Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. Mai 2012 (720 10 333 / 124) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Revision (Änderung der Berechnungsmethode infolge Scheidung und schlechter finan- zieller Lage) Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dani el Noll, Kantonsrich- ter Michael Guex, Gerichtsschreiberin Laura Manz Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Beschwerdegegnerin A. Die 1952 geborene A.____, die zwischen 1978 und 200 5 in Andorra wohnhaft war, ar- beitete bis in die frühen 80er Jahre (keine genauen An gaben aktenkundig) als kaufmännische Angestellte im Geschäft ihres Ehemannes und kümmerte sic h ansonsten um den Haushalt so- wie um den 1989 geborenen gemeinsamen Sohn. Am 17. A pril 2003 meldete sich A.____ we- gen immer stärker werdenden Rückenschmerzen bei der Eidg enössischen Invalidenversiche- rung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle für Versicherte im Ausland verfügte in der Folge am 6. September 2004 rückwirkend ab 1. Juni 2002 eine V iertelsrente in Anwendung der ge- mischten Methode mit den Anteilen von je 50% in Erwer b und Haushalt bei einem Invaliditäts- grad von gewichtet 46%. Am 18. Juli 2005 stellte A.____ bei der IV-Stelle fü r Versicherte im Ausland ein Revisionsge- such, da sich ihr Gesundheitszustand wesentlich verschlechtert habe. Mit Verfügung vom 25. Oktober 2005 wurde auf das Revisionsgesuch nicht eingetreten. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ab September 2005 war A.____ nach ihrer Rückkehr in die Schweiz im Kanton Basel- Landschaft wohnhaft. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (I V-Stelle) leitete am 31. März 2006 ein Revisionsverfahren von Amtes wegen ein und klärte die ges undheitlichen, erwerblichen und haushalterischen Verhältnisse ab. Nach durchgeführtem V orbescheidverfahren hob die IV- Stelle die Rente mit Verfügung vom 11. Oktober 2010 mit der Begründung auf, es bestehe in Anwendung der gemischten Methode ein Invaliditätsgrad von gewichtet 18%. Sie begründete dies im Wesentlichen damit, dass gemäss Gutachten des Ärztli chen Begutachtungsinstituts (ABI) eine wechselbelastende Tätigkeit von 50% zumutbar sei. Zudem habe sich die Ein- schränkung im Haushalt aufgrund geänderter Lebensumstände vermindert. Namentlich lebe der ehemalige Ehemann und der Sohn von A.____ nicht mehr im selben Haushalt, weshalb sich der Aufwand in der kleineren Wohnung verringert habe. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Dr. Thomas Christen, Advokat in Liestal, am 15. November 2010 Beschwerde beim Kantons gericht des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, (Kantons gericht), mit dem Rechtsbegehren, die Verfügung vom 11. Oktober 2010 sei aufzuheben und es sei der Versicherten aufgrund ei- nes Invaliditätsgrades von mindestens 70% eine ganze Re nte zuzusprechen. Eventualiter sei ihr aufgrund eines Invaliditätsgrades von mindestens 40% eine angemessene Rente zuzuspre- chen. Zudem sei ein aktuelles medizinisches Obergutachten, insbesondere unter Berücksichti- gung der psychischen Beschwerden, anzuordnen. Letztlich sei der Beschwerdeführerin die un- entgeltliche Rechtspflege mit dem Unterzeichneten als Rechtsbeistand zu bewilligen; alles unter o/e Kostenfolge. Dabei wurde im Wesentlichen geltend g emacht, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich wesentlich verschlechtert. Es se ien insbesondere die psychi- schen Leiden nicht adäquat gewürdigt worden. C. Mit präsidialer Verfügung vom 17. November 2010 wu rde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung sowie die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Thomas Christen als Rechtvertreter bewilligt. D. Mit Vernehmlassung vom 15. Dezember 2010 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass sich der Gesundheitszu- stand der Beschwerdeführerin nicht wesentlich verschlechter t habe. Die IV-Stelle für Versicher- te im Ausland habe zudem in der Verfügung vom 6. Sep tember 2004 die gemischte Methode falsch angewandt. Richtigerweise hätte bereits zum erstma ligen Verfügungszeitpunkt ein Invali- ditätsgrad von gewichtet unter 40% und somit kein Rent enanspruch bestanden. Aufgrund die- ses Rechnungsfehlers sei die Verfügung vom 6. September 2004 zweifellos unrichtig und dem- nach zu Recht wiedererwägungsweise aufgehoben worden. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 5. Mai 2011 stellt e das Gericht fest, dass die Be- schwerdeführerin bis anhin keine Gelegenheit hatte, sich zu den von der IV-Stelle mit Vernehm- lassung vom 15. November 2010 neu vorgebrachten Argumenten – insbesondere zur Frage der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen Verfügung – Stellung zu nehmen. Der Fall wurde Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht deshalb ausgestellt und der Beschwerdeführerin zur Wah rung des Anspruchs auf rechtliches Gehör Gelegenheit zur Replik gegeben. F. Mit Schreiben vom 28. Juni 2011 beantragte Rechtsanw alt Christen die Stistierung der Angelegenheit, um ein Gutachten zum aktuellen Gesundhe itszustand der Beschwerdeführerin erstellen zu lassen. Mit präsidialer Verfügung vom 7. Juli 2011 wurde das Sistierungsgesuch abgewiesen. G. Mit Replik vom 7. September 2011 hält die Beschwerde führerin an den in der Be- schwerde vom 15. November 2010 gestellten Rechtbegehren fest. Dabei wird insbesondere geltend gemacht, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwe rdeführerin seit der Renten- zusprache verschlechtert habe und der Sachverhalt bezügli ch Invalidität im Haushalt ungenü- gend abgeklärt worden sei. H. Mit Duplik vom 23. Februar 2012 beantragt die IV-S telle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 l it. b des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde der Versicherten vom 15. November 2010 ist damit einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht hatte (vgl. etwa Bundesgerichtsentscheid [BGE] 129 V 5 3 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsp rechung des damaligen Eidgenös- sischen Versicherungsgerichts (EVG; seit 1. Januar 2007: Bun desgericht, sozialrechtliche Ab- teilungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgelichenen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 3.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufga benbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B etätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 3.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig si nd oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). 3.5 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Renten für die Zukunft zu erhöhen, herabzu- setzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentliche n Änderung des Gesundheitszustan- des, der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich bleib enden Gesundheitszustandes (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen) oder der Grundlagen für die Wahl der Invaliditätsbemes- sungsmethode (BGE 117 V 199 E. 3b, Urteil des Bundesger ichts vom 3. Juni 2011, 9C_223/2011, E. 3.1) revidierbar. Analog behandelt w ird eine Wandlung im Aufgabenbereich (vgl. BGE 130 V 350). Zu denken ist dabei etwa an de n Beginn oder die Beendigung einer Er- ziehungsperiode mit einer sich daraus ergebenden Auswirkun g auf das zeitliche Ausmass der Tätigkeit im haushalterischen Aufgabenbereich auf der einen und des erwerblichen Anteils auf der anderen Seite. Bei den Renten der Invalidenversiche rung ist grundsätzlich jede Änderung des Sachverhalts, die zu einer Über- oder Unterschrei tung eines Schwellenschwertes (vgl. Art. 28 Abs, 2 IVG) führt, als erheblich zu betrachten (BGE 1 33 V 545 f. E. 6 und 7; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 165). Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrun d vor, ist der Rentenanspruch in rechtli- cher und tatsächlicher Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 200 E. 4b; SVR 2004 IV Nr. 17 S. 53). 3.6 Das Bundesgericht hat im Entscheid 133 V 108 in Änd erung der bisherigen Rechtspre- chung erkannt, dass der zeitliche Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bei der Rentenrevision, sei es auf Gesuch hin o der von Amtes wegen, gleich wie bei einer Neuanmeldung (vgl. BGE 130 V 71), die letzte, d er versicherten Person eröffnete rechts- kräftige Verfügung sei, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechts- konformer Sachverhaltsabklärung, einer Beweiswürdigung u nd der Durchführung eines Ein- kommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung i n den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibe die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (vgl. BGE 133 V 114 E. 5.4 mit Verweis auf BGE 130 V 77 E. 3.2.3). 4. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Beschwerdefüh- rerin über den 30. November 2010 hinaus Anspruch auf eine IV-Rente hat. 4.1 In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerde- führerin seit der Rentenzusprache im Jahr 2004 wesentli ch verändert hat. Während die IV- Stelle von einem weitaus gleich gebliebenen gesundhe itlichen Zustand ausgeht, macht die Be- schwerdeführerin geltend, ihr Gesundheitszustand habe sich, insbesondere auch aufgrund psy- chischer Leiden, wesentlich verschlechtert, weshalb sie zu 100% arbeitsunfähig sei. 4.2 Die Abklärung des Sachverhalts hat das Gericht gem äss dem im Sozialversicherungs- verfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz von Amtes we gen vorzunehmen. Danach haben Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von sich au s und ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständige Festste llung des Sachverhaltes zu sorgen (vgl. Thomas Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts , 3. Auflage, Bern 2003, S. 443 f.). Durch die Mitwirkungspflichten der Partei en wird der Untersuchungsgrundsatz in ge- wisser Weise ergänzt und gleichzeitig eingeschränkt (vgl. BGE 121 V 210 E. 6c). 4.3 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 115 V 142 E. 8b). 4.4 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.5 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Die IV-Stelle für Versicherte im Ausland stützte ihr en Entscheid vom 6. September 2004 im Wesentlichen auf die Berichte von Dr. med. B.____, F MH Allgemeine Innere Medizin, vom 28. März 2004 und 27. April 2004. Darin führte er au s, dass die Versicherte seit Jahrzehnten unter lumbalen Rückenschmerzen leide, die trotz medikamentöser Therapie und Physiotherapie ein invalidisierendes Ausmass angenommen hätten. Die chir urgischen Eingriffe 1994 und 2002 hätten nicht die erhoffte Besserung gebracht. Dr. B.__ __ diagnostizierte ein chronisches lum- bospondylogenes und lumboradikuläres Syndrom, Status na ch Arthrodese L3 bis S1 1994 und 2002 wegen Spondylolisthesis L5/S1, Retrolisthesis L4/5 un d ausgedehnter lumbaler Disko- pathie. Er attestierte der Beschwerdeführerin eine Ar beitsunfähigkeit im Erwerbsbereich von 50% sowie eine Einschränkung im Haushalt von 41%. 5.2 Im Zuge des Rentenrevisionsverfahrens von Amtes wegen im Jahr 2006 wurde Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie, mit dem Erstellen eines rh eumatologischen Gutachtens beauf- tragt. Am 12. Februar 2007 diagnostizierte dieser ein chronisches Lumbovertebralsyndrom mit intermittierender spondylogener Ausstrahlung rechts bei S tatus nach dorsaler Spondylodese L5/S1 1994 und L3/S1 2002. Gemäss seiner Einschätzung se i es der Beschwerdeführerin zu- mutbar, täglich 2 x 2 Sunden eine leichte rückenschonende Tätigkeit auszuüben. Die Versicher- te wirke kindlich, ob zusätzlich eine psychiatrische Abklärun g vorgenommen werden müsse, könne er nicht beurteilen. 5.3 Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Medizin, diagnost izierte als behandelnder Arzt am 9. September 2008 ein chronifiziertes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei Status nach Rückenoperation mit Spondylorthese L3 bis S1 1994 und 20 02. Die Patientin stehe des Weite- ren unter starken Medikamenten (Deroxat) wegen Depressionen aufgrund von Schlafstörungen. Die Patientin habe zudem Angstzustände, die sie im Al ltag blockieren würden. Es sei der Pati- entin bei den bestehenden Dauerschmerzen nicht zumutbar, einer Arbeit nachzugehen. Er at- testierte ihr damit eine 100% Arbeitsunfähigkeit. 5.4 Am 14. Oktober 2008 beauftragte die IV-Stelle da s ABI mit einem polydisziplinären Gut- achten, wobei die Beschwerdeführerin in den Disziplinen Allgemeine Medizin, Psychiatrie sowie Rheumatologie untersucht wurde. Das ABI-Gutachten dati ert vom 11. Mai 2009. Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte kindliche, unreife Persönlichkeits- züge (ICD-10 Z73.0) sowie eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54), beides ohne Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Da das Ausmass der beklagten Beschwerden sich soma- tisch nicht vollständig objektivieren liesse, müsse eine psych ische Überlagerung der geklagten Beschwerden angenommen werden. Aus der Blutprobe sei nicht ersichtlich, dass die Exploran- din seit Jahren das Antidepressivum Deroxat einnehme. Auch sei die Explorandin noch nie in psychiatrischer Behandlung gewesen. Es lägen keine psychosozi alen oder emotionalen Belas- tungsstörungen vor, weshalb es sich nicht um eine somatof orme Schmerzstörung, sondern vielmehr um eine Schmerzverarbeitungsstörung handle. D ie Stimmung sei zwar herabgesetzt, jedoch nicht depressiv. Auch Schlafstörungen könnten nicht diagnostiziert werden. Zusammen- fassend sei es der Explorandin aus psychiatrischer Sicht zu mutbar, trotz der geklagten Be- schwerden die notwendige Willensanstrengung aufzubringe n, um zu 100% eine Erwerbstätig- keit auszuüben. Dr. med. F.____, FMH Rheumatologie, diagnostizierte e in chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bilateral rechtsbetont bei Status nach dorsaler Spondylodese L3 bis S1 2002 und 5 bis S1 1994 sowie eine mässig ausgeprägte Dekonditi onierung mit Abschwächung der abdominellen und rückenstabilisierenden Muskulatur. In ei ner Gesamtbeurteilung attestierten die gegutachtenden Ärzte der Beschwerdeführerin eine A rbeitsfähigkeit von 50% bei einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit. Bezüglich der Tätigkeit im Haushalt wurde die durch die IV-Stelle errechnete Einschränkung von 20% bestätigt. 5.5 Mit Schreiben vom 27. Oktober 2010 diagnostizierte D r. med. G.____, FMH Innere Me- dizin, der die Beschwerdeführerin neu hausärztlich bet reute, persistierende Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die Beine bei Status nach Rückenopera tionen 1994 und 2002, Schulter- schmerzen, Gelenkschmerzen in den Händen beidseitig, Tinnitus, Status nach Parazentese des Trommelfells links vor Jahren im Kantonsspital Liestal, T endovaginitis stenosans Dig. l rechts. Er erwähnte dabei – gestützt auf die Berichterstattung seiner Patientin – eine Verschlechterung seit zwei Jahren sowie diverse Schmerzen in Händen, Füssen und Beinen. Hinsichtlich der Be- urteilung der Arbeitsfähigkeit hielt Dr. G.____ fest, dass er dies den Spezialisten überlassen möchte. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 11. Oktober 2010 bei der Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustands und der Ar beitsfähigkeit der Versicherten voll- umfänglich auf die Ergebnisse, zu denen die ABI-Gutac hter in ihrem fachärztlichen Gutachten vom 11. Mai 2009 gelangt sind. Sie ging demzufolge dav on aus, dass die Beschwerdeführerin in einer leidensadaptierten, leichten und rückenschonenden Tätigkeit zu 50% arbeits- bzw. leis- tungsfähig ist. Diese Beurteilung der Vorinstanz ist ni cht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 4.6 hiervor), ist den im Rahmen des Verw altungsverfahrens eingeholten Gut- achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgru nd eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Die Gutachter h aben die Versicherte eingehend unter- sucht, gehen in ihrem ausführlichen Bericht einlässlich auf deren Beschwerden ein, setzen sich mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlag en auseinander und vermitteln so ein Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht umfassendes Bild über den Gesundheitszustand der Beschwe rdeführerin. Schliesslich ist auch ihre Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten nicht zu beanstanden. 6.2 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht gee ignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des ABI-Gutachtens in Frage zu stellen. 6.2.1 Die Beschwerdeführerin beanstandet, dass einerseit s auf ein zu altes Gutachten abge- stützt wurde und andererseits ihre psychischen Probleme nu r ungenügend berücksichtigt wor- den seien. Dabei beruft sie sich auf die Begutachtungen von Dr. C.____ vom 12. Februar 2007 sowie auf jene von Dr. D.____ vom 9. September 2009. Hierbei verkennt die Beschwerdeführe- rin allerdings, dass Dr. C.____ keineswegs eine Depressi on diagnostizierte – vielmehr wies er darauf hin, dass er als Rheumatologe keine psychiatrische Diagnose stellen könne. Dr. D.____ wies zwar in seinem Schreiben vom 9. September 2009 auf Depressionen aufgrund von Schlaf- störungen hin, präzisierte diese Diagnose jedoch nicht w eiter. Dr. E.____, der sich im Rahmen der ABI-Begutachtung schliesslich eingehend mit diesen Fragestellungen befasste, kam zudem zum Schluss, dass weder eine Depression noch eine Schlafst örung diagnostiziert werden kön- ne. Vorliegend kann ohne Weiteres auf die Einschätzun g des Facharztes für Psychiatrie abge- stellt werden. Diese wird sodann auch durch den Umstand gestützt, dass die Beschwerdeführe- rin noch nie in psychiatrischer Behandlung war und eine solche gemäss ihren eigenen Angaben auch nicht benötige (vgl. Gutachten Dr. C.____ vom 12. Februar 2007, S. 7, ABI-Gutachten vom 11. Mai 2009, S. 9 ). Das Antidepressiva Deroxat kon nte zudem im Blut nicht nachgewie- sen werden. Es ist damit nicht zu beanstanden, dass die I V-Stelle hinsichtlich der psychiatri- schen Begutachtung auf die Diagnosen von Dr. E.____ abs tellte und die von der Beschwerde- führerin geltend gemachten psychischen Beschwerden bei de r Einschätzung der Arbeitsunfä- higkeit nicht berücksichtigte. 6.2.2 Hinsichtlich der rheumatologischen Beschwerden wurd en in den Gutachten von Dr. B.____ 2004, Dr. C.____ 2007, Dr. D.____ 2008 so wie dem ABI-Gutachten 2009 stets die- selben Diagnosen gestellt. Zudem wurde der Beschwerdefü hrerin, abgesehen von der Ein- schätzung von Dr. D.____, einheitlich eine Arbeitsunfäh igkeit von 50% attestiert. Das ABI- Gutachten ist auch hinsichtlich der rheumatischen Beurtei lung schlüssig, weshalb die IV-Stelle darauf abstellen durfte. Aus den Akten gehen sodann k eine wesentlichen Hinweise hervor, die auf eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszust ands seit der Rentenzusprache im Jahr 2004 hindeuten. So schilderte der behandelnde Hau sarzt, Dr. G.____, in seinem Bericht vom 27. Oktober 2010 lediglich subjektive Wahrnehmungen der Patientin ohne diese zu objek- tivieren. Des Weiteren hielt er ausdrücklich fest, dass er zu r Frage der Arbeitsfähigkeit keine Stellung nehmen könne. Daraus kann somit nicht geschlossen werden, dass das ABI- Gutachten zum Verfügungszeitpunkt den massgeblichen Gesund heitszustand nicht korrekt wi- derspiegelte. Der Sachverhalt ist aus den genannten Gr ünden genügend abgeklärt und doku- mentiert, weshalb davon abzusehen ist, das von der Beschwe rdeführerin beantragte Obergut- achten in Auftrag zu geben. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Zusammenfassend hat sich der Gesundheitszustand der Be schwerdeführerin nicht we- sentlich verschlechtert. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle, gestützt auf das ABI-Gutachten vom 11. Mai 2009, von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% ausging. 7. Zu prüfen ist weiter, ob andere Veränderungen der tatsächlichen Verhältnisse vorliegen, welche die Berechnung des Invaliditätsgrads beeinflussen könnten. Insbesondere ist zu prüfen, ob sich die Grundlagen für die Wahl der Invaliditätsb emessungsmethode wesentlich verändert haben. Sowohl die IV-Stelle für Versicherte im Ausland im Jahr 2004 als auch die IV-Stelle im Jahr 2010 gingen bei der Berechnung des Invaliditätsgr ads davon aus, dass die Versicherte im Gesundheitsfall zu 50% erwerbstätig und zu 50% im Haus halt tätig wäre und wandten folglich die gemischte Methode an. 7.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbe- messung führt, ergibt sich nach konstanter bundesgerichtlich er Rechtsprechung aus der Prü- fung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umst änden täte, wenn keine gesundheitli- che Beeinträchtigung bestünde. Bei im Haushalt tätige n versicherten Personen im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerbl ichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkei- ten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 11. Oktober 2010) entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbst ätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkei t erforderlich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 7.2 Die Beschwerdeführerin geht seit mehr als 20 Jahre n keiner Erwerbstätigkeit mehr nach. Vor Krankheitseintritt lebte sie in Andorra, arbeitet e zunächst im Betrieb ihres Ehegatten mit und kümmerte sich intensiv um den Sohn, der aufgrund ei ner Behinderung am Fuss eine be- sonders intensive Betreuung benötigte (vgl. dazu die Anga ben der Beschwerdeführerin im Gut- achten von Dr. C.____ vom 12. Februar 2007, S. 8/19 und im ABI-Gutachten vom 11. Mai 2009, S. 6/21). Daneben war sie für die Familie im Haushalt tätig. Die IV-Stelle für Versicherte im Aus- land ging demnach bei der erstmaligen Rentenzusprach e im Jahr 2004 zu Recht davon aus, dass die Versicherte im Gesundheitsfall jeweils zu 50% in Erwerb und Haushalt tätig wäre. 7.3 Zum Zeitpunkt der vorliegend strittigen Verfügung der IV-Stelle vom 11. Oktober 2010 präsentierte sich demgegenüber ein veränderter Sachverh alt: Die Beschwerdeführerin lebte in der Schweiz in Scheidung, der Sohn war in Andorra ge blieben. Die Beschwerdeführerin war demnach nicht mehr mit der intensiven Betreuung des So hnes beschäftigt und führte nur noch einen Einpersonenhaushalt, während sie früher den Ha ushalt für eine ganze Familie besorgen musste. Auch die IV-Stelle stellte in der Verfügung vom 11. Oktober 2010 sowie auch in der Vernehmlassung vom 15. Dezember 2010 (S. 9) und Dupl ik vom 23. Februar 2012 (S. 3) fest, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse im Haushalt stark ve rändert haben. Im Abklärungsbe- richt Haushalt vom 24. August 2009 (vgl. act. 39) wird zud em ausführlich darauf hingewiesen, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass die Gewichtung im Haushalt neu verteilt werden müsse, da die Kinderbereuung wegfalle und in einem Einpersonenhaushalt allgemein weniger A rbeit anfalle. Es steht damit fest, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse hinsichtlich der Verpf lichtungen im Haushalt und Betreuung wesentlich verändert haben. 7.4 Des Weiteren haben sich auch die finanziellen Umstän de der Beschwerdeführerin stark verändert. Die zum strittigen Verfügungszeitpunkt in Sch eidung lebende Beschwerdeführerin erhielt keine Unterhaltszahlungen von ihrem Ehemann, da dessen Kleinunternehmen nach An- gaben der Beschwerdeführerin Konkurs anmelden musste. Die Beschwerdeführerin lebte fortan von ihrer IV-Rente, der Sozialhilfe oder von Ergänzun gsleistungen. Die schlechte finanzielle Situation wurde auch in den Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit in den Jahren 2006 und 2008 durch die IV-Stelle festgestellt. Auch der zuständige Sachbearbeiter der IV-Stelle ging bei seiner Anfrage an den Regionalen Ärztlichen Dienst vom 10. November 2006 davon aus, dass die Versicherte aufgrund ihrer Scheidung und ihrer schlechten finanziellen Lage im Ge- sundheitsfall in einem 100% Pensum arbeiten würde (v gl. act. 12 S. 1/2). Dieser Annahme ist beizupflichten. Stellt man auf die tatsächlichen Gegebe nheiten ab, so ergibt sich klar, dass die Beschwerdeführerin als alleinstehende Person ohne Betreuungspflichten im Gesundheitsfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einer ihren Lebensbeda rf deckenden Erwerbstätigkeit nach- gegangen wäre. Die Beschwerdeführerin, die über keine abgeschlossene berufliche Ausbildung verfügt, könnte dabei lediglich als ungelernte Hilfsarbe iterin im Niedriglohnsegment tätig sein. Deshalb müsste die Beschwerdeführerin unter den verändert en Umständen – namentlich nach dem Wegfall von Betreuungspflichten und bei nur noch s ehr geringen Aufwand im Haushalt – im Gesundheitsfall zu 100% erwerbstätig sein, um nicht von der Sozialhilfe abhängig zu sein. 7.5 An dieser Tatsache ändert auch nichts, dass die Besc hwerdeführerin anlässlich der Hauhaltsabklärungen 2006 und 2008 jeweils angab, sie w ürde im Gesundheitsfall zu 50% er- werbstätig sein und zu 50% im Haushalt arbeiten. Zunäc hst ist bei der Würdigung dieser Anga- be zu berücksichtigen, dass es einer versicherten Person, der en Leben seit Jahren von Krank- heit geprägt ist, schwer fällt sich vorzustellen, was sie als Gesunde in erwerblicher Hinsicht täte. Anlässlich der Abklärung zur Erwerbstätigkeit vom 31. August 2006 gab die Versicherte zu Pro- tokoll, dass sie bei guter Gesundheit niemals in die Sc hweiz zurück gekehrt wäre und sich ne- ben einem Arbeitspensum von 50% weiterhin um den Haushalt und den Sohn gekümmert hätte. Daraus ist ersichtlich, dass sie sich damals nicht die Frage ste llte, wie ihr Leben bei im Übrigen unveränderten Umständen (namentlich alleine in der Schweiz lebend) aussähe, w enn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (vgl. Erwäg ung 7.1 hiervor) – dies untermalt, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage ist, ihre Erw erbssituation im Gesundheitsfall richtig einzuschätzen. Auch bei ihrer Aussage anlässlich der Hausha ltsabklärung vom 3. Juli 2008, wobei sie festhielt, dass sie keinen Luxus benötige, verka nnte sie, dass sie als alleinstehende Person mit geringem Aufwand im Haushalt und ohne Bet reuungspflichten im Gesundheitsfall aufgrund ihrer Qualifikationen einem Vollzeitpensum nachgehen müsste, da sie mit einem 50%- igen Pensum von der Sozialhilfe abhängig wäre und im R ahmen der Schadenmilderungspflicht im Sozialhilferecht (§ 11 des Sozialhilfegesetztes [SHG] vom 21. Juni 2001) dazu verpflichtet wäre, einer vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Aus d iesen Gründen kann in diesem Zusam- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht menhang nicht auf die Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung der Erwerbs- tätigkeit abgestellt werden. 7.6 Bei der Beurteilung der Statusfrage stellt die R echtsprechung in konstanter Praxis dar- auf ab, was eine versicherte Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (vgl. Erwäg ung 7.1 hiervor). Die Beurteilung der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall ist naturgemäss hyp othetischer Natur und einem direkten Beweis nicht zugänglich. Der Passus "bei im Übrigen un veränderten Umständen" zeigt jedoch klar, dass sich die Prognose des Gerichts auf die Frage de s Umfangs der Erwerbstätigkeit be- schränken soll. Massgebend ist stets der Beweisgrad der überw iegenden Wahrscheinlichkeit, grundsätzlich sind somit die realen Gegebenheiten ausschla ggebend. Aufgrund der vorliegen- den Umstände, namentlich der finanziellen Situation so wie dem Wegfall sämtlicher Betreu- ungspflichten, kommt das Gericht zum Schluss, dass die Ve rsicherte ohne die gesundheitliche Beeinträchtigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit e iner Vollzeitarbeit nachgehen würde (vgl. zum Ganzen auch das Urteil des Kantonsgerichts vom 3. November 2011, 720 11 161, E. 4.1 ff.). Der Invaliditätsgrad ist daher nicht unte r Anwendung der gemischten Methode, son- dern mittels der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu ermitteln. 8. Im Rahmen des Einkommensvergleichs ist das Valideneink ommen dem Invalidenein- kommen gegenüber zu stellen. 8.1 Da die Beschwerdeführerin bereits vor der erstmalig en Rentenzusprechung mehrere Jahre keiner Erwerbstätigkeit nachging, ist das Valide neinkommen der Beschwerdeführerin anhand der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik im Jahr 2010 zu ermitteln. Gemäss Tabelle TA1 der LSE 2010 belief sich der Zent- ralwert für die mit einfachen und repetitiven Aufga ben (Anforderungsniveau 4) beschäftigten Frauen im privaten Sektor im Jahr 2010 auf monatlich Fr . 4'225.-- (LSE 2010, Privater Sektor, Tabelle TA1, Frauen, Total Ziff. 01-93). Dabei ist zu beachten, dass dieser Tabellenlohn auf einer einheitlichen Arbeitszeit von 40 Wochenstunden ber uht und für das Jahr 2010 auf die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41,6 Stunden (vgl . Die Volkswirtschaft 9/2010 S. 98 Tabelle B 9.2) umzurechnen ist. Dies ergibt einen Monatslohn von Fr. 4'394.-- was einem mass- geblichen Valideneinkommen von jährlich Fr. 52'728.-- entspricht. 8.2 Da die Versicherte seit Eintritt des Gesundheitsschad ens keine zumutbare, leidensan- gepasste Tätigkeit mehr ausgeübt hat, ist das Invalidene inkommen ebenfalls unter Beizug der LSE-Tabellenlöhne zu ermitteln (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Grundlage für das Invalideneinkom men zum Zeitpunkt der Rentenzuspra- che ist damit gemäss der Tabelle TA1 der LSE 2010 (LSE 2010, Privater Sektor, Tabelle TA1, Frauen, Total Ziff. 01-93) ein Jahreslohn von Fr. 52 '728.--. Davon wird – entsprechend der Ein- schätzung der IV-Stelle – ein Abzug von 15% für eine in validitätsbedingte Beeinträchtigung vor- genommen (Fr. 7'909.--). Unter Berücksichtigung des zum utbaren Pensums von 50% resultiert ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 22'410.--. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Stellt man im Einkommensvergleich dieses Invalideneink ommen von Fr. 22'410.-- dem oben ermittelten Valideneinkommen von Fr. 52'728.-- gegenüber, so resultiert daraus eine Er- werbseinbusse von Fr. 30'318.--, was einen Invaliditätsg rad der Versicherten von 57% (vgl. zur Rundungspraxis des Bundesgerichts: BGE 130 V 121 ff.) ergibt. 9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die der Bemessu ng des Invaliditätsgrads zu Grunde liegenden tatsächlichen Verhältnisse seit dem erstmaligen Verfügungszeitpunkt vom 6. September 2004 wesentlich verändert haben. Namentlich ist die Neubeurteilung des Renten- anspruchs mittels der allgemeinen Methode durchzuführen. Dass die ursprüngliche Renten- zusprache vom 6. September 2004 aufgrund der falschen Ber echnung des Invaliditätsgrads im Erwerbsbereich zweifellos unrichtig war, ist nach dem Gesagten obsolet. Entscheidend ist, dass eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhält nissen eingetreten ist, die eine revisi- onsweise Erhöhung der bis anhin ausgerichteten Rente beg ründet. Demnach hat die Be- schwerdeführerin Anspruch auf eine halbe Rente, weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist. 10. Es bleibt, über die Kosten zu befinden. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt, gegenüber der Vor instanz bzw. den kantonalen Be- hörden werden indes keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend die Vorinstanz unterlegen ist, ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 10.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist der Beschwerde- führerin deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten de r IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechts- vertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorar note vom 4. April 2012 bis zum 31. Dezember 2010 einen Zeitaufwand von 17.30 Stund en und Spesen von Fr. 110.-- sowie ab dem 1. Januar 2011 einen Aufwand von 23.30 Stunden un d Spesen von Fr. 205.-- geltend ge- macht. Angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rec htsfragen erweist sich dieser Auf- wand als zu hoch. Aus diesem Grund ist der Beschwerdef ührerin eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 2'500.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) zu Laste n der Beschwerdegegnerin zuzuspre- chen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 11. Oktober 2010 aufge hoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine halbe Rente seit dem 30. November 2010 hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2'500.-- (inkl. A uslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen werden die au sserordentli- chen Kosten wettgeschlagen.