B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-128/2011 U r t e i l v o m 3 1 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Andreas Trommer, Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa-Haake. Parteien A._______, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Verweigerung der Einreisebewilligung. C-128/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. B._______, geboren 1955, und seine Tochter C._______, geboren 1990, sind Staatsangehörige von Sri Lanka. Am 16. Juni 2010 beantragten sie bei der Schweizerischen Vertretung in Colombo die Erteilung von Schen- gen-Visa für einen dreimonatigen Familienbesuch in der Schweiz und nannten als Hauptzweck ihrer Reise die Feier des fünften Hochzeitstages ihrer Gastgeberin A._______. Die Botschaft wies die beiden Anträge am 18. Juni 2010 ab mit der Begründung, dass die Absicht der Gesuchste l- lenden, den Schengen-Raum vor Ablauf des Visums wieder verlassen zu wollen, nicht festzustellen sei. B. Die dagegen erhobene Einsprache von A._______ wies das BFM – nach kantonalen Abklärungen – mit Verfügung vom 8. Dezember 2010 ab. Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, die Gesuchstel- lenden lebten in einer Region, aus welcher als Folge der dort herrsche n- den Verhältnisse ein nach wie vor starker Zuwanderungsdruck bestehe. Den Gesuchsunterlagen sei zwar zu entnehmen, dass B._______ verhei- ratet und erwerbstätig sei; demgegenüber sei C._______ ohne Verpflich- tungen, jung, ledig und noch Schülerin, womit das Risiko ihrer nicht a n- standslosen Wiederausreise nicht gering erscheine. C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 7. Januar 2011 beantragt A._______ sinn- gemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügun g sowie d ie Erte i- lung der von ihren sri -lankischen Gästen beantragten Einreisevisa. Unter anderem macht sie geltend, der Gesuchsteller habe in Sri Lanka eine g u- te und sichere Anstellung, lasse dort auch seine Ehefrau und eine andere Tochter zurück, weshalb er nach dem geplanten B esuchsaufenthalt wie- der nach Sri Lanka zurückkehren werde. Die dortigen familiären Bindun- gen seien auch für die Gesuchstellerin Grund zur Rückkehr. Zudem wolle sie ihre "Schulbildung auf Tamilisch fertig machen". Für die beiden Gäste komme eine Auswanderung nicht in Betracht, weil sie in Sri Lanka nicht nur ein schönes Haus besässen, sondern alles hätten, was sie liebten und bräuchten. In ihrer heimatlichen Kultur sei es auch so, dass man lä n- gere Zeit mit Eltern und Geschwistern zusa mmenlebe, weshalb für Vater und Tochter eine Trennung von der übrigen Familie nicht in Frage k om- me. Deren anstandslose und fristgerechte Wiederausreise sei demzufo l- ge als gesichert zu betrachten. C-128/2011 Seite 3 D. In ihrer Vernehmlassung vom 15. März 2011 beantragt die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. Sie führt insbesondere aus, dass der angeb- lich für sri -lankische Verhältnisse gute Lebensstandard der Gesuchstel- lenden nicht nachgewiesen sei. Den Unterlagen zufolge verfüge B._______ nur über ein sehr geringes Einkommen und habe auch keine aussergewöhnlichen Erspar nisse. Belege für dessen behaupteten Grundbesitz seien nicht eingereicht worden. Abgesehen von der persönli- chen Situation sei zu berücksichtigen, dass die wirtschaftlich motivierte Emigration von sri -lankischen Staatsangehörigen zugenommen habe, müssten diese doch häufig trotz angespannter Arbeitsmarktlage den U n- terhalt von Grossfamilien sicherstellen. Dies führe in der Schweiz nicht selten dazu, dass nach besuchshalber erfolgter Einreise versucht werde, den hiesigen Aufenthalt auf eine andere rechtliche Basis zu stellen. E. Mit darauffolgender Eingabe vom 29. April 20 11 übersendet die B e- schwerdeführerin Unterlagen, die den Grundbesitz ihres Gastes be legen sollen. Weiterhin beteuert sie, ihre Gäste würden die Schweiz nach Ablauf von 90 Tagen verlassen. F. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG auf- geführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bun desverwaltungsgericht en d- gültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesge richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). C-128/2011 Seite 4 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, ric h- tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerd eführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur B e- schwerde berechtigt. Auf ihre frist - und formgerecht eingereichte B e- schwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werd en (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gem achten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (BVGE 2011/1 E. 2 und 2011/43 E. 6.1). 3. Die angefochtene Verfügung bezieht sich auf d ie Visagesuche von zwei sri-lankischen Staatsangehörigen, die für drei Monate zu einem Besuchs- aufenthalt in die Schweiz einreisen möchte n. Da sich diese nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen k önnen und die b e- absichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, f allen ihre Gesuche in den Anwendungsbereich der Schengen -Assoziierungs- abkommen, mit denen die Schweiz den Schengen -Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechts akte übernommen hat. Das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 1 42.20) und seine Ausführungsverordnungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmun- gen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der erwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: C-128/2011 Seite 5 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über Ausländerinnen u nd Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Vo r- aussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus- setzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Martina Caroni / Thomas Gächter / D aniela Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Auslän derinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Angehörige von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Mon aten je Sechsmonatszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Staatsangehörige gewi s- ser Länder benötigen zudem ein Visum (vgl. Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufst ellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengren - zen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind). Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti gen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristi gen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerte ilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32] und Art. 2 der Verordnung [EG] Nr. 562/2010 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. März 2010 zur Ä n- derung des Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen und der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 in Bezug auf den Verkehr von Personen mit einem Visum für einen längerfristigen Aufen t- halt [ABl. L 85 vom 31.03.2010, S. 1-4]). C-128/2011 Seite 6 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristge rechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Weiterhin dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge - schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehu n- gen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wie der zu verlassen (vgl. daz u PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsg e- richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und gesuchstellende Personen dementsprechend zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fris t- gerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufe nthalt vorgese- hen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einreiseerfordernis des b e- legten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen nic ht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen-Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des n a- tionalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für e r- forderlich, so ist er berechtigt, der dritt staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit" zu erte ilen (Art. 2 Ziff. 4 C-128/2011 Seite 7 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visak o- dex; unter denselben Voraussetzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreis e an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 listet diejenigen Staaten auf, deren Staatsangehörige beim Übe r- schreiten der Aussengrenzen der Schengen Mitglied staaten im Besitze eines Visums sein müssen (Abl. L 81 vom 21.03.2001, S. 17; zum vol l- ständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV). Da Sri Lanka zu diesen Staaten zählt, unterlieg en die Gesuchstellenden der Vi- sumspflicht. 5.2 Im vorliegenden F all hat die Vorinstanz bezweifelt, dass die Gesuch- stellenden die Schweiz bzw. den Schengen -Raum wieder anstandslos verlassen würden und dies mit der allgemeinen Lage in ihrem Heimatland und ihren persönlichen Verhältnissen begründet. Zu der somit im Vorde r- grund stehenden Frage der gesicherten Wiederausreise könnten jedoch lediglich Prognosen getroffen werden. 5.3 Stellt man auf die allgemeine Situation im Herkunfts land ab, so kö n- nen Einreisegesuche von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit pol i- tisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen da r- auf hindeuten, dass deren persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein klang steht. Obliegt einer gesuchstellenden Person demgegenü ber eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung im Heimatland, so kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die keine derartigen Verpflichtungen haben, das Risiko eines über die bewilligte Be- suchsdauer hinaus dauernden Verbleibs als hoch eingeschätzt werden. C-128/2011 Seite 8 6. 6.1 Die Wirtschaft Sri Lankas befindet sich im Aufschwung. Im Jahr 2011 belief sich das reale Wirtschaftswachstum auf 8,3 Prozent, das stärkste Wirtschaftswachstum seit 32 Jahren; für 2012 wurde aufgrund notwend i- ger fiskalpolitischer Massnahmen immerhin ein Wachstum von 7 Prozent veranschlagt. Die Arbeitslosigkeit nahm von 4,9 Prozent im Jahr 2010 auf 4,2 Prozent im Jahr 2011 ab, wobei diese Zah len die Nordprovinz nicht berücksichtigen. Problematisch ist demgegenüber die Jugendarbeitsl o- sigkeit, die sich auf ca. 19 Prozent beläuft (Quelle: Deutsches Auswärti- ges Amt, http://www.auswaertiges-amt.de, Länderinformationen > Sri Lanka > Wirtschaft, Stand November 2012, besucht im Januar 2013). Die innenpolitische Situation des Landes wird in erster Linie durch die Werte der singhalesischen Mehrheit bestimmt. Der im Mai 2009 zu Ende g e- gangene Bürgerkrieg hat die Diskussion um eine politische Lösung für den ethnischen Konflikt zwischen den Singhalesen und der sich diskrim i- niert fühlenden tamilis chen Minderheit wieder entfacht. E ine solche L ö- sung zeichnet sich allerdings nicht so bald ab, da eine Aufarbeitu ng des Konflikts und seiner Ursachen bisher nicht stattgefunden hat. Die Sicher- heit von Personen tamilischer Ethnie ist vor allem im Norden und Osten des Landes immer noch gefährdet; Tamilen sind aber auch in Colombo Übergriffen von Pol izei und Sicherheits kräften ausgesetzt (Quelle: Schweizerische Flüchtlingshilfe, http://www.flüchtlingshilfe.ch > Herkunfts- länder > Asien – Pazifik > Sri Lanka > Sri Lanka: Aktuelle Situation, U p- date von Adrian Schuster, 15. November 2012). Die schwierige Lage der tamilischen Minderheit spiegelt sich im Übrigen in der schweizerischen Asylstatistik wieder. Ihr zufolge stellten P ersonen aus Sri Lanka noch im Jahr 2010 mit 939 Gesuchen die drittgrösste Gruppe von Asylsuchenden; im Jahr 2011 halbierte sich die Zahl der Gesuche; am Ende des vierten Quartals 2012 befanden sich noch 3560 Personen aus Sri Lanka im Asyl- prozess (Quelle: Bundesamt für Migration, http://www.bfm.admin. ch > Dokumentation > Zahlen und Fakten > Asylstatistik > Jahresstatistiken > Kommentierte Asylstatistik 2010 S. 3 und Kommentierte Asylstatistik 2011 S. 4 sowie > Monatsstatistiken > Kommentier te Asylstatistik 4. Quartal 2012). 6.2 Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass sich ein Wunsch nach Auswanderung vor allem bei jenen Angehörigen der tamilischen Minderheit manifestiert, die bereits über ein minimales Beziehungsnetz im Ausland verfügen. C-128/2011 Seite 9 7. Die in Colombo lebenden Gesuchstellenden sind tamilischer Ethnie. Be i- de haben die Beschwerdeführerin bereits einmal, jedoch nacheinander, in den Jahren 2006 und 2007 besucht, wobei der Gesuchsteller zusammen mit seiner anderen Tochter und die Gesuchstellerin zusammen mit ihrer Mutter in die Schweiz einreisen durften. Ihre damalige Rückkehr nach Sri Lanka ist aber nicht unbedingt ein Indiz dafür, dass mit den aktuellen Ge- suchen ebenfalls nur ein Familienbesuch bezweckt wird. 7.1 Die Situation der tamilischen Bevölkerung hat sich seitdem – d.h. mit der Beendigung des im Jahr 2002 zwischen der Regierung und den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) unterzeichneten Waffenstillstands und mit dem Beginn der militärischen Grossoffensive im Juli 2006, die schliesslich zum Sieg über die LTTE im Mai 2009 führte – verschlechtert, erkennbar auch daran, dass in den J ahren 2005 und 2006 nur 277 bzw. 351 Asylgesuche von Personen aus Sri Lanka in der Schweiz gestellt wurden (Quelle: Bundesamt für Migration, http://www.bfm.admin.ch > Do- kumentation > Zahlen und Fakten > Asylstatistik > Jahresstatistiken > Asylstatistik 2005 und Asylstatistik 2006). Im Jahr 2010, aus dem die im vorliegenden Verfahren zu beurteilenden Einreisegesuche stammen, stellten Personen aus Sri Lanka bereits die drittgrösste Gruppe von Asy l- suchenden (vgl. E. 6.1). Auch die persönlichen Lebensumstände der Ge- suchstellenden haben sich in der Zwischenzeit geändert . So arbeitet der Gesuchsteller und Familienvater nicht mehr, wie noch im Jahr 2005 in e i- ner Textilhandelsfirma, sondern ist den aktuellen Unterlagen zufolge in ei- nem Juweliergeschäft angestellt. Die Gesuchstellerin, seine 1990 geb o- rene Tochter, ist inzwischen volljährig geworden. 7.2 Die Beschwerdeführerin hat verschied ene Gründe genannt, die aus ihrer Sicht für die fristge rechte Wiederausreise ihrer Gäste sprechen. Sie hat deren derzei tige Lebenssituation allerdings nur sehr pauschal u m- schrieben und vor allem die familiären Bindungen in ihrem Heimatland betont. In Bezug auf C._______ hat sie dargelegt, diese besuche noch die Schule; zur Art der Ausbildung, deren Ende und zu den weiteren be- ruflichen Pläne ihrer Cousine hat sie sich allerdings nicht geäussert . Die vage Behauptung der Beschwerdeführerin, diese wolle mit Abschluss i h- rer Schulbildung "eine gute Zukunft in Sri Lanka haben ", ist insofern – und erst recht vor dem Hintergrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit – nicht überzeugend und lässt nicht darauf schliessen, dass realistische Zukunftsaussichten zuhause die Gesuchstellerin von einer Emigration nach Europa abhalten könnten. Ihre angeb liche Ausbildung, aber auch C-128/2011 Seite 10 die Berufstätigkeit ihres Vaters werfen zudem die Frage auf, ob ein dre i- monatiger Auslandsaufenthalt diesen Verpflichtungen nicht entgegen stünde. 7.3 Fraglich ist aber auch, ob der angegebene Aufenthaltszweck zu über- zeugen vermag. Als Grund für die Einladung ihrer Gäste hat die B e- schwerdeführerin die Feier ihres fünften Hochzeitstages genannt (vgl. das an die Schweizerische Botschaft gerichtete Einladungsschreiben vom 3. Juni 2010), ein Grund, der nach hiesigem kulturellen Verständ nis kei- nen Anlass für ein umfangreiches Familienfest bietet, der aber mit S i- cherheit keinen 90-tägigen Besuchsaufenthalt der Gesuchstellenden e r- fordert. Auch scheint die Einladung von B._______ nicht naheliegend, ist dieser doch im rechtlichen Sinne nicht mit der Beschwerdeführerin ve r- wandt, sondern Ehemann ihrer Tante (vgl. Schreiben der Beschwerdefüh- rerin an den Migrationsdienst Bern vom 2. November 2011), deren Einl a- dung zu einer Familienfeier verständlicher gewesen wäre. Die Verm u- tung, dass auch der Gesuchsteller mit seiner Einreise in die Schweiz a n- dere Zwecke als einen Besuchsaufenthalt verfolg en könnte , ist daher nicht von der Hand zu weisen. 8. Vor dem aufgezeigten Hintergrund durfte die Vorinstanz zu recht anne h- men, die Wiederausreise der Gesuchstellenden sei nicht gesichert. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Beschwerdeführerin wiederholt das Gegenteil behauptet hat, ist doch eine derartige Garantie weder fak- tisch noch rechtlich durchsetzbar. Gastgeber können zwar für gewisse f i- nanzielle Risiken im Zusammenhang mit einem Besuchsaufenthalt garan- tieren, nicht jedoch für ein bestimmtes Verhalten ihrer Gäste (vgl. BVGE 2009/27 E. 9) . Die Voraussetzungen für die Erteilung sogenannter "ei n- heitlicher Visa" – gültig für den gesamten Schengen -Raum – sind somit nicht erfüllt. Es sind auch keine Gründe ersichtlich, welche die Ausstel- lung von Einreisevisa mit räumlich beschränkter Gültigkeit (vgl. E. 4.5) er- fordern würden. 9. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. C-128/2011 Seite 11 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be schwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Regle - ments über die Kos ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. - werden der Beschwerdeführerin au f- erlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz – den Migrationsdienst des Kantons Bern Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Giemsa-Haake Versand: