B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2597/2012 U r t e i l v o m 2 3 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Mareile Lettau. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. April 2012 / N (…). D-2597/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der tamilische Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 11. April 2009 auf dem Luftweg und gelangte am 15. April 2009 in die Schweiz, wo er gleichenta gs ein Asylgesuch ei n- reichte. Anlässlich der Kurzbefragung im B._______ vom 20. April 2009 und der einlässlichen Anhörung vom 19. Mai 2009 erhielt der Beschwe r- deführer Gelegenheit, sich zu seinen Ausreise - und Asylgründen zu äu s- sern. Zur Begründung seines Asylgesuches brachte er vor, er stamme aus C._______ (Jaffna Distrikt), wo er auch zur Schule gegangen sei . Als die Armee das Gebiet erobert habe, sei er mit seiner Familie ins Vanni-Gebiet geflohen, wo sie von April 1996 bis Mitte 2004 gelebt hätten. Er habe dort als Hilfsarbeiter sein Geld verdient. Im Jahr 2004 sei er mit seiner Familie in den Heimatort C._______ zurückgekehrt und habe dort als Fischer g e- arbeitet. Hierbei sei er von den Behörden oft schikaniert worden, indem sie ihm den zum Fischen benötigten Passierschein weggenommen und ihn bei der Rückgabe im Camp teilweise geschlagen hätten. Sein Bruder sei Mitglied der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen und seine Familie habe die LTTE mit Essen versorgt. Er selber habe seit Ende 2007 bis zur Festnahme 2008, wenn er beim Fischen gewesen sei, dem Geheimdienst der LTTE Informationen über die Armee geliefert, da die LTTE ihm gedroht hätten, ihn ansonsten auf hoher See zu erschiessen. Die Informationen, die er geliefert habe, hätten sich auf die Camps der Armee bezogen, auf die Wege, welche die Armee benutzt habe und auf Personen, die eng mit der Armee zusammenarbeiteten. Am 28. Oktober 2008, als er vom Fischen nach Hause zurückgekehrt sei, hätten Soldaten seinen Passierschein verlangt, d en er sich nach Vorzeigen seiner Ident i- tätskarte im Camp von C._______ habe zurückholen können. Als er nach Hause zurückgekehrt sei, seien wenig später bewaffnete Männer in e i- nem Jeep erschienen, die sich als Mitglieder des sri-lankischen Geheim- dienstes ( Criminal Investigation Department [CID]) ausgegeben hätten. Sie hätten ihm gesagt, dass sie ihn befragen müssten und ihn im Jeep mitgenommen. Auf der Fahrt seien ihm die Augen verbunden worden. Er nehme an, dass er in ein Camp irgendwo im Distrikt Jaffna gebracht wor- den sei. Die Festnahme sei erfolgt wegen des Vorwurfs, im Kontakt zum Geheimdienst der LTTE zu stehen. Er vermute, jemand habe ihn verr a- ten. Er sei vom CID zu Einzelheiten des LTTE-Geheimdienstes befragt und hierbei schwer, auch sexuell, misshandelt worden. Ab dem Tag seiner D-2597/2012 Seite 3 Festnahme sei er immer wieder geschlagen worden. Sie hätten bei- spielsweise einen mit Benzin getränkten Plastiksack über seinen Kopf gezogen und ihn an den Armen aufgehängt oder ihn an den Zehen au f- gehängt und jeweils dabei geschlagen. Während der ganzen Zeit der In- haftierung sei er oral und anal vergewaltigt worden. (…). Er habe dem CID gegenüber trotz der erlittenen Folter nie zugegeben, dem LTTE - Geheimdienst Informationen geliefert zu haben, da er sonst umgebracht worden wäre. Er habe physisch und vor allem psychisch unter den sexu- ellen Misshandlungen gelitten. Ende März habe sich ein junger Mann, der sich wenige Tage mit ihm in der Zelle befunden habe, dort erhängt. Als er diesen aufgefunden habe, habe er den ganzen Tag n ur noch geschrien. Er sei auch mehrmals mit verbundenen Augen in einem Fahrzeug etwa ein- bis eineinhalb Stunden entfernt mitgenommen und in ein dunkles Zimmer gebracht worden. Dort sei ihm die Augenbinde abgenommen worden und er habe durch ein Loch in der Wand von vorbeigehenden Personen LTTE-Mitglieder identifizieren müssen. Er habe unter dem Druck der Schläge zwei Personen identifiziert, wobei er die eine Person als Kontaktperson seines Bruders erkannt habe. Anschliessend sei er j e- weils wieder ins Camp z urückgebracht worden. Am 4. April 2009 sei er nach D._______ verlegt worden. Auch wenn er nie etwas Schriftliches bekommen habe, so wisse er, dass auch dort die Leute vom CID gew e- sen seien. Auch in dem Camp habe er LTTE -Mitglieder identifizieren müssen. Er habe einen Mann identifiziert, obwohl er die Person nicht ge- kannt habe. Er habe aber die Schläge nicht mehr ausgehalten. Am 6. Ap- ril 2009 sei er freigelassen worden mit der Auflage, zweimal am Tag im Camp von C._______ einer Meldepflicht nachzukommen und ansonsten sein Haus nicht zu verlassen. Nach seiner Freilassung habe er sich sofort von einem Telefonladen aus mit seinem in Kanada lebenden Onkel tel e- fonisch in Verbindung gesetzt. Dieser habe sogleich einen Freund von ihm zum Telefonladen geschickt, der ihn noch gleichen Tages mit zu sich nach Colombo genommen und im Auftrag des Onkels seine Ausreise o r- ganisiert habe. Er sei mit einem gefälschten Reisepass und in Begleitung eines Schleppers am 11. April 2009 von Colombo aus über Dubai nach Rom geflogen . Da er der Meldepflicht nicht nachgekommen sei, werde der CID nun davon ausgehen, dass er mit dem LTTE -Geheimdienst zu- sammengearbeitet habe, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gefährdet sei. B. Mit Verfügung vom 5. April 2012 stellte das BFM fest, der Beschwerde- führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab D-2597/2012 Seite 4 und verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Asylvorbringen hielten den Anforderu n- gen an die Glaubhaftigkeit nic ht stand beziehungsweise seien nicht asy l- relevant. Hinsichtlich der Glaubhaftigkeit wurde ausgeführt, der B e- schwerdeführer habe sich in zahlreiche Ungereimtheiten verstrickt. So sei er nicht in der Lage gewesen, den Namen des Geheimdienstes der LTTE zu benennen, obwohl er etwa ein Jahr lang für diesen tätig gewesen sein wolle. Auch habe er trotz seiner langen Inhaftierung nichts zum Camp und den Insassen dort berichten können. Auch sei es angesichts der schweren Misshandlungen, die er dort erlebt habe, erst aunlich, dass er nichts über seine Tätigkeit für die LTTE preisgegeben habe. Zudem habe er sich in den Befragungen widersprochen hinsichtlich der Frage, wie vi e- le der identifizierten Personen er nicht gekannt habe. Es sei auch erfa h- rungswidrig, dass er unt er Rückgabe seines Identitätsausweises im fern von zu Hause gelegenen Camp in D._______ freigekommen sei, insb e- sondere vor dem Hintergrund der zu der Zeit stattfindenden besonders in- tensiven Kämpfe zwischen Armee und LTTE. Vor dem Hintergrund sei es auch e rfahrungswidrig, dass der Beschwerdeführer das Risiko auf sich genommen haben wolle, mit seiner Identitätskarte von D._______ nach Colombo zu fahren und über den streng kontrollierten Flughafen von C o- lombo auszureisen. Es sei auch auszuschliessen, dass er den vom Schlepper besorgten Pass nie in den Händen gehalten habe. Zur Ableh- nung der Asylrelevanz wurde u nter Darlegung eines zeitgeschichtlichen Abrisses hinsichtlich der Situation in Sri Lanka nach Beendigung des Bürgerkriegs im Mai 2009 ausgeführt, dass nach der vernichtenden Ni e- derlage der LTTE diese Organisation über keine handlungsfähige Struktur mehr verfüge. Die LTTE stelle damit für den Beschwerdeführer keine u n- mittelbare Bedrohung mehr dar. Der Einfluss bewaffneter Gruppen habe seit dem Ende des Bü rgerkrieges stark abgenommen. Hinweise auf eine Zusammenarbeit der Regierung mit solchen Gruppierung en bestünden keine. Zudem würden Übergriffe auf die Zivilbevölkerung von Seiten kr i- mineller Einzeltäter oder bewaffneter Gruppen von den zuständigen B e- hörden geahndet. Auch habe der Beschwerdeführer nie geltend gemacht, aktives oder gar führendes Mitglied der LTTE gewesen zu sein , weshalb ein Vorgehen der sri -lankischen Behörden gegen ihn im Zusammenhang mit einem allfälligen Wiedererstarken der LTTE unwahrsc heinlich sei. An- gesichts seines geringen politischen Profils sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zum jetzigen Zeitpunkt mit asylrelevanter Verfolgung zu rechnen habe . Der Vollzug der Wegweisung wurde als z u- lässig, zumutbar und möglich erachtet. D-2597/2012 Seite 5 C. Mit Eingabe vom 11. Mai 2012 erhob der Beschwerdeführe durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und bea n- tragte, die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und die Sache an das BFM zur Vervollständigung des Sachverhaltes u nd zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer Asyl zu gewä h- ren, subeventualiter sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen und die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers anz u- ordnen. Der Hauptantrag wurde im Wesentlichen damit begründet, dass das BFM seinem Entscheid einen veralteten Sachverhalt zugrundegelegt habe, da es die seit April/Mai 2009 eingetretenen Sachverhaltsänderu n- gen nicht berücksichtigt habe. Unberücksichtigt geblieben sei unter and e- rem die Veränderung der allgemeinen Situation der Tamilen in Sri Lanka nach Beendigung des Bürgerkrieges, das Verschwinden des dem G e- heimdienst der LTTE (mit führender Stellung) angehörenden Bruders des Beschwerdeführers seit Kriegsende und das neu hinzugetretene exilpoli- tische Engagement des Beschwerdeführers. Dieser habe 2010, 2011 und im Februar 2012 an Demonstrationen in Genf teilgenommen. Wegen der Nichtberücksichtigung der veränderten Sachverhaltsumstände seien der Untersuchungsgrundsatz und das rechtliche Ge hör des Beschwerdefü h- rers verletzt worden, weshalb sich eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur ergänzenden Anhörung des Beschwerdeführers und even- tuell weiteren Abklärungen rechtfertige. Im weiteren nahm der Rechtsvertreter zum Vorwurf des BFM Stellung, die Asylvorbringen seien unglaubhaf t. Aus der Nichtangabe der offiziellen Bezeichnung des Geheimdienstes auf die Unglaubhaftigkeit der Vorbri n- gen zu schliessen, sei unzulässig. Der Beschwerdeführer habe den für Tamilen gebräuchlichen Namen des Geheimdienstes "Pottu Amman" a n- gegeben, was aber nicht protokolliert worden sei. Die offizielle Bezeic h- nung des Geheimdienstes "Tiger Organization Security Intelligence Servi- ce" (TOSIS), von welcher das BFM meine, der Beschwerdeführer müsse sie kennen, werde von Tamilen aber nie verwendet. Auch sei es nicht e r- staunlich, dass der Beschwerdeführer keine genaueren Angaben zu se i- nem Inhaftierungsort habe machen können, da seine Augen stets ve r- bunden gewesen seien, er sich in Einzelhaft befunden habe und die Zelle nur ein kleines Fenster gehabt habe. Die Aussage des BFM, der Be- schwerdeführer habe angeblich, was erfahrungswidrig sei, trotz schwere r Misshandlungen nichts über seine Tätigkeit zugunsten der LTTE preisge- geben, sei nur teilweise zutreffend. Der Beschwerdeführer habe unter dem Druck der Folter schon gewisse Dinge verraten, sonst wäre er auch D-2597/2012 Seite 6 nicht zur Identifikation von LTTE-Mitgliedern herangezogen worden. Se i- ne Spionagetätigkeit habe er allerdings tatsächlich verheimlichen können. Die Aussagen des Beschwerdeführers zur Anzahl der von ihm identifizier- ten Leute habe das BFM vermengt. Der Einschätzung des BFM, die Frei- lassung des Beschwerdeführers unter Rück gabe der Identitätskarte sei unglaubhaft, wenn er tatsächlich verdächtigt worden sei, beim Geheim- dienst der LTTE tätig zu sein, sei entgegenzuhalten, dass der Beschwer- deführer nur der Unterstützung der LTTE bezichtigt w orden sei . Ein e i- gentlicher Verdacht auf Mitwirkung beim LTTE-Geheimdienst habe nicht vorgelegen. Ebenso wenig sei die Stellung des Bruders in der LTTE den Behörden bekannt gewesen. Auch habe der Beschwerdeführer bis zum Schluss seine Spionagetätigkeit verschwiegen. Angesichts dessen, was der Beschwerdeführer an Folterungen und Misshandlungen erfahren h a- be, sei es kein Risiko für den Beschwerdeführer gewesen , mit der eig e- nen Identitätskarte nach Colombo zu fliehen und über den Flughafen auszureisen, sondern eine Notwendigkeit, da er nur so rasch wie möglich habe fliehen wollen. Auch sei kaum vorstellbar, was ihm noch Schlimm e- res hätte zustossen können. Es sei zudem bekannt, dass die Passko n- trollen am Flughafen in Colombo mittels Agenten umgangen werden könnten, es sei also nicht unglaubhaft, dass der Schlepper d en Reis e- pass vorgewiesen und der Beschwerdeführer den Pass nicht in den Hän- den gehabt habe. Bei richtiger Würdigung seien die Vorbringen als glaub- haft zu erachten. Insbesondere im vorliegenden Fall, in welchem die Asyl- relevanz wegen der erlittenen Folter und Misshandlung durch die sri - lankischen Sicherheitskräfte zu bejahen wären, ergäbe das Abstellen auf einzelne Punkte ein unangemessenes Resultat. Der Beschwerdeführer leide nach wie vor an den Folgen der Übergrif fe, weshalb eine Rückkehr eine R etraumatisierung für ihn bedeuten würde. Der Beschwerdeführer weise insgesamt ein Profil auf, dass eine erneute staatliche Verfolgung im Heimatland als naheliegend und ernsthaft ersch einen lasse. Mittlerweile dürften die Abklärungen des sri-lankischen Geheimdienstes und der A r- mee den Verdacht gegen den Beschwerdeführer auf Unterst ützung der LTTE hinsichtlich seiner Spionagetätigkeit erhärtet haben, zum anderen dürfte die Tätigkeit des Bruders im Geheimdienst der LTTE ans Licht ge- kommen sein. Eine Verhaftung und Befragung zu seinem Bruder sei zwangsläufig anzunehmen. Möglich und wahrscheinlich sei auch eine r e- flexartige Verfolgung des Beschwerdeführers wegen seines Bruders. Eine erhöhte Verfolgungsgefahr des Beschwerdeführers sei auch deswegen anzunehmen, weil er sich in der zweitletzten P hase des Bürgerkriegs über Jahre im dama ligen Hoheitsgebiet der LTTE aufgehalten habe und wegen der Teilnah me an exilpolitischen Aktionen gegen die Regierung. D-2597/2012 Seite 7 Angesichts der weiter bestehenden staatlichen Repression und Verfo l- gung tamilischer Minderheiten durch die Sicherheitskräfte, insbesondere bei Verdacht auf LTTE -Zugehörigkeit, wie beim Beschwerdeführer geg e- ben, sei der Wegweisungsvollzug als unzulässig und unzumutbar zu e r- achten. Der Beschwerdeführer müsste mit Verfolgung der staatlichen S i- cherheitskräfte rechnen, wäre der Willkür der Armee und der Spezialei n- heiten schutzlos ausgeliefert. D. Mit Verfügung vom 16. Mai 2012 teilte die Instruktionsrichterin dem B e- schwerdeführer mit, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne und forde rte ihn auf, innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu leisten. E. Am 21. Mai 2012 wurde der Kostenvorschuss fristgerecht geleistet. F. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 30. Mai 2012 vollumfän g- lich an seinen Erwägungen fest und beantragte d ie Abweisung der B e- schwerde. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 5. Juni 2012 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen ein es Aus- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne D-2597/2012 Seite 8 von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichu ng der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb lichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Nachfolgend ist zuerst auf die formellen Rügen des Beschwerdefü h- rers einzugehen, da sie gegebenenfalls zu einer Kassation der v o- rinstanzlichen Verfügung führen könnten. 3.2 Der Beschwerdeführer stellte den Antrag, die angefochtene Verf ü- gung sei wegen der Verletzung des Grundsatzes des rechtlichen Ge hörs beziehungsweise wegen unrichtiger und unvollständiger Sachver halts- feststellung durch das BFM aufzuheben und die Akten zur Vornahme ent- sprechender Abklärungen an die Vorinstanz zu überweisen. Angesichts der veränderten Gefährdungssituation seit der letzten Anhörung hätte der Beschwerdeführer vor Erlass der BFM -Verfügung erneut angehört we r- den müssen. 3.3 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Asylbehörde den Sachverhalt - das heisst die rechtserheblichen Tatsachen - von Amtes wegen fest. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtse r- heblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. "Unrichtig" ist die Sachve r- haltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwi d- riger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. "Unvollständig" ist die Sachverhaltsfeststellung, w enn die Behörde trotz D-2597/2012 Seite 9 der geltenden Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, in: Christoph Auer/Markus Müller, Benjamin Schindler, VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 28 zu Art. 49, S. 676 f.). Ihre Grenze findet die Untersuchung s- pflicht allerdings in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). 3.4 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt weiter, dass die verfügende Behö r- de die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und erns t- haft prüft und in der Entscheidfindung berücksi chtigt, was sich entspr e- chend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung der Verfügung soll es dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Art. 35 Abs. 1 VwVG umschreibt den Inhalt der Begründungspflicht nicht näher; verlangt wird aber, dass die Begründung eines Entscheides so ab- gefasst wird, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfech- ten kann, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild m a- chen können. (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER in: Kommentar zum Bundesg e- setz über das Verwaltungsverfahren (VwVG ), AUER/MÜLLER/SCHINDLER [HRSG.], Zürich 2008, N. 6 ff. zu Art. 35; BVGE 2007/30 E. 5.6). 3.5 Wie den Befragungs -Protokollen zu entnehmen ist, wurde der B e- schwerdeführer ausführlich zu seinen Asylgründen befragt (vgl. act. A1, S. 4 ff.; act. A6, S. 7 ff.). Die Protokolle stellen somit eine genügende B a- sis für einen Entscheid über die asylrele vante Verfolgung beziehungswei- se drohende begründete Furcht dar. Dem Beschwerdeführer war insge- samt eine sachgerechte Anfech tung der Beschwerde möglich . Auch ist nicht ersichtlich, welche entscheidrelevanten Fakten durch eine erneute Befragung des Beschwerdeführers zum Tragen kommen sollten. Dies vor allem vor dem Hinter grund, dass der Rechtsvertreter das Gericht über das Schicksal des verschwundenen Bruders und das exilpolitische Eng a- gement des Beschwerdeführers in seiner Beschwerdeeingabe informie r- te. Zuletzt ist dem anwaltlich vertretenen Beschwerdefüh rer durch die Einschätzung der Vorkommnisse durch das BFM kein Nachteil erwac h- sen, so dass wegen fehlender Verletzung der Sachverhaltsfeststellung s- pflicht und des rechtlichen Gehörs keine Rückweisung an die Vorinstanz mit der Aufforderung, den Entscheid neu zu fassen, zu erfolgen hat. D-2597/2012 Seite 10 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind , den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die S i- tuation im Zeitpunkt des Entscheides über deren Bestehen – nicht dieje- nige im Zeitpunkt der Ausreise –, wobei allerdings erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfo l- gung auf andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der Situation im Heimatstaat zwischen Au sreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (BVGE 2010/57 E. 2, BVGE 2010/9 E. 5.2, BVGE 2007/31 E. 5.3 f.). 4.4 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkre ter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wah r- scheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehb arer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beu rteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist anderer- seits durch das von der betroffenen Per son bereits Erlebte und das Wi s- sen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Grün -D-2597/2012 Seite 11 de für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 S. 827 f. mit weiteren Hinweisen). 4.5 Zunächst ist die Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des B e- schwerdeführers zu klären. 4.6 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüc h- lich sein oder der inneren Logik entbehren und auc h nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeso n- dere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismitt el abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder u n- begründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt o der die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt berei ts als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspek- te wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Ge- samtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverha lts- darstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen (vgl . BVGE 2012/5 E. 2.2 S. 43 f.; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 4.7 Die Schilderungen der Verfolgungsvorbringen insgesamt - der Fest- nahme, Inhaftierung, Misshandlungen, Freilassung , Entzug der Meld e- pflicht, Flucht - sind als sehr detailliert und substantiiert zu erachten. Eine Konstruktion des Erlebten kann nicht ausgemacht werden. Die analen und oralen Vergewaltigungen durch die Soldaten und die Auswirkungen auf seine körperliche und psychische Gesundheit schildert er bereits in der Erstbefragung in der freien Erzählung zu den Gesuchsgründen sehr ausführlich (vgl. act. A1, S. 4 ff.). Zur Glaubhaftigkeit trägt auch bei, dass er als ungewöhnliche, für seine Verfolgungsvorbringen eher nebensächli- che Einzelheit schildert, wie er in der Zelle einen anderen Jungen, der D-2597/2012 Seite 12 Selbstmord begangen habe, tot auffindet u nd anschliessend den ganzen Tag nur zu schreien verm ochte (vgl. act. A1, S. 5). Die Misshandlungen werden in Erst - und Zweitbefragung detailliert und widerspruchsfrei wie- dergegeben (vgl. act. A1, S. 4 ff.; act. A6, S. 9 ff.). Die Schilderungen sind reich an Realkennzeichen, an Beschreibungen eigener psychischer Vo r- gänge im Zusammenhang mit der erlebten Folter, beispielsweise Passa- gen wie: "(…)." (vgl. act. A6, S. 10). Oder die Schilderung: "(…)." (act. A6, S. 10). Der Kritik des BFM, der Beschwerdeführer vermöge das Gefäng- nis und die Insassen nicht genauer beschreiben, ist entgegenzuhalten, dass die traumatischen Erfahrungen der Misshandlungen für den B e- schwerdeführer von grösserer Bedeutung gewesen sein dürften als die Umgebung wie der Ort der Inhaftierung und eventuelle Mitgefangene. Auf die Frage nach der geschätzten Personenanzahl in dem Camp antwort e- te er in der Befragung beispielsweise: " (…)"(vgl. act. A6, S. 9). Sodann hat der Beschwerdeführer nicht nur in der Beschwerde, sondern bereits in den Befra gungen deutlich gemacht, dass ihm in der Regel die Augen verbunden gewesen seien, er die meiste Zeit demnach nichts habe sehen können (vgl. act. A1, S. 4; act. A6, S. 9), weshalb von ihm naturgemäss keine detaillierte Schilderung der Umgebung erwartet werd en kann. Den Ablauf seiner Verhaf tung zu Hause, die Vorgänge um die Identifizierung vermeintlicher LTTE -Anhänger in den Camps und seine Freilassung konnte er anschaulich beschreiben (vgl. act. A1, S. 5; act. A6, S. 12). Auch die weiteren , vom BFM vorgebrachten Argumente zum vermeintl i- chen Fehlen der Glaubhaftigkeit, vermögen nicht zu überzeugen: Ob dem Beschwerdeführer der offizielle Name des Geheimdienstes TOSIS b e- kannt gewesen ist oder nicht, ist nicht entscheidend. Vielmehr ist von Be- deutung, dass d er Beschwerdeführer glaubhaft schildern konnte, warum der LTTE-Geheimdienst ihn für vertrauenswürdig erachtete, nämlich a n- gesichts dessen, dass die Familie der LTTE bereits durch Bereitstellung von Essen und das Engagement des Bruders in der LTTE geholfen hatte. Auch ist nachvollziehbar, was für Informationen er den LTTE auf welche Weise lieferte (vgl. act. A6, S. 7, 14). Die Behauptung des BFM, dass der Beschwerdeführer sich in zahlreiche Ungereimtheiten verstrickt habe, kann nicht bestätigt werden. Einzig der Vorwurf, die Aussagen zu der An- zahl der Personen , die er identifiziert habe, obwohl er sie nicht gekannt habe, seien in Erst- und Zweitbefragung widersprüchlich , ist zu bestät i- gen. Das Empfangsstellenprotokoll vermittelt den Eindruck, der B e- schwerdeführer habe alle Leute, die er identifiziert habe, nicht gekannt, während er in der Bundesanhörung präzisierte, nur die Person, die er z u- letzt in D._______ identifiziert habe, sei ihm nicht bekannt gewesen (vgl. act. A1, S. 8; act. A6, S. 14). Dies ist allerdings der einzige, und im Übr i-D-2597/2012 Seite 13 gen nicht wesentliche, Widerspruch, ansonsten weisen die Vorbringen des Beschwerdeführers in der Anhörung und der Befragung keine Abwe i- chungen auf und sind weitgehend identisch. So vermochte er die Daten seiner Festnahme und sein er Verlegung nach D._______ in beiden B e- fragungen übereinstimmend anzugeben (vgl. act. A1, S. 4, 5; act. A6, S. 7, 8). Auch sagte er in beiden Befragungen aus, er wisse das Datum nicht genau, wann sich der junge Mann in seiner Zelle erhängt habe und konn- te in der Bundesanhörung auch überzeugend erklären, wie er sich das ungefähre Datum dieses Vorfalles herleitete (vgl. act. A1, S. 4; act. A6, S. 14). Vor dem Hintergrund dessen, dass der Beschwerdeführer nicht bedingungslos freigelassen worden ist, sondern ihm eine strenge Melde- pflicht (zwei Mal am Tag) auferlegt wurde mit der Weisung, das Haus nicht zu verlassen (vgl. act. A6, S. 13), ist es nicht nachvollziehbar, dass das BFM die Umstände der Freilassung als erfahrungswidrig erachtet. Sodann kann auch die Argumentation zur vermeintlichen Erfahrungswi d- rigkeit der Ausreise mit der Identit ätskarte nach Colombo und über den Flughafen angesichts des Risikos, entdeckt zu werden, vor dem Hinte r- grund der erlebten Folter des Beschwerdeführers, nicht nachvollzogen werden. An der Stelle überzeugt die Argumentation der Beschwerdeseite, dass der Beschwerdeführer sich wohl kaum mehr Schlimmeres habe vor- stellen können als das bisher Er lebte; er also nur noch vom Wunsch der Flucht gelenkt war, was das Risiko, entdeckt zu w erden, verdrängt habe. Auch die Behauptung des BFM, die Umstände der Ausreise über den Flughafen, wonach der Beschwerdeführer den gefälschten Reisepass nicht persönlich habe vorzeigen müssen, seien nicht zu glauben, übe r- zeugt nicht. So ist dem Gericht beka nnt, dass eine problemlose Ausreise aus Sri Lanka noch nicht den Schluss auf eine fehlende Gefährdung z u- lässt, da die Kontrollen der Immigrationsbehörden mittels Bestechung und Hilfe von Schleppern umgangen werden können. Die Zweifel des BFM an dem Umstand, dass der Beschwerdeführer trotz der Folter nichts über seine LTTE -Tätigkeit preisgegeben habe, sind zwar in gewisser Weise angesichts der Schwere der Misshandlungen verständlich, auf der anderen Seite ist die Argumentation des Beschwerdeführers nachvol l- ziehbar, wonach ihm sein Leben wichtiger gewesen sei, er gewusst habe, dass er bei Offenlegung seiner Spionagetätigkeit für die LTTE ansonsten erschossen würde, weshalb er diese verschwiegen habe (vgl. act. A6, S. 14). 4.8 Nach Abwägung der Argumente, die für die Glaubhaftigkeit, und den- jenigen, die dagegen sprechen, kommt das Bundesverwaltungsgericht insgesamt zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, die zu beurteilende D-2597/2012 Seite 14 Verfolgungsgeschichte entspreche in den wesentlichen Punkten den Ta t- sachen, deutlich höher ist, als die - wenn auch nicht restlos auszuschlies- sende - Möglichkeit, sie sei vom Beschwerdeführer zum Teil bloss erfu n- den worden. Bei einer Gesamtbeurteilung aller massgeblichen Aspekte überwiegen die für die Richtigkeit der Asylvorbringen des Beschwerdefüh- rers sprechenden Elemente gegenüber den Unglaubhaftigkeitsindizien (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2 S. 43f.). 4.9 Zusammenfassend ist somit von vorliegendem , glaubhaften Sachver- halt auszugehen: Der Beschwerdeführer lieferte dem Geheimdienst der LTTE von Ende 2007 bis zur Festnahme 2008 Informationen über die A r- mee und wurde am 28. Oktober 2008 unter dem Vorwurf, im Kontakt zum Geheimdienst der LTTE zu stehen, von Mitgliedern des CID verhaftet und in ein Camp, vermutlich irgendwo im Distrikt Jaffna, gebracht. Dort wurde er schwer, auch sexuell, misshandelt und musste in der Nähe des Inha f- tierungsortes LTTE-Mitglieder identifizieren. Anfang April 2009 wurde er nach D._______ verlegt. Er wurde weiter misshandelt und musste LTTE- Mitglieder identifizieren. Wenige Tage später wurde er freigelassen mit der Auflage, zweimal am Tag im Camp von C._______ einer Meldepflicht nachzukommen und ansonsten sein Haus nicht zu verlassen. Nach se i- ner Freilassung reiste er mit Hilfe seines in Kanada lebenden Onkels aus. Sein Onkel beauftragte einen Freund aus Colombo, ihm bei der Ausreise zu helfen. 4.10 Das Bundesverwaltungsgericht kommt sodann nach Abwägung sämtlicher Aussagen und unter Berücksichtigung des Grundsatzurteils vom 27. Oktober 2011 (BVGE 2011/24), welches sich einlässlich mit den Risikogruppen der auch nach Beendigung des Bürgerkriegs noch gefäh r- deten Personen auseinandersetzt, zum Ergebnis, dass das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Unrecht abge lehnt hat. Der Be- schwerdeführer hat begründete Furcht vor asylrelevanten Nachteilen und ist vorverfolgt aus Sri Lanka ausgereist. 4.11 So hielt das Gericht im erwähnten Urteil BVGE 2011/24 einleitend fest, dass die Regierung Sri Lankas am 19. Mai 2009 offiziell den Sieg der Regierungstruppen über die LTTE verkündet und Präsident Rajapa k- se den seit 26 Jahren dauernden Krieg für beendet erklärt habe. Das Führungskader der LTTE sei der Medienberichterstattung zufolge ko m- plett ausgelöscht worden. Hinweise auf aktive LTTE -Kader im Norden Sri Lankas gebe es keine. Die höchstrangigen LTTE -Kader seien entweder gefangen genommen oder getötet worden (so auch der LTTE -Chef Velu-D-2597/2012 Seite 15 pillai Prabhakaran), oder sie hätten das Land verlassen können. Es gebe keine Anzeichen, dass die LTTE heute noch in der Lage wären, Angriffe auf die Sicherheitskräfte oder sonstige Attentate auszuführen. Es sei s o- mit davon auszugehen, dass im heutigen Zeitpunkt von den LTTE keine Verfolgungshandlungen mehr ausgingen und diese Organisation respe k- tive deren Führungsverantwort liche nicht mehr als Verfolger in Ersche i- nung treten könnten (vgl. BVGE 2011/24 E. 7.1). 4.11.1 Sodann definiert das erwähnte Urteil diverse Personenkreise, die heute trotz der verbesserten Sicherheitslage seit Beendigung des militär i- schen Konfliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausg e- setzt sind. Zum erhöht gefährdeten Personenkreis gehören unter and e- rem Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex-Generals Sarath Fonseka. Weiter gelten als ge- fährdet Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen sowie Pe r- sonen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigen. Hinsichtlich der Gefährdung von abgewiesenen Asylbewerbern hält das Urteil fest, zwar könne nicht generell angenommen werden, dass abgewiesene tamilische Asylsuchende aus der Schweiz bei der Rückkehr nach Sri Lanka alleine aus diesem Grund in einen behördlichen Verdacht geraten, während ihres Aufenthaltes in der Schweiz Kontakte mit f ührenden LTTE-Kadern unter- halten zu haben. Weder das UNHCR noch andere Organisationen hätten bisher auf eine diesbezügliche, generell drohende Gefahr hingewiesen. Dies schliesse indessen nicht aus, dass abgewiesenen tamilischen Asy l- suchenden im Einzelfall nahe Kontakte zu LTTE -Kadern unterstellt we r- den könnten, was eine konkrete Gefährdung bedeuten könne. Die Ei n- schätzung einer diesbezüglich gearteten Gefahr könne nicht generell vo r- genommen werden, sondern hänge von den individuellen Gegebenheiten im Einzelfall ab. Je näher die betreffende Person in das Umfeld der oben beschriebenen Risikogruppen gerate, desto höher müsse die entspr e- chende Gefahr eingeschätzt werden, seitens der sri-lankischen Behörden der Entfaltung missliebiger politischer Kontakte respektive Tätigkeiten be- zichtigt und in der Folge in asylbeachtlichem Ausmass verfolgt zu werden (vgl. BVGE 2011/24 E.8). 4.11.2 Mit der Gefährdungssituation, jedoch im Hinblick auf eine EMRK - widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land na ch Sri Lanka zurückkehren müssen, hat sich auch der EGMR wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, D-2597/2012 Seite 16 Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v. Denmark, Appli cation no. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, A p- plication no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011). Auch der EGMR hält fest, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurüc k- kehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behandlung; eine entsprechen- de Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in B e- tracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an sein er Festnahme und Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich A s- pekte wie eine frühere Registrierung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE-Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines offenen Haftb e- fehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeic h- nung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von eine m anderen Ort, wel- cher als LTTE-Finanzmittelbeschaffungszentrum gilt, das Fehlen von ID - Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Verwandtschaft mit einem LTTE -Mitglied (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). 4.11.3 Es ist nochmals fes tzuhalten, dass der Beschwerdeführer wegen des Verdachts der LTTE-Unterstützung, auch wenn er zu diese r Spiona- getätigkeit gezwungen wurde, von den Sicherheitskräften in Camps fes t- gehalten und massiv gefoltert wurde. Auch wenn die Vorinstanz betonte, der Beschwerdeführer sei nie aktives oder führendes Mitglied der LTTE gewesen, hielt dies die Sicherheitskräfte nicht von seiner Festnahme, massiver Folter und sexuellen Misshandlungen und dem Auferlegen einer Meldepflicht bei der Freilassung ab, verbunden mit der Auflage, das Haus ansonsten nicht zu verlassen. Angesichts dessen, dass er die Melde- pflicht abgebrochen hat, was sicherlich den Verdacht auf ihn gelenkt hat, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er als vermeint- licher LTTE-Unterstützer im Heimatland von den Behörden gesucht wird und er sich erneuter Bedrohung und Misshandlung ausgesetzt sähe. Hinzukommt, dass das Schicksal seines Bruders, eines ehemaligen LTTE-Mitgliedes, ungeklärt ist, dieser nicht auffindbar ist. Dass der B e- schwerdeführer kein aktives oder führendes LTTE -Mitglied gewesen ist, wie das BFM als wenig überzeugendes Argument zur Verneinung der Asylrelevanz vorbrachte, ist angesichts des Verfolgungsinteresses der Si- cherheitskräfte ohne Belang. Als Tamile aus Jaffna würde er zudem bei der Einreise systematisch ins Visier der Sicherheitskräfte geraten (vgl. D-2597/2012 Seite 17 RAINER MATTERN, SFH, "Sri Lanka: Situation für aus dem Norden oder Osten stammende Tamilinnen in Colombo und für RückkehrerInnen nach Sri Lanka -Themenpapier", Bern, 22. Sep tember 2011). Ohne sri - lankischen Reisepass würde er mit seinem temporären Reisepass als Person mit einem durchlaufenen Asylverfahren identifizierbar und infolge- dessen von der Einreisebehörde (Department of Immigration, DIE) und dem CID einer Personenüberp rüfung unterzogen und zu Identität, pe r- sönlichem Hintergrund und Reiseziel befragt. Mit der Feststellung , der Beschwerdeführer spreche Tamilisch und komme aus dem Distrikt Jaffna, würde sodann ein Anfangsverdacht bestehen, dass er de n LTTE n a- hesteht. Möglicherweise würde er sodann dem State Intelligence Service (SIS) und/oder dem Terrorist Investigation Department (TID) für Verhöre überstellt. Das SIS hat Zugang zu verschiedenen (elektronischen) Regi s- tern. Auch wenn der Inhalt dieser Register nicht im Einzelnen bekannt ist, so besteht Kenntnis darüber, dass die dortigen Informationen bis zu sechzig Jahre zurückreichen. Auch finden sich dort anscheinend auch die Namen von LTTE-Sympathisanten (vgl. Home Office, UK Border Agency, "Sri Lanka- Country of Origin I nformation (COI) Report", 4. Juli 2011 und Danish Immigration Service " Human Rights and Security Issues concern- ing Tamils in Sri Lanka, Report from Danish Immigration Service's fact - finding mission to Colombo, Sri Lanka. 19 June to 3 July 2010", Kope n- hagen, Oktober 2010), so dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass dann seine frühere Tätigkeit für die LTTE ans Tageslicht käme. Als mit der LTTE in Verbindung gebrachte Person würde der Beschwerdeführer ve r- hört und mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit festg enommen und mis s- handelt. Auch nach der Einreise können bei polizeilichen Kontrollen oder an Checkpoints Festnahmen und Bedrohungen erfolgen, auf dem Hei m- weg oder am Heimatort Übergriffe paramilitärischer Flügel der regi e- rungsnahen tamilischen Parteien. In Kombination erhöhen all die Fakt o- ren zusammen das Risiko, dass der Beschwerdeführer bereits anlässlich seiner Wiedereinreise in sein Heimatland mit einer eingehenden Prüfung seiner Person und folglich asylrelevanter Bedrohung zu rechnen hätte. 5. Insgesamt ist somit – unter Berücksichtigung der Praxis des Bundesve r- waltungsgerichts (vgl. BVGE 2011/24, Urteil vom 27. Oktober 2011) – festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ein Profil besitzt, aufgrund de s- sen er mit erheblicher Wahrscheinlichkeit für die sri -lankischen Behörden weiterhin als LTTE -Anhänger wahrgenommenen wird und dass er au f- grund dieses asylrelevanten Risikoprofils einer aktuellen Verfolgungsg e- fahr ausgesetzt ist. Dem Beschwerdeführer ist, nicht zuletzt auch au f-D-2597/2012 Seite 18 grund der erlittenen Vorverfolgung, auch heute noch eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne des Art. 3 AsylG zu attestieren. Unter die- sen Umständen erübrigt es sich, auf die weitere Argumentation des BFM und die im Beschwerdever fahren vorgebrachten Ergänzungen, u. a. zum Schicksal des Bruders und exilpolitischen Engagement des Beschwerd e- führers, näher einzugehen. 6. Der Beschwerdeführer erfüllt nach dem Gesagten nicht nur die Vorau s- setzung für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft, son dern es ist ihm mangels Verwirklichung eines Au sschlussgrundes auch Asyl zu g e- währen (Art. 49 AsylG), zumal allein aus seiner Tätigkeit für die LTTE nicht auf eine Handlung zu schliessen ist, welche den Anforderungen an Art. 53 AsylG genügen würde. 7. Nach dem Gesagten ist in Gutheissung der Beschwerde die angefoch - tene Verfügung aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der vom Beschwerdeführer am 21. Mai 2012 bezahlte Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 600. – ist ihm zurückzuerstatten. 8.2 Sodann ist dem vertretenen Beschwerdeführer angesichts seines Ob- siegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle - ments vom 21. Februar 2008 über die Koste n und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädi - gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre - chen. 9. Vorliegend hat es der Rechtsvertreter unterlassen, eine Kostennote ei n- zureichen. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich aufgrund der Akten aber hinreichend zuverlässig abschätzen, weshalb die Entschäd i- gung für das Beschwerdeverfahren gestützt darauf festzusetzen ist (vgl. Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter Berücksichtigung der massg ebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 -13 VGKE) ist das BFM anzuweisen, dem Beschwerdeführer für das Rechtsmittelverfahren eine Parteientschäd i-D-2597/2012 Seite 19 gung in Höhe von pauschal Fr. 2400.– (inklusive Auslagen und Meh r- wertsteuer) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-2597/2012 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 5. April 2012 wird aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl in der Schweiz zu gewä h- ren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten e rhoben. Der vom Beschwerdeführer bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600. – ist ihm zurückzuer- statten. 4. Dem Beschwerdeführer sind vom BFM Parteikosten in Höhe von Fr. 2400.– zu vergüten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Mareile Lettau Versand: