Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Juni 2013 (720 13 56 / 129) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Hilfsmittel Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber i.V. Da niel Schaffner Parteien A.____ , vertreten durch Stephan Müller, Advokat, c/o Procap Schweizerischer Invaliden-Verband, Froburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Hilfsmittel A. Mit dem der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) am 3. April 2012 zugegange- nen Schreiben meldete sich die 1960 geborene A.____ zum Leistungsbezug an. Sie ersuchte um Übernahme der Kosten für orthopädische Massschuhe, wel che gemäss Kostenvoranschlag vom 31. März 2012 seitens B.____, C.____ in D.____, au f Fr. 3'948.35 veranschlagt wurden. Die Versicherte hat die betreffenden Schuhe mittlerweile bereits anfertigen lassen. Nach durch- geführtem Vorbescheidverfahren wies die IV-Stelle Base l-Landschaft (IV-Stelle) dieses Leis- tungsbegehren mit Verfügung vom 21. Januar 2013 ab. S ie hielt dabei an ihrem Vorbescheid vom 19. Juni 2012 fest, in welchem sie vertreten hatte, dass die Versicherte weder orthopädi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sche Massschuhe noch orthopädische Serienschuhe benötige. Di e IV-Stelle stützte sich dafür auf bei Dr. med. E.____, orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, F.____, eingeholte Berichte (vom 19. April 2012, 13. Juni 2012, 12. November 2012 und 7. Januar 2013), gemäss welchen eine Versorgung der Ver sicherten mit Massschuhen nicht erforderlich sei. B. Gegen die Verfügung vom 21. Januar 2013 erhob die Versicherte, vertreten durch Ad- vokat Stephan Müller, procap Olten, am 22. Februar 20 13 Beschwerde an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan tonsgericht). Sie beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und – sinngemäss – die IV-Stelle zur Kostenüber- nahme der betreffenden Massschuhe zu verpflichten; eventua liter sei die Angelegenheit zur Durchführung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegeg nerin zurückzuweisen. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen hätten jeweils zu Lasten der Beschwerdegegnerin zu gehen. Die Versicherte berief sich darauf, dass die Notwendigkeit einer Massschuhversorgung bei ihr zwei- fach fachärztlich festgestellt worden sei. So verwies sie a uf einen Bericht der Dres. med. G.____, orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, und H.____, beide I.____, vom 1. November 2012 sowie die Einschätzung von Dr. med. J.____(vgl. Stellungnahme vom 6. Februar 201 3 sowie Bericht vom 21. März 2012), orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegun gsapparates, seinerseits behandeln- der Orthopäde der Versicherten, welcher dieser die in Frage stehenden Massschuhe verordnet hatte. Überdies berief sich die Versicherte auf zwei Ste llungnahmen (vom 5. Februar 2013 und vom 20. August 2012) ihres Othopädieschuhmachers, B.___ _. Moniert wurde in der Beschwer- de überdies, der F.____-Gutachter, Dr. E.____, habe die Versicherte – anders als die Dres. G.____, H.____ und J.____ sowie B.____ – nie per sönlich untersucht, sondern sei einzig aufgrund von Arztberichten und einer Fotodokumentation zu seiner Einschätzung gelangt. C. Die IV-Stelle nahm mit Eingabe vom 6. März 2013 S tellung zu der vorgenannten Be- schwerde, wobei sie deren Abweisung beantragte. Dabei hielt sie, unter erneuter Berufung auf die Bewertung durch Dr. E.____, daran fest, dass die No twendigkeit einer Massschuhversor- gung im Fall der Beschwerdeführerin nicht ausgewiesen s ei. Die Untersuchung der Beschwer- deführerin durch Dr. E.____ anhand von Arztberichten un d Fotografien, sei dabei im Übrigen, anders als in der Beschwerde vorgebracht, nicht zu beanstanden. D. Nachdem die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 6. März 2013 ergänzend zu ihrer Beschwerde einen weiteren Bericht von Dr. G.____ vom 1 2. Februar 2013 eingereicht hatte, liess sich die IV-Stelle am 13. März 2013 ein zweites Mal vernehmen. Ihr Antrag lautete dabei wiederum auf Beschwerdeabweisung. Das neue ärztliche Do kument könne insgesamt keine andere Beurteilung des medizinischen Sachverhalts begründen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetz es über den Allgemeinen Teil des So- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann g egen Verfügungen und Einspra- cheentscheide der IV-Stelle beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle innert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Zur Beurteilung der Beschwerde sachlich zuständig ist im Kanton Basel-Landschaft, gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 das Kanto nsgericht, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht. Auf die beim zuständigen Gericht form- u nd fristgerecht eingereichte Be- schwerde der Versicherten vom 22. Februar 2013 kann somit eingetreten werden. 2. Gemäss § 55 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.--. Der Streitwert beträgt hier Fr. 3'948.35 (vgl. Kostenvoranschlag von B.____, C.____ in D.____, vom 31. März 2012), wes- halb die vorliegende Angelegenheit präsidial entschieden wird. 3.1 Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versi cherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 lit. d IVG Anspruch auf die Abga be von Hilfsmitteln. Dieser Anspruch bezieht sich gemäss Art. 21 Abs. 1 IVG auf jene Hilfsmitt el, deren sie für die Ausübung der Er- werbstätigkeit oder der Tätigkeit in ihrem Aufgabenbe reich, für die Schulung, die Ausbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedürfen. Unabhängig von einer allfälligen Erwerbstätigkeit hat die versicherte Person gemäss Art. 2 1 Abs. 2 IVG zudem Anspruch auf Hilfsmittel, welcher sie infolge ihrer Invalidität fü r die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kost spieliger Geräte bedarf. In Art. 14 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 hat der Bundesrat die ihm in Art. 21 Abs. 4 IVG übertragene Kompetenz zur R egelung der Voraussetzungen für die Abgabe von Hilfsmitteln dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) überlassen. Die- ses hat gestützt auf diese Subdelegation die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) vom 29. November 1976 mit der im Anhang aufgeführten Hilfsmittelliste erlassen. Gemäss Art. 2 Abs. 1 HVI beste ht im Rahmen der im Anhang der HVI aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit d iese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge notwendig sind. 3.2. Die Beurteilung des vorliegend strittigen Gesuch s hat nach den Kriterien, wie sie im seit dem 1. Januar 2013 gültigen Kreisschreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (KHMI) umschrieben sind, zu erfolgen. In Ziffer 4 KHMI ist die Abgabe von orthopädischem Sc huhwerk und Fussbettungen geregelt. Darunter fallen die Abgabe von orthopädischen Massschuhen sowie orthopädischen Serien- schuhen, jeweils einschliesslich der Fertigungskosten (Ziffe r 4.01), orthopädische Änderun- gen/Schuhzurichtungen an Konfektionsschuhen oder orthop ädischen Spezialschuhen (Zif- fer 4.02), orthopädische Spezialschuhe (Ziffer 4.03), der invaliditätsbedingte Mehrverbrauch von Konfektionsschuhen (Ziffer 4.04) sowie orthopädische Fuss einlagen (Ziffer 4.05). In Randzif- fer 2017 (Ziffer 4) KHMI wird ergänzend festgehalten, dass Schuhwerk nur auf ärztliche Verord- nung hin abgegeben werden könne. Die Rechtsprechung ha t die Anspruchsvoraussetzungen dahingehend präzisiert, als eine versicherte Person in de r Regel nur Anspruch hat auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. D as Gesetz will die Eingliederung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht lediglich so weit sicherstellen, als dies im Einzelfall n otwendig, aber auch genügend ist (BGE 124 V 110 E. 2a, 121 V 260 E. 2c, jeweils mit Hinweisen). 4.1 Ob es sich bei der vorliegend in Frage stehenden Ma ssschuhversorgung um eine not- wendige Massnahme handelt, ist unter Würdigung der ins Recht gelegten medizinischen Unter- lagen zu entscheiden. 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem im Sozialversicherungspro- zess geltenden Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von ihrer Provenienz, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung de s streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Widersprechen sich medizinische Berichte, darf da s Gericht den Prozess nicht erledi- gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und d ie Gründe anzugeben, weshalb es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswer- tes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der D arlegung der medizinischen Zusam- menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Sit uation einleuchtet und ob die Schluss- folgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3.1 In der Folge werden die Unterlagen, welche fü r die Beurteilung der Notwendigkeit der in Frage stehenden Massschuhversorgung der Beschwerdeführerin massgeblich sind, zusam- mengefasst: 4.3.2 Dr. J.____ diagnostiziert in einem Schreiben an die zuweisende Ärztin vom 21. März 2012 wie folgt: Schwere OSG-Arthrose rechts mit fast vo llständiger Onkolyse, beginnende OSG-Arthrose links, beginnende Gonarthrose rechts, Sklerodermie, rheumatoide Arthritis sowie Status nach Schulteroperation rechts vor mehreren Jahren . Nach Dr. J.____ präsentiere sich die Anpassung eines Massschuhs als sinnvollste der zur Verfüg ung stehenden Optionen. Eine ebenso in Frage kommende OSG-Arthrodese liesse den Masssch uh nicht überflüssig werden und es bestehe hier, wie bei jeder operativen Therapi e bei der Beschwerdeführerin, das Risiko eines erneuten Auftretens des Morbus Sudeck. Auch einer O SG-Prothese sei mit Skepsis zu begegnen in Anbetracht des komplexen Krankheitsverlaufs. 4.3.3 Der F.____-Arzt, Dr. E.____, diagnostiziert bei der Beschwerdeführerin eine schmerz- hafte fortgeschrittene Arthrose des rechten oberen S prunggelenks (vgl. den Bericht vom 19. April 2012), hält dabei jedoch im Bericht vom 13. Juni 2012 eine Versorgung der Beschwerde- führerin mit den beantragten orthopädischen Massschuhen für weder nachvollziehbar noch er- forderlich. Er begründet dies damit, dass die von ihm a usgewertete Bilddokumentation keine wesentlichen Deformitäten an den Füssen der Beschwerdefü hrerin zeige. Das bei ihr verfolgte Ziel einer externen Immobilisierung des rechten oberen Sprunggelenks und einer zusätzlichen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abrollhilfe am Schuh könne adäquat mit einem Stabilsch uh erreicht werden (vgl. den Bericht vom 19. April 2012). In seinem Bericht vom 4. März 2013 führt Dr. E.____ im Hinblick auf den Umfang seiner Untersuchung der Beschwerdeführerin sodan n insbesondere aus, dass ihm die Fotodokumentation sowie die Trittspur, wie gesichtet, sowohl eine Einschätzung hinsichtlich einer etwaigen Fussdeformation bei der Beschwerdeführe rin ermöglicht hätten als auch eine Beurteilung von deren Hautverhältnissen im Fussbereich. 4.3.4 In seiner Stellungnahme vom 20. August 2012 wid erspricht B.____, der orthopädische Schuhmacher, welcher die in Frage stehenden Schuhe der Beschwerdeführerin angefertigt hat, der IV-Stelle insofern, als diese bereits in ihrem Vo rbescheid vertreten hat, es genügten vorlie- gend orthopädisch geänderte Spezialschuhe. Bei der Besc hwerdeführerin sei im Sprungge- lenksbereich eine Deformation mit Druckdolenz zu versorgen, welche das Mass konfektionierter Spezialschuhe übersteige. Eine Ruhigstellung der OSG-Bew eglichkeit durch konfektionierte und angepasste Spezialschuhe wäre, so B.____, nicht sinnv oll und würde zu Druckstellen an den Malleolen führen. Mit Schreiben vom 5. Februar 2 013 hält der orthopädische Schuhmacher erneut fest, dass durch die degenerativen Veränderungen im Sprunggelenk und in den Weich- teilen eine Versorgung mit orthopädischen Massschuhen das für die Beschwerdeführerin ange- zeigte Hilfsmittel darstelle. Nur durch Massschuhe lasse sich adäquat auf die sich bei der Be- schwerdeführerin stellende Passformproblematik, die Prob lematik der Stabilisierung wie auch die Problematik der Dämpfung und Stützung reagieren. Zudem müssten die verschiedenen Massnahmen aufeinander abgestimmt werden, was bei einer Massanfertigung möglich sei. 4.3.5 Mit Bericht vom 1. November 2012 diagnostizieren die Dres. G.____ und H.____ nach persönlicher Konsultation durch die Beschwerdeführerin bei dieser eine beidseitige fortgeschrit- tene OSG-Arthrose, Arthrosen in den kleinen Zehengelen ken bei rheumatoider Arthritis und Sklerodermie und Polyarthrose sowie einen durchgemachten Morbus Sudeck. Konstatiert wird hinsichtlich der Füsse der Beschwerdeführerin eine leichte Varusstellung beidseits. Die Haut- verhältnisse werden, bei bekannter Sklerodermie, als ausgedünnt bezeichnet, wobei momentan keine offenen Stellen bestünden. Bei der Beschwerdefüh rerin sei, so wird ausgeführt, von ei- nem Hochrisiko für ein operatives Prozedere auszugehen. Aufgrund der heiklen Hautverhältnis- se bei bekannter Sklerodermie sei eine Weiterführung d er bereits begonnenen Therapie mit orthopädischen Massschuhen dringend indiziert. In ihrem B ericht vom 12. Februar 2013 bestä- tigt Dr. G.____ ihre damalige, gemeinsam mit Dr. H._ ___ geäusserte Einschätzung. Sie führt aus, die deutliche Fragilität der Haut in der Fussregio n der Beschwerdeführerin müsse bei der Frage der Schuhversorgung berücksichtigt werden. Zudem h abe, so führt Dr. G.____ aus, die Beschwerdeführerin auf Veranlassung von Dr. J.____ bereits einen Versuch mit orthopädischen Spezialschuhen unternommen (Künzli-Schuh), welcher klar g escheitert sei, da diese der Be- schwerdeführerin zu wenig Halt gegeben hätten. Der Ha lt sei jedoch gerade bei kompromittier- ten Hautverhältnissen wichtig, um Scherkräfte im Schuh zu minimieren und damit potenziell schwerwiegenden Ulzerationen vorzubeugen. Eine Massschuhverso rgung sei bei der Be- schwerdeführerin deswegen gerechtfertigt, da eine solche auf die diffizilen Hautverhältnisse, die varische Rückfussachse und die eingeschränkte Beweglichkeit am besten eingehen könne. Bei der Beschwerdeführerin bestünden relevante Komorbidit äten, aufgrund welcher sich eine ope- rative Intervention zur Korrektur der Fussdeformität / Arthrose sehr risikoreich gestalten würde. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Es müsse alles vorgekehrt werden, um die Gehfähigkeit d er Beschwerdeführerin möglichst lan- ge mittels konservativer Massnahmen zu erhalten und eine Operation hinauszuzögern resp. zu verhindern. Deswegen gelangt Dr. G.____ zum Schluss, dass eine Massschuhverordnung vor- liegend eine verhältnismässige Lösung darstelle. Die er haltene und gegenüber dem Künzli- Schuh verbesserte Gehfähigkeit in den nunmehr bereits a ngefertigten Massschuhen bestätige dies. 4.4.1 Strittig und zu prüfen ist im vorliegenden Fal l, ob die IV-Stelle bei dieser Aktenlage zu Recht unter Verweis auf die Einschätzung des F.____-Arzte s, Dr. E.____, die Notwendigkeit einer Massschuhversorgung der Beschwerdeführerin verneint und deren Leistungsbegehren dementsprechend abgewiesen hat. Nicht der Fall wäre d ies, wenn die von der Beschwerdefüh- rerin ins Recht gelegten medizinischen Unterlagen als üb erzeugendere Grundlage für den zu treffenden Entscheid erscheinen als der Bericht von Dr. E.____. 4.4.2 Entscheidender Faktor für die Beurteilung der N otwendigkeit einer Massschuhversor- gung bildet hier die Frage, ob auch durch ein anderes , weniger kostenintensives Hilfsmittel in adäquater Weise auf die Leiden der Beschwerdeführeri n eingegangen werden kann. Auszuge- hen ist vom allseitig unbestrittenen momentanen therap eutischen Ziel einer Sprunggelenkssta- bilisierung durch einen entsprechend geeigneten Schuh. Die Berichte G.____ / H.____ sowie G.____ präsentiere n eine schlüssige und nachvollziehbare Argumentation, wenn sie vorbringen, dass zur Erreichung d es therapeutischen Ziels bei der Beschwerdeführerin nur ein Massschuh in Frage komme, weil bloss ein solcher infolge vorhan- dener Deformitäten im Fussbereich und dort heikler Hautverhältnisse für die notwendige Stabili- sierung sorgen könne, ohne dabei jedoch zu Druckstellen, und letztlich Ulzerationen, zu führen. Aus Sicht der technischen Machbarkeit wird diese Einschätzung durch den orthopädischen Schuhmacher, B.____, bestätigt, dessen Bewertung im Üb rigen – anders als dies der F.____- Arzt in seinem Bericht vom 4. März 2013 vorzubringen schei nt – für die hier zu treffende Ent- scheidung durchaus Rechnung zu tragen ist, was spezifisch ha ndwerkliche Fragen der Schuh- herstellung und Schuhanpassung anbelangt. Der orthopä dische Schuhmacher bestätigt in schlüssiger Manier, dass eine Lösung, welche der spezifischen K onstellation in der Fussregion der Beschwerdeführerin in ausreichendem Masse Rechnung t rägt, die Grenzen des im Zu- sammenhang mit konfektionierten Spezialschuhen Gangbare n übersteigt, woraus sich wieder- um die Notwendigkeit einer Massschuhversorgung ableiten lässt. Dabei ist im Übrigen, wie dies Dr. G.____ ausführt, auch in Rechnung zu stellen, dass d ie Beschwerdeführerin erstelltermas- sen in der Vergangenheit bereits einmal einen Versuch m it einem Künzli-Schuh – welcher wie- derum durch Dr. E.____ als sinnvolle Option befunden wird – unternahm, damit jedoch scheiter- te. Auch gemäss Dr. E.____ stellen das Vorhandensein von D eformitäten im Fussbereich und die Hautverhältnisse für die hier vorzunehmende Notwendigke itseinschätzung zu berücksichtigen- de Aspekte dar. Seines Erachtens lägen diesbezüglich jed och bei der Beschwerdeführerin kei- ne Probleme vor. Daraus ergibt sich für Dr. E.____, dass bei der Beschwerdeführerin keine Not- wendigkeit einer Massschuhversorgung bestehe. Dr. E.____ kom mt jedoch, anders als die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dres. G.____ und H.____ wie auch B.____, nicht durch ei ne persönliche Untersuchung der Be- schwerdeführerin zu diesem Schluss, sondern aufgrund von F otografien ihrer Füsse sowie ei- ner Trittspur. Ein solches Vorgehen ist jedoch gerade im vorliegenden Fall nicht mit einer per- sönlichen Untersuchung vergleichbar. Ob ein Schuh passt od er nicht, entscheidet sich auch ohne pathologische Veränderungen der Füsse nach allgeme iner Lebenserfahrung in der Regel anhand kleinster Masseinheiten. Im vorliegenden Fall kann es nicht anders liegen: Ob bei der Beschwerdeführerin relevante Deformitäten vorliegen, w elche eine Massschuhversorgung not- wendig machen, kann verlässlich nur anhand einer direkten Untersuchung resp. Sichtung von deren Füssen eruiert werden, wie sie vorliegend durch die Dres. G.____ und H.____ und B.____ durchgeführt wurde. Deren diesbezügliche Einsch ätzungen sind deswegen als zuver- lässiger zu qualifizieren als die Einschätzungen von Dr. E.____. Nichts anderes gilt für die Ein- schätzung der Hautverhältnisse der Beschwerdeführerin im Fussbereich. Wie sensibel die Haut der Beschwerdeführerin ist und welches Mass an Druck im no ch problemlosen Bereich liegt, kann fundiert nur durch einen Palpationsbefund eruiert werden, welcher durch Dr. E.____ eben gerade nicht durchgeführt wurde. Zu beachten ist des Weiteren, dass das insgesamt aufgrund der Berichte der Dres. G.____ und H.____ und des orthopädischen Schuhmachers schlüssig motivi erte und hinreichend diagnosti- zierte Vorgehen über einen Massschuh durch Dr. J.____ sein erseits in differenzierter Weise weiteren Therapieoptionen gegenübergestellt wird. Dabei kommt Dr. J.____ auch unter diesem Blickwinkel zu der Empfehlung einer Massschuhversorgung. Als besonders einleuchtend er- scheint dabei das Fernziel, bei der Beschwerdeführerin au fgrund der drohenden Risiken eine Operation im Fussbereich zu verhindern, was im Übrigen auch durch Dr. G.____ geteilt wird. Gesamthaft erweisen sich somit die für die Notwendigkei t einer Massschuhversorgung der Be- schwerdeführerin votierenden medizinischen Unterlagen als überzeugender als die durch die IV-Stelle beigebrachte F.____-Argumentation, welche sich gegen die Notwendigkeit ausspricht. 5. Auch aus den beiden Stellungnahmen der IV-Stelle ergeben sich sodann keine Argu- mente dafür, dass die Empfehlungen der Dres. G.____, H .____ und J.____ sowie des orthopä- dischen Schuhmachers, B.____, in Zweifel zu ziehen wären. So wird von Seiten der IV-Stelle hinsichtlich der Beri chte G.____ / H.____ sowie G.____ na- mentlich moniert, der erstgenannte Bericht vom 1. Nove mber 2012 enthalte nur einen rudimen- tären klinischen Befund und keine Angaben zu Art und Aus führung der erforderlichen Schuhe. In ihrem Bericht vom 12. Februar 2013 wiederum nehme Dr. G.____ nicht Bezug auf die Aus- führungen von Dr. J.____ und thematisiere auch nicht, w eshalb der erwähnte Versuch der Be- schwerdeführerin mit einem Künzli-Schuh gescheitert sei. Diesen Einwänden kann jedoch nicht gefolgt werden. Was zunächst die Rüge eines zu kursorischen Befundes im Bericht vom 1. No- vember 2012 anbelangt, so ist zu beachten, dass dieser sehr wohl die beiden Aspekte erwähnt, welche von der Beschwerdeführerin vorliegend als für de ren Versorgung mit Massschuhen sprechend angeführt werden, nämlich die Deformations- u nd die Hautproblematik. Im Übrigen spricht nichts dagegen, die Berichte G.____ / H.____ un d G.____ infolge der Partizipation der- selben stellvertretenden Oberärztin als einen einzigen B ericht zu werten, womit die Rüge, der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht erste Bericht sei zu rudimentär, ohnehin entfällt. Zu beachten ist des Weiteren hinsichtlich der gerügten mangelhaften Spezifikation des verordneten Ma ssschuhs, dass Dr. G.____ in ihrem Bericht vom 12. Februar 2013 auf die deutlich verbessert e Gehfähigkeit der Beschwerdeführe- rin in den nunmehr angefertigten Massschuhen verweist, wo raus hervorgeht, dass es dieses Modell ist, welches sie im vorliegenden Fall für angezeig t erachtet. Was sodann den Einwand des fehlenden Bezugs auf Dr. J.____ durch Dr. G.____ in ihrem Bericht vom 12. Februar 2013 anbelangt, so ist zu beachten, dass die Berichterstatteri n durchaus auf die Einschätzung von Dr. J.____ eingeht. Insbesondere hält sie fest, der Ber icht G.____ / H.____ vom 1. November 2012 enthalte keine über die Resultate von Dr. J.____ hinausgehenden medizinischen Aspekte. Damit bringt Dr. G.____ zum Ausdruck, dass sie sich hier D r. J.____ anschliesst, was als aus- reichender Bezug auf dessen vorgängig erfolgte Einschätz ung zu werten ist. Der Einwand so- dann, dass das Scheitern des Versuchs der Beschwerdeführer in mit einem Künzli-Schuh zu wenig fundiert begründet worden sei, vermag ebenso wenig zu überzeugen, wird doch durch Dr. G.____ nicht etwa bloss gesagt, dass besagter Schuh der Beschwerdeführerin zu wenig Halt vermittelt habe, sondern darüber hinaus auch noch erklärt, weshalb solcher für sie von ge- steigerter Wichtigkeit ist. Nicht zu hören ist die IV-Stelle auch mit ihrer Rüge, Dr. J.____ sei in einem Telefongespräch mit Dr. E.____ von seiner ursprünglichen Einschätzung h insichtlich der Notwendigkeit von Massschuhen abgewichen, wofür eine durch Dr. E.____ erste llte Gesprächsnotiz (vom 10. Au- gust 2012) ins Recht gelegt wird. Denn tatsächlich erge ben sich die bei den beiden Gesprächs- partnern bestehenden Differenzen in der Beurteilung einer Massschuhversorgung der Be- schwerdeführerin auch aus der Telefonnotiz; in dieser komm t nicht etwa eindeutig zum Aus- druck, dass Dr. J.____ seine Einschätzung, dass bei der Besch werdeführerin eine Massschuh- versorgung notwendig ist, vollständig aufgegeben hätte. Auch wenn man im Übrigen in den rapportierten Aussagen von Dr. J.____ einen Widerruf s einer früher geäusserten Einschätzun- gen sehen wollte, so änderte dies nichts an den in überze ugender Manier für eine Massschuh- versorgung votierenden Berichten G.____ / H.____ sowie G.____. 6. Zusammenfassend hat die IV-Stelle zu Unrecht verneint , dass es sich bei der Versor- gung der Beschwerdeführerin mit orthopädischen Massschuhen um eine dem Eingliederungs- zweck angemessene, notwendige Massnahme handelt. Der Beschw erdeführerin sind die Kos- ten für die Massschuhe folglich durch die IV zu vergüten. D ie vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 7.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin obsiegende und die IV-Stelle unterliegende Partei. 7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 300.-- zurückzuerstatten. 7.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin hat in seiner Honorarnote vom 15. April 2013 f ür das vorliegende Verfahren einen Zeitauf- wand von acht Stunden geltend gemacht, was sich umfangmä ssig in Anbetracht der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erw eist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschni ttliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 109.--. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'277.70 (8 Stunden à Fr. 250.-- + Aus- lagen von Fr. 109.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und es wird fe stgestellt, dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf die Kostenübernahme ei ner Versor- gung mit orthopädischen Massschuhen hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss i n der Höhe von Fr. 300.-- zurückzuerstatten. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2'277.70 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht