B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6610/2017 U r t e i l v o m 1 2 . J a n u a r 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richter David R. Wenger; Gerichtsschreiber Raphael Merz. Parteien A._______, geboren am (…), Guinea, vertreten durch Alan Sangines, Amt für Jugend und Berufs- beratung, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des SEM vom 25. Oktober 2017 / N (…). D-6610/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 26. August 2016 im Empfangs- und Ver- fahrenszentrum des SEM in B._______ um Asyl nach. Anlässlich der Be- fragung zur Person (BzP) vom 6. September 2016 sowie der Anhörung vom 9. August 2017 machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen gel- tend, er sei im Alter von vier Jahren zu seinem Onkel und dessen Frau gezogen. Diese hätten den Beschwerdeführer grossgezogen und ihn wie einen eigenen Sohn behandelt. Die leiblichen Eltern und die zwei Ge- schwister würden in C._______ leben, er sei jedoch von ihnen in D._______ besucht worden. Zu seinem Onkel sei er vor allem wegen der besseren schulischen Möglichkeiten gezogen. Sein Onkel habe eine Klinik geführt, in welcher er auch habe arbeiten können. Im April 2015 sei der Onkel des Beschwerdeführers gestorben. Die Todesursache sei nicht be- kannt, da die Untersuchung des Leichnams nicht habe abgeschlossen wer- den können. Da der Onkel ihn oft in die Klinik mitgenommen habe, sei der Beschwerdeführer in der Folge drei Mal von Unbekannten telefonisch be- droht worden und zwar am 6. Juni 2015, 17. November 2015 und am 21. März 2016. Er habe sich jedes Mal an die Polizei gewandt, aber habe wei- terhin bis zu seiner Ausreise am 15. Mai 2016 aus Guinea in der Klinik des Onkels gearbeitet. Die Drohungen hätten ihm Angst gemacht, weswegen er sich schliesslich zur Ausreise aus Guinea entschieden habe. B. Am 2. März 2017 hatte bereits eine Anhörung auf Französisch stattgefun- den. Wegen dabei aufgetretener sprachlicher Schwierigkeiten nahm die Vorinstanz am 9. August 2017 eine erneute Anhörung vor, in welcher der Beschwerdeführer in seiner Muttersprache Susu sprechen konnte. Das An- hörungsprotokoll vom 2. März 2017 wurde bei der Beurteilung der Asylvor- bringen nicht herangezogen. C. Am 5. September 2017 ergab eine von der Vorinstanz eingeleitete Anfrage, dass die Nichtregierungsorganisation Sabou Guinée bereit sei, den Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Guinea zu betreuen. D. Mit am 26. Oktober 2017 eröffneter Verfügung vom 25. Oktober 2017 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. D-6610/2017 Seite 3 E. Gemäss Vollmacht vom 9. November 2017 wurde dem minderjährigen Be- schwerdeführer vom Amt für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zü- rich der Mitarbeitende der Zentralstelle MNA Alan Sangines zur Seite ge- stellt. F. Mit Eingabe vom 22. November 2017 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der Verfügung des SEM vom 25. Oktober 2017. Es sei die Unzumutbarkeit, Unzulässigkeit und Unmöglichkeit der Wegweisung [recte: des Wegwei- sungsvollzugs] festzustellen und die vorläufige Aufnahme sei anzuordnen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück zu weisen. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. D-6610/2017 Seite 4 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Bes chwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften- wechsel verzichtet. 4. Mit der vorliegenden Beschwerde vom 22. November 2017 wird die Fest- stellung der Undurchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs und eventuali- ter eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Abklärung der Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beantragt. Gemäss den gestellten Anträgen und der Begründung beschränkt sich der Prozessgegenstand mithin auf den Wegweisungsvollzugspunkt. Damit ist die vorinstanzliche Verfügung im Flüchtlings- (Ziff. 1 des Verfügungsdispositivs) und im Asyl- punkt ( Ziff. 2 des Verfügungsdisposi tivs) in Rechtskraft erwachsen und auch die Frage der Wegweisung an sich ( Dispositivziffer 3) ist nicht mehr zu beurteilen. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet demnach lediglich die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht den Wegweisungsv ollzug angeordnet hat. 5. 5.1. Die Vorinstanz begründete den Wegweisungsvollzug damit, dass we- der die in seinem Heimatstaat herrschende politische Situation noch an- dere Gründe gegen die Zumutbarkeit der Rückführung in den Heimatstaat sprächen. Auch wenn künftig vereinzelte gewaltsame Zusammenstösse nicht ausgeschlossen werden könnten, herrsche in Guinea keine Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. Da der Beschwerdeführer minderjährig sei, sei die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges im Lichte des Grundsatzes des Kindeswohls zu beurteilen. Zu berücksichtigen seien vor dem Hintergrund der sozialen und wirtschaftlichen Realität in seinem Heimatland insbesondere Alter, D-6610/2017 Seite 5 Reife, Grad der Abhängigkeit, Art der Beziehungen zu den Betreuungsper- sonen, Ressourcen dieser Personen, Schulbildung beziehungsweise vor- berufliche Ausbildung, Grad der Integration im Verhältnis zur Aufenthalts- dauer in der Schweiz sowie Chancen und Risiken einer Reintegration im Heimatland. Der Beschwerdeführer mache geltend, bei seinem Onkel auf- gewachsen zu sein, welcher aber gestorben sei. Er verfüge jedoch in Gui- nea nach wie vor über seine Eltern und darüber hinaus auch sonst über ein grosses Familiennetz. Der Kontakt zu den Eltern sei gemäss seinen Angaben nicht abgebrochen und er sei somit bei der Rückkehr nicht auf sich allein gestellt. Das SEM sei bei Minderjährigen verpflichtet, konkret abzuklären, ob das betreffende Kind in sein familiäres U mfeld zurückge- führt werden oder ob es anderweitig untergebracht werden könne. Im Fall des Beschwerdeführers habe die guineische Nichtregierungsorganisation Sabou Guinée sich auf Anfrage des SEM bereit erklärt, ihn nach seiner Rückkehr nach Guinea zu betreuen. Sabou Guinée sei eine guineische Nichtregierungsorganisation zur Förderung und zum Schutz der Rechte des Kindes mit langjähriger erwiesener Erfahrung i n diesem Bereich. Sabou Guinée sei Mitglied des Netzwerkes Westafrika zum Schutz der Kin- der und Ansprechpartner dieses Netzwerkes i n Guinea. Sabou Guinée habe in seinem Fall versichert, über die Bereitschaft und Kapazität zu ver- fügen, um ihn bei seiner Rückkehr nach Guinea aufzunehmen, zu betreuen und ihn bei der Wiedervereinigung mit seiner Familie zu unterstützen. An- gesichts der klar geregelten Sachlage sehe das SEM keinen Anlass, wei- tere Informationen über Sabou Guinée zu beschaffen und weitere Schrif- tenwechsel zu führen. In Bezug auf den ärztlichen Bericht vom 5. Oktober 2017, worin dem Beschwerdeführer ein depressives Zustandsbild attestiert worden sei, folgert das SEM, dass die aufgetretenen Belastungsmomente mit dem Abschluss des Asylverfahrens bessern würden. Es sei nochmals darauf verwiesen, dass er angegeben habe, in Guinea eine Familie zu ha- ben und er folglich in den ursprünglichen Familienverband zurückkehren könne, was weiter Gewähr für eine Besserung der aufgetretenen psychi- schen Probleme biete. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich in Wür- digung aller Umstände und unter Berücksichtigung des Kindeswohl s als zumutbar. 5.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, im Wegweisungspunkt lasse der Entscheid der Vorinstanz eine detaillierte Auseinandersetzung mit der per- sönlichen und individuellen Situation vermissen. Es würden noch zahlrei- che Unklarheiten und offene Fragen bestehen, welche vor einer Bejahung der Zumutbarkeit der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Guinea geklärt werden müssten. Das Übernahmeabkommen zwischen dem SEM D-6610/2017 Seite 6 und Sabou Guinée vom August 2017 sei dem Beschwerdeführer nicht zur Einsicht zugestellt worden. Solches wäre angesichts der Abklärungspflicht der Vorinstanz in Bezug auf die Zumutbarkeit der Wegweisung von unbe- gleitet Minderjährigen notwendig gewesen. Die Vorinstanz habe es unter- lassen, auf die Vorbehalte der Zentralstelle MNA in Bezug auf mangelnde Information des SSI zur entsprechenden Vereinbarung zur Rückführung von unbegleiteten Minderjährigen einzugehen. Beim Konsultationsformular handle es sich um ein Standartformular, welches ei nige Leistungen auf- liste, die Sabou Guinée in Bezug auf die Aufnahme des Jugendlichen an- biete. Die genauen Bedingungen zu diesen Leistungen würden im Einzel- fall nach wie vor unklar bleiben. So bestünden viele Unklarheiten, welche im Einzelfall konkret abgeklärt werden sollten, und ein allgemein gehalte- nes Formular reiche nicht aus, um die spezifische, konkrete Einzelfallab- klärungspflicht zu erfüllen. Für den Beschwerdeführer seien noch viele Fra- gen offen; beispielsweise die Frage, was der Vorbehalt „spätestens bis zur Volljährigkeit“ in Bezug auf die Leistungen von Sabou Guinée zu bedeuten habe und was mit dem Beschwerdeführer danach geschehe, verunsichere diesen enorm. Die Vorinstanz habe ihre Abklärungspflicht verletzt, indem sie diese wichtigen Elemente der Prüfung der Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs ausser Acht lasse. Unter Berücksichtigung seiner Minder- jährigkeit sei im Sinne des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (nachfolgend: KRK, SR 0.107) „im Zweifel für das Kind“ zu entscheiden. Als Beweismittel legte der Beschwerdeführer einen Zeitungsartikel des In- dependent vom 24. September 2014 bei, wonach während der Ebola-Epi- demie in Guinea Medizinerinnen und Mediziner attackiert worden seien so- wie eine Stellungnahme der Zentralstelle MNA vom 5. Oktober 2017 samt Beilage wie auch eine Unterstützungsbestätigung des MNA -Zentrums E._______ vom 13. September 2017. Im Übrigen stellt der Beschwerdeführer längere Ausführungen zur Glaub- haftigkeit seiner Vorbringen an, aber an einer Schlussfolgerung fehlt es gänzlich. Bei dieser Sachlage kann die Glaubhaftigkeit der Vorbringen of- fen gelassen werden. 6. 6.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). D-6610/2017 Seite 7 6.2. Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernis- sen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be- weisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 6.3. Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine r Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Vorliegend steht rechtskräftig fest, dass dem Beschwerde- führer die Flüchtlingseigenschaft nicht zukommt. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den übrigen verfassungs- und völkerrechtlichen Best- immungen (insbesondere Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschli- che oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung nach Guinea dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Guinea lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 6.4. Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus- länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Der Beschwerdeführer unter- liegt als unbegleiteter Minderjähriger den Normen des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kinde s (KRK; SR 0.107). Das Kindeswohl gemäss Art. 3 KRK und die aus der KRK fliessenden Rechte sind im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung von Art. 83 Abs. 4 AuG als gewichtiger Aspekt zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2014/20 E. 8.3.6; 2009/51 E. 5.6, je m.w.H.). 6.4.1. In Guinea herrscht zur Zeit weder Krieg noch Bürgerkrieg noch liegt eine Situation allgemeiner Gewalt vor, aufgrund derer die Bevölkerung als D-6610/2017 Seite 8 konkret gefährdet bezeichnet werden müsste. Der Vollzug der Wegwei- sung ist unter diesen Umständen grundsätzlich als zumutbar zu erachten. 6.4.2. Bei der Beurteilung der Zumutbarkeit ist zudem der Situation unbe- gleiteter minderjähriger Asylgesuchsteller besondere Beachtung zu schen- ken. Die Vorinstanz ist verpflichtet, die spezifisch mit der Minderjährigkeit verbundenen Aspekte vertieft abzuklären und den individuellen Verhältnis- sen der betroffenen Person gebührend Rechnung zu tragen. Ausserdem hat die Vorinstanz gemäss Art. 69 Abs. 4 AuG vor einer Ausschaffung einer unbegleiteten minderjährigen Person sicherzustellen, dass diese im Rück- kehrstaat einem Familienmitglied, einem Vormund oder einer Aufnahme- einrichtung übergeben werden kann, welche den Schutz des Kindes ge- währleistet (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2 f. m.w.H.). Der Beschwerdeführer gab an, seine Eltern und seine Geschwister le ben heute noch in Guinea. Aufgrund des Umstands, dass der Beschwerdefüh- rer keine Identitätspapiere eingereicht hat, stehen seine Identität und seine genaue Herkunft nicht zweifelsfrei fest. Das einzige eingereichte Dokument ist ein Geburtsregisterauszug der Stadt C._______. Dem Gericht ist es demnach nicht möglich, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönli- chen und familiären Verhältnisse des Beschwerdeführers zur Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung – auch in Bezug auf die im Rahmen des Kindeswohls spezifisch zu berücksichtigenden Aspekte – zu äussern, was aber für die Überprüfung von Vollzugshindernissen grundsätzlich Voraus- setzung ist. Wegweisungshindernisse sind zwar grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Diese Untersuchungs- pflicht findet jedoch nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwir- kungspflicht der beschwerdeführenden Person (Art. 8 AsylG), die im Übri- gen auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Es kann nicht Sa- che der Asylbehörden sei n, nach allfälligen Wegweisungsvollzugshinder- nissen zu forschen, wenn die asylsuchende Person durch Nichtabgabe rechtsgenüglicher Identitätspapiere eine vernünftige Prüfung der Zumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs verhindert. Auch der unbegleitete Min- derjährige hat – unter einzelfallgerechter Berücksichtigung des jeweiligen Alters – die Pflicht, an der Feststellung des erheblichen Sachverhalts mit- zuwirken. Bei pflichtwidriger Unterlassung hat er die Folgen der Beweislo- sigkeit in Bezug auf die unter dem Aspekt des Kindeswohls gegebenenfalls zu berücksichtigenden Tatsachen zu tragen. Angesichts der vorstehenden Ausführungen und der Tatsache, dass der mittlerweile siebzehnjährige Be- schwerdeführer urteilsfähig ist und sich durch eine nicht geringe Selbstän- digkeit auszeichnet, wie die Bewerkstelligung der weiten Reise in die D-6610/2017 Seite 9 Schweiz zeigt, ist in Bestätigung der Vorinstanz davon auszugehen, er habe es pflichtwidrig unterlassen, bei der Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhalts mitzuwirken. Er hat deshalb die Folgen seiner mangel- haften Mitwirkung respektive der Verheimlichung seiner wahren persönli- chen Verhältnisse zu tragen, indem vermutungsweise davon auszugehen ist, es würden auch keine individuellen Gründe auf eine konkrete Gefähr- dung im Falle einer Rückkehr nach Guinea schliessen lassen (vgl. für das Ganze Urteil des BVGer D-8108/2009 vom 5. Juli 2010 E. 6.2.2). Zudem ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Abklärungen der Vorinstanz die Nichtregierungsorganisation Sabou Guinée mit Schreiben vom 5. Sep- tember 2 017 bereit ist, den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Guinea zu betreuen und bei seiner Suche nach Verwandten zu unterstüt- zen, sollte er wider Erwarten nicht einem Familienmitglied übergeben wer- den können. Es besteht entgegen der Beschwerde kein Anlass für die An- nahme, dass Sabou Guinée nicht geeignet sein sollte, auf das Wohl des Beschwerdeführers einzugehen und die zugesicherten Leistungen zu er- bringen. Die Vorinstanz führt richtigerweise aus, dass das Hauptziel von Sabou Guinée die Wiedervereinigung mit seiner Familie sowie die erfolg- reiche Reintegration in die guineische Gesellschaft ist. Unter diesen Um- ständen sind die in der Beschwerde geäusserten Bedenken unbegründet. Unter Würdigung aller Umstände ist der Wegweisungsvollzug nach Guinea auch unter Berücksichtigung des Kindeswohls als zumutbar zu erachten, zumal der Beschwerdeführer gesund ist, in Guinea sozialisiert worden ist, dort neun Jahre die Schule besucht hat, dort über Angehörige verfügt und in seinem Praktikum bei seinem Onkel als Laborant „Glycémie-Tests, Vidal und BV “ machen konnte . Für eine Rückweisung der Sache an die Vo- rinstanz besteht nach dem Gesagten kein Anlass. Der entsprechende Eventualantrag ist abzuweisen. 6.5. Nach Art. 83 Abs. 2 AuG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich- nen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich bei der zuständigen Ver- tretung seines Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedo- kumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12). 6.6. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsv ollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). Der von der Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug ist demnach zu bestätigen. D-6610/2017 Seite 10 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu- weisen. 8. Die gestellten Rechtsbegehren haben sich als aussichtslos erwiesen, wes- halb das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1- 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-6610/2017 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Simon Thurnheer Raphael Merz Versand: