Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. November 2020 (725 20 174 / 290) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Es bestehen Zweifel an der Schlüssigkeit der Kausalitätsbeurteilung, weshalb weitere Abklärungen vorzunehmen sind. Unentgeltliche Rechtspflege im Einspracheverfahren: Die Einsprache war nicht aussichtslos und der Beizug einer Rechtsvertretung geboten. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Natalie Matiaska, Advo- katin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG, Direktion Bern, Bundesgasse 35, Postfach, 3001 Bern, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen / unentgeltliche Verbeiständung A. Die 1982 geborene A.____ arbeitete als Pflegeassi stentin im B._____-Zentrum und war in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (Mobiliar) unfallversichert, als sie am 29. Januar 2019 einen Autou nfall erlitt. Der Versicherten wurde auf der Autobahn die Vorfahrt genommen, weshalb sie stark abbremsen musste. In der Folge fuhr Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihr ein LKW in das Heck ihres Autos. A.____ konnte anschliessend den Unfallort mit ihrem Fahr- zeug verlassen. Am folgenden Tag begab sich die Versichert e zur Erstbehandlung auf die Not- fallstation des C.____-Spitals. Daraufhin wurde A.____ zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. Die Mobiliar übernahm die Heilkosten und richtete Taggeld er aus. Am 3. Juni 2019 teilte die Arbeit- geberin der Beschwerdeführerin der Mobiliar mit, dass A .____ ab 28. Februar 2019 wieder zu 100 % gearbeitet habe, aber seit dem 29. Mai 2019 wieder vollumfänglich arbeitsunfähig sei. Am 9. August 2019 teilte die Mobiliar der Beschwerdeführerin mit, dass per 28. Februar 2019 der Status quo ante erreicht worden sei, weshalb Versicherungsleistungen ab diesem Zeitpunkt ab- gelehnt würden. Nachdem A.____ der Mobiliar mit Schr eiben vom 23. August 2019 mitgeteilt hatte, dass sie mit der Leistungseinstellung per 28. Februar 2019 nicht einverstanden sei, stellte die Mobiliar ihre Leistungen mit Verfügung vom 27. Se ptember 2019 per 28. Februar 2019 ein. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Mobiliar mit Entscheid vom 6. März 2020 ab. Mit Verfügung vom 6. Mai 2020 lehnte die Mobiliar zudem das Gesuch der Einsprecherin um unent- geltliche Verbeiständung ab, da die Einsprache als aussichtslos zu qualifizieren sei. B. Mit Schreiben vom 11. Mai 2020 erhob A.____, vert reten durch Advokatin Natalie Ma- tiaska, sowohl gegen den Einspracheentscheid vom 6. März 2020 als auch gegen die Verfügung vom 6. Mai 2020 betreffend Verweigerung der unentgel tlichen Verbeiständung Beschwerde am Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie be- antragte, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und ihr Taggelder und Heilungs- kosten über den 28. Februar 2019 bis zum 31. März 2020 (Ende des Arbeitsverhältnisses) weiter auszurichten und ab dem 1. März 2020 langfristige Leist ungen zu prüfen. Des Weiteren sei die Verfügung vom 6. Mai 2020 aufzuheben und ihr die une ntgeltliche Verbeiständung für das Ein- spracheverfahren zu gewähren. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Sachverhaltsab- klärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Ausserdem wurde die unentgeltliche Rechtspflege beantragt. C. Die Mobiliar beantragte mit Vernehmlassung vom 26. Juni 2020, dass die Beschwerde abzuweisen sei. D. Mit Verfügung vom 21. Juli 2020 wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege durch den instruierenden Gerichtspräsidenten abgewiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in Y.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungs- träger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Be- schwerde gegen den Einspracheentscheid vom 6. März 2020 zu ständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde ist demnach einzutreten. 1.2 Mit ihrer Eingabe vom 11. Mai 2020 hat die Besch werdeführerin auch Beschwerde ge- gen die Verfügung vom 6. Mai 2020 betreffend Verweigerung der unentgeltlichen Verbeiständung erhoben. Gemäss Art. 52 Abs. 1 und Art. 56 Abs. 1 in Ve rbindung mit Art. 60 Abs. 1 ATSG ist gegen prozess- und verfahrensleitende Verfügungen innert Frist von 30 Tagen direkt Beschwerde bei der kantonalen Gerichtsinstanz einzureichen. Bei d er angefochtenen Verfügung handelt es sich zweifellos um eine das Verfahren nicht abschliessende Entscheidung im Sinne einer Zwi- schenverfügung, wurde darin doch einzig der verfahrensrech tliche Aspekt der unentgeltlichen Verbeiständung im Einspracheverfahren, wenn auch nach Abschluss des Einspracheverfahrens beurteilt. Folglich ist auch auf die Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. Mai 2020 einzutreten. 2. Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin ih re Leistungspflicht für den Unfall vom 29. Januar 2019 grundsätzlich anerkannt. Streitig un d im Folgenden zu prüfen ist, ob die Mobiliar ihre Leistungen zu Recht per 28. Februar 2019 eingestellt hat. Die Beschwerdeführerin beantragt die Ausrichtung von Taggeldern und Heilungskosten über den 28. Februar 2019 hinaus bis 31. März 2020 und danach die Prüfung der Ausrichtung langfristiger Leistungen. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähig- keit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arb eitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindes- tens 10 % invalid ist und sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine nam- hafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Inva- lidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher und ei n adäquater Kausalzusammenhang besteht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Stö- rungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis im Sinne einer Teilursache zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträch- tigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weg gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (vgl. B GE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 337 E. 1 mit weiteren Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Stö- rung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwen- dende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall d as Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mögli chkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifestiert bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit de r erforderlichen Wahrscheinlichkeit nach- gewiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversich erers erst, wenn der Unfall nicht die na- türliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausal zusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen ei nes Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich- keit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles g enügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versi- cherten Person, sondern beim Unfallversicherer (SVR 2011 UV Nr. 4 S. 12; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Mit dem Erreichen des Status quo sine vel ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden (SVR 2010 UV Nr. 31 S. 125). Solange jedoch der Sta tus quo sine vel ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art . 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütunge n zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen. Demnach hat die versicherte Person bis zum Erreichen des Status quo sine vel ante auch Anspruch auf eine zweckgemässe Behandlung, welche operative Eingriffe umfassen kann (Urteil des Bun desgerichts vom 20. Juni 2012, 8C_956/2011, E. 4.2 mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Treten im Anschluss an einen Unfall Beschwerden au f, die zuvor nicht bestanden, und ist davon auszugehen, dass durch den Unfall lediglich ein (zuvor stummer) degenerativer Vorzu- stand aktiviert, nicht aber verursacht worden ist, so h at der Unfallversicherer bis zum Erreichen des Status quo sine vel ante Leistungen für das unmitte lbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen (SVR 2010 UV Nr. 3 1 S. 125), und zwar selbst dann, wenn sich die Gesundheitsschädigung bei einer Gewichtung der konkurrierenden Ursachen zum stark überwiegenden Teil als Krankheitsfolge darstellt. Dies bedeutet unter Umständen, dass die versicherte Person Anspruch auf eine zweckmässige Behandlung hat, die auch operative Ein- griffe miteinschliesst, wenn diese im Gesamtkontext gesehen mit überwiegender Wahrscheinlich- keit der (vorzeitigen) Beseitigung der vom Unfall zumin dest mitverursachten Schmerzen dient und nicht gesagt werden kann, die Operation sei auch ohne den durch den Unfall bewirkten Be- schwerdeschub überwiegend wahrscheinlich im selben Zeitpunkt notwendig geworden (Urteil des Bundegerichts vom 24. Juni 2008, 8C_326/2008). Anders verhält es sich, wenn der Unfall nur Gelegenheits- oder Zufallsursache ist, welche ein gegenwärtiges Risiko, mit dessen Realisierung jederzeit zu rechnen gewesen wäre, manifest werden lässt, ohne im Rahmen des Verhältnisses von Ursache und Wirkung eigenständige Bedeutung anzunehm en (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2013, 8C_423/2012, E. 5.3). 3.1 Für die Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheits- zustandes und der Arbeitsfähigkeit sowie der Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die Verwaltung bzw. das Geri cht regelmässig auf Unterlagen angewie- sen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies be- deutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismitt el, unabhängig, von wem sie stam- men, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zu- verlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ges tatten. Insbesondere darf es bei ei- nander widersprechenden medizinischen Berichten den Proz ess nicht erledigen, ohne das ge- samte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter- suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksicht igt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach al- leine ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicher ungsträger nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Berich- ten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG ein- geholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfol- gerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 4. In vorliegender Angelegenheit liegen im Wesentlich en folgende relevanten medizini- schen Unterlagen vor: 4.1 Im Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kr anio-zervikalem Beschleunigungs- trauma vom 30. Januar 2019 vom C.____-Spital wird i m Wesentlichen ausgeführt, es sei am 29. Januar 2019 zu einem Auffahrunfall gekommen. Die Erstuntersuchung habe am nächsten Tag stattgefunden. Es sei zu einer Heckauffahrkollision gekommen. Die Versicherte hätte sich den Kopf an der Kopfstütze angeschlagen. Sie wäre auf die Kollision gefasst gewesen, gerade Kopfstellung. Die Sicherheitsgurte wären getragen worden, der Airbag wäre nicht ausgelöst wor- den. Zu einer Bewusstlosigkeit, einer Gedächtnislücke sei es nicht gekommen, dagegen aber zu einer Angst- und Schreckreaktion. Sie hätte nach dem Un fall als Lenkerin mit dem Unfallauto noch weiterfahren können. Die Schmerzen wären nach vier Stunden aufgetreten. Zusätzlich Übelkeit. Erbrechen, Hörstörung, Sehstörung, Schlafstörung seien nicht geäussert worden. An- dere Symptome seien nicht beklagt worden. Im Sommer 201 8 habe sie schon einen Unfall mit HWS-Beteiligung gehabt ohne Folgeprobleme. Behandlungsbedürftige Beschwerden hätten vor dem Unfall nicht bestanden. Die zervikale Beweglichkeit se i für die Rotation mit je 45° einge- schränkt, für die Flexion/Extension wie für die Seitneigung nicht. Die Versicherte habe zusätzlich Schmerzen der Lendenwirbelsäule beklagt. Die neurologi sche Untersuchung habe unauffällige Befunde ergeben, insbesondere hätten keine Parästhesien, keine sensiblen Defizite bestanden. Die Muskelkraft sei in Ordnung gewesen, der Unterberger-Tretversuch sei normal ausgefallen. 4.2 Das Röntgen der LWS a.p. und lateral vom 30. Jan uar 2019 im C.____-Spital ergibt als Befund: Keine frische ossäre Läsion. Rechtskonvexe Skoliose und ventraler Übergang der LWS. Dorsales Alignement des thorakolumbalen Übergangs und der gesamten LWS erhalten. 4.3 Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, hält in seiner handschriftlichen Auf- zeichnung vom 4. Februar 2019 als Stellvertreter des Hau sarztes Dr. med. E.____, FMH Allge- meine Innere Medizin, fest, bei der Patientin würden jetzt starke Rückenschmerzen distal LWS (Ausstrahlung in die Beine) und an der Schulter links bestehen. 4.4 Mit Austrittsbericht des C.____-Spitals, Interdiszipli näre Notfallstation, vom 5. Februar 2019 wird in Bezug auf die Konsultation vom 30. Janua r 2019 als Diagnose ein Verkehrsunfall mit lumbalen Rückenschmerzen angegeben. Erst im Verlauf d er Nacht nach dem Unfall seien dumpfe Kopfschmerzen und lumbale Rückenschmerzen aufgetreten. Die Patientin habe im Som- mer schon praktisch dasselbe durchgemacht, habe davon abe r keine Beschwerden mehr. Da- mals sei sie Beifahrerin gewesen. Es gebe keine Hinweise auf ein kraniozervikales Beschleuni- gungstrauma, lumbal würde sich aus dem Röntgen ebenfalls keine ossäre Läsion zeigen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Dr. med. E.____ diagnostiziert am 14. Februar 201 9 eine Kontusion des Rückens und hält eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 30. Januar 20 19 voraussichtlich bis 26. Februar 2019 fest. 4.6 Mit Sprechstundenbericht des C.____-Spitals vom 28. M ärz 2019 wird ausgeführt, unter analgetischer Therapie seien die Schmerzen im LWS-Bereich regredient gewesen. Die Patientin verspüre aber intermittierend Kribbelparästhesien am ventralen Oberschenkel bis zum Fuss zie- hend. Zudem habe sie das Gefühl, dass die Kraft im linke n Bein etwas weniger geworden sei. Sie beschreibe die Schmerzen im LWS-Bereich links paravertebral als stechend mit VAS 5-6/10. Die analgetische Therapie habe sie bereits stoppen können und sie nehme bei Bedarf noch No- valgin oder Dafalgan ein. Eine Physiotherapie habe nich t stattgefunden. Sie arbeite bereits seit circa einem Monat wieder in der Pflege als Nachtwache. N ach der Arbeit habe sie zunehmend die Kribbelparästhesien im linken Bein. Als Befund wi rd festgehalten: Symmetrisches Gangbild. Zehenspitzengang sowie auch Hackengang gut demonstrierb ar. Druckdolenz im Bereich LWK 2/3 sowie im ISG linksseitig. Keine Druckdolenzen parav ertebral. Trendelenburg-Test beidseits negativ. Die Sensibilität der unteren Extremitäten sei seitengleich intakt. Die Kraft Hüftbeuger linksseitig M4, rechts M5, die restlichen Kennmuskeln seien beidseits M5. Aufgrund der seit län- gerem bestehenden Beschwerdesymptomatik mit zunehmenden K ribbelparästhesien im linken Bein werde eine weiterführende Diagnostik mittels MRI LWS inklusive ISG zum Ausschluss von Nervenwurzelaffektionen empfohlen 4.7 Im Bericht des C.____-Spitals vom 12. April 2019 wi rd zum MRT LWS und ISG vom gleichen Tag ausgeführt: Regelrechte Form und Signalgebung der Wirbelkörper. Keine suspek- ten Höhenminderungen. Erhaltenes dorsales Alignement. Der Konus ende auf Höhe LWK 1/LWK 2. Keine Myelopathie. Regelrechte Trophik der autoch thonen Rückenmuskulatur. Unauffällige Darstellung des teilerfassten Retroperitoneums. Zu LWK 1 bis SWK 1: Keine höhergradigen Fa- cettengelenksarthrosen. Verdacht auf kleinen Riss des Anulus fibrosus LWK 4/5 links foraminal, insgesamt aber keine relevante Bandscheibenherniation, keine Spinalkanalstenose. Keine fora- minale oder recessale Nervenwurzelaffektion. Zum ISG: Regelrechte Darstellung der ISG. Kein abgrenzbares subchondrales Ödem. Kein Frakturnachweis. 4.8 Mit Sprechstundenbericht des C.____-Spitals vom 26. A pril 2019 wird ein radikuläres, sensomotorisches Reiz- und Ausfallsyndrom betont L5/S1 links mit/bei Status nach Verkehrsun- fall am 29. Januar 2019 diagnostiziert. Die Patientin berichte über gleichbleibende Beschwerden im Sinne von intermittierenden Kribbelparästhesien im Bereich des dorsolateralen linken Ober- schenkels, Unterschenkels sowie am linken Fussrücken. Ebenfal ls bestünde nach wie vor eine leichte Schwäche in der Hüftbeugemuskulatur links. Schmerzm ittel nehme sie gelegentlich in Form von Dafalgan. Seit dem 28. Februar 2019 arbeite sie wieder zu 100 % (40 %-Stelle). Für die Arbeit benötige sie jedoch ein Mieder, welches sie dementsprechend zur Arbeit konsequent trage. Als Befund wird ein hinkfreies Gangbild angegeben. Kraft in den Kennmuskeln der unteren Extremität allseits M5 bis auf Hüftbeuger links M4. Sensi bilität allseits intakt im Seitenvergleich, bis auf intermittierende Kribbelparästhesien am dorsolateralen linken Oberschenkel sowie Unter- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schenkel und am Fussrücken links. Diese seien mehrmals täglich vorhanden. Zehenspitzen- so- wie Hackenstand problemlos durchführbar. Kein Klopf- oder Druckschmerz im Bereich der ge- samten Wirbelsäule. Es werde aufgrund bestehender Spri tzenphobie die physiotherapeutische Beübung beschlossen. Bei Ausbleiben des Erfolgs werde eine mögliche CT-gesteuerte periradi- kuläre Infiltration der Wurzel L5 links besprochen. 4.9 Gemäss Eintragung im Unfallschein UVG ist die Versiche rte ab 29. Mai 2019 wieder zu 100 % arbeitsunfähig. 4.10 Mit Schreiben vom 26. Juni 2019 berichtet das C.____-Spital zu Handen der Mobiliar mit inhaltlich dem Sprechstundenbericht vom 26. April 2019 im Wesentlichen entsprechenden Angaben. Die letzte Konsultation habe am 25. Juni 201 9 stattgefunden mit persistierenden Be- schwerden, welche vor allem durch die Kribbelparästhesie n im linken Bein störend seien. Der Patientin sei eine therapeutisch-diagnostische CT-gesteue rte Infiltration der Nervenwurzel L5 links empfohlen worden. Bei einer allfälligen Befundverschlechterung wäre auch eine neurologi- sche Abklärung in Erwägung zu ziehen. Es würden im Heilungsverlauf keine unfallfremden Fak- toren mitspielen. Die Wiederaufnahme der Arbeit sei nicht möglich. 4.11 Der beratende Arzt der Mobiliar Dr. med. F.____ , FMH Orthopädische Chirurgie, diag- nostiziert mit auf die Akten abgestütztem Kurzbericht vom 31. Juli 2019 einen Status nach Heck- kollision. Bei der versicherten Person würden Vorzustände bestehen. Laut MRI vom 12. April 2019 liege ein kleiner Riss des Anulus fibrosus L4/5 l inks vor. Zum Unfallzeitpunkt und danach hätten keine Hinweise auf eine radikuläre Symptomatik bestanden. Erst am 26. März 2019 habe es Hinweise auf eine traumatische Discushernie L4/5 gegeben. Die gesundheitlichen Störungen würden nicht überwiegend wahrscheinlich auf das Unfal lereignis zurückgehen. Der Status quo ante bzw. sine sei per 28. Februar 2019 erreicht. 4.12 Nachdem am 6. August 2019 eine CT-gesteuerte Infi ltration der foraminalen Nervenwur- zel L5 links stattgefunden hatte, berichtet das C.____- Spital am 21. August 2019. Die Patientin habe nach der Infiltration keine Besserung der Beschwer den verspürt, nach wie vor habe sie Schmerzen insbesondere beim Sitzen und Stehen, Liegen führe zu einer Besserung der Be- schwerden. Analgetisch nehme sie Tramal, dies helfe ihr zwar gut, sie sei danach jedoch sehr "verladen". Der Schmerz würde von der LWS linksseitig bis in die Grosszehe hinabstrahlen. In der Beurteilung wird festgehalten, die Patientin schildere anamnestisch sowohl eine L5- als auch eine S1-Symptomatik. 4.13 Mit Schreiben vom 22. August 2019 an die Versiche rte führt das C.____-Spital aus, aus dem Austrittsbericht vom 30. Januar 2019 (Notfall-Stat ion) sei ersichtlich, dass sie vorher keine Beschwerden gehabt habe, ansonsten gesund sei, keine M edikamente einnehme und im Som- mer 2018 ein ähnlicher Unfallmechanismus stattgefunden habe. Bildmorphologisch ergebe sich in der MRI vom 12. April 2019 der Verdacht auf einen kleinen Riss im Anulus fibrosus LWK4/5 ohne Bandscheiben-Herniation oder Spinalkanalstenose. Ebenfalls keine foraminale oder reces- sale Wurzeleinengung. In der letztmaligen Konsultation vom 25. Juni 2019 habe die Patientin einen Druckpunkt im Bereich des ISG sowie persistierende Kribbelparästhesien L5 links beschrie- ben. Dies könne im Sinne degenerativer Veränderungen vorbestehend sein und durch das Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Trauma symptomatisch geworden sein. Ob diese durch das Trauma entstanden seien, lasse sich nicht sagen, da dies eine Bildgebung kurz vor dem Unfall voraussetzen würde, welche aber nicht vorliege. 4.14 Im Auftrag der X.____-Versicherungen gibt deren beratender Arzt Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, am 26. August 2019 eine me dizinische Lagebeurteilung ab. Zur Frage des Kausalzusammenhangs zwischen den Beschwerden un d dem Unfallereignis vom 29. Januar 2019 führt Dr. G.____ aus, die LWS-Beschwerden seit anfangs März 2019 seien der- zeit möglicherweise auf das Unfallereignis zurückzuführen. Die mittels MRI der LWS erhobenen Befunde würden nicht daraufhin weisen, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine kontu- sionsbedingte Schädigung von Teilen der unteren Wirbelsäule oder der Nervenwurzeln im Lum- bosakralbereich ausgelöst worden wären. Ob der medizinische Endzustand erreicht sei, sei noch unsicher. Seines Erachtens dürfte der Endzustand in den nächsten zwei bis drei Monaten noch nicht erreicht werden. Weiter führte Dr. G.____ aus, a us allgemeiner Erfahrung würden leichte Auffahrunfälle oft zu vorübergehenden Beschwerden im B ereich der HWS führen, praktisch nie aber zu Beschwerden im Bereich der unteren Wirbelsäule. Beim Beruf als Pflegerin sei der Ver- dacht gross, dass bereits durch die beruflichen Belastung en krankheitsbedingte LWS- Beschwerden als Vorzustand bekannt gewesen seien. Dass LWS -Beschwerden nach diesem eher leichten bis höchstens mittelschweren Auffahrunfall in der ersten Nacht nach dem Unfaller- eignis aufgetreten sein sollten, welche vorher nie bestanden hätten, sei zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich. Die Beschwerden der unteren LWS mit Ausstrahlungen ins linke Bein müssten nicht nur abgeklärt werden (was erfolgt sei), viel mehr müsste anamnestisch erhoben werden, welche Behandlungen in den letzten zehn Jahren im Ber eich der Wirbelsäule durchgeführt wor- den seien, damit die Situation eines allfälligen Vorzustandes aufgeklärt werden könne. Ein Kau- salzusammenhang zwischen der Irritation der unteren Wirb elsäule bei Tragen der Gurten und ohne Auslösung des Airbags und den über Monate anhalt enden LWS-Beschwerden mit radiku- lären Auswirkungen sei nicht überwiegend wahrscheinlich. LWS-Beschwerden durch eine indi- rekte Kontusion oder Irritation der unteren Wirbelsäule – wie sie bei diesem Unfallereignis statt- gefunden habe – hätten nach zwei bis drei Wochen abkli ngen müssen. Der hier eingetretene Verlauf erhärte den medizinischen Verdacht auf einen V orzustand, welcher durch die beruflich belastete LWS-Region bedingt sein könnte. 4.15 Mit Aktenbeurteilung vom 25. September 2019 füh rt Dr. F.____ als beratender Arzt der Mobiliar aus, im Bericht des C.____-Spitals vom 21. Au gust 2019 werde ein sensomotorisches Reiz- und Ausfallsyndrom L5/S1 dokumentiert, obwohl im klinischen Befund die Sensibilität und die Motorik, bis auf eine schmerzbedingte Einschränkung beim Zehenspitzenstand links, unfauf- fällig seien. Nach nochmaliger Durchsicht der medizinischen Unterlagen ergebe sich, dass zum Zeitpunkt des Unfallereignisses vom 29. Januar 2019 und zeitnah keine radikuläre Symptomatik habe nachgewiesen werden können. Im MRI vom 30. Januar 2019 hätten keine Bandscheiben- vorfälle, nur Protrusionen ohne Wurzelkompression festgestellt werden können. 4.16 Nach einer weiteren CT-gesteuerten Infiltration epidural LWK 4/5 vom 19. September 2019 berichtet das C.____-Spital am 10. Oktober 2019, die Patientin habe angegeben, dass die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nun durchgeführte Infiltration eine doch wesentliche Besserung der Schmerzsymptomatik im Be- reich der Lendenwirbelsäule mit sich geführt habe. 4.17 Mit Arztbericht des C.____-Spitals vom 28. Oktobe r 2019 wird ausgeführt, dass die Pa- tientin auf der Basis eines degenerativen Vorschadens, in sbesondere auf Höhe LWK 4/5, nach einer Traumatisierung durch einen Verkehrsunfall vom 29. Januar 2019, zunehmend Beschwer- den im lumbosacralen Übergang entwickelt habe. Die Pati entin solle sich mit ihrem Arbeitgeber in Verbindung setzen zur Abklärung eines möglichen Arbei tsplatzes mit reduzierter Belastung. Dies sei aus ärztlicher Sicht zu unterstützen, da die Patientin im MRI der Lendenwirbelsäule vom 12. April 2019 einen Riss des Anulus fibrosus LWK4/5 foraminal zeige und dies als degenerativer Vorschaden gewertet unter Belastung eine Verschlechterung erfahren könne. 4.18 Mit Schreiben vom 28. November 2019 berichtet da s C.____-Spital von der Sprech- stunde vom 26. November 2019. Die Patientin habe sich ausserplanmässig vorgestellt. Sie be- richte, dass sie letzten Monat wie geplant den Arbeitsversuch im Rahmen einer Nachtschicht im Alters- und Pflegeheim wahrgenommen habe. Sie habe d rei Nächte in Folge gearbeitet. Dies habe bereits in der ersten Nacht zu einer deutlichen Beschwerdeprogredienz geführt, sie habe während des Dienstes Schmerzmedikamente nehmen müssen. Al s Befund wird festgehalten: Flüssiges Gangbild. Sensibilität in der unteren Extremität im Seitvergleich intakt. Kraft im Bereich der Kennmuskeln M5, im linken Bein jedoch mit Schmerzan gabe bei Kniestrecker und Hüftbeu- ger. Zehenspitzenstand möglich. In der Beurteilung wird angegeben, leider sei der Arbeitsversuch als Krankenpflegerin im Alters- und Pflegeheim gescheitert. 4.19 Im Auftrag der Mobiliar erstellt Dr. med. H.__ __, Facharzt für Chirurgie und Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegung sapparates, Schweizerisches Zent- rum für medizinische Abklärungen und Beratungen (I.____ AG), am 6. Dezember 2019 ein As- sessment Orthopädie. Darin wird in zusammenfassender Beurteilung ausgeführt, nach dem Ver- kehrsunfall sei am 30. Januar 2019 eine Röntgenuntersu chung der LWS durchgeführt worden, welche keinen pathologischen Befund erbracht habe, insbesondere keine Unfallfolgen. Nach ei- genen Angaben habe anschliessend eine 4-wöchige Arbeitsunfähigkeit bestanden, die grössten- teils durch den Hausarzt attestiert worden sei. Ausweislich der Akten und der eigenen Angaben habe die Versicherte vom 28. Februar bis 28. Mai 2019 in einem Pensum von 100 % gearbeitet. Ab dem 28. Mai 2019 werde dann mit kurzen Unterbrechungen eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bis Ende 2019 attestiert. Die klinischen Untersuchungsbefunde anlässlich der vorliegenden gut- achterlichen Untersuchung seien völlig unauffällig gew esen. Das linksseitige Schonhinken sei inkonsistent demonstriert worden und sei vor dem Hintergrund der klinischen Untersuchungsbe- funde nicht nachzuvollziehen. Die Beweglichkeit der HWS, BWS oder LWS sei uneingeschränkt, keine neurologischen Auffälligkeiten, keine zu objekti vierenden Veränderungen, die die von der Versicherten angegebenen Schmerzen objektivieren könnten . Auffällig sei gewesen, dass die Beweglichkeit sämtlicher Abschnitte der Wirbelsäule beim An- und Auskleiden, insbesondere der Schuhe, völlig unauffällig und altersentsprechend gezeigt worden sei. Insgesamt hätten sich kli- nisch keine Auffälligkeiten der Wirbelsäule ergeben. Au ch die bildgebenden Untersuchungen, das heisst die Röntgenuntersuchung am 30. Januar 2019 u nd die MRI-Untersuchung der LWS Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht und der ISG am 12. April 2019 könnten die von der V ersicherten durchgehend geschilderte Be- schwerdesymptomatik nicht erklären. Beide Beine seien seitengleich bemuskelt, keine Hinweise für eine schmerzhafte Belastungseinschränkung der linken unteren Extremität. Anzumerken sei, dass die Sprechstundenberichte des C.____-Spitals jeweils d ie subjektive Beschwerdesympto- matik mitteilen würden. Unter Befund sei jeweils sehr knapp eine unauffällige klinische Untersu- chung dokumentiert. Insofern könne eine Arbeitsunfähi gkeit auch retrospektiv nicht nachvollzo- gen werden. Die Arbeitsfähigkeit sei weder in der bi sherigen noch in einer Verweistätigkeit ein- geschränkt. Zur Kausalitätsfrage äussert sich der Bericht von Dr. H.____ nicht. 4.20 Dr. med. K.____, FMH Chirurgie, berichtet am 24 . Februar 2020 zu Handen der Mobiliar. Es handelt sich dabei um eine Aktenbeurteilung. Im Wesentlichen gestützt auf theoretische Über- legungen zu Auffahrunfällen gelangt Dr. K.____ zum Schluss, die Versicherte habe eine relativ harmlose Auffahrkollision erlitten, mit dem lumbal ausgelöste Beschwerden nicht erklärbar seien. Festzuhalten sei, dass es mit dieser Kollision zu einer stabilen Verlagerung des Rumpfes in die Rückenlehne gekommen sei. Es könne nicht von einer Kontusion der LWS ausgegangen werden. Die geäusserten Beschwerden der Versicherten seien weder biomechanisch noch strukturell er- klärbar, zumal initial sehr wechselhafte Beschwerden ang egeben worden seien. Beim Hausarzt sei initial ein Kribbeln in beiden unteren Extremität en angegeben worden. Dann habe die Versi- cherte in der Folge ventrale Kribbelparästhesien im lin ken Oberschenkel geäussert. Diese Be- schwerden seien noch im MRI der LWS vom 12. April 2019 dokumentiert worden. Die Kribbel- parästhesien hätten dann von vorne nach hinten seitlich gewechselt und seien von den Orthopä- den des C.____-Spitals als radikuläres sensomotorisches Reiz- und Ausfallsyndrom L5/S1 links interpretiert worden. Die Versicherte habe bereits wieder am 28. Februar 2019 arbeiten können, dies in der Folge für drei Monate. Dies entspreche auch dem natürlichen Heilverlauf einer allen- falls diskreten muskulären Schädigung der HWS mit einer temporär reaktiven muskulären Dys- balance. Die Mobiliar habe aufgrund dieses Wiedereinstiegs in die Arbeit zu Recht einen Status quo ante definiert. Beschwerden von Seiten des kraniozervikalen Beschleunigungstraumas seien vollständig abgeklungen. Dagegen seien lumbale Beschwerde n aufgetreten, die nicht mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit mit dem Unfall vom 29. Jan uar 2019 begründet werden könnten, dies nicht ansatzweise. Zu hinterfragen sei aber prinzipiell die Diagnose des radikulären senso- motorischen Reizsyndroms L5/S1. Dieses sei nie bildgebend g esichert worden. Entsprechende sensomotorische Ausfälle liessen sich den Berichten nicht e ntnehmen. Wie bereits von Dr. H.____ festgestellt worden sei, seien die erhobenen Un tersuchungsbefunde im C.____-Spital rudimentär und zum Teil auch falsch. Eine abgeschwächte Hüftbeugung sei nur auf eine Ab- schwächung des Musculus iliopsoas und des Rectus femoris zurückzuführen. Diese seien für die Hüftflexion zuständig. Die dafür notwendige Innervation erfolge aber über Nerven, die den Seg- menten L1 bis L3 entspringen würden, aber keineswegs ei nem Nerv, der dem Segment L5/S1 zuzuordnen sei. Es würden Reflexuntersuchungen, neuromeni ngeale Dehnungstests, Beweg- lichkeitsmessungen etc. fehlen. Zudem sei die Wechselhafti gkeit der Kribbelparästhesien nicht angemessen berücksichtigt worden. Die Untersuchung von Dr. H.____ bzw. sein Bericht vom 6. Dezember 2019 sei seines Erachtens korrekt, seine Befunde seien eindeutig. Das klinische Bild der Versicherten lasse sich traumatologisch-orthopädisch nicht begründen. Anzumerken sei, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass sich im MRI vom 12. April 2019 ein kleiner Riss im An ulus fibrosus auf Höhe L4/L5 darge- stellt habe, aber ohne Herniation. Betroffen sei auch nicht das Segment L5/S1, für das aber kli- nisch ein sensomotorisches Reizsyndrom postuliert worden sei. 5. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin zur Beurtei lung der Unfallkausalität im Wesent- lichen auf das Aktengutachten von Dr. K.____ vom 24. Feb ruar 2020 abgestellt und ist davon ausgegangen, dass der Status quo ante vel sine am 28. Februar 2019 erreicht war. Folglich hat sie ihre Leistungen auf diesen Zeitpunkt hin eingestellt. 5.1 Vorweg ist festzuhalten, dass sich kein unabhängiges Gutachten bei den Akten befindet. Es liegen im Wesentlichen zwei Beurteilungen von Dr. F.____, dem beratenden Arzt der Mobiliar, vom 31. Juli und vom 25. September 2019, eine Stellun gnahme des beratenden Arztes der X.____-Versicherungen Dr. G.____ vom 26. August 2019, ein sogenanntes Assessment Ortho- pädie von Dr. H.____, I.____ AG, vom 6. Dezember 2019 sowie die Aktenbeurteilung von Dr. K.____ zu Handen der Mobiliar vom 24. Februar 2020 vor. Gestützt auf die vorliegenden Ak- ten ist unklar, unter welchen Umständen der Auftrag an Dr. H.____ erteilt wurde. Ersichtlich ist, dass die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin mit Sch reiben vom 19. November 2019 an die Beschwerdegegnerin gelangte und mitgeteilt hat, ihre Mandantin habe seitens der I.____ AG ein Aufgebot erhalten. Sie beantragte, dass der Auftrag unter Einhaltung der Anforderungen von Art. 44 ATSG zu wiederholen sei. Ob aufgrund dieses Schreibens der Verfahrensablauf gemäss Art. 44 ATSG eingehalten wurde, ist nicht ersichtlich. In den Akten befindet sich in der Folge lediglich eine E-Mail der Beschwerdeführerin an die Re chtsvertreterin vom 18. Dezember 2019, wonach die Untersuchung lediglich 5 Minuten gedauert habe. Auf welche Akten sich Dr. H.____ stützt, ist aus seinem Bericht nicht zu ersehen. Die vom C.____-Spital am 26. Juni 2019 empfoh- lenen Infiltrationen, die dann am 21. August und 19. September 2019 durchgeführt wurden, wer- den in diesem Bericht jedenfalls nicht erwähnt. Zur Aktenbeurteilung von Dr. K.____ ist zu erwäh- nen, dass diese der Beschwerdeführerin erst zusammen mit dem Einspracheentscheid zugestellt wurde, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs zur Fo lge hat. Neben diesen ärztlichen Un- terlagen liegen noch diverse Berichte des behandelnden C.____-Spitals und des behandelnden Hausarztes bei den Akten. 5.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann gestützt auf die vorliegenden Akten der Fall nicht abschliessend beurteilt werden. Die Stellungnahmen des Vertrauensarztes Dr. F.____ vom 31. Juli und vom 25. September 2019 sin d ausgesprochen kurz und Dr. F.____ befasst sich in seinem zweiten Bericht nicht damit, dass nach der (ersten) Infiltration keine Bes- serung der Beschwerden aufgetreten ist. Er beschränkt seine kurzen Ausführungen auf die Frage der radikulären Symptomatik. Er geht aber nicht auf die von der Beschwerdeführerin geäusserten lumbalen Beschwerden ein. Dr. F.____ geht zudem fälschlicherweise davon aus, dass am 30. Ja- nuar 2019 ein MRI durchgeführt worden sei. Des Weiteren geht er auch nicht auf den Bericht von Dr. G.____ vom 26. August 2019 ein, wonach der Endzustand in den nächsten 2-3 Monaten er- reicht werde. Dr. H.____ geht in seinem Assessment Orthopädie vom 6. Dezember 2019 fälschlicherweise da- von aus, dass die Beschwerdeführerin vom 28. Februar bis zum 28. Mai 2019 in einem 100 %- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Pensum gearbeitet habe. Wie bereits ausgeführt, ist auch unklar, welche Unterlagen Dr. H.____ vorgelegen haben. Er scheint den Schluss zu ziehen, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde- führerin, da sie vom 28. Februar bis 28. Mai 2019 in e inem Pensum von 100 % gearbeitet habe und die anlässlich der Untersuchung vom 2. Dezember 2019 geschilderten Beschwerden nicht nachvollzogen werden könnten, nicht eingeschränkt sei. Ab gesehen davon, dass Dr. H.____ in Bezug auf das Arbeitspensum von falschen Voraussetzungen ausgeht, kann seinem Bericht auch nicht entnommen werden, ab wann eine volle Arbeitsfäh igkeit bestehen soll bzw. wie sich der Verlauf der Arbeitsunfähigkeit darstellt. Vor allem aber ist zu beachten, dass sich Dr. H.____ nicht zur hier relevanten Kausalitätsfrage äussert. In Bezug auf das Aktengutachten von Dr. K.____ ist mit der Beschwerdeführerin festzuhalten, dass dieser im Wesentlichen theoretische Überlegungen zur Unfallkausalität bei Auffahrunfällen anstellt. Falsch ist die Aussage von Dr. K.____, dass die Beschwerden von Seiten des kraniozer- vikalen Beschleunigungstraumas vollständig abgeklungen seie n und dagegen lumbale Be- schwerden aufgetreten seien. Die Beschwerdeführerin hat nach dem Unfall bereits bei der Erst- untersuchung auf der Notfall-Station neben Kopf- und Nackenschmerzen explizit auch über Schmerzen im Bereich der LWS geklagt. Des Weiteren hält Dr. K.____ zwar als Anmerkung fest, dass sich im MRI vom 12. April 2019 ein kleiner Riss im An ulus fibrosus auf Höhe L4/L5 darge- stellt habe. Er nimmt aber nicht dazu Stellung, wie sich dies – falls dies als Vorzustand zu werten wäre – auf die Kausalitätsfrage ausgewirkt haben könnt e. Des Weiteren erwähnt er die vorge- nommenen Infiltrationen und die Tatsache, dass die zweite Infiltration zu einer Verbesserung des Gesundheitszustands geführt hatte, in seiner Fallbeurt eilung nicht. Weiter kritisiert Dr. K.____, dass aufgrund der erhobenen Befunde die Diagnose eine r Kompression der Nervenwurzel L5 gestellt worden sei. Dies sei nicht haltbar. Dr. G.___ _ hingegen hat in seiner medizinischen La- gebeurteilung vom 26. August 2019 die bisherigen diag nostischen und therapeutischen Mass- nahmen – folglich auch die Diagnose eines radikulären, sensomotrischen Reiz- und Ausfallsyn- droms betont L5/S1 – als zweckmässig und geeignet bezeichn et. Auch ist Dr. K.____ zu wider- sprechen, wenn er ausführt, dass sich klinisch keine Auffäl ligkeiten gezeigt hätten. In den ver- schiedenen Berichten des C.____-Spitals werden beispielsw eise Druckdolenzen im Bereich LWK2/3 sowie ISG linksseitig, intermittierende Kribbelparästhesien im Bereich des linken Ober- und Unterschenkels sowie am Fussrücken, leicht verminderte Kraft in der gesamten linken unte- ren Extremität im Bereich aller Kernmuskeln und Erschwer ung des einbeinigen Zehenspitzen- stands festgehalten. Aus der Aktenbeurteilung von Dr. K.____ geht nicht nachvollziehbar hervor, weshalb der Status quo ante vel sine am 28. Februar 2019 erreicht sein soll. Dr. K.____ scheint davon auszugehen, dass die Arbeitsaufnahme ab 1. März 2019 den Wegfall d er Unfallkausalität als überwiegend wahrscheinlich erscheinen lässt. Die Beschwerdeführerin führt diesbezüglich zu Recht an, dass Dr. K.____ nicht berücksichtigt habe, dass sie lediglich im Umfang eines Teilzeitpensums von 54 % bzw. gemäss ihren Angaben ab 1. April 2019 sogar nur noch 40 % tätig war und wegen ihrer Schmerzen während der Arbeit ein Stützmieder getragen hat. Des Weiteren ergibt sich aus den Unterlagen, dass die Beschwerdeführerin bereits weni ge Stunden nach dem Unfallereignis und auch über ihren Arbeitsbeginn am 1. März 2019 hinaus über lumbale Schmerzen geklagt hat. Auch bei ihrer ersten ärztlichen Untersuchung nach Aufnahme ihrer Arbeitstätigkeit am 26. März Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2019 klagte sie explizit weiterhin über Schmerzen im LWS-Bereich sowie nun auch über Kribbel- parästhesien. 6. Unbestritten ist, dass am 29. Januar 2019 ein Unfall ereignis stattgefunden hat, welches bei der Beschwerdeführerin zu Beschwerden und zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Die Be- schwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht grundsätzlich be jaht und anfänglich auch Versiche- rungsleistungen erbracht. Sie lehnt jedoch eine über den 28. Februar 2019 hinausgehende Leis- tungspflicht im Wesentlichen gestützt auf die Beurteilung von Dr. K.____ ab. 6.1 Will die Beschwerdegegnerin bei dieser Ausgangsla ge ihre Leistungen einstellen, so liegt die Beweislast für den Wegfall des Kausalzusammenhangs bei ihr (vgl. oben E. 2.3). An die Beweiswürdigung sind strenge Anforderungen zu stellen, w enn ein Versicherungsfall wie hier ohne Einholung eines externen Gutachtens im Verfahren nach Art. 44 ATSG entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlä ssigkeit und Schlüssigkeit der versiche- rungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänze nde Abklärungen vorzunehmen (vgl. E. 3.2 hiervor und die dortigen Rechtsprechungshinweise). Vorliegend ergeben sich aus den Berichten des C.____-Spitals sowie von Dr. E.____ Zweifel an der Schlüssigkeit der Kausalitäts- beurteilung von Dr. K.____ und der weiteren vorliegenden medizinischen Berichte (vgl. E. 5 hier- vor). 6.2 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass vorliegen d bei der Würdigung des medizinischen Sachverhalts nicht auf die vorliegenden är ztlichen Beurteilungen abgestellt wer- den kann. Demzufolge ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan, dass die geklag- ten Beschwerden ab 28. Februar 2019 nicht mehr auf das Unfallereignis zurückgeführt werden können. Stattdessen sind ergänzende Abklärungen vorzunehm en. Der angefochtene Ein- spracheentscheid ist deshalb aufzuheben und die Angelegenheit ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird die Frage, ob bzw. bis wann die bei der Beschwerdeführerin beste- henden Beschwerden auf das Unfallereignis vom 29. Januar 2019 zurückgeführt werden können, durch einen versicherungsexternen Facharzt bzw. eine Fach ärztin im Verfahren nach Art. 44 ATSG gutachterlich abklären zu lassen haben. Anschliessend wird sie gestützt auf die Ergeb- nisse der Aktenergänzung über den Leistungsanspruch der Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 7. Des Weiteren ist strittig, ob die Vorinstanz mit Verf ügung vom 6. Mai 2020 das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung zu Recht abgelehnt hat. 7.1 Gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG wird der gesuchstellende n Person im So-zialversiche- rungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewi lligt, wo die Verhältnisse es erfordern. Kumulative Voraussetzungen für die unentgeltliche Verbeiständung sind Bedürftigkeit, Nichtaus- sichtslosigkeit der Rechtsbegehren sowie sachliche Gebotenheit der Vertretung (BGE 132 V 200 E. 4.1). Bei den Voraussetzungen der finanziellen Bed ürftigkeit und der fehlenden Aussichtslo- sigkeit ist keine strengere Prüfung als im Gerichtsverfahren angebracht (vgl. UELI KIESER , ATSG- Kommentar, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 37 Rz. 43). Demgegenüber ist die Voraus- setzung der Erforderlichkeit der Vertretung für das Ver waltungsverfahren strenger zu prüfen als Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Beschwerdeverfahren gemäss Art. 61 lit. f ATSG (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 7. April 2017, 8C_669/2016, E. 2.1, vom 10. April 2015, 8C_48/2015, E. 4.1, publ. in: ARV 2015 S. 161, und vom 24. Januar 2006, I 812/05, E. 4.3). Eine Rechtsprechung, die darauf hinausliefe, in prak- tisch allen oder den meisten Verwaltungsverfahren die Notwendigkeit der anwaltlichen Vertretung zu bejahen oder diese unter den gleichen Voraussetzungen wie im Beschwerdeverfahren zu ge- währen, stände im Widerspruch zur gesetzlichen Regelung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2018, 8C_240/2018, E. 3.2). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Notwendigkeit einer anwaltlichen Ver-tre- tung im sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungsverfahren namentlich mit Blick darauf, dass der Untersuchungsgrundsatz gilt, die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzel- nen Sozialversicherungen also den rechtserheblichen Sachverhalt unter Mitwirkung der Parteien nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität, Neutralität und Gesetzes-gebundenheit zu ermitteln haben (Art. 43 ATSG, vgl. dazu BGE 136 V 377 E. 4.1.1), nur in Ausnahmefällen zu bejahen. Die Geltung des Untersuchungsgrundsatzes rechtfertigt somit einen strengen Massstab, schliesst aber die sachliche Gebotenheit der unentgeltlichen Verbeiständung nicht grundsätzlich aus (BGE 130 I 180 E. 3.2, 125 V 32 E. 4b). Es müssen sich schwierige Fragen rechtlicher oder tatsächlicher Natur stellen. Zu berücksichtigen sind die ko nkreten Umstände des Einzelfalls, Ei- genheiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften sowie weitere Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens. Neben der Komplexität der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des Sachver- halts fallen auch bei der versicherten Person liegende Gründe in Betracht, etwa ihre Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden. Massgebend ist dabei auch die Frage, ob die Vertretung durch einen Sozialarbeiter bzw. eine Sozialarbeiterin oder d urch Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen in Frage kommt (BGE 132 V 200, E. 4.1; Urteile des Bundesgerichts vom 7. April 2017, 8C_669/2016, E. 2.1, vom 7. Juli 2016, 8C_676/2015, E. 7.1, nicht publ. in BGE 142 V 342, vom 14. Juni 2017, 9C_ 680/2016, E. 4.1.1, vom 6. Apri l 2017, 9C_29/2017, E. 1 und vom 23. Februar 2016, 8C_931/2015, E. 3, publ. in: SVR 2016 IV Nr. 17 S. 50; vgl. auch KIESER, a.a.O., Art. 37 Rz. 37 ff.). Falls ein besonders starker Eingrif f in die Rechtsstellung des Versicherten droht, ist die Verbeiständung grundsätzlich geboten, an dernfalls bloss, wenn zur relativen Schwere des Falls besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten hinzukommen, denen der Gesuchsteller auf sich alleine gestellt nicht gewachs en ist (BGE 132 V 200 f. E. 4.1, 125 V 35 f. E. 4b; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 10. April 2015, 8C_48/2015, E. 2.2 und vom 22. Februar 2013, 9C_908/2012, E. 2.2; je mit Hinweisen). 7.2 In Bezug auf die Frage der Nichtaussichtlosigkeit d er Einsprache fällt auf, dass nur we- nige und ausgesprochen kurze, allein auf die Akten gestützte medizinische Berichte des die Be- schwerdegegnerin beratenden Arztes sowie der Bericht ei nes beratenden Arztes der X.____- Versicherungen vorlagen, welche sowohl den Berichten de s Hausarztes als auch des C.____- Spitals in Bezug auf die Kausalität widersprachen. Erst in Folge der Einsprache hat die Beschwer- degegnerin weitere Abklärungen, zuerst bei Dr. H.____ und danach bei Dr. K.____, in Auftrag gegeben. Diese Abklärungen erfolgten aufgrund der zutreffenden Rügen der Beschwerdeführe- rin. Demnach kann nicht von einer Aussichtslosigkeit der Ei nsprache im Zeitpunkt der Ein- spracheerhebung ausgegangen werden. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 Weiter hat die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfü gung vom 6. Mai 2020 darauf hinge- wiesen, dass auch die Voraussetzung der Notwendigkeit od er doch Gebotenheit einer anwaltli- chen Verbeiständung nicht bejaht werden könne. Auch d ieser Auffassung der Beschwerdegeg- nerin ist zu widersprechen. Die Beschwerdeführerin leidet an gesundheitlichen Beschwerden, deren Auswirkungen auf ihre Gesundheit und ihre Arbeitsfähigkeit im Zeitpunkt der Einspracheer- hebung noch nicht absehbar waren. Aufgrund der unklaren medizinischen Situation und der kom- plexen rechtlichen Schwierigkeiten, insbesondere der Kausalitätsproblematik, die vorliegend im Raum stehen, wäre die Beschwerdeführerin ohne Unterstüt zung durch einen Rechtsvertreter überfordert gewesen. Auch scheint eine Vertretung durch einen Sozialarbeiter bzw. eine Sozial- arbeiterin oder durch Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen bei der vorliegenden Prob- lematik nicht in Frage zu kommen. Die Notwendigkeit des Beizugs einer anwaltlichen Vertretung ist folglich zu bejahen. 7.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegneri n die Einsprache zu Un- recht als aussichtslos bezeichnet hat und auch zu Unrecht die Gebotenheit der anwaltlichen Ver- tretung verneint hat. Nicht geäussert hat sich die Vorinstanz zur Frage der Bedürftigkeit im Zeit- punkt der Gesuchseinreichung. Demzufolge ist die angefochtene Verfügung aufzuheben, die An- gelegenheit zur Abklärung der Bedürftigkeit im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung und zur erneu- ten Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 8.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. 8.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Hebt das Kantonsgericht – wie h ier – einen bei ihm angefochtenen Ent- scheid auf und weist es die Angelegenheit zu ergänzender Abklärung und neuer Beurteilung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (voll- ständig) obsiegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 un d 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hin- weisen). Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwer- degegnerin zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Besch werdeführerin hat in ihrer Honorar- note vom 11. August 2020 einen Zeitaufwand von insgesa mt 15,55 Stunden geltend gemacht, was in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittli- che Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausg ewiesenen Auslagen von Fr. 131.40. Der Beschwerdeführerin ist demnach eine Parteientschädi gung in der Höhe von Fr. 4'328.35 (15,55 Stunden x Fr. 250.-- und Auslagen in der Höhe von Fr. 131.40 zuzüglich 7,7 % Mehrwert- steuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 9.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g – wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst – einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BG G) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentscheids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch das Urteil vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der Einsprache- entscheid der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellsch aft AG vom 6. März 2020 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Ab- klärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer n euen Verfü- gung an die Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG zu- rückgewiesen wird. 2. Die Verfügung der Schweizerischen Mobiliar Versiche rungsgesellschaft AG vom 6. Mai 2020 betreffend Verweigerung der unen tgeltlichen Ver- beiständung wird aufgehoben und die Angelegenheit zu r Prüfung der prozessualen Bedürftigkeit und zum Erlass einer neuen Ver fügung an die Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG zu rückge- wiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG hat der Be- schwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe v on Fr. 4'328.35 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht