<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 130 S.549</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">549</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VII. Personalrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>130 Lohngleichheit;</b></span> <span class="ft3"><b>Diskriminierungsverbot.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Eine lohnmässige Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts ist</b></span><br/> <span class="ft3"><b>glaubhaft gemacht; deshalb hat der Arbeitgeber zu beweisen, dass</b></span><br/> <span class="ft3"><b>die Entlöhnung diskriminierungsfrei erfolgte (Erw. 1).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Zulässige Gründe für unterschiedliche Entlöhnung (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Im konkreten Fall lassen sich die Lohndifferenzen aufgrund des un-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>terschiedlichen Lebensalters und der unterschiedlichen Berufserfah-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rung sowie aufgrund der unterschiedlichen Ausbildung objektiv be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gründen, weshalb eine Lohndiskriminierung zu verneinen ist (Erw. 3</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- 5).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Verletzung der Begründungspflicht (Erw. 6).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Regierungsrates vom 22. Januar 2003 in Sachen R.F. gegen</span><br/> <span class="ft6">Departement des Innern</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">1. a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie im Ver-</span><br/> <span class="ft8">gleich zu ihren männlichen Kollegen, welche eine gleiche Funktion</span><br/> <span class="ft8">innerhalb ihrer Organisationseinheit innehatten, besoldungsmässig zu</span><br/> <span class="ft8">Unrecht ungleich behandelt worden sei. Die Lohndifferenz sei weder</span><br/> <span class="ft8">durch den Altersunterschied noch die unterschiedliche Berufserfah-</span><br/> <span class="ft8">rung oder die unterschiedliche Aus- und Weiterbildung begründbar.</span><br/> <span class="ft8">Den für die Stelle nützlichen Weiterbildungskursen der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft8">führerin sei keine Rechnung getragen worden. Die Anstellungsbe-</span><br/> <span class="ft8">hörde habe die Beschwerdeführerin zudem per 1. April 2000 in der</span><br/> <span class="ft8">Lohnstufe zurückgestuft, während dies für gewisse Kollegen nicht</span><br/> <span class="ft8">geschehen sei. Die Einkommensdifferenz lasse auf eine geschlechts-</span><br/> <span class="ft8">spezifische Ungleichbehandlung schliessen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">550</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">b) Art. 8 Abs. 3 Satz 3 der Bundesverfassung (BV) vom 18. Ap-</span><br/> <span class="ft8">ril 1999 wie schon Art. 4 Abs. 2 Satz 3 der Bundesverfassung (aBV)</span><br/> <span class="ft8">vom 29. Mai 1874 verpflichten die öffentlich- wie auch die privat-</span><br/> <span class="ft8">rechtlichen Arbeitgeber, Frauen und Männer für gleichwertige Arbeit</span><br/> <span class="ft8">gleich zu entlöhnen. Mit Erlass des Bundesgesetzes über die Gleich-</span><br/> <span class="ft8">stellung von Frau und Mann (Gleichstellungsgesetz, GlG) vom 24.</span><br/> <span class="ft8">März 1995 fand der verfassungsmässige Gesetzgebungsauftrag seine</span><br/> <span class="ft8">Erfüllung. Das GlG untersagt sowohl die direkte als auch die indirek-</span><br/> <span class="ft8">te Benachteiligung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf-</span><br/> <span class="ft8">grund des Geschlechts (Art. 3 Abs. 1 GlG), u.a. im Bereich der</span><br/> <span class="ft8">Entlöhnung (Art. 3 Abs. 2 GlG). Eine direkte Ungleichbehandlung</span><br/> <span class="ft8">betreffend Lohn ist dann gegeben, wenn die Lohnbemessung oder</span><br/> <span class="ft8">Lohneinstufung an die Geschlechtszugehörigkeit geknüpft wird; von</span><br/> <span class="ft8">indirekter Ungleichbehandlung bezüglich Lohn spricht man, wenn</span><br/> <span class="ft8">für die Lohnbemessung formal geschlechtneutrale Massstäbe und</span><br/> <span class="ft8">Kriterien bestimmend sind, sich die Anwendung dieser Massstäbe</span><br/> <span class="ft8">oder Kriterien jedoch zum Nachteil von Angestellten eines Ge-</span><br/> <span class="ft8">schlechts im Vergleich zu denen des andern Geschlechts auswirkt</span><br/> <span class="ft8">(vgl. Elisabeth Freivogel, in: Margrith Bigler-Eggenberger/Claudia</span><br/> <span class="ft8">Kaufmann [Hrsg.], Kommentar zum Gleichstellungsgesetz, Basel,</span><br/> <span class="ft8">1997, Art. 3 N 125).</span><br/> <span class="ft8">Damit eine Lohndiskriminierung vermutet wird, braucht eine</span><br/> <span class="ft8">solche - im Sinne einer Beweiserleichterung zugunsten der angestell-</span><br/> <span class="ft8">ten Person - lediglich glaubhaft gemacht zu werden, wodurch die ar-</span><br/> <span class="ft8">beitgebende Person zum Beweis des Gegenteils berufen ist (Art. 6</span><br/> <span class="ft8">GlG). Für eine Glaubhaftmachung braucht nicht die volle Überzeu-</span><br/> <span class="ft8">gung der entscheidenden Behörde herbeigeführt zu werden; es ge-</span><br/> <span class="ft8">nügt, wenn eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Diskriminie-</span><br/> <span class="ft8">rung in der Entlöhnung spricht, auch wenn die entscheidende Be-</span><br/> <span class="ft8">hörde noch mit der Möglichkeit rechnet, dass sie tatsächlich nicht</span><br/> <span class="ft8">vorhanden sein könnte (vgl. BGE 125 III 372).</span><br/> <span class="ft8">c) Gestützt auf die von den Beschwerdegegnern eingereichten</span><br/> <span class="ft8">Tabellen mit den Löhnen der Mitarbeitenden kann festgestellt wer-</span><br/> <span class="ft8">den, dass - mit einer Ausnahme - die männlichen Mitarbeitenden hö-</span><br/> <span class="ft8">her als die weiblichen eingestuft wurden. (...) Damit liegt es an den</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdegegnern, eine Lohndiskriminierung im Sinne des Art. 3</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">551</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">GlG im Bereich der mit der Arbeitsstelle der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft8">analogen Stellen zu widerlegen.</span><br/> <span class="ft8">2. a) Die Beschwerdegegner bringen vor, dass die Lohnunter-</span><br/> <span class="ft8">schiede zwischen drei verschiedenen Mitarbeitern sowie der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführerin durch mehrere Aspekte - unterschiedliche Berufs-</span><br/> <span class="ft8">erfahrungen, die Aus- und Weiterbildungen sowie gewisse Zusatz-</span><br/> <span class="ft8">aufgaben - sachlich gerechtfertigt seien.</span><br/> <span class="ft8">b) Als nicht diskriminierend werden nach der bundesgerichtli-</span><br/> <span class="ft8">chen Rechtsprechung in der Regel Unterschiede anerkannt, die auf</span><br/> <span class="ft8">objektiven Gründen wie Ausbildung, Alter, Dienstalter, Qualifika-</span><br/> <span class="ft8">tion, Erfahrung, Aufgabenbereich, Leistung oder Risiken beruhen.</span><br/> <span class="ft8">Weiter können Lohnunterschiede als nicht diskriminierend bezeich-</span><br/> <span class="ft8">net werden, die nicht unmittelbar die Tätigkeit der Arbeitnehmenden</span><br/> <span class="ft8">berühren, sondern sich aus sozialen Rücksichten ergeben, wie bei-</span><br/> <span class="ft8">spielsweise familiäre Belastungen und das Alter. Schliesslich kommt</span><br/> <span class="ft8">als Rechtfertigungsgrund für Lohnunterschiede die konjunkturelle</span><br/> <span class="ft8">Lage in Betracht, soweit ihre Berücksichtigung einem wirklichen un-</span><br/> <span class="ft8">ternehmerischen Bedürfnis entspricht (vgl. BGE 125 I 84). Aller-</span><br/> <span class="ft8">dings kann auch mit derartigen, formal geschlechtsneutralen Krite-</span><br/> <span class="ft8">rien unter Umständen eine indirekte Diskriminierung verbunden sein,</span><br/> <span class="ft8">wie beispielsweise dann, wenn dem Dienstalter zu grosses Gewicht</span><br/> <span class="ft8">für die Entlöhnung beigemessen wird, ohne Rücksicht auf nach wie</span><br/> <span class="ft8">vor typischerweise von Frauen zu verzeichnende Karriereunterbrü-</span><br/> <span class="ft8">che aufgrund familiärer Pflichten. In der Regel vermögen objektive</span><br/> <span class="ft8">Gründe im umschriebenen Sinne jedoch eine unterschiedliche Ent-</span><br/> <span class="ft8">löhnung zu rechtfertigen, wenn sie für die konkrete Arbeitsleistung</span><br/> <span class="ft8">und Lohngestaltung auch wirklich wesentlich sind und entsprechend</span><br/> <span class="ft8">konsequent die Löhne desselben Arbeitgebers beeinflussen (vgl. zum</span><br/> <span class="ft8">Ganzen BGE 127 III 215; BGE 125 III 368 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft8">c) (...)</span><br/> <span class="ft8">3. a) Mit Lohnverfügung vom 15. Mai 1998 stellte das Departe-</span><br/> <span class="ft8">ment des Innern die Beschwerdeführerin in der Besoldungsklasse 13</span><br/> <span class="ft8">mit 10 halben Dienstalterszulagen (DAZ) und einer Bruttobesoldung</span><br/> <span class="ft8">von Fr. 70'661.45 pro Jahr auf den 1. Juli 1998 ein. A., geb. 1948,</span><br/> <span class="ft8">wurde dagegen mit Arbeitsantritt am 1. März 1998 als Sachbearbeiter</span><br/> <span class="ft8">derselben Organisationseinheit in der Besoldungsklasse 14 mit 14</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">552</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">halben DAZ und einer Bruttobesoldung von Fr. 78'560.30 eingestuft,</span><br/> <span class="ft8">was einer jährlichen Einkommensdifferenz von 7'898.85 entsprach</span><br/> <span class="ft8">(vgl. Übersicht Salärentwicklungen).</span><br/> <span class="ft8">b) Gestützt auf die Stellenausschreibung verlangte die Anstel-</span><br/> <span class="ft8">lungsbehörde von den Kandidierenden für die Sachbearbeiterinnen-</span><br/> <span class="ft8">bzw. Sachbearbeiterstelle (...) folgende Eigenschaften:</span><br/> <span class="ft8">"<i>Das sind Sie:</i></span><br/> <span class="ft7"><i>berufserfahrene, verantwortungsbewusste Persönlichkeit, wel-</i></span><br/> <span class="ft7"><i>che auch in hektischen Zeiten den Überblick nicht verliert. Sie verfü-</i></span><br/> <span class="ft7"><i>gen über eine kaufmännische Grundausbildung (oder technische</i></span><br/> <span class="ft7"><i>Ausbildung mit kaufmännischer Weiterentwicklung) und haben Ihr</i></span><br/> <span class="ft7"><i>Wissen praxisorientiert in den Bereichen Aus- und Weiterbildung</i></span><br/> <span class="ft7"><i>(Erwachsenenbildung) und/oder Personal erweitert. Gute mündliche</i></span><br/> <span class="ft7"><i>und schriftliche Ausdrucksweise, Flair für Administration und gute</i></span><br/> <span class="ft7"><i>PC-Anwenderkenntnisse runden Ihr Profil ab."</i></span><br/> <span class="ft8">Die Beschwerdeführerin weist in ihrem Lebenslauf nach ihrer</span><br/> <span class="ft8">obligatorischen Schulausbildung eine dreijährige kaufmännische Be-</span><br/> <span class="ft8">rufsausbildung, ein Kaderseminar (Migros-Kaderseminar 1), einen</span><br/> <span class="ft8">Lehrmeisterkurs im Jahre 1995 sowie diverse Informatik-Anwender-</span><br/> <span class="ft8">kurse und andere Kurse (Arbeitstechnik, Kommunikationstraining</span><br/> <span class="ft8">und Einführungskurs in die Werbung) aus. Ihre berufliche Erfahrung</span><br/> <span class="ft8">umfasst u.a. eine rund zweijährige Tätigkeit als Centerleiterin der</span><br/> <span class="ft8">Klubschule Migros in X.</span><br/> <span class="ft8">A. absolvierte eine vierjährige Berufslehre als Maschinenzeich-</span><br/> <span class="ft8">ner und berufsbegleitend die dreijährige Zweitausbildung zum Er-</span><br/> <span class="ft8">wachsenenbildner. Seine Fähigkeiten bezüglich PC-Anwendung be-</span><br/> <span class="ft8">zeichnete er als Anwender-Grundkenntnisse. Beruflich war er u.a.</span><br/> <span class="ft8">ebenfalls als Centerleiter der Klubschule Migros in Y. tätig, im Ge-</span><br/> <span class="ft8">gensatz zur Beschwerdeführerin allerdings während rund zwanzig</span><br/> <span class="ft8">Jahren (vgl. Lebenslauf).</span><br/> <span class="ft8">c) Es ist unbestritten, dass sowohl die Beschwerdeführerin wie</span><br/> <span class="ft8">auch A. die Anforderungen an die von ihnen bekleidete Stelle erfüll-</span><br/> <span class="ft8">ten. Im Gegensatz zur Beschwerdeführerin weist A. ein Diplom als</span><br/> <span class="ft8">Erwachsenenbildner vor, welches für die Erfüllung der Funktion als</span><br/> <span class="ft8">Sachbearbeiter der entsprechenden Organisationseinheit zweifellos</span><br/> <span class="ft8">von Nutzen ist und auch gemäss Stellenausschreibung explizit er-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">553</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">wünscht war. Die Beschwerdeführerin absolvierte einen Lehrmeister-</span><br/> <span class="ft8">kurs, Informatikanwenderkurse und ein Kaderseminar, was für die</span><br/> <span class="ft8">Erfüllung der Funktion unbestrittenermassen teilweise von Nutzen</span><br/> <span class="ft8">war. Inwiefern die unterschiedlichen Ausbildungen aber für die</span><br/> <span class="ft8">Funktion und deren Bewältigung einen Einfluss auf die Leistungen</span><br/> <span class="ft8">der Stelleninhabenden hatte, ist vorliegend nicht nachgewiesen und</span><br/> <span class="ft8">kann - wie nachfolgend zu zeigen ist - letztlich offen bleiben.</span><br/> <span class="ft8">d) Das vor dem 1. April 2001 geltende Lohnsystem stellte für</span><br/> <span class="ft8">jede Funktion grundsätzlich 3 Besoldungsklassen zur Verfügung,</span><br/> <span class="ft8">welche ursprünglich je 8 DAZ-Stufen bzw. später 16 halbe DAZ-Stu-</span><br/> <span class="ft8">fen umfassten. Die einzelnen Lohnsummen zwischen den Minima</span><br/> <span class="ft8">und Maxima der Besoldungsklassen überschnitten sich, weshalb die-</span><br/> <span class="ft8">selbe Besoldung in verschiedenen Besoldungsklassen erreicht wer-</span><br/> <span class="ft8">den konnte (vgl. Besoldungsdekret [Besoldungsdekret] vom 20. Ok-</span><br/> <span class="ft8">tober 1971 [Änderung vom 20. November 1990, AGS 13 S. 353 ff.]).</span><br/> <span class="ft8">So entsprach gemäss Einstufungstabelle vom 8. Januar 1996 der Ein-</span><br/> <span class="ft8">stiegslohn der Beschwerdeführerin von Fr. 70'661.45 in der Besol-</span><br/> <span class="ft8">dungsklasse 13 mit 10 halben DAZ gleichzeitig ungefähr dem Lohn</span><br/> <span class="ft8">der Besoldungsklasse 14 mit 6 halben DAZ (Fr. 70'614.75).</span><br/> <span class="ft8">Bei der Anstellung musste die Anstellungsbehörde die Berufser-</span><br/> <span class="ft8">fahrung in den für die entsprechende Funktion vorgesehenen Besol-</span><br/> <span class="ft8">dungsklassen mit einer angemessenen Anzahl DAZ berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft8">A. ist einerseits 15 Jahre älter als die Beschwerdeführerin und weist</span><br/> <span class="ft8">andererseits rund 16 Jahre mehr Berufserfahrung auf (vgl. Lebens-</span><br/> <span class="ft8">läufe). Die Differenz beim Einstiegslohn betrug 8 halbe DAZ, wenn</span><br/> <span class="ft8">man den Lohn der Beschwerdeführerin wie gezeigt ebenfalls in der</span><br/> <span class="ft8">Besoldungsklasse 14 abbildet. Nach § 30 Abs. 1 Besoldungsdekret</span><br/> <span class="ft8">erhielten die Beamten, deren Leistungen und Pflichterfüllung befrie-</span><br/> <span class="ft8">digten, ursprünglich eine DAZ bzw. später eine oder zwei halbe DAZ</span><br/> <span class="ft8">von jährlich einem Achtel bzw. einem Sechzehntel der Differenz</span><br/> <span class="ft8">zwischen Minimum und Maximum der betreffenden Besoldungsklas-</span><br/> <span class="ft8">se, bis das Maximum erreicht war. Eine ausserordentliche DAZ</span><br/> <span class="ft8">konnte gemäss § 31 Besoldungsdekret durch den Regierungsrat zur</span><br/> <span class="ft8">Erhaltung vorzüglicher Kräfte oder bei Übertragung qualifizierter</span><br/> <span class="ft8">Arbeit gewährt werden. In Anbetracht der bedeutend grösseren</span><br/> <span class="ft8">Berufserfahrung im Zeitpunkt der Anstellung von A. gegenüber der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">554</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführerin erscheint somit die Differenz von lediglich 4</span><br/> <span class="ft8">ganzen DAZ keineswegs als zu gross.</span><br/> <span class="ft8">e) Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass es der Anstel-</span><br/> <span class="ft8">lungsbehörde im Gegensatz zu ihr gelungen sei, A. und andere Ar-</span><br/> <span class="ft8">beitskollegen von der Kürzung der DAZ per 1. April 2000 auszuneh-</span><br/> <span class="ft8">men. Die Inkraftsetzung des Lohndekretes vom 30. November 1999</span><br/> <span class="ft8">erfolgte auf den 1. Januar 2000 (§ 33 des Lohndekretes). Aufgrund</span><br/> <span class="ft8">der rechtlichen Vorlaufsfrist von vier Monaten war eine Aufhebung</span><br/> <span class="ft8">des Lohnsystems mit DAZ erst auf den 1. Mai 2000 möglich, wes-</span><br/> <span class="ft8">halb der Grosse Rat beschloss, die am 1. Januar 2000 erfolgten DAZ-</span><br/> <span class="ft8">Erhöhungen am 1. Mai 2000 wieder zu kürzen (vgl. § 35 Abs. 2 des</span><br/> <span class="ft8">Dekretes über die Löhne des kantonalen Personals [Lohndekret] vom</span><br/> <span class="ft8">30. November 1999). Die Beschwerdeführerin erhielt - im Gegensatz</span><br/> <span class="ft8">zu A. - auf den 1. Januar 2000 eine Lohnerhöhung von zwei halben</span><br/> <span class="ft8">DAZ. Im Gegensatz dazu musste das Gehalt von A. auf den 1. Mai</span><br/> <span class="ft8">2000 nicht gekürzt werden, da er bereits zuvor in der DAZ-Stufe 16</span><br/> <span class="ft8">war und demzufolge auf den 1. Januar 2000 auch keine Lohnerhö-</span><br/> <span class="ft8">hung erhalten hatte.</span><br/> <span class="ft8">f) Die Lohndifferenz zwischen der Beschwerdeführerin und A.</span><br/> <span class="ft8">nahm lediglich mit der einseitigen Lohnerhöhung vom 1. Januar</span><br/> <span class="ft8">2000 ab, während sie ansonsten im Laufe der Anstellungsdauer leicht</span><br/> <span class="ft8">zunahm (vgl. Übersicht Salärentwicklungen), was einer gleichmässi-</span><br/> <span class="ft8">gen prozentualen Lohnsteigerung für beide Mitarbeitenden ent-</span><br/> <span class="ft8">spricht. Damit liegt eine objektiv begründete Lohndifferenz vor, die</span><br/> <span class="ft8">nicht als diskriminierend im Sinne des GlG und des Gleichheitsgebo-</span><br/> <span class="ft8">tes der BV zu qualifizieren ist.</span><br/> <span class="ft8">4. a) Weiter ist ein Vergleich mit B., geb. 1966, anzustellen. Er</span><br/> <span class="ft8">wurde auf den 1. Juli 1997 in der Lohnstufe 13 mit 13 halben DAZ</span><br/> <span class="ft8">eingestellt und in die Lohnstufe 13 mit 16 halben DAZ auf das Jahr</span><br/> <span class="ft8">1998 angehoben, wobei im Jahr 1998 eine Lohndifferenz von</span><br/> <span class="ft8">Fr. 5'644.- resultierte; für das Jahr 1999 bekam er jedoch keine DAZ</span><br/> <span class="ft8">(vgl. Übersicht Salärentwicklungen), weshalb sich die Lohndifferenz</span><br/> <span class="ft8">auf Fr. 3'763.- bzw. auf 4 halbe DAZ reduzierte.</span><br/> <span class="ft8">b) Zu vergleichen ist vorliegend in erster Linie das jeweilige</span><br/> <span class="ft8">Einstiegssalär, da die damals im Normalfall automatische Lohnerhö-</span><br/> <span class="ft8">hung durch DAZ für alle Mitarbeitenden systembedingt gleich war.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">555</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">B. wurde 1997 in der Besoldungsklasse 13 mit 13 halben DAZ ein-</span><br/> <span class="ft8">gestuft. Die Beschwerdeführerin erzielte dagegen im Jahre 1998 -</span><br/> <span class="ft8">trotz 2 Jahren mehr Berufserfahrung - eine Einstufung in der Besol-</span><br/> <span class="ft8">dungsklasse 13 mit 10 halben DAZ; damit bestand eine effektive</span><br/> <span class="ft8">Differenz von drei halben DAZ.</span><br/> <span class="ft8">Wie bereits beim Vergleich zu A. aufgezeigt, musste die Anstel-</span><br/> <span class="ft8">lungsbehörde die bisherige Berufserfahrung der Neueinzustellenden</span><br/> <span class="ft8">angemessen im Lohnsystem des Kantons Aargau abbilden (vgl. oben</span><br/> <span class="ft8">Erw. 3d). In analoger Anwendung der Umwandlung von 15 Jahren</span><br/> <span class="ft8">Unterschied bei der Berufserfahrung zwischen A. und der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführerin in 8 halbe DAZ wäre bei den 2 Jahren Differenz in</span><br/> <span class="ft8">der Berufserfahrung zwischen B. und der Beschwerdeführerin im</span><br/> <span class="ft8">Zeitpunkt der Anstellungen höchstens eine halbe DAZ mehr zu ihren</span><br/> <span class="ft8">Gunsten angezeigt gewesen. Nachdem B. aber bereits vor seiner An-</span><br/> <span class="ft8">stellung beim Kanton Aargau eine für die Funktion wesentliche Erst-</span><br/> <span class="ft8">ausbildung an der HWV Olten absolviert hatte und bei einer entspre-</span><br/> <span class="ft8">chenden nichtaargauischen staatlichen Stelle tätig war, drängte sich</span><br/> <span class="ft8">eine Höherbewertung seiner spezifischen und unbestrittenermassen</span><br/> <span class="ft8">für die Funktion unentbehrlichen Berufkenntnisse auf. B. begann be-</span><br/> <span class="ft8">reits im Zeitpunkt der Einstellung zudem mit einer Spezialausbil-</span><br/> <span class="ft8">dung, welche er mit dem Fachausweis vom 15. Mai 1998 erfolgreich</span><br/> <span class="ft8">abschloss. Im Zeitpunkt der Anstellung war somit abzusehen, dass B.</span><br/> <span class="ft8">dank seiner Kenntnis der einschlägigen Gesetzgebung, des Arbeitsin-</span><br/> <span class="ft8">halts, der in dieser Organisationseinheit verwendeten Spezialsoft-</span><br/> <span class="ft8">ware und der Abläufe bezüglich Verfügungen und administrative Ab-</span><br/> <span class="ft8">wicklungen zwischen den staatlichen und privaten Schnittstellen von</span><br/> <span class="ft8">Beginn weg voll einsetzbar war und kaum Einarbeitungszeit benötig-</span><br/> <span class="ft8">te. Entsprechend fiel denn auch die Lohnerhöhung auf 1. Januar 1998</span><br/> <span class="ft8">aus, indem er nebst den damals systemüblichen zwei halben DAZ</span><br/> <span class="ft8">zusätzlich eine halbe DAZ für seine Leistungen erhielt. Dagegen be-</span><br/> <span class="ft8">kam er für 1999 - trotz Übernahme der Stellvertretung der Gruppen-</span><br/> <span class="ft8">leiterin, Bewältigung der komplexeren Fälle und Abschluss des</span><br/> <span class="ft8">Fachausweises - keine Lohnerhöhung, wodurch sich die Salärdiffe-</span><br/> <span class="ft8">renz zur Beschwerdeführerin verringerte.</span><br/> <span class="ft8">Die spezifische Berufserfahrung und die Ausbildung von B.</span><br/> <span class="ft8">wurden demzufolge gegenüber der Beschwerdeführerin mit 4 halben</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">556</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">DAZ bewertet. Für die spezifischen beruflichen Vorkenntnisse recht-</span><br/> <span class="ft8">fertigt sich aus Sicht des Regierungsrates die Anerkennung einer hal-</span><br/> <span class="ft8">ben DAZ, womit die Abbildung der Berufserfahrung bei der Anstel-</span><br/> <span class="ft8">lung von B. und der Beschwerdeführerin letztlich als ausgeglichen zu</span><br/> <span class="ft8">bezeichnen sind (Besoldungsklasse 13 mit 10 halben DAZ). Die be-</span><br/> <span class="ft8">reits abgeschlossene Erstausbildung und die durch die Vorbereitung</span><br/> <span class="ft8">auf den Fachausweis vorhandenen Kenntnisse bewertete die Anstel-</span><br/> <span class="ft8">lungsbehörde demnach mit 3 halben DAZ, was einem Betrag von Fr.</span><br/> <span class="ft8">2'820.- (drei halbe DAZ von rund je Fr. 940.-) entsprach.</span><br/> <span class="ft8">Wie die Beschwerdeführerin selbst in ihrer Stellungnahme fest-</span><br/> <span class="ft8">hält, besteht für die Anstellungsbehörde ein Ermessensspielraum von</span><br/> <span class="ft8">Fr. 2'000.- bis Fr. 3'000.- für die Bewertung der Ausbildung von B..</span><br/> <span class="ft8">Für den Regierungsrat ist folglich in Anerkennung und Einhaltung</span><br/> <span class="ft8">des genannten Ermessensspielraumes ein sachlich objektiv begründ-</span><br/> <span class="ft8">barer Unterscheidungsgrund gegeben, der auch in diesem Ausmass</span><br/> <span class="ft8">nicht zu beanstanden ist.</span><br/> <span class="ft8">5. Der letzte zum Vergleich beizuziehende männliche Sachbear-</span><br/> <span class="ft8">beiter ist C., geb. 1973. Er war 1998 in der Lohnstufe 12 mit 2 hal-</span><br/> <span class="ft8">ben DAZ eingestuft, was einem Lohn von Fr. 59'874.- entsprach</span><br/> <span class="ft8">(vgl. Übersicht Salärentwicklungen). Angesichts des Unterschiedes</span><br/> <span class="ft8">von 10 Altersjahren und einer ähnlichen Differenz an Berufserfah-</span><br/> <span class="ft8">rungsjahren ist eine Lohndifferenz von Fr. 10'787.- im Vergleich zur</span><br/> <span class="ft8">Lohndifferenz zwischen der Beschwerdeführerin und A., welcher so-</span><br/> <span class="ft8">gar 15 Jahre älter als diese ist, von Fr. 7'898.85 keineswegs als gering</span><br/> <span class="ft8">zu bezeichnen, obwohl die Aus- und Weiterbildungen sowie die Be-</span><br/> <span class="ft8">rufserfahrung der Beschwerdeführerin diesen Unterschied noch zu</span><br/> <span class="ft8">rechtfertigen vermögen.</span><br/> <span class="ft8">6. a) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder aufgrund</span><br/> <span class="ft8">des Geschlechts noch in anderer ungerechtfertigter Weise eine diskri-</span><br/> <span class="ft8">minierende Ungleichbehandlung der Beschwerdeführerin vorlag,</span><br/> <span class="ft8">weshalb die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen ist.</span><br/> <span class="ft8">b) Grundsätzlich ist das Beschwerdeverfahren in Personalsa-</span><br/> <span class="ft8">chen vor dem Regierungsrat mit Kosten verbunden (§ 41 des Geset-</span><br/> <span class="ft8">zes über die Grundzüge des Personalrechts [Personalgesetz, PersG]</span><br/> <span class="ft8">vom 16. Mai 2000 i.V.m. § 33 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwal-</span><br/> <span class="ft8">tungsrechtspflege [Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRPG] vom 9.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">557</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Juli 1968). Gestützt auf Art. 13 Abs. 5 GlG und in Anbetracht dessen,</span><br/> <span class="ft8">dass es sich vorliegend nicht um mutwillige Prozessführung gehan-</span><br/> <span class="ft8">delt hat, ist das Verfahren kostenlos.</span><br/> <span class="ft8">c) Die Anstellungsbehörde erliess trotz anderslautender Emp-</span><br/> <span class="ft8">fehlung der Schlichtungskommission eine mit "27. April 2001"</span><br/> <span class="ft8">falsch datierte Verfügung, wobei sie ohne konkrete Begründung an</span><br/> <span class="ft8">der ursprünglichen Entlöhnung festhielt. Damit verstiess die Anstel-</span><br/> <span class="ft8">lungsbehörde gegen die aus § 23 VRPG und den allgemeinen Ver-</span><br/> <span class="ft8">waltungsgrundsätzen fliessende Begründungspflicht von Verfügun-</span><br/> <span class="ft8">gen, welche den Begehren der Betroffenen nicht voll entsprechen.</span><br/> <span class="ft8">Der Beschwerdeführerin war es demzufolge nicht möglich, bereits in</span><br/> <span class="ft8">der eigentlichen Beschwerdeschrift ihre Antragsbegründungen zu</span><br/> <span class="ft8">formulieren. Ungeachtet des Ausgangs des Verfahrens rechtfertigt</span><br/> <span class="ft8">sich deshalb der Ersatz der Hälfte der Parteikosten zu Lasten der</span><br/> <span class="ft8">Staatskasse (§ 36 VRPG).</span><br/></div> </div> </body> </html>