Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Juni 2012 (720 11 256 / 182) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rückweisung zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhaltes Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Marku s Mattle, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch N icole Hohl, Advokatin, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1956 geborene A.____ war seit 4. Januar 1993 a ls Bauarbeiter bei der B.____ AG tätig. Nachdem er sich am 23. April 2002 beim Fussballsp ielen eine Knieverletzung zugezogen hatte, meldete er sich am 31. März 2003 unter Hinweis auf eine schwere Arthrose und eine Me- niskusverletzung am linken Knie bei der Eidgenössischen Inva lidenversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug an. Nachdem sie die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft beim Versicherten ab 22. April 2003 (Ablauf des Wartejahres) einen Invaliditätsgrad von 100 % und ab F ebruar 2006 einen solchen von 37 %. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle A.____ nach Durchführung des Vorbe- scheidverfahrens mit Verfügung vom 10. Juni 2011 für den Zeitraum vom 1. April 2003 bis 30. April 2006 eine befristete ganze Rente zu. Gleich zeitig lehnte sie einen weiteren Rentenan- spruch ab 1. Mai 2006 ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Nicole Hohl, am 14. Juli 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Darin beantragte er, es sei die angefochten e Verfügung aufzuheben und es sei ihm auch für die Zeit ab 1. Mai 2006 eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die angefoch- tene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zur e rgänzenden Sachverhaltsabklärung und Neuentscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge, wobei ihm die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit seiner Rechtsvertrete- rin zu bewilligen seien. C. Mit Verfügung vom 24. August 2011 gewährte das Ger icht dem Beschwerdeführer ge- stützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgelt- liche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständu ng mit Advokatin Nicole Hohl als Rechtsvertreterin. D. In ihrer Vernehmlassung vom 27. Oktober 2011 bean tragte die IV-Stelle, die Be- schwerde sei teilweise gutzuheissen. Es sei davon auszugehe n, dass der Versicherte seit April 2009 lediglich noch zu 55 % arbeitsfähig sei. Der aus diesem Grund neu vorzunehmende Ein- kommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad des Versi cherten von 59 %. Somit habe der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. April 2009 Anspruch auf eine halbe Rente. E. Am 6. Dezember 2011 und 19. Januar 2012 reichte d er Beschwerdeführer Berichte der Klinik C.____ vom 1. Dezember 2011 und der Klinik D.__ __ vom 14. Dezember 2011 ein. Gleichzeitig änderte er in der Replik vom 19. Januar 2 012 sein ursprüngliches Rechtsbegehren dahingehend, dass ihm für die Zeit vom 1. Mai 2006 b is 31. Dezember 2010 eine ganze Rente und ab 1. Januar 2011 eine halbe Rente zuzusprechen sei, unter o/e-Kostenfolge. F. In ihrer Duplik vom 12. März 2012 beantragte die IV -Stelle nunmehr, die Beschwerde sei - entsprechend dem Eventualantrag des Versicherten - gutzuheissen und die Sache sei zu weiteren Abklärungen und zur Neuentscheidung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 14. Juli 2011 ist demnach einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähig- keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, g eistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglied erung verbleibende ganze oder teil- weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betra cht kommenden allgemeinen Arbeits- markt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vor- aussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis Ende 2007 gült ig gewesenen Fassung) bzw. nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 2008 anwend baren Fassung) hat die versicherte Per- son Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindes tens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wen n sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28 Abs. 2 IVG [in der bis 31. Dezemb er 2007 gültig gewesenen Fassung] bzw. Art. 28a Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwend baren Fassung]). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, d as die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invalidität sgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts (EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilu ngen) bleibt folglich weitestgehend an- wendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.1 Die IV-Stelle zog zur Abklärung des Gesundheitszustan des und zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten die das Unfallereignis vom 23. April 2002 betreffenden SUVA- Akten bei. Diese enthalten unter anderem den Abschlussbe richt des Kreisarztes Dr. med. E.____, Allgemeine Medizin FMH, vom 26. September 200 5. Darin wurden beim Versicherten als Diagnosen eine Pangonarthrose links nach Distorsion un d mehreren Eingriffen, eine knapp tolerable Restinstabilität des linken Knies, chronifizier te Beschwerden mit lumbalem Auswei- tungssyndrom und eine anhaltende schwere depressive Episode festgehalten. In seiner Zumut- barkeitsbeurteilung hielt der Kreisarzt fest, die auf de n Unfall zurückzuführenden Kniebe- schwerden würden dem Versicherten die Ausübung einer ga nztägigen leichten, vorwiegend sitzenden und bei Bedarf auch wechselbelastenden Arbeit auf ebenem Boden ohne Knien oder Kauern und mit gelegentlichem unbelastetem Treppenstei gen erlauben. Das Traglimit belaufe sich stehend auf 15 bis 20 kg, gehend auf 5 bis 10 kg. 4.2 Da der Versicherte aktenkundig auch an psychischen Gesu ndheitsbeeinträchtigungen litt, entschloss sich die IV-Stelle, zur weiteren Abklär ung des medizinischen Sachverhaltes bei Dr. med. F.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein psychiatrisches Gutachten in Auf- trag zu geben, welches dieser am 25. Februar 2006 erst attete. Darin hielt der Experte als Diag- nose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine leicht e depressive Episode (ICD-10 F32.0) fest. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte Dr. F.____ aus, der Explorand sei aus psychiatrischer Sicht auf Grund der leichten depressiven Episode sowohl in der angestammten als auch in je- der anderen, seinen Fähigkeiten und Neigungen entspr echenden Tätigkeit zu 20 % arbeitsun- fähig. Daneben liege auch eine Schmerzverarbeitungsstöru ng vor, welche die Arbeitsfähigkeit jedoch nicht zusätzlich beeinträchtige. Es würden keine Hinweise auf unbewusste Konflikte vor- liegen und ein primärer Krankheitsgewinn sei nicht vorhanden. 4.3 Im Hinblick auf eine Aktualisierung des medizinischen Sachverhaltes liess die IV-Stelle den Versicherten im Frühjahr 2009 zusätzlich durch Dr. me d. G.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RA D) beider Basel, untersuchen. In seinem Bericht vom 28. April 2009 erhob Dr. G.____ als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung , gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11) und eine Schmerzverar beitungsstörung (ICD-10 F54). Der Versicherte sei deswegen aus psychiatrischer Sicht seit Ap ril 2009 in einer Verweistätigkeit zu 45 % arbeitsunfähig. 4.4 Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens lie ss der Versicherte einen Ab- schluss- und Verlaufsbericht der Klinik C.____ vom 22. Deze mber 2010, eine Stellungnahme Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Klinik C.____ vom 1. Dezember 2011 und einen Kurz bericht der Klinik D.____ vom 14. De- zember 2011 zu den Akten geben. Diesen Unterlagen ka nn entnommen werden, dass der Ver- sicherte vom 21. Februar bis 6. Mai 2008 und vom 9. Februar bis 24. März 2009 stationär in der Klinik D.____ behandelt worden war, und dass er sich vom 10. August 2009 bis 30. November 2010 zu Therapiezwecken in der Tagesklinik C.____ aufgeha lten hatte. Für die Dauer dieser jeweiligen Behandlungen wurde ihm in den genannten Berichten von den zuständigen Ärzten jeweils eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. 5.1 Nachdem sich die IV-Stelle in der angefochtenen Ve rfügung vom 10. Juni 2011 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfä higkeit des Versicherten noch vollum- fänglich auf den Bericht des Kreisarztes Dr. E.____ vo m 26. September 2005 und auf das psy- chiatrische Gutachten von Dr. F.____ vom 25. Februar 2006 gestützt hatte und demzufolge von einer 20 %-igen Arbeitsunfähigkeit des Versicherten ab Februar 2006 ausgegangen war, vertritt sie in ihrer Duplik vom 12. März 2012 nunmehr den Stan dpunkt, die Sache sei zu weiteren Ab- klärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zur Begründu ng verweist sie im Wesentlichen auf die nachgereichten Berichte der Klinik C.____, in dene n dem Versicherten für die vom 10. Au- gust 2009 bis 30. November 2010 dauernde Behandlung i n der Tagesklinik eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden ist. Aus diesem Bericht könne zwar, so die IV-Stelle, noch nicht abschliessend gefolgert werden, dass der Versicherte während der gesamten Behand- lungsdauer für sämtliche berufliche Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig gewesen sei, habe es sich doch um eine Behandlung in einer Tagesklinik und ni cht um einen stationären Spitalauf- enthalt gehandelt. Die Frage könne jedoch gestützt au f die vorliegenden Berichte nicht schlüs- sig beantwortet werden, die Angelegenheit bedürfe di esbezüglich weiterer Abklärungen. Unklar sei aber auch, wie sich die Situation in den Perioden zw ischen der RAD-Untersuchung durch Dr. G.____ im April 2009 und dem Behandlungsbeginn in der Tagesklinik im August 2009 sowie im Zeitraum zwischen dem dortigen Behandlungsende (30. November 2010) und dem Erlass der angefochtenen Verfügung (10. Juni 2011) präsenti ert habe. In Bezug auf den letztgenann- ten Zeitraum lägen auch keine Angaben des behandelnde n Psychiaters Dr. med. H.____, Psy- chiatrie und Psychotherapie FMH, vor. Auf Grund all die ser Unklarheiten und offenen Fragen seien weitere medizinische Abklärungen angezeigt. Dieser Auffassung der IV-Stelle, welche im Übrigen auch dem Eventualstandpunkt des Versicherten entsp richt, ist ohne Weiteres bei- zupflichten. Es verhält sich in der Tat so, dass eine absch liessende Beurteilung des Rentenan- spruchs des Beschwerdeführers - im Wesentlichen aus den von der IV-Stelle in ihrer Duplik genannten Gründen - gestützt auf die vorhandene medizi nische Aktenlage nicht möglich ist. Im Übrigen hätte sich aber auch ungeachtet der nunmehr vor liegenden Berichte der Klinik C.____ ohnehin die Frage gestellt, ob die von der IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung und in ihrer Vernehmlassung als massgeblich bezeichneten fachärztlichen Beurteilungen von Dr. E.____ vom 26. September 2005, von Dr. F._____ vom 25. Febru ar 2006 und von Dr. G.____ vom 28. April 2009 überhaupt (noch) der aktuellen Situa tion des Versicherten entsprechen, waren die genannten medizinischen Unterlagen im Zeitpunkt des Verfügungserlasses (10. Juni 2011) doch alle bereits zwischen gut zwei und knapp sechs Jahre alt Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die vor handenen medizinischen Un- terlagen keine abschliessende Beurteilung des Gesundheit szustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zulassen. 5.3 Im Entscheid 137 V 210 ff. hat das Bundesgericht die bisherige ständige Rechtspre- chung, wonach das kantonale Gericht prinzipiell die frei e Wahl hatte, bei festgestellter Abklä- rungsbedürftigkeit die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen oder aber selber zur Herstellung der Spruchreife zu schreiten, geändert. Es hat erkannt, dass die Beschwerdein- stanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten einzuholen hat und eine Rückweisung an die IV-Stelle nur noch in Ausnahmefällen erfolgen soll. Da es Aufga be der Verwaltung und nicht der Be- schwerdeinstanz ist, für eine erstmalige vollständige Erhebung des massgebenden Sachverhal- tes besorgt zu sein, liegt ein solcher Ausnahmefall etwa vor, wenn ein relevanter Aspekt des medizinischen Sachverhaltes durch die Verwaltung nicht a bgeklärt worden ist. Gleiches gilt, wenn sich die Verwaltung auf ein Gutachten stützt, wel ches bereits vor längerer Zeit erstellt worden ist und das auf Grund der zwischenzeitlichen Entwi cklung nicht mehr die aktuelle medi- zinische Situation der versicherten Person wiedergibt. Die se beiden Punkte sind nach dem vor- stehend Gesagten in casu gegeben. Somit ist aber eine Rü ckweisung an die IV-Stelle trotz der geänderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung möglich. D ies muss umso mehr gelten, als eine Rückweisung der Angelegenheit sowohl dem von der IV-Stelle in der Duplik vom 12. März 2012 explizit beantragten Vorgehen als auch dem Eventualbegehren des Versicherten in seiner Beschwerde vom 14. Juli 2011 entspricht. Die angefocht ene Verfügung vom 10. Juni 2011 ist deshalb aufzuheben und die Angelegenheit ist an die I V-Stelle zurückzuweisen. Diese wird den aktuellen Gesundheitszustand und die Frage der (Rest-) A rbeitsfähigkeit des Versicherten durch ein neues Gutachten abklären zu lassen haben. Da der Versicherte nicht nur an psychi- schen Gesundheitsbeeinträchtigungen, sondern in somatische r Hinsicht auch an den Folgen einer unfallbedingten Knieverletzung leidet, erscheint es angezeigt, die erforderlichen Abklärun- gen im Rahmen eines polydisziplinären Gutachtens vornehm en zu lassen. Gestützt auf die Er- gebnisse der Aktenergänzung wird die IV-Stelle anschl iessend über den Rentenanspruch des Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Besch werde ist in diesem Sinne gutzu- heissen. 6. Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden . 6.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene leistungsablehnende Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zu ergänzender Abklä- rung und neuer Beurteilung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Be- schwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 6.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. 6.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Re chtsvertreterin des Beschwerdefüh- rers hat in ihrer Honorarnote vom 20. Januar 2012 für das vorliegende Verfahren einen Zeitauf- wand von 7,5 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellen- den Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelan- genden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. N icht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 122.30. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'157.10 (7,5 Stunden à Fr. 250.- + Aus- lagen von Fr. 122.30 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 7. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 9 3 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 10. Juni 2 011 aufgeho- ben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die I V-Stelle Basel- Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2'157.10 (inkl. Ausl agen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht