Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Oktober 2021 (720 21 109 / 275) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Rückweisung zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Caroline Franz Waldner, Advokatin, Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.a Die 1980 geborene A.____ war bei der Arbeitslose nversicherung als arbeitslos gemel- det und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) oblig atorisch unfallversichert. Am 25. Juli 2010 kam es während einer Autofahrt mit i hrem Ehemann zu ei- nem heftigen Streit, worauf die Versicherte unvermit telt aus dem fahrenden Fahrzeug sprang. Dabei zog sie sich u.a. Kopfverletzungen zu. Mit Verfügu ng vom 19. Oktober 2010 bzw. Ein- spracheentscheid vom 26. September 2011 lehnte die Suv a die Ausrichtung von Versiche- rungsleistungen ab, da die Versicherte den Gesundheitssch aden absichtlich herbeigeführt ha- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht be. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), mit Entscheid vo m 19. Januar 2012 (Verfahren-Nr. 725 11 392 / 12) in dem Sinne gut, als es den Einspra cheentscheid vom 26. September 2011 aufhob und die Sache zur Festsetzung des Leistungsanspruchs i m Sinne der Erwägungen an die Suva zurückwies. Die Suva zog dieses Urteil weiter vor das Bundesgericht, welches mit Urteil vom 17. Juli 2012 (8C_271/2012) die Beschwerde abwies. A.b Mit Gesuch vom 27. Januar 2015 (Eingang) meldete sich A.____ unter Hinweis auf eine Depression und Schlafstörungen bei der Eidgenössisc hen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 24. Februar 2021 verneinte die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) einen Anspruch auf Rentenleist ungen unter Hinweis auf einen Invalidi- tätsgrad von 20%. B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertre ten durch Dr. Caroline Franz Waldner, Advokatin, mit Eingabe vom 25. März 2021 Besch werde beim Kantonsgericht. Darin beantragte sie, die angefochtene Verfügung vom 24. F ebruar 2021 sei aufzuheben und ihr mit Wirkung ab 1. Juni 2015 eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei durch das Gericht ein polydisziplinäres Gutachten in der Region einzuholen und gestützt darauf der Invaliditäts- grad neu zu ermitteln. Subeventualiter sei der Fall a n die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese anzuweisen, ein polydisziplinäres Gutachten einz uholen. Dabei sei ausdrücklich an- zuordnen, dass die Begutachtung in der Region stattzuf inden habe. Die Beschwerdegegnerin sei zudem anzuweisen, gestützt auf das neue Begutachtungs ergebnis den Invaliditätsgrad neu zu ermitteln; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um unentgelt- liche Prozessführung und Verbeiständung mit Advokatin Franz Waldner. C. Mit prozessleitender Verfügung vom 30. März 2021 bew illigte die instruierende Präsi- dentin der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozess führung und Verbeiständung mit Ad- vokatin Franz Waldner als Rechtsvertreterin. D. In ihrer Vernehmlassung vom 28. April 2021 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Eingabe vom 18. Mai 2021 zog die Beschwerdefü hrerin ihr Gesuch um unentgeltli- che Prozessführung und Verbeiständung zurück, da ihr zwi schenzeitlich seitens der Rechts- schutzversicherung Kostengutsprache für das Beschwerdeverfahren erteilt worden sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine I nvalidenrente. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern könn en (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindesten s 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindeste ns 40% invalid sind (lit. c). Bei ei- nem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruc h auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Ren te, bei einem Invaliditätsgrad von min- destens 60% auf eine Dreiviertelrente und bei einem I nvaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2 , 130 V 398 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht ent- schieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen e inem strukturierten Be- weisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwi- ckelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, di e – unter Berücksichtigung von leis- tungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits u nd von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erre ichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gel ingt, auf objektivierter Beurteilungs- grundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeit s- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in w elchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Fra ge, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle an- deren Beweismittel − frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist eingeholt en Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts stehen zahlreiche medizinische Akten zur Verfügung, welche allesamt vom Gericht gewür digt wurden. In der Folge werden in- dessen lediglich entscheidrelevante Arztberichte und Gutachten wiedergegeben: 5.2 Nach erfolgter Anmeldung zum Leistungsbezug holte d ie Beschwerdegegnerin u.a. ein bidisziplinäres Gutachten bei Dr. med. B.____, FMH Ne urologie, und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein, welches am 22. März 2 016 bzw. 13. April 2016 erstattet wurde. Aus bidisziplinärer Sicht wurden als Diagnosen m it Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein leichtes linksbetontes unteres Zervikalsyndrom sowie e ine rezidivierende ängstlich gefärbte depressive Störung mit chronischem Verlauf und gegenwärt ig leicht- bis mittelgradiger Episode (ICD-10 F33.0/1) erhoben. Ohne Auswirkung auf die Arb eitsfähigkeit wurde ein Status nach Schädelhirntrauma am 25. Juli 2010 aufgeführt. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aus neurologischer Sicht wurde im Wesentlichen festgehal ten, dass die Explorandin akten- anamnestisch unbestritten am 25. Juli 2010 eine Schäde lbasisfraktur links mit traumatischer Subarachnoidalblutung erlitten habe. Zu Beginn habe auch noch ein Hirnödem bestanden und die Explorandin sei in ihrer Bewusstseinslage eingeschränkt gewesen. Computertomographisch habe sich die Blutung dann resorbiert und Parenchymdefe kte hätten nicht festgestellt werden können. Im Jahr 2012 hätten keine objektivierbaren patho logischen Befunde mehr ausgemacht werden können. Die in der Folge zunächst noch beklagt en Kopfschmerzen hätten dann lange Zeit nicht mehr bestanden, bis vor einem halben Jahr. H ierzu fänden sich aber weder akten- anamnestisch noch klinisch Hinweise auf pathologische Ursach en. Im Bereich der Halswirbel- säule (HWS) hätten sich anlässlich der Untersuchung ein l eichtes linksbetontes unteres Zervi- kalsyndrom sowie Verspannungen im Bereich des Schultergür tels links gefunden. Die HWS- Funktionen seien nicht eingeschränkt, jedoch bestehe end phasig jeweils eine Schmerzhaf- tigkeit. Aufgrund des Zervikalsyndroms könnten der Exploran din keine körperlich schweren Ar- beiten mehr zugemutet werden. Auch repetitive Tätigkeiten über Schulterhöhe seien nicht mehr zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht fänden sich aktenanamnestisch Symptom e der oft traurigen Stim- mung, des zeitweiligen Schwindels, der Lustlosigkeit, der Angst alleine das Haus zu verlassen, der verminderten Energie, der häufigen Müdigkeit, der absoluten Freudlosigkeit, der Vergess- lichkeit, der verminderten Konzentrationsfähigkeit, des schlechten Appetits und der Gewichts- zunahme. Diese Symptome würden die zur Diagnosestellung einer ängstlich gefärbten depres- siven Episode notwendigen Kriterien erfüllen. In der aktuellen Untersuchung sei die Stimmung bedrückt gewesen, im Verlaufe des Gesprächs habe sie sich abe r aufgehellt und die Exploran- din habe ein paar wenige Male herzhaft lächeln könn en. Die affektive Modulationsfähigkeit und die Vitalität seien als leichtgradig eingeschränkt zu beurteilen. Die subjektiv geklagte verminder- te Konzentrationsfähigkeit habe nicht ausgemacht werd en können. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren sei der Schweregrad aktuell als leicht- bis mittelgradig zu beurteilen. Sie hinter- lasse keinen schwer depressiven Eindruck, was auch im Einklang mit der Tatsache stehe, dass sie die anfallenden Alltagsarbeiten weitgehend allei ne erledigen könne. Aus psychiatrischer Sicht sei von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit v on 20% sowohl in der angestammten als auch in einer alternativen Tätigkeit auszugehen. Es seien Ressourcen vorhanden, auch wenn diese nicht allzu ergiebig seien. Als Ressourcen kö nnten jedoch die weitgehend intakte psychosoziale Funktionsfähigkeit und die intakte Funktion sfähigkeit als Hausfrau und Mutter betrachtet werden. 5.3 Mit Vorbescheid vom 17. Februar 2017 lehnte die I V-Stelle einen Rentenanspruch der Versicherten im Wesentlichen auf der Grundlage des vorstehend zitierten Gutachtens ab. 5.4 Im Rahmen des Einwandverfahrens gegen diesen Vorbe scheid gab die Versicherte einen Bericht ihres behandelnden Psychiaters, Dr. med. D. ____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, vom 27. März 2017 sowie einen Bericht der P sychiatrie E.____ vom 30. November 2016 (tagesklinische Behandlung seit 23. November 2016) zu den Akten. Dr. D.____ wies im Wesentlichen darauf hin, dass die psychiatrischen Befunde im Gegensatz zu den Angaben von Dr. C.____ eine psychomotorische Verlangsamung, eine deutlich verminderte affektive Modula- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tionsfähigkeit und Vitalität sowie Vergesslichkeit und Ko nzentrationsstörungen ergäben. Im Ge- sichtsausdruck sei sie hypomimisch. Die Patientin leide unter Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Aufgrund von schweren depressiven Episoden habe die Pati entin bereits dreimal in der Psychi- atrie E.____ hospitalisiert werden müssen (10. Februar 2016 bis 11. März 2016, 25. Mai 2016 bis 21. Juni 2016 und 12. bis 28. September 2016). We gen anhaltender depressiver Verstim- mung erfolge zudem seit November 2016 eine teilstatio näre Behandlung in der Tagesklinik F.____. 5.5 In der Folge musste sich die Versicherte erneut in d er Psychiatrie E.____ in stationäre Behandlung begeben (4. Hospitalisation vom 28. April 2017 bis 5. Mai 2017, 5. Hospitalisation vom 22. August 2017 bis 19. September 2017, 6. Hospita lisation vom 25. September 2017 bis 6. Oktober 2017 und 7. Hospitalisation vom 13. bis 26. Februar 2018, IV-act. 65, 78 und 105). In der Zeit vom 19. bis 25. September 2017 war die Versich erte zudem aufgrund einer durchge- führten totalen Thyreoidektomie (operative Entfernung der Schilddrüse) im Spital G.____ hospi- talisiert (vgl. Austrittsbericht Spital G.____ vom 29. September 2020, IV-act. 79). 5.6 Die IV-Stelle veranlasste ein Verlaufsgutachten bei den Dres. B.____ und C.____. In ihrem Gutachten vom 25. Mai 2018 und 9. Juni 2018 wur den mit Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit ein leichtes rechtsbetontes Zervikalsyndrom, ein leichtes Lumbovertebralsyndrom sowie eine rezidivierende depressive Störung mit chronischem Verl auf und gegenwärtig leicht- bis mittelgradiger Episode (ICD-10 F33.0/1) diagnostiziert. Aus neurologischer Sicht konnte Dr. B.____ keine relevant en Veränderungen ausmachen. Hin- weise auf Störungen im Bereich der zentralen und per ipheren Gleichgewichtssysteme hätten sich nicht gefunden, insbesondere auch keine Hinweise auf einen Lagerungsschwindel. Es ha- be sich ein leichtes rechtsbetontes Zervikalsyndrom ohne Fu nktionseinschränkung und ohne damit verbundene neurologische Reizerscheinungen oder Au sfälle gefunden. Neu hinzuge- kommen sei ein leichtes Lumbovertebralsyndrom im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS), das möglicherweise im Zusammenhang mit der schweren Adiposit as stehe. Zusätzlich zum im da- maligen Zeitpunkt formulierten Zumutbarkeitsprofil seien keine repetitiven Tätigkeiten im Kauern oder Bücken zumutbar. Dr. C.____ hielt im Wesentlichen fest, dass es im Verglei ch mit den Befunden anlässlich der ersten Untersuchung zu keinen wesentlichen Veränderungen gekommen sei. Zu erwähnen sei, dass die Explorandin im Zeitraum Februar 2016 bis Feb ruar 2018 sechsmal in der Psychiatrie E.____ hospitalisiert gewesen und zusätzlich eine teilsta tionäre Behandlung erfolgt sei. Auffal- lend sei, dass der Schweregrad der diagnostizierten Dep ression im Jahr 2016 jeweils mit mit- telgradig beschrieben worden sei, während im Jahr 20 17 jeweils eine schwere Depression di- agnostiziert worden sei. Diese Tatsache dürfte möglicher weise mit der Entgleisung des Schild- drüsenstoffwechsels in Zusammenhang zu bringen sein aufg rund dessen im September 2017 eine Thyreoidektomie erfolgt sei. Schwerwiegende psychiat rische Komorbiditäten würden sich nicht nachweisen lassen. Bezüglich der in der Psychiatrie E.____ diagnostizierten posttraumati- schen Belastungsstörung fänden sich Inkonsistenzen und auch der Behandler, Dr. D.____, würde diese Diagnose nicht näher begründen. Das Fähigke itsniveau gemessen am Ratingbo- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen Mini-ICF-APP sei insgesamt als leichtgradig eingeschr änkt zu betrachten. Insgesamt sei seit der letzten Begutachtung unverändert von einer Ei nschränkung von 20% sowohl in der zu- letzt ausgeübten als auch in einer alternativen Tätigk eit auszugehen. Unter Berücksichtigung der erwähnten Faktoren sei die Prognose als offen zu b eurteilen. Empfohlen werde die Weiter- führung der psychotherapeutischen Behandlung bei Dr. D. ____, wobei eine bessere Compli- ance bezüglich der Einnahme der Psychopharmaka motiviert werden sollte. Gleichzeitig sollte darauf geachtet werden, dass sich die hormonelle Substitu tionstherapie der Schilddrüse im Normbereich befinde. 5.7 Nachdem der RAD-Arzt Dr. med. H.____, FMH Psychiatri e und Psychotherapie, mit Stellungnahme vom 20. Juli 2021 (IV-act. 107) aufgrund der neu vorgelegten Akten keine Ver- änderung des Gesundheitszustands seit dem Verlaufsgutac hten der Dres. B.____ und C.____ hatte ausmachen können, erliess die IV-Stelle am 31. August 2018 einen weiteren Vorbescheid, worin sie an der Ablehnung des Rentenanspruchs festhielt . Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Advokatin Franz Waldner, erneut Einwan d und reichte einen Bericht ihres be- handelnden Psychiaters Dr. D.____ vom 18. September 2018 ein. Darin bekräftigte dieser seine früheren Feststellungen, wonach bei der Versicherten e ine psychomotorische Verlangsamung, eine deutlich verminderte affektive Modulationsfähigkei t und Vitalität, Konzentrationsstörungen sowie Vergesslichkeit bestünden. Die Patientin leide fe rner unter Energielosigkeit, Müdigkeit und Lustlosigkeit. Es fehle ihr an Lebensfreude, sie bl eibe immer wieder tagelang im Bett. Zwi- schen März 2016 und Februar 2018 sei die Patientin siebenmal in der Psychiatrie E.____ hospi- talisiert gewesen, wobei eine vorübergehende Besserung von einem raschen Rückfall gefolgt gewesen sei. Schliesslich sei zu erwähnen, dass die Patient in seit Februar 2017 an einer flori- den autoimmun-induzierten Hyperthyreose gelitten habe aufgrund derer eine totale Ty- reoidektomie durchgeführt worden sei. Im Juli 2018 sei e s zu einer schweren hypothyreoten Stoffwechsellage mit Auftreten von Unterschenkelödemen gekommen. Ein im März 2017 durchgeführter ABCB1-Gentest habe ergeben, dass die nac hgewiesenen genetischen Varian- ten auf eine verminderte Passage von Antidepressiva durc h die Blut-Hirn-Schranke hinweisen würden. 5.8 In der Zeit vom 27. September 2018 bis 17. Oktober 2018 erfolgte eine weitere Hospi- talisation in der Psychiatrie E.____ (vgl. Bericht vom 30. Oktober 2018, IV-act. 115). 5.9 Zur Abklärung des aktuellen Gesundheitszustands und d er Arbeitsfähigkeit der Versi- cherten holte die IV-Stelle ein Gutachten bei Dr. me d. I.____, Facharzt für Psychiatrie und Psy- chotherapie, ein, welches am 2. April 2020 erstattet wu rde. Darin diagnostizierte Dr. I.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0). Ohne Auswirkung auf die Arbeit sfähigkeit bestünden psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom (ICD -10 F17.2) sowie aktenanam- nestisch eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1). Bei der versicherten Person lasse sich eine affektive Störung mit einerseits depressiven Beschwerden und andererseits mit Angstsymptomen feststellen. Es fänden sich Merkmale einer an haltenden Traurigkeit unter- schiedlicher Ausprägung sowie eine Affektarmut. Ein In teressenverlust und ein anhaltend er- heblich verminderter Antrieb seien nicht objektivierbar. Vereinzelt werde auch über das Auftre- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten somatischer (vegetativer) Angstäquivalente (wiederke hrender Schwindel bzw. Ohnmachts- gefühle) berichtet. Im Übrigen ergäben sich aber keine Anhaltspunkte für das Vorliegen bspw. einer Panikstörung. Die Ausprägung der Ängste rechtfert ige nicht die Diagnose einer eigen- ständigen Angststörung, sondern die Ängste seien als T eil der depressiven Störung aufzufas- sen. Hinsichtlich der Ausprägung der depressiven Symptomat ik gebe die Explorandin eine seit Jahren anhaltende depressive Verstimmung an. Darüber hinaus beschreibe sie wiederkehrende Phasen mit stärkerer depressiver Stimmung, die jeweils Tag e bis maximal eine Woche andau- ern würden. Während dieser kurzen Zeitspanne würden of fenbar auch Symptome einer stärke- ren (mittel- bis schwergradig) ausgeprägten depressiven Störung vorliegen, das Zeitkriterium (zwei Wochen) zur Diagnose einer solchen höhergradigen Störung werde aber nicht erreicht. Auch in den Austrittsberichten über die Hospitalisatio nen werde jeweils eine rasche Zustands- verbesserung angeführt. Die Diagnose einer posttraumat ischen Belastungsstörung könne nicht bestätigt werden. Einerseits hätten sich die störungsspezi fischen Symptome nicht oder nur teil- weise erfragen lassen. Andererseits werde deutlich, dass di e Explorandin in erster Linie nicht etwa am einschneidenden Ereignis selbst leide, sondern vie lmehr an den Konsequenzen der Ereignisse (bspw. langfristige Unfallfolgen beim Sohn). In einer kürzlich durchgeführten zereb- ralen Bildgebung seien kortikale bis subkortikale Parenchymdefekte zur Darstellung gekommen, die gut mit der traumatischen Kopfverletzung von 2010 zu erklären seien. Hirnorganische Defi- zite nach traumatischen Hirnverletzungen würden sich im Al lgemeinen durch eine Besserungs- tendenz im zeitlichen Verlauf auszeichnen. Eine in den letzten Jahren neu aufgetretene hirnor- ganische Symptomatik könne aufgrund von Anamnese und klini schem Befund nicht bestätigt werden. Hinsichtlich der kognitiven Einschränkungen habe sich ein uneinheitliches Bild erge- ben. Zum einen beklage die Versicherte starke Einschrän kungen, zum anderen hätten sich ge- sprächsbezogen nur geringe Defizite gefunden. Die Durchfü hrung einer neuropsychologischen Testung wäre hier wünschenswert. In Bezug auf die Arbeit sfähigkeit führte er aus, dass diese 80% bezogen auf ein Vollpensum betrage. Für die Daue r der Hospitalisationen bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit. Im Übrigen bestehe die jetzig e Arbeitsfähigkeit seit circa Juni 2014 un- verändert. Die in der Vergangenheit ausgeübten beruf lichen Tätigkeiten seien als geeignet zu betrachten. Ein leidensangepasstes Leistungsprofil müsst e mehr von somatischer Seite defi- niert werden (z.B. wegen der pulmonalen Situation, d es Zervikalsyndroms, der Adipositas per- magna und des Myxödems). 5.10 In der Folge kam es im Zeitraum vom 2. bis 24. Se ptember 2019 und 30. September 2019 bis 20. November 2019 zu einer 9. und 10. Hospit alisation in der Psychiatrie E.____ (vgl. Austrittsberichte vom 23. Oktober 2019 und 21. Januar 2020, IV-act. 146 und 147). 5.11 Ferner sind in den Akten ein mässig- bis schwergradi ges obstruktives Schlafapnoe- Syndrom (bestehend seit Januar 2020 ), ein Myxödem der Füsse und distalen Unterschenkel beidseits bei einem Morbus Basedow und einem sekundären Lymphödem der unteren Extremi- täten beidseits im Stadium III nach Földi, eine infekte xazerbierte COPD (chronisch obstruktive Lungenkrankheit ) mit möglicher Pneumonie rechts (bestehend seit Februar 2020), eine Adiposi- tas permagna (BMI 47.5kg/m²) sowie eine substituierte Hypothyreose dokumentiert (vgl. statt vieler Berichte der Rehaklinik J.____ vom 1. April 2020, IV-act. 173, und des Spitals G.____ vom 29. Juni 2020, IV-act. 167). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.12 Am 17. September 2020 nahm der RAD-Arzt Dr. H. ____ Stellung zu den neu beige- brachten Akten. Dabei konnte er insgesamt keine Hinweise a uf eine Verschlechterung des Ge- sundheitszustands ausmachen. Die angebotene aPAP-Therapie in Bezug auf das Schlafapnoe- Syndrom sei als wirksame und zweckmässige Behandlung der Ve rsicherten zumutbar. Bezüg- lich der gutachterlich attestierten leichten wechselbelastendenden Tätigkeit könne keine zusätz- liche Arbeitsunfähigkeit begründet werden. Die somatisc he Problematik betreffend die Unter- schenkel sei anlässlich des stationären Aufenthalts in der Rehaklinik J.____ wirksam und zweckmässig behandelt worden. Hinweise auf eine dauerhaf te Verschlechterung seien nicht erkennbar. Die Rektusdiastase und die Supraumbilikale He rnie sowie die Adipositas permagna seien bekannte Diagnosen und beim Entscheid bereits be rücksichtigt worden. Die COPD sei mit Inhalationstherapie wirksam und zweckmässig behandelbar und kein Grund für eine zusätz- liche Einschränkung gegenüber dem gutachterlich formulierten Zumutbarkeitsprofil. Der Morbus Basedow werde mit Eltroxin substituiert und sei somit wirksam und zweckmässig behandelbar. 5.13 Im Rahmen des laufenden Einwandverfahrens gab die Versicherte eine ausführliche Stellungnahme von Dr. med. K.____, FMH Psychiatrie un d Psychotherapie, vom 9. Dezember 2020 zu den Akten. Darin gelangte dieser zusammenfassend zur Auffassung, dass die Herlei- tung der Arbeitsfähigkeit im Gutachten von Dr. I.___ _ nicht nachvollziehbar sei. Alsdann werde auch die darin enthaltene Prüfung der Standardindika toren den bundesgerichtlichen Anforde- rungen nicht gerecht (vgl. hierzu ausführlich Stellung nahme von Dr. K.____ vom 9. Dezember 2020, IV-act. 181). 5.14 Anlässlich des vorliegenden Beschwerdeverfahrens legt e die Beschwerdeführerin ei- nen weiteren Bericht von Dr. D.____ vom 16. März 2021 ins Recht. Darin führte er aus, dass die Patientin unverändert unter wiederholten depressive n Einbrüchen leide. Daneben bestehe eine gemischte Angststörung. Ihre Leistungsfähigkeit sei ferner durch das Schlafapnoesyndrom und die COPD eingeschränkt. Das Myxödem der Füsse und Unterschenkel bewirke zudem eine Einschränkung der Gehfähigkeit. Aufgrund dieser Polymo rbidität werde eine ausschliesslich psychiatrische Begutachtung dem Beschwerdebild der Patientin nicht gerecht. 5.15 Am 6. April 2021 nahm der RAD-Arzt Dr. H.____ zu den Vorbringen in der Beschwerde Stellung. Dabei gelangte er im Wesentlichen zum Ergeb nis, dass die Ausführungen des behan- delnden Psychiaters die gutachterlichen Feststellungen ni cht zu entkräften vermöchten. Es sei dem Bericht von Dr. D.____ keine massgebliche Verschlechter ung gegenüber dem Gutachten von Dr. I.____ zu entnehmen. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefoch tenen Verfügung vom 24. Februar 2021 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und de r zumutbaren Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen auf das unter Erwägung 5.9 hiervor zitierte Gutachten von Dr. I.____ vom 2. April 2020. Demzufolge ging sie davon aus, dass sowohl hinsichtl ich der angestammten als auch einer leidensadaptierten Tätigkeit im Zeitpunkt des fr ühestmöglichen Rentenbeginns eine Ar- beitsfähigkeit von 80% bestehe, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente resultiere. Wie nachfolgend darzulegen sein wird, kommt diesem Gutacht en – entgegen der Auffassung der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdegegnerin – keine ausschlaggebende Beweiskraft z u, so dass nicht darauf abgestellt werden kann. 6.2.1 Im Rahmen der Befunderhebung führte der Gutac hter aus, dass die Versicherte durch- gehend niedergestimmt gewirkt habe und sich die Stimmung nur wenig habe auflockern lassen. Es zeige sich eine mittelgradige Affektarmut, keine Affek tlabilität und die Schwingungsfähigkeit erweise sich als eingeschränkt. Die Schilderungen der Ve rsicherten seien sehr klagsam gewe- sen und sie leide unter Insuffizienzgefühlen. Psychomotori sch seien eine reduzierte Mimik und Gestik und eine monotone Sprechweise feststellbar gewes en. Sie habe über Energie- und Kraftlosigkeit geklagt und von einem "uneinheitlichen" Appetit berichtet (vgl. Gutachten, S. 22 f.). Hinsichtlich der Herleitung der Diagnose d er depressiven Störung hielt der Gutachter im Wesentlichen fest, dass sich Merkmale einer anhaltende n Traurigkeit unterschiedlicher Aus- prägung sowie eine Affektarmut fänden (vgl. E. 5.9 hiervor). Er legte jedoch nicht dar, weshalb er trotz dieser Erhebungen bloss auf leichte depressive Verstimmungen bzw. das Vorliegen einer leichten depressiven Episode schloss. Er unterliess es mit Blick auf die funktionellen Aus- wirkungen der Diagnose gänzlich, sich mit den im Rahmen der Befunderhebung festgestellten Einschränkungen auseinander zu setzen und diese entsprech end zu werten. Er begründete seine Schlussfolgerungen allein damit, dass darüber hin aus bestehende wiederkehrende Pha- sen mit stärkerer depressiver Verstimmung maximal eine Woche andauern und damit das zeitli- che Kriterium (2 Wochen) für die Diagnosestellung ein er höhergradigen depressiven Episode nicht erreichen würden. Wie sich anhand der dokumentier ten stationären Aufenthalte in der Psychiatrie E.____ entnehmen lässt, trifft diese Aussage indessen gerade nicht zu, womit die Zweifel in Bezug auf die Ausprägung und den funktionel len Schweregrad dieser Diagnose be- kräftigt werden. So wurde der angeführte zeitliche Rah men, indem eine mittelgradige oder schwere depressive Episode diagnostiziert worden war, anlä sslich der 1., 2., 5., 8., 9. und 10. Hospitalisation aktenkundig überschritten (vgl. E. 5.4, 5.5, 5.8 und 5.10 hiervor). Ungeachtet des zeitlichen Kriteriums hat auch der Umstand, dass sich die Versicherte in einem Zeitraum von rund vier Jahren zehnmal in stationäre Behandlung b egeben musste und zusätzlich wäh- rend längerer Zeit tageklinisch behandelt wurde, keinerlei Würdigung erfahren. 6.2.2 Wie die Beschwerdeführerin ferner zu Recht gelt end macht, lässt das Gutachten in grundsätzlicher Hinsicht eine Auseinandersetzung mit abweichenden medizinischen Beurteilun- gen vermissen. Dr. I.____ begnügte sich hierbei lediglich mit dem Hinweis, wonach sich die medizinischen Fachpersonen bei abweichenden Einschätzunge n zur Arbeits(un)fähigkeit zu einseitig auf die subjektiven Beschwerden der Versicherten gestützt hätten. Entgegen diesen Feststellungen wird in den Austrittsberichten der Psychiat rie E.____ nicht nur wiederholt von ausgeprägten Gefühlen der Hoffnungslosigkeit, Antriebsarmut, Motivationsverlust und sozialem Rückzug berichtet (vgl. statt vieler Bericht vom 23. Oktob er 2019, S. 3, IV-act. 146). Vielmehr konnte namentlich im Rahmen der jüngsten Hospitalisatio n im Zeitraum vom 30. September 2019 bis 20. November 2019 in objektiver Hinsicht kein e nennenswerte Veränderung hinsicht- lich des Zustands der Versicherten ausgemacht werden und es wurde eine Remission zwischen den Episoden angesichts der zahlreichen stationären Aufenthalte grundsätzlich in Frage gestellt (vgl. Bericht der Psychiatrie E.____ vom 21. Januar 2020, IV-act. 147). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.3 Hinzu tritt, dass sich den entsprechenden Berichte n wiederholt Hinweise auf eine dem Krankheitsgeschehen zuzuordnende Diskrepanz zwischen den von der Versicherten geschil- derten und den tatsächlich von ihr umgesetzten Aktivitäte n entnehmen lassen. So habe die Versicherte bspw. mehrmals berichtet, dass sie Spazieren gehen würde. Konkret habe sie dann indessen lediglich 20 Meter bis zur nächsten Parkbank zurück gelegt. In Übereinstimmung zu diesen Beobachtungen habe der Ex-Ehemann berichtet, dass sie zu Hause zwar für die Kinder sorgen wolle, jedoch oft nicht einmal imstande sei, zu ko chen (vgl. Bericht der Psychiatrie E.____ vom 21. Januar 2020, S. 3, IV-act. 147). Dr. I. ____ liess es hierbei bei der Aussage be- wenden, dass die Versicherte die stationären Aufenthal te vorzeitig unterbrochen hätte, um ihre Kinder betreuen zu können. Ferner greift auch seine Feststellung zu kurz, wonach die doku- mentierten Schilderungen der Versicherten, denen zufol ge sie sich nicht um ihre Kinder küm- mern könne, im Widerspruch zur Tatsache stünden, dass die Versicherte die vorzeitige Beendi- gung oder Unterbrechung der stationären bzw. ambulante n Therapien mit den Betreuungs- pflichten gegenüber ihren Kindern begründet habe. 6.2.4 Unstimmigkeiten lassen sich schliesslich auch in Bezug auf die festgestellten Ressour- cen ausmachen, wobei diese unter anderem auf einer Diskr epanz zwischen den tatsächlichen Schilderungen der Versicherten und der gutachterlichen Wertung beruhen. Der Gutachter schloss in seiner Beurteilung insofern auf intakte Ressou rcen, als er anführt, dass sowohl zum Ex-Ehemann und den drei Kindern sowie zur Herkunftsfamilie ein guter Kontakt bestehe, wobei eine Schwester der Versicherten aktenkundig im Haushal t der Versicherten gelebt habe. Die Versicherte würde ihre Freizeit alsdann teilweise mit ei ner engen Freundin verbringen. Im Rah- men seiner kurzgehaltenen Ausführungen ungewürdigt bl ieben dabei namentlich aber die Äusserungen der Versicherten, denen zufolge sowohl ihre Freundin als auch ihr Ex-Ehemann im Haushalt eine Hilfestellung darstellen würden, wob ei Letzterer mehrheitlich die administrati- ven Tätigkeiten erledige und auch mit den Kindern die Einkäufe übernehme. Abhängig von der Tagesverfassung bedürfe sie auch Hilfe beim Kochen oder Wäsche waschen. 6.2.5 Weitere Zweifel ergeben sich schliesslich aus den F eststellungen von Dr. D.____ in seinem Bericht vom 18. September 2018 (vgl. E. 5.7 hie rvor), bei welchem die Versicherte seit 2010 in psychiatrischer Behandlung steht. Dr. I.____ setzt e sich mit den darin geschilderten Einschätzungen des Behandlers, namentlich auch dem anh and eines Gentests erhobenen Be- fund einer verminderten Passage von Antidepressiva durch d ie Blut-Hirn-Schranke, in keiner Weise auseinander. Vor diesem Hintergrund sind die gutachterlichen Schluss folgerungen, wonach von einer Ar- beitsunfähigkeit von 20% auszugehen sei, beweismässig nicht hinreichend abgestützt und er- heblich in Zweifel zu ziehen. 6.3 Zusammenfassend ist das Gutachten von Dr. I.____ als nicht beweiskräftig zu be- zeichnen. Die depressive Problematik an sich bzw. deren Ausmass bleibt unklar. Auch das Vor- liegen einer psychiatrischen Komorbidität vermag der Gu tachter nicht schlüssig und nachvoll- ziehbar auszuschliessen. Insgesamt erweist sich der psychische G esundheitszustand der Ver- sicherten und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit als nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Dessen ungeachtet sind in den vorliegenden Akten – wi e die Beschwerdeführerin ebenfalls zu Recht geltend macht – zahlreiche somatisch e Beschwerden dokumentiert (vgl. E. 5.11 hiervor). So weist auch Dr. I.____ in seinem Gutachten darauf hin, dass aufgrund der körperlichen Erkrankungen (pulmonare Situation, Zervikal syndrom, Adipositas permagna, Myxödem) ein angepasstes Profil aus somatischer Sicht definie rt werden müsste. Hervorzuhe- ben sind dabei namentlich die im MRT vom 6. Februar 2020 (IV-act. 173, S. 46) neu erhobenen Parenchymdefekte, die in den bisherigen neurologischen B eurteilungen, insbesondere im An- schluss an das im Jahr 2010 stattgehabte Unfallereignis, gerade ausgeschlossen werden konn- ten (vgl. E. 5.2 hiervor). In diesem Sinne vermag denn auch die Aussage von Dr. I.____ nicht zu überzeugen, wonach dieser Befund mit der traumatischen Kopfverletzung von 2010 zu erklären sei und eine neu aufgetretene hirnorganische Symptomatik nicht bestätigt werden könne, zumal es sich bei Dr. I.____ ohnehin nicht um einen Facharzt für Neurologie handelt. Wie unter Erwä- gung 5.11 hiervor dargelegt, sind in den Akten ferner ein mässig bis schwergradiges obstrukti- ves Schlafapnoe-Syndrom, ein Myxödem der Füsse und distale n Unterschenkel beidseits bei einem Morbus Basedow und einem sekundären Lymphödem der unteren Extremitäten beidseits im Stadium III nach Földi, eine infektexazerbierte C OPD mit möglicher Pneumonie rechts, eine Adipositas permagna (BMI 47.5kg/m²) sowie eine substituierte Hypothyreose dokumentiert. Da- bei finden sich vorliegend durchaus auch Beurteilungen, die aus somatischer Sicht eine Ar- beitsunfähigkeit bescheinigen (vgl. etwa Bericht von Dr. med. L.____, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 24. November 2018, IV-act. 116). D as Erfordernis einer umfassenden so- matischen Begutachtung wird auch nicht durch die diesbezü glichen Ausführungen der Be- schwerdegegnerin bzw. ihres RAD entkräftet, denen zufolg e die bestehenden Beschwerden bereits gutachterlich bewertet worden seien und keine I V-relevante Einschränkung des Funkti- onsniveaus ausgemacht werden könne, da die meisten Befun de einer wirksamen und zweck- mässigen Behandlung zugänglich seien (vgl. E. 5.12 hier vor). Angesichts der zahlreichen stati- onären Aufenthalte und Operationen greifen diese Fes tstellungen zu kurz, zumal sie im We- sentlichen auf einer isolierten Betrachtung einzelner Beschwerdebilder gründen und damit einer Gesamtbetrachtung nicht hinreichend Rechnung tragen. Hinzu tritt, dass eine Wechselwirkung zwischen den somatischen und psychiatrischen Krankheitsbilde rn keinerlei Berücksichtigung gefunden hat. Diesbezüglich gilt es anzumerken, dass sich in den Akten verschiedentlich Hin- weise finden, wonach die fehlende Kooperation der Ve rsicherten einer psychischen Ursache zugeschrieben wird. Auch dieser Aspekt hat im Sinne einer – die psychischen und somatischen Beeinträchtigungen umfassenden – Gesamtbeurteilung vo rliegend zu wenig Würdigung erfah- ren. 8. Nach dem Gesagten erlauben die vorliegenden Akten w eder eine zuverlässige Beurtei- lung des medizinischen Sachverhalts noch eine rechtsgenügl iche Beurteilung der Arbeitsfähig- keit. Es ist im Hinblick auf eine abschliessende Einschätz ung der Arbeitsfähigkeit eine die psy- chischen und somatischen Beeinträchtigungen umfassende Gesa mtbeurteilung (vgl. BGE 139 V 349 E. 3.2) erforderlich. Nachdem die Beschwerdegegnerin eine solche unterlassen hat, ist sie ihrer – aus dem Untersuchungsgrundsatz result ierenden – Pflicht nicht nachgekom- men, die Abklärungen umfassend und unter Berücksichtigung aller gesundheitlichen Beschwer- den vorzunehmen. Die Abklärungsergebnisse aus dem Verwa ltungsverfahren sind nicht ausrei- chend beweiskräftig, der relevante medizinische Sachverha lt bedarf vielmehr weiterer Abklä- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung. Die Angelegenheit ist daher an die IV-Stelle zu rückzuweisen, welche den Gesundheitszu- stand und die Arbeitsfähigkeit der Versicherten durch e in polydisziplinäres Gutachten, welches – mindestens – die Fachbereiche Psychiatrie, Neurologie, Endokrinologie und Pneumologie umfasst, abklären zu lassen hat. Über die Frage, ob au s medizinischer Sicht allenfalls noch weitere Abklärungen in anderen Fachrichtungen (bspw. ei ne neuropsychologische Abklärung) erforderlich sind, werden die beauftragten Gutachter zu befinden haben. 9. Im Ergebnis ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuhe issen, als die angefochtene Ver- fügung vom 24. Februar 2021 aufzuheben und die Ange legenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfü gung an die IV-Stelle Basel- Landschaft zurückzuweisen ist. 10.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens - und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 10.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ve rfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Die Verfahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In ca su hat deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei die Verfahrenskosten zu tragen. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.- sind der IV-Stelle aufzuerlegen. 10.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besc hwerdeführende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Nach der Rechtsprechung sind u nter dem Titel Parteientschädigung auch die Kosten privat eingeholter Gutachten zu vergüten , soweit die Parteiexpertise für die Entscheidfindung unerlässlich war (Art. 45 Abs. 1 ATSG; BGE 115 V 62; vgl. auch Urteil e des Bundesgerichts vom 3. Mai 2016, 9C_671/2015, E. 5 und vom 20. August 2019, 8C_27/2019, E. 7). Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Besc hwerdegegnerin habe die Kosten für die von ihr veranlasste Stellungnahme von Dr. K.____ vom 9. Dezember 2020 (vgl. E. 5.13 hiervor) in der Höhe von Fr. 1’500.-- zu vergüten. Zwar lassen si ch den Ausführungen von Dr. K.____ durchaus Aspekte entnehmen, die Zweifel an den Schlussfol gerungen im Verwaltungsgutach- ten zu wecken vermögen. Es handelt sich hierbei indessen nicht um neue und für die Beurtei- lungsgrundlage unerlässliche Erkenntnisse. Wie aus den vo rstehenden Erwägungen hervor- geht, geben zahlreiche weitere Berichte und Stellung nahmen von behandelnden Fachpersonen Anlass, dem Gutachten von Dr. I.____ die Beweiskraft a bzusprechen. Mit anderen Worten kommt der Stellungnahme von Dr. K.____ keine entscheid ende Bedeutung dafür zu, dass das Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gericht zusätzliche Abklärungen als erforderlich erachtet. Die Kosten für die Erstellung dieses Berichts sind daher nicht der Beschwerdegegnerin zu übe rbinden. Der beigebrachten Honorar- note vom 18. Mai 2021 zufolge beläuft sich der gelte nd gemachte Aufwand auf insgesamt 12 Stunden, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungs- prozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwen dung gelangenden Stundenan- satz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Die Beschwerdegegner in hat der Beschwerdeführerin demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. Fr. 3'000.-- (12 Stunden à Fr. 250.--) zu bezahlen. 11. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtliche n Angelegenheiten an das Bundesge- richt zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschli essen. Selbstständig eröffnete Zwi- schenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit B eschwerde in öffentlich-rechtlichen An- gelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken kön- nen (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Guthei ssung der Beschwerde sofort einen En- dentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden A ufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 A bs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesge- richtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versiche- rungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuver fügung nicht um einen Endent- scheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von A rt. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materiell e Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 24. Febr uar 2021 auf- gehoben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3'000.-- zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht