B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1267/2016 U r t e i l v o m 2 6 . M ä r z 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, mit Zustimmung von Richterin Barbara Balmelli; Gerichtsschreiberin Tamina Bader. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch MLaw Ruedy Bollack, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Solothurn, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl; Verfügung des SEM vom 28. Januar 2016 / N (…). D-1267/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin (B._______) stellte am 11. April 2013 ein Asylge- such in der Schweiz. Sie wurde am 18. April 2013 zur Person befragt (BzP). Der Beschwerdeführer (A._______) suchte am 23. Dezember 2013 um Asyl nach. Seine BzP fand am 9. Januar 2014 statt. Am 16. Mai 2014 wurden beide vertieft zu ihren Asylgründen angehört. Die Beschwerdeführenden machten geltend, sie seien afghanische Staats- angehörige tadschikischer Ethnie und würden aus C._______ stammen. Sie hätten C._______ bereits im Kindesalter verlassen und sich mit Ihren Familien in D._______ (Provinz E._______), Iran, niedergelassen, wo sie Nachbarn gewesen seien. Die Familie der Beschwerdeführerin habe eine Heirat zwischen ihnen abgelehnt, weil geplant gewesen sei, dass sie einen Cousin heirate. 1996 sei die Beschwerdeführerin zusammen mit ihrer Fa- milie nach C._______ zurückgekehrt. Dort habe sie festgestellt, dass sie schwanger sei. Sie habe den Beschwerdeführer telefonisch darüber infor- miert, worauf er sie in C._______ abgeholt habe. Zusammen seien sie nach D._______ zurückgekehrt; auf der Reise hätten sie am 13. Dezember 1996 in F._______ geheiratet beziehungsweise sich vor einem Mullah ver- lobt. Sie hätten in der Folge in D._______ gewohnt, wo am 18. September 1997 ihr Sohn zur Welt gekommen sei. Im Jahr 2004 seien sie mit Unter- stützung des Amtes des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nati- onen (UNHCR) nach C._______ zurückgekehrt. Die Beschwerdeführerin habe zusammen mit ihrem Sohn für ein paar Stunden ihre Familie besucht, um zu sehen, ob diese sich mittlerweile mit der Beziehung zum Beschwer- deführer abgefunden habe; d er Beschwerdeführer habe sich derweil im Haus seines Onkels versteckt gehalten. Die Beschwerdeführerin sei von ihrer Familie weiterhin als Schande für ihren Ruf betrachtet und von ihren Brüdern beschimpft und geschlagen wo rden. Aufgrund dessen se ien die Beschwerdeführenden nach ein paar Tagen in den Iran zurückgekehrt. Im Jahr 2012 hätten die iranischen Behörden der Provinz E._______ alle Af- ghanen aufgefordert, die Provinz zu verlassen, weshalb sie (die Beschwer- deführenden) am 21. Juni 2012 aus dem Iran in Richtung Türkei ausgereist seien. Anfangs 2013 seien sie nach Griechenland und von dort getrennt in die Schweiz weitergereist. Die Beschwerdeführerin sei am 10. April 2013 auf dem Luftweg in die Schweiz gelangt. D-1267/2016 Seite 3 Der Beschwerdeführer brachte zusätzlich vor, er habe in Griechenland zum Christentum konvertiert und sich am (…) 2013 taufen lassen. Am 19. De- zember 2013 sei er mit einer Einreisebewilligung auf dem Luftweg von Griechenland in die Schweiz gelangt. B. Das SEM stellte mit Verfügung vom 28. Januar 2016 fest, die Beschwer- deführenden würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Voll- zug der Wegweisung schob sie wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. C. Die Beschwerdeführenden erhoben dagegen mit Eingabe vom 29. Februar 2016 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragten, es seien die Ziffern 1-3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben, sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und es sei ihnen Asyl zu gewähren. Eventu- aliter sei ihnen eine vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgelt- lichen Prozessführung samt Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschus- ses sowie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Sie legten als Beweismittel ein Schreiben der Hellenic Ministries vom 22. Februar 2016 bei. D. Mit Zwischenverfügung vom 13. Juni 2016 wies die damals zuständige In- struktionsrichterin die Gesuche um Gewähru ng der unentgeltlichen Pro- zessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses so- wie um Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes ab und forderte die Beschwerdeführenden zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 600.– innert angegebener Frist auf. Dieser wurde am 27. Juni 2016 frist- gerecht bezahlt. E. Die Verfahrensstandsanfrage der Beschwerdeführenden vom 8. Februar 2018 wurde vom Gericht am 9. Februar 2018 beantwortet. D-1267/2016 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerde- führung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht einge- reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwalt ungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver- fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer Urteilsbegründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 4. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Feststel- lung der Flüchtlingseigenschaft, der Asylpunkt sowie die verfügte Wegwei- sung. Der Wegweisungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vor- instanz die vorläufige Aufnahme zu Gunsten der Beschwerdeführenden angeordnet hat. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen D-1267/2016 Seite 5 unerträglichen psychischen Druck bewir ken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer erst durch die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgungssituation be- gründet hat (sog. subjektive Nachfluchtgründe), hat grundsätzlich ebenfalls Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft; verwehrt bleibt einzig das Asyl (vgl. Art. 54 AsylG). 6. 6.1 Das SEM begründete seinen Asylentscheid damit, dass Verfolgungs- massnahmen asylrechtlich unwesentlich seien, welc he sich ausserhalb des Staates, dessen Staatsangehörigkeit die Asylsuchenden besitzen, zu- getragen hätten. Deshalb halte das Vorbringen, die Beschwerdeführenden hätten den Iran verlassen müssen, da die Behörden der Provinz E._______ alle Afghanen zum Verlassen der Provinz aufgefordert habe, den Anforde- rungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht stand. Zur dargelegten Gefähr- dungslage in Afghanistan könne angenommen werden, dass die Familie den Aufenthaltsort der Beschwerdeführenden im Iran gekannt habe, da diese dort immer an der gleichen Adresse gewohnt hätten. Die Tatsache, dass die Familie die Beschwerdeführenden dennoch nie im Iran aufge- sucht habe, zeige, dass die für die Asylrelevanz erforderliche Intensität der Verfolgung nicht gegeben sei. Auch der geltend gemachte Vorfall im Jahr 2004 in Afghanistan erfülle die Anforderungen an die Intensität nicht. Die Beschwerdeführerin habe offensichtlich problemlos mit ihrem Sohn ihr El- ternhaus wieder verlassen und mit einem Taxi zu ihrem Ehemann fahren können. Auch der Umstand, dass sie den Besuch unangekündigt abgestat- tet habe, ohne sich vorher darüber zu informieren, wie ihre Brüder der Hei- rat gegenüberstehen, mache eine asylrelevante Verfolgung unwahrschein- lich. Bei offensichtlich fehlender Asylrelevanz könne darauf verzichtet werden, auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente in den Vorbringen einzugehen, wobei hier ein ausdrücklicher Vorbehalt anzubringen sei. So habe der Be- schwerdeführer vorgebracht, dass seine Frau bei ihrer Rückkehr nach Af- ghanistan bereits se it einem Monat schwanger gewesen sei. Etwa einen Monat nach deren Rückkehr nach C._______ habe er sie in Afghanistan D-1267/2016 Seite 6 abgeholt und auf dem Rückweg in den Iran am 13. Dezember 1996 gehei- ratet. Der gemeinsame Sohn sei am 18. September 1997 zur Welt gekom- men. Dies sei jedoch nicht möglich, da die Beschwerdeführerin ansonsten elf und nicht nur neun Monate schwanger gewesen wäre. Ausserdem seien die Schilderungen, wie die Beschwerdeführerin im Jahr 1996 von zu Hause weggelaufen sei und wie der Beschwerdeführer sie in C._______ abgeholt habe, nicht sehr detailliert ausgefallen. Bezüglich der geltend gemachten Konversion zum Christentum in Grie- chenland sei festzuhalten, dass nach der gefestigten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts in Afghanistan nicht von einer allgemeinen, al- lein an das Bekenntnis zum Christentum anknüpfenden Verfolgungssitua- tion im Sinne einer Kollektivverfolgung auszugehen sei. Aus den Akten ergäben sich wegen der Konversion auch keine Hinweise auf eine begrün- dete Furcht vor zukünftiger Verfolgung. Es sei nicht ersichtlich, dass Per- sonen in Afghanistan oder der afghanische Staat von der Konversion er- fahren hätten. Im Übrigen habe er vorgebracht, die Personen, welche von seiner Konversion wüssten, könnten ihm keinen Schaden zufügen. Die Konversion zum Christentum in Griechenland sei deshalb asylrechtlich nicht beachtlich. 6.2 In der Rechtsmittelschrift wird vorgebracht, die Beschwerdeführerin habe seinerzeit in C._______ keinen Schwangerschaftstest durchführen können, es sei daher unklar, ob sie bei der Rückkehr nach C._______ über- haupt schwanger gewesen sei. Die Annahme, dass eine Schwangerschaft neun Monate dauere, sei zudem ungenau. Es treffe zu, dass die Beschwer- deführerin bei ihrem Besuch von ihren Brüdern nicht schwer verletzt oder sofort getötet worden sei. Aber es sei klar eine lebensbedrohliche Lage entstanden. Gemäss dem Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 26. Februar 2009 (SFH -Bericht) seien Frauen in Afghanistan, die sich gegen eine Zwangsheirat gewehrt hätten, Teil einer sehr gefähr- deten Gruppe. Bei einem Verbleib in Afghanistan hätten die Beschwerde- führenden mit dem Tod durch Blutfehde rechnen müssen. Aus dem SFH - Bericht gehe auch hervor, dass Konvertiten in Afghanistan mit dem Tod be- straft würden. Es könne vom Bes chwerdeführer nicht verlangt werden, dass er seine Religion aufgebe. Bei einer Rückkehr nach Afghanistan wür- den die Mitmenschen von seiner Konversion erfahren, denn er würde we- der in die Moschee gehen noch seine täglichen Gebete ausführen. Er habe D-1267/2016 Seite 7 seinen Glauben zudem öffentlich ausgelebt. Er habe sich in einem öffentli- chen Gottesdienst taufen lassen, was gefilmt worden sei. Ausserdem habe sich seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgericht D-4981/2013 die allge- meine Sicherheitslage in Afghanistan weiter vers chlechtert. Die Taliban seien wieder auf dem Vormarsch. 7. 7.1 Die Vorbringen der Beschwerdeführenden, sie hätten den Iran auf Auf- forderung der iranischen Behörden verlassen müssen, ist asylrechtlich nicht relevant. Da Asylvorbringen – wie vom SEM zutreffend festgehalten – nur in Bezug auf das Heimatland, mithin Afghanistan, zu prüfen sind, findet dieser konkrete Einwand im Rahmen der vorliegenden Würdigung keine weitere Berücksichtigung. 7.2 Hinsichtlich der dargelegten vereitelten Zwangsheirat zwischen der Be- schwerdeführerin und ihrem Cousin im Heimatland sowie dem Vorbringen, im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan wären die Beschwerdeführen- den infolge drohender Vergeltung durch die Brüder der Beschwerdeführe- rin ernsthaften Nachteilen im Sinne des Asylgesetzes ausgesetzt, ist Fol- gendes festzuhalten. Das Bundesverwaltungsgericht ist – in Übereinstim- mung mit dem SEM – der Ansicht, dass die Beschwerdeführenden keine konkreten Anhaltspunkte darlegen konnten, wonach sie ernsthaft befürch- ten müssten, aufgrund der verl etzten Familienehre umgebracht oder an- derweitigen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu werden. Es genügt nicht, eine Furcht lediglich mit Umständen, welche irgendwann allenfalls vorfallen könnten, zu begründen. Vielmehr müssen anhand einer objektiven Be- trachtungsweise hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein. Solche objektiven Anhaltspunkte sind vorliegend nicht ge- geben. Obwohl der Familie der Aufenthaltsort der Beschwerdeführenden im Iran offensichtlich bekannt war, wurden dies e nie im Iran aufgesucht oder bedroht. Das SEM hat ferner zutreffend darauf hingewiesen, dass es der Beschwerdeführerin und dem Sohn ohne nennenswerte Probleme möglich war, das Elternhaus nach dem Kurzbesuch im Jahr 2004 zu ver- lassen und zu ihrem Ehemann z u fahren. Der Einwand in der Beschwer- deschrift, die Schwester habe ihr zur Flucht verholfen, ist zu wenig sub- stantiiert, um daraus etwas anderes abzuleiten. So bleibt unerwähnt, worin diese Hilfe konkret bestanden haben soll. Eine Gesamtwürdigung der vor- liegenden Umstände legt den Schluss nahe, dass die Wahrscheinlichkeit, D-1267/2016 Seite 8 dass die Beschwerdeführenden von der Familie ernsthafte Nachteile zu erwarten hätten, gering erscheint. Den Beschwerdeführenden ist es demnach nicht gelungen, eine im Zeit- punkt der Ausre ise bestehende oder unmittelbar drohende asylrelevante Verfolgung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. 8. 8.1 Der Beschwerdeführer beruft sich überdies auf eine Konversion zum Christentum in Griechenland. Er macht somit subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. 8.2 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk- lichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be- drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen i n vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungs- massnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 m.w.H.). 8.3 Im als Referenzurteil publizierten Urteil D -4952/2014 vom 23. August 2017 hielt das Bundesverwaltungsgericht unter anderem fest , dass Gläu- bige anderer Religionen als des Islams gemäss der afghanischen Verfas- sung ihren Glauben innerhalb der gesetzlichen Grenzen f rei ausüben könnten. Die afghanische Verfassung bezeichne den Islam jedoch gleich- zeitig explizit als offizielle Staatsreligion und bestimme, dass keine andere Religion den Grundsätzen und Regeln des Islams zuwiderlaufen dürfe. Zwar werde Apostasie im afghanischen Strafgesetzbuch nicht als Straftat definiert, falle aber nach afghanischer Rechtsauffassung unter die nicht weiter definierten ‚ungeheuerlichen Straftaten‘, die laut Strafgesetzbuch nach der Hanafi -Rechtslehre bestraft würden. Gemäss dieser Hanafi -D-1267/2016 Seite 9 Rechtslehre würden Frauen lebenslang respektive bis zum Widerruf der Konversion in Haft genommen und Männer enthauptet. Werde die Todes- strafe nicht verhängt, seien die daneben vorgesehenen strafrechtlichen so- wie auch gesellschaftlichen Konsequenzen äussers t hart. Die Äusserung von nicht-religiösen Überzeugungen werde verfolgt oder schlicht durch so- ziale Zwänge verunmöglicht, wobei die soziale Kontrolle und der soziale Druck in Afghanistan gross seien. Im genannten Referenzurteil wurde der Schluss gezogen, d ass Personen, deren Apostasie öffentlich bekannt werde, objektiv begründete Furcht vor Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG hätten. Es sei zu prüfen, inwieweit von einer Person vernünftigerweise er- wartet werden könne, die drohende Verfolgung durch das eigene (diskrete) Verhalten abzuwenden oder ob solches für sie zu einem unerträglichen psychischen Druck führe (vgl. Referenzurteil D-4952/2014 E. 7.5.5 f.; Urteil des BVGer D-5377/2015 vom 26. Februar 2018, E. 5.2). 8.4 Der Beschwerdeführer macht geltend , seine mit dem Schreiben der Hellenic Ministries vom 22. Februar 2016 bestätigte Taufe in Griechenland sei gefilmt worden und auf Facebook abrufbar. Der in der Beschwerde an- gegebene Link führt zu zwei – vermutungsweise zu Werbezwecken erstell- ten – Videos der Hellenic Ministries, die sich in ihrem Internetauftritt als eine griechische evangelistische und missionarisch e O rganisation be- zeichnet (vgl. http://hellenicministries.org/history/, abgerufen am 1. März 2018). Der Beschwerdeführer ist in keinem der Videos zu erkennen, weder als Täufling noch als anderweitiger Teilnehmer der dargestellten Aktivitä- ten, und er wird auch nicht namentlich erwähnt. Es ist demnach nicht er- sichtlich, inwiefern er durch diese Aufnahmen mit den Hellenic Ministries in Verbindung gebracht werden könnte. Solches ergibt sich auch nicht aus seinem Vorbringen, dass er in der Kirche in Griechenland gearbeitet habe, weshalb die Afghanen, die dorthin gekommen seien, von seiner Konver- sion wüssten (SEM-Akte C13 F140 f f.). Es ist nicht davon auszuge hen, dass Personen, die er beim Essen oder in den Bibelkreisen getroffen hat, seine Konversion in Afghanistan preisgeben würden, zumal nicht nachvoll- ziehbar ist, weshalb sich Christen (vermutlich selbst Konvertiten) gegen- über einem zum Christentum Konvertierten derart verhalten sollten. Im Üb- rigen brachte der Beschwerdeführer selbst vor, dass er seine Konversion nur Christen, nicht aber Muslimen gegenüber offenbare (SEM-Akte C13 D-1267/2016 Seite 10 F136), und dass die Personen, welche in der Schweiz von seiner Konver- sion wüssten, ihm nicht schaden könnten . In Afghanistan wisse niemand, dass er konvertiert sei (SEM-Akte C13 F158). Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise auf exponierende Glaubens- bezeugungen in der Schweiz . Sodann haben die Beschwerdeführenden während ihrer 5-jährigen Aufenthaltsdauer in der Schweiz im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) keine entsprechenden Belege eingereicht, welche das religiöse Engagement dokumentieren würden. Der Beschwer- deführer machte lediglich Besuche (vermutlich Gottesdienste) in zwei ver- schiedenen Kirchen geltend (SEM-Akte C13 F152 ff.). Es ist demnach da- von auszugehen, dass er religiös nicht aktiv in Erscheinung tritt und seinen Glauben diskret lebt. Somit ist es ihm zuzumuten, im Falle einer Rückkehr in sein Heimatland seinen Glauben weiterhin so diskret zu leben, ohne dass für ihn ein unerträglicher psychischer Druck entstehen würde. Dem Gesagten nach ergeben sich keine hinreichend kon kreten Anhalts- punkte für die Annahme einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung. 9. Zusammenfassend konnten die Beschwerdeführenden weder das Vorlie- gen von Vorfluchtgründen noch von subjektiven Nachfluchtgründen nach- weisen oder zumindest glaubhaft machen. Die Vorinstanz hat deshalb ihre Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und die Asylgesuche abgelehnt. 10. Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange- ordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 11. Aus diesen Erwägu ngen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung D-1267/2016 Seite 11 Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu- weisen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh- renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 27. Juni 2016 in der gleichen Höhe geleistete Kos- tenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-1267/2016 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der in der gleichen Höhe geleistete Kostenvorschuss wird z ur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Jeannine Scherrer-Bänziger Tamina Bader Versand: