Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. März 2015 (720 14 230) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; „Burnout“ entspricht keiner Erkrankung im Sinne der anerkannten internatio- nalen Klassifikationssysteme Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin E lisabeth Berger Götz, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Tobias Rebmann Parteien Personalvorsorgestiftung für die Angestellten der Generalage n- turen der Allianz Suisse , Richtiplatz 1, 8304 Wallisellen, Beschwer- deführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Beigeladener A.____, vertreten durch Dr. Georg Schü rmann, Advokat, St. Alban- Vorstadt 21, 4052 Basel Betreff IV-Rente Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1964 geborene A.____ ist gelernter Koch und fü hrte von 1987 bis 1989 eine Hote- linsel in F.____. Nachdem er 1989 in die Schweiz zurückge kehrt war, arbeitete er bei verschie- denen Versicherungsgesellschaften. Ab 1. Januar 2012 war er als Leiter Kundendienst und stellvertretender Generalagent bei der B.____ angestel lt. Im Jahr 2011 stellten sich erstmals körperliche Symptome in Form eines Brennens am ganzen Kör per ein. Trotz diverser Untersu- chungen konnte die Ursache der erhöhten Entzündungswert e nicht gefunden werden. Im Früh- ling 2012 schränkten psychische Symptome seine Arbeitsfäh igkeit ein und vom 22. November bis 20. Dezember 2012 hielt er sich statio när in der C.____ auf. Am 11. Ap- ril 2013 meldete sich A.____ unter Hinweis auf Depressi onen, Burnout und Blutentzündungen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Bezug von Leistungen an. Ab 1. Mai 2013 war er zu 50% als Kundenberater ohne Führungsfunktion bei der B.____. Per 1. Juli 2013 wur- de er als Kundenberater für die D.____ angestellt, dies zu einem Garantielohn von Fr. 220‘000.- - für den Zeitraum vom 1. Juli 2013 bis Ende Juni 2014. Ab 1. Juli 2014 war sein Lohn stark abhängig von erfolgreichen Abschlüssen, wobei der Arbeitgeber auf entsprechende Anfrage hin von einem ungefähren Jahreslohn von Fr. 120‘000.-- ausg ing. Nach Vornahme von medizini- schen und erwerblichen Abklärungen sowie Durchführung de s Vorbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) A.____ mi t Verfügung vom 17. Juni 2014 ab 1. Ju- li 2014 eine Dreiviertelsrente bei einem IV-Grad von 60% zu. B. Hiergegen erhob die Personalvorsorgestiftung für di e Angestellten der Generalagentu- ren der Allianz Suisse am 13. August 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, die Verfügung vom 17. Juni 2014 sei aufzuheben und es sei festzustellen, da ss A.____ keinen Anspruch auf eine IV-Rente habe, eventualiter sei die Sache zur Vornah me von zusätzlichen Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zur Begründung wurde im Wesen tlichen vorgebracht, dass vorlie- gend ab 12. November 2013 ein Gesundheitsschaden verneint werden müsse, womit auch kei- ne Invalidität vorliegen könne. C. In ihrer Vernehmlassung vom 19. September 2013 bea ntragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. D. A.____ wurde zum Verfahren beigeladen und liess, v ertreten durch Dr. Georg Schür- mann, Advokat, mit Eingabe vom 11. November 2014 die Abweisung der Beschwerde beantra- gen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen angeführt , dass sich die gesundheitlichen Symp- tome wieder einstellen würden, sollte er die Einschrän kungen in Bezug auf seine Arbeit nicht einhalten. Eine Arbeitsfähigkeit bestehe nur im Rahme n einer normalen Stress- und Arbeitsbe- lastung ohne Ausübung einer leitenden Funktion. Zum h eutigen Zeitpunkt sei er allerdings wie- der ganz arbeitsunfähig und er müsse Antidepressiva einnehmen. E. Mit Stellungnahme vom 5. Januar 2015 hielt die Be schwerdeführerin an ihren Begehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Erlässt ein Versicherungsträger eine Verfügung, welch e die Leistungspflicht eines ande- ren Trägers berührt, so hat er auch ihm die Verfügun g zu eröffnen. Dieser kann die gleichen Rechtsmittel ergreifen wie die versicherte Person (Art. 49 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Gemäss Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch die ange fochtene Verfügung oder den Ein- spracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Ände- rung hat. So ist namentlich eine Einrichtung der beru flichen Vorsorge selbständig zur Be- schwerde legitimiert, soweit durch die in Frage stehende Verfügung ihre eigene Leistungspflicht beeinflusst wird (vgl. dazu T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, Bern 2003, S. 477 f.). In BGE 132 V 1 ff. stellte das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) fest, dass die durch die Judikatur näher um- schriebene Bindungswirkung der Invaliditätsbemessung der I nvalidenversicherung für die (obli- gatorische) berufliche Vorsorge (BGE 115 V 208 und 215 sowie 118 V 39 E. 2 und 3) in den Art. 23 ff. des Bundesgesetzes über die berufliche Alter s-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsor- ge (BVG) vom 25. Juni 1982 positivrechtlich ausdrücklich v erankert ist. Dies zeige sich darin, dass sich der Leistungsanspruch auf eine Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vor- sorge an den sachbezüglichen Voraussetzungen des IVG orientiert (Art. 23 lit. a BVG in der seit 1. Januar 2005 gültigen Fassung), die Höhe der berufsvo rsorgerechtlichen Rente analog zu derjenigen nach IVG bestimmt wird und schliesslich für de n Beginn des Anspruchs auf eine BVG-Invalidenrente gestützt auf Art. 26 Abs. 1 BVG si nngemäss die entsprechenden IV- rechtlichen Bestimmungen (Art. 29 IVG) gelten. Weil di e Invaliditätsbemessung der Invaliden- versicherung für die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge somit nach wie vor prin- zipiell bindend ist, ist sie geeignet, die Leistungspflich t des BVG-Versicherers in grundsätzli- cher, zeitlicher und masslicher Hinsicht im Sinne von Art. 4 9 Abs. 4 ATSG zu berühren (vgl. Urteil des EVG vom 27. Juni 2006, I 89/06, E. 2). 1.3 In vorliegender Streitsache hat die IV-Stelle den Beginn des Rentenanspruchs auf den 1. Juli 2014 festgelegt. Damit wird beim Beigeladenen ab diesem Zeitpunkt eine Arbeitsunfähig- keit statuiert, welche einen allfälligen vorsorgerechtl ichen Anspruch begründen könnte. Dem- nach hat die Beschwerdeführerin ein rechtlich geschütztes Interesse und sie ist zur Beschwerde legitimiert. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttrete n des ATSG entwickelt hatte (BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Deze mber 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des EVG bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternati- ve Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 2.6 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 12 5 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI- Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 3.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswü rdigung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversicherung entwi- ckelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteile des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von be- handelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahr ungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche V ertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen ( BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Bei der Ab- schätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen wer- den. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behan delnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen. Die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt- nisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Beg utachtungsauftrag des amtlich be- stellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjek- tiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urtei l des Bundesgerichts vom 28. Januar 2013, 8C_733/2012, E. 3.2 mit Hinweisen). 4.1 Medizinische Grundlage der im vorliegenden Verfahre n angefochtenen Verfügung vom 17. Juni 2014 bildet ein von der IV-Stelle bei E.___ _ eingeholtes psychiatrisches Gutachten vom 16. Dezember 2013, basierend auf den entsprechende n Untersuchungen vom 12. November 2013. Die psychiatrischen Gutachter konnten dabei keine psychiatrische Diagno- se mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit feststellen. Als Belastungsfaktoren mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die Gutachter eine Burnout-Symptomatik (ICD-10: Z73.0) so- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht wie eine Akzentuierung von narzisstischen Persönlichkeitszü gen (ICD-10: Z73.1). Ohne Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden dem Beigeladenen eine Nikotinabhängigkeit und anamnes- tisch ein Status nach mittelgradig depressiver Episode, ge genwärtig remittiert, attestiert. Die vom Beigeladenen geschilderten Krankheitssymptome mit G edankendrängen und -kreisen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Blackouts liessen sic h in der Untersuchung nicht so weit objektivieren, dass sich daraus der Hinweis auf eine a kute depressive Symptomatik erge- ben hätte. Die Schilderung der - insbesondere - kognitiven Erschöpfung bei hoher Arbeitsbelas- tung, die erstmals im Jahr 2012 aufgetreten sei, lasse si ch am ehesten im Rahmen eines Er- schöpfungssyndroms aufgrund jahrzehntelanger, sehr hoher A rbeitsbelastung als Burnout- Symptomatik verschlüsseln. Trotz bestehender Hinweise auf ei ne Akzentuierung der Persön- lichkeit sei ein Leidensdruck durch die bestehenden Persön lichkeitszüge nicht spürbar, womit keine Persönlichkeitsstörung klassifiziert werden könne. Eine mittelgradig depressive Episode konnten die Gutachter zur Zeit ihrer Untersuchungen eb enfalls nicht diagnostizieren. Aus rein psychiatrischer Sicht sei der Beigelade zu 100% arbeitsfäh ig. Aufgrund der Persönlichkeitsak- zentuierung und des Erschöpfungssyndroms bestehe die Tendenz, sich über die eigenen Gren- zen dauerhaft zu überfordern, ohne auf körperliche und psychische Warnsignale zu reagieren. Dies könne zu einer Verstärkung der aufgetretenen Symptome und damit zu einer Verringerung der Arbeitsfähigkeit führen. Qualitativ werde der Be igeladene wahrscheinlich eingeschränkt bleiben bei Tätigkeiten, bei welchen der Verdienst an konkrete Arbeitsleistungen gekoppelt sei, wie z.B. Provisionszahlungen im Versicherungsbereich. Eine Tätigkeit mit begrenztem Zeit- und Arbeitsinhalt wäre deutlich besser geeignet, ebenso wäre n flexible Arbeits- und Pausenzeiten sinnvoll. In Bezug auf die Auswirkungen der Störungen a uf die bisherige Tätigkeit hielten die Gutachter fest, dass sich eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer leichten Störung der Flexibilität und Umstellungsfähig keit sowie der Anwendung fachlicher Kompetenzen ergebe. Die Planung und Strukturierung v on Aufgaben sowie die Durchhaltefä- higkeit seien leichtgradig beeinträchtigt. Längerfri stig sei mit einer weiteren Stabilisierung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Durch verhaltenstherapeut ische Massnahmen und durch eine psy- chotherapeutische Intervention sei zu erwarten, dass sich die Stresstoleranz verbessere. In Bezug auf die Frage nach der Zumutbarkeit anderer Tätigkeiten hielten die Gutachter fest, dass dem Beigeladenen alle Tätigkeiten zumutbar seien, in denen es keine vermehrte Stressbelas- tung, keine an Leistungen gekoppelten Gehälter sowie u nflexible Arbeitszeiten gebe. Der Bei- geladene möchte aber nach eigenen Angaben weiterhin im Versicherungswesen tätig bleiben. 4.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist de n im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das genannte Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es werden auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, es wurde in Kenntnis der Vorakten abgegeben, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi- zinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen der Experten sind begründet. Die Beweis- kraft des Gutachtens wird vorliegend auch von keiner Partei in Frage gestellt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Wie bereits ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), darf das klinische Beschwerdebild nicht ein- zig in Beeinträchtigungen bestehen, welche von den belast enden soziokulturellen und psycho- sozialen Faktoren herrühren, sondern es hat davon psychiat risch zu unterscheidende Befunde zu umfassen. Als Beispiel sei eine andauernde Depression i m fachmedizinischen Sinne oder ein damit vergleichbarer Leidenszustand genannt, der von depressiven Verstimmungszustän- den klar unterscheidbar ist. Derartige psychische Störunge n mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhau pt eine Invalidität im hiervor genannten Sinne vorliegen kann. Soweit allerdings psychosoziale un d soziokulturelle Faktoren selbständig und insofern direkte Ursachen der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sind, liegt keine Krankheit im Sinne der Invalidenversicherung vor. Wenn und sowe it solche Umstände zu einer eigentli- chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbstständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgr ad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Folgen ver schlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2011, 9C_1040/2010, E. 3.2). 5.2 „Burn-out“ kann bei Personen mit bestimmten Persö nlichkeitsmerkmalen in psychosozia- len Belastungssituationen auftreten. „Burn-out“ wird zw ar unter dem Diagnose-Code ICD-10 Z.73.0 aufgeführt, es entspricht aber keiner Erkrankun g im Sinne der anerkannten internationa- len Klassifikationssysteme. Bei den Z-Kodierungen handel t es sich lediglich um Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnah me des Gesundheitswesens füh- ren (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juni 2012, 9C_537/2011, E. 3.1 mit Hinweisen). 5.3 Das psychiatrische Gutachten der E.____ hält fest, d ass zum Untersuchungszeitpunkt im November 2013 keine psychiatrische Diagnose mit Einflu ss auf die Arbeitsfähigkeit vorgele- gen habe. Die beschriebene Burnout-Symptomatik sowie di e Akzentuierung von narzisstischen Persönlichkeitszügen stellen als Z-codierte Diagnosen keine rechtserheblichen Gesundheitsbe- einträchtigungen dar (Urteil des Bundesgerichts vom 2 8. Juni 2012, 9C_537/2011, E. 3.1; BGE 127 V 294, E. 5a). Konsequenterweise attestierten die Gutachter dem Beigeladenen denn auch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zum Untersuchungszeitpunkt. Die von ihnen festgestellte qualita- tive Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit kann im Rahm en der IV-Rentenabklärung nicht be- rücksichtigt werden, weil es zumindest im Untersuchungszeitp unkt an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden fehlte. 5.4 Soweit der Beigeladene eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach Verfü- gungserlass geltend macht, ist darauf hinzuweisen, dass da s Gericht die Gesetzesmässigkeit einer Verfügung in der Regel nach dem Sachverhalt zu b eurteilen hat, der zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses gegeben war (vgl. BGE 130 V 140 E. 2.1). 5.5 Aufgrund des Fehlens einer rechtserheblichen Krankh eitsdiagnose erübrigt sich daher vorliegend ein Einkommensvergleich. Dennoch ist darauf hi nzuweisen, dass nach ständiger Praxis des Bundesgerichts ein überdurchschnittlich hohes Val ideneinkommen nur berücksich- tigt werden kann, wenn mit überwiegender Wahrscheinlich keit feststeht, dass es weiterhin er- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht zielt worden wäre (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Feb ruar 2011, 8C_671/2010, E. 4.5.1). Dies wäre vorliegend zumindest fraglich, kann jedoch offen bleiben. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend haben die Beschwerdegegnerin sowie der Beigeladene als unterliegende Parteien die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Zusammen- hang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Sa tz 3 VPO den Vorinstanzen - vorbe- hältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die Beschwerde gegnerin als Vorinstanz trotz Unter- liegens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen. Es rech tfertigt sich daher, dem Beigela- denen für den vorliegenden Prozess die Hälfte der Verf ahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.-- aufzuerlegen. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng der IV-Stelle Ba- sel-Landschaft vom 17. Juni 2014 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beigeladene keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 2. Dem Beigeladenen werden Verfahrenskosten von Fr. 3 00.-- auferlegt. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.