B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5067/2019 mel U r t e i l v o m 2 0 . N o v e m b e r 2 0 1 9 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Lorenz Noli, Richterin Daniela Brüschweiler, Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Felice Grella, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Rechtsverzögerung / N (…). D-5067/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer gelangte eigenen Angaben zufolge am 25. April 2016 – per Flugzeug von Colombo über Dubai nach Griechenland und anschliessend auf dem Landweg via Italien – illegal in die Schweiz, wo er gleichentags beim Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ ein Asylgesuch einreichte. B. Am 2. Mai 2016 wurde er im EVZ zu seiner Person, zu seinem Reiseweg sowie summarisch zu seinen Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Per- son [BzP]). C. C.a Mit Schreiben vom 3. Juni 2016 sowie vom 30. August 2016 forderte das SEM den Beschwerdeführer zur Einreichung eines Arztberichtes auf. C.b Diesen Aufforderungen kam er mit Eingaben vom 21. Juni 2016 bzw. 5. September 2016 nach. D. Mit Verfügung vom 15. September 2016 trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien an und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. E. Der Beschwerdeführer reichte durch den rubrizierten Rechtsvertreter am 27. September 2016 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung ein. F. Mit Urteil D-5986/2016 vom 16. Dezember 2016 hiess das Bundesverwal- tungsgericht diese Beschwerde gut, hob die angefochtene Verfügung vom 15. September 2016 auf und wies die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. G. In der Folge teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 24. Januar 2017 mit, dass in seinem Fall das Dublin -Verfahren beendet D-5067/2019 Seite 3 worden sei. Weiter wurde verfügt, dass das nationale Asyl - und Wegwei- sungsverfahren wieder aufgenommen und gemäss den gesetzlichen Vor- schriften durchgeführt werde. H. Mit Eingabe vom 13. November 2017 erkundigte sich der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bei der Vorinstanz nach dem aktuellen Verfahrens- stand und ersuchte – aufgrund einer anstehenden Operation im Januar oder Februar 2018 – um eine Terminvergabe bis Ende 2017 für eine ein- lässliche Anhörung. I. Am 14. Dezember 2017 wurde der Beschwerdeführer – im Beisein einer Hilfswerkvertretung (HWV) – angehört und eingehend zu den Gründen sei- nes Asylgesuchs befragt. J. J.a Mit Schreiben vom 18. März 2019 wurde der Beschwerdeführer aufge- fordert einen aktuellen ärztlichen Bericht einzureichen. J.b Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer – handelnd durch sei- nen Rechtsvertreter – innert erstreckter Frist mit Eingabe vom 14. Mai 2019 nach und ersuchte gleichzeitig um baldige Beurteilung des Asylgesuchs. K. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters datierend vom 25. April 2019 (Post- eingang beim SEM: 12. Juni 2019) reichte der Beschwerdeführer weitere Beweismittel zu den Akten und ersuchte um zeitnahen Entscheid. L. Mit Schreiben vom 18. Juni 2019 erkundigte sich das (…) – im Namen des Beschwerdeführers – nach dem aktuellen Stand des Verfahrens und bat um baldige Bearbeitung des Asylgesuchs. Weiter wurde geltend gemacht, der Beschwerdeführer leide unter dem lange dauernden Asylverfahren. M. Die Vorinstanz teilte mit Schreiben vom 11. Juli 2019 mit, das Gesuch sei zwar infolge der hohen Geschäftslast noch hängig, darüber werde aber so- bald als möglich gemäss interner Prioritätenordnung entschieden. D-5067/2019 Seite 4 N. Mit Schreiben vom 2. August 2019 (Posteingang beim SEM: 6. Au- gust 2019) reichte der Beschwerdeführer weitere Dokumente ein und er- suchte erneut darum, einen Entscheid zu erhalten, damit er und seine Fa- milie nicht weiter ins Elend gestossen und traumatisiert werden würden. O. Die Vorinstanz wiederholte daraufhin mit Schreiben vom 29. August 2019 ihre Bitte um Geduld und Verständnis. Infolge der hohen Geschäftslast sei es nicht möglich, einen Entscheid auf ein bestimmtes Datum in Aussicht zu stellen; über das Asylgesuch werde sobald als mö glich gemäss interner Prioritätenordnung entschieden. P. Mit Eingabe vom 26. September 2019 (Posteingang: 1. Oktober 2019) reichte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter beim Bundes- verwaltungsgericht eine Rechtsverzögerungsbeschwerde ein. Dabei bean- tragte er, es sei festzustellen, dass das SEM gegen das Beschleunigungs- gebot sowie die Verfahrensfristen des Asylgesetzes verstossen habe und dass die Vorinstanz zu verpflichten sei, das Asylverfahren mit einem Ent- scheid abzuschliessen. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Zur Begründung seiner Rechtsmittelanträge führte er im Wesentlichen aus, sein Asylgesuch vom 25. April 2016 sei bis heute pendent. Anfragen be- treffend den Abschluss des Verfahrens mittels eines Entscheids seien vom SEM jeweils abschlägig beantworten worden. Die entsprechenden Gesu- che um rasche Verfahrenserledigung seien mit de r pauschalen Begrün- dung, dass andere Dossiers eine höhere Priorität aufweisen würden und wegen hoher Geschäftslast sowie Überlastung keine verbindlichen Zusa- gen betreffend die Weiterführung des Verfahrens möglich seien, abgelehnt worden. Der Vorinstanz würden seit längerer Zeit alle Unterlagen und Be- fragungsprotokolle vorliegen, womit die Sache entscheidungsreif sei. Des Weiteren sei ihr bekannt, dass sowohl der Beschwerdeführer als auch seine Familie im Herkunftsland aufgrund des bald vier Jahre andauernden Verfahrens und der damit einhergehenden anhaltenden Ungewissheit lei- den würden. Den einschlägigen Statistiken der Vorinstanz könne entnom- men werden, dass sie 2018/2019 über einen Höchststand an Fachpersonal und Einrichtungen verfüge und daher in der Lage sei, alle Gesuche innert Frist zu erledigen. Zudem sei publiziert worden, dass die Asylgesuche D-5067/2019 Seite 5 2018/2019 einen Tiefstand erreicht hätten. Folglich könne den vorinstanz- lichen Vorbringen hinsichtlich der Geschäftslast und Überlastungen des Personals nicht gefolgt werden. Zudem habe die Vorinstanz keinerlei Akti- vitäten oder dergleichen geltend gemacht, welche den Verfahrensstillstand erklärbar machen würden. Damit müsse mit hoher Wahrscheinlichkeit da- von ausgegangen werden, dass eine Rechtsverzögerung und eine Verlet- zung des Beschleunigungsgebots sowie der Verfahrensfristen des AsylG vorliege. Q. Mit Zwischenverfügung vom 8. Oktober 2019 hiess der Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege i.S.v. Art. 65 Abs. 1 VwVG unter der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorge- bestätigung gut, verzichtet auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und wies das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung i.S.v. Art. 65 Abs. 2 VwVG ab. Gleichzeitig forderte er den Beschwerdeführ er – unter der Androhung, bei ungenutzter Frist werde auf die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung zurückgekommen – auf, bis am 23. Okto- ber 2019 eine Fürsorgebestätigung nachzureichen. Dem SEM wurden die Rechtsverzögerungsbeschwerde vom 26. September 2019 und die Akten zur Vernehmlassung zugestellt und Frist zur Stellungnahme bis zum 23. Oktober 2019 angesetzt. R. Mit Schreiben vom 14. Oktober 2019 liess der Beschwerdeführer eine Für- sorgebestätigung der (…) vom 10. Oktober 2019 nachreichen. S. Die Vorinstanz liess sich am 22. Oktober 2019 (Posteingang: 25. Okto- ber 2019) vernehmen. Dabei hielt sie sinngemäss fest, ihr sei bewusst, dass das lange Warten und die Ungewissheit über den Verfahrensausgang für die Betroffenen bedrückend und eine Verfahrensdauer von dreieinhalb Jahren – aus Sicht des Einzelfalles – unbefriedigend sei. Angesichts der hohen Anzahl an Asylgesuchen im Jahr 2015 und in den folgenden Jahren sei es aber nicht möglich, jedes Gesuch innerhalb wünschenswerter Frist zu entscheiden. Im F alle des Beschwerdeführers seien keine triftigen Gründe ersichtlich, die geeignet wären, von der Prioritätenordnung abzu- sehen und sein Gesuch vorzuziehen. Es wäre aus Gerechtigkeitsgründen stossend, wenn aufgrund Einreichung einer Rechtsverzögerungsbe- schwerde Vorzugshandlungen gegenüber anderen Asylsuchenden erreicht würden, die bereits länger auf einen Entscheid warten müssten. D-5067/2019 Seite 6 T. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer mit Instruktionsverfü- gung vom 29. Oktober 2019 übermittelt. Gleichzeitig wurde er eingeladen, bis zum 13. November 2019 eine Replik einzureichen. U. In der Replik vom 31. Oktober 2019 (Posteingang: 1. November 2019) hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest und entgegnete, die Vorinstanz habe in ihrem Schreiben vom 29. August 2019 festgehalten, dass bis auf Weiteres kein Entscheid in Aussicht gestellt werden könne. Da im Schreiben vom 22. Oktober 2019 jedoch keine anstehenden Sachver- haltsabklärungen oder dergleichen geltend gemacht worden seien, müsse davon ausgegangen werden, dass das Gesuch entscheidungsreif sei. Die lange Verfahrensdauer von 42 Monaten und die Tatsache, dass die Vorinstanz weiterhin keine zeitlich verbindlichen Angaben mache, sei für ihn – insbesondere weil dem SEM sein e gesundheitlichen und ex ternen Einschränkungen sowie diejenigen seiner Familie bekannt sei – belastend und bedauerlich. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das Asylgesetz (AsylG; SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsb estimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 2. 2.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerde n gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Gegen das unrecht- mässige Verweigern oder Verzögern einer anfechtbaren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung einer Beschwerde ge- gen eine ordnungsgemäss ergangene Verfügung zuständig wäre, Be- schwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. dazu auch MARKUS D-5067/2019 Seite 7 MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 3 zu Art. 46a). Das Bundesverwaltungsgericht ist damit zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da weder vom Beschwerdeführer vorgebr acht wird, das SEM verweigere den Erlass einer Verfügung, noch das Verhalten des SEM einen solchen Schluss zulässt, ist die vorliegende Beschwerde allein unter dem Aspekt einer allfälligen Rechtsverzögerung zu prüfen. 2.2 Rechtsverzögerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichterlass einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdelegitimation setzt voraus, dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass einer Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch ist anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu han- deln und der ansprechenden Person nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2, m.w.H.). Vorliegend ersuchte der Beschwerdeführer am 25. April 2016 in der Schweiz um Asyl. Über dieses Gesuch hat die Vorinstanz in Form einer anfechtbaren Verfügung zu befinden. Eine solche ist bis anhin nicht ergan- gen. Der Beschwerdeführer ist daher zur Beschwerdeführung legitimiert. 2.3 Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer Verfü- gung kann jederzeit Beschwerde geführt werden (Art. 46a i.V.m. Art. 50 Abs. 2 VwVG). Die zeitliche Grenze bildet der Grundsatz von Treu und Glauben. Bietet eine bestimmte behördliche Handlung oder Äusserung ob- jektiv begründeten Anlass für eine Rechtsverweigerungs- oder Rechtsver- zögerungsbeschwerde, darf nicht beliebig lange zugewartet werden. Viel- mehr muss die Beschwerde innert angemessener Frist erhoben werden. Was angemessen ist, bemisst sich nach den konkreten Umständen, na- mentlich nach der der betroffenen Person zumutbaren Sorgfaltspflicht. Jene muss darlegen, dass sie zur Zeit der Beschwerdee inreichung ein schutzwürdiges – mithin aktuelles und praktisches – Interesse an der Vor- nahme der verzögerten Amtshandlung respektive der Fests tellung einer entsprechenden Rechtsverzögerung hat (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH- LER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 5.23). Das schutzwürdige Interesse des Beschwerdeführers an der Vornahme der allenfalls verzögerten Amtshandlung ergibt sich vorliegend aus der Tat- sache, dass die Vorinstanz bislang nicht in der Sache entschieden hat, aus D-5067/2019 Seite 8 dem rechtstaatlichen und dem spezialgesetzlichen Anspruch auf beförder- liche Behandlung sowie aus dem in den diversen Eingaben zum Ausdruck gebrachten Interesse an einer prioritären und schnellen Entscheidung. Hin- sichtlich der Frage der Opportunität des Zeitpunkts der Beschwerdeerhe- bung ist auf die nachfolgenden Erwägungen zu verweisen (vgl. E. 4.4). 2.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist a uf die frist- und form- gerecht eingereichte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Rechtsverzögerungsbe- schwerde einzutreten. 3. Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich vorliegend auf die Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverzögerungsverbot verletzt hat. Im Falle einer Gutheissung der Beschwerde weist es die Sa- che mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Hingegen ist das Gericht nicht dazu befugt, sich dazu zu äussern, wie ein unrechtmässig verzögerter Entscheid inhaltlich hätte aus- fallen sollen, da es – Spezialkonstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig gebliebenen Behörde entscheiden darf, andernfalls der Instan- zenzug verkürzt und möglicherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten ver- letzt würden (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.1.2, m.w.H.). 4. 4.1 Das Verbot der Rechtsverzögerung ergibt sich als Teilgehalt aus der allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 BV. Danach hat jede Person Anspruch auf eine Beurteilung ihrer Sache innert angemessener Frist (sog. Beschleunigungsgebot). Diese Verfassungsgarantie gilt für alle Sachbereiche und alle Akte der Rechtsanwendung (vgl. BGE 130 I 174 E. 2.2, m.w.H.). 4.2 Von einer Rechtsverzögerung im Sinne des Gesetzes ist nach Lehre und Praxis auszugehen, wenn behördlic hes Handeln zwar nicht (wie bei einer formellen Rechtsverweigerung) grundsätzlich infrage steht, aber die Behörde nicht innert der Frist handelt, die nach der Natur der Sache objek- tiv noch als angemessen erscheint. Die Angemessenheit der Dauer eines Verfahrens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Um- stände zu beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei namentlich die Kom- plexität der Sache, das Verhalten der betroffenen Beteiligten und der Be- hörden, die Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Partei sowie ein- zelfallspezifische Entscheidungsabläufe (vgl. zum Ganzen BGE 130 I 312 E. 5.1 und 5.2, m.w.H.). D-5067/2019 Seite 9 Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausge- setzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann verletzt, wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert angemes- sener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c; 103 V 190 E. 5c). Spezialgesetzliche Behandlungsfristen sind bei der Be- urteilung der Angemessenheit der Verfahren sdauer zu be rücksichtigen (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1438/2018 vom 5. April 2018 E. 3.2, m.w.H.). 4.3 Gemäss aArt. 29 Abs. 1 Bst. b AsylG hört das SEM die Asylsuchenden innerhalb von 20 Tagen nach dem Entscheid über die Zuweisung in den Kanton zu den Asylgründen an. Materiell ist über Asylgesuche erstinstanz- lich in der Regel innerhalb von zehn Arbeitstagen nach der Gesuchstellung zu entscheiden (aArt. 37 Abs. 2 AsylG). 4.4 Vorab ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht Kenntnis von der nach wie vor hohen Pendenzenzahl beim SEM und den von ihm erwähnten Umständen, welche die Einführung der neuen Asylgesetzesbe- stimmungen im März 2019 mit sich gebracht haben , hat. Das Gericht er- achtet es nicht nur als nachvollziehbar, sondern als unvermeidba r, dass nicht alle (altrechtlichen) Verfahren innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Behandlungsfristen von aArt. 37 Abs. 2 AsylG abgeschlossen werden kön- nen, sondern länger dauern, insbesondere, wenn sich noch Abklärungs - oder Instruktionsmassnahmen aufdrängen. Dennoch kann diesbezüglich nicht von einer gerechtfertigten Verfahrensverzögerung ausgegangen wer- den, zumal Personalmangel eine Verzögerung eben nicht rechtfertigt (vgl. BGE 138 II 513, E 6.4). Vorliegend ist festzustellen, dass das vorinstanzliche Verfahren teilweise nur schleppend voranging. Der Beschwerdeführer hat am 25. April 2016 um Asyl nachgesucht und am 2. Mai 2016 wurde er summarisch befragt. Nachdem die Vorinstanz mit Schreiben vom 24. Januar 2017 mitteilte, dass das Asylgesuch gestützt auf den Entscheid des Bundesverwaltungs- gerichts D-5986/2016 vom 16. Dezember 2016 in der Schweiz durchge- führt werde, blieb das Verfahren, welches weder formell noch faktisch sis- tiert worden war, über längere Zeit unbearbeitet. Erst auf Ersuchen des Beschwerdeführers mit Schreiben vom 13. November 2017, wurde er schliesslich am 14. Dezember 2017 ausführlich befragt. Für ihn war folglich im Zeitraum vom 24. Januar 2017 bis am 14. Dezember 2017 nicht er- kennbar, ob Abklärungen in seiner Sache gemacht wurden. Auch ob nach der Anhörung weitere Schritte unternommen wurden, ist nicht ersichtlich; D-5067/2019 Seite 10 den vorinstanzlichen Akten sind diesbezüglich keine Hinweise zu entneh- men. Bei diesem Ergebnis und in Anbetracht der gesundheitlichen Beein- trächtigung des Beschwerdeführers könnte für diesen Zeitraum von einer Verschleppung des Verfahrens und mithin von einer Rechtsverzögerung gesprochen werden. Gleichzeitig ist aber festzustellen, dass sich der Be- schwerdeführer während diesen knapp 15 Monaten – vom 14. Dezem- ber 2017 bis zum Schreiben der Vorinstanz vom 18. März 2019 – nicht nach dem Verfahrensstand erkundigt oder eine Rechtsverzögerungsbe- schwerde eingereicht hat. Indessen wusste der Beschwerdeführer ab Erhalt des Schreibens vom 18. März 2019, aus welchem ersichtlich ist, dass die Vorinstanz das Dossier weiterbearbeitet und sich im Detail mit einzelnen Fragen auseinan- dersetzt, dass sein Gesuch behandelt wird und sei ne Vorbringen geprüft werden. Die Vorinstanz forderte ihn i m diesbezüglichen Schreiben denn auch auf, einen aktuellen ärztlichen Bericht einzureichen. Dieser Aufforde- rung kam der Beschwerdeführer, erst nachdem er zwei Mal um eine Fris- terstreckung ersuchte , mit Schreiben vom 14. Mai 2019 nach. Zudem reichte er mit Eingaben datierend vom 25. April 2019 (Posteingang: 12. Juni 2019) und 2. August 2019 unaufgefordert weitere Beweismittel ein. Somit wurde das Verfahren nicht zuletzt durch seine wiederholten er- gänzenden Eingaben in die Länge gezogen . Im Übrigen erwies sich die Angelegenheit aufgrund der sich fortlaufend wieder ändernden Aktenlage bis im August 2019 – entgegen den Aus führungen des Beschwerdefüh- rers – bisher gerade nicht als entscheidungsreif. Obwohl die Vorinstanz in ihren Antwortschreiben auf die Gesuche um baldige Verfahrenserledigung vom 11. Juli 2019 und 29. August 2019 inhaltlich weitgehend unverbindlich blieb (Verständnisbezeugung für das Anliegen, Begründung mit Penden- zenlast und erklärtes Bemühen um beschleunigte Erledigung, jedoch aus- drücklich ohne bestimmte Zeitraumangabe), gab sie damit nicht zu verste- hen, dass sie nicht bereit wäre, das Asylgesuch zu behandeln. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer in seinem Schreiben vom 18. Juni 2019 seinerseits bloss sehr allgemein darum gebeten hat "den Antrag bald zu bearbeiten" und auch mit seinen Eingaben datierend vom 14. Mai 2019, 25. April 2019 sowie 2. August 2019 nicht um die An- gabe eines klaren Entscheidzeitpunkts ersuchte. 4.5 Zusammenfassend ist dem Beschwerdeführer zwar zuzustimmen , dass das Asylverfahren nunmehr über dreieinhalb Jahre und damit schon eine länger e Zeit dauert. In Anbetracht der konkreten Verfahrensge- schichte erscheint es bei einer Gesamtbetrachtung jedoch nicht angezeigt, D-5067/2019 Seite 11 vorliegend allein auf die Gesamtdauer des anhängigen Verfahrens abzu- stellen. Aufgrund der Aktenlage vermag der Beschwerdeführer nicht darzu- legen, dass das SEM im Zeitpunkt der Erhebung der Rechtsverzögerungs- beschwerde am 26. September 2019 den Erlass eines Entscheids über das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 25. April 2016 unrechtmässig im Sinne von Art. 46a VwVG verzögert hätte. Eine Verletzung des Be- schleunigungsgebots von Art. 29 Abs. 1 BV liegt nicht vor. 5. Nach dem Gesagten erweist sich die Rüge der Rechtsverzögerung als un- begründet, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. Die vorinstanzlichen Akten gehen zur Fortführung des Asylverfahrens an das SEM zurück. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten grund- sätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm indes mit Zwischenverfügung vom 8. Oktober 2019 die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, ist von einer Kostenerhebung abzusehen. (Dispositiv nächste Seite) D-5067/2019 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Kathrin Rohrer