A bteilung V E -4830/2006 kom /m ai/sca {T 0/2} U rteil vom 30. A ugust 2007 M itw irkung: R ichterin und R ichter König, Schm id, Schenker G erichtsschreiberin Steiner X._______, Irak, c/o Strafanstalt Y._______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 3. Februar 2006 i.S. A sylw iderruf und A berkennung der Flüchtlingseigenschaft / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer reiste am 14. Juli 1997 in die Schw eiz ein und stell- te ein Asylgesuch. M it Verfügung vom 28. April 1998 anerkannte das BFF (Bundesam t für Flüchtlinge, seit dem 1. Januar 2005 Bundesam t für M igra- tion [BFM ]) ihn als Flüchtling und gew ährte ihm Asyl. B. Am 14. Januar 1999 reiste die Fam ilie des Beschw erdeführers im R ahm en der Fam ilienvereinigung in die Schw eiz ein. C . M it Verfügung des BFF vom 17. Juni 1999 w urden die Ehefrau des Be- schw edeführers - A._______ - sow ie die dam als noch m inderjährigen Kinder – B._______ und C ._______ - als Flüchtlinge anerkannt und w urde ihnen Asyl gew ährt. M it zw ei w eiteren Verfügungen vom 17. Juni 1999 w urde auch den bereits volljährigen Kindern – D ._______ und E._______- unter Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft Asyl gew ährt. D . M it Strafbefehl des Bezirksam tes M ._______ vom 20. Septem ber 2000 w urde der Beschw erdeführer w egen einfacher Körperverletzung zu einer bedingten G efängnisstrafe von 30 Tagen verurteilt. D er bedingte Strafvollzug w urde m it U rteil des Kreisgerichts F._______ vom 20. O ktober 2003 w iderrufen, w obei der Vollzug der G efängnisstrafe angeordnet w urde. E. M it U rteil der 2. Strafkam m er des O bergerichts des G ._______ vom 2. Juli 2004 w urde der Beschw erdeführer w egen vollendeten Versuchs der vorsätzlichen Tötung, einfacher Körperverletzung, D rohung, Freiheitsbe- raubung sow ie W iderhandlung gegen das W affengesetz zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Zudem sprach das G ericht als N ebenstrafe eine un- bedingte Landesverw eisung von zw ölf Jahren aus. F. M it unangefochten in R echtskraft erw achsener Verfügung des M igrationsam tes des Kantons Aargau vom 20. Septem ber 2004 w urde die Aufenthaltsbew illigung des Beschw erdeführers nicht verlängert und die W egw eisung angeordnet. G . M it Verfügung vom 28. Septem ber 2005 teilte die Vorinstanz dem Be- schw erdeführer m it, sie ziehe aufgrund der veränderten Verhältnisse im Irak sow ie der Verurteilungen des Beschw erdeführers den W iderruf des Asyls in Betracht, gew ährte ihm diesbezüglich das rechtliche G ehör und setzte eine Frist zur Einreichung einer Stellungnahm e bis zum 10. O ktober 2005. H . Am 3. O ktober 2005 (D atum der Postaufgabe) reichte der Beschw erdefüh- rer seine Stellungnahm e ins R echt. I. M it Verfügung vom 3. Februar 2006 aberkannte die Vorinstanz die Flücht- lingseigenschaft des Beschw erdeführers und w iderrief das ihm gew ährte Asyl.3 J. M it Beschw erde vom 19. Februar 2006 (D atum der Postaufgabe) an die dam als zuständige Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) erhob der Beschw erdeführer Beschw erde gegen die vorinstanzliche Verfügung und beantragte sinngem äss die Aufhebung derselben sow ie den Verzicht auf die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und den W iderruf des Asyls. In prozessualer H insicht w urden sinngem äss die G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege sow ie der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt. D er Beschw erde w ar ein handschriftlich in arabischer Sprache abgefasstes Schreiben beigelegt, w elches der Instruktionsrichter der AR K ins D eutsche übersetzen liess. Auf die Ausführungen in der Beschw erde und dem beigelegten Schreiben w ird in den Erw ägungen eingegangen. K. M it Zw ischenverfügung vom 6. M ärz 2006 verw ies der Instruktionsrichter für den Entscheid über das G esuch um unentgeltliche R echtspflege auf ei- nen späteren Zeitpunkt und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses. L. D ie Vorinstanz hielt in der Vernehm lassung vom 20. April 2007 an ihren Erw ägungen fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanz gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Be- urteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei der ehem aligen AR K hängig ge- w esenen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essenheit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdefüh-4 rer ist legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Be- schw erde ist m ithin einzutreten. 3. Art. 63 AsylG regelt die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und den W iderrufs des Asyls. 3.1 D ie Flüchtlingseigenschaft w ird durch das BFM aberkannt, w enn die aus- ländische Person sie durch falsche Angaben oder Verschw eigen w esentli- cher Tatsachen erschlichen hat, beziehungsw eise w enn G ründe im Sinne der Beendigungsklausel des Abkom m ens über die R echtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention / FK, SR 0.142.30), näm lich Art. 1 C Zif- fern 1 – 6 FK, erfüllt sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 AsylG ). 3.2 D as Asyl w ird durch das BFM w iderrufen, w enn die ausländische Person es durch falsche Angaben oder Verschw eigen w esentlicher Tatsachen er- schlichen hat (Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG ). W eiter w ird das Asyl w iderru- fen, w enn Flüchtlinge die innere oder äussere Sicherheit der Schw eiz ver- letzt haben, gefährden oder besonders verw erfliche strafbare H andlungen begangen haben (vgl. Art. 63 Abs. 2 AsylG ). 3.3 M it den Fragen des W iderrufs des Asyls befassen sich die Ausführungen in der nachstehenden Erw ägung 4; auf die Problem atik der Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft w ird in Erw ägung 5 eingegangen. 3.4 G em äss Art. 5 Abs. 2 AsylG – w elche Bestim m ung den im W esentlichen identischen Inhalt von Art. 33 Abs. 2 FK für das Landesrecht w iederholt – kann sich eine Person grundsätzlich nicht m ehr auf das asyl- beziehungs- w eise flüchtlingsrechtliche R ückschiebungsverbot berufen, w enn erhebli- che G ründe dafür vorliegen, dass sie die Sicherheit des G astlandes ge- fährdet, w enn sie als gem eingefährlich einzustufen ist oder w enn sie w e- gen eines besonders schw eren Verbrechens oder Vergehens rechtskräftig verurteilt w orden ist. In der Bundesverw altungsrechtspflege bestim m t sich der Prozessgegen- stand gem äss dem D ispositiv der angefochtenen Verfügung, sow eit dieses in den R echtsbegehren der Beschw erdeschrift bestritten w ird (vgl. FR ITZ G YG I, Bundesverw altungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 42 ff.). Pro- zessgegenstand im vorliegenden Beschw erdeverfahren können deshalb einzig der Asylw iderruf und die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft des Beschw erdeführers sein. D ie Frage, ob dieser sich im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AsylG und Art. 33 Abs. 2 FK nicht m ehr auf den asyl- beziehungs- w eise flüchtlingsrechtlichen N on-R efoulem ent-Schutz berufen könnte, w enn seine Flüchtlingseigenschaft nicht abzuerkennen w äre und er dem - nach w eiterhin als Flüchtling gelten w ürde, kann dem gegenüber m angels eines entsprechenden prozessualen Anfechtungsobjekts im R ahm en des vorliegenden Beschw erdeverfahrens nicht überprüft w erden (vgl. zum G anzen auch die vom Bundesverw altungsgericht w eiterzuführende Praxis der AR K in: Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylre- kurskom m ission [EM AR K] 2003 N r. 11 E. 3 und 6a). 4. Sow eit den W iderruf des gew ährten Asyls betreffend, den die Vorinstanz gestützt auf Art. 63 Abs. 2 AsylG angeordnet hat, ist die angefochtene Ver-5 fügung im Ergebnis nicht zu beanstanden. 4.1 D as BFM begründet den W iderruf des Asyls unter anderem dam it, dass der Beschw erdeführer besonders verw erfliche strafbare H andlungen im Sinne von Art. 63 Abs. 2 AsylG begangen habe. Seit dem Aufenthalt in der Schw eiz habe der Beschw erdeführer w iederholt gegen die R echtsordnung verstossen. Einerseits sei er m it Strafbefehl des Bezirksam tes M ._______ vom 20. Septem ber 2000 beziehungsw eise m it U rteil des Kreisgerichtes F._______ vom 20. O ktober 2003 zu 30 Tagen G efängnis verurteilt w orden. Andererseits habe das O bergericht des G ._______den Beschw erdeführer m it U rteil vom 2. Juli 2004 w egen vollendeten Versuchs der vorsätzlichen Tötung, einfacher Körperverletzung, D rohung, Freiheitsberaubung sow ie W iderhandlung gegen das W affengesetz zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. D as G ericht habe zudem als N ebenstrafe eine unbedingte Landesverw eisung von zw ölf Jahren ausgesprochen. 4.2 N ach Lehre und konstanter Praxis (vgl. EM AR K 2003 N r. 11 E. 7 S. 75 m it w eiteren H inw eisen) w erden als "verw erfliche H andlungen", w elche die Asylunw ürdigkeit gem äss Art. 53 AsylG nach sich ziehen, diejenigen D elik- te aufgefasst, die dem abstrakten Verbrechensbegriff von Art. 9 des Schw eizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. D ezem ber 1937 (StG B, SR 311.0) entsprechen. D ie in Art. 63 Abs. 2 AsylG vorausgesetzten "be- sonders verw erflichen H andlungen" m üssen qualitativ eine Stufe über den einfachen verw erflichen H andlungen stehen. D as heisst bei einer "beson- ders verw erflichen H andlung" m uss es sich um eine Straftat m it erhebli- cher Strafandrohung und einer gew issen Intensität handeln (vgl. W ALTER STÖ C KLI, in: U ebersax/M ünchen/G eiser/Arnold, Ausländerrecht, Basel 2002, R z 8.63). Bei der W ürdigung eines D elikts als verw erfliche oder als beson- ders verw erfliche H andlung im Sinne von Art. 53 und Art. 63 Abs. 2 AsylG m uss allerdings der G rundsatz der Verhältnism ässigkeit beachtet w erden. N ach dem Verhältnism ässigkeitsprinzip m uss eine behördliche Androhung zunächst geeignet und erforderlich sein, um ein angestrebtes Ziel zu errei- chen. D arüber hinaus m uss aber auch eine Ausgew ogenheit hinsichtlich Eingriffsschw ere und G ew icht des verfolgten öffentlichen Interesses gege- ben sein (so genannte Verhältnism ässigkeit im engeren Sinne), das heisst der m it einer behördlichen Anordnung verbundene Eingriff darf im Ver- gleich zur Bedeutung des verfolgten öffentlichen Interesses nicht unange- m essen schw er w iegen. 4.3 D er Beschw erdeführer hat unter anderem einen vollendeten Versuch der vorsätzlichen Tötung begangen, w as besonders schw er zu gew ichten ist, da die entsprechende Strafandrohung Zuchthaus (vgl. Art. 111 aStG B i.V.m . Art. 22 Abs. 1, 35 und 65 aStG B), beziehungsw eise Freiheitsstrafe (vgl. Art. 111 StG B i.V.m . Art. 22 Abs. 1, 35 und 65 StG B) nicht unter fünf Jahren beträgt und der Beschw erdeführer zu acht Jahren Zuchthaus verur- teilt w orden ist. D am it sind die Voraussetzungen der hohen Strafandro- hung w ie auch der Intensität der Straftat zw eifellos erfüllt. D er Beschw erdeführer m acht in seiner Stellungnahm e vom 3. O ktober 2005 und im Beschw erdeverfahren geltend, er bereue seine Fehler und 6 w olle, w enn er seine Strafe verbüsst habe und w ieder entlassen w orden sei, keine Straftaten m ehr begehen; er lebe seit 1997 in der Schw eiz w o auch seine ganze Fam ilie lebe; im Irak habe er keine Beziehungen auf- recht erhalten, ausserdem liessen m it _______ Jahren seine Kräfte langsam nach und seine G esundheit verschlechtere sich zusehends. D iese Ausführungen zur persönlichen Situation des Beschw erdeführers verm ögen an den zutreffenden Erw ägungen der Vorinstanz betreffend W iderruf des Asyls gestützt auf Art. 63 Abs. 2 AsylG nichts zu ändern. Es ist ausserdem festzustellen, dass der W iderruf des Asyls nicht autom atisch die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft nach sich zieht. D er Asylw iderruf erw eist sich vorliegend auch als nicht unverhältnism ässig. 4.4 Bei dieser Sachlage und in W ürdigung der gesam ten U m stände und Vor- bringen des Beschw erdeführers ist zusam m enfassend festzustellen, dass der Asylw iderruf zu R echt erfolgt ist. Es erübrigt sich, im Zusam m enhang m it dem W iderruf des Asyls auf die w eiteren Ausführungen in der Beschw erde im Einzelnen näher einzuge- hen. O ffen bleiben kann auch die Frage, ob die Vorinstanz den Asylw iderruf vorliegend zu R echt zusätzlich m it der grundlegenden Veränderung der Verhältnisse im H eim atland im Sinne von Art. 1 C Ziff. 5 FK begründet hat (vgl. hierzu auch die nachfolgende Erw ägungen). 5. D ie Vorinstanz begründet die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft da- m it, dass gem äss Art. 1 C FK eine Person nicht m ehr unter das Abkom - m en falle, w enn sie es nach W egfall der U m stände, aufgrund deren sie als Flüchtling anerkannt w orden sei, nicht m ehr ablehnen könne, den Schutz ihres H eim atstaates in Anspruch zu nehm en. D as BFM vertritt konkret die Auffassung, dass sich seit der Flucht des Be- schw erdeführers aus seinem H eim atland die Verhältnisse im Irak grundle- gend verändert hätten, so dass die Situation nicht m ehr jener entspreche, die die Flucht verursacht und zur Asylgew ährung in der Schw eiz geführt habe. D urch die m ilitärische Intervention der U SA und ihrer Verbündeter im Frühjahr 2003 sei das R egim e von Saddam H ussein gestürzt w orden. D ie vom Beschw erdeführer geltend gem achte Furcht vor zukünftigen Ver- folgungshandlungen durch die D em okratische Partei Kurdistans (KD P), durch M itglieder der Kom m unistischen Partei und durch Islam isten sei un- begründet. Es gebe keine H inw eise für die Annahm e, der Beschw erdefüh- rer w äre heute w egen seines früheren politischen Engagem ents für die R oyalistenbew egung im Irak noch gefährdet. 5.1 D ie so genannten Beendigungsklauseln (Art. 1 C Ziff. 1 - 6 FK) knüpfen teilw eise an das Verhalten des Flüchtlings an (Ziff. 1 - 4), teilw eise beru- hen sie auf einer Veränderung im Verfolgerstaat (Ziff. 5 und 6); beiden Ka- tegorien w ohnt die Präm isse inne, dass die Schutzbedürftigkeit des Flücht- lings dahingefallen ist. D ie Klauseln beruhen offensichtlich auf der Ü berle- gung, dass (subsidiärer) internationaler Schutz nicht m ehr gew ährt w erden sollte, w o er nicht m ehr erforderlich ist (vgl. U N O -H O C H KO M M ISSAR IAT FÜ R 7 FLÜ C H TLIN G E [U N H C R ], H andbuch über Verfahren und Kriterien zur Feststel- lung der Flüchtlingseigenschaft, G enf 1979, R z 111). Zu beachten ist da- bei, dass die Beendigungsgründe erschöpfend aufgezählt und daher restriktiv anzuw enden sind. G em äss U N H C R dürfen keine G ründe analog zur R echtfertigung der Zurücknahm e des Flüchtlingsstatus herangezogen w erden (vgl. U N H C R -H andbuch, a.a.O ., R z 116). D ie Zurückhaltung bei der Aberkennung einer einm al zuerkannten Flüchtlingseigenschaft beruht auf der Ü berlegung, dass Flüchtlinge im H inblick auf eine erfolgreiche In- tegration im Aufenthaltsstaat die Sicherheit haben m üssen, dass ihr Status nicht ständig und ohne triftigen G rund neu beurteilt w ird (vgl. zum G anzen EM AR K 2002 N r. 8 S. 61 f.). 5.2 D ie Vorinstanz hat die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft zu R echt nicht m it der Straffälligkeit des Beschw erdeführers begründet: N ach Lehre und Praxis sehen w eder Asylgesetz noch Flüchtlingskonvention den Aberkennungsgrund der im G astland begangener Straftaten vor (vgl. EM AR K 2003 N r. 11 E. 6a und 8c). D ie Begründung der angefochtenen Verfügung der Vorinstanz beziehungs- w eise deren Vorgehen bei der Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft des Beschw erdeführers verm ag trotzdem in dreifacher H insicht nicht zu überzeugen: 5.2.1 Seit 1980 befindet sich der Irak oder Teile des Landes im Kriegszustand. D ie seit der m ilitärischen Intervention der alliierten Truppen im Jahre 2003 ständig zunehm enden Schiessereien, Attentate, Entführungen, M assaker und M ilitäraktionen richten sich m ittlerw eile hauptsächlich gegen die iraki- sche Zivilbevölkerung. N ach den dem Bundesverw altungsgericht zur Verfügung stehenden Berichten leben heute m ehr als zw ei M illionen Iraker als Flüchtlinge in N achbarstaaten, vor allem in Syrien und Jordanien. W eitere knapp zw ei M illionen gelten als landesintern Vertriebene. D as U N H C R sow ie w eitere M enschenrechtsorganisationen haben sich im April 2007 für den Schutz von Asylsuchenden aus dem Irak ausgesprochen. D ie Entw icklung der Sicherheitslage im Irak ist nicht vorhersehbar. Zw ar gilt die Lage in den nördlichen Kurdenprovinzen D ohuk, Erbil und Suleym aniah als vergleichsw eise sicher; dennoch bleibt auch dort die Situation aufgrund der unsicheren Lage im Zentral- und Südirak, der Belastung m it landesintern Vertriebenen und der seit längerer Zeit seitens der türkischen Arm eeführung angekündigten um fassenden M ilitäraktionen gegen Stützpunkte der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im N ordirak unberechenbar. Anschläge können auch im kurdischen N ordirak nicht ausgeschlossen w erden und sind denn auch sporadisch zu verzeichnen; in letzter Zeit w ird verschiedentlich von einer verstärkten Zuw anderung insbesondere sunnitischer Extrem isten in den N ordteil des Landes berichtet, dies offenbar als Folge der konzentrierten M ilitäraktionen der U S-Truppen in der Krisenregion D iyala ab Frühsom m er dieses Jahres (vgl. etw a N ZZ vom 17. Juli 2007). D as BFM hat zw ar Anfang M ai 2007 eine Änderung der W egw eisungspra- xis für abgew iesene irakische Asylsuchende (m ithin Personen, die keine 8 flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung glaubhaft m achen konnten) aus den nordirakischen Provinzen D ohuk, Erbil und Suleym aniah – und die Ü berprüfung und grundsätzliche Aufhebung der früher angeordneten vor- läufigen Aufnahm en solcher Personen – beschlossen. Eine entsprechende Praxisänderung bezüglich anerkannter Flüchtlinge (Personen, die vor ge- zielter flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung in die Schw eiz geflüchtet sind) m it der Begründung einer fundam entalen und dauerhaften Verbesse- rung der Lage im H eim atland (vgl. EM AR K 1995 N r. 16 E. 5a S. 160) hat das BFM , sow eit dem Bundesverw altungsgericht bekannt, bisher nicht vor- genom m en. D ies nach der vorstehenden D arstellung der Verhältnisse of- fensichtlich zu R echt. D er angefochtenen Verfügung ist nicht zu entnehm en, w arum beim vorlie- gend zu beurteilenden Fall von einer grundlegenden generellen Verände- rung der Verhältnisse im Irak auszugehen sei, w ährend die Flüchtlingsei- genschaft anderer anerkannter irakischer Flüchtlinge vom BFM , sow eit feststellbar, nicht aberkannt w ird. D er diesbezügliche Teil der Begründung der Verfügung vom 3. Februar 2006 erw eckt insow eit einen vorgeschobe- nen Eindruck und erscheint m it dem G ebot rechtsgleicher Behandlung (vgl. Art. 8 Abs. 1 und 2 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenos- senschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101] nicht vereinbar. 5.2.2 H inzu kom m t zw eitens, dass die konkreten G ründe für die G efährdung des Beschw erdeführers, w elche zur Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft durch das Bundesam t geführt hatten, nach D urchsicht der Akten nicht offensichtlich w eggefallen sind: Einerseits geht auch die Vorinstanz davon aus, dass er in seiner Abw esenheit w egen H ._______ zu einer Freiheitsstrafe verurteilt w orden ist (und dem nach zur Festnahm e ausgeschrieben sein dürfte). Andererseits erscheint die Befürchtung des Beschw erdeführers nicht unberechtigt, bei einer R ückkehr Verfol- gungsm assnahm en durch Islam isten, durch I._______ oder durch J._______ erleiden zu m üssen. D ie Bereitschaft der kurdischen Si- cherheitskräfte, den Beschw erdeführer vor solchen N achteilen zu schüt- zen, dürfte angesichts seines politischen Einsatzes für die R oyalistenbe- w egung, angesichts der in Abw esenheit erfolgten Verurteilung durch ein kurdisches G ericht in Suleym aniah und aufgrund seiner Problem e m it der KD P (vgl. diesbezüglich EM AR K 2006 N r. 19) äusserst gering und die Zum utbarkeit der Inanspruchnahm e dieses Schutzes zum indest fraglich sein. 5.2.3 Schliesslich können drittens gem äss der Ausnahm ebestim m ung von Art. 1 C Ziff. 5 Abs. 2 FK triftige G ründe einer Aberkennung der Flücht- lingseigenschaft w egen W egfall der U m stände, aufgrund deren jem and als Flüchtling anerkannt w orden ist, entgegenstehen (vgl. zum G anzen etw a EM AR K 1995 N r. 16 m it w eiteren H inw eisen). D er Begriff der "triftigen G ründe" respektive "zw ingenden G ründe" bezieht sich nam entlich auf psy- chische Blockaden, w elche der R ückkehr in den H erkunftsstaat entgegen- stehen. D ie angefochtene Verfügung äussert sich m it keinem W ort zur Fra- ge, ob solche G ründe beim Beschw erdeführer vorliegen könnten. D ie Vor- instanz hat auch insow eit ihre Pflicht zur nachvollziehbaren Begründung 9 ihrer Verfügungen verletzt. 5.3 Insgesam t ist festzuhalten, dass für die Annahm e einer "grundlegend ver- besserten Situation“ im Sinne der konstanten Praxis der schw eizerischen Asylbehörden zum indest w eitergehende Abklärungen sow ie das Erarbeiten einer ausführlichen und nachvollziehbaren Begründung nötig gew esen w ä- ren. Sow eit die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft betreffend, ist die an- gefochtene Verfügung dem nach aufzuheben und zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuw eisen. 6. D ie Beschw erde ist nach dem G esagten bezüglich des W iderrufs des Asyls abzuw eisen. Sow eit die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft be- treffend, ist die Beschw erde insow eit gutzuheissen, als die Aufhebung die- ses Teils der Verfügung vom 3. Februar 2006 beantragt w orden ist. 7. 7.1 N achdem die Begehren des Beschw erdeführers nicht aussichtslos w aren und aufgrund der Akten von seiner Bedürftigkeit auszugehen ist, sind ihm in G utheissung des G esuchs um G ew ährung der unentgeltlichen Prozess- führung gem äss Art. 65 Abs. 1 Vw VG die (reduzierten) Verfahrenskosten nicht aufzuerlegen. 7.2 D ie Beschw erdeinstanz kann der ganz oder teilw eise obsiegenden Partei von Am tes w egen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erw ach- sende notw endige und verhältnism ässig hohe Kosten zusprechen. D em nicht vertretenen Beschw erdeführer ist trotz des teilw eisen O bsiegens kei- ne Parteientschädigung auszurichten, zum al nicht davon auszugehen ist, dass ihm verhältnism ässig hohe Parteikosten entstanden sind (Art. 64 Abs. 1 Vw VG ). (D ispositiv nächste Seite)10 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. Bezüglich des Asylw iderrufs w ird die Beschw erde abgew iesen. Bezüglich der Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft w ird die Beschw erde insow eit gutgeheissen, als die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt w orden ist. 2. D ie Akten w erden zur N eubeurteilung an das BFM zurückgew iesen. 3. D as G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen Prozessführung w ird gut- geheissen. Es w erden keine Kosten auferlegt. 4. Es w ird keine Parteientschädigung gesprochen. 5. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer (eingeschrieben; Beilage: angefochtene Verfügung im O riginal) - der Vorinstanz (R ef-N r. N _______) - das K._______ D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: König Steiner Versand am :