<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">321</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Erschliessungsabgaben</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>62 Anschlussgebühren.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Für die Berechnung der Anschlussgebühren ist der Gebäudeschätzwert</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auf den Anschlusszeitpunkt (Zeitpunkt des Eintritts der Zahlungspflicht)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zurückzuindexieren.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft3">22. Juni 2010 in Sachen G.K. gegen Einwohnergemeinde R. (4-BE.2009.23).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">5.</span><br/> <span class="ft5">5.1.</span><br/> <span class="ft5">Weder das Wasserreglement (WR) noch das Abwasserreglement</span><br/> <span class="ft5">(AR) regeln explizit, auf welches Datum sich der Brandversiche-</span><br/> <span class="ft5">rungswert bezieht, welcher der Bemessung der Anschlussgebühr zu-</span><br/> <span class="ft5">grunde zu legen ist.</span><br/> <span class="ft5">Aus dem Abwasserreglement ergibt sich zumindest, dass die</span><br/> <span class="ft5">Zahlungspflicht bei Neubauten mit Anschluss an die Kanalisation</span><br/> <span class="ft5">entsteht (§ 34 Abs. 1 und 38 Abs. 1 AR). Im Wasserreglement ist der</span><br/> <span class="ft5">Eintritt der Zahlungspflicht nicht klar geregelt. Aus Art. 36 Abs. 1</span><br/> <span class="ft5">und 2 WR könnte man auch schliessen, dass die Zahlungspflicht be-</span><br/> <span class="ft5">reits bei der Erteilung der Baubewilligung entsteht. Es wird jedoch</span><br/> <span class="ft5">allgemein anerkannt, dass der Sondervorteil und damit die Zahlungs-</span><br/> <span class="ft5">pflicht erst eintreten können, wenn der Gebührenpflichtige die Er-</span><br/> <span class="ft5">schliessungsanlage nutzen kann, denn die Anschlussgebühr ist eine</span><br/> <span class="ft5">öffentlich-rechtliche Gegenleistung für die Gewährung des Anschlus-</span><br/> <span class="ft5">ses an die Leitung eines öffentlichen Werkes. Aus diesem Grund be-</span><br/> <span class="ft5">stimmen sich die rechtlichen Voraussetzungen für ihre Erhebung</span><br/> <span class="ft5">grundsätzlich nach dem Zeitpunkt, in dem der Anschluss vollzogen</span><br/> <span class="ft5">wird, und die Gebührenpflicht trifft grundsätzlich den anschliessen-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">SchätzungskommissionnachBaugesetz</span> <span class="page_no">322</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">den Grundeigentümer, weil er den Rechtsgrund für die Erhebung der</span><br/> <span class="ft5">Abgabe setzt (BGE 103 Ia 28, mit Hinweisen). Die Parteien scheinen</span><br/> <span class="ft5">sich denn auch einig zu sein, dass für beide Anschlussgebühren die</span><br/> <span class="ft5">Zahlungspflicht mit Anschluss an die Erschliessungsanlagen eintrat</span><br/> <span class="ft5">(...; so im Übrigen auch das aktualisierte Musterreglement des De-</span><br/> <span class="ft5">partements Bau, Verkehr und Umwelt vom März 2010 siehe:</span><br/> <span class="ft5">www.ag.ch/Rechtsabteilung &gt; Erschliessungsfinanzierung).</span><br/> <span class="ft5">Nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung folgt aus</span><br/> <span class="ft5">der Wahl des Brandversicherungswerts als Bemessungsgrundlage</span><br/> <span class="ft5">zwingend, dass der Gebäudewert auf den Zeitpunkt des Anschlusses</span><br/> <span class="ft5">(an das öffentliche Leitungssystem) hin zu bemessen ist. Das Verwal-</span><br/> <span class="ft5">tungsgericht führte aus: "Wählt ein Gemeinwesen indessen doch den</span><br/> <span class="ft5">Gebäudewert für die Bemessung der 'Anschlussgebühren', so muss</span><br/> <span class="ft5">der dieser Bemessungsweise zugrunde liegende Gedanke folgerichtig</span><br/> <span class="ft5">durchgeführt werden. Wenn der Vorteil darin erblickt wird, dass die</span><br/> <span class="ft5">Liegenschaft durch den Anschluss an Wert zunimmt, so kann für den</span><br/> <span class="ft5">Gebäudewert nur der Zeitpunkt des Anschlusses massgebend sein</span><br/> <span class="ft5">und nicht der spätere Zeitpunkt der Schatzung, der von allerlei Zufäl-</span><br/> <span class="ft5">ligkeiten abhängt (Anzeige an das Versicherungsamt, Arbeitsbelas-</span><br/> <span class="ft5">tung der Kreisschätzer u. dgl.). Es fehlt jeder auch nur einigermassen</span><br/> <span class="ft5">zureichende Grund dafür, dass z.B. bei zwei an sich baulich gleich-</span><br/> <span class="ft5">wertigen Liegenschaften, die gleichzeitig angeschlossen worden</span><br/> <span class="ft5">sind, die Höhe der Abgabe verschieden ist, weil die Schatzung nicht</span><br/> <span class="ft5">im gleichen Zeitpunkt erfolgt ist" (AGVE 1972, S. 299; grundsätz-</span><br/> <span class="ft5">lich bestätigt in AGVE 1978, S. 163; Entscheid des Baudepartements</span><br/> <span class="ft5">vom 6. August 1993 i. S. E.P. gegen Gemeinderat F.; vgl. auch Praxis</span><br/> <span class="ft5">des Verwaltungsgerichts Graubünden 1982, S. 163).</span><br/> <span class="ft5">Die Schätzungskommission hat sich mit der Frage, auf welchen</span><br/> <span class="ft5">Zeitpunkt der Gebäudeschätzwert zu indexieren sei, bereits einmal</span><br/> <span class="ft5">auseinandergesetzt. Jenes Verfahren endete zwar mit einem gerichtli-</span><br/> <span class="ft5">chen Vergleich. An der Verhandlung wurde den Parteien aber darge-</span><br/> <span class="ft5">legt, dass der Gebäudeversicherungswert auf den Anschlusszeitpunkt</span><br/> <span class="ft5">rückindexiert werden müsse, was von diesen akzeptiert wurde</span><br/> <span class="ft5">(SKE 4-EB.2001.50018 vom 20. August 2002 in Sachen M.T. gegen</span><br/> <span class="ft5">EG W., Erw. 4.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">323</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">5.2.</span><br/> <span class="ft5">In Berücksichtigung der aufgeführten Rechtsprechung ist vor-</span><br/> <span class="ft5">liegend der Schätzwert der AGV auf den Zeitpunkt des Eintritts der</span><br/> <span class="ft5">Zahlungspflicht zu indexieren, also auf den Anschlusszeitpunkt. Für</span><br/> <span class="ft5">den von der Gemeinde gewählten Zwischenwert des Zeitpunkts der</span><br/> <span class="ft5">Fertigstellung der Baute lassen sich dagegen weder im kantonalen</span><br/> <span class="ft5">Recht noch in der Literatur Belege finden.</span><br/></div> </div> </body> </html>