Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Februar 2019 (720 18 320 / 37) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Wiedererwägung lite pendente nur bis zur Einreichung der Vernehmlassung möglich Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1954 geborene A.____ arbeitete seit dem 1. N ovember 2008 als Beamter bei B.____, bevor er sich am 10. Juni 2016 bei der IV-S telle Basel-Landschaft (IV-Stelle) für den Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenv ersicherung (IV) anmeldete. Unter Hin- weis auf eine Depression ersuchte er um Ausrichtung einer Rente. Die IV-Stelle klärte den me- dizinischen sowie den erwerblichen Sachverhalt ab u nd verfügte - nach durchgeführtem Vorbe- scheidverfahren - am 21. September 2018, dass der V ersicherte aufgrund eines Invaliditäts- grads von 100 % vom 1. Januar 2017 bis 31. Mai 2017 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Dagegen erhob A.____ mit Eingabe vom 21. Septembe r/10. Oktober 2018 Beschwer- de beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsre cht (Kantonsgericht), und beantragte, dass die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihm die ganze Invalidenrente bis 30. No- vember 2017 auszurichten sei. Weiter habe die Berechnung des Rentenanspruchs aufgrund des Jahreseinkommens als Beamter zu erfolgen. Zudem sei d ie ab 1. März 2017 ausgespro- chene reduzierte Erwerbsfähigkeit von 74 % zu widerru fen und festzustellen, dass er ab 1. Ja- nuar 2018 zu 100 % arbeitsfähig sei. Schliesslich sei in Bezug auf die Arbeitslosenkasse fest- zustellen, dass die von dieser angekündigte Kürzung des Taggelds unrechtmässig sei. C. Zur Beschwerde liess sich die IV-Stelle am 15. Novemb er 2018 vernehmen und bean- tragte, der Beschwerdeführer sei anzufragen, ob er wei terhin an der Beschwerde festhalte. Eventualiter sei die Beschwerde gutzuheissen. Zur Begrü ndung brachte die IV-Stelle vor, dass der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) sich im Rahmen des B eschwerdeverfahrens nochmals zum Beginn der Arbeitsfähigkeit geäussert habe. Dr. med. C.____, Facharzt für Allgemeinmedi- zin, habe dabei in Rücksprache mit Dr. med. D.____, FM H Psychiatrie und Psychotherapie, am 13. November 2018 festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab Oktober 2017 in einer Ver- weistätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Ab Januar 2018 weise er auch in der angestammten Tätigkeit als Beamter eine 100%ige Arbeitsfähigkeit a uf. Aus diesem Grund habe er von an- fangs Januar 2017 bis Ende Januar 2018 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. D. In seiner Replik vom 27. November 2018 führte der B eschwerdeführer aus, dass er an der Beschwerde nicht festhalte, sofern die IV-Stelle i hm eine ganze Invalidenrente vom 1. Januar 2017 bis 30. November 2017 sowie eine halbe Invalidenrente für den Monat Dezem- ber 2017 zuspreche. Zudem müsse die IV-Stelle bestätigen , dass er in seiner angestammten Tätigkeit als Beamter ab 1. Januar 2018 zu 100 % arbeitsfähig sei. Weiter seien ihm die Kosten des Beschwerdeverfahrens vor dem Kantonsgericht in Höhe von Fr. 800.– vollumfänglich zu- rückzuerstatten. Ferner sei die wegen der angefochtenen V erfügung der IV-Stelle erfolgte Kür- zung der Arbeitslosentaggelder vollumfänglich zu widerrufen. Zusammenfassend müsse die IV- Stelle den Entscheid dahingehend abändern, dass ihm zu keiner Zeit irgendwelche finanziellen oder existenziellen Nachteile entstehen würden. E. Die IV-Stelle bestätigte am 5. Dezember 2018, da ss sie dem Beschwerdeführer ab 1. Januar 2017 bis 31. Januar 2018 eine ganze Invalide nrente in Höhe von Fr. 1'974.– zuspre- che. Sie könne dem Beschwerdeführer aber keine Bestätigu ng für die weiteren Vorbringen ge- ben. F. Am 28. Dezember 2018 ging beim Kantonsgericht ein e Kopie des Schreibens des Be- schwerdeführers vom 27. Dezember 2018 an die IV-Stelle ein, welchem sinngemäss zu ent- nehmen ist, dass dieser nunmehr mit dem von der IV-Ste lle in der Vernehmlassung vom 15. November 2018 erklärten Vorgehen einverstanden sei. Er würde - sobald die IV-Stelle eine ent- sprechende Verfügung erlassen habe - die Beschwerde vor dem Kantonsgericht zurückziehen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2.1 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vor- gängig verbindlich – in Form einer Verfügung – Stell ung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sa churteilsvoraussetzung, wenn und in- soweit keine Verfügung ergangen ist (vgl. BGE 131 V 164 f. E. 2.1, 125 V 414 E. 1a mit Hinwei- sen). 1.2.2 Gegenstand der vorliegend angefochtenen Verfüg ung vom 21. September 2018 bildet der Entscheid der IV-Stelle, wonach der Beschwerdeführ er für die Monate Januar 2017 bis Mai 2017 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe . Die angefochtene Verfügung befasst sich jedoch nicht mit dem Anspruch des Beschwerdeführers au f ein Taggeld der Arbeitslosen- kasse; dafür ist die IV-Stelle nicht die zuständige Verwaltungsbehörde. Soweit der Beschwerde- führer geltend macht, die Kürzung des Arbeitslosentaggeldes sei unrechtmässig und es sei ihm bis spätestens zu seiner Pensionierung im Mai 2019 ein vol les Taggeld durch die Arbeitslosen- kasse auszurichten, kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden. 1.3 Schliesslich ist auch eine Abschreibung des Verfahrens wegen (nachträglicher) Ge- genstandslosigkeit im Sinne von § 1 Abs. 3 lit. c VPO ni cht möglich. Der Beschwerdeführer hat der IV-Stelle erst mit Schreiben vom 27. Dezember 2018 und damit nach Eingang der Ver- nehmlassung vom 15. November 2018 beim Kantonsgericht mitgeteilt, dass er mit deren Vor- gehen (Ausrichtung einer Invalidenrente vom 1. Januar 2017 bis 31. Januar 2018 und Feststel- lung, dass der Beschwerdeführer ab 1. Januar 2018 in de r angestammten Tätigkeit 100 % ar- beitsfähig sei) einverstanden sei und die vorliegende Beschwerde zurückziehe. Gemäss Art. 53 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 hätte die IV-Stelle zwar ihre Verfügung vom 21. September 2018, gegen welche Beschwerde erhoben wurde, in Wiedererwäg ung ziehen können, bis sie gegen- über dem Kantonsgericht dazu Stellung genommen hat. N ach diesem Zeitpunkt konnte die IV- Stelle nicht mehr auf ihre Verfügung zurückkommen und d iese in Wiedererwägung ziehen. Aus diesem Grund ist die im Übrigen form- und fristgerecht erhobene Beschwerde vom 27. Septem- ber/10. Oktober 2018 materiell zu prüfen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsun fähigkeit ist der durch Beeinträchti- gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundhe it verursachte und nach zumutba- rer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög- lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten o der verbessern können (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchs chnittlich mindestens 40 % ar- beitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mi ndestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindeste ns 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviert elsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG haben nur diejen igen versicherten Personen Anspruch auf eine Rente, die während eines Jahres ohne wesentlich en Unterbruch durchschnittlich min- destens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (sog. Wartejah r). Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Gesetzesbestimmung liegt dann vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen vol l arbeitsfähig gewesen ist (vgl. Art. 29 ter der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vo m 17. Januar 1961). Die War- tezeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit einge treten ist. Als erheblich gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (Urteil des Bundesgerichts vom 24. November 2010, 9C_757/2010, E. 4.1). Unerheblich ist, auf welche gesundheitlich be dingten Ursachen die Arbeitsunfähigkeit zurückzuführen ist (Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozial versicherungen [BSV] über In- validität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], Rz. 2009). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (vgl. BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den i m Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 3.4 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer me- dizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforde- rungen an ein ärztliches Gutachten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (vgl. BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Auf das Ergebnis von RAD-Berichten kann nicht abgestellt werden , wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (vgl. BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4. und E. 4.7). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Im vorliegenden Fall diagnostizierte Dr. med. E.__ __, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, am 12. September 2016 mit Auswirkung auf die A rbeitsfähigkeit eine längerdauernde depressive Reaktion, mittelschwer bis schwer, Panikattacke und Suizid des älteren Sohns am 5. Januar 2014. Der Beschwerdeführer leide an einem depressiven Syndrom mit gedrückt- depressiver Grundstimmung, Gedankenkreisen um den Suizid des Sohns, Trauer um den Ver- lust der Beweglichkeit des linken Zeigefingers und der Fähigkeit, Gitarre zu spielen, Energielo- sigkeit, Schlafstörungen, geringer Belastbarkeit und sozi alem Rückzug. Ausserdem reagiere er mit Panikattacken beim Gedanken an die Rückkehr an seine n alten Arbeitsplatz (aufgrund von Mobbing). Er brauche deshalb viel Zeit, das Geschehene zu verarbeiten. Er habe sich aber zum Ziel gesetzt, wieder 100 % seine Arbeit ausüben zu können. Er werde sich allerdings eine ande- re Stelle suchen, da die Rückkehr an seinen alten Arbei tsplatz nicht zumutbar sei. Der Be- schwerdeführer sei seit dem 19. Januar 2016 zu 100 % arbeitsunfähig. 4.2 Am 24. März 2017 wiederholte Dr. E.____ die bere its im Bericht vom 12. September 2016 gestellten Diagnosen und führte aus, dass der Beschw erdeführer weiterhin zu 100 % ar- beitsunfähig sei, da er aufgrund des depressiven Syndrom s und der Panikattacken nicht arbei- ten könne. Sie hielt jedoch fest, dass von einer schrittw eisen Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit ab Sommer 2017 auszugehen sei. 4.3 Dr. E.____ liess in ihrem Bericht vom 19. Oktober 2 017 verlauten, dass der Beschwer- deführer sehr lange gebraucht habe, um sich von den Tra umatisierungen zu erholen. Seit Sep- tember 2017 gehe es ihm deutlich besser und er vermöge nun auch, mit dem Suizid des Sohns gelassener umzugehen. Sowohl in der Selbst- als auch in der Fremdwahrnehmung habe sich der psychische Zustand dahingehend stabilisiert, dass mit e iner Wiederaufnahme einer Berufs- tätigkeit ab Januar 2018 zu rechnen sei. 4.4 Am 30. November 2017 äusserte sich der RAD-Arzt Dr. C.____ zum medizinischen Sachverhalt. Mit Blick auf die Ausführungen von Dr. E. ____ und nach Rücksprache mit Dr. D.____ stellte er fest, dass der Beschwerdeführer v on Januar 2016 (Beginn Wartejahr) bis Februar 2017 arbeitsunfähig gewesen sei. Ab März 2017 sei eine Besserung des Gesundheits- zustands eingetreten, weshalb ab diesem Zeitpunkt auch v on einer ganzen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen sei. In der anges tammten Tätigkeit attestierte er zu- dem ab Januar 2018 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. 4.5 Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens ersuchte die IV-Stelle den RAD nochmals um Stellungnahme. Dr. C.____ kam am 13. November 2018 ( nach erneuter Rücksprache mit Dr. D.____) zum Schluss, dass gestützt auf die Angaben von Dr . E.____ in deren Bericht vom 19. Oktober 2017 beim Beschwerdeführer ab Oktober 2017 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit bestehe. Die bis herige Tätigkeit sei ihm ab Januar 2018, aber nicht bei der zuletzt ausgeübten Arbeitsstelle, wiederum zumutbar. 5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 21. September 2018 bei der Würdigung des massgebenden medizinischen Sachverhalts auf die erwähnte Stellungnah- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht me des RAD-Arztes Dr. C.____ vom 30. November 2017 und ging davon aus, dass der Versi- cherte seine bisherige Tätigkeit als Beamter ab Januar 2018 wiederum zu 100 % ausüben kön- ne. Hingegen sei ihm die Verrichtung einer leidensang epassten Verweistätigkeit ab März 2017 im Umfang von 100 % zumutbar. Dieser vorinstanzlichen Beweiswürdigung kann unbestritte- nermassen mit Blick auf die Ausführungen von Dr. E.___ _ vom 24. März 2017 nicht gefolgt werden. Sie führte nachvollziehbar aus, dass der Beschwer deführer wegen des depressiven Syndroms und der Panikattacken weiterhin zu 100 % arbei tsunfähig sei und gar nicht arbeiten könne. Erst im Bericht vom 19. Oktober 2017 wies Dr. E. ____ auf eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers ab September 2 017 hin. Wie oben ausge- führt (vgl. E. 3.4 hiervor) kann ein medizinischer Sachve rhalt einzig gestützt auf einen RAD- Bericht beurteilt werden, solange keine - auch nur ger inge - Zweifel an der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen bestehen. Da vorliegend erhebliche Zweifel an den Feststellungen von Dr. C.____ vom 30. November 2017 bestehen, kann darauf n icht abgestellt werden. Diese Auffas- sung vertritt auch die IV-Stelle, welche im Rahmen d es vorliegenden Beschwerdeverfahrens den medizinischen Sachverhalt erneut dem RAD zur Beurt eilung unterbereitete. Dr. C.____ kam dabei unter Berücksichtigung der Befunde von Dr. E._ ___ vom 19. Oktober 2017 zum Schluss, dass Beschwerdeführer bis September 2017 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei. Ab Oktober 2017 habe in einer angepassten und ab Januar 2018 auch in der angestammten Tätig- keit eine volle Arbeitsfähigkeit bestanden. Diese Beur teilung ist nachvollziehbar und stimmt letztlich mit derjenigen von Dr. E.____ überein, weshal b sie nicht zu beanstanden und darauf auch vorliegend abzustellen ist. 5.2 Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen steht somi t unbestritten fest, dass der Beschwerdeführer vom 1. Januar 2016 bis 30. September 2017 zu 100 % sowohl in der ange- stammten wie auch in einer Verweistätigkeit vollständi g arbeitsunfähig war. Ab Oktober 2017 war ihm eine adaptierte und ab Januar 2018 auch die a ngestammte Tätigkeit als Beamter zu 100 % zumutbar. 6.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.3 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ver- sicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dabei ist in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des fr ühestmöglichen Rentenbeginns abzu- stellen (BGE 129 V 222, 128 V 174), welcher gemäss Art . 29 Abs. 1 und 2 IVG auf den 1. Januar 2017 zu liegen kommt. 6.2 Die IV-Stelle ging in der angefochtenen Verfügu ng vom 21. September 2018 davon aus, dass der Beschwerdeführer ohne gesundheitliche Beein trächtigung weiterhin als Beamter tätig gewesen wäre und errechnete ein Valideneinkomme n von Fr. 90'928.–. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden und wird nicht bestritten. Für die Berechnung des Invaliditätsgrads stellte die IV-Stelle auf die Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2014, Tabelle TA1, Sektor Total, Spalte Männer, Fr. 5'312. – pro Monat, basierend auf 40 Wochen- stunden ab. Nach Anpassung dieses Betrags an die Nominall ohnentwicklung und nach Um- rechnung auf die betriebsübliche Arbeitszeit resultierte ein Einkommen von jährliche Fr. 67'456.–. Auch dieses Vorgehen ist ebenfalls nicht zu beanstanden und wird nicht bestritten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Aus der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 90'928.– mit dem Invali- deneinkommen von Fr. 67'456.– ergibt sich entsprechend d er ärztlich attestierten Arbeitsfähig- keit Folgendes: Beim Ablauf des Wartejahres im Januar 2 017 war der Beschwerdeführer in sämtlichen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig und hat te damit ab 1. Januar 2017 Anspruch auf eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100 % (Art. 29 Abs. 3 IVG). Ab 1. Oktober 2017 bestand in einer adaptierten Verweistätigkeit ein e 100%ige Arbeitsfähigkeit, woraus sich bei einer Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr . 90'928.– und des Invalidenein- kommens von Fr. 67'456.– ein rentenausschliessender Invalidi tätsgrad von gerundet 26 % ergibt. Ab Januar 2018 war der Beschwerdeführer auch in der angestammten Tätigkeit als Beamter zu 100 % arbeitsfähig, woraus ab diesem Zeit punkt ein Invaliditätsgrad von 0 % resul- tiert. Nach dem Ausgeführten hat der Beschwerdeführer d aher von Januar 2017 bis September 2017 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversiche rung, wobei dieser Anspruch ge- stützt auf Art. 88a Abs. 1 IVV auf den 31. Januar 2018 zu verlängern ist. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 7. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.– bis Fr. 1'000.– festgeleg t. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenr ahmens einheitlich auf Fr. 800.– fest. In der ab 1. Januar 2019 neu in Kraft getretene n Bestimmung gemäss § 20 Abs. 3 VPO sind die ordentlichen Kosten neuerdings auch den unterli egenden Vorinstanzen zu auferlegen. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei. D ie ordentlichen Kosten von Fr. 800.– werden somit ihr auferlegt, und der geleistete Kostenvorschuss i st dem Beschwerdeführer zurückzuer- statten. Eine Parteientschädigung wird dem nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer nicht ausgerichtet (vgl. § 21 Abs. 1 VPO). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Soweit darauf eingetreten werden kann, wird die Beschwerde gutge- heissen und die angefochtene Verfügung vom 21. Septem ber 2018 aufgehoben und festgestellt, dass der Beschwerdeführer vo m 1. Janu- ar 2017 bis 31. Januar 2018 Anspruch auf eine ganze In validenrente hat. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.– we rden der IV-Stelle auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. http://www.bl.ch/kantonsgericht