Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Oktober 2015 (720 15 97 / 265) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die vorliegenden medizinischen Gutachten geben genügend Aufschluss über die mass- gebenden Indikatoren (BGE 141 V 281 ff.). Die Beschwerdeführerin weist keine relevante Leistungsbeeinträchtigung auf. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1962 geborene A.____ meldete sich erstmals am 18. April 2005 bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leis tungen an. Gestützt auf ihre Abklärungen lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) m it Verfügung vom 28. Juni 2005 einen An- spruch von A.____ auf eine Rente in Anwendung der s pezifischen Methode der Invaliditätsbe- messung ab. Daran hielt sie auch auf Einsprache der Versicherten hin mit Entscheid vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12. Dezember 2007 fest. Hiergegen erhob A.____ Beschw erde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), wobei sie eine ganze Rente beantragte. Nachdem die IV-Stelle vor Einreichung ihrer Vernehmlassung de n angefochtenen Einspracheentscheid vom 12. Dezember 2007 in Wiedererwägung gezogen und zwecks weiterer Abklärung des me- dizinischen Sachverhalts aufgehoben hatte, schrieb das Kantonsgericht das Beschwerdeverfah- ren mit Beschluss vom 25. Juni 2008 als gegenstandslos ab. A.2 In der Folge nahm die IV-Stelle zusätzliche Abklä rungen des medizinischen Sachver- halts vor und ermittelte – nunmehr in Anwendung der g emischten Methode – einen IV-Grad von 15%, worauf sie nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 21. Oktober 2009 einen Rentenanspruch von A.____ erneut abwies. D ie gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht mit Urteil vom 12. Ma i 2010 (Verfahren-Nr. 720 09 343) ab. Auf die hiergegen erhobene Beschwerde trat die I I. sozialrechtliche Abteilung des Bundes- gerichts mit Urteil vom 31. August 2010 nicht ein. A.3 Am 19. Januar 2012 meldete sich A.____ erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der medizinischen, erwerblichen und h auswirtschaftlichen Verhältnisse ermittelte die IV-Stelle – in Anwendung der gemischte n Methode – einen IV-Grad von 8%, wo- rauf sie nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Ve rfügung vom 6. Februar 2015 einen Rentenanspruch von A.____ wiederum abwies. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwal t Daniel Altermatt, am 9. März 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die Verfügung vom 6. Februar 2015 aufzuheben; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Bewilligung der unentgeltl ichen Rechtspflege mit Rechtsanwalt Al- termatt als unentgeltlichen Rechtsvertreter und eine Nachfrist zur ergänzenden Begründung der Beschwerde. Am 1. April 2015 brachte A.____ im Wesent lichen vor, dass sie ohne Gesund- heitsschaden aus finanziellen Gründen in einem 100%-Pen sum arbeiten würde. Daher sei zur Ermittlung des IV-Grads die allgemeine Methode des Ei nkommensvergleichs anzuwenden. Ausserdem würde die angefochtene Verfügung auf unzurei chenden medizinischen Unterlagen beruhen. C. Am 13. April 2015 zog A.____ das Gesuch um unentge ltliche Prozessführung zurück. D. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Mai 2015 schloss die IV -Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. E. Nachdem das Bundesgericht mit Leitentscheid vom 3. Ju ni 2015 (BGE 141 V 281 ff.) seine bisherige Rechtsprechung zur invalidisierenden Wi rkung von somatoformen Schmerzstö- rungen und vergleichbaren pathogenetisch-ätiologisch un klaren syndromalen Beschwerdebil- dern ohne nachweisbare organische Grundlage in zentral en Punkten geändert hatte, gab der instruierende Präsident des Kantonsgerichts den Parteien am 8. Juli 2015 Gelegenheit, zum Leitentscheid des Bundesgerichts Stellung zu nehmen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Die IV-Stelle hielt am 7. August 2015 im Wesentlich en fest, dass die vorliegenden medi- zinischen Unterlagen eine Würdigung der nach der neuen Schmerzrechtsprechung massgebli- chen Kriterien zulassen würden. Demgegenüber führte di e Beschwerdeführerin am 7. Septem- ber 2015 aus, es fehle an einer zuverlässigen medizinisch en Grundlage für eine umfassende Beurteilung der relevanten Indikatoren, weshalb eine erneute medizinische Begutachtung not- wendig sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 6. Februar 2015 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 4.2.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstäti gen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.2.2 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Auf gabenbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B etätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 4.2.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 4.3 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitwei lig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bund esgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versiche rten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 6. Februar 2015) entwickelt haben, wobei für d ie hypothetische Annahme einer im Ge- sundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderl ich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 4.4 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d der Versicherten nach der gemischten Methode bemessen. Dabei hat sie bei der Festlegung der Anteile der Erwerbs- und Haus- haltstätigkeit im Wesentlichen auf die im "Fragebogen zu r Ermittlung der Erwerbstätigkeit" vom 9. Mai 2007 wiedergegebenen Angaben der Versicherten abgestellt, wonach diese ohne ge- sundheitliche Beeinträchtigungen in einem Pensum von 50 % erwerbstätig und zu 50% für den Haushalt besorgt wäre. Diese Anteile der Erwerbs- un d der Haushaltstätigkeit wurden von der Beschwerdeführerin im früheren Verfahren vor Kantonsgericht nicht in Frage gestellt (vgl. Urteil des Kantonsgerichts vom 12. Mai 2010, E. 4.2) und sind auch im vorliegenden Verfahren nicht zu beanstanden. Selbst wenn den Ausführungen der Beschw erdeführerin gefolgt und der IV- Grad nach der allgemeinen Methode für Erwerbstätige b emessen würde, liesse sich daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten, wie sich aus den nachstehenden Erwägungen ergibt. 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in we lchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Fra ge, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den i m Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6. Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind fol gende medizinische Unterlagen zu berücksichtigen: 6.1 Die IV-Stelle beauftragte Dr. med. B.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitati- on sowie Rheumatologie, mit einem Gutachten. Am 12. März 2012 konnte dieser keine Diagno- se mit relevantem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellen. Ohne Auswirkung bestünden ein Sta- tus nach Sturz 1997 mit Basisfraktur des rechten Daumens un d Distorsion des linken Kniege- lenks, nach Diskektomie L5/S1, ein unspezifisches Lumboverte bralsyndrom bei Status nach zweimaliger Diskushernie, pathomorphologische Veränderu ngen im Sinne von Osteochondro- sen, vor allem L5/S1, eine generalisierte Fibromyalgie vom funktionellen Typ im Rahmen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und Adipositas. Während der Dauer der zweistün- digen Exploration habe er bei der Versicherten zu kein er Zeit einen Leidensdruck beobachten können. Die Explorandin sei ziemlich entspannt auf i hrem Stuhl gesessen oder habe sich ent- spannt am Stuhl / Fenstersims angelehnt. Die Versicherte sei weder in ihrer Heimat noch in der Schweiz je einer beruflichen Tätigkeit nachgegangen. Kö rperlich leichte bis mittelschwere Tä- tigkeiten seien ihr zumutbar. Aufgrund der festgestellt en Fibromyalgie im Zusammenhang mit der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und der V erlangsamung betrage die Leis- tungseinschränkung maximal 15%. Im Haushaltbereich sei die Versicherte nicht eingeschränkt. 6.2 Am 6. März 2013 diagnostizierte Dr. med. C.____, F MH Psychiatrie und Psychotherapie, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F4 5.4), differentialdiagnostisch eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (ICD-10 F68.0) und einen Status Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2), differentiald iagnostisch rezidivierende depressive Verstimmungen, aktuell remittiert (ICD-10 F33.4). Bei der Versicherten liege eine jahrelange Schmerzproblematik vor, welche aus somatischer Sicht nie hinreichend habe erklärt und objek- tiviert werden können. Nach ihren Angaben sei eine psychiatrische Therapie vor circa zwei Jah- ren beendet worden und eine psychiatrische Medikation wer de nicht eingesetzt. Sie leide wei- terhin unter Körperschmerzen an unterschiedlichen Lokali sationen und an Schwindel. Aufgrund dieser Beschwerden sei sie nicht einmal in der Lage, einf ache Tätigkeiten alleine zu verrichten und müsse dauernd überwacht werden. Sie getraue sie sich nicht mehr, das Haus alleine zu verlassen. Den Tag verbringe sie sehr passiv, indem sie sitze, liege oder kurz in der Wohnung herumgehe. Ihr sei langweilig. Es bestünden noch einige soziale Kontakte, vor allem im familiä- ren Rahmen. Die geklagten kognitiven Schwierigkeiten hät ten anlässlich der Operation an der Wirbelsäule nicht objektiviert werden können. Der Geda nkengang sei etwas umständlich, ziem- lich undifferenziert und pauschalisierend. Zudem verliere sie sich in Details. Stimmungsmässig sei sie aber in keiner Weise eingeschränkt. Sie sei affekti v gut moduliert, nehme den Blickkon- takt auf und es bestünde eine adäquate Gestik und Mimik. Psychomotorisch sei sie unauffällig. Eine depressive Störung lasse sich nicht eruieren. Aufg rund der Beschreibungen der Exploran- din sei anzunehmen, dass sie zeitweise unter Verstimmunge n leide, wobei es sich möglicher- weise um Anpassungsstörungen oder um rezidivierende leic hte depressive Verstimmungen im Rahmen der Schmerzproblematik handeln könnte. Diese seien allerdings reaktiv im Rahmen der Situation zu interpretieren und würden keine eig enständige Störung darstellen. Die Explo- randin verhalte sich ausgesprochen passiv und habe keine Ziele. Den Tag verbringe sie zuhau- se, weshalb es nicht erstaune, dass sie unter Verstimmunge n leide. Offensichtlich sei die Schmerzsymptomatik aus rheumatologischer Sicht im geklagten Ausmass nicht nachvollzieh- bar. Diese sei nach einem relativ geringfügigen Unfall im Jahr 1997 in zunehmendem Ausmass aufgetreten. Der Ehemann der Versicherten sei ebenfal ls seit etwa diesem Zeitpunkt arbeitsun- fähig. Es sei denkbar, dass die damals psychosozial schwierig e Situation die Schmerzentwick- lung begünstigt habe, weshalb die Diagnose einer anh altenden somatoformen Schmerzstörung durchaus in Betracht gezogen werden könne. Unsicher sei ab er, ob ein Zusammenhang zwi- schen einer ursächlichen psychosozialen Situation und der Schmerzentstehung bestehe, wes- halb differentialdiagnostisch die Diagnose der Schmerzen twicklung aus psychischen Gründen in Erwägung zu ziehen sei. Hinweise auf eine anderweit ige gravierende psychische Störung seien nicht vorhanden und es bestünde keine ausgewiesene Komorbidität. Die affektive Stö- rung resp. die Verstimmungen seien im Rahmen der Schmerzsymptomatik zu interpretieren und würden keine eigenständige Störung darstellen. Eine ch ronifizierte schwere körperliche Be- gleiterkrankung liege ebenfalls nicht vor. Zwar bestünd e mittlerweile ein langjähriger Krank- heitsverlauf mit unveränderter Symptomatik. Die Versiche rte sei aber ihren Beschwerden ge- genüber ausgesprochen passiv. Ein sozialer Rückzug in allen Lebensbelangen liege nicht vor. Eine konsequente intensive psychiatrische Therapie habe die Versicherte nicht durchgeführt. Sie wirke auch nicht motiviert, sich aktiv an derartigen Massnahmen zu beteiligen. Die ausge- prägte Passivität lasse sich aufgrund eines Krankheitsbi ldes in diesem Ausmass nicht erklären. Eine Willensanstrengung zur Überwindung der Beschwerde n sei zumutbar, wobei der Versi- cherten diesbezüglich eine Einschränkung der Arbeitsfäh igkeit von 15% zu attestieren sei. Im Haushalt sei die Versicherte nicht eingeschränkt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Die IV-Stelle gelangte in der angefochtenen Verf ügung vom 6. Februar 2015 in Anwen- dung der bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung z u den Schmerzstörungen (BGE 130 V 352 ff.) gestützt auf die beigezogenen Gut achten der Dres. B.____ und C.____ vom 12. März 2012 und 6. März 2013 zur Auffassung, dass di e Versicherte aus somatischer und aus psychiatrischer Sicht in sämtlichen leichten bis m ittelschweren Tätigkeiten um Umfang von 85% arbeitsfähig ist. Diese vorinstanzliche Beweiswürd igung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), ist den Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchu ngen sowie nach Einsicht in die Ak- ten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien ge- gen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Die Gut- achten der Dres. B.____ und C.____ weisen weder formal e noch inhaltliche Mängel auf, sie sind – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E . 5.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, sie beruhen auf allseitigen Untersuchungen, sie berücksichtigen die geklagten Be- schwerden, sie sind in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, sie leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung de r medizinischen Situation ein, sie setzen sich mit den vorhandenen abweichenden ärztlichen Ein schätzungen auseinander und sie sind in den Schlussfolgerungen überzeugend. Insbes ondere nehmen die Gutachter auch eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor. 7.2 Fraglich ist, ob sich seit der Begutachtung durch Dr. B.____ am 29. Februar 2012 eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingestellt hat. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe sich am 30. März 2014 einer Diskektomie L4/5, am 12. April 2014 einer Re-Diskektomie L4/5 und am 30. April 2014 einer Re-Dek ompression und Débridement L4/5 unterziehen müssen. 7.3.1 Im Bericht vom 26. September 2014 führte Dr. me d. D.____, FMH Orthopädische Chi- rurgie, aus, aktuell bestünde eine Foraminalstenose L4/ 5 links bei ansonsten jedoch freiem Spinalkanal. Die Versicherte sei selbstständig mobil, werde jedoch schnell müde. Insgesamt sei die Situation im Stehen und in Bewegung besser als im Liegen. Derzeit würde noch Physiothe- rapie durchgeführt. Das MRI der Lendenwirbelsäule (LWS ) vom 15. September 2014 zeige nur eine L4 Einengung foraminal linksseitig, was aber nicht das gesamte Beschwerdebild erkläre. Weiter zeige das MRI eine Diskopathie L3/4 mit Anulus fi brosus Riss dorsal sowie ausgeprägte Diskopathien L4/5 und L5/S1. Die Versicherte sei vollstän dig arbeitsunfähig und auch in der Hausarbeit stark eingeschränkt. Dies werde auch auf absehbare Zeit so bleiben. 7.3.2 Am 14. Oktober 2014 teilte die behandelnde Ärzt in Dr. med. E.____, Physikalische Me- dizin und Rehabilitation, Rheumatologie und Allgemei ne Innere Medizin, der IV-Stelle mit, dass die Versicherte seit einem Jahr nicht mehr bei ihr in Behandlung gewesen sei. 7.3.3 Am 20. Oktober 2014 diagnostizierte der behandel nde Arzt Dr. med. F.____, FMH Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, einen Status nach einer Arthroskopie an der rechten Schulter mit Biopsie-Entnahme, AC-Plastik, K alkentfernung und partieller AC- Gelenksresektion am 19. Februar 2014. Aktuell bestünden Schmerzen bei Überkopfarbeiten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die aktive und passive Beweglichkeit sei nahezu seitengleich. Die Rotatorenmanschettentes- tung sei unauffällig. Die Kraftübertragung bei der A bduktion, Aussen- und Innenrotation sei re- gelrecht. Bei den Provokationstests liessen sich nur mässige Schmerzen auslösen. Die Versi- cherte sei bei Überkopfarbeiten leicht eingeschränkt. Die bisherige Tätigkeit sei zumutbar; eine Leistungsverminderung bestehe nicht. Als Hausfrau sei di e Versicherte praktisch nicht mehr eingeschränkt. 7.4 Aus den vorliegenden – zeitnah nach den durchgefü hrten operativen Eingriffen – erstell- ten Berichten der behandelnden Ärzte geht zwar hervor, dass sich der somatische Gesund- heitszustand der Versicherten nach der Begutachtung durch Dr. B.____ am 29. Februar 2012 vorübergehend verschlechterte. Da aber die Versicherte se it längerer Zeit nicht mehr bei der Rheumatologin Dr. E.____ in Behandlung war und zudem keine aktuellen Berichte der behan- delnden Ärzte vorliegen, ist in Bezug auf die Rückenbeschwerden davon auszugehen, dass der weitere Heilungsverlauf positiv verlaufen ist. Betreffe nd die Schulterbeschwerden hielt Dr. F.____ in seinem Bericht vom 20. Oktober 2014 fest , dass keine Leistungsverminderung mehr bestünde und die Versicherte als Hausfrau praktisch nicht mehr eingeschränkt sei. Auf- grund der vorliegenden medizinischen Berichte ist – entg egen der Ansicht der Beschwerdefüh- rerin – nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erste llt, dass sich ihr Gesundheitszustand seit der Begutachtung durch Dr. B.____ am 29. Februar 2012 dauerhaft verschlechtere, wes- halb für die Beurteilung des somatischen Gesundheitszust andes weiterhin auf dessen Gutach- ten vom 12. März 2012 abgestellt werden kann. 7.5.1 Weiter wendet die Beschwerdeführerin gegen das G utachten von Dr. C.____ vom 6. März 2013 ein, dieses sei insofern nicht beweistaugli ch, als es keinen Aufschluss über die massgeblichen Indikatoren gebe, welche gemäss der neueste n bundesgerichtlichen Schmerz- rechtsprechung zu würdigen seien. 7.5.2 Mit Leitentscheid vom 3. Juni 2015 hat das Bunde sgericht seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatoformen Schmerzstörunge n und vergleichbaren psycho- somatischen Leiden revidiert und sich von der bisherigen Überwindbarkeitsvermutung verab- schiedet (BGE 141 V 281 ff.). Die Rechtsprechungsänderun g findet grundsätzlich auf laufende Verfahren wie das vorliegende Anwendung. Eine Einschrä nkung der Leistungsfähigkeit kann weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge e iner fachärztlich einwandfrei diagnosti- zierten Gesundheitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig w ird der Rentenanspruch – in Nachach- tung der verfassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. Apri l 1999 (Rechtsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) – anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht medizinische Evidenz, dass die E rwerbsunfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes hält das Bundesgericht – de r seit längerem namentlich aus medi- zinischer, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusser- ten Kritik Rechnung tragend – an der Überwindbarkeitsver mutung nicht weiter fest. Anstelle des bisherigen Regel/Ausnahme-Modells tritt ein strukturiert es, normatives Prüfraster. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktion ellen Schweregrad bezogenen Standar- dindikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermöge n ergebnisoffen und symmetrisch Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsf aktoren wie den vorhandenen Res- sourcen Rechnung getragen wird (Urteil des Bundesgerich ts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 7.5.3 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Ste llungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargeta n werden kann, trägt weiterhin die ma- teriell beweisbelastete versicherte Person die Folgen. E ine anhaltende somatoforme Schmerz- störung und vergleichbare Leiden können somit eine Inval idität begründen, sofern funktionelle Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlich en Anspruchsgrundlage im Einzel- fall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider spruchsfrei mit zumindest überwiegen- der Wahrscheinlichkeit in einem anspruchserheblichen Au smass nachgewiesen sind (BGE 141 V 281 E. 6). 7.5.4 Geht es darum, den medizinischen Sachverhalt im Li chte dieser neuen höchstrichterli- chen Schmerzrechtsprechung zu würdigen, so bleibt in i ntertemporalrechtlicher Hinsicht auf Folgendes hinzuweisen: Laut Bundesgericht verlieren die gemäss altem Verfahrensstandard eingeholten Gutachten – wie die hier vorliegenden Gut achten der Dres. B.____ und C.____ – nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen e iner gesamthaften Prüfung des Einzel- falls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhob enen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrun dlagen vor Bundesrecht standhält. In sinngemässer Anwendung auf die nunmehr materiell-b eweisrechtlich geänderten Anforde- rungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die b eigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten – gegebenenfal ls im Kontext mit weiteren fachärztli- chen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte d er massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 281 E. 8 mit Hinweis). 7.6.1 Das Bundesgericht hat die massgeblichen Abklärunge n in zwei Bereiche eingeteilt: In einem ersten Teil sind unter dem Stichwort des funktion ellen Schweregrades drei Indikatoren- Komplexe zu klären, welche wiederum in weitere Indikato ren unterteilt sind. In einem zweiten Teil sind die Ergebnisse aus dem ersten Teil einer Konsistenzprüfung zu unterziehen. 7.6.2 Der erste Indikatoren-Komplex steht unter dem Ti tel “Gesundheitsschädigung“. Dabei stellt sich zunächst die Frage nach der Ausprägung der d iagnoserelevanten Befunde. Zu würdi- gen ist die Schwere des Krankheitsgeschehens, wie stark d ie Alltagsfunktionen beeinträchtigt sind und ob Hinweise auf Aggravation oder Simulation e rsichtlich sind. Im vorliegenden Fall Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht geht aus dem Gutachten von Dr. C.____ hervor, dass die B eschwerdeführerin zusammen mit ihrem Ehemann und ihren Söhnen wohnt und einen ausge sprochen passiven Tagesrhythmus verfolgt. Sie verbringt den Tag offenbar vorwiegend sit zend und liegend zu Hause. Der Haus- halt wird von ihren Angehörigen besorgt. Die Frage der Aggravation wird vom Gutachter nicht direkt beantwortet. Dr. B.____ beschreibt aber inadäq uates und histrionisches Verhalten wäh- rend der Untersuchung. 7.6.3 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht d en Behandlungs- und Eingliede- rungserfolg oder -resistenz. Dabei sind Verlauf und Au sgang der bisher durchgeführten Thera- pien und Eingliederungsversuche zu würdigen und zu prüf en, ob die therapeutischen Möglich- keiten ausgeschöpft wurden. Die Beschwerdeführerin war i n der Schweiz nie erwerbstätig, weshalb sich die Frage nach Eingliederungsversuchen erübrigt. Hinsichtlich der Therapien hatte die Beschwerdeführerin im Rahmen der Exploration bei D r. C.____ zwar angegeben, psycho- therapeutische Hilfe beansprucht zu haben. Die Therap ie sei aber vor zwei Jahren beendet worden. Aus den Akten sind keine Hinweise ersichtlich, dass j e eine psychopharmakologische Behandlung durchgeführt worden war. Dr. C.____ befü rwortet zwar dringend eine vermehrte Aktivierung der Versicherten und verhaltenstherapeutische Massnahmen. Dennoch erachtet er therapeutische Massnahmen als nicht erfolgsversprechend. 7.6.4 Als weiterer Indikator sind die Komorbiditäten zu würdigen. Der psychischen Komorbi- dität ist nach der neuen Praxis keine vorrangige Bedeut ung mehr einzuräumen, vielmehr sind auch körperliche Begleiterkrankungen zu würdigen. Vorlie gend besteht neben der somatofor- men Schmerzstörung keine weitere psychiatrische Diagnose. Differentialdiagnostisch erwähnt Dr. C.____ eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psych ischen Gründen. Daraus muss aber geschlossen werden, dass die Hauptdiagnose hinreichend stark ausgeprägt ist, um als gesichert zu gelten. Als körperliche Begleiterkrankungen bestehen die Bandscheibenvorfälle in den Jahren 2004 und 2014. Sie wurden jeweils operati v saniert und waren deshalb nur vo- rübergehend wirksam. Dasselbe gilt für die Beschwerden a n der rechten Schulter. Insgesamt sind die Komorbiditäten als eher gering einzuschätzen. 7.6.5 Im zweiten die Persönlichkeit betreffenden Indika toren-Komplex wird nach der Persön- lichkeitsentwicklung und der Persönlichkeitsstruktur gefragt und die persönlichen Ressourcen zu eruieren. Aus dem Gutachten von Dr. C.____ geht he rvor, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Urteilsbildung nicht gestört sei. Der Gedankengang sei – soweit beurteilbar – formal unauf- fällig, jedoch sehr einfach strukturiert, pauschalisierend und undifferenziert. Es bestünden keine Hinweise auf Zwänge, Wahnvorstellungen oder psychotische P hänomene. Der Affekt sei euthym und die Beschwerdeführerin wirke in keiner Weise gedrückt. Sie gebe an, zweitweise nervös und angespannt zu sein, manchmal gereizt zu reag ieren, sie sei teilweise traurig und oft langweile sie sich. Insgesamt erscheinen damit die persönli chen Ressourcen zumindest in ei- nem gewissen Masse noch erhalten zu sein. 7.7.1 Im dritten Indikatoren-Komplex ist unter dem Ti tel „sozialer Kontext“ zunächst die Ab- grenzung der psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vo rzunehmen. Diese Faktoren blei- ben als invaliditätsfremd nach wie vor unbeachtlich. Im vorliegenden Fall führte Dr. C.____ aus, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Schmerzsymptomatik sei nach einem relativ unbedeutenden Unfall aufgetreten. Ebenfalls etwa zum selben Zeitpunkt sei der Ehemann arbeitsunfähig geworden. Es sei denkbar, dass im damaligen Zeitraum eine psychosozial eher schwierige Sit uation bestanden habe, welche die Schmerzentwicklung begünstigt habe. Als psychosoziale Faktoren zu würdigen sind sodann der Migrationshintergrund, die fehlende Integration in d er Schweiz und die dürftigen Deutschkennt- nisse. Insgesamt bestehen somit doch erhebliche psychosoziale und soziokulturelle Einflüsse auf das Krankheitsgeschehen. 7.7.2 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht a uch in diesem Indikatoren-Komplex – wie im Indikatoren-Komplex der Persönlichkeit – die E ruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds. Beachtlich sind dabei die Verankerung u nd Vernetzung im sozialen Umfeld und die daraus mobilisierbaren Ressourcen. Die Beschwerd eführerin lebt zusammen mit ihrem Ehemann und ihren Söhnen in einem Haushalt. Nach Anga ben im Gutachten von Dr. B.____ leben rund dreissig Verwandte der Beschwerdeführerin i m Raum Basel, zu denen sie guten Kontakt habe. Von ihrem sozialen Umfeld geht somit zweifellos eine gewisse Stütze aus. 8. Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich d ie „Konsistenzprüfung“ vorzuneh- men. Dabei ist zu prüfen, ob die vom Gutachter bzw. von der IV-Stelle festgestellten Auswir- kungen auf die Leistungsfähigkeit aufgrund des medizini sch festgestellten Gesundheitsscha- dens anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfre i mit überwiegender Wahrschein- lichkeit nachgewiesen sind. Ein wichtiger Indikator ist dabei die Frage, ob die diskutierte Ein- schränkung in der Erwerbsfähigkeit gleich ausgeprägt ist wie die Einschränkungen in den sons- tigen Lebensbereichen. Ferner ist zu beachten, ob di e versicherte Person Therapieangebote wahrnimmt oder mögliche Behandlungen auslässt. Vorliegend beansprucht die Beschwerdefüh- rerin weder Psychotherapie noch eine psychopharmakologische Medikation und ausser Schmerzmittel keine spezifische somatische Therapie, was als Indiz dafür zu werten ist, dass der geschilderte Schmerz etwas grösser ist als der tatsächli ch erlebte. In diese Richtung weist auch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin nach de r Beschreibung im Gutachten von Dr. B.____ während der zweistündigen Exploration ohne sichtbaren Leidensdruck sehr ent- spannt gewesen sei und häufig herzlich gelacht habe. Aufgrund der Indikatoren ist eine gewisse Einschränkung der Leistungsfähigkeit sicherlich plausibel, ebenso sind aber auch noch be- trächtliche Restressourcen erkennbar, welche auch im Rahme n des Erwerbslebens verwertbar sein dürften. Insgesamt erscheint die von den Gutachten Dr es. B.____ und C.____ veran- schlagte und von der IV-Stelle in der angefochtenen Ver fügung berücksichtigte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 15% im Erwerb und von 0% im Haushalt durchaus im Einklang mit den geringen Einschränkungen der Beschwerdeführerin im Alltag zu stehen. 9. Gestützt auf die obigen Erwägungen ergibt sich, dass die Gutachten der Dres. B.____ und C.____ vom 12. März 2012 und 6. März 2013 genügend Aufschluss über die massgebli- chen Indikatoren geben. Des Weiteren erscheint die von den Gutachtern vorgenommene Zu- mutbarkeitsbeurteilung auch in Würdigung der nach neuer Rechtsprechung zu berücksichtigen- den Indikatoren überzeugend, so dass vollumfänglich darauf abgestellt werden kann. Nach dem Gesagten lässt das vorliegende Gutachten der Dres. B.____ und C.____ eine zuverlässige Be- urteilung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit der Ver sicherten zu, weshalb in antizipierter Be- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreiche n Hinweisen) auf die beantragte zu- sätzliche Abklärung verzichtet werden kann. 10. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die Besch werdeführerin keine rele- vante Leistungsbeeinträchtigung aufweist. Es ist daher davon auszugehen, dass sie ein renten- ausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag. Demnach hat d ie IV-Stelle in der angefoch- tenen Verfügung vom 6. Februar 2015 einen Rentenans pruch der Versicherten zu Recht abge- lehnt. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewie- sen werden muss. 11. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr aufzuerlegen u nd mit dem geleisteten Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 600.-- zu verrechnen sind. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde von A.____ am 15. Januar 2016 Beschwerde beim Bundesge- richt (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren Nr. 9C_42/2016 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht