Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 31. August 2021(400 21 123) ____________________________________________________________________ Schuldbetreibung und Konkurs, Zivilprozessrecht Art. 211 Abs. 1 und 2 SchKG: Umwandlung von Realforderungen in Geldforderungen bei Konkurs des Schuldners; Wahlrecht der Konkursverwaltung, nicht oder nur teilweise er- füllte Verträge des Schuldners an seiner statt zu erfüllen (E. 3.3) Rechtsschutzinteresse Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO: fehlendes Rechtsschutzinteresse, wenn das Urteil dem Kläger auch im Fall seines Obsiegens keinen Nutzen einbringt (E. 4.3) Besetzung Präsident Roland Hofmann, Richterin Barbara Jermann Richterich (Ref.), Richter Philippe Spitz; Gerichtsschreiberin Karin Wiesner Parteien A.____ , vertreten durch Advokat Marco Albrecht, Hauptstrasse 54, 4132 Mut- tenz, Kläger und Berufungskläger gegen B.____ AG in Liq. , vertreten durch Konkursamt Basel-Stadt, Bäumleingasse 5, 4001 Basel, Beklagte Gegenstand Eintragung Eigentum Berufung gegen den Entscheid des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 2. Februar 2021 A. A.____ als Käufer und die B.____ AG in Liq. als Verkä uferin schlossen am 23. Dezember 2011 und 7. Mai 2012 zwei Kaufverträge über die Stockwe rkeigentumsparzellen Nr. S1234 und Nr. S1235, Grundbuch X.____. Über die B.____ AG in Liq. wurde am 21. Januar 2016 der Kon- kurs eröffnet. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Gesuch vom 6. November 2019 gelangte A.____ an da s Zivilkreisgericht Basel-Land- schaft West und beantragte, auf den Stockwerkeigentumspa rzellen Nr. S1234 und Nr. S1235, Grundbuch X.____, superprovisorisch eventualiter vorsorglich eine Verfügungsbeschränkung ge- mäss Art. 960 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB zu erlassen und es sei ihm zu bewilligen, die aus den öffentlich bewilligten Grundstückkaufverträgen vom 23. Dezember 201 1 und 7. Mai 2012 resultierenden Ansprüche auf Eigentumsübertragung an den vorgenannt en Grundstücken im Grundbuch vor- merken zu lassen. Zur Begründung wurde vorgebracht, der Kaufpreis für die beiden Stockwer- keigentumsparzellen sei bezahlt worden, jedoch habe man die Eigentumsübertragung im Grund- buch noch nicht vorgenommen. Das Gesuch wurde mit vorinsta nzlichem Entscheid vom 7. No- vember 2019 superprovisorisch gutgeheissen und das Grundbu chamt beauftragt, die entspre- chende Vormerkung anzubringen. Mit Entscheid vom 4. Dezem ber 2019 wurden die vorsorgli- chen Massnahmen gutgeheissen und der Entscheid vom 7. November 2019 bestätigt. Gleichzei- tig wurde Frist zur Anhebung der Hauptklage gesetzt. C. Mit Klage vom 16. Dezember 2019 erhob A.____ beim Zivilkreisgericht Basel-Stadt eine Aussonderungsklage gegen die Konkursmasse der B.____ AG in Liq. Nach unbenutzter Nachfrist zur Leistung des Kostenvorschusses trat das Zivilkreisgericht Basel-Stadt mit Entscheid vom 6. Mai 2020 nicht auf die Aussonderungsklage ein. D. Mit Datum vom 3. März 2020 reichte A.____ in Prosekutio n des vorsorglichen Entscheids vom 4. Dezember 2019 die Hauptklage beim Zivilkreisgeri cht Basel-Landschaft West ein und beantragte sinngemäss, ihn als Eigentümer der Stockwerkei gentumsparzellen Nr. S1234 und Nr. S1235 im Grundbuch X.____ einzutragen. In ihrer Klagantwort vom 16. November 2020 begehrte die B.____ AG in Liq., auf die Klage sei nicht einzutreten, eventu- aliter sei sie abzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Klägers. E. Die Dreierkammer des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West wies mit Entscheid vom 2. Februar 2021 die Klage ab, soweit sie darauf eint rat, und hob die bereits eingetragenen Ver- fügungsbeschränkungen auf den Stockwerkeigentumsparzellen Nr. S1234 und Nr. S1235, Grundbuch X.____, wieder auf. Die Gerichtsgebühr wurde A.____ auferlegt, wobei jede Partei für ihre eigenen Parteikosten aufzukommen hatte. Auf die E rwägungen des Entscheids wird in den nachstehenden Erwägungen eingegangen. F. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ (nachfolgend: Be rufungskläger), vertreten durch Advokat Marco Albrecht, Berufung mit folgenden Anträgen: 1. Das Urteil vom 2. Februar 2021 sei mit Ausnahme von Ziffer 4 aufzuheben und es sei dem Beru- fungskläger betreffend Stockwerkeigentumsparzelle Nr. S1 234, 18/1000 Miteigentum am Grund- stück Nr. 6573, mit Sonderrecht an Wohnung W1 im Erdge schoss sowie mit Kellerraum K1 und Garage G3 im Untergeschoss, Grundbuch X.____, und Stockw erkeigentumsparzelle Nr. S1235, 153/1000 Miteigentum am Grundstück Nr. 6573, mit Sonderrecht an Wohnung W2 im Erdgeschoss sowie mit Kellerraum K2 im Untergeschoss, Grundbuch X.____, das Eigentum zuzusprechen. 2. Unter o/e Kostenfolge zulasten der Berufungsbeklagten, wobei dem Berufungskläger die unentgelt- liche Rechtspflege mit dem Unterzeichneten als Vertreter zu bewilligen sei. G. Das Präsidium des Kantonsgerichts bewilligte dem Berufu ngskläger mit Verfügung vom 9. Juni 2021 die unentgeltliche Rechtspflege und setzte der Gegenpartei Frist zur Berufungsant- wort an. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. In ihrer Berufungsantwort und Anschlussberufung vom 2. Juli 2021 begehrte die B.____ AG in Liq. (Berufungsbeklagte und Anschlussberufungskläge rin, der Einfachheit halber folgend Berufungsbeklagte genannt), vertreten durch das Konku rsamt Basel-Stadt, auf die Klage nicht einzutreten, eventualiter die Berufung abzuweisen und die Klage ebenfalls abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Berufungsklägers. In verfahrensmässiger Hin- sicht wurde zufolge Aussichtslosigkeit der Berufung beantragt, es sei dem Kläger die unentgeltli- che Rechtspflege zu entziehen und es sei das Grundbuchamt Basel-Landschaft anzuweisen, die auf den Parzellen GB X.____ S1234 und S1235 eingetragenen Verfügungsbeschränkungen ge- mäss Art. 960 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB zu löschen. Auf die Begründungen der Parteien in ihren Rechts- mittelschriften wird in den nachstehenden Erwägungen eingegangen. I. Mit Verfügung vom 5. Juli 2021 schloss das Präsidium des Kantonsgerichts den Schrif- tenwechsel und stellte den Parteien den Entscheid aufgrund der Akten in Aussicht. Erwägungen 1. Gegen erstinstanzliche Endentscheide in vermögensrechtl ichen Angelegenheiten kann Berufung erhoben werden, sofern der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 1 lit . a und Abs. 2 ZPO). In casu beträgt der Streitwert CHF1’125'000.00, so dass die zur Berufung erforderliche Streitwertgrenze erreicht ist. Für die Anschlussberufung besteht hingegen keine Streit wertgrenze (Art. 313 Abs. 2 lit. a ZPO; BSK ZPO-SPÜHLER , 3. Aufl., 2017, Art. 308 N 9). Die Berufung ist innert 30 Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheides bzw. seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung schriftlich und begründet bei der Rechtsmittelinstanz ein zureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Die schriftliche Begründung des Entscheids des Zivilkreisgerichts B asel-Landschaft West vom 2. Februar 2021 wurde dem Berufungskläger am 7. Mai 2021 zugestellt. Die 30-tägige Frist wäre am Sonntag, 6. Juni 2021, abgelaufen, verlängert sich jedoch gemäss Art. 142 Abs. 3 ZPO bis zum nächsten Werktag und endet somit am Montag, 7. Juni 2021. Die Berufung wurde am 7. Juni 2021 der Schweizerischen Post übergeben, womit die Rech tsmittelfrist eingehalten ist. Die An- schlussberufung wurde gemäss Art. 313 Abs. 1 ZPO mit der Berufungsantwort rechtzeitig in das Rechtsmittelverfahren eingebracht. Beide Parteien rügen die unrichtige Rechtsanwendung, wo- mit taugliche Berufungsgründe nach Art. 310 ZPO geltend gemacht werden. Sämtliche Prozess- voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Berufung u nd Anschlussberufung einzutreten ist. Gemäss § 6 Abs. 1 lit. d EG ZPO ist die Dreierkammer de r Abteilung Zivilrecht des Kantonsge- richts für die Beurteilung von Berufungen gegen Entscheide der Dreierkammer des Zivilkreisge- richts sachlich zuständig. 2. Im Berufungsverfahren werden gemäss Art. 317 Abs. 1 Z PO neue Tatsachen und Be- weismittel nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vo rgebracht werden (lit. a) und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (lit. b). Wer sich auf sog. unechte Noven beruft, d.h. solche, die bereits bei Ende der erstinstanzlichen Hauptver- handlung entstanden waren, hat in der Berufung die Gründe detailliert darzulegen, weshalb er die Tatsache oder das Beweismittel nicht schon vor erster Instanz in den Prozess hat einbringen können (BGE 143 III 42 E. 4.1; BGer 4A_508/2016 vom 16. Juni 2017 E. 4.1). Ob zulässige No- ven vorgetragen werden, entscheidet die Berufungsinstanz von Amtes wegen (BGE 142 III 48 E. 4.1.2). Die Berufungsbeklagte bemängelt neue Vorbrin gen des Berufungsklägers, die unzuläs- sige Noven darstellten und deshalb nicht zu hören seien. Der Berufungskläger moniere, dass die Weigerung der Konkursverwaltung, den zwischen ihm und d er Konkursitin geschlossenen Ver- trag zu erfüllen, rechtsmissbräuchlich sei, was die Vorinstanz nicht geprüft habe. Dieses Vorbrin- gen sei nicht rein rechtlicher Natur, sondern betreffe auch den Sachverhalt. Dies gäbe der Beru- fungskläger auch zu, indem er eine ungenügende Sachverha ltsabklärung rüge. Dieser Ansicht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gilt es zu widersprechen. Die gestellte Rechtsfrage ist neu resp. dieser rechtliche Aspekt wurde von der Vorinstanz nicht geprüft. Die Tatsachen hingegen sind unverändert. Der Berufungskläger rügt eine unrichtige Rechtsanwendung, insbesondere vo n Art. 211 SchKG, indem es die Vo- rinstanz unterlassen habe, die angeblich ungerechtferti gte Weigerung des Konkursamts zur Er- füllung des Vertrags zu überprüfen. Bei dieser Rüge h andelt es sich nicht um ein unzulässiges Novum, sondern um einen zulässigen Berufungsgrund, wesh alb die diesbezügliche Beanstan- dung der Berufungsbeklagten nicht gehört werden kann. 3.1 Der Berufungskläger beantragte vorinstanzlich, ihn als Eigentümer der beiden Stockwer- keigentumsparzellen Nr. S1234 und Nr. S1235 im Grundbu ch X.____ einzutragen. Die Vor- instanz erwog im angefochtenen Entscheid, der geltend ge machte Anspruch des Klägers auf Übertragung des Eigentums nach Art. 665 Abs. 1 ZGB sei bereits mit der Konkurseröffnung über die Beklagte untergegangen. Da vor Konkurseröffnung ke ine Grundbuchanmeldung erfolgt sei, habe der Kläger seinen allfälligen obligatorischen Anspruch auf Eigentumsverschaffung verloren (Art. 211 Abs. 1 SchKG). Die Voraussetzungen für eine a llfällige Grundbuchberichtigungsklage gemäss Art. 975 Abs. 1 ZGB lägen auch nicht vor, da kein Mangel im Rechtsgrund des fraglichen Eintrags liege. Entsprechend sei das Grundbuch nicht im technischen Sinne zu «berichtigen». Da sich die Rechtsposition des Klägers lediglich auf ein en allfälligen obligatorischen Anspruch stütze, sei der Kläger zudem nicht zur Grundbuchberichtigungsklage aktivlegitimiert. Für die Be- urteilung einer allfälligen Grundbuchbeschwerde nach Art. 956a ZGB oder eine Berichtigung ei- nes unrichtigen Eintrags gemäss Art. 977 ZGB wäre das ang erufene Zivilkreisgericht sachlich nicht zuständig, so dass darauf nicht einzutreten wäre. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass der Kläger keinen Anspruch darauf habe, als Eigentümer der Stockwerkeigentumsparzellen S1234 und S1235 im Grundbuch X.____ eingetragen zu werden. Deshalb sei die Klage abzuwei- sen, soweit darauf einzutreten sei. 3.2 Der Berufungskläger beanstandet in seiner Berufung, di e Vorinstanz habe zwei wesentli- che Tatsachen nicht berücksichtigt: Einerseits wäre die Klage allein gestützt auf Art. 665 Abs. 1 ZGB angesichts der Weigerung der Gegenpartei als Verkäuferin, den Grundbucheintrag vorneh- men zu lassen, diskussionslos gutgeheissen worden. Andererseit s würden die beschriebenen Wirkungen von Art. 211 Abs. 1 SchKG nicht automatisch eintreten. Es bedürfe im Gegenteil einer Weigerung der Konkursverwaltung, die gültigen Grundstückkaufverträge zu erfüllen. Somit stehe fest, dass das angerufene Gericht sowohl unter dem Gesichtspunkt von Art. 665 Abs. 1 ZGB als auch unter dem Gesichtspunkt von Art. 211 Abs. 2 SchKG die Frage zu prüfen habe, ob die Weigerung der Verkaufspartei, auch den formellen Anspruch des jeweiligen Käufers eines Grund- stücks als Eigentümer der Liegenschaft anzuerkennen, gerecht fertigt sei oder nicht. Die Beru- fungsbeklagte habe ihre Weigerung, einen rechtsgültig en Vertrag zu erfüllen, nicht begründet. Dabei stütze sie sich offensichtlich auf den Formmangel de s fehlenden Eigentümereintrags im Grundbuch. Die zweckwidrige Berufung auf einen Formmangel sei jedoch rechtsmissbräuchlich. Die Weigerung des Eintrags im Grundbuch als Eigentümer sei deshalb als ungerechtfertigt zu erachten, weshalb die Klage gutzuheissen sei. Die Vori nstanz habe diese Prüfung der Begrün- detheit der Weigerung unterlassen, so dass dem Berufungsantrag stattzugeben sei. 3.3 Gemäss Art. 211 Abs. 1 SchKG werden Forderungen, wel che nicht eine Geldzahlung zum Gegenstand haben, in Geldforderungen von entsprechendem Werte umgewandelt. Die Konkurs- verwaltung hat indessen das Recht, zweiseitige Verträge, die zur Zeit der Konkurseröffnung nicht oder nur teilweise erfüllt sind, anstelle des Schuldners zu erfüllen. Der Vertragspartner kann ver- langen, dass ihm die Erfüllung sichergestellt werde (Art. 211 Abs. 2 SchKG). Grundsätzlich wer- den somit bei Konkurs des Schuldners sämtliche Realforderungen in Geldforderungen umgewan- delt. Der Zweck des Konkurses liegt in der Verwertung und Verteilung des gesamten Vermögens des Schuldners, soweit es der Vollstreckung unterliegt. De n Einbezug von Realforderungen in Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Generalexekution bewirkt der gesetzliche Kunstgriff, der mit der Konkurseröffnung Realforde- rungen ex lege einfach in Geldforderungen von entsprechendem Wert umwandeln lässt ( RENATE SCHWOB , in: Basler Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Bd. II (BSK SchKG II), 2. Aufl. 2010, Art. 211 N 2). Der Konkursverwaltung steht jedoch das Wahlrecht offen, bei noch nicht vollständig erfüllten zweiseitigen Verträgen die Verpflichtungen des Gemein- schuldners zu erfüllen. Entscheidet sich die Konkursverwaltung, die Verpflichtungen des Schuld- ners nicht zu erfüllen und tritt die Gegenpartei – wi e in casu – nicht vom Vertrag zurück, kann keine Rückabwicklung des Vertrags stattfinden. Geht man davon aus, dass der Vertrag weiter- besteht, auch wenn die Konkursverwaltung nicht bereit ist, ihn zu erfüllen – er wird ja weder ge- kündigt, noch tritt eine Partei zurück, noch wird er sonstwie von Gesetzes wegen durch die Kon- kurseröffnung aufgehoben, sofern nicht das Gesetz selber bei gewissen Vertragsarten eine sol- che Lösung vorsieht –, kann weder von einem Ersatz des aus dem Dahinfallen des Vertrages erwachsenen Schadens noch von einer Schadenersatzpflicht zufolge Vertragsverletzung die Rede sein. Letzteres scheidet deshalb aus, weil die Konkursverwaltung nicht verpflichtet ist, an- stelle des Gemeinschuldners den Vertrag zu erfüllen. Sie verletzt diesen Vertrag also nicht, wenn sie die Verpflichtungen des Schuldners nicht übernimmt. Bei der Forderung, welche der Vertrags- partner des Gemeinschuldners im Konkurs eingibt, handelt es sich um die ursprüngliche vertrag- liche Forderung. Die Konkurseröffnung als solche bewir kt grundsätzlich weder eine Änderung bestehender noch die Entstehung neuer vertraglicher Ansprüche. Materiellrechtliche Wirkungen bezweckt diese Gesetzesbestimmung nicht. Sie sieht vielmehr eine besondere, konkursmässige Liquidation der Forderung eines Gläubigers des Gemei nschuldners vor. Die Forderung bleibt demnach eine Forderung auf Gegenleistung aus einem Ve rtrag, umgerechnet in eine Geldzah- lung. Sie schliesst deshalb auch allfällige Gewinnanspr üche des Gläubigers mit ein ( SCHWOB , BSK SchKG II, a.a.O., Art. 211 N 12). 3.4 Damit zeigt sich, dass sich gestützt auf Art. 211 Abs. 1 S chKG sämtliche Realforderungen gegen den Gemeinschuldner in Geldforderungen umwandel n. Der Berufungskläger geht somit fehl in der Annahme, die Wirkung von Art. 211 Abs. 1 SchKG würde nicht automatisch eintreten und es bedürfe im Gegenteil einer Weigerung der Konk ursverwaltung, die gültigen Grundstück- kaufverträge zu erfüllen. Der vom Berufungskläger geltend gemachte Anspruch auf Erfüllung des Vertrags steht nicht ihm, sondern der Konkursverwaltun g zu. Die Konkursverwaltung hat das Wahlrecht, bei zweiseitigen Verträgen, die zur Zeit der Konkurseröffnung nicht oder nur teilweise erfüllt sind, anstelle des Schuldners zu erfüllen. Macht die Konkursverwaltung hingegen keinen Gebrauch davon, wandelt sich der Anspruch des Berufungsklägers – wie unter Ziffer 3.3 hiervor dargestellt – in eine Geldforderung um; auch wenn der Berufungskläger nicht vom Vertrag zu- rücktritt. Da dem Berufungskläger kein diesbezüglicher Anspruch zusteht, war die Vorinstanz ent- sprechend auch nicht gehalten, die Weigerung der Konku rsverwaltung zu überprüfen. Desglei- chen ist der Anspruch auf Eintragung als Eigentümer im Grundbuch im Sinne von Art. 665 Abs. 1 ZGB gestützt auf Art. 211 Abs. 1 SchKG untergegang en, da sich diese Realforderung in eine Geldforderung gewandelt hat. Sämtliche Rügen des Ber ufungsklägers stossen somit ins Leere, weshalb seine Berufung abzuweisen ist. 4.1. Die Berufungsbeklagte beantragt in ihrer Anschlussberuf ung, auf die Klage sei nicht ein- zutreten. Die Vorinstanz beruft sich im angefochtenen Entscheid auf die Theorie der sog. «dop- pelrelevanten Tatsachen» und führt diesbezüglich aus, der Kläger trage schlüssig vor, dass sich sein geltend gemachter Eigentumsanspruch auf die von ihm eingereichten Kaufverträge vom 23. Dezember 2011 und 7. Mai 2012 stütze. Die Einwände der Beklagten im Rahmen der Zuständig- keitsprüfung seien daher unbeachtlich. Die Vorinstanz gelangt deshalb zum Schluss, die örtliche Zuständigkeit richte sich nach Art. 29 ZPO, sodass das anger ufene Zivilkreisgericht örtlich zu- ständig und auf die Klage einzutreten sei. Dem widersp richt die Berufungsbeklagte, indem sie moniert, die Vorinstanz habe die örtliche Zuständigkei t zu Unrecht bejaht. Ihre diesbezügliche Argumentation beruhe offenkundig auf einem völlig fa lschen Verständnis der sog. «Theorie der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht doppelrelevanten Tatsachen». Die vorliegende Klage st elle eine Aussonderungsklage gemäss Art. 242 SchKG dar, weil sie die Herausgabe eines körperlichen Gegenstandes aus der Konkurs- masse zum Gegenstand habe. Ferner halte es die Vorinstanz für zulässig, anstelle der Ausson- derungsklage eine «gewöhnliche» Eigentumsklage oder eine obligatorische Klage auf Realerfül- lung zu erheben. Diese Auffassung gehe fehl, zumal auf diese Weise die Verwirkungsfolge der verpassten Frist zur Aussonderungsklage ohne weiteres ausgehebelt werden könnte. Richtiger- weise hätte die Vorinstanz nur fragen müssen, ob die vorliegende Klage auf die Herausgabe einer Sache aus der Konkursmasse gerichtet sei, um zum Schluss zu gelangen, dass es sich um eine Aussonderungsklage gemäss Art. 242 SchKG handle. Da die örtliche Zuständigkeit fehle, sei die Anschlussberufung gutzuheissen und auf die Klage nicht einzutreten. Überdies sei auch die 20- tägige Frist zur Aussonderung bereits verwirkt, so dass a uch aus diesem Grund auf die Klage nicht einzutreten sei. 4.2 Da über die Berufungsbeklagte am 21. Januar 2016 der Konkurs eröffnet worden ist, be- finden sich die beiden fraglichen Grundstücke in der Konku rsmasse. Die einzige Möglichkeit, diese beiden Grundstücke der Konkursmasse zu entziehen, besteht in der Aussonderungsklage nach Art. 242 SchKG. Um diesen Anspruch geltend machen zu können, muss der Berufungsklä- ger jedoch Eigentümer der beiden Grundstücke sein, and ernfalls es ihm an der erforderlichen Aktivlegitimation fehlt. Vermutlich deshalb hat der Berufungskläger mit Klage vom 3. März 2020 bei der Vorinstanz beantragt, ihn als Eigentümer der b eiden Grundstücke im Grundbuch einzu- tragen. Wie bereits unter Ziffer 3.3 hiervor erörter t, wandeln sich bei Konkurs des Schuldners gemäss Art. 211 Abs. 1 SchKG sämtliche Realforderungen in Geldforderungen um. Dies hat auch die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid korrekt wiedergegeben und ausgeführt, der Anspruch auf Übertragung des Eigentums nach Art. 665 Abs. 1 ZGB sei mit der Konkurseröffnung über die Beklagte untergegangen. Da vor Konkurseröffnung keine Grundbuchanmeldung erfolgt sei, habe der Kläger seinen allfälligen obligatorischen Anspruch auf Eigentumsverschaffung verloren (Art. 211 Abs. 1 SchKG). Die vom Berufungskläger beantragte Eintragung im Grundbuch als Eigentü- mer war somit bereits bei Klageeinreichung unmöglich. Überdies hat der Berufungskläger sein Aussonderungsklagerecht verwirkt. Die Stockwerkseigentumsparzellen Nr. S1234 und S1235 im Grundbuch X.____ verbleiben daher unwiderruflich in der Konkursmasse und dem Berufungsklä- ger verbleibt lediglich eine in eine Geldzahlung umge wandelte Forderung gegen die Konkurs- masse. Es stellt sich daher die Frage, welches Interesse der Berufungskläger an der Eintragung im Grundbuch als Eigentümer der beiden Stockwerkeigentu msparzellen Nr. S1234 und S1235 im Grundbuch X.____ haben kann. 4.3 Das Gericht tritt auf eine Klage oder ein Gesuch ein, sofern die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind. Eine dieser Prozessvoraussetzungen ist das schu tzwürdige Interesse. Der Kläger muss nach konstanter Rechtsprechung grundsätzlich ein aktuelles praktisches Interesse an der Beurteilung seines Rechtsbegehrens haben, damit auf d ie Klage eingetreten werden kann (Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO). Das Interesse an der Klage ist a ktuell und praktisch, wenn der erlittene Nachteil im Zeitpunkt der gerichtlichen Beurteilung no ch besteht und durch die beantragte Auf- hebung des angefochtenen Hoheitsaktes beseitigt würde (BGE 125 I 397 E. 4a und 116 Ia 363 E. 2a). Demgemäss fehlt das Rechtsschutzinteresse, wenn d as Urteil dem Kläger auch im Fall seines Obsiegens keinen Nutzen einbringt. Gemäss BGE 122 III 279 E. 3a fehlt ein Rechtsschutz- interesse, wenn der Anspruch bereits befriedigt ist oder überhaupt nicht befriedigt werden kann. Generell fehlt es an einem schutzwürdigen Interesse, wenn nicht dargetan ist, worin das Interesse am Erlass eines autoritativen Entscheids des angerufenen Gerichts bestehen könnte (A. ZÜRCHER , in: Th. Sutter-Somm / F. Hasenböhler / Ch. Leuenb erger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2013, N 12 zu Art. 59, S. 468). Fehlt ein solches Rechtsschutzinteresse, wird ein Begehren nicht geprüft und auf die Klage nicht eingetreten. Dieses Erfordernis soll sicherstellen, dass das Gericht konkrete und nicht bloss Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht theoretische Fragen entscheidet. An der Beurteilung d er Klage hat der Berufungskläger offen- sichtlich kein aktuelles Rechtsschutzinteresse mehr, da die beiden Stockwerkeigentumsparzellen Nr. S1234 und S1235 im Grundbuch X.____ unwiderruflich in der Konkursmasse verbleiben und nicht mehr herausgeholt werden können. Daran würde au ch eine allfällige Gutheissung seiner Klage nichts ändern, sein erlittener Nachteil bleibt bestehen. Das Urteil bringt dem Berufungsklä- ger auch im Fall seines Obsiegens keinen Nutzen ein, da sein Anspruch nicht befriedigt werden kann. Deshalb fehlt seiner Klage das aktuelle Rechtssch utzinteresse. In Gutheissung der An- schlussberufung ist somit auf die vorinstanzliche Klage mangels Rechtsschutzinteresse nicht ein- zutreten. 5. Abschliessend ist über die Verteilung der Prozesskosten für das Rechtsmittelverfahren zu befinden. Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten, bestehend aus den Gerichts- kosten und der Parteientschädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO), der unterliegenden Partei auferlegt, im vorliegenden Fall somit dem unterliegenden Berufungskläger. In Anwendung von § 9 Abs. 1 i.V. mit § 8 Abs. 1 lit. f Ziff. 2 der Verordnung über die Gebühren der Gerichte (SGS 170.31; Gebüh- rentarif) wird die Entscheidgebühr für das zweitinstanzliche Verfahren auf CHF 3'000.00.00 fest- gelegt. Aufgrund der dem Berufungskläger bereits mit V erfügung vom 9. Juni 2021 bewilligten unentgeltlichen Rechtspflege für das Berufungsverfahre n gehen diese Kosten zu Lasten des Staates. Da die Berufungsbeklagte nicht anwaltlich vertreten ist, hat jede Partei für ihre eigenen Partei- kosten aufzukommen. Zufolge bewilligter unentgeltlicher Rechtspflege zugunsten des Berufungs- klägers ist sein unentgeltlicher Rechtsbeistand, Advokat Marco Albrecht, für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Mangels Einreichung einer Honorarnote ist die Entschä- digung von Amtes wegen nach Ermessen festzusetzen (vgl. § 18 Abs. 1 Tarifordnung für die An- wältinnen und Anwälte [TO]; SGS 178.112). Unter Ber ücksichtigung der Komplexität der Streit- sache in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht erscheint ein Aufwand von 7.5 Stunden als ange- messen. Der Stundenansatz für unentgeltliche Rechtsbeistä nde beträgt gemäss § 3 Abs. 2 TO CHF 200.00. Mangels Antrag wird vom Gericht weder eine Schätzung über allenfalls entstandene Spesen vorgenommen, noch ist zusätzlich zum Honorar eine M ehrwertsteuer geschuldet (vgl. dazu ausführlich KGEBL 400 19 196 E. 10.2). Folglich ist Marco Albrecht mit CHF 1'500.00 aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Berufungskläger ist zud em darauf aufmerksam zu ma- chen, dass er gemäss Art. 123 ZPO zur Nachzahlung der Gerichts- und Anwaltskosten verpflich- tet ist, sobald er dazu in der Lage ist. Der Anspruch des Kantons verjährt zehn Jahre nach Ab- schluss des Verfahrens. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird abgewiesen. 2. In Gutheissung der Anschlussberufung und Abänderung von Ziffer 1 des Entscheids des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 2. Februar 2021 wird auf die Klage nicht eingetreten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Die Entscheidgebühr von CHF 3'000.00 für das Berufungsverfahren wird dem Beschwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege an den Berufungskläger gehen diese Kosten zu Lasten des Staates. Jede Partei hat für ihre eigenen Parteikosten aufzukommen. Zufolge Be- willigung der unentgeltlichen Rechts pflege an den Berufungskläger wird seinem Rechtsvertreter das folgende Anwaltshonorar aus d er Staats- kasse bezahlt: - an Marco Albrecht, Muttenz CHF 1'500.00 4. Der Berufungskläger bleibt zur Nachzahlung der Gerichts- und Anwalts- kosten gemäss Ziffer 3 hiervor verpflichtet, sobald er dazu in der Lage ist. Der Anspruch des Kantons verjährt zehn Jahre nach Abschluss des Ver- fahrens (Art. 123 ZPO). Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiberin Karin Wiesner