B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5461/2018 U r t e i l v o m 1 5 . O k t o b e r 2 0 1 9 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter David R. Wenger, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiberin Irina Wyss. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 23. August 2018 / N (…). D-5461/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein sri -lankischer Staatangehöriger tamilischer Ethnie – verliess gemäss seinen Angaben seinen Heimatstaat am 12. Ok- tober 2015 und reiste auf dem Luftweg in den Iran, von wo er über den Landweg am 11. November 2015 in die Schweiz einreiste. Am 23. Novem- ber ersuchte er um Asyl in der Schweiz. Am 9. Dezember 2015 wurde der Beschwerdeführer summarisch befragt und am 17. Januar 2018 einge- hend angehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, er sei im Jahr 2006/2007 von den Liberation Tigers of Tamil Eealam (LTTE) gezwungen worden, diese mit Essen und Getränken zu beliefern und sie über die Streifzüge der Armee im Dorf zu informieren. Letzteres habe er aber trotz des grossen Drucks durch die LTTE abgelehnt. Die Person, wel- che ihn beauftragt habe, sei dann von der Armee festgenommen worden und habe sich dann dem Criminal Investigation Departement (CID) ange- schlossen. Er gehe davon aus, dass diese ihn den sri-lankischen Behörden verraten habe. Im Februar 2015 hätten sich dann Personen im Dorfladen nach ihm erkundigt. Wenig später sei dann die Polizei zu ihm nach Hause gekommen. Da er nicht anwesend gewesen sei, hätten sie seine Frau be- auftragt, ihn aufzufordern, in ein Militärcamp zu kommen. Seither habe er sich versteckt. Seine Familie habe ihn dann zur Ausreise gedrängt, da sie um sein Leben gefürchtet hätten. Die Polizei und das CID hätten sich im- mer wieder, insgesamt vier Mal bis zu seiner Ausreise, zu Hause nach ihm erkundigt. Auch seit seiner Ankunft in der Schweiz hätten sich die Sicher- heitskräfte abermals dreimal nach ihm erkundigt. Da die Behörden nun wohl gemerkt hätten, dass er ausgereist sei, hätten sie die Suche nach ihm seit Dezember 2015 eingestellt. In der Schweiz habe er an einer Demo n- stration in B._______ und an den Heldentagsfeierlichkeiten teilgenommen. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er seine Identitätskarte und seinen Geburtsregisterauszug zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 23. August 2018 – eröffnet am 24. August 2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung sowie den Vollzug aus der Schweiz an. D-5461/2018 Seite 3 C. Mit Eingabe vom 24. September 2018 erhob der Beschwerdeführer – han- delnd durch seinen Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte zur Hauptsache die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz, eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, subeventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme zufolge Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. In prozessualer Hinsicht ersuchte er insbeson- dere um Mitte ilung des Spruch gremiums, um Bestätigung der zufäll igen Zusammensetzung des Spruchkörpers, um Einsicht in die vorinstanzliche Akte A7 und damit verbunden um Ansetzung einer Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung, um Ansetzung einer Frist zur Einreichung zu- sätzlicher Beweismittel und um Durchführung einer erneuten Anhörung. Ferner ersuchte er sinngemäss darum, das SEM sei anzuweisen, sämtli- che nicht öffentlich zugänglichen Quellen des Lagebildes des SEM vom 16. August 2016 zu Sri Lanka offen zu legen. Der Beschwerde beigelegt waren neben der angefochtenen Verfügung mehrere Dokumente ohne unmittelbaren Bezug zum Beschwerdeführer. D. Mit Zwischenverfügung vom 5. Oktober 2018 stellte die damals zuständige Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und forderte ihn gleichzeitig auf, innert Frist einen Kostenvorschuss zu leisten, unter Androhung des Nichteintre- tens im Unterlassungsfall. E. Der Kostenvorschuss wurde am 5. Oktober 2018 fristgerecht geleistet. In seiner Eingabe ebenfalls vom 22. Oktober 2018 verlangte der Beschwer- deführer, auf die von ihm gestellten Rechtsbegehren sei in detaillierter Weise einzugehen. F. Mit Zwischenverfügung vom 29. Oktober 2018 teilte die Instruktionsrichte- rin dem Beschwerdeführer das Spruchgremium mit, trat auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers nicht ein und wies den Antrag um Einsicht in die Quellen des Lagebildes des SEM ab. Der Antrag auf Einsicht in die Akte A7 wurde abgewiesen. Zudem wurde er aufgefor- dert, die in Aussicht gestellten Beweismittel innert Frist einzureichen, wobei D-5461/2018 Seite 4 darauf hingewiesen wurde, dass im Unterlassungsfall aufgrund der bishe- rigen Akten entschieden werde. G. Mit Eingabe vom 6. Dezember 2018 reichte der Beschwerdeführer einen Aufnahmebericht vom 30. Oktober 2018 der (…) zu den Akten, wobei ihm eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom diagnos- tiziert wird. Weiter reichte er eine Bestätigung der ambulanten Thera pie vom 13. November 2018 ein. Schliesslich machte der Beschwerdeführer unter Verweis auf zahlreiche allgemeine Berichte ohne unmittelbaren per- sönlichen Bezug auf die aktuellen Ereignisse und die Lage in Sri Lanka aufmerksam. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet b etreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfa hren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur D-5461/2018 Seite 5 Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.5 Im Rahmen der Zwischenverfügung vom 29. Oktober 2018 wurde dem Beschwerdeführer der Spruchkörper bekannt gegeben. Damit wurde den Anforderungen von Art. 32 Abs. 4 VGR Genüge getan. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Auf einen Schriftenwechsel wurde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG ver- zichtet. 4. Vorauszuschicken ist vorliegend, dass der Beschwerdeführer in seiner Be- schwerde vom 24. September 2018 beantragte, das Bundesverwaltungs- gericht habe festzustellen, dass sich das Lagebild der Vorinsta nz vom 16. August 2016 zu Sri Lanka auf nichtexistierende und nicht bewiesene Quellen stütze, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. Hierbei handelt es sich – ent- gegen der vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in dessen Eingabe vom 6. Dezember 2018 ausgeführten Ansicht – sinngemäss um den in an- deren Verfahren bereits öfters gestellten Antrag auf Offenlegung aller nicht öffentlich zugänglichen Quellen des besagten Lagebilds, zumal die Be- gründung der beiden Anträge praktisch identisch ist. Es besteht somit kein Anlass, auf die bereits in der Verfügung vom 29. Oktober 2018 festgestellte Abweisung des (sinngemässen) Antrages zurückzukommen (vgl. etwa Ur- teile des BVGer E-7139/2018 vom 1. Februar 2019 E. 6, E-626/2018 vom 9. Juli 2018 E. 5 und D-109/2018 vom 16. Mai 2018 E. 6.3). 5. In den Beschwerdeeingaben werden der Vorinstanz Verletzungen des rechtlichen Gehörs sowie des Untersuchungsgrundsatzes vorgeworfen. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). D-5461/2018 Seite 6 5.1 5.1.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffe- nen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, er- hebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit er- heblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesent- licher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweiser- gebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflus- sen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht so- mit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). 5.1.2 Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vor- bringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfin- dung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss kurz die we- sentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, d ass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander- setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1; BVGE 2007/30 E. 5.6). 5.1.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Be- weise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen S achumstände berücksichtigt wer- den (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043). 5.2 In der Beschwerde ersuchte der Beschwerdeführer um Einsicht in die vorinstanzliche Akte A7 und damit verbunden um Ansetzung einer Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung. Mit Zwischenverfügung vom 29. Oktober 2018 stellte das Bundesverwaltungsgericht sodann fest, dass es sich bei der Akte A7 – entgegen der Aufführung im Aktenverzeichnis – um einen informellen E -Mail-Austausch zwischen dem SEM und der Schweizer Botschaft in Sri Lanka handelt und somit zwar falsch als Bot- schaftsabklärung indexiert, aber richtig als interne Akte qualifiziert wurde. Somit handelte es sich vorliegend nicht um eine Verletzung des Aktenein-D-5461/2018 Seite 7 sichtsrechts, sondern um eine ungenaue respektive unpräzise Angabe im Aktenverzeichnis. 5.3 Der Beschwerdeführer rügt weiter eine Verletzung des rechtlichen Ge- hörs, da zwischen der Befragung und der Anhörung zu den Asylgründen über zwei Jahre vergangen seien. Diesbezüglich ist im Sinne der Ausfüh- rungen in den Beschwerdeeingaben festzuhalten, dass es durchaus wün- schenswert ist, wenn zwischen der Befragung und der Anhörung ein relativ kurzer Zeitraum liegt, es aber keine zwingende, mit Rechtsfolgen verse- hene gesetzliche Verpflichtung des SEM gibt, die Anhörung innerhalb eines gewissen Zeitraums nach der Befragung durchzuführen. Bei dem vom Be- schwerdeführer zitierten Rechtsgutachten handelt es sich lediglich um eine Empfehlung von Prof. Dr. Walter Kälin an das SEM, aus welcher der Be- schwerdeführer keine Ansprüche ableiten kann. Angesichts der nicht vor- hersehbaren und durch die schweizerischen Asylbehörden nicht steuerba- ren Geschäftslast, wäre die Erwartung, solche Ordnungsfristen könnten ungeachtet der Anzahl der gestellten Asylgesuche ausnahmslos eingehal- ten werden, alles andere als realistisch. Der Länge des zwischen Befra- gung und Anhörung verstr ichenen Zeitraums ist indessen bei der Würdi- gung der Aussagen Rechnung zu tragen. 5.4 In Bezug auf die gerügte verspätete Teilnahme der Hilfswerk svertre- tung an der Anhörung hat die dem Bundesverwaltungsgericht vorgehende Asylrekurskommission in seinen Entsche idungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 13 E. 4c und d festgestellt, dass die Anwesenheit eines Hilfswerkvertreters respektive – vertreterin keine aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör fliessende Regel darstelle, deren Verletzung zwingend die Aufhebung der angefochtenen Verfügung zur Folge habe. Demnach hat das Bundesverwaltungsgericht aufgrund der gesamten Umstände des konkreten Falls zu beurteilen, ob der Verfahrensmangel von wesentlicher Bedeutung war. Bei Durch sicht des Anhörungsprotokolls kann kein Unterschied im Erzählstil des Be- schwerdeführers im Zeitraum vor der Ankunft der Hilfswerksvertretung zu nach dessen Ankunft festgestellt werden. Die Hilfswerksvertretung konnte sodann nach der Ankunft auch Fragen ste llen und war bei der Rücküber- setzung anwesend. Der auf dem Unterschriftenblatt erwähnte grosse Zeit- druck ist im Asylverfahren nicht ungewöhnlich und vermag nicht zu einer Verletzung des rechtlichen Gehörs führen. D ie sonstige Planung und Durchführung der Befragungen sowie die verwendete Sprache und Stil der Verfügung – welche in der Beschwerdeschrift bemängelt wurden – sind darüber hinaus nicht zu beanstanden. D-5461/2018 Seite 8 5.5 Unter dem Titel der unsorgfältig und unrichtig geprüften Vorbringen bringt der Beschwerdeführer sc hliesslich seine Argumentation zur Glaub- haftigkeitsprüfung vor. Die Rügen richten sich somit nicht gegen die Sach- verhaltsfeststellungen der Vorinstanz, sondern gegen die ihr zugrundlie- gende Beweiswürdigung und die rechtliche Würdigung der Vorbringen. Es wird dementsprechend auf die nachfolgenden Erwägungen bezüglich der Glaubhaftigkeitsprüfung verwiesen (vgl. E. 8). Dies gilt ebenso für die Vor- bringen unter dem Titel der unvollständigen und unrichtigen Sachverhalts- abklärung. 5.6 Insgesamt stellt das Bundesverwaltungsgericht keine Verletzungen der Verfahrensvorschriften fest, weshalb die entsprechenden Rügen sowie die damit zusammenhängenden Beweisanträge abzuweisen sind. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck b ewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälsch te Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 7. 7.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das SEM im We- sentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien widersprüch- lich. Er habe in der Befragung ausgeführt, die LTTE habe ihm Geld für den Lebensmittelkauf gegeben und er habe diese bei ihm zu Hause übergeben. Bei der Anhörung habe er gesagt, er habe die Lebensmittel von seinem eigenen Geld bezahlt und habe diese im Wald überbracht. Weiter habe er D-5461/2018 Seite 9 in der Anhörung angegeben, die LTTE hätte verlangt, Patrouillenwege der Armee mitzuteilen. Davon habe er in der Befragung nichts gesagt. Bei der Befragung habe er geltend gemacht, dass die Probleme mit dem CID im August 2015 begonnen hätten. In der Anhörung habe er gesagt, dass er bereits im Februar 2015 vom CID gesucht worden sei. Bei der Befragung habe er von drei Ereignissen gesprochen, bei welchen er vom CID gesucht worden sei, in der Anhörung von vier. Bei der Anhörung habe er ferner gel- tend gemacht, nach der Ausreise noch vom CID gesucht word en zu sein. In der Befragung habe er dies nicht erwähnt. Aufgrund dieser Widersprü- che und Ungereimtheiten würden erste Zweifel an der Glaubhaftigkeit sei- ner behaupteten Unterstützung der LTTE und den davon abgeleiteten Ver- folgungsmassnahmen aufkommen. Zur Suche seitens des CID habe er sich nicht genauer äussern können. Es würde an genauen Daten oder Wo- chentagen dieser Vorfälle, dem Vorgehen der Mitglieder des CID sowie der Reaktionsweise der anwesenden Personen fehlen. Dies gelte auch für die angebliche Suche nach ihm nach der Ausreise. Darüber hinaus soll seine Hilfe an die LTTE zwischen 2006 und 2007 stattgefunden haben. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die sri -lankischen Behörden bis im Jahr 2015 gebraucht hätten, um diese Tätigkeit aufzudecken. Wäre er tatsäch- lich mit Hilfeleistungen an die LTTE in Verbindung gebracht worden, hätten entsprechende Übergriffe oder Nachforschungen bereits früher stattgefun- den. Er habe aber für den Zeitraum zwischen 2007 und Februar 2015 kon- krete Verfolgungsmassnahmen bestritten. Es sei ferner auch nicht nach- vollziehbar, wieso die sri-lankischen Behörden seiner nicht hätten habhaft werden können, zumal sein Wohnort und seine Arbeitstätigkeit bekannt ge- wesen seien. Seine Behauptung, dass er jeweils nicht anwesend gewesen sei oder gerade habe flüchten können, sei als unglaubhafte Schutzbehaup- tung zu werten. Daher gelange das SEM zum Schluss, dass weder die behauptete Hilfeleistung an die LTTE noch die daraus erwachenden Über- griffe des CID der Wahrheit entsprechen würden. In Bezug auf die Prüfung der Risikofaktoren sei festzustellen, dass er keine glaubhaften Verfol- gungsmassnahmen habe geltend machen können und vielmehr bis im Ok- tober 2015, mithin sechs Jahre nach Kriegsende, in Sri Lanka wohnhaft gewesen sei. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus der Behörden geraten würde. Zudem habe er im Verlauf des Verfahrens konkrete andere Prob- leme mit den sri-lankischen Behörden bestritten. Er sei nie in Haft gewesen und es sei nie ein Gerichtsverfahren eingeleitet worden. Bei den besuchten exilpolitischen Anlässen habe er keine konkrete Funktion bekleidet oder sich speziell exponiert. D-5461/2018 Seite 10 In Bezug auf den Wegweisungsvollzug stellte das SEM fest, dass der Eu- ropäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) mehrfach festge- stellt habe, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, dass zurückkehrende Tamilen und Tamilinnen eine unmenschliche Behandlung drohe, sondern eine Einzelfalleinschätzung nötig sei. Im Falle des Be- schwerdeführers würden sich jedoch keine Anhaltspunkte dafür ergeben, weshalb der Wegweisungsvollzug zulässig sei. Er stamme aus der Nord- provinz, verfüge über Schulbildung sowie Berufserfahrung und habe ein tragfähiges soziales Netz, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch zu- mutbar sei. 7.2 Der Beschwerdeführer begründete seine Beschwerde – neben den be- reits beurteilten formellen Rügen und dem beim SEM dargelegten Sach- verhalt – in materieller Hinsicht im Wesentlichen dahingehend, er habe mit grosser Wahrs cheinlichkeit eingeschränkte kognitive Fähigkeiten und Kommunikationsfähigkeiten, welche wiederum sein Aussageverhalten ne- gativ beeinflussen würden. Er habe Mühe, mittellange Fragen zu verstehen und auch nicht besonders komplexe Zusammenhänge widerspruchsf rei wiederzugeben. Entsprechend kurz und nicht gezielt seien seine Antwor- ten. Diese seien jeweils sehr kurz, mit Gegenfragen versehen und drückten Unsicherheit und Unwissen aus oder stünden nicht in direktem Zusammen- hang mit der Frage. Zudem dürften nur di ametrale Abweichungen zwi- schen der Befragung und der Anhörung zulasten der Glaubhaftigkeit aus- gelegt werden. Die Widersprüche könnten auch durch den langen Zeitraum zwischen den beiden Befragungen erklärt werden. Weiter sei das Lagebild des SEM zur Situation in Sri Lanka unzutreffend indem es davon ausgehe, dass sich die Menschenrechtslage verbessert habe. Es werde deshalb ein eigener, aktueller Lagebericht eingereicht, aus welchem die tatsächliche, verschlechterte Situation in Sri Lanka hervorgehe. Seit Mi tte 2017 bezie- hungsweise spätestens seit den sri -lankischen Kommunalwahlen vom Februar 2018 zeichne sich eine neue Phase der Nachkriegszeit ab. Diese sei durch neue Repressionsmuster gegenüber Minderheiten gekennzeich- net. Die Lage in Sri Lanka habe sich ve rschlechtert und es komme regel- mässig zu Folterungen. Es würden nicht nur Personen mit einem hohen LTTE-Profil verfolgt. Auch bereits rehabilitierte Personen seien gefährdet. Das SEM habe beim Generalkonsulat in B._______ die Ausstellung von Ersatzreisepapieren beantragt, welche ohne seine Vorladung oder Befra- gung ausgestellt worden seien. Es handle sich somit um einen System- wechsel, wobei das SEM durch die Beantragung von Ersatzreisepapieren einen umfassenden Background Check ausgelöst habe, weshalb er ge- fährdet sei. In der Vernehmlassung im Verfahren D -4794/2017 habe das D-5461/2018 Seite 11 SEM eingestanden, dass jeder zurückgeschaffte Tamile am Flughafen ei- ner mehrstufigen intensiven Überprüfung und Befragung unterzogen werde und die von der Schweiz im Rahmen der Papierbesch affung über- mittelten Daten zur Vorbereitung der Verfolgung verwendet würden, was eine massive Verletzung des Migrationsabkommens bedeute. Er sei exil- politisch aktiv und habe in der Vergangenheit an regimekritischen De- monstrationen teilgenommen. Das Essen h abe er ferner sowohl im Wald als auch zu Hause übergeben, wobei dies auch auf den hinteren Garten- bereich zutreffe. Es handle sich daher um keinen Widerspruch. Der Wider- spruch, wann er vom CID kontaktiert worden sei, sei mit der ausgespro- chenen Nervosität und Überforderung zu erklären. In der Tat sei er vier Mal aufgesucht worden, das erste Mal im Februar 2015. Mit einem Urteil des High Courts in Vavuniya vom 25. Juli 2017 sei ein früher für die LTTE tätiger Tamile ungeachtet dessen, dass er ein Rehabilitationsprogramm durchlau- fen habe, wegen Unterstützung des Terrorismus zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er sei im Sinne der vom Bundesverwal- tungsgericht definierten Risikofaktoren gefährdet, (1) da er Hilfstätigkeiten für die LTTE geleistet habe, (2) er exilpolitisch aktiv sei, (3) über keine gül- tigen Reisepapiere verfüge und (4) er sich während einer langen Zeit in der Schweiz als wichtiges Diasporazentrum aufgehalten habe. Da er zudem aufgrund seiner Vorgeschichte als zurückgeschaff ter tamilischer Asylge- suchssteller in systematischer Weise Gefahr laufe, bei einer Rückkehr Op- fer einer Verhaftung und von Verhören unter Anwendung von Folter zu wer- den, müsse auch im Sinne der Rechtsprechung des EGMR die Unzuläs- sigkeit oder aber Unzumutba rkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt werden. 7.3 In seiner Beschwerdeergänzung vom 6. Dezember 2018 machte der Beschwerdeführer – neben einer umfassenden Darstellung der aktuellen Lage in Sri Lanka – im Wesentlichen geltend, er leide unter einer depres- siven Episode mit Suizidgedanken. Aufgrund des diagnostizierten psychi- schen Gesundheitszustandes sei der Wegweisungsvollzug unzulässig res- pektive unzumutbar. Eine Retraumatisierung und eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei naheliegend. Auch ein Selbstmord sei nicht auszuschliessen. Die verfassungswidrige Ernennung von Mahinda Raja- paksa am 26. Oktober 2018 zum Premierminister und die dadurch erheb- lich veränderte Lage in Sri Lanka könne zu einer deutlich erhöhten Verfol- gungsgefahr für tamilische Rückkehrende führen. Die Lage sei sehr volatil und nicht voraussehbar. Vor diesem Hintergrund sei die geltend gemachte Furcht um Leib und Leben begründet. Er habe direkte, den Behörden be- kannte Verbindungen zu den LTTE und sei in der Schweiz exilpolitisch aktiv D-5461/2018 Seite 12 gewesen. Es sei somit naheliegend, dass er bei einer Rückkehr Verfol- gungsmassnahmen zu gewärtigen hätte. 8. 8.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent- liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick- sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesent- lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor- kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte- nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalit ät, hinrei- chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch- lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei- lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele- mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub- stantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte S achver- haltsdarstellung sprechen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5779/2013 vom 23. Februar 2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] mit weiteren Hinweisen). 8.2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt hinsichtlich der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers fest, dass nicht alle vom SEM dargelegten Argumente zu überzeugen vermögen. Es ist bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit zu berücksichtigen, dass die Befragung (im Gegensatz zur Anhörung) hinsichtlich der Asylvorbring en lediglich einen summarischen Charakter aufweist und zudem meist nur inhaltsgemäss und nicht wortwörtlich protokolliert und übersetzt wird, weshalb gemäss ständiger Rechtsprechung Aussagen in einer Befragung grundsätzlich nur ein beschränkter Beweiswert zukommen. Widersprüche dürfen daher für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur dann herangezogen werden, wenn D-5461/2018 Seite 13 klare Aussagen der Befragung in wesentlichen Punkten von den Asylvor- bringen in den späteren Aussagen in der Anhörung diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits in der Befragung zumin- dest ansatzweise erwähnt wurden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3). So er- scheint es durchaus erklärbar, dass der Beschwerdeführer in der Befra- gung die Forderung nach der Aufklärung der Patrouillengänge der sri-lan- kischen Armee nicht erwähnt hat. Auch in Bezug auf den Übergabeort des Essens – zu Hause (vgl. act. SEM A4/12 S. 8) oder „hinter dem Gartenbe- reich“ (vgl. A12/19 F117) respektive auf dem Feld (vgl. A12/19 F118) – kann von keinem diametralen Widerspruch die Rede sein. 8.3 Jedoch stellt auch das Bundesverwaltungsgericht verschiedentliche Unklarheiten respektive Widersprüche in den Äusserungen des Beschwer- deführers fest. So bleibt unklar, wie oft der Beschwerdeführer von den Be- hörden vor und nach seiner Ausreise gesucht wurde. Auch die (ungefäh- ren) Daten respektive eine zeitliche Einordnung der einzelnen Erkundigun- gen der Behörden vermag der Beschwerdeführer in der Anhörung ni cht stimmig darzutun ( A12/19 F48, F61 ff., F78 sowie bereits in A4/12 S. 8). Der Beschwerdeführer flüchtet sich den mehrmals in unklare Verallgemei- nerungen, wie beispielsweise, als er nach der Anzahl Lebensmittelüberga- ben zwischen Juni 2006 und Juli 2007 gefragt wurde, lediglich mit „mehr- mals“ antwortete (A12/19 F102). 8.4 Von entscheidender Bedeutung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit ist indessen die fehlende Substanz in den Aussagen des Beschwerdefüh- rers. Dabei ist insbesondere auf die freie Erwägung in der Anhörung zu verweisen (vgl. A12/19 F41). Die diesbezügliche Schilderung ist zwar rela- tiv lang, jedoch beschränkten sich die Äusserungen zum asylrelevanten Teil seiner Vorbringen – die Unterstützung der LTTE und der behördlichen Suche nach ihm – auf wenige, kurze und detailsarme Sätze. Dabei vermag der Beschwerdeführer den Ablauf der behördlichen Suche nach ihm nicht in lebensnaher Weise zu schildern. Details oder Schilderungen von Emoti- onen und persönlichen Überlegungen fehlen gänzlich. Auch im weiteren Verlauf der Anhörung vermag der Beschwerdeführer das angeblich Erlebte nicht weiter zu substanziieren, so dass ein Bild der Geschehnisse entste- hen konnte. Die Schilderungen der behördliche n Suchen zu Hause be- schränken sich auf wenige Sätze. So erwiderte der Beschwerdeführer in exemplarischer Weise auf die Frage, was den bei den drei Vorfällen genau abgelaufen sei, kurz: „Sie haben sich erkundigt. “ (A12/19 F79). Auch auf D-5461/2018 Seite 14 Nachfrage des Befragers schilderte der Beschwerdeführer die für seine Asylvorbringen entscheidenden behördlichen Suchen nie genauer (vgl. A12/19 F41, F52, F57, F82). Diese fehlende Substanziiertheit ist denn nicht nur in den Schilderungen der behördlichen Suchen, sondern auch in Bezug mit den Erzählungen bezüglich der Essenslieferungen an die LTTE festzu- stellen. Es bleibt beispielsweise unklar, welche Lebensmittel der Be- schwerdeführer geliefert hätte und wie sich die Übergaben von Person zu Person genau abg espielt hätten. Die diesbezüglichen Äusserungen blei- ben sehr allgemein und unspezifisch. Bei der Beurteilung der Äusserungen des Beschwerdeführers vermag das Bundesverwaltungsgericht entgegen der Beschwerdevorbringen keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Fragelänge in der Antwortweise des Beschwerdeführers feststellen. Die in der Tat sehr kurzen – und insbesondere unsubstanziierten – Antworten sind durchaus ein Indiz für die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen und kön- nen nicht durch die allgemeine Uns icherheit und das Unwissen des Be- schwerdeführers erklärt werden. 8.5 Darüber hinaus ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nie in di- rektem Kontakt mit den sri-lankischen Behörden stand respektive Behelli- gungen erleiden musste. Es erscheint nicht ersichtlich, weshalb die sri-lan- kischen Behörden rund zehn Jahre später aufgrund niederschwelligen Un- terstützungsleistungen für die LTTE im Jahr 2006 den Beschwerdeführer suchen würden. Der Beschwerdeführer vermochte diesbezüglich weder in den Befragungen noch im Beschwerdeverfahren einzelfallspezifische Er- klärungen respektive persönliche Überlegungen darzulegen. Es muss denn davon ausgegangen werden, dass die meisten Personen der tamili- schen Bevölkerung in diesem Zeitraum in einem ähnlichen Verhältnis zu den LTTE gestanden sind, weshalb nicht ersichtlich ist, weshalb der Be- schwerdeführer zum Ziel der Behörden geworden wäre. 8.6 Auch unter Berücksichtigung allfälliger eingeschränkten kognitiven Fä- higkeiten und Kommunikationsfähigkeiten – wobei diese bis zum Urteils- zeitpunkt nicht durch ein ärztliches Zeugnis belegt wurden, obschon dem Beschwerdeführer genügend Zeit zur Verfügung gestanden wäre – kommt das Bundesverwaltungsgericht schliesslich zum Schluss, dass die geltend gemachten Suchen der sri -lankischen Sicherheitsbehörden im Sinne von Art. 7 AsylG nicht glaubhaft erscheinen. 9. 9.1 In einem nächsten Schritt ist der Frage nachzugehen, ob dem Be- schwerdeführer wegen seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und D-5461/2018 Seite 15 seinem mittlerweile mehrjährigen Aufenthalt in der Schweiz bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile drohen würden, weshalb seine Flüchtlingseigenschaft wegen Nachfluchtgründen anzuerkennen respek- tive ihm Asyl zu gewähren wäre. 9.2 In seinem Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hielt das Bun- desverwaltungsgericht fest, dass angesichts der in den vergangenen Jah- ren aufgetretenen Verhaftungs- respektive Folterfälle von aus Europa zu- rückkehrenden sri-lankischen Staatangehörigen tamilischer Ethnie davon auszugehen ist, dass die sri-lankischen Behörden gegenüber Personen ta- milischer Ethnie, welche nach einem Auslandaufenthalt nach Sri Lanka zu- rückkehren, eine erhöhte Wachsamkeit aufweisen. Da aber insbesondere aus statistischen Gründen nicht generell angenommen werden kann, dass jeder aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asyl- suchende alleine aufgrund seines Auslandaufenthalts einer ernstzuneh- menden Gefahr vor Verhaftung und Folter ausgesetzt ist, muss – so das Bundesverwaltungsgericht – ermittelt werden, ob gewisse Personen auf- grund be stimmter Merkmale eher Gefahr laufen, von den sri -lankischen Behörden misshandelt zu werden (E. 8.1 und 8.3 m.w.H.). 9.3 In den vom Bundesverwaltungsgericht konsultierten Quellen sind die folgenden, nicht abschliessend zu verstehenden Risikofaktoren identifiziert worden: eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE, Beziehung zu einer regimekritischen politischen Gruppe, Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, das Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden (übli- cherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Ver- bindung zu den LTTE), Fehlen der erforderlichen Identitätspapiere bei der Einreise beziehungsweise Rückkehrende mit temporären Reisedokumen- ten, zwangsweise Rückführung nach Sri Lanka oder durch die IOM (Inter- nationale Organisation für Migration) begleitete Rückführung, (sichtbare) Narben, gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land sowie wohl auch Strafverfahren beziehungsweise Strafregistereintrag (E. 8.4 m.w.H.). Vor dem Hintergrund dieser Risikofaktoren kam das Bundesverwaltungs- gericht im genannten Referenzurteil zum Schluss, dass im Kern jene Rück- kehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zuge- schrieben wird, dass sie bestrebt sind, den nach wie vor als Bedrohung wahrgenommenen tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und so den sri -lankischen Einheitsstaat zu gefährden; auch nach dem Machtwechsel im Januar 2016 scheint es nämlich ein wichtiges Ziel des D-5461/2018 Seite 16 sri-lankischen Staates zu sein, jegliches Aufflammen des tamilischen Se- paratismus im Keim zu ersticken. Dabei fallen allerdings nicht nur beson- ders engagierte respektive exponierte Personen unter einen entsprechen- den Verdacht (E. 8.5.1). Hingegen sind nicht alle Rückkehrenden, die eine irgendwie geartete tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergan- gene Verbindung zu den LTTE aufwiesen, einer flüchtlingsrechtlich rele- vanten Gefahr vor Verfolgung ausgesetzt, sondern nur jene, die aus Sicht der sri-lankischen Regierung bestrebt sind respektive einen wesentlichen Beitrag dazu leisten könnten, den ethnischen Konflikt im Land wieder auf- flammen zu lassen. Ob dies zu bejahen und einer Person mithin die Flücht- lingseigenschaft zuzuerkennen ist, ist im Einzelfall zu erörtern, wobei eine asylsuchende Person die für diese Beurteilung relevanten Umstände glaubhaft machen muss (E. 8.5.3). Entsprechendes gilt für sri -lankische Staatsangehörige, die sich im Ausla nd regimekritisch betätigt haben (E. 8.5.4). Es sind jegliche glaubhaft gemachten (stark und/oder schwach) risikobegründenden Faktoren in einer Gesamtschau und in ihrer allfälligen Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Ver- folgung bejaht werden muss (E. 8.5.5). 9.4 Unter Berücksichtigung der mit der Beschwerdeschrift dargelegten ak- tuellen Umständen und Entwicklungen der allgemeinen politischen Lage in Sri Lanka sieht das Bundesverwaltungsgericht keinen Anlass, seine gel- tende Rechtsprechung diesbezüglich anzupassen. Demnach ist – insbe- sondere anhand der dargelegten Risikofaktoren – zu beurteilen, ob für den Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka das Risiko be- steht, Opfer von ernsthaften Nachteilen in Form von Verhaftung und Folter zu werden. 9.5 9.5.1 Der Beschwerdeführer, unbestrittenermassen ein sri -lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie aus dem Norden Sri Lankas, hat sein Heimatland vor knapp vier Jahren verlassen und hielt sich seither in der Schweiz auf. Dies alleine genügt gemäss geltender Praxis indes noch nicht, um von drohenden Verfolgungsmassnahmen bei einer Rückke hr nach Sri Lanka auszugehen. Es ist mithin zu prüfen, ob der Beschwerde- führer weitere Risikofaktoren glaubhaft machen konnte, die in einer Ge- samtschau – kumulativ zu seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie, sei-D-5461/2018 Seite 17 ner Herkunft aus dem Norden des Landes un d seiner mehrjährigen Lan- desabwesenheit – eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG zu begrün- den vermögen. 9.5.2 Die vorgebrachten Verbindungen des Beschwerdeführers für die LTTE und die damit zusammenhängenden angeblichen behördlichen Su- chen nach ihm sind – wie in den vorangehenden Erwägungen ausgeführt (vgl. E. 8 ) – in der geschilderten Art und Weise unglaubhaft. Folglich ist eine sich gestützt darauf ergebende Gefahr vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG bei einer Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka zu verneinen. Weitere Anhaltspunkte für eine relevante Verbin- dung des Beschwerdeführers zu den LTTE sind nicht ersichtlich. Das exil- politische Wirken des Beschwerdeführers muss ferner als sehr nieder- schwellig bezeichnet werden. Seine Teilnahme an wenigen Veranstaltun- gen vermag noch kein profiliertes, politisches Engagement darzutun. 9.5.3 Die in der Beschwerdeschrift vorgebrachte Behauptung, bei den sri- lankischen Behörden werde bei einer Rückkehr des Beschwerdeführers ein erhärteter Verdacht vorhanden sein, dass dieser sich während seines längeren Aufenthalts in der Schweiz exilpolitisch betätigt habe und damit ein Wiederaufleben der LTTE bestrebe, entbehrt jeglicher Grundlage. Wie im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 festgehalten, kann ins- besondere aus statistischen Gründen nicht generell angenommen werden, dass jeder aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende alleine aufgrund seines Auslandaufenthalts einer ernstzu- nehmenden Gefahr vor Verhaftung und Folter ausgesetzt ist. Dass der Be- schwerdeführer angeblich exilpolitische Tätigkeiten entfaltet habe, wurde im Übrigen nie substantiiert geltend gemacht. 9.5.4 Der Beschwerdeführer hat im vorinstanzlichen Verfahren eine Identi- tätskarte im Original zu den Akten gereicht. Sein im Jahr 2005 ausgestellter Pass, habe der Schlepper behalten (A4/12, S. 6). Im Hinblick auf die un- glaubhaften Beschwerdevorbringen hat das Bundesverwaltungsgericht Zweifel, ob diese Aussage den Tatsachen entspricht, wobei dies offen ge- lassen werden kann. Denn selbst wenn der Beschwerdeführer ohne Rei- sepass respektive mit temporären Reisedokumenten nach Sri Lanka zu- rückkehren müsste, wäre dies als nur schwach risikobegründender Faktor zu berücksichtigen, welcher allenfalls zu einer Befragung bei der Einreise sowie zu einem „background check“ führen könnte. D-5461/2018 Seite 18 9.5.5 Vorliegend sind keine weiteren Risikofaktoren ersichtlich. Folglich lie- gen mit der Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie, der Herkunft aus dem Norden des Landes, der mehrjährigen Landesabwesenheit sowie äusserst niederschwelligen exilpolitischen Tätigkeiten lediglich schwach risikobe- gründende Faktoren vor, aufgrund welcher, auch in ihrer Gesamtheit be- trachtet, kein hinreichender Anlass zur Annahme besteht, dass der Be- schwerdeführer im Falle einer Rückkehr in sein Heimatland Massnahmen zu befürchten hat, welche über eine einfache Kontrolle hinausgehen, und wegen seines Profils von den Behörden als Bedrohung wahrgenommen wird. 9.5.6 Schliesslich ist in Bezug auf das geltend gemachte Vorbringen, der Beschwerdeführer sei aufgrund der Datenweitergabe im Zusammenhang mit dem Migrationsabkommen bei einer Rückkehr einer asylrelevanten Ge- fährdung ausgesetzt, festzustellen, dass d as Bundesverwaltungsgericht sich in BVGE 2017 VI/6 zur Frage geäussert hat, ob (allein) aufgrund einer Datenweitergabe im Zusammenhang mit dem Migrationsabkommen von einer Gefährdung auszugehen sei . Es hielt fest, dass es sich bei Art. 97 Abs. 3 AsylG und Art. 16 Bst. c Migrationsabkommen um eine nicht ab- schliessende Aufzählung der Daten handl e, die einer ausländischen Be- hörde für die Organisation der Ausreise der betroffenen Person übermittelt werden dürften. Bei der Ersatzreisepapierbeschaffung handle es sich um ein standardisiertes, lang erprobtes und gesetzlich geregeltes Verfahren. Nur aufgrund der Datenübermittlung der schweizerischen Behörden an die sri-lankischen Behörden sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen. An dieser Einschätzung ist vorliegend festzuhalten, zumal sich den diesbezüg lichen Ausführungen des Beschwerdeführers keine konkreten Anhaltspunkte dafür entnehmen lassen, dass er aufgrund der Datenübermittlung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit Nachteilen asylrelevanten Ausmasses zu rechnen hat. 9.6 Nach dem Gesagten gelangt das B undesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das Bestehen subjektiver Nachfluchtgründe zu verneinen ist. 10. Das Bundesverwaltungsgericht stellt zusammenfassend fest, dass der Be- schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss den Voraussetzungen von Art. 3 und 7 AsylG aus den soeben erwähnten Gründen nicht erfüllt, weshalb die Vorinstanz diese zu Recht verneinte und das Asylgesuch ab- lehnte. D-5461/2018 Seite 19 11. 11.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 11.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 12. 12.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Ausländer - und Integrationsgesetzes, AIG, SR 142.20). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 12.2 12.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Lan d gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. D-5461/2018 Seite 20 12.2.2 Das SEM wies in seiner angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement lediglich Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Ge- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nicht-Rückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach rechtmässig. 12.2.3 Sodann ergeben sich – wie nachfolgend dargelegt – weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte da- für, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beacht- licher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbote- nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen Italien, Urt eil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). 12.2.4 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem eu- ropäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be- schwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, Urteil vom 31. Mai 2011, Beschwerde Nr. 41178/08; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Ja- nuar 2011, Beschwerde Nr. 20594 /08; P .K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07; Rechtsprechung zu- letzt bestätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli 2017, Be- schwerde Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beur- teilung, ob der oder die Betroffene ernsthafte Gründe fü r die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befragung ein Inte- resse, verschiedene Aspekte – welche im Wesentlichen durch die im Re- ferenzurteil E-1866/2015 identifizierten Risikofaktoren abgedeckt sind (vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O., § 94; EGMR, E.G. gegen Grossbri- tannien, a.a.O., § 13 und 69) – in Betracht gezogen werden, wobei dem Umstand gebührend Beachtung zu schenken sei, dass diese einzelnen As- pekte, auch wenn sie für sich alleine betrachtet möglicherweise kein "real D-5461/2018 Seite 21 risk" darstellen, diese Schwelle bei einer kumulativen Würdigung erreichen könnten. 12.2.5 Nachdem der Beschwerdeführer nicht glaubhaft gemacht hat, dass er befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksam- keit der sri -lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde eine menschenrechtswidrige Behandlung in Sri Lanka drohen. 12.2.6 Weder die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka noch individuelle Faktoren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers lassen demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als un- zulässig erscheinen. 12.2.7 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 12.3 12.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 12.3.2 Im Referenzurteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 ist das Gericht nach einer eingehenden Analyse der Sicherheitslage in Sr i Lanka zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz, aus welcher der Beschwerdeführer stammt, grundsätzlich zumutbar ist (vgl. a.a.O., E. 13.2). 12.3.3 Die Familie des Beschwerdeführers hält sich derzeit in der Nordpro- vinz auf. Der Beschwerdeführer verfügt ferner über Schulbildung und über mehrere Jahre Arbeitserfahrung. Darüber hinaus lebt seine in Sri Lanka zurück gebliebene Familie von der Kultivierung von seinen Palmenbäumen und seine Frau stamme aus einer wohlhabenden Familie (vgl. A12/19 F29). Es ist dem SEM daher beizupflichten und davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in seiner Heimatregion über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz verfügt. Er gab zudem explizit an, nach wie vor Kontakt zur Familie zu unterhalten (vgl. A12/19 F35, Aufnahmebericht vom 10. Ok- tober 2018), weshalb davon ausgegangen werden kann, dass er auf die Hilfe seiner Familie b ei der Reintegration zählen kann und nach seiner D-5461/2018 Seite 22 Rückkehr auch über eine gesicherte Wohnsituation verfügt. Die im Aufnah- mebericht vom 10. Oktober 2018 diagnostizierte depressive Episode ist auch in Sri Lanka behandelbar, wobei es dem Beschwerdeführer unbe- nommen bleibt, ein Gesuch um medizinische Rückkehrhilfe zu stellen. Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass er nach seiner Rück- kehr nach Sri Lanka dort in eine existenzgefährdende Situation gerät. 12.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka insgesamt als zumutbar. 12.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich – sofern nötig – bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb de r Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 12.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 13. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 14. 14.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und zufolge seiner sehr umfangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individu- ellen Bezug zu ihm auf insgesamt Fr. 1ꞌ500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]. 14.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellte im vorliegenden Fall zum wiederholten Mal Rechtsbegehren, über welche bereits in ande- ren Verfahren mehrfach befunden worden ist (Bestätigung der Zufälligkeit beziehungsweise Offenlegung der objektiven Kriterien der Zusammenset- zung des Spruchkörpers sowie Einsicht in die nicht öffentlichen Quellen des Lagebildes vom 16. August 2016). Somit sind dem Rechtsvertreter – wie schon mehrfach angedroht – die unnötig verursachten Kosten persön- lich aufzuerlegen und auf Fr. 200.– festzusetzen (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 66 D-5461/2018 Seite 23 Abs. 3 BGG; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 5D_56/2018 vom 18. Juli 2018 E. 6; Urteil des BVGer E-5142/2018 vom 13. November 2018 E. 6.1). Dieser Betrag ist von den Gesamtverfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1ꞌ500.– in Abzug zu bringen. 14.3 Im Übrigen sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘300.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Dieser Betrag ist dem geleisteten Kosten- vorschuss zu entnehmen; der Restbetrag von Fr. 200.- ist dem Beschwer- deführer zurückzuerstatten. (Dispositiv nächste Seite) D-5461/2018 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten betragen Fr. 1‘500.–. Dem Beschwerdeführer wer- den davon Fr. 1‘300.– auferlegt. Dieser Betrag wird dem Kostenvorschuss entnommen. Der Restbetrag von Fr. 200.– wird zurückerstattet. 3. Rechtsanwalt Gabriel Püntener werden Fr. 200.– der Verfahrenskosten persönlich auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Ur- teils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Irina Wyss Versand: