2010 1 Veröffentlichung im Amtsbericht. Art. 22 RPG; Art. 6 und Art. 7 NHG/Bund; Art. 2 VISOS; Art. 35 BauG; Art. 7 NHG/SH. Bau von Mobilfunkanlagen in Bauzonen ; Einordnungs- gebot; Ortsbildschutz bei einem Schutzobjekt von na tionaler Bedeutung (OGE 60/2008/48 vom 12. Februar 2010) Mobilfunkanlagen in Bauzonen sind grundsätzlich zo nenkonform; eine Standortsteuerung oder Interessenabwägung innerhalb der Bauzonen ist nur aufgrund von ausdrücklichen, im Kanton Schaffhausen bis anhin fehlenden gesetzlichen Bestimmungen möglich (E. 2b). Aufgrund der allgemeinen Einordnungsvorschrift (Ar t. 35 Abs. 1 BauG) kann in der Regel eine Mobilfunkantenne auch in der Wohnzone nicht ab- gelehnt werden (E. 2c). Der Ortsbildschutz der Gemeinde Thayngen (schützen swertes Ortsbild von nationaler Bedeutung) ergibt sich aus dem ISOS; aus den kantonalen und kommunalen Umsetzungsbestimmungen kann kein weiterg ehender Schutz ab- geleitet werden. Das schützenswerte Ortsbild wird d urch die geplante Mobil- funkanlage nicht beeinträchtigt, zumal keine Schutz ziele tangiert werden; aus diesem Grund ist auch eine Stellungnahme der ENHK o der der KNHK nicht erforderlich (E. 2d). Eine Mobilfunkanbieterin plant die Errichtung eine r Mobilfunkanlage auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses an der Münchb runnenstrasse in Thayngen. Der Gemeinderat Thayngen lehnte eine Baub ewilligung ab. Auf Rekurs der Anbieterin wies der Regierungsrat die Ge meinde an, die Bau- bewilligung unter gewissen Auflagen zu erteilen. Ei ne Verwaltungsgerichts- beschwerde der Gemeinde Thayngen gegen diesen Rekur sentscheid wies das Obergericht ab. Aus den Erwägungen: 2.– a) aa) Der Gemeinderat Thayngen hat die Baubewilligung für die geplante Mobilfunkanlage mit der Begründung verweig ert, das Baugesuch sei zwar grundsätzlich zonenkonform und es bestehe dahe r grundsätzlich ein Rechtsanspruch auf Bewilligungserteilung, wenn die übrigen gesetzlichen Vorschriften, insbesondere die umweltrechtlichen Vo rschriften, eingehalten 2010 2 würden. Im vorliegenden Fall ergebe eine Beurteilun g der örtlichen Ver- hältnisse aber kein positives Ergebnis. Es seien zw ei relativ problemlose an- dere Antennenstandorte in der Gemeinde vorhanden, w elche einen flächen- deckenden Mobilfunkempfang ebenfalls ermöglichen würden. Der Gemeinde- rat sei daher nicht bereit, eine Baubewilligung für den vorgesehenen Standort zu erteilen, nachdem sich insbesondere die Anwohner in diesem Gebiet ge- stört und verunsichert fühlten. bb) Der Regierungsrat hat demgegenüber in seinem Reku rsentscheid festgehalten, die umweltrechtlichen Vorschriften (i nsbesondere die Vor- schriften der NISV 1) seien – nachdem als Auflage noch unabhängige Ab- nahmemessungen vorgesehen würden – bei der geplante n Anlage unbestrit- tenerweise eingehalten. Die Anlage sei sodann nach der Rechtsprechung in einer Wohnzone ohne weiteres zonenkonform. Weder da s kantonale noch das kommunale Recht sehe in Bauzonen eine Pflicht zur E valuation von Alter- nativstandorten oder zur Koordination der Antennens tandorte vor, weshalb die Gemeinde nichts daraus ableiten könne, dass Alt ernativstandorte möglich wären. Zu beachten sei jedoch, dass Thayngen aufgru nd des eidgenössischen Natur- und Heimatschutzrechts ein im ISOS 2 verzeichnetes Ortsbild von na- tionaler Bedeutung bilde, was bei der Bewilligung v on Mobilfunkanlagen zu berücksichtigen sei. Gemäss dem Bericht der kantona len Denkmalpflege vom 17. April 2008 könne eine erhebliche Beeinträchtigu ng des Thaynger Orts- bilds aber ausgeschlossen werden. Der vorgesehene S tandort sei vom sen- siblen Ortskern und den bedeutungsvollen Siedlungsz onen (altes Dorf und bäuerliche Erweiterung) so weit entfernt, dass er diese im engeren Sinne in ih- rer Wirkung nicht beeinträchtigen könne. Bei der Re alisierung der Mobil- funkanlage sei jedoch auf eine geeignete, möglichst zurückhaltende und der Umgebung angepasste Farbgebung zu achten. Der Regie rungsrat hielt fest, aufgrund dieser Beurteilung bestehe – abgesehen von einer Auflage be- treffend die Farbgebung – kein Ermessensspielraum, zumal ähnlich wie bei Telefonmasten, Stromübertragungsleitungen und ähnli chen technischen An- lagen nicht aus Gründen einer besseren Einpassung e ine Höhenbeschränkung verlangt werden könne. Die Baubewilligung könne dah er für die geplante Mobilfunkanlage nicht verweigert werden. b) Wie der Regierungsrat zutreffend dargetan hat, sind Mobilfunk- anlagen in Bauzonen und damit auch in reinen Wohnzo nen ohne weiteres zonenkonform. Sofern die bestehenden bau- und umwel trechtlichen Vor- 1 Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung vom 23. Dezember 1999 (NISV, SR 814.710). 2 Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung. 2010 3 schriften eingehalten sind, besteht somit ein Anspr uch auf Baubewilligung. 3 Eine Interessenabwägung, wie sie bei Bauten und Anl agen ausserhalb der Bauzonen stets erforderlich ist, kann nicht durchge führt werden. Dementspre- chend besteht für die Bauherrschaft keine Pflicht, eine Standortevaluation vorzunehmen oder die geplante Anlage mit andern Ant ennenstandorten zu koordinieren bzw. zusammenzulegen. Entsprechende Au sführungen im Bau- verweigerungsentscheid der Beschwerdeführerin bzw. in der vorliegenden Beschwerdebegründung sind daher unbehelflich; es is t daher auch irrelevant, ob eine Mitbenutzung einer anderen Antennenanlage m öglich wäre oder nicht. Es ist zwar richtig, dass nach der neueren b undesgerichtlichen Recht- sprechung entsprechende Einschränkungen für den Bau von Mobilfunk- anlagen auch in Bauzonen eingeführt werden können, doch bedarf dies einer ausdrücklichen gesetzlichen Grundlage im kantonalen oder kommunalen Recht.4 Nichts anderes lässt sich auch aus der von der Bes chwerdeführerin erwähnten Vollzugshilfe 5 ableiten. Eine ausdrückliche gesetzliche Grundlage für eine Standortsteuerung innerhalb der Bauzonen b esteht bisher aber weder im Recht des Kantons Schaffhausen noch im kommunale n Recht der Ge- meinde Thayngen. Sie soll vielmehr erst mit einer n un vor dem Kantonsrat hängigen Revision des Baugesetzes 6 geschaffen werden. 7 So sollen in reinen Wohnzonen Mobilfunkanlagen nur bewilligungsfähig se in, wenn kein Stand- ort in einer anderen Zone möglich ist. 8 Ferner soll im Baugesetz neu statuiert werden, dass die Gemeinden im Zonenplan Gebiete aus scheiden können, in welchen Mobilfunkanlagen grundsätzlich zulässig bzw . nicht zulässig sind (Positiv- oder Negativplanung) oder nur der Quartie rversorgung dienen dür- fen.9 3 Art. 22 des Bundesgesetzes über die Raumplanung v om 22. Juni 1979 (Raumplanungsgesetz, RPG, SR 700). 4 Vgl. dazu Benjamin Wittwer, Bewilligung von Mobilfunkanlagen, Diss. Zürich, 2. A., Zürich/ Basel/Genf 2008, S. 94 ff., insbesondere S. 96 ff., und S. 107 ff., mit Hinweisen (auch auf den von den Parteien erwähnten BGE 133 II 321 ff., aus dem sich nichts anderes ergibt). 5 Baudepartement des Kantons Schaffhausen (Hrsg.), Vollzugshilfe für Baubewilligungsbehör- den, Das Baubewilligungsverfahren im Kanton Schaffh ausen, Schaffhausen, 14. Mai 2008, Anhang 4, S. 51 ff., insbesondere lit. C und D, S. 52 f. 6 Gesetz über die Raumplanung und das öffentliche B aurecht im Kanton Schaffhausen vom 1. Dezember 1997 (Baugesetz, BauG, SHR 700.100). 7 Bericht und Antrag des Regierungsrates des Kanton s Schaffhausen an den Kantonsrat be- treffend Teilrevision des Gesetzes über die Raumpla nung und das öffentliche Baurecht des Kantons Schaffhausen vom 8. Dezember 2009 (Amtsdruckschrift 09-82). 8 Vorgeschlagener Art. 47a BauG (E-BauG) und dazu d ie Erläuterungen in der erwähnten Vor- lage, S. 8, 22. 9 Art. 10a E-BauG und dazu die Erläuterungen in der erwähnten Vorlage, S. 8, 13 f. 2010 4 c) Von entsprechenden, vorliegend nicht oder noch nich t anwendbaren Rechtsgrundlagen zur planerischen Standortsteuerung bei Mobilfunkanlagen zu unterscheiden sind die erstmals vom Regierungsra t ins Spiel gebrachten Vorschriften zum Natur- und Heimatschutz und zur gestalterischen Ein- ordnung von Bauten und Anlagen (sogenannte Ästhetikvorschriften), auf wel- che sich die Beschwerdeführerin nun im verwaltungsg erichtlichen Beschwer- deverfahren vor allem beruft. Dabei ist zunächst festzuhalten, dass in der frag- lichen Wohnzone W50 der Gemeinde Thayngen grundsätz lich keine besonde- ren Ästhetikvorschriften bestehen. Es gilt vielmehr grundsätzlich die all- gemeine Vorschrift von Art. 35 Abs. 1 BauG, wonach Bauten und Anlagen für sich und in ihrem Zusammenhang mit der bauliche n und landschaftlichen Umgebung so zu gestalten und zu unterhalten sind, d ass eine gute Gesamt- wirkung erreicht wird. Die von der Beschwerdeführer in angeführten besonde- re Gestaltungsvorschriften der Art. 11, 12 und 14 B NO 10 gelten – wie die Be- schwerdeführerin selber anerkennt – grundsätzlich n ur für die Kernzonen. 11 Wohl können auch in übrigen Bauzonen Auflagen zur G estaltung gemacht werden 12 , doch bedürfen diese einer besonderen Begründung u nd können nicht dazu dienen, zonen- und baurechtskonforme tec hnische Anlagen aus- zuschliessen, deren Gestaltung weitgehend durch der en technische Funktion bestimmt ist. So kann die allgemeine Ästhetikklause l bei Mobilfunkanlagen nur in Ausnahmefällen (z.B. sehr hoher Antennenmast in einer Wohnzone) zu einer Bauverweigerung führen. 13 Ein solcher Fall liegt hier aber nicht vor, zumal der vorgesehene Standort sich auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses befindet und dieses um lediglich 1,36 Meter überrag t. Der schlanke Metall- stab fällt gemäss der nicht ausdrücklich bestritten en Feststellung der Vor- instanz optisch nur wenig ins Gewicht; der umstritt ene Baukörper ist daher – wie der Regierungsrat zutreffend ausgeführt hat – a ufgrund seines im Ver- gleich mit Wohnhäusern gänzlich anderen Erscheinung sbildes und mit seiner erkennbaren Bestimmung zu einem technischen Zweck n icht geeignet, das Quartier ästhetisch unzulässig zu beeinträchtigen. Aus den ebenfalls angerufe- nen Gestaltungsvorschriften gemäss Art. 83 ff. BNO kann nichts anderes ab- geleitet werden, zumal sie lediglich die allgemeine n Einordnungsvorschriften konkretisieren 14 bzw. auf den nachfolgend behandelten Ortsbildschut z hin- weisen.15 10 Bau- und Nutzungsordnung der Einwohnergemeinde Th ayngen vom 6. April 2006 (BNO). 11 Vgl. Gliederungstitel vor Art. 11 BNO. 12 Art. 32 i.V.m. Art. 30 Abs. 1 BNO. 13 Vgl. dazu auch Wittwer, S. 95 f. mit Hinweisen. 14 Art. 83 BNO zu den Dächern. 15 Art. 84 BNO zu den Antennen. 2010 5 d) aa) Richtig ist, dass die Vereinbarkeit der geplanten A nlage mit dem Ortsbildschutz besonders geprüft werden muss. Dies ergibt sich sc hon aus der besonderen Einordnungsvorschrift von Art. 35 Abs. 2 BauG, wonach im Be- reich empfindlicher Ortsbilder besondere Sorgfalt g eboten ist. 16 Es ist un- bestritten, dass die Gemeinde Thayngen aufgrund des ISOS als schützens- wertes Ortsbild von nationaler Bedeutung gilt. In der vom Eidgenössischen Departement des Innern gestützt auf Art. 2 VISOS 17 herausgegebenen Publi- kation "Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz, Ortsbilder von nationaler Bedeutung, Kanton Schaffhausen" (ISOS-SH ), Bern 1986, wird das Ortsbild wie folgt bewertet: Drittgrösster Industrieort des Kantons, im Verlauf der letzten hundert Jahre aus einem grossen Wein- und Ackerbauerndorf mit histori scher Bedeutung als Umschlagplatz nahe der Grenze entstanden. Gewisse Lagequalität durch die landschaftlich reizv olle Situierung des alten Kirchdorfes auf einer Hangterrasse unterhalb eines sanften, rebenbewachsenen Hügelzugs. Teilweise kleinstädtische Silhouettenwir kung dank kompakter Be- bauung entlang der Hangkante. Besondere räumliche Qualitäten wegen der zahlreichen geschlossenen und aus- serordentlich intakten Gassenräume, insbesondere in den ehemals bäuerlichen Ortsbildteilen; prachtvoller Dorfplatz. Das eigentliche Ortsschutzgebiet beschränkt sich a uf die Ortsteile "Altes Dorf", "Dorfkern um Kirchplatz", "Bäuerliche Erweit erung", "Mühlebezirk", "Bebauung entlang Dorfstrasse" und "Wohnquartier 'I m Gatter'", wozu die fragliche Wohnzone W50 nicht gehört. Gemäss den Hin weisen zu den wich- tigsten Ortsbildteilen sind von den Umgebungen vor allem der "Kirchhang" (Umgebungszone I) und die "freien Innenräume" (Umge bungszone II) für das Ortsbild von entscheidender Bedeutung, da sie den B lick auf die alten Sied- lungsräume freigeben und ein einfaches Ablesen der Siedlungsstruktur er- lauben. Als charakteristischer Hintergrund eines eh emaligen Weinbauern- dorfes sei zudem der Rebberg (Objekt 0.0.23) unbedi ngt schützenswert. Wäh- rend die unverbaute Ebene (Umgebungs-Richtung IV) dem Dorf zumindest in der Ansicht von Osten und Süden her einen ländliche n Charakter sichere, ver- liehen die übrigen, meist dicht überbauten Umgebung en mit ihren grossen Fabrikanlagen und ihren ausgedehnten neuen Wohnquar tieren Thayngen das Bild eines modernen Industrieorts. 18 Für die Umgebung des geplanten Anten- 16 Vgl. überdies auch den erwähnten Art. 84 BNO. 17 Verordnung über das Bundesinventar der schützensw erten Ortsbilder der Schweiz vom 9. September 1981 (VISOS, SR 451.12). 18 Vgl. ISOS-SH, S. 241 ff., insbesondere Grund-Plan der Gemeinde Thayngen, Liste der in- ventarisierten Ortsbildteile (L-Blatt), Bewertung d es Ortsbildes im regionalen Vergleich und "Die wichtigsten Ortsbildteile". 2010 6 nenstandorts an der Münchbrunnenstrasse bestehen ke ine ISOS-Schutzziele; insbesondere wird nirgends festgehalten, dass der A nblick des Dorfes im Be- reich des Antennenstandorts besonders wichtig oder attraktiv sei, und dies wird von der Beschwerdeführerin auch nicht behauptet. bb) Da die Bewilligung von Mobilfunkanlagen nach der ne ueren Recht- sprechung des Bundesgerichts die Erfüllung einer Bu ndesaufgabe bildet, sind die bundesrechtlichen Schutzgrundlagen im vorliegenden Fall unmittelbar an- wendbar und definieren den Schutzmassstab für das e ntsprechende Ortsbild, worauf der Regierungsrat im angefochtenen Rekursent scheid zu Recht hin- gewiesen hat. 19 Selbst wenn zusätzlich kantonale und kommunale Vor - schriften angewandt werden könnten bzw. müssten, wü rde sich aber für den Standpunkt der Beschwerdeführerin nichts ableiten l assen, zumal diese Vor- schriften 20 nicht strenger oder präziser sind als die bundesre chtlichen. Dies gilt insbesondere für Art. 55 BNO, welcher lediglic h festhält, die Kernzone von Thayngen sowie die Ortsbildschutzzone von Barzh eim, nicht also die vorliegende, von diesem Gebiet deutlich abgesetzte Wohnzone W50, würden als Ensemble-Schutzzonen i.S.v. Art. 7 NHG/SH 21 gelten, in welchen Bauten und deren Umgebung besonders sorgfältig zu gestalte n sind und bei Bau- gesuchen Stellungnahmen der kantonalen Denkmalpfleg e einzuholen sind. Damit wird offensichtlich lediglich der für den kan tonalen Aufgabenbereich nicht unmittelbar anwendbare ISOS-Schutz auch für d ie kantonale Aufgaben- erfüllung umgesetzt, ohne dass Grad und Ausmass des Schutzes (bestehende Schutzziele; Schutzobjekt von nationaler, regionale r oder lokaler Bedeutung) ausdrücklich präzisiert werden. 22 Mangels anderer Hinweise in den mass- gebenden Rechtstexten ist daher im Sinne des Gesamt zusammenhangs der eidgenössischen und kantonalen Vorschriften zum Ort sbildschutz davon aus- zugehen, dass durch die erwähnten kantonalen und ko mmunalen Vorschriften der vorgesehene Bundesschutz auch für den kantonale n Aufgabenbereich massgebend sein soll. Jedenfalls bestehen keine Hin weise, dass für den kan- tonalen Aufgabenbereich ein strengerer Schutz als f ür die Erfüllung von Bun- 19 Vgl. dazu das Bundesgesetz über den Natur- und He imatschutz vom 1. Juli 1966 (NHG/ Bund, SR 451), insbesondere Art. 2 ff., und für die Bewilligung von Mobilfunkanlagen Witt- wer, S. 124 ff., insbesondere S. 132 f. mit Hinweis auf BGE 131 II 545 ff. (Bronschhofen). 20 Vgl. insbesondere Art. 35 Abs. 2 BauG sowie Art. 55 und Art. 84 BNO. 21 Gesetz über den Natur- und Heimatschutz im Kanton Schaffhausen vom 12. Februar 1968 (NHG/SH, SHR 451.100). 22 Vgl. zur erforderlichen Umsetzung des ISOS in den Kantonen Rausch/Marti/Griffel, Umwelt- recht, Zürich/Basel/Genf 2004, Rz. 656, S. 188, Rz. 569 f., S. 190, und Arnold Marti, Bun- desinventare – eigenständige Schutz- und Planungsin strumente des Natur- und Heimatschutz- rechts, URP 2005, S. 619 ff., insbesondere S. 634 ff. 2010 7 desaufgaben erreicht werden sollte, und es wird sol ches auch von der Be- schwerdeführerin nicht dargetan oder auch nur behauptet.23 cc) Als Schutzmassstab gilt somit insbesondere im vorli egenden Fall der unmittelbaren Anwendbarkeit des eidgenössischen Nat ur- und Heimatschutz- gesetzes jedenfalls Art. 6 NHG/Bund, wonach die Auf nahme eines Objekts von nationaler Bedeutung in ein Inventar des Bundes dartut, dass es in be- sonderem Masse die ungeschmälerte Erhaltung, jedenf alls aber unter Ein- bezug von Wiederherstellungs- oder angemessener Ers atzmassnahmen die grösstmögliche Schonung verdient. 24 Eine Abweichung von der ungeschmä- lerten Erhaltung im Sinne der Inventare bzw. der In ventarzielsetzungen darf nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn ihr besti mmte gleich- oder hö- herwertige Interessen von ebenfalls nationaler Bede utung entgegenstehen. 25 Soweit bezüglich eines Schutzobjekts ein Schutzziel tangiert wird und es sich nicht nur um einen geringfügigen Eingriff handelt, liegt eine Abweichung von der ungeschmälerten Erhaltung des Objekts vor, welc he nur unter den be- sonderen Voraussetzungen des Art. 6 Abs. 2 NHG/Bund zulässig ist; auch ein geringfügiger Eingriff ist sodann nur zulässig, wen n hiefür ein überwiegendes Interesse geltend gemacht werden kann. 26 Überdies besteht bei Gefahr einer erheblichen Beeinträchtigung eines ISOS-Objekts ein e Pflicht zur Begut- achtung durch die zuständige eidgenössische Fachkom mission (Eidgenössi- sche Natur- und Heimatschutzkommission [ENHK] bzw. Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege [EKD]), wobei bei kant onaler Bewilligungs- zuständigkeit die zuständige Baubewilligungsbehörde auf Antrag der kanto- nalen Fachstelle erstinstanzlich über die Begutachtungspflicht entscheidet.27 dd) Im vorliegenden Fall ist der Regierungsrat gestützt auf eine Beurtei- lung durch die kantonale Denkmalpflege zum Schluss gelangt, dass keine er- hebliche Beeinträchtigung des Ortsbilds von Thaynge n zu befürchten ist, weshalb er auf den von der Beschwerdeführerin im vo rliegenden Verfahren beantragten Beizug der Kantonalen Natur- und Heimat schutzkommission (KNHK) und der ENHK verzichtet hat. Dies ist unter der erwähnten Voraus- setzung (keine Gefahr einer erheblichen Beeinträcht igung) zulässig und rich- tig, zumal aufgrund der erwähnten Regelung 28 die zuständige Baubewilli- gungsbehörde über die Pflicht zur Begutachtung durc h die ENHK oder die 23 Vgl. zur ähnlichen Rechtslage für die ISOS-Schutz gebiete der Stadt Schaffhausen auch OGE 60/2004/12 vom 29. April 2005, E. 3b, Amtsbericht 2005, S. 91. 24 Art. 6 Abs. 1 NHG/Bund. 25 Art. 6 Abs. 2 NHG/Bund. 26 Vgl. Rausch/Marti/Griffel, Rz. 552 ff., insbesondere Rz. 554, S. 183 ff. 27 Art. 7 NHG/Bund; vgl. dazu auch Rausch/Marti/Griffel, Rz. 553, S. 183. 28 Art. 7 Abs. 1 NHG/Bund. 2010 8 EKD aufgrund eines Antrages der kantonalen Fachstel le, welche im Bereich des Ortsbildschutzes unbestrittenerweise die kanton ale Denkmalpflege als Teil des Planungs- und Naturschutzamts ist 29 , entscheidet, und eine Begut- achtung nur bei Gefahr einer "erheblichen Beeinträc htigung" des Schutz- objekts erforderlich ist. 30 Unter diesen Umständen aber besteht auch keine Pflicht zum Beizug der KNHK, zumal diese primär – a nstelle der ENHK – bei Schutzobjekten, welche lediglich in kantonalen Inventaren aufgeführt sind, beizuziehen ist 31 und dadurch wohl nicht der mit der Revision von Art. 7 NHG/Bund angestrebte Rationalisierungseffekt bei Sc hutzobjekten von natio- naler Bedeutung wieder beseitigt werden soll. 32 Die Beschwerdeführerin rügt in diesem Zusammenhang zwar, dass sie zur Fachbeurt eilung der kantonalen Denkmalpflege im vorinstanzlichen Verfahren nicht h abe Stellung nehmen können, doch ist der erwähnte Bericht der Beschwerdeführerin umgehend und mehrere Monate vor der Ausfällung des Rekursentsche ids zugestellt worden, weshalb die Beschwerdeführerin genügend Zeit gehabt hätte, sich zu Handen der Rekursinstanz zu äussern, wenn sie dies für notwendig befunden hätte.33 ee) Im Übrigen tut die Beschwerdeführerin auch in der v orliegenden Be- schwerdebegründung nicht dar, inwiefern die im Lich te der bestehenden Schutzziele überzeugend begründete Fachstellungnahm e der kantonalen Denkmalpflege nicht zutreffen soll, wonach mit der Errichtung der geplanten Anlage keine bzw. keine erhebliche Beeinträchtigung des schutzwürdigen Ortsbildes von Thayngen verbunden ist. Vermag die g eplante Mobilfunk- anlage gemäss der erwähnten Fachbeurteilung den sen siblen Ortskern und die bedeutungsvollen Siedlungszonen (altes Dorf und bäu erliche Erweiterung) aufgrund der grossen Distanz nicht zu beeinträchtig en und bestehen für die fragliche Umgebung keine ISOS-Schutzziele, so kann eine Beeinträchtigung des schutzwürdigen Ortsbildes von Thayngen ohne wei tere Abklärungen aus- geschlossen werden. Wie bereits erwähnt, ist insbes ondere auch der Dorf- anblick im Bereich des Antennenstandorts nicht beso nders wichtig oder at- traktiv, was allenfalls Einschränkungen für technis che Anlagen zur Folge ha- ben könnte. 34 Die Auflage betreffend Farbgebung muss unter diese n Um- 29 Vgl. dazu § 3 Abs. 2 lit. d der Verordnung über d ie Organisation der kantonalen Verwaltung vom 6. Mai 1986 (Organisationsverordnung, SHR 172.101). 30 Insoweit ist dieses Kriterium entgegen der in der Beschwerdebegründung geäusserten Auf- fassung richtig und gesetzlich vorgesehen. 31 Vgl. Art. 14 Abs. 2 lit. a NHG/SH. 32 Vgl. dazu die Hinweise bei Rausch/Marti/Griffel, Rz. 553, S. 183. 33 Vgl. zur Zulässigkeit dieses Vorgehens bzw. der A nnahme eines Verzichts auf eine weitere Stellungnahme BGE 133 I 98 ff. 34 Vgl. dazu oben E. 2d aa; anders war die Situation im Fall des Bundesgerichtsurteils Nr. 1P.235/2005 vom 7. September 2005, publiziert i n ZBl 2006, S. 555 ff. mit Anmerkun- 2010 9 ständen genügen. Der gemäss Art. 6 NHG/Bund bestehe nde Schutz für das Ortsbild von Thayngen (Pflicht zu ungeschmälerter E rhaltung, soweit nicht gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler Bedeutung ent- gegenstehen) wird damit durch die geplante Anlage o ffensichtlich nicht ver- letzt. e) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die geplante Mobilfunkanlage zonenkonform ist und weder bau-, noch umweltrechtli che Vorschriften ver- letzt. Insbesondere wird auch der sich im vorliegen den Fall aus dem Bundes- recht ergebende Schutz des Ortsbilds von Thayngen n icht beeinträchtigt. Un- ter diesen Umständen aber hätte der Gemeinderat Tha yngen die nachgefragte Baubewilligung nicht verweigern dürfen; insbesonder e stand ihm kein Er- messensspielraum hinsichtlich der Bewilligungserteilung zu. Der Regierungs- rat hat daher weder Recht verletzt noch sein Ermess en überschritten, indem er die Beschwerdeführerin angewiesen hat, die Baubewil ligung mit gewissen Auflagen zu erteilen; vielmehr hat er damit zu Rech t dem Anspruch der Bau- gesuchstellerin auf Bewilligungserteilung zum Durch bruch verholfen. Die vorliegende Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist daher abzuweisen. gen (besonders attraktive Stadtansicht Mellingen würde durch die geplanten, zu grossen land- wirtschaftlichen Silobauten gestört).