Personensicherheitsprüfungen 2012/25 BVGE / ATAF / DTAF 509 LANDESRECHT — DROIT NATIONAL — DIRITTO NAZIONALE 1 Staat – Volk – Behörden Etat – Peuple – Autorités Stato – Popolo – Autorità 25 Auszug aus dem Urteil der Abteilung I i.S. A. gegen die Fachstelle für Personensicherheitsprüfungen A‒6210/2011 vom 5. September 2012 Personensicherheitsprüfung. Sicherheitsverfügung mit Vorbehalt. Grundsatzurteil. Art. 21 Abs. 3 BWIS. Art. 21 Abs. 1 Bst. b PSPV von 2001. Eine Risikoverfügung mit Vorbehalt darf gestützt auf Art. 21 Abs. 3 BWIS und Art. 21 Abs. 1 Bst. b PSPV von 2001 nicht mit Auflagen verbunden werden, die zu einem bestimmten Tun, Dulden oder Unterlassen verpflichten. Für solche Anordnungen fehlt die erforderliche gesetzliche Grundlage (E. 8.1‒8.4 und 9). Contrôle de sécurité relatif aux personnes. Déci sion relative à la sécurité assortie de réserves. Arrêt de principe. Art. 21 al. 3 LMSI. Art. 21 al. 1 let. b OCSP de 2001. Une décision sur le risque assortie de réserves ne peut prescrire, sur la base des art. 21 al. 3 LMSI et art. 21 al. 1 let. b OCSP de 2001, des charges qui s'apparentent à une obligation de faire, de tolérer ou de s'abstenir. Il manque une base légale pour une telle injonction (consid. 8.1‒8.4 et 9). Controllo di sicurezza relativo alle persone. Dich iarazione di sicurez- za vincolata. Sentenza di principio. Art. 21 cpv. 3 LMSI. Art. 21 cpv. 1 lett. b OCSP del 2001. 2012/25 Personensicherheitsprüfungen 510 BVGE / ATAF / DTAF Una decisione sui rischi con riserva non può essere vincolata ad un obbligo di fare, tollerare o omettere in base agli art. 21 cpv. 3 LMSI e art. 21 cpv. 1 lett. b OCSP del 2001. Per adottare simili disposizioni manca la necessaria base legale (consid. 8.1‒8.4 e 9). Seit 1996 ist A. beim eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) als (…) tätig. Mit Verf ügung vom 18. Oktober 2011 ordnete die Fachstelle für Personensicherheitsprüfungen, was folgt, an: « 1. A. wird bedingt als Sicherheitsrisiko im Sinne von BWIS und PSPV erachtet. Aufgrund der Erwägungen der Fachstelle wird eine Risikoverfügung mit Auflagen erlassen. 2. A. verpflichtet sich gegenüber seinem Linienvorgesetz ten (Arbeitgeber), diesen halbjährlich schriftlich und detailliert über die persönliche finanzielle Situation zu informieren unter gleich- zeitiger V orweisung eines aktuellen Betreibungsregisterauszugs. Diese Auflagen sind gültig, bis eine neue Sicherheitsprüfung derselben Stufe abgeschlossen ist. 3. Bei einem Verstoss gegen die Auflagen oder bei angenommenen Risiken durch den Arbeitgeber hat dieser vor Ablauf der Frist von fünf Jahren nach Art. 18 Abs. 2 der Verordnung vom 4. März 2011 über die Personensicherheitsprüfung bei der zuständigen Prüfbehörde vorzeitig eine Wiederholung der Personensicher - heitsprüfung zu beantragen. » Dagegen erhebt A. (nac hfolgend: Beschwerdeführer) mit Schreiben vom 15. November 2011 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, mit dem Antrag, die Verfügung der Fachstelle vom 18. Oktober 2011 sei aufzuheben, die Durchführung der Personensicherheitsprüfung der Bundeskanzlei od er einer anderen unbefangenen Stelle zuzuweisen und die Fachstelle an die formellen sowie materiellen Grundsätze beim Erlass von Verfügungen zu erinnern. Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde im Sinne der Erwägungen teilweise gut, hebt die ang efochtene Verfügung auf und ordnet an, dass der Beschwerdeführer als Sicherheitsrisiko mit V orbehalt im Sinne des Bundesgesetzes vom 21. März 1997 über Massnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit (BWIS, SR 120) und der Verordnung vom 19. Dezember 2001 üb er die Personensicherheitsprüfungen (PSPV Personensicherheitsprüfungen 2012/25 BVGE / ATAF / DTAF 511 von 2001, AS 2002 377) einzustufen ist, wenn die in den Erwägungen umschriebenen Empfehlungen umgesetzt werden. Aus den Erwägungen: 8.1 Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge - nossenschaft vom 18. April 1999 (BV , SR 101) schützt die Privatsphäre des Einzelnen. Eine weitgehend identische Garantie findet sich in Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschen - rechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101). Beide Bestimmungen gewähren dem E inzelnen einen Lebensbereich, in dem er seine Persönlichkeit unbehelligt von staatlichen Eingriffen entfalten kann. Welche Aspekte des Privatlebens dadurch geschützt sind, ist im Einzel - fall bezogen auf einen konkreten Lebenssachverhalt zu bestimmen. Nach der Praxis gehört dazu jedenfalls die Möglichkeit, ungehindert per - sönliche Beziehungen zu knüpfen und zu entwickeln (BGE 138 I 6 E. 4.1; STEPHAN BREITENMOSER, in: Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/ Vallender [Hrsg.], Die schweizerische Bundesverfassung, Kommentar, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2008, Art. 13 N. 17 ff., nachfolgend: St. Galler BV -Kommentar; REGINA KIENER/WALTER KÄLIN, Grund- rechte, Bern 2007, S. 148 ff.; JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S. 138 f.). In diesem Bereich überschneidet sich der Schutzbereich des Grundrechts auf Achtung der Privatsphäre bisweilen mit jenem der persönlichen Freiheit im Sinne von Art. 10 Abs. 2 BV (BGE 133 I 77 E. 2, BGE 127 I 6 E. 5; BREITENMOSER, St. Galler BV -Kommentar, Art. 13 N. 9 f.; KIENER/ KÄLIN, a.a.O., S. 162 f.; ULRICH HÄFELIN/WALTER HALLER/HELEN KELLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, N. 380a). 8.2 Indem die V orinstanz den Beschwerdeführer angewiesen hat, seine finanzielle Situ ation halbjährlich schriftlich und detailliert unter V orweis eines aktuellen Betreibungsregisterauszugs gegenüber seinem Linienvorgesetzten offenzulegen, hat sie möglicherweise in den Schutz- bereich von Art. 10 Abs. 2 BV , jedenfalls in jenen von Art. 13 BV und Art. 8 EMRK eingegriffen (vgl. bereits Urteil des Bundesverwaltungs- gerichts A‒7512/2006 vom 23. August 2007 E. 4.2 sowie in Bezug auf die Weitergabe von im Rahmen einer Personensicherheitsprüfung erhobenen Daten: BVGE 2009/43 E. 3.3). Ein solcher Gr undrechtsein- griff ist gemäss Art. 36 BV zulässig, wenn er sich auf eine ausreichende 2012/25 Personensicherheitsprüfungen 512 BVGE / ATAF / DTAF gesetzliche Grundlage stützt (Abs. 1), im öffentlichen Interesse liegt (Abs. 2) und sich als verhältnismässig erweist (Abs. 3). 8.3 Art. 36 BV ist für die angefochtene Weisu ng an den Linien - vorgesetzten (Arbeitgeber) des Beschwerdeführers nicht massgebend, da hiervon eine Behörde betroffen ist, die sich als solche weder auf das Grundrecht der persönlichen Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV) noch jenes der Achtung des Privat - oder Fa milienlebens (Art. 13 BV , Art. 8 EMRK) berufen kann (HÄFELIN/HALLER/KELLER, a.a.O., N. 369 und 380 ff.). Die für Grundrechte geltende Schrankenregelung gilt indes in ihrer Grundstruktur für das staatliche Handeln allgemein (Art. 5 Abs. 1 und 2 BV; RAINER J. SCHWEIZER, St. Galler BV-Kommentar, Art. 36 N. 9; YVO HANGARTNER, St. Galler BV -Kommentar, Art. 5 N. 3). Demzufolge erweist sich die angefochtene Weisung auch an den Linienvorgesetzten (Arbeitgeber) des Beschwerdeführers nur dann als rechtmässig, wenn sie auf einer gesetzlichen Grundlage beruht (Art. 5 Abs. 1 BV), dem öffentlichen Interesse dient (Art. 5 Abs. 2 BV) und verhältnismässig (Art. 5 Abs. 2 BV) ist. 8.4 Im Sinne dieser Ausführungen ist nachfolgend zunächst zu prüfen, ob sich die angefochtenen Weisungen auf eine gesetzliche Grund- lage zu stützen vermögen. 9. Der angewiesene Linienvorgesetzte (Arbeitgeber) des Be - schwerdeführers ist der V orinstanz nicht untergeordnet, womit dieser nicht in der Eigenschaft als Aufsichtsbehörde Weisungsbefugnis zu - kommt (vgl. dazu: ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, N. 1232, 1229). Davon geht denn auch die V orinstanz nicht aus. Viel - mehr leitet sie sowohl die gegenüber dem Beschwerdeführer als auch dessen Linienvorgesetzten (Arbeitgeber) getroffene Handlungsanweisung aus Art. 21 Abs. 3 BWIS und Art. 21 Abs. 1 Bst. b PSPV von 2001 ab. Ob und gegebenenfalls welche Formen von Handlungsanweisungen auf dieser Grundlage verfügt werden dürfen, hat das Bundes gericht bis anhin nicht entschieden. Das Bundesverwaltungsgericht hat in der Vergangen - heit verschiedentlich von der V orinstanz als Auflagen, vereinzelt als Empfehlungen bezeichnete Verhaltensanweisungen an überprüfte Per - sonen, bisweilen ausserdem an dere n Arbeitgeber(innen) überprüft, diese im Allgemeinen als bundesrechtskonform eingestuft (Urteile des Bundes- verwaltungsgerichts A–705/2007 vom 6. August 2007 E. 9.3 [Auflage], A–102/2010 vom 20. April 2010 E. 4 [vorsorgliche Massnahmen gegen - über einem Rek ruten in Form von Empfehlungen], […] , A –5391/2011 Personensicherheitsprüfungen 2012/25 BVGE / ATAF / DTAF 513 vom 5. April 2012 E. 5 [Empfehlung bezüglich der Armeewaffe gestützt auf Art. 113 MG] ), nicht im Zusammenhang mit der militärischen Sicherheitsprüfung stehende Empfehlungen wegen Verfahrensmängeln aufgehoben (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A –6275/2010 vom 27. April 2011 E. 12.2, A –5050/2011 vom 12. Januar 2012 E. 10.2 [Empfehlungen gegenüber Rekruten]) und in einem Fall eine als Auflage bezeichnete Nebenabrede abgeändert (Urteil des Bundesver waltungs- gerichts A –802/2007 vom 3. Dezember 2007 E. 7.3 ff. [Hinweis auf Sensitivität der einsehbaren Daten]) . Mit dieser Rechtsprechung hat das Bundesverwaltungsgericht die von der Rekurskommission VBS (REKO VBS) als dessen V orgängerinstitution entwickelte Praxis fortgesetzt (vgl. insbes.: Urteil der REKO VBS vom 27. Dezember 2005, veröffentlicht in Verwaltungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 70.24 E. 7 [Drogentest und Weisung an den Arbeitgeber bezüglich vorzeitiger Einleitung der Sicherheitsprüfung], Urt eil der REKO VBS vom 26. August 2003, veröffentlicht in VPB 70.48 E. 10 [Hinweis auf Sensitivität der einsehbaren Daten] ). Offengelassen wurde, welche Tragweite solchen mit einer Risikoverfügung verbundenen Nebenabreden beizumessen ist. 9.1 Um diese Frage zu b eantworten, sind anschliessend die mass - geblichen Regelungen auszulegen. Grundlage bildet dabei deren Wort - laut, wobei die französische und italienische Fassung der interessieren - den Regelungen ebenso massgeblich sind wie die deutsche. Lassen diese mehrere Interpretationen zu, muss unter Berücksichtigung sämtlicher Auslegungselemente nach der wahren Tragweite der fraglichen Be - stimmungen gesucht werden. Abzustellen ist dabei namentlich auf die Entstehungsgeschichte der Normen und deren Zweck sowie auf die Bedeutung, die diesen im Kontext mit anderen Bestimmungen zukommt. Die Gesetzesmaterialien dienen dabei als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu erkennen. Namentlich bei neueren Texten kommt ihnen eine besondere Stellung zu, weil veränderte Umstände oder ei n gewandeltes Rechtsverständnis eine andere Lösung weniger nahelegen. Das Bundes - gericht hat sich bei der Auslegung von Erlassen stets von einem Metho - denpluralismus leiten lassen und nur dann allein auf die grammatika - lische Auslegung abgestellt, wenn sic h daraus zweifelsfrei die sachlich richtige Lösung ergab (BGE 131 II 697 E. 4.1, BGE 128 I 34 E. 3b; vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A –512/2012 vom 12. Juni 2012 E. 5.1 und A–2969/2010 vom 28. Februar 2012 E. 11.4.1). 9.2 Gemäss Art. 21 Abs. 3 BWIS kann die für die Sicherheitsprü - fung zuständige Behörde eine Risikoverfügung mit V orbehalt erlassen. 2012/25 Personensicherheitsprüfungen 514 BVGE / ATAF / DTAF Diese spezielle Form einer Risikoverfügung wird in Art. 21 Abs. 1 Bst. b PSPV von 2001 dahingehend konkretisiert, als eine Risikoverfügung mit Auflagen zu fällen ist, wenn die zuständige Behörde eine Person als Sicherheitsrisiko mit V orbehalt einstuft. Demgegenüber wird weder in der französischen noch italienischen Fassung von Art. 21 Abs. 1 Bst. b PSPV von 2001 der Begriff der Auflage verwendet. Danach ist eine Risikoverfügung unter V orbehalt zu erlassen, wenn die Fachstelle zur Überzeugung gelangt, dass die in Frage stehende Person ein Sicherheits - risiko sein könnte (« une décision sur le risque assortie de réserve: que la personne considerée pourrait prése nter un risque pour la sécurité », « una decisione sui rischi vincolata: il servizio specializzato ritiene che la persona interessata rappresenti un rischio per la sicure zza con riserva »). Ob diese Regelungen inhaltlich übereinstimmen, hängt davon ab, wel che Bedeutung den darin verwendeten Begriffen « Auflage » und « V orbe- halt » zukommt. 9.2.1 Nach dem allgemeinen Sprachgebrauch wird unter dem Begriff « V orbehalt » gemeinhin eine Einschränkung verstanden, die unter Umständen geltend gemacht werden muss (Brockh aus, WAHRIG Deutsches Wörterbuch, 9. Aufl., Gütersloh/München 2011, S. 1609; < http://de.wikipedia.org > V orbehalt, besucht am 26. Juli 2012). Der Duden führt als Synonyme hierfür insbesondere die Auflage, Bedingung, Einschränkung, Klausel, Kondition, V oraussetzung, Prämisse (bildungs- sprachlich), Bedingnis (österreichische Amtssprache) sowie Kautel (Rechtsprechung) an (< http://www.duden.de > V orbehalt, besucht am 26. Juli 2012). Umgangssprachlich wird den Begriffen « V orbehalt » und « Auflage » demnach dieselbe Bedeutung beigemessen. 9.2.2 In der Rechtswissenschaft findet sich der Begriff « V orbehalt » als Rechtsfigur nicht. Hingegen existiert jener der Auflage. Hierbei han - delt es sich um eine Nebenbestimmung, die präzisierend zu einer begüns - tigenden Haup tverfügung hinzutritt, indem sie eine Verfahrenspartei zu einem bestimmten Tun, Dulden oder Unterlassen verpflichtet. Eine solche Nebenabrede berührt die Wirksamkeit der Verfügung nicht. Deren Einhaltung kann jedoch mit hoheitlichem Zwang selbständig durch ge- setzt werden (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A –3713/2008 vom 15. Juni 2011 E. 12.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N. 913 f.; BLAISE KNAPP, Grundlagen des Verwaltungsrechts, Bd. I, Basel 1992, N. 985; PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, § 28 N. 94; PIERRE MOOR/ETIENNE POLTIER, Droit administratif, Bd. II, 3. Aufl., Bern 2011, Personensicherheitsprüfungen 2012/25 BVGE / ATAF / DTAF 515 S. 92). In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Auflage sowohl von der Befristung als auch der Bedingung als die beiden anderen Formen von Nebenbestimmungen, die in der Rechtswissenschaft im Allgemeinen unterschieden werden. Erstere begrenzt die Rechtswirksamkeit einer Ver- fügung auf einen zum V oraus bestimmten Zeitraum (Urteil des Bundes - verwaltungsgerichts A‒3713/2008 vom 15. Juni 2011 E. 12.1; HÄFELIN/ MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N. 903; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 28 N. 96). Letztere macht diese vom Eintritt eines zukünftigen ungewissen Ereignisses abhängig ( HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N. 907). 9.2.3 Werden die interessierenden Begriffe « V orbehalt » und « Auf- lage », dem allgemeinen Sprachgebrauch folgend, als Synonyme aufgefasst, so bieten sowohl Art. 21 Abs. 3 BWIS als auch Art. 21 Abs. 1 Bst. b PSPV von 2001 die Möglichkeit, eine Risikoverfügung mit beliebigen Nebenabreden zu verknüpfen, welche Rahmenbedingungen schaffen, mit deren Hilfe das von einer Person ausgehende Sicherheits - risiko auf ein vertretbares Mass reduziert werden kann. Wird jedoch vom rechtlichen Verständnis der fraglichen Begriffe ausgeg angen, so hat der Bundesrat in der deutschen Fassung von Art. 21 Abs. 1 Bst. b PSPV von 2001 die mit einer Risikoverfügung verknüpfbaren Nebenbestimmungen auf Auflagen beschränkt, während dessen französische und italienische Fassung – wie Art. 21 Abs. 3 BWIS – sämtliche denkbaren Formen von Nebenabreden zulassen. 9.3 Welches dieser beiden Ergebnisse der grammatikalischen Aus - legung den Sinn und Zweck der fraglichen Regelungen besser wider- spiegelt, kann den Materialien nicht entnommen werden, zumal der Bundesrat keinen erläuternden Bericht zur PSPV von 2001 publiziert hat (vgl. in Bezug auf das BWIS: BBl 1994 II 1147 f. und 1187 ff.). Für eine grosszügige Auslegung spricht einerseits die vom Gesetzgeber in Art. 21 Abs. 3 BWIS gewählte Formulierung. Andererseits die hinter der Risikoverfügung mit V orbehalt stehende Absicht, in Nachachtung an das verfassungsmässige Verhältnismässigkeitsprinzip (Art. 5 Abs. 3 BV) negative Risikoverfügungen, wenn immer möglich, zu vermeiden. 9.4 In Bezug auf die Gesetzessystematik ist d erweil zu beachten, dass die Fachstelle gemäss Art. 21 Abs. 4 Satz 2 BWIS keine Anord - nungen treffen kann, welche die für die Wahl oder Übertragung einer Funktion zuständige Behörde binden. Diese Regelung wird in dem unter dem Titel « Folgen der Verfügung » stehenden Art. 24 PSPV von 2001 wiederholt (Abs. 1) und dahingehend ergänzt, dass die entscheidende 2012/25 Personensicherheitsprüfungen 516 BVGE / ATAF / DTAF Behörde die Fachstelle innert 30 Tagen nach Eingang der Risiko - verfügung schriftlich darüber informiert, wenn sie einen von der Ver - fügung der Fachstelle abweichenden Entscheid getroffen hat (Abs. 3). Der Bundesrat hat diese Regelung in der Botschaft vom 7. März 1994 damit begründet, dass die antragstellende Behörde bei verweigerter Sicherheitserklärung wohl in der Regel die Sicherheitseinschätzung der Fachstelle übernehme. Es müsse aber der Weg offenbleiben, dass die Wahlbehörde ein bestehendes Risiko durch konkrete Massnahmen auf andere Weise eliminieren könne als durch Nichtwahl der überprüften Person. Nur private Arbeitgeber, die als Vertragspartner des Bundes an klassifizierten Projekten mitwirken würden, seien an das Prüfungs - ergebnis der Fachstelle gebunden (BBl 1994 II 1188). Für die hier interessierende Frage nach Inhalt und Tragweite von Risikoverfügungen mit V orbehalt bedeutet dies, dass die Fachbe hörde keine Anordnungen treffen kann, die den in der Bundesverwaltung eingebundenen (zukünf - tigen) Arbeitgeber oder allenfalls den (zukünftigen) Linienvorgesetzten der überprüften Person binden. Infolgedessen hat sie nicht die Möglich - keit, diesen im Sinne einer Auflage im Rechtssinne zu einem bestimmten Tun, Dulden oder Unterlassen zu verpflichten. Damit ist zugleich aus - geschlossen, der überprüften Person eine Auflage im Rechtssinne auf - zuerlegen, da solches nur denkbar wäre, wenn deren (zukünftige r) Arbeitgeber und/oder Linienvorgesetzter an die Risikoeinschätzung der V orinstanz gebunden wäre. Die systematische Auslegung gebietet somit eine einschränkende Interpretation von Art. 21 Abs. 3 BWIS und Art. 21 Abs. 1 Bst. b PSPV von 2001 , die Auflagen im Recht ssinne als Neben - bestimmungen von Risikoverfügungen mit V orbehalt jedenfalls dann ausschliesst, wenn die zu überprüfende Person bei einem in der Bundes - verwaltung eingebundenen Arbeitgeber beschäftigt ist oder von einem solchen angestellt werden soll. 9.5 Als Ergebnis der Auslegung von Art. 21 Abs. 3 BWIS und Art. 21 Abs. 1 Bst. b PSPV von 2001 kann damit festgehalten werden, dass Risikoverfügungen mit V orbehalt auf Fallkonstellationen zuge - schnitten sind, bei denen von einer zu überprüfenden Person zwar grund - sätzlich ein Sicherheitsrisiko im Sinne des BWIS ausgeht, dieses jedoch durch geeignete Rahmenbedingungen auf ein vertretbares Ausmass reduziert werden kann, sodass deren Anstellung oder Weiterbeschäf - tigung – wie sich der Gesetzgeber ausdrückt – mit V orbehalt empfohlen werden kann. Eine solche Risikoerklärung darf mit Nebenabreden ver - bunden werden, die Massnahmen vorschlagen, allenfalls Bedingungen formulieren, bei deren Verwirklichung das von der zu überprüfenden Personensicherheitsprüfungen 2012/25 BVGE / ATAF / DTAF 517 Person ausgehende Sicherheitsrisiko auf e in vertretbares Ausmass be - schränkt werden kann, nicht jedoch die zu überprüfende Person oder deren (zukünftigen) Arbeitgeber im Sinne von Auflagen im Recht ssinne zu einem bestimmten Tun, Dulden oder Unterlassen verpflichten. 9.6 In Bezug auf den vorliegenden Fall hat dies zur Folge, dass Art. 21 Abs. 3 BWIS und Art. 21 Abs. 1 Bst. b PSPV von 2001 keine gesetzliche Grundlage bieten, um den Beschwerdeführer zu verpflichten, seine finanzielle Situation halbjährlich unter V orlage eines aktuellen Betreibungsregisterauszugs seinem Linienvorgesetz ten (Arbeitgeber) offenzulegen. Ebenso wenig kann dessen Linienvorgesetzter (Arbeit - geber) auf dieser Grundlage angewiesen werden, vorzeitig eine erwei - terte Sicherheitsprüfung mit persönlicher Befragung einzuleiten, wenn sich der Beschwerdeführer weigert, seine finanziellen Verhältnisse offen - zulegen, oder sich seine finanzielle Situation verschlechtert. Dass sich die entsprechenden Anordnungen auf eine andere Rechtsgrundlage stüt - zen lassen, ist weder geltend gemacht worden noch ersichtlich. Ihnen fehlt es somit an der erforderlichen gesetzlichen Grundlage (vgl. E. 8.4), weshalb die entsprechenden Anordnungen in Gutheissung der hiergegen erhobenen Beschwerde aufzuheben sind (…).