Abteilung IV D-5386/2006 {T 0/2} U r t e i l v o m 1 0 . J u n i 2 0 0 9 Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Pietro Angeli-Busi, Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. G._______, geboren 30. Juni 1984, Sudan, vertreten durch lic. iur. Pollux L. Kaldis, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Ok - tober 2006 / N _______. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-5386/2006 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin reiste gemeinsam mit ihrer Familie (ihrer Mut- ter und ihren fünf Geschwistern/D-5387/2006, D-5388/2006, D-5389/2006, D-5390/2006) eigenen Angaben zufolge am 17. Juli 2004 illegal in die Schweiz ein. Hier stellte sie am selben Tag im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum E._______ (vormals Empfangsstelle E._______) ihr Asylgesuch, zu dem sie am 21. Juli 2004 summarisch befragt wurde. Am 26. August 2004 wurde sie durch die zuständige kantonale Behörde zu ihren Asylgründen angehört. Beide Male gab die Be schwerdeführerin zu ihrer Person an, sie sei sudanesische Staatsangehörige, gehöre dem arabischen Stamm der Bani Halba an, und habe in F._______, in der Provinz X._______, in Darfur gelebt. B. B.a Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdefüh- rerin bei der Befragung in der Empfangsstelle im Wesentlichen gel- tend, ihr Vater sei am 4. April 2004 getötet worden. Er habe zwischen F._______ und I._______ mit Vieh gehandelt und sei von Plünderern aus dem Hinterhalt getötet worden. Ein Hirte, der ihren Vater begleitet habe, habe ihnen die Nachricht überbracht. In ihrer Heimat habe es viele Probleme und keine Sicherheit gegeben. Es sei zu Plünderungen gekommen und Menschen hätten ihr Leben verloren. Am 18. Juni 2004 hätten bewaffnete Männer ein benachbartes Quartier angegriffen, wo- raufhin die Einwohner dieses Quartiers in ihr Quartier (...), welches sich ganz in der Nähe befunden habe, geflüchtet seien. Da sie sowie ihre übrigen Familienangehörigen von den dortigen Problemen gewusst und die Schüsse gehört hätten, hätten sie befürchtet, dass auch [ihr Quartier] bedroht sei. Vor diesem Hintergrund habe sie sich gemeinsam mit ihrer Familie zur Ausreise entschlossen. B.b Bei der kantonalen Anhörung erklärte die Beschwerdeführerin erstmals, nach dem Tod ihres Vaters seien sie, ihre Mutter, ihre Brüder und ihre ältere Schwester verhaftet und über den Vater befragt wor- den. Sie sei geschlagen worden und man habe ihr mit der Hinrichtung gedroht. Sie hätten auch Drohbriefe in der Form von „Steinpost“ erhal- ten (Man habe die Briefe um Steine gewickelt und in ihr Haus gewor- fen). Sie wisse allerdings nicht, was in den Drohbriefen gestanden und wer sie geschrieben habe. Die Drohbriefe hätten im Zusammenhang mit der erfolgten Festnahme gestanden (vgl. A9/ S. 16). Sie vermute, Seite 2D-5386/2006 dass ein Kind beziehungsweise Kinder aus der Nachbarschaft die Briefe geschrieben hätten, die über ihre Festnahme informiert gewesen wären (vgl. A9/ S. 17). Auf den Vorhalt des Befragers, ihr Bruder J._______ (D-5389/2006) habe zu Protokoll gegeben, nur er und seine Mutter hätten von den Drohbriefen gewusst, die sie vor der Hausdurchsuchung und der Festnahme erhalten hätten, erklärte die Beschwerdeführerin, einmal sei ein solches Papier zu Boden gefallen, woraufhin ihr Bruder J._______ ihr, ihrem Bruder K._______ (D-5390/2006) und ihrer Schwester H._______ (D-5388/2006) alles erzählt habe. J._______ habe dann auch erzählt, die Drohbriefe enthielten die Forderung, man müsse melden, mit wem ihr Vater Kontakt gehabt habe. Auf die Frage, wem man es melden müsse, habe er gesagt, den Soldaten. Diese hätten dann auch die Hausdurchsuchung durchgeführt (vgl. a.a.O). Im Übrigen wisse sie nicht, ob es noch weitere Papiere (Briefe) gegeben habe. Sie sei nicht immer zu Hause gewesen. Im fünften Monat 2004 hätten fünf Männer versucht, sie zu entführen. Sie vermute, der Entführungsversuch habe im Zusammenhang mit ihrer Arbeit bei der Gruppierung (...) gestanden, sie habe nämlich drei Monate lang ab dem elften Monats in deren Alphabetisierungsprogramm gearbeitet (vgl. A9/ S. 21). Sie wisse allerdings nicht mehr, weshalb sie damit aufgehört habe (vgl. A9/ S. 18). Der Entführungsversuch, die grundlose Festnahme und die Schläge während der Haft seien ihre wichtigsten Gründe für die Ausreise gewesen (vgl. A9/ S. 16). Ausserdem habe sie und auch ihre Geschwister wegen der in ihrer Heimat herrschenden Situation die Schule abbrechen müssen. Niemand habe für sie und ihre Familie gesorgt, weder ihre Mutter noch ihr Bruder J._______ hätten arbeiten können und ihre Schwester D._______ habe gesundheitliche Probleme gehabt (vgl. A9/ S. 14). Als Folge des Krieges sei ein Jahr vor ihrer Ausreise der Markt im Quartier (...) ausgeraubt worden (vgl. A9/ S. 20). Als die Behörden ausgerückt seien, sei es zwischen ihnen und den Janjaweeds zu Kämpfen gekommen. Ungefähr am Morgen ihres Abreisetages sei es in einem benachbarten Quartier in ihrer Nähe zu Diebstählen gekommen (vgl. a.a.O). C. C.a Mit Eingabe vom 20. Juli 2006 machte die Beschwerdeführerin geltend, sie und ihre Angehörigen litten unter gesundheitlichen Proble- men und sie benötigten eine ärztliche Untersuchung. Seite 3D-5386/2006 C.b Mit Zwischenverfügung vom 25. Juli 2006 forderte das BFM die Beschwerdeführerin auf, bis zum 14. August 2006 einen allfälligen ärztlichen Bericht einzureichen. Die Beschwerdeführerin liess sich innert Frist nicht vernehmen. D. Mit Verfügung vom 10. Oktober 2006 – eröffnet am 11. Oktober 2006 - lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ord- nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. Zur Be- gründung wurde ausgeführt, die Vorbringen der Beschwerdeführerin genügten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht. Die Be - schwerdeführerin habe weder die Einwohnerzahl von F._______ bezif- fern, noch die Namen zweier Stämme korrekt angeben können (vgl. A1/ S. 1, 4 f.; A9/ S. 18). Ausserdem habe sie unzutreffender Weise er- klärt, Darfur habe kein „Wilaya“ und verfüge über kein Flüchtlingslager (vgl. a.a.O.). Ausserdem habe sie erstmals bei der kantonalen Anhö- rung geltend gemacht, dass sie einige Tage nach dem Tod ihres Vaters während einer Hausdurchsuchung verhaftet und dabei geschlagen worden sei, und sie und ihre Familie Drohbriefe erhalten hätten. Auch ihre Mitarbeit bei einer politischen Gruppierung und dass sie wahr- scheinlich deswegen fast entführt worden sein wolle, habe sie erst- mals bei der kantonalen Einvernahme zu Protokoll gegeben. Da sie das Empfangsstellenprotokoll als vollständig und richtig erachtet und unterschrieben habe (vgl. A1/ S. 5 und 7), seien diese Vorbringen als nachgeschoben zu bezeichnen und könnten deshalb nicht geglaubt werden. Darüber hinaus stünden die Vorbringen der Beschwerdeführe- rin in etlichen Punkten im Widerspruch zu denjenigen ihrer Angehöri- gen. Auf entsprechenden Vorhalt hin sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen, diese aufzulösen. So könne beispielsweise ihr Vorbringen, sie sei nicht immer zu Hause gewesen, die zeitlich diver- gierenden Angaben zum Erhalt der Drohbriefe zwischen der Be - schwerdeführerin und ihrem Bruder J._______ nicht erklären. Vielmehr bewirkten solche Widersprüche zusätzlich, dass der Beschwerdeführe- rin ihre Vorbringen nicht geglaubt werden könnten. Darüber hinaus be- fänden sich in den Vorbringen der Beschwerdeführerin weitere Unge- reimtheiten, auf die jedoch aufgrund der bereits aufgeführten Unglaub- haftigkeitselemente nicht näher eingegangen werde. Seite 4D-5386/2006 E. Mit Eingabe vom 10. November 2006 (Poststempel 12. November 2006) liess die Beschwerdeführerin gegen diesen Entscheid bei der damaligen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) Beschwerde erheben und die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie die Gewährung von Asyl in der Schweiz beantragen. Sinngemäss bean- tragte sie ferner, es sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzu- mutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und es sei ihr die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren. Es sei die un- entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesge- setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren und auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses sei zu verzichten. F. Mit Zwischenverfügung der ARK vom 17. November 2006 hiess der damalige Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses und überwies die Akten der Vorinstanz zur Vernehm- lassung. G. Mit Vernehmlassung vom 7. Dezember 2006 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. In der angefochtenen Verfügung habe es ausführlich dargelegt, weshalb es der Beschwerdeführerin sowie den übrigen Familienangehörigen nicht gelungen sei, die geltend gemach- te Herkunft aus F._______ sowie die damit verknüpfte Verfolgungssituation glaubhaft zu machen. In der Beschwerde werde versucht, die in den angefochtenen Verfügungen aufgezeigten mangelhaften Kenntnisse der Beschwerdeführerin zu ihrem angeblichen Herkunftsort zu erklären. Dabei beschränke sich die Beschwerdeführerin, aber auch ihre übrigen Familienangehörigen auf ganz wenige Punkte, wobei es ihnen nicht gelinge, das fehlende Wissen zu erklären. Im Weiteren falle auf, dass in der Beschwerdeeingabe auch nicht zu den in den vorinstanzlichen Verfügungen aufgezeigten zahlreich vorhandenen Widersprüchen und anderen Ungereimtheiten in den Aussagen der Beschwerdeführerin und ihrer Familie eingegangen werde. Seite 5D-5386/2006 H. H.a Mit Zwischenverfügung vom 13. Dezember 2006 erhielt die Be - schwerdeführerin unter Hinweis auf die Säumnisfolge die Gelegenheit, sich innert Frist zu der Vernehmlassung des BFM vom 7. Dezember 2006 schriftlich zu äussern. H.b Die Beschwerdeführerin liess sich innert Frist nicht vernehmen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsge- richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorins- tanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver- waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegen- den Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei- lung der bei der ehemaligen ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG). 1.3 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Die Be- schwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Die Beschwerdeführerin ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48, 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Seite 6D-5386/2006 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner- kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei- ner bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An- schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei- sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein- lichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider- sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5387/2006 vom 27. April 2009 wurde die Beschwerde der Mutter der Beschwerdefüh- rerin sowie ihrer beiden Schwestern C._______ und D._______ abgewiesen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass auf die Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Herkunft aus Darfur sowie die damit verknüpfte Verfolgungssituation zu schliessen sei. Bei dieser Sachlage kann auch der Beschwerdeführerin die geltend gemachte Herkunft aus Darfur und die davon abgeleitete Verfolgungssituation nicht geglaubt werden. Zudem wird auf die in der angefochtenen Verfügung aufgezeigten Unstimmigkeiten in den Schilderungen der Be schwerdeführerin verwiesen. Mangels einer entsprechenden Stellungnahme auf Beschwerdeebene kann darauf verzichtet werden, diesbezüglich nähere Ausführungen zu machen, und es wird auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen, denen sich das Bundesverwaltungsgericht vollumfänglich anschliesst. Seite 7D-5386/2006 4.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass den Vorbringen der Be - schwerdeführerin, sie sei im Zeitpunkt ihrer Ausreise in ihrer Heimatre- gion Darfur in asylrechtlich erheblichem Ausmass verfolgt worden, nicht geglaubt werden kann, wobei hervorzuheben ist, dass die gel- tend gemachte Herkunft aus Darfur unglaubhaft ist. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein- heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei- ner solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize- rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver- hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun- desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun- gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän- ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge- fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Seite 8D-5386/2006 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über- einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No - vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. M ARIO G ATTIKER , Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich er- hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non- Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Sudan ist demnach un- ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführe- rin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei- ner Ausschaffung in den Sudan dort mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Fol- terausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen; EGMR, Ben- said gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die allgemeine Menschen- rechtssituation im Sudan ausserhalb Darfur lässt den Wegweisungs- vollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig er- scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu- lässig. 6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts- staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Seite 9D-5386/2006 Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.5 D en Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts zufolge be- steht im Sudan ausserhalb der Region Darfur keine Situation allgemei- ner Gewalt, und es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in einen ausserhalb Darfur ge- legenen Teil des Sudans einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt wäre. Der Wegweisungsungsvollzug in den Sudan erweist sich somit als generell zumutbar. 6.6 Es sind auch keine individuellen, in der Person der Beschwerde- führerin gelegenen Gründe ersichtlich, die den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen lassen würden. Der jungen und gemäss Aktenlage offensichtlich gesunden Beschwerdeführerin ist es zuzumu- ten, gemeinsam mit ihren Familienangehörigen (Mutter und Geschwis- ter) in den Sudan zurückzukehren und sich dort erneut eine Lebens- grundlage zu schaffen. Es ist festzuhalten, dass die Untersuchungspflicht der Asylbehörden hinsichtlich Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Be- schwerde führenden Person findet (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Da die Beschwerdeführe- rin sowie ihre übrigen Angehörigen keine Identitätspapiere eingereicht haben, mithin ihre Identität nicht sicher feststeht und sie auch auf Be- schwerdeebene darauf verzichtet haben, ihren tatsächlichen Her- kunftsort anzugeben, kann es nicht Sache der Asylbehörden sein, nä- her nach allfälligen weiteren Wegweisungshindernissen im Heimatland der Beschwerdeführerin zu forschen. Gemäss konstanter Schweizer Asylpraxis sind die Asylbehörden nicht gehalten, in Fällen, in denen aufgrund vom Asylgesuchsteller zu verantwortenden Umständen nicht feststeht, welches sein Herkunftsland beziehungsweise sein Her- kunftsort ist (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E.3.2.2. S. 5 f.), nach möglichen Vollzugshindernissen zu suchen. Vorliegend konnte die Beschwerde- führerin ihre geltend gemachte Herkunft aus Darfur nicht glaubhaft machen. Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass sie ihren wahren Herkunftsort dissimulieren will, weshalb davon auszugehen ist, dass Seite 10D-5386/2006 sie dort über ein ausreichendes Beziehungsnetz verfügt. Im Weiteren ist vor dem Hintergrund der kostspieligen Ausreise und der Kosten für die medizinische Betreuung ihrer Schwester D._______ von ausrei- chenden finanziellen Quellen im Heimatland auszugehen. Die Be - schwerdeführerin, aber auch ihre Geschwister (Verfahren D-5387/2006, D-5388/2006, D-5389/2006 und D-5390/2006), verfügen gemäss Aktenlage über eine gute Schulbildung. Die ganze Familie ge- hört dem arabischen Stamm Bani Halba an, dessen Angehörigen im Sudan nichts zu befürchten haben. Unter diesen Umständen sollte es der gemäss Aktenlage gesunden Beschwerdeführerin möglich sein, eine ihren Fähigkeiten und Kenntnissen entsprechende wirtschaftliche Existenz in einer sudanesischen Grossstadt, wie zum Beispiel Khartoum, aufzubauen beziehungsweise an ihren tatsächlichen Wohnort zurückzukehren. 6.7 Schliesslich ist auch aus der nunmehr bald fünfjährigen Anwesen- heit der Beschwerdeführerin in der Schweiz und der damit allfällig ver- bundenen Integration keine andere Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs herzuleiten. Nachdem die Bestimmungen be- treffend vorläufige Aufnahme infolge einer schwerwiegenden persönli- chen Notlage (insbes. Art. 44 Abs. 3-5 AsylG in der Fassung vom 26. Juni 1998; AS 1999 2273) auf den 1. Januar 2007 aufgehoben worden sind, kann bei Beschwerden gegen Verfügungen des BFM be- ziehungsweise des BFF im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsge- richt das Vorliegen einer schwerwiegenden persönlichen Notlage nicht mehr geprüft werden. Die Integration in der Schweiz war unter altem Recht primär im Rahmen eben jener Notlagenprüfung zu berücksichti- gen. Nach geltendem Recht ist es nun dem Kanton vorbehalten, mit Zustimmung des Bundesamtes einer ihm nach Gesetz zugewiesenen Person eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, wenn wegen der fort- geschrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt (Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG). Nach dem Gesagten erweist sich Vollzug der Wegweisung auch als zu- mutbar. 6.8 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zu- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen- digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). Seite 11D-5386/2006 7. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegwei- sung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesag- ten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Mit Zwischenverfügung vom 17. November 2006 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen. Folglich ist auf die Auferlegung von Ver- fahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) Seite 12D-5386/2006 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an: - den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben) - das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie) - (die zuständige kantonale Behörde) (in Kopie) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Ulrike Raemy Versand: Seite 13