Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 7. Dezember 2016 (810 16 98) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl , Yves Thommen, Gerichtsschreiberin i.V. Claudia Caderas Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Nicolas Roulet , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligun g und Wegweisung (RRB Nr. 0402 vom 22. März 2016) A. Der 1979 geborene türkische Staatsangehörige A._ ___ reiste am 3. Juli 2001 im Alter von 22 Jahren in die Schweiz ein, wo er erfolglos Asyl beantragte. B. Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. Mai 2007 wurde das damalige Bun- desamt für Migration (BFM, heute: Staatssekretariat für Migration [SEM]) angewiesen, A.____ vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. In der Folge erteilte das Amt für Migration Basel -Landschaft (AfM) A.____ am 2. Juli 2007 die vorläufige Aufnahme (Aufenthaltsbewilligung F) bis zum 18. Dezember 2007. Am 3. Dezember 2008 erteilte das AfM A.____ eine Aufenth altsbewilligung, die wiederholt verlän- gert wurde, letztmals am 16. Dezember 2014 bis zum 23. Mai 2015. D. Während seiner Anwesenheit in der Schweiz arbeitete A.____ ab 1. September 2007 zunächst bei der B____GmbH in C.____ als Barkeeper, bis ihm per 31. Dezember 2008 aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt wurde. E. Mit Gesuch um Ausrichtung einer Invalidenrente (IV) vom 19. März 2009 wandte sich A.____ an die Sozialversicherungsanstalt Basel-Landschaft. Deren Abklärungen ergaben einen Invaliditätsgrad von 30 Prozent, weshalb der Antrag v on A.____ auf Rentenleistungen mit Ver- fügung vom 4. März 2010 abgewiesen wurde. F. Am 1. März 2010 (gemäss Formular betreffend AHV-Bei tragspflicht) bzw. 16. Juni 2011 (gemäss Meldung der Gemeinde D.____ vom 28. Janua r 2014 an das AfM) heiratete A.____ in der Türkei die türkische Staatsangehörige E.____, geboren 1992. G. Für den Zeitraum von Januar 2009 bis Juli 2010 war A.____ arbeitslos gemeldet und bezog von der Arbeitslosenkasse Taggelder. Mit Schreibe n vom 18. November 2009 teilte das AfM A.____ mit, dass Voraussetzung für die Erteilung bzw. Verlängerung der Aufenthaltsbewil- ligung unter anderem eine gesicherte Arbeitsstelle bzw. wirtschaftliche Unabhängigkeit sei und man von ihm erwarte, dass er alle zumutbaren Anstrengungen unternehme, um möglichst rasch wieder eine Arbeitsstelle zu finden. H. Ab 1. September 2010 wurde A.____ von der Sozialhi lfebehörde D.____ unterstützt, nachdem er bei der Arbeitslosenkasse ausgesteuert worden war. I. Mit Gesuch um Ausrichtung einer Invalidenrente (IV) vom 7. Juli 2011 wandte sich A.____ erneut an die Sozialversicherungsanstalt Basel-La ndschaft. Diese wies seinen Antrag bei einem Invaliditätsgrad von 37 Prozent mit Verfügung vom 6. Dezember 2013 wiederum ab. J. 2012 wurde in der Türkei, die gemeinsame Tochter von A.____ und E.____ geboren. K. Mit Schreiben vom 21. Januar 2014 teilte das AfM A. ____ mit, dass einem Ausländer die Aufenthaltsbewilligung entzogen werden könne, wen n er auf Sozialhilfe angewiesen sei. A.____ wurde aufgrund seiner Sozialhilfeabhängigkeit verwarnt und es wurde ihm erneut mitge- teilt, dass er alle zumutbaren Anstrengungen zu unterneh men habe, um eine Arbeitsstelle zu finden und finanziell unabhängig zu werden. L. Per 1. Juni 2014 mietete A.____ ein Lokal an der X.____strasse in C.____ zum Betrieb des Cafés "F.____", wobei ihm vorderhand ein Kollege d as erforderliche Wirtepatent zur Verfü- gung stellte. In der Folge beendete die Sozialhilfebe hörde D.____ die seit dem 1. September Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2010 andauernde finanzielle Unterstützung auf den 31. Oktober 2014. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich die von A.____ bezogene Sozialhilfe auf gesamthaft Fr. 103'918.80 belaufen. M. Am 4. November 2014 meldete sich A.____ in G.____ an, wo er an der Y.____strasse 20 eine Wohnung bezog. Am 26. November 2014 stellte E.____ bei der Schweizer Vertretung in Istanbul für sich und die gemeinsame Tochter H.____ ein Gesuch um Bewilligung der Einrei- se im Rahmen des Familiennachzuges. N. Nachdem sich der Kollege von A.____ aus dem Betrieb d es Cafés "F.____" zurückzog und diesem nunmehr das erforderliche Wirtepatent bzw. die Betriebsführungsbewilligung fehlte, verfügte das Bau- und Gewerbeinspektorat C.____ am 17. Juni 2015 die sofortige Schliessung des Cafés. O. Am 26. Juni 2015 reichte A.____ beim Bau- und Ver kehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt ein Baubewilligungsgesuch ein, um aus dem Café "F.____" ein Internetlokal mit Fumoir und Getränkeautomaten zu machen. Zudem beantrag te er erneut Sozialhilfe bei der Sozialhilfebehörde G.____, da er nach der Schliessung d es Cafés "F.____" über kein Einkom- men mehr verfügte. Diese gewährte ihm ab dem 1. Juli 2015 Sozialhilfe. P. Mit Schreiben vom 29. Oktober 2015 bestätigte das Bau - und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt die Abnahme des Internetlokals und die Freigabe zur entsprechenden Nutzung. Die Sozialhilfebehörde G.____ stellte ihre Un terstützung für A.____ per Ende Sep- tember 2015 ein, nachdem dieser sich am 8. September 2015 von der Sozialhilfe abgemeldet hatte. Vom 1. Juli 2015 bis zum 30. September 2015 b ezog A.____ Sozialhilfeleistungen von insgesamt Fr. 9'609.95. Q. Mit Schreiben vom 2. September 2015 teilte das Af M A.____ mit, dass es aufgrund wiederholter Sozialhilfeabhängigkeit und falscher Ang aben die Nichtverlängerung seiner Auf- enthaltsbewilligung prüfe, und gab ihm Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen. Sein rechtliches Gehör nahm A.____ mit Schreiben vom 16. September 2015 wahr. R. Am 9. November 2015 verfügte das AfM die Nichtverl ängerung der Aufenthaltsbewilli- gung von A.____ und setzte diesem zum Verlassen der Sch weiz eine Frist bis 31. Dezember 2015. Begründet wurde dies im Wesentlichen mit der Sozi alhilfeabhängigkeit von A.____ und dessen falschen Angaben. Auf das Gesuch um Familiennachzug der Ehefrau und des Kindes wurde nicht eingetreten. S. Gegen die Verfügung des AfM erhob A.____, vertrete n durch Dr. Nicolas Roulet, Ad- vokat in Basel, mit Eingabe vom 17. November 2015 Beschwerde beim Regierungsrat des Kan- tons Basel-Landschaft. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur neuen E ntscheidung, jeweils unter o/e- Kostenfolge. Eventualiter sei A.____ die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit dem Unterzeichnenden als Advokaten zu bewilligen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht T. Mit Regierungsratsbeschluss Nr. 0402 vom 22. März 2016 ( RRB Nr. 0402) wies der Regierungsrat die Beschwerde von A.____ ab. Dem Begehr en um unentgeltliche Rechtspflege wurde mangels Glaubhaftmachens der Bedürftigkeit nicht entsprochen. U. Mit Eingabe vom 4. April 2016 erhob A.____, weit erhin vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, gegen den Entscheid des Regierungsrats Beschwerde beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Er stellt das Rechtsbegehren, der Entscheid sei vollumfänglich aufzuhe ben und dementsprechend sei dem Beschwerdeführer weiterhin der Aufenthalt im Kanton Basel-Landschaft zu bewilligen. Eventua- liter sei die Angelegenheit zur neuen Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; dies jeweils unter o/e-Kostenfolge. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit dem Unterzeichnenden als Advokaten zu bewilligen. V. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 13. Juli 2016 w urde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege wurde mangels Bedürftigkeit abgewiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Entscheids berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebun g. Auch die weiteren formellen Vo- raussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Nichtverlänge- rung der Aufenthaltsbewilligung und die damit verbun dene Wegweisung des Beschwerdefüh- rers zu Recht erfolgten. 3.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinne n und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustän dige kantonale Behörde entscheidet ge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG im Rahmen der gesetzlich en Vorschriften und Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbs- tätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung eine r Aufenthaltsbewilligung hat die ausländi- sche Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflich- tungen sehen dies vor (vgl. BGE 133 I 185 E. 2.3; P ETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009 , N 7.84 ff.). Gemäss Art. 3 Abs. 2 AuG wird Ausländerinnen und Ausländern der Aufenthalt in der Schweiz bewilligt, wenn völkerrecht- liche Verpflichtungen, humanitäre Gründe oder die Vereinigung der Familie es erfordern. 3.2 Gemäss Art. 33 Abs. 3 AuG ist die Aufenthaltsbewil ligung befristet und kann verlängert werden, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen. 3.3.1 Nach Art. 62 Abs. 1 lit. e AuG kann eine Aufent haltsbewilligung unter anderem widerru- fen – bzw. nicht mehr verlängert – werden, wenn der Ausländer oder eine Person, für die er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist. Für den Wi derruf einer Bewilligung wegen Sozialhil- feabhängigkeit ist neben den bisherigen und den aktuel len Verhältnissen auch die wahrschein- liche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht abzuwäge n. Ein Widerruf kommt in Betracht, wenn eine Person hohe finanzielle Unterstützungsleistunge n erhalten hat und nicht damit ge- rechnet werden kann, dass sie in Zukunft für ihren Leben sunterhalt sorgen wird (vgl. Weisun- gen und Erläuterungen Ausländerbereich [Weisungen AuG] des Staatssekretariats für Migration [SEM], Bern 2013 [aktualisiert 2016], Ziff. 8.3.1 li t. e; Urteile des Bundesgerichts 2C_958/2011 vom 18. Februar 2013 E. 2.3, 2C_74/2010 vom 10. Juni 2010 E. 3.4). 3.3.2 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, d er Beschwerdeführer habe von den Sozialhilfebehörden D.____ und G.____ während de r Zeitspanne vom 1. September 2010 bis zum 31. Oktober 2014 und vom 1. Juli 2015 bis zum 30. September 2015 insgesamt Fr. 113'528.75 an Sozialhilfe bezogen, was eine erhebl iche Unterstützung darstelle, weshalb der Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. e AuG offen sichtlich erfüllt sei. Ob und inwieweit den Beschwerdeführer ein Verschulden an der Sozialhilfebedü rftigkeit treffe, bilde nicht Frage des Vorliegens des Widerrufsgrundes, sondern der vorzunehmenden Verhältnismässigkeitsprüfung. 3.3.3 Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, dass es zwar zutreffe, dass er insbesondere in der Periode von September 2010 bis Oktob er 2014 Sozialhilfe bezogen habe. Für diesen Zeitraum sei aber darauf hinzuweisen, dass er am 7. Juli 2011 ein (zweites) IV- Gesuch gestellt habe. Dieses sei zwar am 6. Dezember 2013 abgewiesen worden, doch sei dabei immerhin ein Invaliditätsgrad von 37 Prozent festg estellt worden. Der ermittelte Invalidi- tätsgrad ergebe, dass die Anmeldung des Beschwerdeführer s zum Bezug von Leistungen der IV gerechtfertigt gewesen sei. Die IV habe für die B eurteilung des entsprechenden Gesuchs zweieinhalb Jahre benötigt, was dem Beschwerdeführer nicht zur Last gelegt werden könne. Es sei nachvollziehbar, dass er in der entsprechenden Perio de nicht arbeitstätig gewesen sei und seitens der Sozialhilfe habe unterstützt werden müssen. Damit sei es dem Beschwerdeführer erst im Jahre 2014 möglich gewesen, wiederum einen Ve rsuch zu unternehmen, finanziell un- abhängig zu sein. Seit Mitte des Jahres 2014 habe er i n C.____ unter der Firma Café "F.____" bis Mitte des Jahres 2015 ein Einzelunternehmen geführt, was es ihm erlaubt habe, sich im Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht November 2014 von der Sozialhilfe zu lösen und seinen Le bensunterhalt selber zu finanzieren. Mangels Wirtepatent habe ihm die Bewilligung für das Café "F.____" vorübergehend entzogen werden müssen, weshalb er in der Folge eine Umnutzung der Lokalitäten angestrebt habe, wo- bei ihm die Benutzung des Internetcafés "F.____" nunme hr seit Ende Oktober 2015 erlaubt sei und er dieses seither wiederum selbständig führe. Aufgr und dieses kurzfristigen Unterbruchs des Betriebes des Cafés "F.____" respektive neu des Inte rnetcafés "F.____" habe der Be- schwerdeführer vorübergehend nochmals während drei Monat en von der Sozialhilfebehörde G.____ unterstützt werden müssen. Bereits im September 2015 habe sich der Beschwerdefüh- rer wiederum von der Sozialhilfe gelöst und finanziere seinen Lebensunterhalt seither selbstän- dig. 3.3.4 Unbestrittenermassen ist der in den letzten fünf Ja hren erfolgte Sozialhilfebezug sei- tens des Beschwerdeführers in der Höhe von insgesamt Fr. 113'528.75 nicht als unerheblich zu beurteilen. Die Abhängigkeit bestand zudem über eine n längeren Zeitraum, vom 1. September 2010 bis zum 31. Oktober 2014 und vom 1. Juli 2015 bis zu m 30. September 2015, weshalb rückblickend durchaus von einer gewissen Dauerhaftigkeit de s Sozialhilfebezuges gesprochen werden kann. Zudem ist der Vorwurf seitens der Vorinsta nz, der Beschwerdeführer habe wäh- rend den laufenden Abklärungen durch die Invalidenversi cherung seine (verbleibende) Arbeits- fähigkeit nicht vollumfänglich ausgeschöpft und sei dadu rch nicht um Schadenminderung be- müht gewesen, nicht gänzlich von der Hand zu weisen. In sbesondere nach dem ersten IV- Verfahren, welches in einer abweisenden Verfügung vom 4 . März 2010 mündete und bei wel- chem ein IV-Grad von 30 Prozent resultierte, wären se itens des Beschwerdeführers grössere Arbeitsbemühungen zu erwarten gewesen. Jedoch ist dem Beschwerdeführer zugute zu halten, dass er nach der zweiten Verwarnung des AfM vom 21. Janua r 2014 reagierte und Mitte des Jahres 2014 sein eigenes Geschäft in C.____ ins Leben ri ef, welches er zunächst bis Mitte des Jahres 2015 führen und sich dadurch ab November 2014 vo n der Sozialhilfe lösen und seinen Lebensunterhalt selber finanzieren konnte. Darüber hina us ist der Vorwurf der Sozialhilfeab- hängigkeit gegenüber dem Beschwerdeführer hinsichtlich des Bezuges vom 1. Juli 2015 bis zum 30. September 2015 zu relativieren, da er sich wäh rend dieser Zeitspanne mangels Vorlie- gens eines Wirtepatents gezwungenermassen um die Umstru kturierung seines Lokals küm- mern musste, um dessen Schliessung zu verhindern, was eine vorübergehende Erwerbslosig- keit zur Folge hatte. 3.3.5 Seit Oktober 2015 bezieht der Beschwerdeführer ke ine Sozialhilfe mehr, womit beur- teilt werden muss, ob die Sozialhilfeabhängigkeit im S inne des Gesetzes dennoch als fortge- setzt bzw. dauerhaft zu gelten hat. Abzustellen ist diesb ezüglich auf die wahrscheinliche finan- zielle Entwicklung des Beschwerdeführers, wobei von den akt uellen Verhältnissen im jetzigen Zeitpunkt auszugehen ist. Hinsichtlich der aktuellen Einko mmenssituation des Beschwerdefüh- rers ist bekannt, dass er für die Zeitspanne von Mai 2014 bis Dezember 2014 – gemäss eigener Erfolgsrechnung vom September 2015 – einen Gewinn von F r. 36'728.-- und gemäss Steuerer- klärung für das Jahr 2015 einen Gewinn von Fr. 50'434 .-- verzeichnen konnte. Für das erste Trimester des Jahres 2016 erzielte der Beschwerdeführer gemäss Erfolgsrechnung per Ende April 2016 einen Gewinn von Fr. 15'800.--, was einem monatlichen Einkommen von Fr. 3'950.-- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht entspricht. Der Umstand, dass zurzeit keine Sozialhilfea bhängigkeit des Beschwerdeführers besteht, ist zumindest im Rahmen der Interessenabwägung mitzuberücksichtigen. 3.3.6 Hinsichtlich der Prognose der finanziellen Situati on des Beschwerdeführers ist zu be- merken, dass eine solche aufgrund der relativ kurzen Zeitsp anne seit der Eröffnung seines In- ternetcafés zwangsläufig mit gewissen Unsicherheiten verb unden ist. Seit November 2014 konnte sich der Beschwerdeführer überwiegend bzw. seit Ok tober 2015 gänzlich von der Sozi- alhilfe lösen und ist seither auch nicht wieder von der öffentlichen Hand unterstützt worden. Mit seinem neuen Lokal war er bisher imstande, ein Einkomme n zu erzielen, mit welchem er sich seinen Lebensunterhalt finanzieren konnte. Die Prognose des Beschwerdeführers, von der So- zialhilfe nicht mehr abhängig zu werden, fällt denn au ch aufgrund seines in den letzten knapp drei Jahren signalisierten Engagements und grösseren Eins atzes für sein eigenes Geschäft relativ positiv aus. Ob die bereits erfolgte Ablösung de s Beschwerdeführers von der Sozialhilfe tatsächlich langfristiger Natur ist und er sich beruflich und wirtschaftlich mit einer gewissen Kon- stanz und Stabilität im hiesigen Arbeitsmarkt integriere n kann, wird sich zeigen müssen. Eine ausreichend präzise Prognose hinsichtlich der finanzielle n Situation des Beschwerdeführers ist zum jetzigen Zeitpunkt aus den eingangs angestellten Überlegungen nicht möglich. 3.3.7 Ob nach dem Gesagten im vorliegenden Fall der W iderrufsgrund gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. e AuG zu bejahen ist, kann letztlich offen gelassen werden, zumal sich die Nichtver- längerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdefüh rers und die damit verbundene Weg- weisung – wie nachfolgend aufgezeigt wird – jedenfalls unter dem Gesichtspunkt der Verhält- nismässigkeit als unzulässig erweist. 3.4 Ebenfalls offen bleiben kann damit, ob zusätzlich de r Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. a AuG erfüllt ist. In Bezug auf die von den Vo rinstanzen geltend gemachten falschen An- gaben des Beschwerdeführers ist immerhin festzustellen, d ass der Beschwerdeführer auf dem Formular seiner Gesuche um Verlängerung der Aufenthal tsbewilligung in den Jahren 2012 und 2013 jeweils angegeben hatte, dass er verheiratet sei. Zwar hatte er in den besagten Gesuchen nicht näher ausgeführt, wann genau er geheiratet hatt e, jedoch befand sich auf den entspre- chenden Formularen auch keine Rubrik für derartige Ang aben, weshalb es am AfM gelegen hätte, beim Beschwerdeführer nach konkreten Details in Bezug auf die angezeigte Heirat zu fragen. Im Jahr 2014 hatte der Beschwerdeführer betre ffend seine Ehefrau sogar eine Adresse in der Türkei in der entsprechenden Rubrik aufgeführt. Was die angeblichen Falschangaben des Beschwerdeführers zu seiner Erwerbssituation anbelang t, so ist mangels Schriftlichkeit un- klar, welche Informationen das AfM diesbezüglich im Juli 2 015 vom Beschwerdeführer erfahren wollte und wie seine Antworten auf diese Fragen ausf ielen. Dass der Beschwerdeführer in die- sem Zusammenhang gegenüber dem AfM wissentlich falsche An gaben machte, ist vor diesem Hintergrund nicht hinreichend dargetan. Der Umstand, dass das Lokal des Beschwerdeführers Mitte 2015 vorübergehend schliessen musste und er dadurch kurzzeitig keinen Umsatz erzielte, ändert im Übrigen nichts daran, dass der Beschwerdefüh rer grundsätzlich nach wie vor einer selbständigen Erwerbstätigkeit nachging. Insgesamt kann d er Widerrufsgrund gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. a AuG nach dem Gesagten kaum als erfüllt angesehen werden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.5.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes hat nicht zwi ngend zur Folge, dass die Aufent- haltsbewilligung tatsächlich zu widerrufen ist, da der zuständigen kantonalen Behörde durch die "Kann-Bestimmung" in Art. 62 AuG im Rahmen eines Erm essensentscheids die Möglichkeit gewährt wird, den besonderen Umständen des Einzelfalles angemessen Rechnung zu tragen (vgl. SILVIA HUNZIKER , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., N 7 zu Art. 62 AuG). Dieses Ermessen ist nach den allgemeinen Grundsätzen pflichtgemä ss, namentlich unter Beachtung des Willkürverbots und des Grundsatzes der Verhältnismässigke it, wahrzunehmen (vgl. A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , a.a.O., N 8.44). Im Rahmen der Verhältnismässig- keitsprüfung sind insbesondere die Schwere des Verschuld ens, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die dem Be troffenen drohenden Nachteile zu be- rücksichtigen (vgl. BGE 139 I 145 E. 2.4; ZÜND /A RQUINT HILL , a.a.O., N 8.31). Dabei sind im Zusammenhang mit Art. 62 Abs. 1 lit. e AuG vor allem das Verschulden an der Situation und die bisherige Verweildauer im Land zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_1228/2012 vom 20. Juni 2013 E. 2.2 mit Hinweisen). 3.5.2 Für einen Widerruf der Aufenthaltsbewilligung ist nach bundesgerichtlicher Rechtspre- chung zur Wahrung der Verhältnismässigkeit unter andere m erforderlich, dass nach einer er- folgten Verwarnung neue Verfehlungen dazugekommen sin d, welche die Wirkungslosigkeit der Androhung des Widerrufs belegen (vgl. Urteil des Bunde sgerichtes 2C_273/2010 vom 6. Okto- ber 2010 E. 3.4). Für den Fall der Sozialhilfeabhäng igkeit als Widerrufsgrund der Aufenthalts- bewilligung bedeutet dies, dass die ausländische Person a uch nach der Androhung ausländer- rechtlicher Folgen weiterhin Sozialhilfe bezogen haben muss. Im vorliegenden Fall ist zu be- rücksichtigen, dass der Beschwerdeführer seitens des AfM mi t Schreiben vom 21. Januar 2014 ausländerrechtlich verwarnt wurde. Wie vorstehend bere its dargelegt, reagierte der Beschwer- deführer nach dieser Verwarnung und gründete Mitte d es Jahres 2014 ein eigenes Geschäft in C.____, welches er zunächst bis Mitte 2015 führen konnt e, was ihm ab November 2014 die Ablösung von der Sozialhilfe und die selbständige Fi nanzierung seines Lebensunterhalts er- laubte. Die darauffolgende erneute Sozialhilfeabhäng igkeit des Beschwerdeführers während der Zeitspanne vom 1. Juli 2015 bis zum 30. September 2015 ist auf das fehlende Wirtepatent zurückzuführen, was die bereits erwähnte Umstrukturierung seines Lokals erforderte, um des- sen Schliessung zu verhindern. Von einer eigentlichen Fo rtsetzung des vorgeworfenen Fehl- verhaltens des Beschwerdeführers kann vor diesem Hintergrun d nicht die Rede sein, da sich die zweite Phase des Sozialhilfebezuges seinem Einflussber eich weitgehend entzog. Der pau- schale Vorwurf der Vorinstanz gegenüber dem Beschwerdefü hrer, er habe wiederholt und in erheblichem Masse von der Sozialhilfe unterstützt werden müssen, greift deshalb zu kurz und lässt die Tatsache der aus sachlichen Gründen erforderli chen Umstrukturierung des von Juni 2014 bis Juni 2015 zufriedenstellend betriebenen Geschäftslokals ausser Acht. Für die dadurch entstandene Sozialhilfeabhängigkeit trifft den Beschwerdeführer kaum ein Verschulden. 3.5.3 Darüber hinaus ist festzustellen, dass der Beschwerd eführer im Alter von 22 Jahren in die Schweiz eingereist ist und sich seit nunmehr über fünf zehn Jahren in der Schweiz aufhält. Das Bundesgericht hat sich zur Frage der Anwesenheitsda uer im Rahmen der Verhältnismäs- sigkeitsprüfung dahingehend geäussert, dass bei einer üb er zehnjährigen Anwesenheit in der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schweiz gewichtige Interessen gegen eine Ausweisung oder Heimschaffung wegen Bedürftig- keit in die Abwägung mit einzubeziehen seien (vgl. BGE 119 Ib 8 E. 4c). 3.5.4 Neben dem langjährigen Aufenthalt in der Schwe iz ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer keine Schulden aufweist und auch in st rafrechtlicher Hinsicht ein einwand- freies Legalverhalten vorzuweisen hat, was dafür spricht , dass er die hiesige Rechtsordnung akzeptiert und sich danach richtet. Im Rahmen einer Gesa mtwürdigung der privaten Interessen des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz gegenübe r den öffentlichen Interessen an einer Wegweisung gelangt das Kantonsgericht deshalb zu m Schluss, dass die Nichtverlänge- rung der Aufenthaltsbewilligung und die damit verbun dene Wegweisung des Beschwerdefüh- rers zum heutigen Zeitpunkt als nicht verhältnismässig zu er achten ist. Angesichts der verblei- benden Zweifel an der Dauerhaftigkeit der zukünftigen finanziellen Eigenständigkeit des Be- schwerdeführers ist jedoch bereits an dieser Stelle festzu halten, dass der Beschwerdeführer ungeachtet seiner langen Anwesenheit in der Schweiz die Nichtverlängerung bzw. den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung zu gewärtigen hätte, sol lte ihm die finanzielle Unabhängigkeit lang- fristig nicht gelingen und daraus ein erneuter Sozialhilfebezug resultieren. 3.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde gutzu heissen und das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft anzuweisen ist, de m Beschwerdeführer die Aufent- haltsbewilligung zu verlängern. 4.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantons- gericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen di e Gerichtsgebühren sowie die Be- weiskosten und werden nach § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Da der Vorinstanz nach § 20 Ab s. 3 und 4 VPO keine Verfah- renskosten auferlegt werden können, sind im vorliegenden Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. 4.2 Gestützt auf § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Pa rtei eine angemessene Partei- entschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen wer den. Der Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers macht in seiner Honorarnote vom 9. Augu st 2016 für das Verfahren vor dem Kantonsgericht einen Aufwand von 6 Stunden à Fr. 250. -- und Auslagen in der Höhe von Fr. 172.10 geltend, womit ein Honorar in der Höhe v on insgesamt Fr. 1'805.85 (inkl. 8 % MWST) resultiert, welches vom Regierungsrat zu bezahlen ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Regierun gsratsbeschluss Nr. 0402 vom 22. März 2016 aufgehoben und das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft wird angewiesen, dem Beschwerdef ührer die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400 .-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwerde- führer für das Verfahren vor dem Kantonsgericht eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 1'805.85 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) aus- zurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.