Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Mai 2013 (720 13 17) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente (Rückweisung zur erneuten Sachverhaltsabklärung) Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrich- ter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber i.V. Daniel Schaffner Parteien A.____ , vertreten durch Annina Gegenschatz, advocenter Rechtsan- wälte, Bahnhofstrasse 92, 5000 Aarau gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.7405.5719.15) A. A.____, geboren 1954, arbeitete seit dem Jahr 1990 als Pflegehelfer im Kantonsspital B.____, seit 2003 in reduzierten Pensen. Dieses Arbeitsve rhältnis endete per 31. Dezember 2011. Mit dem am 1. Juni 2010 zugegangenen Schreiben m eldete sich der Versicherte bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse ab und führte das Vorbescheidverfahren durch. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 23. August 2012 erliess die IV-Stelle einen able hnenden Vorbescheid, gegen wel- chen der Versicherte, vertreten durch Advokatin Annina Gegenschatz, mit Schreiben vom 3. Oktober 2012 Einwände vorbrachte. Die IV-Stelle legte diese Einwände dem Regionalen Ärztlichen Dienst beider Basel ([RAD] Bericht vom 16. Oktober 2012, Dr. med. D.____) zur Stel- lungnahme vor. Mit Verfügung vom 17. Dezember 2012 hi elt die IV-Stelle sodann an ihrem Vorbescheid fest und wies das Leistungsbegehren des Versich erten ab. Es habe aus medizini- scher Sicht keine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit wie auch in den zumutbaren Verweistätigkeiten bestanden. Dabei stützte sich die IV-Stelle auf ein durch die Dres. med. E.____, Allgemeine innere Medizin, F.____, Psychiatrie und Psychotherapie, sowie G.____, Neurologie (allesamt H.____) erstelltes Gutach ten vom 22. März 2012, welches sie durch den RAD (Bericht vom 12. April 2012, Dr. D.____) hatte überprüfen lassen. C. Gegen die vorerwähnte Verfügung erhob der Versiche rte, erneut vertreten durch Advo- katin Gegenschatz, am 21. Januar 2013 Beschwerde an das K antonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er be antragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 17. Dezember 2012 aufzuheben und, sinng emäss, es sei ihm eine ganze Inva- lidenrente zuzusprechen. Sinngemäss eventualiter sei ein weiteres unabhängiges Gutachten zu erstellen und es sei eine neue Beweiswürdigung der vorh andenen Arztberichte vorzunehmen. Dabei verwies der Beschwerdeführer namentlich auf die Feststellung einer reduzierten Arbeits- fähigkeit durch Prof. I.____, seinerseits französischer Ar zt („médecin expert“), wie sie Bestand- teil eines den Beschwerdeführer betreffenden Urteils de s Tribunal du Contentieux de l’Incapacité de J.____ vom 9. Mai 2012 bilde. Angeführ t wurde überdies ein Bericht von Dr. med. K.____, Neurologie, vom 26. November 2012, welcher eine Verschlechterung des Ge- sundheitszustands des Beschwerdeführers konstatiere, unter g leichzeitiger Empfehlung darauf Bezug nehmender weiterer Untersuchungen. D. Die IV-Stelle legte den Bericht von Dr. K.____ v om 26. November 2012, auf welchen sich der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde bezogen ha tte, in der Folge dem RAD zur Stellungnahme vor (Bericht vom 5. Februar 2013, Dr. D .____) und liess sich ihrerseits sodann mit Eingabe vom 8. März 2013 zur Beschwerde vernehmen. S ie beantragte dabei, die Be- schwerde sei abzuweisen. Verwiesen wurde weiterhin auf die Bewertung durch das H.____- Gutachten vom 22. März 2012. Die Einschätzung von Prof. I .____ enthalte keinerlei Angaben, aufgrund welcher das H.____-Gutachten in Zweifel zu ziehen wäre. Nichts anderes gelte für die älteren Berichte von Dr. K.____ (vom 20. September 201 0, 19. November 2010, 24. Januar 2011, 30. Juni 2011). Auch der neueste durch Dr. K.___ _ verfasste, vom Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift angeführte Bericht vom 26. November 2012 enthalte im Übrigen keine objektiven medizinischen Hinweise, die weitere Abklärungen erforderlich erscheinen liessen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der hiesigen IV-Stel le, sodass die örtliche Zuständigkeit des Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 b eurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kan tons Beschwerden gegen Verfü- gungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlic h zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht er hobene Beschwerde des Versicherten vom 21. Januar 2013 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob – und wenn ja, in welcher Höhe – der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente hat resp. ob diese F rage in Anbetracht der gegenwärtigen Aktenlage zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt bereits beantwortet werden kann. 3.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben diejenigen Versicher ten Anspruch auf eine Invaliden- rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kön- nen (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich zu mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ab lauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigke it. Sie kann im Bereich der Invaliden- versicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung un d Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten au f dem in Betracht kommenden allge- meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). F ür die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG a usschliesslich die Folgen der gesund- heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Invalidenrente n ach dem Grad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine g anze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung der Invalidität und damit eines allfälligen Rentenan- spruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die versichert e Person aufgrund ihrer gesund- heitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.4 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem im Sozialversicherungspro- zess geltenden Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von ihrer Provenienz, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung d es streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Widersprechen sich medizinische Berichte im Hinbl ick auf die Arbeitsfähigkeit der je- weils explorierten Person, so darf das Gericht den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, weshalb es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Be weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belan ge umfassend ist, auf allseitigen Un- tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.5 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung als mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung vereinbar, in Bezug auf bestimmt e Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustel len (vgl. die ausführlichen Zusammen- stellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und Spezialärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtung en und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise s prechen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.6.1 Das zum H.____-Gutachten vom 22. März 2012 gehör ende, durch Dr. F.____ erstellte psychiatrische Teilgutachten konstatiert beim Beschwerdefüh rer keine psychiatrischen Diagno- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Eine festge stellte Symptomausweitung wirke sich so- dann nicht auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus. In seinem neurologischen H.____-Teilgutachten stellt D r. G.____ keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Lediglich Tätigkeiten im Dr eischichtendienst sollten in Anbetracht einer im Jahre 2010 durch den Beschwerdeführer erlittenen t ransient ischämischen Attacke (TIA) im Hinblick auf weitere vaskuläre Gefährdungen nicht ausge übt werden. Was die Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit anbelangt, so äusser t sich Dr. G.____ wie folgt: Zustand nach linkshemisphärischer TIA 02/2010, subjektive vorzeitige Er müdung, leichtes degeneratives HWS- und LWS-Syndrom ohne radikuläre Beteiligung. Den Beschwerden, wie sie geltend ge- macht werden (vermehrte vorzeitige Ermüdung, Konzentrationsstörungen), stehe bei der Unter- suchung kein Korrelat entgegen. Der neurologische Stat us falle regelrecht aus. Insbesondere ergäben sich auch keine kognitiven Einschränkungen oder Sprachverständnis- oder Aus- drucksstörungen. 4.6.2. Gemäss der Einschätzung von Prof. I.____, welche Teil eines am 9. Mai 2012 in Frank- reich ergangenen Urteils bildet, lägen beim Beschwerde führer kognitive Probleme („problèmes cognitifs“) vor. Zu verzeichnen seien Konzentrationsschwieri gkeiten und schnelle Ermüdung. Daraus leitet Prof. I.____ für den Begutachtungszeitp unkt eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als zwei Dritteln ab. Es handle sich hierbei um die Folgen vaskulärer Vorfälle („accidents vasculai- res“) in der Vergangenheit. 4.6.3 Mit Bericht vom 26. November 2012 diagnostizier t Dr. K.____ beim Beschwerdeführer namentlich eine leichtgradige Hemisymptomatik rechts, Gan gataxie, Dysarthrie und Verdacht auf neuropsychologische Defizite, bislang unklarer Ätiologi e DD im Rahmen einer degenerati- ven ZNS-Erkrankung. Die weiteren Diagnosen lauten folg endermassen: Status nach TIA 02/2010 (DD erneute TIA bis 09/2010), Inzidental om Nebenniere rechts, Operation am 26.01.2011 sowie Verdacht auf hypertensive Herzkrankheit . Festgestellt wird namentlich eine dysarthrische, etwas verlangsamte Sprache. Die HWS-Bewegl ichkeit sei beidseits schmerzhaft eingeschränkt. Zu verzeichnen sei eine leichte Bradydia dechokinese der rechten Hand. Beim Gehen schwinge der rechte Arm weniger mit und es komme zu einer dystonen Handfehlstellung rechts. PSR sei fraglich eine Spur rechtsbetont, lebhaft , ASR ebenfalls lebhaft; Babinski wie- derum rechts stumme Sohle. Des Weiteren wird eine leic hte Tonuserhöhung im rechten Bein festgestellt und ein Schweregefühl dieses Beins im Vorhalteversuch. Der Explorand gebe ferner eine Hypästhesie im rechten Oberschenkel an. Der Strichg ang sei nicht durchführbar, der Fer- sengang erschwert. Insgesamt stellt Dr. K.____ im Vergleich mit ihrer letzten Untersuchung des Beschwerdeführers im August 2011 neurologische Auffälli gkeiten fest. Diese neue Entwicklung mache weitere neurologische Abklärungen und eine neurop sychologische Testung erforderlich. Dr. K.____ empfiehlt eine erweiterte neurologische A bklärung mit MRT der HWS, evozierten Potentialen und Lumbalpunktion neben weiteren Labor abklärungen. Es müsse auch an eine degenerative ZNS-Erkrankung gedacht werden. Empfohlen wird durch Dr. K.____ überdies eine psychiatrische Mitbeurteilung und Betreuung. 4.7.1 Zunächst ist zu prüfen, ob die Arbeitsfähigkeit d es Beschwerdeführers aufgrund der aktuellen Aktenlage in zuverlässiger Manier gewürdigt we rden kann oder ob es dafür zusätzli- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht cher Abklärungen bedarf. Abhängig ist dies davon, welches Gewicht man dem ins Recht geleg- ten Bericht von Dr. K.____ vom 26. November 2012 bei misst. Wäre mit diesem tatsächlich ernsthaft eine Verschlechterung des Gesundheitszustands d es Beschwerdeführers seit der H.____-Begutachtung zu befürchten, so müssten weitere Abklärungen durchgeführt werden im Hinblick auf die durch Dr. K.____ gestellten Diagnosen und die von ihr konstatierten neuen Symptome. 4.7.2 Dr. K.____ schildert in ihrem Bericht vom 26. No vember 2012 nach persönlicher Unter- suchung des Beschwerdeführers in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise ernstzunehmende neurologische Beschwerden. Betroffen seien sowohl die M otorik des Beschwerdeführers als auch dessen Sprache. Die gestellten Diagnosen gehen beträchtlich über die Feststellungen des H.____-Gutachtens hinaus und sind potenziell gravierender Natur. Hierbei ist zu beachten, dass zwischen der Begutachtung durch das H.____ (erfolgt am 13 . Dezember 2011) und der in Fra- ge stehenden Untersuchung durch Dr. K.____ (erfolgt am 20. September 2012 und 25. Oktober 2012) immerhin mehr als ein halbes Jahr liegt. Es ersche int denkbar, dass es in dieser Zeit zu einer Verschlechterung gekommen ist. In Anbetracht der Sc hwere sowohl der durch Dr. K.____ gestellten Diagnosen als auch der von ihr geschilderten Symptome ist es angezeigt, diese Opti- on ernsthaft in Betracht zu ziehen und dementsprechend eine erneute Untersuchung des Be- schwerdeführers zu veranlassen. Die Empfehlung erweitert er neurologischer Abklärungen, in- klusive insbesondere einer neuropsychologischen Testung, wi e sie durch Dr. K.____ abgege- ben wird, erscheint diesbezüglich sinnvoll. Nichts anderes gilt für die ebenfalls empfohlene psy- chiatrische Mitbeurteilung; auch eine solche ist durchzuf ühren. Einer neuerlichen psychiatri- schen Einschätzung bedarf es gerade in Anbetracht der dur ch Dr. F.____ in seinem psychiatri- schen H.____-Teilgutachten diagnostizierten Symptomausweitungsproblematik, welche im Lich- te der nunmehr in Frage stehenden neurologischen Verschlechterung neu zu würdigen ist. 4.7.3 Was die IV-Stelle in ihrer Beschwerdevernehmlassu ng vorbringt, vermag nichts daran zu ändern, dass Dr. K.____ in schlüssiger Weise eine wesent liche und ernst zu nehmende Ver- schlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers v orbringt, welche weitere Ab- klärungen notwendig macht, um die Arbeitsfähigkeit de s Beschwerdeführers zuverlässig ein- schätzen zu können. Moniert wird, der Bericht von Dr. K. ____ enthalte weitgehend subjektive Angaben, indem die Aussagen des Beschwerdeführers und sei ner Ehefrau ungefiltert wieder- gegeben würden. Dies gelte insbesondere für die Vermut ung einer Hemisymptomatik und die durch den Beschwerdeführer ins Feld geführten Beschwerd en betreffend Konzentrationsfähig- keit und Müdigkeit. Die IV-Stelle folgt dabei insgesam t der Beurteilung des Berichts von Dr. K.____ durch den RAD-Arzt Dr. D.____ vom 5. Februa r 2013. Insgesamt sei eine IV- relevant verschlechterte gesundheitliche Situation des B eschwerdeführers seit der H.____- Begutachtung nicht nachvollziehbar. Dem kann jedoch nicht gefolgt werden. Wohl gibt Dr. K.____ Aussagen des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau wieder. Die Diagnose von Dr. K.____ kommt jedoch, anders als dies die IV- Stelle geltend zu machen scheint, nicht aufgrund dieser Aussagen zustande, sondern aufgrund durchgeführter Untersuchungen. Zu beachten ist diesbezü glich die Schilderung unter dem Titel „Neurologisch“ im Gutachten von Dr. K.____. Daraus ergib t sich, welche Untersuchungen im Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinblick auf den Bericht vom 26. November 2012 vorgenomm en worden sind (beispielsweise die Analyse des Strich- und Fersengangs). Ebenso war es D r. K.____ anlässlich der persönli- chen Untersuchung des Beschwerdeführers möglich, sich selbst ein Bild von dessen Geh- und Sprechweise zu machen. Zu unterstreichen ist im Übrig en, dass Dr. K.____ in ihrem Bericht vom 26. November 2012 keine definitiven Diagnosen stell t, sondern eine Verschlechterung konstatiert, welche weitere Abklärungen notwendig mache. An derartige Ausführungen sind nicht dieselben Anforderungen zu stellen, wie an einen Arztbericht, welcher abschliessende Aussagen zur Arbeitsfähigkeit machen würde. Insofern g enügen die festgestellten Auffälligkei- ten die rechte Körperhälfte des Beschwerdeführers betre ffend (Bradydiadochokinese der rech- ten Hand, beim Gehen geringeres Mitschwingen des rechte n Armes sowie dystone Handfehl- stellung rechts, PSR fraglich eine Spur rechtsbetont, Bab inski rechts stumme Sohle, leichte Tonuserhöhung im rechten Bein, Schweregefühl des rechte n Beins im Vorhalteversuch, Anga- be einer Hypästhesie im rechten Oberschenkel, vor allem re chts etwas steifer Gang, Einbein- hüpfen rechts mit geringerer Wiederholungszahl mögli ch als links), um eine leichte Hemisymp- tomatik rechts zu diagnostizieren und daraus wiederum die Notwendigkeit weiterer Abklärungen abzuleiten. Was schliesslich den Einwand im Hinblick auf die geltend gemachten Konzentrati- onsprobleme und die angeführte Müdigkeit anbelangt, so ist zu beachten, dass diese im Rah- men der von Dr. K.____ gestellten Diagnosen nicht im Zentrum stehen. Das Hauptargument für die empfohlene weitere Abklärung bildet die Verschlec hterung in motorischer und sprachlicher Hinsicht, welche – wie soeben ausgeführt – bereits für sich alleine gesehen Anlass zu weiteren Untersuchungen bildet. Auf den Einwand der IV-Stelle , auch hinsichtlich der vorgebrachten Konzentrations- und Müdigkeitsproblematik gebe Dr. K.___ _ nur Aussagen des Beschwerde- führers und dessen Frau wieder, muss daher nicht mehr g esondert eingegangen werden. Zu bemerken ist freilich, dass die vorgehend für notwend ig befundenen Abklärungen auch die Si- tuation hinsichtlich der vom Beschwerdeführer ins Feld ge führten Konzentrationsprobleme und der Müdigkeit klären dürften. 4.7.4 Insgesamt kann mithin die Arbeitsfähigkeit des Be schwerdeführers aufgrund der aktu- ellen Aktenlage nicht zuverlässig eingeschätzt werden, da Dr. K.____ in ihrem Bericht vom 26. November 2012 in schlüssiger Weise von einer neurolo gischen Verschlechterung berichtet, welcher durch weitere Abklärungen nachzugehen ist. In An betracht dieser Ausgangslage erüb- rigt sich zum jetzigen Zeitpunkt eine Würdigung des von d er IV-Stelle ins Feld geführten H.____-Gutachtens wie auch der Einschätzung von Prof. I. ____, auf welche sich der Be- schwerdeführer seinerseits beruft. 5. Es bleibt noch über das weitere Vorgehen in der vor liegenden Sache zu befinden. Im Entscheid BGE 137 V 210 ff. änderte das Bundesgericht d ie bisherige ständige Rechtspre- chung, wonach das kantonale Gericht prinzipiell die frei e Wahl hatte, bei festgestellter Abklä- rungsbedürftigkeit die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen oder aber selber zur Herstellung der Spruchreife zu schreiten. Es erkannte, dass die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten einzuholen hat und eine Rückweisun g an die IV-Stelle nur noch in Aus- nahmefällen erfolgen soll. Da es Aufgabe der Verwalt ung und nicht der Beschwerdeinstanz ist, um eine erstmalige vollständige Erhebung des massgebende n Sachverhaltes besorgt zu sein, liegt ein solcher Ausnahmefall etwa vor, wenn ein rel evanter Aspekt des Sachverhaltes durch Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Verwaltung nicht abgeklärt worden ist. Vorliegend hat es die Beschwerdegegnerin unterlas- sen, die geltend gemachte Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers differenziert abzuklären. Aus diesem Grund ist – im Einkl ang auch mit der geänderten bundes- gerichtlichen Rechtsprechung – die Angelegenheit an die IV-Stelle zurückzuweisen. 6. Zusammenfassend hat also die IV-Stelle zu Unrecht ges tützt auf die momentane Akten- lage einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint . Dementsprechend ist die Be- schwerde gutzuheissen und die Angelegenheit ist zur erne uten Abklärung im Sinne der Erwä- gungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. 7.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist der Beschwerdeführer obsiegende und die IV-Stelle unterliegende Partei. 7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. Dem Beschwerdeführer ist der g eleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückzuerstatten. 7.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Re chtsvertreterin des Beschwerdefüh- rers hat in ihrer Honorarnote vom 9. April 2013 für d as vorliegende Verfahren einen Zeitauf- wand von 13.58 Stunden geltend gemacht, wobei sie dab ei jedoch auch Bemühungen vor Er- gehen der angefochtenen Verfügung (vom 17. Dezember 20 12) in Rechnung gestellt hat, wel- che vorliegend nicht entschädigt werden können. Ab dem 17. Dezember 2012 wurden von der Rechtsvertreterin 380 Minuten, d.h. 6.3 Stunden in Re chnung gestellt. Dieser Aufwand er- scheint angemessen, sodass die Stundenanzahl mit dem in S ozialversicherungsprozessen pra- xisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelang enden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu multiplizieren ist. Dazu sind Fr. 47.25 für Auslagen zu addieren. Zu den das Zwi- schentotal bildenden Fr. 1'622.25 sind sodann 8 % Mehr wertsteuer (mithin Fr. 129.80) hinzuzu- rechnen. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteie ntschädigung in der Höhe von Fr. 1'752.05 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öf fentlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vor- aussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 17. Dezember 2012 aufgehoben und die Angelegenheit zur erneuten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 1'752.05 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu entrichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht