<h2>SubmittedText<h2><p>In den letzten Tagen wurde eine neue Coronavirus-Variante entdeckt, welche die wissenschaftliche Gemeinschaft und die Bevölkerung beunruhigt. Es ist ganz und gar nicht unwahrscheinlich, dass in Zukunft weitere Mutationen entstehen und die Gesundheit der Bevölkerung erneut bedroht wird. Die Wirksamkeit und Dauer der zur Verfügung stehenden Impfungen könnten wieder abnehmen, wie es bereits bei der Delta-Variante der Fall war. Der Schutz, den unser Gesundheitswesen in seiner jetzigen Form bietet, könnte wohl für die neuen Varianten nicht sofort wieder sichergestellt werden.</p><p>Deshalb stelle ich folgende Fragen zu unserem Spitalsystem und zum Personal, und zwar nicht zum Medizinalpersonal, sondern zum Pflegepersonal, insbesondere im Intensivpflegebereich. </p><p>1. In wie viele und welche Berufskategorien wird das Pflegepersonal im Spitalbereich aufgeteilt? Welche Kenntnisse und Diplome bilden die Grundlage für die Aufteilung?</p><p>2. Über wie viele Pflegekräfte pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner verfügt unser Land in jeder dieser Kategorien? Wie schneidet die Schweiz im Vergleich zu den anderen Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ab? </p><p>3. Ist es richtig, dass die Schweiz, wie im Bericht des BAG von 2019 angegeben, unter den Ländern der OECD mit den meisten Pflegeressourcen den zweiten Platz belegt?</p><p>4. Wie viele Pflegerinnen und Pfleger sind auf die Intensivpflege spezialisiert und werden dafür eingesetzt? Welchen Bildungsweg haben sie absolviert? Wie viele Personen befinden sich zurzeit in der Ausbildung? Wie viele Personen haben in den letzten zwei Jahren ihren Beruf aufgegeben?</p><p>5. Wie viele Intensivpflegebetten je 1000 Einwohnerinnen und Einwohner gibt es in den Nachbarländern in absoluten und in relativen Zahlen? </p><p>6. Was wurde vom Bundesrat seit März 2020 unternommen, um dem Personalmangel in der Intensivpflege Herr zu werden und die Intensivpflegeausbildung zu fördern?</p><p>7. Was wurde von den Kantonen seit März 2020 unternommen, um dem Personalmangel in der Intensivpflege Herr zu werden und die Intensivpflegeausbildung zu fördern? Wie ist der Bundesrat bei den Kantonen eingeschritten, um die Ausbildung neuer Intensivpflegekräfte zu fördern und zu unterstützen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) waren per Ende 2020 gut 90'000 Pflegende in Schweizerischen Krankenhäusern in folgenden drei Kategorien (resp. Ausbildungsniveaus gemäss Konzepten und Definitionen von OECD und WHO) tätig: </p><p>- gut 63'000 diplomierte Pflegefachpersonen, sowohl ohne wie auch mit Spezialisierung wie z.B. dipl. Experte/in in Intensivpflege;</p><p>- 13'000 Pflegepersonen auf mittlerer Stufe mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis auf Sekundarstufe II, insbesondere Fachangestellte Gesundheit;</p><p>- knapp 15'000 Pflegehelfende, wozu Pflegende mit eidgenössischem Berufsattest auf Sekundarstufe II und solche mit einer anderen oder ohne Ausbildung gehörten.</p><p>2./3. Gemäss OECD (Zahlen ohne Pflegehelfende) gehört die Schweiz mit rund 18 Pflegenden pro 1'000 Einwohner/innen zusammen mit Norwegen zu den am besten dotierten Ländern. Allerdings können die Zahlen nicht 1 zu 1 verglichen werden. So existieren nicht in allen Ländern Ausbildungen, die mit der Ausbildung der Fachangestellten Gesundheit vergleichbar sind.</p><p>4. Das BFS fasst alle diplomierten Pflegefachpersonen zusammen und erhebt keine Daten zu den Spezialisierungen. Entsprechend liegen keine Zahlen nach einzelnen Abteilungen im Spital vor. Bezüglich Abschlüssen zeigt der Nationale Versorgungsbericht 2021 in den letzten Jahren eine Zunahme in allen Kategorien der Pflegeausbildung auf. 2012 wurden 101 Abschlüsse bei den Nachdiplomen in Intensivpflege registriert, während dieselben sich in den nachfolgenden Jahren bis 2019 um die 200 bewegten. Aufgrund der sehr hohen Belastungen der Intensivstationen während der Covid-19-Krise mussten die Ausbildungsbemühungen in diesem Bereich jedoch reduziert werden. Zu den Berufsausstiegen bei den Intensivpflegenden gibt es keine spezifischen Daten. Aufgrund der andauernden Belastung im Zuge der Covid-19-Pandemie gibt es jedoch verschiedene Hinweise, dass bis zu einem Drittel Intensivpflegende aus dem Beruf austreten.</p><p>5. Verlässliche Zahlen zur absoluten Zahl der Intensivbetten in anderen Ländern stehen nicht zur Verfügung. Zudem sind Ländervergleiche schwierig, da teilweise unterschiedliche Kategorisierungskriterien vorgenommen werden. In der Schweiz wird beispielsweise zwischen zertifizierten und nicht zertifizierten Intensivpflegeplätzen unterschieden. Diese Unterscheidung kennen andere Länder nicht.</p><p>6./7. Das Bundesgesetz über die Gesundheitsberufe gibt dem Bundesrat in der Ausbildung keine Kompetenz, um dem Fachkräftemangel in den Pflegeberufen zu begegnen. Die Verantwortung liegt bei den Kantonen bzw. den (Ausbildungs-)Institutionen (vgl. Antworten auf Frage 21.7809 Aeschi Thomas "Covid-19: Verpasste Chance einer Ausbildungsoffensive für zusätzliches IPS-Pflegepersonal", und dringliche Anfrage 21.1076 Burgherr "Intensivpflege in Notzeiten"). Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass die Zusatzausbildung in Intensivpflege zwei Jahre dauert, da es sich um eine äusserst anspruchsvolle Tätigkeit handelt. Wie erwähnt, stand bedingt durch Corona-Pandemie zudem nur eine eingeschränkte Ausbildungskapazität auf Intensivstationen zur Verfügung. Der Bundesrat hat den Mangel an Pflegepersonal erkannt und in den letzten Jahren Massnahmen ergriffen, um dem auch zu Normalzeiten herrschenden Fachkräftemangel zu begegnen. Dadurch konnte die Zahl der Ausbildungsabschlüsse auf allen Stufen massgeblich erhöht werden. Mit der am 28. November 2021 angenommenen Pflegeinitiative sollen diese Anstrengungen weitergeführt und intensiviert werden.</p>  Antwort des Bundesrates.