<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 94 S.479</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">479</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>94</b></span> <span class="ft2"><b>Bewilligungsentscheid für ein Strassenbauprojekt</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Bei Einsprachen gegen ein Strassenbauprojekt (§ 95 BauG) muss die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bewilligungsbehörde nicht nur die Einsprachen beurteilen, sondern</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gleichzeitig und ausdrücklich auch über die Projektgenehmigung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>entscheiden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 20. Februar</span><br/> <span class="ft5">2006 i.S. Erbengemeinschaft B. gegen Gemeinderat Oftringen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">480</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4. Einzutreten ist dagegen auf die Beschwerde insoweit, als die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin Mängel bezüglich des Bauprojektverfahrens sel-</span><br/> <span class="ft1">ber geltend macht. So rügt sie, der Gemeinderat Oftringen habe das</span><br/> <span class="ft1">Koordinationsgebot verletzt, indem er zwar über die Einsprache,</span><br/> <span class="ft1">nicht aber zugleich über das Projekt entschieden habe. (...)</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Wortlaut von § 95 Abs. 4 BauG entscheidet der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat über die Einsprachen und die bereinigten Bauprojekte für</span><br/> <span class="ft1">Gemeindestrassen. Dies impliziert - wie bei den Kantonsstrassen -</span><br/> <span class="ft1">einen Einspracheentscheid und einen Projektgenehmigungsbeschluss</span><br/> <span class="ft1">(E</span><span class="ft5">RICH</span> <span class="ft1">Z</span><span class="ft5">IMMERLIN</span><span class="ft1">, Baugesetz des Kantons Aargau, Kommentar,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage 1985, N. 1 zu § 29; AGVE 1995, S. 370). Dies kann im</span><br/> <span class="ft1">gleichen Beschluss oder in getrennten Entscheiden erfolgen; nur</span><br/> <span class="ft1">müssen sie im letzteren Fall zeitgleich gefällt werden.</span><br/> <span class="ft1">Aus dem angefochtenen Einspracheentscheid geht nicht aus-</span><br/> <span class="ft1">drücklich hervor, dass damit das Bauprojekt genehmigt sei, vielmehr</span><br/> <span class="ft1">befasst sich dieser ausschliesslich mit den Einwänden gegen das Pro-</span><br/> <span class="ft1">jekt; das Dispositiv beschränkt sich auf die Abweisung der Einspra-</span><br/> <span class="ft1">che. Es liegt auch keine separate, ausdrückliche Projektgenehmigung</span><br/> <span class="ft1">vor. Daran ändert nichts, dass die Gemeindeversammlung am 18.</span><br/> <span class="ft1">September 2003 dem Strassenbauprojekt zugestimmt hat, wie der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat ausführt. Die Gemeindeversammlung hatte lediglich</span><br/> <span class="ft1">den Kredit zu beschliessen; die Projektgenehmigung im Sinne der</span><br/> <span class="ft1">Bewilligungserteilung ist nach § 95 Abs. 4 BauG ausdrücklich dem</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat vorbehalten.</span><br/> <span class="ft1">Laut den Aussagen der Vertreter des Gemeinderates Oftringen</span><br/> <span class="ft1">anlässlich der Verhandlung vom 16. August 2005 pflegt der Gemein-</span><br/> <span class="ft1">derat Beschlüsse über Strassenbauprojekte nur dann zu fassen, wenn</span><br/> <span class="ft1">keine Einsprachen erhoben wurden. Muss er über Einsprachen ent-</span><br/> <span class="ft1">scheiden und resultieren daraus keine Projektänderungen, ist für ihn</span><br/> <span class="ft1">das Verfahren abgeschlossen und das Projekt genehmigt. So ist er</span><br/> <span class="ft1">auch im vorliegenden Fall verfahren, weshalb er sich auf den Stand-</span><br/> <span class="ft1">punkt stellt, das Bauprojekt tatsächlich genehmigt zu haben. Zwar</span><br/> <span class="ft1">entspricht dieses Vorgehen nicht dem Verfahrensablauf, wie ihn das</span><br/> <span class="ft1">BauG vorsieht. Es käme aber wohl überspitztem Formalismus gleich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">481</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und würde auf einen verfahrensmässigen Leerlauf hinauslaufen, den</span><br/> <span class="ft1">Einspracheentscheid allein aus diesem Grund aufzuheben. Anhalts-</span><br/> <span class="ft1">punkte dafür, dass der Gemeinderat bewusst zunächst den Einspra-</span><br/> <span class="ft1">cheentscheid gefällt und die Projektgenehmigung zurückgestellt hat,</span><br/> <span class="ft1">gibt es jedenfalls nicht. Immerhin ist dem Gemeinderat Oftringen zu</span><br/> <span class="ft1">empfehlen, künftig in solchen Fällen festzuhalten, dass das Baupro-</span><br/> <span class="ft1">jekt genehmigt wird.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>