Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 11. Mai 2022 (810 21 287) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Verweigerung der Einreise zur erwerbslosen Wohnsitznahme Besetzung Vorsitzender Niklaus Ruckstuhl, Kantonsrichter Marku s Clausen, Daniel Noll, Stefan Schulthess, Kantonsrichterin Ana Dettwiler, Gerichtsschreiberin i.V. Chantal Fischli Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Werner Rufi, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Verweigerung der Einreisebewilligung (RRB Nr. 1423 vom 19. Oktober 2021) A. A.____ (geb. 1959) ist kosovarische Staatsangehörige . Sie ist seit 1990 verwitwet und lebt im Kosovo. Ihr Sohn und ihre Tochter, welche bei de volljährig sind, leben seit 2011 bzw. 2020 in der Schweiz. Am 16. Februar 2020 reiste A.____ zwecks Besuchsaufenthalt mit einem gültigen Schengen-Visum in die Schweiz ein. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde ihr Visum bis zum 1. September 2020 verlängert. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Eingabe vom 15. August 2020 ersuchte A.____, n achfolgend vertreten durch Wer- ner Rufi, Advokat, um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 28 des Bundesge- setzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über di e Integration (AIG) vom 16. Dezem- ber 2005 in Verbindung mit Art. 25 der Verordnung ü ber Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstä- tigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007. C. Nach vorgängiger Gewährung des rechtlichen Gehörs ver weigerte das Amt für Migrati- on und Bürgerrecht des Kantons Basel-Landschaft (AfMB) mit rektifizierter Verfügung vom 27. April 2021 die Erteilung einer Einreisebewilligu ng zwecks Aufenthalt zur erwerbslosen Wohnsitznahme zugunsten von A.____. D. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Eingabe vo m 14. Mai 2021 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft, welcher diese mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 1423 vom 19. Oktober 2021 abwies. E. Mit Eingabe vom 1. November 2021 erhob A.____ geg en den Entscheid des Regie- rungsrats vom 19. Oktober 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Sie stellt zusammengef asst das Begehren, der Entscheid des Regierungsrats sei aufzuheben und es sei ihr die Au fenthaltsbewilligung zu gewähren (Ziff. 1 und 2). Eventualiter sei die Angelegenheit zur korrekten und vollständigen Sachverhalts- abklärung an die Vorinstanz oder Erstinstanz zurückzuweisen (Ziff. 3). Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Regierungsrats (Ziff. 4). F. Am 28. Dezember 2021 erteilte das Staatssekretariat für Migration (SEM) der Be- schwerdeführerin ein Visum zwecks Besuchsaufenthalt für 88 Tage ohne Verlängerungsmög- lichkeit. G. Am 18. Januar 2022 reichte die Beschwerdeführerin die Beschwerdebegründung ein. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie, es sei ihr für die Verfahrensdauer der Prozess- aufenthalt in der Schweiz zu gewähren. H. Mit Vernehmlassung vom 8. Februar 2022 beantragt d er Regierungsrat die kostenfälli- ge Abweisung der Beschwerde. I. Mit Verfügung vom 17. Februar 2022 wurde der Ver fahrensantrag der Beschwerdefüh- rerin auf Gewährung des Prozessaufenthalts in der Schweiz abgewiesen. J. Die von der Beschwerdeführerin am 24. Februar 2022 gegen diese Verfügung erhobe- ne Einsprache wurde mit Beschluss der Kammer vom 14. März 2022 abgewiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzl icher Ausschlusstatbestand vor- liegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beu rteilung der vorliegenden Beschwerde gegeben. Die weiteren formellen Voraussetzungen sind ebenfalls erfüllt, sodass auf die Be- schwerde einzutreten ist. 1.2 Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 2. Streitgegenstand der vorliegenden Beschwerde bildet die Frage, ob die Verweigerung der Einreisebewilligung zur erwerbslosen Wohnsitznahme de r Beschwerdeführerin zu Recht erfolgte. 3.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 AIG; vgl. auch Art. 2 AIG). Die zustän dige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AIG – im Rahmen der gesetzl ichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu ei nem Aufenthalt mit oder ohne Er- werbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung hat die aus- ländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, da s AIG oder völkerrechtliche Ver- pflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 189 E. 2.3; M ARC SPESCHA , in: Spescha/Zünd/Bolzli/ Hruschka/de Weck [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. Au flage, Zürich 2019, N 1 ff. zu Art. 3 AIG; PETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Eine umfassende Darstellung der Rechtsstellung von Ausländeri nnen und Ausländern in der Schweiz, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 3.2 Zunächst ist festzustellen, dass zwischen der Schweiz un d dem Kosovo keine staats- vertraglichen Bestimmungen bestehen, welche der Beschwerd eführerin einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumen würden. 4.1.1 Die Beschwerdeführerin beruft sich auf einen Anw esenheitsanspruch gestützt auf das in Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Mensch enrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 sowie Art. 13 Abs. 1 der Bundesverf assung der Schweizerischen Eid- genossenschaft (BV) vom 18. April 1999 geschützte Recht auf Achtung des Privat- und Famili- enlebens. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der Schutzbereich des Rechts auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK so wie Art. 13 Abs. 1 BV im Wesentlichen auf die eigentliche Kernfamilie, folglich auf die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjäh- rigen Kindern, beschränkt (vgl. BGE 145 I 227 E. 5.3). Das Verhältnis zwischen Eltern und ihren volljährigen Kindern ist lediglich geeignet, einen Bew illigungsanspruch zu begründen, falls – über die üblichen Bindungen im Eltern-Kind-Verhältni s hinaus – ein besonderes Abhängigkeits- verhältnis besteht (vgl. BGE 129 II 11 E. 2; BGE 120 Ib 257 E. 1d und e). Ein solches kann sich aus Betreuungs- oder Pflegebedürfnissen bei körperlichen oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden Krankheiten ergeben. Nach der bundesge richtlichen Praxis soll ein Abhän- gigkeitsverhältnis zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kin dern indessen nicht leichthin be- jaht werden. Allein das Vorliegen eines Pflege- und B etreuungsbedürfnisses reicht nicht aus; erforderlich ist zusätzlich, dass die betreffende Pfleg e- und Betreuungsleistung unabdingbar von den in der Schweiz anwesenheitsberechtigten Angeh örigen erbracht werden muss. Liegt kein derartiges Verhältnis vor, ist der Schutzbereich vo n Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV nicht berührt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_ 283/2021 vom 30. September 2021 E. 4.1; 2C_401/2017 vom 26. März 2018 E. 5.3.1; 2C_5/2017 vom 23. Juni 2017 E. 2). 4.1.3 Während der Sohn der Beschwerdeführerin bereits seit 2011 in der Schweiz lebt, zog im März 2020 auch die bis anhin im Kosovo wohnhafte Toch ter in die Schweiz. Die Beschwer- deführerin lebte unbestrittenermassen von September 2 020 bis Ende 2021 alleine im Kosovo. Inwiefern zwischen ihr und ihren in der Schweiz lebende n Kindern ein besonderes Abhängig- keitsverhältnis im Sinne der zitierten Rechtsprechung vor liegen soll, ist nicht ersichtlich. Der Verweis auf die seit dem Wegzug der Tochter bestehende n psychischen Probleme der Be- schwerdeführerin und die geltend gemachte Betreuung i m Kosovo genügt in diesem Zusam- menhang nicht. Daraus ergibt sich allenfalls eine alter s- und krankheitsbedingte, nicht jedoch eine personenspezifisch ausgerichtete Hilfsbedürftigkeit , wie sie hinsichtlich Art. 8 EMRK vo- rausgesetzt wird. Die Beschwerdeführerin vermag mit ihre n Ausführungen nicht aufzuzeigen, inwiefern sie auf eine besondere Betreuung bzw. Pflege, welche nur von ihren Kindern erbracht werden kann, angewiesen ist. Nach dem Gesagten ist de r Schutzbereich von Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV im vorliegenden Fall nicht tangiert. 5.1 Gemäss Art. 28 AIG können nicht mehr erwerbstätig e Ausländerinnen und Ausländer zugelassen werden, wenn sie ein vom Bundesrat festgeleg tes Mindestalter erreicht haben (lit. a), besondere persönliche Beziehungen zur Schweiz besitzen (lit. b) und über die notwendi- gen finanziellen Mittel verfügen (lit. c). Die genannt en Voraussetzungen sind kumulativ zu erfül- len. Aus dieser im Sinne einer reinen Kann-Vorschrift ausgestalteten Bestimmung ergibt sich, dass der Gesetzgeber der zuständigen Behörde beim Entsch eid über die Erteilung oder Ver- weigerung einer Einreisebewilligung ein erhebliches E rmessen einräumt. Dies bedeutet, dass es auch bei Vorliegen der an die Bewilligungserteilun g gestellten normativen Voraussetzungen grundsätzlich im Ermessen der urteilenden Instanz liegt, e in entsprechendes Begehren gutzu- heissen oder abzuweisen. Die zuständige Behörde hat i hr Ermessen nach Art. 96 Abs. 1 AIG unter Berücksichtigung der öffentlichen Interessen, der persönlichen Verhältnisse und dem Grad der Integration der gesuchstellenden Personen auszuüben (vgl. MARTINA CARONI /L ISA OTT in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz übe r die Ausländerinnen und Ausländer Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht [AuG], Bern 2010, N 6 zu Art. 28; Urteil des Kantons gerichts Basel-Landschaft, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 7. August 2013 [810 13 19] E. 4.1). 5.2 Der Bundesrat hat das erforderliche Mindestalter in Art. 25 Abs. 1 VZAE auf 55 Jahre festgelegt. Die Beschwerdeführerin erfüllt diese Voraussetzung unbestrittenermassen. 5.3.1 Der Begriff der besonderen persönlichen Beziehun gen zur Schweiz wird durch Art. 25 Abs. 2 VZAE dahingehend konkretisiert, dass dera rtige Beziehungen insbesondere vor- liegen, wenn die ausländische Person längere frühere Aufenthalte in der Schweiz vorweisen kann (namentlich Ferien, Ausbildungsaufenthalte oder Erwerbstätigkeit; vgl. lit. a) oder wenn sie enge Beziehungen zu nahen Verwandten in der Schweiz pf legt (namentlich zu Eltern, Kindern, Enkelkindern oder Geschwistern; vgl. lit. b). Dabei han delt es sich mit Blick auf den Terminus "insbesondere" um eine beispielhafte, nicht abschliessende Aufzählung (vgl. Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts F-3240/2016 vom 31. August 2017 E. 9.2). 5.3.2 Die enge Beziehung zu nahen Verwandten in der S chweiz im Sinne von Art. 25 Abs. 2 lit. b VZAE ist praxisgemäss nicht mit dem Erfordernis der besonderen persönlichen Beziehung zur Schweiz gemäss Art. 28 lit. b AIG gleichzusetzen, kann diese jedoch mitbegründen. Selbst eine enge Beziehung zu Verwandten in der Schweiz führt nicht bereits zur Annahme, dass eine besondere persönliche Beziehung zur Schweiz vorliegt. De r Anwendungsbereich von Art. 28 AIG umfasst ausschliesslich Rentnerinnen und Rentner, d.h . nicht mehr erwerbstätige Perso- nen, die besondere persönliche Beziehungen zur Schweiz b esitzen. Verlangt wird in Überein- stimmung mit dem Wortlaut von Art. 28 lit. b AIG, dass besondere persönliche Beziehungen zur Schweiz bestehen müssen, welche unabhängig von den familiären Banden sind. Diese insofern selbständigen Beziehungen können soziokultureller oder persönlicher Art sein, wie beispiels- weise Verbindungen zum örtlichen Gemeinwesen, Teilnah me an kulturellen Veranstaltungen oder direkte Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung. Diese Anforderung will die Gefahr der Abhängigkeit oder der sozialen Isolierung verhinder n und eine Integration sicherstellen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts F-5102/2016 v om 26. Januar 2018 E. 9.2 ff.; KGE VV vom 14. November 2018 [810 17 345] E. 6.5.2; Bernische Verwaltungsrechtsprechung [BVR] 2022 S. 93 ff. E. 4.4.1; Urteil des Verwaltun gsgerichts des Kantons Zürich [VB.2021.00641] vom 12. Januar 2022 E. 4.4.1). Vor de m Hintergrund der zunehmenden Über- alterung der Bevölkerung und der entsprechenden Belastung der Sozialwerke und Krankenkas- se ist der Zuzug wirtschaftlich nicht aktiver Personen, d ie nie Beiträge daran gezahlt haben, restriktiv zu regeln. Dies widerspiegelt sich im Wortlaut von Art. 28 lit. b AIG, wo besondere per- sönliche Beziehungen zur Schweiz und nicht bloss enge Beziehungen in der Schweiz verlangt werden. Zudem ergibt sich das Erfordernis einer über verwandtschaftliche und familiäre Kontak- te zu hier lebenden Personen hinausgehenden Beziehung zur Schweiz aus dem systemati- schen Kontext, sind doch die Nachzugsbedingungen aufgru nd blosser familiärer Beziehungen in Art. 47 AIG und Art. 73 VZAE geregelt und sollte mit Art. 28 AIG nicht etwa ein vereinfachter Familiennachzug in aufsteigender Linie eingeführt wer den (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich [VB.2019.00738] vom 18. Dezember 201 9 E. 2.4.1; Urteil des Bundesver- waltungsgerichts F-3240/2016 vom 31. August 2017 E. 10.2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.3 Der Regierungsrat erwog, gemäss eigenen Angaben sei die Beschwerdeführerin be- reits mehrere Male in der Schweiz zu Besuch gewesen un d habe – jedoch aus pandemiebe- dingten Gründen – grösstenteils das Jahr 2020 in der S chweiz verbracht. Sie verfüge mit ihren in der Schweiz lebenden Kindern über enge Beziehungen zu nahen Verwandten in der Schweiz. Es sei jedoch nicht ersichtlich, inwiefern sie übe r eigenständige Beziehungen sozio- kultureller und persönlicher Art in der Schweiz im Sin ne der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung verfüge. Der Nachweis der Beziehungen zur Schweiz sei hoch anzusetzen, womit die Kontakte der Beschwerdeführerin zu in der Sch weiz lebenden Familienmitgliedern, wiederholte Besuchsaufenthalte oder Arztbesuche in der Schweiz für den Nachweis der erfor- derlichen persönlichen Beziehungen zur Schweiz nicht gen ügten. Daran ändere auch die Tat- sache nichts, dass sämtliche nahen Familienangehörigen de r Beschwerdeführerin in der Schweiz und weitere Verwandte teilweise in Deutschland lebten. Mit den eingereichten Arztbe- richten und den Verpflichtungserklärungen ihrer Verwandtschaft gelinge es der Beschwerdefüh- rerin nicht, die erforderliche Verbundenheit mit der Schweiz selbst aufzuzeigen. Der Zweck des Aufenthalts der Beschwerdeführerin in der Schweiz sei b isher jeweils der Besuch ihrer Ver- wandtschaft oder die ärztliche Behandlung ihrer medizini schen Beschwerden gewesen. Die Beschwerdeführerin habe hingegen keine eigenen, von d er familiären Konstellation unabhängi- ge Beziehungen aufgebaut, weshalb die Voraussetzung de r besonderen persönlichen Bezie- hungen zur Schweiz nicht erfüllt sei. 5.3.4 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Rechtsp rechung des Bundesverwaltungs- gerichts ziele darauf ab, eine Abhängigkeit von den hie r lebenden Angehörigen und eine damit einhergehende soziale Isolierung im Hinblick auf die erwünschte Integration zu vermeiden. Eine soziale Isolierung würde indes hauptsächlich bei einem Verbleib im Kosovo eintreten und könne in der Schweiz vermieden werden, da hier die Möglichke it bestehe, durch das aktive Mitwirken in der Familie andere Menschen kennen zu lernen. Im Sinne des Rechtsgleichheitsgebots nach Art. 8 BV sei sie nicht gleich zu behandeln wie eine au sländische Person, die in ihrem Heimat- land einen Beruf ausübe, über ein soziales Netzwerk verfü ge und jetzt in die Schweiz kommen wolle, da ihre Kinder in die Schweiz gezogen seien. 5.3.5 Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin im Sinn e der vorstehenden Erwägungen (E. 5.3.2 hiervor) über besondere Beziehungen zur Schwei z verfügt. Die Beschwerdeführerin reiste im Jahr 2020 in die Schweiz, um ihre Kinder zu b esuchen. Ihr Aufenthalt verlängerte sich aufgrund der epidemiologischen Lage, weshalb sie das Ja hr 2020 grösstenteils in der Schweiz verbrachte. Die Beziehungen der Beschwerdeführerin zur Schweiz beschränken sich unbestrit- tenermassen auf ihre Familie. Von ihren Angehörigen unabhängige Beziehungen soziokulturel- ler oder persönlicher Art, beispielsweise Verbindungen zum örtlichen Gemeinwesen, die Teil- nahme an kulturellen Veranstaltungen oder direkte Be ziehungen in der einheimischen Bevölke- rung werden von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht. Die Beschwerdeführerin war auch nie in der Schweiz arbeitstätig oder steuerpflich tig. Soweit sie geltend macht, dass sie im Kosovo ohne ihre Angehörigen keine sozialen Beziehunge n mehr habe, stellt dies keinen Grund dar, um von der Voraussetzung eigenständiger, von den Angehörigen unabhängiger Be- ziehungen soziokultureller oder persönlicher Art in der S chweiz abzusehen. Der Regierungsrat weist im Übrigen zutreffend darauf hin, dass die Beschw erdeführerin ihr ganzes Leben im Ko- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sovo verbrachte. Entsprechend ist davon auszugehen, dass eine enge soziokulturelle Verbun- denheit der Beschwerdeführerin zu ihrem Heimatland vorh anden ist, welche im Fall der Schweiz nicht in gleicher Weise besteht. Dem entspricht , dass die Beschwerdeführerin gemäss ihren Ausführungen die albanische, nicht jedoch die deutsche Sprache beherrscht. Der Schluss der Vorinstanzen, wonach die Beschwerdeführerin die Vora ussetzung von Art. 28 lit. b AIG nicht erfüllt, ist demnach nicht zu beanstanden. 5.4 Da die Voraussetzungen von Art. 28 AIG kumulativ er füllt sein müssen, scheitert die Zulassung der Beschwerdeführerin zu einem Aufenthalt g estützt auf diese Bestimmung. Ent- sprechend kann – wie dies bereits die Vorinstanz getan ha t – offengelassen werden, ob die Beschwerdeführerin über die notwendigen finanziellen Mittel (Art. 28 lit. c AIG) verfügt. 6.1 Zu prüfen bleibt, ob die Vorinstanzen die Erteil ung einer Härtefallbewilligung im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG zugunsten der Beschwerdeführerin zu Recht verweigerten. 6.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG kann von den Zulass ungsvoraussetzungen abgewi- chen werden, um schwerwiegenden persönlichen Härtefälle n oder wichtigen öffentlichen Inte- ressen Rechnung zu tragen. Der Begriff des Härtefalls w ird in Art. 31 VZAE konkretisiert. Zu berücksichtigen sind insbesondere der Integrationsgrad, die Respektierung der Rechtsordnung, die Familienverhältnisse, die finanziellen Verhältnisse, die Anwesenheitsdauer in der Schweiz, der Gesundheitszustand sowie die Möglichkeit der Wiedereingliederung im Herkunftsstaat. 6.3 Die Voraussetzungen zur Anerkennung eines Härtefall s sind restriktiv zu handhaben. Die betroffene Person muss sich in einer persönlichen Not lage befinden. Das bedeutet, dass ihre Lebens- und Existenzbedingungen, gemessen am durch schnittlichen Schicksal von aus- ländischen Personen, in gesteigertem Mass in Frage gestel lt sein müssen bzw. die Verweige- rung einer Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen f ür sie mit schweren Nachteilen verbunden wäre. Bei der Beurteilung eines Härtefalle s müssen sämtliche Umstände des jewei- ligen Einzelfalls berücksichtigt werden. Die Anerkennung als Härtefall setzt nicht zwingend vo- raus, dass die Anwesenheit in der Schweiz das einzige Mit tel zur Verhinderung einer persönli- chen Notlage darstellt. Auf der anderen Seite reichen eine lang dauernde Anwesenheit und eine fortgeschrittene soziale und berufliche Integration sow ie klagloses Verhalten für sich alleine nicht aus, um einen schwerwiegenden persönlichen Härtefa ll zu begründen. Vielmehr wird vo- rausgesetzt, dass die ausländische Person so enge Beziehunge n zur Schweiz unterhält, dass von ihr nicht verlangt werden kann, in einem anderen Land, insbesondere in ihrem Heimatstaat, zu leben. Berufliche, freundschaftliche und nachbarschaftl iche Beziehungen, welche die be- troffene Person während ihres Aufenthalts in der Schw eiz knüpfen konnte, genügen normaler- weise nicht für eine Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen (vgl. BGE 130 II 39 E. 3; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-428/2010 vom 20. Juni 2011 E. 4.3). Da es sich um eine Kann-Vorschrift handelt, liegt die Erteilung der Bewilligung im Ermessen der Behörde (vgl. Art. 96 AIG; Urteil des Bundesgerichts 2C_48/2019 vom 16. Januar 2019 E. 2). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4.1 Der Regierungsrat erwog, dass es im Rahmen von Ar t. 30 Abs. 1 lit. b AIG nicht um die Gewährleistung der bestmöglichen medizinischen Behandlung und Gesundheitsversorgung gehe, sondern um die Vermeidung einer eigentlichen Notlage. Die Beschwerdeführerin habe ihr ganzes bisheriges Leben im Kosovo verbracht. Sie sei in der Schweiz nicht integriert und habe hier nie über einen längeren Zeitraum gelebt. Rein gesundheitliche Gründe und die Vereinsa- mung der Beschwerdeführerin im Kosovo begründeten keine n Härtefall im Sinne dieser Be- stimmung, zumal der Kosovo über ein funktionierendes G esundheitssystem verfüge. Es sei sicherlich unschön, dass der Sohn der Beschwerdeführerin im Jahre 2011 und 2020 nun auch ihre Tochter in die Schweiz gezogen seien und sie im K osovo ohne ihre erwachsenen Kinder zurechtkommen müsse. Durch die finanzielle Unterstützung des Sohnes habe jedoch eine Be- treuungshilfe für die Beschwerdeführerin organisiert w erden können. Ebenfalls sei davon aus- zugehen, dass die Beschwerdeführerin durch ihre in der S chweiz lebenden und erwachsenen Kinder finanziell unterstützt werden könne. Es sei nach vollziehbar, dass die Beschwerdeführe- rin ihren Lebensabend im Schosse ihrer Familie in der Schweiz verbringen möchte. Es gelte jedoch festzuhalten, dass die Anforderungen für die Er teilung einer sogenannten Rentnerbewil- ligung sehr hoch seien und künftige regelmässige und geg enseitige Besuche der Beschwerde- führerin in der Schweiz bzw. der Kinder im Kosovo weiterhin möglich seien. Insgesamt liege bei einer Gesamtwürdigung der Situation in Berücksichtigung aller Umstände kein schwerwiegen- der persönlicher Härtefall vor. 6.4.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorin stanz verkenne den Ursprung ihrer gesundheitlichen Probleme, welcher in der durch die V ereinsamung hervorgerufenen psychi- schen Belastung liege. Selbst wenn der Kosovo ein funkti onierendes Gesundheitssystem hätte, könnten lediglich die Symptome, nicht jedoch der Urspru ng ihrer Beschwerden behandelt wer- den. Zur Darlegung ihrer psychischen Verfassung habe sie im Zeitpunkt der Beschwerde keine andere Möglichkeit gehabt, als im Kosovo einen Psychiater bzw. Psychologen aufzusuchen. Die psychischen Beschwerden und Angstzustände äusserten sich nunmehr offensichtlich auch in körperlichen Symptomen. Der Aufenthalt in der Schwei z diene entgegen den Ausführungen der Vorinstanz nicht dazu, die bestmögliche medizinische Be handlung und Gesundheitsversor- gung zu gewährleisten, sondern den Ursprung ihrer sich i mmer weiter zuspitzenden Notlage zu beseitigen. 6.5.1 Hinsichtlich des geltend gemachten Härtefalls beru ft sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf psychische Beeinträchtigungen, welche ursä chlich durch die Trennung von ihren Kindern verursacht würden. Sie reichte in diesem Zusammenhang im vorinstanzlichen sowie im kantonsgerichtlichen Verfahren diverse ärztliche Berichte ein. Gemäss dem vor der Rückreise in den Kosovo eingeholten Arztbericht von Dr. m ed. B.____, Praktische Ärztin FMH, vom 9. September 2020 handle es sich bei der Beschwerdef ührerin um eine körperlich gesun- de, leistungsfähige 60-jährige Frau. Die Beschwerdefü hrerin leide jedoch an sichtbaren Symp- tomen einer zumindest mittelgradigen Depression. Diese se ien durch die Angst, alleine und ohne Wohnung in den Kosovo reisen zu müssen, ausgelöst. Der Beschwerdeführerin könne aus psychologisch-psychiatrischen Gründen nicht zugemutet wer den, in den Kosovo zu reisen, da sie ausser der Wohnmöglichkeit bei ihren Kindern in der Schweiz kein Zuhause mehr habe. Während des Aufenthalts im Kosovo konsultierte die Beschw erdeführerin Dr. med. C.____, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Spezialist für Psychiatrie. Dem Arztbericht von Dr. C.___ _ vom 20. Januar 2021 kann entnom- men werden, dass die Beschwerdeführerin unter Schlaflosi gkeit, Angst, Appetitlosigkeit, Kopf- schmerzen, Müdigkeit und anderen somatischen Beschwerden l eide. Die Beschwerden seien eine Folge der Abwesenheit ihrer Kinder und die Beschwerdeführerin sei traurig, weil sie alleine in ihrem Haus lebe. Der behandelnde Psychiater diagnos tizierte bei der Beschwerdeführerin eine Angststörung (ICD-10 F 41). Er verschrieb Medikamen te zur Behandlung der psychischen Beschwerden sowie eine unterstützende Psychotherapie. I m Weiteren empfahl er eine Famili- enzusammenführung zur Verbesserung des emotionalen Zust ands. Nach ihrer Wiedereinreise in die Schweiz Ende 2021 wurde die Beschwerdeführeri n erneut von Dr. B.____ untersucht. Im entsprechenden Arztbericht vom 15. Januar 2022 wird festgehalten, dass die Beschwerdeführe- rin somatisch bis auf ein leicht hypersonores Abdomen und ein leichtes Exanthem unauffällig sei. Beim psychischen Status zeigten sich dagegen deutliche Symptome einer zumindest mit- telgradigen Depression und einer Angststörung. Anlässlich einer Konsultation bei Dr. med. D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnostiziert e dieser bei der Beschwerdeführe- rin eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F 41.1). Er hielt fest, aus psychiatrischer und hu- manitärer Sicht sei ein Verbleib der Beschwerdeführerin in der Schweiz bei ihrem Sohn sehr zu befürworten. Eine psychiatrische Behandlung sei bei der Beschwerdeführerin indiziert und diese sei aus psychiatrischer Sicht nicht in der Lage, alleine im Kosovo zu leben (vgl. Arztbericht vom 14. Januar 2022). 6.5.2 Den genannten medizinischen Unterlagen kann im W esentlichen entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin an einer mittelgradigen Dep ression und einer generalisierten Angststörung leidet. Die Beschwerdeführerin macht zu Re cht nicht geltend, dass die medizini- sche bzw. psychiatrische Behandlung dieser Beschwerden im Kosovo nicht gewährleistet wäre. Dass sie im Kosovo auf fachärztliche psychiatrische Hilfe zurückgreifen kann, ergibt sich nicht zuletzt aus dem von ihr eingereichten Arztbericht von D r. med. C.____ vom 20. Januar 2021. Ob die Beschwerdeführerin nach der fraglichen Konsulta tion bei Dr. C.____ bis zu ihrer Wie- dereinreise in die Schweiz Ende 2021 weitere psychiatrisc he Unterstützung oder die empfohle- ne Psychotherapie in Anspruch genommen hat, geht aus den Akten nicht hervor. Fest steht, dass der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführeri n im Kosovo nebst der fachärztli- chen und psychotherapeutischen Behandlung auch dadurch Re chnung getragen werden kann, dass geeignete Personen im Bedarfsfall mit einer Betr euung vor Ort beauftragt werden, wie dies offenbar bereits in der Vergangenheit der Fall w ar (vgl. Stellungnahme vom 12. Februar 2021). Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, d ass damit jeweils lediglich die Sympto- me, nicht jedoch die Ursache ihrer psychischen Probleme b ekämpft würden, kann sie daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zwar stellt die Situ ation der Beschwerdeführerin, welche nach dem Wegzug ihrer beiden Kinder nunmehr ohne ihre eng ere Familie alleine im Kosovo leben muss, für sie zweifellos eine erhebliche psychische Belastung dar. Der Beschwerdeführerin kann auch dahingehend gefolgt werden, dass sie auf eine gewisse moralische Unterstützung durch die nächsten Familienangehörigen angewiesen ist. Die genannten Umstände begründen jedoch keine persönliche Notlage im Sinne der zitier ten Praxis (E. 6.3 hiervor), welche einen dauernden Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Sch weiz erforderlich machen würde. Dies gilt nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass die Situation der Beschwerdeführerin im Koso- vo anders als mit der Erteilung einer Härtefallbewilli gung massgeblich gemildert werden kann. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Namentlich haben die beiden Kinder der Beschwerdeführ erin die Möglichkeit, ihre Mutter im Kosovo wechselweise bzw. gestaffelt zu besuchen, mit ihr regelmässig zu telefonieren und sie von der Schweiz aus finanziell zu unterstützen. Der Regier ungsrat weist zudem zu Recht auf die Möglichkeit hin, dass die Beschwerdeführerin zu (auc h längeren) Besuchsaufenthalten in die Schweiz einreisen kann. 6.5.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Situation der Beschwerdeführerin nicht als schwerwiegender persönlicher Härtefall qualifiziert wer den kann. Die Vorinstanzen haben ihr Ermessen demnach nicht pflichtwidrig ausgeübt, als sie di e Erteilung einer Härtefallbewilligung im vorliegenden Fall verweigerten. 7. Nach dem Gesagten erfolgte die Verweigerung der E inreisebewilligung zu Recht, was zur Abweisung der Beschwerde führt. 8. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss § 2 0 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrensko sten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten. Sie werden in der Regel der unt erliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- der unterliegenden Beschwerdeführeri n aufzuerlegen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Kantonsrichter Gerichtsschreiberin i.V.