B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5099/2019 U r t e i l v o m 1 9 . M ä r z 2 0 2 1 Besetzung Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren (...), B._______, geboren (...), Iran, beide vertreten durch lic. iur. Monika Böckle, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 30. August 2019 / N_______. D-5099/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden suchten am (...) in der Schweiz um Asyl nach. Am 29. Dezember 2015 fanden die Befragungen zur Person (BzP) statt. Am 7. September 2017 wurden sie vom SEM zu ihren Asylgründen angehört. A.b Der aus der Stadt C._______ (Provinz D._______) stammende und in der Stadt E._______ aufgewachsene Beschwerdeführer führte zur Begrün- dung seines Asylgesuches an, er habe nach seinem Schulabschluss am Flughafen von E._______ die Ausbildung zum (Nennung Beruf) begonnen. Für den Erhalt einer Lizenz habe er den Militärdienst absolvieren müssen. Am (...) habe er in F._______ geheiratet. Sieben Tage nach der Hochzeit sei er zum Dienst zurückgekehrt. Er habe sich beim Ettelaat-Büro des Flug- hafens melden müssen, wo G._______ eine Leibesvisitation vorgenom- men und ihn aufgefordert habe, alles aufzuschreiben, was er in (Nennung Zeitraum) gemacht habe. G._______ habe ihm vorgeworfen, in Kontakt mit einer Person (...) zu stehen und (Nennung Vorwurf) zu haben. Er habe ge- antwortet, dass er lediglich mit einem Kollegen, den er in der Ausbildung kennengelernt habe und jetzt in H._______ lebe, über das Internet gechat- tet habe. Er habe die Adresse seines Freundes und dessen Tätigkeit (...) angeben müssen. Auch sei er gefragt worden, zu welcher Gruppe sein Freund gehöre, wer der Chef und was der Zweck dieser Gruppierung sei. G._______ habe ihm mitgeteilt, dass eine Untersuchung gegen ihn einge- leitet werde. Er sei gefesselt, mit verbundenen Augen abgeführt und in der Folge während (Nennung Dauer) in einer Einzelzelle festgehalten worden. Während der Haft sei er zwei Mal verhört und dazu in ein anderes Zimmer gebracht worden. Sie hätten ihm die gleichen Fragen wie G._______ ge- stellt und er habe dieselben Antworten gegeben, wie er dies bei G._______ getan habe. Man habe ihn aufgefordert, ein Geständnis abzulegen und nochmals alles aufzuschreiben. Sie hätten ihn auch geohrfeigt und er- mahnt, jetzt die Wahrheit zu sagen, a nsonsten alles noch sch limmer werde. G._______ und die übrigen Personen seien der festen Überzeu- gung gewesen, dass er seinen Freund über (...) informiert habe. Am (...) sei er zum Gericht gebracht worden. Sein (Nennung Verwandter) habe mit der Hilfe eines Freundes, der bei den Ordnungskräften arbeite, einen An- walt organisiert, der dann zusammen mit seinem (Nennung Verwandter) ebenfalls im Gerichtssaal anwesend gewesen sei. Gegen die Hinterlegung eines Pfandes hätten sie einen (...) Hafturlaub erwirken können. Sein (Nen- nung Verwandter) habe ihn danach nach Hause mitgenommen, wo er am D-5099/2019 Seite 3 folgenden Tag an der Trauerfeier seiner verstorbenen (Nennung Ver- wandte) teilgenommen habe. Danach habe er seine Frau bei deren (Nen- nung Verwandte) in F._______ besucht. Zwei Tage später habe er E._______ verlassen und sich während (Nennung Dauer) in einem (Nen- nung Gebäude) in der Stadt I._______ versteckt. Seine Frau und sein (Nennung Verwandter) hätten ihn dann dort abgeholt und ins Grenzgebiet zur Türkei gebracht, von wo aus er zusammen mit seine r Frau das Land verlassen habe. Ferner habe er sich in der Schweiz einer Gruppe namens J._______ an- geschlossen; diese proklamiere die Freiheit Irans, die Freilassung aller po- litischen Gefangenen, die Gleichheit von Mann und Frau und den Schutz der Kinder vor Kinderarbeit. Er habe einmal monatlich an deren Sitzungen sowie an deren Kampagnen und vier oder fünf Mal an Demonstrationen mitgemacht. Die Gruppe sei jedoch seit einigen Monaten aus ihm unbe- kannten Gründen auseinandergebrochen. Zudem sei er auch mit seinem Namen und seinem Bild auf (Nennung Nachrichten -Medium) aktiv und habe einige Male einen Weblog über die Freiheit geschrieben, der zweimal gefiltert worden sei. Auch schreibe er zuweilen kurze Artikel über aktuelle Themen und teile interessante Artikel. Er habe jedoch keine politischen Ambitionen. Er könne zudem wegen dem Tod seiner beiden (Nennung Ver- wandte) nicht in den Iran zurückkehren. Es sei nicht bekannt, weshalb diese getötet worden seien. A.c Die aus de r Stadt F._______ (Provinz D._______) stammende Be- schwerdeführerin führte an, sie sei Schülerin und (Nennung Beruf) gewe- sen und habe (Nennung Sportarten) gemacht. Ihre (Nennung Verwandte) habe sie trainiert. Sie habe zudem auch Sportunterricht erteilt. Im (...) sei sie einer Einladung der (Nennung Organisation) gefolgt, im K._______ an einem Wettkampf teilzunehmen. Sie habe dabei auch die Möglichkeit ge- nutzt, an den freien Tagen mit einer Gruppe die Sehenswürdigkeiten des Landes zu besichtigen. Beim Besuch eines touristischen Ortes habe sie ihren Schal nicht um den Kopf gehüllt, sondern auf den Schultern getragen. Sie habe ein, zwei Bilder machen lassen, auf welchen sie ohne Kopftuch zu sehen gewesen sei. Sie habe diese Bilder in der Folge auf WhatsApp geladen. Eine Aufpasserin habe sie in aggressiver Weise darauf hingewie- sen, ihr Kopftuch zu tragen. Einige Tage später sei sie in einer gemischten Gruppe auf einen Bootsausflug gegangen, wobei die Aufpasserin und der Chef des (Nennung Team) dabei gewesen seien. Als sie auf das Schiff habe steigen wollen, sei ihr Schal aufgrund eines Wind stosses hinunter respektive ins Wasser gefallen. Nach ihrer Rückkehr sei sie zum (Nennung D-5099/2019 Seite 4 Komitee) bestellt worden und habe sich erklären müssen, weshalb sie ihr Kopftuch nicht getragen und das Ansehen des Iran aufs Spiel gesetzt habe. Es seien ihr vor ihrer Reise die Kleidervorschriften in der Öffentlichkeit er- klärt worden. Wegen ihres Fehlverhaltens sei ihr verboten worden, weiter- hin an (...) Wettkämpfen teilzunehmen. Auch habe sie ein Bestätigungs- schreiben unterschreiben müssen, ansonsten ihre (Nennung Verwandte) ebenfalls aus dem (Nennung Geschäft) verbannt worden wäre. Sie habe sich sehr gegrämt, dass dieses Stückchen Stoff, das ihren Kopf hätte be- decken sollen, ihre Karriere abrupt beendet habe. Sodann sei ihr Mann (Nennung Zeitpunkt) verschwunden. Sie habe vergeblich versucht, ihn te- lefonisch zu erreichen und auch ihre (Nennung Verwandte) habe zunächst keine Kenntnis über seinen Verbleib gehabt. Etwa (Nennung Dauer) nach dessen Verschwinden habe sie von ihren (Nennung Verwandte) dann er- fahren, dass ihr Mann in Untersuchungshaft sei. Am Tag seiner Entlassung im (...) habe ihr Mann sie angerufen und am folgenden Tag bei ihren (Nen- nung Verwandte) besucht. Er habe ihr gesagt, dass er zu Unrecht im Un- tersuchungsgefängnis festgehalten worden sei. Ihr Mann sei danach zu seinen (Nennung Verwandte) zurückgekehrt und sie hätten in den folgen- den zwei Tagen miteinander telefoniert. Er habe ihr gesagt, dass er zurück in die Untersuchungshaft müsse. Danach habe sie nur noch mit ihrer (Nen- nung Verwandte) Kontakt gehabt, die ihr jeweils gesagt habe, dass es ih- rem Mann gut gehe. Etwa (Nennung Zeitpunkt) vor ihrer Ausreise habe ihr (Nennung Verwandter) ihr anlässlich eines Treffens mitgeteilt, dass ihr Mann nicht im Gefängnis, sondern auf der Flucht sei und das Land verlas- sen werde und sie mit ihm gehen könne, wenn sie das wolle. Da sie keinen (Nennung Tätigkeit) mehr habe treiben und wegen fehlender Abschluss- prüfung die Schule nicht habe weiter besuchen können, habe sie keinen Sinn mehr darin gesehen, weiterhin im Iran zu bleiben und sich daher ebenfalls zur Ausreise entschlossen. A.d Zum Beleg ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden (Auf- zählung Beweismittel) zu den Akten. B. B.a Mit Verfügung vom 20. Oktober 2017 lehnte das SEM die Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete es d ie Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. D-5099/2019 Seite 5 B.b Dagegen erhoben die Beschwerdeführenden am 16. November 2017 Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht. Im Rahmen des Be- schwerdeverfahrens reichten sie unter anderem (Nennung Beweismittel) ein. B.c Mit Urteil D-6464/2017 vom 29. März 2019 hiess das Bundesverwal- tungsgericht die Beschwerde hinsichtlich der beantragten Aufhebung der angefochtenen Verfügung gut, hob die Verfügung des SEM vom 20. Okto- ber 2017 auf und wies die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeur- teilung an das SEM zurück. Zur Begründung führte es an, das SEM habe seine Untersuchungs- und Begründungspflicht verletzt, indem es in der an- gefochtenen Verfügung keinen Bezug auf die Aussagen in den Asylverfah- ren der (Nennung Verwandte) und der (Nennung Verwandte) des Be- schwerdeführers genommen habe. Es habe die Akten der erwähnten Fa- milienangehörigen (N _______) zwar beigezogen und in diesen würden sich durchaus auch Hinweise auf die Asylvorbringen des Beschwerdefüh- rers finden lassen. Jedoch habe der vorerwähnte Beizug der Akten keinen Niederschlag im Asylentscheid gefunden. Mithin sei der Verfügung nicht zu entnehmen, welche Erkenntnisse das SEM aus de r Konsultation dieses Asyldossiers gewonnen habe, obwohl den Angaben der (Nennung Ver- wandte) diverse mit dem Beschwerdeführer übereinstimmende Angaben zu entnehmen seien und dies durchaus zu dessen Gunsten in eine Ge- samtabwägung der Glaubhaftigkeitsprüfung miteinzubeziehen wäre. Das SEM wäre gehalten gewesen, diese für den Entscheid wesentlichen As- pekte in seinem Asylentscheid zu beachten und zu begründen, wie sich diese auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers aus- wirken würden. C. Mit Verfügung vom 30. August 2019 stellte das SEM erneut fest, die Be- schwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung der Be- schwerdeführenden aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. D. Mit Eingabe vom 1. Oktober 2019 erhoben die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragten, es sei die ange- fochtene Verfügung des SEM vom 30. August 2019 aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Es sei die Beschwerdeführerin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes einzubeziehen und es sei ihr Familienasyl zu gewähren. D-5099/2019 Seite 6 Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzu- stellen und er sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei die Beschwerdeführerin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes mitein- zubeziehen und sie sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Subeventua- liter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Weiter ersuchten sie in prozessualer Hinsicht, es sei das Beschwerdever- fahren mit denjenigen der (Nennung Verwandte) des Beschwerdeführers (...) sowie seiner (Nennung Verwandte) (...) zu koordinieren. Weiter sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihnen ihre Rechtsvertreterin als amt- liche Rechtsbeiständin zu bestellen. Der Beschwerde lagen (Aufzählung Beweismittel) bei. E. Mit Zwischenverfügung vom 11. Oktober 2019 hiess die Instruktionsrichte- rin die Gesuche um Gewährun g der unentgeltlichen Prozessführung und der amtlichen Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses und ordnete den Beschwerdeführenden ihre Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei. Ferner teilte sie den Beschwerdeführenden mit, dass das vorliegende Verfahren mit den Be- schwerdeverfahren de r (Nennung Verwandte) (...) sowie der (Nennung Verwandte) (...) in zeitlicher Hinsicht und soweit der Sache dienlich koordi- niert behandelt werde. Weiter ersuchte die Instruktio nsrichterin das SEM, bis am 28. Oktober 2019 eine Vernehmlassung einzureichen. F. Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 7. November 2019 fest, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be- weismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes zu rechtfertigen vermöchten, weshalb auf eine Stellungnahme verzichtet werde. Im Übrigen verwies das SEM auf seine Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und hielt an diesen vollumfänglich fest. G. Am 15. November 2019 brachte das Bund esverwaltungsgericht den Be- schwerdeführenden die vorinstanzliche Vernehmlassung zur Kenntnis. H. Am 1. April 2020 teilten die Beschwerdeführenden mit, dass die Beschwer- deführerin am (...) einen (Nennung Vorfall) habe. Die lange Wartezeit auf D-5099/2019 Seite 7 einen definitiven Entscheid und die damit verbundene Unsicherheit über ihre Zukunft belaste sie sehr stark, weshalb sie sich in (...) Behandlung befinde. Weiter ersuchten sie um Auskunft über den Stand des Verfahrens. I. Mit Schreiben vom 9. April 2020 beantwortete das Bundesverwaltungsge- richt das Ersuchen der Beschwerdeführenden. J. Mit Eingabe vom 21. April 2020 legten die Beschwerdeführenden (Nen- nung Beweismittel) ins Recht. K. Mit Eingabe vom 2. Juni 2020 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er auf seinem Mobiltelefon eine Drohnachricht erhalten habe, welche sich auf sein (Nennung Nachrichten-Medium)-Profil beziehe. Der Eingabe lagen di- verse Beweismittel (Aufzählung Beweismittel) bei. L. Am 20. August 2020 reichten die Beschwerdeführenden weitere Unterla- gen (Nennung Beweismittel) nach. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des Asyl G vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Be- schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form- gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. D-5099/2019 Seite 8 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowi e Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5 E. 2.2). 4. 4.1 Die Vorinstanz wies die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab, da deren Vorbringen den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftma- chung sowie von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigenschaft nicht standhal- ten würden. 4.1.1 Zur Begründung führte sie bezüglich des Beschwerdeführers an, seine Schilderungen zur erlittenen Einzelhaft seien selbst auf Nachfrage oberflächlich geblieben, hätten sich auf stereotype Angaben beschränkt und keinen persönlichen Bezug zum Vorgebrachten erkennen lassen, zu- mal sie auch von einer am Geschehen unbeteiligten Person ohne Weiteres hätten erzählt werden können. Auch die Angaben zu den beiden Verhören während der Haft seien stereotyper und plakativer Natur gewesen, hätten sich auf Allgemeinplätze beschränkt und es habe seinen Ausführungen, wie er seine Freilassung erlebt habe, auch auf weitere Nachfrage an indi- viduellen Besonderheiten und Merkmalen von tatsächlich persönlich Erleb- tem gefehlt. Überdies würden sich seine Schilderungen in wesentlichen Bereichen – so hinsichtlich der Chronologie der Ereignisse im Anschluss D-5099/2019 Seite 9 an seine Haftentlassung – mit denjenigen der Beschwerdeführerin nicht vereinbaren lassen. Er habe diesbezüglich geschildert, dass er an diesem Tag zu seinen (Nennung Verwandte) nach Hause gegangen sei und die Beschwerdeführerin angerufen habe. Am folgenden Tag habe er an der Trauerfeier für die verstorbenen (Nennung Verwandte) teilgenommen. Nochmal einen Tag später habe er die Beschwerdeführerin und deren (Nennung Verwandte) in F._______ besucht, wo er vor dem Mittag einge- troffen sei und wo sie gemeinsam zu Mittag gegessen hätten. Anschlies- send sei er mit der Beschwerdeführerin in ein Zimmer gegangen, wo sie ihn über die Geschehnisse bezüglich der Haft ausgefragt habe. Nachdem er den weiteren Nachmittag wieder zusammen mit der Familie der Be- schwerdeführerin verbracht habe, sei er am selben Abend alleine nach E._______ ins Haus der (Nennung Verwandte) zurückgekehrt. Die Be- schwerdeführerin ihrerseits habe angegeben, dass er am Tag seiner Haft- entlassung – was ein (Nennung Wochentag) gewesen sei – angerufen habe. Am folgenden Tag habe er zunächst an den Trauerfeierlichkeiten sei- ner (Nennung Verwandte) teilgenommen und sei dann bei Sonnenunter- gang bei ihrem Haus der (Nennung Verwandte) in F._______ eingetroffen. Sie hätten erst miteinander geredet und dann zusammen mit der Familie zu Abend gegessen. Nach dem Essen habe er der ganzen Familie erzählt, was ihm widerfahren sei. Am Tag darauf sei er nachmittags zu seinen (Nen- nung Verwandte) zurückgekehrt. Es sei davon auszugehen, dass er und die Beschwerdeführerin die Umstände ihrer ersten Begegnung nach der geltend gemachten Inhaftierung, welche in prägnanter Erinnerung geblie- ben sein dürfte, hätten übereinstimmend schildern können. Weiter habe er sich zu allfälligen Dokumenten bezüglich seiner Haft nicht widerspruchsfrei geäussert. Zunächst habe er verneint, solche Dokumente bei sich zu haben, um auf die Frage nach dem Verbleib dieser Dokumente anzugeben, keine Belege für die Untersuchungshaft erhalten zu haben. Ein Beleg bestehe lediglich darüber, dass das (Nennung Geschäft) der Familie als Pfand hinterlegt worden sei. Auf Nachfrage, ob der Anwalt im Besitz solcher Dokumente sei, habe er in ausweichender Weise die in der Folge nicht weiter konkretisierte Befürchtung geäussert, dass dieser mit den Be- hörden verstrickt sei. Schliesslich habe er ausgeführt, er habe seine (Nen- nung Verwandte) nicht nach Dokumenten gefragt und wolle nicht mehr über diese vergangenen Geschichten nachdenken. Im Weiteren sei es nicht nachvollziehbar, dass er nicht einmal den Namen seines Anwaltes kennen wolle. Weiter sei nicht plausibel, dass ihn die iranischen Behörden mehrmals verhört und ihm jeweils die gleichen Fragen gestellt hätten, zu- mal es den Behörden recht schnell klar geworden sein müsse, dass er über D-5099/2019 Seite 10 keine einschlägigen Informationen betreffend seinen Freund verfüge. Auch die Vorbringen zum geltend gemachten Verfolgungsinteresse der irani- schen Behörden wirkten plakativ, stereotyp und undifferenziert. Einerseits wolle er nicht gewusst haben, was die iranischen Behörden tatsächlich von ihm gewollt hätten und er sei überzeugt gewesen, dass er etwas hätte ge- stehen sollen, was er nicht getan habe. Erst auf Nachfrage, was er denn hätte gestehen sollen, führte er an, dass (Nennung Behörde) der festen Überzeugung gewesen sei, er habe Informationen über (...) weitergegeben beziehungsweise – nach weiterer Nachfrage – dieser sei sich darüber nicht sicher gewesen, allenfalls habe (Nennung Behörde) auch Informationen über (Nennung Person) gewollt. Die eingereichten Beweismittel vermöch- ten an dieser Einschätzung nichts zu ändern, zumal sie keine Anhalts- punkte für eine Verfolgung seiner Personen enthielten. Auch lasse sich eine solche aufgrund der eingereichten (Nennung Beweismittel) nicht ab- leiten. Die vagen Angaben zum Tod dieser Verwandten seien nicht geeig- net, auf eine Verfolgung seiner Person zu schliessen. Auch die Aussagen seiner (Nennung Verwandte) anlässlich deren Befragungen änderten nichts an der Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen. Insbesondere sei nicht verständlich, dass sein (Nennung Verwandter) mit keinem Wort die von ihm geltend gemachten Fluchtgründe erwähnt habe, obwohl seine (Nennung Verwandte) angeblich für seinen Hafturlaub mit ihrem (Nennung Geschäft) gebürgt hätten und sein (Nennung Verwandter) nach seinem Verschwin- den zur Verantwortung hätte gezogen werden müssen, was offensichtlich nicht der Fall gewesen sei. Auch aus den Ausführungen seiner (Nennung Verwandte) gingen keine Hinweise hervor, dass sie infolge der hinterlegten Kaution nach seinem Untertauc hen Probleme mit den Behörden gehabt hätte. Die Behörden hätten seine Familie nach seinem Verschwinden nicht weiter behelligt und lediglich einmal das Haus der (Nennung Verwandte) aufgesucht, was realitätsfern sei. Im Übrigen seien auch die geltend ge- machten Fluchtgründe seiner (Nennung Verwandte) und seiner (Nennung Verwandte) als unglaubhaft qualifiziert worden. 4.1.2 Bezüglich der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin sei festzustel- len, dass das geltend gemachte von den iranischen Behörden auferlegte Verbot, weiterhin einer (Nennung Laufbahn) nachzugehen, zweifelsohne eine diskriminierende Einschränkung bedeute, aber noch keine asylrecht- liche Verfolgung dar stelle. So sei dieses Verbot nicht derart intensiv, als dass ein weiterer Verbleib im Iran als unzumutbar erschein e. Die einge- reichten Beweismittel (Nennung Beweismittel) vermöchten an dieser Ein- schätzung nichts zu ändern. D-5099/2019 Seite 11 4.1.3 Der Beschwerdeführer habe sich in der Schweiz der mittlerweile aus- einandergebrochenen Gruppe J._______ angeschlossen, welche bei- spielsweise die Freiheit Irans sowie die Freilassung aller politisch Inhaftier- ten proklamiert habe. Er habe wiederholt an deren Demonstrationen und zirka einmal im Monat an Sitzungen teilgenommen. Zudem teile er ü ber (Nennung Nachrichten-Medium) Beiträge mit anderen Leuten und habe ei- nige Male auf einem Weblog über die Freiheit geschrieben. Weiter habe er bezüglich exilpolitischer Tätigkeiten geltend gemacht, dass er zwei persön- liche Blogs geführt habe, auf welche n er irankritische Beiträge gepostet habe. Diese beiden Blogs se ien wegen verbotener Inhalte gesperrt wor- den. Es bestünden in seinem Fall keine Hinweise darauf, dass er sich – wie in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2009/28 E. 7.4.3) vorausgesetzt – in qualifizierter Weise exilpoli- tisch betätigt hätte. Seine Angaben zum exilpolitischen Engagement seien stereotyp und pauschal ausgefallen. Seine Tätigkeit für die J._______ sei lediglich niederschwelliger Natur gewesen und vermöge keine Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung bei einer Rückkehr in den Iran zu begrün- den. Auch den im Internet publizierten Artikeln sei keine fundierte und ernst zu nehmende Kritik am iranischen Regime zu entnehmen, weshalb nicht anzunehmen sei, die Publikation derselben habe ihn in eine exponierte Lage gebracht. Er gehöre offensichtlich nicht zur Zielgruppe des „harten Kerns" von aktiven oppositionellen Iranern im Ausland, die das Interesse der iranischen Behörden auf sich ziehen würden. Aus den diesbezüglichen Beweismitteln lasse sich ein allfälliger Bezug zu seiner Person nicht ent- nehmen, zumal eine Sperrung oder eine Löschung einer Webseite ver- schiedenste Gründe haben könne respektive diese vermöchten – so hin- sichtlich der Artikel in seinem Webblog – ein Interesse der iranischen Be- hörden an seiner Person nicht zu begründen, da solche Beiträge und Kom- mentierungen tagtäglich in ähnlicher Form massenhaft geschehen würden. Eine systematische Identifizierung aller Verfasser durch die iranischen Be- hörden sei deshalb höchst unwahrscheinlich. Im Übrigen würden sich die Serverstandorte des Anbieters der Webseite L._______ in H._______ und den M._______ befinden. Es sei äusserst unwahrscheinlich, dass die ira- nischen Behörden Zugriff auf diese Webseite hätten beziehungsweise ein- zelne Seiten ausserhalb von Iran sperren lassen könnten. Zudem bestün- den keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass gegen den Beschwerde- führer im Iran aufgrund der geltend gemachten Aktivitäten behördliche Massnahmen eingeleitet worden wären. Demnach könne nicht davon aus- gegangen werden, dass er als konkrete Bedrohung für die iranischen Be- hörden wahrgenommen und deshalb verfolgt würde. D-5099/2019 Seite 12 4.1.4 Sodann sei der Beschwerdeführer seit (...) Mitglied der N._______- Gemeinschaft. Hierzu sei festzustellen, dass er seinen angeblichen Glau- benswechsel in seiner Anhörung nicht einmal ansatzweise erwähnt habe. Daher sei von vornherein zweifelhaft, dass seine Registrierung bei der N._______-Gemeinschaft in der Schweiz aus einer tiefen inneren Glau- bensüberzeugung geschehen sei. Seine Erklärungsversuche ( Glaubens- wechsel stehe nicht im Zusammenhang mit seinen Fluchtgründen, da es sich dabei um seine religiöse Überzeugung und nicht um ein politisches Problem handle) könnten nicht gehört werden. So sei er am Ende der An- hörung explizit nach weiteren, noch nicht genannten Gründen, die gegen eine Rückkehr in den Iran sprechen würden, gefragt worden. Die Nennung seiner Mitgliedschaft bei den N._______ wäre spätestens an dieser Stelle zu erwarten gewesen. Dass er sich bewusst dazu entschieden habe, seine N._______-Mitgliedschaft zu verschweigen, sei deshalb nicht nachvoll- ziehbar und lasse keinen anderen Schluss zu, als dass er seine Glaubens- zugehörigkeit an der Anhörung vorsätzlich verschwiegen habe, um unan- genehme Wissensfragen über den Inhalt d ieses G laubens und allfällige persönliche Fragen zu seinem Glaubenswechsel zu vermeiden. Seine erst in der Replik angeführte Behauptung, dass seine Nachbarn im Iran Ange- hörige der Glaubensgemeinschaft der N._______ seien und er wiederholt mitbekommen habe, mit welchen Schwierigkeiten diese Personen konfron- tiert gewesen seien, impliziere jedoch, dass ihm bereits zum Zeitpunkt der Anhörung die Situation der N._______ im Iran bekannt gewesen sei. Umso unverständlicher sei der Umstand, dass er seinen Beitritt zur N._______- Gemeinschaft in der Anhörung vorsätzlich verschwiegen habe. Auch sei nicht nachvollziehbar, dass er nicht bereits in der Anhörung, sondern erst in der Beschwerdeschrift vom 16. November 2017, geltend gemacht habe, dass er sich auf (Nennung Nachrichten-Medium) über die Proble me der N._______ geäussert habe. Seine späte Hinwendung zur Gemeinschaft der N._______ lasse ebenfalls Zweifel an dessen Ernsthaftigkeit aufkom- men. Der Umstand, dass er an den Veranstaltungen der N._______ teil- nehme, stelle keinen Beleg für einen Beitritt aus tiefer Überzeugung dar. Er behaupte zwar, dass er aus tiefer innerer Überzeugung zum Glauben der N._______ gekommen sei, äussere sich jedoch nicht, aufgrund wel- cher persönlichen Umstände er sich der N._______-Religion angeschlos- sen habe beziehungsweise mit dieser in Berührung gekommen sei , was sehr verwundere. Schliesslich erscheine es auffällig, dass ein nicht unwe- sentlicher Prozentsatz sämtlicher Neumitglieder der N._______-Gemeinde Schweiz iranische Staatsbürger seien, die sich in einem laufenden Asylver- fahren befänden. Zudem lasse sich bei offensichtlich opportunistischer Hin- wendung zum Glauben der N._______ auch die Logik ableiten, dass die D-5099/2019 Seite 13 innere Überzeugung nicht gegeben sei, weshalb der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Iran den Glaub en nicht ausleben und daher keine Probleme bekommen werde. Überdies bestünden keine Hinweise darauf, dass die iranischen Behörden Kenntnis von seiner Mitgliedschaft bei den N._______ erhalten hätten. Seine Teilnahme an diversen Gemeindeaktivi- täten seien eher niederschwelliger Natur. Selbst wenn aber den iranischen Behörden die nachträgliche Konversion in der Schweiz bekannt sein sollte, sei davon auszugehen, dass die iranischen Behörden zwar Personen in der Schweiz überwachen würden, aber sehr wohl untersch eiden könnten zwischen ernsthaften Profilen und opportunistischen Verhaltensweisen. Es werde zwar nicht in Frage gestellt, dass den N._______ im Iran Kollektiv- verfolgung drohe. Vorliegend gebe es jedoch keine Hinweise, wonach die iranischen Behörden den Beschwerdeführer als Teil des Kollektivs sehen würden. Ebenso wenig werde seine formelle Mitgliedschaft bei der N._______-Gemeinde in der Schweiz angezweifelt. Dennoch sei die Be- weiskraft der (Nennung Beweismittel) insofern zu relativieren, als dass diese als eine Parteiaussage und nicht als ein Bestätigungsschreiben ei- nes neutralen Dritten , gemäss welchem sein Übertritt zum Glauben der N._______ aufgrund seiner religiösen Überzeugung geschehen sei, ge- wertet werden könne. An dieser Erkenntnis vermöchten auch die einge- reichten Fotoaufnahmen zu diversen Einladungen und Treffen sowie ein Andenken an das Glaubensbekenntnis nichts zu ändern. Die geltend ge- machten subjektiven Nachfluchtgründe hie lten somit den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. 4.2 In der Beschwerdeschrift wurde entgegnet, die Schilderungen des Be- schwerdeführers enthielten mehrere Realkennzeichen. Die Erinnerung des Beschwerdeführers setze sich aus mehreren Passagen direkter Rede zu- sammen und er habe während des Berichtens emotionale Reaktionen ge- zeigt. Er sei imstande gewesen, detailliert und substanziiert über den Her- gang nach seiner Verhaftung zu berichten und sei zeitweise auch in Ne- bensächlichkeiten abgeschweift. Auch die Erzählungen zu den Haftbedin- gungen seien – entgegen der vorinstanzlichen Ansicht – genau ausgefal- len; zudem habe er seine persönliche Gefühlslage in Haft beschrieben. Dass er diese Empfindungen nicht ausschweifend und farbig beschrieben habe, entspreche seinem Naturell und seinem eher nüchternen Erzählstil. Auch habe er genau beschrieben, wo und wie die Verhöre stattgefunden hätten und auch die Freilassung habe er mit dem gleichen Detailreichtum geschildert. Da er bei der Freilassung Mühe gehabt habe, seine damalige Gemütslage mit Worten zu beschreiben, resultiere eine eher deskriptiv an-D-5099/2019 Seite 14 mutende Beschreibung seiner intensiven Empfindungen. Die zurückhal- tende Art des Beschwerdeführers, Gefühle und persönliche Beziehungen zu beschreiben, habe zudem zu einem Widerspruch zwischen seinen Aus- sagen und denjenigen der Beschwerdeführerin geführt. Er habe fälschli- cherweise gesagt, er sei erst am dritten Tag nach seiner Freilassung zu seiner Frau gegangen. Tatsächlich habe er eine Nacht bei ihr verbracht; da man dies in seinem Kulturkreis nicht erwähne, h abe er jedoch nichts ge- sagt. Die Beschwerdeführerin habe die zeitlichen Angaben korrekt wieder- gegeben. Abgesehen von diesem Widerspruch würden ihre Angaben je- doch übereinstimmen. Ferner habe es auch keine widersprüchlichen Aus- sagen bezüglich der Dokumente zur Untersuchungshaft gegeben. Der Be- schwerdeführer habe mit seinen Aussagen gemeint, dass es Dokumente gebe, er jedoch nicht im Besitz derselben sei. Es sei darauf hinzuweisen, dass bei solchen zweideutigen Aussagen unklar sei, ob diese auf ihre Aus- führungen oder auf eine missverständliche Übersetzung zurückzuführen seien. Der Beschwerdeführer habe mittlerweile von seinen (Nennung Ver- wandte) den Namen und die Adresse des Anwalts in E._______ in Erfah- rung bringen können. Er gehe davon aus, dass dieser eine Bestätigung seines Hafturlaubs besitze. Seine (Nennung Verwandte) hätten jedoch kei- nen Kontakt mehr mit dem Anwalt gehabt, dies wegen eigener Probleme aber auch deshalb, weil nicht klar gewesen sei, ob dem Anwalt vollumfäng- lich habe vertraut werden können. Soweit das SEM bemängle, es seien dem Beschwerdeführer immer die gleichen Fragen bei den Verhören ge- stellt worden, und bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit das Kriterium der Plausibilität anführe , sei Folgendes entgegenzuhalten: Dieses Kriterium werde gemäss Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -2124/2014 vom 15. Januar 2016 von der Lehre seit längerer Zeit stark kritisiert. So sei dies- bezüglich grosse Vorsicht angezeigt und es sollten grundsätzlich lediglich naturwissenschaftliche Tatsachen unter dem Aspekt der Plausibilität be- wertet werden oder zumindest Unplausib ilität mit Country of Origin Infor- mations (COI) oder anderen von den Beschwerdeführenden eingereichten Beweismitteln abgeglichen werden. Vorliegend könne dem Beschwerde- führer ein allfällig unlogisches oder inkohärentes Verhalten der iranischen Behörden nicht negativ angelastet werden, zumal dieses nicht per se ver- ständlich und nachvollziehbar erscheine und vom SEM nicht mit Herkunfts- länderinformationen abgeglichen worden sei. Der Ettelaat habe ihm nicht erklärt, welche Informationen er über seinen Freund un d ihre gemeinsa- men Kontakte gehabt habe und woher diese Kenntnisse stammten. Er habe daher über die Motive des (Nennung Behörde), ihn zu verdächtigen, vertrauliche Informationen weitergegeben zu haben, nur mutmassen kön-D-5099/2019 Seite 15 nen. Weiter sei der vorinstanzlichen Ansicht, die aus den Befragungen er- sichtlichen Informationen der (Nennung Verwandte) vermöchten an der Glaubhaftigkeit der Ausführungen des Beschwerdeführers nichts zu än- dern, entschieden zu widersprechen. In der Anhörung des (Nennung Ver- wandter), der bei der Schilderung seiner Gründe sehr bewegt gewesen sei und Zeichen einer Traumatisierung gezeigt habe, sei vom SEM kein Hin- weis gegeben worden, dass allenfalls offene Punkte bezüglich der Flucht- gründe seines Sohnes beziehungsweise des Beschwerdeführers ange- sprochen werden sollten, was aber in Anbetracht der Wahrung des Unter- suchungsgrundsatzes hätte erwartet werden dürfen. Der (Nennung Ver- wandter) habe ausschliesslich über seine persönlichen Fluchtgründe ge- sprochen, weshalb die fehlende Nennung der Fluchtgründe des Sohnes in dessen Anhörung keine Unstimmigkeit darstelle. Überdies sei die Eigen- tumsurkunde des (Nennung Geschäft) nur auf den Namen der (Nennung Verwandte) als Kaution hinterlegt worden. Ob es Versuche gegeben habe, den Beschwerdeführer und/oder se ine (Nennung Verwandte) nach der Flucht aufzusuchen und zur Rechenschaft zu ziehen, bleibe unklar; die Fa- milie stehe nicht mehr im Kontakt mit ihrem Anwalt. Es könne aber keines- wegs – wie von der Vorinstanz behauptet – gesagt werden, dass dies of- fensichtlich nicht der Fall gewesen sei. Ferner habe die Vorinstanz zu Un- recht behauptet, dass sich aus den Aussagen der (Nennung Verwandte) des Beschwerdeführers keine Anhaltspunkte für Probleme nach seinem Untertauchen ergeben würden. Tatsächlich habe die (Nennung Verwandte) in Angst gelebt, zumal nach dem Weggang des Beschwerdeführers zivile Sicherheitskräfte das Haus zweimal durchsucht hätten und sie in der Folge mehrere Anrufe der Behörden erhalten habe. Trotz Beizugs eines Rechts- anwalts habe der Angstzustand weiter angehalten, habe dieser die (Nen- nung Verwandte) doch informiert, dass sie für das Untertauchen des Soh- nes verantwortlich gemacht würde. Im Wissen um die politischen Um- stände im Iran habe die Beschwerdeführerin dem Anwalt letztlich nicht ver- trauen können und diesen in den letzten Monaten vor der Ausreise auch nicht mehr kontaktiert. Auch wenn der Rechtsanwalt die Sache für kurze Zeit habe unter Kontrolle halten können, habe die Situation ein massives, potenziell unkontrollierbares Risiko dargestellt. Im Übrigen sei bezüglich des parallel laufenden Verfahrens der (Nennung Verwandte) des Be- schwerdeführers festzustellen, dass die Aussagen der (Nennung Ver- wandte) in ihrer Anhörung in hohem Masse detailreich und differenziert ausgefallen seien. Zudem sei sie in der Lage gewesen, die Situation des Beschwerdeführers kohärent zu schildern. Aus dem Erzählstil werde ihre persönliche Betroffenheit spürbar. Insgesamt seien die Fluchtgründe des D-5099/2019 Seite 16 Beschwerdeführers unter Berücksichtigung der Ausführungen seiner (Nen- nung Verwandte) in deren Asylverfahren als glaubhaft zu bezeichnen. Weiter habe sich der Beschwerdeführer durch seine exilpolitischen Aktivi- täten besonders exponiert. So seien die beiden Blogs nur von ihm betrie- ben worden, wo er mit Namen und Foto erkennbar gewesen sei. Nachdem diese Blogs gesperrt worden seien, sei klar, dass er identifiziert, der Inhalt der Blogs als verboten eingestuft und er mit der S perrung gezielt zensiert worden sei. Ferner würden mehrere Quellen belegen, dass sich die Über- wachung der Nutzung sozialer Netzwerke durch im Ausland lebende irani- sche Staatsangehörige nicht nur auf exponierte Kritiker beschränkt, son- dern auch niederschwelliger Aktivismus verfolgt werde. Vor diesem Hinter- grund sei von einer Überwachung des Beschwerdeführers ausz ugehen und es könnten ihm bei einer allfälligen Rückkehr massive Sanktionen dro- hen. Weiter sei den Nutzungsbedingungen von L._______ durchaus ein Bezug zum Iran und dessen politischen Interessen zu entnehmen. Hin- sichtlich des Beitritts zur Glaubensgemeinschaft der N._______ sei anzu- führen, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner kritischen Auseinan- dersetzung mit dem Islam und seiner Suche nach einer Religion, auf wel- che er vertrauen könne, bereits im Iran auf diesen Glauben aufmerksam geworden sei. Seit seinem Übertritt im (...) lebe er seinen Glauben in tiefer Überzeugung und trage seine religiöse Anschauung aktiv nach aussen , was sich am mittlerweile seit Jahren andauernden Engagement und seiner regelmässigen Teilnahme an Treffen, Weiterbildungen, Sitzungen und Fei- ern manifestiere (S. 18 ff. Beschwerdeschrift) . Da seine religiöse Gesin- nung mit seinen Ausreisegründen nichts zu tun gehabt habe, habe er im Rahmen der Anhörung weder darauf aufmerksam gemacht noch seinen Ausweis der N._______-Gemeinschaft gezeigt. Es wäre ihm ohne weiteres möglich gewesen, allfällige Wissens - und persönliche Fragen zu seinem Glaubenswechsel zu beantworten. Weiter habe er mit der Erläuterung der Situation der Nachbarn, welche ihren N._______-Glauben offen ausgelebt hätten, seine bereits im Iran veranlagte kritische Haltung gegenüber dem Islam unterstreichen wollen. Seine Hinwendung zum Glauben der N._______ sei nicht – wie von der Vorinstanz behauptet – spät geschehen, sondern sei Resultat eines langwierigen Prozesses gewesen. Hätte er sich diesem Glauben nur angeschlossen, um ein Bleiberecht in der Schweiz zu erwirken, wäre es wahrscheinlicher gewesen, dass er darauf bei seiner An- hörung hingewiesen hätte. Auch spreche die Tatsache, dass sich die Be- schwerdeführerin – ebenfalls aus innerer Überzeugung – nicht als Mitglied der N._______-Gemeinschaft angeschlossen habe, gegen eine blosse op- portunistische Hinwendung des Beschwerdeführers zum Glauben der D-5099/2019 Seite 17 N._______. Der Beschwerdeführer könne sich von seiner inneren Über- zeugung und seinem Glauben nicht e infach abwenden, weshalb es ihm nicht zuzumuten sei, bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran von seinem Glauben abzulassen oder diesen versteckt zu leben. Der Beschwerdefüh- rer erfülle daher aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingsei- genschaft. 5. 5.1 Zunächst sind die von den Beschwerdeführenden angeführten Vor- fluchtgründe auf ihre Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz zu prüfen. 5.2 5.2.1 Zum vorinstanzlichen Vorhalt, es sei nicht plausibel, dass dem Be- schwerdeführer während den verschiedenen Verhören immer die gleichen Fragen gestellt worden seien, ist Folgendes festzuhalten: Da sich über die Vorgehensweise der iranischen Sicherheitskräfte respektive des Ettelaat im Zusammenhang mit der Befragung von inhaftierten Personen, welche verdächtigt werden, geheime Inf ormationen (...) weitergeleitet zu haben, nur mutmassen lässt, bleiben die entsprechenden Einwände des SEM ohne entscheidendes Gewicht (vgl. zur Zurückhaltung beim Kriterium der Plausibilität von Verfolgungshandlungen Urteil des BVGer D -7912/2016 vom 12. Februar 2018 E. 5.1 m.w.H.). 5.2.2 Hingegen erweisen sich die Schilderungen des Beschwerdeführers in verschiedenen Punkten als stereotyp und unsubstanziiert. So ist er sei- nen Angaben zufolge während (Nennung Dauer) in einer Einzelzelle fest- gehalten und während dieser Zeit zwei Mal verhört worden. Trotz wieder- holter Nachfragen zu den genauen Umständen der Haft und den Verhören entsteht aufgrund der Schilderungen des Beschwerdeführers nicht der Ein- druck, dass er über einen tatsächlich erlebten Sachverhalt berichtet. Zwar wendet er ein, seine Erzählungen seien detailliert ausgefallen und er habe seine persönliche Gefühlslage in der Haft beschrieben, wobei s ein eher nüchterner Erzählstil seinem Naturell geschuldet sei. Jedoch vermag das blosse Festhalten an einem ausführlichen Sachverhaltsvortrag den spärli- chen Gehalt seiner Darlegungen und die fehlenden Ausführungen zu sei- nen Gefühlen und Empfindungen hinsichtlich des in Frage stehenden Sachverhaltselements nicht aufzuwiegen. Zwar vermochte er ein paar we- nige Details und einige Sätze, welche zwischen ihm und den Behördenmit- gliedern geführt worden seien, anzuführen. Dies alleine reicht jedoch vor- liegend nicht, um glaubhaft darzulegen, dass seinen diesbezüglichen Asyl-D-5099/2019 Seite 18 vorbringen eine genügende inhaltliche Dichte und Erlebn isrelevanz zu- komme, die auf einen tatsächlich erlebten Sachverhalt hindeuteten. So könnten sie in ihrer Einfachheit auch von einem am Geschehen unbeteilig- ten Dritten problemlos nacherzählt werden (vgl. act. A39, F27-40). Zudem weisen seine Ausführungen kaum Realkennzeichen auf, so insbesondere zu Interaktionen sowie inhaltlichen Besonderheiten bezüglich der emotio- nalen Aspekte, zumal es sich um seine erste Festnahme und Inhaftierung gehandelt haben soll. So vermochte er ausser dem Vorbringen, dass die Zeit im Einzelzimmer unglaublich schwierig und er fast wahnsinnig gewor- den sei, keine weiteren Gefühle zu artikulieren (vgl. act. A39, F30 und F33). 5.2.3 Zum gleichen Schluss gelangt das Gericht auch hinsichtlich der Aus- führungen des Beschwerdeführers zu seiner Gefühlslage im Anschluss an seine Freilassung nach (Nennung Dauer) Haft (vgl. act. A39, F51), zumal er ausser dem Vorbringen, er sei "natürlich überglücklich" gewesen, keine anderen respektive weiteren Emotionen äusserte. Dies wäre jedoch unter den gegebenen Umständen auch in Berücksichtigung seines Arguments, wonach er Mühe gehabt habe, seine damalige Gemütslage mit Worten zu beschreiben, ohne Weiteres zu erwarten gewesen. 5.2.4 Ferner vermögen die Beschwerdeführenden mit ihren Entgegnungen die vom SEM aufgezeigten Unstimmigkeiten zu den Umständen ihrer ers- ten Begegnung nach der Inhaftierung des Beschwerdeführers nicht plausi- bel aufzulösen. De r blosse Hinweis auf die zurückhaltende Art des Be- schwerdeführers, Gefühle und persönliche Beziehungen zu beschreiben, vermag als Erklärung nicht zu überzeugen, stehen dem doch die unter- schriftlich bestätigten Anhörungsprotokolle gegenüber (vgl. act. A39, F70- 73; A40, F19-49), die sich in diesem Punkt nicht miteinander vereinbaren lassen. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe in der Tat bei der Familie der Beschwerdeführerin übernachtet, was er verschwiegen habe, da man solches in seinem Kulturkreis nicht erwähne, ist angesichts des Umstandes, dass es der aus dem gleichen Kulturkreis stammenden Be- schwerdeführerin ohne Weiteres möglich war, die Übernachtung des Be- schwerdeführers bei ihrer Familie im Rahmen ihrer Anhörung zu erwähnen (vgl. act. A40, F47) und die Beschwerdeführenden bei den Befragungen im Übrigen bereits verheiratet waren, als blosse Schutzbehauptung zu wer- ten. 5.2.5 Sodann vermag auch der Einwand, die Aussagen des Beschwerde- führers zu Do kumenten über die Untersuchungshaft seien nicht wider- sprüchlich ausgefallen, zumal er mit seinen Äusserungen habe anführen D-5099/2019 Seite 19 wollen, dass es zwar Dokumente gebe, er jedoch nicht im Besitz derselben sei, angesichts des unterschriftlich bestätigten Protokollwortlauts seiner Anhörung nicht zu überzeugen . Einerseits gab er unmissverständlich an, dass solche Dokumente existieren würden, um auf Nachfrage in auswei- chender Weise anzugeben, er habe keine Belege erhalten und stehe nicht im Kontakt mit dem Anwalt bezieh ungsweise dieser sei vielleicht mit den Behörden verstrickt (vgl. act. A39, F83 ff.). Unter diesen Umständen bleibt auch der Einwand, dass es sich um eine zweideutige Aussage handle, wel- che allenfalls auf eine missverständliche Übersetzung zurückzuführen sei, unbehelflich. Dies auch deshalb, weil der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung nebst der vollständigen und korrekten Aufnahme seiner Asyl- gründe bestätigte, die Übersetzerin sehr gut zu verstehen und dem Proto- koll keine Hinweise zu entnehmen sind, welche seinen Einwand zu stützen vermöchten (vgl. act. A39, S. 2 und 21). Weiter handelt es sich beim Vor- bringen des Beschwerdeführers, er gehe davon aus, dass der Anwalt – dessen Name und Adresse er von seinen (Nennung Verwandte) mittler- weile habe in Erfahrung bringen können – eine Bestätigung seines Haftur- laubs besitze, um eine unbelegt gebliebene Parteibehauptung, aus wel- cher die Beschwerdeführenden nichts zu ihren Gunsten ableiten können. 5.2.6 Ferner sind die Erörterungen des SEM zu den im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismitteln und zu den Feststellungen hinsicht- lich einer allfälligen Verfolgungsgefahr wegen der verstorbenen (Nennung Verwandte) des Beschwerdeführers zu bestätigen. Da sich die Beschwer- deführenden zu diesen Ausführungen in ihrer Beschwerdeschrift nicht wei- ter äussern, kann zur Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich auf jene vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. 5.2.7 Weiter teilt das Gericht die Einschätzung der Vorinstanz, wonach es befremdlich erscheint, dass der (Nennung Verwandter) des Beschwerde- führers im Rahmen seiner eigenen Anhörung die Fluchtgründe des Be- schwerdeführers nicht einmal am Rande kurz erwähnte, obschon der (Nen- nung Verwandter) dem Beschwerdeführer nach dessen Inhaftierung einen Anwalt organisiert habe, seine (Nennung Verwandte) respektive seine (Nennung Verwandte) das (Nennung Geschäft) als Kaution hinterlegt hät- ten, sein (Nennung Verwandter) zusammen mit dem Anwalt am Gericht anwesend gewesen sei und dieser den Beschwerdeführer – da die (Nen- nung Verwandte) beschlossen hätten, ihn nicht mehr in Einzelhaft zurück- zuschicken – in der Folge während (Nennung Dauer) versteckt hätten (vgl. act. A39, F46 -49; Anhörungsprotokoll der [Nennung Verwandte ] [N_______] vom 16. Juni 2017, F75). Auch wenn es bei der Anhörung des D-5099/2019 Seite 20 (Nennung Verwandter) im Wesentlichen um dessen Ausreisegründe ge- gangen ist, hätte vor diesem Hintergrund zumindest eine kurze Nennung der angeblich ungerechtfertigten Inhaftierung des Beschwerdeführers, wel- che sich auf das weitere Verhalten der (Nennung Verwandte) sowie auf die ganze Familie ausgewirkt habe n soll, erwartet werden dürfen. Soweit die Beschwerdeführenden bestreiten, dass die (Nennung Verwandte) des Be- schwerdeführers aufgrund der hinterlegten Kaution und des Untertauchens des Beschwerdeführers keine Probleme gehabt habe, ist Folgendes fest- zuhalten: Gemäss den Ausführungen der (Nennung Verwandte) in deren Anhörung haben die Behörden einmal nach dem Beschwerdeführer ge- fragt, kurz nachdem dieser im (...) aus dem Hafturlaub nicht zurückgekehrt sei. Dann habe der Rechtsanwalt mit den Behörden verhandelt. Die (Nen- nung Verwandte) habe sich etwa bis (...) in der Wohnung der Familie in E._______ aufgehalten und in der Folge jeweils für (Nennung Dauer) in verschiedenen Quartieren der Stadt gewohnt (vgl. Anhörungsprotokoll der (Nennung Verwandte) [N_______] vom 16. Juni 2017, F27-30, F97). Dass sie in dieser Zeit respektive bis zu ihrer Ausreise im (...) von den Sicher- heitskräften wegen des Beschwerdeführers behelligt worden wäre, geht – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – nicht aus den Akten hervor. Wohl hätten zivile Sicherheitskräfte das Haus zweimal durchsucht und die Behörden hätten die (Nennung Verwandte) mehrmals angerufen. Diese Such- und Kontrollmassnahmen geschahen jedoch ihren Ausführun- gen zufolge nicht wegen des Beschwerdeführers, sondern wegen seines (Nennung Verwandter), der im (...) das Land verlassen hatte (vgl. Anhö- rungsprotokoll der (Nennung Verwandte) [N_______] vom 16. Juni 2017, F79-87). Ausserdem ist es wenig glaubhaft, dass die (Nennung Verwandte) des Beschwerdeführers einen Anwalt in seiner Sache beauftragt hätten – der offensichtlich erfolgreich einen Hafturlaub habe erwirken können –, um dann wegen angeblich fehlender Vertrauenswürdigkeit desselben den Kontakt zu diesem abzubrechen und letztlich ihr Unwissen über den wei- teren Fortgang des Verfahrens des Beschwerdeführers damit zu begrün- den. 5.2.8 Ferner reichten die Beschwerdeführenden im Zusammenhang mit dem geltend gemachten Hafturlaub mit Eingabe vom 20. August 2020 ei- nen (Nennung Beweismittel) ein. Der Beschwerdeführer habe diese Nach- richt (...) von einer Verwandten erhalten, welche die Kopie des Dokuments betreffend die gestellte Kaution bei den Behörden habe erhältlich machen können. Dieser Mitteilung des (Nennung Behörde) respektive der (Nen- nung Behörde) zufolge wird die (Nennung Verwandte) des Beschwerde-D-5099/2019 Seite 21 führers benachrichtigt und vorgeladen, an der Anhörung der verantwortli- chen Person und der verbundenen Parteien teilzu nehmen, um die Be- schlagnahme und den Verkauf der h interlegten Kaution gegebenenfalls durch Einspruch zu verhindern. Zunächst ist anzumerken, dass dieses Do- kument nicht im Original vorliegt, weshalb der eingereichten Kopie auf- grund deren leichten Manipulierbarkeit grundsätzlich nur ein äusserst ge- ringer Beweiswert beigemessen werden kann. Sodann geht aus dieser Be- nachrichtigung insbesondere nicht hervor, aus welchem Grund seitens der (Nennung Verwandte) Kaution gestellt worden sein soll . D er Umstand, dass sich die ausstellende Stelle laut Mitteilung vom (...) mit (...) befasst, lässt erheblich daran zweifeln, dass die fragliche Kaution für den geltend gemachten Zweck (Hafturlaub des Beschwerdefüh rers) gestellt worden sein soll, zumal die Beschwerdeführenden a uch nie geltend gemacht ha- ben, es sei in dieser Sache je ein Urteil gefällt worden. Diesem Beweismit- tel ist aus diesen Gründen die Beweiskraft für die geltend gemachte Ver- folgung des Beschwerdeführers abzusprechen. Anzumerken ist an dieser Stelle ferner, d ass gemäss den Bestimmungen des iranischen Strafpro- zessrechts für Öffentliche und Revolutionsgerichte (Nennung Bestimmung) im Rahmen von Vereinbarungen einer Kaution bei Säumnis des Angeklag- ten oder des Kautionsstellers die einzige Folge die Verwertung der hinter- legten Kaution darstellt (Nennung Bestimmung). 5.2.9 Das Gericht gelangt nach Abwägung der Argumente, die für die Glaubhaftigkeit, und denjenigen, die dagegen sprechen , zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, die zu beurteilende Verfolgungsgeschichte des Beschwerdeführers entspreche – auch in Berücksichtigung der Asyl- vorbringen seiner (Nennung Verwandte) – in den wesentlichen Punkten nicht den Tatsachen, als höher zu erachten ist. 5.3 Sodann hat die Vorinstanz die Fluchtgründe der Beschwerdeführerin zu Recht und mit zutreffender Begründung als asylirrelevant eingestuft. In Ermangelung einer Entgegnung auf Beschwerdeebene ist diese Feststel- lung ohne weiteren Begründungsaufwand zu bestätigen. Unter diesen Um- ständen erübrigen sich weitere Erörterungen an dieser Stelle. 5.4 Bei dieser Sachlage ist insgesamt davon auszugehen, dass die Be- schwerdeführenden im Zeitpunkt ihrer Ausreise nicht im Fokus der irani- schen Behörden standen, sondern ihre Heimat als unbescholtene Bürger verliessen. Das Vorliegen von Vorfluchtgründen ist daher zu verneinen, weshalb die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt ihrer Ausreise nicht erfüllten. D-5099/2019 Seite 22 6. Sodann ist hinsichtlich der exilpolit ischen Aktivitäten des Beschwerdefüh- rers das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG zu prüfen. 6.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exil- aktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Begrün- deter Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung besteht dann, wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit erhebli cher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rück- kehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1). Dabei muss hinreichend Anlass zur Annahme bestehen, die Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab- sehbarer Zukunft verwirklichen; eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2). Die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht gemäss Art. 3 und 7 AsylG bleiben dabei grundsätzlich massgeblich. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Aus- schluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 6.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständ iger Rechtsprechung da- von aus, dass die iranischen Behörden politische Aktivitäten ihrer Staats- bürger im Ausland überwachen und erfassen (vgl. dazu Referenzurteil D-830/2016 vom 20. Juli 2016). Es bleibt jedoch im Einzelfall zu prüfen, ob die exilpolitischen Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im asylrechtlichen Sinn nach sich ziehen. Bei dieser Prüfung ist davon auszugehen, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrie- ren, die über die massentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vorgenommen haben, welche die jeweilige Person aus der Masse der mit dem Regime Unzuf riedenen herausstechen und als ernsthaften und ge- fährlichen Regimegegner erscheinen lassen. Dabei darf davon ausgegan- gen werden, dass die iranischen Sicherheitsbehörden zu unterscheiden D-5099/2019 Seite 23 vermögen zwischen tatsächlich politisch engagierten Regimekritikern un d Exilaktivisten, die mit ihren Aktionen in erster Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). Der EGMR geht ebenfalls davon aus, dass eine möglicherweise drohende Verletzung von Art. 3 EMRK jeweils aufgru nd der persönlichen Situation des Beschwerdeführers zu beurteilen ist. Die Berichte über schwerwiegen- de Menschenrechtsverletzungen im Iran begründen für sich allein noch keine Gefahr einer unmenschlichen Behandlung (vgl. Urteil des EGMR S.F. und andere gegen Schweden vom 15. Mai 2012, 52077/10, §§ 63 f.). 6.3 Den eingereichten Beweismitteln und Ausführungen lässt sich entneh- men, dass der Beschwerdeführer nach seiner Einreise zunächst an Sitzun- gen und Demonstrationen der Gruppe J._______ teilnahm. Diese Gruppe führt jedoch seit dem Jahr (...) wegen interner Auseinandersetzungen keine Aktionen mehr durch. Der Beschwerdeführer betrieb zwei Weblogs (...), welche wegen verbotener Inhalte gesperrt w urden. Ein weiterer, vom Be- schwerdeführer später erstellter Blog (...), auf dem er regimekritische Bei- träge – von ihm wie auch von Drittpersonen – veröffentlichte, wurde im (...) ebenfalls gesperrt. Aktuell betreibt der Beschwerdeführer eigenen Anga- ben zufolge keine eigenen Blogs mehr, sondern postet nur noch Beiträge auf (Nennung Nachrichten-Medium) gegen Menschenrechtsverletzungen im Iran und gegen die Verfolgung der N._______. 6.4 Zunächst ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden – wie vor- stehend erwogen wurde (vgl. E. 5) – vor ihrer Ausreise nicht im Visier der heimatlichen Behörden standen. Bei der Tätigkeit des Beschwerdeführers im Rahmen der Gruppe J._______ handelt es sich sodann um ein lediglich niederschwelliges Engagement, weshalb diesbezüglich keine Anhalts- punkte bestehen, dass er sich dadurch in qualifizierter Weise öffentlich ex- poniert hätte. Im Weiteren veröffentlichte der Beschwerdeführer insgesamt drei Blogs, welche mittlerweile alle geschlossen wurden, Artikel zu ver- schiedenen Themen – so der Religionsfreiheit, der Freiheit politischer Ge- fangener, der Rechte der Kinder, u.ä. –, welche er zusammengetragen, zu- sammengefasst und teilweise auch selber geschrieben habe. Da weder Angaben zu den Abonnenten noch zur Anzahl der Leser dieser Blogs vor- liegen, lässt sich weder deren konkrete Reichweite abschätzen noch eru- ieren, ob der Beschwerdeführer damit ein grosses Publikum erreichte. Das blosse Verfassen respektive Publizieren von Artikeln, welche sich zum po- litischen Geschehen im Iran äussern, lässt aber noch nicht auf ein expo- niertes oppositionelles Engagement s chliessen. Bei den eingereichten D-5099/2019 Seite 24 Blogbeiträgen handelt es sich um allgemein formulierte regimekritische Äusserungen, welche sich nicht von jenen unterscheiden, welche durch eine grosse Zahl von exilpolitisch tätigen Iranern im Internet publiziert wer- den. Tagtäglich werden unzählige derartige Einträge veröffentlicht, so dass eine systematische Identifizierung aller Verfasser seitens der iranischen Behörden ausgesprochen unwahrscheinlich ist (vgl. in diesem Sinne auch Urteil des BVGer E-1252/2015 vom 3. Mai 2016 E. 6.4). Zwar kann – wie die Beschwerdeführenden in ihrer Rechtsmitteleingabe (S. 15) nicht zu Un- recht ausführen – nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass im Zusam- menhang mit Internetaktivitäten auch Personen mit einem wenig herausra- genden Profil ins Visier des iranischen Staates geraten. Von einer syste- matischen Verfolgung von im Internet aktiven oppositionellen Iranerinnen und Iranern durch die heimatlichen Behörden im Ausland ist jedoch nicht auszugehen (vgl. Urteil des BVGer E -5508/2017 vom 26. Oktober 2017 E. 6.1.4; United Kingdom Upper Tribunal, AB and Others [internet activity – state of evidence] [2015] UKUT 257 [IAC], 30. April 2015 S. 70 ff.; letzt- mals abgerufen am 25.01.2021). Sodann bedeutet der Umstand, dass die Blogs gesperrt wurden, nic ht automatisch, dass der Beschwerdeführer vom iranischen Regime überwacht wurde beziehungsweise wird (vgl. Ur- teile des BVGer D-6271/2012 vom 15. Februar 2013 E. 8.6; D-6269/2012 vom 21. Januar 2013 E. 6.7). Die aktenkundigen (Nennung Nachrichten- Medium)-Posts, soweit eigenen Angaben zufolge Beiträge gepostet wer- den, die die schlechte Menschenrechtslage respektive Verletzungen der Menschenrechte kritisieren, sind als massentypisch zu qualifizieren, zumal die dabei vertretenen Ansichten nicht als besonders ex trem, aggressiv oder aufwieglerisch bezeichnet werden können. Der Beschwerdeführer hebt sich durch diese Beiträge noch nicht von der grossen Masse unzufrie- dener Exiliraner ab. Eine begründete Furcht vor einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung bei einer Rückkehr ist nur dann anzunehmen, wenn der Beschwerdeführer von den iranischen Behörden als ernsthafter und potentiell gefährlicher Regimegegner wahrgenommen würde. Davon ist hinsichtlich der oben gewürdigten Veröffentlichungen, welche – soweit ab- schätzbar – nicht auf eine besonders grosse Resonanz stiessen und sich nicht von massentypischen Online-Posts zahlreicher Exiliraner unterschei- den, noch nicht auszugehen. 6.5 Anders stellt sich die Situation bezüglich der geltend gemachten Hin- wendung des Beschwe rdeführers zur Religionsgemeinschaft der N._______, der in diesem Zusammenhang auf (Nennung Nachrichten-Me-D-5099/2019 Seite 25 dium) veröffentlichten Kritik an der Verfolgung der N._______ und der sol- chermassen dargelegten exilpolitischen Aktivitäten für diese Gemeinschaft dar. 6.5.1 (Ausführungen zur allgemeinen Situation der N._______ im Iran) 6.5.2 Die Glaubhaftigkeit einer Konversion hängt insbesondere von der "in- neren Überzeugung" ab, welche auch in diesem Sinne gelebt werden muss. Die religiöse Zugehörigkeit kann – im Vergleich zu anderen Asylvor- bringen – praktisch nur anhand der eigenen Aussagen der asylsuchenden Person beurteilt werden. Gegebenenfalls können zwar gewisse Schlüsse aus externen Anhaltspunkten wie Besuche von Gottesdiensten, Bescheini- gungen und Aussagen privater Dritter gezogen werden. Solche Urkunden sind im Gesamtkontext zusammen mit den Aussagen der asylsuchenden Person zu berücksichtigen, vermögen in der Regel alleine jedoch die Kon- version nicht glaubhaft zu machen. Die asylsuchende Person muss hinge- gen in jedem Fall mit ihren Aussagen den Behörden glaubhaft machen kön- nen, dass sie sich aufgrund ihrer inneren Überzeugung zum einen von ihrer früheren Religion ab und – gegebenenfalls – zum anderen einer neuen Religion zugewandt hat. Eine lediglich formelle Konversion (z.B. durch die Taufe) ohne Hinweise auf innere Überzeugung reicht für die Glaubhaftma- chung in der Regel nicht aus (vgl. Urteil des BVGer D -4952/2014 vom 23. August 2017 [als Referenzurteil publiziert], E. 6.2). 6.5.3 Den Ausführungen und eingereichten Belegen – so insbesondere auch denjenigen des im vorang egangenen Beschwerdeverfahren D-6464/2017 eingereichten – zufolge nahm der Beschwerdeführer im Jahr (...) Kontakt mit der Glaubensgemeinschaft der N._______ auf, legte im (...) sein Glaubensbekenntnis ab und beteiligt sich seither – mithin seit (Nennung Dauer) – an diversen Gemeindeaktivitäten. So engagiert sich der Beschwerdeführer (Aufzählung Aktivitäten) und dient seit (...) als Mit- glied im (Nennung Institution). Dabei war der Beschwerdeführer anlässlich des (Nennung Feiertag und Jahr) im Rahmen einer interreligiösen Feier auf einem öffentlichen Platz in O._______ als Mitorganisator eines Work- shops aktiv und überdies auf einem dort angebrachten Stehplakat in Le- bensgrösse mit Foto und Namen abgebildet. 6.5.4 Das SEM vertritt in seinem Entscheid die Auffassung , dass der Be- schwerdeführer vorliegend nicht aus tiefer innerer Überzeugung, sondern vielmehr aus asyltaktischen Gründen zu den N._______ übergetreten sei. D-5099/2019 Seite 26 Ausserdem bestünden keine Hinweise darauf, dass die iranischen Behör- den Kenntnis von seiner Mitgliedschaft bei den N._______ erhalten hätten, zumal seine Teilnahme an diversen Gemeindeaktivitäten eher nieder- schwelliger Natur sei. Der Beschwerdeführer entgegnete im Wesentlichen, da seine religiöse Gesinnung mit seinen Ausreisegründen in keinem Zu- sammenhang gestanden habe, habe er im Rahmen der Anhörung weder darauf aufmerksam gemacht noch seinen Ausweis der N._______-Ge- meinschaft gezeigt. Es wäre ihm ohne weiteres möglich gewesen, allfällige Wissens- und persönliche Fragen zu seinem Glaubenswechsel zu beant- worten. Seine Hinwendung zum Glauben der N._______ sei nicht – wie von der Vorinstanz behauptet – spät geschehen, sondern stelle das Resul- tat eines langwierigen Prozesses dar. Vor dem Hintergrund seiner zahlrei- chen Aktivitäten innerhalb der Glaubensgemeinschaft der N._______ und seiner Funktion als Mitglied des (Nennung Institution) in O._______ werde ersichtlich, dass er sich aus innerer Überzeugung der Gla ubensgemein- schaft angeschlossen habe, sich intensiv mit seinem Glauben auseinan- dersetze und seine religiöse Überzeugung aktiv lebe. Zudem wäre er kaum in den (Nennung Institution) in O._______ gewählt worden, wäre die Glau- bensgemeinschaft der Meinung gewesen, dass er sich ihr nicht aus einer tiefen inneren Überzeugung zugewandt habe. Vorliegend hegt auch das Gericht Zweifel, dass sich der Beschwerdeführer aufgrund einer inneren Überzeugung vom Islam abgewandt und den N._______ zugewandt hat. Zwar gab er bereits kurz nach seiner Einreise in die Schweiz im Rahmen der BzP an, dass er vom Islam nicht so über- zeugt und noch auf der Suche nach einer Religion sei, mit der er leben und mit deren Gott er in Kontakt kommen könne (vgl. act. A7, S. 3, Ziff. 1.13). Jedoch erstaunt in der Tat, dass er im Rahmen der Anhörung – zu deren Zeitpunkt er bereits einige Monate Mitglied der N._______-Gemeinschaft war – mit keinem Wort seinen Glaubenswechsel kommunizierte, obwohl er wiederholt Gelegenheit dazu gehabt hätte und am S chluss der Anhörung nach weiteren, bislang nicht genannten Gründen, die gegen eine Rückkehr in den Iran sprechen würden, gefragt wurde (vgl. act. A39, F159). Dies ist auch deshalb erstaunlich, weil der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmit- teleingabe im vora ngegangenen Beschwerdeverfahren D -6464/2017 ge- stützt auf diesen Glaubenswechsel eine flüchtlingsrechtlich relevante Ver- folgung für seine Person erblickte und dies im vorliegenden Verfahren wei- terhin tut. Seine oben erwähnte Äusserung in der BzP lässt denn auch da- rauf schliessen, dass er sich mit dem Gedanken eines solchen Glaubens- wechsels grundsätzlich beschäftigt haben und diese Frage denn auch eine D-5099/2019 Seite 27 nicht unwesentliche Bedeutung für ihn gehabt haben muss. Die angeführ- ten Erklärungen für die unterlassene Ne nnung seines Glaubenswechsels sind indes als nicht stichhaltig zu erachten, zumal er auch in diesen keine persönlichen Angaben zu seinem inneren Konversionsprozess oder zu den Glaubensinhalten der N._______ oder auch dem Ablöseprozess vom Islam anführt. Mithin sind den Akten keinerlei Aussagen des Beschwerdeführers zu seinen Gründen, wie es zum Glaubenswechsel gekommen sei, und so- mit auch keine Darlegung seiner "inneren Überzeugung " zu entnehmen . Unbestrittenermassen liegen diverse externe Anhaltspunkte im Fall des Beschwerdeführers vor. So hat er diverse Unterlagen, namentlich (Nen- nung Beweismittel) , welche teilweise in öffentlichkeitswirksamer Weise sein Bekenntnis zu dieser Glaubensgemeinschaf t manifestieren, einge- reicht und seit dem Jahr (...) an verschiedenen Veranstaltungen der N._______ teilgenommen (vgl. dazu auch E. 6.5.5 ff. nachfolgend). Wohl sind diese Anhaltspunkte im Gesamtkontext zusammen mit den Aussagen der asylsuchenden Person zu berücksichtigen, vermögen aber vorliegend alleine eine Konversion aufgrund einer "inneren Überzeugung" nicht glaub- haft zu machen . Insgesamt mangelt es nach Ansicht des Gerichts daher an der Glaubhaftigkeit seiner – nicht nur formellen – religiösen Zuwendung zum Glauben der N._______. 6.5.5 Auch wenn im Fall des Beschwerdeführers lediglich auf eine formelle Zuwendung zur Glaubensgemeinschaft der N._______ zu erkennen ist, kommt das Gericht aufgrund der vom Beschwerdeführer auf (Nennung Nachrichten-Medium) – wo sein Name, seine Herkunft und sein Foto er- sichtlich sind – gestellten Beiträgen zur Verfolgung der N._______ im Iran und seiner in der Schweiz im öffentlichen Raum ausgeübten Aktivitäten für diese Religionsgemeinschaft zu folgendem Schluss: Es ist mit hoher Wahr- scheinlichkeit davon auszugehen, dass die iranischen Behörden vom reli- giös oppositionellen Verhalten des Beschwerdeführers Kenntnis erlang t haben und ihn identifizieren können. Gibt man seinen Namen, seinen letz- ten Wohnort und den Begriff (Nennung Nachrichten-Medium) auf (Nen- nung Suchmaschine) ein, erscheint der auch als Beschwerdebeilage Nr. 3 aufgeführte (Nennung Beweismittel) respektive sein (Nennung Nachrich- ten-Medium) als zweiter Treffer auf der ersten Seite der Ergebnisliste. Auf- grund seines deutl ich erkennbaren Gesichts ist der Beschwerdeführer ohne Weiteres identifizierbar. Auch wenn auf seinem (Nennung Nachrich- ten-Medium)-Profil vergleichsweise wenige Kommentare enthalten sind, muss dieser Account bezüglich seines – wenn auch nur formellen – Glau- benswechsels und der Kritik am Islam bereits aufgefallen sein. So reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 2. Juni 2020 eine Drohnachricht, D-5099/2019 Seite 28 die er auf seinem Mobiltelefon erhalten habe und sich auf sein (Nennung Nachrichten-Medium)-Profil beziehe, ein. In dieser Nachricht äussert sich eine einzelne, dem Beschwerdeführer unbekannte Person in polemischer Weise zu der im (Nennung Nachrichten-Medium)-Profil vermerkten Hal- tung des Beschwerdeführers zu Diskriminierung und Belästigung von Men- schen, insbesondere in religiöser Hinsicht, zum Religionswechsel des Be- schwerdeführers und stellt eine allgemein gehaltene Drohung in den Raum "dass du und deine Familie früher oder später dafür bezahlt oder bestraft werden" (vgl. die mit Eingabe vom 8. Juni 2020 eingereichte Übersetzung der Drohnachricht). Angesichts dieses Inhalts ist nicht auszuschliessen, dass der Verfasser dieser Drohnachricht den auf (Nennung Nachrichten- Medium) mit Namen und Foto erkennbaren Beschwerdeführer gegenüber den iranischen Behörden denunzieren könnte oder dies bereits getan hat. Sodann ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer anlässlich des (Nen- nung Feier und Jahr) im Rahmen einer interreligiösen Feier auf einem öf- fentlichen Platz in O._______ als Mitorganisator eines Workshops aktiv und überdies auf einem dort angebrachten Stehplakat in Lebensgrösse mit Foto und Namen abgebildet sowie als Zugehöriger der N._______ gekenn- zeichnet wurde. 6.5.6 Es ist demnach davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seinem muslimischen familiären Hintergrund aus Sicht der iranischen Be- hörden als Anhänger der N._______, mithin als (...) wahrgenommen wer- den dürfte, da er sich vom islamischen Glauben abgekehrt zu haben scheint, und mit hoher Wahrscheinlichkeit als solcher identifiziert wurde oder befürchten muss, als solcher identifiziert zu werden. Angesichts (...) dürften die ihm bevorstehenden Repressalien flüchtlingsrechtliche Rele- vanz entfalten. 6.6 Aufgrund der vorang ehenden Erwägungen ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei ei- ner Rückkehr in den Iran flüchtlingsrechtlich relevante, ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen hätte; es ist ihm diesbezügl ich eine begründete Furcht vor Verfolgung zuzusprechen. Ob die vorliegend festgestellten subjektiven Nachfluchtgründe missbräuchlich herbeigeführt wurden, ist im Sinne von Art. 3 AsylG unb eachtlich (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.; bestätigt in den Urteile n des BVGer E -3473/2017 vom 18. Februar 2020, E. 3.3; D-5898/2016 vom 12. Februar 2020, E. 6.1). D-5099/2019 Seite 29 7. 7.1 Es liegen demnach im Fall des Beschwerdeführers subjektive Nach- fluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG vor, weshalb ihm die Flüchtlings- eigenschaft zuzuerkennen ist. Hingegen schliesst Art. 54 AsylG die Ge- währung von Asyl aus. Demnach ist er als Flüchtli ng vorläufig aufzuneh- men. 7.2 Nach Art. 51 Abs. 1 AsylG wird unter anderem die Ehegattin eines Flüchtlings ihrerseits als Flüchtling anerkannt und erhält in der Sch weiz Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Der Prüfung eines solchen derivativen Anspruchs auf Anerkennung als Flüchtling ge- mäss Art. 51 AsylG hat die Prüfung der originären Flüchtlingseigenschaft, das heisst einer persönlichen Gefährdung nach Art. 3 AsylG, stets vorzu- gehen, sofern ein eigenes Asylgesuch der einzubeziehenden Person vor- liegt (Art. 37 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311] und BVGE 2007/19). Wie in E. 5.3 vorstehend erwähnt, erfüllt die Beschwerdeführerin die originäre Flüchtlingseigenschaft nicht. Die Be- schwerdeführerin ist demnach derivativ in d ie Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers einzubeziehen und ebenfalls als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 8. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde betreff end die Flüchtlingseigen- schaft gutzuheissen, die Dispositivziffern 1, 4 und 5 der angefochtenen Verfügung sind aufzuheben und die Beschwerdeführenden sind als Flücht- linge vorläufig aufzunehmen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. 9. 9.1 Die Kosten des Besc hwerdeverfahrens und die Parteientschädigung sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen dem Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführenden sind mit ihren Anträgen auf Asylgewährung unterlegen. Bezüglich der Feststel- lung der Flüchtlingseigenschaft und der Anordnung des Wegweisungsvoll- zugs respektive Einbezugs in die Flüchtlingseigenschaft (Ziffn. 3 und 4 der Rechtsbegehren) haben sie obsiegt. Praxisgemäss bedeutet dies ein Ob- siegen zu zwei Dritteln. Entsprechend wären die Verfahrenskosten zu ei- nem Drittel den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf Fr. 250.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Zwischenverfügung vom 11. Oktober D-5099/2019 Seite 30 2019 wurde jedoch das Gesuch um Gewährung der unentgeltliche n Pro- zessführung gutgeheissen, weshalb auf die Erhebung von Verfahrenskos- ten zu verzichten ist. 9.2 Mit Verfügung vom 11. Oktober 2019 wurde ausserdem das Gesuch um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 110a Abs. 1 AsylG) und die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bestellt. Die Beschwerdeführenden sind zu Lasten der Vorinstanz im Umfang ihres Obsiegens – also zu zwei Dritteln – für die ihnen erwachsenen notwendi- gen Kosten zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. VGKE). Soweit die Beschwerdeführenden – zu einem Drittel – unterliegen, ist der unent- geltlichen Rechtsbeiständin ein Honorar zu Lasten der Gerichtskasse aus- zurichten, wobei diesbezüglich, wie in der Instruktionsverfügung vom 11. Oktober 2019 festgehalten, ein reduzierter Stundenansatz von Fr. 150.– anzuwenden ist. In der Kostennote vom 1. Oktober 2019 werden ein Aufwand von 11.5 Stunden und Auslagen von Fr. 20.– geltend gemacht. Der ausgewiesene Aufwand erscheint vorliegend als angemessen. Der im Falle eines Obsie- gens angeführte Stundenansatz von Fr. 200.– ist für die Bemessung der Parteientschädigung reglementskonform (vgl. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die Auslagen sind zu zwei Dritteln zu Lasten des SEM beziehungsweise zu einem Drittel der Gerichtskasse zu verlegen. Demgegenüber ist in der Kos- tennote der für die Eingabe vom 1. April 2020 (Anfrage Verfahrensstand) sowie der Beweismitteleingaben vom 21. April 2020, 2. Juni 2020, 8. Juni 2020 und 20. August 2020 benötigte Aufwand nicht enthalten und daher von Amtes wegen auf zwei Stunden zu veranschlagen. Der Aufwand erhöht sich demnach auf insgesamt 13.5 Stunden und die Auslagen um gerundet Fr. 27.– auf insgesamt Fr. 47.–. Die Parteientschädigung ist gerundet dem- nach auf Fr. 1832.– festzusetzen, und das SEM ist anzuweisen, den Be- schwerdeführenden diesen Betrag zu entrichten. Das Honorar für die un- entgeltliche Rechtsbeiständin zu Lasten der Gerichtskasse ist demgegen- über auf Fr. 690.– festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-5099/2019 Seite 31 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Anerkennung der Flücht- lingseigenschaft betreffend. Die Ziffern 1, 4 und 5 des Dispositivs der Ver- fügung des SEM vom 30. August 2019 werden aufgehoben und das SEM wird angewiesen, die Beschwerdeführenden als Flüc htlinge vorläufig auf- zunehmen. Soweit die Asylgewährung betreffend, wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 1832.– auszurichten. 4. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird ein amtliches Honorar zulasten der Gerichtskasse in der Höhe von Fr. 690.– zugesprochen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Stefan Weber Versand: