<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 27 S.109</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">109</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Schulrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>27</b></span> <span class="ft3"><b>Zuständigkeit und Verfahren zur Erhebung, Festsetzung und Übernahme</b></span><br/> <span class="ft3"><b>von Schulgeld für den Besuch einer obligatorischen öffentlichen Schule</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ausserhalb des Wohnorts.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Nur bei Einigkeit zwischen allen Betroffenen (Schul- und Wohnge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>meinde sowie Eltern) kann die Schulgemeinde über das Schulgeld ver-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>fügen (Erw. 1/d).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Bei Uneinigkeit zwischen Schul- und Wohngemeinde oder Eltern ent-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>scheidet erstinstanzlich das Departement für Bildung, Kultur und</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Sport (BKS) und der Entscheid des BKS kann mit Beschwerde beim</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Regierungsrat angefochten werden (Erw. 1/d).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Ist das Schulgeld zwischen den Eltern und Schul- oder Wohngemeinde</b></span><br/> <span class="ft3"><b>umstritten, ist gegen den Entscheid des Regierungsrats die Verwal-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>tungsgerichtsbeschwerde gemäss § 52 Ziff. 1 VRPG möglich</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 2/a).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Bei Differenzen zwischen der Schul- und Wohngemeinde ist der Be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schwerdeentscheid des Regierungsrats beim Verwaltungsgericht ge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>mäss § 52 Ziff. 4 VRPG anfechtbar (Erw. 2/b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Teilurteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 1. Juli 2004 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">D. gegen Entscheid der Einwohnergemeinde S.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. a) Streitgegenstand in den Verfahren um Schulgeldbeiträge ist</span><br/> <span class="ft6">der Anspruch auf unentgeltlichen obligatorischen Grundschul-</span><br/> <span class="ft6">unterricht an öffentlichen Schulen (Art. 19 i.V.m. Art. 62 BV; § 28 f.</span><br/> <span class="ft6">KV; § 3 Abs. 3 und § 6 SchulG). Zu prüfen ist, wie und in welchem</span><br/> <span class="ft6">Verfahren dieser Anspruch geltend zu machen ist, wenn ein Kind den</span><br/> <span class="ft6">obligatorischen Schulunterricht an einer öffentlichen Schule</span><br/> <span class="ft6">ausserhalb des Wohn- bzw. Aufenthaltsortes besucht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">110</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">In der Vernehmlassung vom 25. Februar 2004 vertritt der Re-</span><br/> <span class="ft6">gierungsrat die Rechtsauffassung, das Verwaltungsgericht sei zur</span><br/> <span class="ft6">Beurteilung von Verfügungen und Entscheiden betreffend Schulgeld</span><br/> <span class="ft6">im Beschwerdeverfahren zuständig, wenn sich Private gegen die</span><br/> <span class="ft6">verfügungsmässige Auferlegung von Schulgeldern wehren würden</span><br/> <span class="ft6">und/oder strittig sei, ob die Aufenthalts- oder die Schulgemeinde die</span><br/> <span class="ft6">Kosten zu tragen habe. Das Klageverfahren gelange zur Anwendung,</span><br/> <span class="ft6">wenn über allfällige Ansprüche der Gemeinde gegenüber den Eltern</span><br/> <span class="ft6">zu entscheiden sei, da in solchen Fällen für eine Kostenauferlegung</span><br/> <span class="ft6">mittels Verfügung zu Lasten der Eltern eine gesetzliche Grundlage</span><br/> <span class="ft6">fehle.</span><br/> <span class="ft6">b) Die publizierte Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft6">stellte in Frage (AGVE 1991, S. 162 f.), ob es zulässig sei, den Eltern</span><br/> <span class="ft6">die Kosten des auswärtigen Schulbesuches ihrer Kinder mit Verfü-</span><br/> <span class="ft6">gung aufzuerlegen. Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Grundlage</span><br/> <span class="ft6">hat die vom Regierungsrat publizierte Rechtsprechung dies verneint</span><br/> <span class="ft6">(AGVE 1997, S. 546 f.; vgl. auch VGE II/88 vom 28. August 1996</span><br/> <span class="ft6">[BE.1994.00103] in Sachen H.J. und P.N., S. 17 f.).</span><br/> <span class="ft6">In AGVE 1991, S. 159, wurde die Verfügungskompetenz der</span><br/> <span class="ft6">Wohnsitzgemeinde bezüglich der Erhebung des Schulgeldes bei den</span><br/> <span class="ft6">Eltern des schulpflichtigen Kindes gestützt auf den damaligen</span><br/> <span class="ft6">§ 6 SchulG (in der Fassung vom 17. März 1981; AGS Band 10,</span><br/> <span class="ft6">S. 529) verneint. Der § 6 SchulG lautete wie folgt:</span><br/> <span class="ft7">"§ 6</span><br/> <span class="ft8"><sup>1</sup></span><span class="ft7">Die Schulpflicht ist in der Regel in den öffentlichen Schulen der</span><br/> <span class="ft7">Wohngemeinde oder des Schulkreises, zu dem die Wohngemeinde gehört,</span><br/> <span class="ft7">zu erfüllen.</span><br/> <span class="ft8"><sup>2</sup></span><span class="ft7">Eltern, deren Kinder ihre Schulpflicht nicht in öffentlichen Schu-</span><br/> <br/> <span class="ft7">len erfüllen, haben bei der zuständigen Schulpflege den genügenden Unter-</span><br/> <span class="ft7">richt nachzuweisen.</span><br/> <span class="ft8"><sup>3</sup></span><span class="ft7">Kinder und Jugendliche mit Aufenthalt in Heimen erfüllen ihre</span><br/> <br/> <span class="ft7">Schulpflicht in den Heimschulen oder den öffentlichen Schulen der Re-</span><br/> <span class="ft7">gion."</span><br/> <span class="ft6">c) Anlässlich der Partialrevision des Schulgesetzes vom</span><br/> <span class="ft6">17. März 1998 (in Kraft seit 1. August 1998) wurde § 6 Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">SchulG wie folgt neu gefasst:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">111</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">"</span><span class="ft8"><sup>2</sup></span><span class="ft7">Erfolgt der Unterrichtsbesuch ohne wichtige Gründe an der</span><br/> <span class="ft7">Volksschule einer anderen Gemeinde, entfällt die Unentgeltlichkeit gemäss</span><br/> <span class="ft7">§ 3 Abs. 3. Das Schulgeld, das die Gemeinde erhebt, darf höchstens kosten-</span><br/> <span class="ft7">deckend sein."</span><br/> <span class="ft6">In der Botschaft des Regierungsrates an den Grossen Rat vom</span><br/> <span class="ft6">5. November 1997, Schulgesetz, Partialrevision Etappe I, Bericht</span><br/> <span class="ft6">und Entwurf zur 1. Beratung (Botschaft Schulgesetz), wird zu dieser</span><br/> <span class="ft6">Änderung ausgeführt, dass diese neue Bestimmung die gesetzliche</span><br/> <span class="ft6">Grundlage zur Schulgelderhebung bei den Eltern schaffe (Botschaft</span><br/> <span class="ft6">Schulgesetz, S. 12).</span><br/> <span class="ft6">Die neue gesetzliche Grundlage hat zu keiner Änderung von § 6</span><br/> <span class="ft6">der Verordnung über das Schulgeld vom 16. Dezember 1985 geführt</span><br/> <span class="ft6">(Schulgeldverordnung; SAR 403.151; Fassung gemäss Verordnung</span><br/> <span class="ft6">vom 19. Dezember 1988). Die seit 1. Januar 1989 geltenden Be-</span><br/> <span class="ft6">stimmungen lauten unverändert:</span><br/> <span class="ft7">"§ 6</span><br/> <span class="ft8"><sup>1</sup></span><span class="ft7">Zuständig für die Festsetzung des Schulgeldes sowie für den Ent-</span><br/> <span class="ft7">scheid über die Erhebung oder Übernahme eines solchen ist der Gemeinde-</span><br/> <span class="ft7">rat.</span><br/> <span class="ft8"><sup>2</sup></span><span class="ft7">Können sich die Beteiligten über die Tragung des Schulgeldes</span><br/> <br/> <span class="ft7">oder über dessen Höhe nicht einigen, entscheidet hierüber in erster Instanz</span><br/> <span class="ft7">das Erziehungsdepartement. Dieser Entscheid ist an den Regierungsrat</span><br/> <span class="ft7">weiterziehbar. Im übrigen richtet sich das Verfahren nach dem Gesetz über</span><br/> <span class="ft7">die Verwaltungsrechtspflege."</span><br/> <span class="ft6">Nach dem Willen des Verordnungsgebers ist für die Festsetzung</span><br/> <span class="ft6">des Schulgeldes sowie für den Entscheid über die Erhebung oder</span><br/> <span class="ft6">Übernahme eines solchen die Gemeinde bzw. der Gemeinderat oder</span><br/> <span class="ft6">das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) zuständig. Die</span><br/> <span class="ft6">gesetzliche Grundlage für die Zuständigkeit des BKS im Fall der Un-</span><br/> <span class="ft6">einigkeit bildet § 86 SchulG. Gemäss § 6 Abs. 2 Schulgeldverord-</span><br/> <span class="ft6">nung hat das BKS erstinstanzlich über die Tragung des Schulgeldes</span><br/> <span class="ft6">oder über dessen Höhe zu entscheiden, sofern sich die Beteiligten</span><br/> <span class="ft6">nicht einigen können.</span><br/> <span class="ft6">d) aa) Die Bestimmungen im Schulgesetz und in der Schulgeld-</span><br/> <span class="ft6">verordnung äussern sich nicht explizit dazu, welcher Gemeinde</span><br/> <span class="ft6">(Wohn- oder Schulgemeinde) die Verfügungskompetenz zusteht und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">112</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">welche den Entscheid über die Erhebung oder Übernahme eines</span><br/> <span class="ft6">Schulgeldes zu fällen hat. Beim Schulgeld handelt es sich indessen</span><br/> <span class="ft6">naturgemäss um einen Anspruch der Schulgemeinde zur Deckung</span><br/> <span class="ft6">der ihr durch den Schulbesuch eines Schülers einer anderen Gemein-</span><br/> <span class="ft6">de entstehenden Kosten (§ 6 Abs. 2 und § 53 Abs. 4 SchulG sowie</span><br/> <span class="ft6">§ 1 ff. Schulgeldverordnung), so dass die mit der Teilrevision des</span><br/> <span class="ft6">Schulgesetzes eingeräumte Verfügungskompetenz der Schulge-</span><br/> <span class="ft6">meinde zusteht. Nur die Verfügungskompetenz der Schulgemeinde</span><br/> <span class="ft6">kann sich auf die gesetzliche Grundlage in § 6 Abs. 2 SchulG stüt-</span><br/> <span class="ft6">zen. Der Wohn- bzw. Aufenthaltsgemeinde steht diese Kompetenz</span><br/> <span class="ft6">nicht zu.</span><br/> <span class="ft6">bb) Gemäss § 6 Abs. 2 der Schulgeldverordnung steht die Ver-</span><br/> <span class="ft6">fügungskompetenz der Schulgemeinde unter dem Vorbehalt, dass</span><br/> <span class="ft6">zwischen sämtlichen Beteiligten, das heisst den Eltern, der Schulge-</span><br/> <span class="ft6">meinde sowie der Wohngemeinde, bezüglich Übernahme und Höhe</span><br/> <span class="ft6">des Schulgeldes Einigkeit besteht. Im Falle der Uneinigkeit ent-</span><br/> <span class="ft6">scheidet das BKS erstinstanzlich. Diese Regelung hat ihre allge-</span><br/> <span class="ft6">meine Grundlage in der verfassungsrechtlichen Selbstständigkeit der</span><br/> <span class="ft6">Gemeinden als Träger der Volksschulen (§ 29 und § 106 KV;</span><br/> <span class="ft6">vgl. auch §§ 53 ff. SchulG) und mit Bezug auf die Festlegung des</span><br/> <span class="ft6">Schulgeldes in § 52 Abs. 4 SchulG, wonach bei Uneinigkeit der</span><br/> <span class="ft6">Gemeinden über die Höhe des Schulgeldes der Regierungsrat dieses</span><br/> <span class="ft6">festlegt. Eine verwaltungsrechtliche Rechtsbeziehung zwischen den</span><br/> <span class="ft6">Gemeinden besteht in diesem Bereich nicht, weshalb keine</span><br/> <span class="ft6">Gemeinde (Schul-) gegenüber einer andern Gemeinde (Wohn-) eine</span><br/> <span class="ft6">rechtsgestaltende oder feststellende Verfügung ohne deren Einver-</span><br/> <span class="ft6">ständnis erlassen kann. Weniger einleuchtend ist, dass nach dem</span><br/> <span class="ft6">unverändert gebliebenen Wortlaut der Verordnung das Verfü-</span><br/> <span class="ft6">gungsrecht der Schulgemeinde auch in jenen Fällen nicht zur</span><br/> <span class="ft6">Anwendung kommt, wo nur gegenüber den Eltern - nicht aber im</span><br/> <span class="ft6">Verhältnis zur Wohngemeinde - die Schulgeldfrage, insbesondere</span><br/> <span class="ft6">hinsichtlich deren Höhe, umstritten ist. Die Verfügungskompetenz</span><br/> <span class="ft6">der Schulgemeinde wird damit praktisch auf die nicht streitigen Fälle</span><br/> <span class="ft6">eingeschränkt, wo allenfalls für die Vollstreckung der Schul-</span><br/> <span class="ft6">geldforderung eine Verfügung zu erlassen ist. Doch selbst wenn es</span><br/> <span class="ft6">zutreffen sollte, dass dem Gesetzgeber eine weitergehende</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">113</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Verfügungskompetenz der Schulgemeinde vorschwebte, die im</span><br/> <span class="ft6">Wortlaut des revidierten § 6 Abs. 2 SchulG keinen klaren Ausdruck</span><br/> <span class="ft6">fand, stehen einem Abweichen vom eindeutigen Wortlaut der</span><br/> <span class="ft6">Verordnung gewichtige Gründe entgegen. Einerseits sind in § 6</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 und Abs. 2 Schulgeldverordnung Bestimmungen über die</span><br/> <span class="ft6">funktionale und sachliche Zuständigkeit enthalten, die im Interesse</span><br/> <span class="ft6">der Rechtsuchenden nicht ohne zwingende Gründe - die hier fehlen -</span><br/> <span class="ft6">abweichend vom Wortlaut ausgelegt werden sollten. Andererseits</span><br/> <span class="ft6">stellt diese Regelung für die Praxis sicher, dass über den Anspruch</span><br/> <span class="ft6">auf unentgeltlichen Schulunterricht in jedem Fall (auch wenn nur die</span><br/> <span class="ft6">Höhe umstritten ist) entschieden wird, und schliesslich spricht die</span><br/> <span class="ft6">Praktikabilität für ein möglichst einheitliches Verfahren in allen strei-</span><br/> <span class="ft6">tigen Schulgeldfällen. Die alleinige Zuständigkeit des BKS in stritti-</span><br/> <span class="ft6">gen Schulgeldfragen ermöglicht sodann auch eine einheitliche</span><br/> <span class="ft6">Praxis.</span><br/> <span class="ft6">Festzuhalten ist somit, dass der Vorbehalt der Einigung nicht</span><br/> <span class="ft6">nur für den Fall von Differenzen zwischen Schul- und Wohnorts-</span><br/> <span class="ft6">bzw. Aufenthaltsgemeinde gilt, sondern auch wenn sich eine der be-</span><br/> <span class="ft6">teiligten Gemeinden und die Eltern nicht einig sind. Das Verfahren</span><br/> <span class="ft6">vor dem BKS gewährleistet, dass alle relevanten Fragen (Unentgelt-</span><br/> <span class="ft6">lichkeit, Höhe des Schulgeldes) in einem Verfahren mit Beteiligung</span><br/> <span class="ft6">aller Betroffenen beurteilt werden.</span><br/> <span class="ft6">cc) Für die praktische Handhabung ergeben sich aus dieser Re-</span><br/> <span class="ft6">gelung unterschiedliche Verfahrensvarianten je nach konkreter Aus-</span><br/> <span class="ft6">gangslage:</span><br/> <span class="ft6">Variante 1:</span><br/> <span class="ft6">Die Eltern, die Wohn- und Schulgemeinde sind sich über Über-</span><br/> <span class="ft6">nahme und Höhe des Schulgeldes im konkreten Einzelfall einig, so</span><br/> <span class="ft6">dass die Schulgemeinde gemäss § 6 Abs. 2 SchulG und § 6 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">Schulgeldverordnung verfügen kann. Die Einigkeit zwischen allen</span><br/> <span class="ft6">Betroffenen ist Voraussetzung der Verfügung über das Schulgeld und</span><br/> <span class="ft6">von der Schulgemeinde von Amtes wegen festzustellen.</span><br/> <span class="ft6">Variante 2:</span><br/> <span class="ft6">Ist zwischen Eltern und Wohngemeinde die Übernahme (oder</span><br/> <span class="ft6">die Höhe) des Schulgeldes umstritten, sind die Akten von der Wohn-</span><br/> <span class="ft6">oder Schulgemeinde dem BKS zum Entscheid vorzulegen und dieses</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">114</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">entscheidet unter Beteiligung bzw. Mitwirkung der beiden</span><br/> <span class="ft6">Gemeinden und der Eltern am Verfahren erstinstanzlich.</span><br/> <span class="ft6">Variante 3:</span><br/> <span class="ft6">Zwischen Wohn- und Schulgemeinde ist die Übernahme oder</span><br/> <span class="ft6">die Höhe umstritten. Auch in diesem Fall hat das BKS erstinstanzlich</span><br/> <span class="ft6">zu entscheiden. Den Eltern ist grundsätzlich eine Beteiligung am</span><br/> <span class="ft6">Verfahren zu gewährleisten, kann allerdings auf eine fakultative</span><br/> <span class="ft6">Mitwirkung beschränkt sein, wo lediglich die Höhe des Schulgeldes</span><br/> <span class="ft6">streitig ist.</span><br/> <span class="ft6">Variante 4:</span><br/> <span class="ft6">Uneinigkeit besteht zwischen den Eltern und der Schulge-</span><br/> <span class="ft6">meinde in Bezug auf die Höhe des Schulgeldes. Auch in diesem Fall</span><br/> <span class="ft6">ist nur das BKS verfügungsberechtigt und die Wohngemeinde ist am</span><br/> <span class="ft6">Verfahren zu beteiligen. Für diese Beteiligung kann im Einzelfall</span><br/> <span class="ft6">eine Orientierung über das Verfahren mit der Möglichkeit einer</span><br/> <span class="ft6">Stellungnahme genügen.</span><br/> <span class="ft6">Hat die Schulgemeinde verfügt oder entschieden, ohne die Ei-</span><br/> <span class="ft6">nigkeit der Beteiligten festzustellen, fällt der Entscheid - vergleich-</span><br/> <span class="ft6">bar einer Einsprache - ohne weiteres dahin, wenn die Wohngemeinde</span><br/> <span class="ft6">oder die Eltern eine fehlende Einigung geltend machen. Die Sache ist</span><br/> <span class="ft6">dem erstinstanzlich zuständigen BKS zum Entscheid vorzulegen.</span><br/> <span class="ft6">dd) Zusammenfassend ist demgemäss festzuhalten, dass nur bei</span><br/> <span class="ft6">Einigkeit unter allen Betroffenen über die Festsetzung des Schulgel-</span><br/> <span class="ft6">des sowie über die Erhebung oder Übernahme eines solchen die</span><br/> <span class="ft6">Schulgemeinde verfügen kann. Eine Verfügung der Wohn- oder Auf-</span><br/> <span class="ft6">enthaltsgemeinde ist im Gesetz nicht vorgesehen, weshalb der Be-</span><br/> <span class="ft6">schluss des Gemeinderats S. vom 24. März 2003 mangels einer</span><br/> <span class="ft6">gesetzlichen Grundlage ungültig ist. Besteht keine Einigkeit, so hat</span><br/> <span class="ft6">das BKS erstinstanzlich zu entscheiden. Dabei hat es alle Betroffe-</span><br/> <span class="ft6">nen, soweit im konkreten Einzelfall erforderlich, am Verfahren zu</span><br/> <span class="ft6">beteiligen. Der Entscheid des BKS kann mit Beschwerde an den</span><br/> <span class="ft6">Regierungsrat angefochten werden (§ 87 SchulG und § 6 Abs. 2 Satz</span><br/> <span class="ft6">2 Schulgeldverordnung).</span><br/> <span class="ft6">Da in der Schulgesetzgebung die Festsetzung und Auferlegung</span><br/> <span class="ft6">von Schulgeldern an die Eltern durch Verfügung der Schulgemeinde</span><br/> <span class="ft6">oder des BKS bzw. zulasten der Schul- oder Wohngemeinde durch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">115</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">das BKS vorgesehen ist und diese Streitigkeiten der nachträglichen</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsgerichtsbarkeit unterliegen, ist das subsidiäre Klagever-</span><br/> <span class="ft6">fahren ausgeschlossen (Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und</span><br/> <span class="ft6">Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über die</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsrechtspflege, Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG,</span><br/> <span class="ft6">Diss.</span> <span class="ft6">Zürich 1998, §</span> <span class="ft6">60 N 35). Das Klageverfahren kommt</span><br/> <span class="ft6">- entgegen der Auffassung des Regierungsrates - auch nicht für die</span><br/> <span class="ft6">Erhebung der Schulgelder von den Eltern durch die Schulgemeinde</span><br/> <span class="ft6">beim Besuch einer auswärtigen öffentlichen Schule zu Anwendung.</span><br/> <span class="ft6">2. Die Ausgestaltung des Verfahrens vor der Schulgemeinde</span><br/> <span class="ft6">bzw. dem BKS führt zur Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts, je</span><br/> <span class="ft6">nachdem in welcher Konstellation die Auseinandersetzung über das</span><br/> <span class="ft6">Schulgeld stattfindet.</span><br/> <span class="ft6">a) § 52 Ziff. 1 VRPG ist eine weitgefasste Zuständigkeitsnorm</span><br/> <span class="ft6">für Beschwerden gegen Verwaltungsakte von Verwaltungsbehörden,</span><br/> <span class="ft6">die den Privaten zur Leistung von Geldzahlungen verpflichten, die</span><br/> <span class="ft6">ihre Rechtsgrundlage im kantonalen oder kommunalen öffentlichen</span><br/> <span class="ft6">Recht haben (Merker, a.a.O., § 52 N 11). Die Gebühr ist das Entgelt</span><br/> <span class="ft6">für eine bestimmte, von der abgabepflichtigen Person veranlasste</span><br/> <span class="ft6">Amtshandlung oder für die Benutzung einer öffentlichen Einrich-</span><br/> <span class="ft6">tung. Sie soll die Kosten, welche dem Gemeinwesen durch die</span><br/> <span class="ft6">Amtshandlung oder Einrichtung entstanden sind, decken (Ulrich Hä-</span><br/> <span class="ft6">felin/Georg Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Zü-</span><br/> <span class="ft6">rich 2002, Rz. 2626). Beim Schulgeld handelt es sich um Gebühren</span><br/> <span class="ft6">im Sinne dieser Bestimmung. Das verwaltungsgerichtliche Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeverfahren gemäss § 52 Ziff. 1 VRPG kommt demgemäss</span><br/> <span class="ft6">zur Anwendung, wenn sich die Eltern gegen die Auferlegung oder</span><br/> <span class="ft6">die Höhe des Schulgeldes wehren und der Instanzenzug durchlaufen</span><br/> <span class="ft6">ist.</span><br/> <span class="ft6">b) Voraussetzung für die sachliche Zuständigkeit des Verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsgerichts im Beschwerdeverfahren aufgrund § 52 Ziff. 4 VRPG</span><br/> <span class="ft6">ist das Vorliegen einer Streitigkeit zwischen zwei juristischen Perso-</span><br/> <span class="ft6">nen des öffentlichen Rechts über die im öffentlichen Recht begrün-</span><br/> <span class="ft6">dete Kostenverteilung, sofern darüber kein verwaltungsrechtlicher</span><br/> <span class="ft6">Vertrag abgeschlossen wurde (Merker, a.a.O., § 52 N 51). Demge-</span><br/> <span class="ft6">mäss steht den beteiligten Gemeinden (Schul- und Wohngemeinde)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">116</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">bei Uneinigkeit über die Tragung oder die Höhe des Schulgeldes und</span><br/> <span class="ft6">unter Beachtung des Instanzenzuges die Verwaltungsgerichtsbe-</span><br/> <span class="ft6">schwerde gemäss § 52 Ziff. 4 VRPG offen.</span><br/></div> </div> </body> </html>