B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4563/2017 lan U r t e i l v o m 9 . N o v e m b e r 2 0 1 8 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am (…), China (Volksrepublik), bisher vertreten durch Frau MLaw Gnanagowry Somas- kanthan, substituiert durch lic. iur. Isabelle Müller, Caritas Schweiz, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 14. Juli 2017 / N (…). D-4563/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat nach eigenen Angaben am 3. April 2012 und gelangte nach Nepal. Von dort reiste sie nach mehr- monatigem Aufenthalt auf dem Luftweg in die Schweiz, wo sie am 24. Ok- tober 2012 im Empfangs - und Verfahrenszentrum B._______ ein Asylge- such stellte. Dort fand am 13. Dezember 2012 auch die Befragung zur Per- son statt. Schliesslich wurde die Beschwerdeführerin am 5. Juni 2014 ver- tieft zu den Gründen ihres Asylgesuchs angehört. Im Rahmen der Befragung zur Person brachte die Beschwerdeführerin vor, chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie zu sein. Sie habe im Dorf C._______ (Gemeinde D._______, Bezirk E._______, Präfektur F._______) in Tibet gelebt und sei seit 2009 verheiratet. Sie habe nie eine Schule besucht, stattdessen i n der Landwirtschaft gearbeitet und Alkohol verkauft. Zu ihren Gesuchsgründen befragt, gab die Beschwerdeführerin an, dass ihr Leben in Gefahr gewesen sei. Ein Verwandter aus Indien hätte anlässlich seines Besuches im Jahr (…) eine DVD des Dalai Lamas mitge- bracht, die sie angeschaut und den Nachbarn ausgeliehen habe. Die Chi- nesen hätten das erfahren, die Beschwerdeführerin festgenommen und nach D._______ gebracht, ihre ID konfisziert und ihr schliesslich für den Wiederholungsfall mit Gefängnis gedroht. Im J ahr (…) habe sie im nahe- gelegenen Ort G._______ Mönche kennengelernt, die nach Nepal hätten ausreisen wollen und sie nach dem Weg fragten. Sie habe diese Mönche ein Stück weit begleitet und anschliessend die Nacht in einem Ort namens H._______ verbracht. Zurück in ihrem Heimatdorf hätten die Behörden be- reits gewusst, dass sie die Mönche begleitet hatte. Daraufhin organisierte ihre Mutter einen Schlepper, mit welchem die Beschwerdeführerin dann die Ausreise antrat. Anlässlich der Anhörung machte die Beschwerdeführerin wiederum die zwei Vorfälle aus dem Jahr (…) und (…) als Fluchtgründe geltend. Im Un- terschied zur Befragung brachte sie zum Ersteren allerdings vor, sie habe im Restaurant eines Verwandten in G._______ geholfen Reiswein zu ver- kaufen, als ein älterer Reisender in seinem Zimmer im Restaurant die CDs des Dalai Lamas verteilte. Zudem habe die Polizei sie angehalten, Infor- mationen über solche Vorfälle in Zukunft weiterzugeben. Seither habe sie sich monatlich auf dem Polizeiposten melden müssen. Zum Vorfall von (…) (dem zweiten Vorfall) führte sie aus, die Mönche seien ebenfalls in das Restaurant des Verwandten in G._______ gekommen und hätten um Hilfe D-4563/2017 Seite 3 zur Flucht gebeten. Sie habe die Mönche dann in der Nacht weitergeführt, und sei sehr spät nach Hause gekommen. Dort habe ihr die Mutter gesagt, es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Polizei kommen und die Bes chwer- deführerin festnehmen würde . Daraufhin sei sie mit dem von der Mutter organisierten Schlepper ausgereist. Die Beschwerdeführerin reichte keine Reise- oder Identitätsdokumente zu den Akten. B. Am 11. Juni 2014 gab das SEM (damals Bundesamt für Migration BFM) bei der Lingua-Sektion eine Herkunftsabklärung in Auftrag, woraufhin am 16. Dezember 2014 mit der Beschwerdeführerin ein Lingua-Interview (von 60 Minuten Dauer) durchgeführt wurde. In seinem Bericht vom 22. Dezem- ber 2014 (nachfolgend: „Lingua-Evaluation“) kam der Lingua-Experte unter dem Titel „Evaluation des Alltagswissens“ zum Schluss, die Wahrschein- lichkeit, dass die Beschwerdeführerin im beha upteten geographischen Raum – also Tibet – gelebt haben könnte, sei klein. C. Mit Schreiben vom 12. Januar 2015 wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zur Lingua-Evaluation gewährt, wobei ihr – unter Verweis auf öffentliche Geheimhaltungsinteressen und Art. 27 f. VwVG – lediglich der zusammengefasste Inhalt des Berichts zur Kenntnis gebracht wurde. D. In Ihrer Antwort vom 22. Januar 2015 nahm die Beschwerdeführerin zur Lingua-Evaluation Stellung, wobei sie an der geltend gemachten Herkunft aus Tibet festhielt. E. Mit Verfügung vom 8. April 2015 (eröffnet am 15. April 2015) lehnte das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete deren Weg- weisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an, unter aus- drücklichem Ausschluss des Wegweisungsvo llzuges in die Volksrepublik China. F. Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin mittels Eingaben vom 11. Mai 2015 (gerichtet ans SEM) und vom 13. Mai 2015 (gerichtet ans dafür zuständige Bundesverwaltungsgericht) Beschwerde. Unter an- derem rügte di e Beschwerdeführerin eine Gehörsverletzung, weil ihr der D-4563/2017 Seite 4 wesentliche Inhalt der Lingua-Evaluation nur ungenügend zur Kenntnis ge- bracht worden sei. G. Mit Urteil D -3084/2015 vom 17. Januar 2017 hiess das Bundesverwal- tungsgericht die Beschwerde gut, hob die an gefochtene Verfügung vom 8. April 2015 auf, und wies die Sache zur Neubeurteilung ans SEM zurück. Namentlich habe das SEM seine Verpflichtung zur Gewährung des rechtli- chen Gehörs verletzt, indem es den wesentlichen Inhalt der Lingua-Evalu- ation nur ungenügend offengelegt, mithin der Beschwerdeführerin eine diesbezügliche Auseinandersetzung verunmöglicht habe. H. Mit Schreiben vom 24. Februar 2017 gewährte das SEM der Beschwerde- führerin erneut das rechtliche Gehör zur Lingua-Evaluation. Diesmal wurde ihr – wiederum unter Verweis auf öffentliche Geheimhaltungsinteressen und Art. 27 f. VwVG – der wesentliche Inhalt der Herkunftsabklärung de- tailliert zur Kenntnis gebracht. I. Am 13. März 2017 nahm die Beschwerdeführerin ausführlich Stellung, wo- bei sie auf die verschiedenen Elemente der Lingua-Evaluation einging. J. Mit Verfügung vom 14. Juli 2017 ( eröffnet am 18. Juli 2017 ) wurde das Asylgesuch der Beschwerdeführerin erneut abgewiesen und die Wegwei- sung sowie ihr Vollzug – unter ausdrücklichem Ausschluss des Vollzugs in die Volksrepublik China – angeordnet. K. Mit Eingabe vom 16. August 2017 (Datum Poststempel) focht d ie Be- schwerdeführerin – handelnd durch ihre Rechtsvertretung – den vorin - stanzlichen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Unzulässigkeit respek- tive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und der Be- schwerdeführerin die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In formeller Hin- sicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates, mithin um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 D-4563/2017 Seite 5 VwVG, um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses und um Ver- beiständung (Art. 110a Abs. 1 AsylG [SR 142.31]). Mit der Eingabe legte die Beschwerdeführerin neun Beilagen zu den Akten, unter anderem die schwarz-weiss Kopie einer vom Dorfvorsteher ihres Hei- matdorfes verfassten Herkunftsbestätigung. Das Nachreichen einer Über- setzung des Schreibens wurde in Aussicht gestellt. L. Mit Zwischenverfügung vom 28. August 2017 (eröffnet am 29. August 2017) stellte die Instruktionsrichterin die aufschiebende Wirkung der Be- schwerde fest, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte dem Rechtsvertreter eine Frist zum Nachweis der Anforderungen für die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) sowie der Verbeiständung (Art. 110 a Abs. 1 AsylG) an. Weiterhin sei die von der Beschwerdeführerin zu den Akten gereichte Kopie der Herkunfts- bestätigung im Original und mit Übersetzung nachzureichen. M. Am 26. September 2017 (Datum Poststempel) reichte die Beschwerdefüh- rerin das Formular „Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege“ mit neun Bei- lagen zu den Akten. Zusätzlich legte sie eine Farbkopie der Herkunftsbe- stätigung – nicht aber das Original – und eine amtlich beglaubigte Überset- zung, sowie ein Unterstützungsschreiben des ‚Tibet Bureau‘ in Genf vom 25. November 2016 bei. N. Hiernach hiess das Bundesverwaltungsgericht am 17. Oktober 2017 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und um Gewährung der amtlichen Verbeiständung (Art. 110a Abs. 1 AsylG) gut, wobei Frau MLaw Gnanagowry Somaskanthan als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet wurde. Gleichzeitig wurde das SEM einge- laden, sich zur eingereichten Beschwerde vernehmen zu lassen. O. Mit Schreiben vom 20. Oktober 2017 reichte das SEM seine Vernehmlas- sung zu den Akten und beantragte die Abweisung der Beschwerde. P. Nach gewährter Fristerstreckung replizierte die Beschwerdeführerin am 7. November 2017 (Datum Poststempel), wobei sie vollumfänglich an den Vorbringen der Beschwerde vom 16. August 2017 festhielt. D-4563/2017 Seite 6 Q. Am 22. Januar 2018 bat die amtlich beigeordnete Rechtsvertretung – Frau MLaw Gnanagowry Somaskanthan – das Bundesverwaltungsgericht sie von ihrem Mandat als amtliche Rechtsbeiständin zu entbinden. An ihrer statt wurde Frau lic. iur. Isabelle Müller als neue Mandatsträg erin ab dem 1. Februar 2018 vorgeschlagen und es wurde eine entsprechende Substi- tutionsvollmacht beigelegt. Sowohl Frau MLaw Gnanagowry Somas- kanthan als auch Frau lic. iur Isabelle Müller waren respektive sind bei der- selben Rechtsvertretungsorganisation – der Abteilung Anwaltschaft der Caritas Schweiz – tätig. R. Mit Schreiben vom 31. Januar 2018 reichte die Beschwerdeführerin – im- mer noch handelnd durch ihre bisherige Rechtsvertreterin – drei weitere Beweismittel in der Form eines eingeschriebenen Briefes aus Tibet (von der Mutter der Beschwerdeführerin verfasst), des entsprechenden Origi- nalumschlags der chinesischen Post, sowie eines Auszugs der Sendungs- verfolgung des Schreibens zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM. Dabei entschei- det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel- chem die beschwerdeführende Person Schutz such t (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 1.4 Die Beschwerdeführerin ist legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und ihre Beschwerde erfolgte frist- und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. D-4563/2017 Seite 7 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. Im Folgenden ist zun ächst zu prüfen ob sich das Bundesverwaltungsge- richt den vorinstanzlichen Erwägungen zur fehlenden Glaubhaftigkeit der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Herkunft aus und Hauptsozialisation in Tibet sowie der angeführten Asylvorbringen an- schliessen kann. 3.1 In der angefochtenen Verfügung führte das SEM im Wesentlichen aus, es sei der Beschwerdeführerin nicht gelungen eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Beschwerdeführerin sei zwar unbestrittenermassen tibetischer Ethnie, je- doch legten ihre mangelhaften Länder- bzw. Regionalkenntnisse, ihre feh- lenden Kenntnisse der chinesischen Sprache, die fehlenden Identitätspa- piere sowie die unglaubhaft vorgetragenen Asylgründe nahe, dass sie nicht in der von ihr angegebenen Region – der Autonomen Region Tibet in der Volksrepublik China – sozialisiert worden sei. Vielmehr sei mit überwiegen- der Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der chinesischen Diaspora gelebt habe. D-4563/2017 Seite 8 Zur Begründung stützte sich das Staatssekretariat auf die Lingua-Evalua- tion, in welche r die sachverständige Person das Alltagswissen der Be- schwerdeführerin in Bezug auf den von ihr geltend gemachten Heimatort in Tibet auswertete. Das SEM führte in seiner Verfügung nochmals spezi- fisch die von der sachverständigen Person festgestellten Widersprüche und Fehlangaben auf, sowie die entsprechenden Stellungnahmen der Be- schwerdeführerin im Rahmen der Gehörsgewährung. Insbesondere wur- den dabei die Kenntnisse der Beschwerdeführerin hinsichtlich Geografie , Topografie und natürliche Umgebung des Dorfes, nahegelegene Ortschaf- ten und Klöster, Landwirtschaft und Herstellung des traditionellen Getränks Chang, Tätigkeit der Beschwerdeführerin im Restaurant, Preise und Ein- kaufsgewohnheiten, Schulsystem, Ausstellung von Personalausweisen, sowie chinesische Sprache thematisiert. Das SEM stellte fest, dass der Ex- perte zusammenfassend zum Schluss gekommen sei, die Wahrscheinlich- keit, dass die Beschwerdeführerin im behaupteten geografischen Raum gelebt habe, sei klein. Das Staatssekretariat selber beurteilte insbesondere die Erklärungen der Beschwerdeführerin zu ihren fehlerhaften Angaben in Bezug auf die nahegelegenen Ortschaften und Klöster als nicht überzeu- gend. Auch seien die falschen Angaben der Beschwerdeführerin zur Her- stellung von Chang unerklärlich. Dies insbesondere wegen der Aussage der Beschwerdeführerin, im Rahmen ihrer Tätigkeit im Restaurant Chang verkauft zu haben. Ferner stellte das SEM fest, dass – obwohl Essensan- gebote und Preise in Restaurants variieren könnten, die Beschwerdefüh- rerin nicht den Anschein mache, mit den spezifisch in der Region üblichen Essgewohnheiten vertraut zu sein. Zu den chinesischen Sprachkenntnis- sen der Beschwerdeführerin bemerkte das Staatssekretariat, es sei sehr ungewöhnlich für eine Einheimische (von) I._______ (Region Tibets) im Al- ter der Beschwerdeführerin, derart wenig zu v erstehen und sogar Grund- begriffe wie Reis und Nudeln nicht übersetzen zu können. Zuletzt wider- spreche die Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme diversen Feststel- lungen der sachverständigen Person ohne dies weiter zu begründen oder zu belegen. Mithin vermöge sie der Analyse des Experten nichts entgegen- zusetzen, was dessen Einschätzung in Frage stellen könnte. Aufgrund der Herkunftsanalyse des Experten sowie mangels Aussagen seitens der Be- schwerdeführerin, welche deren offensichtliche Unkenntnis der dorti gen Gegebenheiten plausibel erklären könnten , sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nicht – wie geltend gemacht – in Tibet gelebt habe. Zudem seien die Asylvorbringen der Beschwerdeführerin widersprüchlich, unsubstantiiert und nicht nachvollziehbar. So habe die Beschwerdeführerin im Rahmen der Erstbefragung und der Bundesanhörung widersprüchliche D-4563/2017 Seite 9 Aussagen gemacht. Namentlich habe sie in der Erstbefragung angegeben, die CD des Dalai Lama zu Hause von einem Verwandten erhalten zu ha- ben, in der Bu ndesanhörung jedoch erzählt, ein älterer ihr unbekannter Mann habe ihr die CD im Restaurant ihres Verwandten gegeben. Sie habe diese widersprüchlichen Angaben nicht plausibel erklären können. Zudem habe sie weder über den vorgenannten Mann, noch über die Mönche, die sie später begleitet haben sollen, genauere Angaben machen können. Fer- ner seien ihre Aussagen zur illegalen Ausreise vage und stereotyp geblie- ben. Es sei zu erwarten gewesen, dass die Beschwerdeführerin zu dieser Reise – die ein prägendes Ereign is in ihrem Leben darstellen müsste – individuelle Ereignisse und Eindrücke schildern könne. Dennoch seien die Erzählungen hierzu eindimensional geblieben. Die Beschwerdeführerin könne nicht glaubhaft darlegen, illegal aus Tibet ausgereist zu sein . Folg- lich hielten die Schilderungen der Beschwerdeführerin den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit g emäss Art. 7 AsylG nicht stand . Entsprechend könne – unter ausdrücklichem Vorbehalt späterer Geltendmachung – da- rauf verzichtet werden, auf weitere Unglaubhaftigkeitselemente in den Vor- bringen einzugehen. Mithin sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volks- republik China, sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da sie aber keine konkreten und glaubhaften Hinweise auf einen längeren Aufent- halt in einem Drittstaat geliefert habe, sei im Sinne der Praxis davon aus- zugehen, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort bestünden. 3.2 In ihrer Beschwerde erörterte die Beschwerdeführerin zunächst noch einmal die Prozessgeschichte und den – aus ihrer Sicht – rechtserhebli- chen Sachverhalt, wobei sie im Wesentlichen ihre Angaben aus der vertief- ten Anhörung wiederholte und punktuell etwas detaillierter ausführte. In rechtlicher Hinsicht machte die Beschwerdeführerin geltend, ihre Vor- bringen hielten den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG in einer Gesamtwürdigung durchaus stand. Zur Frage der Glaub- haftmachung ihrer tibetischen Herkunft ging sie – wie schon die Vorinstanz in ihrer Verfügung – detailliert auf die verschiedenen Elemente der Lingua- Evaluation und ihre diesbezügliche Stellungnahme ein. Insbesondere kriti- sierte sie sinngemäss und unter Berufung auf das Protokoll der Anhörung, dass verschiedentlich korrekte Aussagen oder Detailwissen der Beschwer-D-4563/2017 Seite 10 deführerin vom SEM nicht gewürdigt worden seien. Zudem bestritt sie, ge- wisse Aussagen im Rahmen des Lingua-Interviews überhaupt oder zumin- dest in der von der sachverständigen Person wiedergegebenen Form ge- macht zu haben. Insgesamt würden die Aussagen der Beschwerdeführerin zeigen, dass sie sich in der Umgebung ihres Dorfes sehr gut aus kenne, mithin über umfassendes Wissen über ihre Herkunftsregion verfüge. Wei- terhin seien Unterschiede in Bezug auf gewisse Aspekte des Alltagswis- sens zwischen dem Experten und der Be schwerdeführerin durchaus er- klärbar, könne sich doch der Alltag der tibetischen Bevölkerung in unter- schiedlichen Teilen Tibets – manchmal gar von Dorf zu Dorf – unterschei- den. Entsprechend seien allgemein gültige Aussagen nicht immer möglich. Auch werfe der Entscheid der Vorinstanz ihr nicht vor, einen exiltibetischen Dialekt zu sprechen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass ein exil- tibetischer Dialekt vom Experten auf Anhieb bemerkt und zum Nachteil der Beschwerdeführerin in der Analyse aufgeführt worden wäre. Dies sei als Indiz dafür zu werten, dass sie keinen exiltibetischen Dialekt spreche, mit- hin in der Region C._______ sozialisiert worden sei. Zusammenfassend sei in Anbetracht einer Gesamtwürdigung aller Tatsachen die Wahrschein- lichkeit, dass die Beschwerdeführerin bis zu ihrer Ausreise im Autonomen Gebiet Tibet sozialisiert worden sei, enorm hoch. Die Beschwerdeführerin zitierte zudem verschiedentlich Dokumente und Berichte von Drittorganisationen – so zum Beispiel das Themenpapier der SFH-Länderanalyse China/Tibet – zur Stützung ihrer Vorbringen bezüglich Lingua-Evaluation und Stellungnahme. Zur Glaubhaftmachung der As ylgründe verwies die Beschwerdeführerin zunächst auf die Praxis der vormaligen Asylrekurskommission , wonach den Aussagen im Rahmen der Befragung zur Person aufgrund deren sum- marischen Charakters lediglich beschränkter Beweiswert zugesprochen werde. Widersprüche zwischen Befragung und Anhörung dürften nur dann zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit herangezogen werden, wenn sie in wesentlichen Punkten diametral voneinander abwichen, oder wenn Ereig- nisse und Befürchtungen, die als zentrale Asylgründe zu werten s eien, nicht zumindest im Ansatz während der Befragung erwähnt wurden. Lü- ckenhafte Aussagen anlässlich der Befragung oder Widersprüche in se- kundären Punkten sollten grundsätzlich keinen Einfluss auf die Beurteilung der Glaubwürdigkeit haben. Im vorliegenden Fall habe die Befragung le- diglich 60 Minuten gedauert und es sei – gemäss Aussagen der Beschwer- deführerin in der Anhörung – zu Unstimmigkeiten mit der Dolmetscherin gekommen. Insbesondere sei dadurch erklärbar, weshalb die Angaben zu D-4563/2017 Seite 11 Person und Ort der CD -Übergabe voneinander abwichen. Im Übrigen könne diese Abweichung auch keineswegs als diametral bewertet werden. In Bezug auf die vom SEM monierten vagen und stereotypen Aussagen zur illegalen Ausreise könne der Vorinstanz weiter nicht gefolgt werden. Vielmehr habe die Beschwerdeführerin beteiligte Personen, durchreiste Ortschaften und erlebte Fluchtumstände schildern können, wobei ihre Aus- sagen den Eindruck des Selbsterlebten erweckten. Insgesamt habe die Beschwerdeführerin sowohl Herkunft als auch Asylgründe glaubhaft darle- gen können. Zur Flüchtlingseigenschaft brachte die Beschwerdeführerin vor, dass ihr bereits bei der Verhaftung im Jahr (…) ein politisches Motiv unterstellt wor- den sei. Durch die Unterstützung der Mönche im Jahr (…) (zweiter Vorfall) und die anschliessende Flucht habe sie die ihr von der chinesischen Polizei auferlegten Pflichten nicht befolgt, weshalb die chinesischen Behörden wohl auch ihre Flucht als politisch motiviert beurteilen würden. Sie habe deshalb begründete Furcht bei einer Rü ckkehr ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. Sie erfülle somit die Flücht- lingseigenschaft. Auf jeden Fall seien aufgrund ihrer illegalen Ausreise und ihres langen Aufenthalts in der Schweiz subjektive Nachfluchtgründe zu bejahen. Bezüglich einer Drittstaatenwegweisung seien sehr hohe Anforderungen zu stellen. Nach einer ausführlichen Darlegung der Möglichkeiten für Tibe- ter, in Indien oder Nepal die Staatsangehörigkeit oder ein legales Aufent- haltsrecht zu erhalten, kam die Rechtsvertreterin zum Schluss, dass im vorliegenden Fall davon ausgegangen werden müsse, dass die Beschwer- deführerin weder über die nepalesische noch über die indische Staatsan- gehörigkeit noch über einen legalen Aufenthaltstitel in einem dieser Länder verfüge. 3.3 In seiner Vernehmlassung stellte das SEM zunächst fest, die Be- schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis- mittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen würden. Trotzdem bemerkte das Staatssekretariat in Bezug auf die von der Be- schwerdeführerin auf Beschwerdeebene in Kopie zu den Akten gereichte Herkunftsbestätigung, dass diese – trotz entsprechender Aufforderung des Bundesverwaltungsgerichts – von der Beschwerdeführerin nicht im Origi- nal eingereicht wurde. Ohnehin komme diesem Dokument auch im Original aufgrund von Fälschungsanfälligkeit lediglich ein geringer Beweiswert zu, D-4563/2017 Seite 12 und sowohl Stempel als auch Unterschrift auf dem Dokument seien unle- serlich. Zudem entfalte es lediglich beschränkte inhaltliche Aussagekra ft, da daraus gemäss Übersetzung lediglich hervorgehe, dass die Beschwer- deführerin seit einigen Jahren im Ausland lebe und aus C._______ stamme. Weiterhin lägen keine Informationen zur Beschaffung des einge- reichten Beweismittels vor, und insbesondere fehlt en Angaben, von wem das eingescannte Dokument geschickt wurde, und wo es sich zurzeit be- finde. Gleiches gelte für das von der Beschwerdeführerin – ebenfalls auf Beschwerdeebene – zu den Akten gelegte Schreiben des ‚Tibet Bureau‘, welches als Gefälligkeitsschreiben keinen Beweiswert aufweise. Insge- samt seien deshalb die auf Beschwerdeebene eingereichten Dokumente ungeeignet, die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Be- schwerdeführerin zu beseitigen. 3.4 In der Replik nahm die Beschwerdeführerin Stellung zu den vom SEM vorgebrachten Bedenken hinsichtlich der auf Beschwerdeebene einge- reichten Beweismittel. Zur Herkunftsbestätigung aus C._______ erläuterte die Beschwerdeführerin, sie habe im Asylverfahren keine Identitätspapiere beibringen können, weil letztere von der Polizei beschlagnahmt worden seien. Zudem habe s ie sich nicht mit ihrer Familie in Verbindung setzen können, ohne diese zu gefährden. Deshalb habe sie versucht, ein Schrei- ben von der Gemeinde zu erhalten. Dafür sei es ihr gelungen, über ‚WeChat‘ den Kontakt zu einem ihr bekannten Mönch – J._______ – wie- derherzustellen. Dieser sei im Restaurant, wo die Beschwerdeführerin Chang verkaufte, ein- und ausgegangen. Diesem Mönch habe sie mitge- teilt, dass sie dringend ein Beweismittel benötige, ein Dokument der Ver- waltung, welches ihre Herkunft bestätige. Daraufhin habe der Mönch mit einer ihm bekannten Nonne Kontakt aufgenommen, da er wusste, dass diese sich bald nach C._______ begeben würde. Die Nonne hätte darauf- hin das Nachweisschreiben bei der Mutter der Beschwerdeführerin abge- holt und J._______ überbracht. Der Beschwerdeführerin sei aber nicht be- kannt, wie die Mutter zu diesem Schreiben gelangte. Die Beschwerdefüh- rerin habe J._______ gleich um Postsendung des Originalschreibens ge- beten. Dieser habe aber entgegnet, dass sie sich gedulden solle, und dass er ihr das Original zukommen lassen werde, der Postversand zurzeit aber für ihn als Mönch zu gefährlich sei. Aufgrund der Dringlichkeit habe sie aber sein Angebot, ihr eine Kopie per E-Mail zuzusenden, angenommen. Diese Kopie habe sie nun dem Gericht eingereicht. Daraufhin habe J._______ ihr verboten, ihn weiter per WeChat auf das Schreiben anzusprechen, da es sich um ein chinesisches Unternehmen handle, und es entsprechend ge-D-4563/2017 Seite 13 fährlich für ihn sei, immer wieder auf das Schreiben angesprochen zu wer- den. Die Beschwerdeführerin habe angenommen, die Kopie des Schrei- bens genüge. Erst von der Rechtsvertreterin darauf angesprochen, h abe sie J._______ wieder anzusprechen begonnen. Sie frage ihn nun täglich nach dem Dokument. Er antworte allerdings immer wieder, sie müsse sich gedulden, da es für ihn zu gefährlich sei. Das Original befinde sich gegen- wärtig bei J._______ – der über keinen festen Wohnsitz verfüge und wie ein Nomade lebe – an dessen derzeitigem Aufenthaltsort in K._______. Bezüglich des Schreibens des ‚Tibet Bureau‘ sei anzumerken, dass es der Beschwerdeführerin nicht zugemutet werden könne, mit den chinesischen Behörden zwecks Erhalt rechtsgenüglicher Ausweisschriften in Kontakt zu treten. Im Übrigen sei den Akten zu entnehmen, dass ihre Identitätskarte von der Polizei eingezogen wurde. Entsprechend habe die Beschwerde- führerin ihr Möglichstes versucht, ihrer Mitwirkungspfli cht nachzukommen und Dokumente zu beschaffen. In Bezug auf die Glaubhaftmachung ihrer Herkunft aus und Sozialisierung in C._______ verweise sie auf die Ausfüh- rungen der Beschwerdeschrift, an welchen sie vollumfänglich festhalte. Im Übrigen habe die Beschwe rdeführerin angegeben, nach ihrer illegalen Ausreise aus China noch (…) Monate in Nepal gelebt zu haben, mithin könne ihr keine Verschleierung der Herkunft oder Geheimhaltung des Auf- enthalts in einem Drittstaat vorgeworfen werden. Ferner halte sich die Be- schwerdeführerin bereits seit (…) Jahren in der Schweiz auf; entsprechend sei sie – gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts – gefährdet, bei einer allfälligen Rückkehr in ihren Heimatstaat China aufgrund einer oppo- sitionellen Haltung flüchtlingsrelevante Verfolgung zu erleiden. Im Übrigen halte sie an den Vorbringen der Beschwerde vollumfänglich fest. 3.5 Nach einlässlicher Analyse der damaligen Quellenlage gelangte die vormalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) in ihrer publizier- ten Praxis zum Schluss, dass im Falle einer Person, bei welcher die tibeti- sche Ethnie erstellt ist, vorab auf eine chinesische Staatsangehörigkeit zu schliessen sei, und zwar auch dann, wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, die betreffende Person habe vor ihrer Einreise in die Schweiz in der exilti- betischen Gemeinde in Nepal oder Indien gelebt (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2005 Nr. 1 E. 4.3.). Im Länderurteil BVGE 2014/12 hat das Bundesverwaltungsgericht diese Praxis einer eingehen- den Prüfung unterzogen , wobei das Gericht zum folgendem Schluss ge- langt ist: Für Angehörige der tibetischen Ethnie besteht sowohl in Nepal als auch in Indien die Möglichkeit, unter gewissen Bedingungen eine Aufent-D-4563/2017 Seite 14 haltsbewilligung zu erhalten, beziehungsweise unter engen Voraussetzun- gen ist es auch möglich, die entsprechende Staatsangehörigkeit zu erwer- ben, womit die chinesische Staatsangehörigkeit – durch den Erwerb einer neuen Staatsangehörigkeit – wegfällt. Daneben muss aber (weiterhin) da- von ausgegangen werden, dass ein gross er Teil der in Nepal und Indien lebenden Exil-Tibeterinnen und -Tibeter keine neue Staatsangehörigkeit erworben haben und nach wie vor die chinesische Staatsangehörigkeit be- sitzen (vgl. E. 5.8 [erster Absatz; Zwischenergebnis nach E. 5.4 - 5.7]). 3.6 In BVGE 2014/12 hat das Bundesverwaltungsgericht zum einen die bisherige Praxis auf ihre Aktualität hin überprüft, zum andern hat das Ge- richt – im Sinne einer Präzisierung – namentlich festgehalten, dass bei Per- sonen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder ver- heimlichen würden, vermutungsweise davon auszugehen sei, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestünden, zumal die Abklärungspflicht der Asylbehörden ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person finde. Verunmögliche ein tibetischer Asylsuchender durch die Ver- letzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in Nepal respektive in Indien innehabe, könne namentlich k eine Dritt- staatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Per- son in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. a.a.O., E. 5.8 - 5.10). Im Lichte dieser Präzisierung kommt der Frage nach der Verlässlichkeit der Herkunftsangaben der Beschwerdeführerin zentrale Bedeutung zu. 3.7 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genüge nd substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bed eutet ferner – im Gegensatz D-4563/2017 Seite 15 zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch- stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge- richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma- chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f.; 2012/5 E. 2.2 S. 43 f.; 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 3.8 Das SEM hat seine Erkenntnis der Unglaubhaftigkeit der Herkunftsan- gaben und mithin der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin sowohl auf deren Aussagen, als auch auf das Ergebnis der Lingua-Evaluation vom 16. Dezember 2014 abgestützt (vgl. Verfügung sowie A15). Deren Verwert- barkeit und Bedeutung ist vorab von Amtes wegen zu prüfen. 3.8.1 Bei entscheidwesentlichen Zweifeln an der vor getragenen Herkunft von Asylsuchenden hat das SEM in der Vergangenheit in der Regel eine von den Befragungen zur Person und zu den Asylgründen unabhängige Herkunftsanalyse (sog. Lingua -Analyse) durch einen amtsexternen, von der Fachstelle Lingua des SEM beauftragten und mit den entsprechenden Sprach- und Länderkenntnissen ausgestatteten Sachverständigen durch- führen lassen, bei der neben den landeskundlich -kulturellen Kenntnissen üblicherweise auch die sprachlichen Fähigkeiten der asylsuchenden Per- son geprüft wurden. In jüngerer Zeit hat die Fachstelle Lingua unter dem Titel "Evaluation des Alltagswissens" vergleichbare Analysen ebenfalls durch amtsexterne Sachverständige aber beschränkt auf landeskundlich- kulturelle Elemente (ohne linguistische Komponente) erstellen lassen. So- wohl die Lingua-Analyse als auch die Evaluation des Alltagswissens haben zwar nicht den Stellenwert eines Sachverständigengutachtens; es kommt ihnen jedoch erhöhter Beweiswert zu, wenn die gebotenen Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Experten so- wie die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit erfüllt sind (vgl. dazu BVGE 2014/12 E. 4.2.1 m.w.H.; Urteil des BVGer E -6850/2013 vom 13. Ja-nuar 2015 E. 6.1). D-4563/2017 Seite 16 3.8.2 Vorliegend stützt sich das SEM auf eine auf landeskundlich-kulturelle Elemente beschränkte Lingua-Evaluation. Die Qualifikation von (…) – der mit der Evaluation betrauten Person – erscheint vorliegend nicht fraglich, zumal sie aus Ü-Tsang – Zentraltibet – stammt und bis im Jahr 2009 dort gelebt hat. Weiterhin bestehende Kontakte zur dortigen Familie ermögli- chen zudem aktualisierte Informationen (vgl. A 16). Auch die Objektivität und Neutralität sind grundsätzlich nicht zu bezweifeln. So werden im Be- richt wiederholt zutreffende Aussagen der Beschwerdeführerin zitiert. Gerade aber die Tatsache, dass die Beschwerdefühererin in der Lage war, gewisse Belange vor Ort richtig zu skizzieren, wirft Fragen zur inhaltlichen Schlüssigkeit des Berichts auf. Dies insbesondere, zumal nicht alle der Be- schwerdeführerin von der sachverständigen Person vorgehaltenen Un- stimmigkeiten vollends schlüssig und nachvollziehbar scheinen. Zunächst sind die Ausführungen der sachverständigen Person, die Beschreibungen der Umgebung des Heimatorts durch die Beschwerdeführerin entsprächen nicht denjenigen eines dort lebenden Tibeters, als eher spekulativ zu wer- ten. Dies, zumal die sachverständige Person selber anscheinend nicht aus genau derselben Gegend stammt (so ergibt sich aus den Akten, dass sie selber Kartenmaterial z ur Verifizierung der geographischen Angaben der Beschwerdeführerin konsultierte). Auch, dass sie ein von der Beschwerde- führerin genanntes Nachbardorf nicht auf den konsultierten Karten finden konnte spricht – angesichts der variierenden Nomenklatur tibetischer Ort- schaften (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH), China/Tibet: Unter- schiedliche Namen geographischer Orte und Kenntnisse der administrati- ven Einheiten, 02.12.2015, S. 4 f.) – noch nicht gegen die Richtigkeit der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Herkunft. Ferner können noch einige weitere der in der Lingua -Evaluation vorgenommene Bewer- tungen der sachverständigen Person nicht zu Ungunsten der Beschwerde- führerin gewürdigt werden, weil es sich um wenig schlüssige und – soweit durch öffentliche Informationen überprüfbar – teilweise unzutreffende Ver- allgemeinerungen handelt (so zum Beispiel die Aussagen zum Verkauf von Trockennudeln, Brötchen und Momos in lokalen Restaurants und die Aus- sagen zu den lokalen Preisen). Nichtsdestotrotz offenbart das Gutachten – wie vom BFM zu Recht erwo- gen – durchaus auch schlüssig einige gravierende Wissenslücken der Be- schwerdeführerin in Bezug auf den von ihr geltend gemachten Heimatort . So erstaunt, dass sie lediglich zwei (respektive drei) Nachbardörfer hat be- zeichnen können. Auch kannte die Beschwerdeführerin ein nur wenige Ki-D-4563/2017 Seite 17 lometer entfernt gelegenes Kloster nicht. Die sachverständige Person mo- niert ferner zu Recht, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin zu ihren Besorgungen des täglichen Bedarfs im Dorfladen tatsächlich wenig stim- mig sind. Ferner scheint es realitätsfern, dass die Beschwerdeführerin zu- nächst angibt, dass von 25 Familien im Dorf die meisten Händler seien (lediglich sechs bis sieben würden Landwirtschaft betreiben), sie aber in der Folge nicht angeben kann, mit welchen Waren diese Familien handeln. Auch die Aussagen der Beschwerdeführerin zu den Schuluniformen und den Kosten des Schulbesuchs sind nicht nachvollziehbar, ebenso wie die falschen Aussagen der Beschwerdeführerin zum Antrag und Erhalt von Ausweispapieren. Zuletzt beanstandet die sachverständige Person schlüs- sigerweise, dass die Beschwerdeführerin – bis auf ein paar wenige Worte – überhaupt kein Chinesisch spricht, was wiederum gegen eine Hauptso- zialisierung in der geltend gemachten Region spricht. Insgesamt überwie- gen im vorliegenden Fall die – im Ergebnis – für die Schlüssigkeit des Ex- pertenberichts und seiner Schlussfolgerung sprechenden Elemente und erscheint der Bericht vom 25. September 2014 als grundsätzlich verwert- bar. Dies insbesondere, zumal es der Beschwerdeführerin weder im Rah- men des bei der Anhörung gewährten rechtlichen Gehörs noch in der Be- schwerdeschrift gelang, die oben erwähnten einzelnen Wissenslücken und die zusammenfassende Einschätzung des Experten argumentativ zu ent- kräften. Ferner ist anzumerken, dass das BFM den Alltagswissenstest zwar als wichtige Stütze für die Entscheidfindung herangezogen und ihn auch als Hauptargument in der Begründung seiner Herkunftszweifel verwendet hat. Insgesamt ist die Auswertung des Alltagswissenstests zwar ein bedeuten- des Element, keineswegs aber der einzige Dreh- und Angelpunkt der Ent- scheidfindung, mit dem die flüchtlings - und wegweisungsrechtliche Beur- teilung steht oder fällt. Vielmehr handelt es sich um einen Argumentations- strang unter mehreren gleichwertigen. 3.9 In diesem Sinne kommt auch den weiteren Unglaubhaftigkeitsaspekten betreffend Herkunft, Reiseumstände und Verfolgu ngsvorbringen hohes Gewicht zu. Insbesondere die widersprüchlichen Aussagen zu den Verfol- gungsvorbringen (A4 F7.01; A12 F64 – F67) und die doch eher stereotypen Aussagen zur Ausreise (A12 F126 – F132) wecken weitere Zweifel an der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Herkunft und auch an der persönli- chen Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführerin. Zudem hat sie, wie von der Vorinstanz richtig vermerkt, keinerlei Reise- oder Identitätspapiere zu den Akten gelegt, welche die von ihr geltend gemachte Herkunft aus Tibet zu D-4563/2017 Seite 18 belegen vermöchten. Das auf Beschwerdeebene eingereichte Bestäti- gungsschreiben des Dorfvorstehers liegt lediglich in Kopie vor, wobei auch die diesbezüglichen Erklärungen im Rahmen der Replik am geringen Be- weiswert nichts zu ändern vermögen (vgl. Replik; namentlich sei der Ver- sand zu gefährlich). Insbesondere erwachsen auch erhebliche Zweifel an diesen Erklärungsversuchen, als es – trotz der in der Replik als Grund für das nicht nachgereichte Original geltend gemachten Gefährdungslage – scheinbar trotzdem möglich war, am (…) in Lhasa einen eingeschriebenen Brief aufzugeben, der die Beschwerdeführerin am (…) in der Schweiz er- reichte (vgl. Beweismitteleingabe vom 31. Januar 2018). Bei letzterem han- delt es sich um ein handschriftliches Schreiben ohne jegliche Sicherheits- merkmale, weshalb es kaum Beweiskraft zu entfalten vermag. In Bezug auf das ebenfalls auf Beschwerdeebene zu den Akten gereichte Schreiben des ‚Tibet Bureaus‘ in Genf ist im Sinne der vorinstanzlichen Argumentation im Rahmen der Vernehmlassung von einem Gefälligkeitsschreiben auszu- gehen, welches die Herkunft der Beschwerdeführerin nicht zu beweisen vermag. 3.10 Gesamthaft muss damit auf Unglaubhaftigkeit der Herkunftsangaben der Beschwerdeführerin geschlossen werden, und ist von einer Verschlei- erung der tatsächlichen Herkunft ihrerseits auszugehen. Bei dieser Sachlage ist zum einen den Asylvorbringen der Beschwerdefüh- rerin die Grundlage entzogen, weshalb sich auch eine genauere Prüfung derselben erübrigt. Zum andern hat die Beschwerdeführerin – wie vom SEM im Ergebnis zu Recht erkannt und wie nachfolgend aufgezeigt – als unbekannter Herkunft zu gelten. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin in der exiltibetischen Di aspora hauptsoziali- siert worden ist, und damit entweder nie am angeblichen Herkunftsort in Tibet gelebt, oder aber diesen deutlich früher als geltend gemacht verlas- sen hat. 4. 4.1 Für asylsuchende Personen tibetischer Ethnie, welche unglaubhafte Angaben über ihre Herkunft machen, respektive unglaubhafte Angaben zu ihrem Aufenthalt während der letzten Jahre vor der Gesucheinreichung in der Schweiz, sind gemäss Länderurteil BVGE 2014/12 grundsätzlich ver- schiedene Konstellationen bezüglich ihrer mutmasslichen tatsäc hlichen Herkunft (vorab aus Indien oder Nepal) wie auch ihrer Staatsangehörigkeit (tatsächlich weiterhin vorab China, aber auch Indien oder Nepal) möglich, D-4563/2017 Seite 19 wobei diese Konstellationen nach jeweils unterschiedlichen Prüfungsras- tern zu beurteilen wären, so g erade auch im Lichte der Drittstaatenrege- lung gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG (vgl. BVGE 2014/12, E. 5.8 [zwei- ter Teil]). Vorliegend lässt sich aufgrund der Akten mit Bestimmtheit einzig sagen, dass die Beschwerdeführerin tibetischer Ethnie ist. Aufgru nd ihrer unglaubhaften Angaben zu ihrer Sozialisierung und – daraus folgend – ih- rem Aufenthaltsort vor ihrer Einreise in die Schweiz kann jedoch vonseiten der Asylbehörden nicht eruiert werden, nach welcher Fallkonstellation sie zu beurteilen wäre. 4.2 In die sem Zusammenhang bleibt festzuhalten, dass die Abklärungs- pflicht der Asylbehörden ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsu- chenden Person findet. Vorliegend verunmöglicht die Beschwerdeführerin durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht Abklärung en betreffend die Frage, welchen effektiven Status sie an ihrem bisherigen Aufenthaltsort mutmasslich in Nepal oder in Indien innehat, wie auch die Prüfung, welche Staatsangehörigkeit sie tatsächlich besitzt. Durch dieses Verhalten verun- möglicht sie nament lich eine Prüfung der Drittstaatenregelung gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG, aber auch eine Prüfung ihrer allfälligen Flücht- lingseigenschaft in Bezug auf Nepal oder Indien (BVGE 2014/12 E. 5.9). 4.3 Vor diesem Hintergrund geht das Bundesverwaltungsgericht bei einer Konstellation wie vorliegend – wenn also eine Personen tibetischer Ethnie wie die Beschwerdeführerin ihre wahre Herkunft verschleiert oder verheim- licht – vermutungsweise davon aus, dass keine flüchtlings - oder wegwei- sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Auf- enthaltsort bestehen (BVGE 2014/12 E. 5.10). 5. Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Be- schwerdeführerin weder die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt ihrer Aus- reise noch subjektive Nachfluchtgründe nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen vermag. Die Vorinstanz hat daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). D-4563/2017 Seite 20 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme ( Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 7.2 Die Frage nach der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs ist zwar von Amtes wegen zu prüfen, die Untersu- chungspflicht findet jedoch wie erwähnt ihre Grenzen an der Mitwirkungs- pflicht der Beschwerdeführerin. Es ist nicht Sache der Behörden, bei feh- lenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hy- pothetischen Herkunftsländern zu forschen. Die Beschwerdeführerin hat daher die Folgen ihrer fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als vonsei- ten der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort, zumal sie keine konkreten, glaubhaften Hinweise geliefert hat, die gegen eine ent- sprechende Rückkehr sprechen würden. 7.3 Da die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen tibetischer Ethnie ist und von daher die Möglichkeit besteht, dass sie die chinesische Staatsan- gehörigkeit besitzt, hat das SEM zu Recht den Wegweisungsvollzug nach China im Sinne von Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG ausgeschlossen (vgl. dazu BVGE 2014/12 E. 6). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr jedoch am 17. Ok- tober 2017 die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, hat sie vorliegend keine Verfahrenskosten zu tragen. D-4563/2017 Seite 21 9.2 Der amtlichen Rechtsbeiständin ist ein Honorar auszurichten (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit der Zwischen- verfügung vom 17. Oktober 2017 ordnete das Gericht der Beschwerdefüh- rerin Frau MLaw Gnanagowry Somaskanthan als amtliche Rechtsbeistän- din bei (vgl. Art. 110a Abs. 1 i.V.m. Art. 110a Abs. 3 AsylG). Mit Schreiben vom 19. Januar 2018 bat die beigeordnete Rechtsvertretern – aufgrund Niederlegung ihrer Tätigkeit bei Caritas Schweiz und als Juristin im Asyl- wesen – um Entbindung vom amtlichen Mandat, wobei sie gleichzeitig be- antragte, die ebenfalls bei der Rechtsberatungsstelle in Asylfragen der Caritas Schweiz tätige Frau lic. iur. Isabelle Müller an ihrer statt als neue amtliche Rechtsbeiständin einzusetzen. Bei dieser Konstellation ist die bisherige amtliche Rechtsbeiständin an- tragsgemäss von ihrem Mandat zu entbinden, zumal sie ihr Gesuch ange- messen begründet und eine Substitutionsvollmacht zu den Akten gereicht hat. Eine formelle Mandatierung einer neuen Rechtsvertretung erübrigt sich mit dem vorliegenden Endentscheid, zumal die Eröffnung des Urteils angesichts der Substitutionsvol lmacht durch Frau lic. iur. Isabelle Müller erfolgen kann. Aufgrund der Aktenlage und mangels anderweitiger Indizien ist sodann davon auszugehen, dass MLaw Gnanagowry Somaskanthan ihren Honoraranspruch an die Rechtsvertretungsorganisation – die Rechtsberatungsstelle in Asylfragen der Caritas Schweiz – abgetreten hat. 9.3 Die vormalige Rechtsvertretung hat mit Replik vom 7. November 2017 eine erweiterte Kostennote vorgelegt, in welcher ein Aufwand von insge- samt 8.5 Stunden geltend gemacht wird. Gleichzeitig wies die Rechtsver- tretung in der Beschwerde einen vereinbarten Stundenansatz von Fr. 194.– aus, und machte zudem eine einmalige Pauschale von Fr. 54. – für Auslagenersatz geltend. Der damit geltend gemachte Aufwand ist in zeitlicher Hinsicht als angemessen zu e rkennen. Der in der Beschwerde zur Anwendung gebrachte Stundenansatz ist hingegen im Rahmen des amtlichen Honorars zu kürzen, nachdem die Rechtsvertretung mit Zwi- schenverfügung vom 17. Oktober 2017 darauf hingewiesen worden ist, dass bei amtlicher Rechtsve rtretung nach Art. 110a AsylG praxisgemäss von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter ausgegangen wird. Auch werden – nach stän- diger Praxis des Gerichts – keine pauschal geltend gemachten Spesen o- der Barauslagen vergütet (Art. 11 Abs. 1 und Abs. 3 VGKE). Da die Rechts- vertreterin nicht mehrwertsteuerpflichtig ist, umfasst das amtliche Honorar D-4563/2017 Seite 22 keinen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE. Nach dem Gesagten ist zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von Fr. 1275.– (inkl. Auslagen) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-4563/2017 Seite 23 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. MLaw Gnanagowry Somaskanthan wird von ihrem Mandat als amtliche Rechtsbeiständin entbunden. Der Rechtsvertretungsorganisation wird durch die Gerichtskasse ein Honorar von Fr. 1275.‒ ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand: