2018 1 Kantonale Baubewilligungspflicht – Art. 26 und Art. 36 Abs. 3 BV; Art. 22 Abs. 1 RPG; Art. 54 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a sowie Art. 70 Abs. 1 BauG. Der bundesrechtliche Begriff der bewilligungspflichtigen Bauten und Anlagen kann von den Kantonen weiter, aber nicht enger gefasst werden (E. 3.1). Das kantonale Recht sieht für bauliche Massnahmen von geringfügiger Bedeutung keine ausdrücklichen Ausnahmen von der baurechtlichen Bewilligu ngspflicht vor. Die Tragweite der Bewilligungspflicht wird durch die aus d er Eigentumsgarantie fliessende Bestandesgarantie bzw. Baufreiheit und dem Gebot der Verhältnis - mässigkeit von Eigentumsbeschränkungen eingeschränkt. Ob ein Vorhaben be - willigungspflichtig ist, muss anhand einer Gesamtbetrachtung aller im Einzelfall massgebenden Elemente und Interessen beurteilt werden (E. 3.2.2 und 3.2.3). Baubewilligungspflicht im konkreten Fall bejaht (E. 4.4). OGE 60/2016/1 vom 11. Dezember 2018 Keine Veröffentlichung im Amtsbericht Aus den Erwägungen 3.1. Bauten und Anlagen dürfen nur mit behördlicher Bewilligung errichtet oder geändert werden (Art. 22 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Raumplanung vom 22. Juni 1979 [Raumplanungsgesetz, RPG, SR 700 ]). Nach ständiger Recht - sprechung des Bundesgerichts sind Bauten und Anlagen mindestens jene künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegten Einrichtungen, die in bestimmter fester Beziehung z um Erdboden stehen und geeignet sind, die Vorstellung über die Nutzungsordnung zu beeinflussen, sei es, dass sie den Raum äusserlich er - heblich verändern, die Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen. Die Baubewilligungspflicht soll der Behörde die Möglichkeit verschaffen, das Bau- projekt vor seiner Ausführung auf die Übereinstimmung mi t der raumplanerischen Nutzungsordnung und der übrigen einschlägigen Gesetzgebung zu überprüfen. Massstab dafür, ob eine Massnahme erheblich genug ist, um sie d em Baubewilli- gungsverfahren zu unterwer fen, ist daher, ob damit im allgemeinen, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, so wichtige räumliche Folgen verbunden sind, dass ein Interesse der Öffentlichkeit oder der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle besteht (zum Ganzen BGE 139 II 134 E. 5.2 S. 139 f.; BGer 1C_505/2017 vom 15. Mai 2018 E. 5). Der bundesrechtliche Begriff der bewilligungspflichtigen Bauten und Anlagen kann von den Kantonen weiter, nicht aber enger gefasst werden (statt vieler BGer 1C_285/2015 vom 26. September 2017 E. 4.2). 2018 2 3.2.1. Gemäss Art. 54 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über die Raumplanung und das öffentliche Baurecht im Kanton Schaffhausen vom 1. Dezember 1997 (Baugesetz, BauG, SHR 700.100) bedürfen Bauten und Anlagen, d.h. alle Vorkehren, durch welche nachbarliche oder öffentliche Interessen berührt werden könnten, der be- hördlichen Bewilligung. Bewilligungspflichtig sind demnach sämtliche bauliche n Massnahmen, sofern diese in irgendeiner Art nachbarliche oder öffentliche Interes- sen berühren könnten (vgl. Bericht und Antrag des Regierungsrates des Kantons Schaffhausen an den Grossen Rat betreffend den Erlass eines Gesetzes über die Raumplanung und das öffentliche Baurecht im Kanton Schaffhaus en, Amtsdruck- schrift 4154, S. 16). Die baurechtliche Bewilligungspflicht wird in Art. 54 Abs. 2 lit. a bis h BauG beispielhaft konkretisiert (vgl. OGE 60/2016/9 vom 20. April 2018 E. 4.2). Bewilligungspflichtig sind demnach insbesondere die Errichtung neuer und die Erneuerung, Änderung und Erweiterung bestehender Hoch - und Tiefbauten, inkl. kulturhistorisch sowie gesundheits - oder baupolizeilich und energetisch be- deutsame bauliche Massnahmen im Freien und im Inneren bestehender Bauten (lit. a). 3.2.2. Das B augesetz sieht für geringfügige Vorhaben, d ie keine wesentlichen nachbarlichen und öffentlichen Interessen berühren, zwar verfahrensmässige Erleichterungen vor (vgl. Art. 70 Abs. 1 BauG). Anders als in anderen Kant onen sind Massnahmen von geringfügiger Bedeutung jedoch nicht ausdrücklich von der baurechtlichen Bewilligungsp flicht ausgenommen (vgl. etwa § 309 Abs. 3 des Planungs- und Baugesetzes des Kantons Zü rich vom 7. September 1975 [PBG, LS 700.1] und § 1 der Bauverfahrensverordnung des Kantons Zürich vom 3. De- zember 1997 [BVV, LS 700.6]; Art. 1b des Baugesetzes des Kantons Bern vom 9. Juni 1985 [BauG-BE, BSG 721.0] und Art. 5 ff. des Dekrets des Kantons Bern über das Baubewilligungsverfahren vom 22. März 1994 [Baubewilligungs dekret, BewD, BSG 725.1]). D ie Tragweite der baurechtlichen Bewilligungspflicht nach Art. 54 BauG wird indes aus verfassungsrechtlicher Sicht durch die aus der Eigen- tumsgarantie (Art. 26 BV) fliessende Bestandesgarantie bzw. Baufreiheit ein - geschränkt. Demnach ist das Gebot der Verh ältnismässigkeit von Eigentums - beschränkungen (Art. 36 Abs. 3 i.V.m. Art. 26 BV) zu beachten, wonach Bagatell - vorhaben mit räumlich minimalen Auswirkungen und nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge unerheblic hem Störpotenzial keiner präven tiven Kontrolle unt erworfen werden dürfen (VGer ZH VB.2006.00196 vom 21. Juli 2006 E. 2.1, publ. in: BEZ 2006 Nr. 56; BRGE ZH II Nr. 0102/2012 vom 19. Juni 2012 E. 5.3.5, publ. in: BEZ 2012 Nr. 60; vgl. ferner BGer 1A.202/2006 vom 10. September 2007 E. 5 ff., mit welchem eine Beschwerde gegen den zitierten Entscheid des Verwaltungsgerichts Zürich abgewie sen wurde). In der Literatur wird daraus abgeleitet, das s Mass - nahmen zur Bestandeserhaltung einer bestehenden, formell rechtmässigen Baute 2018 3 und Anlage keiner Baubewilligung bedürfen, worunter auch Renovationen im Sinne von Modernisierungen und Anpassungen an zeitgemässe Komfortansprüche und den aktuellen Stand der Technik, welche die Gebäudestruktur und das Gebäude - volumen unverändert lassen und das äussere Erscheinungsbild nicht oder nur ge- ringfügig verändern, zu subsumieren seien (vgl. Bernhard Waldmann, Bauen ohne Baubewilligung? Von klaren und den Zweifelsfällen, in: Institut für Schweizerisches und Internationales Baurecht [Hrsg.], Schweizerische Baurechtstagung 2017, Frei- burg 2017, S. 47 ff.). 3.2.3. Ob ein Vorhaben der baurechtlichen Bewilligungspflicht unterliegt, ist somit anhand einer Gesamtbetrachtung aller in einem konkreten Fall massgebenden Elemente und Inte ressen zu beurteilen (vgl. Waldmann, S. 56; Fritzsche/Bösch/ Wipf, Zürcher Planungs - und Baurecht, Band 1, Bau - und Umweltrecht, 5. A., Zürich 2011, S. 256 f.). Dabei handelt es sich nicht um eine Ermessens -, sondern um eine Rechtsfrage, welche im verwaltungsgerichtlichen Verfahren grundsätzlich frei zu prüfen ist. Die Baubehörde verfügt indes bezüglich der Frage, ob die Voraus- setzungen der baurechtlichen Bewilligungspflicht erfüllt sind, über einen Be - urteilungsspielraum, weshalb sich das Obergericht als gerichtliche Instanz ohne besondere Fachkenntnisse Zurückhaltung auferlegt. Auslegung und Praxis der mit den örtlichen Verhältnissen und Planungszielen vertrauten Verwaltungsbehörden haben daher zum Vornherein ein massgebliches Gewicht (vgl. OGE 60/2013/37 vom 11. September 2015 E. 2.3.2 mit Hinweis en, Amtsbericht 2015, S. 96; ferner Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. A., Bern 2014, § 26 N. 10, S. 216 und N. 27 f., S. 222). […] 4.4. Eine Gesamtwürdigung ergibt, dass die gemäss den vorstehenden Er - wägungen berührten öffentlichen und nachbarlichen Interessen die Baufreiheit der Beschwerdeführer überwiegen. Insbesondere kann angesichts des Umfangs der fraglichen baulichen Massnahmen – Ersatz von 22 Bädern und Küchen inkl. Er - stellung neuer Leitungen, Einbau einer neuen zentralen Gasheizung mit Warm - wasseraufbereitung als Ersatz für eine Ölheizung und 22 Elektroboiler, neue Öffnungen für die Küchenabluft und Änderung der Fenstereinteilung infolge Ab - sturzsicherung, zwei Monate andauernde Bauphase – sodann nicht bloss von einer bewilligungsfreien Renovation oder von einer baurechtlichen Bagatelle ge - sprochen werden, zumal die baulichen Änderungen nicht nur vorübergehend, son- dern von Dauer sind und nicht ohne Weiteres entfernt bzw. rückgängig gemacht werden können. Eine präventive Kontrolle des Bauvorhabens war im Ergebnis ge- rechtfertigt.