Auslieferungsvertrag vom 23. Juli 1932 zwischen der Schweiz und Brasilien <?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><akomaNtoso xmlns="http://docs.oasis-open.org/legaldocml/ns/akn/3.0" xmlns:fedlex="http://fedlex.admin.ch/"><act name="publicLaw"><meta><identification source="#ch.bk"><FRBRWork><FRBRthis value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/50/162_166_178/20090727/main-text"/><FRBRuri value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/50/162_166_178/20090727"/><FRBRdate date="2009-07-27" name="jolux:dateApplicability"/><FRBRdate date="1934-02-24" name="jolux:dateEntryInForce"/><FRBRdate date="1932-07-23" name="jolux:dateDocument"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#publisher"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#rightsHolder"/><FRBRcountry value="CH"/><FRBRnumber value="0.353.919.8"/><FRBRname xml:lang="fr" value="Traité d'extradition du 23 juillet 1932 entre la Suisse et le Brésil" shortForm=""/><FRBRname xml:lang="de" value="Auslieferungsvertrag vom 23. Juli 1932 zwischen der Schweiz und Brasilien" shortForm=""/><FRBRname xml:lang="it" value="Trattato d'estradizione del 23 luglio 1932 tra la Svizzera e il Brasile" shortForm=""/><FRBRauthoritative value="true"/></FRBRWork><FRBRExpression><FRBRthis value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/50/162_166_178/20090727/de/main-text"/><FRBRuri value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/50/162_166_178/20090727/de"/><FRBRdate date="2009-07-27" name="jolux:dateApplicability"/><FRBRdate date="1934-02-24" name="jolux:dateEntryInForce"/><FRBRdate date="1932-07-23" name="jolux:dateDocument"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#publisher"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#rightsHolder"/><FRBRlanguage language="de"/></FRBRExpression><FRBRManifestation><FRBRthis value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/50/162_166_178/20090727/de/xml/main-text"/><FRBRuri value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/50/162_166_178/20090727/de/xml"/><FRBRdate date="2009-07-27" name="jolux:dateApplicability"/><FRBRdate date="1934-02-24" name="jolux:dateEntryInForce"/><FRBRdate date="1932-07-23" name="jolux:dateDocument"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#publisher"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#rightsHolder"/><FRBRformat value="xml" fedlex:generator="2024-q4-rel-1.6.5"/></FRBRManifestation></identification><references source="#ch.bk"><TLCOrganization eId="ch.bk" href="https://fedlex.data.admin.ch/vocabulary/legal-institution/2" showAs="Bundeskanzlei"/><TLCRole eId="publisher" href="http://data.legilux.public.lu/resource/ontology/jolux#publisher" showAs="Editeur"/><TLCRole eId="rightsHolder" href="http://data.legilux.public.lu/resource/ontology/jolux#rightsHolder" showAs="Détenteur des droits"/><TLCReference name="language" href="http://publications.europa.eu/resource/authority/language/DEU" showAs="de"/><TLCReference name="format" href="https://fedlex.data.admin.ch/vocabulary/user-format/xml" showAs="xml"/></references></meta><preface><p><docNumber>0.353.919.8</docNumber></p><p> BS <b>12</b> 77; BBl <b>1933</b> II 425 </p><p xmlns:mig="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:migration">Übersetzung<i><authorialNote><p> Der französische Originaltext findet sich unter der gleichen Nummer in der französischen Ausgabe dieser Sammlung.</p></authorialNote></i></p><p><docTitle>Auslieferungsvertrag<br/>zwischen der Schweiz und Brasilien</docTitle></p><p>Abgeschlossen am 23. Juli 1932<br/>Von der Bundesversammlung genehmigt am 7. Dezember 1933<authorialNote><p> AS <b>50</b> 161</p></authorialNote><br/>Ratifikationsurkunden ausgetauscht am 24. Januar 1934<br/>In Kraft getreten am 24. Februar 1934</p><p> (Stand am 27. Juli 2009)</p></preface><preamble><p>Der Schweizerische Bundesrat<br/>und<br/>der Chef der provisorischen Regierung der Republik der Vereinigten Staaten<br/>von Brasilien</p><p>haben sich, vom Wunsche geleitet, der internationalen Rechtshilfe zur Verbrechensbekämpfung zu dienen, zum Abschluss eines Auslieferungsvertrages entschlossen und hiefür als ihre Bevollmächtigten ernannt:</p><p xmlns:mig="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:migration">(Es folgen die Namen der Bevollmächtigten)</p><p>welche nach Überreichung ihrer in guter und gehöriger Form befundenen Vollmachten nachstehende Bestimmungen vereinbart haben:</p></preamble><body><article eId="art_I"><num><b>Art. I</b></num><paragraph eId="art_I/para"><content><p>Die vertragschliessenden Parteien verpflichten sich, gegenseitig auf Antrag, entsprechend den in jedem Land in Kraft bestehenden Gesetzen und gemäss den Regeln dieses Vertrages die Personen auszuliefern, die von den zuständigen Behörden des einen der beiden Staaten verfolgt oder verurteilt sind und die auf dem Gebiet des andern Landes wohnen oder sich vorübergehend aufhalten.</p></content></paragraph></article><article eId="art_II"><num><b>Art. II</b></num><paragraph eId="art_II/para"><content><blockList><listIntroduction eId="art_II/para/listintro">Die Auslieferung findet für folgende Straftaten statt, sofern die Handlung nach dem Recht des ersuchten Staates mit einer Gefängnisstrafe von einem Jahr oder mehr bedroht ist:</listIntroduction><item eId="art_II/para/lbl_1"><num>1. </num><p>Tötung, umfassend Mord, Totschlag, Elternmord, Kindesmord, Vergiftung und vorsätzliche Abtreibung;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_2"><num>2. </num><p>absichtliche Körperverletzung, welche den Tod oder einen bleibenden Nachteil, dauernde Arbeitsunfähigkeit oder eine schwere Verstümmelung eines Gliedes oder Organes des Körpers verursacht hat;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_3"><num>3. </num><p>Notzucht, gewalttätiger Angriff auf die Schamhaftigkeit, Kuppelei, Frauen- und Kinderhandel;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_4"><num>4. </num><p>mit oder ohne Gewalt verübter Angriff auf die Schamhaftigkeit von Kindern beider Geschlechter unter 14 Jahren;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_5"><num>5. </num><p>Doppelehe;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_6"><num>6. </num><p>Menschenraub und widerrechtliche Gefangenhaltung von Personen, Unterdrückung des Personenstandes, Unterschiebung von Kindern;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_7"><num>7. </num><p>Aussetzung und bösliches Verlassen von Kindern oder hilflosen Personen, Entführung von Minderjährigen;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_8"><num>8. </num><p>Fälschung oder Verfälschung von Münzen oder Papiergeld, von Banknoten oder andern Kreditpapieren mit gesetzlichem Kurs, von Aktien und andern Wertpapieren, die der Staat, Körperschaften, Gesellschaften oder Einzelpersonen ausgegeben haben; Fälschung oder Verfälschung von Postwertzeichen, Stempeln, Marken oder Siegeln des Staates oder öffentlicher Stellen; betrügerischer Gebrauch der gefälschten oder verfälschten Gegenstände der genannten Art, Einführung, Ausgabe oder Inverkehrbringung derselben in betrügerischer Absicht; betrügerischer Gebrauch oder Missbrauch von Siegeln, Stempeln und Marken;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_9"><num>9. </num><p>Fälschung von öffentlichen oder privaten Urkunden, Verfälschung von amtlichen Urkunden oder aller Art Handelspapieren; betrügerischer Gebrauch solcher gefälschter oder verfälschter Urkunden; Unterschlagung von Urkunden;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_10"><num>10. </num><p>falsches Zeugnis, Verleitung von Zeugen zu falscher Aussage, Meineid in Zivil- und Strafsachen;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_11"><num>11. </num><p>Bestechung von öffentlichen Beamten;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_12"><num>12. </num><p>Veruntreuung im Amte oder Unterschlagung öffentlicher Gelder; Gebührenüberforderung<authorialNote><p> Berichtigung der in der AS veröffentlichten Übersetzung gemäss Originaltext.</p></authorialNote>, verübt durch Beamte oder Verwalter;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_13"><num>13. </num><p>vorsätzliche Brandstiftung; Missbrauch von Sprengstoffen;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_14"><num>14. </num><p>vorsätzliche Handlungen, welche die Zerstörung oder Beschädigung von Eisenbahnen, Dampfschiffen, Postwagen, elektrischen Apparaten oder Leitungen (Telegrafen und Telefone) und die Gefährdung ihres Betriebes bewirken können;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_15"><num>15. </num><p>Raub, Erpressung, Diebstahl, Hehlerei;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_16"><num>16. </num><p>Seeräuberei, vorsätzliche Handlungen, welche das Sinken, die Strandung, die Zerstörung, Unbrauchbarmachung oder Beschädigung eines Schiffes bewirken, sofern dabei eine Gefahr für andere Menschen entstehen kann;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_17"><num>17. </num><p>Betrug;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_18"><num>18. </num><p>Veruntreuung und Unterschlagung;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_19"><num>19. </num><p>betrügerischer Bankerott;</p></item><item eId="art_II/para/lbl_20"><num>20. </num><p>vorsätzliche Zuwiderhandlung gegen die gesetzlichen Bestimmungen betreffend die Betäubungsmittel.</p></item></blockList><p>Die vorstehenden Bezeichnungen umfassen die Tat, den Versuch, die Teilnahme sowie Anstiftung und Begünstigung.</p><p>Die Aufzählung der in diesem Artikel bezeichneten Handlungen schliesst nicht aus, dass eine der vertragschliessenden Parteien, unter dem Vorbehalt der Gegenseitigkeit, die Auslieferung verfolgter oder verurteilter Personen wegen anderer Handlungen beim andern Teil beantragt oder die Auslieferung an diesen bewilligt, sofern die Gesetzgebung des ersuchten Staates dem nicht entgegensteht.</p></content></paragraph></article><article eId="art_III"><num><b>Art. III</b></num><paragraph eId="art_III/para"><content><blockList><listIntroduction eId="art_III/para/listintro">Die Auslieferung findet nicht statt:</listIntroduction><item eId="art_III/para/lbl_a"><num>a. </num><p>wenn die Straftat auf dem Gebiet des ersuchten Staates begangen worden ist;</p></item><item eId="art_III/para/lbl_b"><num>b. </num><p>wenn die Person, deren Auslieferung verlangt worden war, wegen der nämlichen Straftat im ersuchten Land bereits verurteilt oder freigesprochen worden ist;</p></item><item eId="art_III/para/lbl_c"><num>c. </num><p>wenn die Strafverfolgung oder die Strafvollstreckung nach dem Recht des ersuchten oder des ersuchenden Landes verjährt ist, bevor das Verhafts‑ oder Auslieferungsbegehren der Regierung des ersuchten Staates zugekommen ist;</p></item><item eId="art_III/para/lbl_d"><num>d. </num><p>wenn die beanspruchte Person im ersuchenden Staat vor ein Ausnahmegericht oder einen Ausnahmerichter gestellt werden soll;</p></item><item eId="art_III/para/lbl_e"><num>e. </num><p>wenn die Straftat politischer oder rein militärischer Natur ist oder ein Religions‑ oder Pressvergehen darstellt.</p></item></blockList><p>Das Vorschützen eines politischen Zweckes oder Beweggrundes genügt aber nicht, um die Auslieferung zu verhindern, wenn die Straftat vorwiegend gemeinrechtlicher Natur ist.</p><p>In diesem Fall und wenn die Auslieferung bewilligt wird, hängt ihre Vollziehung von einer Zusicherung des ersuchenden Staates ab, dass wegen des politischen Zwecks oder Beweggrundes keine Verschärfung der Strafe erfolgen werde. Die Behörden des ersuchten Staates sind allein befugt, im Einzelfall den Charakter der Straftat zu würdigen.</p></content></paragraph></article><article eId="art_IV"><num><b>Art. IV</b></num><paragraph eId="art_IV/para"><content><p>Die vertragschliessenden Parteien sind zur Auslieferung der eigenen Staatsangehörigen nicht verpflichtet.</p><p>Wird die Auslieferung eines eigenen Angehörigen nicht bewilligt, so können die Behörden des Landes, wo die Straftat begangen wurde, seine Verfolgung unter Vorlage der Beweisakten bei den Behörden des Zufluchtsstaates beantragen, welche die verfolgte Person, sofern die Gesetzgebung es zulässt, vor die eigenen Gerichte stellen werden.</p><p>Eine nochmalige Verfolgung findet im Staat, in dem die Straftat begangen wurde, nicht statt, wenn die verfolgte Person im Heimatstaat freigesprochen oder endgültig verurteilt wurde, und im Fall der Verurteilung, wenn sie die Strafe erstanden hat oder wenn Verjährung eingetreten ist.</p></content></paragraph></article><article eId="art_V"><num><b>Art. V</b></num><paragraph eId="art_V/para"><content><p>Die ausgelieferte Person kann wegen einer vor der Auslieferung begangenen Straftat, für welche die Auslieferung nicht beantragt worden ist, nur verfolgt und bestraft werden, nachdem der ersuchte Staat sein Einverständnis zur weitern Verfolgung gegeben hat.</p><p>Diese Beschränkung ist nicht anwendbar, wenn der Angeschuldigte sich ausdrücklich und freiwillig mit der Verfolgung wegen anderer Straftaten einverstanden erklärt, oder wenn er nicht innert dreissig Tagen nach seiner Freilassung das Land, an das er ausgeliefert wurde, verlässt und auch, wenn er in dessen Gebiet zurückkehrt, nachdem er es verlassen hatte.</p><p>Die vorerwähnte Einverständniserklärung wird dem andern Staat in Urschrift oder beglaubigter Abschrift übermittelt.</p><p>Die nämlichen Vorschriften gelten auch im Fall der Weiterlieferung an einen dritten Staat.</p></content></paragraph></article><article eId="art_VI"><num><b>Art. VI</b></num><paragraph eId="art_VI/para"><content><p>Die vertragschliessenden Parteien sind darüber einig, dass, wenn der Person, deren Auslieferung beantragt ist, eine Körperstrafe oder die Todesstrafe angedroht wird, die Auslieferung nur bewilligt wird, wenn der ersuchende Staat sich verpflichtet, diese Strafe in eine Freiheitsstrafe umzuwandeln.</p></content></paragraph></article><article eId="art_VII"><num><b>Art. VII</b></num><paragraph eId="art_VII/para"><content><p>Das Auslieferungsbegehren wird auf diplomatischem Weg gestellt.</p><p>Dem Auslieferungsbegehren wird beigegeben die Urschrift oder eine beglaubigte Abschrift des ergangenen Urteils, des Beschlusses über Versetzung in den Anklagezustand oder des vom zuständigen Richter oder Staatsanwalt erlassenen Haftbefehls, woraus sich ergeben muss, dass das Strafverfahren gegen den Angeschuldigten eröffnet und die vorläufige Verhaftung nach den geltenden Gesetzen angeordnet ist.</p><p>Das in Anwendung des vorhergehenden Absatzes vorgelegte Schriftstück hat eine genaue Darstellung der strafbaren Handlung mit Angabe von Ort und Zeit ihrer Begehung sowie eine Wiedergabe der angewendeten oder anwendbaren Strafbestimmungen des ersuchenden Staates und derjenigen über die Verjährung der Strafe oder der Verfolgung zu enthalten.</p><p>Dem Auslieferungsbegehren sind ausserdem alle für die Identifizierung der beanspruchten Person nötigen Auskünfte und Schriftstücke beizugeben.</p><p>Handelt es sich darum, die Auslieferung entwichener Strafgefangener zu erwirken, so genügt die Vorlage eines von der zuständigen Verwaltungs‑ oder Gerichtsbehörde erlassenen Schriftstückes, das eine Wiedergabe des Urteils und der angewendeten Strafbestimmungen und Angaben über die Dauer des noch zu verbüssenden Strafrestes, über Zeit und Umstände der Flucht, sowie die erforderlichen Mitteilungen über die Identität der beanspruchten Person enthält.</p><p>Es wird als zweckmässig bezeichnet, dass das Auslieferungsbegehren und die Auslieferungsbelege von französischen Übersetzungen begleitet werden, wenn sie nicht in dieser Sprache abgefasst sind.</p><p>Die Übergabe der Auslieferungsbegehren im diplomatischen Weg gilt als genügender Nachweis für die Echtheit der vorgelegten Schriftstücke, die dadurch als beglaubigt zu gelten haben.</p></content></paragraph></article><article eId="art_VIII"><num><b>Art. VIII</b></num><paragraph eId="art_VIII/para"><content><p>Bei Dringlichkeit kann eine der vertragschliessenden Parteien bei der andern unmittelbar durch die Post oder den Telegrafen oder durch ihre diplomatischen oder konsularischen Agenten die vorläufige Festnahme des Angeschuldigten sowie die Beschlagnahme der auf die Straftat bezüglichen Gegenstände beantragen.</p><p>Das Begehren soll auf das Vorhandensein eines der in Absatz 2 des vorstehenden Artikels erwähnten Schriftstücke Bezug nehmen und die im Vertrag vorgesehene Straftat angeben.</p><p>Die vorläufige Festnahme findet in den Formen und nach den Regeln der Gesetzgebung des ersuchten Staates statt; sie wird, ausser wenn andere Gründe bestimmend sind, nicht aufrechterhalten, wenn der ersuchte Staat nicht innert sechzig Tagen, vom Zeitpunkt der Verhaftung an gerechnet, das Auslieferungsbegehren, begleitet von den in Artikel VII Absatz 2 erwähnten Schriftstücken, erhalten hat.</p></content></paragraph></article><article eId="art_IX"><num><b>Art. IX</b></num><paragraph eId="art_IX/para"><content><p>Wenn die beanspruchte Person wegen einer andern, im ersuchten Staat begangenen Straftat verfolgt wird oder eine Strafe zu erstehen hat, so kann die Auslieferung bewilligt werden. Die beanspruchte Person wird aber erst übergeben, nachdem sie der Strafrechtspflege im ersuchten Staat Genüge geleistet hat.</p></content></paragraph></article><article eId="art_X"><num><b>Art. X</b></num><paragraph eId="art_X/para"><content><blockList><listIntroduction eId="art_X/para/listintro">Wenn die Person, deren Auslieferung auf Grund dieses Vertrages begehrt ist, gleichzeitig von einer oder mehreren andern Regierungen zur Auslieferung verlangt wird, so greift folgendes Verfahren Platz:</listIntroduction><item eId="art_X/para/lbl_a"><num>a. </num><p>handelt es sich um die gleiche Straftat, so erhält das Begehren desjenigen Staates den Vorzug, auf dessen Gebiet die Straftat begangen worden ist;</p></item><item eId="art_X/para/lbl_b"><num>b. </num><p>handelt es sich um verschiedene Straftaten, so erhält dasjenige Begehren den Vorzug, das nach dem Dafürhalten des ersuchten Staates die mit der schwersten Strafe bedrohte Straftat anführt;</p></item><item eId="art_X/para/lbl_c"><num>c. </num><p>handelt es sich um Straftaten, die der ersuchte Staat als gleich schwer erachtet, so erhält das zuerst gestellte Begehren den Vorzug.</p></item></blockList><p>In den Fällen der Buchstaben b und c kann der ersuchte Staat bei Bewilligung der Auslieferung die Bedingung aufstellen, dass die beanspruchte Person später weitergeliefert wird.</p></content></paragraph></article><article eId="art_XI"><num><b>Art. XI</b></num><paragraph eId="art_XI/para"><content><p>Ist die Auslieferung bewilligt, so wird die beanspruchte Person zur Übergabe an den ersuchenden Staat dessen Vertreter zur Verfügung gestellt.</p><p>Wenn innert zwanzig Tagen, vom Datum der entsprechenden Mitteilung an gerechnet, der erwähnte Vertreter für die Ausführung des Transportes nicht gesorgt hat, so wird die beanspruchte Person in Freiheit gesetzt und kann wegen der Straftat, die das Auslieferungsbegehren verursacht hat, nicht wieder verhaftet werden.</p></content></paragraph></article><article eId="art_XII"><num><b>Art. XII</b></num><paragraph eId="art_XII/para"><content><p>Die Übergabe des Angeschuldigten kann ohne Nachteil für die Auslieferung verschoben werden, wenn aus zwingenden Gründen der Transport nicht innerhalb der in Absatz 2 des vorhergehenden Artikels erwähnten Frist ausgeführt werden konnte.</p></content></paragraph></article><article eId="art_XIII"><num><b>Art. XIII</b></num><paragraph eId="art_XIII/para"><content><p>Alle Gegenstände, Wertsachen oder Schriftstücke, die mit der das Auslieferungsbegehren begründenden Straftat im Zusammenhang stehen und die im Zeitpunkt der Verhaftung bei der verfolgten Person, in ihrem Gepäck oder in ihrer Wohnung vorgefunden wurden, werden beschlagnahmt und mit dem Verfolgten dem Vertreter des ersuchenden Staates übergeben.</p><p>Das nämliche trifft auf alle nachträglich vorgefundenen Gegenstände dieser Art zu.</p><p>Die im Besitze Dritter vorgefundenen Gegenstände und Wertsachen der bezeichneten Art werden ebenfalls beschlagnahmt; sie werden dem ersuchenden Staat übergeben, wenn der ersuchte Staat dies seiner innern Gesetzgebung gemäss verfügen kann.</p><p>Die Rechte Dritter bleiben jedenfalls vorbehalten.</p><p>Die Gegenstände und Wertsachen werden selbst dann übergeben, wenn die Auslieferung durch die Flucht oder den Tod des Verfolgten oder infolge eines andern, die Ausführung der Auslieferung hindernden Umstandes nicht vollzogen werden kann.</p></content></paragraph></article><article eId="art_XIV"><num><b>Art. XIV</b></num><paragraph eId="art_XIV/para"><content><p>Die Person, der es nach ihrer Übergabe an den ersuchenden Staat gelungen ist, sich der Strafverfolgung zu entziehen und sich neuerdings in das Gebiet des ersuchten Landes zu flüchten oder durch dieses hindurchzureisen, wird auf diplomatisches oder konsularisches Ersuchen hin verhaftet und ohne andere Förmlichkeiten von neuem übergeben.</p></content></paragraph></article><article eId="art_XV"><num><b>Art. XV</b></num><paragraph eId="art_XV/para"><content><p>Die Durchlieferung einer von einem dritten Staat an den andern Vertragsstaat ausgelieferten Person über das Gebiet einer der beiden Vertragsparteien wird auf die einfache, in Original oder beglaubigter Abschrift erfolgte Vorlage eines der in Artikel VII Absatz 2 dieses Vertrages bezeichneten Schriftstücke gewährt, sofern der Verfolgte nicht Angehöriger des Transitlandes ist, die das Auslieferungsbegehren begründende Straftat im gegenwärtigen Vertrag vorgesehen ist und nicht unter die in Artikel III vorgesehenen Ausnahmen fällt.</p><p>Die Durchlieferung des Verfolgten findet unter Aufsicht der Behörden des Transitstaates und auf Kosten des ersuchenden Staates statt.</p></content></paragraph></article><article eId="art_XVI"><num><b>Art. XVI</b></num><paragraph eId="art_XVI/para"><content><p>Die durch die Haft, den Unterhalt und den Transport der beanspruchten Person verursachten Kosten sowie die Kosten der Aufbewahrung und des Transportes der herauszugebenden Gegenstände und Wertsachen fallen den beiden Staaten zur Last, soweit sie auf ihrem Gebiet entstanden sind.</p><p>Die aus einer Durchlieferung über zwischenliegende Staaten entstandenen Transport‑ oder andern Kosten fallen zu Lasten des ersuchenden Staates.</p><p>Die aus dem Auslieferungsprozess allenfalls sich ergebenden Kosten hat der ersuchte Staat zu tragen.</p></content></paragraph></article><article eId="art_XVII"><num><b>Art. XVII</b><authorialNote><p> Aufgehoben durch Art. 32 Ziff. 2 des Vertrags vom 12. Mai 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Föderativen Republik Brasilien über Rechtshilfe in Strafsachen, mit Wirkung seit 27. Juli 2009 (<ref href="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2009/458" xmlns:data="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:data" xmlns:tmp="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:temp">SR <b>0.351.919.81</b></ref>).</p></authorialNote></num></article><article eId="art_XVIII"><num><b>Art. XVIII</b></num><paragraph eId="art_XVIII/para"><content><p>Der gegenwärtige Vertrag wird ratifiziert, und die Ratifikationsurkunden sollen sobald als möglich in Bern ausgetauscht werden.</p><p>Der Vertrag tritt einen Monat nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden in Kraft und bleibt wirksam bis sechs Monate nach der jederzeit möglichen Kündigung.</p><p>Der Vertrag wird in französischer und portugiesischer Sprache abgefasst; beide Texte sind gleichbedeutend.</p></content></paragraph></article><signature><p><i>Zu Urkund dessen</i> haben die oben aufgeführten Bevollmächtigten den gegenwärtigen Akt unterzeichnet und ihn mit ihren Siegeln versehen.</p><p>Also geschehen in Rio de Janeiro, den dreiundzwanzigsten Juli eintausendneunhundertzweiunddreissig.</p><table fedlex:function="layout"><tr><td><p>Albert Gertsch</p></td><td><p>Afranio de Mello Franco</p></td></tr></table></signature></body></act></akomaNtoso>