B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7120/2010 U r t e i l v o m 4 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Tu-Binh Truong. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführerin bzw. Gesuchstellerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwä- gungsentscheid); Verfügung des BFM vom 23. September 2010 / N (…); Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Juli 2010 / E-6493/2009. E-7120/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Bes chwerdeführerin – eine kurdisch -stämmige Alevitin aus B._______ mit letztem Wohnsitz in C._______(Türkei) – verliess eigenen Angaben zufolge am 25. April 2009 ihre Heimat und gelangte am 17. Mai 2009 in die Schweiz , wo sie am 9. Juni 2009 ein Asylgesuch einreichte, welches vom BFM mit Verfügung vom 11. September 2009 aufgrund feh- lender Asylrelevanz der Vorbringen abgelehnt wurde, wobei die Wegwe i- sung sowie deren Vollzug angeordnet wurden. Die dagegen erhobene Beschwerde vom 15. Oktober 2009 – mit welcher lediglich die Aufhebung der vorinstanzliche n Verfügung im "Wegweisungspunkt" beantragt und um Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ersucht worden war – wurde mit Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts vom 16. Juli 2010 (E-6493/2009) abgewiesen. B. Mit einer al s "Wiedererwägungsgesuch" bezeichneten Eingabe vom 8. September 2010 gelangte die Beschwerdeführerin durch ihren Rechts- vertreter ans BFM und machte d arin geltend, das Verhältnis zu ihren E l- tern sei – entgegen der Feststellung sowohl in der Verfügung des BFM vom 11. September 2009 als auch im Urteil vom 16. Juli 2010 – nicht in- takt, so dass sie sich bei einer Rückkehr nicht auf ein familiäres Umfeld stützen könne. Aus Scham und Schuldgefühlen habe sie im vorgängigen Verfahren nicht über die Umstände, welche ursächlich für dieses vol l- kommen zerrüttete Verhältnis seien, sprechen können. Dies hole sie nun nach: Sie entstamme einer vermögenden Familie kurdischer Absta m- mung. Ihre Kindheit und Jugendzeit sei geprägt gewesen von schweren familiären Konflikten, da sie sich schon während des Gymnasiums für die kurdischen Anliegen einzusetzen begonnen habe, während ihr Vater als (…) tätig gewesen sei, und unter anderem "solche Leute habe verurteilen müssen". Sie habe gegen den Willen der Eltern im Jahre (…) geheiratet und das Elternhaus verlassen. Aus dieser Ehe sei im Jahr (…) eine Toch- ter hervorgegangen. Während der Ehe sei sie indes Opfer massiver häuslicher Gewalt durch ihren damaligen Ehemann gewesen und teilwe i- se von ihm auch zur Prostitution gezwungen worden. Im Jahre (…) sei sie zu ihren Eltern geflüchtet und im Jahr (…) geschieden worden. Nach ihrer Rückkehr in das Elternhaus habe es erneut Spannungen gegeben, in s- besondere weil die Beschwerdefü hrerin durch die Scheidung sich und damit auch ihre Fami lie entehrt habe. So habe sich der Vater in der Zw i- schenzeit mit einer Bekannten in der Schweiz in Verbindung gesetzt und E-7120/2010 Seite 3 dieser mitgeteilt, aufgrund der erlittenen Entehrung und d er früheren hef- tigen Konflikte mit der Tochter könne sie unmöglich in die Türkei zurüc k- kehren. Die Familie könne sie nicht wieder bei sich aufnehmen, da dies sonst zu einer Katastrophe führen würde. Sowohl die jahrelange häusl i- che Gewalt als auch die Konflikte im Elternhaus hätten ihre psychischen Probleme verursacht. Ihr psychischer Gesundheit szustand habe sich z u- dem nach Erhalt des Urteils vom 16. Juli 2010 massiv verschlechtert, so dass sie neu einer stationären Behandlung bedürfe. Als Belege dafür w a- ren dem Gesuch ein ärztliches Zeugnis vom 11. August 2010, ein Übe r- weisungsbericht an die psy chiatrischen Dienste vom 11. August 2010, in welchem die Beschwerdeführerin gegenüber dem behandelnden Arzt Su- izidgedanken geäussert habe, sowie ein ärztlicher Kurzbericht vom 31. August 2010 beigelegt. C. Das BFM wies mit Verfügung vom 23. September 2010 – eröffnet am 1. Oktober 2010 – das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführerin ab, erhob eine Gebühr von Fr. 600. - und stellte fest, die Verfügung vom 11. September 2009 sei rechtskräftig und vollstreckbar und einer allfäll i- gen Beschwerde komme keine aufsc hiebende Wirkung zu. Den abwe i- senden Entscheid begründete es im Wesentlichen damit, dass es eine r- seits weiterhin von einer intakten Beziehung der Beschwerdeführerin zu ihren Eltern ausgehe, da sie in ihrem Gesuch nicht habe glaubhaft darl e- gen können, diese s sei – entgegen ihrer vorgängigen Darstellung – seit geraumer Zeit vollkommen zerrüttet. Andererseits verwies es in Bezug auf ihre gesundheitlichen Probleme und deren Behandlung vorab vollu m- fänglich auf die entsprechenden Erwägungen der vorinstanzlichen V erfü- gung vom 11. September 2009 bzw. des Urteils des Bundesverwaltung s- gerichts vom 16. Juli 2010, welche diesbezüglich weiterhin Gültigkeit hä t- ten. Auf die weitere Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D. Die Beschwerdef ührerin erhob gegen diesen Entscheid durch ihren Rechtsvertreter am 1. Oktober 2010 (Poststempel) beim Bundesverwa l- tungsgericht Beschwerde und beantragte darin, die vorinstanzliche Verfü- gung vom 23. September 2010 sei aufzuheben und die Sache sei zur Feststellung des vollständigen und rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen; eventualiter sei der fragliche Entscheid aufzuheben und unter Feststellung der Unzumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs ihr die vorläufige Aufnahme zu erteilen. E-7120/2010 Seite 4 In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess sie um Wiederherstellung der au f- schiebenden Wirkung der Beschwerde beziehungsweise um vorläufige Aussetzung des Wegweisungsvollzugs sowie um Mitteilung des Spruc h- gremiums ersuchen. Der Rechtsvertreter wies in der Eingabe ausdrüc k- lich darauf hin, dass die vorliegende Beschwerde lediglich oberflächlich begründet sei, damit das Bunde sverwaltungsgericht den Antrag auf Er- lass einer vorsorglichen Massnahme behandeln könne. Allfällige Korre k- turen zu den Anträgen sowie eine "korrekte Beschwerdebegründung" würden innerhalb der Beschwerdefrist von 30 Tagen nachgereicht. Auf diese Ausführungen wird deshalb – da diese dem Bundesverwaltungsge- richt lediglich zur Beurteilung der Wiederherstellung der au fschiebenden Wirkung der Beschwerde dienen sollten (vgl. Bstn. E und F unten) – in den Erwägungen nicht mehr ausdrücklich eingegangen. E. Mit Telefaxverfügung vom 1. Oktober 2010 wurde die sofortige Ausse t- zung des Wegweisungsvollzugs angeordnet. F. Das Bundesverwaltungsgericht forderte mit Verfügung vom 8. Oktober 2010 die Beschwerdeführerin auf, einen aktuellen und ausführlichen ärz t- lichen Bericht einzureichen. Es verfügte ferner, dass sie den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe, und verzichtete auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses. G. Mit Eingabe vom 1. Novembe r 2010 liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter eine "Vervollständigung der Beschwerde vom 1. Ok- tober 2010" einreichen. Beigelegt waren zwei Schreiben der damals b e- handelnden Ärztin vom 27. bzw. 29. Oktober 2010 und der Austrittsbericht aus der Klinik D._______ vom 20. Oktober 2010, wonach die Beschwe r- deführerin vom 11. August bis zum 27. September 2010 dort hospitalisiert worden sei. Auf die Beschwerdebegründung und den Inhalt der Bewei s- mittel wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Am 4. November 2010 liess sie mitteilen, dass s ie von einem neuen Psy- chiater, Dr. S.A., behandelt werde. H. Am 14. Januar 2011 liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsve r- treter einen ausführlichen psychiatrischen Bericht dieses sie neu behan- delnden Arztes vom 10. Januar 2011 einreichen. Danach wurde bei ihr ei-E-7120/2010 Seite 5 ne posttraumatische Belastungsstörung sowie Angst mit depressiver R e- aktion gemischt diagnostiziert. Aufgrund der Depression mit wiederholten Suizidgedanken müsse sie engmaschig p sychiatrisch-psychothera- peutisch sowie medikamentös -antidepressiv betreut und mit kognitiver Verhaltens- und Traumatherapie behandelt werden. Eine Rückkehr in den Herkunftsstaat sei aufgrund der fehlenden psychischen Ressourcen, der Instabilität, der Traumaerlebnisse in der Heimat sowie der Suizidalität der Beschwerdeführerin nicht indiziert. Mit Eingabe vom 22. März 2012 reichte die Beschwerdeführerin einen Therapieverlaufsbericht vom 12. März 2012 ein. Danach habe sich ihr Gesundheitszustand durch die r egelmässig stattfindende psychopharma- kologische Therapie leicht verbessert, trotzdem würden in dieser unsiche- ren Situation weiterhin Ängste bestehen. Das Krankheitsbild zeige sich unverändert. Ferner erachtete der behandelnde Arzt eine psychother a- peutische Behandlung im Heimatstaat als nicht zweckmässig, da eine r- seits dadurch eine Retraumatisierung drohe und andererseits ein e r- zwungener Behandlungsabbruch in dieser heiklen Phase die Beschwe r- deführerin mit grosser Wahrscheinlichkeit enorm schwächen würde; es würde offen bleiben, ob sie den Verlust des Therapeuten längerfristig ver- kraften könne. Es drohe ein gänzlicher Verlust der Integrations - und Ar- beitsfähigkeit und eine dauernde Persönlichkeitsveränderung. Unabhä n- gig von den Therapiemöglichkeiten könne ein e Behandlung im Heima t- land nicht zweckmässig durchgeführt werden, da dort im Zustand mass i- ver Alarmiertheit jeglicher Therapieprozess unmöglich sei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorin stanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyl s endgültig, ausser bei Vorliegen eines Au s-E-7120/2010 Seite 6 lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Beschwerdegegenstand bilden auch Verfügungen, mit denen das BFM ein Gesuch um Wiedererwäg ung eines rechtskräftigen Entscheides betreffend den Vollzug einer angeordneten Wegweisung abgewiesen hat. Das Bundesverwaltungsgericht ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1). 2. Die Beschwerdeführerin hat in ihrer Eingabe vom 8. September 2010 und auf Beschwerdeebene lediglich die vorläufige Aufnahme beantragt, und damit zum Ausdruck gebracht, dass sie einzig betreffend die Frage des Wegweisungsvollzugs eine Neubeurteilung der Verfügung vom 11. Se p- tember 2009 bzw. des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Juli 2010 begehrt. Vorliegend wird die Prüfung somit auf das Vorha n- densein allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse beschränkt. 3. Die als "Wiedererwägungsgesuch" titulierte Eingabe vom 8. September 2010 enthält sowohl Elemente eines Wiedererwägungs - als auch eines Revisionsgesuchs, da darin sowohl eine nachträglich e Veränderung des Sachverhalts – einerseits die Verschlechterung des Gesundhe itszustan- des der Beschwerdeführerin und andererseits die Bekanntgabe der "Dr o- hung des Vaters" – geltend gemacht als auch vorgebracht wird, es lägen neue Tatsachen vor, welche im Zeitpunkt des Beschwerdeurteils des Bundesverwaltungsgerichts bereits bestande n hätten, aber während des ordentlichen Verfahrens nicht vor gebracht worden seien, namentlich das seit Jahren zerrüttete Familien verhältnis. Die Vorbringen der Beschwe r- deführerin werden daher im Folgenden teils unter dem Aspekt der B e- schwerde gegen den Wiedererwägungsentscheid des BFM vom 23. Se p- tember 2010 (vgl. E. 4 unten), teils als Revisionsgesuch gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Juli 2010 entgegengenommen (vgl. E. 5) und aus prozessökonomischen Gründen gemeinsam in einem einzigen Entscheid behandelt. Dabei ist festzustellen, dass der rechtsa n- waltlich vertretenen Beschwerdeführerin dadurch, dass das BFM die g e-E-7120/2010 Seite 7 samte Eingabe vom 8. September 2010 fälschlicherweise als Wiederw ä- gungsgesuch behandelt hat, kein Nachteil entstanden ist. 4. Nachfolgend ist zunächst die Beschwerde gegen die vorinstanzliche Ve r- fügung vom 23. September 2010 (Wiedererwägungsentscheid) zu prüfen. 4.1 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung besonders be- rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezi e- hungsweise Änderung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde l e- gitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 4.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durc h- führung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bund esrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4.4 Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein gesetzlich nicht geregelter Rechtsbehelf, auf des sen Behandlung durch die verfügende Behörde grundsätzlich kein Anspruch besteht. Gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts wird jedoch aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) unter bestimmten Voraussetzungen ein ve r- fassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abgeleitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 S. 137 f., mit weiteren Hinweisen). Danach ist auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungsweise seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz in w e- sentlicher Weise verändert hat und mithin die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetretene Veränderungen der Sachlage an- zupassen ist (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 17 E. 2.a S. 103 f., mit weiteren Hinweisen). 4.5 Die Vorinstanz hat den Anspruch der Beschwerdeführerin auf B e- handlung des Wiedererwägungs gesuchs nicht in Abrede gestellt und ist auf dieses eingetreten. E-7120/2010 Seite 8 Sie weist das Gesuch indessen einerseits mit der Begründung ab, dass es sich bei der massgeblichen Darstellung zum angeblich bereits seit längerer Zeit zerrütteten Verhältnis zu ihrem Vater – Informierung einer namentlich nicht genannten Bekannten durch ihren Vater betreffend der Unmöglichkeit der Rückkehr in die Türkei und dem Unwillen zur Wiede r- aufnahme in die Familie – um eine nicht näher substanziierte und plakati- ve Schilderung vom Hörensa gen handle, welche bereits für sich allein genommen keine Überzeugungskraft zu entfalten vermöge. Hinzu ko m- me, dass es auch wenig nachvollziehbar erscheine, weshalb die B e- schwerdeführerin erst nach dem "Schock des Erhalts " des zu ihren U n- gunsten lautenden Urteils des Bundesverwaltungsgerichts "ausführlicher über die Ereignisse in der Türkei habe berichten können" (vgl. B5/6 S. 2). Insbesondere erscheine es auch nicht nachvollziehbar, weshalb sie "aus Scham und Schuldgefühlen nicht in der Lage gewesen sei", im Rahmen des ordentlichen Asylverfahrens über ihre angeblich seit Jahren zerrüttete Beziehung zu ihrem Vater zu berichten. Als entscheidendes Element komme hinzu, dass sie anlässlich der Anhörungen im ordentlichen Ve r- fahren überaus detaillierte Angaben zu ihren – gänzlich anders gelage r- ten – persönlichen Problemen und Asylgründen gemacht habe, die in wei- ten Teilen durchaus als glaubhaft gemacht erachtet worden seien (vgl. A2/12 S. 5 f. und A15/16 S. 7 ff.). Aus ihren Ausführungen sei inde s- sen nicht ansatzweise eine Zerrüttung ihrer Beziehung zu ihren Eltern e r- sichtlich, so dass sich die Angaben im Wiedererwägungsgesuch keine s- wegs – wie behauptet (vgl. B5/6 S. 2 unten [Ziff. 5 erster Satz]) – auf frü- here Aussagen während ihres Asylverfahrens abstütz ten. Im G egenteil habe die Beschwerdeführerin in ihrem Asylverfahren wiederholt betont, dass sie von ihren Eltern unterstützt und seit ihrer Trennung beherbergt worden sei, und dass ihr Vater ihr auch bei der Finanzierung und logist i- schen Vorbereitung ihrer Ausreise geholfen habe (vgl. A2/12 u.a. S. 8 s o- wie A15/16 u.a. S. 4 ff. [Fragen 14 -57], S. 8 [Frage 62], S. 14 [Frage 108 und Frage 111]). Ferner ergebe sich auch aus dem von der Beschwerd e- führerin bereits im Asylverfahren eingereichten Scheidungsurteil vom (…) nichts, das für ein zerrüttetes Verhältnis zwischen ihr und ihren Eltern sprechen würde. Im Lichte dieser Feststellungen würden sich weitere A b- klärungen und namentlich eine Fristansetzung zur Beibringung von B e- weisen, welche das angeblich zerrüttete Verhält nis belegen sollen, erü b- rigen. Folglich gehe die Vorinstanz von einer weiterhin intakten Bezi e- hung der Beschwerdeführerin zu ihren Eltern aus. Andererseits hielt die Vorinstanz die massive Verschlechterung der g e- sundheitlichen Situation durch den Erhalt d es abschlägigen Urteils des E-7120/2010 Seite 9 Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Juli 2010 betreffend – zusätzlich zu ihrem Verweis auf die vorgängigen Erwägungen des BFM und des Bu n- desverwaltungsgerichts im ordentlichen Asylverfahren – fest, dass die Beschwerdeführerin bereits in der Türkei seit längerer Zeit in psychiatr i- scher Behandlung gewesen sei und diese nötigenfalls in der Türkei jeder- zeit fortsetzen könne. Diese Feststellung gelte weiterhin, auch wenn sie am 11. August 2010 vorübergehend stationär eingewiesen worden sei. Dabei gelte es sich zu vergegenwärtigen, dass der Erhalt einer recht s- kräftigen Wegweisungsverfügung bei den betroffenen Personen erfa h- rungsgemäss häufig eine entsprechende und zusätzliche psychische Re- aktion hervorrufe. Eine konstruktive Auseinanderse tzung mit der Rüc k- kehrperspektive nach der Entlassung aus ihrer stationären Behandlung sei für die Beschwerdeführerin unabdinglich. Ihren allfälligen Ängsten sei dabei im Rahmen der Modalitäten des Wegweisungsvollzugs durch g e- eignete begleitende Massnahmen Rechnung zu tragen. So erscheine es gerade auch aus psychologischer Sicht besonders wichtig, dass sie sich wieder in ihrer gewohnten sprachlichen und kulturelle n Umgebung bewe- gen könne. Massgebend unterstützt werde sie dabei durch ihre Familie n- angehörigen. An dieser Stelle wurde vom BFM nochmals mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass es von einer intakten Beziehung der B e- schwerdeführerin zu ihren Eltern ausgehe. So sei im Rahmen der Rüc k- kehrmodalitäten etwa an einen Direktflug nach E._______ zu denken, verbunden mit einem Empfang durch die Eltern und durch die (damals) mittlerweile (Zahl)jährige Tochter am Flughafen. 4.6 Dem stellt die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 1. Okt o- ber 2010 den Antrag entgegen, die angefochtene Verfügung sei wegen ungenügender Sachverhaltsfeststellung des BFM aufzuheben und die Ak- ten zur Vornahme entsprechender Abklärungen an die Vorinstanz zurück- zuweisen. Diesen Antrag begründet sie in der Eingabe vom 1. November 2010 (vgl. Bstn. D und G) damit, dass die Vorinstanz die seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Juli 2010 veränderte Sachlage in zwei Punkten – wie sie im Rahmen des Wiedererwägungsgesuches vom 8. September 2010 geltend gemacht worden sei en, d.h. einerseits das zerrüttete Familienverhältnis und andererseits die erhebliche Ve r- schlechterung ihres Gesundheitszustandes – nicht genügend abgeklärt habe. So habe das BFM aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes die Pflicht getroffen, den Vater bzw. allenfalls die Mutter im Rahmen einer An- frage über die Schweizer Botschaft in Ankara zu kontaktieren. So hätte der Vater ohne Weiteres zu einem Gespräch in d ie Schweizer Botschaft eingeladen werden können, um dort den geltend gemachten Sachverhalt E-7120/2010 Seite 10 – das zerrüttete Familienverhältnis – darlegen zu können. Zudem sei zwingend notwendig gewesen, dass das BFM ges tützt auf Art. 57 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess (BZP , SR 273) bei der Klinik D._______, in welche die Beschwerdeführ e- rin zeitweilig stationär eingewiesen worden sei, einen ausführlichen ps y- chiatrischen Bericht einzuholen. 4.7 Im Asylverfahren – wie im übrigen Verwaltungsverfahren – gilt effektiv der von der Beschwerdeführerin angerufene Untersuchungsgrundsatz, das heisst, die Asylbehörde hat den rechtserheblichen Sachverhalt vor ih- rem Entscheid von Amtes wegen vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Dabei muss sie die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen. Gem äss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person de m- gegenüber aber die Pflicht und unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV das Recht, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2, BVGE 2007/21 E. 11.1.3, m.H.a. EMARK 2003 Nr. 13; vgl. auch EMARK 2004 Nr. 16 E. 7a und 2004 Nr. 30 E. 5.3.1). 4.7.1 Soweit vorliegend vorgebracht wird, die Vorinstanz habe den Sac h- verhalt unvollständig festgestellt, weil sie keine Abklärungen bezüglich des geltend gemachten zerrütteten Familienverhältnisses getroffen habe, ist festzustellen, dass für diese Frage (vgl. Ausführungen unten in E. 5) derselbe Beweismasstab wie bei der Geltendmachung von neuen We g- weisungsvollzugshindernissen ("Drohung des Vaters", vgl. E. 4.8.2 unten) gilt, nämlich zumindest derjenige des Glaubhaftmachens (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.3., m.H.a. EMARK 2003 Nr. 17 E. 4a -c; BVGE 2011/24 E. 10.2). Der angefochtenen Verfügung sind denn auch keine Hinweise zu entnehmen, wona ch das BFM den Sachverhalt diesbezüglich ungen ü- gend festgestellt beziehungsweise sich mit diesem nicht auseinanderg e- setzt hätte. Es hat vielmehr im Rahmen einer analog zu Art. 7 AsylG vo r- genommenen Glaubhaftigkeitsprüfung die Vorbringen zum geltend g e- machten zerrütteten Familienverhältnis geprüft. Hierzu ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin für ihr neues Vorbringen keine Beweismittel einreichte bzw. sie diese einzig auf eine Aussage vom Hörensagen stüt z- te. Die Vorinstanz traf folglich aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes und der unsubstanziierten, nicht belegten Vorbringen keine Pflicht, die s- bezüglich weitere Abklärungen vorzunehmen, umso mehr als die B e- schwerdeführerin im Rahmen des ordentlichen Verfahrens das Verhältnis E-7120/2010 Seite 11 zu ihrem Vater bzw. zu and eren Familienmitgliedern nie negativ b e- schrieb. Die Folgen der Beweislosigkeit hat die Beschwerdeführerin zu tragen, zumal es ihr im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG unbenommen gewesen wäre, detaillierter auszuführen bzw. en t- sprechende B eweismittel einzureichen bzw. einreichen zu lassen. Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung den damaligen rechtserhebl i- chen Sachverhalt in dieser Hinsicht somit korrekt und vollständig erstellt. Weitere Abklärungen diesbezüglich waren und sind nicht nötig. 4.7.2 Nachdem diverse ärztliche Berichte eingereicht worden waren, we l- che ausreichend Auskunft über die zum Entscheidzeitpunkt (des BFM) vorliegende psychische Lage der Beschwerdeführerin gaben, so dass das BFM gestützt darauf allfällige Wegweisungsvollzugsh indernisse prü- fen konnte, bestehen keine Hinweise darauf, weshalb das BFM ein Gu t- achten im Sinne von Art. 57 ff. BZP hätte einholen sollen. 4.7.3 Zusammenfassend erweist sich bei dieser Sachlage der Kassat i- onsantrag wegen angeblich ungenügender Sachverhaltsfest stellung durch das BFM in beiden Punkten als unbegründet. 4.8 Nachfolgend wird deshalb zu prüfen sein, ob die Vorinstanz zu Recht davon ausging, die Beschwerdeführerin habe im Rahmen ihres Wiede r- erwägungsgesuches vom 8. September 2010 keine erheblichen Änd e- rungen der Sachlage darlegen können, welche den Wegweisungsvollzug nachträglich als unzumutbar erscheinen lassen. 4.8.1 Die folgenden Vorbringen der Beschwerdeführerin sowohl in ihrem Wiedererwägungsgesuch als auch in ihr er Eingabe vom 1. Oktober 2010 betreffen Sachverhalte, die sich nach dem Urteil des Bundesverwaltungs- gerichts vom 16. Juli 2010 (E -6493/2009) ereignet haben sollen : Einer- seits nämlich die Bekanntgabe an die Beschwerdeführerin durch eine namentlich nicht genannte Bekannte, ihr Vater drohe mit dem "Ei ntritt ei- ner Katastrophe" für den Fall ihrer Rückkehr in die Türkei, und anderseits die erhebliche Verschlechterung ihres psychischen Gesundheitszusta n- des (vgl. Prozessgeschichte Bst. B und E. 4.6 oben). Sie stellen somit nachträglich eingetretene Veränderungen der Sachlage dar, welche allen- falls eine Anpassung der ursprünglich fehlerfreien Verfügung erfordern und vom BFM richtigerweise unter wiedererwägungsrechtlichen G e- sichtspunkten geprüft wurden. E-7120/2010 Seite 12 4.8.2 Beim Vorbringen der nachträglich durch eine namentlich nicht g e- nannte Drittperson erfahrene Ablehnung und Drohung ihres Vaters, bei einer allfälligen Rückkehr der Beschwerdeführerin geschehe eine "Katast- rophe", handelt es sich – wie von der Vorinstanz richtig festgestellt wurde (vgl. E. 4.5) – um eine unsubstanziierte Schilderung vom Hörensagen, welche nicht anderweitig belegt wurde, weshalb das BFM dieses Vorbri n- gen zurecht nicht als glaubhaft gemacht erachtete und es deshalb a ls Wiedererwägungsgrund abwies. Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich dieser Einschätzung vollumfänglich an. 4.8.3 In Bezug auf die geltend gemachte massive Verschlechterung des psychischen Zustandes der Beschwerdeführerin wegen der nach dem Ur- teil des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Juli 2010 drohenden Au s- weisung ist vorab festzustellen, dass bei der Prüfung der Unzulässigkeit bzw. Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auf die im Entscheidzeit- punkt bestehenden Verhältnisse abzustellen ist (EMARK 1997 Nr. 27 E. 4 f. S. 211). Zudem ist zu berücksichtigen, dass gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) eine psych i- sche Erkrankung gravierend sein muss, um dem Vollzug einer Wegwe i- sung entgegen zu stehen. So ist nach dem EGMR der wegweisende Staat nicht verpflichtet, vom Vollzug der Ausweisung Abstand zu nehmen, falls Ausländer für den Fall des Vollzuges des Wegweisungsentscheides mit Suizid drohen; solange er Massnahmen ergreift, um die Umsetzung der Suiziddrohung zu verh indern, vermag die Ausschaffung nicht gegen Art. 3 EMRK zu verstossen (vgl. den Unzulässigkeitsentscheid des EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. D. und andere gegen Deutschland, Nr. 33743/03, angeführt in EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1 S. 212). Auch nach der Praxis de s Bundesverwaltungsgerichtes kann im Rahmen der Tatb e- standsvariante der medizinischen Notlage im Sinne von Art. 83 Abs. 4 des Bundegesetzes vom 16. Dezember 2005 über Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzuges geschlossen werden, wenn eine notwendige medizin i- sche Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rüc k- kehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person führt, wobei als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet wird, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Behandlung absolut notwendig ist. Die Unmöglichkeit einer dem schweizerischen Standard entsprechenden medizinischen Behandlung im Heimat- und Herkunft s- staat allein bewirkt noch nicht die Unzumutbarkeit des Vollzugs (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2., m.H.a. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und 5b). E-7120/2010 Seite 13 Die aktuell diagnostizierten psychischen Beschwerden der Beschwerd e- führerin (vgl. Prozessgeschichte B st. H) sind indes – wie nachfolgend dargelegt – zum jetzigen Zeitpunkt nicht als derart gravierend zu b e- zeichnen, als dass sie Hindernisse für den Wegweisungsvollzug im oben ausgeführten Sinn darstellen. Der aktuellste Therapieverlaufsbericht vom 22. März 2012 diagnostiziert bei ihr zwar ein unverändertes Krankheit s- bild (PTBS und Depression), indes habe sich ihr Gesundheitszustand durch die regelmäss ig stattfindende psychopharmakologische Therapie leicht verbessert. Eine akute Suizidgefahr wird nicht erwähnt. An dieser Stelle ist festzuhalten, dass Suizidalität durchaus ein Hindernis für den Wegweisungsvollzug darstellen kann. Entscheidendes Kriterium bei der Zumutbarkeitsprüfung ist nämlich das Vorliegen einer konkreten Gefäh r- dung. Wenn eine reaktiv auf einen bevorstehenden Wegweisungsvollzug auftretende und ernsthaft gesundheitsgefährdende psychische Störung lebensbedrohlichen Ausmasses vorliegt, kann einem solchen Krankheit s- bild Relevanz für die Frage der Zumutbarkeit zukommen. Vorliegend e r- gibt sich eine solche akute Gefährdung indessen nicht aus den Akten. Damit hat die psychische Erkrankung keinen Verlauf in dem Sinne g e- nommen, welcher es rechtfer tigen würde, die im ordentlichen Verfahren getroffene Einschätzung umzustossen und den Wegweisungsvollzug zum jetzigen Zeitpunkt wegen Vorliegens einer medizinischen Notlage als u n- zulässig oder unzumutbar zu bezeichnen. Zu berücksichtigen ist zudem, dass die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben – wie die Vorin- stanz in ihrer Verfügung vom 23. September 2010 zu Recht hervorhob (vgl. Prozessgeschichte Bst. B und E. 4.5) – bereits in der Türkei psych i- atrische Hilfe in Anspruch genommen hat, so dass ihr eine Wiederauf- nahme einer solchen Behandlung in ihrem Heimatstaat zuzumuten ist. An dieser Einschätzung vermögen auch die Ausführungen des sie in der Schweiz behandelnden Arztes – wonach ein Behandlungsabbruch die Beschwerdeführerin mit grosser Wahrscheinlichkeit enorm schwächen, und es offen ble iben würde, ob sie den Verlust des Therapeuten länge r- fristig verkraften könne; ferner drohe ein gänzlicher Verlust der Integrat i- ons- und Arbeitsfähigkeit und eine daue rnde Persönlichkeitsveränderung – nichts zu ändern, zumal damit weder die von der Praxis geforderte "Unmöglichkeit einer notwendigen medizinischen Behandlung im Heima t- land" noch eine "ernsthaft gesundheitsgefährdende psychische Störung lebensbedrohlichen Ausmasses" belegt wird. Der Einschätzung des b e- handelnden Arztes , wonach "eine Behandlung im Heimatland nicht zweckmässig durchgeführt werden könne, da dort im Zustand massiver Alarmiertheit jeglicher Therapieprozess unmöglich sei" (vgl. Prozessg e- schichte Bst. H), ist entgegenzuhalten, dass die "Nichtzweckmässigkeit" E-7120/2010 Seite 14 einer an und für sich möglichen Behandlung kein ausschlaggebendes Element in der Beurteilung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollz u- ges darstellt. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass allfälligen bei der Beschwerdeführerin weiterhin bestehenden oder gar sich akzentuiere n- den suizidalen Tendenzen im Hinblick auf einen eventuellen zwangswei- sen Vollzug der Wegweisung durch geeignete medikamentöse ode r nöti- genfalls auch psychotherapeutisch medizinische Massnahmen entgegen gewirkt werden könnten. Sofern notwendig wäre im Zuge flankierender Massnahmen in Zusammenarbeit mit der Schweizer Vertretung vor Ort und den zuständigen Stellen der Vorinstanz auch s icher zu stellen, dass die Weiterführung einer allenfalls dringend notwendigen Behandlung im Heimatstaat im Zeitpunkt des Vollzuges effektiv gewährleistet ist. Schliesslich i st darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der individuellen Rüc kkehrhilfe – vgl. Ziffer 4.2.5. der Weisung des Bundesamtes für Migration vom 1. Januar 2008 – die Möglichkeit hat, zusätzliche medizinische Hilfeleistungen (Kauf von Medikamenten, Org a- nisation einer medizinischen Behandlung nach der Rückkehr, ärztliche Begleitung während der Heimreise) zu beantragen. Zusammenfassend lassen sich im vorliegenden Fall aufgrund der Akten zum jetzigen Zeitpunkt nicht jene ganz aussergewöhnlichen Umstände ausmachen, die gestützt auf die Praxis des EGMR zu Art. 3 EMRK und des Bundesverwaltungsgerichts zur Feststellung der Unzulässigkeit bzw. Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus gesundheitlichen Grü n- den oder drohender Suizidalität führen könnten. 4.9 Im Ergebnis ist somit die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestätigen . Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig, zumutbar und möglich. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Au f- nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 4.10 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verf ü- gung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt ric h- tig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be- schwerde ist abzuweisen. 5. 5.1 Wie oben bereits erwähnt (vgl. Prozessgeschichte Bst. B und Ausfüh- rungen in E. 3), wird in der Eingabe vom 8. September 2010 unter and e- rem dargetan, dass die Beschwerdeführerin (bzw. im nachfolgenden Kon- text die Gesuchstellerin) erst nach Erhalt des Urteil s des Bundesverwa l- tungsgerichts vom 16. Juli 2010 über Ereignisse in der Türkei habe reden E-7120/2010 Seite 15 können, die sich vor diesem in der Türkei zugetragen hätten. Aus Scham und Schuldgefühlen sei sie vorher dazu nicht in der Lage gewesen (vgl. Ziff. 4, S. 2). Damit macht sie einen neuen Sachverhalt geltend, der sich vor ihrer Ausreise aus der Türkei ereignet haben soll, nämlich Ko n- flikte im Elternhaus, weil sie durch ihre Scheidung sich und ihre Familie entehrt habe. Aus diesem Grund sei ihr auch klar geworden, dass sie nicht auf Dauer bei ihren Eltern habe leben können (Ziff. 5, S. 3). Auf B e- schwerdeebene wird wiederholt, dass die Gesuchstellerin diese beso n- ders belastenden Hintergründe und Umstände (die zu ihrer psychischen Erkrankung geführt hätten) aus objektiven Gründen (bisher) nicht habe erzählen können (Eingabe vom 1. Oktober 2010, S. 4). Damit macht sie sinngemäss Revisionsgründe gel tend, weshalb das Bundesverwaltungs- gericht diese Vorbringen nachfolgend unter dem Gesichtspunkt der Rev i- sion prüfen wird. 5.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bu n- desverwaltungsgerichts die Art. 121 - 128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67 Abs. 3 VwVG Anwendung. Mit dem ausserordentlichen Recht smittel der Revision wird die Unabä n- derlichkeit und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwerdeen t- scheids angefochten, mit dem Ziel, dass die Rechtskraft beseitigt wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl. PIERRE TSCHAN- NEN/ULRICH ZIMMERLI, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, S. 269). Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urte i- le aus den in Art. 121 - 123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG). Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund an- zugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von Art. 124 BGG darzutun (Art. 47 VGG i.V.m. Art. 67 Abs. 3 VwVG). 5.3 Mit der nachträglichen Geltendmachung eines bereits seit Jahren b e- stehenden zerrütteten Familienverhältn isses brachte die Gesuchstellerin in ihrer Eingabe vom 8. September 2010 sinngemäss vor, es lägen neue Tatsachen vor, welche geeignet seien, zu einer Neueinschätzung der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu führen. Damit wird sinngemäss der Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG angeru- fen. Von der Rechtzeitigkeit ist vorliegend ohne weiteres auszugehen, da zwischen dem sinngemäss angefochtenen Beschwerdeurteil vom 16. Juli E-7120/2010 Seite 16 2010 und der Eingabe vom 8. September 2010 weniger als 90 Tage li e- gen, weshalb auf das sinngemässe Revisionsgesuch einzutreten ist. 5.4 Im Allgemeinen gelten Gründe, welche die Partei, die um Revision nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte geltend machen können, nicht als Revisionsgründe (Art. 46 VGG). Erhebliche Tatsachen bzw. entscheidende Beweismittel bilden nur dann einen Rev i- sionsgrund, wenn sie vor dem in Revision zu ziehenden Entscheid en t- standen sind, in früheren Verfahren aber nicht beigebracht werden kon n- ten (vgl. Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG), weil sie der gesuchstellenden Per- son damals trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt sein konnten oder ihr die Geltendmachung oder Beibringung aus entschuldbaren Gründen nicht möglich war (vgl. BGE 134 III 47 E. 2.1 und EMARK 1994 Nr . 27 E. 5a und b S. 1 98 f. zu Art. 66 Abs. 3 VwVG). Der Revisionsgrund der nachträglich erfahrenen Tatsache setzt also zum einen voraus, dass sich diese bereits vor Abschluss des Beschwerdeverfahrens verwirklicht hat; zum anderen verlangt er, dass die gesuchstellende Person di e betreffen- de Tatsache während des vorangegangenen Verfahrens, d.h. bis das U r- teil gefällt worden ist, nicht gekannt hat und deshalb nicht beibringen konnte. Ausgeschlossen sind damit auch Umstände, welche die gesuc h- stellende Person bei pflichtgemässer Sor gfalt hätte kennen können. Eine Revision ist also namentlich dann ausgeschlossen, wenn die Entdeckung der erheblichen Tatsache auf Nachforschungen beruht, die bereits im fr ü- heren Verfahren hätten angestellt werden können, denn darin liegt eine unsorgfältige Prozessführung der gesuchstellenden Partei (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Handbücher für die Anwaltspraxis, Band X, Basel 2008, Rz. 5.47) und es obliegt den Prozessparteien, rechtzeitig und prozesskonform zur Klärung des Sachverhaltes entsprechend ihrer B e- weispflicht beizutragen (vgl. HANSJÖRG SEILER/NICOLAS VON WERDT/ANDREAS GÜNGERICH, Bundesgerichtsgesetz (BGG), Bern 2007, Art. 123 N. 8). Die neue Tatsache muss sodann erheblich sein, d.h. dazu geeignet sein, die tatbeständliche Grundlage des Entscheides zu ändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einem anderen, für die g e- suchstellende Partei günstigeren Ergebnis zu führen ( vgl. MO- SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 5.51, m.w.H.). 5.5 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht aus nachfolgenden Gründen zum Schluss, dass die Gesuchstellerin vorli e- gend offenkundig keine im revisionsrechtlichen Sinne erhebliche (neue) Tatsache geltend macht. E-7120/2010 Seite 17 5.5.1 Die (neuen) Vorbringen zu i hrem angeblich schon seit Jahren ze r- rütteten Familienverhältnis sind zum einen mit ihren Aussagen im ordent- lichen Verfahren nicht zu vereinbaren . Im Gegenteil gab sie zu Protokoll, dass ihre Eltern sie nach ihrer Scheidung unterstützten . Auch wenn sie glaubhaft nachweisen könnte, dass sie aus Scham gewisse Details eines zerrütteten Familienverhältnisses nicht erwähnt habe, ihr die Geltendma- chung oder Beibringung also aus entschuldbaren Gründen nicht möglich gewesen sei (vgl. nachfolgende Erwägung), hätte doch ansatzweise ihren damaligen Darstellungen ein eher schlechtes Verhältnis entnommen we r- den müssen. Dies trifft indes nicht zu (vgl. dazu auch die zutreffenden Feststellungen in der vorinstanzlichen Verfügung vom 23. September 2010 , vorstehend in E. 4.5). 5.5.2 Den Akten können zum anderen keine Hinweise entnommen we r- den, die Gesuchstellerin hätte bereits während des Beschwerdeverfa h- rens E -6493/2009 a nsatzweise angedeutet, die angeblich unkorrekte Feststellung des BFM in seiner Verfügung vom 11. September 2009 – es bestehe ein intaktes Familienverhältnis zwischen ihr und ihren Eltern – mit neuen Tatsachen oder entscheidenden Beweismitteln widerlegen zu wollen. Als Begründung, weshalb diese "neue" Tatsache von ihr unve r- schuldeterweise nicht bereits im vorgängigen Verfahren beigebracht wo r- den sei, dienen einzig angebliche Schuld - und Schamgefühle wegen der erlebten häuslichen Gewalt und der Entehrung der Familie durch die Scheidung. Dies vermag angesichts ihrer vorgängigen entgegengeset z- ten Aussagen zum Famil ienverhältnis (vgl. oben) in keiner Weise zu überzeugen und erklärt nicht, weshalb sie diese Tatsache nicht bereits während des ordentlichen Verfahrens zu Protokoll gegeben bzw. erwähnt hat, zumal sie eine der angeblichen Ursachen für die Schuld - und Schamgefühle, namentlich die erlittene häusliche Gewalt in der Ehe, im ordentlichen Verfahren durchaus erwähnt hatte (vgl. Urteil des Bunde s- verwaltungsgerichts E-6493/2009 vom 16. Juli 2010). Gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts kann es durchaus sein, dass G e- fühle von Schuld und Scham sowie die vom Opfer entwickelten Selbs t- schutz-Mechanismen dazu führen, dass gewisse Umstände, z.B. eine Vergewaltigung, erst im Stadium eines ausserordentlichen Verfahrens vorgebracht werden, so dass ein Wiedererwägungs - oder Revisionsg e- such nicht allein mit der Begründung, dieses Vorbringen hätte im ordentli- chen Verfahren geltend gemacht werden können, abgewies en werden darf. Indes setzt die Würdigung einer solchen neuen Tatsache voraus, dass der Sachverhalt aufgrund der übrigen Elemente der Akten bezogen auf das neue Vorbringen insgesamt als glaubhaft erscheint (vgl. BVGE E-7120/2010 Seite 18 2009/51 E. 4.2.3, m.H.a. EMARK 2003 Nr. 17 E.4 a -c). Vorliegend ist es der Gesuchstellerin indes aufgrund ihrer unsubstanziierten und unbele g- ten Vorbringen, die zudem mit ihren früheren Aussagen nicht zu vereinba- ren sind, nicht gelungen, die "neue" Tatsache des seit Jahren zerrütteten Verhältnisses zu ihren Eltern glaubhaft zu machen (vgl. auch Ausführu n- gen oben in E. 4.7.1, E. 4.8.2 sowie E. 5.5.1). Folglich können die geltend gemachten Scham - und Schuldgefühle nicht als Rechtfertigung für das Versäumnis der Geltendmachung im ordentlichen Verfahren durch die Gesuchstellerin dienen. Ihr muss deshalb eine unsorgfältige Prozessfüh- rung vorgeworfen werden, weshalb eine Revision gestützt auf Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG auszuschliessen ist. 5.5.3 Der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass es äusserst fraglich ist, ob die neue Schilderung eines zerrütteten Familienverhältnisses g e- eignet gewesen wäre, die tatbeständliche Grundlag e des im ordentlichen Verfahren ergangenen Entscheids in dem Sinne z u ändern, dass das Bundesverwaltungsgericht in Würdigung allein dieser Tatsache, ein für die Gesuchstellerin günstigeres Urteil gefällt hätte (vgl. Ausführungen zur E r- heblichkeit von neuen Tatsachen oben in E. 5.4). 5.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Gesuchstellerin keine Revisionsgründe gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG darzutun vermag. Das sinngemässe Gesuch um Revision des Urteils des Bundesverwa l- tungsgerichts vom 16. Juli 2010 ist abzuweisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdeführerin bzw. Gesuchstellerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1'200.- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-7120/2010 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das sinngemässe Revisionsgesuch wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'200.- werden der Beschwerdeführerin bzw. der Gesuchstellerin auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin bzw. Gesuchstellerin, das BFM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Tu-Binh Truong Versand: