5. Oktober 1990 N 1881 Parlamentarische Initiative. Grossbauvorhaben liehen Aspekt hat, an den laufenden Zeitgeist anpassen sollen. Es wurde darauf hingewiesen, wie schwierig und schlussend- lich unmöglich es war, im Rahmen der Suche nach einer neuen, zeitgemässen Landeshymne erfolgreich zu wirken. Das Projekt musste nach vielen Jahren abgebrochen werden. Es liegt nicht an mir, Ihnen hier eine Empfehlung abzugeben. Hier ist es nun wirklich am Parlament zu entscheiden, ob es mit der heutigen Formel leben kann oder ob der Formel ein neuer Inhalt gegeben werden soll. Die Kommission war aber einhel- lig der Meinung, dass, wenn Sie dem Anliegen von Frau Bäumlin Folge leisten, die Bemühungen parallel zur Revision der Bundesverfassung laufen müssen. Es wird also nicht so sein, dass wir unmittelbar in den nächsten Monaten in der Peti- tionskommission eine neue Formel ausarbeiten würden, son- dern man würde es zusammenschalten mit den Bemühungen der Verwaltung, uns einen zeitgemässen Zweckartikel für die Bundesverfassung vorzuschlagen, so dass hier keine Diskre- panzen entstehen können. Die Kommission empfiehlt Ihnen - wie gesagt - mit 10 zu 8 Stimmen, dem Anliegen von Frau Bäumlin Rechnung zu tra- gen. Mme Jeanprêtre, rapporteur: Comme cela a été rappelé tout à l'heure, l'initiative comportait deux volets. En premier lieu, celui de supprimer le décret de l'Assemblée fédérale concer- nant le serment à prêter par les autorités supérieures de la Confédération. Dans un deuxième temps, elle demandait le remplacement, dans nos règlements respectifs, de la formule existante du serment et de la promesse par une formule qui nous est proposée par l'auteur de l'initiative. L'auteur du nouveau texte, Mme Bäumlin, ne conteste pas la formule du serment et de la promesse solennelle en temps que telle, pour autant qu'on puisse lui donner une interpréa- tion valable. Elle ne remet donc pas en cause l'unité, l'honneur et l'indépendance de la patrie Suisse, ni notre volonté d'indé- pendance ou la nécesssité de sauvegarder la constitution et les lois fédérales qui peuvent être modifiées démocratique- ment. Toutefois, l'obligation de défendre uniquement la liberté et les droits du peuple et des citoyens n'est plus actuellement suffisante. L'auteur ajoute un caractère écologique, en de- mandant d'ajouter le respect de l'environnement en général. Elle reprend enfin la formule oecuménique: «Paix, justice et sauvegarde de la création«. La formule du serment, telle qu'elle a été conçue en 1848 et qui a été reprise pour la promesse, était à l'époque bien en avance sur son temps, par l'obligation qu'elle imposait de sauvegar- der la patrie et de défendre les droits du peuple et des ci- toyens. Il est néanmoins souhaitable - c'est la majorité de la commissions qui l'a aussi constaté-de réexaminer le texte, de l'actualiser et de le remodeler. C'est pourquoi la majorité de la commission, par 10 voix contre 8, estime qu'il faut trouver une formulation brève et adaptée à notre temps. La commission estime toutefois qu'elle n'est pas compétente pour ce faire et elle aurait souhaité qu'une commission de rédaction compo- sée d'experts lui fasse des propositions et ce dans les trois lan- gues. C'est dans ce sens-là que je vous invite à suivre les conclu- sions de la commission. Punkt 1 - Point 1 Le président: La commission vous propose de ne pas donner suite au point 1 de l'initiative. Zustimmung - Adhésion Punkt 2-Point 2 Le président: Quant au point 2, la commission vous propose de le lui renvoyer pour qu'elle élabore un contre-projet. M. Wyss William recommande de ne pas donner suite au point 2 de l'initiative non plus. Abstimmung - Vote Für den Antrag Wyss William 78 Stimmen Für den Antrag der Kommission 60 Stimmen #ST# 88.226 Parlamentarische Initiative (Meier-Glattfelden) Verwaltungsreferendum für Grossbauvorhaben Initiative parlementaire (Meier-Glattfelden) Travaux de grande envergure. Institution de référendum Kategorie V, Art. 68 GRN - Catégorie V, art. 68 RCN Wortlaut der Initiative vom 15. Juni 1988 Dem Volke ist die Möglichkeit zu eröffnen, mittels des fakultati- ven Referendums Einfluss auf den Bau von technischen Grossvorhaben, welche Umwelt und Landschaft stark bela- sten, nehmen zu können. Insbesondere sind dem fakultativen Referendum Vorhaben des Hoch- und Tiefbaues des Bundes von einer bestimmten Grössenordnung an (Kreditlimite beispielsweise 100 Millio- nen Franken) zu unterstellen. Damit würden grössere Erweite- rungsbauten und Ausbauten des Nationalstrassennetzes (zum Beispiel Bau einer zweiten Röhre durch den Gotthard), grosse Verwaltungsbauten des Bundes, Waffenplatzbauten, Eisenbahnbauten und andere erfasst. Weiter wären dem fakultativen Referendum besonders wich- tige Konzessionen und Bewilligungen des Bundes zu unter- stellen, so namentlich Kernkraftwerke, thermische Kraftwerke und Wasserkraftwerke (soweit der Bund zuständig), Luftseil- bahnen, Schiffbarmachung von Flüssen und allfällige weitere Konzessionen und Bewilligungen. Texte de l'initiative du 15 juin 1988 II convient de donner au peuple la possibilité d'influer au moyen du référendum facultatif sur la réalisation d'importants projets techniques affectant fortement le paysage et l'environ- nement. Seront en particulier sujets au référendum facultatif les projets de construction et de travaux publics de la Confédération dont le coût atteint un ordre de grandeur déterminé (par exemple à partir d'un seuil de 100 millions de francs). Les grands travaux d'élargissement et d'extension du réseau des routes nationa- les (notamment la construction d'une seconde galerie au tun- nel routier du Gothard), la construction de grands bâtiments administratifs, les places d'armes, les voies ferrées, seraient en particuliertouchés par cette disposition. Devraient en outre être sujettes au référendum les conces- sions et autorisations importantes octroyées par la Confédéra- tion, notamment pour des centrales nucléaires, thermiques ou hydrauliques relevant de la compétence de l'Etat fédéral pour des téléphériques, pour l'aménagement des cours d'eau aux fins de navigation, et pour d'autres travaux importants. Herr Widmer unterbreitet im Namen der Kommission den fol- genden schriftlichen Bericht: Gestützt auf Artikel 21 bis des Bundesgesetzes über den Ge- schäftsverkehr der Bundesversammlung vom 23. März 1962 hat Nationalrat Meier-Glattfelden am 15. Juni 1988 eine parla- mentarische Initiative in der Form der allgemeinen Anregung eingereicht.Initiative parlementaire. Travaux de grande envergure 1882 N 5 octobre 1990 In einer Sitzung vom 21. November 1988 hat die Kommission Herrn Prof. Kurt Eichenberger (Universität Basel) und Herrn Prof. Alfred Kölz (Universität Zürich) als Experten angehört. Schriftliche Begründung des Initianten In vielen Kantonen haben die Stimmberechtigten das Recht, mit Hilfe des Finanzreferendums über Ausgabenbeschlüsse der Parlamente, in einer Volksabstimmung zu entscheiden. Mit dem Finanzreferendum verfügt der Stimmberechtigte so- mit in den meisten Kantonen über ein relativ wirksames Instru- ment, auf Verwaltungsakte Einfluss zu nehmen. Einige Kan- tone verfügen zusätzlich noch über Referenden für wichtige Konzessionen, z. B. für die Wasserkraftnutzung, die unabhän- gig von einer staatlichen Finanzierung sind. Alle die zum Teil schon vor über 100 Jahren eingefügten Institutionen der direk- ten Demokratie in den Kantonen haben sich bewährt und brin- gen Bürgerinnen und Bürger in eine besonders enge und po- sitive Beziehung zum Staat. Leider verlief der Ausbau der direkten Demokratie im Bund be- deutend langsamer als in den Kantonen. Weder kennen wir im Bund die Gesetzesinitiative noch das Finanzreferendum. Be- schlüsse von grosser Tragweite bleiben damit in der endgülti- gen Zuständigkeit des eidgenössischen Parlamentes. Da auf eidgenössischer Ebene das Volk nur das Recht der Verfas- sungsinitiative hat, geht es nicht anders, als auch Detailpro- bleme und umstrittene Verwaltungsentscheide via Verfas- sungsänderung anzugehen. Seit Bestehen unseres Bundesstaates sind zwischen den drei klassischen Gewalten: Legislative, Exekutive und Judikative grosse Gewichtverlagerungen eingetreten. Am augenfällig- sten ist die grosse Machtzunahme der Verwaltung zu Lasten der Legislative, also des Parlamentes und mittelbar auch des Volkes als Souverän. Der Stimmbürger verfügt wohl mit der Verfassungsinitiative, dem Verfassungs- und dem Gesetzesre- ferendum über wichtige Einflussmöglichkeit auf die Gesetzge- bung. Gegenüber Grossbauvorhaben, die unser Volk mehr und mehr bewegen, hat aber der Souverän kein Mittel in der Hand. Auch gibt es eine ganze Reihe von Verwaltungsakten (Erteilung von Konzessionen und Bewilligungen), welche so- gar der politischen Kontrolle des Parlamentes entzogen sind. Das Auftreten solcher Verwaltungsakte ist in erster Linie dem enormen Aufschwung der Grosstechnologie zuzuschreiben. Die rasante Entwicklung der Grosstechnologie und deren Auswirkungen auf die natürliche Umwelt verursacht in weiten Kreisen zunehmende Beunruhigung. Teile der Bevölkerung reagieren mit Resignation, andere lei- sten Widerstand gegen solche vermeintliche Sachzwänge. Gegen Grossbauvorhaben entstehen Bürgerinitiativen und Volksversammlungen mit Ausschreitungsgefahr. Mit der Einführung des Verwaltungsreferendums für Gross- bauvorhaben hätte das Volk mittels des ordentlichen fakultati- ven Referendums das letzte Wort. Gefühle der Ohnmacht, der Erbitterung gegenüber den Behörden, aber auch Rückzug in die Resignation, würden verringert. Entscheide vom Volk sind nicht stets besser als jene der Exekutive oder des Parlamen- tes. Heute ist es aber unbedingt notwendig, dass die Frage von neuen Eingriffen in die vom Menschen bedrängte natürli- che Umwelt in aller Oeffentlichkeit eingehend abgewogen wird und dass schlussendlich das Volk entscheidet. Erwägungen der Kommission Initiativ- und Referendumsrecht gestatten dem Volk, über all- gemeine und abstrakte Gesetze abzustimmen, geben ihm aber keine Gelegenheit, sich über konkrete Projekte wie Grossbauvorhaben zu äussern. Deshalb soll laut dem Initian- ten für derartige Bauten das Referendumsrecht eingeführt werden. Dies hätte zur Folge, dass sie bei Annahme eine grös- sere Legitimität geniessen würden, als wenn sie nur durch ei- nen Verwaltungsakt beschlossen worden wären. Insbesondere folgende Beschlüsse des Parlamentes und des Bundesrates wären dem Referendum unterworfen: - Bewilligungen für den Bau von Kernkraftwerken und Flughä- fen sowie für den Ausbau des Nationalstrassennetzes; - Konzessionen für neue Eisenbahnlinien und für den Rück- kauf von Linien (bereits dem fakultativen Referendum unter- stellt), Wasserkraftwerke, Rohrleitungsanlagen, Drahtseilbah- nen; - Beschlüsse, die den Bau von Waffenplätzen und von gros- sen Verwaltungsbauten des Bundes botreffen (ab einer Limite von 100 Millionen Franken); - Bewilligung zur Schiffbarmachung von Flüssen. Professor Eichenberger vertritt die Ansicht, zur Verwirklichung der Initiative sollte zuerst Artikel 89 Ziffer 2 dor Verfassung über das fakultative Referendum geändert werden. Nach Pro- fessor Kölz würde es hingegen genügen, den Bogriff des «All- gemeinverbindlichen Bundesbeschlusses» so zu interpretie- ren, dass auch Verwaltungsakte eingeschlossen sind. Professor Eichenberger ist nicht einverstanden: Man könne nicht eine Verfassungsbestimmung nach 115 Jahren Praxis uminterpretieren, zumal diese Praxis 1962 bei der GVG-Revi- sion bestätigt worden sei. Auch die Kommission ist dieser Mei- nung. Die beiden Experten sind sich über dio Notwendigkeit einig, die Artikel 5 und 6 des GVG sowie eine Reihe weiterer Gesetze zu ändern, wie etwa jenes über das Verwaltungsverfahren (Amtsenthebung, Gewährleistung dos Rechtsschutzes, Ver- antwortung des Staates). Die Kommission hat mit 11 gegen 4 Stimmen entschieden, dem Nationalrat zu beantragen, der Initiative nicht Folge zu geben. Sie begründet ihren Entscheid wie folgt: Das neue Instrument würde die Gewaltenteilung beeinträchti- gen, weil es dem Parlament und dem Volk Exekutivaufgabon überträgt. Die Verantwortung von Parlament und Bundosrat würde auf das Volk abgeschoben und dadurch abgewertet. Es bestünde die Gefahr, dass wichtige Aufgaben des Staates nicht wahrgenommen werden könnten oder sogar blockiert würden. Der Entscheidungsprozess würde verzögert werden, was eine ganze Reihe von Nachteilen mit sich brächte. Die Ko- ordination zwischen und mit den Kantonen sowie mit dem Ausland würde erschwert, wenn nicht verunmöglicht. Da für Grossbauvorhaben nicht nur der Bund, sondern auch Kan- tone, Gemeinden und Dritte zuständig sind, würde das vorge- schlagene Instrument nicht genügen, wollte man sämtliche Grossbauprojekte dem Referendum unterstellen. Schwierig- keiten würden sich auch bei Projekten ergeben, die etappen- weise verwirklicht werden. Der Ausbau der Volksrechte (Ge- setzesreferendum seit 1874, Verfassungsinitiative seit 1891) genügt weitgehend, damit das Volk seinem Willen Ausdruck geben kann. Die in der parlamentarischen Initiative aufgeworfene Frage wird bereits im Bericht 85.065 über die Totalrevision der Bun- desverfassung erwähnt. Im Kapitel 521.426 über die «Notwen- digkeit einer Reform der Volksrechte» legt der Bundesrat fol- gendes dar: «Im Vordergrund steht die Frage, ob Verfassungsinitiative und Referendum heute noch greifen, das heisst, ob sie, vorn Bür- ger aus betrachtet, noch an den richtigen 'Objekten' ansetzen. Die geltende Verfassung garantiert die Mitsprache des Bür- gers vor allem bei der abstrakten Rechtsetzung (Verfassung, Gesetz, Staatsvertrag), weniger bei Entscheidungen über kon- krete Sachverhalte (wie Errichtung von Kernkraftwerken und Waffenplätzen, Bau von Nationalstrassen). Es fragt sich aber, ob nicht weitere Inhalte den Volksrechten zugänglich zu ma- chen seien: etwa dem fakultativen Referendum (Verwaltungs- und Finanzreferendum) politische Planungen sowie Verwal- tungsentscheide und Finanzbeschlüsse von grosser Trag- weite, der Gesetzesinitiative Rechtsetzungsakte der Gesetzes- stufe.» Unabhängig vom Schicksal der parlamentarischen Initiative kann angenommen werden, dass die Fragen des Referen- dums gegen Verwaltungsakte, die Grossbauvorhaben betref- fen, im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung wie- der aufgegriffen werden wird. Von Bedeutung ist ferner, dass in den letzten Jahren sämtliche Vorstösse in diese Richtung vom Volk verworfen wurden: - Initiative über die Demokratie im Nationalstrassenbau (1978); -Atom-Initiative (1979); - Initiative über das Rüstungsreferendum (1987).5. Oktober 1990 N 1883 Parlamentarische Initiative. Grossbauvorhaben Mit den Kleeblatt-Initiativen erhalten Volk und Stände überdies die Gelegenheit, über umstrittene Abschnitte des National- strassennetzes abzustimmen. Auf parlamentarischer Ebene wurde die Initiative Günter, die das allgemeine Finanzreferendum forderte, 1988 mit 102 gegen 25 Stimmen abgelehnt. Die Kommissionsminderheit ist der Ansicht, dass die Verant- wortung des Volkes durch den Ausbau der Volksrechte ausge- dehnt werden sollte. Oekologische und technologische Ent- wicklungen sollten von entsprechenden demokratischen In- strumenten begleitet sein. Die Kommission hat mit 9 gegen 6 Stimmen entschieden, eine Motion abzulehnen, die den Bundesrat beauftragt, eine Vor- lage auszuarbeiten und dem Parlament vorzulegen. Die Min- derheit legt einen Antrag in diesem Sinne vor. M. Widmer présente au nom de la commission le rapport écrit suivant: Se fondant sur l'article 21 bis de la loi sur les rapports entre les conseils du 23 mars 1962, M. Meier-Glattfelden, conseiller na- tional, a déposé le 15 juin 1988 une initiative parlementaire ré- digée en termes généraux. Lors d'une séance tenue le 21 novembre, la commission a en- tendu M. Kurt Eichenberger, professeur de droit à l'Université de Baie, et M. Alfred Kölz, professeur de droit à l'Université de Zurich, en tant qu'experts. Développement par écrit de l'auteur de l'initiative Dans nombre de cantons, les électeurs ont le droit de se pro- noncer sur des décisions de dépenses prises par les parle- ments, par le biais du référendum financier. Avec le référen- dum financier, l'électeur dispose ainsi dans la plupart des can- tons d'un moyen relativement efficace de peser sur les actes administratifs. Dans quelques cantons, on connaît en plus le référendum pour des concessions importantes, par exemple pour l'utilisation des forces hydrauliques qui sont indépendan- tes d'un financement étatique. Tous ces instruments de la dé- mocratie directe sur le plan cantonal, qui remontent en partie à plus d'un siècle, ont fait leurs preuves et ont rapproché, de manière étroite et positive, les citoyens de l'Etat. Malheureusement, le développement de la démocratie directe s'est opéré, sur le plan fédéral, plus lentement que dans les cantons. A l'échelon fédéral, nous ne connaissons ni l'initiative législative ni le référendum financier. Des décisions de grande importance demeurent ainsi de la seule compétence finale du Parlement fédéral. Comme le peuple ne dispose, sur le plan fédéral, que du droit d'initiative constitutionnelle, on ne peut éviter que des questions de détail et des décisions administra- tives contestées fassent l'objet de demandes de révision de la constitution. Depuis la fondation de l'Etat fédéral, d'importants transferts de compétences se sont produits entre les trois pouvoirs recon- nus par le droit constitutionnel classique. Celui qui saute le plus aux yeux est l'accroissement du pouvoir de l'administra- tion au détriment du législatif et, indirectement également, du peuple souverain. Certes, l'électeur dispose par le biais de l'initiative constitutionnelle et par le biais du référendum facul- tatif d'importants moyens d'influence sur la législation. A ren- contre des travaux de grande envergure qui préoccupent de plus en plus notre peuple, le souverain n'a aucun moyen à dis- position. De même, un grand nombre d'actes administratifs (octroi de concessions et d'autorisations) sont soustraits au contrôle politique du Parlement. L'apparition de tels actes ad- ministratifs tient, en premier lieu, à l'énorme développement de la technologie lourde. Le développement rapide de la tech- nologie lourde et ses conséquences sur l'environnement na- turel causent une inquiétude croissante dans des milieux de plus en plus larges. Une partie de l'opinion réagit de manière résignée, d'autres opposent une résistance contre de soi-disant contraintes dic- tées par les faits. Des «initiatives de citoyens» et des assem- blées populaires qui s'élèvent contre les travaux de grande en- vergure comportent le danger d'excès. Avec l'institution du ré- férendum administratif pour les travaux de grande envergure, le peuple aurait le dernier mot par le biais du référendum facul- tatif ordinaire. Les sentiments d'impuissance .et d'irritation contre les autorités seraient ainsi atténués, de même que la tendance à la résignation. Certes des décisions populaires ne sont pas toujours meilleu- res que celles de l'exécutif ou du législatif. Aujourd'hui cepen- dant, il est absolument nécessaire que les questions touchant les nouvelles atteintes à l'environnement naturel menacé par l'homme soient soupesées de manière complète et qu'en der- nier ressort le peuple tranche. Considérations de la commission Les droits d'initiative et de référendum permettent au peuple de se prononcer sur des normes générales et abstraites mais ne lui donnent pas l'occasion de décider de projets concrets, tels les travaux de grande envergure. Aussi convient-il, selon l'auteur de l'initiative, d'instituer un droit de référendum pour ces travaux. Ils bénéficieraient, en cas d'acceptation, d'une lé- gitimité mieux établie qu'ils le sont actuellement par le biais d'un acte administratif. Les décisions suivantes du Parlement et du Conseil fédéral se- raient ainsi notamment assujetties au référendum: - autorisations pour la construction de centrales nucléaires, d'aéroports, de nouveaux tronçons de routes nationales; - concessions pour les nouvelles lignes de chemin de fer et les rachats de lignes (déjà soumis au référendum facultatif), centrales hydrauliques, transports par conduites, téléphéri- ques; - arrêtés concernant la construction de places d'armes et de grands bâtiments administratifs fédéraux (de plus de 100 mil- lions de francs); - décisions de rendre navigables les cours d'eau. Selon le professeur Eichenberger, il conviendrait, pour réaliser l'initiative, de modifier d'abord l'article 89, chiffre 2, de la cons- titution, qui traite du référendum facultatif. Selon le professeur Kölz, il suffirait d'interpréter différemment la notion d'«arrêtés fédéraux de portée générale» de façon à ce qu'ils compren- nent aussi les actes administratifs. Le professeur Eichenber- ger conteste que l'on puisse modifier l'interprétation d'une pratique qui a été confirmée lors de la révision de la LREC en 1962. Telle est aussi l'opinion de la commission. Les deux experts tombent d'accord pour juger qu'il est néces- saire de modifier les articles 5 et 6 de la LREC ainsi qu'une sé- rie d'autres lois telle celle sur la procédure administrative (ré- vocation, garantie de la protection juridique, responsabilité de l'Etat). Par 11 voix contre 4, la commission a décidé de proposer au Conseil national de ne pas donner suite à l'initiative. Elle motive ainsi sa décision: En confiant des tâches executives au Parlement et au peuple, le nouvel instrument porterait atteinte à la séparation des pou- voirs. La responsabilité du Parlement et du Conseil fédéral - transférée au peuple - serait dépréciée. Une menace pèserait sur la continuité de l'accomplissement des tâches importan- tes par l'Etat qui pourraient même être bloquées. Le proces- sus de décision serait retardé entraînant toute une série d'in- convénients. La coordination entre et avec les cantons et l'étranger serait rendue difficile, voire impossible. Les travaux de grande envergure n'étant pas du seul ressort de la Confé- dération mais de cantons, de communes et de tiers, l'instru- ment proposé ne suffirait pas si l'on voulait soumettre tous les projets de grande envergure au référendum. Des difficultés surgiraient au sujet des projets réalisés par étapes. L'accrois- sement des droits populaires (référendum législatif dès 1874, initiative constitutionnelle dès 1891 ) suffit largement à l'expres- sion de la volonté populaire. La question soulevée par l'initiative parlementaire est mention- née dans le rapport 85.065 sur la révision totale de la Constitu- tion fédérale. Dans le chapitre 521.426 «Nécessité de réformer les droits populaires», le Conseil fédéral précise ce qui suit: «On doit en premier lieu se demander si l'initiative constitution- nelle et le référendum »accrochent« encore, c'est-à-dire si, dans l'optique du citoyen, ces deux institutions s'appliquent encore à des causes pertinentes. La constitution actuelle ga- rantit la participation du citoyen davantage pendant la phaseInitiative parlementaire. Travaux de grande envergure 1884 N 5 octobre 1990 législative abstraite (constitution, loi, traité) que lors de l'adop- tion de décisions sur des questions concrètes (p. ex. la cons- truction de centrales nucléaires, de places d'armes ou de rou- tes nationales). Il faut dès lors se demanders'il ne conviendrait pas d'enrichir le catalogue des droits populaires en y incluant, par exemple, le référendum facultatif (référendum administratif et financier) contre des décisions de planification politique ou contre des décisions administratives ou financières de portée majeure, ainsi que l'initiative législative pour les actes norma- tifs au niveau de la loi». Quel que soit le sort réservé à l'initiative parlementaire, on peut admettre que la question du référendum sur des actes ad- ministratifs concernant des travaux de grande envergure res- tera posée dans le cadre des travaux de révision totale de la constitution. On relèvera également que des tentatives allant dans le même sens ont échoué en votation populaire au cours des dernières années: - initiative pour la démocratie dans la construction des routes nationales (1978) - initiative atomique (1979) - initiative demandant le référendum en matière de dépenses militaires (1987). Les initiatives «trèfle à quatre» donneront au peuple et aux can- tons l'occasion de se prononcer sur des tronçons contestés de routes nationales. Sur le plan parlementaire, l'initiative Günter demandant le réfé- rendum financier généralisé a été repoussée en 1988 par 102 voix contre 25. La minorité de la commission estime que la responsabilité du peuple doit être accrue par l'extension des droits populaires. Ces derniers doivent accompagner les nouveaux développe- ments technologiques et écologiques. La commission a décidé également de refuser une motion de- mandant au Conseil fédéral d'étudier cette question et de pré- senter un message. La décision a été prise par 9 voix contre 6. La minorité présente une proposition en ce sens. Antrag der Kommission Mehrheit Der Initiative keine Folge geben und die Motion der Kommissi- onsminderheit ablehnen. Minderheit (Nabholz, Ammann, Fäh, Pitteloud, Stappung, Stocker) Der Initiative Folge geben und die Motion der Kommissions- minderheit überweisen. Proposition de la commission Majorité Ne pas donner suite à l'initiative et rejeter la motion de la mino- rité de la commission. Minorité (Nabholz, Ammann, Fäh, Pitteloud, Stappung, Stocker) Donner suite à l'initiative et transmettre la motion de la minorité de la commission. Ad 88.226 Motion der Kommission (Minderheit) Verwaltungsreferendum für Grossbauvorhaben Motion de la commission (minorité) Referendum administratif en matière de travaux de grande envergure Wortlaut der Motion vom 21. November 1988 Der Bundesrat wird beauftragt, eine Vorlage auszuarbeiten und den eidgenössischen Räten Bericht und Antrag zu unter- breiten, damit Verwaltungsakte, die Bauvorhaben von grosser Tragweite betreffen, dem fakultativen Referendum zugänglich gemacht werden können. Texfe de la motion du 21 novembre 1988 Le Conseil fédéral est invité à soumettre aux Chambres fédéra- les un rapport et un projet tendant à ce que des actes adminis- tratifs qui concernent des travaux de grande envergure soient sujets au référendum facultatif. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 4. Dezember 1989 Rapport écrit du Conseil fédéral du 4 décembre 1989 In Wissenschaft, Politik und öffentlicher Meinung mehren sich seit den 70er Jahren Stimmen, die von einer Funktionsein- busse der Volksrechte sprechen und verstärkte demokrati- sche Mitsprache fordern. Auf erweiterte demokratische Mitsprache waren mehrere Volksinitiativen gerichtet: «Demokratie im Nationalstrassen- bau» (1974/1978) «Wahrung der Volksrechte und der Sicher- heit beim Bau und Betrieb von Atomanlagen» (1976/1979), «für die Mitsprache des Volkes bei Militärausgaben (Rüstungsrefe- rendum)» (1983/1987) sowie die sogenannten Kleeblatt-Initia- tiven «gegen den Bau von vier Autobahnteilstücken» (1987). Die parlamentarischen Vorstösse der letzten Jahre, welche die Einführung der Gesetzesinitiative, die Einheitsinitiative, das Fi- nanzreferendum, ein Kernanlagenreferendum forderten, ziel- ten in die gleiche Richtung. Konzeption und Praxis der demokratischen Mitwirkungs- rechte unterliegen offensichtlich einem Wandel. Der Gesetz- geber selbst hat die Referendumsrechte, die nach der BV wichtigeren innerstaatlichen und zwischenstaatlichen Ent- scheiden - vorab der Rechtsetzung - vorbehalten sind (Art. 89, 89bis und 121 bis 123 BV), punktuell auf Finanzbe- schlüsse (so nach Art. 14 des Hochschulförderungsgesetzes auf die Gesamtsumme der Beiträge einer Beitragsperiode), auf Verwaltungsakte (so nach Art. 2 des SBB-Gesetzes auf die Verstaatlichung weiterer Bahnen und der Bau neuer Linien) und auf Planungskonzepte (Bundesbeschluss betreffend das Konzept «Bahn 2000») ausgedehnt. Gesetzesinitiative und die Verwaltungsinitiative wurden de facto anerkannt, als die Bundesbehörden Volksinitiativen wie jene «zur Ueberwachung der Preise und Kreditzinse», «für die Rettung des Simmentals vor Nationalstrassen» oder «zum Schutz der Moore - Rothenthurm» für gültig erklärten, weil die Praxis keine materiellen Schranken der Verfassungsrevision kennt und infolgedessen auch solche Bereiche zum Gegen- stand einer Verfassungsinitiative gemacht werden können. Dass die Bundesversammlung anderseits die Volksinitiativen in Richtung auf eine erweiterte demokratische Mitsprache etwa beim Bau von Nationalstrassen und Atomanlagen ab- lehnt, zeigt, dass noch keine allseits befriedigenden Lösungen gefunden werden konnten. Denn einerseits konnte die An- sicht, es werde zunehmend unter Ausschluss der Stimmbe- rechtigten über Fagen entschieden, welche für die Zukunft des Landes und seine Bewohner von erstrangiger Bedeutung sind, nicht ignoriert werden, andererseits haben gewichtige sachliche Argumente zur Ablehnung der genannten Initiativen durch die Bundesversammlung geführt. Das zur Diskussion stehende Referendum für Grossbauvorha- ben unterstellt seinem Geltungsbereich Verwaltungsakte, die aufgrund ihrer möglichen Auswirkungen in der Oeffentlichkeit besonders umstritten sind. Lässt man die umstrittene Frage, ob ein solches Referendum zu seiner Einführung einer Revision oder einer blossen Neuin- terpretation der Bundesverfassung bedürfte, vorerst einmal beiseite, so müssten stichwortartig und ohne Anspruch auf Vollständigkeit noch immer folgende Probleme gelöst wer- den: - Die Unbestimmtheit des Abgrenzungskriteriums «Grossbau- vorhaben.» Die Kommission hat sich zwar um Ausleuchtung dieses Begriffes bemüht, ohne aber seinen Inhalt zuverlässig ermitteln zu können. Der Begriff müsste wohl von der Bundes- versammlung im Einzelfall konkretisiert werden. Es läge dann ein Behördenreferendum vor - allerdings mit fakultativer Nutzungsmöglichkeit (so der Bundesbeschluss vom 19. De- zember 1986 betreffend das Konzept «Bahn 2000»;5. Oktober 1990 N 1885 Parlamentarische Initiative. Grossbauvorhaben BB11987 l 46ff.). Diese Art von Referendum hat plebiszitären Charakter und ist deswegen nicht unproblematisch. - Die Gefahr einer Verschärfung der bei solchen Vorhaben re- gelmässig auftretenden Spannungen zwischen nationalen und regionalen (bzw. lokalen) Interessen. Man könnte ver- sucht sein, dieser Gefahr durch Ausgestaltung des Grossbau- vorhaben-Referendums als demokratisches «Sonderrecht der Betroffenen», d. h. als Instrument eines durch das Vorhaben als besonders betroffen erscheinenden Bevölkerungskreises, zu begegnen. Sonderrechte von Betroffenen stellen aber eine nicht minder problematische Rechtsfigur dar (René A. Rhi- now, Grundprobleme der schweizerischen Demokratie, S. 175ff.). - Eine langfristige und geplante Entwicklung des politischen Systems sowie die Kontinuität, Verlässlichkeit und Berechen- barkeit staatlichen Handelns und staatlicher Aufgabenerfül- lung würden erschwert. Nationale Aufgaben könnten unter Umständen nicht mehr erfüllt werden. - Die Gefahr von Ungereimtheiten zwischen erweiterten Refe- rendumsrechten und evt. ebenfalls erweiterten Initiativrechten des Volkes (Einheitsinitiative) und von Diskordanzen zwischen aufgewerteten direktdemokratischen und herkömmlichen In- stitutionen und Werten. Ihnen wäre am ehesten zu begegnen, indem die verschiedenen auf eine Reform der Volksrechte ge- richteten Postulate im grossen Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung überprüft werden. Neue Volksrechte sind als Varianten im Verfassungsentwurf zu Händen der Bundes- versammlung durchaus denkbar. Aus allen diesen Gründen schliesst sich der Bundesrat den Anträgen der Kommission an, die dahin gehen, der Initiative keine Folge zu geben und die vorliegende Motion der Kom- missionsminderheit abzulehnen. Einer Ueberweisung der Mo- tion als Postulat würde er sich dagegen nicht widersetzen, denn er kann sich der Erkenntnis nicht verschHessen, dass heute vermehrt zentrale Entscheide nicht mehr bei der Gesetz- gebung, sondern erst in der nachfolgenden Phase ihrer Ver- wirklichung oder sogar ohne vorgängige Gesetzgebung ge- troffen werden und deshalb die Volksrechte in ihrer Gesamt- heit im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung einer Ueberprüfung bezüglich der ihnen zugänglichen Staatsakte bedürfen. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwan- deln. Meier-Glattfelden: Unsere direkte Demokratie wurde im letz- ten Jahrhundert ausgebaut. Verwirklicht wurde sie vor allem in den Kantonen und Gemeinden. So können in fast allen Kanto- nen Bürgerinnen und Bürger mit dem Finanzreferendum di- rekt auf Verwaltungsakte Einfluss nehmen. Dies schafft eine besonders enge und positive Beziehung zum Staat. Der Aus- bau der direkten Volksrechte im Bund hielt nicht Schritt mit demjenigen in den Gemeinden und Kantonen. Dies ist ver- ständlich. Die damalige Welt war für die meisten Menschen der Kanton und in besonderem Masse die Gemeinde. Die Welt ist aber kleiner geworden. Der Aufschwung der Grosstechnologie führt zu vielen Grossbauvorhaben. Ich nenne hier vor allem den Ausbau der Verkehrswege und den Bau von Kraftwerken. Wohl können wir mit dem Verfassungs- und Gesetzesreferendum Einfluss auf allgemeine und ab- strakte Angelegenheiten nehmen. Nachher aber nimmt die Bauerei ihren Lauf: Vollendung des Nationalstrassennetzes, «Bahn 2000», Neat, Ausbau der Flughäfen, Waffenplätze - mir graut davor. Im nächsten Jahrzehnt wird die Schweiz zu einer einzigen Grossbaustelle werden. Zu all dem haben Bürgerin- nen und Bürger nichts mehr zu sagen. Viele haben vor dieser Entwicklung Angst. Die einen werden wütend - Bürgerinitiati- ven und die Gefahr von Ausschreitungen sind die Folge. Die anderen resignieren. Das Heimatgefühl schwindet. Wir wer- den EG-reif. Es spielt doch keine Rolle, ob «die in Brüssel» oder «die in Bern»; sie machen ja sowieso, was sie wollen! Mit der Einführung des Verwaltungsreferendums für Gross- bauvorhaben würde auch auf Bundesebene die direkte Demo- kratie verstärkt. Die Akzeptanz für ein Grossbauvorhaben würde bei Annahme durch das Volk erhöht, die Beschwerde- flut eingedämmt. Die Mehrheit der Kommission will der parla- mentarischen Initiative keine Folge geben. Die Gründe sind fa- denscheinig. An jeder 1 .-August-Feier im Jahr der 700-Jahr- Feier wird dann wieder das Hohelied der Verantwortung des Volkes, des Souveräns, gesungen. Die Kommission aber sagt, das neue Instrument, das Verwaltungsreferendum, schiebe die Verantwortung auf das Volk ab und es bestünde die Ge- fahr, dass wichtige Aufgaben des Staates blockiert würden. Dann vertröstet die Kommission auf die Totalrevision der Bun- desverfassung. Dort werde das Problem dann schon aufge- griffen. Dann wird auf die Möglichkeit der Verfassungsinitiative hingewiesen, mit der Grossbauvorhaben des Bundes auch bekämpft werden könnten. All dies sind Ausflüchte. Die Kommissionsmehrheit will keinen Ausbau der Volksrechte. Sie will nicht, dass die in den vergan- genen Jahrzehnten ständig gewachsene Macht der Exekutive und der Verwaltung reduziert wird. Sie will nicht, dass die Rechte und der Einfluss der Legislative vergrössert und die Rechte des Volkes, des sogenannten Souveräns, aufgewertet werden. Wie wir uns selber in unseren Rechten beschneiden, zeigt das neue Geschäftsreglement des Nationalrates. Meine parlamen- tarische Initiative wurde mit 11 zu 4 Stimmen abgelehnt, sie kommt deshalb in die Kategorie 5. Die das gleiche Ziel anstre- bende Motion der Kommissionsminderheit wird mit 9 zu 6 ab- gelehnt, vereinigt also eine respektable Minderheit auf sich. Aber Frau Kollegin Nabholz darf ihre Motion gemäss Ratsre- glement nicht einmal vor uns vertreten. Sie musste dies schrift- lich tun. Das Blatt mit ihrer ausgezeichneten Argumentation wird wohl bei den meisten schon in der Versenkung ver- schwunden sein. Ich bitte Sie trotzdem, meiner parlamentarischen Initiative Folge zu geben und die Motion der Kommissionsminderheit zu überweisen. Heute ist es unbedingt notwendig, dass die Frage von neuen Eingriffen in die von Menschen bedrängte natürliche Umwelt in aller Oeffentlichkeit eingehend abgewo- gen wird und dass schliesslich das Volk entscheidet. Widmer, Berichterstatter: Das Thema, das von Herrn Meier- Glattfelden aufgegriffen wurde, ist ohne Zweifel ein Thema, über das man in guten Treuen diskutieren kann. Die Kommis- sion hat sich deshalb mit dem Thema ausführlich beschäftigt. Sie hat zwei Experten zu Hearings aufgeboten und ist auf- grund dieser sorgfältigen Prüfung mit einer deutlichen Mehr- heit zum Schluss gekommen, man sollte dieser parlamentari- schen Initiative keine Folge geben. Aus welchen Gründen? 1. Es ist sehr schwierig zu umschreiben, was Grossbauvorla- gen sind, die tatsächlich von Bedeutung für die Bevölkerung sind. Der Initiant ist davon ausgegangen, die Grössenordnung von 100 Millionen Franken könnte ein solcher Masstab sein. Wir wissen jedoch alle, dass die Bedeutung eines Bauvorha- bens nicht allein durch die Kosten bestimmt wird. Es ist also recht schwierig, diese Kriterien zu formulieren. 2. Es sind in letzter Zeit ähnliche Vorstösse schon unterbreitet und abgelehnt worden, so dass wir keine Veranlassung ha- ben, etwas, was schon mehrfach abgelehnt worden ist, wieder aufzugreifen. 3. Es ist ziemlich unklar geblieben, welche formellen Aende- rungen auf Verfassungs- und Gesetzesstufe vorgenommen werden müssten, um dem Begehren des Initianten Rechnung zu tragen. Zum Schluss eine persönliche Bemerkung: Die Idee von Herrn Meier-Glattfelden ist interessant. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass man sie nicht als einen Einzelvorstoss in die Verfassung beziehungsweise in die Gesetzgebung einbauen soll, denn das ist zu kompliziert. Hingegen wäre es durchaus vernünftig, solche Aenderungen zu erwägen, wenn wir bei- spielsweise eine Totalrevision der Bundesverfassung oder An- passungen an europäische Bestimmungen im Rahmen einer Annäherung an Europa vornehmen würden. Zusammengefasst: In dieser Form beantragt Ihnen die vorbe- ratende Kommission, der Initiative keine Folge zu geben.Initiative parlementaire. Délais de traitement 1886 N 5 octobre 1990 Abstimmung - Vote Für den Antrag der Mehrheit Für den Antrag der Minderheit 85 Stimmen 30 Stimmen Le président: La motion de la minorité de la commission de- vient ainsi caduque. #ST# 88.235 Parlamentarische Initiative (Dünki) Bundesgesetz über die politischen Rechte. Ergänzung Initiative parlementaire (Dünki) Loi sur les droits politiques. Révision Kategorie V, Art. 68 GRN - Catégorie V, art. 68 RCN Wortlaut der Initiative 8. Oktober 1988 Gestützt auf Artikel 93 der Bundesverfassung und Artikel 21 bis des Geschäftsverkehrsgesetzes reiche ich folgende In- itiative in der Form der allgemeinen Anregung ein: Ergänzung des Bundesgesetzes über die politischen Rechte Die Bundesversammlung wird ersucht, eine Aenderung in dem Sinne vorzunehmen, wonach Volksinitiativen, für deren Behandlung die Fristen von Artikel 26 bis 28 des Geschäftsver- kehrsgesetzes abgelaufen sind, oder für die eine Schlussab- stimmung der Bundesversammlung zuhanden der Volksab- stimmung vorliegt, binnen sechs Monaten nach Ablauf der Frist bzw. nach erfolgter Verabschiedung durch die Bundes- versammlung zu unterbreiten sind. Sofern in den eidgenössischen Räten ein indirekter Gegenent- wurf beraten wird, soll die Bundesversammlung die Kompe- tenz erhalten, diese Frist um maximal sechs Monate zu er- strecken. Texte de l'initiative du 8 octobre 1988 Me fondant sur l'article 93 de la Constitution fédérale et sur l'article 21 bis de la loi sur les rapports entre les conseils, je dé- pose l'initiative suivante, conçue en termes généraux: Révision de la loi fédérale sur les droits politiques L'Assemblée fédérale est chargée de procéder à une révision de ladite loi de sorte que les initiatives populaires pour le traite- ment desquelles les délais aux articles 26 à 28 de la loi sur les rapports entre les conseil sont écoulés, ou pour lesquelles un vote final de l'Assemblée fédérale en vue de la votation popu- laire a eu lieu, soient soumises à la votation populaire dans les six mois qui suivent l'expiration des délais ou la décision de l'Assemblée fédérale. Si un contre-projet est en cours d'examen devant les Cham- bres fédérales, l'Assemblée fédérale doit avoir la compétence de prolonger ce délai de six mois au maximum. Herr Schmid unterbreitet im Namen der Kommission den fol- genden schriftlichen Bericht: Wir unterbreiten Ihnen hiermit gemäss Artikel 21ter des Ge- schäftsverkehrsgesetzes den Bericht der vorprüfenden Kom- mission über die von Nationalrat Dünki am 3. Oktober 1988 eingereichte parlamentarische Initiative, welche in der Form einer allgemeinen Anregung die Einführung einer Frist von im Regelfall sechs Monaten von der Abstimmungsreife einer Volksinitiative bis zur Volksabstimmung verlangt. Die Kommission hat am 6. April 1989 den Initianten angehört und zu ihren Beratungen einen Vertreter der Bundeskanzlei beigezogen. Die Kommission hat mit 12 zu 2 Stimmen beschlossen, dem Nationalrat zu beantragen, der parlamentarischen Initiative keine Folge zu geben. Die Kommission beantragt mit 11 zu 2 Stimmen, ihre Motion zu überweisen, die das Anliegen des In- itianten wie auch der von Nationalrat Fischer-Seengen einge- reichten Motion in modifizierter Form aufnimmt. Schriftliche Begründung des Initianten (Zusammenfassung) Das Verfahren für die Behandlung von Volksinitiativen ist im Gechäftsverkehrsgesetz (GVG) geregelt. Artikel 30 GVG sagt aus, dass für die Ansetzung der Volksabstimmung über eine Volksinitiative das Bundesgesetz über die politischen Rechte vom 17. Dezember 1976 Gültigkeit hat. Dieses enthält aller- dings keinerlei Bestimmungen, binnen welcher Frist der Bun- desrat eine Volksinitiative der Volksabstimmung zu unterbrei- ten hat. Diese Situation ist unbefriedigend; sie ermöglicht, dass die Frist vom Erlangen der Abstimmungsreife bis zur Volksabstimmung aus irgendwelchen abstimmungspoliti- schen Gründen sehr variabel gehalten wird. Eine Zusammenstellung der in den Jahren 1983 bis 1987 be- handelten 20 Volksinitiativen zeigt, dass die Fristen zwischen der Schlussabstimmung der eidgenössischen Räte und der Volksabstimmung zwischen 4 und 20 Monaten variieren. Das muss ich als willkürlich bezeichnen. Der FDP-Pressedienst schreibt zur Begründung der Motion von Nationalrat Fischer-Seengen (die eine Frist von 12 Mona- ten zwischen Schlussabstimmung der eidgenössischen Räte und der Volksabstimmung verlangt) nach meiner Meinung zu Recht: «Die Urheber und die Unterzeichner einer Volksinitia- tive haben nicht nur Anspruch auf eine speditive Behandlung ihres Begehrens durch Bundesrat und eidgenössische Räte im Sinne des Geschäftsverkehrsgesetzes, sondern auch auf einen raschen Entscheid von Volk und Ständen. Ein solcher entspricht nicht nur dem Sinn und Geist dieses Volksrechtes, sondern auch dem Bedürfnis nach Rechtssicherheit, d. h. nach möglichst rascher Klärung einer offenen Frage. Der Bun- desrat muss deshalb dazu angehalten werden, die Volksab- stimmung über Volksinitiativen so rasch als möglich anzuset- zen. Immer wieder werden Verzögerungen von Volksinitiativen vor- genommen. Ich meine, dies geschieht, um Reformen zu brem- sen. Die Stadt-Land-Initiative zum Beispiel war am 20. März 1987 abstimmungsreif. Bis zur Abstimmung am 4. Dezember 1988 inszenierte der Bundesrat bzw. das zuständige Departe- ment eine Alibiübung, um der Initiative das Wasser abzugra- ben. Solche Missbräuche möchte ich mit einer Gesetzesände- rung ausschliessen. Eine wissenschaftliche Untersuchung über die Abstimmungs- terminfestsetzung bei eidgenössischen Sachabstimmungen kommt zu folgender Schlussfolgerung: «Es darf sicher davon ausgegangen werden, dass der Bundesrat im Rahmen seiner Kompetenzen bei der Terminfestsetzung abstimmungstakti- sche Ueberlegungen miteinbezieht und versucht, den von der Mehrheit des Parlamentes und von ihm unterstützten Vorla- gen zum Durchbruch zu verhelfen, indem er ihnen mit einer günstigen Termingestaltung zumindest den Weg dorthin eb- net.» (Jürg Marti, Arbeit eingereicht bei Prof. Beat Junker, Uni- versität Bern 1985). Die Lektüre dieser Untersuchung ergibt im übrigen, dass die Dauer vom Erreichen der Abstimmungsreife bis zur Abstim- mung im Untersuchungszeitraum (1975-1984) im Durch- schnitt sechseinhalb Monate betrug. Etwas mehr als die Hälfte, nämlich 42 von 77 Vorlagen, wurden entsprechend ih- rer Reihenfolge beim Erreichen der Abstimmungsreife in den Abstimmungskalender eingesetzt. Die übrigen 35 Vorlagen wurden abweichend vom «Normalfahrplan», d. h. zeitlich vor- gezogen oder zum Teil erheblich verzögert, den Stimmbür- gern zur Entscheidung vorgelegt. Bei den zurückgestellten In- itiativen handelte es sich meistens um politisch brisante und heftig umstrittene Fragen (Raumplanungsgesetz, Reichtums- steuer, Mitbestimmung usw.). Dieses Vorgehen ist Willkür. Diejenigen, die an der Macht sind, haben mit der Festsetzungskompetenz von Abstimmungen ein gewisses Steuerungsinstrument in der Hand. In einer De-Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Parlamentarische Initiative (Meier-Glattfelden) Verwaltungsreferendum für Grossbauvorhaben Initiative parlementaire (Meier-Glattfelden) Travaux de grande envergure. Institution de référendum In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1990 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 17 Séance Seduta Geschäftsnummer 88.226 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 05.10.1990 - 08:00 Date Data Seite 1881-1886 Page Pagina Ref. No 20 019 030 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.