10. Dezember 1992 1231 Motion des Nationalrates #ST# 92.075 Rechtshilfe. Vertrag mit Australien Entraide judiciaire. Traité avec l'Australie Botschaft und Beschlussentwurf vom 9. September 1992 (BBIV1185) Message et projet d'arrêté du 9 septembre 1992 (FF V1181 ) Herr Zimmerli unterbreitet im Namen der Kommission den fol- genden schriftlichen Bericht: /Ausgangs/age Der am 25. November 1991 mit Australien unterzeichnete Rechtshilfevertrag in Strafsachen regelt den Rechtshilfe- verkehr zwischen den beiden Staaten und soll die Zusammenarbeit bei der Verbrechensbekämpfung und -Ver- folgung verstärken. Bis anhin gab es keine vertragliche Grundlage für den Rechts- hilfeverkehr zwischen der Schweiz und Australien. Die Rechts- hilfe in Strafsachen regelte sich nach dem jeweiligen inner- staatlichen Recht, womit für die Schweiz das Bundesgesetz über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen zur Anwen- dung kommt. Der vorliegende Vertrag lehnt sich eng an das Europäische Uebereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen, das Bundesgesetz über internationale Rechtshilfe in Strafsachen und den Staatsvertag zwischen der Schweiz und den USA über gegenseitige Rechtshilfe in Strafsachen an. Aus Rück- sicht auf die angelsächsische Rechtstradition Australiens wurde jedoch ein unabhängiger Vertrag erarbeitet, der den praktischen Erfordernissen der gegenseitigen Rechtshilfe zu genügen vermag. Erwägungen der Kommission Die Kommission für Rechtsfragen des Ständerates hat sich an ihrer Sitzung vom 10. November 1992 mit dieser Vorlage be- fasst. Sie hält dazu folgendes fest: Angesichts der stark gewachsenen internationalen Kriminali- tät, bedingt durch die Zunahme der Mobilität und den techni- schen Fortschritt auf allen Gebieten, vermag die geltende Si- tuation nicht zu befriedigen. Ein gegenseitiger Rechtshilfever- trag in Strafsachen entspricht der Politik der Schweiz, einen verstärkten Beitrag zur Bekämpfung und Verfolgung der inter- nationalen Kriminalität zu leisten. Der vorliegende Rechtshilfevertrag in Strafsachen mit Austra- lien steht schliesslich in keinem Widerspruch zum geltenden schweizerischen Recht, dessen wichtigste Grundsätze beach- tet werden. M. Zimmerli présente au nom de la commission le rapport écrit suivant: Situation Le traité signé le 25 novembre1991 règle les modalités de l'en- traide judiciaire en matière pénale entre la Suisse et l'Australie et entend renforcer la coopération des deux pays dans la pour- suite et la répression des activités criminelles. Jusqu'ici, l'entraide judiciaire entre la Suisse et l'Australie ne reposait sur aucune base contractuelle. L'entraide judiciaire en matière pénale se fondait sur la législation interne de cha- que Etat, la Suisse appliquant la loi fédérale sur l'entraide inter- nationale en matière pénale. Le présent traité s'inspire fortement de la Convention euro- péenne d'entraide internationale en matière pénale, de la loi fédérale sur l'entraide judiciaire en matière pénale et du Traité entre la Confédération suisse et les Etats-Unis d'Amérique sur l'entraide judiciaire en matière pénale. Eu égard à la tradition juridique anglo-saxonne de l'Australie, un traité séparé a ce- pendant été élaboré afin de satisfaire aux exigences pratiques des rapports mutuels en matière d'entraide judiciaire. Considérations de la commission La Commission des affaires juridiques du Conseil des Etats a traité cet objet le 10 novembre 1992. Elle a fait les constata- tions suivantes: Compte tenu de l'augmentation importante des actes de crimi- nalité internationale, favorisée par la mobilité accrue et le pro- grès techniques réalisés dans tous les secteurs, la situation actuelle n'est plus satisfaisante. Un traité sur l'assistance judi- ciaire réciproque en matière pénale correspond donc aux ob- jectifs politiques de la Suisse, qui entend renforcer sa contribu- tion à la lutte contre la criminalité internationale et à sa répres- sion. Enfin, le présent Traité sur l'entraide judiciaire en matière pé- nale conclu avec l'Australie n'est en rien contraire au droit suisse en vigueur, dont les principes essentiels sont res- pectés. Antrag der Kommission Aus diesen Gründen beantragt die Kommission einstimmig, den Bundesrat zur Ratifikation des Rechtshilfevertrags in Straf- sachen mit Australien zu ermächtigen. Proposition de la commission Pour ces raisons, la commission propose à l'unanimité d'habi- liter le Conseil fédéral à ratifier le Traité entre la Suisse et l'Aus- tralie sur l'entraide judiciaire en matière pénale. Zimmerli, Berichterstatter: Die Kommission für Rechtsfragen hat zu diesem Geschäft einen schriftlichen Bericht erstattet. Ich erlaube mir, darauf zu verweisen, und beantrage Ihnen na- mens der einstimmigen Kommission, den Bundesrat zur Rati- fizierung des Rechtshilfevertrages für Straftaten mit Australien zu ermächtigen. Eintreten wird ohne Gegenantrag beschlossen Le conseil décide sans opposition d'entrer en matière Gesamtberatung - Traitement global du projet Titel und Ingress, Art. 1,2 Titre et préambule, art. 1,2 Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble Für Annahme des Entwurfes 19 Stimmen (Einstimmigkeit) An den Nationalrat-Au Conseil national #ST# 92.3067 Motion des Nationalrates (Zisyadis) Aufteilung der elterlichen Gewalt bei geschiedenen Eltern Motion du Conseil national (Zisyadis) Partage de l'autorité parentale entre parents divorces Wortlaut der Motion vom 19. Juni 1992 Das schweizerische Recht kennt die Teilung der elterlichen Gewalt im Scheidungsfall nicht. Seit der Verabschiedung des Grundsatzes der Rechtsgleichheit zwischen Mann und Frau sind keine Anpassungen erwogen worden. Zweifellos wirkenMotion du Conseil national 1232 10 décembre 1992 die steigende Zahl geschiedener Paare und die veränderten Lebensgewohnheiten ganz allgemein zugunsten neuartiger Vereinbarungen zwischen den Elternteilen, im Sinne einer Auf- teilung der elterlichen Gewalt und des Sorgerechts und einer neuen Regelung des Besuchsrechts. In den Gesetzen zahlrei- cher europäischer Staaten ist diese Möglichkeit bereits ver- ankert. Ich ersuche den Bundesrat, durch eine Gesetzesänderung die Möglichkeit zu schaffen, dass geschiedene Paare die elterli- che Gewalt teilen und ihre Kinderweiterhin gemeinsam erzie- hen können. Texte de la motion du 19 juin 1992 Le droit suisse ignore le partage de l'autorité parentale en cas de divorce. Depuis l'adoption du principe de l'égalité des droits entre hommes et femmes, aucune adaptation n'a été envisagée. Il est de plus incontestable que l'augmentation du nombre des couples divorcés, l'évolution des moeurs en gé- néral, agit en faveur de nouveaux accords entre parents dans le sens d'un partage de l'autorité, de la garde, et du droit de vi- site. Sur le plan européen, de nombreux pays reconnaissent cette possibilité dans leur législation. Je demande au Conseil fédéral d'engager une refonte de la loi, afin de permettre aux parents divorcés de continuer à assu- mer ensemble l'éducation de leurs enfants, par le biais de la possibilité de l'autorité parentale partagée. Antrag der Kommission Mehrheit Als Postulat beider Räte überweisen Minderheit (Plattner, Béguin, Petitpierre) Als Motion überweisen Proposition de la commission Majorité Transmettre comme postulat des deux Chambres Minorité (Plattner, Béguin, Petitpierre) Transmettre comme motion Zimmerli, Berichterstatter: Der Nationalrat hat am 19. Juni die- ses Jahres eine Motion von Herrn Nationalrat Zisyadis diskus- sionslos überwiesen, die darauf abzielte, durch Gesetzesän- derungen die Möglichkeit zu schaffen, dass geschiedene Paare die elterliche Gewalt teilen und ihre Kinder weiterhin ge- meinsam erziehen können. Der Bundesrat hat sich im National rat bereit erklärt, die Motion entgegenzunehmen. Die Kommission für Rechtsfragen des Ständerates hat das Ge- schäft am 10. November 1992 behandelt Das Anliegen der Motion ist - wie Sie wissen - bereits Gegenstand der laufen- den Revision des Scheidungsrechts. Aus diesem Grund, und auch weil die Frage noch ausdiskutiert werden muss, er- scheint es der Mehrheit der Kommission für Rechtsfragen zur- zeit nicht opportun, eine materielle und isolierte Diskussion einzig über dieses Problem durchzuführen, losgelöst von der Revision des Scheidungsrechts. Sie ist der Meinung, dass die Frage aktuell ist - sie ist auch Gegenstand der Revision -, aber sie ist nicht unbestritten. Die Mehrheit der Kommission ist der Meinung, dass wir uns in dieser Einzelfrage jetzt nicht die Hände binden sollten, son- dern dass dieser Entscheid im Rahmen der Revision des Scheidungsrechts zur Sprache kommen sollte. Deshalb ist die Kommissionsmehrheit der Auffassung, die Mo- tion solle als Postulat beider Räte überwiesen werden, damit wir in der Diskussion über die Revision des Scheidungsrech- tes freie Hand haben und eine Lösung finden können, die ins- gesamt auch konsensfähig ist Wir unterstützen das Anliegen grundsätzlich, sind aber der Meinung, es rechtfertige sich eine Ueberweisung in Postulats- form. Sie sehen auf der Fahne, dass eine Kommissionsmin- derheit anderer Auffassung ist Plattner, Sprecher der Minderheit: Ich möchte kurz begrün- den, warum die nicht ganz so kleine Minderheit der Meinung ist, dass man trotzdem diese Motion als Motion überweisen sollte. Es geht ja nicht darum, die Richter zu zwingen, die elterliche Gewalt bei Scheidungen zu teilen - die Diskussionen darüber, wie und in welchen Fällen das genau passieren sollte, werden durch die Motion nicht berührt -, sondern es geht bei der Mo- tion darum, dem Richter nicht gesetzlich zu verbieten, eine sol- che Lösung zu treffen. Ich meine also, dass die Motion auch als Motion die Diskus- sion nicht vorwegnimmt, die noch geführt werden muss, wenn die Revision des Scheidungsrechts zur Behandlung in die Räte kommt Es wäre aber falsch, nun ein Zeichen zu setzen, welches besagt, dass die ganze Sache nicht so wichtig sei, dass es also nicht notwendig sei, die Motion aufrechtzuerhal- ten, sondern dass man sie nur in abgeschwächter Form über- weisen solle. Denn das Problem selber, dieses Verbot des gemeinsamen Sorgerechts geschiedener Eltern, ist ein schwerwiegendes Problem. Sie werden alle in Ihrer näheren oder weiteren Um- gebung Scheidungsfälle kennen; und Sie wissen, dass es für Eltern, die ohne Streit auseinandergehen wollen, oft sehr schwierig ist, eine vernünftige Regelung zu finden, die auch vom Richter unterstützt werden kann. Ich bitte Sie deshalb - um kein falsches Zeichen zu setzen -, bei der Ueberweisung dieser Forderung als Motion zu bleiben und somit den Bundesrat ganz klar und zwingend zu beauftra- gen, bei der Revision des Scheidungsrechts auf diese Frage einzugehen und das Verbot des gemeinsamen Sorgerechtes aufzuheben. M. Petitpierre: Deux mots pour appuyer la position de la mi- norité: je n'aimerais pas que l'on puisse déduire de laforme ju- ridique un affaiblissement de l'idée. Le Conseil fédéral était prêt à accepter cette motion comme motion. Je trouve que l'on devient plus royaliste que le roi. On a là une idée qui est très forte, qui sera probablement contestée dans la consultation, mais qui doit subsister jusqu'au bout et, même si la consulta- tion donne un résultat négatif, le Conseil fédéral a parfaitement la possibilité à la fin de présenter l'autorité parentale com- mune comme une variante aux Chambres. Dans ce cas-là, puisqu'une variante est possible, je ne vois pas pourquoi on ne suit pas le Conseil fédéral qui est d'accord de recevoir une motion selon laquelle, au moins, il est certain que l'autorité pa- rentale commune, quel que soit le résultat de la consultation, figurera comme une variante. Je n'aimerais pas que l'on donne un signe politique négatif, comme si tout à coup cette idée devait reculer dans l'esprit du prélégislateur, dans l'esprit du département chargé de préparer le projet Comme c'est une idée d'une extrême importance, je vous prie de suivre la minorité, de maintenir l'idée de la motion que le Conseil fédéral accepte, étant entendu que le Conseil fédéral est absolument libre de ne présenter cela que comme une va- riante, suivant le résultat de la consultation. Bundesrat Koller: Ich stelle mit Genugtuung fest, dass wir bei einer Ueberweisung einer Motion für einmal umgekehrte Rol- len haben. Normalerweise möchte sich der Bundesrat jewei- len nicht in allen Details binden. Hier haben wir nun die umge- kehrte Situation. Der Bundesrat wäre bereit, sich zu binden, weil ein entsprechender Entwurf zur Revision des Schei- dungsrechts bereits vorliegt Offenbar möchte sich jetzt die Mehrheit der Kommission nicht binden, sondern die Beratung der Vorlage über die Revision des Scheidungsrechts ab- warten. Ich glaube, Sie haben zu entscheiden. Abstimmung - Vote Für den Antrag der Minderheit (Ueberweisung als Motion) Für den Antrag der Mehrheit (Ueberweisung als Postulat) 13 Stimmen 10 StimmenSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Motion des Nationalrates (Zisyadis) Aufteilung der elterlichen Gewalt bei geschiedenen Eltern Motion du Conseil national (Zisyadis) Partage de l'autorité parentale entre parents divorces In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1992 Année Anno Band VI Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Ständerat Conseil Conseil des Etats Consiglio Consiglio degli Stati Sitzung 08 Séance Seduta Geschäftsnummer 92.3067 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 10.12.1992 - 08:00 Date Data Seite 1231-1232 Page Pagina Ref. No 20 022 268 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.