B. Gerichtsentscheide 3568 53 ihres Aufenthaltes in dieser Einrichtung. Weil ein Asylzentrum eine ärztliche Betreuung weder bezweckt noch einer ärztlichen Betreuung von Patienten dient, gehört es nicht zum Kreis der nach Art. 15 BauR für diese n Zweck z u- lässigen Kliniken oder Hotels. Somit ist keinesfalls zu beanstanden, dass die Vorinstanzen die geplante Umnutzung des Gebäudes als Asylzentrum nach hiesigem Recht nicht als zonenkonform beurteilt haben. Zumindest eine o r- dentliche Bewilligung wurde dem Vorhaben somit zu Recht verweigert, auch wenn die Erschliessung der Parzelle als solche offe nkundig und unbestritten für die geplante Zweckänderung genügt. [Die Umnutzung des ursprünglich formell und materiell rechtmässig erstell- ten Gebäudes erwies sich hingegen im Rahmen der Bestandesgarantie als zulässig.] OGer, 28.09.2011 3568 Unfallversicherung. Unfallbegriff. Eine durch den Tanzpartner im Rahmen eines Salsa-Kurses durch Emporstossen der Arme ausgelöste Schulterverle t- zung stellt ohne das Dazutreten besonderer Umstände keinen Unfall dar. Sachverhalt: X. war als Angestellte der Y. GmbH bei der Z. Unfall AG obligatorisch u n- fallversichert, als sie sich am 17. September 2010 im Rahmen eines Tanzkur- ses eine Schulterverletzung zuzog. Ihren Aussagen zufolge hatte sie während des Salsa -Unterrichts gemeinsam mit einem ihr persönlich nicht bekannten Tanzpartner eine neue Figur einst udiert. Der Tanzpartner sei dabei hinter ihr gestanden und hätte ihre locker nach unten hängenden Arme mit einem „Putsch“ nach vo rne schlagen müssen. Sie sei auf diese Bewegung gefasst gewesen und habe die Arme bewusst locker gehalten. Der Tanzpartner habe ihre Arme aber mit einer derart übertriebenen Kraft emporgeschlagen, dass diese im Schwung über Kopfhöhe geraten seien, was eine n plötzlichen Schmerz in der linken Schulter ausgelöst habe. Sie habe in dem M oment nur gedacht: „was für ein Idiot“. Danach habe sie für zwei Stunden mit wenig Schmerzen weiter trainieren können. Erst im Verlauf der Nacht hätten sich progrediente Schmerze n entwickelt, die nach erfolgloser Erstbehandlung durch Dr. med. A. schliesslich zur Hospitalisierung im Spital H. geführt hätten. Dort wurde von Dr. med. B. eine Tendinitis der Supraspinatussehne sowie e i- ne Bursitis subacromialis diagnostiziert, welche am 20. September 2010 mit- tels Infiltration behandelt wurde. In der Folge war die Versicherte über längere Zeit teilweise arbeitsunfähig. B. Gerichtsentscheide 3568 54 Aus den Erwägungen: 2. Zwischen den Parteien streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die von der Beschwerdeführerin erlittene Schulterverletzung einen Unfall im Sinn von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialvers i- cherungsrechts (ATSG; SR 830.1) darstellt. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) werde n die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. Als Unfall gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädige n- de Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geisti gen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). 2.2 Der äussere Faktor ist Gegenstück zur – den Krankheitsbegriff konsti- tuierenden – inneren Ursache. Die schlüss ige Abgrenzung der beiden B e- griffsmerkmale wird aber erst durch die weiter erforderliche Ungewöhnlic hkeit des äusseren Faktors ermöglicht (BGE 134 V 72 E. 4.1). Das Merkmal des Ungewöhnlichen macht den alltäglichen Vorgang zum einmaligen Vorfall. Einwirkungen, die aus alltäglichen Vorgängen resultieren, taugen in aller R e- gel nicht als Ursache einer Gesundheitsschädigung. Liegt der Grund somit a l- lein im Innern des Körpers, ist Krankheit gegeben. Daran ändert die blosse Auslösung des Gesundheitsschadens durch einen äusseren Faktor nichts; Unfall setzt vielmehr begrifflich voraus, dass das exogene Element so ung e- wöhnlich ist, dass eine endogene Verur sachung ausser Betracht fällt (BGE 134 V 72 E. 4.1.1). 2.3 Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rah men des im je- weiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies z u- trifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven U m- stände in Betracht fallen ( Sozialversicherungsrecht, SVR 2001 KV Nr. 50, S. 145, E. 3a; BGE 122 V 230 E. 1 in: Pra 1997 Nr. 823 S. 415 f.; BGE 134 V 72 E. 4.3.1). 2.3.1 Das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit b ezieht sich nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne B elang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist insoweit, dass der äussere Faktor a l- lenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Ausschlagg e- bend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umweltei n- wirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirku n- gen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1). Hingegen ist die Wirkung, das heisst die Natur des Gesundheitsschadens, mit Blick auf die Bedeutung des Abgrenzungskriteriums im Einzelfall durchaus beachtlich. Ein gesteigertes Abgrenzungsbe dürfnis besteht dort, wo der G e- sundheitsschaden seiner Natur nach auch andere Ursachen als eine plötzl i- che schädigende Einwirkung haben kann, also keine gesicherte Zuordnung zum exogenen Faktor erlaubt. Dies gilt nach der Rechtsprechung insbesonde-B. Gerichtsentscheide 3568 55 re dann, wenn die Gesundheitsschäd igung erfahrungsgemäss auch als allei - nige Folge von Krankheit, insbesondere von vorbestandenen degenerativen Veränderungen eines Körperteils, innerhalb eines durchaus normalen G e- schehensablaufs auftreten kann. In solchen Fällen mu ss die unmittelbare U r- sache der Schädigung unter besonders "sinnfälligen" Umständen gesetzt worden sein. Somit wird eine Einwirkung ohne offen sichtliche Schadensne i- gung erst durch das Hinzukommen eines zusätzlichen Ereignisses zum u n- gewöhnlichen äusseren Faktor. Es bedarf – neben den üblichen auf den Kö r- per einwirkenden Kräften – eines schadensspezif ischen Zusatzgeschehens, damit ein Unfall angenommen werden kann (BGE 134 V 72 E. 4.3.2 f.). […] 2.6 Da es sich vorliegend um eine Schädigung im Körperinnern h andelt, müsste, wie in BGE 134 V 72 (E. 4.1.1) erwogen, das exogene Element so ungewöhnlich sein, dass eine endogene Verursachung ausser Betracht fällt. Selbst wenn eine krankheitsbedingte Ursache auszuschliessen wäre, müsste das Begriffsmerkmal der Ungewö hnlichkeit also erfüllt sein (vgl. auch Urteil BGer 8C_718/2009, E. 6.2). Dieses Kriterium ist vorliegend nicht erfüllt: Aufgrund der vorbestehe nden Kalkschulter hätten die akuten Schulterschmerzen als Folge der Bursitis su b- acromialis ohne weiteres auch i nnerhalb eines normalen Geschehensa blaufs (z.B. Strecken der Arme, Arbeiten über Kopf) auftreten können, weshalb sie nicht von vornherein einem äusseren Faktor zugeordnet werden können. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die akuten Schulterbeschwerden ohne vorbestehende Kalkschulter nicht eingetreten wären. […] 2.7 Somit müsste die unmittelbare Ursache der Schädigung rechtspr e- chungsgemäss unter besonders "sinnfälligen" Umständen gesetzt worden sein; die Einwirkung würde erst durch das Hinzukommen e ines zusätzlichen Ereignisses zum ungewöhnlichen äusseren Faktor. 2.7.1 Mit Blick auf den zu beurteilenden Sachverhalt liegt es auf der Hand, dass die Heftigkeit der durch den Tanzpartner verursachten Armbewegung nicht geplant war. Es ist aber klarzustellen, dass die Verletzung der B e- schwerdeführerin nicht darauf zurückzuführen ist, dass sie durch ihren Tan z- partner in einem aktiven, selbstgesteuerten Bewegungsablauf „programmwi d- rig“ gestört wurde. Die Tanzübung bestand vielmehr darin, dass sich die B e- schwerdeführerin ihre ruhenden, locker nach unter hängenden Arme durch ihren Tanzpartner passiv emporstossen liess. Eine programmwidrige Beei n- flussung des natürlichen Ablaufs einer Körperbewegung konnte somit von vorneherein nicht erfolgen, da eine Körperbewegung e rst durch eine äussere Krafteinwirkung gleichsam mechanisch bewirkt werden sollte. Die Heranzi e- hung der oben erwähnten Rechtsprechung zur programmwidrigen Beeinflu s- sung einer Körperbewegung erweist sich vor diesem Hinter grund nicht als sachgerecht. Vielme hr ist zu fragen, ob die Ungewöhnlichkeit darin erblickt B. Gerichtsentscheide 3568 56 werden kann, dass der äussere Faktor (die Impulsbewegung des Tanzpar t- ners) den Rahmen des Üblichen im Sinne einer besonders starken Einwi r- kung überschritten hat (vgl. Ueli Kieser , ATSG -Kommentar, 2. A., Zürich 2009, N 27 zu Art. 4). 2.7.2 Das Emporstossen der Arme durch den Tanzpartner der Beschwe r- deführerin geschah beim Einstudieren einer Tanzfigur im Rahmen eines Sa l- sa-Kurses. Es ist aufgrund der eingangs beschriebenen Umstände davon auszugehen, dass die Tanzfigur im Rahmen des Tanzkurses sta ndardmässig eingeübt wurde und keine besonderen Anforderungen an die Teilnehmer stell- te. Die einstudierte Übung an sich sprengte daher den Ra hmen des Üblichen nicht. Zur Diskussion steht lediglich, ob der offenb ar übe rtriebene Kraftein - satz, mit dem der Tanzpartner der Beschwerdeführerin die Übung ausführte, im Sinne eines besonders sinnfälligen Umstands allenfalls zur Bejahung der Ungewöhnlichkeit führt. 2.7.3 Aus der Sachverhaltsschilderung der Beschwerdeführe rin geht he r- vor, dass ihre Arme durch die Impulsbewegung des Tanzpartners über Kop f- höhe gerieten, was einen jähen Schmerz in der linken Schulter ausgelöst h a- be. Als Reaktion habe sie den Tanzpartner innerlich beschimpft („was für ein Idiot!“), habe aber in der Folge rund zwei Stunden weiter getanzt. Es scheint, dass der Vorfall keine nennenswerten unmittelbaren Aussenwirkungen zeiti g- te. So ist den Schilderungen der Beschwerdeführerin weder zu entnehmen, dass sie den Tanzpartner zurechtgewiesen hat, noch, da ss sich dieser bei ihr entschuldigte. Auch die Tanzlehrerin konnte sich – später darauf angespr o- chen – nicht an den Vorfall erinnern. Diese äusseren Umstände weisen darauf hin, dass der Krafteinsatz des Tanzpartners, auf den es bei der Beurteilung der Unge wöhnlichkeit primär ankommt, nicht ausserhalb jedes vernünftigen Rahmens lag. Angesichts der Anlage der einzustudierenden Tanzfigur war das Risiko, dass ein etwas ungewandter Tänzer die Arme se iner Partnerin mit zu viel Kraft nach oben stösst, der Übung du rchaus inhärent. Zudem kann in dem Umstand, dass die Arme im Rahmen des einzuübenden dynamischen Bewegungsablaufs offenbar über Kopfhöhe gerieten, nichts besonders Au s- sergewöhnliches gesehen werden. 2.8 Im Ergebnis ist festzuhalten, dass dem durch den Tan zpartner gesetz- ten äusseren Faktor auch in seiner Heftigkeit die erforderliche besondere Sinnfälligkeit abzusprechen ist. Damit ist das Begriffsmerkmal der Ungewöh n- lichkeit nicht erfüllt und besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. OGer, 26.10.2011