Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 3. Dezember 2014 (810 14 238) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Beat Walther , Gerichts- schreiberin i.V. Sabine Eichenberger Parteien A. ____ , Beschwerd eführer , vertr eten durch Daniel Wagner , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 1135 vom 12. August 2014) A. Der türkische Staatsangehörige A.____ wurde im J ahr 1987 in der Schweiz geboren. Er ist hier aufgewachsen, hat die hiesigen Schulen besucht und verfügt über eine Niederlas- sungsbewilligung. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.____ wurde bereits als Jugendlicher von der Jugendanw altschaft Basel-Landschaft mehrfach verurteilt. Zudem kam es in dieser Zeit zwischen ihm und seiner Familie immer wieder zu hefti- gen Auseinandersetzungen, die ein Eingreifen der Pol izei erforderlich machten. Mit Strafbefehl vom 6. September 2005 verurteilte ihn die Staatsanwa ltschaft des Kantons Solothurn u.a. we- gen Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und e ines Betäubungsmitteldelikts zu einer bedingten Gefängnisstrafe von sechs Wochen. Zudem existieren Verurteilungen aus den Jahren 2005 und 2006 wegen Fahrens ohne Führerausweis, Verletzung der Verkehrsregeln und Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels ohne gül tigen Fahrausweis. Mit Urteil vom 11. Mai 2009 wurde A.____ vom Strafgericht Basel-Stadt wegen Angriffs, Raufhandels, mehrfa- cher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Widerhandlung gegen das Waffengesetz, mehrfachen Kon sums von Betäubungsmitteln, vor- schriftswidrigen Motorfahrens, mehrfachen Fahrens ohne Fü hrerausweis und Übertretung des Transportgesetzes zu einer bedingten Freiheitsstrafe vo n zwölf Monaten sowie zu einer Busse von Fr. 2'500.-- verurteilt. Am 7. Dezember 2009 veru rteilte ihn das Bezirksstatthalteramt Arles- heim wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffen gesetz und Widerhandlung gegen das kantonale Übertretungsstrafrecht zu einer unbeding ten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 70.-- und zu einer Busse von Fr. 500.--. Die Fre iheitsstrafe wurde im Sinne einer letzten Chance für nicht vollstreckbar erklärt und die damit zusam menhängende Probezeit verlängert. Im Weiteren wurde er vom Präsidium des Strafgerichts Base l-Landschaft am 15. August 2012 des mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls, mehrfa cher Sachbeschädigung und mehrfa- chen Hausfriedensbruchs schuldig erklärt und zu einer unb edingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen verurteilt. Die am 11. Mai 2009 bedi ngt ausgesprochene zwölfmonatige Frei- heitsstrafe wurde wiederum im Sinne einer letzten Cha nce für nicht vollstreckbar erklärt. Mit Entscheid vom 18. März 2013 bestätigte das Kantonsgeri cht Basel-Landschaft, Abteilung Straf- recht, auf Berufung der Staatsanwaltschaft den Schuldspruch des Strafgerichts vom 15. August 2012. Es verurteilte A.____ zu einer Freiheitsstrafe v on sechs Monaten, im Übrigen bestätigte es das vorinstanzliche Urteil. Gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 6. August 2013 machte sich A.____ darüber hinaus am 21. April 2013 des Führens eines Mo- torfahrzeuges in angetrunkenem Zustand und der einfac hen Verletzung von Verkehrsregeln schuldig, weswegen er zu einer Busse von Fr. 800.-- veru rteilt wurde. Am 14. Juli 2014 folgte eine Verurteilung zu einer bedingt vollziehbaren Gelds trafe von 30 Tagessätzen à Fr. 80.-- we- gen grober Verletzung der Verkehrsregeln und wegen des Konsums von Betäubungsmitteln. Von Juli 2005 bis Januar 2006, von April 2006 bis März 2007, von Februar bis März 2010 und von November 2012 bis Dezember 2013 musste A.____ zudem mit insgesamt rund Fr. 40'000.-- von der Sozialhilfe unterstützt werden. Des Weiteren liegen offene Betreibungen und Verlustscheine gegen ihn vor. B. Nachdem es ihn am 11. Oktober 2012 verwarnt hatte, v erfügte das Amt für Migration Basel-Landschaft (AfM) am 13. März 2014 unter Berufun g auf die ergangenen strafrechtlichen Verurteilungen den Widerruf von A.____s Niederlassungsb ewilligung und dessen Wegweisung aus der Schweiz. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Die von A.____ gegen diese Verfügung erhobene Besc hwerde wurde vom Regierungs- rat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) mit Entscheid Nr. 1135 vom 12. August 2014 abgewiesen. Der Regierungsrat verfügte weiter, dass A. ____ die Schweiz 30 Tage nach Rechtskraft des Entscheids zu verlassen habe. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass A.____ sich im Jahr 2005 an einem Angriff und Raufhandel bete iligt habe, später zwei Mal wegen Ver- gehen gegen das Waffengesetz verurteilt worden sei und immer wieder Vermögensdelikte be- gangen habe. Bei einer Gesamtwürdigung seines Verha ltens, insbesondere seiner kontinuierli- chen Missachtung der Rechtsordnung, sei der Widerrufsgrund des schwerwiegenden Verstos- ses gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz erfüllt. Aufgrund der ausdrück- lichen Verwarnung in der Vergangenheit und der seithe r erneuten strafrechtlichen Verurteilung bestehe angesichts der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kei n Spielraum für die Anwen- dung einer milderen Massnahme. Weiter führte der Regi erungsrat aus, dass das öffentliche Interesse an der Wegweisung des Beschwerdeführers sein p rivates Interesse an einem weite- ren Verbleib in der Schweiz überwiege. D. Mit Eingabe vom 19. August 2014 erhob A.____, vertr eten durch Daniel Wagner, Ad- vokat, gegen den Regierungsratsbeschluss Nr. 1135 vom 12. A ugust 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsre cht (Kantonsgericht). Er stellte die Begehren, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben, die Niederlassungsbewilligung zu belassen und von der Wegweisung abzusehen. Von den Verfahrenskosten des vorinstanzlichen Verfahrens sei er zu befreien und es sei ihm für das vo rinstanzliche Verfahren eine angemes- sene Parteientschädigung zuzusprechen. Für das vorliegend e Verfahren sei ihm die unentgelt- liche Rechtspflege zu bewilligen. Dies alles habe unter o /e-Kostenfolge zu geschehen. In der innert Frist eingereichten Beschwerdebegründung vom 19. September 2014 machte der Be- schwerdeführer im Wesentlichen geltend, die Voraussetzun gen für einen Widerruf der Nieder- lassungsbewilligung seien nicht erfüllt. Zudem hätten sich seit der Verwarnung durch das AfM am 11. Oktober 2012 keine weiteren Vorfälle ereignet, die einen Widerruf rechtfertigen würden. Auch die Erforderlichkeit der Massnahme sei vorliegend nicht gegeben, da die definitive, unbe- fristete Wegweisung aus der Schweiz äusserst schwerwiegen de Folgen für den Beschwerde- führer hätte. Zusammenfassend erweise sich der Entzug d er Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers bereits aufgrund des Nichtvorliegens ei ner ausreichend schweren Straftat als unverhältnismässig. E. In seiner Vernehmlassung vom 23. Oktober 2014 stellte der Regierungsrat das Begeh- ren auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung wurde im Wesentlichen aus- geführt, dass der Beschwerdeführer bei einer Gesamtbetr achtung der ihm zur Last gelegten Delikte in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz verstossen habe. Ins Gewicht falle dabei die Vielzahl an Gesetzesverstössen. Das öffentliche Interesse an einer Wegweisung des Beschwerdeführers sei deshalb erheblich und es sei insbe- sondere aufgrund des desolaten Legalverhaltens trotz l anger Anwesenheitsdauer nicht von ei- ner überdurchschnittlichen Integration des Beschwerdeführers auszugehen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Mit Präsidialverfügung vom 11. November 2014 wurde der Fall der Kammer zur Beur- teilung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen und dem Beschwerdeführer die unent- geltliche Prozessführung sowie Verbeiständung bewilligt. G. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen der Beschw erdeführer mit seinem Rechts- vertreter sowie ein Vertreter des Regierungsrates teil. Die Parteien halten an ihren schriftlich gestellten Rechtsbegehren fest. Auf die während der Ver handlung gemachten Vorbringen wird - soweit erforderlich - in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch den ange- fochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da der Beschwerdeführer Adressat des an gefochtenen Entscheides ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Abänderung hat, die übrigen formellen Vo- raussetzungen erfüllt sind und sowohl die örtliche wie a uch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben sind, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetreten werden. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen re chtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Wei- teren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist de m Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und die damit einhergehende Wegweisung zu Recht erfolgten. 3.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Sc hweiz berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitzt ode r wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinne n und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustän dige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. AuG und 27 ff. AuG - im Rahmen der g esetzlichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland - nach freiem Ermessen über die Zulassun g zu einem Aufenthalt mit oder oh- ne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Gewäh rung einer Anwesenheitsbewilligung hat die ausländische Person grundsätzlich nicht, es sei de nn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 185 E. 2.3 ; PETER UEBERSAX , in: Peter Uebersax/ Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Auslä nderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Aus dem Niederlassungsabkommen zwischen der Schweiz und der Türkischen Repub- lik vom 13. Dezember 1930 (SR 0.142.117.632) lässt sich kein selbständiger staatsvertraglicher Aufenthaltsanspruch zugunsten des Beschwerdeführers ablei ten, denn Art. 1 des Abkommens hält ausdrücklich fest, dass die einschlägigen fremdenpoli zeilichen Regelungen des innerstaat- lichen Rechts vorbehalten sind (vgl. auch Urteil des BG er 2A.473/2006 vom 24. Januar 2007 E. 2.2.2). Es sind entsprechend die Bestimmungen des AuG , vorbehältlich anderer völkerrecht- licher Verträge, anwendbar. 3.3 Gemäss Art. 34 Abs. 1 AuG verleiht die Niederlassung sbewilligung ihrem Inhaber grundsätzlich einen zeitlich unbefristeten und unbedingt en Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz. Es ist somit von einem grundsätzlichen gesetzlichen Anspruch des Beschwerdefüh- rers auf Aufenthalt in der Schweiz auszugehen. 3.4.1 Des Weiteren macht der Beschwerdeführer einen An wesenheitsanspruch aus dem Grundrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens geltend. Der Beschwerdegegner ver- neinte im angefochtenen Entscheid einen entsprechenden grundrechtlichen Anspruch unter Hinweis darauf, dass der ledige und kinderlose Beschwerdef ührer über keine Kernfamilie in der Schweiz verfüge und der Schutzbereich des Privatlebens au fgrund seiner fortgesetzten Miss- achtung der Rechtsordnung und der damit an den Tag ge legten mangelnden Integration eben- falls nicht eröffnet sei. 3.4.2 Aus dem in Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Sch utze der Menschenrechte und Grund- freiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, EMRK) vom 4. November 1950 sowie dem inhaltlich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverf assung der Schweizerischen Eidgenos- senschaft (BV) vom 18. April 1999 geschützten Recht auf Achtung des Privat- und Familienle- bens können ausländische Staatsangehörige in besonderen Fällen einen Anspruch auf Aufent- halt oder Verbleib in einem andern Staat ableiten, wenn eine staatliche Entfernungsmassnahme zur Trennung von Familienmitgliedern führt (vgl. A NDREAS ZÜND /THOMAS HUGI YAR , Aufent- haltsbeendende Massnahmen im schweizerischen Ausländerre cht, insbesondere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, EuGRZ 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1). Wie der Beschwerdegegner grundsätzlich zutreffend festhält, ist der Anspruch auf Familienleben auf die Kernfamilie beschränkt, welche bei erwachsenen Persone n deren Ehepartner und die eigenen Kinder umfasst (BGE 135 I 143 E. 1.3.1; BGE 130 II 28 1 E. 3.1). Der nicht verheiratete und kin- derlose Beschwerdeführer ist volljährig, weshalb er si ch im Verhältnis zu seinen Eltern und zu seiner Schwester - mangels Abhängigkeitsverhältnis (vgl. h ierzu BGE 137 I 154 E. 3.4.2; Urteil des EGMR Ezzouhdi gegen Frankreich [47160/99] vom 13. Fe bruar 2011 § 34) - nicht auf den Schutzbereich des Anspruchs auf Familienrecht berufen kan n. Indessen gehen der Europäi- sche Gerichtshof für Menschenrechte und das Bundesgericht i n ihrer Rechtsprechung in Fällen von aufenthaltsbeendenden Massnahmen erwachsener Auslände r der zweiten Generation von einem kombinierten Schutzbereich von Privat- und Familienleben aus (BGE 130 II 281 E. 3.2.2; BGE 129 II 193 E. 5.4; Urteil des BGer 2C_480/2013 vo m 24. Oktober 2013 E. 4.4.1; Urteil des EGMR M.P.E.V. et al. gegen die Schweiz [3910/2013] v om 8. Juli 2014 § 32; Urteil des EGMR Maslov gegen Österreich [1638/03] vom 23. Juni 2008 § 6 3). Dabei wird nicht verlangt, dass notwendigerweise die Bedingungen für einen allein aus dem Schutz des Privatlebens abgeleite- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten Bewilligungsanspruch (überdurchschnittliche, besonder e Integration) vorliegen müssten (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.2.2; Urteil des BGer 2C_451 /2009 E. 2.2). Nach der Rechtsprechung fallen die sozialen Bindungen eines Ausländers im Aufent haltsstaat und zur Gemeinschaft, in der er lebt - insbesondere wenn er im Aufenthaltsstaa t geboren wurde -, in den Schutzbereich des Privatlebens. Unabhängig vom Bestehen eines Familien lebens wird deshalb bei im Aufent- haltsstaat geborenen und aufgewachsenen (erwachsenen) Ausländerinnen und Ausländern der zweiten Generation insbesondere dann ein Anspruch aus der kombinierten Garantie des Privat- und Familienlebens angenommen, wenn eine aufenthaltsbeendende Massnahme die Trennung von den hier lebenden Eltern und Geschwistern bedeutet (vgl. z.B. Urteil des BGer 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3; Urteil 2C_11 93/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.2; Urteil des BGer 2C_551/2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4; Urteil des EGMR Emre gegen die Schweiz [42034/04] vom 23. Juni 2008 § 60; Urteil des E GMR Üner gegen die Niederlande [46410/99] vom 18. Oktober 2006 § 59; M ARTIN BERTSCHI /THOMAS GÄCHTER , Der Anwesen- heitsanspruch aufgrund der Garantie des Privat- und F amilienlebens, ZBl 2003, S. 231). Entge- gen der von der Vorinstanz vertretenen Auffassung lässt die Delinquenz einer ausländischen Person - bei ansonsten gegebenen Voraussetzungen - den grundrechtlichen Schutz ihrer sozia- len Bindungen nicht dahinfallen. Dem deliktischen Ver halten und den übrigen Umständen ist vielmehr im Rahmen der vorzunehmenden Interessenabwägung (Art. 96 AuG, Art. 8 Ziff. 2 EMRK) angemessen Rechnung zu tragen. 3.4.3 Der 27-jährige Beschwerdeführer ist in der Schwei z geboren und hat sein ganzes bis- heriges Leben hier verbracht, wobei er mit der Niederl assungsbewilligung über einen gefestig- ten Anwesenheitsanspruch verfügt. Aus den Akten geht hervor, dass er nach schwierigen Ju- gendjahren ein mittlerweile enges und harmonisches Ver hältnis zu seinen hier lebenden Eltern und Schwester pflegt. Sein Freundes- und Bekanntenkre is befindet sich ebenfalls in der Regi- on. In der Türkei leben keine näheren Verwandten, das Land kennt er lediglich aus sporadi- schen Ferienaufenthalten. Unabhängig davon, dass er kinde rlos und unverheiratet ist und wie oben ausgeführt eine rechtsrelevante Abhängigkeit von s einen Familienangehörigen nicht be- steht, kann sich der Beschwerdeführer - auch angesichts de s Fehlens einer namhaften Bezie- hung zu irgendeinem anderen Staat - als Ausländer der zweiten Generation zumindest auf sei- nen Anspruch aus dem kombinierten Schutzbereich von Pri vat- und Familienleben gemäss Art. 8 Abs. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV berufen. 4. Indes gelten weder der gesetzliche Anspruch auf Au fenthalt nach Art. 34 Abs. 1 AuG noch der grundrechtliche Anspruch auf Privatleben absolu t. Der Widerruf der Niederlassungs- bewilligung ist selbst dann möglich, wenn die ausländisch e Person in der Schweiz geboren wurde und ihr ganzes bisheriges Leben hier zugebracht h at (BGE 139 I 31 E. 2.3.1; BGE 139 I 16 E. 2.2.1). 4.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 li t. b AuG kann die Niederlassungsbe- willigung widerrufen werden, wenn die Ausländerin od er der Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist. Das Bundesgericht hat das Kriterium der Längerfristigkeit der Strafe in diesem Kontext dahingehend konkretisiert, dass es einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr bedarf, wobei mehrere unterjährige St rafen bei der Berechnung nicht kumuliert Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden dürfen (BGE 137 II 297 E. 2; BGE 135 II 377 E. 4.2). Der Beschwerdeführer ist nie zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verurteilt worden, weshalb er den Widerrufsgrund einer längerfristigen Freiheitsstrafe unbestrittenermassen nicht erfüllt. 4.2 Ein Widerruf ist auch möglich, wenn die ausländische Person in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstos- sen oder diese gefährdet hat (Art. 63 Abs. 1 lit. b A uG). Gemäss Art. 80 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 2 4. Oktober 2007 liegt ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter an derem vor bei einer Missachtung von gesetzlichen Vorschriften und behördlichen Verfügungen ( Abs. 1 lit. a) sowie bei mutwilliger Nichterfüllung der öffentlich-rechtlichen oder privatre chtlichen Verpflichtungen (Abs. 1 lit. b; vgl. SILVIA HUNZIKER , in: Martina Caroni/Thomas Gächter/Daniela Thurnher r [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 201 0, Art. 62 Rz. 36 f. mit Hinweisen). Im Gegensatz zum Widerruf einer Aufenthaltsbewilligung g emäss Art. 62 lit. c AuG, welcher vo- raussetzt, dass der Ausländer "erheblich oder wiederholt" gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen hat, setzt der Widerruf der Niederlassu ngsbewilligung nach Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG voraus, dass ein solcher Verstoss "in schwerwieg ender Weise" erfolgt ist. Damit wer- den vergleichsweise erhöhte Anforderungen an einen Bewi lligungswiderruf gestellt, was sich eindeutig aus dem französischen Wortlaut der genannten Bestimmungen ergibt. Während Art. 62 lit. c AuG von einem Verstoss "de manière grave ou répétée" spricht, wird in Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG die qualifizierte Formulierung "de manière très grave" verwendet (BGE 137 II 297 E. 3.2). Zur Abgrenzung zwischen Art. 62 lit. c und Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG ist in erster Li- nie auf den Stellenwert des beeinträchtigten Rechtsgu ts abzustellen. Die Praxis geht von der Erfüllung der qualifizierten Formulierung aus, wenn e r durch sein Handeln besonders hochwer- tige Rechtsgüter namentlich die körperliche, psychische und sexuelle Integrität eines Menschen verletzt oder in Gefahr gebracht hat. Indes können auch vergleichsweise weniger gravierende Pflichtverletzungen als "schwerwiegend" im Sinne von Ar t. 63 Abs. 1 lit. b AuG bezeichnet wer- den (BGE 137 II 297 E. 3.3). Namentlich kann auch eine Summierung von Verstössen, die für sich genommen für einen Widerruf nicht ausreichen würden, einen Bewilligungsentzug rechtfer- tigen. Diesfalls ist nicht die Schwere der verhängten S trafen, sondern die Vielzahl der Delikte entscheidend. Ein Widerruf der Niederlassungsbewilligu ng ist somit auch dann möglich, wenn sich eine ausländische Person von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass sie auch zukünftig weder gewillt noch f ähig ist, sich an die Rechtsordnung zu halten. Ob ein Ausländer willens und in der Lage ist, sich in die hier geltende Ordnung einzufü- gen, ist anhand einer Gesamtbetrachtung seines Verhalte ns zu beurteilen (BGE 137 II 297 E. 3.3; Urteil des BGer 2C_160/2013 vom 15. November 2013 E. 2.1.1; siehe auch A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thoma s Geiser [Hrsg.], a.a.O. Rz. 8.29; H UNZIKER , a.a.O., Art. 63 Rz. 19; M ARC SPESCHA , in: Marc Spescha/ Hanspeter Thür/Andreas Zünd/Peter Bolzli [Hrsg.], Komm entar Migrationsrecht, Zürich 2012, Art. 63 AuG Rz. 10). Der Widerrufsgrund gilt auch für Niederlassungsbewilligungen ausländi- scher Personen, die sich seit mehr als 15 Jahren ununterbr ochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten (Art. 63 Abs. 2 AuG). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Aus dem Strafregisterauszug des Beschwerdeführers wird ersichtlich, dass dieser zwi- schen 2005 und 2013 sowohl im Jugend- als auch im Erwachsenenalter regelmässig delinquiert hat. Durch die Widerhandlungen gegen das Betäubungsmit telgesetz, die Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz, den Angriff und den Raufhandel, die Widerhandlungen gegen das Waffengesetz sowie die in den Akten vermerkte häusliche Gewalt hat er neben den Eigentums- delikten wiederholt und zum Teil innerhalb der strafre chtlichen Probezeit auch eine Verletzung des besonders hochwertigen Rechtsguts der körperlichen Integrität in Kauf genommen. Im Jahr 2009 bzw. 2013 ist der Beschwerdeführer zu nicht unbede utenden Freiheitsstrafen von einem Jahr bzw. sechs Monaten verurteilt worden, womit er ber eits nur knapp nicht den Widerrufs- grund der längerfristigen Freiheitsstrafe erfüllt. Im Übrigen wurde der Beschwerdeführer auch nach erfolgter Verwarnung durch das AfM am 11. Oktober 2012 im Jahre 2013 erneut zweimal wegen einfacher bzw. grober Verletzung von Verkehrsreg eln, womit er auch die körperliche Integrität Dritter gefährdete, verurteilt. Selbst wen n einzelne dieser Delikte als geringfügig er- scheinen mögen, ist deren Vielzahl mehr als bedenklich und erweckt grundsätzlich den An- schein einer inakzeptablen Geringschätzung und Gleichgült igkeit gegenüber der schweizeri- schen Rechtsordnung. Dazu kommt, dass gegen den Beschwerdef ührer (namentlich wegen ihm in strafrechtlichen Verfahren auferlegten Verfahr enskosten, Geldstrafen und Bussen, Steu- erausständen sowie nichtbezahlten Krankenkassenbeiträgen) gemäss Betreibungsregisteraus- zug vom 3. Dezember 2014 54 Betreibungen über Fr. 56'5 56.-- und 33 offene Verlustscheine über einen Gesamtbetrag von Fr. 42'609.-- bestehen. E r ist somit seinen öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Verpflichtungen über einen länge ren Zeitraum und in einem nicht unbe- deutenden Ausmass nicht nachgekommen. Die Vorinstanz ist nach dem Ausgeführten zu Recht davon ausgegangen, dass im vorliegenden Fall aufgrund der Vielzahl der Pflichtverletzungen der Tatbestand des Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG prinzipiell erfüllt ist und im Grundsatz ein zulässiger Grund für den Widerruf der Niederlassungsbewilligung gegeben ist. 4.4 Ist der Schutzbereich der konventionsrechtlichen Garan tie des Privat- und Familienle- bens eröffnet, so kann diese rechtmässig unter den Vorau ssetzungen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK eingeschränkt werden (BGE 140 I 145 E. 3.1; BGE 139 I 330 E. 2.2). Ein schwerwiegender Ver- stoss gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG recht- fertigt dem Grundsatz nach einen Eingriff in den grun drechtlichen Schutzbereich, denn er stützt sich auf eine gesetzliche Grundlage und er bezweckt die A ufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung sowie die Verhinderung weiterer strafbarer Ha ndlungen. Der Eingriff verfolgt damit öffentliche Interessen, die in Art. 8 Ziff. 2 EMRK ausdrücklich erwähnt sind (vgl. ZÜND /H UGI YAR , a.a.O., S. 6). 5.1 Das Vorliegen von Widerrufsgründen nach Art. 63 Au G und von Rechtfertigungs- gründen nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK führt nicht automa tisch zum Erlöschen der eingeräumten Rechtsansprüche auf Aufenthalt. Vielmehr rechtfertig t sich der Entzug der dauerhaften Aufent- haltserlaubnis und die damit verbundene Wegweisung (vgl . Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) nach Art. 96 Abs. 1 AuG nur dann, wenn diese Massnahme im E inzelfall gestützt auf eine umfassen- de Güterabwägung verhältnismässig erscheint. Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privaten Intere ssen sorgfältig gegeneinander abzuwä- gen (M ARTINA CARONI , in: Martina Caroni/Thomas Gächter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 51 Rz. 3; ANDREAS ZÜND /LADINA ARQUINT HILL , a.a.O., Rz. 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen am weiteren Aufenthalt und der öffentlichen Interessen an dessen Beendigung, wobei L etztere in dem Sinne überwiegen müs- sen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist. Analog e Voraussetzungen ergeben sich aus Art. 36 BV im Hinblick auf einen Eingriff in Art. 13 BV und aus Art. 8 Ziff. 2 EMRK im Hinblick auf einen Eingriff in Art. 8 EMRK (vgl. BGE 135 I 14 3 E. 2.1 mit Hinweisen). Nach der Recht- sprechung des EGMR zu Art. 8 EMRK sind zur Beurteilung de r Zulässigkeit aufenthaltsbeen- dender Massnahmen bei ausländischen Personen der zweiten Generation dieselben Kriterien heranzuziehen, die das Bundesgericht landesrechtlich anwendet (Z ÜND /H UGI YAR , a.a.O., S. 13; BGE 139 I 31 E. 2.3.3). Daraus folgt, dass eine Massnahm e, die sich im Sinne von Art. 96 Abs. 1 AuG als verhältnismässig erweist, grundsätzlich auch d er Prüfung nach Art. 8 EMRK standhält (vgl. Urteil des BGer 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 4). 5.2 Die Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich während langer Zeit in der Schweiz aufgehalten hat, ist nur mit besonderer Zurückha ltung zu widerrufen (BGE 139 I 16 E. 2.2; Urteil des BGer 2C_904/2013 vom 20. Juni 2014 E. 2.2). Bei jungen Erwachsenen, wel- che im Aufnahmestaat sozialisiert wurden aber noch keine eigene Familie gegründet haben, besteht im Falle überwiegend nicht gewalttätiger Deli kte grundsätzlich nur wenig Raum für die Rechtfertigung einer Aufenthaltsbeendigung. Es bedarf in der Regel sehr gewichtiger Gründe, um die aufenthaltsbeendende Massnahme bei dieser Ausgangslage nicht als konventionswidrig erscheinen zu lassen. Die Wiedereingliederungschancen, di e gefährdet erscheinen, wenn die familiären und sozialen Banden aufgelöst werden und d ie Person im Gaststaat ihre Wurzeln verliert, ist bei der Interessenabwägung jeweils von besonderem, aber nicht allein ausschlagge- bendem Gewicht, falls die ausländische Person mit ihrem Heimatstaat nicht viel mehr verbindet als lediglich (noch) eine reine (weitgehend nicht mehr gelebte) Staatsbürgerschaft (Urteil des BGer 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.5; Urteil des BGer 2C_166/2013 vom 12. November 2013 E. 2.3; für eine Übersicht über die Rechtsprechung zur Interessenabwä- gung bei Ausländern der zweiten Generation vgl. Urtei l des BGer 2C_28/2012 vom 18. Juli 2012 E. 3.4). Die anzuwendenden Kriterien bestehen n ach der Rechtsprechung zunächst aus der Art und Schwere der vom Betroffenen begangenen Straftaten, wobei besonders ins Gewicht fällt, ob er diese als Jugendlicher oder als Erwachsene r begangen und es sich dabei um Ge- waltdelikte gehandelt hat oder nicht. Weiter sind die Dauer des Aufenthalts im Land, die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit und das Verhalten des B etroffenen während dieser zu berück- sichtigen. Zu beachten sind sodann die sozialen, kulturelle n und familiären Bindungen zum Aufenthaltsstaat und zum Herkunftsland, der gesundheit liche Zustand sowie die mit der aufent- haltsbeendenden Massnahme verbundene Dauer der Fernhaltung (BGE 139 I 145 E. 2.4; BGE 139 I 31 E. 2.3.3; Urteil des EGMR Gablishvili gegen R ussland [39428/12] vom 26. Juni 2014 § 47; Urteil des EGMR Kissiwa Koffi gegen die Schweiz [3 8005/07] vom 15. November 2012 § 63; Urteil des EGMR Emre gegen die Schweiz [42034/04] vom 23. Juni 2008 § 65 ff.). 6. Somit bleibt nachfolgend anhand der dargelegten R echtslage zu prüfen, wie unter Be- rücksichtigung der konkreten Umstände des vorliegenden Einze lfalles die öffentlichen Interes- sen an einem Widerruf der Niederlassungsbewilligung und einer Wegweisung des Beschwerde- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht führers im Gegensatz zu den privaten Interessen des Beschwer deführers an einem Verbleib in der Schweiz zu gewichten sind. 6.1 Der Beschwerdeführer weist eine beachtliche Anzahl von strafrechtlichen Verurteilun- gen auf. Die Mehrzahl der Delikte konzentriert sich dabe i auf einen Zeitraum zwischen dem 17. und 23. Altersjahr des Beschwerdeführers, der somit als Ju gendlicher und junger Erwachsener straffällig geworden ist. Sie fallen hauptsächlich in die Kategorien Strassenverkehrsdelikte (u.a. Entwendung zum Gebrauch, Verletzung von Verkehrsregeln, Fahren in fahrunfähigem Zustand, Fahren ohne Führerausweis), Vermögensdelikte (Einbruch diebstähle) sowie Betäubungsmittel- delikte (im Zusammenhang mit dem Eigenkonsum von Cannabis), wobei keine dieser einzelnen Straftaten als speziell verwerflich zu qualifizieren ist o der besonders hochwertige Rechtsgüter betrifft. Die schwerste Strafe war in diesem Zusammenhan g die Verurteilung des Beschwerde- führers zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten durch das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 18. März 2013 wegen dreier im Frühjahr 2010 begangener Einbrüche, wobei der mögliche Strafrahmen von maximal siebeneinh alb Jahren für die mehrfache Tatbe- gehung bei Weitem nicht ausgeschöpft wurde, weshalb von einem eher leichten Verschulden auszugehen ist. Die einzige Verurteilung wegen eines Gewaltdelikts betrifft die Teilnahme des Beschwerdeführers an einer Massenschlägerei vor einer Di skothek in Basel in den frühen Mor- genstunden des 16. Dezember 2005, wofür er vom Strafge richt des Kantons Basel-Stadt mit Urteil vom 11. Mai 2009 des Angriffs und des Raufhandel s schuldig gesprochen wurde. Das Gericht führte diesbezüglich in sachverhaltlicher Hinsicht aus, der Beschwerdeführer habe sich - zuvor selber durch einen Flaschenwurf am Kopf verletzt - nicht von der sich anbahnenden Rauferei distanziert, sondern seinerseits geschubst und g estossen und den Raufhandel damit zumindest mitprovoziert. Später habe er sich der Verfol gung eines Beteiligten angeschlossen und gemeinsam mit weiteren Personen auf diesen eingeschl agen, wodurch das Opfer Verstau- chungen sowie Riss- und Quetschwunden erlitten habe und eine Woche arbeitsunfähig gewe- sen sei. Mit Einbezug der verschiedenen zusätzlich beurte ilten Gesetzesverstösse kam das Strafgericht gesamthaft zum Schluss, das Verschulden des B eschwerdeführers wiege nicht leicht (vgl. Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel -Stadt vom 11. Mai 2009, S. 23 ff. sowie S. 44). Das verhängte Strafmass von zwölf Monaten Frei heitsstrafe widerspiegelt denn auch nicht das spezifische Verschulden des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit dem Gewalt- delikt, sondern ist das Resultat einer - vom Strafgerich t nicht näher erörterten - Gesamtstrafen- bildung. Wie der Beschwerdeführer richtig ausführt, w urde ihm jedenfalls nie ein schweres Ver- schulden zur Last gelegt. Insgesamt legt die tendenziell e her moderate Höhe der gegen den Beschwerdeführer ausgesprochenen Strafen einen Grad an Vorwerfbarkeit nahe, welcher ei- nem jeweils leichten bis mittleren Verschulden gleichkommt. 6.2.1 Mit Blick auf dessen Legalbiografie zeichnet der B eschwerdegegner vom Beschwerde- führer das Bild eines unbelehrbaren Gewohnheitsdelinqu enten, der weder gewillt noch fähig erscheine, die hiesige Rechtsordnung zu respektieren und d amit ein nicht hinnehmbares Risiko für die Schweizer Bevölkerung darstelle. Diese Betrachtu ngsweise greift jedoch aus heutiger Sicht zu kurz. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.2 Wie sich aus den Akten ergibt, verletzte der Beschw erdeführer ab der Pubertät wieder- holt soziale Normen. So war er bereits als 16-jähriger Schüler erstmals an einem Einbruch in einen Kiosk beteiligt. Aus diversen Polizeiberichten au s dieser Zeit geht hervor, dass er als re- gelmässiger Cannabiskonsument bekannt war, meist erst in de n frühen Morgenstunden nach Hause gekommen sei und auch des Öfteren nicht in die Schule gegangen sei. Den Erziehungs- versuchen seiner Eltern widersetzte er sich wiederholt au ch mit Gewalt, wobei die Polizei zu Hilfe gerufen werden musste. Zudem verlangte er von ih nen regelmässig mittels Drohungen Geld (vgl. z.B. Bericht der Polizei Basel-Landschaft an den Sozialdienst B.____ vom 21. März 2004). Am Übergang in die Erwachsenenwelt zeichnen die Akten das Bild eines halt- und orien- tierungslosen jungen Mannes, dessen ausgeprägtes Fehlve rhalten in mehreren Lebensberei- chen jegliche Selbstkontrolle und Eigenmotivation vermissen lassen. Dazu passt, dass er keine Anstrengungen zum Abschluss einer Ausbildung unternahm und sich nicht dazu bequemte, für seinen eigenen Lebensunterhalt aufzukommen und ein ger egeltes Einkommen zu erzielen. Stattdessen begann er Schulden anzuhäufen und musste ber eits kurz nach Eintritt der Volljäh- rigkeit ein erstes Mal von der Sozialhilfe unterstützt we rden. Wenn er in einer späteren Phase dann eine Anstellung - zumeist als Verkäufer - gefunden hatte, gab er die Stelle häufig nach wenigen Monaten wieder auf oder verlor den Arbeitspla tz, wobei er immer wieder über Monate keiner Arbeit nachging. Offensichtlich bekundete der B eschwerdeführer generell grösste Mühe beim Anpassungsprozess an die Normen und Erwartungen der Erwachsenenwelt. Die von ihm in dieser Zeit begangenen Vermögensdelikte, die Sachb eschädigungen, das Schwarzfahren sowie die leichten Strassenverkehrs- und Betäubungsmittel delikte sind denn auch typisch für die Delinquenz von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in dieser Lage (vgl. M ICHAEL STUDER , Jugendliche Intensivtäter in der Schweiz, Zürich 2013, S . 4; P ETER AEBERSOLD , Schweizerisches Jugendstrafrecht, Bern 2007, S. 18). Beme rkenswert ist dabei, dass der Be- schwerdeführer trotz der Vielzahl seiner Vergehen gewisse Grenzen nie überschritt, insbeson- dere dass keine Steigerung der an den Tag gelegten kri minellen Energie erkennbar ist und dass er keine Taten beging, die eine besorgniserregende Geringschätzung von besonders ho- hen Rechtsgütern oder eine niederträchtige Gesinnung of fenbaren würden. Das einzige Delikt mit einer Gewaltkomponente - die mittlerweile neun Jahre zurückliegende spontane Beteiligung an einer tätlichen Auseinandersetzung unter jungen Män nern - kann als geradezu charakteris- tisch für (männliche) Jugenddelinquenz bezeichnet werden und taugt nicht dazu, den Be- schwerdeführer als gemeingefährlichen Gewalttäter erschei nen zu lassen. Obwohl die von ihm zu verantwortenden Verkehrsdelikte - namentlich das meh rfache Entwenden des Fahrzeugs seines Vaters, mit welchem er trotz fehlendem Fahrauswei s immer wieder und darunter einmal erheblich alkoholisiert umherfuhr - nicht zu verharmlosen sind, so zeugen sie doch in erster Li- nie von einem mangelhaft ausgebildeten Verantwortung sbewusstsein und damit einer unreifen Persönlichkeit. Wenn in seiner Wohnung zweimal verbotene Messer sichergestellt wurden und wenn er am 10. Juni 2009 im Beisein von Kollegen mit einem (illegal erworbenen) Revolver drei Schüsse in Richtung eines Baches abfeuerte (vgl. Strafbef ehl des Bezirksstatthalteramts Arles- heim vom 7. Dezember 2009, S. 2), so erscheinen diese Widerhandlungen gegen das Waffen- gesetz weniger als Ausdruck einer latenten Gemeingefäh rlichkeit, sondern vielmehr als Kenn- zeichen eines adoleszenten Imponiergehabes. Bei einer ve rtieften Gesamtwürdigung der vor- liegenden Sachlage weisen die Delinquenz des Beschwerd eführers und dessen Probleme mit der Integration in den Arbeitsmarkt vor allem auf Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung hin. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.3 Die überwiegende Mehrheit der Frühdelinquente n tritt später nicht mehr als Straftäter in Erscheinung und die überwiegende Zahl selbst der star k delinquenzbelasteten Jugendlichen und jungen Erwachsenen bricht ihre Delinquenzkarriere als Erwachsene ab (vgl. Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes sowie zu einem Bundesgesetz über das Jugendstrafrecht vom 21. September 1998, BBl 1999 II 1979, S. 2081 mit weiteren Hinweisen; A EBERSOLD , a.a.O., S. 14 f.). Im vorliegenden Fall bestehen ver schie- dene konkrete Anzeichen dafür, dass der Beschwerdeführer seit seiner Serie von Einbrüchen im Frühjahr 2010 eine beachtenswerte charakterliche Reifung durchgemacht hat, dass er ernst- haft den Abbruch der kriminellen Karriere anstrebt un d dass ihm der Ausstieg aus der Delin- quenz nachhaltig gelungen sein könnte. So hat er sich in den letzten viereinhalb Jahren - mit Ausnahmen, auf die sogleich zurückzukommen sein wird - im Gegensatz zu vorher weitgehend deliktfrei verhalten. Diese positive Entwicklung wird getrübt durch zwei Verurteilungen wegen im Jahr 2013 begangener Strassenverkehrsdelikte (Fahren in angetrunkenem Zustand [0.56 Pro- mille], Überschreiten der erlaubten Höchstgeschwindigkeit innerorts um 28 Km/h [auf 4-spuriger Einfallstrasse]) sowie wegen Marihuana-Konsums im Dezembe r 2012. In dieser Hinsicht ist gleichzeitig zu berücksichtigen, dass der Abbruch kriminel ler Karrieren in der Regel nicht auf Anhieb gelingt, er ist meistens mit Rückfällen verbunden (A EBERSOLD , a.a.O., S. 12 f.). Den- noch scheint die zum Vollzug gekommene Freiheitsstrafe von sechs Monaten beim Beschwer- deführer Einsicht in das begangene Unrecht und eine V erhaltensänderung bewirkt zu haben. Die Vollzugsstelle Electronic Monitoring attestiert dem Beschwerdeführer in ihrem Führungsbe- richt vom 7. Februar 2014, sich immer vorbehaltlos an al le Abmachungen gehalten zu haben, es hätten nie Sanktionen gegen ihn ausgesprochen werd en müssen. Die Zusammenarbeit sei absolut problemlos verlaufen und er habe sich immer äu sserst kooperativ verhalten. Es zeige sich zudem, dass er von einem Leben mit Delikten Abstand n ehmen wolle. Dafür habe er sei- nen Freundeskreis geändert und schon längere Zeit auf d en Konsum von Cannabis verzichtet. Die Beziehung zu seiner Familie sei eng, er besuche sein e Eltern und Schwester praktisch täg- lich. Auch an der heutigen Parteiverhandlung bringt er seinen Willen mehrfach zum Ausdruck, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und sich eine neue, drogen- und deliktfreie Zukunft auf- zubauen. Seine Drogenabstinenz hat er überdies mittels regelmässiger Urinproben belegt. In beruflicher Hinsicht hat der Beschwerdeführer ebenfal ls Fortschritte vorzuweisen: Nachdem er die im Jahr 2013 neu angetretene Anstellung als Telefo nverkäufer aufgrund von Zahlungs- schwierigkeiten des Arbeitgebers unverschuldet verloren hatte, arbeitet er seit Februar 2014 für eine Promotions-Agentur als Verkäufer in Elektronikmär kten. Der Arbeitgeber wie auch der (damalige) Einsatzbetrieb bestätigen in Zwischenzeugnissen vom April 2014 eine gewissenhaf- te Arbeitseinstellung und überdurchschnittliche Arbeitsl eistungen, die in qualitativer wie auch quantitativer Hinsicht zu hochstehenden Resultaten führ ten. Die Lohnabrechnungen der letzten Monate unterstreichen dabei, dass der Beschwerdeführer b eachtliche Verkaufserfolge erzielt. Aufschlussreich ist auch der Umstand, dass der Beschwerdefüh rer trotz nicht idealer Begleit- umstände - Arbeitszeiten bis in die Abendstunden und la nge Anfahrten zum Arbeitsort - einen zuvor nicht gesehenen Durchhalte- und Leistungswillen zeigt. Dazu kommt, dass er sich freiwil- lig an den Verein Neustart wandte und mit der Fachstel le einen Schuldensanierungsplan aus- gearbeitet hat, wobei der Verein mehrere Einzahlung en bestätigt (vgl. Schreiben des Vereins Neustart vom 16. Dezember 2013 sowie vom 13. Mai 2014). Sein respektables Einkommen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht erlaubt es ihm mittlerweile, jeden Monat einen relevanten Betrag in die Schuldenrückzahlung zu investieren, was durch die laufende Lohnpfändung sicherge stellt wird. Im kantonsgerichtlichen Verfahren hat er überdies die regelmässige Abzahlung zusätzlicher Schulden belegt. Der an der heutigen Verhandlung eingereichte aktuelle Betreibun gsregisterauszug zeigt denn auch keine neuen Betreibungen seit dem Sommer 2013. Auch wenn ei n Wohlverhalten unter dem Druck von strafrechtlichen und ausländerrechtlichen Verfahren mit Vorsicht zu würdigen ist, so darf vorliegend bei einer Gesamtbetrachtung davon ausgegange n werden, dass der Strafvollzug beim Beschwerdeführer einen Resozialisierungsprozess in Gang gesetzt hat und dass er heute gewillt und fähig ist, sich an die geltende Rechtsordnu ng zu halten. Als Stabilisierungsfaktoren sind seit der Phase der regelmässigen Delinquenz insbesond ere die Drogenabstinenz, die (wieder) intakte enge Verbindung zu seiner Familie sowie der gelungene Schritt in eine geregel- te Erwerbstätigkeit hinzugekommen. Aufgrund der genan nten Umstände ist zum heutigen Zeit- punkt - entgegen der Ansicht des Beschwerdegegners - von e iner positiven Legalprognose auszugehen. 6.3 Bei der Ermittlung der sozialen, kulturellen und f amiliären Bindungen zum Aufenthalts- staat und zum Herkunftsland des heute 27-jährigen Beschwe rdeführers ist dem Umstand, dass er in der Schweiz geboren wurde, hier aufwuchs und sich sein Lebensmittelpunkt nie woanders befand, grosses Gewicht beizumessen. Der Beschwerdeführer s pricht fliessend schweizer- deutsch und pflegt soziale Kontakte ausschliesslich zu hier le benden Personen, seine gesamte nähere Familie - die Eltern und die Schwester - lebt in der Region. Er ist inzwischen in den Ar- beitsmarkt integriert. Neben seiner Staatsbürgerschaft ve rbindet ihn nur wenig mit der Türkei. Er spricht zwar die türkische Sprache, das Land kennt er a ber nur aus sporadischen Ferienauf- enthalten. Zu den in der Türkei lebenden entfernten Verwandten pflegt er praktisch keinen Kon- takt. Die Schweiz und das hiesige familiäre Umfeld verla ssen zu müssen, würde ihn und sein soziales Umfeld somit hart treffen. Er würde sein rela tiv gesichertes Einkommen verlieren, wodurch auch seine Gläubiger zu Schaden kämen. Er mü sste sich in einer für ihn völlig frem- den Gesellschaft zurechtfinden, ohne sich auf die Hilfe von Bekannten und Verwandten stützen zu können. Seine fehlende Berufsausbildung würde ihm den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu- sätzlich erschweren. Auch wenn der Beschwerdeführer noch ju ng, ledig, kinderlos und gesund ist, zudem die türkische Sprache spricht und die Heimat sein er Eltern von Ferienaufenthalten her kennt, wäre eine Rückkehr in die Türkei aufgrund der heutigen Sachlage zweifellos mit gra- vierenden persönlichen und wirtschaftlichen Nachteilen sowohl für den Beschwerdeführer selbst als auch für die ihm nahestehenden Personen verbunden. Des Weiteren wäre die Wegweisung dauerhaft, denn der Beschwerdeführer verfügt nach dem Entzug der Niederlassungsbewilligung über keinen Rechtsanspruch auf Bewilligung des Aufentha lts, der es ihm erlauben würde, nach einer angemessenen Dauer klaglosen Verhaltens im Auslan d eine Neubeurteilung der in der Schweiz ausgesprochenen Entfernungsmassnahme zu verlangen. 6.4 Zusammenfassend ist zunächst daran zu erinnern, dass in Fällen von in der Schweiz geborenen Ausländern von der Wegweisung nur besonders zu rückhaltend Gebrauch zu ma- chen ist und diese umso weniger zulässig ist, je geringfügi ger der Aufenthaltsbeendigungs- grund, namentlich die allfällige Straffälligkeit, der ausländischen Person ist. Vorliegend handelt es sich bei den vom Beschwerdeführer begangenen Straftate n durchwegs nicht um schwere Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gewalt-, Sexual- oder Betäubungsmitteldelikte. Die Umst ände seiner Delinquenz offenbaren ebenso wenig eine Gemeingefährlichkeit. Mittlerweile kann aufgrund seiner positiven Entwick- lung auch nicht mehr davon gesprochen werden, beim Besc hwerdeführer handle es sich um einen unverbesserlichen Gewohnheitsdelinquenten. Die ä usserst gewichtigen Gründe, welche die Rechtsprechung für eine aufenthaltsbeendende Massna hme bei Ausländern der zweiten Generation fordert, liegen nicht vor. Es besteht desha lb kein öffentliches Sicherheitsinteresse an der Wegweisung des Beschwerdeführers, welches das privat e Interesse des Beschwerde- führers an einem Verbleib in der Schweiz überwiegt. D ieses private Interesse ist wie aufgezeigt erheblich, denn beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen faktischen Inländer, den nur wenig mit der Türkei verbindet. Der Widerruf der Nied erlassungsbewilligung und die Wegwei- sung erweisen sich im vorliegenden Einzelfall als unverh ältnismässig. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen und der angefochtene Entschei d ist aufzuheben. Erweist sich die Beschwerde als begründet, muss auch der Entscheid über di e Kosten im vorinstanzlichen Ver- fahren neu gefällt werden. 7. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahre ns zu befinden. 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsg ericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss, nicht jedoch der Vorinstanz, auf- erlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Da vorliegend der Beschwerde gegner als Vorinstanz unterlegen ist, werden keine Verfahrenskosten erhoben. 7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann gest ützt auf § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemesse ne Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der Rechtsvertrete r des Beschwerdeführers macht in seiner Honorarnote vom 24. November 2014 einen Zeitau fwand von 5.4167 Stunden à Fr. 200.-- sowie von 12.6667 Stunden des Volontärs à F r. 120.-- geltend, was nicht zu bean- standen ist. Dazu beantragt er den Ersatz von Auslagen in der Höhe von Fr. 232.70. Für die heutige Parteiverhandlung inklusive deren Vorbereitung ist dem Rechtsvertreter ermessenswei- se ein zusätzlicher Aufwand von 4.5 Stunden zu vergüten. Demzufolge hat der Beschwerde- gegner dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 4'034.90 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entsch eid des Regierungs- rates des Kantons Basel-Landschaft Nr. 1135 vom 12. August 2014 aufgehoben. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d em Beschwer- deführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'034.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) auszurichten. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.