B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4227/2016 U r t e i l v o m 2 2 . A u g u s t 2 0 1 6 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter Daniel Willisegger; Gerichtsschreiber Philippe Baumann. Parteien A._______, geboren am (…), Sudan, vertreten durch Alexandre Mwanza, Migrant ARC-EN-CIEL, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 9. Juni 2016 / N (…). E-4227/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer wurde am 7. Juli 2015 in Chiasso durch die schwei- zerischen Grenzwachtbehörden aufgegriffen und stellte am 8. Juli 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch. Anlässlich der in arabischer Sprache durchgeführten Befragung zur Person (BzP) vom 3. August 2015 machte er im Wesentlichen geltend, er sei am (…) in B._______, Norddarfur, Sudan, geboren. Ab dem 7. März 2003 habe er in einem Flüchtlingscamp in Darfur gelebt. Die Armee habe ihn einmal aufgefordert, am Krieg teilzunehmen und mitzukämpfen, was er abgelehnt habe. Im Juli 2015 hätten er und sein Bruder den Sudan aufgrund des Krie- ges verlassen und seien gemeinsam in die Schweiz gereist. Der Beschwerdeführer reichte als Beweismittel eine Identitätskarte für Flüchtlinge und eine Flüchtlingsbestätigung , beide ausgestellt durch die Administration of Refugees and Internal Displaced Camps in Darfur, ein. B. Anlässlich der Nachbefragung zur Person und des rechtlichen Gehörs zum Alter des Beschwerdeführers vom 3. Augu st 2015 passte das SEM das Geburtsdatum aufgrund unglaubhafter Angaben auf den (…) an, womit er für den weiteren Verlauf des Asylverfahrens als volljährig betrachtet wurde. C. An der Anhörung vom 7. Juni 2016 zu den Asylgründen, für die ein ara- bischsprachiger Dolmetscher aufgeboten w orden war , sagte der Be- schwerdeführer im Wesentlichen aus, er wolle in seiner Muttersprache Fur und nicht auf Arabisch befragt werden. Substanziell gab er lediglich zu Pro- tokoll, dass er Darfur aufgrund des Krieges verlassen habe. D. Mit Verfügung vom 9. Juni 2016 – eröffnet tags darauf – verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte dessen Asyl- gesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. E. Mit Eingabe vom 7. Juli 2016 reichte der Beschwerdeführer durch seinen damaligen, am 24. Juni 2016 mandatierten Rechtsvertreter beim Bundes-E-4227/2016 Seite 3 verwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung ein. Darin bean- tragt er deren Aufhebung und die Rückweisung der Sache an das SEM zur neuen Beurteilung. Gleichzeitig beantragt er die Gewährung der unentgelt- lichen Rechtspflege und die Beiordnung des die Beschwerde unter zeich- neten Rechtsanwaltes als amtlichen Rechtsbeistand. F. Mittels Schreiben vom 11. Juli 2016 bestätigte das Bundesverwaltungsge- richt dem Beschwerdeführer den Eingang seiner Beschwerde. G. Mit Eingabe vom 11. Juli 2016 und unter Beilage einer Vollmacht des am 4. Juli 2016 neu mandatierten Rechtsvertreters, reichte der Beschwerde- führer eine weitere Beschwerde gegen die besagte Verfügung ein. Darin beantragt er zusätzlich zu den oben erwähnten Rechtsbegehren die Zuer- kennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventu- aliter sei ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren, subeventualiter sei die Anordnung der Wegweisung aufzuheben und zur neuen Beurteilung an das SEM zurückzuweisen. Als Beweismittel reichte er eine Einladung zu einer öffentlichen, regimekri- tischen Protestaktion in der Schweiz, eine Kopie seines Schülerausweises sowie zwei Fotoabzüge, die ihn angeblich an einer Demonstration in Genf zeigen, ein. B ezüglich seines Bruders reichte er Kopien zweier Mitglied- schaftsausweise sowie einer Mitgliedschafts- und Arbeitsbestätigung des « C._______» (D._______) und einer Arbeitsbestätigung der «United Na- tions Mission in Sudan» (UNMIS) ein. H. Auf telefonische Nachfrage vom 25. Juli 2016 erklärte der erstmandatierte Beschwerdeführer, an seinem Mandat nicht festzuhalten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende A usnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher E-4227/2016 Seite 4 zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerden und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde vom 4. und die Eingabe vom 11. Juli 2016, welche als Beschwerdeergänzung entgegengenommen wird, sind frist- und formge- recht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorin- stanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders be- rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie- hungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legi- timiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerden ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um solche, weshalb der Be- schwerdeentscheid nur summarisch zu be gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Be- weise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt wer- den. Der Untersuchungsgrundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt, zumal er seine Grenzen in der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person fin- det (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG). E-4227/2016 Seite 5 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 und Art. 29 AsylG) ergibt sich, dass Asylsuchenden die relevanten Akten offenzulegen sind und ihnen das Recht zur Äusserung (vgl. Art. 30 Abs. 1 VwVG) sowie die Möglichkeit, Einfluss auf die Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts zu nehmen, zu gewähren ist. Ausser- dem haben die verfügenden Behörden ihrer Pflicht zur Begründung in ge- nügender Weise nachzukommen. 4.2 In ihrer Verfügung vom 9. Juni 2016 erwog die Vorinstanz, dass der Sachverhalt aufgrund der den Asylbehörden obliegenden Untersuchungs- pflicht zwar von Amtes wegen zu ermitteln sei. Die Grenze dieser Pflicht liege jedoch in der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG). Eine Verletzung dieser Pflicht liege unter anderem dann vor, wenn durch das Verhalten e iner Person die Abklärung des Falles erheblich er- schwert werde. Der Beschwerdeführer habe sich bei der Bundesanhörung kategorisch geweigert, die Befragung auf Arabisch durchzuführen. Dies ob- wohl seine BzP vom 3. August 2015 in derselben Sprache durchgeführt worden sei und er dabei mehrfach schriftlich bestätigt habe, den Dolmet- scher gut verstanden zu haben. Auch die in Arabisch gestellten Fragen bei der Anhörung vom 7. Juni 2016 habe er verstanden und die Richtigkeit des entsprechenden Protokolls nach erfolgter Rückübersetzung unterschriftlich bestätigt. Der anwesende Dolmetscher habe ihn ebenfalls verstanden. So- mit entspreche es nicht der Wahrheit, dass der Beschwerdeführer nur seine Muttersprache (Fur) beherrsche. Er habe folglich durch seine Wei- gerung, an der An hörung auszusagen, seine Mitwirkungspflicht verletzt und eine korrekte Sachverhaltsfeststellung verhindert. 4.3 Auf Beschwerdeebene macht der Beschwerdeführer in verfahrens- rechtlicher Hinsicht geltend, das SEM habe das rechtliche Gehör und den Untersuchungsgrundsatz verletzt, indem es ihn in der ihm unverständli- chen Sprache Arabisch befragt habe. Der die Eingabe unterzeichnende Rechtsanwalt habe anlässlich der amtlichen Verteidigung in einem Straf- verfahren erhebliche Mühe bekundet, unter Beizug einer Dolmetscherin für die Sprache Hocharabisch mit dem Beschwerdeführer zu kommunizieren. Seitdem ein Dolmetscher mit der Muttersprache Fur in diesem Strafverfah- ren übersetze, klappe die Verständigung mit dem Beschwerdeführer. Die- ser Dolmetscher habe zudem erklärt, eine Befragung des Beschwerdefüh- rers auf Hocharabisch sei ungenügend, da dieser höchstens von der Schule her einige wenige Kenntnisse des Hocharabischen haben könne. E-4227/2016 Seite 6 Zudem rügt der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 11. Juli 2016, die Vorinstanz habe eine unvollständige und unrichtige Sachverhaltsfeststel- lung vorgenommen. So hätte diese aufgrund der Minderjährigkeit des Be- schwerdeführers bei der Anordnung des Wegweisungsvollzuges die Um- stände seiner Rückkehr in den Sudan konkret unt ersuchen müssen. Im Übrigen sei denkbar, dass sich seine familiäre Situation seit seiner Ankunft in der Schweiz vor einem Jahr verändert habe, so dass weitere Untersu- chungen angezeigt gewesen wären. 4.4 In Übereinstimmung mit dem SEM und gestützt auf die Akten ist fest- zuhalten, dass der Beschwerdeführer der arabischen Sprache genügend mächtig ist, um sich zu den Asylgründen anhören zu lassen. Zur Vermei- dung von Wiederholungen kann auf die entsprechenden Erwägungen des SEM sowie obige Zusammenfassung unter E. 4.2 verwiesen werden. Die Einwände auf Beschwerdeebene vom 7. Juli 2016 drängen keine andere Betrachtungsweise auf. Vielmehr ist ergänzend festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer die im EVZ Kreuzlingen ausgeteilten Merkblätter und das Personalienblatt – jeweils in arabischer Sprache – selbstständig ausfüllte beziehungsweise las und verstand (vgl. Akten der Vorinstanz A1, A8 S. 2). Seine Angabe an der BzP und Nachbefragung vom 3. August 2015, nie zur Schule gegangen zu sein, kann ihm daher ebenfalls nicht geglaubt werden. Somit hat der Beschwerdeführer seine Mitwirkungspflicht durch seine grundsätzliche Verweigerung der Aussage beziehungsweise der Mitteilung seiner Asylgründe in grober Weise verletzt. Es ist festzustellen, dass das Anhörungsprotokoll vom 7. Juni 2016 verwertbar ist und das SEM zurecht keine zusätzliche Anhörung in der Muttersprache des Beschwerdeführers durchführte. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs oder eine unrichtige respektive unvollständige Sachverhaltsfeststellung ist demnach nich t er- sichtlich. 5. 5.1 Die asylsuchende Person hat ihre Identität offenzulegen und ihre Rei- sepapiere und Identitätsausweise abzugeben (Art. 8 Abs. 1 Bstn. a und b AsylG). Eine angebliche Minderjährigkeit ist gemäss Art. 7 AsylG zu bewei- sen, soweit der Beweis mögl ich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen. Gemäss Rechtsprechung trägt die asylsuchende Person die Beweislast für die behauptete Minderjährigkeit, das heisst die behauptete Minderjährigkeit gilt als unbewiesen, wenn weder der asylsuchenden Per- son der Nachweis gelingt, dass sie jünger als 18 Jahre alt ist, noch der Behörde, dass sie älter als 18-jährig ist (vgl. dazu Entscheidungen und Mit- teilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission E-4227/2016 Seite 7 [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 5 ff., EMARK 2001 Nr. 23 E. 6.c, EMARK 2001 Nr. 22 E. 3.b). 5.2 In seinem ablehnenden Asylentscheid hielt das SEM einleitend fest, dass der Beschwerdeführer bei der Einreichung seines Asylgesuches un- wahre Angaben über sein tatsächliches Alter gemacht habe und bereits damals volljährig gewesen sei. Er habe keine originalen Identitätsdoku- mente eingereicht, die sein behauptetes Al ter beziehungsweise das Ge- burtsdatum (…) belegen würden . Der eingereichte Flüchtlingsausweis (bzw. Identitätskarte für Flüchtlinge) und die Flüchtlingsbestätigung würden keine tauglichen Beweismittel für die Identität und das Alter darstellen. Im Übrigen ergäben sich aus diesen Dokumenten verschiedene Ungereimt- heiten (ausgewiesenes Geburtsdatum (…), nicht gebräuchliche verwal- tungspolitische Angabe, orthografische und stilistische Fehler, tatsachen- widrige und realitätsfremde Aussagen zum Ausstellungsdatum ), sodass diese weder seine Identität noch sein Alter glaubhaft machen würden. Aus- serdem habe er sich abschweifend und ungenau zu seinem beruflichen Werdegang geäussert und realitätsfremde Aussagen dazu gemacht, wie er von seinem Geburtsdatum erfahren habe. Ü berdies seien seine Angaben zum Alter seiner Eltern und Geschwister ebenfalls ungenau. Als ihm an- lässlich der BzP vom 3. August 2015 mitgeteilt worden sei, dass sein Ge- burtsdatum auf den (…) angepasst und er als volljährige Person angese- hen werde, habe er keine tauglichen Gegenbeweise für seine behauptete Minderjährigkeit vorlegen können. 5.3 In seiner Eingabe vom 11. Juli 2016 macht der Beschwerdeführer gel- tend, die beim SEM eingereichte Identitätskarte für Flüchtlinge, ausgestellt durch das UNHCR, belege, dass er am (…) geboren und minderjährig sei. Das SEM habe die Echtheit dieses Dokumentes nie bestritten und die Min- derjährigkeit an sich nie ernsthaft in Zweifel gezogen. Dennoch habe es sein Alter aufgrund von Auskünften von italienischen Behörden ohne jegli- che Beweise und in Verletzung der Weisung zum Zentralen Migrationsin- formationssystem (gemeint ist wohl die Weisung zur Erfassung und Ände- rung von Personendaten im ZEMIS vom 1. Juli 2012) angepasst. Auch die auf Beschwerdeebene eingereichte Identitätskarte aus dem Sudan (in Ko- pie) belege sein angegebenes Geburtsdatum. 5.4 Das SEM ist in seinen Erwägungen mit zutreffender Begründung zur überzeugenden Erkenntnis gelangt, die geltend gemachte Minderjährigkeit des Beschwerdeführers sei als unglaubhaft zu qualifizieren. Zur Vermei- dung von Wiederholungen kann auf die entsprechenden Erwägungen des E-4227/2016 Seite 8 SEM in seiner Verfügung sowie obige Zusammenfassung in E. 5.2 verwie- sen werden. Die Einwände des Besch werdeführers sind bezüglich der Identitätskarte für Flüchtlinge und der Vorgehensweise des SEM bei der Anpassung des Geburtsdatums tatsachenwidrig und drängen auch sonst keine andere Betrachtungsweise auf. Bei der auf Beschwerdeebene ein- gereichten Kopie ei nes Identitätsdokumentes mit ausgewiesenem Ge- burtsdatum (…) handelt es sich entgegen den Angaben des Beschwerde- führers um einen Schülerausweis und nicht um eine Identitätskarte. Zudem gab er anlässlich des vorinstanzlichen Asylverfahrens an , nie zur Schule gegangen zu sein . Folglich vermag d ie besagte Kopie die geltend ge- machte Minderjährigkeit ebenfalls nicht glaubhaft zu machen. Die Anpas- sung des Geburtsdatums des Beschwerdeführers auf den (…) durch das SEM ist somit nicht zu beanstanden. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe ode r wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 7. 7.1 Das SEM stellte in der angefochtenen Verfügung fest, der Beschwer- deführer habe die Folgen seiner mangelhaf ten Mitwirkung respektive der Verheimlichung seiner wahren persönlichen Verhältnisse zu tragen, indem vermutungsweise davon auszugehen sei, es liege keine asylrechtlich rele- vante Verfolgung vor. Er erfülle demnach die Flüchtlingseigenschaft nicht, sein Asylgesuch sei abzulehnen und die Wegweisung sei die entspre- chende Regelfolge (Art. 44 AsylG). E-4227/2016 Seite 9 7.2 Mittels Eingabe vom 11. Juli 2016 bringt der Beschwerdeführer vor, er habe den Sudan vor allem aufgrund seiner politischen Überzeugung ver- lassen. Sein Bruder, dessen Asylverfahren in der Schweiz pendent sei, habe ein ausgeprägtes politisches Profil und erhalte regelmässig Drohun- gen von den sudanesischen Behörden. Insbesondere vor dem Hintergrund dieses Profils habe der Beschwerdeführer eine begründete Furcht vor Ver- folgung bei einer Rückkehr in sein Heimatland. Im Übrigen hätten er und sein Bruder mehrere Demonstrationen gegen die sudanesische Regierung organisiert und an diesen teilgenommen. Dabei seien sie auch gefilmt wor- den. Es sei im Allgemeinen unbestritten , dass die sudanesischen Behör- den politische Aktivitäten effektiv überwachen und den Beschwerdeführer deshalb bei einer Rückkehr leicht identifizieren und verfolgen könnten. 7.3 Einleitend ist übereinstimmend mit der Vorinstanz festzustellen, dass in Folge der dem Beschwerdeführer anzulastenden Unkenntnis der schweizerischen Behörden betreffend die wahren Hintergründe des Asyl- gesuchs, von der Nichterfüllung seiner Flüchtlingseigenschaft auszugehen ist. Die erst auf Beschwerdeebene geltend gemachte Gefährdungssitua- tion aufgrund des – gemäss eingereichten Beweismitteln seit dem Jahr 2004 bestehenden – politischen Profils seines Bruders ist als nachgescho- ben zu qualifizieren. Es ist dem Beschwerdeführer anzulasten, dass er eine entsprechende Furcht vor erheblichen Nachteilen bei einer Rückkehr de r Vorinstanz nicht schon anlässlich des erstinstanzlichen Asylverfahrens dar- legte und anstatt dessen entsprechenden Aussagen an der Anhörung ka- tegorisch verweigerte. Zudem verneinte er an der BzP vom 3. August 2015 ausdrücklich, dass es neben dem Krieg im Sudan noch weitere Gründe gebe, die gegen eine Rückkehr sprechen würden (vgl. Akten der Vorin - stanz A8 S. 7). Auch als er sich an der Anhörung an einer einzigen Stelle inhaltlich zu Problemen im Sudan äusserte, erwähnte er lediglich den Krieg (vgl. Akten der Vorinstanz A30 F 20). Hinsichtlich seiner persönlichen exil- politischen Tätigkeiten ist festzuhalten, dass die eingereichten Fotoabzüge ausschliesslich die Teilnahme an einer Demonstration zu belegen vermö- gen. Von weitergehenden und exponierteren Aktivitäten ist vor dem Hinter- grund, dass der Beschwerdeführer noch an der Anhörung vom 7. Juni 2016 keine diesbezüglichen Aussagen machte, nicht auszugehen. Sein exilpoli- tisches Engagement ist somit als marginal zu bezeichnen. Demnach be- stehen keine begründeten Hinweise, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Sudan aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeiten oder des politischen Profils seines Bruders tatsächlich erhebliche Nachteile zu befürchten hat. E-4227/2016 Seite 10 7.4 Aufgrund des Gesagten ist festzuhalten, dass das SEM das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des Asyls zu Recht verneint hat. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen auf Beschwerdeebene näher einzugehen. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an- dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiter- oder Rückreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder H erkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vor- behalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Aus- länder weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Dritt- staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). Bei der Geltendmachung von We gweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard E-4227/2016 Seite 11 wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Das SEM stellte in der angefochtenen Verfügung fest, dass aufgrund der dargelegten Verletzung der Mitwirkungspflicht auch hinsichtlich der Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges davon auszugehen sei, es bestün- den keine individuellen Gründe für eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr. Die allgemeine politische Situation oder andere Gründe sprä- chen ebenfalls nicht gegen die Zumutbarkeit der Rückführung. Der Vollzug der Wegweisung sei zudem völkerrechtlich zulässig sowie technisch mög- lich und praktisch durchführbar. 9.3 Der Beschwerdeführer bringt gegen die vorinstanzlichen Erwägungen zum Wegweisungsvollzug vor, die Vorinstanz hätte die Anordnung des Wegweisungsvollzuges aufgrund seines minderjährigen Alters von der Er- füllung spezifischer Voraussetzungen, insbesondere einer gesicherten adäquaten Betreuung, abhängig machen müssen. Im Weiteren hält er un- ter Verweis auf die Reisehinweise des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA) für den Sudan fest, er sei vor dem Hin- tergrund seiner Minderjährigkeit und der allgemeinen Lage in seinem Hei- matland bei einer Rückkehr konkret gefährdet. 10. 10.1 Die Vorinstanz hat in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend er- kannt, dass keine völkerrechtlichen V ollzugshindernisse erkennbar sind und der Wegweisungsvollzug technisch möglich und praktisch durchführ- bar ist. Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertre- tung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku- mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Ebenso zutreffend sind die Erkenntnisse des SEM, wonach die allgemeine Situation im Heimatland des Beschwerdeführers nicht grundsätzlich gegen die Zumutbarkeit seiner Rückführung spricht. An die- ser Einschätzung ändert auch der Verweis auf die Reisehinweise des EDA nichts, da es sich dabei lediglich um Empfehlungen handelt, die sich an reisende Personen aus der Schweiz richten. Nachdem die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers zu Recht als unglaubhaft gewertet wurde, gelangt das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (nachfolgend: KRK, SR 0.107) nicht zur Anwendung. Der Vollzug ist dem- nach auch nicht von der Erfüllung der aus der KRK fliessenden Vorausset-E-4227/2016 Seite 12 zung abhängig zu machen. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist da- von auszugehen, dass in Folge seiner Verschleierung der persönlichen Si- tuation im Heimatland vermutungsweise davon auszugehen ist, dass keine persönlichen Gründe den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen lassen. 10.2 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. 12.1 Aufgrund der dargelegten Aussichtslosigkeit der Beschwerde ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unbesehen der geltend gemachten Bedürftigkeit des Be- schwerdeführers abzuweisen. Entsprechend ist dem Gesuch um Bestel- lung eines amtlichen Rechtsbeistandes im Sinne von Art. 110 a Abs. 1 Bst. a AsylG ebenfalls nicht stattzugeben. 12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-4227/2016 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlich en Rechtspflege und um amtliche Verbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Philippe Baumann Versand: