<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 82 S.403</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">403</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>82</b></span> <span class="ft2"><b>Familiennachzug; Recht auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8</b></span><br/> <span class="ft2"><b>EMRK</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Verweigerung des Familiennachzuges stellt i.c. keinen Eingriff in das</b></span><br/> <span class="ft2"><b>von Art. 8 EMRK geschützte Rechtsgut dar, da es den Betroffenen zu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mutbar ist, ihr Familienleben im Ausland zu führen (Erw. II./4.3.-5.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 12. Septem-</span><br/> <span class="ft3">ber 2006 in Sachen K.S. betreffend Familiennachzug (1-BE.2006.5).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer ersuchte am 24. November 2004 um</span><br/> <span class="ft1">Nachzug seines am 29. Juli 1994 adoptierten Sohnes, dessen Onkel</span><br/> <span class="ft1">er war. Der Sohn hielt sich bereits von April bis August 2002 im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen eines bewilligten Familiennachzuges in der Schweiz auf und</span><br/> <span class="ft1">war im Besitze einer Niederlassungsbewilligung, welche nach seiner</span><br/> <span class="ft1">Ausreise wieder erloschen war. Das erneute Familiennachzugsgesuch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">404</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">war mit Verfügung des Migrationsamtes vom 18. Februar 2005 abge-</span><br/> <span class="ft1">lehnt worden, wogegen der Beschwerdeführer erfolglos Einsprache</span><br/> <span class="ft1">führte und am 9. Februar 2006 Beschwerde erhob.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 4.3. Nachfolgend ist zu klären, ob die Verweigerung des</span><br/> <span class="ft1">Familiennachzugs effektiv zu einem Eingriff in das durch</span><br/> <span class="ft1">Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützte Familienleben führt, was nicht der</span><br/> <span class="ft1">Fall wäre, wenn es den Betroffenen zumutbar ist, das Familienleben</span><br/> <span class="ft1">im Ausland zu führen.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer heiratete im April 1991 eine in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz lebende Landsfrau. Am 10. Mai 1991 zog er in die Schweiz</span><br/> <span class="ft1">nach, wo er seitdem lebt. Die erste Ehe des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">wurde am 21. August 1997 - rechtskräftig seit 12. September 1997 -</span><br/> <span class="ft1">geschieden. Am 22. Oktober 1999 heiratete er in seiner Heimat er-</span><br/> <span class="ft1">neut eine Landsfrau, die dem Beschwerdeführer am 21. November</span><br/> <span class="ft1">2001 in die Schweiz nachfolgte. In der Folge gingen aus dieser zwei-</span><br/> <span class="ft1">ten Ehe zwei gemeinsame Kinder hervor, welche am 15. November</span><br/> <span class="ft1">2002 bzw. 13. September 2004 in der Schweiz zur Welt kamen. Am</span><br/> <span class="ft1">23. Februar 2001 erlangte der Beschwerdeführer die Niederlassungs-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung. Der Beschwerdeführer liess sich während seines Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthalts in der Schweiz verschiedentlich Verstösse gegen die Rechts-</span><br/> <span class="ft1">ordnung zuschulden kommen, vorab Widerhandlungen gegen das</span><br/> <span class="ft1">Strassenverkehrsgesetz, ferner Widerhandlungen gegen das ANAG,</span><br/> <span class="ft1">wiederholten Missbrauch der schweizerisch-deutschen Grenzkarte</span><br/> <span class="ft1">sowie einfache Körperverletzung. Seit 2003 betreiben der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer und seine Ehefrau, zusätzlich zur Erwerbstätigkeit des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers in einer Schokoladefabrik, eine Einzelfirma für</span><br/> <span class="ft1">Brautmode, wo die Ehefrau den Verkauf besorgt.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer lebt demnach seit über 15 Jahren in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz. Es stellt sich nun die Frage, ob es dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">unter diesen Umständen zumutbar ist, zwecks Familienzusammen-</span><br/> <span class="ft1">führung in sein Heimatland zurückzukehren.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">405</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer reiste ursprünglich als Erwachsener im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen des Familiennachzuges in die Schweiz ein. Er hat demzu-</span><br/> <span class="ft1">folge seine gesamte Kindheit und auch einen Teil des Erwachsenen-</span><br/> <span class="ft1">lebens in seiner Heimat verbracht. Im Weiteren hält er sich gemäss</span><br/> <span class="ft1">eigenen Angaben regelmässig in seinem Heimatland auf. Er ist daher</span><br/> <span class="ft1">mit den heimatlichen Verhältnissen nach wie vor vertraut. In berufli-</span><br/> <span class="ft1">cher Hinsicht ist der Beschwerdeführer zur Zeit integriert. Es sind je-</span><br/> <span class="ft1">doch keine Anzeichen dafür vorhanden, dass er seine berufliche Tä-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit ausschliesslich in der Schweiz ausüben könnte. Weiter ist der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer in der Schweiz wiederholt straffällig geworden,</span><br/> <span class="ft1">womit er in gesellschaftlicher Hinsicht nicht als gut integriert ange-</span><br/> <span class="ft1">sehen werden kann. Betreffend seine jetzige Ehefrau ist festzuhalten,</span><br/> <span class="ft1">dass sie ebenfalls aus dem Heimatland des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">stammt und erst seit knapp fünf Jahren hier wohnt. Seine Kinder aus</span><br/> <span class="ft1">zweiter Ehe sind zwei und vier Jahre alt und damit in der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">noch nicht eingeschult. Es ist unbestritten, dass es vor allem dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer nach derart langem Aufenthalt in der Schweiz nicht</span><br/> <span class="ft1">leicht fallen dürfte, in sein Heimatland überzusiedeln. Demgegen-</span><br/> <span class="ft1">über dürfte dies seiner Ehefrau nach lediglich knapp fünf Jahren</span><br/> <span class="ft1">leichter fallen. Seinen beiden Töchtern dürfte eine Übersiedlung ins</span><br/> <span class="ft1">Heimatland keine Probleme bereiten, da sie noch nicht einmal einge-</span><br/> <span class="ft1">schult sind und sich aufgrund ihres Alters fast ausschliesslich an ih-</span><br/> <span class="ft1">ren Eltern orientieren.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten steht fest, dass eine Übersiedlung des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers in sein Heimatland zwecks Familienzusammenfüh-</span><br/> <span class="ft1">rung mit grossem Aufwand verbunden ist. Es sind jedoch keine un-</span><br/> <span class="ft1">überwindbaren Hindernisse ersichtlich, welche eine solche als unzu-</span><br/> <span class="ft1">mutbar erscheinen lassen.</span><br/> <span class="ft1">4.4. Nachdem es dem Beschwerdeführer zuzumuten ist, zwecks</span><br/> <span class="ft1">Zusammenführung seiner Familie ins Heimatland überzusiedeln,</span><br/> <span class="ft1">liegt kein Eingriff in das durch Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützte</span><br/> <span class="ft1">Familienleben vor.</span><br/> <span class="ft1">5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Verweigerung</span><br/> <span class="ft1">des Familiennachzugs gemäss nationalem Recht nicht zu beanstan-</span><br/> <span class="ft1">den ist und auch vor Art. 8 EMRK standhält. Die Beschwerde ist da-</span><br/> <span class="ft1">mit abzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>