B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-6874/2024 U r t e i l v o m 11 . N o v e m b e r 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichter Gregor Chatton, mit Zustimmung von Richter Sebastian Kempe; Gerichtsschreiber Matthew Pydar. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin, substituiert durch Liliya Zinkovska, AsyLex gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 25. Oktober 2024. F-6874/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 24. September 2024 in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank «Eurodac» ergab, dass er bereits am 14. August 2024 in Bulgarien um Asyl ersucht hatte. B. Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 3. Oktober 2024 das recht- liche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglich- keit der Überstellung nach Bulgarien, dessen Zuständigkeit für die Behand- lung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. Dabei machte er gel- tend, nicht nach Bulgarien zurückkehren zu wollen, da er dort von den Be- hörden misshandelt worden sei. Er sei gezwungen worden, gegen seinen Willen seine Fingerabdrücke abzugeben, nachdem er von der bulgarischen Polizei im Wald angetroffen worden sei. Dort sei er von deren Hunden an- gegriffen und von einigen Polizeibeamten geschlagen worden. In der Folge sei der Beschwerdeführer in ein geschlossenes Camp gebracht worden, das er nicht habe verlassen können und in dem es ihm verboten gewesen sei, sein Handy bei sich zu haben. Als der Beschwerdeführer mit seinem Handy gesehen worden sei, sei er brutal zusammenges chlagen worden. Er wies auch darauf hin, dass die Bedingungen für einige rücküberstellte Flüchtlinge, insbesondere aus Deutschland, in Bulgarien sehr prekär ge- wesen seien, da sie in einem geschlossenen Bereich hätten leben müssen, weshalb er nun eine ähnliche Behandlung befürchte. Schliesslich gab er an, Bulgarien verlassen zu haben und durch Serbien, Ungarn, Österreich und Deutschland gereist zu sein, von wo aus er letztendlich mit dem Zug in die Schweiz gelangte. Ausser in der Schweiz und in Bulgarien wur de kein weiteres Asylgesuch gestellt. C. Die bulgarischen Behörden hiessen das Gesuch des SEM vom 3. Oktober 2024 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah- ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei- nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge- stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) am 7. Oktober 2024 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO gut. F-6874/2024 Seite 3 D. Mit Verfügung vom 25. Oktober 2024 (eröffnet am gleichen Tag) trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Überstellung nach Bulgarien an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschie bende Wirkung zu. E. Am 29. Oktober 2024 stellte die Vorinstanz das Verschwinden des Be- schwerdeführers fest. F. Am 1. November 2024 erhob der Beschwerdeführer mittels seiner Rechts- vertretung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte sinngemäss, d ie angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vo- rinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, von den Behörden in Bulgarien eine konkrete, schriftliche Zusicherung einzuholen, dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft in Bulgarien umgehend Obdach, Nahrung sowie eine angemessene und re- gelmässige medizinische und psychologische Behandlung zur Verfügung stehen. Zudem sei eine angemessene Nachfrist zur Ergänzung der Be- schwerdeschrift anzusetzen. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien der Vorinstanz aufzuerlegen. In prozessualer Hinsicht beantragte er, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die unentgelt- liche Rechtspflege sei zu gewähren. Auf die Erhebung eines Kostenv or- schusses sei zu verzichten. Schliesslich sei superprovisorisch die Sistie- rung des Wegweisungsvollzugs anzuordnen. Eine weitere Eingabe erfolgte am 4. November 2024. Damit wurden zwei weitere Belege eingereicht und die Beschwerdeschrift ergänzt. G. Am 4. November 2024 ordnete der Instruktionsrichter gestützt auf Art. 56 VwVG einen superprovisorischen Vollzugsstopp an. F-6874/2024 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.3 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri- gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind erfüllt. Ange- sichts der Tatsache, dass trotz des Verschwindens des Beschwerdeführers am 29. Oktober 2024 dieser in der Lage war, am 31. Oktober 2024 eine Vollmacht zugunsten seiner Rechtsvertreterin zu unterschreiben (vgl. Be- schwerde vom 1. November 2024 [Beschwerde], Beilage 1), kann auf ein bestehendes schutzwürdiges Interesse gemäss Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG geschlossen werden. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari- scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer, dass die Vorinstanz ihre Pflicht zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsermittlung (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AslyG) verletzt habe. Die Vorinstanz habe die von den bulgarischen Beamten aufgrund ihrer Gewaltbereitschaft ausgehende Ge- fahr sowie die allgemein schlechten Bedingungen für Asylsuchende in Bul- garien nicht ausreichend berücksichtigt. Ferner seien die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers nicht beachtet worden: er leide unter starken Ängsten und Schlafstörungen. In diesem F-6874/2024 Seite 5 Zusammenhang deutet der Beschwerdeführer an, dass auch eine Verlet- zung des rechtlichen Gehörs festzustellen sei (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 29 VwVG). Das SEM hat sich indes intensiv mit d en Vorbringen des Beschwerdefüh- rers auseinandergesetzt. Der gute psychische und physische Gesund- heitszustand des Beschwerdeführers konnte durch den Arztbericht von (…) vom 14. Oktober 2024 bestätigt werden (vgl. SEM-Akte 20/1). Da der Be- schwerdeführer im Rahmen des Dublin-Gesprächs angab, keine gesund- heitlichen Probleme zu haben und sich in einem ausgezeichneten psychi- schen Zustand zu befinden (vgl. SEM -Akte 13/3), gab es keinen Grund, diesbezüglich weitere Ermittlungen anzustellen. Hinsichtlich der Aufnah- mebedingungen in Bulgarien verwies die Vorinstanz klar und umfassend auf die geltende Rechtslage und Rechtsprechung. Im vorliegenden Fall konnte die vom Beschwerdeführer behauptete Misshandlung durch bulga- rische Polizeibeamte (Angriff mit Hunden, Schläge) nicht rechtsgenügend belegt werden. Schliesslich überprüfte die Vorinstanz die Anwesenheit der Mutter und seiner weiteren Verwandten in der Schweiz im Zusammenhang mit allfälligen Ansprüchen nach Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO. Somit konnte die Sach- und Rechtslage vollumfänglich festgestellt werden. Die formellen Rügen des Beschwerdeführers sind unbegründet , weshalb das Eventual- begehren abzuweisen ist. 4. 4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet deren Vollzug an (Art. 44 AsylG). 4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi- gen Mitgliedstaats wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin -III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 4.3. Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthalts-F-6874/2024 Seite 6 titel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Art. 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 Dub- lin-III-VO). 4.4. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers ergab, dass er am 14. Oktober 2024 in Bulgarien daktyloskopisch erfasst worden war. Gleichentags stellte er gemäss Auszug aus der «Eurodac»-Datenbank sein Asylgesuch (SEM -Akte 7/1). Die Vorinstanz ersuchte daher die bulgari- schen Behörden am 3. Oktober 2024 um Wiederaufnahme des Beschwer- deführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Diese stimmten dem Wiederaufnahmeersuchen der Vorinstanz am 7. Oktober 2024 fristge- recht zu (Art. 25 Abs. 1 Dublin -III-VO). Die grundsätzliche Zustä ndigkeit Bulgariens ist somit gegeben. 5. 5.1. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme- bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU –Grund- rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mit- gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest- zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitglied- staat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 5.2. Bulgarien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR. 0.105) und des Abkom- mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR. 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls zur FK vom 31. Januar 1967 (SR. 0.142.301). Ausserdem wird Bulgarien durch die Richtlinien des Europäi- schen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge- meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkenn ung des F-6874/2024 Seite 7 internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), gebun- den. 5.3. Gemäss ständiger Rechtspre chung des Bundesverwaltungsgerichts weisen das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Bulgarien keine systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO auf (Referenzurteil des BVGer E-7195/2018 vom 11. Februar 2020 E. 6.6.7). Demnach sind Dublin-Überstellungen nach Bul- garien grundsätzlich sowohl in "take -charge" (Aufnahme) als auch in "take-back" (Wiederaufnahme) Verfahren zulässig. Das Bundesverwal- tungsgericht anerkennt in seiner aktuellen Rechtsprechung zwar, dass die Bedingungen in den bulgarischen Aufnahme- und Haftzentren prekär sind, hält aber auch fest, dass diese nicht als unmenschlich oder erniedrigend bezeichnet werden können , sodass gegenwärtig keine systemischen Schwachstellen festgestellt werden können (vgl. Urteile des BVGer F - 6287/2024 vom 17. Oktober 2024 E. 7.3, F -5523/2023 vom 31. Oktober 2023 E. 5.4). 5.4. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO nicht gerechtfertigt. 6. 6.1. Abweichend vom Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung der be- troffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer Verlet- zung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29 a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Entscheidung darf das Bundesverwaltungsgericht sein eigenes Ermessen nicht anstelle desjenigen des SEM setzen (BVGE 2015/9 E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 6.2. Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Bulgarien sei- nen völker - und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber F-6874/2024 Seite 8 Personen in der Situation des Beschwerdeführers nachkommt und insbe- sondere auch die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Verfah- rens- und Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. Referenzurteil F-7195/2018 E. 6.1). Diese Vermutung kann im Einzelfall widerlegt werden; hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die von der betroffenen Person glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer F- 651/2023 vom 17. Februar 2023 E. 8.2). 6.3. Der Beschwerdeführer brachte vor, dass die Aufnahmebedingungen in den bulgarischen Aufnahmezentren in mehrfacher Hinsicht schlecht gewe- sen seien. Generell sei die Situation unzulänglich, da der Zugang zur Ge- sundheitsversorgung, zu verschiedenen Sozialleistungen und zur Unter- bringung beeinträchtigt sei. Zudem hätten die bulgarischen Beamten ge- genüber dem Beschwerdeführer physische und psychische Gewalt ange- wendet. Folglich könne Bulgarien nicht als sicherer Drittstaat für Asylsu- chende verstanden werden. Der Beschwerdeführer hat jedoch kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die bulgarischen Behörden würden sich weigern, seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung völkerrechtlicher Verpflichtun- gen zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Bulgarien werde in diesem Fall den Grundsatz des Non - Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausserdem hat der Beschwerde- führer nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedin- gungen in Bulgarien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK (SR 0.105) führen könnten. Vielmehr kann aufgrund seiner Angaben im Rahmen des Dublin-Gesprächs, wonach er täglich drei Mahlzeiten erhalten hätte (vgl. SEM-Akte 13/3), und aufgrund seines gegenwärtig guten Gesundheitszu- standes (vgl. SEM-Akte 21/1, 22/1) davon ausgegangen werden, dass er in Bulgarien ausreichend versorgt wurde, weshalb auch die Mindestanfor- derungen der Aufnahmerichtlinie als erfüllt anzusehen sind. Bei einer all- fälligen vorübergehenden Einschränkung der ihm zustehenden Aufnahme- bedingungen könnte er sich im Übrigen nötigenfalls an die bulgarischen Behörden wenden un d seine Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Dies gilt auch in Bezug auf ein allfälliges Fehlverhalten der bulgarischen Beamten. Des Weiteren steht ihm die Mög- lichkeit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren. F-6874/2024 Seite 9 6.4. Der Beschwerdeführer führte weiter aus, dass er unter psychischen Problemen leide, insbesondere unter starken Angstzuständen und Schlaf- störungen, weshalb eine Überstellung nach Bulgarien seine Gesundheit gefährden würde. Es ist darauf hinz uweisen, dass diese Behauptung im Widerspruch zu den Angaben steht, die er im Rahmen des Dublin -Ge- sprächs machte, in dem er das Vorhandensein jeglicher psychischer oder physischer Gesundheitsprobleme verneint hatte (vgl SEM -Akte 13/3). Im Übrigen wurden ke ine derart schwerwiegenden Pathologien psychischer oder physischer Art im ärztlichen Bericht vom 14. Oktober 2024 (vgl. SEM- Akte 20/1) festgestellt, die einer Überstellung nach Bulgarien entgegenste- hen würden (vgl. anstatt vieler Urteil des BVGer F-3746/2023 vom 11. Juli 2023 E. 6.4 unter Verweis auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180 –193; letzteres bestätigt durch das Urteil des EGMR Savra n gegen Dänemark vom 7. Dezember 2021, Grosse Kammer, 57467/15, §§ 121 ff.) . Darüber hinaus ist allgemein be- kannt, dass Bulgarien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt, auch wenn gewisse Mängel festgestellt werden können, die jedoch nicht den Schweregrad von systemischen Mängeln aufweisen (Urteile des BVGer F-6287/2024 vom 17. Oktober 2024 E. 7.3, F -6204/2024 vom 9. Oktober 2024 E. 6.1 f.). Daher kann der Beschwerdeführer auch in Bulga- rien mit einer ausreichenden psychologischen Betreuung rechnen (vgl. Ur- teil des BVGer F-5523/2023 vom 31. Oktober 2023 E. 6.3.5). 6.5. Im Übrigen ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer auch aus der Beziehung zu seiner Mutter und seinen Halbgeschwistern in der Schweiz nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. Tatsächlich fehlt es an einer fami- liären Bindung im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO. Auch die Anwend- barkeit vom Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO ist zu verneinen, da ein rechtlich relevantes Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Mutter einerseits oder zwischen ihm und seinen übrigen in der Schweiz aufhältigen Familienangehörigen andererseits nicht nachgewie- sen werden kann (vgl. Urteile des BVGer F-2168/2022 vom 30. Mai 2022 E. 4.3, F-5537/2024 vom 9. September 2024 E. 5.2 , F-4161/2024 vom 8. Juli 2024 E. 7.3). Zum anderen liegen keine Beziehungen vor, die unter die Schutzwirkung von Art. 8 Abs. 1 EMRK fallen würden (vgl. Urteile des BGer 2C_339/2019 vom 14. November 2019 E. 3.5; BGE 120 Ib 257 E. 1e; be- stätigt im Urteil des BVGer F-4161/2024 vom 8. Juli 2024 E. 7.1). Die An- wesenheit der Mutter des Beschwerdeführers und seiner Halbgeschwister in der Schweiz vermag somit die Zuständigkeit der hiesigen Behörden nicht zu begründen. F-6874/2024 Seite 10 6.6. Somit stehen weder Art. 3 EMRK noch Art. 14 und Art. 16 FoK oder andere völkerrechtliche Bestimmungen einer Überstellung des Beschwer- deführers nach Bulgarien entgegen. Deshalb ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Souveränitätsklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III- VO respektive die Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) nicht angewandt hat. Das ihr zustehende Ermessen hat die Vorinstanz in Vornahme einer hinreichenden Einzelfallprüfung rechtskonform ausgeübt (vgl. BVGE 2015/9 E. 8). Bulga- rien ist nach dem Gesagten für die Durchführung des Asyl - und Wegwei- sungsverfahrens zuständig. 7. Was den Subeventualantrag anbelangt, von den bulgarischen Behörden eine Garantieerklärung zu verlangen, wonach diese sich für eine angemes- sene Betreuung des Beschwerdeführers einzusetzen hätten, ist festzuhal- ten, dass die geltend gemachten und teilweise medizinisch belegten psy- chischen Störungen des Beschwerdeführers nicht schwerwiegend erschei- nen. Im Übrigen wird der Beschwerdeführer darauf aufmerksam gemacht, dass die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung betrauten schwei- zerischen Behörden gehalten sind, die bulgarischen Behörden in geeigne- ter Weise und vorgängig über die spezifischen medizinischen Umstände zu informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin -III-VO). Angesichts dessen besteht keine Veranlassung, von den bulgarischen Behörden eine individuelle und konkrete Garantieerklärung im Sinne des Subeventualantrags einzuholen. Der Subeventualantrag wird abgewiesen. 8. Zu Recht ist die Vorinstanz auf das Asylgesuc h nicht eingetreten und hat die Überstellung des Beschwerdeführers nach Bulgarien verfügt. Die Be- schwerde ist abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist abgeschlossen, womit der angeordnete Vollzugsstopp dahinfällt und sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als gegenstandslos erweist. Auf- grund dessen erweist sich auch der Antrag auf Gewährung einer Nachfrist zur Beschwerdeergänzung als gegenstandslos. 9. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuwei- sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – von vornherein als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrenskos- ten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750. – festzusetzen (Art. 1 ff. des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor F-6874/2024 Seite 11 dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]. Eine Parteient- schädigung fällt ausgangsgemäss ausser Betracht (Art. 64 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) F-6874/2024 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge- wiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Gregor Chatton Matthew Pydar Versand: F-6874/2024 Seite 13 Zustellung erfolgt an: – die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: Rechnung) – das SEM, ad (…) – das Migrationsamt des Kantons Sankt Gallen (in Kopie)