Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. April 2021 (715 20 391 / 97) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Dem Beschwerdeführer wäre der Verbleib an der Arbeitsstelle zuzumuten gewesen, wes- halb die Vorinstanz zu Recht von einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit ausgegan- gen ist. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Urs Helfenfinger, Rechtsanwalt, Advokatur & Notariat Helfenfinger, Löwenplatz 5, 4222 Zwingen gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1972 geborene A.____ arbeitete vom 16. Juli 2 018 bis 5. Mai 2020 als Gipser bei der Firma B.____ AG. Am 5. Mai 2020 hat er dieses Arb eitsverhältnis fristlos aufgelöst. In der Folge meldete sich A.____ am 7. Mai 2020 zur Arbeitsvermittlung an und stellte am 11. Mai 2020 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung bei der Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosen- kasse) ab 5. Mai 2020. Mit Verfügung vom 16. Juni 2020 hat die Arbeitslosenkasse A.____ we- gen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für 40 Tage in der Anspruchsberechtigung ab dem 6. Mai 2020 eingestellt. Eine dagegen erhobene Einsprache w ies die Arbeitslosenkasse mit Entscheid vom 8. September 2020 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwa lt Daniel Urs Helfenfinger, mit Schreiben vom 9. Oktober 2020 Beschwerde beim Kantons gericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantr agte er, die Verfügung vom 16. Juni 2020 sei vollständig aufzuheben, womit ihm keine Einstellungstage aufzuerlegen seien. Eventu- aliter seien maximal 10 Einstellungstage zu verfügen; unter o/e-Kostenfolge. Mit Schreiben vom 14. Oktober und vom 12. November 2020 reichte er Unterlagen nach. C. Mit Vernehmlassung vom 27. November 2020 beantrag te die Arbeitslosenkasse, dass die Beschwerde abzuweisen sei. D. Nachdem der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit S chreiben vom 18. Dezember 2020 ein Gesuchsformular um unentgeltliche Rechtspfleg e eingereicht hatte, erklärte er am 22. Dezember 2020 auf telefonische Anfrage hin, er habe das UP-Gesuchsformular kurz vor einer Operation erhalten und sei sich nicht mehr bewusst gewe sen, dass er kein Gesuch um unent- geltliche Rechtspflege gestellt habe. Demzufolge verzichte er auf das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gerich t form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet das Präsidium der A bteilung Sozialversicherungs- recht des Kantonsgerichts bei Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20‘000.--. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Versicherten zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 40 Tagen in der An spruchsberechtigung eingestellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 192.40 liegt der Streitwert unter diesem Grenzbetrag. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegner in den Beschwerdeführer infolge selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 40 Tagen in der Anspruchsbe- rechtigung eingestellt hat. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person a lles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (S chadenminderungspflicht; vgl. BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2a). Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung verfügen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeide n oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwal- tungsrecht [SBVR], Band XIV, Soziale Sicherheit, Arbe itslosenversicherung, 3. Auflage, Basel 2016, Rz. 828). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versichert e Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden ist. Dieser Tatbe- stand erfasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeitslo- sigkeit sind und eine Verletzung der Pflicht, Arbeitslosi gkeit zu vermeiden, bedeuten. Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a-d beispielha ft Tatbestände auf, die unter den Begriff der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit fallen. So liegt selbstverschuldete Arbeitslosigkeit unter an- derem dann vor, wenn die versicherte Person das Arbeit sverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 A bs. 1 lit. b AVIV). Selbstverschuldete Ar- beitslosigkeit im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt immer dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zu zuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt (Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 2.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach A rt. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Scha- denminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gren ze grundsätzlich im Zumutbarkeitsgedan- ken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüb- lichen, insbesondere den gesamt- und normalarbeitsvertr aglichen Bedingungen entspricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wie- derbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wesentlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass die Zumutbarkeit zum Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle stren- ger beurteilt wird als die Zumutbarkeit zum Antritt e iner neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). Wenn nicht besondere Umstände vorliege n, darf einer versicherten Person zu- gemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (ARV 1976 Nr. 18; GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N 27 zu Art. 16; JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 116). 2.4 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. Juni 1988 über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinkomme n; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige ("volontairement") Auf- geben einer Stelle ohne triftigen Grund ("sans motif légitime") sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der ver sicherten Person zu berücksichti- gen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe der Beschäf tigung im Sinne des Übereinkommens Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hin- weisen). 2.5 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt d ie Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Gesundhei tsgefährdende Arbeitsstellen sind nicht mehr zumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherh eit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht mit blossen Behauptungen der versicherten Person b egnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, welche primär die versicherte Person im Rahmen der ihr obliegen- den Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachverhalts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb; Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2013, 8C_742/2013, E. 4.1). Dagegen vermögen ein schlechtes Arbeitsklima und Meinungsverschiedenheiten mit Vorgesetz- ten oder Arbeitskollegen grundsätzlich keine Unzumutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhält- nisses zu begründen (Urteile des Bundesgerichts vom 7. Au gust 2018, 8C_107/2018, E. 3 und vom 4. Mai 2010, 8C_12/2010, E. 3.1; SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 323, C 128/96). Bei Schwierig- keiten wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und dergleichen ist es der versicherten Per- son grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusic herung einer neuen Anschlussstelle aufzugeben. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass belastende Verhältnisse am Arbeitsplatz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht rechtfertigen. Sie können aber allenfalls beim Verschulden berücksichtigt werden (Urteil des Bundesg erichts vom 7. August 2018, 8C_107/2018, E. 3 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstel lungen der versicherten Person nicht entsprechendes Betriebsklima genügt hierzu keineswegs (ARV 1986 Nr. 24 S. 95). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 138 V 218 E. 6 mit weiteren Hinweisen; Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtse rheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinwei sen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitw irkungspflichten der Parteien (vgl. BGE 125 V 193 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2 013, 8C_742/2013, E. 4.2). Die Mit- wirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdever- fahren zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung des Sachverhalts (vgl. KURT PÄRLI /L AURA KUNZ , Basler Kommentar zum ATSG, N 9 und 14 zu Art. 28 ATSG). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfü gende Instanz und im Beschwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen ann ehmen, wenn sie von ihrem Bestehen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht überzeugt sind (vgl. R ENÉ RHINOW / HEINRICH KOLLER / CHRISTINA KISS / DANIELA THURNHERR / DENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N 999). Im Sozialver- sicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem B eweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. C RISTINA SCHIAVI , in: Basler Kommentar ATSG, Frésard-Fel- lay/Klett/Leuzinger [Hrsg.], Basel 2020, Art. 43 N 11; BGE 144 V 427 E. 3.2). Die blosse Möglich- keit eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläu- fen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 144 V 42 7 E. 3.2, 138 V 218 E. 6 mit diversen Hinweisen). 4.1 Aufgrund der vorliegenden Unterlagen stellt sich der rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: 4.2 Der Beschwerdeführer war seit dem 16. Juli 2018 bei der B.____ AG als Gipser tätig. Nach einer Auseinandersetzung mit C.____ am 5. Mai 2020 hat sich der Beschwerdeführer von seiner Arbeitsstelle entfernt und mit Schreiben vom glei chen Tag seine fristlose Kündigung be- stätigt. Als Begründung gab er an, C.____ sei auf ihn losgegangen und habe ihn "zu Boden ge- schupft". Die Kündigungsfrist, welche normalerweise einen Monat betrage, könne er nicht einhal- ten, da er weitere Auseinandersetzungen vermeiden möchte. 4.3 Am 28. Mai 2020 hat die B.____ AG gegenüber der F.____ erklärt, dass der Versicherte am 5. Mai 2020 nach einer Meinungsverschiedenheit mit seinem Vorgesetzten den Arbeitsplatz verlassen habe. Am 6. Mai 2020 hätten sie seine fristlose Kündigung erhalten. 4.4 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs gab der Versicher te am 30. Mai 2020 an, er sei seit zwei Jahren bei der Firma B.____ AG und habe noch nie Probleme mit den Arbeitern gehabt. Diese Auseinandersetzung sei spontan gekommen. Er habe dies nie erwartet, der neue Chef der Firma sei mit ihnen am Arbeiten gewesen und plötzlich sei er auf ihn losgegangen und habe ihn zu Boden geworfen, obwohl er mit dem Ganzen nichts zu t un gehabt habe. So habe er keine andere Wahl gehabt als fristlos zu kündigen, weil er weitere Auseinandersetzungen habe vermei- den wollen und ihm niemand garantieren könne, dass keine weiteren Auseinandersetzungen fol- gen würden. Er sei seit 30 Jahren in der Baubranche tätig und er habe so etwas noch nie erlebt. Er wisse, dass er unschuldig sei. 4.5 Mit Verfügung vom 16. Juni 2020 stellte die Arbei tslosenkasse den Versicherten ab dem 6. Mai 2020 wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für 40 Tage in der Anspruchsberechti- gung ein. 4.6 In der dagegen erhobenen Einsprache vom 18. Juni 2 020 macht der Beschwerdeführer geltend, der neue Inhaber der Firma B.____ AG, C.____, sei auf ihn losgegangen und habe ihn zu Boden geworfen. Was er denn in dieser Situation hätte machen sollen und wer ihm garantieren könne, dass sich am nächsten Tag nicht das gleiche wieder hole. C.____ sei der neue Chef, er habe den Fehler begangen. Deshalb sei dieser in seinen Augen der Schuldige und habe die Konsequenzen zu tragen. Er habe in all seinen Arbeitsjahren schon 3-4 Mal gekündigt und habe Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht natürlich die Kündigungsfrist immer eingehalten, aber in dieser Situation könne er dies nicht, weil er so etwas noch nie erlebt habe. 4.7 In seiner Beschwerde vom 9. Oktober 2020 führt der Beschwerdeführer aus, die B.____ AG befinde sich momentan in einem Übernahmeprozess. Der jetzige Eigentümer sei zwar noch D.____, jedoch leite bereits der zukünftige Eigentümer C.____ das Tagesgeschäft. Zudem habe dieser bereits die operative Führung inne. Daher erstelle er die Arbeitspläne, weise die Arbeiten und damit die Baustellen zu und kontrolliere die Arb eiten und Baustellen. Er sei demnach der direkte Vorgesetzte und der zukünftige Arbeitgeber des Beschwerdeführers. Am 5. Mai 2020 sei es auf einer Baustelle zu einem Vorfall gekommen. Auf der Baustelle seien die Fenster vor dem Auftragen des Aussenabriebs nicht richtig abgeklebt word en. Diese Arbeit sei nicht durch den Beschwerdeführer ausgeführt worden. Als er den Abrieb habe auftragen wollen, habe sich das Klebeband gelöst und ein Teil des Abriebs sei auf das F enster gelangt. C.____ habe dem Be- schwerdeführer gesagt, er habe die Fenster nicht gut abgeklebt, worauf dieser erwiderte, er habe die Fenster nicht abgeklebt. Er habe sich abgewendet, u m nach seiner Trinkflasche zu greifen und etwas zu trinken. Daraufhin habe ihn C.____ von hinten am Kragen gepackt und ihn rücklings auf den Boden geworfen. Noch am gleichen Abend habe der Beschwerdeführer das Arbeitsver- hältnis fristlos mit der Begründung gekündigt, es sei ihm nicht mehr zumutbar, mit C.____ zusam- menzuarbeiten. Dabei habe es sich nicht um eine impulsive unüberlegte Handlung des Be- schwerdeführers gehandelt. Er habe vielmehr in Betracht gezogen, dass es sich bei diesem Vor- fall um eine gravierende Verletzung der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gehandelt habe. Der Beschwerdeführer reichte mit Schreiben vom 14. Okt ober 2020 noch eine Bestätigung von D.____ (einziges Verwaltungsratsmitglied der B.____ AG), wonach er mit dem Versicherten noch am selben Abend nach dem Vorfall eine Besprechung gehabt habe. Dabei habe dieser ihn infor- miert, dass der fristlos kündigen werde. Er habe ihn au f die Kündigungsfrist hingewiesen. Auf Nachfrage des Versicherten habe er diesem mitgeteilt, d ass es aufgrund der Grösse des Ge- schäfts und der Position von C.____ praktisch unmöglich se i, dass sich die beiden Herren wäh- rend der Arbeit nicht sehen und sich aus dem Weg gehen könnten. In der Folge hat der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 12. November 2020 noch einen Bericht bzw. ein Inserat aus einem nicht näher bezeichneten "Wochenblatt" vom 12. November 2020 zu den Akten gereicht, woraus hervorgeht, dass der erfahren e und langjährige Mitarbeiter C.____ die Firma B.____ AG übernehmen werde. Ausserdem wur de ein Schreiben von E.____ vom 16. Oktober 2020 eingereicht. Diesem ist zu entnehmen, dass E.____ am 5. Mai 2020 in X.____ am Arbeiten gewesen sei und zur nächsten Baustelle in Y.____ habe fahren wollen, als er plötz- lich einen Anruf vom Beschwerdeführer erhalten habe mi t der Bitte ihn abzuholen, weil er eine Auseinandersetzung mit C.____ gehabt habe. Er sei in Richtung Y.____ gefahren, als er den in Richtung G.____ laufenden Beschwerdeführer gesehen habe. Er habe gewendet und ihn zu ih- rem Magazin gefahren. Danach sei er zur Baustelle gefahr en und habe von den Anderen und C.____ erfahren, dass dieser mit dem Beschwerdeführer eine Auseinandersetzung gehabt habe. Laut C.____ habe der Beschwerdeführer Glück gehabt, dass er von der Baustelle weggegangen sei, sonst hätte es für ihn schlimmer kommen können. Mehr könne er dazu nicht sagen, da er selber nicht am Tatort gewesen sei und das, was er geschrieben habe, nur vom Hören wisse. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer seine Arbei tsstelle selbst fristlos gekündigt hat. Die Vorinstanz qualifizierte das Verhalten des Ver sicherten als schweres Verschulden und setzte die Dauer der Einstellung auf 40 Tage fest. Dab ei bewertete sie die selbstverschuldete Arbeitslosigkeit praxisgemäss mit 36 Einstellungstagen un d die Tatsache, dass die Kündigung fristlos erfolgte, mit weiteren acht Einstellungstagen. Die Probleme am Arbeitsplatz und das Ver- halten des Arbeitgebers berücksichtigte die Arbeitslosenkasse verschuldensmindernd, indem sie insgesamt vier Tage zu Gunsten des Einsprechers abzog. 5.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, dass ihm ein Verb leib an der Arbeitsstelle nicht hätte zugemutet werden können. Die Unzumutbarkeit liege vor, wenn wichtige Gründe im Sinne von Art. 337 OR gegeben seien, welche zu einer fristlosen Kündigung berechtigen würden. Nach Art. 337 Abs. 2 OR gelte als wichtiger Grund jeder U mstand, bei dessen Vorhandensein dem Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zuge- mutet werden dürfe. Das Vertrauensverhältnis müsse komple tt zerrüttet sein. Je länger das Ar- beitsverhältnis bestehe, desto weniger schnell gelte es als zerrüttet. 5.2 Vorliegend ist festzuhalten, dass der Vorfall ledi glich vom Beschwerdeführer als tätliche Auseinandersetzung geschildert wird. Zeugenaussagen, die diesen Vorfall direkt bestätigen wür- den, liegen keine vor. In der Stellungnahme der B.____ AG wird festgehalten, dass der Beschwer- deführer nach einer Meinungsverschiedenheit mit seinem Vorgesetzten den Arbeitsplatz verlas- sen habe. Auch die vom Beschwerdeführer eingereichte Ste llungnahme von E.____ bestätigt lediglich, dass eine Auseinandersetzung stattgefunden habe. Weder war E.____ dabei selbst an- wesend noch bestätigt er, vom Beschwerdeführer erfahr en zu haben, dass eine tätliche Ausei- nandersetzung stattgefunden habe oder der Beschwerdeführer zu Boden geworfen worden sei. Auch D.____ gibt an, sich nicht über den Vorfall äussern zu können, da er nicht vor Ort gewesen sei. Die tätliche Auseinandersetzung, wie sie vom Beschwerdef ührer geschildert wird, erweist sich somit lediglich als Parteibehauptung und kann nicht al s mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt gelten. Aber selbst wenn dem so wäre, ist nicht davon auszugehen, dass die Arbeitsstelle dem Beschwerdeführer in der Folge nicht mehr hätte zugemutet werden können. Der Beschwer- deführer arbeitete zu diesem Zeitpunkt immerhin bere its seit rund 20 Monaten bei der Firma B.____ AG. Wie sich aus dem eingereichten Inserat des Wochenblatts ergibt, war C.____ ein langjähriger Mitarbeiter der Firma. Es ist also davon auszugehen, dass sich die beiden bereits gut gekannt haben und schon länger zusammengearbeitet haben. Von weiteren Vorfällen ist nicht die Rede. Aufgrund einer einzigen Auseinandersetzung k ann das bestehende Arbeitsverhältnis nicht als unzumutbar bezeichnet werden, selbst wenn C._ ___ als neuer Besitzer der Firma vor- gesehen war. Wie sich aus der Bestätigung von D.____ zeigt, war der Beschwerdeführer bereits entschlossen, die Stelle fristlos zu kündigen, als er mi t ihm gesprochen hat. Er habe den Be- schwerdeführer auch auf die Kündigungsfrist hingewiesen. Die Tatsache, dass sich der Be- schwerdeführer und C.____ während der Arbeit nicht aus dem Weg gehen könnten, spricht eben- falls nicht für eine Unzumutbarkeit des Arbeitsverhältniss es, und dass C.____ als designierter neuer Besitzer der Firma den Beschwerdeführer möglicher weise schikaniert hätte, ist lediglich eine Vermutung des Beschwerdeführers. Im Übrigen ist D. ____ nach wie vor als Mitglied des Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verwaltungsrates mit Einzelunterschrift im Handelsregi ster eingetragen, während C.____ ledig- lich mit einer Kollektivunterschrift zu zweien vermerkt ist. Der höchste Vorgesetzte war im Zeit- punkt des Vorfalls und ist gemäss Handelsregisterauszug auch heute noch D.____. Der Be- schwerdeführer hat sich gegenüber D.____ nicht bemüht, d en angeblichen Vorfall bspw. mit ei- nem Gespräch zwischen ihm, C.____ und D.____ aufzuarbeiten und eine Lösung für die weitere Zusammenarbeit mit C.____ zu finden. Des Weiteren hat der Beschwerdeführer weder ein straf- rechtliches Verfahren gegen C.____ noch ein arbeitsvertra gliches Verfahren gegen die B.____ AG eingeleitet. Vom Beschwerdeführer wird im Übrigen nicht vorgebracht und ist auch nicht er- sichtlich, dass er die Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen hätte aufgeben müssen. Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Besch werdegegnerin von einer selbst- verschuldeten Arbeitslosigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen ist. 6.1 Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberecht igung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens und beträgt je Einstellungsgrund höchstens 60 Tage (vgl. Art. 30 Abs. 3 AVIG). Nach Art. 45 Abs. 2 AVIV wird die Einstellung in der Anspruchsberechtigung abgestuft; sie dauert 1-15 Tage bei leichtem (lit. a), 16-30 Tage bei mittelschwerem (lit. b) und 31-60 Tage bei schwe- rem (lit. c) Verschulden. Bei der individuellen Verschuldensbeurteilung im Bereich des schweren Verschuldens innerhalb der von 31 bis 60 Tagen reichend en Skala ist zunächst grundsätzlich vom Mittelwert auszugehen, das heisst von einer durchschnittlichen Dauer von 45 Einstellungs- tagen. Unter Berücksichtigung der gegebenen Umstände des konkreten Einzelfalls ermöglicht diese Vorgehensweise einerseits eine Verschärfung der verwaltungsrechtlichen Sanktion, wenn das Verschulden der versicherten Person besonders schwer wi egt, anderseits beim Vorliegen von Milderungsgründen eine angemessene Reduktion. Sachg erechte Ermessensbetätigung er- fordert, den gesamten Ermessensspielraum nach oben und unten in einer dem jeweiligen Ver- schulden entsprechenden Weise zu nutzen (BGE 123 V 153 E . 3c). Den Verfügungsinstanzen wird dabei ein grosser Ermessenspielraum zugestanden, w eshalb bei der Beurteilung der Ein- stellungsdauer durch das kantonale Versicherungsgericht Zurückhaltung geboten ist. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts die angefochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprüfen . Es darf aber sein Ermessen nicht ohne triftige Gründe an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen, sondern muss sich bei der Korrektur auf Gegebenheiten abstützen können, welche eine abweichende Ermessensausübung als nahe liegender erscheinen lassen (vgl. BGE 123 V 150 E.2 mit weiteren Hinweisen, vgl. auch BGE 126 V 353 E. 5d). 6.2 Unter Berücksichtigung aller Umstände ist die vorinsta nzliche Ermessensbetätigung nicht zu beanstanden. Zunächst ist die Vorinstanz zwar nicht vom Mittelwert von 45 Einstellungs- tagen bei schwerem Verschulden, sondern praxisgemäss von 36 Einstellungstagen für die selbst- verschuldete Arbeitslosigkeit infolge Kündigung durch den Beschwerdeführer ausgegangen. Zu Ungunsten des Beschwerdeführers ins Gewicht fällt sodann, dass er die Arbeitsstelle fristlos ver- lassen hat. Da eine fristlose Kündigung gemäss Art. 337 A bs. 2 OR einen wichtigen Grund vo- raussetzt, bei dessen Vorhandensein dem Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zuzumuten ist, ist der Beschwerdegegnerin darin zuzustim- men, dass das Verschulden bei einer fristlosen Kündigung objektiv betrachtet schwerer wiegt als Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei einer ordentlichen. Dazu kommt, dass der Beschwerdeführer indem er fristlos gekündigt hat, zum vorzeitigen Eintritt der Arbeitslosigkeit beigetragen hat, was eine Verschärfung der verwal- tungsrechtlichen Sanktion um zusätzliche acht Einstellungst age rechtfertigt. Ebenfalls nicht zu beanstanden ist die vorgenommene Reduktion um vier Einste llungstage wegen der am Arbeits- platz vorliegenden Probleme zwischen dem Beschwerdeführ er und C.____ und der Tatsache, dass sich der noch zuständige Arbeitgeber, D.____, nicht entschieden für eine Aussprache zwi- schen den beiden Angestellten eingesetzt hat. 7. Gestützt auf die obigen Ausführungen ist die von der Vorinstanz vorgenommene Einstel- lung des Beschwerdeführers in der Anspruchsberechtigung mit 40 Einstellungstagen nicht zu be- anstanden, weshalb die vorliegende Beschwerde abzuweisen ist. 8. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gü ltig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 1. Januar 2021) hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird keine Parteient- schädigung zugesprochen (Art. 61 lit. g ATSG). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht