Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. April 2019 (720 17 234 / 84) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Expertenkontroverse; Gerichtsgutachter stützt Beurteilung des behandelnden Arztes; Beweiswürdigung Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Christina Markie- wicz Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Patrick Somm, Ad- vokat und Notar, Steinenvorstadt 73, Postfach, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1971 geborene A.____ meldete sich erstmals im S eptember 2005 unter Hinweis auf eine Fibromyalgie bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 21. Juli 2011 verneinte die IV-Stelle einen Leistungsanspr uch. Dagegen erhob A.____ Beschwerde Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Noch während der Hängigkeit der Be- schwerde hob die IV-Stelle die angefochtene Verfügung lite pendente zwecks Einholens eines neuen Haushaltsberichts auf, womit das Beschwerdeverfa hren als gegenstandslos abgeschrie- ben wurde. Nach ergänzender Sachverhaltsabklärung wies die IV-Stelle schliesslich das Leis- tungsgesuch mit Verfügung vom 21. Januar 2014 ab. In Anwendung der gemischten Methode mit einem Erwerbsanteil von 70 % und einem Haushaltsanteil von 30 % ermittelte die IV-Stelle einen IV-Grad von 23 %. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Mit Gesuch vom 1. Dezember 2015 meldete sich A.____ unter Hinweis auf eine Polyarthrose vor allem an der Hals- und Lendenwirbelsäule sowie auf eine Depression und eine Essstörung erneut zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitliche n und erwerblichen Verhältnisse verneinte die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheid verfahren mit Verfügung vom 16. Juni 2017 gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. m ed. B.____, FMH Rheumatologie, und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 28. November 2016 / 1. Dezember 2016 und einer ermittelten Arbeitsfähigkeit von 60 % sowohl im angestammten Beruf als auch in einer Verweistätigkeit einen Rentenanspruch. Diesmal ermittelte die IV-Stelle in Anwendung der allgemeinen Bemessungsmethode einen IV-Grad von 28 %. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Patrick Somm, mit Eingabe vom 4. August 2017 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht, mit dem An- trag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und m indestens eine Viertelsrente auszurich- ten. Zur Begründung brachte Dr. Somm im Wesentlichen vor, dass das bidisziplinäre Gutachten von Dr. B.____ und Dr. C.____ den beweisrechtlichen An forderungen nicht genüge. Das rheu- matologische Gutachten sei namentlich in Bezug auf die Z umutbarkeitsbeurteilung nicht nach- vollziehbar. Wie aus dem Bericht von Dr. med. D.____, F MH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, vom 25. April 2016 hervorgehe, könne die Versicherte ein Pensum von 50 % nur noch knapp bewältigen. Vor allem aber das psychiatrische Gutachten von Dr. C.____ sei ohne Beweiswert, da es sich nicht überzeugend mit den abweiche nden diagnostischen Einschätzun- gen des behandelnden Psychiaters, pract. med. E.____, FM H Psychiatrie und Psychotherapie, in seiner Stellungnahme von 2. August 2017 auseinandersetze. Dr. C.____ gehe zu Unrecht le- diglich von einer leichtgradigen depressiven Episode, einer Schmerzfehlverarbeitung und akzen- tuierten Persönlichkeitszügen sowie einer Arbeitsunfähigkeit von 15 % aus. Vielmehr bestehe bei der Beschwerdeführerin eine emotional instabile Persön lichkeitsstörung vom Borderline-Typ, eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung sowie eine chronische Schmerzstörung mit so- matischen und psychischen Faktoren. Die von ihm attestierte Arbeitsfähigkeit von 40 % (50 % Arbeitsfähigkeit bei einer Leistungsfähigkeit von 80 %) sei deshalb massgebend. Sollte das Ge- richt Zweifel an der Einschätzung von Facharzt E.____ h aben, sei ein Gerichtsgutachten einzu- holen. C. Mit Vernehmlassung vom 20. Oktober 2017 beantragte die IV-Stelle unter anderem ge- stützt auf eine ausführliche Stellungnahme von Dr. C._ ___ vom 30. September 2017, worin er abschliessend festhielt, dass die Argumente des Rechtsvert reters wie auch diejenigen des be- handelnden Psychiaters nicht in einem Ausmass zu überzeugen vermöchten, als dass er sich Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht dazu veranlasst sehe, eine Änderung in seinem Gutachten bezüglich Diagnostik oder Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit vorzunehmen, die Abweisung der Beschwerde. D. Dr. Somm reichte mit seiner Replik vom 5. Dezember 2017 eine eingehende Erwiderung von Facharzt E.____ vom 30. November 2017 zum Bericht vo n Dr. C.____ vom 30. September 2017 ein und hielt weiterhin an der Beschwerde fest. E. Mit Duplik vom 18. Januar 2018 verwies die IV-Stell e auf die Darlegungen des RAD- Arztes Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, zum Bericht von Facharzt E.____ und bestätigte ihren Antrag auf Abweisung der Beschwerde. F. An der Urteilsberatung vom 15. März 2018 gelangte das Gericht zur Auffassung, dass die Beurteilung von Dr. B.____ eine zuverlässige und rechtsgenügliche Grundlage darstelle, um den rheumatologischen Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Versicherten beurteilen zu können. Das Gutachten sei umfassend und schlüssig und e rfülle die Anforderungen an den Beweiswert eines Gutachtens vollumfänglich. Die Hauptdiagnosen des behandelnden Rheuma- tologen, Dr. D.____, im Bericht vom 25. April 2016 se ien bestätigt worden und beide Fachärzte gingen von einer leichten Verschlechterung des rheuma tologischen Zustandes seit 2011 aus. Einzig bei der Arbeitsunfähigkeit bestehe eine Differ enz von 10 %, wobei der behandelnde Arzt das damalige Arbeitspensum der Versicherten von 50 % als zumutbare Maximalleistung bezeich- net habe. Die abweichende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit allein vermöge den Beweiswert der gutachterlichen Beurteilung von Dr. B.____ nicht in Frage zu stellen, insbesondere unter Berück- sichtigung der unterschiedlichen Optik des behandelnden Facharztes und des Gutachters sowie der Tatsache, dass die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit mit Ermessen verbunden sei. In Bezug auf den psychiatrischen Gesundheitszustand hätten sich sowohl der Gutachter als auch der be- handelnde Psychiater mehrfach ausführlich und sachlich zur psy-chischen Verfassung der Versi- cherten geäussert. Die Expertenkontroverse drehe sich um die Diagnosen akzentuierte Persön- lichkeitszüge und leichte bis mittelgradige emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Border- line-Typ sowie um deren Auswirkungen auf die Arbeitsfäh igkeit. Die Ausführungen von Dr. C.____ seien einleuchtend und nachvollziehbar. Dies gelte aber auch für die Entgegnungen von Facharzt E.____. Er habe seine abweichende Meinung sti chhaltig begründet. Keinem der psy- chiatrischen Abhandlungen komme daher ausschlaggebende B eweiskraft zu, weshalb sich die Einholung eines unabhängigen psychiatrischen Gutachtens aufdränge. Aufgrund dieser Sachlage stellte das Gericht den Fall mit Beschluss vom 15. März 2018 aus und beauftragte Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit der Erstellung eines psy- chiatrischen Gerichtsgutachtens und bat ihn bei der abschl iessenden Konsensbesprechung mit Dr. B.____ die Gesamtarbeitsfähigkeit einzuschätzen. G. In seinem Gutachten vom 26. September 2018 bestäti gte Dr. G.____ im Wesentlichen die Beurteilung von Facharzt E.____ und diagnostizierte eine emotional instabile Persönlichkeits- störung vom Borderline-Typ (ICD-10 F60.31), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwär- tig leichte Episode (ICD-10 F33.0) sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41). In Bezug auf die A rbeitsfähigkeit hielt Dr. G.____ fest, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass langfristig ein Pensum von 50 % als MPA/Arztsekretär in zumutbar sei. Es sei allerdings schwierig, den Beginn der 50%igen Arbeitsfähigkeit in der aktuellen Tätigkeit (seit 9. April 2018) bzw. am aktuellen Arbeitsplatz zu definieren, da die V ersicherte zwar offiziell noch zu 70 % an- gestellt sei, das Pensum bereits auf 60 % reduziert hab e, dieses aber aus psychiatrisch-gut- achterlicher Sicht über längere Zeit nicht bewältigen könne. Es sei dem Gericht überlassen, den Beginn der 50%igen Arbeitsfähigkeit zu definieren. H. Das Gutachten wurde den Parteien zur Stellungnahme zugestellt. Die IV-Stelle bat mit Eingabe vom 1. November 2018 mit Verweis auf den Bericht des RAD-Arztes Dr. F.____ vom 9. Oktober 2018 um Ergänzung einiger Punkte. Die Beschwer deführerin zeigte sich mit Schreiben vom 1. November 2018 mit dem Gutachten einverstanden. I. Das Gericht schloss sich insofern den Rückfragen der IV-S telle an, als nicht ganz klar war, ob die attestierte Arbeitsfähigkeit als MPA/Arzt sekretärin auch für Verweistätigkeiten gelte. Des Weiteren stellte sich die Frage, ob der Alkoholkon sum Einfluss auf die Leistungsfähigkeit habe. Bezüglich dieser Fragen bat das Gericht Dr. G.____ um ergänzende Antworten. J. Mit Ergänzung vom 3. Dezember 2018 stellte Dr. G.___ _ klar, dass die diskutierten Be- einträchtigungen im angestammten Beruf für sämtliche A rbeitstätigkeiten Gültigkeit hätten, also auch für Verweistätigkeiten. In Bezug auf den Alkoholkonsum sei zu präzisieren, dass ohne Zwei- fel ein allfälliger schädlicher Gebrauch von Alkohol letztlich ein Sekundärphänomen der zugrun- deliegenden primären Persönlichkeitsstörung darstelle und für die Frage der Arbeitsfähigkeit von keinerlei Bedeutung sei. Anzufügen bleibe, dass die Ex plorandin in der psychiatrischen Begut- achtung weder Hinweise für relevante kognitive Einbussen noch für eine Wesensveränderung gezeigt habe. K. Mit Eingabe vom 3. Januar 2019 nahm die IV-Stelle bzw. RAD-Arzt Dr. F.____ zu den ergänzenden Antworten von Dr. G.____ Stellung. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei nicht nachvollziehbar, weshalb von einer Restarbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen sei, wenn die Ver- sicherte zum Gutachtenszeitpunkt 70 % respektive 60 % gear beitet habe. Weiter sei nicht nach einer Verweistätigkeit ohne soziale Interaktionen gefragt worden, sondern nach einem emotional und sozial wenig belastenden Arbeitsplatz. Diese Frage sei nicht beantwortet worden. Nachvoll- ziehbar sei hingegen, dass der schädliche Gebrauch von Alkohol keinen Einfluss auf die Arbeits- fähigkeit habe. L. Dr. Somm entgegnete mit Eingabe vom 1. Februar 20 19, dass Dr. G.____ aus versiche- rungsmedizinischer Sicht nachvollziehbar dargelegt habe, weshalb auf eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % abzustellen sei. Ein 50%-Pensum sei für d ie Beschwerdeführerin das Limit. Die höheren Pensen hätten ihre innerpsychischen Ressourcen str apaziert. Sie benötige genügend Freiraum, damit sie sich von sozialen Interaktionen fernhalten und sich in einer konfliktarmen oder gar konfliktfreien Zone aufhalten könne, um dann die sozialen Interaktionen ausserhalb dieser Zone wieder besser aushalten zu können. In Bezug auf d ie Verweistätigkeiten habe Dr. G.____ überdies richtig ausgeführt, dass es keine Tätigkeiten ohne soziale Interaktionen gebe. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht M. Die IV-Stelle hielt am 20. Februar 2019 nochmals fest, dass es seitens Dr. G.____ an einer Begründung respektive einer Einschätzung fehle, w ie hoch die Arbeitsfähigkeit an einem emotional und sozial nicht stark belastenden Arbeitsplatz wäre. Darauf bleibe der Gutachter auch weiterhin die Antwort schuldig. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, so dass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und fo rmgerecht erhobene Beschwerde der Versicherten vom 4. August 2017 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführe rin Anspruch auf eine IV-Rente hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Um festzustellen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststel- lungen auf Arbeitsunfähigkeit schiessen lassen, sind sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. 2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des IV-Grades bildet d ie Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle ande- ren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht b ei Gerichtsgutachten nicht ohne zwin- gende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Den im Rahmen des Gerichtsverfahrens eingeholten Gutachten ist so- mit volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesge- richts vom 20. März 2018, 8C_569/2017, E. 2.2). 4. In materieller Hinsicht ist der Leistungsanspruch d er Beschwerdeführerin strittig. Wäh- rend die Beschwerdeführerin der Ansicht ist, dass auf di e Ergebnisse des Gerichtsgutachtens von Dr. G.____ vom 26. September 2018 abgestellt werden könne, wendet die IV-Stelle ein, dass das Gutachten, namentlich die Zumutbarkeitsbeurteilung, nicht schlüssig und daher nicht beweis- tauglich sei. 5.1 In seinem Gutachten vom 26. September 2019 diagnost izierte Dr. G.____ mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leich te Episode sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig- keit sei eine seit November 2016 nach Magenbypass-Opera tion inaktive Bulimia nervosa. Der Gerichtsgutachter legte den Fokus des Gutachtens zu Recht auf die zentrale Frage, ob bei der Beschwerdeführerin lediglich akzentuierte Persönlichkeitszü ge oder aber eine eigentliche Per- sönlichkeitsstörung vorliege. Anhand zahlreicher Beispiele zeigte der Gutachter nachvollziehbar auf, dass die Versicherte aufgrund der biographischen Um stände Verhaltensmuster entwickelt hat, die den Kriterien einer emotional instabilen Pe rsönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ ent- sprechen. Nach einer ausführlichen Begründung seiner Di agnose setzte sich der Gutachter mit den abweichenden Diagnosen der früheren Gutachter und behandelnden Ärzte auseinander und begründete differenziert, weshalb sie nicht zutreffen. Namentlich auf die von Dr. C.____ vertre- tene Auffassung, dass lediglich akzentuierte Persönlichk eitszüge gegeben seien, ging der Gut- achter ausführlich ein und entkräftete die Argumente überzeugend. Ebenso klar begründet wurde die Übereinstimmung in den Einschätzungen und Beurteilungen des behandelnden Psychiaters. Weiter seien bezogen auf die depressive Symptomatik die K riterien für eine rezidivierende de- pressive Störung, gegenwärtig leichte Episode erfüllt. D ie depressive Affektpathologie sei aber sekundär zur primären Persönlichkeitsstörung entstanden. Zur chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren führte Dr. G.____ schliesslich aus, dass bei Persönlich- keitsstörungen vom Borderline-Typ immer auch eine Tende nz zur Somatisierung vorliege. Ob tatsächlich eine chronische Schmerzstörung bestehe oder die Beschwerdeführerin nicht auf aus- reichend sublimitierte Abwehrmechanismen zurückgreifen könne und aus diesem Grund in Kon- fliktsituationen eine erhöhte Tendenz zur Somatisierung aufweise, könne letztlich offen bleiben, da diese Diagnose gegenüber der Persönlichkeitsstörung eine untergeordnete Rolle spiele. Die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bulimie sei seit der Magenbypass-Operation inaktiv und daher ohne Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit. Sie sei aber Ausdruck eines gestörten Körpe rbildes und einer pathologischen Selbst- wahrnehmung, wie dies bei Borderline Persönlichkeitsstörungen zu erwarten sei. Das ursprüngliche 70%-Pensum übersteige die innerpsychischen Ressourcen der Versicherten. Sie benötige immer wieder genügend Freiraum, um sich von sozialen Interaktionen fernzuhalten und sich in einer konfliktarmen Zone aufhalten zu können. So habe sie ihre Tätigkeit in der Praxis von Dr. med. H.____ (2009 – 2016) laufend anpassen müsse n. Das ursprüngliche Pensum von 70 % habe sie nach zweieinhalb Jahren auf 60 % (2012) und nach weiteren zwei Jahren (2014) wegen den konfliktreichen Beziehungen am Arbeitsplatz auf 50 % reduzieren müssen. Die aktu- elle Stelle habe sie am 9. April 2018 wieder in einem 70%-Pensum angetreten. Seit dem 1. Sep- tember 2018 arbeite sie nur noch zu 60 %. Dieses Pensum könne sie aber auf Dauer nicht leisten, langfristig sei ein Pensum von 50 % als MPA/Arztsekretärin zumutbar und bewältigbar. Es müsse dem Gericht bzw. dem RAD überlassen werden, ab welchem Zeitpunkt der Beginn der 50%igen Arbeitsfähigkeit anzusetzen sei. 5.2 Anlässlich der am 25. September 2018 erfolgten te lefonischen Konsensbeurteilung ka- men Dr. G.____ und der rheumatologische Gutachter, Dr. B.____, überein, dass aus gesamtme- dizinischer Sicht für alle Tätigkeiten unter Berücksichtigu ng der Limiten aus rheumatologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestehe. 5.3 Mit Ergänzung vom 3. Dezember 2018 stellte Dr. G._ ___ klar, dass die diskutierten Be- einträchtigungen in der Arbeitsfähigkeit als MPA/Arzt sekretärin für sämtliche Tätigkeiten Gültig- keit hätten, also auch für Verweistätigkeiten. Er wies darauf hin, dass die Versicherte im Rahmen ihrer Tätigkeit in einer gynäkologischen Praxis andauernd mit sozialen Interaktionen konfrontiert sei. Die Kontaktfähigkeit der Versicherten mit Dritten wie auch ihre Gruppenfähigkeit in einem gut strukturierten Rahmen mit genügend Ausgleich sei nicht beeinträchtigt. Ausserhalb dieses Rah- mens sei von einer mittelgradigen Beeinträchtigung auszugehen. Rein theoretisch bedeute dies schon, dass bei einer Tätigkeit ohne jegliche soziale Interaktion weniger ausgeprägte Beeinträch- tigungen resultieren würden. Eine Tätigkeit ohne sozial e Interaktion gebe es aber nicht. Auch eine Beschäftigung im Back-Office oder im Home-Office set ze immer voraus, dass die Arbeits- aufträge von anderen Personen entgegengenommen und di e erledigten Arbeitsaufträge wieder an andere Personen zurückgegeben und zurückgemeldet würden. Es gebe auch Tätigkeiten in- nerhalb einer gynäkologischen Praxis, die weitgehend oh ne Patientenkontakte und mit wenig Kontakt zu Mitarbeitern und Vorgesetzten erfolgten, so zum Beispiel Labortätigkeiten. Aber auch hier sei es illusorisch, von einer vollständigen "Befreiung" von sozialen Kontakten bzw. von sozi- alen Interaktionen, die für die Explorandin immer d estabilisierend sein könnten, auszugehen. Deshalb bezögen sich seine Formulierungen zur Arbeitsfäh igkeit ganz generell auf andere zu- mutbare Tätigkeiten und nicht lediglich auf die Tätigke it als MPA/Arztsekretärin. Im Übrigen sei der Umstand, dass die Explorandin in ihrer Freizeit, kon kret an den Wochenenden, ihr Pferd pflege und gerne reite, nicht als Hinweis für eine höh ere Arbeitsfähigkeit zu werten, sondern als wichtiger, rehabilitativer und regenerativer Faktor im Rahmen ihrer Persönlichkeitsstörung. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Insgesamt ist das Gerichtsgutachten vom 26. Septembe r 2018 zusammen mit den Er- gänzungen vom 3. Dezember 2018 sowohl formal als auch i nhaltlich schlüssig. Es basiert auf einer sehr ausführlichen Untersuchung, es berücksichtigt d ie ganze Krankengeschichte, setzt sich gründlich mit den abweichenden Diagnosen und Beurteilungen auseinander und ist in seinen Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet und überzeugend. Es gibt auch ausführlich Aus- kunft über die Funktionseinbussen und Ressourcen der Beschwerdeführerin und erfüllt damit die bundesgerichtlichen Anforderungen an ein beweistaugliches Gutachten. 6. Gegen die Diagnostik und die medizinische Beurteilun g des Gerichtsgutachters werden von keiner der Parteien Einwendungen erhoben. Einzig gegen die Zumutbarkeitsbeurteilung bringt die IV-Stelle vor, dass die Beschwerdeführerin effektiv 70 % gearbeitet habe bzw. aktuell zu 60 % tätig sei. Die medizinisch-theoretische Einschätzun g der Arbeitsfähigkeit widerspreche der tatsächlichen Leistungsfähigkeit. Ausserdem sei auch der Profilbeschrieb für Verweistätigkei- ten ungenügend. 7. Dr. G.____ hat die Diskrepanz zwischen dem tatsächliche n aktuellen Pensum von 60 % und der attestierten langfristigen Arbeitsfähigkeit von 50 % keineswegs übersehen. Er begründet denn auch klar, weshalb ein Pensum von 60 % oder 70 % auf Dauer die Ressourcen der Be- schwerdeführerin überbeanspruche, so dass sie längerfristig nur noch ein Pensum von 50 % be- wältigen könne. Dr. G.____ hat vor allem aufgezeigt , dass die Tendenz der Versicherten, sich über ihre Kräfte hinaus zu beanspruchen, Ausdruck ihrer Persönlichkeitsstörung sei. Es sei ihr sehr wichtig, weiterhin im ersten Arbeitsmarkt aktiv zu sein. Auch aus diesem Grund sei sie bereit, ein über ihren Ressourcen liegendes Arbeitspensum anzun ehmen. Dass dies auf Dauer nicht funktioniere, habe sich an der Arbeitsstelle bei Dr. H.____ gezeigt. Und nun wiederhole sich das Muster, indem die Versicherte zwar ab April 2018 eine n eue Stelle im Rahmen von 70 % ange- treten habe, das Pensum aber bereits nach wenigen Monaten im September 2018 auf 60 % habe reduzieren müssen. Aus psychiatrischer Sicht werde sie dieses 60 %-Pensum nicht halten kön- nen. Die sachlichen Darlegungen von Dr. G.____ überzeugen, auch weil sie durch die berufliche Biographie der Versicherten bestätigt werden. Die Zweifel der IV-Stelle an der attestierten Rest- arbeitsfähigkeit von 50 % sind demnach unbegründet. In Bezug auf den Einwand des ungenügenden Profilbeschr iebs für Verweistätigkeiten hat Dr. B.____ die rheumatologischen Beeinträchtigungen kl ar beschrieben. So führte er aus, dass nur noch körperlich leichte Tätigkeiten zumutbar seien mit Gewichtsbelastungen bis 5 kg, selten bis 10 kg. Zudem sollte die Tätigkeit rückenadaptiert sein ohne repetitive Bück- oder Torsionsbe- wegungen und ohne längerdauernde, vornübergeneigte oder reklinierte Arbeitshaltungen. In psy- chiatrischer Hinsicht hielt Dr. G.____ fest, dass soziale Interaktionen destabilisierend auf die Ver- sicherte wirkten, dass aber mit jeder Tätigkeit soziale Interaktionen verbunden seien, weshalb die Zumutbarkeitsbeurteilung für die angestammte Tätigkeit wie auf für jede andere Verweistätigkeit gelte. Inwiefern damit in psychiatrischer Hinsicht ein ungenügender Profilbeschrieb vorliegen soll, ist nicht ersichtlich. 8. Offen gelassen bzw. dem Gericht überlassen hat Dr. G .____ schliesslich den Zeitpunkt, ab wann die von ihm attestierte Arbeitsunfähigkeit Geltung haben soll. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. G.____ äusserte sich insofern über das Bestehen der B eeinträchtigung und deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, als er auf die Überforder ungssituation in der Tätigkeit der Versicherten für Dr. H.____ ab 2009 hinwies und feststellte, dass b ereits damals aus gesundheitlichen Grün- den eine Reduktion des Pensums auf 50 % im Jahr 2014 erfolgt sei. Ferner verwies Dr. G.____ in seinem Gutachten auf die in allen Belangen überzeugenden Beurteilungen des behandelnden Psychiaters. Dieser attestierte der Beschwerdeführerin be reits in seinem Bericht vom 25. April 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % (50 % Arbeitsunfähigkeit bei einer Leistungsfähigkeit von 80 %). Folglich kann aus psychiatrischer Sicht von einer Arb eitsunfähigkeit von 50 % seit dem 25. April 2016 ausgegangen werden. 9. Die Neuanmeldung erfolgte im Dezember 2015. Nachde m gemäss Dr. B.____ aus rheu- matologischer Sicht bereits seit Januar 2012 unbestritten ermassen eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % bestand und Dr. D.____ in seinem Bericht vom 25. April 2016 eine 50 %ige Arbeitsunfähig- keit seit 1. September 2014 aufgrund somatischer Diagnosen als auch wegen einer sekundären generalisierten Fibromyalgie und eines depressiven Syndroms attestierte, war das Wartejahr bei der Neuanmeldung bereits abgelaufen. Rentenbeginn ist somit der 1. Juni 2016 (vgl. Art. 29 IVG). 10. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des IV-Grades das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der me- dizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tä- tigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei- nander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad bestim- men (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 11. In Bezug auf das Valideneinkommen ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte und f ür die Festsetzung des Invalidenein- kommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszuge- hen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Da die Versicherte nach einer Umschulung sowohl vor Eintritt des Gesundheitsschadens als MPA/Arzts ekretärin tätig war (und nicht als Schuhverkäuferin wie in der Verfügung vom 16. Juni 20 17 angenommen) und auch heute noch in diesem Beruf arbeitet, ist beim Validen- als auch beim Invalideneinkommen vom Verdienst als MPA/Arztsekretärin auszugehen, so dass im Ergebnis ein Prozentvergleich (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 10. April 2017, 9C_804/2016, E. 2.2 mit Hinweisen) und damit ein IV-Grad von 50 % ab 1. Juni 2016 resultiert. 12. Der IV-Stelle ist insoweit recht zu geben, dass di e Versicherte ab dem 9. April 2018 70 % bzw. ab dem 1. September 2018 60 % gearbeitet hat. N ach medizinischer Beurteilung hat sich die Versicherte damit überfordert, in Bezug auf die Au srichtung der halben Rente wird es aber Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht der IV-Stelle überlassen, zu prüfen, ob bzw. wie die ze itweise über ein 50 %-Pensum hinaus erwirtschafteten Einkünfte zu berücksichtigen sind. 13.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwer- deverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung od er die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah- renskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterlie- gende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. 13.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträ ger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahm en für die Beurteilung des An- spruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden (vgl. BGE 137 V 210 ff. und 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend war das Kantonsgericht anlässlich sei- ner ersten Urteilsberatung vom 15. März 2018 zum Ergebnis gelangt, dass das von der IV-Stelle eingeholte Gutachten von Dr. C.____ vom 1. Dezember 2016 für die streitigen Belange nicht umfassend war und demnach die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an ein beweistaug- liches Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a) nicht erfüllte. Da ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war, beschloss das Kantonsgericht, die erforderliche zusätzliche Abklärung des medizinischen Sachverhaltes im Rahmen eines Ge- richtsgutachtens vornehmen zu lassen. Das in der Folge ei ngeholte psychiatrische Gutachten von Dr. G.____ vom 26. September 2018 sowie die Ergän zung vom 3. Dezember 2018 waren mit anderen Worten für eine abschliessende Beurteilung des Rentenanspruchs der Versicherten unerlässlich. Zudem bildet das Gerichtsgutachten, wie sich anlässlich der heutigen Urteilsbera- tung gezeigt hat, massgebliche Grundlage für die mit dem vorliegenden Entscheid erfolgte Zu- sprechung einer halben IV-Rente an die Beschwerdeführe rin. Im Lichte der geschilderten bun- desgerichtlichen Rechtsprechung sind demnach die Kosten dieses Gutachtens und der Ergän- zung, welche sich gemäss den eingereichten Honorarrechnun gen auf Fr. 6'250.-- belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. 13.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Versicherte obsiegende Partei ist, ist ihr eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Versicherten macht in seiner Kos- tennote vom 8. März 2019 einen Aufwand von 28.07 Stu nden à Fr. 200.-- geltend, was nicht zu beanstanden ist. Der Versicherten ist deshalb eine Part eientschädigung in der Höhe von Fr. 6'245.-- (zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und es wird fe stgestellt, dass die Beschwerdeführerin im Sinne der Erwägungen ab 1. Juni 2016 An- spruch auf eine halbe IV-Rente hat. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 6'250.- - werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 6'245.-- (inkl. Ausla gen und Mehr- wertsteuer) auszurichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht