B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4880/2024 U r t e i l v o m 1 2 . A u g u s t 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, mit Zustimmung von Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiberin Linn Amanda Szemberg. Parteien A. _____, geboren am (…), Syrien, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat - Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG); Verfügung des SEM vom 25. Juli 2024 / N (…). D-4880/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 14. März 2024 in der Schweiz um Asyl nach. B. Ein Abgleich mit der Fingerdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass der Be- schwerdeführer am 26. Juli 2021 sowie 6. Juni 2022 in Griechenland Asyl- gesuche gestellt hatte, am 8. August 2022 als Flüchtling anerkannt worden war und in Griechenland Asyl erhalten hatte. C. Am 21. März 2024 ersuchte die Vorinstanz die griechischen Behörden um Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. De- zember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitglied- staaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger und das Abkommen vom 28. August 2006 zwischen dem Schweizerischen Bundes- rat und der Regierung der Hellenischen Republik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt (SR 0.142.113.729). Dem Ersuchen stimmten die griechischen Behörden am 23. März 2024 zu und bestätigten, dass der Beschwerdeführer in Griechenland als Flüchtling anerkannt worden sei und über eine gültige Aufenthaltsbewilligung ver- fügte. D. Am 4. April 2024 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu einem Nichteintretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1 lit. a AsylG (SR 142.31) und einer Wegweisung nach Griechenland. An- lässlich des Gesprächs führte der Beschwerdeführer aus, dass die Lebens- verhältnisse in Griechenland sehr schlecht seien. Der Arbeitsmarkt lasse es nicht zu, ein Einkommen zu generieren, von dem man leben könne. Auch der Umgang mit den Menschen und Behörden sei sehr schwierig. E. Am 23. Juli 2024 wurde der Rechtsvertretung von der Vorinstanz der Ent- scheidentwurf zugestellt. Am 24. Juli 2024 nahm die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers hierzu Stellung, machte eine finanzielle Notsituation und prekäre Wohnsituation des Beschwerdeführers geltend und bean- tragte die vorläufige Aufnahme in der Schweiz. D-4880/2024 Seite 3 F. Mit Verfügung vom 25. Juli 2024 – gleichentags eröffnet – trat die Vo- rinstanz in Anwendung von Art. Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Weg- weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen damit, dass sich Griechenland, wo der Beschwerdeführer als Flüchtling anerkannt sei, bereit erklärt habe, ihn zurückzunehmen. Griechenland sei vom Bundesrat als sicheren Drittstaat anerkannt, weshalb auf das Asylgesuch nicht einzu- treten sei. In Bezug auf den Wegweisungsvollzug führte sie aus, dass weder die in Griechenland herrschende Situation noch andere Gründe gegen die Zuläs- sigkeit und Zumutbarkeit der Wegweisung spreche. Griechenland habe die Richtlinie 2011/95/EU des Europäischen Parla- ments und des Rates vom 13. Dezember 2011 (Qualifikationsrichtlinie) um- gesetzt und Personen mit Schutzstatus könnten sich auf entsprechende Garantien berufen, wonach sie in Bezug auf Sozialleistungen, Wohnraum, Beschäftigung und medizinische Versorgung griechischen Bürgerinnen und Bürgern gleichgestellt seien respektive gleichgestellt seien mit ande- ren Ausländerinnen und Ausländern, beispielsweise in Bezug auf Erwerbs- tätigkeit oder die Gewährung von Unterkunft. Sollte Griechenland seinen Verpflichtungen gemäss Qualifikationsrichtlinie nicht nachkommen, könne der Beschwerdeführer diese auf dem Rechtsweg einfordern. Es sei nicht davon auszugehen, dass eine Überstellung nach Griechenland gegen Art. 3 EMRK verstosse und es seien keine Gründe ersichtlich, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Griechenland in eine exis- tentielle Notlage geraten würde. Dem Beschwerdeführer sei es nicht ge- lungen, die Legalvermutung, wonach eine Rückkehr nach Griechenland grundsätzlich zulässig und zumutbar sei, zu widerlegen. G. Am 25. Juli 2024 legte die zugewiesene Rechtsvertretung ihr Mandat nie- der. H. Mit Eingabe vom 31. Juli 2024 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und beantragte dabei die Aufhebung der angefochtenen Verfügung verbunden mit einem D-4880/2024 Seite 4 Eintreten auf das Asylgesuch sowie die Feststellung der Unzulässigkeit be- ziehungsweise Unzumutbarkeit der Wegweisung nach Griechenland . Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu- weisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um aufschie- bende Wirkung und um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, dass der Zugang zu Wohnraum oder Wohlfahrt ihm verweigert sei. Als Schutzberechtigter in Griechenland würde man keinerlei Unterstützung bei der Wohnungssuche erhalten und es bestehe ein reales Risiko der Obdachlosigkeit und der Ar- mut zu verfallen. Der Zugang zum Arbeitsmarkt gestalte sich schwierig und sei für Schutzberechtigte mit vielen Hürden verbunden. Viele Schutzbe- rechtigte würden zudem nicht an die Dokumente gelangen, die notwendig seien, um Zugang zu Sozialleistungen zu erhalten. Schliesslich sei auch der Zugang zum Gesundheitssystem aufgrund mangelnder Ressourcen reduziert. Sowohl psychologische und psychiatrische Angebote fehlten zu- dem für Schutzberechtigte. Beim Beschwe rdeführer würde es sich auf- grund des Alters, der fehlenden Bildung, der geringen Arbeitserfahrung und der finanziellen Situation um eine besonders vulnerable Person handeln, weshalb begünstigende Faktoren vorzuliegen hätten, um eine Rückkehr nach Griechenland als zumutbar zu qualifizieren. I. Die elektronischen Akten der Vorinstanz lagen dem Bundesverwaltungsge- richt am 5. August 2024 vor. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht i st daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). D-4880/2024 Seite 5 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 1.4 Auf den Antrag um Gewährung der aufschiebenden Wirkung ist man- gels Rechtsschutzinteresse nicht einzutreten, da der Beschwerde von Ge- setzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt. Im Übrigen ist auf die Be- schwerde einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht diese Punkte inso weit ohne Einschränkung prüft. 4. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. D-4880/2024 Seite 6 5. Der Beschwerdeführer hat im Sinne eines Eventualbegehrens die Rück- weisung der Sache an die Vorinstanz zu weiteren Sachverhaltsabklärung beantragt. Vor dem Hintergrund der nachfolgenden Erwägungen ist jedoch von einem in entscheidrelevanter Hinsicht bereits hin reichend erstellten Sachverhalt auszugehen, weshalb das Gericht in der Sache zu entschei- den hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG). 6. 6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 lit. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der Regel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 lit. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher aufgehalten hat. 6.2 Bei Griechenland als Mitgliedstaat der EU handelt es sich um einen sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 lit. b AsylG. Den vorinstanz- lichen Akten ist sodann zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in Grie- chenland internationaler Schutz gewährt worden ist und die griechischen Behörden ihrer Rückübernahme ausdrücklich zugestimmt haben. Dem- nach sind die Voraussetzungen für ei nen Nichteintretensentscheid gege- ben. 6.3 Die Vorinstanz ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 lit. a AsylG nicht auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh- rers eingetreten. 7. Tritt die Vorinstanz auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt sie in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt in der Schweiz weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H). 8. 8.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Griechenland entgegenste- hen. Ist der Vollzug der Weg weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den D-4880/2024 Seite 7 gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollz ugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9. 9.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gez wungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.2 Gemäss Art. 6a Abs. 2 lit. b AsylG be steht zugunsten sicherer Dritt- staaten die Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen, darunter im Wesentlichen das Refoulement -Verbot und grundlegende menschenrechtliche Garantien, einhalten (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-4040/2021 vom 7. Oktober 2021 E. 9.3). 9.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seinem Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situation in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtspre- chung festgehalten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechen- land für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätz- lich zulässig ist. Das Gericht geht nicht von einer Situation aus, in der jeder Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und ernied- rigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen D-4880/2024 Seite 8 würde. Trotz existierender Schwachstellen kann dieser Praxis entspre- chend und entgegen den Beschwerdevorbringen nicht von einem dysfunk- tionalen Aufnahmesystem gesprochen werden. Gewisse Angebote existie- ren in Griechenland, die auch für Schutzberechtigte offenstehen, wenn auch die Kapazitäten kaum ausreichend sein dürften und diese bisher vor allem von internationalen Akteuren in Zusammenarbeit mit der lokalen Zi- vilgesellschaft erbracht und finanziert werden. Es ist unbestritten, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind; dennoch ist im heuti- gen Zeitpunkt nicht von einem «real risk» auszugehen, dass Rückkehren- den mit Schutzstatus dort eine völkerrechtswidrige Behandlung droht. Diese Regelvermutung kann im Einzelfall umgestossen werden, wobei es der betroffenen Person obliegt, ernsthafte Anhalt spunkte dafür vorzubrin- gen, dass die griechischen Behörden im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschen- unwürdigen Lebensumständen aussetzen würden (vgl. Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 E. 11.4). 9.4 Dem Beschwerdeführer ist es vorliegend nicht gelungen, die Regelver- mutung der Zulässigkeit um zustossen. So stellt das SEM zu Recht fest, dass keine Gründe ersichtlich sind, wonach der Beschwerdeführer bei ei- ner Rückkehr nach Griechenland menschenunwürdigen Lebensumstän- den ausgesetzt würde, die griechischen Behörden das Völkerrecht verlet- zen oder ihm nicht den notwendigen Schutz gewähren würden. 10. 10.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge- fährdet sind. 10.2 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (vgl. Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 E. 11.3). Die Legalvermutung der Zumu tbarkeit des Vollzugs der Wegweisung gilt be- treffend Griechenland selbst für vulnerable Personen, wie zum Beispiel Personen, die an gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht als schwer- wiegende Erkrankung einzustufen sind (vgl. ebd. E. 11.5.1). Auch diese Vermutung kann im Einzelfall umgestossen werden, wobei es wiederum der betroffenen Person obliegt, ernsthafte Anhalt spunkte dafür D-4880/2024 Seite 9 vorzubringen, dass sie in Griechenland aufgrund von individuellen Umstän- den sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. ebd. E. 11.4). Nicht aufrechterhalten wurde im genannten Urteil die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung bei Personen, welche auf- grund ihrer besonders hohen Verletzlichkeit im Fa ll einer Rückkehr nach Griechenland Gefahr laufen, dauerhaft in eine schwere Notlage zu geraten, weil sie nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft die ihnen zustehenden Rechte vor Ort einzufordern. In solchen Fällen setzt die Annahme der Zu- mutbarkeit das Vorliegen besonders begünstigender Umstände voraus. Die Vorinstanz sei gehalten, in Fällen, in denen die Gesuchstellenden zum genannten Personenkreis der äusserst Verletzlichen gehören, vertiefte Ab- klärungen vorzunehmen (vgl. ebd. E. 11.5.3). Dem SEM ist auch dahingehend zuzustimmen, dass keine Gründe gegen eine Zumutbarkeit der Wegweisung sprechen. So wird zu Recht ausge- führt, dass die rechtlichen Garantien in Bezug auf eine Erwerbstätigkeit und Gewährung einer Unterkunft bei der zuständigen Behörde und nötigenfalls auf dem Rechtsweg eingefordert werden können. Es deutet nichts darauf hin, dass der Beschwerdeführer seine Rechte nicht aus eigener Kraft ein- fordern könnte. Vielmehr ist festzustellen, dass er bereits zeitweise arbeits- tätig war, eine Wohnung mieten konnte und offenbar in der Lage war, be- trächtliche Summen Geld an seine Familie in Syrien zu schicken. Auch in Bezug auf die geltend gemachte Bedrohung durch Privatpersonen argu- mentiert die Vorinstanz korrekterweise, dass die griechischen Behörden grundsätzlich als schutzfähig und schutzwillig zu bezeichnen sind. Das SEM qualifizierte den Beschwerdeführer zu Recht nicht als eine be- sonders vulnerable Person. Entgegen den Ausführungen des Beschwer- deführers ist er im Vergleich zu anderen Schutzberechtigten in Griechen- land nicht besonders verletzlich. So verlangen weder das Alter, die finanzi- elle Situation, die Arbeitserfahrung oder die Sprachkenntnisse des Be- schwerdeführers besonders begünstigende Umstände, um die Wegwei- sung des Beschwerdeführers zumutbar zu machen. 10.3 Da der Beschwerdeführer nicht als äusserst vulnerable Person einzu- stufen ist, müsste er die gesetzliche Vermutung der Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs umstossen. Auch dies ist ihm nicht gelungen. Dem Ge- richt sind die Verhältnisse in Griechenl and bekannt und erachtet es als glaubhaft, dass der Beschwerdeführer in Griechenland unter schwierigen D-4880/2024 Seite 10 Bedingungen gelebt habe. Praxisgemäss ist ihm aber zuzumuten, sich um eine Arbeit zu bemühen, sich für eine Unterkunft und Sozialleistungen an die entsprechenden Stellen zu wenden und im Bedarfsfall ihre Rechte ein- zufordern. Bei allfälligen Bedrohungslagen seitens Privater kann er sich um staatlichen Schutz bemühen. 11. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich auch als möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG), nachdem die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Be- schwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben. 12. Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug nach Griechenland zu Recht als zulässig, zumutbar un d möglich bezeichnete, weshalb die Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1-4 AIG). 13. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletz t und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 14. 14.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist ungeachtet der geltend gemachten prozessualen Bed ürftigkeit abzuwei- sen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend den vorstehenden Er- wägungen von vornherein als aussichtlos erwiesen haben. 14.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-4880/2024 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Linn Amanda Szemberg