<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">257</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>40</b></span> <span class="ft4"><b>Verfügungsbegriff; Verfügungscharakter einer Gebührenrechnung</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Den periodischen Abwasser-Benützungsgebührenrechnungen der Ge-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>meindeverwaltung kommt aufgrund ihrer konkreten (inhaltlichen) Aus-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>gestaltung und mangels Verfügungskompetenz der Gemeindeverwaltung</b></span><br/> <span class="ft4"><b>kein Verfügungscharakter und damit keine Rechtsbeständigkeit zu. Sie</b></span><br/> <span class="ft4"><b>können grundsätzlich nachträglich abgeändert werden.</b></span><br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 19. März 2015 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">A. gegen die Einwohnergemeinde B. (WBE.2014.143).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 34 Abs. 2 BauG können die Gemeinden von den</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümern Beiträge an die Kosten der Erstellung, Änderung</span><br/> <span class="ft1">und Erneuerung von Anlagen der Versorgung mit Wasser und elektri-</span><br/> <span class="ft1">scher Energie sowie der Abwasserbeseitigung erheben. Die Gemein-</span><br/> <span class="ft1">den regeln die Erhebung der Beiträge und Gebühren an die erwähn-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">258</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ten Versorgungs- und Beseitigungsanlagen selber, soweit keine kan-</span><br/> <span class="ft1">tonalen Vorschriften bestehen (§ 34 Abs. 3 BauG).</span><br/> <span class="ft1">§ 29 des Reglements Erschliessungsfinanzierung der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">B. (nachfolgend: REF) sieht vor, dass die Kosten (für die Erstellung,</span><br/> <span class="ft1">Änderung, Erneuerung, den Unterhalt und Betrieb öffentlicher Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessungsanlagen u.a. der Wasserversorgung und Abwasserbeseiti-</span><br/> <span class="ft1">gung) durch Benützungsgebühren zu finanzieren sind, soweit sie</span><br/> <span class="ft1">nicht durch Erschliessungs- und Anschlussbeiträge gedeckt werden</span><br/> <span class="ft1">(Abs. 1). Mit der Benützungsgebühr werden folgende Kosten abge-</span><br/> <span class="ft1">deckt: a) Unterhalt und Betrieb der Anlagen; b) Effektiver Verbrauch</span><br/> <span class="ft1">(Abwasser, Wasser); c) Benützung von Erschliessungsanlagen, so-</span><br/> <span class="ft1">fern diese über den normalen Gebrauch hinausgeht; d) Nicht gedeck-</span><br/> <span class="ft1">te Kosten für die Erstellung, Änderung und Erneuerung von Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessungsanlagen (Abs. 2). Nach § 30 Abs. 1 REF erfolgt die</span><br/> <span class="ft1">Rechnungsstellung in regelmässigen Zeitabständen (Quartal, Semes-</span><br/> <span class="ft1">ter, Jahr). Bei Besitzer- oder Benützerwechsel werden die Gebühren</span><br/> <span class="ft1">auf den Zeitpunkt des Wechsels abgerechnet (§ 30 Abs. 3 REF). Zur</span><br/> <span class="ft1">Bezahlung der Benützungsgebühren sind diejenigen Personen ver-</span><br/> <span class="ft1">pflichtet, die im Zeitpunkt des Eintritts der Zahlungspflicht das</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentum benützen oder besitzen (§ 31 Abs. 1 REF). Die Be-</span><br/> <span class="ft1">nützungsgebühren für das Wasser und Abwasser gliedern sich in eine</span><br/> <span class="ft1">Grundgebühr, die in erster Linie pro Wasserzähler bemessen wird,</span><br/> <span class="ft1">und in eine Verbrauchsgebühr, die sich nach dem Frischwasserver-</span><br/> <span class="ft1">brauch (pro m</span><span class="ft10"><sup>3</sup></span> <span class="ft1">bezogenem Wasser) richtet (§§ 39 f. und 43 f. REF).</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend ist umstritten, wie hoch der tatsächliche Wasserver-</span><br/> <span class="ft1">brauch der Bewohner des Mehrfamilienhauses an der Z.-strasse 11-</span><br/> <span class="ft1">15 im Zeitraum vom 1. Oktober 2006 bis 30. September 2010 war</span><br/> <span class="ft1">und ob die Beschwerdegegnerin auf die für den betreffenden Zeit-</span><br/> <span class="ft1">raum ergangenen halbjährlichen Benützungsgebührenrechnungen zu-</span><br/> <span class="ft1">rückkommen und die Differenz zwischen dem ursprünglich faktu-</span><br/> <span class="ft1">rierten und einem höheren tatsächlichen Wasserverbrauch nachfor-</span><br/> <span class="ft1">dern darf.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">259</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer stellt sich in seiner Verwaltungsgerichts-</span><br/> <span class="ft1">beschwerde - weiterhin - auf den Standpunkt, die periodischen Be-</span><br/> <span class="ft1">nützungsgebührenrechnungen für die Zeiträume von März 2007 bis</span><br/> <span class="ft1">Mai 2008 und Mai 2008 bis September 2010 seien formell rechts-</span><br/> <span class="ft1">kräftig und nicht mehr abänderbar. Richtigerweise stehen hier die</span><br/> <span class="ft1">Zeiträume von <i>Oktober 2006</i> bis Mai 2008 und Mai 2008 bis Sep-</span><br/> <span class="ft1">tember 2010 zur Diskussion, denn die Gebührenrechnung vom</span><br/> <span class="ft1">21. März 2007, die als erste Rechnung von der Korrektur durch die</span><br/> <span class="ft1">Gebührenrechnungen vom 8. Juli 2011 erfasst wird, bezieht sich auf</span><br/> <span class="ft1">die am 1. Oktober 2006 beginnende halbjährliche Abrechnungsperio-</span><br/> <span class="ft1">de.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer argumentiert, den Gebührenrechnungen</span><br/> <span class="ft1">komme entgegen der Auffassung der Vorinstanz Verfügungscharakter</span><br/> <span class="ft1">zu. Aus verfahrensökonomischen Gründen würden Gebühren - wie</span><br/> <span class="ft1">im vorliegenden Fall - bisweilen direkt, d.h. ohne vorgängige forma-</span><br/> <span class="ft1">le Verfügung in Rechnung gestellt. Das ändere aber nichts daran,</span><br/> <span class="ft1">dass die Behörde mit der Rechnungsstellung ihren klaren Willen er-</span><br/> <span class="ft1">kennen lasse, ein Rechtsverhältnis mit dem Bürger als Adressaten</span><br/> <span class="ft1">einseitig und hoheitlich zu regeln, womit die Rechnung unter den</span><br/> <span class="ft1">Begriff der Verfügung zu subsumieren sei. Die Qualifizierung einer</span><br/> <span class="ft1">behördlichen Handlung als Verfügung hänge nicht von der Form ab,</span><br/> <span class="ft1">in der sie getätigt werde. Das Fehlen einer Rechtsmittelbelehrung sei</span><br/> <span class="ft1">der Qualifikation als Verfügung nicht abträglich. Sobald eine Behör-</span><br/> <span class="ft1">de die Absicht habe, auf die Rechtsstellung eines Adressaten einzu-</span><br/> <span class="ft1">wirken oder dessen Rechtsstellung zu kommentieren, müsse die Be-</span><br/> <span class="ft1">hörde eine Verfügung erlassen. Sei die Gewährung eines Rechts oder</span><br/> <span class="ft1">die Auferlegung einer Pflicht vom Gesetz vorgesehen und komme</span><br/> <span class="ft1">die Behörde zum Schluss, die Sachverhaltselemente seien erfüllt,</span><br/> <span class="ft1">stelle ihre Anordnung eine Verfügung dar. Charakteristisches Merk-</span><br/> <span class="ft1">mal sei die unmittelbare Vollziehbarkeit.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Dem Beschwerdeführer ist darin beizupflichten, dass der Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gungsbegriff im VRPG nicht eigens umschrieben wird. Nach herr-</span><br/> <span class="ft1">schender Lehre und Rechtsprechung ist die Verfügung ein individuel-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">260</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ler, an den Einzelnen gerichteter Hoheitsakt, durch den eine konkrete</span><br/> <span class="ft1">verwaltungsrechtliche Rechtsbeziehung rechtsgestaltend oder fest-</span><br/> <span class="ft1">stellend in verbindlicher und erzwingbarer Weise geregelt wird</span><br/> <span class="ft1">(BGE 139 V 72, Erw. 2.2.1; 135 II 38, Erw. 4.3; 131 II 13, Erw. 2.2;</span><br/> <span class="ft1">Urteile des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. November 2014 [B-</span><br/> <span class="ft1">198/2014], Erw. 2.3.1, vom 15. Mai 2012 [A-6037/2011],</span><br/> <span class="ft1">Erw. 5.3.2.1, und vom 18. Mai 2010 [A-5646/2009], Erw. 3.1;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 2010, S. 235; 2006, S. 85 ff.; 1981, S. 209 f.; U</span><span class="ft6">LRICH</span><br/> <span class="ft1">H</span><span class="ft6">ÄFELIN</span><span class="ft1">/G</span><span class="ft6">EORG</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">/F</span><span class="ft6">ELIX</span> <span class="ft1">U</span><span class="ft6">HLMANN</span><span class="ft1">, Allgemeines Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsrecht, 6. Auflage, Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 854; P</span><span class="ft6">IERRE</span><br/> <span class="ft1">T</span><span class="ft6">SCHANNEN</span><span class="ft1">/U</span><span class="ft6">LRICH</span> <span class="ft1">Z</span><span class="ft6">IMMERLI</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ARKUS</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">, Allgemeines</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Bern 2014, § 28 N 16 ff.; M</span><span class="ft6">ARTIN</span><br/> <span class="ft1">B</span><span class="ft6">ERTSCHI</span><span class="ft1">/K</span><span class="ft6">ASPAR</span> <span class="ft1">P</span><span class="ft6">LÜSS</span><span class="ft1">, in: A</span><span class="ft6">LAIN</span> <span class="ft1">G</span><span class="ft6">RIFFEL</span> <span class="ft1">[Hrsg.], Kommentar</span><br/> <span class="ft1">zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG],</span><br/> <span class="ft1">3. Auflage, Zürich/ Basel/Genf 2014, Vorbemerkungen zu §§ 4-31</span><br/> <span class="ft1">N 19 ff.; M</span><span class="ft6">ARKUS</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">, Kommentar zum Bundesgesetz über das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 5 N 13 ff.;</span><br/> <span class="ft1">M</span><span class="ft6">ICHAEL</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft6">ERKER</span><span class="ft1">, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege</span><br/> <span class="ft1">vom 9. Juli 1968, Kommentar zu den §§ 38-72 [a]VRPG, Diss.</span><br/> <span class="ft1">Zürich 1998, § 38 N 4). Diese Umschreibung entspricht der</span><br/> <span class="ft1">Legaldefinition in Art. 5 VwVG, die nach ständiger Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">des Verwaltungsgerichts mit dem kantonalrechtlichen Verfügungsbe-</span><br/> <span class="ft1">griff übereinstimmt (AGVE 2010, S. 235; 1978, S. 300; 1972,</span><br/> <span class="ft1">S. 339; M</span><span class="ft6">ERKER</span><span class="ft1">, a.a.O., § 38 N 3). Vom (materiell verstandenen)</span><br/> <span class="ft1">Verfügungsbegriff zu trennen ist die Frage nach der Form der Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung. Die Missachtung von Formerfordernissen bewirkt lediglich ei-</span><br/> <span class="ft1">nen Eröffnungsmangel: Die Verfügung wird fehlerhaft und als Folge</span><br/> <span class="ft1">davon anfechtbar, in seltenen Fällen nichtig. Formfehler lassen den</span><br/> <span class="ft1">Verfügungscharakter aber (ausser bei Nichtigkeit) nicht dahinfallen;</span><br/> <span class="ft1">die</span> <span class="ft1">mangelhaft</span> <span class="ft1">eröffnete</span> <span class="ft1">Verfügung</span> <span class="ft1">bleibt</span> <span class="ft1">Verfügung</span><br/> <span class="ft1">(T</span><span class="ft6">SCHANNEN</span><span class="ft1">/Z</span><span class="ft6">IMMERLI</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">, a.a.O., § 28 N 18).</span><br/> <span class="ft1">Für die Verfügung ist zunächst charakteristisch, dass sie einsei-</span><br/> <span class="ft1">tig von den Behörden erlassen wird. Sie ist also grundsätzlich auch</span><br/> <span class="ft1">ohne Zustimmung des Betroffenen rechtswirksam (H</span><span class="ft6">ÄFELIN</span><span class="ft1">/</span><br/> <span class="ft1">M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">/U</span><span class="ft6">HLMANN</span><span class="ft1">, a.a.O., Rz. 858). Als Behörde im Sinne des Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">261</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">waltungsverfahrensrechts gilt dabei jeder Akteur, der mit der unmit-</span><br/> <span class="ft1">telbaren Erfüllung von Verwaltungsaufgaben betreut ist (T</span><span class="ft6">SCHAN</span><span class="ft2">-</span><br/> <span class="ft6">NEN</span><span class="ft1">/Z</span><span class="ft6">IMMERLI</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">, a.a.O., § 28 N 19). Mit der Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">kompetenz ist in der Regel die Befugnis verbunden, konkrete indivi-</span><br/> <span class="ft1">duelle Rechtsverhältnisse des behördlichen Aufgabenbereichs mittels</span><br/> <span class="ft1">Verfügung hoheitlich zu regeln (BGE 115 V 375, Erw. 3b). Ein</span><br/> <span class="ft1">weiteres Begriffselement bildet, dass die Verfügung auf Rechtswir-</span><br/> <span class="ft1">kungen ausgerichtet ist. Mit der Verfügung werden in einem konkre-</span><br/> <span class="ft1">ten Fall Rechte und Pflichten eines bestimmten Privaten begründet,</span><br/> <span class="ft1">geändert oder aufgehoben, oder es werden bestehende Rechte und</span><br/> <span class="ft1">Pflichten autoritativ festgestellt (H</span><span class="ft6">ÄFELIN</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">/U</span><span class="ft6">HLMANN</span><span class="ft1">,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., Rz. 862; T</span><span class="ft6">SCHANNEN</span><span class="ft1">/Z</span><span class="ft6">IMMERLI</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">, a.a.O., § 28 N 25).</span><br/> <span class="ft1">Dadurch grenzt sich die Verfügung von Verwaltungshandlungen ab,</span><br/> <span class="ft1">die keine unmittelbaren Rechtswirkungen haben und lediglich einen</span><br/> <span class="ft1">tatsächlichen Erfolg herbeiführen. Dazu zählt die Lehre respektive</span><br/> <span class="ft1">ein Teil davon Rechnungsstellungen (H</span><span class="ft6">ÄFELIN</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">/U</span><span class="ft6">HLMANN</span><span class="ft1">,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., Rz. 878; T</span><span class="ft6">SCHANNEN</span><span class="ft1">/Z</span><span class="ft6">IMMERLI</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">, a.a.O., § 28 N 26;</span><br/> <span class="ft1">B</span><span class="ft6">ERTSCHI</span><span class="ft1">/P</span><span class="ft6">LÜSS</span><span class="ft1">, a.a.O., Vorbemerkungen zu §§ 4-31 N 22). Das</span><br/> <span class="ft1">bedeutet allerdings nicht, dass (Gebühren-)Rechnungen nicht als Ver-</span><br/> <span class="ft1">fügung ausgestaltet werden können. Entscheidend ist, ob der Rech-</span><br/> <span class="ft1">nungsadressat mit der Rechnung verpflichtet werden soll, den Rech-</span><br/> <span class="ft1">nungsbetrag zu begleichen, oder ob eine blosse Zahlungsaufforde-</span><br/> <span class="ft1">rung ohne gleichzeitige Begründung von Zahlungspflichten vorliegt.</span><br/> <span class="ft1">Letzteres ist zweifelsohne der Fall, wenn die Rechnungsstellung auf</span><br/> <span class="ft1">einer separaten Verfügung basiert und eine reine Inkassomassnahme</span><br/> <span class="ft1">darstellt. Weniger eindeutig ist die Rechtslage, wenn Gebühren aus</span><br/> <span class="ft1">verfahrensökonomischen Überlegungen direkt, d.h. ohne vorgängige</span><br/> <span class="ft1">formale Verfügung in Rechnung gestellt werden (vgl. M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., Art. 5 N 9). Doch auch in dieser Konstellation kann einer</span><br/> <span class="ft1">Rechnung nicht ohne weiteres Verfügungscharakter attestiert werden.</span><br/> <span class="ft1">Notwendig ist eine Einzelfallbetrachtung. Es ist immerhin denkbar,</span><br/> <span class="ft1">dass erst bei Streitigkeiten über eine Rechnung, also im Nachgang</span><br/> <span class="ft1">zur Rechnungsstellung eine Gebührenverfügung erwirkt werden</span><br/> <span class="ft1">kann und erlassen wird, und die Rechnung selbst - aufgrund ihrer</span><br/> <span class="ft1">Ausgestaltung - nicht die Merkmale einer Verfügung aufweist (Bun-</span><br/> <span class="ft1">desverwaltungsgerichtsentscheid [BVGE] 2008/41, Erw. 6.4). Verfü-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">262</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gungen müssen verbindlich und erzwingbar sein, mithin zwangswei-</span><br/> <span class="ft1">se vollstreckt werden können, ohne dass hierfür eine weitere Kon-</span><br/> <span class="ft1">kretisierung notwendig ist (H</span><span class="ft6">ÄFELIN</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">/U</span><span class="ft6">HLMANN</span><span class="ft1">, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 864; T</span><span class="ft6">SCHANNEN</span><span class="ft1">/Z</span><span class="ft6">IMMERLI</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">, a.a.O., § 28 N 34;</span><br/> <span class="ft1">B</span><span class="ft6">ERTSCHI</span><span class="ft1">/P</span><span class="ft6">LÜSS</span><span class="ft1">, a.a.O., Vorbemerkungen zu §§ 4-31 N 23). Die</span><br/> <span class="ft1">Verbindlichkeit fehlt, wenn sich eine Behörde mittels Hinweisen, Be-</span><br/> <span class="ft1">lehrungen und dergleichen an einen Adressaten wendet, aber auf frei-</span><br/> <span class="ft1">willige Erfüllung hofft (M</span><span class="ft6">ERKER</span><span class="ft1">, a.a.O., § 38 N 13).</span><br/> <span class="ft1">In einem Entscheid vom 25. September 1972 (AGVE 1972,</span><br/> <span class="ft1">S. 337 ff.), auf den sich die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin</span><br/> <span class="ft1">stützen, erwog das Verwaltungsgericht, dass es sich bei der Gebüh-</span><br/> <span class="ft1">renrechnung eines Finanzverwalters (für die Behandlung eines</span><br/> <span class="ft1">Baugesuchs) im internen Verhältnis um einen Antrag an den Gemein-</span><br/> <span class="ft1">derat als Kollegium und im externen Verhältnis (zum Rechnungsad-</span><br/> <span class="ft1">ressaten) um einen blossen Vollstreckungsversuch handle. Nach her-</span><br/> <span class="ft1">kömmlichem aargauischem Gemeinderecht stehe den einzelnen Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderatsmitgliedern und Gemeindebeamten keine Verfügungsbe-</span><br/> <span class="ft1">fugnis zu. Diese konzentriere sich beim Gemeinderat als Kollegial-</span><br/> <span class="ft1">behörde. Im Interesse einer rationellen Verwaltungsführung schicke</span><br/> <span class="ft1">die Finanzverwaltung ihren Antrag nicht primär an den Gemeinderat,</span><br/> <span class="ft1">sondern zunächst an den Betroffenen. Begleiche dieser die Rechnung</span><br/> <span class="ft1">freiwillig, erübrige sich eine Verfügung des Gemeinderats. Er sei in-</span><br/> <span class="ft1">dessen nicht dazu verpflichtet, und die Finanzverwaltung dürfe ihm</span><br/> <span class="ft1">auch keine Frist ansetzen und rechtliche Nachteile für den Fall der</span><br/> <span class="ft1">Nichterfüllung androhen. Weigere sich der Betroffene die Rechnung</span><br/> <span class="ft1">zu bezahlen, so bleibe der Verwaltung nichts anderes übrig, als dem</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat den Erlass einer Verfügung im Sinne der Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtspflege zu beantragen (a.a.O., S. 340).</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Durch den Erlass des revidierten VRPG vom 4. Dezember 2007</span><br/> <span class="ft1">hat dieser Entscheid - entgegen der Annahme des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">- nicht an Aktualität eingebüsst. Der Verfügungsbegriff ist unter al-</span><br/> <span class="ft1">tem wie neuem Recht derselbe (AGVE 2010, S. 235). Auch die</span><br/> <span class="ft1">Verfügungskompetenz liegt gemäss § 39 Abs. 1 GG weiterhin beim</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat, sofern sie nicht auf ein einzelnes Gemeinderatsmit-</span><br/> <span class="ft1">glied, eine Kommission oder einen Mitarbeitenden der mit der ent-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">263</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sprechenden Aufgabe betrauten Verwaltungsstelle übertragen wird.</span><br/> <span class="ft1">Die Einzelheiten der Delegation sind vom Gemeinderat in einem</span><br/> <span class="ft1">Reglement festzulegen (§ 39 Abs. 3 GG). Die Einwohnergemeinde</span><br/> <span class="ft1">B. verfügt über kein Reglement, worin die Delegation der Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gungsbefugnis (auf Verwaltungsstellen) geregelt wäre. Im Gegenteil:</span><br/> <span class="ft1">Aus § 46 des Wasserreglements und § 29 des Abwasserreglements</span><br/> <span class="ft1">der Gemeinde B. ist zu schliessen, dass die Kompetenz zum Erlass</span><br/> <span class="ft1">von Abgabeverfügungen im Bereich der Wasserversorgung und der</span><br/> <span class="ft1">Abwasserbeseitigung beim Gemeinderat angesiedelt ist. Mit seiner</span><br/> <span class="ft1">Autonomierüge übersieht der Beschwerdeführer, dass die Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">degegnerin selber den Standpunkt vertritt, der Gemeindeverwaltung</span><br/> <span class="ft1">komme keine Verfügungskompetenz zu. Zwar stammen die als</span><br/> <span class="ft1">Verfügung (mit Rechtsmittelbelehrung) ausgestalteten Gebühren-</span><br/> <span class="ft1">rechnungen vom 8. Juli 2011 ebenfalls von der Finanzverwaltung.</span><br/> <span class="ft1">Dazu ist festzuhalten, dass die sachliche Unzuständigkeit der ver-</span><br/> <span class="ft1">fügenden Instanz unter Umständen zur Annahme der Nichtigkeit</span><br/> <span class="ft1">einer Verfügung führen kann (H</span><span class="ft6">ÄFELIN</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">/</span> <span class="ft1">U</span><span class="ft6">HLMANN</span><span class="ft1">, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 961; T</span><span class="ft6">SCHANNEN</span><span class="ft1">/Z</span><span class="ft6">IMMERLI</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ÜLLER</span><span class="ft1">, a.a.O., § 31 N 16, mit</span><br/> <span class="ft1">Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Von der Urheberschaft aber einmal abgesehen sind die halbjähr-</span><br/> <span class="ft1">lichen Gebührenrechnungen der Finanzverwaltung B. vor allem auch</span><br/> <span class="ft1">unter inhaltlichen Gesichtspunkten nicht als Abgabeverfügungen zu</span><br/> <span class="ft1">verstehen. Es weist absolut nichts auf deren Verbindlichkeit bzw. den</span><br/> <span class="ft1">Willen der Finanzverwaltung hin, mit den Rechnungen eine Zah-</span><br/> <span class="ft1">lungsverpflichtung zu begründen. Es fehlt vorab an Rechtsmittelbe-</span><br/> <span class="ft1">lehrungen, was zwar als Form- oder Eröffnungsfehler ohne Einfluss</span><br/> <span class="ft1">auf den Verfügungscharakter gewertet werden könnte. Gegen die An-</span><br/> <span class="ft1">nahme, dass die Finanzverwaltung versehentlich oder aus Unvermö-</span><br/> <span class="ft1">gen keine Rechtsmittelbelehrungen angebracht hat, spricht jedoch</span><br/> <span class="ft1">der Umstand, dass die halbjährlichen Gebührenrechnungen standar-</span><br/> <span class="ft1">disiert sind. Die Finanzverwaltung könnte somit anfänglich durchaus</span><br/> <span class="ft1">bewusst auf Rechtsmittelbelehrungen verzichtet haben, um damit ih-</span><br/> <span class="ft1">rem Willen Ausdruck zu geben, die Gebührenrechnungen (vorerst)</span><br/> <span class="ft1">nicht in die Form (anfechtbarer) Verfügungen zu kleiden. Den Ge-</span><br/> <span class="ft1">bührenrechnungen vom 8. Juli 2011, die im Gegensatz zu den ur-</span><br/> <span class="ft1">sprünglichen Gebührenrechnungen mit Rechtsmittelbelehrungen ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">264</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sehen sind, sind mündliche Verhandlungen zur Frage vorausgegan-</span><br/> <span class="ft1">gen, ob die streitgegenständlichen Gebührennachforderungen zuläs-</span><br/> <span class="ft1">sig sind. Weil keine Einigung erzielt werden konnte, ist die Finanz-</span><br/> <span class="ft1">verwaltung dazu übergegangen, die Zahlungsverpflichtung auf dem</span><br/> <span class="ft1">Verfügungsweg zu regeln. In den halbjährlichen Gebührenrechnun-</span><br/> <span class="ft1">gen werden auch keine (gesetzlichen) Grundlagen dafür genannt, ob</span><br/> <span class="ft1">und weshalb die in Rechnung gestellten Gebühren (im vorgesehenen</span><br/> <span class="ft1">Ausmass) geschuldet sind. Ferner fehlt jeglicher Hinweis auf Konse-</span><br/> <span class="ft1">quenzen, die drohen, falls die Rechnung nicht fristgerecht beglichen</span><br/> <span class="ft1">wird. Eine Zahlungsaufforderung als solche, die eine freiwillige Zah-</span><br/> <span class="ft1">lung auslösen kann - freiwillig im Sinne eines Verzichts auf den</span><br/> <span class="ft1">Rechtsweg -, darf nicht mit der (einseitigen) Begründung einer Zah-</span><br/> <span class="ft1">lungsverpflichtung verwechselt werden. Der Beschwerdeführer zieht</span><br/> <span class="ft1">einen Zirkelschluss, wenn er meint, aus der vermeintlichen Verbind-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit und Beständigkeit der Gebührenrechnungen - eine Verbind-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit ergibt sich aus deren konkreten Ausgestaltung gerade nicht</span><br/> <span class="ft1">und die Beständigkeit ist eine Eigenschaft, die aus dem Wesen von</span><br/> <span class="ft1">Verfügungen fliesst -, ableiten zu können, dass diese als Verfügun-</span><br/> <span class="ft1">gen aufzufassen sind. Eine Zwangsvollstreckung der fraglichen</span><br/> <span class="ft1">Gebührenrechnungen fiele, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht</span><br/> <span class="ft1">festhält, ausser Betracht. In Ermangelung von Merkmalen für deren</span><br/> <span class="ft1">Verfügungsqualität bilden die Rechnungen keinen Rechtsöffnungsti-</span><br/> <span class="ft1">tel im Sinne von Art. 80 SchKG.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Für seinen Standpunkt kann der Beschwerdeführer aus den von</span><br/> <span class="ft1">ihm angeführten Gerichtsentscheiden nichts gewinnen. Zweifellos</span><br/> <span class="ft1">können Rechnungen Verfügungscharakter haben, ohne als Verfügung</span><br/> <span class="ft1">bezeichnet zu sein und eine Rechtsmittelbelehrung zu enthalten.</span><br/> <span class="ft1">Mehr lässt sich aus BGE 111 V 251, Erw. 1b für den vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">Rechtsstreit nicht ableiten. Die fehlende Rechtsmittelbelehrung ist</span><br/> <span class="ft1">nur ein Indiz unter mehreren, dass die Finanzverwaltung B. unter den</span><br/> <span class="ft1">gegebenen Umständen mit den halbjährlichen Gebührenrechnungen</span><br/> <span class="ft1">kein Schuldverhältnis begründen wollte, sondern der Erlass einer Ab-</span><br/> <span class="ft1">gabeverfügung für den Streitfall vorbehalten war. Ohne Kenntnis der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">265</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">konkreten Ausgestaltung der Bezügerrechnung der Arbeitslosen-</span><br/> <span class="ft1">kasse, die Gegenstand des betreffenden Bundesgerichtsentscheids</span><br/> <span class="ft1">bildete, und der Bezugspraxis der Arbeitslosenkasse kann ohnehin</span><br/> <span class="ft1">kein seriöser Vergleich vorgenommen werden. Hinzu kommt, dass</span><br/> <span class="ft1">die Arbeitslosenkasse auf jeden Fall Verfügungskompetenz hatte und</span><br/> <span class="ft1">nicht bekannt ist, ob der Verfügungscharakter der Bezügerrechnung</span><br/> <span class="ft1">jemals streitig war oder vom Bundesgericht als Eintretensvorausset-</span><br/> <span class="ft1">zung von Amtes wegen geprüft wurde. Mit dem Sachverhalt, welcher</span><br/> <span class="ft1">BGE 100 Ib 429 zugrunde gelegen hat, lässt sich der vorliegend zu</span><br/> <span class="ft1">beurteilende Sachverhalt erst recht nicht vergleichen. Das Schreiben</span><br/> <span class="ft1">des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (EVD) vom</span><br/> <span class="ft1">9. Juli 1972, dessen Verfügungscharakter umstritten war, erging als</span><br/> <span class="ft1">Antwort auf ein Gesuch der dortigen Beschwerdeführerin, die Ein-</span><br/> <span class="ft1">fuhr von roten Naturweinen zu bewilligen. Der Inhalt des Antwort-</span><br/> <span class="ft1">schreibens wurde vom Bundesgericht als Abweisung des Importge-</span><br/> <span class="ft1">suchs ausgelegt. Die Abweisung eines Gesuchs stellt immer eine Ver-</span><br/> <span class="ft1">fügung dar, wogegen Rechnungen, wie bereits dargelegt, nicht not-</span><br/> <span class="ft1">wendigerweise als Verfügungen ausgestaltet werden müssen. Die An-</span><br/> <span class="ft1">fechtbarkeit ist auch gewährleistet, wenn im Nachgang zu einer</span><br/> <span class="ft1">Rechnung im Streitfall eine Abgabeverfügung erlassen wird. Das und</span><br/> <span class="ft1">nichts anderes besagt der vom Beschwerdeführer ebenfalls zitierte</span><br/> <span class="ft1">BVGE 2008/41, auf den bereits in Erw. 2.2 vorne eingegangen</span><br/> <span class="ft1">wurde. In BGE 100 Ib 429 hat das Bundesgericht nebenbei bemerkt</span><br/> <span class="ft1">darauf abgestellt, dass die Zuständigkeit für die Bewilligungen von</span><br/> <span class="ft1">Importgesuchen beim EVD lag. Die konkrete Ausgestaltung der vom</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden in einem Urteil vom</span><br/> <span class="ft1">11. Januar 2008 (A-07-53) beurteilten Rechnungen ist ebenfalls nicht</span><br/> <span class="ft1">bekannt, genau so wenig wie die Zuständigkeiten für den Erlass von</span><br/> <span class="ft1">Gebührenverfügungen. Darüber hinaus bestehen keine Anhaltspunkte</span><br/> <span class="ft1">dafür, dass sich die Beschwerdegegnerin im Streitfall auf den Stand-</span><br/> <span class="ft1">punkt gestellt hätte, die halbjährlichen Gebührenrechnungen seien in</span><br/> <span class="ft1">Rechtskraft erwachsen. Aus diesen Gründen ist auch der Hinweis auf</span><br/> <span class="ft1">den Entscheid des Verwaltungsgerichts Graubünden unbehelflich.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht Solothurn schliesslich hat die Frage, ob eine</span><br/> <span class="ft1">Gebührenrechnung (mit wiederum unbekannter konkreter Ausgestal-</span><br/> <span class="ft1">tung) ohne Rechtsmittelbelehrung (und Unterschrift) in Rechtskraft</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">266</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">erwachsen kann, explizit offen gelassen. Es brauchte die Frage nicht</span><br/> <span class="ft1">zu beantworten, weil die darin in Rechnung gestellten Anschlussge-</span><br/> <span class="ft1">bühren (für Schmutzwasser, Wasserversorgung und Bauwasser)</span><br/> <span class="ft1">durch eine spätere Rechnungsstellung keine Änderung erfuhren. Aus</span><br/> <span class="ft1">der Feststellung, es sei zulässig, über sämtliche geschuldeten An-</span><br/> <span class="ft1">schlussgebühren eine neue Rechnung auszustellen (...), <i>jedenfalls</i></span><br/> <span class="ft1">solange diejenigen Positionen, welche bereits erhoben und bezahlt</span><br/> <span class="ft1">wurden, nicht verändert würden, darf nach den Gesetzen der Logik</span><br/> <span class="ft1">nicht der Umkehrschluss gezogen werden, eine Veränderung der be-</span><br/> <span class="ft1">reits erhobenen und bezahlten Positionen sei in jedem Fall unzuläs-</span><br/> <span class="ft1">sig. Im Übrigen verwies das Verwaltungsgericht auf seine Praxis,</span><br/> <span class="ft1">wonach eine Rechnung die an eine Verfügung gestellten Anforderun-</span><br/> <span class="ft1">gen in aller Regel nicht erfülle (SOG 2012 Nr. 17, S. 106 ff.,</span><br/> <span class="ft1">Erw. 4.4 ff.).</span><br/> <span class="ft1">2.5.</span><br/> <span class="ft1">Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass die halbjährlichen</span><br/> <span class="ft1">Wasser- und Abwassergebührenrechnungen der Finanzverwaltung B.</span><br/> <span class="ft1">aufgrund ihrer konkreten Ausgestaltung und mangels Verfügungs-</span><br/> <span class="ft1">kompetenz der Gemeindeverwaltung nicht als Verwaltungsverfügun-</span><br/> <span class="ft1">gen aufzufassen sind. Deren nachträgliche Abänderung ist unter dem</span><br/> <span class="ft1">Vorbehalt der Wahrung des Grundsatzes von Treu und Glauben</span><br/> <span class="ft1">zulässig. Ein Verstoss gegen diesen Grundsatz ist nicht schon darin</span><br/> <span class="ft1">zu erblicken, dass nach einem gewissen Zeitablauf auf eine (unbe-</span><br/> <span class="ft1">wusst) fehlerhafte Rechnungsstellung zurückgekommen wird. Vor in</span><br/> <span class="ft1">zeitlicher Hinsicht ungebührlichen Gebührennachforderungen</span><br/> <span class="ft1">schützt die Verjährungsfrist. (...)</span><br/> <span class="ft1">(Hinweis: Das Bundesgericht hat eine Beschwerde in öffent-</span><br/> <span class="ft1">lich-rechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Entscheid abgewie-</span><br/> <span class="ft1">sen; Urteil des Bundesgerichts vom 4. November 2015</span><br/> <span class="ft1">[2C_444/2015])</span><br/></div> </div> </body> </html>