Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 19. April 2023 (810 22 246) ____________________________________________________________________ Personalrecht Verlängerung des Arbeitsverhältnisses bei Erkrankung während laufender Kündigungs- frist / Rechtsmissbrauch Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Stef an Schulthess, Markus Clausen, Daniel Noll, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Stefan Fierz, Rechtsanwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Vorinstanz Einwohnergemeinde B.____ , Beschwerdegegnerin Betreff Kündigung des Arbeitsverhältnisses (RRB Nr. 1600 vom 1. November 2022) A. A.____ war seit dem 1. Mai 2011 in einem unbefrist eten Arbeitsverhältnis als Leiter Finanzen und Steuern mit einem Pensum von 100 % bei der Gemeinde B.____ angestellt. Im Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Jahr 2012 hatte er zusätzlich die Leitung des Bereichs In formatik, für welchen zuvor der Ge- schäftsleiter bzw. dessen Stellvertreter zuständig waren, ü bernommen. Mit Arbeitsvertrag vom 7. /15. Januar 2014 wurde A.____ neu als Leiter Finanzen/Ressourcen angestellt, später wurde seine Funktion wieder in Leiter Finanzen und Steuern u mbenannt. Ab Stellenantritt bis und mit dem Jahr 2016 wurden die Leistungen und das Verhalten von A.____ als "sehr gut" oder "her- vorragend" beurteilt. B. Im Herbst 2016 kam es erstmals zu Differenzen zwische n A.____ und dem Geschäfts- leiter. Die Konflikte und Unstimmigkeiten insbesonder e zwischen ihnen beiden spitzten sich in der Folge weiter zu, sodass A.____ im November 2018 i m Rahmen eines formellen Disziplinar- verfahrens vom Gemeinderat B.____ (Gemeinderat) erma hnt wurde. Zudem wurden Work- shops auf Führungsebene mit externer Unterstützung durch die Firma C.____ durchgeführt. Dennoch gestaltete sich die Zusammenarbeit zwischen A.___ _ und dem Geschäftsleiter wei- terhin als schwierig. C. Mit Schreiben vom 10. September 2019 wurde A.____ vom Geschäftsleiter über die Einleitung eines zweiten Disziplinarverfahrens informiert. D. Seit dem 26. November 2019 war A.____ krankgeschrieb en. Am 14. Januar 2020 ord- nete der Gemeinderat an, dass A.____ sich einer vertrau ensärztlichen Untersuchung zu unter- ziehen habe. Diese Untersuchung fand am 11. Februar 2020 statt. E. Vom 23. März 2020 bis zum 15. November 2020 war A. ____ zu 50 % krankgeschrie- ben und seit dem 16. November 2020 wieder voll arbei tsfähig. Mit Schreiben vom 12. März 2020 teilte A.____ der Gemeindeverwaltung B.____ (Gemeindeverwaltung) mit, dass er ab dem 23. März 2020 mit einem Pensum von 50 % seine Arbeitstätigkeit werde aufnehmen können. F. Mit Verfügung der Gemeinde B.____ vom 23. März 20 20 wurde A.____ freigestellt. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass es sowohl im betriebli chen als auch im gesundheitlichen Interesse liege, den möglichen Wiedereintritt ordentl ich zu planen. Die künftigen Aufgaben und Funktionen müssten geklärt werden, da der Geschäftsleiter im November 2019 die Ansicht ver- treten habe, dass A.____ in seiner bisherigen Funktion a ls Leiter Finanzen und Steuern sowie als stellvertretender Geschäftsführer überfordert und aufgrund der daraus resultierenden Ver- haltensweisen gegenüber dem Personal, den Mandatsnehmer n und dem Geschäftsleiter nicht länger in diesen Funktionen tragbar sei. Ein Wieder eintritt in die angestammten Funktionen würde voraussichtlich zu einer wesentlichen Verunsicherung d es Personals und damit verbun- den zu einer Beeinträchtigung der betrieblichen Abläufe führen. G. Mit Beschluss vom 19. Mai 2020 erteilte der Gemeinde rat der Firma C.____ den Auf- trag zum Newplacement von A.____. H. Anfangs Juli 2020 wurde A.____ auf dessen Wunsch hin ein Zwischenzeugnis ausge- stellt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Schreiben vom 5. November 2020 wurde A.____ da s rechtliche Gehör zur beab- sichtigten Auflösung des Arbeitsverhältnisses gewährt, wel ches er mit Stellungnahme vom 16. November 2020 wahrgenommen hat. J. Mit Beschluss Nr. 410/2020 des Gemeinderats vom 24. November 2020 wurde A.____ per 30. November 2020 mit Austritt per 30. Mai 2021 gekündigt. Dagegen erhob A.____ mit Eingabe vom 3. Dezember 2020 Beschwerde beim Regierung srat des Kantons Basel- Landschaft (Regierungsrat). K. Mit Verfügung vom 26. Februar 2021 gewährte die Gemeindeverwaltung A.____ keine Lohnerhöhung für die Jahre 2020 und 2021 und verfüg te am 10. März 2021, dass das Zwi- schenzeugnis nicht weiter angepasst und die beantragte Er streckung der Kündigungsfrist auf- grund der Erkrankung von A.____ während der Kündigun gsfrist nicht gewährt würden. Die da- gegen von A.____ erhobenen Einsprachen wies der Gemein derat mit Beschluss Nr. 139/2021 vom 18. Mai 2021 ab. Der Gemeinderat bestätigte, dass A .____ keine Lohnerhöhung für die Jahre 2020 und 2021 gewährt werde (Ziffer 2), das Zwi schenzeugnis nicht weiter angepasst werde (Ziffer 3) sowie die sechs eingereichten Krankh eitstage die Kündigungsfrist nicht verlän- gern würden (Ziffer 4). Gegen die Ziffern 2 bis 4 de s Beschlusses des Gemeinderats Nr. 139/2020 vom 18. Mai 2021 erhob A.____ am 27. M ai 2021 Beschwerde beim Regierungs- rat. Mit Verfügung vom 18. November 2021 vereinigte d er Regierungsrat die Verfahren betref- fend Kündigung, Lohnerhöhung, Zwischenzeugnis und Verlängerung der Kündigungsfrist. L. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 1600 vom 1. N ovember 2022 hiess der Regie- rungsrat die Beschwerde von A.____ vom 3. Dezember 2020 betreffend die Kündigung auf- grund einer mehrfachen Verletzung des rechtlichen Geh örs teilweise gut und ihm wurde eine Entschädigung in der Höhe von vier Monatslöhnen zulasten der Gemeinde zugesprochen. Die Beschwerde vom 27. Mai 2021 betreffend Lohnerhöhung, Zwischenzeugnis sowie Verlänge- rung der Kündigungsfrist wurde insofern gutgeheissen, als dass die Ziffern 2 und 3 des Be- schlusses des Gemeinderats Nr. 139/2020 vom 18. Mai 2021 aufgehoben und zur Neubeurtei- lung an den Gemeinderat im Sinne der Erwägungen zur ückgewiesen wurden. Soweit sich die Beschwerde gegen Ziffer 4 richtete, wurde sie abgewies en mit der Begründung, dass sich der Antrag auf Verlängerung der Kündigungsfrist als rechtsmissbräuchlich erweise. M. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Stefan Fierz, Rechtsanwalt in Basel, mit Ein- gabe vom 11. November 2022 Beschwerde beim Kantonsger icht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), und beantragt, es sei der Teil von Ziffer 2 des RRB Nr. 1600 vom 1. November 2022 aufzuheben, in welchem Ziffer 3 der Beschwerde vom 27. Mai 2022 abgewiesen wurde, d.h. es sei Ziffer 4 des Beschl usses Nr. 139/2020 vom 18. Mai 2021 betreffend die Verlängerung der Kündigungsfrist vollu mfänglich aufzuheben und festzustellen, dass sein Arbeitsverhältnis bis Ende Juni 2021 bestanden h abe. Die Beschwerdegegnerin sei zur Nachzahlung des Lohns zuzüglich Arbeitgeberanteil BVG für den Monat Juni 2021 in der Höhe von Fr. 20'663.--, davon Fr. 17'977.45 brutto un d Fr. 2'685.50 netto, an ihn zu verpflich- ten; alles unter o/e-Kostenfolge zulasten der Beschwerdeg egnerin. Zur Begründung führte er zusammengefasst aus, er sei während der Kündigungsfrist – nämlich vom 17. bis 19. Februar Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2021 sowie vom 14. bis 18. April 2021 – krankheitshalb er arbeitsunfähig gewesen, weshalb sich die Kündigungsfrist um einen Monat verlängere. N. Am 5. Januar 2023 reichte die Unia Arbeitslosenkasse ein Schreiben ein. O. Am 13. Januar 2023 beantragt die Gemeinde innert erstreckter Frist die vollumfängli- che Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Unte r Verweis auf ihre bisherigen Aus- führungen verzichtet sie auf eine Stellungnahme. P. In ihrer Vernehmlassung vom 13. Januar 2023 stellt die Vorinstanz den Antrag auf kos- tenfällige Abweisung der Beschwerde. Q. Mit Verfügung vom 8. Februar 2023 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. R. Am 9. März 2023 reichte der Rechtsvertreter des Besc hwerdeführers seine Honorarno- te ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialge setzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts, A bteilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht, zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gegeben. Der Beschwerdeführer ist Adres- sat des angefochtenen Entscheids und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen gemäss d en §§ 43 ff. VPO gegeben sind, ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob si ch das Arbeitsverhältnis zwischen den Parteien infolge eines Unterbruchs der Kündigungs frist durch eine Sperrfrist verlängert hat und die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer Lohn für den Monat Juni 2021 schuldet. 4.1 Im angefochtenen Entscheid führt die Vorinstanz au s, dass im vorliegenden Fall eine Kündigungsfrist von sechs Monaten vereinbart worden sei . Zudem sei der Beschwerdeführer seit Ende März 2020 freigestellt gewesen. Unter diesen Voraussetzungen und der im Vergleich Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zur Kündigungsfrist und zur Dauer der Freistellung kurze n Arbeitsunfähigkeit erweise sich der Antrag auf Verlängerung der Kündigungsfrist als rechtsmissbräuchlich. 4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er vom 17. bis 19. Februar 2021 sowie vom 14. bis 18. April 2021 und damit während der Kündigungsfrist krank gewesen sei. Die Kün- digungsfrist vom Dezember 2020 bis Ende Mai 2021 ve rlängere sich durch die 8-tägige Krank- heit um einen Monat auf Ende Juni 2021. Gemäss der bu ndesgerichtlichen Rechtsprechung komme die Verlängerung des Arbeitsverhältnisses auch bei Kurzabsenzen zum Tragen und Rechtsmissbrauch werde nur in ausserordentlichen Fällen angenommen. Bei ihm handle es sich um einen über 60-jährigen Mitarbeiter, für welche n sich die Stellensuche gerichtsnotorisch als besonders schwierig darstelle. Es sei zu berücksichtigen, dass er zwar ab März 2020 freige- stellt gewesen sei. Die Freistellung sei jedoch unter dem Vorwand erfolgt, seine Rückkehr an den Arbeitsplatz zu planen, und er habe sich daher bis E nde November 2020 noch in ungekün- digter Stellung befunden. Demzufolge habe er keinen Anlass gehabt, sich zu bewerben. Die Freistellung vor der Kündigung im Zeitraum März bis No vember 2020 sei demzufolge für die Verlängerung der Kündigungsfrist bzw. den Rechtsmissbrau ch unbeachtlich. Nach der Argu- mentation der Vorinstanz wäre es immer rechtsmissbräuchli ch, wenn sich ein Mitarbeiter nach einer Erkrankung von etwas mehr als einer Woche entsprech end dem klaren Gesetzeswortlaut auf die Verlängerung des Arbeitsverhältnisses berufen w ürde, wenn die Kündigungsfrist sechs Monate und die Kündigung unter Freistellung erfolge. Mit der zweimaligen Erkrankung von zu- sammen acht Tagen sei die Erkrankung nicht so kurz gewesen, dass diese keinen Einfluss auf die Bewerbungen gehabt habe, insbesondere, weil sich d ie Krankheiten eher gegen Ende des Arbeitsverhältnisses und somit in der entscheidenden Phase betreffend Bewerbungen ereigne- ten. Er sei während der Kündigungsfrist besonders schutzb edürftig gewesen, da er sich erst kurz vor der Kündigung im November 2020 von einer schweren und langwierigen Erkrankung erholt habe. Zudem sei die Kündigung – wie dies der R egierungsrat festgestellt habe – in ho- hem Mass missbräuchlich gewesen, was weiter zu seiner Bel astung geführt und seine Fähig- keit, sich zu bewerben, beeinträchtigt habe, vor allem, weil er zahlreiche berechtigte Rechtsver- fahren habe einleiten müssen. Somit sei die Berufung auf die Verlängerung der Kündigungsfrist im vorliegenden Fall nicht rechtsmissbräuchlich. Selbst wen n angenommen werden müsste, dass die Verlängerung des Arbeitsverhältnisses auf das Ende des nächsten Monats rechts- missbräuchlich wäre, müsste mindestens eine Verlängerung des Arbeitsverhältnisses um die acht effektiven Krankheitstage erfolgen, was immer noch einem Lohn zuzüglich Schadenersatz in der Höhe von Fr. 5'324.70 entsprechen würde. 4.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, dass der Beschwerdeführer seit dem 23. März 2020 freigestellt gewesen sei und die Freistel lung mit der sorgfältigen Planung eines möglichen Wiedereintritts des Beschwerdeführers begründet word en sei. Überdies sei der Fir- ma C.____ der Auftrag eines Newplacement erteilt wo rden. Vor diesem Hintergrund habe der Beschwerdeführer nicht unbesehen von einer Weiterführung des Arbeitsverhältnisses ausgehen dürfen. Selbst wenn der Beschwerdeführer während sein er Freistellung von März 2020 bis No- vember 2020 mit einer Fortsetzung des Arbeitsverhältni sses hätte rechnen dürfen, sei zu be- rücksichtigen, dass er während der gesamten sechsmonatigen Kü ndigungsfrist freigestellt ge- wesen sei. Somit habe er seit der Kündigungsverfügung vom 24. November 2020 bis zum Ende Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Kündigungsfrist Ende Mai 2021 mehr als genügend Z eit für die Suche einer neuen Arbeits- stelle gehabt. Dabei würden die acht Krankheitstage ni cht massgeblich ins Gewicht fallen, ins- besondere unter Beachtung des Umstands, dass die erste Erkrankung im Februar 2021 und demzufolge auch nicht gegen Ende der Kündigungsfrist z u liegen komme. Die beiden Erkran- kungen seien zudem je für sich so kurz gewesen, dass sie d en Beschwerdeführer nicht über- mässig an der Arbeitssuche gehindert hätten. Bereits ab d em 19. April 2021 sei der Beschwer- deführer wieder arbeitsfähig gewesen und folglich ha be er noch eineinhalb Monate für die Stel- lensuche zur Verfügung gehabt. Überdies beziehe sich die f estgestellte Rechtsmissbräuchlich- keit der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verläng erung der Kündigungsfrist nicht nur auf die Verlängerung der Kündigungsfrist auf den näc hstmöglichen Kündigungstermin, sondern auch auf eine allfällige Verlängerung der Kündigungsfrist um die effektiven Krankheitstage. 5.1 In § 1 regelt das Personalreglement der Einwohner gemeinde B.____ (Personalregle- ment) vom 18. September 2013 das Anstellungsverhältnis für alle Mitarbeitenden der Gemeinde B.____ sowie die Stellung und Besoldung von kommunalen Behördenmitgliedern, Organen und Trägern nebenamtlicher Funktionen (Abs. 1). Soweit das Personalreglement nichts anderes bestimmt, gelten subsidiär die Bestimmungen des Obligati onenrechts. § 51 Personalreglement enthält Bestimmungen zum Kündigungsschutz und legt fes t, dass Arbeitnehmende bei ganzer oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfall während zwölf Monaten vor Kündigung geschützt sind (Abs. 1) und sich die Entlöhnung während dieser Zeit nach § 33 Per- sonalreglement richtet (Abs. 2). Nach Absatz 3 ist die betroffene Person vor Erlass jeder Kündi- gung anzuhören und im Übrigen gelten die Art. 336 ff . des Bundesgesetzes betreffend die Er- gänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil , Obligationenrecht [OR]) vom 30. März 1911. Art. 336c Abs. 1 lit. b OR sieht eine Sp errfrist bei Krankheit vor und bestimmt, dass der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis nach Ablauf der Probezeit nicht kündigen darf, wäh- rend der Arbeitnehmer ohne eigenes Verschulden durch Krankheit oder durch Unfall ganz oder teilweise an der Arbeitsleistung verhindert ist, und zwar im ersten Dienstjahr während 30 Tagen, ab zweitem bis und mit fünftem Dienstjahr während 90 Tagen und ab sechstem Dienstjahr wäh- rend 180 Tagen. Demnach sind gemäss Personalreglement di e Sperrfristen bei einer Kündi- gung zur Unzeit nach der Probezeit wirksam und entsprechen abgesehen von der Länge der Sperrfristen der Regelung von Art. 336c Abs. 1 lit. b OR. 5.2 Der Beschwerdeführer wurde während der laufenden Kündigungsfrist krank, was nicht in Abrede gestellt wird. Das Personalreglement enthält keine Bestimmung, welche die Folgen für den Fall des Eintritts eines Sperrfristentatbestands nach bereits erklärter Kündigung festhält. Nach Art. 336c Abs. 2 OR ist eine Kündigung, die währ end einer der in Absatz 1 festgesetzten Sperrfristen erklärt wird, nichtig. Tritt die Sperrfri st – wie vorliegend – während laufender Kündi- gungsfrist ein, wird deren Ablauf unterbrochen und e rst nach Beendigung der Sperrfrist fortge- setzt (D ENIS G. HUMBERT /A NDRÉ LERCH , in: Portmann/von Kaenel [Hrsg.], Fachhandbuch Ar- beitsrecht, Zürich/Basel/Genf 2018, R. 11.130). Das Ges etz legt dabei keine Mindestdauer der Arbeitsunfähigkeit fest. Aus Art. 336c Abs. 2 OR wird deutlich, dass der Lauf der Kündigungs- frist bei jeder der in Absatz 1 festgesetzten Sperrfrist en stillsteht, soweit die Sperrfrist in die Kündigungsfrist fällt. Es ist unbestritten, dass auch Kurzabsenzen vom Wortlaut des Absatzes 2 von Art. 336c OR erfasst werden (vgl. BGE 115 V 437 E. 3d). Demzufolge kommt die Sperrfris- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tenregelung vorliegend grundsätzlich zur Anwendung und eine generelle Einschränkung des Anwendungsbereichs von Art. 336c Abs. 2 OR ist bei Kurzkrankheiten somit nicht haltbar. 5.3 Die Kündigungsfrist wird gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung von ihrem End- termin her berechnet (BGE 115 V 437 E. 3). Nach dem Ablauf der Sperrfrist verlängert sich die Kündigungsfrist um den in die Sperrfrist gefallenen A nteil (BGE 121 III 107); fällt das Ende der dergestalt verlängerten Kündigungsfrist nicht mit dem für die Beendigung des Arbeitsverhältnis- ses geltenden Endtermin (etwa dem Monatsende) zusammen , verlängert sie sich bis zum nächsten Endtermin (Art. 336c Abs. 3 OR; Entscheid des B undesverwaltungsgerichts [PB.2001.00016] vom 10. Juni 2003, in: Schweizerische s Zentralblatt für Staats- und Verwal- tungsrecht [ZBl] 104/2003 S. 185, insb. S. 215 ff.). Das System der Rückwärtsrechnung vom Endtermin verbunden mit der Erstreckung auf den nächstf olgenden Endtermin nach Art. 336c Abs. 3 OR führt dazu, dass bereits ein Sperrfristentatbest and von einem Tag zu einer Erstre- ckung um einen ganzen Monat führen kann. Stossend kann vor allem sein, wenn der bewusst frühzeitig kündigende Arbeitgeber wegen einer Kurzkran kheit in der Kündigungsfrist nochmals einen ganzen Monat Lohn zu bezahlen hat. Jede noch so kurze krankheitsbedingte Arbeitsun- fähigkeit während der Kündigungsfrist unterbricht diese und führt zu deren Verlängerung. Das Bundesgericht bezeichnete dies als vom Gesetzgeber so gew ollt, wobei in krassen Fällen, z.B. bei einer eintägigen Krankmeldung, das unbefriedigend e Ergebnis gegebenenfalls über den Rechtsmissbrauch (Art. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Z GB] vom 10. Dezember 1907) korrigiert werden müsse (BGE 115 V 437 E. 3d; BGE 125 III 257 E. 2.a; U LLIN STREIFF / ADRIAN VON KAENEL /R OGER RUDOLPH , in: Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319-362 O R, 7. Auflage, Zürich 2012, N 3 zu Art. 336c OR). Gleiche s müsse gelten bei einem Arbeitnehmer, der nur kurz erkrankt und in der freiwillig verlängerten "Stellensuchfrist" bereits wieder eine Stel- le gefunden habe. Ob sich die Geltendmachung des Rec hts als rechtsmissbräuchlich erweist, ist aufgrund der konkreten Umstände im Einzelfall zu be urteilen. Lehre und Rechtsprechung haben hierzu bestimmte Fallgruppen erarbeitet (BGE 12 5 III 257 E. 2a). Das Bundesgericht setzt die Hürde für die Annahme von Rechtsmissbrauch all erdings hoch an. So bejahte es die Sperrfristenwirkung in einem Fall einer kurzen Krankhe it von zwei Tagen, welche erst noch auf die Weihnachtstage fiel, und erwog unter anderem, dass der Wortlaut von Art. 336c OR nicht zwischen Arbeits- und Feiertagen unterscheide (Urteil des Bundesgerichts 4D_6/2009 vom 7. April 2009; STREIFF /VON KAENEL /R UDOLPH , a.a.O., N 3 zu Art. 336c OR). Das erwähnte Urteil, in welchem die Sperrfristenwirkung bei einer bloss zweit ägigen Krankheit über die Weihnachts- feiertage bejaht wurde, zeigt, wie hoch die Hürde für die Annahme von Rechtsmissbrauch durch das Bundesgericht angesetzt wird (vgl. H UMBERT /L ERCH , a.a.O., Rz. 11.149). Die kantonale Praxis ist heterogen; die Geltendmachung der Sperrfrist ist aber nicht bereits deshalb rechts- missbräuchlich, weil die Krankheit nur kurz war. In die Abwägung floss z.B. ein, ob der Arbeit- nehmer freigestellt war, ob er ohnehin eine verlänger te Kündigungsfrist zur Verfügung hatte, ob die Arbeitsunfähigkeit gegen Ende der Kündigungsfrist eintrat und ob der Arbeitnehmer bereits eine neue Stelle hatte (S TREIFF /VON KAENEL /R UDOLPH , a.a.O., N 3 zu Art. 336c OR m.w.H.). Weiter werden bei der Beurteilung die Dauer der Kün digungsfrist im Verhältnis zur Dauer der Arbeitsunfähigkeit oder etwa eine arbeitsplatzbezoge ne Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt (HUMBERT /LERCH , a.a.O., Rz. 11.151). Sinn und Zweck der Kündigungssch utzbestimmung von Art. 336c Abs. 2 OR besteht darin, dass dem gekündigten Arbeitnehmer trotz zeitweiliger Ar- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsunfähigkeit eine ungekürzte Kündigungsfrist garantiert werden soll, damit er in der Lage ist, sich nach einer neuen Stelle umzusehen; dem Arbeitnehme r ist daher insbesondere während der Schlussphase des bisherigen Arbeitsverhältnisses die Mö glichkeit der Stellensuche zu ge- währleisten (BGE 115 V 437 E. 3b; Urteil des Verwaltu ngsgerichts St. Gallen [K 2004/3] vom 14. September 2004 E. 2.d). 6. Zu prüfen ist somit, ob die Anrufung dieses Rechts im vorliegenden Fall einen offenba- ren Missbrauch im Sinne von Art. 2 Abs. 2 ZGB darstellt. Dem Beschwerdeführer wurde im No- vember 2020 per 31. Mai 2021 gekündigt. Wenn die Vor instanz ausführt, dass das Arbeitsver- hältnis gemäss Personalreglement (§ 48 Abs. 1 lit. c) ab dem zweiten Anstellungsjahr in der Regel mit einer Frist von drei Monaten auf ein Monat sende gekündigt werden könne und dem Beschwerdeführer somit eine längere Kündigungsfrist ge währt worden sei, übersieht sie, dass vorliegend eine Kündigungsfrist von sechs Monaten vertra glich vereinbart worden war (vgl. Arbeitsvertrag vom 7. /15. Januar 2014; vgl. § 48 Abs. 2 Personalreglement). Eine verlän- gerte Kündigungsfrist im Sinne der Rechtsprechung lie gt nur dann vor, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer freiwillig eine Kündigungsfrist gew ährt, welche länger ist als diejenige, die vertraglich vereinbart wurde. Demzufolge wurde die Kü ndigungsfrist im vorliegenden Fall nicht verlängert, sondern das Arbeitsverhältnis schlicht unter Einhaltung der vereinbarten Kündi- gungsfrist aufgelöst. Unter Beachtung der bundesgeri chtlichen Rechtsprechung (vgl. E. 5.4 hiervor) ist auch die Dauer der Krankheit nicht signifik ant kurz. Der Beschwerdeführer war ins- gesamt acht Tage krank und mit Blick auf die Kasuistik kann gestützt auf diesen Umstand nicht auf eine rechtsmissbräuchliche Rechtsausübung geschlossen wer den. Schliesslich begründet die Vorinstanz die Annahme des Rechtsmissbrauchs im vorlie genden Fall mit der Freistellung des Beschwerdeführers ab März 2020. Die Freistellung ab März 2020 erfolgte unter dem Hin- weis, dass der Wiedereinstieg des Beschwerdeführers sorgfä ltig geplant werden müsse. Über- dies befand sich der Beschwerdeführer in diesem Zeitpun kt unbestritten in einem ungekündig- ten Anstellungsverhältnis. Demzufolge hatte er keinen Anlass, sich während diesem Zeitraum zu bewerben, weshalb dieser Zeitraum für die Beurteil ung des Rechtsmissbrauchs nicht mass- geblich sein kann. Demgegenüber darf die Freistellung während der Kündigungsfrist bei der Beurteilung der Rechtmässigkeit der Geltendmachung der Sperrfrist berücksichtigt werden, wo- bei auch hier gilt, dass allein aufgrund des Umstands, dass der Beschwerdeführer während der Kündigungsfrist von sechs Monaten freigestellt war, ges tützt auf die bundesgerichtliche Recht- sprechung noch kein Rechtsmissbrauch angenommen wird. Die Freistellung stellt nur ein Krite- rium dar, welches bei der Beurteilung einer allenfall s rechtsmissbräuchlichen Geltendmachung des Rechts zu berücksichtigen ist. Vorliegend ist zu beachte n, dass der Beschwerdeführer eine Kaderstelle in der öffentlichen Verwaltung besetzte. Es ist notorisch, dass der Such- und Be- werbungsprozess bei Kaderstellen in der öffentlichen Verwaltung eine sorgfältige Suche, Eva- luation und Überprüfung der Kandidierenden erforder t und deshalb länger dauert. Dies war of- fensichtlich auch der Grund für die vertragliche Vereinbarung einer längeren Kündigungsfrist. Je länger die Stellenbesetzung bzw. Stellensuche dauert, desto mehr Zeit benötigt die stellensu- chende Person in der Konsequenz. Vor diesem Hintergru nd fällt eine Stellensuchverhinderung von acht Tagen ins Gewicht. Hinzu kommen vorliegend das A lter des Beschwerdeführers und die vorangegangenen längeren gesundheitlichen Problem e, welche die Suche nach einer ent- sprechenden Stelle erschweren. Angesichts der vorliegenden Kündigungsumstände (mehrfache Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verletzung des rechtlichen Gehörs, zunächst Freistellung m it der Begründung eines sorgfältig geplanten Wiedereinstiegs) kann nicht von einem wohlwo llenden Arbeitgeber ausgegangen werden, was allenfalls bei der Beurteilung der Rechtmä ssigkeit der Geltendmachung der Sperr- frist hätte einfliessen können (vgl. E. 5.3). Nach dem Gesagten und unter Berücksichtigung des Umstands, dass das Bundesgericht die Hürde bei der Annahm e von Rechtsmissbrauch hoch ansetzt, erweist sich die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verlängerung der Kündi- gungsfrist nicht als rechtsmissbräuchlich. Damit ist die Be schwerde in diesem Punkt gutzuheis- sen und die Kündigungsfrist verlängert sich auf Ende Juni 2021. 7. Der Beschwerdeführer beantragt weiter, dass die Besc hwerdegegnerin den Lohn für Juni 2021 in der Höhe von Fr. 20'663.--, davon Fr. 17' 977.45 brutto und Fr. 2'685.50 netto, nachzuzahlen habe. Der Beschwerdeführer begründet die Höhe der beantragten Lohnnachzah- lung nicht. Unabhängig davon kann das Kantonsgericht aufgrund des Rückweisungsentscheids der Vorinstanz im Rahmen des vorliegenden Beschwerdever fahrens nicht darüber befinden. Der Regierungsrat wies die Angelegenheit betreffend e ine Lohnerhöhung für die Jahre 2020 und 2021 an die Gemeinde zurück (Dispositiv-Ziffer 2 des R RB Nr. 1600 vom 1. November 2022). Die Gemeinde wird bei ihrem Entscheid über ei ne allfällige Lohnerhöhung für die Jahre 2020 und 2021 auch über die Lohnhöhe für Juni 2021 zu befinden haben. Aus diesem Grund ist die Angelegenheit in diesem Punkt an die Gemeinde zum neuen Entscheid zurückzuweisen. 8.1 Es bleibt noch über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfah- ren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebüh- ren und die Beweiskosten und werden in der Regel der u nterliegenden Partei in angemesse- nem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrensko sten in der Höhe von Fr. 1'500.-- sind demzufolge der Vorinstanz aufzuerlegen. Der gelei stete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 8.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung z u Lasten der Gegenpartei zugespro- chen werden. Ausgangsgemäss ist dem Beschwerdeführer ein e Parteientschädigung zuzu- sprechen, welche vorliegend zulasten der Vorinstanz zu gehen hat. Der in der Honorarnote vom 9. März 2023 geltend gemachte Aufwand von 3.66 Stunde n erweist sich als angemessen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers weist in seiner Hono rarnote einen Stundenansatz von Fr. 280.-- aus. Dieser Stundenansatz erscheint überhöht und ist praxisgemäss auf einen Ansatz von Fr. 250.-- zu kürzen (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnu ng für die Anwältinnen und Anwälte [Ta- rifordnung] vom 17. November 2003). Auslagen macht er keine geltend. Daraus ergibt sich eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 987.30 (3.66 S tunden à Fr. 250.--, zuzüglich MWST), welche von der Vorinstanz auszurichten ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird Ziffer 2 de s Regierungsratsbe- schlusses Nr. 1600 vom 1. November 2022, soweit die beant ragte Ver- längerung der Kündigungsfrist abgewiesen wurde, aufg ehoben und die Angelegenheit zum neuen Entscheid im Sinne der Erwägun gen an die Einwohnergemeinde B.____ zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden dem Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft auferlegt. Der geleistete Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.-- wird dem Beschwerde führer zurückerstattet. 3. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d em Beschwerde- führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 9 87.30 (inkl. MWST) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin