B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2082/2018 law/bah U r t e i l v o m 23 . A p r i l 2 0 1 8 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter William Waeber, Richterin Daniela Brüschweiler, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A_______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Advokaturbüro, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung); Verfügung des SEM vom 3. April 2018 / N (…). D-2082/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 14. März 2018 im Transitbereich des Flughafens Zürich bei der Flughafenpolizei um die Gewährung von Asyl in der Schweiz nach. Gemäss Feststellung der Flughafenpolizei hatte er den Flughafen am Tag zuvor erreicht. Das SEM verweigerte ihm noch am glei- chen Tag vorläufig die Einreise in die Schweiz und wies ihm für längstens 60 Tage den Transitbereich des Flughafens als Aufenthaltsort zu. B. B.a Am 17. März 2018 wurde der Beschwerdeführer zu seiner Person, zum Reiseweg und summarisch zu den Gesuchsgründen (Befragung zur Per- son, BzP) befragt. Er gab an, er habe in den Jahren 2013 und 2015 je einmal an einer Demonstration teilgenommen. 2016 und 2017 habe er an vielen Demonstrationen teilgenommen; sie hätten von der Regierung ver- langt, dass Kriegsverbrechen untersucht würden. Deshalb sei er 2016 vom CID (Criminal Investigation Department) befragt worden. Am 25. Juni 2017 sei er von Armeeangehörigen mitgenommen, verhört und gefoltert und am folgenden Tag freigelassen worden. Seit sein Bruder B_______ 2011 aus- gereist sei – er lebe in C_______ –, hätten Angehörige des CID diesen zu Hause gesucht. Auf Nachfrage sagte der Beschwerdeführer, er gehöre kei- ner Partei an und habe „nur“ an den Demonstrationen teilgenommen. Da- bei habe er manchmal Plakate mitgetragen. Im Februar 2017 sei eine Fo- tografie von ihm, auf der er bei der Teilnahme an Demonstrationen gezeigt werde, in Zeitungen abgebildet worden. Nachdem sein Schwager, der bei den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) gewesen sei und heute in der Schweiz lebe, Sri Lanka verlassen habe, hätten die Behörden zu Hause nach diesem gefragt. Von Anfang 2009 bis Ende 2010 habe er (der Be- schwerdeführer) sich in zwei Flüchtlingslagern aufgehalten. Er sei politisch nicht aktiv gewesen, habe aber Kontakt zu einem Parlamentsmitglied ge- habt, das der TNA (Tamil National Alliance) angehöre. Weil er Probleme gehabt habe, sei er zu seiner Schwester gezogen und habe dort gearbeitet. Nachdem die Behörden auch zu seiner Schwester gegangen seien, sei er ausgereist. Nach gesundheitlichen Problemen gefragt, gab er an, es gehe ihm psychisch nicht so gut und er könne nicht richtig schlafen. B.b Am 22. März 2018 hörte das SEM den Beschwer deführer einlässlich zu seinen Asylgründen an. Er machte im Wesentlichen geltend, seine Schwester und sein Vater lebten nun in Angst, da er ausgereist sei. Sie befürchteten, dass die Armee und der CID vorbeikämen. Als er nicht mehr D-2082/2018 Seite 3 in seinem Dorf habe leben können, sei er zu seiner rehabilitierten Schwes- ter D_______ gegangen. Der CID sei zu ihr gekommen und habe sie über ihn befragt. Deshalb habe sie ihn gebeten, nicht mehr bei ihr zu bleiben. Sein in C_______ lebender Bruder habe sich der Rehabilitationsha ft ent- zogen. Der Ehemann seiner ältesten Schwester sei ebenfalls bei den LTTE gewesen. Man habe ihn freikaufen können und er sei ausgereist. Er selbst habe keine Kontakte zu den LTTE gehabt. Im Jahr 2013 habe er an einer Protestaktion teilgenommen, bei der gefordert worden sei, dass Kriegsver- brechen aufgeklärt würden. 2015 habe er in E_______ erneut an einer sol- chen Protestaktion teilgenommen. 2016 habe er an Protesten teilgenom- men, bei denen es um verschwundene Personen gegangen sei. Bei einer Aktion von 2017 habe man gefordert, dass man etwas gegen Menschen- rechtsverletzungen unternehmen solle, und es habe weitere Aktionen we- gen verschwundener Personen gegeben. Bei F_______ habe es Proteste gegeben, bei denen gefordert worden sei, dass man konfiszierte Grun d- stücke freigebe. Anfang 2016 habe einer seiner Freunde eine Fotografie von ihm auf Facebook geladen, auf der er bei der Teilnahme an einer De- monstration abgebildet sei. Deshalb sei der CID gekommen, um ihn zu be- fragen. Man habe von ihm wissen wollen, wer hinter ihm stehe, namentlich, ob die „Leute“ seiner Schwester oder seines Bruders ihm helfen würden. Zudem habe man ihn vor der Teilnahme an weiteren Aktionen gewarnt. Nachdem Fotografien von ihm in den Nachrichten gekommen seien, sei er entführt und geschlagen worden. Danach habe er sich zwei bis vier Monate lang zu Hause aufgehalten, weil er geschwächt gewesen sei. Anschlies- send sei er zu seiner zweitältesten Schwester D_______ ins Nachbardorf gegangen. Dort habe er eine Arbeit gefunden, der er drei Monat e lang nachgegangen sei. Während dieser Zeit sei der CID zu seiner Schwester gekommen, um ihn aufzusuchen. Man habe ihm auch Fragen zu seinem Schwager gestellt; er habe geantwortet, man solle seine Schwester G_______, dessen Ehefrau, fragen. Bei den Protestaktionen von 2013 bis 2017 habe er lediglich teilgenommen, mit deren Organisation habe er nichts zu tun gehabt. Es habe dabei verbale Auseinandersetzungen gege- ben und es seien Fotografien und Video-Aufnahmen gemacht worden. Bei seiner ersten Befragung durch den CID habe man wissen wollen, weshalb er an Protestaktionen teilnehme. Man habe nach Hintermännern gefragt und ihm gedroht, man werde ihn unter Terrorverdacht festnehmen oder be- seitigen. Er habe diese Drohungen nicht ernst genommen, habe aber von anderen Personen erfahren, die auch befragt worden seien. Im März 2018 sei der Parlamentarier H_______, der die Proteste organisiert habe, fest- genommen worden; gegen eine Bürgschaft habe man ihn wieder freigelas- sen. Nachdem sein Bild in der Zeitung erschienen sei, habe man ihn (den D-2082/2018 Seite 4 Beschwerdeführer) am 25. Mai 2017 entführt. Er sei an einen Stuhl gefes- selt, beschimpft und misshandelt worden. Man habe ihn auf verschiedene Weise geschlagen, bis er ohnmächtig geworden sei. Als er wieder zu sich gekommen sei, habe er bemerkt, dass er am Rücken blute. Er sei mit einer Eisenstange geschlagen worden. Am folgenden Tag seien sie wieder ge- kommen und hätten ihn beschimpft; zudem habe man ihm dieselben Fra- gen wie beim ersten „Besuch“ des CID gestellt. Bevor man ihn habe gehen lassen, habe man ihn verwarnt. Man habe ihm gesagt, er dürfe nicht mehr an Protesten teilnehmen, und habe ihn aufgefordert, das Land zu verlas- sen. Er gehe davon aus, dass man ihn beschattet habe. Nachdem der CID im Januar 2018 zu seiner Schwester gekommen sei, habe er erstmals da- ran gedacht, seine Heimat zu verlassen. Man habe seine Schwester über ihn befragt und ihr gesagt, er müsse sich im I_______-Camp melden. Zur Stützung seiner Vorbringen gab der Beschwerdeführer mehrere Beweis- mittel ab (vgl. act. A17/24 S. 2). B.c Am 23. März 2018 ging beim SEM per Telefax eine am 21. März 2018 ausgestellte Vollmacht des Rechtsvertreters ein. Mit Schreiben vom selben Tag teilte der Rechtsvertreter mit, er ersuche um Mitteilung des Anhörungs- termins, damit er allenfalls daran teilnehmen könne. Des Weiteren teilte er mit, er verfüge über diverse Beweismittel, die er einreichen wolle. B.d Das SEM teilte dem Rechtsvertreter am 26. März 2018 mit, die Anhö- rung habe am 22. März 2018 stattgefunden. Er wurde aufgeford ert, die nicht näher spezifizierten Dokumente umgehend einzureichen. B.e Mit Schreiben vom 29. März 2018 übermittelte der Rechtsvertreter mehrere Beweismittel. Er teilte mit, sein Mandant habe an der Anhörung aus Schamgefühlen nicht frei sprechen können, da auch Frauen anwesend gewesen seien. Zudem leide er unter dem Aufenthalt am Flughafen, da der Fluglärm ihn an den Kriegslärm erinnere. Durch den Lärm sei seine Kon- zentrationsfähigkeit beeinträchtigt worden. Dem Beschwerdeführer sei die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, die Anhörung sei in einer gleichge- schlechtlichen Runde zu wiederholen und die Akten seines Schwagers seien beizuziehen. C. Das SEM stellte mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 3. April 2018 fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flücht lingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Zugleich wies es ihn aus dem Transitbereich des Flughafens weg und ordnete an, dass er diesen am Tag nach Eintritt D-2082/2018 Seite 5 der Rechtskraft des Entscheids verlassen müsse. Der Kanton J_______ wurde mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt und das SEM ordnete die Aushändigung der editionspflichtigen Akten an den Beschwerdeführer an. Dem Rechtsvertreter stellte das SEM den Asylentscheid am 3. April 2018 zu. D. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht (BVGer) vom 10. April 2018 beantragte der Beschwerdeführer durch seinen Vertreter, das BVGer habe nach Eingang der Beschwerde unverzüglich darzulegen, welche Gerichts- personen mit der Behandlung der Sache betraut würden. Gleichzeitig sei zu bestätigen, dass die Gerichtspersonen zufällig ausgewählt worden seien [1]. Die Verfügung des SEM sei wegen der Verletzung des Anspruchs auf ein faires Verfahren aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, das Asylverfahren nach der Einreise des Beschwerdeführers noch einmal von vorne zu beginnen [2]. Es sei ihm die Einreisebewilligung zu erteilen [3]. Dem Beschwerdeführer sei vollständige Einsicht in die gesamten Akten zu gewähren. Danach sei eine Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergän- zung anzusetzen [4]. Die Verfügung sei wegen Verletzung des Willkürver- bots aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen [5]. Eventuell sei die Verfügung wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtli- ches Gehör aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen [6]. Eventuell sei die Verfügung wegen Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen [7]. Eventuell sei die Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheb- lichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu- weisen [8]. Eventuell sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und i hm Asyl zu gewähren [9]. Eventuell sei die Verfügung betreffend die Ziffern 3 bis 5 aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen [10]. Des Weiteren wurde beantragt, der Beschwerdeführer sei in einer gleichgeschlechtlichen Runde anzuhören [11], es sei ihm eine angemessene Frist zur Einreichung weiterer Beweismittel betreffend seiner politischen Aktivitäten und seiner familiären LTTE-Verbindungen anzusetzen [12] und es sei Frist zur Einrei- chung eines Akteneinsichtsgesuchs betreffend seines Schwagers zu ge- währen [13]. Der Eingabe lagen zahlreiche Beweismittel bei (vgl. S. 49 ff. derselben). D-2082/2018 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das BVGer Beschwerden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des BVGer. Eine das Sachgebiet be- treffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das BVGer ist daher zuständig für die Beurteilung d er vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh- rende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor. 1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebu ng beziehungsweise Ände- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form- gerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 1.3 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG ist vorliegend auf die Anordnung eines Schriftenwechsels zu verzichten. 1.4 Da im zu beurteilenden Fall ein Direktentscheid ergeht, ist das Spruch- gremium praxisgemäss mit vorliegendem Urteil mitzuteilen. Dem Antrag, es sei dem unterzeichnenden Anwalt zu bestätigen, dass das Spruchgre- mium nach dem Zufallsprinzip bestimmt worden sei [1], ist unter Hinweis auf die Praxis abzuweisen (vgl. Urteile des BVGer D-6892/2017 vom 7. März 2018 E. 5; E-1526/2017 vom 26. April 2017 E. 4.1–4.3).). 2. Die Kognition des BVGer und die zulässigen Rügen richten sich im Asyl- bereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im D-2082/2018 Seite 7 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das SEM begründet seinen Entscheid damit, dass der Beschwerdefüh- rer über kein politisches Profil verfüge. Er habe zwar immer wieder an De- monstrationen teilgenommen, dabei aber keine tragende Rolle eingenom- men. Hinsichtlich der beiden Geschwister, die bei den LTTE gewesen seien, habe er gesagt, die Behörden hätten nach der Ausreise seines Bru- ders im Jahr 2010 immer wieder nach diesem gefragt, weshalb er befürch- tet habe, eines Tages mitgenommen zu werden. Es sei aber nie dazu ge- kommen und er habe wegen der LTTE-Vergangenheit seiner Geschwister keine konkreten Probleme gehabt. Der Wiedergabe des ersten Gesprächs des CID mit ihm könne entnommen werden, dass es sich dabei nicht um eine Verfolgung gehandelt habe. Die Ereignisse beim zweiten Vorfall vom Mai 2017 seien, sofern sie sich auf die genannte Weise ereignet hätten, zwar bedauerlich, entfalteten aber aufgrund fehlender Intensität keine Asyl- relevanz. Er habe danach keine weiteren Schwierigkeiten erlitten, obwohl er noch acht Monate lang in Sri Lanka geblieben sei. Die Schwester, bei der er sich seit November 2017 aufgehalten habe, habe im Nachbardorf gelebt und er habe auch gearbeitet, so dass nicht die Rede davon sein könne, dass er sich versteckt gehalten habe. Ausserdem habe er die Hei- mat au f dem Luftweg legal verlassen, wobei er keine Probleme gehabt habe. Der Beschwerdeführer habe gesagt, er fürchte sich vor Verfolgung, weil er bereits einmal entführt, geschlagen und ermahnt worden sei. Nun sei dazu D-2082/2018 Seite 8 gekommen, dass er das Land illegal verla ssen habe. Man werde ihm un- terstellen, Kontakt zu den LTTE gehabt zu haben und ihn ermorden. Diese Aussagen seien zu vage und unspezifisch, um eine Furcht vor Verfolgung zu stützen. Aus seinen Äusserungen gehe nicht hervor, mit welcher Moti- vation die Behörden ihn derart intensiv verfolgen sollten. Die von ihm ein- gereichten Beweismittel könnten die Verfolgung nicht belegen. Diejenigen, die die Kriegszeit oder seine Geschwister beträfen, stünden nicht im Zu- sammenhang mit der Ausreise, die Fotografien könnten höchstens bele- gen, dass er an Demonstrationen teilgenommen habe, nicht aber, dass er deshalb verfolgt worden sei. Bezüglich der Mitnahme im Mai 2017 sei hinsichtlich der Glaubhaftigkeit ausdrücklich ein Vorbehalt anzubringen, da die Aussagen zu den Entfüh- rern widersprüchlich gewesen seien. Bei der BzP habe er angegeben, von Armeeangehörigen entführt worden zu sein, während er in der Anhörung gesagt habe, er sei sich aufgrund des Aussehens der Männer sicher, dass sie vom CID gewesen seien. Er habe die widersprüchlichen Aussagen nicht erklären können. Zudem habe er nicht sagen können, wie die sri -lanki- schen Behörden ihn anhand einer Fotografie in einer Zeitung identifiziert haben könnten. Er habe lediglich erklärt, es gebe auch Tamilen, die als Spitzel arbeit eten. Zudem habe er auch auf mehrmalige Nachfrage hin nicht im Detail und erlebnisbasiert darlegen können, wie er aus der angeb- lichen Gefangenschaft im Mai 2017 freigekommen sei. Er habe auch nicht angeben können, ob und welche der Mitdemonstranten Probleme mit den Behörden gehabt hätten. Den Antrag, es sei eine erneute Anhörung des Beschwerdeführers durch ein gleichgeschlechtliches Team durchzuführen, wies das SEM ab, da es diesen als nachgeschoben einstufte, weil keine Hinweise auf geschlechts- spezifische Vorbringen vorlägen. 4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer weise über seinen Bruder B_______ und seine Schwester D_______ Verbindun- gen zu den LTTE auf, die relevant seien. Er selbst sei nicht LTTE-Mitglied gewesen, er sei jedoch von klein auf vom Narrativ des unabhängigen tami- lischen Staats beeinflusst worden. Seine politischen Überzeugungen habe er durch Kampagnenarbeit für oppositionelle Parteien im Jahr 2013 umge- setzt, wobei er zwei Kandidaten der TNA unterstützt habe. Kurz vor seiner Ausreise habe er versucht, einen unabhängigen Kandidaten zu unterstüt- zen. Seit 2013 habe er an vielen Demonstrationen teilgenommen und sein Facebook-Konto habe er dazu genutzt, um politische Inhalte im Sinne des D-2082/2018 Seite 9 tamilischen Unabhängigkeitskampfs zu diffundieren. Sein Engagement sei öffentlich gewesen und er sei in einem Zeitungsartikel abgebildet worden. Damit weise er ein politisches Profil auf, das für die heimatlichen Behörden verdächtig wirke. Der CID habe ihn nach seiner Ausreise zweimal bei sei- ner Schwester gesucht, wobei diese beschimpft und eingeschüchtert wor- den sei. Auf den 1. März 2019 solle für das Flughafenverfahren für die Asylgesuch- steller Anspruch auf Beiordnung eines bezahlten Rechtsvertreters gelten. Mit den kurzen Fristen von fünf Arbeitstagen zur Einreichung einer Be- schwerde und den nur wenigen Tagen der Vorankündigung einer Anhörung könne kein faires Verfahren garantiert werden. Der Rechtsvertreter habe dem Beschwerdeführer am 19. März 2018 per Telefax ein Vollmachtsfor- mular übermittelt, das ihm von einer Hilfswerkvertreterin am 21. März 2018 ausgehändigt worden sei. Die Vollmacht habe dem SEM am 23. März 2018 angezeigt werden können. Das SEM behaupte, der Rechtsvertreter sei be- reits am 19. März 2018 mandatiert worden. Trotzdem sei dieser nicht über den Anhörungstermin informiert worden. Stossend und widersprüchlich sei, dass die Befragerin während der Anhörung in Abrede gestellt habe, dass er bereits über eine bevollmächtigte Rechtsvertretung verfüge. Im Flugha- fen Zürich gebe es ke ine Einrichtung, von wo aus der Beschwerdeführer geschützt mit seinem Rechtsvertreter kommunizieren könne. Die Kommu- nikation sei aus verschiedenen Gründen erschwert. Bis zum Verfassen der Beschwerde sei unklar gewesen, wann die Verfügung dem Beschwerde- führer eröffnet worden sei, was problematisch sei. Versuche des Anwalts, das SEM per Telefax zu erreichen, seien misslungen, so dass es schriftlich habe kontaktiert werden müssen. Es wäre für das SEM ein Leichtes, eine Verordnung über die Aufstellung von Verfahrensfristen und die Bestellung von obligatorischen Rechtsvertretern im Flughafenverfahren zu erlassen, zumal diese Regeln im Testverfahren gälten. Das SEM setze bewusst alles daran, den Asylgesuchstellern in Flughafenverfahren kein faires Verfahren zu gewähren. Dem Beschwerdeführer sei deshalb die Einreise zu bewilli- gen. Der Beschwerdeführer habe bei der ersten sich bietenden Möglichkeit auf das Vorliegen geschlechtsspezifischer Verfolgung hingewiesen. Dem Pro- tokoll sei zu entnehmen, dass er in den Genitalbereich getreten worden sei und das Bewusstsein verloren habe. Als er zu sich gekommen sei, habe er nur noch die Unterhosen an gehabt. Zusätzlich habe er die Belastungssi- tuation durch den Fluglärm bei der Anhörung thematisiert. Somit habe er D-2082/2018 Seite 10 sich korrekt verhalten, weshalb der Vorwurf, er habe etwas nachgescho- ben, willkürlich sei. Bei der geschilderten Ausgangslage sei es Pflicht des SEM, eine Anhörung in einer gleichgeschlechtlichen Runde durchzuführen. Das SEM habe willkürlich gehandelt, den Anspruch des Beschwerdefüh- rers auf rechtliches Gehör verletzt und den Sachverhalt nicht rechtsgenüg- lich abgeklärt. Er hätte gerne weitere Ausführungen zu seinem politischen Profil gemacht, sei aber bei der Anhörung unterbrochen worden. Das Län- derwissen der Sachbearbeiterin sei mangelhaft, da sie sein politisches En- gagement als nicht as ylrelevant eingestuft habe. Er habe ein öffentliches Engagement geltend gemacht und dem Referenzurteil des BVGer E- 1866/2015 sei zu entnehmen, dass nicht nur besonders engagierte oder exponierte Personen unter den Verdacht des tamilischen Separatismus ge- rieten. Auch die Schlussfolgerung des SEM bezüglich des familiären Hin- tergrunds sei unhaltbar. Dieser Sachverhalt werde in der angefochtenen Verfügung verkannt. Stossend sei, dass die Verfolgungsmassnahmen als nicht intensiv genug gewertet würden, sei der Beschwerdeführer unter an- derem doch mit einer Eisenstange geschlagen worden. Das SEM habe die ihm obliegende Begründungspflicht in zwei Punkten verletzt. In der angefochtenen Verfügung fehlten Ausführungen zum Schwager des Beschwerdeführers, der Beschwerdeführer habe über des- sen LTTE-Verbindungen berichtet und gesagt, er sei über den Schwager befragt worden. Die sich daraus ergebende Gefährdungslage sei abzuklä- ren. Gemäss dem Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 sei die Intensität der Verbindung zu LTTE-Mitgliedern nicht ausschlaggebend, was bedeute, dass bereits eine entfernte Verwandtschaft zu einem ehemaligen LTTE - Sympathisanten für eine Verhaftung ausreiche. Das SEM habe auch nicht begründet, weshalb das Engagement des Beschwerdeführers für Land- rechte nic ht zu einer Verfolgungsgefahr führe, obwohl er beschrieben habe, dass die Sicherheitskräfte ihn deshalb verfolgt hätten. Gerade im Vanni-Gebiet hätten Sicherheitskräfte ihre Präsenz benutzt, um sich das Land von Vertriebenen anzueignen. Besonders akzentuiert sei diese Pra- xis im Mullaitivu-Distrikt, von wo praktisch die ganze Bevölkerung vertrie- ben worden sei. In einem Bericht der GfbV (Gesellschaft für bedrohte Völ- ker) vom Februar 2018 werde unterstrichen, dass Aktivisten, die sich für die Landrechte einset zten, von den Sicherheitskräften belästigt und foto- grafiert würden. Fraglich sei, worauf das SEM sich stütze, wenn es an- zweifle, dass die Behörden in der Lage seien, Personen anhand von Foto- grafien zu erkennen. Gemäss dem Bericht der GfbV würden Teilnehmer an D-2082/2018 Seite 11 Landrechts-Demonstrationen fotografiert und überwacht und es sei be- kannt, dass die sri-lankischen Behörden über hochentwickelte Gesichtser- kennungssoftware verfügten. Das SEM habe es unterlassen, den Sachverhalt hinsichtlich des Engage- ments des Beschwe rdeführers für die TNA sorgfältig abzuklären. Es sei bekannt, dass ein Engagement für die Tamilen im Sinne des Separatismus über andere Parteien zu Verfolgung führe. Die SFH (Schweizerische Flüchtlingshilfe) habe in einem Bericht vom Dezember 2016 festgeha lten, dass legales Engagement für politische Rechte der Tamilen zu Festnahme und Folter führen könne. Auch die ITJP (International Truth and Justice Project) sei zum selben Schluss gekommen. Einige der von ihr porträtierten Folteropfer hätten sich für die TNA eingesetzt. Besonders betroffen seien einfache Sympathisanten. Die Vorbringen des Beschwerdeführers seien unter Hinweis auf den Länderbericht seines Rechtsvertreters als asylrele- vant einzustufen, da er Kampagnenarbeit für die TNA geleistet habe und verdächtigt worden sei, dem tamilischen Separatismus verschrieben zu sein. Der Standpunkt des SEM, die Menschenrechtslage in Sri Lanka habe sich seit der Wahl von Präsident Sirisena verbessert, sei aufgrund der in der Beschwerde dargelegten Länderinformatione n nicht korrekt. Die Ein- schätzung stelle eine unrichtige Sachverhaltsabklärung dar. Das SEM räume ein, dass jeder nach Sri Lanka zurückkehrende Tamile am Flughafen von Colombo einer mehrstufigen Überprüfung unterzogen werde. Ebenso werde eingeräumt, dass die im Rahmen der Papierbeschaf- fung nach Sri Lanka übermittelten Daten dazu verwendet würden, die poli- tisch motivierte Verfolgung durch CID und TID (Terrorist Investigation Divi- sion) vorzubereiten, womit das Migrationsabkommen verletzt werde. Auch wenn der Beschwerdeführer über einen Reisepass verfüge, ändere dies nichts am beschriebenen Prozedere. Am 25. Juli 2017 sei ein bei der Propagandaabteilung der LTTE tätiger Ta- mile, der eine Rehabilitation durchlaufen habe, wegen Unterstützung von Terrorismus im Jahr 2008 zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verur- teilt worden. Die Bedeutung dieses Gerichtsurteils für die schweizerische Asylpraxis sei weitreichend. Bei diesem Gerichtsfall handle es sich nicht um einen Einzelfall, sei doch jüngst ein 2008/2010 eingeleitetes Verfahren gegen Mitglieder der TRO (Tamils Rehabilitation Organisation) wieder auf- genommen worden. Diese Fälle zeigten die grosse Problematik der Unver- jährbarkeit und die damit drohende Gefahr der Willkür. Durch das Urteil vom Juli 2017 werde a uch klar, dass die Rehabilitationshaft von den sri -D-2082/2018 Seite 12 lankischen Behörden nicht als Strafverbüssung angesehen werde. Aus dem Urteil des High Court von Vavuniya gehe hervor, dass der Richter die Auffassung vertreten habe, der Beschuldigte habe durch die Rehabi litati- onshaft seine Strafe verbüsst, er jedoch auf Anweisung des sri-lankischen Generalstaatsanwalts zu einer Verurteilung verpflichtet gewesen sei. Dar- aus ergebe sich, dass jede Unterstützung der LTTE jederzeit zur Einrei- chung einer politisch motivierten Strafanzeige und Bestrafung führen könne. Der Beschwerdeführer sei mehrmals vom CID ins Visier genommen wor- den, was durch seine familiären Bindungen zu ehemaligen LTTE-Angehö- rigen und seine Herkunft aus dem Vanni-Gebiet zu erklären sei. Damit be- stünde ein Verdachtsmoment, er könnte selbst Verbindungen zu den LTTE gehabt haben. Hinzu komme sein politisches Engagement für zwei Politi- ker, die dafür bekannt seien, mit dem tamilischen Separatismus zu sympa- thisieren. Denkbar sei auch ein behördliches Interesse, weil er sich für die Landrechte eingesetzt habe. Es sei bekannt, dass sein Bruder und sein Schwager ins Ausland geflohen seien – der Beschwerdeführer sei zu ihnen befragt worden. Somit könne es in Zukunft zu einem willkürlichen Prozess gegen ihn kommen. Dem Beschwerdeführer sei bereits 2016 mit der An- wendung des PTA gedroht worden. Der Sachverhalt zur geschlechtsspezifischen Verfolgung des Beschwerde- führers sei näher abzuklären und es sei klar, dass er am Flughafen nicht frei und vollständig und konzentriert habe über seine Verfolgungssituation sprechen können. Sein politisches Engagement falle vertiefter aus, als vom SEM angenommen. Er habe für die TN A-Politiker H_______ und K_______ Kampagnenarbeit geleistet. Dies vor allem während den Provin- zwahlen von 2013; er habe diese Arbeit in den folgenden Jahren fortge- setzt. Er sei in seinem privaten Umfeld als politisch aktiv bekannt gewesen, habe er doch Kollegen aus seinem (…)club und seinem (…)club zur Teil- nahme an Kundgebungen mobilisiert. Sein in C_______ lebender Bruder sei exilpolitisch aktiv. Die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel reichten unter Be- rücksichtigung des Länderwissens aus, ein e Verfolgung zu belegen. An- statt einer Würdigung der Beweismittel, habe das SEM eine Glaubhaftig- keitsprüfung vorgenommen und sei zum Schluss gekommen, er habe die Identifikation durch die Behörden und die damit zusammenhängende Ent- führung nicht glaubhaft gemacht. Durch die Beweismittel und den belegten Sachverhalt werde eine Glaubhaftigkeitsprüfung obsolet. Das SEM habe D-2082/2018 Seite 13 den Grundsatz des Beweises vor der Glaubhaftigkeit verletzt. Die Beweis- mittel bezüglich der Schwester und des Bruders des Beschwerdeführers habe das SEM angemessen gewürdigt. Nicht gewürdigt habe es die Be- weismittel zum Schwager, der in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt habe. Das SEM habe von Amtes wegen abzuklären, inwiefern die in jenem Ver- fahren eingereichten Beweismittel und die Fluchtg eschichte eine Gefähr- dungslage des Beschwerdeführers bestätigten. Mit dem Urteil vom Juli 2017 des Gerichts in Vavuniya werde bewiesen, dass das Lagebild des SEM unrichtig sei. Das BVGer und das SEM müssten ihre Entscheidpraxis allein deshalb überarbeiten. Es gehöre zu den Merkmalen eines willkürlichen Sicherheitsapparats, dass Beamte manchmal in Zivil oder in Uniform aufträten. Die Entführung vom Mai 2017 sei widerrechtlich, weshalb nicht zu erwarten sei, dass sich der Beschwerdeführer bemüht haben müsste, sich nach der Identität der Ent- führer zu erkundigen. Es verstehe sich von selbst, dass er Mutmassungen anstelle. Bei Asylsuchenden handle es sich um traumatisierte Personen, die unter verhörähnlichen Umständen Mühe hätten, sich durchwegs detail- getreu an diese Momente zu erinnern. Er sei geschlagen worden, habe das Bewusstsein verloren und sei halbnackt wieder aufgewacht. Es sei somit denkbar, dass er die Umstände seiner Freilassung nicht mehr genau prä- sent habe. Hätte er die anderen Demonstranten gekannt, hätte dies seine Gefährdungslage sicherlich erhöht, dass er sie nicht kenne, minimiere seine Gefährdung nicht. Mit dem Urteil vom Juli 2017 habe sich gezeigt, dass nicht nur Person en von Verfolgung bedroht seien, die sich für das Wiederaufleben des tamil i- schen Separatismus einsetzten. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die sri-lankische Regierung klar deklariert habe, dass sie alle Unterstützer der LTTE suchen, identifizieren und bestrafen werde. Die Behörden sammel- ten seit Jahren entsprechendes Material und könnten jederzeit eine Verfol- gung starten, da die Straftatbestände im Zusammenhang mit Terrorismus unverjährbar seien. Eine Amnestie sei nie ausgesprochen worden und die singhalesische Bevölkerungsmehrheit begrüsse die Bestrafung von bisher nicht gefassten LTTE-Aktivisten und -Unterstützern. Der Beschwerdeführer erfülle zahlreiche der vom BVGer im Urteil E-1866/2015 definierten Risiko- faktoren. Er habe aufgrund seiner Angehörigen eine vermeintliche Verbin- dung zu den LTTE, was bereits ein extremer Risikofaktor sei. Ebenso ge- fährdet sei er aufgrund seines oppositionspolitischen Engagements. In den Augen der Behörden ereigne sich dieses im Sinne des Separatismus und er sei in Verbindung zu den LTTE gebracht worden. Das Verdachtsmoment D-2082/2018 Seite 14 werde durch sein jun ges Alter und seine Herkunft verstärkt. Die spezifi- schen Risikofaktoren seien kumulativ zu würdigen. Weiter sei zu ermitteln, inwiefern aufgrund erlittener Folter zukünftig auch bei nur niederschwelli- ger Verfolgung aufgrund seiner allenfalls erheblichen Traumatisierung vom Bestehen der Flüchtlingseigenschaft auszugehen sei. 5. 5.1 In der Beschwerde wird gerügt, dem Beschwerdeführer sei die Einsicht in die Akten A11 und A12 zu Unrecht verweigert worden sei. Bei der Akte A11, die als Post-it bezeichnet wurde, handelt es sich um eine interne Ak- tennotiz, die praxisgemäss nicht zu edieren ist . Bei der Akte A12 handelt es sich um das Aufgebot für die Anhörung des Beschwerdeführers vom 22. März 2018. Von dieser Akte ist dem Beschwerdeführer mit de m Urteil eine Kopie zuzustellen. Der Antrag, es sei eine Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen [4], ist abzuweisen, da in der Be- schwerde ausführlich zur Frage der Einladung zur Anhörung Stellung be- zogen wurde und unbestritten ist, dass der Rechtsvertreter nicht eingela- den wurde. Der Akte A12 ist nichts Neues zu entnehmen, das eine Fristan- setzung rechtfertigen würde. 5.2 5.2.1 Die in der Beschwerde erhobene Rüge, der Beschwerdeführer habe kein faires Verfahren gehabt, ist unbegründet. Die aktuelle gesetzliche Re- gelung – in Kraft seit dem 1. Januar 2008 – sieht verschiedene, spezielle Regelungen für d as Flughafenverfahren vor (Art. 22 f. AsylG). Gemäss Art. 108 Abs. 2 AsylG beträgt die Beschwerdefrist bei Entscheiden nach Art. 23 Abs. 1 AsylG fünf Arbeitstage. Diese Frist ist zwar sehr kurz bemes- sen, bewirkt aber als solche nicht a priori, dass Asylsuchenden, die ihr Ge- such an einem Flughafen stellen, wirksamer Rechtsschutz versagt bliebe (vgl. dazu auch Entscheidungen und Mitteilungen der Sc hweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 25 E. 3c). Dies auch nicht im vorliegenden Verfahren, in dem es Beschwerdeführer offenbar möglich war, einen Rechtsvertreter zu kontaktieren, der in der Folge beim BVGer innerhalb der kurzen Beschwerdefrist eine umfangreiche Beschwerde ein- gereicht hat. 5.2.2 Die Annahme in der Beschwerde, ein Schreiben des Rechtsvertreters vom 19. März 2018 sei zuerst beim SEM „gelandet“ und dem Beschwerde- führer erst am 21. März 2018 von einer Hilfswerkvertreterin übergeben worden, nachdem das SEM die Weiterleitung angeordnet habe, ist nicht zutreffend. Gemäss einer E -Mail-Auskunft des Schweizerischen Roten D-2082/2018 Seite 15 Kreuzes (SRK) an das SEM vom 28. März 2018 ( vgl. act. A30) habe der Rechtsvertreter die Vollmacht am 19. März 2018 um 17.13 Uhr per Telefax an das SRK geschickt. Diese Vollmacht habe das SRK vom Beschwerde- führer unterzeichnen lassen und in dessen Auftrag kommentarlos an den Rechtsvertreter zurückgeschickt. Der Vollmacht ist zu entnehmen, dass diese am 21. März 2018 erteilt wurd e. Aus den Akten ergibt sich ferner, dass das SEM am 23. März 2018 von der Erteilung der Vollmacht in Kennt- nis gesetzt wurde (vgl. act. A13). Somit konnte der Rechtsvertreter nicht über die am 22. März 2018 stattfindende Anhörung informiert werden und bei der Angabe des SEM, die Vollmacht sei am 19. März 2018 erteilt wor- den, handelt es sich offensichtlich um einen Irrtum. 5.2.3 Hinsichtlich des Hinweises, dem Rechtsvertreter sei nicht mitgeteilt worden, wann die Verfügung vom 3. April 2018 dem Beschwerdeführer er- öffnet worden sei, weil ihm die entsprechende Empfangsbestätigung nicht zugestellt worden sei, ist festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer dadurch kein Rechtsnachteil erwuchs, weil die Beschwerde gleichwohl fristgerecht eingereicht werden konnte. 5.3 5.3.1 Gemäss Lehre und Rechtsprechung liegt Willkür nicht schon dann vor, wenn eine andere Lösung in Betracht zu ziehen oder sogar vorzuzie- hen wäre, sondern nur dann, wenn ein Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz klar verletzt oder in stossen- der Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (vgl. JÖRG PAUL MÜL- LER/MARKUS SCHÄFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., 2008, S.11; ULRICH HÄFELI/WALTER HALLER/HELEN KELLER/DANIELA THURNHERR, Allge- meines Verwaltungsrecht, 9. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, N 811 f.; BGE 133 I 149 E. 3.1, mit weiteren Hinweisen). Dabei muss die angeblich will- kürliche Begründung beziehungsweise die Willkür rechtsgenüglich darge- legt werden (vgl. BGE 116 Ia 426 S. 428, mit weiteren Hinweisen). 5.3.2 Der Beschwerdeführer brachte weder bei der BzP noch in der Anhö- rung vor, dass er während der im Jahr 2017 erlittenen kurzzeitigen Fest- nahme Übergriffe erlitten habe, über die er in der Gegenwa rt von Frauen nicht sprechen könne. Bei der Anhörung gab er an, er sei (auch) in den Genitalbereich getreten worden und bewusstlos geworden. Als er wieder zu sich gekommen sei, sei er nur noch mit der Unterhose bekleidet und am Rücken verletzt gewesen. And eutungen, er hätte noch mehr zu sagen, könne dies aber in Gegenwart von Frauen nicht tun, machte er keine (vgl. D-2082/2018 Seite 16 act. A17/24 S. 11). Auch die ihm gebotene Gelegenheit, Ergänzungen an- zubringen oder etwas hinzuzufügen, das er als wesentlich erachte (vgl. act. A17/24 S. 21), benutzte er nicht für einen Hinweis, er habe etwas Wesent- liches hinzuzufügen, könne dies aber in der Gegenwart von Frauen nicht tun. Auch nach der Rechtsbelehrung wurde ihm nochmals die Gelegenheit gegeben, gegen eine Rückkehr nach Sri Lanka sprechende Gründe zu er- wähnen, die er noch nicht erwähnt habe. Auch diesbezüglich erwähnte er nicht andeutungsweise, dass es etwas gebe, über das er aber in der vor- liegenden Befragungskonstellation nicht sprechen könne (vgl. act. A17/24 S. 21). Die vom S EM vertretene Auffassung, die nachträglich angedeute- ten geschlechtsspezifischen Übergriffe seien als nachgeschoben zu wer- ten, ist vor diesem Hintergrund nicht willkürlich. 5.3.3 Das SEM erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers als asyl- rechtlich nicht relevant und begründete dies mit seiner untergeordneten Rolle bei der Teilnahme an Demonstrationen. Des Weiteren erachtete es auch seine Verwandtschaft beziehungsweise Verschwägerung mit ehema- ligen LTTE-Mitgliedern als nicht geeignet, um vom Vorliegen einer begrün- deten Furcht auszugehen. Das BVGer hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 zwar verschiedene Risikofaktoren definiert, die zur Ver- folgungsfurcht führen können, indessen nicht verbindlich festgestellt, dass beim Vorliegen einzelner oder mehrerer dieser Risikofaktoren zwangsläu- fig von einer solchen auszugehen sei. Gelangt das SEM im konkret zu be- urteilenden Asylgesuch mit nachvollziehbarer Begründung zum Schluss, die asylsuchende Person sei nicht Opfer von Verfolgung geworden und es drohe ihr bei einer Rückkehr in absehbarer Zeit keine solche, so ist diese Schlussfolgerung möglicherweise unzutreffend, jedenfalls aber nicht will- kürlich. 5.4 5.4.1 In der Beschwerde wird des Weiteren gerügt, da ss das SEM nicht erwähnt habe, dass der Beschwerdeführer mit seinem in der Schweiz le- benden Schwager über eine weitere Verbindung zu den LTTE verfüge. Es trifft zu, dass der Beschwerdeführer seinen Schwager und dessen LTTE - Vergangenheit erwähnte und angab, er sei zu ihm befragt worden. Er habe geantwortet, er wisse nichts über diese Sache, man solle seine Schwester G_______ (die Ehefrau des Schwagers; Anmerkung des Gerichts) fragen. Da er nicht vorbrachte, er habe wegen seines Schwagers weitere Schwie- rigkeiten mit den Behörden gehabt, ist davon auszugehen, die sri -lanki- schen Behörden hätten sich mit seiner Antwort zufrieden gegeben, und das D-2082/2018 Seite 17 SEM hatte keinen Anlass , sich mit der Rolle des Schwagers eingehend auseinanderzusetzen. 5.4.2 Das SEM erwähnte in der angefo chtenen Verfügung, dass der Be- schwerdeführer an Protestaktionen teilgenommen habe, bei denen es um die Rückgabe von konfiszierten Grundstücken gegangen sei. Es erachtete es indessen nicht als glaubhaft, dass ihm daraus asylrechtlich relevante Nachteile erwuchsen beziehungsweise er solche in naher Zukunft in be- gründeter Weise zu befürchten habe. Das SEM hatte vor diesem Hinter- grund keinen Anlass, auf die allgemeine Problematik der Landrechtsstrei- tigkeiten im Vanni-Gebiet näher einzugehen. 5.4.3 Aus dem Umstand, dass das SEM aus Sicht des Beschwerdeführers seine Verfügung in Teilen falsch begründet habe, lässt sich nicht ableiten, es habe damit auch seine Begründungspflicht verletzt. 5.5 5.5.1 Insofern in der Beschwerde gerügt wird, das SEM habe es unterlas- sen, den Sachverhalt in Bezug auf das Engagement des Beschwerdefüh- rers für die TNA sorgfältig abzuklären, ist festzustellen, dass er kein über die Teilnahme an Demonstrationen hinaus gehendes Engagement für die TNA geltend machte. Entsprechende Fragen verneinte er gar ausdrücklich (vgl. act. A10/27 S. 12). Ihm wurde bei der Anhörung mehrmals Gelegen- heit gegeben, seine Aktivitäten zu schildern und die Probleme mit den hei- matlichen Behörden zu benennen. Die geltend gemachten Schwierigkeiten führte er auf seine Teilnahme an Demonstrationen zurück, weitere Aktivitä- ten für die TNA oder für einen deren Politiker machte er nicht geltend. 5.5.2 Die Rügen, das SEM habe den Sachverhalt in Bezug auf die allge- meine „Verbesserung“ der Menschenrechtssituation in Sri Lanka, die Ver- folgungshandlungen durch den Background Check und der Unverjährbar- keit von Aktivitäten zugunsten der LTTE nicht beziehungsweise unvollstän- dig abgeklärt, sind im Rahmen der materiellen Prüfung der Vorbringen des Beschwerdeführers abzuhandeln, weil sie die rechtliche Würdigung be- schlagen. Aufgrund des Umstands, dass das SEM zum einen in seiner Län- derpraxis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt, als der vom Beschwerde- führer vertretenen, und es zum anderen aufgrund seiner Erwägungen zu einer anderen Würdigung als der vom Beschwerdeführer erwünschten ge- langt, kann weder auf eine fehlende noch auf eine ungenügende Sachver- haltsfeststellung geschlossen werden. D-2082/2018 Seite 18 5.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich die vom Beschwerde- führer erhobenen formellen Rügen als unbegründet erweisen. Einzig dem Antrag, es sei ihm eine Kopie der unwesentlichen Akte A12 zuzustellen, ist zu entsprechen. Die Anträge 2, 5, 6, 7 und 8 sind abzuweisen. 6. 6.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge- gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Vorausset- zung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen wider- spruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Ko rrektheit, Originalität, hinrei chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Er- lebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftma- chung geht es um e ine Gesamtbeurteilung aller Ele mente (Übereinstim- mung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub stanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdar- stellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftma- chung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 6.2 Insofern in der Beschwerde vorgebracht wird, das politische Engage- ment des Beschwerdeführers sei vertiefter ausgefallen, als vom SEM an- genommen, weil er Kampagnenarbeit für zwei TNA-Politiker geleistet habe, ist festzustellen, dass es sich dabei um eine nachgeschobene Behauptung handelt, die mit den Aussagen, die er bei den beiden Befragungen machte, nicht in Einklang steht. Der Beschwerdeführer hatte insbesondere bei der Anhörung ausreichend Gelegenheit, alle Aktivitäten – insbesondere sol- che, die für ihn Konsequenzen gehabt haben sollen – zu benennen. D-2082/2018 Seite 19 6.3 Der in der Beschwerde vertretene Standpunkt, die vom Beschwerde- führer eingereichten Beweismittel, die ihn bei der Teilnahme an Demonst- rationen zeigten, reichten unter Berücksichtigung des Länderwissens aus, um eine Verfolgung zu belegen, überzeugt nicht. Zutreffend ist, dass Per- sonen, die sich in Sri Lanka in den Augen der Sicherheitsbehörden miss- liebig verhalten, verfolgt werden können . Die blosse Teilnahme an einer den Behörden unerwünschten Kundgebung genügt in der Regel für sich aber nicht, um vom tatsächlichen Bestehen einer Verfolgungssituation aus- zugehen. Der Umstand, dass sich eine Verfolgung in Zukunft nicht gänzlich ausschliessen lässt, begründet noch keine begründete Furcht. Vielmehr muss hinreichend Anlass zur Annahme bestehen, die Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ver- wirklichen. Es müssen mithin konkrete Indizien vorliegen, welche den Ein- tritt der erwarteten Benachteiligung als wahrscheinlich und dem entspre- chend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen las- sen. Dass dies der Fall ist, hat die asylsuchende Person nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Dies gelingt dem Beschwerdeführer nicht. 6.4 Der Beschwerdeführer gab an, er sei vom CID im Jahr 2016 zu Hause aufgesucht, befragt und nachdrücklich vor weiteren Demonstrationsteil- nahmen gewarnt worden. Aus dem Aussageverhalten des Beschwerdefüh- rers und dem Gehalt seiner Aussagen ist zu schliessen, dass er die Vor- gänge in seinem Heimatland und die möglichen Konsequenzen, die sich aus der Ausübung von den Sicherheitsbehörden missliebigen Aktivitäten ergeben, durchaus einzuschätzen in der Lage ist. Seine Aussage, er habe die unmissverständlichen Warnungen der CID -Leute vor drakonis chen Konsequenzen (vgl. act. A17/24 S. 6 und 8) nicht ernst genommen, ist nicht glaubhaft. Somit bestehen erhebliche Zweifel daran, dass er im Jahr 2016 von Leuten des CID aufgesucht und vor weiteren Aktivitäten im Sinne der Teilnahme an Demonstrationen gewarnt wurde. 6.5 Bei der BzP gab der Beschwerdeführer von sich aus an, er sei am 25. Juni beziehungsweise am 25. Mai 2017 von Armeeangehörigen mitge- nommen, verhört und gefoltert worden ( vgl. act. A10/27 S. 11 f.). Bei der Anhörung sagte er indessen, er denke, es seien Leute des CID gewesen, die ihn am 25. Mai 2017 befragt hätten (vgl. act. A17/24 S. 14). Auf Nach- frage erklärte er, dass Leute der Armee und Leute des CID anders ausse- hen würden und er diese unterscheiden könne. Die Erklärung in der Be- schwerde, es gehöre zu den Merkmalen eines willkürlichen Sicherheitsap- parats, dass Beamte manchmal in Zivil oder in Uniform aufträten, vermag D-2082/2018 Seite 20 die widersprüchlichen Aussagen demnach nicht auszuräumen. Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung zu Recht darauf hin, dass die Schil- derung des Beschwerdeführers, wie sich seine Freilassung nach der Ent- führung zugetragen habe, unsubstanziiert war. Des Weiteren spricht das vom Beschwerdeführer geschilderte Verhalten nach der Freilassung gegen das Vorliegen einer Verfolgungsfur cht. Er machte geltend, er habe sich zu seiner in einem Nachbardorf lebenden Schwester D_______ begeben. Es ist allerdings nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer – sollte er sich bedroht gefühlt haben – zu sei- ner Schwester, einem rehabiliterten LTTE-Mitglied, begeben hätte, soll er doch bei den beiden Befragungen durch den CID respektive die Armee auf seine Schwester angesprochen worden sein. So habe man ihn gefragt, ob sie ihn aufgefordert habe, an Demonstrationen teilzunehmen ( vgl. act. A17/24 S. 11). Der Umstand, dass der Beschwerdeführer Ende 2017 zu seiner Schwester zog und dort eine Arbeitsstelle antrat, lässt darauf schliessen, dass er keinen Anlass hatte, sich vor den heimatlichen Behör- den zu fürchten. Insbesondere legt sein Verhalten nahe, dass er aufgrund der familiären Beziehung zu einem ehemaligen LTTE-Mitglied nicht ernst- haft behördliche Nachstellungen befürchtet haben kann. 6.6 Nach dem Gesagten sind die Vorbringen des Beschwerdeführers rund um die (drohende) Verfolgung durch die sri -lankischen Sicherheitskräfte nicht als glaubhaft zu beurteilen. 7. 7.1 Die vom SEM vertretene Auffassung, es bestehe aufgrund der Anga- ben des Beschwerdeführers kein begründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein lichkeit oder in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen aus- gesetzt sein wird, erweist sich sodann als zutreffend. 7.2 Im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das BVGer eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorge- nommen (vgl. a.a.O., E. 8) und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Ri- sikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es D-2082/2018 Seite 21 sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktu- ellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um Teilnahme an exil- politischen regimekritischen Handlungen, und um Vorliegen früherer Ver- haftungen durch die sri -lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam- menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1-8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O. , E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemach- ten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffen- den Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründe te Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zuge- schrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wie- deraufleben zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8.5.1). 7.3 Die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur tamilischen Ethnie, seine als kurz zu bezeichnende Landesabwesenheit und die Asylgesuch- stellung in einem tamilischen Diasporaland sowie die allenfalls zwangs- weise Rückschaffung aus diesem reichen nicht aus, um im Falle einer Rückkehr von Verfolgungsmassnahmen auszugehen. Die allfällige Befra- gung am Flughafen in Colombo – aufgrund der Aktenlage scheint der Be- schwerdeführer legal ausgereist zu sein und er verfügt über ein gültiges Identitätspapier – würde als solche keine asylrechtlich relevante Verfol- gungsmassnahme darstellen. Die familiären Verbindungen des Beschwer- deführers zu ehemaligen LTTE Mitgliedern (Schwester, Bruder und Schwa- ger) lassen im Falle des Beschwerdeführers nicht auf ihm drohende Ver- folgung schliessen. Er gab selbst an, er sei von den Sicherheitsbehörden auf seine Geschwister und seinen Schwager angesprochen worden und man habe ihm diesbezüglich Fragen gestellt, es seien ihm aber deshalb keine Nachteile angedroht oder zugefügt worden. Er hat persönlich keine Verbindungen zu den LTTE gehabt und es bestehen keine konkreten An- haltspunkte dafür, dass die sri -lankischen Sicherheitsbehörden ernsthaft den Verdacht gehegt hätten, es liege in seinem Bestreben, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen. Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, die sri-lankischen Behörden hätten ein Verfolgungsin- teresse an ihm gehabt und er wäre in deren Fokus gestanden. D-2082/2018 Seite 22 7.4 Die auf Beschwerdeebene eingereichten Berichte zur allgemeinen Si- tuation in Sri Lanka sind nicht geeignet, die vorstehend gezogenen Schlüsse zu entkräften . Aus den in der Beschwerde erwähnten Back- groundchecks, deren Vorbereitung schon in bei der Papierbeschaffung in der Schweiz beginne, und den in Sri Lanka durchgeführten beziehungs- weise hängigen Gerichtsverfahren gegen ehemalige LTTE-Mitglieder kann nichts Erhebliches für die konkrete Situation des Beschwerdeführers abge- leitet werden. 7.5 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen sind die Beweisanträge 11, 12 und 13 (vgl. S. 36 f. der Beschwerde) abzuweisen. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe geschlechtsspezifische Verfolgung erlitten, ist nachgeschoben, weshalb keine erneute Anhörung in einem Männerteam durchzuführen ist. Ausserdem ist der Sachverhalt in Bezug auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachten politischen Aktivitäten und seiner fa- miliären Verbindungen zu ehemaligen LTTE -Mitgliedern hinreichend er- stellt, weshalb der Antrag auf Fristansetzung zur Einreichung weiterer Be- weismittel abzuweisen ist. Ebenso abzuweisen ist der Antrag, es sei eine Frist zur Einreichung eines Akteneinsichtsgesuchs betreffend den Schwa- ger des Beschwerdeführers zu gewähren. Einerseits bedarf es dazu keiner Fristansetzung durch das BVGer, anderseits hat der Beschwerdeführer nicht glaubhaft gemacht, dass ihm aufgrund seines Schwagers in der Hei- mat ernsthafte Schwierigkeiten entstanden sind oder er solche in naher Zukunft zu befürchten habe. 7.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flücht- lingseigenschaft gemäss den Voraussetzungen von Art. 3 und 7 AsylG aus den erwähnten Gründen nicht erfüllt, weshalb das SEM die Flüchtlingsei- genschaft zu Recht verneinte und das Asylgesuch ablehnte. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). D-2082/2018 Seite 23 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu wer den (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter D-2082/2018 Seite 24 oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den W egweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen ( vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, tamilischen Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Be- handlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Ausführungen des Beschwerde- führers noch aus den Akten ergeben s ich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtli- cher Wahrscheinlichkeit einer nach EMRK oder FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach als zulässig. 9.4 9.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.4.2 Das BVGer geht davon aus, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.2.1; bezüglich des Vanni-Gebiets zudem das Referenzurteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5) zu- mutbar ist, wenn das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien (insbe- sondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungs- netzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsitu- ation) bejaht werden kann. Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt E_______ / Nordprovinz, wo er seit seiner Geburt und bis zur Ausreise gelebt habe. Sein Vater sowie seine Schwestern, eine Tante und ein Onkel leben seinen Angaben zufolge nach wie vor in seinem Herkunftsgebiet. Die Familie soll wirtschaftlich nicht schlecht gestellt sein, weshalb davon auszugehen ist, dass die Einkom- mens- und Wohnsituation des jungen Beschwerdeführers, der über eine gute Schulbildung und gewisse Berufserfahrungen verfügt, an seinem Her- kunftsort sichergestellt ist . Deshalb wird es ihm möglich sein , eine neue Existenz aufzubauen. Insgesamt ist somit davon auszugehen, dass er sich D-2082/2018 Seite 25 bei einer Rückkehr eine tragfähige Existenz wird aufba uen können und nicht in eine existenzbedrohende Notlage geraten wird. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar. 9.5 Der Beschwerdeführer verfügt über einen gültigen Reisepass und es würde ihm obliegen, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaa- tes die für eine Rückkehr allfällig notwendigen weiteren Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich- nen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9.7 Der Antrag, dem Beschwerdeführer sei die Einreisebewilligung in die Schweiz zu erteilen [3], wird damit gegenstandslos. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und angesichts des überdurchschnittlichen Umfangs der Beschwerdeschrift sowie der zahlrei- chen eingereichten Beilagen auf insgesamt Fr. 1500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-2082/2018 Seite 26 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1500. – werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Christoph Basler Versand: