Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 8. Juli 2014 (410 14 95) ____________________________________________________________________ Zivilprozessrecht (ZPO) Entscheid über Kostenvorschuss / Keine Kostenvorschusspflicht zulasten der Gesuchs- gegnerin für Ergänzungsfragen ihrerseits im Rahmen der vorsorglichen Beweisführung Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiberin i.V. Corinne Ritter Parteien A____AG, vertreten durch Fürsprecherin Annemarie Lehmann-Schoop, Münzgra- ben 6, Postfach 453, 3000 Bern 7, Beschwerdeführerin gegen B.____, vertreten durch Rechtsanwalt Dominique Erhart, Konsumstrasse 1, Postfach, 4104 Oberwil BL, Beschwerdegegnerin Gegenstand Entscheid über Kostenvorschuss / Beschwerde gegen die Verfügung des Präsidiums des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 16. April 2014 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. B.____ ist Alleineigentümerin der Liegenschaft X.____strasse 1A in Y.____. Am 20. April 2012 stellte B.____, vertreten durch Rechtsanwalt Dominique Erhart, beim Bezirksgericht Arlesheim (ab 1. April 2014 neu: Zivilkreisgericht Basel -Landschaft West) wegen Planungs- und Ausführungsmängeln an der besagten Liegenschaft ein Gesuch um vorsorgliche Beweisführung gegen den p rojektverantwortlichen Architekt, den p rojektverantwortlichen Inge- nieur, die Baumeisterin und die Holzbauerin. Mit Verfügung vom 24. April 2012 ordnete die Ge- richtspräsidentin eine entsprechende vorsorgliche Beweisführung an und verpflichtete die G e- suchsklägerin zur Leistung eines ersten Kostenvorschusses von CHF 6‘000.00. Mit Verfügung vom 23. Juli 2012 wurde eine Gutachterin mit der Erstellung der Expertise beauftragt und der Gutachterin diverse Fragen der Parteien unterbreitet. Die Expertin wurde zudem ersucht, dem Gericht den ungefähren Kostenaufwand mitzuteilen. Gestützt auf den Kostenvoranschlag der Gutachterin wurde die Gesuchsklägerin angehalt en, einen weiteren Kostenvorschuss von CHF 20‘000.00 zu leisten. Am 28. Juni 2013 unterbreitete die Expertin dem Bezirksgericht Arle- sheim das verlangte Gutachten, welches den Parteien mit Verfügung vom 2. Juli 2013 für E r- gänzungsfragen oder zur Erläuterung unterbreitet wurde. Zugleich wurde die Gesuchsklägerin angehalten, einen weiteren Kostenvorschuss von CHF 6‘000.00 zu zahlen. Mit Verfügung vom 5. September 2013 bestimmte die Gerichtspräsidentin die an die Expertin zu stellenden Ergä n- zungsfragen zum Guta chten und ersuchte die Expertin vor der Beantwortung dieser Fragen dem Gericht wiederum den ungefähren Kostenaufwand mitzuteilen. Gestützt auf die Antwort der Sachverständigen zum geschätzten Kostenaufwand, wurde die Gesuchsklägerin mit Verf ü- gung vom 30. September 2014 verpflichtet, einen weiteren Kostenvorschuss von CHF 18‘000.00 zu leisten. In der Folge beantragte die Gesuchsklägerin m it Einga be vom 26. Februar 2014, dass der Kostenvorschuss von CHF 18‘000.00 anteilsmässig allen vier Pa r- teien zu je 1/4 zu belasten sei, da die Zahlung eines weiteren Kostenvorschusses für sie eine erhebliche finanzielle Belastung darstelle und vor allem die Gesuchbeklagten umfangreiche Ergänzungsfragen stellen würden. Mit Verlautbarung vom 3. März 2014 beantragte die G e- suchsbeklagte, dass der Verfahrensantrag der Gesuchsklägerin vom 26. Februar 2014 auf Ver- teilung des Kostenvorschusses auf alle vier Parteien abzulehnen sei. B. Mit Verfügung vom 16. April 2014 hiess die Präsidentin des Zivilkreisgerichts Basel - Landschaft West den Antrag der Gesuchsklägerin gut und setzte den vier Gesuchbeklagten, so auch der A____AG, Frist zur Bezahlung eines Kostenvorschusses von je CHF 4‘500.00. Die Präsidentin erwog im Wesentlichen, dass gemäss Art 102 Abs. 1 ZPO grundsätzlich diejenige Partei die Auslagen des Gerichts vorzuschiessen habe, die durch von ihr beantragte Beweise r- hebungen veranlasst würden. Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO räume dem Gericht jedoch die Möglic h- keit ein, beim Vorliegen besonderer Umstände die Prozesskosten nach Ermessen zu v erteilen. Eine analoge Anwendung dieser Bestimmung betreffend Kostenvorschuss erscheine sachg e- recht, zumal die Gesuchsklägerin bereits Kostenvorschüsse in der Höhe von CHF 32‘000.00 zu leisten gehabt habe und aufgrund des Gutachtens vom 28. Juni 2013 von d eutlichen Mängeln ausgegangen werden müsse, für welche die Gesuchsbeklagten zumindest teilweise die Ve r- antwortung zu tragen hätten. Beim Vorliegen der unmissverständlichen Mängel erscheine es unbillig, die Gesuchsklägerin alleine mit den vollen Kosten zu belasten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Mit Eingabe vom 28. April 2014 erhob die A____AG, vertreten durch Fürsprecherin A n- nemarie Lehmann-Schoop, gegen die Verfügung des Präsidiums des Zivilkreisgerichts Basel - Landschaft West vom 16. April 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Zivilrecht. Sie beantragte, dass die besagte Verfügung aufzuheben sei und der gesamte Kostenvorschuss von CHF 18‘000.00 der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung aufzuerlegen sei; unter o/e Kostenfolge. Zur Begründung führte die Beschwerdeführ erin im Wesentlichen aus, dass in Art. 102 Abs. 1 ZPO die Kostenvorschusspflicht klar geregelt werde und gemäss bu n- desgerichtlicher Rechtsprechung habe in Bezug auf das vorsorgliche Beweisverfahren die g e- suchstellende Person und folglich die Beschwerdegegn erin sowohl die Beweis - als auch die Gerichtskosten vorzuschiessen. Eine Anwendung von Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO, welche die Kostenverteilung beim Endentscheid betreffe, komme für die Verteilung der Kostenvorschus s- pflicht nicht in Frage. Auch das Stellen von Zusatz- und Ergänzungsfragen innerhalb des vom Gesuchsteller bestimmten Beweisthemas führe nicht zur Kostenauferlage an den Gesuchsge g- ner und damit erst Recht nicht zur Kostenvorschusspflicht. D. Mit Vernehmlassung vom 20. Mai 2014 beantragte die Vorinsta nz die Beschwerde ko s- tenfällig abzuweisen. Sie verwies vorab auf die Erwägungen der angefochtenen Verfügung. Zusätzlich betonte sie, es sei in Anbetracht des enormen Umfangs der Expertise, welche eine Vielzahl von Mängeln feststelle, die allesamt nicht der Verantwortung der Beschwerdegegnerin zuzuschreiben seien, im vorliegenden Fall sac hgerecht, die Beschwerdeführer mit einem Ko s- tenvorschuss zu belasten. Es sei nicht verhältnismässig, die Beschwerdegegnerin alleine mit einem Kostenvorschuss von insgesamt CHF 50‘000.00 zu belasten. Die gleichmässige Auferle- gung des Kostenvorschusses zulasten der vier Gegenparteien in der Höhe von CHF 4‘500.00 erscheine angemessen, wobei eine abweichende Kostenverteilung im Hauptprozess ohnehin vorbehalten bleibe. E. Mit Antwort vom 22. Mai 2014 beantragte die Gesuchsklägerin und heutige Beschwerd e- gegnerin, dass die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen und die Verfügung des Zivilkreisge- richts Basel-Landschaft West vom 16. April 2014 zu bestätigen sei. Demgemäss seien die Be- schwerdeführer je zur Leistung eines Kostenvorschusses für die Ergänzungsfragen im genan n- ten vorsorglichen Beweisverfahren in der Höhe von je CHF 4‘500.00 zu verurtei len; alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin in solidarischer Verbind ung. Sie führte in s- besondere an, dass Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO ausdrücklich ermögliche, aus Billigkeitserwägu n- gen eine Kostenverteilung nach Ermessen vorzunehmen. Weder die ZPO noch die Lehre und Rechtsprechung untersage eine analoge Anwendung dieser Bestimmung ausdrücklich, weshalb keine Rechtsverletzung vorliegen könne. Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin zahlreiche Ergänzungsfragen gestellt und zudem zahlreiche Mängel zu verantworten habe, sowie der U m- stand, dass die Beschwerdegegnerin wegen den geleisteten Kostenvorschüssen unter einer starken finanziellen Belastung leide, rechtfertige die Kostenverteilung bzw. in casu die Koste n- vorschussleistungspflicht nach Ermessen festzulegen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Die Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der Präsidentin des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 16. April 2014, mit welcher die Beschwerdeführerin nebst anderen Gesuchsbeklagten verpflichtet wurde, einen anteiligen Kostenvorschuss für die Fortführung eines Verfahrens um vorsorgliche Beweisführung in der Höhe von CHF 4‘500.00 zu leisten. Entscheide über die Leistung von Vorschüssen sind laut Art. 103 ZPO mit Beschwerde anfech t- bar. Gemäss Art. 321 Abs. 2 ZPO ist die Beschwerde gegen prozessle itende Verfügungen - worunter Verfügungen betreffend Kostenvorschuss subsumiert werden - innert zehn Tagen seit Zustellung schriftlich und begründet bei der zuständigen Rechtsmittelinstanz einzureichen. Die angefochtene Verfügung des Zivilkreisgerichts Bas el-Landschaft West wurde der Beschwerd e- führerin am 17. April 2014 zugestellt, womit die Beschwerde mit Eingabe vom 28. April 2014 beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Zivilrecht, fristgerecht angehoben wurde. Gemäss Art. 320 ZPO können mit der Beschwerde die unrichtige Rechtsanwendung (lit. a) oder die offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) geltend gemacht werden. Die Beschwerdeführerin rügt vorliegend eine unrichtige Rechtsanwendung. Die Beschwerde muss hinreichend begründet werden. Der Beschwerdeführer hat mithin darzulegen, weshalb aus se i- ner Sicht der angefochtene Entscheid falsch ist und inwiefern er abzuändern ist. Die Begrü n- dungspflicht setzt auch die Stellung von tauglichen Rechtsbegehren voraus . Das gestellte Rechtsbegehren ist mangelhaft, wenn es im Widerspruch zur Klagebegründung steht. Entspr e- chend obliegt dem Gericht die Pflicht, bei widersprüchlich formulierten Rechtsbegehren nicht nur auf den Wortlaut des Rechtsbegehrens abzustellen, sondern gemäss dem in Ar t. 52 ZPO statuierten Vertrauensprinzip, den Sinn unter Heranziehung der Begründung zu ermitteln (BGE 82 II 173, E. 1; BGer vom 12. Mai 2009 4A_551/2008 E. 2.2; CHRISTOPH LEUENBERGER, in: Sut- ter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Kommentar, 2. Aufl. 2013, A rt. 221 N 38 f.; DANIEL WILLISEGGER, Basler Kommentar ZPO, 2. Aufl. 2013, Art. 221 N 20). Das massgebliche Rechtsbegehren, welches die Aufhebung der Verfügung und die Auferlegung des gesamten Kostenvorschusses von CHF 18‘000.00 zulasten der Beschwerdegegne rin verlangt, steht im Widerspruch zur Begründung der Beschwerde, in welcher unter Art. 4 festgehalten wird, dass die Auferlegung des anteiligen Kostenvorschusses in der Höhe von CHF 4‘500.00 an die B e- schwerdeführerin als Gesuchsbeklagte rechtswidrig sei. Trotz der widersprüchlichen Formuli e- rung des Rechtsbegehrens ergibt sich allerdings mit hinreichender Klarheit, dass die B e- schwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Verfügung unter gleichzeitiger Auferlegung der Kostenvorschusspflicht für das vorsorgliche Beweisverfahren zulasten der Beschwerdegeg- nerin verlangt. Der Kostenvorschuss für das Rechtsmittelverfahren von CHF 500.00 wurde am 8. Mai 2014 fristgerecht geleistet. Gemäss § 5 Abs. 1 lit. b EG ZPO ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Ent scheide von Präsidien der Zivilkreisgerichte das Präsidium der Abte i- lung Zivilrecht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zuständig. 2.1 Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist fraglich und zu prüfen, ob die Verfügung der Vorinstanz betreffend eine (anteilige) Auferlegung eines weiteren Kostenvo r- schusses für die vorsorgliche Beweisführung in der Höhe von CHF 4‘500.00 zulasten der G e- suchsbeklagten bzw. Beschwerdeführerin in Anwendung von Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO rech t- mässig ist. Es stellt sich die grundsätzliche Frage, wen im Verfahren der vorsorglichen Bewei s- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht führung gemäss Art. 158 ZPO die Kostenvorschusspflicht trifft, insbesondere im Zusamme n- hang mit Ergänzungs- bzw. Erläuterungsbegehren. Es ist dabei klar zu unterscheiden zwischen der Vorsch usspflicht für die Kosten der vorsorglichen Beweisführung und der Verlegung der Kosten für solche Beweismassnahmen. Wer den Kostenvorschuss im Rahmen einer vorsorgl i- chen Beweisführung zu leisten hat und wie anschliessend die Kostenverteilung vorzunehmen ist, wird in Art. 158 ZPO nicht ausdrücklich geregelt. Vorliegend ist allein von Relevanz, wer im Verfahren gemäss Art. 158 ZPO zur Leistung eines Kostenvorschusses angehalten werden kann. 2.2 In Anwendung von Art. 98 ZPO kann das Gericht von der klagenden Partei einen Vo r- schuss bis zur Höhe der mutmasslichen Gerichtskosten, worunter gemäss Art. 95 Abs. 2 lit. c ZPO auch die Kosten für die Beweisführung zu zählen sind, verlangen. Damit soll sichergestellt werden, dass die gerichtlichen Aufwendungen gedeckt sind. Es steht im Ermessen des G e- richts, ob es von der klagenden Partei einen Vorschuss verlangen will oder nicht ( VIKTOR RÜEGG, Basler Kommentar ZPO, 2. Aufl. 2013, Art. 98 N 1f.). Gegenüber der allgemeinen Ko s- tenvorschusspflicht gemäss Art. 98 ZPO wird i n der Spezialnorm von Art. 102 ZPO die allg e- meine Vorschusspflicht für Beweiserhebungen normiert, wonach diejenige Partei die Auslagen des Gerichts vorzuschiessen hat, die die betreffende Beweismassnahme beantragt hat ( VIKTOR RÜEGG, a.a.O., Art. 102 N 2; BENEDIKT A. SUTER/CRISTINA VON HOLZEN, in: Sutter - Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Kommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 102 N 1). Die Kosten der Beweisführung werden damit von der allgemeinen Kostenvorschusspflicht des Klägers ausg e- nommen und dem Verursacherprinzip unterstellt. Allein wenn die Parteien dasselbe Beweismi t- tel beantragen, so sind die Kosten von ihnen in Anwendung von Art. 102 Abs. 2 ZPO je zur Hälfte vorzuschiessen. Die Kostenvorschusspflicht in der Zivilprozessordnung wird somit eine r- seits in Art. 98 ZPO und andererseits in Art. 102 ZPO geregelt. Trotz fehlender Normierung der Kostenvorschussleistungspflicht in Art. 158 ZPO hat nach unumstrittener Ansicht des Bunde s- gerichts – unter Hinweis auf Art. 98 und Art. 102 ZPO – die Gesuchsklägerin sowohl f ür die Gerichts- als auch die Beweiskosten einen entsprechenden Vorschuss zu leisten (BGE 140 III 30, E. 3.2; vgl. HG BE 11 13 vom 5. Mai 2011 E. 2b). In diesem Sinne wendet auch die Lehre im Rahmen der vorsorglichen Beweisführung Art. 102 Abs. 1 ZPO an, i ndem sie die Gesuch s- klägerin mit einem Kostenvorschuss belastet (HANS SCHMID, KUKO ZPO, 2. Aufl. 2014, Art. 158 N 9; WALTER FELLMANN, in: Sutter -Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Kommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 158 N 37; CHRISTOPH LEUENBERGER/BEATRICE UFFER-TOBLER, N 9.55; vgl. HG BE 11 13 vom 5. Mai 2011 E. 2b). Soweit die Gesuchsbeklagte ihrerseits Anträge zur vorsorglichen Beweisführung stellt, so darf der von der Gesuchsklägerin geleistete Kostenvorschuss nur im Rahmen von entsprechenden Ergänzungsfragen , Erläuterungsbegehren oder geringfügigen Ergänzungsanträgen herangezogen werden ( JOHANN ZÜRCHER, DIKE-Komm-ZPO, Art. 158 N 19). 2.3 Die Kostenverteilung im Endentscheid ergeht in Anwendung von Art. 106 ZPO, wobei diese Regelung teilweise starr und unbill ig erscheinen kann. Um den besonderen Umständen des Einzelfalles Rechnung zu tragen, erlaubt Art. 107 ZPO dem Gericht, die Verteilung der Pr o- zesskosten nach Ermessen vorzunehmen ( VIKTOR RÜEGG, a.a.O., Art. 107 N 1). Art. 158 ZPO enthält keine Regelung betr effend der abschliessenden Kostenverteilung im Rahmen der vo r- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sorglichen Beweisführung. Allerdings wird auch hier die Meinung vertreten, dass vor Einleitung eines Hauptprozesses dem Gesuchsteller sowohl die Gerichts - als auch die Beweiskosten au f- erlegt werd en, da es mangels Entscheids über materiell -rechtliche Ansprüche keine unterli e- gende bzw. obsiegende Partei im Sinne von Art. 106 ZPO gebe, weshalb die Anwendung von Art. 106 ZPO nicht in Frage kommen könne und eine Verteilung nach Ermessen gemäss Art. 107 ZPO nicht sachgerecht erscheine (JOHANN ZÜRCHER, a.a.O., Art. 158 N 20). Den Gesuc h- steller mit den Kosten zu belasten steht auch im Einklang mit Art. 367 Abs. 2 OR ( WALTER FELLMANN, a.a.O., Art. 158 N 37; PETER GUYAN, Basler Kommentar ZPO, 2. Aufl. 2013, Art. 158 N 9a; BGE 139 III 33, E. 4; BGE 140 III 30, E. 3.1). 2.4 Aus den vorliegenden Akten ergibt sich, dass die heutige Beschwerdegegnerin bei der Vorinstanz ein Gesuch um vorsorgliche Beweisführung gestellt hatte, welches in der Folge gu t- geheissen wurde. Im Verlaufe des Verfahrens um vorsorgliche Beweisführung wurde die G e- suchsklägerin mehrfach zur Leistung von Kostenvorschüssen angehalten. Auf ein entspreche n- des Gesuch der Gesuchsklägerin verpflichtet die Vorinstanz die Gegenparteien, darunter auch die heutige Beschwerdeführerin, zur Leistung eines anteiligen Kostenvorschusses in der Höhe von CHF 4‘500.00 für die Behandlung der Ergänzungs - und Erläuterungsbegehren zum Gu t- achten, zumal es in Anbetracht der Mängel unbillig erscheine, alleine die Gesuchskläge rin mit den vollen Kosten zu belasten. Die Beschwerdegegnerin hält dafür, Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO ermögliche ausdrücklich eine Kostenverteilung nach Ermessen, was die Vorinstanz zutreffend vorgenommen habe. Der Billigkeitsentscheid der Vor instanz sei nicht zu beanstanden , da we- der die ZPO noch die h errschende Lehre und Rechtsprechung ausdrücklich eine analoge A n- wendung von Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO auf die Kostenverteilung untersage. Diese Begründung der Beschwerdegegnerin verkennt, dass vorliegend nic ht eine analoge Anwendung der besa g- ten Bestimmung auf die Kostenverteilung im Rahmen der vorsorglichen Beweisführung in Frage steht, sondern die analoge Anwendung dieser Bestimmung auf die Kostenvorschusspflicht im Rahmen des entsprechenden Verfahrens strittig ist. Sie verweist zusätzlich auf BGE 139 III 33, welcher ausdrücklich dem Gericht Spielraum einräume, auf Billigkeitserwägungen zurückzugrei- fen. Im zitierten Entscheid prüfte das Bundesgericht lediglich die Kostenverteilung bei A b- schluss der vorsorglichen Beweisführung unter Anwendung von Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO und stellte fest, dass die die Ergänzungsfragen stellende Partei nicht so zu behandeln sei, als wäre sie selbst Gesuchsklägerin der vorsorglichen Beweisführung. Das Geri cht habe dafür zu so r- gen, dass der Prozessgegenstand durch das Stellen von Ergänzungsfragen gewahrt und nicht erweitert werde. Es kam zum Schluss, dass es sich sowohl in der Begründung als auch im E r- gebnis als stossend erweise, der Gegenpartei wegen des bl ossen Stellens von Ergänzungsfra- gen, die den von der Gesuchsklägerin bestimmten Themenkreis nicht überschritten, ein Teil der Kosten des Gutachtens aufzuerlegen. Das Bundesgericht äusserte sich dabei jedoch nicht zur Kostenvorschusspflicht im Rahmen der vo rsorglichen Beweisführung. In casu geht es um die Leistung eines (weiteren) Kostenvorschusses für die Behandlung der Ergänzungs - und Erläute- rungsbegehren zum Gutachten im Rahmen der vorsorglichen Beweisführung und eben nicht um die Frage der abschliessende n Kostenverlegung der vorsorglichen Beweisführung weshalb Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO nach Ansicht des Kantonsgerichts Basel -Landschaft, Abteilung Zivi l- recht, von Vorherein gar keine Anwendung finden kann. Die Verpflichtung der Gesuchsklägerin zur Leistung eines Kostenvorschusses für das gesamte Verfahren um vorsorgliche Beweisfü h- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung steht mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen zur Kostenvorschusspflicht im Ei n- klang. Soweit gemäss Art. 102 Abs. 1 ZPO ausdrücklich diejenige Partei zum Kostenvorschuss verpflichtet wird, welche die Beweiserhebungen veranlasst, so ist nicht einzusehen, weshalb im Zusammenhang mit der vorsorglichen Beweisführung ein Abweichen von Art. 102 ZPO und eine analoge Anwendung von Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO gerechtfertigt sein sollt e. Ebenso darf der von der Gesuchsklägerin geleistete Kostenvorschuss auch für Ergänzungsfragen zum Gu t- achten seitens der Gesuchsbeklagten herangezogen werden, ohne ihr einen separaten Kosten- vorschuss aufzuerlegen (JOHANN ZÜRCHER, a.a.O., Art. 158 N 19). D as Bundesgericht führte in BGE 140 III 30 E. 3.2 ausdrücklich aus, dass im Rahmen der vorsorglichen Beweisführung E i- nigkeit darüber bestehe, dass die gesuchstellende Partei sowohl Gerichtskosten als auch die Beweiskosten vorzuschiessen habe. Die einseitige Belastung der Gesuchsklägerin mit sämtl i- chen Kostenvorschüssen ist auch mit Art. 367 Abs. 2 OR vereinbar, wonach jede Partei berech- tigt ist, auf seine Kosten eine Prüfung des Werkes durch Sachverständige zu verlangen. Die Gesuchsklägerin berief sich in ih rem Gesuch um vorsorgliche Beweisführung sogar explizit auf diese Norm. Der Begründung der Vorinstanz, es erschei ne in Anbetracht der zahlreichen Män- gel unbillig, die Gesuchsklägerin alleine mit den Kosten zu belasten, kann hingegen nicht g e- folgt werden. D ie Vorinstanz verkennt, dass die Beschwerdegegnerin als Gesuchsklägerin der vorsorglichen Beweisführung gemäss Art. 102 Abs. 1 ZPO grundsätzlich sämtliche Kostenvo r- schüsse für die von ihr beantragten Beweiserhebungen zu leisten hat. Im Rahmen von Art. 102 Abs. 1 ZPO besteht kein Raum, um Billigkeitserwägungen einfliessen zu lassen. Auch die B e- merkung der Vorinstanz, dass deutliche Mängel vorliegen, für welche die Gesuchsbeklagte z u- mindest teilweise die Verantwortung zu tragen habe, was die Chance auf einen Hauptprozess erhöhe, wo eine Neuverteilung der Kosten vorgenommen werden könne, ist für die Frage der Kostenvorschusspflicht gänzlich irrelevant. Im Rahmen der vorsorglichen Beweisführung vor Einleitung des Hauptprozesses werden vorerst die Prozessaussicht en abgeklärt. Die Einleitung eines darauf folgenden Hauptprozesses ist im Zeitpunkt der Kostenvorschusspflicht im Rahmen der vorsorglichen Beweisführung ungewiss. Soweit die Gesuchsklägerin die angefallenen Ko s- ten auf die Gegenpartei abwälzen möchte, so st eht es in ihrem Belieben, anschliessend den Prozess in der Sache einzuleiten und die Kosten als Auslagen in diesem Verfahren geltend zu machen (vgl. BGE 139 III 33, E. 4.5; CHRISTOPH LEUENBERGER/BEATRICE UFFER-TOBLER, N 9.55). Nach dem Dafürhalten des Kant onsgerichts Basel -Landschaft, Abteilung Zivilrecht, liegt auch kein Anwendungsfall von Art. 102 Abs. 2 ZPO vor, welcher eine (hälftige) Teilung des Kostenvorschusses erlauben würde. Die Ausfertigung eines Gutachtens wegen Planungs - und Ausführungsmängeln an der Liegenschaft X.____strasse 1A in Y.____ liegt vornehmlich im I n- teresse der Gesuchsklägerin. Allein die Anträge der Gesuchsbeklagten um Erläuterung und Ergänzung des Gutachtens vermag eine Pflicht zur Leistung eines Anteils an den Kostenvo r- schuss noch nicht zu rechtfertigen (vgl. JOHANN ZÜRCHER, a.a.O., Art. 158 N 19). Aus den vo r- stehenden Erwägungen erhellt, dass die Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene Ve r- fügung der Präsidentin des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 16. April 2014 aufzu- heben ist. Die Beschwerdeführerin wird von der Pflicht zur Leistung des Kostenvorschusses in der Höhe von CHF 4‘500.00 entbunden. 3. Abschliessend ist über die Verteilung der Prozesskosten für das Beschwerdeverfahren zu befinden. In Anwendung von Art. 106 Abs. 1 ZPO sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gerichtskosten in der Höhe von CHF 500.00 in Anwendung von § 9 Abs. 2 lit. a GebT aufzuer- legen. Darüber hinaus hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine angemessene Parteientschädigung zu bezahlen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat keine H o- norarnote eingereicht, so dass gemäss § 18 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte der Entscheid über die Höhe der Entschädigung im Ermessen des Gerichts liegt. Vo r- liegend erscheint in Anbetracht des Umfanges und der Schwierigkeit des Falles ein Zeitaufwand von sieben Stunden zu einem Ansatz von CHF 250.00 als der Sache angemessen. Die B e- schwerdegegnerin hat somit der Beschwerdeführerin für das kantonsgerichtliche Verfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 1‘750.00, zuzüglich geschätzten Auslagen von CHF 37.00, total somit CHF 1'787.00, auszurichten. Da die Beschwerdeführerin vorliegend den Ersatz der Mehrwertsteuer auf der Parteientschädigung nicht beantragte, ist ihr praxisgemäss eine solche nicht zu ersetzen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung der Präsidentin des Zivilkreisgerichts Basel -Landschaft West vom 16. April 2014 wird aufgehoben. Die Beschwerdeführerin wird von der Pflicht zur Leistung des Kostenvorschusses in der Höhe von CHF 4‘500.00 entbunden. 2. Die Entscheidgebühr von CHF 500.00 wird der Beschwerdegegnerin auferlegt. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteien t- schädigung in der Höhe von CHF 1‘787.00 (inkl. Auslagen) auszuric h- ten. Präsident Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiberin i.V. Corinne Ritter