Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Juli 2012 (720 11 442 / 201) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rückweisung, weitere Abklärungen zur Beurteilung der Erwerbsfähigkeit erforderlich Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1954 geborene A.____ war vom 1. Dezember 1991 bis 31. März 2012 als Hilfs- hauswartin bei der Gemeinde X.____ angestellt. Am 14. September 2010 meldete sie sich unter Hinweis auf verschiedene gesundheitliche Beeinträchtigung en bei der IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen, der er- werblichen und der hauswirtschaftlichen Verhältnisse ermi ttelte die IV-Stelle einen Invaliditäts- grad von 26%. Gestützt auf dieses Ergebnis lehnte sie na ch durchgeführtem Vorbescheidver- fahren mit Verfügung vom 9. November 2011 einen Anspruch von A.____ auf eine Rente ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Hiergegen erhob A.____ am 8. Dezember 2011 Beschwe rde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Be- schwerde sei die Verfügung vom 9. November 2011 aufzuhe ben und es sei ihr basierend auf einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit und einer minde stens 50%igen Einschränkung im Haushaltsbereich eine Rente zuzusprechen. In verfahrensr echtlicher Hinsicht beantragte sie sinngemäss eine Nachfrist zur Verbesserung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass ihr Gesundheitszustand nach wie vo r schlecht und sie in diesem Zu- stand nicht arbeitsfähig sei. C. Am 6. Januar 2012 liess die Beschwerdeführerin mitt eilen, dass sie keine verbesserte Beschwerdeeingabe einreichen werde. D. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 28. Dezember 2011 auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Eingabe vom 30. April 2012 reichte die Beschwerd eführerin einen Bericht der neu- rologisch-neurochirurgischen Poliklinik des Universitätssp itals Y.____ vom 28. November 2011 zu den Akten. Hierzu nahm die IV-Stelle am 21. Mai 201 2, unter Verweis auf einen Bericht von Dr. med. B.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, Regi onaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 15. Mai 2012, Stellung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 9. November 2011 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person An spruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 d ie voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geistigen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Kran kheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabklär ung von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt i hm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me dizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermit teln, dass über den Leistungsan- spruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden W ahrscheinlichkeit entschieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juli 2011, 8C_148/2011, E. 3.2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind di e folgenden medizinischen Unterla- gen zu berücksichtigen: 5.1 Die IV-Stelle holte zunächst einen Bericht des beha ndelndenen Hausarztes Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, ein. Am 31. Oktober 2010 diagnostizierte dieser mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine alkoholtoxische Leberzirrhose Stadium Child C, eine hepatische Encephalopathie, eine makrozytäre Anäm ie bei Folsäuremangel infolge ei- ner alkoholtoxischen Knochenmarkschädigung, Oesophagusvarizen und eine hypertensive Gastropathie. Es bestünde eine allgemeine Muskelschwäche, bedingt durch eine verminderte Synthese von Proteinen und eine Myopathie. Tiefensensibi lität und Sensorik der Beine seien durch die Polyneuropathie erheblich eingeschränkt. Durch die bestehende Anämie sei auch die Ausdauerbelastbarkeit stark eingeschränkt. Die Versichert e könne keine Gewichte über 10 kg heben, nicht auf Leitern steigen oder über Kopf arbei ten und sie sei leicht ermüdbar. Aufmerk- samkeit, Gleichgewichtsgefühl und Konzentrationsvermögen seien bedingt durch die hepati- sche Encephalopathie ebenfalls eingeschränkt. Die Versicher te könne keine komplexen Vor- gänge planen und es falle ihr schwer, sich an routinem ässige Abläufe zu erinnern. Bei einem dystrophen Schub der Zirrhose müsse mit einer rapiden V erschlechterung der Denkfähigkeit und der Aufmerksamkeit, bis hin zu komatösen und deliran ten Zuständen, gerechnet werden. Die bisherige Tätigkeit als Abwartin sei nicht mehr zumutbar. Rein sitzende Tätigkeiten seien im Umfang von 50% möglich. Denkbar sei ein absoluter Schon arbeitsplatz im Sinne einer ge- schützten Werkstatt. 5.2 Am 12. Dezember 2010 wiederholte Dr. C.____ die im Bericht vom 31. Oktober 2010 erhobenen Befunde und bestätigte die gestellten Diagnosen. Er hielt fest, dass der Versicherten rein sitzende und rein stehende Tätigkeiten im Umfang von maximal vier Stunden zumutbar seien. 5.3 Der RAD-Arzt Dr. B.____ führte am 26. Januar 2011 aus, es sei nachvollziehbar, dass der Versicherten die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei. Die Arbeitsunfähigkeit sei aber nicht vollständig. Wie im Bericht von Dr. C.____ vom 12. Dezember 2010 festgehalten, seien ab 12. Dezember 2010 körperlich leichte, intellektuell ein fache, sitzende Tätigkeiten im Umfang von vier Stunden pro Tag zumutbar. 5.4 Im Schreiben vom 21. April 2011 führte Dr. C.____ aus, die Versicherte leide zuneh- mend an Konzentrations- und Denkstörungen. Es sei eine A bklärung in der Klinik D.____ ge- plant. Die Arbeitsfähigkeit betrage maximal 20%. 5.5 Am 31. Mai 2011 hielt Dr. B.____ fest, dass Dr. C .____ in seinem Bericht vom 12. Dezember 2010 für die Zeit ab 1. Dezember 2010 keine Verschlechterung beschreibe. Mit dessen Beurteilung, der Versicherten seien einfach strukturierte Tätigkeiten im Umfang von vier Stunden pro Tag möglich, sei er einverstanden. Es sei aber die bevorstehende Abklärung in der Klinik D.____ abzuwarten. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.6 Im Bericht der Klinik D.____ vom 22. August 2011 w urden ein Fatigue-Syndrom und eine minimale neuropsychologische Störung, eine äthylisc he Leberzyrrhose Child C, ein hoch- gradiger Verdacht auf eine entzündlich-demyelinisieren de Krankheit und eine mikozytäre hy- pochrome Anämie bei Eisenmangel diagnostiziert. Im Rah men der neuropsychologischen Un- tersuchung seien Defizite in Teilbereichen der Aufmerksam keit und den Exekutivfunktionen zu objektivieren. Die grenzwertigen Leistungen im Bereich des verbal-episodischen Gedächtnisses seien vermutlich auf die Konzentrationsschwierigkeiten zu rückzuführen. Insgesamt sei die in der zeitlich begrenzten, klar strukturierten und von äusse ren Störeinflüssen weitgehend freien Untersuchungssituation erhobenen Befunde als minimale n eurologische Störung zu beurteilen. Es sei aber nicht auszuschliessen, dass unter weniger optim alen Alltagsbedingungen, in wel- chen die Patientin nicht explizit auf gute Leistungen f okussiert sei, etwas geringere Leistungen resultieren könnten. 5.7 Am 8. September 2011 nahm Dr. B.____ zum Bericht der Klinik D.____ vom 22. August 2011 Stellung. Er hielt fest, dass die vom Ha usarzt Dr. C.____ im Bericht vom 21. April 2011 erwähnten Konzentrations- und Denkstörungen nicht objektiviert und nur geringe Defizite gefunden worden seien. Diese würden die ber eits attestierte Arbeitsfähigkeit von 50% in angepassten Tätigkeiten nicht zusätzlich beeinträchtigen. 5.8 Im Bericht der neurologisch-neurochirurgischen Pol iklinik des Universitätsspitals Y.____ vom 28. November 2011 wurde festgestellt, dass d ie Versicherte ein radiologisch iso- liertes Syndrom mit entzündlichem Liquorsyndrom, eine F atigue-Symptomatik und eine äthylto- xische Leberzirrhose aufweise. Die klinisch-neurologische U ntersuchung sei unauffällig. Auf- grund anamnestisch fehlender typischer Symptome einer Mu ltiplen Sklerose (MS) könne diese Diagnose zum aktuellen Zeitpunkt nicht gestellt werden. Die von der Versicherten geschilderten kognitiven Einschränkungen könnten Symptome einer demyeli nisierenden Erkrankung oder im Rahmen der im April 2010 diagnostizierten äthyltoxischen Leberzirrhose aufgetreten sein. 5.9 Am 15. Mai 2012 führte Dr. B.____ aus, der Berich t der neurologisch- neurochirurgischen Poliklinik des Universitätsspitals Y.____ vom 28. November 2011 beschrei- be eine ausführliche Diagnostik im Hinblick auf eine zu vor vermutete MS. Das Untersuchungs- ergebnis zeige aber keine fassbare Krankheit. Der Beri cht enthalte keine Aussage zur Arbeits- fähigkeit. Er sei nicht geeignet, die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in Zweifel zu ziehen. 6. Die IV-Stelle stützte sich in ihrer Verfügung vom 9. November 2011 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vollumfänglich auf die Beurteilungen des RAD-Arztes Dr. B.____ vom 26. Ja nuar 2011, 31. Mai 2011 und 8. Sep- tember 2011, wonach der Versicherten gemäss Angaben des behandelnden Arztes Dr. C.____ vom 12. Dezember 2010 angepasste Tätigkeiten im Umfang von maximal vier Stunden pro Tag zumutbar seien. Diese nicht weiter begründete Annahme des RAD erweist sich aber mit Blick auf die bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen als nicht stichhaltig. So hielt zwar der behandelnde Hausarzt Dr. C.____ bereits im Bericht vom 31. Oktober 2010 fest, dass sitzende Tätigkeiten im Umfang von 50% möglich seien. Zumutba r ist seines Erachtens aber nur ein Schonarbeitsplatz im Sinne einer geschützten Werkstatt. Au ch wenn er im sechs Wochen spä- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ter erstellten Bericht vom 12. Dezember 2010 die Frage , ob spezielle Punkte - etwa ein ruhiger Arbeitsplatz - zu berücksichtigen seien, ohne Begründung verneinte, sind - bei im Übrigen bes- tätigten Diagnosen und Befunden - die im Bericht vom 31. Oktober 2010 gemachten Angaben hinsichtlich der Erwerbsfähigkeit nicht widerlegt. Dies gilt umso mehr, als Dr. C.____ am 21. April 2011 im Vergleich zu seinen früheren Berichte n eine erheblich höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 80% bescheinigt. Abklärungsbedü rftig sind ausserdem die Auswirkun- gen der im Bericht der Klinik D.____, vom 22. August 2012 festgestellten neuropsychologischen Defizite auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten. Wurde doch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Untersuchungssituation zwar nur eine minimale ne urologische Störung gezeigt habe, es aber möglich sei, dass unter weniger optimalen Allta gsbedingungen geringere Leistungen resultieren könnten. Wenn der RAD allein gestützt auf die Untersuchungsergebnisse der Klinik D.____ davon ausgeht, dass die festgestellten geringen Defizite die bereits attestierte Arbeits- unfähigkeit von 50% in einer angepassten Tätigkeit nicht zusätzlich beeinträchtigen würden, weckt dies Zweifel an der Zuverlässigkeit der Beurteilun g durch den RAD. Dies umso mehr, als sich die anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung festge stellten Einschränkungen in der beruflichen Tätigkeit auswirken. Nach dem Gesagten steht fest, dass die Beschwerdegeg- nerin für die Beurteilung der Erwerbsfähigkeit nicht alle notwendigen Abklärungen im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG vorgenommen hat, die angefochtene Verfügung vom 9. November 2011 demnach auf unzureichenden medizinischen Abklärungsergebni ssen beruht und deshalb auf- zuheben ist. 7.1 Gemäss neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung könn en die Sozialversicherungs- gerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Strei tsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielme hr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräfti g ist. Eine Rückweisung an die IV- Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in de r notwendigen Erhebung einer bisher voll- ständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn ledi glich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 ff, E. 4.4.1 ff.). 7.2 Da die Beschwerdegegnerin nicht alle notwendigen Abklärungen zur Beurteilung der Erwerbsfähigkeit vorgenommen hat (vgl. E. 6 hiervor), und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwaltungsverfahren versäumte medizinische Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz somit nichts entgegen. Diese wird angehalten, die Versi- cherte ergänzend abklären zu lassen. Dabei wird sich die medizinische Fachperson auch kon- kret und differenziert zu allfälligen Verweistätigkeit en, zur Präsenzzeit und einer allfälligen Ein- schränkung im Rendement äussern müssen. Demzufolge ist die Angelegenheit in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 9. November 2011 zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzun g wird diese über den Renten- anspruch der Beschwerdeführerin neu zu verfügen haben. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Nach Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkei ten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer legt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten aufer- legt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die IV-S telle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Der gelei stete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. Die ausserordentlichen Kosten wer- den dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wettgeschlagen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vor- aussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wir in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung vom 9. November 2011 aufgehoben und die Angelegenheit zur erneu- ten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Vorinsta nz zurückge- wiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht