Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 30. Juli 2019 (460 18 363) ___________________________________________________________________ Strafrecht Diebstahl Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Stephan Gass (Ref.), Richter Daniel Häring; Gerichtsschreiberin Nicole Schneider Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde A.____ , vertreten durch B.____, Privatklägerin gegen C.____ , vertreten durch Advokat Dr. Yves Waldmann, St. Johanns-Vorstadt 23, Postfach 1328, 4001 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand mehrfache Veruntreuung etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 4. Juni 2018 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 4 . Juni 2018 wurde C.____ in Abwe- senheit der Gehilfenschaft zur Fälschung von Auswei sen, des Diebstahls, des betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage sowie de s mehrfachen Führens eines Motorfahr- zeugs trotz Entzug bzw. Aberkennung des Führerschei ns schuldig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 133 Tagessätzen zu je Fr. 30.00, bei einer Probezeit von 3 Jah- ren, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme vom 07. Februar 2013 sowie der Anhaltung vom 11. Februar 2015 von insgesamt 2 Tagen, verurte ilt (Ziff. 1 des erstinstanzlichen Urteils- dispositivs). Von der Anklage der Veruntreuung (Zif f. 1 der Anklageschrift), der mehrfachen Veruntreuung, evtl. der mehrfachen unrechtmässigen Aneignung, evtl. der ungetreuen Ge- schäftsbesorgung (Ziff. 2 der Anklageschrift) sowie der mehrfachen Verletzung des Fabrikati- ons- oder Geschäftsgeheimnisses (Ziff. 4 der Anklag eschrift) wurde der Beschuldigte hingegen freigesprochen (Ziff. 2 des erstinstanzlichen Urtei lsdispositivs). Es wurde im Weiteren festge- stellt, dass ein allfälliger Widerruf der am 29. Se ptember 2010 vom Strafbefehlsrichter Basel- Stadt bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von 14 Tag essätzen zu je Fr. 50.00, bei einer Pro- bezeit von 2 Jahren, aufgrund von Art. 46 Abs. 5 St GB ausgeschlossen ist (Ziff. 3 des erstin- stanzlichen Urteilsdispositivs). Das sichergestellte Bargeld, Fr. 1'300.00, wurde gemäss Art. 442 Abs. 4 in Verbindung· mit Art. 268 StPO an die vom Beschuldigten zu tragenden Verfahrens- kosten angerechnet (Ziff. 4 des erstinstanzlichen U rteilsdispositivs). Es wurde des Weiteren beschlossen, dass sämtliche im vorliegenden Verfahr en forensisch gesicherten Daten nach Rechtskraft des Urteils unwiderruflich gelöscht wer den (Ziff. 5 des erstinstanzlichen Urteilsdis- positivs). Auf die Zivilforderung der A.____, vertreten durch Herrn B.____, wurde nicht eingetre- ten (Ziff. 6 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Zu guter Letzt wurden die Verfahrenskosten im Umfang von 1/5 zu Lasten des Beschuldigten und 4 /5 zu Lasten des Staates verteilt und die Kosten der amtlichen Verteidigung auf Fr. 18'407.10 (inkl. Auslagen und 8% bzw. 7.7% Mehr- wertsteuer) festgesetzt und unter Vorbehalt der Rüc kzahlungsverpflichtung des Beschuldigten im Umfang von 1/5 nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Gerichtskasse entrichtet (Ziff. 7 und 8 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). B. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte mit E ingabe vom 21. Juni 2018 die Beru- fung an. Mit Berufungserklärung vom 17. Dezember 20 18 reichte der Beschuldigte sodann fol- gende Rechtsbegehren ein: Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht „1. Das Urteil wird nur bezüglich des Schuldspruchs und der Bestrafung wegen Diebstahls gemäss Ziff. 1 angefochten. 2. Es wird folgende Abänderung des erstinstanzlich en Urteils verlangt: Das Urteil des Strafgerichts vom 4. Juni 2018 sei unter o/e-Kostenfolge teilweise aufzu- heben und es sei C.____ von der Anklage des Diebstahls kostenlos freizusprechen. C.____ sei zu einer bedingt vollziehbaren Geldstraf e von 30 Tagessätzen (statt 133 Ta- gessätzen) zu je CHF 30.00, bei einer Probezeit von 3 Jahren, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme vom 7. Februar 2013 sowie der Anhaltung vom 11. Februar 2015 von insgesamt 2 Tagen, zu verurteilen. Entsprechend seien auch die Verfahrenskosten neu zu verlegen.“ Diese Berufungserklärung wurde am 19. Dezember 2018 an die Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft (nachfolgend Staatsanwaltschaft) und die Privatklägerin weitergeleitet, mit Frist zur Einreichung eines Antrags auf Nichteintreten oder Erklärung der Anschlussberufung. C. Mit Verfügung vom 14. Januar 2019 stellte der zust ändige Präsident des Kantons- gerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht (na chfolgend Kantonsgericht), fest, dass die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin weder Ber ufung noch Anschlussberufung erhoben haben. Die Parteien wurden zudem angefragt, ob sie mit der Durchführung eines schriftlichen Berufungsverfahrens im Sinne von Art. 406 Abs. 2 li t. a StPO, also unter Verzicht auf eine mündliche Berufungsverhandlung, einverstanden wären . Mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 24. Januar 2019 wurde sodann gestützt auf Art. 406 Abs. 2 lit. a StPO das schriftliche Ver- fahren angeordnet und dem Beschuldigten Frist zur Begründung der Berufungserklärung einge- räumt. D. Mit Eingabe vom 25. März 2019 reichte der Beschuld igte die Berufungsbegründung ein und hielt darin an seinen Anträgen fest. Die Staats anwaltschaft Basel-Landschaft nahm ihrer- seits mit Schreiben vom 29. Mai 2019 Stellung zur B erufungsbegründung des Beschuldigten. Nach Eingang dieser Rechtsschriften wurde der Schri ftenwechsel mit kantonsgerichtlicher Ver- fügung vom 4. Juni 2019 geschlossen und die Parteien darauf hingewiesen, dass das Urteil des Berufungsgerichts schriftlich eröffnet werde. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen I. Formelles 1. Gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zuläs sig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Mit der Beru- fung können laut Art. 398 Abs. 3 StPO folgende Rüge n geltend gemacht werden: Rechtsverlet- zungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrau ch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen ange- fochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 3 98 Abs. 2 StPO). Nach Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO ist die Berufung zunächst dem erstinstan zlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröff- nung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteil s eine schriftliche Berufungserklärung ein- zureichen. Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO kann jede Pa rtei, die ein rechtlich geschütztes Inte- resse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, ein Rechtsmittel ergreifen. 2. In casu wird das Urteil des Strafgerichts Basel-La ndschaft vom 4. Juni 2018 angefoch- ten. Dieses Urteil stellt ein taugliches Anfechtung sobjekt dar. Es wurde dem Beschuldigten am 11. Juni 2018 zugestellt (act. 2325). Die Berufungs anmeldung des Beschuldigten vom 21. Juni 2018 (act. 2413) ist rechtzeitig erfolgt. Das schri ftlich begründete Urteil wurde dem Beschuldig- ten am 26. November 2018 zugestellt (act. 2372). Di e Berufungserklärung vom 17. Dezember 2018 ist innert der gemäss Art. 90 Abs. 2 StPO verl ängerten 20-tägigen Frist und damit eben- falls rechtzeitig erfolgt. Der Beschuldigte hat ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhe- bung oder Änderung der erstinstanzlichen Verurteilu ng. Schliesslich ergibt sich die Zuständig- keit der Dreierkammer des Kantonsgerichts als Beruf ungsgericht zur Beurteilung der vorliegen- den Berufung aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Es kann demnach auf die Berufung des Beschuldigten eingetreten werden. II. Gegenstand des Berufungsverfahrens 1. Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzlich e Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Aufgrund der gemäss Art. 399 Abs. 4 StPO verbindlichen An- träge des Beschuldigten in der Berufungserklärung vom 17. Dezember 2018 steht im vorliegen- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Fall fest, dass nur der Schuldspruch und die Ve rurteilung wegen Diebstahls des Ge- schäftsmobiltelefons (Ziff. 5 der Anklageschrift vo m 20. April 2017) zur Diskussion steht. Alle anderen Schuldsprüche, insbesondere derjenige wegen betrügerischen Missbrauchs einer Da- tenverarbeitungsanlage (ebenfalls Ziff. 5 der Ankla geschrift vom 20. April 2017), werden nicht beanstandet. Aus diesem Grund ist nachfolgend auch nicht auf die Ausführungen des Beschul- digten zu Art. 147 Abs. 1 StGB (vgl. S. 4 der Beruf ungsbegründung vom 25. März 2019) einzu- gehen. Die Strafzumessung der Vorinstanz als solche wird vom Beschuldigten ebenfalls nicht explizit beanstandet, sondern nur für den Fall eine s Freispruchs vom Vorwurf des Diebstahls resp. bei einer anderweitigen Würdigung eine tiefere Strafe beantragt. 2. Mangels Berufung resp. Anschlussberufung der Staat sanwaltschaft und der Privatkläge- rin ist in casu sodann das Verbot der „reformatio i n peius“ (Art. 391 Abs. 2 StPO) zu beachten. Das Kantonsgericht darf das angefochtene Urteil dah er nicht zu Lasten des Beschuldigten ver- schärfen, sondern kann es nur entweder bestätigen oder zu seinen Gunsten abändern. Schliesslich ist hier in Erinnerung zu rufen, dass Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie die- ser beipflichten. Auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente, die erst im Rechtsmittelverfahren vorgetragen werden, ist jedoc h einzugehen (D ANIELA BRÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 82 N 9). III. Tatsächliches und Rechtliches 1.1 Im vorliegenden Fall geht es gemäss Ziff. 5 der An klageschrift der Staatsanwaltschaft vom 20. April 2017 (act. 2131 ff.) um folgenden Sachverhalt: „5. Diebstahl, betrügerischer Missbrauch einer Date nverarbeitungsanlage … Zu einem unbekannten Zeitpunkt ca. im Mai 2012 entw endete der Beschuldigte in X.____, in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht ein Mobiltelef on der Marke HTC aus den Räumlichkei- ten und zum Nachteil der Firma A.____ und überliess es in der Folge wissentlich und willentlich seiner Ehefrau, welche damit im Juni 2012 durch unb efugte Datenverwendung auf einen elekt- ronischen oder vergleichbaren Datenverarbeitungs- o der Datenübermittlungsvorgang einwirkte, indem sie unbefugt Leistungen im Wert von insgesamt CHF 1'696.80 (Telefonate, SMS und Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Internet-Kommunikation mit dem Beschuldigten) bezog , was dem Beschuldigten bekannt und womit er einverstanden war. Die bezogenen Leistungen wurden der Firma A.____ als Abonnen- tin des Anschlusses in Rechnung gestellt, wodurch i hr ein Vermögensschaden im Umfang der unbefugt bezogenen Leistungen entstand.“ 1.2 Das Strafgericht ging in tatsächlicher Hinsicht da von aus, dass der Beschuldigte nicht ─ wie von der Verteidigung geltend gemacht ─ sein eigenes Geschäftsmobiltelefon, sondern das- jenige von D.____ an seine Ehefrau weitergegeben ha be. Daran ändere auch das an der erst- instanzlichen Hauptverhandlung von der Verteidigung eingereichte Schreiben von B.____ an den Beschuldigten vom 8. November 2012 nichts. Gemä ss Vorinstanz hätte der Beschuldigte den Einwand, es habe sich um sein eigenes Geschäftsmobiltelefon gehandelt, schon anlässlich seiner Einvernahmen im Untersuchungsverfahren vorgebracht, wenn es sich wirklich so verhal- ten hätte. Ausserdem seien im Schreiben vom 8. Nove mber 2012 lediglich die einzelnen Scha- denersatzposten, welche die A.____ gegenüber dem Be schuldigten geltend gemacht habe, aufgeführt. Daraus lasse sich jedenfalls nicht entn ehmen, dass es sich beim entwendeten Mo- biltelefon um das Geschäftstelefon des Beschuldigten gehandelt habe. Die Vorinstanz erachtete daher den angeklagten Sachverhalt als erstellt (vgl. Strafgerichtsurteil S. 8 f.). 1.3 Der Beschuldigte beanstandet die erstinstanzliche Feststellung, wonach er das Mobilte- lefon von D.____ an seine Ehefrau weitergegeben habe. Er macht stattdessen geltend, der Mit- arbeiter D.____ habe ihm als sein Vorgesetzter und Geschäftsführer das fragliche Geschäfts- mobiltelefon beim Austritt aus der Firma ─ das Anstellungsverhältnis von D.____ sei per 31. Mai 2012 beendet worden ─ übergeben. Damit seien ihm fortan zwei Geschäftsmo biltelefone zur Nutzung anvertraut gewesen. Für die danach erfolgte private Nutzung habe ihm B.____ mit Schreiben vom 8. November 2012 Rechnung gestellt. E s sei indessen ohnehin für den Sach- verhalt irrelevant, ob es sich beim privat genutzte n Natel um dasjenige von D.____ gehandelt habe. Fakt sei, dass er ─ so der Beschuldigte weiter ─ ein ihm anvertrautes Geschäftsmobilte- lefon, das er geschäftlich habe nutzen dürfen, an s eine Ehefrau zur vorübergehenden privaten Nutzung übergeben habe. Entsprechend sei vom Verwal tungsrat der A.____ auch nie moniert worden, dass das Mobiltelefon, welches er seiner Eh efrau weitergegeben habe, in seinem Ge- wahrsam gewesen sei. Nachfolgend ist somit zunächst zu klären, von welchem Sachverhalt auszugehen ist. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.4 Anlässlich der ersten Einvernahme vom 7. Februar 2 013 (act. 409 ff.) gab der Beschul- digte auf den Vorhalt, er habe ohne Einwilligung de r Firma A.____ das Geschäftsmobiltelefon mit der Nummer XXX aus den Geschäftsräumlichkeiten entwendet, anschliessend seiner Frau zur Verfügung gestellt und sich damit eines Diebsta hls schuldig gemacht, wörtlich zu Protokoll (act. 429 ff.): „Ja das stimmt, ich habe die Nummer respektive die SIM-Karte meiner Frau gege- ben … jedoch nur die SIM-Karte, nicht das Telefon … Das Telefon gehört nicht der A.____, lediglich die SIM-Karte, diese habe ich jedoch inzwischen auch bereits wieder an A.____ zurück gegeben …“ In der Einvernahme vom 4. September 2013 (act. 683 ff.) räumte der Beschuldigte ein, seiner Ehefrau ein Geschäftsmobiltelefon der A .____ übergeben zu haben, mit der Folge, dass der Firma für den Monat Juni 2012 ein Betrag v on Fr. 1'696.80 in Rechnung gestellt wor- den sei. Er habe dies aus persönlichen Gründen geta n, weil seine Frau mit den Kindern nach Y.____ gegangen sei. Sie hätten sich damals getrenn t, und er habe einfach den Kontakt zu seinen Kindern, die damals zwei und vier Jahre alt gewesen seien, behalten wollen. Er habe deshalb den Fehler gemacht und ihr das Telefon mitg egeben. Seine Frau habe gewusst, woher das Handy gekommen sei. Für die Telefonrechnung der S.____ stehe er grundsätzlich gerade (act. 705). In der Einvernahme vom 15. April 2016 ( act. 867 ff.) wurde dem Beschuldigten wie- derum vorgehalten, dass er ca. im Mai 2012 ein Mobi ltelefon der Marke HTC aus den Räum- lichkeiten der A.____ entwendet und dieses seiner F rau überlassen habe, die damit unrecht- mässig Leistungen im Wert von insgesamt Fr. 1'696.8 0 bezogen habe. Der Beschuldigte gab folgende Antwort darauf (act. 879 ff.): „Stimmt. (a.F.) Nein, ich hab's nicht entwendet. Wir waren zwei Leute im Büro. Der eine wurde zum 1. Juni 2012 entlassen. Der hatte ein Telefon noch gehabt und ich habe dieses im Rahmen der Trennung, weil meine Frau mit den Kindern ja weg ist, und ich keine Möglichkeit gesehen habe, meine Kinder noch zu erreichen, habe ich ihr das leihweise mitgegeben. Aber entwendet habe ich das n icht … Das Telefon ist wieder zurückge- kommen. (a.F. Aber erst, als Sie von der A.____ daz u aufgefordert wurden.) Wie auf Aufforde- rung der A.____? Es kam die Rechnung und wir haben darüber gesprochen und dann kam das Telefon aber umgehend zurück. Das war im Juni weg u nd das war Mitte Juni schon wieder da, also zwei Wochen ging das. Wir brauchen gar nicht diskutieren. Ich habe das gemacht. Das war nicht richtig, definitiv. Das gebe ich zu. Da gibt es auch keine Ausrede.“ B.____, Eigentümer und Verwaltungsrat der A.____ (a ct. 617), erklärte seinerseits in der Ein- vernahme vom 16. Juli 2013 (act. 615 ff.), der Beschuldigte habe dasjenige Geschäftsmobiltele- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht fon, das zuvor von D.____ benutzt worden sei, inklu sive SIM-Karte an seine Ehefrau weiterge- geben. Der Beschuldigte habe dieses Mobiltelefon da nn vermutlich bei seinem Austritt wieder zurückgegeben. Es sei jedenfalls wieder aufgetaucht , so wie beim Geschäftswagen, den er ei- nes Tages einfach hingestellt habe (act. 627). 1.5 Angesichts dieser Angaben besteht kein Zweifel dar an, dass der Beschuldigte das Ge- schäftsmobiltelefon der A.____, welches bis zum Aus tritt von D.____ am 31. Mai 2012 (act. 941) von diesem genutzt worden war, an seine Ehefra u weitergegeben hatte. Wie die Rückga- be des Natels von D.____ an seine Arbeitgeberin gen au erfolgt war, ob er das Handy einfach irgendwo in den Geschäftsräumlichkeiten der A.____ deponiert oder einer konkreten Person ausgehändigt hatte, lässt sich aus den Aussagen der involvierten Personen, insbesondere auch aus denjenigen von D.____ (act. 939 ff.), nicht ent nehmen. Es ist daher nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ auf die Version des Beschuldigte n abzustellen, wonach D.____ das Ge- schäftsmobiltelefon an ihn direkt ausgehändigt habe . Diese Übergabe hatte nun aber keines- wegs ─ wie der Beschuldigte meint ─ zur Folge, dass D.____ ihm damit das Handy persönl ich anvertraut oder gar dem Beschuldigten als Privatper son zur freien Verfügung übergeben hätte. Vielmehr ist aufgrund der im Einzelarbeitsvertragsr echt geltenden Rückgabepflicht davon aus- zugehen, dass der ehemalige Mitarbeiter der A.____ bei seinem Austritt das Telefon dem Be- schuldigten als Geschäftsführer dieser Firma und da mit zuhanden seiner Arbeitgeberin über- reicht hatte. Gemäss Art. 339a Abs. 1 OR haben die Parteien bei Beendigung eines Arbeitsver- hältnisses nämlich alles herauszugeben, was sie für die Dauer des Arbeitsverhältnisses von der anderen Partei oder von Dritten für deren Rechnung erhalten haben. So hat der Arbeitnehmer insbesondere Fahrzeuge (vgl. Art. 339a Abs. 2 OR) u nd alle anderen Arbeitsgeräte, die ihm während der Dauer des Arbeitsverhältnisses zur Verf ügung gestellt wurden, bei Auflösung des Arbeitsvertrags an den Arbeitgeber zurückzugeben. A n dieser Stelle ist zudem auf die im Ar- beitsrecht geltende Treuepflicht des Arbeitnehmers hinzuweisen, der gemäss Art. 321a Abs. 1 und 2 OR die berechtigten Interessen des Arbeitgebe rs in guten Treuen zu wahren und dabei namentlich Maschinen, Arbeitsgeräte, technische Ein richtungen und Anlagen des Arbeitgebers fachgerecht zu bedienen und sorgfältig zu behandeln hat. Diese Treuepflicht wird unter ande- rem durch die Privatnutzung von Betriebsmitteln verletzt. So kann die Nutzung eines Geschäfts- telefons oder anderer betrieblicher Einrichtungen zu privaten Zwecken eine fristlose Entlassung rechtfertigen. Unter Vorbehalt einer anderslautende n Vereinbarung oder Weisung ist sie jeden- falls nur in einem geringfügigen und üblichen Mass zulässig, vor allem wenn dadurch Kosten für Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Arbeitgeber entstehen oder Arbeitszeit eingeset zt wird (W OLFGANG PORTMANN /R OGER RUDOLPH , Basler Kommentar OR I, 6. Aufl. 2015, Art. 321a N 2 und 8; U LLIN STREIFF /A DRIAN VON KAENEL /R OGER RUDOLPH , Arbeitsvertrag, Praxiskommentar, 7. Aufl. 2012, N 7 S. 185). 1.6 In tatsächlicher Hinsicht steht somit zunächst fes t, dass der Beschuldigte das von D.____ genutzte Geschäftsmobiltelefon der A.____ an seine Ehefrau zur privaten Nutzung wei- tergegeben hat. Insoweit ist der angeklagte Sachver halt erstellt, wobei hier darauf hinzuweisen ist, dass in der Anklageschrift lediglich von einem „… Mobiltelefon der Marke HTC … aus den Räumlichkeiten … der Firma A.____ …“ die Rede ist u nd gar nicht ausgeführt wird, wer das Geschäftshandy zuvor genutzt hat. Es ist ohnehin ni cht von eminenter Bedeutung, welches Te- lefon vom Beschuldigten an seine Ehefrau übergeben wurde. Für die rechtliche Qualifikation ist nur massgebend, dass es sich um ein Handy der Firma A.____ gehandelt hat. Die ebenfalls sachverhaltsrelevante Frage, ob die A rbeitgeberin des Beschuldigten von der Rückgabe des Geschäftsmobiltelefons durch D.____ ko nkrete Kenntnis hatte, in diesem Zeit- punkt also genau wusste, dass sich dieses Arbeitsge rät nunmehr wieder in den Räumlichkeiten der Firma A.____ befand und für einen neuen Mitarbe iter zur Verfügung stand, kann ─ wie nachfolgend dargelegt wird ─ offenbleiben. 2.1 In rechtlicher Hinsicht kam das Strafgericht zum S chluss, dass der dargelegte Sachver- halt als Diebstahl zu würdigen sei. Konkret führte die Vorinstanz aus, die A.____ habe den Ge- wahrsam bzw. den Willen zur Sachherrschaft am ehema ligen Geschäftsmobiltelefon von D.____ gehabt. Diesen Gewahrsam habe der Beschuldig te gebrochen, indem er das Telefon inklusive SIM-Karte aus den Geschäftsräumlichkeiten entwendet und mitgenommen habe. Mit der daraufhin erfolgten Weitergabe des Telefons an seine Ehefrau habe sich der Beschuldigte wie ein Eigentümer gebärdet, weil er die Verfügungs gewalt über das Natel einer Drittperson, nämlich seiner getrennt von ihm in Y.____ lebenden Ehefrau, übertragen habe. Die Tatsache, dass der Beschuldigte das Telefon der A.____ wieder an diese zurückgegeben habe, ändere nichts an seinem Willen zur dauernden Enteignung, z umal er dies erst auf entsprechende Auf- forderung der Geschädigten hin getan habe, nachdem dieser die Entwendung des Mobiltele- fons zur Kenntnis gelangt war. Bis zu diesem Zeitpu nkt habe die Ehefrau das Mobiltelefon pri- vat genutzt und hätte ohne weiteres auch anderweiti g darüber verfügen können. Dies sei nicht mehr dem Einflussbereich des Beschuldigten unterleg en. Er habe mit Vorsatz und Bereiche- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsabsicht gehandelt und sich daher ─ zumal auch keine Rechtfertigungs- oder Schuldaus- schlussgründe ersichtlich seien ─ des Diebstahls schuldig gemacht (vgl. Strafgericht surteil S. 9 f.). 2.2 Der Beschuldigte macht demgegenüber geltend, er se i mit der Übergabe des Geschäfts- telefons am 31. Mai 2012 alleiniger Gewahrsamsinhaber und nicht etwa bloss Gewahrsamsdie- ner geworden. Die A.____ habe damals keinen Zugang zum Mobiltelefon mehr gehabt. Es liege also gar keine Wegnahme vor, weshalb die Erfüllung des objektiven Tatbestands des Dieb- stahls vom Strafgericht zu Unrecht bejaht worden se i. Mit Bezug auf den subjektiven Tatbe- stand weist der Beschuldigte darauf hin, dass es am Vorsatz zur Aneignung und zur Bereiche- rung fehle. Er habe sich das Geschäftsmobiltelefon nämlich gar nie aneignen wollen, sondern dieses nur zur vorübergehenden Nutzung an seine Ehe frau weitergegeben. Dies sei dadurch erstellt, dass er das Telefon nach zwei Wochen resp . spätestens bei Beendigung seines Ar- beitsverhältnisses der A.____ wieder zurückgegeben habe. Gegen einen Vorsatz spreche auch, dass er die Nutzung des Handys durch die Ehefrau üb erhaupt nicht versteckt habe, zumal ihm ja als CEO bewusst gewesen sei, dass die Mobiltelef onrechnungen über den Tisch von B.____ gehen und von diesem geprüft würden. Er habe auch nicht unrechtmässig von der A.____ profi- tieren wollen. Vielmehr sei für ihn immer klar gewe sen, dass die Kosten für die privaten Aus- landtelefonate zu ersetzen seien. Er habe die Zahlu ngsverpflichtung denn auch nie in Abrede gestellt. Hätte er das Telefon seiner Ehefrau effek tiv in deliktischer Absicht übergeben wollen, so hätte er dieses auch einfach als gestohlen oder vermisst melden können. 2.3 Art. 139 Ziff. 1 StGB lautet wie folgt: „Wer jeman dem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.“ Als Tatobjekt des Diebstahls kommen nur fremde, bew egliche Sachen in Frage. Herrenlose Sachen fallen nicht darunter (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , Basler Kommentar StGB, 4. Aufl. 2019, Art. 139 N 14; A NDREAS DONATSCH , Strafrecht III, 10. Aufl. 2013, S. 154). Die Tathandlung besteht in der Wegnahme einer Sache und mit „Wegnahme“ ist wiederum der Bruch fremden und die Begründung neuen, meist eigen en Gewahrsams gemeint. Nach einhel- liger Praxis und Lehre nimmt also eine Sache weg, „ … wer den an ihr bestehenden Gewahr- sam eines anderen bricht und neuen, in der Regel ─ nicht aber notwendigerweise ─ eigenen Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gewahrsam daran begründet …“ (A NDREAS DONATSCH , a.a.O., S. 155; vgl. auch BGE 132 IV 108 E. 2.1; BGer 6B_100/2012 vom 5. Juni 2012 E. 3 und BGE 115 IV 104 E. 1c). Gewahrsam bedeutet sodann tatsächliche Sachherrschaft, verbunden mit dem Willen, diese Herrschaft aus- zuüben. Gewahrsam umfasst damit zwei Bestandteile, nämlich einerseits die physisch-reale Möglichkeit der Einwirkung auf die Sache und andere rseits den Willen, die Sache zu beherr- schen. Es handelt sich nicht um ein rechtliches, so ndern um ein rein faktisches Verhältnis einer Person zu einer Sache. Ob Gewahrsam an einer Sache vorliegt, ob also die Voraussetzungen eines bestehenden Gewahrsams gegeben sind, bestimmt sich nach der Verkehrsauffassung und den Regeln des sozialen Lebens. So ist z.B. die Herrschaftsmöglichkeit auch dann anzu- nehmen, wenn die Verfügungsmacht faktisch vorüberge hend aufgehoben ist, solange die Zu- ordnung der Sache zu einer Person nach den allgemei nen Regeln des sozialen Lebens und den Anschauungen des täglichen Lebens unbestritten ist. Desgleichen sind verlegte oder ver- gessene Sachen nicht von vornherein gewahrsamslos, wenn sie sich in einem der faktischen Herrschaft des Gewahrsamsinhabers unterliegenden od er der Öffentlichkeit zugänglichen Raum befinden, und jener weiss oder sich doch alsba ld mit Bestimmtheit erinnern kann, wo sie sind. Eine vorübergehende Verhinderung an der Ausüb ung der tatsächlichen Sachherrschaft lässt den Gewahrsam also nicht untergehen (A NDREAS DONATSCH , a.a.O., S. 155 f.; M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , a.a.O., Art. 139 N 15 ff.; vgl. auch BGE 112 IV N r. 3 E. 2; vgl. auch BGE 80 IV 153 = Pr 43 Nr. 159). Nebst der tatsächlichen Herrschaftsmacht setzt Gewa hrsam den Willen voraus, diese Herr- schaftsmacht auch auszuüben. Der Herrschaftswille s einerseits setzt wiederum das Wissen voraus, dass die Sache vorhanden ist. Dabei reicht innerhalb von räumlich abgegrenzten Herr- schaftssphären (z.B. Waren in einem Lager, Gegenstä nde in einer Wohnung, Bücher in einer Bibliothek) der generelle Wille, alle Gegenstände i n dieser Sphäre beherrschen zu wollen, so- fern der Gewahrsamsinhaber jederzeit deren Vorhande nsein feststellen kann. Der Herrschafts- wille muss sich also nicht auf jeden einzelnen Gege nstand im Detail erstrecken. Der Herr- schaftswille des Gewahrsamsinhabers braucht auch ni cht aktuell bzw. dauernd aktualisiert zu werden. Ein potenzieller Herrschaftswille genügt un d besteht insbesondere auch dann, wenn der Gewahrsamsträger schläft oder bewusstlos ist. S chliesslich reicht sogar der sogenannte antizipierte Erlangungswille als Herrschaftswille a us, d.h. der generelle Herrschaftswille er- streckt sich auf sämtliche Sachen, die in den Herrs chaftsbereich gelangen, selbst wenn dem Gewahrsamsinhaber möglicherweise noch gar nicht bek annt ist, ob dies der Fall sein wird und Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht welche bzw. wie viele Sachen dies sein werden (ANDREAS DONATSCH , a.a.O., S. 158 f.; MARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , a.a.O., Art. 139 N 39 ff.). Sind die beiden erwähnten Bedingungen des Gewahrsam s ─ Herrschaftsmacht und Herr- schaftswille ─ gleichzeitig bei mehreren Personen erfüllt, liegt Mitgewahrsam vor. Die Lehre unterscheidet dabei zwischen gleichgeordnetem Mitgewahrsam, wenn also der Gewahrsam von verschiedenen Personen gleichberechtigt und partnerschaftlich ausgeübt wird (z.B. bei Ehegat- ten oder Gesellschaftern), sowie über- resp. unterg eordnetem Gewahrsam, der insbesondere bei hierarchischen Dienst- oder Anstellungsverhältn issen anzunehmen ist. So hat z.B. ein Mit- arbeiter zwar die faktische Herrschaftsmacht und de n Herrschaftswillen über die vom Arbeitge- ber zur Verfügung gestellten Werkzeuge oder sonstigen Arbeitsgeräten. Er übt diese Herrschaft jedoch als sogenannter „Gewahrsamsdiener“ für einen anderen aus. In diesem Fall ist von un- tergeordnetem Mitgewahrsam auszugehen (also kein An vertrauen), und bei Wegnahme der Sache liegt ein Gewahrsamsbruch gegenüber dem ander en Gewahrsamsinhaber vor (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , a.a.O., Art. 139 N 38, insbesondere zum Konstrukt des Gewahrsamsdieners, das als überflüssig bezeichnet w ird; vgl. auch BGE 101 IV 33 E. 2a zur Unterscheidung zwischen untergeordnetem Mitgewahrsa m, der bei einem Gewahrsamsbruch als Diebstahl zu qualifizieren ist, und gleichgeord netem Mitgewahrsam, z.B. bei Sachen, die im Eigentum von Ehegatten stehen oder einer Erbengemei nschaft gehören, wo also das Vertrau- enselement im Vordergrund steht und daher im Falle einer Aneignung der Sache der Tatbe- stand der Veruntreuung angenommen wird). Mit Bezug auf die Tathandlung ist somit zusammenfas send festzuhalten, dass eine fremde be- wegliche Sache sowohl bei Alleingewahrsam als auch im Fall von Mitgewahrsam im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB weggenommen werden kann. Ein Bruch des Gewahrsams verlangt so- dann, dass dieser gegen den Willen des Gewahrsamstr ägers, also ohne dessen Einwilligung erfolgt. Vollendet ist die eigentliche Tathandlung schliesslich mit der Herstellung eines neuen, nicht notwendigerweise eigenen Gewahrsams (A NDREAS DONATSCH , a.a.O., S. 159 ff.; M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , a.a.O., Art. 139 N 51 ff.). In subjektiver Hinsicht wird Vorsatz bezüglich alle r objektiven Tatbestandselemente verlangt. Strafbar ist nur, wer eine fremde Sache mit Wissen und Willen wegnimmt. Gefordert wird zudem die Absicht des Täters, sich die Sache anzueignen. Diese Aneignungsabsicht muss zum Zeit- punkt der Handlung, also der Wegnahme bestehen. Sch liesslich braucht es für die Bejahung Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Art. 139 Ziff. 1 StGB neben Vorsatz und Aneignu ngsabsicht auch die Absicht der unrecht- mässigen Bereicherung, die ebenfalls im Zeitpunkt d er Tat, also bei der Wegnahme der Sache, vorliegen muss (MARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , a.a.O.,Art. 139 N 67 ff.). 2.4 Vorliegend steht ausser Zweifel, dass es sich um e ines der Geschäftsmobiltelefone der A.____ ─ gemäss Angaben des Beschuldigten um dasjenige Hand y, das er vom ehemaligen Mitarbeiter D.____ bei dessen Austritt aus der Firma am 31. Mai 2012 erhalten hat ─ und mithin um eine fremde, bewegliche Sache handelt. Unklar is t indessen, ob auch das Tatbestands- merkmal der Wegnahme erfüllt ist. Der Beschuldigte bestreitet nämlich, das Natel weggenom- men resp. einen Gewahrsamsbruch begangen zu haben. Es stellt sich demnach die Frage, wer überhaupt wann Gewahrsam am Geschäftsmobiltelefon d es ehemaligen Mitarbeiters D.____ innehatte. In einem ersten Schritt ist unter Hinweis auf die d ogmatischen Ausführungen zunächst festzu- halten, dass D.____ bei der A.____ angestellt war u nd demnach während der Dauer des Ar- beitsverhältnisses untergeordneter Mitgewahrsam am Mobiltelefon, das ihm von seiner Arbeit- geberin für die geschäftlichen Zwecke überlassen worden war, bestand. Bei seinem Austritt aus der Firma retournierte D.____, seiner Rückgabepflic ht gemäss Art. 339a Abs. 1 und 2 OR ent- sprechend, das Geschäftsmobiltelefon an seine Arbei tgeberin, indem er es an den Geschäfts- führer der A.____ zurückgab. In diesem Zeitpunkt ging das Mobiltelefon wieder in den alleinigen Gewahrsam der A.____ über, zumal mit der Rückgabe d ie tatsächliche Sachherrschaft von D.____ bezüglich dieses Arbeitsgeräts unterging. Ob die Arbeitgeberin davon Kenntnis hatte, also im Moment der Rückgabe genau wusste, dass dies es Arbeitsmittel nun wieder in ihren Herrschaftsbereich gelangt war, ist unerheblich. Die Zuordnung des Geschäftsmobiltelefons zur A.____ ist nämlich nach den allgemeinen Regeln des sozialen Lebens und den Anschauungen des täglichen Gebrauchs offensichtlich und wurde au ch gar nie bestritten. Zudem befand sich das Natel zumindest bei der Übergabe ─ etwas anderes wird selbst vom Beschuldigten nicht behauptet ─ in den Räumlichkeiten dieser Gesellschaft und unte rlag damit der faktischen Herr- schaft der Gewahrsamsinhaberin. Es ist daher in ein em weiteren Schritt davon auszugehen, dass die A.____ aufgrund der im Arbeitsrecht gelten den Regeln mit der Rückgabe des für ge- schäftliche Zwecke überlassenen Mobiltelefons durch ihren Mitarbeiter ohne weiteres und au- tomatisch wieder Alleingewahrsam daran erlangte. Demgegenüber ist kein plausibles Argument ersichtlich, das für einen Alleingewahrsam des Besc huldigten sprechen würde. Dieser war ja Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht bekanntlich bereits im Besitz eines der Geschäftsmo biltelefone seiner Arbeitgeberin. Es gab ─ jedenfalls in arbeitsvertraglicher Hinsicht, also z ur Erfüllung der ihm übertragenen geschäftli- chen Aufgaben ─ überhaupt keinen Anlass und keine Notwendigkeit, e in weiteres Handy der A.____ in Anspruch zu nehmen. Doch selbst wenn ange nommen würde, dass der Beschuldigte durch die von D.____ an ihn direkt erfolgte Übergab e des Natels die tatsächliche Sachherr- schaft daran erlangt hätte, so wäre diesfalls höchs tens von Mitgewahrsam auszugehen und zwar wiederum untergeordneter Natur, also in dem Si nne, als der Beschuldigte nebst seiner Arbeitgeberin aufgrund des Anstellungsverhältnisses die Herrschaftsmacht am Geschäftsmobil- telefon innehatte. Zusammenfassend ist somit festzu halten, dass die A.____ mit der Rückgabe des Geschäftsmobiltelefons durch D.____ Alleingewah rsam erlangte, zumindest aber neben ihrem Geschäftsführer wieder Mitgewahrsam an diesem Handys erhielt. Damit steht aber auch in einem dritten Schritt fest, dass der Beschuldigt e den Gewahrsam seiner Arbeitgeberin an diesem Geschäftsmobiltelefon brach, als er dieses ohne geschäftlichen Anlass und ohne Einwil- ligung der A.____ an sich nahm und seiner Ehefrau z ur privaten Nutzung übergab. Die objek- tiven Tatbestandsmerkmale sind demzufolge allesamt erfüllt. Hinsichtlich der subjektiven Seite ist sodann davon auszugehen, dass der Beschuldigte in sei- ner Funktion als Geschäftsführer von den arbeitsver traglichen Bestimmungen, namentlich von der Rückgabepflicht aller Mitarbeitenden, Kenntnis hatte und sich daher durchaus bewusst war, dass D.____ das Handy nicht an ihn persönlich aushä ndigte, sondern ihm dieses aufgrund sei- ner Funktion als Vertreter der A.____ übergab. Der Beschuldigte wusste also genau, dass er nicht einfach frei über das Telefon des ehemaligen Mitarbeiters verfügen und dieses an seine Ehefrau weitergeben durfte. Er räumte in den Einver nahmen denn auch wiederholt ein, dass er einen Fehler gemacht habe (act. 705 und 881). Der B eschuldigte entwendete das Geschäfts- mobiltelefon mit Wissen und Willen aus den Geschäftsräumlichkeiten der A.____ und gab es an seine Ehefrau weiter. Wie bereits die Vorinstanz zu treffend dargelegt hat, ändert die Tatsache, dass der Beschuldigte das Mobiltelefon später wiede r an seine Arbeitgeberin zurückgegeben hat, nichts an seinem Willen zur dauernden Enteignu ng. Wie er in der Einvernahme vom 15. April 2016 selber zur Protokoll gab (act. 881), erf olgte die Rückgabe des Natels erst nachdem ihm die Rechnung der S.____ vorgelegt, also nachdem er mit der dadurch entdeckten Entwen- dung konfrontiert worden war. Die Handyrechnung dat ierte im Übrigen vom 7. Juli 2012 (act. 491), weshalb die Rückgabe durch den Beschuldigten frühestens ab ca. Mitte Juli 2012 erfolgt sein kann. Bis zu diesem Zeitpunkt überliess er das Mobiltelefon seiner Ehefrau, die ─ ange- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichts der für zwei Wochen Nutzung sehr hohen Rechn ung ─ offensichtlich ausgiebig davon Gebrauch machte und ─ wie schon von der Vorinstanz erwähnt ─ ohne weiteres auch ander- weitig darüber hätte verfügen können. Die Aneignung sabsicht ist daher erstellt. Mit Bezug auf die Bereicherungsabsicht ist schliesslich festzuhal ten, dass der Einwand des Beschuldigten, er habe seine Zahlungsverpflichtung nie in Abrede gest ellt und demnach nicht unrechtmässig von der A.____ profitieren wollen, unglaubwürdig ist. Wenn dem tatsächlich so gewesen wäre, hätte er seiner Ehefrau ein eigenes Handy mit einer auf s eine Kosten laufenden SIM-Karte kaufen oder zumindest gleich nach Konfrontation mit der Ha ndyrechnung der S.____ die privat verur- sachten Kosten begleichen können. Dies hat er jedoc h nicht getan. Der subjektive Tatbestand ist also ebenfalls gegeben. Damit steht fest, dass der Beschuldigte zu Recht vom Strafgericht wegen Diebstahls eines Geschäftsmobiltelefons der A.____ schuldig gesprochen wurde. IV. Strafzumessung Wie zuvor unter Ziff. II. 1. bereits ausgeführt, wi rd die erstinstanzliche Strafzumessung als sol- che vom Beschuldigten nicht explizit und substantii ert beanstandet, sondern nur für den Fall eines Freispruchs vom Vorwurf des Diebstahls resp. einer anderweitigen Würdigung eine tiefere Strafe beantragt. In Anbetracht, dass der Beschuldi gte mit seiner Berufung unterliegt und der angefochtene erstinstanzliche Schuldspruch wegen Di ebstahls des Geschäftsmobiltelefons be- stätigt wird, ist hier hinsichtlich der Strafzumess ung vollumfänglich und ohne weitere Ausfüh- rungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinsta nz zu verweisen (vgl. Art. 82 Abs. 4 StPO). V. Kosten 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien di e Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegen s. Im vorliegenden Fall ist der Beschul- digte mit seiner Berufung nicht durchgedrungen. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfah- rens in Höhe von Fr. 1‘600.-- (bestehend aus einer Urteilsgebühr von Fr. 1‘500.-- und Auslagen von Fr. 100.--) gehen demnach zu Lasten des Beschuldigten. 2. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung ist dem Vertreter des Beschuldigten für seine Bemühungen im Berufungsverfahren ein Honorar zu Lasten des Staates zu entrichten. Mangels Honorarnote ist die Entschädigung von Amtes wegen nach Ermessen festzusetzen Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht (§ 18 Abs. 1 und 2 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte (TO), SGS 178.112). Dabei ist gemäss § 3 Abs. 2 TO von einem Honoraransatz von Fr . 200.-- pro Stunde auszugehen. Unter Berücksichtigung des konkreten Aufwandes ist das Ho norar in casu auf Fr. 1‘000.-- (inklusive Auslagen) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer von Fr. 77.--, total somit Fr. 1‘077.--, festzusetzen. Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft vom 4. Juni 2018, das wie folgt lautet: „1. C.____ wird in Abwesenheit der Gehilfenschaft zur Fälschung von Ausweisen, des Diebstahls, des betrügerischen Missb rauchs einer Datenverarbeitungsanlage sowie des mehrfachen Führe ns eines Mo- torfahrzeugs trotz Entzug bzw. Aberkennung des Führ erscheins schuldig erklärt und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 133 Tagessätzen zu je Fr. 30.00, bei einer Probezeit von 3 Jahren, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme vom 07. Februar 2013 sowie der Anhaltung vom 11. Februar 2015 von insges amt 2 Tagen, in Anwendung von Art. 252 StGB i.V.m. Art. 25 StGB, Art. 139 Ziff. 1 StGB, Art. 147 Abs. 1 StGB, Art. 95 Abs. 1 lit. b S VG, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 48a StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB sowie Art. 366 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 366 Abs. 4 StPO. 2. C.____ wird von der Anklage der Veruntreuung (Z iff. 1 der Anklage- schrift), der mehrfachen Veruntreuung, evtl. mehrfa che unrechtmässi- ge Aneignung, evtl. ungetreue Geschäftsbesorgung (Ziff. 2 der Ankla- geschrift) sowie der mehrfachen Verletzung des Fabr ikations- oder Geschäftsgeheimnisses (Ziff. 4 der Anklageschrift) freigesprochen. 3. Es wird festgestellt, dass ein allfälliger Wide rruf der am 29. Septem- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht ber 2010 vom Strafbefehlsrichter Basel-Stadt beding t ausgesproche- nen Geldstrafe von 14 Tagessätzen zu je Fr. 50.00, bei einer Probe- zeit von 2 Jahren, aufgrund von Art. 46 Abs. 5 StGB ausgeschlossen ist. 4. Das sichergestellte Bargeld, Fr. 1'300.00, wird gemäss Art. 442 Abs. 4 in Verbindung mit Art. 268 StPO an die vom Beschu ldigten zu tra- genden Verfahrenskosten angerechnet. 5. Sämtliche im vorliegenden Verfahren forensisch gesicherten Daten, werden nach Rechtskraft des Urteils unwiderruflich gelöscht. 6. Auf die Zivilforderung der A.____, vertreten du rch Herrn B.____, wird nicht eingetreten. 7. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten de s Vorverfahrens von Fr. 8'975.95, den Kosten für die amtliche Publi kation von Fr. 48.-- und der Gerichtsgebühr von Fr. 8'000.--. C.____ trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO 1/5 der Verfah- renskosten. 4/5 der Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Staates. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründe tes Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtliche G ebühr auf Fr. 4'000.- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). 8. Das Honorar der amtlichen Verteidigung wird auf Fr. 18'407.10 (inkl. Auslagen und 8 % bzw. 7.7 % Mehrwertsteuer) festges etzt und unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung von C.____ im Umfang von 1/5 nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Gerichtskasse entrichtet. C.____ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhä ltnisse erlauben, verpflichtet, dem Staat 1/5 der Kosten der amtliche n Verteidigung zu- rückzuzahlen und der amtlichen Verteidigung 1/5 der Differenz zwi- schen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Ho norar zu er- statten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. …. (Mitteilungen).“ wird in Abweisung der Berufung des Beschuldigten vollumfänglich bestätigt . II. Die Kosten des Berufungsverfahrens in Höhe von Fr. 1‘600.-- (bestehend aus einer Urteilsgebühr von Fr. 1‘500.-- und Auslagen v on Fr. 100.--) gehen zu Lasten des Beschuldigten. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigun g wird dem Vertreter des Be- schuldigten, Advokat Dr. Yves Waldmann, ein Honorar im Betrag von Fr. 1‘000.-- zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer von Fr. 77.--, total somit Fr. 1‘077.--, aus der Staatskasse entrichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin Nicole Schneider