Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 31. Juli 2018 (715 18 98 / 198) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit; ein eindeutiges ärztliches Zeugnis liegt nicht vor. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiber i.V. Robert Schibli Parteien A. ____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1978 geborene A.____ war ab 1. Mai 2015 als Chauffeur für die B.____ AG tätig. Mit Schreiben vom 21. Juli 2017 kündigte er das Arb eitsverhältnis per 30. September 2017. Am 2. August 2017 meldete sich A.____ beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob am 7. August 2017 b ei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Ba- selland (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. Oktober 2017. B. Mit Verfügung Nr. 2011/2017 vom 13. Oktober 2017 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit a b dem 1. Oktober 2017 für 24 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Daran hielt die Einsprac heinstanz des Kantonalen Amtes für In- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht dustrie, Gewerbe und Arbeit Baselland (KIGA), Abteil ung Öffentliche Arbeitslosenkasse, mit Entscheid vom 21. Februar 2018 fest. C. Hiergegen erhob A.____ am 19. März 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgeri cht), wobei er die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 21. Februar 2018 beantragte. D. Die Arbeitslosenkasse schloss mit Vernehmlassung vom 4. Ju ni 2018 auf Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversi cherung und die Insolvenzentschädi- gung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgeric ht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kon trollpflicht erfüllt. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltung sprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsid ierende Person der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.– durch Präsidialentscheid. Bei einem Taggeld von Fr. 203 .30 beläuft sich der Streitwert auf Fr. 4‘879.20. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwer deführer infolge selbstverschul- deter Arbeitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 24 Ta gen in der Anspruchsberechtigung ein- stellte. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeit s- und Verschuldensprinzip Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri - sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslo senversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arb eitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslo- sigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem n ach den persönlichen Umständen und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalt en der versicherten Person liegt (ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann d er Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzule gen ist (BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Um- stände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemute t werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gef unden hat (ARV 1976 Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S . 116). Die Zumutbarkeit zum Verblei- ben an der bisherigen Arbeitsstelle wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). 2.4 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. J uni 1988 über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinkommen ; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nu r das freiwillige ( „ volontairement “ ) Auf- geben einer Stelle ohne triftigen Grund („sans motif légitime“ ) sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30 . April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 2.5 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt d ie Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Gesundhei tsgefährdende Arbeitsstellen sind Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht mehr zumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine Un zumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherh eit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht mit blossen Behauptungen der versicherten Person be gnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, welche primär die versicherte P erson im Rahmen der ihr oblie- genden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachverh alts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb). Ärztliche Zeugnisse müssen ein erseits eine Diagnose und ander- seits eine aussagekräftige Erklärung für die Arbeitsunfähigkeit (Kausalität) enthalten. 3.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist schliesslich auf f olgende Verfahrensgrundsätze hin- zuweisen: Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwer- deverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Da nach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und voll ständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abkläru ngen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nic ht uneingeschränkt; er findet sein Kor- relat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 1 25 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüge nde Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b; 125 V 195; 121 V 47 E. 2a; 208 E. 6b mit Hinweis). 4. Vorab steht unbestritten fest, dass der Beschwerdeführ er das bestehende Arbeitsver- hältnis auf den 30. September 2017 auflöste, ohne dass ihm im Kündigungszeitpunkt von ande- rer Seite verbindlich eine neue Arbeitsstelle zugesichert gewesen wäre. Die Frage der Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung beurteilt sich demgemäss danach, ob ihm ein Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle bis zum Auffinden einer ne uen zumutbar gewesen wäre (vgl. E. 2.3 hiervor). Es stellt sich somit die Frage, ob die vom Besc hwerdeführer geltend gemachte Unzu- mutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz aus gesundhe itlichen Gründen durch ein eindeuti- ges ärztliches Zeugnis oder durch andere geeignete Beweismittel belegt ist (vgl. E. 2.5 hiervor). 5. Aufgrund der Akten stellt sich der rechtserhebliche S achverhalt wie folgt dar: Dr. med. C.____, FMH Allgemeinmedizin, stellte dem Beschwerdef ührer insgesamt vier Arztzeugnisse Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus. Im ärztlichen Attest vom 20. Juli 2017 wurde festge halten, dass der Versicherte infolge Krankheit ab dem 21. Juli 2017 bis und mit 31. Augu st 2017 zu 100 % arbeitsunfähig sei. Im Arztzeugnis vom 16. August 2017 attestierte Dr. C.____ ei ne Arbeitsunfähigkeit des Versicher- ten infolge Krankheit vom 1. September 2017 bis 30. September 2017, wobei wie im Arztzeug- nis vom 20. Juli 2017 keine weiteren Ausführungen zu den genauen Gründen der Beeinträchti- gung der Gesundheit und deren Auswirkung auf die Arbe itsfähigkeit gemacht wurden. Dr. C.____ stellte dem Versicherten am 27. Oktober 2017 e in weiteres Arztzeugnis aus, in dem er angab, dass dieser aufgrund psychosomatischer Beschwerden zur Konsultation erschienen sei. Eine Weiterführung der Arbeitsstelle sei seinem Patient en nicht mehr zumutbar, da die Gefahr drohe, dass er Alkoholprobleme bekommen würde, was früh er schon geschehen sei. Schliess- lich führte Dr. C.____ im ärztlichen Zeugnis vom 8. März 2018 den genauen Sachverhalt bezüg- lich der Arbeitsunfähigkeit des Versicherten aus. So hi elt er fest, dass sein Patient wegen einer Alkoholproblematik im Jahr 2004 stationär in der Klini k für Suchtkranke im X.____ behandelt worden sei. Nachdem er seine Suchtkrankheit überwunden g ehabt habe, sei es im Jahr 2010 zu einem Rückfall gekommen, worauf er sich zum Hausarzt Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, erneut in Behandlung begeben habe. Seit 2014 sei der Beschwerdeführer strikt alkoholabstinent. Aufgrund der massiven Arbeitsbelastung und der damit zusammenhängenden psychosomatischen Beschwerden sowie Beziehungsproblemen sei es für den Versicherten nicht mehr zumutbar gewesen, die Arbeit an der damaligen Stelle weiterzuführen. 6.1 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, dass es für ihn unzumutbar ge- wesen wäre, als Chauffeur bei der B.____ AG weiterzuar beiten. Er sei durch die hohe Arbeits- belastung überfordert gewesen, was zu psychosomatischen Beschwerden sowie Problemen im Familienleben geführt habe. Weiter sei er unter zusät zlichem Druck gestanden, da er gemäss vertraglicher Vereinbarung bei einer von ihm ausgesproch enen Kündigung vor Ablauf einer Zweijahresfrist die Kosten für die Chauffeurausbild ung in der Höhe von ca. Fr. 10‘000. – hätte zur ückerstatten m üssen. Auch habe er aufgrund der gesamten Belastungssituatio n an zwei Wochenenden zwei Rückfälle hinsichtlich seiner früheren Alkoholprobleme gehabt. Der psychi- sche Stress und die Übermüdung hätten unweigerlich zu ein em erhöhten Unfallrisiko bei seiner Tätigkeit als Lastwagenchauffeur geführt, weshalb er si ch gezwungen gesehen habe, das Ar- beitsverhältnis mit der B.____ AG aufzulösen. 6.2 Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Ein spracheentscheid davon aus, dass aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht und nach der strengen Praxis des Bundes- gerichts im Bereich der Selbstkündigung nicht von einer zwingenden Selbstaufgabe gesprochen werden könne. Dem Beschwerdeführer sei das Verbleiben an seiner bisherigen Arbeitsstelle bis zum Finden einer neuen Stelle zuzumuten gewesen. Im Ei nspracheentscheid anerkannte sie zwar, dass der Einsprecher gesundheitliche Probleme geha bt und ihn das Arbeitsverhältnis belastet habe, was sich auch durch die Arbeitsunfähigke it nach der Kündigung gezeigt habe. Dennoch sei – trotz der vorgebrachten Arztzeugnisse – nicht rechtsgenüglich belegt, dass der Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis aus gesundheitlich en Gründen habe auflösen müssen bzw. inwiefern die Arbeit aufgrund einer Krankheit unzumutbar gewesen sei. Hierfür fehle es an einem – von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung un d der Lehre verlangten – eindeutigen, aussagekräftigen und echtzeitlichen Arztzeugnis, welches di e für die Rechtfertigung einer frei- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht willigen Stellenaufgabe notwendigen medizinischen ode r gesundheitsgefährdenden Gründe belege. 6.3 Hinsichtlich des von der Beschwerdegegnerin geäusserte n Einwands der fehlenden Echtzeitlichkeit der vorliegenden Arztzeugnisse ist nicht er sichtlich, inwiefern diese vorliegend nicht gegeben sein soll. So begab sich der Versicherte ge mäss ärztlichem Zeugnis vom 8. März 2018 am 12. Juli 2017 und 20. Juli 2017, das he isst bereits vor Einreichung der Kündi- gung am 21. Juli 2017 bei Dr. C.____ wegen seiner Pr obleme am Arbeitsplatz in Behandlung. Dr. C.____ erstellte am 27. Oktober 2017 und später nochmals am 8. März 2018 zwei weitere Arztzeugnisse, da die beiden ersten Atteste vom 20. Juli 2 017 und 16. August 2017 weder ge- naue Angaben zum Gesundheitszustand des Versicherten enthielten noch sich dazu äusserten, wie sich dieser auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Aus de m Umstand, dass die beiden Arztzeug- nisse vom 27. Oktober 2017 und 8. März 2018 vorliegend erst mehrere Wochen oder Monate nach der Kündigung ausgestellt wurden, kann vorliegen d jedoch nicht geschlossen werden, dass das Kriterium der Echtzeitlichkeit nicht erfüllt ist. Von einer fehlenden Echtzeitlichkeit kann nämlich nur dann die Rede sein, wenn die Konsultation beim Arzt sowie die Ausstellung des entsprechenden Arztzeugnisses zeitlich nach der Kündigungser klärung erfolgten (vgl. als Bei- spiel hierzu Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft v om 10. Juli 2014, Abteilung Sozial- versicherungsrecht, 715 13 366 E. 5.5). Im vorliegenden Fall handelt es sich bei den beid en später eingereichten ärztlichen Attesten um nähere Aus führungen des behandelnden Arztes, welche auf den Ergebnissen der Konsultationen vom 12. Juli 2017 und 20. Juli 2017 bzw. dem ärztlichen Zeugnis vom 20. Juli 2017 beruhen, die zeitli ch vor der Kündigung vom 21. Juli 2017 erfolgten bzw. ausgestellt wurden. Somit ist die Vorau ssetzung der Echtzeitlichkeit der Arzt- zeugnisse vorliegend erfüllt. 6.4 Anders zu beurteilen ist hingegen die Frage, ob di e vorgelegten Arztzeugnisse genü- gend aussagekräftig sind und somit den inhaltlichen An forderungen an ein rechtsgenügliches ärztliches Attest erfüllen. Ein rechtsgenügliches Arztzeugni s als taugliche Entscheidgrundlage hat aus inhaltlicher Sicht einerseits eine Diagnose und andererseits eine aussagekräftige Erklä- rung zum Gesundheitszustand der versicherten Person zu ent halten (siehe E. 2.5 hiervor) und darf dabei nicht nur die subjektiven Aussagen des Patien ten wiedergeben (vgl. Urteil des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft vom 22. Januar 2014, Abte ilung Sozialversicherungsrecht, 715 13 69 E. 4.3). Der Beschwerdegegnerin ist insofern Recht zu geben, als dass die beigeleg- ten Arztzeugnisse vom 20. Juli 2017 und 16. August 2017 i nhaltlich nicht die hohen Anforde- rungen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu erfüllen vermögen, da beide Atteste jeweils eine volle Arbeitsunfähigkeit von einem Monat attestie ren (21. Juli 2017 bis 31. August 2017 und 1. September 2017 bis 30. September 2017) ohne d abei aber nähere Angaben über den Beginn und die Dauer der ärztlichen Behandlung sowie z um Gesundheitszustand des Versi- cherten zu machen. Auch dem Arztzeugnis vom 27. Oktober 201 7 kann nicht entnommen wer- den, welche medizinischen Diagnosen beim Versicherten g enau gestellt werden können und inwiefern durch sie seine Weiterarbeit bei der damalig en Arbeitgeberin beeinträchtigt gewesen war. Schliesslich erfüllt auch das vorliegend ausführlichst e ärztliche Zeugnis vom 8. März 2018 nicht die geforderten Voraussetzungen an ein rechtsgen ügliches ärztliches Attest, da dieses lediglich die Krankheitsgeschichte sowie die Schilderun gen des Patienten wiedergibt, ohne Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass Dr. C.____ dabei eine eigene vertiefte Beurteilun g zum Gesundheitszustand seines Pati- enten vornimmt oder eine Diagnose stellt, aufgrund we lcher er die Arbeitsunfähigkeit seines Patienten in der damaligen Arbeitsstelle attestiert. Z udem kann aus der vagen ärztlichen Aus- sage, wonach es „logisch sei, dass die Arbeit an der damaligen Arbeitsstelle nicht mehr möglich war“, nicht auf eine Unzumutbarkeit des Verbleibens am damaligen Arbeitsplatz geschlossen werden (vgl. Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vo m 9. Oktober 2015, Abteilung So- zialversicherungsrecht, 715 15 162 E. 6.1). Insgesamt erw eisen sich die Arztzeugnisse von Dr. C.____ als nicht eindeutig im Sinne der Rechtsprechung und seine Aussagen vermögen die Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz nicht rech tsgenüglich zu belegen. Nach dem Ausgeführten ist deshalb festzuhalten, dass die Beschwer degegnerin vorliegend zu Recht von einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinne von Ar t. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ausgegangen ist. 7.1 Es ist sodann zu prüfen, ob die Anzahl der Einstell tage korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung bemisst sich einzig nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Sie beträgt nach Art. 45 Abs. 2 AVIV 1 - 15 Tage bei leichtem Verschulden, 16 - 30 Tage bei mittelschwerem Verschulden und 31 - 6 0 Tage bei schwerem Verschulden. Innerhalb dieses Rahmens entscheidet die Arbeitslosenkasse nach pflichtgemässem Er- messen. Bei der Beurteilung dieses Ermessens im Einzelfall ist der vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) als Aufsichtsbehörde der Durchführungsor gane der ALV (AVIG-Praxis ALE vom Januar 2018) herausgegebene Einstellraster zu berücksich tigen, welcher die Gewährung einer möglichst einheitlichen Rechtsanwendung in den Ka ntonen zum Ziel hat. Der Raster ent- bindet aber die Durchführungsstellen der ALV nicht vo n einer konkreten Einzelfallprüfung, son- dern verpflichtet diese vielmehr dazu, von den Angaben d es Rasters abzuweichen, wenn Um- stände vorliegen, welche dies verlangen (N USSBAUMER, a.a.O., Rz. 862). Die Verwaltungswei- sungen sind für das Gericht grundsätzlich nicht verbindlich . Dieses soll sie bei seiner Entschei- dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulasse n. Das Gericht greift nur mit Zurückhaltung in das der Arbeitslosenkasse zustehende Ermess en ein. Es setzt nicht sein Er- messen anstelle desjenigen der Arbeitslosenkasse, solange diese von ihrem Ermessen pflicht- gemäss Gebrauch gemacht hat, also allen einschlägigen G esichtspunkten gebührend Rech- nung getragen hat. 7.2 Vorliegend hat die Kasse das Verhalten des Versichert en als schweres Verschulden qualifiziert, was eine Einstellungsdauer von 31 - 60 Tag en zur Folge hat. Die Beschwerdegeg- nerin setzte die Einstellung auf die bei selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit übliche Dauer von 36 Tagen fest. Bei der Festlegung der Dauer der Einstell ung hat sie zu Recht zu Gunsten des Be- schwerdeführers die geltend gemachten Gesundheitsbeschwe rden teilweise berücksichtigt so- wie anerkannt, dass der Versicherte aufgrund des Verhalte ns seines Arbeitgebers einen schwierigen Stand am Arbeitsplatz gehabt habe, was eine Kürzung der Einstelltage im Umfang von insgesamt zwölf Tagen rechtfertige. Insgesamt ist desh alb eine Einstellung in der An- spruchsberechtigung in der Höhe von 24 Tagen nicht zu beanstanden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Zusammengefasst kann der Beschwerdeführer nicht darle gen, dass ein zwingender Grund zur freiwilligen Stellenaufgabe vorgelegen hat. Gerade im Hinblick auf den strengen Massstab bei der Beurteilung der Zumutbarkeit zum Verbl eib an der bisherigen Stelle (vgl. E. 2.3 hiervor), erweisen sich seine Vorbringen als nicht ausreichend. Die Beschwerde- gegnerin hat sodann ihr Ermessen bei der Festlegung de r Einstelltage korrekt ausgeübt. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung ist demnach im Grundsatz nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozess ausgang entsprechend wettzuschla- gen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht