<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">{T 7} </div> <div class="para">P 1/02 Bh </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> II. Kammer </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Präsident Schön, Bundesrichter Ursprung und nebenamtlicher </div> <div class="para">Richter Maeschi; Gerichtsschreiberin Durizzo </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Urteil vom 9. September 2002 </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">L.________, 1915, Beschwerdeführer, vertreten durch seinen </div> <div class="para">Sohn K.________, </div> <div class="para"> gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Amt für AHV und IV des Kantons Thurgau, Ausgleichskasse, </div> <div class="para">EL-Stelle, St. Gallerstrasse 13, 8501 Frauenfeld, Beschwer- </div> <div class="para">degegner, </div> <div class="para"> und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">AHV/IV-Rekurskommission des Kantons Thurgau, Weinfelden </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- L.________, geboren 1915, war Eigentümer einer </div> <div class="para">Liegenschaft mit Wohnhaus, Garage und Remise. Gemäss öf- </div> <div class="para">fentlicher Beurkundung vom 20. Dezember 1994 übertrug er </div> <div class="para">die Liegenschaft im Rahmen eines Erbvorbezuges seinem Sohn </div> <div class="para">K.________, welcher den Eltern ein lebenslängliches Wohn- </div> <div class="para">recht einräumte und eine Grundpfandschuld in Höhe von </div> <div class="para">Fr. 30'000.- übernahm. </div> <div class="para"> Am 1. September 1999 meldete sich L.________ zum Bezug </div> <div class="para">von Ergänzungsleistungen zur AHV-Rente an. Mit Verfügung </div> <div class="para">vom 20. Februar 2001 wies die EL-Stelle des Amtes für AHV </div> <div class="para">und IV des Kantons Thurgau das Begehren für die Zeit von </div> <div class="para">September 1999 bis Dezember 2000 ab, weil die anrechenbaren </div> <div class="para">Einnahmen die anerkannten Ausgaben überstiegen. Dabei be- </div> <div class="para">rücksichtigte sie ein aus der Übertragung der Liegenschaft </div> <div class="para">resultierendes Verzichtsvermögen von Fr. 180'291.- bei </div> <div class="para">einem Verkehrswert der Liegenschaft von Fr. 354'500.-. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Vertreten durch seinen Sohn K.________ beschwerte </div> <div class="para">sich L.________ gegen diese Verfügung, wobei er zur Haupt- </div> <div class="para">sache geltend machte, die Liegenschaft sei mit dem Steuer- </div> <div class="para">wert im Zeitpunkt der Handänderung von Fr. 100'000.- zu </div> <div class="para">berücksichtigen. </div> <div class="para"> Mit Entscheid vom 23. November 2001 hiess die AHV/IV- </div> <div class="para">Rekurskommission des Kantons Thurgau die Beschwerde in dem </div> <div class="para">Sinne teilweise gut, dass die Verfügung aufgehoben und die </div> <div class="para">Sache zur Vornahme ergänzender Abklärungen, insbesondere </div> <div class="para">hinsichtlich des Verkehrswertes der Liegenschaft, und zu </div> <div class="para">neuem Entscheid an die Verwaltung zurückgewiesen wurde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Namens seines Vaters führt K.________ Verwaltungs- </div> <div class="para">gerichtsbeschwerde sinngemäss mit dem Rechtsbegehren, die </div> <div class="para">Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück- </div> <div class="para">zuweisen, damit sie die Liegenschaft mit dem von der kan- </div> <div class="para">tonalen Steuerbehörde neu ermittelten Verkehrswert von </div> <div class="para">Fr. 194'000.- berücksichtige, beim Mietwert auf den Eigen- </div> <div class="para">mietwert für die Jahre 1991 und 1992 abstelle und die von </div> <div class="para">ihm erbrachten Leistungen (Übernahme von Reparaturkosten, </div> <div class="para">Unterhaltsarbeiten) in Rechnung stelle. </div> <div class="para"> Die EL-Stelle des Kantons Thurgau beantragt Abweisung </div> <div class="para">der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt für </div> <div class="para">Sozialversicherung verzichtet auf eine Stellungnahme. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- a) Im vorinstanzlichen Entscheid werden die für </div> <div class="para">den Anspruch auf Ergänzungsleistungen zur AHV/IV geltenden </div> <div class="para">Voraussetzungen (<span class="artref">Art. 2 und <artref id="CH/831.30/2^a" type="start"></artref>Art. 2a ff. ELG</span><artref id="CH/831.30/2" type="end"></artref>) sowie die für </div> <div class="para">die anerkannten Ausgaben (<span class="artref">Art. 3b ELG</span>) und die anrechenba- </div> <div class="para">ren Einnahmen (<span class="artref">Art. 3c ELG</span>), einschliesslich der Anrechnung </div> <div class="para">von Einkünften und Vermögenswerten, auf die verzichtet wor- </div> <div class="para">den ist (<span class="artref">Art. 3c Abs. 1 lit. g ELG</span>), massgebenden Regeln </div> <div class="para">zutreffend dargelegt, sodass darauf verwiesen werden kann. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Gemäss <span class="artref">Art. 17 Abs. 5 ELV</span> (eingefügt durch Verord- </div> <div class="para">nungsänderung vom 16. September 1998, in Kraft seit 1. Ja- </div> <div class="para">nuar 1999, AS 1998 2582) ist bei der entgeltlichen oder </div> <div class="para">unentgeltlichen Entäusserung eines Grundstücks für die </div> <div class="para">Prüfung, ob ein Vermögensverzicht vorliegt, der Verkehrs- </div> <div class="para">wert massgebend. Unter dem Verkehrswert ist der Verkaufs- </div> <div class="para">wert zu verstehen, den eine Liegenschaft im normalen Ge- </div> <div class="para">schäftsverkehr besitzt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=22&amp;from_date=08.09.2002&amp;to_date=27.09.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-V-10%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page12">BGE 120 V 12</a>, SVR 1998 EL Nr. 5 </div> <div class="para">S. 9, je mit Hinweisen). Dabei ist auf die kantonalen </div> <div class="para">Bewertungsgrundsätze abzustellen (AHI 1998 S. 274 f.). </div> <div class="para"> Die EL-Stelle des Kantons Thurgau stellt beim Ver- </div> <div class="para">kehrswert praxisgemäss auf das Mittel zwischen dem Steuer- </div> <div class="para">wert und dem Gebäudeversicherungswert der Liegenschaft ab. </div> <div class="para">Im Urteil Sch. vom 8. Februar 2001, P 50/00, hat das Eid- </div> <div class="para">genössische Versicherungsgericht diese Berechnungsweise als </div> <div class="para">sachgerecht bezeichnet mit der Feststellung, dass sie im </div> <div class="para">Hinblick darauf, dass der Verkehrswert meist deutlich über </div> <div class="para">dem Steuerwert liegt und der Versicherungswert den Ver- </div> <div class="para">kehrswert häufig übertrifft, in der Regel zu angemessenen </div> <div class="para">Ergebnissen führt. Vorzubehalten sind indessen Fälle, wo </div> <div class="para">diese Methode zu offensichtlich unrichtigen Ergebnissen </div> <div class="para">führt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- a) Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, </div> <div class="para">die veräusserte Liegenschaft sei nicht nach dem Mittel </div> <div class="para">zwischen dem Steuerwert und dem Gebäudeversicherungswert, </div> <div class="para">sondern nach dem Steuerwert von Fr. 194'000.- gemäss </div> <div class="para">Einspracheentscheid der kantonalen Steuerverwaltung vom </div> <div class="para">13. September 1999 festzusetzen. Dem kann schon deshalb </div> <div class="para">nicht beigepflichtet werden, weil bei der Vermögensbewer- </div> <div class="para">tung praxisgemäss auf die Verhältnisse abzustellen ist, wie </div> <div class="para">sie im Zeitpunkt der Entäusserung bestanden haben (BGE </div> <div class="para">120 V 184 Erw. 4b). Insbesondere im Hinblick auf das Alter </div> <div class="para">der Liegenschaft (Baujahr vor 1899) und den von der Vor- </div> <div class="para">instanz ermittelten Ertragswert (= kapitalisierter Brutto- </div> <div class="para">ertrag) von lediglich Fr. 42'850.- bis Fr. 92'850.- fragt </div> <div class="para">sich indessen, ob der von der Verwaltung herangezogene </div> <div class="para">Mittelwert zwischen dem Steuerwert und dem Gebäudeversiche- </div> <div class="para">rungswert (Neuwert) im vorliegenden Fall zu einem vertret- </div> <div class="para">baren Ergebnis führt. Anderseits kann auch nicht ohne wei- </div> <div class="para">teres auf den Steuerwert im Zeitpunkt der Veräusserung der </div> <div class="para">Liegenschaft abgestellt werden. Das kantonale Gericht hat </div> <div class="para">die Sache daher zu Recht an die Verwaltung zurückgewiesen, </div> <div class="para">damit sie zum Verkehrswert der Liegenschaft im Zeitpunkt </div> <div class="para">der Eigentumsübertragung ergänzende Abklärungen (konkrete </div> <div class="para">rückwirkende Liegenschaftsschätzung) vornehme und gestützt </div> <div class="para">hierauf über die Anrechnung von Verzichtsvermögen neu </div> <div class="para">befinde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Als Gegenleistung für den entäusserten Vermögens- </div> <div class="para">wert hat sich der Beschwerdeführer ein lebenslängliches </div> <div class="para">Wohnrecht einräumen lassen. Weil nach <span class="artref">Art. 17 Abs. 5 ELV</span> in </div> <div class="para">der seit 1. Januar 1999 gültigen Fassung der Bestimmung das </div> <div class="para">veräusserte Grundstück zum Verkehrswert anzurechnen ist, </div> <div class="para">ist auch bei dem als Gegenleistung eingeräumten Wohnrecht </div> <div class="para">nicht vom (steuerlichen) Eigenmietwert, sondern vom Markt- </div> <div class="para">mietwert auszugehen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=22&amp;from_date=08.09.2002&amp;to_date=27.09.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-V-394%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page398">BGE 122 V 398</a> Erw. 3a). Entgegen der </div> <div class="para">Auffassung des Beschwerdeführers kann daher nicht auf den </div> <div class="para">Eigenmietwert gemäss Steuererklärung 1993/94 von Fr. 6500.- </div> <div class="para">abgestellt werden. Mangels zuverlässiger Angaben hat die </div> <div class="para">Vorinstanz die Sache zu Recht auch in diesem Punkt an die </div> <div class="para">Verwaltung zurückgewiesen, damit sie den Marktmietwert per </div> <div class="para">Ende 1994 feststelle und hierauf nach den anwendbaren </div> <div class="para">Regeln kapitalisiere (vgl. hiezu <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=22&amp;from_date=08.09.2002&amp;to_date=27.09.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-V-394%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page399">BGE 122 V 399</a> Erw. 4b mit </div> <div class="para">Hinweis). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Was schliesslich die geltend gemachten Gegenleis- </div> <div class="para">tungen des Sohnes in Form von bezahlten Gebäudeunterhalts- </div> <div class="para">kosten von Fr. 29'849.- und erbrachten Arbeitsleistungen </div> <div class="para">für Reparaturen betrifft, ist mit dem kantonalen Gericht </div> <div class="para">festzustellen, dass der Beschwerdeführer hiefür nicht rück- </div> <div class="para">zahlungspflichtig ist und der Sohn gemäss Erbvorbezugsver- </div> <div class="para">trag die Leistungen im Rahmen der Ausgleichspflicht gegen- </div> <div class="para">über der Schwester dereinst in Abzug bringen kann. Dies </div> <div class="para">gilt ausdrücklich auch für die vom Sohn in der Zeit vor der </div> <div class="para">Liegenschaftsübernahme erbrachten Leistungen. Es mag, wie </div> <div class="para">in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vorgebracht wird, zwar </div> <div class="para">zutreffen, dass L.________ ohne die Leistungen des Sohnes </div> <div class="para">gezwungen gewesen wäre, die Hypothek auf der Liegenschaft </div> <div class="para">zu erhöhen. Eine im Zusammenhang mit der Liegenschaftsüber- </div> <div class="para">tragung allenfalls anzurechnende Gegenleistung des Sohnes </div> <div class="para">ergibt sich daraus aber nur insoweit, als dieser auf eine </div> <div class="para">Verzinsung des zur Verfügung gestellten und der Ausgleichs- </div> <div class="para">pflicht im Erbfall unterliegenden Kapitals verzichtet hat. </div> <div class="para">Eine Berücksichtigung dieser Leistung rechtfertigt sich </div> <div class="para">jedoch nicht, weil die im Jahre 1992 bezahlten Unterhalts- </div> <div class="para">kosten werterhaltende Arbeiten zum Gegenstand hatten, die </div> <div class="para">kurz vor der Eigentumsübertragung auch im eigenen Interesse </div> <div class="para">des Sohnes standen. Unberücksichtigt zu bleiben haben auch </div> <div class="para">die geltend gemachten Arbeitsleistungen für Gebäuderepara- </div> <div class="para">turen in den Jahren 1975 bis 1994, da es hiefür an einem </div> <div class="para">hinreichenden Nachweis fehlt (vgl. hiezu <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=22&amp;from_date=08.09.2002&amp;to_date=27.09.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-V-204%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page208">BGE 121 V 208</a> </div> <div class="para">Erw. 6a). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde erweist sich als </div> <div class="para">offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren nach </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 36a OG</span> erledigt werden kann. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> I. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> II. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III. Dieses Urteil wird den Parteien, der AHV/IV-Rekurs- </div> <div class="para"> kommission des Kantons Thurgau und dem Bundesamt für </div> <div class="para"> Sozialversicherung zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 9. September 2002 </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Im Namen des </div> <div class="para"> Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para"> Der Präsident der II. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>