<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 247</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">247</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>58 Parteientschädigung</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Bei teilweisem Obsiegen wird die Parteientschädigung verhältnis-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mässig auferlegt, ohne Rücksicht auf die effektiven Anwaltskosten ei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ner Partei. Ohne Einfluss auf den Verteilschlüssel ist auch der Um-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stand, dass eine Partei, die ohne Anwalt auftritt, keinen Anspruch</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auf einen Parteikostenersatz hat.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Sonderregelung von § 12a Abs. 1 AnwT ist auch bei der Festset-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zung der Parteientschädigung zu Gunsten des Gemeinwesens an-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zuwenden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 20. Mai 2011 in Sachen A.</span><br/> <span class="ft5">gegen Einwohnergemeinde B., Regierungsrat und Grosser Rat</span><br/> <span class="ft5">(WBE.2009.369).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">2.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 12a Abs. 1 AnwT kann die Entschädigung in Zivil-</span><br/> <span class="ft1">und Verwaltungssachen bei einem hohen Streitwert um bis zu einem</span><br/> <span class="ft1">Drittel herabgesetzt werden, wenn die Entschädigung zu Lasten des</span><br/> <span class="ft1">Gemeinwesens geht. Es handelt sich um eine "Kann"-Bestimmung,</span><br/> <span class="ft1">welche den rechtsanwendenden Behörden erhebliches Ermessen</span><br/> <span class="ft1">einräumt. Das Ermessen muss pflichtgemäss ausgeübt werden und</span><br/> <span class="ft1">die Behörden dürfen nicht willkürlich entscheiden. Bei der Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dung dieser Bestimmung sind die Behörden an die Verfassung ge-</span><br/> <span class="ft1">bunden, insbesondere an das Rechtsgleichheitsgebot, das Verhält-</span><br/> <span class="ft1">nismässigkeitsprinzip und die Pflicht zur Wahrung der öffentlichen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">248</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Interessen. Sinn und Zweck einer gesetzlichen Ordnung sind auch</span><br/> <span class="ft1">bei Ermessensentscheiden zu beachten (Ulrich Häfelin / Georg Mül-</span><br/> <span class="ft1">ler / Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 2010, Rz. 441).</span><br/> <span class="ft1">2.4.2.</span><br/> <span class="ft1">§ 12a AnwT wurde im Rahmen des sog. Finanzpakets 1998</span><br/> <span class="ft1">eingeführt und dient einzig der Kostensenkung auf Gemeinde- und</span><br/> <span class="ft1">Kantonsebene. Die Regelung will sicherstellen, dass Kanton und</span><br/> <span class="ft1">Gemeinden als unterliegende Parteien in einem verwaltungsrechtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Verfahren keine unverhältnismässig hohen Entschädigungen an</span><br/> <span class="ft1">die obsiegende Partei zu bezahlen haben und auch keine unverhält-</span><br/> <span class="ft1">nismässigen Entschädigungen für die unentgeltliche Rechtsvertre-</span><br/> <span class="ft1">tung in vermögensrechtlichen Streitigkeiten zu leisten sind (siehe</span><br/> <span class="ft1">Botschaft des Regierungsrates des Kantons Aargau an den Grossen</span><br/> <span class="ft1">Rat vom 7. September 1998, 98.004133, S. 33; Botschaft des Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrates des Kantons Aargau an den Grossen Rat vom 26. März</span><br/> <span class="ft1">2003, 03.82, S. 6 und 8).</span><br/> <span class="ft1">Unter dem (alten) Verwaltungsrechtspflegegesetz vom 9. Juli</span><br/> <span class="ft1">1968 (aVRPG; SAR 271.100) und der gefestigten Praxis des Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichts hatte das Gemeinwesen keinen Parteikostenersatzan-</span><br/> <span class="ft1">spruch (vgl. dazu AGVE 2000, S. 377 ff. mit Hinweis). Einer obsie-</span><br/> <span class="ft1">genden privaten Partei wurde die Entschädigung für die Parteikosten</span><br/> <span class="ft1">primär gegenüber der privaten Gegenpartei (Beschwerdegegner) oder</span><br/> <span class="ft1">gegenüber der Staatskasse zugesprochen. Bei ganzem oder teilwei-</span><br/> <span class="ft1">sem Obsiegen wurde entsprechend der Verlegung der Verfahrenskos-</span><br/> <span class="ft1">ten auch keine Aufteilung und gegenseitige Verrechnung der (Ge-</span><br/> <span class="ft1">winn-) Anteile im Verhältnis der privaten Verfahrensbeteiligten zum</span><br/> <span class="ft1">Gemeinwesen vorgenommen (AGVE 1996, S. 384; vgl. zum Ganzen</span><br/> <span class="ft1">schon: AGVE 1978, S. 273 und 1972, S. 335).</span><br/> <span class="ft1">Im Verwaltungsrechtspflegegesetz vom 4. Dezember 2007 wur-</span><br/> <span class="ft1">de die bisherige Praxis nicht übernommen. Der Gesetzgeber wollte,</span><br/> <span class="ft1">dass dem Gemeinwesen ein Anspruch auf Parteikostenersatz zusteht,</span><br/> <span class="ft1">wenn es einen Anwalt mit der Vertretung seiner Interessen beauftragt</span><br/> <span class="ft1">(vgl. dazu AGVE 2009, S. 289 f.). Die Gemeinden und der Kanton</span><br/> <span class="ft1">sind in den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht "Partei" mit glei-</span><br/> <span class="ft1">chen Verfahrensrechten wie die privaten Parteien (§ 13 Abs. 2 lit. e</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">249</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und f VRPG). Der bisher geltende Grundsatz, dass am Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">verfahren beteiligte Gemeinwesen nur eine subsidiäre Pflicht zum</span><br/> <span class="ft1">Parteikostenersatz trifft, gilt daher nicht mehr.</span><br/> <span class="ft1">Die Neuregelung des Parteikostenersatzes und der Bestimmun-</span><br/> <span class="ft1">gen über die Parteien führt zur Frage, wie die Sonderregel in § 12a</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 AnwT bei der Parteikostenverlegung anzuwenden ist. Inhalt-</span><br/> <span class="ft1">lich beschränkt diese Dekretsbestimmung den Parteikostenersatz bei</span><br/> <span class="ft1">hohen Streitwerten der privaten Partei gegenüber einer oder mehre-</span><br/> <span class="ft1">ren Gegenparteien, wenn diese dem Gemeinwesen angehören.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Parteikosten werden in der Regel nach Massgabe des Ob-</span><br/> <span class="ft1">siegens und Unterliegens auf die Parteien verlegt (§ 32 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">VRPG). Mehrere Parteien mit gleichen Begehren, oder wenn sich ein</span><br/> <span class="ft1">Verfahren gegen mehrere Parteien richtet, tragen die ihnen auferleg-</span><br/> <span class="ft1">ten Parteikosten zu gleichen Teilen (§ 33 Abs. 1 VRPG). Ist die Kos-</span><br/> <span class="ft1">tenverteilung zu gleichen Teilen unbillig, kann sie nach Massgabe</span><br/> <span class="ft1">der Interessenlage am Verfahrensausgang stattfinden (§ 33 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">VRPG).</span><br/> <span class="ft1">Die allgemeine Regel über die Kostenverlegung folgt dem Er-</span><br/> <span class="ft1">folgsprinzip, das insbesondere im Zivilprozess die Grundregel bildet</span><br/> <span class="ft1">(vgl. dazu Alfred Bühler/Andreas Edelmann/Albert Killer, Kommen-</span><br/> <span class="ft1">tar zur aargauischen Zivilprozessordnung, 2. Aufl., Aarau 1998,</span><br/> <span class="ft1">§ 112 N 2; Viktor Rüegg, in: Basler Kommentar, Schweizerische</span><br/> <span class="ft1">Zivilprozessordnung, Basel 2010, Art. 106 N 1 und N 8). Massge-</span><br/> <span class="ft1">bend ist im Rechtsmittelverfahren das Endergebnis im Verhältnis zu</span><br/> <span class="ft1">den Anträgen der Parteien. Bei teilweisem Obsiegen wird die Par-</span><br/> <span class="ft1">teientschädigung verhältnismässig auferlegt ohne Rücksicht auf die</span><br/> <span class="ft1">effektiven Anwaltskosten einer Partei. Ohne Einfluss auf den Verteil-</span><br/> <span class="ft1">schlüssel ist selbst der Umstand, dass eine Partei, die ohne Anwalt</span><br/> <span class="ft1">auftritt, keinen Anspruch auf Parteikostenersatz hat (AGVE 2000,</span><br/> <span class="ft1">S. 51). In der Berechnung werden die Parteikosten als Ganzes ge-</span><br/> <span class="ft1">nommen (AGVE 1956, S. 52) und die mehrheitlich unterliegende</span><br/> <span class="ft1">Partei verpflichtet, den Anteil aus der - gegeneinander verrechneten</span><br/> <span class="ft1">- Differenz von Obsiegen und Unterliegen in Prozent oder Bruch-</span><br/> <span class="ft1">teilen an die Parteikosten der obsiegenden Partei zu bezahlen (Guido</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">250</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Fischer, Die Kostenverteilung im Aargauischen Zivilprozessrecht,</span><br/> <span class="ft1">Diss., Basel 1984, S. 91 f.; SJZ 1981 Nr. 52, S. 343). Die Verrech-</span><br/> <span class="ft1">nung nach dem Erfolgsprinzip findet somit bereits zwischen den</span><br/> <span class="ft1">Anteilen statt, mit denen jede Partei an der Kostentragung beteiligt</span><br/> <span class="ft1">ist. Es gilt eine weitgehende Parallelität der Regelungen über Kos-</span><br/> <span class="ft1">tenauflage und Parteientschädigung (vgl. für das aVRPG: AGVE</span><br/> <span class="ft1">1983, S. 233 ff.; 1978, S. 273 ff.; VGE III/10 vom 26. Februar 2003</span><br/> <span class="ft1">[WBE.2002.110], Erw. II/1).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Die allgemeine Verteilungsregel steht auf der Grundlage, dass</span><br/> <span class="ft1">die Parteikostenentschädigung für die am Verfahren beteiligten</span><br/> <span class="ft1">Parteien unbesehen der effektiven Anwaltskosten festgelegt wird.</span><br/> <span class="ft1">Diese Berechnungsmethode beruht auf der Überlegung, dass die</span><br/> <span class="ft1">Parteientschädigungen aller Parteien immer nach Massgabe des An-</span><br/> <span class="ft1">waltstarifs festgesetzt werden (AGVE 1992, S. 397) und damit die</span><br/> <span class="ft1">"in einem Verfahren notwendigen und (....) üblichen Leistungen (..)"</span><br/> <span class="ft1">für eine Rechtsvertretung abgegolten werden (§ 2 Abs. 1 AnwT). Die</span><br/> <span class="ft1">Parteikosten sind auf die Parteien zu verlegen (§ 32 Abs. 2 VRPG)</span><br/> <span class="ft1">und mehrere Parteien tragen die ihnen auferlegten Parteikosten zu</span><br/> <span class="ft1">gleichen Teilen (§ 33 Abs. 1 VRPG). Eine Unterscheidung zwischen</span><br/> <span class="ft1">den unterliegenden bzw. obsiegenden Gemeinwesen mit Parteistel-</span><br/> <span class="ft1">lung und den privaten Parteien findet sich im Unterschied zur Re-</span><br/> <span class="ft1">gelung bei der Verteilung der Verfahrenskosten (§ 31 Abs. 2 VRPG)</span><br/> <span class="ft1">nicht.</span><br/> <span class="ft1">Aus der Sonderregelung in § 12a Abs. 1 AnwT folgt für die Ver-</span><br/> <span class="ft1">legung und Bemessung der Parteikosten, dass das Gemeinwesen als</span><br/> <span class="ft1">obsiegende Partei auch bei hohen Streitwerten Anspruch auf eine</span><br/> <span class="ft1">ungekürzte Parteientschädigung hat, als unterliegende Partei aber den</span><br/> <span class="ft1">andern privaten und öffentlichen Gegenparteien einen bis zu einem</span><br/> <span class="ft1">Drittel der "vollen" Parteientschädigung gekürzten Parteikostenersatz</span><br/> <span class="ft1">leisten müsste.</span><br/> <span class="ft1">Eine solche Bevorzugung des Gemeinwesens erscheint mit dem</span><br/> <span class="ft1">Rechtsgleichheitsgebot (Art. 8 BV; § 10 Abs. 1 KV) nicht vereinbar.</span><br/> <span class="ft1">Sachliche Gründe für die Sonderregelung in § 12a AnwT finden sich</span><br/> <span class="ft1">ohnehin nur im Hinblick auf die Schonung der öffentlichen Ausga-</span><br/> <span class="ft1">ben (vorne Erw. 2.4.2). Wo das Gemeinwesen einen Anwalt mit der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">251</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Vertretung in einem Verwaltungsverfahren beauftragt, kommt diesem</span><br/> <span class="ft1">Zweck keine entscheidende Bedeutung (mehr) zu, da die Höhe der</span><br/> <span class="ft1">Ausgaben einer Rechtsvertretung durch das (privatrechtliche) Man-</span><br/> <span class="ft1">dat bestimmt wird und das effektive Anwaltshonorar von Behörde</span><br/> <span class="ft1">und Anwalt vereinbart wird. Die Anwendung von § 12 Abs. 1 AnwT</span><br/> <span class="ft1">führt vielmehr zum stossenden Ergebnis, dass das Parteikostenrisiko</span><br/> <span class="ft1">eines Verfahrens bei hohen Streitwerten für das Gemeinwesen zum</span><br/> <span class="ft1">vornherein um einen Drittel tiefer liegt als bei den privaten Parteien.</span><br/> <span class="ft1">Bei gleichgelagerten Interessen oder Anträgen des Gemeinwesens</span><br/> <span class="ft1">mit privaten Parteien kann dies zu weiteren Ungleichheiten führen,</span><br/> <span class="ft1">indem eine Privatpartei - entgegen dem Grundsatz von § 33 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">VRPG - höhere Anteile an eine Parteientschädigung der Gegenpartei</span><br/> <span class="ft1">als das Gemeinwesen entrichten müsste. Umgekehrt wird bei einem</span><br/> <span class="ft1">mehrheitlichen Obsiegen des Gemeinwesens die Grundregel, dass</span><br/> <span class="ft1">die Parteikosten aller Parteien als Ganzes betrachtet werden, in Frage</span><br/> <span class="ft1">gestellt, da Parteientschädigungen zu Lasten des Gemeinwesens bei</span><br/> <span class="ft1">hohen Streitwerten um einen Drittel reduziert werden können.</span><br/> <span class="ft1">Keine Lösung der Ungleichheit bietet § 32 Abs. 3 Satz 2 VRPG,</span><br/> <span class="ft1">da diese Bestimmung Ausnahmen von der allgemeinen Regel nur für</span><br/> <span class="ft1">den Fall der Gegenstandslosigkeit vorsieht. Die Regelung der Kos-</span><br/> <span class="ft1">tentragung mehrerer Parteien (§ 33 Abs. 1 VRPG) verlangt, dass die</span><br/> <span class="ft1">Parteikosten zu gleichen Teilen getragen werden, und sieht nur aus</span><br/> <span class="ft1">Billigkeitsgründen ausnahmsweise eine Verteilung nach der Interes-</span><br/> <span class="ft1">senlage am Verfahrensausgang, nicht aber aus andern Gründen vor</span><br/> <span class="ft1">(§ 33 Abs. 2 VRPG).</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Änderung im System der Verlegung der Parteikosten wurde</span><br/> <span class="ft1">vom Parlament beschlossen. Wie aus den Beratungsprotokollen zu</span><br/> <span class="ft1">schliessen ist, war eine Anpassung von § 12 Abs. 1 AnwT an die</span><br/> <span class="ft1">veränderte Stellung des Gemeinwesens bei der Verteilung der Partei-</span><br/> <span class="ft1">kosten kein Thema. Die Abkehr von der bisherigen Regelung diente</span><br/> <span class="ft1">dazu, "dass jeweils mit gleich langen Spiessen operiert wird" (Proto-</span><br/> <span class="ft1">koll des Grossen Rates [Prot. GR] vom 4. Dezember 2007, S. 3022,</span><br/> <span class="ft1">Votum Leimgruber), "auch das Gemeinwesen soll einen <i>entsprechen-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>den</i> Anspruch auf Parteientschädigung" haben (a.a.O., S. 3024, Vo-</span><br/> <span class="ft1">tum Hollinger). Diese Ausführungen in den parlamentarischen Bera-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">252</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tungen lassen den Schluss zu, dass die Auswirkungen der Revision</span><br/> <span class="ft1">auf die Parteikostenregelung im Anwaltstarif "vergessen" wurden.</span><br/> <span class="ft1">Von einem qualifizierten Schweigen des Gesetzgebers kann jeden-</span><br/> <span class="ft1">falls nicht die Rede sein.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht ist gehalten, Erlassen die Anwendung</span><br/> <span class="ft1">zu versagen, wenn sie dem übergeordneten Bundesrecht oder kanto-</span><br/> <span class="ft1">nalem Recht widersprechen (sog. inzidente Normenkontrolle; § 95</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 KV; § 2 Abs. 2 VRPG).</span><br/> <span class="ft1">§ 12a Abs. 1 AnwT ist eine "Kann"-Vorschrift und räumt den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeinstanzen und Gerichten ein erhebliches Ermessen ein.</span><br/> <span class="ft1">Die (theoretische) Möglichkeit, diese Kürzungsmöglichkeit</span><br/> <span class="ft1">überhaupt nicht mehr anzuwenden, fällt nicht in Betracht. Das Anlie-</span><br/> <span class="ft1">gen des Gesetzgebers und das öffentliche Interesse an der Schonung</span><br/> <span class="ft1">der öffentlichen Finanzen können bei der Zusprechung von Parteient-</span><br/> <span class="ft1">schädigungen nicht einfach ausgeblendet werden. Die andere Lösung</span><br/> <span class="ft1">ist, dass bei der Bemessung der Parteientschädigung zu Gunsten des</span><br/> <span class="ft1">Gemeinwesens die Bestimmung ebenfalls angewendet wird. Dies,</span><br/> <span class="ft1">weil es bei der Festsetzung einer Parteientschädigung keinen Unter-</span><br/> <span class="ft1">schied machen kann, ob sich der Anspruch auf Parteientschädigung</span><br/> <span class="ft1">eines Gemeinwesens gegen eine andere Behörde bzw. ein anderes</span><br/> <span class="ft1">Gemeinwesen richtet oder gegen eine private Gegenpartei. Auch bei</span><br/> <span class="ft1">einer Kostenverlegung mit teilweisem Obsiegen und Unterliegen</span><br/> <span class="ft1">drängt sich auf, bei der Anteilsberechnung die Fiktion der gleich</span><br/> <span class="ft1">hohen Parteientschädigungen bzw. des gleichen Entschädigungs-</span><br/> <span class="ft1">risikos aller unterliegenden Parteien anzuwenden. Diese Aspekte der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsgleichheit erscheinen bei der Anwendung von § 12a Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">AnwT besonders relevant, weil mit Bezug auf die Parteikosten der</span><br/> <span class="ft1">Erfolgsgrundsatz massgeblich ist. Eine Ordnung, die indirekt die</span><br/> <span class="ft1">Folgen des Prozessgewinns einer Partei zugunsten einer Gegenpartei</span><br/> <span class="ft1">relativiert, führt zu einer sachlich unbegründeten Bevorzugung.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem die Behörden schon bei den Gerichtskosten bevorzugt</span><br/> <span class="ft1">werden (§ 31 Abs. 2 Satz 2 VRPG), lässt sich eine zusätzliche Bevor-</span><br/> <span class="ft1">zugung der Gemeinden und der kantonalen Behörden bei der Vertei-</span><br/> <span class="ft1">lung der Parteikosten mit der Parteistellung des Gemeinwesens im</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsprozess und den Regeln in den §§ 32 und 33 VRPG nur</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">253</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">vereinbaren, wenn auch bei der Festsetzung der Parteientschädigung</span><br/> <span class="ft1">zu Gunsten der Gemeinwesen § 12a Abs. 1 AnwT angewendet wird.</span><br/> <span class="ft1">Diese Lösung entspricht dem Grundsatz, dass dem Obsiegenden</span><br/> <span class="ft1">auf jeden Fall eine angemessene Entschädigung für die notwendigen</span><br/> <span class="ft1">Parteikosten auszurichten ist (§ 29 VRPG und § 2 Abs. 1 AnwT).</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>