<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 73 S.322</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">322</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>73</b></span> <span class="ft1"><b>Wechsel der Bewertungsmethode im Anschluss an einen Rückweisungs-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>entscheid des Verwaltungsgerichts.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Die neuerliche Bewertung der Angebote muss auf der Grundlage der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>bereits im ersten Umgang des Vergabeverfahrens festgelegten Bewer-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>tungsmatrix bzw. Bewertungsmethode erfolgen.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Eine Abweichung ist zulässig, wenn eine ausdrückliche Aufforderung</b></span><br/> <span class="ft1"><b>zur Korrektur durch die Rechtsmittelinstanz erfolgt oder wenn</b></span><br/> <span class="ft1"><b>grundlegende Änderungen der tatsächlichen Verhältnisse vorliegen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 29. November 2000 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen ARGE E. AG/M. AG gegen Verfügung des Abwasserverbands O.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">4. a) Die Vergabestelle hat auch eine Neubewertung des Ange-</span><br/> <span class="ft4">botspreises vorgenommen. Die bereinigten Netto-Angebotssummen</span><br/> <span class="ft4">betragen bei den Beschwerdeführerinnen Fr. 1'545'297.55 und bei</span><br/> <span class="ft4">der B. AG Fr. 1'575'757.80. Es besteht also eine Preisdifferenz von</span><br/> <span class="ft4">Fr. 30'460.25 oder 2.1 %. Das Verhältnis der Offertpreise (Kosten-</span><br/> <span class="ft4">relation) spielte beim ersten, vom Verwaltungsgericht aufgehobenen</span><br/> <span class="ft4">Vergabeentscheid keine Rolle; vielmehr erhielt das preisgünstigste</span><br/> <span class="ft4">Angebot die Maximalnote 10, das zweitgünstigste die Note 9, usw.</span><br/> <span class="ft4">Dies führte zur folgenden Preisbewertung (wobei der Preis bzw. die</span><br/> <span class="ft4">Kosten in Abweichung von der in den Ausschreibungsunterlagen</span><br/> <span class="ft4">vorgegebenen Reihenfolge der Zuschlagskriterien mit 60 % am</span><br/> <span class="ft4">weitaus höchsten gewichtet wurde:</span><br/> <br/> <table> <tr> <td width="150"><span class="ft5">ARGE M. AG / E. AG</span></td> <td width="100"><span class="ft5">Note 10</span></td> <td width="120"><span class="ft5">600 Punkte</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft5">B. AG</span></td> <td><span class="ft5">Note 9</span></td> <td><span class="ft5">540 Punkte</span></td> </tr> </table> <br/> <span class="ft4">Bei der erneuten Vergabe wurde nun für die Bewertung auf die</span><br/> <span class="ft4">effektiven Preisdifferenzen abgestellt. Dazu hält die Vergabestelle</span><br/> <span class="ft4">Folgendes fest: ,,Die Bewertung der Preisdifferenz wird relativ mit</span><br/> <span class="ft4">dem Kehrwert der Preisabweichung vorgenommen. Ein Angebot,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">323</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">welches 2 % teurer ist, erhält die Punktzahl 9.8, ein Angebot, wel-</span><br/> <span class="ft4">ches 20 % teurer ist, erhält die Punktzahl 8.3". Diese Berechnungs-</span><br/> <span class="ft4">weise führte zu einer Bewertung des Angebots der Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft4">rinnen mit der Note 10, währenddem das Angebot der B. AG mit der</span><br/> <span class="ft4">Note 9.8 (Kehrwert von 102.1 %) bewertet wurde. Dies ergibt neu</span><br/> <span class="ft4">die folgende Punktzahl:</span><br/> <br/> <table> <tr> <td width="150"><span class="ft5">ARGE M. AG / E. AG</span></td> <td width="100"><span class="ft5">Note 10</span></td> <td width="120"><span class="ft5">600 Punkte</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft5">B. AG</span></td> <td><span class="ft5">Note 9.8</span></td> <td><span class="ft5">588 Punkte</span></td> </tr> </table> <br/> <span class="ft4">Die Beschwerdeführerinnen erachten diesen nachträglichen</span><br/> <span class="ft4">Wechsel der Bewertungsmethode als unzulässig.</span><br/> <span class="ft4">b) Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts ist in</span><br/> <span class="ft4">erster Linie entscheidend, dass ein Bewertungs- oder Benotungs-</span><br/> <span class="ft4">system im Grundsatz sachgerecht ist und einheitlich, d. h. auf alle</span><br/> <span class="ft4">Anbietenden bzw. auf alle Angebote in gleicher Weise und nach glei-</span><br/> <span class="ft4">chen Massstäben angewendet wird. Das Verwaltungsgericht be-</span><br/> <span class="ft4">schränkt sich im Rahmen seiner Kontrollbefugnisse auf die Über-</span><br/> <span class="ft4">prüfung dieser Gesichtspunkte; ihm kommt nicht die Funktion einer</span><br/> <span class="ft4">,,Ober-Vergabebehörde" zu. Welches System letztlich Anwendung</span><br/> <span class="ft4">findet und wie es im Detail ausgestaltet ist, ist dabei von eher unter-</span><br/> <span class="ft4">geordneter Bedeutung. Auch bei der Bewertung des Preises im Be-</span><br/> <span class="ft4">sonderen gilt, dass das Verwaltungsgericht die von der Vergabestelle</span><br/> <span class="ft4">gewählte Vorgehensweise respektieren muss, sofern diese nicht</span><br/> <span class="ft4">völlig sachfremd ist oder auf die einzelnen Anbieter unterschiedlich</span><br/> <span class="ft4">angewendet wird und so zu Wettbewerbsverzerrungen führt</span><br/> <span class="ft4">(VGE III/152 vom 4. November 1999 in Sachen C. AG, S. 12 f.). Vor</span><br/> <span class="ft4">diesem Hintergrund hat sich das Verwaltungsgericht in seinem Ent-</span><br/> <span class="ft4">scheid vom 30. März 2000 (VGE III/40) nicht zur Preisbewertung,</span><br/> <span class="ft4">wie sie dem damaligen Zuschlag zugrunde lag, geäussert.</span><br/> <span class="ft4">c) Die Aufhebung des Vergabeentscheids durch das Verwal-</span><br/> <span class="ft4">tungsgericht und die Rückweisung des Verfahrens zur Neubewertung</span><br/> <span class="ft4">durch die Vergabestelle kann unter Umständen auch einen Einfluss</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">324</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">auf die ursprüngliche Bewertungsmatrix haben, indem diese</span><br/> <span class="ft4">aufgrund des Rechtsmittelentscheids angepasst werden muss (z. B.</span><br/> <span class="ft4">weil ein Zuschlagskriterium für unzulässig oder für qualifiziert falsch</span><br/> <span class="ft4">gewichtet erklärt wird). Insofern kann im Fall der Rückweisung</span><br/> <span class="ft4">keine absolute Bindung der Vergabestelle an die von ihr einmal fest-</span><br/> <span class="ft4">gelegte Matrix bestehen. Anderseits ist die Vergabestelle nicht be-</span><br/> <span class="ft4">fugt, beliebig und ohne sachliche Notwendigkeit die Matrix auch in</span><br/> <span class="ft4">Bezug auf unangefochten gebliebene Punkte zu ändern und gestützt</span><br/> <span class="ft4">darauf Neubeurteilungen und Neubewertungen vorzunehmen. Es</span><br/> <span class="ft4">muss vielmehr ein rechtsgenüglicher Anlass zur Abänderung der</span><br/> <span class="ft4">Beurteilungsmatrix bestehen, der sich entweder aus den Erwägungen</span><br/> <span class="ft4">des Rechtsmittelentscheids oder ausnahmsweise auch aus zwi-</span><br/> <span class="ft4">schenzeitlich massgeblich veränderten tatsächlichen Verhältnissen</span><br/> <span class="ft4">ergeben kann (vgl. zum Ganzen auch VGE III/70 vom 28. Mai 1999</span><br/> <span class="ft4">in Sachen ARGE S. AG / K. AG, S. 14 f.). Bei derartigen nachträg-</span><br/> <span class="ft4">lichen Anpassungen ist angesichts der damit verbundenen und nicht</span><br/> <span class="ft4">zu unterschätzenden Manipulationsgefahr klarerweise äusserste</span><br/> <span class="ft4">Zurückhaltung geboten; sie müssen die Ausnahme bleiben.</span><br/> <span class="ft4">Im vorliegenden Fall hat die Vergabestelle nun im Anschluss an</span><br/> <span class="ft4">die Aufhebung des Zuschlags und die Rückweisung des Verfahrens</span><br/> <span class="ft4">durch das Verwaltungsgericht die Bewertungsmethode in Bezug auf</span><br/> <span class="ft4">den Preis geändert, was zu einer klaren Besserbewertung der B. AG</span><br/> <span class="ft4">geführt hat, indem die ursprüngliche Punktedifferenz von 60 Punkten</span><br/> <span class="ft4">zu Gunsten der Beschwerdeführerinnen auf noch 12 Punkte reduziert</span><br/> <span class="ft4">worden ist. Für eine solche Änderung besteht nun klarerweise kein</span><br/> <span class="ft4">sachlich haltbarer Grund. Das Verwaltungsgericht hat in seinen Er-</span><br/> <span class="ft4">wägungen lediglich festgestellt, dass die vorgenommene Gewichtung</span><br/> <span class="ft4">der Zuschlagskriterien mit einem klaren Übergewicht des Preises</span><br/> <span class="ft4">(60%) nicht der Rangfolge der Zuschlagskriterien gemäss den Aus-</span><br/> <span class="ft4">schreibungsunterlagen (Qualität, Preis, Erfahrung und Referenzen,</span><br/> <span class="ft4">Termine, Garantie und Unterhaltsleistungen) entspreche, der Mangel</span><br/> <span class="ft4">sich aber nicht zu Ungunsten der Beschwerdeführerinnen auswirke</span><br/> <span class="ft4">(VGE III/40, S. 8 f.). Im Übrigen befasst sich der Entscheid mit den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">325</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">eingeholten Referenzauskünften; hierbei ist das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft4">zum Schluss gekommen, dass der Sachverhalt unvollständig und</span><br/> <span class="ft4">unrichtig ermittelt worden sei. Die Beschwerdesache wurde deshalb</span><br/> <span class="ft4">zurückgewiesen verbunden mit der Anweisung, den massgebenden</span><br/> <span class="ft4">Sachverhalt richtig und vollständig zu ermitteln, und dann eine</span><br/> <span class="ft4">Neubewertung der Vergabekriterien ,,Qualität (inkl. Termin)" und</span><br/> <span class="ft4">,,Erfahrung" vorzunehmen (VGE III/40, S. 22 f.). Die von der Verga-</span><br/> <span class="ft4">bestelle gewählte Methode der Preisbewertung wurde - wie erwähnt -</span><br/> <span class="ft4">im Entscheid nicht in Frage gestellt. Eine wesentliche Änderung der</span><br/> <span class="ft4">tatsächlichen Verhältnisse, die eine Neubewertung des Preises erfor-</span><br/> <span class="ft4">derlich machen würde, hat sich nicht ergeben. Die (einzige) Begrün-</span><br/> <span class="ft4">dung der Vergabestelle für die Änderung der Bewertungsmethode be-</span><br/> <span class="ft4">steht in der grösseren Objektivität und Gerechtigkeit der nun verwen-</span><br/> <span class="ft4">deten Methode. Ob dem tatsächlich so ist - was die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führerinnen mit guten Gründen in Frage stellen - kann hier offen</span><br/> <span class="ft4">bleiben. Allein die nachträgliche Erkenntnis der Vergabestelle, eine</span><br/> <span class="ft4">andere Bewertungsmethode als diejenige, für die sie sich ursprüng-</span><br/> <span class="ft4">lich entschieden und die sie auch angewendet hat, führe zu einem</span><br/> <span class="ft4">(zumindest aus ihrer Sicht) richtigeren bzw. gerechteren Ergebnis,</span><br/> <span class="ft4">vermag bei Rückweisungen keine Änderung der Bewertungsmethode</span><br/> <span class="ft4">zu rechtfertigen. Von den dargelegten Ausnahmen (ausdrückliche</span><br/> <span class="ft4">Aufforderung zur Korrektur durch die Rechtsmittelinstanz,</span><br/> <span class="ft4">grundlegende Änderungen der tatsächlichen Verhältnisse) abgesehen</span><br/> <span class="ft4">muss die neuerliche Bewertung der Angebote auf der Grundlage der</span><br/> <span class="ft4">bereits im ersten Umgang des Vergabeverfahrens festgelegten Be-</span><br/> <span class="ft4">wertungsmatrix bzw. Bewertungsmethode erfolgen. Ohne diese Bin-</span><br/> <span class="ft4">dung hätte es die Vergabestelle ohne weiteres in der Hand, einerseits</span><br/> <span class="ft4">zwar (formell) dem Beschwerdeentscheid bzw. den Anweisungen der</span><br/> <span class="ft4">Rechtsmittelinstanz Folge zu leisten, anderseits aber durch zusätz-</span><br/> <span class="ft4">liche Korrekturen und Anpassungen der Bewertungsmatrix dennoch -</span><br/> <span class="ft4">zu Ungunsten eines unerwünschten Anbieters - das von ihr gewollte</span><br/> <span class="ft4">Ergebnis herbeizuführen. Ein solches Vorgehen entspricht nicht</span><br/> <span class="ft4">einem fairen und transparenten, dem Grundsatz der Gleichbe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">326</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">handlung bzw. Nichtdiskriminierung der Anbietenden verpflichteten</span><br/> <span class="ft4">Submissionsverfahren. Die ohne sachliche Notwendigkeit vorge-</span><br/> <span class="ft4">nommene nachträgliche Anpassung der Preisbewertung erweist sich</span><br/> <span class="ft4">damit auch im vorliegenden Fall als unzulässig.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>