<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 188</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">188</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>48 Kindergartenzuteilung</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Abweisung eines Gesuches um Umteilung in einen andern Kin-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dergarten stellt eine Verfügung dar.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Abgrenzung schulorganisatorischer Massnahmen von Realakten.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Nichteintretensentscheide, welche eine anfechtbare Verfügung ver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>neinen, können mit Beschwerde angefochten werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 23. Februar 2011 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen A. und B. gegen O. und Z. (WBE.2010.281).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">189</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Schulrat hat seinen Entscheid vom 23. Juni 2010 mit einer</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelbelehrung versehen, wonach sein Entscheid mit Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsbeschwerde beim Regierungsrat angefochten werden kann.</span><br/> <span class="ft1">Die für den Regierungsrat instruierende Behörde, das BKS, vertritt</span><br/> <span class="ft1">mit Unterstützung des Rechtsdienstes des Regierungsrates die Auf-</span><br/> <span class="ft1">fassung, beim erstinstanzlichen Entscheid der Schulpflege O. vom</span><br/> <span class="ft1">7. Juni 2010 handle es sich um eine schulorganisatorische Massnah-</span><br/> <span class="ft1">me, welche auch nach Inkrafttreten des revidierten Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtspflegegesetzes vom 5. Dezember 2007 nicht angefochten wer-</span><br/> <span class="ft1">den könne. Aus den gleichen Überlegungen ist der Schulrat auf die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde nicht eingetreten. Den Nichteintretensentscheid begrün-</span><br/> <span class="ft1">dete der Schulrat insbesondere damit, dem angefochtenen Entscheid</span><br/> <span class="ft1">der Schulpflege komme keine Verfügungsqualität zu und er stelle</span><br/> <span class="ft1">einen Realakt dar. Aus diesen Gründen fehle ein zulässiges Anfech-</span><br/> <span class="ft1">tungsobjekt, weshalb auf die Beschwerde nicht einzutreten sei.</span><br/> <span class="ft1">Unabhängig davon, ob diese Betrachtungsweise zutrifft oder</span><br/> <span class="ft1">nicht, d.h. ob der Schulrat auf die Beschwerde zu Recht oder zu Un-</span><br/> <span class="ft1">recht nicht eingetreten ist (dazu nachfolgend Erw. II/2), handelt es</span><br/> <span class="ft1">sich bei seinem Nichteintretensbeschluss um einen nach § 41 VRPG</span><br/> <span class="ft1">weiterziehbaren Entscheid. In diesem (End-) Entscheid wird das</span><br/> <span class="ft1">Verfahren vor dem Schulrat formell mit einem Prozessentscheid ab-</span><br/> <span class="ft1">geschlossen. Verneint der Schulrat als Beschwerdeinstanz das Vor-</span><br/> <span class="ft1">liegen einer anfechtbaren Verfügung, so ist der so motivierte Nicht-</span><br/> <span class="ft1">eintretensentscheid der Überprüfung zugänglich (vgl. Michael</span><br/> <span class="ft1">Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem</span><br/> <span class="ft1">aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege [Kommentar</span><br/> <span class="ft1">zu den §§ 38-72 VRPG], Diss. Zürich 1998, § 38 N 20 VRPG). Im</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelverfahren zu prüfen ist die Rechtmässigkeit des Nicht-</span><br/> <span class="ft1">eintretensentscheides. Eine (unbegründete) Beschwerde gegen einen</span><br/> <span class="ft1">Nichteintretensentscheid führt bei im Übrigen gegebenen Sachur-</span><br/> <span class="ft1">teilsvoraussetzungen zur <i>Abweisung</i> der Beschwerde und nicht zu</span><br/> <span class="ft1">einer (vorfrageweisen) Überprüfung der materiellen Rechtslage mit</span><br/> <span class="ft1">anschliessendem Nichteintretensentscheid, falls die Prüfung ergibt,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">190</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dass der vorinstanzliche Entscheid zutreffend ist. Im angefochtenen</span><br/> <span class="ft1">Entscheid des Schulrates ist deshalb die Rechtsmittelbelehrung mit</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsbeschwerde an den Regierungsrat korrekt (§ 78 SchulG;</span><br/> <span class="ft1">vgl. auch § 50 Abs. 1 lit. a VRPG).</span><br/> <span class="ft1">Aus diesen Erwägungen folgt die Zuständigkeit des Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrates für die Beschwerde gegen den Entscheid des Schulrates</span><br/> <span class="ft1">vom 23. Juni 2010.</span><br/> <span class="ft1">1.3. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.-5. (...)</span><br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Der Schulrat ist auf die Beschwerde nicht eingetreten, mit der</span><br/> <span class="ft1">Begründung, der Zuteilungsentscheid der Schulpflege habe keinen</span><br/> <span class="ft1">Verfügungscharakter, sondern sei eine organisatorische Massnahme,</span><br/> <span class="ft1">ein sogenannter Realakt. Es fehle somit an einem zulässigen Anfech-</span><br/> <span class="ft1">tungsobjekt und die Mitteilung der Schulpflege sei fälschlicherweise</span><br/> <span class="ft1">mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen worden.</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Anfechtungsobjekt im Beschwerdeverfahren vor dem Schulrat</span><br/> <span class="ft1">ist der Beschluss der Schulpflege vom 7. Juni 2010. Die Schulpflege</span><br/> <span class="ft1">hat ein Gesuch der Beschwerdeführer um Zuweisung ihrer Tochter in</span><br/> <span class="ft1">den Kindergarten "Y." "aus organisatorischen Gründen" abgelehnt.</span><br/> <span class="ft1">Die Mitteilung der Schulpflege vom 7. Juni 2010 erfüllt alle formel-</span><br/> <span class="ft1">len und inhaltlichen Voraussetzungen eines Entscheides im Sinne</span><br/> <span class="ft1">von § 26 Abs. 1 bis 4 VRPG. Die Schulpflege hat als zuständige</span><br/> <span class="ft1">Behörde ein Gesuch der Beschwerdeführer mit dem sie einen An-</span><br/> <span class="ft1">spruch auf den Besuch des Kindergartens "Y." geltend machten, ab-</span><br/> <span class="ft1">gewiesen.</span><br/> <span class="ft1">Die Überlegung, dieses Schreiben sei ein blosser Realakt oder</span><br/> <span class="ft1">eine (informelle) organisatorische Anordnung, vermag angesichts</span><br/> <span class="ft1">von Form und Inhalt dieses Schreibens nicht zu überzeugen. Unab-</span><br/> <span class="ft1">hängig von der rechtlichen Qualifikation eines Entscheides über die</span><br/> <span class="ft1">Zuteilung eines Kindergärtners an einen bestimmten Kindergarten</span><br/> <span class="ft1">stellt die Abweisung eines Gesuches über einen behaupteten An-</span><br/> <span class="ft1">spruch auch inhaltlich eine Verfügung dar. Mit dem Gesuch haben</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">191</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführer einen Rechtsanspruch auf eine Umteilung</span><br/> <span class="ft1">ihrer Tochter C. in den Kindergarten "Y." behauptet und geltend ge-</span><br/> <span class="ft1">macht. Die Schulpflege ist auf das Gesuch eingetreten, hat es abge-</span><br/> <span class="ft1">wiesen und damit materiell behandelt.</span><br/> <span class="ft1">Der Entscheid der Schulpflege vom 7. Juni 2010 vereinigt da-</span><br/> <span class="ft1">mit alle Elemente des Verfügungsbegriffs und ist gemäss § 75 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">SchulG bzw. § 41 Abs. 1 VRPG mit Beschwerde anfechtbar.</span><br/> <span class="ft1">Der Schulrat hätte daher auf die Beschwerde eintreten müssen.</span><br/> <span class="ft1">Insoweit ist die Beschwerde begründet.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Nicht eine Frage des (zulässigen) Anfechtungsobjekts als Pro-</span><br/> <span class="ft1">zessvoraussetzung im Beschwerdeverfahren ist, ob die Schulpflege</span><br/> <span class="ft1">O. diesen Entscheid als Verfügung erlassen durfte. Die Prüfung der</span><br/> <span class="ft1">Sachurteilsvoraussetzungen (auch) des erstinstanzlichen Entscheides</span><br/> <span class="ft1">ist von Amtes wegen Gegenstand der Rechtsmittelverfahren</span><br/> <span class="ft1">(AGVE</span> <span class="ft1">2009, S.</span> <span class="ft1">292 [betr. Legitimation]; AGVE 2000, S.</span> <span class="ft1">356</span><br/> <span class="ft1">Erw. 1c [betr. Frist]; je mit Hinweisen). Verneint eine Rechtsmittel-</span><br/> <span class="ft1">instanz die Sachurteilsvoraussetzungen für den erstinstanzlichen Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid, ist die Verfügung von Amtes wegen zu korrigieren. Soweit</span><br/> <span class="ft1">der Schulrat und das BKS die Auffassung vertreten, die Schulpflege</span><br/> <span class="ft1">habe gar nicht verfügen dürfen oder können, weil ihrem Beschluss</span><br/> <span class="ft1">(von Gesetzes wegen) kein Verfügungscharakter oder der Schul-</span><br/> <span class="ft1">pflege keine Verfügungsbefugnis zukommt, hätte der Schulrat eine</span><br/> <span class="ft1">ungültige Verfügung der Schulpflege von Amtes wegen aufheben</span><br/> <span class="ft1">müssen.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">2.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Auffassung der kantonalen Schulbehörden wonach es sich</span><br/> <span class="ft1">bei der Verfügung vom 7. Juni 2010 (nur) um einen Realakt oder</span><br/> <span class="ft1">eine organisatorische Anordnung handelt, vermag auch dogmatisch</span><br/> <span class="ft1">nicht zu überzeugen. Erstens kann nach den Gesetzen der Logik die</span><br/> <span class="ft1">Eröffnung und Zustellung des Entscheides nicht als eine nicht-</span><br/> <span class="ft1">existente Verfügung qualifiziert werden, sie war allenfalls ungültig.</span><br/> <span class="ft1">Realakte sind sodann Tathandlungen bzw. Verwaltungsmassnahmen,</span><br/> <span class="ft1">die nicht auf einen rechtlichen, sondern einen tatsächlichen Erfolg</span><br/> <span class="ft1">gerichtet sind. Sie begründen keine unmittelbaren Rechte und Pflich-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">192</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ten der Privaten, sondern gestalten unmittelbar die Faktenlage in dem</span><br/> <span class="ft1">sie Tatsachen schaffen (Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann,</span><br/> <span class="ft1">Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2010, Rz. 874c;</span><br/> <span class="ft1">Pierre Tschannen/Ulrich Zimmerli/Markus Müller, Allgemeines Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsrecht, 3. Auflage, Bern 2009, § 38 N 1 f., insbesondere N 4).</span><br/> <span class="ft1">Die Abweisung eines Gesuches schafft keine Tatsachen, sondern ist</span><br/> <span class="ft1">auf Rechtswirkungen ausgerichtet. In jedem Fall stellt ein solcher</span><br/> <span class="ft1">Entscheid zumindest hoheitlich fest, dass dem Gesuchsteller der be-</span><br/> <span class="ft1">hauptete Rechtsanspruch aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen</span><br/> <span class="ft1">nicht zusteht.</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Nach der Rechtsprechung von Regierungsrat und Schulbehör-</span><br/> <span class="ft1">den gelten die Zuweisung von Schülerinnen und Schülern in Schul-</span><br/> <span class="ft1">abteilungen, von Kindern in Kindergartenabteilungen, die Zuteilung</span><br/> <span class="ft1">zu einem bestimmten Schulhaus oder zu einem Berufsschulstandort</span><br/> <span class="ft1">als nicht anfechtbare schulorganisatorische Massnahmen</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 2000, S. 596 f.; AGVE 1996, S. 557 f.; RRB 2005-001011).</span><br/> <span class="ft1">Die Rechtsprechung erging unter dem Verwaltungsrechtspflegegesetz</span><br/> <span class="ft1">1968 und wurde damit begründet, dass diese Anordnungen die Rech-</span><br/> <span class="ft1">te und Pflichten eines Schul- bzw. Kindergartenkindes nicht tangie-</span><br/> <span class="ft1">ren und ein Rechtsschutz gegen solche Anordnungen die Schulor-</span><br/> <span class="ft1">ganisation massiv erschweren würde. Das BKS und der regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrätliche Rechtsdienst möchten an dieser Praxis unter dem neuen</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrechtspflegegesetz weiterhin festhalten.</span><br/> <span class="ft1">Ein Kennzeichen der angeführten schulorganisatorischen An-</span><br/> <span class="ft1">ordnungen im Bildungswesen ist, dass sie in der Regel formlos erge-</span><br/> <span class="ft1">hen. Es handelt sich dabei um Realakte, die in der Typisierung ihrer</span><br/> <span class="ft1">Verhältnisse zum Entscheid, tatsächliches Verwaltungshandeln oder</span><br/> <span class="ft1">verfügungsvertretende Akte der normalen Verwaltungstätigkeit dar-</span><br/> <span class="ft1">stellen (vgl. dazu Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz.</span> <span class="ft1">866</span> <span class="ft1">ff.;</span><br/> <span class="ft1">Tschannen/Zimmerli/Müller, a.a.O., § 38 N 14 ff.)</span><br/> <span class="ft1">Bei diesen Realakten stellen sich regelmässig Fragen des</span><br/> <span class="ft1">Rechtsschutzes. In der Literatur und Rechtsprechung werden ver-</span><br/> <span class="ft1">schiedene Ansätze diskutiert (vgl. dazu Paul Richli, Zum Rechts-</span><br/> <span class="ft1">schutz gegen verfügungsfreies Staatshandeln in der Totalrevision der</span><br/> <span class="ft1">Bundesrechtspflege, in: AJP 1998, S. 1426 ff.; Häfelin/Müller/Uhl-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">193</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mann, a.a.O., Rz. 736a ff. mit Hinweisen; Markus H.F. Mohler, Zur</span><br/> <span class="ft1">Anfechtbarkeit polizeilicher intervenierender Realakte unter dem Ge-</span><br/> <span class="ft1">sichtspunkt der Rechtsweggarantie gemäss Art. 29a BV - Justizre-</span><br/> <span class="ft1">form, in: AJP 2007, S. 461 ff.; BGE 130 I 369, Erw. 6.1 mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weis). Das Bundesgericht lässt ausnahmsweise die Anfechtung eines</span><br/> <span class="ft1">Realaktes zu, wenn die organisatorische Massnahme ein durch</span><br/> <span class="ft1">Verfassung oder durch Gesetz geschütztes Recht, wie zum Beispiel</span><br/> <span class="ft1">den Anspruch auf Elementarausbildung, tangiert (Herbert Plotke,</span><br/> <span class="ft1">Schweizerisches Schulrecht, 2. Auflage, Bern/Stuttgart/Wien 2003,</span><br/> <span class="ft1">Abschnitt 21.723). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann</span><br/> <span class="ft1">ein Rechtsschutzinteresse auch dann vorliegen, wenn dem Schüler</span><br/> <span class="ft1">besondere Verhaltenspflichten oder sonstige besondere Nachteile zu-</span><br/> <span class="ft1">gemutet werden. Organisatorische Anordnungen können demnach</span><br/> <span class="ft1">praxisgemäss regelmässig auf dem Rechtsmittelweg angefochten</span><br/> <span class="ft1">werden, falls sie die Interessen des einzelnen Schülers in spezifischer</span><br/> <span class="ft1">Weise berühren (Urteil des Bundesgerichts vom 28. März 2002</span><br/> <span class="ft1">[2P.324/2001], Erw. 3.3).</span><br/> <span class="ft1">2.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Im Rahmen der Justizreform wurde der Rechtsschutz bezüglich</span><br/> <span class="ft1">des tatsächlichen Verwaltungshandelns auf Bundesebene ausgeweitet</span><br/> <span class="ft1">und der Art. 25a VwVG eingeführt. Dieser bezieht sich auf die</span><br/> <span class="ft1">gesamte verfügungsfreie Verwaltungstätigkeit und besagt, dass Per-</span><br/> <span class="ft1">sonen, welche ein schutzwürdiges Interesse haben, von der zuständi-</span><br/> <span class="ft1">gen Behörde eine Verfügung über Handlungen verlangen können, die</span><br/> <span class="ft1">sich auf öffentliches Recht des Bundes stützen und Rechte und</span><br/> <span class="ft1">Pflichten berühren (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 737a ff.).</span><br/> <span class="ft1">Sinn und Zweck des Art. 25a VwVG ist die Verkleinerung des</span><br/> <span class="ft1">Rechtsschutzdefizits, welches vor der Revision der Bundesrechts-</span><br/> <span class="ft1">pflege im Bereich des tatsächlichen Verwaltungshandelns bestanden</span><br/> <span class="ft1">hat (BGE 136 V 156, E. 4.2). Art. 25a VwVG ist allerdings im kanto-</span><br/> <span class="ft1">nalen Verwaltungsprozessrecht nicht unmittelbar anwendbar. Im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen ihrer Organisations- und Verfahrensautonomie sind die Kan-</span><br/> <span class="ft1">tone frei, eine abweichende Lösung zur Gewährleistung der Rechts-</span><br/> <span class="ft1">weggarantie des Art. 29a BV zu treffen (Häfelin/Müller/Uhlmann,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., Rz. 737d; Christina Kiss, Rechtsweggarantie und Totalrevi-</span><br/> <span class="ft1">sion der Bundesrechtspflege, in: ZBJV 1998, S. 291 ff.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">194</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Im Verwaltungsrechtspflegegesetz fehlt eine Bestimmung, wel-</span><br/> <span class="ft1">che den Beschwerdeweg analog zu Art. 25a VwVG mittels eines</span><br/> <span class="ft1">Anspruchs auf eine Feststellungsverfügung öffnet. Stattdessen wurde</span><br/> <span class="ft1">in § 60 Abs. 1 lit. d VRPG die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">im Klageverfahren für öffentlich-rechtliche Streitigkeiten für jene</span><br/> <span class="ft1">Fälle begründet, "in denen in Rechtspositionen von Privaten einge-</span><br/> <span class="ft1">griffen wird, ohne dass ein Entscheid ergeht oder Klage vor einer</span><br/> <span class="ft1">anderen Instanz erhoben werden kann". Nach dem Willen des Ge-</span><br/> <span class="ft1">setzgebers soll diese Zuständigkeitsnorm den Rechtsschutz nach</span><br/> <span class="ft1">Art. 29a BV, die Rechtsschutzgarantien der EMRK und des Interna-</span><br/> <span class="ft1">tionalen Pakts über die bürgerlichen und politischen Rechte im Sinne</span><br/> <span class="ft1">einer Auffangnorm gewährleisten (Botschaft des Regierungsrates</span><br/> <span class="ft1">vom 14. Februar 2007 [07.27] S. 73/74). Entsprechend restriktiv sind</span><br/> <span class="ft1">die Voraussetzungen für diese Zuständigkeit normiert und verlangen</span><br/> <span class="ft1">insbesondere, dass "kein Entscheid ergeht". Aus diesem Wortlaut und</span><br/> <span class="ft1">aus dem systematischen Bezug zur Gleichstellung der Rechtsver-</span><br/> <span class="ft1">weigerung mit anfechtbaren Entscheiden (§ 41 Abs. 2 VRPG) einer-</span><br/> <span class="ft1">seits und zur Beschwerdemöglichkeit bei einer (behaupteten) Ver-</span><br/> <span class="ft1">letzung der Rechtsweggarantie (§ 54 Abs. 4 VRPG) andererseits</span><br/> <span class="ft1">folgt, dass in allen Fällen, in denen ein Entscheid einer Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">behörde <i>tatsächlich</i> ergeht, vorliegt oder verweigert wird, der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsschutz im Beschwerdeverfahren zur Anwendung kommt.</span><br/> <span class="ft1">2.3.4.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall hat die Kindergartenleitung über die Zu-</span><br/> <span class="ft1">teilung der Kinder in die Kindergärten "X." und "Y." definitiv ent-</span><br/> <span class="ft1">schieden. Im Nachgang zu dieser (formlosen) Zuteilung der Tochter</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer in den Kindergarten "X." hat die Schulpflege</span><br/> <span class="ft1">O. das Gesuch der Beschwerdeführer um eine Umteilung ihrer</span><br/> <span class="ft1">Tochter C. in den Kindergarten "Y." abgelehnt. Streitgegenstand im</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeverfahren vor dem Schulrat war daher nicht die organi-</span><br/> <span class="ft1">satorische Zuteilung der Kindergartenleitung, sondern das im ange-</span><br/> <span class="ft1">fochtenen Entscheid abgelehnte Gesuch um Umteilung von C.. Ob</span><br/> <span class="ft1">die von der Kindergartenleitung vorgenommene formlose Zuteilung</span><br/> <span class="ft1">eine schulorganisatorische Massnahme, ein Realakt ohne Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gungscharakter und Anfechtungsmöglichkeit darstellt, kann offen ge-</span><br/> <span class="ft1">lassen werden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">195</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Mit dem Entscheid der Schulpflege vom 7. Juni 2010 liegt auch</span><br/> <span class="ft1">"tatsächlich" ein Entscheid vor, weshalb § 60 lit. d VRPG keine</span><br/> <span class="ft1">Anwendung finden kann. Mit der Abweisung des Gesuches wurde</span><br/> <span class="ft1">schliesslich ein (Rechts-) Anspruch auf Umteilung von C. in den</span><br/> <span class="ft1">Kindergarten "Y." verneint. Ob die (nachträgliche) Verfügung der</span><br/> <span class="ft1">Schulpflege mit Bezug auf die Zuteilung der Kindergartenleitung</span><br/> <span class="ft1">allenfalls auch als Feststellung der Rechtmässigkeit einer organisato-</span><br/> <span class="ft1">rischen Massnahme zu qualifizieren ist und welcher Rechtsschutz</span><br/> <span class="ft1">nach kantonalem Recht bei organisatorischen Anordnungen im Bil-</span><br/> <span class="ft1">dungsbereich besteht, muss im vorliegenden Verfahren nicht ab-</span><br/> <span class="ft1">schliessend entschieden werden.</span><br/> <span class="ft1">Im Hinblick auf die Meinungsäusserungen von Schulbehörden</span><br/> <span class="ft1">und Verwaltung erscheint es angebracht, ergänzend auf § 54 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">und § 55 Abs. 2 VRPG und die bundesgerichtliche Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">hinzuweisen. Aus dem Bildungsbereich finden sich im Ausnahme-</span><br/> <span class="ft1">katalog (§ 54 Abs. 2 VRPG, vgl. auch Art. 83 BGG) nur die Schul-</span><br/> <span class="ft1">standorte angeführt, während die Zuteilung von Ausbildungsgängen</span><br/> <span class="ft1">und die Festlegung von Klassengrössen an Schulen, wenn auch mit</span><br/> <span class="ft1">eingeschränkter Kognition des Gerichts, im Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft1">anfechtbar sind (§ 55 Abs. 2 VRPG). Letztinstanzliche Entscheide in</span><br/> <span class="ft1">Streitigkeiten über die Bestätigung einer Zuweisung von Schülern in</span><br/> <span class="ft1">Klassen und Schulhäuser sind nach der bundesgerichtlichen Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung Entscheide, die mit öffentlich-rechtlicher Beschwerde an-</span><br/> <span class="ft1">gefochten werden können (Urteil des Bundesgerichts vom 27. März</span><br/> <span class="ft1">2008 [2C_495/2007], Erw. 1.1.).</span><br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend folgt aus den vorstehenden Erwägungen,</span><br/> <span class="ft1">dass der Nichteintretensentscheid des Schulrates in formeller Hin-</span><br/> <span class="ft1">sicht - soweit ein Anfechtungsobjekt verneint wurde - und materiell</span><br/> <span class="ft1">in Bezug auf den Streitgegenstand (Nichteintreten) aufzuheben ist.</span><br/> <span class="ft1">Der Schulrat und der Regierungsrat hätten auf die Beschwerde ein-</span><br/> <span class="ft1">treten müssen. Der Entscheid des Schulrates ist aufzuheben.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>