22. September 1993 N 1569 Motion der SD/Lega-Fraktion 1er Beteuerungen und Bekenntnisse, die heute gegenüber dem Rätoromanischen in diesem Saale abgegeben worden sind. Eine Bundeshilfe an eine zu gründende unabhängige - Herr Ledergerber schreibt in seinem Antrag «überparteiliche» - Tageszeitung wird von der Expertengruppe Saladin in ihrem Bericht «Zustand und Zukunft der viersprachigen Schweiz» (= «Schlussbericht der Arbeitsgruppe zur Revision von Arti- kel 116 der Bundesverfassung») ausdrücklich gefordert. Es ist klar, dass die tägliche Konfrontation mit aktueller Lektüre vor allem eine Möglichkeit ist, um auch die rätoromanische Jugend vermehrt bewusst für die eigene Sprache zu interes- sieren. Wenn das grundsätzlich bewilligt wird, würde das Geld selbst- verständlich erst gesprochen, wenn das Projekt reif ist. Das als Entgegnung im Hinblick auf die Befürchtungen von Herrn Scheurer Rémy. Es ist so, dass ein breit abgestützter, mehr als 600 Mitglieder umfassender Verein für die Realisierung dieser Tageszeitung besteht. Dieser Verein hat seinerseits eine Stif- tung gegründet, die dieses Projekt realisieren soll. Die Mittel müssten meiner Meinung nach in diese Stiftung fliessen. Es wird immer wieder der Einwand erhoben, die Rätoromanen seien sich bei einem solchen Projekt nicht einig. Bis jetzt wur- den solche Befürchtungen und Kritiken jedoch im Hinblick auf die mangelnde Finanzierungsbasis geäussert Wenn sie wis- sen, dass die Finanzierung dieses Projektes möglich ist, wer- den sich die Rätoromanen ziemlich rasch auf ein Projekt eini- gen; dann kann dieses auch unterstützt werden. Aus meiner persönlichen Warte möchte ich Sie also bitten, den Antrag Ledergerber zu unterstützen. Abstimmung - Vote Für den Antrag Ledergerber 35 Stimmen Dagegen 78 Stimmen Ziff. II Antrag der Kommission Zustimmung zum Beschluss des Ständerates Ch.ll Proposition de la commission Adhérer à la décision du Conseil des Etats Angenommen -Adopté Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble Für Annahme des Entwurfes 89Stimmen Dagegen 19 Stimmen Abschreibung - Classement Antrag des Bundesrates Abschreiben der parlamentarischen Vorstösse gemäss Seite 1 der Botschaft Proposition du Conseil fédéral Classer les interventions parlementaires selon la page 1 du message Angenommen -Adopté An den Ständerat-Au Conseil des Etats #ST# 92.3183 Motion der SD/Lega-Fraktion Revision Sprachenartikel 116 BV und Ausführungsgesetzgebung Motion du groupe DS/Ligue Révision de l'article sur les langues (art. 116 est.) Wortlaut der Motion vom 3. Juni 1992 Der Bundesrat wird aufgefordert, den Sprachenartikel (Art. 116 BV) und die allgemeine Ausführungsgesetzgebung zum zu revidierenden Sprachenartikel so zu gestalten, dass die Viersprachigkeit der Schweiz erhalten und gefördert wird, die Sprachenpolitik gegenüber anderen Minderheitssprachen die sprachliche Integration von Einwanderern nicht behindert. Texfe de la motion du 3 juin 1992 Nous chargeons le Conseil fédéral de modifier l'article consti- tutionnel sur les langues (art. 116 est.) et la législation géné- rale d'exécution de telle manière que le quadrilinguisme de la Suisse soit maintenu et valorisé, mais que la politique menée envers les autres langues minoritaires ne soit pas un obstacle à l'intégration linguistique des immigrés. Sprecher-Porte-parole: Steffen Schriftliche Begründung Die SD/Lega-Fraktion betrachtet die Eidgenossenschaft als «viersprachige Willensnation», lehnt aber die vom Bundesrat in seinem Bericht über die Legislaturplanung 1991-1995 gebrauchte Bezeichnung «multikulturelle Willensnation Schweiz» ab. Alle vier Sprachregionen haben ihre Grundlagen im christlich-abendländischen Kulturverständnis, welches die Lebensweise und das Recht bestimmen und auch weiterhin bestimmen sollen. Es ist aufgrund der Bundesverfassung nie das Ziel der Politik gewesen, in der Schweiz eine «multikultu- relle Gesellschaft» zu entwickeln, auch wenn die verfehlte Ein- wanderungspolitik von Bundesrat, Parlament und Parteien schwerwiegende Probleme im Bereich «sprachliche und kul- turelle Integration» hervorruft Es gilt unbedingt alles daranzu- setzen, dass keine örtlich begrenzten kulturellen und sprachli- chen Ghettos entstehen. In diesem Bereich hat die Sprachen- politik ihre besondere Bedeutung. Daneben ist es seit eh und je wichtig, dass die Stellung der vier Landessprachen in ihren angestammten Sprachgebieten - aber auch in den anderen drei Sprachgebieten - verstärkt wird, wobei der kulturelle Austausch zwischen den vier Regio- nen vermehrt zu fördern ist Was die Minderheitssprachen von Einwanderern anbetrifft, hat die sprachliche Integration durch gefördertes Erlernen einer Landessprache jede Priorität vor der Förderung der Mutter- sprache. Die von einzelnen Kantonen auf Empfehlung der Er- ziehungsdirektorenkonferenz und der Unesco eingeführten Kurse in heimatlicher Kultur, erteilt durch Lehrer, welche von den Generalkonsulaten gestellt werden, sind einerseits auf ih- ren Inhalt genau zu prüfen, von den Erziehungsbehörden zu begleiten und dürfen die sprachliche und kulturelle Integration der Einwanderer- insbesondere der Schulkinder- nicht be- hindern. Développement par écrit Le groupe des Démocrates suisses et de la Ligue des Tessi- nois considère la Confédération comme une nation issue d'une volonté de coexistence et constituée de quatre entités linguistiques. Cependant, il conteste la dénomination d'«Etat multiculturel issu d'une volonté de coexistence», employée par le Conseil fédéral dans son rapport sur le programme de la législature 1991-1995. Nos quatre régions linguistiques se fondent sur des valeurs culturelles de l'Occident chrétien, quiMotion du groupe DS/Ligue 1570 N 22 septembre 1993 ont toujours déterminé le mode de vie et le droit, et devraient continuer de les marquer. Si l'on s'en tient à la constitution, le but de notre politique n'a jamais été de faire de la Suisse une «société multiculturelle», même si les erreurs commises par le Conseil fédéral, le Parlement et les partis dans leur politique d'immigration donnent naissance à de graves problèmes dans le domaine de ('«intégration linguistique et culturelle». Il faut absolument tout mettre en oeuvre pour éviter l'apparition de ghettos culturels et linguistiques circonscrits. C'est dans ce domaine que la politique en matière de langues revêt une im- portance particulière. Par ailleurs, il importe depuis toujours de renforcer la position des quatre langues nationales, non seulement dans leur ré- gion linguistique traditionnelle, mais aussi dans les trois au- tres. Il faut donc promouvoir les échanges culturels entre ces quatre régions. En ce qui concerne les minorités linguistiques constituées par des immigrés, l'intégration linguistique doit recevoir une prio- rité absolue, avant la promotion de la langue maternelle; il faut pour cela encourager l'apprentissage d'une de nos langues nationales. On sait que quelques cantons, sur recommanda- tion de l'Unesco et de la Conférence suisse des directeurs cantonaux de l'instruction publique, offrent aux étrangers des cours d'initiation à la civilisation de leur pays d'origine, donnés par des professeurs nommés par les consulats généraux II faut contrôler soigneusement le contenu de ces cours, en sui- vre le déroulement par l'intermédiaire des autorités chargées de l'éducation et veiller à ce qu'ils ne fassent pas obstacle à l'intégration linguistique et culturelle des immigrés et surtout des enfants d'âge scolaire. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 16. September 1992 Der Bundesrat hat am 4. März 1991 die Botschaft über die Revision des Sprachenartikels der Bundesverfassung (Art. 116 BV) verabschiedet und dem Parlament zur Beratung unterbreitet Das zentrale Anliegen der bundesrätlichen Vorlage ist die Er- haltung und Förderung der Viersprachigkeit in unserem Land, die ein bedeutendes Wesensmerkmal unseres Staatsver- ständnisses und unserer Identität darstellt Dabei gutes, ganz besonders den Minderheitensprachen unter den vier Landes- sprachen in ihren Verbreitungsgebieten, aber auch gesamt- schweizerisch besseren Schutz und Unterstützung zu gewäh- ren und den kulturellen Austausch zwischen den vier Sprach- regionen vermehrt zu fördern. Die sprachliche Integration von Einwanderern wird durch den vorliegenden Revisionsentwurf keineswegs in negativem Sinne beeinflusst In weiter gehen- den Fragen der Assimilierung und der Integration von anders- sprachigen Einwanderern sind vor allem die kantonalen Bil- dungssysteme angesprochen, die, unabhängig von der vor- liegenden Revisionsvorlage, hauptsächlich im Kompetenzbe- reich der Kantone liegen. Die Ausgestaltung des Sprachenartikels ist nun die Aufgabe des Parlamentes. Der Ständerat wird die Vorlage voraussicht- lich in der Herbstsession 1992 behandeln. Der Bundesrat möchte den Ausgang der parlamentarischen Beratungen ab- warten und die entsprechenden Meinungsäusserungen in die spätere Ausführungsgesetzgebung einfliessen lassen. Auf- grund der oben zusammengefassten Stossrichtung der Revi- sion des Sprachenartikels dürfte dabei die Erhaltung und Stär- kung der Landessprachen im Vordergrund stehen. Da die Vor- lage sich nun in der parlamentarischen Beratung befindet und aus unserer Stellungnahme hervorgeht, dass der bundesrätli- che Entwurf zur Revision des Sprachenartikels keinesfalls im Widerspruch zu den Anliegen der Motionäre steht, schlägt der Bundesrat vor, die Motion abzuschreiben. Rapport écrit du Conseil fédérai du 16 septembre 1992 Le 4 mars 1991, le message concernant la révision de l'article constitutionnel sur les langues (art. 116 est) était approuvé par le Conseil fédéral et soumis au Parlement Ce message est centré sur le maintien et l'encouragement du quadrilinguisme, qui est l'un des traits caractéristiques de no- tre pays et une composante essentielle de son identité. Dans cette optique, il convient en particulier de protéger et de soute- nir davantage les langues minoritaires non seulement dans leur territoire de diffusion, mais encore dans toute la Suisse, et d'encourager plus activement les échanges culturels entre les quatre régions linguistiques du pays. Ce projet de révision ne doit nullement exercer une influence négative sur l'intégration linguistique des immigrés. La question, au sens large, de l'as- similation et de l'intégration des immigrés parlant d'autres lan- gues concerne avant tout les systèmes d'éducation, qui sont indépendants de ce projet de révision, car ils relèvent essen- tiellement des compétences cantonales. Il appartient maintenant au Parlement de donner une forme définitive à l'article sur les langues. La question sera vraisem- blablement examinée par le Conseil des Etats lors de la ses- sion d'automne 1992. Le Conseil fédéral entend attendre le ré- sultat des délibérations parlementaires, puis élaborer des dis- positions d'exécution en tenant compte des avis qui se seront exprimés. Vu les objectifs essentiels de la révision, tels qu'ils sont résumés plus haut, ces dispositions seront certainement axées sur le maintien et le renforcement des langues nationa- les. Etant donné que le dossier est à l'examen au Parlement, et qu'il ressort de la présente réponse que le projet du Conseil fé- déral n'est pas en contradiction avec les préoccupations des motionnaires, le Conseil fédéral propose de classer la motion. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Der Bundesrat beantragt, die Motion abzuschreiben. Déclaration écrite du Conseil fédéral Le Conseil fédéral propose de classer la motion. Steffen: Der Bus muss wegen dieser Motion noch einige Sekunden warten, deshalb mache ich es kurz. Die vorliegende Motion fordert den Bundesrat auf, die Vier- sprachigkeit der Schweiz zu erhalten und zu fördern. Das ha- ben wir mit den vorgängigen Beschlüssen eingeleitet Unsere Motion verlangt aber noch zusätzlich, dass die Spra- chenpolitik gegenüber anderen Minderheitssprachen, also beispielsweise gegenüber den Einwanderersprachen, die sprachliche Integration von Einwanderern nicht behindert. Der Motionstext wurde ausgeteilt. Ich verzichte auf eine wei- tere Begründung. Der Stellungnahme des Bundesrates können Sie entnehmen, dass er beantragt, die Motion abzuschreiben. Wir sind damit nicht einverstanden. Warum? Die Motion verlangt vom Bundesrat, dass er ihre For- derungen sowohl bei der Vorlage des Verfassungsartikels - das haben wir jetzt getan - als auch im Rahmen der anschlies- senden Sprachengesetzgebung berücksichtigt Und da habe ich eine Frage an Frau Bundesrätin Dreifuss. Es ist ja so, dass Bund und Kantone die Verständigung zwischen den Sprach- gemeinschaften fördern wollen, ich möchte Sie fragen, ob der Bundesrat mit «Sprachgemeinschaften» die vier Landesspra- chen meint oder aber alle in der Schweiz anwesenden Sprach- gemeinschaften. Ich bitte Sie, auch bei vorgerückter Zeit der Motion zuzustim- men, und zwar deshalb, weil sie wichtig ist und vom Bundesrat eine klare Gangart verlangt. Mme Dreifuss, conseillère fédérale: Je ne vous aurais pas de- mandé la parole si ça n'avait pas été pour répondre à une question du motionnaire. J'ai dit très clairement tout à l'heure que la liberté de la langue est un droit fondamental qui appartient à tout le monde y com- pris aux ressortissants d'autres pays qui se trouvent chez nous. Ils ont le droit d'avoir la garantie par exemple de se faire entendre devant un tribunal, d'avoir un traducteur à leur dispo- sition, etc. Je ne dirai toutefois pas la même chose de l'article 116 de la constitution qui est un article sur les langues officielles suis- ses, la protection des langues nationales menacées et la com- préhension entre les communautés nationales. Par contre, l'article sur la culture, qui vise à promouvoir des différentes cultures dans ce pays et en particulier des cultures de groupes22. September 1993 N 1571 Motion der SD/Lega-Fraktion de population défavorisés, correspond bien, aux yeux du Conseil fédéral également, à une volonté d'intensifier la com- préhension entre les différentes cultures présentes dans ce pays, y compris les cultures immigrées. Ma réponse est donc très claire. L'article 116 concerne les lan- gues nationales et pas d'autres langues, et je vous demande effectivement de classer cette motion qui se trouve réalisée à la suite du débat de tout à l'heure. Abstimmung - Vote Für Abschreibung der Motion offensichtliche Mehrheit Für Ueberweisung der Motion Minderheit Schluss der Sitzung um 13.00 Uhr La séance est levée à 13 h 00Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Motion der SD/Lega-Fraktion Revision Sprachenartikel 116 BV und Ausführungsgesetzgebung Motion du groupe DS/Ligue Révision de l'article sur les langues (art. 116 cst.) In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1993 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 03 Séance Seduta Geschäftsnummer 92.3183 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 22.09.1993 - 08:00 Date Data Seite 1569-1571 Page Pagina Ref. No 20 023 142 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.