<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 32 S.129</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">129</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>32</b></span> <span class="ft2"><b>Einzelschätzung der Grundstücke (§ 218 Abs. 2 StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Übergangsrecht. Voraussetzungen, unter denen eine Einzelschätzung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nach neuem Recht vorgenommen werden darf, obwohl der Grund</b></span><br/> <span class="ft2"><b>noch vor dem Inkrafttreten eintrat (Erw. 3.1, 3.2).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Unterschiede der Einzelschätzungen je nach dem Grund, der sie</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auslöst (Erw. 3.3, 4).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Reformatio in peius muss auch angekündigt werden, wenn kein</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rückzug des Rechtsmittels möglich ist (Erw. 3.4).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">130</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 21. Dezember 2005 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen Stiftung W gegen Steuerrekursgericht.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">W. verstarb am 14. Oktober 2000; die ihr gehörende Parzelle X</span><br/> <span class="ft1">ging durch Erbgang ins Eigentum der Stiftung W über. Das KStA</span><br/> <span class="ft1">nahm am 13. Mai 2002 eine Neuschätzung der Parzelle vor, gültig ab</span><br/> <span class="ft1">der Steuerperiode 2001. Auf Einsprache hin reduzierte es, ausgehend</span><br/> <span class="ft1">von einem tieferen Miet- und Ertragswert als zuvor, den Vermögens-</span><br/> <span class="ft1">steuerwert. Im Rekursverfahren machte das Steuerrekursgericht diese</span><br/> <span class="ft1">Reduktion für die Steuerperiode 2001 rückgängig.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.1. Nach altem Recht war vorgeschrieben, dass die Grund-</span><br/> <span class="ft1">stücke in grösseren Zeitabständen auf Beginn einer Veranlagungspe-</span><br/> <span class="ft1">riode neu geschätzt werden. Gleichzeitig oder auch ausserhalb einer</span><br/> <span class="ft1">allgemeinen Neuschätzung konnten die Eigenmietwerte neu festge-</span><br/> <span class="ft1">legt werden (§ 52 Abs. 1 des Steuergesetzes [aStG] vom 13. Dezem-</span><br/> <span class="ft1">ber 1983 in der Fassung vom 26. Januar 1988). Die letzte generelle</span><br/> <span class="ft1">Neuschätzung erfolgte auf den 1. Januar 1999 (§ 4 Abs. 1 VBG in</span><br/> <span class="ft1">der Fassung vom 25. November 1998).</span><br/> <span class="ft1">§ 52 Abs. 3 aStG bestimmte, dass ausserhalb der allgemeinen</span><br/> <span class="ft1">Neuschätzung der Vermögenssteuerwert und der Eigenmietwert nur</span><br/> <span class="ft1">geändert werden, "wenn Bestand, Nutzung oder Wert des Grund-</span><br/> <span class="ft1">stückes wesentlich ändern, oder wenn die Werte auf einer offensicht-</span><br/> <span class="ft1">lich unrichtigen Schätzung oder auf einer unrichtigen Rechtsanwen-</span><br/> <span class="ft1">dung beruhen. Die Einzelschätzung wird auf Beginn der ihrer Ein-</span><br/> <span class="ft1">leitung folgenden Veranlagungsperiode wirksam." Bewertungsstich-</span><br/> <span class="ft1">tag bei Einzelschätzungen, insbesondere bezüglich Bestand und</span><br/> <span class="ft1">Nutzung, war der Beginn der Veranlagungsperiode, welcher der</span><br/> <span class="ft1">Einleitung der Schätzung folgte; bei Änderungen in Bestand und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">131</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Nutzung zwischen der Schätzung und dem Bewertungsstichtag war</span><br/> <span class="ft1">die Schätzung zu berichtigen (§ 4 Abs. 2 und 3 VBG).</span><br/> <span class="ft1">Zuständig zur Festlegung der Vermögenssteuerwerte der Grund-</span><br/> <span class="ft1">stücke sowie der Eigenmietwerte waren die Gemeindeschätzungs-</span><br/> <span class="ft1">kommissionen (§ 121 Abs. 1 aStG; AGVE 1998, S. 239 ff.).</span><br/> <span class="ft1">1.2. Das neue Recht brachte gewisse Änderungen. Die hier we-</span><br/> <span class="ft1">sentlichen Bestimmungen finden sich in § 218 Abs. 1 und 2 sowie</span><br/> <span class="ft1">§ 219 Abs. 1 StG:</span><br/> <span class="ft6">§ 218</span><br/> <span class="ft7">1</span><span class="ft6">Allgemeine Neuschätzungen von Eigenmietwerten und Vermögens-</span><br/> <span class="ft6">steuerwerten werden auf Anordnung des Grossen Rates auf Beginn einer</span><br/> <span class="ft6">Veranlagungsperiode vorgenommen.</span><br/> <span class="ft7">2</span><span class="ft6">Ausserhalb der allgemeinen Neuschätzung nach Absatz 1 können die</span><br/> <span class="ft6">Eigenmietwerte und Vermögenssteuerwerte nur geändert werden, wenn</span><br/> <span class="ft6">Bestand, Nutzung oder Wert des Grundstücks wesentlich ändern oder wenn</span><br/> <span class="ft6">die Werte auf einer offensichtlich unrichtigen Schätzung oder auf einer</span><br/> <span class="ft6">unrichtigen Rechtsanwendung beruhen. Die neue Schätzung gilt ab Beginn</span><br/> <span class="ft6">der Steuerperiode, in der Bestand, Nutzung oder Wert geändert haben, bei</span><br/> <span class="ft6">unrichtigen Werten ab dem Jahr der Einleitung der Neuschätzung. Bereits</span><br/> <span class="ft6">vorgenommene Veranlagungen sind zu revidieren.</span><br/> <span class="ft6">§ 219</span><br/> <span class="ft7">1</span><span class="ft6">Das Kantonale Steueramt verfügt die Eigenmietwerte und die Vermö-</span><br/> <span class="ft6">genssteuerwerte gestützt auf die Erhebungen der Gemeindeschätzungs-</span><br/> <span class="ft6">behörde.</span><br/> <span class="ft1">Neu ist die Zuständigkeit des KStA (anstelle der Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">schätzungskommissionen), die Eigenmietwerte und die Vermögens-</span><br/> <span class="ft1">steuerwerte festzusetzen und zu eröffnen. Bei den Einzelschätzungen</span><br/> <span class="ft1">wird, je nach ihrem Grund (Änderungen in Bestand, Nutzung oder</span><br/> <span class="ft1">Wert einerseits, unrichtige Schätzung oder Rechtsanwendung ande-</span><br/> <span class="ft1">rerseits [im Folgenden als Einzel- oder Neuschätzungen wegen Än-</span><br/> <span class="ft1">derungen bzw. wegen Unrichtigkeit bezeichnet]), die zeitliche Wir-</span><br/> <span class="ft1">kung unterschiedlich geregelt.</span><br/> <span class="ft1">1.3. Übergangsrechtlich schreibt § 262 StG vor, dass die nach</span><br/> <span class="ft1">den Vorschriften des aStG festgelegten Schätzwerte bis zur nächsten</span><br/> <span class="ft1">allgemeinen Neuschätzung weitergelten, unter Vorbehalt der nach</span><br/> <span class="ft1">neuem Recht vorgenommenen Einzelschätzungen (§ 218 Abs. 2 StG)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">132</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und Anpassungen (§ 218 Abs. 3 StG). Im Übrigen fehlen bezüglich</span><br/> <span class="ft1">der Schätzungen eigene Übergangsbestimmungen.</span><br/> <span class="ft1">3.1. Die Nutzungsänderung einer Liegenschaft, wie insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere der Übergang von Eigen- zu Fremdnutzung oder umgekehrt,</span><br/> <span class="ft1">löst nach altem und neuem Steuergesetz eine Einzelschätzung aus</span><br/> <span class="ft1">(§ 52 Abs. 3 aStG; § 218 Abs. 2 StG; Bernhard Meier, in: Kommen-</span><br/> <span class="ft1">tar zum Aargauer Steuergesetz, [1. Aufl.] Muri/Bern 1991, § 52 aStG</span><br/> <span class="ft1">N 4a; Martin Plüss, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft1">Band 2, 2. Aufl., Muri/Bern 2004, § 218 N 18). Vorliegend trat die</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsänderung, das Ende der Eigennutzung der Liegenschaft, mit</span><br/> <span class="ft1">dem Todestag der Erblasserin W. am 14. Oktober 2000 und dem</span><br/> <span class="ft1">damit verbundenen Eigentumsübergang auf die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">zufolge Universalsukzession ein.</span><br/> <span class="ft1">3.2. Richtigerweise wäre somit noch im Jahr 2000 unter altem</span><br/> <span class="ft1">Recht eine Einzelschätzung gemäss § 52 Abs. 3 aStG vorzunehmen</span><br/> <span class="ft1">gewesen (von Amtes wegen, da kein Gesuch der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">erfolgte). Dies unterblieb wohl deshalb, weil sich die Schätzung erst</span><br/> <span class="ft1">bei der Steuerveranlagung 2001 ausgewirkt hätte. Durchgeführt</span><br/> <span class="ft1">wurde vielmehr ein Verfahren nach neuem Recht, was sich schon</span><br/> <span class="ft1">daraus ergibt, dass die Verfügung durch das KStA erfolgte.</span><br/> <span class="ft1">Wenn in einem solchen Fall nach Inkrafttreten des StG ein Ein-</span><br/> <span class="ft1">zelschätzungsverfahren nach neuem Recht wegen Änderungen (mit</span><br/> <span class="ft1">Geltung frühestens ab 2001) durchgeführt wird, stellt dies keine un-</span><br/> <span class="ft1">zulässige Rückwirkung dar. Wohl ist das auslösende Ereignis schon</span><br/> <span class="ft1">vor dem Inkrafttreten des StG erfolgt, doch führt es nach altem wie</span><br/> <span class="ft1">nach neuem Recht zu einer Einzelschätzung, es ist also nicht so, dass</span><br/> <span class="ft1">- unzulässigerweise - nach der Rechtsänderung an einen altrechtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Tatbestand angeknüpft wird, der nach dem neuen Recht gar</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr relevant ist. Der Sachverhalt gleicht demjenigen, wo ein</span><br/> <span class="ft1">zeitlich offener Dauersachverhalt für die Zukunft neuen Rechtsfolgen</span><br/> <span class="ft1">unterstellt wird (sog. unechte Rückwirkung; vgl. BGE 126 V 135 f.;</span><br/> <span class="ft1">Ulrich Häfelin/Georg Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht,</span><br/> <span class="ft1">4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2002, Rz. 337). Allerdings darf entge-</span><br/> <span class="ft1">gen § 218 Abs. 2 StG die geänderte Schätzung nicht schon in der</span><br/> <span class="ft1">Steuerperiode 1999/2000 zur Anwendung kommen; dies wäre eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">133</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">unzulässige Rückwirkung des StG auf eine vor seinem Inkrafttreten</span><br/> <span class="ft1">liegende Steuerperiode.</span><br/> <span class="ft1">Anders zu entscheiden hätte zur schwer verständlichen Konse-</span><br/> <span class="ft1">quenz, dass die Einzelschätzung nach altem Recht erst für die Ver-</span><br/> <span class="ft1">anlagungsperiode nach Einleitung des Verfahrens Gültigkeit erlangte</span><br/> <span class="ft1">(§ 52 Abs. 3 aStG) und damit gegebenenfalls viel später als bei An-</span><br/> <span class="ft1">wendung des - materiell überzeugenderen - neuen Rechts, bei dem</span><br/> <span class="ft1">Einzelschätzungen wegen Änderungen ab derjenigen Steuerperiode</span><br/> <span class="ft1">gelten, in der die Änderung eingetreten ist (in Übereinstimmung mit</span><br/> <span class="ft1">§ 60 Abs. 1 StG), oder, wegen des Rückwirkungsverbots, ab der</span><br/> <span class="ft1">ersten Steuerperiode des neuen Rechts.</span><br/> <span class="ft1">3.3. Die Rechtsprechung des Steuerrekursgerichts, wonach bei</span><br/> <span class="ft4"><i>Einzelschätzungen wegen Änderungen</i> ausschliesslich diejenigen</span><br/> <span class="ft1">Positionen (Faktoren, Parameter) der Schätzung anzupassen sind, die</span><br/> <span class="ft1">mit der zu berücksichtigenden Sachverhaltsänderung direkt</span><br/> <span class="ft1">zusammenhängen, überzeugt. Weder aus Gründen der Gesetzeslogik</span><br/> <span class="ft1">und -systematik noch aus der konkreten Regelung in § 218 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">StG und § 4 f. VBG lässt sich ableiten, dass eine Einzelschätzung</span><br/> <span class="ft1">wegen Änderungen mehr als die Anpassung an den geänderten</span><br/> <span class="ft1">Sachverhalt zum Zweck hätte (ebenso BVR 2004, S. 390 f.). Beim</span><br/> <span class="ft1">Übergang auf einen neuen Eigentümer bedeutet dies, dass er mit dem</span><br/> <span class="ft1">Grundstück auch dessen bisherige Verkehrswertschätzung überneh-</span><br/> <span class="ft1">men muss. Diese Konsequenz ist für ihn - entgegen den Ausfüh-</span><br/> <span class="ft1">rungen in der Beschwerde - ohne weiteres tragbar, kann er doch eine</span><br/> <span class="ft1">Einzelschätzung wegen Unrichtigkeit verlangen, die zur vollum-</span><br/> <span class="ft1">fänglichen Überprüfung führt (im Einzelnen hinten Erw. 4.1) und so</span><br/> <span class="ft1">an die Stelle der direkten Anfechtung der ihm eröffneten Werte tritt.</span><br/> <span class="ft1">Die von der Beschwerdeführerin verlangte Gleichbehandlung mit</span><br/> <span class="ft1">dem Eintritt in die Steuerpflicht vermag nicht zu überzeugen, denn</span><br/> <span class="ft1">für die Grundstückschätzung gelten eigene Regeln (insbesondere</span><br/> <span class="ft1">§ 262 StG), die zu Recht davon ausgehen, dass sich auch beim Wech-</span><br/> <span class="ft1">sel des Eigentümers in aller Regel (nämlich wenn die bisherige</span><br/> <span class="ft1">Schätzung inhaltlich zutreffend ist) keine neue Schätzung aufdrängt.</span><br/> <span class="ft1">Die Verfügung vom 13. Mai 2002 bezweckte ausschliesslich die</span><br/> <span class="ft1">Anpassung an die erfolgte Nutzungsänderung mit Übergang von</span><br/> <span class="ft1">Eigen- zu Fremdnutzung: Der Eigenmietwert (Position 46) wurde</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">134</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gestrichen und der Toleranz-/Korrektur-Faktor (Pos. 83) von 0.8 auf</span><br/> <span class="ft1">0.9 geändert; alle anderen Positionen blieben gleich wie in der ur-</span><br/> <span class="ft1">sprünglichen Schätzung. Die vorgenommenen Änderungen hat die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin nicht bestritten. Materiell ist deshalb nichts ge-</span><br/> <span class="ft1">gen das Ergebnis des Steuerrekursgerichts einzuwenden, die Einzel-</span><br/> <span class="ft1">schätzung per 1. Januar 2001 sei korrekt erfolgt.</span><br/> <span class="ft1">3.4.1. Als Folge dieser materiellen Beurteilung und weil das</span><br/> <span class="ft1">Steuerrekursgericht zum Schluss kam, die Einzelschätzung mit Wir-</span><br/> <span class="ft1">kung ab 1. Januar 2001 dürfe nicht zu einer Neuschätzung wegen</span><br/> <span class="ft1">Unrichtigkeit ausgedehnt werden (dazu hinten Erw. 4.1), machte es</span><br/> <span class="ft1">die im Einspracheverfahren erfolgte Herabsetzung des Vermögens-</span><br/> <span class="ft1">steuerwertes rückgängig. Dagegen wendet die Beschwerdeführerin in</span><br/> <span class="ft1">formeller Hinsicht ein, es handle sich um eine reformatio in peius,</span><br/> <span class="ft1">die nicht ohne vorgängige Ankündigung zur Wahrung des rechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Gehörs hätte erfolgen dürfen.</span><br/> <span class="ft1">3.4.2. Das Steuerrekursgericht ist nicht an die Anträge der Par-</span><br/> <span class="ft1">teien gebunden, kann also die angefochtene Veranlagung auch zu</span><br/> <span class="ft1">Ungunsten des Rekurrenten abändern (§ 197 Abs. 2 StG; sog. refor-</span><br/> <span class="ft1">matio in peius). Dazu schreibt § 14 der Verordnung über die Organi-</span><br/> <span class="ft1">sation der kantonalen Steuerrekurskommission und das Rekursver-</span><br/> <span class="ft1">fahren (VStRK) vom 25. Juli 1968 ausdrücklich vor, dem Rekurren-</span><br/> <span class="ft1">ten sei von der beabsichtigten reformatio in peius vorgängig schrift-</span><br/> <span class="ft1">lich Kenntnis zu geben und er sei zur Stellungnahme innert ange-</span><br/> <span class="ft1">messener Frist aufzufordern (ähnlich Art. 143 Abs. 1 DBG;</span><br/> <span class="ft1">SR 642.11; dazu Ulrich Cavelti, in: Kommentar zum Schwei-</span><br/> <span class="ft1">zerischen Steuerrecht, Bd. I/2b [DBG], Basel/Genf/München 2000,</span><br/> <span class="ft1">Art. 143 N 2 f.); es handelt sich dabei um einen Teilgehalt des</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Gehörs gemäss Art. 29 Abs. 2 BV.</span><br/> <span class="ft1">Wohl ist die vorgeschriebene Ankündigung der beabsichtigten</span><br/> <span class="ft1">reformatio in peius dort von besonderer Bedeutung, wo einem Rück-</span><br/> <span class="ft1">zug des Rekurses Folge zu leisten ist (siehe § 197 Abs. 3 StG) und</span><br/> <span class="ft1">die Ankündigung es dem Rekurrenten ermöglicht, der reformatio in</span><br/> <span class="ft1">peius durch den Rekursrückzug zu entgehen (vgl. zum Ganzen</span><br/> <span class="ft1">BGE 129 II 395; 122 V 167 f.; AGVE 1995, S. 234 ff.; Plüss, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">§ 197 N 22 ff.). Doch hierin erschöpft sich die Bedeutung von § 14</span><br/> <span class="ft1">VStRK keineswegs. Die vorgängige Anhörung soll dem Rekurrenten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">135</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">auch ermöglichen, die materielle Berechtigung der reformatio in</span><br/> <span class="ft1">peius zu bestreiten und zu versuchen, sie auf diese Weise abzu-</span><br/> <span class="ft1">wenden. Gerade weil die Möglichkeit der reformatio in peius im</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelverfahren als aussergewöhnlich erscheint, gibt es keinen</span><br/> <span class="ft1">ausreichenden Grund, die vorgängige Anhörung dort einzuschränken,</span><br/> <span class="ft1">wo der Rekurrent die Abänderung letztlich nicht verhindern kann</span><br/> <span class="ft1">(vgl. BGE in ASA 73/2004-05, S. 554 ff.; VGE II/68 vom 28. Sep-</span><br/> <span class="ft1">tember 2005 [WBE.2005.191], S. 5; Ulrich Cavelti, in: Kommentar</span><br/> <span class="ft1">zum Schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/1 [StHG], 2. Auflage, Ba-</span><br/> <span class="ft1">sel/Genf/München 2002, Art. 50 N 16 i.V.m. N 3; vgl. auch BGE 122</span><br/> <span class="ft1">V 168).</span><br/> <span class="ft1">3.4.3. Aus den genannten Gründen kann dem Steuerrekursge-</span><br/> <span class="ft1">richt nicht gefolgt werden, das in seiner Vernehmlassung die Auf-</span><br/> <span class="ft1">fassung vertritt, wenn der Rekurrent die reformatio in peius ohnehin</span><br/> <span class="ft1">nicht (mittels Rekursrückzug) abzuwenden vermöge, dürfe auf eine</span><br/> <span class="ft1">vorgängige Ankündigung und Anhörung verzichtet werden (weshalb</span><br/> <span class="ft1">über die Auffassung des Steuerrekursgerichts, § 197 Abs. 3 StG</span><br/> <span class="ft1">komme im Verfahren der Grundstückschätzung nicht zur Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dung, hier nicht abschliessend entschieden werden muss). Wegen</span><br/> <span class="ft1">Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist die Sache an das</span><br/> <span class="ft1">Steuerrekursgericht zurückzuweisen.</span><br/> <span class="ft1">4.1.1. Neben der <i>Einzelschätzung</i> wegen Änderungen ist auch</span><br/> <span class="ft1">eine solche <i>wegen Unrichtigkeit</i> vorgesehen, und zwar wenn die</span><br/> <span class="ft1">Werte entweder auf einer offensichtlich unrichtigen Schätzung oder</span><br/> <span class="ft1">auf einer unrichtigen Rechtsanwendung beruhen (§ 218 Abs. 2 StG;</span><br/> <span class="ft1">vorne Erw. 1.2). Diese Möglichkeit, auf einen rechtskräftig festge-</span><br/> <span class="ft1">setzten, für die Veranlagung verbindlichen Wert (Plüss, a.a.O., § 218</span><br/> <span class="ft1">N 14; in § 121 Abs. 4 aStG noch ausdrücklich festgehalten) vorzeitig</span><br/> <span class="ft1">zurückzukommen, erklärt sich vor dem Hintergrund, dass die Ver-</span><br/> <span class="ft1">mögenssteuerwerte über viele Steuerperioden hinweg Gültigkeit</span><br/> <span class="ft1">besitzen, sich ein Fehler also viel länger auswirkt als bei einer Ver-</span><br/> <span class="ft1">anlagung. Es bestand das Bedürfnis, klar unrichtige Schätzungen vor</span><br/> <span class="ft1">der nächsten allgemeinen Neuschätzung korrigieren zu können (das</span><br/> <span class="ft1">gleiche Bedürfnis steht [u.a.] hinter der Rechtsprechung des EVG,</span><br/> <span class="ft1">das eine gegenüber dem allgemeinen Verwaltungsrecht weit ausge-</span><br/> <span class="ft1">dehnte Anwendbarkeit der Wiedererwägung als allgemeinen Grund-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">136</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">satz des schweizerischen Sozialversicherungsrechts - wo es häufig</span><br/> <span class="ft1">um Dauerleistungen geht - statuiert hat [vgl. BGE 125 V 389 ff.]).</span><br/> <span class="ft1">4.1.2. Eine Neuschätzung wegen Unrichtigkeit kann bei <i>un-</i></span><br/> <span class="ft4"><i>richtiger Rechtsanwendung</i> erfolgen. Hier ist der Sachverhalt inso-</span><br/> <span class="ft1">fern ähnlich wie bei der Einzelschätzung wegen Änderung (vorne</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3.3), als sich die unrichtige Rechtsanwendung ebenfalls auf</span><br/> <span class="ft1">einzelne Positionen der Schätzung beziehen wird und zur Korrektur</span><br/> <span class="ft1">der unrichtigen Rechtsanwendung nicht erforderlich ist, die Überprü-</span><br/> <span class="ft1">fung (und Korrektur) auf weitere Positionen auszudehnen.</span><br/> <span class="ft1">4.1.3. Eine Neuschätzung der (Eigenmietwerte und) Vermö-</span><br/> <span class="ft1">genssteuerwerte wegen Unrichtigkeit erfolgt ausserdem, "wenn die</span><br/> <span class="ft1">Werte auf einer offensichtlich <i>unrichtigen Schätzung</i> beruhen". Ob</span><br/> <span class="ft1">diese Voraussetzung gegeben ist, ist durch einen Vergleich des zuletzt</span><br/> <span class="ft1">(bei der allgemeinen Neuschätzung oder allenfalls einer Einzel-</span><br/> <span class="ft1">schätzung) ermittelten Vermögenssteuerwerts mit dem tatsächlich</span><br/> <span class="ft1">zutreffenden Wert festzustellen (Plüss, a.a.O., § 218 N 22 f.; Meier,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., § 52 aStG N 4a a.E., 4b, 4d). Es ist nicht ersichtlich, welcher</span><br/> <span class="ft1">andere Vergleich den Intentionen von § 218 Abs. 2 StG gerecht wer-</span><br/> <span class="ft1">den könnte. Jedenfalls kann es nicht genügen, sich auf einen Fehler</span><br/> <span class="ft1">bei einer Einzelposition zu berufen (ausser wenn darin eine unrich-</span><br/> <span class="ft1">tige Rechtsanwendung zu erblicken ist), dessen Korrektur den Ver-</span><br/> <span class="ft1">mögenssteuerwert nicht oder nur unwesentlich zu beeinflussen ver-</span><br/> <span class="ft1">mag. Offensichtlichkeit wird bejaht bei einer Differenz von 15 %</span><br/> <span class="ft1">oder mehr zwischen der letzten Schätzung des Vermögenssteuer-</span><br/> <span class="ft1">wertes und dem richtigen Wert (Plüss, a.a.O., § 218 N 23).</span><br/> <span class="ft1">Kommt die Steuerbehörde aufgrund einer vorläufigen Beurtei-</span><br/> <span class="ft1">lung zum Schluss, der bei der letzten Schätzung ermittelte Wert</span><br/> <span class="ft1">dürfte unzutreffend sein, hat eine vollständige neue Schätzung zu</span><br/> <span class="ft1">erfolgen, und die beiden (End-)Werte sind zu vergleichen. Logi-</span><br/> <span class="ft1">scherweise ist es hier nicht möglich, den Vergleich auf einzelne Po-</span><br/> <span class="ft1">sitionen der Schätzung zu beziehen bzw. einzelne Positionen vom</span><br/> <span class="ft1">Vergleich auszunehmen. Massgeblich sind die Endresultate der voll-</span><br/> <span class="ft1">ständig durchgeführten Schätzungen. Soweit dem angefochtenen</span><br/> <span class="ft1">Entscheid eine andere Rechtsauffassung zugrunde liegt, nach der es</span><br/> <span class="ft1">auch bei einer Neuschätzung wegen unrichtiger früherer Schätzung</span><br/> <span class="ft1">darum gehen soll, ausschliesslich Einzelpositionen zu überprüfen,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">137</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bezüglich derer Einwände erhoben wurden und die als solche offen-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich unrichtig erscheinen, kann ihr nicht gefolgt werden; sie</span><br/> <span class="ft1">beruht auf einer unkritischen Übernahme der Grundsätze für Einzel-</span><br/> <span class="ft1">schätzungen wegen Änderungen.</span><br/> <span class="ft1">4.2. Das KStA leitete zunächst eine Einzelschätzung wegen</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsänderung ein. Wie das Steuerrekursgericht zutreffend fest-</span><br/> <span class="ft1">hält, hätte das KStA in diesem Rahmen bleiben und dement-</span><br/> <span class="ft1">sprechend das Einspracheverfahren auf die mit der Nutzungsände-</span><br/> <span class="ft1">rung zusammenhängenden Faktoren beschränken sollen (vorne</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3.3). Die in der Einsprache vorgebrachten Einwände, die sich</span><br/> <span class="ft1">auf andere Faktoren bezogen und darauf hinausliefen, dass die Schät-</span><br/> <span class="ft1">zung des Vermögenswerts offensichtlich unrichtig sei, hätten als</span><br/> <span class="ft1">unabhängiges und neues Gesuch um Neuschätzung wegen Unrich-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit behandelt werden müssen. Dies wäre schon darum zwingend</span><br/> <span class="ft1">gewesen, weil sich die Einzelschätzung wegen Nutzungsänderung</span><br/> <span class="ft1">bereits per 1. Januar 2001, also auf das Steuerjahr und die Veranla-</span><br/> <span class="ft1">gung 2001 auswirkte (vorne Erw. 3.2.), während eine Einzel-</span><br/> <span class="ft1">schätzung wegen Unrichtigkeit erst die Veranlagung 2002 beeinflusst</span><br/> <span class="ft1">(§ 218 Abs. 2 a.E. StG).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>