B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6713/2018 U r t e i l v o m 1 6 . D e z e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), Richterin Roswitha Petry, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiberin Mareile Lettau. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), F._______, geboren am (…), Syrien, alle vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügungen des SEM vom 25. Oktober 2018 / N (…). D-6713/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden reisten am 1. November 2015 über ver- schiedene Länder in die Schweiz ein und suchten gleichentags um Asyl nach. Am 13. November 2015 wurden B._______ (nachfolgend die Be- schwerdeführerin) und A._______ (nachfolgend Beschwerdeführer) je zu ihrer Person und summarisch zu ihren Asylgründen befragt (Befragung zur Person, BzP). Am 16. August 2018 wurde die Beschwerdeführerin vertieft zu den Asylgründen angehört, am 24. September 2018 erfolgte die Anhö- rung des Beschwerdeführers und der Kinder D._______ und C._______ zu den Asylgründen. Die Beschwerdeführerin gab dabei z u Protokoll, sie stamme aus G._______ und habe insgesamt neun Jahre lang die Schule besucht. Sie habe ihren ersten Ehemann im Jahr 2000 geheiratet. Die Beziehung habe sich über die Jahre immer mehr verschlechtert, was insbesondere daran gelegen habe, dass ihr damaliger Ehemann zeugungsunfähig gewesen sei, was seinen Stolz verletzt habe. Sie hätten auf Wunsch der Familie des Ehemannes, damit dieser in der Gesellschaft sein Gesicht habe wahren können, ein Kind der (...), die zu jener Zeit Zwillinge geboren habe, an sich genommen und dieses als ihr eigenes ausgegeben. Die (...) habe ihr Kind jedoch nach einer Woche zurückverlangt. Später hätten sie ein Kind aus dem Waisenhaus adoptiert. Ihr Ehemann sei immer gewalttätiger gewor- den, habe sie geschlagen, beschimpft und erniedrigt, insbesondere als sie ihm gesagt habe, dass sie Kinder bekommen könne und das Problem an ihm liege. Als ihr Ehemann sich Anfang 2011, als die Unruhen ausgebro- chen seien, der Shabiha , einer für das Regime tätigen Miliz, angeschlos- sen und viele Personen an die Behörden verraten habe, habe sie ihn ver- lassen wollen. Das Leben mit ihm sei unerträglich geworden. Er sei Inhaber eines Geschäfts für (...) gewesen und habe die Namen der Kunden, die an Demonstrationen teilgenommen hätten, an die Behörden weitergeleitet. Im Jahr 2011 habe er sie zu ihren Eltern gebracht und sich geweigert, sie wie- der abzuholen. Auch habe er ihr das gemeinsame Adoptivkind weggenom- men. Als die Beschwerdeführerin mit der Unterstützung ihrer Familie das Scheidungsverfahren eingeleitet habe, habe er sich der Scheidung wider- setzt. Er habe Drohungen gegen ihre Eltern und Geschwister ausgestos- sen. Erst im Jahr 2013, als sich die Beschwerdeführerin bereits in der Tür- kei befunden habe, sei die Scheidung auf Druck der Brüder der Beschwer- deführerin vollzogen worden. Dafür habe sie im Gegenzug auf ihre finanzi- ellen Ansprüche gege nüber ihrem Ex -Ehemann verzichten müssen . Sie D-6713/2018 Seite 3 habe nach der Trennung von ihm bei ihren Eltern im Quartier H._______ (in G._______) unter der Kontrolle der Freien Syrischen Armee (FSA) ge- wohnt. Sie habe sich nach Angriffen jeweils um Verwundete ge kümmert und bei deren Transport geholfen. Aufgrund der unsicheren Lage habe sie mehrere Male den Aufenthaltsort wechseln müssen. Ihre Brüder hätten zu- dem wegen ihrer Namensgleichheit mit einem Regimegegner Probleme an den Checkpoints gehabt. Wegen der schlechten Sicherheitslage, der Dro- hungen des Ex-Ehemannes und weil ihre Brüder fürchteten, wegen ihres Namens an einem Checkpoint aufgegriffen zu werden, sei die Beschwer- deführerin mit ihren Eltern und Geschwistern in die Türkei geflohen. Nach der Auseise sei sie noch zwei Mal in Begleitung ihrer Geschwister und de- ren Ehepartnern nach Syrien zurückgegangen, das eine Mal, um den be- antragten Reisepass abzuholen, das andere Mal, um nach dem in Syrien im Elternhaus zurückgelassenen Bruder zu schauen, da sie von Angriffen auf ihr Heimatquartier gehört hätten. In der Türkei habe sie oft Nachrichten von ihrem Ex-Ehemann aus Syrien erhalten, der wieder mit ihr habe zusammenleben wollen. Ausserdem habe sie von ihrem Vater erfahren, der seinerseits von ihrem ehemaligen Schwiegervater informiert worden sei, dass ihr Ex-Ehemann die Namen ihrer Eltern und Geschwister als regimefeindlich habe registrieren lassen. 2014 habe sie in der Türkei ihren jetzigen Ehemann (den Beschwerdefüh- rer) geheiratet. Sie habe auch in der Türkei noch Angst vor den Drohungen ihres E x-Ehemannes gehabt , auch weil sie von ihrem neuen Ehemann schwanger geworden sei. Anfang Oktober 2015 habe sie schliesslich mit ihm und dessen Kindern die Türkei verlassen und sei innerhalb eines Mo- nats über verschiedene Länder am 1. November 2015 in die Schweiz ge- langt. Die Drohungen ihres Ex-Ehemannes richteten sich auch gegen ihren neuen Ehemann und ihre Stiefkinder. Zum N achweis ihrer Identität reichte die Beschwerdeführerin ihren syri- schen Reisepass sowie ihre Identitätskarte zu den Akten, zudem ein Foto einer Verzichtserklärung die Scheidung betreffend, einen Auszug aus dem Zivilregister sowie zwei Urkunden ihre jetzige Eheschliessung betreffend. A.b Der Beschwerdeführer brachte vor, er habe zuletzt in G._______, im Quartier I._______, gelebt. Nach sechsjähriger Schulzeit habe er mit elf oder zwölf Jahren bereits begonnen, das Handwerk als Schneider zu er- lernen. Danach habe er in verschiedenen Geschäften als Schneider gear- beitet, von 2008 bis 2010 in Griechenland. Bei seiner Rückkehr aus Grie- chenland hätten ihm die syrischen Behörden am Flughafen den Reisepass D-6713/2018 Seite 4 abgenommen. In der Folge habe er seinen Brüdern in G._______ beim Gemüse- und Früchteverkauf geholfen. Mit Ausbruch der Unruhen und der sich zusehends verschlechternden Sicherheitslage habe er seinen Aufent- haltsort innerhalb der Stadt mehrmals gewechselt. Als er I._______ verlas- sen und sich unter anderem in Neu-G._______ bei seiner Schwester auf- gehalten habe, habe er beim Passieren von Checkpoints jeweils grosse Probleme bei den Kontrollen durch Shabiha gehabt, weil ein Regimegeg- ner aus seiner erweiterten Familie stamme. So habe er oft bis zu zwei Stun- den an den Checkpoints warten müssen. Wenn er Ware transportiert habe, habe er grössere Mengen an Früchten an die Bewaffneten an den Grenzen abgeben müssen. Ebenso sei er andauernd aufgrund seines Ausweises, welcher I._______ als Wohnort ausgewiesen habe, verdächtigt worden, Anhänger der bewaffneten Aufständischen zu sein. Wegen der Bombardie- rungen, der Verschlechterung der Wirtschaftslage und der Probleme an den Checkpoints sei er schliesslich mit seinen Geschwistern, seiner Mutter und seiner ersten Ehefrau wieder zurück nach I._______ zum Familien- haus und familieneigenen Geschäft gezogen. Auch andere Familienmit- glieder wie Brüder und Onkel seien nach I._______ zurückgekehrt. Seine erste Ehefrau habe aber nicht im unter der Kontrolle der Aufständischen stehenden I._______ bleiben, sondern lieber in einem von der Regierung kontrollierten Gebiet leben wollen. Aus dem Grund hätten sie sich schliess- lich getrennt und sie sei mit der jüngsten Tochter nach J._______ gezogen. Entgegen der gemeinsamen Vereinbarung habe sie die beiden anderen Kinder nicht zu sich geholt . Er habe dann erneut geheiratet, damit sich seine zweite Frau um seine Kinder kümmere. Sie hätten sich aber wegen Differenzen getrennt. Er habe mit seinen Brüdern weiter als Gemüse- und Früchteverkäufer gearbeitet, sei aber auch dort mit Problemen konfrontiert gewesen. Die Aufständischen hätten von ihnen die Waren zum Einkaufs- preis ohne Gewinnerzielung verlangt. Auch sei er wegen heftiger Bombar- dierungen der Gegend in Sorge um die Sicherheit seiner Kinder gewesen. Ende 2013 sei einer seiner Cousins väterlicherseits nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Sein Vater habe nach einigen Wochen erfahren, dass er von den syrischen Behörden festgenommen worden sei. Der Grund für die Festnahme sei die angebliche Unterstützung der Bewaffneten der FSA und der Jabhat al-Nusra-Front durch die Familie des Beschwerdeführers gewe- sen. Aufgrund der schlechten Sicherheitslage und der Tatsache, dass das syri- sche Regime ihm und seiner Familie ein politisches Profil unterstellt habe, habe er im Frühjahr 2013 beziehungsweise Anfang 2014 Syrien in Rich- tung der Türkei verlassen. Ein weiterer Ausreisegrund sei gewesen, dass D-6713/2018 Seite 5 er die (…)kranke Tochter seiner Schwester, die auf regelmässige [medizi- nische Behandlung] angewiesen sei, zur medizinischen Betreuung in die Türkei habe bringen und seine Schwester hierbei habe begleiten wollen. Er sei mit seiner zweiten Ehefrau, seiner Mutter, seinen Schwestern u nd den Kindern in die Türkei gereist, wobei er wegen seines fehlenden Reise- passes illegal habe aus- und einreisen müssen. In der Türkei habe er mit seinen Familienmitgliedern in einem Flüchtlingslager gelebt. Er habe sich dann von seiner zweiten Ehefrau getrennt, da diese mit dem Leben im Flüchtlingslager unzufrieden gewesen sei. Auf Anraten seiner Mutter habe er, auch zur Versorgung seiner beiden Kinder, im Jahr 2014 seine jetzige Ehefrau in der Türkei geheiratet. Seit der Eheschliessung sei er vom Ex- Ehemann seiner jetzigen Ehefrau durch telefonische Textnachrichten an seine Ehefrau bedroht worden. Daher würde ihm bei einer Rückkehr nach Syrien sowohl Gefahr durch das syrische Regime als auch durch den Ex- Ehemann drohen. Daher habe er im Oktober 2015 schliesslich mit seiner Familie die Türkei verlassen und sei nach einer mehrtägigen Reise am 1. November 2015 illegal in die Schweiz eingereist. Zum Nachweis seiner Identität reichte er folgende Dokumente ein: seine syrische Identitätskarte, zwei Auszüge aus dem Personenregister , einen Auszug aus dem Familienregister (zur ersten Ehe), das Familienbüchlein, zwei Urkunden zur letzten Eheschliessung, das Militärbüchlein, einen Ent- lassungsschein aus der syrischen Armee, Auszüge aus dem Personenre- gister (Tochter D._______ und Sohn C._______), einen Antrag auf Ausstel- lung einer Ersatz-Identitätskarte (in Kopie) und Fotos von ihm an Kundge- bungen in der Schweiz. B. Mit zwei getrennten Verfügungen vom 25. Oktober 2018 an den Beschwer- deführer (auch auf alle Kinder beziehend) und an die Beschwerdeführerin – jeweils eröffnet am 26. Okto ber 2018 – verneinte das SEM die Flücht- lingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte ihre Asylgesuche a b und verfügte die Wegweisungen aus der Schweiz, wobei es wegen Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges die vorläufige Aufnahme der Be- schwerdeführenden anordnete. C. Mit Eingabe ihres gemeinsamen Rechtsvertreters vom 26. November 2018 (Poststempel) erhoben die Beschwerdeführenden gegen diese Verfügun- gen beim Bundesverwal tungsgericht Beschwerde und beantragten, die beiden Verfahren seien zu koordinieren. In materieller Hinsicht ersuchten D-6713/2018 Seite 6 sie um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügungen in den Dispositivzif- fern 1-3, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung von Asyl und ersuchten eventualiter um die Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges. Subeventualiter sei die Sache im Asyl- und Flüchtlingspunkt zur rechtserheblichen Sa chverhaltsabklärung sowie zur neuen Entscheidung an di e Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens- rechtlicher Hinsicht beantragten sie unter Beilage einer Sozialhilfebestäti- gung die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung , inklusive Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, und die Beiordnung ihres Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand. D. Am 27. November 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein- gang der Beschwerde. E. Mit Zwischenverfügung vom 30. November 2018 vereinigte die damals zu- ständige Instruktionsrichterin die beiden Verfahren. Weiter hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. Zudem hiess sie das Gesuch um amtliche Verbeiständung im Sinne von Art. 110a AsylG (SR 142.31) gut und ordnete den bisherigen Rechtsvertreter, lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, den Beschwerdeführenden als amtlichen Rechtsbeistand bei. F. In ihrer Vernehmlassung vom 18. Dezember 2018 hielt die Vorinstanz voll- umfänglich an ihren Erwägungen fest. G. Mit Schreiben vom 23. Januar 2019 verzichteten die Beschwerdeführen- den auf eine Replik und reichten eine Honorarnote des Rechtsvertreters zu den Akten. H. Mit Eingabe vom 7. Dezember 2020 wies der Rechtsvertreter auf ein Urteil des EuGH vom 19. November 2020 zur Verweigerung von Militärdienst in Syrien hin und reichte eine Pressemitteilung zu diesem Urteil ein. D-6713/2018 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt da s Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene n Verfügungen besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie sind daher zur Einreichung d er Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 D-6713/2018 Seite 8 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügungen Folgendes aus: 4.1.1 Die Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführerin in Bezug auf ih- ren Ex-Ehemann, der sie zuletzt bedroht habe, da sie ihn verlassen habe, seien nicht asylrelevant. Es bestünden keine konkreten Hinweise darauf, dass bei einer Rückkehr nach Syrien aufgrund der geltend gemachten Scheidung ein aktuelles Schutzbedürfnis bestehe und sie im Zusammen- hang mit ihrer Scheidung asylbeachtliche Nachteile zu befürchten habe. Die vorgebrachte Bedrohungslage wegen eines unterstellten oppositionel- len Profils, da sie in den von der Opposition besetzten Gebieten Nothilfe für Kriegsverletzte geleistet habe und ih r seitens der syrischen Behörden Verfolgungsmassnahmen drohten, habe die Beschwerdeführerin nicht sub- stantiieren können. Sie habe keine konkreten Anhaltspunkte darzulegen vermocht, die darauf hindeuteten, dass sie oder ihre übrigen Familienmit- glieder befürchten müssten, aufgrund eines unterstellten oppositionellen Profils behördlich verfolgt zu sein. Auch gebe es keine Hinweise, dass sie wegen ihres Namens bei einer Rückkehr nach Syrien asylrelevante Verfolgung zu befürchten habe . Zu- dem erscheine die vorge brachte Furcht vor behördlichen Verfolgungs- massnahmen deshalb nicht objektiv begründet, weil es der Beschwerde- führerin möglich gewesen sei, sich einen Reisepass ausstellen zu lassen, wozu sie mit den syrischen Behörden in Kontakt gestanden und deren Checkpoints passiert haben müsse. Den Vorbringen komme daher keine Asylrelevanz zu, weshalb darauf verzichtet werden könne, die se auf ihre Glaubhaftigkeit zu prüfen. D-6713/2018 Seite 9 Zudem habe die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft machen können, dass ihr Ex-Ehemann alle Namen ihrer Familie auf einer Liste als regimefeindlich habe registrieren lassen. Es fehle den Ausführungen an konkreten und substantiierten Hinweisen, habe sie hiervon doch nur durch Auskünfte ei- ner Drittperson erfahren. Auch würden die Zweifel am Wahrheitsgehalt die- ser Vorbringen dadurch erhärtet, dass sie diese weitreichende Bedrohung, die ihr und ihrer Familie gegenüber gegolten habe, anlässlich der BzP nicht erwähnt habe. Die Bedrohung durch die Liste erscheine konstruiert. Schliesslich komme den vorgebrachten bürgerkriegsbedingten Nachteilen keine Asylrelevanz zu. 4.1.2 Die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers in Bezug auf die vermeintlichen Probleme, die er wegen eines Verwandten bekommen habe, der sich aktiv gegen die Regierung engagiert habe, seien nicht glaubhaft. Der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft darlegen können, dass ihm die syrischen Behörden aufgrund seines Aufenthaltes in einem von der FSA kontrollierten Gebiet sowie wegen seines Nachnamens ein oppositionelles Profil unterstellt h ätten. So habe er auch nie schwerwie- gende Probleme an den Checkpoints gehabt. Auch habe er nicht glaubhaft machen können, dass ihm von den syrischen Behörden, nachdem er zu- rück in das Oppositionsquartier I._______ gezogen sei, ein oppositionelles Profil unterstellt worden sei. So habe er bei der BzP auch nicht die der Familie unterstellte Unterstützung der bewaffneten Opposition und die da- mit verbundene Festnahme des Cousins erwähnt, was die Vorbringen auf- grund der nachträglichen Geltendmachung in der Bundesanhör ung un- glaubhaft erscheinen lasse. Untermauert werde dies durch die oberfläch- lichen und stereotypen Schilderungen der Festnahme des Cousins sowie der Umstände und Ursachen, wie es dazu gekommen sei. Es folge daraus, dass die Vorbringen des Beschwerdeführer s zur vermeintlichen Regime- feindlichkeit der Familie den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermö chten, weshalb auf die Prüfung der Asylrelevanz verzichtet werden könne. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer sich generell vor einem zukünf- tigen Aufgebot zum Reservedienst gefürchtet habe, vermöge keine Furcht vor asylrelevanter Verfolgung zu begründen, da er nicht aufgeboten wor- den sei. Daher sei das diesbezügliche Vorbringen nicht asylrelevant. Eben- sowenig erwiesen sich die geschilderten Bedrohungen durch den Ex-Ehe- mann der Ehefrau als asylrelevant, da keine konkreten ernstzunehmenden Hinweise für eine asylrelevante Verfolgung vorlägen . Das in der Schweiz D-6713/2018 Seite 10 vorgebrachte exilpolitische Engagement, wonach er an Demonstratio nen gegen die Bombardierung und Waffengewalt in G._______ teilgenommen habe, sei schliesslich nicht geeignet, eine Furcht vor flüchtlingsrechtlich re- levanter Verfolgung zu begründen, da er kein exponiertes Profil aufweise. 4.2 4.2.1 In der Beschwerde wurde an der G laubhaftigkeit der Furcht der Be- schwerdeführerin vor asylbeachtlichen Nachteilen durch den Ex-Ehemann festgehalten. So könne nicht gegen ein Verfolgungsinteresse des Ex-Ehe- mannes ins Feld geführt werden, dass beide Ex-Partner schon seit vielen Jahren getrennt leben würden und mittlerweile neue Familien gegründet hätten. Vielmehr habe gerade die neue Familienkons tellation der Be- schwerdeführerin die Rachsucht des Ex -Ehemannes ihr gegenüber ver- stärkt. Auch die Argumentation, wonach Trennung und Scheidung bereits etliche Jahre zurücklägen, stelle kein Argument dafür dar, dass der Be- schwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Syrien keine asylrelevante Ver- folgung drohen würde. Zudem könnten sich die Beschwerdeführenden bei eventuellen Problemen nicht an die syrischen Behörden wenden, da sie als Regimegegner eingestuft würden und ih nen daher eine Verfolgung drohe. Der Beschwerdeführer gelte als mutmasslicher Oppositioneller und sei gefährdet, vom syrischen Regime wegen Wehrdienstverweigerung ver- folgt zu werden. Zudem verkenne die Vorinstanz den Einfluss der Mitglied- schaft des Ex-Ehemannes bei der Shabiha auf die Behörden. In die Schei- dung habe er lediglich aufgrund kultureller und familiärer Zwänge eingewil- ligt. Es sei klarzustellen, dass er die Beschwerdeführenden nicht mit dem Argument der Scheidung, sondern mit dem der Regimefeindlichkeit bei den Behörden angeschwärzt habe und in Bezug darauf keine Hemmung hätte, seinen ganzen Einfluss als Shabih a-Mitglied auf die syrischen Behörden auszuüben und sich zu rächen, zumal die Stadt G._______ mittlerweile wieder gänzlich unter der Kontrolle des Regimes stehe. Es sei somit nicht nachvollziehbar, wie die Vorinstanz davon ausgehe, die Beschwerdefüh- renden könnten sich im Fall einer Bedrohung durch den Ex -Ehemann an die Behörden wenden. Es sei auch der Einschätzung der Vorinstanz zu widersprechen, wonach die geltend gemachte Bedrohung durch den Ex - Ehemann aufgrund seiner Verbindung zu den syrischen Behörden den An- forderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhielte. Die Beschwerdeführerin habe die geltend gemachte Verfolgung durch den Ex-Ehemann äusserst glaubwürdig geschildert, habe sie doch in der Anhö- rung sehr detailliert und substantiiert von der Registrierung auf der Liste berichtet und in der BzP auch die vom Ex-Ehemann ausgesprochenen Dro- hungen erwähnt. Im Gegensatz zur Auffassung der Vorinstanz habe die D-6713/2018 Seite 11 Beschwerdeführerin als medizinische Nothelferin asylbeachtliche Verfol- gung zu erwarten, da ihr Ex-Ehemann der Regierung namentlich bestätigt habe, dass sie für die FSA gearbeitet und sich ins Ausland abgesetzt habe. Die damalige Rückkehr nach Syrien und die Ausstellung eines Reisepas- ses sprächen nicht gegen das Vorliegen einer asylbeachtlichen Verfolgung durch das syrische Regime, da sie zum Zeitpunkt der Rückreise 2013 dem Regime noch nicht als Regimegegnerin bekannt gewesen sei und sie den Reisepass nicht direkt bei den Behörden beantragt habe, sondern über ei- nen Zwischenhändler. 4.2.2 Entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei es auch dem Beschwerde- führer gelungen, glaubhaft eine begründete Furcht vor einer flüchtlings- rechtlich relevanten staatlichen Verfolgung geltend zu machen. Die Vor- instanz habe es unterlassen, eine Gesamtwürdigung aller vorgebrac hten Elemente, wie der Schikanen an den Checkp oints, des längeren Aufent- halts in einem von der FSA kontrollierten Gebiet und des von den Behörden unterstellten oppositionellen Profils aufgrund seines Verwandten, vorzu- nehmen. Auch wenn er die seiner Familie unterstellte Unterstützung der bewaffneten Opposition und die damit zusammenhängende Festnahme des Cousins nicht bereits anlässlich der BzP erwähnt habe, berechtige dies nicht, das Vorbringen als nachgeschoben und unglaubhaft zu qualifizieren, zumal er seine Hauptbefürchtungen – wie jene von der Verfolgung durch die Behörden sowie durch den Ex-Ehemann der Ehefrau – in der BzP be- reits vorgebracht habe. Auch habe er in der Anhörung äusserst detailliert und realitätsnah von seinen Fluchtgründen berichtet. In einer Gesamtwür- digung aller Elemente, welche ihn in den Augen als regimefeindlich dar- stellten, seien auch subjektive Nachfluchtgründe, wie das exilpolitische En- gagement, zu würdigen. Es könne auch eine nicht in einem hohen Masse exponierte Teilnahme an Demonstrationen eine flüchtlingsrechtliche Ver- folgung begründen, gerade weil der syrische Staat wieder beinahe das ge- samte Staatsgebiet unter seiner Kontrolle habe. Im Übrigen habe der Be- schwerdeführer eine begründete Furcht vor einer asylbeachtlichen (Re - flex-)Verfolgung durch das syrische Regime aufgrund der Rachehandlung des Ex-Ehemannes der Beschwerdeführerin, der die ganze Familie auf ei- ner Liste als Regimegegner habe eintragen lassen. 5. 5.1 5.1.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt ebenso wie das SEM zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Syrien keine asylbeachtlichen Nachteile im Zusammenhang mit den Drohungen D-6713/2018 Seite 12 des Ex-Ehemannes zu befürchten hat. Zwar hat sie glaubhaft geschildert, wie sie in ihrer ersten Ehe gelitten hat. So hat sie sehr detailliert davon und von den jahrelangen Problemen der Kinderlosigkeit und Gewalttätigkeit ih- res Ex-Ehemannes berichtet (vgl. act. A32, S. 6, F58 ff.). Es ist angesichts der jahrelangen Leidenszeit nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin vor ihrem gewalttätigen Ex -Ehemann Angst gehabt und sich vor seinen Drohungen gefürchtet hat. Zu Recht weist das SEM aber darauf hin, dass Asyl nicht als Ausgleich erlittener Nachteile gewährt wird, sondern auf- grund eines begründeten Schutzbedürfnisses. Ein aktuelles Schutzbedürf- nis ist nicht erkennbar. Auch wenn der Ehemann die Trennung und Schei- dung nicht akzeptiert und weiterhin versucht haben sollte, über Verwandte etwas über ihr Leben in der Türkei zu erfahren, und Drohungen gegen sie ausgestossen habe (vgl. act. A32, S. 11, F59 f.), ist zu betonen, dass seit der Trennung und Scheidung viele Jahre vergangen sind und beide Ex - Eheleute in der Zwischenzeit neue Familien gegründet haben (vgl. act. A32, S. 11, F59 f.). So kann die Beschwerdeführerin in der Anhörung auch nicht überzeugend erklären, wieso ihr Ex -Ehemann für sie während ihres Aufenthaltes in der Türkei noch eine Bedrohung dargestellt habe. Dazu meinte sie einzig, sie wisse es nicht, es habe sich um ein Gefühl gehandelt und sie habe Gefahr gespürt (vgl. act. A32, S. 22, F174-176). Das Vorbrin- gen in der Beschwerde, der Ex-Ehemann habe die Scheidung nicht ver- weigern können, da ansonsten seine Zeugungsunfähigkeit herausgekom- men wäre, überzeugt nicht. Die Beschwerdeführerin hat dies in der Anhö- rung denn auch nicht gesagt, vielmehr hat sie berichtet, wie ihr Ex -Ehe- mann schliesslich bereit gewesen sei, die Scheidung zu akzeptieren, wenn sie im Gegenzug auf ihre Rechte verzichte (vgl. act. A32, S. 10, F59). Ins- gesamt scheint es sich damit um subjektive Ängste der Beschwerdeführe- rin vor Rache zu handeln, denen es an objektiven Anhaltspunkten fehlt. 5.1.2 Auch konnte die geltend gemachte Bedrohung durch die Verbindun- gen des Ex-Ehemannes zu den syrischen Behörden, indem dieser sie auf eine Liste regimefeindlicher Personen habe setzen lassen, nicht glaubhaft gemacht werden. Diesbezüglich fehlt es an konkreten und substantiierten Hinweisen; die Beschwerdeführerin will nur vom Hörensagen, von ihrem Vater, dieser wiederum vom Ex-Schwiegervater, erfahren haben, dass ihr Ex-Ehemann sie und ihre Familie auf eine Liste habe setzen lassen (vgl. act. A32, S. 11, F58, S.17, F116). Bezeichnenderweise hat sie denn auch in der BzP nichts über die Bedrohung durch die syrischen Behörden wegen dieser Liste erwähnt (vgl. act. A8, S. 7 ff.). Auch über den Einfluss des Ex- Ehemannes als Shabih a gibt es keine substantiierten H inweise, der Ein- fluss auf die Behörden scheint eher vermutet. So sagt sie über den Ex -D-6713/2018 Seite 13 Ehemann und dessen Position aus, er sei Regimeanhänger gewesen (vgl. act. A32, S. 13, F82), sie wisse nicht, wo er heute lebe, nur, dass er Sha- biha gewesen sei (vgl. act. A32, S. 11, F62). Sie könne die Position ihres Ex-Ehemannes bei d en Volkskomitees nicht benennen und wisse nichts von seinen Aktivitäten (vgl. act. A32, S. 19, F136). 5.1.3 Soweit die Beschwerdeführerin in der Anhörung aussagt , der Ex- Ehemann habe dafür gesorgt, dass die Familie wegen der Namensgleich- heit mit einem Regi megegner Probleme an den Checkp oints bekommen habe, sind Zweifel angebracht. Zum einen widerspricht sie sich, als sie erst behauptet, nicht nur ihre Geschwister, auch sie selber habe an den Check- points Probleme gehabt (vgl. act. A32, S. 18, F125). Später gibt sie nämlich zu Protokoll, sie selber habe wegen des Namens an den Checkpoints keine Nachteile erfahren (vgl. act. A32, S. 18, F132). Zum anderen wird die ver- meintliche Bedrohungslage der Brüder an den Checkpoints nur vage ge- schildert; die Brüder seien angehalten worden, wenn sie zur Arbeit gegan- gen seien (vg l. act. A32, S. 18, F125, 132). Im Übrigen macht sie keine asylbeachtlichen Nachteile geltend, da es den Brüdern gemäss ihren Schil- derungen trotz der Kontrollen möglich gewesen sei, von einem von der Op- position kontrollierten Gebiet in ein von der Regierung kontrolliertes zur Ar- beit zu gehen. Sie sind anscheinend nicht verfolgt worden (vgl. act. A32, S. 18, F133). Auch ist dem zuletzt noch in Syrien verbliebenen Bruder, den sie bei einer Rückkehr nach Syrien aufgesucht hätten, trotz des vermeint- lich gross en Einflus ses des rachsüchtigen Ex -Ehemannes anscheinend keine Verfolgung durch die Behörden widerfahren, hätte die Beschwerde- führerin doch ansonsten davon berichtet (vgl. act. A32, S. 23, F123). 5.1.4 Weiter ist der Einschätzung des SEM zuzustimmen, dass die Be- schwerdeführerin wegen der gel eisteten medizinischen Nothilfe in einem von der Opposition besetzten Gebiet keine asylbeachtlichen Verfolgungs- massnahmen seitens der syrischen Behörden zu befürchten hat. Die Schil- derungen der Hilfeleistungen sind zum e inen wenig konkret. So habe sie Hilfeleistungen an Kriegsverletzte geleistet, wie auch ihre gesamte Familie, allerdings nicht offiziell (vgl. act. A32, S. 9, F59). Es ist also bereits fraglich, wieso die syrischen Behörden von der einfachen Tätigkeit erfahren haben könnten und wieso sie von so grosser Bedeutung sein soll. Sie hat zum anderen nach eigenen Angaben keine exponierte Stellung innegehabt und nur kurze Zeit zwischen 2011 und 2012 mit wechselnden Aufenthalten ein- fache Tätigkeiten ausgeübt, wie eine Spritze gegeben oder einen Verband gewechselt (vgl. act. A32, S. 12, F69 ff.). Vor dem Kriegsausbruch ist sie nach eigenen Aussagen nicht im medizinischen Bereich tätig gewesen und D-6713/2018 Seite 14 kann somit dem syrischen Regime auch nicht als medizinische Fachperson bekannt gewesen sein (vgl. act. A32, S. 12, F73 -76). Zu Recht weist das SEM auch darauf hin, dass die Befürchtungen der Beschwerdeführerin an- scheinend mehr in Verbindung mit dem allgemeinen Kriegsgeschehen zu stehen scheinen als mit einer gezielten Verfolgung durch das syrische Re- gime aufgrund der Tätigkeit als (medizinische) Nothelferin (vgl. act. A32, S. 16, F106). Es ist demnach nicht glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin wegen ihrer einfachen Hilfstätigkeiten das Interesse der syrischen Behör- den auf sich gezogen haben soll und als Oppositionelle wahrgenommen würde. Insofern in der Beschwerde behauptet wird, die Beschwerdeführerin habe sich deswegen mit der Tätigkeit als Helferin exponiert, weil der Ex -Ehe- mann sie der Regierung gegenüber gemeldet habe als jemand, der für die FSA gearbeitet und sich ins Ausland abgesetzt habe, handelt es sich um nachgeschobene Behauptungen zu dem vermeintlichen und als unglaub- haft befundenen Einfluss des Ex-Ehemannes (siehe soeben E. 5.1.2). 5.1.5 Im Übrigen ist die Furcht vor behördlichen Verfolgungsmassnahmen (aufgrund eines unterstellten oppositionellen Profils und wegen des Ein- flusses des Ex-Ehemannes auf die syrischen Behörden) deswegen bereits unglaubhaft, weil die Beschwerdeführerin noch zwei Mal ungefähr 2013/2014 nach Syrien zurückgekehrt ist, um sich einen Reisepass aus- stellen zu lassen (Ausstellungsdatum 25. August 2013, G._______, vgl. act. A8, S. 6) und nach dem Elternhaus beziehungsweise dem dort in Sy- rien verbliebenen Bruder zu schauen (vgl. act. A32, S. 25, F201, act. A8, S. 7). Offenbar habe es hierbei an den staatlichen Checkpoints keine Vor- kommnisse gegeben (vgl. act. A32, S. 22 f., F182 f., S. 23, F183). Es ist angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin angeblich auch nach der Trennung noch erhebliche Angst vor dem Ex-Ehemann gehabt habe, nicht verständlich, dass sie noch zweimal nach Syrien zurückgekehrt ist (vgl. act. A32, S. 23 f. , F 191 f. ). Es hätte doch gemäss ihren Schilderungen die grosse Gefahr bestehen müssen, dass der Ex-Ehemann von der Rückkehr erfährt und sich an ihr rächt oder sie als regierungsfeindliche Person von den Grenzkontrollen verhaftet würde. Auch wenn sie bei ihren Rückreisen angeblich nur in Gebieten gewesen sei, die unter der Kontrolle der Oppo- sition gestanden hätten (vgl. act. A32, S. 24, F192), ist sie dabei doch mit syrischen Behörden in Kontakt gekommen und hat deren Checkpoints pas- siert (vgl. act. A32, S. 22, F182). D-6713/2018 Seite 15 Soweit in der Beschwerde nachträglich vorgetragen wird, sie habe keinen direkten Kontakt mit den Behörden gehabt, s ondern sich über Zwischen- händler den Pass b esorgt, handelt es sich um nachgeschobene Behaup- tungen. In der Anhörung hat sie nichts von Zwischenhändlern erwähnt. Zu- dem sagte sie in der Anhörung noch aus, den Pass am offiziellen Grenz- übergang verwendet zu haben (vgl. act. A32, S. 23, F183). 5.1.6 Soweit die Beschwerdeführerin als Asylgrund die ständigen Angriffe in der Wohngegend vorbringt (vgl. act. A32, S. 19), ist festzuhalten, dass allgemeine Benachteiligungen durch die Kriegslage, auch die sich ständig wechselnden Machtverhältnisse und die damit verbundenen Unsicherhei- ten, nicht asylrelevant sind, da sie in der Bürgerkriegssituation und den all- gemeinen sozialen Lebensbedingungen in der Herkunftsregion begründet sind. 5.1.7 Insgesamt konnte die Beschwerdeführerin somit keine im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Syrien bestehende oder drohende, asylrechtlich rele- vante Gefährdung nachweisen oder glaubhaft machen. 5.2 5.2.1 Der Beschwerdeführer hat ebenfalls keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft machen können. So ist nicht glaubhaft gemacht worden, dass ihm von den syrischen Behörden ein oppositionelles Profil unterstellt wor- den wäre und er asylrelevante Verfolgung wegen des oppositionellen Ver- wandten mit dem gleichen Nachnamen beziehungsweise wegen des Auf- enthaltes in einem von der F SA kontrollierten Gebiet erlitten beziehungs- weise zu befürchten habe. Der Beschwerdeführer hat gemäss seinen Aussagen keine erheblichen Probleme an den Checkpoints gehabt. Er ist gemäss seinen Aussagen an den Checkpoints jeweils länger festgehalten und über seinen Verwandten befragt worden und hat auch manchmal Waren als Wegzoll abgeben müs- sen (vgl. act. A38, S. 9 f., F78). Ihm ist wohl auch wegen der Herkunft aus einem Oppositionsgebiet Unterstützung der Aufständischen vorgeworfen worden. Trotz der mehrfachen Kontakte mit den Behörden an den Check- points ist ihm aber nie etwas zugestossen (vgl. act. A38, S.13, F84 f.), wes- halb nicht davon a uszugehen ist, dass er als Person mit oppositionellem Profil wahrgenommen worden ist und eine asylrelevante Verfolgung zu be- fürchten hätte. Über den oppositionellen Verwandten, dessentwegen er an- geblich asylbeachtliche Nachteile zu befürchten habe, kann er nichts weiter berichten. Er weiss weder, welche r Partei dieser genau angehört habe, D-6713/2018 Seite 16 noch, was für Probleme der weit entfernte Verwandte genau mit dem Re- gime in der Vergangenheit gehabt habe. Er weiss nur zu berichten, dass er einer schiitischen Partei angehört und er von der Verwandtschaft verstos- sen und mehrfach wegen Problemen mit dem Regime längere Zeit im Ge- fängnis gewesen sei (vgl. act. A38, S. 13, F81-83). Auch konnte er nicht glaubhaft machen, dass ihm von den syrischen Be- hörden aufgrund des Wohnsitzes in I._______ ein oppositionelles Profil un- terstellt worden sei. So hat der Beschwerdeführer bei der BzP die Fest- nahme seines Cousins und die damit verbundene unterstellte Unterstüt- zung der bewaffneten Opposition durch seine Familie unerwähnt gelassen (vgl. act. A7, S. 8 f.). Zudem hat er die Festnah me in der Anhörung nur oberflächlich und stereotyp geschildert (vgl. a ct. A38, S. 11, F78; S. 18, F88 ff.). Auch überrascht es, dass der Cousin angeblich erst Ende 2013 inhaftiert worden sei (vgl. act. A38, S. 18, F119), er aber bereits im April 2013 wegen der Probleme ausgereist sei (vgl. act. A7, S. 7; act. A38, S. 17, F108). Die Vorbringen des Beschwerdeführers zur vermeintlichen Regime- feindlichkeit der Familie erweisen sich insgesamt als unglaubhaft. 5.2.2 Soweit der Beschwerdeführer als Asylgrund angibt, er habe Angst gehabt, wie es bei vielen seiner Freunde geschehen sei, in der Zukunft als Reservist zum Militärdienst eingezogen zu werden (vgl. act. A7, S. 8), er sei aber bisher nicht eingezogen worden, kommt diesem Vorbringen eben- falls keine Asylrelevanz zu. Im Beschwerdeverfahren behauptet er nun, er habe Verfolgung wegen Wehrdienstverweigerung zu befürchten, da er per Dekret aufgefordert worden sei, sich als Reservist zu melden und dem nicht nachgekommen sei (vgl. Eingabe vom 7. Dezember 2020). Dies wi- derspricht den Aussagen in der BzP und der Anhörung, wo nach er kein Aufgebot zum Militärdienst erhalten habe. Zudem hat er in der Anhörung noch hinzugefügt, wenn er einen Aufruf als Reservist erhalten hätte, wäre er wieder zum Militärdienst eingerückt (vgl. act. A7, S. 8; act. A38, S. 8, F68). Selbst wenn der Beschwerdeführer, wie in der Beschwerde ausgeführt, mittlerweile per Dekret aufgefordert worden wäre, als Reservist einzurü- cken, und sich dem entzogen hätte, läge indes keine asylrelevante Wehr- dienstverweigerung vor. Das Bundesverwaltungsgericht hat seine Praxis betreffend Wehrdienstverweigerung und Desertion im syrischen Kontext in BVGE 2015/3 dargelegt und in BVGE 2020 VI/4 bestätigt. Danach vermag eine Wehrdienstverweigeru ng oder Desertion nicht allein, sondern nur D-6713/2018 Seite 17 dann die Flüchtlingseigenschaf t zu begründen, wenn damit eine Verfol- gung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist (vgl. BVGE 2015/3 E. 5.9). Das Gericht geht davon aus, dass bei Wehrdienstverweigerung im syrischen Kontext jedenfalls dann eine asylrelevante Strafe in begründeter Weise zu befürchten ist, wenn zusätzliche exponierende Faktoren gegeben sind, welche darauf schliessen lassen, dass eine Person als Regimegeg- ner angesehen wird und somit aus politischen Gründen eine unverhältnis- mässige Strafe zu befürchten hätte. Hingegen geht das Gericht in ständi- ger Praxis nicht davon aus, dass " herkömmlichen Wehrdienstverweige- rern", das heisst solchen, die nicht zusätzlich politisch exponiert sind, mit genügender Wahrscheinlichkeit eine die Schwelle der Asylrelevanz errei- chende Strafe droht (vgl. BVGE 2020 VI/4 E. 6.2.4). Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass das Profil des Beschwerdeführers zusätzliche Faktoren aufweisen würde, welche ihn in den Augen der syri- schen Behörden als Gegner des syri schen Regimes ausweisen würden. Vor diesem Hintergrund kann die Frage, ob er tatsächlich als Reservist aufgeboten wurde oder nicht, letztlich offenbleiben, da die alleinige Verwei- gerung des Reservedienstes in den syrischen Streitkräften im Falle des Beschwerdeführers keine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu begründen vermag. 5.2.3 Die geltend gemachte Verfolgung durch den Ex-Ehemann der Ehe- frau ist nicht asylrelevant, da , wie gesehen (E. 5.1 ff.), keine konkreten ernstzunehmenden Hinweise für eine Verfolgung gegeben sind. 5.2.4 Die Bürgerkriegssituation in Syrien, die gemäss seinen Schilderun- gen ebenfalls einen entscheidenden Ausreisegrund für den Beschwerde- führer dargestellt hat, ist nicht asylrelevant, obwohl die Ausreise wegen der Sicherheitslage nachvollziehbar ist. Auch der ebenso gut nachvollziehbare Grund für die Ausreise aus Syrien – die medizinische Betreuung der Nichte in der Türkei – entfaltet keine Asylrelevanz (vgl. act. A38, S. 19, F130). 5.2.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine i m Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien beste- hende oder drohende, asylrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. 6. 6.1 Gemäss Art. 54 AsylG (subjektive Nachfluchtgründe) wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder D-6713/2018 Seite 18 Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden. Personen mit subjektiven Nachflucht- gründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. 6.2 6.2.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe in der Schweiz an mehre- ren Demonstrationen gegen die syrische Regierung teilgenommen und sei auf Videos und Fotos als Teilnehmer zu sehen. 6.2.2 Zwar ist bekannt, dass der syrische Geheimdienst im Ausland aktiv ist und gezielt Informati onen über Personen syrischer Herkunft sammelt. Dieser Umstand reicht für sich allein genommen jedoch nicht aus, um eine begründete Verfolgungsfurcht glaubhaft zu machen. Es müssten zusä tzli- che konkrete Anhaltspunkte – nicht rein theoretische Möglichkeiten – vor- liegen, damit der Besch werdeführer tatsächlich das Interesse der syri- schen Behörden auf sich hätte ziehen können beziehungsweise als re- gimefeindliches Element namentlich identifiziert und registriert worden wäre. So werden nach dem Kenntnisstand des Bundesverwaltungsgerichts exilpolitische Aktivitäten erst dann wahrgenommen und bei der Rückkehr geahndet, wenn ein exponiertes exilpolitisches Wirken an den Tag gelegt wird. An dieser Einschätzung vermag auch die derzeitige Situation in Sy- rien nichts zu ändern. Es ist wenig wahrscheinlich, dass die syrischen Ge- heimdienste über die logistischen Ressourcen und Möglichkeiten verfügen, sämtliche exilpolitischen Tätigkeiten im Ausland systematisch zu überwa- chen. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die syrischen Ge- heimdienste primär auf die Situation im Heimatland konzentrieren (vgl. Ur- teil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3 [als Referenz- urteil publiziert]; aus der neueren Rechtsprechung D -7461/2018 vom 27. Oktober 2021 E. 11.3). 6.2.3 Wie vorstehend festgestellt, konnte der Beschwerdeführer keine Vor- verfolgung glaubhaft machen. Es gibt daher keinen Anhaltspunkt, dass die- ser vor dem Verlassen Syriens als regimefeindliche Person ins Blickfeld der Behörden geraten ist. Der Beschwerdeführer hat als einer unter vielen Teilnehmern an Demonstrationen teilgenommen und hierbei Transparente hochgehalten (vgl. act. A38, S. 17, F109), was durch Fotos belegt wird. Aus den Akten und Beweismitteln geht nicht hervor, dass er im Vergleich zu anderen exilpolitisch tätigen Syrern besonders hervortritt. Er exponiert sich nicht derart, dass aufgrund seiner Persönlichkeit, der Form des Auftritts D-6713/2018 Seite 19 und dem Inhalt der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklärung ein beson- deres Interesse an seiner Person bestehen könnte und er vom syrischen Regime als potenzielle Bedrohung wahrgenommen würde. Dies insbeson- dere auch deshalb, weil in der Schweiz unzählige exilpolitische Anlässe durchgeführt werden, so dass es den syrischen Behörden unmöglich sein dürfte, alle diese Anlässe zu überwachen. Der Beschwerdeführer erfüllt die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG unter dem Aspekt subjektiv er Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG nicht. 6.3 Soweit in der Beschwerde geltend gemacht wird, die illegale Ausreise und das Stell en eines Asylantrages im Ausland durch die beiden Be- schwerdeführenden werde in Syrien als politische Opposition und Form der Regimekritik angesehen, womit subjektive Nachfluchtgründe vorliegen würden, ist dem zu widersprechen. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts führen weder eine Aus- reise aus Syrien noch das Stellen eines Asylgesuchs im Ausland bereits zur begründeten Furcht, bei einer Rückkehr in das Heimatland mit beacht- licher Wahrscheinlichkeit einer menschenrechtswidrigen Behandlung aus- gesetzt zu werden. Die Beschwerdeführenden waren gemäss den vorste- henden Erkenntnissen im Zeitpunkt der Ausreise keiner Verfolgungssitua- tion im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund ist das Vorliegen konkreter Indizien für die Annahme einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne der Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 sowie 2011/50 E. 3.1.1) auch in dieser Hinsicht zu verneinen. Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass die Beschwerdeführen- den aufgrund ihrer längeren Landesabwesenheit bei einer Wiedereinreise in Syrien wahrscheinlich einer allgemeinen Befragung durch die heimatli- chen Behörden unterzogen w ürden. Es liegen somit auch insofern keine subjektiven Nachfluchtgründe vor. 6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass d ie Beschwerdeführenden weder Vorfluchtgründe noch subjektive Nachfluchtgründe glaubhaft ma- chen oder nachweisen können. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der in der Beschwerde geforderten Gesamtbetrachtung der Vorbringen. Die Vorinstanz hat richtigerweise die Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche zu Recht abgelehnt. D-6713/2018 Seite 20 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisungen wurden demnach zu Recht an- geordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7.3 Der Vollzug der Wegweisung wurde vorliegend zugunsten einer vorläu- figen Aufnahme aufgeschoben. Die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug einer Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Un- möglichkeit) sind alternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläu- fige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). Folglich ist der Even- tualantrag, es sei die Unzulässigkeit statt der (blossen) Unzumutbarkeit des Weg weisungsvollzugs festzustellen, abzuweisen; im heutigen Zeit- punkt besteht an einer Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungs- vollzugs kein Rechtsschutzinteresse. 7.4 Im Sinne einer Klarstellung ist abschliessend festzuhalten, dass sich aus den vorstehende n Erwägungen nicht der Schluss ergibt, d ie Be- schwerdeführenden seien zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwick- lungen in Syrien in ihrem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefährdungslage ausschliesslich unter de m Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AIG (SR 142.20) einzuordnen, wonach der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar ist, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, all- gemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon kret gefährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Syrien im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG wurde durch das SEM mit der Anordnung der vor- läufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtenen Verfügungen D-6713/2018 Seite 21 Bundesrecht nicht verletzen, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellen und auch ansonsten nicht zu beanstanden sind (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da aber mit Verfügung vom 30. November 2018 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen wurde, ist auf die Auferlegung von Verfah- renskosten zu verzichten. 9.2 Der amtliche Rechtsbeistand hat am 23. Januar 2019 eine Kostennote zu den Akten gereicht. Der darin geltend gemachte Aufwand (21.5 Stunden à Fr. 300.–, Auslagen von Fr. 14.60 zuzüglich Mehrwertsteuer) erscheint auch unter Berücksichtigung der weiteren Eingabe vom 7. Dezember 2020 als überhöht und ist zu reduzieren. Zudem be trägt der Stundensatz für nicht anwaltliche Vertreter – wie bereits in der Verfügung vom 30. Novem- ber 2018 dargelegt – praxisgemäss Fr. 150.– und ist entsprechend anzu- passen. Als angemessen ist ein Aufwand von 12 St unden zu erachten, weshalb das Honorar auf Fr. 1'960.– (gerundet, inkl. Auslagen und Mehr- wertsteuerzuschlag) festzusetzen ist. (Dispositiv nächste Seite) D-6713/2018 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand lic. iur. LL.M. Tarig Hassan wird zulasten der Gerichtskasse ein Honorar von Fr. 1'960.– ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Mia Fuchs Mareile Lettau Versand: