Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 28. September 2022 (810 22 162) ____________________________________________________________________ Straf- und Massnahmenvollzug Verweigerung der bedingten Entlassung / günstige Legalprognose Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Niklaus Ruckstuhl, Hans Furer, Daniel Ivanov, Stefan Schulthess , Gerichts- schreiberin Nathalie Droeser Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Pascal Felchlin , Rechtsan- walt gegen Sicherheitsdirektion Basel -Landschaft , Amt für Justizvollzug , Vorinstanz Betreff Verweigerung der bedingten Entlassung (Verfügung der Sicherheitsdirektion, Amt für Justizvollzug, vom 29. Juli 2022) A. Mit Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abte ilung Strafrecht, vom 22. Novem- ber 2018 wurde A.____ (geboren 1986) wegen des mehr fachen qualifizierten, teilweise ver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht suchten Raubes, des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschä- digung sowie des mehrfachen Hausfriedensbruchs zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verur- teilt. Unter Anrechnung der Auslieferungs- und Unters uchungshaft (6. Dezember 2015 bis 7. Oktober 2016) sowie des vorzeitigen Strafvollzugs se it dem 7. Oktober 2016 fällt das ordent- liche Vollzugsende auf den 5. Dezember 2025, zwei Dri ttel der Strafe waren dementsprechend am 5. August 2022 verbüsst. B. A.____ ersuchte das Amt für Justizvollzug (AJV) mit Schreiben vom 5. Mai 2022 um bedingte Entlassung auf den 2/3-Termin. Am 31. Mai 2 022 reichte die Justizvollzugsanstalt B.____ einen Vollzugsbericht im Hinblick auf die Prüfun g der bedingten Entlassung ein und am 7. Juli 2022 wurde A.____ angehört. C. Mit Verfügung vom 29. Juli 2022 verweigerte das AJV die bedingte Entlassung unter Berufung auf eine ungünstige Legalprognose. D. Dagegen erhob A.____ (nachfolgend Beschwerdeführe r genannt), vertreten durch Rechtsanwalt Pascal Felchlin, mit Eingabe vom 9. August 2022 Beschwerde beim Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, und beantragt, die Verfügung sei aufzuhe- ben und der Beschwerdeführer sei unverzüglich bedingt au s dem Strafvollzug zu entlassen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staa tes. Dem Beschwerdeführer sei zu- dem die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und in der Person des Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. E. Das AJV verzichtete mit Eingabe vom 18. August 2022 auf eine Vernehmlassung. F. Mit Verfügung vom 24. August 2022 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung über- wiesen und festgehalten, dass das Urteil schriftlich eröffn et werde. Zudem wurde dem Be- schwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Ve rbeiständung für das vorliegende Be- schwerdeverfahren bewilligt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 i.V.m. § 6a des Ge setzes über den Vollzug von Strafen und Massnahmen (StVG) vom 21. April 2005 ist gegen Ent scheide der Vollzugsbehörde betref- fend die Entlassung aus dem Straf- und Massnahmenvollzug die verwaltungsgerichtliche Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzlicher Ausschlusstatbe- stand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgericht s zur Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde gegeben. Die weiteren formellen Voraussetzungen sind ebenfalls erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Strittig ist vorliegend, ob die vom Beschwerdeführer beantragte bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug zu Recht abgewiesen wurde. 3.1 Das AJV erwog im Wesentlichen, die zeitliche Vorauss etzung von zwei Dritteln der Stra- fe werde am 5. August 2022 erfüllt sein. Insgesamt st ehe das Vollzugsverhalten des Beschwer- deführers einer bedingten Entlassung nicht entgegen. Jedoch könne ihm allein aufgrund des guten Vollzugsverhaltens keine günstige Legalprognose ge stellt werden bzw. könne nicht an- genommen werden, er werde künftig keine weiteren Ver brechen oder Vergehen begehen. Der Beschwerdeführer weise zwar keine Vorstrafen auf. Zu Un gunsten sei jedoch festzuhalten, dass er in Frankreich mit Urteil des «Tribunal Correcti onnel de Mulhouse» vom 2. März 2015 wegen Widerhandlungen gegen das Waffengesetz und Vorbe reitungshandlungen zu einer zweijährigen Freiheitstrafe verurteilt worden sei. Die Verurteilung sei nach Begehung der in Ba- sel-Landschaft zu beurteilenden Taten erfolgt. Dennoc h sei anzumerken, dass die Delikte in Frankreich im Mai 2014 begangen worden seien, die Delikte in der Schweiz zwischen 2013 und 2014 (insgesamt 38 Delikte). Der Beschwerdeführer habe so mit während zwei Jahren ohne grössere Unterbrechungen delinquiert. Aufgrund der we iterhin bestehenden Externalisierung, die einer Auseinandersetzung mit der Tat und einer De liktprävention im Weg stehe, sei von ei- ner andauernden gefährlichen Grundhaltung auszugehen, wodurch die Gefährdung bei einer bedingten Entlassung erheblich sei. Es sei nicht ersichtl ich, inwiefern sich die Fortdauer des Strafvollzugs negativ auf die Legalprognose und die Re sozialisierung des Beschwerdeführers auswirken sollte, zumal er während der noch verbleibende n Strafdauer die Möglichkeit hätte, mit der Deliktaufarbeitung sowie einer Auseinandersetz ung mit seinen Persönlichkeitsmerkma- len zu beginnen. Neben der Differentialprognose seien gleichzeitig auch die Schwere des Delik- tes im Falle eines erneuten Rückfalles bzw. die Interessen der Allgemeinheit zu gewichten. Die- sen sei umso höheres Gewicht beizumessen, je hochwertige r die gefährdeten Rechtsgüter sei- en. Vorliegend wäre bei einem einschlägigen Rückfall i nsbesondere das Rechtsgut der öffentli- chen Gesundheit gefährdet. Vor dem Hintergrund der sch lechten Legalprognose sowie den im Falle eines Rückfalls betroffenen Rechtsgütern sei dem Schutzbedürfnis der Allgemeinheit im Rahmen der Gesamtwürdigung Vorrang einzuräumen. 3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er keine V orstrafen aufweise. Seine in Frankreich und in der Schweiz begangenen Delikte würd en allesamt in einem relativ kurzen Zeitraum von rund zwei Jahren vorliegen, nämlich 2013 u nd 2014. Es handle sich beim Be- schwerdeführer folglich nicht um einen langjährigen «G ewohnheitsverbrecher». Insgesamt sei das Vorleben also prognostisch positiv zu werten. Was die Pe rsönlichkeit und die neuere Ein- stellung des Beschwerdeführers zu seinen Taten betreffe, so habe dieser angegeben, seit 2018 keinerlei Drogen mehr zu konsumieren, was auch den Er gebnissen der durchgeführten Absti- nenzkontrollen entspreche. Seien in der letzten Berichtsperiode noch mehrere Disziplinierungen zu nennen gewesen, hätten seither keine mehr ausgespr ochen werden müssen. Während er seine Taten vor Gericht noch abgestritten habe, gestehe e r diese heute ein, bekunde Einsicht und Reue und besuche Tatbearbeitungsgespräche. Der Besc hwerdeführer habe bereits jetzt eine lange Haftstrafe hinter sich (über acht Jahre) und sei mittlerweile Mitte Dreissig. Es dürfe angenommen werden, dass er in den letzten Jahren an p ersönlicher Reife habe gewinnen kön- nen. Zusammenfassend habe sich seine Persönlichkeit also üb er die Dauer des bisherigen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Strafvollzugs durchwegs zum Positiven hin entwickelt. Auch d ies falle prognostisch zu seinen Gunsten ins Gewicht. All diesen prognostisch günstigen F aktoren scheine der Straf- und Mass- nahmenvollzug einzig entgegenzuhalten, dass weiterhin eine Externalisierung zu erkennen sei, die einer Auseinandersetzung mit der Tat und einer De liktsprävention im Wege stehe. Ange- sichts dessen, dass der Beschwerdeführer inzwischen aus freien Stücken Tatbearbeitungsge- spräche mit dem psychologischen Dienst durchführe, könne e iner gewissen fortbestehenden Externalisierung kein erhebliches Gewicht zukommen. Dass er weiterhin kundtue, die Taten seien passiert, weil er den damaligen Mittäter kenneng elernt habe, dessen Idee es auch gewe- sen sei, zu stehlen, ändere nichts daran, dass der Beschw erdeführer auch bei sich selber eine Schuld erkenne und Reue bekunde. Jedenfalls vermöge die ser Aspekt keinesfalls sämtliche legalprognostisch günstigen Umstände zu überwiegen. Entge gen der Ansicht des Straf- und Massnahmenvollzugs sei auch nicht ersichtlich, weshalb die Rü ckfallgefahr nach Vollverbüs- sung der Strafe wesentlich besser bzw. heute, nach Verbü ssung von zwei Dritteln, wesentlich schlechter ausfallen sollte. Dass der soziale Empfangsrau m des Beschwerdeführers gewisse Ähnlichkeiten zur Situation vor dem Strafvollzug aufwe ise, dürfe diesem nicht angelastet wer- den. Es könne nicht erwartet werden, dass seine finanziellen Aussichten – nota bene nach über acht Jahren Strafvollzug – rosig aussehen würden. Vor al lem aber wären diese Aussichten nach Vollverbüssung der Strafe nicht einmal ansatzweise besser. Auch die der Strafverbüssung zugedachte spezialpräventive Wirkung dürfte sich bei einer derart langen Freiheitsstrafe bereits nach zwei Dritteln praktisch gleichermassen entfaltet haben, wie nach Vollverbüssung. Betrach- te man all dies noch vor dem Hintergrund, dass die be dingte Entlassung nach zwei Dritteln die Regel bilde, von welcher nur aus guten Gründen abgewi chen werden dürfe, weil der Verurteilte in dieser letzten Stufe des Strafvollzugs den Umgang mit der Freiheit erlernen solle, so erhelle, dass vorliegend einer Entlassung nichts Gewichtiges entgegenstehe. 4.1 Gemäss Art. 86 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzb uchs (StGB) vom 21. Dezember 1937 ist der Gefangene nach Verbüssung von zwei Dritteln der Strafe bedingt zu entlassen, wenn es das Verhalten im Strafvollzug rechtfertigt und nicht anzunehmen ist, er wer- de weitere Verbrechen oder Vergehen begehen. Die zuständige Behörde hat von Amtes wegen zu prüfen, ob der Gefangene bedingt entlassen werden kann. Dabei hat sie diesen anzuhören und einen Bericht der Anstaltsleitung einzuholen (Art. 86 Abs. 2 StGB). Die bedingte Entlassung stellt die Regel und die Verweigerung die Ausnahme d ar. In dieser Stufe soll der Entlassene den Umgang mit der Freiheit erlernen, was nur in Fre iheit möglich ist. Diesem rein spezialprä- ventiven Zweck stehen die Schutzbedürfnisse der Allgemeinh eit gegenüber, welchen umso hö- heres Gewicht beizumessen ist, je hochwertiger die gefähr deten Rechtsgüter sind. Die Progno- se über das künftige Wohlverhalten ist in einer Gesamtwü rdigung zu erstellen, welche nebst dem Vorleben, der Persönlichkeit und dem Verhalten des Täters während des Strafvollzugs vor allem dessen neuere Einstellung zu seinen Taten, seine allfällige Besserung und die nach der Entlassung zu erwartenden Lebensverhältnisse berücksichtigt ( BGE 133 IV 201 E. 2.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_102/2015 vom 24. Juni 2015 E. 3.2; 6B_645/2010 vom 12. November 2010 E. 2.3). Im Sinne einer Differenzi alprognose sind die Vorzüge und Nachtei- le der Vollverbüssung der Strafe denjenigen einer Ausse tzung des Strafrests gegenüberzustel- len. Die Strafvollzugsbehörden haben insbesondere zu pr üfen, ob die Gefährlichkeit des Täters bei einer Vollverbüssung der Strafe abnehmen, gleichbl eiben oder zunehmen wird (Urteile des Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bundesgerichts 6B_215/2017 vom 19. Juli 2017 E. 2.4; 6 B_93/2015 vom 19. Mai 2015 E. 4.1; BGE 124 IV 193 E. 5b/bb). 4.2 Bei der Beurteilung der Legalprognose kommt der zuständigen Behörde Ermessen zu (BGE 133 IV 201 E. 2.3). Eine Ermessensüberschreitung kann etwa darin liegen, auf eine Ge- samtwürdigung aller für die Prognose relevanten Umstä nde zu verzichten und die günstige Le- galprognose allein gestützt auf das Bedenken weckende Vorleben der vom Freiheitsentzug be- troffenen Person zu verneinen (BGE 133 IV 201 E. 3.2 ). Aus dem gleichen Grund darf eine be- dingte Entlassung auch nicht einzig aufgrund einzelner günstiger Faktoren – etwa dem Wohl- verhalten des Täters im Strafvollzug – bewilligt werde n, wenn gewichtige Anhaltspunkte für die Gefahr neuer Rechtsbrüche sprechen (Urteile des Bundesg erichts 6B_93/2015 vom 19. Mai 2015 E. 5.3; 6B_331/2010 vom 12. Juli 2010 E. 3.3.5; C ORNELIA KOLLER , in: Nig- gli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 10 zu Art. 86 StGB). 4.3 Vorliegend ist das Zweidrittelerfordernis gemäss Ar t. 86 Abs. 1 StGB erfüllt, und das Verhalten des Beschwerdeführers im Strafvollzug steht au ch nach Ansicht der Vorinstanz einer bedingten Entlassung nicht entgegen. Der Entscheid über die bedingte Entlassung hängt damit einzig davon ab, ob dem Beschwerdeführer eine günstige Prognose gestellt werden kann (BGE 133 IV 201 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_102/2015 vom 24. Juni 2015 E. 3.1). 4.4.1 Die Praxis orientiert sich bei ihrer Einschätzung d er Rückfallgefahr in erster Linie an der Frage der Vorstrafen (G ÜNTER STRATENWERTH /FELIX BOMMER , Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II, 3. Auflage, Bern 2020, § 3 Rz. 83 m.w.H.). Nach dem Wissensstand der Kriminologie ist diesbezüglich namentlich entscheidend, wi e häufig und in welchen zeitlichen Abständen bereits Straftaten begangen wurden und welch er Lebenszeitraum des Verurteilten durch Kriminalität geprägt war, wobei als Faustregel g ilt, dass die Gefahr der Begehung weite- rer Straftaten umso höher ist, je mehr Delikte in der Vergangenheit begangen wurden und je kürzer die Abstände zwischen den einzelnen Straftaten waren (WOLFGANG WOHLERS , in: Wohl- ers/Godenzi/Schlegel [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch , Handkommentar, 4. Auflage, Bern 2020, N 6 zu Art. 86 StGB). Andererseits sind von einem Täter, der niemals zuvor ein ernsteres Delikt begangen hat, kaum weitere Straftaten zu befürchten, wobei das Vorleben stets in der Gesamtwürdigung zu berücksichtigen ist. 4.4.2 Der Beschwerdeführer weist unbestrittenermassen kei ne Vorstrafen aus. Er ist mit dem Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung St rafrecht, vom 22. November 2018 in der Schweiz erstmalig verurteilt worden. Er ist also vo r dieser Verurteilung strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten, sondern hat deliktfrei gelebt. Zwar wurde der Beschwerdeführer in Frank- reich mit Urteil des «Tribunal Correctionnel de Mulhouse» vom 2. März 2015 wegen Verstosses gegen das Waffengesetz sowie wegen Bildung einer Band e zur Vorbereitung eines Deliktes, begangen am 14. Mai 2014, zu einer zweijährigen Freih eitstrafe verurteilt, die Verurteilung er- folgte jedoch – wie von der Vorinstanz richtig festgeste llt – nach Begehung der in der Schweiz begangenen Taten. Wohl liegt eine quasi fortgesetzte D elinquenz vor, allerdings wurde der Be- schwerdeführer weder vor der Begehung der Delikte in d er Schweiz noch vor jenen in Frank- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht reich durch Eröffnung und Bekanntgabe eines Strafverf ahrens gewarnt, dass er nicht weiter delinquieren solle, wenn er nicht gewichtige Konseque nzen befürchten wolle. Inwiefern diese Fortsetzung der Delinquenz in Frankreich den Beschwerdefü hrer prognostisch belasten soll, ist nicht nachvollziehbar. Der Vollständigkeit halber ist fes tzuhalten, dass der Beschwerdeführer – entgegen der Feststellungen der Vorinstanz – von anfan gs November 2013 bis Mitte Mai 2014 delinquierte, also während eines halben Jahres, nicht aber während zweier Jahre. Zum Zeit- punkt des mehrfachen qualifizierten, teilweise versuchten Raubes etc. lag folglich keine Vorstra- fe vor, und der Beschwerdeführer hat als Ersttäter zu g elten, was sich im vorliegenden Fall be- günstigend auf die vorzunehmende Prognose auswirkt. 4.5.1 Im Weiteren ist die Persönlichkeit des Täters zu würdigen. Bei den prognostisch zu berücksichtigenden Persönlichkeitsmerkmalen des Täters handelt es sich wie bei anderen straf- rechtlichen Prognosen um Merkmale, welche auf strafrecht lich relevante Denk- und Verhal- tensmuster hinweisen, wie u.a. eine erhöhte Kränkbarkei t, Impulsivität, Selbstbezogenheit, Ag- gressivität, eine Tendenz, Verhalten und Absichten ander er generell als feindselig wahrzuneh- men, ein übersteigerter Dominanzanspruch wie ein ausg eprägtes Geltungsbedürfnis oder se- xuell deviante Interessen. Umgekehrt können personenbezo gene Ressourcen (u.a. Selbstkon- trolle, vorhandene [realistische] Lebensziele, ausreichende soziale Kompetenzen, ausreichende kognitive Kompetenzen zur Lösung von Alltagsproblemen sowie gutes Planungs- und Entschei- dungsverhalten) sowie auch umweltbezogene Ressourcen (u.a . emotionale Bindung an eine zuverlässige Person, Einbindung in sowie Unterstützung dur ch ein normkonformes soziales Netzwerk, gute Schulausbildung/berufliche Anstellung, p ositive Freizeitgestaltung) fallspezi- fisch, d.h. abhängig vom individuellen Deliktmechanismus, prognostisch positiv gewertet wer- den. Zu beurteilen ist, ob «ein Wandel zum Besseren» st attgefunden hat, ob sich die innere Einstellung des Verurteilten verändert, ob er Einsicht in die Folgen seiner Tat gewonnen hat und seine Tat bereut, ob eine Reifung und Festigung der Persönlichkeit etwa durch therapeuti- sche Einwirkung festzustellen ist (K OLLER , in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], a.a.O., N 8 zu Art . 86 StGB; WOHLERS , a.a.O., N 6 zu Art. 86 StGB). Die Bedeutung einer vertieften Auseinanderset- zung des Verurteilten mit seiner Tat verlangt «eine o bjektiv nachvollziehbare Auseinanderset- zung». Dabei darf auch erwartet werden, dass die gefan gene Person im Rahmen einer Thera- pie an ihren Defiziten arbeitet, auch wenn das Gericht keine Therapie angeordnet hat. Fehlende Tataufarbeitung darf als prognoserelevant erachtet und negativ gewürdigt werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_93/2015 vom 19. Mai 2015 E. 5.6). Auch Umstände der Straftat können auf prognoserelevante Persönlichkeitsmerkmale hinweisen (BGE 103 Ib 27 E. 1). Von Bedeutung für das Begehen zukünftiger Straftaten können überdies auch das Alter oder der Gesundheits- zustand der verurteilten Personen sein. 4.5.2 Ein Gefangener ist vollzugsrechtlich dazu verpflich tet, bei den Sozialisierungsbemü- hungen und der Entlassungsvorbereitung aktiv mitzuwirken. Der Gesetzgeber geht somit von der Konzeption aus, dass die Fähigkeiten nach der Entl assung straffrei zu leben, die Befähi- gung voraussetzt, sozialadäquat zu handeln. Dies wird am wirkungsvollsten erreicht, wenn der Inhaftierte während des Vollzugs zu erkennen lernt, dass ein selbstverantwortliches Leben ohne Delinquenz seinem bisherigen vorzuziehen ist, und er somit das Ziel künftig straffrei zu leben, zu seinem persönlichen Lebensentwurf macht (vgl. B ENJAMIN F. BRÄGGER , in: Nig- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gli/Wiprächtiger [Hrsg.], a.a.O., N 25 zu Art. 75 St GB). Um das allgemeine Vollzugsziel mög- lichst wirkungsvoll umzusetzen, sind die persönliche Mitwi rkung und die persönliche Einsicht des Strafgefangenen unumgänglich. Verweigert ein Gef angener diese aktive Mitarbeit, können die im Vollzugsplan festzulegenden Ziele nur rudiment är geregelt werden, zudem ist die aktive Mitwirkung des Gefangenen notwendig, um diese Ziele zu erreichen (vgl. B RÄGGER ; a.a.O., N 26 zu Art. 75 StGB). 4.5.3 Dem Vollzugsbericht der JVA B.____ vom 31. Mai 20 22 ist zu entnehmen, dass im Voll- zugsplan vom 9. November 2021 vereinbart worden sei, da ss Tatbearbeitungsgespräche statt- finden sollten. Der Beschwerdeführer habe sich dazu ber eit erklärt und sich selbständig für die Gespräche angemeldet. Er habe vorgeschlagen, einen Mitg efangenen als Dolmetscher einzu- beziehen. Der Anfang des Gesprächs habe sich schwierig g estaltet, und der Beschwerdeführer habe Mühe gezeigt, offen über seine Delikte zu sprechen. Ob dies auf die Anwesenheit eines Mitgefangenen als Dolmetscher zurückzuführen gewesen sei, könne nicht abschliessend beur- teilt werden. Gemäss seiner Aussage habe er seit seiner Inhaftierung mit keiner Person über sein Delikt gesprochen, habe sich jedoch selber viele Ge danken gemacht. Er sei dazumal in Frankreich gewesen, um ein Auto für seinen Bruder zu kaufen. Da er jedoch zuvor im Casino das ganze Geld verloren habe, habe er das Auto nicht kaufen können. Bis zu diesem Zeitpunkt sei er noch nie kriminell gewesen. Ein Kollege habe ihn daraufhin gefragt, ob er schnelles Geld verdienen wolle. Die Idee sei zu diesem Zeitpunkt sehr lu krativ gewesen. So habe er mit den anderen Personen begonnen, Einbrüche zu begehen. Wie viele es gewesen seien, könne er sich nicht mehr erinnern. Es seien jedoch viele gewesen. Das Knowhow dazu habe eine andere Person gehabt und er habe den Entschluss gefasst, sich anzus chliessen. Zum heutigen Zeit- punkt bereue er seine Taten, und er schäme sich für sein Handeln, auch, dass er Schande über den Namen seiner Familie gebracht habe. Angesprochen a uf den Einsatz von Waffen bei den Einbrüchen, obwohl er nur schnelles Geld habe verdienen wollen, habe der Beschwerdeführer gemeint, dass dies nicht seine Idee gewesen sei. Er habe sich nur aufgrund des Geldes betei- ligt. Er habe dazumal schon gewusst, dass es falsch sei, Wa ffen mitzuführen. Er habe jedoch kein Mitbestimmungsrecht gehabt und somit auch weniger Geld erhalten. Auch habe er einem Opfer, welches in Panik geraten sei, Wasser gebracht. E r habe selber einen Krieg erlebt und könne die Angst der Opfer verstehen. Das Mitführen von Waffen sei sein grösster Fehler gewe- sen. Er denke oftmals an seine Opfer, wenn er am Ferns ehen einen Film mit Schusswaffen sehe. Angesprochen, wie er seine Strafe empfinde, habe der Beschwerdeführer geantwortet, dass zehn Jahre eine harte Strafe seien, er diese Straf e aber aufgrund seines grossen Fehlers akzeptiere. Er sei heute auch nicht mehr der gleiche Mensch wie früher und sei älter geworden. Er werde sich in Zukunft nie mehr einer solchen Gruppe/Aktion anschliessen und wolle ein ruhi- ges Leben führen und eine Familie gründen. Es belaste ihn noch heute schwer, dass der Draht- zieher nicht vor Gericht gewesen sei und somit keine ger echte Strafe erhalten habe. Es fühle sich gut an, über die Delikte zu sprechen. Er habe dies in der Vergangenheit nicht gekonnt und es sei ihm nicht einfach gefallen, nach vielen Jahren wi eder darüber zu sprechen. In den Ge- sprächen sei ihm verstärkt bewusst geworden, wie falsch sei n Handeln zu dieser Zeit gewesen sei und er sich dafür schäme. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Weiter ist aus dem Vollzugsbericht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer der Opferhilfe beider Basel monatlich Fr. 20.-- spende, da bis anhin noch kei ne Forderung der Opfer eingegangen sei. Seit April 2022 werde das Geld nicht mehr direkt gespendet, sondern auf seinem Wieder- gutmachungskonto angespart, sodass das Geld für eine allf ällige Forderung der Opfer verwen- det werden könnte. Falls bis zu seinem Austritt aus dem S trafvollzug keine Forderung eingehe, werde der gesamte Betrag an die Opferhilfe beider Basel gespendet. 4.5.4 Der Beschwerdeführer besucht seit November 2021 Tatbearbeitungsgespräche und leistet materielle Wiedergutmachung. Er wirkt somit akti v an den Sozialisierungsbemühungen und Entlassungsvorbereitungen mit. Der Beschwerdeführer bestreitet seine Taten nicht mehr und bereut sie. Auch akzeptiert er zwischenzeitlich seine Strafe und sieht ein, dass seine Taten falsch waren (vgl. auch Anhörung vom 7. Juli 2022). Anlässlich der Anhörung entschuldigte sich der Beschwerdeführer zudem auch gegenüber den Opfern. Soweit das AJV eine vollumfängli- che Einsicht und Verantwortungsübernahme des Beschwerdeführers auf seine Delinquenz ver- langt ist entgegenzuhalten, dass – wie bereits im Ent scheid KGE VV 810 22 33 vom 29. Juni 2022 in Erwägung 5.5.3 festgehalten – selbst aus fortd auerndem Leugnen der früheren Tat nicht auf eine schlechte Prognose geschlossen werden kan n (was auch damalige Praxis des damals noch als Vorinstanz waltenden Regierungsrates wa r, vgl. auch BGE 124 IV 193 E. 5.ee). Das AJV begründet denn auch nicht, warum nu r eine vollständige Einsicht und Ver- antwortungsübernahme für eine positive Prognose sprech en würde. Auch wenn teilweise noch eine Externalisierung ersichtlich ist, steht diese – entg egen der Meinung des AJV – einer Aus- einandersetzung mit der Tat und einer Deliktprävention nicht im Wege. Auch ist zu berücksich- tigen, dass der Beschwerdeführer monatlich Fr. 20.-- an die Opferhilfe beider Basel spendet, weil keine Forderungen von konkreten Opfern eingegange n sind. Vor diesen Hintergründen kann nicht von einer andauernden gefährlichen Grundha ltung des Beschwerdeführers ausge- gangen werden, welche bei einer bedingten Entlassung erheblich ist. 4.6.1 Weiter ist das deliktische und sonstige Verhalten des Beschwerdeführers zu beurteilen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Art des Delikts, welches zur Strafhaft ge- führt hat, an sich für die Prognose nicht entscheidend. Dagegen sind die Umstände der Straftat insoweit beachtlich, als sie Rückschlüsse auf die Täterpersönlichkeit und damit auf das künftige Verhalten erlauben (BGE 103 Ib 27 E. 1; STRATENWERTH /B OMMER , a.a.O., § 3 Rz. 85 m.w.H.). Einzubeziehen ist ferner das Verhalten in der Vollzugsan stalt, soweit dieses Rückschlüsse auf künftiges Verhalten zulässt (vgl. K OLLER , in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], a.a.O., N 10 zu Ar t. 86 StGB). Im Vordergrund steht bezüglich der Beurteilung des Vollzugsverhaltens, ob es Rück- schlüsse auf das Verhalten nach der (bedingten) Entlassung zulässt, wobei negativ bewertete Verhaltensweisen nur beachtlich sind, wenn sie einen hi nreichenden Schweregrad aufweisen oder Ausdruck von Abwesenheit jeglicher Besserung sind, w as insbesondere auch bedeutet, dass sie im Vollzug nicht zeitlich weit zurückliegen (BGE 119 IV 5 E. 1; K OLLER , in: Nig- gli/Wiprächtiger [Hrsg.], a.a.O., N 4 zu Art. 86 StGB). Das tadellose Verhalten im Vollzug hat nur geringe Aussagekraft für die Legalprognose (BGE 103 I b 27 E. 1; Urteil des Bundesgerichts 6B_93/2015 E. 5.3; WOHLERS , a.a.O., N 7 zu Art. 86 StGB). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6.2 Der Beschwerdeführer wurde als freundlicher und r uhiger Gefangener wahrgenom- men. Er habe sich dem Personal gegenüber korrekt verhalt en und habe den Kontakt zu den Angestellten gesucht, aufgrund seiner nicht vorhandenen Deutschkenntnissen jedoch nur sel- ten. Seine Fragen und Anliegen bringe er oftmals mi t Hilfe eines Dolmetschers ein. Bei negati- ven Entscheiden zeige er sich einsichtig und könne konstruktiv mit Kritik umgehen. Im Berichts- zeitraum habe er keine Mühe gezeigt, sich an die Hausordn ung zu halten und habe infolgedes- sen nicht diszipliniert werden müssen. Der Beschwerdeführer habe sich gut in das Grosskollek- tiv der JVA B.____ eingefügt und pflege den Kontakt zu diversen Mitgefangenen. Man begegne ihm oft auf dem Sozialgeschoss oder auf den Etagen. Sein e Zelle mache einen ordentlichen und gepflegten Eindruck. Im Berichtszeitraum seien mehr ere Zellen- sowie Personenkontrollen durchgeführt worden, wobei nichts Besonderes festgestellt worden sei. Der Beschwerdeführer arbeite weiterhin in der Schreinerei. Seine Arbeitsle istungen sowie sein Verhalten am Arbeits- platz seien weiterhin positiv. Konfliktsituationen seien keine bekannt (vgl. Vollzugsbericht der JVA vom 31. Mai 2022). 4.6.3 Der Beschwerdeführer verfügt demnach über eine g ute Sozialkompetenz, arbeitet willig und pflegt Beziehungen; alles Eigenschaften, die ihm in Freiheit zugutekommen. Dieses Verhal- ten lässt positive Rückschlüsse auf das Legalverhalten zu. Wie dargelegt, kann dem Beschwer- deführer nicht vorgehalten werden, er habe an den Re sozialisierungsbemühungen oder der Einhaltung des Vollzugsplans nicht mitgewirkt (vgl. E. 5.5.4 hiervor). Aufgrund der vorstehenden Ausführungen lassen sich keine negativen Rückschlüsse auf künftiges Verhalten ziehen. 4.7 Hinsichtlich der zu erwartenden Lebensverhältnisse nac h der Entlassung aus dem Strafvollzug kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer konkrete Zukunftspläne hat. Er führt aus, dass er nach seiner Entlassung in den Kos ovo zurückkehren wolle, wo auch seine Eltern und zwei Brüder leben würden. Er werde dort b ei seinen Eltern wohnen, bis er seinen Lebensunterhalt selbständig verdienen könne. Er habe si ch um eine Arbeitsstelle bemüht und eine schriftliche Zusage in einer Autowerkstatt in W._ ___ erhalten. Auch wolle er eine Familie gründen (vgl. Gesuch um bedingte Entlassung vom 5. Mai 2022 sowie Anhörung vom 7. Juli 2022). Der Beschwerdeführer reichte einen Vorvertrag für eine Arbeitsstelle bei einer Autowerk- statt ein (vgl. Beilage zum Gesuch um bedingte Entlassung vom 5. Mai 2022). Zwar wird er dort lediglich Euro 250.-- pro Monat verdienen, jedoch kann aufgrund seiner langen Inhaftierung nicht von Anfang erwartet werden, dass seine finanzielle Lage hervorragend ist. Der Beschwer- deführer wird deshalb zu Beginn auch bei seinen Elt ern wohnen, mit welchen er gemäss Voll- zugsbericht der JVA B.____ regelmässig telefonischen Kon takt hatte. Auch wenn sich die dies- bezügliche Prognose in erster Linie auf die Angaben de s Beschwerdeführers stützen und diese folglich mit einer Unsicherheit belastet sind, kann vorl iegend immerhin festgehalten werden, dass sie über blosse Bekundungen hinausgehen. Angesichts di eser Umstände kann dem AJV nicht beigepflichtet werden, dass dem Beschwerdeführer h insichtlich der voraussichtlichen Le- bensumstände keine günstige Legalprognose gestellt werde n könne. Vielmehr ist der soziale Empfangsraum des Beschwerdeführers legalprognostisch als positiv zu werten. 4.8.1 Im Sinn einer Differenzialprognose sind die Vorzü ge und Nachteile der Vollverbüssung der Strafe denjenigen der Aussetzung des Strafrests geg enüberzustellen, wobei zu prüfen ist, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ob die Gefährlichkeit des Gefangenen bei einer Vollver büssung der Strafe abnehmen, gleich- bleiben oder zunehmen wird (vgl. BGE 124 IV 193 E. 5 b.bb; Urteil des Bundesgerichts 6B_215/2017 vom 19. Juli 2017 E. 2.4; K OLLER , in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], a.a.O., N 16 zu Art. 86 StGB). Als Vorzüge der Vollverbüssung kommen etwa die Möglichke iten in Betracht, im Rahmen einer Therapie mit der Deliktaufarbeitung zu beginnen, sich mit seinen Persönlich- keitsmerkmalen auseinanderzusetzen und einen Veränderungsp rozess durchzumachen sowie die schrittweise Heranführung an die Freiheit im Rahme n von Vollzugsöffnungen. Dagegen scheiden Ansetzung einer Probezeit (mit der Möglichkeit der Rückversetzung in den Strafvoll- zug) sowie sämtliche Formen der Nachbetreuung und Kont rolle (Bewährungshilfe und Weisun- gen) aus (KOLLER , in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], a.a.O., N 16 zu Art . 86 StGB m.w.H.). Die be- dingte Entlassung kann in Verbindung mit sachgerechten Weisungen und/oder Bewährungshilfe in spezialpräventiver Hinsicht zweckmässiger sein als die Entlassung zum Strafende ohne jegli- che Möglichkeit, weiter auf den Täter einzuwirken. Zu b erücksichtigen sind aber auch die Art und Schwere der möglicherweise zu erwartenden Straftat en. Ist die Verletzung wertvoller Rechtsgüter betroffen, kann es im Interesse der öffent lichen Sicherheit sein, den Gefangenen die gesamte Strafe verbüssen zu lassen (CORNELIA KOLLER , in: Brägger [Hrsg.], Das Schweize- rische Vollzugslexikon – von der vorläufigen Festnahme zur b edingten Entlassung, Basel 2014, S. 82 f.). Bei Ausländern, die die Schweiz nach dem Strafvollzug z u verlassen haben, darf der Umstand, dass Kontrollmöglichkeiten für Weisungen und B ewährungshilfe im Ausland fehlen, für die Legalprognose berücksichtigt werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_331/2010 vom 12. Juli 2010 E. 3.3.5). Ferner ist zu beachten, dass im Fal le einer Nichtbewährung ausserhalb der Schweiz ein Widerruf der bedingten Entlassung häufig w eder angeordnet noch vollstreckt wer- den kann, weshalb eine bedingte Entlassung zurückhaltend er zu bewilligen ist, wenn der Ge- fangene in seine Heimat entlassen wird. Dies darf jed och nicht zu einer pauschalen Benachtei- ligung von Ausländerinnen und Ausländern führen (vgl. K OLLER , in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], a.a.O., N 16 zu Art. 86 StGB). 4.8.2 Ob bei einer Vollverbüssung eine Verbesserung be züglich Einsicht in die Verwerflichkeit der Tat und weitere Reduktion der Externalisierung er reicht werden kann, erscheint fraglich, zumal die Deliktsprävention nicht allein an ein völliges Fehlen der Externalisierung festgemacht werden kann. Zudem ist nicht nachvollziehbar, warum ein e andauernde gefährliche Grundhal- tung beim Beschwerdeführer bestehen soll, wodurch die Gefährdung der Allgemeinheit bei ei- ner bedingten Entlassung erheblich sein soll. Betrachte t man zwar das öffentliche Interesse an einer Vollverbüssung so ist angesichts der begangenen Delikte, insbesondere des qualifizierten Raubes, nicht ganz von der Hand zu weisen, dass ein Intere sse der Öffentlichkeit an der Voll- verbüssung der Strafe besteht, da der Beschwerdeführer zumindest für die Dauer der Reststra- fe (vorliegend etwas über drei Jahre) nicht delinquier en kann. Andererseits entfallen viele Vor- teile der Vollverbüssung der Strafe, insbesondere das Heranführen an die Freiheit mit Vollzugs- erleichterungen bis hin zu Wohn- und Arbeitsexternat, da keine Vorbereitung der Entlassung stattfinden kann, weil der Beschwerdeführer die Schwei z verlassen muss. Unter Berücksichti- gung all dieser Umstände spricht einzig das Sicherheitsi nteresse für die Vollverbüssung der Strafe. Allerdings ist hier die Landesverweisung zu bea chten, welche die Gesellschaft länger schützt als die Dauer der Reststrafe. Angesichts des Umstande s, dass eine weitere und tiefere Reue und Einsicht in die Tat und damit Verminderung d er Externalisierung kaum zu erwarten Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist, ist die Vollverbüssung der Strafe nur aus sicherheits politischen Überlegungen vorteilhaft. Demzufolge ist von einem weiteren Vollzug der Strafe im vorliegenden Fall keine massgebliche Reduktion des Rückfallrisikos zu erwarten und die Legalpr ognose im Rahmen der Differenzial- prognose fällt zu Gunsten des Beschwerdeführers aus. 5. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Leg alprognose gestützt auf die obigen Ausführungen als positiv zu werten ist, was zur Gu theissung der Beschwerde führt. Die Angelegenheit ist zur umgehenden Bewilligung der bedi ngten Entlassung und Regelung der Modalitäten an die Sicherheitsdirektion des Kantons Ba sel-Landschaft, Abteilung Straf- und Massnahmenvollzug, zurückzuweisen. 6.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 6.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausgan g des Verfahrens ist dem Be- schwerdeführer eine Parteientschädigung zulasten der Be schwerdegegnerin zuzusprechen. In seiner Honorarnote vom 26. August 2022 macht der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers einen Aufwand von 5.20 Stunden à Fr. 200.-- und Ausla gen in der Höhe von Fr. 19.50 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Demzufolge hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 1'141.10 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) zu bezahlen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng des Amts für Justiz- vollzugs vom 29. Juli 2022 aufgehoben und die Sicherhei tsdirektion des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Straf- und Massnahme nvollzug, angewiesen, den Beschwerdeführer umgehend bedingt zu entlassen und die Modalitäten zu regeln. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden der Sicher- heitsdirektion des Kantons Basel-Landschaft, Amt für J ustizvollzug, auf- erlegt. 3. Die Sicherheitsdirektion des Kantons Basel-Landschaft, Amt für Justiz- vollzug, hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigu ng in der Höhe von Fr. 1'141.10 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) auszurichten. Präsidentin Gerichtsschreiberin