B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3855/2012 U r t e i l v o m 2 2 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichter Daniele Cattaneo, mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi; Gerichtsschreiber Bruno D'Amaro. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), Kolumbien, c/o Schweizer Vertretung in Bogotá, Kolumbien, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 1. Juni 2012 / N […]. D-3855/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden – kolumbianische Staatsangehörige aus E._______, F._______ (aktueller Wohnsitz in G._______ , F._______) – ersuchten mit schriftlichen Eingaben vom 1. und 29. November 2011 die Schweizer Vertretung [nachfolgend: Schweizer Botschaft] in Bogotá (Ein- gang bei der Schweizer Botschaft: 10. November 2011 und 6. Dezember 2011) um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um Gewährung von Asyl. Zur Begründung machten sie im Wesentlichen geltend, unter ande- rem als Mitbegründer einer NGO ( non-governmental organization) na- mens H._______, die sich insbesondere für soziale Zwecke sowie Kunst einsetze, seit Juli 2011 von Mitgliedern der Gruppierungen I._______ und J._______ erpresst und bedroht worden zu sein. Die Mitglieder l etzterer krimineller Organisation seien Auftragskiller und Drogenhändler gewesen. Nachdem sie sich geweigert hätten, das geforderte Geld zu bezahlen, hätten sie im Juli und August 2011 bei den in Kolumbien zuständigen B e- hörden gegen die Erpresser diverse Anzeigen erstattet. In der Folge se i- en drei der fünf Erpresser festgenommen, jedoch nur kurze Zeit später wieder aus der Haft entlassen worden. Von den Behörden sei ihnen der Rat erteilt worden , den Fall ruhen zu lassen und keine weiteren rechtl i- chen Schri tte zu un ternehmen, da sie sich ansonsten in noch grössere Gefahr begeben würden. Aus Furcht vor Racheakten und weiterer Dr o- hungen seitens der Erpresser sei für die Beschwerdeführenden nur noch ein Wohnsitzwechsel in Frage gekommen. Zusammen mit ihrem schriftlichen Asylgesuch reichten die Be schwerde- führenden diverse Dokumente als Beweismittel zu den Akten ein. B. Die Schweizer Botschaft in Kolumbien übermittelte da s Asylgesuch mit den gesamten Akten am 6. Dezember 2011 zuständigkeitshalber an das BFM (Eingang beim BFM: 12. Dezember 2011). C. Mit Zwischenverfügung vom 21. Dezember 2011 teilte das BFM den Be- schwerdeführenden mit, dass es den entscheidrelevanten Sachverhalt aufgrund der schriftlichen Begründung des Asylgesuc hs und der eing e- reichten ausführlichen Dokumentation als erstellt erachte, weshalb eine Anhörung auf der Botschaft nicht notwendig erscheine. Im Weiteren e r- wäge das Bundesamt – unter Berücksichtigung der Akten, der zu beac h- tenden Aspekte und des ihm zukomm enden Ermessenspielraumes – das D-3855/2012 Seite 3 Asylgesuch abzuweisen und den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz zu verweigern. Insbesondere erachte es die Möglichkeit e i- ner anderweitigen Schutzsuche als gegeben. Das BFM er öffnete den Be- schwerdeführenden im R ahmen ihres rechtlichen Gehörs die Gelege n- heit, sich innert 30 Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung dazu zu äus- sern. D. Mit Verfügung vom 1. Juni 2012 – eröffnet seitens der Schweizer Bo t- schaft am 20. Juni 2012 – hat das BFM das Asylgesuch abgewiesen und den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz verweigert. In der Verfügung hielt das Bundesamt zunächst in formeller Hinsicht fest, dass die Betroffenen von dem ihnen gewährten rechtlichen Gehör gemäss Zwischenverfügung vom 21. Dezember 2011 keinen Geb rauch gemacht hätten. Es kam somit zum Schluss, dass gestützt auf die Eingabe der Be- schwerdeführenden sowie der vorliegenden Aktenlage die Gefährdung s- situation abschliessend beurteilt werden könne. In materieller Hinsicht führte das BFM zur Begründung der Abweisung des Asylgesuchs im We- sentlichen aus, dass nach Anzeige der Erpressung durch Mitglieder der Gruppierungen I._______ und J._______ bei den in Kolumbien zuständ i- gen Behörden gemäss Aktenlage dem Ersuchen um Schutz entsprochen worden sei. So sei beispielsweise das Haus der Beschwerdeführenden von der Polizei überwacht worden. Demzufolge könn e von der Schutzwil- ligkeit des Heimatstaates ausgegangen werden. Des Weiteren sei davon auszugehen, dass den Beschwerdeführenden innerstaatliche Fluchtvari- anten offen stünden und sie sich mithin in einer anderen Region Kolu m- biens niederlassen könnten, da es sich bei ihnen nicht um landesweit be- kannte Personen handle. So würden gemäss Aktenlage die Beschwerde- führenden weiterhin in der "gefährlichen" Region wohnhaft sein. Es sei nicht anzunehmen, dass die Mitglieder der feindlichen Gruppierungen die Betroffenen an einem beliebigen Ort in Kolumbien ausfindig machen könnten. Demnach seien die Beschwerdeführenden keiner unmittelbaren Gefahr im Sinne des Asylgesetzes aus gesetzt und dementsprechend nicht auf den Schutz der Schweizer Behörden angewiesen. Überdies würde es sich bei den geltend gemachten Vorbringen ohnehin nicht um eine asylrechtli ch relevante Verfolgung handeln, angesichts der Tatsache, dass der dargelegten Verfolgung eine Erpressung durch Mi t- glieder der oben genannten Gruppierungen zu Grunde liege, die gemäss Aktenlage kriminelle Machenschaften umfasse, die nicht unter den Begriff D-3855/2012 Seite 4 der Verfolgung im Sinne von Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) zu subsumieren seien. Schliesslich könnte das Asylgesuch auch gestützt auf Art. 52 Abs. 2 AsylG abgelehnt werden. So sei es für die Beschwerdeführenden möglich und insbesondere aufgrund der fehlenden nahen Beziehungen zur Schweiz zumutbar, geg ebenenfalls in einem anderen Land als der Schweiz um Schutz nachzusuchen, beispielsweise in einem der Nac h- barstaaten Kolumbiens, welche sowohl das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) als auch das entsprechende Zusatzprotokoll vom 31. Juli 1967 ratifiziert hätten; n a- mentlich die Nachbarstaaten Brasilien, Ecuador, Panama und Peru. E. Mit spanischsprachiger und in italienischer Sprache übersetz ten Eingabe vom 7. Juli 2012 an die Schweizer Botschaft (Eingan g bei der Schweizer Botschaft: 10. Juli 2012), welche eben falls am 17. Juli 2012 von der Bo t- schaft dem Bundesverwaltungsgericht (Ein gang: 20. Juli 2012) weiterge- leitet wurde, beantragten die Beschwerdeführenden sinngemäss, es sei die angefochtene Verfügung aufzuh eben und ihnen die Einreise in die Schweiz zu bewilligen beziehungsweise Asyl zu gewähren. Auf die B e- gründung und die eingereichten Beweismittel wird, soweit für den En t- scheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. F. Mit Schreiben vom 22. August 2012 sowie (E -Mail) vom 3. September 2012 gelangten die Beschwerdeführenden an die Schwe i- zer Botschaft, um sich nach dem Stand ihres Asylverfahrens zu erkund i- gen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l-D-3855/2012 Seite 5 tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet im Bereich des Asyls endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anders bestimmt (Art. 37 VGG und Ar t. 6 AsylG). 1.3. Das vorliegende Verfahren ergeht gestützt auf die Übergangsbe- stimmung zur Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (in Kraft getreten am 29. September 2012) , wonach für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 in der bisherigen Fassung des Asylgesetzes Geltung haben. 1.4. Die bei der Vorinstanz beziehungsweise bei der Schweizer Botschaft eingereichten Unterlagen sind nicht in eine r Amtssprache des Bundes abgefasst (vgl. Art. 70 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]). Der Beschwerd e- schrift wurde allerdings eine Übersetzung in italienischer Sprache beige- legt, alle anderen Vo rakten wurden hingegen in spanischer Sprache ve r- fasst. Das Bundesverwaltungsgericht hat aus prozessökonomischen Gründen ohne präjudizielle Wirkung vorliegend auf eine Rückweisung der Beschwerde und das Einfordern einer Übersetzung der Eingaben abg e- sehen, d a die in spanischer Sprache verfassten wesentlichen Vorakten verständlich sind . Der vorliegende Entscheid ergeht indessen in deu t- scher Sprache (vgl. Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 1.5. Die Beschwerde ist demnach frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG). Die Beschwerdefüh- renden sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist ei n- zutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-3855/2012 Seite 6 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachst e- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegen d auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1. In formeller Hinsicht ist zunächst fe stzuhalten, dass gemäss Art. 19 AsylG ein Asylgesuch im Ausland bei einer schweizerischen Ve r- tretung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das B un- desamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfa h- rensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies ni cht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bundesverwaltung s- gericht hat in Auslegung dieser Bestimmungen in BVGE 2007/30 erkannt, dass sich die Unmögl ichkeit einer Befragung aus organisatorischen oder kapazitätsmässigen Gründen bei der jeweiligen Vertretung, aus fakt i- schen Hindernissen im betreffenden Land oder aus bei der asylsuche n- den Person liegenden persönlichen Gründen ergeben kann (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). Da die Anhörung der Sachverhaltserstellung sowie der Gewährung des rechtlichen Gehörs dient (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.5), ist die asylsuchende Person bei gegebener Unmöglichkeit einer Anh ö- rung unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht in ei nem individualisierten Schreiben mittels konkreter Fragen aufzufordern, ihre Asylgründe schrif t- lich festzuhalten; ein standardisiertes Schreiben vermag diesen Anford e- rungen damit in aller Regel nicht zu genügen (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.4). Allerdings kann si ch eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Person ist aber diesfalls immerhin im Sinne des rechtli- chen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu äussern (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.7). Schliesslich ist das Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Abs e-D-3855/2012 Seite 7 hen von einer Befragung in der Verfügung über das Asylgesuch zu b e- gründen (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie 5.7). 4.2. Im vorliegenden Fall wurden die Beschwerdeführenden von der schweizerischen Vertretung in Bogotá zu ihrem Asylgesuch vom 1. November 2011 nicht mündlich befragt. Eine Anhörung fand nicht statt, da einerseits das BFM aufgrund der Aktenlage, namentlich der schriftl i- chen Begründung des Asylgesuchs sowie der beigelegten ausführlichen Dokumentation, den entscheidrelevanten Sachverhalt als erstellt und folg- lich eine Anhörung als nicht notwendig erachtete sowie andererseits, weil die Schweizer Botschaft aus gerichtsnotorischen und mithin nachvol l- ziehbaren Kapazitätsgründen dazu nicht in der Lage war. Den Beschwe r- deführenden wurde indessen mit Zwischenverfügung des BFM vom 21. Dezember 2011 Gelegenheit zur weiteren Konkretisierung ihrer Asy l- gründe sowie das rechtliche Gehör im Hinblick auf die vom Bundesamt in Erwägung gezogene Abweisung des Asylgesuchs gewährt; die B e- schwerdeführenden haben gestützt darauf keine weitere Stellungnahme abgegeben und mithin auf diesen Anspruch verzichtet. Aufgrund der ei n- lässlichen Ausführungen der Beschwerdeführenden in ihrem schriftlichen Asylgesuch und den weiteren Eingaben sowie der zahlreichen von ihnen eingereichten Beweismittel erscheint sodann der etscheidwes entliche Sachverhalt – wie das BFM in der angefochtenen Verfügung zu Recht ausführt – als genüglich abgeklärt. Schliesslich hat das BFM in seiner Zwischenverfügung vom 21. Dezember 2011 sowie der angefochtenen Verfügung vom 1. Juni 2012 das Absehen von per sönlichen Anhörungen begründet. Bei dieser Sachlage ist festzuhalten, dass das BFM den ve r- fahrensrechtlichen Anforderungen Genüge getan hat. 5. 5.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.2. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen können D-3855/2012 Seite 8 oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Ar t. 20 Abs. 2 AsylG b e- willigt das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Abklärung des Sachve r- haltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Auf- enthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. 5.3. Bei diesem Entscheid sind die Vor aussetzungen zur Erteilung einer Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforder- lichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Bezi e- hungsnähe zur Sch weiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch e i- nen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die prakt i- sche Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schut z- suche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmög- lichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. die weiterhin zutreffende Praxis g e- mäss Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekur s- kommission [EMARK] 1997 Nr. 15, insbesondere S. 131 ff., welche ange- sichts bloss redaktioneller Änderungen bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit hat). Ausschlaggebend für die Erte i- lung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betro f- fenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Pr ü- fung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann. 6. 6.1. Nach der Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, die Beschwerdeführenden hätten in ihrem Gesuch keine besonders nahen Beziehungen zur Schweiz geltend gemacht. Im Weiteren hat das Bu n- desamt zu Recht erwogen, dass es den Beschwerdeführenden zuzum u- ten sei, in einem anderen Land um Asylgewährung nachzusuchen (vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG). So sind beispielsweise die Nachbarstaaten Bras i- lien, Ecuador, Panama und Peru Vertragsparteien sowohl der FK als auch des betreffenden Zusatzprotokolls vom 31. Januar 1967; Venezuela wi e- derum hat zwar das Abkommen selbst nicht ratifiziert, wohl aber das Pr o- tokoll. Diese Länder verfügen mit Ausnahme Venezuelas über ein eig e- nes, gesetzlich geregel tes Verfahren zur Anerkennung von Flüchtlingen. Zudem halten sie sich gemäss den Erkenntnissen des Bundesverwa l- tungsgerichts grundsätzlich an das Gebo t des Non -Refoulements von Art. 33 FK, auch wenn als Einschränkung festgestellt werden muss, dass D-3855/2012 Seite 9 es in den Grenzgebieten – insbesondere denjenigen zu Panama und Ve- nezuela – in den letzten Jahren zu unkontrollierten Rückschiebungen durch die Grenzbehörden gekommen ist. Für die praktische Möglichkeit und die Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche spricht im Weiteren die Möglichkeit der visumsfreien Einreise nach Brasilien, Ecuador und Peru sowie der Umstand, dass jährlich mehrere tausend kolumbianische Staatsangehörige in den Nachbarländern – namentlich in Ecuador – um Asyl nachsuchen und dort zu einem beträ chtlichen Teil auch tatsächlich als Flüchtlinge anerkannt werden. Insgesamt ergeben sich demnach ke i- ne Anhaltspunkte, die darauf schliessen liessen, es sei den Beschwerd e- führenden praktisch unmöglich oder objektiv unzumutbar, sich in einen anderen Staat, i nsbesondere einen der Nachbarstaaten Kolumbiens, zu begeben (vgl. EMARK 2004 Nr. 20; 1997 Nr. 15 E. 2f S. 132). Dies gilt umso mehr, als aus den Akten ersichtlich ist, dass es sich bei den B e- schwerdeführenden nicht um landesweit bekannte Persönlichkeiten h an- delt, die aufgrund ihrer besonders exponierten Stellung auch bei einer Flucht ins nahe Ausland allenfalls befürchten müssten, weiterhin verfolgt zu werden. Die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Insbesondere kann der pauschal vorgebrachte Einwand, gemäss welchem für die Beschwerdeführenden auch in den Nachbarstaaten grosse Gefahr von den kriminellen Gruppi e- rungen aus Kolumbien ausgehe, nicht gehört werden. 6.2. Des Weiteren machen die Beschwerdeführenden eine schwerwi e- gende Angstsituation geltend, verbunden mit der ständigen Furcht, in K o- lumbien verfolgt und lebensgefährlich bedroht zu werden. Um ihr Leben vor der Verfolgung durch kriminelle Gruppierungen zu schützen, sah en sich die Beschwerdeführerenden demnach gezwungen, ausserhalb ihres Wohnsitzortes, dauerhaften Schutz zu suchen. Überdies beabsichtigen sie, in naher Zukunft nach Ecuador auszureisen. Zu letzteren Vorbringen ist zu sagen, dass sie den bereits von der Vori n- stanz beurteilten Sachverhalt ebenfalls nicht zu ändern vermögen. Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob sich die Beschwerdefü h- renden der geltend gemachten Verfolgung – welcher letztendlich, wie vo- rinstanzlich ebenfalls korrekt ausgeführt, überdies auch keine asylrechtli- che Relevanz im Sinne von Art 3 AsylG zu Grunde liegt – in Kolumbien al- lenfalls durch eine innerstaatliche Wohnsitzverlegung dauerhaft entziehen können. D-3855/2012 Seite 10 Schliesslich konnten die Beschwerdeführenden keine konkreten Bezie- hungen zur Schweiz nachweisen; hingegen wohnen Verwandte der B e- schwerdeführenden in Drittländern, so beispielsweise ein Onkel der Toch- ter C._______, der als Flüchtling in New York (Vereinigte Staaten von Amerika) lebt. 6.3. Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden aufgrund der Akten über keine konkrete Bezi e- hungsnähe zur Schweiz verfügen, hingegen aber die Möglichkeit der a n- derweitigen Schutzsuche haben. Unter diesen Umständen hat die Vori n- stanz zu Recht die Erteilung der Einreisebewilligung verweigert und die Asylgesuche abgewiesen. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwe r- de ist demnach abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten an sich den B e- schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG); aus verwa l- tungsökonomischen Gründen wird indessen in Anwendung von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf das Erh e- ben von Verfahrenskosten verzichtet. (Dispositiv nächste Seite) D-3855/2012 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, die Schweizer Vertr e- tung in Bogotá und das BFM. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Daniele Cattaneo Bruno D'Amaro Versand: