Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Juni 2012 (720 11 261/1045, 720 12 21/180) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beurteilung einer Rechtsverzögerung sowie der IV-Rente Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Andreas Noll, Advo- kat, Falknerstrasse 3, 4001 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Rechtsverzögerung / IV-Rente A. Der 1960 geborene A.____ arbeitete zuletzt vom 25. Juni 2001 bis 31. Januar 2002 als Gipser bei der B.____ AG. Mit Gesuch vom 11. Juli 2003 meldete er sich bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) unter Hinweis auf rezidivi erende bronchopulmonale Infekte zum Leistungsbezug an und beantragte eine Berufsberatu ng sowie die Umschulung auf eine neue Tätigkeit. Nach Durchführung beruflicher Massnahmen und nach Abklärung der erwerbli- chen und gesundheitlichen Verhältnisse lehnte die IV-S telle mit Verfügung vom 12. September 2005 bei einem IV-Grad von 10 % den Rentenanspruch d es Versicherten ab. Mit Schreiben Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 20. September 2005 ersuchte der Versicherte, vertreten durch die Sozialberatung der Lun- genliga beider Basel, die IV-Stelle um Unterstützung bei der Stellensuche. Entsprechend sei- nem Gesuch wurden ihm berufliche Massnahmen in Form von Arbeitsvermittlung zugespro- chen. Mit Eingabe vom 13. Oktober 2005 erhob der Versi cherte, nun vertreten durch Dr. Andre- as Noll, Advokat in Basel, Einsprache gegen die Verfügu ng vom 12. September 2005. Mit Ver- fügung vom 6. Februar 2006 schloss die IV-Stelle die Ar beitsvermittlung mit der Begründung ab, dass die Stellenvermittlung erst nach Vorliegen de s definitiven Rentenentscheids erfolgen könne. Mit Einspracheentscheid vom 4. August 2006 wies die IV-Stelle die Einsprache ab. Dagegen erhob A.____, wiederum vertreten durch Dr. Noll, am 5. September 2006 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialve rsicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente. Mit Urteil vom 27. Juni 2007 hiess das Kantonsgericht die Beschwerde in dem Sinne gut, als der Einspracheentscheid vom 4. August 2006 aufgehoben und die Sache zur erneuten Abklärung an die IV-Stelle zurückgewiesen wur- de. Dabei stellte das Kantonsgericht unter anderem fest, dass der Gesundheitszustand und die Frage, in welchem Ausmass der Beschwerdeführer aufgrund seiner gesundheitlichen Beein- trächtigungen in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei, gestützt auf die vorhandene Aktenla- ge nicht entschieden werden könne. Dagegen erhob die IV-Stelle mit Eingabe vom 23. Oktober 2007 Beschwerde beim Schweizerischen Bundesgericht und r ügte den Kostenentscheid. Mit Urteil vom 19. Februar 2008 trat das Bundesgericht auf die Beschwerde der IV-Stelle nicht ein. B. Mit Eingabe vom 21. Juli 2011 erhob A.____, wied erum vertreten durch Dr. Noll, substi- tutionsweise vertreten durch Miriam Gantner, Beschwerde beim Kantonsgericht und beantragte, es sei ihm rückwirkend ab Juli 2003 eine ganze IV-Rente auszurichten, zuzüglich Zins von 5 % mit Wirkung ab Fälligkeit der jeweiligen Renten. Event ualiter sei durch das Gericht selbst ein neues polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben; a lles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer für den Fall des Unterliegens die Bewilligung der une ntgeltlichen Prozessführung und der un- entgeltlichen Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter. In der Begründung führte er aus, dass die Abklärungen nun schon über acht Jahre lang dau ern würden, weshalb er mit einer Rechtsverzögerungsbeschwerde ans Kantonsgericht gelange. E s würden genügend qualifizier- te medizinische Beurteilungen vorliegen, deshalb sei die Angelegenheit spruchreif. Das Gericht müsse einen reformatorischen Entscheid fällen und über de n Rentenanspruch entscheiden. Ausserdem bestreite er die Verwertbarkeit der Restarb eitsfähigkeit. Aufgrund der in regelmäs- sigen Abständen auftretenden rezidivierenden Infektexazerbationen, welche während der Dauer von ein bis zwei Wochen eine vollständige Arbeitsunfähig keit zur Folge hätten, lasse sich im primären Arbeitsmarkt realistischerweise keine Arbeitsst elle mehr finden. Mit Eingabe vom 28. Juli 2011 zog der Beschwerdeführer das Gesuch um unentg eltliche Prozessführung und Ver- beiständung zurück. C. Mit Vernehmlassung vom 21. September 2011 beantrag te die Beschwerdegegnerin die Abschreibung des Beschwerdeverfahrens als gegenstandslos, eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen. Sie habe am 1. September 2011 einen Vorb escheid erlassen und dem Beschwer- deführer in Aussicht gestellt, dass er vom 1. April 200 9 bis 31. März 2010 Anspruch auf eine Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Viertelsrente habe. Im Rahmen eines zweiten Schriftenw echsels hielten die Parteien an ihren Begehren und Begründungen fest. D. Mit Verfügung vom 19. Dezember 2011 sprach die Besch werdegegnerin dem Be- schwerdeführer für die Zeitspanne vom 1. April 2009 bi s 30. Juli 2010 eine befristete Viertels- rente bei einem IV-Grad von 46 % zu. E. Dagegen erhob A.____, wiederum vertreten durch Dr . Noll, substitutionsweise vertreten durch Miriam Gantner, mit Eingabe vom 20. Januar 201 2 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin beantragte er erneut, es sei ihm rückwirkend ab Juli 2003 eine ganze IV-Rente zu entrich- ten, zuzüglich Zins von 5 % mit Wirkung ab Fälligkeit der jeweiligen Renten. Eventualiter sei ein gerichtliches polydisziplinäres Gutachten einzuholen un d in dessen sachgerechten Würdigung über die Rentenleistungen des Beschwerdeführers zu entsch eiden; alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. In verfahrensrechtlicher Hinsicht stellte er den Antrag, es sei das vorliegende Beschwerdeverfahren mit dem Beschwerd everfahren Nr. 720 11 261 (Rechtsverzögerung) zu vereinen. Ausserdem sei lediglich ein Gerichtskostenvorschuss im Um- fang von Fr. 400.-- zu erheben und es sei eine mündliche Parteiverhandlung durchzuführen. F. Mit Verfügung des Instruktionsrichters vom 26. Januar 2012 wurde die im Beschwerde- verfahren Nr. 720 11 261 bereits angesetzte Urteilsberat ung abgeboten und die beiden Be- schwerdeverfahren Nr. 720 11 261 und 720 12 21 wurden zusammengelegt. G. Mit Vernehmlassung vom 23. Februar 2012 nahm die Be schwerdegegnerin Stellung zur Beschwerde vom 20. Januar 2012 und beantragte die Abweisung derselben. H. Mit Telefax vom 27. Juni 2012 stellte der Beschwerdefü hrer dem Gericht den Bericht von Prof. Dr. med. C.____, Spezialarzt für Psychiatrie u nd Psychotherapie FHM, vom 25. Mai 2012 sowie den Bericht von Dr. med. D.____, Spezialarzt für Innere Medizin spez. Lungen- krankheiten FMH, vom 27. Juni 2012 zu. I. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung, an welch er der Beschwerdeführer und seine Rechtsvertreterin M. Gantner sowie E.____ als Vertrete r der Beschwerdegegnerin teilnahmen, hielten die Parteien unter Hinweis auf die schriftlich en Eingaben an ihren Anträgen fest. Aus- serdem nahmen sie im Rahmen des rechtlichen Gehörs Stellu ng zu den Berichten von Prof. C.____ und Dr. D.____. Auf die in den Rechtsschriften und der Parteiverhandl ung angeführten Begründungen wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen eingegangen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Zu prüfen ist in einem ersten Schritt die Rechtsverzö gerungsbeschwerde vom 21. Juli 2011 (720 11 261). 2.1 Gemäss Art. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemein en Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbindung mi t Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 sind die Bestimmungen des ATSG auf die Invalidenversicherung anwendbar. Nach Art. 49 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die er heblich sind oder mit denen die betrof- fene Person nicht einverstanden ist, schriftlich Verfüg ungen zu erlassen. Leistungen, Forderun- gen und Anordnungen, die nicht unter Art. 49 Abs. 1 ATSG fallen, können nach Art. 51 Abs. 1 ATSG in einem formlosen Verfahren behandelt werden, wobei die betroffene Person gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung den Erlass einer Verfügung ve rlangen kann. Gegen Verfügungen kann gemäss Art. 52 Abs. 1 ATSG innerhalb von 30 Tage n bei der verfügenden Stelle Einspra- che erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und ve rfahrensleitende Verfügungen. Die Einspracheentscheide sind innert angemessener Frist zu erlassen. Sie werden begründet und mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen (Art. 52 Abs. 2 ATSG). Gegen Einspracheent- scheide oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, ist gestützt auf Art. 56 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 57 ATSG d as Rechtsmittel der Beschwerde an das kantonale Versicherungsgericht gegeben. 2.2 Art. 56 Abs. 2 ATSG hält fest, dass auch dann Beschwe rde erhoben werden kann, wenn der Sozialversicherungsträger entgegen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfü- gung oder keinen Einspracheentscheid erlässt. Gegenstand e iner solchen Rechtsverweige- rungs- oder Rechtsverzögerungsbeschwerde bilden – wie ber eits vor Inkrafttreten des ATSG – nicht die materiellen Rechte und Pflichten, sondern einzig die Frage der Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2008, 9C_854/2007, E. 1 mit Hinweisen). 3.1 Gemäss Art. 59 ATSG ist im kantonalen Beschwerdeverf ahren zur Beschwerde berech- tigt bzw. legitimiert, wer durch die angefochtene Verf ügung oder den Einspracheentscheid be- rührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe bung oder Änderung hat. Der Begriff des schutzwürdigen Interesses stimmt materiell mit Art. 8 9 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG, in Kraft seit 1. Januar 2007) überein, der die Voraussetzungen für die Beschwerde in öffentlich-rechtli chen Angelegenheiten ans Bundesge- richt umschreibt und dem bisherigen Erfordernis von Art. 103 lit. a des Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege vom 16. Dezember 1943 (OG, in Kraft bis 31. Dezember 2006) entspricht (K ARL SPÜHLER in: Spühler/Dolge/Vock, Kurzkommentar zum Bundesgerichtsgesetz [BGG], Zürich/St. Gallen 2006, Art. 89 Rz. 5). Der Begriff des schutzwür- digen Interesses ist folglich bei allen drei Gesetzesbesti mmungen gleich auszulegen, weshalb die zu Art. 103 lit. a OG ergangene Rechtsprechung im Rahmen von Art. 59 ATSG (vgl. dazu BGE 130 V 390 E. 2.2) und von Art. 89 Abs. 1 lit. c BGG Anwendung findet. Nach dieser Recht- sprechung muss die Beschwerde führende Partei grundsätzlich ein aktuelles praktisches Inte- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht resse an der Aufhebung eines angefochtenen Entscheids bzw. an der Überprüfung der von ihr erhobenen Rügen haben, damit auf die Beschwerde einge treten werden kann. Das Interesse an der Beschwerdeführung ist aktuell und praktisch, wenn der erlittene Nachteil im Zeitpunkt der gerichtlichen Beurteilung noch besteht und durch die beantragte Aufhebung des angefoch- tenen Hoheitsaktes beseitigt würde (BGE 125 I 397 E. 4a und 116 Ia 363 E. 2a). Fehlt ein sol- ches Interesse, wird ein Begehren nicht geprüft. Dieses E rfordernis soll sicherstellen, dass das Gericht konkrete und nicht bloss theoretische Fragen entsch eidet. Bei Rechtsverzögerungsbe- schwerden fällt dieses Interesse dahin, wenn die verlangt e Amtshandlung vorgenommen wird (Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltung srecht [ZBI] 1993 S. 128 ff. E. 1; BGE 114 1a 90 E. 5b). Dies muss auch dann gelten, wenn der Entscheid nach der Einreichung der Beschwerde, aber vor dem Entscheid über die Rechtsverzögerung ergeht. 3.2 Mangelt es an einem Rechtsschutzinteresse schon bei de r Einreichung der Rechtsver- weigerungs- bzw. Rechtsverzögerungsbeschwerde, so ist auf das Begehren nicht einzutreten, weil eine der Prozessvoraussetzungen nicht erfüllt ist. Fäl lt das Rechtsschutzinteresse erst im Verlaufe des Verfahrens dahin, so wird das Verfahren gegenstandslos. Es wird alsdann förmlich als erledigt erklärt und abgeschrieben (BGE 118 Ib 7; FRITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechts- pflege , 2. Auflage, Bern 1983, S. 326). 3.3 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin während der Rechtshängigkeit des Rechtsver- zögerungsverfahrens am 1. September 2011 den Vorbescheid erlassen und mit Verfügung vom 19. Dezember 2011 über den Rentenanspruch des Beschwer deführers entschieden. Unter die- sen Umständen muss das aktuelle praktische Interesse des Beschw erdeführers an der Über- prüfung des von ihm in der Beschwerde vom 21. Juli 2011 geltend gemachten Tatbestands der Rechtsverzögerung verneint werden. Das vorliegende Beschwe rdeverfahren betreffend Rechtsverzögerung kann demnach als gegenstandslos abgeschrieben werden. 3.4 Soweit der Beschwerdeführer mit seiner Rechtsverzöge rungsbeschwerde die Zuspre- chung einer Rente beantragt, hätte im Rahmen der Rechtsverzögerungsbeschwerde auf dieses Rechtsbegehren nicht eingetreten werden können. Wie bereits dargelegt (vgl. Erwägung 2.2 hiervor), bilden nicht die materiellen Rechte und Pfl ichten Streitgegenstand des Verfahrens, sondern einzig die Frage der Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung. Aus diesem Grund schreibt § 17 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 vor, dass das Kantonsgerich t bei Rechtsverweigerungen oder Rechtsverzögerungen nur auf Rückweisung entscheiden kann. Daran vermag auch die bun- desgerichtliche Rechtsprechung in BGE 137 V 210 (Urteil vom 28. Juni 2011, 9C_243/2010) zur Frage der Begutachtung durch die MEDAS-Abklärungsstellen nichts zu ändern. Darin stellte das Bundesgericht zwar unter anderem fest, dass die kanto nalen Versicherungsgerichte bei unklarer medizinischer Aktenlage aufgrund der Gewährlei stung der Waffengleichheit im Pro- zess und des Beschleunigungsgebots die Sache nicht mehr a n die IV-Stellen zurückweisen sollten. Stattdessen komme den Gerichten die Aufgabe zu, den unklaren Sachverhalt selbst zu ergänzen und medizinische Abklärungen vorzunehmen, um a nschliessend einen reformatori- schen Entscheid zu fällen (BGE 137 V 201 E. 4.4). Diese K onstellation unterscheidet sich we- sentlich von der vorliegend zu beurteilenden, denn dor t hat die Verwaltungsinstanz bereits ma- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht teriell über den Rentenanspruch entschieden. Es liegt – im Gegensatz zu einem Rechtsverzö- gerungsverfahren – ein Anfechtungsobjekt vor. Es besteht daher kein Anlass, von § 17 Abs. 2 VPO abzuweichen und den Instanzenzug zu verkürzen. 4.1 Es bleibt über die im Rechtsverzögerungsbeschwerdeve rfahren entstandenen ordentli- chen und ausserordentlichen Kosten zu befinden. 4.2.1 Der Beschwerdeführer beantragt, die Beschwerdeg egnerin sei zur Tragung seiner Ver- tretungskosten zu verpflichten. Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG hält fest, dass die obsiegende Be- schwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteiko sten hat. In ständiger Rechtspre- chung (SVR 2004 AIV Nr. 8 S. 21 E. 3.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 24. September 2007, 9C_190/2007, E. 3) hat das Bu ndesgericht auch bei Gegenstandslo- sigkeit des kantonalen Beschwerdeverfahrens einen bundesre chtlichen Entschädigungsan- spruch der Beschwerde führenden Partei bejaht, wenn es die Prozessaussichten rechtfertigen, wie sie sich vor Eintritt der Gegenstandslosigkeit darbote n (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2010, 8C_652/2009, E. 2.1). Bei der Beurtei lung der Kosten- und Entschädigungsfolgen ist somit in erster Linie auf den mutmasslichen Ausgang de s Prozesses abzustellen (BGE 125 V 373 E. 2a). Dabei geht es nicht darum, die Prozessaussi chten im Einzelnen zu prüfen und dadurch weitere Umtriebe zu verursachen. Vielmehr muss es bei einer knappen Beurteilung der Aktenlage sein Bewenden haben. Über den Weg des Kosten entscheids soll nicht ein materiel- les Urteil gefällt werden. Lässt sich der mutmassliche Ausga ng eines Verfahrens im konkreten Fall nicht ohne weiteres feststellen, ist auf allgemein zivilprozessrechtliche Kriterien zurückzu- greifen. Danach wird in erster Linie jene Partei koste n- und entschädigungspflichtig, die das gegenstandslos gewordene Verfahren veranlasst hat oder b ei der die Gründe eingetreten sind, die zur Gegenstandslosigkeit des Verfahrens geführt haben (Art. 61 lit. g ATSG, vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 7. Juni 2010, 8C_652/2009, E. 2.2, und vom 24. September 2007, 9C_190/2007, E. 3.2). Ein Abweichen vom (mutmasslichen) Prozessausgang ist möglich, wenn eine Partei sich in guten Treuen veranlasst gesehen hat, das Rechtsmittel einzureichen (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2010, 8C_652/2009, E. 2.3). 4.2.2 Zu klären ist somit aufgrund einer summarischen Pr üfung der Aktenlage, ob der Be- schwerdeführer mit seiner Rechtsverzögerungsbeschwerde obsiegt hätte. 4.2.3 Rechtsverzögerung ist eine besondere Form formelle r Rechtsverweigerung. Eine unzu- lässige Rechtsverzögerung liegt unter anderem dann vor, wenn der zuständige Versicherungs- träger zwar zu erkennen gibt, dass er die Sache bearbei ten will, die Behandlung aber in unge- rechtfertigter Weise über Gebühr verzögert, d.h. den E ntscheid nicht binnen der Frist trifft, wel- che nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemes- sen erscheint (BGE 131 V 407 E. 1.1, 130 I 312 E. 5.1, 103 V 194 E. 3c; U LRICH HÄFE- LIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006 , N 1658). Für die rechtsuchende Person ist im Übrigen une rheblich, auf welche Gründe die Rechtsverzögerung zurückzuführen ist. Entscheidend ist vielmehr , dass die Behörde nicht bzw. nicht fristgerecht gehandelt hat (BGE 108 V 20 E. 4c). Ob sich die gegebene Verfahrensdauer mit dem dargelegten Anspruch auf Rechtsschutz innert a ngemessener Frist verträgt oder nicht, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist am konkreten Einzelfall zu prüfen. Massgeblich sind name ntlich die Art des Verfahrens und der Aufwand, der zu betreiben ist, um den Fall zu erl edigen; dabei fallen insbesondere die Schwierigkeit der Materie und die Zahl der zu beantwo rtenden Fragen ins Gewicht. Weiter zu berücksichtigen sind das Verhalten der Beteiligten und d ie Bedeutung der Angelegenheit für den Rechtsuchenden (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Sept ember 2008, 9C_624/2008, E. 5.2.1; BGE 130 I 312 E. 5.2, 125 V 188 E. 2a, 11 9 Ib 311 E. 5b; vgl. auch U ELI KIESER , Das Verwaltungsverfahren in der Sozialversicherung, Zürich 19 99, Rz. 510). Ein vollständiges, ob- jektiv nicht begründbares Untätigsein des Versicherungsträg ers während neun bzw. zwölf Mo- naten erfüllt den Tatbestand der Rechtsverzögerung (SVR 2001 IV Nr. 24 S. 73 f.). 4.2.4 Vorliegend dauerte das Verfahren von der Einre ichung des Gesuchs am 11. Juni 2003 bis zur Eingabe der Rechtsverzögerungsbeschwerde am 21. Juli 2011 rund acht Jahre. Dieser Zeitraum wäre zu überprüfen gewesen, wobei drei Phase n hätten unterschieden werden müs- sen. Eine erste Phase, die von der Einreichung des Gesuch s am 11. Juni 2003 bis zur Einrei- chung der Beschwerde beim Kantonsgericht am 5. September 2006 dauerte, eine zweite Phase von der Zustellung des Urteils des Kantonsgerichts bis zur Einreichung der Rechtsverzöge- rungsbeschwerde am 21. Juli 2011 und die letzte Phase bis zum Erlass der Verfügung am 19. Dezember 2011. Die summarische Beurteilung der Aktenlage zeigt, dass die Beschwerdegeg- nerin in den einzelnen Phasen immer wieder Handlung en getätigt hat, um die Abklärung des Sachverhalts voranzutreiben. In der ersten Phase führte die Beschwerdegegnerin zuerst beruf- liche Massnahmen durch. Danach klärte sie den Rentenanspru ch des Beschwerdeführers ab, wobei sie eine externe polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag gab. Mit Verfügung vom 12. September 2005 lehnte sie den Rentenanspruch des Beschwe rdeführers ab (IV-Akte 34), wo- gegen der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 31. Oktobe r 2005 (IV-Akte 34) und mit ergän- zender Begründung vom 30. Dezember 2005 (IV-Akte 37) Ei nsprache erhoben hatte. Mit Ein- spracheentscheid vom 4. August 2006 lehnte die Beschwerd egegnerin diese ab (IV-Akte 49). Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 5. September 2006 Beschwerde beim Kantonsgericht. Auch in der zweiten Phase wurden die vom Gericht angeordneten Abklärungen rasch in die Wege geleitet. Da das Gericht die Abklärung des medizinischen Sachverhalts we- gen mehrerer Gründe rügte, ist es nachvollziehbar, dass d ie Beschwerdegegnerin eine neue Begutachtung in die Wege geleitet hat. Beide Parteie n nahmen sich anschliessend Zeit, das Gutachten zu würdigen. Ein Umstand, der zu Lasten keiner der Parteien geht. Ebenfalls nicht rechtsmissbräuchlich ist, dass die Beschwerdegegnerin, nachdem der ärztliche Dienst in Bezug auf die Auswirkungen des psychischen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit Unklarhei- ten ausgemacht hatte, erneute medizinische Abklärung ang eordnet hat. Der Beschwerdeführer selbst rügte in seiner Stellungnahme vom 14. August 2008 , dass das Gutachten des Begutach- tungsinstituts G.____ vom 25. Februar 2008 in Bezug auf die Frage der Auswirkungen des de- pressiven Zustandsbilds mangelhaft sei. Es ist deshalb nachvo llziehbar, wenn der RAD weitere Abklärungen veranlasst hatte, um die Entwicklung des psychisc hen Gesundheitszustands und die Auswirkungen des psychischen Gesundheitszustands auf die A rbeitsfähigkeit des Be- schwerdeführers zu eruieren (vgl. auch Stellungnahme de r Beschwerdegegnerin vom 18. März 2009 zuhanden des Rechtsvertreters, IV-Akte 111). Weite r gilt es zu berücksichtigen, dass es zu einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands gekommen ist, der ebenfalls weitere medizinische Abklärungen erforderlich machte. Im Zeitpunkt der Einreichung der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsverzögerungsbeschwerde lag das dritte Gutachten des Be gutachtungsinstituts G.____ zwar bereits vor, doch hatte der Rechtsvertreter davon kein e Kenntnis. Hier hätte die Be- schwerdegegnerin dem Rechtsvertreter mitteilen können, dass das Gutachten erstellt ist, es aber zuerst intern gewürdigt werde. 4.2.5 Zusammenfassend fördert eine summarische Betrachtun g des Verfahrens keine untäti- gen Phasen ans Licht. In diesen acht Jahren wurden b erufliche Massnahmen durchgeführt, die erwerblichen Verhältnisse des Beschwerdeführers abgeklärt , ärztliche Berichte und Stellung- nahmen bei den behandelnden Ärzten eingeholt, dreima l eine externe polydisziplinäre Begut- achtung angeordnet und ein Verfahren vor Kantonsgerich t durchgeführt. Dabei hielt die Be- schwerdegegnerin den Beschwerdeführer, wenn auch oftma ls erst auf Rückfrage von dessen Rechtsvertreter hin, über den aktuellen Verfahrensstand auf dem Laufenden. Die Vorkehren, die die Beschwerdegegnerin ergriffen hat, sind alle d okumentiert und als solche nachvollzieh- bar. In keinem der drei Verfahrensabschnitte ist es zu u ngerechtfertigten oder unnötigen Ver- fahrensverzögerungen von Seiten der Beschwerdegegnerin gekommen. Es lassen sich keine untätigen Phasen finden, während denen über Monate h inweg nichts passiert wäre. Auch ein Vergleich mit anderen, ähnlich gelagerten Fällen zeigt , dass ein Verwaltungsverfahren, das rund drei Jahre bis zur Einreichung der Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht ge- dauert hat, und dann nach der Rückweisung nochmals run d vier Jahre in Anspruch nimmt, durchaus noch als durchschnittlich lang bezeichnet werden k ann. Aus der Gerichtspraxis zu ähnlichen Fällen ergibt sich weiter, dass eine reine Unt ätigkeit des Versicherungsträgers wäh- rend neun beziehungsweise zwölf Monaten als rechtsverzöger nd betrachtet wurde, eine Rechtsverzögerung dagegen abgelehnt wurde, als die Unte rsuchungen zwar insgesamt fast zwei Jahre in Anspruch genommen hatten, der Versicherun gsträger aber doch regelmässig etwas vorgekehrt hatte (Urteil des Sozialversicherungsger ichts des Kantons Zürich vom 29. Oktober 2010, KV.2010.00001, E. 3.3). Gewisse Läng en in der Bearbeitungsdauer sind im vorliegenden Fall zwar nicht zu verkennen, indessen liegen keine stichhaltigen Anhaltspunkte für eine Rechtsverzögerung in Form einer Verfahrensverl ängerung durch unnötige Beweis- massnahmen oder die Einräumung langer Fristen vor. Im L ichte dieser Praxis und unter Be- rücksichtigung der Umstände des vorliegenden Falles wäre d as Verhalten der Beschwerdegeg- nerin nicht als rechtsverzögernd eingestuft worden. Die Rechtsverzögerungsbeschwerde wäre wahrscheinlich abgewiesen worden, wenn das Gericht darübe r unmittelbar vor Eintritt der Ge- genstandslosigkeit materiell zu entscheiden gehabt hätte. In Anbetracht dieses mutmasslichen Prozessausgangs hat der Beschwerdeführer, als unterliegen de Partei, keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin. 4.2.6 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Wird ein Verfahren nachträglich gegenstandslos, wird Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch die Verlegung der ordentlichen Kosten nach dem m utmasslichen Prozessausgang beur- teilt. Vorliegend wäre der Beschwerdeführer mit seine r Rechtsverzögerungsbeschwerde unter- legen, weshalb ihm die Verfahrenskosten in der Höhe v on Fr. 600.-- auferlegt und mit dem ge- leisteten Kostenvorschuss verrechnet werden. 5.1 In einem zweiten Schritt ist das Beschwerdeverfahren betreffend IV-Rente (720 12 21) und damit die Beschwerde vom 20. Januar 2012 zu beurteilen. 5.2 Da die Beschwerde beim örtlich und sachlich zuständig en Gericht form- und fristgerecht eingereicht worden ist, ist darauf einzutreten. 5.3 Zwischen den Parteien ist strittig, ob die Beschwerde gegnerin dem Beschwerdeführer zu Recht eine vom 1. April 2009 bis 30. Juli 2010 befristete Viertelsrente zugesprochen hat oder ob dem Beschwerdeführer seit Juli 2003 eine ganze IV-Rente zusteht. 6.1 Am 1. Januar 2008 sind die vom Gesetzgeber am 6. Okt ober 2006 beschlossenen Än- derungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 und die vom Bundesrat am 28. September 2007 verordneten Anpassun gen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 (5. IV-Re vision) in Kraft getreten. Was die Anwendbarkeit dieser neuen materiell-rechtlichen Besti mmungen betrifft, ist in zeitlicher Hin- sicht – von hier nicht interessierenden Ausnahmen abgeseh en – der übergangsrechtliche Grundsatz massgebend, wonach im Falle einer Änderung der gesetzlichen Grundlagen die Ord- nung anwendbar ist, die zur Zeit galt, als sich der zu R echtsfolgen führende Sachverhalt ver- wirklicht hat (BGE 132 V 220 E. 3.1.1, 131 V 11 E. 1) . Liegt eine Dauerleistung der IV – wie etwa der Anspruch auf eine IV-Rente – im Streit, de ren Beginn noch in den Geltungszeitraum des alten Rechts (vor Ende 2007) fällt, und erging die Verfügung der IV-Stelle nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision, sind demnach der Beurteilung des str ittigen Leistungsbegehrens bis 31. Dezember 2007 das alte Recht und ab 1. Januar 20 08 die im Rahmen der 5. IV-Revision erfolgten Änderungen des IVG und der IVV zu Grunde zu legen (vgl. BGE 130 V 329 ff. und 446 f. E. 1.2.1 f.). Vorliegend liegt eine Dauerlei stung im Streit, deren Beginn in den Geltungs- raum des alten Rechts fallen könnte. Deshalb sind der Beurteilung des Leistungsbegehrens des Beschwerdeführers für den Zeitraum bis 31. Dezember 20 07 die bis dahin geltenden Bestim- mungen des IVG und der IVV zu Grunde zu legen. Für den Zeitraum ab 1. Januar 2008 ist der Anspruch hingegen anhand der im Rahmen der 5. IV-Revi sion erfolgten Änderungen des IVG und der IVV zu beurteilen. 6.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 20 07 gültig gewesenen Fassung) bzw. nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 20 08 anwendbaren Fassung) hat die versi- cherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreivier- telsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Re nte, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% i nvalid ist. Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsscha den als Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtli ch bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 des Bun- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicher ungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). 6.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28 Abs. 2 IVG [in der bis 31. Dezembe r 2007 gültig gewesenen Fassung] bzw. Art. 28a Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwendbaren Fassung]). 6.4 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Str eitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verf ügung zu stellen sind. Im Weiteren ist es Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes, dazu Stellung zu ne hmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeit sunfähig (Art. 6 ATSG) ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). 6.5 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahl- reichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltung sverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hin- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Z weifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati- entinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdin gs auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschät- zung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein un- beachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum a bdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt nisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellt en fachmedizinischen Experten ander- seits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG I 506 /00 vom 13. Juni 2001, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu a nderslautenden Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vor- behalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichend e Beurteilung aufdrängt, weil die behan- delnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärzt licher Interpretation entspringender – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung uner kannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 6.6 Schliesslich ist in verfahrensrechtlicher Hinsicht noch d arauf zu verweisen, dass der So- zialversicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht ist. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklär ung des rechtserheblichen Sachver- halts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht un beschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a, je mit weite- ren Hinweisen). Wegen der Massgeblichkeit des Untersuchung sgrundsatzes entfällt im Sozial- versicherungsrecht eine Beweisführungslast. Immerhin tra gen die Parteien im Sozialversiche- rungsverfahren eine dahingehende Beweislast, als im Fal le der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewi esen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 121 V 208 E. 6a, 115 V 133 E. 8a sowie KIESER , a.a.O, Rz. 39 zu Art. 43 m.w.H.). 7.1 Für die Beurteilung der Frage der Arbeits- und E rwerbsunfähigkeit des Beschwerdefüh- rers liegen die folgenden medizinischen Berichte vor: 7.2 Gemäss Bericht des Kantonsspitals F.____, Abteilung Pn eumologie, vom 19. Mai 2003, musste sich der Beschwerdeführer im Mai 1992 einer Lobek tomie des Unterlappens links und einer Wedge-Resektion der Lingula unterziehen. Aufgru nd der rezidivierenden Infekte hielt er sich vom 22. bis 24. April 2003 im Kantonsspital F.____ auf. Dabei diagnostizieren die untersu- chenden Ärzte rezidivierende bronchopulmonale Infekte mit Leistungseinschränkungen, eine reaktive Depression und eine monoklonale Erhöhung der I mmunglobuline A (IgA) unklarer Sig- nifikanz. Als Nebendiagnosen wurden eine leichte zytolytische Hepatopathie, ein Pankreas divi- sum und ein Status nach laparoskopischer Appendektomie festgehalten. Aufgrund der rezidivie- renden Infekte und der postoperativen Belastungsdyspnoe se i der Patient in seiner Arbeitsfä- higkeit zunehmend eingeschränkt. Potentielle Arbeitgebe r würden angesichts dieser Erkran- kung eine Anstellung ablehnen. Die Chronifizierung der Krankheit hätte zu einer reaktiven De- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht pression geführt. Psychosomatisch liege eine Arbeitsunfähig keit von mindestens 50 % vor. Aus pneumologischer Sicht sei der Patient bei körperlichen A rbeiten oder Arbeiten in Exposition mit Kälte, Staub oder Chemikalien zu 100 % arbeitsunfähig . Für leichte Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsfähigkeit, welche jedoch durch die mangelhafte Ausbildung eingeschränkt sei. 7.3 Im Arztbericht vom 8. August 2003 führt Dr. H.___ _, Facharzt FMH für Innere Medizin und FMH für Pneumologie, die gleichen Diagnosen auf w ie die begutachtenden Ärzte des Kan- tonsspitals. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit stellt er si ch ebenfalls auf den Standpunkt, dass sein Patient für leichte Tätigkeiten noch arbeitsfähig sei , sofern eine Exposition mit Kälte, Staub und Chemikalien vermieden würde. Er sei zwar für eine Umsc hulung sehr motiviert, seine mangel- haften Deutschkenntnisse und fehlende Schulbildung würd en aber deren Durchführung er- schweren. 7.4 Dem Eingliederungsbericht des Spitals I.____ vom 2. Juli 2003 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei einem 50 %-Pensum an klare kö rperliche und psychische Belas- tungsgrenzen gelange. Trotz regelmässiger Anwesenheit und konstanter Arbeitsweise könne er quantitativ nur wenig leisten. Er verfüge somit über eine geringe Leistungsfähigkeit, welche der- zeit in der freien Marktwirtschaft nicht verwertbar wäre . In der praktischen Arbeit zeige er eine gute Auffassungsgabe. Im Abschlussbericht der beruflichen M assnahmen vom 19. März 2004 wird festgehalten, dass eine Präsenz von 50 % in einer st aubfreien Umgebung möglich wäre, eine “brauchbare“ Leistung könne er aber nicht erbringen. 7.5 Dr. H.____ bestätigt am 23. April 2004, dass der P atient für leichtere Arbeiten (Bürotä- tigkeit, Hausbote) zu 100 % arbeitsfähig sei, sofern diese Tätigkeiten ohne Exposition mit Kälte, Staub oder Chemikalien stattfinden würden. Zudem erw ähnt Dr. H.____, dass auch bei einer solchen Tätigkeit mit wiederholten infektiösen Exazerba tionen seiner Bronchiektasen bzw. mit entsprechenden Absenzen gerechnet werden müsse. 7.6 Aufgrund der divergierenden Berichte der Ärzte un d der beruflichen Abklärungspersonen beauftragte die Beschwerdegegnerin am 31. Mai 2004 d as Begutachtungsinstitut G.____ mit der Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers. Dabei wurde er in internis- tischer, psychiatrischer und pneumologischer Hinsicht untersuc ht. Im Gutachten vom 7. März 2005 führten die untersuchenden Fachpersonen mit Einfl uss auf die Arbeitsfähigkeit folgende Diagnosen an: "1. Bronchiektasen vorwiegend im dorsalen Oberlappensegment links bei - Status Lobektomie des linken Unterlappens und Wedge- Resektion der Lingual bei zystischen Bronchiektasen - rezidivierende bronchopulmonale Infekte mit inter kurrenter Hämoptyse und - ptoe - CT Thorax 22.04.03: vorwiegend im dorsalen Oberla ppensegment links mul- tiple sacculäre Bronchiektasen mit Zeichen einer per ibrochialen entzündli- chen Infiltration, lokoregionale Lymphknoten reak tiv vergrössert Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht - Spiroergometrie vom 24.1.05: leicht eingeschränkte Leistungsfähigkeit bei pulmonaler Limitierung im Rahmen der restriktive n Ventilationsstörung - Bronchoskopie vom 23.4.03: Hypoplasie des linken Haupt bronchus, Bron- chialstumpfunterlappen links unauffällig - SPECT Lunge vom 24.4.03: bei Status nach Lungenre sektion links: deutlich reduzierte Perfusion links." Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien die leicht e Anpassungsstörung, der Status nach laparoskopischer Appendektomie und des Pankreatis divisum. In der Beurteilung führte das Gutachterteam aus, dass im Vordergrund anamnestisch eine verminderte Belastbarkeit, die sich einerseits durch eine Dyspnoe und Hustenreiz und and ererseits durch eine allgemeine Kraftlosigkeit und Belastungsintoleranz äussere. Die psychi atrische Untersuchung habe keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ergeben. In der pneumologischen Standortbe- stimmung mit Spiroergometrie würden sich keine Befunde erheben lassen, die den Versicherten in einer körperlich leichten Arbeit einschränken würden . Er sei deshalb in einer leichten körper- lichen Tätigkeit unter Vermeidung von Exposition mit K älte, Staub und Chemikaliendämpfen zu 100 % arbeitsfähig. Aus gesamtmedizinischer Sicht würd en infolge der zunehmenden Dekondi- tionierung entsprechende Rekonditionierungsmassnahmen empfohlen. Berufliche Massnahmen seien rein medizinisch möglich und indiziert. Die bisherig en Erfahrungen würden jedoch von einer geringen psychischen und körperlichen Belastbarkeit sprechen. Die mangelnde Schulbil- dung sei invaliditätsfremd. 7.7 Der Beschwerdeführer unterbreitete das Gutachten des Begutachtungsinstituts G.____ Dr. J.____, FMH Innere Medizin/Lungenkrankheiten. Diese r führt am 23. November 2005 aus, dass der Beschwerdeführer aus rein lungenfunktioneller Sicht eine leichte körperliche Arbeit ausführen könne. Aber auch bei einer leichten körper lichen Arbeit ohne Exposition mit Kälte, Staub oder Chemikalien würden Einschränkungen bestehen. Der Versicherte sei aufgrund der noch vorhandenen sacculären Bronchiektasen und Pseudomonas besiedlung der Atemwege wiederholt nicht arbeitsfähig, da es zu Infekten komm e und eine Antibiotikatherapie durchge- führt werden müsse. Pulmonale Rehabilitationsmassnahmen hätten nur beschränkte Er- folgsaussichten. Theoretisch empfehle sich eine Resektion des verbleibenden linken Oberlap- pens, was auf die Arbeitsfähigkeit insofern einen Einfl uss hätte, als weniger Infekt- Exazerbationen zu erwarten seien. Ein erneuter operati ver Eingriff hätte aber wegen der nur noch rechtsseitig vorhandenen Lunge keinen Einfluss auf die körperliche Leistungsfähigkeit. 7.8 Mit Arztbericht vom 23. März 2007 hält Dr. H.____ f est, dass in den letzten Monaten eine Häufung der infektiösen Exazerbationen habe festg estellt werden können. Insbesondere habe deren Häufung im Vergleich zu den Jahren 2003 u nd 2004 so zugenommen, dass sich der Patient alle paar Wochen einer antibiotischen Be handlung unterziehen müsse, die jeweils mit entsprechender Bettlägerigkeit und demzufolge vol lständiger Arbeitsunfähigkeit verbunden sei. Im Vergleich zur Beurteilung des Begutachtungsinstitu ts G.____ handle es sich um eine neue Situation. Es dränge sich deshalb eine Neubeurtei lung auf, zumal sich beim heutigen Zu- standsbild realistischerweise kaum ein Arbeitgeber finden lassen würde, der den Patienten trotz häufigen krankheitsbedingten Arbeitsausfällen dauerhaft beschäftigen werde. Ausserdem habe Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht er eine wesentliche Verschlechterung der psychischen Verf assung des Patienten feststellen können, weshalb neue Abklärungen indiziert wären. Mit Bericht vom 19. Juni 2007 weist Dr. H.____ auf weitere infektiöse Exazerbationen hin. 7.9 Nachdem das Kantonsgericht mit Urteil vom 27. Juni 2007 weitere medizinische Abklä- rungen angeordnet hatte, beauftragte die Beschwerdeg egnerin das Begutachtungsinstitut G.____ mit der Verlaufsbegutachtung des Beschwerdeführers. Dieses hält mit polydisziplinärem Gutachten (Innere Medizin, Pneumologie und Psychiatrie) vom 25. Februar 2008 als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit Bronchiektase n, vorwiegend im dorsalen Oberlap- pensegment links (ICD-10 J47) bei Status nach Lobektomie des linken Unterlappens und Wed- ge-Resektion der Lingula 05/1992 bei zystischen Bronchiekt asen, rezidivierende bronchopul- monale Infekte mit intermittierender Hämoptoe, aktuel l leichte restriktive Ventilationsstörung, keine Obstruktion, ergospirometrisch: formal leicht eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Nachweis von masshaft Pseudomonas aeruginosa und Hypoplasie des linken Hauptbronchus (Bron- choskopie vom 23. April 2003) fest. Ohne Einfluss auf di e Arbeitsfähigkeit bleibe eine mittelgra- dige depressive Episode (ICD-10 F32.1). Für körperlich schwere sowie anhaltend mittelschwere Tätigkeiten bestehe bleibend eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit. Nicht möglich seien Tätigkeiten mit Exposition zu Reizstoffen, zu extremer Kälte und Nässe , mit häufigem Wechsel des Klimas, mit Exposition zu Staub und Dreck. Ungeeignet seien Täti gkeiten in lebensmittelverarbeitenden Betrieben infolge der Hustensymptomatik und der Besiedel ung mit Pseudomonas aeruginosa. Ungünstig seien ebenfalls Tätigkeiten mit direktem Kund enkontakt. Möglich seien Tätigkeiten, die diesen Einschränkungen Rechnung tragen würden und kö rperlich leicht bis intermittierend mittelschwer seien. Für solchermassen angepasste Tätigkei ten sei eine 90 %-ige Präsenzzeit mit dabei voller Leistungsfähigkeit zumutbar. Die 10 %-ige Einschränkung ergebe sich daraus, dass der Explorand sekretmobilisierende Massnahmen erlernen sollte, welche er dann regel- mässig und selbständig durchführen sollte. Da diese Massnah men mit einem gewissen Zeit- aufwand verbunden seien, sei von einer Einschränkung von 10 % auszugehen. Bei der aktuel- len Häufigkeit der Infektexazerbationen sei fünf- bis sechsmal pro Jahr während drei bis fünf Tagen mit einer vollen Arbeitsunfähigkeit zu rechnen. Man gehe von einer weitgehend unver- änderten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gegenüber dem Vorgutachten aus dem Jahr 2005 aus. In der ergänzenden Stellungnahme vom 14. November 2008 nimmt das Begutachtungsin- situt G.____ Stellung zu den vom Beschwerdeführer vorge brachten Einwänden, hält jedoch an ihrer Beurteilung fest. 7.10 Mit Bericht vom 3. Juli 2009 diagnostiziert Dr. med . L.____, Fachärztin FMH für Psychi- atrie und Psychotherapie, mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depres- sive Störung, gegenwärtig leicht bis mittelgradige Epi sode mit somatischem Syndrom ICD-10 F 33.01/11 seit ca. 2005. Sie behandle den Beschwerdefüh rer seit dem 7. April 2009. In der Tä- tigkeit als Gipser bestehe seit dem 7. April 2009 bis a uf weiteres eine 40 %-ige Arbeitsunfähig- keit. Die Einschränkungen zeigten sich in einer reduziert en Belastbarkeit, schnell auftretender Müdigkeit und Erschöpfung, Reizbarkeit und Ängstlichkeit, einem verminderten Arbeitstempo und einer reduzierten Arbeitsqualität. Mit Verlaufsb ericht vom 30. April 2010 hält Dr. L.____ als Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwä rtig leichte Episode mit somati- schem Syndrom (ICD F33.01) fest. Als Gipser bestehe ein e Arbeitsunfähigkeit von 20-30 % Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 22. April 2010 bis auf weiteres. 7.11 Dr. H.____ diagnostiziert im Arztbericht vom 3. Au gust 2010 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit rezidivierende bronchopulmonale Infe kte bei Status nach Lobektomie des lin- ken Unterlappens und nach Resektion der Lingula im Mai 1992 bei zystischen Bronchiektasen. Aktuell bestehe eine Kolonisation mit Pseudomonas aerug inosa. Im CT vom April 2003 hätten sich sakuläre Bronchiektasen im linken Oberlappen gezeigt. S eit 2003 bestehe eine depressive Verstimmung. Seit seinem letzten Bericht vom 8. August 2003 sei der Verlauf von rezidivieren- den infektiösen Exazerbationen mit Beeinträchtigung de s Allgemeinzustands und damit der Ar- beitsfähigkeit geprägt gewesen. Im November 2009 sei e s zu einer schweren Exazerbation mit Hämoptoe und Hospitalisation gekommen. Während der Ex azerbationen bestehe jeweils eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit. Ausserhalb der Exazerbat ionen bestehe eine deutliche Ein- schränkung der Leistungsfähigkeit aufgrund der Beeinträ chtigung des Allgemeinzustands und der depressiven Verstimmung im Ausmass von mindestens 50 %. 7.12 In der Folge liess die Beschwerdegegnerin den Be schwerdeführer erneut durch das Be- gutachtungsinstitut G.____ polydisziplinär begutachten. Mit Gutachten vom 20. Juni 2011 halten Dr. med. K.____, Dr. med. N.____ und Dr. med. M.___ _ folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest: "1. Rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mitte lgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11) - Auf dem Boden einer Anpassungsstörung mit längerer d epressiver Reaktion (ICD-10 F43.2), phasen- weise leichteren Ausmasses (F43.23) - Bei Diagnose 2 - Bei oppositionellem Verhalten in der Kindheit und Teilleistungsschwäche und einer hyperkinetischen Störung, DD: ADS in der Kindheit und Jugend mit Restsymptomatik heute - bestehend seit ca. 2004 2. Bronchiektasen, vorwiegend im dorsalen Oberlappensegment links - Status nach Lobektomie des linken Unterlappens und Wedg e-Resektion der Lingula bei zystischen Bronchiektasen (05/1992) - rezidivierende bronchopulmonale Infekte mit intermi ttierender Hämoptoe - letzter Infekt 01/2011 - letzte Hämoptoe-Episode Herbst 2009 - chronische Pseudomonas aeruginosa-Besiedelung - leichte gemischte obstruktive-restriktive Ventilations störung - spiroergometrisch: formal leicht eingeschränkte Leistung sfähigkeit - Hypoplasie des linken Hauptbronchus (Bronchoskopie vom 23 .4.2003) - CT Thorax 12.11.2009: Zwerchfellhochstand links nach L obektomie, Nachweis von Gefässverschlüssen mediobasal links, im dorsalen Oberlappen links milchglasartige Infiltrate, am ehesten infektiös bedingt - BAL 13.11.09: Diffuse Blutung, Bakteriologie: Pseud omonas aeruginosa. Direktpräparat auf Tuberkulo- se negativ, PCR negativ." In der Gesamtbeurteilung halten die Fachärzte fest, da ss es aus pneumologischer Sicht zu ei- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht ner geringen Verschlechterung der Situation gekommen sei, die sich aber nicht gravierend auf die somatisch begründbare Arbeitsunfähigkeit auswirke. Ein e Verschlechterung sei jedoch aus psychiatrischer Sicht vorhanden. So werde aktuell von eine r mittelgradigen depressiven Episo- de mit somatischem Syndrom ausgegangen. Diese habe sich n ach heutiger Ansicht auf dem Boden einer Anpassungsstörung ein Stück weit chronifiziert und sei möglicherweise auch auf dem Hintergrund des schon in der Jugend beschriebenen oppositionellen Verhaltens zu inter- pretieren. Die persönlichen und beruflich-schulischen Re ssourcen würden als eingeschränkt erscheinen, was wohl dazu beigetragen habe, dass der Explo rand nach dem subjektiv erlebten Verlust der körperlichen Leistungsfähigkeit nach 1992 in eine gewisse Verbissenheit und Starre verfallen sei und sich ausschliesslich über die Krankenrolle definiere. Von einer Verschlechte- rung der Situation werde seit 2006 ausgegangen. Für körperlich schwere Tätigkeiten wie die früher ausgeübte Tätigkeit als Gipser/Bauarbeiter best ehe eine volle Arbeitsunfähigkeit. Für eine körperlich leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit b estehe eine Arbeitsunfähig- keit/Leistungsfähigkeit von 70 %. Die Reduktion ergebe sich vor allem aus psychiatrischer Sicht und lasse genügend Zeit für die aus pneumologischer Sicht indizierte regelmässige Inhalations- therapie und die sekretmobilisierenden Massnahmen. Aus pn eumologischer Sicht müsse es sich um eine vorwiegend sitzende Tätigkeit handeln, ohn e direkten Kundenkontakt (in Anbet- racht der mit den Bronchiektasen einhergehenden Hustensym ptomatik), keine Tätigkeiten in einem lebensmittelverarbeitenden Betrieb oder Betrieb mit entsprechenden Hygienerichtlinien (eine Ansteckungsgefahr bestehe allerdings nicht). keine Arbeit in Konditionen die zu einer Atemswegreizung führen könnten wie Staub, Reizgase, Fe uchtigkeit oder extreme Kälte. Zu denken sei dabei an einfache Montagearbeiten. Im Mom ent komme es pro Jahr zum Auftreten von etwa sechs Episoden mit Infektexazerbationen. Währen d dieser Zeit sei von einer drei- bis fünftägigen vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Diese Einschränkungen würden seit ca. April 2010 (IV-Bericht von Dr. L.____) bestehen, wo von der behandelnden Psychiaterin eine redu- zierte Belastbarkeit attestiert worden sei. 7.13 Prof. C.____ hält in seinem Schreiben vom 25. Ma i 2012 fest, dass der Patient aufgrund intrafamiliärer Spannungen und eines depressiven Zusta ndsbilds (depressive Stimmung, Durchschlafstörungen und zeitweise Suizidgedanken) an ihn überwiesen worden sei. Es hätten bisher drei Behandlungstermine stattgefunden. 7.14 Mit Bericht vom 27. Juni 2012 diagnostiziert Dr. D .____ Bronchiektasen, eine anhalten- de leichte bis mittelschwere depressive Störung, Hydrocelen bds. mit rec. Hodenbeschwerden, Libidoabnahme (wahrscheinlich multifaktoriell), Hypercho lesterinaemie sowie colon irritabile. In einer Zeitspanne von 11 Monaten seien insgesamt vier pr otrahierte respiratorische Infekte auf- getreten, zeitweise sei die Behandlung mit peroralen Corticosteroiden notwendig gewesen. Die medizinische theoretische Ateminvalidität sei irreversibel mit 40 % festzusetzen. Der Patient sei für körperliche Arbeiten ungeeignet. Für leichtere Arb eiten egal welcher Art müsse jährlich mit 4-6 längeren Unterbrüchen infolge der Infekte gerechne t werden (jeweils mehrere Wochen). Im weiteren sei die psychiatrische Situation einzubeziehen. D ie Depression sei bereits 2008 als anhaltend leicht bis mittelschwer beurteilt worden. 8.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Beurteilung d es Gesundheitszustands und der Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der angefocht enen Verfügung insbesondere auf die beiden Gutachten des Begutachtungsinstituts G.____ vom 2 5. Februar 2008 und vom 20. Juni 2011 sowie auf den Arztbericht von Dr. L.____ vom 3. Ju li 2009. Gestützt auf diese ärztlichen Beurteilungen ging sie davon aus, dass dem Beschwerdeführ er aus medizinischer Sicht bis April 2009 die Ausübung einer körperlich leichten bis intermittierend mittelschweren Tätigkeit im Umfang von 90 % mit voller Leistungsfähigkeit zumutba r gewesen sei. Ab April 2009 sei von einer Leistungseinschränkung von 40 % und ab April 201 0 von einer solchen von 30 % auszu- gehen. 8.2.1 Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin aus be weisrechtlicher Sicht zu Recht auf die Beurteilungen des Begutachtungsinstituts G.____ vom 20. Juni 2011 und vom 25. Februar 2008 abgestellt hat oder ob konkrete Indizien gegen die Zuver lässigkeit dieser Gutachten sprechen, weshalb weitere medizinische Abklärungen notwendig wären (vgl. dazu Erwägung 6.5 hiervor). 8.2.2 Der Beschwerdeführer rügt, dass die Beurteilung von Dr. H.____ auch im neuesten Gut- achten des Begutachtungsinstituts G.____ vom 20. Juni 2011 nicht berücksichtigt worden sei. Infolgedessen sei dieses zufolge mangelnder Schlüssigkeit n icht verwertbar. Dr. H.____ halte fest, dass der Beschwerdeführer bereits seit Jahren währen d den Infektexazerbationen jeweils zu 100 % arbeitsunfähig sei. Ausserhalb derselben zeige er eine deutlich eingeschränkte Leis- tungsfähigkeit von 50 %. Die Rüge, die Infektexazerbationen seien bei der Begutachtung im Rahmen der Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt worden, trifft nicht zu. Sowohl im pneumologischen Teil des Gutachtens vom 20. Juni 2011 als auch im Rahmen der G esamtbeurteilung halten die Fachärzte fest, dass es pro Jahr zu ca. sechs Infektexazerbati onen komme. Während dieser Zeit sei jeweils von einer drei- bis fünftägigen volle n Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Auch im Gutachten vom 25. Februar 2008 wird anlässlich der Kons ensbesprechung ausdrücklich fest- gehalten, dass von fünf Infektexazerbationen pro Jahr auszugehen sei, während denen es wäh- rend drei bis fünf Tagen zu einer vollen Arbeitsunfähi gkeit komme. Insofern stimmt die Beurtei- lung der Gutachter mit derjenigen von Dr. H.____ übe rein. Dr. H.____ geht mit Bericht vom 3. August 2010 sodann davon aus, dass ausserhalb der Exazerba tionen eine Einschränkung in einem Ausmass von mindestens 50 % bestehe, die er insbesond ere mit der depressiven Ver- stimmung begründet. In dieser Hinsicht kann ihm nicht gefolgt werden, denn sowohl der psychi- atrische Gutachter des Begutachtungsinstituts G.____, Dr. N.____, als auch die behandelnde Psychiaterin Dr. L.____ attestieren dem Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht eine Leis- tungsfähigkeit von 70 %. Die Beurteilungen von Dr. H. ____ vermögen daher den Beweiswert der Gutachten nicht in Frage zu stellen. 8.2.3 Weiter beanstandet der Beschwerdeführer, dass be reits der Abschlussbericht des im Spital I.____ durchgeführten Arbeitsversuches zeige, da ss er beim vereinbarten 50 %-igen Ar- beitspensum an klare körperliche und psychische Belastungs grenzen gelange, was gegen die Zuverlässigkeit der gutachterlichen Beurteilung spreche. Zur Zeit des Eingliederungsversuchs liegen zwei echtzeitliche fachärztliche Einschätzungen vor, Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht die dem Beschwerdeführer eine höhere Leistungsfähigkeit als 50 % attestieren. Dr. H.____ mit Berichten vom 8. August 2003 und vom 23. April 2004 und Dr. J.____ mit Bericht vom 23. No- vember 2005 gehen davon aus, dass dem Beschwerdeführer d ie Ausübung einer leichten kör- perlichen Arbeit – unter Berücksichtigung der Infektexazerb ationen – zu 100 % zuzumuten sei. Aus diesem Grund vermag die Beurteilung der Eingliede rungsfachpersonen vom 2. Juli 2004 die fachärztlichen Einschätzungen der Gutachter nicht in Zweifel zu ziehen. 8.2.4 Auch die vom Beschwerdeführer im Rahmen des vorlie genden Beschwerdeverfahrens eingereichten ärztlichen Berichte von Dr. D.____ vom 2 7. Juni 2012 und von Prof. C.____ vom 25. Mai 2012 können die Beweiskraft der Gutachten des Begutachtungsinstituts G.____ nicht in Zweifel ziehen. Die beiden Ärzte setzen sich nicht mit d er Beurteilung der Fachärzte auseinan- der oder legen Gründe dar, weshalb nicht auf die Gutachten abgestellt werden könnte. In Bezug auf den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zeigen die Berichte zudem keine Entwick- lungen auf, die von den Gutachtern nicht bereits berück sichtigt worden wären. Ausserdem äus- sern sie sich nicht zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. 8.3 Somit kann zu den Gutachten des Begutachtungsinstitu ts G.____ abschliessend fest- gehalten werden, dass sie den Anforderungen der Rechtsp rechung genügen, also auf vollstän- digen medizinischen Unterlagen bezüglich der Krankenge schichte und umfassenden eigenen Untersuchungen beruhen, alle vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden berücksichtigen, widerspruchsfrei sind und einleuchtende Schlussfolgeru ngen gezogen werden. Insbesondere stellen die Gutachten den gesamten Gesundheitszustand da r und erklären schlüssig die Aus- wirkungen der gestellten Diagnosen auf die Arbeitsfäh igkeit in somatischer und psychischer Hinsicht. Die behandelnden Ärzte nennen keine Aspekte, d ie die Fachärzte in ihrer Begutach- tung nicht erkannt oder nicht gewürdigt hätten. Indizie n, die gegen die volle Beweiskraft des Gutachtens sprechen, liegen somit keine vor. Die Beschwer degegnerin hat bei der Beurteilung des vorliegenden Rentengesuch zu Recht auf diese beiden Gutachten abgestellt. Weitere me- dizinische Abklärungen erweisen sich als nicht notwendig. 9.1 Damit ist grundsätzlich davon auszugehen, dass dem Besch werdeführer ab Beginn ei- nes allfälligen Rentenanspruchs eine körperlich leichte b is intermittierend mittelschwere Tätig- keit bei voller Leistungsfähigkeit in einem Pensum von 90 % hätte zugemutet werden können. Ebenfalls ist davon auszugehen, dass eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszu- stands eingetreten ist. Zu klären bleibt der Zeitpunkt des Eintritts der Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands. 9.2 Die Beschwerdegegnerin geht gestützt auf den Berich t von Dr. L.____ vom 3. Juli 2009 davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführer s ab April 2009 nur noch 60 % betragen habe. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt wer den. Dr. L.____ diagnostiziert eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht bis mittelgradige Episode mit somati- schem Syndrom, und begründet die Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit mit Konzentrati- ons- und Merkfähigkeitsstörungen, mit reduziertem Antrieb , Müdigkeit, Erschöpfung, Reizbar- keit und Ängstlichkeit. Da sie sich aber lediglich zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätig- keit als Gipser äussert, zu einer allfälligen Verweistä tigkeit aber keine Stellung bezieht, kann Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht auf ihre Beurteilung abgestellt werden. 9.3 Die Gutachter des Begutachtungsinstituts G.____ gehen im Gutachten vom 20. Juni 2011 davon aus, dass die 70 %-ige Einschränkung in der Verweistätigkeit seit April 2010 beste- he. Sie begründen ihre Auffassung mit einem Verweis a uf den Bericht von Dr. L.____ vom 30. April 2010 (IV-Akte 138, S. 24/60). Dr. L.____ hält in diesem Bericht fest, dass es beim Be- schwerdeführer in psychischer Hinsicht seit der Aufnahme de r psychiatrischen Behandlungs- massnahmen zu einer Besserung des Gesundheitszustands gekom men sei. Im November 2009 habe er aber wegen einer erneuten Lungenentzünd ung mit Bluterbrechen notfallmässig hospitalisiert werden müssen. Dieser erneute Rückfall habe beim Patienten wieder Todesangst mit Ersticken ausgelöst, was zu einer psychischen Zustandsverschle chterung geführt habe. Auch Dr. H.____ weist in seinem Bericht vom 3. August 2010 darauf hin, dass sich der Be- schwerdeführer vom 12. - 21. November 2009 stationär im Spital X.____ befunden habe, nach- dem es zu einer schweren Exazerbation mit Hämoptoe gekommen sei. Insofern ist das Gutach- ten, wenn es für den Eintritt der Verschlechterung au f den Bericht von Dr. L.____ vom 30. April 2010 verweist und von einer Verschlechterung ab April 2010 ausgeht, nicht ganz schlüssig nachvollziehbar, weshalb in diesem Punkt nicht darauf a bgestellt werden kann. Stattdessen ist davon auszugehen, dass es im November 2009 zu einer Verschl echterung gekommen ist und dem Beschwerdeführer ab diesem Zeitpunkt zugemutet werd en kann, eine körperlich leichte, leidensangepasste Tätigkeit mit einer 70 %-igen Arbeits- und Leistungsfähigkeit auszuüben. 10.1 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, seine Restarbeitsfähigkeit lasse sich nicht mehr verwerten. 10.2 Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet dur ch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften und wei st einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf (Urteil des Bundesgerichts vom 12. Jul i 2010, 8C_231/2010, E. 3.1; BGE 110 V 273 E. 4b). Das gilt sowohl bezüglich der dafür verla ngten beruflichen und intellektuellen Vor- aussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsa tzes. Dabei ist nicht von realitäts- fremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur V orkehren verlangt werden, die un- ter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjekti ven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenh eiten und Verdienstaussichten sind jedoch rechtsprechungsgemäss keine übermässigen Anforder ungen zu stellen (SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203, 9C_830/2007 E. 5.1 mit Hinweis). Für die Invaliditätsbemessung ist nicht mass- geblich, ob eine invalide Person unter den konkreten A rbeitsmarktverhältnissen vermittelt wer- den kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene A rbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen wür- den (AHI 1998 S. 287 E. 3b S. 290 f., I 198/97). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen vonseiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2007, 9C_95/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Von einer Arbeitsgelegenheit kann nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nurmehr in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenko mmen eines durchschnittlichen Arbeit- Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht gebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2010, 8C_1050/2009, E. 3.3 mit Hinweisen). 10.3 Ausgehend von diesen Grundsätzen kann nicht von ei nem IV-rechtlich erheblichen feh- lenden Zugang des Beschwerdeführers zum Arbeitsmarkt im Sinne des Art. 16 ATSG ab No- vember 2009 gesprochen werden. Gemäss Gutachten vom 20. Jun i 2011 sind dem Beschwer- deführer körperlich leichte, vorwiegend sitzende Tätigkei ten ohne direkten Kundenkontakt mit einer Leistungsfähigkeit von 70 % zuzumuten. Ausgeno mmen sind Tätigkeiten in einem le- bensmittelverarbeitenden Betrieb oder einem Betrieb mit entsprechenden Hygienevorschriften und Tätigkeiten, die zu einer Atemswegreizung führen könnten, weil der Beschwerdeführer Staub, Reizgasen, Feuchtigkeit oder extremer Kälte ausgesetzt wäre. Es gibt verschiedene ein- fache Hilfstätigkeiten, die den medizinischen Anforderu ngen genügen würden. Zu denken ist dabei an Kontroll-, Sortier-, Verpackungs- oder Montag earbeiten. Auch unter Berücksichtigung des Umstands, dass der Beschwerdeführer pro Jahr ca. sec hsmal aufgrund einer Exazerbation des Infektes während drei bis fünf Tagen vollständig arb eitsunfähig ist, liegen keine multiplen krankheitsbedingten sachlichen und zeitlichen Limitierung en der Leistungsfähigkeit vor, die da- gegen sprechen würden, dass der Beschwerdeführer eine Arbeitsstelle finden könnte. Auch das Alter des Beschwerdeführers spricht nicht gegen die Verw ertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_918/2008, E. 4.1). 11.1 Es bleibt die Berechnung des Invaliditätsgrads. Wi e bereits ausgeführt, ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 11.2 Ohne Gesundheitsschaden könnte der Beschwerdeführ er in einer Tätigkeit als Hilfsar- beiter im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns i m Jahr 2002 ein Jahreseinkommen von Fr. 57'008.-- erzielen (Valideneinkommen). Grundl age dafür bildet die Schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2 002, Tabelle TA1, privater Sektor total, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes 4, Spalte M änner, Fr. 4'557.-- monatlich, basie- rend auf 40 Wochenstunden. Nach Anpassung dieses Betrags a n die betriebsübliche wöchent- liche Arbeitszeit von 41,7 Stunden (Statistisches Jahrbuch der Schweiz, BFS, S. 200, T3.2.3.5, Total) x 12 Monate ergibt sich das vorstehend erwähnte jährliche Einkommen. Im Zeitpunkt der Verschlechterung des Gesundheitszustands k önnte der Beschwerdeführer als Hilfsarbeiter ein Valideneinkommen von Fr. 61'380.-- erzielen. Grundlage dafür bildet die LSE Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2008, Tabelle TA1, privater Sektor total, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes 4, Spalte Män- ner, Fr. 4'806.-- monatlich, basierend auf 40 Wochenst unden. Angepasst an die Nominallohn- entwicklung von 2,1% im Jahr 2008 (vgl. BFS T1.1.93 No minallohnindex Männer 1993-2009) und eine betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit im Jahr 2009 von 41.7 Stunden (vgl. Die Volkswirtschaft 12/2010 S. 90 Tabelle B9.2) ergibt sich d as vorstehend genannte Jahresein- kommen. 11.3.1 In Bezug auf die Berechnung des Invalideneinkomm ens ist gestützt auf die gutachterli- chen Abklärungen davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführe r bis zum Eintritt der Ver- schlechterung des Gesundheitszustands im November 2009 die Ausübung einer körperlich leichten bis intermittierend mittelschwere Tätigkeit zu 90 % mit voller Leistungsfähigkeit zuge- mutet werden kann. Dabei könnte er ein jährliches Ei nkommen von Fr. 51'307.-- erzielen. Grundlage dafür bildet ebenfalls die LSE 2002, Tabel le TA1, privater Sektor total, Anforde- rungsniveau des Arbeitsplatzes 4, Spalte Männer, Fr. 4' 557.-- monatlich, basierend auf 40 Wo- chenstunden. Nach Anpassung dieses Betrags an die betrieb sübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden (Statistisches Jahrbuch der Schweiz, BFS , S. 200, T3.2.3.5, Total) x 12 Mo- nate und unter Berücksichtigung der 90 %-igen Leistungs fähigkeit ergibt sich das vorstehend erwähnte jährliche Einkommen. Nach Eintritt der gesundheitlichen Verschlechterung im November 2009 ist dem Beschwerde- führer die Verweistätigkeit lediglich noch im Umfang von 70 % zumutbar. Dabei könnte er ein jährliches Einkommen von Fr. 42'970.-- erzielen. Grund lage dafür bildet die LSE 2008, Tabelle TA1, privater Sektor total, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes 4, Spalte Männer, Fr. 4'806.-- monatlich, basierend auf 40 Wochenstunden. Angepasst an die Nominallohnentwicklung von 2,1% im Jahr 2008 (vgl. BFS T1.1.93 Nominallohnindex M änner 1993-2009) und eine betriebs- übliche wöchentliche Arbeitszeit im Jahr 2009 von 41.7 Stunden (Die Volkswirtschaft 12/2010 S. 90 Tabelle B9.2) und bei einem zumutbaren Pensum von 70% resultiert das vorstehend er- wähnte Jahreseinkommen. 11.3.2 Gesundheitlich beeinträchtigte Versicherte, die nicht mehr voll leistungsfähig sind, haben erfahrungsgemäss eine Reduktion des üblichen Lohnansatzes h inzunehmen. Aus diesem Grund sind von einem anhand der Tabellenlöhne der LSE erhobene n Invalideneinkommen pra- xisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das damalige EVG seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterentwickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen de s konkreten Einzelfalles abhängt (leidensbedingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dien stjahre, Nationalität/Aufenthaltskate- gorie und Beschäftigungsgrad), welche nach pflichtgemä ssem Ermessen gesamthaft zu schät- zen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). 11.3.3 Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass sich e in Abzug von 10 % für die invalidi- tätsbedingte Beeinträchtigung rechtfertige. In der V ernehmlassung führte sie im Zusammen- Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht hang mit der Frage der Verwertbarkeit der Restarbeits fähigkeit aus, dass dem Umstand, dass der Beschwerdeführer ca. sechsmal pro Jahr während drei b is fünf Tagen zu 100 % ausfalle, mit der Vereinbarung eines um 10 % tieferen Lohnes Re chnung getragen werden könne. Der Beschwerdeführer äussert sich nicht zur Höhe des leidensbedingten Abzugs. 11.3.4 Der Beschwerdeführer kann nur noch eine sitzende Tätigkeit ausüben, an einem Ar- beitsplatz, bei dem er weder Kälte noch Staub noch Feuchtigkeit oder Reizgasen ausgesetzt ist, und muss aufgrund der schleimlösenden Massnahmen und der Inhalationen Pausen machen. Es ist daher davon auszugehen, dass diese gesundheitlichen Einschränkungen zu einer Reduk- tion des üblichen Lohnansatzes führen. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer ca. sechsmal pro Jahr während mehreren Tagen komplett arbeitsunfähi g wird. Diese Exazerbationen bewir- ken zwar keine Verminderung der medizinisch-theoretischen A rbeitsfähigkeit und führen auch nicht dazu, dass die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähi gkeit verneint werden müsste. Es ist aber davon auszugehen, dass dieser Umstand den Beschwerde führer im Vergleich zu voll leis- tungsfähigen Arbeitnehmenden lohnmässig benachteiligen wird. Es bestehen somit wesentliche Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer aufgrund der erheblichen leidensbedingten Einschränkungen seine Restarbeitsfähigkeit nur mit unt erdurchschnittlichem erwerblichem Er- folg verwerten kann. Bei gesamthafter Berücksichtigung all dieser Umstände gebietet sich da- her ein Abzug von mindestens 20 %. 11.3.5 Unter Berücksichtigung des 20%-igen leidensbedingt en Abzugs vom Tabellenlohn erge- ben sich für die weitere Berechnung die folgenden Inva lideneinkommen: Im Zeitpunkt des frü- hestmöglichen Rentenbeginns ist von einem Invalideneinkommen von Fr. 41'045.-- (Fr. 51'307.- - – 20 %) auszugehen. Zum Zeitpunkt des Eintritts der V erschlechterung ist unter Berücksichti- gung des in Erwägung 11.3.1 hiervor berechneten Ein kommens von einem Invalideneinkom- men von Fr. 34'376.-- (Fr. 42'970.-- – 20 %) auszuge hen. 11.4 Stellt man im Einkommensvergleich die Invalidenei nkommen dem jeweiligen Validenein- kommen gegenüber, so resultiert daraus für den Zeitpu nkt des Rentenbeginns ein IV-Grad von 28 %. Ein Rentenanspruch ist daher für diese Zeitspann e abzulehnen. Ab Eintritt der Ver- schlechterung im November 2009 ergibt der Einkommensver gleich einen IV-Grad von 44 %, weshalb der Beschwerdeführer ab diesem Zeitpunkt Anspru ch auf eine Viertelsrente hat. Anzu- fügen bleibt, dass auch bei einem leidensbedingten Ab zug von 25 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente bestehen würde (IV-Grad: 47 %). 12.1 Der Beschwerdeführer beantragt im Weiteren die B ezahlung von Verzugszinsen von 5 % ab Fälligkeit der jeweiligen Renten. 12.2 Gemäss Art. 26 Abs. 2 ATSG werden die Sozialversicher ungen, sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich nachgekommen ist, für ihre Leistungen nach Ab- lauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung verzugszinspflichtig. Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12.3 Der Anspruch der monatlichen Viertelsrente ist am 1 . November 2009 entstanden. In Anwendung von Art. 26 Abs. 2 ATSG hat dies zur Folge, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer ab 1. Dezember 2011 Verzugszinsen von 5 % auf den jeweiligen Renten- betreffnissen schuldet. 13. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde vom 20. Januar 2012 teilweise gutzuheissen ist. Die Verfügung vom 19. Dezember 2011 wi rd aufgehoben und es wird festge- stellt, dass der Beschwerdeführer ab dem 1. November 200 9 Anspruch auf eine Viertelsrente hat zuzüglich Zins von 5 % ab 1. Dezember 2011 auf den ausstehenden Rentenleistungen. 14. Es verbleibt, über die Kosten im Beschwerdeverfahren zu entscheiden. Die Rechts- vertreterin des Beschwerdeführers hat am 21. Juli 2011 eine Honorarnote für Bemühungen vom 6. Juli 2011 bis 21. Juli 2011 eingereicht. Mit Eingabe vom 26. Januar 2012 reichte sie eine wei- tere Honorarnote für Bemühungen vom 12. September 20 11 bis 26. Januar 2012 ein. Aus der Deservitenkarte geht hervor, dass es sich dabei ausschliessli ch um Aufwand handelt, der im Rahmen des Rechtsverzögerungsverfahrens entstanden ist. Wi e bereits hiervor in Erwägung 4.7f. dargelegt, ist diesbezüglich der Anspruch auf eine Parteientschädigung zu verneinen. In Bezug auf das Verfahren 720 12 21 fehlt aber eine akt ualisierte Honorarnote, weshalb anläss- lich der heutigen Parteiverhandlung die Höhe der Par teientschädigung nicht eruiert werden kann. Aus diesem Grund ist der Kostenentscheid auszustellen. Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Das Verfahren betreffend Rechtsverzögerungsbeschwe rde vom 21. Juli 2011 wird als gegenstandslos abgeschrieben. 2. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde vom 20. Jan uar 2012 wird die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 19. Dezember 201 1 aufgeho- ben, und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab dem 1. November 2009 Anspruch auf eine Viertelsrente hat zuzü glich Zins von 5 % ab 1. Dezember 2011 auf den ausstehenden monatlich en Renten- leistungen. 3. Der Kostenentscheid wird ausgestellt. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 14. November 2012 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahrensnummer 9C_941/2012 ) erho- ben. http://www.bl.ch/kantonsgericht