Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Dezember 2021 (715 21 145 / 337) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung; Die Arbeitslosenversicherung ist an die IV-rechtliche Festsetzung der Erwerbsfähigkeit gebunden. Auf der Basis der nachträglich leistungsablehnenden IV-Verfügung liegt mit Blick a uf die Vermittlungsfähigkeit des Ver- sicherten keine abweichende Beurteilung im Sinne einer prozessualen Revision vor, wes- halb sich auch an der Bemessungsgrundlage des versi cherten Verdienstes in arbeitslo- senversicherungsrechtlicher Hinsicht nichts ändern kann. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei ber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Stephan Bläsi, Advokat, Birsigstrasse 34, 4054 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Rückforderung A. Der 1959 geborene A.____ war von März 2002 bis End e Mai 2018 als Aussendienstmit- arbeiter bei der B.____ AG in einem Vollzeitpensum t ätig gewesen. Am 4. Mai 2018 meldete er sich unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung bei der E idgenössischen Invalidenversiche- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesun dheitlichen und erwerblichen Ver- hältnisse wies die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) nach durchgeführtem Vor- bescheidverfahren das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 21. April 2020 mangels Erfüllung des Wartejahres ab. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass lediglich in der Zeit vom 8. November 2017 bis Ende Juni 2018 und vom 27. November 2018 bis Ende Mai 2019 eine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe. B. Eine hiergegen erhobene Beschwerde des Versicherten w ies das Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrech t (Kantonsgericht) mit Urteil vom 22. Oktober 2020 ab. Zur Begründung hielt es zusammenfassend fest, dass gestützt auf die gut- achterliche Einschätzung von Dr. med. C.____, FMH Psychiat rie und Psychotherapie, vom 26. Juli 2018 eine psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigke it für die Zeit vom 8. November 2017 bis anfangs Juli 2018 bestanden habe. Eine erneute soma tisch bedingte Arbeitsunfähigkeit sei anschliessend erst wieder für die Zeit vom 27. November 2018 bis am 11. Juni 2019 ausgewie- sen. Seither sei der Versicherte wieder vollständig arbei tsfähig gewesen. Damit resultiere, dass das Wartejahr mit der Wiedererlangung einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit Ende Juli 2018 unterbrochen worden sei und am 27. November 2018 wie der neu zu laufen begonnen habe, in- folge der erneuten Wiedererlangung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit am 11. Juni 2019 jedoch letztlich nicht absolviert worden sei. Eine hiergegen e rhobene Beschwerde wurde mit Urteil des Bundesgerichts vom 8. März 2021 abgewiesen. Es stehe verbindlich fest, dass der Beschwerde- führer im Juli 2018 wiederum eine 100%ige Arbeitsfäh igkeit erlangt habe. Dadurch sei die im November 2017 eröffnete einjährige Wartezeit unterbrochen worden. Unbestritten sei geblieben, dass diese Voraussetzung für den Rentenanspruch auch mit d er erneuten, unfallbedingten Ar- beitsunfähigkeit vom 27. November 2018 bis 11. Juni 2019 nicht erfüllt worden sei. C. Nachdem das Arbeitsverhältnis zwischen der B.____ AG u nd dem Versicherten bereits am 18. August 2017 gekündigt und nach einer krankheits bedingten Verlängerung der Kündi- gungsfrist schliesslich Ende Mai 2018 beendet worden war, meldete sich dieser am 22. Mai 2018 bei seiner Wohnsitzgemeinde zur Arbeitsvermittlung un d am 29. Mai 2018 bei der öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Kasse) mit Wirkung ab 1. Juni 2018 zum Bezug von Arbeitslo- senentschädigung im Umfang einer Vollzeitbeschäftigung an. Dabei gab er an, vollständig ar- beitsunfähig zu sein. In der Folge richtete die Kasse d em Versicherten im Umfang ihrer Vorleis- tungspflicht für die Kontrollperioden August 2018 bis Juli 2020 Taggeldleistungen auf der Basis eines Vollzeitpensums und eines versicherten Verdienstes von Fr. 12'350.— aus. D. Nach einer internen Kontrolle im Nachgang des neg ativen Rentenbescheids der IV- Stelle vom 21. April 2020 kürzte die Kasse den Vermittlungsgrad des Versicherten ab 1. Mai 2020 auf eine Restarbeitsfähigkeit von 20%, korrigierte e ntsprechend ihre Taggeldabrechnungen für die Monate Mai bis Juli 2020 und zahlte bis Januar 202 1 ein entsprechend gekürztes Taggeld aus. Zudem forderte sie mit Verfügung vom 21. Septemb er 2020 die in der Zeit von Mai bis Juli 2020 zu viel ausbezahlte Arbeitslosenentschädigung in de r Höhe von Fr. 19'733.45 zurück. Zur Begründung machte sie geltend, dass der Versicherte unbesehen des abweichenden Entscheids der IV-Stelle gemäss den ihr vorliegenden Arztzeugnisse n des behandelnden Hausarztes Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin, im Umfang von 80% arbeitsunfähig sei, so dass das Taggeld Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch eine Korrektur des versicherten Verdienstes entspreche nd gekürzt werden müsse. Eine hiergegen erhobene Einsprache des Versicherten vom 28. September 2020 wies die Kasse mit Einspracheentscheid vom 23. April 2021 ab, nachdem das E inspracheverfahren zunächst mit verfahrensleitender Verfügung vom 22. Januar 2021 bis zu m Abschluss des IV-rechtlichen Ver- fahrens vor Bundesgericht zuvor sistiert worden war. Zur Begründung hielt sie im Wesentlichen fest, dass der Versicherte gemäss den von ihm vorgelegten Arztzeugnissen jeweils eine Arbeits- unfähigkeit von 80% aufgewiesen habe. Es könne deshalb nicht angehen, dass er im Zusam- menhang mit der rechtskräftigen Abweisung seines Rentenbegehrens gegenüber der IV nunmehr von einer vollständig erhaltenen Arbeitsfähigkeit ausgehe. E. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Ad vokat Stephan Bläsi, am 10. Mai 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht und beantragte dessen Aufhebung unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung liess er zusammengefasst geltend machen, dass auf die im bundesgerichtlichen IV-Verfahren festgestellte 100%-ige Arbeitsfähigkeit abzustellen sei. F. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 28. Juni 202 1 auf Abweisung der Be- schwerde. Nachdem das Bundesgericht die IV-Verfügung vom 21. April 2020 letztinstanzlich be- stätigt habe, habe die arbeitslosenversicherungsrechtlich e Vorleistungspflicht der Kasse Ende April 2020 geendet. Auf der Basis der durch den Hausarzt ausgestellten Arztzeugnisse, wonach der Beschwerdeführer im Jahr 2020 durchgehend nur im Umfang von 20% arbeitsfähig gewesen sei, habe der versicherte Verdienst ab Mai 2020 korrigiert werden müssen. G. Mit Replik vom 16. August 2021 hielt der Beschwerdef ührer fest, dass auch die IV-Stelle auf das Gutachten von Dr. C.____ abgestellt habe, und von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausge- gangen sei. Nachdem das Bundesgericht dieses Gutachten l etztlich als ausschlaggebend und beweistauglich qualifiziert habe, müsse, soweit es nunme hr um die Frage der Vermittelbarkeit gehe, auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren darauf abgestellt werden, H. Die Kasse hielt mit Duplik vom 16. September 2021 an der Abweisung der Beschwerde fest. Der Wechsel des behandelnden Arztes des Versicherten Mitte des Jahres 2019 deute darauf hin, dass es sich bei der in der Folge attestierten Arbei tsunfähigkeit um eine andere Krankheit gehandelt habe als noch im IV-Verfahren. Ob und in w elchem Umfang er eine Arbeitnehmertä- tigkeit hätte ausüben können, belegten einzig die von seinem Hausarzt jeweils zeitnah ausge- stellten Arztzeugnisse. Spätestens nach Erlass der Verfügu ng der IV-Stelle vom 21. April 2020 hätte ihm klar sein müssen, dass von einer wiedererlangt en Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Dennoch habe er sich von seinem Hausarzt weiterhin im U mfang von 80% krankschreiben las- sen. I. Mit verfahrensleitender Verfügung der Präsidentin d es Kantonsgerichts vom 21. Sep- tember 2021 wurden im Hinblick auf die Beurteilung de r Angelegenheit die Akten des bereits archivierten IV-Verfahrens beigezogen. Auf die übrigen Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 10. Mai 2021 ist einzutreten. 2. Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsidi erende Person der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Vorliegend ist eine Rückforder ung in der Höhe von Fr. 19'733.45 zu beurteilen. Die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 3.1 Die Zusprechung von sozialversicherungsrechtlichen L eistungen erfolgt grundsätzlich durch eine Verfügung (Art. 49 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Steht diese mit den massgebenden recht- lichen oder tatsächlichen Grundlagen nicht bzw. nicht me hr in Übereinstimmung, stellt sich die Frage einer Korrektur derselben. In Betracht kommt eine rückwirkende oder eine sich nur auf die Zukunft auswirkende Korrektur. Ziel ist, die gesetzliche Ordnung wiederherzustellen (BGE 122 V 227). Gemäss Art. 95 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Ar t. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG sind deshalb unrechtmässig bezogene Leistungen auch im Bereich der A rbeitslosenversicherung entspre- chend zurückzuerstatten. 3.2 Eine Leistung in der Sozialversicherung ist nach ständ iger bundesgerichtlicher Recht- sprechung indes nur dann zurückzuerstatten, wenn in verfa hrensrechtlicher Hinsicht entweder die für die (prozessuale) Revision oder die für die Wiedererwägung erforderlichen Voraussetzun- gen erfüllt sind. Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger in Form der Wiederer- wägung auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Ei nspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Beri chtigung von erheblicher Bedeutung ist. Wird eine solche rückwirkende Korrektur einer Verfügung vorgenommen, entfällt die rechtliche Grundlage für die zugesprochenen Leistungen. Diese werden – im Nachhinein – zu unrechtmäs- sigen Leistungen (BGE 122 V 138). Die für die Wiedererwägung formell rechtskräftiger Verfügun- gen massgebenden Voraussetzungen gelten auch mit Bezug auf die Rückerstattung zu Unrecht bezogener Geldleistungen der Arbeitslosenversicherung, unabhängig davon, ob die zur Rückfor- derung Anlass gebenden Leistungen förmlich oder formlos verfügt worden sind (BGE 129 V 110 E. 1.1 mit Hinweisen). 3.3 Eine rückwirkende Korrektur einer Leistungsausrichtun g setzt nicht voraus, dass der Empfänger die fehlerhafte Leistungsausrichtung kausal zu verantworten hat. Selbst wenn der unrechtmässige Bezug auf das Verhalten der Verwaltung zurückzuführen ist, besteht eine Rück- erstattungspflicht (UELI KIESER , Kommentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, Zürich 2020, Art. 25 RZ 29). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Vorliegend dreht sich der Streit um eine rückwirken de Korrektur der Taggeldabrechnun- gen betreffend die Monate Mai bis Juli 2020 und in diesem Zusammenhang um die Frage, ob der Beschwerdeführer die durch diese Taggeldabrechnungen ursprünglich und formlos zugesproche- nen Leistungen infolge der Ablehnung von Leistungen d er IV teilweise zurückzuerstatten hat. Mithin dreht sich der Streit nicht nur um die Frage einer allfälligen Unrechtmässigkeit des ur- sprünglich erfolgten Leistungsbezugs von Taggeldern, sondern auch darum, ob diesbezüglich die Rückkommensvoraussetzungen gegeben sind. Zu prüfen ist jedoch zunächst, ob der Versicherte über den 1. Mai 2020 hinaus Anspruch auf Arbeitslosentaggelder auf der Basis eines ungekürzten versicherten Verdienstes gemäss seinem zuletzt ausgeübten Vollzeitpensum besitzt. 4.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. f des Bundesgesetzes üb er die obligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Jun i 1982 in Verbindung mit Art. 15 Abs. 1 AVIG hat eine versicherte Person Anspr uch auf Arbeitslosenentschädigung, wenn sie vermittlungsfähig ist, mithin in der Lage, bereit und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Der Begriff der Vermittlungsfä- higkeit als Anspruchsvoraussetzung schliesst graduelle Abstufun gen aus. Nach Art. 15 Abs. 2 Satz 1 AVIG gilt eine körperlich oder geistig behind erte Person als vermittlungsfähig, wenn ihre bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage, unter Berücksichtigung ihrer Behinderung, auf dem Arbeits- markt eine zumutbare Arbeit vermittelt werden könnte. Die Kompetenz zur Regelung der Koordi- nation mit der IV ist in Art. 15 Abs. 2 Satz 2 AVIG dem Bundesrat übertragen worden. Dieser hat in Art. 15 Abs. 3 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 festgelegt, dass eine behinderte Person, die unter der Annahme einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage nicht offensichtlich vermittlungsunfä- hig ist, und die sich bei der IV (oder einer anderen Versicherung nach Art. 15 Abs. 2 AVIV) ange- meldet hat, bis zum Entscheid jener Versicherung als verm ittlungsfähig gilt. In diesem Sinn sieht Art. 70 Abs. 2 lit. b ATSG deshalb vor, dass die A rbeitslosenversicherung für Leistungen, deren Übernahme durch die Arbeitslosenversicherung, die Krankenversicherung, die Unfallversi- cherung oder die Invalidenversicherung umstritten ist, vorleistungspflichtig ist. 4.2 Aufgrund dieser Bestimmungen hat die Arbeitslosenv ersicherung demnach arbeitslose, bei einer anderen Versicherung angemeldete Personen zu entschädigen, falls ihre Vermittlungs- unfähigkeit nicht offensichtlich ist. Dabei besteht Anspruch auf eine ungekürzte Arbeitslosenent- schädigung namentlich auch dann, wenn die ganz arbeitslose Person aus gesundheitlichen Grün- den lediglich noch teilzeitlich arbeiten könnte, solange sie im Umfang der ihr ärztlicherseits attes- tierten Arbeitsfähigkeit eine Beschäftigung sucht und bereit ist, eine neue Anstellung mit entspre- chendem Pensum anzutreten. 4.3 Diese Vermutungsregel der grundsätzlich gegebenen V ermittlungsfähigkeit von Behinder- ten (Art. 70 Abs. 2 lit. b ATSG und Art. 15 Abs. 2 AVIG in Verbindung mit Art. 15 Abs. 3 AVIV) gilt lediglich für die Zeit, in welcher der Anspruch auf Lei stungen einer anderen Versicherung abge- klärt wird und somit noch nicht feststeht. Damit sollen Lücken im Erwerbsersatz vermieden wer- den. Die Vorleistungspflicht ist daher auf die Dauer des Schwebezustandes begrenzt. Sie endet, sobald das Ausmass der Erwerbsunfähigkeit feststeht. Wan n der Schwebezustand beendet ist, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ergibt sich aus den konkreten Umständen (Urteil des Bundesgerichts 8C_403/2015 vom 21. Sep- tember 2015, E. 3.1 - 3.4). 4.4 Nebst der Frage der Vermittlungsfähigkeit stellt sich in diesem Zusammenhang nament- lich auch die Frage nach der Leistungshöhe der Arbeitsl osenversicherung und damit nach dem versicherten Verdienst. Bei Versicherten, die unmittelbar vor oder während ihrer Arbeitslosigkeit eine gesundheitsbedingte Beeinträchtigung ihrer Erwerbsfähigkeit erleiden, ist gemäss Art. 40b AVIV jener Verdienst massgebend, welcher ihrer verbleibenden Erwerbsfähigkeit entspricht. Sinn und Zweck von Art. 40b AVIV besteht darin, über die Korrektur des versicherten Verdienstes die Koordination zur IV zu bewerkstelligen, um damit eine Überentschädigung durch die Kumulation einer IV-Rente mit Taggeldern der Arbeitslosenversicherung zu verhindern (BGE 140 V 89 E. 3). Art. 40b AVIV betrifft allerdings, wie das Bundesger icht in BGE 133 V 524 präzisiert hat, nicht allein die Leistungskoordination zwischen Arbeitslosen- und Invalidenversicherung, sondern die generelle Abgrenzung der Zuständigkeit der Arbeitslosen versicherung gegenüber anderen Ver- sicherungsträgern nach Massgabe der Erwerbsfähigkeit der versicherten Personen. Nach Sinn und Zweck von Art. 40b AVIV soll die Leistungspflicht der Arbeitslosenversicherung deshalb auf einen Umfang beschränkt werden, welcher sich nach der ve rbleibenden Erwerbsfähigkeit der versicherten Person während der Dauer ihrer Arbeitslosigkeit auszurichten hat. Da die Arbeitslo- senversicherung nur für den Lohnausfall einzustehen hat , welcher sich aus der Arbeitslosigkeit ergibt, kann es für die Berechnung der Arbeitslosenentschädigung jedoch keine Rolle spielen, ob ein anderer Versicherungsträger Invalidenleistungen er bringt. Durch das Abstellen auf die ver- bleibende Erwerbsfähigkeit soll mithin verhindert we rden, dass die Arbeitslosenentschädigung auf einem Verdienst ermittelt wird, den der Versichert e nicht mehr erzielen könnte (BGE 140 V 89 E. 5.1 mit Hinweisen; SVR 2014 ALV Nr. 13 S. 40, 8C_824/2013 E. 3.2). Hinsichtlich der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit ist dabei der d urch die Invalidenversicherung ermittelte Invaliditätsgrad massgeblich (ARV 2015 S. 165, 8C_746/2014 E. 3.3 mit Hinweis). 4.5 Das Bundesgericht hat hinsichtlich solcher Konstellati onen mit Urteil 8C_53/2014 vom 26. August 2014 weiter festgehalten, dass wenn die IV- Stelle in ihrem Vorbescheid ankündigt, dass die versicherte Person auf der Basis einer 100%igen Erwerbsunfähigkeit Anspruch auf eine ganze Invalidenrente besitze, die Vermittlungsunfähigkeit spätestens ab diesem Zeitpunkt offen- sichtlich sei, weshalb ab diesem Zeitpunkt der arbeitslosenversicherungsrechtliche Verdienst zu kürzen sei (a.a.O., E. 4.2). Im Urteil 8C_403/2015 vom 21. September 2015 hatte das Bundes- gericht sodann einen Sachverhalt zu beurteilen, bei we lchem im invalidenversicherungsrechtli- chen Verfahren zunächst mit Vorbescheid die Zusprache ein e Viertelsrente in Aussicht gestellt und, nachdem die versicherte Person hiergegen Einwand erhoben hatte, ein medizinisches Gut- achten in Auftrag gegeben worden war. Im Zeitpunkt de r arbeitslosenversicherungsrechtlichen Entscheidfindung lag dieses Gutachten aber noch nich t vor. Das Bundesgericht kam bei dieser Sachlage zum Schluss, dass das Invalidenversicherungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei, weshalb der Schwebezustand andaure und die versicherte Person weiterhin Anspruch auf Tag- gelder auf der Basis eines ungekürzten versicherten Verdi enstes habe (a.a.O., E. 5.1). In BGE 142 V 380 präzisierte das Bundesgericht schliesslich, dass grundsätzlich erst die (noch nicht rechtskräftige) Verfügung der IV eine hinreichende Grundlage für die Anpassung des versicherten Verdienstes an den damit erkannten Grad der Erwerbsunfä higkeit bildet. Vorbehalten blieben Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht jene Konstellationen, in denen bereits vor Verfügungser lass der IV mit deren Vorbescheid der Grad der Erwerbsunfähigkeit absehbar feststehe, was jene Fälle betreffe, wo keine Einwände gegen den Vorbescheid der IV erfolgen, oder wenn eine ganze IV-Rente bei verbleibender Rest- arbeitsfähigkeit in Aussicht gestellt wird (a.a.O., E. 5.5). 5.1 Vorliegend ist zwischen den Parteien zu Recht unbe stritten geblieben, dass erst die Ver- fügung der IV-Stelle vom 21. April 2020 eine hinreichende Grundlage für eine allfällige Anpassung des versicherten Verdienstes bildet und die Leistungen der Arbeitslosenversicherung mithin frü- hestens mit Wirkung ab Mai 2020 an die verbleibende Erwerbsfähigkeit anzupassen sind. Strittig geblieben ist einzig, ob und auf welcher Grundlage ei ne allfällige Anpassung zu erfolgen hat. Während sich der Beschwerdeführer darauf beruft, dass in folge der im bundesgerichtlichen IV- Verfahren festgestellten 100%-igen Arbeitsfähigkeit vo n einer Kürzung des versicherten Ver- dienstes abzusehen sei, vertritt die Beschwerdegegnerin den Standpunkt, dass der Versicherte unbesehen der Verfügung der IV-Stelle vom 21. April 2020 gemäss den ihr vorgelegten Arztzeug- nissen des behandelnden Hausarztes Dr. D.____ im Umfang von lediglich 20% arbeitsfähig ge- wesen sei. In seinem Urteil vom 22. Oktober 2020, welches mit Urteil des Bundesgerichts vom 8. März 2021 vollumfänglich bestätigt worden ist, gelangt e das Kantonsgericht im Rahmen seiner Beweiswürdigung allerdings zur Einschätzung, dass die gutachterliche Schlussfolgerung von Dr. C.____ vom 26. Juli 2018 und vom 10. September 2018, wonach im Zeitpunkt der Begutachtung Ende Juli 2018 keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestande n hatte, in der Darlegung der medizini- schen Zusammenhänge einleuchte. Nachdem der Versichert e seit Anfang November 2017 in- folge einer reaktiven depressiven Episode mittelgradiger Ausprägung zunächst vollständig ar- beitsunfähig gewesen war, sei gestützt auf die Anamneseerhebung und den daraus resultieren- den Befund schlüssig erstellt, dass von einer Wiedererlangung seiner Arbeitsfähigkeit wieder per Anfang Juli 2018 auszugehen sei. Diese Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse ent- spreche nicht nur der Einschätzung des behandelnden Psychiaters vom 21. März 2018, wonach innerhalb von sechs bis acht Wochen mit dem Erreichen einer Teilarbeitsfähigkeit im Umfang von 50% habe gerechnet werden können, sondern auch der Prognose von Dr. D.____ vom 14. Feb- ruar 2018, der dazumal ebenfalls von einer Besserung des Gesundheitszustandes ausgegangen sei. Die neuerliche Berichterstattung des Hausarztes vom 15. Mai 2020, auf welche sich der Ver- sicherte berufe und welcher zufolge eine baldige Verbesse rung der Situation als doch nicht ab- sehbar bezeichnet worden sei, erweise sich als widersprüch lich (a.a.O., E. 6.3 und 6.5). Diese Beweiswürdigung hat das Bundesgericht in der Folge mit Urteil vom 8. März 2021 bestätigt und namentlich auch in Bezug auf die gegenteilige Einschätz ung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit durch den Hausarzt des Versicherten vom 15. Mai 2020 gestü tzt. So hat es festgehalten, dass dessen Stellungnahme vom 15. Mai 2020 in Gegenüberstellung mit seiner noch im Februar 2018 gestellten günstigen Prognose nicht überzeuge und im Geg enteil keine Verbesserung der Ar- beitsfähigkeit mehr absehbar gewesen sei. Mit Blick auf diese höchstrichterliche Entscheidung ist mithin auch in der vorliegenden Streitsache davon auszu gehen, dass der gutachterlichen Ein- schätzung von Dr. C.____ zu folgen und davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer spä- testens anlässlich seiner Exploration vom 3. Juli 2018 seine vollständige Arbeitsfähigkeit wieder- erlangt hat, ab Ende November 2018 infolge des am 27. November 2018 erlittenen Achillesseh- nenrisses bis zum 11. Juni 2019 vorübergehend erneut ar beitsunfähig war, bevor er anschlies- send jedoch wieder als vollständig arbeitsfähig gegolten hat (Urteil des Kantonsgerichts vom 22. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Oktober 2020, E. 6.6 und 7). An dieser Beweiswürdigung ist angesichts der Rechtskraft der vor- mals noch strittigen IV-Verfügung vom 21. April 2020 weiterhin festzuhalten. 5.2 Der Kasse ist zwar zuzustimmen, dass der behandelnde Hausarzt dem Versicherten nicht nur bereits im Vorfeld der Verfügung der IV-Stelle vom 21. April 2020 (Kassen-Dok 234, 243 f.), sondern auch darüber hinaus eine 80%-ige Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit attestiert hat (Arztzeugnisse vom 20. Mai 2020, vom 9. Juni 2020 sowie vom 10. Juli 2020; vgl. weiter auch Kassen-Dok 366, 370, 372, 377 und 394). Diese Zeugnisse vermögen mit Blick auf die erwähnte Beweiswürdigung des Kantonsgerichts in seinem Urteil vom 22. Oktober 2020 jedoch ebenso wenig zu überzeugen und geben eine singuläre und letz tlich nur unbegründet gebliebene Ein- schätzung des behandelnden Hausarztes wieder, die mit Blick auf die umfassende Einschätzung von Dr. C.____ auch für die Zeit nach der IV-Verfügu ng vom 21. April 2020 nicht überzeugen kann. Entgegen der von der Kasse vertretenen Auffassung b esteht insbesondere kein Anhalts- punkt, dass die durch den Hausarzt durchgehend weiter att estierte Arbeitsunfähigkeit auf eine neue Erkrankung des Versicherten zurückzuführen wäre, welche bisher unberücksichtigt geblie- ben wäre. Jedenfalls finden sich diesbezüglich keine Indi zien in den Akten. Ausgeschlossen ist ebenso, dass die durch den Hausarzt attestierte Arbeitsunfähigkeit weiterhin oder gar erneut auf den am 27. November 2018 erlittenen Achillessehnenriss es zurückzuführen ist, geht doch aus den zum Verfahren beigezogenen IV-Akten hervor, dass der Versicherte mit Blick auf die diesbe- züglich somatischen Verhältnisse spätestens am 11. Juni 20 19 wieder vollständig arbeitsfähig war (vgl. Sprechstundenbericht des E.____ vom 14. Juni 2 019, IV-Dok 60.3). Damit ist davon auszugehen, dass sich die Auffassung des Hausarztes einer weiterhin nur 20%-igen Restarbeits- fähigkeit offensichtlich auf die psychiatrischen Verhältnisse des Versicherten und dessen ur- sprüngliche Erkrankung bezogen hat, wie sie aber durch Dr. C.____ abweichend beurteilt worden ist. Bei der durch den behandelnden Hausarzt in zeitlich er Hinsicht über die Verfügung der IV- Stelle vom 21. April 2021 hinaus attestierten Arbeitsunfähigkeit handelt es sich lediglich um eine weiterhin abweichende Einschätzung der dem Versicherten verbleibenden Restarbeitsfähigkeit, welche mithin auch im vorstehenden Beschwerdeverfahren k eine Verbindlichkeit für sich bean- spruchen kann. Hierfür spricht nicht zuletzt auch der Umstand, dass sich in den Akten der behan- delnden Ärzte keine Hinweise auf eine erneute Verschle chterung der gesundheitlichen Verhält- nisse finden lassen. Angesichts der durch Dr. D.____ mit Bericht vom 14. Februar 2018 noch selbst prognostizierten Verbesserung der psychiatrischen Ver hältnisse (oben, E. 5.1) wäre ein solches Postulat letztlich auch widersprüchlich. Ohnehin ist in dieser Hinsicht zu berücksichtigen, dass die Arbeitslosenversicherung auf die Einschätzung der Erwerbsunfähigkeit der IV abzustel- len hat, da erstere zwar die Arbeitsfähigkeit (Art. 15 Abs. 3 AVIG), nicht aber die Erwerbsfähigkeit zu überprüfen hat. Weil die Arbeitslosenversicherung mit anderen Worten das Risiko einer Inva- lidität nicht abdeckt, können ihre Organe keine eigen ständige Kontrolle derselben vornehmen (Urteil des Bundesgerichts vom 8. November 2005, C256/ 03, E. 4.4). Die Arbeitslosenversiche- rung ist in dieser Hinsicht vielmehr an die IV-rechtliche Festsetzung der Erwerbsfähigkeit gebun- den, wie sie im vorliegenden Fall aus der höchstrichte rlich bestätigten Verfügung der IV-Stelle vom 21. April 2020 resultiert, andernfalls eine zuverlässige Koordination und Festlegung der Ver- mittlungsfähigkeit über eine abweichende Festlegung des versicherten Verdienstes gemäss Art. 40b AVIV von einem mehr oder minder im Nachgang zufälligen Vorliegen anderslautender Arzt- zeugnisse abhängig gemacht und damit letztlich ihres Gehalts entleert würde. Auf der Basis der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht nachträglich leistungsablehnenden IV-Verfügung vom 21. April 2020 liegt mit Blick auf die Ver- mittlungsfähigkeit demnach auch keine andere rechtliche Beurteilung im Sinne einer prozessua- len Revision vor, weshalb sich auch an der Bemessungsgrundlage des versicherten Verdienstes in arbeitslosenversicherungsrechtlicher Hinsicht nichts ändern kann. 5.3 Damit fehlt es hinsichtlich der in invalidenversiche rungsrechtlicher Hinsicht massgeben- den Arbeits- und Erwerbsfähigkeit des Versicherten im Umfang von 100% für eine abweichende Beurteilung der ab Mai 2021 massgebenden Vermittlung sfähigkeit in beweismässiger Hinsicht nicht nur an einer zuverlässigen Sachlage, sondern mit Blick auf das für eine rückwirkende Kor- rektur der Taggeldabrechnungen betreffend die Monate Mai bis Juli 2020 auch am hierfür voraus- gesetzten Erfordernis einer prozessualen Revision oder ei ner Wiedererwägung, wie es gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG indes notwendig wäre (oben, E. 3.2 f.). Dem Versicherten steht damit in den strittigen Kontrollperioden Mai bis Juli 2020 (oben, E. 4) ein Taggeld auf der Basis eines Vollzeit- pensums zu, weshalb sich die Kürzung seines versicherten Verdienstes um 80% als unrechtmäs- sig erweist und die Beschwerdegegnerin verpflichtet ist, d em Beschwerdeführer über Mai 2020 hinaus die Arbeitslosentaggelder aufgrund eines ungekü rzten versicherten Verdienstes auszu- richten. Der angefochtene Einspracheentscheid der Kasse vom 23. April 2021 ist bei diesem Er- gebnis in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. 6.1 Gemäss Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kosten- pflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Sieht das Einzelgesetz keine Kos- tenpflicht vor, kann das Gericht einer Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhält, Gerichts- kosten auferlegen. Da das AVIG keine Kostenpflicht vorsieht und sich die Parteien weder mutwil- lig noch leichtsinnig verhalten haben, sind für das vorl iegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. 6.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsiegende Partei ist demnach eine Partei- entschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprech en. Der Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers hat mit Eingabe vom 24. September 2021 auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet, indessen darauf hingewiesen, dass bei der Zusprache der Parteientschädigung nach richterlichem Ermessen zu berücksichtigen sei, dass das Beschw erdeverfahren und die damit verbundenen Bemühungen viel Zeit in Anspruch genommen hätten. In Anbetracht der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen erweist sich ein A ufwand von acht Stunden zuzüglich Pauschalspesen von Fr. 100.— als angemessen. Der Zeitaufwa nd ist mit dem im Sozialversiche- rungsrecht üblichen Stundenansatz von Fr. 250.— zu vergü ten (§ 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Dem Rechtsvertreter ist demnach ein Hono- rar von Fr. 2'261.70 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwer tsteuer) zu Lasten der Beschwerdegeg- nerin zuzusprechen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid der Öf- fentlichen Arbeitslosenkasse Baselland vom 23. April 2021 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland hat de m Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'261.70 (inkl. Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen.