Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Dezember 2016 (720 16 120 / 322) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Aufgrund des schlüssigen Verwaltungsgutachtens ist davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufweist. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Ana Dettwiler , Advokatin , Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1970 geborene A.____ war zuletzt von 1994 bi s 2010 bei der B.____AG als Schlos- ser angestellt. Am 30. April 2013 meldete er sich b ei der Invalidenversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug an. Nachdem die IV-Stelle Basel-Landscha ft (IV-Stelle) die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittel te sie einen IV-Grad von 0%. Gestützt auf dieses Ergebnis wies sie einen Anspruch von A.____ auf eine Rente nach durchgeführtem Vor- bescheidverfahren mit Verfügung vom 10. März 2016 ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Ana Dettwiler, am 22. April 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicher ungsgericht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die angefo chtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm ab 1. März 2014 eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei eine unabhängige bidisziplinäre Begutachtung anzuordnen; unter o/e-Kost enfolge. In verfahrensrechtlicher Hin- sicht beantragte er die Bewilligung der unentgeltliche n Rechtspflege mit Advokatin Dettwiler als Rechtsvertreterin. Zur Begründung führte er im Wesent lichen aus, dass der angefochtene Ent- scheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe . Zudem sei der Einkommensver- gleich nicht zutreffend durchgeführt worden. C. Mit Verfügung vom 26. April 2016 wurde dem Beschwe rdeführer für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokati n Dettwiler als Rechtsvertreterin bewil- ligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 8. Juli 2016 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. E. Mit Replik vom 24. August 2016 hielt der Beschwerdef ührer an seinen Anträgen fest. Die IV-Stelle verzichtete auf eine Duplik. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 22. April 2016 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Be schwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 10. März 2015 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1) 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente , wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindes- tens 40% invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumut- barerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Sc hlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Inva- lidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Di ese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsve rfahren sinngemäss Anwendung (Ur- teil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von behan delnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunt er im Hinblick auf ihre auftrags- rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patien- ten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedli che Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Adm inistrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbeh alten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die be handelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – As pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7. Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind im W esentlichen die folgenden medizini- schen Unterlagen zu berücksichtigen: 7.1 Die IV-Stelle beauftragte Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, und PD Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit einem bidisziplinä- ren Gutachten, welches am 18. und 19. Februar 2015 erst attet wurde. Dr. C.____ konnte keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit feststellen. Ohne Auswirkung bestünde ein Ganz- körperschmerzsyndrom ohne organische Ursache mit stärksten Schmerzen im Schulter- Nackengürtel-Bereich bei normalem rheumatologischem Stat us. Abgesehen von einer leichten Fehlform eines Rundrückens seien die Befunde altersentsp rechend. Die aktuell angefertigten Röntgenbilder der Halswirbelsäule (HWS) und der Schult ern seien unauffällig. Auch die aktuel- len Laborwerte würden keine Hinweise für eine entzün dlich-rheumatologische Erkrankung ge- ben. Es bestünde weder eine Schilddrüsenstörung noch e ine relevante Muskelstörung. Insge- samt würden die Laborwerte keine Erklärung für die sub jektiv empfundenen Schmerzen bieten. Es gebe klare Hinweise dafür, dass die Schmerzgenese nicht o rganisch sei, so etwa das Nicht- ansprechen auf sämtliche Therapien und Medikamente, die fehlende Schmerzmodulation sowie die Schilderung des Schmerzes. Aus rheumatologischer Sich t bestünde für die bisherige Tätig- keit als Schlosser eine vollständige Arbeitsfähigkeit. In psychiatrischer Hinsicht diagnostizierte PD Dr. D.____ keine Diagnose mit Auswirkung auf die Ar beitsfähigkeit. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein Verdacht auf eine Soma tisierungsstörung (ICD-10 F45.0) und eine isolierte Phobie (ICD-10 F40.2). Der Explorand zeige im objektiven Psychostatus eine ma- ximal diskret bedrückte, also nur subdepressive, nie aber e ine regelrechte depressive Grund- stimmung. Alle anderen Parameter zur Affektivität würde n im Rahmen der Untersuchung voll- ständig bland ausfallen. Die Subdepressivität sei klinisch irrelevant. Der Explorand präsentiere deutliche Zeichen für eine mangelhafte Compliance. Er habe kaum Motivation, in die bisher für ihn aufgegleisten medizinischen und beruflichen Massnahme n einzulenken. Das gesamte Ver- halten des Exploranden mit den zahlreichen zum Teil erheblichen Diskrepanzen, den wiederhol- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten Abbrüchen von Therapien und beruflichen Massnahme n sowie der unzuverlässigen Medi- kamenteneinnahme weise mit einiger Deutlichkeit auf gr össtenteils bewusstseinsnahe Mecha- nismen hin. Es bestünde zumindest eine Aggravation; ein R entenbegehren sei nicht auszu- schliessen. Daher könne die Somatisierungsstörung höchstens a ls Verdachtsdiagnose gestellt werden. Aus psychiatrischer Sicht seien die qualitativen F unktionsfähigkeiten vollständig vor- handen. Sie seien auch im Verlauf der letzten Jahre n icht relevant beeinträchtigt gewesen. Hin- sichtlich der Ängste des Versicherten sei nicht von einer kla ssische Panikstörung, sondern vielmehr von einer isolierten Phobie auszugehen. Diese h abe aber keine klinische Relevanz. Auch aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte in seine r bisherigen Tätigkeit vollständig ar- beitsfähig. 7.2 Am 17. April 2015 diagnostizierte Dr. med. E.____ , FMH Psychiatrie und Psychothera- pie, eine aktuell schwer ausgeprägte depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD- 10 F32.3). Aufgrund der Chronifizierung der depressiven Symptomatik sei der Versicherte voll- ständig arbeitsunfähig. 7.3 Am 13. April 2016 hielt Dr. E.____ fest, dass der Versicherte eine schwere depressive Episode mit psychotischem Symptom (ICD-10 F32.30), eine A goraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01) und eine anhaltende somatoforme Schm erzstörung (ICD-10 F45.4) aufweise. Der Versicherte befinde sich seit dem 19. März 2015 bei ihm in ambulanter psychiatrischer und medikamentöser Behandlung. Er kenne den Versicherten ab er bereits von seiner früheren Tä- tigkeit als Oberarzt in der Psychiatrie X.____. Die Diagn osekriterien für eine schwere depressi- ve Episode mit psychotischem Symptom seien erfüllt: Der Versicherte ziehe sich die meiste Zeit des Tages zurück. Zudem bestünden Interesse- und Freudverlust an Aktivitäten. Der Antrieb sei deutlich vermindert und die Ermüdbarkeit erhöht. Zudem sei ein Verlust an Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl vorhanden. Der Versicherte habe Suizid gedanken, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und psychomotorische Hemmungen. Immer wied er würden akustische Hallu- zinationen auftreten. Zudem leide der Versicherte an e iner Agoraphobie mit Panikstörung. So habe er Angst, Geschäfte zu betreten, in Menschenmenge n und öffentlichen Plätzen zu sein sowie alleine mit der Bahn, dem Bus oder dem Flugzeug zu reisen. Dazu kämen panikartige Ängste, begleitet von vegetativen Symptomen. Im Kulturkreis des Versicherten sei der Umgang mit psychischen Erkrankungen sehr stigmatisiert. Aus diesem G rund würden die psychischen Probleme und Symptome auf den Körper mit Schmerzsymptomen manifestiert, da diese besser in der Gesellschaft akzeptiert würden. Im Gutachten von P D Dr. D.____ vom 19. Februar 2015 werde der Versicherte aus psychiatrisch-therapeutischer Sich t einseitig beschrieben. Nicht be- rücksichtigt worden seien die depressiven Episoden mit Suizi dgedanken und –handlungen, die Agoraphobie-Symptomatik und die Diagnose der anhalten den somatoformen Schmerzstörung. Zudem spreche der Versicherte – entgegen den Ausführun gen im Gutachten – nicht fliessend deutsch. Ausserdem habe er angegeben, im Rahmen der Be gutachtung nicht über die Suizida- lität befragt worden zu sein. Eine Aggravation oder Re ntenbegehrlichkeit sei zu verneinen. Der Versicherte sei vollständig arbeitsunfähig. 7.4 Am 20. Juni 2016 nahm PD Dr. D.____ zum Bericht vo n Dr. E.____ vom 13. April 2016 sowie zu den Ausführungen in der Beschwerde vom 22. Ap ril 2016 Stellung. Er hielt fest, dass Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht beim Versicherten im Rahmen der Begutachtung keine dep ressive Grundstimmung habe fest- gestellt werden können. Der Bericht des behandelnden Arztes vom 13. April 2016 beinhalte keinen objektiven Psychostatus. Daher könne Dr. E.____ auch nicht die zahlreichen und teil- weise erheblichen Diskrepanzen diskutieren, die im Rahmen der Begutachtung deutlich gewor- den seien. Zudem würden in seinem Bericht die qualitat iven Funktionsfähigkeiten des Versi- cherten nicht erwähnt. Diese und die Tagesaktivitäten des Versicherten seien weder mit einer schweren depressiven Episode noch mit einer Agoraphobie ver einbar. Da beim Versicherten zumindest eine Aggravation zu bejahen sei, würden per se psychische Störungen, die aus- schliesslich unbewussten Mechanismen entspringen würden – so auch die anhaltende somato- forme Schmerzstörung – ausser Betracht fallen. Es sei davon auszugehen, dass Dr. E.____ die relevanten Aspekte des Gutachtens nicht genügend erfasst ha be. Zudem würden die bei den Akten liegenden Berichte der Psychiatrie Baselland zahlr eiche Inkonsistenzen und Mängel auf- weisen. Die von Versicherten geklagten Sinnestäuschungen sei en nicht Ausdruck einer eigent- lichen Psychopathologie. 7.5 Am 3. August 2016 hielt Dr. E.____ fest, dass sein Bericht vom 13. April 2016 eine aus- führliche Psychopathologie sowie objektive Befunde entha lte. Wäre der Versicherte so gesund wie er im Gutachten von PD Dr. D.____ dargestellt wer de, würde er bei ihm weder die hochdo- sierte antidepressive Medikation noch die mitteldosierte n euroleptische Medikation verordnen. Der Versicherte sei weiterhin behandlungsbedürftig. Er komme regelmässig wöchentlich zu ambulanten psychotherapeutischen Gesprächen. Die Behandl ung sei nach wie vor indiziert. Aus Sicht des behandelnden Therapeuten wäre eine neutrale Zweitbegutachtung sinnvoll. 8.1 Die IV-Stelle ging gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 18. und 19. Februar 2015 davon aus, dass der Versicherte keine relevante Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit aufweise. Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 5.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sp rechen. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebni sse im Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 18. und 19. Februar 2015 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten die rechtspr echungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hi nsicht erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bu ndesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.2 hier- vor) – umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen , berücksichtigt die geklagten Be- schwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden , leuchtet in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medi zinischen Situation ein und nimmt insbesondere eine hinreichende Beurteilung der Arbeits fähigkeit der Versicherten vor. Sodann weist das Gutachten keine Widersprüche auf und es setzt sich auch hinlänglich mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) fachärztlichen Einschätzun gen auseinander. Die entspre- chenden, vorstehend (vgl. E. 7.1) wiedergegebenen Darle gungen des Gutachters vermögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2 Die vom Beschwerdeführer geäusserte Kritik am Gutacht en der Dres. C.____ und D.____ vom 18. und 19. Februar 2015 ist nicht geeigne t, dessen ausschlaggebenden Beweis- wert in Frage zu stellen. Soweit er eine Befangenhei t des rheumatologischen Gutachters zu erkennen glaubt, weil diesem seinerzeit der Röntgenber icht des Röntgeninstituts F.____ vom 28. September 2006 zugestellt wurde, kann ihm nicht gefolgt werden. Das Gutachten beinhaltet keine Äusserungen unsachlicher Art, die objektiv Zweifel an der Unvoreingenommenheit des Gutachters wecken würden. Für die Stichhaltigkeit dieses E inwands, welcher im Übrigen auch nicht näher begründet wird, liegen keine Anhaltspunkt e vor. Auch die Kritik am Gutachten von PD Dr. D.____ geht fehl. Wenn der Beschwerdeführer geltend macht, dessen Beurteilung stehe in einem deutlichen Widerspruch zu den behandelnden Är zten der Psychiatrie X.____, ist ihm entgegenzuhalten, dass sich PD Dr. D.____ einlässlich mit d en Vorakten auseinandersetzte und überzeugend darlegte, dass diese zahlreiche Inkon sistenzen und Mängel aufweisen. Mit Blick auf die im Gutachten wiedergegebenen detailliert en subjektiven Angaben des Versicher- ten ist nicht ersichtlich, inwiefern die erforderliche Ko mmunikation nicht gewährleistet gewesen sein soll. Insgesamt sind die Untersuchungsergebnisse schl üssig und sie lassen keine Wider- sprüche erkennen. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers liegen keine Hinweise für eine nicht lege artis vorgenommene psychiatrische Begutachtung vor. Wenn er sich auf Berichte des behandelnden Arztes Dr. E.____ beruft, ist zunächst zu b erücksichtigen, dass solche Berichte nach der Rechtsprechung aufgrund der auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (vgl. E. 5.3 hiervor). Die unterschiedliche Beurteilung ergibt sich aus der Divergenz zwischen Behandlungs- und Abklärungsauftra g. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass eine psychiatrische Exploration von der N atur der Sache her nicht er- messensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachte nden Psychiater praktisch immer einen Spielraum für verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpr etationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern der Experte – wie hier – lege artis vorgegangen ist. Daher kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativexpertise stets da nn in Frage zu stellen und zum An- lass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandel nden Ärzte zu unterschiedlichen Ein- schätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abwe ichenden Auffassungen festhalten (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil vom 4. März 2013, 9C_794 /2012, E. 4.2 mit Hinweisen). Dies gilt vorliegend umso mehr, als Dr. E.____ in seinen Berichten vom 17. April 2015, 13. April 2016 und 3. August 2016 keine Aspekte benennt, die im Rahme n der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind. Weil das Gutachten der Dre s. C.____ und D.____ vom 18. und 19. Februar 2015 eine zuverlässige Beurteilung der verb leibenden Arbeitsfähigkeit der Versi- cherten zulässt, kann auf die beantragte zusätzliche medizinische Abklärung verzichtet werden. In Anbetracht, dass PD Dr. D.____ keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest- stellte und die qualitativen Funktionsfähigkeiten des Beschwerdeführers als vollständig vorhan- den beurteilte, überzeugt die von ihm attestierte volle Arbeitsfähigkeit, weshalb eine Invalidität auszuschliessen ist. Damit erübrigt sich die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach den Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281. 9. Zusammenfassend ergibt sich, dass aufgrund des massgebend en Gutachtens der Dres. C.____ und D.____ vom 18. und 19. Februar 2015 davon auszugehen ist, dass der Be- schwerdeführer invalidenversicherungsrechtlich keine relev ante Einschränkung der Arbeitsfä- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit aufweist. Ein Einkommensvergleich erübrigt sich b ei diesem Ergebnis. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlege n sind. Da ihm mit Verfügung vom 26. April 2016 die unentgeltliche Prozessführung bewi lligt wurde, gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer ebenfalls mit Verfügung vom 26. April 2016 die unentgeltliche Verbeiständung mit seiner Rechtsvertreterin bewilligt wu rde, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin des Beschwe rdeführers hat in ihrer Honorarnote vom 27. Oktober 2016 für das vorliegende Verfahren ein en Zeitaufwand von 18 Stunden und Auslagen von Fr. 196.80 geltend gemacht, was umfangmäs sig angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Der Rechtsvertreterin ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 4‘100.55 (18 Stunden à Fr. 200.- - und Auslagen von Fr. 196.80 zuzüglich Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 10.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufme rksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 4‘100.55 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus de r Gerichtskas- se ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht