Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. März 2020 (720 19 280 / 50) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Ergänzende medizinische Abklärung unter Einbezug des Observationsmaterials erforder- lich Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dieter Roth , Advokat , Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1978 geborene A.____ arbeitete zuletzt vom 2. Juli 2001 bis 30. November 2004 als angelernter Gipser im Gipsergeschäft B.____. Am 23 . Februar 2004 meldete er sich unter Hinweis auf Schmerzen und Schlafstörungen bei der Eidge nössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Diese klärte die gesundheitlichen und erwerblichen Verhält- nisse ab und liess den Versicherten durch Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychothera- pie, Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin sowie Rheumatologie, und zudem im Universitätsspital Y.____ neurologisch begutachten (Experti sen vom 5. März 2005, 17. März 2006 und 30. August 2006; Ergänzungsgutachten von Dr. C .____ vom 2. Mai 2007). Gestützt Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die daraus gewonnenen Erkenntnisse ermittelte sie a b 1. Dezember 2003 einen Invalidi- tätsgrad von 100 %, ab 1. Januar 2004 einen solchen von 39 % und ab 1. Dezember 2005 wie- derum einen solchen von 100 %. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach sie A.____ mit Verfügung vom 4. Oktober 2007 ab 1. Dezember 2003 befristet bis 3 1. März 2004 und ab 1. März 2006 eine ganze Rente zu. A.2 Im Anschluss an eine von Amtes wegen eingeleitete R entenrevision teilte die IV-Stelle A.____ am 3. November 2009 mit, dass er weiterhin Ans pruch auf die bisherige ganze Rente habe. A.3 Am 10. Juni 2011 leitete die IV-Stelle eine wei tere Rentenrevision von Amtes wegen ein, wobei sie den Versicherten durch Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten liess (Gutachten vom 5. Mai 2012). Gestützt au f die daraus gewonnenen Erkennt- nisse gelangte sie zur Auffassung, dass sich der Gesundheit szustand von A.____ verbessert habe und der Invaliditätsgrad nunmehr noch 12 % betrag e. In der Folge hob sie die laufende ganze Rente von A.____ mit Verfügung vom 12. September 2013 auf das Ende des der Zustel- lung folgenden Monats auf. Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde hiess das Kan- tonsgericht gestützt auf ein bidisziplinäres Gerichtsguta chten (Expertisen von Dr. D.____ vom 29. November 2014 und Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 16. März 2015) mit Urteil vom 11. Juni 2015, KGSV 720 13 295, gut, hob die Verfügung der IV-Stelle vom 12. September 2013 auf und stellte fest, dass sich der Ge sundheitszustand des Versicherten seit der ursprünglichen Rentenzusprache nicht massgeblich v erändert habe, weshalb weiterhin ein Anspruch auf eine ganze Rente bestünde. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. A.4 Im Dezember 2015 (vgl. Seite 7 des Ermittlungsber ichts vom 16. Juli 2016) ordnete die IV-Stelle eine Observation des Versicherten an und leitete am 30. September 2016 eine weitere Rentenrevision von Amtes wegen ein, wobei sie bei der A cademy of Swiss Insurance Medicine (asim) ein psychiatrisch-neuropsychologisches Gutachten veranl asste. Das Gutachten vom 2. Juli 2018 wurde von Prof. Dr. med. G.____, FMH N eurologie sowie Psychiatrie und Psycho- therapie, erstellt und die Ergebnisse des neuropsychologi schen Fachgutachtens von Dr. phil. dipl. psych. H.____ vom 18. April 2018 in das psychiatri sche Gutachten integriert. Mangels Ein- verständnisses des Versicherten erfolgte die Begutachtung ohne ärztliche Befassung mit dem Observationsmaterial. Gestützt auf die Erkenntnisse aus d em Gutachten vom 2. Juli 2018 und unter gleichzeitiger Verwertung des Observationsmaterials hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. Juni 2019 die bisher ausgerichtete ganze Rente rückw irkend per 1. Dezember 2015 auf. Begründend hielt sie fest, aufgrund der Feststellunge n der medizinischen Begutachtungen und der durchgeführten Observation sei davon auszugehen, dass der Versicherte mindestens seit dem 11. Dezember 2015 (erster Tag der Observation) vol lständig arbeitsfähig sei. Mit Schrei- ben vom 15. August 2019 teilte die IV-Stelle dem Versi cherten mit, dass einer allfälligen Be- schwerde gegen die Verfügung vom 27. Juni 2019 keine aufschiebende Wirkung zukomme. B. Gegen die Verfügung vom 27. Juni 2019 erhob A.__ __, vertreten durch Advokat Dieter Roth, am 29. August 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht. Er beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die Verfügung der IV-Stelle vom 27. Juni 2019 aufzuheben und es sei ihm wei- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht terhin eine ganze Rente auszurichten; unter o/e-Kostenfo lge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die unentgeltliche Rechtspflege mit Ad vokat Dieter Roth als Rechtsvertreter, die Gewährung des Replikrechts und, für den Fall, dass der E ntzug der aufschiebenden Wirkung durch die IV-Stelle rechtswirksam sei, deren Wiederherstellung. C. Mit Verfügung vom 10. September 2019 wurde dem B eschwerdeführer für das vorlie- gende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Roth als Rechtsvertreter bewilligt. D. Am 23. Oktober 2019 wies das Kantonsgericht den Antr ag des Beschwerdeführers, es sei der Beschwerde gegen die Verfügung vom 27. Juni 2 019 die aufschiebende Wirkung zu erteilen, ab. E. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung v om 21. November 2019 auf Abweisung der Beschwerde. Eventualiter sei eine ger ichtsgutachterliche Auswertung des Observationsmaterials anzuordnen. F. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 20 . Dezember 2019 / Duplik vom 22. Januar 2020) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 29. August 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 In formeller Hinsicht ist zunächst zu prüfen, ob die Vorinstanz die Verfahrensrechte des Beschwerdeführers verletzte. Er macht geltend, es sei i hm nie Gelegenheit gegeben worden, zum (zunächst aktenkundigen, hernach aus den Unterlagen entfernten, dann aber für den Ent- scheid doch berücksichtigten) Observationsmaterial und zude m zum Gutachten der asim vom 2. Juli 2018 Stellung zu nehmen. Dies wäre aber aufgr und der speziellen Umstände vor Erlass des Vorbescheids zwingend erforderlich gewesen. Sollte si ch diese Rüge als begründet erwei- sen, kann dies zur Aufhebung des angefochtenen Entsche ids führen, ohne dass die Angele- genheit materiell zu prüfen wäre. Der betreffende E inwand ist deshalb vorab zu prüfen (vgl. Ur- teil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2009, 8C_951/2008, E. 3). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 gewähr leistet der von einem Entscheid betroffenen Partei insbesondere das Recht, sich vor Erla ss zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent weder mitzuwirken oder sich zumin- dest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1). Die Aktenführungspflicht von V erwaltung und Behörden bildet das Ge- genstück zum Akteneinsichts- und Beweisführungsrecht, ind em die Wahrnehmung des Akten- einsichtsrechts durch die versicherte Person eine Aktenfüh rungspflicht der Verwaltung voraus- setzt (BGE 130 II 473 E. 4.1). Die Behörde ist verpfli chtet, ein vollständiges Aktendossier über das Verfahren zu führen, um gegebenenfalls ordnungsge mäss Akteneinsicht gewähren und bei einem Weiterzug diese Unterlagen an die Rechtsmittelin stanz weiterleiten zu können. Für die dem ATSG unterstellten Versicherer wurde in Art. 46 ATSG die Aktenführungspflicht auf Geset- zesstufe konkretisiert. Danach sind für jedes Sozialversicherun gsverfahren alle Unterlagen, die massgeblich sein können, vom Versicherungsträger systematisch zu erfassen. 2.3 Es trifft zu, dass das Observationsmaterial im (Haupt) Dossier des Versicherten nicht enthalten ist und die IV-Stelle diese Unterlagen in einem separaten Aktenordner zu erfassen scheint. Ein solches Vorgehen wirft zwar hinsichtlich dem so eben dargelegten Erfordernis einer systematisch geordneten und übersichtlichen Aktenführung un d den damit zusammenhängen- den Einsichts-, Mitwirkungs- und Äusserungsrechte Fragen auf. Wie es sich damit verhält, braucht vorliegend aber nicht abschliessend beurteilt zu werden. Entscheidend fällt nämlich ins Gewicht, dass die IV-Stelle den Rechtsvertreter des Besc hwerdeführers bereits am 1. Februar 2018 über die durchgeführte Observation informierte u nd ihm gleichzeitig das Observationsma- terial zur Kenntnisnahme zustellte. Damit war er, wie e r in seiner Beschwerde vom 29. August 2019 selbst zugesteht, bereits vor Erlass des Vorbescheids vom 25. Januar 2019 im Besitz der vollständigen Überwachungsunterlagen. Weiter war die I V-Stelle im Hinblick auf das rechtliche Gehör nicht verpflichtet, ihm die entscheidwesentlich en Unterlagen (Observationsmaterial, asim-Gutachten vom 2. Juli 2018) bereits vor dem Vorbesch eid zuzustellen und ihn zum dies- bezüglichen Beweisergebnis anzuhören. Denn zur Gewährun g des rechtlichen Gehörs dient das formlose Vorbescheidverfahren (Art. 57a IVG) vor E rlass der Verfügung (BGE 134 V 97 E. 2.6 f). Sodann verwies die IV-Stelle in der Begrün dung des Vorbescheids vom 25. Januar 2019 explizit auf die Ergebnisse der Observation und der medizinischen Begutachtung durch die asim und legte nachvollziehbar dar, aus welchen Grü nden sie die Aufhebung der Rente be- absichtigte. In der Folge verlangte der Versicherte de nn auch Akteneinsicht. Selbst wenn ihm das offenbar ausserhalb des Hauptdossiers erfasste Observati onsmaterial nicht noch einmal zugestellt wurde, lässt sich daraus nichts zu seinen Gunste n ableiten. Vielmehr war der rechts- kundig vertretene Beschwerdeführer aufgrund der ihm am 1. Februar 2018 und 5. Februar 2019 zugestellten Unterlagen in der Lage, am 1. März 2019 sa chgerecht Einwände gegen den Vor- bescheid vom 25. Januar 2019 zu erheben, worauf die I V-Stelle am 27. Juni 2019 die streitige Verfügung erliess. Eine Verletzung des Gehörsanspruchs liegt damit nicht vor. 3.1 Materiell streitig ist der Rentenanspruch des Beschwe rdeführers. Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes übe r die Invalidenversicherung (IVG) Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigke it oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben- bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Einglie derungsmassnahmen wiederherstellen, er- halten oder verbessern können (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). B ei einem Invaliditätsgrad von mindes- tens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, be i einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertel- rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzug eltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstä nden kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundes- gericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturier- ten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatore n, die – unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerse its und von Kompensationspotentia- len (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ei nzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gel ingt, auf objektivierter Beurteilungs- grundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeit s- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 3.4 Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versichert er Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrep anz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verha lten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakteri sierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genomm en wird; demonstrativ vorgetrage- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ne Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirke n oder wenn schwere Einschränkun- gen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verh alten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, BGE 131 V 49 E. 1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts vo m 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 4.1 mit Hinweisen). Eine auf Aggravation oder vergleichbar en Konstellationen beruhende Leis- tungseinschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsscha den nicht leichthin auszu- schliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit dar über besteht, dass nach plausibler ärzt- licher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeu- tig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutliche nden Verhaltens zweifellos überschrit- ten sind, ohne dass das aggravatorische Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre (vgl. BGE 143 V 418 E . 8.2 mit Hinweis). Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Konstellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durchführ ung eines strukturierten Beweisverfah- rens nach BGE 141 V 281 (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 4.4). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). Gemäss diesen Richtlinien ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spe zialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 35 3 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 de r Verordnung über die Invalidenver- sicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist mit jenem exte rner medizinischer Sachverständigen- gutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anfo rderungen an ein ärztliches Gut- achten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztper son über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Al lerdings ist hinsichtlich des Beweiswerts zu differenzieren: Stützt sich der angefochtene Entscheid a usschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen – zu denen die RAD-Berichte geh ören –, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellunge n ergänzende Abklärungen vor- zunehmen (vgl. BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4. 4 und E. 4.7; zum Ganzen auch: Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 9C_627/2015, E. 2 mit weiteren Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialver sicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6.1 Streitig ist, ob die IV-Stelle in der angefochte nen Verfügung vom 27. Juni 2019 die lau- fende ganze Rente des Versicherten zu Recht rückwirkend per 1. Dezember 2015 aufgehoben hat. 6.2 Eine Invalidenrente kann gestützt auf Art. 17 Abs. 1 ATSG (Anpassung an geänderte tatsächliche Verhältnisse), Art. 53 Abs. 1 ATSG (prozessua le Revision) oder Art. 53 Abs. 2 ATSG (Wiedererwägung) – mit Wirkung ex nunc et pro fut uro oder allenfalls ex tunc (Art. 88 bis Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [I VV]) – herabgesetzt oder aufgehoben werden (vgl. ULRICH MEYER , Die Abänderung formell rechtskräftiger Verwaltungsverfügungen in der Sozialversicherung, ZBl 1994 S. 337 ff.). Die Hera bsetzung oder Aufhebung der Rente ge- mäss Art. 88 bis Abs. 2 lit. b IVV in der seit 1. Januar 2015 in Kraft stehenden Fassung erfolgt rückwirkend ab Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leis- tung zu Unrecht erwirkt hat oder der ihm nach Art. 77 I VV zumutbaren Meldepflicht nicht nach- gekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Der Beschwerdeführer rügt, dass kein Revisionsgrund ersichtlich und die von der IV- Stelle vorgegebene (nicht aktenkundige) anonyme Denunzia tion als Grund für die Observation und die hernach erneut eingeleitete Rentenrevision we der glaubhaft noch zulässig sei. Er glaubt, im Vorgehen der IV-Stelle ein Misstrauen ihm gegenüber, eine Umgehung des leis- tungsbestätigenden Urteils des Kantonsgerichts vom 11. Ju ni 2015 und ein rechtsmissbräuchli- ches Verhalten zu erkennen. Dieser Auffassung kann nich t beigepflichtet werden. Zwar trifft zu, dass sich im Hauptdossier des Versicherten keine Notiz betr effend die anonyme Denunziation findet, was sein Misstrauen in das Vorgehen der IV-Stelle insofern verständlich erscheinen lässt und dieser eine intransparente Aktenführung und somit e ine Verletzung der Aktenführungs- pflicht (vgl. E. 2.2 hiervor) vorzuwerfen ist. Immerhin ergeben sich aber aus dem Ermittlungsbe- richt vom 15. Juli 2016 konkretere Hinweise auf die Denu nziation. So wird auf Seite 6 dieses Berichts ausgeführt, eine unbekannte Person habe am 23 . Oktober 2015 gemeldet, dass sie in letzter Zeit vermehrt mit dem Versicherten gesprochen und er sich damit gebrüstet habe, die IV- Stelle hinters Licht zu führen. Er gebe den Ärzten fal sche Informationen über seinen Gesund- heitszustand und soll regelmässig in der Gastronomie (Re staurant, Tennisclub) arbeitstätig sein. Damit lagen konkrete Anhaltspunkte vor, die Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend gemachten Arbeitsunfähigk eit aufkommen lassen. Praxisge- mäss reichen dafür Anzeichen auf ein widersprüchliches V erhalten der versicherten Person oder Zweifel an der Redlichkeit derselben (eventuell durch Angaben und Beobachtungen Drit- ter) aus (Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2018, 8C_634/2018, E. 5.2). Aufgrund der Angaben vom 23. Oktober 2015 lagen demnach genüge nd konkrete Anhaltspunkts vor, um eine Observation durchzuführen und hernach, zur weiter en Klärung der scheinbar diskrepanten Verhältnisse, eine erneute Rentenrevision einzuleiten. Vor diesem Hintergrund kann entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht von einem unzurei chenden Grund für eine Observati- on oder einem rechtsmissbräuchlichen Vorgehen der IV-Stelle gesprochen werden. 7.1 Nach dem soeben Gesagten ist nicht zu beanstanden, d ass die IV-Stelle eine Obser- vation veranlasste und hernach ein weiteres Revisionsverfa hren einleitete. Damit war sie nach dem in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierten Untersuchungsg rundsatz verpflichtet, die notwendigen Abklärungen, wozu bei Rentenrevisionen auch die Frage g ehört, ob tatsächlich ein Revisions- grund vorliegt, von Amtes wegen vorzunehmen und die er forderlichen Auskünfte einzuholen. Dazu veranlasste sie bei der asim ein psychiatrisch-neuropsycho logisches Gutachten, welches 2. Juli 2018 erstattet wurde. Mangels Einverständnis des V ersicherten erfolgte die Begutach- tung jedoch ohne ärztliche Befassung mit dem Observationsmaterial. 7.2 Prof. Dr. G.____ diagnostizierte am 2. Juli 2018 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstör ung mit infantil-unreifen, ängstlich de- pendenten und anderen neurotischen Anteilen bei eing eschränkter Beschwerdenvalidität (ICD- 10 F61.0), auf eine somatoforme Schmerzstörung, nicht näher bezeichnet mit hypochondri- schen Anteilen (ICD-10 F45.9), auf eine dissoziative Stö rung, gemischt, einen im Rahmen der Exploration nicht zu sichernden Analphabetismus (ICD-10 Z55) und anamnestisch Probleme in der Beziehung zur Ehepartnerin und zur Familie (ICD-10 Z63). Ohne Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit bestünde anamnestisch eine aktuell remitt ierte depressive Störung (ICD-10 F33.4). Angesichts der Krankengeschichte und der aktuell e rhobenen Befunde dominiere ge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht samthaft eine neurotische Reaktionsbildung auf dem Hinte rgrund einer auffälligen Persönlich- keitsstruktur. Daneben habe der Versicherte gemäss der Kra nkengeschichte eine ängstlich de- pressive, zum Teil agitierte Begleitsymptomatik mit Hinwei sen auf eine frühe Regression ge- zeigt. Von Beginn an sei die Motivation für aktive Ther apien ausgesprochen gering gewesen. Die zahlreichen erhobenen ärztlich-somatischen Befunde s eien bis heute nicht in der Lage, auch nur annähernd den Ausprägungsgrad der subjektiven Beschwerden zu erklären. Trotz intensiver Nutzung des Gesundheitssystems ergäben sich erhebliche Diskrepanzen sowie auch eine untypische Symptompräsentation. Viele Angaben seie n im Längsverlauf widersprüchlich und inkonsistent, wodurch die Begutachtung massiv erschwert werde. Viele Fragen zum Vorzu- stand würden offenbleiben. Bei diesen zahlreichen unbe anteworteten Fragen sei es nicht er- staunlich, dass der Versicherte bisher gutachterlich sehr k onträr beurteilt worden sei. Aufgrund des dokumentierten Verhaltens müsse am ehesten von einer kombinierten Persönlichkeitsstö- rung ausgegangen werden mit führend infantil-abhäng igen, ängstlich vermeidenden und unrei- fen Zügen. Der erforderliche Beginn der Abweichung in der Kindheit/Jugend lasse sich aller- dings nicht sichern. Da die Validität der Angaben de s Versicherten kritisch zu sehen sei, werde die Diagnose der kombinierten Persönlichkeitsstörung ledig lich als Verdachtsdiagnose gestellt. Das gelte auch für die Diagnosen der somatoformen und d issoziativen Störung. Namentlich seien die immer wieder geäusserten paranoid anmutenden und halluzinatorischen Symptome in ihrer Beschreibung ausgesprochen untypisch und würden auf gesetzt wirken. Die Darstellung der Symptome sei von Beginn an bizarr und in den somat ischen Untersuchungen hätten sich erhebliche Diskrepanzen ergeben zwischen den Beschwerden und den ausgesprochen fluktuie- renden Befunden mit wechselnden Bewegungsmustern, so dass von einem Rheumatologen grundsätzlich auch die Differenzialdiagnose einer Simul ation gestellt worden sei. Aufgrund der Inkonsistenzen falle es schwer, mit der gutachterlich erf orderlichen Sicherheit eine psychiatri- sche Erkrankung zu benennen. Es sei durchaus möglich, dass der Versicherte an einer relevan- ten chronifiziert mittelgradigen psychischen Störung im S inne einer gemischten neurotischen Störung auf dem Hintergrund von Persönlichkeitspathologien leide, aufgrund der eingeschränk- ten Beschwerdenvalidität sei jedoch eine Festlegung des Sch weregrads nicht annähernd mög- lich. Die eingeschränkte Beschwerdenvalidität sei das zentr ale Problem der Begutachtung. In den neuropsychologischen Untersuchungen wie auch in der psychiatrischen Exploration ergä- ben sich deutliche Hinweise auf eine eingeschränkte Beschwerdenvalidität, die sich auch gut zu den vorliegenden Dokumenten seit 2002 korrelieren liessen. Es gelinge nicht, vom Versicherten ein konsistentes Persönlichkeitsbild zu entwickeln. Über d ie Zeit würden die Persönlichkeits- merkmale je nach Exploration zwischen ängstlich vermeidend , aggressiv impulsiv, hypochond- risch, narzisstisch und dependent fluktuieren. Dies sei medizinisch kaum zu integrieren, so dass ärztlich bereits eine Simulation diskutiert worden sei. Erschwert werde die Beurteilung auch dadurch, dass weder der behandelnde Psychiater noch die T agesklinik jemals Einblick in die familiäre Alltagssituation des Versicherten erhalten hät ten. Die niederfrequente ambulante Be- handlung und die recht selektive Nutzung der Tagesklinik l ege nahe, dass der Versicherte weit- gehend seine Aktivitäten selbst kontrolliere und ein e igentlicher therapeutischer Prozess nicht erkennbar sei. Auch sei es unklar, warum der zuletzt durchg eführte Arbeitsversuch im ge- schützten Rahmen gescheitert sei. Bei aller gutachterlich er Zurückhaltung müsse zumindest festgestellt werden, dass Symptom- und Behandlungsfluk tuationen eng zusammenhängen mit Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht anstehenden versicherungsrechtlichen Entscheidungen. Aufgr und der eingeschränkten Be- schwerdenvalidität könne keine Zumutbarkeitsbeurteilung vorgenommen werden. 7.3 In seiner Stellungnahme vom 15. Januar 2019 zum G utachten von Prof. Dr. G.____ vom 2. Juli 2018 hielt pract. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler ärzt- licher Dienst (RAD) beider Basel, fest, dass kein konsistentes psychiatrisches Leiden nach dem Klassifikationssystem ICD-10 erkennbar sei. Die objektiven psychiatrischen Befunde würden sich im Normbereich bewegen. Die Beschwerden seien über die Jahre wechselnd bis bunt und die Angaben inkonsistent. Die sozialen Verhältnisse seien schlecht einzuordnen, so dass eine funktionelle Alltagrelevanz allfälliger Beschwerden nicht nachvollziehbar sei. Das Observati- onsmaterial lege nahe, dass eine Parallelwelt bestünde, in der vielerlei Ressourcen erkennbar seien, die vom Versicherten auch eingesetzt würden. Die früheren Begutachtungen hätten die Beschwerdenvalidität nicht systematisch erfasst. Deshalb sei en sie bezüglich Aggravation und Simulation nicht vergleichbar mit dem nun vorliegenden Gutachten von Prof. Dr. G.____. 8.1 Die IV-Stelle ging in ihrer Verfügung vom 27. Ju ni 2019 gestützt auf das Observati- onsmaterial, das Gutachten von Prof. Dr. G.____ vom 2. Juli 2018 und die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. I.____ vom 15. Januar 2019 davon aus, dass das Gutachten von Prof. Dr. G.____ vom 2. Juli 2018 zusammen mit den Ergebnissen der Observation den schlüs- sigen Nachweis einer Simulation bzw. des Eintritts einer wesentlichen Besserung des Gesund- heitszustands erbringe und der Versicherte seit dem 11. Dezember 2015 (erster Tag der Ob- servation) vollständig arbeitsfähig sei. Spätestens ab diesem Zeitpunkt liege ein unrechtmässi- ger Leistungsbezug vor. Dieser Auffassung kann nicht beig epflichtet werden, wie sich aus den nachstehenden Ausführungen ergibt. 8.2 Zunächst ist jedoch festzustellen, dass das Gutachten v on Prof. Dr. G.____ vom 2. Juli 2018 die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an ein e medizinische Beurteilungs- grundlage (vgl. E. 4.3 hiervor) erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist umfassend, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Sodann weist das Gutach ten keine Widersprüche auf und es setzt sich auch hinlänglich mit den bei den Akten liegen den (abweichenden) fachärztlichen Ein- schätzungen auseinander. Die entsprechenden, vorstehend (vgl. 7.2 hiervor) wiedergegebenen Darlegungen des Gutachters vermögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. Weiter legte Prof. Dr. G.____ mit einlässlicher und n achvollziehbarer Begründung dar, weshalb eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der eingeschränkten Beschwerdenvalidität entfal- le. Damit liess er die für die Revision relevante Frag e offen, ob der Beschwerdeführer (weiter- hin) ein die Arbeitsfähigkeit einschränkendes psychisches Le iden aufweist. Soweit der Be- schwerdeführer aufgrund der fehlenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit darauf schliesst, dass das Gutachten keinen Beweiswert habe, da es keine Ver änderung des Gesundheitszustandes nachweise, kann ihm aber nicht beigepflichtet werden. D ies gilt vorliegend umso mehr, als Prof. Dr. G.____ nachvollziehbar auf zahlreiche Inkonsiste nzen im Verhalten und im demons- trierten Beschwerdebild des Beschwerdeführers und dam it impliziert auf eine mögliche Aggra- vation oder gar Simulation hinweist. Diesen Anhaltspun kten hat das Gericht im Rahmen der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht freien Beweiswürdigung Rechnung zu tragen. Dabei stel lt sich die Frage, ob das vorliegende Observationsmaterial beweisrechtlich verwertet werden kan n und soll, wie dies die IV-Stelle beabsichtigte. 8.3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass die Obse rvation vor Inkrafttreten von Art. 43a und Art. 43b ATSG erfolgt und deshalb recht swidrig sei. Ausserdem sei die ohne hin- reichenden Grund angeordnete Überwachung zu intensiv gew esen, teilweise in privaten Räu- men und zudem auch im Ausland erfolgt. 8.3.2 Im Grundsatzurteil 143 I 377 entschied das Bunde sgericht, dass eine im Invalidenver- sicherungsverfahren angeordnete Observation einer genüg enden gesetzlichen Grundlage ent- behrt und daher Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV verletzt ( E. 4). Was die Verwendung des im Rah- men der widerrechtlichen Observation gewonnenen Materials anbelangt, richtet sich diese allein nach schweizerischem Recht. Das Bundesgericht hat in seinem Urteil 143 I 377 im Wesentli- chen erkannt, dass die Verwertbarkeit der Observationsergeb nisse (und damit auch der ge- stützt darauf ergangenen weiteren Beweise) grundsätzli ch zulässig ist, es sei denn, bei einer Abwägung der tangierten öffentlichen und privaten In teressen würden diese überwiegen (E. 5.1.1). Mit Blick auf die gebotene Verfahrensfair ness hat es sodann in derselben Erwägung (mit Hinweisen) eine weitere Präzisierung angebracht: E ine gegen Art. 8 EMRK verstossende Videoaufnahme ist verwertbar, solange Handlungen des "Beschuldigten" aufgezeichnet werden, die er aus eigenem Antrieb und ohne äussere Beeinfluss ung machte, und ihm keine Falle ge- stellt worden war. Ferner hat es erwogen, dass von eine m absoluten Verwertungsverbot wohl immerhin insoweit auszugehen ist, als es um Beweismaterial geht, das im nicht öffentlich frei einsehbaren Raum zusammengetragen wurde (E. 5.1.3; Ur teil des Bundesgerichts vom 18. August 2017, 8C_69/2017, mit weiteren Hinweisen; vgl. zum öffentlich einsehbaren Raum: BGE 137 I 327). 8.4 Im Lichte dieser Rechtsprechung kann festgehalten we rden, dass die vorliegend zur Diskussion stehende Observation vor den am 1. Oktober 2019 in Kraft getretenen Art. 43a und Art. 43b ATSG vorgenommen wurde und deshalb unzulässig war, weshalb eine Verletzung von Art. 8 EMRK und Art. 13 BV festzustellen ist. Es bleib t zu prüfen, ob der Eingriff in die Grund- rechte des Beschwerdeführers derart gravierend ist, dass er diesen nicht zu dulden hat. 8.5 Eine Sichtung des Videomaterials ergibt, dass die f ragliche Überwachung in der Schweiz und allesamt im öffentlich einsehbaren Raum e rfolgte. Auch die Räumlichkeiten des Fitnesscenters, in welchem der Versicherte auf dem Lauf band gefilmt wurde, sind publikumsöf- fentlich und vom Empfangsraum des Centers aus durch eine Glasscheibe frei einsehbar im Sinne der bundesgerichtlichen Praxis (Urteil des Bundesg erichts von 15. Mai 2019, 8C_837/2018). Die Frage, ob die Observationen im Ausl and allenfalls das völkerrechtliche Ter- ritorialitätsprinzip verletzt, ist unerheblich, soweit sie im öffentlichen oder im öffentlich einsehba- ren Raum vorgenommen wurden. Sodann kann festgehalten werden, dass der Beschwerdefüh- rer die aufgezeichneten Handlungen aus eigenem Antrie b und ohne äussere Beeinflussung machte und dass ihm dabei keine Falle gestellt worden w ar. Damit ist eine weitere Vorausset- zung für eine Verwendung des Observationsmaterials erfül lt. Ausserdem ist vorliegend wie be- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht reits in Erwägung 6.3 hiervor dargelegt, ein genügend er Anfangsverdacht zu bejahen. Was die Dauer der Observation betrifft, so erfolgte diese im Zeitraum vom 11. Dezember 2015 bis 28. März 2016 in unregelmässigen Abständen und mehrheit lich während einiger Stunden an insgesamt 12 Tagen. Es handelte sich somit nicht um ei nen ausgesprochen langen Beobach- tungszeitraum. Unter diesen Umständen kann nicht von eine r systematischen oder ständigen Überwachung gesprochen und demzufolge auch nicht von ei ner schweren Verletzung der Per- sönlichkeit des Versicherten ausgegangen werden. Den erfolgten Eingriffen gegenüberzustellen gilt es das Interesse des Versicherungsträgers und der Ve rsichertengemeinschaft, unrechtmäs- sige Leistungsbezüge abzuwenden (Urteil des Bundesger ichts vom 18. August 2017, 8C_69/2017). Dieses ist unter den hier gegebenen Umständen höher zu gewichten als das Inte- resse des Versicherten an einer unbehelligten Privatsphäre. Damit können im vorliegenden Fall die ohne ausreichende gesetzliche Grundlage erhobenen O bservationsergebnisse in Form von verschiedenen Videoaufnahmen grundsätzlich verwertet werd en, zumal der Kerngehalt von Art. 13 BV bei der hier gegebenen Überwachung und de r damit verbundenen Eingriffsschwere ebenfalls unangetastet blieb (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 2017, 8C_69/2017, mit Hinweisen). 8.6 Rechtsprechungsgemäss ist in diesem Zusammenhang a ber Folgendes zu beachten: Die Ergebnisse einer (zulässigen) Observation können zwar zusammen mit einer ärztlichen Aktenbeurteilung eine genügende Grundlage für Sachverhaltsfeststellungen betreffend den Ge- sundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit bilden (BGE 137 I 327 E. 7.1 mit Hinweisen). Ein Ob- servationsbericht für sich allein genügt indes nicht; er kann diesbezüglich höchstens Anhalts- punkte liefern oder Anlass zu Vermutungen geben. Sichere Kenntnis des Sachverhalts kann in dieser Hinsicht erst die ärztliche Beurteilung liefern, in welche die Erkenntnisse aus der Obser- vation einfliessen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Augu st 2013, 8C_192/2013, E. 3.1 mit Hinweisen, in: SVR 2013 UV Nr. 32 S. 111). Dabei geh t es nicht einfach darum, das Observati- onsergebnis zu würdigen, sondern die Ärzte haben sich da zu zu äussern, wie dieses im – hier in erster Linie massgeblichen – psychiatrischen Kontext zu verstehen ist, was entsprechende Fachkenntnisse voraussetzt (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juli 2016, 9C_254/2016, E. 3.2.1). Verantwortlich für die fachliche Güte und die Vollständigkeit der Begutachtung, allen- falls im Rahmen einer Aktenbeurteilung, ist der oder die medizinische Sachverständige (vgl. BGE 139 V 349 E 3.3). Diese haben demzufolge a uch zu entscheiden, inwiefern, d.h. in welcher Form und mit welcher Tiefe, eine Auseinanderse tzung mit dem Observationsmaterial erforderlich ist (Urteile des Bundesgerichts vom 25. Augu st 2016, 9C_395/2016, E. 4.2.1, und vom 7. Juli 2016, 9C_254/2016, E. 3.2.1). 8.7 Wenn die IV-Stelle in ihrer Verfügung vom 27. J uni 2019 gestützt auf den Observati- onsbericht vom 15. Juli 2016, das Gutachten von Dr. G._ ___ vom 2. Juli 2018, der allerdings aufgrund der eingeschränkten Beschwerdenvalidität keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor- nehmen konnte, und die Beurteilung des RAD-Arztes prac t. med. I.____ vom 15. Januar 2019 davon ausgeht, dass der Beschwerdeführer seit spätestens Dezember 2015 die Besserung seines psychischen Gesundheitszustandes nachweislich vertusche, womit er seine Meldepflicht verletzt habe, ist diese Schlussfolgerung nicht ohne weit eres zulässig. Bei dieser Sachlage ist es vielmehr angezeigt, das Observationsmaterial – wie di es die IV-Stelle beabsichtigte – Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prof. Dr. G.____ zur Beurteilung der Frage zu unter breiten, ob daraus ein näherer Aufschluss bezüglich Diagnose und Zumutbarkeit gewonnen werden ka nn. Davon kann vorliegend nicht abgesehen werden, zumal nicht von vornherein angenommen werden kann, eine ärztliche Be- fassung mit dem Observationsmaterial vermöge keine besseren Erkenntnisse zur Leistungsfä- higkeit des Versicherten bringen. Damit steht fest, dass d ie angefochtene Verfügung vom 27. Juni 2019 auf unzureichenden Abklärungsergebnissen b eruht und demzufolge aufzuheben ist. Die Vorinstanz wird angehalten, den Versicherten vo n Prof. Dr. G.____ unter Einbezug des Observationsmaterials ergänzend abklären zu lassen. Insbe sondere sind der psychische Ge- sundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit zu untersuchen. Gestützt auf die Ergebnisse der Ak- tenergänzung wird die IV-Stelle über den Rentenansp ruch des Beschwerdeführers neu zu ver- fügen haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9.1 Es ist bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligun g oder Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. N ach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 1 6. Dezember 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Parte i auferlegt. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliege nden, in denen ein durchschnittlicher Verfah- rensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800. -- fest. In der ab 1. Januar 2019 neu in Kraft getretenen Bestimmung gemäss § 20 Abs. 3 VPO si nd die ordentlichen Kosten neuer- dings auch den unterliegenden Vorinstanzen zu auferl egen. Einen allgemeinen Grundsatz fol- gend können die Parteikosten anstatt nach dem Prozessaus gang (vgl. Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG) aber auch nach dem Verursacherprinzip verlegt werd en (vgl. BGE 125 V 375 E. 2b). Demgemäss sind unnötige Parteikosten unabhängig vom Ver fahrensausgang von demjenigen zu tragen, der sie verursacht hat. So kann keine Parteien tschädigung beanspruchen, wer zwar im Prozess obsiegt, sich aber den Vorwurf gefallen lassen muss, er habe es wegen Verletzung der Mitwirkungspflicht selber zu verantworten, dass ein u nnötiger Prozess geführt worden sei SVR 2004 ALV Nr. 8 E. 3.1 mit zahlreichen Hinweisen; vgl. zum Ganzen auch: MARTIN BERNET , Die Parteientschädigung in der schweizerischen Verwaltu ngsrechtspflege, Zürich 1986, S. 136 ff.). Diese Grundsätze, welche für die Auslegung von Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG massgebend sind, müssen auch für die Verlegung der ordentlichen Kosten gelten. Vorliegend hat der anwalt- lich vertretene Beschwerdeführer, indem er einer ärztl ichen Befassung mit dem Observations- material ohne hinreichenden Grund nicht zustimmte, sein e Mitwirkungspflicht (Art. 43 Abs. 2 ATSG) verletzt und das vorliegende Verfahren zu einem g rossen Teil mitverursacht, zumal sich seine Rügen weitgehend als unbegründet erwiesen haben . Daher rechtfertigt es sich, die Ver- fahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen. Zufolge Be- willigung der unentgeltlichen Prozessführung werden di e Verfahrenskosten des Beschwerde- führers in der Höhe von Fr. 400.-- vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 9.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Ger icht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsach e und nach der Schwierigkeit des Prozes- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht ses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts genüg t für den bundesrechtlichen Anspruch auf eine Parteientschädigung auch ein formell es Obsiegen in dem Sinne, dass der Beschwerde führenden Person durch die Aufhebung der a ngefochtenen Verfügung und der Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abkl ärung und neuen Beurteilung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewahr t bleiben (BGE 132 V 215 E. 6.2). Nachdem die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur ern euten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, hat die se dem Beschwerdeführer eine Par- teientschädigung auszurichten. Da aber nach dem Gesagten (vgl. E. 9.1 hiervor) die Verantwor- tung für das vorliegende Beschwerdeverfahren auch beim Beschwerdeführer liegt, rechtfertigt es sich, ihm eine hälftige Parteientschädigung zuzusprech en. Der Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 20. Dezemb er 2019 für das vorliegende Ver- fahren einen Zeitaufwand von 21 Stunden und 35 Minu ten sowie Auslagen von Fr. 452.60 gel- tend gemacht. Selbst unter Berücksichtigung, dass ein zwei ter Schriftenwechsel durchgeführt wurde, erscheint der geltend gemachte Aufwand im Que rvergleich zu ähnlich gelagerten Fällen als zu hoch. Dies gilt namentlich für die Arbeit an der Beschwerde von insgesamt 15 Stunden (26. Juli 2019: 270 Minuten; 15. August 2019: 300 Mi nuten; 29. August 2019: 330 Minuten), weshalb eine angemessene Kürzung dieses Aufwands um 5 Stu nden auf 10 Stunden vorzu- nehmen ist. Unter Beachtung aller Umstände erscheint f ür das vorliegende Verfahren ein Auf- wand von insgesamt 16 Stunden und 35 Minuten als angeme ssen. Zu kürzen sind des Weite- ren die ausgewiesenen Auslagen für Kopien in der Höhe von insgesamt Fr. 432.--, da pro Kopie Fr. 1.50 statt Fr. 0.50 verrechnet worden sind (vgl. § 15 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwäl- tinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Die Ausla gen sind demnach mit insgesamt Fr. 164.60 zu veranschlagen (Fr. 144.-- [288 Kopien à Fr. 0.50] + Fr. 18.60 [Porto] + Fr. 2.-- [Telefon]). Dem Beschwerdeführer ist demnach eine redu zierte Parteientschädigung von Fr. 2'321.15 (16,58 Stunden x 50 % x Fr. 250.-- [vgl . § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwäl- tinnen und Anwälte vom 17. November 2003] plus Auslage n von Fr. 164.60 x 50 % und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Im Übrigen werden die ausserordentli- chen Kosten wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1'874.65 (16,58 Stun- den x 50 % x Fr. 200.-- [vgl. § 3 Abs. 2 der Tarifor dnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003] plus Auslagen von Fr. 164.60 x 50 % und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 10.1 Gemäss Art. 90 BGG ist die Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfah ren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwisch enentscheide über die Zustän- digkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bede utenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde ( Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei ein em Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehre- ren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) bean twortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 27. Juni 2 019 aufgeho- ben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten des Beschwerdeführers in der Höhe von Fr. 400.-- vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2'321.15 (inkl. Ausla gen und 7,7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten wet tgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'874.65 (inkl. Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht