Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Dezember 2021 (720 20 127 / 332) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Keine zwingenden Gründe, um von der Einschätzung der Gerichtsgutachter abzuweichen. Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen in erwerblicher Hinsicht und zur Festsetzung der Rentenleistungen auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 25%. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Anouck Zehntner, Ad- vokatin, Indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.a Die 1975 geborene A.____ meldete sich am 3. Sept ember 2012 (Eingang) unter Hinweis auf eine starke Hyperopie (Weitsichtigkeit), eine Konta ktlinsenunverträglichkeit sowie eine Me- ningoenzephalitis 1993 mit konsekutiv festgestellter Akkommodationsinsuffizienz bei der Eidge- nössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. I n der Folge sprach ihr die IV- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) diverse Hilfsmittel (Blindenlangstöcke, Filtergläser, Arbeits- platzleuchten) zu. Mit Verfügung vom 3. Oktober 2013 ve rneinte sie einen Anspruch auf berufli- che Massnahmen. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. A.b Mit Gesuch vom 30. Dezember 2014 meldete sich die V ersicherte erneut zum Bezug von Leistungen an, wobei sie im entsprechenden Formular auf die Meningoenzephalitis, ein Burn- out, einen erhöhten Erholungsbedarf sowie Schwindel und Migräneanfälle durch Überlastung hin- wies. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse und Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 18. Februar 2021 einen Renten- anspruch wegen Nichterfüllens des Wartejahres ab. B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertre ten durch Anouck Zehntner, Advo- katin, mit Eingabe vom 5. Mai 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Land- schaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 18. Februar 2021 sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr mit Wirkung ab 1. Februar 2013 eine Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei im Sinne eines Verfahrensantrags ein Gerichtsgutachten zu erstel len, und es sei nach dessen Vorliegen ein reformatorischer Entscheid über die Leistungsansprüche der Beschwerdeführerin durch das angerufene Gericht zu fällen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, dass das Gutachten der Ärztlichen Begutachtungsinstitut GmbH (ABI), auf das sich die Verfügung stütze, aus verschiedenen Gründen nicht beweiskräftig sei. Namentlich gehe das Gut- achten von falschen Diagnosen aus und weiche ohne Begründung von den Vorakten ab. C. Mit Vernehmlassung vom 8. Mai 2020 schloss die IV-Ste lle auf Abweisung der Be- schwerde. Dabei legte sie einen Bericht von Dr. med. B. ____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. April 2021 sowie von pract. med. C.____ vom 24. April 2021, beide Regionaler Ärztlicher Dienst beider Basel (RAD), ins Recht. D. Anlässlich der Urteilsberatung vom 20. August 2020 ge langte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhande- nen medizinischen Akten nicht möglich sei. Das Gericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und zur Klärung des medizinischen Sachverhalts ein Gerichtsgutachten einzuholen. E. Mit Schreiben vom 3. November 2020 beauftragte das Kantonsgericht die MEDAS Zent- ralschweiz (MEDAS) mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens, welches am 13. April 2021 erstattet wurde. Die Parteien erhielten in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gut- achtens und zur Frage zu äussern, wie sich dessen Ergebnisse auf den Leistungsanspruch der Versicherten auswirken würden. Die IV-Stelle machte hier von mit Stellungnahme vom 20. Mai 2021 unter Hinweis auf eine Beurteilung ihres RAD Gebrauch. Die Beschwerdeführerin liess sich am 17. Juni 2021 zum Gutachten und zu dessen Auswirkungen auf den Leistungsanspruch ver- nehmen. Sie stellte sich auf den Standpunkt, dass das Gutachten noch vereinzelte Unklarheiten aufweise, wobei sie diesbezüglich die Unterbreitung mehrerer Zusatzfragen an die Gutachter be- antragte. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf die Vorbringen der Parteien ist − soweit notwend ig − in den nachfolgenden Erwägungen ein- zugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht und im Weiteren form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine I nvalidenrente. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente , wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem st rukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksi chtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ander- seits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einord- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer recht- lich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbr ingen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E . 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 4. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensverglei ch hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Ein kommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, s owie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So führte das Bund esgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zwingende Gründe" von den E inschätzungen des medizinischen Experten abweicht, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfü- gung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizi nisch zu erfassen (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Gleichwohl wie bei Gutachten externer Spezialärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt wurden und den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht insbesondere einem von ihm eingeholten Gerichtsgutachten vollen Beweiswert zuerkennen, solange "nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit" der Exper- tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4). Schliesslich lässt es d ie Natur des Begutachtungsauftrags eines amtlich bestellten fachmedizinischen Experten nicht zu (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b), ein Admi nistrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn andere Ärzte zu an- derslautenden Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil beispielsweise die behandelnden Ärzte wichtige − und nicht rein subjektiver ärzt- licher Interpretation entspringende − Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung uner- kannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bun desgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 18. Februar 2020 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlichen auf das polydisziplinäre Gutachten der ABI vom 12. April 2016, wonach in Bezug auf die an gestammte Tätigkeit als typografische Gestalterin seit März 2006 eine Arbeitsunfähigkeit von 30% und in Bezug auf eine leidensadap- tierte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 90% bestehe. Demnach verneinte sie infolge Nichterfül- lens des Wartejahres einen Rentenanspruch. Den im Rahm en des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Er örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen (vgl. E. 5.3 hiervor). Anlässlich der in di eser Angelegenheit erfolgten Urteilsbera- tung vom 20. August 2020 gelangte das Kantonsgericht nun allerdings zur Auffassung, dass die- sem Gutachten keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. Anlass, an den entsprechenden Schlussfolgerungen des Gutachtens zu zweifeln, gab zum einen der Umstand, dass im ophthal- mologischen Teilgutachten als Diagnose eine Meningokokk en-Meningoenzephalitis (ICD-10 A39.8) aufgeführt, wohingegen im psychiatrischen und neurologischen Fachteil eine Hirnhautent- zündung respektive eine (Meningokokken-)Meningitis (ICD-10 A39.0) festgehalten worden war. Dabei fiel ins Gewicht, dass hinsichtlich der durch die Meningoenzephalitis hinterlassenen Resi- duen sowie deren Auswirkungen zwischen den behandelnden Ärzten und dem neurologischen Gutachter Differenzen bestanden hatten. Ferner fehlte es namentlich dem neurologischen und psychiatrischen Gutachten an einer vertieften Auseinandersetzung mit abweichenden ärztlichen Beurteilungen, wobei insbesondere die Ausführungen vo n Dr. phil. D.____, Fachpsychologin FSP für Neuropsychologie, Kantonsspital F.____, vom 2. J uni 2015 Zweifel an den besagten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Teilgutachten zu begründen vermochten. Schliesslich mangelte es dem Gutachten auch an einer hinreichenden Konsistenzbeurteilung. Unter diesen Umstä nden waren die gutachterlichen Schlussfolgerungen in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar und in Zweifel zu ziehen. Nach Auffassung des Gerichts vermochten indessen auch die weiteren bei den Akten liegenden Beurteilungen keine verlässliche Entscheidungsgrundlage zu bilden. Nach- dem sich dementsprechend mit Beschluss des Kantonsgerichts vom 20. August 2020 die Einho- lung eines gerichtlichen Gutachtens als unerlässlich erwiesen hatte, steht nunmehr das gerichtli- che Gutachten der MEDAS vom 13. April 2021 im Zentrum der medizinischen Beurteilung. 6.2.1 In diesem Gutachten werden aus polydisziplinärer S icht mit Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit psychologische Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei anderenorts klassifizierten Krank- heiten (ICD-10 F54), ein Verdacht auf ein Chronic Fatigue Syndrom unklarer Genese, eine beid- seits hohe Hyperopie (Weitsichtigkeit) sowie ein Status nach Meningokokken-Meningoenzepha- litis 1993 mit konsekutiv festgestellter Akkommodationsschwäche und Parazentral-Skotom links diagnostiziert. 6.2.2 Im psychiatrischen Fachteil wird zusammenfassend festg ehalten, dass die Explorandin 1993 eine Meningoenzephalitis mit mehreren Tagen Koma erlitten habe. Im Anschluss sei es der Explorandin zunächst gelungen, in der Arbeitswelt wieder Fuss zu fassen. Eine Erschöpfungsde- pression sei 2006 durch die behandelnde Hausärztin dia gnostiziert worden. Seither sei die Ak- tenlage stringent in Bezug auf die Symptome, welche insbesondere in einer raschen Ermüdbar- keit mit langen Erholungsphasen bestehen würden. Auch an lässlich der aktuellen Exploration würden genau diese Beschwerden rezitiert. Es handle sich dabei um unspezifische Symptome, welche im psychiatrischen Bereich insbesondere im Zusammenha ng mit affektiven Störungen oder Traumafolgestörungen gesehen werden könnten. Au fgrund der vorliegenden Exploration könne indessen keine affektive Störung diagnostiziert werden. Mit Blick auf die Anamnese sei es jedoch durchaus wahrscheinlich, dass depressive Symptome während der Krankschreibung 2006 und 2016/2017 vorgelegen hätten. Aus den vorliegenden Unterlagen würden sich aber nicht hin- reichend Informationen entnehmen lassen, um eine Diagnose herleiten zu können. Was die von Dr. D.____ mit Bericht vom 2. Juni 2015 angedeutete Traumafolgestörung anbelange, so könne die Meningoenzephalitis mit den entsprechenden Folgen als "Trauma" gemäss ICD-10 gewertet werden. Anamnestisch hätten über Jahre Wiedererleben und überflutende Erinnerungen bestan- den. Retrospektiv könne die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung aber nicht mit Sicherheit gestellt werden, da nicht alle nötigen Kriterien vollständig erfüllt gewesen sein dürften. Zum Zeitpunkt der vorliegenden Beurteilung könne keine Traumafolgestörung diagnostiziert wer- den. Eine Somatisierungsstörung könne ebenfalls nicht d iagnostiziert werden. Nichtsdestotrotz würden die Einschränkungen über Jahre gleichbleibend beschrieben. Im psychiatrischen Gutach- ten von 2016 werde eine Symptomausweitung ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnosti- ziert. Unter Berücksichtigung der Einschränkungen in alle n Lebensbereichen sei im Gegensatz zum psychiatrischen Gutachten von 2016 davon auszugehen, da ss diese Diagnose einen Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Aus psychiatrischer Sicht bestehe in der bisherigen Tätigkeit eine verminderte Arbeitsfähigkeit von 20-30%. Eine a ngepasste Tätigkeit müsste in einem ruhi- gen Umfeld stattfinden, mit der Möglichkeit, die Arbeitszeit flexibel einzurichten und nach Bedarf Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Pausen einzulegen. Es sei dennoch wenig wahrscheinlich, dass unter diesen Umständen eine höhere Arbeitsfähigkeit als 70-80% erreicht werde. 6.2.3 Im neurologischen Fachteil wird ausgeführt, dass e in Zustand nach einer durchgemach- ten Meningokokken-Meningoenzephalitis 1993 mit Hospitali sation und Verlegung auf die Inten- sivpflegestation mit Beatmungspflicht sowie einem einmal igen epileptischen Anfall bestehe. Ein erhöhter Hirndruck sei nicht festgestellt worden und es seien auch keine fokalen neurologischen Defizite nach Austritt bekannt. Für den darauffolgende n Zeitraum sei kein neurologischer Ver- laufsbericht in den Akten enthalten und es sei auch kei ne neurologische Abklärung erfolgt. Eine erste neurologische Untersuchung sei 2015 durchgeführt worden. Die aktuelle neurologische Un- tersuchung habe ebenso normale Befunde gezeigt. Dabei müsse berücksichtigt werden, dass diese Untersuchung keinen normalen Arbeitsalltag abbil de (dreistündige Untersuchungsdauer) und sich die Einschränkung eventuell erst später manifest ieren könnte. Allerdings seien keine neuropsychologischen Defizite festgehalten worden. Im gesamten Verlauf seien keine neuropsy- chologischen fokalen Defizite nachgewiesen worden, mit A usnahme einer Leistungseinschrän- kung durch Fatigue. In der Bildgebung seien keine morp hologischen Hirnläsionen in der Akut- phase und später nachgewiesen worden; insbesondere keine hämorrhagischen oder entzündli- chen Läsionen. Dabei seien hämorrhagische Läsionen noch n ach Jahren verifizierbar. Die Ein- schränkung durch die Fatigue könne verschiedene Ursachen haben. Die Ursache dieser Störung sei nach heutigem Wissensstand nicht sicher bekannt. Wic htig sei, dass eine manifeste organi- sche Krankheit ausgeschlossen werden könne. Klinisch sei ke ine chronische neurologische Krankheit bekannt. Es liege seit Jahren eine verminderte Leistungsfähigkeit vor. Insgesamt könne ein Chronic Fatigue Syndrom diagnostiziert werden, ätiologisch unklar. Das Fehlen der medizini- schen Akten ab der Akuterkrankung bis 2005 lasse daran zweifeln, dass diese Diagnose auf die Meningoenzephalitis zurückzuführen sei. Diese sei als Ursache aber auch nicht absolut auszu- schliessen. In Übereinstimmung mit dem psychiatrischen Guta chten könne aus neurologischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 20-30% angenommen werden. 6.2.4 Dem neuropsychologischen Teilgutachten zufolge ha be die Patientin in den geprüften kognitiven Domänen durchschnittliche bis überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt. Die zeitliche mentale Belastbarkeit sei für eine dreistündige Untersuchung gegeben gewesen. Aus neuropsy- chologischer Sicht bestehe sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. 6.2.5 Gemäss dem ophthalmologischen Teilgutachten arbei te die Patientin in einem visuell sehr anspruchsvollen Beruf. Die Arbeit werde in der heu tigen Zeit vorwiegend am Bildschirm durchgeführt und habe einen sehr hohen Sehanspruch. Aufgrund der hohen Hyperopie beidseits könne dieser Sehanspruch nur annährend mit Kontaktlin sen erreicht werden. Beim Tragen von Brillen träten optische Nebeneffekte auf, vor allem ein Ringskotom beidseits. Da die Brillengläser eine vergrössernde Wirkung hätten, gebe es einen Wahrnehmungssprung zwischen dem durch die Brille wahrgenommenen Bild und der am Rand der Brillengläser wahrgenommenen äussers- ten Peripherie des Gesichtsfeldes. An der Stelle dieses Sprunges fehle ein ringförmiges Stück im Bild der Umgebung. In der Gesichtsfelduntersuchung vom 20. November 2012 komme dieses Ringskotom deutlich beidseits zur Darstellung. Beim Tragen von Kontaktlinsen verschwinde das Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ringskotom und die Sehqualität werde dadurch viel besser. Aus diesem Grund sei die Patientin bei ihrer Arbeit als Typografin dringend auf die Kont aktlinsen angewiesen. Infolge der durchge- machten Meningokokken-Meningoenzephalitis bestehe zusätzl ich ein Parazentral-Skotom links ohne makuläre Aussparung. Dieses Parazentral-Skotom mache sich als relatives positives Sko- tom bemerkbar, d.h. die Patientin empfinde bei der Arbeit immer wieder störende Lichterschei- nungen ("Diamant im Auge", "Pixelstörungen im Bild") , welche die Lesefähigkeit deutlich beein- trächtigten. Im Weiteren brauche es gemäss Literatur für einen reibungslosen Lesevorgang einen intakten zentralen Gesichtsfeldbereich von mindestens je zwei Grad nach links und rechts sowie mindestens je einem Grad nach oben und unten. Da das P arazentral-Skotom links in der Mitte liege, mache es sich durch eine Unschärfe beim Lesen b emerkbar; vor allem beim Satzanfang und bei jedem Wortanfang sowie nach jeder Sakkade beim Lesen von links nach rechts. Dieser Aspekt sei in den bisherigen Untersuchungen zu wenig berücksichtigt worden. Die Akkommoda- tionsschwäche sei aufgrund des Alters der Patientin nicht mehr relevant, da nun eine Presbyopie vorliege. Aus ophthalmologischer Sicht bestehe für die bi sherige Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Für eine angepasste Tätigkeit ohne visuellen Anspruch eine solche von über 80%. 6.2.6 Im Rahmen ihrer Konsensbeurteilung gelangen d ie Gutachter zur Auffassung, dass die Versicherte in ihrer angestammten Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig sei. Hinsichtlich einer angepass- ten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70-80%. Dabei seien die ophthalmologischen Be- handlungsvorschläge zu berücksichtigen. Aus neurologischer u nd psychiatrischer Sicht werde der Beginn der attestierten Arbeitsunfähigkeit auf d as Jahr 2005 festgelegt. Aus ophthalmologi- scher Sicht bestünden die entsprechenden Einschränkungen seit 1993. 6.3 Das zitierte Gerichtsgutachten der MEDAS erfüllt all e rechtsprechungsgemässen Vo- raussetzungen an ein beweiskräftiges Gerichtsgutachten. Das Gutachten ist umfassend und die darin dargelegten medizinischen Zusammenhänge sowie die jeweils vorgenommenen Schluss- folgerungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Die G utachter haben die Versicherte per- sönlich untersucht, eine umfassende Anamnese erhoben und gehen einlässlich auf ihre Angaben und Beschwerden ein. Sie setzen sich zudem fundiert mit den bei den Akten liegenden medizini- schen Berichten auseinander und begründen abweichende E inschätzungen in überzeugender Weise. Anzumerken ist in formeller Hinsicht, dass das Gut achten teilweise unübersichtlich ge- gliedert ist, was die Lesbarkeit erschwert. Alsdann fehlt es sowohl in der Konsensbeurteilung als auch in den einzelnen Teilgutachten an einer Auflistung der Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die entsprechenden Diagnosen müssen aus den jeweiligen Beurteilun- gen zusammengetragen werden. Diese Unsorgfältigkeiten vermögen den Beweiswert des Gut- achtens indessen nicht in Frage zu stellen, zumal das Gutachten den inhaltlichen Anforderungen an eine beweiskräftige Beurteilungsgrundlage entspricht. 6.4 Der begutachtende Neurologe vermag dabei namentl ich schlüssig zu begründen, dass sich weder aktenanamnestisch noch klinisch noch anhand der erhobenen Bildgebungen Hin- weise auf kortikale oder intrazerebrale fokale Läsion en nachweisen lassen würden. Er gelangt dabei ebenso überzeugend zur Auffassung, dass das in eine m MRI 2006 festgestellte, in der unteren Norm liegende Frontalhirnvolumen nicht mit Sicherheit eine organische Läsion durch die Meningoenzephalitis beweisen lasse, zumal Frontalhirnsympt ome neuropsychologisch nicht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht nachgewiesen worden seien (vgl. Gutachten, S. 13). Fe rner legt er nachvollziehbar dar, dass zwar die Diagnose eines Chronic Fatigue Syndroms gestellt werden könne, deren Ätiologie in- dessen unklar sei. Die Meningoenzephalitis sei als Ursache dieser Diagnose indessen nicht ab- solut auszuschliessen. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass für die Belange der Invalidenversicherung nicht die Diagnose, sondern insbeson dere die sozial-praktische Auswir- kung der Erkrankung, mithin die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, massgebend ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2019, 9C_184/2019, E. 4.2 und vom 27. September 2017, 8C_820/2016, E. 5.4). Diesbezüglich schliesst der neuro logische Gutachter aufgrund der erho- benen raschen Ermüdbarkeit, Energielosigkeit, verminderten Konzentrationsfähigkeit sowie ver- minderten Belastbarkeit der Versicherten nachvollziehbar auf eine reduzierte Leistungs- bzw. Ar- beitsfähigkeit. Gleichermassen verhält es sich in Bezug a uf die übrigen Teilgutachten. So weist das psychiatrische Gutachten eine ausführliche und sorgfältige Diskussion der ICF-Kriterien auf, welche eine umfassende Würdigung der das Leistungsvermög en abbildenden Fähigkeiten der Versicherten umfasst (vgl. hierzu ausführlich psychiatrisches Teilgutachten, S. 9 f.). Gestützt da- rauf sowie unter Hinweis auf die divergierenden Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit wird nachvoll- ziehbar dargelegt, weshalb die in Abweichung zum psychi atrischen Vorgutachten der ABI vom 29. Februar 2016 gestellte Diagnose von psychologischen Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei anderorts klassifizierten Krankheiten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zeitigt. Insgesamt wäre allenfalls in Bezug auf einzelne (auszuschliessende) Diagnosen eine vertiefende Auseinandersetzung seitens der psychiatrischen Gutachterin wünschbar gewesen, wenngleich die Diagnose bei der Frage nach der invalidisierenden Wirkung eines Leidens nicht im Zentrum steht. Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer nachträglichen Stellungnahme vom 20. Mai 2021 als einzigen Kritikpunkt am Gutachten sodann anführt, triff t es zu, dass die Konsistenzprüfung im Rahmen der Konsensbeurteilung nicht allzu ausführlich ausfällt. Entscheidend ist indessen, dass die begutachtenden Fachpersonen ihre Einschätzung in Ke nntnis der gesamten Aktenlage und nach gut dokumentierter eingehender Erhebung eigene r Befunde abgaben . Aus einer Gesamt- sicht heraus, namentlich unter Einbezug der übrigen fachmedizinischen Berichte sowie mit Blick auf die Ergebnisse des strukturierten Beweisverfahrens, ist die attestierte Arbeits(un)fähigkeit nachvollziehbar und überzeugend. 6.5 Unter Berücksichtigung des vorstehend Dargelegten kann dem Einwand der Beschwer- deführerin, wonach das Gutachten einige Unklarheiten aufweise, nicht gefolgt werden. Dies umso weniger, als die zahlreichen von ihr ins Feld geführten (möglichen) Ergänzungsfragen an die Gut- achter sich weder auf neue Befunde oder abweichende Diagnosen stützen noch neue medizini- sche Erkenntnisse zum Gegenstand haben. Die von ihr angerufenen medizinischen Berichte wa- ren den Gutachtern allesamt bekannt und bei der Beurteilung berücksichtigt worden. Soweit ihre Fragen sich ferner auf eine mögliche Schädigung des Geh irns bzw. auf die erhobene Hirnvolu- menminderung beziehen, kann vollumfänglich auf das unter Erwägung 6.4 hiervor Gesagte ver- wiesen werden. Die von der Beschwerdeführerin angeführten Unklarheiten entsprechen im We- sentlichen den Vorbringen in der Beschwerde vom 23. März 2020. Sie legt hierbei aber in keiner Weise dar, inwiefern die Gutachter es unterlassen hätten, die durch das Kantonsgericht im Rah- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht men des Beschlusses vom 20. August 2020 bzw. des Begutachtung sauftrags teilweise aufge- nommene Kritik der Beschwerdeführerin am Gutachten der ABI bzw. die im damaligen Zeitpunkt verbliebenen Unklarheiten nachträglich auszuräumen. 7. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), weicht das Gericht bei einem Gerichtsgutach- ten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit z ur Verfügung zu stellen, um einen be- stimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Solche zwingenden Gründe liegen im vorliegen- den Fall keine vor, weshalb kein Anlass besteht, von den Ergebnissen des zitierten Gerichtsgut- achtens abzuweichen. Für die Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten kann demnach auf das überzeugende Gutachte n der MEDAS abgestellt werden, worin die begutachtenden Fachpersonen zum nachvollziehbaren Ergebnis gelangt sind, dass in einer angepassten Tätigkeit eine Restarbeitsfähigkeit von 70-80% verbleibt. Für die Invaliditäts- bemessung rechtfertigt sich bei dieser Sachlage das Heranziehen des Mittelwertes, welcher von den Extremwerten am wenigsten abweicht (vgl. Urteil de s EVG vom 21. April 2005, I 822/05, E. 4.4 mit zahlreichen Hinweisen). Ausgehend vom MEDAS-Gutachten ist die Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit demnach mit 75% zu beziffern. 8.1 Was die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlich en Beeinträchtigungen anbe- langt, so ist, wie bereits ausgeführt (vgl. E. 4 hiervor), gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dabei ist in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenheite n im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V 222, 128 V 174). Gestützt auf das MEDAS-Gutachten ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin seit 1993 bzw. 2005 in ihrer Arbeitsfähigkeit im attestierten Umfang eingeschränkt ist (vgl. E. 6.2.6 hiervor). Unter Berücksichtigung der sechs- monatigen Karenzfrist nach Eingang der Anmeldung am 30. Dezember 2014 kommt der frühest- mögliche Rentenbeginn vorliegend auf den 1. Juni 2015 zu liegen. Wie aus dem Dargelegten erhellt, bestand bei der Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt in einer leidensadaptierten Tä- tigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 75%. 8.2.1 Nachdem die Beschwerdegegnerin von der Nichterfü llung des Wartejahres ausgegan- gen war, hat sie in ihrer Verfügung vom 18. Februar 2 020 auf die Durchführung eines Einkom- mensvergleichs verzichtet. Aus demselben Grund hat sie umfa ssende Abklärungen in erwerbli- cher Hinsicht unterlassen. So lässt sich den vorliegenden Unt erlagen nicht zuverlässig entneh- men, aus welchen Gründen das bis im Mai 2015 bestehende , langjährige Arbeitsverhältnis bei der E.____ AG aufgelöst worden ist. Die Versicherte er zielte dort nach Eintritt der gesundheitli- chen Beeinträchtigungen in einem gesundheitsbedingt reduzierten Pensum von 60% zuletzt ein Jahreseinkommen in der Höhe von Fr. 50'076.-- (vgl. A uszug aus dem individuellen Konto, IV- act. 160). Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass es sich mit Blick auf die Festsetzung des Vali- deneinkommens als zulässig erweist, aus dem nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchti- gung noch erzielten Einkommen auf das Valideneinkommen zu schliessen. Wenn die betreffende Person nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchti gung in der Lage ist, bei einer hälftigen Arbeitsfähigkeit mit entsprechendem Teilzeitpensum ei n bestimmtes Einkommen zu erzielen, kann daraus auf die Höhe des Valideneinkommens geschlossen werden (bei einer analogen Tä- tigkeit zu 100%) (UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 16 Rz. 47). Entsprechende Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abklärungen in erwerblicher Hinsicht erweisen sich daher als unabdingbar, um die Invalidität der Beschwerdeführerin zuverlässig beurteilen zu können, nach dem selbst im für die Beschwerde- führerin ungünstigsten Fall eine rentenbegründende Invalidität resultiert, wie sogleich darzulegen sein wird. Die Angelegenheit ist in diesem Punkt daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei- sen, damit sie weitere Abklärungen vornimmt und den Invaliditätsgrad auf der Basis einer Arbeits- fähigkeit von 75% berechnet. 8.2.2 Falls nach der Durchführung weiterer Abklärungen die Anwendung der statistischen Werte für beide Vergleichseinkommen im Raum stünde, s o wäre vorliegend für die Bemessung des Valideneinkommens wohl konkret die Tabelle TA1 der LSE 2014, Sektor 16-18 "Herstellung von Holzwaren und Papier; Druckerzeugnisse", Spalte Frauen, heranzuziehen. Nachdem die Be- schwerdeführerin zusätzlich zu ihrer Grundausbildung als Typografin von 1998 bis 2000 eine Weiterbildung zur typografischen Gestalterin absolvierte, wäre dem Valideneinkommen mindes- tens das Kompetenzniveau 2 zugrunde zu legen. Demzufolge resultierte ein Valideneinkommen von Fr. 66'518.40 (Fr. 5'543.20 x 12 : 40 x 41,6) bzw. unter Berücksichtigung der Nominallohn- entwicklung von 0,8% für das Jahr 2015 ein solches von Fr . 67'050.--. Aus dem Vergleich mit dem anhand der Tabellenlöhne ermittelten und auf da s Jahr 2015 hochgerechneten Invaliden- einkommen (LSE 2014, TA1, Sektor Total, Spalte Frauen, Kompetenzniveau 1) von Fr. 54'062.- bzw. Fr. 40'546.-- (bei einem noch zumutbaren Erwerbspensum von 75%) resultierte ein renten- begründender Invaliditätsgrad von gerundet 40%. Zu prüfen wäre ferner, ob sich vorliegend an- gesichts der langjährigen Berufserfahrung der Versicherten und des nach Eintritt der gesundheit- lichen Beeinträchtigung in einem reduzierten Pensum von 60% erzielten Einkommens von Fr. 50'076.--, für das Valideneinkommen nicht gar di e Berücksichtigung des Kompetenzniveaus 3 rechtfertigen würde. Ein anhand des Kompetenzniveaus 3 ermitteltes Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 77'617.60 (Fr. 6'170.-- x 12 : 40 x 41,6) würde dem bei der ehemaligen Arbeitgeberin (E.____ AG) erzielten Verdienst und damit den konkreten Verhältnissen am ehesten entspre- chen. 9. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist demnach festzuhalten, dass die ange- fochtene Verfügung vom 18. Februar 2020 aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren Ab- klärungen in erwerblicher Hinsicht mit entsprechender Durchführung des Einkommensvergleichs sowie zur Festsetzung der Rentenleistungen auf der Basis e iner Arbeitsunfähigkeit von 25% an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 10.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahren s- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 10.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Die Ver- fahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in de r Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hat deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei die Verfahrenskosten zu tragen. Die Verfahrenskosten in der H öhe von Fr. 800.-sind somit der IV- Stelle aufzuerlegen. Die Beschwerdeführerin erhält ihren bereits geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 10.3 Im Zusammenhang mit den Kosten für die gerichtlich e Begutachtung ist Art. 45 Abs. 1 ATSG zu beachten. Dieser Bestimmung zufolge hat der Versicherungsträger die Kosten der Ab- klärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so hat er deren Kosten dennoch zu überne hmen, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestand teil nachträglich zugesprochener Leistungen bildeten. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht al s notwendig erachteten Beweismassnah- men an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen MEDAS- Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen (BGE 137 V 2 10 E. 4.4.2). Vorliegend war das Kan- tonsgericht anlässlich seiner Urteilsberatung vom 20. A ugust 2020 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Es kann in dieser Hinsicht vollumfänglich auf die Erwägungen im Be schluss des Kantonsgerichts vom 20. August 2020 verwiesen werden. In Anbetracht der dort erwogenen Umstände war die gericht- liche Begutachtung durch die MEDAS nicht nur angezeigt, sondern unerlässlich. Im Lichte der geschilderten Rechtsprechung sind die daraus resultieren den Kosten, welche sich gemäss Ho- norarrechnung vom 13. April 2021 insgesamt auf Fr. 19’312.-- belaufen, demnach der Beschwer- degegnerin aufzuerlegen. 10.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die (ganz oder t eilweise) obsiegende beschwerdefüh- rende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da di e Beschwerdeführerin obsiegt, ist ihr eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin macht in ihrer Honorarnote vom 12. Juli 2021 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 36 Stunden und 50 Minuten geltend. Dieser Aufwand erweist sich im Quervergleich zu ähnlich gelagerten Fällen als zu hoch. Nachdem das Kantonsgericht das Verfahren mit Beschluss vom 20. August 2020 ausgestellt hatte, erteilte es der MEDAS am 3. November 2020 den definitiven Auftrag zur Erstellung des Gerichtsgutach- tens. Mit Verfügung vom 20. April 2021 wurde den Parteien Gelegenheit eingeräumt, bis zum 20. Mai 2021 zum Gerichtsgutachten Stellung zu nehmen. Zumal den Parteien ein Entwurf des Gut- achtensauftrags bereits mit Beschluss vom 20. August 2020 zug estellt und die Möglichkeit für Ergänzungsfragen eingeräumt worden war, gehen die im Zeitraum nach der definitiven Auf- tragserteilung bis zur Erstattung des Gerichtsgutachtens vom 4. November 2020 bis und mit 20. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht April 2021 geltend gemachten Bemühungen (Kontaktnahme mit der Mandantin sowie die Bear- beitung diesbezüglicher Korrespondenz bzw. das Aktenstudi um) über eine zweckmässige und notwendige Vertretung hinaus. Dieser Aufwand von einer Stunde und 45 Minuten ist daher nicht zu berücksichtigen. Ferner macht die Rechtsvertreterin einen Aufwand von rund 13 Stunden für das Studium des Gerichtsgutachtens, eine diesbezügliche wi ederholte Kontaktnahme mit der Mandantin sowie das Verfassen der vierseitigen Stellungnahme vom 17. Juni 2021 an das Kan- tonsgericht geltend. Dieser Aufwand ist wesentlich zu hoch. Das Gutachten ist zwar aufgrund der berücksichtigten Fachdisziplinen umfangreich, die gesundheitliche Situation der Beschwerdefüh- rerin erweist sich indessen nicht als besonders komplex. Wen ngleich die Rechtsvertreterin sich den gutachterlichen Ausführungen und Schlussfolgerungen nicht vollumfänglich anschliessen konnte, ist ein Aufwand für die geltend gemachten Bem ühungen von insgesamt 4 Stunden als ausreichend zu beurteilen, zumal die Ausführungen in der Stellungnahme inhaltlich zum Teil nicht wesentlich von den Vorbringen in der Beschwerde abweiche n (vgl. E. 6.5 hiervor). Der geltend gemachte Aufwand ist folglich um 9 Stunden zu kürzen. Sc hliesslich finden sich in der Deser- vitenkarte auch Bemühungen, welche auf den Kontakt der Rechtsvertreterin mit der Rechts- schutzversicherung zurückzuführen sind. Dieser Aufwand würde i m Falle einer nicht Rechts- schutz versicherten Person nicht anfallen und kann daher nicht berücksichtigt werden. Aus die- sem Grund sind die Bemühungen im Zusammenhang mit der Rechtsschutzversicherung im Um- fang von insgesamt 40 Minuten in Abzug zu bringen. Vor diesem Hintergrund erscheint ein Auf- wand von gerundet 25 Stunden als angemessen. Die Bemühu ngen sind zu dem in Sozialversi- cherungsprozessen praxisgemäss zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Der Beschwerdeführerin ist folglich eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6'864.10 (25 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 123.40 zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 11. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbststän dig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegeh- ren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffen tlich-rechtlichen Angelegenheiten anfecht- bar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesg ericht. Die nachstehende Rechtsmittel- belehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 18. Februar 2020 aufge- hoben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die I V -Stelle Ba- sel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 19'312.-- werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 6'864.10 (inkl. Ausl agen und 7.7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht