Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. August 2021 (720 20 467 / 222) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Viertelsrente wird bestätigt Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichteri n Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.______ , Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1966 geborene A.____ ist Schreiner und arbei tet seit 1992 in seiner eigenen Firma B.____ gmbh. Nachdem er sich am 12. Juli 1993 bei der Arbeit an der linken Hand verletzt und die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) ihre Leistungspflicht anerkannt sowie die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggelder ) ausgerichtet hatte, meldete er sich am 29. September 1994 bei der Invalidenversicherung (I V) zum Leistungsbezug an. Die IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) bewilligte dem V ersicherten am 26. April 2001 berufliche Massnahmen in Form einer Umschulung als Betriebsleiter i m eigenen Betrieb. Mit Verfügung vom 25. Oktober 2001 wurde der Fall vorläufig abgeschlo ssen, da keine weiteren beruflichen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Massnahmen angezeigt waren. Anfangs Januar 2004 wandte sich A.____ erneut an die IV- Stelle und ersuchte um Ausrichtung von Hilfsmitteln am Arbeitsplatz. Nach Eingang der fach- technischen Beurteilung der C.____, vom 17. Oktober 2005 und einer Stellungnahme des D.____ vom 10. Februar 2006 sprach die IV-Stelle de m Versicherten mit Verfügung vom 27. Februar 2008 eine Kostenübernahme im Umfang von Fr. 428'400.-- für bauliche Änderun- gen/Einrichtungen bzw. Maschinen am Arbeitsplatz zu. A.2 Am 17. Januar 2014 meldete A.____ sich erneut bei der IV-Stelle Basel-Landschaft zum Leistungsbezug an, wobei er nunmehr um Ausrichtung ei ner Rente ersuchte. Die IV-Stelle untersuchte in der Folge den medizinischen und den erw erblichen Sachverhalt. Mit Verfügung vom 4. November 2020 lehnte sie – nach durchgeführtem V orbescheidverfahren – das Gesuch des Versicherten ab. A.3 Der Versicherte teilte der Suva am 25. August 2014 mit, dass er einen weiteren Unfall erlitten habe. Demnach sei er am 14. August 2014 auf e iner Treppe gestürzt und habe sich an der rechten Hand verletzt. Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht auch für dieses Ereignis und erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Aufgrund de s Unfalls aus dem Jahr 1993 und jenes von 2014 richtete die Suva dem Versicherten eine Rente von 48 % aus (vgl. dazu rechtskräfti- ges Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 5. Dezember 2019, KGSV 725 19 30). B. Gegen den ablehnenden Rentenentscheid der IV-Stel le vom 4. November 2020 erhob der Versicherte am 4. Dezember 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht. Er beantragte im We- sentlichen die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Ausrichtung einer halben Ren- te. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, dass sich die Beurteilung der IV-Stelle auf unzureichende Unterlagen stütze, welche die Auswirkun gen der Beschwerden auf seine Leistungsfähigkeit nicht genügend berücksichtigen würden. Zudem erachtete er die Verwertbar- keit der Restarbeitsfähigkeit als fraglich. C. Die IV-Stelle reichte am 20. Januar 2021 ihre Ve rnehmlassung ein. Unter Hinweis auf die Ausführungen im Bericht des Regionalen Ärztlichen Diensts (RAD) vom 14. Dezember 2020 sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ab Oktober 2018 in einer Verweistätigkeit nur noch eine 70%ige Arbeitsfähigkeit aufweise. Der in der Folge durchgeführte Einkommens- vergleich habe einen Invaliditätsgrad von 48 % ergebe n, weshalb der Beschwerdeführer ab Oktober 2018 Anspruch auf eine Viertelsrente habe. Di e Beschwerde sei in diesem Sinne teil- weise gutzuheissen. D. Der Beschwerdeführer teilte mit Eingabe vom 20. F ebruar 2021 mit, dass er weiterhin die Ausrichtung einer halben Rente beantrage. Die IV-Stelle verzichtete auf eine Stellungnahme zu diesen Ausführungen (vgl. Schreiben vom 3. März 2021). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die frist- und formgerecht beim örtlich wie sa chlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde vom 4. Dezember 2020 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochten en Verfügung vom 4. November 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, d ie ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % a rbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE 115 V 133 E. 2, 114 V 310 E. 3c, 105 V 156 E. 1). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stell ungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (vgl. ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Inva- liditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversi cherungsgericht alle relevanten Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf di e andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist demnach e ntscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grund sätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E . 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandeln- den Ärzten und Ärztinnen darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtli che Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therape utisch tätigen (Fach-)Arztes einer- seits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander- seits (vgl. Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherun gsgerichts [EVG; heute: Bundes- gericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 200 1, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Ad- ministrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stell en und zum Anlass weiterer Abklärun- gen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte oder Ärztin nen zu anderslautenden Einschät- zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht drängt, weil die behandelnden Ärzte und Ärztinnen wi chtige – und nicht rein subjektiver ärztli- cher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung uner- kannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 4.4.1 Der RAD steht den IV-Stellen zur Beurteilung d er medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Er setzt die für die In validenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der versichert en Person fest, eine zumutbare Er- werbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszu üben. Er ist in seinem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2 bis IVG). Der RAD kann bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von versicherten Personen durchfü hren. Er hält die Untersuchungs- ergebnisse schriftlich fest (Art. 49 Abs. 2 der Verordnu ng über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). RAD-Berichte sind versicherungsinter ne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfah- rensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Beri chten keine Wirkung (vgl. BGE 135 V 254 E. 3.4; Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.1). 4.4.2 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer me- dizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforde- rungen an ein ärztliches Gutachten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfüg t (vgl. BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Aller- dings ist hinsichtlich des Beweiswerts zu differenzieren: Stützt sich der angefochtene Entscheid ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen – zu denen die RAD-Berichte gehören –, sind an die Beweiswürdigung strenge Anford erungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkei t und Schlüssigkeit der ärztlichen Fest- stellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 139 V 225 E. 5.2 und 135 V 465 E. 4.4 sowie E. 4.7; zum Ganzen auch: Urteil des Bunde sgerichts vom 30. November 2015, 9C_627/2015, E. 2 mit weiteren Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren wie auch der kantonale S ozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungsgericht von Amtes wege n für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vo m 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- u nd Rechtslage. Gestützt auf den Un- tersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermit teln, dass über den Leistungsan- spruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden W ahrscheinlichkeit entschieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Fol genden werden indessen lediglich dieje- nigen Berichte wiedergegeben, welche sich nach Auffassun g des Gerichts für die Beurteilung der Angelegenheit als zentral erweisen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Die IV-Stelle stützte ihren Entscheid auf die Beur teilungen ihres RAD-Arztes Dr. med. E.____, Facharzt für Arbeits- und Umweltmedizin. Dieser diagnostizierte am 4. April 2016 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach Hyp othenar-Hammer-Syndrom mit 10 cm messender Thrombose der Arteria ulnaris rechts, einen S tatus nach Revision der Loge de Guyon und nach Arteria ulnaris-Rekonstruktion mit Veneninterponat des ipsilateralen Unterarms am 27. August 2014 und einen Status nach Nervus medianus -Verletzung an der linken Hand 1993. Der Beschwerdeführer sei in der angestammten Tä tigkeit als Möbelschreiner zu 100 % arbeitsunfähig. Dem Belastungsprofil einer leidensangepassten Tätigkeit entspreche eine leich- te wechselbelastende Arbeit, ohne Vibrations- und Schl agbelastungen der rechten Hand und ohne längerdauernde Druckbelastungen der rechten Hand innenfläche, mit einem Gewichtslimit von 10 kg (nicht repetitiv), ohne Steigen auf Leitern und Gerüste und ohne Arbeiten an gefährli- chen Maschinen. Eine solche Tätigkeit sei dem Versicherten zu 100 % zumutbar. 6.3 Die IV-Stelle holte beim behandelnden Handchirur gen Dr. med. F.____, FMH Orthopä- dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparat es und Handchirurgie, einen Be- richt ein. Am 9. Juli 2017 hielte dieser zusammenfassend fest, dass der Beschwerdeführer auf- grund der eingeschränkten Gebrauchsfähigkeit beider Hän de als Schreiner ab dem 6. März 2017 zu 40 % in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Es seien ihm nicht nur keine Schwerar- beiten mehr möglich, sondern er benötige auch vermehrt Pausen. Der Versicherte könne daher diverse Tätigkeiten, welche zu den üblichen Beschäftigun gen eines Schreiners gehören wür- den, nicht mehr respektive nur noch langsamer ausüben. 6.4 Am 4. September 2017 nahm RAD-Arzt Dr. E.____ un ter Berücksichtigung der Ausfüh- rungen von Dr. F.____ vom 9. Juli 2017 erneut Stellung zum Gesundheitszustand und zur Leis- tungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Dabei nannte er f olgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: (1) Status nach Neuromresektion und sekundärer Nervennaht des Ner- vus medianus am Handgelenk links am 24. April 1995 bei S tatus nach Naht der Arteria ulnaris, des Nervus medianus und der FDS-Sehne III links am 12. Juli 1993 nach Schnittverletzung pro- ximal am Hypothenar, (2) bekannte Thrombose der Arteri a ulnaris links, (3) Thrombose der re- konstruierten Arteria ulnaris rechts bei Status nach Rese ktion der Arteria ulnaris mit Venenin- terponat vom rechten Unterarm radiopalmar am 27. Aug ust 2014 bei Hypothenar-Hammer- Syndrom nach Treppensturz am 14. August 2014, (4) Stat us nach halboffener Carpaltun- nelspaltung rechts am 23. Dezember 2016 bei Carpaltunne lsyndrom rechts und (5) Rhizarthro- se links ausgeprägter als rechts. Als selbständiger Möbelsc hreiner sei der Beschwerdeführer seit dem 6. März 2016 (recte: 2017) zu 40 % arbeitsunfäh ig. In einer leidensangepassten Ver- weistätigkeit bestehe seit dem 6. März 2016 (recte: 2017) eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Diese Tätigkeit umfasse folgendes Belastungsprofil: Leichte wechselbelastende Arbeiten, ohne Vibra- tions- und Schlagbelastungen der Hände, ohne längerda uernden Druckbelastungen der Hand- innenflächen, ohne Aufstützen in Handgelenkextensionsstellung, ohne Anschlagen von Holztei- len mit dem Hypothenar, mit Gewichtslimit von 10 kg, ni cht repetitiv, ohne Steigen auf Leitern und Gerüste, ohne Arbeiten an gefährlichen Maschinen we gen der Verletzungsgefahr bei feh- lender Sensibilität im Medianusgebiet links. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Im Bericht der G.____ vom 21. Mai 2019 wurden ei ne chronisch rezidivierende Lumbo- ischialgie, eine bekannte Small-fiber-Neuropathie, ein Asthma bronchiale, eine arterielle Hyper- tonie und ein schweres obstruktives Schlafapnoesyndrom (OS AS) genannt. Die Schmerzsymp- tomatik habe sich seit Oktober 2018 mit vermehrten Rückensc hmerzen und Schmerzen in bei- den Knien etabliert. Aufgrund der Schmerzen sei auch der Schlaf gestört. 6.6.1 Am 6. Oktober 2020 erfolgte eine weitere Einsch ätzung der medizinischen Situation durch den RAD. Dr. E.____ hielt unter Hinweis auf ei n neurologisches Konsilium der Praxis J.____ vom 28. November 2018 fest, dass diesem die Verdach tsdiagnose einer Small-fiber- Neuropathie zu entnehmen sei. Demnach würden beim Ver sicherten brennende Dysästhesien an den plantaren Vorfüssen bestehen. Der klinische Befun d würde eine leichte Pallhypästhesie an den Füssen zeigen, die aufgrund des Alters auffällig sei. Zudem seien die Stand- und Gang- proben leicht unsicher, was auf eine sensible Neuropathi e hinweise. Elektrodiagnostisch könne zwar keine Polyneuropathie der grosskalibrigen Nervenfas ern nachgewiesen werden, jedoch sei aufgrund der Anamnese und der klinischen Befunde v on einer Small-fiber-Neuropathie aus- zugehen. Der häufigste Grund dieser Diagnose sei eine diabetische Stoffwechsellage, weswe- gen sowohl die Abklärung eines manifesten Diabetes als au ch einer diabetischen Stoffwechsel- lage sowie das Polyneuropathieschema der Stufe 1, wel ches auch mehrheitlich für die Small- fiber-Neuropathien gelte, zu empfehlen sei. Dr. E.___ _ hielt dazu fest, dass damit die Ver- dachtsdiagnose einer Small-fiber-Neuropathie ohne er klärende Ursache im Raum stehe. Die anamnestischen und klinischen Befunde der Dysästhesien, Sen sibilitätsstörungen und leichten Einschränkungen der Pallästhesie an den Füssen bei unsiche rem Romberg-Test seien jedoch nicht ausreichend gesichert, um eine Einschränkung der A rbeitsfähigkeit als Schreiner oder in einer leidensangepassten Tätigkeit anzunehmen. Das Bel astungsprofil sei jedoch folgender- massen zu ergänzen: Kein Gehen in unebenem Gelände und kein Steigen auf Leitern und Ge- rüste. Die Small-fiber-Neuropathie wirke sich damit qua litativ auf die Arbeitsfähigkeit aus, nicht aber quantitativ. 6.6.2 Weiter nahm Dr. E.____ Stellung zum Reha-Beric ht der H.____ AG vom 1. April 2020, wo sich der Beschwerdeführer vom 2. bis 27. März 2020 st ationär aufgehalten hat. Diesem Be- richt sei zu entnehmen, dass sich unter den intensiven Th erapien mit Einzelsitzungen für Heil- gymnastik, Massagen, Akupunktur sowie Gruppentherapien für Nordic Walking, Wassertherapie und MTT eine deutliche Verbesserung der Schmerzsymptomati k beim Beschwerdeführer ge- zeigt habe. Die lumbalen Beschwerden seien, auch dank der vorgängigen Infiltration, nicht mehr vorhanden gewesen. Teilweise sei es noch zu Probl emen mit dem Iliosakralgelenk (ISG) und den Knien gekommen. Persistent geblieben seien die Neuropathie-Schmerzen in den Füs- sen. Die Rumpfstabilisation habe gut verbessert und die Belastbarkeitsgrenze habe bis zum Ende besser eingeschätzt werden können. Der Beschwerdeführ er sei als selbständiger Schrei- ner zu 50 % arbeitsfähig. Diese Einschätzung ist gemäss Angaben von Dr. E.____ nachvoll- ziehbar. Das Verweisprofil sei aufgrund der Verdachtsd iagnose Small-fiber-Neuropathie zu er- gänzen, wobei dies an der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit faktisch nichts ändere. 6.7 Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens führte RAD -Arzt Dr. E.____ am 14. Dezem- ber 2020 aus, dass der Versicherte in seiner Beschwerde deutliche Einschränkungen der linken Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hand beschreibe, die offenbar gegenüber früheren Fun ktionsuntersuchungen zugenommen hätten. Zudem gebe er glaubhaft an, dass er aufgrund der durch die Polyneuropathie verur- sachten nächtlichen Schmerzen Schlafstörungen habe und de shalb an Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen leide. Er könne die Schmerzen auch mit starken Schmerzmitteln nicht optimal behandeln bzw. verursache das Opiat, das er auch am Morgen einnehmen müsse, Müdigkeit. Diese werde durch das bekannte schwere OSAS verursacht, welches nicht behan- delbar sei. Er habe auch multiple neue Gelenksbeschwer den sowie Rücken- und Schulter- schmerzen. Dazu führte Dr. E.____ aus, dass all diese Besch werden zu einer starken Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit führen würden, weshalb der Beschwerdeführer in der ange- stammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % se it Oktober 2018 aufweise. In einer an- gepassten Verweistätigkeit bestünde unter zusätzlicher Be rücksichtigung der Müdigkeitsprob- lematik ab gleichem Datum eine 70%ige Arbeitsfähigke it, wobei folgendes Profil zu berücksich- tigen sei: leichte wechselbelastende Arbeiten ohne Vi brations- und Schlagbelastungen der Hände, ohne längerdauernde Druckbelastungen der Handin nenflächen, ohne Notwendigkeit des Aufstützens in Handgelenkextensionsstellung, ohne Ansch lagen von Holzteilen mit dem Hypothenar, ohne Steigen auf Leitern und Gerüste, oh ne Arbeiten an gefährlichen Maschinen (Verletzungsgefahr wegen fehlender Sensibilität im Me dianusgebiet links) und ohne Gehen in unebenem Gelände; die Gewichtslimite betrage 10 kg (nicht repetitiv). 7.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen V erfügung vom 4. November 2020 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeit sfähigkeit des Versicherten auf die vorgenannten Einschätzungen ihres RAD-Arztes Dr. E.____. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherte die bisherige Tätigkeit als selbstän diger Schreiner noch zu 60 % ausüben könne. In einer angepassten leichten Verweistätigkeit best ehe ab dem frühestmöglichen An- spruchstermin im Juli 2014 eine 100%ige, ab dem 4. Novem ber 2014 eine 80%ige, ab dem 5. Februar 2015 eine 100%ige, ab dem 1. Juni 2015 ei ne 80%ige und ab 6. März 2017 wiede- rum eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Im Rahmen des vor liegenden Verfahrens überprüfte Dr. E.____ den medizinischen Sachverhalt unter Berücksicht igung der Vorbringen in der Be- schwerde vom 4. Dezember 2020 ein weiteres Mal und att estierte dem Beschwerdeführer nun- mehr als selbständigem Schreiner eine 80%ige Arbeitsu nfähigkeit und in einer angepassten Tätigkeit noch eine Arbeitsfähigkeit von 70 %. Wie ob en ausgeführt ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass ein Versicherungsträger seinen Entschei d auf medizinische Unterlagen stützt, die versicherungsintern eingeholt wurden. In solchen Fällen sind jedoch strenge Anforde- rungen an die Beweiswürdigung zu stellen und zwar in dem Sinne, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel- lungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (vgl. E. 4.4.2. hiervor und die dortigen Hin- weise auf die entsprechende bundesgerichtliche Rechtsprech ung). Vorliegend ergeben sich letztlich keine Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüs sigkeit der von der Beschwerdegegne- rin als massgebend erachteten versicherungsinternen ärztli chen Feststellungen. Die Beurtei- lungen des RAD-Arztes weisen weder formale noch inhaltliche Mängel auf und sind für die strei- tigen Belange umfassend. Insbesondere berücksichtigten si e die geklagten Beschwerden, sind in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchten in der Darlegung der medizinischen Zu- sammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizin ischen Situation ein und sind insge- samt auch in Bezug auf die Schlussfolgerungen plausibel. Es besteht daher auch kein Anlass, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht von der vorgenommenen Zumutbarkeitsbeurteilung abzuweichen. Zwar stellte Dr. E.____ dabei in seiner Einschätzung vom 14. Dezember 2020 hauptsächl ich auf die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Beschwerden ab. Diesbezüglich ist aber zu beachten, dass diese auch in den vorstehend zitierten medizinischen Berichten (vgl. insbeson dere vorstehend E. 6.2 ff.) aufge- führt wurden. So ging Dr. F._____ bereits im Juli 201 7 davon aus, dass der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit einzig aufgrund der Ein schränkungen an den Händen zu 40 % eingeschränkt ist. Unter Berücksichtigung der ab Oktober 2018 vermehrt aufgetretenen und belastenden Beschwerden erscheint daher die Einschätzung von Dr. E.____ überzeugend, wo- nach der Beschwerdeführer ab diesem Zeitpunkt als selbständiger Schreiner noch zu 20 % und in einer leichten adaptierten Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig ist. 7.2 Daran ändern die Vorbringen des Beschwerdeführers nichts. Er macht sowohl in der Beschwerde vom 4. Dezember 2020 wie auch in der Replik vom 20. Februar 2021 im Wesentli- chen geltend, die IV-Stelle beachte die von ihm geklag ten Beschwerden und Schmerzen sowie die Schlafprobleme nur ungenügend. Dieser Auffassung ka nn nicht gefolgt werden. Der Be- schwerdeführer verkennt dabei, dass Dr. E.____ – wie vorst ehend erwähnt – sich in seinen Be- urteilungen auf sämtliche medizinischen Vorakten stützte. Entgegen seiner Auffassung gelangte Dr. E.____ aber nachvollziehbar zum Schluss, dass sowohl di e beklagten Rückenbeschwerden als auch die als Verdachtsdiagnose genannte Small-fiber -Neuropathie die attestierte Arbeitsfä- higkeit nicht zusätzlich beeinflussen. Weiter würdigte de r RAD-Arzt bei seiner Beurteilung auch die medizinischen Akten der Suva. Dabei ist insbesondere mit Blick auf die medizinische Ein- schätzung der Suva-Kreisärztin Dr. med. I.____, Fachärztin Chirurgie, vom 29. November 2018 festzustellen, dass diese dem Versicherten wegen den Einschränkungen in der linken Hand nur noch leichte Arbeiten im Sinne einer Bürotätigkeit ohne Belastung über 5 kg mit regelmässigen Pausen während 8 Stunden zumutete. Hinsichtlich der rech ten Hand könne er zudem keine Tätigkeiten mehr mit einer länger andauernden Druckbe lastung für die rechte Handinnenfläche und mit Vibrations- und Schlagbelastungen sowie das Bed ienen gefährlicher Maschinen ausü- ben. Dieses Profil fand auch Eingang in die Beurteil ung von Dr. E.____, der dem Beschwerde- führer aufgrund der Einschränkungen an beiden Händen nur noch einen Einsatz für leichte Tä- tigkeiten bescheinigte. Der RAD-Arzt bezog aber neben den unfallbedingten auch die weiteren geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden in seine Beurteilung ein. Gemäss dem Be- richt der G.____ vom 21. Mai 2019 (vgl. oben E. 6.5) litt der Beschwerdeführer nämlich seit Ok- tober 2018 zusätzlich an einer durch die medikamentöse Behandlung der Schmerzen bedingte Schlafstörung, welche gemäss der plausiblen Auffassung von Dr. E.____ Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit hat. 7.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass es mit Blick auf di e festgestellten funktionellen Einschränkungen im Alltag und Berufsleben entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers an der nötigen Schwere des Leidens mangelt, um auf e ine höhere invalidisierende Gesund- heitsbeeinträchtigung zu schliessen. Somit ist mit überw iegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Schreiner nur noch zu 20 % zumutbar, er in einer angepassten Verweistätigkeit jedoch im Umfang von 70 % arbeitsfä- hig ist. Daran ändert entgegen seiner Auffassung auch die Einschätzung im Bericht der H.____ AG im Bericht vom 1. April 2020 nichts, wonach er eine Arbeitsfähigkeit von 50 % aufweise, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht denn die behandelnden Ärzte verzichteten auf eine Einsch ätzung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Arbeit. 8.1 In einem nächsten Schritt sind die erwerblichen Au swirkungen dieser medizinischen Einschätzung zu beurteilen. Für die Bemessung der Inval idität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Dan ach wird für die Bestimmung des Invali- ditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Pe rson nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und all fälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invali- deneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen , das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). De r Einkommensvergleich hat in der Re- gel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergeste llt werden. Aus der Einkommensdiffe- renz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemein e Methode des Einkommensver- gleichs; BGE 128 V 29 E. 1). 8.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entsche idend, was die versicherte Per- son im massgebenden Zeitpunkt aufgrund ihrer berufliche n Fähigkeiten und persönlichen Um- stände nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein lichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkre t wie möglich zu erfolgen. Da nach empirischer Feststellung in der Regel die bisherige Tät igkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung de s Valideneinkommens grundsätzlich der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielt e, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (vgl. B GE 134 V 322 E. 4.2, 129 V 222 E. 4.3.1). 8.3 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzun ehmen ist, dass sie die ihr verbleiben- de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Sozia llohn, gilt grundsätzlich der tatsäch- lich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkom- men gegeben, weil die versicherte Person nach Eintritt d es Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstäti gkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung die Tabellenlöhne gemäss den vo m Bundesamt für Statistik (BFS) periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (vgl. BGE 129 V 472 E. 4.2.1). 8.4 Namentlich bei Selbständigerwerbenden kann sich eine zuverlässige Ermittlung der beiden hypothetischen Vergleichseinkommen als schwierig o der unmöglich erweisen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuve rlässig ermitteln oder schätzen, so ist ausnahmsweise in Anlehnung an Art. 27 IVV ein Bet ätigungsvergleich durchzuführen und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswi rkungen der verminderten Leis- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen (sog. ausserordentliches Bemessungsverfahren; vgl. BGE 128 V 29 E. 1; Urteil de s Bundesgerichts vom 7. Oktober 2009, 9C_236/2009, E. 3 und 4). Zunächst ist anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbe- dingte Behinderung festzustellen; sodann ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen eines Erwerbstätigen kann zwar, braucht aber nicht not wendigerweise eine Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben. Eine gesetzliche Reg elung, welche Bemessungsmetho- de bei Selbständigerwerbenden anzuwenden ist, gibt es nicht. Welche Methode Anwendung findet, hängt in erster Linie davon ab, ob sich die hypo thetischen Erwerbseinkommen zuverläs- sig schätzen lassen (allgemeine Methode) oder nicht (ausse rordentliche Methode). Anzufügen ist in diesem Zusammenhang, dass den Verwaltungsbehörde n bezüglich der Auswahl der Me- thode ein gewisser Ermessensspielraum zusteht, in den das Gericht nicht ohne Not eingreift (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. November 2021, 9C_424/2012, E. 5.3). 8.5 Bevor die versicherte Person Leistungen beanspruchen darf, hat sie in Berücksichti- gung der Schadenminderungspflicht alles ihr Zumutbare selber vorzukehren, um die Folgen der Invalidität bestmöglich zu mindern. Ein Rentenanspruch ist zu verneinen, wenn sie selbst ohne Eingliederungsmassnahmen, nötigenfalls mit einem Beruf swechsel, in der Lage ist, ein renten- ausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen. Für die Au slegung des unbestimmten Rechtsbegriffs der zumutbaren Tätigkeit im Allgemeinen, wie bei der Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit im Besonderen, sind die gesamten subj ektiven und objektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zu berücksichtigen. Im Vordergrund stehen bei den subjektiven Umständen die verbliebene Leistungsfähigkeit sowie die weiteren persö nlichen Verhältnisse, wie Alter, berufli- che Stellung, Verwurzelung am Wohnort etc. Bei den ob jektiven Umständen sind insbesondere der ausgeglichene Arbeitsmarkt und die noch zu erwarten de Aktivitätsdauer massgeblich. Eine Betriebsaufgabe ist nur unter strengen Voraussetzungen u nzumutbar, und es kann ein Betrieb selbst dann nicht auf Kosten der Invalidenversicherung a ufrechterhalten werden, wenn die ver- sicherte Person darin Arbeit von einer gewissen erwerbli chen Bedeutung leistet (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2016, 9C_644/2015, E. 4.3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Dies führt dazu, dass eine versicherte Person unter Umständen so z u behandeln ist, wie wenn sie ihre Tätigkeit als Selbständigerwerbende aufgäbe, d.h. sie hat sich im Rahmen der Invaliditätsbe- messung jene Einkünfte anrechnen zu lassen, welche sie bei Aufnahme einer leidensangepass- ten unselbständigen Erwerbstätigkeit zumutbarerweise ver dienen könnte (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 17. November 2015, 8C_492/2015, E. 2.2 mit Hinweisen). 9.1 Die IV-Stelle stellte im vorliegenden Fall für d ie Berechnung des Invaliditätsgrads auf die allgemeine Bemessungsmethode ab. Ihre Abklärungen h ätten ergeben, dass sich die Be- triebsstrukturen in den letzten Jahren massiv verändert hä tten, weshalb kein aussagekräftiger Einkommensvergleich basierend auf den Durchschnitt des bi sherigen, tatsächlich erzielten Ein- kommens vorgenommen werden könne. Dieser Auffassung ist z uzustimmen und sie wird auch vom Beschwerdeführer zu Recht nicht bestritten. So ist d em Abklärungsbericht Selbständig- erwerbende vom 5. Juli 2016 zu entnehmen, dass der Besc hwerdeführer den Betrieb alleine führt und kein Personal mehr beschäftigt. Zudem wurde der Sitz der Firma von X.____ nach Y.____ verlegt, was eine massive Verkleinerung desselben zur Folge hatte. Diese Einschrän- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht kungen zeigen sich denn auch in den Geschäftsabschlüssen, gemäss welchen der Beschwer- deführer kein Einkommen mehr erzielte, und den Angaben im Individuellen Konto (IK-Auszug), wonach er im Jahr 2014 Fr. 19'980.-- und in den Jahren in den Jahren 2014 - 2017 ein solches von Fr. 24'000.-- ermittelte, was gegen die Annahme eines angemessenen Lohns spricht. Unter diesen Umständen ging die IV-Stelle auc h zu Recht davon aus, dass der Be- schwerdeführer die ihm attestierte Restarbeitsfähigkeit in seinem Betrieb nicht in zumutbarer Weise voll ausschöpft. Mit der Beschwerdegegnerin ist daher einig zu gehen, dass keine zuver- lässige Ermittlung der Vergleichseinkommen möglich war. 9.2. In der Folge ermittelte die IV-Stelle zunächst das Valideneinkommen unter Berücksich- tigung der LSE 2016, Tabelle TA1_tirage_skill_level, S ektor Herstellung von Möbeln, Kompe- tenzniveau der Tätigkeit 3, Spalte Männer, Fr. 6'834 .-- monatlich, basierend auf 40 Wochen- stunden. Nach Anpassung dieses Betrags an die Nominallohn entwicklung von 0.4% (vgl. BFS T1.1.10 Nominallohnindex Männer 2011 - 2017) und Umr echnung auf die betriebsübliche wö- chentliche Arbeitszeit von 41.3 Stunden x 12 Monate erga b sich ein jährliches Einkommen von Fr. 85'097.--, welches auch vom Beschwerdeführer zu Recht nicht beanstandet wird. Hinsicht- lich des Invalideneinkommens stellt die IV-Stelle ebenfa lls auf die LSE 2016, Tabelle TA1_tirage_skill_level, Privater Sektor Total, Kompeten zniveau der Tätigkeit 1, Spalte Männer, Fr. 5'340.-- monatlich, basierend auf 40 Wochenstunden ab. Nach Anpassung dieses Betrags an die Nominallohnentwicklung von 0.4 % (vgl. BFS T1.1 .10 Nominallohnindex Männer 2011 - 2017) und Umrechnung auf die betriebsübliche wöchentl iche Arbeitszeit von 41.7 Stunden x 12 Monate resultierte der Betrag von Fr. 67'071.-- und bei einem zumutbaren Pensum von 70 % ab Oktober 2018 ein solcher von Fr. 44'602.--. Eine G egenüberstellung der beiden Vergleichs- einkommen ergab sodann einen Invaliditätsgrad von ger undet 48 %, weshalb der Beschwerde- führer Anspruch auf eine Viertelsrente hat (vgl. oben E. 3.1). Der Vollständigkeit halber ist fest- zustellen, dass die Beschwerdegegnerin für die Zeit ab dem frühestmöglichen Rentenbeginn ab Juli 2014 bis September 2018 berücksichtigte, dass der Besch werdeführer zwischen 80 % und 100 % arbeitsfähig war (vgl. oben E. 7.1). Unter Ber ücksichtigung der bereits genannten Ver- gleichszahlen berechnete sie die in der angefochtenen Ve rfügung vom 4. November 2020 ge- nannten rentenausschliessenden Invaliditätsgrade von 21 % und 37 %, was ebenfalls nicht zu beanstanden ist. 9.3 Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, änder t nichts. So wendet er ein, dass es keine Verweistätigkeit gebe, welche dem bescheinigten Anforderungsprofil entspreche. Zu- dem sei er in seinem Betrieb beruflich bestens auf se ine Behinderungen eingerichtet, so dass er auch in einer Verweistätigkeit kein höheres Einkommen erwirtschaften könne. Mit der Be- schwerdegegnerin – auf deren Ausführungen in der Vern ehmlassung vom 20. Januar 2021 (Seite 4 f.) an dieser Stelle verwiesen werden kann – ist dazu zunächst festzustellen, dass dem Beschwerdeführer aufgrund der ihm obliegenden Schaden minderungspflicht die Aufnahme ei- ner unselbständigen Erwerbstätigkeit zumutbar ist, da d avon ohne weiteres eine bessere er- werbliche Verwertung der Arbeitsfähigkeit zu erwartet ist. Zudem erscheint der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände (Alt er, Aktivitätsdauer, Ausbildung, Art der bisherigen Tätigkeit, persönliche Lebensumstände ) möglich (vgl. BGE 113 V 22; Urteile des Bundesgerichts vom 12. September 2001, I 145/01, E. 2b, vom 22. Oktober 2001, I 224/01, Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht E 3.b/bb, vom 7. September 2012, 9C_818/2011, E. 3. 3). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist die Beschwerdegegnerin zudem zu Recht davon ausgegangen, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt (vgl. Art. 16 ATSG) genügend Arbeitsstellen bietet, um die attestierte Arbeitsfähigkeit verwerten zu können. Dies ist auch unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Unverwertbarkeit de r Restarbeitsfähigkeit anzuneh- men, wonach Unverwertbarkeit nur dann vorliegt, wenn die zumutbare Tätigkeit in nur so einge- schränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbei tsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen ei nes durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stel le daher zum Vornherein als ausge- schlossen erscheint (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 20. Januar 2020, 9C_644/2019, E. 4.2 und vom 13. Juni 2019, 8C_759/2018, E. 7.1 je mit Hinweis). Davon ist unter Berücksich- tigung des von Dr. E.____ formulierten Tätigkeitsprof ils nicht auszugehen, weshalb im vorlie- genden Fall die Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit im Rahmen der attestierten 70%igen Ar- beitsfähigkeit nicht zu beanstanden ist. 10. Zusammenfassend ist im Ergebnis festzustellen, dass di e Beschwerde vom 4. Dezem- ber 2020 in dem Sinne teilweise gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 4. November 2020 aufgehoben und festgestellt wird, dass der Be- schwerdeführer ab Oktober 2018 Anspruch auf eine Viertelsrente hat. 11.1 Es bleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss Art . 69 Abs. 1bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligun g oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht ko stenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliege nden, in denen ein durchschnittlicher Auf- wand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten unter Berücksichtigung des bundesrechtli- chen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nac h § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah- renskosten in der Regel der unterliegenden Partei in a ngemessenem Ausmass auferlegt. Vor- liegend hat die IV-Stelle als unterliegende Partei d ie Verfahrenskosten zu tragen. Dem Be- schwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 11.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Darunter sind die Kosten zu verst ehen, die einer Beschwerde führen- den versicherten Person im gerichtlichen Verfahren für d en Beizug einer Rechtsanwältin bzw. eines Rechtsanwalts entstanden sind. Da der obsiegende Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten ist, sind ihm vorliegend keine Parteikosten entstanden. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Ver- fügung der IV-Stelle vom 4. November 2020 aufgehoben und festge- stellt, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab Oktober 2018 An- spruch auf eine Viertelsrente hat. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. http://www.bl.ch/kantonsgericht