<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 64 S.331</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">331</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft1"><b>64</b></span> <span class="ft1"><b>Geschäftsverlust (§ 36 Abs. 2 lit. c StG).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Ein Verlust aus der Übertragung eines Landwirtschaftsbetriebes an</b></span><br/> <span class="ft1"><b>einen Nachkommen ist unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich</b></span><br/> <span class="ft1"><b>zu anerkennen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">23. Oktober 2008 in Sachen L.E., 3-RV.2006.77</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2.</span><br/> <span class="ft6">2.1.</span><br/> <span class="ft6">P.E., der Mann der Rekurrentin, ist am 11. März 2002 verstor-</span><br/> <span class="ft6">ben. Erben sind die Rekurrentin und die vier gemeinsamen Kinder.</span><br/> <span class="ft6">Mit partiellem Erbteilungsvertrag vom 10. September 2002 hat die</span><br/> <span class="ft6">Erbengemeinschaft des P.E. die Grundstücke des Hofes, den die</span><br/> <span class="ft6">Rekurrentin mit ihrem Ehemann bewirtschaftet hatte, für</span><br/> <span class="ft6">CHF 200'000.00 an den Sohn D.E. übertragen. Daneben übernahm</span><br/> <span class="ft6">D.E. das Inventar des Hofes für CHF 271'000.00. Die Übernahme</span><br/> <span class="ft6">erfolgte rückwirkend per 1. Januar 2001.</span><br/> <span class="ft6">2.2.</span><br/> <span class="ft6">Die Rekurrentin hat, ausgehend von den Buchwerten per</span><br/> <span class="ft6">31. Dezember 2000 von CHF 156'532.00 für das Inventar und</span><br/> <span class="ft6">CHF 490'538.00 für die Grundstücke und unter Einbezug von Ver-</span><br/> <span class="ft6">kaufs- und Liquidationskosten von CHF 3'000.00, einen Verlust von</span><br/> <span class="ft6">CHF 179'070.00 ermittelt. Sie ist der Ansicht, es handle sich um</span><br/> <span class="ft6">einen Kapitalverlust auf Geschäftsvermögen, der bei der Einkom-</span><br/> <span class="ft6">menssteuer abziehbar sei.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">332</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Die Steuerkommission M. hat den Kapitalverlust nicht aner-</span><br/> <span class="ft6">kannt. Sie führt aus, die Abtretung der Liegenschaft sei zu einem</span><br/> <span class="ft6">Preis erfolgt, der unter dem Buchwert liege. Somit resultiere ein</span><br/> <span class="ft6">"Grundstückgewinnsteuerverlust", der bei der Einkommenssteuer</span><br/> <span class="ft6">nicht in Abzug gebracht werden könne. Zudem wurde erwähnt, dass</span><br/> <span class="ft6">der Sohn die Möglichkeit gehabt hätte, die Liegenschaften zu den</span><br/> <span class="ft6">Buchwerten zu übernehmen.</span><br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss § 27 Abs. 2 StG zählen unter anderem alle Kapitalge-</span><br/> <span class="ft6">winne aus der Veräusserung von Geschäftsvermögen zu den Einkünf-</span><br/> <span class="ft6">ten aus selbständiger Erwerbstätigkeit. Dabei werden die Gewinne</span><br/> <span class="ft6">auf land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken nur bis zur Höhe</span><br/> <span class="ft6">der Anlagekosten den Einkünften aus selbständiger Erwerbstätigkeit</span><br/> <span class="ft6">zugerechnet (§ 27 Abs. 4 StG), dass heisst die wiedereingebrachten</span><br/> <span class="ft6">Abschreibungen unterliegen der Einkommenssteuer. Der sogenannte</span><br/> <span class="ft6">Wertzuwachsgewinn, dass heisst die Differenz zwischen dem Erlös</span><br/> <span class="ft6">und den Anlagekosten, wird dagegen mit der Grundstückgewinn-</span><br/> <span class="ft6">steuer erfasst (§ 95 StG i.V.m. § 27 Abs. 4 StG).</span><br/> <span class="ft6">3.2.</span><br/> <span class="ft6">Bei selbständiger Erwerbstätigkeit werden die geschäftsmässig</span><br/> <span class="ft6">begründeten Kosten abgezogen, wozu unter anderem die eingetrete-</span><br/> <span class="ft6">nen und verbuchten Verluste auf Geschäftsvermögen gehören (§ 36</span><br/> <span class="ft6">Abs. 2 lit. c StG).</span><br/> <span class="ft6">3.3.</span><br/> <span class="ft6">Im bis 31. Dezember 2000 geltenden aStG war die Besteuerung</span><br/> <span class="ft6">von Gewinnen aus der Veräusserung von landwirtschaftlichen</span><br/> <span class="ft6">Grundstücken anders geregelt, in dem auch der Wertzuwachsgewinn</span><br/> <span class="ft6">der Einkommenssteuer unterlag, und nicht nur die wiedereingebrach-</span><br/> <span class="ft6">ten Abschreibungen. Das aargauische Verwaltungsgericht hatte sich</span><br/> <span class="ft6">im VGE vom 31. August 2006 in Sachen J. + E.V. (= StE 2007</span><br/> <span class="ft6">B 23.9 Nr. 9 = AGVE 2006 S. 106) damit zu befassen, ob unter dem</span><br/> <span class="ft6">aStG ein Verlust aus der Übertragung des Hofes an den Sohn zum</span><br/> <span class="ft6">Ertragswert steuerlich anerkannt werden muss. Es hat das bejaht un-</span><br/> <span class="ft6">ter der Voraussetzung, dass sich der Verlust aus der Buchhaltung oder</span><br/> <span class="ft6">vergleichbaren Aufzeichnungen ergibt und der Erwerber den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">333</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Kaufpreis als Eröffnungsbuchwert einsetzt. Dabei wurde durch das</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsgericht offen gelassen, wie sich die Rechtslage unter</span><br/> <span class="ft6">dem StG darbietet.</span><br/> <span class="ft6">3.4.</span><br/> <span class="ft6">Die von der Erbengemeinschaft übertragenen, landwirtschaft-</span><br/> <span class="ft6">lich genutzten Grundstücke zählen zweifellos zum Geschäftsver-</span><br/> <span class="ft6">mögen. Aufgrund der klaren Regelung in § 36 Abs. 2 lit. c StG, wo-</span><br/> <span class="ft6">nach die eingetretenen und verbuchten Verluste auf Geschäftsve-</span><br/> <span class="ft6">rmögen abzugsfähig sind, ist nach Ansicht des Steuerrekursgerichtes</span><br/> <span class="ft6">der Verlust aus der Veräusserung von landwirtschaftlich genutzten</span><br/> <span class="ft6">Grund-stücke zum Abzug zuzulassen. So hat sich denn auch das</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsgericht im genannten VGE auf § 24 lit. b Ziff. 3 aStG</span><br/> <span class="ft6">gestützt, wonach die eingetretenen und verbuchten Verluste zum</span><br/> <span class="ft6">Abzug zuzulassen sind. Diese Regelung hat sich mit dem StG nicht</span><br/> <span class="ft6">geändert.</span><br/> <span class="ft6">Die Regelung gemäss § 27 Abs. 4 StG führt nur zu einer einge-</span><br/> <span class="ft6">schränkten Besteuerung der Gewinne aus der Veräusserung von land-</span><br/> <span class="ft6">wirtschaftlich genutzten Grundstücken, jedoch entgegen der Ansicht</span><br/> <span class="ft6">der Steuerkommission M. nicht zu einer völligen Unterstellung des</span><br/> <span class="ft6">Verkaufs von landwirtschaftlich genutzten Grundstücke unter die</span><br/> <span class="ft6">Grundstückgewinnsteuer. Mit dem Hinweis auf die Besteuerung der</span><br/> <span class="ft6">Wertzuwachsgewinne mit der Grundstückgewinnsteuer kann der Ab-</span><br/> <span class="ft6">zug von eingetretenen Verlusten aus dem Verkauf von landwirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftlich genutzten Grundstücken nicht verweigert werden.</span><br/> <span class="ft6">Da die Rekurrentin und ihr Mann eine Buchhaltung führten und</span><br/> <span class="ft6">der Verlust sich daraus ergibt, ist kein Grund ersichtlich, den Verlust</span><br/> <span class="ft6">nicht zum Abzug zuzulassen. Die Steuerkommission M. und das</span><br/> <span class="ft6">Kantonale Steueramt machen weder geltend, dass der Verkehrswert</span><br/> <span class="ft6">erheblich über dem Übertragungswert liege und somit eine vorgän-</span><br/> <span class="ft6">gige Privatentnahme vorzunehmen sei, noch dass eine Steuerumge-</span><br/> <span class="ft6">hung oder ein simulierter Vertrag vorliege. Deshalb ist auf den ver-</span><br/> <span class="ft6">einbarten Verkaufspreis abzustellen.</span><br/> <span class="ft6">3.5.</span><br/> <span class="ft6">Die Steuerkommission M. erwähnt, dass der Sohn der Rekur-</span><br/> <span class="ft6">rentin die Buchwerte hätte weiterführen können. Auch diesbezüglich</span><br/> <span class="ft6">kann auf den VGE vom 31. August 2006 in Sachen J. + E.V. (= StE</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">334</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">2007 B 23.9 Nr. 9 = AGVE 2006 S. 106) verwiesen werden, wonach</span><br/> <span class="ft6">die Fortführung der Buchwerte nicht Selbstzweck sei, und nicht zu</span><br/> <span class="ft6">erkennen sei, auf welcher Rechtsgrundlage der Erwerber gehindert</span><br/> <span class="ft6">werden könnte, den Vermögenswert - im Rahmen der obligationen-</span><br/> <span class="ft6">rechtlichen Vorschriften - zu einem tieferen als dem Buchwert des</span><br/> <span class="ft6">Rechtsvorgängers einzubuchen.</span><br/> <span class="ft6">3.6.</span><br/> <span class="ft6">Das Steuerrekursgericht ist sich bewusst, dass trotz der Aner-</span><br/> <span class="ft6">kennung des geltend gemachten Verlustes bei der Einkommenssteuer</span><br/> <span class="ft6">ein beim späteren Verkauf durch den Sohn allenfalls erzielter (Wert-</span><br/> <span class="ft6">zuwachs-)Gewinn bei ihm mit der Grundstückgewinnsteuer erfasst</span><br/> <span class="ft6">wird. Dies ist indes systembedingt hinzunehmen (vgl. auch BGE</span><br/> <span class="ft6">2A.116/2007 in Sachen A. + J.H.). Zudem kann die Steuerbelastung</span><br/> <span class="ft6">beim Erwerber durchaus höher sein als die Steuerreduktion beim</span><br/> <span class="ft6">Veräusserer, wenn die Liegenschaften, aus welchem Grund auch</span><br/> <span class="ft6">immer, nur kurz im Besitz des Erwerbers sind.</span><br/> <span class="ft6">4.</span><br/> <span class="ft6">Der Rekurs ist somit insoweit gutzuheissen, als der Verlust aus</span><br/> <span class="ft6">der Übertragung des Hofes durch die Erbengemeinschaft an den</span><br/> <span class="ft6">Sohn der Rekurrentin zum Abzug zuzulassen ist. Damit ist jedoch</span><br/> <span class="ft6">noch nicht geklärt, durch wen der Verlust geltend zu machen ist,</span><br/> <span class="ft6">allein durch die Rekurrentin oder anteilsmässig durch die Mitglieder</span><br/> <span class="ft6">der Erbengemeinschaft, und wie hoch der abzugsfähige Verlust ist.</span><br/> <span class="ft6">Die Angelegenheit ist daher zur Neubeurteilung an die Steuer-</span><br/> <span class="ft6">kommission M. zurückzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>