Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Februar 2021 (720 20 347 / 42) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Indikatorenprüfung: Eine Überprüfung und Abweichung von der gutachterlichen Zumut- barkeitsbeurteilung kann nur dann zulässig sein, wenn die gutachterliche Einschätzung mit den objektiven Umständen ganz offensichtlich nicht in Einklang zu bringen ist. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Martin Lutz, Advokat, Falknerstrasse 3, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1980 geborene A.____, gelernter Servicefachan gestellter, war Geschäftsführer und Inhaber eines Bistrots, Berater, Moderator, interkult ureller Vermittler und Überset- zer/Dolmetscher. Am 15. Juni 2009 meldete er sich unter Hinweis auf Hüftgelenksbeschwerden und eine Muskelathrophie bei der Eidgenössischen Invaliden versicherung (IV) zum Leistungs- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht bezug an. Nachdem die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-S telle) die Verhältnisse abgeklärt hatte, eröffnete sie dem Versicherten mit Verfügung vom 28. S eptember 2009, er habe keinen An- spruch auf berufliche Massnahmen, da keine Invalidität ausgewiesen sei. A.2 Am 9. Mai 2011 reichte A.____ bei der IV-Stelle ein weiteres Leistungsgesuch ein, wo- rauf diese ihm eine Umschulung zum Sozialbegleiter sowie Unterstützung bei der Stellensuche gewährte (Mitteilungen vom 21. Februar 2013 und 5. April 2013). Mit Verfügung vom 27. Febru- ar 2014 schloss sie die Arbeitsvermittlung ab. A.3 Am 30. September 2016 meldete sich A.____ aberma ls bei der IV zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle klärte erneut die medizinischen und e rwerblichen Verhältnisse ab, wobei sie bei der Swiss Medical Assessement and Business-Center AG B ern (SMAB) ein Gutachten in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie veranlass- te. Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) verneinte sie mit Verfügung vom 4. August 2020 bei einem ermittelten Invaliditäts grad von 20 % einen Rentenanspruch. Begründend hielt sie fest, die beim Versicherten diagn ostizierte affektive Störung und die attes- tierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit seien mangels psychiatr ischer Komorbiditäten und therapeuti- scher Behandlung resp. aufgrund der vorhandenen Ressourcen nicht invalidisierend. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat M artin Lutz, am 14. September 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Er be- antragte unter o/e-Kostenfolge die Aufhebung der Ve rfügung vom 4. August 2020 und die Aus- richtung einer Dreiviertelsrente ab 1. März 2017. Zur B egründung brachte er im Wesentlichen vor, dass die Auffassung der IV-Stelle nicht zutreffe, wonach kein invalidisierendes psychisches Leiden im Sinne der Rechtsprechung vorliege. Zudem s ei der Einkommensvergleich nicht kor- rekt durchgeführt worden. C. Mit Eingabe vom 22. September 2020 reichte der Be schwerdeführer einen Bericht des Spitals B.____ vom 15. September 2020 zu den Akten. D. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Oktober 2020 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Zudem legte sie ihren Ausführungen eine B eurteilung des RAD-Arztes Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 12. Oktober 2020 bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel -Landschaft, so dass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen i st. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 14. September 2020 ist demnach einzutreten. 2. Streitig ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführer s. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfü gung vom 4. August 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Be stimmung des Invaliditätsgrads das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Unt ervarianten des Schätzungs- oder Pro- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zentvergleichs (vgl. BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausse rordentlichen Methode (vgl. BGE 128 V 29). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sin ne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychi- sche Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung d er Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhän- gig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem wei tgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zum utbar ist, eine Arbeitsleistung zu er- bringen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). 5.2 Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychisc hen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unte rziehen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserhebli- chen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). 5.3 Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit be i den genannten Gesundheitsschäden be- achtlichen Standardindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert: Der erste Indika- toren-Komplex steht unter dem Titel “Gesundheitsschädig ung“. Darunter sind die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, der Gesichtspunkt Behand lungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz und die Komorbiditäten zu würdigen. Im zweiten, die “Persönlichkeit“ betreffen- den Indikatoren-Komplex wird nach der Persönlichkeitsentw icklung und der -struktur gefragt, und es sind die persönlichen Ressourcen der versicherten Person zu eruieren. Im dritten Indika- toren-Komplex schliesslich ist unter dem Titel “sozialer K ontext“ eine Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds vorzunehmen. Anhand der er mittelten Indikatoren ist schliesslich die “Konsistenz“ zu prüfen. Darunter fallen verhaltensbe zogene Kategorien wie die Indikatoren einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensberei- chen und eines behandlungs- und eingliederungsanamne stisch ausgewiesenen Leidensdrucks (vgl. BGE 141 V 281 E. 4). 5.4 Gemäss BGE 141 V 281 ergibt sich hinsichtlich der Be urteilung der Arbeitsfähigkeit, dass sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwen- dung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orientie- ren haben; die Gutachter im Idealfall gemäss der ents prechend formulierten Fragestellung (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsanwender prüf en die medizinischen Angaben frei ins- besondere daraufhin, ob die ärztliche Einschätzung de r Arbeitsunfähigkeit auch invaliditäts- fremde Gesichtspunkte (insbesondere psychosoziale und sozio kulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt, die vom sozialversicherungsrechtlichen Sta ndpunkt aus unbeachtlich sind (vgl. BGE 140 V 193; 130 V 352 E. 2.2.5). Wo psychosozi ale Einflüsse das Bild prägen, ist bei der Annahme einer rentenbegründenden Invalidität Zurückhaltung geboten (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteile des Bundesgerichts vom 22. März 2018, 8C_582/2017, E. 5, vom 3. Februar 2016, 8C_746/2015, E. 2.2 und vom 19. Januar 2016, 9C_146/2015, E. 3.1). Es soll indes keine losgelöste juristische Parallelüberprüfun g nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden (vgl. BGE 141 V 281 E. 5. 2.3), sondern im Rahmen der Beweis- würdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indika- toren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden un d somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen (vgl. BGE 141 V 281 E. 6; Urteile des Bundesgerichts vom 31. Oktober 2018, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8C_628/2018, E. 4.3 und vom 1. Dezember 2017, 8C_26 0/2017, E. 4.2.4). Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer S icht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesund- heitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden B etrachtung ein stimmiges Ge- samtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (K onsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Bew eis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zu Ungunsten der rentenanspre- chenden Person auswirkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 31. Oktober 2018, 8C_628/2018, E. 4.3; BGE 144 V 50 E. 4.3). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 7.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Berichte wiedergegeben werden, welche für den Entscheid zentral sind. 7.2 Die IV-Stelle veranlasste bei der SMAB ein polydiszip linäres Gutachten, welches am 14. Juni 2019 erstattet wurde. Darin wurden mit Auswir kung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittel- schwere depressive Episode (ICD-10 F32.1) und eine Muskeld ystrophie vom Gliedergürtel-Typ diagnostiziert. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähig keit bestünden ein obstruktives Schlafapnoesyndrom (OSAS), eine bronchiale Hyperreagib ilität mit Tendenz zu asthmatischer Reaktion, episodische Spannungskopfschmerzen, ein chronisch l umbospondylogenes Schmerzsyndrom, eine Laktoseintoleranz, ein Status nach L ippen-Kiefer-Gaumenspalte und eine funktionelle Hyperprolaktinämie leichten Grads. In neurologischer Hinsicht sei aufgrund der Anamnese und der Befunde sehr wahrscheinlich von einer Gliedergürteldystrophie auszuge- hen. Diese Muskelerkrankung verursache Schwächen und Einbu ssen im Gehen, beim Trep- pensteigen und in der allgemeinen Kraft. Auch in eine r körperlich angepassten Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit um 20 % eingeschränkt. Demgegenüber hätten die Kopfschmerzen, das OSAS, die angegebenen Gefühlsstörungen im Gesicht und die ch ronischen Rückenschmerzen keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Weder aus internistischer noch aus orthopädischer Sicht seien Diagnosen mit Relevanz auf die Arbeitsfähigkeit festzustel len. Es zeige sich eine leicht statisch ungünstige Hyperlordose der Lendenwirbelsäule (LWS) be i leichtem Beckenschiefstand links. Gemäss MRI vom Jahr 2016 bestünde eine WK5/S1 Chondrose mit flacher Diskushernie medi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht olateral links ohne Tangierung neuraler Strukturen. E ine radikuläre Ausfallsymptomatik finde sich aber nicht und die in der Untersuchung gezeigten Funktionsstörungen seien nicht plausi- bel. In psychiatrischer Hinsicht zeige der Versicherte ei ne vermehrte Beschäftigung mit Selbst- zweifeln, Schamgefühlen, depressiven Kognitionen und n egativen Grübeleien. Das inhaltliche Denken sei überwiegend depressiv-negativistisch geprägt. D ie emotional-affektive Schwin- gungsfähigkeit und die Fähigkeit, Freude zu empfinden , seien eingeschränkt. Ein vollständiger Interessenverlust oder eine Persönlichkeitsstörung/-änderung würden aber nicht vorliegen. Der Versicherte weise Defizite in den psychischen Grundfunktionen auf und es mangle an Proaktivi- tät und Antrieb. Die Entscheidungs- und die Urteilsfäh igkeit seien teilweise beeinträchtigt. Auch die Flexibilität und die Umstellfähigkeit würden leicht e Einschränkungen aufweisen. Problema- tisch würden sich aber die Bereiche Durchhalte- und die S elbstbehauptungsfähigkeit zeigen. Zudem seien die Interaktion und die Kontakt- und Gru ppenfähigkeit depressiv bedingt einge- schränkt. Demgegenüber bestünden in den Bereichen Selbstpflege, Selbstversorgung und Ver- kehrsfähigkeit keine Defizite. Die geklagten Symptome und Funktionseinbussen seien durchaus konsistent. Es bestünde eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in vergleich- baren Lebensbereichen. Der Versicherte stehe meist erst g egen Mittag auf. Nach dem Mittag- essen schaue er fern, wobei er keine besonderen Interesse n habe. Gelegentlich surfe er im Internet. Die Beschäftigung mit der Tochter falle ih m schwer, da er antriebslos sei. Hobbies ha- be er keine mehr. Früher sei er politisch aktiv gewesen, habe sich in sozialen und interkulturel- len Projekten engagiert. Von seinen Kollegen habe er sich weitgehend zurückgezogen. Der Haushalt werde von der Ehefrau geführt. Eine längerf ristige, kontinuierliche psychiatrisch- psychotherapeutische Behandlung erfolge aber nicht und er nehme auch keine Psychopharma- ka ein. Die mangelnde Kooperation bzw. Bereitschaft zur Teilnahme an einer kontinuierlichen Fachbehandlung sei hauptsächlich krankheits- und ressourcenb edingt. Sie lasse sich zu einem überwiegenden Teil auch mit Schamgefühlen und dem Ant riebsmangel erklären. Eine Behand- lung sei aber dringend anzuraten. Der Versicherte sei in der Lage, eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 50 % auszuüben. Retrospektiv sei eine mittelg radige depressive Episode mit Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit seit März 2016 dokumentie rt. Aus gesamtmedizinischer Sicht sei der Versicherte sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig. Gegen die Annahme einer Arbeitsfähigke it in diesem Umfang spreche nicht, dass er bis April 2018 an einem Kurs zum Migrationsfachmann teilgenommen habe. 7.3 Am 1. Juli 2019 nahm der RAD-Arzt D.____, Fachar zt für Allgemeinmedizin, zum Gut- achten der SMAB vom 14. Juni 2019 Stellung. Er führte aus, dass die Schlussfolgerungen nachvollziehbar, medizinisch begründet und widerspruchsfrei seien. Zudem seien alle wesentli- chen Standartindikatoren ausreichend erfasst und diskutiert worden. Die im Gutachten festge- stellte Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50 % seit circa März 2016 sei nach Prüfung der Standart- indikatoren vollumfänglich nachvollziehbar. Sie könne für die Beurteilung des Rentenanspruchs übernommen werden. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht notwendig. 7.4 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens führte der RAD- Arzt Dr. C.____ am 19. Mai 2020 aus, die Erklärung im Gutachten der SMAB vom 14. J uni 2019, wonach die mangelnde Kooperation resp. Bereitschaft des Versicherten, sich ei ner Fachbehandlung zu unterziehen, überwiegend auf Schamgefühle und Antriebsmangel zurückzu führen sei, aus versicherungs- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht medizinischer Sicht nicht plausibel sei. Schamgefühle und Antriebsmangel würden keinesfalls ein Krankheitsausmass erreichen, welches jegliche Behandl ungen als unzumutbar erscheinen liessen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb dem Versiche rten eine fachgerechte Psychothe- rapie und Psychopharmakologie aus medizinischen Gründen nicht zumutbar sein soll. 7.5 Am 27. Juli 2020 suchte der Beschwerdeführer die K linik E.____ auf. Im gleichentags erstellten Bericht über das Vorgespräch wurde eine sch were depressive Episode ohne psycho- tische Symptome (ICD-10 F32.2) diagnostiziert und darauf hingewiesen, dass sich der Versi- cherte für einen Eintritt in die Klinik entschieden hab e. Es zeige sich ein niedergestimmter, blasser und am Ende seiner Kraft wirkender Patient. E r sei bewusstseinsklar und allseits orien- tiert. Die Konzentration sei mittelgradig gestört, da s Denken gehemmt, verlangsamt, umständ- lich, eingeengt und grübelnd. Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen bestünden nicht. Der Versicherte sei misstrauisch, rat- und gefühllos, aff ektarm und -starr, hoffnungslos, depri- miert, dysphorisch, gereizt, innerlich unruhig, antriebsa rm und leicht aggressiv. Er habe Insuffi- zienz-, Schuld- und Verarmungsgefühle. Der soziale Rückzu g sei mittelgradig und die Schlaf- störungen seien massiv. Eine umfassende diagnostische Beurte ilung der Krankheit und deren Auswirkungen sei nur stationär möglich bzw. besser realisi erbar. Zudem könnten die alltagsre- levanten krankheitsbedingten Defizite und Ressourcen besser erfasst und genutzt werden. 7.6 Am 14. September 2020 diagnostizierte der behande lnde Arzt Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, eine ausgeprägte Myopathie und Leistungsintoleranz multifak- torieller Aetiologie, eine Muskeldysthrophie vom Gliede rgürteltyp, ein OSAS, eine chronisch infektiöse Rhinosinusitis beidseits, ein Asthma bronchial e, einen Tinnitus, migräniforme Kopf- schmerzen, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwä rtig mittelgradige Episode, und eine Insomnie. Es bestünde eine deutlich reduzierte Lei stungs- und Konzentrationsfähigkeit, weshalb dem Versicherten auch einfache und körperlich leichte Arbeiten nicht zumutbar seien. 7.7 Am 9. September 2020 wurde im Spital B.____, ei ne neurologische Standortbestim- mung durchgeführt. Im Bericht vom 15. September 2020 wurden eine proximale Myopathie, eine depressive Verstimmung, ein leichtes OSAS und migr äniforme Kopfschmerzen diagnosti- ziert sowie weitere Untersuchungen und Therapieoption en erörtert. Die Experten hielten fest, dass der Versicherte als Kellner vollständig arbeitsunfähi g sei. Auch bei der Tätigkeit als Dol- metscher bestünden Einschränkungen. 7.8 Am 12. Oktober 2020 nahm Dr. C.____ zu den Berich ten der Klinik E.____ vom 27. Juli 2020, von Dr. F.____ vom 14. September 2020 und des Spitals B.____ vom 9. September 2020 Stellung. Er hielt fest, dass sich der psychopathologische Befund seit der Begutachtung durch die SAMB nur geringfügig verändert habe. Entscheiden d sei, dass der Versicherte über Jahre keine fachgerechte Behandlung aufgenommen habe. Die fe hlende Mitwirkung könne mit Blick auf die IV-gesetzlich inhärente Mitwirkungspflicht kein Grund sein, von einer höheren Arbeitsun- fähigkeit auszugehen als die im Gutachten attestierte 5 0%ige Arbeitsunfähigkeit. Für eine mas- sgebliche Verschlechterung würden objektive Befunde fehlen. So gehe auch Dr. F.____ weiter- hin von einer mittelgradigen depressiven Episode aus. Au ch hinsichtlich der Nebendiagnosen hätte sich keine Verschlechterung eingestellt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Wie oben (vgl. E. 4.3 hiervor) dargelegt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Das Gutachten der SMAB vom 14. Juni 2019 erfüllt sowohl in formeller Hinsicht als auch in haltlich die bundesgerichtlichen Anforderun- gen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage. Die Gutachter hatten Kennt- nis von sämtlichen medizinischen Vorakten, sie setzten sich in angemessener Weise mit den geäusserten Beschwerden auseinander und begründeten di e Schlussfolgerungen in nachvoll- ziehbarer Weise. In inhaltlicher Hinsicht vermag sodann zu überzeugen, dass beim Beschwer- deführer aufgrund der Muskeldystrophie vom Gliedergürtel-Typ und der mittelschweren depres- siven Episode seit März 2016 von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % auszuge- hen ist. Insgesamt bestehen keine Anhaltspunkte, dass die klinische Untersuchung mit Anam- neseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtun g als wichtigste Grundlage gut- achtlicher Feststellungen und Schlussfolgerungen nicht lege artis erfolgt wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. August 2016, 9C_410/2016, E. 2.2. 1 mit Hinweis, in: SVR 2016 IV Nr. 53 S. 178). Zwar weist das psychiatrische Teilgutacht en gewisse Schwächen auf. Nament- lich ist die Erfassung und Diskussion der Standartindikato ren und die Beurteilung des Krank- heitsverlaufs eher knapp ausgefallen. Diese Unzulänglich keiten vermögen aber letztlich am Beweiswert des Gutachtens nichts zu ändern, weshalb darau f abgestellt werden kann. Die Be- weiskraft des Gutachtens der SMAB vom 14. Juni 2019 wu rde auch vom RAD bejaht (vgl. Stel- lungnahme von Dr. D.____ vom 1. Juli 2019) und ist unt er den Verfahrensbeteiligten zu Recht unbestritten. 8.2 Soweit die Beschwerdegegnerin davon ausgeht, dass de r bestehenden psychiatrischen Erkrankung keine invalidisierende Wirkung zukomme, kann ihr nicht beigepflichtet werden. Vielmehr steht aufgrund des zuverlässigen Gutachtens der SMAB vom 14. Juni 2019 fest, dass der Beschwerdeführer in psychiatrischer Hinsicht eine mitt elschwere depressive Episode (ICD- 10 F32.1) und damit ein objektiv begründbares krankhe itswertiges Leiden aufweist. Die Fach- ärzte legten schlüssig dar, dass sich die funktionellen Ein schränkungen durch die Merkmale einer mittelgradigen depressiven Störung, die sich insbe sondere durch eine Beeinträchtigung der Stimmung, des Antriebs, der Aktivität sowie durch Int eressenverlust, Freudlosigkeit, ein herabgesetztes Selbstwertgefühl, Schamgefühlen und Grüb eleien manifestieren. Damit ist eine erhebliche Ausprägung der Symptomatik durch objektive Be funde dargetan. Zwar trifft zu, dass beim Versicherten keine kontinuierliche psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung erfolg- te. Daraus kann aber entgegen der Auffassung der IV-S telle nicht auf einen geringen Leidens- druck und Schweregrad der Störung geschlossen werden. V ielmehr wertete der psychiatrische Gutachter die mangelnde Kooperation bzw. Bereitschaft z ur Teilnahme an einer kontinuierli- chen Fachbehandlung hauptsächlich als krankheits- und resso urcenbedingt. Soweit Dr. C.____ diese Beurteilung in Frage stellt, ist darauf hinzuweisen, dass er den Beschwerdeführer nie per- sönlich untersuchte, weshalb seine Einschätzung die Beurte ilung des Gutachters nicht in Zwei- fel zu ziehen vermag. In Bezug auf die Komplexe “Per sönlichkeit“ und “sozialer Kontext“ stellte Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der psychiatrische Gutachter diverse Defizite in den psychi schen Grundfunktionen fest. So be- stünden Einschränkungen bei der Entscheidungs-, Urteils-, Umstell-, Durchhalte- und Selbstbe- hauptungsfähigkeit, der Flexibilität sowie im Bereich der Interaktion und der Kontaktfähigkeit. Eine psychiatrische Komorbidität ist – wie die IV-Stell e zurecht anführt – zwar nicht gegeben. Indes bestehen aufgrund der Angaben im Gutachten, won ach der Beschwerdeführer seine bis- herigen politischen, sozialen und interkulturellen Aktivi täten aufgab und nunmehr nur noch den Kontakt zu seiner Herkunftsfamilie pflegt, die meiste Zeit des Tages fern sieht, im Internet surft und gelegentlich zusammen mit seiner Tochter spielt, kla re Hinweise für erheblich beeinträch- tigte Ressourcen und eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen ver- gleichbaren Lebensbereichen. Daran ändert für den hie r zu beurteilenden Zeitraum auch die Vermutung der involvierten Fachärzte nichts, wonach bei einer kontinuierlichen psychiatrisch- psychotherapeutischen Fachbehandlung einschliesslich Psychoph armakotherapie mit einer günstigen Prognose gerechnet werden könne. Ob und geg ebenenfalls wann eine solche Ent- wicklung eintreten wird, war bei Verfügungserlass und ist auch heute völlig ungewiss. Nach der Rechtsprechung ist dann, wenn ein medizinisches Gutachten die versicherte Person als (teil- weise) arbeitsunfähig erklärt, aber gleichzeitig festhä lt, dass nach durchgeführter erfolgreicher Eingliederung wieder eine deutlich bessere Arbeitsfähigkeit erreichbar sein sollte, der Anspruch auf eine Rente für die zurückliegende Zeit so lange ni cht ausgeschlossen, als die bestehende Erwerbsunfähigkeit nicht (oder noch nicht) mit geeigne ten Eingliederungsmassnahmen tatsäch- lich behoben oder in einer für den Rentenanspruch erh eblichen Weise verringert werden konn- te. Folglich steht die bis anhin nicht erfolgte psychiatr ische Behandlung einem Rentenanspruch nicht entgegen. Da die medizinischen Experten davon au sgehen, dass nach durchgeführter psychiatrischer Behandlung wieder eine deutlich bessere Ar beitsfähigkeit erreichbar sein sollte, kann dem Versicherten aber allenfalls eine Schadenminder ungspflicht auferlegt werden (vgl. ANDREAS BRUNNER /D ORIS VOLLENWEIDER , in: Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozial- versicherungsrechts, 2020, N. 99-101 zu Art. 21 ATSG). I nsgesamt sind keine Gründe ersicht- lich, die dazu Anlass geben könnten, an den Ergebnissen des Gutachtens zu zweifeln, zumal auch der RAD-Arzt Dr. D.____ das Gutachten als beweistaugliche Beurteilungsgrundlage quali- fizierte und die darin veranschlagte Arbeitsunfähigkeit als nachvollziehbar beurteilte. Auch der RAD-Arzt Dr. C.____ stellt in seiner Stellungnahme vom 12. Oktober 2020 die im Gutachten attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit nicht in Frage. Es ist zwar zu beachten, dass der Rechts- anwender gemäss bundesgerichtlicher Praxis die Indikatoren und ihre Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit frei überprüfen darf. Da die Beurteil ung der Arbeitsfähigkeit aber eine medizini- sche und keine juristische Frage ist, kann eine Überprüfung und Abweichung von der gutachter- lichen Zumutbarkeitsbeurteilung nur dann zulässig sein, wenn die gutachterliche Einschätzung mit den objektiven Umständen ganz offensichtlich nicht in Einklang zu bringen ist (vgl. BGE 141 V 281; Urteil des Bundesgerichts vom 1. Dezember 2017, 8C_260/2017, E. 4.2.1 ff.), was hier aber nicht der Fall ist. Demnach ist aufgrund der Anga ben im massgebenden Gutachten der SMAB vom 14. Juni 2019 davon auszugehen, dass der Beschwerd eführer seit März 2016 aus psychischen Gründen eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit um 50 % aufweist. Diese Beur- teilung der Gutachter erfolgte im Wissen um die Weit erbildungen und bisherigen beruflichen Tätigkeiten des Beschwerdeführers, weshalb auch der Ein wand der Beschwerdegegnerin, wo- nach der Beschwerdeführer bis ins Jahr 2017 zu 100 % ge arbeitet habe, an den Schlussfolge- rungen im Gutachten nichts zu ändern vermag. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Neuere fachärztliche Berichte, die im hier zu beurte ilenden Zeitraum bis 4. August 2020 nach der Begutachtung durch die SMAB eine massgebliche Verschlechterung des Gesund- heitszustandes beschreiben würden oder an den Feststellungen im aktuellen Gutachten Zweifel zu begründen vermögen, liegen nicht vor. Zwar wurde im Bericht der Klinik E.____ vom 27. Juli 2020 eine schwere depressive Episode ohne psychotische Sym ptome (ICD-10 F32.2) diagnos- tiziert. Gleichzeitig wurde aber darauf hingewiesen, d ass eine umfassende diagnostische Beur- teilung der Erkrankung und deren Auswirkungen im Rahmen des bevorstehenden stationären Aufenthalts erfolge, weshalb die Diagnose einer schwere n affektiven Erkrankung im Zeitpunkt des Vorgesprächs am 27. Juli 2020 nicht hinreichend gesiche rt war. Es kommt hinzu, dass der behandelnde Hausarzt Dr. F.____ in seinem Bericht vom 14. September 2020 in psychiatri- scher Hinsicht (weiterhin) eine rezidivierende depressive S törung, gegenwärtig mittelgradige Episode, bestätigte, was gegen eine Verschlechterung d es psychischen Gesundheitszustands spricht. Eine solche wäre aber im Rahmen einer Rentenrevision zu berücksichtigen. 9.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ver- sicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Die von der IV-Stelle vorge- nommene Bemessung der Vergleichseinkommen aufgrund der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BfS) hat der Beschwerdeführ er zu Recht nicht bestritten. Da beide Vergleichseinkommen von den identischen Faktoren – wie etwa bezüglich statistischer Lohnentwicklung – beeinflusst werden, erübrigt sich eine detaillierte Darstellung der Berech- nung derselben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. S eptember 2010, 8C_538/2010, E. 7.4.3). Demnach beträgt das Valideneinkommen Fr. 63'164.-- und die Basis für das Invali- deneinkommen – unter Berücksichtigung des zumutbaren Pe nsums von 50 % – Fr. 31‘582.-- (Fr. 63'164.-- x 50 %). 9.2 Der Beschwerdeführer verlangt aufgrund der Teila rbeitsfähigkeit und seiner somatischen Einschränkungen eine Reduktion des Invalideneinkommens um 20 %. Mit dem Abzug vom Ta- bellenlohn nach BGE 126 V 75 soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinde rung, Lebensalter, Dienstjahre, Na- tionalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigung sgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Per son deswegen die verbliebene Ar- beitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsma rkt nur mit unterdurchschnittlichem er- werblichem Erfolg verwerten kann (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juli 2017, 8C_114/2017, E. 3.1). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemä ssem Ermessen gesamthaft zu schät- zen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2). 9.3 Aus dem SMAB-Gutachten ergibt sich, dass der Versicher te in einer überwiegend sit- zenden Position ohne hohe Ansprüche an die Motorik und körperliche Belastung (kein Heben und Tragen von Lasten von über 10 kg, keine lange Ge hstrecken) und der Möglichkeit, zwi- schendurch aufzustehen um die Muskulatur zu lockern, zu 80 % a rbeitsfähig ist. Die Tatsache allein, dass dem Versicherten nur noch körperlich angepasst e Arbeiten zumutbar sind, stellt Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht aber auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit keinen G rund für einen Abzug dar, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzah l solcher Tätigkeiten umfasst (vgl. Ur- teile des Bundesgerichts vom 22. März 2017, 8C_805/2016 , E. 3.4.2 und vom 16. Juli 2014, 8C_97/2014, E. 4.2). Ferner ist nicht ersichtlich, dass kö rperliche Limitierungen bestehen, die nicht bereits im gutachterlichen Anforderungs- und Belastungsprofil enthalten sind. Insbesonde- re darf der Umstand, dass dem Beschwerdeführer nur noch körperlich angepasste Tätigkeiten zumutbar sind, nicht durch einen Abzug vom Tabellenloh n und damit doppelt berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juli 2017, 9C_264/2016, E. 5.2.2). Zudem ist bei einem Beschäftigungsgrad zwischen 50 % und 74 % statistisch nicht mit einer relevanten Lohn- einbusse zu rechnen (vgl. LSE 2016 Tabelle T18), wesha lb auch aus diesem Grund ein Abzug vom Tabellenlohn entfällt. Demnach ist nicht zu beanstan den, dass die Beschwerdegegnerin bei der Ermittlung des Invalideneinkommens keinen Abzug vom Tabellenlohn vornahm. 8.4 Aus einer Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 63'164.-- mit diesem In- valideneinkommen von Fr. 31‘582.-- ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 50 %, was Anspruch auf eine halbe Rente gibt. 9. Im Ergebnis ist somit festzuhalten, dass gestützt auf das beweiskräftige Gutachten des SMAB vom 14. Juni 2019 seit März 2016 von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszugehen ist. Unter Berücksichtigung von Art. 29 Abs. 1 IVG und der An meldung zum Leistungsbezug am 30. September 2016 hat der Beschwerdeführer demnach a b 1. März 2017 Anspruch auf eine halbe Rente. Die Beschwerde ist in dem Sinne teilweise gutzuheissen. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend hat di e IV-Stelle als unterliegende Partei die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- zu tra gen. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 10.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Fraglich ist, ob die Parteien tschädigung allenfalls wegen bloss teilwei- sen Obsiegens zu reduzieren ist. In diesem Zusammenhang i st vorab klarzustellen, dass es bundesrechtswidrig wäre, die Parteientschädigung ausschlie sslich nach dem anteilsmässigen Prozesserfolg zu bemessen. Mit einem solchen Vorgehen würde in unzulässiger Weise von den bundesrechtlichen Bemessungskriterien der „Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses“ (Art. 61 lit. g Satz 2 ATSG) abgewichen ( vgl. BGE 117 V 407 E. 2c). Gegen eine Reduktion der Parteientschädigung wegen bloss tei lweisen Obsiegens sprechen zudem folgende Überlegungen: Der Beschwerdeführer hätte sich damit begnügen können, in seinem Rechtsbegehren die Zusprechung einer Rente zu verlange n (vgl. BGE 101 V 223 E. 4). In die- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht sem Fall wäre der Prozesserfolg nicht anteilsmässig quan tifizierbar und dem Beschwerdeführer würde wegen Obsiegens eine volle Parteientschädigung zug esprochen (vgl. BGE 117 V 406 E. 2b). Zu beachten ist sodann, dass praxisgemäss selbst d ann eine volle Parteientschädigung ausgerichtet wird, wenn das kantonale Gericht in einem Rentenverfahren keinen materiellen Entscheid trifft, sondern die Sache zu ergänzender Ab klärung und anschliessender Neubeurtei- lung an den Versicherungsträger zurückweist (vgl. BGE 117 V 406 f. E. 2b mit Hinweisen). Be- rücksichtigt man diese Überlegungen, so rechtfertigt es sich , dem Beschwerdeführer für das vorliegende Verfahren eine volle Parteientschädigung z u Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter hat in seiner Honorarnote vom 13. N ovember 2020 für das vorliegende Be- schwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 6,42 Stunden g eltend gemacht, was umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rech tsfragen als angemessen ist. Dieser Aufwand ist mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Stundenansatz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwält innen und Anwälte vom 17. November 2003). Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 204.10. Somit ist dem Beschwerdeführer für das vor liegende Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'948.40 (6,42 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen von Fr. 204.10 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzuspre- chen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise gu tgeheissen, als die angefochtene Verfügung vom 4. August 2020 aufgehoben und festge- stellt wird, dass der Beschwerdeführer ab 1. März 2017 An spruch auf eine halbe Rente hat. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 1'948.40 (inkl. Ausla gen und Mehr- wertsteuer) auszurichten. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Sozialversicherungen http://www.bl.ch/kantonsgericht