Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 24. Oktober 2013 (725 13 202 / 256) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiber i.V. Michael Blattner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Nikolaus Tamm , Adv okat , Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen GENERALI Allgemeine Versicherungen AG , Generaldirektion, Departement Leistungen, Avenue Perdtemps 23, 1260 Nyon 1, Be- schwerdegegnerin Betreff Leistungen (12-558'688) A. Der 1975 geborene A.____ ist seit dem 1. September 2008 bei der Generali Allgemeine Versicherungen AG (Generali) angestellt und in dieser F unktion bei derselben obligatorisch ge- gen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen ver sichert. Mit Schadenmeldung vom 19. März 2012 meldete sich der Versicherte bei seinem Unfallversicherer unter Hinweis auf eine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht am 7. März 2012 beim Fussballspielen zugezogene Fraktur des linken Handgelenks zum Leis- tungsbezug an. In der Folge erbrachte die Generali ihre gesetzlichen Leistungen. B. Mit Verfügung vom 12. Juli 2012 stellte die Genera li ihre Leistungen per 20. März 2012 ein. Zur Begründung führte sie aus, dass die Beschwerden des Versicherten gemäss Aktengut- achten des Vertrauensarztes Dr. med. B.____ vom 6. Juli 2012 ab dem 20. März 2012 nicht mehr unfallkausal seien. Die Computertomografie habe e ine Pseudarthrose (Falschgelenk) ge- zeigt. Eine solche bilde sich definitionsgemäss beim Ausbl eiben einer Frakturheilung sechs Monate nach einem Unfallereignis. Somit könne ein Zu sammenhang zwischen der vorbeste- henden alten Fraktur und dem Ereignis vom 7. März 2012 verneint werden. Am 19. März 2012 habe der behandelnde Arzt, Dr. med. C.____, FMH Hand chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, berichtet, da ss die akuten Beschwerden auf Handgelenkshöhe überwunden seien, weswegen die Behandl ung nur zwischen dem Ereignis- zeitpunkt und dem 19. März 2012 als überwiegend wahrsche inlich unfallkausal anzunehmen sei. C. Mit Eingabe vom 30. August 2012 erhob der Versiche rte Einsprache gegen die vorge- nannte Verfügung. Unter Bezugnahme auf einen Bericht von Dr. C.____ vom 29. August 2012 führte er aus, dass der Sturz vom 7. März 2012 nicht zu der proximalen Scaphoidpseudarthrose passe und das eigentliche Unfallereignis Jahre zurückliege n müsse. Nach Rücksprache mit Familienangehörigen habe sich nun ein neues Unfalldat um herauskristallisiert. Demnach sei er am 27. Dezember 2008 in den Winterferien beim Snowbo ardfahren auf das linke Handgelenk gestürzt. D. Mit Entscheid vom 11. Juni 2013 wies die Generali di e Einsprache ab. Der Versicherte habe weder bei der Erstkonsultation am 12. März 2012 noch gemäss Operationsbericht vom 18. April 2012 ein früheres Unfalldatum nennen können. Vielmehr habe er sich erst nach Erhalt der ablehnenden Verfügung vom 17. Juli 2012 an ein konkretes Unfallereignis und Unfalldatum erinnern können. Die sogenannten "spontanen Aussagen der ersten Stunde" seien in der Regel unbefangener und zuverlässiger als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein könn- ten. Daher könne nicht davon ausgegangen werden, dass sich der vom Versicherten geschil- derte Unfallmechanismus am 27. Dezember 2008 abgespielt habe. Aus medizinischer Sicht könne aufgrund des Verletzungsbilds nicht einmal annäher nd gesagt werden, wann sich eine Scaphoidfraktur ereignet habe. Es sei genau so gut mögl ich, dass sich diese vor mehr als vier Jahren zugetragen habe. Ob der Unfallbegriff erfüllt sei, sei ebenfalls fraglich. Von weiteren Abklärungen seien keine besseren Erkenntnisse zu erwarten. E. Mit Eingabe vom 12. April 2013 (recte: 10. Juli 20 13) erhob A.____, vertreten durch Ad- vokat Nikolaus Tamm, Beschwerde beim Kantonsgericht des K antons Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungerecht (Kantonsgericht). Er bean tragte die Aufhebung des Einsprache- entscheids vom 11. Juni 2013 sowie die weitere Erbringu ng der gesetzlichen Leistungen, na- mentlich der Heilungskosten, über den 20. März 2013 hinaus; unter o/e-Kostenfolge. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. In ihrer Beschwerdeantwort vom 19. August 2013 schloss die Generali auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgeset zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, d essen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bunde sgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 AT SG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in D.____, weshal b die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs . 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustän dig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten i st demnach einzutreten. 2. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. A rt. 18 Abs. 1 UVG gewährt der ver- sicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindes- tens 10 % invalid ist. 3.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers gemäss UVG se tzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Inva- lidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher und ei n adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2). Ursachen im Sinne de s natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eing etretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur glei chen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahu ng des natürlichen Kausalzusam- menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allein ige oder unmittelbare Ursache gesund- heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende E reignis zusammen mit anderen Be- dingungen die körperliche oder geistige Integrität de r versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werde n kann, ohne dass auch die eingetre- tene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer g esundheitlichen Störung ein na- türlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrag e, worüber die rechtsanwendende Be- hörde im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung zu befinden hat. Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwerdefall das Gericht dürfen dabei eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeu gt sind (vgl. MAX KUMMER , Grund- riss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f .). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abwei chendes vorsieht, nach dem Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines be- stimmten Sachverhaltes genügt den Beweisanforderungen nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdar stellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würd igt (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 23. Oktober 2009, 9C_680/2009, E. 1.2; BGE 121 V 47 E. 2a). 3.3 Soweit der Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein lichkeit gilt, muss der Überzeu- gungsgrad höher liegen, als es bei einer blossen Möglichkeit oder Hypothese der Fall ist. Ande- rerseits muss nicht mit Sicherheit nachgewiesen sein, dass sich die zu beweisenden Tatsachen in einer bestimmten Weise verwirklicht haben. Der Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit liegt demnach zwischen dem blossen Möglichkeitsbew eis und dem Sicherheitsbeweis (UELI KIESER , Der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im Sozialversicherungs- recht, in: Riemer-Kafka [Hrsg.], Beweisfragen im sozia lversicherungsrechtlichen Verfahren, Zü- rich 2013, S. 88 mit Hinweisen). Gemäss der bundesgerich tlichen Rechtsprechung gilt ein Be- weis nach dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichke it als erbracht, wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung nach objektiven Gesichtsp unkten derart gewichtige Gründe sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen (BGE 132 III 720 E. 3.1, 130 III 324 E. 3.2) . Keine überwiegende Wahrscheinlichkeit be- steht, wenn plausible Gründe sowohl für als auch gegen einen bestimmten Sachverhalt vorge- bracht werden können (Urteil des Bundesgerichts vom 12. M ärz 2007, H 131/06, E. 2.3). Aus- drücklich abgelehnt hat das Bundesgericht sodann ein "variables Beweismass", wonach an den Beweis einer Tatsache umso höhere Anforderungen zu stell en sind, je weniger wahrscheinlich eine Behauptung ist (Urteil des Bundesgerichts vom 12. Ju ni 2002, 5C.99/2002, E. 2.4). Ver- schiedentlich wird in der Literatur für die Quantifizie rung des Beweisgrads der überwiegenden Wahrscheinlichkeit das Vorliegen bestimmter Prozentzahlen vorgeschlagen (vgl. K IESER , a.a.O., S. 88 f., M AX B. BERGER /R OMAN NOGLER , Beweisrecht – die Last mit dem Beweis(en), in: recht 2012, S. 172 f., je mit weiteren Hinweisen ). Die Rechtsprechung des Bundesgerichts verzichtet indes auf die Festsetzung eines bestimmten Prozentsatzes (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 23. September 2008, 4A_397/2008, E. 4.3). E s steht somit lediglich fest, dass es für das Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht a usreicht, wenn ein Umstand bloss wahrscheinlicher ist als der andere. Das schweizerische Sozialversicherungsrecht kennt demnach keinen Grundsatz, wonach die Versicherungsorgane im Zweifel zu Gunsten der Ver- sicherten zu entscheiden haben. Ein Anspruch auf Leistunge n besteht nur, wenn die Voraus- setzungen dafür mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erfüllt sind (vgl. ZAK 1983 S. 259). 3.4 Gemäss dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz ha- ben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von A mtes wegen und ohne Bindung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht an die Parteibegehren für die richtige und vollständi ge Feststellung des Sachverhaltes zu sor- gen (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 443 f. Rz 2 ff.). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweis- führungspflicht begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicher ungsprozess tragen mithin die Partei- en in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im F alle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiese n gebliebenen Sachverhalt Rechte ab- leiten will (LOCHER , a.a.O., S. 451 Rz 41). Diese Beweisregel greift allerdings erst, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrund satzes aufgrund einer Beweiswür- digung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest d ie hohe Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. Mai 2011, 8C_35/2011, E. 5.2; BGE 117 V 263 E. 3b). 4.1 Für die Beurteilung der medizinischen Verhältnisse sind insbesondere folgende Berichte massgebend: 4.2 Mit Konsultationsbericht vom 12. März 2012 stellte D r. C.____ die Diagnose einer pro- ximalen Scaphoidpseudarthrose links mit kleinem proximal em Polfragment und beginnenden degenerativen Veränderungen. Sowohl konventionell ra diologisch wie auch mittels CT sei es offensichtlich, dass es sich um eine alte Fraktur mit ber eits degenerativen Veränderungen handle. Am 7. März 2012 habe eine Retraumatisierung d ieser vorbestehenden Verletzung stattgefunden, währenddem das primäre Unfallereignis unbekannt sei. Um ein Fortschreiten der posttraumatischen Handgelenksarthrose zu vermeiden, sei eine operative Sanierung der Scaphoidpseudarthrose zwingend erforderlich. 4.3 In seinem Bericht vom 19. März 2012 wiederholte Dr. C.____ seine vorstehende Diag- nose. Der Versicherte habe die akuten Schmerzen auf Handgelenkshöhe überwunden. Ab dem 20. März 2012 sehe der Versicherte die versuchsweise Arbe itsaufnahme als zumutbar. Die Scaphoidrekonstruktion sei für Mitte April 2012 vorgesehen. 4.4 Im Operationsbericht vom 18. April 2012 gab Dr. C. ____ an, dass das proximale knor- peltragende Scaphoidpolfragment eine Dicke von ledigli ch 4 mm aufweise und die Spongiosa leicht sklerosiert sei. 4.5 Gemäss dem von der Generali veranlassten Aktengutacht en von Dr. B.____ vom 6. Juli 2012 stehe die Schadenmeldung des Versicherten v om 19. März 2013 in Widerspruch zum Bericht von Dr. C.____ desselben Datums, welcher ein deutig von einer Retraumatisierung einer alten Fraktur berichte. Da die akuten Schmerzen auf Handgelenkshöhe gemäss Dr. C.____ am 19. März 2012 überwunden seien, seien d ie Folgen des Unfalls vom 7. März 2012 zu diesem Zeitpunkt abgeklungen. Der erhob ene Befund spreche für eine ältere Verletzung mit nicht resorbiertem altem Fragment; da s genaue Datum der Verletzung könne jedoch aus dem Befund nicht gelesen werden. Es sei unw ahrscheinlich, dass dieses Fragment ohne umgebende Einblutung oder Knochenödem bei begle itender Sklerosierung im Rahmen des Ereignisses vom 7. März 2012 entstanden sei. Aus der är ztlichen Dokumentation der Schädigung lasse sich ableiten, dass der Versicherte einde utig zu einem früheren Zeitpunkt Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Scaphoidfraktur erlitten habe. Diese alte Scaph oidfraktur sei offensichtlich unvollständig verheilt und habe eine Pseudarthrose hinterlassen. Di e durchgeführte Operation hätte auch ohne das Ereignis vom 7. März 2012 in absehbarer Zeit d urchgeführt werden müssen, da eine Scaphoidpseudarthrose fast zwingend zu einer symptomatischen Handgelenksarthrose geführt hätte. Es könne demzufolge nicht mit überwiegender Wa hrscheinlichkeit geschlossen werden, dass das Ereignis vom 7. März 2012 die Operation gezeit igt habe, zumal die stauchungsbe- dingten Beschwerden – dem behandelnden Handchirurgen folgend – per 19. März 2012 abge- klungen gewesen seien. Als überwiegend wahrscheinlich un fallkausal sei nur die Behandlung zwischen dem Ereignisdatum und dem 19. März 2012 anzunehmen. Danach sei sicher der Vor- zustand behandelt worden. 4.6 Mit Schreiben vom 29. August 2012 bestätigte Dr. C. ____ die Argumentation der Gene- rali, wonach die bereits operativ sanierte Scaphoidpse udarthrose nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 7. März 20 12 zurückgeführt werden könne. Eine Scaphoidpseudarthrose sei sehr häufig und betreffe vor wiegend Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Der Unfallmechanismus bestehe typischerweise in einem banalen Sturz auf die betroffene Hand. Die radialseitigen Handgelenksschmerze n würden üblicherweise als einfache Prellung bagatellisiert. Gemäss Literatur würden 40 % aller Scaphoidfrakturen initial verpasst. Da jedoch immer ein Unfallereignis zu einer Scaphoidfr aktur führe, sei demzufolge auch eine erlittene Pseudarthrose des Scaphoids als Unfallfolge zu werten. Deshalb sei es üblich, dass die Unfallversicherung aus Kulanz auch die Behandlung ein er Pseudarthrose übernehme, selbst wenn kein klares Unfalldatum feststehe. Im vorliegen den Fall müsse das ursprüngliche Trauma Jahre zurückliegen, da der Versicherte bereits co mputertomografisch verifizierte dege- nerative Veränderungen aufweise. Es sei bekannt, dass der artige degenerative Veränderungen als Unfallfolge einer Scaphoidpseudarthrose in der R egel nach Jahren auftauchten. Nach Rücksprache des Versicherten mit seinen Familienangehörigen habe sich nun ein neues Un- falldatum herauskristallisiert. Demnach sei er am 27. De zember 2008 in den Winterferien beim Snowboardfahren auf das linke Handgelenk gestürzt. Die initialen Handgelenksschmerzen hät- ten sich aber nach Wochen wieder beruhigt und er habe d iesbezüglich keinen Arzt aufgesucht, weshalb auch kein Röntgenbild des Handgelenks angefertigt worden sei. 4.7 Im zweiten von der Generali in Auftrag gegebenen Aktengutachten vom 19. Dezember 2012 äussert sich Dr. B.____ dahingehend, dass es keine wissenschaftlich ge- stützte medizinische Methoden oder Mittel gebe, den gena uen Zeitpunkt einer Scaphoidfraktur mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu ermitteln. Die Fraktur könne sich vor vier Jahren oder aber auch mehrere Jahre zuvor ereignet haben. Aus mediz inisch-wissenschaftlicher Sicht gebe es indes Hinweise, dass die vom Versicherten erlittene Sc aphoidfraktur durchaus älter als fünf Jahre sein könnte. Gemäss einer zitierten wissenschaftliche n Studie wiesen 97 % der unter- suchten Patienten, deren Trauma länger als fünf Jahre z urücklag, arthrotische Veränderungen auf. Statistisch betrachtet sei demnach die Wahrscheinli chkeit gross, dass sich die Scaphoid- fraktur des Versicherten vor mehr als fünf Jahren ereign et habe. Die Annahme von Dr. C.____, wonach 40 % der Scaphoidfrakturen initial verpasst würd en, werde zwar wissenschaftlich ge- stützt. Allerdings habe die entsprechende Studie Patie nten betroffen, welche innert sieben Ta- gen nach einem Trauma untersucht worden seien. Vorlie gend sei beim Versicherten im De- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zember 2008 jedoch weder eine konventionelle Röntgenunt ersuchung noch eine Computerto- mografie durchgeführt worden. Wie hoch die Dunkelziff er erlittener Scaphoidfrakturen bei Pati- enten sei, die nach einem Trauma keinen Arzt aufsuchten und darum auch keiner bildgebenden Diagnostik unterzogen wurden, sei gemäss seinen Recherche n wissenschaftlich nicht beant- wortet worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Scaphoidfraktur beim neu angegebenen Ereig- nis vom 27. Dezember 2008 eingetreten ist, ohne dass der Versicherte dies bemerkt hätte, liege eher tiefer als bei 40 %. Dass eine bestehende Pseudarth rose keine behandlungsbedürftigen Beschwerden verursacht haben soll, sei durchaus möglich. Hingegen sei eher unwahrschein- lich, dass eine Scaphoidpseudarthrose bei der Bürotäti gkeit sowie bei der Ausübung diverser Sportarten wie Fussballspielen oder Snowboardfahren keinerlei Beschwerden hervorrufe. 4.8 Mit Schreiben vom 12. März 2013 nahm Dr. C.____ St ellung zur vorgenannten versiche- rungsmedizinischen Beurteilung von Dr. B.____ vom 19. De zember 2012. Da sich der Versi- cherte an kein anderes Unfalldatum als jenes vom 27. De zember 2008 erinnern könne, müsse er sich die Scaphoidfraktur hochwahrscheinlich auch zu d iesem Zeitpunkt zugezogen haben. Rein theoretisch könne sich die Fraktur auch zu einem frü heren oder späteren Zeitpunkt ereig- net haben. Die von Dr. B.____ zitierte wissenschaftliche Studie lasse den Schluss nicht zu, dass degenerative Veränderungen des Handgelenks nicht bere its drei oder vier Jahre nach dem Unfallereignis auftreten könnten. In der Studie werde zudem ein Fall beschrieben, bei dem sich bereits weniger als vier Jahre nach dem erlittenen Tr auma eine Pseudarthrose gebildet habe. Die Annahme von Dr. B.____, wonach die Wahrsche inlichkeit, dass der Versicherte die Scaphoidfraktur nicht bemerkt habe, unter 40 % liege, sei reine Spekulation und wissenschaft- lich nicht belegt. Gemäss einer weiteren wissenschaftlichen Studie sei bei 29 von 33 Patienten mit Scaphoidfrakturen die Diagnose erst fünf Jahre nach dem ursprünglichen Unfall gestellt worden. Von diesen 29 Patienten hätten wiederum 22 zu m Unfallzeitpunkt gar keinen Arzt auf- gesucht. Bei 8 von 33 Patienten sei keine zutreffende D iagnose gestellt worden, da von ärztli- cher Seite keine radiologische Abklärung veranlasst worde n sei. Dies zeige auf, dass die Diag- nosestellung einer Scaphoidfraktur sehr schwierig sei und die richtige Diagnose auch von Sei- ten des Arztes nur bei grosser Erfahrung gestellt werde. Die Dunkelziffer von verpassten Scaphoidfrakturen sei gemäss Literatur hoch und dementsp rechend müsse davon ausgegan- gen werden, dass der Versicherte mit überwiegend hoher Wahrscheinlichkeit nicht bemerkt ha- be, dass er sich beim angegebenen Snowboardsturz eine Scap hoidfraktur zugezogen habe. Im Weiteren sei die Interpretation von Dr. B.____, wona ch es unwahrscheinlich sei, dass bei Bü- rotätigkeit sowie bei der Ausübung diverser Sportarten mit Sturzgefahr keinerlei Beschwerden aufträten, mit Sicherheit falsch. Gemäss der bereits zitie rten Studie seien 10 von 33 Patienten bei der Diagnosestellung einer Scaphoidpseudarthrose fünf Jahre posttraumatisch beschwerde- frei gewesen. Nach einer Verlaufskontrolle zwölf Jahre spä ter hätten insgesamt 15 % der Pati- enten noch immer keine Schmerzen gehabt, obwohl die Arthrose im Handgelenk radiologisch zugenommen habe. Es sei somit wissenschaftlich klar belegt, dass junge Patienten mit etablier- ten Scaphoidpseudarthrosen und sogar bereits beginnend en degenerativen Veränderungen auch bei sportlichen Aktivitäten durchaus über viele Jahre beschwerdefrei sein könnten. 5.1 Vorweg ist in Anbetracht der vorliegenden Unterla gen festzustellen, dass die Beschwer- degegnerin gestützt auf die von Dr. B.____ in nachvollzi ehbarer Weise getätigten – und von Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. C.____ gestützten – Ausführungen zu Recht davon a usgegangen ist, dass die akuten Be- schwerden des Versicherten auf Handgelenkshöhe per 19. Mä rz 2012 abgeklungen waren und sich die per 20. März 2012 verfügte Leistungseinstellung folglich als rechtens erweist. 5.2 In Bezug auf den eigentlichen Streitgegenstand ist sodann festzuhalten, dass die Ursa- che einer Scaphoidfraktur nach übereinstimmender medizin ischer Fachmeinung stets in einem Unfall zu erblicken ist. Im Weiteren ist unbestritten, d ass der Sturz beim Fussballspiel vom 7. März 2012 nicht die eigentliche Ursache der erlittene n Scaphoidfraktur darstellen kann, zu- mal in der radiologischen Untersuchung bereits degenera tive Veränderungen festgestellt wor- den sind (vgl. Konsultationsbericht von Dr. C.____ vom 12 . März 2012). Der Beschwerdeführer muss sich die Fraktur demnach zwingend vor dem Sturz beim Fussballspiel vom 7. März 2012 zugezogen haben. Fraglich ist, ob der ursprüngliche Unfal l ein bei der Beschwerdegegnerin versichertes Ereignis darstellt. Da der Beschwerdeführer be i der Beschwerdegegnerin seit dem 1. September 2008 gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert ist, müsste sich der Unfall für die Annahme einer Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin nach diesem Datum ereignet haben. Der Beschwerdeführer macht hier zu im Einspracheverfahren geltend, dass er sich die Fraktur anlässlich eines Sturzes mit dem Sn owboard am 27. Dezember 2008 zugezogen habe. Für dieses Ereignis existieren aber keiner lei medizinischen Befunde oder Un- terlagen. Es ist demnach zu prüfen, ob aufgrund der vo rhandenen Beweismittel davon ausge- gangen werden kann, dass die primäre Verletzung durch da s vom Beschwerdeführer geltend gemachte Ereignis vom 27. Dezember 2008 verursacht wurde. 5.3 Nach einhelliger Fachmeinung besteht keine wissenscha ftlich gestützte medizinische Methode, den genauen Zeitpunkt einer Scaphoidfraktur retrospektiv zu ermitteln. Aus den zitier- ten medizinischen Studien lassen sich hierzu allenfalls gew isse Indizien ableiten. So wurden gemäss der von Dr. B.____ im Bericht vom 19. Dezember 20 12 erwähnten Studie bei 97 % der untersuchten Patienten, deren Trauma länger als fünf Jahre zurücklag, arthrotische Verände- rungen festgestellt (vgl. E. 4.7 hiervor). Entgegen de r Ansicht der Beschwerdegegnerin kann daraus jedoch nicht gefolgert werden, dass sich der Beschw erdeführer die Fraktur mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit vor über fünf Jahren zugezogen h aben muss. Da sich die zitierte Studie in Ermangelung einer medizinischen Methode nich t zum Beginn der degenerativen Ver- änderungen äussert, ist durchaus möglich, dass diese bereits nach weniger als fünf Jahren ein- setzen können. Zudem beschreibt die Studie einen Fall, b ei welchem degenerative Verände- rungen bereits nach weniger als vier Jahren aufgetrete n sind. Aufgrund dieser statistischen Er- hebungen lässt sich der Zeitpunkt des ursächlichen Unfaller eignisses jedenfalls nicht mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit eruieren. Aus dem Umstand, dass eine Rekonstruktion des exak- ten Unfallzeitpunkts aus medizinischer Sicht nicht zu erbri ngen ist, folgt aber immerhin, dass von weiteren Sachverhaltsabklärungen keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten sind. Der Beschwerdeführer zitiert seinerseits unter Bezugnahme au f den Bericht von Dr. C.____ vom 12. März 2013 eine wissenschaftliche Studie, wonach 10 von 33 untersuchten Patienten fünf Jahre posttraumatisch beschwerdefrei lebten und nach ein er Verlaufskontrolle nach zwölf Jah- ren insgesamt 15 % der Patienten noch immer keine Sc hmerzen verspürten. Daraus lässt sich jedoch einzig ableiten, dass auch bei bereits bestehende n degenerativen Veränderungen über einige Jahre keinerlei behandlungsbedürftigen Beschwe rden auftreten können. Die zitierte Stu- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die lässt jedoch ebenfalls keinen gesicherten Rückschluss auf d en Zeitpunkt der primären Ver- letzung zu. Zudem kann aufgrund eines statistischen Wer ts von lediglich 15 % bzw. 30 % nicht von einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgegangen werden (vgl. E. 3.3 hiervor bzw. die dortigen Hinweise). Der Beschwerdeführer vermag den Ze itpunkt des primären Unfallereignis- ses somit auch anhand der aus dem Bericht von Dr. C.____ vom 12. März 2013 abzuleitenden Indizien nicht rechtsgenüglich nachzuweisen. 5.4 Nach dem Gesagten ist die Möglichkeit, dass sich das ursp rüngliche Unfallereignis an dem vom Beschwerdeführer geltend gemachten Datum vom 27. Dezember 2008 ereignet hat, als ebenso wahrscheinlich zu betrachten wie die Möglichkeit eines noch früheren Unfallzeit- punkts. Gewichtige Gründe für einen Geschehensablauf, w elche andere denkbare Möglichkei- ten als unmassgeblich erscheinen liessen, sind nicht ersichtli ch. Da somit für beide Sachver- haltsversionen plausible Gründe sprechen, kann bei kei ner von einer überwiegenden Wahr- scheinlichkeit ausgegangen werden (vgl. E. 3.3 hiervor). 5.5 Soweit sich der Beschwerdeführer unter Bezugnahme auf BGE 130 III 324 E. 3.2 auf zusätzlich zu gewährende Beweiserleichterungen beruft, i st ihm entgegenzuhalten, dass sich der erwähnte Entscheid auf das Zivilverfahren bezieht, in welchem die bloss überwiegende Wahrscheinlichkeit – abgesehen von gewissen, hier nicht i nteressierenden Ausnahmen – als Beweisgrad nicht ausreichend ist (anstelle vieler: BGE 1 30 III 324 E. 3.2; B ERGER /N OGLER , a.a.O., S. 171). Demgegenüber besteht beim sozialversicherungsrechtlichen Regelbeweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit kein Raum für zusät zliche Beweiserleichterungen (vgl. E. 3.2 f. hiervor). Der Verweis des Beschwerdeführers auf die bundesgerichtliche Rechtspre- chung erweist sich als nicht einschlägig. 5.6 In Würdigung der vorstehenden Unterlagen kommt da s Gericht zum Schluss, dass der Beschwerdeführer nicht mit der im Sozialversicherungsrecht notwendigen überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachweisen kann, dass sich die erlittene S caphoidfraktur an dem von ihm behaupteten Unfalldatum vom 27. Dezember 2008 ereignet hat. Für die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Sachbehauptung besteht demnach Bewe islosigkeit, deren Folgen zu seinen Ungunsten ausfallen (vgl. E. 3.4 hiervor). Vor diesem Hintergrund sind die Verfügung der Be- schwerdegegnerin vom 12. Juli 2012 sowie ihr Einspracheentscheid vom 11. Juni 2013 nicht zu beanstanden. Die Beschwerde muss folglich abgewiesen werden. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor de m kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Gesundheit Präsident Gerichtsschreiber i.V. http://www.bl.ch/kantonsgericht