B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-845/2013 U r t e i l v o m 1 5 . J u l i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiberin Anne Kneer. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch Peter Huber, Fürsprecher, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. Januar 2013 / N (…). D-845/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführer in – eine türkische Staatsangehörige kurdischer Ethnie – verliess eigenen Angaben zufolge ihren Heimatstaat Türkei am 7. Dezember 2009 und reiste versteckt in einem Lastwagen am 9. D e- zember 2009 in die Schweiz ein, wo sie am darauffolgenden Tag um Asyl nachsuchte. Am 15. Dezember 2009 wurde sie durch das BFM zu ihren Asylgründen befragt und am 4. Januar 2010 einlässlich angehört. Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte sie im Wesentlic hen geltend, sie habe seit ihrer Geburt im Dorf Z._______ gelebt. Im Jahr 1998 sei sie dann, da ihre Familie von den Soldaten ständig unter Druck gesetzt wor- den sei, zu ihrem Bruder nach Y ._______ gegangen. Ihr Cousin sei w e- gen Mitgliedschaft bei der PKK (Partiya Karkerên Kurdistan, Arbeiterpar- tei Kurdistans) zu einer lebensl angen Gefängnisstrafe verurteilt worden. In Y ._______ habe sie sich daher zunächst beim "Verein der Angehörigen der politischen Gefangenen " aktiv en gagiert (…). So habe sie Personen der HADEP (Halkın Demokrasi Partisi, Partei der Demokratie des Volkes) kennengelernt und sich dann auch als Mitglied dieser Partei registrieren lassen. Auch ihre Cousine B._______, bei welcher sie zwischenzeitlich gewohnt habe, sei bei der Jugendorganisation der HADEP tätig gewesen. Während einer illegalen Demonstration sei diese angehalten und nach einer Hausdurchsuchung, bei welcher auch ihr Zimmer ( dasjenige der Beschwerdeführerin) durchsucht worden sei , mitgenommen worden. Während die ser Festnahme sei diese auch gefoltert worden. Die türk i- schen Behörden hätten unter anderen von der Cousine wissen wollen, ob sie (die Beschwerdeführerin) auch an illegalen Kundgebungen teilnehme. Die Cousine sei anschliessend inhaftiert worden. Da die Cou sine eine Lücke bei der HADEP hinterlassen habe, sei sie eingesprungen und habe sich bei der Jugendorganisation für kulturelle Anlässe engagiert . Im Jahr 2003 sei die HADEP geschlossen und die DEHAP (Demokratik Halk Par- tisi, Demokratische Volkspartei) eröffnet worden. Auch bei der DEHAP habe sie sich stark engagiert und dafür sogar ihre Arbeitsstelle aufgeg e- ben. Sie sei (Mitarbeit bei Jugendarbeit ) gewesen und habe geholfen, verschiedene (Veranstaltungen) zu organisieren. Bei einer dieser Vera n- staltungen im (…) 2004 sei sie festgenommen und für eine Nacht auf dem Polizeiposten festgehalten worden , wobei sie geschlagen und g e- demütigt worden sei. Sie habe sich jedoch auch danach weiter politisch engagiert. Im Jahr 2005 sei auch die DEHAP geschlossen und die DTP (Demokratik Toplum Partisi, Partei für eine demokratische Gesellschaft) D-845/2013 Seite 3 eröffnet worden. Von der DTP sei sie aber kein Mitglied gewesen. Sie ha- be aber für die DTP während den Wahlen gearbeitet, indem sie Aufgaben von Provinzvorstehern übernommen und Familien in den Vierteln besucht habe, um diese für die Wahlen zu motivieren. Zudem habe sie geholfen Kundgebungen zu organisieren und Zeitschriften zu verteilen. Als sie (…) 2007 auf dem Weg zu einer Kundgebung ge wesen seien, seien sie und andere von der Po lizei angehalten und mitgenommen wor den. Sie, ihre Cousine C._______ und eine andere Frau seien für zwei Nächte fes t- gehalten worden, die anderen hätten noch am selben Abend gehen dü r- fen. Während dieser zwei Nächte seien sie geschlagen, misshandelt und gedemütigt worden. Sie seien beschuldigt worden, Mitglieder der PKK zu sein. Danach habe man sie freigelassen, ohne ein gerichtliches Verfahren einzuleiten. Auch zwischen diesen Vorfällen sei sie mehrmals für einige Stunden von der Polizei festgenommen worden. Im (…) 2009 seien bei einer Kundgebung viele Jugendliche, mit welchen sie zusammengearbe i- tet habe, festgenommen worden. Diese hätten ihren Namen den tür ki- schen Behörden verraten. Sie sei daher zu ihrer Cousine C._______ nach X._______ gegangen, habe aber weiterhin gearbeitet und sich n e- benbei für die DTP engagiert, jedoch aus Vorsicht nicht mehr an illegalen Kundgebungen teilgenommen . Ende Juni 2009 sei s ie dann auf dem Nachhauseweg von der Polizei in ein Auto gezerrt und an einen abgel e- genen Ort gefahren worden. Die Beamten hätten sie dann zwingen wol- len für sie als Spitzel zu arbeiten. Sie hätten sie überall berührt und ihr gedroht, sie zu vergewaltigen. Sie habe dann aus Angst einige erfundene Namen an gegeben, worauf sie sie wieder freigelassen hätten . Da sie nicht nach Hause habe gehen wollen, sei sie zu einer politisch nicht akti- ven Freundin gegangen. Zwei oder drei Tage nach dem Vorfall sei sie mehrmals am Telefon von den Polizisten bedroht worden, da diese h e- rausgefunden hätten, dass die Namen, welche sie ihnen gesagt habe, e r- funden gewesen seien. Sie habe aus Angst aufgehört zu arbeiten und sei zurück zu ihrem Bruder gegangen. Da habe sie sich entsch ieden in die Schweiz zu fliehen, wo auch ihre Cousine B._______ (N […]) nun lebe. Ihre Cousine C._______ sei nach ihrer Ausreise von den türkischen B e- hörden über ihren Verbleib befragt worden. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin dabei di- verse Fotos, welche sie an Demonstrationen und bei kulturellen kurd i- schen Anlässen zeigen, ein Referenzschreiben der DTP sowie diverse In- ternetausdrucke die DTP betreffend zu den Akten. D-845/2013 Seite 4 B. Mit Schreiben vom 18. Januar 2010 forderte das BFM die Beschwerd e- führerin auf, eine ausführliche Bestätigung ihrer Aktivität für die HADEP/DEHAP und insbesondere für die DTP , Dokumente bezüglich der Festnahme der Jugendlichen im Jahr 2009 sowie allfälli ge weitere Unter- lagen und Beweismittel einzureichen. C. Mit Eingabe vom 12. Februar 2010 reichte die Beschwerdeführerin ein Referenzschreiben eines Anwaltes und Vorsitzenden der DTP zu den Ak- ten. Ferner machte sie darauf aufmerksam, dass die DTP in der Türk ei verboten sei und alle Dokumente beschlagnahmt worden seien. Deshalb könne sie keinen Mitgliederausweis aushändigen. D. Mit Verfügung vom 17. Januar 2013 – eröffnet am 1 9. Januar 2013 – lehnte das BFM das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. E. Mit Eingabe vom 1 8. Februar 2013 erhob die Beschwerdeführerin – han- delnd durch ihren Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid beim Bu n- desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die vorinstanzliche Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft fest- zustellen und ihr sei Asyl zu gewähren. E ventualiter sei die Flüchtlingse i- genschaft festzustellen und eine vorläufige Aufnahme anzuordnen; sub e- ventualiter sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegw ei- sungsvollzugs festzustellen und eine vorläufige Aufnahme anzuordnen. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte sie diverse Bestätigungsschreiben von Bekannten, Mitaktivisten und Verwandten sowie einen Zeitungsartikel zu den Akten. F. Mit Verfügung vom 2 6. Februar 2013 stellte die Instruktionsrichterin fest, die Beschwerdeführer in dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und forderte sie auf, innert Frist einen Kostenvo r- schuss zu leisten. G. Der Kostenvorschuss wurde am 4. März 2013 fristgerecht geleistet. D-845/2013 Seite 5 H. Am 20. März 2013 reichte das BFM – nach entsprechender Aufforderung durch das Bundesverwaltungsgericht – eine Vernehmlassung ein, wobei es die Abweisung der Beschwerde beantragte. I. Mit Eingabe vom 16. April 2013 nahm die Beschwerdeführerin zur Ver- nehmlassung des BFM Stellung und ersuchte um Akteneinsicht in zwei vorinstanzliche Dossiers. Dabei reichte sie wiederum diverse Bestätigungsschreiben von Mitaktivis- ten und Familienangehörigen, eine Kopie eines polizeilichen Einverna h- meprotokolls eines Mitaktivisten, ihren Mitgliedschaftsantrag für den (Ver- ein) in W._______ sowie diverse Fotos zu den Akten. J. Mit Zwischenverfügung vom 18. April 2013 stellte die Instruktionsrichterin fest, die Beschwerdeführerin habe sich betreffend das Ersuchen um Ei n- sicht in die beiden Akten an das BFM zu wenden. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgül- tig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, S R 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). D-845/2013 Seite 6 1.3 Die Beschwerde ist fr ist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimie rt (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die B e- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) und die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Mit der Beschwerdeschrift wird geltend gemacht, die Vorinstanz habe ihren Entscheid auf einen unvollständig abgeklärten und fehlerhaft g e- würdigten Sachv erhalt abgestützt. Nachfolgend ist diese formelle Rüge vorab zu prüfen, da diese gegebenenfalls zu einer Kassation der v o- rinstanzlichen Verfügung führen könnte. 3.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Asylbehörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. "Un- richtig" ist die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. "Unvollständig" ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sac h- verhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder n icht alle für den En t- scheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, Art. 49, in: Christoph Auer/Markus Müller, Benjamin Schindler, VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltung s- verfahren, Zürich/St. Gallen 2008 , Rz. 28, S. 676 f.). Ihre Grenze findet die Untersuchungspflicht allerdings in der Mitwirkungspflicht des Asyls u- chenden (vgl. Art. 8 AsylG). 3.3 Im Zusammenhang mit den beurteilten Sachverhaltselementen wird in der Beschwerde gerügt, der rechtserhebliche S achverhalt sei unvollstän- dig abgeklärt und fehlerhaft gewürdigt worden. Diese Kritik erweist sich jedoch als unbegründet. Zwar hat die Vorinstanz die Vorbringen der B e-D-845/2013 Seite 7 schwerdeführerin zu Unrecht als unglaubhaft qualifiziert (vgl. nachfolgend E. 6). Dies jedoc h nicht aus Gründen einer unvollständigen oder fehle r- haften Sachverhaltsabklärung. Das BFM durfte sich bei der Begründung seiner Verfügung auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und war nicht gehalten, sich ausdrücklich mit jeder tat- beständlichen Behauptung auseinanderzusetzen (BGE126 I 97 E. 2.b S.102 f.). Es ist festzustellen, dass den Akten keine Hinweise zu entne h- men sind, wonach das Bundesamt den Sachverhalt ungenügend festg e- stellt beziehungsweise sich mit diesem nicht ausein andergesetzt hätte. Es besteht mithin kein Grund, die angefochtene Verfügung infolge unvol l- ständiger Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts oder wegen Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben. Mit Blick auf die in den vorstehenden Erwägungen e rfolgte Beurteilung, besteht auch auf B e- schwerdeebene kein Anlass, weitere Abklärungen zum Sachverhalt vo r- zunehmen. Somit liegt keine Verletzung der Verfahrensgarantien vor. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausg esetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das BFM im Wesentlichen aus, die beiden Mitnahmen in den Jahren 2004 und 2007 würden gege n- über der Ausreise vom Dezember 2009 rund fünfeinhalb beziehungswei- se zweieinhalb Jahre zurückliegen. Sie müssten damit als zu weit zurück-D-845/2013 Seite 8 liegend beurteilt werden und könnten in keinem kausalen Zusamme n- hang zur Ausreise mehr gesehen werden. Die Beschwerdeführerin habe sich deswegen ganz offensichtlich nicht zur Ausreise veranlasst gesehen. Der Umstand, dass sie bedingungslos freigelassen, vom Ereignis keine schriftlichen Dokumente existierten und keine Verfahren eingeleitet wo r- den seien, weise weiter darauf hin, dass die Beschwerdeführerin desw e- gen keiner asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt w orden sei. Diese Vo r- bringen seien deshalb nicht asylbeachtlich. Die übrigen Vorbringen seien hinsichtlich ihrer Glaubhaftigkeit zu beurteilen. Beim Vorbringen, von den Behörden unter massiver Drohung zur Zusammenarbeit verpflichtet zu werden, handle es sich um ein stereotypes Element, dessen sich Asyls u- chende immer wieder bedienen würden. Für eine derartige Zusammena r- beit würden jedoch bereitwillige und loyale Personen eingesetzt, denn es läge auf der Hand, dass Personen, welche dazu unter Drohung gezwu n- gen würden, diese Aufgabe nicht übernehmen wollten und die nächste Gelegenheit benützen würden, sich der verhassten Verpflichtung zu en t- ziehen. Genau dies habe die Beschwerdeführerin ja dann auch gemacht. Das Vorbringen wirke deshalb konstruiert und unglaubwü rdig. Bei der DTP habe es sich damals noch um eine legale Partei gehandelt. Es dürfte deshalb für die Behörden nicht schwierig gewesen sein, die Namen von Mitgliedern dieser Partei zu erfahren. Es wäre für die Behörden auch ei n- fach gewesen, jemand aus ihre n Reihen in die Partei einzuschleusen. Es könne daher weiterhin nicht geglaubt werden, dass die Behörden derart i- ges ausgerechnet von der Beschwerdeführerin, welche zudem, wie man wisse, selber nicht einmal Mitglied der DTP gewesen sei , hätten in Erfah- rung bringen wollen. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin sei deshalb als konstruiert zu bezeichnen und vermöge den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen. Die eingereichten Unterlagen seien nicht geeignet, um vom Bestehen einer Verfolgung der Beschwerdeführe- rin auszugehen. Bei der Fürsprache des türkischen Anwalts handle es sich um ein Parteischreiben, das zur Annahme des Vorliegens einer Ve r- folgung nicht herangezogen werden könne. Es liege zudem nur in Kopie vor. In den Internetauszügen finde s ich der Name der Beschwerdeführ e- rin nirgends. Diese würden lediglich Auskünfte zu allgemeinen politischen Umständen geben. Die Vorbringen hielten somit entweder den Anford e- rungen an die Flüchtlingseigenschaft oder an die Glaubhaftigkeit nicht stand. 5.2 In der Beschwerde brachte die Beschwerdeführerin – neben der de- taillierten Schilderung des Sachverhaltes – im Wesentlichen vor, nach ih- rer letzten Mitnahme durch die Polizei habe sich die Situation für die DTP D-845/2013 Seite 9 geändert, weil der Partei vorgeworfen worden sei, d er nur vordergründig legale Arm der PKK zu sein. Viele Parteimitglieder hätten ernsthafte Prob- leme mit der Polizei bekommen und seien unter dem Verdacht der PKK - Zugehörigkeit festgenommen worden, seien untergetaucht oder ins Au s- land geflohen. Vier Personen, mit welchen sie zusammengearbeitet hätte, seien nun in der Türkei im Gefängnis. Weitere Mitaktivisten, unter ande- rem D._______, E._______ und F._______, seien wie sie in die Schweiz geflohen, hätten hier um Asyl ersucht und seien zum Teil als Flüchtlinge anerkannt worden. Die Vorinstanz werfe ihr vor, ihre Flucht stünde nicht in einem zeitlichen Zusammenhang zu ihren Mitnahmen durch die Polizei. So habe sie dargelegt, sie sei 2004 und 2007 von der Polizei mitgeno m- men worden, weshalb bei der Flucht Anfang 2010 nicht von einem zeitl i- chen Zusammenhang gesprochen werden könne. Dieser Einwand sei isoliert betrachtet vordergründig zutreffend. Die Vorinstanz anerkenne aber damit immerhin an, dass die Ausführungen über ihre jahrelange ku r- disch-autonomistische Aktivitäten ab dem Jahr 1999 glaubhaft seien. Den Verfolgungsvorfall von Ende 2009 erachte die Vorinstanz indessen als nicht glaubhaft. Der Einwand, für Spitzeldienste würden loyale Personen eingesetzt und nicht solche, die unter Drohungen zur Mitarbeit gezwu n- gen werden müssten, entbehre jeglichem Realitätssinn. Der Versuch, Leute, die bereits einen guten Sympathisantenzugang zum zu bespi t- zelnden Zielpublikum hätten, zu Spitzeldiensten zu gewinnen, mache j e- denfalls mindestens so viel oder eher mehr Sinn, als di e Infiltration pol i- tisch völlig unbelasteter Personen in eine im Sommer 2009 zunehmend unter Druck stehende und entsprechend vorsichtige Partei. Da sie seit dem Jahr 2007 nicht mehr eingeschriebenes Mitglied der DTP und einige Zeit nicht mehr in Erscheinun g getreten sei, erscheine der Versuch der Sicherheitskräfte, sie für die Spitzeldienste zu ge winnen, keineswegs als abwegig, habe sie doch gerade versucht, nach aussen hin eine gewisse Distanz zur DTP zu markieren. Der Versuch der Anwerbung zu Spitzelt ä- tigkeiten beruhe immer auf der Methode von Vorteilsversprechungen und massiven Androhungen im Widersetzungsfalle, da praktisch nie eine Pe r- son gefunden werden könne, die kurzfristig Zugang zu relevanten Info r- mationen finden könne und zugleich bereitwillig mit der Polizei gegen das bisherige Umfeld mitarbeite. So sei es geradezu typisch, dass die Siche r- heitskräfte ihr angeboten hätten, ihre Anwerbungstätigkeiten für die DTP , welche ihr schon damals als Propaganda für die PKK hätten angelastet werden können, ungesühnt zu belassen, wenn sie die gewünschte Info r- mation liefere. Die Einwände der Vorinstanz, welche gegen die Glaubha f- tigkeit der Polizeimitnahme und versuchten Anwerbung zu Spitzeldien s- ten von Ende Juni 2009 vorgebracht würden, seien unbedarft und stere o-D-845/2013 Seite 10 typ. Sie habe sich nach diesem Vorfall so weit möglich versteckt gehalten und habe bei einer Freundin gewohnt, die in keiner Verbindung zur Partei gestanden sei, um die Risiken, aufgegriffen zu werden, bestmöglich st zu minimieren. Sie sei kaum aus dem Haus gegangen und habe ihre Flucht vorbereitet, welche ihr schliesslich am 7. Dezember 2009 gelungen sei. Es sei offenkundig, dass der Verfolgungsvorfall von Ende Juni 2009 das fluchtauslösende Element gewesen sei. Anlässlich der Anhörung habe sie zu wenig deutlich gemacht, dass die Polizisten sie als Spitzel hätten ein- setzen wollen, um an die Namen der in der DTP verdeckt aktiven Anhä n- ger der PKK zu kommen. Sie hätte die Jugendorganisation der DTP b e- spitzeln und der Polizei mitteilen sollen, wer von den Jugend lichen Kon- takte zur PKK unterhalte. Sie habe dies nicht genauer ausgeführt, da sie geglaubt habe, dies sei der Vorinstanz schon deshalb klar, weil die DTP zu diesem Zeitpunkt ja noch eine legale Partei gewesen sei. Nicht die Parteimitgliedschaft in der DTP -Jugend sei das Bespitzelungsziel gew e- sen, son dern deren allfällig verdeckte Verbindung zu PKK -Organismen. Das BFM gehe mithin fälschlicherweise davon aus, dass die Polizei mit ihrer Hilfe an Namen von DTP -Mitgliedern gelangen wollte. Ihre Vorbri n- gen seien in keiner Weise konstruiert oder unglaubhaft. Sie habe ein Jahrzehnt lang in Y ._______ politisch für die Propagierung autonomist i- scher Rechte der Kurden gekämpft und mit vielen hochrangigen und e x- ponierten Parteipersönlichkeiten selber exponiert zusammeng earbeitet. Viele Personen, mit welchen sie eng zusammengearbeitet habe, seien wegen ihrer gleichartigen politischen Arbeit zur Flucht vor politischer Ve r- folgung gezwungen und in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt oder i n- zwischen in der Türkei von schwer er politischer Verfolgung erfasst wo r- den. Wenige Tage nach ihrer Flucht seien Tausende von Personen, die wie sie für die DTP aktiv gewesen seien, unter dem Generalverdacht der Unterstützung der PKK festgenommen worden und befänden sich zu e i- nem grossen Teil noch immer – meist ohne Anklage – in Haft. Sie sei den türkischen Sicherheitsbehörden bestens bekannt. Die eingereichten Ze u- genberichte belegten, dass die türkischen Sicherheitskräfte in Y ._______ und in ihrer Herkunftsregion nach ihr fragten. Die Wah rscheinlichkeit, dass sie bei einer Rückkehr in die Türkei unter dem Vorwurf der Prop a- gierung und Unterstützung der PKK festgenommen und für lange Zeit i n- haftiert werde, sei gross. Im Fall einer Rückführung würde sie mit Siche r- heit bereits am Flughaf en festgenommen und den Sicherheitskräften z u- geführt. Selbst wenn sie nicht zu einer langjährigen Gefängnisstrafe ve r- urteilt werden sollte, drohe ihr eine lange Haft , sogar ohne Anklage, und selbst im Falle einer provisorischen Freilassung, bleibe sie als angebliche Propagandistin der PKK stigmatisiert und als solche von einer Vielzahl D-845/2013 Seite 11 von Kontrollmassnahmen, Postenmitnahmen und anderen Bedrohungen bedroht, die in ihrer Gesamtheit einen unerträglichen psychischen Druck erzeugten. Sie sei deshalb als politischer Flüchtling anzuerkennen und es sei ihr Asyl zu erteilen. Die geschilderte Stigmatisierung und Gefährdung werde dadurch bestätigt und erhöht, dass sie auch in der Schweiz im Rahmen der kurdischen Vereine aktiv sei und verschiedentlich an gro s- sen propagandist ischen Versammlungen und Demonstrationen teilg e- nommen habe. Von einer dieser Kundgebungsteilnahmen seien Fotos in einer (…) Zeitung erschienen, auf welchen sie (…) sehr gut identifizierbar sei. Zusammen mit der unzweifelhaft glaubhaften jahrelangen Exposit ion in Y ._______ werde ihr die in der Schweiz offen demonstrierte Verb in- dung zur PKK in der Heimat als Unterstützung der PKK angelastet und das Exilengagement als Beweis für die PKK -Beziehung ihrer politischen Arbeit in der Türkei verwendet. Auch unter die sem zusätzlichen Aspekt der PKK-Unterstützung in der Schweiz sei ihr wegen ihrer Fluchtgründe Asyl zu erteilen. Jedenfalls werde sie mit ihrer jahrelangen Stigmatisi e- rung als "PKK-Aktivistin" in der Türkei nie Ruhe vor Erniedrigung und Ver- folgung finden kö nnen, solange die türkische Regierung und die PKK nicht zu einem verbindlichen und dauerhaften Friedenschluss gefunden hätten. Solange sei der Wegweisungsvollzug zumindest unzulässig und unzumutbar. 5.3 Das BFM führte in seiner Vernehmlassung im Wesentlichen aus, es habe die drei Verweiserdossiers durchgesehen. Die drei in der B e- schwerde erwähnten Frauen würden jedoch in ihren Protokollen die B e- schwerdeführerin nirgends erwähnen. 5.4 In ihrer Replik führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, in ihrer Beschwerde sei nicht geltend gemacht worden, dass in den drei in der Beschwerde genannten Dossiers sie namentlich erwähnt werde. Die Dossiers sollten als Referenzfälle zur Verdeutlichung der Gesamtsituation ediert werden. Angesichts der jahrzehntelanger Verfolgungserfahrung po- litisch aktiver Kurdinnen und Kurden gehöre es zu ihrer elementaren po l- tischen Erziehung, dass nur Namen von Personen genannt würden, die bereits in Sicherheit oder bereits verurteilt im Gefängnis seien. Sie selber nenne in i hrem Verfahren und in der Beschwerde keine Gesinnungsg e- nossen, die nicht entweder ohnehin von den türkischen Behörden bereits verurteilt worden seien oder sich in der Schweiz in Sicherheit befänden. Nebst den genannten Personen kenne sie zahlreiche Aktivis tinnen und Aktivisten der Partei persönlich, über die sie nicht s sagen könne, weil sie nicht wisse, ob sie ihnen damit schaden könnte. Ihre Cousine B._______ D-845/2013 Seite 12 habe sie durch ihre Aussage im Asylverfahren nicht in Gefahr bringen wollen und sie daher nicht er wähnt. Wegen ihrer traumatischen Vorg e- schichte habe die Cousine versucht, sie unter allen Umständen zu b e- schützen. D._______ sei nur nach Bekannten in Haft gefragt worden. Sie sei aber zu diesem Zeitpunkt nicht in haftiert gewesen sei. Sie habe sie nur einmal kurz als Mitaktivistin genannt. E._______ sei nach Namen der Parteiführer und Abgeordneten gefragt worden und nach Personen, we l- che in einem gewissen Quartier gewohnt hätten. Daher habe sie sie nicht genannt. E._______ habe im eingereichten Einvernahmeprotokoll bei den türkischen Behörden ausgesagt, dass sie ein Aufruf zu einer Demonstr a- tion an sie weitergeleitet habe. Es sei somit erstellt, dass die Antiterrorpo- lizei so ihre Identität und Kenntnis über ihre Aktivität in der Jugendabte i- lung erhalten habe. Ferner stellte die Beschwerdeführerin Verschiedenes richtig: Mit F._______ habe sie ab dem Jahr 2002 persönlich Kontakt g e- habt und politisch zusammengearbeitet. Dies auch noch im Jahr 2003, als er (…) in ganz Y ._______ gewesen sei. Danach sei der persönliche Kontakt abgebrochen. Daher sei das Beschwerdevorbringen, er sei bis Dezember 2009 in Y ._______ (…) gewesen, eine Annahme. Sie sei nicht (Mitarbeit bei Jugendarbeit) gewesen, sondern (Präzisierung der Arbeit). (…) Sie sei Mitglied eines (…) Vereins in W._______. Dieser Verein sei auch das Sammelbecken für die der PKK nahestehenden Kurdinnen und Kurden. Überdies nehme sie regelmässig an kurdischen Protestkundg e- bungen teil und habe auch schon in einem Theaterstück mitgespielt. Mit diesen Ergänzungen und Präzisierungen würden die Beschwerdevorbri n- gen und -anträge vollumfänglich bestätigt. Ihre Aussagen und die Auss a- gen der Mitaktivisten würden klar belegen, dass sie über viele Jahre eine engagierte und exponierte Parteiaktivistin in Y ._______ gewesen sei. Die Verfolgungslage der Mitstreiterinnen zeige, dass die legalen politischen Aktivitäten von den Sicherheitskräften immer und schon lange vor dem Verbot der DTP als Wegbereiter des Terrorismus der PKK beargwohnt und verfolgt worden seien . Aufgrund der Dauer und der Intensität der e i- genen Aktivitäten und der engen personellen Verflechtung mit Personen, welche die türkischen Sicherheitskräfte wegen ihrer politischen Gesi n- nung gefoltert, inhaftiert und zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt hätten, sei es offensichtlich, dass sie in der Türkei von individuell-gezielter Verfolgung an Leib, Leben und Freiheit unmittelbar und konkret bedroht sei. Diese Bedrohungslage werde durch die Nachfluchtaktivitäten best ä- tigt und akzentuiert. D-845/2013 Seite 13 6. 6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüc h- lich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeso n- dere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder u n- begründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt bereits als glau bhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspek- te wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer G e- samtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhalt s- darstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; BVGE 2010/57 E. 2.3). 6.2 Das BFM bringt in seiner Verfügung vor, die Aussagen der Beschwer- deführerin seien konstruiert und unglaubwürdig. Zu dem sei die Drohung der Behörden ein stereotypes Element, dessen sich Asylsuchende immer wieder bedienten. Diesem Argument des BFM kann jedoch nicht gefolgt werden. Die Beschwerdeführerin vermag ihre Geschichte, welche sich über mehrere Jahre aufbaut , detailliert, chronologisch absolut stimmig und nachvollziehbar zu erzählen. So beginnt bereits ihre freie Erzählung im Jahr 1976 und erstreckt sich im Protokoll über zweieinhalb Seiten, o h- ne dass die Befragerin hätte nachfragen müssen. Sie nennt den auch di- verse Namen (vgl. Akten BFM A6 F53) und Orte, welche ein zusätzliches Gefühl von tatsächlich E rlebtem vermitteln. Es überzeugt zudem, wie die Beschwerdeführerin die Verbote der einzelnen Parteien und die Übe r- gänge der Personen zu den Nachfolgeparteien schilde t. Trotz der ko m- plexen Geschichte sind keine Widersprüche in den Anhörungen respekti-D-845/2013 Seite 14 ve zwischen de r Anhörung und der Befragung erkennbar. Die generelle Behauptung des BFM, die Vorbringen seien nicht glaubhaft, da sich viele Asylsuchende darauf beriefen, ist denn auch unhaltbar. Nur weil etwas öf- ter vorgebracht wird, erlaubt dies nicht, bereits auf die Unglaubhaftigkeit eines Vorbringens zu schliessen, insbesondere wenn dies wie in casu substanziiert vorgebracht wird. Das Bundesverwaltungsgericht hat im Üb- rigen bereits mehrmals festgestellt, dass ein derartiges Vorgehen der Po- lizei nicht auszuschliessen ist (vgl. BVGE 2013/25 E. 5.3.3 ). Zudem hat die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde zusätzlich konkretisiert, dass die türkischen Behörden sie nicht nach M itgliedern der DTP , sondern nach Mitgliedern der DTP mit Kontakten zur PKK befragt hätten. Diese Erklärung scheint einleuchtend und erklärt auch das Vorgehen der Pol i- zei, ein Mitglied der DTP zu Spitzeltätigkeiten zu nötigen, zusätzlich. Eine von der Poliz ei eingeschleuste Person hätte im Gegensatz zur B e- schwerdeführerin, welche sich bereits Jahre für die Rechte der Kurden politisch engagierte und somit über ein grossen Wissen und über viele Kontakte verfügte, wohl sehr lange gebraucht, um das Vertrauen der für die türkischen Behörden interessanten Mitglieder zu erlangen und so r e- levante Informationen zu erhalten. So erscheint die Vorgehensweise der Behörden gegenüber der Beschwerdeführerin als durchaus nachvollzieh- bar und plausibel. Das BFM nennt denn auch keine weiteren Gründe, wa- rum die Vorbringen der Beschwerdeführerin als unglaubhaft anzusehen wären. Die Beschwerdeführerin kann in ihrer Beschwerde ihre Vorbringen durch zahlreiche Schreiben von ehemaligen Mitaktivistinnen und Mitakt i- visten weiter untermauern, welche zwar nicht direkt die Drohung der Pol i- zisten im Jahr 2009 bestätigen, ihre Vorbringen im Allgemeinen aber wei- ter als glaubhaft erscheinen lassen. 6.3 Zusammenfassend gelingt es der Beschwerdeführerin ihre Vorbringen detailliert, substanziiert und zudem auch chronologisch stimmig zu erzäh- len. Aus dem Gesagten folgt, dass die Vorbringen die Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG erfüllen. Im Folgenden wi rd somit vollständig auf den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Sachverhalt abgestützt (vgl. Bst. A). 7. 7.1 Somit bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin die Voraussetzun- gen für die Anerkennung als Flüchtling gemäss Art. 3 AsylG zu erfüllen vermag. D-845/2013 Seite 15 7.2 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerke nnung der Flüchtlingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person erns t- hafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchende n Person gezielt und aufgrund b e- stimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Eine Ver- folgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG kann von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Die Anerkennung der Flüchtlingse i- genschaft setzt z udem voraus, dass die betroffene Person einer lande s- weiten Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in einem anderen Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann. Ausgangspunkt für die Beur- teilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Ze itpunkt der Ausreise bestehenden Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer so l- chen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Ra h- men der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls w e- sentlich. Veränderungen der objekti ven Situation im Heimatstaat zw i- schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der ein Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/12 E. 5 und BVGE 2010/57 E. 2, beide mit weiteren Hinweisen). 7.3 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wah r- scheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung un d damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist andere r- seits durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wi s- sen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Grü n- de für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 mit weiteren Hinweisen). 7.4 In Abwägung aller von der Beschwerde führerin vorgebrachten Sac h- verhaltselemente kommt das Bundesverwaltungsgericht im vorliegenden Einzelfall zum Schluss, dass im Falle ihrer Rückkehr in die Türkei von e i- ner objektiv begründeten Furcht vor Verfolgung ausgegangen werden muss. Das BFM brachte zwar in seiner Verfügung vor, die Vorfälle in den D-845/2013 Seite 16 Jahren 2004 und 2007 würden zu lange zurückliegen und seien deshalb nicht mehr kausal für die Ausreise. Dies ist in einer isolierten Betrachtung der Vorbringen zwar richtig. Doch müssen hier die Vorbringen in einer Gesamtbetrachtung ges ehen werden, in welcher die Behelligungen der türkischen Behörden über die Jahre an Intensität zunahmen. Da die Mi t- nahmen in diesen Jahren – sowie im Übrigen auch die kurzen Mitna h- men, welche die Beschwerdeführerin als "normal " bezeichnete – immer aus demselben Grund, nämlich aufgrund ihres politischen Engagements für die Kurden, geschahen, wäre es falsch, die einzelnen Ere ignisse iso- liert zu betrachten und müssen selbige daher als ein Ganzes angesehen werden. Weder der zeitlic he noch der sachliche Kausalzusammenhang sind somit als unterbrochen zu bezeichnen, womit die Vorbringen in den Jahren 2004 und 2007 in diesem Kontext durchaus für die Beurteilung für das Asylgesuch der Beschwerdeführerin beachtlich sind. 7.5 Die Beschwerdeführerin, welche zweifelsohne aus einer politisch akti- ven Familie kommt, kam zum ersten Mal anlässlich der Verurteilung ihres Cousins in Kontrakt mit dem repressiven türkischen System gegenüber Kurdinnen und Kurden. Durch dieses Ereignis begann sie sich berei ts früh politisch zu engagieren und nahm schon damals an Demonstrationen und Medienkonferenzen teil, wodurch sie auch persönlich erste direkte Behelligungen erfuhr. Die Beschwerdeführerin beschränkte sich ferner nicht mit Tätigkeiten im Hintergrund, sondern war durch die Teilnahme an Demonstrationen, als Wahlhelferin, (…) sowie insbesondere als (Mitarbeit Jugendarbeit) überdurchschnittlich exponiert . Auch als sie sich en t- schloss, kein Mitglied der DTP zu werden, warb sie im Vorfeld von Wah- len offen für die Partei , wobei sie von Tür zur Tür zog um Wählerinnen und Wähler für die Partei zu gewinnen . Schon aufgrund dieser eben ge- nannten Tätigkeiten muss davon ausgegangen werden , dass die B e- schwerdeführerin bei den türkischen Behörden bekannt ist. Es kann denn davon ausgegangen werden, dass d ie Beschwerdeführerin bei dem Ver- such, sie Ende Juni 2009 als Spitzel zu gewinnen, aufgrund ihrer langjäh- rigen Tätigkeit als politische Aktivistin bei den verschiedenen kurdischen Parteien von den Behörden gezielt ausg ewählt wurde. Spätestens nach- dem diese herausgefunden hatten, dass die angegebenen Namen nicht existierten, war die Beschwerdeführerin mit einer erhebliche Wahrschein- lichkeit ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt. Der darauffolgende E ntschluss zur Ausreise als Reaktion auf diese Bedro- hung ist denn auch in Anbetracht der jahrelang immer intensiver werden- den Behelligungen durchaus auch im Sinne von einem unerträglichen psychischen Druck nachvollziehbar, da davon ausgegangen werden D-845/2013 Seite 17 musste, dass sich eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG mit beachtli- cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklichen werde . Die- ser Eindruck wird denn auch durch die Tatsache, dass die Cousine in der Türkei von den Behörden nach der Beschwerdeführ erin gefragt wurde, bestätigt. An dieser Stelle ist zu bemerken, dass sich die Beschwerdefü h- rerin auch in der Schweiz nach wie vor politisch engagiert und schon e r- kennbar auf Fotos in (…) Zeitungen abgedruckt wurde. Zudem ist anzu- führen, dass die Beschwerdeführerin denselben Familiennamen wie ihre Cousine, welche hier in der Schweiz als Flüchtling anerkannt wurde und von den türkischen Behörden gesucht wird , trägt , was zusätzliche Au f- merksamkeit bei den türkischen Behörden wecken dürfte . Auch bereits aus di esem Grund erscheint es durchaus wahrscheinlich, dass die B e- schwerdeführerin bei einer potentiellen Überprüfung anlässlich der Wi e- dereinreise in die Türkei bei den Behörden Aufmerksamkeit erregen wü r- de, und damit Gefahr liefe, ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu sein. 7.6 Aufgrund dieser Überlegungen ist im Sinne einer Gesamtbetrachtung aller Sachverhaltselemente die Furcht der Beschwerdeführerin vor weite- ren Verfolgungsmassnahmen durch die türkischen Sicherheitskräfte, mi t- hin auch angesichts der bereits erleb ten Vorkommnisse, aufgrund der heutigen Aktenlage objektiv nachvollziehbar und somit als begründet im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zu erachten. Da die befürchteten Nachteile von den türkischen Sicherheitskräften ausgehen, welche auf dem Territ o- rium der Tü rkei die Staatsmacht repräsentieren, ist im vorliegenden Fall auch nicht vom Bestehen einer sicheren innerstaatlichen Schutzalternat i- ve auszugehen. 8. Aufgrund der Aktenlage besteht weiter kein Grund zur Annahme einer Asylunwürdigkeit de r Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 53 AsylG, zumal keine konkreten Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sie verwerfli- che Handlungen im Sinne dieser Bestimmung begangen haben könnte oder die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz gefährden würde. Aus ihren politischen Tätigkeiten kann jedenfalls nicht von einer Gewal t- bereitschaft im Sinne der Asylunwürdigkeit ausgegangen werden. 9. Diesen Erwägungen gemäss ist die Beschwerde gutzuheissen, die ang e- fochtene Verfügung vom 17. Januar 2013 aufzuheben und das BFM a n- zuweisen, der Beschwerdeführerin in der Schweiz Asyl zu gewähren. D-845/2013 Seite 18 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der am 4. März 2013 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.– wird vom Bundesverwaltungsgericht zurückerstattet. 10.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen. Eine Kostennote wurde bisher nicht zu den Akten gereicht. Auf das Nachfordern einer solchen kann indes verzichtet werden, da sich der notwendige Vertretungsaufwan d aufgrund der Akten hinreichend z u- verlässig abschätzen lässt. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 -13 VGKE) ist der Beschwerdeführerin zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.– zuzu- sprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-845/2013 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung vom 17. Januar 2013 wird aufgehoben und das BFM a n- gewiesen, der Beschwerdeführerin Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der am 4. März 2013 g e- leistete Kostenvorschuss von Fr. 600.– wird vom Bundesverwaltungsg e- richt zurückerstattet. 4. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin eine Parteientschä- digung von Fr. 3000.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Anne Kneer Versand: