<h2>SubmittedText<h2><p>In seiner Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2000-2003 stellt der Bundesrat fest, dass sich dem Bund ein besonderes Problem im Bereich der Archivierung bzw. der Erhaltung grosser Bestände von wissenschaftlich und kulturell wertvollen, aber massiv gefährdeten Dokumenten stellt.</p><p>Zur Lösung dieses Problems sollen im Rahmen des Forschungsgesetzes Bestandeserhaltungsmassnahmen koordiniert und gefördert werden.</p><p>Im Rahmen eines bereits in Auftrag gegebenen Konzeptes soll ein Netzwerk der öffentlichen Archive und Bibliotheken geschaffen werden (vgl. Botschaft Ziff. 164.1).</p><p>Mit der begonnenen Realisierung der Entsäuerungsanlage in Wimmis schafft man für die Bestandeserhaltung des Informationsträgers Papier die entscheidenden technischen Voraussetzungen.</p><p>Auf dem Hintergrund dieser Ausgangslage bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. In welchem Zeitraum ist mit der Entsäuerung der als gefährdet einzustufenden Bestände des Schweizerischen Bundesarchives (BAR) und der Schweizerischen Landesbibliothek (SLB) zu rechnen?</p><p>2. Wieviel kostet diese Entsäuerungsaktion?</p><p>3. Gibt es aufgrund der Sparvorgaben des Bundes Verzögerungen bei der Abwicklung der bereits geplanten Entsäuerungsaktion, wie sie sich vom Bestandeserhaltungsauftrag her aufdrängt? Welche negativen Folgen hat eine allfällige Verzögerung?</p><p>4. Welche Massnahmen sieht der Bundesrat ausserhalb des Entsäuerungskonzeptes vor, um sowohl die Archivierung als auch die langfristige Bestandeserhaltung digitaler Dokumente zu gewährleisten?</p><p>5. Genügt im Bereich der Archivierung und der Bestandserhaltung von digitalen Dokumenten ein Netzwerk der öffentlichen Archive und Bibliotheken, oder muss der Bund allenfalls Anstrengungen unternehmen, auf diesem Gebiet auch mit den privaten Archiven eng zusammenzuarbeiten und mit ihnen auf gemeinsame Archvierungsrichtlinien hinzuarbeiten, um in Zukunft allfällige Transfers von Beständen aus privaten in öffentliche Archive nicht unnötig zu erschweren?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Vorbemerkung</p><p>Das Problem der Erhaltung des dokumentarischen Kulturgutes der Schweiz beschäftigt den Bundesrat seit langem. In den letzten Jahren hat er in diesem Bereich eine Reihe von Anstrengungen unternommen. Zu erwähnen sind das Reorganisationsprojekt für die SLB 1991, wobei dem Parlament 1992 ein revidiertes Landesbibliotheksgesetz unterbreitet worden ist, der Entwurf für ein Archivierungsgesetzes 1997 sowie die Massnahmen zur Rettung und Erhaltung der Informationsträger unseres Landes, so u. a. die beträchtlichen Finanzmittel, die der Bundesrat dem Verein Memoriav für die Jahre 1999 bis 2001 zugesprochen hat. Memoriav befasst sich unter intensiver Beteiligung von SLB und BAR mit der Bewahrung des audiovisuellen Gedächtnisses der Schweiz.</p><p>Der Bundesrat beantwortet die Fragen des Interpellanten wie folgt:</p><p>1. Die Anlage zur Massenentsäuerung von Archivgut und Bibliotheksmaterial in Wimmis soll ihren Betrieb gegen Ende 1999 aufnehmen. Behandlungsbedürftig sind derzeit rund 2000 Tonnen; in den nächsten 10 Jahren werden nochmals rund 500 bis 800 Tonnen hinzukommen. Später soll nur noch alterungsbeständiges Papier verwendet werden. Die voraussichtliche Funktionsdauer der Anlage in Wimmis beträgt 10 Jahre. Aufgrund der ersten Betriebsetappe von 5 Jahren werden BAR und SLB die Erfahrungen auswerten und die Lage auch im Hinblick auf die Entwicklung alternativer Erhaltungstechniken neu beurteilen.</p><p>2. Die Entsäuerung eines Kilos Dokumente (was dem Gewicht eines Buches entspricht) kostet durchschnittlich 27 Franken. Der Finanzplan 2000 und die Perspektiven für die folgenden Jahre (in einer ersten Phase für 5 Jahre) sehen Kredite von einer Million Franken für jede der beiden Institutionen (SLB und BAR) vor.</p><p>3. Verzögerungen gegenüber dem ursprünglichen Plan in der Grössenordnung von 12 Monaten sind bisher im Zusammenhang mit der Systementwicklung und der Finanzierung entstanden. Anfänglich war ein Entsäuerungssystem mit einer Leistungskraft von 300 Jahrestonnen vorgesehen; dies hätte es erlaubt, die Gesamtheit der Bestände von der SLB und des BAR in ungefähr 10 Jahren zu behandeln. Genaue Berechnungen haben ergeben, dass die Betriebskosten eines solchen Systems die im Finanzplan des Bundes für das Projekt vorgesehenen 7,5 Millionen Franken übersteigen würden. Aus diesem Grund wurde die Kapazität auf 120 Tonnen pro Jahr reduziert, auf das strikte Minimum, das erforderlich ist, um die Rentabilität des Systems zu garantieren. SLB und BAR werden zwei Drittel dieser Kapazität nutzen.</p><p>4. Am 13. Januar 1999 hat der Bundesrat von einem Aussprachepapier des Eidgenössischen Departementes des Innern Kenntnis genommen, das sich zur "Erhaltung von Text-, Bild- und Tondokumenten durch Institutionen, die der Bund trägt oder mitfinanziert" äussert. Der Bundesrat kommt zum Schluss, die Erhaltung von Text-, Bild- und Tondokumenten sei eine Daueraufgabe von hoher staatspolitischer Bedeutung. Wegen der steigenden Zahl produzierter Dokumente, der wachsenden Vielfalt der Datenträger und der sich beschleunigenden Generationenfolge derselben nehmen die Anforderungen an die Bestandeserhaltung qualitativ und quantitativ zu. Die mit der Bestandeserhaltung hauptsächlich betrauten Bundesinstitutionen - BAR und SLB - erfüllen ihre Aufgabe engagiert, umsichtig und vorausschauend. Seit der Konzentration ihrer Arbeit auf Mengenprobleme in den frühen neunziger Jahren haben sich der Zustand und die Zukunftschancen der Dokumentenbestände massiv verbessert. Der Bundesrat ist der Auffassung, das bisherige Vorgehen habe sich bewährt. In den kommenden Jahren werden deshalb BAR und SLB mit dem Verein Memoriav ihre bisherige Vorgehensweise weiterverfolgen. Nach Genehmigung des Kredites für Bau und Betrieb der Anlage zur Mengenneutralisierung von Archivalien und Büchern in Wimmis wird ab Spätherbst 1999 während fünf Jahren ein wichtiges Projekt laufen. Damit können Erfahrungen gesammelt werden, welche die künftige Strategie mitbestimmen. BAR und SLB nehmen auftragsgemäss eine koordinierende Funktion zwischen den schweizerischen Archiven und Bibliotheken wahr. Sie werden diese Aktivität in den kommenden Jahren anhand konkreter Projekte verstärken - dies namentlich in bezug auf "ausserstaatliche" audiovisuelle Bestände, mit Unterstützung des Vereins Memoriav - und ein Netz der Archive und Bibliotheken knüpfen. So sollen in einigen Jahren die öffentlichen Institutionen aller Stufen gemeinsame Strategien für die Bestandeserhaltung entwickeln können.</p><p>Die im Aussprachepapier dargelegte Strategie sieht im einzelnen die folgenden sechs Massnahmen vor:</p><p>- Sensibilisierung aller betroffenen Kreise für die Problematik;</p><p>- Schaffung eines nationalen Netzwerkes, das sich um Memoriav, SLB und BAR gruppiert und als Basisstruktur für Zusammenarbeit, Informationsaustausch, freiwillige Beteiligung an Koordinationsprojekten und, wenn nötig, Aufgabenteilung dient;</p><p>- Bau neuer Speicherorte (Magazine) zur Aufnahme der stetig wachsenden Sammlungen von Dokumenten, welche Bibliotheken und Archive auch künftig in ihrer Originalform bewahren müssen;</p><p>- Schaffung eines Kompetenzzentrums für Informationswissenschaften, insbesondere für die Langzeitarchivierung elektronischer Medien;</p><p>- Abklärungen zur Einführung eines nationalen Pflichtexemplars nach dem Modell der westlichen Staaten</p><p>- Erschliessung neuer Finanzierungsquellen zugunsten der Bestandeserhaltung bei privaten Herstellern und Nutzern.</p><p>5. Eine Zusammenarbeit mit privaten Archiven ist jedenfalls wünschenswert. Das nationale Netzwerk, das sich, wie im Aussprachepapier vorgeschlagen, schrittweise um Memoriav, SLB und BAR entwickeln soll, wird sowohl die öffentlichen wie die wichtigen privaten Bibliotheken und Archive erfassen. Zudem ist vorgesehen, den Produzenten von Informationsträgern Richtlinien und Empfehlungen zu unterbreiten, die geeignet sind, die Verwendung und Kennzeichnung von alterungsbeständigen Produkten zu fördern. Bibliotheken und Archive ihrerseits werden gemeinsam erarbeitete Empfehlungen für die angemessene Aufbewahrung der Bestände und für sachgerechte Konservierungs- und Restaurierungsmethoden erhalten.</p>  Antwort des Bundesrates.