B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-6057/2011 U r t e i l v o m 15 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Richter Ronald Flury (Vorsitz), Richter Michael Peterli, Richterin Vera Marantelli, Gerichtsschreiberin Marion Sutter. Parteien S._______, vertreten durch A._______, und dieser vertreten durch lic. iur. Christian Boras, In der Gandstrasse 5, 8126 Zumikon, Beschwerdeführerin, gegen IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, Ave- nue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2, Vorinstanz. Gegenstand Invalidenrente (Rentenanspruch). B-6057/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der im Jahr 1949 geborene, kroatische Staatsangehörige J._______ ar- beitete in den Jahren 197 1 bis 1975 sowie 1989 bis 1996 in der Schweiz in den Kantonen Basel, St. Gallen und Appenzell A usserrhoden und ent- richtete hierbei Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen - und Invalidenversicherung (IV-Akt. 5). Mit dem vom 22. Juli 2010 datie- renden und am 24. Dezember 2010 bei der IV -Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (im Folgenden: Vorinstanz) eingegangenen Gesuch me l- dete er sich zum Bezug von Leistungen der schweizerischen Invalide n- versicherung an (IV-Akt. 1). Er verstarb am 23. April 2011 (IV-Akt. 12). B. In der Folge setzte die Ehefrau des Verstorbenen, S._______, das Invali- denrentenverfahren als Alleinerbin fort und reichte zur Belegung des G e- sundheitsschadens zahlreiche Berichte kroatischer Ärzte ein, deren Übersetzung die Vorinstanz einholte. Mit Vorbescheid vom 29. Juli 2011 wies die Vorinstanz das Leistungsbegehren ab (IV-Akt. 54). Sie begrü n- dete dies damit, dass zwar seit dem 3. Oktober 2008 der Gesundheits- schaden von J._______ selig eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % verursacht habe. Ein Rentenanspruch entstehe aber früh estens nach Ablauf von sechs Monaten, womit vorliegend die Rente erst ab dem 1. Juni 2011 hät- te ausgerichtet werden können. J ._______ selig sei damit vor Entstehen des Rentenanspruchs verstorben. Diesen Vorbescheid bestätigte sie mit der Verfügung vom 28. September 2011. C. Gegen diese Verfügung erhob S ._______ (im Folgenden: Beschwerd e- führerin), vertreten durch ihren Sohn A._______, am 3. November 2011 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht . Sie beantragt, es sei das Verfahren für eine angemessene Zeit zu sistieren, damit sie die Angel e- genheit prüfen und die entsprechenden Anträge und Begründungen nach- reichen könne. Da sie die Akten bei der Vorinstanz eingefordert, aber noch nicht erhalten habe, erfolge die Beschwerdeerhebung vorsorglich sowie fristwahrend. D. Mit Schreiben vom 10. November 2011 forderte das Bundesverwaltung s- gericht die Vorinstanz auf, die Vorakten einzureichen, sofern sie dem A k- teneinsichtsgesuch der Beschwerdeführerin noch nicht nachgekommen sei. Mit Schreiben vom 23. November 2011 teilte die Vorinstanz dem B-6057/2011 Seite 3 Bundesverwaltungsgericht mit, sie habe der Beschwerdeführerin die Vo r- akten bereits am 18. November 2011 zugestellt. Entsprechend fo rderte das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 29. November 2011 unter Androhung des Nichteintretens auf, eine verbesserte Beschwerde nachzureichen. E. Mit Eingabe vom 10. Dezember 2011 reichte die Beschwerdeführerin, nunmehr vertreten durch lic. iur. Christian Boras, innert der angesetzten Frist eine Beschwerdeergänzung ein. Sie beantragt sinngemäss, es sei ihr für die Zeit vom 1. Januar 2007 bis zum 23. April 2011 die in der Pe r- son des verstorbenen Ehemannes, A._______ (recte: J ._______ selig), entstandene ganze Invalidenrente auszubezahlen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren medizinischen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung macht sie im Wesentlichen geltend, J._______ selig habe bereits im Jahr 2006 an der weit fortg e- schrittenen Leberzirrhose gelitten, so dass ab dem Jahr 2006 eine Ar- beitsunfähigkeit von 70 % anzunehmen sei. Da der Versicherungsfall im Jahr 2006 eingetreten sei, sei das Recht anwendbar, das im Jahr 2006 Gültigkeit hatte. Die in Art. 29 IVG, in Kraft seit dem 1. Januar 2008, neu vorgesehene Wartefrist von einem halben Jahr fände damit auf den vo r- liegenden Sachverhalt noch keine Anwendung. Mit Blick auf die 5 -jährige Verjährungsfrist werde lediglich ein Rentenanspruch ab Januar 2007 ei n- gefordert. In einem Exkurs weist die Beschwerdeführerin ausserdem da r- auf hin, dass der kroatische Versiche rungsträger entgegen sei ner zw i- schenstaatlichen Pflicht den Eingang der IV -Anmeldung nicht festgeha l- ten habe. Da hier aus der Beschwerdeführerin kein Nachteil erwachsen dürfe, sei davon auszugehen, dass die Anmeldung am 22. Juli 2010 e r- folgt und somit auch unter neuem Recht der Anspruch noch vor dem Tod von J._______ selig entstanden sei. F. In ihrer Vernehmlassung vom 19. Januar 2012 beantragt die Vorinstanz, es sei die Beschwerde teilweise g utzuheissen und ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente für die Zeit von Januar bis April 2011 f estzustellen. Sie legt dar, die IV -Anmeldung sei unbestrittenermassen erst nach dem 31. Dezember 2008 erfolgt . Übergangsrechtlich habe das alte Recht g e- golten, wenn der Versicherungsfall vor dem 1. Januar 2008 ein trat und die Anmeldung bis spätestens per 31. Dezember 2008 eingereicht wurde. Bezüglich aller Anmeldungen ab dem 1. Januar 2009 gelte aber Art. 29 IVG in der Fassung ab dem 1. Januar 2008, selbst wenn der Versich e-B-6057/2011 Seite 4 rungsfall vor dem 1. Januar 2008 eingetreten sei. Vorliegend gelange deshalb der seit dem 1. Januar 2008 gültige Art. 29 Abs. 1 IVG zur A n- wendung, mit der Folge, dass ein Rentenanspruch nicht vor Ablauf von sechs Monaten seit der Antragstellung entstehen konnte. In Bezug auf die Anmeldung sei der Beschwerdeführerin demgegenüber Recht zu geben, dass es der kroatische Versicherungsträger pflichtwidrig unterlassen h a- be, das Datum des Eingangs auf der Anmeldung fest zuhalten. Die Ve r- bindungsstelle habe die Anmeldung mit den Beilagen am 14. Dezember 2010 der Vorinstanz übermittelt. Da diese zuvor die eingereichten Unte r- lagen habe verifizieren, den Versicherungsverlauf erstellen un d die medi- zinische Begutachtung veranlassen müssen, sei davon auszugehen, dass sie die Anmeldung vom zuständigen Träger bereits einige Zeit vo r- her erhalten habe. Mangels genauerer Ang aben sei d eshalb davon aus- zugehen, dass die Anmeldung noch im Juli 2010 e rfolgt sei. In Anwen- dung von Art. 29 Abs. 1 IVG könne damit in der Zeit ab Januar 2011 ein Rentenanspruch bestanden haben. G. Mit Replik vom 30. Januar 2012 hält die Beschwerdeführerin an ihren A n- trägen fest. Sie hält ebenfalls daran fest, dass der Versiche rungsfall be- reits im Jahr 2006 und damit vor dem 1. Januar 2008 eingetreten sei und somit das alte Recht Anwendung finde. Da der Zeitpunkt des Eintritts des Gesundheitsschadens von herausragender Bedeutung sei, beantragt sie im Weiteren die Einholung eines externen Arztgutachtens, welches auf Grund der vollständigen medizinischen Unterlagen den Zeitpunkt der A r- beitsunfähigkeit bestimme. H. In ihrer Duplik vom 10. Februar 2012 entgegnet die Vorinstanz, es ergebe sich aus den medizinischen Akten eindeutig, da ss es erst ab dem Zei t- punkt der Hospitalisation vom 3. Oktober 2008 zu ernsthaften Komplikat i- onen gekommen sei. Für die Zeit davor hätten sich keine objektiven An- haltspunkte für das Bestehen einer relevanten Arbeitsunfähigkeit erge- ben. Ein zusätzliches Zeichen für das Fehlen einer relevanten Arbeitsu n- fähigkeit sei ausserdem der Umstand, dass J._______ selig erst im Feb- ruar 2009 einen Leistungsantrag beim kroatischen Versicherungsträger gestellt habe. I. Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die einger eichten Akten B-6057/2011 Seite 5 wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der nach - folgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer den gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Angefochten ist eine Verfügung der eidgenössischen IV-Stelle für Vers i- cherte im Ausland IVSTA (Vorinstanz). Die IVSTA ist eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG. Das Bundesverwaltungsge richt ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig. 1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz, soweit das Verwaltungsgerichtsg e- setz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Vorbehalten bleiben gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG die besonderen Bestim mungen des Bun des- gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial versicherungsrechts (ATSG, SR 830.1). 1.3 Als Adressatin der angefochtenen Verfügung ist die Beschwerdefü h- rerin davon berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf - hebung oder Än derung (Art. 59 ATSG). Auf die frist - und formgerecht er- hobene Beschwerde (vgl. Art. 60 ATSG, Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist, nac h- dem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde, einzutreten. 2. Zuerst sind die für die Beurteilung des Anspruchs massgebenden gesetz- lichen Grundlagen und die von der Rechtsprechung entwickelten Grun d- sätze darzulegen. 2.1 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erla sses der streitigen Verwaltungsverfügung (hier: 28. September B-6057/2011 Seite 6 2011) eingetretenen Sachverhalt ab ( BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsa- chen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b). Weiter sind in zeitlicher Hinsicht – vorbehältlich besonderer über- gangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (Urteil des Bu n- desgerichts [ BGer] 8C_419/2009 vom 3. November 2009 E. 3.1, BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Vorliegend streitig und damit rechtlich zu überprüfen ist die korrekte A n- wendung des Intertemporalrechts (siehe nach folgend E. 4. ). Bereits an dieser Stelle kann festgehalten werden, dass das erste Massnahmenpa- ket der 6. IV -Revision (IVG in der Fassung vo m 18. März 2011, in Kraft seit dem 1. Januar 2012 [AS 2011 5659]) vorliegend noch keine Anwe n- dung findet, da die angefochtene Verfügung vor d essen Inkrafttreten e r- ging. 2.2 J._______ selig war kroatischer Staatsangehöriger und damit Staats- angehöriger eines Mitgliedstaates der Europäischen Union, so dass vo r- liegend das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA; SR 0.142.112.681), insbesondere dessen Anhang II betreffend die Koordinierung der Systeme der sozialen Siche r- heit, anzuwenden ist (Art. 80 a IVG). Nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbständige s o- wie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemei nschaft zu- und abwandern, haben die in den persönlichen Anwendungsbereich der Ve r- ordnung fallenden, in einem Mitgliedstaat wohnenden Personen auf Grund der Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats grundsätzlich die gle i- chen Rechte und Pflichten wie die Sta atsangehörigen dieses Staates. Soweit das FZA beziehungsweise die auf dieser Grundlage anwendbaren gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte keine abweichenden Bestimmu n- gen vorsehen, richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens sowie die Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen einer schweizerischen Invaliden- rente grundsätzlich nach der innerstaatlichen Rechtsordnung (BGE 130 V 257 E. 2.4). Entsprechend bestimmt sich vorliegend der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung au s- schliesslich nach dem innerstaatlichen schweizerischen Recht, insbeso n-B-6057/2011 Seite 7 dere nach dem IVG sowie der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV, SR 831.210). 2.3 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invali- dität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kö r- perlichen, geistigen oder psychischen Gesund heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein gliederung verbleibende ganze ode r teil- weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunf ähigkeit sind aussch liesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs- unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht übe r- windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; der am 1. Januar 2008 in Kraft getretene Abs. 2 hat den Begriff de r Erwerbsunfähigkeit nicht modi fiziert, BGE 135 V 215 E. 7.3). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperli chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise U n- fähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem a n- deren Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). 2.4 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (in der seit 1. Januar 2008 gültigen Fassung) Versicherte, die ihre E r- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er- halten oder verbessern können (Bst. a), während eines Jahres ohne w e- sentlichen Unterbruch durch schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c). Nach der bis Ende Dezember 2007 in Kraft gestand enen Fassung des Art. 29 Abs. 1 IVG ent steht der Rentenanspruch frühes tens in dem Zei t- punkt, in dem die versicherte Person mindestens zu 40 % bleibend e r- werbsunfähig (Art. 7 ATSG) geworden ist (Bst. a) oder während eines Jahres ohne wesentlichen Un terbruch durchschnittlich mindes tens zu 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war (Bst. b). Der im Regelfall anwendbare Art. 29 Abs. 1 Bst. b IVG (vgl. BGE 119 V 98 E. 4a mit Hi n- weisen) setzt voraus, dass sowohl eine Arbeitsunfähigkeit als auch eine B-6057/2011 Seite 8 Erwerbsunfähigkeit in anspruchserheblichem Umfang vorliegen (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/cc). 2.5 Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mi n- destens 60 % auf eine Dreiv iertelsrente und bei mindestens 70 % auf ei- ne ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG [in der seit dem 1. Januar 2008 gülti- gen Fassung], Art. 28 Abs. 1 IVG [in der ab 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung]). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %, so werden die ent spre- chenden Renten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben (Art. 29 Abs. 4 IVG [in der seit dem 1. Januar 2008 gültigen Fassung], Art. 28 Abs. 1ter IVG [in der ab 1. Januar 2003 bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung]). 2.6 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Ve rfügung zu stellen h a- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und b e- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärzt lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeits leistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4, BGE 115 V 133 E. 2; AHI-Praxis 2002 S. 62 E. 4b/cc). Hinsichtlich des Beweiswertes e ines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unte r- suchungen beruht, auch d ie geklagten Beschwerden berück sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darl e- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der m e- dizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss folgerungen der E x- pertin oder des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, BGE 122 V 157 E. 1c). 3. Die Beschwerdeführerin sowie die Vorinsta nz sind sich darin einig, dass J._______ selig vor seinem Tod eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % au f- wies, welche grundsätzlich Anspruch auf eine volle Invalidenrente ge-B-6057/2011 Seite 9 währt (Art. 28 Abs. 2 IVG). Unbestritten ist ebenfalls d as Vorliegen der weiteren Anspruchsvoraussetzungen gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG. Die Vor- instanz stimmte schliesslich in ihrer Vernehmlassung vom 19. Januar 2012 der Beschwerdeführerin dahingehend zu, dass der kroatische Ve r- sicherungsträger vorschriftswidrig das Eingangsdatum der IV -Anmeldung von J._______ selig nicht festgehalten habe und es gerechtfertigt sei, da- von auszugehen, die Anmeldung sei beim zuständigen Träger noch im Juli 2010 erfolgt (Akt. 7). Streitig verbleibt demgegenüber einerseits der Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität bei J._______ selig sowie andererseits der Beginn des Re n- tenanspruchs. In Bezug auf den Invaliditätsbeginn hält die Beschwerd e- führerin dafür, der Gesundheitsschaden sei bereits im Jahr 2006 eingetre- ten. Die Vorinstanz stellt sich hingegen auf den Standpunkt, vor Herbst 2008 habe noch keine relevante Arbeitsunfähigkeit bestanden. Interte m- poral hält die Beschwerdeführerin Art. 29 aIVG, in Kraft seit dem 1. Jan u- ar 1988, und die Vorinstanz Art. 29 IVG, in Kraft seit dem 1. Januar 2008 , für anwendbar. Zu prüfen ist damit im Nachfolgenden vorerst, ob vorli e- gend Art. 29 IVG vor oder nach der 5. IV -Revision zur Anwendung g e- langt. 4. Am 1. Januar 2008 sind im Rahmen der 5. IV-Revision Änderungen des IVG und anderer Erlasse wie des ATSG in Kraft getreten. Neu normiert wurde insbesondere der Zeitpunkt des Rentenbeginns, der – sofern die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind – gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG (in der Fassung der 5. IV-Revision) frühestens sechs Monate nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs entsteht. Gemäss den intertemporalrechtlichen Grundsätzen ist der Leistungsa n- spruch für die Zeit bis zum 31. Dezember 2007 grundsätzlich auf Grund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt n ach den neuen Normen zu pr ü- fen. Trat der Versicherungsfall allerdings vor dem 1. Januar 2008 ein und wurde die Anmeldung bis spätestens am 31. Dezember 2008 eingereicht, so gilt das alte Recht (vgl. Urteil BGer 8C_419/2009 vom 3. November 2009 E. 3.2 f., U rteil BGer 8C_312/2009 vom 1. Dezember 2009 E. 5; Rundschreiben Nr. 253 des Bundesamtes für Sozialversicherungen [im Folgenden: BSV] vom 12. Dezember 2007 [5. IV-Revision und Interte m- poralrecht]). 4.1 Dem obgenannten Rundschreiben des BSV ist zu entnehmen, es sei das Ziel der neuen Regelung, dass sich die versicherten Personen mö g-B-6057/2011 Seite 10 lichst rasch bei der IV -Stelle anmelden, um die Erfolgschancen der Ein- gliederung zu maximieren. Diese Änderung gegenüber der früheren Pr a- xis brauche jedoch eine gewisse Übergangszeit, weshalb die Regelung, wonach die Rente erst 6 Monate nach der Anmeldung ausb ezahlt wird, für alle Fälle nicht anwendbar sei, in denen das Wartejahr vor dem 1. J a- nuar 2008 zu laufen begann und im Jahr 2008 erfüllt wurde. In diesen Fällen reiche es aus, wenn die Anmeldung spätestens am 31. Dezember 2008 eingereicht w erde, dass die Rente abweichend von Art. 29 Abs. 1 IVG (in Kraft ab dem 1. Januar 2008) bezahlt werden könne. 4.2 E contrario steht damit fest, dass bei einer Anmeldung nach dem 31. Dezember 2008 ungeachtet des Zeitpunkts des Eintritts der Invalidität Art. 29 IVG (in Kraft ab dem 1. Januar 2008) zur Anwendung gelangt. 4.3 Vorliegend gehen beide Parteien da von aus , dass die Anmeldung zum Leistungsbezug durch J._______ selig bereits im Juli 2010 erfolgt ist. Damit hat sich J._______ selig erst nach Ablauf der intertemporalen Übergangsfrist vom 31. Dezember 2008 bei der Vorinstanz angemeldet. Massgebend und anzuwenden ist folglich das Recht im Zeitpunkt der Anmeldung, insbesondere Art. 29 Abs. 1 IVG nach der 5. IV -Revision. Folgerichtig hat damit die Vorinstanz für die Festsetzung des Leistung s- beginns eine Wartefrist von einem halben Jahr im Sinne von Art. 29 Abs. 1 IVG berücksichtigt. 5. Damit erübrigt es sich vorliegend, den Zeitpunkt des Eintritts der Arb eits- unfähigkeit bei J._______ selig abschliessend zu prüfen. Auf Grund der Akten steht zumindest fest, dass der Gesundheitsschaden im Zeitpunkt der Anmeldung berei ts seit über einem Jahr bestand, womit die Lei s- tungsvoraussetzung im Sinne von Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG (in Kraft ab dem 1. Januar 2008) erfüllt ist. Unter diesen Umständen ist von der Ei n- holung weiterer fachmedizinischer Abklärungen abzusehen. Auf die bean- tragte Beweismassnahme ist zu verzichten. 6. Nachdem von einer Anmeldung per Anfang Juli 201 0 auszugehen ist, konnte gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG ein Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten und damit ab Januar 2011 entstehen. Gemäss Art. 30 IVG endet der Leistungsanspruch mit dem Tod des Versi- cherten. B-6057/2011 Seite 11 Damit entstand in der Person von J._______ selig für die Zeit von Januar bis April 2011 der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente . Diese Rente steht nach dem Vorversterben von J._______ selig der Beschwerdeführe- rin als Alleinerbin zu. Die Beschwerde ist damit teilweise gutzuheissen und es sind die Akten zur Berechnung und Festsetzung der Rente an die Vorinstanz zurückzusenden. Soweit weitergehend (Rentenzuspr ache be- reits ab dem 1. Januar 2007) ist die Beschwerde abzuweisen. 7. 7.1 Die Beschwerdeführerin hat die Ausrichtung einer Invalidenrente für die Zeit vom 1. Januar 2007 bis zum 23. April 2011 beantragt. Mit dem vorliegenden Urteil wird ihr eine Invalidenrente für die Dauer vom 1. J a- nuar bis 30. April 2011 zugesprochen. Damit gilt die Bes chwerdeführerin als mehrheitlich unterliegende Partei und hat unter diesen Umständen die anteilsmässig ermässigten Verfahrenskosten zu tragen, die sich aus der Gerichtsgebühr und den Auslagen zusammensetzen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sie werden unter Berü cksichtigung des Umfanges und der Schwierigkeit der Streitsache sowie des teilweisen Obsiegens der B e- schwerdeführerin auf Fr. 350.-- festgesetzt (Art. 63 Abs. 4 bis i.V.m. Abs. 1 VwVG sowie Art. 1, 2 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 400. -- verrechnet. Der zuviel bezahlte Kostenvor- schuss von Fr. 50.-- wird de r Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. Der Vorinstanz wer- den keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG). 7.2 Die mehrheitlich unterliegende, juristisch vertretene Beschwerdefüh- rerin hat gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 ff. VGKE Anspruch auf eine reduzierte Parteientschädigung zu Lasten der Verwa l- tung. Ihr Vertreter hat mit der Beschwerdeschrift vom 10. Dezember 2011 eine Prozessentschädigung von Fr. 2'500. --, zusamm ensetzend aus 10 Std. à Fr. 250. -- (für Aktenstudium, Besprechungen mit der Beschwerd e- führerin, Erstellung der Rechtsschrift etc.), geltend gemacht. Da er dem Bundesverwaltungsgericht keine detaillierte Honorarnote eingereicht hat (vgl. Art. 14 Abs. 1 VGKE ), ist die reduzierte Parteientschädigung nach Ermessen und unter Berücksichtigung des gebotenen und aktenkundigen Aufwands auf Fr. 300.-- (inklusive Auslagen) festzusetzen (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE). Nicht zu entschädigen ist die Mehrwertsteuer (Art. 1 Ab s. B-6057/2011 Seite 12 2 i.V.m. Art. 8 Abs. 1 und Art. 18 Abs. 1 des Mehrwertsteuergesetzes vom 12. Juni 2009; MWSTG SR 641.20). Die mehrheitlich obsiegende Vorinstanz hat nach Art. 7 Abs. 3 VGKE kei- nen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und die Verfügung vom 28. September 2011 aufgehoben. Es ist der Beschwerdeführerin von Januar bis April 2011 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Soweit weiterge- hend wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Akten gehen zur Berechnung und Festsetzung der Rente an die Vo r- instanz. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 350.-- werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt und mit de m geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. Der zuviel bezahlte Betrag von Fr. 50. -- wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils auf ein von ihr zu bezeichnendes Konto zurückerstattet. 4. Die Vorinstanz hat de r Beschwerdeführerin eine reduzierte Parteient- schädigung von Fr. 300.-- zu bezahlen. B-6057/2011 Seite 13 5. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde; Beilage: Rückerstattungsformular) – die Vorinstanz (Ref-Nr. _______; Gerichtsurkunde) – Bundesamt für Sozialversicherungen BSV (Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Ronald Flury Marion Sutter Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich - rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 24. August 2012