<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">81</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>17 Art.</b></span> <span class="ft2"><b>19</b></span> <span class="ft2"><b>BVG</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Hinterlassenenrente der beruflichen Vorsorge. Anrechnung von Konkubi-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nats- und Ehejahren zur Beurteilung des Leistungsanspruches. Ausle-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gung des Pensionskassenreglements nach dem objektiven Erklärungsge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>halt.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">82</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 3. Kammer, vom 2. Dezem-</span><br/> <span class="ft3">ber 2008 in Sachen H.B. gegen Pensionskasse G. (VKL.2008.28).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Streitig ist, ob die Klägerin Anspruch auf eine Partnerrente im</span><br/> <span class="ft1">Todesfall der versicherten Person gemäss Art. 19 BVG und Art. 14</span><br/> <span class="ft1">des Reglements der Beklagten, Ausgabe 2007, hat. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Klägerin macht insbesondere geltend, die Dauer des vor der</span><br/> <span class="ft1">Ehe bestandenen Konkubinats sei an die Ehedauer anzurechnen. Dies</span><br/> <span class="ft1">im Sinne der durch die Reglementsänderung per 1. Januar 2007 er-</span><br/> <span class="ft1">wünschten Gleichstellung von Konkubinat und Ehe. Da die Klägerin</span><br/> <span class="ft1">seit 1987 bis zum Eheschluss im September 2005 im Konkubinat mit</span><br/> <span class="ft1">X. sel. gelebt habe, werde die geforderte Fünfjahresfrist bei Weitem</span><br/> <span class="ft1">erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">Das Zusammenrechnen von Konkubinatsjahren mit Ehejahren</span><br/> <span class="ft1">ist in Art. 14 des Reglements nicht vorgesehen. Es fragt sich daher,</span><br/> <span class="ft1">wie die Reglementsbestimmung von den Versicherten in guten</span><br/> <span class="ft1">Treuen verstanden werden muss (Vertrauensprinzip, vgl. Erw. 2.1.</span><br/> <span class="ft1">vorstehend) und ob im Speziellen aus der Reglementsbestimmung</span><br/> <span class="ft1">auf die Möglichkeit der Anrechnung der Dauer des vor der Ehe</span><br/> <span class="ft1">gelebten Konkubinats geschlossen werden kann.</span><br/> <span class="ft1">2.2.2.</span><br/> <span class="ft1">In Ziff. 14.1 des Reglements werden die drei verschiedenen Le-</span><br/> <span class="ft1">bensformen definiert, welche als Partnerschaft im Sinne des Regle-</span><br/> <span class="ft1">ments gelten. Ziff. 14.2 nennt sodann die Voraussetzungen des An-</span><br/> <span class="ft1">spruches auf eine Partnerrente. Es sind dies: die anspruchsberechtigte</span><br/> <span class="ft1">Person muss Partner der verstorbenen, aktiv versicherten Person</span><br/> <span class="ft1">gewesen sein, die anspruchsberechtigte Person muss mindestens 45-</span><br/> <span class="ft1">jährig sein und die Partnerschaft muss mindestens fünf Jahre an-</span><br/> <span class="ft1">gedauert haben. In dieser Ziffer wird nicht mehr unterschieden zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen Partnerschaft als Ehe, Konkubinat oder eingetragene Partner-</span><br/> <span class="ft1">schaft, sondern es werden einzig die Voraussetzungen "Partner" und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">83</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">"Partnerschaft" genannt. Was darunter zu verstehen ist, wird in</span><br/> <span class="ft1">Ziff.14.1 definiert. Der objektive Erklärungsgehalt dieser Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mung lautet somit dahingehend, dass eine mindestens fünfjährige</span><br/> <span class="ft1">Partnerschaft im Sinne eines Zusammenlebens als Ehe und/oder</span><br/> <span class="ft1">Konkubinats und/oder eingetragenen Partnerschaft bestehen muss.</span><br/> <span class="ft1">(...) Dass sich die fünfjährige Dauer auf eine Kategorie von Ziff.</span><br/> <span class="ft1">14.1 beschränken würde, wird weder ausdrücklich gesagt noch liegt</span><br/> <span class="ft1">dies im Wortsinn der Begriffe "Partner" bzw. "Partnerschaft". Hätte</span><br/> <span class="ft1">die Beklagte dies gewollt, hätte sie in Ziff. 14.2 des Reglements aus-</span><br/> <span class="ft1">führen müssen, Anspruch auf eine Partnerrente bestehe für Ehegatten</span><br/> <span class="ft1">nach einer fünfjährigen Ehedauer, bei Konkubinatspartnern nach ei-</span><br/> <span class="ft1">ner fünfjährigen Konkubinatsdauer und bei der eingetragenen Part-</span><br/> <span class="ft1">nerschaft frühestens fünf Jahre nach der Eintragung. Tatsächlich</span><br/> <span class="ft1">wurde Ziff. 14.2 des Reglements aber offen formuliert und nur die</span><br/> <span class="ft1">fünfjährige Partnerschaft genannt. Dies entspricht auch dem Sinn</span><br/> <span class="ft1">und Zweck der per 1. Januar 2007 vorgenommenen Reglementsrevi-</span><br/> <span class="ft1">sion, mit welcher das Konkubinat und die eingetragene Partnerschaft</span><br/> <span class="ft1">der Ehe gleichgestellt werden sollten. Würde aber - wie dies die Be-</span><br/> <span class="ft1">klagte geltend macht - bei Ehegatten nur die Ehedauer angerechnet,</span><br/> <span class="ft1">würden Paare, die unterdessen geheiratetet haben, schlechter gestellt,</span><br/> <span class="ft1">als wenn sie das vorher gelebte Konkubinat weitergeführt hätten. Aus</span><br/> <span class="ft1">der angestrebten Gleichstellung der Konkubinatspartner würde damit</span><br/> <span class="ft1">eine Schlechterstellung der Ehepaare resultieren, was nicht Sinn und</span><br/> <span class="ft1">Zweck der Reglementsrevision gewesen sein kann.</span><br/> <span class="ft1">2.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem objektiven Erklärungsgehalt von Ziff. 14.2 des Re-</span><br/> <span class="ft1">glements ist somit die gesamte Dauer der Partnerschaft gemäss Ziff.</span><br/> <span class="ft1">14.1, unabhängig davon, ob in der Form der Ehe oder des Konku-</span><br/> <span class="ft1">binats gelebt, anzurechnen. Soweit die Beklagte einwendet, das Kon-</span><br/> <span class="ft1">kubinat dürfe ohnehin nur berücksichtigt werden, wenn es ihr gemel-</span><br/> <span class="ft1">det und eingetragen worden sei, ist zu beachten, dass die Vor-</span><br/> <span class="ft1">aussetzung der Meldung und Eintragung des Konkubinats erst seit 1.</span><br/> <span class="ft1">Januar 2007 vorgesehen ist. Die Klägerin bzw. ihr Partner hatten gar</span><br/> <span class="ft1">keinen Anlass zu dieser Meldung/Eintragung, da sie im damaligen</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt nicht mehr im Konkubinat lebten, sondern verheiratet</span><br/> <span class="ft1">waren. Die Klägerin und X. sel. hatten somit weder zeitlich noch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">84</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sachlich Anlass bzw. die Möglichkeit, ihr Konkubinat eintragen zu</span><br/> <span class="ft1">lassen. Deswegen aber das vor Eheschluss über Jahre gelebte</span><br/> <span class="ft1">Konkubinat nicht zu berücksichtigen, wäre rechtsmissbräuchlich. Die</span><br/> <span class="ft1">Beklagte legte in ihrem Reglement im übrigen weder bei Ziff. 14</span><br/> <span class="ft1">noch in den Übergangsbestimmungen fest, ob in der anrechenbaren</span><br/> <span class="ft1">Konkubinatsdauer auch die Zeit vor 1. Januar 2007 Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft1">findet. In Ermangelung einer entsprechenden Regelung und ausge-</span><br/> <span class="ft1">hend vom Reglementswortlaut, welcher von einem gemeinsamen</span><br/> <span class="ft1">Haushalt von ,,mindestens 5 Jahre(n)" spricht und demnach auch</span><br/> <span class="ft1">,,alte" Konkubinatsverhälltnisse mitumfasst, ist dies zu bejahen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>