Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. März 2021 (725 20 245 / 76) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Prüfung des Anspruchs auf Leistungen der Unfallversicherung. Rückweisung zur erneu- ten Abklärung der somatischen Unfallfolgen des Versicherten und ob diesbezüglich der medizinische Endzustand erreicht wurde. Kreisärztliche Beurteilung ohne klares Anfor- derungsprofil sowie ohne persönliche Untersuchung und ohne aktuelle ärztliche Berichte bildet keine zuverlässige Entscheidgrundlage. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiberin i.V. Jeannine Gass Parteien A. ____ , Beschwerdeführer gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1964 geborene A.____ war im Zeitraum vom 1. April 2016 bis zum 30. Septem- ber 2017 über die Firma B.____ AG angestellt. In die ser Eigenschaft war er bei der Schweizeri- schen Unfallversicherungsgesellschaft (Suva) obligatorisch ge gen die Folgen von Berufs- und Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nichtberufsunfällen versichert. Am 29. März 2017 liess er über seine Arbeitgeberin ein Unfaller- eignis melden, wonach er am 25. März 2017 um Mitternach t auf seinem Fahrrad mit einem ent- gegenkommenden Motorrad kollidiert sei und sich dabei multiple Verletzungen, unter anderem einen Bruch des linken Ellbogens, einen Muskelriss im Quadriceps des Oberschenkels und einen Riss im linken Knie zugezogen habe. Die Suva richtete in der Folge die entsprechenden Versi- cherungsleistungen in Form von Heilbehandlungen und Taggeldern aus. Nach Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse schloss die Suva den Unfall vom 25. März 2017 mit Verfügung vom 21. Mai 2019 in Kürzung der Taggelder auf 50 % per 1. Mai 2019 und Einstellung der Versicherungsleistungen per 30. Juni 2019 folgenlos ab, mit der Begründung, dass keine behandlungsbedürftigen Unfallfolgen mehr vorlägen und die anhaltend geklagten Be- schwerden, soweit nicht unfallfremd, psychisch seien und ein rechtserheblicher Zusammenhang zwischen diesen und dem vorgenannten Unfallereignis verneint werden müsste. B. Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache vom 27. Mai 2019 bzw. vom 29. Ok- tober 2019 und nachgereichten Begründungen vom 20. Juni 2019 und 30. Oktober 2019 wies die Suva unter Hinweis auf die kreisärztliche Beurteilung vom 11. April 2019 mit Einspracheentscheid vom 18. Mai 2020 ab. C. Hiergegen hat der Versicherte mit Schreiben vom 15. Juni 2020 Beschwerde beim Kan- tonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) erhoben, mit dem sinngemässen Begehren, es sei die Suva in Aufhebung des Einspracheent- scheids vom 18. Mai 2020 zu verpflichten, ihm die gesetzl ichen Leistungen über den 30. Juni 2019 hinaus zu erbringen. Des Weiteren macht der Beschwerdeführer sinngemäss geltend, dass die psychischen Unfallfolgen eine adäquat kausale Folge des Unfallereignisses seien. Eventua- liter sei die Sache zur Durchführung weiterer medizinische r Abklärungen an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei unter anderem ein orthopädisches und ein psychiatrisches Gutachten einzuholen. Alternativ stehe er einer Einigung auf eine einmalige Zah- lung zur Abgeltung aller möglichen Leistungen im Zusammenhang mit dem Unfall zur Verfügung. Zusätzlich sei ihm bis zur rechtskräftigen Beurteilung seines Falles über den 1. Juli 2019 hinaus wenigstens weiterhin ein Taggeld von 50 % auszurichten. D. Die Suva schloss mit Vernehmlassung vom 27. August 20 20 auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerh ebung ihren Wohnsitz hat. Befindet sich der Wohnsitz der versicherten Person – wie vorliegend - im Ausland, so ist gemäss Art. 58 Abs. 2 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem sich ihr letzter schweizerischer Wohnsitz befand. Der Versicherte hatte gemäss der Schadenmeldung vom 29. März 2017 seinen letzten Wohnsitz in der Schweiz in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger ge mäss Art. 56 ATSG. Es ist damit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Gemäss § 16 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 hat das Kantonsgericht von Amtes wegen, d.h. unabhängig von allfälligen Parteianträgen, zu prüfen, ob auf da s Rechtsmittel eingetreten werden kann. Zu den Prozessvoraussetzungen, die allesamt erfüllt sein müssen, damit das Gericht zur Begründet- heit oder Unbegründetheit der Rechtsbegehren Stellung nehmen kann, gehört unter anderem eine form- und fristgerechte Einreichung des Rechtsmittels (vgl. UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich 2020, Art. 61 N 82 ff.). 2.1 Nach Art. 61 Satz 1 ATSG, bestimmt sich das Verfahre n vor dem kantonalen Versiche- rungsgericht unter Vorbehalt von Art. 1 Abs. 3 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfah- ren (VwVG) vom 20. Dezember 1968 nach kantonalem Recht. 2.2 § 5 Abs. 1 VPO nennt die Anforderungen, denen e ine Beschwerde in formeller Hinsicht zu genügen hat. So ist unter anderem vorgeschrieben, da ss eine Beschwerde die Unterschrift der Parteien oder der sie vertretenden Person zu enthalten hat. Fehlt die Unterschrift, so hat die präsidierende Person die unvollständige Rechtsschrift zur Verbesserung zurückzuweisen, eine kurze Nachfrist anzusetzen und diese mit der Androhung zu verbinden, nach unbenütztem Frist- ablauf werde auf die Eingabe nicht eingetreten (§ 5 Abs. 3 VPO). Eine Rückweisung zur Be- schwerdeverbesserung ist im vorliegenden Fall nicht erfolgt. Die Nachfristsetzung ist Vorausset- zung, um bei nicht behobenem Mangel auf die Beschwerde nicht einzutreten zu dürfen (KIESER , a.a.O, Art. 61 N 94). Wurde entgegen den gesetzliche n Bestimmungen keine Nachfrist gesetzt, so kann dem Beschwerdeführer daraus kein Nachteil erwachsen. Die Beschwerde ist somit einer formgerechten Beschwerde gleichzusetzen. Auf die im Übr igen fristgerecht eingereichte Be- schwerde vom 15. Juni 2020 ist, soweit aus den nachgehen den Ausführungen nichts anderes hervorgeht, einzutreten. 3.1 Der Beschwerdeführer beantragt zunächst in verfahre nsrechtlicher Hinsicht, es sei ihm über den 1. Juli 2019 hinaus bis zur rechtskräftigen Beurteilung seines Falles ein Taggeld von 50 % auszurichten. Der Beschwerdeführer stellt damit sinngemäss ein Begehren um Wiederherstel- lung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. 3.2 Die aufschiebende Wirkung bzw. der Suspensiveffekt b edeutet, dass die Rechtswirkung des angefochtenen Entscheids mit Einreichen des Rechtsmittels vorderhand aufgeschoben wird Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. REGINA KIENER , in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich 2019, Art. 55 Rz. 2) Der B eschwerde an das kantonale Versicherungsgericht kommt von Gesetzes wegen grundsätzlich d ie aufschiebende Wirkung zu (§ 8 Abs. 1 VPO in Verbindung mit Art. 61 ATSG). De r Versicherungsträger kann jedoch einer allfälligen Beschwerde gegen seine Verfügung bzw. sei nen Einspracheentscheid den Suspensiveffekt entziehen. Nach Einreichen der Beschwerde gegen den vorinstanzlichen Entscheid steht dieselbe Befugnis zum Entzug der aufschieb enden Wirkung dem kantonalen Versicherungsgericht zu (Art. 54 Abs. 1 lit. c ATSG; vgl. auch Art. 55 Abs. 2 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren [VwVG] vom 20. Dezember 1968 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 3 VwVG und Art. 55 Abs. 1 ATSG; BGE 109 V 232 E. 2a). Legt das Gesetz nichts Gegenteiliges fest, so darf das angerufene Versicherungsgericht ausserd em die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wiederherstellen, wenn diese zuvor vom Versic herungsträger in seinem Entscheid abgesprochen worden ist (§ 7 Abs. 2 lit. f VPO; vgl. zur Anwendung von Art. 55 Abs. 3 VwVG im Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht: K IESER , a.a.O., Art. 56 Rz. 43 ff.). Beim Entscheid, ob einer Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen oder zu entziehen ist, ist nach der bundesgerichtlichen Praxis eine Interessenabwäg ung vorzunehmen. Es ist zu prüfen, ob die Gründe, welche für die sofortige Vollstreckbarke it der Verfügung sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung angefüh rt werden können. Dabei steht der urteilenden Instanz ein gewisser Beurteilungsspielraum zu. Im Allgemeinen wird sie ihren Entscheid auf den Sachverhalt stützen, der sich aus den vorhandenen Akten ergibt, ohne zeitraubende weitere Erhebungen anzustellen. Bei der Abwägung der Gründe für und gegen die sofortige Vollstreckbarkeit können auch die Aussichten auf den Ausgang des Verfahrens in der Hauptsache ins Gewicht fallen; diese müssen allerdings e indeutig sein (Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG]; heute: sozialre chtliche Abteilungen des Bundesgerichts) vom 11. Dezember 2002, U 21/02, E. 7.2; vgl. auch BGE 124 V 88 E. 6a, 117 V 191 E. 2b). 3.3 Im Zusammenhang mit der Einstellung von Versicheru ngsleistungen stehen sich bei der Abwägung der Gründe für und gegen eine sofortige Vo llstreckung der Verfügung regelmässig das Interesse des Versicherers, eine Rückforderung wegen der damit verbundenen administrati- ven Erschwernisse und der Gefahr der Uneinbringlichkeit na ch Möglichkeit zu vermeiden, und das Interesse der versicherten Person an der Sicherstellu ng des Lebensunterhaltes und unter Umständen sogar das Interesse, nicht Sozialhilfeleistungen in Anspruch nehmen zu müssen ge- genüber. 3.4 Wie eingangs erwähnt, beantragt der Versicherte in seiner Beschwerde in verfahrens- rechtlicher Hinsicht, es sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wieder herzustellen. In der Beschwerdebegründung moniert er, dass er durch den Entzug der aufschiebenden Wirkung in eine finanziell bedrohliche Lage versetzt wurde. D ie Suva hingegen hält in ihrer Vernehmlas- sung vom 27. August 2020 am Einspracheentscheid vom 18. Mai 2020 und somit am Entzug der aufschiebenden Wirkung fest. Dies bedeutet, dass mittels einer Interessensabwägung zu prüfen ist, ob die Gründe, welche für die sofortige Vollstreckb arkeit des angefochtenen Einspracheent- scheides sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung angeführt werden. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.5 Die Gewährung des Suspensiveffektes hätte zur Folge, dass dem Beschwerdeführer wäh- rend der Dauer des Verfahrens die strittigen Versicherungsleistungen weiterhin ausgerichtet wür- den. Im Falle der Abweisung seiner Beschwerde hätte er jedoch die bis zum Abschluss des Be- schwerdeverfahrens materiell zu Unrecht bezogenen Versicherungsleistungen wieder zurückzu- erstatten (vgl. Art. 25 ATSG). Es ist offensichtlich, dass die Beschwerdegegnerin ein erhebliches Interesse hat, eine solche Rückerstattungsforderung zu vermeiden. Es genügt in diesem Zusam- menhang, auf die damit verbundenen administrativen Er schwernisse und auf die Gefahr der Nichteinbringlichkeit solcher Forderungen hinzuweisen. E in Interesse der Beschwerdegegnerin an einem sofortigen Vollzug des angefochtenen Einspracheentscheids ist daher prinzipiell zu be- jahen. Der Argumentation, dass der Beschwerdeführer in eine finanziell bedrohliche Lage ver- setzt wurde, ist entgegenzuhalten, dass die Rechtsprechung das Interesse des Versicherers an der Vermeidung möglicherweise nicht mehr einbringlicher Rückforderungen regelmässig höher gewichtet wird als das Interesse der versicherten Person, für die Dauer des Verfahrens nicht in vorübergehende finanzielle Schwierigkeiten zu geraten (vgl. Kranken- und Unfallversicherung - Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 2004 Nr. U 521 S. 450 E. 4.1). 3.6 Vorliegend wurde der Beschwerdeführer vorübergehe nd in eine finanziell bedrohliche Lage versetzt. Soweit ersichtlich, resultieren für ihn daraus aber keine zusätzlichen, besonders einschneidenden Nachteile, welche durch eine spätere Na chzahlung nicht wieder gutgemacht werden könnten. Anderseits wird und darin ist der Beschwerdegegnerin beizupflichten aus den Ausführungen in der Beschwerde deutlich, dass eine Rückforderung in Anbetracht der schwieri- gen finanziellen Lage des Versicherten tatsächlich gefähr det wäre. Unter diesen Umständen ist aber das erhebliche Interesse der Beschwerdegegnerin, ei ne Rückforderung wegen der Gefahr der Uneinbringlichkeit nach Möglichkeit zu vermeiden, höher zu gewichten als das Interesse des Beschwerdeführers an der Weiterausrichtung der Leistungen. 3.7 Eine Abwägung der vorliegend einander gegenüber stehenden Interessen ergibt somit im Ergebnis, dass die Gründe, welche für die sofortige V ollstreckbarkeit des angefochtenen Ein- spracheentscheides sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung – die Erteilung des Suspensiveffektes – angeführt wer den können. Das Begehren um Wieder- herstellung der aufschiebenden Wirkung ist demnach abzuweisen. 4. In materieller Hinsicht streitig und im Folgenden zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer über den 30. Juni 2019 hinaus Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung hat. 5. Vorab ist festzuhalten, dass der Vorschlag des Beschwerde führers, die strittige Angele- genheit mit einer einmaligen Zahlung per Saldo aller Ansprüche – im Sinne eines Vergleichsvor- schlags – zu erledigen, nicht berücksichtigt werden kann. E in Vergleich beinhaltet eine vertragli- che Einigung der Parteien, in der sich diese nach Einle itung des Rechtsmittelverfahrens mittels gegenseitiger Zugeständnisse über den Streitgegenstand v erständigen (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 18. März 2015, 4A_596/2014, E. 3.1) . Ein Vergleich kann nur zwischen den Parteien abgeschlossen werden. Da das Gericht keine Partei ist, kann es die strittige Angelegenheit nicht mittels eines Vergleichs abschliessen. Auf das Begehren kann somit nicht eingetreten werden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid ist. Der Rente nanspruch entsteht, wenn von der Fort- setzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserun g des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfä llige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integ- rität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädi- gung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 6.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – vo- raus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Ar- beitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürli chen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene E rfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gle ichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Es genügt, wenn das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die kör- perliche oder geistige Integrität der versicherten Perso n beeinträchtigt hat, der Unfall also nicht weggedacht werden kann, ohne dass die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 142 V 438 E. 1, 129 V 181 E. 3.1; vgl. auch Urteil des B undesgerichts vom 6. Juni 2018, 8C_813/2017, E. 3.2, in: SVR 2018 UV Nr. 42 S. 151) . Das Vorliegen eines natürlichen Kausal- zusammenhangs ist eine Tatfrage und muss daher mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden (BGE 119 V 338 E. 1; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 21. Januar 2020, 8C_623/2019, E. 2.1.2). Hierfür reicht es jedoch nicht aus, wenn – im Sinne der Formel “post h oc ergo propter hoc“ – die Schädigung schon dann als durch einen Unfall verursacht angesehen würde, weil sie nach diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 341 E. 2b/bb; vgl. auch Urteile des Bun desgerichts vom 29. Mai 2020, 8C_241/2020, E. 3, vom 21. August 2015, 8C_331/2015, E. 2.2.3.1, in: SVR 2016 UV Nr. 18 S. 57, und vom 9. November 2009, 8C_626/2009, E. 3.2, in: SVR 2010 UV Nr. 10 S. 41). 6.3 Um die Leistungspflicht des Unfallversicherers bejahe n zu können, muss zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nicht nu r ein natürlicher, sondern auch ein adä- quater Kausalzusammenhang bestehen. Nach der Rechtsp rechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geei gnet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 mit Hinweis) . Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haft ungsbegrenzung zu (BGE 129 V 177 E. 3.3 mit Hinweisen). Ob bei Vorlieg en eines natürlichen Kausalzusammen- hangs zwischen dem versicherten Ereignis und der eingetretenen gesundheitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtserheblich e Kausalzusammenhang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 24. August 2007, U 5 6/06, E. 6.2.2 am Ende; BGE 112 V 30 E. 1b). 6.4 Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfo lgen spielt die Adäquanz als recht- liche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1, 127 V 102 E. 5b/bb). Stehen hingegen psychische Un- fallfolgeschäden zur Beurteilung, so hat eine besond ere Adäquanzprüfung zu erfolgen. Danach ist für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung d er Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schw ere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (BGE 115 V 133 E. 7). 6.5 Als adäquate Ursache eines Erfolgs gilt ein Ereigni s dann, wenn es nach dem gewöhn- lichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfah rung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2, 125 V 461 E. 5a; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 21. Januar 2020, 8C_623/2019, E. 2.2 ). Die Adäquanz als rechtliche Ein- grenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfall- versicherers spielt im Bereich organisch objektiv ausgewiese ner Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 138 V 250 E. 4, 134 V 111 E. 2, 127 V 103 E. 5b/bb; vgl. auch U rteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2020, 8C_518/2019, E. 3, in: SVR 2020 UV Nr. 27 S. 111). Objektivierbar sind Untersuchungser- gebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Unt ersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind (vgl. URS PILGRIM , Nicht oder schwer objektivierbare Gesundheitsbe- einträchtigungen: Erfahrungen des Hausarztes und Rheumatologen, in: Murer [Hrsg.], Nicht ob- jektivierbare Gesundheitsbeeinträchtigungen: Ein Grundp roblem des öffentlichen und privaten Versicherungsrechts sowie des Haftpflichtrechts, Freiburger Sozialrechtstage 2006, Bern 2006, S. 3 f.). Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallf olgen kann somit regelmässig erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit ap parativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die hierbei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich aner- kannt sind (BGE 138 V 251 E. 5.1; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 17. März 2020, 8C_106/2020, E. 3, vom 10. März 2020, 8C_627/2019, E . 3.2, vom 21. Januar 2020, 8C_623/2019, E. 2.2, und vom 9. Mai 2019, 8C_53/2019, E. 2.2, in: SVR 2019 UV Nr. 40 S. 150). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderl ichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst , wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn al so Letzter nur noch und aus- schliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesund- heitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante) oder aber derje- nige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist. Selbiges gilt dann, wenn durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert o der überhaupt erst manifest wird. Die versicherte Person hat bis zum Erreichen des Status quo sine vel ante deshalb Anspruch auf eine zweckgemässe Behandlung und allenfalls Taggelder (vgl. Ur teile des Bundesgerichts vom 20. Juni 2020, 8C_956/2011, E. 4.2, vom 29. Januar 20 20, 8C_614/2019, E. 5.2, in: SVR 2020 UV Nr. 24 S. 97, und vom 21. August 2015, 8C_331/2015, E. 2.1.1, in: SVR 2016 Nr. 18 S. 57). Die Beweislast für den – ebenfalls dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit un- terliegenden – Wegfall der Kausalität liegt beim Unfallversicherer (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 29. Mai 2020, 8C_241/2020, E. 3, vom 19. März 2019, 8C_834/2018, E. 3, und vom 28. Au- gust 2018, 8C_421/2018, E. 3.2, in: SVR 2019 IV Nr. 9 S. 27). Der Beweis des Wegfalls des Kausalzusammenhangs muss nicht durch den Nachweis unfallfre mder Ursachen erbracht wer- den. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversichere r den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nun bei voller Gesund- heit sei. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kau- sale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 14. Februar 2020, 8C_840/2019, E. 3.2, vom 10. Janua r 2020, 8C_548/2019, E. 3.2, und vom 5. Dezember 2018, 8C_276/2018, E. 2.3, je mit Hinweisen). 6.7 Während bei der Frage, ob ein Kausalzusammenhang überhaupt jemals gegeben ist, die versicherte Person beweisbelastet ist, trägt die Beweislast für einen behaupteten Wegfall der Kausalität die Unfallversicherung (vgl. Urteile des Bund esgerichts vom 11. März 2020, 8C_68/2020, E. 3.2, und 21. Januar 2020, 8C_623/2019 , E. 2.1.2) Im Sozialversicherungspro- zess tragen die Parteien allerdings in der Regel eine B eweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen ge- bliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 11 5 V 142 E. 8a, 107 V 163 E. 3a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Un- tersuchungsgrundsatzes einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 221 E. 6, 117 V 264 E. 3b, je mit Hin- weisen). 7.1 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) wie alle anderen Beweismit tel frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurtei- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesonder e darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es a uf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Hin sichtlich des Beweiswertes eines Arzt- berichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die str eitigen Belange umfassend ist, auf all- seitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 7.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispielsweis e Berichten und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ver sicherungsinternen ärztlichen Feststel- lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 8.1 Mit Verfügung vom 21. Mai 2019 hatte die Suva de m Versicherten mitgeteilt, dass die vorübergehenden Leistungen (Taggelder, Heilbehandlung) per Ende Juni 2019 eingestellt wür- den und ein Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen mangels adäquater Unfallfolgen ab- gelehnt würde. Dies wurde auch mit Einspracheentscheid vom 18. Mai 2020 bestätigt. In seiner Beschwerde macht der Versicherte vorab sinngemäss geltend, der medizinische Endzustand sei noch nicht erreicht, so dass die Voraussetzungen für eine Einstellung der vorübergehenden Leis- tungen im genannten Zeitpunkt nicht erfüllt gewesen s eien. Auch sei der Unfall als schwerwie- gend einzustufen, sodass die adäquate Kausalität für d ie psychischen Unfallfolgen zu bejahen sei. 8.2 Im Entscheid 134 V 109 ff. hat sich das Bundesgerich t einlässlich mit der Thematik be- fasst, in welchem Zeitpunkt der Unfallversicherer einen Fall abzuschliessen und – gegebenenfalls – den Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Int egritätsentschädigung zu prüfen habe (BGE 134 V 113 E. 3.2). Dies habe, so das Bundesgericht, gest ützt auf Art. 19 Abs. 1 UVG in dem Zeitpunkt zu geschehen, in welchem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine nam- hafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden könne und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen seien (BGE 134 V 113 ff. E. 4). Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheitszustands zu verste- hen sei, umschreibe das Gesetz nicht näher. Mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstätigen Personen ausgerichtet sei (vgl. etwa Art. 1a und Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 4 UVG), werde sich dies namentlich nach Massgabe de r zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt, bestimmen. Die Ver- wendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber verdeutliche dabei, dass die durch wei- tere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen müsse. Unbedeutende Verbes- serungen genügten nicht (BGE 134 V 115 E. 4.3 mit Hinweisen). 8.3 Zur Beurteilung des Gesundheitszustands sind folgend e Akten zu berücksichtigen: 8.3.1 Wie dem Bericht der Klinik C.____ vom 5. April 2 017 entnommen werden kann, wurde beim Versicherten nach dem Unfall eine grosse parietale Kopfplatzwunde mit Hämoglobinkon- zentration-relevanter Blutung, eine Ellbogenluxation links mit multidirektionaler Instabilität, eine Ruptur des radialen Kollateralbands, eine Risswunde im Knie links, eine Prellung der linken Hand sowie ein Innenbandriss im rechten Knie diagnostiziert. Als Nebendiagnosen wurden Bluthoch- druck sowie eine Acetylsalicylsäure (ASS)-Dauertherapie infolge Schlaganfall festgehalten. 8.3.2 Mit Bericht vom 30. Oktober 2017 konkretisierte die Klinik C.____ ihre Diagnose dahinge- hend, dass ein Zustand nach Ellbogenluxation links mit mu ltidirektionaler Instabilität und Ruptur des radialen Kollateralbands, ein Zustand nach operat iver Revision mit Refixation des radialen Kollateralbands am Ellbogen links mit 3-Fastak-Ankern bei flächiger Abscherung mit knöchernem Ausriss am 4. April 2017, aktuell persistierende Beschwerden mit Bewegungseinschränkung, ein Verdacht auf das Sulcus ulnaris Syndrom und ein Zustand nach Karpaltunnelspaltung links im Oktober 2017 festgestellt worden sei. 8.3.3 Im vorläufigen Entlassungsbericht der Klinik C.___ _ vom 18. Februar 2018 wurde noch ein Ellbogengelenksstreckdefizit links mit Spangenbildung humeroradial und proximal radioulnar mit vernarbtem Gelenkraum bei Ellbogenluxation links mit multidirektionaler Instabilität ohne Refi- xation des radialen Kollateralbands mit 3-Fastak-Ankern vom 4. April 2017 diagnostiziert. Ein Zustand nach Karpaltunnelspaltung links im Oktober 2017, ein Schnappen des Fingers D5 links, eine traumatische Patellaluxation im Kniegelenk links und eine mediale Kollateralligamentläsion im Kniegelenk rechts mit persistierendem Belastungsdefizit beider Kniegelenke sowie eine Ner- vus ulnaris Affektion links wurden als Nebendiagnosen gestel lt. Eine Instabilitätssymptomatik habe nicht bestanden. Zudem habe ein persistierendes Pelzigkeitsgefühl und eine Sensibilitäts- störung vor allem im Bereich des ulnaren Unterarmes links sowie im Bereich der palmaren Hand- fläche bestanden. Eine lokale Symptomatik am linken Ellbogen habe der Beschwerdeführer ver- neint. 8.3.4 Dr. med. D.____, FMH Neurologie, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in ihrem Bericht zur Untersuchung vom 9. Januar 2018 die Diagnose n eines Karpaltunnelsyndroms bei Zustand nach Karpaldachspaltung im November 2017 links so wie ein Sulcus ulnaris-Syndrom links bei Zustand nach Ellbogenfraktur links im März 2017. Bei der Untersuchung habe der Patient über ein seit einer Fraktur des Ellbogens links im März 2017 bestehendes Taubheitsgefühl in den Fingern I bis III der linken Hand berichtet. Zusätzlich würden bei der Armstreckung Kribbelparäs- thesien ulnarseitig im Unterarm auftreten. Im klinisch- neurologischen Untersuchungsbefund Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht seien keine Paresen festgestellt, zudem seien die Hoffm ann-Tinel-Zeichen über Sulcus ulnaris und Karpaltunnel links negativ gewesen. 8.3.5 Mit Bericht vom 26. März 2018 diagnostizierte Dr. D.____ eine mittelgradige depressive Episode. Im Bericht vom 30. April 2018 und 1. Oktober 2018 wurde zusätzlich der Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung festgehalten. 8.3.6 Bei der kreisärtzlichen Abklärung durch Dr. med. E .____, FMH Orthopädie und Trauma- tologie, vom 4. April 2018 wurde dokumentiert, dass noch ein 30-gradiges Extensionsdefizit des Ellbogens bestehe. Eine Besserung sei innerhalb von sechs Monaten durch intensive Physiothe- rapie zu erwarten, danach könne von einem Endzustand ausgegangen werden. 8.3.7 Physiotherapeut und sektorialer Heilpraktiker F.__ __ hielt in seinem von der Suva in Auf- trag gegebenen Bericht vom 22. Mai 2018 fest, dass bei der ersten Therapiesitzung starke Ein- schränkungen im linken Ellbogen mit 30%igem Streckungsdefizit vorgelegen hätten, welche mitt- lerweile um 15 % hätten verbessert werden können. Der weitere Therapieverlauf müsse abge- wartet werden, die ursprünglich ausgeführte Tätigkeit als OP-Pfleger sei im Beurteilungszeitpunkt aber noch nicht möglich. 8.3.8 Bei der MRT vom 4. September 2018 sei ein hori zontaler Riss des Innenmeniskushinter- horns mit Kontakt zur unteren Grenzfläche und gering em parameniskalem Reizzustand, hierbei auch geringe Irritation des Innenbandes sowie eine am ehesten posttraumatisch-narbige femur- nahe Auftreibung des Innenbands festgestellt worden. Eine mässig bis höhergradige retropatel- lare Chondropathie mit kleiner Geröllzsyste in der Patellahinterfläche zentral, ein geringer supra- patellarer Erguss und eine Baker-Zyste an typischer Stelle wurden ebenfalls diagnostiziert. 8.3.9 Im Schreiben vom 22. November 2018 hielt Dr. D. ____ fest, dass der Beschwerdeführer im Rahmen eines Fahrradunfalles eine posttraumatische Belastungsstörung erlitten habe, die mit Grübelneigungen, Gedankenabreissen, schneller Gereiztheit , erhöhter Schreckhaftigkeit, Alp- träumen und Flashbacks einhergehe. Zusätzlich bestehe ein e depressive Episode, welche sich unter anderem in gedrücktem Affekt, reduzierter affektiver Modulationsfähigkeit, starken Ängsten, starker innerer Unruhe, Ein- und Durchschlafstörungen sowie einer Antriebsminderung äussere. 8.3.10 Bei der versicherungsinternen Abklärung durch Dr . med. G.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, wurde mit Bericht vom 25. Januar 2019 unter Berücksichtigung einer vierseitigen Zusammenfassung der Beschwerden des Beschwerde- führers sowie des Austrittsberichts der Klinik C.____ vom 4. April 2017, der Berichterstattung von Dr. D.____ aus dem Jahr 2018 und der MRT des rechten Knies vom 4. September 2018 festge- stellt, dass keine volle Arbeitsunfähigkeit vorläge, welche auf den Unfall vom XX.XX.2017 zurück- zuführen sei. In Anbetracht der Unfallfolgen sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit als technischer Ope- rationsassistent ab Februar 2019 zumutbar. Unfallbeding t sei ein Jahr postoperativ der stabile Gesundheitszustand in Bezug auf das Ellbogengelenk zu erwarten. Eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes des linken Ellbogengelenks könne vo n keiner weiteren Behandlung Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht erwartet werden, da eine 15-gradige Bewegungseinschr änkung und ein ca. 10-gradiges Flexi- onsdefizit pathognomonisch für eine stattgehabte Ellbo gengelenksluxation seien, und sich im Verlaufe nicht namhaft bessern würden. 8.3.11 Ab 26. Februar 2019 gab der Versicherte der Suva sodann Auskunft zu seinem Jobprofil. Als OP-Assistent müsse er die Patienten in den OP bringen, sie umbetten, die benötigten Instru- mente an den operierenden Chirurgen geben und nach der OP die Reinigung des OP Saals sowie die Vorbereitung der nächsten OP vornehmen. 8.3.12 In der Ergänzung des versicherungsinternen Bericht s von Dr. G.____ vom 25. Ja- nuar 2019 wurde mit Schreiben vom 11. April 2019 ebenfalls von Dr. G.____ festgehalten, dass die bildgebend dargestellten Pathologien des rechten K niegelenks (MRT vom 4. September 2018) überwiegend wahrscheinlich gänzlich unfallfremd seien. Die Bildgebung würde gesamthaft ein degeneratives Verschleissleiden des Kniegelenks darst ellen. Die Bildgebung des rechten Kniegelenks sei anderthalb Jahre nach dem Unfallereignis erfolgt. Bezüglich des Zumutbarkeits- profil sei unfallkausal eine leichte bis mittelschwer e wechselbelastende Tätigkeit möglich. Nicht zumutbar sei das Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sowie das Arbeiten an rüttelnden, schlagen- den und vibrierenden Maschinen, welche mit dem linken Arm gehalten oder geführt werden müss- ten. Für das Jobprofil eines Operationsassistenten bestehe, wie im Bericht vom 25. Januar 2019 erwähnt, eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ab Februar 2019, eine Steigerung auf 100 % sei unfallkau- sal nach zwei Monaten Anpassung und Adaptierung zumutbar. 8.4 Wie oben ausgeführt, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall wie hier ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden wer- den soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Z uverlässigkeit und Schlüssigkeit der versi- cherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. E. 6.2 hiervor und die dortigen Rechtsprechungshinweise). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak- ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegun g der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ei nleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 13 4 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Solche Zweifel an der Schlüssigkeit der Beurteilung des Kreisarztes Dr. G.____, auf welche die Suva in ihrem Entscheid abgestellt hat, liegen hier vor. Die Suva argumentiert gestützt auf den Bericht von Dr . G.____, dass der Versicherte in seinem angestammten Beruf wieder als arbeitsfähig einzuschätzen und ein Integritätsschaden zu vernei- nen sei. Zunächst fällt auf, dass Dr. G.____, anders als üblich, seinem Bericht keinen Abriss der Krankengeschichte durch eine Auflistung der Vorakten voranstellt. Damit ist bereits unklar, ob der Kreisarzt seine Beurteilung in Kenntnis der vollständigen Akten abgegeben hat. Zwar erwähnt er bei seinen Einschätzungen, auf welche ärztlichen Berichte und auf welche bildgebenden Befunde er sich abstützt. Die Daten der einzelnen Berichte und Bildgebungen lassen aber Zweifel an der aktuellen Verbindlichkeit der kreisärztlichen Einschätzung aufkommen. So datiert der jüngste von Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihm angeführte ärztliche Bericht zur somatischen Situation des Beschwerdeführers vom 4. Sep- tember 2018, die späteren Berichte betreffen ausschliessl ich den psychischen Zustand des Be- schwerdeführers. Da aus den dem Gericht vorliegenden Akten allerdings Hinweise auf eine Ver- schlechterung des Gesundheitszustandes in Form der vom Besch werdeführer beklagten anhal- tenden Beschwerden sowohl im linken Ellbogen als auch im linken Knie zu entnehmen sind, hät- ten wohl entweder ein aktueller ärztlicher Bericht eingeholt oder aber selbst eine persönliche Un- tersuchung des Beschwerdeführers vorgenommen werden müssen. Im Weiteren erscheint auch das Anforderungsprofil für angepasste Tätigkeiten als nicht klar definiert. So werden lediglich alle leichten bis mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeite n als zumutbar erachtet, mit Aus- nahme von Arbeiten auf Gerüsten und Leitern sowie von A rbeiten an rüttelnden, schlagenden und vibrierenden Maschinen, die linkshändig geführt werden. An der Definition von Gewichtslimi- ten für Tragen, Stossen und Ziehen von Lasten fehlt es ebenso wie an einem näheren Eingehen auf die mit den vorliegend geäusserten Beschwerden zu erw artenden Limitierungen für Laufen und Stehen. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit wurde ohne Ar- beitsprofil vorgenommen und von Dr. G.____ nicht begr ündet. Die Annahme einer 50%igen Ar- beitsfähigkeit ab Februar 2019 und 100%igen Arbeitsf ähigkeit nach zwei Monaten Anpassung und Adaption in der angestammten Tätigkeit ist aufgrund der fehlenden Begründung nicht nach- vollziehbar. Obwohl anhand der vorliegenden Akten ersichtlich wird, dass die Abklärung des me- dizinischen Sachverhalts durch die Suva und schliesslich di e Beurteilung des Gesundheitszu- stands und der Arbeitsfähigkeit durch Dr. G.____ aufgrund des Verhaltens des Beschwerdefüh- rers durchaus eine Herausforderung darstellte, hätte zu mindest eine weitere orthopädische Un- tersuchung zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers und der Abklärung der zumutbaren angepassten Tätigkeit im Zeitpunkt der Beurteilung durch Dr. G.____ durch die Suva in Auftrag gegeben oder gleich selbst durchgeführ t werden müssen. Es ist festzuhalten, dass die Beurteilung der medizinischen Situation durch Dr. G.____ nicht den bundesgerichtlichen Anforderungen an die Beweiswürdigung entspricht, weswe gen darauf nicht abgestellt werden kann. 8.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass vorliegend Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der von der Beschwerdegegnerin als massge blich erachteten versicherungs- internen Beurteilung des Kreisarztes Dr. G.____ bestehen. Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 6.2 hiervor) kann bei diesem Beweisergebnis nicht auf die betreffende versicherungsinterne Beurtei- lung abgestellt werden. Der angefochtene Einspracheentscheid ist deshalb aufzuheben. Im Hin- blick auf das weitere Vorgehen gilt es zu berücksichtigen, dass die Suva den medizinischen Sach- verhalt bisher lediglich versicherungsintern durch einen Allgemeinmediziner hat beurteilen las- sen. Hält man sich zum einen die Komplexität des Beschwerdebildes des Versicherten und zum andern die sich aus dem Untersuchungsgrundsatz ergebende Pflicht des Versicherungsträgers, den rechtserheblichen (medizinischen) Sachverhalt vollständig festzustellen (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG), vor Augen, so müssen die von der Suva im Verwaltungsverfahren getroffenen Abklärun- gen letztlich als nicht ausreichend bezeichnet werden. V or diesem Hintergrund rechtfertigt es sich, die Angelegenheit an die Suva zurückzuweisen. Diese wird nunmehr ein versicherungsex- ternes Gutachten mit fachärztlichen Untersuchungen im Bereich Orthopädie einzuholen haben. Darin wird abzuklären sein, an welchen somatischen Unf allfolgen der Versicherte leidet und ob hinsichtlich dieser somatischen Unfallfolgen der medizinisch e Endzustand erreicht ist. Zudem Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden die Gutachter, falls sie den medizinischen Endzu stand als erreicht erachten, das Aus- mass der unfallbedingten Beeinträchtigung der Arbeits fähigkeit zu beurteilen haben. Anschlies- send wird die Suva gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung über den Leistungsanspruch des Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gut- zuheissen. 9.1 Bei diesem Ergebnis kann die Frage, ob ein adäqua ter Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den gesundheitlichen Unfallfolgen best eht, offengelassen werden. Sollte sich nach den versicherungsexternen Abklärungen ergeben, dass der medizinische Endzustand er- reicht wurde, so wäre zu prüfen, ob zwischen dem Unfallereignis und den psychischen Beschwer- den ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, dass bei der Adäquanzprüfung von einem schwerwiegenden Unf allereignis auszugehen sei, ist Fol- gendes zu bemerken: Bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend) nach- weisbaren Unfallfolgeschäden, ohne dass die versicherte Person ein Schleudertrauma der HWS oder einen äquivalenten Verletzungsmechanismus erlitten hat, erfolgt die Adäquanzbeurteilung psychischer Unfallfolgen nach den in BGE 115 V 133 ff. entwickelten Kriterien (vgl. zu den Anfor- derungen an die Objektivierbarkeit von organischen leiden: nicht publizierte E. 2 des Urteils BGE 135 V 465, in: SVR 2010 UV Nr. 6 S. 25 [8C_216/2009]). Nach dieser Rechtsprechung setzt die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfallereignis bzw. einer un- fallähnlichen Körperschädigung und einer anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwick- lung im Einzelfall voraus, dass dem fraglichen Ereignis für die Entstehung der psychisch beding- ten Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn es objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (BGE 115 V 141 E. 7 mit Hinweisen). 9.2 Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfa llereignis anzuknüpfen, wobei ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf folgende Einteilun g der Unfälle in drei Gruppen zweck- mässig erscheint: banale bzw. leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle andererseits und schliesslich der dazwischenliegende mittlere Bereich (vgl. BG E 115 V 138 E. 6). Während bei leichten bzw. banalen Unfällen der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel ohne weiteres verneint werden kann, weil auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung, aber auch unter Einbe- zug unfallmedizinsicher Erkenntnisse davon ausgegangen wer den darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen, ist der adäquate Kau- salzusammenhang zwischen Unfall und Folgen bei schweren Unfällen in der Regel zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach de r allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische Gesundheitsschäden zu bewirken. Bei Un- fällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäqua- ter Kausalzusammenhang besteht, nicht auf Grund des Unfalls allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusam- menhang stehen oder als direkte oder indirekte Folge d avon erscheinen, in eine Gesamtwürdi- gung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind nach der Rechtsprechung (vgl. BGE 115 V 140 E. 6c/aa) zu nennen: - besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht - die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verl etzungen, insbesondere ihre erfah- rungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; - ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; - körperliche Dauerschmerzen; - ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen er heblich verschlimmert; - schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikatio nen; - Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigke it (BGE 115 V 133 E. 6c/aa). Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erfor- derlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be urteilung des adäquaten Kausalzu- sammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Das trifft e inerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, der zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist. Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbe- zogene Kriterien herangezogen werden. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mitt- leren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten der Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäuft er oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht wird. Diese Würdigung des Un falls zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs. Damit ent- fällt die Notwendigkeit, nach anderen Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychische Fehlreaktion mitbegünstigt haben könnten (vgl. BGE 115 V 140 E. 6c/bb). 9.3 Aus der Unfallmeldung vom 29. März 2017 ergibt sich folgender Unfallhergang: „Von ei- nem Motorrad überfahren worden“. Aus der Unfallbeschr eibung vom XX.XX.2016 (recte 2017) ergibt sich: „Ich wurde von einem Motorrad erfasst, das m ir in der Ortschaft mit überhöhter Ge- schwindigkeit auf meiner Seite entgegen kam“. Im Einsat zbericht des Polizeipräsidiums Y.____ zum Ereignis vom XX.XX.2017 konnte der Beschwerdeführer auf Nachfrage keine Angaben zum Unfallhergang machen. Er habe lediglich angegeben, dass er mit dem Fahrrad unterwegs gewe- sen sei, könne sich aber nicht mehr daran erinnern, ob er gefahren sei oder sein Fahrrad gescho- ben habe. Der Fahrer des Motorrads, mit dem der Beschw erdeführer kollidiert ist, gab zum Un- fallhergang an, dass ihm in Höhe des Ortsausgangs Z.____ plötzlich der Beschwerdeführer mit seinem Fahrrad entgegengekommen sei. Da dieser unbele uchtet in der Mitte der Fahrbahn ge- fahren sei, sei es zum Frontalzusammenstoss gekommen. 9.4 Zu Recht hält die Suva in ihrer Vernehmlassung f est, dass das Unfallereignis vom XX.XX.2017, in Anbetracht der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, als mittelschwer im enge- ren Sinne einzustufen ist. Bei einem Fahrradunfall ohne weitere Beteiligte geht das Bundesgericht in der Regel von einem Unfall im mittleren Bereich an der Grenze zu den leichten Ereignissen aus (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2018 , 8C_414/2017 E. 3.4 mit Verweis auf die Urteile vom 18. August 2011, 8C_451/2011, E. 2.4 und vom 9. November 2010, 8C_605/2010, E. 6.1). Die Kasuistik bezüglich Unfällen zwischen Autos und Motorrädern zeigt, dass Kollisionen in der Regel als mittelschwere Unfälle im engeren Sinn e beurteilt werden (vgl. Urteile des Bun- desgerichts vom 10. März 2020, 8C_627/2019, E. 5.3.3, vom 11. November 2019, 8C_473/2019, Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 5.1; vom 8. Oktober 2019, 8C_99/2019 E. 4.4.1; vom 31. Oktober 201,6 8C_430/2016, E. 7.4). Der Unfall eines Velofahrers mit einem Motorradfahrer ist vom Schweregrad her wohl zwischen einem Unfall eines Velofahrers ohne Beteiligte und e inem Motorradfahrer mit einem Autofahrer anzusiedeln. Demnach ist an der Einschätzung der Beschwerdegegnerin, das Unfallereignis vom XX.XX.2017 zu Gunsten des Beschwerdeführers als mittelschwer im engeren Sinne einzustufen, nichts auszusetzen. 10.1 Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gültig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 1. Januar 2021) hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird keine Parteient- schädigung zugesprochen. 10.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Eine Parteientschädigung kann d er ganz oder teilweise obsiegenden Partei gemäss § 21 VPO nur für den Beizug eines Anwalts beziehungsweise einer Anwältin zu- gesprochen werden. Da der Beschwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht an- waltlich vertreten war, wird ihm keine Parteientschädigung ausgerichtet. 11.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständig keit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) nur mit Beschwerde in öffentlich-r echtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewi rken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 11.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 11.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher Praxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BG G) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentscheids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil K. des Bundesge- richts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Soweit auf die Beschwerde eingetreten werden kann, wird diese in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochtene Einspracheentsc heid der Suva vom 18. Mai 2020 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Ver- fügung an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht