Kantonsgericht Schwyz Beschluss vom 2. November 2022 ZK1 2022 26 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsidentin lic. iur. Daniela Pérez-Steiner, Kantonsrichter Pius Schuler, Jörg Meister, Josef Reichlin und lic. iur. Jeannette Soro, Gerichtsschreiberin lic. iur. Gabriela Thurnherr. In Sachen A.________, Beklagte und Berufungsführerin, vertreten durch Rechtsanwältin B.________, gegen C.________, Kläger und Berufungsgegner, vertreten durch Rechtsanwältin D.________, betreffend Ehescheidung (Teilurteil) (Berufung gegen das Teilurteil des Einzelrichters am Bezirksgericht March vom 30. März 2022, ZEO 2019 35);- hat die 1. Zivilkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben: A. Die Parteien sind seit ________ verheiratet und leben seit 4. Mai 2016 getrennt (Vi-act. KB 3, Dispositivziffer 1). Ihre gemeinsamen Kinder F.________ und G.________ (Vi-act. KB 2), leben seit der Trennung der El- tern unter der Obhut der Mutter (Vi-act. KB 3, E. 3, Vereinbarung Ziff. 2). Der Kläger reichte am 2. April 2019 beim Einzelrichter am Bezirksgericht Ma- rch die unbegründete Scheidungsklage mit Anträgen zu den Nebenfolgen ein (Vi-act. 1). Am 17. Oktober 2019 fand die Einigungsverhandlung statt (vgl. Vi- act. 14, 15). Der Kläger begründete am 17. August 2020 seine Anträge zu den Scheidungsnebenfolgen (Vi-act. 23). Die Beklagte stellte ihrerseits mit Kla- geantwort vom 30. November 2020 Anträge zu den Scheidungsnebenfolgen (Vi-act. 31). Die Parteien erklärten sich am 18. Dezember 2020 (Kläger, Vi- act. 33) bzw. am 21. Dezember 2020 (Beklagte, Vi-act. 34) einverstanden mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens und des Verzichts auf eine Hauptverhandlung (vgl. Vi-act. 32). Die Replik datiert vom 26. April 2021 (Vi- act. 50), die Duplik vom 8. September 2021 (Vi-act. 60). Der Kläger beantragte mit Stellungnahme vom 1. Dezember 2021 unter ande- rem, es sei ein Teilurteil über den Scheidungspunkt zu fällen (Vi-act. 68). Mit Stellungnahme vom 24. Januar 2022 beantragte die Beklagte die Abweisung dieses Antrages (Vi-act. 72). Die Parteien reichten am 10. Februar 2022 (Klä- ger, Vi-act. 76) bzw. am 15. März 2022 (Beklagte, Vi-act. 84) je eine weitere Stellungnahme zum Antrag betreffend Teilurteil ein. Mit Teilurteil vom 30. März 2022 schied der Einzelrichter am Bezirksgericht March die Ehe der Parteien, unter Kostenfolge zu Lasten der Beklagten. B. Dagegen erhob die Beklagte am 19. Mai 2022 Berufung mit folgenden Anträgen (KG-act. 1):Kantonsgericht Schwyz 3 1. Es sei das angefochtene Urteil des Einzelrichters der March ZEO 19 35 vom 30. März 2022 aufzuheben und die Sache zur Durchführung des ordnungsgemässen Verfahrens an die Vor- instanz zurückzuweisen. 2. Eventualiter sei das angefochtene Urteil des Einzelrichters der Ma- rch vollumfänglich aufzuheben und es sei das Begehren des Klä- gers/Berufungsgegners auf Erlass eines Teilurteils im Scheidungs- punkt abzuweisen, subeventualiter die Sache zur Vervollständi- gung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. 3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Klä- gers/Berufungsgegners für beide Instanzen. 4. Der Berufungsführerin sei für den Fall, dass das Bezirksgericht March, Einzelrichter, ihr Gesuch um Zusprechung eines Prozess- kostenvorschusses abweisen sollte, die unentgeltliche Rechtspfle- ge und Rechtsvertretung durch die Unterzeichnete zu gewähren. Die Behandlung des Gesuchs sei deshalb zu sistieren bis zum Vorliegen des Entscheids des Einzelrichters der March über das Gesuch um Gewährung eines Prozesskostenvorschusses zulasten des Klägers. Mit Berufungsantwort vom 23. Juni 2022 beantragte der Kläger die vollum- fängliche Abweisung der Berufung unter Kostenfolge zulasten der Beklagten (KG-act. 6). Die Beklagte reichte am 23. August 2022 eine weitere Stellungnahme ein (KG-act. 10). Der Kläger verzichtete in der Folge auf die Einreichung von Ge- genbemerkungen (KG-act. 12);-Kantonsgericht Schwyz 4 sowie in Erwägung: 1. Die Beklagte macht geltend, der Sachverhalt betreffend den Schei- dungspunkt sei nicht spruchreif, weil kein ordnungsgemässes Verfahren durchgeführt worden sei. Die Parteien seien nicht zu einer Hauptverhandlung vorgeladen worden, obwohl sie in Bezug auf ein Teilurteil im Scheidungspunkt nicht auf deren Durchführung verzichtet hätten (KG-act. 1). a) Im Ehescheidungsverfahren gilt der sog. Grundsatz der Einheit des Scheidungsurteils, d.h. das Gericht hat im Entscheid betreffend den Schei- dungspunkt auch über die Nebenfolgen der Ehescheidung zu befinden (Art. 283 Abs. 1 ZPO). Ausnahmen bestehen für das Güterrecht, welches aus wichtigen Gründen in ein separates Verfahren verwiesen werden kann (Art. 283 Abs. 2 ZPO) sowie in bestimmten Fällen für Ausgleichsansprüche aus der beruflichen Vorsorge (Art. 281 Abs. 3 ZPO). Als weitere Ausnahme vom Grundsatz der Einheit des Scheidungsurteils ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein Teilentscheid im Scheidungspunkt nicht ausgeschlossen, wenn die Ehegatten einem solchen zustimmen oder das Interesse des einen Ehegatten an einem Teilurteil das Interesse des anderen an einem gleichzeiti- gen Entscheid über Scheidung und Scheidungsfolgen überwiegt. Widersetzt sich ein Ehegatte der Ausfällung eines Teilentscheides im Scheidungspunkt, ist somit eine Interessenabwägung vorzunehmen (BGE 144 III 298 E. 6.4 und 7; Urteil BGer 5A_426/2018 vom 15. November 2018 E. 2.3). Ist ein Teilurteil im Scheidungspunkt grundsätzlich zulässig, so stellt sich in prozessualer Hinsicht die Frage, wann der Scheidungspunkt spruchreif ist. Spruchreife liegt vor, wenn der Sachverhalt so weit abgeklärt ist, dass über das oder die Rechtsbegehren mit ausreichender rechtlicher Begründung ent- schieden werden kann. Mit anderen Worten müssen sämtliche Entschei- dungsgrundlagen vorliegen, um über die Begründetheit des geltend gemach- ten Anspruchs befinden zu können (Steck/Brunner, in: Spüh-Kantonsgericht Schwyz 5 ler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozess- ordnung, 3. A. 2017, Art. 236 ZPO N 12). Voraussetzung der Spruchreife ist überdies, dass das gesetzlich vorgeschriebene Verfahren ordnungsgemäss durchgeführt worden ist. So ist es grundsätzlich unzulässig, einen Sachent- scheid ohne Durchführung einer Hauptverhandlung zu fällen, ohne dass die Parteien i.S.v. Art. 233 ZPO auf eine solche verzichtet hätten (Steck/Brunner, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivil- prozessordnung, 3. A. 2017, Art. 236 ZPO N 12a; BGE 140 III 450 E. 3.2). b) Die unbegründete Scheidungsklage vom 2. April 2019 erfolgte gestützt auf Art. 114 ZGB (Vi-act. 1). Ein Ehegatte kann die Scheidung nach Art. 114 ZGB verlangen, wenn die Ehegatten bei Eintritt der Rechtshängigkeit der Kla- ge mindestens zwei Jahre getrennt gelebt haben. Wurde die Aufnahme des Getrenntlebens in einem Eheschutzentscheid gerichtlich festgestellt, ist ein darin festgehaltener Zeitpunkt massgebend (Fankhauser, in: Fankhauser [Hrsg.], FamKomm, Scheidung, Band I, 4. A. 2022, Art. 114 ZGB N 18). Das Gericht darf das zweijährige Getrenntleben aber nur als erwiesen annehmen, wenn es sich von dessen Vorhandensein überzeugte (Fankhauser, in: Fank- hauser [Hrsg.], FamKomm, Scheidung, Band I, 4. A. 2022, Art. 114 ZGB N 28). Denn im Scheidungspunkt gilt die eingeschränkte Untersuchungsma- xime, d.h. das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (Art. 277 Abs. 3 ZPO; Spycher, in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommen- tar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Band II, 2012, Art. 277 ZPO N 27 sowie Art. 291 ZPO N 3). Gemäss Eheschutzentscheid des Einzelrichters am Bezirksgericht March vom 12. September 2016 leben die Parteien seit 4. Mai 2016 getrennt (Vi- act. KB 3, Dispositivziffer 1). Die zweijährige Trennungsfrist war demnach im Zeitpunkt der Scheidungsklage vom 2. April 2019 abgelaufen. Dem An- hörungsprotokoll (Vi-act. 15) ist zwar nicht zu entnehmen, dass sich der Ein- zelrichter davon überzeugt hätte, dass die Parteien tatsächlich während zwei Kantonsgericht Schwyz 6 Jahren ununterbrochen, d.h. ohne zwischenzeitliche Wiederaufnahme des Zusammenlebens, getrennt lebten. Dennoch braucht im vorliegenden Fall darauf nicht näher eingegangen zu werden. c) Liegt ein Antrag um Erlass eines Teilurteils im Scheidungspunkt vor und stimmt der andere Ehegatte diesem nicht zu, hat – wie bereits erwähnt – gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zusätzlich eine Interessenabwä- gung stattzufinden (BGE 144 III 298 E. 6.4 und 7; Urteil BGer 5A_426/2018 vom 15. November 2018 E. 2.3). Diese Interessenabwägung erfolgt aufgrund der konkreten Umstände im Einzelfall (vgl. die Argumentation in BGE 144 III 298 E. 7 und Urteil BGer 5A_426/2018 vom 15. November 2018 E. 3). Wird der Anspruch auf ein Teilurteil bejaht, fällt das Gericht einen Endentscheid betreffend den Scheidungspunkt, sodass auch diesbezüglich ein spruchreifer Sachverhalt vorliegen muss (vgl. Art. 236 Abs. 1 ZPO). Nachdem eine Inter- essenabwägung dann vorzunehmen ist, wenn ein Ehegatte einem Teilurteil im Scheidungspunkt nicht zustimmt, wird der diesem Punkt zugrundeliegende Sachverhalt regelmässig umstritten sein. In verfahrensrechtlicher Hinsicht präsentiert sich die Situation wie bei einer strittig gebliebenen Scheidungsfol- ge. Das Verfahren ist deshalb kontradiktorisch fortzusetzen, wobei das Gericht die Parteirollen verteilen kann (analog Art. 288 Abs. 2 ZPO). Die Eheschei- dung wird im ordentlichen Verfahren beurteilt (vgl. Honegger, in: Fankhauser [Hrsg.], FamKomm, Scheidung, Band II, 4. A. 2022, Art. 274 Anh. ZPO N 4). Das Verfahren ist schriftlich durchzuführen (Art. 291 Abs. 3 ZPO; Fankhauser, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweize- rischen Zivilprozessordnung, 3. A. 2016, Art. 288 ZPO N 13). Das Gericht hat demnach den Parteien Frist für eine schriftliche Begründung ihrer Rechtsbe- gehren anzusetzen (Bähler, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Kommen- tar Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. A. 2016, Art. 288 ZPO N 44; Fank- hauser, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A. 2016, Art. 288 ZPO N 12). Erfor- dern es die Verhältnisse, kann ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet wer-Kantonsgericht Schwyz 7 den (Art. 225 ZPO). In der Folge wird – falls die Parteien nicht gemeinsam auf die Durchführung einer Hauptverhandlung verzichten (Art. 233 ZPO) – eine Hauptverhandlung stattfinden (vgl. 228 ff. ZPO), zu welcher die Parteien per- sönlich zu erscheinen haben (Art. 278 ZPO). Im Hinblick auf ein allfälliges Beweisverfahren (Art. 231 ZPO) gilt es zu berücksichtigen, dass für den Scheidungspunkt der eingeschränkte Untersuchungsgrundsatz gilt (Art. 277 Abs. 3 ZPO; zum Ganzen: EGV SZ 2019 Nr. A.2.1 = Beschluss ZK1 2019 3 vom 1. Oktober 2019). aa) In der Klagebegründung vom 17. August 2020 (Vi-act. 23) hielt der Klä- ger zum Scheidungspunkt fest, dass die zweijährige Trennungszeit und damit der Scheidungsgrund nach Art. 114 ZGB gegeben sei (S. 4 f.). Die Beklagte verzichtete in der Klageantwort vom 30. November 2020 (Vi-act. 31) auf Be- merkungen zum Scheidungspunkt (S. 5). Daraufhin setzte der Einzelrichter den Parteien eine Frist an, um schriftlich Widerspruch zum beabsichtigten weiteren Vorgehen zu erheben (Vi-act. 32). Demnach werde praxisgemäss ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet, sofern seitens der Parteien auf eine Hauptverhandlung und weitere mündliche Parteivorträge verzichtet werde. Der Kläger teilte am 18. Dezember 2020 mit, dass er keinen Widerspruch gegen die vom Gericht beabsichtigte Vorgehensweise erhebe (Vi-act. 33). Die Be- klagte liess ihrerseits das Gericht mit Eingabe vom 21. Dezember 2020 wis- sen, dass sie mit der vom Gericht geplanten Vorgehensweise einverstanden sei (Vi-act. 34). In der Replik vom 26. April 2021 (Vi-act. 50) und der Duplik vom 8. September 2021 (Vi-act. 60) äusserten sich die Parteien nicht zum Scheidungspunkt. Bis zu diesem Zeitpunkt thematisierte keine der Parteien die Möglichkeit eines Teilurteils im Scheidungspunkt, weshalb den Rechts- schriften auch keine Ausführungen zum der entsprechenden Interessenabwä- gung zugrundeliegenden Sachverhalt zu entnehmen sind. Mit Eingabe vom 1. Dezember 2021 beantragte der Kläger (erstmals), es sei ein Teilurteil über den Scheidungspunkt zu fällen (Vi-act. 68). Als Anlass für Kantonsgericht Schwyz 8 diesen Antrag führte er seine überraschende Krebserkrankung im Sommer 2021 an. Zur Begründung machte er insbesondere sein Interesse geltend, die Nachlassplanung nach seinem Willen und ohne die am 1. Januar 2023 in Kraft tretende Erbrechtsrevision abwarten zu müssen, vornehmen zu können. Die Beklagte widersetzte sich mit Stellungnahme vom 24. Januar 2022 der Ausfäl- lung eines Teilurteils im Scheidungspunkt (Vi-act. 72). Sie äusserte sich zur Verfahrensdauer, der (ihrer Ansicht nach geringen) Komplexität der Schei- dungssache, der Krebserkrankung des Klägers, zu dessen Interesse an der Nachlassplanung und deren Folgen für die Beklagte (Pflichtteilsanspruch oder gesetzlicher Erbanspruch, Verlust [Geschiedenen-]Witwenrente der Pensions- kasse). Die Parteien reichten am 10. Februar 2022 (Kläger, Vi-act. 76) bzw. am 15. März 2022 (Beklagte, Vi-act. 84) je eine zweite Stellungnahme ein. bb) Der Anlass für die Ausfällung eines Teilurteils (Erkrankung des Klägers) verwirklichte sich im Sommer 2021. Betreffend die für ein Teilurteil notwendige Interessenabwägung, d.h. zu dem diesem Teilentscheid zugrundeliegenden Sachverhalt konnten sich die Parteien je zweimal äussern, sodass faktisch ein doppelter Schriftenwechsel vorhanden ist (Vi-act. 68, 72, 76, 84). Eine mündli- che Hauptverhandlung wurde nicht durchgeführt. Der Verzicht der Parteien auf Durchführung einer Hauptverhandlung (Eingabe Kläger vom 18. Dezember 2020, Vi-act. 33; Eingabe Beklagte vom 21. De- zember 2020, Vi-act. 34) erfolgte ein halbes Jahr vor dem Bekanntwerden der Erkrankung des Klägers (Juni 2021) und knapp ein Jahr vor dem Antrag auf Ausfällung eines Teilurteils im Scheidungspunkt (Gesuch Kläger vom 1. De- zember 2021, Vi-act. 68). Ob dieser Verzicht auch bei einem erst später er- folgten Antrag auf ein Teilurteil Bestand hat, braucht nicht näher geprüft zu werden, weil, wie noch zu begründen sein wird, der Antrag auf Erlass eines Teilurteils abzuweisen ist. Immerhin ist festzuhalten, dass der Vorderrichter die Parteien darauf hinwies, dass bei einem Verzicht auf eine mündliche Kantonsgericht Schwyz 9 Hauptverhandlung für alle weiteren Parteivorbringen das schriftliche Verfahren gelte (Vi-act. 32). Darunter dürften grundsätzlich ebenso neue Parteianträge fallen. Zudem äusserten sich beide Parteien, so insb. auch die Beklagte in ihren vorinstanzlichen Rechtsschriften zum Antrag auf ein Teilurteil, weder zum vorgängigen Verzicht auf Durchführung einer Hauptverhandlung noch stellte(n) sie diesen Verzicht wegen des nunmehr erfolgten Antrags auf ein Teilurteil neu in Frage resp. zur Diskussion (Vi-act. 68, 72, 76, 84). Erst mit der Berufung trägt die anwaltlich vertretene Beklagte nunmehr vor, dass die- ser Verzicht den Antrag des Klägers um Erlass eines Teilurteils im Schei- dungspunkt nicht abzudecken vermag, weshalb der Anspruch der Beklagten auf Durchführung des gesetzmässigen Verfahrens verletzt worden sei (KG- act. 1, Rz. 8 f.). Ob dieser erst vorliegend erhobene Einwand dem Gebot von Treu und Glauben zu widersprechen vermag (vgl. KG-act. 6, Rz. 10), kann, wie gesagt, offengelassen werden. Jedenfalls schreibt die ZPO weder eine bestimmte Form für den Verzicht vor noch verlangt das Gesetz eine aus- drückliche Äusserung, mithin ist selbst ein konkludenter Verzicht auf eine Verhandlung nicht ausgeschlossen (vgl. BGE 140 III 450 E. 3.2). 2. Vorab ist festzuhalten, dass sich die Beklagte der Scheidung nicht wi- dersetzt (vgl. Vi-act. 31, Rechtsbegehren Ziffer 1 und Begründung S. 5), wohl aber dem Erlass eines Teilentscheids im Scheidungspunkt, weshalb eine In- teressenabwägung einerseits des Klägers an der vorzeitigen Ausfällung eines Teilurteils und andererseits der Beklagten an der Beibehaltung der Einheit des Scheidungsurteils vorzunehmen ist. a) Die Vorinstanz erwog dazu (angef. Teilurteil, E. 1.3), dass der Schei- dungsgrund (zweijährige Trennungsfrist) liquid und unbestritten sei. Das Scheidungsverfahren sei seit drei Jahren hängig. Der zweite Schriftenwechsel sei abgeschlossen, sodass das Beweisverfahren mit etlichen Editionen, zum grössten Teil betreffend das Einkommen des Klägers, anstehe, was eine ge- wisse Dauer in Anspruch nehmen werde. Aufgrund des bisherigen Verfahrens Kantonsgericht Schwyz 10 sei davon auszugehen, dass die Parteien ihr Replikrecht danach wahrschein- lich mehrmals beanspruchen würden. Ein Scheidungsurteil im Jahr 2022 scheine eher wenig realistisch. Wenn auch nicht von einer sehr langen Dauer des Verfahrens auszugehen sei, komme der Dauer vor dem Hintergrund der Krankheit des Klägers eine andere Bedeutung zu. Die Vorinstanz zitierte die im Recht liegenden Arztberichte, die Argumente des Klägers im Hinblick auf seine Erkrankung, die Argumente der Beklagten zu ihrem Erbrechts- und Un- terhaltsanspruch sowie die bundesgerichtliche Rechtsprechung zum Erban- spruch im Zusammenhang mit der Erbrechtsrevision. Sodann erwog die Vor- instanz, die Parteien lebten bereits seit sechs Jahren getrennt und befänden sich im vierten Gerichtsverfahren. Eine Berufung auf die Aufrechterhaltung der Erbenstellung, um das eheliche Band formell noch etwas länger aufrecht zu erhalten, erscheine nicht als schützenswert. Seit dem 1. August 2021 sei ein eher geringer Unterhalt geflossen, der Trennungszeitpunkt liege bald sechs Jahre zurück und das Primat der Eigenversorgung bestehe bereits ab dem Trennungszeitpunkt, wenn keine vernünftige Aussicht auf Wiederaufnahme des Ehelebens bestehe. Im derzeitigen Verfahrensstand sei nicht auszusch- liessen, dass die Krankheit des Klägers allenfalls auch Auswirkungen auf sein Einkommen habe. Es könne derzeit nicht mit Sicherheit von einem nacheheli- chen Unterhaltsanspruch der Beklagten ausgegangen werden. Allfällige BVG- Leistungen wären um jenen Betrag zu kürzen, um den sie zusammen mit den Leistungen der übrigen Versicherungen den Anspruch aus dem Scheidungs- urteil übersteigen. Ein Anspruch auf Hinterlassenenleistungen des BVG be- stehe nur solange wie die Rente geschuldet gewesen wäre. Unter Berücksich- tigung aller Punkte sei das Interesse der Beklagten an der Aufrechterhaltung der Möglichkeit einer Geschiedenenwitwenrente nicht über das Interesse des Klägers um möglichst baldige Regelung seines Nachlasses zu stellen. Die Interessen des Klägers seien überwiegend. Die Beklagte macht geltend, die Vorinstanz habe nicht geprüft, ob es vergli- chen mit der Aufrechterhaltung ihrer Erbenstellung schützenswerter sei, sie Kantonsgericht Schwyz 11 von jeglichem Erbrecht auszuschliessen. Dem Argument, dass der Verfah- rensdauer angesichts der Krebserkrankung des Klägers besondere Bedeu- tung zukomme, wäre zuzustimmen, falls ihm zur Bekämpfung der Krankheit keine Behandlungen mehr zur Verfügung stünden. Der mutmasslich positive Verlauf der erfolgten CAR-T Zelltherapie relativiere jedoch die Dringlichkeit der Nachlassregelung. Sodann sei nicht die mutmasslich noch bevorstehende Dauer des Scheidungsverfahrens, sondern die verbleibende Zeit bis zum In- krafttreten der Erbrechtsrevision zu beurteilen. Nach deren Inkrafttreten am 1. Januar 2023 werde der Kläger über seinen Nachlass ungeachtet der Erbansprüche der Beklagten disponieren können. Zudem seien die noch zu regelnden Verhältnisse nicht komplex und die bisherigen Verfahren seien durch Vergleich erledigt worden. Im Zusammenhang mit dem Unterhaltsan- spruch nehme die Vorinstanz ihren späteren Entscheid vorweg, bevor sie über die zur Ermittlung des Einkommens des Klägers erforderlichen Unterlagen verfüge. Die bisher jeweils durch Vereinbarung festgelegten Unterhaltsbeiträ- ge habe sie nur dem Frieden zuliebe, zwecks Streitbeilegung akzeptiert, was aber nicht mit dem ehelichen Lebensstandard gleichzusetzen sei. Die Vorin- stanz habe einseitig unterhaltsreduzierende Faktoren berücksichtigt, unab- hängig vom gelebten Lebensstandard und vom effektiven Einkommen des Klägers sowie unter Missachtung wesentlicher Kriterien der Unterhaltsfestset- zung (KG-act. 1). b) Im Rahmen der bei fehlender Zustimmung zur Ausfällung eines Teilur- teils im Scheidungspunkt vorzunehmenden Interessenabwägung berücksich- tigt das Gericht namentlich die Liquidität des Scheidungsgrunds, die Dauer des Scheidungsverfahrens, das Recht auf Ehe in der Ausprägung des Rechts auf Wiederverheiratung und weitere relevante Umstände wie das Erbrecht, das Alter der Parteien oder Kinder aus einer neuen Beziehung (vgl. BGE 144 III 298 E. 7; Urteile BGer 5A_426/2018 vom 15. November 2018 E. 3 und 5A_679/2020 vom 1. Juli 2021 E 2.1.1).Kantonsgericht Schwyz 12 c) Wie bereits erwähnt, erfolgte die Scheidungsklage gestützt auf den Scheidungsgrund des zweijährigen Getrenntlebens (Art. 114 ZGB). Die Par- teien leben seit 4. Mai 2016 getrennt (Vi-act. KB 3, Dispositivziffer 1). Bei Ein- reichung der Scheidungsklage am 2. April 2019 (Vi-act. 1) war die zweijährige Trennungsfrist nach Art. 114 ZGB abgelaufen, was die Beklagte bislang nicht bestritt, mithin implizit anerkannte (vgl. Vi-act. 31, S. 5). Der Scheidungsgrund ist damit liquid. d) Bei der Verfahrensdauer stellt das Bundesgericht auf die Dauer des Scheidungsverfahrens ab (Urteil BGer 5A_426/2018 vom 15. November 2018 E. 2.3), d.h. auf den Zeitraum von der Rechtshängigkeit der Scheidungsklage bis zum Erlass des Teilurteils (BGE 144 III 298 E. 7.2.3; Urteil BGer 5A_426/2018 vom 15. November 2018 E. 3.3.4). Nicht massgebend ist deshalb die Dauer eines vorgängigen Eheschutzverfahrens oder die effektive Trennungszeit. Ebenso wenig kommt es auf die Prozessleitung des Gerichts an, sondern auf die tatsächliche Verfahrensdauer (BGE 144 III 298 E. 7.2.3). Sodann ist auch eine Prognose über die noch zu erwartende Verfahrensdauer anzustellen (BGE 144 III 298 E. 7.2.3). Bei letzterem ist zu berücksichtigen, dass dem Umstand, wonach einer der Ehegatten nach Erlass eines Teilurteils das Interesse an einem zügigen Abschluss des Verfahrens verlieren könnte, mit prozessualen Mitteln zu begegnen ist und dieser (alleine) die Verweige- rung eines Teilurteils nicht zu begründen vermag (Urteil BGer 5A_426/2018 vom 15. November 2018 E. 3.2.1). Das Bundesgericht erachtete beispielsweise in einem Fall eine Verfahrens- dauer vor dem Bezirksgericht seit der Rechtshängigkeit der Scheidungsklage bis zum Erlass des erstinstanzlichen Teilurteils von gut sechs Jahren vor dem Hintergrund, dass das Scheidungsverfahren auch zwei Jahre später noch vor der ersten Instanz hängig war und ein Abschluss des Verfahrens nicht abseh- bar sei, als äusserst lange. Beide Parteien hätten betont, dass ein äusserst umfangreiches Verfahren vorliege, in welchem es immer wieder zu Verzöge-Kantonsgericht Schwyz 13 rungen gekommen sei und dass der Streit um die zahlreichen weiterbeste- henden Differenzen heftig geführt werde (Urteil BGer 5A_426/2018 vom 15. November 2018 E. 3.3.4). In einem anderen, in tatsächlicher und rechtli- cher Hinsicht relativ komplexen Scheidungsverfahren, das betreffend die Kin- derbelange heftig geführt wurde und in dem es zu vielen Entscheiden und Massnahmen kam, dauerte das Verfahren bis zum angefochtenen Teilurteil rund zweieinhalb Jahre, wobei die Hauptverhandlung auf einen Termin rund vier Jahre nach Begründung der Rechtshängigkeit angesetzt wurde. In diesem Scheidungsverfahren kam das Bundesgericht zum Schluss, dass mit einem raschen Verfahrensabschluss nicht gerechnet werden könne und der Ehegat- te voraussichtlich weit über siebzig Jahre alt geworden wäre, bevor er wieder hätte heiraten können. Der Anspruch auf ein Teilurteil wurde bejaht (BGE 144 III 298 E. 7.2.3). aa) Das vorliegende Scheidungsverfahren wurde am 2. April 2019 eingelei- tet (Vi-act. 1). Daraufhin erfolgten insbesondere die Einigungsverhandlung (am 17. Oktober 2019: Vi-act. 15), ein doppelter Schriftenwechsel zu sämtli- chen Scheidungsnebenfolgen (Klagebegründung Vi-act. 23, Klageantwort Vi- act. 31, Replik Vi-act. 50, Duplik Vi-act. 60), die Kinderanhörung (am 10. Fe- bruar 2021, Vi-act. 41) sowie die Stellungnahmen zum Antrag betreffend Teil- urteil im Scheidungspunkt (Vi-act. 68, 72, 76, 84). Die Parteien verzichteten wie erwähnt im Dezember 2020 auf die Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung (Vi-act. 33 und 34), wobei der Umfang des Verzichts vor- liegend offengelassen werden kann (vgl. E. 1.e vorne). Bis zum angefochte- nen Teilurteil vom 30. März 2022 dauerte das Scheidungsverfahren rund drei Jahre. bb) Im Hinblick auf die noch zu erwartende Verfahrensdauer bis zum End- entscheid ist festzuhalten, dass der Vorderrichter am 19. April 2022 eine Editi- onsverfügung erliess (Vi-act. 94), d.h. dass er den Sachverhalt noch nicht als spruchreif erachtete. Im Zeitpunkt des Teilurteils war damit noch das Beweis-Kantonsgericht Schwyz 14 verfahren – im Wesentlichen Editionen verschiedener Unterlagen (vgl. Vi- act. 94), die Stellungnahmen zum Beweisergebnis (Art. 232 Abs. 1 ZPO) und die (schriftlichen) Schlussvorträge (Art. 232 Abs. 2 ZPO) – ausstehend. Dem bisherigen Verfahrensverlauf ist zudem zu entnehmen, dass beide Parteien die Fristerstreckungsmöglichkeiten regelmässig wahrnahmen, sodass bis zum Entscheid über die Scheidungsnebenfolgen in jedem Fall noch einige Zeit vergehen dürfte. Betreffend die Nebenfolgen der Scheidung stellten die Par- teien zunächst unterschiedliche Anträge zu den Betreuungszeiten der Kinder durch den Kläger (Vi-act. 23 und 31). Als wesentliche Streitpunkte erweisen sich die Unterhaltsberechnung und die güterrechtliche Auseinandersetzung. Bei der Unterhaltsberechnung sind das Arbeitspensum und die Einkommens- höhe der Beklagten (Vi-act. 23, S. 14 ff.; Vi-act. 31, S. 24 ff.) sowie die Ein- kommenshöhe des Klägers (Vi-act. 23, S. 16 f.; Vi-act. 31, S. 27 ff.) umstritten. Insbesondere wird den Vorbringen zufolge zu beurteilen sein, ob der Kläger (regelmässig) einen Bonus erhält und ob er sich gegenüber früheren Jahren (wie von der Beklagten vorgetragen, vgl. Vi-act. 60, S. 15 ff.) absichtlich ein tieferes Einkommen auszahlen lässt. Der Kläger hatte gemäss Editionsverfü- gung vom 19. April 2022 (Vi-act. 94) diverse Unterlagen zu seinem Einkom- men, inklusive Geschäftsunterlagen der H.________ AG einzureichen, deren Beurteilung wohl eine gewisse Zeit beanspruchen dürfte. Beim Güterrecht behauptet der Kläger, dass die eheliche Liegenschaft und seine Anteile an den beiden Aktiengesellschaften seinem Eigengut zuzuweisen seien (Vi- act. 23, S. 19 ff.), was die Beklagte bestreitet (Vi-act. 31, S. 29 ff.). Beide Par- teien verfügen sodann über verschiedene Konti (vgl. Vi-act. 31, S. 33). Die Teilung der beruflichen Vorsorge scheint, abgesehen von geltend gemachten Zweifeln betreffend die Höhe der Guthaben, eher einfach zu sein (vgl. Vi- act. 23, S. 27; Vi-act. 31, S. 35). Damit erweisen sich die Scheidungsneben- folgen prima facie nicht als sehr komplex und in zeitlicher Hinsicht somit nicht als sehr aufwendig, auch wenn die Bestimmung des klägerischen Einkom- mens einen gewissen Aufwand generieren dürfte.Kantonsgericht Schwyz 15 cc) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beurteilung der Schei- dungsnebenfolgen zwar noch einige Zeit beanspruchen dürfte. Die bisherige Verfahrensdauer von drei Jahren ist aber angesichts der in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht nicht äusserst komplexen Scheidungsnebenfolgen nicht mit den in den zitierten Bundesgerichtsentscheiden beschriebenen Schei- dungsverfahren vergleichbar. Die Dauer des Scheidungsverfahrens wiegt da- her (zumindest für sich alleine betrachtet) noch nicht sehr lang. Allerdings ist zu prüfen, ob der Verfahrensdauer im Hinblick auf die Erkrankung des Klägers eine grössere Bedeutung zukommt. e) Der Kläger beruft sich im Zusammenhang mit seiner Krebserkrankung auf das Interesse, seine Nachlassplanung möglichst bald vornehmen zu kön- nen. Nach derzeit geltendem Recht entfällt die Stellung des überlebenden Ehegatten als gesetzliche Erbin und Pflichtteilsberechtigte (vgl. Art. 462 und Art. 471 Ziff. 3 ZGB) erst mit der Rechtskraft des Scheidungsurteils, d.h. sie bleibt während der Rechtshängigkeit des Scheidungsverfahrens bestehen (Urteil BGer 5A_426/2018 vom 15. November 2018 E. 3.2.2). Der Erban- spruch des Ehegatten gründet in der ehelichen Gemeinschaft (Art. 159 ZGB; Urteil BGer 5A_426/2018 vom 15. November 2018 E. 3.2.2), d.h. er knüpft am Zivilstand an, sodass dieser mit der Rechtskraft eines Teilurteils im Schei- dungspunkt entfällt. Gemäss Bundesgericht vermag das Interesse am Wegfall der Erbenstellung des einen Ehegatten für sich allein das Interesse des ande- ren Ehegatten an deren Beibehaltung nicht zu überwiegen. Davon zu unter- scheiden sei, dass das Interesse eines Ehegatten an seiner Nachlassplanung weitergehe als das blosse Interesse, den zwischenzeitlich ungeliebten Ehe- gatten als potenziellen Erben „loszuwerden“ (Urteil BGer 5A_679/2020 vom 1. Juli 2021 E. 2.4). Demnach ist nur die bloss grundsätzliche Erbenstellung nicht als Interesse für ein Teilurteil im Scheidungspunkt geeignet. Bestehen hingegen aktuelle Gründe den Nachlass konkret zu planen, wie beispielsweise eine lebensbedrohliche Erkrankung, kann dies durchaus als berechtigtes In- teresse an einem vorzeitigen Entscheid über den Scheidungspunkt begründen Kantonsgericht Schwyz 16 (zur gegenteiligen Ansicht der Beklagten: KG-act. 1, S. 6). Zu prüfen ist damit, ob der Kläger abgesehen von der grundsätzlichen Erbenstellung der Beklag- ten ein aktuelles Interesse an seiner Nachlassplanung hat. aa) Der Kläger erkrankte im Juni 2021 an einem diffus-grosszelligen B-Zell- Lymphom (Vi-act. 68, Beilage 1). Gemäss Ärztlichem Zeugnis des Spitals La- chen vom 29. Oktober 2021 dauere die Behandlung mehrere Monate und um- fasse eine intensive Chemo- und Immuntherapie mit zum Teil langwierigen Nebenwirkungen. Der Patient werde nach Abschluss der Therapie in ein mehrjähriges Nachsorgeprogramm genommen. Nach Abschluss der Rekonva- leszenz werde zu einer langsamen und vorsichtigen Wiederaufnahme der Ar- beitstätigkeit in reduziertem Pensum geraten. Ob und inwieweit eine volle Ar- beitsfähigkeit wiedererlangt werden könne, bleibe vom Verlauf der Erkrankung sowie der Nebenwirkungen abhängig. Nach mehreren Chemotherapiezyklen erwies sich die Krebserkrankung im Dezember 2021 als nicht chemosensiv, weshalb eine Immunzelltherapie in die Wege geleitet wurde (Bericht der Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie des Universitätsspitals Zürich vom 20. Dezember 2021, Vi-act. 76, Beilage 1, S. 2). Dem Kostengutsprache- gesuch für die CAR-T Zelltherapie (Bericht der Klinik für Medizinische Onkolo- gie und Hämatologie des Universitätsspitals Zürich vom 23. Dezember 2021, Vi-act. 76, Beilage 2) ist zu entnehmen, dass der Kläger an einem Frührezidiv leide, die Krankheit refraktär (unempfindlich, nicht beeinflussbar) sei und da- durch unmittelbare Lebensgefahr entstehe. Der PET/CT-Bericht der Klinik für Nuklearmedizin des Universitätsspitals Zürich vom 21. Juni 2022 (KG-act. 6/2) entstand erst nach dem Teilurteil vom 30. März 2022 und wurde mit der ersten Rechtsschrift im Berufungsverfahren, am 23. Juni 2022 eingereicht (KG-act. 6). Für den Scheidungspunkt – und damit auch für die Interessenabwägung im Hinblick auf ein Teilurteil im Schei- dungspunkt – gilt der eingeschränkte Untersuchungsgrundsatz (Art. 277 Abs. 3 ZPO; EGV SZ 2019 Nr. A.2.1 = Beschluss ZK1 2019 3 vom 1. Oktober Kantonsgericht Schwyz 17 2019 E. 1.f; Urteil KG GR ZK1 20 49 vom 17. Juni 2021 E. II.3.1.2). Das Ge- richt hat demnach den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO werden im Berufungsverfahren neue Tatsachen und Beweismittel nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorge- bracht werden konnten. Dies gilt für unechte Noven, die bereits im vorinstanz- lichen Verfahren bestanden, und auch für Verfahren mit Untersuchungsgrund- satz. Demgegenüber sind echte Noven, d.h. Tatsachen oder Beweismittel, welche (erst) nach dem Ende der Hauptverhandlung des erstinstanzlichen Verfahrens entstanden, im Berufungsverfahren grundsätzlich immer zulässig, wenn sie ohne Verzug nach ihrer Entdeckung vorgebracht werden. Der ge- nannte Bericht ist ein echtes Novum, das ohne Verzug im Berufungsverfahren eingebracht wurde, weshalb er berücksichtigt werden kann. Im Wesentlichen wird darin ein im Vergleich zum PET/CT vom 20. Mai 2022 unveränderter Be- fund, d.h. eine stabile Erkrankung, festgestellt (KG-act. 6/2). Zusammenfassend ergibt sich aus den Arztberichten, dass der Kläger an ei- ner lebensbedrohlichen Krebserkrankung leidet, deren Behandlung sich nach den ersten Monaten als schwierig erwies, sich derzeit anscheinend aber we- der verbessert noch verschlechtert. Wie lange dieser stabile Zustand andau- ern könnte, ist indes nicht beurteilbar. Die Beklagte ist der Ansicht, dass sich die Dringlichkeit der Nachlassregelung aufgrund der mutmasslich positiv ver- laufenen CAR-T Zelltherapie relativiere (KG-act. 1, S. 6). Die CAR-T Zellthe- rapie konnte anscheinend durchgeführt werden (KG-act. 6, S. 6) und die Er- krankung war im Juni 2022 stabil, sodass durchaus von einem gewissen Er- folg der Zelltherapie gesprochen werden kann. Indessen sind keine belegten Angaben zur nachfolgenden Entwicklung und zur mittel- und langfristigen Pro- gnose vorhanden. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Erkran- kung innert kürzester Zeit wieder akut lebensbedrohlich werden könnte, auch wenn die Ausführungen des Klägers, die CAR-T Zelltherapie gelange nur zur Anwendung, wenn keine andere Therapie mehr möglich sei (KG-act. 6, S. 7), Kantonsgericht Schwyz 18 weder aus den Arztberichten hervorgehen noch anderweitig belegt sind. Damit hat der Kläger ein über die grundsätzliche Erbenstellung der Beklagten hin- ausgehendes aktuelles Interesse, seinen Nachlass seinem Willen entspre- chend planen zu können. bb) Bei der Abwägung, ob dem Kläger ein gewichtiges Interesse an der vor- zeitigen Nachlassplanung zukommt, ist auch die per 1. Januar 2023 in Kraft tretende Erbrechtsrevision nicht ausser Acht zu lassen, zumal im Zeitpunkt des klägerischen Gesuchs vom 1. Dezember 2021 die Inkraftsetzung der Erb- rechtsrevision auf den 1. Januar 2023 feststand. Übergangsrechtlich ist der Zeitpunkt des Todes massgeblich (Art. 15 Abs. 1 SchlT ZGB). Verstirbt die Person vor Inkrafttreten des neuen Rechts, gilt das alte Recht; verstirbt sie nach dessen Inkrafttreten, so kommt das neue Recht zur Anwendung (BBl 2018 5870). aaa) Nach geltendem Recht entfallen der Pflichtteilsanspruch und das ge- setzliche Erbrecht zwischen den Ehegatten erst, wenn sie geschieden sind (Art. 120 Abs. 2 ZGB), d.h. wenn das Scheidungsurteil formell rechtskräftig ist (Althaus/Huber, in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilge- setzbuch I, 6. A. 2018, Art. 120 ZGB N 18). Stirbt ein Ehegatte während eines Scheidungsverfahrens, so behält die überlebende Person sowohl das gesetz- liche Erbrecht als auch das Pflichtteilsrecht (BBl 2018 5838). Nach neuem Recht entfällt der Pflichtteil des überlebenden Ehegatten, wenn der andere Ehegatte während eines Scheidungsverfahrens verstirbt und beide der Schei- dung zustimmten oder die Eheleute während mindestens zwei Jahren ge- trennt lebten (nArt. 472 Abs. 1 Ziff. und Ziff. 2 ZGB). Hingegen behält der überlebende Ehegatte das gesetzliche Erbrecht bis zur Rechtskraft des Scheidungsurteils (nArt. 120 Abs. 2 ZGB; BBl 2018 5839). Den Ehegatten ist es aber möglich, mittels Verfügung von Todes wegen für den Fall ihres Ver- sterbens während des Scheidungsverfahrens den anderen Ehegatten von jeglichem Erbrechtsanspruch auszuschliessen (Stephan Wolf, Das neue Erb-Kantonsgericht Schwyz 19 recht – eine Übersicht über die auf den 1. Januar 2023 in Kraft tretenden Än- derungen, in: ZBJV 158/2022, S. 417 ff., S. 416 f.). bbb) Das Vorstehende hat folgende Auswirkungen für die Parteien: Falls vor dem 31. Dezember 2022 kein rechtskräftiges Teilurteil im Schei- dungspunkt vorliegt und der Kläger vor dem 1. Januar 2023 versterben sollte, stünden der Beklagten sowohl das gesetzliche Erbrecht als auch ihr Pflichtteil zu. Würde der Kläger erst später versterben, hätte die Beklagte ab 1. Januar 2023 keinen Pflichtteilsanspruch mehr und der Kläger könnte mittels Testa- ment die Beklagte ab diesem Datum auch von ihrem gesetzlichen Erban- spruch ausschliessen. Würde hingegen vor dem 31. Dezember 2022 ein rechtskräftiges Teilurteil vorliegen, hätte die Beklagte ab Rechtskraft keinerlei Erbansprüche mehr und der Kläger könnte ab diesem Zeitpunkt bzw. noch vor dem 1. Januar 2023 – unter Vorbehalt anderweitiger zu berücksichtigender Pflichtteile – seinem Wil- len entsprechend über seine Erbschaft verfügen. Dabei würde der Todeszeit- punkt (vor oder nach dem 1. Januar 2023) keine Rolle spielen. Am 1. Januar 2023 wird die Beklagte in jedem Falle ihren erbrechtlichen Pflichtteilsanspruch verlieren und der Kläger wird sie testamentarisch auch vom gesetzlichen Erbanspruch ausschliessen können – unabhängig davon, ob ein (Teil-)Urteil im Scheidungspunkt nach dem 1. Januar 2023 ergehen oder rechtskräftig werden wird. ccc) Das Interesse des Klägers an einem Teilurteil im Scheidungspunkt be- steht demnach darin, dass er vor dem Hintergrund seiner lebensbedrohlichen Erkrankung möglichst bald seinen Nachlass in seinem Sinne – d.h. ohne Er- benstellung und Pflichtteilsrecht der Beklagten – regeln könnte. Dieses aktuel- le Interesse entfällt jedoch spätestens am 31. Dezember 2022. Im Zeitpunkt Kantonsgericht Schwyz 20 der Antragstellung am 1. Dezember 2021 (Vi-act. 68) verblieb noch gut ein Jahr bis zum Inkrafttreten der Erbrechtsrevision und dem Kläger stand eine Zelltherapie mit nicht voraussehbarem Ausgang bevor. Es liegt auf der Hand, dass sein Interesse damals höher zu gewichten war als im vorliegenden Zeit- punkt. Derzeit scheint die Erkrankung – ohne gegenteilige Informationen – wohl einigermassen stabil zu sein und das Interesse des Klägers an einem Teilurteil wird in rund zwei Monaten zudem an Bedeutung verlieren. Anderwei- tige aktuelle Interessen führt der Kläger nicht an. f) Die Beklagte macht ihr Interesse geltend, den gesetzlichen Erbanspruch und ihr Pflichtteilsrecht beizubehalten, was sich auch auf eine allfällige Wit- wenrente der beruflichen Vorsorge auswirke. aa) Vorab ist zur vorinstanzlichen Begründung im Hinblick auf die voraus- sichtlichen Unterhaltsbeiträge Folgendes anzumerken: Es ist zwar umstritten, ob der Beklagten ein nachehelicher Unterhaltsbeitrag zuzusprechen ist und gegebenenfalls in welcher Höhe. Auch angesichts des seit dem 1. August 2021 in geringem Umfang geleisteten persönlichen Unterhaltsbeitrages (Ver- einbarung im Verfahren betr. vorsorgliche Massnahmen vom 18. Mai 2021, Ziff. 1.5, ZES 20 335, Vi-act. 38) und falls die Erkrankung des Klägers Auswir- kungen auf sein Einkommen haben sollte, ist die Zusprechung eines Unter- haltsbeitrages und demzufolge ein Anspruch auf eine Witwenrente nicht be- reits zum Vorneherein gänzlich ausgeschlossen. Der Kläger hatte denn auch diverse Unterlagen zu seinem Einkommen zu edieren (Vi-act. 94), sodass die Höhe eines allfälligen Unterhaltes erst nach deren Sichtung abgeschätzt wer- den kann. Darüber hinaus wurden die Unterhaltsbeiträge bisher stets mittels Vereinbarung festgelegt (Vi-act. 15, ZES 2015 671; Vi-act. 12, ZES 18 50; Vi- act. 38, ZES 20 335). Der Beklagten kann demnach ein Interesse an Unter- haltsbeiträgen und einer Witwenrente derzeit nicht abgesprochen werden.Kantonsgericht Schwyz 21 bb) Im Hinblick auf die Interessenlage der Beklagten sind die folgenden Konstellationen zu unterscheiden: aaa) Falls kein rechtskräftiges Teilurteil vorliegt – d.h. solange die Parteien noch verheiratet sind – und der Kläger vor dem 1. Januar 2023 versterben sollte, käme das geltende Recht zur Anwendung. Der Beklagten stünden so- wohl ihr gesetzlicher Erbanspruch als auch ihr Pflichtteil zu (Art 462 ZGB). Zukünftige persönliche Unterhaltsbeiträge sowie solche für die Kinder würden ihr nicht zugesprochen werden können (vgl. Art. 130 Abs. 1 ZGB). Sie hätte jedoch einen Anspruch auf Witwenrente der beruflichen Vorsorge (Art. 19 Abs. 1 BVG). Würde nach geltendem Recht der Kläger nach Rechtskraft des Teilurteils im Scheidungspunkt, aber während laufendem Verfahren betreffend die Schei- dungsnebenfolgen und vor dem 1. Januar 2023 versterben, hätte die Beklagte keinerlei Erbrechtsansprüche (Art. 120 Abs. 2 ZGB). Zudem würden weder (künftige) persönliche Unterhaltsbeiträge (Art. 125 ZGB i.V.m. Art. 130 Abs. 1 ZGB) noch solche für die beiden Kinder (Art. 133 Abs. 1 Ziff. 4 ZGB) zuge- sprochen werden können. Dies wiederum hätte zur Folge, dass die Beklagte keinen Anspruch auf Witwenrente der beruflichen Vorsorge hätte (Art. 19 Abs. 3 BVG i.V.m. Art. 20 Abs. 1 BVV 2; nicht massgeblich ist der während des Eheschutzverfahrens zugesprochene Unterhaltsbeitrag: Amstutz, in: Bas- ler Kommentar zur Beruflichen Vorsorge, 1. A. 2020, Art. 19 BVG N 44). Wird über die bundesgerichtliche Rechtsprechung (Urteil BGer 5A_426/2018 vom 15. November 2018 E. 3.1; BGE 144 III 298 E. 7.1) hinaus der Todesfall eines Ehegatten vor dem Endentscheid betreffend die Scheidungsnebenfolgen berücksichtigt, hat der Erlass eines Teilurteils im Scheidungspunkt demnach Auswirkungen auf die Witwenrente der beruflichen Vorsorge. Bei Vorliegen eines rechtskräftigen Teilurteils würde die Beklagte nach geltendem Recht riskieren, zur Deckung ihres Lebensunterhalts nebst ihrem eigenen Einkom- men lediglich die Leistungen der AHV beziehen zu können. Bis am 31. De-Kantonsgericht Schwyz 22 zember 2022 hat die Beklagte demnach durchaus ein Interesse an der Ver- weigerung eines Teilurteils im Scheidungspunkt. bbb) Nach dem 1. Januar 2023 verliert die Beklagte in jedem Fall ihren erb- rechtlichen Pflichtteil gegenüber dem Kläger und dieser wäre befugt, sie mit- tels Testament von ihrem gesetzlichen Erbanspruch auszuschliessen. Die Erbrechtsrevision hat aber keine Auswirkungen auf die berufliche Vorsor- ge (zweite Säule des Vorsorgesystems; BBl 2018 5856). Die Rente der beruf- lichen Vorsorge für geschiedene Witwen knüpft denn auch nicht am Erb- rechtsanspruch, sondern am zugesprochenen Unterhaltsanspruch an (Art. 19 Abs. 3 BVG i.V.m. Art. 20 Abs. 1 BVV 2). Die Beklagte würde demnach auch nach dem 1. Januar 2023 ihren Anspruch auf eine Witwenrente verlieren, falls ein Teilurteil im Scheidungspunkt erginge, rechtskräftig würde und der Kläger vor dem Entscheid über die Scheidungsnebenfolgen versterben sollte. g) Der Kläger beruft sich darauf, dass es rechtsmissbräuchlich sei, wenn ein Ehegatte die Aufrechterhaltung der Erbenstellung einfordere, obwohl die Ehe nicht mehr gelebt werde (vgl. KG-act. 6, S. 5 und 8 f.). aa) Das gesetzliche Erbrecht der Ehegatten und deren Pflichtteilsberechti- gung gründen in der ehelichen Gemeinschaft (Art. 159 ZGB), mithin in der familiären Beziehung zwischen den Beteiligten. Wird diese nicht mehr gelebt, kann sich die Berufung auf die Erbenstellung als Interesse, das eheliche Band länger aufrecht zu erhalten, als rechtsmissbräuchlich erweisen (Urteil BGer 5A_426/2018 vom 15. November 2018 E. 3.2.2; vgl. Urteil des Kantons- gerichts GR ZK1 20 49 vom 17. Juni 2021 E. 4.5.3.1). Das Bundesgericht erachtete die Berufung der Ehefrau auf ihre Erbenstellung im Urteil 5A_426/2018 vom 15. November 2018 als rechtsmissbräuchlich (E. 3.2.2). Die Ehefrau konnte nur ihre grundsätzliche Erbenstellung vorbrin-Kantonsgericht Schwyz 23 gen. Der Ehemann war nicht lebensbedrohlich krank noch war sein Todesfall anderweitig wahrscheinlich. Sodann dauerte das aufs Heftigste geführte, von der Ehefrau eingeleitete erstinstanzliche Scheidungsverfahren bis zum Teilur- teil bereits über sechs Jahre (E. 3.2.2 und 3.3.4). bb) Die Parteien heirateten am ________ und haben zwei gemeinsame Kin- der (Vi-act. KB 2). Bis zur Trennung am 4. Mai 2016 (Vi-act. KB 3, Dispositiv- ziffer 1) dauerte die Ehe rund siebeneinhalb Jahre. Inzwischen leben sie seit etwa sechseinhalb Jahren getrennt. Im Zeitpunkt der Einreichung der Schei- dungsklage waren die Kinder rund zehneinhalb- und siebeneinhalbjährig, heu- te sind sie 11 und 14 Jahre alt (Vi-act. 1 und Vi-act. KB 2) und stehen unter der elterlichen Obhut der Mutter (Vi-act. KB 3, E. 3, Vereinbarung Ziff. 2). Die Beklagte steht somit nach wie vor in der Pflicht, in einem gewissen Umfang Kinderbetreuung zu leisten und der Kläger hat andererseits u.a. im Rahmen des Besuchsrechts weiterhin seinen Pflichten nachzukommen. Die Parteien teilen zwar nicht mehr „Tisch und Bett“, dennoch ist insbesondere wegen den die noch minderjährigen Kinder betreffenden Nebenfolgen heute noch zumin- dest von einer familiären Verbundenheit auszugehen. Davon abgesehen sind keine Hinweise auf ernsthafte Auseinandersetzungen bei der Kinderübergabe oder bei wichtigen Entscheiden in Kinderbelangen zu konstatieren, die bishe- rigen Gerichtsverfahren wurden bislang durch Vergleich erledigt und – soweit bekannt – mit dem notwendigen Respekt gegenüber der Gegenpartei geführt (im Gegensatz zu Urteil BGer 5A_679/2020 vom 1. Juli 2021 E. 2.2). Damit kann nicht gesagt werden, die familienrechtlichen Verfahren würden geradezu „aufs Heftigste“ und ohne Kompromissbereitschaft geführt. Dass ein Schei- dungsverfahren, bei welchem die gegenseitigen Ansprüche definitiv festgelegt werden und insbesondere auch das Güterrecht zu regeln ist, im Gegensatz zum Eheschutz- und Massnahmenverfahren in der Regel länger dauert, ist sodann nicht unüblich. Schliesslich beruft sich die Beklagte nicht bloss auf ihre grundsätzliche Erbenstellung, sondern auf ihre Erbansprüche im Hinblick auf die aktuelle, lebensbedrohliche Erkrankung des Klägers. Die Geltendmachung Kantonsgericht Schwyz 24 von Unterhalts- und möglichen Witwenansprüchen während des noch laufen- den Scheidungsverfahrens erscheint nach dem Gesagten nicht rechtsmiss- bräuchlich. h) In Abwägung sämtlicher genannten Umstände überwiegt das Interesse der Beklagten an einem einheitlichen Scheidungsurteil gegenüber demjenigen des Klägers an einem Teilurteil im Scheidungspunkt, weshalb das angefoch- tene Urteil in Gutheissung der Berufung aufzuheben und das Gesuch um Er- lass eines Teilurteils abzuweisen ist. 3. Trifft die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so entscheidet sie auch über die Prozesskosten des erstinstanzlichen Verfahrens (Art. 318 Abs. 3 ZPO). Nachdem der klägerische Antrag um Erlass eines Teilurteils im Scheidungspunkt abzuweisen ist, sind die diesbezüglichen erstinstanzlichen Kosten ausgangsgemäss dem Kläger aufzuerlegen und hat der Kläger die Beklagte hierfür angemessen zu entschädigen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Für Ehesachen beträgt das Honorar erstinstanzlich Fr. 1‘000.00 bis Fr. 10‘000.00 (§ 9 Abs. 1 GebTRA). Angesichts des auf den Scheidungspunkt beschränkten Streitgegenstandes, wobei jedoch der Zivilstand für beide Parteien von einiger Wichtigkeit ist, erscheint für eine sechsseitige (Vi-act. 72) und eine vierseitige (Vi-act. 84) Stellungnahme eine Entschädigung von Fr. 1‘800.00 angemessen. 4. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Berufungsverfahrens dem unter- liegenden Kläger aufzuerlegen und hat der Kläger die Beklagte für das Beru- fungsverfahren zu entschädigen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die beklagtische Rechtsvertreterin reichte keine Kostennote ein, sodass die Entschädigung nach pflichtgemässem Ermessen festzulegen ist (§ 6 Abs. 1 GebTRA i.V.m. Art. 96 ZPO). Im Berufungsverfahren beträgt das Honorar 20 bis 60 % des in § 9 Abs. 1 GebTRA für Ehesachen festgelegten Tarifrahmens von Fr. 1‘000.00 bis Fr. 10‘000.00, d.h. Fr. 200.00 bis Fr. 6‘000.00 (§ 11 Geb-Kantonsgericht Schwyz 25 TRA). Unter Berücksichtigung der relativ hohen Wichtigkeit des zivilrechtlichen Statusentscheides für die Parteien und dem Zeitaufwand für die zwölfseitige Berufung und eine rund siebenseitige Stellungnahme der Beklagten erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 2‘200.00 (inkl. Auslagen und MWST) ange- messen (§ 2 Abs. 1 GebTRA). 5. Nachdem der Einzelrichter am Bezirksgericht March mit Verfügung vom 13. Juli 2022 (ZES 22 236) der Beklagten einen Prozesskostenvorschuss für das Berufungsverfahren zusprach (KG-act. 10, S. 7 Rz 19), ist ihr Rechtsbe- gehren Ziff. 4 gegenstandslos geworden;-Kantonsgericht Schwyz 26 beschlossen: 1. In Gutheissung der Berufung wird das angefochtene Teilurteil des Ein- zelrichters am Bezirksgericht March vom 30. März 2022 (ZEO 2019 35) aufgehoben und der Antrag des Klägers auf Erlass eines Teilurteils im Scheidungspunkt abgewiesen. 2. Die erstinstanzlichen Gerichtskosten von Fr. 1‘800.00 für das Teilurteil werden dem Kläger auferlegt und von seinem erstinstanzlichen Vor- schuss bezogen. 3. Der Kläger hat die Beklagte für das erstinstanzliche Verfahren betreffend Teilurteil im Scheidungspunkt mit Fr. 1‘800.00 (inkl. Auslagen und MWST) zu entschädigen. 4. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2‘500.00 werden dem Be- rufungsgegner auferlegt. 5. Der Berufungsgegner hat die Berufungsführerin für das Berufungsver- fahren mit pauschal Fr. 2’200.00 (inkl. Auslagen und MWST) zu ent- schädigen. 6. Das Gesuch der Berufungsführerin um Zusprechung eines Prozesskos- tenvorschusses für das Berufungsverfahren wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben. 7. Gegen diesen Zwischenentscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung unter den Voraussetzungen von Art. 93 Abs. 1 BGG Beschwerde in Zi- vilsachen nach Art. 72 ff. BGG wegen Verletzung verfassungsmässiger Rechte (Art. 98 BGG) beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht wer-Kantonsgericht Schwyz 27 den. Die Beschwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. Der Streitwert ist unbestimmt. 8. Zufertigung an Rechtsanwältin B.________ (2/R), Rechtsanwältin D.________ (2/R), die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, unter Rückgabe der Akten) und an die Kantons- gerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der 1. Zivilkammer Die Kantonsgerichtsvizepräsidentin Die Gerichtsschreiberin Versand 3. November 2022 kau