B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4179/2011 U r t e i l v o m 3 1 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Walter Stöckli; Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Ver- fügung des BFM vom 30. Mai 2011 / N (…). E-4179/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit englischsprachiger Eingabe vom 24. April 2010 (Eingang Botschaft: 26. April 2010) sowie dem beigelegten Schreiben vom 24. Dezember 2009 wandte sich der Beschwerdeführer, ein eritreischer Staatsangehöri- ger, an die Schweizerische Botschaft in Khartum, Sudan und ersuchte um Asyl in der Schweiz. Dabei führte er aus, er habe sich bereits am 24. Dezember 2009 um eine Asylgewährung in der Schweiz bemüht. Betreffend seine Ausreise- und Asylgründe machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er habe von 1988 bis 2001 für [humanitäre Or- ganisation] und ab April 2001 als [Tätigkeit] für B._______ gearbeitet. Im Jahr 2004 habe die eritreische Regierung B._______ strenge Restriktio- nen auferlegt und gar Angestellte verhaftet. Im Mai 2004 hätten die Si- cherheitsleute auch ihn festgenommen und in Isolationshaft gehalten, wo er immerzu mit einer Peitsche geschlagen und in Bezug auf B._______ verhört worden sei. Trotz Ersuchen seitens B._______ sowie der Familie sei er nie vor einen Richter geführt worden. Nach sechs Monaten habe man ihn zur (...) Polizeistation in Asmara gebracht, wo er auf jegliche Art misshandelt worden sei. Am (…) Dezember 2006 sei er zwar schliesslich freigekommen, man habe ihn jedoch gewarnt, nicht über seinen Gefän g- nisaufenthalt und die Misshandlungen zu reden sowie keinen Kontakt zu einer Nichtregierungsorganisation (NGO) oder zu Ausländern aufzuneh- men, andernfalls man ihn wieder einsperre. Drei Tage nach seiner Fre i- lassung habe er seine Stelle verloren. Aus Angst v or den Behörden und einer erneuten Verhaftung habe der Beschwerdeführer Eritrea im Mai 2007 verlassen und sei in den Sudan ausgereist , wo er um Asyl ersucht habe. B. Mit Überweisungsschreiben vom 11. Mai 2010 stellte die Schweizerische Botschaft dem BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu. C. Mit Schreiben vom 16. Juli 2010 liess das BFM de m Beschwerdeführer durch die Schweizerische Vertretung mitteilen, dass aufgrund einer su m- marischen Prüfung seines Gesuchs die Aussichten auf Erhalt einer Bewil- ligung zur Einreise in die Schweiz überaus gering seien. Sofern er gleichwohl an seinem Asylgesuch festhalten möchte, sei eine entspr e- chende schriftliche Anzeige innert Frist bei der Schweizerischen Botschaft nötig, andernfalls gehe das Bundesamt davon aus, der Beschwerdeführer E-4179/2011 Seite 3 halte nicht mehr an seinem Gesuch fest, was zur Folge hätte, dass das Verfahren abgeschrieben würde. D. Mit Schreiben vom 13. August 2010 (Eingang BFM; offenbar irrtümlich auf den 19. Juli 2010 datiert ) überwies die Schweizeri sche Botschaft dem BFM die englischsprachige Ein gabe des Beschwerdeführers vom 8. Au- gust 2010 (Eingang Botschaft: 9. August 201 0), in welcher er angab, an seinem Asylgesuch festhalten zu wollen. E. Mit Schreiben vom 30. August 2010 liess die Schweizerische Vertretung dem BFM die folgenden, auf der Botschaft in Kopie eingereichte n Doku- mente zukommen: Arbeitsausweis B._______ (gültig bis (…) 2004), Ar- beitsbestätigung B._______ vom (…) 2007 in englischer Sprache, fremd- sprachige Arbeitsbestätigung [humanitäre Organisation] vom (…) 2001 (vgl. Über setzung A13/1), Flüchtlingsausweis des Beschwerdeführers, Identitätskarte des Beschwerdeführers ([…]), Identitätskarte der Ehefrau des Beschwerdeführers, C._______, sowie Eheschein des Beschwerde- führers und seiner Ehefrau. F. Mit Schreiben vom 14. Dezember 2010 setzte das BFM den Beschwerde- führer darüber in Kenntnis, dass die Schweizerische Botschaft aus Kapa- zitätsgründen keine Befragung durchführen könne, weshalb es d en Be- schwerdeführer auffordere, sein Gesuch mit einer schriftlic hen Stellung- nahme zu ergänzen sow ie allfällige Beweismittel nach zureichen. Insbe- sondere wurde der Beschwerdeführer ersucht, sich näher zu seinem an- geblich bereits im Januar 2009 gestellten Asylgesuch zu äussern. G. Mit Schreiben vom 1. Febru ar 2011 überwies die Schweizeri sche Bot - schaft dem BFM eine englischsprachige Eingabe vom 12. Januar 2011 (Eingang Bot schaft: 13. Januar 2011), in welcher der Beschwerdeführer seine geltend gemachten Vorbringen ergänzte und als Beilage nochmals eine Kopie seines Flüchtlingsausweises einreichte. Im Wesentlichen machte er geltend, er lebe derzeit mit seiner Ehefrau , welche in das Asylgesuch einzuschliessen sei, in Khartum. Das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) habe seinen Fall zwar sorgfältig geprüft und ih m Asyl angeboten, er lebe den-E-4179/2011 Seite 4 noch ständig in Angst, da es im Sudan bekannt sei, dass eritreische S i- cherheitskräfte mit Hilfe von sudanesischen Sicherheitsbeamten laufend Flüchtlinge entführen würden, welche in Eritrea K ontakt zu Ausländern gehabt hätten. Ferner könne er im Sudan nicht für seinen Lebensunter- halt aufkommen. Zwar sei er einmal von einem Sudanesen als [Tätigkeit] beschäftigt worden, jener habe allerdings den Flüchtlingsstatus des B e- schwerdeführers ausgenutzt und ihn für seine Dienstleistung nie entlohnt; überdies habe er ihm gar mit Festnahme gedroht, im Falle, dass sich der Beschwerdeführer beschwere. Zu seinem angeblich bereits im Januar 2009 gestellten Asylgesuch trug der Beschwerdeführer derweil nichts vor. H. Mit Verfügung vom 30. Mai 2011 (kein Rückschein in den Akten) verwei- gerte das BFM de m Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte sein Asylgesuch ab. Das B undesamt begründete die Ve rweigerung der Ein reise in die Schweiz und die Ablehnung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers im Wesentlichen dahingehend, dass aufg rund des vollständig erstellten Sachverhalts davon ausgegangen werden könne, es liege keine unmittel - bare Gefährdung vor, welche die Einreise de s Beschwerdeführers in die Schweiz notwendig erscheinen lasse. Seine Schilderungen würden dar - auf schliessen lassen, dass er zwar längere Zeit aus politischen Gründen inhaftiert gewesen sei, jedoch unter der Bedingung, nicht über das Er - lebte zu sprechen, freigelassen worden sei und danach unbehelligt in Eritrea gelebt habe. Aufgrund der nachstehenden Erwägungen könne of- fen gelassen werden, ob er wegen seines Verhalten s nach der Freilas - sung bei einer Rückkehr nach Eritrea gefährdet sei ; aus den eingereich - ten Arbeitsbestätigungen würden in des keine Hinweise für eine aktuelle asylrelevante Gefährdung hervorgehen. Im Folgenden sei zu prüfen, ob einer Asylgewährung durch die Schweiz d er Asylausschlussgrund von Art. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe, wonach einer Person das Asyl ve r- weigert werden könne, wenn ihr zugemutet werden könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. D er Beschwerdeführer sei ei- genen Angaben zufolge vom UNHCR im Sudan registriert worden und le- be derzeit mit seiner Ehefrau in Khartum, wo er Mühe habe, für seinen Lebensunterhalt aufzukommen. Zudem habe er Angst, nach Eritrea d e- portiert zu werden. Gemäss dem BFM sei nicht zu verkennen, dass die Lage vor Ort für den Beschwerdeführer nicht einfach sei, dennoch wü r- den keine konkreten Anhaltspunkte bestehen, welche ein en weiteren Verbleib im Sudan unzumutbar oder unmöglich gestalten würden. Die ge-E-4179/2011 Seite 5 äusserte Befürchtung, nach Eritrea verschleppt zu werden, erachte das Bundesamt als unbegründet, da das Risiko einer Deportation oder Ve r- schleppung durch eritreische Spione für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt worden seien, sehr gering sei . In jüngster Vergangenheit seien auch keine Rückführungen von Flüchtlingen aus dem Sudan nach Eritrea bekannt geworden. Ferner verfüge der B e- schwerdeführer auch über kein Profil, sollten seine Angaben in Bezug auf die Verfolgung zutreffen, welches ihn für den Geheimdienst zu einem p o- tenziellen Ziel mache. Insbesondere sei darauf hinzuweisen, dass er o f- fensichtlich bereits seit mehreren Jahren unbehelligt im Sudan leben könne, was darauf schliessen lasse, dass die eritreischen Behörden ke i- ne Entführungsabsichten hegen würden. Weiter sei zu erwähnen, dass vom UNHCR registrierte Flüchtlinge im Sudan einem Flüchtlingslager zu- geteilt würden, wo sie sich aufzuhalten hätten un d die nötige Versorgung erhalten würden. Deshalb sei es d em registrierten Beschwerdeführer zu- zumuten, sich in einem der Lager zu melden, um dort zu leben. Die B e- hauptung, er habe im Sudan keine eigene Existenz aufbauen können, mache einen weiteren Aufentha lt dort nicht unzumutbar. Nach dem G e- sagten benötige er den zusätzlichen Schutz der Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht und es sei ih m zuzumuten, im Sudan zu verbleiben. Schliesslich sei festzustellen, dass vorliegend die Voraussetzungen für einen Familiennachzug aufgrund fehlender in der Schweiz lebende r Fa- milienangehörigen nicht erfüllt seien (vgl. Art. 51 AsylG). I. Mit Begleitnotiz vom 26. Juli 2011 leitete das BFM eine englischsprachige Eingabe des Beschwerdeführers vom 17. Juli 2011 an das Bundesverwal- tungsgericht weiter, mit welcher er gegen den vorinstanzlichen Entscheid Beschwerde erhob und sinngemäss die Aufhebung der Verfügung des BFM sowie die Bewilligung der Einreise in die Schweiz zwecks Feststel- lung der Flüchtlingseigenschaft beantragte. Zur Begründung führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er fühle sich weder in seinem Heimatland Eritrea noch im Sudan sicher, zu- mal er in beiden Ländern Menschenrechtsverletzungen begegne . Weiter sei es nicht möglich, sich in den sudanesischen Arbeitsmarkt zu integrie- ren, da Arbeitsstellen für Flüchtlinge nicht zugänglich seien; dadurch kön- ne er auch nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten. Sodann müsse er als Flüchtling im Flüchtlingscamp Shegerab verbleiben, welches aufgrund der Nähe zur eritreischen Grenze weniger sicher sei und wo man dem Risiko, Opfer von Menschenhandel zu werden, ausgesetzt sei. Daneben E-4179/2011 Seite 6 sei es äusserst gefährlich durch den Sudan zu reisen. Der Beschwerde- führer lebe in stetiger Angst, nach Eritrea deportiert zu werden. Es sei beinahe an der Tagesordnung, dass er sowohl seitens der Polizei als auch von Privatpersonen, welche seinen Flüchtlingsstatus ausgenutzt hätten, belästigt und gequält werde. Im Übrigen nehme er an, dass infol- ge der Unabhängigkeit des Südsudans die Behörden die Flüchtlingsrech- te einschränken würden und seitens der Bevölkerung eine härtere Gan g- art zu befürchten sei. Zudem würden die Behörden ohne vorweisbar o b- jektiven Grund Geld von den Flüchtlingen verlangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreff ende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Ein solches Au s- lieferungsersuchen steht in casu nicht zur Diskussion; somit ist das Bu n- desverwaltungsgericht vorliegend letztinstanzlich zuständig. 1.2. Die Verfügung des BFM wurde in Bern via die Schweizer Botschaft in Khartum am 30. Mai 2011 an d en Beschwerdeführer versandt. Gemäss der Begleitnotiz des BFM vom 26. Juli 2011 an das Bundesverwaltung s- gericht liegt dem Bundesamt keine Empfangsbestätigung vor, weshalb der genaue Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung folglich nicht feststeht. Die Beweislast für die e rfolgte Zustellung und deren Zei t- punkt trägt die Behörde, welche die Zustellung veranlasst hat (vgl. FELIX UHLMANN/ALEXANDRA SCHWANK, in: Bernhard Waldmann/Philippe Wei s- senberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zü rich/Basel/Genf 2009, Art. 34, N 10). Angesichts der fehlenden Empfangsbestätigung ist zu Gunsten des Beschwerdeführers von einer rechtzeitig eingereichten B e- schwerde auszugehen. Demnach ist die Beschwerde frist - und formge -E-4179/2011 Seite 7 recht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat ferner am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung beso n- ders berührt und ha t ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung und ist daher zur Einreichung der Beschwe r- de legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten. 1.3. Die Beschwerde ist in englischer Sprache und somit nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung oder auf die Einholung einer Übersetzung kann indessen aus prozessökonomischen Gründen praxisgemäss ver- zichtet werden, da der Eingabe de s Beschwerdeführers genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen sind un d ohne Weiteres – die zu beurteilende Sachlage ist rechtsg e- nüglich erstellt – darüber befunden werden kann. 1.4. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.5. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durc h- führung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Vorab ist fest zustellen, dass sich die angefochtene Verfügung des BFM vom 30. Mai 2011 zwar an den Beschwerdeführer und seine Ehe- frau richtet. Beim in der angefochtenen Verfügung aufgeführten angebli- chen Namen der Ehefrau des Beschwerdeführers, D._______, handelt es sich allerdings nicht um d eren Vor- und Nachnamen, sondern vielmehr um ein Quartier in Khartum (vgl. Eingabe des Beschwerdeführers vom 12. Januar 2011, in welcher er ausführt, mit seiner Ehefrau in D._______, Khartum zu leben, A10/3 S. 2). 3.2. Im Übrigen ist festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung ange- sichts des im Entscheidzeitpunkts vorliegenden Abklärungsstandes in Be- zug auf die Ehefrau des Beschwerdeführers gar nicht hätte ergehen dü r- fen. In seinem zur Publikation vorgesehenen Ur teil BVGE E -3162/2011 E-4179/2011 Seite 8 vom 6. Dezember 2011 hielt das Bundesverwaltungsgericht nämlich fest, dass sich zwar gemäss Art. 11 Abs. 1 VwVG eine Partei, wenn sie nicht persönlich zu handeln hat, auf jeder Stufe des Verfahrens vertrete n las- sen kann; als Einschränkung sind jedoch Verfahrenshandlungen von der Möglichkeit der Vertretung ausgenommen, die eine persönliche Mitwi r- kung des oder der Vertretenen erfordern, entweder weil es gesetzlich vorgeschrieben ist (na mentlich die Anhörung z u den Asylgründen nach Art. 29 AsylG) oder weil die Verfahrenshandlungen der Natur der Sache nach nur von ihm beziehungsweise von ihr ausgehen können. Gemäss langjähriger asylrechtlicher Praxis gilt die Einrei chung eines Asylges u- ches als sogenannt "relativ höchstpersönliches Recht" (vgl. Entscheidun- gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 5). Die Initiierung eines Asylverfahrens aus dem Au s- land durch die urteilsfähige (mündige oder un mündige) Person setzt prin- zipiell einen persönlichen Antrag derselben voraus . Fehlt ein solcher, ist eine Mangelbehebung indes nicht zwangsläufig ausgeschlossen. Eine Heilung kann beispielsweise dadurch erfolgen, dass der Inhalt eines ve r- tretungsweise eingereichten Asylgesuchs anläss lich einer mündlichen Anhörung oder durch Einreichung einer persönlich verfassten oder z u- mindest unterzeichneten Stellungnahme zum Fragenkatalog des BFM im Falle des Verzichts auf eine Befragung bestätigt wird (vgl. zum Ganzen BVGE E-3162/2011, a.a.O., E. 4.3.2). Im vorliegenden Fall ist die Ehefrau des Beschwerdeführers im ganzen bisherigen Verfahren – und insbesondere im erstinstanzlichen Verfa h- ren – nie in irgendeiner Weise persönlich vor einer schweizerischen Asy l- behörde im In- oder Ausland aufgetreten, weshalb für das Bundesverwal- tungsgericht nicht fest steht, ob sie jemals beabsichtigte, ein Asylgesuch einzureichen. Folglich hätte die angefochtene Verfügung in Bezug auf die Ehefrau des Beschwerdeführers nicht ergehen dürfen, da auch keine Hei- lung im oben angeführten Sinne erfolgt ist. 3.3. Nach dem Gesagten betreffen sowohl das vorinstanzliche Verfahren als auch das Beschwerdeverfahren lediglich den Beschwerdeführer. Die Verfügung des BFM vom 30. Mai 2011 betreffend "D._______", geboren am (…), ist folglich aufzuheben und es ist festzustellen, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers unter ihrem richtigen Namen (C._______, gebo- ren am […]) bis dato kein Asylgesuch in der Schweiz eingereicht und kein Asylverfahren in der Schweiz durchlaufen hat. 4. E-4179/2011 Seite 9 4.1. Gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei ei- ner schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem B e- richt an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizer i- sche Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Be- fragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asy l- gründe schriftlich festzuh alten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Die schweizer i- sche Vertretung überweist dem Bundesamt das Befragungsprotokoll oder das schriftliche Asylgesuch sowie weitere zweckdienliche Unterlagen und einen ergänzenden Bericht, der ihre Beurteilung des Asylgesuchs enthä lt (Art. 10 Abs. 3 AsylV 1). 4.2. Vorliegend sah sich die Botschaft in Khartum nicht in der Lage, eine persönliche Anhörung de s Beschwerdeführers durchzuführen. Das BFM begründete diesen Verzicht in der Verfügung vom 30. Mai 2011 mit dem begrenzten Personalbestand der Botschaft sowie den fehlenden Voraus- setzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich. Das BFM ersuchte d en Beschwerdeführer daraufhin mit Schreiben vom 14. D e- zember 2010 zur Einreichung einer ergänzenden Stellungnahme zwecks Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhaltes. Er nahm in der Folge mit Eingabe vom 12. Januar 2011 ausführlich zu den gestellten Fragen Stellung. Vorliegend erhielt der Beschwerdeführer somit recht s- genügend Gelegenheit, seine Asylgründe darzulegen und bei der Erhe- bung und Ergänzung des massgebenden Sachverhalts mitzuwirken. 5. 5.1. Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch able h- nen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet we rden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Nach Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.2; 2011/10 E. 3). Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreis e- bewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Ausschlaggebend für die Erte i- lung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betro f- fenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Pr ü-E-4179/2011 Seite 10 fung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl . BVGE 2011/10 E. 3.3, mit weiteren Hinweisen). Hält sich eine asylsuchende Person bereits in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne der Vermutung davon auszugehen, die betreffende Person habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuz u- muten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich do rt um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch auf die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu pr ü- fen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung g e- funden hat oder erlangen kann, was in der Regel zur Ablehnung des Asylgesuchs und zur Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In j e- dem Fall sind die K riterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in di e- sem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Bei dieser Abw ä- gung bildet die besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz ein zentrales, wenn auch nicht das einzige Kriterium (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1, mit weiteren Hinweisen). Zu berücksichtigen sind ausserdem die Beziehungsnähe zum Drittstaat (oder zu anderen Staaten) sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilations- möglichkeiten in der Schweiz beziehungsweise im Drittstaa t (oder in a n- deren Staaten). Allein die Tatsache, dass die asylsuchende Person keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz hat, ist deshalb für die Ab leh- nung des Asylgesuches nicht ausschlaggebend (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f. S. 131 f.). Hält sich die asylsuchende Person in einem Drittstaat auf, ist die Einreise in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen, wenn der Drittstaat keine hinreichende Gewähr für ein ordentliches Asylverfahren bietet und eine Abschiebung in den Heimatstaat nicht ausgeschlossen er- scheint, auch wenn eine Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz fehlt (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). Umgekehrt führt der Umstand, dass eine Beziehungsnähe zur Sch weiz namentlich au f- grund von hier ansässigen nahen Familienangehörigen gegeben ist, nicht zur Erteilung ei ner Einreisebewilligung, wenn aufgrund einer Abwägung mit anderen Kriterien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist. E-4179/2011 Seite 11 6. 6.1. Vorliegend gelangt das Bundesverwaltungsgericht in Übereinsti m- mung mit dem BFM zum Schluss, dass die geltend gemachten Vorbri n- gen d es Beschwerdeführers nicht a priori unglaubhaft erscheinen und darauf schliessen lassen, dass er in Eritrea ernstzunehmende Schwierig- keiten mit den heimatlichen Behörden gehabt h at. Ob er wegen seines Verhaltens nach seiner Freilassung bei einer allfälligen Rückkehr nach Eritrea einer flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung ausgesetzt sein könnte, kann vorliegend dennoch offen gelassen werden, da er den zu- sätzlichen Schutz der Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht ben ö- tigt, weil es ihm – wie im Nachfolgenden aufzuzeigen sein wird – trotz der zugestandenermassen nicht einfachen Bedingungen für eritreische Flüchtlinge im Sudan zuzumuten ist, dort zu verbleiben. 6.2. Der Beschwerdeführer befindet sich eigenen Angaben zufolge seit 2007 in Khartum. Aufgrund des – zwar lediglich in Kopie vorliegenden – Flüchtlingsausweises ist davon auszugehen, dass er durch das UNHCR als Flüchtling registriert worden ist. Als Besitzer eines Flüchtlingsauswei- ses verfügt er über die erforderliche temporäre Aufenthaltsbewilligung im Sudan und geniesst weitgehend Schutz vor einer Abschiebung nach Erit- rea. Obgleich unlängst von vorkommenden Deportationen von Eritreern in den He imatstaat berichtet wurde (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsg e- richts E-6004/2011 vom 25. April 2012 mit weiteren Hinweisen , sowie UNHCR "UNHCR deeply concerned by deportation of Eritreans from S u- dan", vom 26. Juli 2011), ist gleichwohl gemäss gesicherten Erkenntni s- sen das Risiko einer Verschleppung für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR al s Flüchtlinge an erkannt sind, gering, da die sudanesischen Behörden zwar tatsächlich teilweise eritreische Asylsuchende sowie Flüchtlinge deportieren, diese Rückführungen indessen nicht flächend e- ckend erfolgen (vgl. statt vieler Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6054/2011 vom 24. April 2012). Den Akten sind denn auch keine Hi n- weise zu entnehmen, die auf ein besond eres Profil des Beschwerdefüh- rers, mit anderen Worten ein Profil einer Person, an deren Auslieferung die eritreische Regierung besonders interessiert wäre, schliessen liessen, selbst wenn er eigenen Angaben zufolge während seiner Tätigkeit in Eri t- rea mit Ausländern Kontakt hatte. Sodann ist, wenngleich nicht abzuspre- chen ist, dass die Lebensbedingungen in Khartum nicht einfach sind, nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer , aufgrund einer schlec h- ten Erfahrung mit einer Privatperson als Arbeitgeber, den Lebensunterhalt für sich und seine Ehefrau nicht bestreiten könne, zumal davon auszuge-E-4179/2011 Seite 12 hen ist, dass ihm seine Berufserfahrung als [Tätigkeit] zu einer Anstellung und Integration auf dem Arbeitsmarkt verhelfen wird respektive bereits verholfen hat. Im Übrigen spricht der Umstand, dass er eigenen Angaben zufolge bereits seit fünf Jahren im Sudan leb t, für die Möglichkeit, für sei- nen Lebensunterhalt dort aufzukommen. Schliesslich ist festzustellen, dass, wie vom BFM zu Recht festgehalten wurde, der Beschwerdeführer über keine in der Schweiz lebenden Ang e- hörigen verfügt. Demnach sind die Voraussetzungen für einen Familie n- nachzug aufgrund fehlender in der Schweiz lebender Familienangehör i- gen nicht erfüllt, weshalb Art. 51 AsylG vorliegend nicht zur Anwendung kommt. 6.3. Aufgrund dieser Argumentation erscheint es für den Beschwerdefüh- rer objektiv zumutbar, den im Sudan gegenüber einer allfälligen Verfol- gungsgefahr in seinem Heimatstaat bestehenden Schutz weiterhin in A n- spruch zu nehmen. Eine Schutzgewährung durch die Schwei z erscheint somit unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände, welche mit dem Aufenthalt de s Beschwerdeführers im Sudan und seinem dortigen Status als vom UNHCR registrierte n Flüchtling verbunden sind, nicht e r- forderlich. Zusammenfassend ergibt sich , dass das BFM zu Recht und mit zutreffender Begründung feststellte, eine Abwägung der G esamtum- stände im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG führ e zum Schluss, dass de m Beschwerdeführer ein Verbleib im Sudan zuzumuten ist. Unter diesen Umständen hat das Bundesamt zu Recht die Erteilung der Einreisebewi l- ligung verweigert und das Asylgesuch abgelehnt. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung – soweit den Beschwerdeführer betreffend – Bundesrecht ni cht verletzt, den rechtserhebli chen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesa g- ten abzuweisen. Soweit die Ehefrau des Beschwerdeführers, unter unrichtigem Namen e r- fasst, betreffend, ist die Verfügung demgegenüber aufzuheben. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungs- ökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine E-4179/2011 Seite 13 VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vo m 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist indessen auf die Erhebung der Verfah renskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-4179/2011 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Verfügung des BFM vom 30. Mai 2011 betreffend "D._______", gebo- ren am (…), wird aufgehoben. 4. Es wird festgestellt, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers unter ihrem richtigen Namen (C._______, geboren am […]) kein Asylverfahren in der Schweiz angehoben und durchlaufen hat. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden , das BFM und die schweizerische Vertretung in Khartum. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand: