Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 16. April 2019 (470 19 37) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Nichtanhandnahme des Verfahrens Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref.), Richter Daniel Häring; Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin B.____ , Beschuldigter 1 C.____ , Beschuldigter 2 Gegenstand Nichtanhandnahme des Verfahrens Beschwerde gegen die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 25. Januar 2019 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 17. Oktober 2018 erstattete A.____ bei der Staa tsanwaltschaft Basel-Landschaft (nachfolgend Staatsanwaltschaft) Strafanzeige gegen B.____ (nachfolgend Beschuldigter 1), sowie gegen C.____ (nachfolgend Beschuldigter 2), w egen Amtsmissbrauchs, Urkundenfäl- schung und „Korruption“. A.____ machte den beiden B eschuldigten den Vorwurf, diverse Fehler im Konkursverfahren seiner Firma, der D.____ AG, begangen zu haben. B. Die Staatsanwaltschaft verfügte am 25. Januar 2019, dass das Verfahren in Anwendung von Art. 310 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen Stra fprozessordnung (StPO) nicht an Hand ge- nommen werde. Die Kosten würden zu Lasten des Staates gehen. C. Gegen die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwal tschaft vom 25. Januar 2019 erhob A.____ (nachfolgend Beschwerdeführer) mit Ein gabe vom 6. Februar 2019 (Eingang am 8. Februar 2019) Beschwerde beim Kantonsgericht Bas el-Landschaft, Abteilung Strafrecht (nachfolgend Kantonsgericht). Er beantragte sinngem äss, es sei die Nichtanhandnahmeverfü- gung aufzuheben sowie das Verfahren an Hand zu nehmen. D. Die Staatsanwaltschaft begehrte in ihrer Stellungna hme vom 12. Februar 2019, die Be- schwerde sei unter Kostenfolge zu Lasten des Beschwerdeführers vollumfänglich abzuweisen. E. Der Beschwerdeführer reichte mit Schreiben vom 20. Februar 2019 eine weitere Stellung- nahme zu seiner Beschwerde nach, in welcher er an seinen Anträgen festhielt. F. Am 21. Februar 2019 (Eingang am 22. Februar 2019) r eichte der Beschuldigte 1 seine Stellungnahme zur Beschwerde ein und begehrte, es s ei die Beschwerde abzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers. G. Der Beschuldigte 2 nahm mit Eingabe vom 21. Februar 2019 (Eingang 22. Februar 2019) Stellung zur Beschwerde und beantragte, es sei auf die Beschwerde nicht einzutreten, eventua- liter sei die Beschwerde abzuweisen, es seien die V erfahrenskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und es sei der Beschwerdeführer zu ver pflichten, dem Beschuldigten 2 eine Auf- wandentschädigung zu bezahlen. In prozessualer Hins icht sei der Beschwerdeführer zu ver- pflichten, einen angemessenen Kostenvorschuss für d ie Verfahrenskosten und eine Sicherstel- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung für die Entschädigung an den Beschuldigten 2 z u leisten, bevor das Beschwerdeverfahren weitergeführt werde. H. Mit Verfügung vom 22. Februar 2019 wies das Kantons gericht den Antrag des Beschul- digten 2, wonach der Beschwerdeführer zu verpflicht en sei, einen angemessenen Kostenvor- schuss für die Verfahrenskosten und eine Sicherstel lung für die Entschädigung an den Be- schuldigten 2 zu leisten, bevor das Beschwerdeverfa hren weitergeführt werde, ab, soweit es darauf eintrat und schloss den Schriftenwechsel. Erwägungen I. Formelles 1.1 Die Beschwerde ist gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a St PO zulässig gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaf t und Übertretungsstrafbehörden. Nach Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO sind namentlich Nichtanhandnahmeverfügungen der Staatsanwaltschaft beschwerdefähig. Gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO können Rechtsverletzun- gen, die falsche Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden. Da mit der Beschwerde alle Mängel des angefochtenen Entscheides geltend gemacht werden können, verfügt die Rechtsmittelinstanz über volle Kognition (P ATRICK GUIDON , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 393 N 15). Die Beschwerdefrist gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Ent- scheide beträgt zehn Tage, wobei die Beschwerde sch riftlich und begründet bei der Beschwer- deinstanz einzureichen ist (Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 und Art. 396 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Partei, die ei n rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Abänderung der angefochtenen Verfügung hat, zur Beschwerde legitimiert. Die örtliche, sachliche und funktionelle Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abtei- lung Strafrecht, als Beschwerdeinstanz ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO und § 15 Abs. 2 des kantonalen Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO). 1.2 Mit der vorliegenden Beschwerde wird die Nichtanha ndnahmeverfügung der Staatsan- waltschaft vom 25. Januar 2019 angefochten. Diese V erfügung stellt ein taugliches Beschwer- deobjekt dar. Die Beschwerde datiert vom 6. Februar 2019 und wurde am 7. Februar 2019 der Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schweizerischen Post übergeben. Der Beschwerdeführe r hat die Beschwerde rechtzeitig erho- ben, zumal er geltend macht, die angefochtene Verfügung am 4. Februar 2019 zugestellt erhal- ten zu haben. Fraglich erscheint indessen die Besch werdelegitimation des Beschwerdeführers nach Art. 382 StPO, weil er sich nicht als Privatkl äger i.S.v. Art. 118 Abs. 1 StPO konstituiert hat. Da er aber allenfalls noch keine Gelegenheit d azu hatte, seine Beteiligung am Strafverfah- ren als Straf- oder Zivilkläger ausdrücklich zu erk lären, ist die Frage nach der Legitimation an dieser Stelle im Zweifel zu bejahen, zumal gemäss A rt. 105 StPO auch anderen Verfahrensbe- teiligten wie der geschädigten Person, der Anzeige erstattenden Person oder dem beschwerten Dritten die Verfahrensrechte einer Partei zustehen, wenn sie in ihren Rechten unmittelbar be- troffen werden. Im Folgenden ist daher auf die Besc hwerde vom 6. Februar 2019 einzutreten. Allerdings ist die nachgereichte Beschwerdebegründung vom 20. Februar 2019 im vorliegenden Verfahren nicht zu beachten, da sie erst nach Ablau f der zehntägigen Frist gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO und damit zu spät eingereicht wurde. II. Materielles 1.1 Mit Strafanzeige vom 17. Oktober 2018 hat der Besch werdeführer die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen die beiden Beschuldigten wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch, Urkun- denfälschung sowie „Korruption“ mittels persönliche r Vorsprache bei der Staatsanwaltschaft beantragt. Die Staatsanwaltschaft hat am 25. Januar 2019 eine Nichtanhandnahmeverfügung gestützt auf Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO erlassen u nd diese im Wesentlichen damit begründet, dass die gegen die beiden Beschuldigten erhobenen V orwürfe des Amtsmissbrauchs, der Ur- kundenfälschung und der „Korruption“ jeglicher Grun dlage entbehren würden. Es sei offensicht- lich keine Straftat begangen worden. Der Beschwerde führer moniere, dass er für den Kosten- vorschuss für die „Durchführung des Konkurses“ habe aufkommen müssen. Der Grund für die vom Beschwerdeführer am 27. Februar 2017 geleistete Zahlung lasse sich aber nicht bestim- men. In keiner denkbaren Variante sei er jedoch unr echtmässig an Stelle eines Gläubigers zur Erbringung einer Leistung herangezogen worden. Weit er sei der Kollokationsplan gemäss Art. 247 SchKG 60 Tage nach Ablauf der Eingabefrist zu erstellen. Aus der SHAB-Publikation vom 15. März 2017 sei ersichtlich, dass die Eingabe frist für Forderungen im Konkurs der D.____ AG am 15. April 2017 abgelaufen sei. Gemäss SHAB-Publikation vom 30. August 2017 sei der Kollokationsplan am 31. August 2017 aufgele gt worden. Die Überschreitung der 60- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tagesfrist um rund zwei Monate erweise sich als unb edenklich, zumal es sich dabei lediglich um eine Ordnungsfrist handle. Des Weiteren seien – entgegen der Behauptung des Beschwer- deführers – auf dem Kollokationsplan vom 30. August 2017 unter den Positionen 1 und 2 keine Forderungen „pro memoria“ kolloziert worden. Die vo m Beschuldigten 2 als Vertreter eines Gläubigers angemeldete Forderung sei nicht im Kollo kationsplan aufgeführt. Ausserdem könne der Kollokationsplan mittels Rechtsmittel gemäss Sc hKG angefochten werden. In Bezug auf das angebliche Zusammenwirken der beiden Beschuldig ten führte die Staatsanwaltschaft aus, dass weder eine frühere berufliche Tätigkeit in der gleichen Anwaltskanzlei noch die gleichzeiti- ge Mitgliedschaft in der SchKG-Vereinigung zu einer Befangenheit führe. Einen angeblichen Ausstandsgrund hätte der Beschwerdeführer zudem mit tels SchKG-Beschwerde vorbringen können. Weiter sei es völlig unerfindlich, wie ihm seine Mietzinse seit der Konkurseröffnung am 21. Januar 2016 „gestohlen“ worden sein sollen. Sch liesslich sei nicht erkennbar, gestützt auf welche Handlungen oder Unterlassungen dem Beschwerd eführer ein Anspruch aus Staatshaf- tung im Umfang von rund Fr. 3‘000‘000.-- zukommen könnte. 1.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde vom 6. Februar 2019 geltend, es ge- he nicht darum, dass der Kostenvorschuss von ihm ha be bezahlt werden müssen, sondern dass die Feststellung des Konkurses den kantonalen Richtlinien bezüglich Kostenvorschuss im Konkursfalle nicht entspreche. Weiter weist der Bes chwerdeführer darauf hin, dass es sich bei der Frist in Art. 247 SchKG nicht um eine Ordnungsf rist handle. Ausserdem würden die „pro memoria“ kollozierten Forderungen dazu benutzt, Fristen und eventuelle Nachforderungen ohne Rechtsgrundlage in den Konkurs einzubringen. Des We iteren führt der Beschwerdeführer aus, dass der Beschuldigte 1 Verwaltungsmitglied des E.____ sei und unter den veröffentlichten An- schriften unter der Adresse der Anwaltskanzlei des Beschuldigten 2 geführt werde. Zudem sei- en die Mietzinse nach mehreren Auseinandersetzungen mit dem Konkursamt Basel-Landschaft am 17. März 2016 wieder freigegeben, doch am 14. Ju ni 2016 wieder eingezogen worden mit der Begründung, dass die D.____ AG in Konkurs sei u nd seine Kaufverträge nicht anerkannt würden, da der Grundbucheintrag rechtweisend wäre. Insgesamt hätten die beiden Beschuldig- ten im Konkurs der D.____ AG jegliches Recht missachtet. 1.3 Die Staatsanwaltschaft verweist in ihrer Stellungna hme vom 12. Februar 2019 insbeson- dere auf die Nichtanhandnahmeverfügung vom 25. Janu ar 2019. Des Weiteren hält sie fest, dass gemäss SchKG sämtliche Verfügungen des Konkurs verwalters anfechtbar seien. Der Be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführer habe bis jetzt offensichtlich nie de n Beschwerdeweg beschritten. Es sei nicht Sache der Staatsanwaltschaft, eine Strafuntersuchun g wegen vermeintlicher und ohnehin an- fechtbarer Fehler in einem Konkursverfahren zu führen. 1.4 Der Beschuldigte 1 hält in seiner Stellungnahme vom 21. Februar 2019 unter anderem fest, dass die Behauptung des Beschwerdeführers, da s Konkursamt habe vor der Zahlung des Kostenvorschusses „überhaupt nichts unternommen“, u nwahr sei, was der Beschwerdeführer auch wisse. Bei Konkurseröffnung habe sich eine ver fahrene Situation gezeigt. Die Mietzinse seien nicht nach mehreren Auseinandersetzungen mit dem Konkursamt Basel-Landschaft frei- gegeben worden, sondern das Betreibungsamt Basel-La ndschaft habe die betreibungsamtliche Verwaltung in Unkenntnis der inzwischen erfolgten K onkurseröffnung aufgehoben, weil der be- treibende Gläubiger keinen Kostenvorschuss geleiste t und sein Begehren um Ausdehnung der Pfandhaft auf die Mietzinse zurückgezogen habe. Es sei danach das Konkursamt Basel- Landschaft gewesen, das aufgrund der Konkurseröffnu ng rechtshilfeweise die Mietzinse einge- zogen habe. 1.5 Der Beschuldigte 2 führt in seiner Stellungnahme vo m 21. Februar 2019 insbesondere aus, dass sich die Beschwerde in der Sache auf kein en Fall gegen ihn richte, womit zumindest bezüglich seiner Person auf die Beschwerde nicht ei ngetreten werden könne, weil es schon an den entsprechenden Rügen fehle. Des Weiteren moniert der Beschuldigte 2 grundsätzlich, dass alle vom Beschwerdeführer erhobenen Vorwürfe mit ei ner Beschwerde nach Art. 17 ff. SchKG hätten geltend gemacht werden müssen. 2. Zu prüfen ist, ob im vorliegenden Fall die Nichtanh andnahme bezüglich der Straftatbe- stände des Amtsmissbrauchs und der Urkundenfälschung zu Recht erfolgt ist. Gemäss Art. 310 Abs. 1 StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die Nich tanhandnahme eines Strafverfahrens, so- bald auf Grund der Strafanzeige oder des Polizeirap ports feststeht, dass die fraglichen Straftat- bestände oder Prozessvoraussetzungen eindeutig nich t erfüllt sind (lit. a), Verfahrenshindernis- se bestehen (lit. b) oder aus den in Art. 8 StPO ge nannten Gründen auf eine Strafverfolgung zu verzichten ist (lit. c). Da dieser Bestimmung zwing ender Charakter zukommt, muss die Staats- anwaltschaft bei Vorliegen der in Art. 310 Abs. 1 S tPO genannten Gründe eine Nichtanhand- nahmeverfügung erlassen (E STHER O MLIN , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 310 N 8). Mit dem sofortigen Entscheid, kein Untersuchungsverfahren durchzuführen, soll verhindert Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden, dass Personen durch grundlose Anzeigen oder Ermittlungen Nachteile erleiden und nutzlose Umtriebe anfallen. Da eine Nichtanhandnahm everfügung nur dann erlassen wird, wenn keine Untersuchungshandlungen vorgenommen werden (Art. 309 Abs. 4 StPO), muss es sich folglich um sachverhaltsmässig und rechtlich klare Fälle handeln, wobei sich dies allein aus den Akten zu ergeben hat. Die Nichtanhandnahme wege n fehlendem Straftatbestand oder feh- lender Prozessvoraussetzungen darf nur dann verfügt werden, wenn mit Sicherheit feststeht, dass der zu beurteilende Sachverhalt unter keinen Straftatbestand fällt oder gar nicht verfolgbar ist (E STHER OMLIN , a.a.O., N 8 f.; vgl. auch N ATHAN LANDSHUT /T HOMAS BOSSHARD , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 310 N 1 ff.). Z u den Voraussetzungen für die Nichtan- handnahme nach Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO gehört daher die Eindeutigkeit. Mit anderen Worten muss von Anfang an offensichtlich sein, dass ein St raftatbestand nicht erfüllt ist. Zweifel müs- sen nach dem Grundsatz „in dubio pro duriore“ dazu führen, dass ein Strafverfahren eröffnet wird (ESTHER OMLIN , a.a.O., N 8; NATHAN LANDSHUT /THOMAS BOSSHARD , a.a.O., N 5). 3.1 Amtsmissbrauch liegt gemäss Art. 312 StGB dann vor, wenn Mitglieder einer Behörde oder Beamte ihre Amtsgewalt missbrauchen, um sich o der einem anderen einen unrechtmässi- gen Vorteil zu verschaffen oder einem anderen einen Nachteil zuzufügen. Ein Missbrauch der Amtsgewalt ist gegeben, wenn der Täter seine Machtb efugnisse unrechtmässig anwendet, in- dem er z.B. hoheitliche Verfügungen trifft oder auf andere Art Zwang ausübt, oder wenn er sei- ne Amtsbefugnisse überschreitet. Der Amtsträger gre ift in Grundfreiheiten anderer ein, ohne dass die dazu gesetzlich notwendigen Voraussetzunge n gegeben sind. Allerdings ist nicht bei jeder Verfügung, die sich im Nachhinein wegen Fehle ns der gesetzlichen Voraussetzungen als unzulässig erweist, sogleich Amtsmissbrauch anzuneh men. Es besteht nämlich ein gewisser Ermessensspielraum, weshalb der in Art. 312 StGB statuierte Tatbestand erst bei einem eigent- lichen Missbrauch dieses Ermessens als erfüllt zu b etrachten ist. In subjektiver Hinsicht wird Vorsatz verlangt. Der Amtsträger muss in der Absich t handeln, sich oder einem Dritten einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen oder einem a nderen einen ebenfalls unrechtmässigen Nachteil zuzufügen. Der Täter muss demnach bewusst Amtsgewalt missbrauchen. An dieser Voraussetzung fehlt es, wenn er glaubt, pflichtgemä ss zu handeln (S TEFAN TRECHSEL /H ANS VEST , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 312 N 3 ff.; STEFAN HEIMGARTNER , Basler Kommentar StGB II, 4. Aufl. 2019, Art. 312 N 7 ff.). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB wird wegen Urkundenfäl schung mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer in der Ab sicht, jemanden am Vermögen oder an an- dern Rechten zu schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu ver- schaffen, eine Urkunde fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzei- chen eines andern zur Herstellung einer unechten Ur kunde benützt oder eine rechtlich erhebli- che Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt. Urkunden sind gemäss Art. 110 Abs. 4 StGB Schriften, die bestimmt und geeignet sind, e ine Tatsache von rechtlicher Bedeutung zu beweisen. Die Tatbestände des Urkundenstrafrechts s chützen das Vertrauen, welches im Rechtsverkehr einer Urkunde als einem Beweismittel entgegengebracht wird. Art. 251 Ziff. 1 StGB erfasst die Urkundenfälschung im engeren Sinne und die Falschbeurkundung. Die Urkun- denfälschung im engeren Sinne erfasst das Herstelle n einer unechten Urkunde, deren wirkli- cher Aussteller mit dem aus ihr ersichtlichen Urheb er nicht identisch ist (BGE 137 IV 169 E. 2.3.1; 128 IV 265 E. 1.1.1). Die Falschbeurkundu ng betrifft demgegenüber die Errichtung einer echten, aber unwahren Urkunde, bei welcher de r wirkliche und der aus der Urkunde er- sichtliche Sachverhalt nicht miteinander übereinsti mmen (BGE 142 IV 119 E. 2.1; 138 IV 130 E. 2.1; 132 IV 12 E. 8.1). Die Falschbeurkundung er fordert eine qualifizierte schriftliche Lüge. Eine solche wird nur angenommen, wenn der Urkunde e ine erhöhte Glaubwürdigkeit zukommt und der Adressat ihr daher ein besonderes Vertrauen entgegenbringt. Dies ist der Fall, wenn allgemeingültige objektive Garantien die Wahrheit d er Erklärung gegenüber Dritten gewährleis- ten (BGE 142 IV 119 E. 2.1; 138 IV 130 E. 2.1). Blo sse Erfahrungsregeln hinsichtlich der Glaubwürdigkeit irgendwelcher schriftlicher Äusseru ngen genügen dagegen nicht, mögen sie auch zur Folge haben, dass sich der Geschäftsverkeh r in gewissem Umfang auf die entspre- chenden Angaben verlässt (BGE 142 IV 119 E. 2.1; 138 IV 130 E. 2.1; 132 IV 12 E. 8.1). 4.1 Im vorliegenden Fall ist in keinster Weise ersichtl ich, inwiefern die beiden Beschuldigten durch ihre Handlungen einen Amtsmissbrauch, eine Ur kundenfälschung oder einen anderen Straftatbestand erfüllt haben sollen. In seiner Bes chwerde bringt der Beschwerdeführer seine Vorwürfe denn auch nicht ansatzweise mit den einzel nen Straftatbeständen in Verbindung und seine Ausführungen sind grösstenteils unübersichtli ch, verwirrend und unbelegt. In Bezug auf den angeblichen Amtsmissbrauch fehlt es beim Beschu ldigten 2 bereits an seiner Eigenschaft als Beamter, aber auch beim Beschuldigten 1 ist kei n Amtsmissbrauch erkennbar. Es ist weder ersichtlich, dass der Beschuldigte 1 seine Befugnis se unrechtmässig angewendet hätte noch, dass dieser eine Absicht hätte, sich oder einem Dri tten einen unrechtmässigen Vorteil zu ver- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht schaffen oder einem anderen einen ebenfalls unrecht mässigen Nachteil zuzufügen. Ebenso wenig stellen die Handlungen der beiden Beschuldigt en eine Urkundenfälschung dar. Fraglich erscheint bereits, welches Schriftstück der Beschwe rdeführer als Urkunde ansieht und worin eine qualifizierte schriftliche Lüge bestehen soll. Eine Absicht, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu schädigen oder sich oder einem an dern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen, kann den beiden Beschuldigten in keine r Weise nachgewiesen werden. Die Vor- würfe des Beschwerdeführers gegen die beiden Beschuldigten sind allesamt haltlos und stehen in keinem konkreten und substanziierten Konnex zu i rgendwelchen Straftatbeständen. Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern die Beschuldigten Bestimmungen des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts verletzt haben sollen, wobei im vorliegenden Verfahren nicht auf die Einzelheiten des Konkursverfahrens einzugehen ist. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Staatsanwaltsc haft ihre Nichtanhandnahmeverfügung äus- serst ausführlich begründet hat, obwohl die Anzeige des Beschwerdeführers in weiten Teilen als unverständlich und wirr anzusehen ist. Auf die schlüssigen und detaillierten Begründungen in der angefochtenen Verfügung der Staatsanwaltscha ft kann daher vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Der Beschwerdeführer hingegen setzt sich in seiner Beschwerde mit den Begründungen der Staatsanwaltschaft nicht a useinander. Aus seinen Ausführungen geht denn auch nicht hervor, welche Handlungen der beiden Beschuldigten welche Straftatbe- stände erfüllt haben sollen. Es wird zwar deutlich, dass der Beschwerdeführer mit dem Ablauf des Konkursverfahrens der D.____ AG in höchstem Masse unzufrieden ist. Dennoch hat er kei- nerlei Schritte gegen die von ihm beanstandeten Han dlungen im Konkursverfahren eingeleitet, obwohl ihm diverse einschlägige Rechtsmittel nach S chKG zur Verfügung gestanden hätten. In seiner Einvernahme vom 17. Oktober 2018 hat der Beschwerdeführer zwar angegeben, dass er im Juli/August 2016 bei der Aufsichtsbehörde des Kantons Basel-Stadt Beschwerde eingereicht und eine Antwort vom Beschuldigten 1 erhalten habe. Da der Beschuldigte 1 jedoch nicht Mit- glied der Aufsichtsbehörde ist, scheint die Behaupt ung des Beschwerdeführers nicht zu stim- men. Es wäre dem Beschwerdeführer unbenommen gewesen, ei n Ausstandsbegehren nach Art. 10 SchKG zu stellen, wenn er der Meinung gewesen wäre, dass der Beschuldigte 1 in Bezug auf den Beschuldigten 2, welcher als Vertreter eines Gl äubigers der D.____ AG im Konkursverfah- ren auftrat, befangen gewesen sei. Des Weiteren hät te der Beschwerdeführer prinzipiell gegen jede Verfügung des Betreibungs- oder Konkursamtes b ei der Aufsichtsbehörde Beschwerde Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach Art. 17 ff. SchKG führen können. Auch eine ang ebliche Verschleppung des Konkurses hätte der Beschwerdeführer mittels Rechtsverweigeru ngs- bzw. -verzögerungsbeschwerde gel- tend machen können. 4.2 Aus dem bisher Gesagten folgt zusammenfassend, dass sowohl der Tatbestand des Amtsmissbrauchs als auch der Urkundenfälschung eind eutig nicht erfüllt sind. Unter diesen Umständen hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren mit Verfügung vom 25. Januar 2019 völlig zu Recht nicht an Hand genommen. Die gegen die Nich tanhandnahmeverfügung erhobene Be- schwerde erweist sich somit als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. III. Kosten 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. En tsprechend dem Ausgang des vorlie- genden Verfahrens, mithin der Abweisung der Beschwe rde, sind die Verfahrenskosten des Kantonsgerichts in der Höhe von Fr. 1‘100.--, beste hend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 1‘000.-- (§ 13 Abs. 1 der Verordnung über die G ebühren der Gerichte, GebT, SGS 170.31) sowie Auslagen von Fr. 100.--, dem unterliegenden B eschwerdeführer aufzuerlegen. Demzufol- ge hat der Beschwerdeführer auch keinen Anspruch auf Ausrichtung einer Parteientschädigung, zumal er seine Eingabe ohnehin selber, d.h. ohne An walt, verfasst hat und deshalb davon aus- zugehen ist, dass ihm im Zusammenhang mit der Besch werdeerhebung keine relevanten Par- teikosten entstanden sind. 2. Dem Beschuldigten 1 ist keine Parteientschädigung z uzusprechen, da er beim Kanton X. angestellt ist und in dieser Eigenschaft auch im Konkursverfahren der D.____ AG tätig war. 3. Der Beschuldigte 2 macht für die Ausarbeitung der S tellungnahme einen Aufwand von rund 4,9 Stunden geltend, welche vom Beschwerdeführ er zu ersetzen seien. Als selbständig Erwerbender habe er für die Redaktion der Vernehmla ssung seine Arbeitszeit einsetzen müs- sen, die sonst anderweitig im Rahmen von entgeltlic hen Mandaten hätte verwendet werden können. Es erscheint daher angemessen, dem Beschuld igten 2 eine Entschädigung von pau- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schal Fr. 1‘000.-- zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer bz w. Fr. 77.--, also insgesamt Fr. 1‘077.--, zu Lasten des Beschwerdeführers zuzusprechen. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten, beinhaltend eine Gebühr i n der Höhe von Fr. 1‘000.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 100.--, som it total Fr. 1‘100.--, gehen zu Lasten des Beschwerdeführers. 3. Dem Beschuldigten 1 wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Der Beschwerdeführer wird verpflichtet, dem Bes chuldigten 2 eine Partei- entschädigung von pauschal Fr. 1‘000.-- zuzüglich 7 ,7% Mehrwertsteuer bzw. Fr. 77.--, somit total Fr. 1‘077.--, zu bezahlen. 5. Dieser Beschluss wird den Parteien schriftlich eröffnet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin Olivia Reber