<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 104 S.457</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">457</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Beschwerden gegen Einspracheentscheide des</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Migrationsamts</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>104 Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach illegalem Aufenthalt</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Bei der Prüfung, ob ein Härtefall vorliegt, wird ein jahrelanger illegaler</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Aufenthalt in der Schweiz trotz regelmässiger Bezahlung der Quellen-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>steuer und der Sozialversicherungsabgaben nicht an die Aufenthaltsdauer</b></span><br/> <span class="ft3"><b>angerechnet (Erw. II/5a).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 16. Dezem-</span><br/> <span class="ft4">ber 2005 in Sachen X.I. gegen einen Entscheid des Migrationsamts</span><br/> <span class="ft4">(BE.2005.00017).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">A. Der Beschwerdeführer reiste gemäss eigenen Angaben im</span><br/> <span class="ft6">Jahre 1990 als Student in die Schweiz ein, verliess diese wieder und</span><br/> <span class="ft6">kam im gleichen Jahr aufgrund einer viermonatigen Kurzaufenthalts-</span><br/> <span class="ft6">bewilligung zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit erneut in die</span><br/> <span class="ft6">Schweiz. Nach Ablauf der Bewilligung verliess er die Schweiz,</span><br/> <span class="ft6">kehrte jedoch im Dezember 1990 ohne Bewilligung zurück und ar-</span><br/> <span class="ft6">beitete seither beim gleichen Arbeitgeber. Abgesehen von einer</span><br/> <span class="ft6">Kurzaufenthaltsbewilligung im Jahre 1992 hielt er sich die ganze</span><br/> <span class="ft6">Zeit ohne Bewilligung in der Schweiz auf.</span><br/> <span class="ft6">Anlässlich einer kantonalen Schwarzarbeiterkontrolle erhielt die</span><br/> <span class="ft6">Kantonspolizei Aargau am 20. September 2004 vom Arbeitgeber des</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführers die Auskunft, dass dieser bei ihm angestellt sei,</span><br/> <span class="ft6">im Moment jedoch in den Ferien weile. Abklärungen beim Migra-</span><br/> <span class="ft6">tionsamt des Kantons Aargau ergaben, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">seit 1992 über keine Bewilligung mehr verfügte.</span><br/> <span class="ft6">Mit Eingabe vom 28. September 2004 beantragte der Rechts-</span><br/> <span class="ft6">vertreter des Beschwerdeführers beim Migrationsamt die Erteilung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">458</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 13 lit. f der Verord-</span><br/> <span class="ft6">nung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (BVO) vom</span><br/> <span class="ft6">6. Oktober 1986 sowie die Erteilung einer vorläufigen Arbeits-</span><br/> <span class="ft6">bewilligung.</span><br/> <span class="ft6">Am 4. Oktober 2004 verurteilte das Bezirksamt Kulm den Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 90 Tagen</span><br/> <span class="ft6">und zu einer Busse von CHF 800.00 wegen illegalen Aufenthalts und</span><br/> <span class="ft6">Stellenantritts ohne Bewilligung.</span><br/> <span class="ft6">Am 12. Januar 2005 verfügte das Migrationsamt die Ablehnung</span><br/> <span class="ft6">des Gesuchs um Erteilung einer Härtefallbewilligung, die Nichtertei-</span><br/> <span class="ft6">lung einer vorläufigen Arbeitsbewilligung und die Wegweisung des</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführers. Zudem entzog es einer allfälligen Einsprache die</span><br/> <span class="ft6">aufschiebende Wirkung.</span><br/> <span class="ft6">B. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Ein-</span><br/> <span class="ft6">gabe vom 6. Februar 2005 Einsprache, welche von der Vorinstanz am</span><br/> <span class="ft6">8. März 2005 abgewiesen wurde.</span><br/> <span class="ft6">C. Mit Eingabe vom 30. März 2005 erhob der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rer gegen den Einspracheentscheid Beschwerde.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">II. 5a) Hinsichtlich der Aufenthaltsdauer des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft6">ist festzuhalten, dass er seit 1990 grösstenteils in der Schweiz weilt.</span><br/> <span class="ft6">Abgesehen von zwei Kurzaufenthaltsbewilligungen, die jeweils für</span><br/> <span class="ft6">vier Monate ausgesprochen wurden, lebte er hierzulande jedoch ohne</span><br/> <span class="ft6">Aufenthaltsberechtigung. Gemäss Rechtsprechung des Bundesge-</span><br/> <span class="ft6">richts ist der illegale Aufenthalt bei der Prüfung, ob ein Härtefall vor-</span><br/> <span class="ft6">liegt, nicht zu berücksichtigen (BGE 2A.166/2001 vom 21. Juni</span><br/> <span class="ft6">2001, E. 2b/bb), weshalb dem Beschwerdeführer eine Anwesenheits-</span><br/> <span class="ft6">dauer von nur knapp einem Jahr anzurechnen ist. Diesbezüglich</span><br/> <span class="ft6">macht er geltend, es sei ihm die ganze Aufenthaltsdauer anzurech-</span><br/> <span class="ft6">nen, weil er sich des Unrechtsgehaltes seines Verbleibs in der</span><br/> <span class="ft6">Schweiz spätestens nach ein paar Jahren nicht mehr bewusst gewe-</span><br/> <span class="ft6">sen sei, da sein Arbeitgeber ihm versichert habe, dass er die üblichen</span><br/> <span class="ft6">Lohnabzüge pflichtgemäss bezahle. Zudem habe er während 14 Jah-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">459</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">ren Quellensteuern bezahlt. Das Steueramt des Kantons Aargau habe</span><br/> <span class="ft6">all die Jahre Kenntnis davon gehabt, dass der Beschwerdeführer in</span><br/> <span class="ft6">Reinach wohnte und arbeitete, weshalb er nach einiger Zeit davon</span><br/> <span class="ft6">ausgegangen sei, es sei alles in Ordnung, ansonsten die Behörden et-</span><br/> <span class="ft6">was hätten unternehmen müssen.</span><br/> <span class="ft6">Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe angenommen,</span><br/> <span class="ft6">es sei alles in Ordnung, erscheint unglaubwürdig. Auf jeden Fall</span><br/> <span class="ft6">hätte dem Beschwerdeführer der Unrechtsgehalt seines Verbleibs in</span><br/> <span class="ft6">der Schweiz bewusst sein müssen, weshalb er hieraus nichts zu sei-</span><br/> <span class="ft6">nen Gunsten ableiten kann.</span><br/> <span class="ft6">Schliesslich zitiert der Beschwerdeführer ein Rundschreiben</span><br/> <span class="ft6">des Bundesamtes für Zuwanderung, Integration und Auswanderung</span><br/> <span class="ft6">(IMES, heute Bundesamt für Migration, BFM) vom 17. September</span><br/> <span class="ft6">2004, wonach zu Gunsten des Ausländers zu berücksichtigen ist,</span><br/> <span class="ft6">wenn die mit dem Vollzug des Ausländerrechts betrauten Behörden</span><br/> <span class="ft6">die illegale Anwesenheit bisher stillschweigend toleriert haben.</span><br/> <span class="ft6">Im vorliegenden Fall hatten die Steuerbehörden des Kantons</span><br/> <span class="ft6">Aargau über den Aufenthalt und die Arbeit des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft6">Kenntnis. Zwar ist unverständlich, dass ein illegal arbeitstätiger Aus-</span><br/> <span class="ft6">länder in der Schweiz während Jahren quellenbesteuert wird, ohne</span><br/> <span class="ft6">dass sein illegaler Aufenthalt bekannt wird. Zur Vermeidung von</span><br/> <span class="ft6">Schwarzarbeit wäre eine intensivere Zusammenarbeit der Steuerbe-</span><br/> <span class="ft6">hörden mit den Migrationsbehörden durchaus wünschenswert. Da die</span><br/> <span class="ft6">Steuerbehörden aber nicht mit dem Vollzug des Ausländerrechts be-</span><br/> <span class="ft6">auftragt sind, kann auch nicht davon gesprochen werden, eine mit</span><br/> <span class="ft6">dem Vollzug des Ausländerrechts betraute Behörde hätte den illega-</span><br/> <span class="ft6">len Aufenthalt des Beschwerdeführers stillschweigend toleriert. Un-</span><br/> <span class="ft6">ter diesen Umständen kann aus der zitierten Stelle des Rundschrei-</span><br/> <span class="ft6">bens für den vorliegenden Fall nichts abgeleitet werden. Anders wäre</span><br/> <span class="ft6">wohl zu entscheiden, wenn der Einwohnerkontrolle oder dem</span><br/> <span class="ft6">Migrationsamt selbst bekannt gewesen wäre, dass sich der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer während Jahren in der Schweiz aufhielt und er hier</span><br/> <span class="ft6">einer Erwerbstätigkeit nachging. Nach dem Gesagten ist die illegale</span><br/> <span class="ft6">Aufenthaltszeit nicht anzurechnen, weshalb der Beschwerdeführer in</span><br/> <span class="ft6">Bezug auf die Aufenthaltsdauer nichts zu seinen Gunsten ableiten</span><br/> <span class="ft6">kann. Allerdings darf daraus nicht schon der Umkehrschluss gezogen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">460</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">werden, es liege kein Härtefall vor. Vielmehr ist die Aufenthaltsdauer</span><br/> <span class="ft6">in der Schweiz im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu werten. Nach-</span><br/> <span class="ft6">folgend ist daher zu prüfen, ob aufgrund der gesamten Umstände des</span><br/> <span class="ft6">Einzelfalles in der Rückkehr des Beschwerdeführers in sein</span><br/> <span class="ft6">Heimatland oder allenfalls in ein Drittland ein Härtefall zu erblicken</span><br/> <span class="ft6">ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>