Kantonsgericht Schwyz Beschluss vom 21. September 2023 ZK2 2023 27 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsidentin Daniela Pérez-Steiner, Kantonsrichterinnen Veronika Bürgler Trutmann und Bettina Krienbühl, Gerichtsschreiber Noah Thurnherr. In Sachen A.________, Gesuchsgegnerin und Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, gegen C.________, Gesuchsteller und Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwältin D.________, betreffend Vollstreckung (Verlassen der ehelichen Wohnung) (Beschwerde gegen die Verfügung der Einzelrichterin am Bezirksgericht Höfe vom 23. März 2023, ZES 2022 768);- hat die 2. Zivilkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. Die Parteien sind die verheirateten Eltern von F.________ und G.________. Der Beschwerdegegner reichte am 19. Juli 2021 bei der Einzel- richterin am Bezirksgericht Höfe ein Eheschutzgesuch ein. Mit Verfügung vom 22. April 2022 ordnete die Einzelrichterin insbesondere Folgendes an (Vi-act. A, rektifiziert in B, ZES 2021 370): 1. Vom Getrenntleben der Parteien per 1. Februar 2021 wird Vormerk genommen. 2. Die Wohnung an der E.________strasse xx wird samt Hausrat und Mobiliar, mit Ausnahme der persönlichen Gegenstände der Ge- suchsgegnerin, ab dem 1. Juli 2022 für die Dauer des Getrenntle- bens dem Gesuchsteller zur alleinigen Nutzung zugewiesen. […] Die Beschwerdeführerin erhob am 5. Mai 2022 (u.a.) dagegen Berufung. Die- ses Verfahren wird unter der Dossiernummer ZK2 2022 26 geführt. a) Der Beschwerdegegner reichte am 4. November 2022 (Postaufgabe) bei der Einzelrichterin am Bezirksgericht Höfe ein Vollstreckungsgesuch mit folgenden Anträgen ein (Vi-act. A/I): 1. Es sei der Gesuchsgegnerin unter Strafandrohung nach Art. 292 StGB zu befehlen, die Familienwohnung, E.________strasse xx unter Mitnahme ihrer persönlichen Gegenstände, sofort, eventuali- ter innert einer vom Gericht festzulegenden Frist von maximal 2 Wochen seit Erlass der richterlichen Verfügung zu verlassen. 2. Es sei der Gesuchsteller im Unterlassungsfall für ermächtigt zu erklären zur Räumung der Familienwohnung, E.________strasse xx die Kantonspolizei Schwyz beizuziehen. 3. Es sei dem Gesuchsteller die unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertretung durch D.________ zu gewähren. 4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Ge- suchsgegnerin.Kantonsgericht Schwyz 3 Mit Stellungnahme vom 6. Januar 2023 beantragte die Beschwerdeführerin Folgendes (Vi-act. A/II): 1. Es sei das Gesuch des Ehemannes (Gesuchsteller) vom 4. No- vember 2021 (recte: 4. November 2022) abzuweisen. Eventualiter sei der Ehemann bei seiner Bereitschaft gemäss Ziffer 4.1 S. 4 seines Gesuchs zu behaften und der Ehefrau (Gesuchsgegnerin) im Gegenzug die derzeit vom Ehemann bewohnte Wohnung an der E.________strasse yy für die Dauer des Getrenntlebens zur alleinigen Benutzung zuzuweisen. 2. Es sei der Ehemann zu verpflichten, der Ehefrau einen Prozess- kostenvorschuss eventualiter einen Prozesskostenbeitrag von CHF 4’000.00 für die Gerichts- und Anwaltskosten zu entrichten. Eventualiter sei der Ehefrau die unentgeltliche Rechtspflege für die ordentlichen und ausserordentlichen Kosten zu bewilligen. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Ehe- manns. Die Parteien hielten mit ihren weiteren Eingaben vom 13. Januar 2023 (Postaufgabe, Beschwerdegegner, Vi-act. A/III) und vom 2. Februar 2023 (Beschwerdeführerin, Vi-act. A/IV) an ihren Rechtsbegehren fest. Mit Verfügung vom 23. März 2023 erkannte die Einzelrichterin am Bezirksge- richt Höfe Folgendes: 1. Die Gesuchsgegnerin wird angewiesen, die Wohnung an der E.________strasse xx bis zum 14. April 2023 unter Mitnahme ihrer persönlichen Gegenstände zu verlassen und dem Gesuchsteller sämtliche Schlüssel herauszugeben.Kantonsgericht Schwyz 4 2. Für den Fall der Missachtung dieser Verfügung: 2.1 wird die Gesuchsgegnerin mit Busse wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung bestraft (Art. 292 StGB); 2.2 wird der Gesuchsteller ermächtigt, bei der Kantonspolizei Hilfe zu beanspruchen, falls Zwangsanwendung zur Auswei- sung der Gesuchsgegnerin aus der Wohnung an der E.________strasse xx erforderlich ist. 3. Das Gesuch des Gesuchstellers um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 4. Das Gesuch der Gesuchsgegnerin um Zusprechung eines Prozesskostenvorschusses, eventualiter um unentgeltliche Rechtspflege, wird abgewiesen. 5. Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 750.00 werden der Gesuchsgegnerin auferlegt. 6. Die Gesuchsgegnerin hat den Gesuchsteller mit CHF 1’000.00 (in- kl. MWSt. und Auslagen) zu entschädigen. b) Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 3. April 2023 (Postaufgabe gemäss Sendungsnachverfolgung; Postaufgabe gemäss Poststempel: 4. April 2023) Beschwerde mit folgenden Anträgen (KG-act. 1): 1. Es seien Ziffer 1 und 2 der Verfügung vom 23. März 2023 des Be- zirksgerichts Höfe aufzuheben. Eventualiter sei Ziffer 1 dahinge- hend zu ändern, dass die Gesuchsgegnerin die Wohnung an der E.________strasse xx bis zum 30. Juni 2023 unter Mitnahme ihrer persönlichen Gegenstände zu verlassen und dem Gesuchsteller sämtliche Schlüssel herauszugeben hat. 2. Es seien Ziffer 4 bis 6 der angefochtenen Verfügung vom 23. März 2023 des Bezirksgerichts Höfe aufzuheben und in deren Abände- rung sei der Gesuchsteller zu verpflichten, die Kosten des vor- instanzlichen Verfahrens zu tragen und der Gesuchsgegnerin eine angemessene Parteientschädigung zu entrichten. Eventualiter sei der Gesuchsteller zu verpflichten, der Gesuchsgegnerin einen Prozesskostenvorschuss eventualiter einen Prozesskostenbeitrag von CHF 4’000.00 für die Gerichts- und Anwaltskosten zu entrich- ten. Subeventualiter sei der Gesuchsgegnerin die unentgeltliche Rechtspflege für die ordentlichen und ausserordentlichen Kosten zu bewilligen. 3. Es sei der Beschwerdegegner zu verpflichten, der Beschwerdefüh- rerin einen Prozesskostenvorschuss eventualiter einen Prozess-Kantonsgericht Schwyz 5 kostenbeitrag von CHF 3’000.00 für die Gerichts- und Anwaltskos- ten im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu entrichten. Eventualiter sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechts- pflege für die ordentlichen und ausserordentlichen Kosten im Beschwerdeverfahren zu bewilligen. 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdegegners. Verfahrensantrag: Es sei die Vollstreckbarkeit des angefochtenen Entscheids vorläufig auf- zuschieben. Die Verfahrensleitung wies das Gesuch um vorläufige Aufschiebung der Vollstreckung mit Verfügung vom 5. April 2023 ab (KG-act. 3). Mit Beschwerdeantwort vom 24. April 2023 beantragte der Beschwerdegegner die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde und die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung, unter Kosten- und Ent- schädigungsfolgen zulasten der Beschwerdeführerin (KG-act. 6). 2. Festzuhalten ist vorab, dass das Gericht sog. gerichtsnotorische Tatsa- chen im Rahmen des Prozessthemas unbesehen der Parteibehauptungen von Amtes wegen in den Prozess einführen darf (Urteil BGer 4A_122/2021 vom 14. September 2021 m.H.). Ungeachtet davon und nachdem die Beschwerde- führerin mit Zustellung der Beschwerdeantwort (KG-act. 7) zudem Kenntnis vom Antrag des Beschwerdegegners auf Beizug der Verfahrensakten ZK2 2022 26 betreffend Eheschutz (KG-act. 6, S. 2) erhielt, wurde damit auch dem Anspruch auf rechtliches Gehör genüge getan. Den Akten im Berufungsverfahren ZK2 2022 26 zufolge soll die Beschwerde- führerin am 14. April 2023 in eine Wohnung in H.________ gezogen sein (KG-act. 34 Protokoll Kinderanhörung, KG-act. 38, S. 3 Eingabe Beschwerde- gegner). Die Beschwerdeführerin hielt fest, dass sie eine Unterkunft in Kantonsgericht Schwyz 6 H.________ gefunden habe, äusserte sich aber nicht zum effektiven Aus- zugsdatum (KG-act. 39) und nahm auf die entsprechenden Vorbringen des Beschwerdegegners nicht mehr Stellung (vgl. KG-act. 40). Dass die Be- schwerdeführerin auf eine Rückkehr in die Familienwohnung hofft (KG-act. 39, S. 1), vermag nichts daran zu ändern, dass sie während des vorliegenden Beschwerdeverfahrens im April 2023 aus der Familienwohnung auszog. Seit- her leben den unwidersprochen gebliebenen Aussagen der Kinder zufolge diese und der Beschwerdegegner wieder in der Familienwohnung an der E.________strasse xx in I.________ (vgl. KG-act. 34). a) Fällt der Streitgegenstand oder das Rechtsschutzinteresse der klagen- den Partei nach Eintritt der Rechtshängigkeit definitiv weg, wird das Verfahren gegenstandslos (Gschwend/Steck, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Bas- ler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A. 2017, Art. 242 ZPO N 5; Richers/Nägeli, in: Oberhammer/Domej/Haas [Hrsg.], Kurzkommen- tar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A. 2021, Art. 242 ZPO N 1). Der eingeklagte Anspruch kann deshalb nicht mehr stattfinden (Gschwend/Steck, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivil- prozessordnung, 3. A. 2017, Art. 242 ZPO N 7). Dies gilt auch für das Rechtsmittelverfahren (vgl. Gschwend/Steck, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A. 2017, Art. 242 ZPO N 4). Sodann muss die klagende Partei auch im Zeitpunkt der Entscheidfällung noch ein aktuelles schutzwürdiges Interesse an der Beurtei- lung des Streitgegenstandes haben (vgl. Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO; Gehri in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivil- prozessordnung, 3. A. 2017, Art. 59 ZPO N 5-7). Andernfalls wird das Verfah- ren ebenfalls gegenstandslos (Gschwend/Steck, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A. 2017, Art. 242 ZPO N 11). Die Gegenstandslosigkeit ist von Amtes wegen festzu- stellen (Gschwend/Steck, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kom- mentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A. 2017, Art. 242 ZPO N 16).Kantonsgericht Schwyz 7 b) Mit ihrem Auszug aus der Familienwohnung kam die Beschwerdeführe- rin Dispositivziffer 1 der angefochtenen Verfügung nach, sodass die Erstre- ckung der Auszugsfrist gemäss Beschwerdeantrag Ziffer 1 nicht mehr not- wendig ist. Analog zum Wegfall des Streitgegenstands beim Mietauswei- sungsverfahren mit dem Auszug des Mieters (Gschwend/Steck, in: Spüh- ler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozess- ordnung, 3. A. 2017, Art. 242 ZPO N 8; Leumann Liebster, in: Sutter-Somm/ Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilpro- zessordnung, 3. A. 2016, Art. 242 ZPO N 4) fiel somit der Streitgegenstand auch im vorliegenden Verfahren weg. Weil die Beschwerdeführerin nicht mehr in der Familienwohnung lebt und weil das Datum, bis zu welchem sie eventua- liter die Auszugsfrist erstrecken lassen wollte (KG-act. 1, Rechtsbegehren Ziffer 1), bereits abgelaufen ist, hat sie auch kein aktuelles schutzwürdiges Interesse mehr an der Beurteilung ihres Beschwerdeantrags Ziffer 1. Das Be- schwerdeverfahren ist deshalb in diesem Punkt als gegenstandslos geworden abzuschreiben (Art. 242 ZPO). 3. Die Beschwerdeführerin focht auch die erstinstanzliche Kostenauflage sowie die Abweisung ihres Gesuchs betreffend Prozesskostenvorschuss, eventualiter Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, an (KG-act. 1, Rechtsbegehren Ziffer 2). Weil die Gegenstandslosigkeit des Rechtsbegeh- rens Ziffer 1 die Anträge zu den erstinstanzlichen Kostenfolgen nicht tangiert, hat die Beschwerdeführerin weiterhin ein aktuelles Interesse an deren Beurtei- lung. a) Die Vorinstanz auferlegte die Kosten ausgangsgemäss der Beschwerde- führerin (angef. Verfügung, E. 6). Die Prozesskosten sind grundsätzlich der unterliegenden Partei aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Nachdem die Vorinstanz das Vollstreckungsgesuch des Beschwerdegegners guthiess (angef. Verfügung, Dispositivziffer 1 und 2), auferlegte sie zu Recht die Kosten ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin (angef. Verfügung, Dispositivziffer Kantonsgericht Schwyz 8 5 und 6). Die Beschwerdeführerin macht – abgesehen von der Abweisung des Vollstreckungsgesuchs – keine Gründe geltend, weshalb die Kosten abwei- chend von Art. 106 Abs. 1 ZPO nach Ermessen (vgl. Art. 107 ZPO) zu vertei- len gewesen wären. Die Beschwerde ist folglich in diesem Punkt abzuweisen. b) Zum Gesuch betreffend Prozesskostenvorschuss, eventualiter unent- geltliche Rechtspflege, erwog die Vorinstanz, das Rechtsbegehren der Be- schwerdeführerin, das Vollstreckungsgesuch sei abzuweisen, könne kaum als ernsthaft bezeichnet werden. Ihre Opposition scheine einzig der Verzögerung des Auszugs zu dienen. Sie habe sich nicht ernsthaft Erfolgsaussichten aus- rechnen können, weshalb ihr Rechtsbegehren als aussichtslos zu bezeichnen und ihr Gesuch abzuweisen sei (angef. Verfügung, E. 5.3). Die Beschwerde- führerin macht geltend, sie habe erstinstanzlich ein Eventual- und ein Sube- ventualbegehren gestellt und dargelegt. Bei der Beurteilung der Aussichtslo- sigkeit seien nicht nur die Haupt-, sondern auch die Eventualstandpunkte zu berücksichtigen, deren Aussichtslosigkeit offensichtlich unbegründet sei (KG-act. 1, S. 5 f.). aa) Der Prozesskostenvorschuss ist unter denselben Voraussetzungen wie die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Vorausgesetzt ist demnach, dass die ersuchende Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, d.h. mittellos ist, und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (Urteil BGer 5D_135/2010 vom 9. Februar 2010, E. 3.1; vgl. Art. 117 ZPO, Art. 29 Abs. 3 BV). Überdies muss es der vorschusspflichtigen Partei möglich sein, der anderen Partei die Kosten, die sie zur Durchführung des Prozesses benötigt, zu bevorschussen (Urteil BGer 5A_455/2010 vom 16. August 2010, E. 2.2). Als aussichtslos gelten Rechtsbegehren, bei denen die Gewinnaus- sichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Mass-Kantonsgericht Schwyz 9 gebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Par- tei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet. Die Beurtei- lung der Aussichtslosigkeit erfolgt nach den Verhältnissen zur Zeit der Ge- suchstellung. Die Erfolgsaussichten sind in vorläufiger und summarischer Prüfung der Sach- und Rechtslage aufgrund des jeweiligen Aktenstandes zu beurteilen und abzuschätzen (Emmel, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/ Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A. 2016, Art. 117 N 13; BGE 133 III 614 = Pra 97 [2008] Nr. 50, E. 5; BGE 129 I 129, E. 2.3.1; Urteil BGer 2C_227/2009 vom 18. Mai 2009, E. 3; BGE 131 I 113, E. 3.7.3). bb) Die Einzelrichterin am Bezirksgericht Höfe wies die Familienwohnung an der E.________strasse xx in I.________ mit Verfügung vom 22. April 2022 dem Beschwerdegegner ab dem 1. Juli 2022 zur alleinigen Benutzung zu (Vi-act. KB 3). Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin weiterhin in dieser Wohnung lebte. Die Beschwerdeführerin erhob zwar Berufung gegen diesen Entscheid, gemäss Art. 315 Abs. 4 lit. b ZPO hat aber die Berufung gegen einen Entscheid über vorsorgliche Massnahmen, worunter auch Ehe- schutzentscheide fallen ( BGE 137 III 475 E. 4.1 m.H.), keine aufschiebende Wirkung (Urteil BGer 5A_351/2021 vom 29. September 2021 E. 2.2). Aus- nahmsweise kann die Vollstreckung vorsorglicher Massnahmen unter be- stimmten Voraussetzungen aufgeschoben werden (Art. 315 Abs. 5 ZPO). Die Verfahrensleitung wies jedoch das Gesuch der Beschwerdeführerin um Auf- schub der Vollstreckung mit Verfügung vom 20. Oktober 2022 ab (Vi-act. KB 4). Damit war der Eheschutzentscheid vollstreckbar (vgl. angef. Verfügung, E. 1.2), was die anwaltlich vertretene Beschwerdefüh- rerin wusste.Kantonsgericht Schwyz 10 Vorinstanzlich machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei vom Ehemann erstmals mit Schreiben vom 22. August 2022 angehalten worden, die eheliche Wohnung zu verlassen. Dies weil zwischen den Ehegatten auch nach der Eröffnung des Entscheids des Bezirksgerichts Höfe vom 22. April 2022 die Übereinkunft bestanden habe, dass sie bis zum Entscheid des Berufungsge- richts in der Wohnung verbleiben dürfe. Der Ehemann handle widersprüchlich, wenn er erstmals nach vier Monaten das Verlassen der Wohnung begehre (Vi-act. A/II, S. 3). Bereits bei summarischer Betrachtung der erstinstanzlichen Rechtsschriften der Beschwerdeführerin ist erkennbar, dass sie diese Tatsa- che nicht hinreichend detailliert substantiierte, zum Beispiel mit Angabe von Datum, Ort und genauem Wortlaut der Vereinbarung. Weil der Beschwerde- gegner in der Replik das Vorhandensein der Vereinbarung bestritt, hätte die für die vollstreckungshindernden Tatsachen beweislastpflichtige Beschwerde- führerin (Kofmel Ehrenzeller, in: Oberhammer/Domej/Haas [Hrsg.], Kurzkom- mentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A. 2021, Art. 341 ZPO N 13) in der zweiten Stellungnahme die behaupteten Tatsachen weiter substantiie- ren und insbesondere beweisen müssen, was sie jedoch nicht tat. Die pau- schale Behauptung, sie habe sich auf die Vereinbarung verlassen, genügt der Substantiierungspflicht nach erfolgter Bestreitung in keinerlei Weise (vgl. zur Substantiierung: Gehri, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommen- tar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A. 2017, Art. 55 ZPO N 4; Ober- hammer/Weber, in: Oberhammer/Domej/Haas [Hrsg.], Kurzkommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A. 2021, Art. 55 ZPO N 12). Die Ein- wendung der Beschwerdeführerin war demnach von vorneherein aussichtslos, sodass die Vorinstanz zu Recht das Gesuch um Prozesskostenbevorschus- sung, eventualiter Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, abwies. Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen. 4. Zusammenfassend ist die Beschwerde im Hauptbegehren gegenstands- los geworden und betreffend die erstinstanzlichen Kostenfolgen abzuweisen.Kantonsgericht Schwyz 11 a) Bei Gegenstandslosigkeit werden die Kosten grundsätzlich nach Ermes- sen des Gerichts verteilt (Art. 107 Abs. 1 lit. e ZPO). Dabei ist je nach Lage des Einzelfalls zu berücksichtigen, welche Partei Anlass zur Klage gab, wel- ches der mutmassliche Prozessausgang gewesen wäre, bei welcher Partei die Gründe eintraten, die zur Gegenstandslosigkeit des Prozesses führten und welche Partei unnötigerweise Kosten verursachte (Gschwend/Steck, in: Spüh- ler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozess- ordnung, 3. A. 2017, Art. 242 ZPO N 19). Nach der Rechtsprechung des Bun- desgerichts darf sich das Gericht grundsätzlich nicht auf ein einzelnes dieser Kriterien versteifen, vielmehr hat es alle Kriterien zu berücksichtigen (Urteil BGer 4A_24/2019 vom 26. Februar 2019, E. 1.1, m.w.H.). Bei der Beurteilung des mutmasslichen Prozessausgangs muss es bei einer knappen, summari- schen Prüfung und Würdigung des aktenkundigen Sach- und Streitgegen- stands zum Zeitpunkt des Erledigungsgrunds sein Bewenden haben. Es geht nicht darum, die Prozessaussichten im Einzelnen zu prüfen und dadurch wei- tere Umtriebe zu verursachen, und es soll nicht auf dem Weg über den Kostenentscheid ein materielles Urteil gefällt werden (BGE 142 V 551, E. 8.2; Urteil BGer 4A_24/2019 vom 26. Februar 2019, E. 1.2; vgl. zum Ganzen Beschluss ZK2 2021 25 vom 10. Juni 2021, E. 3 und Verfügung ZK2 2021 52 vom 3. November 2021, E. 3a). Zweitinstanzlich bewirkte die Beschwerdeführerin durch ihren Auszug am 14. April 2023, d.h. per erstinstanzlich angeordnetem Termin, die Gegen- standslosigkeit des Verfahrens. Sodann konnte sie ihre Behauptung, es hätte eine mündliche Vereinbarung zum Verbleib in der Familienwohnung bestan- den, auch zweitinstanzlich nicht weiter rechtsgenüglich substantiieren, sodass dieses Vorbringen weiterhin nicht zu überzeugen vermochte. Ebenso wenig machte die Beschwerdeführerin ihre Behauptung, sie hätte innert der kurzen Räumungsfrist bis am 14. April 2023 keine neue Wohnung finden können, mit Absagen auf Wohnungsinserate oder dergleichen glaubhaft. Sie wusste be- reits spätestens seit dem 20. Oktober 2022 (s.o.), dass sie sich eine neue Kantonsgericht Schwyz 12 Wohnung suchen musste, weshalb es ihr möglich und zumutbar gewesen wäre, die erfolglose Wohnungssuche zu belegen. Die Beschwerde hätte dem- nach bei materieller Beurteilung voraussichtlich abgewiesen werden müssen. Aus diesen Gründen rechtfertigt es sich, die Kosten des Beschwerdeverfah- rens vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. b) Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner ausgangsgemäss zu entschädigen. Für das Beschwerdeverfahren beläuft sich das Honorar auf Fr. 180.00 bis Fr. 2’400.00 (§ 12 GebTRA). Für die dreizehnseitige Beschwer- deantwort (KG-act. 6) erscheint angesichts der einfachen rechtlichen und tatsächlichen Angelegenheit, aber im Hinblick darauf, dass der Wiedereinzug in die Familienwohnung für den Beschwerdegegner von einiger Wichtigkeit ist, eine Entschädigung von Fr. 800.00 (inkl. Auslagen und MWST) angemessen. 5. a) Die Beschwerdeführerin beantragt auch zweitinstanzlich die Verpflich- tung des Beschwerdegegners zur Bezahlung eines Prozesskostenvorschus- ses, eventualiter die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (KG-act. 1, Antrag Ziffer 3). aa) Der Prozesskostenvorschuss ist unter denselben Voraussetzungen wie die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Vorausgesetzt ist demnach, dass die ersuchende Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, d.h. mittellos ist, und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 117 ZPO, Art. 29 Abs. 3 BV). Überdies muss es der vorschusspflichtigen Partei möglich sein, der anderen Partei die Kosten, die sie zur Durchführung des Prozesses benötigt, zu bevorschussen (Urteil BGer 5A_455/2010 vom 16. August 2010 E. 2.2). Aussichtslos erscheinen Rechtsbegehren, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und daher nicht mehr als ernsthaft bezeichnet werden können (Rüegg/Rüegg, in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, Art. 117 ZPO N 18).Kantonsgericht Schwyz 13 bb) Wie bereits erwähnt, konnte die Beschwerdeführerin ihre Tatsachenbe- hauptungen in der Beschwerde nicht glaubhaft machen, sodass die Prozess- aussichten von vorneherein äusserst gering waren und die Beschwerde als aussichtslos im Sinne von Art. 117 ZPO zu bezeichnen ist. Folglich erübrigen sich Erörterungen zur Frage der Mittellosigkeit. Das Gesuch in- kl. Eventualantrag ist demnach abzuweisen. b) Der Beschwerdegegner beantragte ebenfalls die Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege (KG-act. 6). aa) Der Anspruch auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist sub- sidiär zum Anspruch auf Prozesskostenvorschuss resp. -beitrag unter Ehegat- ten (BGE 138 III 672, E. 4.2.1). Wird kein entsprechender Antrag gestellt, ist von einer anwaltlich vertretenen Partei darzutun, weshalb ihrer Ansicht nach auf einen Prozesskostenvorschuss zu verzichten ist. Wird dies unterlassen, muss kein Hinweis im Sinne von Art. 56 ZPO erfolgen, dient doch die richterli- che Fragepflicht nicht dazu, prozessuale Nachlässigkeiten auszugleichen (OGer ZH, Beschluss LY200032-O/U vom 2. November 2020, E. 5.2). Davon abgesehen, dass die Beschwerdeführerin bereits vor Vorinstanz um Prozess- kostenbevorschussung, eventualiter Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege ersuchte und der Beschwerdegegner bekanntlich im Verlaufe des erst- instanzlichen Eheschutzverfahrens zur Leistung eines Prozesskostenvor- schusses an die Beschwerdeführerin verpflichtet wurde, erscheint die Aus- sichtslosigkeit eines Gesuchs um Prozesskostenbeitrag beziehungsweise die Überflüssigkeit einer entsprechenden Erörterung trotz der unzureichenden Vorbringen des Berufungsgegners (vgl. KG-act. 6, Rz 7.1.2., S. 12, wonach es ihm gar nicht möglich sei, die Prozesskosten der Beschwerdeführerin zu be- zahlen, ohne dafür Mittel zu beanspruchen, welche er zur Deckung des Grundbedarfs für sich und seine Kinder benötige, zumal sich die Beschwerde- führerin weiterhin nicht an den Kosten der Familie beteilige), offensichtlich. Folglich würde es überspitzt formalistisch erscheinen, von ihm dennoch eine Kantonsgericht Schwyz 14 solche zu verlangen (OGer ZH, Beschluss LY200032-O/U vom 2. November 2020, E. 5.2), und es erübrigen sich weitere Erörterungen hierzu. bb) Mittellosigkeit im Sinne von Art. 117 ZPO liegt vor, wenn eine Person für die Prozesskosten nur dann aufkommen kann, wenn Mittel beansprucht wer- den müssen, derer sie zur Deckung des Grundbedarfs für sich und ihre Fami- lie bedarf (Rüegg/Rüegg, in Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, Art. 117 ZPO N 7; BGE 144 III 531 E. 4.1). Zu berücksichti- gen sind aber auch sämtliche Vermögenswerte, die effektiv vorhanden und verfügbar oder zumindest realisierbar sind (Wuffli/Fuhrer, Handbuch unent- geltliche Rechtspflege im Zivilprozess, 2019, Rz. 182). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Gesuchstellung (BGE 120 Ia 179 E. 3a; 135 I 221 E. 5.1 = Pra 2010 Nr. 25; Emmel, in: Sutter-Somm/ Hasenböhler/Leuenberger, Kommentar zur ZPO, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 117 ZPO N 4). cc) Der Berufungsgegner hält eine Aktie der J.________ AG. Er macht diesbezüglich geltend, der Aktienwert sei infolge der Corona-Pandemie und des Ukrainekrieges tiefer als in den vergangenen Jahren, weshalb es ihm nicht zumutbar sei, die Aktie zu verkaufen, zumal auch jährlich Dividenden ausgeschüttet würden, die dem Familienunterhalt dienten (KG-act. 6, S. 13). Wertschriften sind regelmässig schnell liquidierbar, weshalb sie grundsätzlich ohne Ansetzen einer Übergangsfrist als Vermögen anzurechnen sind (Wuff- li/Fuhrer, Handbuch unentgeltliche Rechtspflege im Zivilprozess, 2019, Rz. 208). Der Berufungsgegner deklarierte die Aktie im Jahr 2022 mit einem Steuerwert von Fr. 180’000.00 (KG-act. 6/2, S. 9). Dass der Aktienwert tiefer ist als in den Vorjahren, überzeugt nicht, zumal der Berufungsgegner selbst geltend macht, derzeit (April 2023) betrage der Aktienwert “glaublich” Fr. 180’000.00 (KG-act. 6, S. 13). Sodann ist den Erwägungen der Zivilkam- mer im Entscheid ZK2 2022 26 (E. 11.d) zu entnehmen, dass sowohl der Be- schwerdegegner als auch die gesamte Familie selbst ohne die Dividenden-Kantonsgericht Schwyz 15 zahlungen, die dem Beschwerdegegner monatlich als Einkommen im Umfang von Fr. 800.00 angerechnet wurden, einen Überschuss erzielt. Die Dividenden sind demnach nicht notwendig für den familienrechtlichen Unterhalt. Der Ver- kauf der Aktie per Ende Oktober 2023 ist dem Beschwerdegegner demnach zumutbar. Der Erlös geht weit über den im Berufungsverfahren ZK2 2022 26 festgelegten Prozesskostenvorschuss von Fr. 6’600.00 hinaus, sodass der Beschwerdegegner nicht mittellos im Sinne von Art. 117 ZPO ist und es erüb- rigen sich weitere Ausführungen zur Nichtaussichtslosigkeit. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ist demnach abzuweisen, soweit es zufolge der Verlegung der Gerichtskosten zulasten der Beschwerdeführerin nicht gegenstandslos wird;- beschlossen: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht als gegenstandslos geworden abgeschrieben wird. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 800.00 werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. 3. Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das Beschwer- deverfahren mit Fr. 800.00 (inkl. Auslagen und MWST) zu entschädigen. 4. Das Gesuch der Beschwerdeführerin betreffend Prozesskostenvor- schuss, eventualiter Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung wird abgewiesen.Kantonsgericht Schwyz 16 5. Das Gesuch des Beschwerdegegners um Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung wird, soweit nicht gegen- standslos geworden, abgewiesen. 6. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 72 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Zivilsa- chen wegen Verletzung verfassungsmässiger Rechte (Art. 98 BGG) beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden; die Beschwerde- schrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. Der Streitwert ist unbestimmt. 7. Zufertigung an Rechtsanwalt B.________ (2/R), D.________ (2/R), die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, unter Rückgabe der Akten) und die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der 2. Zivilkammer Die Kantonsgerichtsvizepräsidentin Der Gerichtsschreiber Versand 21. September 2023 rfl