Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 3. Mai 2016 (460 15 233) ___________________________________________________________________ Strafrecht Einfache Körperverletzung etc. Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Markus Mattle (Ref.) , Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Berufungsklägerin gegen A.____ , vertreten durch Advokat Simon Berger, Haus zum Thurgauerhof, Lindenstrasse 2, Postfach 552, 4410 Liestal, Beschuldigter Gegenstand einfache Körperverletzung etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-L andschaft vom 2. Juli 2015 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Das Strafgericht Basel-Landschaft entschied mit Urteil vom 2. Juli 2015 unter anderem Folgendes: "1. A.____ wird der einfachen Körperverletzung (zum Nacht eil von B.____), der fahr- lässigen einfachen Körperverletzung (zum Nachteil von C. ____), der Sachentzie- hung, der Sachbeschädigung (zum Nachteil der D.____ AG ), des Hausfriedens- bruchs (begangen am 14. Juni 2014), der Zechprellerei , der Widerhandlung ge- gen das Waffengesetz sowie der mehrfachen Widerhandlu ng gegen das Betäu- bungsmittelgesetz schuldig erklärt und verurteilt, als teilweise Zusatzstrafe zum Urteil der Staatsanwaltsch aft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Sissach, vom 19. Dezember 2013, zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 10.--, unter Anrechnung der vom 22. Juli 2014 bis zum 10. September 2014 und der am 30. September 2014 ausgestandenen strafprozessualen Haft von insgesamt 52 Tagen, sowie zu einer Busse von Fr. 300.--, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stelle eine Ersatz- freiheitsstrafe von 3 Tagen, in Anwendung von Art. 123 Ziff. 1 StGB, Art. 125 Abs. 1 StGB, Art. 141 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 149 StGB, Art. 186 StGB, Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, Art. 19a Ziff. 1 BetmG (teilweise in Verbindung mit Art. 19 A bs. 1 lit. g BetmG) sowie Art. 34 StGB, Art. 49 Abs. 1 und Abs. 2 StGB, Art. 51 StGB und Art. 106 StGB. 2. A.____ wird von der Anklage der Gefährdung durch Sprengstoffe ohne verbreche- rische Absicht, der mehrfachen Nötigung, der mehrfachen Drohung, der versuch- ten Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand , der fahrlässigen einfa- chen Körperverletzung (zum Nachteil von E.____), der Sa chbeschädigung (zum Nachteil der F.____), des mehrfachen Hausfriedensbruchs (begangen am 10. Juni 2014 und 13. Juni 2014), der Beschimpfung, des M issbrauchs einer Fern- meldeanlage sowie der Widerhandlung gegen das Auslände rgesetz freigespro- chen. 3. a. Die gegen A.____ am 14. Januar 2011 von der Staatsan waltschaft Basel- Landschaft neben einer Busse von Fr. 800.-- bedingt au sgesprochene Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, unter Anrechnung der ausgestandenen Unter- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht suchungshaft von 20 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jah ren, durch den Ent- scheid der Staatsanwaltschaft vom 29. März 2012 um 1 Jahr verlängert, wird in Anwendung von Art. 46 Abs. 2 StGB nicht vollziehbar erklärt. b. Die gegen A.____ am 26. Mai 2011 vom Strafgerichtspr äsidium Basel-Landschaft bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 200 Tagessätzen z u je Fr. 30.--, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 4 T agen, bei einer Pro- bezeit von 2 Jahren, durch das Urteil der Staatsanwaltscha ft Basel-Landschaft vom 19. Dezember 2013 um 1 Jahr verlängert, wird in An wendung von Art. 46 Abs. 2 StGB nicht vollziehbar erklärt. c. Die gegen A.____ am 19. Dezember 2013 von der Staat sanwaltschaft Basel- Landschaft, als teilweise Zusatzstrafe zum Urteil des Str afgerichtspräsidiums Ba- sel-Landschaft vom 26. Mai 2011, neben einer Busse von Fr . 300.-- bedingt aus- gesprochene Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 7 0.--, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 117 Tagen, bei einer Probezeit von 3 Jahren, wird in Anwendung von Art. 46 Abs. 2 StGB nicht vollziehbar erklärt. Hin- gegen wird der Beurteilte verwarnt und die Probezeit um 1 ½ Jahre verlängert. Für die Dauer der Probezeit wird Bewährungshilfe ang eordnet (Art. 46 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 44 Abs. 2 StGB und Art. 93 StGB). 4. a. Die nachfolgend aufgeführten beschlagnahmten Gegenstä nde werden in Anwen- dung von Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 StGB zur Vernichtung eingezogen: − Schmetterlingsmesser; − Aluminiumrohr (mit Kabelbindern versetzt); − 1.42 Gramm Marihuana. b. Das beschlagnahmte Apple iPhone, weiss (IMEI XY), wird nach Rechtskraft unter Aufhebung der Beschlagnahme gestützt auf Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO dem Beurteilten zurückgegeben. A.____ wird unter Androhung der Einziehung im Unter lassungsfalle eine Frist von drei Monaten ab Rechtskraft des vorliegenden Urteils ang esetzt, um das Mobilte- lefon nach telefonischer Vorankündigung beim Strafgericht abzuholen. 5. a. A.____ wird bei der Anerkennung der nachfolgend gena nnten Zivilforderungen behaftet: − F.____, Fr. 2'071.70; − G____ AG, Fr. 830.--, die Mehrforderung wird auf den Zivilweg verwiesen; − D.____ AG, Fr. 172.--. b. Folgende Schadenersatzforderungen werden in Anwendun g von Art. 126 Abs. 2 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht StPO auf den Zivilweg verwiesen: − B.____, Fr. 408.60; − C.____, unbezifferte Zivilforderung; − E.____, unbezifferte Zivilforderung. c. Die Genugtuungsforderung von B.____ in Höhe von Fr. 500.-- wird abgewiesen. 6. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorverfa hrens von Fr. 21'200.60, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts von Fr. 2'000.--, den Expertisekosten des gerichtlichen Verfahrens von Fr. 910.5 0 und der Gerichtsge- bühr von Fr. 6'000.--. Zwei Drittel der Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Staates. Der in Anwen- dung von Art. 426 Abs. 1 StPO grundsätzlich vom Beurte ilten zu tragenden Drittel der Verfahrenskosten geht in Anwendung von Art. 425 S tPO sowie § 4 Abs. 3 GebT zufolge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründetes U rteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtliche Gebühr auf Fr. 3' 000.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). 7. Das Honorar des amtlichen Verteidigers in Höhe von insge samt Fr. 11'576.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) wird aus der Gerichtskasse entrichtet." B. Gegen dieses Urteil hat die Staatsanwaltschaft Basel-La ndschaft, Allgemeine Hauptab- teilung, nach Eröffnung des Urteilsdispositivs mit Schreib en vom 6. Juli 2015 die Berufung an- gemeldet. C. In ihrer begründeten Berufungserklärung vom 16. Oktober 2015 beantragte die Staats- anwaltschaft was folgt: "1. Es sei A.____– unter Aufhebung von Buchstabe D. 1. Ziff . 2. / 2.2.2, Ziff. 4. / 4.2.1 b., 4.2.2 c., Ziff. 8. / 8.2.2, Ziff. 9. / 9.2.2 b., Ziff. 10. / 10.1.2 a. und b., Ziff.10.2.2, Ziff. 11. / 11.1.2. a. und c., Ziff.11.2.1. b. und Ziff. 1 1.2.2.b. des Urteils des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 2. Juli 2015 – der Sachbeschädigun g zum Nachteil der F.____, der Nötigung, der versuchten einfachen Körperve rletzung mit einem gefähr- lichen Gegenstand zum Nachteil von H.____, der Widerhan dlung gegen das Aus- ländergesetz, der Gefährdung durch Sprengstoffe ohne verbrecherische Absicht, der Drohung, der Nötigung, der Beschimpfung zum Nachteil von B.____ sowie der Dro- hung, der Nötigung, der Tätlichkeiten zum Nachteil von I.____ schuldig zu erklären. 2. Es sei die Strafart zu ändern und das Strafmass angemessen zu erhöhen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Es sei unter Aufhebung von Buchstabe D. III. Ziff. 2 d es Urteils des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 2. Juli 2015 die Vorstrafen vom 14. Januar 2011, vom 26. Mai 2011 und vom 19. Dezember 2011 zu widerrufen. 4. Unter grundsätzlicher o/e-Kostentragungspflicht zu Lasten des Beschuldigten, seien die Verfahrenskosten zufolge offensichtlicher Uneinbring lichkeit auf die Staatskasse zu nehmen. " D. Demgegenüber stellte der Beschuldigte in seiner Beru fungsantwort vom 25. Januar 2016 folgende Rechtsbegehren: "1. Es sei die Berufung vollumfänglich abzuweisen. 2. Es sei dem Berufungsgegner auch für das zweitinstanzlich e Verfahren die amtliche Verteidigung zu bewilligen. 3. Unter o/e-Kostenfolge." E. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügungen de s Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, betrifft, so wurde d em Beschuldigten mit Verfügung vom 1. Februar 2016 die amtliche Verteidigung mit Advokat Simon Berger für das zweitinstanzliche Verfahren bewilligt. F. Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Kantonsger icht, Abteilung Strafrecht, er- scheinen die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sowie der Verteidiger des Beschuldigten, Advo- kat Simon Berger. Der Beschuldigte bleibt der kantonsg erichtlichen Hauptverhandlung trotz ordnungsgemässer Vorladung fern. Beide Parteien halte n an ihren bereits schriftlich gestellten Anträgen vollumfänglich fest. Auf die Parteivorträge wi rd, soweit erforderlich, nachfolgend in den Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. Formelles 1. Zuständigkeit und Eintreten […] 2. Nichterscheinen des Beschuldigten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zunächst ist festzustellen, dass der Beschuldigte trotz or dnungsgemässer Vorladung nicht zur heutigen Hauptverhandlung vor Kantonsgericht erschienen i st. In casu hat jedoch einzig die Staatsanwaltschaft Berufung erhoben, was dazu führt, da ss die strafrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts – trotz des Nichterscheinens des Beschuldigten – im Abwesenheitsverfahren ein Urteil zu fällen hat (vgl. Art. 407 Abs. 1 und 2 StPO). 3. Gegenstand des Berufungsverfahrens Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgeri cht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. In casu liegt einzig eine Berufung der Staatsanwaltschaft vor; der Beschuldigte hat weder Beru- fung noch Anschlussberufung erhoben. Die Berufung der Staatsanwaltschaft richtet sich zunächst gegen die Freisprüche hinsichtlich folgender Fälle der Anklageschrift: – Fall 1: Sachbeschädigung zum Nachteil der F.____ – Fall 3: Nötigung und versuchte Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von H.____ – Fall 7: Widerhandlung gegen das Ausländergesetz – Fall 8: Gefährdung durch Sprengstoffe ohne verbreche rische Absicht – Fall 9: Drohung, Nötigung und Beschimpfung zum Nacht eil von B.____ – Fall 10: Drohung, Nötigung und Tätlichkeiten zum N achteil von I.____ Überdies beanstandet die Staatsanwaltschaft die Strafzu messung sowie den Nichtwiderruf der Vorstrafen. II. Materielles 1. Allgemeines Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Fr age stehenden Sachverhalts auf die Be- gründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser be ipflichten. Hingegen ist auf neue tat- sächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzugehen, die erst im Rechtsmittelverfahren vorgetragen werden. 2. Fall 1 der Anklageschrift: Sachbeschädigung zum Nachteil der F.____ Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1. Gemäss Anklageschrift vom 26. Februar 2015 wird dem Beschu ldigten zur Last gelegt, am 17. September 2013, ca. 23:15 Uhr, am Bahnhof in K.____ eine Leuchtanzeigetafel mit der Aufschrift "K.____" beschädigt zu haben, indem er entw eder mutwillig ein Bierrugeliglas in die Leuchtanzeigetafel geworfen oder anlässlich einer aus Spa ss geführten Rangelei mit einem Kollegen und unter Inkaufnahme einer Sachbeschädigung derart heftig mit einem Bierrugeliglas herumgestikuliert habe, dass dieses 3.9 m in die Luft geflogen sei und die Leuchtanzeigetafel beschädigt habe. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten vom Vorwurf der Sachbeschädigung zum Nachteil der F.____ frei. Zur Begründung wurde ausgeführt, der B eschuldigte habe nicht damit rechnen müssen, dass er anlässlich einer Rangelei mit einem Bierglas in der Hand eine in etwa vier Me- ter Höhe angebrachte Leuchtanzeigetafel treffen könnte . Gegen einen gezielten Wurf spreche namentlich das Verhalten des Beschuldigten nach dem Scha densereignis. Hätte der Beschul- digte die Leuchtanzeigetafel absichtlich beschädigt, hätte er sich vermutlich – wie dies sein Kol- lege getan habe – vom Bahnhof entfernt, und nicht di e Polizei angerufen und am Tatort auf de- ren Eintreffen gewartet. Mangels zusätzlicher Indizien sei dem Beschuldigten ein absichtlicher Wurf des Bierglases gegen die Leuchtanzeigetafel nicht rechtsgenüglich nachzuweisen. Es sei zu Gunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass ihm das Bierglas aufgrund der Range- lei mit seinem Kollegen unabsichtlich entglitten sei un d in der Folge die Leuchtanzeigetafel be- schädigt habe. 2.2 Die Staatsanwaltschaft beantragt demgegenüber im Fal l 1 der Anklageschrift einen Schuldspruch wegen Sachbeschädigung und stellt sich auf den Standpunkt, es könne nicht nachvollzogen werden, inwiefern ein aus der Hand rutsche ndes Bierrugeliglas eine rund 4 Meter in der Höhe angebrachte Anzeigetafel beschädige n könne. Vorliegend könnten keine Gegenindizien den Rückschluss entkräften, dass sich aufgrund einer derart heftigen Rangelei mit einem Bierglas in der Hand die Beschädigung des Ba hnhofsschildes für den Beschuldigten als so wahrscheinlich aufdrängt habe, dass diese vernünftig erweise nicht anders als eine Billi- gung des tatbestandsmässigen Erfolges ausgelegt werden kö nne. Aufgrund des Umstandes, dass der Beschuldigte die in Frage stehende Sachbeschädigu ng selber der Polizei gemeldet habe, könne nicht auf einen fehlenden Eventualvorsatz geschlossen werden. 2.3.1 Der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB macht sich schuldig, wer eine Sa- che, an der ein fremdes Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutzn iessungsrecht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht. Der subjektive Tatbestand setzt Vorsatz voraus, wobei Even- tualvorsatz genügt (vgl. P HILIPPE WEISSENBERGER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 144 N 103). Bezüglich des Sachverhaltes steht aufgrund des insoweit von den Parteien nicht bestrittenen Beweisergebnisses der Vorinstanz (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 10 f.) fest, dass die Leuchttafel durch ein fliegendes Bierglas aus der Hand des Beschuldigt en beschädigt worden ist. Das Ver- halten des Beschuldigten erfüllt klarerweise den objekti ven Tatbestand von Art. 144 Abs. 1 StGB. Zu prüfen gilt es nachfolgend, ob der Beschuldig te mindestens mit Eventualvorsatz ge- handelt hat. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3.2 Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht – sowei t der Täter nicht geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Zu den äusseren Umständen, aus denen der Schluss gezogen werden kann, der Täter h abe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, zählen namentlich die Grösse des dem Täte r bekannten Risikos der Tatbe- standsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflicht verletzung. Je grösser dieses Risiko ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt , desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genom men (BGE 134 IV 26, E. 3.2.2 mit Hinweisen). Der Richter darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolges als so wahrscheinlich auf drängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1, E. 4.2.3 S. 4 mit Hinweis). Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs nicht in die sem Sinne sehr wahrscheinlich, son- dern bloss möglich war. Doch darf nicht allein aus dem W issen des Täters um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlossen we rden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (BGE 133 IV 9, E. 4.1 mit Hinwei sen). Solche Umstände liegen na- mentlich vor, wenn der Täter das ihm bekannte Risiko nich t kalkulieren und dosieren kann (vgl. BGE 133 IV 1, E. 4.5 mit Hinweisen; Urteil 6B_617/2013 vom 4. April 2014, E. 2.3). Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist Even tualvorsatz gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tat bestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein. Der Richte r darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt de s Erfolgs als so wahrscheinlich aufdräng- te, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, ve rnünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 133 IV 222, E. 5.3 mit Hinweisen). 2.4 Entgegen dem Einwand der Staatsanwaltschaft kann das Ve rhalten des Beschuldigten nach der Tat durchaus gewisse Rückschlüsse auf die innere Einstellung der Täterschaft liefern (vgl. Entscheid des Obergerichts Zürich UE130057 vom 17. Ap ril 2013, E. 2.6. a). Dass der Be- schuldigte, nachdem die Leuchttafel durch ihn beschädigt worden war, die Polizei anrief und auf deren Eintreffen am Bahnhof K.____ wartete, kann dur chaus als Indiz zu seinen Gunsten ge- wertet werden. Die eingetretene Beschädigung der Leuchttafel kann grundsätzlich sowohl durch einen gezielten Wurf als auch durch ein heftig aus der Hand geschleudertes Bierglas verursacht worden sein. In casu liegen neben den Angaben des Besch uldigten sowie der Schadensdoku- mentation der Polizei Basel-Landschaft keine weiteren B eweismittel vor. Dem Beschuldigten kann bei dieser Beweislage ein gezieltes Werfen des Bier glases gegen die Leuchttafel nicht rechtsgenüglich nachgewiesen werden. Vielmehr ist in d ieser Konstellation gemäss dem straf- prozessualen Grundsatz "in dubio pro reo" von der Versio n des Beschuldigten auszugehen, wonach ihm das Bierglas im Rahmen einer scherzhaften Rang elei aus der Hand gerutscht ist (act. 861). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unter der Annahme eines hektischen Geschehens im Rahmen der scherzhaften Rangelei zwi- schen dem Beschuldigten und seinem Kollegen ist die Erken ntnis der Vorinstanz, wonach der Beschuldigte nicht damit habe rechnen müssen, dass das von ihm gehaltene Bierglas dermas- sen weggeschleudert werde, dass es die in rund vier Metern Höhe angebrachte Leuchtanzeige- tafel beschädigen könnte, nicht zu beanstanden. Selbst wenn der Beschuldigte die Zerstörung der Leuchttafel für möglich gehalten hätte, so kann aufgrund der vorliegenden Beweislage nicht davon ausgegangen werden, er habe eine Beschädigung dieser billigend in Kauf genommen. Vielmehr zeigt das Beweisergebnis, dass der Beschuldigte – sofern er die Leuchttafel über- haupt wahrgenommen hat – aus pflichtwidriger Unvorsichti gkeit darauf vertraut hat, dass die Leuchttafel während der Rauferei – selbst wenn er die Kontrolle über das Bierglas verlieren sollte – nicht beschädigt werde. Eventualvorsätzliches Hand eln scheitert somit am rechtsgenüg- lichen Nachweis des subjektiven Tatbestands von Art. 144 StGB. Demnach ist das Urteil der Vorinstanz bezüglich des Falls 1 der Anklageschrift zu bestätigen, was insofern in diesem Punkt zur Abweisung der Berufung der Staatsanwaltschaft führt. 3. Fall 3 der Anklageschrift: Nötigung und versuc hte Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zum Nachteil von H.____ 3.1. In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten unter Zif fer 3.a vorgeworfen am 25. März 2014, zwischen ca. 13:15 Uhr und 13:25 Uhr eine Nötigun g begangen zu haben. Er habe H.____ wissentlich und willentlich am Bahnhof in K.___ _, beim dortigen Taxistandplatz anläss- lich einer Auseinandersetzung bedroht, indem er rennend und schreiend mit einem mit zwanzig Kabelbindern und einem Elektrokabel versehenen Alumin iumrohr auf H.____ losgegangen sei. Dabei habe er in Kauf genommen, dass H.____ aufgrund seines Verhaltens die Flucht ergreife und zum am Bahnhof befindlichen M.____ renne. 3.2. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten im Fall 3 der A nklageschrift vom Vorwurf der Nötigung frei und erwog hinsichtlich des Sachverhaltes, e s sei von einem wechselseitigen Ge- schehen auszugehen. H.____ sei im Begriff gewesen, den Be schuldigten anzugreifen. Der Be- schuldigte habe diesem Angriff mit einem Gegenangriff zuvorkommen wollen. Zu diesem Zweck sei er mit einer Metallstange in der Hand auf H.____ zugerannt. In der Folge habe H.____ seinen Angriff abgebrochen u nd sei geflüchtet. Bei dieser Ausgangs- lage sei es offensichtlich, dass es dem Beschuldigten darum gegangen sei, sich der von H.____ gesuchten Konfrontation zu stellen. Da sich der Beschuldi gte jedoch von H.____ nicht habe einschüchtern lassen und keine Angst vor einer Konfronta tion gehabt habe, sei H.____ vor ihm geflüchtet. Mangels anderweitiger Indizien sei zu Gunste n des Beschuldigten von dieser Versi- on auszugehen. Nicht erstellt sei, dass er mit einer St ange gegen die von H.____ gehaltene Werbetafel geschlagen habe. 3.3.1 Der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB macht sich str afbar, wer jemanden vorsätz- lich durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch eine andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit dazu bestimmt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Gewalt im Sinne von Art. 181 StGB wird gemeinhin als physisch e Einwirkung auf die Rechtssphäre Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines anderen definiert. Bei der Androhung ernstliche r Nachteile stellt der Täter dem Opfer die Zufügung eines Übels in Aussicht, dessen Eintritt er als von seinem Willen abhängig erscheinen lässt (vgl. G ÜNTER STRATENWERTH /G UIDO JENNY /F ELIX BOMMER , Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Aufl. 2010, § 5 N 6–8; zum Gan zen BGE 122 IV 322 E.1a m.w.H.). Das Gesetz nennt in Art. 181 StGB auch das Zwangsmittel "d urch andere Beschränkung der Hand- lungsfreiheit". Diese Generalklausel ist einschränkend zu interpretieren. Die Einschränkung muss, wie das Bundesgericht formuliert, "das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung in ähnlicher Weise eindeutig überschreiten, wie es für die vom Gesetz ausdrücklich genannte Gewalt oder die Androhung ernstlicher Nachteile gilt " (BGE 134 IV 216, E. 4.1; S TEFAN TRECHSEL /THOMAS FINGERHUTH , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Au fl. 2013, Art. 181 N 7). Subjektiv ist Vorsatz erforderlich, der sich auf die Beeinflussung und das abgenötigte Verhalten beziehen muss. Eventualdolus genü gt, eine weitergehende Absicht ist nicht erforderlich (BGE 120 IV 17, E. 2C; TRECHSEL /FINGERHUTH , a.a.O., Art. 181 N 14). Die Rechtswidrigkeit der Nötigung folgt nicht aus der blossen Verwirklichung des Tatbestandes, sondern bedarf einer zusätzlichen Begründung. Eine Nöti gung ist somit nur dann rechtswidrig, "wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel zum erstrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfun g zwischen einem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist" (BGE 120 IV 17, E. 2bb). 3.3.2 Die Staatsanwaltschaft macht bezüglich der Nötigung im W esentlichen geltend, die Feststellung des Strafgerichts, der Beschuldigte habe eine rseits die Konfrontation mit H.____ gesucht, sei aber diesem andererseits schreiend mit eine r mit Kabelbindern versetzten Alumini- umstange in der Hand nachgerannt, um damit lediglich den Angriff von H.____ abzuwehren, sei widersprüchlich. Die Zeugin J.____ habe bereits das Geschehen auf dem Parkplatz beobachten können. Diese habe jedoch gegenseitige Angriffe der be iden Kontrahenten in keiner Weise er- wähnt. 3.3.3 H.____ gab in der Einvernahme vom 26. März 2014 zu P rotokoll, er sei wütend auf den Beschuldigten gewesen, weil dieser Unwahres über ihn verbreitet habe. Er habe ihn vom Bahn- hof K.____ aus angerufen und aufgefordert, dorthin zu kommen. Zudem habe er den Beschul- digten als "Hundesohn" bezeichnet. Nach ca. 20 Minuten se i der Beschuldigte beim Bahnhof erschienen und habe beim dortigen Parkplatz auf ihn ge wartet. H.____ sei auf ihn zugegangen und habe mit ihm reden wollen. Der Beschuldigte habe eine Stange in der Hand gehalten (act. 961). Diese Aussagen decken sich weitgehend mit denjenigen des Beschuldigten (act. 909 ff.; 979 ff.; 993 ff; 1019 ff.) und sind somit als gl aubhaft einzustufen. Dies gilt allerdings nicht für die Deposition von H.____, wonach er mit dem Beschuldi gten nur habe reden wollen. Denn unter Berücksichtigung der Vorgeschichte, namentlich der B eleidigungen, die H.____ gegen- über dem Beschuldigten ausgesprochen hatte und der Aufforderung, umgehend am Bahnhof zu erscheinen, ist vielmehr davon auszugehen, dass H.____ ei ne tätliche Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten zumindest billigend in Kauf nahm. Die Zeugin J.____ hat nur das Wegrennen von H.____ beobachten können und nicht das zuvor Vorgefallene. Demnach hat sie das Geschehen nur punktuel l wahrgenommen. Zudem ist der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beweiswert ihrer Aussagen als erheblich eingeschränkt zu beurteilen, da sie sich aufgrund des vergangenen Zeitablaufs sehr unsicher war ("Es ist ganz schwi erig, weil es so lange her ist.", act. 1015). "In dubio pro reo" ist bei dieser Beweisla ge von der Version des Beschuldigten aus- zugehen, wonach H.____ in feindseliger Stimmung auf d en Beschuldigten zugegangen ist, und dieser in der Annahme, H.____ würde ihn tätlich angre ifen, sich dazu entschlossen hat, diesem Angriff mit einem Gegenangriff zuvorzukommen und dadurch H.____ in die Flucht zu schlagen. Das Beweisergebnis zeigt im Weiteren, dass H.____ zielgeri chtet auf den Beschuldigten zu- steuerte, obwohl er sah, dass der Beschuldigte eine Stan ge in der Hand hielt. Es ist somit sei- tens von H.____ von einer bewusst in Kauf genommenen ( tätlichen) Auseinandersetzung aus- zugehen. In einer solchen Konstellation bleibt in rechtlicher Hinsicht für eine nachfolgende Nöti- gungssituation – wenn einer der beiden Kontrahenten i n die Flucht geschlagen wird – kein Raum. Anders wäre der Fall möglicherweise zu beurteilen , wenn der Beschuldigte die Alumini- umstange, welche er mit sich führte, zunächst vor H.____ versteckt hätte. Der vorinstanzliche Freispruch vom Vorwurf der Nötigung i st somit in Abweisung der Berufung der Staatsanwaltschaft zu bestätigen. 3.4.1 Hinsichtlich der versuchten einfachen Körperverletzung mi t einem gefährlichen Gegen- stand gemäss Ziffer 3.b. der Anklageschrift gab der Beschu ldigte zu Protokoll, er habe H.____ nicht geschlagen (act. 909 ff.; 979 ff.; 993 ff; 1019 ff.). Ebenso schildert H.____ (act. 959 ff.; 969 ff.) nicht, von seinem Kontrahenten geschlagen worden zu sein. Diesen Aussagen entspre- chend sind auf der sichergestellten Videosequenz der Überwachungskamera (act. 947 ff.) keine Schläge zu sehen. J.____ gab zu Protokoll, der Beschuldigte sei H.____ hi nterhergerannt und habe ihn ange- schrien, wobei sie nicht wisse, ob H.____ zuvor etwas getan habe (act. 1015). Sie schilderte überdies einen Schlag mit einer Stange auf die von H. ____ behändigte Werbetafel. Allerdings wurde bereits oben festgestellt, dass sich die Zeugin auf grund des Zeitablaufs bezüglich ihrer Depositionen sehr unsicher war (vgl. 3.3.3 sowie act. 1015). Bei dieser Beweislage kann bezüglich des angeklagten Schlags gegen die Werbetafel mit einer Stange – entgegen den Aussagen der beiden direkt Bete iligten – nicht einzig auf die Aussagen von J.____ abgestellt werden. Der Umstand, dass der Beschu ldigte seinem Kontrahenten die Werbetafel vor die Füsse geworfen hat, spricht ebenfalls indiziell gegen seinen Verletzungsvor- satz, wobei in diesem Zusammenhang zu dessen Gunsten nicht davon auszugehen ist, dass er H.____ treffen wollte, bzw. dies in Kauf genommen hät te. Dies ergibt sich eindeutig aus dem Videomaterial. Zusammenfassend sind Schläge – weder pe r Faust noch mit der Aluminium- stange (auch nur gegen die Werbetafel) – gemäss dem st rafprozessualen Grundsatz "in dubio pro reo" nicht erstellt. Ebensowenig lässt sich ein Verl etzungsvorsatz rechtsgenüglich nachwei- sen. Somit sind bezüglich Fall 3 der Anklageschrift die d urch die Vorinstanz erfolgten Freisprü- che von den Tatbeständen der Nötigung (Art. 181 StGB) sowie der Körperverletzung (Art. 123 StGB) in Abweisung der Berufung der Staatsanwaltschaft zu bestätigen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ohnehin nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens bildet der vorinstanzliche Schuldspruch hinsichtlich der Sachbeschädigung. 4. Fall 7 der Anklageschrift: Widerhandlung gegen das Ausländergesetz […] 5. Fall 8 der Anklageschrift: Gefährdung durch Sp rengstoffe ohne verbrecherische Absicht 5.1 Der Sachverhalt hinsichtlich des Falls 8 der Anklageschrift ist im Wesentlichen unbestrit- ten und erstellt. In casu ist einzig die Sprengstoffqual ität des vom Beschuldigten verwendeten Feuerwerkskörpers "Flashing Thunder" bestritten. 5.2 Die Staatsanwaltschaft macht diesbezüglich geltend, durc h den Knall des detonierten Feuerwerkskörpers habe C.____ eine Gehörsverletzung erlit ten, welche zu einer vorüberge- henden Hörverminderung und zu einem mehrtätigen Spitalaufenthalt geführt habe. Zudem habe E.____ aufgrund der Explosion ein akustisches Trauma m it Druck auf dem Ohr erlitten. Auf- grund dieser Verletzungen sei es als erstellt zu erachte n, dass der Feuerwerkskörper "Flashing Thunder" zur Zerstörung geeignet gewesen sei, weswegen dieser als Sprengstoff im Sinne des Tatbestandes zu gelten habe. 5.3 Nach Art. 224 Abs. 1 StGB ist strafbar, wer vorsätzlich un d in verbrecherischer Absicht durch Sprengstoffe oder giftige Gase Leib und Leben von Menschen oder fremdes Eigentum in Gefahr bringt. Die in diesem Tatbestand genannten Spr engstoffe werden in Art. 5 des Bundes- gesetzes über explosionsgefährliche Stoffe (Sprengstoffgesetz, SprstG; SR 941.41) definiert als "einheitliche chemische Verbindungen oder Gemische solche r Verbindungen, die durch Zün- dung, mechanische Einwirkung oder auf andere Weise zur Explosion gebracht werden können und die wegen ihrer zerstörenden Kraft, sei es in fre ier oder verdämmter Ladung, schon in ver- hältnismässig geringer Menge gefährlich sind". Knallpatr onen, die bloss dem Vergnügen die- nen, sind pyrotechnische Gegenstände im Sinne von Art. 7 d es Sprengstoffgesetzes und fallen grundsätzlich nicht unter die Art. 224 ff. StGB. Dies g ilt indessen nur dann, wenn sie nicht zum Zweck der Zerstörung verwendet werden (BGE 104 IV 235, 236). Werden solche Knallpatronen eigens zum Zwecke der Zerstörung eingesetzt, sind sie als Spr engstoff zu qualifizieren, und ihre Verwendung fällt unter die Strafbestimmungen de r Art. 224 ff. StGB (vgl. B RUNO ROELLI / PETRA FLEISCHANDERL , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 224 N 4). 5.4 Der vom Beschuldigten verwendete Feuerwerkskörper "Flas hing Thunder" ist als pyro- technischer Gegenstand zu qualifizieren, welcher nur zum V ergnügen dient und daher grund- sätzlich nicht unter das Sprengstoffgesetz fällt (vgl. auc h die Abklärungen der Polizei Basel- Landschaft, Fachstelle Waffen und Sprengstoff, act. 1223), es sei denn, er wäre in casu konkret zum Zweck der Zerstörung eingesetzt worden. Was die Verwe ndung im vorliegenden Fall be- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht trifft, so wurde der Feuerwerkskörper vom Beschuldigten im Freien am Bahnhof K.____ am Gleis 1 gezündet und in Richtung der sich dort befindl ichen Schliessfächer geworfen, wobei keinerlei Sachbeschädigungen entstanden sind. Es besteht überdies auch kein Hinweis darauf, dass der Beschuldigte dadurch irgendwelche Sachwerte zu beschädigen beabsichtigt hat. Der Umstand, dass C.____ am linken Ohr ein Knalltrauma mit einem vorübergehenden akuten Tinnitus und einer vorübergehenden Hörminderung erlit ten hat, führte zur zwischenzeitlich in Rechtskraft erwachsenen Verurteilung des Beschuldigten weg en fahrlässiger einfacher Körper- verletzung (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 30 ff.). Di e Zerstörung im Sinne vom Art. 224 Abs. 1 StGB bezieht sich indessen nicht auf Gehörschädigungen au fgrund des Knalls des Feuer- werkskörpers. Die körperliche Unversehrtheit wird diesbezüg lich durch die Körperverletzungs- delikte abschliessend geschützt. Vorliegend ist demnach ni cht von einem Einsatz zum Zwecke der Zerstörung – wie beispielsweise bei einer gezielte n Sprengung eines Briefkastens (vgl. da- zu BRUNO ROELLI / PETRA FLEISCHANDERL , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 224 N 4) – auszugehen. Somit ist der vom Beschuldigten eingesetzte Feuerwerkskörper vorliegend auf- grund der konkreten Verwendung nicht als Sprengstoff im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB zu qualifizieren. Das Urteil der Vorinstanz ist demnach bez üglich Fall 8 der Anklageschrift zu be- stätigen, was insofern auch in diesem Punkt zur Abweisung der Berufung der Staatsanwalt- schaft führt. 6. Fall 9 der Anklageschrift: Drohung, Nötigung un d Beschimpfung zum Nachteil von B.____ […] 7. Fall 10 der Anklageschrift: Drohung, Nötigung u nd Tätlichkeiten zum Nachteil von I.____ […] 8. Zusammenfassung Gemäss vorstehenden Erwägungen ist der Beschuldigte der Sachentziehung, der Zechprellerei, der Sachbeschädigung zum Nachteil der D.____ AG, der W iderhandlung gegen das Waffenge- setz, der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubun gsmittelgesetz, der einfachen Kör- perverletzung zum Nachteil von B.____, des Hausfrieden sbruchs, der fahrlässigen einfachen Körperverletzung zum Nachteil von C.____ sowie der mehr fachen Tätlichkeiten zum Nachteil von I.____ schuldig zu sprechen. Demgegenüber ist der Beschuldigte von der Anklage der S achbeschädigung zum Nachteil der F.____, der versuchten Körperverletzung mit einem gefäh rlichen Gegenstand, der mehrfachen Nötigung (zum Nachteil von H.____, B.____ sowie I.____ ), des mehrfachen Hausfriedens- bruchs, der Widerhandlung gegen das Ausländergesetz, de r fahrlässigen einfachen Körperver- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht letzung zum Nachteil von E.____, der mehrfachen Nötig ung (zum Nachteil von B.____ und I.____), der Beschimpfung sowie des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage freizusprechen. 9. Strafzumessung 9.1 Die Staatsanwaltschaft wendet sich sodann gegen die Str afhöhe und führt hierzu zu- sammenfassend aus, die gegen den Beschuldigten ausgespro chene Strafe sei zu mild. Insbe- sondere erachtet die Staatsanwaltschaft das Verschulden des Beschuldigten unter Berücksich- tigung der Tat- und Täterkomponenten sowie der Vielzahl der Delikte entgegen der Ansicht des Strafgerichtes nicht mehr als leicht. Mit Hinblick auf die Art der zahlreichen und durch das Straf- gericht als erfüllt beurteilten Tatbestände, könne nicht mehr von "lästiger Kleinkriminalität" ge- sprochen werden. Dies insbesondere, da der Beschuldigte m ehrfach Menschen verletzt oder anderweitig geschädigt habe und aufgrund seines Gesam tverhaltens davon auszugehen sei, dass die Rechtsordnung für ihn keine Geltung habe. Die Spezialprävention bezwecke vor allem die Sicherung und Resozialisierung des einzelnen Straft äters, während die Generalprävention auf Verbrechensvorbeugung in Bezug auf die Gesamtheit d er Bevölkerung ausgerichtet sei. Inwiefern vor diesem Hintergrund eine unbedingte Geld strafe überhaupt auf den Beschuldigten eine resozialisierende Wirkung haben solle, könne nicht nachvollzogen werden. Es sei davon auszugehen, dass eine Geldstrafe wiederum keine resozialisi erende Wirkung auf den Beschul- digten haben werde, weswegen eine unbedingte Freiheitsstrafe auszusprechen sei. 9.2 Das Gericht misst die Strafe innerhalb des massgeblichen a bstrakten Strafrahmens nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das V orleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung od er Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den B eweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inn eren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Bei der Ge- wichtung der einzelnen zu beachtenden Komponenten inner halb des Strafrahmens steht dem Gericht ein erheblicher Ermessensspielraum zu (S TEFAN TRECHSEL /H EIDI AFFOLTER -EJISTEN , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2 013, Art. 47 StGB N 35; BGE 129 IV 21). Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für mehrere gleichar- tige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das gesetzliche Höchst mass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung i st bei der Bildung einer Gesamt- strafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB vorab der Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die schwerste Tat inn erhalb dieses Strafrahmens festzuset- zen. Schliesslich ist die Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen. Das Gericht ha t mithin in einem ersten Schritt gedanklich die Einsatzstrafe des schwersten Delikts festzulegen, indem es alle diesbezüglichen straferhöhenden und strafmindernden Umstände einbezieht. In einem zweiten Schritt hat es die Strafe zu erhöhen, um die weiteren Delikte zu sanktio nieren. Auch dort muss es den jeweiligen Umständen Rechnung tragen (BGer 6B_865/2009 vom 25. März 2010, E. 1.2.2 mit Hinweisen). Das Gericht muss die für die Strafzumessung und – soweit erforderlich – die für die Wahl der Strafart erheblichen Umstände und deren Gewichtung in der Begründung aufführen. Es muss somit die Überlegungen, die es bei der Bemessung der St rafe vorgenommen hat, in den Grundzügen wiedergeben, sodass die Strafzumessung nachvo llziehbar ist (BGE 134 IV 20). Um die Strafzumessung überprüfen zu können, müssen sämtlich e Tat- und Täterkomponenten so erörtert werden, dass festgestellt werden kann, ob a lle rechtlich massgebenden Punkte Be- rücksichtigung fanden und ob und in welchem Masse sie straf mindernd oder -schärfend in die Waagschale fielen (vgl. BGE 127 IV 10, E. 2). Das Geri cht ist nicht verpflichtet, im Urteil in ab- soluten Zahlen oder in Prozenten anzugeben, inwieweit es bestimmte strafzumessungsrelevan- te Tatsachen straferhöhend oder strafmindernd berücksicht igt hat. Es muss von Bundesrechts wegen auch nicht etwa eine "Einsatzstrafe" beziffern, d ie es bei Fehlen bestimmter Strafschär- fungs- und Strafmilderungsgründe sowie anderer gewichti ger Faktoren ausgefällt hätte (BGE 121 IV 56, 127 IV 105). Wo es indessen – insbesondere unter Anwendung des Asperations- prinzips (StGB Art. 49) – nicht möglich ist, ohne Angabe der Höhe der jeweiligen Strafen in Zah- len die für die Strafzumessung massgeblichen Gesichtspunk te und ihre Gewichtung mit der nötigen Klarheit darzustellen, muss aber ausnahmsweise ein e Einsatzstrafe angegeben wer- den; es muss also mit Zahlenangaben operiert werden, d amit sich überprüfen lässt, ob die Strafzumessung mit dem Bundesrecht im Einklang steht ( BGE 118 IV 121, 127 IV 105; BGer 6B_579/2008 vom 27. Dezember 2008, E. 4.4). Dem Sac hgericht verbleibt aber ein weites Er- messen (BGE 134 IV 19 f. 135 IV 134 f., 136 IV 61, 13 8 IV 120 [nicht publizierte E. 2.2.1]). Das Gericht ist auch nicht an die Praxis anderer Kantone ge bunden (BGE 124 IV 47). Das Gesamt- verschulden ist zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im Urteil ausdrücklich zu benen- nen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist. Das Bundesgericht drängt in seiner aktuellen Praxis vermehrt darauf, dass Formulierung des Ver- schuldens und Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen (Urteile des Bundesgerichtes 6B_524/2010 und 6B_626/2011 vom 8. Deze mber 2011, E. 4.4.; 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011, E. 4.2.; 6B_1048/2010 vom 6. Juni 2011, E. 3.2.). 9.3 Die Bildung einer Gesamtstrafe ist nur bei gleicharti gen Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationspr inzip nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Geld- und F reiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Das Gericht kann somit auf eine Gesamtfreiheitsstra- fe nur erkennen, wenn es im konkreten Fall für jeden ei nzelnen Normverstoss eine Freiheits- strafe ausfällen würde (BGE 138 IV 120 E. 5.2). 9.4 Wie sich aus den obigen Erwägungen ergibt, hat sich d er Beschuldigte der einfachen Körperverletzung (zum Nachteil von B.____), der fahrlässigen einfachen Körperverletzung (zum Nachteil von C.____), der mehrfachen Tätlichkeiten (zum Nachteil von I.____), der Sachentzie- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht hung, der Sachbeschädigung (zum Nachteil der D.____ AG ), des Hausfriedensbruchs, der Zechprellerei, der Widerhandlung gegen das Waffengese tz sowie der mehrfachen Widerhand- lung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gemacht. 9.5 Hinsichtlich der Ausführungen zur Schuldfähigkeit, welc he von der Staatsanwaltschaft nicht angefochten worden sind, kann auf das Urteil der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 43 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Demen tsprechend ist beim Beschuldigten für sämtliche Delikte, für die er zu verurteilen ist, von eine r vollumfänglichen Schuldfähigkeit aus- zugehen. 9.6 Ausgangspunkt hinsichtlich der Strafzumessung bildet die einfache Körperverletzung ge- mäss Art. 123 Ziff. 1 StGB als materiell schwerste Straft at, welche mit einer Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe bedroht ist. Bei den Strafschärfungsgründen ist derjenige der Deli ktsmehrheit gemäss Art. 49 StGB zu be- rücksichtigen. Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgrün de führen indessen nicht zu einer au- tomatischen Erweiterung des Strafrahmens. Der ordentl iche Strafrahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55, E. 5.8). Das ist vorliegend nicht der Fall. Für die auszufällende Strafe ist deshal b vom Strafrahmen der einfachen Körper- verletzung auszugehen, welche eine Freiheitsstrafe von höchstens 3 Jahren vorsieht. Bezüglich der Einstandstat (einfache Körperverletzung [Ar t. 123 Ziff. 1 StGB]) ist zu beachten, dass das von B.____ erlittene Schädel-Hirn-Trauma in r elativ kurzer Zeit verheilte, weswegen das objektive Verschulden als leicht einzustufen ist. 9.7 In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des subjekt iven Tatverschuldens für die Einstandstat vorzunehmen. Dabei sind grundsätzlich das Motiv und weitere subjektive Ver- schuldenskomponenten zu berücksichtigen. Egoistische bzw. verwerf liche Beweggründe, ein Handeln aus eigenem Antrieb etc. wirken verschuldenserhöh end, während beispielsweise ein Handeln mit Eventualvorsatz (statt direktem Vorsatz), ein e verminderte Schuldfähigkeit, ein un- vollendeter Versuch oder die in Art. 48 StGB genannte n Strafmilderungsgründe verschuldens- mindernd zu gewichten sind (vgl. HANS MATHYS in SJZ 100/2004 S. 173 ff., S. 181). In casu hat der Beschuldigte zumindest in Kauf genommen, B.____ zu verletzen. Das Verhalten des Beschuldigten hinsichtlich der Einsatzs trafe ist als unbedachte bzw. leicht- fertige Verhaltensweise, wie sie im Fall von gleichgela gerter Delinquenz häufig anzutreffen ist, zu beurteilen. In Abwägung der verschiedenen Faktoren st eht das Verschulden für die Einsatz- strafe im Ergebnis als leicht da. 9.8 Hinsichtlich der Täterkomponenten hat das Strafgericht da s Vorleben und die persönli- chen Verhältnisse des Beschuldigten bis zum Urteilszeitpunkt zutreffend dargelegt und gewür- digt (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 45 f.), worauf an dieser Stelle grundsätzlich zu verweisen ist (Art. 82 Abs. 4 StPO). Namentlich ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte mehrfach vor- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestraft ist, wobei er während der Probezeit sämtlicher Vorstrafen delinquierte. Die Vorstrafen haben ihn offensichtlich nicht von der Begehung neuer St raftaten abhalten können, was stark straferhöhend zu berücksichtigen ist. Im Rahmen des Nachtatverhaltens sowie des Verhaltens im Strafverfahren gilt es zunächst zu erwähnen, dass der Beschuldigte unentschuldigt, ohne irge ndeine Information gegenüber sei- nem Verteidiger, nicht zur heutigen Hauptverhandlung e rschienen ist. Dieses Verhalten lässt auf eine gewisse Uneinsichtigkeit schliessen. Leicht strafmi ndernd ist seine teilweise Gestän- digkeit zu berücksichtigen. Eine aufrichtige Reue ist bei m Beschuldigten jedoch nicht zu erken- nen. Immerhin ist zu seinen Gunsten zu konstatieren, d ass seit seiner Haftentlassung keine strafbaren Handlungen mehr aktenkundig sind. 9.9 Die Gesamtbewertung der Täterkomponenten zeigt, dass die festgelegte hypothetische verschuldensangemessene Strafe zu erhöhen und auf 120 Ta ge festzusetzen ist, was mit der Formulierung des Verschuldens auch begrifflich im Einklang steht. 9.10 Im Strafbereich von 6 bis 12 Monaten kommen sowohl eine Geld- als auch ausnahmswei- se Freiheitsstrafe in Betracht (Art. 34 Abs. 1 und Art. 40 Satz 1 StGB). Aus dem Verhältnismäs- sigkeitsprinzip folgt, dass bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen im Regelfall dieje- nige gewählt werden soll, die weniger stark in die per sönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft. Bei der Wahl d er Sanktionsart sind als wichtige Kriterien aber die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 82, E. 4.1; BGE 134 IV 97, E. 4.4.2; vgl. auch Entscheide des Bundesgerichtes 6B_721/2009 vom 18. Feb- ruar 2010, E. 4., 6B_218/2010 vom 8. Juni 2010, E. 3.2., 6B_449/2011 vom 12. September 2011, E. 3.6.1). Aufgrund der Höhe der heute auszufällenden Strafe kommt demnach eine Sanktion in der Form einer Freiheitsstrafe nur ausnahmsweise in Betracht, di e Regelsanktion in diesem Bereich ist die Geldstrafe (Art. 40 und Art. 41 Abs. 1 StGB, BGE 134 IV 97). Der vom Beschuldigten durch sein deliktisches Handeln ver schuldete Erfolg erscheint hinsicht- lich sämtlicher Delikte in casu als eher gering. Vorlieg end liegen nicht derart gravierende Straf- taten vor, dass anstelle der Regelsanktion der Geldstraf e eine Freiheitsstrafe ausgesprochen werden müsste. Soweit die Staatsanwaltschaft hinsichtlich der Strafart einwendet, es könne davon ausgegan- gen werden, dass eine Geldstrafe wiederum keine resozial isierende Wirkung auf den Beschul- digten haben werde, weswegen eine unbedingte Freihei tsstrafe ausgesprochen werden sollte, ist ihr zu entgegnen, dass in casu erstmals eine unbedingt e Geldstrafe ausgesprochen wird. Soweit der Verurteilte die Geldstrafe nicht bezahlt un d sie auf dem Betreibungsweg (Art. 35 Abs. 3 StGB) uneinbringlich ist, tritt an deren Stelle eine Freiheitsstrafe (vgl. Art. 36 Abs. 1 StGB). Es ist somit davon auszugehen, dass die Strafe eine Wirkung haben wird. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.11 Die festgelegte Einsatzstrafe für die schwerste Tat ist u nter Einbezug der weiteren gleich- artigen Taten (fahrlässige einfache Körperverletzung zum Nachteil von C.____, Sachentzie- hung, Sachbeschädigung zum Nachteil der D.____ AG, Hausfriedensbruch, Zechprellerei sowie Widerhandlung gegen das Waffengesetz) in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen. Hierbei ist insbesondere zu beachten, dass de r Beschuldigte in einem relativ kur- zen Zeitraum mehrfach delinquierte und dabei sowohl das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das Hausrecht als auch das Eigentum anderer nicht respektierte. Betreffend die Sachbeschädigung ist zu Gunsten des Beschul digten verschuldensmindernd zu berücksichtigen, dass er lediglich einen geringen Sachschad en (CHF 172. ‒) verursacht hat. Das Verschulden bezüglich sämtlicher hinzutretender Delikt e ist als nicht sehr gravierend zu beurteilen. Bezüglich der Täterkomponenten ergeben sich betreffend diese weiteren Straftaten keine substantiellen Abweichungen zur Haupttat (vgl. ob enstehend II. 9.6 ff.), weshalb sich an der Gesamtbewertung der Täterkomponenten nichts Wesentliches ändert. Die dort dargelegten subjektiven Komponenten kommen auch bei diesen Delikten zum Tragen. 9.12 Aufgrund einer Gesamtwürdigung aller tat- und täter bezogenen Umstände und somit nach Festlegen der hypothetischen verschuldensangemessenen Strafe für das Hauptdelikt und Festlegung der Strafen für die Nebendelikte ist nach erfolgter Asperation gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB festzustellen, dass eine Geldstrafe von 150 Tagessätze n zu je CHF 10. ‒ als verschul- dens- und tatangemessene Strafe dasteht. Zufolge der n eu hinzutretenden Übertretung (mehr- fache Tätlichkeiten zum Nachteil von I.____) ist die von d er Vorinstanz wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz ausgesprochene Busse von CHF 300. ‒ auf CHF 500. ‒ zu erhöhen, wobei im Falle schuldhafter Nichtbezahlung d er Busse an deren Stelle eine Ersatz- freiheitsstrafe von 5 Tagen tritt. Der Beschuldigte ist somit in teilweiser Gutheissung der Berufung der Staatsanwaltschaft zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je CHF 10. ‒ sowie zu einer Busse von CHF 500. ‒ zu verurteilen. 10. Widerruf 10.1 Schliesslich wendet sich die Staatsanwaltschaft gegen den Nichtwiderruf des beding- ten Strafaufschubs der Vorstrafen. Die Auffassung der Vo rinstanz, wonach bei der Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters eine Gesamtwürdigung a ller wesentlichen Umstände vorzu- nehmen sei, widerspreche der bundesgerichtlicher Recht sprechung. Würde man dem Straf- mass des Strafgerichtes folgen, hätte der Beschuldigte bereits einen erheblichen Teil der Strafe verbüsst. Der Beschuldigte sei in den Jahren 2011 zweima l, im Jahre 2013 einmal wegen ein- schlägiger Straftaten zu bedingten Geldstrafen bei verl ängerten Probezeiten verurteilt worden. Dies habe ihn in der Vergangenheit nicht daran gehin dert, während diesen Probezeiten mehre- re weitere einschlägige Straftaten zu begehen. Zudem habe der Beschuldigte im vorliegenden Strafverfahren in kurzer Zeit eine hohe Anzahl von St raftatbeständen begangen, weswegen auch aus diesem Grund weitere Delikte zu befürchten seien. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vor diesem Hintergrund könne nicht mehr vom Fehlen e iner ungünstigen Prognose ausgegan- gen werden. 10.2 Gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB widerruft das Gericht die bedingte Strafe oder den be- dingten Teil der Strafe, wenn der Verurteilte währe nd der Probezeit ein Verbrechen oder Ver- gehen begeht und deshalb zu erwarten ist, dass er wei tere Straftaten verüben wird. Ist nicht zu erwarten, dass der Verurteilte weitere Straftaten begehen wird, verzichtet das Gericht auf einen Widerruf. Es kann den Verurteilten verwarnen oder di e Probezeit um höchstens die Hälfte der im Urteil festgesetzten Dauer verlängern. Für die Daue r der verlängerten Probezeit kann das Gericht Bewährungshilfe anordnen (Art. 46 Abs. 2 StGB). 10.3 Die Begehung eines Verbrechens (Art. 10 und Art. 140 StGB) während der Probezeit wie hier bildet einen möglichen Widerrufsgrund. Alle rdings führt ein während der Probezeit be- gangenes Verbrechen nicht zwingend zum Widerruf des be dingten Strafaufschubs. Dieser soll nach Art. 46 Abs. 1 StGB nur erfolgen, wenn "deshalb ", also wegen der Begehung des neuen Delikts, zu erwarten ist, dass der Täter weitere Strafta ten verüben wird. Das heisst, dass die Prognose seines künftigen Legalverhaltens in solchem Fa ll erneut gestellt werden muss (BGE 134 IV 140 E. 4.2 mit zahlreichen Hinweisen). Dabei steht dem Richter ein Ermessensspielraum zu (BGE 133 IV 201 E. 2.3 zur bedingten Entlassung). V om Widerruf soll abgesehen werden können, wenn nicht zu erwarten ist, dass der Täter weite re Straftaten begehen wird. Mit ande- ren Worten ist eine bedingte Strafe oder der bedingt e Teil einer Strafe nur zu widerrufen, wenn von einer negativen Einschätzung der Bewährungsaussichte n auszugehen ist, d.h. aufgrund der erneuten Straffälligkeit eine eigentliche Schlecht prognose besteht (BGE 134 IV 140 E. 4.3 mit Hinweisen). Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters ist anha nd einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen. In die Beurteilung mi t einzubeziehen sind neben den Tatumständen auch das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen. Für die Einschätzung des Rückfallrisikos ist ein Gesamtbild der Tät erpersönlichkeit unerlässlich. Rele- vante Faktoren sind etwa strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisationsbiographie und Arbeitsver- halten, das Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf Suchtgefährdungen usw. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse bis zum Zeitpunkt des Entscheide s zu berücksichtigen (BGE 134 IV 140 E. 4.4 mit Hinweisen). Der Richter kann zum Schluss ko mmen, dass vom Widerruf des be- dingten Vollzugs für die frühere Strafe abgesehen wer den kann, wenn die neue Strafe vollzo- gen wird. Auch das Umgekehrte ist zulässig: Wenn die früh ere Strafe widerrufen wird, kann unter Berücksichtigung ihres nachträglichen Vollzugs eine Schlechtprognose für die neue Strafe im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB verneint und diese folglich bedingt ausgesprochen werden (BGE 134 IV 140 E. 4.5; ROLAND M. SCHNEIDER / ROY GARRÉ , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 46 N 36). 10.4 Hinsichtlich der ungünstigen Prognose, welche in casu nicht angefochten wurde, kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Urteil der Vorinstanz, Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht S. 27, Erwägung II.3.4; Art. 82 Abs. 4 StPO). Anders als die Vorinstanz geht die strafrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts indessen nicht davon aus, da ss allein der unbedingte Vollzug der neuen Geldstrafe ausreichen wird, um den Beschuldig ten von der Begehung weiterer Straf- taten abzuhalten. Hierzu bedarf es – in Anbetracht de r hartnäckig fortgesetzten Delinquenz des Beschuldigten über Jahre trotz wiederholt bedingt aufe rlegten Geldstrafen – vielmehr einer für den Beschuldigten klar spürbaren Sanktion und nicht bloss des Vollzugs der neuen Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 10. ‒. Mithin sind die gemäss Ziffer 3 a bis c der vorinstanzli - chen Erkenntnis für nicht vollziehbar erklärten bedingt ausgesprochenen Geldstrafen vorliegend allesamt zu widerrufen. Nur durch diesen Widerruf beste ht Hoffnung, dass sich der Beschuldig- te inskünftig von der Begehung weiterer Straftaten abhalten lässt. In Anwendung von Art. 46 Abs. 1 StGB für vollziehbar zu erklären sind somit: – die gegen A.____ am 14. Januar 2011 von der Staats anwaltschaft Basel-Landschaft neben einer Busse von CHF 800. ‒ bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je CHF 30. ‒, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 20 Tagen, bei ei- ner Probezeit von 2 Jahren, durch den Entscheid der St aatsanwaltschaft vom 29. März 2012 um 1 Jahr verlängert; – die gegen A.____ am 26. Mai 2011 vom Strafgerichts präsidium Basel-Landschaft bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu je CHF 30. ‒, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 4 Tagen, bei eine r Probezeit von 2 Jahren, durch das Urteil der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 19. Dezember 2013 um 1 Jahr ver- längert; – die gegen A.____ am 19. Dezember 2013 von der Staat sanwaltschaft Basel-Landschaft, als teilweise Zusatzstrafe zum Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 26. Mai 2011, neben einer Busse von CHF 300. ‒ bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 120 Ta- gessätzen zu je CHF 70. ‒, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 117 Tagen, bei einer Probezeit von 3 Jahren. III. Kosten […] Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 2. Juli 2015, auszugsweise lautend: "1. a) A.____ wird der einfachen Körperverletzung (zum Nacht eil von B.____), der fahrlässigen einfachen Körperverletzung (zum Nach- teil von C.____), der Sachentziehung, der Sachbeschädig ung (zum Nachteil der D.____ AG), des Hausfriedensbruchs (be gan- gen am 14. Juni 2014), der Zechprellerei, der Widerh andlung ge- gen das Waffengesetz sowie der mehrfachen Widerhandlung ge- gen das Betäubungsmittelgesetz schuldig erklärt und verurteilt, als teilweise Zusatzstrafe zum Urteil der Staatsanwalt schaft Ba- sel-Landschaft, Hauptabteilung Sissach, vom 19. Dezember 2013, zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 10.--, unter Anrechnung der vom 22. Juli 2014 bis zum 10. Sep tember 2014 und der am 30. September 2014 ausgestandenen s trafpro- zessualen Haft von insgesamt 52 Tagen, sowie zu einer Busse von Fr. 300.--, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen, in Anwendung von Art. 123 Ziff. 1 StGB, Art. 125 Abs . 1 StGB, Art. 141 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 149 StGB, Art. 186 StGB, Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, Art. 19a Ziff. 1 Bet mG (teilweise in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG) sowie Ar t. 34 StGB, Art. 49 Abs. 1 und Abs. 2 StGB, Art. 51 StGB und Art. 106 StGB. 2. A.____ wird von der Anklage der Gefährdung durch Spren gstoffe ohne verbrecherische Absicht, der mehrfachen Nötigung, d er mehrfachen Drohung, der versuchten Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, der fahrlässigen einfachen Kör perver- letzung (zum Nachteil von E.____), der Sachbeschädigung (zum Nachteil der F.____), des mehrfachen Hausfriedensbruch s (be- gangen am 10. Juni 2014 und 13. Juni 2014), der Beschi mpfung, des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage sowie der Widerh and- lung gegen das Ausländergesetz freigesprochen. Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. a) Die gegen A.____ am 14. Januar 2011 von der Staatsan - waltschaft Basel-Landschaft neben einer Busse von Fr. 80 0.-- bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuch ungshaft von 20 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren, durch d en Ent- scheid der Staatsanwaltschaft vom 29. März 2012 um 1 Jah r ver- längert, wird in Anwendung von Art. 46 Abs. 2 StGB n icht voll- ziehbar erklärt. b) Die gegen A.____ am 26. Mai 2011 vom Strafgerichtsprä sidium Basel-Landschaft bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 2 00 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, unter Anrechnung der aus gestande- nen Untersuchungshaft von 4 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren, durch das Urteil der Staatsanwaltschaft Basel-L andschaft vom 19. Dezember 2013 um 1 Jahr verlängert, wird in Anwen- dung von Art. 46 Abs. 2 StGB nicht vollziehbar erklärt. c) Die gegen A.____ am 19. Dezember 2013 von der Staatsa n- waltschaft Basel-Landschaft, als teilweise Zusatzstrafe zu m Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 26. Mai 2 011, neben einer Busse von Fr. 300.-- bedingt ausgesprochene Geld- strafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 70.--, unter Anre chnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 117 Tagen, bei ei ner Probezeit von 3 Jahren, wird in Anwendung von Art. 46 Abs. 2 StGB nicht vollziehbar erklärt. Hingegen wird der Be urteilte ver- warnt und die Probezeit um 1 ½ Jahre verlängert. Für die Dauer der Probezeit wird Bewährungshilfe an geordnet (Art. 46 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 44 Abs. 2 StGB und Art. 93 StGB). 4. a) Die nachfolgend aufgeführten beschlagnahmten Gegenstän de werden in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 StGB zur Vernichtung eingezogen: − Schmetterlingsmesser; − Aluminiumrohr (mit Kabelbindern versetzt); − 1.42 Gramm Marihuana. b) Das beschlagnahmte Apple iPhone, weiss (IMEI XY), wird nach Rechtskraft unter Aufhebung der Beschlagnahme gestützt au f Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO dem Beurteilten zurückgegeben. A.____ wird unter Androhung der Einziehung im Unter - Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht lassungsfalle eine Frist von drei Monaten ab Rechtskraft d es vor- liegenden Urteils angesetzt, um das Mobiltelefon nach telefoni- scher Vorankündigung beim Strafgericht abzuholen. 5. a) A.____ wird bei der Anerkennung der nachfolgend genan nten Zivilforderungen behaftet: − F.____, Fr. 2'071.70; − G____ AG, Fr. 830.--, die Mehrforderung wird auf de n Zivil- weg verwiesen; − D.____ AG, Fr. 172.--. b) Folgende Schadenersatzforderungen werden in Anwendu ng von Art. 126 Abs. 2 StPO auf den Zivilweg verwiesen: − B.____, Fr. 408.60; − C.____, unbezifferte Zivilforderung; − E.____, unbezifferte Zivilforderung. c) Die Genugtuungsforderung von B.____ in Höhe von Fr. 50 0.-- wird abgewiesen. 6. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorverf ah- rens von Fr. 21'200.60, den Kosten des Zwangsmassnahmeng e- richts von Fr. 2'000.--, den Expertisekosten des gerichtl ichen Ver- fahrens von Fr. 910.50 und der Gerichtsgebühr von Fr. 6'000.--. Zwei Drittel der Verfahrenskosten gehen zu Lasten des S taates. Der in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO grundsätzli ch vom Beurteilten zu tragenden Drittel der Verfahrenskosten geht in An- wendung von Art. 425 StPO sowie § 4 Abs. 3 GebT zufo lge Un- einbringlichkeit zu Lasten des Staates. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründetes Urteil ver- langt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtliche Gebühr auf Fr. 3'000.--ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). 7. Das Honorar des amtlichen Verteidigers in Höhe von insg esamt Fr. 11'576.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) wird aus der Gerichtskasse entrichtet." wird in teilweiser Gutheissung der Berufung der Staatsan waltschaft Basel-Landschaft in den Ziffern 1–3 wie folgt geände rt: 1. A.____ wird der einfachen Körperverletzung (zum Nachte il von Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht B.____), der fahrlässigen einfachen Körperverletzung (zum Nach- teil von C.____), der mehrfachen Tätlichkeiten (zum Nachteil von I.____) , der Sachentziehung, der Sachbeschädigung (zum Nachteil der D.____ AG), des Hausfriedensbruchs (begange n am 14. Juni 2014), der Zechprellerei, der Widerhandlun g gegen das Waffengesetz sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig erklärt und verurteilt, zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je Fr. 10.--, unter Anrechnung der vom 22. Juli 2014 bis zum 10. Sep tember 2014 und der am 30. September 2014 ausgestandenen s trafpro- zessualen Haft von insgesamt 52 Tagen, sowie zu einer Busse von Fr. 500 .--, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen , in Anwendung von Art. 123 Ziff. 1 StGB, Art. 125 Abs . 1 StGB, Art. 126 Abs. 1 StGB , Art. 141 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 149 StGB, Art. 186 StGB, Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, A rt. 19a Ziff. 1 BetmG (teilweise in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 li t. g BetmG) sowie Art. 34 StGB, Art. 49 Abs. 1 und Abs. 2 StGB, Ar t. 51 StGB und Art. 106 StGB. 2. A.____ wird von der Anklage der Gefährdung durch Spren gstoffe ohne verbrecherische Absicht, der mehrfachen Nötigung, d er mehrfachen Drohung, der versuchten Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, der fahrlässigen einfachen Kör perver- letzung (zum Nachteil von E.____), der Sachbeschädigung (zum Nachteil der F.____), des mehrfachen Hausfriedensbruch s (be- gangen am 10. Juni 2014 und 13. Juni 2014), der Beschi mpfung, des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage sowie der Widerha nd- lung gegen das Ausländergesetz freigesprochen. 3. a) Die gegen A.____ am 14. Januar 2011 von der Staatsan - waltschaft Basel-Landschaft neben einer Busse von Fr. 80 0.-- bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuch ungshaft von 20 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren, durch de n Ent- scheid der Staatsanwaltschaft vom 29. März 2012 um 1 Jahr ver- längert, wird in Anwendung von Art. 46 Abs. 1 StGB für voll- ziehbar erklärt. Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) Die gegen A.____ am 26. Mai 2011 vom Strafgerichtsprä sidium Basel-Landschaft bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 2 00 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, unter Anrechnung der ausge stande- nen Untersuchungshaft von 4 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren, durch das Urteil der Staatsanwaltschaft Basel-L andschaft vom 19. Dezember 2013 um 1 Jahr verlängert, wird in Anwen- dung von Art. 46 Abs. 1 StGB für vollziehbar erklärt. c) Die gegen A.____ am 19. Dezember 2013 von der Staatsa n- waltschaft Basel-Landschaft, als teilweise Zusatzstrafe zu m Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 26. Mai 2 011, neben einer Busse von Fr. 300.-- bedingt ausgesprochene Geld- strafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 70.--, unter Anrech nung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 117 Tagen, bei ei ner Probezeit von 3 Jahren, wird in Anwendung von Art. 46 Abs. 1 StGB für vollziehbar erklärt. Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts bestätigt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der H öhe von CHF 6'500. ‒, zuzüglich Auslagen von CHF 500. ‒, werden zu einem Zehntel dem Beschuldigten (CHF 700. ‒) und zu neun Zehnteln (CHF 6'300. ‒) zu Las- ten des Staates auferlegt. Dem amtlichen Verteidiger, Advokat Simon Berger, wird für das Berufungsver- fahren ein Honorar in der Höhe von CHF 3'778. ‒ (inkl. Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer (CHF 302.25), somit insgesamt 4'08 0.25, aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. Der Beschuldigte ist, sobald es seine wirtschaftlichen Ver hältnisse erlauben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtlichen Verte idigung im Umfang von einem Zehntel (CHF 408. ‒) zurückzuzahlen und der amtlichen Verteidigung die Differenz zwischen dieser Entschädigung und dem volle n Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger