<h2>SubmittedText<h2><p>Die Zulieferung von Flugpetrol auf den Militärflugplatz Unterbach (Gleisanschluss!) erfolgte bisher via Interlaken-Brienz auf der Schiene. Diese Transporte auf dem einzigen SBB-Meterspurnetz der Brünigbahn umfassten im letzten Jahr 300 Wagenladungen. Gemäss Mitteilung der SBB müssen die bisher eingesetzten zweiachsigen Kesselwagen nun ersetzt werden. Die Investition in neue vierachsige Wagen inklusive neue technische Einrichtungen würde rund 2 Millionen Franken verursachen.</p><p>Um diese Kosten zu vermeiden, ist ab Interlaken eine Umlagerung dieser Flugpetroltransporte auf die Strasse geplant. Dafür stehen zwei Transportwege zur Auswahl: Die rechtsufrige Strasse durch sechs Dörfer mit teilweise sehr engen Durchfahrten zwischen (Holz-)Häuserreihen und die linksufrige, zweispurig angelegte A8, die auf dem für diese Transporte benutzten Teil zu einem Drittel durch vier zweispurige Tunnels (total rund 6,5 Kilometer) mit Gegenverkehr führt. Die 300 Wagenladungen bedingen, umgepumpt auf Lasttankwagen mit 19 Tonnen Nutzlast, in etwa 800 Fahrten pro Jahr und ebenso viele Leerfahrten. Obschon das Transportgut nicht als sehr explosives, sondern "nur" als leicht brennbares Gut bezeichnet wird, kann ein Anwachsen des Gefahrenpotenzials nicht bestritten werden.</p><p>Die Umlagerung auf die Strasse wird zudem dazu führen, dass der gesamte Wagenladungsverkehr - bisher wurden auch andere Güter auf der Schiene ins Oberhasli geführt - auf der Brünigbahn zwischen Interlaken und Meiringen eingestellt wird. Damit würde der gesamte Güterverkehr in dieser Region auf die Strasse verlagert.</p><p>Da in dieser Sache das VBS speziell involviert ist, bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung bzw. die Stellungnahme zu folgenden Fragen:</p><p>1. Wurde in Zusammenarbeit mit den SBB neben einem Umlad von Bahntankwagen Normalspur auf Lasttankwagen auch ein Umlad von Bahntankwagen Normalspur auf Bahntankwagen Meterspur vorgesehen; wenn ja, wie sieht der Gesamtkostenvergleich aus?</p><p>2. Ist er bereit, vor einem definitiven Entscheid auch die Umladvariante mittels Umpumpen (dies müsste ja auch beim Umlad Bahn auf Lasttankwagen geschehen) von Bahn Normalspur auf Bahn Meterspur prüfen zu lassen, sofern dies nicht erfolgt ist?</p><p>3. Steht diese Umlagerung von der Schiene auf die Strasse nicht quer zum Ziel des Bundesrates, Güterverkehr - insbesondere auch gefährliche Güter - von der Strasse auf die Bahn umzulagern?</p><p>4. Welche Massnahmen wären nach seiner Meinung zu treffen, um die auf diesen zwei möglichen Strassentransportwegen erhöhten Gefahrenrisiken abzudecken? Wer finanziert die Kosten solcher Massnahmen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1./2. Gegenwärtig werden die kerosinbeladenen Kesselwagen mit einem Gesamtgewicht von maximal 45 Tonnen auf dem Normalspurnetz bis Interlaken gefahren. Dort werden sie mit Hilfe einer Rangierlok über eine Rampe auf Rollschemel verladen, was den Einsatz von mindestens drei Mitarbeitern bedingt. Anschliessend wird das Kerosin auf der schmalspurigen Brünigbahn bis zum Bahnhof Brienzwiler gefahren, wo es in Tanklastwagen umgepumpt und auf der Strasse zu den Tankanlagen in Unterbach geführt wird.</p><p>Die bisher genutzten kleineren Kesselwagen werden momentan aus Altersgründen durch VBS-eigene vierachsige Kesselwagen ersetzt. Die neuen VBS-Wagen sind mit einem Gesamtgewicht von 90 Tonnen doppelt so schwer. Für eine so hohe Traglast sind die Rollschemelwagen der SBB nicht zugelassen. Um das Kerosin weiterhin auf der Schmalspur von Interlaken nach Brienzwiler transportieren zu können, hätte die SBB Cargo die alten Rollschemel ersetzen müssen.</p><p>Eine entsprechende Kostenanalyse hat ergeben, dass eine Beschaffung von geeigneten Rollschemeln aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht verantwortbar ist. Dies auch, weil SBB Cargo das neue Rollmaterial nur für wenige Transporte - und nur auf der schmalspurigen Brünigbahn - hätte nutzen können. Diese Beschaffung hätte die Kosten für den Kerosintransport pro Wagen von heute 240 auf 780 Franken verdreifacht. Auf einem solchen Kostenniveau wäre die Schiene gegenüber dem Gesamttransport auf der Strasse nicht mehr konkurrenzfähig.</p><p>Das alternativ vorgeschlagene Umpumpen von Normal- auf Schmalspurwagen in Interlaken ist aus mehreren Gründen nicht möglich:</p><p>- Zum einen stehen in Interlaken gar keine schmalspurigen Kesselwagen für den Umlad zur Verfügung. Auch diese müssten erst beschafft werden. Das ist ökonomisch noch weniger zu rechtfertigen als die Beschaffung geeigneter Rollschemelwagen.</p><p>- Zum anderen fehlen in Interlaken auch die technischen Einrichtungen für das Umpumpen des Kerosins von Bahnwagen zu Bahnwagen.</p><p>- Zudem müsste das Kerosin nach dem vorgeschlagenen Umpumpen in Interlaken in Brienzwiler ein zweites Mal umgepumpt werden, da der Transport vom Empfangsbahnhof in die Tankanlage ohnehin mit Tanklastwagen durchgeführt wird. Dieses zeitintensive zweimalige Umpumpen käme zu teuer.</p><p>3./4. Die notwendige Ersatzbeschaffung von Kesselwagen seitens VBS hat zu einem Strukturbruch bisher eingespielter Prozesse geführt. Durch den Umlad von der Bahn auf Tanklastwagen in Interlaken wird der Transport nicht vollständig auf die Strasse verlagert, sondern nur auf dem letzten Teilstück mit einer Länge von wenigen Kilometern. Die SBB interpretieren das neue Regime deshalb nicht nur als verlorene Teilstrecke Interlaken-Brienzwiler, sondern vor allem als gewonnenen Wettbewerb um die Fortsetzung des Hauptlaufes bis Interlaken.</p><p>Generell ist das Gefährdungspotenzial bei Bahntransporten wegen der deutlich geringeren Unfallhäufigkeit auf der Schiene kleiner als jenes der Strasse. Bezogen auf die transportierte Menge birgt der Transport per Bahn (wegen der grösseren Transportmengen) sogar deutlich weniger Risiko als ein Strassentransport. Allerdings ist Kerosin nicht explosiv. Deshalb steht bei den hier thematisierten Transporten wohl das Risiko einer Gewässerverschmutzung im Vordergrund.</p><p>Sowohl die Strasse wie auch die Bahnlinie führen dem Brienzer See entlang. So stellen beide Transportarten eine gewisse Gefährdung dar. Dabei verfügt die Strasse über ein Entwässerungssystem, durch welches beschränkte Mengen Kerosin (etwa eine LKW-Ladung) aufgefangen werden können.</p><p>Angesichts des oben dargestellten Sachverhaltes erachtet es der Bundesrat nicht als angebracht, auf die Beziehungen zwischen Geschäftspartnern Einfluss zu nehmen, auch wenn es sich dabei um den Bund und einen spezialgesetzlichen Verwaltungsträger des Bundes handelt.</p>  Antwort des Bundesrates.