A bteilung III C -771/2006 {T 0/2} U rteil vom 4. A pril 2007 M itw irkung: R ichter Antonio Im oberdorf; R ichter Andreas Trom m er; R ich- ter Bernard Vaudan; G erichtsschreiber R udolf G run. A ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung in Bezug auf I._______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. Am 22. M ärz 2006 ersuchte I._______ (geb. 1982; Serbien/Kosovo) beim Schw eizerischen Verbindungsbüro in Pristina um ein Visum für einen einm onatigen Besuchsaufenthalt bei seinen Eltern (Beschw erdeführer) in Basel. D ie Schw eizerische Vertretung überw ies das G esuch in der Folge an die Vorinstanz zur Prüfung und zum Entscheid. B. N achdem w eitere Abklärungen seitens der kantonalen M igrationsbehörde vorgenom m en w orden w aren, w ies die Vorinstanz m it Verfügung vom 29. M ai 2006 das Einreisegesuch m it der Begründung ab, der G esuchstel- ler stam m e aus einer R egion, aus w elcher der Zuw anderungsdruck als Folge der dort herrschenden w irtschaftlichen und soziokulturellen Verhält- nisse bekannterw eise nach w ie vor stark anhalte. Viele seiner Landsleute versuchten, ihren Aufenthalt in der Schw eiz durch Ausschöpfung säm t- licher rechtlicher M ittel zu verlängern und sich so in U m gehung der bun- desrätlichen Begrenzungsm assnahm en eine verm eintlich bessere Zukunft aufzubauen. Im W eitern oblägen dem Eingeladenen in seinem U rsprungs- land w eder zw ingende berufliche oder gesellschaftliche Verpflichtungen noch fam iliäre Verantw ortlichkeiten, die gegebenenfalls G ew ähr für eine fristgerechte R ückkehr bieten könnten. Schliesslich lägen auch keine G ründe vor, w elche eine Einreise trotzdem zw ingend notw endig m achen w ürden. C . M it Eingabe vom 19. Juni 2006 beantragen die Beschw erdeführer sinnge- m äss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung ei- ner Einreisebew illigung für ihren Sohn. Zur Begründung m achen sie gel- tend, sie hätten ihren Sohn seit langem nicht gesehen und könnten ihn in diesem Jahr auch nicht in der H eim at besuchen. G leichzeitig garantieren sie für die R ückkehr vor Ablauf des Visum s. Ihr Sohn w olle im Kosovo le- ben. D . In ihrer Vernehm lassung vom 21. August 2006 spricht sich die Vorinstanz für die Abw eisung der Beschw erde aus und hält ergänzend fest, aufgrund der gem achten Erfahrungen w erde eine restriktive Visum spolitik verfolgt und das R isiko einer nicht gesicherten W iederausreise grundsätzlich hoch eingeschätzt. D avon sei nur abzuw eichen, w enn dem Betreffenden im H erkunftsland besondere fam iliäre, berufliche oder gesellschaftliche Verpflichtungen oblägen. D ies treffe im vorliegenden Fall offensichtlich nicht zu, da der G esuchsteller jung, ledig und arbeitslos sei. E. M it verfahrensleitender Anordnung vom 23. August 2006 w urde den Be- schw erdeführern die M öglichkeit gew ährt, zur Vernehm lassung der Vorin- stanz Stellung zu nehm en. D ie hierfür gesetzte Frist verstrich jedoch unge- nutzt.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und Art. 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eigerung der Einreise (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG ; SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und Art. 33 Bst. d VG G ). Eine Ausnahm e gem äss Art. 32 VG G ist nicht gege- ben. D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). D as Verfahren vor dem Bundesverw altungsge- richt richtet sich nach dem Vw VG , sow eit das G esetz nichts anderes be- stim m t (Art. 37 VG G ). 2. D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die bei Inkrafttreten des Verw al- tungsgerichtsgesetzes bei Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m is- sionen oder bei Beschw erdediensten der D epartem ente hängigen R echts- m ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 3. D ie Beschw erdeführer sind als "M itbeteiligte" (G astgeber und Eltern) ge- m äss Art. 20 Abs. 2 AN AG zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 4. Ausländer/-innen sind zur Anw esenheit auf Schw eizerboden berechtigt, w enn sie eine Aufenthalts- oder N iederlassungsbew illigung besitzen oder keiner solchen bedürfen (vgl. Art. 1a AN AG ). D ie Behörde entscheidet, im R ahm en der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge m it dem Ausland, nach freiem Erm essen über die Bew illigung von Aufenthalt und N iederlas- sung (vgl. Art. 4 AN AG ). D am it räum t das schw eizerische R echt w eder ei- nen Anspruch auf Einreise noch auf Erteilung eines Visum s ein (PETER U EBE R SAX/PETER M Ü N C H /TH O M A S G EIS ER /M AR TIN AR N O LD [H rsg.], Ausländerrecht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuer- recht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143). D em behördlichen Erm essen steht som it im Falle der Erteilung einer Ein- reisebew illigung ein w eiterer Spielraum offen als beispielsw eise bei der Verlängerung einer allm ählich den Vertrauensschutz verfestigenden Anw e- senheitserlaubnis. D ies gilt auch für die Beurteilung von Einreisegesuchen zur Anw esenheit von bis zu drei M onaten, die bew illigungsfrei – m itunter aber visum spflichtig – sind (vgl. Art. 2 Abs. 1 AN AG i.V.m . den nachste- henden Bestim m ungen). 5. Ausländerinnen und Ausländer benötigen für die Einreise in die Schw eiz grundsätzlich ein Visum (vgl. Art 1 sow ie Art. 3 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und 4 Ausländern [VEA, SR 142.211]). D as Visum w ird verw eigert, w enn die Ausländerin oder der Ausländer die Einreisevoraussetzungen nach Artikel 1 VEA nicht erfüllt (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). So m üssen Personen, die in die Schw eiz reisen m öchten, unter anderem G ew ähr bieten, dass sie frist- gerecht w iederausreisen w erden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). D azu lassen sich jedoch, da ein künftiges Verhalten zu beurteilen ist, in der R egel keine gesicherten Feststellungen, sondern lediglich Voraussagen m achen. D abei sind säm tliche U m stände des konkreten Einzelfalles zu w ürdigen. 6. D er G esuchsteller kann sich auf keine Ausnahm eregelung berufen und un- terliegt aufgrund seiner N ationalität den Visum sbestim m ungen (vgl. Art. 1 - 5 VEA). 7. Anhaltspunkte zur Beurteilung der fristgerechten W iederausreise können sich aus der allgem einen Lage im H erkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten beziehungsw eise R egionen m it politisch oder w irtschaftlich ver- gleichsw eise ungünstigen Verhältnissen können darauf hindeuten, dass die persönliche Interessenlage in solchen Fällen nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einreisebew illigung in Einklang steht. 7.1 Trotz grosser internationaler U nterstützung ist es bisher nicht gelungen, im Kosovo eine W achstum sdynam ik einzuleiten; es herrscht w irtschaftliche Stagnation. D ie Arbeitslosigkeit bleibt hartnäckig hoch, sind doch m ehr als die H älfte der Erw erbsfähigen ohne oder zum indest ohne regelm ässiges Einkom m en. D ie soziale Lage ist für w eite Teile der Bevölkerung unbefrie- digend. Entsprechend hoch ist der Anteil jener, die versuchen nach W est- europa und hier unter anderem auch in die Schw eiz zu gelangen, um sich unter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere Existenz aufzubauen. D iese Tendenz zur Ausw anderung zeigt sich erfahrungsgem äss besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Personen, die bereits über ein m ini- m ales soziales Beziehungsnetz im Ausland (Verw andte oder Freunde) ver- fügen. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven frem den- polizeilichen Zulassungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländer- rechtlicher Bestim m ungen. 7.2 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch, w ie unter Ziffer 5 ausgeführt, säm tliche G e- sichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller oder einer G esuchstellerin im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W ie- derausreise begünstigen. Andererseits m uss bei G esuchstellern, die in der H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m ög- lichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfahrungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässen Verhaltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 7.3 Beim Eingeladenen handelt es sich um einen 25-jährigen, ledigen M ann, der arbeitslos ist (vgl. Ziff. 9 des persönlichen Einreisegesuchs). Vor die-5 sem H intergrund darf bezw eifelt w erden, dass dem Eingeladenen im H ei- m atland besondere berufliche oder fam iliäre Verpflichtungen obliegen, die ihn ernsthaft von einer Em igration abzuhalten verm öchten, zum al bereits seine Eltern, und dam it enge Beziehungspersonen definitiv in die Schw eiz übersiedelt sind. Solchen U m ständen gilt es bei der Beurteilung des vorlie- genden Einreisegesuches durchaus R echnung zu tragen, ist doch das R i- siko, dass w eitere Angehörige aus dem engeren Fam ilienkreis (w ie bei- spielsw eise der Eingeladene), die im H eim atland m öglicherw eise m it den gleichen oder zum indest ähnlichen Problem en zu käm pfen haben, eben- falls einen dauerhaften Aufenthalt in der Schw eiz anstreben könnten, nicht bloss als gering einzustufen. Berücksichtigt m an zudem die oben erw ähnte allgem eine w irtschaftliche Lage im Kosovo, dürften die m ittelfristigen Zukunftsaussichten des Einge- ladenen zum indest als schw ierig einzustufen sein. D er Einw and auf Be- schw erdeebene, der Eingeladene w olle im Kosovo leben, m uss daher als nicht ausschlaggebend bezeichnet w erden. U m so w eniger, als ebenfalls die Schw eizerische Vertretung in Pristina, w elche m it den sozialen, w irt- schaftlichen und politischen Verhältnissen im H erkunftsstaat des Auslän- ders gut vertraut ist und sich som it durchaus ein Bild des Einreisew illigen m achen kann, grosse Bedenken bezüglich der anstandslosen W iederaus- reise äusserte. 7.4 N ach dem G esagten besteht deshalb die erhebliche G efahr, dass der Ein- geladene nicht zuletzt aufgrund der schlechten Zukunftsperspektiven in seinem Land bestrebt sein könnte, sich w ie zahlreiche seiner Landsleute längerfristig in der Schw eiz niederzulassen. D ie W iederausreise ist som it nicht gew ährleistet. Zw ar lässt sich diese Prognose nicht zu einer gesi- cherten Feststellung verdichten; sie reicht aber aus, um die Erteilung eines Einreisevisum s – auf das, w ie erw ähnt, ohnehin kein R echtsanspruch be- steht – abzulehnen. D aran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Be- schw erdeführer für die rechtzeitige R ückreise ihres Sohnes garantieren w ürden, denn eine solche G arantie ist trotz bester und ehrlicher Absichten nicht m öglich beziehungsw eise rechtlich nicht durchsetzbar (vgl. Verw al- tungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 57.24). D ie Abw ägung der für und gegen eine W iederausreise sprechenden G esichtspunkte obliegt allein der zuständigen Behörde. D ie G astgeber in der Schw eiz haben darauf keinen Einfluss. Im Ü brigen verpflichten sich G astgeber – m it unterzeichneter G a- rantieerklärung – in erster Linie dazu, die ungedeckten Kosten für den Le- bensunterhalt, einschliesslich U nfall und Krankheit, sow ie für die R ückreise ihres G astes zu übernehm en, die dem G em einw esen durch den Aufenthalt der Ausländerin oder des Ausländers entstehen (vgl. Art. 7 Abs. 1 VEA). N icht garantieren können sie dagegen für die fristgerechte Ausreise ihres G astes. D ie Vorinstanz hat daher zu R echt angenom m en, die W iederaus- reise sei nicht gew ährleistet. 8. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt. D er rechtserhebliche Sachverhalt w urde richtig und vollständig festgestellt, und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Erm es- sen pflichtgem äss und zutreffend gehandhabt (Art. 49 Vw VG ). D ie Be-6 schw erde ist dem zufolge abzuw eisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind den Beschw erdeführern die Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D iese sind in Anw endung von Art. 1, Art. 2 sow ie Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungs- gericht (VG KE, SR 173.320.2) auf Fr. 600.-- festzusetzen. D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden den Beschw erdeführern aufer- legt. Sie sind durch den am 7. August 2006 geleisteten Kostenvorschuss gleicher H öhe gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - den Beschw erdeführern (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. 2 226 235 zurück) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf R udolf G run Versand am :