B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3345/2014 U r t e i l v o m 2 6 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Claudia Cotting-Schalch, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren (…), gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik), (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 16. Mai 2014 / N (…). D-3345/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin gelangte gemäss eigenen Angaben am 3. März 2014 in die Schweiz, wo sie am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. B. Sie wurde am 31. März 2014 zu ihrer Person und summarisch zum Re i- seweg sowie den Gr ünden des Asylgesuchs befragt (Befragung zur Pe r- son [BzP]). C. Am 2. April 2014 wurde sie über ihr Alltagswissen hinsichtlich ihrer angeb- lichen Herkunftsregion befragt. D. Am 6. Mai 2014 wurde sie vertieft zu den Gesuchsgründen angehört und ihr das rechtliche Gehör zu den Ergebnissen der Evaluation des Alltag s- wissens gewährt. Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen d a- mit, dass sie Tibeterin sei und Kindern die Bedeutung der tibetischen Flagge näher gebracht habe, woraufhin sie von chine sischen Beamten gesucht worden sei. E. Mit Verfügung vom 16. Mai 2014 (Eröffnung am selben Tag) lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete die We g- weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. F. Diese Verfügung focht die Beschwerdeführ erin mit Eingabe vom 16. Juni 2014 beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei sie aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe als Flüchtling vorläufig au f- zunehmen. Subeventualiter sei sie wegen Unzumutbarkeit oder Unmö g- lichkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. In prozessu a- ler Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Anweisung an die Behörden, eine Kontaktaufnahme mit oder eine Datenweitergabe an die heimatlichen B e- hörden zu unterlassen, ersucht. D-3345/2014 Seite 3 Mit Beschwerde wurden nebst Kopien gewisser vorinstanzlicher Akten fünf Ber ichte über die Lage von Tibeterinnen und Tibetern sowie eine Fürsorgebestätigung als Beweismittel eingereicht. G. Mit Zwischenverfügung vom 25. Juni 2014 hiess das Bundesverwa l- tungsgericht den Antrag um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. H. Mit Vernehmlassung vom 20. August 2014 äusserte sich das BFM zu den Vorbringen in der Beschwerde und reichte eine LINGUA -Analyse zu den Akten. I. Mit Zwischenverfügung vom 28. August 2014 wurde der Beschwerdefü h- rerin Gelegenheit zur Replik geboten und ihr das rechtliche Gehör zur LINGUA-Analyse gewährt. Mit der Replik reichte die Beschwerdeführerin einen Auszug aus einer Landkarte Tibets ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). D-3345/2014 Seite 4 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Be - schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de ren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Ü berschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifi- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch damit, dass sie ti- betischer Ethnie sei und aus de r Ortschaft B._______ in der gleichnam i- gen Gemeinde, Kreis C._______, Provinz D._______ (Volksrepublik Chi- na) stamme. Sie habe nie die Schule besucht und stattdessen im Hau s- halt und in der Landwirtschaft mitgeholfen. Sie sei zehnjährig gewesen, als ihr Vater von einer Demonstration in E._______ nicht mehr zurückge-D-3345/2014 Seite 5 kehrt sei. Einige hätten gesagt, er sei ins Gefängnis ges teckt worden, während andere von seiner Tötung berichtet hätten. Da ihre Eltern ihr stets von Tibet erzählt hätten, habe sie sich entschlossen, ebenfalls e t- was für Tibet zu tun. Sie habe daher ihren Onkel, der Händler sei, geb e- ten, ihr eine tibetische Nati onalflagge zu besorgen. G leichzeitig habe sie sich über deren Bedeutung aufklären lassen. Nachdem sie über eine Wo- che hinweg die Bedeutung der Flagge studiert habe, habe sie im Januar 2014 einigen Kindern aus dem Dorf F._______ die Bedeutung der Fahne näher gebracht. Eine Woche später habe sie das Gleiche mit Kindern im Dorf G._______ gemacht. Jemand habe sie dort verraten und während sie in G._______ gewesen sei, hätten chinesische Beamte ihr Haus durchsucht und dabei die tibetische Fahne gefunden. Ihre Mu tter habe daraufhin ihren Bruder (der Beschwerdeführerin ) nach G._______ ge- schickt, um ihr davon zu berichten und ihr zur Flucht zu raten. Sie sei nochmals kurz nach Hause zurückgekehrt und anschliessend von ihrem Onkel abgeholt und nach H._______ gebracht worden. Von dort sei sie mit ihm nach I._______ gefahren, wo er sie einem Schlepper übergeben habe. Mit diesem sei sie zu Fuss nach J._______ gegangen, wo sie den Fluss überquert habe. Nach einer vier - bis fünfstündigen Autofahrt sei sie in einer Ortschaf t beim "Chörten" in Nepal angekommen, wo ihre Tante gewartet habe. Nach fünf Wochen sei sie am (…) mit einer Zwischenlan- dung in ein ihr unbekanntes Land geflogen. Dort habe sie einmal übe r- nachtet und sei am nächsten Tag mit dem Auto in einer zweistündigen Fahrt ins Empfangs- und Verfahrenszentrum K._______ gelangt. 4.2 Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass aufgrund der ober- flächlichen Aussagen und der fehlenden Kenntnisse der chinesis chen Sprache grosse Zweifel an der angeblichen Herkunft aufgekommen seien und daher ein Alltagswissenstest durchgeführt worden sei. Diese Evaluation habe ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerdeführerin im behaupteten geografische n Raum g elebt habe, gering sei. Sie habe angegeben, dass sich ihr Heimatdorf und die gleic h- namige Gemeinde im Kreis C._______ befinde, was unzutreffend sei, da es dort gar keine Gemeinde mit entsprechendem Namen gebe. Sie habe zwar zwei Dörfer sowie zwei Klöster i n der Nähe ihres Heimatdorfes nen- nen können, während sie gleichzeitig jedoch nicht habe angeben können, in welcher Gemeinde sich ihr Dorf beziehungsweise die umliegenden Dörfer und Köster befänden. Auch die Aussagen zum Aussehen der Landschaft in der Heimatgemeinde entsprächen nicht den Tatsachen. D-3345/2014 Seite 6 Die Angaben zum Alltagsleben in der Herkunftsregion seien ungenügend, realitätsfremd und zum Teil tatsachenwidrig. So wisse sie etwa nicht, wie die Schuluniform aussehe. Es sei ohnehin nicht plausibel, dass sie di e Schule nicht besucht habe, zumal diese für ihren Jahrgang bereits obliga- torisch gewesen sei und die Behauptung, die Schulpflicht würde nur in den Städten bestehen, tatsachenwidrig sei. Es sei zudem nicht plausibel, dass sie nicht wisse, wo sich die Schul e an ihrem Wohnort befinde. Über einen traditionellen Tanz ihrer Heimatregion habe sie nur unzulänglich Auskunft zu geben vermocht. Ihre Behauptung, seit ihrer Kindheit in der Landwirtschaft tätig gewesen zu sein, lasse sich nicht mit ihren dürftigen Kenntnissen über landwirtschaftliche Erzeugnisse, das Vieh und das en t- sprechende Vokabular vereinbaren. Ebenfalls gegen eine Sozialisation in Tibet sprächen die tatsachenwidr i- gen Aussagen über das Aussehen einer chinesischen Identitätskarte s o- wie die fehlenden chinesischen Sprachkenntnisse. Anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs habe sie ihre Wissens- lücken nicht zu erklären vermocht, sondern im Wesentlichen auf ihre bi s- herigen Aussagen verwiesen. Zudem habe sie ausgeführt, die sachve r- ständige Person w ürde ihre Herkunftsregion nicht kennen und habe ihr Angaben unterstellt, die sie gar nicht gemacht habe. Diese Rechtfert i- gungsversuche würden nicht überzeugen, zumal einige Feststellungen des Experten so aussagekräftig und im Ergebnis so unmissverständlich seien, dass Irrtümer als Ursache für die Unkenntnis ausgeschlossen we r- den könnten. Bezüglich der Unwissenheit hinsichtlich der Schule habe sie beispielsweise in nicht überzeugender Weise behauptet, in ihrem Dorf nie Schüler gesehen zu haben, da sie immer zu Hause beschäftigt gewesen sei. Die Feststellung, dass sie mit aller Wahrscheinlichkeit nicht im von ihr be- haupteten geografischen Raum gelebt habe, werde durch die unsubsta n- ziierten und widersprüchlichen Aussagen zu den eigentlichen Gesuch s- gründen bestätigt. Es sei auf den ersten Blick erkennbar, dass es sich um Standardvorbringen handle, die nicht auf tatsächlichen Erlebnissen ber u- hen würden, zumal sie lediglich rein stereotypen Inhalts seien. Auch die dargelegten Beweggründe, weshalb sie plötzlich Kin dern die Bedeutung der tibetischen Flagge habe erklären wollen, seien lediglich pauschaler Natur. Widersprüchlich seien die Angaben insofern gewesen, als dass sie anlässlich der BzP erklärt habe, sechs Schüler aus F._______ zu sich nach Hause eingeladen zu haben, während in der Anhörung ausgesagt D-3345/2014 Seite 7 worden sei, die Sch üler in F._______ zusammengerufen zu haben und ihnen dort im Haus einer Bekannten die Bedeutung der Flagge näherg e- bracht zu haben. Des Weiteren sei auch die Ausreise nach Nepal widersprüchlich und reali- tätsfern vorgebracht worden. Gemäss BzP sei sie am 18. Januar 2014 von B._______ zu Fuss über L._______ und M._______ nach H._______ gelangt. Für die Strecke habe sie fünf Stunden benötigt. Von dort sei sie mit dem Auto in zwei Stunden nach I._______ gefahren. In der Anhörung behauptete sie indes, am 16. Januar 2014 von B._______ mit dem Auto in einer zweistündigen Fahrt nach H._______ gelangt zu sein. Die Aut o- fahrt von dort nach I._______ habe vier Stunden gedauert. Es widerspre- che auch der allgeme inen Erfahrung, dass es möglich gewesen sei, die Ausreise in so kurzer Zeit zu organisieren. Nicht nachvollziehbar sei auch, dass sie nicht wisse, wie der Ort in Nepal geheissen habe, an we l- chem sie sich für über einen Monat aufgehalten habe. Sie sei auch nicht in der Lage gewesen, über den weiteren Reiseweg von Nepal in die Schweiz nähere Auskünfte zu geben und habe etwa die Flugdestinati o- nen nicht gewusst. Es könne daher davon ausgegangen werden, dass sie unter Verwendung ihrer eigenen Identitäts - und Rei sepapiere in die Schweiz gelangt sei. Es sei daher anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin nie in Tibet g e- lebt habe und daher weder illegal noch legal ausgereist sei. Es lägen folg- lich auch keine subjektiven Nachfluchtgründe vor. Ferner habe sie ihre angebliche Staatsangehörigkeit nicht glaubhaft darzulegen vermocht, so dass ihre Staatsangehörigkeit als unbekannt zu gelten habe. 4.3 Den vorinstanzlichen Erwägungen wurde in der Beschwerdeschrift entgegengehalten, das BFM werfe ihr zu Unrecht ungenügende Län der- und Sprachenkenntnisse sowie das Fehlen eines Identitätsausweises vor. Sie habe angegeben, eine Identitätskarte und ein Familienbüchlein zu besitzen. Sie habe aufgrund der Flucht jedoch nicht daran gedacht, diese mitzunehmen und es sei ihr ohnehin nic ht bewusst gewesen, dass diese Dokumente im Ausland so wichtig seien, da sie diese in der Heimat nie benutzt habe. Es treffe nicht zu, dass sie behauptet habe, die Identität s- karte sei ein Büchlein mit Foto. Vielmehr habe sie die Identitätskarte als kreditkartenähnlich beschrieben. Das Foto befinde sich auf der Identität s- karte und nicht im Familienbüchlein. Ihre Aussagen zu diesen beiden D o- kumenten seien vermischt worden. Sie habe seit ihrer Flucht keinen Ko n- takt mehr zu ihrer Familie, da sie diese nicht gef ährden wolle. Sie könne D-3345/2014 Seite 8 daher keine Ersatzpapiere beschaffen. Im Exil habe sie erfahren, dass die Beschaffung von Ersatzpapieren ohnehin sehr schwierig sei. Sie würde für die Ausstellung ihre Identitätskarte und das Familienbüchlein benöt i- gen, welche sich beide bei ihr zuhause befinden würden. Sie sei nie zur Schule gegangen und spreche daher kein Chinesisch. Als ältestes Kind habe sie zuhause und in der Landwirtschaft mithelfen und auf ihren jü n- geren Bruder aufpassen müssen. Ihre Eltern hätten deswegen nie Prob- leme gehabt, so dass sie angegeben habe, noch nie etwas von einer Schulpflicht gehört zu haben. Im Exil habe sie erfahren, dass die Schu l- pflicht tibetischer Kinder nicht so ernst genommen werde und Tibetisch mittlerweile nur noch als Fremdsprache unte rrichtet werde. Sie wisse nicht, wie die Schuluniform in ihrem Dorf aussehe, da sie selbst die Schu- le nicht besucht habe. Sie könne sich auch nicht daran erinnern, je ein Schulkind gesehen zu haben, da sie sich ständig zuhause befunden h a- be. Sie habe stets gesagt, in B._______ gelebt zu haben. Die Verwa l- tungseinheiten in Tibet seien anders als in der Schweiz, was womöglich zu Missverständnissen geführt habe . Sie habe auch die Beschaffenheit der Landschaft zutreffend beschrieben und die Befragerin habe ihr a b- sichtlich falsche Behauptungen unterstellt. Auch im Telefoninterview seien ihr Aussagen unterstellt worden, die sie nie gemacht habe. Es stimme zwar, dass sie kein tiefgründiges Wissen über die Landwirtschaft besitze, was jedoch daher rühre, dass sie nie eine Führungsrolle innegehabt h a- be, sondern nur untergeordnete Arbeiten verrichtet habe. Sie sei auch nicht die ganze Zeit auf dem Feld gewesen, sondern habe auch im Hau s- halt mitgeholfen. Während der BzP habe sie aufgrund ihrer Nervosität bei den Erläuteru ngen des Reisewegs Dinge durcheinandergebracht. In Tat und Wahrheit habe sie ihr Dorf a m 16. Januar 2014 verlassen. Ihr Onkel habe sie mit dem Auto abgeholt und nach H._______ gebracht, wo sie zwei Tage geblieben sei. In Nepal habe sie fünf Wochen bei ihre r Tante verbracht. Sie habe das Haus nicht verlassen dürfen, da ihre Tante Ko n- trollen nepalesischer Polizisten gefürchtet habe. Ihre Tante sei wohlh a- bend und sie habe ihr die gefälschten Papiere beschafft. Sie habe sich in Nepal nie registrieren lassen und besitze dort keine Aufenthaltsbewill i- gung. Nach Nepal könne sie daher nicht zurück. Die Annahme des BFM, dass sie in einer tibetischen Exilgemeinschaft sozialisiert worden sei, stütze sich lediglich auf Mutmassungen. Aufgrund ihrer tibetischen Ethnie und der Herkunft aus China sowie der illegalen Ausreise müssten ihr z u- mindest subjektive Nachfluchtgründe zuerkannt werden. 4.4 In der Vernehmlassung nahm das BFM zu den Vorbringen der B e- schwerdeführerin dahingehend Stellung, dass in Anbetracht des Vo r-D-3345/2014 Seite 9 wurfs, ihr s eien im Telefoninterview falsche Aussagen unterstellt worden, eine zweite Expertise in Auftrag gegeben worden sei. Dieser LINGUA - Bericht bestätige die Evaluation des Alltagswissens vollumfänglich. Obendrein sei eine linguistische Analyse vorgenommen worden , worin festgestellt worden sei, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Sprechweise mit Sicherheit nicht im Kreis C._______, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft sozialisiert worden sei. 4.5 In der Replik führte die Beschwerdeführerin aus, dass si e nach wie vor daran festhalte, ihr Heimatdorf zutreffend geografisch verortet zu h a- ben. Sie habe auch sämtliche ihr bekannten Nachbardörfer genannt. S o- fern ihr vorgeworfen werde, die chinesischen Bezeichnungen dieser Dö r- fer nicht zu kennen, so sei dies zu treffend, da sie die chinesische Spr a- che nicht beherrsche. Ihr werde weiter vorgeworfen, es könne nicht nach- vollzogen werden, wieso sie über J._______ das Land verlassen habe, zumal die nepalesische Grenze nur wenige Kilometer von ihrem Heima t- dorf entfernt sei. Nur weil dem so sei, bedeute dies noch nicht, dass sie zwingend den kürzesten Weg als Fluchtroute zu wählen hätte. Sie habe sich vollständig auf den Schlepper verlassen, welcher sie über J._______ ausser Landes gebracht habe. Sie habe auch die Klöste r ausführlich be- schrieben und ohnehin seien ihr keine detaillierten Fragen darüber g e- stellt worden. Sie habe auch vollständ ig über die landwirtschaftliche Tä- tigkeit berichtet. Die Schule habe sie nicht besucht und kenne sie daher auch nicht. Die Preisstruktur kenne sie nicht, da sie für die Heimarbeit zu- ständig gewesen sei und der Handel in Tibet Aufgabe der Männer sei, so dass sich ihr Bruder um die Einkäufe gekümmert habe . Ihre Identitätskar- te habe sie so gut als möglich beschrieben und sie wolle sich in der Schweiz so schnell als möglich integrieren. 5. 5.1 Das BFM hat im Ergebnis das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt. 5.2 Im Länderurteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2981/2012 vom 20. Mai 2014 präzisierte das Gericht seine Praxis gemäss EMARK 2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon au s- zugehen sei, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bish erigen Aufenthaltsort bestän- den. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche ein e ti-D-3345/2014 Seite 10 betische Asylsuchende durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status sie in Nepal respektive in Indien i n- nehabe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Ve r- heimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effek- tives Heimatland verunmöglicht (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsg e- richts E-2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.9 f. [zur Publikation vorges e- hen]). 5.3 Aufgrund der Aktenlage besteht Grund zur Annahme, dass die B e- schwerdeführerin ihre wahre Herkunft zu verschleiern versucht. Dabei kann zur Hauptsache auf die Evaluation des Alltagswissens und die LIN- GUA-Analyse verwiesen werden. Diese stammen von qualifizierten Pe r- sonen und vermögen zu überzeugen. Die Schlussfolgerungen der Evalu- ation des Alltagswissens werden durch die LINGUA -Analyse bestätigt. Eine solche LINGUA-Analyse stellt zwar kein Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e VwVG; Art. 57 ff. des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP , SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern eine schriftliche Auskünfte einer Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP i.V.m. Art. 19 VwVG) dar. Sofern bestimmte Anford e- rungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität un d Neutralität des E x- perten wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind, ist ihr jedoch erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 4.2.1 [zur Publikation vorgesehen] mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 14 E. 7 und EMARK 1998 Nr. 34). Dies ist vorliegend zu bejahen. 5.4 Der Beschwerdeführerin ist es im Rahmen des rechtlichen Gehörs nicht gelungen, die Schlussfolgerungen in den Herkunftsanalysen zu ent- kräften. Durch die zweite Evaluation des Telefoninterviews wird insbeson- dere ihr Einwand entkräftet, bei der Evaluation des Alltagswissens seien ihr falsche Aussagen untergeschoben worden. Beide Analysen hielten übereinstimmend fest, dass die Kenntnisse der Besch werdeführerin über die geografischen Gegebenheiten ihrer angeblichen Herkunftsregion L ü- cken respektive Fehler aufweisen würden, die bei einer tatsächlichen dor- tigen Sozialisation nicht zu erwarten wären. Das blosse Festhalten an der Richtigkeit ihrer Aussa gen in der Beschwerdeschrift sowie der Replik vermag diese Schlussfolgerung nicht zu entkräften. Dies gilt insbesonde- re für die Beschreibung der landwirtschaftlichen Tätigkeit . Die Erklärung der diesbezüglichen Wissenslücken mit dem Hinweis, dass sie nur i n un-D-3345/2014 Seite 11 tergeordneter Funktion mitgeholfen habe und sich nicht nur auf dem Feld, sondern auch im Haushalt betätigt habe, greift zu kurz. Ebenfalls nicht zu überzeugen vermögen die Aussagen hinsichtl ich des Schulwesens. B e- reits das Vorbringen , sie habe keine Sc hule besucht , erscheint zweifel- haft. Ebenso anzuzweifeln sind die Aussagen, nicht zu wissen, wo sich die Schule befinde und wie die Schuluniformen aussähen, zumal sie gut (…) Jahre im Dorf gelebt haben will, in welchem sich auch die Schule b e- finde. Die Erk lärung für das Nichtwissen, ständig zu Hause gewesen zu sein, geht an der Sache vorbei und lässt sich obendrein auch nicht mit den angeblichen Vorfluchtgründen vereinbaren. Die Erklärung für die u n- zutreffende Beschreibung der Identitätskarte, wonach ihre Aussagen zum Familienbüchlein mit denjenigen zur Karte vermischt worden seien, findet in den Akten keine Stütze, da die LINGUA-Analyse die explizit zum Au s- sehen der Identitätskarte geäusserten Falschangaben bestätigt. Schliess- lich ist zu bemerken, dass die Beschwerdeführerin kein Chinesisch spricht, was ebenfalls als gewichtiges Indiz zu werten ist. So ist davon auszugehen, dass sie im Rahmen ihres Alltags mit anderen Leuten in Kontakt gekommen und dabei mit dem in der Umgangssprache g e- bräuchlichen Chinesisc h konfrontiert worden wäre und sich mit dieser Sprache schliesslich auch vertraut gemacht haben dürfte. Jedenfalls ist festzuhalten, dass für das Fehlen von einfachstem Chinesisch keine nachvollziehbaren Gründe angebracht wurden. Die Erklärung, kein Ch i- nesisch zu können, da sie die Schule nicht besucht habe, greift in Anbe - tracht der nicht unwesentlichen Durchdringung der Alltagssprache durch das Chinesische zu kurz. Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin verwendeten Sprache kam die LINGUA -Analyse überdies zum Schluss, dass diese nicht dem Dialekt ihrer Herkunftsregion, sondern demjenigen der exiltibetischen Gemeinschaft entspreche. Bezüglich diese r Feststel- lung äusserte sich die Beschwerdeführerin in der Replik nicht und das Gericht sieht keine Veranla ssung, an dieser Feststellung Zweifel anz u- bringen. 5.5 Ferner wird die Annahme einer Täuschung über die tatsächliche He r- kunft durch die Unglaubhaftigkeitsmomente in den Aussagen hinsichtlich der Vorfluchtgründe sowie der Ausreise bekräftigt. In diesen Punkten kann auf die zutreffenden Ausführungen in der vorinstanzlichen Verf ü- gung verwiesen werden (vgl. dazu E. 4.2), welchen auf Beschwerdestufe nicht Substanzielles entgegnet wurde. 5.6 Schliesslich vermögen auch die von der Beschwerdeführerin eing e- reichten Beweism ittel diese Schlussfolgerungen nicht umzustossen. So D-3345/2014 Seite 12 beinhalten die eingereichten Artikel keine konkret die Beschwerdeführerin betreffenden Aussagen. Die von der Beschwerdeführerin gemachten Aus- führungen zur Integrationswilligkeit sind für das vorliegende Verfahren von keiner Relevanz, so dass darauf nicht weiter einzugehen ist. 5.7 Gestützt auf eine Gesamtwürdigung dieser Elemente ist in Überei n- stimmung mit dem BFM festzustellen, dass die Beschwerdeführerin über ihre Herkunft täuschende Angaben gemacht hat. In Anwendung der im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.10 entwickelten Rechtsprechung hat das BFM daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und ihr Asylg e- such abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzliche n Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Unter Hinweis auf die in Erwägung 5.2 ski zzierte Rechtsprechung ist der Vollzug der We gweisung für zulässig, zumutbar und möglich zu e r- achten. 7.3 Nachdem diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesische Staatsbürgerschaft besitzen, in Bezug auf China zumindest subjektive D-3345/2014 Seite 13 Nachfluchtgründe haben, weil sie als Unterstützer des Dalai Lam a und damit als separatistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet werden und – wiederum in Bezug auf China – die Flüchtlingseigenscha ft erfüllen (vgl. BVGE 2009/29), ist an dieser Stelle, im Sinne einer Klarstellung und in Übereinstimmung mit der Begründung (nicht aber dem Dispositiv) der angefochtenen Verfügung, darauf hinzuweisen, dass für alle Exil - Tibeterinnen und -Tibeter und somit auch für die Beschwerdeführerin ein Vollzug der Wegweisung nach China auszuschliessen ist, da ihnen dort gegebenenfalls eine unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Da das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Si n- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 25. Juni 2014 gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-3345/2014 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China ist aus ge- schlossen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger Versand: