B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3537/2010 law/auj U r t e i l v o m 9 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren […], Irak, vertreten durch Rainer Weibel, Fürsprecher, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. April 2010/ N […]. D-3537/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein aus Bagdad stammender irakischer Staats - angehöriger arabischer Herkunft und Angehöriger der Gl aubensgemein- schaft der Sunniten – verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland im Mai 2004 und suchte am 14. Juni 2004 in der Schweiz um Asyl nach. Am 21. Juni 2004 erhob das BFM im Empfangszentrum Chiasso die Pe r- sonalien des Beschwerdeführers und befragte ihn summarisch zum Rei - seweg und zu den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes (Befr a- gung zur Person, BzP). Am 23. Juni 2004 hörte es ihn zu den Asylgrü n- den an. B. Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuches zum einen Problem e wegen der Nähe von Familienangehörigen zum Baath-Regime nach dem Sturz von Saddam Hussein geltend. Zwei Schwager seien Offiziere in der irakischen Armee gewesen; der eine ha- be am Fernsehen Propaganda für das Regime be trieben, der andere sei ein Kriegshel d gewesen. Nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein hätten Bewohner des Wohnquartiers ihn und seine Familie nach dem Verbleib der beiden Schw ager befragt und sie in diesem Zus am- menhang bedroht. Sein Vater sei selber nicht Mitglied der Baath -Partei gewesen, habe aber bekannte Leute des gestürz ten Regimes gekannt und sei deswegen sowie wegen seiner beiden Schwiegersöhne im D e- zember 2003 ermordet worden. Zum anderen brachte der Beschwerd e- führer vor, man habe gegen ihn den Vorwurf erhoben, er pflege eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft mit einem Jugendfreund, der seine sexuelle Neigung offen ausgelebt habe und deshalb als Homosexueller bekannt gewesen sei. Die Familie seines Partners habe diesen umge- bracht, um die Familienehre wiederherzustellen; ihm habe sie ebenfalls mit dem Tod gedroht. C. Der vom BFM mit der Erstellung einer Lingua -Analyse beauftragte Exper- te gelangte in seinem Gutachten am 14. Februar 2004 zum Schluss, dass der Beschwerdeführer aus dem Stadtteil B._______ in Bagdad stamme. D. Mit Verfügung vom 28. November 2005 stellte das BFM fest, der B e- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asy l- gesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Anstelle des D-3537/2010 Seite 3 Vollzuges der Wegweisung, welchen es als unzumutbar beurteilte, ordne- te das BFM die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz an. E. Nach der Durchführung eines Schriftenwechsels hiess das Bundesve r- waltungsgericht mit Urteil D-4481/2006 vom 8. Juli 2008 die gegen diesen Entscheid am 27. Dezember 2005 bei der damaligen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) erhobene Beschwerde gut, hob die ang e- fochtene Verfügung die Dispositivziffern 1 -3 betreffend auf und wies die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstan z zurück. Zur Begründung führte das Gericht zusammenfassend aus, das BFM habe den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt, indem es dessen Asylgesuch unsorgfältig geprüft und die angefochtene Verfügung nicht hinreichend begründet habe. F. Das BFM führte am 31. März 2010 mit einem Männerteam und im Beisein der damaligen Rechtsvertreterin eine ergänzende Anhörung des Be - schwerdeführers zu den Asylgründen durch. Dabei machte dieser gel- tend, er habe in seiner Heimat "Unterdrückung erlitten, aus politischen und glaubensbezogenen Gründen, wegen meiner Nation und vom G e- schlecht her" (vgl. BFM -act. A 39/21 S. 4 F. 26). S eine Familie gehöre dem Baath-Regime an; die Eltern sowie die beiden Schwager seien Mi t- glieder der Baath-Partei, und auch er selber sei im Jahre 1986 Parteimit- glied geworden. Unmittelbar nach Krieg sende habe der Vorsteher des Wohnquartiers der Familie damit begonnen, sie wegen ihrer Zugehörig- keit zur Baath -Partei mündlich zu bedrohen; er habe ihnen nahegelegt, das Quartier zu verlassen und das während des früheren Regimes u n- rechtmässig erworbe ne Eigentum zurückzugeben. Es habe auch Dro- hungen seitens der Bevölkerung des Quartiers sowie schriftliche Drohun- gen gegeben; sie hätten bis ins Jahr 2009 angedauert. Zur Untermaue- rung di eses Vorbringens reichte der Beschwerdeführer die Kopie eines fremdsprachigen Drohbriefes ein, mit dem seinen Aussagen zufolge eine bewaffnete schiitische Gruppierung namens "Al Mohtar Bataillon" seine Familie zu Beginn des Jahres 2007 aufgefordert habe, i hr Haus in Ba g- dad zu verlassen. Badr-Milizen hätten Anfang 2007 das Haus der Familie besetzt; seine Mutter und seine Schwestern hätten sich zunächst an ve r- schiedenen Orten im Irak aufgehalten und sich anschliessend nach S y- rien begeben, wo hin zuvor bereits die Ehemänner der Schwestern ge- flüchtet seien. Als u nmittelbaren Anlass für die Ausreise gab der B e-D-3537/2010 Seite 4 schwerdeführer die Tötung seines Vaters Ende 2003, die genannten Dro- hungen sowie die anschliessende Tötung seines Partners durch muslimi- sche Milizen an . Weiter gab er an, homosexuelle Menschen würden im Irak seit Kriegsende schikaniert. Islamische Grup pierungen hätten ihm erstmals ungefähr in der Zeit des Krieges gedroht, sein Auto zur Explos i- on zu bringen und seine Familie zu vergewaltigen oder anzugreifen. Die Drohungen habe er zunächst nicht ernst genommen, weil er geglaubt ha- be, die islamischen Gruppierungen würden nach der amerikanischen I n- tervention verschwinden. Seit Kriegsende hätten ihre Aktivitäten jedoch stark zugenommen. Erst im Herbst 2009 habe er erfahren, dass jemand sein Auto nach seiner Ausreise angezündet habe; zum Beleg reichte er Kopien von auf einem USB -Stick gespeicherten Fotos eines Fahrzeug- wracks ein. G. Mit Verfügung vom 13. April 2010 – am folgenden Tag eröffnet – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte das Amt die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und hielt fest, die am 28. November 2005 angeordnete vorläufige Aufnahme bestehe wei- terhin bis zu deren Aufhebung oder Erlöschen. H. Mit Eingabe vom 17. Mai 2010 liess der Beschwerdeführer durch seinen neu mandatierten Rechtsvertreter gegen diesen Entscheid beim Bunde s- verwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, die vorinstan z- liche Verfügung vom 13. April 2010 sei aufzuheben und dem Beschwe r- deführer sei Asyl zu gewähren; subsidiär sei die Streitsache zur ergä n- zenden und vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhal- tes an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahren srechtlicher Hinsicht liess der Beschwerdeführer beantragen, es sei ein zweiter Schrifte n- wechsel durchzuführen , in dessen Rahmen er anzuhören sei, da der rechtserhebliche Sachverhalt in wesentlichen Punkten streitig sei und mit ergänzenden Einwendungen im Rahmen des ersten Schriftenwechsels zu rechnen sein werde . Des Weiteren stellte der Rechtsvertreter eine Bestätigung über einen Besuch des Beschwerdeführers beim Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) oder beim Roten Kreuz in Aussicht. I. Mit Verfügung vom 3. Juni 2010 verzichtete der Instruktionsrichter auf die D-3537/2010 Seite 5 Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte dem Beschwerdeführer eine siebentägige Frist zur Einreichung des in der Beschwerde in Au s- sicht gestellten Beweismittels an. J. Mit Eingabe vom 11. Juni 2010 liess der Beschwerdeführer ein Schreiben des UNHCR-Büros für die Schweiz und Liechtenstein vom 7. Juni 2010 nachreichen, in welchem dieses einen am 14. Juni 2004 erfolgten Besuch des Beschwerdeführers im UNHCR-Büro in Genf bestätigt. K. Mit Verfügung vom 16. Juni 2010 lud der Instruktionsrichter das BFM zur Vernehmlassung zur Beschwerde vom 17. Mai 2010 ein. L. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 15. Juli 2010 an den Er - wägungen in der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Ab - weisung der Beschwerde. M. Die vorinstanzliche Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 16. Juli 2010 zur Kenntnisnahme ohne Replikrecht zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Be- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliege nden Beschwerde; es entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor we l- chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]); Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). D-3537/2010 Seite 6 1.2 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom - men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände - rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formge- recht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali - tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder mass geblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM hielt zur Begründung seines ablehnenden Asylentscheides fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftmachung der Flüch tlingseigenschaft (Art. 7 AsylG) nicht stand, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 4.1.1 Im Einzelnen führte das Bundesamt aus, der Beschwerdeführer ha- be sich während des in der Schweiz laufenden Asylverfahrens und nach der Anordnung der vorläufigen Aufnahme am 4. Juni 2007 durch das ir a-D-3537/2010 Seite 7 kische Konsulat in Genf einen irakischen Reisepass ausstellen lassen. Die freiwillige Kontaktaufnahme mit den heimatlichen Behörden und die Tatsache, dass diese dem Beschwerdeführer problemlos einen Reis e- pass au sgestellt hätten, wiesen deutlich darauf hin, dass diesem bei e i- ner Rückkehr in die Heimat keine Verfolgung seitens der irakischen B e- hörden drohe. Durch dieses Verhalten entstünden erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen, welche durch z ahlreiche gravi e- rende Widersprüche in seinen Ausführungen erhärtet würden. 4.1.2 So habe der Beschwerdeführer an der zweiten Anhörung behauptet, er sei ebenso wie sein Vater Mitglied der Baath-Partei gewesen, während er an der ersten Anhörung sowohl eine eigene Parteimitgliedschaft als auch eine solche seines Vater verneint habe. An der BzP habe er erklärt, seine Mutter habe die Tötung des Vaters angezeigt; seinen Aussagen an der zweiten Anhörung sei hingegen zu entnehmen, das s keine Anzeige erstattet worden sei . Während er im EVZ im Zusammenhang mit seinen Verfolgungsgründen nur einen Schwager erwähnt habe, habe er drei T a- ge später an der Anhörung bereits von zwei Schwagern gesprochen. O b- wohl ihm anlässlich der ersten Anhörung der Name des ihn angeblich b e- drohenden Quartiervorstehers unbekannt gewesen sei, habe er dessen Namen fast sechs Jahre später an der zweiten Anhörung angegeben. An dieser Befragung habe er ferner gesagt, eine der islamischen Milizen hät- te seinen Freund anfangs des Jahres 2004 getötet; seine n früheren Aus- sagen sei zu entnehmen, die eigenen Familienangehörigen hätten den Freund im April 2004 umgebracht. Seinen Angaben an der BzP zufolge habe der Beschwerdeführer den Irak in der zweiten Maihälfte des Jahres 2004 verlassen; gemäss den Aussagen an der zweiten Anhörung hing e- gen sei die Ausreise bereits im April 2004 erfolgt. An der BzP habe der Beschwerdeführer angegeben, von Syrien nach Genf geflogen zu sein, an der zweiten Anhörung hingegen nach Deutschland. 4.1.3 Das Bundesamt führte weiter aus, der gesamte Sachverhaltsvortrag des Beschwerdeführers sei zudem in wesentlichen Punkten kaum su b- stanziiert. Seine Aussagen über die angeblichen Drohungen der Milizen erschöpften sich in Allgemeinplätzen, welche jedem aus Bagdad sta m- menden Iraker bekannt seien, und liessen eine Differenzierung und detail- lierte Beschreibung vermissen. So habe er beispielsweise nicht zu berich- ten gewusst, wann seine Schwager Bagdad und das Land verlassen hä t- ten oder wann genau sein Freund , dessen Tod er immerhin als unmittel- baren Ausreisegrund bezeichnet habe, gestorben sei. Seine vagen und widersprüchlichen Angaben zum Reiseweg in die Schweiz liessen zudem D-3537/2010 Seite 8 den Eindruck entstehen, er versuche die Behörden über seinen wirklichen Aufenthaltsort vor seiner Einreise in d ie Schweiz zu täuschen, was die Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen zusätzlich unterstreichen würde. 4.1.4 Sodann hielt die Vorinstanz fest, angesichts der geltend gemachten Gefährdung sei das Verhalten des Beschwerdeführers als realitätsfremd und somit als unglaubhaft einzustufen. So sei nicht nachvollziehbar, wes- halb er sich trotz massiver persönlicher Bedrohung auch nach der Ermo r- dung seines Vaters noch mehrere Monate lang an seinem Wohnort au f- gehalten habe. Erfahrungsgemäss versuchten tatsächlich Verfolgte b ei der ersten sich bietenden Gelegenheit, das für sie g efährliche Gebiet zu verlassen. Realitätsfremd sei auch die an der ersten Anhörung abgeg e- bene Erklärung, die Organisation, welche seinen Vater getötet habe, habe die Familie seines Freundes über die Be ziehung zwischen den beiden in- formiert, um die Familie gegen den Beschwerdeführer aufzuhetzen, sei diese Beziehung doch gemäss seinen Aussagen an der zweiten Anh ö- rung in seinem Wohnquartier seit Jahren allseits bekannt gewesen. 4.1.5 Schliesslich hielt die Vorinstanz fest, die eingereichten Beweismittel seien nicht zuletzt aufgrund der festgestellten Unglaubhaftigkeit der Asy l- vorbringen des Beschwerdeführers nicht geeignet, dessen Aussagen ei- nen stärkeren Rückhalt z u verleihen. Das als Drohbrief bezeichnete D o- kument sei erst mehrere Jahre nach seiner Ausreise aus dem Irak ve r- fasst worden und liege lediglich als Kopie vor; aus dem Text sei ausse r- dem nicht ersichtlich, dass die Drohung explizit seiner Familie gegolten habe. Der Todesschein des Vaters vermöge allenf alls dessen gewalts a- men Tod zu belegen, nicht aber eine daraus resultierende unmittelbare Bedrohung des Beschwerdeführers darzulegen, zumal sich dieser noch mehrere Monate an seinem Wohnort aufgehalten habe. Dokumente di e- ser Art seien überdies nicht fälsch ungssicher und vermöchten deshalb keine entscheidende Beweiskraft zu entfalten. Angesichts der Sachlage erübrige es sich, auf die weiteren Beweismittel im Detail einzugehen, da sie am Ergebnis nichts zu ändern vermöchten. 4.2 In der Beschwerde wird demgegenüb er geltend gemacht, die Fes t- stellungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung vermöchten die Asylvorbringen des Beschwerdeführers nicht ernsthaft zu widerlegen. Zwar kämen bei einer Gegenüberstellung der insgesamt drei Befr a- gungsprotokolle gewisse Ungereimtheiten zum Vorschein, doch entstehe der Eindruck, die Vorinstanz sei in antizipierender Weise von der U n- glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen und habe nur nach D-3537/2010 Seite 9 Widersprüchen gesucht, ohne ihm diese im Rahmen des angefochtenen Verfahrens vorzuhalten. 4.2.1 Das BFM sei in keiner Weise auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Angehörigkeit zur Baath -Partei eingegangen und habe sich auch nicht näher mit seiner Gefährdung als Homosexueller im Zentralirak auseinandergesetzt – dies, obwohl das Bundesverwaltungsgericht im Ur- teil vom 8. Juli 2008 festgehalten habe, im Zentralirak würden Personen, welche als Unterstützer des ehemaligen Regimes von Saddam Hussein galten, insbesondere Mitglieder der ehemaligen Baath -Partei oder dieser nahe stehenden Personen, seit dem Sturz des Regimes dem Risiko au s- gesetzt, Opfer von Drohungen und gewalttätigen Übergriffen zu werden. Gemäss diesem Urteil seien auch homosexuelle Menschen gefährdet, die zunehmend Opfer von Gewalt bis hin zum Mord und Ehrenmord würden. Das BFM habe es unterlassen, den Beschwerdeführer mit den vorliege n- den Widersprüchen zu konfrontieren, was insbesondere dann unerläs s- lich sei, wenn einzig durch Dolmetscher übersetzte Befragungsprotokolle vorlägen. Ohne Konfrontation des Beschwerdeführers mit den vorgehal- tenen Ungenauigkeiten am Ende der letzten Anhörung könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass es sich um ta t- sächliche Widersprüche handle, oder ob die Ungereimtheiten das Ergeb- nis von ungenauen Übersetzungen, detai llierten Fragestellungen , Miss- verständnissen etc. sei en. Diese Vorgehensweise entspreche den Anfo r- derungen an ein faires Verfahren nicht und stelle eine grobe Verweig e- rung des rechtlichen Gehörs dar, dies umso mehr, als der Beschwerde- führer nicht anwaltlich vertreten gewesen sei. Man könne ihn nicht darauf verweisen, die vermeintlichen Widersprüche im Rahmen des Beschwe r- deverfahrens abschliessend zu klären, weshalb die Rückweisung an die Vorinstanz und ergänzende Befragung im Beisein seines Anwalts bea n- tragt wird. 4.2.2 Die Tatsache, dass der Beschwerdeführ beim irakischen Konsulat in Genf ei nen Pass beschaffen konnte, vermöge seine begründete Furcht vor Verfolgung durch irakische Behörden keineswegs zu entkräften. Die irakischen Konsulate entschieden selbständig über die Ausstellung von Pässen und stellte allen Staatsbürgern, die ihre Identität nachzuweisen vermöchten, Pässe aus. Es sei nachvollziehbar, dass der Beschwerd e- führer einen Pass beantragt und erhalten habe, sei er doch kein ehemal i- ger Führer der Baath -Partei und habe er nicht geltend gemacht, von der gewählten Regierung verfolgt zu werden, sondern lediglich von der B adr- Miliz. Die angefochtene Verfügung unterlasse es auszuführen, weshalb D-3537/2010 Seite 10 der Unterschied zwischen einer Verfolgung durch Regierungsbehörden und einer solchen durch die nach wie vor aktiven und geduldeten Milizen keine substanzielle Erklärung sein solle. Der anschliessende Befr a- gungston (Fragen 203 ff.) sei im Übrigen ein Indiz dafür, dass der B e- schwerdeführer in einer sachlich nicht begründet en, einschüchternden Weise befragt worden sei. 4.2.3 Der vermeintliche Widerspruch bezüglich der Frage einer Parteimit- gliedschaft des Beschwerdeführers und seines Vaters bei der Ba ath- Partei beruhe offensichtlich auf der Tatsache, dass der Beschwerdeführer keine klare Unter scheidung zwischen dem "Ba ath-Regime" als Regi e- rungs- und Einheitspartei einerseits und der "Baath -Partei" als politischer Partei andererseits mache. Aus seinen Aussagen sei klar ersichtlich, dass seine Familie und er Sympathisanten des Baath -Regimes gewesen se i- en. Hätte das BFM dem Beschwerdeführer den vermeintlichen Wide r- spruch vorgehalten und ihn gefragt, was er unter der "Baath -Partei" ver- stehe sowie was unter dem "Baath-Regime" und den Beziehungen seiner Familie zu diesem, hätte er darauf geantwortet, dass es für ihn keinen klaren Unterschied gebe. Die an der ersten Anhörung äusserst kurz g e- haltene (und vom Beschwerdeführer verneinte) Frage zur politischen Mit- gliedschaft habe dieser dahingehend verstanden, ob er selbst ein pol i- tisch aktives Mitglied sei. In der ersten Anhörung habe man ihn nur zur formellen Parteimitgliedschaft befragt, nicht aber zur gesellschaftlichen Zugehörigkeit und vor allem nicht zu den politischen Aktivitäten seiner Familie zugunsten des Baath -Regimes. Der Widerspruch sei somit ohne weiteres durch die unterschiedliche Befragungsweise der beiden Einve r- nahmen und den unterschiedlichen Zusammenhang zu erklären, in dem die Fragen gestellt worden seien. Eine differenzierte Befragung hätte e r- geben, dass der Vater des Beschwerdeführers die irakische Armee mit Esswaren beliefert habe, aber ansonsten nicht bei der Baath tätig gew e- sen sei. Diese Lieferungen von Esswaren liefen auf eine Unterstützung der Baath -Partei bzw. des Baath -Regimes hinaus. Die ga nze Familie C._______ habe Parteibeiträge bezahlt, und der Beschwerdeführer habe Militärdienst geleistet, sei jedoch im Übrigen nicht politisch aktiv gewesen. Mit Ausnahme der beiden Schwager hätten die Familienangehörigen des Beschwerdeführers und dieser selbst keine aktiven Tätigkeiten innerhalb der Baath-Partei ausgeführt und seien nicht aktiv in politischen Gremien vertreten gewesen, sondern es habe sich vielmehr um eine passive Mi t- gliedschaft mit teilweisen Hilfeleistungen gehandelt (Parteibeiträge, Te il- nahme an politischen Kundgebungen etc.). Bezüglich der für die Beurte i- lung politisch begründeter Verfolgung allein rechtserheblichen Aktivitäten D-3537/2010 Seite 11 der Familie zugunsten von Regime und/oder Partei habe der Beschwe r- deführer widerspruchsfreie Aussagen gemacht. 4.2.4 Der von der Vorinstanz vorgehaltene Widerspruch bezüglich der Anzeige der Tötung des Vaters wird in d er Beschwerde als nicht nach- vollziehbar bezeichnet. Der Beschwerdeführer habe gemäss dem Proto- koll der BzP (vgl. act. A1/8 S. 5 Zeile 4) ausgesagt, er h abe versucht, An- zeige zu erstat ten, die Behörden hätten diese jedoch nicht entgegen ge- nommen; von der Mutter sei keine Rede gewesen . An der letzten Anhö- rung habe er nicht gesagt, er oder die Mutter hätten keine Anzeige zu e r- statten versucht; seine Aussage s ei klar so zu verstehen, dass er keine Möglichkeit gesehen habe, eine wirksame Anzeige zu er statten (vgl. act. A39/21 S. 13 F. 141). Eine förmliche Polizeianzeige habe es nie g e- geben, und der Beschwerdeführer habe auch nie ausgesagt, er und seine Mutter hätten bei der Polizei eine Strafanzeige eingereicht. Was anläs s- lich der ersten Anhörung als "polizeiliche Anzeige" übersetzt worden sei (vgl. act. A1/8 S. 5 Zeile 4), sei auf ein Missverständnis zwischen Dolmet- scher und Beschwerdeführer zurückzuführen. Im Gespräch mit dem u n- terzeichnenden Anwalt habe der Beschwerdeführer präzisiert, er und se i- ne Mutter hätten den in seinem Haus niedergestochenen Vater in ein Spi- tal gebracht und beim dortigen Sicherheitspersonal die Gründe für die Einlieferung des Verletzten angeben müssen. Das Personal habe ein Pro- tokoll geführt, aber keine weiteren Vorkehren getroffen. Im Rahmen der zweiten Anhörung habe der Beschwerdeführer sinngemäss ausgesagt, dass die Bedingungen im Irak zu r Zeit der Ermordung seines Vaters es nicht zugelassen hätten, eine Anzeige bei der Polizei einzureichen, und dass eine solche der Familie nur weiteren Schaden zugefügt hätte. 4.2.5 In der Beschwerde wird ferner geltend gemacht, der Beschwerd e- führer habe nie au sgesagt, nur einen Schwager zu haben. An der BzP habe er im Zusammenhang mit seinen Verfolgungsgründen und der E r- mordung des Vaters ausgesagt, sein Schwager D._______ sei ein ran g- hoher Offizier der irakischen Armee, weil er (der Beschwerdeführer) ve r- mute, dass der militärische Rang des Schwagers dabei eine Rolle g e- spielt haben könnte. Deshalb sei er an der sehr kurzen BzP nur auf den militärisch aktiven Schwager zu sprechen gekommen. Bereits an der BzP habe er jedoch auch von seinem zweiten Schwager gesproc hen, welcher beim Fernsehen gearbeitet habe; dessen Namen habe er nicht erwähnt, da man ihn nicht danach gefragt habe. In der ersten Anhörung habe er die Namen beider Schwager zu Protokoll gebracht. Der Beschwerdefü h- rer habe überdies bereits bei der Vorins tanz eine Ko pie einer Identität s-D-3537/2010 Seite 12 karte sowie Bilder der beiden Schwager eingereicht, welche das BFM in keiner Weise gewürdigt habe. Bezüglich des Namens des Quartiervorste- hers wird ausgeführt, der Beschwerdeführer habe an der ersten Anhörung dessen Namen ni cht genannt, weil er ihn nicht gekannt ha be; im Verlauf seines sechsjährigen Aufenthaltes habe er diesen Namen durch seine Verwandten in Erfahrung gebracht – das BFM habe ihn nicht befragt, wann, durch wen und wie er diese Informationen erhalten habe. 4.2.6 Hinsichtlich der Tötung des Partners des Beschwerdeführers wird in der Beschwerde vorgebracht, infolge einer ungenauen Befragung seien Missverständnisse entstanden. An der ersten Anhörung habe der B e- schwerdeführer erklärt, die Verwandten seines Freundes hätten der Fami- lie mitgeteilt, sie hätten ihren Familienangehörigen wegen seiner hom o- sexuellen Beziehung getötet; der Beschwerdeführe r habe jedoch bereits an dieser Anhörung klar gesagt, dass er dies als Vorwand erachte und der Mord in Wirklichkeit politisch begründet sei. Die Aussage an der zwei- ten Anhörung, islamische Milizen hätten seinen Partner umgebracht, sei die Erklärung und Beurteilung der Gründe und Umstände dieses Mordes, die sich im Bew usstsein des Beschwerdeführers, der sich nur auf Höre n- sagen berufen könne, verfestigt hätten. Er habe nicht sagen wollen, die Verwandten seines Freundes hätten diesen eigenhändig getötet, sondern vielmehr, sie hätten ihre religiösen Motive dazu missbraucht, ihn aus pol i- tischen Motiven, d.h. durch die politisch motivier ten Milizen umbringen zu lassen. In der zweiten Anhörung habe er die Motive der Verwandten weg- gelassen und nur noch die von ihm vermuteten Motive der vermutlichen tatsächlichen Mörder – der Milizen – genannt. Der Beschwerdeführer sei in nachvollziehbarer Weise davon ausgegangen, dass die Familie seines Freundes dessen Tötung zur Rettung der Familienehre in Auftrag geg e- ben habe. Der Beschwerdeführer habe selbst auch Drohbriefe erhalten und das BFM habe diesen zu Unrecht die Beweiskraft abgesprochen. Es sei unbestritten, dass der Beschwerdeführer aus dem Zentralirak stamme und dort eine homosexuelle Beziehung gepflegt habe. 4.2.7 Bezüglich den unterschiedlichen Angaben des Beschwerdeführers zum Fluchtdatum – die zweite Maihälfte an der BzP im Juni 2004 und Ap- ril 20 04 sechs Jahre später an der zweiten Anhörung – wird in der B e- schwerde argumentiert, diese liessen sich schon alleine mit dem zeitl i- chen Auseinanderliegen der beiden Anhörungen erklären und vermöchten die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers nicht ernstha ft in Frage zu stellen. Dessen gegensätzliche Aussagen hinsichtlich des von Syrien aus angeflogenen Flughafens – Genf an der BzP und Deutschland an der D-3537/2010 Seite 13 zweiten Anhörung – werden in der Beschwerde einerseits als Missve r- ständnis bezeichnet und andererseits m it einer Ortsunkundigkeit sowie ungenügenden Geografiekenntnissen des Beschwerdeführers erklärt. Aus seinen Aussagen sei ersichtlich, dass das Ziel seiner Reise die UNO in Genf gewesen sei, wo sein Asylgesuch auch registriert worden sei. Nach fast sechsjäh rigem Aufenthalt in der Schweiz sei ihm bewusst g e- worden, dass es sich beim Zielflughafen nicht um denjenigen in Genf g e- handelt haben könne, sondern um einen Flughafen in der Nähe von B a- sel. Er sei fälschlicherweise der Meinung gewesen, der Flughafen müsse in Deutschland liegen, doch habe es sich offenbar um den Flughafen Mulhouse-Blotzheim gehandelt. Zusammenfassend wird in der B e- schwerde festgehalten, dass keiner der dem Beschwerdeführer vorgeha l- tenen Widersprüche einer näheren Prüfung standhalte und von der Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers und der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen auszugehen sei; die marginalen Ungenauigkeiten der Auss a- gen seien insbesondere auf eine ungenügende Befragung durch die Vo r- instanz zurückzuführen. 4.2.8 Der Beschwerdeführer habe glaubhaft dargelegt, dass er die Vo r- aussetzungen des Flüchtlingsbegriffs gemäss Art. 3 AsylG erfülle. Er wer- de in seinem Heimatstaat wegen seiner Zugehörigkeit zu r Gruppe der Homosexuellen und wegen seiner politischen Anschauungen bzw. der Baath-Mitgliedschaft ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sei und habe eine begründete Furcht, einer Gefährdung des Leibes, des Lebens und der Freiheit sowie Massnahmen ausgesetzt zu sein, welche einen unerträgl i- chen psychischen Druck bewirkten. 4.2.9 Für den Fall, dass die geltend gemachte Homosexualität angezwei- felt werden sollte, lässt der Beschwerdeführer beantragen, er sei „psychi- atrisch bzw. psychotherapeutisch oder mit anderen geeigneten Mitteln zum Wahrheitsgehalt seiner sexuellen Orientierung “ zu untersuchen (Be- schwerde Ziff. III C 1 S. 11). In der Beschwerde wird sodann vorgebracht, die Vorinstanz habe sich im angefochtenen Entscheid mit der sexuellen Orientierung des Beschwerdeführers aus unerklärlichen Gründen nicht befasst, weshalb davon auszugehen sei, dass dieser Sachverhalt nicht streitig sei. Der Beschwerdeführer sei bereits aufgrund seiner Homos e- xualität in seiner Heimat einer Gefährdung ausgesetzt. Es sei notorisch und von Menschenrechtsorganisationen dokumentiert, dass Homosexuel- le im Irak verfolgt und teilweise auch hingerichtet würden. Zwar sei H o- mosexualität im Irak nicht formell strafbar, doch stelle es ein unislam i- sches Verhalten dar. In streng islamischen Ländern herrsche die Ansicht D-3537/2010 Seite 14 vor, dass Homosexualität ein Vergehen bzw. Verbrechen darstelle; nach der Scharia sei es ein Verstoss gegen Gottesrecht und somit analog zum iranischen Strafgesetzbuch mit einer Hadd -Strafe zu ahnden; auch g e- mäss dem Koran sei Homosexualität ein zu bestrafendes Vergehen; von einer Strafe könne man nur absehen, wenn die betreffende Person Reue und Besserung gelobe. 4.2.10 Zur Zu gehörigkeit des Beschwerdeführers zur Baath -Partei wird sodann festgehalten, es sei notorisch und vom Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil vom 8. Juli 2008 bestätigt worden, dass ehemalige A n- gehörige der Baath -Partei oder ihr nahestehende Personen seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein dem Risiko ausgesetzt seien, Opfer von asylrelevanten Drohungen und gewalttätigen Übergriffen zu werden. Insbesondere die regierungsnahe Badr -Miliz sei verantwo rtlich für etliche Verschleppungen und gewalttätige Übergriffe auf ehemalige Angehörige oder Sympathisanten der Baath -Partei. Der Beschwerdefüh- rer habe im Rahmen des Asylverfahrens einen gegen ihn gerichteten Haftbefehl der Badr -Miliz eingereicht, den die Vorinstanz in ihrem En t- scheid mit der einzigen Begründung nicht berücksichtigt habe, es handle sich nur um eine Fotokopie. Das BFM wäre jedoch verpflichtet gewesen, bei den irakischen Behörden bzw. der Schweizer Vertretung eine Ech t- heitsprüfung anzufordern, wenn sie an dessen Beweiskraft zweifle. Durch diese Unterlassung habe das Bundesamt den Anspruch des Beschwerde- führers auf rechtliches Gehör in gravierender Weise verletzt. Ehemalige Angehörige, Unterstützer und/oder Helfer der Baath würden im Irak in rücksichtsloser Weise verschleppt, voraussichtlich gefoltert und unter Umständen sogar hingerichtet. 5. 5.1 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden dann, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vag en Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Dar- über hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig er- scheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vo r- bringen auf gefälschte o der verfälschte Beweismittel ab stützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch da r- stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringe n auswechselt, steigert oder u n- begründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im D-3537/2010 Seite 15 Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum fü r gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürd i- gung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine ob- jektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f., Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekursko m- mission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 5.2 Nach Prüfung der Akten ergibt sich, dass die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers in wesentlichen Punkten unsubstanziiert, wider- sprüchlich sowie teilweise nachgeschoben und realitätsfremd sind und sich daher gemessen an den eben erwähnten Kriterien als nicht glaubhaft erweisen. Der Beschwerdeführer war anlässlich der ergänzenden Anhö- rung vom 31. März 2010 nicht in der Lage, seine Fluchtgründe aus eige- ner Initiative detailliert und anschaulich zu schildern. Aus dem Anhö- rungsprotokoll ist ersichtlich, dass der Befrager des BFM dem Beschwer- deführer Informationen zu seinen Asylgründen gleichsam abringen muss- te, und dessen Aussagen grösstenteils einsilbi g, va ge, knapp und au s- weichend ausfielen. Ferner fällt auf, dass – wo der Beschwer deführer sich konkret äusserte – er sich häufig sogleich in Ungereimthei ten und Widersprüche verwickelte. 5.3 5.3.1 Der Beschwerdeführer macht zum einen geltend, er müsse im Irak wegen der Nähe von Familienangehörigen zum Baath-Regime sowie we- gen seiner eigenen Mitgliedschaft bei der und Aktivitäten für die Baath- Partei mit asylrechtlich relevanter Verfolgung rechnen. Dazu ist festzuhal- ten, dass der Beschwerdeführer im Laufe des Asylverfahrens wider- sprüchliche Angaben sowohl zum Verhältnis seiner Familie und sei ner selbst zum Baath-Regime als auch zu den Aktivitäten für die Baath-Partei gemacht hat. So sagte er an der ersten Anhörung vom 23. Juni 2004, sein Vater sei nicht Parteimitglied gewesen, habe aber in der Partei viele Freunde beziehungsweise Bekannte gehabt, weshalb seine Mörder ihn als Teil des Regimes von Saddam Hussein betrachtet hätten (vgl. act. A4/10 S. 3, 5). Er (der Beschwerdeführer) selbst sei nie Parteimitglied gewesen, weil sein Vater ihm dies nicht gestattet habe (vgl. act. A4/10 S. 4). An der ergänzenden Anhörung vom 31. März 2010 gab er hingegen zu Protokoll, neben seinen beiden Schw agern seien auch seine Eltern Mitglieder der Baath-Partei gewesen (vgl. act. A39/21 S. 4 F. 27 f.); auch er selbst sei „ein Baathist“ und der Partei im Jahre 1986 beigetreten ( vgl. D-3537/2010 Seite 16 act. A39/21 S 4 F. 27, S. 6 F. 56). Der in der Beschwerde vorgebrachte Einwand, an der ersten Anhörung habe man den Beschwerdeführer nur zur formellen Parteimitgliedschaft befragt und nicht zur gesellschaftlichen Zugehörigkeit und den politischen Aktivitäten seiner Familie zugunsten des Baath-Regimes, vermag die divergierenden A ngaben nicht überze u- gend zu erklären . Die Aussagen des Beschwerdeführers an der ergä n- zenden Anhörung zum behaupteten Engagement für das Baath-Regime sind überdies nicht stringent sowie unsubstanziiert. So entgegnete er auf die Frage des BFM-Mitarbeiters, wann sein Vater der Baath-Partei beige- treten sei, der Vater sei nicht kontinuierlich bei der Partei gewesen, da er in Deutschland studiert habe, und da er als Geschäftsmann viel auf Re i- sen gewesen sei, habe er nicht andauernd in der Partei gewirkt ( vgl. act. A39/21 S. 4 F. 27, S. 7 F. 61 ). Auf wiederholte Fragen nach den von ihm und seinem Vater innerhalb der Partei ausgeübten Funktionen ant- wortete er: „Es gab viele Funktionen. Teilnahme an Sitzungen, an Sem i- naren der Partei. Nachtwachen in der Partei lokal, das Bewachen von Quartieren. Dann Kurse über die Handhabung von Waffen“ ( vgl. act. A39/21 S. 7 F. 62). „Jede Funktion hat einen Namen, die ich erwähnt habe. Man könnte sagen, es seien volontäre Arbeiten“ ( vgl. act. A39/21 S. 7 F. 63). Während manche Leute zu 100% für die Partei tätig seien, seien andere einer normalen Beschäftigung nach gegangen und daneben freiwillig für die Partei tätig gewesen (vgl. act. A39/21 S. 7 F. 64). Der Frage des BFM -Mitarbeiters, ob er Mitglied des Führungsapparates b e- ziehungsweise der professionellen Strukturen der Partei gewesen sei, wich der Beschwerdeführer ebenfalls aus: „Wenn man uns ruft, dann steht die Partei im Vordergrund. Alles Private steht an zweiter Stelle“ (vgl. act. A39/21 S. 7 F. 66). Der Beschwerdeführer war mit hin offensichtlich nicht in der Lage, sein Verhältnis und dasjenige seines Vaters zur Baath- Partei sowie ihre angeblichen Aktivitäten für diese substanziiert, plausibel und widerspruchsfrei zu schildern. Die in der ergänzenden Anhörung vom 31. März 2010 nachgeschobenen Vorbringen sind somit nicht glaubhaft . Diese Einschätzung wird durch die Enthüllung auf Beschwerdeebene, der Vater des Beschwerdeführers habe die irakische Armee mit Esswaren be- liefert, sei aber ansonsten nicht bei der Baath tätig gewesen, ebenso be- stärkt wie durch die Erklärung, mit Ausnahme der beiden Schwager hä t- ten die Familienangehörigen des Beschwerdeführers und dieser selbst keine aktiven Tätigkeiten innerhalb der Baath-Partei ausgeführt und seien nicht aktiv in politischen Gremien vert reten gewesen (vgl. vorstehende E. 4.2.3). Als unbelegte und unsubstanziierte Behauptung ist die Aussage zu werten, die Badr-Miliz suche den Beschwerdeführer und dieser sei zur Verhaftung ausgeschrieben; eine Erklärung dafür, wie die offenbar in Sy-D-3537/2010 Seite 17 rien wohnhafte Mutter des Beschwerdeführers von diesem Umstand er- fahren haben will, wird nicht geliefert. 5.3.2 Bezüglich der Frage, ob der Beschwerdeführer und/oder seine F a- milie die Tötung des Vaters durch mutmassliche Angehörige der Badr - Miliz (vgl. act. A39/21 S. 9 F. 90) – nach den Aussagen des Beschwerde- führers immerhin ein unmittelbarer Ausreisegrund – bei der Polizei ang e- zeigt hätten, bestehen angesichts des Wortlautes der Protokolle unzwei- felhaft Widersprüche in den Aussagen des Beschwerdeführers. So sagte dieser an der BzP wörtlich: „Si, ho denunciato la uccisione di mio padre“ (vgl. act. A1/8 S. 5). A us den anschliessenden Äusserungen des B e- schwerdeführers geht zwar nicht eindeutig hervor, ob die Polizei die A n- zeige auch entgegengenomm en hat; d er Besch werdeführer gab jedoch gleich nochmals zu Protokoll, die Tötung des Vaters angezeigt zu haben , indem er sagte: „Ho denunciato solo l’uccisione di mio padre“; die übrigen Vorkommnisse habe er nicht angezeigt, weil er nicht genügend Vertrauen in die Koalitionsregierung gehabt habe (vgl. act. A1/8 S. 5). Auch an der Anhörung vom 23. Juni 2004 sagte er aus, die Tötung seines Vaters a n- gezeigt zu haben: „Abbiamo denunciato l’omicidio al commissariato di E._______ di Baghdad"; die Anzeige sei gegen Unbekan nt erfolgt, da seine Mutter aus Angst die Identität eines der Täter nicht habe offenlegen wollen (vgl. act. A4/10 S. 2 f.). An der ergänzenden Anhörung hingegen verneinte der Beschwerdeführer, je eine die Tötung seines Vaters betre f- fende Anzeige bei der Po lizei erstattet zu haben: „Nein, das haben wir nicht angezeigt. Um unser Leben zu schützen, haben wir das nicht g e- macht“ (vgl. act. A39/21 S. 14 F. 143). Wie angesichts der klaren Aktenla- ge das Vorliegen von widersprüchlichen Aussagen des Beschwerdefü h- rers in der Beschwerde bestritten werden kann, ist nicht nachvollziehbar. Hinweise auf ein Missverständnis zwischen diesem und dem Dolme t- scher sind nicht ersichtlich, hat der Beschwerdeführer doch nach der Rückübersetzung mit seiner Unterschrift die Richtigkei t sämtlicher drei Befragungsprotokolle bestätigt (vgl. act. A1/8 S. 6, A4/10 S. 8 f., A39/21 S. 20). Der an der Anhö rung anwesende Hilfswerkvertreter hielt in seiner Bestätigung ebenfalls keine gegen die Korrektheit der ergänzenden An- hörung sprechenden Einwände fest (vgl. act. A39/21 S. 21). An der Tatsa- che, dass der Beschwerdeführer ausdrücklich von e iner bei der Polizei (vgl. act. A1/8 S. 5) beziehungsweise bei einem Bagdader Kommissariat (vgl. act. A4/10 S. 2 f.) eingereichten Anzeige gesprochen hat, ändern auch die Ausführungen in der Beschwerde zur Einlieferung des Vaters ins Spital nichts, da diese auf die Angabe der Gründe für die Verletzungen des Vaters beim Sicherheitspersonal des Spitals Bezug nehmen (vgl. vor-D-3537/2010 Seite 18 stehende E. 4.2.4) und nicht auf die Anzeige der Tötung des Vaters bei der Polizei. 5.3.3 Die Drohungen, welche er wegen der angeblichen Zugehörigkeit seiner Schwager, der Eltern und seiner selbst zur Baath-Partei erhalten haben will, vermochte der Beschwerdeführer ebenfalls nicht detailliert und anschaulich zu schildern: „Das waren alles klare Drohungen, nachdem man meinen Vater umgebracht hat. Das waren mündliche Drohungen durch den Quartiervorsteher, schriftliche Drohungen waren auch dabei“ (vgl. act. A39/21 S. 10 F. 99). Das als Kopie eingereichte und als Dro h- brief bezeichne te Dokument mit dem Betreff "Warnung gerichtet an die Feinde", mit welchem eine bewaffnete schiitische Gruppierung namens "Al Mohtar Bataillon" die Familie des Beschwerdeführers im Jahr 2007 zum V erlassen ihr es Hauses in Bagdad aufgefordert haben soll (vgl. act. A39/21 S. 3 F. 13), richtet sich offensichtlich nicht direkt an dessen Familie. Das BFM hat diesem Dokument zu Recht den Beweiswert für ei- ne unmittelbare persönliche Gefährdung des Beschwerdeführers abge- sprochen (vgl. vorstehende E. 4.1.5). Bezüglich der französischen Über- setzung der zum Beleg der Tötung des Vaters eingereichten Dokumente ist überdies anzumer ken, dass die Angabe der klinischen Todesursache mit "meurtre" in der "Attestation de décès" doc h etwas ungewöhnlich e r- scheint (vgl. act. A8/1 , A4/8). Aus Fotos eines Fahrzeugwracks vermag der Beschwerdeführer ebenfalls nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Völlig fehl geht die in der Beschwerde (vgl. Ziff. III C 2 S. 12) geäusserte Rüge, die Vorinsta nz habe den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie es unterlassen habe, bei den irak i- schen Behörden oder der Schweizer Vertretung eine Echtheitsprüfung des als Kopie eingereichten Haftbefehls der Badr -Miliz anzufordern, sind doch lediglich als Kopien vorliegende Dokumente naturgemäss nicht auf ihre Echtheit überprüfbar. 5.3.4 Aufgrund der obigen Erwägungen ist als Zwischenergebnis festzu- halten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, eine Gefährdung aufgrund einer Nähe seiner selbst und/oder von Familienangehörigen zur Baath-Partei glaubhaft zu machen, weshalb er diesbezüglich keine b e- gründete Furcht vor Verfolgung im Irak hat. 5.4 5.4.1 Zum anderen macht der Beschwerdeführer geltend, er sei als H o- mosexueller im Zentralirak gefährdet. Auch s eine diesbezüglichen Aus- führungen sind in wesentlichen Punkten un substanziiert, widersprüchlich D-3537/2010 Seite 19 sowie teilweise realitätsfremd und daher unglaubhaft. An der BzP hatte der Beschwerdeführer die Frage, ob er eine Liebesbeziehung zu seinem Jugendfreund unterhalten habe, nicht beantworten wollen und erklärt, dies sei nicht der Grund, weshalb er um Asyl ersuche (vgl. act. A1/8 S. 5). Dass die Zurückhaltung des Beschwerdeführers bei der Schilderung des Verfolgungsgrundes der Homosexualität an der ergänzenden Anhörung im Jahr 2010 auf allfällige Schamgefühle im Zusammenhang mit diesem Thema zurückzuführen sein könnten, kann vorliegend ausgeschlossen werden, hat er doch zu Beginn der Anhörung auf eine entsprechende Frage des BFM-Mitarbeiters ausdrücklich erklärt, bezüglich der Homos e- xualität keine Hemmungen zu haben und s ich nicht zu schämen (vgl. act. A39/21 S. 2 F. 3 f.). Entgegen der in der Beschwerde vertretenen A n- sicht finden sich in den Befragungsprotokollen sodann keine Hinweise auf eine einsc hüchternde Befragungstechnik oder auf Missvers tändnisse zwischen dem Befragungsteam und dem Beschwerdeführer. 5.4.2 Bereits bezüglich der Frage, wann der Beschwerdeführer eine ho- mosexuelle Beziehung zu seinem Jugendfreund begonnen habe, bedurf- te es eines mehrmaligen Nachfragens seitens des Befragers des BFM , bis sich der Beschwerdeführer konkret – und zugleich widersprüchlich – dazu äusserte: „Man könnte sagen, in den 90 er Jahren. Sagen wir mal, dass wir das im Jahr 88 angefangen haben“ (vgl. act. A39/21 S. 10 F. 101-103). Auf die Frage, seit wann er wegen d ieser homosexuellen Beziehung Drohungen erhalten habe , erklärte er ausweichend und ohne persönliche Betroffenheit: „Während des Krieges hat man solches Verhal- ten kritisiert. Nach dem Krieg schikanierte man so lche Leute. Das dauert noch bis heute. Man schikaniert solche Leute, die solche Beziehungen haben“ (vgl. act. A39/21 S. 10 F. 109). Fragen nach der ersten aufgrund der geltend gemachten homosexuellen Orientierung erhaltenen Drohung vermochte er ebenfalls nicht präzise und mit den vorherigen Aussagen vereinbar zu beantworten: „Das war ungefähr in der Zeit des Krieges“ (vgl. act. A39/21 S. 11 F. 111). „Die Drohung war mündlich, das war alles eine Warnung“ (vgl. act. A39/21 S. 11 F. 112), und: „D urch islamisch e Gruppierungen“ (vgl. act. A39/21 S. 11 F. 113.). Um eine Präzisierung hinsichtlich der Urheber der Drohungen gebeten, entgegnete er sybill i- nisch: „In Zeiten des Krieges konnte man den Gruppierungen Namen g e- ben, weil sie damals im Hintergrund tätig waren und man ihre Namen nicht kannte“ ( vgl. act. A39/21 S. 11 F. 114), und zur Häufigkeit der Dro- hungen liess er sich lediglich die Aussage entlocken: „Mehrmals“ ( vgl. act. A39/21 S. 11 F. 119). Zum Inhalt der Drohungen meinte er: „Sie ha- ben gedroht, dass sie mein Auto zur Explosion bringen, meine Familie D-3537/2010 Seite 20 vergewaltigen werden“ (vgl. act. A39/21 S. 11 F. 116). Die Drohungen ge- gen die Familie beträfen auch ihn, sei er doch ein Teil dieser Familie (vgl. act. A39/21 S. 11 F. 118). 5.4.3 Angesichts des Vorbringens des Beschwerdeführers, er habe seit 1988 bis zur Ermordung seines Partners im Jahr 2004 eine homosexuelle Beziehung mit diesem gepflegt (vgl. act. A39/21 S. 10 F. 102 f.), fallen seine Schilderungen dieser Beziehung sehr dürftig aus: "Unser e Haltung zueinander war wie unter Ehepaaren, wir haben Sachen geteilt und ein gemeinsames Leben gehabt" ( vgl. act. A39/21 S. 10 F. 106). Die B e- schreibung der Alltagserfahrungen als Homosexueller in Bagdad und des Umgang seines sozialen Umfeldes mit diesem Thema lassen die erfor- derliche Detailliertheit und Realitätsbezogenheit vermissen. Er erwähnte zwar, nicht nur seinen Freunden von der sexuellen Beziehung mit seinem Partner erzählt zu haben, sondern auch den Jugendlichen in seinem Wohnquartier sowie einem Teil der Nachbarn (vgl. act. A39/21 S. 10 f. F. 104-110). In seinen Ausführungen findet sich jedoch keine Beschre i- bung der Reaktionen dieser Personen auf seine Enthüllungen. Die Unbe- fangenheit, mit welcher der Beschwerdeführer in seinem Wohnqua rtier über seine homosexuelle Beziehung gesprochen haben will, erstaunt an- gesichts der starken Tabuisierung von Homosexualität im Irak und von Diskriminierung und Gewalt gegen h omosexuelle Menschen in diesem Land (vgl. UNHCR Eligibility Guidelines for Asse ssing the International Protection Needs of Iraqi Asylum Seekers, April 2009, Ziff. VIII M 333 ff. S. 193 Nr. 333 ff.; UNHCR Note on the Continued Applicability of the April 2009 Eligibilty Guidelines, July 2010, ALEXANDRA GEISER, Irak: Gefäh r- dung von Homosexuellen / Sexuelle Übergriffe, Auskunft der SFH - Länderanalyse, Bern 9. November 2009, S. 1-4). Zwar hat die Gewalt ge- gen Homosexuelle im Irak nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein zugenommen, doch waren diese bereits vorher Ziel von Übergrif- fen (vgl. UNHCR's Hinweise zur Feststellung des internationalen Schut z- bedarfs irakischer Asylbewerber, 26. September 2007 S. 6). Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist schliesslich , weshalb die gemäss den Angaben des Beschwerdeführers in seinem Wohnquartier in Bagdad allseits b e- kannte homosexuelle Beziehung zu seinem Partner während 15 Jahren von seinem Umfeld akzeptiert worden sein und plötzlich im Jahr 2004 un- vermittelt mit der Ermordung des Freundes geendet haben soll, zumal der Beschwerdeführer nicht in der Lage war, widerspruchsfreie Angaben zum Zeitpunkt der angeblichen Tötung des Partners sowie zu den Tätern zu machen. So gab er an der ergänzenden Anhörung an, „eine der islam i- schen Milizen, vielleicht Badr oder die Al Mahdi Armee“ hätten Anfang D-3537/2010 Seite 21 2004 beziehungsweise unmittelbar vor seiner Ausreise im April 2004 sei- nen Freund umgebracht (vgl. act. A39/21 S. 9 f. F. 92-94, 98). Sowohl an der BzP als auch an der ersten Anhörung hatte er noch zu Protokoll g e- geben, die Familie seines Freundes habe diesen umgebracht und trachte auch ihm nach dem Leben (vgl. act. A1/8 S. 5, A4/10 S. 6); an der Anhö- rung hatte er weiter ausgesagt, Familienangehörige des Freundes hätten seiner Mutter mitgeteilt, sie hätten jenen wegen dessen homosexueller Beziehung umgeb racht und würden früher oder später auch ihn töten (vgl. act. A4/10 S. 6). An dieser eindeutigen Aktenlage vermögen die o f- fensichtlich unzutreffenden Ausführungen in der Beschwerde (vgl. vorst e- hende E . 4.2.6) nichts zu ändern, zumal auch keine Hinweise auf eine ungenaue Befragung und dadurch entstandene Missverständnisse e r- sichtlich sind. 5.4.4 Zur Haltung der eigenen Familie zu seiner angeblichen Homos e- xualität äusserte sich der Beschwerdeführer an der ergänzenden Anh ö- rung ebenfalls nicht. Am Ende der über 200 Fragen umfassenden Anhö- rung brachte er lediglich vor, er werde von der ganzen irakischen Gesel l- schaft, in seinem Quartier und innerhalb der Familie und der Verwandt- schaft abgelehnt, weil diese sich schämen müssten (vgl. act. 39/21 S. 19 F. 211). Diese nicht weiter konkretisierte pauschale Aussage ist mit frühe- ren Angaben des Beschwerdeführers nicht zu vereinbaren. So gab er an derselben Anhörung zu Protokoll, seine Mutter habe ihm das Geld für die Ausreise gegeben (vgl. act. A39/21 S. 14 F. 154), und aus der Beschwer- de (vgl. Ziff. III C 2. S. 12) geht hervor, dass er offenbar mit der Mutter nach wie vor in Kontakt steht. 5.4.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, eine Gefährdung aufgrund einer homos exuellen Orienti e- rung und Lebensweise glaubhaft zu machen, weshalb ihm auch diesbe- züglich keine begründete Furcht vor Verfolgung im Irak attestiert werden kann. Da aufgrund der vorstehenden Erwägungen ein Gutachten zur s e- xuellen Orientierung des Beschwerdeführers nicht erforder lich ist und ein solches ohnehin keine geeignete Methode zur Feststellung der sexuellen Orientierung einer asylsuchenden Person darstellt (vgl. dazu auch SABINE JANSEN/THOMAS SPIJKERBOER, Fleeing Homophobia. Asylanträge mit B e- zug zur sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität in Europa, Ams- terdam 2011, S. 60), ist der Antrag auf Durchführung einer psychiatr i- schen, psychotherapeutischen oder anderweitige n Untersuchung seiner sexuellen Orientierung abzuweisen. D-3537/2010 Seite 22 6. In der Beschwerde wird gerügt, das BFM habe den Anspruch des B e- schwerdeführers auf rechtliches Gehör in grober Weise verletzt, weil es ihn am Ende der ergänzenden Anhörung , bei welcher er anwaltlich nicht vertreten gewesen sei, nicht mit seinen widersprüchlichen Aussagen kon- frontiert habe (vgl. vorstehende E. 4.2.1). Hierzu ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zwar an der ergänzenden Anhörung nicht explizit auf sämtliche widersprüchliche Aussagen angesprochen wurde. Der Grund - satz, wonach Asylsuchende mit Widersprüchen in ihren Aussagen mög - lichst zu konfrontieren sind, ergibt sich aus der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes, stellt je - doch keinen eigentlichen verfahrensrechtlichen Anspruch im Sinne des rechtlichen Gehö rs dar; ein Anspruch auf eine Konfrontation mit Wide r- sprüchen in den eigenen Aussagen besteht nicht (vgl. EMARK 1994 Nr. 13 E. 3b S. 113 ff.). Aus den obigen Erwägungen zur (Un-) Glaubhaf- tigkeit der Asylvorbringen ergibt sich, dass das BFM der Untersuchung s- pflicht in hinreichendem Masse nachgekommen ist und nicht gehalten war, den Sachverhalt weiter zu ermitteln. Der Beschwerdeführer machte in dieser Hinsicht während der Anhörung zu den Asylgründen denn auch keinerlei Andeutungen und bestätigte zudem die Vol lständigkeit und die Korrektheit des Protokolls mit seiner Un terschrift (vgl. act. 39/21 S. 20). Bei der ergänzenden Anhörung war überdies die vormalige Rechtsvertre- terin des Beschwerdeführers präsent (vgl. act. A39/21 S. 2), und der ebenfalls anwesende Hilfswerkvertreter hielt in seiner Bestätigung keine gegen die Korrektheit der Anhörung sprechenden Einwände fest (vgl. act. A39/21 S. 21). Aus den obigen Urteilserwägungen geht ferner hervor, dass die ans Bundesamt gerichtete sinngemässe Rüge der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes durch Berücksichtigung nur der für den Beschwerdeführer ungünstigen Elemente jeglicher Grundlage entbehrt. Wie oben dargelegt, vermögen die in der Beschwerde vorgebrachten A r- gumente die zahlreichen Unglaubhaftigkeitselemente i n den Vorbringen des Beschwerdeführers ebenfalls nicht zu entkräften. Zusammenfassend ist festzustellen, dass der rechtserhebliche Sachverhalt vom BFM hinre i- chend erstellt worden ist und der Beschwerdeführer Gelegenheit hatte, seine Asylgründe vollständig darzulegen. Eine Verletzung der Unters u- chungspflicht oder der Gewährung des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor. Es besteht deshalb kein Anlass, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu weisen, weshalb der entspr e- chende Eventualantrag abzuweisen ist. Da das BFM im ersten Schrifte n- wechsel keine Einwendungen machte, besteht sodann keine Veranlas-D-3537/2010 Seite 23 sung, einen zweiten Schriftenwechsel durchzufüh ren, weshalb der en t- sprechende Antrag ebenfalls abzuweisen ist. 7. Dem Beschwerdeführer ist es demnach nicht gelungen, nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, dass er im Zeitpunkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war oder heute begrün- dete Furcht hat, solche Nachteile im Falle der Rückkehr in absehbarer Zukunft mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu erleiden. Das BFM hat sein Asylgesuch daher zu Recht abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit weiteren Hinweisen, EMARK 2001 Nr. 21). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da dieser nach wie vor als bedürftig zu erachten ist und die Rechtsbegehren im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung nicht aussichtslos erschienen, ist von einer Auferlegung von Verfahrenskosten abzusehen. (Dispositiv nächste Seite) D-3537/2010 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zustän - dige kantonale Behörde Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand: