Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 9. September 2020 (810 20 121) ____________________________________________________________________ Strassen und Verkehr Sicherungsentzug des Führerausweises / Missachtung der Abstinenzauflage Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer, Daniel Häring, Kantonsrichterin, Helena Hess, Gerichtsschreiber i.V. Kevin Herren Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Alain Joset , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Sicherungsentzug des Führerausweises (RRB Nr. 479 vom 7. April 2020) A. Mit Verfügung vom 15. Januar 2019 entzog die Polize i Basel-Landschaft, Abteilung Administrativmassnahmen (Polizei), A.____ vorsorglich de n Führerausweis auf unbestimmte Zeit. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, A.____ habe gemäss dem Verlaufskon- trollbericht des Instituts für Rechtsmedizin der Universitä t B.____ (IRM B.____) vom 9. Januar Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2019 die mit Verfügung vom 27. Februar 2018 angeord neten medizinischen Auflagen (Alkohol- und Drogenabstinenz) nicht eingehalten. B. Dagegen erhob A.____, nachfolgend vertreten durch Alain Joset, Advokat, am 25. Januar 2019 Beschwerde beim Regierungsrat des Kanto ns Basel-Landschaft (Regierungs- rat). Er beantragte, es sei die Nichtigkeit der Verfügung der Polizei vom 15. Januar 2019 festzu- stellen, eventualiter sei die Verfügung als bundesrechtswidrig zu erklären und aufzuheben. Wei- ter sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erte ilen und die Polizei sei anzuweisen, dem Beschwerdeführer seinen Führerausweis für die Dauer des vorliegenden Rechtsmittelver- fahrens wieder auszuhändigen. C. Mit Verfügung vom 24. April 2019 sistierte der instr uierende Rechtsdienst des Regie- rungsrats und Landrats (Rechtsdienst) das Verfahren auf Antrag von A.____. D. Mit Eingabe vom 24. Juli 2019 beantragte A.____, d ie Sistierung des Verfahrens sei aufzuheben und das Verfahren sei wiederaufzunehmen. A .____ hielt an seinem Antrag betref- fend Herstellung der aufschiebenden Wirkung für die Dauer des Beschwerdeverfahrens fest. Er machte im Wesentlichen geltend, dass das Institut für Rech tsmedizin C.____ (IRM C.____) mit Gutachten vom 3. Juni 2019 aufgrund der Analyse der B- Probe seiner Haare zum Schluss ge- kommen sei, dass das Kokain überwiegend durch Kontaminat ion von aussen in seine Haare gekommen sein dürfte. Eine solche Kontamination der Haare könne beispielsweise durch kon- taminierte Hände resp. durch Kontakt mit kokainhaltigem Staub zustande kommen. E. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 25. Juli 2019 hob der Rechtsdienst die Sistie- rung des Verfahrens auf. F. Am 24. Juli 2019 verfügte die Polizei den Sicherung sentzug des Führerausweises von A.____ für unbestimmte Zeit. G. Mit Eingabe vom 5. August 2019 erhob A.____ gegen die Verfügung vom 24. Juli 2019 Beschwerde beim Regierungsrat. Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben. Eventualiter sei die Verfügung vollumfän glich aufzuheben und die Sache zur Neu- beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfah rensrechtlicher Hinsicht wurde bean- tragt, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen bzw. der (vorsorgliche) Entzug der aufschiebenden Wirkung durch die Polizei rückgä ngig zu machen und die aufschie- bende Wirkung für die Dauer des vorliegenden Beschwerdeverfahrens wiederherzustellen. H. Mit Verfügung vom 19. August 2019 gewährte der Re chtsdienst – in Berücksichtigung des Gutachtens des IRM C.____ vom 3. Juni 2019 – der Be schwerde die aufschiebende Wir- kung. In der Folge wurde A.____ für den weiteren Ver lauf des Verfahrens der Führerausweis wieder ausgehändigt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 479 vom 7. April 2020 wies der Regierungsrat die Beschwerde vom 5. August 2019 ab und wies A.____ an, seinen Führerausweis unmittelbar nach Zustellung des Entscheids der Polizei mit eingeschriebenem Brief zuzustellen. J. Gegen den RRB Nr. 479 vom 7. April 2020 erhob A._ ___ mit Eingabe vom 20. April 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassu ngs- und Verwaltungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, es sei der angefochtene RRB aufzuheben, dies unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt der Beschwerdeführer die Erteilung bzw. Belassung der aufschiebenden Wirkung. Mit Eingabe vo m 20. Mai 2020 reichte er die Be- schwerdebegründung ein. Im Wesentlichen begründet der Beschwerdeführer seine Anträge damit, dass das Gutachten des IRM C.____ von der Vorinsta nz falsch interpretiert worden sei. Die Formulierung "überwiegend" lasse nicht auf einen gleichzeitigen Konsum schliessen, son- dern darauf, dass eine überwiegende Wahrscheinlichkeit fü r eine Kontamination bestehen wür- de. Zudem sei der Entzug des Führerausweises im Rahmen der Verhältnismässigkeit nicht als erforderlich anzusehen. Schliesslich würde das Ausmass des E ingriffs in die Rechte des Be- schwerdeführers in keinem Verhältnis zu den geltend g emachten Sicherheitsinteressen der Öf- fentlichkeit stehen. K. Mit Präsidialverfügung vom 29. Mai 2020 wurde der V erfahrensantrag des Beschwer- deführers auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung abg ewiesen. Dagegen erhob der Be- schwerdeführer mit Eingabe vom 8. Juni 2020 Einsprache , welche mit Beschluss vom 29. Juli 2020 abgewiesen wurde. L. Mit Vernehmlassung vom 16. Juni 2020 beantragte der Regierungsrat die Abweisung der Beschwerde. M. Mit Präsidialverfügung vom 23. Juni 2020 wurde der Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgeset zlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Zur Beschwerde befugt ist, wer durch d ie angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Änderung oder Aufhebung hat (§ 47 Abs. 1 lit. a VPO). Der Beschwer deführer ist in schutzwürdigen Interessen berührt und somit zur vorliegenden Beschwerde legiti miert. Da auch die übrigen formellen Vo- raussetzungen gemäss §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Regierungsrat ein allfälliges Ermessen rech tsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unri chtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist dem Ka ntonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Entzug des Führerausweises des Beschwerdeführers wegen Nichteinhalten s der angeordneten Auflagen rechtmässig war. 4.1 Führerausweise werden entzogen, wenn die gesetzlich en Voraussetzungen zur Ertei- lung nicht oder nicht mehr bestehen (sog. Sicherungsent zug). Sie können entzogen werden, wenn die mit der Erteilung im Einzelfall verbundenen Beschränkungen oder Auflagen missach- tet werden (Art. 16 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes [ SVG] vom 19. Dezember 1958). Ein Sicherungsentzug kommt auch dann infrage, wenn gegen Auflagen verstossen wird, von denen die Wiedererteilung des Führerausweises abhängig gema cht wurde (Art. 17 Abs. 5 SVG). Be- trifft die Auflage eine Suchtkrankheit und verlangt sie vom Fahrzeuglenker eine ärztlich kontrol- lierte Totalabstinenz während einer bestimmten Zeitda uer, so kann grundsätzlich schon ein einmaliger Konsum der betreffenden Substanz einen Sich erungsentzug rechtfertigen. Der strik- te Nachweis einer zu diesem Zeitpunkt bestehenden Sucht , welche in Anwendung von Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG fehlende Fahreignung zur Folge hät te, ist nicht erforderlich (Urteil des Bun- desgerichts 1C_26/2011 vom 25. Juli 2011 E. 4.2; Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kan- tons Zürich [VB.2011.00561] vom 13. Dezember 2011 E. 3.1). Die Nichteinhaltung einer mit der Wiedererteilung des Ausweises verknüpften Auflage rechtf ertigt den erneuten Entzug des Aus- weises, ohne dass zuvor noch einmal verkehrsmedizinische Abkl ärungen hinsichtlich der Fahr- eignung notwendig wären (Urteil des Bundesgerichts 1C_ 147/2018 vom 5. Oktober 2018 E. 6.1). 4.2 Im vorliegenden Fall ordnete die Polizei mit Ver fügung vom 27. Februar 2018 die Auf- hebung des Sicherungsentzuges und die Wiederzulassung mit Auflagen an. Der Beschwerde- führer habe die Alkohol- und Drogenabstinenz fortzufüh ren sowie Beratungsgespräche zu ab- solvieren. Zudem habe er sich im Juli 2018 einer Verla ufskontrolle inkl. Haarprobe beim IRM B.____ zu unterziehen. Mit Verfügung vom 14. August 201 8 wurde der Beschwerdeführer zu einer zweiten Verlaufskontrolle inkl. Haarprobe im Deze mber 2018 aufgeboten. Der Beschwer- deführer wurde in beiden Verfügungen ausdrücklich darau f hingewiesen, dass das Nichteinhal- ten der Auflagen aus Gründen der Verkehrssicherheit einen unbefristeten Sicherungsentzug zur Folge habe. 4.3 Bei der im Dezember 2018 durch das IRM B.____ durch geführten Haaranalyse wurde der Beschwerdeführer positiv auf Kokain getestet, wobei das Kokain in einer Konzentration von 950 Pikogramm pro Milligramm (pg/mg) sowie das Abbau produkt Benzoylecgonin in einer Kon- zentration von 50 pg/mg gemessen wurde (forensisch-toxiko logisches Gutachten vom Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 21. Dezember 2018). In der Folge wurde der Beschwerdeführer mit Bericht vom 9. Januar 2019 durch das IRM B.____ als fahrunfähig eingestuft. Gestützt darauf wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 15. Januar 2019 der Führerausweis zu nächst vorsorglich entzogen. Der Beschwerdeführer beantragte sodann bei der Polizei mi t Schreiben vom 2. Mai 2019 ein Zweit- gutachten durch das IRM C.____, welches die Möglichkeit e iner äusseren Kontamination der Haare prüfen sollte. Das IRM C.____ stellte in seinem Gutachten vom 3. Juni 2019 ebenfalls Spuren von Kokain (850 pg/mg) sowie weitere Abbauprodu kte fest. Zu seinen Ergebnissen stellte das IRM C.____ fest, dass aufgrund des Metaboliten-Verhältnisses das Kokain "überwie- gend durch Kontamination von aussen in die Haare gekommen sein dürfte". 4.4 Die Vorinstanz führt im angefochtenen Entscheid a us, dass die Interpretation der Messergebnisse der Gutachten vorliegend umstritten sei und die Messergebnisse nicht ohne Weiteres zu einem klaren Schluss führen würden, weshalb die Gutachten auch mit Blick auf die Ergebnisse früherer Abstinenzperioden des Beschwerdeführ ers zu würdigen seien. Dem Be- schwerdeführer sei es mit früheren Haaranalysen (forensi sch-toxikologische Gutachten vom 14. Dezember 2017 und 9. August 2018) gelungen, die Kokainabstinenz nachzuweisen. Weiter hält die Vorinstanz fest, dass der Beschwerdeführer sein Ausgeh- und Sozialverhalten im Zeit- raum um den Jahreswechsel 2017/2018 sowie in der Stell ungnahme vom 20. Februar 2019 jeweils gleich beschrieben habe, weshalb es offenbar kein e Verhaltensänderung seitens des Beschwerdeführers gegeben habe. Trotz desselben Ausgeh- und Sozialverhaltens hätten frühe- re Haaranalysen zu einem negativen Befund für Kokain u nd die Abbauprodukte von Kokain geführt, während die Probe vom 3. Dezember 2018 zu ei nem positiven Befund für diese Stoffe geführt habe. Deshalb erscheine es unwahrscheinlich, dass die vom Beschwerdeführer ange- gebenen externen Kontaminationsquellen zum positiven Befund für Kokain und einige Metaboli- ten geführt hätten. Weiter führt die Vorinstanz aus, d ass weder das Gutachten des IRM B.____ noch das des IRM C.____ die vom Beschwerdeführer genann ten Kontaminationsquellen als Kontaminationsmöglichkeiten bezeichnen würden. Schliessl ich sei festzustellen, dass die ge- messenen Kokain-Konzentrationen sowohl im Gutachten des IRM B.____ als auch im Gutach- ten des IRM C.____ deutlich höher lägen, als in den fr üheren Abstinenzperioden des Be- schwerdeführers, bei denen kein Kokain nachgewiesen wo rden sei. Eine von aussen herrüh- rende Kontamination durch die vom Beschwerdeführer gena nnten Quellen (Kontakte bei der Arbeit etwa Umkleidegarderobe, Toilette oder Händeschü tteln) erscheine als unwahrscheinlich. Der Begriff "überwiegend", so wie es das IRM C.____ in seinem Gutachten verwende, bedeute, dass die in den Haaren des Beschwerdeführers gemessene K onzentration gemäss Gutachten nicht "ausschliesslich" durch eine Kontamination von aussen z ustande gekommen sei. Es kön- ne beim Gutachten des IRM C.____ zwar nicht von einem K onsum ausgegangen werden, er könne aber aufgrund des Gutachtens auch nicht sicher ausgeschlossen werden. Die Vorinstanz kam deshalb zum Schluss, dass aufgrund der vorliegenden Werte beider Gutachten dem Be- schwerdeführer der Nachweis der Drogenabstinenz nicht gelungen sei, weshalb ihm der Führe- rausweis zu Recht entzogen worden sei. 4.5 Der Beschwerdeführer macht dagegen geltend, dass d ie Erkenntnis, welche die Vor- instanz aus der Auswertung sowie dem Vergleich des Gutachte ns des IRM C.____ ziehe, auf einem Umkehrschluss beruhe, welcher wiederrum auf einer falschen Interpretation des gut- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht achterlichen Befundes des IRM C.____s basiere. Die Vorinst anz berücksichtige bei ihrer Inter- pretation die technischen Gegebenheiten der Haaranal yse unzureichend und weiche zu Un- recht vom klaren Befund des IRM C.____ ab, welcher gera de nicht auf einen Konsum, sondern auf eine Kontamination schliessen lasse. Sofern Kokain in den Haaren gefunden werde, sei der entsprechende Test grundsätzlich positiv. Anhand des Ver hältnisses zwischen Kokain- Abbauprodukten (Metaboliten) und Mutterstoff (Kokain ) lasse sich bestimmen, auf welchem Weg das Kokain in die Haare gelangt sei. Gewisse Kokain -Metaboliten seien bereits im han- delsüblichen Strassenkokain enthalten, womit deren Nachw eis nicht zwingend eine Verstoff- wechselung im Körper, sondern einzig deren Vorhandense in in den Haaren belege. Insbeson- dere treffe dies auf die Kokain-Metaboliten Benzoylec gonin, Norcocain sowie Cocaethylen zu. Die im Rahmen der Haaranalyse festgestellten Kokain-Me taboliten Benzoylecgonin sowie Nor- cocain würden folglich keinen Konsum belegen, sondern l iessen sich auch mit einer möglichen Kontamination von aussen erklären. Es sei also das Meta boliten-Verhältnis ausschlaggebend, welches erkennen lasse, auf welchem Weg die Substanz in die Haare gelangt sei. Bei genaue- rer Betrachtung der bei der Haaranalyse festgestellten Werte würde sich anhand des Metaboli- ten-Verhältnisses keineswegs das Bild eines Konsumenten z eigen. So stehe das im Gutachten des IRM B.____ festgestellte Benzoylecgonin in einem Ver hältnis von 1:19 zu Kokain. Die im Gutachten des IRM C.____ festgestellten Metaboliten stän den in einem Verhältnis von 1:15,5 (Benzoylecgonin) sowie 1:85 (Norcocain) zur Muttersubst anz. Ein Vergleich dieser Werte mit den Auswertungsmethoden gemäss aktueller Studien zeige klar, dass das positive Testresultat mit höchster Wahrscheinlichkeit auf einer Kontamination beruhe. Die geltend gemachte Absti- nenz des Beschwerdeführers lasse sich somit aufgrund des Befundes des Gutachtens des IRM C.____ nicht widerlegen. Medizinisch sei es nicht abschli essend beweisbar, auf welchem Weg das Kokain in die Haare gelangt sei, was der Grund für die Formulierung "überwiegend" sei. Die Bewertung des Befundes des Gutachtens durch die Vorinst anz, wonach die Formulierung "überwiegend" nicht auf einen gleichzeitigen Konsum sch liessen lasse, sondern auf eine über- wiegende Wahrscheinlichkeit einer Kontamination, sei som it falsch. Zu den Kontaminations- quellen führt der Beschwerdeführer aus, dass er am Arbe itsplatz mit Kokain-Konsumenten zu- sammengearbeitet habe und insbesondere durch die Nutzun g der selben Computer, Auflage- flächen und Sanitäranlagen eine Kontamination zustand e kommen könne, was auch durch die gerichtsmedizinischen Gutachten belegt werde. Hinsichtlich der Beweiskraft der Gutachten stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass sich aus dem Gutachten des IRM C.____ gerade kein Beweis für einen Konsum ableiten lasse. Dem Beschwerdeführer sei der Nachweis seiner Abstinenz somit gelungen. 5.1 Wie jedes Beweismittel unterliegen auch die vorlie genden Gutachterberichte der freien Beweiswürdigung durch das Kantonsgericht (§ 12 Abs. 1 VPO). Dieses hat zu prüfen, ob sich auf Grund der übrigen Beweismittel und der Vorbringe n der Parteien ernsthafte Einwände ge- gen die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen a ufdrängen (vgl. BGE 133 II 384 E. 4.2.3 mit Hinweisen). 5.2 Zunächst ist festzuhalten, dass der Unterscheidung po sitiver und negativer Befunde so genannte Cut-off-Werte zugrunde gelegt werden (vgl. Swiss Guidelines Committee for Drugs of Abuse Testing [SCDAT], Richtlinien für die Suchtstoffa nalytik, Version 2012-11-15, S. 25). Ge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht mäss Empfehlung der Schweizerischen Gesellschaft für Recht smedizin (SGRM) liegt der Cut- off-Wert für Kokain bei 500 pg/mg (vgl. SGRM, Arbeits gruppe Haaranalytik, Bestimmung von Drogen und Medikamenten in Haarproben, Version 2020, S. 12). Somit ist bei einer Überschrei- tung dieses Cut-off-Wertes von einem Konsum auszugehen . Gemäss forensisch- toxikologischem Gutachten des IRM B.____ vom 21. Dezembe r 2018 wurde eine Haarprobe des Beschwerdeführers unter anderem auf Betäubungsmitte l getestet. Dabei wurden die Stoffe Kokain in einer Konzentration von 950 pg/mg und das A bbauprodukt Benzoylecgonin in einer Konzentration von 50 pg/mg festgestellt. Unter Berücksicht igung der von der SGRM empfohle- nen Entscheidungsgrenze von 500 pg/mg führte das IRM B.____ im Kontrollverlaufsbericht vom 9. Januar 2019 aus, dass mit den ermittelten Werten von Kokain (950 pg/mg) und Ben- zoylecgonin (50 pg/mg) die geforderte Drogenabstinenz n icht belegt und damit aus verkehrs- medizinischer Sicht die Fahreignung des Beschwerdeführers nicht mehr gegeben sei. 5.3 Demgegenüber stellte das IRM C.____ in seinem Gu tachten vom 3. Juni 2019 die Stof- fe Kokain (850 pg/mg) sowie die Metaboliten Benzoylec gonin (55 pg/mg), Norcocain (10 pg/mg), para-Hydroxycocain (<0.5 pg/mg) und meta-H ydroxycocain (<1.0 pg/mg) fest. Zur Interpretation dieser Resultate wird im Gutachten aus geführt, dass sowohl die Konzentration von Kokain als auch die seiner Metaboliten berücksichtigt w ürden, woraus die Metaboliten- Verhältnisse (Quotient aus Metaboliten-Konzentration und Muttersubstanz-Konzentration) be- rechnet würden. Diese Metaboliten-Verhältnisse würden zusammen mit den labormethoden- spezifischen Entscheidungskriterien eine Gesamtbeurteilu ng des positiven Befundes ermögli- chen. Die im vorliegenden Fall festgestellten Kokain-K onzentrationen lägen im unteren Bereich der im Labor untersuchten Haarproben. Insbesondere die niedrigen Konzentrationen von Ben- zoylecgonin sowie von para- und meta-Hydroxycocain würden d afür sprechen, dass Kokain überwiegend durch Kontamination von aussen in die Haare gekommen sein dürfte. Dies könne z.B. durch kontaminierte Hände bzw. durch Kontakt mit kokainhaltigem Staub zustande kom- men. 5.4.1 Es ist zunächst festzustellen, dass die im Gutachten des IRM C.____ festgestellte Ko- kain-Konzentration von 850 pg/mg den Cut-off-Wert von 500 pg/mg um 350 pg/mg überschrei- tet. Dies stellt eine nicht unwesentliche Überschreitung dar. So führt auch das IRM B.____ in seiner Stellungnahme vom 18. April 2019 zur gemessenen Kokain-Konzentration von 950 pg/mg aus, dass dieser Wert deutlich über der validiert en Bestimmungs- und Nachweisgrenze liege. Beide gemessenen Werte liegen demzufolge deutl ich über dem genannten Cut-off-Wert. Weiter führt das IRM B.____ in seiner Stellungnahme aus, dass diese Cut-off-Werte von ver- schiedenen Fachgesellschaften so gewählt worden seien, da ss einer möglichen Kontamination Rechnung getragen werde. Insofern ist die Feststellung d es IRM C.____, die Kokain- Konzentration liege im unteren Bereich der im Labor untersuchten Haarproben, in der Tat nicht nachvollziehbar und vermag einen Konsum nicht auszuschliessen. 5.4.2 Hinsichtlich der im Gutachten des IRM C.____ erw ähnten Gesamtbeurteilung mittels Metaboliten-Verhältnis sowie den labor-spezifischen Ent scheidungskriterien (niedrige Konzent- rationen von Benzoylecgonin sowie von para- und meta- Hydroxycocain) ist auf das SGRM zu verweisen, welches zur Prüfung einer möglichen externen Kontamination festhält, dass die ent- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprechenden Kriterien für die verschiedenen Substanzklassen vom jeweiligen Labor selbst fest- zulegen seien. Auf Grund fehlender methodenunabhängi ger Kriterien seien die Voraussetzun- gen für eine Harmonisierung der Beurteilung der exte rnen Kontamination im Zusammenhang mit Kontakt zu Kokain zur Zeit nicht gegeben. (vgl. SGR M, a.a.O., S. 10). Es besteht insofern nur eine beschränkte Aussagekraft bei den vom IRM C.____ a ufgeführten Entscheidungskrite- rien in Bezug auf eine mögliche externe Kontamination. Eine einheitliche und laborunabhängige Beurteilung ist jedoch anhand der Cut-off-Werte mög lich. Diesbezüglich überschreiten die Wer- te beider Gutachten den massgeblichen Cut-off-Wert, was auf einen Konsum und nicht auf eine externe Kontamination schliessen lässt. 5.4.3 In beiden Gutachten finden sich Aussagen zu mögli chen Kontaminationsquellen: Das IRM C.____ nennt beispielhaft kontaminierte Hände b zw. Kontakt mit kokainhaltigem Staub. Das IRM B.____ spricht in seiner Stellungnahme vom 18. April 2019 von einem Aufenthalt in Räumen, in denen Kokain konsumiert werde, oder vom Verp acken von Kokain zum Verkauf. Wenn der Beschwerdeführer geltend macht, dass gerade d urch die Gutachten eine äussere Kontamination am Arbeitsplatz belegt werde, kann diese r Auffassung nicht gefolgt werden. Die im Gutachten des IRM C.____ aufgeführten Beispiele sin d allgemein gehalten und bestätigen gerade nicht, dass die mögliche Kontamination am Arbei tsplatz erfolgt sein könnte. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass eine solche Kontamination, wenn überhaupt, im einschlägigen Mili- eu erfolgt ist. Dies wird auch durch die genannten Bei spiele des IRM B.____ bestätigt. Weiter fällt ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer bereits fr üher jeweils vorsorglich den Arbeitsplatz als mögliche Kontaminationsquelle angegeben hatte, dan n aber kein Kokain gemessen wurde. Er macht auch vor dem Kantonsgericht keine weiteren Kon taminationsquellen geltend. Ein Konsum von Kokain ist somit viel wahrscheinlicher, was auch durch die Werte in den Gutachten belegt wird. Es folgt daraus, dass beim Beschwerdeführer keine Verhaltensänderung stattge- funden hat. 5.5 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass nach Art. 17 Abs. 3 SVG der Beschwerdefüh- rer nachweisen muss, dass der Mangel behoben ist, der di e Fahreignung ausgeschlossen hat- te. Den Beschwerdeführer trifft also die Beweislast des Nachweises der wiedererlangten Fahr- eignung. Dasselbe gilt bei einem erneuten Sicherungsen tzug bei Nichteinhaltung der Auflagen nach Art. 17 Abs. 5 SVG (vgl. BGE 140 II 334 E. 6). Die verfügten Auflagen im Einzelfall sollen der betroffenen Person helfen und aufzeigen, unter welchen Voraussetzungen der Führeraus- weis wiedererteilt wird. Damit wird der betroffenen Person der Nachweis der wiedererlangten Fahreignung erleichtert. Denn einerseits wird ihr klar aufgezeigt, welches Verhalten die Behörde erwartet, und andererseits wird ihr zugesichert, dass sie beim Erfüllen der Wiederzulassungsvo- raussetzungen im Einzelfall einen Anspruch auf Wiedererteilung des Führerausweises hat. 5.6 Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Rügen stehen dem Nachweis des Kokain- konsums nicht entgegen. Aufgrund der Haaranalyse und der Aussagen des Beschwerdeführers muss von einer Missachtung der Abstinenzauflage ausgegangen werden. Der Führerausweis wurde demnach zu Recht entzogen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1.1 Es bleibt zu klären, ob die Anordnung eines Sicher ungsentzuges verhältnismässig ist. Dies setzt voraus, dass die Massnahme geeignet und erforder lich ist, um die Sicherheit im Strassenverkehr zu gewährleisten. Es gilt die privaten I nteressen des Beschwerdeführers ge- genüber den entgegenstehenden öffentlichen Interessen abzuwägen. Der Beschwerdeführer rügt, dass der Sicherungsentzug weder erforderlich sei noch in einem angemessenen Verhält- nis zu den geltend gemachten öffentlichen Interessen stehe. 6.1.2 Zur Begründung führt er aus, dass eine die Fahr eignung ausschliessende Drogenab- hängigkeit nicht als erwiesen erachtet werden könne. S ofern im vorliegenden Fall von einem Konsum ausgegangen werde, würde es sich um eine äusserst g eringfügige Menge handeln, welche nicht mit einer Suchtkrankheit oder chronischer Ab hängigkeit zu vereinbaren sei. Man- gels einer erwiesenen Drogensucht sei eine Verlängeru ng der Auflagen das mildeste Mittel, welches der Verhältnismässigkeit genügend Rechnung trage n würde. Deshalb sei der Entzug des Führerausweises nicht als erforderlich anzusehen, um die Verkehrssicherheit zu gewähr- leisten. Dem ist zu entgegnen, dass es sich mit Blick auf de n Cut-off-Wert bei der in der Haar- analyse gemessenen Kokainkonzentration um keine geringfü gige Menge handelt. Weiter ist im Rahmen eines Sicherungsentzuges aufgrund der Verletzung von Auflagen kein strikter Nach- weis einer zu diesem Zeitpunkt bestehenden Sucht, welch e in Anwendung von Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG die fehlende Fahreignung zur Folge hätte, erforderlich. Vielmehr genügt eine einmali- ge Konsumation (vgl. E. 4.1). 6.1.3 Hinsichtlich seiner privaten Interessen macht der Beschwerdeführer geltend, dass er im Oktober 2019 die Firma "D.____" gegründet habe un d für deren Betrieb dringend auf seinen Führerschein angewiesen sei. Der Entzug des Führerauswei ses würde jegliche Bemühungen bezüglich seiner Zukunftsplanung und Selbständigkeit zunich temachen und hätte eine direkte Schliessung des Betriebes zur Folge. Das Ausmass des Eingri ffs in die Rechte des Beschwer- deführers stehe in keinem Verhältnis zu den geltend gem achten Sicherheitsinteressen der Öf- fentlichkeit. Dagegen ist einzuwenden, dass es sich primä r um wirtschaftliche Interessen han- delt, die gegenüber den hohen öffentlichen Interessen der Verkehrssicherheit weniger Gewicht haben. Im Übrigen hat der Beschwerdeführer sein Unternehmen zu einem Zeitpunkt gegründet, in welchem ihm der Führerausweis bereits entzogen worden war, weshalb dieser Einwand nicht zu überzeugen vermag. 7. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass dem Beschwerd eführer der Beweis der geforderten Drogenabstinenz misslungen ist. Die Polizei hat dem Beschwerdeführer den Führe- rausweis demnach zu Recht auf unbestimmte Zeit entzoge n und die Beschwerde ist vollum- fänglich abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Ab s. 1 VPO ist das verwaltungs- gerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenp flichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden nach § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer legt. Vorliegend sind die Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- dem unterliege nden Beschwerdeführer aufzuerlegen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht und mit dem Kostenvorschuss in der gleichen Höhe zu verrech nen. Die Parteikosten sind nach § 21 Abs. 1 VPO wettzuschlagen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.