B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5220/2012 U r t e i l v o m 5 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Bruno Huber, Gerichtsschreiberin Tu-Binh Tschan. Parteien A._______, geboren (…) oder (…), Afghanistan, vertreten durch Patrizia Carù, Amt für Jugend und Berufs- beratung, Zentralstelle MNA (Mineurs Non Accompagnés), (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin- Verfahren); Verfügung des BFM vom 20. September 2012 / N (…). E-5220/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein minderjähriger afghanischer Staatsangehör i- ger, reichte am 7. August 2012 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch ein. Er wurde am 21. August 2012 b e- fragt und am 31. August 2012 wurde ihm, in Anwesenheit einer Vertra u- ensperson, das rechtliche Gehör im Hinblick auf einen Nichteintreten s- entscheid und den allfälligen Wegweisungsvollzug nach Ungarn gewährt. Er brachte dabei vor, er sei in Ungarn sechs Monate im Gefängnis gew e- sen, nachdem er dort Asyl beantragt habe. B. Das BFM tra t mit Verfügung vom 20. September 2012 – eröffnet am 27. September 2012 – auf das Asylgesuch nicht ein und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz nach Ungarn an. C. Mit Eingabe vom 4. Oktober 2012 (Poststempel) erhob der Beschwerd e- führer durch seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht B e- schwerde mit den Anträgen, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuh e- ben und die Vorinstanz sei anzuweisen, das Recht zum Selbsteintritt aus- zuüben und sich für das vorliegende Asylverfahren zuständig zu erklären. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess der Beschwerdeführer unter and e- rem beantragen, es sei im Sinne vorsorglicher Massnahmen der B e- schwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und ihm sei die unen t- geltliche Prozessführung zu gewähren. D. Das Bundesverwaltungsgericht setzte mit Telefax vom 9. Oktober 2012 den Wegweisungsvollzug per sofort aus. E. Mit Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2012 erkannte das Bundesve r- waltungsgericht der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. F. Das Bundesverwaltungsgericht lud die Vorinstanz am 3. Juli 2013 im Hin- blick auf das am 6. Juni 2013 ergangene Urteil des Europäischen G e-E-5220/2012 Seite 3 richtshofes (EuGH), in der Rechtssache C-648/11 (M.A., B.T. und D.A. vs. Vereinigtes Königreich), wonach Art. 6 Abs. 2 Dublin-II-VO so auszulegen sei, dass er in Fällen, in denen ein unbegleiteter Minderjähriger, der ke i- nen sich im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaa ts rechtmässig aufhaltenden Familienangehörigen hat und der in mehr als einem Mitgliedstaat einen Asylantrag gestellt hat, denjenigen Mitgliedstaat als "zuständigen Mi t- gliedstaat" bestimmt, in dem sich dieser Minderjährige aufhält, nachdem er dort einen As ylantrag gestellt hat (Rz. 66), zur Vernehmlassung ein. Gleichzeitig wurde das BFM darum ersucht, sich insbesondere dazu zu äussern, weshalb es Art. 6 Abs. 2 Dublin -II-VO im vorliegenden Fall nicht angewendet habe beziehungsweise ob es in Anlehnung an das vom EuGH vor einem Monat festgelegte Verständnis dieser Bestimmung auf seinen Entscheid zurückkommen wolle beziehungsweise wieso es ein anderes Verständnis der genannten Norm für richtig erachtete. G. Die Vernehmlassung des BFM datiert vom 25. Juli 2013. De r Beschwer- deführer nahm durch einen Mitarbeiter der Zentralstelle MNA (Tobias Heiniger) mit Eingabe vom 15. August 2013 dazu Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundes ver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgül- tig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-5220/2012 Seite 4 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwür- diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist ein- zutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bunde srecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf se ine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 33–35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdei n- stanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5, m.w.H.). Die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensentscheid als u n- rechtmässig erachtet – enthält sich somit einer selbstständigen materie l- len Prüfung, sondern sie hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1, m.w.H.). 4. 4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung das Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG). In Anwendung dieser Gesetzesbestimmung betrachtete das BFM sich im vorliegenden Fall als zur Durchführung des Asylverfahrens nicht zuständig, da der Beschwerdeführer gemäss einem Abgleich der Fingerabdrücke mit der Eur odac-Datenbank a m 28. März 2012 in Ungarn ein Asylgesuch gestellt habe und die ungarischen Behö r- den am 18. September 2012 dem Ersuchen um Übernahme des B e- schwerdeführers gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c der "Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zu r Festlegung der Krit e- rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Pr ü- fung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat g e- stellten Asylantrags zuständig ist" (Dublin-II-VO) entsprochen hätten. Das BFM stellte ferner fe st, dass der Wegweisungsvollzug nach Ungarn w e-E-5220/2012 Seite 5 der eine Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips noch eine unmensch- liche Behandlung im Sinne der Rechtsprechung des Europäischen G e- richtshofs für Menschenrechte (EGMR) zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darstelle. Bei dieser Sachlage erachtete das BFM eine Rückkehr des minderjährigen Beschwerdeführers zum heutigen Zeitpunkt als zulässig, zumutbar und möglich. 4.2 Dieser Argumentation wurd e in der Beschwerde entgegengehalten, dass entgegen der Annahme de s BFM sehr viele Hinweise vorliegen würden, wonach Ungarn wegen der Behandlung von Flüchtlingen z u- nehmend in die Kritik gerate. So habe der EGMR am 11. Januar 2012 die Überstellung eines sud anesischen Staatsangehörigen von Österreich nach Ungarn vorläufig gestoppt, da anlässlich eines Beschwerdeverfa h- rens vor dem EGMR geltend gemacht worden sei, Ungarn verletze Art. 3 EMRK bzw. Art. 13 i.V. mit Art. 3 EMRK. Ferner sei nach Einschätzung des UN HCR (United Nations High Commissioner for Refugees; zu Deutsch: Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) vom April 2012 die Situation von Asylsuchenden in Ungarn sehr beunruhigend. Asylsuchende würden generell inhaftiert, Misshandlungen und Beläs ti- gungen seien in den Hafteinrichtungen an der Tagesordnung , und es würden Schutzsuchende ohne weitere Abklärungen nach Serbien und Griechenland zurückgeschickt. Die Rechte von rücküberstellten Asylg e- suchstellern würden eingeschränkt, weil sie als Folgeant ragsteller b e- trachtetet würden. Erschreckend sei, unter Hinweis auf den 20 -seitigen Bericht von Pro Asyl, "Ungarn: Flüchtlinge zwischen Haft und Obdachl o- sigkeit", 25. April 2012", auch die Darstellung dieser Nichtregierungso r- ganisation, wonach in Ungarn Me nschenrechte im Asylverfahren syst e- matisch verletzt würden, was sich insbesondere auf unbegleitete Minde r- jährige verheerend auswirke. Die gegenwärtige Praxis des Bundesve r- waltungsgerichts zur Frage, ob Ungarn seinen völkerrechtlichen Verpflich- tungen im Asy lverfahren vollständig nachkomme, sei nicht bekannt. Bei einem Minderjährigen müsse immer auch das Kindeswohl vorrangig b e- rücksichtigt werden (m.H.a. auf Art. 3 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes vom 20. November 1989 [KRK, SR 0.107] sowie das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -4858/2006 vom 30. Januar 2008) und das Verhältnismässigkeitsprinzip im Vordergrund stehen. Die Rückführung nach Ungarn zum jetzigen Zeitpunkt sei somit als unzumu t- bar zu erachten, insbesondere wenn, wie im vorliegenden Fall, besonders verletzliche Personen betroffen seien. Der Beschwerdeführer habe b e- reits eine inadäquat lange Haftstrafe in Ungarn hinter sich, welche für ihn E-5220/2012 Seite 6 äusserst belastend gewesen sei. Zudem müsse er die Trennung von se i- ner Familie und die Flucht au s seinem Heimatland verarbeiten, dies vor dem Hintergrund eines drohenden Wegweisungsvollzugs in grosse Pe r- spektivlosigkeit und psychische Belastung. Der Beschwerdeführer ben ö- tige aufgrund seines Alters dringend eine stabile und sichere Umgebung. Die Schweiz müsse deshalb von ihrem Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO Gebrauch machen, weil bei einer Rücküberführung nach Ungarn die Verletzung von völkerrechtlichen Verpflichtungen drohe und eine solche sowohl dem Kindeswohl - als auch dem Ver hältnismäs- sigkeitsprinzip widersprechen würde. 4.3 In seiner Vernehmlassung vom 18. Juli 2013 verwies das BFM betref- fend die aktuelle Rechtsprechung des EuGH zur Durchführung der Asyl - und Wegweisungsverfahren bei Minderjährigen darauf hin, dass eine sich ändernde Rechtsprechung in der Regel keine Rückwirkung auf bereits abgeschlossene Sachverhalte habe. Dem Wiederaufnahmeersuchen vom 13. September 2012 an Ungarn sei am 18. September 2012 zugestimmt worden, womit die Zuständigkeit an Ungarn übergegangen sei. Di ese Auslegung stehe auch mit dem in der Dublin -II-VO herrschenden Verstei- nerungsprinzip im Einklang. Des Weiteren habe sich der Beschwerdefü h- rer gemäss Antwortschreiben der ungarischen Behörden vom 18. Se p- tember 2012 in Ungarn als volljährig ausgegeben. De shalb könne im vor- liegenden Fall die aktuelle Rechtsprechung des EuGH keine Anwendung finden. Den Einwänden in der Beschwerdeschrift hielt die Vorinstanz im Wesentlichen entgegen, gemäss ihren Erkenntnissen und der Rechtspr e- chung des Bundesverwaltungsgerichts (m.H.a. dessen Urteile E -98/2012 vom 30. Januar 2012 und D -2745/2012 vom 25. Mai 2012) entspreche das ungarische Asylwesen den auch von Ungarn ratifizierten internationa- len Verträgen, namentlich der EMRK und dem Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe vom 10. Dezember 1984 (FoK, SR 0.105), sowie den asylrechtlichen EU-Richtlinien, insbesondere der Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedstaaten (Aufnahmerichtlinie). Es sei dem BFM nicht bekannt, dass die ungarischen Behörden die Be- dürfnisse und Interessen unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender nicht ausreichend schützen würden, insbesondere na chdem Ungarn im Jahr 2013 den restriktiven Kurs gegenüber illegal sich in Ungarn aufhaltenden Asylsuchenden und Dublin -Rückkehrern aufgegeben habe ( mit Hinweis auf einen Bericht des Jesuit Refugee Service [JRS] Europe vom Juni 2013, Protection Interrupted, The Dublin Regulation's Inpact on Asylum E-5220/2012 Seite 7 Seekers Protection, einsehbar unter www.jrs.net). Gemäss dem JRS -Be- richt sei der besondere Status von minderjährigen Asylsuchenden in U n- garn gesetzlich verankert und geregelt (Einsetzung eines Vormundes, prioritäre Behandlung des Asylgesuchs, Verzicht auf die Haft etc.). Zudem seien 2013 die Aufnahmebedingungen für Dublin -Rückkehrer (wie auch für Minderjährige) verbessert worden. So würden Dublin-Rückkehrer nicht mehr inhaftiert, sondern im Empfangszentrum in Debre cen bzw. Minder- jährige in einem Kinderheim in F ót untergebracht. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer gemäss der Antwort der ungarischen Behörden vom 18. September 2012 in Ungarn gegen seinen negativen Asylentscheid e i- ne Beschwerde eingereicht. Dies sei e in Hinweis dafür, dass die ungar i- schen Behörden das Asyl - und Wegweisungsverfahren korrekt durchfü h- ren werden. 4.4 Der Beschwerdeführer liess durch seine Rechtsvertretung zur Inte r- pretation der Vorinstanz betreffend d ie aktuelle Rechtsprechung des EuGH repliz ieren, dass das EuGH -Urteil in der Rechtssache C -648/11 nichts darüber aussage, in welchem Zeitpunkt ein Sachverhalt als "abg e- schlossen" gelten solle. Die Vorinstanz gehe hingegen davon aus, dass mit der Zustimmung eines Dublin-Staates zum Wiederaufnahmeersuchen eines anderen Staates die Frage der Zuständigkeit endgültig entschieden worden sei. Eine Änderung dieses Entscheides durch die neue Rech t- sprechung sei aufgrund des Verbotes der Rückwirkung nicht möglich. Zur Begründung dieser Ausführungen habe die V orinstanz auch das in Art. 5 Abs. 2 Dublin -II-VO festgehaltene Versteinerungsprinzip herangezogen. Indes sage das EuGH-Urteil nichts über die zeitliche Wirkung seines En t- scheides aus. Es liege somit in den Händen der zuständigen nationalen Gerichte, diese Frage zu beantworten. Diese seien bei der Beantwortung dieser Frage an den Entscheid des EuGH in der Sache gebunden. Die Frage, ob auch – gemäss der Logik der Vorinstanz – "bereits entschiede- ne" Sachverhalte nochma ls geprüft werden müssten, müss e also mit Blick auf die tatsächlichen Auswirkungen auf die Betroffenen beantwortet werden. Inhaltlich sei der Entscheid unmissverständlich. Unter den U m- ständen des Ausgangsverfahrens sei der Aufenthaltsstaat immer auch der für die Durchführung des Asylverfahrens zuständige Staat. Wenn nun die Frage nach dem Wirkungszeitpunkt dieses EuGH -Entscheids beant- wortet werden solle, so sei dieser Grundsatz leitend zu berücksichtigen. Es gebe keinen sachlichen Grund, Personen, bei denen bereits ein Z u- stimmungsentscheid vorliege (sich aber, wie vorliegend, in einem laufe n- den Verfahren befinden würden) anders zu behandeln als jene, bei denen ein solcher noch bevorstehe. Die Argumente der Vorinstanz seien dabei E-5220/2012 Seite 8 unbehelflich: Das Verbot der Rückwirkung und damit indirekt eine Verle t- zung der Rechtssicherheit anzurufen, wäre nur dann behelflich, wenn a n- deren Betroffenen dadurch ein Nachteil entstehen würde. Es müsste da r- gelegt werden, dass diese Rückwirkung eine Ungleichheit unter den B e- troffenen schaffe. Es scheine anmassend, einem E ntscheid des EuGH zugunsten einer besonders verletzlichen Gruppe, mit dem Argument des Rückwirkungsverbotes seine sofortige Wirkung zu entziehen. Die Festl e- gung des Wirkungszeitpunktes des EuGH -Entscheides könne auch nach anderen Kriterien vorgenommen werden. So könne beispielsweise darauf abgestellt werden, ob im Zeitpunkt des EuGH -Entscheids noch ein B e- schwerdeverfahren hängig gewesen sei. Das in Art. 5 Abs. 2 der Dublin - II-VO festgehaltene Versteinerungsprinzip beziehe sich auf die nachfo l- genden Artikel des Kap. III. Die dort festgehaltenen Kriterien würden au s- schliesslich auf die faktische Situation im Zeitpunkt des erstmaligen Asy l- gesuchs verweisen. Es handle sich also um ein "Sachverhalts - Versteinerungsprinzip" (vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungs gerichts E-374/2012 vom 1. Februar 2012). Im vorliegenden Fall handle es sich aber um eine rechtliche Entwicklung zugunsten einer – auch im Kap. III gesondert aufgeführten – besonders schützenswerten Gruppe. Wiederum werde nicht überzeugend dargelegt, wesh alb im vorliegenden Fall auf dem oben genannten Zeitpunkt der Umsetzung des EuGH -Entscheides beharrt werde. Schliesslich würde die Vorinstanz darauf verweisen, dass der Beschwerdeführer sich in Ungarn als volljährig ausgegeben habe, und sie würde daraus ab leiten, dass das Urteil des EuGH deshalb keine Anwendung finden solle. Auch dieses Argument überzeuge nicht. Die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers sei in der Schweiz zu keinem Zeitpunkt angezweifelt worden. Es widerspreche dem Grundsatz von Treu und Glauben, im derzeitigen Verfahrensstadium einen solchen Posi- tionsbezug neu einzubringen. Zudem würde die Vorinstanz in ihren Au s- führungen zur Zumutbarkeit der Überstellung nach Ungarn damit arg u- mentieren, dass unbegleitete Minderjährige dort einen spezielle n Status geniessen würden. Dies wäre im Fall des Beschwerdeführers, falls die Angaben der ungarischen Behörden zutreffen würden, somit eben gerade nicht gegeben. Den Ausführungen der Vorinstanz zur Zumutbarkeit der Überstellung nach Ungarn im Allgemeinen wurde entgegengehalten, dass Ungarn auf den 1. Juli 2013 eine sehr umstrittene Asylreform in Kraft g e- setzt habe. Diese sehe unter anderem eine Ausdehnung der Kategorien vor, welche eine Inhaftierung von Asylsuchenden erlaube. Diese Entwick- lung würde zeigen, dass auch Mitte 2013 noch schwerwiegende Probl e- me bestehen würden, besonders für einen vermeintlich volljährigen ju n- gen Mann, welcher bereits früher inhaftiert gewesen sei. E-5220/2012 Seite 9 5. 5.1 Vorab ist zu klären, ob die Vorinstanz zu Recht in seiner Vernehmlas- sung mit Hinweis auf ein grundsätzliches Rückwirkungsverbot einer sich ändernden Rechtsprechung auf bereit s abgeschlossene Sac hverhalte (vgl. ausführlich vorstehend E. 4.3) die Frage, ob das am 6. Juni 2013 e r- gangene Urteil des EuGH in der in der Rechtssache C -648/11 (M.A., B.T. und D.A. vs. Vereinigtes Königreich) auf vorliegenden Fall Wirkungen zei- tigen könnte, verneinte. 5.2 Die Vorinstanz vermischt in ihrer Argumentation verschiedene Rechts- fragen: Auf der einen Seite spricht sie den Grundsatz des Verbotes der echten Rückwirkung an, nämlich die Anwendung neuen Rechts auf abge- schlossene Sachverhalte. Dabei unterlässt sie es, darauf hinzuweisen, dass die bundesgerichtliche Rechtsprechung Ausnahmen zu diesem Ver- bot definiert hat, und erwähnt auch die grundsätzlich zulässige unechte Rückwirkung nicht, namentlich die Anwendung neuen Rechts auf zeitlich offene Dauersachverhalte bzw. die Anwendung neuen Rechts für die Ze it nach seinem Inkrafttreten bei gleichzeitigem Abstellen auf Sachverhalte, die bereits vor Inkrafttreten vorlagen (vgl. zum Ganzen ULRICH HAEFELIN/ GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl a- ge, Zürich 2010, Rz. 329 ff.). Ob es sich im vorliegenden Fall tatsächlich – wie von der Vorinstanz wohl angenommen – um eine grundsätzlich un- zulässige echte Rückwirkung handelt und ob keine Ausnahme vorliegt oder ob es sich um eine grundsätzlich zulässige unechte Rückwirkung handelt, kann allerdings offenbleiben, da das BFM auf der anderen Seite fälschlicherweise die Grundsätze der Rückwirkung von neuem Recht auf Praxisänderungen übertragen hat. Das Rückwirkungsverbot findet indes im Bereich der Rechtsprechung in der Schweiz keine Anwendung (vgl . SUSAN EMMENEGGER/AXEL TSCHENTSCHER, Art. 1, in: Berner Kommentar zum ZGB, Hausheer/Walter [Hrsg.], Bern 2012, Rz. 495). 5.3 Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichtes ist nach einem allgemeinen Grundsatz die neue Praxis sofort und in allen hängigen Ve r- fahren anzuwenden, soweit nicht im Einzelfall der Schutz von Treu und Glauben entgegensteht (vgl. BGE 90 II 295 E. 6, 111 V 161 E. 5b, 132 II 153 E. 5.1, 135 II 78 E. 3.2). Sie führt demnach immer dazu, dass die neuen Fälle anders behandelt werden als die alten. Das Gebot der Rechtsgleichheit verlangt lediglich, dass die der alten und der neuen Pr a- xis unterliegenden Fälle je gleich behandelt werden. Eine Verletzung von Art. 8 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) könnte allenfalls vorliegen, wenn die E-5220/2012 Seite 10 Behörde nach erfolgter Praxisänderung einzelne, noch nicht erledigte Fäl- le nach der alten Praxis beurteilen würde, während andere bereits erl e- digte Fälle nach der neuen Praxis behandelt worden sind. Praxi sände- rungen haben auch für die Verwaltung Bindungswirkung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. Juni 2003, veröffentlicht in Archiv für Schweizer i- sches Abgaberecht [ASA] 74 S. 674 E. 3.4.3.7, m.w.H.). 5.4 Ferner zeitigt die Rechtsprechung des EuGH insbesonde re im Vorab- entscheidungsverfahren grundsätzlich eine unbeschränkte zeitliche Wi r- kung, d.h. die Entscheidung wird an die zeitliche Geltungsdauer der zu - grunde liegenden Norm des Gemeinschaftsrechts gekoppelt und entfaltet ihre Wirkung stets ex tunc. Ausnah msweise kann die Rückwirkung aus Gründen der Rechtssicherheit oder des Vertrauensschutzes ausgeschlos- sen werden. Die Beschränkung der Rückwirkung kann indes nur durch den Gerichtshof selbst vorgenommen werden. Der Rechtsmittelführer im Ausgangsverfahren sowie Personen, die ebenfalls Rechtsmittel eingelegt haben, über welche noch nicht befunden worden ist, sind vom Ausschluss der Rückwirkung ausgenommen (vgl. dazu CHRISTIAN WALDHOFF, Die Rückwirkung von EuGH-Entscheidungen – Finanzielle Auswirkungen euro- päischer Rechtsprechung als Kriterium einer Entscheidfolgenabschätzung, in: Europarecht, 2006 Heft 5, September/Oktober, S. 628 ff.). Dazu gilt festzustellen, dass der EuGH im hier interessierenden Urteil C -648/11 keine Beschränkung der Rückwirkung vorgenommen hat. 5.5 Auch die Anrufung des in Art. 5 Abs. 2 Dublin-II-VO verankerten "Ver- steinerungsprinzips" im Zusammenhang mit dem vorgebrachten Rückwir- kungsverbot der Rechtsprechung ist verfehlt. Es erhellt sich aus den Aus- führungen der Vorinstanz nicht, inwiefern allein die Zustimmung Ungarns zur Übernahme des Beschwerdeführers eine Nichtanwendung der Ausl e- gungsregeln des EuGH zu Art. 6 Abs. 2 Dublin -II-VO bewirken sollte. Die Vorinstanz verkennt, dass die Zuständigkeit für die Durchführung des Asyl- und Wegweisun gsverfahrens gemäss Dublin -II-VO sich nach den Kriterien gemäss dessen Kap. III begründet und nicht aufgrund der Z u- stimmung eines Mitgliedsstaates zur Übernahme eines Asylgesuchste l- lers. Nichts anderes ergibt sich aus der Rechtsprechung des Bundesve r- waltungsgerichts (vgl. BVGE 2012/4 und BVGE 2013/24). Gemäss de s- sen Praxis ergibt sich die Zuständigkeit des Dublin -Staates nach den o b- jektiven Kriterien des Kap. III der Dublin -II-VO und mitnichten (allein) aus der Zustimmungserklärung des die Überstellung des Asylgesuchstellers akzeptierenden Staates. Die im Urteil BVGE 2012/4 E. 3.2 getroffene Feststellung, dass es dem Mitgliedstaat, der mit einem neuen Asylgesuch E-5220/2012 Seite 11 befasst ist, verwehrt sein soll, nach erfolgreich begründeter Zuständigkeit eines anderen Mitglie dstaates eine erneute Zuständigkeitsprüfung nach Kap. III durchzuführen, ist auf die vorliegende Konstellation des unbegle i- teten Minderjährigen nicht übertragbar, da die Zuständigkeit von Ungarn (vgl. nachfolgende Erwägung) allenfalls eben gerade (noch) ni cht b e- gründet wurde. 5.6 Nicht von Belang ist zudem der Hinweis der Vorinstanz, dass der B e- schwerdeführer gemäss Angaben der ungarischen Behörden sich bei der dortigen Antragstellung als Volljähriger ausgegeben habe. Aufgrund des in Art. 5 Abs. 2 Dublin-II-VO verankerten Sachverhaltsversteinerungsprin- zips, wonach bei der Prüfung der Zuständigkeitskriterien lediglich jener Sachverhalt beachtlich ist, der im Zeitpunkt der Stellung des ersten Asy l- antrages vorgelegen hat (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin-II-Verordnung – Das Europäische Asylzuständigkeitssystem, 3. Aufl., Wien 2010, zu Art. 5, K4), kann im Anwendungsbereich von Ar t. 6 Abs. 2 Dublin -II-VO nur bestimmend sein, ob der Beschwerdeführer bei der Antragstellung minderjährig war, und nicht, ob er sich als ein solcher zu erkennen gegeben hat. Den Akten ist diesbezüglich zu entnehmen, dass dieser in Ungarn seine Taskara (afg hanische Identitätskarte) abg e- geben hat, gemäss welcher er nach dem afghanischen Kalender am [Da- tum] geboren sei, was gemäss unserer Zeitrechnung dem [Datum] ent- spricht; im schweizerischen Asylverfahren nannte er den [Datum] als sein Geburtsdatum, was umge rechnet den [Datum] ergibt (vgl. Akten BFM A20/2 und A10 S. 3). Nach bei den Angaben ist er noch heute minderjä h- rig. Das BFM ist denn auch im Zeitpunkt der Prüfung seiner Zuständigkeit trotz aktenkundige n Hinweises der ungarischen Behörden unbestritt e- nermassen von der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers ausgega n- gen. Bemerkenswert an dieser Situation ist, dass dies allenfalls dazu g e- führt hätte, die im Eurodac -System vermerkte Information über eine e r- folgte Asylantragstellung in Ungarn als "unrichtig" zu erkennen, wenn den Behörden des die Minderjährigkeit anerkennenden Aufenthaltsstaates (vorliegend: BFM) der Nachweis misslungen wäre, dass es im vermein t- lich ersten Asylantragsstaat (vorliegend: Ungarn) eine "wirksame" Asylan- tragstellung (namentlich unter Beigabe eines Vormundes) gegeben habe. Folge davon wäre gewesen, dass der in der Schweiz gestellte Asylantrag als der erste wirksame Asylantrag in Europa gegolten hätte, dem Dublin - Verfahren somit gänzlich die Grundlage entzogen worden wäre (ausfüh r- lich dargestellt in DOMINIK BENDER, Das Kindeswohl im Dublin -Verfahren – Teil 2: Kindeswohlverletzungen, in: ASYLMAGAZIN 4/2011, S. 113, E-5220/2012 Seite 12 m.H. in der Fn. 40 auf Beschlüsse des Verwaltungsgerichts Frankfurt vom 2. August und 15. Oktober 2010). 5.7 Zusammenfassend zei gen die vorstehenden Erwägungen, dass die Rechtsprechung des EuGH im vorliegenden Verfahren sehr wohl Wirku n- gen zu erzeugen vermag. Die Ausführungen der Vorinstanz zu einem grundsätzlichen Rückwirkungsverbot von "Praxisänderungen" haben sich als unvollständig und falsch erwiesen. Das EuGH -Urteil in der Rechtss a- che C-648/11 (M.A., B.T. und D.A. vs. Vereinigtes Königreich) vom 6. Juni 2013 könnte also in Übereinstimmung mit der bundesgerichtlichen Recht- sprechung sofort und in allen hängigen Verfahren berücksichtigt werden. 5.8 Die zu klärende zentrale Frage in diesem Zusammenhang wäre o h- nehin eine andere gewesen, nämlich ob die Schweiz der Rechtsprechung des EuGH überhaupt zu folgen hat oder folgen soll (vgl. BGE 136 II 65) . Von einer Beantwortung dieser Frage kan n indes abgesehen werden, da vorliegend – wie nachfolgend aufgezeigt – ein Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO insbesondere aufgrund der vorrang i- gen Berücksichtigung des Kindeswohls und der konkreten Umstände des Einzelfalls angezeigt ist. 6. 6.1 Gemäss der Praxis des Bundesverwaltungsgerichtes gilt Art. 3 Abs. 2 erster Satz Dublin-II-VO (Souveränitätsklausel) nicht als unmittel bar a n- wendbare Bestimmung, d.h. Asylsuchende können aus ihr keine rechtlich durchsetzbaren Ansprüche ableiten (vgl. BVGE 2010/45 E. 5). Sie kö n- nen sich aber in einem Beschwerdeverfahren auf die Verletzung einer d i- rekt anwendbaren Bestimmung des internationalen öffentlichen Rechts oder einer Norm des Landesrechts – insbes. Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 –, welche einer Überstellung entgegensteh t, berufen. Ist die Rüge begrü n- det, wird die Souveränitätsklausel angewendet und die Schweiz muss sich zur Prüfung des Asylgesuchs zuständig erklären (vgl. BVGE 2010/45 E. 5). 6.2 Der Beschwerdeführer befürchtet, be i einer Rückführung nach U n- garn erneut in Administrativhaft genommen und alsdann abgeschoben zu werden. Asylsuchende in Ungarn sind gemäss übereinstimmenden B e- richten aus dem Jahr 2012 nicht selten in Administrativhaft genommen worden. Tatsächlich wurde in etlichen Berichten von Menschenrechtso r- ganisationen und staatlichen Stellen auf weitere Defizite im ungarischen Asylsystem aufmerksam gemacht, namentlich bezüglich Zugang zum Asylverfahren, Beachtung des Nonrefoulement -Gebotes, Aufnahmeb e-E-5220/2012 Seite 13 dingungen und Rückschiebung in "sichere" Drittstaaten. Die ungarischen Behörden haben in den vergangenen Monaten auf die von verschiedener Seite geäusserte Kritik reagiert und Änderungen sowohl hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen als auch hinsichtlich der Praxis der As ylbehörden in Aussicht gestellt. So werden beispielsweise nunmehr sämtliche Dublin- Rückkehrer als Asylsuchende angesehen , ihre Asylgründe werden g e- prüft und sie werden in der Regel nicht inhaftiert (ausser wenn ihr Asylge- such bereits materiell abgewiesen wurde). Diese positive Entwicklung hat in jüngere Berichte von Menschenrechtsorganisationen Eingang gefu n- den, und der EGMR stellte in einem kürzlich ergangenen Urteil gestützt auf aktuelle Berichte des UNHCR Verbesserungen vor Ort fest (vgl. EGMR, Mohammed gegen Österreich [Appl. No. 2283/12], Urteil vom 6. Juni 2013). Am 1. Juli 2013 sind jedoch auch Gesetzesänderu n- gen in Kraft getreten, welche einen breiten Katalog von folgenden Haf t- gründen für Asylsuchende vorsehen (vgl. Hungarian Helsinki Committee, Brief Information Note on the Main Asylum Related Legal Changes in Hungary of 1 July 2013): 1Identitäts- und Nationalitätsermittlung, sofern diese unklar ist, 2Untertauchen oder andere Behinderung des Asylverfah- rens durch den Asylsuchenden, 3Vorliegen triftiger Gründe, dass der Asyl- suchende die für das Asylverfahren notwendige Informationsbeschaffung hintertreiben und untertauchen würde, 4zum Schutz der nationalen S i- cherheit sowie der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, 5bei Asylgesuch- stellung am Flughafen, und 6bei wiederholter Verletzung verfahrensrecht- licher Verpflichtungen des Asylsuchenden im Hinblick auf die Behind e- rung des Dublin -Verfahrens. Von verschiedenen Stellen (vgl. UNHCR Comments and Recommendations on the Draft Modification of Certain Migration-Related Legislative Acts for the Purpose of Legal Harmonis a- tion vom 12. April 2013, S. 7 ff.; Ungarn: Flüchtlinge zwischen Haft und Obdachlosigkeit, Aktualisierung und Ergänzung des Berichts vom März 2012, Hrsg. Pro Asyl, vom Oktober 2013, S. 8 ff. und 35) wird moniert, dass diese sechs Bedingungen für die Anordnung von Haft teilweise sehr weit und elastisch formuliert sind, und es wird befürchtet, diese Haft könn- te systematisch und ohne effektiven Rechtsschutz angewendet werden. 6.3 In einem kürzlich ergangenen Urteil hat sich das Bundesverwaltung s- gericht eingehend mit der aktuellen Lageentwicklung für Asylsuchende in Ungarn auseinandergesetzt (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2093/2012 vom 9. Oktober 2013). Bezüglich der möglichen Haft und der Haftbedingungen (in der Vergangenheit war von mangelnder Hygi e- ne, systematischer Verabreichung von Beruhigungsmitteln und von G e- waltübergriffen berichtet worden) wurde festgestellt, den Einwänden g e-E-5220/2012 Seite 14 gen eine allfällige Überstellung nach Ungarn werde besondere Au fmerk- samkeit zukommen müssen, falls sich die Haftbedingungen nach den e r- folgten Gesetzesänderungen immer noch als besorgniserregend erwe i- sen würden (vgl. Urteil, a.a.O., E. 8.2). Das UNHCR hat keine Empfe h- lung an die betroffenen Staaten abgegeben, und der EGMR geht davon aus, dass die festgestellten Mängel im ungarischen Asylverfahren nicht als systematisch zu bezeichnen sind (vgl. EGMR , Mohammed gegen Ös- terreich [Appl. No. 2283/12], Urteil vom 6. Juni 2013, § 105 S. 28). Den- noch ist angesichts der neuen Gesetzesbestimmungen zur Haft von Asyl- suchenden und der hohen Anzahl von Asylgesuchen in Ungarn in der ers- ten Hälfte des laufenden Jahres, welche zu einer Verschlechterung der dortigen Lebensbedingungen geführt hat, bei der Überstellung von Asy l- suchenden nac h Ungarn grosse Wachsamkeit geboten, insbesondere wenn es sich um verletzliche Personen handelt. Die Vermutung, dass Ungarn die Rechte der EMRK garantiere und seine staatsvertraglichen Verpflichtungen einhalte, kann nicht vorbehaltlos aufrechterhalten werden (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 9 ff.). Es ist eine sorgfältige Überprüfung einer allfällig bestehe n- den Gefahr einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung r e- spektive einer Verletzung des Nonrefoulement-Gebots im Sinn der EMRK und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) angezeigt, welche der Zugehörigkeit der Asylsuchenden zu einer besonders verwundbaren Gruppe Rechnung zu tragen hat. 6.4 Vorliegend handelt es sich beim Beschwerdeführer um einen unb e- gleiteten Minderjährigen. Er zählt somit zur Gruppe der besonders ver- letzlichen Personen. Damit ist die oben erwähnte sorgfältige Überprüfung einer allfällig bestehenden Gefahr der Verletzung völkerrechtlicher Ver- pflichtungen durch die ungarischen Behörden angezeigt. In Ungarn war im ersten Halbjahr 2013 ein massiver Anstieg von Asylgesuchen zu ve r- zeichnen, und dies hatte entsprechend negative Auswirkungen auf die Unterbringung von Asylsuchenden. Es besteht demnach einerseits die Gefahr, dass der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der festg e- stellten Mängel des ungarischen Asylverfahrens und der Aufnahmebedin- gungen in Ungarn keine seiner Verletzlichkeit entsprechende Behandlung und Unterbringung erhalten würde. Dies gilt umso mehr, als die ungar i- schen Behörden offenbar davon ausgehen, dass es sich beim Beschwe r- deführer um einen Volljährigen handelt, weshalb er dort als Dublin - Rückkehrer noch im Asylverfahren in den Genuss der "gesetzlich vera n- kerten Statusrechte eines Minderjährigen" (vgl. Ausführungen des BFM in E-5220/2012 Seite 15 E. 4.3) gelangen wird, obwohl seiner in Ungarn befindlichen Taskara zu entnehmen ist, dass er noch minderjährig ist. Das BFM hat die Minderjäh- rigkeit des Beschwerdeführers weder im erstinstanzlichen Verfahren noch im Beschwerdeverfahren bestr itten, sondern ist im Gegenteil stets von dieser ausgegangen. Es hat indes die Tatsache, dass de m Beschwerde- führer in Ungarn offenbar zu Unrecht die "Statusrechte" eines Minderjäh- rigen nicht zuerkannt wurden – so wurde er gemäss eigenen Angaben sechs Monate in Administrativhaft genommen, da er Asyl beantragt hatte (vgl. Prozessgeschichte Bst. A) –, weder in seinen Abklärungen berück- sichtig noch in die Erwägungen miteinbezogen. Die entsprechenden Aus- führungen in der Replik treffen zu (vgl. vorstehend in E. 4.4 und die Aus- führungen des Gerichts in E. 5.6). Des Weiteren hat der Beschwerdefü h- rer gemäss der Antwort der ungarischen Behörden vom 18. September 2012 in Ungarn einen negativen Asylentscheid erhalten, gegen den er am 31. Juli 2012 eine Beschwerde eingereicht habe. Er sei danach am 6. August 2012 aus Ungarn verschwunden (vgl. A25/1). Entgegen der Ausführungen des BFM in seiner Vernehmlassung, wonach diese Schre i- ben der ungarischen Behörden ein Hinweis dafür sei, dass sie das Asyl - und Wegweisungsverfahren korrekt durchführen werden (vgl. E. 4.3), ist es vielmehr als Indiz zu werten, dass dem Beschwerdeführer die Gefahr einer erneute n Inhaftierung droht, da sein Asylgesuch bereits materiell abgewiesen ist, er als volljährig gilt und der oben beschriebene Haftgrund des Untertauchens oder der anderen Behinderung des Asylverfahrens durch den Asylsuchenden als erfüllt beurteilt werden dür fte. Die somit konkret bestehende Gefahr einer erneuten (mehrmonatigen) Inhaftierung des als unbegleiteter Minderjähriger besonders verletzlichen Beschwe r- deführers würde – wie in der Beschwerde zu Recht ausgeführt – auch der geltenden Schweizer Praxis der vorrangigen Berücksichtigung des Ki n- deswohls bei der Prüfung von Wegweisungsvollzugshindernissen entg e- genstehen, welche eine aus Art. 3 KRK abgeleitete Pflicht ist (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.6 und 2009/28 E. 9.3.2, jeweils m.w.H.). 6.5 Schliesslich ist zu beacht en, dass eine vorrangige Berücksichtigung des Kindeswohls sich auch aus der aktuellen Rechtsprechung des EuGH im Urteil C -648/11 vom 6. Juni 2013 – der Gerichtshof deduziert diesen Grundsatz aus dem Art. 24 Abs. 2 der Grundrechte-Charta – ergibt. In diesem Urteil geht es um drei in Grossbritannien um Asyl nachsuche n- de Gesuchsteller, die im massgeblichen Zeitpunkt der Behandlung ihrer Asylgesuche unbegleitet und minderjährig waren (M.A., B.T. und D.A.). Sie gaben an, in keinem anderen Dublin -Staat sich recht mässig aufhal-E-5220/2012 Seite 16 tende Familienangehörigen zu haben. Alle drei hatten zuvor bereits in e i- nem anderen Mitgliedstaat der EU Asylgesuche gestellt. Das mit den Rechtsstreitigkeiten oberinstanzlich befasste britische Gericht ersuchte den EuGH im Rahmen eines Vorabe ntscheidungsverfahrens um Bean t- wortung der Frage, wie Art. 6 Abs. 2 Dublin-II-VO ("Ist kein Familienange- höriger anwesend, so ist der Mitgliedstaat, in dem der Minderjährige se i- nen Asylantrag gestellt hat, zuständig.") auszulegen sei. Gestützt auf das für den EuGH massgebliche Recht (neben der Dublin -II-VO ist dies in s- besondere die Grundrechte -Charta der EU) stellt dieser zunächst fest, dass nach Art. 5 Abs. 1 Dublin -II-VO die Kriterien zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats in der in Kap. III (Art. 5 –14) genannten Rang- folge Anwendung finden würden. Das erste Kriterium zur Bestimmung des für die Prüfung des Asylgesuchs eines unbegleiteten Minderjährigen i.S. von Art. 2 Bst. h zuständigen Mitgliedstaats ist das in Art. 6 Abs. 1 vorgesehene: Danach sei d er für die Prüfung eines Antrags eines unb e- gleiteten Minderjährigen zuständige Mitgliedstaat derjenige, in dem sich ein Angehöriger seiner Familie rechtmässig aufhalte, sofern dies im Int e- resse des Minderjährigen liege. Da sich aber im vorliegenden Fall ke in Familienangehöriger der Beschwerdeführenden in einem anderen Dublin- Staat rechtmässig aufhalte, sei der zuständige Mitgliedstaat auf der Grundlage von Art. 6 Abs. 2 zu bestimmen, wonach die Zuständigkeit bei dem Mitgliedstaat liege, "in dem der Minderjä hrige seinen Asylantrag ge- stellt hat" (Rz. 44 ff.). Aufgrund dieses Wortlauts allein lasse sich nicht feststellen, ob der fragliche Asylantrag der erste Asylantrag sei, den der betreffende Minderjährige in einem Mitgliedstaat gestellt habe, oder de r- jenige, den er zuletzt in einem anderen Mitgliedstaat gestellt habe. Bei der Auslegung der Vorschrift seien somit auch ihr Zusammenhang und die damit verfolgten Ziele zu berücksichtigen. Bei der Auslegung von Art. 6 Abs. 2 sei dessen Ziel, unbegleiteten Minderjährigen eine besonde- re Aufmerksamkeit zu widmen, wie auch das Hauptziel der Dublin -II-VO an sich zu berücksichtigen, einen effektiven Zugang zur Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft des Antragstellers zu gewährleisten (Rz. 49 ff.). Un- begleitete Minderjährige würden eine Kategorie besonders gefährdeter Personen bilden. Daher sei es wichtig, dass sich das Verfahren zur B e- stimmung des zuständigen Mitgliedstaats nicht länger als unbedingt nötig hinziehe, was bedeute, dass unbegleitete Minderjährige g rundsätzlich nicht in einen anderen Mitgliedstaat zu überstellen seien. Zu berücksic h- tigen sei weiter, dass die Dublin -II-VO im Einklang mit den Gr undrechten und Grundsätzen stehe , die insbesondere mit der Grundrechte -Charta der EU anerkannt worden seien. Dazu gehöre insbesondere das in Art. 24 Abs. 2 der Charta verankerte Grundrecht, wonach bei alle Kinder E-5220/2012 Seite 17 betreffenden Massnahmen öffentlicher Stellen oder privater Einrichtungen das Wohl des Kindes eine vorrangige Erwägung sein müsse. Folglich könne Art. 6 Abs. 2 Dublin-II-VO nicht so ausgelegt werden, dass er dem genannten Grundrecht zuwiderliefe. Somit müsse bei jeder Entscheidung, die die Mitgliedstaaten auf der Grundlage von Art. 6 Abs. 2 Dublin -II-VO erlassen würden, das Wohl des Kindes ebenfalls eine v orrangige Erwä- gung sein (Rz. 55 ff.). Mithin sei Art. 6 Abs. 2 Dublin -II-VO dahingehend auszulegen, dass er in Fällen, in denen ein unbegleiteter Minderjähriger, der keinen sich im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats rechtmässig aufhal- tenden Familienangehörigen habe, in mehr als einem Mitgliedstaat einen Asylantrag gestellt habe , denjenigen Mitgliedstaat als "zuständigen Mi t- gliedstaat" bestimmt, in dem sich dieser Minderjährige aufhalte, nachdem er dort einen Asylantrag gestellt habe (Rz. 66). Da es sich vorliegend unbestrittenermassen um einen unbegleiteten Min- derjährigen handelt, der zudem keinen sich im Hoheitsgebiet eines Mi t- gliedstaates rechtmässig aufhaltenden Familienangehörigen i.S. von Art. 2 Bst. i.iii Dublin-II-VO hat (d.h. Vater, Mutter oder Vormund; der sich in [Mitgliedstaat] aufhaltende [Verwandter] [vgl. A10/10 S. 5] fällt nicht un- ter diese Kategorie), sind die vom EuGH aufgeworfenen Überlegungen zur Auslegung von Art. 6 Abs. 2 Dublin-II-VO eingehender zu betrachten. Beachtenswert ist dabei, da ss der Entscheid des EuGH nicht an neues Sekundärrecht oder an die Rechtsprechung des EuGH anknüpft, es sich bei diesem Urteil mithin nicht um eine eigentliche "Praxisänderung" ha n- delt, sondern zum ersten Mal höchstrichterlich über die rechtsgültige Aus- legung von Art. 6 Abs. 2 Dublin -II-VO befunden worden ist. Das Urteil führt also – unabhängig von der allenfalls divergierenden bisherigen Pr a- xis von Mitgliedstaaten – zu keiner Neuinterpretation des bestehenden Textes, sondern es dient der Klarstellung des e igentlichen Sinnes dieser Bestimmung. Zudem geht der Gerichtshof davon aus, dass die Annahme der Zuständigkeit des aktuellen Aufenthaltsstaates des unbegleiteten Minderjährigen der Zweckrichtung sowohl des Art. 6 Abs. 2 Dublin -II-VO als auch dem Hauptziel der Dublin-II-VO dient, da unbegleitete Minde r- jährige eine Kategorie besonders gefährdeter Personen bilden würden, weshalb es wichtig sei, dass sich das Verfahren zur Bestimmung des z u- ständigen Mitgliedstaats nicht länger als unbedingt nötig hinziehe. Auch in der für die Schweiz ab dem 1. Januar 2014 "vorläufig anwendbaren" "Dublin-III-VO" (vgl. Rat der Europäischen Union 15605/12 vom 14. Dezember 2012, Verordnung [ EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung d er Krite- rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Pr ü-E-5220/2012 Seite 18 fung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat g e- stellten Asylantrags zuständig ist) wird diesen Grundsätzen Rechnung ge- tragen: So stellt Art. 6 Abs. 1 Dublin -III-VO fest, dass das Wohl des Ki n- des in allen in der Dublin -III-VO vorgesehenen Verfahren eine vorrangige Erwägung der Mitgliedstaa ten ist. In Art. 8 Abs. 4 wird präzisiert, dass – bei Abwesenheit eines Familienangehörigen – der Mitgliedstaat zuständig ist, in dem der unbegleitete Minderjährige seinen Antrag auf internation a- len Schutz gestellt hat, "sofern es dem Wohl des Minderjährigen die nt". Neu wird zudem von einer maximal zehnmonatigen Verfahrensfrist au s- zugehen sein (drei Monate für den Wiederaufnah meantrag [Art. 23 Du b- lin-III-Verordnung]; ein Monat für ein Wiederaufnahmegesuch [Art. 25 Dublin-III-Verordnung]; sechs Monate für die Überstellung [Art. 29 Dublin- III-Verordnung]). Vorliegend hat der unbegleitete minderjährige B e- schwerdeführer seinen Asylantrag in der Schweiz am 7. August 2012 ge- stellt, er befindet sich nunmehr also seit mehr als 15 Monaten im Dublin - Verfahren. Die vorgesehenen Maximaldauer von zehn Monaten ist de m- nach bereits um fünf Monate überschritten worden und dem Beschwerde- führer ist dieser Umstand klarerweise nicht anzulasten. 6.6 Zusammenfassend bestehen ernsthafte Gründe für die Annahme, dass die ungarischen Behörden im vorliegenden Fall ihren völkerrechtli- chen Verpflichtungen gegenüber dem unbegleiteten minderjährigen Be- schwerdeführer und dessen besonderen Schutzbedürfnissen gemäss der KRK nicht nachkommen würden. Insbesondere spricht bereits das Gebot nach vorrangiger Berücksichtigung des Kindeswohls, eine für die Schweiz aus Art. 3 KRK abgeleitete Pflicht, im vorliegenden Fall für den Selbstein- tritt der Schweiz. Damit kann die Frage, ob die einschlägige Rechtspr e- chung des EuGH bezogen auf die unbegleiteten minderjährigen Asyls u- chenden im vorliegenden Fall zu übernehmen ist, offen bleiben, da die in dessen Urteil C-648/11 getroffenen Feststellungen zur vorrangingen B e- rücksichtigung des Kindeswohls lediglich herbeigezogen wurden, um die Frage des Selbsteintrittes im vorliegenden Fall zu klären. 6.7 Bei gesamthafter Betrachtung aller relevanten Faktoren , namentlich des Kindeswohles, ist vorliegend ein Ausnahmefall anzunehmen, welcher es – auch bei generell gebotener restriktiver Anwendung von Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 – aus humanitären Überlegungen als angemessen e r- scheinen lässt, vom Selbsteintritt Gebrauch zu machen. 6.8 Das BFM ist nach dem Gesagten in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Unrecht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht E-5220/2012 Seite 19 eingetreten. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, die Verfügung des BFM aufzuheben und das Bundesamt anzuweisen, vom Selbsteintritt s- recht i .S. von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 AsylV1 Gebrauch zu machen, auf das Asylgesuch einzutreten und danach das Asylverfahren des Beschwerdeführers in der Schweiz durchzuführen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 7.2 Dem obsiegenden und vertretenen Beschwerdeführer ist zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwendi - gen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V. mit Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltun gsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzich- tet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 600.– (inkl. Ausgaben) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) E-5220/2012 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 20. September 2012 wird aufgehoben und die Sache zur Durchführung des Asylverfahrens in der Schweiz an das BFM zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BMF wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 600.– zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Stöckli Tu-Binh Tschan Versand: