<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">406</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>76</b></span> <span class="ft3"><b>Rückweisung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Die Beschwerdeinstanz kann bei einer nötigen Anpassung des Baugesuchs</b></span><br/> <span class="ft3"><b>die Sache an den Gemeinderat zurückweisen, wenn die Anpassung im</b></span><br/> <span class="ft3"><b>vereinfachten Verfahren (§ 61 BauG) beurteilt und so eine Wiederholung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>der Publikation des ganzen Baugesuchs vermieden werden kann.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom</span><br/> <span class="ft4">31. August 2016 (BVURA.14.538).</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">3.4 Verhältnismässigkeitsprinzip</span><br/> <span class="ft1">Ist ein Baugesuch mangelhaft bzw. stimmt es nicht durchwegs</span><br/> <span class="ft1">mit dem objektiven Recht überein, hat die Baupolizeibehörde nach</span><br/> <span class="ft1">den konkreten Umständen und nach pflichtgemässem Ermessen zu</span><br/> <span class="ft1">entscheiden, ob das Gesuch gesamthaft abgewiesen werden muss</span><br/> <span class="ft1">oder ob die Mängel mit Nebenbestimmungen geheilt werden können.</span><br/> <span class="ft1">Das Vorgehen der Behörde hat sich in solchen Fällen nach dem</span><br/> <span class="ft1">Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu richten. Die Baubewilligungs-</span><br/> <span class="ft1">behörde hat den Grundsatz der Verhältnismässigkeit als allgemeines</span><br/> <span class="ft1">verfassungs- und verwaltungsrechtliches Prinzip von Amtes wegen</span><br/> <span class="ft1">zu beachten (vgl. BGE 108 la 216). Diese Grundsätze gelten in</span><br/> <span class="ft1">analoger Weise auch für das verwaltungsinterne und das verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsexterne Beschwerdeverfahren (vgl. auch Verwaltungs- und</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgerichtsentscheide des Kantons Obwalden [VVGE] IV,</span><br/> <span class="ft1">Nr. 59, S. 119 f.; zur Bedeutung der Verhältnismässigkeit als Grund-</span><br/> <span class="ft1">prinzip des Verwaltungsrechts auch U</span><span class="ft4">LRICH</span> <span class="ft1">H</span><span class="ft4">ÄFELIN</span> <span class="ft1">/</span> <span class="ft1">G</span><span class="ft4">EORG</span><br/> <span class="ft1">M</span><span class="ft4">ÜLLER</span> <span class="ft1">/</span> <span class="ft1">F</span><span class="ft4">ELIX</span> <span class="ft1">U</span><span class="ft4">HLMANN</span><span class="ft1">, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl.,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 2016, Rz. 320, 514 ff.). Eine Baubewilligung zu verweigern,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">407</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">statt sie mit Nebenbestimmungen zu erteilen, kann namentlich des-</span><br/> <span class="ft1">wegen unverhältnismässig sein, weil die Ablehnung des Baugesuchs</span><br/> <span class="ft1">den Bauherrn zwingt, ein nur geringfügig abgeändertes Baugesuch</span><br/> <span class="ft1">nochmals dem vollständigen Baubewilligungsverfahren mit öf-</span><br/> <span class="ft1">fentlicher Auflage und Rechtsmittelweg zu unterstellen; damit geht</span><br/> <span class="ft1">er möglicherweise das Risiko von Rechtsänderungen, weiteren Ein-</span><br/> <span class="ft1">sprachen und Kostennachteilen ein. Derartige Verfahrensverzögerun-</span><br/> <span class="ft1">gen zu vermeiden, kann zudem auch im Interesse der Öffentlichkeit</span><br/> <span class="ft1">liegen (siehe AGVE 1986, S. 307 f. mit Hinweisen; zum Ganzen:</span><br/> <span class="ft1">VGE III/21 vom 13. Mai 2008, S. 7; lll/15 vom 8. März 2002, S. 25;</span><br/> <span class="ft1">lll/129 vom 4. September 1998, S. 15).</span><br/> <span class="ft1">Es fragt sich, wie vorzugehen ist, wenn die notwendigen</span><br/> <span class="ft1">Nebenbestimmungen Planänderungen nach sich ziehen. Die Praxis</span><br/> <span class="ft1">des Departements Bau, Verkehr und Umwelt lässt auch in diesen Fäl-</span><br/> <span class="ft1">len Rückweisungen an die Baupolizeibehörde zu. Die Bauherrschaft</span><br/> <span class="ft1">hat dann (nötigenfalls innert Frist) die Pläne anzupassen und neu</span><br/> <span class="ft1">einzureichen. Bei geringfügigen Änderungen, die formlos bewilligt</span><br/> <span class="ft1">werden können (§ 52 Abs. 1 BauV), erscheint dies problemlos. Die</span><br/> <span class="ft1">Rückweisung kann ferner auch dort angebracht sein, wo die geänder-</span><br/> <span class="ft1">ten Pläne im vereinfachten Verfahren (§ 61 BauG) zu bewilligen</span><br/> <span class="ft1">sind. Dies gilt namentlich dort, wo die Beschwerdeführenden durch</span><br/> <span class="ft1">die Projektanpassung insgesamt entlastet werden, sich die</span><br/> <span class="ft1">Projektänderung also jedenfalls nicht nachteilig auswirkt (vgl. EBVU</span><br/> <span class="ft1">12.887 vom 18. Juni 2013, S. 11 f. mit Hinweisen auf VGE III/33</span><br/> <span class="ft1">vom 26. April 1995 betreffend gebäudeinterne Umgestaltungen;</span><br/> <span class="ft1">VGE III/39 vom 26. Mai 1997 betreffend Herabsetzung der Knie-</span><br/> <span class="ft1">stockhöhe; VGE III/105 vom 12. Juli 2000 betreffend Weglassung</span><br/> <span class="ft1">von Dachfenstern; VGE III/49 vom 27. Mai 2003 betreffend Än-</span><br/> <span class="ft1">derung einer Stützmauer, vgl. auch AGVE 2004, S. 166 f.). Bei</span><br/> <span class="ft1">Grossprojekten gebietet das Verhältnismässigkeitsprinzip unter Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen eine Rückweisung selbst dann, wenn die Projektänderung im</span><br/> <span class="ft1">ordentlichen Verfahren öffentlich aufzulegen ist und dadurch Dritte</span><br/> <span class="ft1">mehr belastet werden, die im bisherigen Verfahren nicht beigeladen</span><br/> <span class="ft1">worden sind (vgl. VGE III/139 vom 26. November 2015, S. 54 f.,</span><br/> <span class="ft1">noch nicht rechtskräftig). Solche Rückweisungen erfolgen zu neuem</span><br/> <span class="ft1">Entscheid ausdrücklich im Sinn der Erwägungen. Die Vorinstanz, die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">408</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">neu zu entscheiden hat, ist dann nicht nur an das Dispositiv, sondern</span><br/> <span class="ft1">auch an die entsprechenden Erwägungen im Rückweisungsentscheid</span><br/> <span class="ft1">gebunden (vgl. VGE IV/45 vom 26. Juni 2008, S. 7; BGE 135 III</span><br/> <span class="ft1">334 ff.). Die Vorinstanz kann nur zusätzliche Rechtsgründe und</span><br/> <span class="ft1">Tatsachen, zu denen sich die rückweisende Rechtsmittelinstanz nicht</span><br/> <span class="ft1">geäussert hat, in Betracht ziehen (VGE III/10 vom 16. März 2007,</span><br/> <span class="ft1">S. 5 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend kann eine Reduktion der Überdachung der Terrasse</span><br/> <span class="ft1">auf Ebene 2 um 40 cm im <i>vereinfachten</i> Verfahren bewilligt werden.</span><br/> <span class="ft1">Auch eine Öffnung des Mittelteils kann im vereinfachten Verfahren</span><br/> <span class="ft1">beurteilt werden, wobei in diesem Fall der Gemeinderat zu entschei-</span><br/> <span class="ft1">den hätte, ob je nach Lösung nicht auch noch weitere Nachbarn als</span><br/> <span class="ft1">die unmittelbar östlich angrenzenden Beschwerdeführenden einzube-</span><br/> <span class="ft1">ziehen wären (etwa die Eigentümerschaft der Parzelle 100 im Wes-</span><br/> <span class="ft1">ten). Angesichts der praktisch maximalen Ausschöpfung der zulässi-</span><br/> <span class="ft1">gen Ausnützung und der verhaltenen Zustimmung zum Projekt im</span><br/> <span class="ft1">Fachbericht sind die Projektanpassungen dem Gutachter vorzulegen,</span><br/> <span class="ft1">der die Einhaltung der Gestaltungskriterien von Arealüberbauungen</span><br/> <span class="ft1">zu prüfen hat (§ 8 Abs. 1 Satz 3 BO).</span><br/></div> </div> </body> </html>