<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="cell small-12 contentContainer printArea"> <b><font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4">AL.2008.00349</font></b><br/> <b><font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4"> </font></b><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="6">Sozialversicherungsgericht</font><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="6">des Kantons Zürich</font><br/> <font size="4">II. Kammer</font><br/> <font size="4">Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender</font> <p><font size="4">Sozialversicherungsrichter Gräub</font> </p><p><font size="4">Sozialversicherungsrichter Meyer</font> </p><p><font size="4">Gerichtssekretär Wilhelm</font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Urteil vom 7. Juni 2010</font></b><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">in Sachen</font><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4">X.___</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Beschwerdeführerin</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">vertreten durch Stadt Zürich, Support Sozialdepartement Recht</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Werdstrasse 75, Postfach, 8036 Zürich</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">gegen</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4">Unia Arbeitslosenkasse</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Zentralverwaltung - Fachdienst</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Strassburgstrasse 11, Postfach 3321, 8021 Zürich 1</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Beschwerdegegnerin</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5"> </font></b><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5"> </font></b><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Sachverhalt:</font></b><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1. Mit Verfügung vom 5. August 2008 (Urk. 3/1) und diese bestätigendem Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2008 (Urk. 2) verpflichtete die Unia Arbeitslosenkasse das Sozialzentrum Z.___ zur Rückerstattung von Fr. 8'165.10 zu viel bezahlter Arbeitslosenentschädigung.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2. Dagegen erhob dieses am 14. November 2008 Beschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung des Entscheids (Urk. 1). Es habe ein reines Inkasso- beziehungsweise Zahlstellen-Verhältnis bestanden (S. 3 Mitte) und der Versicherte N.__ habe von den Sozialen Diensten keine wirtschaftliche Hilfe erhalten (S. 3 unten). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Mit Beschwerdeantwort vom 16. Dezember 2008 beantragte die Unia Arbeitslosenkasse die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8) und nahm zur vom Gericht aufgeworfenen Frage (vgl. Urk. 6) der Rechtzeitigkeit der Einsprache Stellung (Urk. 8 S. 2 Ziff. 1). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Am 6. Februar 2009 wurde die Replik erstattet (Urk. 13) und am 16. Februar 2009 auf Duplik verzichtet (Urk. 18). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Mit Gerichtsverfügung vom 23. Februar 2009 wurde der Schriftenwechsel geschlossen (Urk. 20). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Das Gericht zieht in Erwägung:</font></b><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.1 Gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Gemäss Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV) sind rückerstattungspflichtig der Bezüger oder die Bezügerin der unrechtmässig gewährten Leistungen und seine oder ihre Erben (lit. a), Dritte oder Behörden, mit Ausnahme des Vormundes oder der Vormundin, denen Geldleistungen zur Gewährleistung zweckgemässer Verwendung nach Artikel 20 ATSG oder den Bestimmungen der Einzelgesetze ausbezahlt wurden (lit. b), sowie Dritte oder Behörden, mit Ausnahme des Vormundes oder der Vormundin, an welche die unrechtmässig gewährte Leistung nachbezahlt wurde (lit. c).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.2 Die gemäss ATSG für die Rückerstattung massgeblichen Grundsätze sind aus der früheren Regelung und Rechtsprechung hervorgegangen (BGE 130 V 318), die somit weiterhin Berücksichtigung finden.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.3 Keine Rückerstattungspflicht besteht für Behörden, welche Leistungen nur als Inkasso- oder Zahlstelle entgegengenommen haben (BGE 110 V 14 f. Erw. 2b, 118 V 221 Erw. 4a), den Amtsvormund oder die Vormundschaftsbehörde (BGE 112 V 101 f. Erw. 2b) oder den Beistand (Kieser, ATSG-Kommentar, Art. 25 Rz 24).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.1 Die Frage, ob gegen die Verfügung vom 5. August 2008 (Urk. 3/1) rechtzeitig Einsprache erhoben worden sei (vgl. Urk. 6), kann gestützt auf ein Schreiben vom 8. August 2008 (Urk. 14) als geklärt erachtet und bejaht werden.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.2 Zu prüfen bleibt, ob nebst dem Versicherten weitere juristische oder natürliche Personen, namentlich der zeitweilige Beistand des Versicherten oder das Sozialzentrum, als Rückerstattungspflichtige in Frage kommen. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.1 Am 15. Mai 2006 wurde für den Versicherten N.__ eine Beistandschaft auf eigenes Begehren gemäss Art. 394 des Zivilgesetzbuches (ZGB) errichtet (vgl. Urk. 9/3/3 S. 1 Ziff. 1).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.2 Mit Schreiben vom 19. Januar 2007 teilte das zuständige Betreibungsamt der Beschwerdegegnerin mit, die Pfändungsanzeige betreffend Versicherungsgelder werde per sofort aufhoben; die Versicherungsleistungen seien fortan an die Stadtverwaltung C.___, auf das Mündelkonto des Versicherten N.__, zu überweisen (Urk. 9/4). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.3 Am 6. Februar 2007 (Urk. 9/2/1) reichte das Sozialzentrum Z.___ der Beschwerdegegnerin eine vom Versicherten N.__ am 5. Februar 2007 unterzeichnete Zahlungsermächtigung ein, mit welcher diese ermächtigt wurde, allfällige Leistungen auf ein - näher bezeichnetes - Konto der Stadt C.___ zu überweisen (Urk. 9/2/2).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.4 Am 27. November 2007 erklärte der Versicherte N.__ am Schalter, die Zahlungen seien - nach Eintreffen der entsprechenden Widerrufserklärung - nicht mehr an das Sozialamt zu richten (Urk. 9/1).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.5 Mit Beschluss vom 3. Dezember 2007 hob die Vormundschaftsbehörde, dem Antrag des Versicherten N.__ entsprechend, die Beistandschaft auf (Urk. 9/3/3-4 = Urk. 3/4).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">4.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">4.1 Aufgrund der Akten ist erstellt, dass der Versicherte N.__ in der Zeit, auf welche sich die von der Beschwerdegegnerin geltend gemachte Rückforderung bezieht (vgl. Urk. 3/1), auf sein eigenes Begehren im Sinne von Art. 394 ZGB verbeiständet gewesen ist. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Art. 2 Abs. 1 lit. b ATSV erwähnt zwar nur den Vormund oder die Vormundin, welche keine Rückerstattungspflicht treffe. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Ihnen sind aber der Beistand oder die Beiständin im Sinne von Art. 394 ZGB gleichzustellen, weil sie sich mit Bezug auf das Mündelvermögen in einer analogen Situation befinden. Dies zeigt die Regelung von Rz 10040 f. der Wegleitung über die Renten (RWL) in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, wo im Hinblick auf die Anwendbarkeit von Art. 1 ATSV unterschieden wird zwischen Vormundschaft und Beistandschaft gemäss Art. 394 ZGB einerseits, und Beistandschaft gemäss Art. 392 ff. ZGB andererseits. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">4.2 Das von der Beschwerdegegnerin angeführte Urteil vom 2. Februar 2007 des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (C 250/06) wie auch das diesem vorangegangene Urteil des hiesigen Gerichts vom 13. September 2006 sind mit dem hier zu beurteilenden Fall nicht vergleichbar, weil es dort am Umstand der Verbeiständung (oder Bevormundung) fehlte, der gemäss der dargelegten, aus Art. 2 Abs. 1 lit. b ATSV sich ergebenden Rechtslage gerade für den Ausschluss der Rückerstattungspflicht entscheidend ist.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">4.3 Somit ist festzuhalten, dass eine Rückforderung gegenüber dem früheren Beistand des Versicherten N.__ beziehungsweise der Stelle, bei welcher dieser angestellt ist, nicht zulässig ist.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Der angefochtene Entscheid ist somit, in Gutheissung der Beschwerde, aufzuheben.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Das Gericht erkennt:</font></b><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid der Unia Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich vom 14. Oktober 2008 ersatzlos aufgehoben.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">2. Das Verfahren ist kostenlos.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">3. Zustellung gegen Empfangsschein an:</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- X.___</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- Unia Arbeitslosenkasse</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- Staatssekretariat für Wirtschaft seco</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- AWA Amt für Wirtschaft und Arbeit</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">4. Gegen diesen Entscheid kann innert </font><b><font face="RotisSansSerif" size="4">30 Tagen</font></b><font face="RotisSansSerif" size="4"> seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font> </p></div></body></html>