<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 57 S.239</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">239</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VII. Submissionen</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>57</b></span> <span class="ft3"><b>Einladungsverfahren; Anfechtungsobjekt; Beschwerdelegitimation eines</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nicht eingeladenen Anbieters; Anspruch auf Teilnahme?</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Der Beschluss der Vergabestelle, mit dem diese festlegt, welche Anbie-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ter zur Abgabe eines Angebots eingeladen werden, stellt für einen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nicht eingeladenen (potentiellen) Anbieter eine anfechtbare Verfügung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dar (Erw. I/2).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Beschwerdelegitimation des nicht eingeladenen Anbieters (Erw. I/4).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Wird die Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom nicht eingeladenen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Anbieter innerhalb von 10 Tagen nach Kenntnisnahme der Tatsache,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dass ein Submissionsverfahren durchgeführt wird, eingereicht, ist die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Beschwerdefrist eingehalten (Erw. I/5).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Kein Anspruch auf Teilnahme an einem Einladungsverfahren; Verbot</b></span><br/> <span class="ft3"><b>der gezielten Diskriminierung eines Anbieters (Erw. II/2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 8. Januar 2003 in Sa-</span><br/> <span class="ft4">chen R. AG gegen Gemeinderat Schafisheim.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">I. 2. a) Gegen Verfügungen der Vergabestelle gemäss</span><br/> <span class="ft6">§</span> <span class="ft6">5</span> <span class="ft6">SubmD kann direkt beim Verwaltungsgericht Beschwerde</span><br/> <span class="ft6">erhoben werden (§ 24 Abs. 1 SubmD). Tritt eine Gemeinde oder ein</span><br/> <span class="ft6">Gemeindeverband als Vergabestelle auf, gilt diese Rechtsschutz-</span><br/> <span class="ft6">bestimmung unabhängig vom Wert des Auftrags (§ 24 Abs. 3 i.V.m.</span><br/> <span class="ft6">§ 5 Abs. 1 lit. d SubmD).</span><br/> <span class="ft6">b) Gemäss Art. 9 Abs. 1 BGBM sind Beschränkungen des</span><br/> <span class="ft6">freien Zugangs zum Markt, insbesondere im Bereich des öffentlichen</span><br/> <span class="ft6">Beschaffungswesens, in Form einer anfechtbaren Verfügung zu er-</span><br/> <span class="ft6">lassen. Dagegen muss ein Rechtsmittel an eine verwaltungsunabhän-</span><br/> <span class="ft6">gige kantonale Beschwerdeinstanz gegeben sein (Art.</span> <span class="ft6">9 Abs.</span> <span class="ft6">2</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">240</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Satz 1 BGBM). Wo im Einzelfall keine Verfügung ergeht, kann der</span><br/> <span class="ft6">Berechtigte den Erlass einer solchen verlangen (Attilio R. Gadola,</span><br/> <span class="ft6">Rechtsschutz und andere Formen der Überwachung der Vorschriften</span><br/> <span class="ft6">über das öffentliche Beschaffungswesen, in: AJP/PJA 1996, S. 967</span><br/> <span class="ft6">ff., S. 976).</span><br/> <span class="ft6">c) § 24 Abs. 1 SubmD spezifiziert nicht, was alles unter den</span><br/> <span class="ft6">Begriff "Verfügungen" fällt. Indessen scheint klar, dass davon ausser</span><br/> <span class="ft6">dem Zuschlag, dem Abbruch des Verfahrens, dem Ausschluss vom</span><br/> <span class="ft6">Verfahren oder dem Entscheid über die Auswahl von Anbietenden im</span><br/> <span class="ft6">selektiven Verfahren (vgl. § 37 Abs. 2 SubmD) alle marktbe-</span><br/> <span class="ft6">schränkenden Verfügungen im Sinne von Art. 9 Abs. 1 BGBM um-</span><br/> <span class="ft6">fasst werden, soweit sie das öffentliche Beschaffungswesen betreffen</span><br/> <span class="ft6">(vgl. VGE III/110 vom 20. August 1999 [BE.1999.00114] in Sachen</span><br/> <span class="ft6">H., S. 5).</span><br/> <span class="ft6">d) Im vorliegenden Fall geht es um die Vergabe eines öffentli-</span><br/> <span class="ft6">chen Auftrags. Es liegt aber (noch) kein förmlicher Vergabeentscheid</span><br/> <span class="ft6">des Gemeinderats als Anfechtungsobjekt vor. Eine Beschränkung des</span><br/> <span class="ft6">Zugangs zum freien Markt in Bezug auf die potentiellen</span><br/> <span class="ft6">Anbietenden, also auch die Beschwerdeführerin, lässt sich vorlie-</span><br/> <span class="ft6">gend indessen ohne Weiteres im Beschluss des Gemeinderats vom</span><br/> <span class="ft6">30. September 2002, die Elektroinstallationen im Einladungsverfah-</span><br/> <span class="ft6">ren zu vergeben und (nur) die drei Unternehmen J., S. GmbH und E.</span><br/> <span class="ft6">zur Offertstellung einzuladen, erblicken. Mit diesem Entscheid ist es</span><br/> <span class="ft6">der Beschwerdeführerin verunmöglicht worden, sich ebenfalls um</span><br/> <span class="ft6">die vom Gemeinderat zu vergebenden Elektroinstallationsarbeiten zu</span><br/> <span class="ft6">bewerben. Insofern kann dem Beschluss des Gemeinderats der Cha-</span><br/> <span class="ft6">rakter einer marktbeschränkenden Verfügung im Sinne von Art. 9</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 BGBM nicht abgesprochen werden. Die Anfechtungsmög-</span><br/> <span class="ft6">lichkeit gestützt auf § 24 Abs. 1 SubmD ist daher zu bejahen. Dass</span><br/> <span class="ft6">der Beschluss der Beschwerdeführerin nicht formell und mit</span><br/> <span class="ft6">Rechtsmittelbelehrung versehen eröffnet wurde, liegt in der Natur</span><br/> <span class="ft6">des Einladungsverfahrens.</span><br/> <span class="ft6">e) Es liegt hier also eine anfechtbare Verfügung vor und das</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsgericht ist somit zur Behandlung des vorliegenden Falles</span><br/> <span class="ft6">zuständig.</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">241</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">4. Gemäss § 38 Abs. 1 VRPG kann jedermann Verfügungen und</span><br/> <span class="ft6">Entscheide durch Beschwerde anfechten, der ein schutzwürdiges</span><br/> <span class="ft6">eigenes Interesse geltend macht. Der Rechtsschutz im öffentlichen</span><br/> <span class="ft6">Beschaffungswesen hat zum Zweck, dass die Anbietenden gegen</span><br/> <span class="ft6">vermutete Verletzungen von Submissionsvorschriften im Zusam-</span><br/> <span class="ft6">menhang mit Beschaffungen, an denen sie ein Interesse haben oder</span><br/> <span class="ft6">gehabt haben, sollen Beschwerde führen können (AGVE 1998,</span><br/> <span class="ft6">S. 352). Zur Beschwerde ist legitimiert ist daher insbesondere ein</span><br/> <span class="ft6">Anbieter, dessen Offerte für den Zuschlag nicht berücksichtigt wurde</span><br/> <span class="ft6">oder der vom Vergabeverfahren ausgeschlossen wurde. Sodann kann</span><br/> <span class="ft6">sich ein potentieller Anbieter mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde</span><br/> <span class="ft6">grundsätzlich - soweit noch kein (zulässiger) Vertrag abgeschlossen</span><br/> <span class="ft6">worden ist - dagegen wehren, dass ein Auftrag, der nach geltendem</span><br/> <span class="ft6">Submissionsrecht öffentlich ausgeschrieben werden muss, statt des-</span><br/> <span class="ft6">sen direkt vergeben wird (vgl. erwähnter VGE in Sachen H., S. 7;</span><br/> <span class="ft6">vgl. auch Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich</span><br/> <span class="ft6">[VB.2001.00116] vom 9. November 2001, E. 2c). Eine andere Situa-</span><br/> <span class="ft6">tion liegt vor, wenn ein Anbieter nicht eine öffentliche Ausschrei-</span><br/> <span class="ft6">bung des Auftrags in einem offenen oder selektiven Verfahren, son-</span><br/> <span class="ft6">dern die Zulassung zu einem Einladungsverfahren verlangt. Grund-</span><br/> <span class="ft6">sätzlich besteht kein Anspruch darauf, zur Einreichung eines Ange-</span><br/> <span class="ft6">bots eingeladen zu werden (siehe hinten, Erw. II/2/b). Dennoch steht</span><br/> <span class="ft6">ein Beschwerdeführer, der offensichtlich zum Kreis der für eine</span><br/> <span class="ft6">Einladung in Frage kommenden Anbieter zählt, in einer näheren</span><br/> <span class="ft6">Beziehung zum Streitgegenstand als beliebige Dritte oder die Allge-</span><br/> <span class="ft6">meinheit. Das schutzwürdige Interesse an der Beschwerdeführung</span><br/> <span class="ft6">kann ihm daher nicht von vornherein abgesprochen werden</span><br/> <span class="ft6">(vgl.</span> <span class="ft6">erwähnter Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons</span><br/> <span class="ft6">Zürich vom 9.</span> <span class="ft6">November 2001, E.</span> <span class="ft6">2c). Im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft6">behauptet die Beschwerdeführerin, die Nichtberücksichtigung für das</span><br/> <span class="ft6">vorliegende Einladungsverfahren stelle eine Diskriminierung durch</span><br/> <span class="ft6">den Gemeinderat dar, da (ausser ihr) alle ortsansässigen</span><br/> <span class="ft6">Gewerbetreibende eine Einladung zur Offertstellung erhalten hätten.</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführerin kommt als ortsansässiges Elektro-</span><br/> <span class="ft6">Unternehmen für die im Einladungsverfahren zu vergebenden</span><br/> <span class="ft6">Elektroinstallationen als Anbieterin grundsätzlich in Betracht, und sie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">242</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">hat ein wirtschaftliches Interesse daran, solche Aufträge zu erhalten.</span><br/> <span class="ft6">Insofern ist sie durch die Nichtberücksichtigung für die Teilnahme in</span><br/> <span class="ft6">schutzwürdigen eigenen Interessen betroffen. Ihre Legitimation zur</span><br/> <span class="ft6">vorliegenden Beschwerde ist daher zu bejahen.</span><br/> <span class="ft6">5. Gemäss § 25 Abs. 1 SubmD ist die Beschwerde innert 10 Ta-</span><br/> <span class="ft6">gen seit Eröffnung der Verfügung einzureichen. Da im vorliegenden</span><br/> <span class="ft6">Fall keine Verfügung eröffnet wurde, kann bezüglich des Fristenlaufs</span><br/> <span class="ft6">nicht auf ein Eröffnungsdatum abgestellt werden. Es ist deshalb für</span><br/> <span class="ft6">die Frage der Einhaltung der Beschwerdefrist auf die konkreten Ver-</span><br/> <span class="ft6">hältnisse abzustellen (vgl. St. Gallische Gerichts- und Verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungspraxis 2001, Nr. 17, S. 59 mit Hinweis). In diesem Zusammen-</span><br/> <span class="ft6">hang macht die Beschwerdeführerin in der Beschwerde geltend, sie</span><br/> <span class="ft6">habe am Freitag, den 8. November 2002 durch Zufall erfahren, dass</span><br/> <span class="ft6">die Einladung zur Offertstellung für die Sanierung der Liegenschaft</span><br/> <span class="ft6">bereits stattgefunden habe und dass am 8. November 2002 die Frist</span><br/> <span class="ft6">zur Einreichung der Offerten abgelaufen sei. Diese Ausführungen</span><br/> <span class="ft6">erscheinen glaubhaft und sind vom Gemeinderat auch nicht in Frage</span><br/> <span class="ft6">gestellt worden. Die vom 11. November 2002 datierende Verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsgerichtsbeschwerde ist innerhalb 10 Tagen nach Kenntnis-</span><br/> <span class="ft6">nahme der Tatsache, dass ein Submissionsverfahren durchgeführt</span><br/> <span class="ft6">wurde, durch die Beschwerdeführerin eingereicht worden. Die Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdefrist ist damit eingehalten.</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/> <span class="ft6">II. 2. a) Die Vergabebehörde hat sich im vorliegenden Fall für</span><br/> <span class="ft6">die Durchführung eines Einladungsverfahrens entschieden und dazu</span><br/> <span class="ft6">drei Unternehmen zur Einreichung eines Angebots eingeladen. Die</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerin wurde nicht eingeladen.</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführerin vertritt den Standpunkt, ihre Nichtbe-</span><br/> <span class="ft6">rücksichtigung für die Teilnahme an der Submission stelle eine klare</span><br/> <span class="ft6">Diskriminierung dar. Bei ihr handle es sich um ein ortsansässiges,</span><br/> <span class="ft6">langjähriges Familienunternehmen im Bereich Elektroinstallationen.</span><br/> <span class="ft6">Der Gemeinderat habe bei den verschiedenen Arbeitsvergaben im</span><br/> <span class="ft6">Rahmen der Sanierung der fraglichen Liegenschaft neben anderen</span><br/> <span class="ft6">Anbietenden alle ortsansässigen Gewerbetreibenden berücksichtigt.</span><br/> <span class="ft6">Nur die Beschwerdeführerin sei bei den elektrischen Installationen</span><br/> <span class="ft6">übergangen worden. Dies sei ein klarer Verstoss gegen den aus</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">243</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Art. 8 BV fliessenden Grundsatz auf rechtsgleiche Behandlung; das</span><br/> <span class="ft6">Vorgehen der Vergabebehörde entbehre jeglicher sachlichen</span><br/> <span class="ft6">Begründung. Das Recht der Beschwerdeführerin auf freien Zugang</span><br/> <span class="ft6">zum Markt werde nicht gewahrt und die Gleichbehandlung der</span><br/> <span class="ft6">Gewerbegenossen nicht gewährleistet. Durch die Nichtberück-</span><br/> <span class="ft6">sichtigung zur Offertstellung werde die in Schafisheim ansässige</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerin klar benachteiligt, und die umliegenden</span><br/> <span class="ft6">Elektroinstallationsbetriebe würden begünstigt. Die Vergabebehörde</span><br/> <span class="ft6">verhalte sich den konkurrierenden Gewerbetreibenden gegenüber</span><br/> <span class="ft6">nicht neutral und verstosse damit gegen Art. 27 Abs. 1 BV.</span><br/> <span class="ft6">b) Beim Einladungsverfahren bzw. bei der freihändigen Vergabe</span><br/> <span class="ft6">mit mehreren Anbietern bestimmt die Auftraggeberin frei, wen sie</span><br/> <span class="ft6">zum Einreichen eines Angebots auffordert (vgl. Peter Galli/Daniel</span><br/> <span class="ft6">Lehmann/Peter Rechsteiner, Das öffentliche Beschaffungswesen in</span><br/> <span class="ft6">der Schweiz, Zürich 1996, Rz. 162). Einen Anspruch auf Teilnahme</span><br/> <span class="ft6">besitzt niemand unter den potentiellen Anbietenden (Entscheid des</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 9. November 2001</span><br/> <span class="ft6">[VB.2001.00116], E. 2c). Ein Anspruch auf Teilnahme an einem</span><br/> <span class="ft6">Einladungsverfahren lässt sich weder aus dem allgemeinen Gleich-</span><br/> <span class="ft6">behandlungsgebot (Art. 8 BV), noch aus der Wirtschaftsfreiheit</span><br/> <span class="ft6">(Art. 27 Abs. 1 BV) noch aus dem Verbot wettbewerbsverzerrender</span><br/> <span class="ft6">Massnahmen, die einzelne direkte Konkurrenten bevorzugen bzw.</span><br/> <span class="ft6">benachteiligen (Art. 94 Abs. 1 und 4 BV) herleiten (vgl. Ulrich</span><br/> <span class="ft6">Häfelin/Walter Haller, Schweizerisches Bundesstaatsrecht,</span><br/> <span class="ft6">5. Auflage, Zürich 2001, Rz. 676 ff.). Auch wenn der Staat durch die</span><br/> <span class="ft6">Wirtschaftsfreiheit objektiv verpflichtet ist, dem Einzelnen möglichst</span><br/> <span class="ft6">optimale Rahmenbedingungen für seine wirtschaftliche Entfaltung</span><br/> <span class="ft6">bereitzustellen, lässt sich daraus kein Anspruch des Einzelnen auf</span><br/> <span class="ft6">den Erhalt eines öffentlichen Auftrags ableiten. Der Grundsatz der</span><br/> <span class="ft6">Gleichbehandlung der direkten Konkurrenten gilt nicht absolut. Beim</span><br/> <span class="ft6">Einladungsverfahren wird immer nur eine sehr beschränkte Zahl der</span><br/> <span class="ft6">vorhandenen potentiellen und für den Auftrag in Frage kommenden</span><br/> <span class="ft6">Anbietenden berücksichtigt. Die Beschränkung der Anzahl der An-</span><br/> <span class="ft6">bieter auf nur wenige ist gerade der Sinn und Zweck dieser Verfah-</span><br/> <span class="ft6">rensart; insofern ist eine "Ungleichbehandlung" unvermeidbar. Das</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsgericht des Kantons Zürich hat es offen gelassen, ob bei</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">244</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">der Auswahl der Einzuladenden dennoch gewisse Einschränkungen</span><br/> <span class="ft6">zu beachten sind, insbesondere zur Vermeidung einer gezielten Dis-</span><br/> <span class="ft6">kriminierung einzelner Anbietender (Entscheid des Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft6">richts des Kantons Zürich vom 10. April 2002 [VB.2001.00256],</span><br/> <span class="ft6">E. 4). Eine solche gezielte Diskriminierung, die gegen die BV und</span><br/> <span class="ft6">das BGBM verstösst, könnte gegebenenfalls darin bestehen, dass die</span><br/> <span class="ft6">Vergabebehörde über einen langen oder zumindest längeren Zeitraum</span><br/> <span class="ft6">hinweg und ohne sachliche Gründe dafür zu haben, konsequent da-</span><br/> <span class="ft6">von absieht, einen bestimmten Anbieter zum Einreichen eines Ange-</span><br/> <span class="ft6">bots einzuladen. Auf Grund der Wahlfreiheit der Vergabebehörde, die</span><br/> <span class="ft6">ihr mit der Möglichkeit des Einladungsverfahrens bewusst zuge-</span><br/> <span class="ft6">billigt wird, darf eine Diskriminierung allerdings nicht leichthin,</span><br/> <span class="ft6">sondern nur unter sehr strengen Voraussetzungen angenommen wer-</span><br/> <span class="ft6">den.</span><br/> <span class="ft6">c) Von einer Diskriminierung kann im vorliegenden Fall entge-</span><br/> <span class="ft6">gen der Auffassung der Beschwerdeführerin jedenfalls keine Rede</span><br/> <span class="ft6">sein. Aus den Ausführungen des Gemeinderats in der Vernehmlas-</span><br/> <span class="ft6">sung geht hervor, dass die Beschwerdeführerin in den letzten drei</span><br/> <span class="ft6">Jahren sieben Mal eingeladen wurde, ein Angebot einzureichen,</span><br/> <span class="ft6">allerdings mit rückläufiger Tendenz. Während im Jahr 2000 noch</span><br/> <span class="ft6">fünf Einladungen erfolgten, waren es in den Jahren 2001 und 2002</span><br/> <span class="ft6">noch je eine. Einen Zuschlag hat sie bei diesen Vergaben nicht er-</span><br/> <span class="ft6">halten, da sich auswärtige Anbieter als preisgünstiger erwiesen und</span><br/> <span class="ft6">jeweils vor der Beschwerdeführerin rangierten. Zunächst ist festzu-</span><br/> <span class="ft6">halten, dass die Beschwerdeführerin allein aus ihrer Ortsansässigkeit</span><br/> <span class="ft6">keinen rechtlichen Anspruch auf eine Auftragserteilung oder auch</span><br/> <span class="ft6">nur auf eine Teilnahme an einem Submissionsverfahren herleiten</span><br/> <span class="ft6">kann. Die Tatsache, dass der Gemeinderat Schafisheim in den letzten</span><br/> <span class="ft6">Jahren, nachdem der Beschwerdeführerin bis Ende 1999 fast sämtli-</span><br/> <span class="ft6">che Arbeiten für das Elektrizitätswerk übertragen worden waren, aus</span><br/> <span class="ft6">finanziellen Überlegungen offensichtlich vermehrt dazu übergegan-</span><br/> <span class="ft6">gen ist, auch auswärtige Unternehmen zur Offertstellung einzuladen</span><br/> <span class="ft6">und so eine Konkurrenzsituation zu schaffen, lässt sich nicht bean-</span><br/> <span class="ft6">standen. Dieses Vorgehen entspricht vielmehr dem heutigen Submis-</span><br/> <span class="ft6">sionsrecht, das generell eine Öffnung des Marktes anstrebt und eine</span><br/> <span class="ft6">protektionistische Begünstigung der einheimischen Anbieter ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">245</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">hindern bzw. beseitigen will. Offensichtlich hat die Tatsache, dass</span><br/> <span class="ft6">Gemeinderat und EW-Kommission bei der Vergabe von Elektroar-</span><br/> <span class="ft6">beiten vermehrt auch auswärtige Unternehmen, die kostengünstiger</span><br/> <span class="ft6">offerierten, berücksichtigten, Ende 2000 zu erheblichen Unstimmig-</span><br/> <span class="ft6">keiten mit der Beschwerdeführerin geführt. Die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">ist indessen auch danach, d.h. im Juni 2001 und im Februar 2002, zur</span><br/> <span class="ft6">Offertstellung aufgefordert worden. Im einen Fall reichte die Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführerin keine Offerte ein, im andern Fall war ihr Angebot</span><br/> <span class="ft6">nicht das preisgünstigste. Die Einwände, welche die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rerin im Zusammenhang mit dieser Vergabe erhebt, ändern nichts an</span><br/> <span class="ft6">der Tatsache, dass sie aufgefordert wurde, ein Angebot einzureichen.</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführerin ihrerseits verweist auf vier Arbeits-</span><br/> <span class="ft6">vergebungen aus den Jahren 2001 und 2002, bei denen sie ebenfalls</span><br/> <span class="ft6">nicht eingeladen worden ist. Auch daraus kann die Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft6">rin noch keine Diskriminierung ableiten. Die Vergabebehörde ist</span><br/> <span class="ft6">nicht verpflichtet, bei jedem Einladungsverfahren, dass sie zur Ver-</span><br/> <span class="ft6">gebung von öffentlichen Arbeiten ausführt, stets auch die ortsansäs-</span><br/> <span class="ft6">sigen Anbietenden miteinzuladen. Das Submissionsverfahren be-</span><br/> <span class="ft6">zweckt die Ermittlung des im konkreten Fall wirtschaftlich</span><br/> <span class="ft6">günstigsten Angebots. Dies gilt auch für das Einladungsverfahren.</span><br/> <span class="ft6">Die Vergabebehörde darf (und muss sogar) bei ihrer Auswahl darauf</span><br/> <span class="ft6">abstellen, von welchen Unternehmen am ehesten ein qualitativ ein-</span><br/> <span class="ft6">wandfreies und auch kostengünstiges Angebot erwartet werden kann.</span><br/> <span class="ft6">Aus dem Umstand, dass der Gemeinderat für die im Zusam-</span><br/> <span class="ft6">menhang mit der Sanierung der fraglichen Liegenschaft zu verge-</span><br/> <span class="ft6">benden übrigen Arbeitsgattungen nebst auswärtigen Unternehmen</span><br/> <span class="ft6">auch verschiedene ortsansässige Anbieter eingeladen hat, lässt sich</span><br/> <span class="ft6">ebenfalls nicht auf eine Diskriminierung der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">schliessen, zumal eher fraglich erscheint, ob tatsächlich alle andern</span><br/> <span class="ft6">einheimischen Unternehmen eine Einladung erhalten haben.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>