B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6773/2018 U r t e i l v o m 2 5 . N o v e m b e r 2 0 1 9 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richterin Mia Fuchs; Gerichtsschreiberin Evelyn Heiniger. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, Beschwerdeführerin und ihr Kind, B._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft; Verfügung des SEM vom 29. Oktober 2018 / N (…). E-6773/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin reiste mit ihrer Familie am 17. Februar 2016 in die Schweiz ein und stellte tags darauf ein Asylgesuch. Anlässlich der Befra- gung zur Person (BzP) am 11. März 2016 f ührte sie aus, die Familie sei wegen des Krieges aus Syrien ausgereist und ihr Bruder sei gesucht wor- den. Während ihr Bruder (…) habe, sei er vom Regime und der YPG (Yekîneyên Parastina Gel; Volksverteidigungseinheiten) gesucht worden. Diese hätten dem Vater gesagt, dass, wenn er den Bruder nicht übergebe, sie mitgenommen werde, was aber nicht passiert sei. Ihr Vater sei während zwanzig Tagen inhaftiert worden (SEM-Akte A11/12 S. 7 f. Ziff. 7.01). Bei der Anhörung am 29. Januar 2018 gab die Beschwerdeführerin im We- sentlichen Folgendes zu Protokoll: Sie sei wegen ihrer Familie ausgereist. Sie habe an Demonstrationen teilgenommen, weil ihr Vater und ihr Bruder Mitglieder der Apoci (Anhänger des Kurdenführers "Apo" Abdullah Öcalan, also Mitglieder der PKK [Partiya Karkeren Kurdistan] respektive der YPG) gewesen seien und sich um die Organisation von Kundgebungen geküm- mert hätten. Die Demonstrationen, an welchen die Familie teilgenommen habe, seien gegen das Regime gerichtet gewesen. Deshalb seien die El- tern behelligt und gefragt worden, weshalb sie an Demonstrationen teilneh- men würden. Für sie persönlich hätte dies keine Konsequenzen gehabt, da sie noch ein Kind gewesen sei. Ihr Vater sei einmal während ungefähr vier- zehn bis fünfzehn Tagen inhaftiert und nach ih rem Bruder sei mehrfach gesucht worden. Ihr Bruder C._______ habe nach den Prüfungen nicht mehr zu Hause geschlafen, sondern habe sich bei der Grossmutter, der Tante und dem Onkel aufgehalten. Er habe sich vor den Apoci versteckt. B. Mit Verfügung vom 29. Oktober 2018 stellte das SEM fest, die Beschwer- deführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG (SR 142.31) nicht, ihr werde hingegen die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG zuerkannt und die Schweiz gewähre ihr und ihrem Kind Asyl. C. Mit Eingabe vom 28. November 2018 reichte die Beschwerdeführerin han- delnd durch ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Be- schwerde ein und beantragte, es sei die Rechtskraft der angefochtenen Verfügung betreffend Asylgewährung festzustellen (Ziffer 3 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung). Weiter sei die Verfügung vom 29. Oktober E-6773/2018 Seite 3 2018 in den übrigen Punkten aufzuheben und die Sache dem SEM zur Neubeurteilung und zur vollständigen und richtigen Abklärung und Fest- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Flüchtlingseigenschaft der Be- schwerdeführerin und ihres Sohnes im Sinne von Art. 3 AsylG festzustel- len. In prozessualer Hinsicht wurde der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Befreiung von der Bezahlung der Verfahrens- kosten beantragt. D. Mit Zwischenverfügung vom 5. Dezember 2018 wies die Instruktionsrich- terin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab und forderte die Beschwerdeführerin zur Leistung eines Kostenvorschus- ses auf. Dieser traf innert Frist bei der Gerichtskasse ein. E. Mit Eingabe vom 17. Oktober 2019 teilte der Rechtsvertreter der Beschwer- deführerin mit, es sei vor einigen Tagen zu einer Inv asion der Türkei in Nordsyrien gekommen. In der Folge sei es zu einer Übereinkunft der Kur- den mit dem syrischen Regime gekommen. Diese neusten Entwicklungen seien bei der Beurteilung zu berücksichtigen. Nach einer Stabilisierung der Situation sei zu gegebener Zeit Frist zur Aktualisierung des Dossiers anzu- setzen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2 Am 1 . März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). E-6773/2018 Seite 4 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formge recht eingereicht worden. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Die Beschwerde richtet sich lediglich gegen die Dispositivziffern 1 und 2 der vorinstanzlichen Verfügung (Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 bzw. Art. 51 AsylG). Dispositivziffer 3 (Asylgewährung) ist damit in Rechtskraft erwachsen. 4. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 In der Beschwerdeschrift werden die formellen Rügen der Verletzung des rechtlichen Gehörs, des Anspruchs auf Akteneinsicht sowie des Unter- suchungsgrundsatzes erhoben. Diese sind vorab zu prüfen, da sie allen- falls geeignet sein könnten, eine Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal- tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-E-6773/2018 Seite 5 greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffe nen, sich vor Er- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan- trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent- weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit- frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab- gefasst sein, dass die betroffene Person den Ents cheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegun- gen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 5.3 In der Beschwerde wird vorgebracht, das SEM habe davon abgesehen, die Dossiers der Verwandten der Beschwerdeführerin, insbesondere das- jenige des Bruders C._______, beizuziehen. Damit habe die Vorinstanz das rechtliche Gehör verletzt und den Sachverhalt unzureichend abgeklärt. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Verfügung betreffend die Eltern und die minderjährigen Geschwister der B eschwerdeführerin vom selben Sachbearbeiter des SEM verfasst wurden wie die sie betreffende Verfü- gung. In jener Verfügung werden die Aussagen der Eltern den Aussagen des Sohnes C._______ gegenübergestellt. Daraus ist zu schliessen, dass der zuständige Sach bearbeiter die Verfügung der Beschwerdeführerin in Kenntnis des von C._______ geschilderten Sachverhalts verfasst hat. So- mit liegt weder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs noch eine Verlet- zung des Untersuchungsgrundsatzes vor. 5.4 Entgegen der in der Rech tsmitteleingabe vertretenen Ansicht hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung geprüft, ob die Beschwerde-E-6773/2018 Seite 6 führerin vor ihrer Ausreise aus Syrien konkret bedroht war und ob sie auf- grund ihres Engagements in der Schweiz bei einer Rückkehr gefährdet wäre. Aus der Verfügung ergibt sich, dass sich die Vorinstanz mit den Vor- bringen und Argumenten der Beschwerdeführerin (und ihrer Familie) aus- einandergesetzt hat. Alleine aus der Tatsache, dass in der Verfügung die auf Facebook veröffentlichten Fotos nicht ausdrücklich erwähnt sind, ergibt sich nicht, dass die Vorinstanz sich nicht damit auseinandergesetzt und dies in ihre Beurteilung miteinbezogen hat. Es liegt damit keine Verletzung der Begründungspflicht oder eine unvollständige Feststellung des Sach- verhalts vor. 5.5 Soweit in der Beschwerdeschrift in der Tatsache, dass die Anhörung erst zwei Jahre nach Einreichung des Asylgesuchs stattgefunden hat, eine Verletzung der Abklärungspflicht erkannt wird, ist festzuhalten, dass sich aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör keine zeitlichen Vorgaben für die Vorinstanz ergeben. 5.6 Die formellen Rügen erweisen sich demnach als unbegründet. Es be- steht deshalb keine Veranlassung, die Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das Begeh- ren ist abzuweisen. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 6.2 Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine asylsuchende Per- son erst durch ihre Ausreis e aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Als subjektive Nachfluchtgründe gelten ins- besondere unerwünschte exilpolitische Betätigungen, illegales Verlass en des Heimatlandes (sog. Republikflucht) oder die Einreichung eines Asylge-E-6773/2018 Seite 7 suchs im Ausland, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung be- gründen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1; 2009/28 E. 7.1). Personen mit subjek- tiven Nachfluchtgründen erhalten gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. 6.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 7. 7.1 Das SEM kam im angefochtenen Entscheid zum Schluss, die Vorbrin- gen der Beschwerdeführerin würden den Anforderungen an die Flücht- lingseigenschaft nicht genügen. Bei den kriegerischen Auseinandersetzun- gen und deren Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der lokalen Be- völkerung handle es sich nicht um Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG. Diese seien in der allgemeinen Situation in Syrien und dem herrschenden Bürgerkrieg begründet und träfen grosse Teile der Bevölke- rung in ähnlicher Weise. 7.2 Die Beschwerdeführerin habe ausgesagt, sie habe in Syrien an De- monstrationen teilgenommen, habe deshalb aber keine persönlichen Prob- leme gehabt. 7.3 Sie habe weiter vorgebracht, die YPG habe sie anstelle ihres Bruders rekrutieren wollen. Es treffe zwar zu , dass die kurdischen Volksverteidi- gungseinheiten im Juli 2014 eine obligatorische Dienstpflicht für Männer ab 18 Jahren eingeführt hätten. Gemäss der Rechtsprechung des Bundes- verwaltungsgerichts fehle es bei einer (Zwangs -)rekrutierung durch die YPG aber an einem in Art. 3 AsylG umschriebenen Motiv für die Verfol- gungshandlung. Es sei davon auszugehen, dass eine Weigerung keine asylrelevanten Sanktionen nach sich ziehe. Ferner habe die Beschwerde- führerin persönliche Probleme vernein t und habe selbst nie persönlich Kontakt zu den YPG gehabt. 7.4 Was allfällige subjektive Nachfluchtgründe aufgrund des exilpolitischen Engagements der Beschwerdeführerin betreffe, sei festzuhalten, dass sich ihr Engagement auf die Teilnahme an drei Demonstrationen in der Schweiz E-6773/2018 Seite 8 beschränke. Sie habe keinerlei spezielle Funktion oder sonst einen Grund genannt, aus welchem sie sich von der breiten Masse an syrischen De- monstranten abheben und das syrische Regime sich deshalb besonders für sie interessieren würde . Sie habe keine politischen Aktivitäten ausge- übt, die sie einer Verfolgungsgefahr aussetzen würden, weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht erfülle. 8. 8.1 Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG, wenn sie aus einem dort aufgeführten Motiv Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2), wobei eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung nicht genügt, sondern vielmehr konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen müssen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5; 2010/44 E. 3.4, Ur- teil des BVGer E-7430/2015 vom 20. November 2017 E. 5.7.1). 8.2 Nach Prüfung der Akten der Beschwerdeführerin (derjenigen ihrer Fa- milie und denjenigen ihres Ehemannes ) gelangt das Bundesverwaltungs- gericht zum Schluss, dass das SEM zur zutreffenden Erkenntnis gelangt ist, die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermöchten den Anforderungen von Art. 3 AsylG nicht zu genügen, weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft selbst nicht erfülle. 8.2.1 Die Vorinstanz hat einlässlich begründet, weshalb die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht geeignet sind, ihre originäre Flüchtlingseigen- schaft zu begründen. Um Wiederholung zu vermeiden, kann unter Berück- sichtigung der nachfolgenden Ergänzungen auf die detaillierten Ausführun- gen in der ang efochtenen Verfügung verwiesen werden. Was im Be- schwerdeverfahren dagegen vorgebracht wird, ist nicht geeignet, die Vor- bringen in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. 8.2.2 In der Beschwerde wird vorgebracht, der Vater der Besc hwerdefüh- rerin habe sich von d er YPG zurückgezogen, weshalb ihr Bruder, ihre Schwester und sie gesucht worden seien. Zahlreichen Berichten auf Kurd- Watch sei zu entnehmen, dass die YPG regelmässig Zwangsrekrutierun- gen durchführe und zahlreiche junge Männer und Frauen an Checkpoints rekrutiert habe. Es seien sogar Minderjährige in den Militärdienst geschickt worden. Das Vorgehen der YPG verstosse gegen international anerkannte E-6773/2018 Seite 9 Menschenrechte. Sie und ihre Familie würden von der YPG asylrelevant verfolgt. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts führt auch eine Zwangsrekrutierung durch die YPG nicht zur Anerkennung als Flüchtling (vgl. dazu statt vieler Urteil BVGer E-4866/2015 vom 18. Mai 2017). Es ist auf die entsprechenden Erwägungen (insbesondere E. 5.3) im als Refe- renzurteil publizierten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 zu verweisen. Mangels ernsthafter anderweitiger An- haltspunkte ist demgemäss davon auszugehen, dass auch im heutigen Kontext zwar Aufforderungen zur Wahrnehmung der Dienstpflicht ergehen, eine Weigerung aber keine flüchtlingsrechtlich relevanten Sanktionen nach sich ziehen würde (zuletzt bestätigt im Urteil des BVGer E-2678/2019 vom 14. Oktober 2019 E. 6.4). Hinzu kommt, dass selbst unter der Annahme, es käme zu Bestrafungen erh eblicher Schwere, deren zugrundeliegende Motivation wohl flüchtlingsrechtlich nicht relevant wäre, zumal die Quellen- lage nicht darauf hindeutet, Refraktäre im Zusammenhang mit dem Wehr- dienst bei der YPG würden als "Staatsfeinde" betrachtet und daher einer politisch motivierten drakonischen Bestrafung zugeführt. Die obligatorische Dienstpflicht knüpft in der Heimatregion der Beschwerdeführerin lediglich an den Wohnort, das Alter und das Geschlecht der betroffenen Person und nicht an eine der in Art. 3 AsylG genannten Eigenschaften an. Eine begrün- dete Furcht der Beschwerdeführerin vor asylrelevanten Verfolgungsmass- nahmen seitens der YPG ist daher zu verneinen. 8.3 Zum Beweis ihres exilpolitischen Engagements liess die Beschwerde- führerin diverse Fotos einreichen, auf welchen sie mit ihrer Familie bei der Teilnahme an Demonstrationen in D._______ und E._______ zu sehen sei. Daraus werde das herausragende politische Profil der Familie der Be- schwerdeführerin ersichtlich. Sie selbst habe eine politische, oppositionelle Haltung, die sie öffentlich bekunde. Dazu ist festzuhalten, dass d ie Be- schwerdeführerin an der Anhörung angegeben hat, sie wisse nicht genau, was die Demonstration in D._______ zum Inhalt gehabt habe. Sie sei le- diglich hingegangen, weil ihre Eltern und Geschwister hingegangen seien (SEM-Akte A 37/12 Q13). Daraus ist zu schliessen, dass die Beschwerde- führerin selbst politisch nicht interessiert ist. Es bestehen ferner nach wie vor keine Anhaltspunkte dafür, die Beschwerdeführerin oder Mitglieder ih- rer Famili e hätten sich in besonderem Masse (das heisst über die Teil- nahme an Veranstaltungen und über den Kontakt mit den besagten Orga-E-6773/2018 Seite 10 nisationen hinaus) exponiert und deshalb als ernsthafte und potenziell ge- fährliche Regimegegner die Aufmerksamkeit der syrischen Geheimdienste auf sich gezogen. 8.4 Eine begründete Furcht der Beschwerdeführerin vor asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen seitens des syrischen Regimes oder den YPG ist zu verneinen. 8.5 Die Beschwerdeführerin ist seit dem (…) mit einem syrischen Staats- bürger verheiratet, welchem am (…) in der Schweiz Asyl gewährt wurde. In der Beschwerde wird die Ansicht vertreten, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr auch aufgrund ihres Ehemannes verfolgt würde und ihr deshalb die originäre Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG zuzuer- kennen sei. Dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin bei einer vor die- sem Hintergrund nunmehr rein hypothetischen Rückkehr nach Syrien mit ihrem Ehemann einer allfälligen Verfolgung ausgesetzt wäre, wurde aber bereits mit ihrer Anerkennung als Flüchtling und der Asylgewährung nach Art. 51 Abs. 1 AsylG Rechnung getragen. Die Beschwerdeführerin bringt in ihrer Eingabe vom 17. Oktober 2019 vor, die Ereignisse in Syrien hätten sich in jüngster Zeit übers türzt. Die Lage insbesondere im Norden des Landes ist volatil. Unter flüchtlingsrechtlichen Aspekten vermag die Beschwerdeführerin daraus im heutigen Zeitpunkt je- doch nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Aufgrund des vorliegenden Ent- scheides erübrigt sich a uch die Ansetzung einer Frist zur Aktualisierung des Dossiers. 8.6 Das SEM hat die originäre Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh- rerin zu Recht verneint und ihr lediglich gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt und ihr Asyl gewährt. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. E-6773/2018 Seite 11 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh- rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest- zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 17. Dezember 2018 geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zu Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. (Dispositiv nächste Seite) E-6773/2018 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Evelyn Heiniger