Botschaft betreffend Legislaturprogramm 2022–2025

Sehr geehrte Frau Parlamentspräsidentin

Sehr geehrte Parlamentarierinnen, sehr geehrte Parlamentarier

In Fortführung des Legislaturprogramms 2018–2021 hat der Gemeindevorstand für die Jahre 
2022–2025 sich wiederum bestimmte Ziele gesetzt und Schwerpunkte definiert und legt dieses
dem Gemeindeparlament zur Kenntnisnahme vor. 

Einführung

Die Gemeinde Ilanz/Glion entstand am 1. Januar 2014 aufgrund der Fusion der 13 Gemeinden Castrisch, Duvin, Ilanz, Ladir, Luven, Pigniu, Pitasch, Riein, Rueun, Ruschein, Schnaus, Sevgein und Siat. Die ersten Jahre waren vom Aufbau der neuen Gemeindestrukturen in Anspruch genommen. Diese Arbeiten sind nach wie vor im Gang und werden erst in einigen Jahren wirklich abgeschlossen sein.

Um die Entscheidungen in die Gesamtentwicklung der Gemeinde einzubetten, braucht es eine Gesamtsicht und eine Vorstellung der grundsätzlichen Stossrichtungen für die nächsten zehn Jahre. Ziel ist, innerhalb der Behörden und in der Gemeinde eine gemeinsame Vorstellung der künftigen Entwicklung zu haben, einen effizienten und effektiven Einsatz der Ressourcen zu erzielen, eine Entscheid- und Argumentationsgrundlage für anstehende Herausforderungen zu erlangen sowie die mittelfristige Planung und Steuerung der Gemeinde als Daueraufgabe zu implementieren. Das Legislaturprogramm wird jährlich zweimal diskutiert und reflektiert. Zum einem im Herbst im Rahmen der Budgetberatung, zum anderen im Frühjahr anlässlich eines Strategietags.

Gemäss Art. 18 lit. b obliegt die Festlegung von Legislaturzielen dem Gemeindevorstand. 

Ausgangslage/Umfeldanalyse

Im Rahmen der SWOT-Analyse, die Gemeindevorstand und Geschäftsleitung miteinander erarbeitet haben, haben sich folgende Aspekte als besonders bedeutsam erwiesen. Sie werden prioritär in den Leitlinien und im Legislaturprogramm behandelt. 

Stärken

Die Gemeinde ist ein funktionaler Raum im Herzen der Surselva, in dem das Wirtschaftszentrum mit einer guten Grundversorgung, Arbeitsplätzen und Bildungsangeboten eine Einheit bildet mit dem Umland. Ein Geben und Nehmen zwischen «Stadt» und «Land».

Gemeindegrösse, die politisches Gewicht in Region und Kanton hat.

Intakte, abwechslungsreiche und einmalig schöne Natur- und Kulturlandschaft, wo Ruhe und Natur eine Selbstverständlichkeit sind.

Starke lokale Identitäten, die in einem lebendigen Vereinsleben und einer reichen Kultur- und Traditionsvielfalt verankert sind. Dazu gehört die Zweisprachigkeit und die 13 völlig unterschiedlichen, teilweise sehr wertvollen Siedlungsbilder. 

Die Gemeinde hat eine motivierte Gemeindeführung und eine leistungsstarke Verwaltung mit einer hohen Dienstleistungsqualität. 

Aussenwahrnehmung einer professionell funktionierenden, dynamischen Gemeinde.

Eine moderne, qualitativ gute Schule, die dank ihrer Grösse neue Entwicklungsmöglichkeiten hat.

Schwächen

Anspruchsvolle Informations- und Kommunikationspolitik: teilweise unbefriedigende Information und Kommunikation mit der Bevölkerung, gleichzeitig wenig Interesse gegenüber Themen des Gemeinwesens.

Noch wenig ausgebildete Identifikation mit der neuen Gemeinde und dem Parlament als Legislative sowie latentes Gefühl der «dominanten» Stadt versus die «vernachlässigten» Dörfern.

Schwierige Finanzlage bei wenig einkommensstarker Bevölkerung, zu tiefen Einnahmen, Ausgabenwachstum aufgrund externer Faktoren, hohem Investitionsbedarf.

Aufwändige Infrastruktur aufgrund der dezentralen, weitläufigen Siedlungsstruktur mit 13 Fraktionen sowie gleichzeitig Tragen von Zentrumslasten. 

Gemeinde wird als zu grosser, schwerfälliger und wenig flexibler Verwaltungsapparat wahrgenommen.

Mangel an qualifizierten Arbeitsplätzen und eingeschränktes Angebot an Lehrstellen, führt zu Abwanderung der jungen Generation und einer überalterten Bevölkerung. 

Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.

Wenig attraktiver und neuen Bedürfnissen entsprechender Mietraum, vor allem in den Fraktionen.

Schwieriger Einstieg für Neuzuzüger.

Eher pessimistische, negative Haltung gegenüber Gemeinde.

Chancen

Touristische Profilierung von Ilanz als Eingang zur Ruinaulta mit stärkerer Erlebbarkeit des Rheins sowie generell stärkere Nutzung der Zentrumslage von Ilanz.

Über ein gemeinsames touristisches Profil die Perlen der Dörfer sichtbar machen und die Dezentralität inwertsetzen.

Aufgrund der Gemeindefusion gibt es grösseren Spielraum für Neuerungen und können Dinge zusammenwachsen, die bislang nicht zueinander gehört haben; über gemeinsame Projekte das Wir-Gefühl stärken.

Das nach wie vor sehr aktive Vereinsleben und die wertvolle Milizarbeit ist ein tragender Pfeiler für das Funktionieren der Region.

Zweitheimische stärker einbinden, ihr Wissen und Netzwerk nutzen.

Äussere Rahmenbedingungen wie die neue Raumplanungsgesetzgebung oder der zunehmende Druck zur Zusammenarbeit fördern neue Lösungen und Innovation.

Bessere Erreichbarkeit dank Einführung des Halbstundentakts nach Chur.

Naturhunger der Unterländer, Klimawandel, Dichtestress in den Städten, digitale Transformation und steigende Wohnkosten im Rheintal können periphere Bergregionen für neue Segmente attraktiv machen.

Kooperation der Landwirtschaft mit Gewerbe, Tourismus und Gesundheitsbranche.

Zweisprachigkeit und rätoromanische Kultur als USP.

Negatives Denken bezüglich Finanzlage überwinden und stattdessen Chancen und Potenziale anpacken.

Gefahren

Partikularinteressen stehen über dem Gemeinwohl; das Fraktionsdenken kann nicht zugunsten einer gesamtheitlichen Sicht über die ganze Gemeinde überwunden werden.

Die Spardiskussionen verhindern Investitionen in die Steigerung der Attraktivität und lähmen die Zuversicht in die Zukunft.

Das Misstrauen in die Behörden verhindert ein gemeinsames Vorankommen und führt zu Blockaden.

Traditionelle Strukturen und weniger aufgeschlossene Denkweisen verhindern die Integration von Neuzuzügern resp. verhindern den Zuzug.

Sämtliche Aktivitäten finden nur noch in Ilanz statt und die Dörfer fühlen sich vernachlässigt und nicht dazugehörig.

Schere zwischen den Ansprüchen an die kommunalen Dienstleistungen und den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde öffnet sich weiter.

Unterschiedliche Altersstrukturen in den einzelnen Fraktionen, teilweise starke Überalterung.

Die lokale Identität geht verloren und das Engagement für die Gemeinschaft, ohne dass bereits eine neue Identität mit der Grossgemeinde entstanden ist.

Antrag

Der Gemeindevorstand beantragt dem Gemeindeparlament:

die Kenntnisnahme des Legislaturprogramms 2022–2025.

	Ilanz/Glion, den 31. Mai 2022	Gemeindevorstand Ilanz/Glion

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