Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 6. Juni 2018 (810 18 44) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung / Straffälligkeit Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsricht er Claude Jeanneret, Markus Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin i.V. Jenny Rohr Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligun g und Wegweisung (RRB Nr. 97 vom 23. Januar 2018) A. Der 1983 in der Türkei geborene A.____ reiste im September 1988 im Rahmen des Familiennachzugs zu seinen Eltern in die Schweiz ei n, wo er gemeinsam mit seinen Geschwis- tern (Bruder geb. 1992, Schwester geb. 1999) aufwuc hs. In der Folge erhielt er eine Aufent- haltsbewilligung. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Bereits im Jugendalter wurde A.____ mit Urteil der Jugendanwaltschaft Basel- Landschaft vom 13. Februar 2001 wegen Sachbeschädigung , Tätlichkeiten, Nötigung, Raub, Drohung und einfacher Körperverletzung zu 30 Tagen Arbeitsleistung verurteilt. C. Am 8. Februar 2002 wurde A.____ vom Amt für Migra tion des Kantons Basel- Landschaft (AfM) aufgrund der bis dahin begangenen Straftaten verwarnt. D. Unter Bezugnahme auf eine neuerliche Verurteilung vom 14. Juli 2004 wegen Betäu- bungsmitteldelikten verweigerte das AfM A.____ mit Schre iben vom 22. August 2005 die bean- tragte Niederlassungsbewilligung. Gleichzeitig verwarnte ihn das AfM ein zweites Mal. E. Ein weiteres Gesuch um Erteilung der Niederlassungsbe willigung wies das AfM am 18. August 2008 ab. F. Im Nachgang zu einem Vorfall häuslicher Gewalt zwische n A.____ und seiner damali- gen Freundin unterzeichnete dieser am 14. September 2009 eine Integrationsvereinbarung und verpflichtete sich zur Teilnahme an einem Programm gegen häusliche Gewalt. G. Am 24. September 2012 wurde A.____ vom AfM aufgr und seiner Schulden verwarnt. Er war damals im Betreibungsregister Basel-Landschaft mi t Betreibungen im Umfang von über Fr. 47‘000.-- sowie offenen Verlustscheinen mit einem Gesamtbetrag von über Fr. 45'000.-- verzeichnet. H. Mit Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abt eilung Strafrecht, vom 11. Mai 2016 wurde A.____ wegen mengen- und gewerbsmässig qual ifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer teilbedingt vollzieh baren Freiheitsstrafe von 3 Jahren, davon 1 Jahr unbedingt, verurteilt. I. Mit Verfügung vom 13. September 2017 verweigerte d as AfM unter Berufung auf die ergangenen Strafurteile die Verlängerung der Aufent haltsbewilligung und wies A.____ auf den Zeitpunkt seiner bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug aus der Schweiz weg. J. Eine von A.____ dagegen erhobene Beschwerde wies der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) mit Beschluss Nr. 97 vom 23. Januar 2018 ab. K. Mit Eingabe vom 9. Februar 2018 erhob A.____ Besc hwerde gegen den Regierungs- ratsbeschluss vom 23. Januar 2018 beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragt die Aufhebung des angefochtenen Regierungsratsbeschlusses sowie die Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung. Eventualiter sei der Beschluss aufzuheben und die Angelegenheit zur erneuten Prüfung an den Regierungs- rat bzw. ans AfM zurückzuweisen; alles unter o/e-Kostenfo lge. In seiner Begründung bringt er im Wesentlichen vor, dass er aufgrund seiner langen Aufe nthaltsdauer in der Schweiz ein ge- wichtiges Interesse an einem Verbleib habe. Ferner leb ten seine gesamte Familie sowie seine Freundin in der Schweiz. Die dem vorliegenden Verfahre n zugrunde liegenden Straftaten habe Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht er vor fünf Jahren begangen. Seither sei er strafrechtl ich nie mehr in Erscheinung getreten. Er bereue sein Fehlverhalten und insbesondere die Gefährdung anderer Menschen sehr und habe sein Leben grundlegend geändert. So habe er auch in b eruflicher Hinsicht Fuss fassen können und arbeite seit August 2017 unbefristet bei der Firm a B.____AG. Schliesslich sei er sehr be- müht, seine Schulden abzubezahlen, und lasse sich diesbezüg lich auch vom Verein C.____ betreuen. Eine Rückkehr in die Türkei könne für ihn au fgrund der aktuellen politischen Situation bedrohliche Konsequenzen haben. L. Der Regierungsrat liess sich mit Schreiben vom 8. Mär z 2018 vernehmen und bean- tragt die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgeset zlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Be- schwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Nichtverlänge- rung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Sc hweiz berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitzt ode r wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinne n und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustän dige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG im Rahmen der gesetzlich en Vorschriften und Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbs- tätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung eine r Aufenthaltsbewilligung hat die ausländi- sche Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflich- tungen sehen dies vor (vgl. BGE 133 I 185 E. 2.3; P ETER UEBERSAX , in: Ueber-sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N 7.84 ff.). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Vorab ist festzustellen, dass zwischen der Schweiz und de r Türkei kein Staatsvertrag besteht, der dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz gewähren würde. 4.3 Gemäss Art. 33 Abs. 3 AuG ist die Aufenthaltsbewil ligung befristet und kann verlängert werden, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Nach Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG kann die Aufenthaltsbewilligung unter anderem dann w iderrufen werden, wenn der Betroffene zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurd e. Vorausgesetzt ist ein rechtskräftiges Urteil (SILVIA HUNZIKER , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Auslände- rinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 24 zu Art. 62). Der Gesetzgeber hat darauf verzich- tet, den unbestimmten Rechtsbegriff "längere Freihei tsstrafe" zu definieren. Nach der Recht- sprechung des Bundesgerichts liegt eine "längerfristige Freiheitsstrafe" nach Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG dann vor, wenn die Ausländerin oder der Ausländer zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verurteilt wurde (BGE 135 II 377 E. 4.2). Mit Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 11. Mai 2016 wurde der Be- schwerdeführer rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren verurteilt. Damit ist vorlie- gend der Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG erfüllt, was vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten wird. 5. Liegt ein Widerrufsgrund vor, muss die Aufenthaltsbee ndigung im konkreten Fall auch verhältnismässig sein (Art. 96 Abs. 1 AuG). Dies erfordert eine Interessenabwägung, welche die wesentlichen Umstände des Einzelfalls berücksichtigt (BGE 135 II 110 E. 2.1). Da der heute 34- jährige Beschwerdeführer seit seinem sechsten Lebensjahr in der Schweiz lebt, befinden sich seine sozialen Bindungen in der Schweiz. Mit Blick auf die Dauer des ordnungsgemässen Auf- enthalts kann er demnach auch das Recht auf Achtung des Privatlebens im Sinne von Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 anrufen. Somit ist über die landesrec htliche Verhältnismässigkeitsprüfung hinaus eine solche gemäss dem Konventionsrecht vorzunehmen (Art. 8 Ziff. 2 EMRK; BGE 122 II 1 E. 2). Die konventionsrechtliche Verhältnismässigkeit sprüfung entspricht jener nach Art. 96 Abs. 1 AuG. Die Prüfung kann in einem einzigen Schritt vorgenommen werden (Urteile des BGer 2C_551/2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4 und 2C _11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1 mit Hinweisen). Bei der Prüfung sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegene inander abzuwägen (MARTINA CARONI , in: Kommentar AuG, a.a.O., N 3 zu Art. 51; A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Ausländer- recht, a.a.O., N 8.48). Verlangt ist insofern eine Ab wägung der sich gegenüberstehenden priva- ten Interessen an der Erteilung der Bewilligung und d er öffentlichen Interessen an deren Ver- weigerung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwen- dig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen) . Dabei sind namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit de r Tat vergangene Zeitraum, das Ver- halten des Ausländers während diesem, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisheri- gen Anwesenheit sowie die der betroffenen Person und seiner Familie drohenden Nachteile zu beachten (BGE 139 I 31 E. 2.3.3 mit Hinweisen; 135 II 377 E. 4.3). Einem Ausländer, der sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll der weitere A ufenthalt zwar nur mit besonderer Zurück- haltung verweigert werden, doch ist dies bei wiederhol ter bzw. schwerer Straffälligkeit selbst Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dann nicht ausgeschlossen, wenn er hier geboren ist un d sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht hat. Bei schweren Straftaten, Rückfall un d wiederholter Delinquenz besteht – überwiegende private oder familiäre Bindungen vorbehalten – auch in diesen Fällen ein öffentli- ches Interesse daran, zur Aufrechterhaltung der Ordnung bzw. Verhütung von (weiteren) Straf- taten die Anwesenheit des Ausländers zu beenden (vgl. BG E 139 I 31 E. 2.3.1 und 2.3.2 mit Hinweisen). 6. Demzufolge sind nachfolgend die massgebenden Intere ssen zu ermitteln. 6.1 Ausgangspunkt für das öffentliche Interesse an ein er Beendigung des Aufenthalts sind die strafrechtlichen Verurteilungen und die Schwere de s Verschuldens des Beschwerdeführers. Die vom Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, ausgespro chene Freiheitsstrafe von 3 Jahren indiziert ein erhebliches migrationsrechtliches Verschulden , denn dieses Strafmass liegt weit über der Grenze von einem Jahr, welche für die Möglich keit des Widerrufs massgeblich ist (vgl. vorne E. 4.3). Der Beschwerdeführer hat eine beträchtli che kriminelle Energie offenbart, indem er über den Zeitraum von rund einem Jahr gewerbsmässig mit Drogen handelte. Dadurch hat er eine Gesundheitsgefährdung vieler Menschen in Kauf gen ommen. Das Kantonsgericht, Abtei- lung Strafrecht, erkannte in seiner Begründung denn auch auf ein erhebliches strafrechtliches Verschulden und führte aus, der Beschwerdeführer habe in sgesamt 7.25 kg Amphetaminge- misch verkauft. Ferner habe er 30 g Kokaingemisch umgesetzt und 6‘653 Ecstasy-Pillen sowie 2.3 kg Marihuana verkauft. Das Gericht erwog, der Beschw erdeführer habe mit dem gewerbs- mässigen Drogenhandel einen Gesamtgewinn von mindesten s Fr. 77‘330.-- erzielt. Es sei da- von auszugehen, dass der Beschwerdeführer die Straftaten aus reinem Profitstreben begangen habe. 6.2 Der Beschwerdeführer wurde bereits in seinen Jugen djahren unter anderem wegen Sachbeschädigung, Tätlichkeiten, Nötigung, Raub, Drohu ng und einfacher Körperverletzung sowie mehrfacher Widerhandlungen gegen das Betäubungsm ittelgesetz jugendstrafrechtlich verurteilt. Die kriminelle Karriere setzte er im Erwa chsenenalter nahtlos fort, wobei er zuletzt nicht mehr als junger Erwachsener gelten konnte. So wu rde der Beschwerdeführer nach Errei- chen der Volljährigkeit wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfachen Konsums von Betäubungsmitteln, einfacher Kö rperverletzung, Tätlichkeiten, Rauf- handels, mehrfachen Ungehorsams gegen eine amtliche Ver fügung, grober und einfacher Ver- letzung von Verkehrsregeln sowie Führens eines Fahrzeug s in nicht vorschriftsgemässem Zu- stand verurteilt. Die zahlreichen Verurteilungen übe r einen langen Zeitraum hinweg betreffen zum Teil gravierende Delikte, was insbesondere auch für die letzte Verurteilung wegen qualifi- zierter Betäubungsmitteldelikte gilt. Insgesamt wurde der Beschwerdeführer zwischen 1996 und 2016 zehn Mal strafrechtlich verurteilt (vgl. die deta illierte Liste der Straferkenntnisse im vor- instanzlichen Entscheid, E. 4e/bb), wobei er zuletzt imme r schwerer gegen die hiesige Rechts- ordnung verstossen hat. 6.3 Insgesamt führt die wiederholte Delinquenz des Beschw erdeführers über beinahe zwei Jahrzehnte hinweg dazu, dass in Bezug auf die migration srechtliche Interessenabwägung von einem massiven Verschulden des Beschwerdeführers auszugehen i st. Der Beschwerdeführer Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht erscheint als unbelehrbarer Serienstraftäter, der sich t rotz zahlreicher gebotener Chancen, sich doch noch zu bewähren, als unfähig oder unwillig gezeig t hat, sich an die hiesige Rechtsord- nung zu halten. Daran vermag auch die Einschätzung de s Straf- und Massnahmenvollzugs der Sicherheitsdirektion nichts zu ändern, welcher in seine m Zwischenbericht vom 30. Oktober 2017 die Möglichkeit eines Rückfalles als äusserst gering e inschätzt. Für Legalprognosen in fremdenpolizeilicher Hinsicht kommt mit Blick auf das im V ordergrund stehende Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit ein strengerer B eurteilungsmassstab zum Tragen als im strafrechtlichen Sanktionenrecht (vgl. BGE 137 II 233 E . 5.2.2 mit Hinweisen). Bei schwerer Straffälligkeit im Gewalt- und Drogenbereich muss selb st ein geringfügiges Rückfallrisiko nicht in Kauf genommen werden (Urteile des BGer 2C_282/20 12 vom 31. Juli 2012 E. 2.5; 2C_477/2008 vom 24. Februar 2009 E. 2.3 mit Hinweis). 6.4 Dass sich der Beschwerdeführer um die hiesigen Regeln des gesellschaftlichen Zu- sammenlebens foutiert, zeigt sich auch in seinem Umgang mit öffentlich-rechtlichen und privat- rechtlichen Verpflichtungen. So weist der bei den Akten liegende Betreibungsregisterauszug vom 9. Januar 2018 insgesamt 40 offene Betreibungen üb er einen Gesamtbetrag von Fr. 152‘526.75 auf, dazu kommen 20 Verlustscheine über gesamthaft Fr. 73‘234.20. Seit der Verwarnung im Jahr 2012 und der Aufforderung durch d as AfM, seinen finanziellen Verpflich- tungen nachzukommen, hat der Beschwerdeführer somit in nert weniger Jahre massiv weitere Schulden angehäuft. Ernsthafte Bemühungen, die Verbi ndlichkeiten abzutragen oder einem weiteren Anwachsen der Ausstände entgegenzuwirken, legt e er erst unter dem Druck des vor- liegenden ausländerrechtlichen Verfahrens an den Tag. Obschon er zuvor einer geregelten Ar- beitstätigkeit nachgegangen war, liess er die Verschuldung weiter anwachsen. Die beachtlichen Einkünfte aus dem Betäubungsmittelhandel verwendete er gemäss dem strafgerichtlichen Urteil nicht für den Schuldenabbau, sondern finanzierte sich da raus einen besseren Lebensstandard. Sein über Jahre an den Tag gelegtes Verhalten zeugt damit insgesamt von einer Geringschät- zung der schweizerischen Rechtsordnung. 6.5 In Anbetracht der vorstehenden Erwägungen besteht e in erhebliches sicherheitspoli- zeiliches Interesse daran, dem Beschwerdeführer die Verl ängerung der Aufenthaltsbewilligung zu verweigern und ihn aus der Schweiz wegzuweisen. 6.6 Das private Interesse des Beschwerdeführers ergibt sich p rimär aus dessen enger Verbindung zur Schweiz und zum Raum Basel. Der Beschwe rdeführer lebt seit seinem sechs- ten Lebensjahr in der Region. Auch wenn es sich bei ihm nicht um einen Ausländer der zweiten Generation handelt, so gilt es trotzdem zu berücksichtigen , dass er sich seit rund 30 Jahren in der Schweiz aufhält, wobei er die prägenden Jugendjah re hier verbracht hat. Sein Lebensmit- telpunkt befindet sich unbestrittenermassen in der Schw eiz. Die lange Aufenthaltsdauer des Beschwerdeführers ist als gewichtiges privates Interesse an zuerkennen. Seine engsten Fami- lienangehörigen und sein gesamtes soziales Umfeld wohne n hier. Seit drei Jahren lebt er in einer festen Beziehung mit einer Schweizer Bürgerin. M it Bezug auf seine soziale Integration bringt er weiter vor, er sei bei einem lokalen Fussballklub als Juniorentrainer aktiv. Zweifelsohne reisst ihn eine Rückkehr aus seinen hiesigen sozialen Kont akten und dürfte die Beziehung zu seiner Partnerin vor die Probe stellen. Die Schweiz un d das hiesige familiäre Umfeld verlassen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu müssen, würde ihn und sein unmittelbares familiäres U mfeld gewiss hart treffen. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht droht ihm durch den Verlust de s Arbeitsplatzes in der Schweiz ein Nachteil. Dem privaten Interesse am Verbleib in der Sc hweiz ist erhebliches Gewicht beizu- messen. 7. Es bleibt anhand der aufgezeigten Rechts- und Inte ressenlage zu prüfen, ob unter Be- rücksichtigung der konkreten Umstände die öffentlichen Inte ressen an der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz überwiegen. 7.1 Wie ausgeführt wurde, besteht ein gewichtiges öff entliches Interesse an der Fernhal- tung des Beschwerdeführers. Aufgrund der langen Aufent haltsdauer verfügt der Beschwerde- führer zugleich über ein substantielles Interesse an ein em Verbleib in der Schweiz. Allerdings ist zu betonen, dass dem Beschwerdeführer nie die Nieder lassungsbewilligung erteilt wurde, was für sich allein schon für eine misslungene Integrati on spricht. Er verfügte nie über einen gefestigten Aufenthaltsstatus, wodurch die Schwere des Ei ngriffs relativiert wird. Bezüglich der Integration ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer hier aufgewachsen ist, die hiesigen Schulen besucht hat und fliessend Schweizerdeutsch spricht. Eine berufliche Ausbildung hat er hingegen nicht absolviert. Seit dem Abgang von der S chule im Jahr 2000 arbeitete er immer wieder temporär für verschiedene Arbeitgeber und absol vierte nach eigenen Angaben die Ran- giererausbildung der SBB, die Taxiprüfung sowie diverse Prüfungen zum Staplerfahrer. In den Jahren 2009 bis 2011 sowie 2014 bis 2015 war er arbeit slos. Auch heute ist er entgegen seiner Darstellung nicht unbefristet angestellt, sondern lediglich auf temporärer Basis über eine Perso- nalvermittlungsfirma bei der B.____AG im Stundenlohn beschäftigt (vgl. Einsatzvertrag vom 3. August 2017). Letztere beschreibt ihn in der Arbeit sbestätigung vom 26. Oktober 2017 als sehr zuverlässigen, hilfsbereiten Mitarbeiter und gibt der Hoffnung auf eine weitere Zusammen- arbeit Ausdruck. Dennoch muss die Unternehmung mit ihm nicht auf einen bestens qualifizier- ten, gut eingearbeiteten Angestellten verzichten. Von einer nachhaltigen beruflichen Integration auf dem Arbeitsmarkt kann unter diesen Umständen nicht ausgegangen werden. Die Nebenbe- schäftigung als angestellter Trainer beim FC D.____ änd ert daran nichts. Die gesamthafte In- tegration des Beschwerdeführers in der Schweiz kann ange sichts der wiederholten Delinquenz und massiven Schuldenwirtschaft nicht als gelungen bezeichn et werden. Vielmehr scheint es ihm trotz langem Aufenthalt und weitgehender Soziali sation in der Schweiz am Verständnis für die hiesige Rechtsordnung zu mangeln. Nach der Rechtsprechung kann eine schlechte Integra- tion eine lange Aufenthaltsdauer denn auch aufwiegen (vgl. KGE VV vom 4. März 2015 [810 14 255] E. 7.3; Urteil des BGer 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 3.3.2). Ins Leere geht der Ver- weis des Beschwerdeführers auf sein Verhalten seit der letzten Straftat. Zum einen kommt dem Wohlverhalten unter dem Druck eines strafrechtlichen oder ausländerrechtlichen Verfahrens ohnehin nur untergeordnete Bedeutung zu, da ein vorbildliches Verhalten in dieser Zeit erwartet wird und keine besondere Leistung darstellt (vgl. Urteil des BGer 2C_516/2014 vom 24. März 2015 E. 4.3.3). Zum anderen war der Bewegungsspielraum des Beschwerdeführers auch durch das Strafverfahren resp. den Strafvollzug eingeschränkt und stand er unter scharfer Kontrolle der Behörden. Ohnehin darf vorliegend im Rahmen der Interessenabwägung auch generalprä- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ventiven Gesichtspunkten Rechnung getragen werden (vgl. Urteil des BGer 2C_431/2016 vom 9. Januar 2017; 2C_1026/2011 vom 23. Juli 2012 E. 3). 7.2 Eine Rückkehr in die Türkei wäre sodann unbestreitb ar mit persönlichen und wirt- schaftlichen Nachteilen für den Beschwerdeführer selbst und für die ihm nahestehenden Perso- nen verbunden. Namentlich die Trennung von seiner Lebe nspartnerin und von seinen engsten Familienangehörigen ist zugunsten des Beschwerdeführers zu berücksichtigen. Trotzdem er- scheint die Wegweisung gesamthaft betrachtet zumutbar. Nach eigenen Angaben hat der Be- schwerdeführer zu seinem Heimatort in der Türkei keine rlei Bezug. Dennoch verfügt er entge- gen seiner Darstellung durchaus über Verbindungen zu sei nem Heimatland, hat er doch die ersten Lebensjahre im Land verbracht und dieses danach me hrfach besucht. Auch leben dort gemäss seiner Erklärung gegenüber dem AfM zumindest eine Tante und ein Onkel sowie meh- rere Cousins und Cousinen. Es ist dem Beschwerdeführer beizupflichten, dass ein Neuanfang in der Türkei mit Schwierigkeiten verbunden sein wird. Indes ist davon auszugehen, dass ihm sein Heimatland aus der Kindheit und Ferienaufenthalt en bekannt ist und ihm die türkische Sprache sowie Kultur durch sein Elternhaus vermittelt w orden sind. Die Verwandten können ihm bei der Wiedereingliederung in seiner Heimat behilflich sein. Er ist jung, gesund und spricht Deutsch, was seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigert. Seine in der Schweiz gesammelte Berufserfahrung wird ihm den Einstieg zusätzlich erleicht ern. Den Kontakt mit den in der Schweiz lebenden Angehörigen sowie seiner Partnerin wi rd er mittels Kurzaufenthalten in der Schweiz, Besuchs- und Ferienaufenthalten sowie modernen Kommunikationsmitteln aufrecht- erhalten können. Soweit er geltend macht, er müsse als Mitglied einer pro-kurdischen Familie in der Türkei mit Schwierigkeiten rechnen, so kann er dara us nichts zu seinen Gunsten ableiten. Es trifft zwar zu, dass sich das Verhältnis zwischen Türken u nd Kurden in jüngster Vergangen- heit zugespitzt hat und es vermehrt zu Zusammenstössen zwisch en den beiden Volksgruppen kommt. Der Beschwerdeführer legt aber nicht dar, inwief ern diese allgemeinen Aspekte geeig- net sein könnten, seine persönliche Situation wesentlich zu beeinträchtigen. Eine persönliche Gefährdung in der Türkei wird in keiner Weise belegt oder auch nur glaubhaft gemacht. Einer Rückkehr stehen somit keine ernsthaften Hindernisse im Weg. 7.3 Auch wenn Ausländer, die als Kind in die Schweiz eingereist sind und eine lange Auf- enthaltsdauer vorweisen können, nur mit Zurückhaltung wegzuweisen sind, so erweist sich vor- liegend die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligu ng als einzig geeignete und als erforder- liche ausländerrechtliche Massnahme, um den Sicherheitsint eressen der Schweiz gerecht zu werden. Das AfM hat den Beschwerdeführer drei Mal verwarnt und ihm mit Nachdruck die mög- lichen gravierenden ausländerrechtlichen Folgen weitere r Delinquenz und Schuldenwirtschaft aufgezeigt. Es hat zusätzlich mit ihm eine Integrationsv ereinbarung abgeschlossen, an welche er sich offenbar nicht gebunden fühlte. Nachdem er sämtl iche gewährten Chancen ungenutzt verstreichen liess, wäre eine erneute Verwarnung offensic htlich nicht zielführend. Obschon der Beschwerdeführer wegen der Dauer seines Aufenthalts u nd mit Blick auf sein Alter bei der Ein- reise ein gewichtiges privates Interesse an einem Verbl eib geltend macht und die Wegweisung zur Trennung von seiner Partnerin und den Familienmit gliedern führt, so überwiegt letztendlich insbesondere angesichts der schweren und wiederholten Delinquenz und des daraus folgenden öffentlichen Sicherheitsbedürfnisses das öffentliche I nteresse an der aufenthaltsbeendenden Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Massnahme. Damit erweist sich die Beendigung des Aufenth alts als verhältnismässig und der Eingriff in das Recht auf Privatleben als gerechtfertig t, was zur Abweisung der Beschwerde führt. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 A bs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die V erfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzu erlegen und mit dem geleisteten Kos- tenvorschuss von Fr. 1‘800.-- zu verrechnen. Der zu viel ge leistete Kostenvorschuss von Fr. 400.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. Na ch § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eine s Anwalts bzw. einer Anwältin eine an- gemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die Parteikosten sind dem- nach wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Kosten vorschuss von Fr. 1‘800.-- verrechnet. Der zu viel geleistete Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 400.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 14. September 2018 Beschwerde beim Bundesgericht (Ver- fahrensnummer 2C_832/2018) erhoben