B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-6037/2022 U r t e i l v o m 11 . M a i 2 0 2 3 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Susanne Genner, Richter Gregor Chatton, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung (Art. 14 Abs. 2 AsylG); Verfügung des SEM vom 24. November 2022. F-6037/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer (geb. [...], sri -lankischer Staatsangehöriger) ge- langte am (...) als Asylsuchender in die Schweiz. Mit Verfügung vom (...) lehnte das SEM sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig wies das SEM ihn aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Eine da- gegen gerichtete Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Ur- teil E-557/2017 vom 17. Juli 2019 ab. B. Am 17. Oktober 2019 gelangte der Beschwerdeführer mit einer als "neues Asylgesuch" bezeichneten Eingabe an das SEM. Mit Entscheid vom 25. Oktober 2019 trat das SEM auf das Mehrfachgesuch nicht ein, auf die als allenfalls revisionsrechtlich geltend zu machenden Vor bringen trat es mangels funktioneller Zuständigkeit nicht ein. Weiter wies das SEM den Beschwerdeführer aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug der Weg- weisung an. Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwal- tungsgericht mit Urteil E-5931/2019 vom 5. Mai 2021 ab. Die dem Beschwerdeführer per 22. August 2019 und 6. Mai 2021 ange- setzten Fristen zum Verlassen der Schweiz liess er jeweils unbenutzt ver- streichen. C. Am 13. August 2021 (und Ergänzung vom 2. Februar 2022) reichte der Beschwerdeführer beim (Nennung Behörde) (nachfolgend: B._______) ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ein. Am 2. Februar 2022 ersuchte das B._______ für ihn beim SEM um Zustimmung zur Erteilun g einer Aufenthaltsbewilligung wegen Vorliegens eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG. Zur Begründung wurde angeführt, dass sich der Beschwerdeführer seit (Nennung Dauer) in der Schweiz aufhalte, sich sprachlich und soz ial gut integriert sowie den Willen zur Weiterbildung habe, erwerbstätig sei und keine negativen Vor- kommnisse oder gesundheitlichen Probleme bekannt seien. Hinsichtlich der Reintegrationsmöglichkeiten im Heimatland wurde auf die Gesuchsein- gaben des Beschwerdeführers verwiesen. D. Am 11. August 2022 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zur allfälligen Verweigerung der Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung wegen Vorliegens eines schwerwiegenden F-6037/2022 Seite 3 persönlichen Härtefalls. Mit Eingabe vom 26. September 2022 reichte er seine Stellungnahme ein. E. Mit Verfügung vom 24. November 2022 verweigerte die Vorinstanz die Zu- stimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 Bst. b AsylG. F. Mit Eingabe vom 28. Dezember 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er bean- tragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei die Zu- stimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung B an ihn zu erteilen. Eventuell sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache sei zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachver- halts und zur Neubeurteilung, eventuell zur Beurteilung des ausländer- rechtlichen Verfahrensgegenstandes an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei der Spruchkörper bekanntzugeben und anzugeben, wie diese Gerichtspersonen ausgewählt worden seien. Falls in diese Auswahl eingegriffen worden sei, seien die objektiven Kriterien für die Auswahl des Spruchkörpers bekanntzugeben. Dazu sei Einsicht in die Datei der Software des Bundesverwaltungsgerichts zu gewähren, mit welcher diese Auswahl nach Eingang der Beschwerde getroffen worden sei und es sei offenzulegen, wer diese Auswahl gemacht habe. Ebenfalls sei das Dokument mit der Spruchkörperbildung offenzule- gen. Der Beschwerde lagen (Aufzählung Beweismittel) bei. G. Am 16. Februar 2023 ersuchte der Beschwerdeführer erneut um Bekannt- gabe des Spruchkörpers und der Methode der Spruchkörperbildung. Mit Schreiben vom 28. Februar 2023 teilte der Präsident der Abteilung VI dem Beschwerdeführer die Bildung des Spruchkörpers und dessen Zusammen- setzung im vorliegenden Verfahren mit. Aus organisatorischen Gründen wurde das Verfahren zwi schenzeitlich Gerichtsschreiber Stefan Weber übertragen. H. Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 27. März 2023 fest, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder F-6037/2022 Seite 4 Beweismittel, die eine Änderung ihres Entscheides rechtfer tigten, und schloss auf Abweisung der Beschwerde. Am 5. April 2023 wurde die Ver- nehmlassung dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht. I. Der Beschwerdeführer äusserte sich mit Schreiben vom 19. April 2023 (unaufgefordert) zur Vernehmlassung des SEM. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen des SEM betreffend Zustimmung zur Erteilung einer Auf- enthaltsbewilligung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 AIG [vgl. dazu E. 1.3 hiernach] i.V.m. Art. 31 ff. VGG ). Dieses entscheidet endgültig (Art. 1 Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 83 Bst. c Ziff. 2 BGG). 1.2 Der Besch werdeführer ist zur Erhebung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 50 Abs. 1 VwVG; Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.3 Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Beschwerdeverfahren nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt. Die angefochtene Ver- fügung wurde gestützt auf das Asylgesetz erlassen. Allerdings weist die Ausnahmebestimmung von Art. 14 Abs. 2 AsylG sowohl inhaltlich als auch verfahrensrechtlich eher ausländerrechtlichen als asylrechtlichen Charak- ter auf. Deshalb richtet sich das Verfahren nach den Verfahrensbestim- mungen, die im Ausländerrecht anwendbar sind, d.h. jenen des AIG und des VwVG ( BVGE 2020 VII/4 E. 5; Urteil des BVGer F -5830/2020 vom 15. April 2021 E. 1.3 m.w.H.). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes und die Unangemessen heit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be- schwerde auch aus anderen als d en geltend gemachten Gründen F-6037/2022 Seite 5 gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt des Entscheids (BGE 139 II 534 E. 5.4.1; BVGE 2014/1 E. 2). 3. 3.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen (unvollständige Abklärung des rechtserheblic hen Sachverhalts ; Verletzung des rechtlichen Gehörs [Begründungspflicht; unterlassene Würdigung der eingereichten Beweis- mittel]) erhoben. Diese sind vorab zu beurteilen. 3.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG gerügt werden. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten- widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid we- sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT- SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Das SEM hat den rechtserheblichen Sachverhalt hinreichend abgeklärt. Es hat sich unter Bezugnahme auf die Schilderungen des Beschwerdeführers und die vorliegenden Beweismittel, insbesondere die amtlichen Meldungen der für die damalige Unterkunft administrativ zuständigen Behördenstelle, mit der individuellen Situation des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Es ist nicht ersichtlich, in welcher Hinsicht hier noch konkrete weitere Ab- klärungen vorgenommen werden müssten. Daran vermögen weder die nicht weiter konkretisierte Behauptung des Beschwerdeführers, es liege ein administratives Versehen vor und es habe in der fraglichen Zeit in den Asylzentren ein grosses administratives Chaos geherrscht, noch der pau- schale Hinweis, es seien seinem Rechtsvertreter Fälle aus dieser Zeit be- kannt, in welchen Asylgesuchsteller aufgrund administrativer Fehler ohne deren Verschulden als untergetaucht gemeldet worden seien, etwas zu än- dern. In dem auf Beschwerdeebene eingereichten Schreiben des (Nen- nung Behörde) vom (...) (vgl. Beschwerdebeilage 4) werden im Übrigen die Voraussetzungen und der Ablauf für eine Ab- und Wiederanmeldung einer betroffenen Person explizit aufgeführt. Sodann schliesst der Beschwerde- führer gemäss dem seiner Stellungnahme vom 26. September 2022 beilie- genden (Nennung Beweismittel) (vgl. SEM act. 13/253) selber nicht aus, dass er bisweilen vergessen haben könnte, sich in der Asylunterkunft ab- zumelden und dass er dieser öfters aus mehreren Gründen ferngeblieben F-6037/2022 Seite 6 sei. Es ist demnach keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes fest- zustellen. 3.3 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ih- rer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus- einandersetzt und jede s einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Dieser verfahrensrechtlichen Anforderung hat die Vorinstanz ebenfalls Ge- nüge getan. So hat sie nach Prüfung und Würdigung der Parteivorbringen sowie der zur Stützung derselben eingereichten Beweismittel hinreichend nachvollziehbar aufgezeigt, von welchen Überlegungen sie sich – gerade auch in individueller Hinsicht – leiten liess (vgl. angefochtene Verfügung, S. 3 f.). Dabei musste sie sich nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern durfte sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 143 III 65 E. 5.2), was sie hier getan hat. So sind den Erörterungen der Vorinstanz Ausführungen zu den gesetzlichen Voraussetzungen von Art. 14 Abs. 2 Bst. b AsylG, den Meldungen de r (Aufzählung Behörden) sowie der Stel- lungnahme des Beschwerdeführers vom 26. September 2022 zu entneh- men. Eine Verletzung der Begründungspflicht ist auch deshalb zu vernei- nen, weil es de m Beschwerdeführer möglich war, sich ein Bild über die Tragweite des vorinstanzlichen Entscheides zu machen und diesen sach- gerecht anzufechten. Dass er die Auffassung und Schlussfolgerungen der Vorinstanz hinsichtlich der Würdigung seiner Aussagen und Beweismittel nicht teilt, ist keine Verletzung des rechtlichen Gehörs, sondern betrifft eine materielle Frage. 3.4 Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet. Es besteht keine Veranlassung, die Sache zur Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Eventualbegehren ist abzuweisen. F-6037/2022 Seite 7 4. 4.1 Der Beschwerdeführer stellt für den Fall, dass das Bundesverwaltungs- gericht an seinem vermeintlichen Untertauchen festhalten sollte, zwei Be- weisanträge. Soweit er die Einvernahme der in dieser Sache für die administrativen Ein- träge verantwortlichen Personen als Zeugen durch das Bundesverwal- tungsgericht beantragt, ist diesem Beweisantrag nicht stattzugeben. Die Richterinnen und Richter sind an die von den Parteien angebotenen Be- weismittel nicht gebunden und es werden nur die notwendigen Beweismit- tel berücksichtigt (vgl. Art. 37 BZP i.V.m. Art. 19 VwVG). Gemäss Art. 14 VwVG gilt für das Verwaltungsverfahren der Grundsatz der Subsidiarität des Zeugenbeweises, womit alle anderen Bewe ismittel erhoben worden sein müssen, bevor auf einen Zeugenbeweis zurückgegriffen werden kann (vgl. PHILIPP WEISSENBERGER / ASTRID HIRZEL, in: Waldmann/Weissenber- ger (Hrsg.), Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, N. 20 zu Art. 14). Vor- liegend besteht keine Notwendigkeit für die Anordnung einer Zeugenein- vernahme, zumal der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren die Möglichkeit besitzt, seine Sachverhaltsdarstellung und sein Beweisaner- bieten umfassend schriftlich einzubringen (vgl. auch WEISSENBERGER/HIR- ZEL, a.a.O., N104 ff. zu Art. 12). Der anwaltlich vertretene Beschwerdefüh- rer hatte sodann bis zum Urteilszeitpunkt hinreichend Gelegenheit – und auch die Obliegenheit (Art. 13 VwVG) –, sich um die Einreichung allfälliger entsprechender Beweismittel zu bemühen. 4.2 Der weitere Antrag, es sei die (Nennung Dienstleister), die den staatli- chen Auftrag der (Nennung Behörde) übernommen habe, anzuweisen, ihm vollständige Akteneinsicht zu gewähren und anschliessend eine angemes- sene Frist für die Einreichung einer Beschwerde ergänzung anzusetzen, um dadurch die Hintergründe der Meldungen seines Untertauchens ge- nauer abzuklären, ist ebenfalls abzuweisen. Vorliegend erweist sich der Sachverhalt als hinreichend erstellt (vgl. auch E. 3.2. oben). Weiter ist nicht ersichtlich und wird in der Beschwerdeschrift auch nicht ansatzweise kon- kretisiert, inwiefern die (Nennung Dienstleister), die im fraglichen Zeitraum zwischen (Nennung Dauer) über kein entsprechendes Betreuungsmandat verfügte, nebst den vorliegend bereits bekannten, den Be schwerdeführer betreffenden Verfahrensakten (Meldungen zu seiner Abwesenheit; ärztli- che Bestätigung), über andere Aktenstücke verfügen sollte, die – nach sei- ner Ansicht – Beweise für die administrativen Vorgänge und Prozedere in der Unterkunft liefern würden, welche eine allfällige ordnungsgemässe Ab- meldung seiner Person belegen könnten. Die vom Beschwerdeführer nicht F-6037/2022 Seite 8 näher bezeichneten Akten dürften mithin keine neuen und wesentlichen Erkenntnisse über die administrativen Abläufe in der damaligen Unterkunft liefern. Von der beantragten Beweisvorkehr kann deshalb in antizipierter Beweiswürdigung ohne Verletzung des rechtlichen Gehörs abgesehen werden (BGE 141 I 60 E. 3.3 m.H.). 5. 5.1 Gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG kann der Kanton mit Zustimmung des SEM einer ihm nac h dem Asylgesetz zugewiesenen Person eine Aufent- haltsbewilligung erteilen, wenn sich die betroffene Person seit Einreichung des Asylgesuchs mindestens fünf Jahre in der Schweiz aufhält (Bst. a), ihr Aufenthaltsort den Behörden immer bekannt war (Bst. b), w egen der fort- geschrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vor- liegt (Bst. c) und keine Widerrufsgründe nach Art. 62 AIG bestehen (Bst. d). Gemäss Art. 31 Abs. 2 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulas- sung, Aufenthalt und Erwer bstätigkeit (VZAE, SR 142.201) muss die ge- suchstellende Person die Identität offenlegen. Das Erfordernis der Offenle- gung der Identität steht in Zusammenhang mit Art. 13 und Art 90 AIG, wo- nach eine gesuchstellende Person im Bewilligungs- und Anmeldeverfahren ein gültiges Ausweispapier vorlegen und diesbezüglich zutreffende und vollständige Angaben machen muss. Die Verletzung dieser zwingenden Vorschriften kann den Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 Bst. a AIG erfül- len, wonach die Bewilligung widerrufen wird, wenn der Ausländer im Bewil- ligungsverfahren falsche Angaben gemacht oder wesentliche Tatsachen verschwiegen hat, die somit der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG entgegenstehen. 5.2 Das SEM kann gestützt auf Art. 99 Abs. 2 AIG und Art. 86 Abs. 1 VZAE die Zustimmung zum Entscheid einer kantonalen Verwaltungsbehörde oder einer kantonalen Rechtsmittelinstanz betreffend Erteilung oder Ver- längerung einer Aufenthaltsbewilligung verweigern, zeitlich begrenzen oder mit Bedingungen und Auflagen verbinden. Der Entscheid des SEM über die Erteilung oder Verweigerung seiner Zustimmung ergeht rechtspre- chungsgemäss ohne Bindung an die Beurteilung durch den Kanton (vgl. Urteile des BVGer F-5416/2016 vom 7. Juli 2020 E. 4.3; F-6099/2016 vom 5. Oktober 2019 E. 4). 6. 6.1 Der Beschwerdeführer hält sich seit Einreichung des ersten Asylge- suchs mehr als fünf Jahre in der Schweiz auf. Die in Art. 14 Abs. 2 Bst. a F-6037/2022 Seite 9 AsylG genannte Anforderung ist damit erfüllt. Zu prüfen ist, ob sein Aufent- haltsort den Behörden immer bekannt war (Art. 14 Abs. 2 Bst. b AsylG). 6.2 Die Vorinstanz führte dabei zur Begründung ihres ablehnenden Ent- scheides aus, der Beschwerdeführer habe bereit s vor dem negativ abge- schlossenen Asylverfahren drei Mal amtlich als verschwunden gegolten; so sei er den Meldungen der (Nennung Behörden und jeweilige Zeitdauer des Untertauchens) duntergetaucht gewesen. Gemäss Gesetz und ständiger Rechtsprechung komme eine um Asyl nachsuchende Person nur dann in den Genuss einer Aufenthaltsbewilligung, wenn ihr Aufenthaltsort den Be- hörden immer bekannt gewesen sei, was beim Beschwerdeführer nicht zu- treffe. Es bestehe für das SEM kein Ermessensspielraum, um vom genann- ten Erfordernis abzuweichen. Das gesetzliche Erfordernis der durchgehen- den Bekanntheit des Aufenthaltsorts sei folglich nicht erfüllt, womit eine un- abdingbare Voraussetzung für eine Härtefallregelung fehle. Bei dieser Aus- gangslage erübrige sich eine Beurteilung der beiden anderen Bedingungen von Art. 14 Abs. 2 AsylG. 6.3 Der Beschwerdeführer wendet in seiner Rechtsmitteleingabe dagegen ein, er erfülle neben den vom SEM anerkannten Voraussetzungen auch das in Art. 14 Abs. 2 Bst. b AsylG statuierte Erfordernis. Hinsic htlich des vermeintlich nicht gegebenen Kriteriums des fünfjährigen, den Behörden jederzeit bekannten Aufenthaltsorts in der Schweiz sei darauf hinzuweisen, dass die letzte Meldung des Untertauchens auf den (...) datiert sei, die an- deren beiden Meldungen w ürden sogar aus dem Jahre (...) stammen. Diese Vorkommnisse hätten bei der Einreichung des Gesuches am 13. Au- gust 2021 mehr als fünf Jahre zurückgelegen, so dass die Voraussetzung von Art.14 Abs. 2 Bst. b AsylG unbestrittenermassen erfüllt sei. Er halte sich seit dem (...) nämlich bereits (Nennung Dauer) ununterbrochen in der Schweiz auf, wobei sein Aufenthaltsort den Behörden stets bekannt gewe- sen sei. Ergänzend sei festzuhalten, dass auch im Zeitpunkt der Einrei- chung des Härtefallgesuchs am 13. August 202 1 das Kriterium des fünf- jährigen ununterbrochenen Aufenthalts in der Schweiz erfüllt gewesen sei. Obwohl das SEM selbst die Bestimmung von Art. 14 Abs. 2 Bst. b AsylG als eine zwingende Voraussetzung für die Erteilung der Aufenthaltsbewilli- gung erachte, habe der zuständige Sachbearbeiter offensichtlich keine kor- rekte Rechnung vornehmen können, wenn er in der angefochtenen Verfü- gung zum Schluss komm e, dass die genannte Voraussetzung des mehr als fünfjährigen bekannten Aufenthaltes in der Schweiz beim Beschwerde- führer nicht gegeben sei. Es sei daher die Zustimmung zum Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. F-6037/2022 Seite 10 6.4 Eine um Asyl nachsuchende Person kann nur dann in den Genuss ei- ner Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG kommen, wenn ihr Aufenthaltsort den Behörden immer bekannt war. Wer während des Asyl- verfahrens oder nach rechtskräftiger Abweisung des Asylgesuches unter- taucht, soll demnach ke ine Aufenthaltsbewilligung erhalten (vgl. etwa Ur- teile des BVGer C-7007/2014 E. 4.3; C-530/2010 vom 12. Januar 2011 E. 4.3, jeweils m.w.H.; DANIELLE BREITENBÜCHER/GIAN EGE, Sans-Papiers, in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser /Luzia Vetterli [Hrsg.], Ausländerrecht, 3. Auflage 2022, Rz. 18.222). Aus den Ak- ten ergibt sich nachweislich, dass der Beschwerdeführer drei Mal als un- tergetaucht galt, so in den Zeiträumen vom (...) bis (...), (...) bis (...) und (...) bis (...). Damit war sein Aufenthaltsort den Behörden, konkret B._______, nicht immer bekannt (Art. 14 Abs. 2 Bst. b AsylG) . Wie die Vorinstanz zu Recht erkannte, ist somit das gesetzliche Erfordernis der durchgehenden Bekanntheit des Aufenthaltsorts als nicht erfüllt zu erachten. An dieser Er- kenntnis vermag auch die Argumentation in der Beschwerdeschrift nichts zu ändern. So lassen die Meldungen der (Nennung Behörden) in Erman- gelung irgendwelcher Vermerke nicht den Schluss zu, der Beschwerdefüh- rer habe sich im fraglichen Zeitraum – wie von ihm behauptet – vor den zwei Mal in der Woche durchgeführten Anwesenheitskontrollen jeweils ab- gemeldet. Ein entsprechender Vermerk wäre angesichts seiner einwöchi- gen und einer knapp drei Wochen dauernden Abwesenheit ohne Weiteres zu erwarten gewesen . Der Beschwerdeführer anerkennt denn auch die Möglichkeit, dass er eine solche Abmeldung gelegentlich vergessen haben könnte (vgl. SEM act. 13/253). Weiter ist der Einwand, gemäss welchem die letzte Meldung des Untertauchens vom (...) datiere, weshalb alle Vor- kommnisse bei der Einreichung des Gesuches am 13. August 2021 mehr als fünf Jahre zurückgelegen hätten und das Kriterium des fünfjährigen, den Behörden jederzeit bekannten Aufenthalts erfüllt sei, als nicht stichhal- tig zu qualifizieren. Der Beschwerdeführer verkennt mit dieser Argumenta- tion, dass gemäss gesetzlicher Vorgabe die Fünfjahresfrist mit der Einrei- chung des Asylgesuchs zu laufen beginnt und sein Aufenthaltsort den Be- hörden nicht nur während mindestens fünf Jahren ohne Unterbruch, s on- dern immer und daher während der gesamten Aufenthaltsdauer in der Schweiz bekannt sein muss (vgl. Art. 14 Abs. 2 Bst. a und b AsylG). Dies ist jedoch vorliegend nicht der Fall. Weitere materielle Entgegnungen bringt er beschwerdeweise nicht vor. Er muss sich demzufolge entgegenhalten lassen, eine der zwingenden Voraussetzungen von Art. 14 Abs. 2 AsylG nicht zu erfüllen. F-6037/2022 Seite 11 7. Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer das Krite- rium von Art. 14 Abs. 2 Bst. b AsylG nicht erfüllt. Die Vorinstanz hat die Zustimmung zu einer Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG daher zu Recht verweigert. 8. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung rechtmässig ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1000.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 16. Februar 2023 in der gleichen Höhe geleistete Kos- tenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) F-6037/2022 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1000.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der in gleicher Höhe bezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und die Vorinstanz. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Stefan Weber Versand: