B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-276/2015/pjn U r t e i l v o m 8 . F e b r u a r 2 0 1 6 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Markus König, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (…), China (Volksrepublik), vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des SEM vom 9. Dezember 2014 / N (…). D-276/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Verfügung des SEM vom 3. Juli 2006 wurde das Asylgesuch des am 21. November 2001 in die Schweiz gereisten Ehemannes der Beschwer- deführerin abgelehnt und der Ehemann aus der Schweiz weggewiesen. Er wurde indessen als Flüchtling anerkannt und in der Schweiz infolge Unzu- lässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen. B. Mit Eingabe vom 26. Oktober 2009 stellte der Ehemann der Beschwerde- führerin für seine Ehefrau und zwei Kinder ein Asylgesuch aus dem Aus- land. Am 17. Mai 2010 wurde die Beschwerdeführerin auf der schweizeri- schen Vertretung in B._______ kurz befragt, und am 12. Mai 2011 wurde sie dort einlässlich angehört. Dieses Verfahren wurde mit Schreiben des SEM vom 31. Dezember 2013 abgeschrieben, nachdem die Beschwerde- führerin ohne ihre Kinder am 28. Oktober 2013 in die Schweiz ein gereist war und gleichentags ein Asylgesuch gestellt hatte. C. Anlässlich der Kurzbefragung am 26. November 2013 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ sowie der einlässlichen Anhörung am 9. Dezember 2014 zu ihren Ausreise- und Asylgründen trug die Be- schwerdeführerin im Wesentlichen Folgendes vor: C.a Sie habe den Tibet am 15. Dezember 2008 illegal und ohne Doku- mente beim Grenzübergang D._______ verlassen und sich anschliessend bis am 26. Oktober 2013 illegal in Nepal an der Adresse "(…)" in B._______ bei der Familie E._______ aufgehalten. Per Flugzeug über ihr unbekannte Länder und mit Hilfe eines Schleppers, der für sie einen nepalesischen Reisepass besorgt habe, sei sie in die Schweiz gereist. C.b Sie sei chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie und habe zu- letzt in F._______ in der Gemeinde G._______ im Bezirk H._______ in der Präfektur I._______ gelebt. Seit dem 15. Mai 1999 sei sie verheiratet und sie habe zwei Kinder bekommen, welche im April 2000 und im Januar 2002 geboren worden seien. Diese würden sich aktuell in B._______ in Nepal bei einer Freundin aufhalten. Der Ehemann sei im Juli 2001 nach J._______ ausgereist, weil er in einen Streit mit einem Polizisten verwickelt gewesen sei. Nach seiner Ausreise sei sie regelmässig, das heisst monat- lich oder jeden zweiten Mo nat, von der Polizei an ihrem Wohnort aufge- sucht und aufgefordert worden, ihren Ehemann zu stellen, verbunden mit D-276/2015 Seite 3 der Androhung, ansonsten selber festgenommen zu werden. Im Dezember 2008 habe sie sich entschieden, mit ihren Kindern nach Nepal zu reisen. C.c Die Beschwerdeführerin gab keine heimatlichen Identitätsdokumente zu den Akten. D. Mit Verfügung vom 9. Dezember 2014 – eröffnet am 15. Dezember 2014 – wies das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin vom 28. Oktober 2013 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Die Beschwer- deführerin wurde als Flüchtling im Sinne von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG an- erkannt und infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen. Auf die Einzelheiten der Begründung wird in den nachfol- genden Erwägungen näher eingegangen. E. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 14. Januar 2015 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean- tragte, das SEM sei anzuweisen, auf das Auslandgesuch der Kinder zu- rückzukommen und über dieses zu entscheiden, eventualiter sei Asyl zu gewähren sowie subeventualiter sei die angefochtenen Verfügung aufzu- heben und für eine Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung und um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes in der Person des die Beschwerde Unterzeichnenden. Auf die Begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. F. Mit Eingabe vom 16. Januar 2015 wurde geltend gemacht, dass die Be- schwerdeführerin nicht von der Fürsorge unterstützt werde mit der Begrün- dung, das Einkommen des Ehemannes reiche k napp aus, um die Kosten zu decken. Mit diesem Einkommen könne nur der allernötigste Lebensun- terhalt beglichen werden, weshalb die Beschwerdeführerin als mittellos zu betrachten sei, obwohl sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sei. Der Ein- gabe lagen Kopien von verschiedenen Lohnabrechnungen und der Kran- kenkassenprämie bei. G. Mit Zwischenverfügung vom 22. Januar 2015 stellte das Bundesverwal-D-276/2015 Seite 4 tungsgericht fest, dass die Beschwerdeführerin den Ausgang des Be- schwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten könne. Sie wurde aufgefor- dert, innert Frist eine Fürsorgebestätigung beziehungsweise das mitge- sandte Formular wahrheitsgemäss ausgefüllt zu den Akten zu geben, ver- bunden mit der Androhung, im Unterlassungsfall werde davon ausgegan- gen, dass sie nicht bedürftig im Sinne des Gesetzes sei. Es wurde ihr mit- geteilt, dass über das Gesuch um Gewährung der vollständigen Rechts- pflege nach Eingang der Fürsorgebestätigung oder des ausgefüllten For- mulars oder nach Ablauf der dazu gewährten Frist befunden werde. Auf die Erhebung ein es Kostenvorschusses wurde einstweilen verzichtet. Das SEM wurde zur Vernehmlassung eingeladen. H. Mit Eingabe vom 6. Februar 2015 wurden das der Beschwerdeführerin zu- geschickte Formular betreffend Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege sowie die Kopie einer Übersicht über die Löhne des Ehemannes im Jahr 2014 eingereicht. I. In seiner Vernehmlassung vom 17. Februar 2015 stellte das SEM fest, dass keine neuen erheblichen Tatsachen und Beweismittel vorlägen, welche eine Änderung des Standpunktes r echtfertigen können. Auf die weiteren Ausführungen ist in den nachfolgenden Erwägungen näher einzugehen. J. Mit Eingabe vom 4. März 2015 wurde eine Replik zu den Akten gegeben. Der Eingabe wurden Kopien des Schreibens des SEM vom 31. Dezember 2013, der Eingabe an das SEM vom 24. Februar 2014, der Eingabe an das SEM vom 21. Mai 2014, der Rechtsverzögerungsbeschwerde an das Bun- desverwaltungsgericht vom 25. Juni 2014 und des Urteils des Bundesver- waltungsgerichts D-3543/2014 vom 23. September 2014 beigelegt. Auf die Einzelheiten der Replik wird nachfolgend näher eingegangen. K. Mit Eingabe vom 5. Mai 2015 wurde um Mitteilung des Verfahrensstandes ersucht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: D-276/2015 Seite 5 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltu ngsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 108 Abs. 2 AsylG ; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen D-276/2015 Seite 6 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 In der angefochtenen Verfügung legte das SEM dar, dass gestützt auf die in BVGE 2009/29 publizierte Praxis des Bundesverwaltungsgerichts il- legal aus der Volksrepublik ausgereiste tibetische Staatsangehörige be- gründete Furcht hätten, bei einer Rückkehr in den Heimatstaat flüchtlings- relevanten Übergriffen ausgesetzt zu werden. Die Beschwerdeführerin er- fülle somit die Flüchtlingseigenschaft. Da die flüchtlingsrelevanten Ele- mente erst nach beziehungsweise durch die Ausreise aus dem Heimat- staat entstanden seien, handle es sich um subjektive Nachfluchtgründe, die von der Asylgewährung auszuschliessen seien. Die geltend gemachten Vorfluchtgründe betrachtete das SEM als unglaubhaft. Diesbezüglich legte es dar, dass die Vorbringen zu den zentralen Aspekten der Gesuchsgründe insgesamt wenig detailliert und differenziert seien sowie diverse Unge- reimtheiten aufweisen würden. Zudem ermangle es den Aussagen an per- sönlicher Betroffenheit und am erforderlichen Detailreichtum einer auf tat- sächlich erlebten Ereignissen basierenden Schilderung. So habe die Be- schwerdeführerin ihre Fluchtgeschichte mit den Vorfluchtgründen des Ehe- mannes begründet. Der Ehemann habe seine Fluchtgründe indessen nicht glaubhaft dargestellt, und eine mit ihm durchgeführte Herkunfts - und Sprachanalyse habe ergeben, dass an der von ihm geltend gemachten Herkunft Tibet erhebliche Zweifel bestünden, weil e r gemäss der Analyse im exiltibetischen Raum sozialisiert worden sei und somit seine Vorflucht- gründe, wonach er in einen Konflikt mit den chinesischen Behörden gera- ten und in der Folge Straf - und Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt ge- wesen sei, nicht hätten geglaubt werden können. Die Beschwerdeführerin habe zu den zwischen 2001 und 2008 im Abstand von einem oder zwei Monaten folgenden behördlichen Besuchen zudem keine substanziellen Angaben gemacht, sondern sich auf Allgemeinplätze beschränkt. Danach hätten die Polizisten ihr jedes Mal die gleiche Frage gestellt und sie die- selbe Antwort gegeben. Diese Darstellung lasse auf einen konstruierten und nicht selber erlebten Sachverhalt schliessen. Die Schilderung der Aus- reise erwecke den Anschein eines auswendig gel ernten und nicht selbst erlebten Sachverhalts. Angesichts ihrer Aussage, wonach sie den ange- stammten Wohnort zum ersten Mal verlassen und ausser den Weidegrün- den und ihren Herkunftsdorf keine anderen Ortschaften innerhalb der Ge- meinde oder des Bezirks besucht habe, sowie angesichts der zwischen der Ausreise und der Einreise in die Schweiz verstrichenen Zeit von fast sechs D-276/2015 Seite 7 Jahren sei es wenig wahrscheinlich, dass sie sich einerseits an die für sie im Grunde genommen unbedeutenden Ortschaften zwischen ihrem D orf und Nepal erinnern könne, während sie andererseits trotz expliziter Nach- frage keine persönlichen Eindrücke oder Wahrnehmungen zur Reise und zum Schlepper habe zu Protokoll geben können. Nicht geglaubt werden könne der Beschwerdeführerin zudem, dass sie mit ihren im Heimatland verbliebenen Angehörigen jeden Kontakt abgebrochen habe mit der Be- gründung, die Kontaktaufnahme sei mangels Telefonnummern unmöglich gewesen. Vielmehr wäre zu erwarten gewesen, dass entsprechende Vor- kehrungen zur Möglichkeit einer Kontaktaufnahme getroffen worden wä- ren, da sich aus den Akten kein konkreter Anlass zum totalen Kontaktab- bruch ergebe. Nicht glaubhaft sei auch die Angabe der Beschwerdeführe- rin, sie habe während ihres fünfjährigen Aufenthaltes in B._______ nicht erfahren, dass es dort das Tibetan Reception Center gebe, welches aus der Volksrepublik China angereiste Tibeter und Tibeterinnen aufnehme und ihnen die legale Weiterreise nach K._______, wo sie Aussicht auf einen legalen Aufenthaltsstatus hätten, ermögliche, da di eses Zentrum in tibeti- schen Kreisen allgemein bekannt sei. Es überzeuge nicht, dass sie statt dessen mit zwei kleinen Kindern einen illegalen Aufenthalt in Nepal auf sich genommen habe. Schliesslich habe die Beschwerdeführerin weder ihre Identität noch ihre Herkunft mit rechtsgenüglichen Ausweisschriften belegt, obwohl sie auf diese Pflicht im Rahmen des Asylgesuchs aus dem Ausland aufmerksam gemacht worden sei. Vielmehr habe sie anlässlich der Anhö- rung erklärt, nichts zur Erfüllung dieser Pflicht unternomm en zu haben . Auch unter diesem Blick winkel bestünden erhebliche Zweifel an den gel- tend gemachten Asylvorbringen. Angesichts der bereits dargelegten Unge- reimtheiten werde auf die Erörterung weiterer Elemente, welche gegen die Glaubhaftigkeit sprechen würden, verzichtet. Es werde eine spätere Gel- tendmachung vorbehalten. 4.2 In der Beschwerdeschrift vom 14. Januar 2015 wurde dargelegt, dass die im damaligen Zeitpunkt 11 und 13 Jahre alten Kinder der Beschwerde- führerin wohl eigene Fluchtgründe hätten, weshalb das SEM ihr Ausland- gesuch nicht habe intern abschreiben können. Das SEM sei deshalb anzu- weisen, auf das Auslandgesuch der Kinder zurückzukommen und dieses zu entscheiden. Aus der Tatsache, dass das Asylgesuch des Ehemannes der Beschwerdeführerin nicht abgelehn t und dieser in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden sei, müsse der Schlus s gezogen werden , dass das SEM entgegen des Resultats der Lingua-Analyse davon ausge- gangen sei, der Ehemann der Beschwerdeführerin komme aus dem Tibet. D-276/2015 Seite 8 Andernfalls wäre sein Asylgesuch gemäss gängiger Praxis abgelehnt wor- den. Aufgrund seiner Asylgesuchstellung und Anerkennung als Flüchtling in der Schweiz müsse somit davon ausgegangen werden, dass die Be- schwerdeführerin und ihre Kinder vorfluchtweise in China verfolgt würden, sollten die chinesischen Behörden davon erfahren. Es könne für das vor- liegende Verfahren nicht entscheidend sein, ob die Fluchtgeschichte des Ehemannes im Detail geglaubt werden könne oder nicht. Wenn das SEM daraus etwas zu Ungunsten der Beschwerdeführerin ableiten wolle, müsse es dies nachvollziehbar begründen und die entsprechenden Akten des Ehemannes edieren. Das SEM habe mit der Beschwerdeführerin überdies kein Lingua-Gutachten durchgeführt, woraus zu schliessen sei, dass es von einer Sozialisierung im Tibet ausgehe. Zudem sei die Feststellung der Unglaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdeführerin durch das SEM sehr oberflächlich, unausgewogen und einseitig ausgefallen, obwohl das SEM die Angaben der Beschwerdeführerin in ihrer Gesamtheit hätte wür- digen müssen. Es habe sich bloss auf die Seiten vier und fünf der Anhörung gestützt, obwohl die Beschwerdeführerin zwei Mal anlässlich des Ausland- verfahrens auf der schweizerischen Botschaft und zwei Mal in der Schweiz befragt worden sei und die Anhörung gemäss dem Beiblatt der Hilfswerks- vertretung mit einer dolmetschenden Person durchgeführt worden sei, wel- che nur über mangelhafte Deutschkenntnisse verfügt habe. Somit müsse diese Anhörung wiederholt werden, sollte man daraus etwas zu Ungunsten der Beschwerdeführerin ableiten wollen. Die Argumentation des SEM, wo- nach es wenig überzeugend sei, dass sich die Beschwerdeführerin nach sechs Jahren noch an die von ihr erwähnten Ortschaften, durch welche die Ausreise geführt habe, erinnern könne, sei äusserst stossend, obwohl sie offensichtlich in der Lage gewesen sei, den Reiseweg korrekt anzugeben. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Schluss gezogen werde, die Be- schwerdeführerin sei insgesamt unglaubwürdig, weil sie den Reiseweg korrekt habe schildern können. Der Vorwurf des SEM, wonach die Be- schwerdeführerin das Risiko eines illegalen fünfjährigen Aufenthaltes mit zwei Kindern in Nepal in Kauf genommen habe, obwohl Tibeter und Tibe- terinnen in K._______ bekanntermassen einen legalen Aufenhaltsstatus erhalten würden, müsse als zynisch bezeichnet werden, zumal der mehr- jährige Aufenthalt in Nepal auf das in der Schweiz hängige Auslandverfah- ren zurückzuführen sei, während welchem sich die Beschwerdeführerin den schweizerischen Behörden habe zur Verfügung halten müssen. Im Fall eines tatsächlich grossen Risikos in Nepal wäre zu erwarten gewesen, dass die Beschwerdeführerin über die Möglichkeit der Weiterreise nach K._______ orientiert und ihr die Möglichkeit, den Ausgang des Auslandver- fahrens in K._______ abzuwarten, gewährt worden wäre. Zudem habe für D-276/2015 Seite 9 sie kein Grund bestanden, in K._______ eine Aufenthaltserlaubnis zu er- halten, zumal ihr Ehemann sich bereits in der Schweiz befunden habe und es für sie – im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis für K._______ – ungleich schwieriger gewesen wäre, zum Ehemann in die Schweiz zu kommen. Sie habe beabsichtigt gehabt, die Familie dort zusammenzuführen, wo dem Ehemann Schutz vor Verfolgung gewährt worden sei. Die Aussage der Be- schwerdeführerin, wonach sie in China verfolgt worden s ei, nachdem ihr Ehemann geflohen sei, müsse angesichts der Anerkennung des Eheman- nes in der Schweiz als Flüchtling als sehr glaubhaft bezeichnet werden. Es sei ihr daher, wie im Eventualantrag dargelegt, Asyl zu gewähren. Im Fall von Zweifeln an ihren Aussagen müsse die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen werden, wobei in Anbetracht der ungenü- genden Deutsch-Kenntnisse der anlässlich der Anhörung dolmetschenden Person eine erneute Anhörung stattfinden müsse. 4.3 In seiner Vernehmlassung vom 17. Februar 2015 brachte das SEM vor, dass keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel vorlägen, wel- che eine Änderung des Standpunktes rechtfertigen könnten. Im Fall des Ehemannes der Beschwerdeführerin seien am 22. Oktober 2004 ein Nicht- eintretensentscheid gefällt und die Wegweisung aus der Schweiz verfügt worden, nachdem das Lingua-Gutachten ergeben habe, dass er eindeutig nicht auf dem tibetischen Territorium sozialisiert worden sei. Die Staatsan- gehörigkeit des Ehemannes sei auf "unbekannt" angepasst worden. Kurze Zeit später, nämlich am 30. November 2004, habe die damalige Schweize- rische Asylrekurskommission (ARK) ein Urteil gefällt, gemäss welchem Personen tibetischer Ethnie als chinesische Staatsangehörige gelten wür- den, auch wenn sie in den exiltibetischen Gemeinden in K._______ und Nepal gelebt und deren Staatsangehörigkeit erworben hätten (vgl. Ent- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 1). Am 15. Dezember 2005 habe die ARK zudem ent- schieden, dass illegal ausgereiste Tibeter und Tibeterinnen, die sich in der Schweiz aufgehalten und ein Asylgesuch gestellt hätten, im Fall einer Rückkehr nach China mit einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung rechnen müssten, da ihnen die Unterstützung Dal ai-Lama-freundlicher Kreise in der Schweiz vorgeworfen würden (vgl. EMARK 2006 Nr. 1). In Berücksichtigung dieser Urteile habe das damalige Bundesamt für Migra- tion (BFM) das Verfahren des Ehemannes der Beschwerdeführerin wieder aufgenommen und diesen mit V erfügung vom 3. Juli 2006 als Flüchtling vorläufig aufgenommen. Dieser Entscheid sei unangefochten in Rechts- kraft erwachsen. In Berücksichtigung der aktuellen Rechtsprechung des D-276/2015 Seite 10 Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGE 2014/12) würde das SEM indes- sen den Ehemann der Beschwerdeführerin nicht mehr als Flüchtling aner- kennen und ihn aus der Schweiz wegweisen. An den Asylvorbringen der Beschwerdeführerin bestünden nach wie vor erhebliche Zweifel, zumal sie sich auf die Vorfluchtgründe ihres Ehemannes berufe und die pauschalen Einwände in der Beschwerde nicht überzeugen könnten. Im Übrigen sei festzustellen, dass lediglich das Auslandgesuch der Beschwerdeführerin abgeschrieben worden sei, während die Gesuche der Kinder nach wie vor hängig seien. Mangels glaubhafter Auskünfte über die tatsächlichen Fami- lienverhältnisse würden beide Elternteile eine zügige Behandlung des Fa- miliennachzugsgesuchs verhindern. 4.4 In der Replik vom 4. März 2015 wurde zunächst dargelegt, es sei nun klar, dass das Auslandgesuch der Kinder noch hängig sei, obwohl im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3543/2014 vom 23. September 2014 das Gegenteil dargelegt worden sei. Das Bundesverwaltungsgericht werde darum ersucht, sein Urteil D-3543/2014 vom 23. September 2014 zu revi- dieren. Somit bestünden Chancen für die Zusammenführung der Familie. Mit Bezug auf die Beschwerdeführerin wurde geltend gemacht, dass in der Beschwerdeschrift von einer Reflexverfolgung ausgegangen w erde. Aus der Vernehmlassung des SEM gehe nicht klar hervor, wie das SEM ge- denke, die aktuelle Rechtsprechung auf das Verfahren des Ehemannes der Beschwerdeführerin anzuwenden, was verwirrend sei. Das SEM habe ins- besondere seine Ansicht, nach aktueller Praxis würde der Ehemann nicht mehr als Flüchtling anerkannt und er würde aus der Sc hweiz weggewie- sen, nicht begründet und stelle mit seiner Argumentation den Status eines hier anerkannten Flüchtlings in Frage. Da der Sachverhalt, welcher dem neuen Grundsatzurteil zugrunde liege, völlig anders sei, könnten die Schlussfolgerungen des neuen Urteils nicht auf den Fall des Ehemannes der Beschwerdeführerin übertragen werden. Für das Asylgesuch der Be- schwerdeführerin sei selbstverständlich davon auszugehen, dass ihr Ehe- mann heute noch und nach langer Abwesenheit umso mehr in China flücht- lingsrechtlich relevanter Verfolgung ausgesetzt wäre. D-276/2015 Seite 11 5. Vorab ist festzuhalten, dass das vorliegende Verfahren, in welchem es um die Asylgewährung der Beschwerdeführerin geht, getrennt vom Ausland- verfahren ihrer beiden nach wie vor in Nepal lebenden Kinder geführt wird, wie in der Zwischenverfügung vom 27. Mai 2015 – das Verfahren der Kin- der betreffend ( D-3199/2015) – festgehalten wurde. Bezüglich Letzterem wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-3199/2015 vom 30. Juni 2015 eine Rechtsverzögerungsbeschwerde gutgeheissen und das SEM angewiesen, nach sofortiger Anhandnahme der notwendigen Instruktions- massnahmen einen Entscheid zu fällen. Inzwischen ist d ieses Verfahren mit Verfügung des SEM vom 21. Dezember 2015 erstinstanzlich abge- schlossen worden. Die im Zusammenhang mit dem Auslandgesuch und der Rechtsverzögerungsbeschwerde der beiden Kinder der Beschwerde- führerin dargelegten Vorbringen und Einwände bilden gestützt auf die vo- rangehenden Erwägungen nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwer- deverfahrens, auch wenn sie in verschiedenen Eingaben zur Sprache ge- bracht worden sind. Insbesondere ist auf Ziff. 1 der Beschwerdebegehren im vorliegenden Verfahren nicht näher einzugehen und nicht einzutreten, weil dieser Antrag das – separat geführte – Verfahren der Kinder betrifft. Auch auf den sinngemäss in der Replik vom 4. März 2015 gestellten Antrag um Revision des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts D-3543/2014 vom 23. September 2014 ist unter diesen Umständen – unabhängig davon, ob auf diesen verspäteten Antrag überhaupt einzutreten wäre – nicht weiter Bezug zu nehmen. Das vorliegende Verfahren beschränkt sich somit auf die Frage, ob der als Flüchtling anerkannten Beschwerdeführerin vom SEM zu Recht die Asylgewährung verweigert worden ist. 6. 6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für D-276/2015 Seite 12 gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen eines Gesuchstellers oder einer Gesuchstellerin. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft ge- macht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sach- verhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwür- digung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.3). 6.2 In der Beschwerde wurde geltend gemacht, dass die an der Anhörung mitwirkende dolmetschende Person nur über mangelhafte Deutschkennt- nisse verfügt habe, weshalb die Anhörung zu wiederholen sei, sollte etwas zu Ungunsten der Beschwerdeführerin aus dieser Anhörung abgeleitet werden. Dieser Argum entation kann indessen nicht zugestimmt werden. Gestützt auf das Anhörungsprotokoll hat die Beschwerdeführerin die dol- metschende Person gut verstanden (vgl. Akte A17/14 S. 1) und mit ihrer vorbehaltlosen Unterschrift unter das Protokoll bestätigt, dass des sen In- halt ihren Aussagen entspricht und ihr rückübersetzt worden ist (vgl. Akte A17/14 S. 13). Bemerkungen oder Einwände gegen die Übersetzung oder den im Protokoll enthaltenen Aussagen brachte sie nicht vor. Anlässlich der Rückübersetzung fügte sie einzi g als Ergänzung den Namen der Winter- weide und den Ort an, an welchem sie sich bei de r Sommerweide aufge- halten habe (vgl. Akte A17/14 S. 13). Ergänzungen dieser Art sind indessen nicht zwangsläufig auf Übersetzungsprobleme zurückzuführen, sondern können vielmehr auch als Ausdruck von vergessen gegangenen inhaltli- chen Angaben aufgefasst werden. Zwar trifft es zu, dass die der Anhörung beiwohnende Hilfswerksvertretung auf dem Beiblatt ausführte, die dolmet- schende Person habe teilweise mangelhaftes und unverstä ndliches Deutsch gesprochen (vgl. A17/14 letzte Seite); indessen führte sie keine konkreten Beispiele auf, aus welchen sich eine allenfalls mangelhafte Übersetzung ergeben hätte. Zudem lassen sich dem Anhörungsp rotokoll keine wesentlichen Verständigungsschwierigkeiten entnehmen. Unter die- sen Umständen ist im vorliegenden Fall nicht davon auszugehen, dass all- fällige nicht perfekte Deutschkenntnisse der dolmetschenden Person zu wesentlichen Verständigungsproblemen oder falsch protokollierten Aussa- gen der Beschwerdeführerin geführt haben. Andernfalls wäre dies auch im Protokoll selber zum Ausdruck gekommen, was jedoch nicht der Fall ist. Vielmehr sind die wesentlichen Aussagen der Beschwerdeführerin klar und D-276/2015 Seite 13 unmissverständlich protokolliert worden. Folglich hat sie sich die im Anhö- rungsprotokoll enthaltenen Aussagen – ebenso wie diejenigen im Befra- gungsprotokoll – voll und ganz anrechnen zu lassen. Der Antrag, es sei die Anhörung zu wiederholen, ist somit ebenso abzuweisen wie der Eventu- alantrag, die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen. 6.3 Wie das SEM zutreffend ausgeführt hat, entbehren die Aussagen der Beschwerdeführerin über die geltend gemachten Fluchtgründe der nötigen Substanz, sind teilweise ungereimt und in wesentlichen Teilen nicht nach- vollziehbar. 6.3.1 So vermögen die Angaben der Beschwerdeführerin, wonach sie wäh- rend sieben Jahren immer wieder in regelmässigen Abständen von einem oder zwei Monaten von Polizisten wegen ihres ausgereisten Ehemannes belästigt worden sei, nicht zu überzeugen. Einerseits wäre angesichts der dargelegten Häufigkeit dieser Schikanen und Belästigungen davon auszu- gehen, dass sie mit ihren Kindern an einem andern Wohnort innerhalb ih- res Heimatlandes oder zumindest bei Verwandten Wohnsitz genommen hätte, um den Nachteilen aus dem Weg zu gehen; andererseits erscheint es auch nicht überzeugend, dass die Polizisten trotz der immer wiederkeh- renden Versicherung der Beschwerdeführerin, ihr Ehemann sei nicht mehr vor Ort, und somit trotz der zahlreichen erfolglosen Suchen weiterhin be- harrlich am Wohnort der Beschwerdeführerin nach ihm gesucht haben sol- len. 6.3.2 Nicht nachvollzogen werden kann ferner die Angabe der Beschwer- deführerin, nur sie sei wegen ihres Ehemannes belangt wo rden, während die Verwandten des Ehemannes keine Schwierigkeiten gehabt hätten (vgl. Akte A17/14 S. 5). Vielmehr wäre auch zu erwarten, dass die Angehörigen des Ehemannes von den Polizisten ebenso unter Druck gesetzt worden wären, zumal auch diese über des sen Verbleib etwas hätten wissen kön- nen, was für die Polizisten von Bedeutung hätte sein können. 6.3.3 Des Weiteren ist es nicht nachvollziehbar, dass die Polizisten erst nach sieben Jahren der Beschwerdeführerin damit gedroht haben sollen, sie und die Kinder zu inhaftieren, sollte der Ehemann nicht gefasst werden können. Diese Drohung ergibt angesichts der verstrichenen Zeit keinen Sinn, zumal die Polizisten nach sieben Jahren regelmässiger Suche nicht mehr damit rechnen konnten, den Ehemann der Beschwerdeführerin aus- findig zu machen, auch wenn dessen Ehefrau und Kinder inhaftiert würden. D-276/2015 Seite 14 6.3.4 Ungereimt sind überdies die Angaben der Beschwerdeführerin dar- über, wo sie von den Polizisten aufgesucht worden sei, ausgefallen. Wäh- rend sie zunächst aussagte, die Polizisten hätten sie immer zu Hause auf- gesucht, und im Anschluss daran auf Frage hin versicherte, sie sei immer zuhause gewesen, wenn die Polizisten gekommen seien (vgl. Akte A17/14 S. 4), gab sie später zu Protokoll, die Polizisten seien auch in die Berge gekommen, wenn sie sich mit den Tieren auf den Weidegründen aufgehal- ten habe, und zum ersten Mal sei sie von ihnen auf der Weide in den Ber- gen kontaktiert worden (vgl. Akte A17/14 S. 7 f.), was sich miteinander nicht in Einklang bringen lässt. 6.3.5 Ferner sind die Aussagen der Beschwerdeführerin bezüglich des Ab- laufs dieser Suchen – wie vom SEM zutreffend dargestellt – substanzlos, stereotyp und ohne wesentliche Details ausgefallen, was ebenfalls gegen die Glaubhaftigkeit spricht. 6.3.6 Schliesslich kann nicht nachvollzogen werden, wie die Polizisten die Beschwerdeführerin in den bekanntermassen weitläufigen Weidegründen des Tibet überhaupt gefunden haben können. 6.3.7 Insgesamt kann der Beschwerdeführerin nicht geglaubt werden, dass sie im Heimatland als Folge der Ausreise ihres Ehemannes aus den von ihr geltend gemachten Gründen von Polizisten belästigt und nach sieben Jahren der immer wiederkehrenden Schikanen auch mit der Inhaftierung bedroht worden sei. Entgegen der Argumentation in der Beschwerde ist allein aus der Anerkennung des Ehemannes als Flüchtling in der Schweiz nicht der Schluss zu ziehen, die Beschwerdeführerin habe eine in ihrem Heimatland geltend gemachte asylrelevante Verfolgungsmassnahmen glaubhaft dargestellt (vgl. Beschwerde S. 8). 6.4 Darüber hinaus brachte die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 4. März 2015 nachträglich vor, sie habe wegen ihres in der Schweiz als Flüchtling anerkannten Ehemannes eine Reflexverfolgung zu befürchten (vgl. Beschwerde S. 3). Unter Reflexverfolgung werden behördliche Mass- nahmen in der Form von Belästigungen und Behelligungen von Angehöri- gen aufgrund des Umstandes, dass die Behörden einer gesuchten, poli- tisch unbequemen Person nicht habhaft werden oder schlechthin von de- ren Polit-Malus auf einen solchen bei Angehörigen schliessen, verstanden. Der Zweck einer solchen Reflexverfolgung kann insbesondere darin liegen, D-276/2015 Seite 15 Informationen über effektiv gesuchte Personen zu erlangen beziehungs- weise Geständnisse von Inhaftierten zu erzwingen. Vorliegend ergibt sich aus den Akten des Asylve rfahrens des Ehemannes, dass diesem die Flüchtlingseigenschaft nicht infolge glaubhaft gemachter Verfolgungs- gründe, sondern weil er als Tibeter ausserhalb der Volksrepublik China ge- lebt hat, zugesprochen wurde, was der damaligen Praxis entsprach. Mithin ist die Anerkennung des Ehemannes als Flüchtling nicht auf die Tatsache, dass dieser im Heimatland als politisch unbequeme Person gilt und/oder unter einem Polit-Malus steht und mit entsprechenden Verfolgungsmass- nahmen zu rechnen hat , zurückzuführen. Unter diesen Umständen ist al- lein aus der Anerkennung des Ehemannes als Flüchtling nicht auf eine dro- hende Reflexverfolgung der Beschwerdeführerin zu schliessen. Schliess- lich ist in diesem Zusammenhang auch festzuhalten, dass der Beschwer- deführerin allein aus der Einreichung eines Asylgesuchs durch ihren Ehe- mann in der Schweiz ebenfalls keine Reflexverfolgung droht. 6.5 Zusammenfassend ist deshalb festzustellen, dass es der Beschwerde- führerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich relevante Verfolgung glaub- haft zu machen. Das SEM hat ihr Asylgesuch demnach zu Recht und mit zutreffender Begründung abgelehnt. Es erübrigt sich, auf weitere Vorbrin- gen in der Beschwerde einzugehen, da diese zu keiner anderen Einschät- zung führen können. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 9. Dezem- ber 2014 infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs als Flüchtling vorläufig aufgenommen. Praxisgemäss stellen sich in diesem Zusammen- hang keine weiteren Fragen mehr, zumal die Wegweisungsvollzugshinder- nisse alternativer Natur sind und bei Vorliegen eines dieser Hindernisse der Vollzug als nicht durchführbar gilt. D-276/2015 Seite 16 9. Aus diesen Erwäg ungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den Sachverhalt richtig und vollständig fest- stellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist somit abzuweisen. 10. 10.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist ab- zuweisen, da die Beschwerdeführerin nicht als bedürftig im Sinne des Ge- setzes zu betrachten ist. Sie und ihr Ehemann verfügen gemäss dem im Verlauf des Instruktionsverfahrens eingereichten Formular "Gesuch um un- entgeltliche Rechtspflege" über ein Brutto einkommen in der Höhe zwi- schen Fr. 3'850. – und Fr. 4'000. – und zusätzlich einem 13. Monatslohn. Der ausbezahlte Nettolohn beträgt um die Fr. 3'000.–, wobei die auswärtige Verpflegung und die Quellensteuer bereits vom Bruttolohn abgezogen wor- den sind. Mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Einkommen ist es mög- lich, ihren Grundbedarf zu decken. Vorliegend ist es nicht zulässig, unter dem Titel "Auslagen pro Monat" erneut die Verpflegung für auswärtige Kos- ten und Steuern als Auslagen anzugeben, da diese schon vom Bruttolohn abgezogen worden sind. Darüber hinaus sind auch die von der Beschwer- deführerin angegebenen Auslagen für ein Abonnement im öffentlichen Ver- kehr und Auslagen für auswärtige Verpflegung zu streichen, da sie nicht angab, arbeitstätig zu sein. Dam it fallen die Auslagen insgesamt deutlich tiefer als angegeben aus. Zudem haben die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann ein Vermögen in der Höhe von fast. Fr. 24'000.- angegeben. Ins- gesamt ist vorliegend aufgrund der geltenden Praxis nicht von der pro- zessualen Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen. Da für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege beide Voraussetzungen – das materielle Erfordernis einer aussichtsreichen Beschwerde und das for- melle Erfordernis der Bedürftigkeit – kumulativ erfüllt sein müssen, ist das Gesuch vorliegend infolge der fehlenden Bedürftigkeit vollumfänglich – mit- hin betreffend unentgeltliche Prozessführung und betreffend Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes – abzuweisen. Die Verfahrenskosten von i nsgesamt Fr. 600.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) sind der Beschwerdeführe- rin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). D-276/2015 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Eva Zürcher Versand: