<h2>SubmittedText<h2><p>Das Insektensterben ist wissenschaftlich belegt, der Bundesrat hat dies mehrmals bestätigt! Zum dramatischen Rückgang von Biomasse und Diversität der Insekten tragen mehrere, meist menschgemachte Faktoren bei, wie etwa der Verlust von Lebensraum (Nist- und Futterplätze), die Folgen des Klimawandels oder der Einsatz von Pestiziden durch Laien und berufliche AnwenderInnen.</p><p>Eine kürzlich im Wissenschaftsjournal "Science" publizierte Studie zeigt auf, dass Hummeln, die Glyphosat im Futter erhalten, sich zeitlich weniger um ihre Brut kümmern. Zudem können sie die Temperatur in ihren Nestern schlechter regulieren. Beides führt dazu, dass sich die Brut schlechter entwickelt und das Volk im Extremfall stirbt. Wie bei vielen Wildbestäubern, überwintert bei den Hummeln nur die Königin. Stirbt, sie verschwindet auch ihre Kolonie!</p><p>Lange Zeit glaubte man, dass Herbizide für Insekten und andere Tiere unschädlich seien! Immer mehr Studien zeigen jedoch, dass z.B. Glyphosat Bestäubern schadet: Vor allem das glyphosathaltige Mittel Roundup, das in der Schweiz sogar für den Verkauf an PrivatanwenderInnen zugelassen ist.</p><p>Ich bitte den Bundestrat darum, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche fünf Herbizide werden in der Schweiz am häufigsten eingesetzt? Wie viel davon wird jährlich gekauft, durch berufliche AnwenderInnen der Landwirtschaft, der öffentlichen Hand oder anderen Bereichen?</p><p>2. Wie viele glyphosathaltige Produkte sind in der Schweiz zum Verkauf an Hobby-AnwenderInnen zugelassen und weshalb? Wie viel davon wird jährlich durch Laien gekauft?</p><p>3. Warum genau führt Roundup zu einem massiven Anstieg der Sterblichkeit bei Hummeln?</p><p>4. Der Absatz von Glyphosat in der Schweiz ist seit 2013 um 60 Prozent gesunken. Laut BLW und Bauernverband führt die Reduktion des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft zu signifikanten Ernterückgängen. Hat der Bundesrat dies für Glyphosat untersucht und kann er einen solchen Rückgang der Ernte bestätigen? Wenn nein, warum?</p><p>5. Nebst den oben beschriebenen Effekten von Glyphosat auf Insekten: Welche direkten und indirekten, unerwünschten Effekte werden in anderen Studien beschrieben?</p><p>6. Wie schätzt der Bundesrat die Ergebnisse der Studie und der Gesamtsituation ein?</p><p>7. Welchen Handlungsbedarf sieht er und welche konkreten, ambitionierten, messbaren Ziele will er im Bereich Insektenschutz erreichen - bis wann?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1 und 2. Gemäss der Pflanzenschutzmittel-Verkaufsstatistik, die das BLW einmal jährlich publiziert, waren die fünf meistverkauften Herbizide in der Schweiz im Jahr 2021 Glyphosat, Metamitron, Pelargonsäure, Aclonifen und Pendimethalin. In welchen Bereichen diese Herbizide eingesetzt werden, geht aus der Verkaufsstatistik nicht hervor. Für die Verwendung durch nichtberufliche Anwenderinnen und Anwender sind 15 Produkte zugelassen. Allerdings können diese Produkte auch von beruflichen Anwenderinnen und Anwendern eingesetzt werden. Aus der Verkaufsstatistik ist nicht ersichtlich, wie gross die Menge ist, die an nichtberufliche Anwenderinnen und Anwender verkauft wird. Die Umsetzung des zentralen Informationssystems zur Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (Art. 165fbis LwG) wird es ermöglichen, diese Fragen im Detail zu beantworten.</p><p>3 und 6. In der erwähnten Laborstudie (Weidenmüller et al., 2022) wurden Hummeln über 30 Tage Glyphosat ausgesetzt und die Auswirkungen auf die Wärmeregulation bei unterschiedlichem Nahrungsangebot untersucht. Diese Studie hat gezeigt, dass Glyphosat negative Auswirkungen auf die Wärmeregulierung von Hummeln hat, wenn nicht genügend Nahrung zur Verfügung steht. Besteht jedoch kein Nahrungsmangel, wurden keine Auswirkungen beobachtet. Allerdings erscheint eine so lange andauernde Exposition gegenüber Glyphosat in der Umwelt nicht realistisch, da behandelte Pflanzen nach einigen Tagen absterben und den Hummeln oder anderen Insekten nicht mehr als Nahrungsquelle dienen können. Darüber hinaus liegen auch die Konzentrationen im Nektar niedriger als die Konzentrationen, die in dieser Studie angewendet wurden. Es gibt also aufgrund dieser Studie keine Hinweise darauf, dass durch den Einsatz von Glyphosat ein massiver Anstieg der Hummelsterblichkeit zu erwarten wäre.Für den Rückgang der Insekten sind viele Faktoren verantwortlich. Laut dem Bericht der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz über die Insektenvielfalt in der Schweiz wirken sich folgende Faktoren negativ aus: vor allem der Lebensraumverlust, die abnehmende Qualität von verbliebenen Lebensräumen durch Überdüngung, Pestizide oder Lichtverschmutzung, die Fragmentierung und mangelhafte Vernetzung der Lebensräume, die Klimaerwärmung und gebietsfremde invasive Arten. Laut laufenden Arbeiten von Agroscope ist die Zersiedelung ebenfalls ein wichtiger Faktor. Um den Insektenschutz zu verbessern, sind Massnahmen in allen Bereichen notwendig.</p><p>4. Es gibt keine Studie, die spezifisch den Ertragsverlust durch Glyphosat-Verzicht untersucht. Im Rahmen einer Studie wurden Pflanzenschutzexpertinnen und -experten zu potenziellen Naturalertragseinbussen durch Verzicht auf Pflanzenschutzmittel im Ackerbau befragt (Agroscope Science Nr. 125/2021). Die Ertragseinbussen variieren von Kultur zu Kultur. Nach Einschätzung der Expertinnen und Experten wären bei einem vollständigen Verzicht auf Herbizide Mindererträge in der Höhe von 6 Prozent (Sonnenblumen) bis 21 Prozent (Zuckerrüben) zu erwarten. Der Bericht zur Beantwortung des Postulats 17.4059 zeigt auf, dass für bestimmte Glyphosat-Anwendungen Alternativen zur Verfügung stehen (Verwendung anderer Herbizide, mechanische Unkrautbekämpfung). Diese haben jedoch grössere Umweltauswirkungen und Umsetzungskosten als Glyphosat-Verfahren.</p><p>5. Glyphosat hat als Herbizid keine direkt letalen Effekte auf Insekten wie die Studien im Rahmen der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zeigen. Mögliche subletale Effekte werden von verschiedenen Forschungsgruppen wissenschaftlich untersucht. Indirekte Auswirkungen von Herbiziden sind möglich, denn Herbizide dienen dazu, die Konkurrenz der Ackerunkräutern für die Kulturen zu begrenzen und führen dadurch zu einer Reduktion des Nahrungsangebots. Alternative Methoden wie die mechanische Unkrautbekämpfung haben die gleichen indirekten Folgen. Um den Auswirkungen dieser Praktiken, die für die Sicherstellung der Nahrungsmittelproduktion notwendig sind, entgegenzuwirken, fördert der Bund das Anlegen von Blühstreifen und anderen Biodiversitätsförderflächen, die einen Lebensraum für eine Vielzahl von Insekten bieten und als Nahrungsgrundlage für die Zeit nach der Blüte vieler Kulturen dienen.</p><p>7. Die Förderung der biologischen Vielfalt ist ein Ziel der Agrarpolitik. Agrarpolitische Massnahmen spielen eine wichtige Rolle. Beispielhaft seien hier die Massnahmen zur Förderung der Biodiversität im Rahmen der Direktzahlungsverordung (SR 910.13) erwähnt, wie auch die Massnahmen zur Umsetzung des Bundesgesetzes vom 19. März 2021 über die Verminderung der Risiken durch den Einsatz von Pestiziden (AS 2022 263). Die Erreichung der im erwähnten Gesetz festgelegten Ziele soll bis 2027 erfolgen. Der Rückgang der Insekten muss allerdings durch Massnahmen in anderen Politikbereichen ergänzt werden, da die Ursachen für den Rückgang der Insekten vielfältig sind (siehe 6).</p>  Antwort des Bundesrates.