Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 28. Januar 2015 (810 14 194) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Quartierplanvorschriften Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Christian Haidlauf, Stefan Schulthess , Beat Walther, Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Parteien A. ____ und B.____ , Beschwerdeführer , C.____ , Beschwerdeführerin, D.____ , Beschwerdeführer, alle vertreten durch Bruno Nüssli, Rechtsanwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Einwohnergemeinde E.____ , Beschwerdegegnerin Betreff Quartierplanvorschriften "F.____" (RRB Nr. 990 vom 01. Juli 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 12. Juni 2013 beschloss die Einwohnergemeindever sammlung E.____ die Quartier- planvorschriften “F.____“, bestehend aus dem Quartierp lan-Reglement und dem verbindlichen Plan “Situation und Schnitte, 1:500“. Sie umfassen di e Parzellen Nr. 422 und Nr. 1838 mit einer Fläche von 4‘073 m 2. Als zulässige Nutzung sind 4‘885 m 2 festgelegt. Die öffentliche Planaufla- ge fand vom 18. Juli bis 16. August 2013 statt. B. A.____ und B.____, C.____ und D.____, alle vertre ten durch Bruno Nüssli, Rechtsan- walt und Notar in Dornach, erhoben am 15. August 201 3 gegen den Quartierplan “F.____“ Ein- sprache beim Gemeinderat E.____. Sie machten geltend, der Quartierplan halte die Bestim- mungen von C/15.1 des kommunalen Zonenreglements Siedl ung der Gemeinde E.____ (ZRS) vom 29. März 2004 nicht ein, da er die Grenzen der zulä ssigen Abweichungen von der zonen- planmässigen Grundnutzung massiv überschreite. Der Quartier plan sei ferner in Bezug auf die verkehrsmässige Erschliessung mangelhaft. C. Im Rahmen der Verständigungsverhandlung konnte mit den Einsprechenden keine Eini- gung erzielt werden. D. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 0990 vom 1. Ju li 2014 hat der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) die Einspra chen von A.____ und B.____, C.____ und D.____ abgewiesen, soweit er darauf einge treten ist. Die von der Einwohnerge- meindeversammlung beschlossenen Quartierplanvorschriften “F.____“ wurden im Sinne der Erwägungen genehmigt und für allgemeinverbindlich erklärt. E. Am 14. Juli 2014 erhoben A.____ und B.____, C.___ _ und D.____, alle nach wie vor vertreten durch Bruno Nüssli, Rechtsanwalt und Notar in Dornach, gegen den RRB Nr. 0990 vom 1. Juli 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht). Sie beantragen, es sei unter o/e-Kostenfolge der angefochtene RRB aufzuheben und es sei festzustellen, dass für die Quart ierplanvorschriften “F.____“ (bestehend aus Quartierplanreglement und dem Plan “Situation un d Schnitte 1:500“) keine Genehmigung erteilt werden könne. Mit Beschwerdebegründung vom 24. Juli 2014 ersuchen sie ferner um Erteilung der aufschiebenden Wirkung. F. Mit Präsidialverfügung vom 29. August 2014 wurde de r Antrag der Beschwerdeführen- den um Erteilung der aufschiebenden Wirkung für die vorliegende Beschwerde gutgeheissen. G. Mit Vernehmlassung vom 25. September 2014 stellt der Regierungsrat, vertreten durch die Rechtsabteilung der Bau- und Umweltschutzdirektion, den Antrag, die Beschwerde sei unter o/e-Kostenfolge vollumfänglich abzuweisen. Am 25. Sept ember 2014 reichte die Einwohnerge- meinde E.____ ihre Vernehmlassung ein, mit dem sinnge mässen Antrag auf Abweisung der Beschwerde. H. Mit Präsidialverfügung vom 16. Oktober 2014 wurde d er Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen. Gleichzeitig wurden die Beweisanträ ge der Beschwerdeführenden auf Einho- lung von Gerichtsexpertisen betreffend Schattenwurf sowie Verkehrserschliessung abgewiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Anlässlich der heutigen Verhandlung hat das Kanton sgericht vorgängig einen Augen- schein an Ort und Stelle vorgenommen. An der anschliessen den Parteiverhandlung haben die Parteien an ihren schriftlich gestellten Anträgen festg ehalten. Auf die Einzelheiten der Partei- standpunkte wird, soweit erforderlich, in den Urteilserwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. 1.2 Der Regierungsrat bestreitet in seiner Vernehmlassun g zunächst die Beschwerdebe- rechtigung des Beschwerdeführers A.____. Da er weder als Grund- noch als Miteigentümer der Parzelle Nr. 3720 im Grundbuch E.____ eingetragen sei, weise er keine besondere Betroffen- heit auf und sei daher nicht zur Beschwerdeerhebung le gitimiert. Die Beschwerdeführenden äussern sich dazu nicht. 1.3 Gemäss § 47 Abs. 1 VPO sind zur Beschwerde befugt, w er durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat (lit. a), jede ande re Person, Organisation oder Behörde, die durch besondere Vorschrift zur Beschwerde ermächtigt ist ( lit. b) und die vollziehende Behörde der Gemeinde bei Verfügungen und Entscheiden letztinsta nzlicher Verwaltungsbehörden des Kantons (lit. c). Zur Anfechtung von regierungsrätlichen Entscheiden betreffend kommunale und kantonale Nutzungspläne ist nur berechtigt, wer sich ber eits am Einsprache- und Beschwerde- verfahren vor dem Regierungsrat beteiligt hat. Ausgenom men davon ist der Fall der Nichtge- nehmigung des Zonenplans oder eines Teils davon, ohne d ass Einsprachen vorliegen (§ 47 Abs. 2 VPO). 1.4 Der Regierungsrat hat im RRB Nr. 0990 vom 1. Jul i 2014 erwogen, dass die Einspre- chenden B.____, C.____ und D.____ als Miteigentümer d er Parzelle Nr. 3720 von der Pla- nungsmassnahme betroffen seien und damit auf ihre Einsp rache einzutreten sei. Er hat es da- bei versäumt, sich explizit zur Legitimation von A.____ zu ä ussern (vgl. RRB Nr. 0990 vom 1. Juli 2014, Ziffer IV E. 6.12). Es ist jedoch aufgr und des erwähnten Wortlauts davon auszuge- hen, dass der Regierungsrat implizit nicht auf dessen Ein sprache eingetreten und der Be- schwerdeführer A.____ entsprechend am vorinstanzlichen Ve rfahren nicht im Sinne von § 47 Abs. 2 VPO beteiligt gewesen ist. Daraus folgt, dass er zur Beschwerde vor dem Kantons- gericht nicht befugt ist. Da er das Nichteintreten auf se ine Einsprache nicht rügt, ist es nicht weiter zu prüfen und auf seine Beschwerde ist nicht einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.5 Die Beschwerdeführenden B.____, C.____ und D.___ _ dagegen sind als Grundeigen- tümer der Parzelle Nr. 3720 durch den angefochtenen Entscheid ohne weiteres berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung (§ 47 Abs. 1 lit. a VPO). Zufolge ihrer Beteiligung am vorinstanzlichen Einsprache- und Be schwerdeverfahren erfüllen sie auch die Legitimationsvoraussetzung gemäss § 47 Abs. 2 VPO. D a die weiteren formellen Voraus- setzungen ebenfalls sind erfüllt, ist auf deren Beschwerde einzutreten. 2. Die Kognition des Kantonsgerichts ist gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO grundsätz- lich auf Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie unrichtige oder unvollständige Feststellung des S achverhalts beschränkt. Die Angemes- senheit eines angefochtenen Entscheids kann demgegenüber nur in bestimmten – vorliegend nicht relevanten – Ausnahmefällen überprüft werden ( § 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). Eine Ermessenskontrolle ist dem Kantonsgericht im Zusammenhang m it raumplanerischen Akten somit verwehrt (vgl. etwa Urteil des Kantonsgerichts [KGE VV] vom 6. Juli 2011 [810 10 439] E. 2.1). 3. Nach Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über di e Raumplanung (RPG) vom 22. Juni 1979 hat das kantonale Recht die volle Überp rüfung von Verfügungen und Nutzungs- plänen durch wenigstens eine Beschwerdebehörde zu gewährleisten. Volle Überprüfung bedeu- tet in diesem Zusammenhang nicht nur die freie Prüfun g des Sachverhalts und der sich stellen- den Rechtsfragen, sondern auch eine Ermessenskontrolle ( vgl. H EINZ AEMISEGGER / STEPHAN HAAG , Kommentar zum Raumplanungsgesetz, Zürich 1999, Art. 33 N 56). Diese bundesrechtli- chen Anforderungen gelten für alle in den Sachbereich der Raumplanung fallenden Nutzungs- pläne der Kantone, wozu auch Quartierpläne zu zählen sind (P ETER HÄNNI , Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 5. Auflage, Bern 2008 , S. 530). Der Regierungsrat hat in seiner Funktion als Rechtsmittelbehörde dementsprechend d ie in den Einsprachen strittigen Punkte mit voller Kognition zu prüfen und darf sich mith in nicht wie bei der Genehmigung der ihm vorgelegten Planungsbeschlüsse auf eine Rechtskontro lle beschränken (vgl. diesbezüglich Art. 26 RPG i.V.m. § 31 Abs. 5 des Raumplanungs- und Baugesetzes [RBG] vom 8. Januar 1998, wo eine Zweckmässigkeitskontrolle immerhin bezüglic h kantonaler Anliegen vorgesehen ist). Er hat als Beschwerdebehörde zu beurteilen, ob da s Planungsermessen richtig und zweckmässig ausgeübt worden ist. Dabei ist allerdings im Au ge zu behalten, dass der Regie- rungsrat kantonale Rechtsmittel- und nicht Planungsinstanz ist. Die Überprüfung ist sachlich vor allem dort einzuschränken, wo es um lokale Angelegenheiten und ausgesprochene Ermessens- fragen geht, bei deren Beurteilung Sachnähe, Ortskenntnis und örtliche Demokratie von Bedeu- tung sind, dagegen ist sie so weit auszudehnen, dass die angemessene Berücksichtigung der übergeordneten, vom Kanton zu sichernden Interessen gewä hrleistet wird (vgl. BGE 131 II 81 E. 7.2.1; BGE 127 II 238 E. 3b/aa; BGE 114 Ia 245 E . 2b; AEMISEGGER /H AAG , a.a.O., Rz. 77 zu Art. 33 RPG). Bei der Angemessenheitsprüfung ist jeweil s auch der den Planungsträgern zuer- kannte Gestaltungsbereich zu beachten. Nach Art. 2 Abs. 3 RPG achten die mit Planungsauf- gaben betrauten Behörden darauf, den ihnen nachgeordneten Behörden den zur Erfüllung ihrer Aufgabe nötigen Ermessensspielraum zu lassen. Die Ange messenheitsprüfung ist aus diesem Grund im Wesentlichen auf die Frage zu beschränken, ob überhaupt eine angemessene Lö- sung gefunden wurde. Ein Planungsentscheid ist somit zu schützen, wenn er sich als zweck- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht mässig erweist, unabhängig davon, ob sich weitere, ebenso zweckmässige Lösungen erkennen lassen (vgl. KGE VV vom 6. November 2002, in: BLVGE 200 2/2003 S. 133 E. I/1c; P ETER HÄNNI , a.a.O., S. 529 f.). Muss eine Lösung als unangemessen bezeichnet werden, so darf die übergeordnete Behörde nicht das Ermessen der plankompe tenten Behörde durch ihr eigenes ersetzen; vielmehr hat sie die Sache zur neuen Entscheidun g an die Planungsbehörde zurück- zuweisen (BGE 120 Ib 207 E. 3; KGE VV vom 23. Januar 2013 [810 11 146] E. II/2). Den oben- genannten Anforderungen genügt es nach ständiger Rech tsprechung, wenn der Regierungsrat – wie im vorliegenden Fall – als einzige Instanz mit vol ler Kognition über Einsprachen und Be- schwerden entscheidet (BGE 127 II 238 E. 3b/bb; 119 Ia 321 E. 5c; 114 Ia 233 E. 2b; H ÄNNI , a.a.O., S. 528; B ERNHARD WALDMANN /P ETER HÄNNI , Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 33 N 74 f.). 4.1 In formeller Hinsicht rügen die Beschwerdeführend en zunächst eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör, da der Regierungsrat s einer Begründungspflicht nicht nach- gekommen sei. Er habe lediglich auf das Protokoll der kantonalen Fachkommission zur Areal- überbauung (Arealbaukommission) bzw. auf dasjenige des ko mmunalen Bauausschusses E.____ (Bauausschuss) verwiesen, ohne die monierte Verlet zung von C/15.1 ZRS zu beurtei- len. Damit habe er die Interessenabwägung nicht sorgfä ltig vorgenommen und sein Ermessen nicht pflichtgemäss ausgeübt. Es sei weder den Auszügen de r Fachgremien noch dem ange- fochtenen RRB zu entnehmen, gestützt auf welche Kriteri en die Nutzungserhöhung (als zuläs- sig) bewertet worden sei. Damit habe der Regierungsrat auch gegen die Grundsätze der Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit verstossen. 4.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Ab s. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 gewährleistet eine effektive Mit- wirkung im Verfahren zum Erlass von Entscheidungen, die in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreifen (GEROLD STEINMANN , in: Die Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommen- tar, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2014, N 42 zu Art. 29). Gemäss § 9 Abs. 3 der Verfassung des Kantons Basel-Landschaft (KV) vom 17. Mai 1984 haben die Parteien in allen Fällen Anspruch auf rechtliches Gehör, auf eine faire Behandlung und auf einen begründeten, mit einer Rechts- mittelbelehrung versehenen Entscheid innert angemessener Frist. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist sodann in § 13 des kantonalen Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVG) vom 13. Juni 1988 statuiert. Der kantonalrechtliche Anspruch geht nich t über denjenigen von Art. 29 BV hin- aus und somit kann weitgehend auf die diesbezügliche Le hre und Rechtsprechung verwiesen werden. Die Garantie des rechtlichen Gehörs hat für das rechtsstaatliche Verfahren eine zentra- le Bedeutung und wird von Art. 29 Abs. 2 BV gewährlei stet (vgl. RENÉ RHINOW , Grundzüge des Schweizerischen Verfassungsrechts, Basel 2003, N 2737 ff. ). Das rechtliche Gehör dient einer- seits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persö nlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht dar (GEROLD STEINMANN , a.a.O., N 42 zu Art. 29). Die Behörde kommt dem Anspruch auf effek- tive Mitwirkung der Beteiligten am Verfahren nach, in dem es deren Vorbringen tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt sowie ihre Entscheide vor diese m Hintergrund begründet. Darzulegen sind der zugrunde gelegte Sachverhalt und die rechtlich e Würdigung, d.h. die Überlegungen, von denen sich die Behörde leiten lässt und auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 137 II 266 E. 3.2; GEROLD STEINMANN , a.a.O., N 48 zu Art. 29). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Das Vorbringen der Beschwerdeführenden, wonach die Vorinstanz ihre Begründungs- pflicht im angefochtenen RRB verletzt habe, ist berechtig t. Der Regierungsrat erwog darin ein- zig, die Nutzungserhöhung sei sowohl vom Bauausschuss als auc h von der Arealbaukommis- sion gutgeheissen worden (vgl. RRB Nr. 0990 vom 1. Juli 2014, Ziffer IV 6.g). Gemäss C/15.1 ZRS dürfe die bauliche Nutzung einer Quartierplanung nur soweit erhöht werden, als dadurch der Zonencharakter der angrenzenden Bauzone nicht gestö rt würde. Die vorgesehene Nut- zungserhöhung sei gemäss Fachkommissionen mit dieser Bestim mung vereinbar und der Re- gierungsrat folge diesen Bewertungen. Er erachte die vorgesehene Gebäudehöhe, die Ge- schossigkeit wie das Nutzungsmass für den Quartierplan “F.__ __“ zwar als eher hoch, erkenne darin aber keine Verletzung von C/15.1 ZRS. Der Regi erungsrat hat demnach − sowohl als Ge- nehmigungsbehörde als auch als Rechtsmittelinstanz – in pauschaler Weise und ohne Differen- zierungen die Feststellungen der beigezogenen Fachkommi ssionen übernommen. Da die Fachgremien das Projekt dauernd begleitet und durch Ein wände bzw. Stellungnahmen beein- flusst haben, ist es grundsätzlich nicht zu beanstanden, d ass sich der Regierungsrat in seiner Entscheidfindung auf deren Empfehlungen und Prüfunge n abstützt. Das kann jedoch nur gel- ten, soweit diese die massgebenden Überlegungen entha lten, wobei der Regierungsrat selbst dann gehalten ist, die für ihn wesentlichen Punkte – mi ndestens zusammengefasst – nochmals zu schildern. Dem Protokoll der Arealbaukommission vom 5. Dezember 2 011 lässt sich lediglich entnehmen, dass in der betroffenen Zone eine Verdichtung angebrach t sei. Aus welchen Gründen sie zu diesem Schluss kommt, wurde im Protokoll nicht dargelegt. Der kommunale Bauausschuss be- antragte dem Gemeinderat, das Projekt ohne die Attikag eschosse weiterzuführen, da ansons- ten die in Aussicht gestellte Nutzungsziffer überschritten würde. Im Übrigen befürwortete er das Projekt und hielt fest, dass es am besten in die bauliche und landschaftliche Umgebung passe und der Gemeinde einen Mehrwert bringen würde (vgl. Protokoll der Sitzung vom 24. Oktober 2011). Die Gründe für die entsprechenden Feststellun gen sind aber ebenfalls nicht aufgeführt. Demnach steht fest, dass beide Fachkommissionen den Quarti erplan “F.____“ zwar beurteilt haben, ihre Protokolle aber keine Rückschlüsse auf die ma ssgebenden Überlegungen zur Fra- ge, weshalb die Nutzungserhöhung im festgesetzten Mass e mpfohlen würde bzw. zulässig sei, zulassen. Somit enthalten weder die Ausführungen des R egierungsrates im angefochtenen RRB noch die Protokolle der Fachbehörden relevante Erö rterungen zur geplanten Nutzungser- höhung. Demnach erweist sich die regierungsrätliche Begr ündung als mangelhaft (vgl. Begleit- bericht gemäss § 39 RBG, Anhang 3). Dieses Versäumnis ha t der Regierungsrat jedoch nach- geholt, indem er mit Vernehmlassung vom 25. Septembe r 2014 eine rechtsgenügliche Begrün- dung nachgeliefert hat (vgl. weiter unten E. 7.1 f.). 4.4 Vor diesem Hintergrund ist zunächst zu prüfen, ob d ie Verletzung der Begründungs- pflicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs im Rechtsmit telverfahren zur Aufhebung des man- gelhaften Entscheids oder aufgrund der nachgelieferte n Begründung in der Vernehmlassung zur Fortsetzung des Verfahrens vor der oberen Instanz fü hrt (vgl. hierzu auch G EROLD STEINMANN , a.a.O., N 59 zu Art. 29). Gemäss bundesgerichtlicher Re chtsprechung ist die Er- gänzung einer mangelnden Begründung im Zuge des Rechtsm ittelverfahrens zu berücksichti- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen, sofern der Betroffene Gelegenheit erhält, dazu S tellung zu nehmen und ihm daraus kein Nachteil erwächst. Dabei genügt es zumindest im Verkehr m it anwaltlich vertretenen Parteien, dass ihnen alle Eingaben von anderen Verfahrensbeteilig ten zur Kenntnis zugestellt werden, ohne dass ihnen Frist für eine allfällige Stellungnahm e anzusetzen ist (BGE 138 I 484 E. 2.4; BGE 132 I 42; BGE 133 I 100). Es ist dann Sache jeder Partei, nach Kenntnisnahme der zuge- stellten Eingabe zu entscheiden, ob sie sich dazu äussern möchte. Die Vernehmlassungen der Beschwerdegegner vom 25. September 2014 wurden den Beschwerdeführenden mit Verfügung vom 16. Oktober 2014 zugestellt. Sie hätten also jederz eit eine Eingabe dazu machen können, was nicht der Fall war. Im Rahmen der heutigen Parteiverhandlung haben sie jedoch dazu Stel- lung genommen. Eine Rückweisung an die Vorinstanz würde unter diesen Umständen zu einem formalistischen Leerlauf und zu Verzögerungen führen, die mit dem Interesse an einer beförder- lichen Behandlung nicht zu vereinbaren sind (vgl. G EROLD STEINMANN , a.a.O., N 59 zu Art. 29). Demnach ist der angefochtene Beschluss aufgrund der nachgelieferten Begründung des Regie- rungsrates nicht aufzuheben, sondern das Verfahren we iterzuführen. Dem Umstand der man- gelhaften Begründung im RRB ist bei der Kostenverlegu ng angemessen Rechnung zu tragen und somit auf die übrigen materiellen Beschwerdepunkte einzutreten (vgl. zum Ganzen: BGE 107 Ia 1, weiter unten E. 7.1). 5.1 Die Beschwerdeführenden machen in materieller Hin sicht geltend, der vorgesehene Quartierplan gewährleiste die gemäss § 37 Abs. 1 RBG be zweckte „erschliessungsmässig gu- te“ Überbauung nicht. Bereits die heutige Verkehrssituation sei gemäss Verkehrsgutachten vom 31. Oktober 2013 als knapp den Minimalanforderungen e ntsprechend beurteilt worden. Ferner erweise sich insbesondere der Kreuzungsbereich zwischen der W.____- und X.____strasse mit einer Strassenbreite von knapp fünf Metern im Einmündungsbereich als problematisch. Ein hin- dernisfreies Kreuzen würde zusätzlich durch die Signala nlage, welche die Einfahrt in die W.____strasse regelt, erschwert, zumal die in die X.___ _strasse einbiegenden Fahrzeuge oft durch die an der Ampel stehenden und nicht ganz rechts i n die Fahrspur eingeordneten Fahr- zeuge blockiert würden. Zudem stelle die Tempo 30-Beschil derung am Trottoir-Rand der X.____strasse kurz nach der Einmündung ein weiteres Hi ndernis dar. Am heutigen Augen- schein haben die Beschwerdeführenden auf eine Garagena usfahrt hingewiesen, welche sich ebenfalls im Einmündungsbereich in die X.____strasse be findet und den Verkehrsfluss in die- sem Bereich zusätzlich behindere. In unmittelbarer Nähe zum Quartierplanareal würden sich überdies eine Kirche (X.____strasse 7), ein Kindergarten (Y.____strasse 25) sowie eine Kinder- tagesstätte (Y.____strasse 31) befinden und somit würden vermehrt Kinder resp. Senioren un- terwegs sein, was bereits heute zu gefährlichen Konfliktsit uationen führe. Im oberen Teil der X.____strasse sei sodann kein Trottoir vorhanden. Durch d ie geplante Nutzungserhöhung ver- schlechtere sich die Verkehrssituation und intensiviere sich das Gefährdungspotenzial. An der anschliessenden Parteiverhandlung führen die Beschwerde führenden weiter aus, das Ver- kehrsgutachten, welches im Übrigen als Parteigutachten zu qualifizieren sei, habe lediglich die Verkehrsbewegungen zugezählt und beurteile die Erschlie ssungssituation in qualitativer Hin- sicht nicht. Zusammengefasst könne jedenfalls nicht (mehr) von einer guten Erschliessung die Rede sein, was klar der Zweckbestimmung von § 37 Abs. 1 R BG widerspreche und somit der Genehmigungsfähigkeit des Quartierplans entgegenstehe. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Nach § 37 Abs. 1 RBG bezwecken Quartierpläne eine h aushälterische Nutzung sowie eine architektonisch und erschliessungsmässig gute, der Umge bung angepasste und auf die Wohnbedürfnisse der Bevölkerung ausgerichtete Überbauun g eines zusammenhängenden Teilgebiets der Bauzonenfläche. Welche Anforderungen an eine gute Erschliessung gestellt werden, erfordert besondere Fachkenntnisse, weshalb sich d ie Gemeinde dafür neben ihrer eigenen Einschätzung des Gutachtens eines Sachverständigen bedienen durfte. Vorliegend hat die Gemeinde die G.____ AG als Gutachterin beauftrag t, die für das Verkehrsgeschehen mas- sgebenden Berechnungsannahmen im Begleitbericht zum Qua rtierplan “F.____“ zu überprüfen und Aussagen über den Einfluss des zusätzlichen Verkehrs au f die Leistungsfähigkeit der an- grenzenden Knoten zu machen (vgl. Vernehmlassung Gemeinde vom 25. September 2014). Zu diesem Zweck wurde der Verkehr während der Abendspitze nstunden gezählt. Das Verkehrs- gutachten vom 31. Oktober 2013 ist somit als ein von der Behörde in Auftrag gegebenes Sach- verständigengutachten zu qualifizieren, welchem Beweiskra ft zukommt. Das Vorbringen der Beschwerdeführerenden, wonach das erwähnte Gutachten al s Parteigutachten zu werten sei, geht fehl. Wenn die Beschwerdeführenden ausführen, da s Gutachten habe lediglich die Ver- kehrsbewegungen überprüft, ist dies ebenfalls unzutreffen d. Das Verkehrsgutachten äussert sich sowohl zum erwarteten Verkehrsaufkommen an den versch iedenen Knoten als auch zu deren Leistungsfähigkeit. Demgemäss wird sich der Verkeh r bei der Lichtsignalanlage H.____ (Knoten A), der Einmündung der Y.____strasse Ost in di e Z.____strasse (Knoten D) sowie der Z.____strasse in die W.____strasse (Knoten E) im Verg leich zum heutigen Verkehrsaufkom- men um lediglich 1-3 % erhöhen und diese Verkehrsmenge n hätten keinen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der betroffenen Knoten. Dies gelte im Ergebnis auch für die Nebenknoten bei der Einmündung der Y.____strasse West in die X.____stra sse (Knoten B) und der X.____strasse in die Y.____strasse Ost (Knoten C), obwohl davon auszugehen sei, dass sich das Verkehrsaufkommen dort verdoppeln werde. Qualitati v wurden die Knoten B, C und D mit sehr gut, der Knote A mit kritisch bis ungenügend und de r Knote E mit ausreichend bewertet. Zusammenfassend hält das Verkehrsgutachten in nachvollziehbarer Weise fest, dass die heuti- ge Lösung für die Quartierplanung ausreicht (vgl. Verke hrsgutachten vom 31. Oktober 2013, S. 12 f.). Der Regierungsrat hat sich folglich zu Recht darauf gestützt. Er erwog ferner, die X.____strasse als Erschliessungsstrasse weise eine Breite von fünf Metern auf und ermögliche damit ein hindernisfreies Kreuzen u nd Abbiegen von zwei Personenwagen im Einmündungsbereich (vgl. hierzu § 3 des Strassenreglem ents der Gemeinde E.____ [Stras- senreglement] vom 19. März 1997; RRB Nr. 0990 vom 1. Ju li 2014, Ziffer IV E. 6a-f). Zudem dürfe die Y.____strasse im nördlichen Teil lediglich im Einbahnverkehr befahren werden, was zur Verkehrsberuhigung beitrage. Demnach würden die zu erwartenden Auswirkungen infolge des Mehrverkehrs weder die Sicherheit noch die Wohnqua lität des Quartiers in relevanter Wei- se beeinträchtigen. Wie die Vorinstanzen zu Recht ausge führt haben, bedarf es keiner optima- len Erschliessung, damit die Voraussetzungen von § 37 Abs. 1 RBG erfüllt sind. An der guten Erschliessungssituation ändert auch die Tatsache nichts, da ss es zu Konfliktsituationen zwi- schen den Verkehrsteilnehmern kommt, da sich solche auch be i bester Verkehrsplanung nicht restlos verhindern lassen (vgl. dazu Vernehmlassung vom 25. September 2014, S. 14 ff.; Proto- koll der Parteiverhandlung vom 28. Januar 2015, S. 3) . Gemäss den vorstehenden Ausführun- gen entspricht die Verkehrssituation im Bereich W.____- und X.____strasse somit den Anforde- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungen an eine gute Erschliessung und die diesbezügliche Rüge der Beschwerdeführenden erweist sich als unbegründet. Es ist deshalb nicht ersicht lich und wird von den Beschwerdefüh- renden auch nicht weiter geltend gemacht, weshalb ein Zweitgutachten betreffend Verkehrser- schliessung erforderlich gewesen wäre, wie von den Beschwer deführenden beantragt worden ist. 5.3 Es bleibt zu vermerken, dass die übrigen Vorbringen der Beschwerdeführenden, wonach die konkrete Verkehrslage eine gewisse Gefahr für deren Teilnehmer darstelle (fehlendes Trot- toir im oberen Bereich der X.____strasse etc.), nicht die Erschliessung als solche, sondern die konkrete Ausgestaltung des Strassenraums betreffen. Dies e bilden nicht Gegenstand des vor- liegenden Verfahrens und sind folglich nicht im Rahmen dieser Beschwerde zu prüfen. 6.1 Die Beschwerdeführenden rügen weiter, der vorgese hene Quartierplan weiche durch die massive Nutzungserhöhung um nicht weniger als 60 % zu seh r von der Grundordnung ab. Die bauliche Nutzungsordnung würde in erster Linie durch di e kommunalen Zonenvorschriften fest- gelegt. Abweichungen davon seien nur ausnahmsweise zulässi g und müssten einerseits einem objektiven Zweck dienen und mit übergeordneten Planungsgrundsätzen übereinstimmen. Ande- rerseits würden sich die Grenzen der zulässigen Abweichunge n aus den Erfordernissen der städtebaulichen Gestaltung, der Erschliessung und insbeso ndere der Interessen der betroffe- nen Nachbarn ergeben. Dementsprechend halte C/15.1 ZRS fest, dass die bauliche Nutzung durch die Quartierplanung nur soweit erhöht werden dü rfe, als dadurch der Zonencharakter der angrenzenden Bauzonen nicht gestört würde. Die Grenze n der zulässigen Abweichungen von der zonenmässigen Grundnutzung seien vornehmlich unter Berücksichtigung der benachbarten Zonen und Bauten vorzunehmen. Durch den Erlass eines Qua rtierplans könnten die geltenden ordentlichen Zonenbestimmungen nicht einfach beliebig ausser Kraft gesetzt werden. Das gel- tende ZRS vermittle eine gewisse Planungssicherheit, auf welche sich die Beschwerdeführen- den hätten verlassen dürfen. Das Quartierplanareal l iege in der Zone WG2 und die benachbar- ten Liegenschaften in der Zone W2b, welche beide eine maximale Gebäudehöhe von 9.50 Me- tern zuliessen. Der Quartierplan erlaube demgegenüber Gebäudehöhen von 15 Metern, so dass die benachbarten Gebäude in krasser Weise überragt würden und entsprechend an Aus- sicht und Besonnung einbüssen müssten. Die Nutzungserhöhu ng dürfe nur massvoll erfolgen und sei vorliegend entsprechend einem Urteil des Verwa ltungsgerichts des Kantons Solothurn im Umfang von 20 % angebracht. Aus den angeführten Gr ünden sei der vorgesehene Quartier- plan nicht genehmigungsfähig. 6.2.1 Gemäss § 18 Abs. 3 RBG bestimmen grundsätzlich die Zonenreglemente die Art und das Mass der Nutzung, insbesondere die Bauweise, die Geb äudemasse (Gebäudelänge, Ge- bäudetiefe, Gebäudehöhe oder Geschosszahl), die maximal z ulässige bauliche Nutzung sowie die Dachformen und ihre Ausgestaltung. Für neu zu übe rbauende oder überbaute Quartiere legen Quartierpläne die Vorschriften für die Nutzung und Überbauung bzw. für die Erneuerung und Erhaltung fest (§ 38 Abs. 1 RBG). Mit der Vorinst anz und entgegen der Behauptung der Beschwerdeführer ist festzuhalten, dass für den Erlass einer Quartierplanung weder eine objek- tiv zwingende raumplanerische Notwendigkeit erforderli ch noch allfällige Abweichungen von den geltenden Zonenvorschriften als Ausnahmen zu qualif izieren sind (vgl. RRB Nr. 0990 vom Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Juli 2014, Ziffer IV 6.g). Quartierpläne können vi elmehr von den Zonenvorschriften und der Erschliessungsplanung abweichende Bestimmungen enthalten (§ 40 Abs. 1 RBG). Gemäss § 40 Abs. 2 RBG gelten Zonenvorschriften gar als aufgeh oben, soweit sie im Widerspruch zu einem rechtskräftigen Quartierplan stehen. Die entsprechende Rüge erweist sich schon deswe- gen als nicht stichhaltig und es ist nicht nachvollziehbar, weshalb eine Nutzungserhöhung auf 20% zu beschränken sei. Zutreffend ist demgegenüber, da ss eine Nutzungserhöhung auch nicht völlig unbesehen von der Umgebung erfolgen kann. Wie das Bundesgericht in seinem Urteil 1C_800/2013 vom 29. April 2014 ausführt, dar f ein Sondernutzungsplan nur in einem ge- wissen Ausmass von der bau- und zonenrechtlichen Grundord nung abweichen; wo die Grenze liegt, ist im Einzelfall und gestützt auf das kantonale Recht auszuloten. 6.2.2 Das kantonale Recht hält in § 37 Abs. 1 RBG fes t, dass Quartierpläne eine haushälteri- sche Nutzung sowie eine architektonisch und erschliessungsmässi g gute, der Umgebung an- gepasste und auf die Wohnbedürfnisse der Bevölkerung au sgerichtete Überbauung eines zu- sammenhängenden Teilgebietes der Bauzonenfläche bezwecke n. Der Quartierplan “F.____“ bezweckt eine geordnete, haushälterische Nutzung des Boden s und soll eine umweltgerechte, wohnhygienische, architektonisch und städtebaulich sowie erschliessungsmässig gute, der Umgebung angepasste Überbauung gewährleisten. Es soll damit eine lage- und quartierver- trägliche Siedlungsverdichtung realisiert werden (vgl. Be gleitbericht gemäss § 39 RBG Ziffer 5.2). Diese Zielsetzung entspricht derjenigen des Art. 1 RPG, wie auch der Regierungsrat im angefochtenen RRB festhält (vgl. RRB Nr. 0990 vom 1. J uli 2014, Ziffer I). Er hat zu Recht da- rauf hingewiesen, dass die gemäss eidgenössischem Raumplanungsrecht angestrebte verdich- tete Bauweise mit Quartierplänen und Ausnahmeüberbau ungen umgesetzt würde. In Konkreti- sierung dieses übergeordneten Ziels lege das ZRS in C/15 .1 Abs. 2 fest, die bauliche Nutzung dürfe nur soweit erhöht werden, als dadurch der Zonen charakter der angrenzenden Bauzonen nicht gestört würde. Ferner sind bei der Erarbeitung folgende Kriterien zu beachten (Abs. 3): die Wohnqualität, die haushälterische Nutzung des Bodens, die nachbarliche Beeinträchtigung, das Ortsbild, das Landschaftsbild, die Verkehrs- und Fusswegersc hliessung, die Lärmimmissionen, der gesamte Energiehaushalt, die Entsorgung (Abfalls ammelstellen und Kompostierplätze) so- wie die Realisierung und Sicherstellung naturnaher Flä chen für den ökologischen Ausgleich. Das Kriterium der nachbarlichen Beeinträchtigung stellt demnach nur eines von insgesamt zehn Kriterien dar, wobei sich die jeweilige Gewichtung der Kriterien im ordentlichen Quartierplanver- fahren letztlich durch den Beschluss der Einwohnergemein deversammlung ergibt, wie der Re- gierungsrat in der Vernehmlassung zu Recht ausgeführt hat. Ebenso, dass eine generelle Überprüfung und Anpassung der Zonenvorschriften von den Beschwerdeführenden nicht gel- tend gemacht wird und eine solche auch nicht angezeigt ist, da sich die Verhältnisse nicht we- sentlich geändert hätten (vgl. Vernehmlassung Regierungsrat vom 25. September 2014, S. 9). Sowohl das Quartierplanareal als auch die Liegenschaft d er Beschwerdeführenden liegt in der Wohn- und Geschäftszone WG2, in welcher eine Gebäudeh öhe von 9.5 Metern erlaubt ist. Da- ran grenzt zum einen die Kernzone K3 an, in welcher g emäss ZRS eine maximale Bebauungs- ziffer von 35 % sowie eine Gebäudehöhe von 14.5 Metern zulässig sind. Zum anderen befindet sich in nächster Umgebung die Wohnzone W3, in welcher ei ne maximale Bebauungsziffer von 22 % und Gebäude bis zu einer Höhe von 12.5 Metern g ebaut werden dürfen (vgl. D/1.1 ZRS). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht In den angrenzenden Zonen W2b und WG2a ist wiederum e ine Gebäudehöhe von 9.5 Metern gestattet. Somit weicht die im Quartierplan vorgesehe ne maximale Gebäudehöhe von 15 Me- tern unbestrittenermassen von den gemäss ZRS zulässigen Ge bäudehöhen ab. Unter Berück- sichtigung der Zonen K3 und W3 hat der Regierungsrat d ie geplante Gebäudehöhe jedoch als zulässig erachtet, da der Quartierplan diese höhere, d ichtere Nutzung entlang der W.____strasse ergänze (vgl. Vernehmlassung Regierungsrat vo m 25. September 2014, S. 11 f.). Das Vorbringen der Beschwerdeführenden, die vorgesehene Gebäudehöhe über- schreite die maximale Höhe in der Kernzone, ist unbegrün det. Wie der Regierungsrat zu Recht entgegenhält, sieht das RBG keine zahlenmässige Begrenzung der zulässigen Abweichung von der Regelbauweise vor. Dem Begleitbericht ist überdie s zu entnehmen, dass sich für das Pla- nungsgebiet eine Ausnützungsziffer von 120 % ergibt und die betroffene Zone WG2 einer Aus- nützungsziffer von 75 % entspricht. Die im Quartierplan vorgesehene relative Erhöhung der Grundnutzung um 60 % wurde daher als recht- und zweckmä ssig beurteilt (vgl. Begleitbericht gemäss § 39 RBG, S. 7). Anlässlich des heutigen Augenscheins konnte sich das Gericht davon überzeugen, dass die Volumetrie des “F.____s“ sowie die d amit verbundene Nutzungserhö- hung sinnvoll an die bestehende Bebauung anschliesst. In der unmittelbaren Umgebung der Liegenschaft der Beschwerdeführenden finden sich ein fü nfgeschossiger Wohnblock und in Sichtweite ein solcher mit acht Stockwerken. Zudem findet die geplante Überbauung in einem gut erschlossenen Gebiet statt, was es bei der Siedlungsverdichtung nach innen zu berücksich- tigen gilt (Art. 1 Abs. 2 lit. a bis , Art. 3 Abs. 3 lit. a und a bis RPG, § 1 Abs. 2 Quartierplan- Reglement). Mit der Gemeinde und dem Regierungsrat ist ferner festzuhalten, dass gemäss der kantonalen Richtplanung eine verdichtete Bauweise insbes ondere an mit öffentlichem Verkehr erschlossenen Lagen quartier- und umweltverträglich erfo lgen sowie eine hohe Qualität in der Siedlungsstruktur und der Architektur aufweisen soll. D er vorgesehene Quartierplan “F.____“ erfüllt sämtliche dieser Voraussetzungen (vgl. auch Vern ehmlassung Gemeinde vom 25. September 2014, Vernehmlassung Regierungsrat vom 25. September 2014, S. 8, 13). Wie der Regierungsrat weiter ausführt, beurteile sich der Zonencharakter nicht alleine aufgrund der Gebäudehöhe und des Nutzungsmasses, sondern auch a ufgrund der Nutzungsart (vgl. Vernehmlassung Regierungsrat vom 25. September 2014, S . 11 ff.). Künftig seien neben den wenig störenden Betrieben auch mässig störende Betriebe geplant, was der in dieser Zone vor- gesehenen Nutzungsart entspreche (vgl. C/2.3 ZRS). Der bestehende Zonenplan werde auch in dieser Hinsicht respektiert. Somit hat der Regierungsra t den Quartierplan zu Recht als geset- zeskonform beurteilt. Ebenso ist die von den Beschwerdeführenden monierte Be einträchtigung an Aussicht und Be- sonnung mit dem Regierungsrat als marginal zu bezeichnen (vgl. Schattenstudien in den An- hängen 3 und 4 zum Mitwirkungsbericht gemäss § 2 RBV). Es ist ferner zutreffend, dass es sich dabei nicht um den Zonencharakter prägende Faktoren han delt (vgl. Vernehmlassung Regie- rungsrat vom 25. September 2014, S. 13). Die eingere ichte Schattenstudie ist nachvollziehbar und in sich stimmig. Es ist daher nicht ersichtlich und wird von den Beschwerdeführenden auch nicht substantiiert vorgebracht, weshalb erneut ein Gu tachten betreffend Schattenwurf hätte eingeholt werden sollen, wie von den Beschwerdeführenden verlangt wird. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4.1 Dem Kantonsgericht ist von Gesetzes wegen nur die R echtskontrolle gestattet (vgl. E. 2). Das Gericht darf die Angemessenheit von raumpla nerischen Akten nicht überprüfen. Das Kantonsgericht ist nur berechtigt einzugreifen, wenn die Quartierplanung den wegleitenden Zie- len und Grundsätzen der Raumplanung offensichtlich wider spricht oder wenn einzelne beim planerischen Interessenausgleich zwingend zu berücksichtigende private oder öffentliche Inte- ressen ausgeblendet wurden. 6.4.2 Der Regierungsrat hat als unbestrittenermassen öf fentliches Interesse die verdichtete Bauweise genannt. Diesbezüglich wurde weiter zutreffen d angeführt, dass in städtebaulicher Hinsicht dafür ein geeigneter Ort zu wählen ist. Nach Ar t. 3 Abs. 3 lit. a RPG sind Siedlungen nach den Bedürfnissen der Bevölkerung zu gestalten und i n ihrer Ausdehnung zu begrenzen. Insbesondere sollen Wohn- und Arbeitsgebiete einander zweckmässig zugeordnet sein und schwergewichtig an Orten geplant werden, die auch mit d em öffentlichen Verkehr angemessen erschlossen sind. Vorliegend befindet sich das Quartierpla nareal in unmittelbarer Nähe (Fuss- wegdistanz von 230 Metern) zu den Tramhaltestellen „Z._ ___strasse“ und „E.____“. In den Spitzenstunden verkehrt auf dieser Strecke die Tramli nie 10 in einem 7-8 Minuten-Takt. Dane- ben fahren die Tramlinie 17 und bei der Haltestelle „E.____“ vier Buslinien (vgl. Verkehrsgut- achten vom 31. Oktober 2013, S. 5; Vernehmlassung vom 25. September 2014, S. 9, 11 f.). Wie bereits ausgeführt, hat der heutige Augenschein ge zeigt, dass das vorgesehene Projekt von den umliegenden Referenzbauten nicht übermässig abw eicht und das Gebiet gut erschlos- sen ist (vgl. oben E. 5.2). Das öffentliche Interesse der Verdichtung ist gewichtig und die Schlussfolgerung der Vorinstanzen, die mit dem Quarti erplan vorgesehenen Abweichungen vom Zonenplan ermöglichten eine gute städtebauliche Gesa mtlösung, ist sachlich begründet und nachvollziehbar. Dabei fällt die von den Beschwerde führenden geltend gemachte Beein- trächtigung der Besonnung und Aussicht nicht entscheidend ins Gewicht. Schliesslich kommt der kommunalen Planungsbehörde bei der Festsetzung vo n Quartierplänen eine besondere Entscheidungs- und Ermessensfreiheit zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_130/2014 vom 6. Januar 2015 E. 2.2). Zusammenfassend ergeben sich keinerlei Hinweise, dass die vorliegend angefochtene Quartierplanung grobe Ermessensfehler au sweist. Der Quartierplan beachtet die Rechtsgrundsätze der Rechtsordnung und begünstigt bzw. benachteiligt dabei die Beschwerde- führenden nicht in krasser Weise. Die Gemeinde sowie nach folgend der Regierungsrat haben vorliegend die relevanten Interessen korrekt ermittelt und gegeneinander abgewogen. Die Rüge der Beschwerdeführenden erweist sich somit als unbegründet. 6.5 Die Beschwerdeführenden machen schliesslich eine Ver letzung des Grundsatzes der Planbeständigkeit geltend, wenn sie ausführen, der ge ltende Zonenplan vermittle eine gewisse Planungssicherheit. Der Grundsatz der Planbeständigkeit dient der Rechtssicherheit und schützt das Vertrauen der Grundeigentümer in die Beständ igkeit der Planung. Gemäss bun- desgerichtlicher Rechtsprechung gilt der Grundsatz der Planbeständigkeit nicht absolut und Planänderungen sind bei erheblicher Veränderung der Verhältnisse auch nach weniger als dem Planungshorizont von 15 Jahren zulässig (vgl. hierzu Art. 15 Abs. 1 RPG, Urteil des Bundesge- richts 1A.167/2002 vom 14. Januar 2003 E. 3.7; BGE 124 II 391 E. 4.b; 119 Ib 138 E. 4.e). Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass der Zonenplan im betroffenen Gebiet mehr als 20 Jahre alt ist und somit der (nicht absolut geltende) Planungshor izont von 15 Jahren gewahrt wurde. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach widerspricht der Quartierplan dem Grundsatz de r Planbeständigkeit nicht und die Beschwerdeführenden konnten und durften nicht mehr darauf vertrauen. Damit wurde also auch der Grundsatz der Rechtssicherheit nicht verletzt. Zu Recht machen die Beschwerdeführenden nicht geltend, der Zonenplan hätte abgeändert werden müssen. Im Übrigen sei darauf hinge- wiesen, dass Quartierpläne im ordentlichen Verfahren d urch die Gemeindeversammlung bzw. den Einwohnerrat erlassen werden, was dem Verfahren üb er die Aufstellung der Zonenvor- schriften entspricht (§ 41 RBG, § 31 RBG). Wie auch vom R egierungsrat zutreffend vorge- bracht, geniessen beide Verfahren die gleiche demokrati sche Legitimation, und es ist nicht er- sichtlich, dass vorliegend eine Neuordnung des Zonenplans geboten gewesen wäre. Somit er- weist sich auch diese Rüge als unbegründet. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorste- henden Ausführungen, dass der angefochtene RRB nicht z u beanstanden ist, was zur Abwei- sung der Beschwerde führt. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umf assen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Au smass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). A llerdings besteht aufgrund der offenen Formulierung "in der Regel" ein gewisser Ermessensspie lraum, was in Ausnahmefällen dazu führen kann, dass die Verfahrenskosten nach dem Verursach erprinzip verlegt werden. Wie auf- gezeigt, hat der Regierungsrat den angefochtenen RRB mangelhaft begründet und ist seiner Begründungspflicht erst in der Vernehmlassung nachgekom men. Die Beschwerdeführenden hatten damit in nachvollziehbarer Weise Anlass, die vorl iegende Beschwerde einzureichen. Gestützt darauf rechtfertigt es sich, nach dem Verursacherprinzip, von der Auferlegung von Ver- fahrenskosten zulasten der Beschwerdeführenden abzusehen und den geleisteten Kostenvor- schuss zurückzuerstatten. 7.2 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Auch die Parteikosten kann das Gericht nach dem Verur- sacherprinzip verlegen und sie werden vorliegend ausschliessl ich dem Regierungsrat auferlegt (vgl. B ERNET , a.a.O, S. 132 ff.). Der in der Honorarnote vom 21 . Oktober 2014 ausgewiesene Aufwand von 9 Stunden und 10 Minuten zu einem Stunde nansatz von Fr. 250.-- erscheint an- gemessen. Zusammen mit der heutigen Parteiverhandlung inkl. Vorbereitung resultiert daraus ein Gesamtaufwand von 16 Stunden und 40 Minuten bzw. ein Gesamthonorar von Fr. 4‘166.65, zuzüglich Auslagen von Fr. 262.-- und 8 % MWSt, d.h. Fr. 4‘783.--, welches vom Regierungsrat auszurichten ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'200.- - wird den Beschwerdeführenden zurückerstattet. 3. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d en Beschwerde- führenden eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr . 4‘783.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) auszurichten. Präsidentin Gerichtsschreiberin