B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5068/2020 U r t e i l v o m 2 . N o v e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter David R. Wenger, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch MLaw Marina Filou, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Ostschweiz, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 10. September 2020 / N (…). D-5068/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger der Ethnie der Hazara, aus d em Bezirk Jaghuri stam- mend, Ende 2018 sein Heimatland. Am 11. Juli 2020 reiste er in die Schweiz ein und stellte am 13. Juli 2020 ein Asylgesuch. Am 17. Juli 2020 fand im Bundesasylzentrum (BAZ) der Region B._______ die Personalienaufnahme (PA) statt. Am 21. Juli 2020 wurde das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 (Dublin) durchgeführt. Am 30. Juli 2020 fand die Anhörung zu den Asyl - gründen sowie am 3. September 2020 eine ergänzende Anhörung statt. B. B.a Der Beschwerdeführer legte dar, er sei im Dorf C.________ im Bezirk Jaghuri, Provinz Ghazni, aufgewachsen. Er habe dort mit seiner Mutter so- wie seiner Schwester gelebt und während zehn Jahren die Schule besucht. Sein Bruder arbeite als Ingenieur in der Nähe von Kabul. Sie hätten keine finanziellen Probleme gehabt, da sein Vater dreissig Jahre im Iran gearbei- tet und der restlichen Familie Geld gesendet habe. B.b Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, im November 2018 sei es zu Gefechten mit den Ta- liban gekommen und er habe mitgeholfen, sein Dorf gegen sie zu verteidi- gen. Es sei mitten in der Nacht gewesen, als er von Schüssen geweckt worden sei. Nachdem er sich mit den anderen Dorfbewohnern in d er Mo- schee, durch den Aufruf des Mullahs, versammelt habe, sei beschlossen worden, dass zwanzig Männer, aufgeteilt in zwei Gruppen, das Dorf vertei- digen sollten. Am dritten Tag der Kämpfe gegen die Taliban seien 25 Sol- daten eines Polizeipostens aus Ghazni respektive einer Spezialeinheit so- wie weitere gewöhnliche Polizisten gekommen, um die Dorfbewohner zu unterstützen. In der fünften Nacht seien alle 25 Soldaten respektive alle Polizisten der Spezialeinheit getötet worden und die Taliban seien näher gerückt, so dass die Bewohner und Bewohnerinnen hätten fliehen müssen. Er selber sei von seinem Onkel nach D.________ geschickt worden, wo er sich versteckt habe. Einen Tag später habe ihn sein Onkel angerufen und ihm erklärt, dass die Taliban die gesamte Gegend eingenommen hätten und nach ihm und anderen Personen suchen würden. Dabei seien die Na- men aller Dorfbewohner, welche gegen die Taliban gekämpft hätten, von Spionen der Taliban in Erfahrung gebracht worden. Es sei bekannt, dass D-5068/2020 Seite 3 die Taliban Spione beauftragten, um verschiedene Informationen zu sam- meln. Sein Onkel habe mit anderen Dorfbewohnern zu den Taliban gehen müssen, wo diese eine Liste mit den Namen der Gesuchten vorgelesen hätten, worauf sie von Haus zu Haus gegangen seien. Sein Name sei auf dieser Liste gewesen und man habe zu Hause nach ihm gesucht. Ungefähr vier bis fünf Tage nach den Kämpfen sei das afghanische Militär gekom- men und habe die Taliban vertreiben können. Der Beschwerdeführer legte eine Kopie seiner Tazkera und derer seiner Eltern und Geschwister, eine Kopie des Reisepasses seines Bruders sowie die Kopien von dessen Schul- und Universitätsabschluss zu den Akten. Auf die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. C. Am 8. September 2020 wurde dem Beschwerdeführer die angefochtene Verfügung im Entwurf zur Stel lungnahme ausgehändigt, wozu er – han- delnd durch seine Rechtsvertretung – am 9. September 2020 Stellung nahm. F. Mit Verfügung vom 10. September 2020 – gleichentags eröffnet – stellte die Vorinstanz fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, wies das Asylgesuch ab und schob den Vollzug der Wegwei- sung zugunsten einer vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit auf. G. Der Beschwerdeführer focht mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin v om 12. Oktober 2020 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte, die Verfügung sei in den Dispositivziffern 1 bis 3 aufzu- heben, es sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kosten- vorschusses. H. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 13. Oktober 2020 in elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 1 AsylG). D-5068/2020 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des Asylgesetzes in Kraft getreten (AS 2016 3101), welche für das vorliegende Verfahren gilt (vgl. Abs. 2 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im D-5068/2020 Seite 5 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Ar t. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingse igenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli- chen mit der Unglaubhaftigkeit der Fluchtvorbringen des Beschwerdefüh- rers und äusserte gewisse Zweifel an seinem Lebenslauf. Er habe seinen persönlichen Kampfeinsatz gegen die Taliban trotz mehrmaliger Nachfrage nicht detailliert und substanziiert schildern können, ausserdem seien seine Schilderungen repetitiv und verallgemeinernd sowie ohne Vorhandensein von Realkennzeichen ausgefallen. Zudem habe er ungehalten reagiert, als er aufgefordert worden sei, detaillierter zu erzählen. Insgesamt sei der Ein- druck entstanden, dass er die geschilderten Fluchtgründe wie aus zweiter Hand nacherzählt und die Ereignisse vom November 2018 im Internet re- cherchiert habe. Zudem habe er erst auf Nachfrage erklärt, dass er wäh- rend der Kämpfe mit einer Kalaschnikow geschossen habe. Es wäre zu erwarten gewesen, dass ein Jugendlicher, welcher zum ersten Mal in sei- nem Leben an Kampfhandlungen beteiligt gewesen sei, bereits in der freien Schilderung die von ihm benutzte Waffe erwähnt hätte, zumal dies für ihn ein prägendes Ereignis gewesen sein müsse. Ferner habe er die 25 Soldaten der Spezialeinheit nicht näher beschreiben können, wobei auch zu erwähnen sei, dass diese, nicht wie von ihm behauptet, der Polizei in Ghazni sondern einer Spezialeinheit der afghanischen Armee angehörten. Ebenso unglaubhaft seien seine Schilderungen in der Moschee ausgefal- len. Insgesamt sei von einem konstruierten Sachverhalt auszugehen. Überdies habe er sich in einen Widerspruch hinsichtlich seiner Anw esen- heit im Iran verstrickt sowie angegeben, nach den Ereignissen im Novem- ber 2018 Afghanistan zum ersten Mal verlassen und in den Iran eingereist D-5068/2020 Seite 6 zu sein. Anlässlich des Dublin-Gesprächs habe er hingegen erzählt, bereits fünf Jahre zuvor im Iran einen Arzt wegen seiner (…) konsultiert zu haben. Auf den Widerspruch angesprochen, habe er sich in eine weiter e Unklar- heit verstrickt und erklärt, lediglich fälschlicherweise vom Iran gesprochen und dabei eigentlich Afghanistan gemeint zu haben. Er sei in E.________ beim Arzt gewesen, wobei E.________ allerdings im Iran und nicht in Af- ghanistan liege. Es liege die Vermutung nahe, dass er Afghanistan bereits zu einem früheren Zeitpunkt, als von ihm angegeben, verlassen habe. Dies werde durch die Tatsache verstärkt, dass er weder seine Schulzeugnisse noch seinen Pass, welch e einen Aufschluss über seine tatsächliche Auf- enthaltslänge in Afghanistan offenbart hätten, habe vorlegen können. Der in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf bemängelten Konfrontation mit dem Widerspruch hinsichtlich des Kommandanten F.________ werde Rechnung getragen, indem die betreffende Passage aus der Verfügung gestrichen werde. 4.4 Der Beschwerdeführer bemängelte, die Vorinstanz habe sich bei der Verneinung der Flüchtlingseigenschaft ausschliesslich auf die allgemeine Lage in Afghanistan gestützt und dabei verkannt, dass er andere Asylvor- bringen geltend gemacht habe, nämlich, dass er im November 2018 gegen die Taliban gekämpft habe und seither auf einer sogenannten «Blacklist» stehe. Es sei nicht erklärbar, weshalb die Vorinstanz den Sachverhalt in ihrer Begründung nicht berücksichtigt habe, wobei sie sich widerspreche , wenn sie die Verfolgung durch die Tal iban als Vorbringen anerkenne, je- doch nicht in der Entscheidbegründung betreffend die Flüchtlingseigen- schaft. Er sei von den Taliban als Feind betra chtet worden, weil er mit Solda ten einer Spezialeinheit gekämpft habe. Die Tatsache, dass er der Ethnie der Hazara angehöre und Schiite sei, sowie durch die Tatsache, dass die Vo- rinstanz die Ereignisse vom November 2018 im Bezirk Jaghuri anerkenne, müsse davon ausgegangen werden, dass er einer asylrelevanten Verfol- gung ausgesetzt sei. Gemäss Berichten der Schweizerischen Flüchtlings- hilfe (SFH) sowie den EASO-Leitlinien zu Afghanistan weise er klarerweise ein spezielles Risikoprofil auf. Dem Vorwurf, er habe undetailliert, unpersönlich sowie anhand von Inter- netrecherchen die Kampfereignisse nacherzählt, sei entgegenzuhalten, dass er in der ersten Anhörung gebeten worden sei, lediglich summarisch und abschliessend seine Asylgründe vorzubringen, weshalb seine Schilde- rungen kurz ausgefallen seien. Während seiner zweiten Anhörung habe er D-5068/2020 Seite 7 sowohl den angeblichen Widerspruch hinsichtlich den an den Kämpfen be- teiligten Soldaten der Spezialeinheit und den Polizisten auflösen, als auch detailliert und mit Realkennzeichen, insbesondere emotionale Schilderun- gen versehen, seine Teilnahme an den Kämpfen schildern können. Ferner sei zu berücksichtigen, dass er als Laie keine besonderen Informationen zu den Soldaten gehabt habe. Im Gegenteil wäre es erstaunlich gewesen, wenn er als Laie über spezifische Informationen zu den Kampfe inheiten gehabt hätte, deren Erscheinungsbild er im Übrigen habe detailliert be- schreiben können. Dem Vorhalt, dass er das Benützen der Kalaschnikow nicht bereits beim erstem Mal erwähnt habe, sei entgegenzuhalten, dass dies sicherlich nicht zu den Asylgründen gehöre, welche bereits zu Beginn geltend gemacht werden müssten. Zudem würde verschiedenen Berichten zufolge die Mehrheit der afghanischen Bevölkerung mit dem Umgang von Kalaschnikows vertraut sein. Dass er nicht gewusst habe, was mit dem Leichnam seines Gruppenleiters geschehen sei, sei nachvollziehbar, da er sich in diesem Augenblick habe selber retten und danach das Dorf umge- hend verlassen müssen. Im Zusammenhang mit dem angeblich längeren Aufenthalt im Iran sei zu erwähnen, dass er zwar zuerst anlässlich des Dublin-Gesprächs erklärte, fünf Jahre zuvor im Iran beim Arzt gewesen zu sein, sich kurz darauf jedoch spontan selber korrigiert habe. In der Anhörung habe er weiter erklärt, wäh- rend seines zehnmonatigen Aufenthalts im Iran in E.________ einen Arzt aufgesucht sowie fünf Jahre zuvor bereits in Afghanistan einen Arzt kon- sultiert zu haben. Dass es sich dabei um zwei verschiedene Arztbesuch e gehandelt habe, sei bereits in der Stellungnahme erörtert worden. Auch aus den Fotos seines Handys gehe hervor, dass er in Afghanistan zur Schule gegangen sei. Hätte er tatsächlich, wie von der Vorinstanz behaup- tet, bereits länger im Iran gelebt, hätte er kein Schulfoto von sich zeig en können, zumal er im Iran als Hazara kein Recht auf einen Schulbesuch gehabt hätte. Schliesslich dürfe ihm in diesem Zusammenhang nicht zur Last gelegt werden, dass er es unterlassen habe, seine Schulzeugnisse vor seiner Flucht fotografiert, in seinem Handy gespeichert und nicht ein- gereicht zu haben. Weiter wies er darauf hin, dass er sich betreffend die eingereichten Beweismittel äusserst kooperativ gezeigt habe und neben der umgehenden Einreichung der Tazkeras seiner gesamte n Familie di- verse Fotos von seine m Handy vorgelegt habe. Es dürfe ihm nicht ange- lastet werden, dass s eine Mutter, welche Analphabetin sei, sein e Schul- zeugnisse entsorgt habe. Ferner weise er darauf hin, dass die eingereichte Stellungnahme zum Entscheidentwurf nur teilweise berücksichtigt und le-D-5068/2020 Seite 8 diglich ein ihm vorgeworfener Widerspruch aus der Verfügung entfernt wor- den sei. Es sei darauf hinzuweisen, dass er seiner Mitwirkungspflicht je- derzeit sowie umgehend nachgekommen sei, auch wenn das Hinzuziehen von Mobiltelefonen von Asylsuchenden unter dem Gesichtspun kt der Pri- vatsphäre fraglich sei, wie dies aus der der Beschwerdeschrift beigelegten Stellungnahme des UNHCR hervorgehe. 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch- stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge- richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma- chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und über wiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 5.2 Die Vorinstanz bezweifelte in ihrem Entscheid die Glaubhaftigkeit der Schilderungen des Beschwerdeführers. In einem ersten Schritt ist deshalb zu prüfen, ob seine Vorbringen den Anforderun gen an Art. 7 AsylG genü- gen. Die Vorinstanz stellte sich auf den Standpunkt, die Vorbringen des Be- schwerdeführers hinsichtlich seines Kampfeinsatzes gegen die Taliban im D-5068/2020 Seite 9 November 2018 seien unpersönlich sowie repetitiv und deshalb unglaub- haft ausgefallen . Das Bundesverwaltungsgericht kommt zum Schluss, dass seine ersten Schilderungen seiner fluchtauslösenden Ereignisse tat- sächlich eher knapp sowie unpersönlich ausgefallen sind, jedoch kann ihm dies nicht zur Last gelegt werden, zumal er – wie in der Beschwerdeschrift treffend festgehalten – anlässlich dieser Anhörung gebeten wurde, seine Asylgründe lediglich summarisch und abschliessend darzu legen (vgl. SEM-Akte 1069703-18/15 [nachfolgend: Akte 18/15], F74). Auch sind ihm im Anschluss dazu keine Fragen gestellt worden. Die nachfolgend darge- legten Ereignisse hinsichtlich seines Kampfeinsatzes im November 2018 hingegen fallen durch detaillierte und mit Realkennzeichen versehene so- wie widerspruchsfreie Schilderungen auf. In nachvollziehbarer Weise schil- derte er, wie er in der Nacht von Schüssen geweckt worden sei, die Dorf- bewohner über die Lautsprecher der Moschee vom Mullah zur Versamm- lung aufgefordert wurden, wo sie sich in der Folge getroffen und beschlos- sen hätten, zwanzig Männer zum Kampf gegen die Taliban zu entsenden (vgl. Akte 18/15, F78). In anschaulicher Weise erzählte er weiter, wie er sich an der Front hinter eine m Sack Erde versteckt habe, nachdem eine Person seiner Einsatzgruppe getötet und eine andere verletzt worden sei. Sodann beschrieb er seine Angst, im ersten Moment nicht gewusst zu ha- ben, wie er auf den unmittelbaren Angriff der Taliban reagieren solle. Neben seinem persönlichen Empfinden der Hoffnungslosigkeit und der Verwirrt- heit, seiner enormen Angst und der Unfähigkei t zu reagieren, legte er in anschaulicher Weise dar, wie er die Stimmung seiner Gruppe nach der Tö- tung des Gruppenführers wahrgenommen habe. Er führte aus, niemand habe geredet, da wahrscheinlich nicht nur er, sondern alle Anwesenden enorme Angst verspürt hät ten (vgl. SEM-Akte 1069703 -23/15 [nachfol- gend: Akte 23/15], F48-50, F56, F59-60). Weiter skizzierte er die Spezial- einheiten, schilderte den Einsatz der Beteiligten und führte nebenbei aus, es gebe in seiner Gegend wenige einsatzbereite Polizisten, da die Gegend bis anhin als sicher gegolten habe. Auch seien neben ihm und den ausge- wählten Dorfbewohnern Arbaki, verschiedene Polizisten aus der Umge- bung sowie 25 Personen, bestehend aus einer Spezialeinheit , an den Kämpfen geg en die Taliban beteiligt gewesen (vgl. Akte 23/15, F29-31, F36). Insgesamt sind die Kampfschilderungen etwas knapp, jedoch über- zeugend ausgefallen und vermitteln – entgegen der Argumentation der Vorinstanz – den Eindruck, dass der Beschwerdeführer persönl ich dabei gewesen ist. Hingegen erstaunt es, dass er sich mit keinem Wort zu allfäl- ligen Schutzmassnahmen der anderen Dorfbewohner und insb esondere derer seiner Mutter sowie seiner Schwester äusserte. Obwohl er nicht ex- plizit danach gefragt worden war, wäre dies durchaus ein wichtiger Aspekt D-5068/2020 Seite 10 in seiner Schilderung gewesen, zumal es zu mehrtägigen Kampfverteidi- gungen des Dorfes gegen die Taliban gekommen ist und er sich ausdrück- lich Sorgen um seine Mutter machte (vgl. Akte 18/15, F85 ; Akte 23/15, F97). Ferner irritiert die Tatsache, weshalb er zwar Kopien aller Schulun- terlagen und Diplome seines Bruders einreichen konnte, seine eigenen hingegen nicht. Die Erklärung, dass seine nicht alphabetisierte Mutter seine Schulzeugnisse weggeworfen haben soll, überzeugt nicht (vgl. Akte 23/15, F100), jedoch hebt die von der Vorinstanz nicht bestrittene Tatsa- che, dass er einige Fotos seines Handys – welche dem Gericht jedoch nicht vorliegen – zeigte und auf mindestens zwei Fotos als Schüler in Af- ghanistan zu sehen sei, diese Bedenken auf (vgl Akte 23/15, F17, F21). Es ist davon auszugehen, dass er seine Schulzeit, wie von ihm dargele gt, in Afghanistan verbracht und erst nach den Kämpfen im November 2018 aus- gereist ist. 5.3 Der Beschwerdeführer legte weiter dar, von den Taliban anhand einer Liste gesucht worden zu sein, dies, nachdem diese Information durch Spi- one an die Taliban herangetragen worden sei. Die diesbezüglichen Schil- derungen sind äusserst knapp und verallgemeinernd ausgefallen und wei- sen einige Unklarheiten auf, weshalb wesentliche Zweifel daran bestehen, dass er nach seiner Flucht konkret von den Taliban gesucht wurde. Obwohl er mehrmals erwähnte, es gäbe Spione, welche für die Taliban Informatio- nen sammeln würden u nd er eine ihm bekannte Person namentlich er- wähnte, konnte er nicht schlüssig darlegen , inwiefern die Taliban bereits während den vier- bis fünftägigen Kämpfen erfahren haben konnten, wer an der Verteidigung seines Dorfes beteiligt gewesen war, zumal kaum da- von auszugehen ist, dass sich Spione während der Kämpfe im Heimatdorf des Beschwerdeführers aufgehalten und danach umgehend die Taliban in- formiert haben und Namen weitergegeben haben sollen. Sodann ist es nicht nachvollziehbar, dass die Taliban umgehend nach Eroberung seines Heimatdorfes eine physische Liste mit gesuchten Personen zusammenge- stellt und vorgelesen haben sollen (vgl. Akte 18/15, F98, F100). 5.4 In einem Zwischenschritt kommt das Bundesverwaltungsgericht nach einer Abwägung zwischen de n glaubhaften und den nicht glaubhaften Sachverhaltselementen im Zusammenhang mit der Teilnahme an den Kämpfen des Beschwerdeführers gegen die Taliban zum Schluss, dass die glaubhaften Elemente überwiegen und somit den Anforderungen an Art. 7 AsylG genügen. Hingegen erweisen sich seine Ausführungen, er sei von den Taliban anhand Liste und in konkreter Weise gesucht wurde, als un- glaubhaft. D-5068/2020 Seite 11 6. 6.1 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer ein spezielles Gefährdungsprofil aufweist und deshalb konkret und in asyl- rechtlich relevanter Weise in seinem Heimatland verfolgt wird oder verfolgt werden könnte. 6.2 Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh- barer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und auf- grund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind respektive zugefügt zu werden drohen. Eine begrün- dete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, die Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk- lichen. Es müssen demnach hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorru- fen würden. Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor zu- künftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Aus- reise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeit- punkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Anspruch auf Asyl nach schweizerischem Recht hat somit nur, wer im Zeitpunkt der Ausreise ernst- haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war ( Vorflucht- gründe) oder aufgrund von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die er keinen Einfluss nehmen konnte, bei einer Rückkehr ins Heimatland solche ernsthaften Nachteile befürchten müsste (soge- nannte objektive Nachfluchtgründe). 6.3 Der Beschwerdeführer machte geltend, er werde von den Taliban ge- sucht. Wie bereits ausgeführt, konnte er eine konkrete Verfolgung durch die Taliban nicht glaubhaft aufzeigen (vgl. E. 5.3 und E.5.4). Auch unter der Hypothese, dass er zu einem späteren Zeitpunkt von einem Spion an die Taliban verraten word en wäre, erscheint es dennoch unwahrscheinlich, dass gerade er von diesen gezielt gesucht würde, zumal Schätzungen zu- folge rund eine Million Personen als deren Zielpersonen g elten (vgl. D-5068/2020 Seite 12 https://www.landinfo.no/asset/3590/1/3590_1.pdf, S7, S.11, S.19, abgeru- fen am 20. Oktober 2020). Sodann lässt sich auch aus der Tatsache, dass er einmalig und bewaffnet sein Heimatdorf verteidigt hat und dabei von Sol- daten der afghanischen Armee sowie von afghanischen Polizisten unter- stützt wurde, nicht ableiten, dass er ein spezielles Risikoprofil aufweisen würde, welches ihn zu einem Angriffsziel der Taliban machen würde. Ebenso fehlen hinreichende Anhaltspunkte zu einem solchen zum heuti- gen Zeitpunkt. So geht aus den Protokollen hervor, dass das afghanische Militär die Taliban aus der Heimatgegend des Beschwerdeführers be reits nach wenigen Tagen vertrieben hat (vgl. Akte 18/15, F106-108). Des Wei- teren gab er an, nur einmalig, unmittelbar nach der Eroberung des Heimat- dorfes durch die Taliban in seinem Elternhaus gesucht worden zu sein. Weitere Verfolgungen machte er keine geltend. Insgesamt ist auch unter dem Gesichtspunkt nicht von einer asylrelevanten Verfolgung auszugehen. 6.4 Auf eine Prüfung seiner Vorbringen unter dem Gesichtspunkt der Schutztheorie und unter Berücksichtigung der Lage in Afghanistan auf- grund eines erhöhten Gefährd ungsprofils aufgrund se iner Unterstützung des afghanischen Militärs in einem einmaligen Kampfeinsatz kann verzich- tet werden, zumal seine Vorbringen, von den Taliban verfolgt worden zu sein, vom Gericht als nicht glaubhaft eingestuft wurden (vgl. E.5.3 und E.5.4). 6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die geltend gemachten Vor- bringen nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer machte schliesslich geltend, wegen seiner eth- nischen Zugehörigkeit und seiner Religionszugehörigkeit von den Taliban verfolgt zu werden. Somit stellt sich die Frage, ob er wegen seiner ethni- schen Zugehörigkeit zur Ethnie der Hazara in seiner Heimatregion Jaghuri einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt war oder es zum aktuellen Zeit- punkt ist. Eine asylsuchende Person kann ausnahmsweise davon befreit werden, eine gezielt gegen sie gerichtete Verfolgung darzulegen, wenn sie einer Gruppe angehört, die in einem bestimmten Herkunftsland in ihrer Ge- samtheit auf einem flüchtlingsreleva nten Motiv beruhenden, intensiven Verfolgungshandlung ausgesetzt ist (vgl. BVGE 2014/32, E. 6.1). 7.2 Die Einwohnerzahl in der Provinz Ghazni – zu welcher auch der Distrikt Jaghuri, aus welcher der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge stammt, gehört – wird gemäss dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5068/2020 Seite 13 E-5136/2016 vom 11. Januar 2017 E. 6.3.2 (mit Verweis auf die konsultier- ten Quellen) auf rund 1.2 Millionen geschätzt, während der Anteil der dort lebenden Hazara ungefähr 45 Prozent, das heisst circa 540‘000 Personen, betrage. Allerding seien auch die Daten zur Grösse der Bevölkerung Af- ghanistans und deren ethnischer Zu sammensetzung wenig verlässlich, wobei die Distrikte Malistan, Jaghori und Nawar geographisch zum Ha- zarajat, dem traditionellen Siedlungsgebiet der Hazara zählen und vorwie- gend von ihnen bewohnt werden (Landinfo, Hazaras and Afghan insurgent groups, http://www.landinfo.no/asset /3468/1/3468_1.pdf; Johnson, Chris, Hazarajat Baseline Study - Interim Report, 03.2000, abrufbar auf http:// www.afghandata.org:8080/xmlui/handle /azu/3454; http://www.ecoi.net/file upload/36051_accord270_jaghori.pdf; alle abgerufen am 20. Oktober 2020). Gemäss den UNHCR -Richtlinien zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs afghanischer Asylsuchender vom 19. April 2016 werden die Hazara in Afghanistan politisch, wirts chaftlich und gesellschaftlich margi- nalisiert und diskriminiert (vgl. S. 87; Landinfo, Hazaras and Afghan insur- gent groups, 3. Oktober 2016.: vgl. zum Ganzen das Urteil des Bundesver- waltungsgerichts E -5136/2016 vom 11. Januar 2017 E. 6.3.2). Überdies wurde für das Jahr 2015 insbesondere in ethnisch gemischten Gebieten, darunter auch in der Provinz Ghazni, eine starke Zunahme von Entführun- gen und Tötungen von Hazara durch regierungsfeindliche Kräfte festge- stellt. Obwohl es in der Heimatregion des Beschwerdef ührers immer wie- der zu in asylrechtlicher Hinsicht genügend intensiven Übergriffen auf Zu- gehörige der Ethnie der Hazara gekommen ist, kann die für die Anerken- nung einer Kollektivverfolgung erforderliche Dichte der gewaltsamen Ver- folgungshandlungen nicht be jaht werden: Im Verhältnis zur Grösse des Kollektivs der Hazara in Ghazni nehmen die gewalttätigen Angriffe auf diese Bevölkerungsgruppe bisher nicht eine zahlenmässig derart grosse Dimension ein und sind die bekannt gewordenen Übergriffe nicht derart häufig, dass jeder und jede Angehörige dieser Minderheit in begründeter Weise befürchten müsste, objektiv mit erheblicher Wahrscheinlichkeit ebenfalls Opfer einer Gewalttat zu werden. Gemessen an der Anzahl in Ghazni lebender Hazara erscheint die Zahl der Übergriffe derzeit nicht als genügend dicht, als dass von einer Kollektivverfolgung durch Dritte ausge- gangen werden müsste. Folglich kann eine Kollektivverfolgung der Hazara in der Provinz Ghazni zum heutigen Zeitpunkt nicht bejaht werden. 7.3 Mithin lässt sich feststellen, dass die Lage für den Beschwerdeführer als Hazara in der Provinz Ghazni sicher nicht einfach war, dennoch kommt D-5068/2020 Seite 14 dem Umstand, dass er der Ethnie der Hazara angehört, keine asylrele- vante Bedeutung zu. Zudem geht aus den Akten nicht hervor, dass seine Mutter, seine Schwester und sein Vater, welche ebenso wie der Beschwer- deführer der Ethnie der Hazara angehören, Probleme aufgrund ihrer ethni- schen Zugehörigkeit erfahren hätten. Aus den Protokollen ist vielmehr zu entnehmen, dass diese bis zum heuti gen Zeitpunkt unbehelligt im Dorf C.________ im Bezirk G._______ leben können (vgl. Akte 18/15, F60, F61; F63). Zusammenfassend ergibt sich, dass keine asylrechtlich relevanten Verfol- gungsgründe im Sinne von Art. 3 AsylG ersichtlich sind, weshalb die Vor - instanz im Ergebnis zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu R echt angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Abschliessend ist festzuhalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägun- gen nicht etwa der Schluss ergibt, der Beschwerdeführer sei zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklung in Afghanistan nicht gefährdet. Je- doch ist eine solche Gefährdungslage unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AIG einzuordnen, wonach der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein kann, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini- scher Notlage konkret gefährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Afghanistan im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG wurde bereits durch die Vorinstanz mit der Anordnung der vorläufigen Auf- nahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung ge- tragen. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung D-5068/2020 Seite 15 Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstand slos geworden. 10.2 Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Be- gehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Dabei verfügt eine Person dann nicht ü ber die erforderlichen Mittel, wenn sie ohne Be- einträchtigung des notwendigen Lebensunterhaltes die Prozesskosten nicht zu bestreiten vermag. Eine Beschwerde gilt ferner dann als aussichts- los, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlust- gefahren und deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). 10.3 Vorliegend ist von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszuge- hen. Überdies sind die Rechtsbegehren im Rahmen einer summarischen Aktenprüfung nicht als aussichtslos zu qualifizieren, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutzuheissen ist und dem Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite) D-5068/2020 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Martina von Wattenwyl Versand: