Beschluss vom 3. September 2014 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Andreas J. Keller und Tito Ponti, Gerichtsschreiberin Santina Pizzonia Parteien KANTON BERN, Generalstaatsanwaltschaft, Gesuchsteller gegen KANTON WALLIS, Zentrale Staatsanwaltschaft, Gesuchsgegner Gegenstand Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: BG.2014.14 - 2 - Sachverhalt: A. Die lettische Staatsangehörige A. wird verdächtigt , zwischen dem 15. Oktober 2013 und dem 27. Dezember 2013 in fünf Hotels und Pensi o- nen über längere Zeit ohne zu b ezahlen übernachtet zu haben (zunächst vom 15. Oktober 2013 bis 18. November 2013 im Hotel B. in Z. , Kanton Wallis, und in der Folge in vier weiteren Hotels im Kanton Bern, Y. und X.). Nach ihrer Festnahme am 27. Dezember 2013 durch die Kantonspo lizei Bern in Y. erklärte sich A. anlässlich ihrer Einvernahmen im Wesentlichen geständig (act. 5.1, 5.2, 1.1, 1.2) . Schliesslich wurde A. anfangs 2014 fremdenpolizeilich ausgeschafft (act. 1 S. 2). B. Im vorstehenden Zusammenhang war die erste Anzeige gegen A. am 20. November 2013 seitens des vorgenannten Hotels B. per Telefon bei der Polizei W. , Kanton Wallis , "wegen Erschleichen einer Lei s- tung/Zechprellerei" ergangen (Verwaltungsbericht der Kantonspolizei Wallis vom 8. Dezember 2013, act. 1.12). Die Strafverfolgungsbehörden des Kan- tons Bern verdächtigen A. demgegenüber nicht nur der Zechprellerei son- dern auch des Betrugs und Check- und Kreditkartenmissbrauchs. A. sei be- reits zu Beginn bewusst gewesen, dass sie das nötige Geld nicht besitze, um die Rechnungen zu bezahlen. Sie habe unter Angabe von verschied e- nen Namen ("A." im Kanton Wallis und "C.", "D.", "E.", "F." im Kanton Bern) sowie falscher Wohnadressen in den Hotels eingecheckt. Habe die B e- schuldigte kurzfristig Geld gehabt bzw. sei si e zusammen mit G. in einem Hotel gewesen, seien Teile der Hotelrechnungen in bar oder mit der Kredi t- karte von G. bezahlt worden. Sie habe immer wieder versucht , zu Geld zu kommen, sie sei jeweils mit der Absicht in den Hotels abgestiegen, die Rechnungen zu bezahlen. Sie habe aber gewusst, dass sie das Geld dazu nicht gehabt habe (Anzeigerapport der Kantonspolizei Bern an die Staat s- anwaltschaft des Kantons Bern vom 14. Februar 2014, act. 1.3). C. Mit Schreiben vom 19. Februar 2014 ersuchte die Generalstaatsa nwalt- schaft des Kantons Bern, die Staatsanwaltschaft des K antons Wallis um Übernahme des Strafverfahrens gegen die Bes chuldigte A . Zur B egrün- dung führte sie aus, dass die Beschuldigte in beiden Kantonen Zechprelle- rei und Betrug vorgeworfen werde, wobei die ersten Verfahrenshandlungen im Kanton Wallis erfolgt seien (act. 1.4). Die zuständige Staatsanwältin des Kantons Wallis lehnte die Zuständigkeit für das Verfahren gegen die B e- schuldigte A. am 25. Februar 2014 ab und wies die G erichtsstandsanfrage zurück. Dies begründete sie damit, dass 5 Vorfälle im Kanton Bern und l e- diglich ein Vorfall im Kanton Wallis stattgefunden hätten, weshalb das Schwergewicht der Tat eindeutig im Kanton Bern liegen würde (act. 1.5). - 3 - Mit Schreiben vom 18. März 2014 richtete der Kanton Bern erneut eine A n- frage an den Kanton Wallis mit dem Hinweis, dass es für Schwerpunktüber- legungen im konkreten Fall an der für die Abweichung vom Gerichtsstand erforderlichen grösseren Anzahl an Straftaten fehle (act. 1.6). In der Ste l- lungnahme des Kantons Wallis vom 2. April 2014 lehnte die zuständige Staatsanwältin die Verfahrensübernahme erneut ab (act. 1.7). Daraufhin wandte sich die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern mit Schreiben vom 15. April 2014 an die Staatsanwaltschaft des Kantons Wal- lis und erläuterte di e Rechtslage aus ihrer Sicht (act. 1.8) . Mit Schreiben vom 28. April 2014 lehnte die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis die Übernahme des Verfahrens gegen die Bes chuldigte A. erneut ab und ve r- wies auf ihre bisherigen Schreiben (act. 1.9). Am 5. Mai 2014 gelangt e die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern an die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis mit dem Ersuchen , dass der Kanton Wallis seine Zuständigkeit im Sinne der Vorschläge vom 19. Febru- ar 2014, 18. März 2014 und 15. April 2014 anerkenn e (act. 1.10) . Am 12. Mai 2014 lehnte die Staatsanwalt schaft des Kantons Wallis ihre Z u- ständigkeit definitiv ab. Zur Begründung brachte sie vor, dass Art. 34 Abs. 1 StPO eine Zuständig keit des Kan tons Bern ergebe, sei doch die am 20. November 2013 im Kanton Wallis gemachte Anzeige der Wirtin des Ho- tels B. wegen Zechprellerei und Erschleichen einer Leis tung ergangen. Im Gegensatz dazu sei im Kanton Bern ausgehend von den gemachten A n- zeigen gegen die Beschuldigte ein Verfahren zusätzlich wegen Betrugs und Check- und Kreditkartenmissbrauch eröffnet worden. Da die Tat mit der schwersten Strafandrohung demnach im Kanton Bern erfolgt sei, müsse die örtliche Zuständigkeit im Kanton Bern liegen (act. 1.11). D. Hierauf gelangte die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern mit Ge- such vom 22. Mai 2014 an die Beschwerdekammer des Bundesstrafg e- richts und beantragt, es seien die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Wallis als berechtigt und verpflichtet zu erklären, die A. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen (act. 1). Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis rügt in ihrer Gesuchsantwort vom 27. Mai 2014 zunächst, dass der Gesuchsteller nicht die vollständigen Akten eingereicht habe, und schliesst auf die Zuständigkeit der Strafbehö r- den des Kantons Bern (act. 3). - 4 - Mit Schreiben vom 5. Juni 2014 reichte die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern ihre Gesuchsreplik und alle Akten ein (act. 5). Mit Schreiben vom 12. Juni 2014 verzichtete die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis auf die Einreichung einer Gesuchsduplik und verwies auf ihre frühere Ei n- gabe (act. 7). Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, s o- weit erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägu ngen Bezug geno m- men. Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 1. 1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten einen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). Erscheinen mehrere Strafbehörden als örtli ch zuständig, so informieren sich die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentl i- chen Elemente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche E i- nigung (Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden verschiedener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbre i- tet die Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, die Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb welcher die ersuchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im No r- malfall die Frist von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog a n- zuwenden (vgl. hierzu u. a. TPF 2011 94 E. 2.2). Die Behörden, welche be- rechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen kantonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO; vgl. hierzu KUHN, Basler Kommen- tar StPO, Basel 2011, Art. 39 StPO N. 9 sowie Art. 40 StPO N. 10; SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Auflage, Zü- rich/St. Gallen 2013, N. 488; GALLIANI/MARCELLINI, Codice svizzero di pr o- cedura penale [CPP] – Commentario, Zurigo/San Gall o 2010, n. 5 ad art. 40 CPP). 1.2 Die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern ist berechtigt, den G e- suchsteller bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der Beschwe r- dekammer zu vertreten (Art. 24 lit. b des Einführungsgesetzes zur Zivilpr o-- 5 - zessordnung, zur Strafprozessordnung und zur Jugendstrafprozessor d- nung des Kantons Bern vom 11. Juni 2009 [EG ZSJ/BE; BSG 271.1]). Be- züglich des Gesuchsgegners steht diese Befugnis der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis zu (Art. 13 Abs. 1 des Reglements der Staatsanwalt- schaft des Kan tons Wallis vom 3. Januar 2011 [GSVS; 173.101], Behö r- denverzeichnis der Konferenz der Strafverfolgungsbehörden der Schweiz). Die weiteren Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen weiteren Beme r- kungen Anlass. Auf das Gesuch ist einzutreten. 2. 2.1 Für die Verfolgung und Beurteilung einer Straftat sind die Behörden des Or- tes zuständig, an dem die Tat verübt wor den ist (Art. 31 Abs. 1 Satz 1 StPO). Hat eine beschuldigte Person mehrere Straftaten an verschiedenen Orten verübt, so sind für die Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Behörden des Ortes zuständig, an dem die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat begangen worden ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die B e- hörden des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen v orge- nommen worden sind ( sog. "forum praeventionis"; Art. 34 Abs. 1 StPO). Die Entgegennahme einer Anzeige stellt eine solche Verfolgungshandlung dar (BARTETZKO, Basler Kommentar StPO, Basel 2011, Art. 31 StPO N. 12; siehe u. a. auch den Beschluss des Bunde sstrafgerichts BG.2012.7 vom 16. März 2012, E. 2.1 m.w.H.). 2.2 Bei der Beurteilung der Gerichtsstandsfrage muss von der aktuellen Ve r- dachtslage ausgegangen werden. Massgeblich ist nicht, was dem Beschu l- digten schlussendlich nachgewiesen werden kann, sondern der Tatb e- stand, der Gegenstand der Untersuchung bildet, es sei denn, dieser erwe i- se sich von vornherein als haltlos oder sei sicher ausgeschlossen. Der G e- richtsstand bestimmt sich also nicht nach dem, was der Täter begangen hat, sondern nach dem, was ihm vorgeworfen wird, das heisst, was au f- grund der Aktenlage überhaupt in Frage kommt. Dabei stützt sich die B e- schwerdekammer auf Fakten, nicht auf Hypothesen ( MOSER, Basler Ko m- mentar StPO, Basel 2011, Art. 34 StPO N. 11; GUIDON/BÄNZIGER, Die ak- tuelle Rechtspr echung des Bundesstrafgerichts zum interkantonalen G e- richtsstand in Strafsachen, Jusletter 21. Mai 2007, [Rz 25] m.w.H.; vgl. nebst anderen den Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2010.12 vom 8. September 2010, E. 2.2 m.w.H.). Es gilt der Grundsatz „in d ubio pro du- riore“, wonach im Zweifelsfall auf den für den Beschuldigten ungünstigeren Sachverhalt abzustellen bzw. das schwerere Delikt anzunehmen ist ( GUI- DON/BÄNZIGER, a.a.O., [Rz 42] m.w.H.). - 6 - 3. 3.1 Unter den Parteien ist die rechtliche Beurteilung der A. im Kanton Wallis vorgeworfenen Handlung (Zechprellerei oder Betrug) strittig. Der Gesuchsteller stellt sich auf dem Standpunkt, diese Handlung sei (mit Ausnahme des Check - und Kreditkartenmissbrauch s) mit den im Kanton Bern verübten Taten absolut identisch (act. 1 S. 5). A. habe sowohl im Kan- ton Wallis als auch im Kanton Bern Betrugshandlungen vorgenommen. Sie habe sich gegenüber den Hotels stets als zahlungskräftiger Gast ausgeg e- ben, habe die Hotels im Glauben gelassen, die Bezahlung am Ende des Aufenthalts vornehmen zu können und dadurch die Überprüfung der fa l- schen Angaben nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich gemacht. Mit diesem arglistigen Verhalten habe die Beschuldigte die Hotels in einen Ir r- tum versetzt, weshalb sie zu Gunsten der Beschu ldigten Leistungen in Form von Unterkünften sowie hoteleigenen Dienstleistungen erbracht hä t- ten (act. 1 S. 6). Dem hält der Gesuchsgegner entgegen, A. habe in Z. unter ihrem richtigen Namen logiert und habe keinerlei Absicht gehabt, dies nicht zu bezahlen. Vielmehr sei sie davon ausgegangen, durch ihre Arbeit als Übersetzerin genug Geld zu verdienen, um ihre Hotelrechnung bezahlen zu können. E i- nen Teilbetrag von Fr. 500. -- habe si e dann auch in bar bezahlt. Infolge Geldnot sei sie schliesslich kurzerhand oh ne Bezahlung des Restbetrags abgereist. Somit handle es sich um einen klassi schen Fall von Zechprell e- rei (Art. 149 StGB), allenfalls um Erschleichen einer Leistung (Art. 150 StGB). Bei den im Kanton Bern begangenen Delikten sei die Ausgangslage indes nicht dieselbe. A. habe bereits bei den Hotelb uchungen nicht mehr ihren richtigen N amen angegeben. Zudem habe sie die Hotelzimmer vor- gängig via Internet gebucht und habe dort eine fals che Kreditkarte benutzt resp. habe versucht, am Ende des Hotelaufenthaltes mi ttels ungedeckter, fremder Kreditkarte die Zahlung vorzutäuschen (act. 3 S. 2). 3.2 Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB erfüllt den Tatbestand des Betrugs, wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jema n- den durch Vorspiegelung oder Unter drückung von Tatsachen arglistig irr e- führt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu e i- nem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt. Die Strafdrohung ist Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahr en oder Geldstrafe. Wegen Zechprellerei wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer sich in einem Gastgewe r- bebetrieb beherbergen, Speisen oder Getränke vorsetzen lässt oder and e- re Dienstleistungen beansprucht und den Betriebsinhaber um die Beza h- lung prellt (Art. 149 StGB). - 7 - In objektiver Hinsicht unterscheidet sich die Zechprellerei insofern vom B e- trug, als keine Täuschung des Gastwirts und deshalb auch keine Arglist e r- forderlich sind. Es genügt, dass ein Täter ver schwindet, ohne zu bezahlen (STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7., ergänz- te und überarbeitete Auflage, Bern 2010, S. 434 ff. N. 44 ff.). Wer die V o- raussetzungen des Betrugs erfüllt, ist deswegen zu verurteilen, während der Tatbestand der Zechprellerei nur subsidiär als A uffangtatbestand zum Zuge kommt (BGE 125 IV 124 E. 2c). Das Tatbestandsmerkmal der Arglist ist dann gegeben, wenn der Täter zur Täuschung eines anderen ein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe bedient, aber auch, wenn er bloss falsche Angaben macht, deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist, sowie wenn er den Getäuschten von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraussieht, dass jener die Überprüfung der Angaben aufgrund eines besonderen Ve r- trauensverhältnisses unterlassen werde (BGE 125 IV 124 E. 3a S. 127 f.). Die alleinige Vortäuschung des Erfüllungswillens ist nicht in jedem Fall arg- listig, sondern nur, wenn die Überprüfung der Erfüllungsfähigkeit unzumu t- bar oder unmöglich ist und daher auch keine Schlüsse auf den Erfüllung s- willen des Täters gezogen werden können ( BGE 118 IV 359 E. 2 mit Hi n- weisen). Bei der Beantwortung der Frage, ob Arglist gegeben sei, ist z u- dem der Gesichtspunkt der Opfermitverantwortung zu berücksichtigen. D a- bei ist auf die jeweilige Lage und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im Einzelfall abzustellen und zu prüfen, ob er sich allenfalls in einer unterg e- ordneten Stellung befand, die der Täter ausgenützt hat ( BGE 120 IV 186 E. 1a und c mit Hinweisen) . In BGE 125 IV 124 verneinte das Bundesg e- richt das Vorliegen der Arglist, mit der Begründung, dass es den geschä- digten Hoteliers möglich gewesen wäre, vom Beschuldigten eine Kreditka r- te zu verlangen oder ihn aufzufordern, wenigstens einen Teil der Beherb er- gungskosten im Voraus zu bezahlen, um Rückschlüsse auf dessen Za h- lungsfähigkeit zu ziehen (BGE 125 IV 124 E. 3b). Wie bereits im Beschluss der [I.] Beschwerdekammer BG.2008.2 vom 25. Januar 2008, E. 2.3.2 im Einzelnen dargelegt, ist d ieses Urteil in der Lehre auf Kritik gestossen (vgl. ARZT, Basler Kommentar Strafrecht II, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 146 StGB N. 60 und 71; JENNY, Die strafrechtliche Rechtsprechung des Bu n- desgerichts im Jahre 1999, ZBJV 136/2000 S. 656) . In der Folge scheint das Bundesgericht dem Rechnung getragen haben. So erwog es in seinem Urteil 6S.467/2002 vom 26. September 2003, es sei nicht entscheidend, ob der Betroffene alles vorgekehrt habe, um den Irrtum zu vermeiden. Arglist scheidet lediglich aus, wenn das Opfer die grundlegendsten Vorsicht s-- 8 - massnahmen nicht beachtet hat. Entsprechend entfällt der strafrechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Opfers, sondern nur bei Leichtfe r- tigkeit. Arglist kann deshalb auch bei einfachen falschen Aussagen geg e- ben sein, wenn eine weitere Überprüfung nicht handelsüblich ist, etwa weil sie sich im Alltag als unverhältnismässig erweist und d ie konkreten Ve r- hältnisse eine nähere Abklärung nicht nahe legen oder gar aufdrängen und dem Opfer diesbezüglich der Vorwurf der Leichtfertigkeit nicht gemacht werden kann. Mit einer engeren Auslegung des Betrugstatbestandes wü r- den die sozialadäquate Gesch äftsausübung und damit der Regelfall des Geschäftsalltages betrugsrechtlich nicht geschützt ( Urteil des Bundesg e- richts 6S.467/2002 vom 26. September 2003, E. 1.5 m.w.H.). 3.3 Die Behörden des Gesuchstellers haben eingehende polizeiliche Befr a- gungen von A. , aber auch eine Einvernahme eines Geschädigten vorg e- nommen (act. 5.1) und dergestalt den Sachverhalt für die an sie gelange n- den Anzeigen soweit zu erhellen vermocht, dass eine für die Zuständi g- keitsfrage ausreichende Subsumption möglich wurde. Demgegenüber er- weisen sich die bisher getätigten Ermittlungen der Behörden des Gesuchsgegners als unzureichend. Zwar versuchten sie via E-Mail / Mobil- und Fixnetnummer, A. zu kontaktieren, und ersuchten die Kantonspolizei Bern um Überprüfung und um Befragung von A. bei deren allfälligen Anhal- tung (act. 1.12). Darüber hinaus begnügte sich die Polizei des Gesuchsgegners mit der Entgegennahme der telefonischen Anzeige der Wirtin des geschädigten Hotels vom 20. November 2013 und rapportierte dies ohne jegliche Weiterungen. Insbesondere unterliessen es die Behö r- den des Gesuchsgegners , durch Einholung weiterer Informationen b ei der Geschädigten den Sachverhalt näher zu klären, um dergestalt Hinweise zum konkreten Verhalten von A. zu generieren, welche eine Klärung hi n- sichtlich der Subsumption unter Zechprellerei bzw. eben Betrug erlaubt hät- te. Solche (wenig aufwendigen) Verfahrensschritte hätten sich umso mehr aufgedrängt, nachdem aufgrund des Gerichtsstandskonflikts mit dem G e- suchsteller die Frage der Subsumption unter den Betrugstatbestand klar im Raume stand. Das Unterlassen dieser sich für die Prüfung der örtlichen Zuständigkeit aufdrängenden Abklärungen (vgl. KUHN, Basler Kommentar StPO, Basel 2011, Art. 39 N . 6) wirkt sich wegen des im Bereich der Z u- ständigkeitskonflikte (ebenfalls) geltenden Grundsatzes "in dubio pro duriore" (MOSER, Basler Kommentar StPO, Basel 2011, Art. 34 N . 11) zu- lasten des Gesuchsgegners aus. 3.4 Für den vorliegenden Fall ist deshalb in Anwendung des genannten Grund- satzes ohne weiteres davon auszugehen, dass die Beschuldigte den Sch ä- digungsvorsatz bereits vor ihrer Ankunft im Hotel B. in Z hatte. Zum konkre- ten Verhalten der Beschuldigten und zu den vom betroffenen Hotel alle n-- 9 - falls unternommenen Vorsichtsmassnahmen ist den vorliegenden Akten wenig zu entnehmen (s. supra Ziff. 3.3 ). Dem Gesuchsgegner ist be i- zupflichten, dass die Be schuldigte gegenüber dem Hotel B. – im Unte r- schied zu ihren späteren Straftaten – ihren wahren Namen angegeben hat- te. Den Akten ist allerdings auch zu entnehmen, dass die Beschuldigte da- bei wahrheitswidrig angegeben hatte, in Y. zu wohnen. Weiter soll sie g e- mäss eigenen Angaben dem Hotel B. eine Teilzahlung von Fr. 500.-- ge- leistet haben (s. act. 1.2 S. 2). Aufgrund der polizeilichen Einvernahme mit dem Geschäftsführer des ebenfalls g eschädigten Hotels Pension H . in Y. ist sodann bekannt, dass die Beschuldigte damals durch verschie dene Falschangaben versucht hatte, sich um die Begleichung der angelaufenen Kosten von Fr. 630. -- zu drücken (act. 5.1 S. 2). Wird schliesslich berüc k- sichtigt, dass die Beschuldigte über einen Monat lang im Hotel B. logierte (die offenstehende Hotelrechnun g beträgt Fr. 2'053.80) , erweist sich der Vorwurf des Betrugs gestützt auf die bisher getätigten Ermittlungen (s. supra Ziff. 3.3 ) nicht vornherein als haltlo s. Mit anderen Worten lässt sich der Vorwurf des Betrugs bei dieser Ausgangslage nicht mit Sicherheit ausschliessen. 3.5 Da es sich hierbei um das erste Delikt der mit der sch wersten Strafe b e- drohten Taten handelt, liegt der gesetzliche Gerichtsstand im vorliegenden Fall im Kanton Wallis. 4. 4.1 Die Beschwerdekammer kann (wie die beteiligten Staatsanwaltschaften un- tereinander auch) einen andern als den in den Art. 31 – 37 StPO vorgese- henen Gerichtsstand festlegen, wenn der Schwerpunkt der deliktischen Tä- tigkeit oder die persönlichen Verhältnisse der beschuldigten Person es e r- fordern oder andere trif tige Gründe vorliegen (Art. 40 Abs. 3 StPO). Ein solches Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand soll indes die Au s- nahme bleiben. Eine Vereinbarung bzw. der Beschluss, einen gesetzlich nicht zuständigen Kanton mit der Verfolgung zu betrauen, setzt triftig e Gründe voraus. Die Überlegungen, welche den gesetzlichen Gerichtsstand als unzweckmässig erscheinen lassen, müssen sich gebieterisch aufdrä n- gen. Überdies kann ein Kanton entgegen dem gesetzlichen Gerichtsstand nur für zuständig erklärt werden resp. sich selber für zuständig erklären, wenn dort tatsächlich ein örtlicher Anknüpfungspunkt besteht (vgl. M OSER, a.a.O., Art. 38 StPO N. 2 m.w.H.; siehe auch G OLD- SCHMID/MAURER/SOLLBERGER, Kommentierte Textausgabe zur Schweizer i- schen Strafprozessordnung, Bern 2008, S. 32 f.; G ALLIANI/MARCELLINI, op. cit., n. 1 e 2 ad art. 38 CPP). - 10 - 4.2 Ein triftiger Grund für das Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand liegt im Schwergewicht der deliktischen Tätigkeit der Beschuldigten (vgl. Art. 38 Abs. 1 und Art. 40 Abs. 3 StPO). Gemäss konstanter Praxis der Beschwer- dekammer kann von einem solchen Schwergewicht ausgegangen werden, wenn mehr als zwei Drittel einer grösseren Anzahl von Straftaten auf einen einzigen Kanton entfallen. Das Übergewicht muss dabei so offensichtlich und bedeutsam sein, dass sich das Abweichen vom gesetzlichen Gericht s- stand geradezu aufdrängt (M OSER, a.a.O., Art. 38 StPO N. 7 f.; GUIDON/BÄNZIGER, a.a.O., [Rz 46] m.w.H.). 4.3 Der Gesuchsgegner bringt vor, dass der Schwerpunkt der zur Unters u- chung anstehenden deliktischen Tätigkeit im Kanton Bern liege, da 4 der 5 Delikte dort verübt worden seien ( act. 3 S. 2 ). Für Schwerpunktüberlegun- gen fehlt es im vorliegenden Fall mit insgesamt 5 zu untersuchenden Delik- ten bereits an einer grösseren Zahl von Gegenstand der Unte rsuchung bil- denden Straftaten (Beschlüsse der [I.] Beschwerdekammer BG.2011.25 vom 28. September 2011, E. ; BG.2009.30 vom 26. Oktober 2009, E. 2.3; BG.2009.23 vom 13. Oktober 2009, E. 2.4). Triftige Gründe, welche ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsst and gebieterisch aufdrängen wü r- den, liegen demnach nicht vor. 5. Nach dem Gesagten erweist sich das Gesuch als begründet und ist gutz u- heissen. Demnach sind die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Wallis für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die A. zur Last gelegten Delikte zu verfolgen und zu beurteilen. 6. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO). - 11 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Wallis sind berechtigt und ve r- pflichtet, die A. zur Last gelegten Delikte zu verfolgen und zu beurteilen. 2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. Bellinzona, 4. September 2014 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: Zustellung an - Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern - Zentrale Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.