A. Verwaltungsentscheide 1494 26 der Vorinstanz zu verneinen ist, kann auch das Departement Bau und Umwelt nicht auf den Rekurs eintreten. Departement Bau und Umwelt, 04.11.2010 1494 Verlegung eines Fuss - und Wanderweges. Das öffentliche Intere s- se am bestehenden Wanderweg ist im vorliegenden Fall höher zu werten, als die privaten Interessen der Rekurrentin an der Verlegung des Wanderwegstücks. Unterhaltspflicht. 4a) Nach Art. 14 ff. der Verordnung über die Einführung des Bu n- desgesetzes über Fuss - und Wanderwege ( VO FWG ; bGS 931.31) haben die Gemeinden für Unterhalt, Markierung und Sicherstellung bestehender Wege zu sorgen. Die Begehbarkeit ist dabei tatsächlich und rechtlich sicherzust ellen (Art. 17 Abs. 1 und 2 VO FWG). Verl e- gungen von Fuss - und Wanderwegen gelten als Planänderungen (Art. 10 Abs. 1 VO FWG). Für Planänderungen gilt dasselbe Verfa h- ren wie beim Planerlass. Davon ausgenommen sind geringfügige Ä n- derungen, über welche die Ge meinden endgültig entscheiden können (Art. 10 Abs. 2 VO FWG). Fuss - und Wanderwege sind zu ersetzen, wenn bestehende Wege nicht mehr frei begehbar sind (a), abgegr a- ben, zugedeckt oder sonst unterbrochen werden (b), auf einer gröss e- ren Strecke stark befahre n oder für den allgemeinen Fahrverkehr g e- öffnet werden oder auf einer grösseren Strecke mit Belägen versehen werden, die für die Fussgänger ungeeignet sind (Art. 7 Abs. 2 FWG). Müssen die in den Plänen enthaltenen Fuss - und Wanderwege au f- gehoben werden, so ist, unter Berücksichtigung der örtlichen Verhäl t- nisse, für angemessenen Ersatz durch vorhandene oder neu zu schaffende Wege zu sorgen (Art. 7 Abs. 1 FWG). Wanderwege di e- nen hauptsächlich der Erholung (Art. 3 Abs. 1 FWG). Sie umfassen untereinander zweckm ässig verbundene Wanderwege (Art. 3 Abs. 2 FWG). Diese erschliessen insbesondere für die Erholung geeignete Gebiete, schöne Landschaften (Aussichtslagen usw.) und kulturelle Sehenswürdigkeiten (Art. 3 Abs. 3 FWG; Art. 4 Abs. 1 VO FWG). Wanderwege gelten al s ideal, wenn sie aus Wegen ohne Hartbeläge und ohne allgemeinen Fahrverkehr bestehen. Es ist daher ein wicht i-A. Verwaltungsentscheide 1494 27 ges Anliegen der Gesetzgebung zu verhindern, dass sich die schon heute infolge der zunehmenden Asphaltierung beeinträchtigte Lage der Wanderwege v erschlechtert (vgl. Botschaft zum FWG vom 26. September 1983, BBl 1983 IV, S. 1 ff.). So gelten als ungeeignete Wanderbeläge i.S.v. Art. 7 Abs. 2 lit. d FWG namentlich alle bitum -, teer- oder zementgebundene Deckbeläge (Art. 7 FWG). Solche Har t- beläge wirken sich für den Wanderer sowohl in physischer als auch in psychischer Hinsicht unvorteilhaft aus (vgl. BBl 1983 IV, S. 11). Gera- de die zunehmende Asphaltierung von Wande rwegen – und die damit vielfach zusammenhängende Öffnung der Weg e für den allgemeinen Verkehr – war übrigens auch der Hauptgrund, der zu einer Volksiniti a- tive und schliesslich zum Verfassungsartikel von Art. 37quater aBV (heute: Art. 88 BV) geführt hat (vgl. BBl 1983 IV, S. 4 und 11). b) Ein Eingriff in das Wanderwegnetz – und somit auch die bean- tragte Verlegung – bedarf einer umfassenden Interessenabwägung, wobei nebst den genannten Int eressen der Wanderweggesetzgebung auch die Interessen von Natur, Landschaft, Land - und Forstwirtschaft zu berücksichtigen sind (Art. 9 FWG; Art. 17 Abs. 3 VO F WG). Dabei ist zu beachten, dass nicht leichthin von der Zielsetzung von Verfa s- sung und Gesetz, die Wanderwege zu e rhalten, abgewichen werden darf. Daher ist es zum vornherein nur in Einzelfällen zulässig, aus wichtigen Gründen vom Grundsatz der uneingesch ränkten Erhaltung des Wanderwegnetzes abzuweichen (Bernische Verwaltungsrecht s- sprechung, BVR 1992, S. 332). c) Die Rekurrentin macht geltend, es werde ein Trottoir an der A p- penzellerstrasse entlang gebaut. Aufgrund dieses Neubaus dränge sich eine Verlegung des Wanderwegs auf dieses Trottoir auf. Von di e- sem Gehweg aus hätte man eine viel bessere Sicht über die Gemei n- de T. hinaus auf den Bodensee. Zudem hätte man auch eine bessere Sicht auf die Gesamtanlage aus der Zeit der Hochblüte der Stick e- reifabrikation mit den Villen, englischem Garten mit Rotonde, ehem a- ligen Fabriken und Atelierhaus und anderem. Vom bestehenden Wanderweg über die Parzelle Nr. X sei die Gesamtanlage nicht zuletzt durch die hohen Bäume und Hecken verdeckt. Eine Ve rlegung dränge sich auch aufgrund der Mehrbelastung durch die Hinterla ssenschaften (v.a. Abfall) der Wanderer auf. Beim Wa nderweg handle es sich nicht nur um einen Fussweg sondern um eine eigentliche E rholungsfläche. Aufgrund der sich bietenden Alternative des Trottoirs sei eine Mehrbe- lastung der Rekurrentin nicht mehr tragbar. A. Verwaltungsentscheide 1494 28 d) Vorliegend ist eine Interessenabwägung zwischen den privaten Interessen der Rekurrentin auf Verlegung des Wanderwegs und den öffentlichen Interessen am bestehenden Wanderweg vorzunehmen. Der Wanderweg fü hrt gemäss kantonalem Schutzzonenplan an ve r- schiedenen geschützten Einzelobjekten vorbei. So u.a. auch an der sich auf dem Grundstück der Rekurrentin befindenden Villa A s- sek. Nr. A, dem Atelier (Assek. Nr. B) dem Wohnhaus (Assek. Nr. C) sowie an dem ehemal igen Waschhaus, dem Herrschaftshaus und dem Fabrikationsgebäude (Assek. Nr. D – F) vorbei, welche durch den Wanderweg direkt verbunden sind. Bei den Objekten an der D . handelt es sich um Villen und ehemalige Fabrikgebäude aus der Blüte der Stickereifabrikation der Familie S. Dabei dienten an der Dorfhalde eine Weberei, eine Druckerei, eine Bleiche und eine Appretur der St i- ckerei. Ein grosszügiger Bauherr und Stickereifabrikant verlieh in den 1850er Jahren der D. den noch heute prägenden Charakter im Stil de r Neurenaissance. Der bedeutendste Bau neben der Dreiergruppe As- sek. Nr. D – F ist die 1860/61 in klassizistischem Stil erbaute Villa A s- sek. Nr. A (Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschic hte [ Hrsg.], Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Kanton Appenzell Au sserrhoden, Basel 1981, S. 296 f.). Über das fragliche Wanderwegstück führt nicht nur der ordentliche Wanderweg sondern auch di e thematische Route „Kulturspur“, welche als SchweizMobil-Route Nr. 22 geführt wird. e) Gründe für eine Aufhebung des Wanderwegs i.S.v. Art. 7 Abs. 2 lit. a – c FWG sind keine erkennbar. Vielmehr gibt es Gründe, die im öffentlichen Interesse liegen, die klar gegen eine Ve rlegung sprechen. Zieht man die vorgeschlagene Alternative über das geplante aspha l- tierte Trottoir entlang der Ha uptstrasse und das Verbindungsstück zwischen Hauptstrasse und bestehendem Wanderweg in Betracht, muss festgehalten werden, dass dies kein angemessener Ersatz für den vorhandenen n aturnahen gekiesten Wanderweg wäre. Denn alle teergebundenen Deckbeläge gelte n als ungeeignete Wanderbeläge (Art. 7 FWV). Zudem handelt es sich bei der Appenzellerstrasse um eine befahrene Strasse (Hauptverkehrsstrasse III. Klasse). Wande r- wege gelten als ideal, wenn sie ohne allgemeinen Fahrverkehr best e- hen und müssen gemäss Art. 7 Abs. 2 lit. c FWG verlegt werden, wenn sie auf einer grösseren Wegstrecke stark befahren sind. Mit e i- ner Verlegung würde gerade diese gesetzliche Vorgabe verletzt, da der Wanderweg auf eine befahrene Strasse verlegt würde. Zudem b e- steht heute noch kein Tr ottoir, ein solches ist erst in Planung. Der b e-A. Verwaltungsentscheide 1494 29 stehende Wanderweg führt an der Liegenschaft der Rekurrentin vo r- bei in Richtung der Liegenschaften Nr. D – F und dies auf einem H ö- henweg (siehe Höhenkurven). Wenn der Wanderweg über die Appe n- zellerstrasse geführt würde, würde dies für die Wanderer ein Umweg mit Überwindung von zusätzlichen Höhenmetern bedeuten, da der Wanderweg hinab Richtung T. und wieder hinauf zur Häusergruppe Assek. Nr. D – F geführt werden müsste (siehe Höhe nkurven). Zudem würde das Trotto ir wahrscheinlich talseitig zu liegen kommen, wodurch die Wanderer eine Hauptstrasse zu überqueren hätten, um wieder zurück auf den bestehenden Wanderweg zu kommen. Vorg e- bracht wurde auch, dass man vom Trottoir aus eine be ssere Sicht auf die schönere Nordf assade der Villa der Rekurrentin hä tte. Es trifft zu, dass die Nordfassade sehenswert ist, jedoch trifft dies auch auf die Südfassade zu. Auch darin ist kein ausreichender Grund für die Au f- hebung zu erblicken. Vielmehr erschliesst der bestehende Wande r- weg auch weitere Schutzobjekte an der Dorfhalde (O b- jekt Nr. 18.8 und 18.9). Damit wird Art. 3 Abs. 3 FWG Rechnung g e- tragen, indem mit dem bestehenden Wanderwegsverlauf kulturelle Sehenswürdigkeiten besser erschlossen werden. Die historisch g e- wachsene Situation an der Dorfhalde kann durch den vorliegenden Wanderweg besser eingesehen und im Gesamten betrachtet werden, da er eine direkte Verbindung zwischen den verschiedenen Schutzo b- jekten darstellt. Zudem macht die Rekurrentin geltend, dass man von der Appenzelle rstrasse aus, eine bessere Sicht auf T . hätte. Dem kann entgegnet werden, dass auch vom bestehenden Wanderweg aus vor und nach dem Grundstück der Rekurrentin T . überblickt wer- den kann und es sich um ein kurzes Stück handelt, wo die Aussicht auf T . durch ei ne sehenswerte parkähnliche Anlage der Rekurrentin unterbrochen wird. Da es sich zudem um ein untergeordnetes Kriter i- um handelt, ist auch darin kein ausreichender Grund für eine Verl e- gung zu sehen. Die Rekurrentin macht weiter geltend, der Wanderweg werde als Erholungsfläche für Rasten und Essen genutzt. Gemäss der Vereinigung für Appenzell A. Rh. Wanderwege (VAW) ist dieser Weg- abschnitt für solche Erholungstätigkeiten nicht geeignet. Dies hat auch der Augenschein gezeigt. Die Rekurrentin lässt vorbringen, dass auf- grund der Hinterlassenschaften der Wanderer der Weg verlegt werden soll. Es ist der VAW zuzustimmen und es ist bekannt, dass sich di e- ses Problem wohl auf dem gesamten Wanderwegnetz stellt und dies kein stichhaltiger Grund für eine Verlegung darstel lt. Zudem handelt A. Verwaltungsentscheide 1494 30 es sich beim gesichteten Abfall nicht um typischen Abfall von Wande- rern. Weiter hat der Augenschein gezeigt, dass der Abfall wohl schon länger auf dem Grundstück der Rekurrentin liegt. Ausserdem ist b e- kannt, dass abgelagerter Abfall weite ren Abfall anzieht. Die Rekurre n- tin macht weiter geltend, dass die Wanderer Einsicht in ihren Garten nehmen können, was sie als störend empfindet. Dazu ist zu sagen, dass durch bauliche Massnahmen und Pflanzen dem entgegnet we r- den könnte. Insgesamt ergibt die Interessensabwägung, dass das öffentliche Interesse am bestehenden Wanderweg nach wie vor besteht und h ö- her zu werten ist, als die privaten Interessen der Rekurrentin für eine Verlegung des Wanderwegstücks. 5 a) Der ordentliche Unterhalt der Fuss - und Wanderwege richtet sich nach dem EG zum ZGB (Art. 15 Abs. 1 VO FWG). Der Unterhalt bestehender öffentlicher Wege obliegt, wenn es nicht anders verei n- bart ist, den Eigentümern der belasteten Grundstücke (Art. 157 aEG zum ZGB). Diese Bestimmung wurde per 1 . Februar 2010 (Inkrafttre- ten des Strassengesetzes [StrG, bGS 731.11]) zwar aufgehoben, j e- doch ersetzt durch die inhaltlich gleichen Vorschriften von Art. 51 StrG. Danach sind die öffentlichen Strassen (und Wege) in privatem Eigentum durch die Grundeigent ümer zu unterhalten. Die Gemeinden besorgen die Instandstellung der Fuss - und Wanderwege soweit dies die ordentliche Unterhaltspflicht gemäss Art. 15 Abs. 1 VO FWG über- steigt. Instandstellungsarbeiten sind insbesondere die Entwässerung, Einbau von Stufen, M assnahmen zur Sicherung von Anlagen und d e- ren Benützung, Erneuerung von Brücken und Stegen sowie Beh e- bung von Schäden als Folge von Naturereignissen (Art. 15 Abs. 2 FWG). b) Es wird nicht behauptet, dass eine Abrede bezüglich des Unte r- halts des Wanderweges besteht. Damit obliegt der Unterhalt dem E i- gentümer des belasteten Grundstücks, d.h. in diesem Fall der Reku r- rentin. Es wird nicht geltend gemacht und geht auch aus den Akten nicht hervor, dass der Unterhalt des Wanderwegs über den ordentl i- chen Unterhalt gemäss Art. 15 Abs. 1 VO FWG hinaus geht, wofür die Gemeinde die Instandstellung zu besorgen hät te. Aufgrund dessen ist der Antrag auf Entschädigung für den Unterhalt des Wanderwegs a b- zulehnen. Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden, 08.03.2010