<h2>SubmittedText<h2><p>Die Verkehrssituation am Gotthard beschäftigt die schweizerische Öffentlichkeit seit Jahren. Der Bau des Gotthard-Basistunnels wird für den Schienenverkehr eine wesentliche Erleichterung darstellen. Doch das Problem des Strassenverkehrs mit den laufend wiederkehrenden Stausituationen vor dem Gotthard-Strassentunnel ist damit noch nicht gelöst. Denn auch wenn ein erheblicher Teil des Schwerverkehrs auf die Schiene verlagert wird, verbleibt eine zunehmend hohe Belastung durch den Personenverkehr. Die Stausituationen am Gotthard sind nicht nur ärgerlich für die Einheimischen, sie schaden auch dem Image der Schweiz im Ausland. Es erscheint deshalb vordringlich, alternative Lösungen für den Strassenverkehr zu suchen. Eine Idee besteht darin, am Gotthard einen Autoverlad einzurichten, ähnlich wie er z. B. am Lötschberg, an der Furka und im Vereinatunnel besteht. Der Autoverlad könnte nach Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels auf der heutigen Bergstrecke zwischen Göschenen und Airolo betrieben werden. Die entsprechenden Vorarbeiten (Planung und Einrichtung) müssten vor der Inbetriebnahme des Basistunnels an die Hand genommen werden. </p><p>Ein derartiger Autoverlad weist verschiedene Vorteile auf:</p><p>- Reduktion des Verkehrsaufkommens durch den Strassentunnel und damit Verminderung der Anzahl Staustunden, was sich wiederum positiv auf die Umwelt auswirken wird;</p><p>- Verbesserung der Strassenverkehrssicherheit durch Reduktion des Verkehrsvolumens im Strassentunnel;</p><p>- es ist davon auszugehen, dass um das Jahr 2020 der Gotthard-Strassentunnel saniert werden muss. Mit einem Autoverlad in Kombination mit der Passstrasse stünden genügend Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung, um diese Sanierungsarbeiten wesentlich zu erleichtern;</p><p>- die Fahrt durch den Gotthard mittels Autoverlad dürfte für die Reisenden wesentlich attraktiver sein als durch den nicht richtungsgetrennten Strassentunnel;</p><p>- der Betrieb eines Autoverlades im Bereich des heutigen Scheiteltunnels würde einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Gotthard-Bergstrecke und zur wirtschaftlichen Entwicklung der Standortgemeinden leisten.</p><p>Basierend auf diesen Überlegungen bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Teilt er die Auffassung, dass ein Autoverlad am Gotthard einen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse am Gotthard leisten würde?</p><p>2. Ist er bereit, vertiefte Abklärungen über die technische und betriebliche Ausgestaltung eines derartigen Autoverlads in die Wege zu leiten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Seit der Bahnreform 1 (1999) ist es den Verkehrsunternehmen freigestellt, eigenwirtschaftliche Angebote auf dem Schienennetz anzubieten. Andererseits kann die öffentliche Hand Angebote, die von den Unternehmen nicht selbstständig angeboten werden, bestellen. Die Besteller müssen dafür die geplanten ungedeckten Kosten als Abgeltung bereitstellen.</p><p>Die Wiedereinführung eines dauernden und regelmässigen Autoverlades würde namhafte Investitionen in Verladeanlagen und die Schaffung von Rückstaumöglichkeiten erfordern, um einen reibungslosen und sicheren Ablauf garantieren zu können. Die öffentliche Hand müsste dafür die Infrastruktur von Schiene und Strasse anpassen und dafür die notwendigen Investitionsmittel bereitstellen.</p><p>Der Bundesrat teilt im Übrigen die Meinung nicht, dass die Staus am Gotthard dem Image der Schweiz schaden. Während den Hauptreisezeiten treten in vielen Ländern Europas Staus auf mit Wartezeiten, welche die am Gotthard teilweise deutlich übertreffen.</p><p>Zu den Fragen:</p><p>1. Die Anzahl Stautage beträgt im Mittel der letzten vier Jahre am Gotthard Nord durchschnittlich 83 und am Gotthard Süd 121 Tage, wobei die Staustunden in der Tendenz eher rückläufig sind. Auf der Nordseite beträgt die Wartezeit an rund 50 Tagen über 2 Stunden, auf der Südseite an rund 75 Tagen. Die Leistungsfähigkeit des Strassentunnels beträgt rund 900 Fahrzeuge pro Stunde und Richtung, die Nachfrage in Spitzenzeiten rund 2000 bis 3000 Fahrzeuge pro Stunde und Richtung auf den Gotthard-Zufahrtsstrecken. Ein Autoverlad könnte 300 Fahrzeuge pro Stunde und Richtung (Auslastungsgrad von 100 Prozent vorausgesetzt) übernehmen. Dies würde jedoch keine wesentliche Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf der Strasse, geschweige denn die Eliminierung der Stauereignisse bewirken.</p><p>Bei einem Autoverlad Göschenen-Airolo sind zudem folgende verkehrstechnische Schwierigkeiten zu beachten: Wenn der Autoverlad erst nach langem Warten im Strassenstau unmittelbar vor dem Tunnelportal erfolgen kann, dürfte sich kaum ein Fahrer finden, der zu diesem Zeitpunkt noch umsteigen würde. Verladewillige Autofahrer müssten daher ein oder zwei Autobahnausfahrten vor Göschenen oder Airolo von der Autobahn genommen werden und über die Kantonsstrasse zu den Verladestationen in Göschenen bzw. Airolo geführt werden. In diesem Falle würde die Bevölkerung der Dörfer noch stärker belastet.</p><p>Was die Wirtschaftlichkeit eines Autoverlads Göschenen-Airolo anbetrifft, ist davon auszugehen, dass Autozüge nur an den stark belasteten Tagen rentabel betrieben werden könnten. Sollte der Autoverlad nur dann erfolgen, würde auch das Bereithalten von Rollmaterial für diese Spitzennachfrage hohe Kosten verursachen. Dies würde wiederum die Rentabilität gefährden.</p><p>Die SBB boten im Übrigen zwei Verbindungen von Zürich-Altstetten nach Süditalien (Bari und Lamezia/Villa) an. Diese Verbindungen wurden in der Hauptreisezeit angeboten. Die zu geringe Nachfrage und damit die mangelnde Wirtschaftlichkeit führt nun dazu, dass die SBB die Autoreisezüge nach Italien ab 2008 einstellen. Hingegen bietet die BLS im Sommer einen Autoverlad von Kandersteg nach Iselle an. Dies wäre, je nach Ziel, allenfalls eine Alternative zur Route über den Gotthard.</p><p>2. Nach dem Unfall im Gotthard-Strassentunnel haben die SBB als Notmassnahme den Autoverlad zwischen Göschenen und Airolo reaktiviert. Der Bundesrat beurteilt es aus heutiger Sicht als zweckmässig, während der bevorstehenden Sanierung des Gotthard-Strassentunnels um das Jahr 2020 einen Autoverlad am Gotthard einzurichten. Er erachtet es jedoch aus den obengenannten Gründen zum jetzigen Zeitpunkt nicht als sinnvoll, die Einrichtung eines ständigen Autoverlads am Gotthard zu prüfen. Je nach Entwicklung der Verkehrssituation und der weiteren Rahmenbedingungen könnte sich eine vertiefte Prüfung in einigen Jahren jedoch aufdrängen.</p>  Antwort des Bundesrates.