Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Mai 2018 (720 17 334 / 117) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Prüfung der Frage, ob beim Versicherten, der seit mehr als 15 Jahren eine ganze Invali- denrente bezieht, vor einer Renteneinstellung Eingliederungsmassnahmen durchzufüh- ren sind Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Cristina Schiavi , Rechtsanwältin, goldbach law, Gustav-Siber Weg 4, Postfach 645, 8700 Küsnacht ZH gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1967 geborene A.____ bezog seit dem 1. Mai 1 998 eine ganze Rente der Eidge- nössischen Invalidenversicherung (IV). Im Rahmen einer Überprüfung der Rente im Jahre 2003 wurde dem Beschwerdeführer am 27. Februar 2003 mitg eteilt, dass er weiterhin Anspruch auf die IV-Rente im bisherigen Umfang habe. Eine weiter e Revision erfolgte im Jahre 2008. Ge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht stützt auf ein Gutachten des Zentrums für medizinische Beg utachtung (ZMB) vom 9. Dezember 2008 wurde A.____ am 11. Mai 2009 mitgeteilt, dass die bisherige Rente unverändert bleibe. Im März 2016 wurde A.____ im Rahmen einer im Mai 201 5 eingeleiteten weiteren Revision durch Dr. B.____ neurologisch und durch Dr. C.____ psych iatrisch begutachtet. In der Folge wurde die Rente nach durchgeführtem Einwandverfahren mit Verfügung vom 11. September 2017 gestützt auf einen IV-Grad von 22 % aufgehoben. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwältin Cristina Schiavi, mit Schreiben vom 3. Oktober 2017 Beschwerde beim Kanto nsgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beant ragte er, es sei ihm eine unverän- derte IV-Rente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades vo n 80 % zu gewähren; unter o/e- Kostenfolge. C. Mit Vernehmlassung vom 24. Januar 2018 beantragte d ie IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die IV -Stelle in der angefochtenen Verfü- gung vom 11. September 2017 gestützt auf den Sachverhalt, wie er sich damals präsentiert hat, die dem Beschwerdeführer ab 1. Mai 1998 zugesprochene g anze Rente zu Recht per 1. Juli 2016 aufgehoben hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltend e somatoforme Schmerzstö- rung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden (vg l. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur (U rteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_841/2016 und 8C_130/2017, bei de zur Publikation vorgesehen), sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisiert e Indikatoren beachtlich, die – unter Be- rücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfakto ren einerseits und Kompensati- onspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, da s tatsächlich erreichbare Leistungsver- mögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4-3.6 und 4.1). Gemäss altem Verfahrens- standard (z.B. BGE 130 V 352) eingeholte Gutachten ver lieren nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8). 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweis- würdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Forme n medizinischer Berichte und Gutach- ten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen ( vgl. die ausführlichen Zusammenstellun- gen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b un d in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Ver waltungsverfahrens eingeholten Gut- achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Di ese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsve rfahren sinngemäss Anwendung (Ur- teil des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99 , E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfa hrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche V ertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potenti- ellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht verg essen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen läng eren Zeitraum abdeckende und umfas- sende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft we rtvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Beha ndlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini- schen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil d es EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum An- lass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandel nden Ärzte zu anderslautenden Ein- schätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich e ine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rei n subjektiver ärztlicher Interpretation ent- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht springende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begut achtung unerkannt oder ungewür- digt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinwei- sen). 4. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle die d em Versicherten seit 1. Mai 1998 ausge- richtete ganze Invalidenrente zu Recht per Ende Juni 2016 aufgehoben hat. 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 4.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu e iner materiellen Revision. Bloss auf ei- ner anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhe bliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugr enzen. Eine ärztliche Schlussfol- gerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (Urte il des Bundesgerichts vom 29. Au- gust 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen S achverhalts in Revisionsfällen im Sinne des Art. 17 ATSG ist überdies Folgendes zu bea chten: Da die Feststellung einer revi- sionsbegründenden Veränderung durch eine Gegenüberste llung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes erfolgt, bildet Gegenstand des Bewe ises das Vorhandensein einer ent- scheidungserheblichen Differenz in den - den medizinische n Gutachten zu entnehmenden - Tatsachen. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstel lten Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisth ema - erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts - bezieht. Einer für sich allein betrach tet vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Ren- tenberechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 23 2 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effek- tive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden ha t. Vorbehalten bleiben Sachla- gen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben (Ur- teile des Schweizerischen Bundesgerichts vom 29. August 201 1, 9C_418/2010, E. 4.2, und A. vom 26. März 2015, 9C_710/2014, E. 2). 4.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Vorliegend wurde die seit Mai 1998 ausgerichtete ganze IV-Rente des Versicherten letzt mals im Jahre 2009 revisionsweise vertieft überprüft und mit Mitteilung vom 11. Mai 20 09 im bisherigen Umfang bestätigt. Im Rah- men des neuerlichen Rentenrevisionsverfahrens hat die IV-Stelle eine weitere Überprüfung des Rentenanspruchs der Versicherten eingeleitet und die e rforderlichen Abklärungen vorgenom- men. Gestützt auf die Abklärungsergebnisse hob die IV-S telle die laufende ganze Invalidenren- te der Versicherten mit Verfügung vom 11. September 20 17, nach durchgeführtem Vorbe- scheidverfahren, aufgrund eines ermittelten Invaliditätsgrades von 22 % auf. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Erlass der vorliegend ange- fochtenen Verfügung vom 11. September 2017 allenfalls eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise A ufhebung der bis anhin ausgerichteten Rente rechtfertigt, bildet demnach die Situation, wie sie im Zeitpunkt der Mitteilung vom 11. Mai 2009, als die Rente letztmals revisionsweise überprüft wo rden war, bestand; denn laut Art. 74 ter lit. f der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 bedarf es keiner Verfügung, wenn die Invalidenrente nach einer von Am tes wegen durchgeführten Revision wei- ter ausgerichtet wird, sofern keine leistungsbeeinflussend e Änderung der Verhältnisse festge- stellt wird, was hier der Fall war. Eine solche Mittei lung ist, wenn keine Verfügung verlangt wor- den ist (Art. 74 quater IVV), in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer rechtskr äftigen Verfügung gleichzustellen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2010, 8C_1005/2009, E. 3.2 mit Hinweis). 5. Zur Beurteilung der vorliegenden Streitsache liege n im Wesentlichen folgende medizi- nischen Unterlagen vor: 5.1 Im Zeitpunkt der Rentenzusprache im Oktober 2001: Im Gutachten des ZMB vom 12. September 2000 wurden fol gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt: - anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit dissoziative n Anteilen - Status nach Unfall mit leichtem Schädelhirntrauma und kurzer anterograder Amnesie am 13.05.1997 - persistierende chronische posttraumatische Kopfschmerze n vom Spannungstyp mit Übergang zu analgetika-induziertem Kopfweh - fragliche leichte posttraumatische Hirnfunktionsstörung - chronische panvertebrale Schmerzen ohne radikuläre Irritations- oder Läsionszeichen - Periathropie des Schultergelenks links Die damaligen ZMB-Gutachter gingen bei der Beurteilu ng der Arbeitsfähigkeit davon aus, dass der psychiatrische Befund massgebend sei. Das Beschwerdebild werde von einer psychogenen Unfallfehlverarbeitung im Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung mit dissozia- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tiven Anteilen dominiert. Die Gutachter gelangten zum Ergebnis, dass für jegliche Tätigkeit un- ter den Bedingungen der freien Marktwirtschaft eine Arbeitsfähigkeit von 30 % festzulegen sei. 5.2 Im Zeitpunkt der Rentenrevision im Jahre 2008: 5.2.1 Das am 9. Dezember 2008 erstattete Gutachten des Z MB führte folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auf: - multisomatoforme Störung - mit im Vordergrund stehendem Schmerzleiden im Si nne der anhaltenden somato- formen Schmerzstörung - rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht- bis mittelgradige Phasen mit - anamnestischen Hyperventilationsattacken - paranoider Färbung Die Gutachter kamen zum Schluss, dass der Versicherte aus som atischer Sicht in seiner Ar- beitsfähigkeit nicht eingeschränkt sei. In psychiatrischer Hin sicht sei im Sinne einer Akzentver- schiebung gegenüber früheren psychiatrischen Beurteilungen eine leichte bis mittelgradige de- pressive Episode zu diagnostizieren, welche paranoid gefär bt erscheine. Daneben bestehe die bekannte chronifizierte und interseelisch fixierte anha ltende somatoforme Schmerzstörung. Symptomatisch zeige der Versicherte ein apathisch depressiv es Zustandsbild, erscheine lei- dend, klage über multiple Beschwerden, so dass nicht nur eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, sondern gar eine multi somatoforme Schm erzstörung zu diagnostizieren sei. Der Versicherte sei psychiatrisch nicht behandelt. Die früh er durchgeführte Therapie im Sinne einer Schmerzgruppe sei seit langem beendet. Insgesamt gestalte sich die Symptomvalidierung im Sinne der Konsistenzprüfung schwierig. Konsensmässig sei en die Gutachter deshalb zum Schluss gekommen, dass die Belastbarkeit des Versicherten ni cht schlüssig zu beurteilen sei. Es werde daher empfohlen, diese im Rahmen einer BEFAS-Abklärung genauer zu evaluieren. 5.2.2 Mit Ergänzungsbericht vom 13. März 2009 hielt d as ZMB fest, im psychiatrischen Teil- gutachten sei die Arbeitsfähigkeit des Versicherten aus psychiatrischer Sicht beurteilt worden. Der Versicherte erscheine in seiner Arbeitsfähigkeit erh eblich eingeschränkt bzw. es sei die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Last wagenchauffeur nicht mehr gegeben. Konsensmässig sei man zum Schluss gekommen, dass die Belastba rkeit des Versicherten in einer adaptierten Tätigkeit nicht habe schlüssig beurte ilt werden können. Deshalb sei eine BEFAS-Abklärung empfohlen worden. 5.2.3 Gemäss Bericht vom 29. April 2009 schloss der RAD-Ar zt Dr. med. D.____, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie, aus dem Ergänzungsbericht de s ZMB, dass der Versicherte auch in einer Verweistätigkeit weitgehend arbeitsunfähig sei. Er empfehle, der Versicherte sei aufzu- fordern, eine regelmässige psychiatrisch-psychotherapeutisch e Behandlung anzugehen. Mit Schreiben vom 8. Mai 2009 wurde der Beschwerdeführer a ufgefordert, sich einer solchen re- gelmässigen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung zu u nterziehen inklusive einer Therapie mit einem Antidepressivum. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens, welch es im Mai 2015 eingeleitet wurde, gingen im Wesentlichen die nachfolgenden medizinischen Berichte ein: 5.3.1 Dr. med. B.____, FMH Neurologie, hielt in sei nem Gutachten vom 22. März 2016 fol- gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: - Leichtes, linksbetontes, unteres Cervicalsyndrom - leicht ausgeprägte, schmerzhafte Funktionsstörung de r unteren HWS - leicht schmerzhaft verspannte Schultergürtelmuskula tur links - keine radikulären Reiz- oder Ausfallerscheinungen - Leichtes, linksbetontes Thoracovertebralsyndrom - Leichtes, linksbetontes Lumbovertebralsyndrom - keine Funktioseinschränkung - keine radikulären Reiz- oder Ausfallerscheinungen In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führt Dr. B.____ a us, dem Beschwerdeführer seien aufgrund der Rückenbeschwerden keine körperlich schweren Tätigkeiten mehr zumutbar. Ebenfalls nicht zumutbar seien repetitive Tätigkeiten über Schulter-Gürtelhöhe, im Kauern, Bücken oder Knien, Tätigkeiten unter Zug- und Stossbelastungen sowie mit längeren Zwangshaltungen der Wirbel- säule. Zur Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf hält Dr. B.____ fest, der Beschwerdeführer habe keinen Beruf erlernt. Er sei längere Zeit in der Landwirtschaft tätig gewesen, dann als Ma- schinist mit Baumaschinen, dann als Chauffeur. Eine Täti gkeit in der Landwirtschaft sei ihm nicht mehr zumutbar. Eine Tätigkeit als Maschinist und Ch auffeur nur noch, wenn er nach höchstens einer Stunde sitzen eine Pause einlegen könne und anlässlich dieser Tätigkeiten keine körperlich schweren oder auch keine körperlich repetitiv mittelschweren Tätigkeiten ausü- ben müsse. Zur Zumutbarkeit von anderen Tätigkeiten füh rt Dr. B.____ aus, körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten ohne repe titive Tätigkeiten über Schulter- Gürtelhöhe, im Kauern, Bücken oder Knien, ohne Tätig keiten unter Zug- und Stossbelastungen wechselnd im Sitzen und Gehen seien zumutbar, dabei h öchstens eine Stunde am Stück im Sitzen, danach müsse eine Pause eingelegt werden können. Solche Tätigkeiten seien in vollem Pensum zumutbar. Das Rendement für eine solche Tätigkeit sei durch deutlich vermehrt not- wendige Pausen eingeschränkt und könne auf 80 % eingeschätzt werden. 5.3.2 Dr. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, fü hrt in seinem Gutachten vom 25. April 2016 aus, es bestehe keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagno- sen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erwähnt Dr. C.____ einen Verdacht auf chroni- sche Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Anteilen (F45.41), einen Verdacht auf Hyperventilationssyndrom (F45.33) sowie akzentuierte (äng stliche) Persönlichkeitszüge (Z73.1). In seiner Beurteilung hält Dr. C.____ zunächst fest, dass der Beschwerdeführer im Jah- re 2009 die psychiatrische Behandlung bei Dr. G.____, F MH Psychiatrie und Psychotherapie, aufgenommen habe. Dies aufgrund der Aufforderung der IV-Stelle. Gemäss Bericht von Dr. G.____ vom 3. März 2010 habe der Beschwerdeführer wege n zu starker Schmerzen manche Konsultationen kurzfristig abgesagt. Gemäss einem weitere n Bericht von Dr. G.____ vom 19. Mai 2015 habe die letzte Konsultation bei ihm vor mindestens 1 ½ Jahren, also etwa Ende 2013 stattgefunden. Seither sei keine psychiatrische Beha ndlung mehr aufgenommen worden. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vor diesem Hintergrund könne kein erheblicher anamnesti scher Leidensdruck angenommen werden. Der Beschwerdeführer klage zwar über erhebliche Schmerzen, könne die anfallenden Alltagsarbeiten aber offenbar problemlos bewältigen. Die psychosoziale Funktionsfähigkeit in der Beziehung zu seinen drei Kindern, zu seinen drei B rüdern und seinen beiden Freunden könne als weitgehend intakt beurteilt werden. In der Beziehung zu seiner Ehefrau solle es oft zu Streitigkeiten kommen; der Beschwerdeführer habe aber diesbezüglich keine präziseren zeitli- chen Angaben machen können. Unter Berücksichtigung sowohl der anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers als auch der während der aktuellen Untersuchung erhobenen Befunde lasse sich eine Depression nicht objektivieren. Im Vergleich zu den Befunden des psychiatrischen Teilguta chtens der ZMB-Gutachter im Jahre 2008 sei es bis heute zu einer deutlichen Verbesserung i nsofern gekommen, als dass der Ver- sicherte während der aktuellen Untersuchung nicht mehr bedrückt und nicht mehr leer wirke, es lasse sich auch keine deutlich eingeschränkte Vitalität festst ellen. Darüber hinaus würden sich auch kein deutlicher Leidensdruck und keine bedrückte af fektive Stimmungslage mehr erken- nen lassen. Der Versicherte zeige während der aktuellen Untersuchung kein apathisch- resignatives Verhalten mehr, er wirke auch nicht mehr in sich zusammengesunken und bewege sich auch nicht mehr mit langsamen Schritten vorwärts. Es liege keine schwerwiegende Komorbidität weder psychisch noch physischer Natur vor. Der Beschwerdeführer nehme seit Ende 2013 auch keine p sychiatrische oder psychotherapeu- tische Behandlung mehr in Anspruch. Eine medikamentöse antidepressive Behandlung mit Cymbalta sei vor vier Wochen gestoppt worden. Alle dies e Faktoren würden dafür sprechen, dass es zu einer Verbesserung der depressiven Beschwerden gekommen sei und dass auch kein erheblicher Leidensdruck mehr vorliege. Aus rein psychi atrischer Sicht liege keine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit oder Verminderung der Leistungsfähigkeit vor. Diese Einschät- zung gelte ab dem Untersuchungsdatum. 5.3.3 In der Konsensbesprechung gelangen die Gutachter Dr. B.____ und Dr. C.____ zum Schluss, dass mangels einer psychiatrischen Einschränkung die neurologische Einschränkung von 20 % des Rendements als interdisziplinär massgebend anzusehen sei. 5.3.4 Dr. med. E.____, FMH Urologie, hält in seinem Bericht vom 2. Juni 2016 fest, dass in der bisherigen Tätigkeit keine Einschränkungen bestehen würden. 5.3.5 Mit Ergänzungsbericht vom 11. März 2017 nimmt Dr. C.____ zu den Einwänden im Vorbescheidverfahren Stellung. Er hält fest, dass er i m Gutachten eine unübersehbare deutli- che Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes festgestell t habe, so habe er keine Depression mehr diagnostiziert, im speziellen keine leicht- bis mittelgradige Depression. Bezüg- lich der Schmerzstörung müsse festgehalten werden, dass er in seinem Gutachten nicht mehr, wie das ZMB im Jahre 2008, die Försterkriterien themati siert habe, sondern die Überwindbar- keit mittels Prüfung der Standardindikatoren durchgefü hrt habe. Unter Berücksichtigung dieser Kriterien habe die Diagnose einer chronischen Schmerzst örung mit körperlichen und psychi- schen Anteilen nicht mehr mit Sicherheit diagnostiziert werden können. All dies werde vom Be- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführer übersehen, wenn er vorbringe, dass in sein em Gutachten dieselben Diagnosen bestehen würden, wie in demjenigen des ZMB vom Jahre 2008. In einem weiteren Ergänzungsbericht vom 5. Januar 201 8 nimmt Dr. C.____ ausführlich Stel- lung zur Beschwerdebegründung und gelangt zum Ergebni s, dass diese nicht zu überzeugen vermöge und sich eine Änderung der gutachterlichen Einschätzung nicht aufdränge. 5.3.6 Nach einem stationären Aufenthalt des Beschwerdef ührers vom 12. Oktober 2016 bis 11. November 2016 diagnostiziert die Klinik F.____ in ihrem Austrittsbericht vom 20. Dezember 2016 eine Depression. 5.3.7 Der behandelnde Psychiater Dr. G.____ führt in einem Schreiben vom 14. März 2017 aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 7. Dezember 2016 in der psychiatrischen Tagesklinik in X.____ angemeldet und besuche diese seit dem 1. Februar 2017 dreimal pro Woche. 5.3.8 Mit Ergänzungsbericht vom 17. März 2017 hält Dr. B.____ an seinen Ausführungen im Gutachten vom 22. März 2016 vollumfänglich fest. In ein em weiteren Ergänzungsbericht vom 23. Januar 2018 nimmt Dr. B.____ Stellung zur Beschwerdebegründung und stuft die Einwände als nicht überzeugend ein. 6. Die IV-Stelle hat bei der Beurteilung des Gesundh eitszustandes und der Arbeitsfähig- keit des Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse abgestellt, zu denen die Gutachter Dres. B.____ und C.____ in ihren Gutachten vom 22. M ärz bzw. 25. April 2016 und auch in ih- ren jeweiligen Ergänzungsberichten gelangt sind sowie a uf die Einschätzung des RAD-Arztes Dr. D.____, welcher die Auffassung der Gutachter bestätigt. 6.1 Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beschwerdefüh rer in einer angepassten Tä- tigkeit mit einer Einschränkung des Rendements um 20 % a b Untersuchungszeitpunkt, also ab März 2016, arbeitsfähig sei. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spe zialärztinnen und -ärzte, die auf- grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sow ie nach Einsicht in die Akten Be- richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Dies ist vor liegend nicht der Fall. Es liegen keine medizinischen Berichte – auch nicht von behandelnden Är zten – vor, die Zweifel an den gut- achterlichen Feststellungen und Schlussfolgerungen hervor rufen würden. Mit der IV-Stelle ist festzuhalten, dass die Gutachten der Dres. B.____ und C .____ weder formale noch inhaltliche Mängel aufweisen und dass es – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseit igen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abge geben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation einleuchtet und in den Schlussfolgerungen überzeugend ist. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bezüglich der Rügen des Beschwerdeführers, welche sehr p unktuell gehalten sind, ist folgen- des festzuhalten: Der Beschwerdeführer bringt im Wesentl ichen vor, es bestehe ein Wider- spruch zwischen den Gutachten von Dr. B.____ und demjenigen von Dr. C.____. So mache Dr. B.____ eine Aggravation geltend, was bedeute, dass der Explorand den Schmerz verdeutliche, während Dr. C.____ im Rahmen seiner Exploration kein e andauernd quälenden Schmerzen festgestellt habe. Dr. C.____ hat aus der unterschiedl ichen Schmerzpräsentation des Be- schwerdeführers gegenüber den beiden Gutachtern abgeleitet, dass eben kein andauernd quä- lender Schmerz beim Beschwerdeführer angenommen werde n kann. Dr. B.____ macht in die- sem Zusammenhang in seiner letzten Stellungnahme nachvollziehbar geltend, dass die körper- lichen Beschwerden in der Regel dem Arzt gegenüber gel tend gemacht werden, welcher die körperlichen Beschwerden untersucht, also dem Neurologe n und nicht gegenüber dem Psy- chiater. Diese Konstellation spreche dafür, dass der Besc hwerdeführer den Tagesablauf beim Neurologen eher einschränkender dargestellt habe als beim Psychiater. Des Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, dass der p sychiatrische Gutachter die gleichen Diagnosen stelle wie die Gutachter im Jahre 2008. Dieser Einwand ist unbegründet. Dr. C.____ stellt gar keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbei tsfähigkeit und begründet überzeugend, dass insbesondere die Diagnose einer anhaltend somatofor men Schmerzstörung mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit nicht mehr diagnostiziert werden könne. Der psychiatrische Gut- achter hat aber auch keine Depression mehr feststellen könn en und begründet dies im Gutach- ten wie auch in seinen Ergänzungsberichten ausführlich und nachvollziehbar. Auch ist der Schluss des Gutachters, dass beim Beschwerdeführer entgegen der in der Beschwerde vertre- tenen Auffassung eine normale psychosoziale Funktionsfähi gkeit vorliege, rechtsgenüglich be- gründet. So weist der Gutachter daraufhin, dass der Be schwerdeführer erklärt habe, er pflege eine gute Beziehung mit den Kindern, er habe sie gerne und sei stolz auf sie, die Kinder würden ihm Kraft geben. Weiter verbringe der Beschwerdeführe r den Abend mit den Kindern, gehe mit ihnen spazieren und habe eine gute Beziehung mit seine n Brüdern. Aufgrund dieser Ausfüh- rungen ist die Beurteilung des Psychiaters auch diesbezüglich nachvollziehbar. Einen weiteren Widerspruch zwischen den Gutachtern sieht der Beschwerdeführer darin, dass Dr. B.____ von Kopfschmerzen aufgrund der Einnahme zu vi eler Schmerzmittel ausgehe, wäh- rend Dr. C.____ geltend mache, der Beschwerdeführer nehme zu wenig Schmerzmittel ein. Dr. C.____ weist diesbezüglich daraufhin, er habe ledig lich die Diskrepanz thematisiert, dass der Beschwerdeführer subjektiv einen erheblichen Schme rz beschreibe, aber gegen diese aus- schliesslich Dafalgan einnehme. Zudem nehme der Beschwerde führer trotz der geklagten Schmerzen seit Jahren nicht mehr an einer Schmerzgruppe teil. Betreffend dem rund einmonatigen stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers Ende 2016 in der Klinik F.____ ist darauf hinzuweisen, dass der Austr ittsbericht vom 20. Dezember 2016 we- der eine Befunderhebung noch Angaben zur Arbeitsfähi gkeit enthält. Die im Bericht festgehal- tene Depression wird mit keinem Wort begründet. Damit ist der Bericht nicht geeignet, das psy- chiatrische Gutachten von Dr. C.____ in Zweifel zu ziehen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Im Ergebnis ist das Gutachten der Dres. B.____ und C .____ schlüssig und überzeu- gend, weshalb die IV-Stelle zu Recht darauf abgestellt und demzufolge eine Verbesserung des Gesundheitszustandes im Vergleich zum Zeitpunkt der letztmaligen Rentenüberprüfung im Jah- re 2009 festgestellt hat. 7. Eine andere Frage ist indessen, ob die im März 20 16 wiedergewonnene Arbeitsfähig- keit direkt verwertbar war, oder ob vor der Anrechnung eines Invalideneinkommens aus un- selbstständiger Tätigkeit Eingliederungsmassnahmen angezeigt gewesen wären. 7.1 Nach ständiger Rechtsprechung ist eine medizinisch at testierte Verbesserung der Ar- beitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteing liederung verwertbar. Aus einer medi- zinisch attestierten Verbesserung der Arbeitsfähigkeit ka nn unmittelbar auf eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit geschlossen und damit ein entspre chender Einkommensvergleich (mit dem Ergebnis eines tieferen Invaliditätsgrades) vorgenom men werden. Es können im Einzelfall jedoch Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leis- tungsfähigkeit und medizinisch möglichen Leistungsentfa ltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotentials ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist. Die Verwaltung muss si ch vor der Herabsetzung oder Aufhebung einer Invalidenrente vergewissern, ob sich ei n medizinisch-theoretisch wiederge- wonnenes Leistungsvermögen ohne Weiteres in einem ent sprechend tieferen Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür – ausnahmsweise – im Einzel fall eine erwerbsbezogene Abklärung (der Eignung, Belastungsfähigkeit usw.) und/oder die Durchführung von Eingliederungsmass- nahmen im Rechtssinne vorausgesetzt ist. Insbesondere wenn bisher schon eine erhebliche Restarbeitsfähigkeit bestand, zieht der anspruchserheblic he Zugewinn an Leistungsfähigkeit jedoch kaum zusätzlichen Eingliederungsbedarf nach sich ( Urteile vom 30. Oktober 2017, 9C_525/2017, vom 6. Oktober 2015, 8C_597/2014, E. 3. 2, vom 10. September 2010, 9C_768/2009, E. 4.1, SZS 2012 S. 360 f.; SVR 2011 I V Nr. 30 S. 86). Diese Rechtsprechung findet Anwendung sowohl bei einer revisions- als auch be i der wiedererwägungsweisen Herab- setzung oder Aufhebung der Invalidenrente, jedoch nur b ei versicherten Personen, welche das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen haben (SVR 2011 IV Nr. 73 S. 220, 9C_228/2010 E. 3.3-3.5; Urteil 9C _920/2013 vom 20. Mai 2014 E. 4. Die Be- troffenen können im Kontext einer Revision (resp. rückw irkenden Zusprache einer befristeten Rente) oder Wiedererwägung jedoch nicht ohne Weiteres einen Besitzstandsanspruch ableiten, sondern es wird ihnen lediglich zugestanden, dass infol ge des fortgeschrittenen Alters oder der langen Rentendauer die Selbsteingliederung grundsätzlich als nicht mehr zumutbar einzustufen ist (Urteile vom 30. Oktober 2017, 9C_525/2017, E. 3. 5 und vom 18. Mai 2017, 8C_842/2016, E. 5.3.1 mit Hinweisen). Entzieht oder widersetzt sich d ie versicherte Person Eingliederungs- massnahmen, können ihr die Leistungen gekürzt oder verw eigert werden. Vorausgesetzt ist immerhin, dass die IV-Stelle zuvor ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchgeführt hat (Art. 21 Abs. 4 ATSG i.V.m. Art. 7b IVG). 7.2 Der Beschwerdeführer bezieht seit 1. Mai 1998 und damit seit mehr als 15 Jahren eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Vorliegend ist au s den Akten nicht ersichtlich, dass die Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht IV-Stelle eine Abklärung der Eingliederungsfrage vorg enommen hat. Der Beschwerdeführer seinerseits hat gegenüber dem neurologischen Gutachter erwähnt, er wisse nicht genau, ob er irgendetwas arbeiten könne. Wenn, dann nur eine Arbei t, bei der er wechselnd sitzen, stehen und gehen könne. Es dürfe sich auch nur noch um leichte Arbeit handeln. Vielleicht sei eine solche Tätigkeit etwa 3-5 Stunden pro Tag möglich, alle rdings nicht jeden Tag. Dr. B.____ hat unter dem Stichwort „berufliche Massnahmen“ festgehalt en, dass Hilfe bei der Suche nach ei- ner geeigneten Arbeitsstelle empfohlen werde. Gegenüb er dem psychiatrischen Gutachter hat der Beschwerdeführer ausgeführt, es habe im Jahre 1999 , also noch vor Zusprache der Invali- denrente gemäss Verfügung vom 2. Oktober 2001, Einglie derungsversuche gegeben. Seither seien keine Eingliederungsversuche mehr erfolgt. Weiter hat der Beschwerdeführer angegeben, er könne sich eine körperlich leichte Tätigkeit mit Wechse lbelastung vorstellen. Er wisse jedoch nicht, wie viele Stunden er tätig sein könne, dies sei unterschiedlich und abhängig von seinen Schmerzen. 8. Gestützt auf diese Ausführungen sind die Voraussetzung en zur Prüfung von Eingliede- rungsmassnahmen vor der Rentenaufhebung zu bejahen. Da dies vorliegend nicht geschehen ist, ist die vorliegende Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene Verfügung vom 11. September 2017 aufzuheben. Der Beschwerdeführer hat somit Anspruch auf eine ganze IV- Rente über den 30. Juni 2016 hinaus. 9. Es bleibt über die Frage der Kosten zu befinden. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.– bis Fr. 1‘000.– festgele gt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenr ahmens einheitlich auf Fr. 800.– fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin unterlegene Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. Gemäss § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO werden der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden gemäss Verwaltungsverfah- rensgesetz vom 13. Juni 1988 keine Verfahrenskosten aufer legt. Auf die Erhebung von Verfah- renskosten ist deshalb zu verzichten. Dem Beschwerdeführer ist der bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– zurück zu erstatten. 9.2 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO steht dem obsiegenden Beschwerd eführer eine Parteient- schädigung zu. Der Honorarnote der Rechtsvertreterin des B eschwerdeführers vom 22. Dezember 2017 zufolge beläuft sich der geltend ge machte Aufwand für das vorliegende Beschwerdeverfahren auf insgesamt 12 Stunden. Dieser A ufwand erweist sich angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angem essen und ist zu dem praxisgemäss ausgerichteten Stundenansatz von Fr. 250.– zu entgelten . Ebenfalls nicht zu beanstanden sind die geltend gemachten Auslagen im Umfang von insgesamt Fr. 108.–. Es ergibt sich demnach eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegner in in der Höhe von insgesamt Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 3‘356.65 (12 Stunden à Fr. 250.– und Auslagen in der Höhe von Fr. 108.– zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer). Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfüg ung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 11. September 2017 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung im Umfang von CHF 3‘356.65 (inkl. Auslage n und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht