B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3707/2011 law/rep U r t e i l v o m 9 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richterin Contessina Theis; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Michael Guidon, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. Mai 2011 / N (…). D-3707/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess sein Heimatland eigenen Angaben zufolge am 10. Juni 2010 und reiste am 16. Juni 2010 illegal in die Schweiz ein, wo er am selben Tag um Asyl nachsuchte. Am 1 7. Juni 2010 erhob das BFM im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel seine Persona- lien und befragte ihn zu seinem Reiseweg sowie – summarisch – zu sei- nen Ausreisegründen. Am 28. Juni 2010 hörte ihn das BFM in Bern - Wabern einlässlich zu seinen Asylgründen an. Mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2010 wies ihn das Bundesamt für die Dauer des Asylverfah- rens dem Kanton B._______ zu. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer – ein sri -lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie aus C._______ (Jaffna-Halbinsel) – geltend, er habe bis Ende April 2006 zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern in D._______ gelebt. Seit Abschluss sei- ner Schulzeit im April 2005 habe er für seinen Onkel E._______ gearbei- tet, indem er diesen als Beifahrer in dessen Van bei Personentransporten begleitet habe. Am 25. April 2006 hätten Unbekannte das Haus jenes On- kels in F._______ abends um acht Uhr überfallen und dabei einen zufälli- gerweise anwesenden Gast (H._______) getötet. Er selbst und sein O n- kel hätten das Attentat mit viel Glück unbeschadet überlebt. Er persönlich vermute, dass das Attentat in Wirklichkeit ihm und seinem Onkel gegolten habe und von Angehörigen der sri -lankischen Armee oder des Criminal Investigation Department (CID) verübt worden sei, weil er und sein Onkel während der Zeit des Waffenstillsta ndes mit dem Van auch Leute der Li- beration Tigers of Tamil Eelam (LTTE) transportiert hätten. Nach diesem Vorfall seien er und sein Onkel nach I._______ im Vanni-Gebiet gezogen, wo sie bis im Januar 2009 gelebt hätten. Wie er später vernommen habe, hätten sich zwischen April 2006 und März 2009 verschiedentlich Unb e- kannte sowohl bei seiner Tante in F._______ als auch bei seinen Eltern in D._______ nach ihm erkundigt. Mitte Mai 2009 hätten er und sein Onkel sich der Armee ergeben, worauf sie ins Camp von J._______ überführt worden seien. Zwei Tage später sei ihm – in einem Wassertankwagen versteckt – die Flucht aus dem Militärlager geglückt. Danach habe er sich mehr als ein Jahr lang bei einer mit seinem Onkel befreundeten Familie in K._______, nahe der Stadt L._______, aufgehalten, wobei er deren Haus aus Angst, Angehörige der srilankischen Armee oder des CID könnten ihn umbringen, kaum verlassen habe. Schliesslich sei er am 10. Juni 2010 D-3707/2011 Seite 3 von L._______ nach Colombo gereist und habe seine Heimat am selben Tag auf dem Luftweg verlassen können. B. Mit Verfügung vom 27. Mai 2011 – eröffnet am 31. Mai 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. C. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29. Juni 2011 liess der B e- schwerdeführer gegen d ie Verfügung des BFM vom 27. Mai 2011 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben. Darin wird beantragt , die Verfügung der Vori nstanz sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft erfülle und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei festzustellen , dass der Wegweisungs- vollzug unzumutbar ist und die Vorinstanz sei anzuweisen, den B e- schwerdeführer vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wird zudem beantragt, ihm sei die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren und auf die E r- hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Mit der Beschwerde wurden unter anderem Telefaxkopien eines Artikels aus der Zeitung M._______ vom 27. April 2006 mit englischer Übersetzung, eines Todes- registerauszugs betreffend einer Person namens H._______ vom 13. Juni 2011 mit englischer Übersetzung und eine englischsprachige Erklärung des Vaters des Beschwerdeführers vor dem Friedensrichter von D._______ vom 6. Juni 2011 sowie eine auf den Beschwerdeführer lau- tende Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung der Heilsarmee Flüchtlingshilfe, Regionalstelle N._______, vom 22. Juni 2011 eingereicht. D. Am 12. Juli 2011 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. E. Mit dem Bundesverwaltungsgericht am 12. Juli 2011 zugegangenem B e- gleitschreiben vom 11. Juli 2011 reichte der Rechtsvertreter namens des Beschwerdeführers "die Originale der eingereichten Beweismittel samt Kopie des Briefumschlags" nach. D-3707/2011 Seite 4 F. Mit Verfügung vom 15. Juli 2011 hielt der Instruktionsrichter des Bunde s- verwaltungsgerichts fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang se i- nes Verfahrens in der Schweiz abwarten. Im Weiteren hiess er das G e- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderun g der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. G. Mit Verfügung vom 2 3. Februar 2012 lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 9. März 2012 ein. H. Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 2 4. Februar 2012 die Abweisung der Beschwerde. I. Das Bundesverwaltungsgericht stellte dem Beschwerdeführer die Ve r- nehmlassung des BFM vom 2 4. Februar 2012 am 29. Februar 2012 zur Kenntnisnahme zu. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ents cheidet im Bereich des Asylrechts endgültig, ausser, was vorliegend nicht zutrifft, bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.3 1]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bunde s- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). D-3707/2011 Seite 5 1.2. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der V orinstanz teilg e- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsw eise Än- derung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali - tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahme n, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1. Das BFM führt in der angefochtenen Verfügung im Einzelnen aus, aufgrund welcher Ungereimtheiten in zentralen Bereichen seiner Vorbrin- gen, es den vom Beschwerdeführer zur Begründung des Asylgesuches geltend gemachten Sachverhalt als unglaubhaft erachtet beziehungswei- se, weshalb dieser den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht standhält. Das Bundesverwaltungsgericht ist an die Begründung der Vo r- instanz nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG); es kann die Beschwerde auch aus andern Überlegungen als jenen der Vorinstanz abweisen (sog. D-3707/2011 Seite 6 Motivsubstitution; vgl. M ADELEINE CAMPRUBI in: A UER/MÜLLER/SCHINDLER [HRSG.], VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsver- fahren, Zürich/St. Gallen 20 08, N 15 zu Art. 62 VwVG; A LFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 240, Rz. 677). Wie sich aus nac h- folgenden Erwägungen ergibt, hat das BFM das Asylgesuch des B e- schwerdeführers – ungeachtet der Frage, ob seine Begründung in allen Teilen zutreffend ist – zu Recht abgelehnt. 4.2. 4.2.1. Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu - chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei- le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürc h- ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure z u- gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtling s- rechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihre m Heimatland ke i- nen adäquaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurte i- lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer so l- chen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Ra h- men der Prüfung der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesen t- lich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1 S. 507 f., BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2 . Aufl., B a- sel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 4.2.2. Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeit - punkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba- rer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft ve r- wirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der e r- warteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive er -D-3707/2011 Seite 7 folgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/5 7 E. 2.5 S. 827 f., BVGE 2010/44 E. 3.4 S. 620 f., EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 4.3. Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen damit, das am 25. April 2006 im Hause seines Onkels in F._______ von unbekannter Täterschaft begangene Tötungsdelikt an H._______ habe in Wirklichkeit ihm und seinem Onkel gegolten. Er begründete seine diesbe- zügliche Vermutung damit, die unbekannten Täter hätten möglicherweise davon gewusst, dass er seinen Onkel bei Transportfahrte n als Beifahrer begleitet und dabei auch Mitglieder der LTTE chauffiert habe. Dass man nachhaltiges Interesse an seiner Person bekundet habe, zeige sich auch darin, dass er zwischen April 2006 und März 2009 verschiedentlich von unbekannten Leuten – mutmasslich Angehörige der srilankischen Armee oder des CID – sowohl bei seiner Tante in F._______ als auch bei seinen in D._______ wohnhaften Eltern gesucht worden sei (vgl. act. A6/16 S. 8 ff. F und A 72, 74, 77 – 82 und 92 – 94). Die Suche nach seiner Per- son habe nur deswegen aufgehört, weil jemand seine Eltern dahingehend informiert habe, dass er im Kriege ums Leben gekommen sei, worauf zu Hause Begräbnisfeierlichkeiten abgehalten worden seien (vgl. act. A6/16 S. 12 F und A 121). 4.4. 4.4.1. Einleitend ist festzuhalten, dass die mit der Beschwerde einge- reichten Dokumente nicht geeignet sind, den Nachweis zu erbringen, dass die vom Beschwerdeführer in E. 4.3 skizzierten Behauptungen den Tatsachen entsprechen oder diese zumindest glaubhaft sind. Der engli- schen Übersetzung eines Artikels in der Zeitung M._______ vom 27. April 2006 (Beschwerdebeilage 3) ist lediglich zu entnehmen, dass eine Pe r- son namens H._______ am 25. April 2006 im Hause eines Verwandten in F._______ von Unbekannten erschossen worden sei. Ob das Attentat tat- sächlich im Hause des Onkels des Beschwerdeführers geschah und ob im Zeitpunkt des Geschehens weitere Personen am Tatort weilten, geht aus der Zeitungsmeldung nicht hervor. An dieser Feststellung ändert auch die vom 6. Juni 2011 datierende Aussage des Vaters des Beschwerdefüh- rers vor dem Friedensrichter von D._______ (Beschwerdebeilage 5) nichts, wonach sein Sohn sich im Zeitpunkt des Überfalls im Hause se i- nes Onkels aufgehalten und den Attentäter von hinten festgehalten habe, woraufhin dieser erfolglos zwei Schüsse in den Boden gefeuert habe und anschliessend geflohen sei, nichts zu ändern, zumal der Vater nicht Au-D-3707/2011 Seite 8 genzeuge des Vorfalls war und letztlich unklar bleibt, woher seine Info r- mationen stammen. 4.4.2. Selbst wenn jedoch der Beschwerdeführer und dessen Onkel we- gen ihrer gelegentlicher Transportfahrten von LTTE -Leuten am 25. April 2006 Ziel eines Attentatsversuchs gewesen sein sollten, deutet nichts darauf hin, dass der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang auch heute noch einer Gefährdungssi tuation ausgesetzt sein könnte, erklärte er doch, die Suche nach seiner Person durch Unbekannte hätte im März des Jahres 2009 aufgehört (vgl. act. A6/16 S. 8 F und A 81). Erst auf die zusätzliche Frage hin, ob er wisse, weshalb er lediglich bis März 2009 gesucht worden sei, erklärte der Beschwerdeführer, jemand habe (d a- mals) seine Eltern darüber informiert, dass er im Krieg ums Leben g e- kommen sei, worauf eine Beerdigung für ihn stattgefunden habe und se i- ne Eltern ein Gedenkfoto von ihm im Wohnzimmer aufgehä ngt hätten. Nach dem Anblick dieses Bildes hätten die Angehörigen des CID aufg e- hört, nach ihm zu suchen (vgl. act. A6/16 S. 12 F und A 121). Dieser E r- klärungsversuch vermag jedoch angesichts der vom Beschwerdeführer an anderer Stelle gemachten (sinngemässen) Aussage, er sei während seiner Zeit im Vanni-Gebiet mit seiner Familie via seinen Onkel in Verbi n- dung gestanden (vgl. act. A6/16 S. 4 F und A 25 f.), nicht zu überzeugen, hätten sich seine Eltern bei besagtem Onkel doch gewiss nach seinem Schicksal erkundigt, wenn ihnen von anderer Seite zugetragen worden wäre, er sei im Krieg gestorben. Der besagte Erklärungsversuch ist ferner auch deshalb nicht p lausibel, weil der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung durch das BFM vom 28. Juni 2010 unmissverständlich fes t- gehalten hat, sein Vater habe sowohl seine Flucht aus dem Camp in J._______ als auch seine Ausreise in die Schweiz finanziert (vgl. act. A6/16 S. 10 f. F und A 103 – 105 sowie S. 5 f. F und A 47 – 49). Daraus ergibt sich ohne Weiteres, dass seine Familie sehr wohl wusste, dass er am Leben war. 4.4.3. Zusammenfassend ist deshalb – Glaubhaftigkeit seiner Kernvo r- bringen vorausgesetzt – festzustellen, das s der Umstand, dass der Be- schwerdeführer seit März 2009 nicht mehr gesucht worden ist , darauf hindeutet, dass er zum Zeitpunkt, als er sein Land verliess, keiner aktuel- len Verfolgungsgefahr mehr ausgesetzt war. Festzuhalte n ist zudem, dass der Beschwerdeführer die LTTE – von gelegentlichen Transportfahr- ten während des Waffenstillstands abgesehen – eigenen Angaben zufol- ge nie unterstützt hat (vgl. act. A6/16 S. 7 F und A 63 und 65 i.V.m. S. 10 F und A 94 – 97). Entgegen den Behauptungen in der Beschwerde haben D-3707/2011 Seite 9 die sri -lankischen Behörden heute indessen primär ein Interesse daran, ehemalige Führungspersonen und Kämpfer der LTTE zu überführen, um mit deren Hilfe möglichst umfassende Kenntnisse über die Organisation und die Kommandostrukturen der LTTE zu erlange n und dergestalt g e- eignete Massnahmen treffen zu können, um ein all mähliches Wiederer- starken dieser Organisation zu unterbinden. Es ist deshalb aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, dass die sri-lankischen Behörden den Beschwer- deführer, der erst seit vergleichsweise kurzer Zeit in der Schweiz lebt und aufgrund der Aktenlage kein nennenswertes Risikoprofil aufweist, bei e i- ner Rückkehr pauschal der Unterstützung der LTTE verdächtigen würden. An dieser Einschätzung vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass der Beschwerdeführer gemäss seiner Darstellung Mitte Mai 2009 zusammen mit seinem Onkel ins Camp von J._______ überführt worden sei, nachdem sie sich der Armee ergeben hätten. Der Besch werdeführer erklärte unmissverständlich, es sei ihm nach zweitätigem Aufenthalt die Flucht aus dem Camp gelungen, noch bevor dort seine Personalien auf- genommen worden seien (vgl. act. A6/16 S. 10 F und A 102 f.). Es ist demnach nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Falle der Rückkehr nach Sri Lanka als registrierte flüchtige Person in den F o- kus der Sicherheitskräfte gelangen könnte. 4.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die Flüchtlingseigenschaft nachzu weisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das BFM hat sein Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt. 5. 5.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, Entscheidungen und Mittei- lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). D-3707/2011 Seite 10 6. 6.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 6.2. 6.2.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun - gen der Schweiz e iner Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän ders in den Heimat -, Herkunfts - oder in einen Drittstaat entgegenste hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Au s- reise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben o der ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land ge zwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsste llung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. Novem- ber 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2. Der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung nach Sri Lanka ist unter dem Aspekt von Art.5 AsylG rechtmässig, weil der Beschwer - deführer – wie zuvor dargelegt – dort keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetz t wäre. Aus den Vorbringen des Beschwerdefü h- rers ergeben sich ausserdem auch – dies unter Berücksichtigung seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie – keine konkreten und gewichtigen Anhaltspunkte für die Annahme, dass er im Falle einer Ausschaffung nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, 2001 Nr. 17 S. 130 f.; aus der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte etwa die Urteile i.S. Bensaid, Rep. 2001-I, S. 303, sowie i.S. Saadi vom 28. Februar 2008 [Grosse Kammer], Beschwerde Nr. 37201/06, Para. 124 ff., jeweils mit weiteren Hinweisen). Zwar ist die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka nach dem Ende des Bürgerkriegs i m Mai 2009 auch heute noch in ve r- schiedener Hinsicht als problematisch zu bezeichnen (vgl. anstelle vieler D-3707/2011 Seite 11 etwa AMNESTY INTERNATIONAL [AI], Report 2011, S. 301 ff. [AI-Index: POL 10/001/2011]). Insbesondere ist unklar, wie die Regierung mit den ehema- ligen Angehörigen und Anhängern der LTTE umgeht beziehungsweise weiter umgehen wird. In Bezug auf den Beschwerdeführer sind jedoch (in Anbetracht der Ausführungen in E. 4.4) keine konkreten Hinweise dafür vorhanden, er könnte den sri -lankischen Sicherheitskräften zum heutigen Zeitpunkt in spezifischer Weise als verdächtig erscheinen. Somit besteht auch unter den derzeit herrschenden Bedingungen in Sri Lanka kein ko n- kreter Anlass zur Annahme, dem Beschwerdeführer drohe eine entspr e- chende Gefährdung. Der Vollzug de r Wegweisung ist somit sowohl im Sinne der asylgesetzlichen als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3. 6.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung ins be- sondere dann nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausge - setzt wäre. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen a n- gewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönlicher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingseigen- schaft noch jene des völkerrechtlichen Non -Refoulement-Prinzips erfül - len, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weiteren findet sie Anwendung a uf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wä- ren (vgl. Urteil BVGE E -6220/2006 vom 27. Oktober 2 011 E. 11.1, vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.1 S. 367). 6.3.2. Der Beschwerdeführer stammt aus D._______/C._______ im Jaff- na-Distrikt (Nordprovinz), wo er gemäss eigenen Angaben von der Geburt bis 1992 und von 1998 bis am 27. April 2006 gelebt und auch die Schule besucht hat. Im Distrikt Jaffna herrscht keine Situation allgemeiner G e- walt, und die politische Lage ist nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste (vgl. BVGE E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2.1). Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen sind jedoch die aktuell vorliegenden L e-D-3707/2011 Seite 12 bens- und Wohnverhältnisse abzuklären und auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs hin zu überprüfen, wobei namentlich die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes sowie die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation massgebl i- che Faktoren für die Bejahung der Zumutbarkeit der Rückkehr dorthin sind (vgl. BVGE E-6220/ 2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2.1.2). 6.3.3. Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers im EVZ Basel vom 17. Juni 2010 leben seine Eltern sowie vier Geschwister nach wie vor in D._______/C._______ (vgl. act. A1/9 S. 3 Ziff. 12). Im Weiteren hat der Beschwerdeführer in Sri Lanka eigenen Angaben zufolge sowohl als Bus- fahrer, Maler als auch als Maurer gearbeitet. Aufgrund der vorliegenden Akten bestehen ferner keine Hinweise auf aktuelle gesundheitliche Schwierigkeiten des Beschwerdeführers. Er wird nach seiner Rückkehr in sein Heimatland sowoh l auf die Unterstützung seiner in Jaffna lebenden Familie zählen können, bei seinen Angehörigen eine Unterkunftsmöglic h- keit vorfinden, als auch in der Zukunft in der Lage sein, sich dank seiner schulischen Ausbildung und beruflichen Kenntnisse wirtschaftli ch wieder zu integrieren. Es ist mithin nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Notlage geraten würde. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach nicht als u n- zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 6.4. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl. dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 - 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig u nd vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen. D-3707/2011 Seite 13 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfahrens grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da dieser jedoch aufgrund seiner Erwerbslosigkeit nach wie vor als prozessual bedürftig zu betrachten ist, ist die mit Verfügung vom 15. Juli 2011 – unter Vorbehalt einer nachträglichen Änderung der fina n- ziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers – erfolgte Gewähru ng der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht zu widerrufen. Folglich sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-3707/2011 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand: