<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 58 S.233</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">233</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>58 Beschwerdeschrift.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Anforderungen an eine Beschwerdeschrift (Erw. 2.1).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Formelle Anforderungen an die Nachtfristansetzung gemäss § 39</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abs. 3 VRPG bei Laienbeschwerden (Erw. 2.3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 26. Oktober 2007 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen M.S. gegen das Bezirksamt Baden (WBE.2007.143).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">234</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 39 VRPG sind Beschwerden schriftlich bei der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeinstanz einzureichen (Abs. 1). Die Beschwerdeschrift hat</span><br/> <span class="ft1">einen Antrag und eine Begründung zu enthalten (Abs. 2). Antrag und</span><br/> <span class="ft1">Begründung stellen dabei Gültigkeitserfordernisse der Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">dar, wobei die verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung bei soge-</span><br/> <span class="ft1">nannten Laienbeschwerden sowohl das Antrags- als auch das Be-</span><br/> <span class="ft1">gründungserfordernis nicht streng auslegt (vgl. AGVE 1988, S. 413</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweisen). Sind die Anforderungen an die Beschwerdeschrift</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 39 Abs. 1 und Abs. 2 VRPG nicht erfüllt, so ist bei Laien-</span><br/> <span class="ft1">beschwerden, die zumindest im Ansatz einen Antrag und eine Be-</span><br/> <span class="ft1">gründung enthalten, dem Beschwerdeführer eine Nachfrist zur Ver-</span><br/> <span class="ft1">besserung der Beschwerdeschrift anzusetzen, unter Androhung des</span><br/> <span class="ft1">Nichteintretens im Unterlassungsfall (§ 39 Abs. 3 VRPG; Michael</span><br/> <span class="ft1">Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem</span><br/> <span class="ft1">aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Zürich 1998,</span><br/> <span class="ft1">§ 39 N 50 ff.; AGVE 1998, S. 457 ff.).</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Bezirksamt Baden hat mit Schreiben vom 19. März 2007</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin eine Frist angesetzt und sie darum ersucht,</span><br/> <span class="ft1">ihre Eingabe vom 8. März 2007 zu substantiieren und ihm mitzutei-</span><br/> <span class="ft1">len, als was ihre Eingabe zu behandeln ist. Die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">durfte davon ausgehen, dass das Bezirksamt Baden zur Auffassung</span><br/> <span class="ft1">gelangt ist, die genannte Eingabe der Beschwerdeführerin erfülle die</span><br/> <span class="ft1">Erfordernisse an die Beschwerdeschrift gemäss § 39 Abs. 2 VRPG</span><br/> <span class="ft1">nicht, weshalb es ihr - obwohl im Schreiben vom 19. März 2007</span><br/> <span class="ft1">nicht explizit erwähnt - gestützt auf § 39 Abs. 3 VRPG eine Frist zur</span><br/> <span class="ft1">Verbesserung ihrer Beschwerde angesetzt hat. Eine andere gesetzli-</span><br/> <span class="ft1">che Grundlage besteht hierzu nicht.</span><br/> <span class="ft1">Setzt das Bezirksamt Baden der Beschwerdeführerin gestützt</span><br/> <span class="ft1">auf § 39 Abs. 3 VRPG eine Nachfrist an, so sind die mit dieser Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmung verbundenen formellen Vorschriften zu beachten. Nach-</span><br/> <span class="ft1">folgend ist deshalb zu prüfen, ob das Bezirksamt Baden die formel-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">235</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">len Erfordernisse einer Nachfristansetzung gemäss § 39 Abs.</span> <span class="ft1">3</span><br/> <span class="ft1">VRPG eingehalten hat.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Bei der in § 39 Abs. 3 VRPG vorgesehenen Möglichkeit der</span><br/> <span class="ft1">Nachfristansetzung zur Verbesserung der Beschwerdeschrift handelt</span><br/> <span class="ft1">es sich um einen Anwendungsfall der amtlichen Fürsorgepflicht ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss § 20 Abs. 2 VRPG (Merker, a.a.O., § 39 N 52). Sie stellt damit</span><br/> <span class="ft1">eine Konkretisierung des in Art. 29 Abs. 1 BV verankerten Verbotes</span><br/> <span class="ft1">des überspitzten Formalismus dar, wonach vor allem rechtunkundige</span><br/> <span class="ft1">und prozessual unbeholfene Beschwerdeführer vor den Folgen einer</span><br/> <span class="ft1">mangelhaften Prozessführung bewahrt werden sollen (vgl. hiezu</span><br/> <span class="ft1">Alfred Kölz / Jürg Bosshart / Martin Röhl, Kommentar zum Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1999, § 23 N 27).</span><br/> <span class="ft1">Mit Blick auf den erwähnten Hintergrund der Bestimmung von</span><br/> <span class="ft1">§ 39 Abs. 3 VRPG ist die beschwerdeführende Partei anlässlich der</span><br/> <span class="ft1">Nachfristansetzung konkret darauf hinzuweisen, welche Anforderun-</span><br/> <span class="ft1">gen an die Beschwerdeschrift gemäss § 39 Abs. 1 und Abs. 2 VRPG</span><br/> <span class="ft1">mit ihrer bisherigen Eingabe noch nicht erfüllt sind. Darüber hinaus</span><br/> <span class="ft1">muss mit der Nachfristansetzung auch die Androhung verbunden</span><br/> <span class="ft1">werden, dass, falls die Eingabe innert Frist nicht verbessert werde,</span><br/> <span class="ft1">auf die Beschwerde nicht eingetreten werde (§ 39 Abs. 3 VRPG;</span><br/> <span class="ft1">Merker, a.a.O., § 39 N 50). Diese Anforderungen sind bei einer</span><br/> <span class="ft1">Nachfristansetzung gestützt auf § 39 Abs. 3 VRPG zwingend zu be-</span><br/> <span class="ft1">achten.</span><br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">Im Schreiben vom 19. März 2007 wurde die Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft1">rin nicht darauf aufmerksam gemacht, inwiefern ihre Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">schrift noch mangelhaft ist und welche Punkte sie zu verbessern hat.</span><br/> <span class="ft1">Zwar wurde die Beschwerdeführerin um Substantiierung ihrer Ein-</span><br/> <span class="ft1">gabe vom 8. März 2007 gebeten, jedoch handelt es sich beim Begriff</span><br/> <span class="ft1">der "Substantiierung" um einen juristischen Fachbegriff. Dazu</span><br/> <span class="ft1">kommt, dass bereits aus der Verwaltungsbeschwerde vom 8. März</span><br/> <span class="ft1">2007 geschlossen werden kann, dass die Beschwerdeführerin nicht</span><br/> <span class="ft1">deutscher Muttersprache ist. Das Bezirksamt Baden hätte aufgrund</span><br/> <span class="ft1">seiner Fürsorgepflicht der Beschwerdeführerin vielmehr in einfachen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">236</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Sätzen konkret darlegen sollen, welche formellen Mängel ihre Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeschrift aufweist und wie diese Unzulänglichkeiten innert</span><br/> <span class="ft1">der ihr angesetzten Frist behoben werden können. Aus dem Schrei-</span><br/> <span class="ft1">ben vom 29. März 2007 geht denn auch hervor, dass die Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin das Wort "substantiieren" nicht verstanden hat und es ihr</span><br/> <span class="ft1">nicht klar war, inwiefern sie ihre Eingabe vom 8. März 2007 zu ver-</span><br/> <span class="ft1">bessern hatte. Zudem hat das Bezirksamt Baden der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rerin auch nicht angedroht, auf die Beschwerde nicht einzutreten,</span><br/> <span class="ft1">falls sie keine Verbesserung ihrer Eingabe vom 8. März 2007 vor-</span><br/> <span class="ft1">nehme.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>