2016 Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht 409 Aus den Erwägungen 2.2.1 Art. 24c RPG besagt, dass bestimmungsgemäss nutzbare Bau - ten und Anlagen ausserhalb der Bauzonen, die nicht mehr zo nenkon- form sind, in ihrem Bestand grundsätzlich geschützt werden (Abs. 1). Sie können mit Bewilligung der zuständigen Behörde er neuert, teil- weise geändert, massvoll erweitert oder wiederaufgebaut werden, so- fern sie rechtmässig erstellt oder geändert w orden sind (Abs. 2). In jedem Fall bleibt die Vereinbarkeit mit den wichtigen Anliegen der Raumplanung vorbehalten (Abs. 5). Da die Liegen schaft der Be - schwerdeführerin seinerzeit rechtmässig erstellt worden ist, geniesst sie grundsätzlich Besitzstandssc hutz. Dieser bedarf an sich keiner kantonalen Ausführungsgesetzgebung mehr (VGE III/ 115 vom 15. November 2001, S. 11; BGE 127 II 218 f.). Art. 27a RPG lässt aber ausdrücklich zu, dass auf dem Weg der kantonalen Ge setz- gebung ein schränkende Bestimmungen z u Art. 24c RPG erlassen werden. Der Kanton hat von dieser Möglichkeit für bestimmte Schutzgebiete Gebrauch gemacht, so unter anderem zum Schutz des Rheinufers, des Reussufers, der Lägern und des Hallwilersees (vgl. Urteil des Ver waltungsgerichts vom 26. Oktober 2011 [WBE.2011.165] i.S. C.M., Erw. 5.2). Daraus folgt, dass für die Frage der nachträglichen Bewilligungsfähigkeit der Einfriedung aus Granitplatten und Holz pfosten der den bundesrechtlichen Besitz - standsschutz einschrän kende § 12 HSD zur Anwe ndung gelangt. Dies wird auch seitens der Beschwerdeführerin anerkannt (vgl. …). Gemäss § 12 HSD dürfen be stehende Bauten und Anlagen in der Schutzzone, die den V orschriften dieses Dekretes widersprechen, nur unterhalten und zeitgemäss erneuert werden. 78 Art. 16a RPG; Art. 34 Abs. 4 RPV Die Frage der Notwendigkeit der Erstellung oder der Veränderung einer Baute oder Anlage ist nach objektiven Kriterien zu beurteilen. Die Erfah-410 Verwaltungsbehörden 2016 rungswerte und Richtmasse des FAT-Berichts 590 sind zwar aussagekräf- tig und verlässlich, jedoch für die Behörden nicht verbindlich; es handelt sich nur um Ausgangswerte. Sie bedürfen regelmässig der Verfeinerung unter Berücksichtigung der betriebsspezifischen Gege benheiten. Die landwirtschaftliche, betriebliche oder überbetriebliche Erforderlichkeit der Maschinen und Geräte muss nachgewiesen werden. Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 24. August 2016 i.S. H. gegen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (Abteilung für Baubewilligungen)/Gemeinderats Z. (RRB Nr. 2016-000933). Erwägungen 1. Ausgangslage Das Bauvorhaben umfasst die Erweiterung einer bestehenden Remise auf der Parzelle 336 mit einem Futter - und Ballenlager. (…) Der Beschwerdeführer bewirtschaftet gemäss der Betriebsdaten erhe- bung 2014 einen Landwirtschaftsbetrieb mit rund 27 ha landwirt - schaftlicher Nutzfläche, Rindviehhaltung (8 Mutterkühe, 27 Stück Jungvieh) und Ackerbau (ca. 11 ha). Der Landwirtschaftsbetrieb ist mit der aktuellen Produktion in der Landwirtschaftszone gemäss Art. 16a Abs. 1 und 2 RPG zonenkonform. (…) Die Abteilung für Baubewilligungen BVU begründet ihren abweisenden Entscheid vom 11. August 2015 damit, dass aufgrund des Betriebstyps und der Betriebsgrösse gestützt auf die Richtwerte der FAT betreffend Raumbedarf für Remisen und Einzelmaschinen Nr. 590/2002 (fortan: FA T-Bericht 590) eine maximal bewil ligungs- fähige Remisenfläche inkl. Traktorengarage und Werkstatt von 717 m2 zugestanden werden könne. Die Zonenkonformität des Bauvorha- bens sei somit nicht ausgewiesen (vgl. …). 2. Gesetzliche Grundlagen (…) 3. Beurteilung der Zonenkonformität des Bauvorhabens 2016 Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht 411 3.1 (…) Im Schreiben vom 4. März 2016 beantragte die Landwirtschaft Aargau DFR weiterhin, die Beschwerde abzuweisen. Sie begründete dies damit, dass nach geltender kantonaler Praxis für Betriebe in die- ser Grössenklasse ohne Bedarfsnachweis eine Remise nfläche von maximal 350 m2 zugestanden werde. Der Bedarfsnachweis diene zur Beurteilung, ob dem Betrieb eine grössere Fläche als der Pauschal - wert zuges tanden werden könne. Sei der Bedarf ausgewiesen, was vorliegend klar der Fall sei, so könne dem Betrieb eine grössere Flä - che bewilligt werden; diese dürfe im Normalfall den Richtwert ge - mäss dem FAT -Bericht 590 (im vorliegenden Fall 717 m 2) jedoch nicht überschreiten. Ausnahmen könnten bei Betrieben mit Spezial - kulturen oder spezialisierten Betrieben gemacht werden. Beim Be - trieb des Beschwerdeführers handle es sich jedoch um einen durch - schnittlichen Landwirtschaftsbetrieb mit wenig aufwändigen Acker - kulturen und einem eher geringen Tierbestand. Für die Berechnung der bewilligungsfähigen Remisenflächen sei somit die Betriebs struk- tur (Fläche, Kulturen, Tierhaltung) massgebend und nicht die effekti- ve Ausstattung des Fahrzeug -, Maschinen- und Geräteparks. Der im Schreiben des Beschwerdeführers vom 8. Februar 2016 begründete Flächenbedarf für die Beurteilung des Bau vorhabens sei demzufolge nicht von Bedeutung. 3.2 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung beurteilt sich die Frage der Notwendigkeit der Erstellung oder der Veränderung ei- ner Baute oder Anlage nach objektiven Kriterien. Sie hängt ab von der bestellten Landfläche, von der Art des Anbaus und der Pro duk- tion sowie der Struktur, Grösse und Erforderlichkeit der Bewirtschaf- tung (Urteile des Bundesgerichts vom 26. Oktober 2010 [1C_110/2010], Erw. 3.1 sowie vom 19. Juni 2009 [1C_565/2008], Erw. 2, je mit Hinweisen). An der betrieblichen Notwendigkeit eines Neubaus fehlt es von vornherein, wenn die vorgesehene Nutzung (allenfalls nach Umbau) i n einer bereits vorhandenen Baute möglich wäre (vgl. BGE 129 II 413 E. 3.2 S. 416; 123 II 499 E. 3b/cc S. 508; je mit Hinweisen). Ist eine Neubaute erforderlich, so muss diese den 412 Verwaltungsbehörden 2016 objektiven Bedürfnissen des Betriebs angepasst sein, namentlich mit Bezug au f ihre Grösse und ihren Standort (BGE 114 Ib 131 E. 3 S. 133 f., mit Hinweisen). Sie darf nicht überdimensioniert sein (BGE 132 II 10 E. 2.4 S.17; 129 II 413 E. 3.2 S. 416; 125 II 278 E. 3a S. 281). Die Landwirtschaft Aargau DFR stützte sich auf den erwähnten FA T-Bericht 590 und hielt aufgrund dessen wie in E. 3.1. hiervor erwähnt fest, dass für die Berechnung der bewilligungs fähi- gen Remisenflächen die Betriebs struktur (Fläche, Kulturen, Tierhal - tung) mass gebend sei und nicht die effektive Ausstattung des Fahrzeug-, Ma schinen- und Geräteparks ( vgl. … ). In seinem Ent - scheid vom 4. September 2015 führt das Bundesgericht jedoch aus, dass zwar die Erfahrungswerte und Richtmasse des FAT -Berichts 590 aus sagekräftig und verlässlich, jedoch für die Behörden nicht verbindlich seien und es sich nur um Ausgangswerte handle. Das Bundesgericht hält des Weiteren fest, dass die Erfahrungswerte und Richtmasse des FA T-Berichts 590 regelmässig der Verfeinerung unter Berück sichtigung der betriebsspezifischen Gegebenheiten bedürften. Die landwirtschaftliche, betriebliche oder überbetriebliche Erforderlichkeit der Maschinen und Geräte muss nachgewiesen werden (vgl. Ur teil des Bundesgerichts vom 4. September 2015 [1C_482/2014], Erw. 5.5). 3.3 An sich könnt e der Regierungsrat in dieser Situation anstelle der V orinstanz selbst eine Beurteilung vornehmen, ob die geplante Erweiterung der Remise notwendig und damit bewilligungsfähig ist. Die zuständige Fachabteilung, die Landwirtschaft Aargau DFR, hat jedoch d ie fachliche Überprüfung der im Schreiben des Beschwer - deführers vom 8. Februar 2016 auf insgesamt 14 Seiten detailliert be- gründeten Nutzung und Notwendigkeit der in Frage stehenden einzelnen Maschinen und Geräte abgelehnt mit Verweis darauf, dass bezüglich der Betriebsstruktur keine Abweichung von der Ausgangs- lage der standardisierten Flächenberechnungen des FAT -Berichts er- sichtlich sei (vgl. …). Ohne diese ist es nicht möglich, im Rahmen des Beschwerdeverfahrens die von der V orinstanz unterlassene, aber vorgeschriebene individuelle Berechnung des Raum bedarfs vorzu - nehmen. Es ist deshalb erforderlich, die Angelegenheit an die Abtei -2016 Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht 413 lung für Baubewilligungen BVU und die Landwirtschaft Aargau DFR zur erstinstanzlichen V ornahme der Berechnung der bewill i- gungsfähigen Remisenflächen unter Berücksichtigung der bundes ge- richtlichen Rechtsprechung zurückzuweisen. 4. Überbetrieblicher Maschineneinsatz Wie bereits erwähnt, vertritt die Landwirtschaft Aargau DFR die Ansicht, dass die Maschinen und Geräte, welc he sowohl auf dem eigenen Betrieb des Beschwerdeführers als auch für Lohnarbeiten eingesetzt werden können, nur zur Hälfte an den Raumbedarf für die Remise anzurechnen seien. Worauf die Landwirtschaft Aargau DFR sich dabei stützt, legt sie jedoch nicht da r. Gemäss der departements- internen Richtlinie Remisenflächen vom Juni 2014 (revidiert im Au- gust 2015) ist das Führen eines eigenständigen landwirt schaftlichen Lohnunternehmens ausserhalb der Bauzonen weder zo nenkonform noch standortgebunden. Wenn mehr als die Hälfte des Gesamtein - kommens aus überbetrieblicher landwirtschaftlicher Lohn arbeit re - sultiert, ist von einem zonenfremden Lohnunternehmen aus zugehen. Die für dessen Betrieb notwendigen Bauten und Anlagen sind in einer geeigneten Bauzone anzu siedeln. Eine entsprechende Beurtei - lung der vom Beschwerdeführer selbst geltend gemachten Lohnar - beiten des Beschwerdeführers ist im vorliegenden Fall nicht ersichtlich. Es lässt sich somit feststellen, dass auch die Prüfung der Zonenkonformität des Bauv orhabens unter Berücksichtigung der Maschinen und Geräte, die (teilweise) für Lohnarbeiten eingesetzt werden, durch die V orinstanz nicht vollständig und ordnungsgemäss durchgeführt wurde. Auch daher rechtfertigt es sich, das Verfahren zur neuen Beurteilung an die V orinstanz zurückzuweisen. Bei der Beurteilung der Frage, ob an den Remisenbedarf die Maschinen und Geräte anzurechnen sind, die vom Beschwerdeführer (auch) für Lohnarbeiten eingesetzt werden, ist die bundesgerichtli - che Rechtsprechung zu berücks ichtigen. Im oben genannten Ent - scheid hat das Bundesgericht bei der Beurteilung des über betriebli- chen Maschineneinsatzes allen Umständen Rechnung ge tragen. Das Bundesgericht hat nämlich berücksichtigt, dass das im Urteil 1C_482/2014 umstrittene Bauprojekt nicht der Einstellung von land - wirtschaftlichen Maschinen dienen soll, die ausnahmslos für Dritte 414 Verwaltungsbehörden 2016 eingesetzt werden, sondern dass die in Frage stehenden Lohnarbeiten gesamtbetrieblich bloss eine untergeordnete Rolle spielen. Des Wei - teren hat das Bun desgericht berücksichtigt, dass es un bestritten war, dass die übrigen zu remisierenden Maschinen und Geräte gänzlich zur Bewirtschaftung der eigenen Nutzflächen eingesetzt werden. Schliesslich berücksichtigte das Bundesgericht, dass das Einkommen aus dem überbetrieblichen Einsatz der land wirtschaftlichen Maschi- nen im Vergleich zum Gesamteinkommen nicht massgeblich ins Ge - wicht fiel. Unter diesen Umstän den ist das Bundesgericht grund sätz- lich von der Zonenkonformität des Bau vorhabens ausgegangen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. September 2015 [1C_482/2014] i.S. A.R.-M. und Mitbeteiligte gegen J. und G.L., Gemeinderat V . und Regierungsrat des Kantons Aargau, Erw. 4.2, S. 9, in welchem u.a. zu 80 % überbetrieblich für Lohnarbeiten eingesetzte Maschinen an den Flächenbedarf angerech net wurden, nachdem die Lohn arbei- ten gesamtbetrieblich untergeordnet waren). (…) 79 Art. 22 Abs. 4 und 5 GSchG Werden neue oder geänderte Tankanlagen mit wassergefährdenden Flüssigkeiten ausserhalb von Gewässerschutzbereichen in Betrieb genom- men, müssen dies die Anlageinhaber der kantonalen Behörde nach de ren Anordnungen melden. Der Meldung muss kein Zertifikat der Pro - dukteprüfung eines unabhängigen Prüfinstituts beigelegt werden. Es ge - nügt eine Eigendeklaration und Dokumentation des Anlageherstellers, dass die Anlage dem Stand der Technik der Branche entspricht. Aus dem Entscheid des Regierungsrats i.S. B. AG gegen die Verfügung des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (Abteilung für Umwelt) vom 26. Oktober 2016 (RRB Nr. 2016-001224).