B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4989/2019 U r t e i l v o m 2 . O k t o b e r 2 0 1 9 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler; Gerichtsschreiberin Evelyn Heiniger. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), Albanien, (…), Beschwerdeführerinnen, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist); Verfügung des SEM vom 23. September 2019 / N (…). E-4989/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin reiste am 14. Juni 2019 mit dem Flugzeug von C._______ nach Zürich und suchte am 17. Juni 2019 in d er Schweiz um Asyl nach. Am 20. Juni 2019 bevollmächtigte sie die ih r zugewiesene Rechtsvertretung, am 21. Juni 2019 wurden ihre Personalien aufgenom- men. Am (…) gebar die Beschwerdeführerin ihre Tochter. Anlässlich der Erstbefragung/Anhörung vom 24. Juli 2019 gab die Be- schwerdeführerin zu Protokoll, sie sei im Dorf D._______ aufgewachsen und zur Schule gegangen. Danach habe sie mit ihrer Familie (Eltern und Geschwister) in E._______ und zuletzt in F._______ gelebt. Sie habe die (…)schule abgeschlossen und hätte gerne eine Ausbildung als (…) ge- macht, was aus finanziellen Gründen nicht möglich gewesen sei. Ihre be- tagten Eltern lebten von der Rente ihres Vaters. Um weiteres Einkommen zu erzielen, arbeiteten sie illegal. Ein Bruder, der nun in G._______ lebe, habe den Bau des Hauses in F._______ finanziert. Ihre anderen Brüder würden ebenfalls gelegentlich illegal arbeit en. Sie selbst habe eine Zeit lang in einer (…)fabrik gearbeitet. Oft sei sie auch zu ihrer Schwester nach H._______ gegangen und habe sich um deren Kinder gekümmert, als diese eine Weiterbildung (Protokoll Erstbefragung/Anhörung F59) bezie- hungsweise eine Ausbildung (F102) absolviert habe. Um Geld für die Aus- reise zu sparen, habe sie zuletzt illegal in einer (…)fabrik gearbeitet (F93). Der Vater ihres Kindes habe Drogen genommen, sei krank geworden und habe den Kontakt zu ihr abgebrochen. Er leide an Depressionen. Sie habe keinen Kontakt mehr zu ihm. Sie glaube, er lebe in G._______ bei seinem Bruder (F55). Sie habe ihre Schwangerschaft lange verheimlicht. Als ihre Familie im (…) 2019 davon erfahren habe, habe sie sie dazu drängen wol- len, die Schwangerschaft abzubrechen, da sie nicht für das Kind aufkom- men könne. Sie habe Angst gehabt, dass ihr jemand das Kind wegnehme oder es umbringe. Sie habe daher vor der Ausreise bei der Ex-Frau ihres Onkels gewohnt und sei (…) Wochen vor der Geburt ausgereist. Ihre Brü- der hätten ihr gesagt, sie müsse das Kind wegbringen. Im (…) sei sie von ihrem Bruder I._______ geschlagen worden. Sie habe wiederholt Prob- leme gehabt und sei geschlagen worden. Zur Polizei sei sie nicht gegan- gen, da diese normalerweise sage, es handle sich bei den erwähnten Prob- lemen um ei ne Familienangelegenheit (F152). Ihre Eltern seien alt und krank und könnten nicht für ihren Unterhalt aufkommen, da das Geld nicht einmal für die Medikamente reiche (F97 f.). Bisher habe sie aber von der Rente ihres Vaters leben können (F114). In ihrem Um feld gebe es viele E-4989/2019 Seite 3 alleinerziehende Mütter. Diese würden nicht vom Staat unterstützt. Sie habe sich nicht darüber informiert, wo sie Unterstützung erhalten könne. Anlässlich der Anhörung vom 12. September 2019 gab die Beschwerde- führerin an, sie sei Ende (…) für zwei Monate nach G._______ zu einer Freundin gegangen. Sie wisse nicht, ob der Vater ihres Kindes in G._______ lebe (Anhörungsprotokoll F29). Zur Finanzierung ihres Flugti- ckets in die Schweiz habe sie für Familien als (…) gearbeitet (F37). Als sie das letzte Mal nach Hause gegangen sei, ungefähr am (…) 2019, habe der zweitälteste Bruder zu ihr gesagt, entweder treibe sie das Kind ab oder er töte sie zusammen mit dem Kind. Ihr Vater leide an einer Depression, ihm sei nicht klar gewesen, was geschehen sei, und ihre Mutter habe ihr nicht helfen können. Ihre Brüder hätten ihr nicht erlaubt, in einem Hotel oder Restaurant zu arbeiten. Die Verwandten ihrer Mutter hätten die Familie ih- res Freundes gekannt und so seien sie traditionell miteinander verlobt wor- den. Sie sei katholischen Glaubens und ihre Brüder hätten bestimmt, wen und wann sie heiraten solle. Es habe auch früher Interessenten für eine Ehe gegeben, aber die Familie sei nicht einverstanden gewesen (F126 f.). B. Die Vorinstanz gab der Beschwerdeführerin am 19. September 2019 Ge- legenheit, zum Entwurf des ablehnenden Asylentscheids Stellung zu neh- men. Die Stellungnahme der Rechtsvertreterin datiert vom 20. September 2019. C. Mit Verfügung vom 23. September 2019 – gleichentags eröffnet – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin und ihre Tochter erfüllten die Flücht- lingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab, verfügte die Wegwei- sung aus der Schweiz und beauftragte den Kanton J._______ mit dem Vollzug. Zudem wurden der Beschwerdeführerin die editionspflichtigen Ak- ten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt. D. Die der Beschwerdeführerin zugewiesene Rechtsvertretung legte ihr Man- dat am 23. September 2019 nieder. E-4989/2019 Seite 4 E. Mit Eingabe vom 26. September 2019 reichte die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die Verfügung des SEM sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und es sei Asyl zu gewähren. Es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und die vorläufige Aufnahme sei anzuordnen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung (inklusive Verzicht auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses) und die Ernennung eines amtlichen Rechtsbeistandes. Eventualiter sei die aufschiebende Wirkung wiederher- zustellen. F. Die vorinstanzlichen Akten trafen am 27. September 2019 beim Bundes- verwaltungsgericht ein (Art. 109 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Bes chwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägung – ein- zutreten. E-4989/2019 Seite 5 1.3 Gemäss Art. 55 Abs. 1 VwVG kommt einer Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu. Die Vorinstanz hat die aufschiebende Wirkung in der angefochtenen Verfügung nicht entzogen (vgl. Art. 55 Abs. 2 VwVG). Auf den Antrag der Beschwerdeführerin, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, ist mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zwe iten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verf älschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-4989/2019 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.) 4.3 Gemäss Art. 40 AsylG wird ein Asylgesuch ohne weitere Abklärungen abgelehnt, wenn aufgrund der Anhörung offenkundig wird, dass Asylsu- chende ihre Flüchtlingseigenschaft weder beweisen noch glaubhaft ma- chen können und ihrer Wegw eisung keine Gründe entgegenstehen. Ge- mäss Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet der Bundesrat Staaten als si- chere Drittstaaten, in denen nach seinen Feststellungen Sicherheit vor Ver- folgung herrscht (Bst. a). 5. 5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand und lehnte das Asylgesuch gestützt auf Art. 40 i.V.m. Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG ab. Zur Begründung hielt sie fest, Albanien gelte seit dem 6. Oktober 1993 als verfolgungssicherer Staat und die EU-Kommission habe am 29. Mai 2019 die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen empfohlen. Aus den Aussagen der Beschwerdeführerin hätten sich keine überzeugenden Hinweise erge- ben, welche die Regelvermutung, dass Albanien ein verfolgungssicherer Staat sei, umstossen könnten. Sie habe keinerlei Massnahmen ergriffen, um bei den staatlichen Behörden um Schutz zu ersuchen. Insoweit die Beschwerdeführerin geltend gemacht habe, sie habe in Alba- nien keine gesicherte Existenz, sei festzuhalten, dass Nachteile, welche auf die allgemeinen politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Lebensbe- dingungen in einem Staat zurückzuführen seien, keine asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstellten. Bei offensichtlich fehlender Asylrelevanz könne zwar darauf verzichtet wer- den, auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente in den Vorbringen einzuge- hen. Es sei aber darauf hinzuweisen, dass zahlreiche Unstimmigkeiten in den Aussagen bezüglich der familiären Verhältnisse vorliegen würden, die starke Zweifel an der gelten d gemachten Bedrohung und Verstossung durch die Familie aufkommen liessen. So habe sie einerseits geltend ge- macht, sie entstamme einer stark durch Traditionen bestimmten katholi- schen Familie. Es sei ihr von den Brüdern verboten worden, eine Stelle in E-4989/2019 Seite 7 der Hotellerie oder im Gastgewerbe anzunehmen. Andererseits würden di- verse Stempel in ihrem Pass belegen, dass sie wiederholt selbständig im ganzen Balkanraum umhergereist se i. Auch ihre Beschreibung, das sie sich bei den Behörden und bei Journalisten für die Rechte ihrer Familie eingesetzt habe, stehe im Kontrast zum von ihr gezeichneten Bild einer unselbständigen, von ihrer Familie bestimmten , Frau. Erstaunlich sei an- gesichts ihres traditionell katholischen Hintergrundes, dass sie von ihrer Familie mit Nachdruck auch noch in fortgeschrittener Schwangerschaft zu einer Abtreibung aufgefordert worden sein solle. Wenig glaubhaft sei schliesslich, dass sich ihre Familie, nachdem sie während ihres gesamten Lebens für sie gesorgt habe, nun plötzlich von ihr lossagen und sie ihrem Schicksal überlassen solle. Dies sei umso weniger nachvollziehbar, als sie die Verbindung zum Vater ihres Kindes auf Anraten und mit Zustimmung ihrer Familie eingegangen sei. Offen bleibe auch, weshalb ihre Brüder in einer durch die Traditionen bestimmten Familie zwar einerseits den Bräu- tigam für sie bestimmt hätten, andererseits aber keinerlei Pflichten gehabt hätten, sie zu verteidigen, als sich der Bräutigam seinen Pflichten entzogen habe. Weiter habe sie auch hinsichtlich ihres Aufenthaltes ab (…) 2019 wi- dersprüchliche Angaben gemacht und zunächst angegeben, sie sei zwi- schen (…) und (…) immer wieder geschlagen worden, weil sie schwanger gewesen sei. Habe dann aber auch ausgesagt, sie sei ab Ende (…) 2019 bis Anfang (…) 2019 bei einer Freundin in G._______ gewesen. Die Rechtsvertretung habe in der Stellungnahme angegeben, die Be- schwerdeführerin habe bereits vorgängig bei Institutionen um Hilfe nach- gesucht. Dies st ehe jedoch im Widerspruch zu d en Angaben der Be- schwerdeführerin anlässlich der Anhörungen. Sie sei mehrfach darauf an- gesprochen worden, ob sie sich über Hilfsangebote informiert habe. Dabei habe sie ausgesagt, sie wisse nicht, dass es in Albanien solche Hilfsange- bote gebe und habe sich nicht an eine Organisation gewandt. Zudem ma- che sie in der Stellungnahme nun geltend, sie habe das Flugticket nicht selbst finanzieren können, sondern habe Geld dafür ausleihen müssen , wohingegen sie an der Anhörung gesagt habe, sie habe das Ticket selbst im Internet gesucht und gekauft. Abschliessend sei festzuhalten, dass sie in der Stellungnahme ihr bisheriges Vorgehen fortsetze und unklare und uneinheitliche Angaben zu ihrer finanziellen und familiären Situation ma- che. 5.2 In der Rechtsmitteleingabe bringt die Beschwerdeführerin vor, ihre An- gabe, sie sei von ihrem Bruder geschlagen worden, entspreche der Wahr- heit. Deshalb habe die Frau ihres Onkels ihr geholfen , ein Ticket in die E-4989/2019 Seite 8 Schweiz zu kaufen. Als sie in die Schweiz gekommen sei, habe sie zuerst einige Tage im Spital verbracht. Die Ärzte hätten Fotos von ihren «ge- schwollenen, blauen Augen» gemacht. Sie habe keine «normalen» Famili- enprobleme. Man habe sie zur Abtreibung zwingen wollen. Wenn sie nach Albanien zurückkehre, sei ihres und das Leben ihrer Tochter in Gefahr. Sie erhalte dort keine Hilfe von der Polizei o der von einem Frauenhaus. Sie erhalte keinen Schutz vor ihrer Familie. Sie sei einmal bei der Polizei ge- wesen und nicht ernst genommen worden, es gebe auch kein Protokoll davon. Auch wenn das SEM Albanien als sicheres Herkunftsland be- zeichne, gebe es für sie und ihre Tochter dort keinen Schutz. 5.3 Das Gericht gelangt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu Recht und mit zu- treffender Begründung abgelehnt hat. Die Ausführungen in der Beschwer- deschrift vermögen an dieser Sichtweise nichts zu ändern. Es ist darauf hinzuweisen, dass der Bundesrat Albanien als verfolgungssi- cheren Staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet hat (vgl. dazu Anhang 2 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Die Bezeichnung eines Landes als sogenanntes "safe country" beinhaltet die Regelvermutung, dass eine flüchtlingsrechtlich bedeutsame staatliche Verfolgung nicht stattfindet und der behördliche Schutz vor nicht- staatlicher Verfolgung gewährleistet ist. Es handelt sich dabei um eine re- lative Verfolgungssicherheit, weshalb im Einzelfall aufgrund konkreter und substantiierter Hinweise diese Regelvermutung umgestossen werden kann. Aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin lässt sich nicht ent- nehmen, inwiefern sie konkret bedroht worden sein soll. Sie beschränkt sich darauf zu behaupten, ein beziehungsweise zwei Brüder hätten sie ge- schlagen. Sie hat sich indes nicht an die Behörden gewandt und konnte nicht nachvollziehbar darlegen , weshalb die albanische n Behörden nicht willens und in der Lage sein sollten, ihr den notwendigen Schutz zu gewäh- ren. Demnach vermochte die Beschwerdeführerin keine konkreten und substantiierten Hinweise darzutun, die geeignet wären, die Regelvermu- tung umzustossen. Bezüglich des Vorbringens der Beschwerdeführerin, es seien anlässlich ih- res ersten Spitalaufenthaltes in der Schweiz Fotos von ihr gemacht wor- den, ist festzuhalten, dass sie weder Fotos noch entsprechende Arztbe- richte zu den Akten reichte. I m sich in den Akten befindlichen Arztbericht wurde nicht verzeichnet, es gebe Anhaltspunkte oder Merkmale (z.B. blaue E-4989/2019 Seite 9 Flecken oder ähnliches) für eine Misshandlung der Beschwerdeführerin (vgl. Bericht […]spital K._______ vom 10.07.2019). 5.4 Es ist der Beschwerdeführerin nicht gelungen, eine bestehende oder drohende, asylrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaub- haft zu machen. Die Vorinstanz hat ihre Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und das Asylgesuch gestützt auf Art. 40 i.V.m. Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Die genannten Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt. Die Vor- instanz hat in der angefochtenen Verfügung (vgl. E. III) zutreffend erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar sind. Ebenso zutreffend sind ihre Erkenntnisse, wonach weder die politische Lage in Albanien noch andere, insbesondere individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges der Beschwerdeführerinnen sprächen. Die Beschwerdeführerin habe eine (…)jährige Schulbildung ab- geschlossen und bereits in diversen Bereichen gearbeitet. Sie verfüge über E-4989/2019 Seite 10 ein breites familiäres Beziehungsnetz, welches ihr über viele Jahre hinweg geholfen habe, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Zudem habe sie als alleinerziehende Mutter Anspruch auf die ortsübliche Sozialhilfe. Hinzu komme, dass sowohl ihre Schwester in H._______ als auch ihr Bruder in G._______ sie bereits in der Vergangenheit finanziell unterstützt hätten, weshalb davon auszugehen sei, dass sie auch weiterhin auf deren Unter- stützung zurückgreifen könne. Sollte die Beschwerdeführerin es vorziehen, nicht mehr zu ihrer Familie in F._______ zurückzukehren, gebe es ver- schiedene Organisationen (wie z.B. die Young Women’s Christian Associ- ation of Albania, das Gender Alliance for Development Center, der Bethany Christian Service), welche alleinerziehende Frauen unterstützen würden. 7.3 Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin mit ihrer Tochter nach Albanien erweist sich damit als zulässig und (auch in Berücksichti- gung des Kindeswohls) zumutbar. 7.4 Die Beschwerdeführerin ist legal mit ihrem bis (…) gültigen Reisepass in die Schweiz gereist, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da- rauf einzutreten ist. 9. 9.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen Verbeiständung. Aufgrund der vorstehen- den Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb die Gesuche abzuweisen sind. E-4989/2019 Seite 11 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) E-4989/2019 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt- lichen Verbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Evelyn Heiniger Versand: