Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. November 2021 (720 20 433 / 307 und 720 20 457 / 308) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Würdigung der Arztberichte; Bei der Berechnung des Invaliditätsgrades ergibt sich auch unter Anwendung des Prozentvergleichs ein IV-Grad von 50 % Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ -Stiftung , Beschwerdeführerin, vertreten durch MLaw Nicole A.M. Gisler, c/o Libera AG, Stockerstrasse 34, Postfach, 8022 Zürich gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Beigeladener B.____ , vertreten durch Dr. Caroline Franz Waldner, Advokatin, Be- hindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel Betreff IV-Rente B.____ Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1987 geborene B.____ meldete sich am 11. Juni 2015 bei der IV-Stelle Basel-Land- schaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der beruflichen, erwerblichen und ge- sundheitlichen Verhältnisse und nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren sprach die IV-Stelle mit Verfügung vom 6. Oktober 2020 dem Versicherten eine ganze Invalidenrente ab dem 1. De- zember 2015 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % und ab dem 1. Juni 2019 eine halbe Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von zunächst 53 % bzw. ab 1. Dezember 2019 von 51 % zu. B. Gegen diese Verfügung erhob die A.____-Stiftung, vertreten durch MLaw Nicole A. M. Gisler, Libera AG, mit Schreiben vom 6. November 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Ba- sel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht; Verfahren-Nr. 720 20 433). Darin beantragte sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass der Versicherte keinen Anspruch auf eine IV-Rente habe. Eventualiter wurde beantragt, die Sa- che sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach erfolgten Abklärungen bezüglich des medizinischen Sachverhalts und der Resterwerbsfähigkeit in angepasster Tätigkeit neu verfüge. C. Mit Verfügung vom 10. November 2020 wurde B.____ zum vorliegenden Beschwerde- verfahren beigeladen. Nachdem die A.____-Stiftung mit Schreiben vom 26. November 2020 erneut Beschwerde gegen eine weitere an B.____ gerichtete Rentenverfügung der IV-Stelle vom 11. November 2020, mit welcher die Leistungen ab 1. Januar 2016 bis 31. Oktobe r 2020 festgelegt worden waren, beim Kantonsgericht erhoben hatte (Verfahren-Nr. 720 20 457), legte die instruierende Präsidentin des Kantonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht, die beiden Beschwerdeverfahren mit Ver- fügung vom 1. Dezember 2020 zusammen. D. Mit Vernehmlassung vom 27. Januar 2021 beantragte d ie IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. E. Auch der Beigeladene B.____, vertreten durch Advoka tin Dr. Caroline Franz Waldner, Rechtsdienst des Behindertenforums, beantragte mit Schreiben vom 5. März 2021, dass die Be- schwerde abgewiesen werde. Ausserdem stellte er das Gesuch um Bewilligung der unentgeltli- chen Rechtspflege. F. Mit Verfügung vom 10. März 2021 wurde dem Beigela denen für das vorliegende Verfah- ren die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokatin Dr. Caroline Franz Waldner als Rechtsver- treterin bewilligt und der Fall dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. G. Die Beschwerdegegnerin liess dem Kantonsgericht mit Eingabe vom 10. Juni 2021 ein Schreiben des Beigeladenen vom 3. Juni 2021 zukommen, w onach dieser sein Einkommen ab 1. Dezember 2019 versehentlich mit Fr. 33'960.-- (12 x Fr. 2'830.--) pro Jahr angegeben habe. Da er Anspruch auf einen 13. Monatslohn habe, betrage sein jährliches Einkommen korrekter- weise Fr. 36'790.--. Ausserdem teilte er mit, dass er sein Pensum bei der Spitex per 1. Juli 2021 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf 30 % reduziert und gleichzeitig ein 20 %-Pensum als Angestellter eines Sportgeschäfts über- nommen habe. H. Anlässlich der Urteilsberatung vom 24. Juni 2021 wur de der Fall ausgestellt und der Be- schwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin Gelegenheit gegeben, sich zum Schreiben des Beigeladenen vom 3. Juni 2021 zu äussern, da die Änderung des Invalideneinkommens möglich- erweise rentenrelevant sei. I. Die IV-Stelle führte mit Schreiben vom 29. Juni 2 021 aus, da das Invalideneinkommen per 1. Dezember 2019 Fr. 36'790.-- und nicht Fr. 33' 960.-- betrage, habe der Beigeladene wie bisher ab 1. Dezember 2015 Anspruch auf eine ganze Re nte, ab 1. Juni 2019 auf eine halbe Rente und neu ab 1. Dezember 2019 auf eine Viertelsrente. Mit Schreiben vom 20. Juli 2021 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren Rechtsbegehren vollum- fänglich fest. Für den Einkommensvergleich sei auf das mutmassliche Valideneinkommen bei Rentenbeginn abzustellen. Folglich sei von einem Valide neinkommen von Fr. 69'053.-- für das Jahr 2019 auszugehen. Eine Neuberechnung des Valideneinkommens, wie es der Beigeladene beantrage, sei gemäss Rechtsprechung ausgeschlossen. Dem Valideneinkommen von Fr. 69'053.-- stehe gemäss den Angaben des Beigeladenen ab 1. Dezember 2019 ein Invaliden- einkommen von Fr. 36'790.-- gegenüber, womit ein Inva liditätsgrad von aufgerundet 47 % und damit ein Anspruch auf eine Viertelsrente resultiere . Sollte das Gericht zum Schluss kommen, dass anhand eines Einkommensvergleichs eine Invalidenrente g eprüft werden könne, so dürfe dem Beigeladenen ab Dezember 2019 maximal eine Viertelsrente zugesprochen werden. J. Der Beigeladene führte mit Schreiben vom 19. August 2021 im Wesentlichen aus, der Schluss der Beschwerdeparteien vermöge nicht zu überzeugen. Für die Ermittlung des Invaliden- einkommens ab 1. Dezember 2019 habe die Beschwerdegegn erin auf das effektive Jahresein- kommen des Beigeladenen im Rahmen der 50 %-Anstellung bei der Spitex abgestellt und dieses auf Fr. 33'960.-- beziffert. Da der Beigeladene mit der Spitex-Tätigkeit im gleichen Berufsbereich tätig sei wie als gesunder Mann, sei davon auszugehen, dass er als gesunder und vollzeitlich erwerbstätiger Mann das Doppelte des effektiven 50 %-Lo hnes verdienen würde. Wäre der IV- Stelle im Zeitpunkt der Rentenfestlegung der korrekt erwirtschaftete Lohn von Fr. 36'790.-- für ein 50 %-Pensum bekannt gewesen, hätte sie zweifellos ein Valideneinkommen angenommen, das im Minimum dem doppelten Betrag desselben entsprochen hätte. Demgemäss sei das Validen- einkommen auf mindestens Fr. 73'582.-- zu beziffern, so dass gemäss Einkommensvergleich weiterhin ein Anspruch auf eine halbe Rente resultiere. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. Auf die – im Übrige n frist- und formgerecht erhobe- nen – Beschwerden vom 6. und 26. November 2020 ist demn ach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die IV -Stelle dem Beigeladenen zu Recht ab 1. Dezember 2015 eine ganze Rente und ab 1. Juni 2019 eine halbe Rente zugesprochen hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, wenn sie während eines Jahres ohne we- sentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgeset- zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) ge- wesen und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % inval id (Art. 8 ATSG) waren (Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG). Die durchschnittliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit während eines Jahres und die nach Ablauf der Wartezeit bestehende Erwerbsunfähigkeit müssen kumulativ und in der für die einzelnen Rentenabstufungen erforderlichen Mindesthöhe gegeben sein, damit eine Rente im entsprechenden Umfang zugesprochen werden kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 21. Oktober 2013, 8C_174/2013, E. 3.2 und vom 5. Mai 2011, 9C_996/2010, E. 7.1, je mit Hinweisen). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutb are Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and ern Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). 3.3 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d des Versicherten nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs bemessen, was – zu Recht – nicht bestritten wird. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträch- tigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterla gen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 133 E. 2, 114 V 310 E. 3c, 105 V 156 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur- teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer-weise noch ver- richtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschät- zung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen d er Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltend e somatoforme Schmerzstö- rung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden (vg l. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur ( BGE 143 V 409 und 143 V 418), sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte I ndikatoren beachtlich, die – unter Berück- sichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktor en einerseits und Kompensationspo- tentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tats ächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4-3.6 und 4.1 ). Gemäss altem Verfahrensstandard (z.B. BGE 130 V 352) eingeholte Gutachten verlieren nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfall s mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Besch werdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch ander e Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Ges undheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen d er versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung d es streitigen Rechtsanspruchs ge-stat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). 5.3.1 So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens e ingeholten Gutachten externer Spe- zialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen so- wie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssi- gen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung voll e Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exp ertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.3.2 Zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit d er Berichte und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen wird der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf man gelnde Objektivität und Befangen- heit schliessen lässt (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Diesen Berichten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fach- personen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 465 E. 4.7). 5.3.3 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten d arf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedi- zinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; U rteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder G erichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslau- tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben F älle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6. Der Gesundheitszustand des Beigeladenen präsentier t sich gestützt auf die medizini- sche Aktenlage wie folgt: 6.1 Gemäss den vorliegenden medizinischen Berichten des C. ____-Spitals und des D.____- Spitals aus den Jahren 2015 - 2017 leidet der Versicherte seit 2010 unter wiederkehrenden Fie- berschüben, Erschöpfung, Hautveränderungen, vermehrter Aphtenbildung, einer vergrösserten Milz sowie Blutbildveränderungen. 6.2 Die PMEDA Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen (P MEDA) erstattet am 29. De- zember 2017 ein polydisziplinäres Gutachten in den Diszip linen Innere Medizin, Dermatologie, Rheumatologie und Psychiatrie zu Handen der IV-Stelle. Es werden dabei folgende Diagnosen gestellt: − autoinflammatorisches Syndrom, nicht molekular spezifizi erbar − Follikulitis / akneiforme Dermatitis − Kopfekzem − Multiple Naevi − Rezidivierende Aphten der Mundschleimhaut − Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom, weitgehend re mittiert (ICD-10: F90.0) − Weitgehend remittierte mögliche Anpassungsstörung, län gere depressive Reaktion (ICD-10: F43.21. Ein vorgängig erwogener Morbus Behcet beruhe weitgehe nd auf der Anamnese, der klinischen Symptomatik, dem Krankheitsverlauf und dem Ergebnis des Pathergie-Tests. Die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sowie in einer Vergleichstätigkeit sei derzeit nicht ausreichend beurteilbar; dies bedürfe einer stationären Verhalten sbeobachtung mit begleitender Diagnostik. Im Anschluss sei eine ausreichend fundierte Beurteilbarkeit der Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht aktenkundigen Einschätzungen würden noch keine definitive Diagnose und keine definitive Be- urteilung der Arbeitsfähigkeit zeigen. 6.3 Aus der RAD-Aktennotiz vom 17. April 2018 geht her vor, dass gestützt auf die Untersu- chungsbefunde und der nachgewiesenen regelmässig subfeb ril erhöhten Körpertemperatur da- von ausgegangen werden müsse, dass eine allfällige Restarbeitsfähigkeit nicht verwertet werden könne. Weitere diagnostische Abklärungen würden sich deshalb erübrigen. 6.4 Dr. med. E.____, FMH Rheumatologie, äussert sich m it Berichten vom 7. Mai 2018, 29. November 2018, 19. Dezember 2018 und vom 31. Mai 2019 zur medizinischen Situation. In seinem Arztbericht Berufliche Integration / Rente vom 31. Mai 2019 hält Dr. E.____ folgende Di- agnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: − Morbus Behcet - HLA-B51 positiv - Orale Aphtose, sterile Follikulitis, Pyoderma gangraenosum, Splenomegalie, Lympha- denopathie, generalisierende Arthralgien, rezidivierendes Fieber - Pathergie-Test negativ - Reduktion der Fieberschübe unter Humira - Stabiler Befund Splenomegalie gem. − Fatigue-Syndrom bei Diagnose 1, differentialdiagnost isch Apnoe-Symptomatik − Ausschluss hereditäres Fiebersyndrom − St. n. chronischer Prostatits mit Ureaplasma urealyticum Dr. E.____ führt aus, gemäss den zugestellten Berichten vom 25. März 2019 habe in der Zwi- schenzeit ein 50 %-Pensum erreicht werden können. 6.5 Das Begutachtungszentrum BL (BEGAZ) diagnostiziert i n seinem polydisziplinären Gut- achten mit den Disziplinen Innere Medizin, Neuropsychologi e, Rheumatologie, Psychiatrie und Dermatologie vom 28. Januar 2020 zu Handen der Invali denversicherung in seiner interdiszipli- nären Gesamtbeurteilung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Morbus Behcet mit beglei- tender vermehrter Erschöpfbarkeit, sowie eine leichte b is mittelschwere neuropsychologische Störung mit insbesondere attentionalen und exekutiven Funktionsschwächen sowie ohne Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine muskuläre Dysbalan ce am Schultergürtel bds., initiale Os- teochondrosen und Unkovertebralarthrosen HWK 4/5 und 5/6 gemäss MRT der HWS vom 4.6.2019, muskuläre Dysbalance mit verkürzter Wadenmuskulatur bds. Die Arbeitsunfähigkeit sei wie folgt zu bestätigen: 100 % vom 10. Oktober 2016 bis 31. Dezember 2017, 80 % vom 1. Januar 2018 bis 28. Februar 2019 un d 50 % seit dem 1. März 2019. Nach eingehender Konsensbesprechung würden die Gutachter zum Schluss gelangen, dass die in den Unterlagen aufgeführten Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit zu bestätigen seien und somit die oben aufgelisteten Einschätzungen Gültigkeit hätten. D ie aufgelisteten und attestierten Arbeits- unfähigkeiten weisen eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 25. Februar 2015 bis 28. Februar 2019 und danach eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Mit RAD-Bericht vom 6. Februar 2020 verweist Dr. m ed. F.____, Facharzt für Allgemein- medizin, im Wesentlichen auf das Gutachten des BEGAZ vom 28. Januar 2020 und hält eine Arbeitsunfähigkeit sowohl für die angestammte wie auch für eine angepasste Tätigkeit von 100 % ab Dezember 2014 bis 28. Februar 2019 sowie von 50 % ab 1. März 2019 fest. Mit RAD-Bericht vom 26. Juni 2020 korrigiert Dr. F.____ die Arbeitsun fähigkeit mit Verweis auf das BEGAZ- Gutachten und hält eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 10. Oktober 2016 bis 31. Dezember 2017, eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. Januar 2 018 bis 28. Februar 2019 und ab 1. März 2019 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit fest. 7. Die IV-Stelle stützte sich zur Beurteilung der Ange legenheit auf die Ergebnisse des po- lydisziplinären Gutachtens des BEGAZ vom 28. Januar 2020 und den RAD-Bericht vom 6. Feb- ruar 2020 und ging demzufolge von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % von Dezember 2014 bis 28. Februar 2019 und von 50 % ab 1. März 2019 aus. 7.1.1 Die Beschwerdeführerin wendet vorweg ein, der i nvalidisierende Gesundheitsschaden könne nicht belegt werden. Basierend auf der Aktenlage könne weder ein Gesundheitsschaden noch eine damit verbundene Auswirkung auf die Arbeitsf ähigkeit mit dem Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit ermittelt werden. Auf das Gutachten vom 28. Januar 2020 könne nicht abgestellt werden. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Das BEGAZ -Gutachten bestätigt vielmehr die in zahlreichen Arztberichten genannten gesundheitlichen Ei nschränkungen, Symptome und Diag- nosen. Dabei haben die Gutachter nicht einfach wie von der Beschwerdeführerin behauptet die Einschätzungen von Dr. E.____ übernommen, sondern den Versicherten umfassend untersucht und sich mit den anderen ärztlichen Einschätzungen eingehend und differenziert auseinanderge- setzt. 7.1.2 Die Beschwerdeführerin bringt insbesondere vor, die Diagnose Morbus Behcet sei ge- stellt worden, obwohl die Diagnose gemäss anwendbarem Kriterienkatalog nicht habe bestätigt werden können. Sie sei einzig aufgrund der Symptome un d nach Ausschluss der Differentialdi- agnosen erstellt worden. Auch falle der für den Morbus Behcet typische Pathergie-Test wiederholt negativ aus. Dazu ist festzustellen, dass das Stellen einer Diagnose des Typs Morbus Behcet genau auf die- sem – von der Beschwerdeführerin kritisierten – Prinzip beruht und daher nicht zu beanstanden ist. Bei den angeblich nicht erfüllten Kriterien eines Morbus Behcet nach der internationalen Klas- sifikation handelt es sich nicht um Diagnose-, sondern u m Klassifikationskriterien, die beispiels- weise bei der Auswahl von Patienten zum Ausschluss in wiss enschaftlichen Studien verwendet werden. Wie zudem Dr. E.____ in seinem Bericht vom 3. Dezember 2020 zurecht darauf hinge- wiesen hat, sind nicht die Benennung der Diagnosen, son dern die funktionellen Auswirkungen von gesundheitlichen Einschränkungen von entscheidender Bedeutung hinsichtlich der Auswir- kung auf eine Invalidität. Diese Auswirkungen werden sowohl in den Berichten der behandelnden Ärzte als auch im Gutachten sehr sorgfältig und plausib el hergeleitet. So sind beispielweise die wiederholt zu findenden Aussagen nachvollziehbar, dass bei objektiv vorliegenden Befunden wie Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Splenomegalie, Lymphadenopathie, wiederholtem rezidivierendem Fieber, einer oralen Aphtose, genitaler Aphthosis, Synovitis wie auch das Ansprechen auf rheumatologische Therapien wie TNF-Alpha-Blockade und Colchicin das typische rheumatolog isch-immunologische Bild einer systemisch entzündlichen Grunderkrankung vorliegt. Betreffend dem von der Beschwerdeführe- rin vorgebrachten negativen Pathergie-Test hält Dr. E.____ fest, dass ein positives Testergebnis nicht für das Krankheitsbild kennzeichnend sei, da der Pathergie-Test bei Behcet-Erkrankten nur in ca. 50 % der Fälle einen positiven Wert zeige. Hingegen bestehe beim Versicherten mit einem positiven HLA-B51 eine passende genetische Disposition. 7.1.3 Die Beschwerdeführerin reicht keine medizinischen Berichte ein, die ihre Zweifel auch nur ansatzweise belegen könnten. Sie behauptet lediglich und ohne dies zu belegen, es sei davon auszugehen, dass beim Versicherten eine subjektive Krankheitsüberzeugung vorliege. Auch die in der Beschwerde angeführten Einwände gegen die Symptome der Müdigkeit, Erschöpfung und die Diagnose der Fatigue gehen fehl. Wiederholt haben die behandelnden oder untersuchenden Mediziner die vermehrte Erschöpfbarkeit festgestellt. Dr . E.____ hat auch auf die im zeitlichen Verlauf zunehmende Bedeutung der Fatigue hingewiesen. Das Vorliegen von Erschöpfung oder einer Fatigue ist bei dieser Symptomatik gemäss Dr. E.____ auch in der Literatur gut dokumen- tiert. Zu guter Letzt gehen die funktionellen Einschränkungen und damit auch die Auswirkungen der Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit entgegen dem Einwand der Beschwerdeführerin sehr wohl aus den ärztlichen Darlegungen hervor. Der rheumatologische Gutachter des BEGAZ, Dr. med. G.____, hat ausgeführt, dass aus rheumatologischer Sicht die Beurteilung von Dr. E.____ bestä- tigt werden könne, wonach aufgrund der in der Diagno seliste aufgeführten Befunde und Symp- tome die Diagnose eines Morbus Behcet gestellt werden kö nne. Es sei gemäss Anamnese un- terdessen einmalig auch zu einer Aphte im Genitalbereich gekommen, was diese Diagnose zu- sätzlich unterstütze. Auch Dr. G.____ weist darauf hin, dass die Kriterien für die Diagnose eines Morbus Behcet nicht ganz erfüllt seien, es sich dabei ab er um Klassifikationskriterien und nicht um Diagnosekriterien handle. Die Diagnose eines Krankheitsbildes könne also dennoch gestellt werden. Dazu müsse noch darauf hingewiesen werden, da ss andere Gründe für rezidivierende Fieberschübe, wie zum Beispiel ein hereditäres Fiebersyndrom durch genetische Analysen aus- geschlossen worden seien. Derartige entzündlich-rheum atologische Krankheitsbilder könnten begleitet sein von Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit ode r Benommenheit, wobei diese nicht immer direkt mit einer Krankheitsaktivität korrelieren w ürden. Es sei aber darauf hinzuweisen, dass weiterhin eine Krankheitsaktivität bestehe. Es würd en wiederholt Aphten im Mundbereich auftreten. Auch die erwähnten Hautveränderungen seie n weiterhin am Rücken vorhanden. Zu- dem komme es immer noch wiederholt zu Fieberschüben, die allerdings nicht mehr ganz so hoch ausfallen würden. Entsprechend dieser typischen Situation seien also Allgemeinsymptome wei- terhin nachvollziehbar. Immerhin sei es zu einem Teil ansprechen der Beschwerden durch die Basistherapie gekommen, was sich auch günstig auf die Ar beitsfähigkeit ausgewirkt habe. Die Beschwerdeführerin bringt keine Argumente und schon ga r keine medizinischen Berichte vor, welche Zweifel an diesen Ausführungen und der Diagnose eines Morbus Behcet hervorrufen wür- den. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1.4 Die Beschwerdeführerin versucht, aus den teildiszi plinären Beurteilungen eine höhere Gesamtarbeitsfähigkeit abzuleiten, insbesondere bemängelt sie, im neuropsychologischen Teil- gutachten sei keine prozentuale Angabe der Arbeitsunfähigkeit gemacht worden. Aus den ange- gebenen Einschränkungen berechnet die Beschwerdeführerin sodann eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sind jedoch a lle medizinischen Einschränkungen ge- samthaft zu berücksichtigen. In der interdisziplinären Ge samtwürdigung wird in Bezug auf die funktionellen Auswirkungen der Befunde / Diagnosen festgehalten, beim Versicherten lasse sich eine leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störung ausweisen. Diese betreffe insbeson- dere die Aufmerksamkeitsaktivierung und die Daueraufmer ksamkeit / Konzentrationsfähigkeit, aber auch einzelne Exekutivfunktionen. Vor allem in arbeitszeitlicher Hinsicht, in nicht unerhebli- chem Mass aber auch in leistungsseitiger Hinsicht, sei der Versicherte in seiner beruflichen sowie lebensalltäglichen Leistung erheblich eingeschränkt. In guter Korrelation mit der Aktenlage habe der Versicherte wiederholt darauf hingewiesen, dass er auch bezüglich seiner Arbeitsfähigkeit in erster Linie durch eine allgemeine verminderte Belastbarkeit und Müdigkeit eingeschränkt sei, die sich an Arbeitstagen bereits im Laufe des Tages bemerkbar mache. 7.2 Wie bereits ausgeführt, ist den im Rahmen des V erwaltungsverfahrens eingeholten Gut- achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht e rstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Be weiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. E. 5.3.1 hievor). Insgesamt erweist sich das vorliegende im Verwaltungsverfahren eingeholte Gutachten als überzeugend, nachvollziehbar und schlüssig. Di e Gutachter haben den Beigela- denen persönlich untersucht und sie haben sich mit den Vo rakten vertieft auseinandergesetzt. Ausserdem liegen keine anderslautenden ärztlichen Berichte vor, welche begründete Zweifel an der Zuverlässigkeit der Expertise wecken würden. Es ist folglich grundsätzlich auf das BEGAZ- Gutachten abzustellen. Lediglich in Bezug auf den Beginn der Arbeitsunfähigkeit ist gestützt auf die Aktenlage davon auszugehen, dass der Beigeladene b ereits ab Dezember 2014 in seiner Arbeitsfähigkeit zumindest teilweise und ab 25. Februar 2015 zu 100 % eingeschränkt war. 8.1 Die Beschwerdeführerin bringt ausserdem vor, es sei n icht nachvollziehbar, dass das Wartejahr per Dezember 2014 eröffnet worden sei. Wie oben (vgl. E. 2.1 hiervor) ausgeführt, setzt der Rentenanspruch unter anderem voraus, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min- destens 40 % arbeitsunfähig war und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist. Das rentenbegründende Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 l it. b IVG gilt als eröffnet, wenn eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf von mindestens 20 % vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. Februar 2014, 9C _818/2013, E. 1 mit weiteren Hinwei- sen). Aus den Akten ergibt sich, dass der Versicherte berei ts seit dem Jahr 2010 unter wieder- kehrenden Fieberschüben, Abgeschlagenheit, Hautverände rungen, vermehrter Aphtenbildung Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie einer Splenomegalie und Blutveränderungen leidet. Diese Befunde wurden mehrfach ärzt- lich belegt. Ersichtlich ist auch, dass der Versicherte jede nfalls ab Dezember 2014 mindestens zu 20 % und gemäss BEGAZ-Gutachten (vgl. die Auflistung der attestierten Arbeitsunfähigkeiten) ab 25. Februar 2015 zu 100 % arbeitsunfähig war. Dass die 100%ige Arbeitsunfähigkeit im BEGAZ-Gutachten auf den 10. Oktober 2016 terminiert wurde, hängt möglicherweise damit zu- sammen, dass der Versicherte sich vom 1. Oktober 2015 bis 3 0. September 2016 in einem Ar- beitstraining im C.____-Spital befand. Dies ändert je doch nichts daran, dass gemäss echtzeitli- chen Einschätzungen der Versicherte ab Februar 2015 zu 10 0 % arbeitsunfähig war. Damit ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle davon ausgegangen ist, dass das Wartejahr im Dezem- ber 2015 abgelaufen war, weshalb der Versicherte ab diesem Zeitpunkt (sechs Monate nach der Anmeldung im Juni 2015) Anspruch auf eine ganze Rente hat. 8.2.1 Weiter führt die Beschwerdeführerin aus, es sei un verständlich, dass die Verminderung der Arbeitsunfähigkeit auf 50 % erst per 1. März 2019 festgestellt worden sei. Die Einstellung auf die richtige Medikation sei Mitte 2018 erfolgt, was zu einer Verbesserung des Gesundheitszu- standes des Versicherten geführt habe. Seither habe sich an seinem Gesundheitszustand nichts verändert. Dr. E.____ habe am 6. Februar 2019 festgeh alten, dass die Arbeitsfähigkeit wegen der langen Entwöhnung vorübergehend nicht erhöht wo rden sei. Dass dies jedoch nicht nötig gewesen sei, habe sich nicht einmal einen Monat später gezeigt, als der Versicherte schon im Umfang von 50 % zu arbeiten begonnen habe. Es sei des halb nachgewiesen, dass der Versi- cherte bereits vor dem 28. Februar 2019 nicht mehr zu 80 % arbeitsunfähig gewesen sei. Unbestritten ist, dass mit Umstellung der Medikation Mit te Juni 2018 allmählich eine Besserung des Gesundheitszustandes eingetreten ist. Es ist diesbezüg lich nicht zu beanstanden, dass die Auswirkung der Medikationsumstellung und damit auf die Arbeitsfähigkeit nachträglich auf den Beginn der Tätigkeit des Versicherten im Rahmen eines Arbeitsversuchs am 11. März 2019 ter- miniert und ab diesem Zeitpunkt von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen wurde. Die IV- Stelle hat gestützt auf einen Einkommensvergleich anhan d der LSE-Tabellenlöhne ab diesem Zeitpunkt einen Invaliditätsgrad von 53 % errechnet, wobei ein Abzug von 5 % für eine "Teilzeit- tätigkeit Männer" vorgenommen wurde. Folglich wurde dem Versicherten per 1. Juni 2019 ledig- lich noch eine halbe Rente zugesprochen. Zu Recht werden gegen diese vorgenommene Be- rechnung und Festlegung der Invalidenrente keine Einwände erhoben. 8.2.2 Nachdem der Versicherte per 1. Dezember 2019 wie der eine 50 %-Tätigkeit als Fachar- beiter Gesundheit aufgenommen hat, errechnete die IV-Stelle gestützt auf das vom Versicherten angegebene tatsächlich erzielte Invalideneinkommen von Fr. 33'960.-- und das unverändert ge- stützt auf die LSE errechnete Valideneinkommen einen Invaliditätsgrad von 51 %, womit weiter- hin ein Anspruch auf eine halbe Rente bejaht wurde. Mit Schreiben vom 3. Juni 2021 an die Beschwerdegegnerin hat der Versicherte ausgeführt, dass er ihr fälschlicherweise mitgeteilt habe, dass er keinen 13. Monatslohn erhalte, was nun offenbar doch der Fall sei. Sein jährliches Einkommen ab 1. Dezember 2019 betrage also Fr. 36'790.-- anstatt Fr. 33'960.--. Mit Schreiben vom 29. Juni 2021 hält die IV-Stelle nun fest, sie habe den Anspruch ab 1. Dezember 2019 neu berechnet. Mit einem Invalideneinkommen von Fr. 36'7 90.-- resultiere neu eine IV-Rente bei ei- nem Invaliditätsgrad von 47 %. Die Beschwerdegegnerin führte mit Schreiben vom 20. Juli 2021 Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus, für den Einkommensvergleich sei auf das mutmassliche V alideneinkommen bei Rentenbe- ginn (1. Dezember 2015) abzustützen. Da die Anstellung des Beigeladenen beim A.___-Spital befristet gewesen sei, habe die Beschwerdegegnerin auf ein Valideneinkommen gemäss LSE- Tabelle abgestellt und dieses entsprechend indexiert. Folglich habe für das Jahr 2019 ein Vali- deneinkommen von Fr. 69'053.-- resultiert. Diesem stehe gemäss den zusätzlichen Angaben des Beigeladenen ein Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 36'790.-- gegenüber. Aus diesem Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 47 %. Der Beigeladene nahm mit Schrei- ben vom 19. August 2021 nochmals Stellung und führte a us, der Schluss der Beschwerdepar- teien, wonach nun ab 1. Dezember 2019 nur noch eine Viertelsrente geschuldet sei, vermöge nicht zu überzeugen. Da der Beigeladene mit seiner Tätigkeit als Spitex-Angestellter im gleichen Berufsbereich wie als gesunder Mann tätig sei, nämlich a ls Fachmann Gesundheit EFZ, sei da- von auszugehen, dass er als gesunder und vollzeitlich Erwerbstätiger das Doppelte des effektiven 50 %-Lohnes verdienen würde. Wäre der Invalidenversiche rung im Moment der Rentenfestle- gung der korrekt erwirtschaftete Lohn von Fr. 36'790.-- für ein 50 %Pensum bekannt gewesen, h ätte sie zweifellos ein Valideneinkommen angenommen, das im Minimum dem doppelten Betrag desse lben entsprochen hätte. Demge- mäss sei das Valideneinkommen des Beigeladenen auf mindestens Fr. 73'582.-- zu beziffern, so dass gemäss Einkommensvergleich weiterhin ein Anspruch auf eine halbe Rente resultiere. 8.2.3 Strittig ist vorliegend, ob die Beschwerdegegner in für die Berechnung des Validenein- kommens ab Dezember 2019 zurecht auf die LSE abgestellt hat. Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitp unkt des Beginns des Rentenan- spruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfü- gungserlass bzw. Einspracheentscheid zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1, 128 V 174 E. 4.a). Die Ermittlung des im Gesundheitsfall von der versicherten Person erzielbaren Einkommens hat gemäss Bundesgericht so konkret wie möglich zu erfolgen (Urteile des Bundesgerichts vom 30. August 2018, 9C_229/2018, E. 2.1, vom 28. Januar 2014, 9C_796/2013, E. 2.1). In der Regel ist das Validenei nkommen gestützt auf den vor Eintritt der Invalidität tatsächlich allenfalls während einer länger en Zeitspanne erzielten Durchschnittsver- dienst zu bestimmen. Dies gilt auch, wenn sich auf diese Weise das ohne gesundheitliche Beein- trächtigung realisierbare Einkommen nicht hinreichend genau beziffern lässt und ausnahmsweise auf statistische Angaben, etwa in den LSE abgestellt w erden muss. Dabei ist aufgrund der ar- beitsplatz- und personenbezogenen Merkmale wie Wirtsch aftszweig und Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes derjenige Durchschnittslohn zu best immen, der möglichst dem überwiegend wahrscheinlichen Verlauf der Einkommensentwicklung ohne G esundheitsschaden entspricht (BGE 139 V 28 E. 3.3.2). Da sich der Versicherte im Zeitpunkt des Rentenbeginns n icht in einem gefestigten Arbeitsver- hältnis befand, hat die IV-Stelle zur – rückwirkenden – Festlegung des Valideneinkommens zu Recht auf die LSE und dabei auf die Angaben im Sektor Gesundheit, Kompetenzniveau der Tä- tigkeit 2, Spalte Männer, abgestellt und ein Validene inkommen von Fr. 69'330.-- berücksichtigt. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Da der Versicherte zu diesem Zeitpunkt zu 100 % arbe itsunfähig war, musste das Invalidenein- kommen nicht bestimmt werden. Erst im Zeitpunkt des Erreichens einer 50%igen Arbeitsfähigkeit per 1. März 2019 hat die IV-Stelle das Invalideneinkommen anhand der LSE bestimmt und dabei ebenfalls auf die Angaben im Sektor Gesundheit, Kompetenzniveau der Tätigkeit 2, Spalte Män- ner, abgestellt. Zusätzlich berücksichtigte die IV-Stelle einen Abzug von 5 % für eine "Teilzeittä- tigkeit Männer", womit sich ein Invalideneinkommen von Fr. 32'000.-- ergab. Das Valideneinkom- men wurde weiterhin gestützt auf die Angaben in der Tabelle TA1, Sektor Gesundheit, Kompe- tenzniveau der Tätigkeit 2, Spalte Männer, der LSE 20 16 festgelegt. Nach Anpassung an die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit und die Lohnentwicklung für das Jahr 2019 resultierte ein Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 69'054.-- und der Einkommensvergleich ergab einen Invaliditätsgrad von 53 %. Diese Berechnungsweise ist nicht zu beanstanden. Für die Zeit ab 1. Dezember 2019 hat die Beschwerdeg egnerin das vom Versicherten konkret angegebene Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 33'960.-- berücksichtigt und weiterhin das bereits bestimmte Valideneinkommen von Fr. 69'054.-- herangezogen. Der Einkommensver- gleich ergab einen Invaliditätsgrad von 51 %. Da sich im Verlauf des Beschwerdeverfahrens her- ausgestellt hat, dass das Invalideneinkommen korrekterwei se Fr. 36'790.-- beträgt, erweist sich die von der IV-Stelle vorgenommene Berechnung des Inva liditätsgrades ab 1. Dezember 2019 als falsch. Zunächst ist unter Verweis auf die bundesgerichtliche Re chtsprechung diesbezüglich festzuhal- ten, dass die Verwaltung vor ihrem Entscheid gehalten ist, zu prüfen, ob allenfalls in der dem Rentenbeginn folgenden Zeit eine Veränderung der hypothetischen Bezugsgrössen eingetreten ist. Ist dies der Fall, hat sie vor dem Entscheid einen weiteren Einkommensvergleich vorzuneh- men. Mit der Wiederaufnahme der Tätigkeit im angestammten Tätigkeitsbereich hat sich die Si- tuation verändert, weshalb per 1. Dezember 2019 ein w eiterer Einkommensvergleich vorzuneh- men ist, wobei die Ermittlung des im Gesundheitsfall vo n der versicherten Person erzielbaren Einkommens gemäss Bundesgericht so konkret wie möglich zu erfolgen hat. Mit Entscheid vom 19. August 2008, 9C_189/2008, ist das Bundesgericht für die Festsetzung des hypothetischen Valideneinkommens von dem Lohn ausgegangen, den die Betroffene im damaligen Fall bei hälf- tiger Arbeitsfähigkeit mit entsprechendem Teilzeitpensum erzielen konnte und folgerte, dass dies dafür spreche, dass sie ohne Gesundheitsschaden mit voller Leistungsfähigkeit ein Einkommen in doppelter Höhe erreichen könne. Auch im vorliegende n Fall ist davon auszugehen, dass der Versicherte als Gesunder in einer 100 %-Anstellung minde stens den doppelten Lohn, also Fr. 73'780.--, verdienen würde. Damit resultiert ein Invaliditätsgrad von 50 %, weshalb der Beige- ladene auch über den 1. Dezember 2019 hinaus Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat. Im Übrigen zeigt sich, dass der Beigeladene auch bei Anw endung des Prozentvergleichs An- spruch auf eine ganze Rente ab 1. Dezember 2015 und a uf eine halbe Rente sowohl ab 1. Juni 2019 als auch über den 1. Dezember 2019 hinaus hat. Das Bundesgericht hat mehrmals festge- halten, dass sich der Prozentvergleich namentlich anbiete, wenn Validen- und Invalideneinkom- men ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen seien. Diesfalls erübrige sich deren genaue Ermittlung: Der Invaliditätsgrad entspreche dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, dies unter Berücksichtigung des Abzugs vom Tabellenlohn (Urteile des Bundesgerichts vom 6. April 2016, Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8C_628/2015, E. 5.3.5, vom 4. Februar 2015, 9C_888/2014, E. 2). Im vorliegenden Fall ist – je- denfalls im vorliegend relevanten Zeitraum bis zum Verf ügungserlass – sowohl als Validen- wie auch als Invalideneinkommen immer die erlernte Tätigke it als Fachkraft Gesundheit massge- bend, weshalb sich der Prozentvergleich aufdrängt. Unter Berücksichtigung der medizinisch fest- gelegten Arbeitsunfähigkeit von 100 % ab 25. Februar 2015 bzw. von 50 % ab 1. März 2019 ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 100 % ab Februar 2015 bzw. von 50 % ab März 2019 und damit eine ganze Rente ab 1. Dezember 2015 bzw. eine halbe Rente ab 1. Juni 2019. Die Frage, ob auch bei der Berechnung des Invaliditätsgrades gestützt auf den Prozentvergleich ab 1. März 2019 ein Abzug für "Teilzeittätigkeit Männer" von 5 % vorzunehm en ist, kann vorliegend offen gelassen werden, da so oder anders ab Juni 2019 ein Anspruch auf eine halbe Rente resultiert. 8.3 Gestützt auf die obigen Erwägungen ergibt sich, dass der Versicherte ab 1. Dezember 2015 Anspruch auf eine ganze Rente und ab 1. Juni 201 9 auf eine halbe Rente hat. Damit sind die angefochtenen Verfügungen nicht zu beanstanden, weshalb die vorliegenden Beschwerden abzuweisen sind. Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfa hrens bildet die Frage, wie sich die Einkommensentwicklung nach dem Verfügungserlass, insbesondere ab 1. Juli 2021 auf die Ren- tenhöhe auswirkt. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemesse- nem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr aufzuerlegen und mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss zu verrech- nen sind. 9.2 Nach dem Wortlaut von Art. 61 lit. g ATSG hat di e obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Rechtsprech ungsgemäss steht darüber hinaus aber auch der anwaltlich vertretenen beigeladenen Person, die mit ihrem Antrag durchdringt, eine Parteienschädigung zu (CHRISTIAN ZÜND , Kommentar zum Gesetz über das Sozialversicherungs- gericht des Kantons Zürich, Zürich 1999, S. 239, mit Hin weisen auf BGE 109 V 62 E. 4 und auf verschiedene unveröffentlichte Urteile des damaligen EVG). Diese Parteienschädigung ist grund- sätzlich vom unterliegenden Versicherungsträger zu überne hmen (U ELI KIESER , ATSG- Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 61 Rz 115). Nach dem Gesagten hat der obsiegende Beigeladene B.____, wie von ihm beantragt, Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der unterliegenden Beschwerdeführerin. Die R echtsvertreterin des Beigeladenen hat in ihren Kostennoten vom 17. März und 6. September 2021 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 10 Stunden und 55 Minuten ausgewiesen, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem von der Rechtsvertreterin geltend gemachten Stundenansatz von Fr. 200.-- zu ent- schädigen. Auslagen sind keine geltend gemacht worden. D em Beigeladenen ist deshalb eine Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘183.35 (10,91 Stunden à Fr. 200.--) zu Lasten der Be- schwerdeführerin zuzusprechen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerden werden abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die Beschwerdeführerin hat dem Beigeladenen Thie rry Nicolas Misteli eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'183.35 zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht