<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 116</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">116</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>31</b></span> <span class="ft1"><b>Verzugszinsen auf Steuerschulden</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Das Gericht ist an das von ihm erlassene Urteil gebunden. Diese Bin-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>dungswirkung tritt erst mit der Eröffnung des Urteils gegenüber den</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Parteien ein (Erw. 1.3.).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Das Steuerrekursgerichts ist zum Eingreifen von Amtes wegen be-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>rechtigt und verpflichtet, wenn der angefochtene Entscheid an quali-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>fizierten, offenkundigen Mängeln leidet (Erw. 1.5.1.).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Verzugszinsen auf Steuerschulden sind von Amtes wegen zu berück-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>sichtigen (Erw. 1.5.3.).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Massgebender Zeitpunkt: Zu berücksichtigen sind Verzugszinsen auf</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Steuerschulden, soweit sie in der infrage stehenden Steuerperiode in</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Rechnung gestellt und/oder veranlagt wurden (Praxisänderung;</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Erw. 1.6.).</b></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 7. Dezember 2011 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen S. gegen KStA (WBE.2011.153).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1.</span><br/> <span class="ft6">1.1.</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführer führen aus, sie hätten festgestellt, dass</span><br/> <span class="ft6">die von ihnen im Jahre 2001 bezahlten Verzugszinsen für Steuern der</span><br/> <span class="ft6">Vorjahre bei der Bemessung ihres steuerbaren Einkommens nicht</span><br/> <span class="ft6">berücksichtigt worden seien. Deshalb hätten sie mit eingeschriebe-</span><br/> <span class="ft6">nem Brief vom 26. Februar 2011 (Postaufgabe: 28. Februar 2011) bei</span><br/> <span class="ft6">der Steuerverwaltung Bremgarten und mit Schreiben vom 3. März</span><br/> <span class="ft6">2011 (A-Post) beim Steuerrekursgericht verlangt, dass diese Ver-</span><br/> <span class="ft6">zugszinsen zusätzlich in Abzug zu bringen seien. Da jedoch das</span><br/> <span class="ft6">Urteil des Steuerrekursgerichts am 3. März 2011 gefällt worden sei,</span><br/> <span class="ft6">habe die Eingabe keine Berücksichtigung gefunden. Die Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deführer verlangen, dass das Verwaltungsgericht nunmehr diesen</span><br/> <span class="ft6">Abzug gewähren solle.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">117</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">1.2.</span><br/> <span class="ft6">Das Steuerrekursgericht hielt im angefochtenen Entscheid fest,</span><br/> <span class="ft6">dass ihm das Schreiben vom 26. Februar 2011 am 4. März 2011</span><br/> <span class="ft6">zugegangen sei und damit nach der Urteilsfällung. Deshalb habe die</span><br/> <span class="ft6">verspätete Eingabe nicht mehr berücksichtigt werden können.</span><br/> <span class="ft6">1.3.</span><br/> <span class="ft6">Grundsätzlich ist das Gericht an das von ihm erlassene Urteil</span><br/> <span class="ft6">gebunden. Diese Bindungswirkung tritt jedoch erst mit der Eröff-</span><br/> <span class="ft6">nung des Urteils gegenüber den Parteien ein. Vor Urteilseröffnung</span><br/> <span class="ft6">kann das Gericht seinen Entscheid jederzeit in Wiedererwägung zie-</span><br/> <span class="ft6">hen (Daniel Staehelin, in: Kommentar zur Schweizerischen Zivil-</span><br/> <span class="ft6">prozessordnung, Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 236 N 23 m.w.H.;</span><br/> <span class="ft6">Georg Nägeli, in: Kurzkommentar Schweizerische Zivilprozessord-</span><br/> <span class="ft6">nung, Basel 2010, Art. 236 N 14). Daraus folgt, dass das Gericht Ein-</span><br/> <span class="ft6">gaben, die ihm nach der Urteilsberatung und -fällung, aber noch vor</span><br/> <span class="ft6">der Urteilseröffnung zugehen, nicht einfach unberücksichtigt lassen</span><br/> <span class="ft6">kann. Soweit das Steuerrekursgericht die Nichtgewährung des von</span><br/> <span class="ft6">den Beschwerdeführern verlangten zusätzlichen Abzugs für Verzugs-</span><br/> <span class="ft6">zinsen auf von ihnen geschuldeten Steuern allein damit begründet,</span><br/> <span class="ft6">sie hätten ihren Antrag nach Urteilsfällung gestellt - das Urteil da-</span><br/> <span class="ft6">tiert vom 3. März 2011; die Eingabe der Beschwerdeführer ging</span><br/> <span class="ft6">beim Gericht am 4. März 2011 ein; der Urteilsversand erfolgte am</span><br/> <span class="ft6">14. März 2011 - erweist sich damit die von ihm vertretene Rechts-</span><br/> <span class="ft6">auffassung als unzutreffend.</span><br/> <span class="ft6">1.4.</span><br/> <span class="ft6">Zu beantworten bleibt die Frage, ob die Eingabe der Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deführer vom 3. März 2011 zulässig war.</span><br/> <span class="ft6">Der von den Beschwerdeführern im Rekursverfahren nachträg-</span><br/> <span class="ft6">lich, d.h. nach Abschluss des Behauptungsverfahrens, gestellte An-</span><br/> <span class="ft6">trag auf Berücksichtigung der von ihnen im Jahr 2001 bezahlten Ver-</span><br/> <span class="ft6">zugszinsen auf von ihnen geschuldeten Steuern stellte eine unzuläs-</span><br/> <span class="ft6">sige Erweiterung des Rekursantrags dar. Die Beschwerdeführer ver-</span><br/> <span class="ft6">langten damit nämlich gegenüber ihren bisherigen Anträgen, auch</span><br/> <span class="ft6">wenn sie diese nicht rechnerisch beziffert hatten, im Ergebnis einen</span><br/> <span class="ft6">zusätzlichen Abzug vom steuerbaren Einkommen (vgl. AGVE 1981,</span><br/> <span class="ft6">S. 277; [VGE] II/60 vom 12. Juni 1998 [WBE.1996.231], Erw. I./4.;</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">118</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">VGE II/38 vom 8.</span> <span class="ft6">April 1999 [WBE.1998.112], Erw.</span> <span class="ft6">I./4.;</span><br/> <span class="ft6">VGE</span> <span class="ft6">II/90 vom 26.</span> <span class="ft6">Oktober 1999 [WBE.1998.180], Erw.</span> <span class="ft6">I./2.;</span><br/> <span class="ft6">VGE II/17 vom 2. März 2006 [WBE.2005.105], Erw. I./4. Nichts</span><br/> <span class="ft6">anderes ergibt sich insbesondere auch aus dem vom Steuerrekursge-</span><br/> <span class="ft6">richt angeführten Urteil des Verwaltungsgerichts vom 30. September</span><br/> <span class="ft6">2010 [WBE.2009.370], in dem es um eine Einschränkung d.h. im Er-</span><br/> <span class="ft6">gebnis um ein Eventualbegehren gegenüber dem ursprünglichen An-</span><br/> <span class="ft6">trag ging [ursprünglicher Antrag auf Nichtaufrechnung eines ver-</span><br/> <span class="ft6">deckten Eigenkapitals von mehr als Fr. 8 Mio.; zusätzlicher Antrag -</span><br/> <span class="ft6">wenigstens - auf Berücksichtigung des Bilanzverlusts von rund</span><br/> <span class="ft6">Fr. 1.9 Mio. bei der Berechnung des steuerbaren Eigenkapitals]).</span><br/> <span class="ft6">1.5.</span><br/> <span class="ft6">1.5.1.</span><br/> <span class="ft6">Im Rekursverfahren gilt grundsätzlich die Untersuchungsma-</span><br/> <span class="ft6">xime ebenso wie die Offizialmaxime. Das Steuerrekursgericht hat die</span><br/> <span class="ft6">erforderlichen Untersuchungen von Amtes wegen durchzuführen und</span><br/> <span class="ft6">ist bei seinem Entscheid nicht an die Anträge der Parteien gebunden,</span><br/> <span class="ft6">d.h. es ist unter bestimmten Voraussetzungen berechtigt und ver-</span><br/> <span class="ft6">pflichtet, über die Anträge der Parteien hinauszugehen (§ 197 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">und 2 StG sowie dazu Martin Plüss, in: Kommentar zum Aargauer</span><br/> <span class="ft6">Steuergesetz, 3. Aufl., Muri-Bern 2009, § 197 N 3 ff.). Im Rekursver-</span><br/> <span class="ft6">fahren als gerichtlichem Verfahren steht indessen der Rechtsschutz</span><br/> <span class="ft6">für die Parteien im Vordergrund, obwohl die Offizialmaxime unter</span><br/> <span class="ft6">bestimmten Voraussetzungen auch ein (im Ergebnis) aufsichtsrecht-</span><br/> <span class="ft6">liches Einschreiten des Steuerrekursgerichts zulässt und erforderlich</span><br/> <span class="ft6">macht. Soll das erwähnte aufsichtsrechtliche Element des Rekurs-</span><br/> <span class="ft6">verfahrens nicht zu einer Schwächung des Vertrauens der Parteien in</span><br/> <span class="ft6">das Steuerrekursgericht als unabhängiges und unparteiliches Gericht</span><br/> <span class="ft6">führen, darf von der Möglichkeit einer reformatio in peius oder in</span><br/> <span class="ft6">melius aber nur zurückhaltend Gebrauch gemacht werden. Praktisch</span><br/> <span class="ft6">bedeutet dies, dass ein Eingreifen des Steuerrekursgerichts von Am-</span><br/> <span class="ft6">tes wegen sich nur dann rechtfertigt, wenn der angefochtene Ent-</span><br/> <span class="ft6">scheid an qualifizierten, offenkundigen Mängeln leidet (vgl. Martin</span><br/> <span class="ft6">Plüss, a.a.O., § 197 N 4 sowie Patrick M. Müller, Aspekte der Ver-</span><br/> <span class="ft6">waltungsrechtspflege, Bern 2006, S. 336). Es fragt sich somit, ob der</span><br/> <span class="ft6">Einspracheentscheid hinsichtlich der Nichtberücksichtigung der Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">119</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">zugszinsen auf noch nicht beglichenen Steuerschulden an einem</span><br/> <span class="ft6">offenkundigen Mangel litt, so dass das Steuerrekursgericht trotz des</span><br/> <span class="ft6">unzulässigerweise erweiterten Antrags der Beschwerdeführer von</span><br/> <span class="ft6">Amtes wegen hätte beachten bzw. prüfen müssen, ob der angefoch-</span><br/> <span class="ft6">tene Entscheid diesbezüglich an einem offenkundigen Mangel litt.</span><br/> <span class="ft6">1.5.2.</span><br/> <span class="ft6">Verzugszinsen, und zwar auch solche betreffend noch nicht be-</span><br/> <span class="ft6">glichene Steuerforderungen, fallen unter den Begriff der Schuld-</span><br/> <span class="ft6">zinsen gemäss § 40 lit. a StG und sind daher grundsätzlich von den</span><br/> <span class="ft6">Einkünften abzuziehen (Daniel Aeschbach, in: Kommentar zum Aar-</span><br/> <span class="ft6">gauer Steuergesetz, a.a.O., § 40 N 20; VGE II/31 vom 6. Mai 2002</span><br/> <span class="ft6">[WBE.2001.175]; Peter Locher, in: Kommentar zum DBG, I. Teil,</span><br/> <span class="ft6">Therwil/Basel 2001, Art. 33 N 19 m.w.H.). Es fragt sich jedoch, ob</span><br/> <span class="ft6">Verzugszinsen auf Steuerschulden bei der Veranlagung von Amtes</span><br/> <span class="ft6">wegen steuermindernd zu berücksichtigen sind oder ob der Steuer-</span><br/> <span class="ft6">pflichtige einen entsprechenden Abzug geltend machen muss.</span><br/> <span class="ft6">1.5.3.</span><br/> <span class="ft6">1.5.3.1.</span><br/> <span class="ft6">Bei den Kantons- und Gemeindesteuern bereitet das Gemeinde-</span><br/> <span class="ft6">steueramt die Veranlagungen vor (die die Steuerkommission dann</span><br/> <span class="ft6">vornimmt; vgl. § 164 Abs. 3 und 4 StG), errechnet die Steuerbeträge</span><br/> <span class="ft6">und eröffnet die Veranlagungsverfügungen (§ 163 Abs. 3 StG). Der</span><br/> <span class="ft6">Gemeinderat bezieht die Einkommens- und Vermögenssteuer (§ 222</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 StG): Bei den Einkommens- und Vermögenssteuern obliegen</span><br/> <span class="ft6">Veranlagung und Bezug somit der Gemeinde. Die Höhe der von</span><br/> <span class="ft6">einem bestimmten Steuerpflichtigen geschuldeten Steuerbeträge</span><br/> <span class="ft6">ebenso wie die Höhe allfälliger Verzugszinsen lässt sich heutzutage</span><br/> <span class="ft6">ohne weiteres aus den mittels EDV geführten Aufzeichnungen über</span><br/> <span class="ft6">den Steuerbezug beim betreffenden Steuerpflichtigen eruieren. Unbe-</span><br/> <span class="ft6">schadet dessen, dass es sich bei den Verzugszinsen auf Kantons- und</span><br/> <span class="ft6">Gemeindesteuern um steuermindernde Tatsachen handelt, muss</span><br/> <span class="ft6">daher den Gemeindebehörden, welche auch für den Steuerbezug</span><br/> <span class="ft6">verantwortlich sind, das Wissen über die Höhe allfällig ausstehender</span><br/> <span class="ft6">Steuerbeträge und damit auch über die Höhe ausstehender Verzugs-</span><br/> <span class="ft6">zinsen zugerechnet werden. Schon dies spricht dafür, dass die</span><br/> <span class="ft6">Veranlagungsbehörde - unabhängig davon, ob der Steuerpflichtige</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">120</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Steuerschulden und/oder Verzugszinsen auf solchen deklariert - bei</span><br/> <span class="ft6">Vornahme der Veranlagung die entsprechenden Beträge von Amtes</span><br/> <span class="ft6">wegen zu berücksichtigen hat.</span><br/> <span class="ft6">Auch hinsichtlich der direkten Bundessteuer rechtfertigt sich</span><br/> <span class="ft6">diese Lösung. Zwar fallen bei der direkten Bundessteuer die Zu-</span><br/> <span class="ft6">ständigkeit zur Veranlagung und zum Bezug auseinander, indem bei</span><br/> <span class="ft6">natürlichen Personen für die Veranlagung die Steuerkommission der</span><br/> <span class="ft6">Gemeinde zuständig ist (vgl. § 3 der Verordnung zum Bundesgesetz</span><br/> <span class="ft6">über die direkte Bundessteuer vom 7. Dezember 1994 [V-DBG;</span><br/> <span class="ft6">SAR 621.111]), während das kantonale Steueramt die Veranlagung</span><br/> <span class="ft6">eröffnet (§ 12 V-DBG) und ihm auch der Bezug der Steuer obliegt</span><br/> <span class="ft6">(§ 13 V-DBG). Das ändert aber nichts daran, dass es der Veranla-</span><br/> <span class="ft6">gungsbehörde zumutbar ist, sich Kenntnis über die Daten betreffend</span><br/> <span class="ft6">allfällig geschuldete Beträge bei der direkten Bundessteuer sowie</span><br/> <span class="ft6">gegebenenfalls auch Verzugszinsen darauf zu verschaffen.</span><br/> <span class="ft6">1.5.3.2.</span><br/> <span class="ft6">Zu Unrecht geforderte und bezahlte Steuern sind mit Vergü-</span><br/> <span class="ft6">tungszins zurückzuerstatten, soweit dafür nicht ein Skonto gewährt</span><br/> <span class="ft6">worden ist (§ 224 Abs. 3, 1. Satz StG; vgl. auch die Regelung zur di-</span><br/> <span class="ft6">rekten Bundessteuer in Art. 168 Abs. 2 DBG; vgl. zur unterschied-</span><br/> <span class="ft6">lichen Terminologie [Rückerstattungszins] bei der direkten Bundes-</span><br/> <span class="ft6">steuer Hans Frey, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht,</span><br/> <span class="ft6">Bd. I/2b, 2. Aufl., Basel 2008, Art. 168 N 10 und Art. 162 N 6). Ver-</span><br/> <span class="ft6">gütungszinsen werden fällig, wenn durch die definitive Veranlagung</span><br/> <span class="ft6">feststeht, dass der Steuerpflichtige zuvor aufgrund einer definitiven</span><br/> <span class="ft6">oder provisorischen Rechnung mehr als die geschuldete Steuer be-</span><br/> <span class="ft6">zahlt hatte. Sie sind der Ausgleich dafür, dass der Steuerpflichtige -</span><br/> <span class="ft6">ex post betrachtet - unfreiwillig zum Darlehensgeber gegenüber dem</span><br/> <span class="ft6">Fiskus wurde (VGE II/83 vom 18.</span> <span class="ft6">September 2007</span><br/> <span class="ft6">[WBE.2007.104], Erw.II./3.). Vergütungszinsen stellen steuerbare</span><br/> <span class="ft6">Einkünfte, nämlich Vermögensertrag dar (§ 29 Abs. 1 lit. a StG; vgl.</span><br/> <span class="ft6">ebenso Art. 20 Abs. 1 lit. a DBG). Vergütungszinsen sind damit ein</span><br/> <span class="ft6">Pendant zu den Verzugszinsen auf geschuldeten Steuerbeträgen:</span><br/> <span class="ft6">Während im einen Fall der Steuerschuldner ein Entgelt für die ver-</span><br/> <span class="ft6">spätete Zahlung zu entrichten hat, erhält er im anderen Fall ein Ent-</span><br/> <span class="ft6">gelt dafür, dass er - ex post betrachtet - zu viel gezahlt hat. Dieser</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">121</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Umstand legt es nahe, Verzugszinsen und Vergütungszinsen bei der</span><br/> <span class="ft6">Veranlagung gleich zu behandeln (und zwar obwohl es bei diesen um</span><br/> <span class="ft6">steuermindernde, bei jenen aber um steuererhöhende Tatsachen</span><br/> <span class="ft6">geht).</span><br/> <span class="ft6">In der Veranlagungspraxis werden im Kanton Aargau Vergü-</span><br/> <span class="ft6">tungszinsen, sobald sie - mit Rechtskraft der definitiven Steuerver-</span><br/> <span class="ft6">anlagung - feststehen, von den Steuerbehörden automatisch, d.h.</span><br/> <span class="ft6">auch dann, wenn der Steuerpflichtige selbst sie in seiner Steuererklä-</span><br/> <span class="ft6">rung nicht deklariert hat, dem steuerbaren Einkommen zugerechnet.</span><br/> <span class="ft6">Die erläuterte Symmetrie zwischen Vergütungs- und Verzugszinsen</span><br/> <span class="ft6">gebietet daher (neben dem Umstand, dass die Verzugszinsen den</span><br/> <span class="ft6">Steuerbehörden bei Vornahme der Veranlagung bekannt sind bzw. sie</span><br/> <span class="ft6">sich - bei der direkten Bundessteuer - leicht Kenntnis darüber ver-</span><br/> <span class="ft6">schaffen können), auch Verzugszinsen bei der Veranlagung von Am-</span><br/> <span class="ft6">tes wegen zu berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft6">1.5.3.3.</span><br/> <span class="ft6">Sind Verzugszinsen auf geschuldeten Steuern wie dargelegt von</span><br/> <span class="ft6">Amtes wegen zu berücksichtigen, so hätte bereits die Gemeinde-</span><br/> <span class="ft6">steuerkommission Verzugszinsen auf den von den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führern geschuldeten Steuern zum Abzug zulassen müssen.</span><br/> <span class="ft6">Somit leidet der Entscheid an einem qualifizierten offenkundi-</span><br/> <span class="ft6">gen Mangel und die im Jahr 2001 in Rechnung gestellten Verzugs-</span><br/> <span class="ft6">zinsen auf von den Beschwerdeführern geschuldeten Kantons- und</span><br/> <span class="ft6">Gemeindesteuern hätten vom Steuerrekursgericht trotz dem insoweit</span><br/> <span class="ft6">verspäteten Vorbringen der Beschwerdeführer berücksichtigt werden</span><br/> <span class="ft6">müssen. Alternativ wäre eine Rückweisung der Angelegenheit an die</span><br/> <span class="ft6">Steuerkommission angezeigt gewesen. Daher ist es auch zulässig,</span><br/> <span class="ft6">wenn die Beschwerdeführer mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde</span><br/> <span class="ft6">verlangen, diesen Mangel des Entscheids des Steuerrekursgerichts zu</span><br/> <span class="ft6">beheben (Martin Plüss, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft6">a.a.O., § 198 N 8; VGE II/17 vom 2. März 2006 [WBE.2005.105],</span><br/> <span class="ft6">Erw. II./4. f.).</span><br/> <span class="ft6">1.6.</span><br/> <span class="ft6">Zum Umfang der Verzugszinsen hat das Verwaltungsgericht in</span><br/> <span class="ft6">einem früheren Urteil ausgeführt, dass Verzugszinsen auf Steuern</span><br/> <span class="ft6">nicht etwa nach Massgabe der Rechnungstellung durch die Steuerbe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">122</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">hörden zum Abzug zuzulassen seien. Für den Abzug sei vielmehr -</span><br/> <span class="ft6">entsprechend der allgemeinen Regelung für Schuldzinsen, wonach</span><br/> <span class="ft6">diese im Zeitpunkt der Fälligkeit abzugsfähig sind - darauf abzu-</span><br/> <span class="ft6">stellen, welche Verzugszinsen im in Frage stehenden Steuerjahr auf-</span><br/> <span class="ft6">gelaufen sind (vgl. dazu ausführlich VGE II/31 vom 6. Mai 2002</span><br/> <span class="ft6">[WBE.2001.175], Erw. II./4).</span><br/> <span class="ft6">An dieser Rechtsprechung ist, obwohl sie dogmatisch über-</span><br/> <span class="ft6">zeugt, aus Praktikabilitätsgründen nicht festzuhalten. Aufgelaufene</span><br/> <span class="ft6">Verzugszinsen werden in den Steuerrechnungen regelmässig nicht</span><br/> <span class="ft6">auf das jeweilige Jahr bezogen ausgewiesen. Für den Steuerpflichti-</span><br/> <span class="ft6">gen bliebe damit ein für Verzugszinsen auf Steuern gewährter Abzug</span><br/> <span class="ft6">am steuerbaren Einkommen weithin untransparent und dessen</span><br/> <span class="ft6">Korrektheit wäre für ihn nur mit erheblichem Aufwand nachprüfbar.</span><br/> <span class="ft6">Andererseits würde ein exakter Ausweis der jeweils in einem Jahr</span><br/> <span class="ft6">aufgelaufenen Verzugszinsen auf Steuerbetreffnissen in den Steuer-</span><br/> <span class="ft6">rechnungen nicht wirklich zur Transparenz in der Rechnungstellung</span><br/> <span class="ft6">beitragen, sondern diese gegenüber dem heutigen Zustand sogar</span><br/> <span class="ft6">noch erheblich verkomplizieren. Diese Überlegungen rechtfertigen</span><br/> <span class="ft6">es, die bisherige Praxis aufzugeben und Verzugszinsen auf Steuer-</span><br/> <span class="ft6">schulden zum Abzug zuzulassen, soweit sie in der in Frage stehenden</span><br/> <span class="ft6">Steuerperiode in Rechnung gestellt und/oder veranlagt wurden</span><br/> <span class="ft6">(insbesondere sind damit auch die in der Steuerperiode veranlagten</span><br/> <span class="ft6">Zinsen auf im Nachsteuerverfahren veranlagten Steuern zum Abzug</span><br/> <span class="ft6">zuzulassen; vgl. § 206 Abs. 1 StG; ebenso Art. 151 Abs. 1 DBG</span><br/> <span class="ft6">["samt Zins"]). Abzulehnen ist dagegen die in der Literatur bisweilen</span><br/> <span class="ft6">vertretene Lösung, die Verzugszinsen erst im Zeitpunkt deren Bezah-</span><br/> <span class="ft6">lung zum Abzug zuzulassen (in dieser Richtung etwa VGE II/31 vom</span><br/> <span class="ft6">6. Mai 2002 [WBE.2001.175] Erw. II./4c; vgl. dazu auch die Belege</span><br/> <span class="ft6">bei Peter Locher, in: Kommentar zum DBG, a.a.O., Art. 33 N 4),</span><br/> <span class="ft6">ergibt sich doch damit für die Steuerbehörden ein erhöhter Kontroll-</span><br/> <span class="ft6">aufwand, um Gewähr leisten zu können, dass nicht zu viele</span><br/> <span class="ft6">Verzugszinsen in Abzug gebracht werden (so schon der Entscheid</span><br/> <span class="ft6">des Steuerrekursgerichts vom 29.</span> <span class="ft6">März 2001 [RV.2000.20173/</span><br/> <span class="ft6">50174], Erw. 3b).</span><br/></div> </div> </body> </html>