<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">291</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Zivilrecht (Zivilgesetzbuch)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>A. Familienrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>47</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 404 Abs. 3 ZGB, § 67 Abs. 4 EG ZGB, § 14 Abs. 1 V KESR</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Wechselt eine verbeiständete Person ihren Wohnsitz und ist infolgedessen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>die Übertragung der Massnahme an eine neu zuständige Kindes- und Er-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>wachsenenschutzbehörde nötig, so sind die Kosten der Mandatsführung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>von der neuen Wohnsitzgemeinde erst auf den Zeitpunkt der Einsetzung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>eines neuen bzw. der Beibehaltung des bisherigen Beistandes durch die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>neu zuständige Behörde zu übernehmen.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes- und Erwachse-</span><br/> <span class="ft4">nenschutz, vom 21. April 2015 in Sachen Gemeinde O. (XBE.2014.57).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft8">2.</span><br/> <span class="ft8">2.1.</span><br/> <span class="ft8">Entschädigung und Spesenersatz des Beistandes sind in erster</span><br/> <span class="ft8">Linie dem Vermögen der betroffenen Person zu belasten (Art. 404</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 ZGB). [...] Nur für den Fall, dass das Vermögen des Verbei-</span><br/> <span class="ft8">ständeten im Zeitpunkt der Rechnungsablage unter Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft8">der Belastung der Entschädigung den Betrag von Fr. 15'000.00 unter-</span><br/> <span class="ft8">schreitet, trägt die Gemeinde die Mandatsführungskosten des Bei-</span><br/> <span class="ft8">standes (Art. 404 Abs. 3 ZGB i.V.m. § 67 Abs. 4 EG ZGB und § 14</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 V KESR).</span><br/> <span class="ft8">2.2.</span><br/> <span class="ft8">[...]</span><br/> <span class="ft8">2.3.</span><br/> <span class="ft8">Die Regelung, wer für die Kosten der Mandatsführung bei</span><br/> <span class="ft8">Mittellosigkeit des Verbeiständeten aufkommen muss, wird dem kan-</span><br/> <span class="ft8">tonalen Recht überlassen. Die Ausführungsbestimmungen zum Kin-</span><br/> <span class="ft8">des- und Erwachsenenschutzrecht des Kantons Aargau verweisen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">292</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">diesbezüglich lediglich auf "die Gemeinde". Es bleibt somit unklar</span><br/> <span class="ft8">und ist auslegungsbedürftig, wie die Kosten unter den Gemeinden</span><br/> <span class="ft8">aufzuteilen sind, insbesondere wenn der Betroffene seinen Wohnsitz</span><br/> <span class="ft8">wechselt und die Mandatsführung nicht unmittelbar übertragen wird:</span><br/> <span class="ft8">Ausgehend vom allgemeinen Anknüpfungspunkt des Wohnsit-</span><br/> <span class="ft8">zes trägt praxisgemäss die Gemeinde, in welcher die betroffene Per-</span><br/> <span class="ft8">son Wohnsitz hat, die Kosten der Mandatsführung, soweit die schutz-</span><br/> <span class="ft8">befohlene Person dazu nicht selber in der Lage ist. Dies unabhängig</span><br/> <span class="ft8">davon, ob die Gemeinde einen Berufsbeistand stellt oder ein privater</span><br/> <span class="ft8">Mandatsträger eingesetzt ist. Diese Regelung erscheint grundsätzlich</span><br/> <span class="ft8">richtig. Dementsprechend geht die Kostentragungspflicht des Ge-</span><br/> <span class="ft8">meinwesens grundsätzlich mit dem Wohnsitzwechsel auf die neue</span><br/> <span class="ft8">Wohnsitzgemeinde über.</span><br/> <span class="ft8">Aus Praktikabilitätsgründen rechtfertigt sich ein Übergang der</span><br/> <span class="ft8">Kostenpflicht im Falle einer von der Kindes- und Erwachsenen-</span><br/> <span class="ft8">schutzbehörde zu übertragenden Massnahme jedoch erst auf den</span><br/> <span class="ft8">Zeitpunkt der Einsetzung eines neuen bzw. der Beibehaltung des</span><br/> <span class="ft8">bisherigen Beistandes durch die neu zuständige Behörde. Bis dahin</span><br/> <span class="ft8">stellt die bisherige Wohnsitzgemeinde den Mandatsträger, weshalb es</span><br/> <span class="ft8">nahe liegt, dass diese ihn auch finanziert. Hierfür spricht einerseits</span><br/> <span class="ft8">die häufige Schwierigkeit, den genauen Zeitpunkt eines Wohnsitz-</span><br/> <span class="ft8">wechsels feststellen zu können, während das Datum der Einsetzung</span><br/> <span class="ft8">des Mandatsträgers durch die neu zuständige Behörde mühelos er-</span><br/> <span class="ft8">mittelbar ist. Andererseits hat sich in der Praxis - trotz teilweise</span><br/> <span class="ft8">explizit gegenteiliger Gesetzesregelung in anderen Kantonen - kein</span><br/> <span class="ft8">einheitliches und befriedigendes anderes Vorgehen eingestellt. Auch</span><br/> <span class="ft8">hat sich gezeigt, dass die Akzeptanz der Kostenübernahme neuer</span><br/> <span class="ft8">Wohnsitzgemeinden erheblich geringer ist, wenn sie Mandatsträger</span><br/> <span class="ft8">anderer Gemeinden finanzieren müssen, ohne dabei in irgendeiner</span><br/> <span class="ft8">Weise involviert zu sein.</span><br/> <span class="ft8">In Fällen, in denen bei Wohnsitzwechsel keine Übertragung der</span><br/> <span class="ft8">Massnahme an eine neu zuständige Kindes- und Erwachsenenschutz-</span><br/> <span class="ft8">behörde erfolgt - insbesondere bei Wohnsitzwechsel innerhalb des</span><br/> <span class="ft8">Bezirks - ist für die Finanzierungsfrage hinsichtlich Mandatsfüh-</span><br/> <span class="ft8">rungskosten am Zeitpunkt des Wohnsitzwechsels anzuknüpfen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">293</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Insgesamt gilt es zu berücksichtigen, dass ein Wohnsitzwechsel</span><br/> <span class="ft8">und der daraus resultierende Einsetzungsentscheid eines Mandatsträ-</span><br/> <span class="ft8">gers durch die neu zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbe-</span><br/> <span class="ft8">hörde in der Regel nahe beieinander liegen, da eine Massnahmeüber-</span><br/> <span class="ft8">tragung grundsätzlich ohne Verzug zu erfolgen hat (Art. 442 Abs. 5</span><br/> <span class="ft8">ZGB). Ist dies einmal nicht der Fall, stellt das Abstellen auf den Zeit-</span><br/> <span class="ft8">punkt der Mandatsträgereinsetzung die überzeugendere Lösung dar.</span><br/> <span class="ft8">Dies gilt im Besonderen bei interkantonalem oder gar internationa-</span><br/> <span class="ft8">lem Wohnsitzwechsel, wo es infolge der unterschiedlichen Gesetzes-</span><br/> <span class="ft8">vorgaben schwierig sein dürfte, die Finanzierung einer nicht selber</span><br/> <span class="ft8">geführten Massnahme durchzusetzen.</span><br/></div> </div> </body> </html>