur medizin i- schen Versorgungslage in Kosovo im Zusammenhang mit der vo rge- brachten (…) des Beschwerdeführers erübrigen sich daher und es kann diesbezüglich auf die zutreffenden Erwägungen des BFM in seiner Ve r- nehmlassung vom 20. Juli 2011 verwiesen werden. 3.4 Die Voraussetzungen von Art. 1 Bst. C Ziff. 5 FK sind damit erfüllt. Die vom BFM verfügte Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft des B e- schwerdeführers und der Widerruf des Asyls erfolgten somit zu Recht. 4. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist daher abzuweisen. 5. Bei diesem Au sgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG i.V.m. Art. 1- 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-D-3299/2011 Seite 10 gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE , SR 173.320.2]). Die Kosten sind durch den am 5. Juli 2011 in gleicher Höhe ge leisteten Vor- schuss gedeckt und mit diesem entsprechend zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) D-3299/2011 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer au f- erlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand: