Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 11. Februar 2015 (810 14 150) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Ausnahmebewilligung für Waldhütte Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Marius Wehren Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Manfred Bayerdörfer , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Beigeladene Kantonale Natur - und Landschaftsschutzkommission (NLK) , Rheinstrasse 29, Postfach, 4410 Liestal Einwohnergemeinde B.____ Betreff Baugesuch Nr. 674/2013 (RRB Nr. 780 vom 27. Mai 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ erwarb im Jahr 1990 die im Waldgebiet gel egene Parzelle Nr. 81, Grundbuch B.____, auf welcher sich eine durch seinen Rechtsvorgänge r erstellte Waldhütte befand. Im November 2003 stellte A.____ beim Bauinspektorat des K antons Basel-Landschaft ein Bauge- such (Nr. 2474/2003) für diverse bauliche Änderungen a n der Waldhütte, welches er in der Fol- ge zurückzog. Im März 2011 gelangte A.____ mit einer A nfrage betreffend Renovation der Waldhütte erneut an das Bauinspektorat. Diesbezüglich t eilte ihm das Bauinspektorat mit, dass für die beabsichtigte Renovation, welche einem Abbruc h und Wiederaufbau der Waldhütte gleichkomme, keine Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24c d es Bundesgesetzes über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG) vom 22. Juni 19 79 erteilt werden könne. Zulässig seien einzig geringfügige, bewilligungsfreie Renovationsarbeiten. B. Am 5. Dezember 2011 stellte das Bauinspektorat fest, d ass auf der obgenannten Par- zelle nicht bewilligte Bauarbeiten vorgenommen wurden. Mit Verfügung vom 6. Dezember 2011 wurde A.____ zur sofortigen Einstellung der Bauarbeiten aufgefordert. Gleichentags wurde eine Verzeigung bei der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft eingereicht. C. Am 18. April 2013 reichte der mittlerweile durch D r. Manfred Bayerdörfer, Advokat in Liestal, vertretene A.____ ein nachträgliches Baugesuch für einen bereits teilweise realisierten Ersatzbau seiner Waldhütte ein (Nr. 0674/2013). Dageg en erhob die kantonale Natur- und Landschaftsschutzkommission (NLK) am 25. April 2013 Einsprache. D. Mit Entscheid vom 15. Oktober 2013 hiess die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) des Kantons Basel-Landschaft die Einsprache der NLK gut. Sie verweigerte die Erteilung einer Ausnahmebewilligung und ordnete den vollständigen Abb ruch der Waldhütte sowie die Beseiti- gung jeglicher Terrainveränderungen und Aufschüttungen an. E. Die von A.____ dagegen erhobene Beschwerde wurde vo m Regierungsrat des Kan- tons Basel-Landschaft mit Entscheid vom 27. Mai 2014 a bgewiesen. A.____ wurde angewie- sen, den rechtmässigen Zustand auf der Parzelle Nr. 81, Grundbuch B.____, bis zum 31. Au- gust 2014 wiederherzustellen. F. Mit Eingabe vom 6. Juni 2014 erhob A.____, nach wi e vor durch Dr. Manfred Bayerdör- fer anwaltlich vertreten, gegen den Entscheid des Regi erungsrats Beschwerde beim Kantons- gericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Er stellt den Antrag, es sei der ange- fochtene Entscheid aufzuheben und für den Wiederaufbau der Waldhütte auf der Parzelle Nr. 81 in B.____ gemäss Baugesuch Nr. 0674/2013 sei die erforderliche Ausnahmebewilligung zu erteilen. Eventualiter sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und es sei eine Ausnah- mebewilligung für den Wiederaufbau der Waldhütte un ter einschränkenden Bedingungen (im Sinne der Erwägungen) zu erteilen. Subeventualiter se i der angefochtene Entscheid aufzuhe- ben und die Angelegenheit sei zur weiteren Prüfung un d erneuten Entscheidung an die BUD zurückzuweisen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. In der am 11. August 2014 eingereichten Beschwerdeb egründung beantragt der Be- schwerdeführer neu, es sei der angefochtene Entscheid au fzuheben und für den Wiederaufbau der Waldhütte auf der Parzelle Nr. 81 in B.____ sei die erforderliche Ausnahmebewilligung un- ter einschränkenden Bedingungen (im Sinne der Erwägungen) zu erteilen und der Beschwerde- führer sei zu verpflichten, die nicht von der Ausnahmebe willigung erfassten Bauteile innert drei Monaten ab Rechtskraft der Baubewilligung abzubrechen sowie die damit verbundenen Ter- rainveränderungen rückgängig zu machen. Eventualiter sei der angefochtene Entscheid aufzu- heben und die Angelegenheit sei zur weiteren Prüfun g und erneuten Entscheidung an die BUD zurückzuweisen. H. Am 11. September 2014 reichte die zum Verfahren b eigeladene NLK ihre Vernehmlas- sung ein, ohne einen ausdrücklichen Antrag zu stellen. I. In seiner Vernehmlassung vom 1. Oktober 2014 beantra gt der Beschwerdegegner, es sei die Beschwerde abzuweisen. J. Mit Präsidialverfügung vom 31. Oktober 2014 wurde de r Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen. K. Am 10. November 2014 reichte der Beschwerdeführer e ine Replik ein. Im Weiteren beantragte er unter Verweis auf ein gleichentags beim Bauinspektorat eingereichtes neues Baugesuch die Sistierung des Verfahrens. L. Mit Stellungnahmen vom 25. November 2014 beantrag ten der Beschwerdegegner und die Beigeladene NLK, der Sistierungsantrag des Beschwerdeführers sei abzuweisen. M. Mit Präsidialverfügung vom 27. November 2014 wurde der Verfahrensantrag des Be- schwerdeführers auf Sistierung des Verfahrens abgewiesen. N. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung – mit vorg ängigem Augenschein – halten die Parteien vollumfänglich an den gestellten Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist als Baugesuch steller und Grundeigentümer durch den angefochtenen Entscheid im Sinne von § 47 Abs. 1 li t. a VPO berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weite ren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können nac h § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Strittig ist, ob die Verweigerung einer Ausnahmeb ewilligung sowie die Anordnung der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands zu Recht erfolgten. 4.1 Der Regierungsrat erwog im angefochtenen Entscheid , dass es sich beim vorliegenden Bauprojekt um einen eigentlichen Neubau der ursprüng lichen Waldhütte handle. Das neue Fer- tighaus weiche bereits in seiner äusseren Form erheblich vom Erscheinungsbild der alten Hütte ab. Hinzu komme, dass ein neuer Standort gewählt worde n sei, dass massive Aushubarbeiten stattgefunden hätten, welche das Terrain stark verändert hätten, und dass das neue Haus kom- plett unterkellert sei. Insgesamt seien vor diesem Hint ergrund die Voraussetzungen für eine teilweise Änderung bzw. einen Wiederaufbau im Sinne von Art. 24c Abs. 2 RPG nicht gegeben. Hinzu komme, dass das Projekt wichtigen Anliegen der Raump lanung, namentlich dem Interes- se des Naturschutzes, im Sinne von Art. 24c Abs. 5 RPG zuwi derlaufe, weshalb eine Ausnah- mebewilligung auch unter diesem Gesichtspunkt nicht erteilt werden könne. 4.2 Der Beschwerdeführer macht zusammengefasst geltend, er sei bei den Vorbereitungs- arbeiten für die Beschwerde an das Kantonsgericht auf ein Schreiben des Gemeinderats B.____ vom 29. Februar 1964 gestossen, mit welchem dem damaligen Eigentümer der Bau eines "kleinen Holzhauses" (mit einer Grundfläche nicht ü ber 10 m 2 und einer Höhe nicht über 2.5 m) bewilligt worden sei. Für den Umfang der Besta ndesgarantie sei folglich entgegen der von den Vorinstanzen zu seinen Gunsten vertretenen Auff assung nicht die Grundfläche des Altbaus von 21 m 2, sondern die rechtmässig bewilligte Grundfläche von 10 m 2 massgebend. Die Waldhütte diene zwar einem forstwirtschaftlichen Zweck (Zwischenlagerung von Brennholz), sei jedoch nach heutigem Rechtsverständnis nicht auf einen S tandort ausserhalb des Baugebiets angewiesen. Es handle sich deshalb um eine nicht-landwi rtschaftliche Baute, die mit den im Jahre 1964 bewilligten Abmessungen rechtmässig erstellt worden sei. In diesem Umfang könne er sich auf die Besitzstandsgarantie gemäss Art. 24c RPG ber ufen. Ausgehend von der ur- sprünglich bewilligten Gebäudefläche von 10 m 2 dürfe der Ersatzbau bei einer massvollen Er- weiterung (30 %) eine Fläche von maximal 13 m 2 aufweisen. Die Erteilung der Ausnahmebewil- ligung dürfe vorliegend nicht daran scheitern, dass der Standort des Neubaus um ca. 5 m in östlicher Richtung verschoben worden sei. Falls das Kantonsgericht zum Schluss kommen soll- te, dass die Besitzstandsgarantie den Wiederaufbau der W aldhütte nur am alten Standort zu- lasse, wäre die Ausnahmebewilligung mit einer entspre chenden Auflage zu erteilen. Weiter führt der Beschwerdeführer aus, dass das Waldareal auf s einer Parzelle derzeit weder von ei- ner kommunalen Schutzzone erfasst noch im kantonalen Inventar der geschützten Naturobjekte enthalten sei. Eine rechtswirksame Feststellung einer be sonderen Schutzwürdigkeit des be- troffenen Gebiets bestehe somit nicht. Von einem "wicht igen Anliegen der Raumplanung" ge- mäss Art. 24c Abs. 5 RPG sei auch aufgrund der konkreten Verhältnisse nicht auszugehen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Gemäss Art. 18 Abs. 3 RPG ist das Waldareal durch d ie Forstgesetzgebung umschrie- ben und geschützt. Damit wird der Wald freilich nicht dem Geltungsbereich des Raumplanungs- rechts entzogen. Das Raumplanungsgesetz ist vielmehr im W ald ebenfalls anwendbar, soweit das Bundesgesetz über den Wald (Waldgesetz, WaG) vom 4. Oktober 1991 dies zulässt (vgl. HERIBERT RAUSCH /ARNOLD MARTI /ALAIN GRIFFEL , Umweltrecht, Zürich 2004, N 463). Aus dem Zusammenspiel von Waldgesetz und Raumplanungsgesetz ergib t sich für Bauvorhaben im Wald ein – je nach Zweck, Art und Umfang des Vorhabens – abgestuftes System von bau- und waldrechtlichen Bewilligungen (vgl. RAUSCH /M ARTI /G RIFFEL , a.a.O., N 470 f.). 5.2 Da der durch die Waldgesetzgebung geschützte Wald Nichtbaugebiet darstellt, gilt im Wald grundsätzlich ein generelles Bauverbot. Indes könn en Bauten und Anlagen auch im Wald zonenkonform sein und gestützt auf Art. 22 RPG bewilligt werden, nämlich dann, wenn sie forst- lichen Zwecken dienen. Für die Beurteilung der Zonenk onformität forstlicher Bauten im Wald lehnt sich die Rechtsprechung des Bundesgerichts an die zur Zonenkonformität landwirtschaft- licher Bauten und Anlagen in der Landwirtschaftszone en twickelten Grundsätze an. Die Zonen- konformität ist demnach gegeben, wenn die betreffenden Bauten und Anlagen für die zweck- mässige Bewirtschaftung des Waldes am vorgesehenen Standor t notwendig und nicht überdi- mensioniert sind und ausserdem keine überwiegenden öffe ntlichen Interessen gegen ihre Er- richtung vorliegen (vgl. RAUSCH /M ARTI /G RIFFEL , a.a.O., N 473; BGE 123 II 499 E. 2). 5.3 Bauten und Anlagen im Wald, welche nicht forstliche n Zwecken dienen, können dem- gegenüber grundsätzlich nur mit einer Ausnahmebewilli gung nach Art. 24 RPG verwirklicht werden, d.h. das Bauvorhaben muss im Sinne einer relati ven Standortgebundenheit auf den Standort im Wald angewiesen sein, und es dürfen keine überwiegenden Interessen entgegen- stehen. Soweit es sich um grössere Bauten und Anlagen h andelt, welche auf dem Wege einer Ausnahmebewilligung errichtet werden können (z.B. grö ssere Antennenanlagen oder Jagdhüt- ten), ist gemäss Art. 11 Abs. 2 WaG auch eine Rodungsbewi lligung erforderlich und es darf die baurechtliche Bewilligung nur im Einvernehmen mit der Rodungsbehörde erteilt werden. Erfor- derlich sind daher neben den allgemeinen Voraussetzunge n von Art. 24 RPG namentlich wich- tige Gründe für das Vorhaben, welche das Interesse an d er Walderhaltung überwiegen. Für nichtforstliche Kleinbauten und -anlagen, worunter bei spielsweise bescheidene Rastplätze, Feuerstellen, Sport- und Lehrpfade, erdverlegte Leitu ngen oder Kleinantennenanlagen fallen (vgl. BBl 1988 III 191), ist dagegen gemäss Art. 4 lit . a der Verordnung über den Wald (WaV) vom 30. November 1992 keine Rodungsbewilligung, sonder n nur eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG erforderlich, welche aber ebenfalls nur im Einvernehmen mit der kantonalen Forstbehörde erteilt werden darf (Art. 14 Abs. 2 WaV). Da in solchen Fällen zwar keine eigentli- che Zweckentfremdung des Waldbodens, aber doch eine für den Wald nachteilige Nutzung er- möglicht wird, können auch solche Vorhaben gemäss Art. 16 Abs. 2 WaG nur aus wichtigen Gründen und unter Auflagen und Bedingungen bewillig t werden (vgl. R AUSCH /M ARTI /G RIFFEL , a.a.O., N 475 f.). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Bei der vorliegend in Frage stehenden Waldhütte handelt es sich unbestrittenermassen um eine nichtforstliche Baute im Sinne der Waldgesetzge bung, welche einer Ausnahmebewilli- gung nach Art. 24 ff. RPG bedarf. Vom Beschwerdeführer wird zu Recht nicht geltend gemacht, dass die Baute auf einen Standort ausserhalb des Baugeb iets (Art. 24 lit. a RPG) angewiesen ist. Die Erteilung einer Ausnahmebewilligung nach Art . 24 RPG fällt damit von vornherein aus- ser Betracht. Zu prüfen ist demnach einzig – wovon auch der Beschwerdeführer ausgeht –, ob für die strittige Baute eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG erteilt werden kann. 6.2.1 Gemäss Art. 24c Abs. 1 RPG werden bestimmungsgem äss nutzbare Bauten und An- lagen ausserhalb der Bauzonen, die nicht mehr zonenko nform sind, in ihrem Bestand grund- sätzlich geschützt. Solche Bauten und Anlagen können mit B ewilligung der zuständigen Behör- de erneuert, teilweise geändert, massvoll erweitert o der wiederaufgebaut werden, sofern sie rechtmässig erstellt oder geändert worden sind (Abs. 2). Voraussetzung für die Anwendbarkeit dieser Bestimmung ist gemäss Art. 41 der Raumplanungsverordnung (RPV) vom 28. Juni 2000, dass die Bauten und Anlagen rechtmässig erstellt oder geändert worden sind, bevor das betref- fende Grundstück Bestandteil des Nichtbaugebiets im Sinn des Bundesrechts wurde (altrechtli- che Bauten und Anlagen). Als solche gelten in erster Li nie Bauten, die in Übereinstimmung mit dem materiellen Recht vor dem 1. Juli 1972 erstellt od er geändert wurden, als mit dem Inkraft- treten des Gewässerschutzgesetzes erstmals eine klare Tren nung von Bau- und Nichtbauge- biet vorgenommen wurde (vgl. BGE 129 II 396 E. 4.2.1 mit Hinweisen). 6.2.2 Mit der in Art. 24c RPG statuierten Besitzstandsga rantie zugunsten bestehender, zo- nenwidrig gewordener Bauten und Anlagen ausserhalb d er Bauzone soll ermöglicht werden, dass sich bestehende Bauten und Anlagen, die einer Nich tbauzone zugewiesen worden sind, unter gewissen Voraussetzungen baulich weiterentwickeln kö nnen. Der Schutz des bisherigen Bestandes altrechtlicher Bauten ergibt sich zwar auch ber eits aus der Verfassung (Art. 26 und Art. 9 BV). Der verfassungsrechtliche Schutz entfällt ab er, wenn der Wert der früheren bauli- chen Investition durch periodischen Unterhalt und zeitgem ässe Erneuerung nicht mehr auf- rechterhalten werden kann. In Art. 24c RPG hat der Bu ndesgesetzgeber die verfassungsrechtli- che Besitzstandsgarantie stark ausgeweitet, indem er über die Aufrechterhaltung des bisheri- gen Bestands auch gewisse Veränderungen und Erweiterun gen sowie den Wiederaufbau zu- lässt ("erweiterte Besitzstandsgarantie"; BERNHARD WALDMANN /P ETER HÄNNI , Raumplanungs- gesetz, Bern 2006, Art. 24c N 2 f.). 6.2.3 Das Raumplanungsgesetz ist wie bereits ausgeführt f ür Bauten und Anlagen im Wald einzig soweit anwendbar, als die Waldgesetzgebung dies zulässt. Letztere enthält indes für Bauvorhaben im Wald keine besonderen Bestandes- oder Er weiterungsgarantien, wie sie in Art. 24c RPG vorgesehen sind. Für Bauten und Anlagen a uf Waldboden besteht damit nament- lich auch kein Wiederaufbaurecht. Die Anwendbarkeit der Besitzstandsgarantie gemäss Art. 24c RPG auf Bauten und Anlagen im Wald ist vor di esem Hintergrund – entsprechend der einhelligen Lehre und Rechtsprechung im Zusammenhang mit dieser Frage – zu verneinen (vgl. RAUSCH /M ARTI /G RIFFEL , a.a.O., N 477 f.; Urteil des Verwaltungsgerichts d es Kantons Zug [V 2011/11] vom 29. November 2011 E. 2.4; Urteil des V erwaltungsgerichts des Kantons Solo- thurn [VWBES.2006.371] vom 23. Januar 2007 E. 7; siehe auch Urteil des Bundesgerichts Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1A.32/2004 vom 30. September 2004 E. 5.2). Die Erteilung einer Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24c RPG für den Wiederaufbau der Waldhütte fäll t bereits aus diesem Grund ausser Be- tracht. 6.3.1 Die Anwendbarkeit von Art. 24c RPG wäre im vorli egenden Fall überdies auch aus einem anderen Grund zu verneinen: 6.3.2 Unter den gesetzlichen Bestandesschutz von Art. 24c R PG fallen nur bestehende Bau- ten und Anlagen, die seinerzeit in Übereinstimmung mit dem materiellen Recht, also rechtmäs- sig erstellt worden sind. Rechtswidrig erstellten oder geänderten Bauten und Anlagen bleibt die Anwendung von Art. 24c RPG versagt. Dies gilt selbst d ann, wenn diese aus Gründen des Ver- trauensschutzes oder der Verhältnismässigkeit nicht abgebroch en werden müssen. Zwar ist es dem Eigentümer einer derart geduldeten Baute erlaub t, sämtliche ohne Baubewilligung zulässi- gen Vorkehren für den Unterhalt seiner Baute vorzunehm en. Die Berufung auf die Besitz- standsgarantie von Art. 24c RPG und die daraus fliessende n Baumöglichkeiten scheidet hinge- gen aus (vgl. WALDMANN /HÄNNI , a.a.O. Art. 24c N 4; Urteil des Bundesgerichts 1A.17/2004 vom 19. Mai 2004 E. 2.2.2). 6.3.3 Der Beschwerdegegner führt im Rahmen seiner Ve rnehmlassung aus, dass nach der im Jahr 1964 massgebenden Rechtslage für Leichtbauten mit maximal 10 m 2 Grundfläche und einer Höhe von maximal 2.5 m keine Baubewilligung erforderlich gewesen sei. Die vom Rechts- vorgänger des Beschwerdeführers erstellte Waldhütte habe diese Ausmasse jedoch überschrit- ten und sei daher von Anfang an rechtswidrig gewesen. Eine Berufung auf Art. 24c RPG falle damit ausser Betracht. Zu beachten sei, dass die Befugnis der Behörden, die Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustands zu verlangen, nach 30 Jahren verwi rke. Im vorliegenden Fall sei jedoch innerhalb der 30-jährigen Frist kein Abbruch v erfügt worden. Die rechtswidrig erstellte Baute sei geduldet worden und daher in den Genuss eine r reduzierten Bestandesgarantie ge- kommen. Letztere sei indes mit dem Abbruch der unrechtmä ssig erstellten Waldhütte erlo- schen. Der Beschwerdeführer habe demnach keinen Anspruch darauf, die Waldhütte nach dem erfolgten Abbruch wieder aufzubauen. Der angefochtene Entscheid sei gestützt darauf, wenn auch mit einer anderen Begründung, zu schützen. 6.3.4 Der Beschwerdeführer entgegnet dem in seiner Rep lik, dass sein Rechtsvorgänger im Jahr 1963 um Bewilligung eines kleinen Holzhauses mit einer Grundfläche von höchstens 10 m 2 ersucht habe. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass der alte Ei gentümer so unverfroren gewesen sei, sich von Anfang an über die eigenen Vorgaben (und den Inhalt der Bewilligung) hinwegzu- setzen. Ferner gebe es auch von der alten Bausubstanz her Anhaltspunkte dafür, dass die Ver- grösserung erst nachträglich (aber vor dem Eigentumsüberga ng an den Beschwerdeführer) ausgeführt worden sei. Nachweisen lasse sich dies insbesonde re anhand einer Fotografie des Altbaus, auf welcher die Holzfassade signifikante Farbu nterschiede aufweise und es sich beim helleren Teil vermutlich um den später erstellten Anbau handle. Eine ähnliche Trennlinie habe es auch beim Fussboden im Inneren der Hütte gegeben. D ie Vermutung des Beschwerdegeg- ners, es sei von Anfang an eine illegale Baute errichte t worden, sei unter diesen Umständen nicht haltbar. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wona ch die Bestandesgarantie von Art. 24c Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht RPG auf den vorliegenden Sachverhalt nicht anwendbar sei, wäre im Übrigen selbst dann ver- fehlt, wenn diese Vermutung wider Erwarten zutreffen würde. Der Beschwerdeführer beanspru- che die Besitzstandsgarantie nur auf der Basis der bewilli gten bzw. im Jahr 1964 zulässigen Abmessungen des Gebäudes. Ein solches Gebäude sei im "Ke rn" des Altbaus allemal enthal- ten, auch wenn dieser schon ursprünglich zu gross dimensioniert gewesen sein sollte. 6.3.5 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Waldhütte sei ursprünglich rechtmäs- sig erstellt worden und erst nachträglich in unzulässiger W eise vergrössert worden, vermag er den entsprechenden Nachweis nicht zu erbringen. Sein Ve rweis auf die unterschiedliche Farb- gebung der Fassade sowie die Trennlinie beim Fussboden im Inneren der Waldhütte genügt in diesem Zusammenhang nicht. Aus den in den Akten des Baug esuchsverfahrens Nr. 2474/2003 befindlichen Fotografien geht hervor, dass die Fassade de r vorbestandenen Waldhütte an ver- schiedenen Stellen – namentlich im Bereich des Dachs, des U nterbaus sowie der Südfassade – und nicht einzig im Bereich des angeblich nachträglich er stellten Anbaus eine hellere Farbge- bung aufwies. Den Fotografien und Plänen des genannten Verfahrens kann zudem entnommen werden, dass die vorbestandene Waldhütte über eine einheitliche Bedachung sowie ein einheit- liches Fundament verfügte. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Waldhütte als Ganzes – sei dies von Anfang an oder erst nachträgli ch – rechtswidrig erstellt wurde. Im Weiteren kann der Auffassung des Beschwerdeführers, wonac h eine Baute mit den im Jahr 1964 zulässigen Abmessungen im "Kern" des Altbaus enthalten gewesen sei, auch wenn dieser von Anfang an zu gross dimensioniert gewesen sein sollte, nicht gefolgt werden. Ein solches Verständnis stünde in klarem Widerspruch zum Wortlaut von Art. 24c Abs. 2 RPG, welcher die Besitzstandsgarantie auf rechtmässig erstellte Bauten und Anlagen beschränkt. 6.4 Nach dem Gesagten ist die Anwendbarkeit von Art. 24 c RPG im vorliegenden Fall un- ter sämtlichen Gesichtspunkten zu verneinen. Die Vorinstan zen haben demnach zu Recht die Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung gestützt au f diese Bestimmung verneint und eine solche kann auch nicht unter den vom Beschwerdefü hrer beantragten einschränkenden Bedingungen – auf der Basis der im Jahr 1964 zulässigen Abmessungen – erteilt werden. 7.1 Ist eine Baute oder Anlage materiell gesetzeswidrig , hat das noch nicht zur Folge, dass sie beseitigt werden muss. Auch in einem solchen Fall sin d die verfassungs- und verwaltungs- rechtlichen Grundsätze zu berücksichtigen. Zu ihnen gehör en namentlich das öffentliche Inte- resse und die Verhältnismässigkeit, welche Art. 5 Abs. 2 BV als allgemeine Grundsätze rechts- staatlichen Handelns festhält und die zusätzlich auch in A rt. 36 Abs. 2 und 3 BV als Vorausset- zung für Grundrechtseingriffe genannt werden (vgl. Ur teil des Bundesgerichts 1A.32/2004 vom 30. September 2004 E. 5.1). So kann der Abbruch unter bleiben, wenn die Abweichung vom Erlaubten nur unbedeutend ist oder der Abbruch nicht i m öffentlichen Interesse liegt, ebenso wenn der Bauherr in gutem Glauben angenommen hat, e r sei zur Bauausführung ermächtigt, und der Beibehaltung des ungesetzlichen Zustandes nicht sch werwiegende öffentliche Interes- sen entgegenstehen (vgl. BGE 132 II 21 E. 6; BGE 111 Ib 213 E. 6). Grundsätzlich kann sich auch der Bauherr, der nicht gutgläubig gehandelt ha t, gegenüber einem Abbruch- oder Wieder- herstellungsbefehl auf den Grundsatz der Verhältnismässigke it berufen. Er muss indessen in Kauf nehmen, dass die Behörden aus grundsätzlichen Erwäg ungen, nämlich zum Schutz der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsgleichheit und der baurechtlichen Ordnung, dem Interesse an der Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustandes erhöhtes Gewicht beimessen und die dem Bauherrn erwachsenden Nachteile nicht oder nur in verringertem Mass berücksichtige n (vgl. BGE 123 II 248 E. 4a; BGE 111 Ib 213 E. 6b). 7.2 Die vom Beschwerdeführer rechtswidrig erstellte Wald hütte steht in Widerspruch zum generellen Bauverbot im Wald. Sie verletzt den Grundsa tz der Trennung des Baugebiets vom Nichtbaugebiet, bei welchem es sich um ein grundlegende s Prinzip des Raumplanungsrechts handelt. Die Abweichung vom Gesetz kann somit keineswegs al s geringfügig eingestuft wer- den. Der Beschwerdeführer handelte sodann nicht gutglä ubig. Er wurde vielmehr wiederholt darauf hingewiesen, dass ihm für die vorgesehene Baute keine Bewilligung erteilt werden kön- ne und die bestehende Waldhütte im Falle eines Abbru chs nicht wieder aufgebaut werden dürf- te. Den öffentlichen Interessen an der rechtsgleichen D urchsetzung des objektiven Rechts ist unter diesen Umständen – ebenso wie im Hinblick auf di e Bedeutung des Schutzes des Waldes vor unzulässigen Eingriffen – ein hohes Gewicht beizumessen . Die privaten Interessen des Be- schwerdeführers sind angesichts der getätigten Investitione n bzw. der Kosten des Rückbaus zwar nicht unerheblich, müssen gegenüber den im Spiel st ehenden öffentlichen Interessen je- doch zurücktreten. Die Anordnung des Abbruchs der Waldhütte bzw. der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands erweist sich gestützt darauf als verhäl tnismässig. Die Beschwerde ist demnach vollumfänglich abzuweisen. Nachdem die angesetzt e Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands mittlerweile abgelaufen ist, wird die BUD dem Beschwerdeführer nun- mehr eine neue angemessene Frist anzusetzen haben. 8. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'200.-- dem unterlegenen Beschwerde- führer aufzuerlegen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 2 VPO). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'200.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 2'200.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber