BRKE II Nr. 173/1992 vom 25. August 1992 in BEZ 1993 Nr. 20 4. c) Beim Wohnhaus des privaten Rekursgegners handelt es sich aufgrund der krassen Verletzung von Strassen -, Grenz - und Gebäudeabständen unbestrittene r- massen um ein erheblich vorschriftswidriges Gebäude. Die im 1. Obergeschoss b e- findliche Kleinwohnung soll durch einen Ausbau des Dachgeschos ses erweitert wer- den. Ang esichts des geringen Umfanges der baulichen Vorkehren (Anhebung des Daches um 0,7 m, Einbau von drei Lukarnen, untergeordnete Änderungen im Erd - und Obergeschoss) ist das Vorhaben nicht als Neubau, sondern als eine im Rahmen von § 357 Abs. 1 PBG grundsätzlich noch zulässige Erweiterung bzw. als blosser Umbau zu qu alifizieren. Es fragt sich aber, ob dem Vorhaben keine überwiegenden öffentlichen oder nachbarlichen Interessen entgege nstehen. 5. Die Grenzabstände und insbesondere die Ge bäudeabstandsnormen dienen der Schaffung von hinreiche nden wohnhygienischen Verhältnissen (Belichtung und Besonnung); sie werden darüber hinaus aus feuerpolizeilichen, siedlungsplaner i- schen und überbauungsästhetischen Gründen erlassen. Gegenüber der südwestlichen Grundstücksgrenze steht die Fassade des r e- kursbetroffenen W ohnhauses nur ca. 2,1 m entfernt. Ein ebenfalls auf der Südwes t- seite b efindlicher 3 m breiter Vorbau weist im Bereich des Erdgeschosses einen Grenzabstand von nur 1,1 m, im Bereich des Ober geschosses einen Grenzabstand von gar nur 0,8 m auf. Der Abstand zum W ohnhaus des Rekurrenten - das den e r- forderlichen Grenza bstand seinerseits um 1,6 m unterschreitet - beträgt grösste n- teils 4,5 m, im Bereich des Vorbaus dagegen nur 3,5 bzw. 3,2 m. Der ge setzliche Grenzabstand würde jedoch mi ndestens 4 m, der Gebäudeabstand 8 m betragen (vgl. Ziffern 4.1, 4.2 BauO). Die Fassade der geplanten, gegen das Nachbargebäude gerichteten, 1,6 m breiten Lukarne ist lediglich 4,5 m von der Nachbarfassade entfernt. De r äusserste Punkt des Lukarnenfirstes liegt 2,4 m über der heutigen Dachfläche. Durch die A n- hebung des Daches würde die gegen das rekurrentische Gebäude gerichtete Fa s- sadenfläche deutlich vergrössert und der Dachfirst um 0,7 m angehoben. Die baulichen Verä nderungen im Nahbereich des rekurrentischen Gebäudes hätten bei den geschilderten kleinräumigen Verhältnissen eine starke Beeinträcht i- gung der W ohnqualität im Nachbargebäude zur Folge. Insb esondere würden sie zu einer nicht hinzunehmenden Beeinträchtigung der Belichtungs - und Besonnung s- verhältnisse führen.- 2 - Der Einblick in ein Gebäude (ideelle Immission) wird durch das Baurecht nur indirekt über die Gebäudeabstandsvorschriften geschützt. Unter den gegebenen Umständen (massive Abstandsunterschreit ungen) ist i ndessen auch dieser Einwand in die Int eressenabwägung miteinzubeziehen. Durch den nachträglichen Einbau e i- nes der Fass ade seines Gebäudes in nur 4,5 m Di stanz direkt gegenüberliegenden Fensters und die damit verbundene Einsichtsmöglichkeit wird der Rekurre nt, unab- hängig von der Nutzung in dem der Dachlukarne zugeordneten Raum, übermässig betroffen. Auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass auch das rekurrentische Gebäude Abstände unterschreitet und dadurch die engen räumlichen Verhältnisse mitverursacht, überwiegen die nachbarlichen Interessen gegenüber der von der Bauherrschaft angestrebten besseren Nutzung des Gebäudes. Auch das Gebot der sparsamen Bodennutzung ist selbstverständlich nur im Rahmen der geltenden Ba u- vorschriften realisierbar und deshal b vorliegend ohne Belang. Da das Bauprojekt bereits aufgrund von entgegenstehenden privaten Intere s- sen nicht bewilligungsfähig ist, kann offen bleiben, ob ihm auch überwiegende ö f- fentliche Interessen entgegenstünden.