<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA 3] </div> <div class="para">2P.320/1999/bol </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i> II. OEFFENTLICHRECHTLICHE ABTEILUNG</i> </div> <div class="para"> *********************************** </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>7. Juni 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Wurzburger, Präsident der </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>II. öffentlichrechtlichen Abteilung, Hartmann, Betschart,</i> </div> <div class="para">Hungerbühler, Müller und Gerichtsschreiber Merz. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Stadt Z ü r i c h</u>, vertreten durch den Stadtrat von Zürich, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>S c i e n t o l o g y K i r c h e Z ü r i c h</u>, Freilager- </div> <div class="para">strasse 11, Zürich, Beschwerdegegnerin, vertreten durch </div> <div class="para">Rechtsanwalt Wilfried Caviezel, Masanserstrasse 35, Post- </div> <div class="para">fach 414, Chur, </div> <div class="para"> <u>Verwaltungsgericht des Kantons Z ü r i c h</u>, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para">Verletzung der Gemeindeautonomie; <span class="artref">Art. 4 aBV</span>; Handels- und </div> <div class="para">Gewerbefreiheit; </div> <div class="para"> (Benützung des öffentlichen Grundes zu Sonderzwecken), </div> <div class="para">hat sich ergeben: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>A.- </u> </div> <div class="para"> Mit Beschluss vom 16. Juni 1972 hat der Stadtrat </div> <div class="para">der Stadt Zürich Vorschriften über die vorübergehende Be- </div> <div class="para">nützung des öffentlichen Grundes zu Sonderzwecken (VBöGS) </div> <div class="para">erlassen. Die Werbung auf dem öffentlichen Grund wird darin </div> <div class="para">wie folgt geregelt: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Art. 20 </u> </div> <div class="para"> Verteilen von Werbematerial </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Das Verteilen von Druckerzeugnissen, die Erwerbs- </div> <div class="para"> zwecken dienen, und von Werbeartikeln auf dem öf- </div> <div class="para"> fentlichen Grund ist untersagt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Art. 21 </u> </div> <div class="para"> Werbeveranstaltungen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1 </div> <div class="para">Werbeveranstaltungen mit Motorfahrzeugen und Tieren </div> <div class="para"> sind auf dem ganzen öffentlichen Grund untersagt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2 </div> <div class="para">Werbeveranstaltungen mit einzelnen Fussgängern </div> <div class="para"> können in beschränktem Umfang bewilligt werden. Sie </div> <div class="para"> sind jedoch nur auf dem Trottoirgebiet zugelassen. </div> <div class="para"> Die beteiligten Personen dürfen nicht stehenbleiben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>B.- </u> </div> <div class="para"> Mit Verfügung vom 30. November 1994 untersagte der </div> <div class="para">Chef Verwaltungspolizei der Stadt Zürich der Scientology </div> <div class="para">Kirche Zürich ab sofort "das Verteilen des Persönlichkeits- </div> <div class="para">testes 'Oxford Capacity Analysis' und des Handzettels 'Warum </div> <div class="para">Glücklichsein kein Zufall ist' (....) auf dem öffentlichen </div> <div class="para">Grund der Stadt Zürich". Zur Begründung führte er an, auf- </div> <div class="para">grund von neuen Erkenntnissen würden den auf der Strasse </div> <div class="para">angeworbenen Passanten anschliessend im Scientology Zentrum </div> <div class="para">"teils unter fraglichen Methoden, Bücher zum Kauf oder Be- </div> <div class="para">stellen und kostenpflichtige Seminarien angeboten." Fragen </div> <div class="para">religiösen Inhalts fehlten bei den Persönlichkeitstests. Das </div> <div class="para">Verteilen der Tests und ihre Anwendung könnten "deshalb </div> <div class="para">nicht als religiöse Tätigkeit oder als Werbung für eine </div> <div class="para">Religion angesehen werden". Das Verteilen des Persönlich- </div> <div class="para">keitstestes und des Handzettels 'Warum Glücklichsein kein </div> <div class="para">Zufall ist' sei daher als unerlaubtes Verteilen von Werbe- </div> <div class="para">material im Sinne von Art. 20 VBöGS einzustufen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Polizeivorstand der Stadt Zürich wies die hie- </div> <div class="para">gegen gerichtete Einsprache am 1. Juni 1995 ab. Dabei be- </div> <div class="para">schränkte er das Verfahren auf die Frage, ob der Scientology </div> <div class="para">Kirche Zürich das Verbreiten von Persönlichkeitstests und </div> <div class="para">Handzetteln auf öffentlichem Grund untersagt werden könne. </div> <div class="para">Unerheblich sei, ob es sich bei der Scientology Kirche um </div> <div class="para">eine Religionsgemeinschaft handle oder nicht, da auch reli- </div> <div class="para">giöse Vereinigungen auf dem öffentlichen Grund nicht Werbe- </div> <div class="para">aktionen zu Erwerbszwecken durchführen dürften. Die verteil- </div> <div class="para">ten Blätter hätten mittelbar vor allem zum Ziel, die damit </div> <div class="para">bedienten Personen zum Kauf von Büchern bzw. zum Belegen der </div> <div class="para">gegen ein fixes Entgelt angebotenen Kurse zu bewegen. In- </div> <div class="para">folgedessen liege eindeutig eine Veranstaltung zu Erwerbs- </div> <div class="para">zwecken auf dem öffentlichen Grund vor, wofür gemäss Art. 20 </div> <div class="para">und 21 VBöGS Bewilligungen grundsätzlich nicht erteilt wer- </div> <div class="para">den könnten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>C.- </u> </div> <div class="para"> Die von der Scientology Kirche Zürich dagegen erho- </div> <div class="para">benen Rechtsmittel wurden am 6. März 1996 vom Stadtrat von </div> <div class="para">Zürich, am 28. Januar 1997 vom Statthalteramt des Bezirks </div> <div class="para">Zürich und schliesslich am 21. April 1999 vom Regierungsrat </div> <div class="para">des Kantons Zürich abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich (im Fol- </div> <div class="para">genden: Verwaltungsgericht) hiess die gegen den Entscheid </div> <div class="para">des Regierungsrats erhobene Beschwerde mit Urteil vom </div> <div class="para">28. September 1999 im Sinne der Erwägungen teilweise gut. </div> <div class="para">Zwar stellte es ebenfalls fest, dass die Verteilung der </div> <div class="para">fraglichen Druckschriften auf öffentlichem Grund der Stadt </div> <div class="para">Zürich nicht unter dem Schutz der Religionsfreiheit stehe. </div> <div class="para">Das Handeln der Scientology Kirche, die mit professionellen </div> <div class="para">Marketing-Methoden versuche, ihre Leistungen an ein breites </div> <div class="para">Publikum zu verkaufen, werde hauptsächlich durch wirtschaft- </div> <div class="para">liche Erwägungen bestimmt und falle somit als Werbetätigkeit </div> <div class="para">unter Art. 20 VBöGS. Für ein völliges Verbot biete diese Be- </div> <div class="para">stimmung im Lichte der Handels- und Gewerbefreiheit aller- </div> <div class="para">dings keine rechtmässige Grundlage; die Stadt Zürich sei </div> <div class="para">aber berechtigt, den - hier gegebenen - gesteigerten Gemein- </div> <div class="para">gebrauch öffentlicher Strassen einer Bewilligungspflicht zu </div> <div class="para">unterstellen. Entsprechend hob das Verwaltungsgericht die </div> <div class="para">vorangegangenen Entscheide auf und wies die Streitsache zu </div> <div class="para">neuer Entscheidung an den Stadtrat Zürich zurück (Ziffer 1 </div> <div class="para">des Urteilsdispositivs). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>D.- </u> </div> <div class="para"> Am 15. November 1999 hat der Stadtrat von Zürich </div> <div class="para">für die Stadt Zürich staatsrechtliche Beschwerde wegen Ver- </div> <div class="para">letzung der Gemeindeautonomie und des Willkürverbots einge- </div> <div class="para">reicht und beantragt in der Sache: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> "Es sei Ziffer 1 des Verwaltungsgerichtsentscheids </div> <div class="para"> vom 28. September 1999 (VB.99.00168) insoweit auf- </div> <div class="para"> zuheben, als die Beschwerde der Scientology Kirche </div> <div class="para"> Zürich - im Sinn der Erwägungen - teilweise gutge- </div> <div class="para"> heissen wird, die Entscheide des Regierungsrates, </div> <div class="para"> des Statthalteramtes des Bezirkes Zürich, des </div> <div class="para"> Stadtrates von Zürich, des Polizeidepartements </div> <div class="para"> Zürich und der Verwaltungspolizei Zürich aufgehoben </div> <div class="para"> werden und die Streitsache zu neuer Entscheidung an </div> <div class="para"> den Stadtrat von Zürich zurückgewiesen wird." </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>E.- </u> </div> <div class="para"> Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich schliesst </div> <div class="para">auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Scientology Kirche Zürich stellt die folgenden </div> <div class="para">Begehren: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> "1. Es sei die staatsrechtliche Beschwerde abzuwei- </div> <div class="para"> sen, soweit darauf eingetreten werden kann und </div> <div class="para"> es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführe- </div> <div class="para"> rin und ihre Mitglieder als Religionsgemein- </div> <div class="para"> schaft, resp. Angehörige dieser Gemeinschaft </div> <div class="para"> das Recht haben, auf den Strassen Zürichs mit- </div> <div class="para"> tels Oxford Capacity Analysis und Handzetteln </div> <div class="para"> (Warum Glücklichsein kein Zufall ist) ohne Be- </div> <div class="para"> willigung zu missionieren. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2. Eventuell sei die staatsrechtliche Beschwerde </div> <div class="para"> abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden </div> <div class="para"> kann." </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>1.- </u> </div> <div class="para"> Das Bundesgericht prüft die Zulässigkeit der bei </div> <div class="para">ihm eingereichten Beschwerden von Amtes wegen und mit freier </div> <div class="para">Kognition (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-I-412%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page412">BGE 125 I 412</a> E. 1a S. 414, mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> a) Der angefochtene Entscheid des Verwaltungsge- </div> <div class="para">richts stellt einen letztinstanzlichen kantonalen Entscheid </div> <div class="para">dar, gegen den im Bund kein anderes Rechtsmittel zur Verfü- </div> <div class="para">gung steht (<span class="artref">Art. 84 Abs. 2, <artref id="CH/173.110/86/1" type="start"></artref>Art. 86 Abs. 1 OG</span><artref id="CH/173.110/84/2" type="end"></artref>). Er schliesst </div> <div class="para">das kantonale Verfahren jedoch nicht ab, sondern weist die </div> <div class="para">Streitsache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an </div> <div class="para">die Beschwerdeführerin zurück. Es handelt sich somit um ei- </div> <div class="para">nen Zwischenentscheid im Sinne von <span class="artref">Art. 87 OG</span> (BGE 117 Ia </div> <div class="para">251 E. 1a S. 253, 396 E. 1 S. 398, je mit Hinweisen). Am </div> <div class="para">1. März 2000 ist eine Änderung dieser Bestimmung in Kraft </div> <div class="para">getreten (AS 2000 417 f.). Nach der bis dahin geltenden </div> <div class="para">Fassung (vom 16. Dezember 1943, BS 3 531) ist eine staats- </div> <div class="para">rechtliche Beschwerde wegen Verletzung von <span class="artref">Art. 4 aBV</span> nur </div> <div class="para">zulässig, wenn sie für die Beschwerdeführerin einen nicht </div> <div class="para">wiedergutzumachenden Nachteil zur Folge hat. Die Änderung </div> <div class="para">von <span class="artref">Art. 87 OG</span> hat die bisher für Beschwerden gegen Zwi- </div> <div class="para">schenentscheide wegen Verletzung von <span class="artref">Art. 4 aBV</span> geltenden </div> <div class="para">Anforderungen auf alle staatsrechtlichen Beschwerden gegen </div> <div class="para">Zwischenentscheide - unabhängig vom Beschwerdegrund - ausge- </div> <div class="para">dehnt (vgl. Botschaft des Bundesrates vom 11. August 1999 in </div> <div class="para">BBl 1999 7922, 7938). Nach ständiger Rechtsprechung wird ein </div> <div class="para">nicht wiedergutzumachender Nachteil bejaht, wenn eine Ge- </div> <div class="para">meinde - wie im vorliegenden Fall - durch einen Rückwei- </div> <div class="para">sungsentscheid gezwungen wird, entgegen ihrer Auffassung </div> <div class="para">eine neue Anordnung zu erlassen; ihr ist nicht zuzumuten, </div> <div class="para">einer von ihr als falsch erachteten Weisung Folge zu leisten </div> <div class="para">und alsdann ihren eigenen Entscheid anzufechten (BGE 116 Ia </div> <div class="para">221 E. 1d/aa S. 225; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Janu- </div> <div class="para">ar 1996 i.S. Brig-Glis, in SJ 1996 S. 496 f. E. 1b). Da die- </div> <div class="para">se Eintretensvoraussetzung nach beiden Fassungen des <span class="artref">Art. 87 </span></div> <div class="para">OG erfüllt ist, kann hier offen gelassen werden, ob die Zu- </div> <div class="para">lässigkeit der am 15. November 1999 eingereichten Beschwerde </div> <div class="para">nach der neuen oder der alten Fassung zu beurteilen ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Der angefochtene Entscheid berührt die Stadt </div> <div class="para">Zürich als Trägerin hoheitlicher Gewalt. Sie ist daher im </div> <div class="para">Sinne von <span class="artref">Art. 88 OG</span> legitimiert, die Verletzung ihrer </div> <div class="para">Autonomie zu rügen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-I-223%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page223">BGE 124 I 223</a> E. 1b S. 226; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IA-203%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page203">120 Ia 203</a> </div> <div class="para">E. 2a S. 204, je mit Hinweis). Ob sie im betreffenden Be- </div> <div class="para">reich den Schutz der Autonomie geniesst, ist keine Frage des </div> <div class="para">Eintretens, sondern der materiellen Beurteilung (BGE 124 I </div> <div class="para">223 E. 1b S. 226; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IA-203%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page203">120 Ia 203</a> E. 2a S. 204, je mit Hinweis). </div> <div class="para">Auf die frist- und formgerecht erhobene staatsrechtliche Be- </div> <div class="para">schwerde ist mithin einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Das Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde </div> <div class="para">kennt die Anschlussbeschwerde nicht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-I-253%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page253">BGE 122 I 253</a> E. 6 </div> <div class="para">S. 254 ff.). Beschwerdegegner, die im kantonalen Verfahren </div> <div class="para">obsiegt haben und nicht in ihren Rechten verletzt werden, </div> <div class="para">können sich zwar im Verfahren über eine von anderer Seite </div> <div class="para">geführte staatsrechtliche Beschwerde gegen unrichtige Fest- </div> <div class="para">stellungen und Folgerungen der kantonalen Instanz wehren </div> <div class="para">(<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F115-IA-27%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page27">BGE 115 Ia 27</a> E. 4a S. 29 f., mit Hinweisen). Der Gegen- </div> <div class="para">stand des Verfahrens vor Bundesgericht wird aber durch den </div> <div class="para">Beschwerdeführer bestimmt. Weder Beschwerdegegner noch an- </div> <div class="para">dere Stellen haben Verfügungsgewalt über das Prozessthema, </div> <div class="para">und sie können daher keine Anträge stellen, die den Streit- </div> <div class="para">gegenstand erweitern. Auf das Feststellungsbegehren der Be- </div> <div class="para">schwerdegegnerin ist deshalb nicht einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>2.- </u> </div> <div class="para"> Eine Gemeinde ist in einem Sachbereich autonom, </div> <div class="para">wenn das kantonale Recht diesen nicht abschliessend ordnet, </div> <div class="para">sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur Regelung </div> <div class="para">überlässt und ihr dabei eine relativ erhebliche Entschei- </div> <div class="para">dungsfreiheit einräumt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-I-223%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page223">BGE 124 I 223</a> E. 2b S. 226 f.<span class="artref">; 122 I </span></div> <div class="para">279 E. 8b S. 290, je mit Hinweisen). Gemäss Art. 48 der Ver- </div> <div class="para">fassung des eidgenössischen Standes Zürich vom 18. April </div> <div class="para">1869 (RS 131.211) sind die Gemeinden befugt, ihre Angelegen- </div> <div class="para">heiten innerhalb der Schranken der Verfassung und Gesetze </div> <div class="para">selbständig zu ordnen. Die Vorschriften der Stadt Zürich </div> <div class="para">über die vorübergehende Benutzung des öffentlichen Grundes </div> <div class="para">(VBöGS) stützen sich (seit 1983) auf § 39 des Gesetzes des </div> <div class="para">Kantons Zürich vom 27. September 1981 über den Bau und den </div> <div class="para">Unterhalt der öffentlichen Strassen (Strassengesetz). Diese </div> <div class="para">Bestimmung handelt von den strassenpolizeilichen Vorschrif- </div> <div class="para">ten und lautet wie folgt: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Staat und Gemeinden stellen, soweit ein Bedürf- </div> <div class="para"> nis besteht und das Planungs- und Baugesetz keine </div> <div class="para"> abschliessende Ordnung trifft, Polizeivorschriften </div> <div class="para"> über das Strassengebiet selbst, seine Benützung so- </div> <div class="para"> wie über das an die öffentlichen und privaten Stras- </div> <div class="para"> sen im Gemeingebrauch grenzende Gebiete auf. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Vorbehalten bleiben die verkehrspolizeilichen </div> <div class="para"> Vorschriften. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Den Gemeinden ist somit überlassen, über das Stras- </div> <div class="para">sengebiet und seine Benutzung in eigener Kompetenz (Poli- </div> <div class="para">zei-) Vorschriften zu erlassen, und es kommt ihnen dabei eine </div> <div class="para">erhebliche Entscheidungsfreiheit zu. Unter Vorbehalt der </div> <div class="para">allgemeinen verfassungsrechtlichen Schranken geniessen die </div> <div class="para">Gemeinden daher in diesem Bereich Autonomie. Sie können sich </div> <div class="para">folglich dagegen zur Wehr setzen, dass eine kantonale Behör- </div> <div class="para">de in einem Rechtsmittelverfahren ihre Prüfungsbefugnis </div> <div class="para">überschreitet oder die den betreffenden Sachbereich ordnen- </div> <div class="para">den kommunalen, kantonalen oder bundesrechtlichen Vorschrif- </div> <div class="para">ten falsch anwendet. Soweit es um die Handhabung von eidge- </div> <div class="para">nössischem oder kantonalem Verfassungsrecht geht, prüft das </div> <div class="para">Bundesgericht das Vorgehen der kantonalen Behörden mit frei- </div> <div class="para">er Kognition, sonst nur auf Willkür hin (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-I-279%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page279">BGE 122 I 279</a> E. 8c </div> <div class="para">S. 291; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IA-203%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page203">120 Ia 203</a> E. 2a S. 204, mit Hinweisen). Die Gemein- </div> <div class="para">den können in diesem Rahmen auch geltend machen, die kanto- </div> <div class="para">nalen Instanzen hätten die Tragweite eines Grundrechts ver- </div> <div class="para">kannt und dieses zu Unrecht als verletzt betrachtet (BGE 114 Ia </div> <div class="para">168 E. 2a S. 170; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F112-IA-59%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page59">112 Ia 59</a> E. 3a S. 63; Urteil des Bundes- </div> <div class="para">gerichts vom 12. Oktober 1992, publiziert in ZBl 94/1993 </div> <div class="para">S. 133 E. 2c, mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>3.- </u> </div> <div class="para"> a) Nach dem angefochtenen Entscheid des Verwal- </div> <div class="para">tungsgerichts können vorliegend die Testbogen und Handzettel </div> <div class="para">an sich wie auch ihre Verteilung und die Auswertung der </div> <div class="para">Tests nicht als unmittelbarer Ausdruck religiöser oder welt- </div> <div class="para">anschaulicher Auffassung gelten; entsprechend handle es sich </div> <div class="para">nicht um religiöse Handlungen. Folglich stehe das Verteilen </div> <div class="para">der betreffenden Druckschriften auf dem öffentlichen Grund </div> <div class="para">der Stadt Zürich nicht unter dem Schutz der Religionsfrei- </div> <div class="para">heit (vgl. Art. 49 der bis zum 31. Dezember 1999 geltenden </div> <div class="para">Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 [aBV] und Art. 15 der am </div> <div class="para">1. Januar 2000 in Kraft getretenen Bundesverfassung vom </div> <div class="para">18. April 1999 [BV]). Anderseits sei der Inhalt der Schrif- </div> <div class="para">ten an sich nicht kommerzieller Natur, doch werde damit das </div> <div class="para">Ziel verfolgt, den interessierten Passanten anschliessend </div> <div class="para">weitere Güter und Dienstleistungen gegen Entgelt anzubieten. </div> <div class="para">Die Werbetätigkeit falle daher unter Art. 20 VBöGS, denn es </div> <div class="para">bestehe zumindest das gleiche Schutzbedürfnis wie bei einer </div> <div class="para">eigentlichen kommerziellen Werbung. </div> <div class="para"> b) Diese Schlussfolgerung des Verwaltungsgerichts </div> <div class="para">ist nicht zu beanstanden. Die Verteilung der fraglichen </div> <div class="para">Druckschriften dient nach den zutreffenden Feststellungen </div> <div class="para">des Verwaltungsgerichts primär dem entgeltlichen Vertrieb </div> <div class="para">von Kursen und Büchern, ohne dass das Ziel einer religiösen </div> <div class="para">Missionierung aus dem Inhalt der Druckschriften (direkt) er- </div> <div class="para">kennbar ist. Wer - wie vorliegend die Beschwerdegegnerin - </div> <div class="para">entgeltliche Leistungen vertreiben will und das damit allen- </div> <div class="para">falls verbundene religiöse Missionierungsziel gegenüber dem </div> <div class="para">anvisierten Publikum nicht klar zu erkennen gibt, muss in </div> <div class="para">Kauf nehmen, dass seine Werbeaktionen als wirtschaftlich mo- </div> <div class="para">tiviert angesehen und nach den hiefür geltenden Regeln be- </div> <div class="para">handelt werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>4.- </u> </div> <div class="para"> a) Weiter ging das Verwaltungsgericht davon aus, </div> <div class="para">dass es sich beim Verteilen der erwähnten Schriften in der </div> <div class="para">Zürcher Innenstadt um gesteigerten Gemeingebrauch handle. </div> <div class="para">Hieraus könne aber nicht auf die "Zulässigkeit des Verbots </div> <div class="para">der Verteilung von Druckschriften und Werbeartikeln zu kom- </div> <div class="para">merziellen Zwecken" geschlossen werden, weil sich aus den </div> <div class="para">Freiheitsrechten ein 'bedingter Anspruch' auf Gewährung ge- </div> <div class="para">steigerten Gemeingebrauchs an öffentlichem Grund ergebe. </div> <div class="para">Dies gebiete, dass die Behörden nur dann ein Gesuch ablehnen </div> <div class="para">dürften, wenn die der beabsichtigten Nutzung im konkreten </div> <div class="para">Fall entgegenstehenden Gesichtspunkte überwögen. Ein öffent- </div> <div class="para">liches Interesse, die Verteilung von Werbung auf öffentli- </div> <div class="para">chem Grund zu Erwerbszwecken von vornherein zu verbieten, </div> <div class="para">bestehe nicht. Insbesondere könne es nicht mit dem Schutz </div> <div class="para">von Treu und Glauben im Geschäftsverkehr begründet werden, </div> <div class="para">da die verbotenen Verhaltensweisen nicht generell dagegen </div> <div class="para">verstiessen. Die hauptsächliche Begründung des Verbots durch </div> <div class="para">den Stadtrat, eine Freigabe der Verteilung von Druckschrif- </div> <div class="para">ten und Werbematerial würde eine übermässige Belastung öf- </div> <div class="para">fentlichen Grundes und Belästigungen von Passanten bewirken, </div> <div class="para">lasse dessen Unverhältnismässigkeit erkennen: Milderes Mit- </div> <div class="para">tel im Verhältnis zu einem Verbot stelle seit jeher eine </div> <div class="para">blosse Bewilligungspflicht dar, was sowohl die Beschwerde- </div> <div class="para">führerin als auch die Vorinstanz ausser Acht gelassen </div> <div class="para">hätten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Die Beschwerdeführerin anerkennt, dass Personen, </div> <div class="para">die den öffentlichen Grund für die Ausübung einer Erwerbs- </div> <div class="para">tätigkeit benutzen, sich auf die Handels- und Gewerbefrei- </div> <div class="para">heit (<span class="artref">Art. 31 aBV</span>; vgl. auch <span class="artref">Art. 27 BV</span>) berufen können, </div> <div class="para">soweit der Zweck des öffentlichen Bodens es gestattet. Hin- </div> <div class="para">gegen rügt sie als willkürlich die Auffassung des Verwal- </div> <div class="para">tungsgerichts, wonach sich aus den Freiheitsrechten auch für </div> <div class="para">rein kommerzielle Zwecke ein sog. bedingter Anspruch auf Ge- </div> <div class="para">währung gesteigerten Gemeingebrauchs am öffentlichen Grund </div> <div class="para">ergebe; dies gehe ungerechtfertigterweise über die herr- </div> <div class="para">schende Lehre und Rechtsprechung hinaus, die einen solchen </div> <div class="para">Anspruch nur einräumten, wenn die Ausübung der Erwerbstätig- </div> <div class="para">keit zwingend mit der Benutzung öffentlichen Grundes verbun- </div> <div class="para">den sei. Das generelle Verbot, in der Stadt Zürich Drucker- </div> <div class="para">zeugnisse zu verteilen, die Erwerbszwecken dienen, sei be- </div> <div class="para">reits deshalb nicht zu beanstanden. Da dieses Verbot die Be- </div> <div class="para">schwerdegegnerin bei ihrer Erwerbstätigkeit, wenn überhaupt, </div> <div class="para">nur unwesentlich beeinträchtige und im öffentlichen Interes- </div> <div class="para">se liege, erweise es sich auch als verhältnismässig; die ge- </div> <div class="para">genteilige Interpretation der geltenden Lehre und Rechtspre- </div> <div class="para">chung sei willkürlich. Die vom Verwaltungsgericht angeordne- </div> <div class="para">te Einführung einer Bewilligungspflicht werde in der Praxis </div> <div class="para">zudem kaum zu bewerkstelligen sein. Die Bewilligungsertei- </div> <div class="para">lung und die Kontrolle über deren Einhaltung wäre mit einem </div> <div class="para">unverhältnismässigen Verwaltungsaufwand verbunden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Beschwerdeführerin rügt, dass das Verwaltungs- </div> <div class="para">gericht mit seinem Entscheid in ungerechtfertigter Weise in </div> <div class="para">die Gemeindeautonomie eingegriffen habe, indem es der Be- </div> <div class="para">schwerdegegnerin ohne jede Grundlage in Lehre und Rechtspre- </div> <div class="para">chung und insbesondere ohne sachliche Rechtfertigung und da- </div> <div class="para">mit willkürlich einen grundsätzlichen Anspruch auf Benützung </div> <div class="para">des öffentlichen Grundes zu ausschliesslich kommerziellen </div> <div class="para">Zwecken einräume. Die praktischen Auswirkungen des angefoch- </div> <div class="para">tenen Entscheids seien für die Stadt unhaltbar. Durch das </div> <div class="para">Verbot, auf öffentlichem Grund Werbematerial zu verteilen, </div> <div class="para">werde die gewerbliche Tätigkeit der Beschwerdegegnerin nur </div> <div class="para">in einem geringfügigen Nebenaspekt untersagt: Der eigentli- </div> <div class="para">che Kernbereich der Handels- und Gewerbefreiheit werde vom </div> <div class="para">Verbot nicht im Geringsten tangiert. Das gegen die Beschwer- </div> <div class="para">degegnerin ausgesprochene Verbot, auf dem öffentlichen Grund </div> <div class="para">Persönlichkeitstests und Handzettel zu verteilen, erweise </div> <div class="para">sich daher als verhältnismässig und zum Schutz der Bevölke- </div> <div class="para">rung als notwendig. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Strassen sind öffentliche Sachen im Gemeinge- </div> <div class="para">brauch, d.h. sie stehen der Allgemeinheit zur Benutzung </div> <div class="para">offen; diese kann mehr oder weniger intensiv sein. Verwal- </div> <div class="para">tungsgericht und Stadtrat sind sich darüber einig, dass das </div> <div class="para">Verteilen von Druckschriften in der Zürcher Innenstadt über </div> <div class="para">den schlichten Gemeingebrauch hinausgeht und gesteigerten </div> <div class="para">Gemeingebrauch darstellt. Ein gesteigerter Gemeingebrauch </div> <div class="para">liegt vor, wenn die Benützung einer öffentlichen Sache ent- </div> <div class="para">weder nicht bestimmungsgemäss oder nicht gemeinverträglich </div> <div class="para">ist (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-I-279%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page279">BGE 122 I 279</a> E. 2e/cc S. 286; <u>Ulrich Häfelin/</u> </div> <div class="para"> <u>Georg Müller</u>, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts, </div> <div class="para">3. Aufl. 1998, Rz. 1867 ff., S. 471 ff.; <u>Tobias Jaag</u>, </div> <div class="para">Gemeingebrauch und Sondernutzung öffentlicher Sachen, in </div> <div class="para">ZBl 93/1992 S. 151; <u>ders.</u>, Verwaltungsrecht des Kantons </div> <div class="para">Zürich, 2. Aufl. 1999, Rz. 2434, S. 221). Auf die Abgrenzung </div> <div class="para">können auch örtliche Gegebenheiten Einfluss haben (BGE 122 I </div> <div class="para">279 E. 2e/aa S. 286 mit Hinweis). Die von den Stadtbehörden </div> <div class="para">und vom Verwaltungsgericht vertretene Auffassung erscheint </div> <div class="para">zwar streng, lässt sich aber für die Stadt Zürich vertreten, </div> <div class="para">zumal die Aktionen der Beschwerdegegnerin, wie das Verwal- </div> <div class="para">tungsgericht mit Recht festhält, über das blosse Verteilen </div> <div class="para">von Druckschriften hinausgehen und die Mitarbeiter darauf </div> <div class="para">angewiesen sind, bereits auf dem öffentlichen Grund Gesprä- </div> <div class="para">che mit Passanten zu führen, um deren Interesse für die an- </div> <div class="para">gebotenen Leistungen zu wecken. Entsprechend können etwa </div> <div class="para">Ausweichbewegungen von Passanten, Menschenansammlungen, Dis- </div> <div class="para">kussionen oder gar Auseinandersetzungen in stark frequen- </div> <div class="para">tierten Lagen zu Störungen des Verkehrsflusses führen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) Gesteigerter Gemeingebrauch bedarf grundsätzlich </div> <div class="para">der Bewilligung. Diese ist als Bewilligung sui generis von </div> <div class="para">der Polizeierlaubnis und von der Konzession zu unterschei- </div> <div class="para">den. Sie dient nicht nur dem Schutz der Polizeigüter, son- </div> <div class="para">dern der Koordination und Prioritätensetzung zwischen ver- </div> <div class="para">schiedenen Nutzungen der öffentlichen Sachen (vgl. <u>Ulrich</u> </div> <div class="para"> <u>Häfelin/Georg Müller</u>, a.a.O., Rz. 1878, S. 474; <u>Tobias Jaag</u>, </div> <div class="para">in ZBl 93/1992 S. 157; <u>Urs Saxer</u>, Die Grundrechte und die </div> <div class="para">Benutzung öffentlicher Strassen, Diss. Zürich 1988, </div> <div class="para">S. 249 ff.; vgl. auch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-I-267%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page267">BGE 124 I 267</a> E. 3a S. 268 f.; 109 Ia </div> <div class="para">208 E. 4a S. 210 f.). Wer zur Ausübung eines Gewerbes öf- </div> <div class="para">fentlichen Grund beansprucht, kann sich auf die Handels- und </div> <div class="para">Gewerbefreiheit berufen; es besteht insoweit ein "bedingter </div> <div class="para">Anspruch" auf Bewilligung des gesteigerten Gemeingebrauchs </div> <div class="para">(<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-I-279%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page279">BGE 121 I 279</a> E. 2a S. 282 mit Hinweisen). Die Verweige- </div> <div class="para">rung einer entsprechenden Bewilligung kann einem Eingriff in </div> <div class="para">die Handels- und Gewerbefreiheit gleichgestellt werden und </div> <div class="para">unterliegt daher bestimmten Schranken: Sie muss im öffentli- </div> <div class="para">chen Interesse notwendig sein, wobei freilich nicht nur po- </div> <div class="para">lizeilich motivierte Einschränkungen zulässig sind, auf </div> <div class="para">sachlich vertretbaren Kriterien beruhen und den Grundsatz </div> <div class="para">der Verhältnismässigkeit wahren; die Bewilligung darf zudem </div> <div class="para">die Freiheitsrechte weder allgemein noch zu Lasten einzelner </div> <div class="para">Bürger aus den Angeln heben (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-I-279%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page279">BGE 121 I 279</a> E. 2a S. 282; </div> <div class="para">108 Ia 135 E. 3 S. 137). Kommunale Autonomie kann demnach </div> <div class="para">nur im Rahmen der verfassungsrechtlichen Grundsätze beste- </div> <div class="para">hen. "Bedingter Anspruch" bedeutet in diesem Zusammenhang, </div> <div class="para">dass die Behörde im Rahmen der auf ein Bewilligungsgesuch </div> <div class="para">hin vorzunehmenden Interessenabwägung dem institutionellen </div> <div class="para">Gehalt der Handels- und Gewerbefreiheit Rechnung trägt und </div> <div class="para">die Interessen der Beteiligten an der Ausübung ihrer wirt- </div> <div class="para">schaftlichen Tätigkeit angemessen berücksichtigt (vgl. </div> <div class="para">BGE 117 Ib 387 E. 6d S. 395; nicht veröffentlichter Ent- </div> <div class="para">scheid des Bundesgerichts vom 21. November 1995 i.S. Untere </div> <div class="para">Mühle Bottighofen AG, E. 4a). Als öffentliches Interesse </div> <div class="para">steht die Gewährleistung des möglichst ungestörten Gemeinge- </div> <div class="para">brauchs durch die Allgemeinheit im Vordergrund, bei den pri- </div> <div class="para">vaten Interessen ist zwischen ideellen und anderen, nament- </div> <div class="para">lich kommerziellen Interessen zu unterscheiden. Bei der Aus- </div> <div class="para">übung ideeller Grundrechte ist eine Beeinträchtigung des </div> <div class="para">Gemeingebrauchs oder anderer öffentlicher Interessen eher in </div> <div class="para">Kauf zu nehmen als bei sonstigen Aktivitäten. Bei nicht </div> <div class="para">ideellen Motiven für die Beanspruchung von öffentlichem </div> <div class="para">Grund darf das öffentliche Interesse am ungestörten Gemein- </div> <div class="para">gebrauch stärker veranschlagt werden, und es widerspricht </div> <div class="para">unter anderem nicht der Handels- und Gewerbefreiheit, wenn </div> <div class="para">rein kommerzielle weniger stark gewichtet werden als ideelle </div> <div class="para">Interessen ( <u>Tobias Jaag</u>, in ZBl 93/1992 S. 158 f.). Ob die </div> <div class="para">Handels- und Gewerbefreiheit ihre Schutzwirkung überhaupt </div> <div class="para">entfaltet, hängt allerdings nicht davon ab, ob und wieweit </div> <div class="para">ein Gewerbetreibender jeweils auf die Benützung des öffent- </div> <div class="para">lichen Grundes angewiesen ist. Ist dies nach der Art des </div> <div class="para">Gewerbes zwingend der Fall, werden seine privaten Interessen </div> <div class="para">bei der vorzunehmenden Abwägung entsprechend höher zu ge- </div> <div class="para">wichten sein als etwa dann, wenn der gewünschte gesteigerte </div> <div class="para">Gemeingebrauch zwar Vorteile bringt, aber nicht geradezu </div> <div class="para">betriebsnotwendig ist. Das Mass der Notwendigkeit der Inan- </div> <div class="para">spruchnahme des öffentlichen Grundes durch den Betroffenen </div> <div class="para">ist nicht für den Umfang des Schutzbereiches, sondern für </div> <div class="para">das Ergebnis der vorzunehmenden Interessenabwägung von Be- </div> <div class="para">deutung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Hiervon ausgehend erscheint die Vorschrift der Be- </div> <div class="para">schwerdeführerin, wonach die Verteilung von Werbematerial </div> <div class="para">auf öffentlichem Grund generell verboten ist (Art. 20 </div> <div class="para">VBöGS), als unverhältnismässige Beschränkung. Damit ist der </div> <div class="para">angefochtene Entscheid des Verwaltungsgerichts im Lichte der </div> <div class="para">Verfassung und namentlich der Handels- und Gewerbefreiheit </div> <div class="para">zu bestätigen und eine Verletzung der Gemeindeautonomie zu </div> <div class="para">verneinen. Zwar besteht ein öffentliches Interesse daran, </div> <div class="para">dass möglichst keine Werbeaktionen auf den Strassen statt- </div> <div class="para">finden, weil sie den Fussgängerverkehr beeinträchtigen und </div> <div class="para">einen zusätzlichen Reinigungsaufwand verursachen können. </div> <div class="para">Zudem ist ein Gewerbetreibender auf die Verteilung von Flug- </div> <div class="para">blättern und dergleichen auf öffentlichem Grund normalerwei- </div> <div class="para">se auch nicht angewiesen. In der Regel werden derartige Wer- </div> <div class="para">bematerialien in die Briefkästen verteilt. Gleichwohl sind </div> <div class="para">besondere Situationen denkbar, wo das Interesse eines ein- </div> <div class="para">zelnen Gewerbetreibenden die erwähnten öffentlichen Anliegen </div> <div class="para">überwiegen kann, z.B. wenn es darum geht, Passanten auf eine </div> <div class="para">in der Nähe stattfindende Veranstaltung aufmerksam zu ma- </div> <div class="para">chen. Wie vom Verwaltungsgericht angeordnet, muss daher eine </div> <div class="para">Interessenabwägung vorgenommen und gestützt hierauf ent- </div> <div class="para">schieden werden, ob und gegebenenfalls mit welchen Auflagen </div> <div class="para">eine Bewilligung zu erteilen ist. Dass dies nicht bloss ver- </div> <div class="para">mehrten Aufwand erfordert, sondern in der praktischen Hand- </div> <div class="para">habung auch gewisse Probleme bringen mag, entbindet das Ge- </div> <div class="para">meinwesen nicht von der Pflicht zu rechtsstaatlichem Vorge- </div> <div class="para">hen; dazu gehört die Beachtung der Grundrechte und, bei de- </div> <div class="para">ren Einschränkung, des Verhältnismässigkeitsprinzips. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>5.- </u> </div> <div class="para"> Demnach erweist sich die Beschwerde als unbegrün- </div> <div class="para">det. Bei diesem Verfahrensausgang ist auch keine neue Ent- </div> <div class="para">scheidung über die Kosten der Verfahren beim Statthalteramt </div> <div class="para">des Bezirks Zürich, Regierungsrat und Verwaltungsgericht des </div> <div class="para">Kantons Zürich zu treffen. Die Beschwerdeführerin hat trotz </div> <div class="para">des Unterliegens keine Kosten für das bundesgerichtliche </div> <div class="para">Verfahren zu tragen, da sie nicht aus Vermögensinteresse ge- </div> <div class="para">handelt hat (<span class="artref">Art. 156 Abs. 2 OG</span>). Der Kostenvorschuss wird </div> <div class="para">ihr zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat für das Ver- </div> <div class="para">fahren vor Bundesgericht Anspruch auf Parteientschädigung </div> <div class="para">durch die Beschwerdeführerin (<span class="artref">Art. 159 Abs. 2 OG</span>). Hierbei </div> <div class="para">ist jedoch zu beachten, dass auf ihr Feststellungsbegehren </div> <div class="para">nicht einzutreten ist (vgl. E. 1c), weswegen der Kostener- </div> <div class="para">satz entsprechend zu reduzieren ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Bundesgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>1.- </u> </div> <div class="para"> Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>2.- </u> </div> <div class="para"> Auf das Feststellungsbegehren der Beschwerdegegne- </div> <div class="para">rin wird nicht eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>3.- </u> </div> <div class="para"> Es werden keine Kosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>4.- </u> </div> <div class="para"> Die Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin </div> <div class="para">für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 2'500.-- zu </div> <div class="para">entschädigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>5.- </u> </div> <div class="para"> Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin, der Be- </div> <div class="para">schwerdegegnerin sowie dem Verwaltungsgericht des Kantons </div> <div class="para">Zürich schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para">_____________ </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 7. Juni 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. öffentlichrechtlichen Abteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para">Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>