{T 0/2} E -5845/2006 E -5844/2006 E -5843/2006 E -5842/2006 U rteil vom 5. Juni 2007 M itw irkung: R ichter H uber, R ichterin C otting-Schalch, R ichter König G erichtsschreiberin Lettau 1. A ._______, geboren _______, 2. B ._______, geboren _______, 3. C ._______, geboren _______, 4. D ._______, geboren _______, 5. E._______, geboren _______, 6. F._______, geboren _______, R epublik Serbien, alle vertreten durch R echtsberatung M artin Ilg, _______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügungen vom 20. M ärz 2006 i.S. W egw eisungsvollzug / N _______, N _______, N _______, N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l A bteilung V E -5845/2006 E -5844/2006 E -5843/2006 E -5842/2006 hub/let {T 0/2}2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D ie Beschw erdeführer reisten gem äss eigenen Aussagen zusam m en m it ihren Kindern am 10. Februar 2006 von M ontenegro aus und gelangten über ihnen un- bekannte Länder am 13. Februar 2006 in die Schw eiz, w o sie gleichentags um Asyl nachsuchten. Am 15. Februar 2006 erfolgte die Befragung der Eltern im ; die Befragungen der Kinder C ._______, D ._______, F._______ sow ie E._______ erfolgten am 20. Februar 2006. D ie direkten Bundesanhörungen der gesam ten Fam ilienangehörigen fanden am 2. M ärz 2006 statt. Im W esentlichen m achten die aus dem Kosovo (G ._______, Pejë) stam m enden Beschw erdeführer, serbischsprachige R om a m it letztem Aufenthaltsort in M ontenegro, geltend, sie seien w egen Problem en sow ohl m it der albanischen als auch m it der serbischen Seite ausgereist. 1994 sei der Beschw erdeführer von serbischen Polizisten m it G ew alt gezw ungen w orden, für die serbische Seite als Kollaborateur zu arbeiten. D ies hätten die alba- nischen Bekannten m itbekom m en. D er Beschw erdeführer sei 1994/1995 unter Zw ang M itglied der SPS-Partei und Polizist gew orden. Bis Kriegsende habe er als serbischer Polizist in G ._______ gearbeitet. Im Jahr 1998 sei ein C ousin des Be- schw erdeführers an seiner Stelle von der U C K getötet w orden. D er Beschw erdeführer sei im Kosovokrieg gew altsam gezw ungen w orden, auf Sei- te der Serben teilzunehm en. W egen einer Verletzung habe er w enig später vor- übergehend nach H ause zurückkehren können, und er sei bis Kriegsende zu H au- se geblieben. N ach Kriegsende habe er sich der Anordnung w idersetzt, als Polizist in Serbien zu arbeiten; er sei m it seiner Fam ilie geflohen, w eshalb er w egen Fah- nenflucht gesucht w erde. D ie Beschw erdeführerin habe w egen der Kriegserlebnisse psychische Problem e. D ie Beschw erdeführer seien nach Kriegsende nach D eutschland gegangen, w o sie von August 1999 bis zur Abw eisung ihres Asylgesuches Ende August/Anfang Sep- tem ber 2005 gelebt hätten, um dann, einer Ausschaffung zuvorkom m end, unbe- gleitet nach M ontenegro auszureisen. D ie Fam ilie habe sich im Septem ber 2005 in H ._______, M ontenegro, bei einem Bekannten ein Zim m er gem ietet. Anlässlich eines Besuches der Eltern in I._______ ohne ihre Kinder ein M onat später hätten sie feststellen m üssen, dass ihr dortiges H aus niedergebrannt und ihr G rundstück in Beschlag genom m en w orden sei. Sie seien daraufhin am selben Tag zu Fuss nach G ._______ gegangen, w o sie ihr H aus ebenfalls vollständig zerstört vorgefunden hätten und ihr G rundstück von albanischen N achbarn in Beschlag genom m en w orden sei. In G ._______ lebten kaum noch R om a, da diese fast alle ausgew andert seien; in unm ittelbarer N achbarschaft des O rtes lebe eine vorw iegend albanische Bevölkerung. Zw ei N achbarn hätten sie als Zigeuner beschim pft und m it Schlagstöcken auf sie eingeschlagen, w obei der Beschw erdeführer schw er verletzt 3 w orden sei. D ie Beschw erdeführer seien geflohen und hätten sich nach K._______ begeben, um sich an den dortigen D orfrat zu w enden. D ieser habe ihnen geraten, w egen der vorm aligen Tätigkeit des Beschw erdeführers für die Serben das Land zu verlassen; auch die KFO R könne sie nicht schützen. Zurück in H ._______ habe der Beschw erdeführer w egen seiner starken Verletzungen fünf Tage lang m edizinisch behandelt w erden m üssen. D ie Beschw erdeführer hätten einige M onate nach dem Vorfall in G ._______ durch einen Bekannten erfahren, dass der Beschw erdeführer von den Serben w egen Fahnenflucht und der Tatsache, dass er seine ihm als Polizist ausgehändigten D ienstw affen nicht zurückgegeben habe, gesucht w erde. D a sich ihr Verm ieter in G efahr gesehen habe, habe er sie gebeten, sein H aus in H ._______ zu verlassen. D araufhin hätten sie sich zur Ausreise entschlossen. D ie Beschw erdeführer reichten neben den serbischen Identitätskarten der Eltern und von E._______ G eburtsbescheinigungen der Kinder C ._______, D ._______ und F._______, jew eils ausgestellt am 9. August 2005, folgende Bew eism ittel zu den Akten: - Bescheinigung der G em einde Peje über die R om a-Zugehörigkeit vom 21. Juli 2005, im O riginal, unübersetzt (Bew eism ittel 1) - Bestätigung der R om a Vereinigung des Kosovo über die ethnische Zugehörigkeit der Beschw erdeführer vom 11. Juli 2005, im O riginal, unübersetzt (Bew eism ittel 2) - Inform ationsschreiben des Vorsitzenden des R om a Vereins in Pristina vom 11. Juli 2005, im O riginal, unübersetzt (Bew eism ittel 3) - O ffizielle Aktennotiz des Innenm inisterium s Serbien/Zw eigstelle Pejë vom 15. Fe- bruar 1999, in Kopie, unübersetzt (Bew eism ittel 4) - Verfügung des Am tsgerichtes von L._______ betreffend zerstörtes H aus und beschlagnahm tes G ut vom 10. M ai 2001, im O riginal, unübersetzt (Bew eism ittel 5) - U ntersuchungsrichterliches Protokoll/Ü berw eisung an die Staatsanw altschaft vom 16. Februar 1999, in Kopie, unübersetzt (Bew eism ittel 6) - M itgliederausw eis des Beschw erdeführers in der "R om a Association Kosovo", N r._______, im O riginal (Bew eism ittel 7) - M itgliederausw eis der Beschw erdeführerin in R om a-Vereinigung, ausgestellt in D eutschland am 11. August 2005, im O riginal (Bew eism ittel 8) - Schreiben der Ausländerbehörde der Stadt M ._______ (D ) an die ehem aligen R echtsvertreter der Beschw erdeführer vom 4. und 13. Juli 2005 sow ie vom 22. August 2005, in Kopie (Bew eism ittel 9) - ärztliche Bescheinigung der D ipl. Psychologin Q ._______, S._______ (D ) vom 21. Juli 2005 betreffend Traum atisierung der Beschw erdeführerin, im O ri-ginal (Bew eism ittel 10)4 B. D ie Vorinstanz stellte in gesonderten Verfügungen vom 20. M ärz 2006 - gleichen- tags eröffnet - fest, die Beschw erdeführer erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte die Asylgesuche ab. G leichzeitig verfügte es die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnete den W egw eisungsvollzug an. C . M it Beschw erde vom 19. April 2006 an die Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) liessen die Beschw erdeführer durch ihren R echtsvertreter im W esentlichen die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Anordnung der vorläufigen Aufnahm e der Beschw erdeführer beantragen. Eventualiter sei das Verfahren zu w eiteren Sachverhaltsabklärungen und zur N euentscheidung an die Vorinstanz zu- rückzuw eisen. D . M it Zw ischenverfügung vom 26. April 2006 vereinigte die AR K die Verfahren N _______, N _______, N _______ sow ie N _______ und stellte fest, die Beschw erden bezögen sich ausschliesslich auf den W egw eisungsvollzug, und verzichtete auf die Zahlung eines Kostenvorschusses. E. D as Bundesam t hielt in der Vernehm lassung vom 10. M ai 2006 an seinen Verfü- gungen fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. D iese Stellungnahm e w urde den Beschw erdeführern am 17. M ai 2006 ohne R eplikrecht zur Kenntnis ge- bracht. F. M it Beschluss vom 28. N ovem ber 2006 trennte die AR K das Verfahren des zusam - m en m it seiner Fam ilie eingereisten Beschw erdeführers N ._______ (N _______) von dem jenigen seiner Fam ilie und schrieb die Beschw erde im einzelrichterlichen Verfahren als durch R ückzug gegenstandslos gew orden ab, nachdem der Beschw erdeführer w egen seines m utm asslichen Anspruchs auf einen Aufent- haltstitel in D eutschland durch seinen R echtsvertreter den R ückzug seiner Be- schw erde erklärt hatte. G . G em äss der am 16. April 2007 vom _______ Kantons O ._______ gefaxten Trauungsm itteilung hat E._______ am 10. April 2007 den in der Schw eiz vorläufig aufgenom m enen P._______ (N _______) geheiratet. H . M it Schreiben vom 20. April 2007 inform ierte der zuständige Instruktionsrichter des Bundesverw altungsgerichtes die Beschw erdeführer über die am 1. Januar 2007 erfolgte Ü bernahm e des bei der AR K anhängigen Verfahrens durch das Bundesverw altungsgericht. G leichzeitig setzte er den Beschw erdeführern eine Frist zur Einreichung einer Kostennote des R echtsvertreters bis zum 7. M ai 2007 und kündigte an, bei N ichteinreichung einer Kostennote w erde im Falle der G ew ährung einer Parteientschädigung der entsprechende Aufw and geschätzt und der vorgesehene M indeststundenansatz angew andt.5 I. D ie Beschw erdeführer reichten innerhalb der Frist keine Kostennote zu den Akten. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verw altungsverfahrensgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 vorliegt. Als Vorinstanzen gel- ten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der AR K hängig gew esenen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem es- senheit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 1.4 D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; die Beschw erdeführer sind legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m ithin einzutreten. 1.5 D ie vorliegende Beschw erde richtet sich einzig gegen den angeordneten W egw ei- sungsvollzug. D ie Ziffern 1 (Asylgesuch und Flüchtlingseigenschaft) der D isposi- tive der angefochtenen Verfügungen sind dem zufolge m angels Anfechtung in R echtskraft erw achsen. Auch die W egw eisungen als solche (Ziffern 3 der vorin- stanzlichen Verfügungen) sind dam it grundsätzlich nicht m ehr zu überprüfen. 2. D er Antrag der Beschw erdeführer, die angefochtenen Verfügungen zu w eiterer Sachverhaltsabklärung und m aterieller N euentscheidung zurückzuw eisen, ist ab- zuw eisen, da die Vorinstanz w eder den Sachverhalt unvollständig erstellt, noch ihre Begründungspflicht verletzt hat. D er Anspruch auf Erm ittlung des relevanten Sachverhaltes erfolgt aus dem Anspruch auf rechtliches G ehör. Vorliegend ist der Entscheid der Vorinstanz rechtsgenüglich begründet. M it der m ateriellen W ürdi- gung des Sachverhaltes hat sich die Beschw erdeinstanz im R ahm en der m ateriel- len Ü berprüfung der vorinstanzlichen Verfügung auseinanderzusetzen.6 3. G em äss Art. 44 Abs. 2 AsylG regelt das Bundesam tes das Anw esenheitsverhältnis eines abgew iesenen Asylsuchenden nach den gesetzlichen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern, w enn der Vollzug der W egw eisung nicht zulässig, nicht zum utbar oder nicht m öglich ist. D er Vollzug der W egw eisung ist nicht zulässig, w enn völkerrechtliche Verpflich- tungen der Schw eiz einer W eiterreise des Ausländers in seinen H eim at-, H er- kunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen (Art. 14a Abs. 3 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]); insbesondere darf niem and in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ); w eiter darf gem äss Art. 3 EM R K niem and der Folter oder unm enschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung ausgesetzt w erden. D er Vollzug der W egw eisung kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 4 AN AG ). Schliesslich ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann (Art. 14a Abs. 2 AN AG ). D iese Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der W egw eisung (U nzulässigkeit, U nzum utbarkeit, U nm öglichkeit) sind alternativer N atur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der W egw eisung als undurchführbar zu betrachten und die w eitere Anw esenheit in der Schw eiz gem äss den Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e zu regeln (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission / EM AR K 2006 N r. 6 E. 4.2. S. 54 f., 2001 N r. 1 E. 6a S. 2). 4. D er Vollzug der W egw eisung kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für die ausländische Person eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 4 AN AG ). D am it w ird zum Ausdruck gebracht, dass aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schw eiz, insbesondere dann auf den Vollzug der W egw eisung zu verzichten ist, w enn die R ückkehr in den H eim at- oder H erkunftsstaat für die betroffene Person eine konkrete G efährdung bedeutet. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atstaat herrschenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation all- gem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om ente, w ie beispielsw eise einer notw endigen m edizinischen Behandlung, angenom m en w er- den (vgl. EM AR K 1998 N r. 25 E. 3d S. 223; Botschaft zum AVB, BBl 1990 II 668). 5. 5.1 D as Bundesam t führte in seinen ablehnenden Entscheiden aus, der W egw eisungs- vollzug sei zum utbar. D ie allgem eine politische Lage spreche nicht gegen die Zu- m utbarkeit. Allerdings könne die W ahrscheinlichkeit einer konkreten G efährdung für serbischsprachige R om a, zu deren Ethnie die G esuchsteller gehörten, ausser- halb der Enklaven im N orden des Kosovo nicht ausgeschlossen w erden. D ie Be-7 schw erdeführer hätten jedoch ihren letzten W ohnsitz in G ._______, Pejë, gehabt, w eshalb eine W egw eisung in den Kosovo zum heutigen Zeitpunkt nicht zum utbar sei. Allerdings bestehe eine innerstaatliche Aufenthaltsalternative in H ._______, M ontenegro, w o die Beschw erdeführer über einen Bekanntenkreis verfügten. Ausserdem liege H ._______ in einer aufstrebenden Ferienregion M ontenegros, es fänden sich zahl-reiche R eise- und H otelhinw eise für die R egion. Es sei davon auszugehen, dass es den Beschw erdeführern m öglich sein w erde, dort Arbeitsstellen im Tourism us- oder H otelbereich zu finden, w obei ihnen die in D eutschland erw orbenen Sprach-kenntnisse zugute käm en. Zudem sei eine m edizinische Betreuung der Be-schw erdeführerin, sollte diese auch nach der R ückkehr noch von N öten sein, ge-w ährleistet. 5.2 In ihren Beschw erdeschriften m achten die Beschw erdeführer dagegen geltend, sie w ürden als Angehörige der R om a im Kosovo und ebenso in Serbien und in M onte- negro grundsätzlich diskrim iniert, und sie seien ohne staatlichen Schutz nationa- listischen gew altsam en Ü bergriffen ausgesetzt. Auch sei es zw ecklos, bei derarti- gen Vorfällen eine polizeiliche Anzeige zu erstatten. Vor diesem H intergrund sei die psychische Erkrankung der Beschw erdeführerin zu beachten, belegt durch den bei der Vorinstanz eingereichten ärztlichen Bericht. Bei einer R ückkehr drohe sich der G esundheitszustand der Beschw erdeführerin w eiter zu verschlechtern. Eine w irksam e m edizinische Behandlung der Beschw erdeführerin sei aufgrund der zu erw artenden Ü bergriffe nicht m öglich. H öchstw ahrscheinlich seien angesichts der Erkrankung bei R ückkehr selbstgefährdende oder frem dgefährdende H andlungen der Beschw erdeführerin im Sinne eines "real risk" nach Art. 3 EM R K zu erw arten, ebenso körperliche Ü bergriffe auf die kranke Beschw erdeführerin. N ach Ansicht des R echtsvertreters trage die bisherige R echtsprechung nicht der besonderen G efährdung der R om a, insbesondere Erkrankter sow ie Frauen und Kinder, in den Balkanländern R echnung. 6. Es bleibt zu prüfen, ob sich eine R ückkehr der Beschw erdeführer in den Kosovo als zum utbar erw eist. D er Vollzug kann gem äss Art. 14a Abs. 4 AN AG insbeson- dere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt. D iese Bestim m ung ist als "Kann-Vorschrift" form uliert, um deutlich zu m a- chen, dass die Schw eiz nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Ansprüche, sondern aus hum anitären G ründen handelt. 6.1 D ie allgem eine Lage der M inderheiten im Kosovo w ird laufend beobachtet und beurteilt. Am 17. und 18. M ärz 2004 w urde der Kosovo von grösseren U nruhen erschüttert: albanischstäm m ige Kosovaren griffen Angehörige von M inderheiten an, plünderten und brandschatzten deren H äuser und zerstörten O rte religiöser Andacht. Von den Ü bergriffen w aren in erster Linie Serben, daneben aber auch R om a, Ashkali und Ägypter betroffen. D ie m eisten Beobachter gehen von einer konzertierten Aktion aus, die sich gezielt gegen Angehörige von M inderheiten richtete und deren Vertreibung aus dem Kosovo bezw eckte (EM AR K 2005 N r. 9). 6.2 Seither hat sich die Situation w ieder stabilisiert. Angehörige der serbischsprachi-8 gen R om a sind aber nach w ie vor - zum Teil m assiven - D iskrim inierungen ausge- setzt. Vor diesem H intergrund und angesichts der schw ierigen ökonom ischen und sozialen Situation dieser M inderheiten im Kosovo w ird der Vollzug der W egw ei- sung von serbischsprachigen R om a, w elche vor ihrer Ausreise ihren letzten W ohn- sitz nicht im N orden des Kosovos verzeichnet haben, zurzeit im m er noch als nicht zum utbar im Sinne von Art. 14a Abs. 4 AN AG erachtet, es sei denn, es liegt eine innerstaatliche Aufenthaltsalternative vor, w eshalb ihnen der Vollzug der W egw ei- sung in ein anderes G ebiet von Serbien zugem utet w erden könnte. D iesbezüglich ist auf die relativ hohen Anforderungen an die Zum utbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative zu verw eisen (vgl. EM AR K 1996 N r. 2 S.14, 2001 N rn. 1 und 13). 6.3 D ie Beschw erdeführer haben die serbische Staatszugehörigkeit m it letztem W ohn- sitz Serbien betreffend in G ._______, Pejë, w o sie bis zu ihrer Ausreise nach D eutschland im Jahr 1999 gelebt haben (vgl. E-5845/2006, act. A2, S.1, 2). D ieser O rt befindet sich im w estlichen Teil des Kosovo. Ihre Zugehörigkeit zu der G ruppe der R om a können die Beschw erdeführer durch die M itgliederausw eise der R om a- Ver-eine und entsprechende Bestätigungsschreiben belegen (vgl. E-5845/2006, act. A1, Bew eism ittel 1-3, 7). D araus kann geschlossen w erden, dass die Beschw erde-führer als serbischsprachige R om a zu einer nach w ie vor gefährdeten M inderheit im Kosovo gehören, w eshalb eine R ückkehr für sie in ihre H eim atregion im Kosovo nicht zum utbar erscheint. 6.4 Es stellt sich dam it die Frage, ob eine zum utbare innerstaatliche Aufenthaltsalter- native vorliegt. D abei sind im R ahm en einer G esam tw ürdigung säm tliche Faktoren zu berücksichtigen, w elche für beziehungsw eise gegen die Zum utbarkeit des W eg- w eisungsvollzuges sprechen. In Betracht zu ziehen sind dabei insbesondere das Bestehen eines sozialen oder verw andtschaftlichen Beziehungsnetzes. W eiter sind das Alter, die berufliche Ausbildung, der G esundheitszustand und die ausreichen- de w irtschaftliche Lebensgrundlage zu berücksichtigen. D a sich die R epublik M ontenegro am 3. Juni 2006 für unabhängig erklärte, die Staatenunion "Serbien und M ontenegro" aufgelöst w urde und die R epublik Serbien diese unter U m benennung in "R epublik Serbien" allein fortsetzte, kann als "inner- staatliche Aufenthaltsalternative" nicht auf die R epublik M ontenegro abgestellt w erden. O hnehin verfängt die Argum entation der Vorinstanz hinsichtlich M ontene- gro als Aufenthaltsalternative schon w egen des fehlenden sozialen und verw andt- schaftlichen Beziehungsnetztes nicht. Es leben keine Angehörigen der Beschw er- deführer in M ontenegro; nur ein Freund und ehem aliger W ohnungsverm ieter lebt dort, und er hat die Fam ilie aus Angst vor eigener G efährdung w eggeschickt. M on- tenegro kann zudem nicht als letzter W ohnsitz bezeichnet w erden, da sich die sie- benköpfige Fam ilie dort lediglich ein Zim m er bei ihrem G astgeber teilte, um von dort aus ihre R ückkehr in den Kosovo vorzubereiten. W ie die Beschw erdeführer und ihre Kinder in den Befragungen ausführten, hatten sie w ährend ihres letzten Aufenthaltes kaum Kontakt zur N achbarschaft und hielten sich aus Angst vor An-9 feindungen w eitestgehend im H aus versteckt (vgl. E-5845/2006, act. A2, S.5; A9, S. 4). In Serbien leben keine Angehörige der Beschw erdeführer (vgl. E-5845/2006 act. A12, S. 5; A16, S. 4). D as soziale und verw andtschaftliche Beziehungsnetz be- schränkt sich vorw iegend zum einen auf entfernte Verw andte, die in der im W esten des Kosovo gelegenen G em einde Pe (beziehungsw eise Pejë) leben und denć Kontakt zu den Beschw erdeführern abgebrochen haben (vgl. E-5845/2006 act. A12, S. 5), zum anderen auf nahe Angehörige der Beschw erdeführer in D eutsch- land und in der Schw eiz (vgl. E-5845/2006 act. A12, S. 6; A16, S. 4). Zw ar könnten ihre Verw andten in D eutschland und in der Schw eiz die Beschw er- deführer finanziell unterstützen. Auch sind die Beschw erdeführer nicht unverm ö- gend, konnten Kosten von 15'000 € für die Ausreise tragen (vgl. E-5845/2006 act. A12, S. 10). Zudem verfügt der Beschw erdeführer über grosse Berufserfahrung: er w ar als Tischler, M usiker, Polizist und in der Landw irtschaft im Kosovo tätig (vgl. E-5845/2006 act. A12, S. 5). D er Beschw erdeführer und teilw eise auch die Kinder haben in D eutschland gearbeitet (vgl. E-5845/2006 act. A12, S. 6, 10; E-5844/2006 act. A2, S. 2; E-5843/2006 act. A2, S. 2). D ie Beschw erdeführer verfügen zudem über D eutsch- und teilw eise auch Englischkenntnisse (vgl. E-5845/2006 act. A1, S. 2; A2, S. 2; A4, S. 2; E-5844/2006 act. A2, S. 2; E-5843/2006 act. A 2, S. 2; E-5842/2006 act. A2, S. 2). Entscheidend ist aber, dass die Fam ilie nie einen W ohnsitz in Serbien hatte, und es als nicht realistisch erscheint, dass sie angesichts der schlechten w irtschaftli- chen Lage in Serbien an einem für sie unbekannten O rt als intern Vertriebene ein Auskom m en finden w ürde, zum al sie ihre G rundstücke im Kosovo nicht nutzen kann und ihre H äuser zerstört sind. Zu berücksichtigen ist auch, dass es sich um eine Fam ilie m it vier Kindern handelt, von denen eines noch m inderjährig ist. Zudem leidet die Ehefrau des Beschw erdeführers an posttraum atischen Belastungsstörungen. D ies ergibt sich zum einen aus dem bei der Vorinstanz eingereichten ärztlichen Attest der D iplom psychologin Q ._______ in S._______(D ) vom 21. Juli 2005. D ie Störungen sind auf persönlich erlittene M isshandlungen und auf an ihren Fam ilienangehörigen verübte zurückzuführen. D ie Beschw erdeführerin befand sich w ährend des Aufenthaltes in D eutschland in psychotherapeutischer Behandlung m it m edikam entöser Therapie, und sie leidet nach w ie vor an starken psychischen Problem en (vgl. E-5845/2006 act. A12, S. 18; E-5843/2006 act. A2, S. 5). Zw ar sind in Serbien Behandlungsm öglichkeiten und Einrichtungen für traum atisierte M enschen vorhanden, und eine Therapie könnte durch die Angehörigen im europäischen Ausland finanziert w erden, aber es ist höchst zw eifelhaft, ob der traum atisierten Beschw erdeführerin in Serbien, w o sie nie gelebt hat, das für einen Therapieerfolg notw enige G efühl der Sicherheit gege- ben w erden kann. Eine um fassende Aktenprüfung ergibt daher, dass das Vorliegen einer zum utbaren innerstaatlichen Aufenthaltsalternative vorliegend zu verneinen ist. 10 7. D er W egw eisungsvollzug der Beschw erdeführer in ihren H eim atstaat ist als nicht zum utbar zu erachten. Sie sind daher - da sich aus den Akten keine H inw eise auf U m stände ergeben, w elche hinsichtlich einer Anw endung von Art. 14a Abs. 6 AN AG relevant sein könnten - im Sinne von Art. 14a Abs. 1 AN AG vorläufig aufzu- nehm en. 8. Insgesam t ist festzuhalten, dass das BFM den Vollzug der W egw eisung zu U n- recht als zum utbar erachtet hat. N ach den obenstehenden Erw ägungen sind die Beschw erden gutzuheissen und die Ziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügun- gen vom 20. M ärz 2006 aufzuheben. D as BFM w ird angew iesen, die Beschw erde- führer in der Schw eiz w egen U nzum utbarkeit des W egw eisungsvollzuges vorläufig aufzunehm en (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 14 Abs. 1 und 4 AN AG ). 9. Bei diesem Ausgang sind keine Kosten zu erheben. 10. D en obsiegenden und vertretenen Beschw erdeführern ist eine Entschädigung für die ihnen notw endigerw eise erw achsenen Parteikosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 Vw VG sow ie Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 7 Abs. 1 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D ie Beschw erdeführer reichten vorlie- gend trotz entsprechender Aufforderung keine Kostennote zu den Akten, w eshalb der angefallene notw endige Vertretungsaufw and abzuschätzen und von Am tes w e- gen festzusetzen ist (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 14 Abs. 2 VG KE). N ach zuverlässiger Abschätzung der notw endigen Parteikosten ist die Parteientschädi- gung unter Berücksichtigung der m assgeblichen Bem essungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VG KE) für alle Verfahren auf insgesam t Fr. 800.-- festzusetzen. (D ispositiv nächste Seite)11 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erden w erden gutgeheissen. 2. D ie Ziffern 4 und 5 der D ispositive der Verfügungen vom 20. M ärz 2006 w erden aufgehoben. 3. D as Bundesam t w ird angew iesen, die Beschw erdeführer vorläufig aufzunehm en. 4. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5. D as Bundesam t hat den Beschw erdeführern für die Verfahren vor dem Bundes- verw altungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 800.-- auszurichten. 6. D ieses U rteil w ird eröffnet: - den Beschw erdeführern, 2 Expl. (eingeschrieben) - der Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N _______, _______, _______, _______) - _______ Kantons O ._______ ad _______, _______, _______, _______ D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: Bruno H uber M areile Lettau Versand am :