<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 65 S.286</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">286</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>65 Baubewilligungspflicht.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Gesetzliche Vorgaben und allgemeine Grundsätze (Erw. 1/a).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Durchführung des einmal jährlich stattfindenden Flugwettbe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>werbs "Die schrägen Vögel des Hallwilersee" bedarf keiner Baube-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>willigung (Erw. 1/b und c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 10. Mai 2001</span><br/> <span class="ft3">in Sachen S. gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Zu prüfen ist ausschliesslich die Frage, ob die 1997 und 1998</span><br/> <span class="ft1">unter der Bezeichnung ,,Die schrägen Vögel des Hallwilersee" ein-</span><br/> <span class="ft1">mal jährlich in Meisterschwanden durchgeführte und für 1999 ge-</span><br/> <span class="ft1">plante Veranstaltung der Baubewilligungspflicht unterliegt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">287</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">a) Bauten und Anlagen dürfen nur mit behördlicher Bewilligung</span><br/> <span class="ft1">errichtet oder geändert werden (Art. 22 Abs. 1 RPG). Alle Bauten</span><br/> <span class="ft1">und ihre im Hinblick auf die Anliegen der Raumplanung, des</span><br/> <span class="ft1">Umweltschutzes oder der Baupolizei wesentliche Umgestaltung,</span><br/> <span class="ft1">Erweiterung oder Zweckänderung bedürfen der Bewilligung durch</span><br/> <span class="ft1">den Gemeinderat (§ 59 Abs. 1 BauG). Nach § 6 Abs. 1 BauG gehö-</span><br/> <span class="ft1">ren zu den Bauten im Sinne des Gesetzes:</span><br/> <span class="ft3">,,a) alle Gebäude und gebäudeähnlichen sowie alle weiteren, künstlich</span><br/> <span class="ft3">hergestellten und mit dem Boden fest verbundenen Objekte;</span><br/> <span class="ft3">b) Tiefbauten;</span><br/> <span class="ft3">c) Hütten, Buden, Baracken, Kioske, Waren- und andere Automaten,</span><br/> <span class="ft3">Schaukästen und dergleichen;</span><br/> <span class="ft3">d) Wohnwagen, die länger als zwei Monate auf dem gleichen Grund-</span><br/> <span class="ft3">stück abgestellt werden;</span><br/> <span class="ft3">e) Steinbrüche, Kies- und andere Gruben;</span><br/> <span class="ft3">f) Terrainveränderungen von mehr als 80 cm Höhe oder von grosser</span><br/> <span class="ft3">flächenhafter Ausdehnung;</span><br/> <span class="ft3">g) Ablagerungen und Deponien;</span><br/> <span class="ft3">h) Freizeit- und andere Anlagen mit erheblichen Auswirkungen auf</span><br/> <span class="ft3">Umwelt und Umgebung."</span><br/> <span class="ft1">Nach der in Rechtsprechung und Lehre üblichen Umschreibung</span><br/> <span class="ft1">gelten als ,,Bauten und Anlagen" jedenfalls jene künstlich geschaffe-</span><br/> <span class="ft1">nen und auf Dauer angelegten Einrichtungen, die in bestimmter</span><br/> <span class="ft1">fester Beziehung zum Erdboden stehen und die Nutzungsordnung zu</span><br/> <span class="ft1">beeinflussen vermögen, weil sie entweder den Raum äusserlich er-</span><br/> <span class="ft1">heblich verändern, die Erschliessung belasten oder die Umwelt be-</span><br/> <span class="ft1">einträchtigen (BGE 113 I 315; vgl. ferner BGE 123 II 259; 120 Ib</span><br/> <span class="ft1">379; 119 Ib 226 mit weiteren Hinweisen; Alexander Ruch, in: Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung, hrsg. von Heinz</span><br/> <span class="ft1">Aemisegger/Alfred Kuttler/Pierre Moor/Alexander Ruch, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1999, Art. 22 N 24 ff.; Walter Haller/Peter Karlen, Raumplanungs-,</span><br/> <span class="ft1">Bau- und Umweltrecht, Band I, 3. Auflage, Zürich 1999, Rz. 514;</span><br/> <span class="ft1">Christophe Fritzsche/Peter Bösch, Zürcher Planungs- und Baurecht,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage, Zürich 2000, S. 449 f.). Dazu gehören auch Fahrnisbau-</span><br/> <span class="ft1">ten, welche über nicht unerhebliche Zeiträume ortsfest verwendet</span><br/> <span class="ft1">werden (BGE 123 II 259; 119 Ib 226 mit Hinweisen). Weil Bauten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">288</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und Anlagen grundsätzlich zonenkonform sein müssen, fallen sodann</span><br/> <span class="ft1">auch nicht mit baulichen Massnahmen oder Geländeveränderungen</span><br/> <span class="ft1">verbundene, äusserlich nicht in Erscheinung tretende Nutzungs- bzw.</span><br/> <span class="ft1">Zweckänderungen unter die Baubewilligungspflicht (BGE 113 Ib</span><br/> <span class="ft1">223; 119 Ib 227; VGE III/50 vom 28. April 2000 [BE.2000.00033] in</span><br/> <span class="ft1">Sachen A., S. 7).</span><br/> <span class="ft1">Die Praxis fasst die Baubewilligungspflicht eher weit und lässt</span><br/> <span class="ft1">jedenfalls die blosse Möglichkeit, dass ein baurechtlich erheblicher</span><br/> <span class="ft1">Tatbestand vorliegt, genügen, weil es erfahrungsgemäss schwer hält,</span><br/> <span class="ft1">eine einmal vollzogene Änderung, selbst wenn sie widerrechtlich ist,</span><br/> <span class="ft1">beseitigen oder anpassen zu lassen. Ein Abbruch, eine Beseitigung</span><br/> <span class="ft1">oder eine Betriebseinstellung sind in der Regel auch wirtschaftlich</span><br/> <span class="ft1">nicht unproblematisch (BGE 114 Ib 313 f.; AGVE 1994, S. 362 f.</span><br/> <span class="ft1">und 1990, S. 244 ff., je mit Hinweisen; VGE III/141 vom 16. Okto-</span><br/> <span class="ft1">ber 1998 [BE.98.00246] in Sachen L., S. 4 f.). Das Bundesgericht hat</span><br/> <span class="ft1">festgehalten, bei der Frage der Bewilligungspflicht komme es auf die</span><br/> <span class="ft1">räumliche Bedeutung eines Vorhabens insgesamt an (vgl. dazu und</span><br/> <span class="ft1">zum Folgenden BGE 119 Ib 226 f., ferner auch BGE 123 II 259 f.;</span><br/> <span class="ft1">Fritzsche/Bösch, a.a.O., S. 447). Die Baubewilligungspflicht soll der</span><br/> <span class="ft1">Behörde die Möglichkeit verschaffen, das Bauprojekt vor seiner</span><br/> <span class="ft1">Ausführung auf die Übereinstimmung mit der raumplanerischen Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsordnung und der übrigen einschlägigen Gesetzgebung zu über-</span><br/> <span class="ft1">prüfen. Massstab dafür, ob eine Massnahme erheblich genug ist, um</span><br/> <span class="ft1">sie dem Baubewilligungsverfahren zu unterwerfen, ist daher, ob da-</span><br/> <span class="ft1">mit im Allgemeinen, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, so</span><br/> <span class="ft1">wichtige räumliche Folgen verbunden sind, dass ein Interesse der Öf-</span><br/> <span class="ft1">fentlichkeit oder der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle be-</span><br/> <span class="ft1">steht. In diesem Sinne hat das Bundesgericht die Erstellung einer</span><br/> <span class="ft1">Wasserski-Anlage (BGE 114 Ib 87 f.), die Nutzung eines Grund-</span><br/> <span class="ft1">stücks als Lagerplatz für Altmaterial (BGE 112 Ib 277 ff.) oder als</span><br/> <span class="ft1">Motocrosstrainingsgelände (n.p. Urteil vom 22. April 1988 in Sachen</span><br/> <span class="ft1">M.) für baubewilligungspflichtig erklärt. Ebenfalls bejaht hat es in</span><br/> <span class="ft1">jüngerer Zeit die Baubewilligungspflicht für einen Hängegleiterlan-</span><br/> <span class="ft1">deplatz (BGE 119 Ib 222 ff.). Zur Begründung führte das Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richt aus, die als Hängegleiterlandeplatz benutzte Wiese sei zwar</span><br/> <span class="ft1">weder künstlich geschaffen worden, noch würden sich darauf irgend-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">289</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">welche auf Dauer angelegte Einrichtungen befinden, die mit dem</span><br/> <span class="ft1">Erdboden in fester Verbindung stünden. Die vorhandenen Hilfsmittel</span><br/> <span class="ft1">(lose eingesteckte Fähnchen zur Markierung des Landekreises,</span><br/> <span class="ft1">Stange mit Windsack) für sich allein würden keine Baubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungspflicht rechtfertigen. Indessen stehe nicht die Baubewilligungs-</span><br/> <span class="ft1">pflicht für die Landemarkierungen und die Stange mit dem Wind-</span><br/> <span class="ft1">sack, sondern für den ganzen Landeplatz als solchen zur Diskussion.</span><br/> <span class="ft1">Die regelmässige Benützung einer bisher hauptsächlich landwirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlich genutzten Wiese für gewerbliche Zwecke oder für inten-</span><br/> <span class="ft1">sive Freizeitaktivitäten habe häufig erhebliche Auswirkungen auf das</span><br/> <span class="ft1">sie umgebende Gebiet und die vorhandene Infrastruktur, so dass eine</span><br/> <span class="ft1">vorgängige Kontrolle durch die zuständigen Behörden nötig sei.</span><br/> <span class="ft1">Besonders ins Gewicht falle im konkreten Fall, dass die Landungen</span><br/> <span class="ft1">in unmittelbarer Nähe eines bedeutenden Flachmoors stattfänden und</span><br/> <span class="ft1">allenfalls dessen Vegetation und Tierwelt beeinträchtigen könnten.</span><br/> <span class="ft1">Überdies führe der Landeplatz zu zusätzlichem Verkehr auf den</span><br/> <span class="ft1">heranführenden Strassen, und es werde eine angemessene Anzahl</span><br/> <span class="ft1">von Parkplätzen in der Umgebung benötigt. Der Flugschulbetrieb er-</span><br/> <span class="ft1">folge nicht nur sporadisch, sondern mit einer - zwar vom Wetter ab-</span><br/> <span class="ft1">hängigen - Regelmässigkeit, und die Nutzung des fraglichen Landes</span><br/> <span class="ft1">als Hängegleiterlandeplatz sei auf Dauer ausgerichtet. Die gesamten</span><br/> <span class="ft1">Umstände zeigten, dass das fragliche Landstück durch die Verwen-</span><br/> <span class="ft1">dung als Hängegleiterlandeplatz einer neuen, organisierten und auf</span><br/> <span class="ft1">Dauer ausgerichteten Nutzung zugeführt werde, welche im Blick auf</span><br/> <span class="ft1">die bedeutenden Auswirkungen auf die Umgebung - insbesondere</span><br/> <span class="ft1">das benachbarte Flachmoor - und die Infrastruktur nach Art. 22 bzw.</span><br/> <span class="ft1">24 RPG einer Baubewilligung bedürfe (BGE 119 Ib 227 f.). Auch</span><br/> <span class="ft1">das Luzerner Verwaltungsgericht hat in einem Urteil vom 25. Juni</span><br/> <span class="ft1">1998 festgehalten, bei der Beurteilung der Baubewilligungspflicht</span><br/> <span class="ft1">für einen Modellflugplatz würden weniger die baulichen Einrich-</span><br/> <span class="ft1">tungen als vielmehr der Betrieb des Modellflugplatzes als solcher</span><br/> <span class="ft1">und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Umgebung ins</span><br/> <span class="ft1">Gewicht fallen (ZBl 101/2000, S. 416). Bewilligungstatbestand bil-</span><br/> <span class="ft1">det in derartigen Fällen somit weniger die konstruktive Anlage als</span><br/> <span class="ft1">die organisierte Nutzung (Ruch, a.a.O., Art. 22 N 28).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">290</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">b) Bei der hier unter dem Gesichtspunkt der Baubewilligungs-</span><br/> <span class="ft1">pflicht zu beurteilenden Veranstaltung unternehmen die Teilnehmer</span><br/> <span class="ft1">ihre Flugversuche von einem Passagierschiff der Hallwilerseeflotte</span><br/> <span class="ft1">aus, auf dem dafür ein Sprungturm bzw. eine Rampe befestigt wird.</span><br/> <span class="ft1">Während sich der eigentliche Wettbewerb somit auf dem See ab-</span><br/> <span class="ft1">spielt, befindet sich der grosse Teil der Zuschauer - 1997 handelt es</span><br/> <span class="ft1">sich um ca. 2'500 Personen und 1998 um rund 5'000 Personen, und</span><br/> <span class="ft1">mit rund 5'000 Zuschauern wurde auch für 1999 gerechnet - im</span><br/> <span class="ft1">Strandbad Meisterschwanden auf den Parzellen Nrn. 1090 und 1408.</span><br/> <span class="ft1">Es ist auch seitens des Beschwerdeführers unbestritten, dass für die</span><br/> <span class="ft1">Durchführung der Veranstaltung keine auf Dauer angelegten bauli-</span><br/> <span class="ft1">chen Massnahmen im Sinne der Erstellung von zusätzlichen Bauten</span><br/> <span class="ft1">und Anlagen erforderlich sind. Immerhin rechnet der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer angesichts der künftig zu erwartenden Zuschauerzahlen mit</span><br/> <span class="ft1">zusätzlichen provisorischen Bauten bei der vom Anlass benötigten</span><br/> <span class="ft1">Infrastruktur (Verpflegung, WC-Anlagen). Die Baubewilligungs-</span><br/> <span class="ft1">pflicht begründet der Beschwerdeführer indessen hauptsächlich mit</span><br/> <span class="ft1">den erheblichen Aus- bzw. Einwirkungen auf Raum und Umwelt, die</span><br/> <span class="ft1">nach seiner Auffassung mit dem Anlass verbunden sind. Bei der</span><br/> <span class="ft1">Veranstaltung ,,Die schrägen Vögel des Hallwilersee" handle es sich</span><br/> <span class="ft1">zweifellos um eine relativ regelmässige, organisierte, auf eine be-</span><br/> <span class="ft1">stimmte Dauer angelegte, intensive und örtlich konzentrierte Nut-</span><br/> <span class="ft1">zung mit gravierenden Auswirkungen auf den betroffenen Raum.</span><br/> <span class="ft1">Namentlich die bestehende Infrastruktur (Parkierungsanlagen) werde</span><br/> <span class="ft1">massiv überlastet und die normale Nutzung des als Erholungsgebiets</span><br/> <span class="ft1">für die Bevölkerung vorgesehenen und auch dienenden Sees bzw.</span><br/> <span class="ft1">Seeufers durch den zonenwidrigen ,,Grossanlass" praktisch ausge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen.</span><br/> <span class="ft1">c) Es lässt sich nicht in Abrede stellen, dass der streitige Flug-</span><br/> <span class="ft1">wettbewerb vor allem auch wegen des mit ihm verbundenen grossen</span><br/> <span class="ft1">Besucheraufmarsches bzw. Verkehrsaufkommens kurzfristig mit er-</span><br/> <span class="ft1">heblichen, teilweise sogar massiven (negativen) Auswirkungen auf</span><br/> <span class="ft1">das Gebiet des Strandbads Meisterschwanden und die umliegende</span><br/> <span class="ft1">Gegend verbunden ist. Insofern findet mit dem Grossanlass in der Tat</span><br/> <span class="ft1">örtlich konzentriert eine organisierte Nutzung eines bestimmten</span><br/> <span class="ft1">Gebiets mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Umgebung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">291</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bzw. auf die Umwelt statt. Dies allein genügt nun aber nicht, um die</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligungspflicht zu bejahen. Eine solche setzt nach der Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung u.a. voraus, dass die bauliche Einrichtung oder die Nut-</span><br/> <span class="ft1">zung auf Dauer oder zumindest für einen nicht unerheblichen Zeit-</span><br/> <span class="ft1">raum angelegt ist. Die zeitliche Erheblichkeit wurde beispielsweise</span><br/> <span class="ft1">bejaht bei auf einem Grundstück jährlich während mehreren Wochen</span><br/> <span class="ft1">oder Monaten installierten Einrichtungen, die einer Person als Be-</span><br/> <span class="ft1">hausung dienten (Urteil des Verwaltungsgericht Zürich vom 28. Juni</span><br/> <span class="ft1">1996, in: Rechenschaftsbericht [RB] 1996 Nr. 83). Verneint wurde</span><br/> <span class="ft1">die zeitliche Erheblichkeit demgegenüber für das Aufstellen eines</span><br/> <span class="ft1">Pneukrans, der während einer Woche als Bungy-Jumping-Einrich-</span><br/> <span class="ft1">tung genutzt werden sollte. Die rechtsanwendende Behörde wies in</span><br/> <span class="ft1">diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Element der Dauerhaf-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit über einen nicht unerheblichen Zeitraum konstitutiv dafür sei,</span><br/> <span class="ft1">um eine Einrichtung oder Nutzung eines Grundstücks als Anlage im</span><br/> <span class="ft1">baurechtlichen Sinne bezeichnen zu können. Das Aufstellen des</span><br/> <span class="ft1">Pneukrans und die damit verbundene Nutzung als Bungy-Jumping-</span><br/> <span class="ft1">Einrichtung sei von derart kurzer Dauer, dass nicht gesagt werden</span><br/> <span class="ft1">könne, dass damit wichtige räumliche Folgen verbunden seien. Der</span><br/> <span class="ft1">Kran verschwinde nach wenigen Tagen wieder, so dass sich keine</span><br/> <span class="ft1">Auswirkungen auf die Nutzungsordnung ergeben könnten. Auch</span><br/> <span class="ft1">umweltrechtlich sei die kurzfristige Nutzung nicht relevant (Urteil</span><br/> <span class="ft1">des Verwaltungsgerichts Graubünden vom 24. November 1993, in:</span><br/> <span class="ft1">Praxis des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [PVG]</span><br/> <span class="ft1">1993 Nr. 20). Als planungs- und baurechtlich in aller Regel nicht</span><br/> <span class="ft1">relevant werden auch das einmalige Aufstellen eines Wohnzeltes für</span><br/> <span class="ft1">wenige Tage oder der Aufbau von Festhütten, Tribünen, Bühnen und</span><br/> <span class="ft1">dergleichen für befristete Anlässe wie Sportveranstaltungen, Kon-</span><br/> <span class="ft1">zerte und dergleichen angesehen (Christian Mäder, Das Baubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungsverfahren, Diss. Zürich 1991, S. 95; Fritzsche/Bösch, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">S. 450; Verwaltungsgericht Zürich, in: RB 1996, Nr. 83, S. 161).</span><br/> <span class="ft1">Auch das Bundesgericht setzt in seiner Rechtsprechung voraus, dass</span><br/> <span class="ft1">die der Baubewilligungspflicht unterliegende Nutzung bzw. Einrich-</span><br/> <span class="ft1">tung auf eine gewisse Dauer und Regelmässigkeit ausgerichtet ist</span><br/> <span class="ft1">(BGE 119 Ib 228; 123 II 260).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">292</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Der Anlass ,,Die schrägen Vögel des Hallwilersee" findet nur</span><br/> <span class="ft1">einmal jährlich an einem Samstag(abend) statt. Das heisst, die ge-</span><br/> <span class="ft1">samte Veranstaltung (einschliesslich Beach-Party bis 1.00 oder</span><br/> <span class="ft1">2.00 Uhr morgens) dauert höchstens 24 Stunden, der Flugwettbewerb</span><br/> <span class="ft1">als eigentlicher Kernanlass sogar noch wesentlich weniger lang. Die</span><br/> <span class="ft1">Besucher der Veranstaltung halten sich somit nur kurze Zeit in</span><br/> <span class="ft1">Meisterschwanden auf. Damit fehlt klarerweise die für eine Baube-</span><br/> <span class="ft1">willigungspflicht erforderliche Dauerhaftigkeit der Nutzung. Zusätz-</span><br/> <span class="ft1">lich bauliche Einrichtungen (z.B. Tribünen) sind - wie erwähnt - für</span><br/> <span class="ft1">die Durchführung des Wettbewerbs ohnehin nicht vorgesehen. So-</span><br/> <span class="ft1">weit der Beschwerdeführer auf die wegen der Zuschauerzahlen mög-</span><br/> <span class="ft1">licherweise erforderlich werdenden zusätzlichen Bauten für die In-</span><br/> <span class="ft1">frastruktur (Verpflegungsstände, WC-Anlagen) verweist, ist festzu-</span><br/> <span class="ft1">halten, dass es sich hierbei lediglich um provisorische Bauten han-</span><br/> <span class="ft1">deln kann, die nach Beendigung des Anlasses (dafür) nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">benötigt und innert weniger Tage wieder entfernt werden. Auch</span><br/> <span class="ft1">ihnen fehlt damit klarerweise das Element der Dauer. Sollten indes-</span><br/> <span class="ft1">sen solche provisorische Bauten und Anlagen nach dem Flugwettbe-</span><br/> <span class="ft1">werb für längere Zeit bestehen bleiben und in anderem Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang (weitere Veranstaltungen, Badebetrieb usw.) genutzt werden, so</span><br/> <span class="ft1">stellt sich die Frage der Baubewilligungspflicht für die einzelnen</span><br/> <span class="ft1">Einrichtungen losgelöst vom hier zu beurteilenden Anlass. Dasselbe</span><br/> <span class="ft1">gilt für die als Parkierungsanlagen beanspruchten Wiesengrundstücke</span><br/> <span class="ft1">in Seeufernähe. Werden diese während der Bade- und Schiff-</span><br/> <span class="ft1">fahrtsaison z.B. an den Wochenenden regelmässig als zusätzliche</span><br/> <span class="ft1">Abstellflächen für Fahrzeuge benützt, kann sich die Frage der Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligungspflicht für eine derartige Nutzung, der dann wohl auch</span><br/> <span class="ft1">die erforderliche zeitliche Erheblichkeit zukommt, durchaus stellen.</span><br/> <span class="ft1">Hierbei handelt es sich indessen um eine vom vorliegenden Fall, bei</span><br/> <span class="ft1">dem es ausschliesslich um die Baubewilligungspflicht der eintägigen</span><br/> <span class="ft1">Flugveranstaltung selbst geht - auch wenn der Beschwerdeführer die</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligungspflicht insbesondere mit den Verkehrs- und Parkie-</span><br/> <span class="ft1">rungsfolgen des Anlasses und der Inanspruchnahme von Abstellflä-</span><br/> <span class="ft1">che ausserhalb des Baugebiets begründet -, unabhängige Fragestel-</span><br/> <span class="ft1">lung.</span><br/></div> </div> </body> </html>