Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. Juli 2021 (750 20 469 / 196) ____________________________________________________________________ Erwerbsersatzordnung Ein vorausgegangener Rückweisungsentscheid ist für das den Entscheid ausfällende Gericht, selbst bei erneuter Befassung mit der Sache, verbindlich. Diese Bindungswir- kung steht einzig unter dem Vorbehalt, dass sich aus dem Rückweisungsverfahren neue Tatsachen oder Beweismittel im Sinne der prozessualen Revision ergeben, welche die damalige sachverhaltliche Grundlage erschüttern Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien Bundesamt für Sozialversicherungen , Effingerstrasse 20, 3003 Bern, Beschwerdeführerin gegen Ausgleichskasse Handel Schweiz , Schönmattstrasse 4, Postfach, 4153 Reinach BL, Beschwerdegegnerin Beigeladener A.____, vertreten durch Michael Blattner, Advokat, Advokatur Siss- ach, Bischofsteinweg 15, Postfach 182, 4450 Sissach Betreff Leistungen betr. A. / Rückweisung Urteil BGer vom 23.11.2020 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die Ausgleichskasse Handel Schweiz (nachfolgend: Ausgl eichskasse) sprach dem 1993 geborenen A.____ mit Verfügung vom 6. Februar 2 017 für den vom 22. August 2016 bis 26. Mai 2017 geleisteten Zivildienst eine Entschädigung der Erwerbsersatzordnung (EO) von Fr. 62.-- pro Tag zu. Daran hielt sie auf Einsprache d es Versicherten hin mit Einspracheent- scheid vom 2. Mai 2017 fest. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Michael Blattner, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht), mit dem Hauptbegehren, es sei der ange fochtene Einspracheentscheid aufzuhe- ben und es sei die Ausgleichskasse anzuweisen, ihm für die Dauer der Zivildienstleistung eine EO-Entschädigung auf der Basis des ortsüblichen Anfangsloh ns eines Bachelorabsolventen in Wirtschaftswissenschaften auszurichten. Mit Urteil vom 14. September 2017 hiess das Kan- tonsgericht die Beschwerde in dem Sinne gut, als es d en angefochtenen Einspracheentscheid aufhob und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Er- lass einer neuen Verfügung an die Ausgleichskasse zurückwies (Verfahren-Nr. 750 17 177/ 247). Im Rahmen ihrer zusätzlichen Abklärungen stellte die Ausgleichskasse fest, dass der Versicher- te nach seinem Bachelorabschluss ein Praktikum bei der B .___ AG mit einem Monatslohn von Fr. 2'600.-- absolviert habe. Mit Verfügung vom 20. N ovember 2017 bzw. mit Einspracheent- scheid vom 18. Januar 2018 hielt sie deshalb fest, dass die EO-Entschädigung von A.____ für den nach der Grundausbildung geleisteten Zivildienst "ku lanterweise" auf der Basis dieses Ver- dienstes bemessen werde. Dagegen erhob der Versicherte , wiederum vertreten durch Advokat Michael Blattner, erneut Beschwerde beim Kantonsgericht , mit der er die Aufhebung des ange- fochtenen Entscheids sowie die Festlegung der EO-Entschäd igung aufgrund des ortsüblichen Anfangslohns eines Bachelorabsolventen in Wirtschaftswissensc haften (Monatssalär: Fr. 8‘285.--) beantragte. In seinem Urteil vom 21. Jun i 2018 gelangte das Kantonsgericht zum Schluss, dass der Versicherte für die Diensttage nach der Grundausbildung Anspruch auf eine EO-Entschädigung auf der Grundlage eines ortsüblichen A nfangslohns eines Bachelorabsol- venten in Wirtschaftswissenschaften habe. Auf den von A.___ vorgebrachten möglichen ortsüb- lichen Anfangslohn eines Ökonomen von Fr. 8‘285.-- könn e jedoch nicht abgestellt werden, da dieses statistische Einkommen möglicherweise einen Masterab schluss voraussetze und inso- fern allenfalls zu hoch sei. Es sei Sache der Ausgleichskasse , den ortsüblichen Anfangslohn eines Bachelorabsolventen in Wirtschaftswissenschaften näher abzuklären. Das Kantonsgericht hiess deshalb die Beschwerde in dem Sinne gut, als es den angefochtenen Einspracheent- scheid aufhob und die Angelegenheit zur weiteren Abklä rung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Ausgleichskasse zu rückwies (Verfahren-Nr. 750 18 68/156). Gegen dieses Urteil erhob das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) Beschwer- de in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bun desgericht mit dem Begehren, in Aufhe- bung des vorinstanzlichen Entscheids sei die EO-Entschädigu ng von A.____ für den nach der Grundausbildung geleisteten Zivildienst auf Fr. 69.60 pro Tag festzusetzen. Mit Urteil vom 11. Februar 2019 (9C_585/2018) trat das Bundesgericht auf diese Beschwerde des BSV nicht ein. Es erwog, dass der angefochtene Entscheid des Kantonsgerichts lediglich einen Teilaspekt einer Streitsache regle, womit es sich materiellrechtlic h um einen Zwischenentscheid handle. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das BSV vermöge vorliegend keine Gründe zu nennen, di e ausnahmsweise eine selbstständi- ge Anfechtbarkeit des kantonsgerichtlichen Zwischenentscheids rechtfertigen könnten. In Nachachtung des Rückweisungsentscheids des Kantonsgerich ts vom 21. Juni 2018 klärte die Ausgleichskasse in der Folge den Anfangslohn eines B achelorabsolventen in Wirtschafts- wissenschaften ab, wobei sie einen Betrag von Fr. 72'000 .-- ermittelte. Mit Verfügung vom 25. März 2019 setzte sie deshalb die EO-Entschädigung von A.____ für den nach der Grund- ausbildung geleisteten Zivildienst auf der Basis des genannten Jahreslohns fest, was neu einen Betrag von Fr. 160.-- pro Tag ergab. Daran hielt di e Ausgleichskasse auf Einsprache des BSV hin mit Einspracheentscheid vom 5. August 2019 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob das BSV am 2 9. August 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht mit den Anträgen, es sei die Beschw erde gutzuheissen, es seien die Ver- fügung der Ausgleichskasse vom 25. März 2019 und deren Einspracheentscheid vom 5. August 2019 aufzuheben und es sei die EO-Entschädigung von A._ ___ für den vom 17. Dezember 2016 bis 26. Mai 2017 geleisteten Zivildienst auf Fr. 69.60 pro Tag festzusetzen. C. Mit Verfügung vom 3. September 2019 lud das Kanto nsgericht den vom Ausgang des Prozesses mitbetroffenen A.____ zum Beschwerdeverfahren bei. D. Die Ausgleichskasse beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 16. Oktober 2019 die Abweisung der Beschwerde. E. In seiner Stellungnahme vom 18. November 2019 ersu chte A.____, weiterhin vertreten durch Advokat Michael Blattner, ebenfalls um Abweisung d er Beschwerde; unter o/e- Kostenfolge. F. Mit Urteil vom 30. Januar 2020 (Verfahren-Nr. 750 19 277/23) trat das Kantonsgericht auf die Beschwerde des BSV vom 29. August 2019 mangels funktioneller Zuständigkeit nicht ein. Gleichzeitig überwies es die Akten des Beschwerdeverfa hrens zuständigkeitshalber dem Bundesgericht. Zudem verpflichtete es das BSV, dem Beigel adenen eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'275.50 zu bezahlen. In seinen Erwägungen hielt das Kantonsgericht im Wesentlichen fest, gemäss bundesgerichtlicher Praxis könne von einer Erschöpfung des kanto- nalen Instanzenzugs abgesehen werden, wenn das Durchlauf en der kantonalen Instanzen nur noch eine leere, zwecklose Formalität darstelle, was nam entlich dann der Fall sei, wenn die untere Instanz nach Weisungen der Rechtsmittelinstanz entschieden habe. Dies treffe im vor- liegenden Fall zu. Die Ausgleichskasse habe den Taggelda nsatz in Nachachtung des kantons- gerichtlichen Rückweisungsentscheids vom 21. Juni 2018 we isungsgemäss auf der Basis des ortsüblichen Anfangslohns eines Bachelorabsolventen in Wi rtschaftswissenschaften festgelegt. In seiner hiergegen erhobenen Beschwerde wende das BS V nichts gegen diese Berechnung ein, sondern es beantrage nach wie vor, die Entschädigung sei auf der Basis eines Praktikums- lohns von monatlich Fr. 2'600.-- festzusetzen. Somit ste lle es ausschliesslich den Zwischenent- scheid des Kantonsgerichts vom 21. Juni 2018 in Frage. An diesen sei das Kantonsgericht aber gebunden, sodass es diesen lediglich nochmals bestätigen könne, was einer leeren und zweck- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht losen Formalität gleichkommen würde. Gegen diesen Nicht eintretensentscheid erhob das BSV Beschwerde beim Bundesgericht, dieses trat jedoch mit Ur teil vom 23. November 2020 (9C_233/2020) auf das Rechtsmittel nicht ein. Gleichzeitig überwies es die Sache in Aufhebung des Entscheids des Kantonsgerichts vom 30. Januar 2020 an d ieses zu neuer Entscheidung. Zur Begründung hielt das Bundesgericht im Wesentlich en fest, dass eine allfällige Zulässigkeit einer Sprungbeschwerde die Beschwerde führende Partei nicht verpflichte, von der Sprungbe- schwerde Gebrauch zu machen. Diese Entscheidung obliege einzig und allein der Beschwerde führenden Partei. Nachdem das BSV mit der an die Vori nstanz gerichteten Beschwerde vom 29. August 2019 unmissverständlich zum Ausdruck gebracht habe, dass es den Einspracheent- scheid der Ausgleichskasse vom 5. August 2019 beim kanton alen Gericht anfechten und durch dieses überprüfen lassen wolle, bleibe das Kantonsgericht zuständig, über die betreffende Be- schwerde des BSV vom 29. August 2019 zu entscheiden. G. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2020 überwies das i nstruierende Präsidium des Kantonsgerichts den Fall unter Hinweis darauf, dass der Schriftenwechsel bereits im vorausge- gangenen Beschwerdeverfahren (Nr. 750 19 277/23) durchgeführt worden sei, dem Gericht zur neuen Entscheidung. Gleichzeitig zog es im Hinblick auf d ie Beurteilung der Beschwerde die Akten der drei vorausgegangenen Beschwerdeverfahren Nr. 750 17 177/247, Nr. 750 18 68/156 und Nr. 750 19 277/23 bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft (EOG) vom 25. September 1952 auf die Erwerbsersatzordnung anwend- bar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Ausgleichsk assen beim zuständigen kantona- len Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Sowe it sich die Beschwerde – wie im vorliegenden Fall – nicht gegen einen Einspracheentscheid einer kantonalen Ausgleichskasse richtet, ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht de sjenigen Kantons zuständig, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung i hren Wohnsitz hat. Vorliegend befin- det sich dieser in C.____ (BL), weshalb die örtliche Z uständigkeit des Kantonsgerichts Basel- Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 be urteilt das Kantonsgericht als Ver- sicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanto ns Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Gemäss Art. 42 der Verordnung zum Erwerbsersatzgeset z (EOV) vom 24. November 2004 in Verbindung mit Art. 201 Abs. 1 der Verordnun g über die Alters- und Hinterlassenenver- sicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 ist das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) im Bereich des Erwerbsersatzes berechtigt, gegen Entscheide d er kantonalen Versicherungsge- richte beim Bundesgericht Beschwerde zu erheben. Art. 1 11 Abs. 2 des Bundesgesetzes über Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 hält sodann fe st, dass die Bundesbehörden, die - wie das BSV im Bereich des Erwerbsersatzes - zur Beschwerd e an das Bundesgericht berech- tigt sind, (auch) die Rechtsmittel des kantonalen Rechts ergreifen können. Somit ist das BSV legitimiert, beim Kantonsgericht Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der Ausgleichs- kasse vom 5. August 2019 zu führen. 2.1 Nach Art. 1a Abs. 2 EOG haben Personen, die Zivildi enst leisten, für jeden anrechen- baren Diensttag gemäss dem Bundesgesetz über den zivilen Ersatzdienst (ZDG) vom 6. Okto- ber 1995 Anspruch auf eine Entschädigung. Art. 4 EOG n ormiert den Grundsatz, dass alle Dienstleistenden Anspruch auf die Grundentschädigung h aben. Bezüglich der Bemessung die- ser Entschädigung unterscheidet der Gesetzgeber zwischen der "Grundentschädigung während der Rekrutenschule und gleichgestellten Dienstzeiten" (so die Überschrift des Art. 9 EOG) und der "Grundentschädigung während der anderen Dienste" (so die Überschrift des Art. 10 EOG). 2.2 Gemäss der Bestimmung von Art. 10 Abs. 1 EOG beträ gt die tägliche Grundentschädi- gung während Diensten, die nicht unter Art. 9 EOG fal len, 80 % des durchschnittlichen vor- dienstlichen Erwerbseinkommens. Vorbehalten bleibt A rt. 16 Abs. 1 - 3 EOG. War die dienst- leistende Person vor Beginn des Dienstes nicht erwerbstät ig, so entspricht die tägliche Grun- dentschädigung den Mindestbeträgen gemäss Art. 16 Abs. 1 - 3 EOG (Art. 10 Abs. 2 EOG). Gemäss Art. 16 Abs. 3 lit. a EOG darf die tägliche G esamtentschädigung für Dienstleistende ohne Kinder während der anderen Dienste 25 % des Hö chstbetrages gemäss Art. 16a EOG nicht unterschreiten. Laut Art. 16a Abs. 1 EOG in Verbi ndung mit Art. 7 Abs. 1 der Verordnung 15 über Anpassungen an die Lohn- und Preisentwicklung be i der AHV/IV/EO vom 15. Oktober 2014 beläuft sich der Höchstbetrag der Gesamtentschädigu ng in den hier massgebenden Jah- ren 2016 und 2017 auf Fr. 245.-- pro Tag. Daraus fo lgt, dass die Grundentschädigung von Art. 16 Abs. 3 lit. a EOG Fr. 62.-- pro Tag beträgt (25 % von Fr. 245.--, aufgerundet auf den nächsten runden Frankenbetrag). 2.3 Als Erwerbstätige gelten gemäss Art. 1 Abs. 1 EOV di e Personen, die in den letzten zwölf Monaten vor dem Einrücken während mindestens vier Wochen erwerbstätig waren. Eben- falls den Erwerbstätigen gleichgestellt sind Personen, di e unmittelbar vor dem Einrücken ihre Ausbildung abgeschlossen haben oder diese während des D ienstes beendet hätten (Art. 1 Abs. 2 lit. c EOV). Die Entschädigung wird in diesem F all auf Grund des ortsüblichen Anfangs- lohns im betreffenden Beruf berechnet (Art. 4 Abs. 2 zweiter Satz EOV; Rz. 5042 der Weglei- tung des BSV zur Erwerbsersatzordnung für Dienstleistend e und Mutterschaft [WEO], gültig ab 1. Juli 2005). Es wird von Gesetzes wegen vermutet, dass sie eine Erwerbstätigkeit im betref- fenden Beruf aufgenommen hätten. Als unmittelbar gilt dabei eine Zeitspanne von maximal drei Wochen (Rz. 5006 WEO mit Verweis auf das Urteil des Bu ndesgerichts vom 12. August 2013, 9C_57/2013, E. 2.1.1). Die gesetzliche Vermutung kann hingegen durch den Beweis des Ge- genteils umgestossen werden. Dies ist der Fall, wenn die Ausgleichskasse Umstände geltend macht, die darauf schliessen lassen, dass der Versicherte au ch ohne Dienstabsolvierung keine Erwerbstätigkeit aufgenommen hätte (BGE 137 V 410 E. 4.2.1; Rz. 5006 WEO). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Zu ergänzen bleibt, dass der zivildienstleistenden Pe rson für die Anzahl Tage, die der Dauer einer Rekrutenschule entsprechen, 25 % des Höchstbetrages der Gesamtentschädigung zustehen (Art. 9 Abs. 3 EOG). Diese Dauer beträgt vorli egend 124 Tage (Art. 11 lit. a EOV). Demnach beläuft sich die EO-Entschädigung des Beigelad enen für die ersten 124 Tage seines Zivildienstes, also für den Zeitraum vom 22. August 201 6 bis 16. Dezember 2016, auf Fr. 62.-- (vgl. E. 2.2 hiervor) pro Tag. Dies wird vorliegend von keiner der Parteien in Frage gestellt. 3.1 Strittig ist hingegen die Höhe der EO-Entschädigu ng, die dem Beigeladenen für die Dauer des nach der Grundausbildung geleisteten Zivildi enstes, also für den Zeitraum vom 17. Dezember 2016 bis 26. Mai 2017, zusteht. In sachver haltlicher Hinsicht steht fest, dass der Beigeladene unmittelbar vor dem Antritt seines Zivild iensteinsatzes sein Bachelorstudium in Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen hatte. Ebenso ist er stellt, dass er nach dem Ab- schluss des Bachelorstudiums kein Masterstudium aufgenommen ha tte. Der Beigeladene ist deshalb der Auffassung, dass sein EO-Entschädigungsanspruch nach der Grundausbildung auf der Basis eines ortsüblichen Anfangslohns eines Bachelorab solventen in Wirtschaftswissen- schaften zu bemessen sei. Demgegenüber weist das Beschwerde führende BSV darauf hin, dass der Beigeladene zwar nach Abschluss des Zivildienstes erwiesenermassen eine Stelle gesucht habe, allerdings habe er keinen Nachweis erbringen können, dass er sich um eine Stel- le beworben habe, bei der er einen Lohn im Bereich d es hypothetischen Anfangslohnes eines Bachelorabsolventen in Wirtschaftswissenschaften hätte er zielen können. Die beigebrachten Unterlagen würden vielmehr darauf schliessen lassen, dass er sich durchwegs um Praktikums- stellen beworben habe. Es sei deshalb davon auszugehen, dass er nach dem Bachelorstudium, wenn er nicht hätte einrücken müssen, ebenfalls eine P raktikumsstelle - mit einem deutlich tie- feren Lohn als der geltend gemacht hypothetische Anfan gslohn - angetreten hätte. Nach Ab- schluss des Zivildienstes habe der Beigeladene bei der B.__ __ AG ein Praktikum mit einem monatlichen Lohn von Fr. 2'600.-- begonnen. Es rechtfer tige sich daher, seine EO- Entschädigung nach der Grundausbildung auf der Basis dieses Praktikumslohns von Fr. 2'600.- zu bemessen, woraus für den noch strittigen Zeitraum v om 17. Dezember 2016 bis 26. Mai 2017 eine EO-Entschädigung von Fr. 69.90 pro Tag resultiere. 3.2 Das Kantonsgericht befasste sich bereits in seinem Urt eil vom 21. Juni 2018 (Verfah- ren-Nr. 750 18 68/156) einlässlich mit der Frage, ob d ie EO-Entschädigung des Beigeladenen im noch offenen Zeitraum entsprechend dem Standpunkt des damaligen Beschwerdeführers (und heutigen Beigeladenen) auf der Basis eines ortsüb lichen Anfangslohns eines Bachelorab- solventen in Wirtschaftswissenschaften oder aber - wie damal s von der Ausgleichskasse und heute vom BSV geltend gemacht - auf der Basis des be i der B.____ AG erzielten Praktikums- lohns von Fr. 2'600.-- zu bemessen sei. Es schützte im erwäh nten Urteil die Auffassung des (damaligen) Beschwerdeführers (und heutigen Beigeladen en) und zwar im Wesentlichen auf- grund folgender Erwägungen (vgl. E. 6 und 7 des Urtei ls): Der Umstand, dass der (damalige) Beschwerdeführer (und heutige Beigeladene) mehrere B ewerbungsabsagen erhalten habe, könne vorliegend nicht als Beweis des Gegenteils dienen u nd die gesetzliche Vermutung von Art. 4 Abs. 2 Satz 2 EOV, wonach der Beigeladene ohne Dienstantritt eine Stelle angetreten hätte, umstossen. Diese gesetzliche Vermutung greife unab hängig vom Bemühen und insbe- sondere vom Erfolg des Versicherten, eine Arbeitsstelle zu finden. Ob sie auch tatsächlich zur Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anwendung komme, werde nach der Situation, wie sie zum Zeitpunkt nach dem Ausbildungs- abschluss vorgelegen habe, beurteilt, wobei das nachdie nstliche Verhalten berücksichtigt wer- den könne (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Novem ber 2016, 9C_693/2016, E. 2). Vor- liegend zeige das nachdienstliche Verhalten - die mehrf achen Bewerbungsversuche sowie die Annahme einer Praktikumsstelle als Ökonom -, dass der (da malige) Beschwerdeführer (und heutige Beigeladene) sich um eine Stelle bemüht habe und eine Erwerbstätigkeit als Ökonom nach dem Abschluss des Bachelorstudiums habe aufnehmen wollen. Der direkte Berufseinstieg für Studienabgänger der Wirtschaftswissenschaften mit ein em Bachelorabschluss möge sich zwar als schwierig erweisen, er sei jedoch grundsätzlich möglich (vgl. den Entscheid des Versi- cherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. März 2018 , EO 2016/3, E. 3.3). Zusammen- fassend sei demnach festzuhalten, dass der Beweis des Gegen teils vorliegend nicht mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit (siehe dazu BGE 137 V 410 E. 4.2.2) erbracht sei. Es gebe keine Anhaltspunkte, die aufzeigen würden, dass der (damalige ) Beschwerdeführer (und heutige Bei- geladene) auch ohne Dienstabsolvierung keine Erwerbstä tigkeit aufgenommen hätte. Der (da- malige) Beschwerdeführer (und heutige Beigeladene) h abe somit für die Diensttage nach der Grundausbildung Anspruch auf eine EO-Entschädigung auf der Grundlage eines ortsüblichen Anfangslohns eines Bachelorabsolventen in Wirtschaftswissen schaften. Was dessen Höhe be- treffe, könne jedoch, so das Kantonsgericht damals weite r, nicht ohne Weiteres auf den vom (damaligen) Beschwerdeführer (und heutigen Beigelade nen) geltend gemachten ortsüblichen Anfangslohn eines Ökonomen mit einem Bachelorabschluss von Fr. 8‘285.-- abgestellt werden. Die Angelegenheit sei deshalb zur weiteren Abklärung d es ortsüblichen Anfangslohns eines Bachelorabsolventen in Wirtschaftswissenschaften an die Ausgleichkasse zurückzuweisen. Gestützt auf ihre Abklärungen werde die Vorinstanz anschliessend über den Leistungsanspruch des Versicherten neu zu befinden haben. 4.1 Mit der vorliegend zu beurteilenden Beschwerde vom 29. August 2019 macht das BSV - wie bereits in seiner am 31. August 2018 gegen da s vorstehend wiedergegebene Urteil des Kantonsgerichts vom 21. Juni 2018 beim Bundesgericht erh obenen Beschwerde - erneut gel- tend, die EO-Entschädigung des Beigeladenen sei auf d er Basis des Praktikumslohns von mo- natlich Fr. 2‘600.-- zu berechnen. Zur Begründung di eses Standpunkts bringt das BSV aller- dings ausschliesslich Einwände vor, die das Kantonsgerich t in seinem Rückweisungsentscheid vom 21. Juni 2018 bereits verbindlich beurteilt hat. 4.2 In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung - und e ntsprechend zu berücksichtigen -, dass ein Rückweisungsentscheid wie das genannte Urteil des Kantonsgerichts vom 21. Juni 2018 für das den Entscheid ausfällende Gericht, selbst b ei erneuter Befassung mit der Sache, verbindlich ist. Diese Bindungswirkung steht einzig unter dem Vorbehalt, dass sich aus dem Rückweisungsverfahren neue Tatsachen oder Beweismittel im Sinne der prozessualen Revisi- on (vgl. Art. 53 Abs. 1 ATSG) ergeben, welche die da malige sachverhaltliche Grundlage er- schüttern (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Januar 2019, 9C_554/2018, E. 1.4 mit Hinwei- sen). Neue Tatsachen oder Beweismittel werden vorliegen d aber weder vom Beschwerde füh- renden BSV geltend gemacht noch lassen sich den Akten sol che entnehmen. Unter diesen Umständen hat das Kantonsgericht aber nicht nur keinen A nlass, sondern vielmehr gar keine Befugnis, auf die von ihm im Urteil vom 21. Juni 2018 verbindlich beurteilte Frage, auf welcher Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grundlage die EO-Entschädigung des Beigeladenen im n och offenen Zeitraum zu bemessen ist, zurückzukommen. 4.3 Das Kantonsgericht liess in seinem Urteil vom 21. Jun i 2018 einzig die Frage nach der Höhe eines ortsüblichen Anfangslohns eines Bachelorabsolventen in Wirtschaftswissenschaften offen. Es wies die Angelegenheit deshalb zur Bemessung desselben an die Ausgleichskasse zurück. In Nachachtung dieses Rückweisungsentscheids nahm die Ausgleichskasse die erfor- derlichen Abklärungen vor und ermittelte schliesslich eine n entsprechenden Anfangslohn in der Höhe von Fr. 72'000.--. Mit Verfügung vom 25. März 20 19 - und bestätigt mit dem angefochte- nen Einspracheentscheid vom 5. August 2019 - setzte sie deshalb die EO-Entschädigung des Beigeladenen für den nach der Grundausbildung geleist eten Zivildienst auf der Basis des ge- nannten Jahreslohns fest, was neu einen Betrag von Fr. 16 0.-- pro Tag ergab. Selbstverständ- lich hätte das BSV die Höhe dieser Beträge - der ermit telte ortsübliche Anfangslohn eines Ba- chelorabsolventen in Wirtschaftswissenschaften von Fr. 72'0 00.-- und die daraus resultierende EO-Entschädigung von Fr. 160.-- pro Tag - in seiner B eschwerde beanstanden können, mit der Folge, dass sich das Kantonsgericht im vorliegenden En tscheid materiell mit den entsprechen- den Vorbringen befassen müsste. In seiner Beschwerdeeing abe vom 29. August 2019 erhob das BSV diesbezüglich aber keinerlei Einwendungen, wes halb im heutigen Entscheid von wei- teren Ausführungen zu dem von der Ausgleichskasse ermittel ten ortsüblichen Anfangslohn ei- nes Bachelorabsolventen in Wirtschaftswissenschaften von Fr . 72'000.-- und der daraus resul- tierenden EO-Entschädigung von Fr. 160.-- pro Tag abgesehen werden kann. 4.4 Aus dem Gesagten folgt, dass der angefochtene Einspr acheentscheid der Ausgleichs- kasse vom 5. August 2019 nicht zu beanstanden ist. Die hi ergegen erhobene Beschwerde er- weist sich als unbegründet. 4.5 Werden - wie im vorliegenden Fall - in der neuen Beschwerde nur die Erwägungen im früheren Rückweisungsentscheid angefochten, könnte man sich überdies noch fragen, ob der Beschwerde führenden Partei nicht das Rechtsschutzinteress e am Rechtsmittel fehlt mit der Folge, dass darauf gar nicht einzutreten wäre (vgl. dazu BGE 145 II 42 E. 2.2.2, 143 III 290 E. 1.5). Wie es sich damit verhält, kann hier letztli ch offen bleiben, da die Beschwerde nach dem Gesagten ohnehin abzuweisen ist. 5. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die Beschwerde des BSV vom 29. August 2019 abzuweisen ist, sofern darauf einzutreten ist (vgl. E. 4.5 hiervor). 6.1 Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gültig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Art. 83 ATSG) hält fest, dass das Verfahren vor de m kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 6.2.1 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Be schwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Wortlaut der genannten Bes timmung beschränkt den Anspruch zwar auf die obsiegende Beschwerde führende Person, rec htsprechungsgemäss steht darüber hinaus aber auch der anwaltlich vertretenen beigelad enen Person, die mit ihrem Antrag durch- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dringt, eine Parteienschädigung zu (C HRISTIAN ZÜND , Kommentar zum Gesetz über das Sozial- versicherungsgericht des Kantons Zürich, Zürich 1999, S. 2 39, mit Hinweisen auf BGE 109 V 62 E. 4 und auf verschiedene unveröffentlichte Ur teile des damaligen EVG). Der obsie- gende Beigeladene hat deshalb grundsätzlich Anspruch au f eine Parteientschädigung zu Las- ten des Beschwerde führenden Bundesamtes. 6.2.2 Zu berücksichtigen ist jedoch, dass dem Beigeladenen für die im vorliegenden Zu- sammenhang erbrachten Bemühungen bereits mit Urteil d es Kantonsgerichts vom 30. Januar 2020 (Verfahren-Nr. 750 19 277/23) eine Parteientsch ädigung in der Höhe von Fr. 1'275.60 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten des BSV zugesprochen wurde. Seither ist dem Rechtsvertreter des Beigeladenen im Zusammenhang m it dem strittigen EO-Anspruch seines Mandanten kein zusätzlicher Aufwand mehr entstande n, denn die Angelegenheit wurde nach erfolgter Rückweisung durch das Bundesgericht vom instruierenden Präsidium des Kan- tonsgerichts mit Verfügung vom 14. Dezember 2020 unter Hinweis darauf, dass der Schriften- wechsel bereits im vorausgegangenen Beschwerdeverfahren (Nr. 750 19 277/23) durchgeführt worden war, direkt wieder dem Dreiergericht zur neuen Entscheidung überwiesen. Nun gilt es allerdings zu beachten, dass das Bundesgericht in seinem R ückweisungsentscheid vom 23. November 2020 (9C_233/2000) das erwähnte Urteil des Kantonsgerichts vom 30. Januar 2020 (Verfahren-Nr. 750 19 277/23) vollumfänglich un d somit einschliesslich des Kostenent- scheids aufhob. Dem Beigeladenen ist demnach die ihm au fgrund der heutigen Beschwerde- abweisung zu Lasten des unterliegenden BSV zustehende Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'275.60 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteu er) nochmals förmlich zuzusprechen. Sollte das BSV allerdings dem Beigeladenen den genannten Betrag bereits im Nachgang zum - später vom Bundesgericht aufgehobenen - kantonsgerichtli chen Entscheid vom 30. Januar 2020 ausbezahlt haben, ist er selbstredend nicht ein zweites Mal auszurichten. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, sofern darauf einzutreten ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das Bundesamt für Sozialversicherungen hat dem Beig eladenen A.____ eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1 '275.60 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid erhob das BSV am 4. November 2021 Beschwerde beim Bundesge- richt (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_586/2021 ). http://www.bl.ch/kantonsgericht