Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Juli 2016 (730 16 95) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Vorliegend bestehen Zweifel an der Richtigkeit der versicherungsinternen medizinischen Einschätzung, weshalb die Vorinstanz in Bezug auf d ie geklagten somatischen Be- schwerden ein externes fachärztliches Gutachten einzuholen hat. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber i.V. Robin Eschbach Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen B.____ AG, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A.1 A.____ ist bei der B.____ AG im Rahmen der obli gatorischen Krankenpflegeversiche- rung versichert. Aufgrund seines starken Übergewich ts wurde bei ihm im Jahre 2013 eine Schlauchgastrektomie durchgeführt. Der Versicherte reduzierte sein Körpergewicht in der Folge erheblich. Seither leidet er an einer Fettschürze (überschüssige Haut) im Abdominalbereich. Mit Schreiben vom 5. Dezember 2014 ersuchte Dr. med. C. ____, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, die B.____ AG um Kostengutsprache für eine o perative Entfernung der Fettschürze. Mit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schreiben vom 13. April 2015 verneinte diese ihre Leist ungspflicht für den operativen Eingriff, da der Krankheitswert der Beschwerden nicht ausgewiesen sei. A.2 Auf Ersuchen des Versicherten hin erliess die B.____ AG am 15. September 2015 eine Verfügung, in der sie an ihrer Ablehnung festhielt. Die dagegen erhobene Einsprache wurde mit Einspracheentscheid vom 18. Februar 2016 abgewiesen. B. Hiergegen erhob A.____ mit Eingabe vom 14. März 20 16 Beschwerde beim Kantonsge- richt, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, die B.____ AG sei zu verpflichten, Leistungen für die operative Entfernung der Fettschürze zu entrichten. C. Mit Beschwerdeantwort der B.____ AG vom 1. Juni 2016 beantragte diese die Abwei- sung der Beschwerde; alles unter o/e-Kostenfolge. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 60 Ab s. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Ver- fügungen und Einspracheentscheide eines Sozialversicherungsträgers beim zuständigen Versi- cherungsgericht innerhalb von 30 Tagen Verwaltungsgeri chtsbeschwerde erhoben werden. Zuständig ist gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versicherungsg ericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zum Zeitpunkt der Beschwerdeerh ebung ihren Wohnsitz hat. Der Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz in D.____. Die ör tliche und gemäss § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgeri chts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, ist vorliegend somit gegeben. Au f die im Übrigen frist- und formge- recht eingereichte Beschwerde kann deshalb eingetreten werden. 2.1 Gemäss Art. 1a Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 1994 gewährt die soziale Krankenversicherung Leistungen bei Krankheit. Nach Art. 3 Abs. 1 ATSG ist Krankheit jede Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi- schen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist un d die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigke it zur Folge hat. Der Rechtsbegriff "Krankheit" deckt sich nicht notwendigerweise mit dem med izinischen Krankheitsbegriff. Nicht jede Beeinträchtigung der Gesundheit stellt eine Kran kheit dar; vielmehr muss diese den soge- nannten Krankheitswert erreichen. Die gesundheitliche Störung muss mithin eine gewisse Schwere aufweisen, um als Krankheit zu gelten (vgl. Ur teil des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts [EVG, seit dem 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 16. August 2005, K 1/05, E. 1.2). 2.2 Nach Art. 32 KVG müssen die Leistungen nach den A rt. 25 – 31 KVG wirksam, zweck- mässig und wirtschaftlich sein. Zweckmässigkeit und Wirksamke it (als Teilgehalt der Zweck- mässigkeit; vgl. A LFRED MAURER , Das neue Krankenversicherungsrecht, Basel und Frankfurt Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht am Main 1996, S. 51 f.) setzen voraus, dass die Massnahme geeignet ist, das angestrebte Ziel zu erreichen. Welche von mehreren in Betracht fallenden Massnahmen als geeignet erscheint, ist im Rahmen dieser Voraussetzungen nicht entscheidend. Nach der gesetzlichen Regelung genügt es, dass die vom Arzt oder der Ärztin angeordnete Massnahme zweckmässig ist. Sind gleichzeitig mehrere Leistungen als zweckmässig zu qualifizie ren, beurteilt sich die Leistungs- pflicht des Krankenversicherers unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit (Art. 56 KVG). Nach dieser Vorschrift haben die Krankenversicherer die Le istungen auf das Mass zu be- schränken, das im Interesse der Versicherten liegt und für den Behandlungszweck erforderlich ist (Abs. 1). Für Leistungen, die über dieses Mass hinausg ehen, kann die Vergütung verweigert werden (Abs. 2). Indem das Gesetz auf das Interesse de r Versicherten Bezug nimmt, wird zum Ausdruck gebracht, dass der Begriff der Wirtschaftlichkeit der Behandlung nicht eng auszulegen ist (vgl. RKUV 1999 Nr. KV 64 S. 67 f. E. 3a mit Hinweis). 2.3 Die Behebung ästhetischer Einbussen, die Folge eine r Krankheit oder eines Unfalles sind, ist keine Pflichtleistung der Krankenkasse. Unter bes timmten Voraussetzungen hat der Krankenversicherer aber die Kosten der operativen Behan dlung sekundärer krankheits- oder unfallbedingter Beeinträchtigungen, namentlich äusserliche Verunstaltungen vor allem an sicht- baren und in ästhetischer Beziehung speziell empfindlich en Körperteilen – besonders im Ge- sicht –, zu übernehmen. Eine solche Leistungspflicht ist dann zu bejahen, wenn die äusserliche Verunstaltung ein gewisses Ausmass erreicht und sich durch eine kosmetische Operation be- heben lässt, der Versicherer auch für die primären Unfall- oder Krankheitsfolgen leistungspflich- tig war und die durchgeführte kosmetische Operation sich i n allgemein üblichen Grenzen sowie im Rahmen der Wirtschaftlichkeit hält (Urteil des EVG vom 17. Januar 2006, K 135/04, E. 1, BGE 121 V 121 E. 1, 111 V 229 E. 1c). 2.4 Soweit ein ästhetischer Mangel Beschwerden mit Krank heitswert im Rechtssinne verur- sacht, stellt die medizinische Behandlung dieser krankhaften Folgeerscheinungen durch opera- tive Behebung des ästhetischen Mangels als der eigentlichen Krankheitsursache ebenfalls eine Pflichtleistung der Krankenkasse dar (Urteil des EVG vom 17. Januar 2006, K 135/04, E. 1 mit weiteren Hinweisen, Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2011, 9C_179/2011, E. 2). Voraus- setzung ist, dass die Beschwerden erheblich sind und andere , vor allem ästhetische Motive genügend zurückdrängen (BGE 121 V 213 E. 4). Auch le ichtere ästhetische Einbussen können somit Anlass zu einer Krankheitsbehandlung geben, sofern sie Beschwerden oder Funktions- einbussen mit deutlichem Krankheitswert verursachen. D ies gilt etwa für Narben, die namhafte Schmerzen bewirken oder die Beweglichkeit erheblich ein schränken. Die dargelegten Grund- sätze gelten auch in Bezug auf die operative Entfernun g von Hautfalten nach einer Gewichtsre- duktion (Urteil des EVG vom 17. Januar 2006, K 135/04, E. 1 mit weiteren Hinweisen). 3.1 Gemäss dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Unte rsuchungsgrundsatz (vgl. Art. 43 ATSG) hat die verfügende Behörde bzw. d as Gericht die Abklärung des Sachver- halts von Amtes wegen vorzunehmen. Danach haben sowohl der Sozialversicherungsträger als auch das Sozialversicherungsgericht von sich aus, ohne Bindung an die Parteibegehren, für die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhaltes z u sorgen. Um die sich im Zusam- menhang mit der Vergütung der Kosten einer Entfernun g der Fettschürze durch die obligatori- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sche Krankenpflegeversicherung stellenden Fragen beantwo rten zu können, ist die Kranken- versicherung auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Dabei ist es deren Aufgabe, aufgrund von Anamnese, Befund und Diagnose die Notwendigkeit der Behandlung an sich sowie die in Betra cht fallenden therapeutischen Mög- lichkeiten zu bezeichnen (vgl. Urteil des EVG vom 5. Juni 2003, K 46/02, E. 4.3.2). 3.2 Solche ärztlichen Stellungnahmen sind, wie alle Be weise im Sozialversicherungspro- zess, von der rechtsanwendenden Behörde frei sowie umfasse nd und pflichtgemäss zu würdi- gen (F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, S. 278). D abei ist für den Be- weiswert grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismi ttels, noch die Bezeichnung der ein- gereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern des- sen Inhalt ausschlaggebend. Gerade die Krankenversicherung en oder ihre Verbände sind ge- mäss Art. 57 Abs. 1 KVG sogar verpflichtet, nach Rücksprache mit den kantonalen Ärztegesell- schaften Vertrauensärzte bzw. Vertrauensärztinnen zu beste llen. Diese wiederum haben die Krankenversicherungen gemäss Art. 57 Abs. 4 und 5 KVG in medizinischen Fachfragen zu be- raten und insbesondere die Voraussetzungen der Leistun gspflichten zu überprüfen. Sie sind in ihrem Urteil unabhängig und weder die Krankenversiche rung noch die Leistungserbringer kön- nen ihnen Weisungen erteilen. Die Berichte und Gutacht en ständiger Vertrauensärzte haben in beweisrechtlicher Hinsicht denn auch grundsätzlich den gl eichen Stellenwert wie die verwal- tungsinternen Arztberichte und Gutachten der UVG-Versich erer (vgl. G EBHARD EUGSTER , Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Basel/Genf/M ünchen 2007, Krankenversi- cherung, N 209 ff.). Diesen Berichten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten e xterner Fachpersonen oder gar wie ei- nem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berüc ksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist letztendlich ab er entscheidend, ob er für die strei- tigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchun gen beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a und 122 V 160 E. 1c mit weiteren Hinweisen; A LFRED BÜHLER , Versicherungsinterne Gutachten und Privatgutachten in: Rechtsfragen der medizinischen Begutachtung in der Sozialversiche- rung, St. Gallen 1997, S. 179 ff.). 3.3 Im Sozialversicherungsverfahren gilt, sofern das Gesetz nichts abweichendes vorsieht, der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BG E 129 V 222 E. 4.3.1 mit Hinwei- sen). Überwiegende Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass jene r Sachverhaltsdarstellung gefolgt wird, die von allen Geschehensabläufen als die wahrschei nlichste gewürdigt wird (BGE 115 V 133 E. 8b). Demgegenüber genügt es nicht, dass ein bestimmter Sachverhalt bloss möglich ist. 4. Zur Beurteilung der Leistungspflicht für die opera tive Entfernung der Fettschürze sind im Wesentlichen nachfolgende Berichte zu berücksichtigen: Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Am 25. November 2014 führt Dr. C.____ im Wesent lichen aus, der Versicherte beziehe aufgrund eines Fussleidens eine ganze Invalidenrente der SUVA. Aufgrund der Adipositas per- magna habe sich dieser einer Schlauchgastrektomie unter zogen und in der Folge Gewicht ver- loren. Seither leide er unter einer massiven Fettschürz e. Diese verstärke aus Schamgefühlen seine Rückzugstendenz, welche dazu geführt habe, dass er d ie – wegen seiner Schmerzen wichtige – Wassertherapie aufgegeben habe. Er wolle si ch nicht mehr in Badehosen zeigen. Es bestehe ausserdem eine Behinderung der sexuellen Aktivitä t. Könne eine Operation nicht durchgeführt werden, hätte dies eine Verschlimmerung der Schmerzzustände und eine Zunah- me der vorbestehenden Depression zur Folge. 4.2 Mit Bericht vom 7. Mai 2015 stellt PD Dr. med. E. ____, FMH plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie, fest, der Versicherte habe nac h einer Schlauchgastrektomie am 4. Januar 2013 bei einer Grösse von 186cm von 141kg auf derzeit 110kg abgenommen. Es sei dabei zu einer schweren Fettschürze im Unterbauch gekomm en, die deutlich asymmetrisch in beide Leisten ziehe. Diese führe zu ziehenden Schmerzen beim Gehen, klemme beim Sitzen oft ein und weise eine eindrücklich intertriginöse Ekzem atisierung in der Hautfalte auf, die seit über einem Jahr ohne dauerhafte Besserung behandelt w erde. Der Überhang über den Mons pubis behindere den Patienten auch beim Geschlechtsverkeh r. Zusätzlich bestehe eine psychi- sche Rückzugstendenz, indem sich der Patient – wegen Hüftpr oblemen auf die Wassertherapie angewiesen – aus Schamgefühl nicht mehr in Badehosen zeigen wolle. 4.3 In seinem Bericht vom 22. Mai 2015 nimmt Dr. E.___ _ Stellung zur Ablehnung des Kos- tengutsprachegesuchs durch die Beschwerdegegnerin. Darin führt er aus, dass es sich keines- wegs um eine vorwiegend ästhetisch motivierte Operation handle und der Krankheitsverlauf in diesem Fall wie folgt eindeutig ausgewiesen sei: Die schw ere asymmetrische Fettschürze führe zu ziehenden Schmerzen in den Leisten; sie behindere nach vollziehbar Erektion und Ge- schlechtsverkehr; die ungewöhnlich ausgeprägte ekzematisier ende Intertrigo werde seit über einem Jahr erfolglos konservativ behandelt; die psychische Rückzugstendenz des Patienten sei von einem entsprechenden Facharzt nachgewiesen; eine besondere Kausalität ergebe sich aus dem Umstand, dass der Patient wegen Hüftproblemen auf eine Wassertherapie angewiesen sei, sich aber wegen dem Unterbauchekzem und aus Scham ni cht mehr in ein Schwimmbad traue. 4.4 Im Bericht vom 19. Januar 2016 bezieht Dr. med. F .____, FMH Herz- und thorakale Ge- fässchirurgie, Vertrauensarzt, Stellung zum Gesundheitszu stand des Versicherten. Die Fotodo- kumentation zeige eine minim ausgeprägte Fettschürze, welche die Genitalregion nicht überde- cken würde. Das erforderliche Mass an ästhetischer Abnormit ät bestünde nicht. Anhand der Ausprägung des Hautüberschusses sei die beklagte Funktionse inbusse nicht nachvollziehbar. Die in die Leisten einziehenden Schmerzen könnten nicht zwanglos der Fettschürze zugeordnet werden und liessen eher an eine direkte oder indirekt e Leistenhernie denken. Angesichts des geringen Ausmasses der Fettschürze dürfte sich eine konservative Therapie der Dermatose als die zweckmässigste Therapie erweisen. Die psychiatrische Beha ndlung habe schon vor dem bariatrischen Eingriff begonnen und liege in der sozia len Ausgrenzung durch die Arbeitsunfä- higkeit begründet. Der Versicherte scheine deswegen auch Rückzugstendenzen zu haben, wel- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht che aber schon vor der aktuellen Problematik bestanden h ätten. Aus den Unterlagen sei schliesslich nicht nachvollziehbar, inwiefern sich die psychia trischen Leiden durch die erfolgte bariatrisch-chirurgische Operation mit den Folgeescheinungen verstärkt haben sollen. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 18. Februar 2016 vollumfänglich auf die Beurteilung i hres beratenden Arztes Dr. F.____ vom 19. Januar 2016. Sie ging demzufolge davon aus, dass die geklagten somatischen und psychi- schen Beschwerden nicht auf die Fettschürze zurückzuführen se ien. Diese Einschätzung der Beschwerdegegnerin vermag nicht zu überzeugen, lassen doc h die abweichenden fachärztli- chen Beurteilungen von Dr. E.____ vom 7. Mai 2015 un d 22. Mai 2015 sowie der Bericht von Dr. C.____ vom 25. November 2014 Zweifel an der Zuver lässigkeit und Schlüssigkeit der versi- cherungsinternen ärztlichen Feststellungen aufkommen, wie sich aus den nachstehenden Aus- führungen ergibt. 5.2. Dem Bericht von Dr. F.____ ist zu entnehmen, dass die Fettschürze weder das erforder- liche Mass an Abnormität erreiche, noch kausale gesund heitliche Beschwerden darauf zurück- zuführen seien. Er widerspricht damit der Einschätzung von Dr. C.____ und Dr. E.____, welche in ihren Berichten vom 25. November 2014, 7. Mai 2015 und 22. Mai 2015 feststellen, dass die Fettschürze insbesondere eine – seit einem Jahr erfolgl os behandelte – ungewöhnlich ausge- prägte ekzematisierende Intertrigo, ziehende Schmerzen i n der Leiste sowie sexuelle Ein- schränkungen hervorrufen würde. Zwar ist eine Intertrig o nicht von der obligatorischen Kran- kenversicherung zu übernehmen, wenn einfache hygienische M assnahmen und dermatologi- sche Behandlungen zu einer weitergehenden Linderung od er gar Beseitigung der aus überlap- penden Körperteilen resultierenden Hautbeschwerden f ühren. Die Beschwerdegegnerin hat jedoch nicht abgeklärt, ob die im Bericht von Dr. E._ ___ vom 22. Mai 2015 als ungewöhnlich ausgeprägt bezeichnete Intertrigo – welche seit einem Jahr erfolglos konservativ behandelt werde – im Sinne dieser Praxis mit einfachen hygienischen Massnahmen und dermatologi- schen Behandlungen überhaupt gelindert oder beseitigt werden kann. Des Weiteren hat sie keine Abklärungen in Bezug auf die möglicherweise durch die Fettschürze verursachten zie- henden Schmerzen in der Leiste vorgenommen, welche vom Vertrauensarzt pauschal mit ei- nem Verdacht auf eine Leistenhernie erklärt werden. Zu beachten ist, dass Dr. F.____ als Facharzt für Herz- und thorakale Gefässchirurgie kein Expert e für die geklagten Beschwerden ist und den Beschwerdeführer – im Gegensatz zu Dr. E. ____ – nie persönlich untersucht hat. Da Dr. F.____ als Vertrauensarzt ein verwaltungsinterner Arzt ist, sind bei der Würdigung seiner Beurteilungen strenge Anforderungen zu stellen. Wie ob en ausgeführt (vgl. E. 3.2) ist es zwar zulässig, dass ein Sozialversicherer ohne Einholung eines externen Gutachtens entscheidet. Bestehen aber auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässi gkeit und Schlüssigkeit der versiche- rungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Vorlie- gend vermögen die unterschiedlichen Beurteilungen der behandelnden Ärzte an der Einschät- zung des beratenden Arztes Dr. F.____ Zweifel zu begrün den, weshalb für die Beurteilung der streitigen Frage nicht auf dessen Einschätzung abgestellt werden kann. Es kann aber auch nicht auf die Angaben der behandelnden Ärzte abgestell t werden, da sich deren Einschätzun- gen weitgehend auf die Angaben des Versicherten abstützen. In diesem Zusammenhang ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte wi e behandelnde Fachärzte mitunter Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Z weifel eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen. Nach dem Gesagten steht fest, dass der angefoc htene Einspracheentscheid vom 18. Februar 2016 auf unzureichenden medizinischen Abklärungsergebnissen beruht. 6. Gemäss neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung kön nen die Sozialversicherungsge- richte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streit sache zur neuen Begutachtung an die Ver- waltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst ein Gerichtsgut- achten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahr en anderweitig erhobenen Sachver- halt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürftig häl t oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Ei ne Rückweisung an die Vorinstanz bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwe ndigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn lediglich ei ne Klarstellung, Präzisierung oder Er- gänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 ff. E. 4.4.1 ff.). Da es die Vorinstanz unterlassen hat, die nötigen Abklärungen zu veranlassen, und es nicht die Auf- gabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwaltungsverfahre n versäumte medizinische Abklärun- gen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinsta nz nichts entgegen. Demzufolge ist die Angelegenheit in Aufhebung des angefochtenen Ein spracheentscheids vom 18. Februar 2016 zur weiteren somatischen Abklärungen an die Beschw erdegegnerin zurückzuweisen. Die- se hat den Beschwerdeführer durch einen unabhängigen versicherungsexternen Facharzt be- gutachten zu lassen. Gestützt auf die Ergebnisse der Ak tenergänzung wird die Beschwerde- gegnerin über den Anspruch des Beschwerdeführers neu zu v erfügen haben. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 7. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Art. 61 lit . a ATSG bestimmt, dass das Verfah- ren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenl os zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind beim nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer wettzuschlagen. 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öf fentlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 E. 4.2). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich so mit um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 9 3 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der Einsprache- entscheid vom 18. Februar 2016 aufgehoben und die An gelegenheit zur erneuten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerde- gegnerin zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht