2000 Zivilprozessrecht 61 Zivilprozessordnung ohne weitere Verfahrensschritte und ohne Par - teiverhandlung zu fällen hatte, eine Parteiverhandlung durchführen müsste. § 329 Abs. 1 ZPO ist demnach in solchen Fällen nicht an - wendbar. 16 Rechtsverweigerung; Begründungspflicht Der Erlass vorläufiger Massnahmen i.S.v. § 294 ZPO bedarf mangels ei - ner Weiterzugsmöglichkeit keiner Begründung (Erw. 2/c-e). Aus dem Ents cheid der Inspektionskommission vom 20. Dezember 2000 i.S. Y. Aus den Erwägungen 2. Die Beschwerdeführerin macht sinngemäss eine Rechtsver - weigerung von Gerichtspräsident X. geltend, weil dieser mit der Abweisung ihres Begehrens um vorläufige Massnahmen im Ehe - schutz vom 19. Juni 2000 grundlegende Verfahrensgarantien in schwerwiegender Weise verletzt habe, sodass eine Rechtsverweige - rung vorliege. Zu prüfen ist vorliegend, ob das Verhalten von Gerichtspräsident X. rechtmässig ist oder ob eine Amtspflichtver let- zung in Form einer Rechtsverweigerung vorliegt. Nicht Gegen stand dieses Verfahrens indessen ist mangels Zuständigkeit der Inspek - tionskommission die materielle Beurteilung der Begehren. a) Eine formelle Rechtsverweigerung begeht die in der Sache zuständige Behörde, wenn sie ein bei ihr gestelltes Gesuch nicht an die Hand nimmt und behandelt (BGE 102 Ib 237 mit weiteren Hinweisen). Als formelle Rechtsverweigerung gilt auch das Feh len von Entscheidungsgründen, wo das Gesetz eine Begrün dungspflicht vorsieht oder wo es dem Betroffenen ohne Begrün dung nach den Umständen nicht möglich ist, sich ein Bild über die Tragweite der Verfügung zu machen und sie sachgemäss an zufechten (BGE 102 Ib 238, 98 Ia 464 ff. E. 5, 98 Ib 195 f. E. 2, je mit Hinweisen). 62 Obergericht 2000 b) Gerichtspräsident X. erliess am 21. Juni 2000 folgende Ver - fügung: „1. Der Antrag auf Erlass vorläufiger Massnahmen ist abgewie - sen. 2.-4.(...)“ Der Verfügung waren weder eine Darstellung der Anträge der Beschwerdeführerin noch eine eigentliche Begrün dung zu entneh - men. c) Im Fall dringender Gefahr kann der Richter im Verfahren um Erlass vorsorglicher Verfügungen vor Anhörung der Gegenpartei vorläufige Massnahmen treffen (§ 294 Abs. 1 ZPO). Solche Mass - nahmen sind der Natur nach vorläufig und fallen m it Rechtskraft des Entscheides über das im Summarver fahren gestellte Begehren dahin (§ 294 Abs. 2 ZPO). Die Anord nung vorläufiger Massnahmen wird nicht rechtskräftig und kann vom Richter jeder zeit aufgehoben oder abgeändert werden (Bühler/ Edelmann/Kil ler, Kommen tar zur aar - gauischen Zivilprozessordnung, 2. A., Aarau/Frankfurt a.M./Salzburg 1998, N 5 zu § 294 ZPO). Weder die Anordnung noch die Ablehnung vorläufiger Massnahmen ist weiterziehbar (AGVE 1990 S. 71). d) Gerichtspräsident X. hat das Bege hren der Beschwerdefüh - rerin um Erlass einer vorläufigen Massnahme be treffend die Unterhaltsverpflichtung ihres Ehemannes mit Ver fügung vom 21. Juni 2000 abgelehnt (Ziff. 1) und diesen En scheid nicht be - gründet. Eine Be gründung beim Erlass vorläufiger Massnahmen ist in der ZPO nicht vorgesehen. Die Beschwerdeführerin leitet die Begründungspflicht aus den §§ 276 und 277 ZPO ab. Ihr ist indessen entgegenzuhalten, dass die Verfügung von Gerichtspräsident X. vom 21. Juni 2000 nicht einen Endent scheid, s ondern einen – nicht weiterziehbaren - Zwischenent scheid darstellt, weshalb die Regeln von §§ 276 und 277 ZPO gar nicht zur Anwendung gelangen. e) Nun verlangt die Praxis, wie erwähnt, auch dann eine Begründung, wenn eine solche zwar nicht ausdrücklich vorgesehen ist, es dem Betroffenen ohne diese aber nach den Umständen nicht 2000 Zivilprozessrecht 63 möglich ist, sich ein Bild über die Tragweite der Verfügung zu machen und sie sachgemäss an zufechten. Vorliegend besteht diese Anfechtungsmöglichkeit eben gerade nicht. Die betr offene Verfahrenspartei hat somit kein geschütztes Interesse an einer vollständig begründeten Verfügung, da sie weder über die Trag weite der Verfügung im Ungewissen ist noch diese weiterziehen kann. Eine Rechtsverweigerung kann daher im Fehlen einer Be gründung beim Erlass vorläufiger Massnahmen nicht erblickt werden. (...)