Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. April 2022 (715 21 365 / 84) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Formlose Mitteilung betreffend Leistungseinstellung nicht in Rechtskraft erwachsen; Be- rufskrankheit: Wenn auf Grund medizinischer Forschungsergebnisse ein Erfahrungswert dafür besteht, dass eine berufsbedingte Entstehung eines bestimmten Leidens von sei- ner Natur her nicht nachgewiesen werden kann, dann schliesst dies den (positiven) Be- weis auf qualifizierte Ursächlichkeit im Einzelfall aus. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Martina Somogyi Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Julia Blattner, Rechtsan- wältin, ThomannFischer, Elisabethenstrasse 30, Postfach, 4010 Ba- sel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A.1 A.____, geboren 1962, arbeitete von 2. Februar 1 990 bis 31. Januar 2021 bei der B.____ AG und war dort zuletzt als Leiter der Schlosserei tä tig. Über seine Arbeitgeberin war er bei der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen Unfälle und Berufskrank- heiten versichert. Gemäss Schadensmeldung vom 3. Dezembe r 2020 habe sich A.____ am 14. April 2020 beim Schwingen eines schweren Vorschlaghammers an der rechten Schulter ver- letzt. Infolge dieses Ereignisses stellte sich A.____ erstm als am 22. Juni 2020 bei Dr. med. C.____ vor, welche eher ein subacrominales Impingement als einen Riss der Rotatorenman- schette diagnostizierte. Nach dem Erstellen von Röntgen- und Ultraschallbildern am 10. Juli 2020 und der Durchführung einer Arthrographie sowie einer Arthroskopie am 9. Dezember 2020 wurde A.____ am 26. Januar 2021 endoskopisch durch Dr. med. D.____ an der rechten Schulter ope- riert. Dr. D.____ die Diagnose einer tiefen Teilruptur der Rotatorenmanschette, im Speziellen der Supra- und Infraspinatussehne. Darauffolgend klärte die Suva den medizinischen Sachverhalt ab und erbrachte gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung von Dr. med. E.____, FMH Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 2. März 2021 gesetzliche Ver- sicherungsleistungen bis Ende September 2020 mit der Begründung, dass spätestens zu diesem Zeitpunkt die Folgen aus dem Ereignis vom 14. April 2020 abgeheilt seien. Darüber informierte die Suva A.____ anlässlich des Telefongesprächs vom 8. Mär z 2021 und mit Bestätigungsmail vom 9. März 2021 formlos. A.2 Nachdem A.____ die Suva am 8. März 2021 auf den vo n Dr. D.____ geäusserten Ver- dacht hingewiesen hatte, die Schulterbeschwerden seien auf seine berufliche Tätigkeit zurückzu- führen, überprüfte die Suva ihre Leistungspflicht erneut. Mit Verfügung vom 19. Juli 2021 lehnte sie einen über September 2020 hinausgehenden Leistungsanspruch von A.____ mit der Begrün- dung ab, es läge keine Berufskrankheit vor. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 30. Sep- tember 2021 fest. B. Gegen den Einspracheentscheid vom 30. September 202 1 erhob A.____ am 25. Okto- ber 2021, vertreten durch die Rechtsanwältin Julia Blatt ner, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Ka ntonsgericht). Er beantragte unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdege gnerin oder des Staates die voll- ständige Aufhebung des Einspracheentscheids vom 30. Septe mber 2021 und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen der Unfallversicherung, eventualiter die Einholung eines Gutachtens aus dem Fachbereich Arbeitsmedizin, eventualiter aus den Fachbereichen Orthopädische Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates zur Abklärung des Vorliegens einer Berufs- krankheit. C. In ihrer Vernehmlassung vom 8. November 2021 schloss di e Suva auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar si nd, kann gegen Einsprache-ent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist gemäss Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zurzeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat (Abs. 1). Be- findet sich der Wohnsitz der versicherten Person im Auslan d, so ist das Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem sich ihr letzter sch weizerischer Wohnsitz befand oder in dem ihr letzter schweizerischer Arbeitgeber Wohnsitz hat; lässt sich keiner dieser Orte ermitteln, so ist das Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem das Durchführungsorgan seinen Sitz hat (Abs. 2). Der Beschwerdeführer wohnt in X.____, womit für die örtliche Zustän- digkeit der Wohnsitz des letzten schweizerischen Arbeitgebers massgeblich ist. Der Versicherte arbeitete zuletzt bei der B.____ AG in Y.____ (BL). Die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft ist damit zu bejahen. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2.1 Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob di e Beschwerdegegnerin ihre Versicherungs- leistungen zu Recht per Ende September 2020 einstellte und über diesen Zeitpunkt hinausge- hende Leistungen verneinte. Vorab gilt es dabei in pro zessualer Hinsicht zu beurteilen, ob die Beschwerdegegnerin im vorliegenden Verfahren auf ihre am 8. März 2021 formlos mitgeteilte Leistungseinstellung per Ende September 2020 zurückzukomme n hat, welche sie gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung von Dr. E.____ vom 2. Mä rz 2021 mit degenerativen Veränderun- gen der Rotatorenmanschette begründete. 1.2.2 Gemäss Art. 49 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungst räger über Leistungen, Forderun- gen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstan- den ist, eine schriftliche Verfügung zu erlassen. Die Verfügungen werden mit einer Rechtsmittel- belehrung versehen und sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll ent- sprechen (Art. 49 Abs. 3 ATSG). Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die nicht unter Art. 49 Abs. 1 ATSG fallen, können in Anwendung von Ar t. 51 Abs. 1 ATSG in einem formlosen Verfahren behandelt werden. Die betroffene Person kann nach Art. 51 Abs. 2 ATSG den Erlass einer Verfügung verlangen. Zwar bezieht sich Art. 51 AT SG ausdrücklich nur auf das zulässige formlose Verfahren, doch erachtet es die Rechtsprechung – in Analogie zu Art. 51 Abs. 2 ATSG – auch dann als angezeigt, dass die versicherte Person einen Entscheid in Form einer Verfügung verlangen kann, wenn der Versicherungsträger zu Unrecht formlos und nicht mittels Verfügung entschieden hat (BGE 134 V 145 E. 5.1). Die Frist für eine Intervention der betroffenen Person gegen den unzulässigerweise formlos mitgeteilten Entscheid beträgt im Regelfall ein Jahr seit der Mitteilung. Eine längere Frist kommt allenfalls dann i n Frage, wenn die betroffene Person – ins- besondere wenn sie rechtsunkundig und nicht anwaltli ch vertreten ist – in guten Treuen anneh- men durfte, der Versicherer habe noch keinen abschliessend en Entscheid fällen wollen und sei mit weiteren Abklärungen befasst (BGE 134 V 145 E. 5.3). Ohne fristgerechte Intervention erlangt der Entscheid rechtliche Wirkung, wie wenn er zulässiger weise im Rahmen von Art. 51 Abs. 1 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ATSG ergangen wäre (BGE 134 V 145 E. 5.4; Urteil de s Bundesgerichts vom 5. März 2018, 8C_536/2017, E. 3.4). 1.2.3 Zu prüfen ist somit, ob die formlose Mitteilung vom 8. März 2020 betreffend die Ableh- nung eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Er eignis vom 14. April 2020 und den Beschwerden an der rechten Schulter über Ende September 2020 hinaus mangels rechtzei- tiger Intervention des Beschwerdeführers in Rechtskraft erwachsen ist. Dabei ist zu beachten, dass dem Beschwerdeführer anlässlich des Telefongesprächs vom 8. März 2021 in Aussicht ge- stellt wurde, dass die Suva ihre Leistungspflicht weiter hin überprüfe. Mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit ist deshalb davon auszugehen, dass der Versich erte nach Treu und Glauben an- nahm, die Beschwerdegegnerin habe noch keine abschliessende Entscheidung getroffen, und er aufgrund dessen nicht unmittelbar den Erlass einer an fechtbaren Verfügung verlangte. Ausser- dem war der Versicherte zum Zeitpunkt der formlosen Mit teilung am 8. März 2021 noch nicht anwaltlich vertreten. Im Rahmen des Einspracheverfahrens ersuchte der Beschwerdeführer, ver- treten durch die Rechtsanwältin Julia Blattner, mit Eingabe vom 13. September 2021 sodann um die Ausrichtung der «gesetzlichen Leistungen», eventuali ter um die Beurteilung des «Unfallbe- griffes» durch ein Gutachten aus dem Fachbereich Arbeitsmedizin, eventualiter aus den Fachbe- reichen Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates. Dass der Be- schwerdeführer seinen Antrag unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 19. Juli 2021 insbeson- dere mit einer Berufskrankheit begründete und sich nicht weiter zum Vorliegen von Unfallfolgen oder Folgen einer unfallähnlichen Körperschädigung äusserte, schadet ihm im Übrigen nicht. Die Einspracheinstanz hat den Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen zu beachten und ist folglich auch nicht an die Begründung des Einsprecher s gebunden (MARCO WEISS , Das Ein- spracheverfahren nach Art. 52 ATSG, in: Kieser/Lendfers [Hrsg.], Jahrbuch zum Sozialversiche- rungsrecht [JaSo] 2020, S. 241), weshalb es genügt, das s der Beschwerdeführer deutlich zum Ausdruck brachte, dass er mit der Leistungseinstellung pe r Ende September 2020 nicht einver- standen war und er deshalb um Neubeurteilung seines Lei stungsanspruchs im Sinne der «ge- setzlichen Leistungen» ersucht. Im Ergebnis intervenierte der Beschwerdeführer spätestens mit der Einsprache vom 13. September 2021, und damit rechtzeitig innert der seit 8. März 2021 lau- fenden Jahresfrist gegen die Leistungseinstellung per S eptember 2020, weshalb die formlose Mitteilung vom 8. März 2021 nicht in Rechtskraft erwachs en ist und der Beurteilung des natürli- chen Kausalzusammenhangs zwischen dem Ereignis vom 14. Apr il 2020 und den Schulterbe- schwerden über September 2020 hinaus nichts entgegensteht. 1.3 Somit ist auf die im Übrigen frist- und formger echt eingereichte Beschwerde vom 25. Ok- tober 2021 einzutreten. 2. Im Sinne der Ausführungen in E. 1.2 ist die Frage nach der gesetzlichen Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin (Heilbehandlung und Taggeldleistungen) über September 2020 hinaus hinsichtlich sämtlicher in Betracht kommender Anspruchsgrundlagen zu prüfen. 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsun- fällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu ge währen. Art. 6 Abs. 2 UVG verpflichtet Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Unfallversicherer zudem zur Leistungserbringung bei Vorliegen einer sog. unfallähnlichen Körperschädigung, sofern diese nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzufüh- ren ist. Nach Art. 9 Abs. 3 UVG sind Berufskrankheiten von ihrem Ausbruch an einem Berufsun- fall gleichgestellt, sofern das Gesetz nichts anderes best immt. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung von Unfallfolgen und Berufs- krankheiten (Heilbehandlung), wobei der Unfallversichere r die Pflegeleistungen so lange zu er- bringen hat, als davon eine namhafte Besserung des Ges undheitszustandes erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 Satz 1 UVG). Ist die versicherte Per son infolge des Unfalles oder der Be- rufskrankheit voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld, wobei dieses bei voller Arbeitsunfähig keit 80 % des versicherten Verdienstes beträgt (Art. 17 Abs. 1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und erlischt mit der Wiedererlangu ng der vollständigen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt unter anderem voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis (Unfall, unfallähnliche Körperschädigung oder Berufs- krankheit) und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritäts- schädigung) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. U rsachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ob zwischen einem schädigenden Ere ignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsan- wendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegen- den Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög lichkeit eines Zusammenhangs ge- nügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weite ren voraus, dass zwischen dem versi- cherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des einget retenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 456 E. 5a mit Hinweisen). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren u nd der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATS G und Art. 61 lit. c ATSG) be- herrscht. Danach haben Verwaltung und Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollstän- dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. 4.2 Das Sozialversicherungsgericht hat seinen Entscheid, s ofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BG E 144 V 427 E. 3.2). Der Untersu- chungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Bewe isführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweisl ast nur insofern, als im Falle der Beweislo- sigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt , die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdi- gung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirk- lichkeit zu entsprechen (BGE 144 V 427 E. 3.2 mit Hinweisen). 4.3 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 157 E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweis- würdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ander en Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemä ss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhän gig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Be- urteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, weshalb es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entschei- dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfa ssend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurtei- lung der medizinischen Situation einleuchtet und ob di e Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gege- benen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 f.). So wird zur Frage der bewe isrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grun dsatz betont, wonach alleine ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherungsträger nicht schon auf mangelnde Objek- tivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Diesen Berichten kommt al- lerdings nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verf ahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Ger ichtsgutachten, sie sind aber soweit Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 465 E. 4.7). 5.1 Zur Beurteilung des medizinischen und berufsspezifisc hen Sachverhalts liegen im We- sentlichen die nachfolgenden Unterlagen vor. 5.2 Nachdem sich der Versicherte infolge des Ereignisses vom 14. April 2020 erstmals am 22. Juni 2020 bei seiner Hausärztin Dr. C.____ vorges tellt hatte, stellte diese gleichentags fest, der Versicherte leide an Schmerzen und einer funktionel len Beeinträchtigung an der rechten Schulter. Sie äusserte den Verdacht, die geklagten Beschwerden seien eher auf ein subacromi- ales Impingement als auf eine Ruptur der Rotatorenmanschette zurückzuführen. 5.3 Im Auftrag von Dr. C.____ führte Dr. med. F.____ am 10. Juli 2020 eine Röntgen- und Ultraschalluntersuchung der rechten Schulter des Versicherten durch. Entsprechend seinem Be- richt habe er anhand der Röntgenbilder keine «tendin opathie calcifiante» der Rotatorenman- schette feststellen können. Der Ultraschallbefund habe ei ne «ténosynovite bicipitale» ergeben. Es sei ein «nodule de tendinose» zu beobachten, welcher auf eine «rupture partielle non transfi- xiante de la portion distale ventrale moyenne du susépineux» zurückzuführen sei. 5.4 Dr. C.____ attestierte dem Versichertem erstmals am 7. Oktober 2020 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 7. Oktober 2020 bis vorerst zum 9. Oktober 2020. In der Folge bestätigte ihr Nachfolger, Dr. med. G.____, die 100%-ige Arbeitsunfähigkeit seit 30. Oktober 2020 kontinu- ierlich. 5.5 Das Arbeitsprofil des Versicherten als Leiter Schlosser ei umfasste gemäss Zwischen- zeugnis vom 20. November 2020 folgende Aufgaben: Koordinieren der Mitarbeiter (fünf Schweis- ser und ein Brennmaschinenbediener), Festlegen von Zusa mmenbauabfolgen (Heften) grosser Bauteile bis 100 Tonnen, Definieren von Zugaben für die Brennschneidmaschine, Optimieren von Schweissparametern an den Schweissgeräten, Kranhandlin g von sehr schweren Bauteilen bis 100 Tonnen, Festlegen von Schweissfolgen, Bestellen von Schweisszubehör, Instandhalten von Schweisszubehör, Kontrollieren der Schweissarbeit, Kommissionieren der Schweissteile, Richten von Blechen und Bauteilen mit dem Gasbrenner, Kontro llieren der Schweisszeichnungen auf Vollständigkeit, Schweissen von Zylinderböden mit halbautomatischer Schweissvorrichtung, Zu- sammenbau (Heften) von kleinen bis sehr grossen und schweren Bauteilen. 5.6 Nach Zuweisung durch Dr. D.____ vom 4. August 2020 berichtete Dr. med. H.____ am 9. Dezember 2020, die beim Versicherten durchgeführten Arthographie und Arthroskopie liessen zwar eine mässige akromioklavikuläre Arthropathie und die Entstehung einer «démineralisation micro-géodique céphalique humérale supérieure» erkennen, ansonsten sei die Arthro-CT-Bilanz unauffällig, insbesondere sei keine Verletzung der Rotatorenmanschette festzustellen. 5.7 Anlässlich des Telefongesprächs mit der Beschwerdege gnerin vom 23. Dezember 2021 schilderte der Versicherte, er habe mit einem Kran am 14. April 2020 einen etwa 800 Kilogramm schweren Zylinder auf einen Drehtisch von ca. 40 Zentimet er Höhe gehievt. Danach sei er auf Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Drehtisch gestiegen und habe mit einem gut fünf K ilogramm schweren Kunststoffhammer auf den Zylinder geschlagen, um diesen zu zentrieren. Während des Schlagens habe er das Gleichgewicht verloren. Er sei zuerst mit einem Bein am B oden aufgetreten, habe den Hammer fallen lassen und den Sturz nach vorne mit beiden Händen abgefedert. Mit der rechten dominan- ten Hand habe er sich auf einer Euro-Palette abgestütz t. Schlussendlich habe er in seitlicher Linkslage am Boden gelegen. Trotz Schmerzen habe er weitergearbeitet. 5.8 Am 18. Januar 2021 teilte Dr. D.____ mit, der Ve rsicherte leide an einer nicht-transifixie- renden Teilruptur der Rotatorenmanschette der rechten Schulter, wobei 50 % der Sehnen geris- sen seien. Aufgrund dessen schlage er seinem Patienten eine endoskopische Dekompression in Verbindung mit einer endoskopischen Rekonstruktion zu r Verstärkung der Supraspinatussehne vor. 5.9 Die Beschwerdegegnerin wandte sich darauffolgend a n ihre Kreisärztin Dr. med I.____, FMH Allgemeine Innere Medizin. Diese konnte gemäss Stellungnahme vom 20. Januar 2021 an- hand der bisherigen Untersuchungsergebnisse nicht beurteilen, ob das gemeldete Ereignis vom 14. April 2020 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu zusätzlichen strukturellen Läsionen ge- führt habe. Sie empfahl deshalb, eine Magnetresonan ztomografie (MRT) der rechten Schulter vorzunehmen sowie den zu erwartenden Operationsbericht von Dr. D.____ einzuholen. 5.10 Am 26. Januar 2021 berichtete Dr. D.____ mittels handschriftlich ausgefüllten, kaum les- baren Formulars über die gleichentags erfolgte Operat ion. Mit Schreiben vom 3. Februar 2021 führte er dazu aus, der endoskopische Eingriff habe di e Verstärkung der teilweise gerissenen Rotatorenmanschette und im Speziellen der Supra- und Infraspinatussehne umfasst. 5.11 Dr. D.____ stellte anlässlich der Nachkontrolle vom 1. März 2021 eine Verbesserung der Schulterbeschwerden fest. Einzig in der Aussenrotation und der Antepulsion sei die Schulter noch etwas steif, weshalb er dem Versicherten Physiotherapie verordne. 5.12 Mit kreisärztlicher Stellungnahme vom 2. März 2021 kam Dr. E.____ zum Schluss, das Ereignis vom 14. April 2020 habe nicht mit überwiegend er Wahrscheinlichkeit zu zusätzlichen strukturellen Läsionen geführt. Vielmehr handle es sich um degenerative Veränderungen der Ro- tatorenmanschette. Nach Prellung der Schulter seien die Beschwerden spätestens per Ende Sep- tember 2020 abgeheilt. Dementsprechend sei der Schaden, welcher am 26. Januar 2021 operiert wurde, nicht auf das genannte Ereignis zurückzuführen. 5.13 Nachdem der Versicherte die Beschwerdegegnerin im Rahmen der formlosen Mitteilung vom 8. März 2021 darauf hingewiesen hatte, dass der Op erateur Dr. D.____ seine Schulterbe- schwerden auf die berufliche Tätigkeit zurückführe, gab sie gestützt auf die kreisärztliche Stel- lungnahme von Dr. med. J.____ und Dr. med. K.____, F MH Innere Medizin, Pneumologie und Arbeitsmedizin, vom 22. März 2021 zwecks Abklärung einer die Schulterbeschwerden auslösen- den Berufskrankheit eine Aussendienstabklärung in Auftrag . Auf kreisärztliche Empfehlung ver- suchte sie zudem, einen gut leserlichen Operationsbericht von Dr. D.____ erhältlich zu machen sowie die durch Dr. F.____ erstellten Röntgen- und Ultraschall-Bilder einzuholen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.14 In Konkretisierung seiner Angaben vom 23. Dezembe r 2021 berichtete der Versicherte anlässlich der Aussendienstbefragung vom 7. April 2021, er habe den Sturz mit ausgestrecktem rechten Arm (nach vorne haltend) aufgefangen. Nach dem Sturz habe er sofort messerstichartige Schmerzen verspürt. Die Beweglichkeit sei nur noch bis z ur Horizontalen möglich gewesen. Da die Schmerzen langsam zurückgegangen seien, habe er normal weitergearbeitet. Bei schnelleren und unkontrollierten Bewegungen sei es aber immer wieder zu einschiessenden Schmerzen ge- kommen. Arbeiten mit dem Hammer oder Überkopfarbeiten seien in der Folge unmöglich gewe- sen und dennoch habe er sich durchgebissen und versucht, Arbeiten soweit möglich zu delegie- ren. Im Rahmen der Aussendienstbefragung händigte der Versicherte der Abklärungsperson die am 10. Juli 2020 durch Dr. F.____ erstellten Röntgen- und Ultraschallbilder aus. Betreffend seine Tätigkeit bei der B.____ AG legte der Versicherte da r, dass er ab 1990 als Mechaniker für das Zusammenbauen von Rundbiegemaschinen verantwortlich gewesen sei. Diese Maschinen seien sehr gross und würden mehrere Tonnen wiegen – teilweise über 100 Tonnen, weshalb sie ohne Hilfsmittel nicht arbeiten könnten. Das Anbringen von S chrauben (500 Gramm bis ca. vier Kilo- gramm) brauche wegen des Gegendrucks viel Kraft in den Ar men und löse zusätzlich grosse Vibrationen in den Armen und im Körper aus. Anfangs hätten sie noch mit Bleihämmern gearbei- tet, welche jeden Schlag in den Körper geleitet hätte n. Ab 1994 habe der Versicherte in die Schlosserei gewechselt, wo das Chassis für die Maschine geb aut werde. Dabei würden bis zu zehn Zentimeter dicke Stahlplatten mit einem Kran abg esenkt, diese dann mithilfe eines Ham- mers die letzten Millimeter an die richtige Stelle gekl opft und anschliessend fürs Schweissen fi- xiert. Täglich habe der Versicherte im Minimum eine Stunde mit einem zwei oder fünf Kilogramm schweren Hammer gehämmert. Beim sog. Flammenrichten (Begradigen von Metallplatten) habe er mit einem ein Kilogramm schweren Brenner die Platten erhitzt. Diese Arbeit sei sehr anstren- gend, da sie infolge 2'000 Grad Celsius heisser Flamme körperfern, mit nach vorne ausgestreck- tem Arm erfolge. Täglich sei er zwei Stunden damit beschäftigt gewesen. Schliesslich würden die Maschinen über Ketten mit einer Zugkraft von etwa 30 Tonnen an den Kran gehängt. Diese Arbeit könne nur zu zweit verrichtet werden und erfolge mehrmals am Tag, wobei der Versicherte keine Angaben darüber machen konnte, wie viel Zeit er damit verbracht habe. Zuletzt sei er als Leiter der Schlosserei für sechs Angestellte verantwortlich gewesen. Administrative Aufgaben habe er keine übernommen. Er sei in dieser Funktion vielmehr für die Aufgabenzuteilung und die Ausbil- dung der Mitarbeitenden zuständig gewesen. Ansonsten habe er voll mitgearbeitet. 5.15 Nachdem die Beschwerdegegnerin das Schadensdossier erneut den Kreisärzten Dres. J.____ und K.____ zur Beurteilung vorgelegt hatte , kamen diese am 20. Mai 2021 zum Schluss, zur adäquaten Beurteilung der natürlichen Kau salität bedürfe es eines Berichts von Dr. D.____ bezüglich der Untersuchungen vom 4. Augus t 2020, vom 18. Januar 2021 und vom 12. April 2021 sowie eines gut leserlichen Operationsberichts vom 26. Januar 2021. 5.16 Mit Stellungnahme vom 17. Juni 2021 stellte Dr. med. L.____, FMH Arbeitsmedizin und Allgemeinmedizin, fest, dass es sich bei der inkompletten Rotatorenmanschettenruptur des Ver- sicherten nicht um eine sog. Listenerkrankung nach Art. 9 Abs. 1 UVG handle. Es könne davon ausgegangen werden, dass der Versicherte seit Beendigun g seiner Ausbildung im Jahre 1979 Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine körperlich schwere Tätigkeit ausgeübt habe. Als berufliche Risikofaktoren für die Degenera- tion von Sehnen der Rotatorenmanschette würden vor all em Überkopfarbeiten, das Heben und Tragen von schweren Lasten, Vibrationsbelastungen des Ha nd-Arm-Systems und repetitive Ar- beiten mit Kraftanwendung und im Speziellen Kombinat ionen dieser Belastungen beschrieben. Die Tätigkeit des Versicherten könne als Wechseltätigkeit beurteilt werden. Hoch repetitive Tä- tigkeiten, vergleichbar mit einer Fliessbandarbeit, würden nicht ausgeführt. Langdauernde regel- mässige Überkopfarbeiten seien bei der Tätigkeit nicht notwendig. Es könne davon ausgegangen werden, dass sich beim Hämmern der Hammer beim Schlagen kurzzeitig über Kopfhöhe befinde, nicht hingegen der ganze Arm. Die Arbeit sei nicht ver gleichbar mit einer Tätigkeit, bei welcher regelmässig und langdauernd an der Decke Arbeiten ausgeführt würden. Das Gewicht der Häm- mer und auch der Schrauben werde mit unter fünf Kilogramm angegeben. Arbeiten mit grösseren Gewichten, wie die erwähnten Ketten zum Aufhängen der Maschinen am Kran, würden zu zweit ausgeführt. Für grosse Gewichte stünden zudem Hebehilf en und Krane zur Verfügung. Die Tä- tigkeiten seien weder qualitativ noch quantitativ geei gnet, die inkomplette Rotatorenmanschet- tenruptur mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausschlie sslich oder stark überwiegend verur- sacht zu haben, so dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur Anerkennung einer Berufskrank- heit nach Art. 9 Abs. 2 UVG ebenfalls nicht erfüllt seien. Im Übrigen sei epidemiologisch bekannt, dass die allgemeine Prävalenz der Rotatorenmanschettenruptur zwischen 20 und 35 % liege, mit zunehmendem Alter deutlich und signifikant ansteige und im sechsten Lebensjahrzehnt je nach Literaturquelle 26 oder 33 % betrage. 6.1 Primär zu beurteilen ist, ob die Beschwerdegegneri n vom Nichtvorliegen einer Berufs- krankheit ausgehen durfte. Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. Septem- ber 2015 revidierten Bestimmungen des UVG in Kraft get reten. Da die Bestimmungen zur Be- rufskrankheit (Art. 6 Abs. 1 und Art. 9 UVG) nicht geändert wurden (vgl. dazu Urteil des Bundes- gerichts vom 12. Oktober 2021, 8C_414/2021, E. 2.3), finden die gleichlautenden bisherigen Ge- setzesbestimmungen und auch die dazu ergangene Rechtsprechung weiterhin Anwendung. 6.2 Als Berufskrankheiten gelten Krankheiten, die bei d er beruflichen Tätigkeit ausschliess- lich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind (Art. 9 Abs. 1 Satz 1 UVG). Der Bundesrat erstellt die Liste dieser Stoffe und Arbeiten sowie der arbeitsbedingten Erkrankungen (Art. 9 Abs. 1 Satz 2 UVG). Gestützt auf diese Delegationsnorm und Art. 14 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 hat er in Anhang 1 zur UVV eine Liste der schädigenden Stoffe und der arbeitsbedingten Erkrankungen erstellt. Nach der Rechtsprechung ist eine "vorwiegende " Verursachung von Krankheiten durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten nur dann gegeben, wenn diese mehr wiegen als alle andern mitbeteiligten Ursachen, mithin im gesamten Ursa chenspektrum mehr als 50 % ausma- chen. "Ausschliessliche" Verursachung hingegen meint praktisch 100 % des ursächlichen Anteils der schädigenden Stoffe oder bestimmten Arbeiten an der Berufskrankheit (BGE 119 V 200 E. 2a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 9. August 200 6, U 71/05, E. 4.2). D as Erfordernis eines Kausalzusammenhangs ist also erfüllt, wenn die Krankh eit zu mehr als 50 % durch einen im Anhang 1 zur UVV erwähnten schädigenden Stoff oder eine erwähnte Arbeit verur- sacht worden ist (BGE 119 V 200 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts vom 3. April 2007, U 410/05, E. 2 in: SVR 2007 UV Nr. 27 S. 91). Das Bundesgericht hat diesbezüglich sodann festgehalten, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass ein vorwiegend beruflicher Ursprung der Erkrankung a nzunehmen ist, wenn aufgrund epidemiologischer Fakten feststeht, dass für die betroffene Person die berufsbedingte Expo- sition gegenüber der schädlichen Substanz eine Verdoppelung des Risikos, krank zu werden, mit sich bringt (BGE 133 V 421 E. 5.1, Urteil des Bundesgerichts vom 1. Dezember 2005, U 245/05, E. 3.2). Ob dies im Einzelfall so ist, muss mit der hinreichenden Wahrscheinlichkeit dar- getan werden (Urteil des Bundesgerichts vom 7. November 2018, 8C_326/2018, E. 4.3.1 mit Hin- weis auf: A LEXANDRA RUMO -JUNGO /A NDRÉ PIERRE HOLZER , Bundesgesetz über die Unfallversi- cherung, 4. Aufl. 2012, S. 93). 6.3 Gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG gelten als Berufskrankheit en auch andere Krankheiten, von denen nachgewiesen wird, dass sie ausschliesslich oder stark überwiegend durch berufliche Tä- tigkeit verursacht worden sind. Diese Generalklausel bezwe ckt, allfällige Lücken zu schliessen, die dadurch entstehen können, dass die bundesrätliche Liste gemäss Anhang 1 zur UVV entwe- der einen schädlichen Stoff, der eine Krankheit verur sachte, oder eine Krankheit nicht aufführt, die durch die Arbeit verursacht wurde. Nach der Rechtsprechung ist die Voraussetzung des "stark überwiegenden" Zusammenhangs erfüllt, wenn die Beruf skrankheit mindestens zu 75 % durch die berufliche Tätigkeit verursacht worden ist. Dabei sind an die Annahme einer Berufskrankheit relativ strenge Anforderungen zu stellen. Verlangt wir d, dass der Versicherte für eine gewisse Dauer einem typischen Berufsrisiko ausgesetzt ist. Die ein malige gesundheitliche Schädigung, die gleichzeitig mit der Berufsausübung eintritt, genügt nicht. Für die Beurteilung der Exposition (oder Arbeitsdauer) ist die gesamte ausgeübte Berufstä tigkeit zu berücksichtigen (BGE 126 V 183 E. 2b mit Hinweisen). Grundsätzlich ist in jedem Einzelfall Beweis darüber zu führen, ob die geforderte stark überwiegende (mehr als 75%-ige ) bis ausschliessliche berufliche Verur- sachung vorliegt (BGE 126 V 183 E. 4b). 6.4 Ob eine vorwiegende resp. stark überwiegender Ver ursachung vorliegt, ist eine Beweis- frage. Dabei spielt nach der Rechtsprechung eine entscheidende Rolle, ob und inwieweit die Me- dizin, je nach ihrem Wissensstand in der fraglichen Disziplin, über die Genese einer Krankheit im Allgemeinen Auskunft zu geben oder (noch) nicht zu geben vermag. Deshalb ist in zwei Schritten vorzugehen: Zunächst wird geprüft, ob aufgrund medizinischer Forschungsergebnisse ein Erfah- rungswert dafür besteht, dass eine berufsbedingte Entst ehung eines bestimmten Leidens von seiner Natur her nicht nachgewiesen werden kann. Ist diese Konstellation gegeben, schliesst dies den (positiven) Beweis auf qualifizierte Ursächlichkeit im Einzelfall aus. Oder mit anderen Worten: Sofern der Nachweis des erforderlichen Kausalzusammenhangs nach der medizinischen Empirie allgemein nicht geleistet werden kann, scheidet die Anerkennung im Einzelfall aus (Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2020, 8C_149/2020, E. 1 be treffend Art. 9 Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2019, 8C_758/2018, E. 3.1 hinsichtlich Art. 9 Abs. 1 UVG). Dies trifft etwa dort zu, wo es wegen der weiten Verbreitung einer Krankheit unmöglich nachzuweisen ist, dass Personen, die eine bestimmte Berufstätigkeit ausüben, zumindest vier Mal häufiger von einem Leiden betroffen sind als die Bevölkerung im Dur chschnitt (vgl. BGE 126 V 183 E. 4c). Sind dagegen die allgemeinen medizinischen Erkenntnisse mit dem gesetzlichen Erfordernis ei- ner vorwiegend (Anteil mindestens 50 %) resp. stark üb erwiegenden (Anteil mindestens 75 %) Verursachung des Leidens durch die ausgeübte Tätigkeit vereinbar, besteht (in einem zweiten Schritt) Raum für nähere Abklärungen zum Nachweis des qualifizierten Kausalzusammenhangs Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Einzelfall (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Oktob er 2012, 8C_746/2012, E. 5; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2019, 8C_758/2018, E. 3.1). 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im Einspracheentsc heid vom 30. September 2021 auf die kreisärztliche Beurteilung von Dr. L.____ vom 17 . Juni 2021, wonach epidemiologisch bekannt sei, dass die allgemeine Prävalenz der Rotator enmanschettenruptur zwischen 20 und 35 % liege, mit zunehmendem Alter deutlich und signif ikant ansteige und im sechsten Lebens- jahrzehnt je nach Literaturquelle 26 oder 33 % betra ge. Im Weiteren lägen, so der Einsprache- entscheid, keine allgemeinen medizinischen Kenntnisse vo r, welche zeigen würden, dass mit dem Beruf als Schlosser oder Mechaniker eine stark überwiegende Verursachung des gennann- ten Leidens vereinbar wäre. Aufgrund dessen bestehe kein Raum für nähere Abklärungen zwecks Nachweises des qualifizierten Kausalzusammenhangs. Die Ausrichtung von Leistungen sei damit von vornhinein ausgeschlossen, weshalb lediglich entgegenkommenderweise die kon- krete Tätigkeit des Versicherten überprüft werde. Dementsprechend führte die Beschwerdegegnerin der Arg umentation von Dr. L.____ vom 17. Juni 2021 folgend (vgl. dazu E. 5.16) aus, dass es sich bei der inkompletten Rotatorenman- schettenruptur des Versicherten weder um eine Listenerkrankung in Sinne von Art. 9 Abs. 1 UVG in Verbindung mit dem Anhang 1 zur UVV noch um eine Berufskrankheit nach Art. 9 Abs. 2 UVG handle. Sie hielt fest, dass die Einschätzung von Dr. L.____ für die streitigen Belange umfassend sei und insbesondere auch den Aussendienstrapport vom 7. April 2021 sowie das Zwischenzeug- nis vom 20. November 2020 berücksichtige, welche die Arb eitstätigkeit des Versicherten um- schreiben. Aufgrund der Beförderungen des Versicherten i n den Jahren 1999 und 2008 sei zu- dem davon auszugehen, die körperlich schwere bzw. Schulter belastende Tätigkeit habe nur ei- nen Teil seiner Arbeit dargestellt, was auch durch die arbeitgeberische Aussage, der Versicherte habe in seiner Tätigkeit als Meister nicht mehr die wirklich belastenden Arbeiten ausführen müs- sen, untermauert werde. In die gleiche Richtung weise auch der Umstand, dass der Versicherte trotz seiner Angabe, seit dem Ereignis im April 2020 keine Überkopfarbeiten und keine Arbeiten mit dem Hammer mehr ausüben zu können, in vollem Pens um habe weiterarbeiten können. In diesem Sinne könne festgehalten werden, dass die Tätigkeit des Versicherten nicht geeignet sei, die inkomplette Rotatorenmanschettenruptur rechts mit ü berwiegender Wahrscheinlichkeit aus- schliesslich oder stark überwiegend verursacht zu haben. 7.2 Der Beschwerdeführer bringt gegen den Einspracheen tscheid vom 30. September 2021 im Wesentlichen vor, die suvainterne ärztliche Beurteilung von Dr. L.____ vom 17. Juni 2021 be- rücksichtige gerade nicht sämtliche Aspekte seines Arbeitsal ltages. So müsse er sehr wohl mit sehr schweren Bauteilen arbeiten, was durch das Zwischenzeugnis vom 20. November 2020 be- legt sei. Zudem müsse er regelmässig über Kopf arbeiten, bspw. beim Schwingen eines schwe- ren Hammers. Hinzu komme, dass er Arbeiten mit Vibratio nsbelastungen des Hand-Arm-Sys- tems ausführen müsse und repetitive Arbeiten mit Krafta nwendung erbringe. Dabei handle es sich ausserdem um vom Kreisarzt als berufliche Risikofaktore n bezeichnete Arbeiten. Schliess- lich sei irrelevant, dass der Arbeitsmediziner von einer Wechseltätigkeit ausgehe, sei doch auch eine Kombination der beschriebenen Belastungen als Ri sikofaktor einzustufen. Darüber hinaus mache die körperliche Arbeit trotz der Funktion des Besch werdeführers einen wesentlichen Teil Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht seines Arbeitsalltages aus. Er habe über Jahrzehnte mindestens sieben Arbeitsstunden mit kör- perlicher Arbeit verbracht, was wiederum durch das Arbeitszeugnis vom 20. November 2020 be- legt werde. In einem vollen Pensum habe er trotz des Ereignisses vom April 2020 weiterarbeiten können, weil er ab diesem Zeitpunkt häufiger Büroarbeiten durchgeführt habe, sei er zu Arbeiten mit dem Hammer und Überkopfarbeiten doch nicht mehr in der Lage gewesen. Dementsprechend sei auch die Aussage der Arbeitgeberin vom 23. Dezember 2020 einzuordnen: Es seien Umstruk- turierungsmassnahmen durchgeführt worden, weshalb davon auszugehen sei, die Beschwerde- gegnerin habe mit einem Mitarbeiter gesprochen, der den Beschwerdeführer erst seit dem Ereig- nis vom 14. April 2020 gekannt habe. Auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer als Rechts- händer nur an der rechten Schulter eine Rotatorenman schettenruptur erlitten habe, spreche für eine berufliche und gegen eine degenerative Verursachu ng. Zumindest geringe Zweifel an der kreisärztlichen Beurteilung würden schliesslich deshalb bestehen, weil Dr. L.____ die Erklärung des Beschwerdeführers vom 13. September 2021 zu seinem Arbeitsalltag (vgl. dazu Beschwer- debeilage 6) nie vorgelegt worden sei. 7.3 Was der Beschwerdeführer zur Begründung einer Be rufskrankheit vorbringt, findet kein Gehör. Entsprechend den Ausführungen in E. 6.4, erfo lgt die Beurteilung des Vorliegens einer Berufskrankheit in zwei Schritten. Primär zu beurteilen ist, ob der Nachweis der natürlichen Kau- salität zwischen der beruflichen Tätigkeit und den körperlichen Beschwerden überhaupt erbracht werden kann. Erst wenn ein solcher Nachweis grundsätzlich möglich ist, erfolgt in einem zweiten Schritt die Kausalitätsprüfung im Einzelfall. Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die kreis- ärztlichen Ausführungen von Dr. L.____ vom 17. Juni 202 1 davon aus, dass die Prävalenz bei Rotatorenmanschettenrupturen in der Allgemeinbevölkeru ng zwischen 20 und 35 % liege. Mit zunehmendem Alter steige sie sogar deutlich und signifikant an und betrage im sechsten Lebens- jahrzehnt zwischen 26 und 33 %. Dr. L.____ stützt seine Angaben dabei auf die S2e-Leitlinie «Rotatorenmanschette» der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachge- sellschaften e.V. (AWMG), Version März 2017, der Deutsche n Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. Zwar befindet sich die genannte Richtlinie zurzeit in Überarbeitung. Die- ser Umstand allein bietet jedoch keinen Anhaltspunkt d afür, an der kreisärztlichen Darlegung auch nur im Geringsten zu zweifeln. Der Beschwerdeführer bringt dagegen auch nichts vor. Dem- entsprechend ging die Beschwerdegegnerin zur Recht davon aus, die allgemeine Prävalenz der Rotatorenmanschettenruptur sei derart hoch, dass der qu alifizierte Nachweis des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen beruflicher Tätigkeit und kör perlichem Leiden nicht erbracht werden könne, wird zur Anerkennung einer Berufskrankheit gemäss bundesgerichtlicher Recht- sprechung doch vorausgesetzt, die entsprechende Berufsgruppe erkranke vier Mal häufiger als die Allgemeinbevölkerung. Bereits bei einer Prävalenz von 25 % müssten im Ergebnis sämtliche Schlosser resp. Mechaniker infolge ihrer beruflichen Tätigkeit eine Rotatorenmanschettenruptur erleiden, was einerseits schwer vorstellbar ist und wofür andererseits keine empirischen Werte bekannt sind. In diesem Sinne kann offengelassen werde n, ob sich die partielle Rotatorenman- schettenruptur unter Ziff. 2 lit. a der vom Bundesrat gestützt auf Art. 9 Abs. 1 UVG als Anhang 1 zur UVV erstellten Liste subsumieren lässt. Gemäss der genan nten Bestimmung gelten als ar- beitsbedingte Erkrankungen namentlich solche, die durc h Vibrationen (nur radiologisch nach- weisbare Einwirkungen auf Knochen und Gelenke) hervor gerufen worden sind. Nicht weiter zu Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht prüfen ist im Sinne der Ausführungen auch, ob das vom Beschwerdeführer dargelegte Tätigkeits- profil zumindest stark überwiegend die partielle Ro tatorenmanschette verursachte. Zusammen- fassend ist die Beschwerdegegnerin zu Recht vom Nichtvorliegen einer Berufskrankheit im Sinne des UVG ausgegangen. 8. Es bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin den Leistungsanspruch per Ende Sep- tember 2020 zu Recht infolge Erreichen des Status quo sine vel ante resp. degenerativer Verän- derungen verneinte. 9.1 Wie in E. 3.1 ausgeführt, erbringt die Unfallversi cherung auch Leistungen bei Unfall oder unfallähnlicher Körperschädigung. Ein Unfall im Sinne von Art. 6 Abs. 1 UVG ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhn lichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). 9.2 Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand ver schlimmert oder überhaupt erst ma- nifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, w enn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krank- hafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b; 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausa- len Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialver- sicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewiesen sein. Di e blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt n icht. Da es sich hierbei um eine an- spruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leis- tungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (SVR 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2; 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b; 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Entscheidend ist dabei allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hin- weisen). Allerdings tragen die Parteien im Sozialversicherungsprozess in der Regel eine Beweis- last nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus- fällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisre- gel greift erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrund- satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahr- scheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6). 9.3 Als unfallähnliche Körperschädigungen gelten gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG Knochenbrü- che (lit. a), Verrenkungen von Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskel- zerrungen (lit. e), Sehnenrisse (lit. f.), Bandläsionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit. h). Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eine Rotatorenmanschettenruptur fällt unter Art. 6 Abs. 2 lit. f UVG (Urteil des Bundegerichts vom 11. Juni 2015, 8C_381/2014). Leistungspflichtig wird d er Unfallversicherer, sofern er nicht den Nachweis dafür erbringt, dass die Verletzung vorwiege nd auf Abnützung oder Erkrankung zu- rückzuführen ist. 9.4 In systematischer Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass das I nstitut der unfallähnlichen Körperschädigung mit der UVG-Revision vom 25. September 2015 (in Kraft seit 1. Januar 2017) neu auf Gesetzesstufe in Art. 6 Abs. 2 UVG verankert wurde. Die Gesetzessystematik legt nahe, dass Abs. 1 (Unfall) und Abs. 2 (Listenverletzung) unabhängig voneinander sind und grundsätz- lich jeder Tatbestand einzeln zu prüfen ist (BGE 146 V 51 E. 8.5). Liegt eine Listenverletzung vor, so hat der Unfallversicherer nach deren Meldung die gen auen Begleitumstände abzuklären. Ist die Listenverletzung auf ein Unfallereignis von Art. 4 ATSG zurückzuführen, so ist der Unfallver- sicherer nach Art. 6 Abs. 1 UVG bis zum nachgewiesenen Erreichen des Status quo sine vel ante (vgl. dazu oben E. 9.3) leistungspflichtig. Sind hinge gen nicht sämtliche Kriterien des Unfallbe- griffs nach Art. 4 ATSG erfüllt, so wird der Unfallversicherer für eine Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG unter Vorbehalt des Nachweises, dass die Verletzung vorwiegend abnützungs- oder krankheitsbedingt ist, leistungspflichtig (BGE 146 V 51 E. 9.1). 10.1 Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die kre isärztliche Beurteilung von Dr. E.____ vom 2. März 2021 davon aus, die Folgen aus dem Ereignis vom 14. April 2020 seien spätestens per Ende September 2020 abgeheilt. 10.2 Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Entspre chend E. 4.4 genügen bereits ge- ringe Zweifel, um eine kreisärztliche Beurteilung umzust ossen. Solche Zweifel sind vorliegend gegeben. Zunächst ist festzustellen, dass Dr. E.____ da s Vorliegen von Unfallfolgen über Sep- tember 2020 hinaus verneint, ohne dies zu begründen. Ausserdem war er zum Zeitpunkt seiner Stellungnahme weder im Besitz der durch Dr. F.____ erst ellten Röntgen- und Ultraschallbilder noch lag ihm ein ausführlicher Operationsbericht von Dr. D.____ vor, andernfalls hätten die Dres. J.____ und K.____ am 22. März 2021 zwecks Abklärung einer die Schulterbeschwerden auslö- senden Berufskrankheit nicht empfohlen, die entsprechenden Unterlagen einzuholen. Es ist des- halb nicht nachvollziehbar, worauf Dr. E.____ seine Beu rteilung stützte. Seine Anmerkung vom 2. März 2021 «Ereignis von 04/2020 wird 12/2020 gemeld et» erweckt vielmehr den Eindruck, dass er alleine aufgrund der späten Anmeldung zum Leis tungsbezug eine Kausalität verneinte. Bereits diese Umstände begründen für sich ausreichende Zweifel an der kreisärztlichen Einschät- zung, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann. Gegen deren Beweistauglichkeit spricht des Weiteren, dass die Kreisärztin Dr. I.____ bereits am 20 . Januar 2021 darauf hingewiesen hatte, dass anhand der bisherigen Untersuchungsergebnisse nicht beurteilt werden könne, ob das ge- meldete Ereignis vom 14. April 2020 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu zusätzlichen struk- turellen Läsionen geführt habe. Sie empfahl deshalb eine MRT der rechten Schulter. Eine solche wurde von der Beschwerdegegnerin jedoch nie veranlasst, womit sie ihre Abklärungspflicht ver- letzte. Im Übrigen fällt auf, dass der Beschwerdeführer das Unfallereignis im Rahmen der Aus- sendienstbefragung vom 7. April 2021 abweichend von seiner Darlegung am 23. Dezember 2020 schilderte. Während er im Dezember 2020 ausführte, er habe seinen Sturz mit beiden Händen abgefangen, berichtete er im April 2021, den Sturz mit ausgestrecktem rechten Arm (nach vorne Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht haltend) abgefangen zu haben. Eine Nachfrage zur Kl ärung dieses Widerspruchs und zum ge- nauen Unfallhergang hat nie stattgefunden. Nicht hinr eichend beantwortet ist schliesslich die Frage, ob die Beschwerdegegnerin bis Ende September 2 020 einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG oder eine unfallähnliche Körperschädigung nach Art. 6 Abs. 2 UVG anerkannte. Im Ergeb- nis steht fest, dass sie keine genügenden Abklärungen getroffen hat. Diese sind weiterhin möglich und im Rahmen der Neubeurteilung nachzuholen. 11.1 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdegeg nerin zu Recht eine Be- rufskrankheit gemäss UVG mangels nachweisbarer natürlicher Kausalität verneinte. Im Übrigen hat sie ihre Leistungspflicht über September 2020 hin aus ungenügend abgeklärt, weshalb der Einspracheentscheid vom 30. September 2021 aufzuheben und die Angelegenheit im Sinne der vorstehenden Erwägung zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 11.2 Rechtsprechungsgemäss können die Sozialversicherungsg erichte nicht mehr frei ent- scheiden, ob sie eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst ein Gerichtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich ab- klärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexper tise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Eine Rückweisung an den Unfallversicherer bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vo llständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausfüh- rungen erforderlich ist (BGE 137 V 263 E. 4.4.1). Vor liegend erweist sich die der formlosen Mit- teilung vom 8. März 2021 zugrunde liegende Beurteilun g des Kreisarztes Dr. E.____ als nicht beweistauglich. Da es die Suva unterliess, die nötigen Abklärungen zu veranlassen, und es nicht die Aufgabe des kantonalen Gerichts ist, im Verwaltung sverfahren versäumte medizinische Ab- klärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz nichts entgegen. Gestützt auf die Aktenergänzung und die neuen Abklärungsergebnisse im Sinne der E. 10.2 wird sie über den Leistungsanspruch des Versicherten über September 2020 hinaus erneut zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 12.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Zusprechung ei ner Parteientschädigung für das Einspracheverfahren in der Höhe von Fr. 3'090.-- (vgl. Honorarnote vom 29. November 2021). Art. 52 Abs. 3 Satz 2 ATSG hält fest, dass im Einspracheverfahren in der Regel keine Parteient- schädigungen ausgerichtet werden. Es stellt sich deshalb die Frage, unter welchen Vorausset- zungen von diesem Grundsatz abgewichen werden kann, und ob im vorliegenden Fall ein derar- tiger Ausnahmetatbestand gegeben ist. Im Entscheid BGE 130 V 570 zeigte das damalige Eid- genössische Versicherungsgericht anhand der Entstehungsgesch ichte dieser Bestimmung auf, dass der Gesetzgeber die ausnahmsweise Zusprechung einer Parteientschädigung im Ein- spracheverfahren unter einer Bedingung als zulässig und geboten erachtete: Der Einsprecher, der nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, um d ie Anwaltskosten selbst zu tragen, und der im Falle des Unterliegens die unentgeltliche Verbeistä ndung (Art. 37 Abs. 4 ATSG) hätte bean- spruchen können, soll bei Obsiegen vom unterliegenden V ersicherungsträger entschädigt wer- den (BGE 130 V 570 E. 2.2 mit Hinweisen). Die Frage, ob Art. 52 Abs. 3 ATSG die Zusprechung Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Parteientschädigung auch bei Vorliegen besonderer Umstände, etwa besonderer Aufwen- dungen oder Schwierigkeiten, unabhängig der Bewilligu ng der unentgeltlichen Vertretung, zu- lässt, verneinte das Bundesgericht in Bestätigung seiner b isherigen Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2018, 9C_877/2017, E. 8.2). 12.2 Nachdem der Beschwerdeführer im Einspracheverfahre n nicht um Bewilligung der un- entgeltlichen Verbeiständung ersuchte und vorliegend ebenfalls nicht geltend machte, er sei da- mals bedürftig gewesen, verletzt der angefochtene Einsp rachenetscheid die Bestimmung von Art. 52 Abs. 3 ATSG nicht, wenn er dem Beschwerdeführe r keine Parteientschädigung für das Einspracheverfahren zuspricht. Der Beschwerdeführer hat seine im Rahmen des Einsprachever- fahrens entstandenen Parteikosten selbst zu tragen. 13.1 Gemäss § 20 Abs. 2 VPO ist das kantonsgerichtliche B eschwerdeverfahren in Sozial- versicherungssachen vorbehältlich des hier nicht interessierenden Abs. 2 bis für die Parteien kos- tenlos. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 13.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Partei Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und na ch der Schwierigkeit des Prozesses be- messen. Praxisgemäss werden Bemühungen zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durch- schnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- entschädigt. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts ist unter Obsiegen im Streit um eine Leistung in der Sozial- versicherung nicht nur das materielle Obsiegen in dem Sinne zu verstehen, dass die Beschwerde führende Person die beantragte Leistung erhält. Vielmehr genügt für den Anspruch auf eine Par- teientschädigung auch ein formelles Obsiegen in dem Sin ne, dass der beschwerdeführenden Person durch die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und der Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Beur teilung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewahrt bleiben (BGE 132 V 235 E. 6.2). 13.3 In diesem Sinne ist dem Beschwerdeführer für das B eschwerdeverfahren eine Partei- entschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzuspreche n. Der eingereichten Honorar- note der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers vom 29. November 2021 zufolge beläuft sich ihr für das Beschwerdeverfahren geltend gemachter Aufwand auf 2,8 Stunden à Fr. 300.--, jener des Volontärs resp. der Volontärin auf 7,3 Stunden à Fr. 150.--. Es besteht vorliegend kein Anlass dafür, vom praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 250.-- f ür Aufwendungen von Rechtsanwäl- ten abzuweichen. Das Honorar ist dementsprechend zu kürzen . Der für die Aufwendungen des Volontärs bzw. der Volontärin verrechnete Stundenansatz entspricht § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 und ist somit nicht zu beanstanden. Ange- messen ist vorliegend auch die Kleinkostenpauschale in Höh e von 3 % für Auslagen, wie Porti, Fotokopien und Telefonate. Dem Beschwerdeführer ist im Ergebnis eine reduzierte Parteient- schädigung in Höhe von Fr. 1’991.20 ([2,8 Stunden à Fr. 250.-- + 7,3 Stunden à Fr. 150.-- + Aus- lagen von Fr. 53.85] zzgl. Mehrwertsteuer von 7,7 %) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzu- sprechen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 14.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bunde sgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-recht lichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtli chen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschlies- sender Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sonde rn um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 14.2 Der vorliegende Entscheid erweist sich als Zwischenen tscheid im Sinne des BGG, wes- halb gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vorauss etzungen zulässig ist und die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung ausdrücklich unter diesem Vorbehalt erfolgt. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochtene Einspracheentscheid vom 30. September 2021 aufgehoben und die An- gelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Suva hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsch ädigung in Höhe von Fr. 1'991.20 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht