Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. August 2014 (745 14 41) ____________________________________________________________________ Ergänzungsleistungen Berechnung EL-Anspruch; analoge Anwendung von Art. 16c ELV wenn EL-Bezüger in einer Liegenschaft wohnen, die im Eigentum eines Mi tbewohners steht; Berücksichti- gung des Restsaldos eines von der EL-Bezügerin gewährten Darlehens Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Marion Wüthrich Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Tschopp , Adv o- kat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Beschwerdegegnerin Betreff Ergänzungsleistung A. Die 1962 geborene A.____ bezieht seit dem 1. Jan uar 2011 Ergänzungsleistungen (EL) zu ihrer Invalidenrente. Nach einer periodischen Üb erprüfung der Anspruchsvoraussetzungen, informierte die Ausgleichskasse Basel-Landschaft (K asse) A.____ mit Verfügung vom 11. Oktober 2013 über ihren neu berechneten EL-Ansp ruch ab 1. August 2013. Gegen diese Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung erhob A.____ mit Schreiben vom 24. Oktober 2013 Einsprache und machte diverse Anpassungen der EL-Berechnung geltend. Mit Einsprachee ntscheid vom 8. Januar 2014 hiess die Kasse die Einsprache von A.____ gut, passte das Spargu thaben sowie den Zinsertrag auf deren Stand per 1. Januar 2013 an und berücksichtigte den Restsaldo eines von A.____ ge- währten Darlehens im Umfang von Fr. 6‘750.-- zuzüglich eines Zinsertrages von 11.5%. Im An- hang zum Einspracheentscheid legte die Kasse zudem die Berechnung des EL-Anspruchs dar. B. Dagegen erhob A.____ mit Schreiben vom 21. Janua r 2014 Einwände bei der Kasse, welche die Eingabe am 5. Februar 2014 aufgrund fehle nder Zuständigkeit an das Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht ( Kantonsgericht), überwies. In dem als „Einsprache“ bezeichneten – vom Kantonsgericht als B eschwerde entgegengenommenen – Schreiben machte A.____ geltend, dass sie mit dem Anhang zum Einspracheentscheid vom 8. Januar 2014 nicht einverstanden sei und die Zahlen anhand der eingereichten Unterlagen zu korrigieren seien. C. Die Kasse liess sich am 18. Februar 2014 vernehmen u nd beantragte die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Schreiben vom 27. März 2014 bat A.____, nunmeh r vertreten durch Advokat Daniel Tschopp, um Einräumung einer angemessenen Frist zur Einreichung einer Beschwerdepäzisie- rung sowie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Advokat Tschopp. E. Mit Eingabe vom 16. April 2014 beantragte die Be schwerdeführerin, weiterhin vertreten durch Advokat Tschopp, es sei der Einspracheentscheid der S VA Basel-Landschaft vom 8. Januar 2014 vollumfänglich aufzuheben und es seien ih r ab August 2012 folgende monatli- che Ergänzungsleistungen auszurichten: Ab August 2012: Fr. 921.75, ab Januar 2013: Fr. 922.90, ab Februar 2013: Fr. 948.30, ab Januar 2 014 bis auf weiteres: Fr. 954.30. Ferner sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege für das kantonal e Beschwerdeverfahren zu gewähren; alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung machte si e im Wesentlichen geltend, dass in Be- zug auf die Wohn- und Mietkosten monatliche Zahlungen i m Umfang von durchschnittlich Fr. 772.15 zu berücksichtigen, das Sparguthaben unter Ber ücksichtigung des Vermögensver- zehrs rückwirkend anzupassen und die ausstehende Darlehensfo rderung in der Höhe von Fr. 6‘750.-- nicht als Einkommensverzicht anzurechnen sei. F. Die Kasse hielt mit Duplik vom 26. Mai 2014 an ihr em Antrag auf Abweisung der Be- schwerde fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbindung mi t Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) vom 6. Oktober 2006 sind die Bestimmungen des ATSG auf die Ergänzungsleistungen anwendbar. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 56 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1 ATSG legen fest, dass gegen Verfügungen und Einspracheentscheide eines Sozialversicherungsträgers beim zuständigen Versicherungsge- richt innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden kann. Gelangt eine Partei rechtzeitig an eine unzuständige Behörde, so gilt die Frist als gew ahrt (Art. 60 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 ATSG). Die Behörde, die sich als unzuständig eracht et, überweist die Beschwerde ohne Verzug dem zuständigen Versicherungsgericht (Art. 58 Ab s. 3 ATSG). Die Versicherte reichte ihre als „Einsprache“ bezeichneten Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 8. Januar 2014 am 21. Januar 2014 bei der unzuständigen Kasse e in, womit die Beschwerdefrist gewahrt wurde. Für Beschwerden gegen Einspracheentscheide zustä ndig ist gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in de m die versicherte Person oder der Beschwerde führende Dritte zum Zeitpunkt der Beschwerd eerhebung Wohnsitz hat. Somit ist vorliegend die Zuständigkeit des Kantonsgerichts sowohl örtlich wie gemäss § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 auch sachlich gegeben. Nachdem die E ingabe – insbesondere unter Be- rücksichtigung der mit Schreiben vom 16. April 2014 präzi sierten Rechtsbegehren – auch den formellen Anforderungen an eine Beschwerdeschrift gen ügt, ist auf die Beschwerde der Versi- cherten vom 21. Januar 2014 einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerde führerin auf Ergänzungsleistun- gen lediglich mit Blick auf die Höhe der anrechenbaren Wohn- und Mietkosten, das Spargutha- ben sowie die Anrechenbarkeit der ausstehenden Darlehensforderung als Einkommensverzicht. Die übrigen Positionen der EL-Berechnung im Anhang zu m angefochtenen Einspracheent- scheid vom 8. Januar 2014 sind – zu Recht – unbestritten geblieben, weshalb von weiteren Ausführungen hierzu abgesehen werden kann. 3.1 Vorab ist auf folgende Verfahrensgrundsätze hinzuwei sen: Der den Sozialversiche- rungsprozess beherrschende Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 1 lit. c ATSG i.V.m. Art. 1 ELG) schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozial- versicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Reg el eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten j ener Partei ausfällt, die aus dem un- bewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wo llte (BGE 107 V 163 E. 3a mit Hinwei- sen). Im Bereich der Ergänzungsleistungen gilt die Besond erheit, dass gerade das Fehlen von anrechenbarem Einkommen den Anspruch auf Ergänzungsleistu ngen zu begründen vermag und die Ergänzungsleistung umso höher ausfällt, je ger inger das anrechenbare Einkommen ist. Handelt es sich also beim – ganzen oder teilweisen – Feh len von Einkommen um anspruchs- begründende Tatsachen, so trägt dafür grundsätzlich die Leistungsansprechende die Beweis- last (BGE 121 V 208 E. 6a mit weiteren Hinweisen). 3.2 Im Übrigen ist der im Sozialversicherungsrecht üblich e Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit massgebend. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmeh r jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen a ls die wahrscheinlichste würdigt (BGE 125 V 195 E. 2 mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Der Bund und die Kantone gewähren Personen, wel che die gesetzlichen Vorausset- zungen nach Art. 4 - 6 ELG erfüllen, Zusatzleistungen z ur Deckung ihres Existenzbedarfs (Art. 2 Abs. 1 ELG). Die jährliche Ergänzungsleistung en tspricht dabei dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG). 4.2 Als Ausgaben werden bei alleinstehenden Personen a ls Beitrag für den allgemeinen Lebensbedarf Fr. 19‘210.-- (Art. 10 Abs. 1 lit. a Zif f. 1 ELG) sowie der Mietzins einer Wohnung und die damit zusammenhängenden Nebenkosten bis zum Hö chstbetrag von Fr. 13‘200.-- (Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 ELG) anerkannt. 4.3 Die anrechenbaren Einnahmen werden nach Art. 11 ELG ermittelt. Dazu gehören ne- ben Renten der IV und der AHV unter anderem Einkünft e aus beweglichem und unbewegli- chem Vermögen sowie ein Anteil am Reinvermögen (Art. 11 Abs. 1 lit. b und c ELG). Dieser beträgt einen Fünfzehntel, bei Altersrentnern einen Z ehntel des Reinvermögens, soweit es bei alleinstehenden Personen Fr. 37'500.-- und bei Ehepaa ren Fr. 60'000.-- übersteigt (Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG). Als Einkommen anzurechnen sind ferner auch Einkünfte und Vermögenswer- te, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG). 5. Zu prüfen sind im Folgenden, die von der Beschwerde führerin beanstandeten Positio- nen ihrer EL-Berechnung: 5.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es bestehe mi t dem Stockwerkeigentümer der Wohnung am B.____weg in C.____ ein Untermietverhältn is, wobei die Parteien keinen schriftli- chen Mietvertrag abgeschlossen hätten. Es sei jedoch vere inbart worden, dass sich die Be- schwerdeführerin in Abgeltung der Mietkosten zu einem angemessenen Teil an den Unterhalts- und Lebenskosten des Stockwerkeigentümers beteilige. Diesb ezüglich werde auf die einge- reichte Liste der im Jahr 2013 geleisteten Zahlungen vo n durchschnittlich Fr. 772.15 pro Monat verwiesen. Dieser Betrag sei ihr als Miet- und Nebenkoste nausgaben anzurechnen. Eventuali- ter sei eine Mietzinsaufteilung zu gleichen Teilen unter Berücksichtigung der pauschalen Ne- benkosten, der Heizkosten sowie der Gebäudeunterhaltskoste n vorzunehmen und folglich zu- mindest ein monatlicher Betrag von Fr. 547.-- als Mietkosten anzurechnen. 5.1.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist Art. 1 6c der Verordnung über die Er- gänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen-und Invali denversicherung (ELV) vom 15. Januar 1971 in Fällen, wo EL-Bezüger in einer Liegenschaft wohnen, die im Eigentum eines Mitbewohners steht, praxisgemäss analog anwendbar. Dabei ist vom Mietwert der Liegenschaft auszugehen, wie er sich nach den Grundsätzen der Gesetzgeb ung über die direkte kantonale Steuer im Wohnsitzkanton, bei deren Fehlen nach denjeni gen über die direkte Bundessteuer ergibt (vgl. Art. 12 ELV). Der für die Berechnung de r Ergänzungsleistung massgebende Miet- wert ist sodann auf die an der Wohn- beziehungsweise Hausgemeinschaft beteiligten Personen aufzuteilen. So ist indessen nur vorzugehen, wenn unter den an der Gemeinschaft Beteiligten kein Mietzins vereinbart ist. Besteht zwischen dem EL-Bezü ger und dem Hauseigentümer ein Mietvertrag für die Mitbenutzung der Liegenschaft und wird der vertraglich vereinbarte Mietzins auch tatsächlich geleistet, so ist dieser massgebend, sofe rn er nicht als offensichtlich übersetzt Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht erscheint. Auf diese Weise werden in geeigneter Form Missbräuche in dem Sinne verhindert, dass der Existenzbedarf eines Wohnpartners durch Vereinbar ung nicht marktkonformer Wohn- kosten willkürlich erhöht wird, ohne dass dabei das Vorlie gen eines Mietvertrages unbeachtet bliebe (Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EV G; seit 1. Januar 2007 Bundes- gericht, sozialrechtliche Abteilung] vom 9. November 20 01, P 60/99, E. 3a und vom 30. März 2001, P 2/01, E. 2 je mit weiteren Hinweisen). 5.1.2 Im Zusammenhang mit der Berücksichtigung des Mietzin ses in der Höhe des Mietwerts nach Art. 12 ELV (vgl. E. 5.1.1 hiervor), sieht Rz. 323 1.05 mit Verweis auf Rz. 3236.02 der Wegleitung des BSV über die Ergänzungsleistungen zur A HV und IV (WEL, in der ab 1. April 2011 gültigen Fassung) ferner vor, dass in Anwendung von Art. 16a Abs. 3 ELV eine Neben- kostenpauschale in der Höhe von Fr. 1‘680.-- zu berücksichti gen und die Summe aus dem Mietwert der Wohnung und der Pauschale für die Neben kosten zu gleichen Teilen auf die ein- zelnen Personen aufzuteilen ist. 5.1.3 Vorliegend finden sich in den Unterlagen für di e EL-Anmeldung die Kopie eines Unter- mietvertrags zwischen dem Stockwerkeigentümer der Wohnung am B.____weg und der Be- schwerdeführerin. Gemäss diesem Mietvertrag vom 11. Febr uar 2010 war für das Bewohnen eines Zimmers sowie die Mitbenützung der allgemeinen R äume ab dem 1. Februar 2010 ein Mietzins inklusive Nebenkosten von Fr. 550.-- vereinbart worden. Es liegt jedoch kein Nachweis vor, dass die Beschwerdeführerin diesen Mietzins auch gel eistet hat. Auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach sie in Abgeltung der Mietkost en Zahlungen in der Höhe von durchschnittlich Fr. 772.15 im Monat an den die Wohnun g mitbewohnenden Stockwerkeigen- tümer geleistet habe, ist anhand der von der Beschwerde führerin eingereichten Auszügen aus dem Postbüchlein nicht belegt, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann. 5.1.4 Trotz fehlendem Nachweis über die effektive Höhe d er von der Beschwerdeführerin an den Stockwerkeigentümer geleisteten Zahlungen ist vorliegend mit überwiegender Wahrschein- lichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ni cht unentgeltlich beim Stockwerkei- gentümer wohnte. Es ist somit nicht zu beanstanden, da ss die Kasse in Anwendung von Art. 12, Art. 16a und Art. 16c ELV für die Bestimmun g des anrechenbaren Mietzinses den steu- erlichen Eigenmietwert des Stockwerkeigentums zuzüglich de r Nebenkostenpauschale durch zwei geteilt hat (vgl. E. 5.1.1 f. hiervor). In Bezug auf die Nebenkosten ist dabei gestützt auf die WEL-Randziffern 3231.05 und 3236.02 (vgl. E. 5.1.2 hi ervor) sowie unter Hinweis auf Art. 16a Abs. 1 ELV, wonach für die Nebenkosten "ausschliesslich" e ine Pauschale anerkannt werde, keine zusätzliche Pauschale für den Gebäudeunterhalt oder die Heizkosten zu berücksichtigen. Soweit die Ausgleichskasse in ihrer EL-Berechnung im Anha ng zum Einspracheentscheid vom 8. Januar 2014 jedoch den Mietkostenanteil des Mitbewo hners gestützt auf die Zahlen der Steuererklärung 2010 im Umfang von Fr. 4‘790.-- ausgew iesen und in der Folge lediglich Wohn- und Mietkosten in der Höhe von total Fr. 4‘918.- - berücksichtigt hat, kann ihr nicht ge- folgt werden. In Abweichung zu dieser Berechnung sind die gesamten Wohn- und Mietkosten basierend auf dem steuerlichen Eigenmietwert des Jahre s 2012 (vgl. Angaben der Steuerver- waltung für die Steuererklärung 2012 vom Januar 2013) und unter Berücksichtigung der Ne- benkostenpauschale gemäss Art. 16a Abs. 3 ELV auf Fr. 4‘9 44.-- ([Fr. 8‘208.-- Eigenmietwert Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2012 B.____weg + Fr. 1‘680.-- Nebenkostenpauschale] : 2) zu erhöhen. Folglich betragen die anerkannten Ausgaben total Fr. 24‘154.-- (Fr. 19‘210 .-- Lebensbedarf Alleinstehende + Fr. 4‘944.-- Wohn- und Mietkosten). 5.1.5 Anzumerken ist, dass wenn vorliegend von einer Un entgeltlichkeit des Wohnens aus- gegangen würde, der Verzicht des Stockwerkeigentümers auf Bezahlung eines Entgelts – im Gegenzug zur Anrechnung des Eigenmietwerts an die Wohnko sten – als „andere wiederkeh- rende Leistungen“ im Sinne von Art. 11 Abs. 1 lit. d ELG bei den Anrechenbaren Einnahmen der Beschwerdeführerin zu berücksichtigen wäre (vgl. zum Ga nzen den kürzlich ergangenen BGE 139 V 574). 5.2 Die Beschwerdeführerin rügt ferner die Anrechnung eines Verzichtsvermögens im Um- fang des dem Stockwerkeigentümer gewährten Darlehens. 5.2.1 Gemäss dem Darlehensvertrag vom 9. Januar 2013 gewä hrte die Beschwerdeführerin dem Stockwerkeigentümer der Wohnung am B.____weg in C .____ ab dem 4. Januar 2013 ein Darlehen über Fr. 9‘300.-- zu einem Zinssatz von 11.5 % p.a. Für die Rückzahlung des Darle- hens wurden 12 monatliche Raten – die erste Rate fälli g per 24. Januar 2013 und die letzte per 31. Dezember 2013 – in der Höhe von Fr. 850.-- verein bart. In der Folge zahlte der Darlehens- nehmer drei Raten in der Höhe von je Fr. 850.-- mit Valuta vom 23. Januar 2013, 26. Februar 2013 und 2. April 2013 zurück. Seither sind jedoch keine weiteren Rückzahlungen mehr erfolgt. 5.2.2 Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG werden Einkünfte und Vermögenswerte auf die ver- zichtet worden ist, als Einkommen angerechnet. Eine Verzi chtshandlung liegt vor, wenn die leistungsansprechende Person ohne rechtliche Verpflich tung und ohne adäquate Gegenleis- tung auf Einkünfte oder Vermögen verzichtet hat. Diese V oraussetzungen müssen nicht kumu- lativ erfüllt sein; es reicht aus, wenn alternativ eines d er beiden Elemente gegeben ist (BGE 131 V 332 E. 4.2 ff. mit Hinweisen). Eine Gegenleistung ist als gleichwertig zu betrachten, wenn sie etwa 90% der Leistung beträgt. Dabei ist auf den Zeitpunkt der Entäusserung abzustellen. (ERWIN CARIGIET /U WE KOCH , Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Auflage, Zürich/ Basel/Genf 2009, S. 173 ff.). Ein Vermögensverzicht liegt auch dan n vor, wenn eine anspruchsberechtigte Person einen Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte und Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch macht beziehungsweise ihre Rechte nicht durchsetzt (BGE 121 V 205 E. 4a). Einem Leistungsansprecher dürfen allerdings nur solche Aktiven angerechnet werden, die einen reellen wirtschaftlichen Wert darstellen. Ni cht anrechenbar sind Ansprüche, welche als uneinbringlich zu gelten haben. Eine Uneinbringli chkeit kann in der Regel jedoch erst dann angenommen werden, wenn sämtliche zumutbaren rechtliche n Möglichkeiten zur Realisierung der Forderung ausgeschöpft sind. Davon kann lediglich abgewichen werden, wenn eindeutig erwiesen ist, dass der Schuldner nicht in der Lage ist, sei nen Verpflichtungen nachzukommen, was sich namentlich aus amtlichen Bestätigungen – beispiel sweise der Steuerbehörde oder der Betreibungs- und Konkursämter – über die Einkommens- un d Vermögensverhältnisse des Schuldners ergeben kann. Für die Uneinbringlichkeit der Forderung trägt grundsätzlich der Leis- tungsansprecher die Beweislast (Urteil des Bundesgerichts P 55/06 vom 22. Oktober 2007 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.3 Die Anlage eines Vermögens ist grundsätzlich kein Vermögensverzicht. Es ist vielmehr normal, dass Vermögen angelegt wird. Auch die Gewähr ung eines Darlehens ist für sich allein keine Verzichtshandlung, da ein Anspruch auf Rückzahlung be steht (Urteil des Bundesgerichts 9C_186/2011 vom 14. April 2011 E. 3.2 f. mit weitere n Hinweisen). Daran vermag auch das Schreiben der Sozialhilfebehörde C.____ vom 26. November 2013 über den Unterstützungsbe- darf des Darlehensnehmers nichts zu ändern. So kann aufgru nd einer – allenfalls nur vorüber- gehenden – Sozialhilfeabhängigkeit des Darlehensnehmer s nicht auf eine dauernde Unein- bringlichkeit der Forderung geschlossen werden. Mangel s eindeutigem Nachweis, dass der Schuldner nicht in der Lage ist, seinen Rückzahlungsverpflichtungen gegenüber der Darlehens- geberin nachzukommen, verfügt die Beschwerdeführerin we iterhin über einen gültigen Forde- rungstitel gegenüber dem Darlehensnehmer. Da die Bes chwerdeführerin augenscheinlich auf eine Rückzahlung der noch ausstehenden Darlehensforderun g verzichtet, schöpft sie die ihr zumutbaren rechtlichen Möglichkeiten nicht aus, weshalb ihr die – unter Berücksichtigung der bereits geleisteten Rückzahlungsraten – noch ausstehende Darlehensrestforderung in der Höhe von Fr. 6‘750.-- als Vermögen anzurechnen ist. Nichts ande res gilt für das Jahr 2013 in Bezug auf den von der Kasse als Vermögensertrag angerechneten Darlehenszins im Umfang von Fr. 776.-- (11% von Fr. 6‘750.--). Dieser ist den Ein nahmen der Beschwerdeführerin anzurech- nen. Ab 1. Januar 2014 gilt es in Abweichung des Einsp racheentscheids vom 8. Januar 2014 jedoch zu beachten, dass der Darlehensvertrag eine Rückza hlung des Darlehens bis spätes- tens 31. Dezember 2013 vorsah und dem Vertrag nicht ent nommen werden kann, dass zwi- schen den Vertragsparteien ein Verzugszins von 11% p.a. über dieses Datum hinaus vereinbart worden war. Soweit das Darlehen bis zu diesem Zeitpun kt nicht zurückgezahlt wurde, ist der Beschwerdeführerin für die noch offene Darlehensforder ung in der Höhe von Fr. 6‘750.-- ledig- lich der gesetzliche Verzugszinssatz von 5% p.a. (vgl. Art. 104 Abs. 1 des Bundesgesetzes be- treffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligationenrecht] vom 30. März 1911) im Betrag von Fr. 338.-- als ausstehen der Vermögensertrag anzurechnen. Dementsprechend sind ab dem 1. Januar 2014 anrechenbare Einnahmen von total Fr. 22‘170.-- pro Jahr (Fr. 21‘792.-- IV-Rente + [Fr. 20‘059.-- S parguthaben + Fr. 6‘750.-- Darlehen - Fr. 37‘500.-- Abzug Freibetrag] + Fr. 40.-- Vermög ensertrag + Fr. 338.-- 5% Verzugszins) zu berücksichtigen. 5.3 Die Beschwerdeführerin beantragt schliesslich eine An passung des Sparguthabens von Fr. 42‘649.-- auf Fr. 42‘369.25. Diesbezüglich i st mit der Kasse darauf hinzuweisen, dass sich der EL-Anspruch der Beschwerdeführerin aufgrund der gelten gemachten Korrektur im Umfang von Fr. 279.75 lediglich um Fr. 18.-- pro Jahr erhöhen würde. Da dieser Betrag gemäss Art. 25 Abs. 1 lit. d ELV unter der Erheblichkeitsgren ze von Fr. 120.-- pro Jahr liegt, ist es nicht zu beanstanden, dass die Kasse auf eine Anpassung verzichtet hat. 6. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die an erkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen und die Beschwerd eführerin – unter Vorbehalt bereits bezogener Leistungen – Anspruch hat auf folgende mona tliche Ergänzungsleistungen: Ab Januar 2013: Fr. 167.-- ([Fr. 24‘154.-- - Fr. 22 ‘155.--] : 12), ab Juni 2013: Fr. 64.-- ([Fr. 24‘154.-- - Fr. 23‘3 81.--] : 12), Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ab August 2013: Fr. 129.-- ([Fr. 24‘154.-- - Fr. 22 ‘608.--] : 12), ab Januar 2014: Fr. 165.-- ([Fr. 24‘154.-- - Fr. 22 ‘170.--] : 12). 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Mit Schreiben vom 27. März 2014 beantragte die Be schwerdeführerin die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter. Diese ist ihr zufolge nachgewiesener Bedürftigkeit zu bewilligen und die Bemühungen von Advokat Tschopp aus der Gerichtskasse zu entschädi- gen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwäl tinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeistä ndung seit 1. Januar 2014 Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 11. Juni 2014 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 7 Stunden und 45 Minuten geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stelle nden Sachverhalts- und Rechts- fragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind so dann die ausgewiesenen Ausla- gen in der Höhe von Fr. 11.--, weshalb dem Rechtsvertr eter ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘685.90.-- (7.75 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 11.-- sowie 8% Mehrwert- steuer) aus der Gerichtskasse auszurichten ist. 7.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 au fmerksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise insofern gutgeh eissen, als für die Be- rechnung der Wohn- und Mietkosten auf den Eigenmietwer t der Steu- ererklärung 2012 abzustellen ist und auf dem noch aussteh enden Restbetrag des Darlehens von Fr. 6‘750.-- ab 1. Januar 2014 ein Ver- zugszins in der Höhe von 5% zu berücksichtigen ist. Folglich hat die Beschwerdeführerin in Abweichung des E insprache- entscheids vom 8. Januar 2014 Anspruch auf monatliche E rgänzungs- leistungen in der Höhe von: Fr. 167.-- ab Januar 2013, Fr. 64.-- ab Juni 2013, Fr. 129.-- ab August 2013, Fr. 165.-- ab Januar 2014. Die Abrechnung ist unter Berücksichtigung der Prämienver billigung Durchschnittsprämie BAG sowie der bereits von der Beschwe rdeführe- rin bezogenen Leistungen anzupassen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2‘104.40 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet. Präsident Gerichtsschreiberin