Entscheid des Steuer- und Enteignungsgerichts Basel-Landschaft, > Abteilung Enteignungsgericht vom 15. Dezember 2016 (600 16 26) Formelle und materielle Enteignung Enteignungsrechtliches Plangenehmigungsverfahren: Unterschied zwischen ordentl i- chem und abgekürztem Verfahren / Formelle Teilenteignung: Entschädigung für zu Wohnzwecken genutztes Land in der Landwi rtschaftszone / Materielle Enteignung: Entschädigung für die Duldung eines Kandelabers auf dem verbleibenden Grundstück Gemäss § 41 Abs. 1 EntG kann an Stelle des ordentlichen Plangenehmigungsverfahrens , das eine 20-tägige öffentliche Auflage und eine 10-tägige Einsprachefrist ab Beendigung der Auflage vorsieht, das abgekürzte Plangenehmigungsverfahren angeordnet werden, bei we l- chem die öffentliche Planauflage wegfällt und durch eine briefliche Anzeige ersetzt wird. Gemäss § 41 Abs. 2 EntG hat die briefliche Anzeige an den Enteigneten in Analogie zum ordentlichen Plangenehmigungsverfahren mittels Einschreiben zu erfolgen. Dem Ei nschrei- ben muss wie beim o rdentlichen Plangenehmigungsverfahren ein Auszug aus de r Grunder- werbstabelle beiliegen. Im Gegensatz zum ordentlichen Plangenehmigungsverfahren ist das Einschreiben im abgekürzten Verfahren durch eine Kopie des den Enteigneten betreffenden Ausschnitts aus dem Werkplan zu ergänzen (§ 41 Abs. 2 EntG). Darüber hinaus ist der En t- eignete darauf hinzuweisen, dass er bis spätestens zehn Tage nach Erhalt der Anzeige bei der BUD schrif tlich Einspr ache gegen die Ina nspruchnahme (d.h. gegen die b eabsichtige Enteignung) erheben kann (§ 41 Abs. 2 EntG). Schliesslich ist er gl eichzeitig auch aufzufor- dern, innert derse lben Frist eine allfällige En tschädigungsforderung schriftlich anz umelden (§ 41 Abs. 2 EntG). (E. 2.1.2) Bei der Festlegung der Enteignungsentschädigung darf vorliegend nicht streng auf die Z o- nenzugehörigkeit abgestellt werden, da die streitbetroffene Parzelle überbaut ist und nicht zu Landwirtschafts-, sondern zu Wohnzwecken genutzt und vermietet wird. (E. 2.2.2.2) Vorliegend geht es um die Errichtung eines Kandelabers auf der den Enteigneten verble i- benden Fläche. Der Kandelaber stellt eine Nebenanlage der Kantonsstrasse dar und ist Be- standteil des Situationsplans Nr. 2151 / 20 C vom 30. September 2015. Der Bau eines Ka n- delabers führt zu einer Beschränkung der Nutzungsbefugnisse der Grundeigentümer, ohne dass sich die Trägerschaft der Eigentumsrechte ändern würde. Es ist demnach von einer materiellen Enteignung auszugehen, die voll zu entschädigen ist. (E. 2.3) 600 16 26 Urteil vom 15. Dezember 2016 Besetzung Abteilungspräsident Dr. Ivo Corvini-Mohn, Richter Peter Issler, Richter Danilo Assolari, Richter Arvind Jagtap, Richter Thomas Waldmeier, Gerichtsschreiber Thomas Kürsteiner Gerichtsschreiberin i.V. Larissa Manera Parteien A.____, Enteigner, gegen B.____ und C.____, Enteignete Gegenstand Entschädigung aus formeller und materieller Enteignung A. Mit Beschluss vom 25. Februar 2016 [600 15 64] wies das Enteignungsgericht in der vo r- liegenden Angelegenheit ein Gesuch um vorzeitige Besitzeinweisung ab. Das Gericht erwog, dass die tatbestandsmässigen Voraussetzungen einer vorzeitigen Besitzeinwe i- sung nicht gegeben seien. So sei der Bau der verfahrensgegenständlichen Mittelinsel weder zeitlich dringlich noch würden mit einer Verzögerun g des Baus bedeutende Nac h- teile finanzieller Art oder für die Sicherheit der Radfahrer einhergehen ( Beschluss des Enteignungsgericht vom 25. Februar 2016 [600 15 64] E. 2.1 f.). Weiter hielt das Gericht fest, dass der Enteigner die Verfahrensvorschriften zum enteignungsrechtlichen Plang e- nehmigungsverfahren nicht eingehalten habe und deshalb nicht über d as notwendige Enteignungsrecht für die geplante Mittelinsel verfüge ( Beschluss des Enteignungsgeric ht vom 25. Februar 2016 [600 15 64] E. 2.4 f.). B. Die Bau - und Umweltschutzdirektion (BUD) hat die Enteigneten mit Einschreiben vom 14. April 2016 (versandt am 20. April 2016) darüber orientiert, dass in Bezug auf deren Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs D._ ___ das enteignungsrechtliche Plangenehm i- gungsverfahren nachgeholt werden müsse. Der Enteigner wies die Enteigneten darin auf die Gelegenheit der Einsprache innert 10 Tagen ab Erhalt dieses Schreibens hin und fo r- derte sie auf, innert derselben Frist ihre E ntschädigungsforderungen anzumelden. Mit gleichem Einschreiben erhielten die Enteigneten das Landerwerbsblatt, den Werkplan sowie einen Auszug aus dem Werkplan. C. Am 15. Juli 2016 ordnete die BUD mit Bezug auf Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs D.____ das abgekürzte Plangenehmigungsverfahren gemäss § 41 des Gesetzes über die Enteignung vom 19. Juni 1951 (EntG, SGS 410) an (vgl. Entscheid der BUD Nr. 257 vom 15. Juli 2016). In der Folge wies die BUD die Enteigneten mit Einschreiben vom 19. Juli 2016 darauf hin, dass mit Bezug auf ihre Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs D.____ das abgekürzte Plangenehmigungsverfahren angeordnet worden sei. Im erwähnten Schreiben wurde den Enteigneten zur Kenntnis gebracht, dass aufgrund des Bauprojekts «kombi-nierter Rad- und Wanderweg zwischen E.____ und D.____» ca. 90 m² ihrer Parzelle dau- ernd enteignet und ca. 285 m² ihrer Parzelle vorübergehend beansprucht werde. Die BUD wies die Enteigneten schliesslich darauf hin, eine allfällige Einsprache gegen die Ina n- spruchnahme des Grunds tücks sowie die Anmeldung der Entschädigungsforderungen innert zehn Tagen nach Erhalt dieses Schreibens einzureichen. Dem Einschreiben lagen der Werkplan, ein Ausschnitt des Werkplanes, der Situationsplan, der Landerwerbsplan sowie das Landerwerbsblatt bei. D. Mit Eingabe vom 15. September 2016 stellte der Enteigner beim Enteignungsgericht fo l- genden sinngemässen Antrag auf Festsetzung der Enteignungsentschädigung: Erstens sei das Verfahren betreffend Festlegung der Enteignungsentschädigung gemäss § 47 EntG im Zusammenhang mit dem Bauprojekt für den Radweg zwischen E.____ und D.____ und der damit verbundenen Teilenteignung der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs D.____ zu eröffnen. Zweitens sei den Enteigneten für die dauernde Enteignung von ca. 87 m² ihrer Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs D.____ gemäss den von der Bau - und Umweltschutzdirektion als rechtskräftig genehmigten Plänen eine Enteignungsentschäd i- gung von Fr. 4.20, insgesamt Fr. 365.40, zuzusprechen. Drittens sei festzustellen, dass für die 3 m² Uferschutzzone keine Entschädigung geschuldet sei. Viertens sei das Grund- buch anzuweisen, die Eigentumsübertragung vorzunehmen. Fünftens sei festzustellen, dass für die vorübergehende Beanspruchung der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs D.____ von ca. 385 m², die b leibenden Terrainveränderungen sowie die Erstellung eines Kandelabers gemäss den von der BUD als rechtskräftig genehmigten Plänen keine En t- schädigung geschuldet sei. Sechstens seien die o/e -Kosten gemäss Enteignungsgesetz festzulegen. E. Mit Präsidialverfügung vom 20. September 2016 haben die Enteigneten eine einmal ers t- reckbare Frist zur Stellungnahme sowie eine nicht erstreckbare Nachfirst zur Anmeldung einer Entschädigungsforderung für die vom Enteigner in Aussicht gestellte Enteignung bis zum 5. Oktober 2016 erhalten. F. Mit Präsidialverfügung vom 12. Oktober 2016 wurde den Enteigneten die Frist zur Ste l- lungnahme letztmalig bis zum 18. Oktober 2016 erstreckt. Mit Stellungnahme vom 18. Oktober 2016 liessen sich die Enteigneten dahingehend vernehmen, dass si e keine Entschädigung akzeptieren werden, da die §§ 51 und 54 f. EntG erst nach der Hauptve r- handlung vom 25. Februar 2016 in Kraft getreten seien und deshalb auf die vorliegende Angelegenheit nicht hätten angewendet werden dürfen. Weiter brachten die Entei gneten vor, es brauche die zu enteignende Fläche der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs D.____ für das Bauprojekt «kombinierter Rad - und Wanderweg zwischen E.____ und E.____ » überhaupt nicht und machten schliesslich eine Schadensersatzforderung in der Höhe v on Fr. 10‘000‘000.00 geltend. G. Mit Präsidialverfügung vom 25. Oktober 2016 erhielt der Enteigner eine nicht erstreckbare Frist zur Stellungnahme bis zum 9. November 2016. In seiner Stellungnahme vom 9. November 2016 hielt der Enteigner an seinen Rechtsbe gehren fest und führte aus, dass die §§ 51 und 54 f. EntG für den vorliegenden Fall gelten würden. Der Enteigner machte weiter geltend, dass das Verfahren betreffend das Bauprojekt abgeschlossen und rechtskräftig und die Entschädigungsforderung der Enteign eten eine Phantasieforderung sei. Der Verkehrswert solle anhand von Vergleichspreisen festgelegt werden, wobei zu berücksichtigen sei, dass eine weitere Bebauung der Parzelle nur beschränkt möglich sei. Schliesslich werde die Lebensqualität durch die Enteignung nicht eingeschränkt, die neue Mauer mit Lärmschutzwand wirke sich positiv auf die Lebensqualität aus. H. Mit Präsidialverfügung vom 10. November 2016 wurde der Schriftenwechsel geschlossen und der Fall der Kammer zur Durchführung einer Hauptverhandlu ng (inklusive Auge n- schein) überwiesen. Mit Einschreiben vom 11. November 2016 wurden die Parteien zur Hauptverhandlung (inklusive Augenschein) vom 15. Dezember 2016 vorgeladen. I. Anlässlich der heutigen mit einem Augenschein verbundenen Hauptverhandlung halten die Parteien an ihren Begehren und Begründungen fest. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. Das Enteignungsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Formelles 1.1 Prozessvoraussetzungen 1.1.1 Sachliche Zuständigkeit Gemäss § 47 Abs. 1 EntG werden Art und Höhe der Enteignungsentschädigung durch das Enteignungsgericht festgelegt. Das Enteignungsgericht entscheidet ausserdem bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Enteigner und Enteigneten über die Nebenfo lgen der Enteignung (§ 47 Abs. 2 EntG). Für das vorliegende Verfahren ist das Enteignungsge- richt folglich sachlich zuständig. 1.1.2 Örtliche Zuständigkeit Das Enteignungsgericht ist örtlich für alle Enteignungen auf dem Gebiet des Kantons B a- sel-Landschaft zuständig, soweit nicht Bundesrecht anwendbar ist (vgl. § 1 EntG). Da die streitbetroffene Parzelle auf dem Gemeindegebiet der Einwohnergemeinde D.____ liegt und da es sich bei dem der Enteignung zugrunde liegenden Bau einer Mittelinsel um ein kantonales Projekt handelt, welches sich nach dem Recht des Kantons Basel -Landschaft richtet, ist das Enteignungsgericht örtlich zuständig (vgl. auch Ziff. 1.2 nachstehend). 1.1.3 Funktionelle Zuständigkeit § 47 Abs. 1 EntG hält fest, dass das «Enteignungsgericht» die Art und Höhe der Entschä- digung festsetzt. Damit fällt der Entscheid in die Kompetenz des Gesamtgerichts, das heisst der Fünferkammer. 1.1.4 Übrige Prozessvoraussetzungen Für das Verfahren vor dem Enteignungsgericht gelten nach § 47 Abs. 3 EntG sinngemäss die Bestimmungen des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung vom 16. Dezember 1993 (Verwaltungsprozessordnung, VPO, SGS 271), nach welchen das Gericht die Prozessvoraussetzungen von Amtes wegen prüft (vgl. § 16 Abs. 2 VPO). Da der Kanton B asel-Landschaft als Enteigner zum Antrag legitimiert ist und auch die übrigen Prozessvoraussetzungen vorliegen, ist auf den Antrag auf Festsetzung der En t- eignungsentschädigung einzutreten. 1.2 Anwendbares Recht Fraglich könnte sein, ob das Enteignungsrecht des Bundes oder des Kantons anwendbar ist (vgl. Ziffer 1.1.2 hiervor). Die Parzelle der Enteigneten grenzt an die Hauptstrasse. Diese ist vom infrage stehenden Bauprojekt betroffen. Gemäss Strassennetzplan Sie d- lung der Gemeinde D.____ ist die Hauptstrasse eine Kantonsstrasse. Das geplante Ba u- projekt des Enteigners betrifft die Kantonsstrasse sowie zusätzliche, an die Kantonstrasse anstossende Flächen in Privateigentum, darunter die streitbetroffene Parzelle der Entei g- neten. Die Erstellung von Rad - und Wanderwegen fällt in die sachliche Kompetenz der Kantone, eine Bundeskompetenz dafür gibt es nicht. Gemäss § 22 Abs. 1 des Strassen- gesetzes vom 24. März 1986 (SGS 430) kann das erforderliche Land für den Bau, Ausbau oder die Korrektion einer Kantonsstrasse mit ihren Nebenanlagen (z.B. Fuss - und Rad- weg) alternativ im Landumlegungs -, Quartierplan - sowie im Enteignungsverfahren oder freihändig erworben werden. Dabei gelten für Kantonsstrassen nebst den Bestimmungen des Strassengesetzes auch die Bestimmungen des Rau mplanungs- und Baugesetzes vom 8. Januar 1998 (RBG, SGS 400) (vgl. § 7 Abs. 2 StrG). Da das Raumplanungs - und Baugesetz keine anderslautenden Bestimmungen enthält, ist für das vorliegende Verfa h- ren das kantonale Enteignungsrecht, namentlich das Enteignungsgesetz, anwendbar (vgl. § 76 RBG). 2. Materielles 2.1 Enteignungsrecht Die Enteigneten bringen vor, dass das Bauprojekt «kombinierter Rad - und Wanderweg zwischen E.____ und D.____ » nicht gültig sei. Der Enteigner führt demgegenüber aus, dass das Verfahren betref fend das infrage stehende Bauprojekt abgeschlossen und rechtskräftig sei. Es stellt sich die Frage, ob der Enteigner über das Enteignungsrecht verfügt. Gemäss Rechtsprechung des Enteignungsgerichts steht dem Gemeinwesen das Enteignungsrecht zu, wenn nebe n dem Vorliegen eines rechtskräftigen Nutzungsplans auch das entei g- nungsrechtliche Plangenehmigungsverfahren durchgeführt worden ist ( Beschluss des Enteignungsgerichts vom 25. Februar 2016 [600 15 64] E. 2.4 f.). 2.1.1 Nutzungsplanung Vorliegend ist aufgrund der Unterlagen erstellt, dass das Planauflageverfahren im Sinne von § 13 RBG durchgeführt worden ist (sog. kantonale Nutzungsplanung; vgl. Ziffer 2 des Entscheids Nr. 94 der BUD vom 2. März 2015, das Einschreiben des Tiefbauamts vom 3. März 2015 an die Enteigneten sowie der Auszug aus dem Amtsblatt Nr. 10 vom 5. März 2015, in welchem mittels öffentlicher Publikation auf die Planauflage vom 9. März 2015 bis 10. April 2015 hingewiesen worden ist). Da schliesslich keine unerledigten Ei n- sprachen mehr gegen die kantonale Nutzungsplanung für den kombinierten Rad - und Wanderweg vorgelegen hatten, erklärte die B UD die Projekt - bzw. Nutzungspläne mit Entscheid Nr. 375 vom 19. Oktober 2015 für rechtskräftig. Als Zwischenfazit ist damit festzuhalten, dass für den Bau der für die Enteignung Anlass gebenden Mittelinsel eine rechtskräftige Nutzungsplanung vorhanden ist. 2.1.2 Enteignungsrechtliches Plangenehmigungsverfahren Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob der Enteigner das enteignungsrechtliche Plangenehm i- gungsverfahren durchgeführt hat bzw. ob die entsprechenden Verfahrensvorschriften des Enteignungsgesetzes (EntG) eingehalten worden sind (vgl. §§ 39 ff. EntG). Gemäss § 41 Abs. 1 EntG kann die Baudirektion an Stelle des ordentlichen Plangene h- migungsverfahrens das abgekürzte Plangenehmigungsverfahren anordnen, sofern die von der Enteignung Betroffenen genau bestimmt werd en können, vor allem bei verhäl t- nismässig kleiner Zahl der Enteigneten. Gemäss § 41 Abs. 2 EntG ist dem Enteigneten das abgekürzte Plangenehmigungsverfahren persönlich anzuzeigen, was in Analogie zum ordentlichen Plangenehmigungsverfahren mittels Einschre iben zu geschehen hat (vgl. § 40 Abs. 3 EntG). Dem Einschreiben muss wie beim ordentlichen Plangenehmigungsver- fahren ein Auszug aus der Grunderwerbstabelle beiliegen (§ 41 Abs. 2 i.V.m. § 40 Abs. 3 EntG; ferner § 39 Abs. 1 Ziff. 2 und 3 EntG). Im Gegensatz zum ordentlichen Plangeneh- migungsverfahren ist das Einschreiben im abgekürzten Verfahren durch eine Kopie des den Enteigneten betreffenden Ausschnitts aus dem Werkplan zu ergänzen (§ 41 Abs. 2 EntG). Darüber hinaus ist der Enteignete darauf hinzuweisen, dass er bis spätestens zehn Tage nach Erhalt der Anzeige bei der BUD schriftlich Einsprache gegen die Inanspruc h- nahme (d.h. gegen die beabsichtige Enteignung) erheben kann (§ 41 Abs. 2 EntG). Schliesslich ist er gleichzeitig auch aufzufordern, innert dersel ben Frist eine allfällige En t- schädigungsforderung schriftlich anzumelden (§ 41 Abs. 2 EntG). Am 15. Juli 2016 hat die BUD mit Entscheid Nr. 257 das abgekürzte Plangenehmigung s- verfahren gemäss § 41 EntG mit Bezug auf die Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs d er Einwohnergemeinde D.____ angeordnet. Die BUD hat die Enteigneten mit Einschreiben vom 19. Juli 2016 über die Anordnung des abgekürzten Plangenehmigungsverfahrens orientiert. Im erwähnten Schreiben wurden die Enteigneten darauf hingewiesen, dass durch das Bauprojekt «kombinierter Rad- und Wanderweg zwischen E.____ und D.____» ca. 90 m² ihrer Parzelle dauernd enteignet und ca. 285 m² ihrer Parzelle vorübergehend beansprucht werden und dass allfällige Einsprachen gegen die Inanspruchnahme des Grundstücks in nert zehn Tagen nach Erhalt dieser Anzeige bei der BUD einzureichen sind. Sie wurden aufgefordert, Entschädigungsforderungen innert derselben Frist anz u- melden. Gleichzeitig sind den Enteigneten der Werkplan, ein Ausschnitt des Werkplanes, der Situationsplan, der Landerwerbsplan sowie das Landerwerbsblatt zugestellt worden. Der Enteigner hat demnach die Verfahrensvorschriften zum enteignungsrechtlichen Pla n- genehmigungsverfahren eingehalten, indem er das abgekürzte Verfahren durchgeführt hat. 2.1.3 Zwischenfazit Dem Enteigner steht das Enteignungsrecht zu, da sowohl ein rechtskräftiger Nutzung s- plan vorliegt als auch das abgekürzte Plangenehmigungsverfahren unter Beachtung der einschlägigen Verfahrensvorschriften durchgeführt worden ist. Das Plangenehmigung s- verfahren ist rechtskräftig abgeschlossen. 2.2 Formelle Enteignung Nachfolgend stellt sich zunächst die Frage, ob die von den Enteigneten geltend gemachte Entschädigungsforderung sachlich zu beurteilen ist. Sodann ist darüber zu befinden, ob eine Entschädigung für die formelle Enteignung einer Teilfläche von 90 m² der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ geschuldet ist und wenn ja, in welcher Höhe. 2.2.1 Entschädigungsforderung Gemäss § 41 Abs. 2 EntG können die von einer Planung betroffenen Bere chtigten im ab- gekürzten Plangenehmigungsverfahren ihre Entschädigungsforderung innert einer zeh n- tägigen Frist nach Erhalt der persönlichen Anzeige des Plangenehmigungsverfahrens anmelden. Die Enteigneten haben innert dieser Frist keine Entschädigungsforder ung an- gemeldet. Gemäss § 51 EntG setzt der Präsident des Enteignungsgerichts dem Enteigne- ten, welcher seine Entschädigungsforderung nicht gemäss § 40 Abs. 4 EntG bereits a n- gemeldet hat, eine angemessene Nachfrist. In § 51 EntG fehlt ein Verweis auf § 41 Abs. 2 EntG, also auf das abgekürzte Plangenehmigungsverfahren. Die Auslegungsregel des Analogieschlusses besagt, dass eine gesetzliche Regelung auf einen Sachverhalt a n- wendbar ist, der zwar nicht unter den Wortlaut der Vorschrift subsumiert werden kann, auf den jedoch deren Grundgedanke und Sinn zutreffen (BGE 98 Ia 35 E. 3a). Vorausgesetzt ist also eine hinreichende Ähnlichkeit der zu regelnden Verhältnisse (BGE 129 V 345 E. 4.1; BGE 129 V 27 E. 2.2). In § 40 Abs. 3 i.V.m. § 40 Abs 4 EntG ist geregelt, dass die betroffenen Berechtigten im Plangenehmigungsverfahren darauf hinzuweisen sind, dass sie bis spätestens zehn Tage nach Beendigung der Planauflage ihre Entschädigungsfo r- derung anmelden müssen. § 41 Abs. 2 EntG regelt für das abgekürzte Plangenehm i- gungsverfahren den gleichen Sachverhalt. Per Analogieschluss ist folglich davon ausz u- gehen, dass § 51 EntG auch auf das abgekürzte Plangenehmigungsverfahren anzuwe n- den ist. Mit Präsidialverfügung vom 20. September 2016 wurde den Enteigneten eine Nachfrist bis zum 5. Oktober 2016 gesetzt, um Entschädigungsforderungen beim Enteignungsgericht anzumelden. Die Enteigneten haben innerhalb dieser Nachfrist keine Entschädigungsfo r- derung geltend gemacht. Meldet der Enteignete seine Entschädigungsforderung nicht innert der vom Präsidenten des Enteignungsgerichts gesetzten Nachfrist an, verliert er unter Vorbehalt der §§ 54 und 56 EntG das Recht, Minderwerts - und Inkonvenienzent- schädigungen, Ausdehnungen der Enteignung oder Sachentschädigungen zu verlangen (§ 51 EntG). Die Enteigneten machen diesbezüglich geltend, dass die §§ 51 und 54 f. EntG erst am 19. Juni 2016 in Kraft getreten seien und diese Bestimmungen aus diesem Grund auf sie keine Anwendung finden können. Das Gesetz über die Enteignung vom 19. Juni 1950 ist am 1 . Januar 1951 in Kraft getreten. Änderungen von §§ 51 Abs. 1, 54 Abs. 3 sowie 56 Abs.1 EntG wurden am 8. Mai 1967 beschlossen und traten am 1. Januar 1968 in Kraft. Eine Rückwirkung der von den Enteigneten gerügten Paragr a- phen liegt somit von Vornherein nicht vor. Die mit Eingabe vom 18. Oktober 2016 von den Enteigneten gestellten Mehrforderungen erfolgten somit verspätet. Da auch kein Fall nach § 54 EntG (Ausschluss von Säumnisfolgen) vorliegt, sind die Mehrforderungen der En t- eigneten sachlich nicht zu beurteilen. 2.2.2 Enteignungsentschädigung 2.2.2.1 Parteivorbringen Der Enteigner erachtet einen Preis von CHF 4.20/m ² für die in der Landwirtschaftszone liegende Teilfläche der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ als angemessen. Gemäss der La ndpreisstatistik des Hochbauamtes wurden in der Gemeinde D.____ in der Landwirtschaftszone Preise zwischen CHF 2.30/m² und CHF 4.80/m² bezahlt. Landpreis nach Kaufdatum; Gemeinde D.____ Nr. Zone Fläche (m²) Verkaufsjahr Preis CHF/m² 1. Landwirtschaftszone 4‘658 30.03.2011 4.80 2. Landwirtschaftszone 12‘643 28.08.2009 3.50 3. Landwirtschaftszone 4‘733 28.08.2009 3.90 4. Landwirtschaftszone 3‘836 28.08.2009 4.20 5. Landwirtschaftszone 5‘618 28.08.2009 4.20 6. Landwirtschaftszone 1‘740 28.08.2009 4.20 7. Landwirtschaftszone 26‘306 11.07.2008 3.90 8. Landwirtschaftszone 2‘167 11.07.2008 2.30 9. Landwirtschaftszone 16‘367 11.07.2008 3.00 10. Landwirtschaftszone 2‘007 11.07.2008 3.00 11. Landwirtschaftszone 606 19.12.2007 3.50 12. Landwirtschaftszone 200 12.09.2006 237.80 13. Landwirtschaftszone 1‘313 06.05.2004 3.00 14. Landwirtschaftszone 338 18.02.2004 4.00 15. Landwirtschaftszone 414 14.03.2001 2.95 16. Landwirtschaftszone 328 14.03.2001 2.95 17. Landwirtschaftszone 1‘248 06.02.2001 3.60 Neben der Landpreisstatistik berücksichtigt der Enteigner bei der Festlegung des En t- schädigungspreises auch die Erwerbspreisstatistik des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain. Gemäss dieser Statistik werden in D.____ Referenzpreise von CHF 5.30/m² bei 100 Bodenpunkten erreicht. Da die Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnerg e- meinde D.____ bereits überbaut sei und landwirtschaftlich nicht genutzt werde, werde sie auch nicht mit Bodenpunkten bewertet. Die Parzellen nördlich der stre itbetroffenen Par- zelle seien jedoch mit 80 -90 Bodenpunkten bewertet worden. Bei einem durchschnittl i- chen Referenzpreis von CHF 5.30/m² bei 100 Bodenpunkten ergeben 80-90 Bodenpunkte Preise zwischen CHF 4.24/m² und CHF 4.77/m². Da die streitbetroffene Parze lle bereits überbaut sei und landwirtschaftlich nicht genutzt werde, rechtfertige es sich, den Betrag von CHF 4.24/m² auf CHF 4.20/² abzurunden. Dieser Preis liege auch im Durchschnitt der Landpreisstatistik des Hochbauamts. Für die in der Uferschutzzone liegenden 3 m² der streitbetroffenen Parzelle ist der Enteig- ner der Ansicht, dass keine Entschädigung geschuldet sei. Die Enteigneten liessen sich dazu nicht vernehmen. 2.2.2.2 Höhe der Enteignungsentschädigung Die Enteignungsentschädigung gilt gemäss §§ 17 und 19 EntG alle Nachteile ab, die dem Enteigneten aus der Entziehung oder Beschränkung seiner Rechte erwachsen. Demnach sind zunächst der volle Verkehrswert des enteigneten Grundstücks oder Rechts (§ 19 Abs. 1 lit. a EntG) und, wenn von einem Grundstück nur ein Teil in Anspruch genommen wird, auch der Betrag, um den der Verkehrswert des verbliebenen Teils sich vermindert (Minderwert, § 19 Abs. 1 lit. b EntG), zu vergüten. Zusätzlich sind alle weiteren dem En t- eigneten verursachten Nachteile zu entschädigen, di e sich nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge als Folge der Enteignung voraussehen lassen (Inkonvenienzen, § 19 Abs. 1 lit. c EntG). Bei der Ermittlung des Verkehrswerts ist auch die Möglichkeit einer besseren Verwendung angemessen zu berücksichtigen (§ 19 Abs. 2 EntG). Das Enteignungsgericht ist bei seinen Entscheiden an die Anträge der Parteien nicht gebunden (§ 68 Abs. 1 EntG). Die Enteignungsentschädigung ist entweder nach objektiven Gesichtspunkten, d. h. nach dem Wert, den das enteignete Recht aufgrund der bisherigen Nutzung oder einer mögl i- chen besseren Verwendung für einen Käufer aufweist (Verkehrswert) oder aber nach sub- jektiven Kriterien, d. h. nach dem Interesse des Enteigneten an der Beibehaltung des frag- lichen Rechts zu bemessen (BGE 113 IB 39 E. 2a mit Hinweisen). Gemäss bundesve r- waltungsgerichtlicher Rechtsprechung ist diejenige Methode anzuwenden, die für den Enteigneten günstiger ist (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 11. November 2013 A-5581/2012 E. 6.8.1; HEINZ HESS/ HEINRICH WEIBEL, Das Enteignungsrecht des Bundes, Bd. I, Bern 1986, N 10 zu Art. 19). Der zu entschädigende Verkehrswert ist primär anhand von Vergleichspreisen festzulegen (statistische Methode oder Vergleichsmethode). We l- chen Preis eine unbestimmte Vielzahl von Kaufsint eressenten auf dem freien Markt für das enteignete Grundstück bezahlt hätte, lässt sich am zuverlässigsten aufgrund der ta t- sächlich gehandelten Preise für vergleichbare Liegenschaften ermitteln. Allerdings führt diese Methode nur zu richtigen Resultaten, wenn Vergleichspreise in genügender Zahl für Objekte ähnlicher Beschaffenheit zur Verfügung stehen. An diese Voraussetzung dürfen jedoch nicht zu hohe Anforderungen gestellt werden. So erfordert die Vergleichbarkeit nicht, dass in Bezug auf Lage, Grösse, Er schliessungsgrad und Ausnützungsmöglichkeit praktisch Identität besteht. Allfälligen Unterschieden der Vergleichsgrundstücke kann durch Preiszuschläge oder -abzüge Rechnung getragen werden. Auch braucht das Ve r- gleichsgrundstück nicht im selben Quartier zu liegen, sofern es hinsichtlich Lage, Umg e- bung, Ausnützungsmöglichkeit usw. dem Schätzungsobjekt ähnlich ist ( BGE 122 I 168 E. 3a). Für die Ermittlung der Entschädigung für Landabtretungen ist in der Regel auf den Ve r- kehrswert im Zeitpunkt der Hauptverhand lung vor erster Instanz abzustellen (vgl. Urteile des Enteignungsgerichts vom 29. März 2004 [600 02 105] E. 4a, vom 27. Juni 2003 [600 03 21] E. 3b). Für den vorliegenden Fall hat deshalb – vorbehältlich der Verzinsungs- frage – der 15. Dezember 2016 als massgebender Stichtag und Bewertungszeitpunkt zu gelten. Die Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ liegt in der Lan d- wirtschafts-, Naturschutz- sowie Uferschutzzone und ist überbaut. Die von der Enteignung betroffene Teilfläche ist unbebaut und liegt in der Landwirtschafts - sowie Uferschutzzone. Die vom Enteigner eingereichte Liste der Bau - und Umweltschutzdirektion, Amt für Li e- genschaftsverkehr, enthält Landpreise nach Kaufdatum für Parzellen in der Landwir t- schaftszone der Gemeinde D.____. Die Nrn. 1 -11 sowie 13 -17 befinden sich ausserhalb des Dorfkerns.1 Die zu enteignende Teilfläche der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ liegt demgegenüber an der Hauptstrasse (Kantonsstrasse) am Rand des Siedlungsgebiets und wird nicht landwirtschaftlich, sondern als Mietliege n- schaft genutzt. Lediglich Nr. 12 befindet sich ebenfalls an der Hauptstrasse. Für Nr. 12 wurde im Jahre 2006 ein Preis von Fr. 237.80/m² bezahlt. Es handelt sich hierbei jedoch im Unterschied zum vorliegenden Schätzungsobjekt um eine unbebaute Parzelle mitten im Siedlungsgebiet. Da bezüglich Lage nur ein vergleichbares Objekt vorliegt, fehlt es an genügenden Vergleichsobjekten. Dementsprechend kann die statistische Methode keine Anwendung finden. Die Erwerbspreisstatistik des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain kann für die Festlegung der Enteignungsentschädigung ebenfalls keine Berücksichtigung finden, da die Referenzpreise aufgrund von Bodenpunkten bestimmt werden. Die Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ wird jedoch landwirtschaftlich nicht genutzt. Sie wird – wie bereits erwähnt – als Mietliegenschaft genutzt. Eine Bewe r- tung nach Bodenpunkten scheidet unter diesen Voraussetzungen trotz Zugehörigkeit zur Landwirtschaftszone als Variante zur Bestimmung der Enteignungsentschädigung aus. Bei der Festlegung der Enteignungsentschädigung darf vorliegend nicht streng auf die Zonenzugehörigkeit abgestellt werden, da die streitbetroffene Parzelle überbaut is t und nicht zu Landwirtschafts-, sondern zu Wohnzwecken genutzt und vermietet wird. Gemäss Art. 24c Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Raumplanung vom 22. Juni 1979 (RPG, SR 700) werden bestimmungsgemäss nutzbare Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone, die nicht mehr zonenkonform sind, in ihrem Bestand grundsätzlich geschützt. Solche Bauten und Anlagen können mit Bewilligung der zuständigen Behörde erneuert, teilweise geändert, massvoll erweitert oder wiederaufgebaut werden, sofern sie rechtmäs- sig erstellt oder geändert worden sind (Art. 24 c Abs. 2 RPG). Im Grundsatz besteht de m- 1 Bei den genannten Parzellen handelt es sich um klassische Landwirtschaftsflächen, welche wohl auch ausschliesslich landwirtschaftlich genutzt werden (können). entsprechend eine Besitzstandsgarantie in Bezug auf die Liegenschaft der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____. Da die streitbetroffene Parzel- le zu Wohnzwecken genutzt werden darf, ist bei der Festlegung der Enteignungsentsch ä- digung von einem Durchschnittspreis für Bauland der Gemeinde D.____ auszugehen. Gemäss Statistik der Finanz- und Kirchendirektion des Kantons Basel -Landschaft, Statis- tisches Amt, liegt d er Durchschnittspreis für Bauland in der Gemeinde D.____ im Jahr 2015 bei Fr. 385.00/m². Vorliegend rechtfertigt es sich, den Durchschnittspreis für Bauland in der Gemeinde D.____ um die Hälfte auf Fr. 180.00m/² zu reduzieren, dies un- ter Berücksichtigung d es Umstandes, dass die Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ – wie bereits mehrfach erwähnt – Nicht-Bauland ist, sie zw i- schen einer Kantonstrasse und einer Bahnlinie liegt und sie dementsprechend von sta r- ken Lärmimmissionen betroffen ist. Nach Lehre und Rechtsprechung wird bei in einer Bauzone liegenden Parzellen der mit einem Bauverbot belegte Landstreifen zwischen Strasse und Baulinie tiefer als das übrige Land bewertet, wenn die Abtretung dieses Landstreifens die bauliche Nutzun g des Grundstücks nicht beeinträchtigt ( vgl. BGE 1C_339/2013 vom 27. August 2013 E. 2.4; VGE vom 18. Februar 1987, in: BLVGE 1987 [Nr. 13.2] E. 2; Urteile des Enteignungsg e- richts vom 7. Februar 2013 [600 12 22] E. 4.2, vom 29. März 2004 [600 02 105] E. 5c, vom 27. Juni 2003 [600 03 21] E. 3c/aa; HESS/WEIBEL, a.a.O., N. 106 zu Art. 19 m.w.H.). Diese Rechtsprechung ist vorliegend analog anzuwenden, da die zu enteignende Fläche in einer Bauverbotszone liegt. Nach der Praxis des Enteig nungsgerichts entfallen bei der Berechnung des Verkehrswerts von Land vor der Baulinie in der Regel zwei Drittel auf die bauliche Nutzung und ein Drittel auf den Flächenwert (Urteile des Enteignungsgerichts vom 28. Februar 2002 [600 00 305] E. 3b, vom 31. Januar 2002 [600 01 61] E. 8 jeweils m.w.H.; VGE vom 18. Februar 1987, in: BLVGE 1987 [Nr. 13.2] E. 2). Für Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ besteht keine bauliche Nu t- zung, da die Landwirtschaftszone von Bundesrechts wegen Nich tbaugebiet ist (Art. 16 Abs. 1 RPG). Entsprechend ist vorliegend lediglich der Flächenwert zu entschädigen. Das Gericht erachtet deshalb vorliegend für die Festsetzung der Entschädigung für die Lan d- abtretung im Halte von 87 m² der streitbetroffenen Parzelle, die in der Landwirtschaftsz o- ne liegen, einen Preis von Fr. 60.00/m ² (1/3 von Fr. 180.00) als angemessen. Für die fo r-melle Enteignung von 87 m² ist den Enteigneten eine Entschädigung von Fr. 5‘220.00 zu bezahlen. Gemäss § 8 des Zonenreglements La ndschaft der Gemeinde D.____ sind in der Ufe r- schutzzone insbesondere Bauten, Anlagen Bodenbefestigungen, Terrainveränderungen, Lagerplätze und Materialablagerungen, standortfremde Bepflanzungen, das Pflügen, Düngen und Ausbringen von Bioziden und die Bewei dung unzulässig. Die Nutzung der Uferschutzzone ist demnach stark eingeschränkt. Des Weiteren ist, soweit der Enteignete durch die Enteignung von besonderen Lasten befreit wird, deren Wert vom Verkehrswert abzuziehen (§ 19 Abs. 3 EntG). Vorliegend werden d ie Enteigneten vom Unterhalt der zu enteignenden Fläche der Uferschutzzone befreit. Unter Berücksichtigung der stark eing e- schränkten Nutzungsmöglichkeit und der Befreiung von der Unterhaltspflicht ist für die Landabtretung im Halte von 3 m² der Parzelle Nr . 1023 des Grundbuchs der Einwohne r- gemeinde D.____, die in der Uferschutzzone liegen, keine Enteignungsentschädigung geschuldet. 2.3 Materielle Enteignung Der Enteigner verlangt, dass festzustellen sei, dass für die Erstellung eines Kandelabers auf der Parze lle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ keine En t- schädigung geschuldet ist. Zunächst stellt sich die Frage, ob der Kandelaber auf der zu enteignenden oder auf der den Enteigneten verbleibenden Fläche der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Ei n- wohnergemeinde D.____ errichtet wird. Die Angaben des Landerwerbsblatts zum Plan Nr. 2151 / 17 vom 5. Mai 2015 und des Situationsplans Nr. 2151 / 20 C vom 30. September 2015 sind diesbezüglich ungenau. Gemäss der Aussage des Enteigners anlässlich de s Augenscheins vom 15. Dezember 2016 wird der Kandelaber auf der den Enteigneten ver- bleibenden Fläche erstellt. Diese Aussage des Enteigners deckt sich mit dem Planinhalt des Landerwerbsplans zum Bauprojekt (Plan Nr. 2151 / 17 C vom 30. September 2015), aus welchem hervorgeht, dass der Bereich zwischen dem neuen Strassenraum und der zu erstellenden Stützmauer, in welchem gemäss erwähntem Situationsplan der fragliche Kandelaber zu stehen kommen soll, nicht Teil der zu enteignenden Fläche ist, sondern den Ent eigneten verbleibt. Der Grundsatz von Treu und Glauben ist für das Verhältnis zwischen dem Gemeinwesen und den Privaten elementar und verbietet widersprüchliches Verhalten der Verwaltungsbehörden ( ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verw altungsrecht, 7. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, Rz. 620 ff .; PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Bern 2014, § 22 Rz. 1 ff.; BGE 121 I 181 E. 2a). Unter Berücksichtigung dieses Grundsat- zes, der Aussage des Enteigners und der erwähnten Pläne ist davon auszugehen, dass der Kandelaber auf der den Enteigneten verbleibenden Fläche errichtet wird. Führen raumplanerische Massnahmen zu Eigentumsbeschränkungen, die einer Entei g- nung gleichkommen, hat das Gemein wesen, das die Planung erlassen hat, die Betroff e- nen gemäss § 78 Abs. 1 RBG voll zu entschädigen (dasselbe ergibt sich schon aus Art. 26 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]). Definitionsgemäss umfasst die materielle Enteignung staa t- liche Eingriffe, durch welche das Eigentum zwar nicht entzogen, jedoch die Befugnisse, es zu nutzen oder darüber zu verfügen, eingeschränkt werden. Die materielle Enteignung wirkt sich im Ergebnis wie eine formelle Ent eignung aus, obwohl ein Übergang der Eigen- tumsrechte auf den Enteigner nicht stattfindet ( PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Bern 2014, § 65 Rz. 1). Die Enteignungsentschädigung gilt alle Nachteile ab, die dem Enteigneten aus der Entziehung oder Beschränkung seiner Rechte erwachsen (§ 76 RBG i.V.m. §§ 17 und 19 EntG). Vorliegend geht es um die Errichtung eines Kandelabers auf der den Enteigneten verble i- benden Fläche der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____. Der Kandelaber stellt eine Nebenanlage der Kantonsstrasse im Sinne von § 15 Abs. 1 des Strassengesetzes vom 24. März 1986 (SGS 430) dar und ist Bestandteil des Situation s- plans Nr. 2151 / 20 C vom 30. September 2015. Der Bau eines Kandelabers führt zu einer Beschränkung der Nutzungsbefugnisse der Grundeigentümer, ohne dass sich die Träge r- schaft der Eigentumsrechte ändern würde. Es ist demnach von einer materiellen Entei g- nung auszugehen, die gemäss § 78 Abs. 1 RBG voll zu entschädigen ist. Dabei ist – wie bereits erwähnt – von einem Preis von Fr. 180.00/m² auszugehen (vgl. Ziff. 2.2.2.2 hier- vor). Ein Kandelaber hat unter Berücksichtigung desjenigen Bereichs, welcher am stärk s- ten von Lichtimmissionen betroffen ist, einen Platzbedarf von ca. 3 m². Dementsprechend resultiert für die materielle Enteignung von 3 m² der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ eine Entschädigung von Fr. 180.00 (3 x Fr. 60.00/m²). 2.4 Vorübergehende Nutzung Der Enteigner macht geltend, dass für die vorübergehende Nutzung von 385 m² der Par- zelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ keine Entschädigung geschuldet sei. Mit Eingabe vom 18. Oktober 2016 machen die Enteigneten demgege n- über eine Schadenersatzforderung in Höhe von Fr. 10‘000‘000.00 geltend. Erwirbt ein Gemeinwesen vorübergehend Rechte, die lediglich während des Baus eines auf Dauer angelegten Werkes benötigt werden, kann eine sogenannte «vorübergehende Enteignung» vorliegen (BGE 99 Ib 91 E. 3; HESS/WEIBEL, a.a.O., Art. 6 N 12). Entspre- chend bestimmt § 8 EntG, dass eine Enteignung für eine zeitlich beschränkte Dauer a n- geordnet werden kann. Dem Betroffenen wird in diesen Fällen nicht das Land selbst en t- zogen, sondern die Nutzung daran (vgl. BGE 109 Ib 268 E. 3). In Lehre und Rechtspr e- chung wird diese Entschädigungspflicht als ein Sonderfall der in Art. 19 lit. c EntG u m- schriebenen Pflicht des Enteigners, «weitere Nachteile » zu vergüten, bezeichnet (vgl. BGE 109 Ib 268 E. 3, 106 Ib 19 E. 7a, HESS/WEIBEL, a.a.O., Art. 44 N 1). Die Enteigneten haben – wie bereits erwähnt – weder innert zehn Tagen nach Erhalt der persönlichen Anzeige des abgekürzten Plangenehmigungsverfahrens noch innerhalb der vom Präsidenten des Enteignungsgerichts angesetzten Nachfrist eine Entschädigungs- forderung angemeldet. Der in § 51 EntG erwähnte Vorbehalt der §§ 54 und 56 EntG kommt vorliegend nicht zum Tragen. Gemäss § 51 EntG haben die Enteigneten demnach ihr Recht, Inkonvenienzentschädigungen zu verlangen, verloren bzw. verwirkt (vgl. Ziff. 2.2.1 hiervor). Entsprechend ist für die vorübergehende Nutzung von 385 m² der Par- zelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ keine Entschädigung geschuldet. 2.5 Terrainveränderungen Der Enteigner verlangt, dass festzustellen sei, dass für die bleibenden Terrainveränd e- rungen der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ keine Entschädigung geschuldet ist. Er führt aus, dass aufgrund des Ausbaus des Rad - und Wanderwegs die strassenseitig bestehende Stützmauer der Parze lle Nr. 1023 abgebaut und durch eine neue Mauer ersetzt werde. Auf der Krone der Stützmauer werde eine Lärmschutzwand erstellt. Durch das Entfernen der bestehenden Stützmauer und das E r- stellen der neuen Mauer komme es im Bereich von ca. 39 m zu Terrainveränderungen. § 19 Abs. 1 lit. c EntG bestimmt, dass bei der Festsetzung der Entschädigung alle weit e- ren dem Enteigneten verursachten Nachteile, die sich nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge als Folge der Enteignung voraussehen lassen, zu berücksichtigen sin d. Bei der Ermittlung des Verkehrswertes ist auch die Möglichkeit einer besseren Verwendung a n- gemessen zu berücksichtigen (§ 19 Abs. 2 EntG). Die Enteigneten haben – wie bereits mehrfach erwähnt – weder innert zehn Tagen nach Erhalt der persönlichen Anze ige des abgekürzten Plangenehmigungsverfahrens noch innerhalb der vom Präsidenten des Enteignungsgerichts angesetzten Nachfrist bis zum 5. Oktober 2016 eine Entschädigungsforderung angemeldet. Die von den Enteigneten mit Eingabe vom 18. Oktober 2016 geltend gemachte Forderung erfolgte zu spät und ist de s- halb sachlich nicht zu beurteilen (vgl. Ziff. 2.2.1 hiervor). Der in § 51 EntG erwähnte Vo r- behalt der §§ 54 und 56 EntG kommt vorliegend – wie bereits erwähnt – nicht zum Tr a- gen. Die Enteigneten haben somit ihr Recht, Inkonvenienzentschädigungen zu verlangen, verloren bzw. verwirkt . Selbst wenn die Enteigneten eine Inkonvenienzentschädigung fristgerecht geltend gemacht hätten, würde der gemäss § 19 Abs. 2 EntG zu berücksichti- gende Vorteil, der durch die im Ba uprojekt vorgesehene Lärmschutzwand entstehen wür- de, die entschädigungspflichtigen Nachteile überwiegen. Die Enteigneten erhalten de m- nach für allfällige weitere Nachteile, die sich nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge als Folge der Enteignung voraussehen lassen, keine Entschädigung. 2.6 Verzinsung der Entschädigung Die Entschädigung ist nach den üblichen Regeln gemäss § 26 EntG ab dem 20. Tag nach Rechtskraft des vorliegenden Urteils zu verzinsen. Der Zinsfuss wird nach ständiger Pr a- xis des Enteignungsgerich ts analog den für das Enteignungsverfahren des Bundes ge l- tenden Ansätzen festgelegt (vgl. Urteile des Enteignungsge richts vom 29. März 2004 [600 02 105] E. 6, vom 31. Januar 2002 [600 01 61] E. 10). Seit dem 1. Januar 2010 rich- tet sich der Zinsfuss im bundesrechtlichen Enteignungsverfahren nach dem hypothekar i-schen Referenzzinssatz bei Mietverhältnissen (vgl. Beschluss der 1. Kammer der Abte i- lung I des Bundesverwaltungsgerichts vom 9. November 2009). Dieser beträgt seit dem 2. Dezember 2016 1.75 % p.a. Für eine allfällige Verzinsung ist folglich ein Zinssatz von 1.75 % p.a. massgebend. 3. Kosten 3.1 Verfahrenskosten Bezüglich der Kosten statuiert § 71 Abs. 1 EntG, dass im Enteignungsverfahren die Ve r- fahrenskosten des erstinstanzlichen Verfahrens vom Enteigner bzw. von der Enteignerin zu tragen sind. Gemäss § 20 Abs. 4 VPO werden den kantonalen Behörden gemäss Ve r- waltungsverfahrensgesetz Basel-Landschaft und den Gemeinden keine Verfahrenskosten auferlegt. In § 47 Abs. 3 EntG ist jedoch festgehalten, dass Bestimmungen der Verwa l- tungsprozessordnung (VPO) nur gelten, sofern das Gesetz über die Enteignung (EntG) keine Spezialregelung vorsieht. § 71 Abs. 1 EntG stellt eine im Enteignungsgesetz ger e- gelte Spezialnorm dar, so dass die Bestimmungen der Verwaltungsprozessordnung über die Kostentragungspflicht des Gemeinwesens nicht zur Anwendung gelangen. Die Verfah- renskosten sind demnach vom Enteigner zu tragen. Der gerichtsübliche Tarif bei Ve r- handlungen ohne Vorverhandlung und mit Augenschein, die durch die Kammer zu beu r- teilen sind, beträgt Fr. 1‘300.00 (vgl. § 17 lit. c der Verordnung über die Gebühren der Gerichte vom 15. November 2010 [GebT, SGS 170.31]). Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 1‘300.00 sind vom Enteigner zu tragen. 3.2 Parteientschädigung Gemäss § 71 Abs. 2 EntG trägt die Enteignerin oder der Enteigner die Parteientschäd i- gung für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts. Da die Enteigneten weder anwalt- lich vertreten sind noch einen entsprechenden Antrag gestellt haben, besteht kein A n- spruch auf eine Parteientschädigung. Die ausserordentlichen Kosten sind somit wettz u- schlagen. D e m g e m ä s s w i r d e r k a n n t : 1. Der Enteigner hat den Enteigneten für die Abtretung von 87 m² der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____, die in der Landwirtschaftszone liegen, eine Entschädigung von Fr. 5‘220.00 (Fr. 60.00 pro m²) zu bezahlen, zuzüglich eines Zinses in der Höhe von 1.75% p.a. ab dem 20. Tag nach Rechtskraft des vorliegenden Urteils. 2. Der Enteigner hat den Enteigneten für die Abtretung von 3 m² der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____, die in der Uferschutzzone liegen, k eine Entschädigung zu bezahlen. 3. Der Enteigner hat den Enteigneten für die Duldung eines Kandelabers auf der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ eine Entschädigung von Fr. 180.00 zu bezahlen, zuzüglich eines Zinses in der Höhe v on 1.75% p.a. ab dem 20. Tag nach Rechtskraft des vorliegenden Urteils. 4. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘300.00 hat der Enteigner zu tragen. 5. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. 6. Das Grundbuchamt Basel -Landschaft wird angewiesen, den Rechtserwerb des Entei g- ners an den in der Landwirtschaftszone liegenden 87 m² der Parzelle Nr. 1023 des Grundbuchs der Einwohnergemeinde D.____ und den in der Uferschutzzone liegenden 3 m² derselben Parzelle nach erfolgtem Eigentumsübergang gemäss Landerwerbsplan Nr. 2151 / 17 C vom 30. September 2015 bzw. Landerwerbsblatt zu Plan Nr. 2151 / 17 vom 5. Mai 2015 einzutragen. Dieses Urteil wird dem Enteigner sowie den Enteigneten schriftlich mitgeteilt. Nach Rechtskraft wird das Urteil zudem dem Grundbuchamt Basel -Landschaft schriftlich mitge- teilt. Liestal, 12. Januar 2017 Im Namen der Abteilung Enteignungsgericht des Steuer- und Enteignungsgerichts Basel-Landschaft Abteilungspräsident: Dr. Ivo Corvini-Mohn Gerichtsschreiberin i.V.: Larissa Manera, MLaw