Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Mai 2017 (720 15 214 / 115) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des Gerichtsgutachtens. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Jan Herrmann, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1963 geborene A.____ ist Informatikerin und bezieht seit 1. Juli 1993 eine halbe IV- Rente aufgrund der Folgen eines Schleudertraumas. D ie halbe IV-Rente wurde revisionsweise letztmals mit Mitteilung vom 17. Juni 2010 bestätig t. Am 14. Februar 2014 ersuchte A.____ um eine Rentenrevision, da sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe. Zur Beurteilung der medizinischen Sachlage holte die IV-Stelle ein bidi sziplinäres Gutachten bei Dr. med. B.____, FMH Rheumatologie, und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein. Gestützt auf deren Gutachten vom 4. August 2014 und 22. Augu st 2014 erhöhte die IV-Stelle mit Verfü- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung vom 19. Mai 2015 die IV-Rente vorübergehend vom 1. Februar 2014 bis 31. Oktober 2014 auf eine ganze. Ab 1. November 2014 bestehe erneut Anspruch auf eine halbe IV-Rente. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Jan He rmann, mit Eingabe vom 17. Juni 2015 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Sie beantragte, die Verfügung vom 19. Mai 2015 sei aufzuheben und es se i ihr eine unbefristete IV-Rente aus- zurichten. Eventualiter sei ein polydisziplinäres Gerichtsg utachten einzuholen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass auf das psychia trische Gutachten von Dr. C.____ vom 22. August 2014 nicht abgestellt werd en könne, da es den beweisrechtlichen Anforderungen an ein Gutachten nicht genüge. Stattdesse n sei von den in den wesentlichen Punkten übereinstimmenden Einschätzungen von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, vom 1. Juli 2014 und der behandelnden Psych iaterin Dr. med. E.____ vom 13. November 2014 auszugehen und bei einer attestierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit eine ganze IV-Rente über den 30. Oktober 2014 hinaus zuzusprechen. Sollte das Gericht dem nicht folgen können, sei der medizinische Sachverhalt mittels Gerichtsgutachten abzuklären. C. Mit Vernehmlassung vom 7. August 2015 beantragte di e IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde und wies darauf hin, dass auch nach der geänd erten Schmerzrechtsprechung des Bundesgerichts und der massgeblichen Indikatoren (BGE 141 V 281) keine Arbeitsunfähigkeit über 50% resultiere. D. Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 18. Sep tember 2015 und die IV-Stelle mit Duplik vom 30. September 2015 an ihren Anträgen und Begründungen fest. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 26. November 201 5 kam das Gericht zum Schluss, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandene medizini- sche Aktenlage nicht möglich sei. Es erkannte, dass eine rechtsgenügliche Auseinandersetzung insbesondere mit den Diagnosen und der attestierten A rbeitsunfähigkeit von Dr. D.____ im Gutachten von Dr. C.____ fehle, weshalb darauf nicht a bgestellt werden könne. Das Gericht stellte den Fall deshalb aus und ordnete die Einholun g eines psychiatrischen Gerichtsgutach- tens an. F. Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 22. Mai 2016 sein Gutachten. G. Mit Stellungnahme vom 9. Juni 2016 beantragte di e IV-Stelle, ergänzende Auskünfte beim Gutachter einzuholen und zwar hauptsächlich in Bez ug auf die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit ab November 2014. H. Die Beschwerdeführerin beantragte erneut die Guth eissung der Beschwerde und die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente. I. Mit Verfügung vom 10. August 2016 holte das Gericht eine ergänzende Stellungnahme bei Dr. F.____ ein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Dr. F.____ erklärte mit Bericht vom 26. August 2016, dass die Explorandin aus gut- achterlicher Sicht von November 2014 bis Oktober 2015 in einer Verweistätigkeit zu 40% ar- beitsfähig sei. Da es im Oktober 2015 zu einer Besserun g der Symptomatik gekommen sei, habe sie eine 50% Stelle angetreten. Ab Januar 2016 und prospektiv bis Ende Oktober 2016 sei wieder von einer reduzierten Arbeitsfähigkeit von 40% in einer Verweistätigkeit auszugehen. Nach entsprechender intensiver Therapie sollte die Arbeitsfähigkeit ab November 2016 auf 50% gesteigert werden können. K. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin führte da zu am 17. März 2016 an, dass bei- nahe durchgehend von einer 60%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Die Versicherte sei gemäss Dr. F.____ in ihrer angestammten Tätigkeit der zeit nicht arbeitsfähig. Es sei lediglich eine Routinetätigkeit zumutbar mit wenig Verantwort ung und bei welcher sie nicht andauernd unter Zeitdruck neue Lösungen finden und Multitaskingauf gaben lösen müsse. Zudem brauche sie mehr Pausen als gewöhnlich. Im Grunde sei das Zumut barkeitsprofil auf einen Nischenar- beitsplatz zugeschnitten. Damit bestätige der Gutachter die fehlende wirtschaftliche Verwert- barkeit der Restarbeitsfähigkeit auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt. L. Die IV-Stelle kam mit Schreiben vom 19. Oktober 201 6 zum Schluss, dass die Beschwer- deführerin gemäss Dr. F.____ von November 2014 bis vor aussichtlich Ende Oktober 2016 zu 40% arbeitsfähig gewesen sei. Ab November 2016 erach te er eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten oder in einer Verweistätigkeit als zum utbar. In Berücksichtigung der dreimo- natigen Karenzfrist nach Art. 88a Abs. 2 der Verordnu ng über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ergebe sich in Abweichung der angef ochtenen Verfügung, aber gestützt auf deren Berechnungsgrundlagen folgender Leistungsa nspruch: Ab 1. Februar 2014 (Eingang Revisionsgesuch) eine ganze IV-Rente; ab 1. November 2 014 (Verbesserung gemäss Gutach- ten C.____ ab Juli 2014) eine halbe IV-Rente und ab 1. März 2015 (Verschlechterung gemäss Gutachten F.____ ab November 2014) eine Dreiviertelsrente. M. Mit Schreiben vom 15. November 2016 vertrat der Re chtsvertreter der Beschwerdeführe- rin dagegen die Auffassung, dass gestützt auf die Aussag en von Dr. F.____ Anspruch auf eine ganze IV-Rente ab 1. Februar 2014 bestehe. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführ erin Anspruch auf eine unbefristete ganze IV-Rente hat. 1.2 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende od er längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Di e Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursacht, wobei sie im Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 1.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 1.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 1.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad bei erwerbstätigen Versicherten auf- grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird da s Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Eink ommensdifferenz der IV-Grad bestim- men lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136). 2. Ändert sich der IV-Grad einer Rentenbezügerin ode r eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin fü r die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). A nlass zur Rentenrevision gibt jede we- sentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, d ie geeignet ist, den IV-Grad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentli- chen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dan n revidierbar, wenn die erwerbli- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheit szustandes sich erheblich ver- ändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebe nen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisio nsgrund im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilun g einer anspruchserheblichen Änderung des IV-Grades bildet die letzte rechtskräftige Verfügung , welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklä rung, Beweiswürdigung und Inva- liditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108 ff.). 3. Gestützt darauf ist im Folgenden zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand der Versi- cherten seit der Verfügung vom 17. Juni 2010 in einer anspruchserheblichen Weise verschlech- tert hat. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 3.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht s vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 4.1 Die ursprüngliche Rentenverfügung vom 8. Oktober 1993 basierte auf dem Arztbericht vom 12. August 1992 von Dr. med. G.____, FMH Rheumatol ogie, Klinik H.____, welcher nach dem Autounfall im Jahr 1990 eine persistierende, postt raumatische zervikozephale Symptoma- tik feststellte und den Untersuchungsergebnissen von Dr. med. I.____, FMH Neurologie, vom 20. November 1992 sowie der Neuropsychologin P._____, welche ein subcorticales Funktions- defizit erkannte. Gestützt darauf erfolgte die halbe IV -Rente. Die letzte massgebende Renten- revision wurde im Juni 2008 eingeleitet. Die Versicherte machte auf dem Rentenrevisionsfrage- bogen geltend, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechter t habe. Aufgrund fehlender ak- tueller ärztlicher Unterlagen beauftragte die IV-Stel le das Begutachtungsinstitut J.____ ein po- lydisziplinäres Gutachten zu erstellen. Die Versicherte wu rde in internistischer, psychiatrischer und neurologischer Hinsicht abgeklärt. Gemäss Gutachten vom 20. April 2009 konnten die Gut- achter keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähi gkeit stellen. Ohne Einfluss nannten sie eine somatoforme Schmerzstörung, ein neurasthenisches Syndrom mit vegetativer Dysregulati- on, einen Status nach Autounfall mit HWS-Distorsionstrauma im März 1990, eine Migräne ohne Aura und chronisches Spannungskopfweh. Die IV-Stelle erachtete dagegen eine Verbesserung des Gesundheitszustandes im Vergleich zu vorher als nicht ausgewiesen und richtete weiterhin eine halbe IV-Rente aus (vgl. Verfügung vom 17. Juni 2010). 4.2 Im Rahmen des aktuellen Revisionsverfahrens (Gesuch der Beschwerdeführerin vom 14. Februar 2014) machte die Versicherte erneut eine V erschlechterung ihres Gesundheitszu- standes geltend. Seit April 2013 leide sie an einer mi ttel- bis schwergradigen depressiven Epi- sode mit somatischem Syndrom aufgrund einer Belastung in Verbindung mit der beruflichen Situation sowie an Schlafstörungen und Fussschmerzen. Vom 22. Oktober 2013 bis 10. Januar 2014 wurde die Versicherte in der Klinik K.____ tagesst ationär behandelt. Dr. med. L.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im Austrittsbericht vom 9. Januar 2014 als Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hauptdiagnose eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) und als Nebendiagnosen ein Burnout Syndrom (ICD-10 Z73.0), Belastungen in Ve rbindung mit der beruflichen Situation (ICD-10 Z56) sowie einen sozialen Rückzug (ICD-10 Z60.8 ). Bis zum 24. Januar 2014 sei die Versicherte zu 100% arbeitsunfähig. Die Nachbehandlung erfolge bei Dr. E.____. 4.3 Dr. E.____ attestierte eine 100%ige Arbeitsunfä higkeit aufgrund einer mittelgradigen bis schweren depressiven Störung mit somatischem Syndrom (ICD-1 0 F32.1), einer dissoziativen Störung (ICD-10 F44.0) sowie einer komplexen posttraum atischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1; vgl. Berichte vom 20. Februar 2014, 12. März 2014, 6. Mai 2014 sowie 13. November 2014). 4.4 In den Akten befindet sich weiter ein psychiatrisches G utachten von Dr. D.____ vom 1. Juli 2014, welches die Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegeben hatte. Dr. D.____ diagnostizierte eine schwere depressive Episode (ICD-10 F 32.2) sowie eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und attestierte der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfä- higkeit. 5.1 Die IV-Stelle hatte ihrerseits eine Abklärung des Gesundheitszustandes der Versicher- ten bei Dr. B.____ und Dr. C.____ in Auftrag gegeben. In seinem rheumatologischen Gutachten vom 4. August 2014 konnte Dr. B.____ keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig- keit stellen. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nan nte er chronische zervikale Schmerzen seit 24 Jahren bei normaler Beweglichkeit der HWS und b eginnenden, altersentsprechenden degenerativen Veränderungen im Sinne von Osteochondrose n C5/6 und C6/7, eine Fibromyal- gie, eine Archillessehnentendinitis rechts, einen Status nach Hysterektomie im Juli 2013, einen Status nach Myomembolisation mit postoperativer hyperte nsiver Blutdruck-Entgleisung im Sep- tember 2011, einen Status nach Herpes zoster am rechten Bein im Dezember 2010, einen Sta- tus nach Dengue-Fieber 1993 sowie einen Status nach Malaria 1992. Dr. C.____ diagnostizierte in seinem psychiatrischen Guta chten vom 22. August 2014 mit Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) und ohne Auswirkung eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD- 10 F45.41). Aufgrund der mittelgradigen depressiven Ep isode sei die Arbeitsfähigkeit zum jetzi- gen Zeitpunkt zu 50% vermindert. Eine schwere depressive E pisode könne heute - wie sie Dr. D.____ diagnostiziert habe - nicht bestätigt werd en. Das depressive Zustandsbild habe sich bereits wesentlich gebessert. Zurzeit beständen noch Ein- und Durchschlafstörungen, ein leich- ter sozialer Rückzug, eine gewisse Freudlosigkeit und eine ve rminderte psychische Belastbar- keit. Die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstöru ng könne ebenfalls nicht bestätigt werden. Die Versicherte habe angegeben, erstmals 2013 e ine psychiatrische Behandlung auf- genommen zu haben. Sie habe früher nie unter Albträu men oder Flashbacks gelitten. Während Jahren habe sie ohne nennenswerte Schwierigkeiten in der freien Wirtschaft gearbeitet. Wenn sie sich im Rahmen der depressiven Krise vermehrt an unliebsame Ereignisse aus ihrem Leben erinnere, zum Teil unter angstbesetzten Träumen leide, hänge dies mit der depressiven Stö- rung zusammen und sei nicht Ausdruck einer posttraumatisch en Belastungsstörung. Erstmals habe sie im Rahmen der teilstationären Behandlung in der Klinik K.____ unter dissoziativen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wahrnehmungen gelitten, die seither nicht mehr aufge treten seien. Daher könne die Diagnose einer dissoziativen Störung ebenfalls nicht bestätigt werden. 5.2 Mit ärztlicher Stellungnahme vom 13. November 201 4 erklärte sich Dr. E.____ mit dem psychiatrischen Gutachten von Dr. C.____ nicht einverstanden. Es werde der schweren Erkran- kung der Versicherten nicht gerecht. Die Versicherte sei kaum in der Lage, ihren Haushalt zu bewältigen, verlasse das Haus lediglich für Besuche im Fitnessstudio, die aber mit persönlichen Kontakten nicht in Verbindung ständen. Es bestehe ein deutlicher sozialer Rückzug, Angst, eine Antriebsstörung, erhöhte Schreckhaftigkeit und eine laten te Suizidalität. Ihre Belastbarkeit sei erheblich eingeschränkt. In den nächsten 6 Monaten sei n icht mit einer Arbeitsfähigkeit zu rechnen. 6. Da das Gutachten von Dr. C.____ vom 22. August 2015 in Widerspruch zum Gutachten von Dr. D.____ und den Berichten von Dr. E.____ stand, gab das Gericht ein psychiatrisches Obergutachten bei Dr. F.____ in Auftrag. Mit Gutachten vom 22. Mai 2016 diagnostizierte er mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende mittelgradig depressive Episode (ICD-10 F33.1), Panikattacken (ICD-10 F41.0) sowie akzentuier te Persönlichkeitszüge vom selbstunsi- cheren, narzisstisch verletzlichen, abhängigen Typ (ICD 10- Z73.1). Differenzialdiagnostisch nannte er eine Persönlichkeitsstörung. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei eine anhal- tende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Die E xplorandin sei verlangsamt, brauche deutlich mehr Pausen als eine gesunde Person. Die Erho lungszeit sei aufgrund der depressi- ven Symptomatik und der Angst länger. Dies erkläre sich dam it, dass die Psyche vermehrt Energie aufbringen müsse, um die depressive Symptomatik zu bewältigen. Zudem bestehe eine Wechselwirkung einerseits mit der Panikstörung und ander erseits mit der anhaltenden somato- formen Schmerzstörung und den akzentuierten Persönlichkeitszügen. Die Copingmechanismen der drei Symptomenkreise würden durch die Symptomatik d er jeweiligen Diagnosen negativ beeinflusst, so dass es zu einem Circulus vitiosus käme. Sowohl Dr. C,____ als auch die Gut- achterin des J.____ Dr. med. M.____, FMH Psychiatrie un d Psychotherapie, hätten eine anhal- tende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Diese Diagnose gelte heute noch. Die von Dr. M.____ gestellte Diagnose eines neurasthenischen Syndroms mit vegetativer Dysregulation stehe zwar in Übereinstimmung mit der damals erhobenen Befunderhebung, nicht aber mit der- jenigen von heute. Die vorliegende Erschöpfungssymptomatik und die vegetative Dysregulation gehörten zur depressiven Symptomatik und zur Dekompensation der akzentuierten Persönlich- keitszüge. Weder Dr. M.____ noch Dr. C.____ seien auf die frühkindliche Beziehungsentwick- lung der Explorandin eingegangen. Weder die familiären Verhältnisse, in denen sie aufgewach- sen sei noch die Folgen der repetitiven, traumatisieren den Erlebnisse im Elternhaus seien im Hinblick auf die Persönlichkeitsproblematik berücksichtigt worden, auch nicht in Bezug auf die spätere Entwicklung im Erwachsenenleben. Dr. D.____ gehe ebenfalls nicht auf die Persönlich- keitsproblematik der Explorandin ein, sondern stelle die Diagnose einer posttraumatischen Be- lastungsstörung, ohne dies nachvollziehbar zu begründen. Dass die Versicherte im Konflikt mit dem Arbeitgeber eine Retraumatisierung erlebt habe, sei unter Berücksichtigung der repetitiv traumatisierenden frühen Beziehungen nachvollziehbar. Die Reaktualisierung von bis dahin schlecht verarbeiteten Erlebnissen habe zu einer erneuten affektiven Überschwemmung geführt und in die depressive Episode und Angstsymptomatik im Jahr 2013 gemündet. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte in ihrer angesta mmten Tätigkeit derzeit nicht ar- beitsfähig. In einer Routinetätigkeit mit wenig Ver antwortung, bei welcher sie nicht andauernd unter Zeitdruck neue Lösungen finden, Multitasking-Aufg aben lösen müsse und die Möglichkeit habe, vermehrt Pausen zu machen, sei derzeit von einer 40%igen Arbeits- und Leistungsfähig- keit auszugehen. Die Explorandin brauche dabei auch meh r Unterstützung vom Arbeitgeber als eine gesunde Mitarbeiterin. Er müsse mit Leistungsschwan kungen rechnen, sie anleiten und immer wieder motivieren, weil ihr Selbstwertgefühl i nstabil sei. Es handle sich dabei eigentlich um einen Nischenarbeitsplatz. Retrospektiv sei aus gutachterlicher Sicht aufgrund der Aktenlage davon auszugehen, dass die Versicherte ab Juli 2013 zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei und im August, September sowie Oktober 2014 aufgrund einer vorübergehenden Verbesserun g des Gesundheitszustandes zu 50%. Ab 1. November 2014 sei sie in der angestammten T ätigkeit als Informatikerin zu 100% arbeitsunfähig. In einer angepassten Verweistätigkeit s ei sie dagegen zu 40% arbeitsfähig bis Oktober 2015 (vgl. auch den ergänzenden Bericht vom 26 . August 2016). Ab Januar 2016 bis voraussichtlich November 2016 liege erneut eine Arbeitsf ähigkeit von 40% in einer Verweistä- tigkeit vor. Danach sollte wieder eine 50%ige Arbeitsfä higkeit in ihrer angestammten Tätigkeit möglich sein. 7. Nach ständiger Rechtsprechung beschränkt sich die Prüfun g des Sozialversicherungs- gerichts auf die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung (hier: am 20. Mai 2015) entwickelt haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1, 130 V 138 E. 2.1, 121 V 366). Die Vorbringen und Beweise bezüglich der seitherigen gesun dheitlichen Entwicklung und der ent- sprechenden Arbeitsunfähigkeit gehen über das Prozessthem a hinaus. Wie die Vorinstanz in ihrer Stellungnahme vom 19. Oktober 2016 richtig anführt, ist insbesondere der gesundheitliche Verlauf nach dem Zeitpunkt der ergänzenden Stellungnah me vom 26. August 2016 nicht ganz klar. So gibt es Hinweise auf eine mögliche Verschlecht erung des Gesundheitszustandes, wes- halb fraglich ist, ob die Beschwerdeführerin ab Novembe r 2016 ihre medizinisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit auf 50% steigern könnte. Eine zu verlässige längerfristige Beurteilung der Verhältnisse kann vorliegend den aktuellen Unterlagen nicht entnommen werden (vgl. BGE 130 V 138 E. 2.1 [Voraussetzungen für die Ausdehnung des Streitgegenstandes]). Es ist deshalb an der IV-Stelle, zu gegebener Zeit die Gesundheitssituat ion und die Arbeitsfähigkeit der Versi- cherten anlässlich des nächsten Revisionsverfahrens zu überprüfen. 8.1 Wie alle Beweismittel unterliegen auch Gerichtsgu tachten der freien richterlichen Be- weiswürdigung. Kriterien der Beweiswürdigung bilden d ie Vollständigkeit, die Nachvollziehbar- keit und die Schlüssigkeit des Gutachtens. Das Gericht hat zu prüfen, ob das Gutachten alle Fragen beantwortet, sich auf den zutreffenden Sachverh alt stützt und den Befund ausreichend begründet. In Sachfragen weicht das Gericht jedoch "nich t ohne zwingende Gründe" von einer gerichtlichen Expertise ab (vgl. BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingehol- tes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schl ussfolgerungen gelangt. Eine ab- weichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusse- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig gen ug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch einen Oberex- perten für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexper tise vom Ergebnis des Gerichtsgut- achtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinwei- sen). 8.2 Das Gericht sieht keine zwingenden Gründe, von den Sc hlussfolgerungen von Dr. F.____ abzuweichen. Sein Gutachten vom 22. Mai 201 6 mit der ergänzenden Stellungnah- me vom 26. August 2016 ist für die zu beurteilenden B elange umfassend, es beruht auf allseiti- gen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschw erden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und es leuchtet in der Darl egung der medizinischen Zusammen- hänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Das Gutachten von Dr. F.____ bildet eine zuverlässige und rechtsgenügliche Grundlage , um den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Versicherten für den massgebenden Zeitraum beurteilen zu können. Dies wird von den Parteien auch nicht bestritten. Dem Guta chten von Dr. C.____ vom 22. August 2015 kommt dagegen keine massgebende Beweiskraft zu (vgl. Beschluss vom 26. November 2015). Demnach ist gemäss Dr. F.____ davon auszugehen, d ass die Beschwerdeführerin ab Juli 2013 zu 100% arbeitsunfähig gewesen war und in d en Monaten August, September und Oktober 2014 aufgrund einer vorübergehenden Verbesserun g des Gesundheitszustandes zu 50%. Seit 1. November 2014 ist sie in der angestammten Tätigkeit als Informatikerin wieder zu 100% arbeitsunfähig, in einer angepassten Verweistätigkeit dagegen zu 40% arbeitsfähig. 9.1 Der IV-Grad ist bei erwerbstätigen Versicherten auf grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Danach wird für die Best immung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Vorliegend ist der Invaliditätsgrad gemäss d en von Dr. F.____ bescheinigten Ar- beitsunfähigkeiten zu ermitteln. 9.2 Für die Ermittlung des Einkommens, welches die versi cherte Person ohne Invalidität erzielen könnte (Valideneinkommen), ist entscheidend, w as sie im Zeitpunkt des Rentenbe- ginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinl ichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt er zielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angekn üpft, da es empirischer Erfah- rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Ge sundheitsschaden fortgesetzt worden wä- re. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 f. E. 4.1, 129 V 224 E. 4.3.1 je mit weiteren Hinweisen ). Ist ein konkreter Lohn nicht eruierbar oder hätte die versicherte Person ihre bisherige Stell e auch ohne gesundheitliche Beeinträchti- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung verloren, so können die Zahlen der Schweizerischen L ohnstrukturerhebung des Bundes- amtes für Statistik (LSE) herangezogen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1 und vom 9. Juni 2015, 9C_212/2015, E. 5.4). 9.3 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in we lcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzune hmen ist, dass sie die ihr verbleiben- de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das Einkommen aus der Arbeits- leistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint , gilt grundsätzlich der von ihr tat- sächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 126 V 7 5 E. 3b). Hat sie nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zu mutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können ebenfalls die LSE herangezogen werden (BGE 135 V 297 E. 5.2). 10.1 In ihrer Verfügung vom 19. Mai 2015 stützte sich di e IV-Stelle sowohl für den Validen- lohn als auch für den Invalidenlohn auf die LSE ab. Dies ist grundsätzlich nicht zu beanstanden. Im Zeitpunkt des Revisionsgesuchs im Februar 2014 war d ie Versicherte ohne Anstellung. Die Stelle bei N.____ wurde ihr wegen Differenzen mit d er Finanzchefin und der Geschäftsleitung gekündigt. Der Stellenverlust erfolgte aus invaliditäts fremden Gründen. Als Gesunde wäre sie demnach nicht mehr bei der Firma tätig. Es rechtfert igt sich daher, das Valideneinkommen un- ter Beizug der LSE zu ermitteln (BGE 126 V 76 E. 3b/ bb mit Hinweisen). Erst im Oktober 2015 und damit eineinhalb Jahre nach ihrem Revisionsgesuch von Februar 2014 sowie nach Verfü- gungserlass vom 19. Mai 2015 fing die Versicherte bei O. ____ GmbH in einem 50% Pensum an. Folglich ist auch hier das Abstellen auf die LSE n icht zu beanstanden. Es bleibt anzumer- ken, dass in Bezug auf die neue Anstellung auch nicht von stabilen Verhältnissen gesprochen werden kann, weshalb diese für das Invalideneinkommen ke ine ausreichende Grundlage gebo- ten hätte. Bereits ab November 2015 bis zur Kündigung kam es zu einem Wechsel von Arbeits- unfähigkeiten und Kurzarbeit. Dr. F.____ kam infolge des Krankheitsverlaufs zum Schluss, dass die Versicherte ab Januar 2016 erneut lediglich zu 40% in einer angepassten Tätigkeit arbeits- fähig war. 10.2 Die IV-Stelle ging beim Einkommensvergleich davon aus, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden in einer Tätigkeit als Projektleiterin Informatik ein Jahreseinkommen von Fr. 95'413.-- erzielen könnte. Sie stützte sich dabei a uf die LSE 2010, Tabelle TA1, Sektor 62 (Dienstleistungen der Informationstechnologie), Anford erungsniveau des Arbeitsplatzes 1+2, Spalte Frauen, Fr. 7'620.-- (recte Fr 7'619.--) monatlich, basierend auf 40 Wochenstunden. Die- sen Betrag passte sie der Nominallohnentwicklung 2011 bis 2013 von 1,8% (Bundesamt für Statistik [BFS] T1.2.93_V, Nominallohnindex Frauen 19 93-2013) an, rechnete ihn auf die be- triebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41 Stunden u m (www.bfs.admin.ch; Dokument je-d- 03.02.04.19) und multiplizierte den ermittelten Mona tslohn mit 12. Da die IV-Stelle nach dem Gutachten von Dr. C.____ von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ab Juli 2014 ausging, reduzierte sie für das Invalideneinkommen das Valideneinkommen um 50%. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.3 Vorliegend wurde die IV-Rente aufgrund des Revisi onsgesuchs der Versicherten für den Zeitpunkt ab Februar 2014 beurteilt. Es rechtfertigt sich deshalb – entgegen dem Vorgehen der Vorinstanz - die neuesten LSE 2014 für den Einkommensvergleich zu berücksichtigen und nicht diejenigen von 2010. Denn grundsätzlich sind immer di e aktuellsten statistischen Daten zu ver- wenden. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz könnte alle nfalls damit begründet werden, dass sich allein durch die Verwendung der neueren LSE ei ne anspruchsrelevante Änderung des IV-Grades – nach oben oder nach unten – ergeben würde (vgl. aber Urteil des Bundesge- richts vom 4. April 2016, 9C_632/2015, in Bezug auf Ab weichungen der LSE 2010 und 2012). Auf eine nähere Prüfung dieser Thematik kann jedoch - wie nachfolgend aufgezeigt wird – ver- zichtet werden. 10.4 Unbestritten ist, dass die Versicherte ab Februar 20 14 (Revisionsgesuch) bei einer Ar- beitsunfähigkeit von 100% seit Juli 2013 Anspruch auf e ine volle IV-Rente hat. Weiter besteht Einigkeit darüber, dass die Versicherte ab November 201 4 in einer angepassten Verweistätig- keit zu 40% arbeitsfähig ist. Diesbezüglich ist nachfolgend ein Einkommensvergleich vorzu- nehmen. Abschliessend wird zu beurteilen sein, welche A uswirkungen die vorübergehende Verbesserung des Gesundheitszustandes in den Monaten Augu st, September und Oktober 2014 mit einer Arbeitsfähigkeit von 50% auf den Einkommensvergleich hat. 10.5 Gemäss Sektor 62-63 Informationstechnologie und In formationsdienst der Tabelle TA 1 der LSE 2014 liegt der monatliche Lohn bei Kompetenz niveau 4, Frauen, bei Fr. 8'127.-- und bei Kompetenzniveau 3 bei Fr. 6'438.--. Ein entsprech ender Mittelwert wie bei den LSE 2010 (Anforderungsniveau 1+2) gibt es bei den LSE 2014 nich t. Es stellt sich folglich die Frage, wel- ches Niveau auf die Versicherte zutrifft. Kompetenznivea u 4 beinhaltet Tätigkeiten mit komple- xer Problemlösung und Entscheidungsfindung, welche ein grosses Fakten- und theoretisches Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen. Kompetenznivea u 3 entspricht komplexen prakti- schen Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in einem Sp ezialgebiet voraussetzen. Den bei- den Niveaus liegt eine nicht ganz nachvollziehbare hohe Differenz von Fr. 1'689.-- zugrunde. Wahrscheinlich würde auch hier ein Mittelwert der beid en Kompetenzniveaus der beruflichen Tätigkeit der Versicherten am ehesten entsprechen. Wel cher Stufe der Vorzug zu geben ist, kann indessen offen gelassen werden, denn das Ergebnis bl eibt, selbst wenn man den tieferen Lohn als Grundlage nimmt, dasselbe. So resultiert aus gehend vom tieferen Lohn in Höhe von Fr. 6'438.-- gemäss Kompetenzniveau 3 nach Anpassung an die betriebsübliche Arbeitszeit von 41,2 Stunden pro Woche (vgl. BFS, betriebsübliche w öchentliche Arbeitszeit 2014) ein Jahres- lohn von Fr. 79'574.--. 11.1 Der Versicherten ist ab November 2014 eine angepa sste Verweistätigkeit von 40% zu- mutbar, wobei es sich um eine Routinetätigkeit mit wen ig Verantwortung handeln muss. Zudem darf die Versicherte nicht unter Zeitdruck handeln und Lösungen präsentieren müssen. Mul- titasking-Aufgaben seien zu vermeiden. Auch müsse sie die Möglichkeit haben, vermehrt Pau- sen einzulegen. Vom Arbeitgeber benötige sie überdurchschnittliche Unterstützung, da mit Leis- tungsschwankungen zu rechnen sei und die Versicherte gut angeleitet und immer wieder moti- viert werden müsse, weil ihr Selbstwertgefühlt verminde rt sei. Im Grunde handle es sich beim Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsplatzbeschrieb um einen Nischenarbeitsplatz (vgl. Gu tachten von Dr. F.____ vom 22. Mai 2016). 11.2 Die Beschwerdeführerin geht vor diesem Hintergru nd davon aus, dass sie die ihr ver- bleibende Restarbeitsfähigkeit auch auf dem ausgeglich enen Arbeitsmarkt nicht wirtschaftlich verwerten kann (vgl. Schreiben vom 17. März 2016 und 15. November 2016). Dem kann nicht gefolgt werden. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst a uch Nischenarbeitsplätze (Urteile des Bundesgerichts vom 11. Februar 2015, 8C_740/2014, E. 3.4.3 und vom 28. Februar 2017, 8C_12/2017, E. 5.4), weshalb mit Blick auf das Leistu ngsprofil der Versicherten und den einzu- haltenden Rahmenbedingungen genügend Stellen vorhand en sind. Es steht im Übrigen auch nicht fest, dass die Restarbeitsfähigkeit der Versicherte n nur an einem Nischenarbeitsplatz ver- wertet werden könnte. Folglich ist das Invalideneinkomme n zu ermitteln. Diesbezüglich kann auch der IV-Stelle nicht gefolgt werden, welche in ih rer Stellungnahme vom 19. Oktober 2016 als Invalideneinkommen den gleichen Sektor und die glei chen Zahlen berücksichtigt wie für die angestammte Tätigkeit. Dies ist nicht sachgerecht. Gemäss Z umutbarkeitsprofil rechtfertigt sich aufgrund der Ausbildung und des beruflichen Hintergru ndes der Versicherten die Anwendung von Tabelle TA1 der LSE 2014, Total, Kompetenzniveau 2 (praktische Tätigkeiten, unter ande- rem mit Datenverarbeitung und Administration), Frauen, mit einem Monatslohn von Fr. 4'808.--. Umgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeit szeit im Jahr 2014 von 41,7 Stunden (vgl. BFS, betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit 2014 ) ergibt dies ein Jahreseinkommen von Fr. 60'148.--. Auf das zumutbare Pensum von 40% angepa sst, resultiert ein Lohn von Fr. 24'059.--. 11.3 Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens anhand lohnstatistischer Angaben sind praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid BGE 12 6 V 75 ff. hat das Bundes- gericht seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabelle nlohn bereinigt und weiterentwi- ckelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in we lchem Ausmass Tabellenlöhne herab- zusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzel- falles abhängt (leidensbedingte Einschränkung, Lebensal ter, Anzahl Dienstjahre, Nationali- tät/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welch e nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom stati stischen Lohn unter Berücksichti- gung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale letzt lich aber auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). Für die IV-Stelle gab es nach dem Gutachten von Dr. C.____ vom 22. August 2014 und seiner Zumutbarkei tsbeurteilung keinen Anlass einen lei- densbedingten Abzug in ihrer Verfügung vom 19. Mai 20 15 zu berücksichtigen. In ihrer Stel- lungnahme vom 19. Oktober 2016 verweist sie auf die Ber echnungsgrundlagen der Rentenver- fügung und thematisiert den leidensbedingten Abzug n icht. Aufgrund des Arbeitsplatzbe- schriebs von Dr. F.____, wonach vom Arbeitgeber ein gro sses Entgegenkommen und eine er- höhte Betreuungspflicht gefordert wird, da jederzeit mit Leistungsschwankungen zu rechnen ist und wegen des erhöhten Pausenbedarfs der Versicherten r echtfertigt sich ein leidensbedingter Abzug von mindestens 5%. Dagegen fallen die Kriterien Lebensalter, Dienstjahre und Nationali- tät/Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad nicht ins Gewicht. Wird das ermittelte Invali- deneinkommen von Fr. 24'059.-- um 5% gekürzt, so ergib t dies ein massgebendes Invaliden- einkommen von Fr. 22'856.--. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11.4 Stellt man im Einkommensvergleich dieses Invalidenei nkommen von Fr. 22'856.-- dem ermittelten Valideneinkommen von Fr. 79'574.-- gegenü ber, so resultiert daraus eine Erwerbs- einbusse von Fr. 56'718.--, was einen IV-Grad von 71% ergibt bei einer Arbeitsfähigkeit von 40% in einer Verweistätigkeit ab November 2014. 12.1 Somit steht fest, dass die Versicherte ab Februar 2 014 grundsätzlich Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat. Im August, September und Oktober 2014 kam es gemäss Dr. F.____ zu einer vorübergehenden Verbesserung des Gesundheitszustan des und er attestierte für diese Zeit eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Es stellt sich desha lb die Frage, ob diese vorübergehende Verbesserung rentenmässig zu berücksichtigen ist. 12.2 Art. 88a Abs. 1 IVV legt die Bedingungen fest, u nter denen Renten der Invalidenversi- cherung modifiziert werden können. Nach dieser Bestimmu ng ist eine Verbesserung der Er- werbsfähigkeit von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Ihr ist in jedem Fall Rechnung zu tragen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Sinn und Zweck von Art. 88a Abs. 1 IVV ist es unter anderem der ver- sicherten Person eine gewisse Sicherheit in Bezug auf die regelmässige Auszahlung der Leis- tungen zu garantieren. Kurzzeitige Änderungen der lei stungsbegründenden Faktoren sollen eine revisionsweise Anpassung nicht auslösen können (vgl. U rteil des Bundesgerichts vom 30. September 2016, 8C_232/2016, E. 4.1). Im gegebenen Fall dauerte die Verbesserung drei Mo- nate, was grundsätzlich eine Anpassung der Rente ermöglichen würde. Jedoch ist auch erstellt, dass diese Verbesserung nicht andauerte, sondern sich der Gesundheitszustand der Versicher- ten aufgrund des labilen Krankheitszustandes bereits nac h drei Monaten wieder verschlechter- te, weshalb hier nicht von stabilen Verhältnissen gesproc hen werden kann, welche eine vo- rübergehende Reduktion der IV-Rente rechtfertigen wü rden. Demzufolge ist eine Anpassung der IV-Rente nach Art. 88a Abs. 1 IVV nicht vorzunehmen. 12.3 Im Ergebnis ist demnach festzuhalten, dass die Versich erte ab Februar 2014 Anspruch auf eine unbefristete ganze IV-Rente hat. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen. 13.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. D ie Verfahrenskosten werden ge- stützt auf § 20 Abs. 3 des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 in der Regel in angemessenem Ausmass der un- terliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die Beschwerdegegnerin als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorin stanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahren skosten erhoben werden. Der Versi- cherten ist der geleistete Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 600.-- zurückzuerstatten. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 13.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträ ger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV- Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht wei ter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f . E. 4.4.2). Vorliegend war das Kan- tonsgericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 26. November 2015 zum Ergebnis ge- langt, dass das von der IV-Stelle eingeholte Gutachten von Dr. C.____ vom 22. August 2014 für die streitigen Belange nicht umfassend gewesen sei und demnach die rechtsprechungsgemäs- sen Anforderungen an ein beweistaugliches Gutachten (B GE 125 V 352 E. 3a) nicht erfüllt ha- be. Da ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war, beschloss das Kantonsgericht, die erforderliche zusätzliche Abklärung des medi- zinischen Sachverhaltes im Rahmen eines Gerichtsgutachtens vor nehmen zu lassen. Das in der Folge eingeholte Gutachten von Dr. F.____ vom 22. Mai 2015 mit ergänzender Stellung- nahme vom 26. August 2015 war mit anderen Worten für eine abschliessende Beurteilung des Rentenanspruchs der Versicherten unerlässlich. Zudem bild et das Gerichtsgutachten, wie sich anlässlich der heutigen Urteilsberatung gezeigt hat, m assgebliche Grundlage für die mit dem vorliegenden Entscheid erfolgte Rentenzusprechung an d ie Versicherte. Im Lichte der geschil- derten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind demnach die Kosten dieses Gutachtens, wel- che sich gemäss den eingereichten Honorarrechnungen auf Fr. 6'200.-- belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. 13.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Be schwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin ob siegende Partei ist, ist ihr eine Par- teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. D er Rechtsvertreter der Versicherten machte in seinen Honorarroten vom 19. Oktober 2016 und vom 12. Dezember 2016 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 22,9167 Stunden geltend, was sich umfangmässig in Anbetracht der diversen sich stellenden S achverhalts- und Rechtsfragen so- wie in Berücksichtigung, dass dem Rechtsvertreter im Zusam menhang mit der Würdigung des Gerichtsgutachtens ein zusätzlicher Aufwand entstanden ist , als angemessen erweist. Die Be- mühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisge mäss zur Anwendung gelan- genden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nich t zu beanstanden sind die in den Honorarnoten ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 5 37.--. Der Versicherten ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6'767.4 5 (22,9167 Stunden à Fr. 250.-- + Ausla- gen von Fr. 537.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die angefoch tene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 19. Mai 2015 wird auf gehoben und festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ab 1. Februar 2014 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 6‘200.-- werden der IV-Stelle auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 6‘747.45 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht