06/07 26 UV. Art. 4 ATSG. Unfallbegriff. Sportverl etzung. Fersenprellung wäh- rend des Hochsprungtrainings. Verneinung des Vorlie gens eines ungewöhnli- chen äusseren Faktors. Ein eigentlicher Misstritt i .S. eines programmwidrigen Bewegungsablaufs konnte in casu nicht rechtsgenügen d nachgewiesen wer- den. Obergericht, 02. Mai 2006, OG V 05 39 Aus den Erwägungen: 2. Gemäss Unfallmeldung UVG vom 14. Juni 2005 hat der Beschwerdeführer am 31. Mai 2005 als Turnlehrer während des Hochsprungtrainings plötzlich einen Schmerz im linken Fussgelenk verspürt. Im Arztzeugnis vom 22. Juni 20 05 des behandelnden Arztes, Dr. med. X, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, wurde zum Unf allhergang ein Misstritt beim Ab- sprung oder bei der Landung, jedenfalls eine Fersenprellung links und seither Schmerzen im Fuss links angegeben. In der Verwaltungsgerichtsbes chwerde vom 9. September 2005 ar- gumentiert der Beschwerdeführer wie in der Einsprache vom 2. August 2005, dass eine Prel- lung im Brockhaus-Lexikon definiert wird als durch eine stumpfe Gewalteinwirkung, z.B. Sturz, Schlag oder Aufprall, verursachte Verletzung mit Weichteilschwellung, weshalb ein solches Ereignis stattgefunden haben müsse. 3. Zwischen den Parteien ist streitig, ob das Erei gnis vom 31. Mai 2005 einen Unfall i.S.v. Art. 4 ATSG darstellt. Die Beschwerdegegneri n stellt sich im Einspracheentscheid vom 16. August 2005 auf den Standpunkt, dass die Verlet zung nicht durch einen Unfall entstand und sie somit auch nicht leistungspflichtig sei. De nn das für einen Unfall i.S.v. Art. 4 ATSG notwendige Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors sei nicht erfüllt. a) Mit dem Unfallbegriff von Art. 4 ATSG wurde in bewusster Fortführung des bisherigen Unfallbegriffes eine für alle Sozialversicherungszweige massgebende, einheitliche Definition geschaffen. Die bisherige Rechtsprechung zu Art. 6 Abs. 1 UVG und Art. 9 Abs. 1 UVV behält damit weiterhin ihre Massgeblichkeit (Ue li Kieser, ATSG-Kommentar, Zürich 2003, Art. 4 Rz. 5). b) Als Unfall nach Art. 4 ATSG gilt die plötzlich e, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors au f den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Ge sundheit oder den Tod zur Folge hat. Die vier Merkmale und die Folge müssen kumulativ er füllt sein. Wenn sie mit dem im Sozial- versicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen sind, wird der Unfallversicherer leistungspf lichtig. Bestritten ist vorliegend nur das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors. 4. a) Ein Unfall liegt nur vor, wenn ein äusserer Faktor auf den Körper wirkt. Auch eine Körperbewegung mit der damit verbundenen norma len Belastung kann gesundheitliche Störungen bewirken. Dabei gilt, dass das Erforderni s der äusseren Einwirkung lediglich er- füllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter U mstand den natürlichen Ablauf einer Kör- perbewegung gleichsam programmwidrig beeinflusst ha t. Der äussere Faktor, der auf den Körper einwirkt, muss zudem ungewöhnlich sein. Das Ereignis soll den Rahmen des Alltägli- chen überschreiten. Ein banaler Vorfall genügt nich t. Es wird eine Auswahl unter den unge- zählten äusseren Einflüssen getroffen, die stets auf den menschlichen Körper einwirken. Nur solche sind unfallmässig, welche sich durch eine ge wisse Sinnfälligkeit hervorheben (Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2 . Aufl., Bern 1989, S. 165 ff.). Unge- wöhnlich ist aber nicht die Wirkung des betreffende n Faktors, also nicht die Verletzung, son- dern der Faktor selbst (Ueli Kieser, a.a.O., Art. 4 Rz. 17). b) Nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtspre chung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoor dinierten Bewegung bestehen. Der äussere Faktor, nämlich die Veränderung zwischen Kö rper und Aussenwelt, ist wegen der Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Fakt or (BGE 130 V 117 E. 2.1; BGE U 322/02 vom 07.10.2003, E. 2.2; RKUV 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4c). c) Bei einer Sportverletzung ist ohne besonderes Vorkommnis das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfa lls zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2; BGE U 322/02 vom 07.10.2003, E. 4.3). Bei spor tlichen Tätigkeiten ist ein Unfall im Rechtssinne dann anzunehmen, wenn die sportliche Üb ung anders verläuft als geplant. Wenn sich hingegen das in einer sportlichen Übung i nhärente Risiko einer Verletzung ver- wirklicht, liegt kein derartiges Unfallereignis vor . Ein solches ist auch dann zu verneinen, wenn die Übung zwar nicht ideal verläuft, die Art d er Ausführung sich aber noch im Bereich des Üblichen bewegt (BGE U 322/02 vom 07.10.2003, E. 4.4). 5. Der Beschwerdeführer macht in seiner Verwaltung sgerichtsbeschwerde geltend, die Fersenprellung sei durch einen Misstritt entstanden . Diese Planwidrigkeit würde als unge- wöhnlicher äusserer Faktor gelten, womit das Vorlie gen eines Unfalles zu bejahen sei. Aller- dings konnte der Beschwerdeführer eine solche Planw idrigkeit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen: a) Das vom Beschwerdeführer in der Beschwerde zit ierte Arztzeugnis vom 22. Juni 2005 vermag einen solchen Misstritt nicht zu belegen. Aus der Ungewissheit von Dr. X, ob sich der Misstritt beim Absprung oder bei der Landung ereignete, lässt sich erkennen, dass er nachträglich von der Verletzung auf den Mis stritt geschlossen hat. Auch in der Un- fallmeldung UVG vom 14. Juni 2005 ist nur ein plötz licher Schmerz im linken Fussgelenk erwähnt. Im Schreiben des Beschwerdeführers vom 17. Juni 2005 wird ebenso nur das Ver- spüren eines starken Schmerzes im linken Sprunggele nk festgehalten, nicht aber ein Miss- tritt. Der Beschwerdeführer verneinte in diesem Sch reiben auch die Frage, ob etwas Unge- wöhnliches passiert sei. Zuletzt geht auch aus der Formulierung der Einsprache vom 2. Au- gust 2005 hervor, dass der Beschwerdeführer im Nach hinein vom verspürten Schmerz auf den Misstritt geschlossen hat: „Beim Vorzeigen eine r Hochsprungtechnik wurde nach der Landung ein heftiger Schmerz verspürt. Dieser muss aufgrund eines Misstrittes beim Ab- sprung oder der Landung hervorgerufen worden sein“. b) Der Beschwerdeführer argumentiert in der Verwa ltungsgerichtsbeschwerde vom 9. September 2005, dass eine Prellung definitio nsgemäss nur durch eine stumpfe Ge- walteinwirkung entstehen könne und deswegen ein Mis stritt stattgefunden haben müsse. Zwar ist der Feststellung, dass eine stumpfe Gewalt einwirkung Ursache der Prellung gewe- sen sein muss, beizupflichten (vgl. Kontusion, in P schyrembel, Klinisches Wörterbuch, 259. Aufl., Berlin 2002, S. 893). Es kann daraus aber ni cht auf einen Misstritt geschlossen wer- den. Es kann lediglich angenommen werden, dass beim Ablauf der Übung (irgendwie) zuviel Druck auf den linken Fuss gewirkt hat. Das kann auc h allein aus einer schlechten Abfede- rung beim Absprung oder der Landung folgen. c) Die Verletzung des linken Fusses lässt zwar da rauf schliessen, dass das Vor- zeigen der Hochsprungübung durch den Beschwerdeführ er nicht ideal verlaufen ist. Ein ei- gentlicher Misstritt i.S. eines programmwidrigen Be wegungsablaufs ist aber nicht rechtsge- nügend nachgewiesen. Es ist darum davon auszugehen, dass die Ausführung sich noch im Bereich des Normalen bewegte. Es geschah keine rele vante Planwidrigkeit; vielmehr hat sich das dieser sportlichen Übung inhärente Risiko verwirklicht. Eine relevante Planwidrigkeit läge erst vor, wenn der Beschwerdeführer z.B. nachw eisbar gestürzt oder ausgeglitten wäre oder eben nachweisbar einen Misstritt getan hätte. Demnach ist mangels eines ungewöhnli- chen äusseren Faktors beim Vorzeigen der Hochsprung übung am 31. Mai 2005 kein Unfall i.S.v. Art. 4 ATSG geschehen. Die Beschwerdegegneri n muss dem Beschwerdeführer folg- lich keine Leistungen erbringen. d) Ohne Bedeutung ist, dass die Verletzung selbst , d.h. die Fersenprellung, bei einer Hochsprungübung wohl eher ungewöhnlich ist. J edenfalls muss man bei einer Hoch- sprungübung nicht ohne weiteres mit dieser Verletzung rechnen. Denn die Verletzung ist nur die Wirkung eines (allfälligen, hier nicht erstellt en) äusseren Faktors, der eben selbst unge- wöhnlich sein muss.