B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-905/2017 U r t e i l v o m 1 2 . J u l i 2 0 1 7 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Martin Kayser, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren am (…), alias B._______, geboren am (…), und deren Kinder C._______, geboren am (…), alias D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), alias F._______, geboren am (…), G._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Liliane Blum, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 25. Januar 2017 / N (…). F-905/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliess die Beschwerdeführerin ihr Heimatland zusammen mit ihren Kindern C._______ und E._______ im März 2014 und gelangte am 19. Oktober 2016 via H._______, I._______ und Italien illegal in die Schweiz, wo sie gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum J._______ um Asyl nachsuchte. Anlässlich der Befragung zur Person vom 25. Oktober 2016 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zum möglichen Nicht- eintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31), zur Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungs- verfahrens beziehungsweise zu einer allfälligen Über stellung dorthin und gab ihr Gelegenheit, sich dazu zu äussern. Die grundsätzliche Zuständig- keit dieses Mitgliedstaates wurde von der Beschwerdeführerin nicht bestrit- ten. Sie machte jedoch geltend, nicht nach Italien zurückkehren zu wollen, weil ein Grossteil ihrer Familie in der Schweiz lebe. B. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Zentralein- heit Eurodac) ergab, dass die Beschwerdeführerin am 6. Oktober 2016 in Italien illegal in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten eingereist war. Gestützt darauf ersuchte das SEM die italienischen Behörden am 23. No- vember 2016 um Übernahme der damals noch schwangeren Beschwerde- führerin und ihrer Kinder im Sinne von Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rat es vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit- gliedstaats, der für die Prüfung eines v on einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio- nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). C. Das SEM zeigte den italienischen Behörden im Januar 2017 die Geburt des dritten Kindes der Beschwerdeführerin an. D. Die italienischen Behörden nahmen innerhalb der festgelegten Frist zum Übernahmeersuchen des SEM vom 23 . November 2016 keine Stellung, womit die Zuständigkeit zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsver- fahrens am 24. Januar 2017 an Italien überging (Art. 22 Abs. 7 Dublin -III-F-905/2017 Seite 3 VO). Am 24. Januar 2017 wurde das Ersuchen nachträglich explizit gutge- heissen. E. Mit Verfügung vom 25. Januar 2017 – eröffnet am 2. Februar 2017 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asylgesu- che der Beschwerdeführenden vom 19. Oktober 2016 nicht ein, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien, forde rte die Beschwerde- führenden – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlasse n, beauftragte den Kanton K._______ mit dem Vollzug der Wegweisung, hän- digte die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, eine allfällige Beschwerde gegen die Verfügung habe keine aufschie- bende Wirkung. F. Mit Eingabe vom 9. Februar 2017 liessen die Beschwerdeführenden gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwe rde erheben und in materieller Hinsicht beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, ihre Pflicht zum Selbsteintritt gestützt auf Art. 16 Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 8 EMRK auszuüben und sich für vorliegendes Asylverfahren für zuständig zu erklären. In pro- zessualer Hinsicht wurde beantragt, es sei im Sinne vorsorglicher Mass- nahmen die aufschiebende Wirkung zu erteilen, die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung nach Italien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende Beschwerde entschieden habe, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Die Beschwerdeführen- den ersuchten ausserdem um Ausrichtung einer angemessenen Parteient- schädigung. Als Beilagen wurden neben der Vollmacht vom 8. Februar 2017 und der Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 9. Februar 2017 verschiedene Un- terlagen zur gesundheitlichen und familiären Situation der Beschwerdefüh- renden eingereicht. Auf die Begründung der Beschwerde und die Beilagen wird – soweit ent- scheidrelevant – in den Erwägungen eingegangen. F-905/2017 Seite 4 G. Mit Telefax vom 14. Februar 2017 setzte der vormals zuständige Instrukti- onsrichter gestützt auf Art. 56 VwVG den Vollzug der Überstellung per so- fort einstweilen aus. H. Mit Zwischenverfügung vom 16. Februar 2017 hiess der Instruktionsrichter den Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde im Sinne von Art. 107a Abs. 2 AsylG gut und teilte den Beschwerdeführenden mit, sie könnten den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess er das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gut, verzichtete auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz gestützt auf Art. 57 Abs. 1 VwVG zur Vernehmlassung ein. I. Auf die Begründung der Vernehmlassung vom 27. Februar 2017 wird – so- weit entscheidrelevant – in den Erwägungen eingegangen. J. Mit Eingabe vom 17. März 2017 äusserten sich die Beschwerdeführenden zur Vernehmlassung. Als Beilage wurde eine Terminbestätigung vom 7. März 2017 der (…) Uni- versitätsklinik K._______, (…), für ein Erstgespräch am 23. März 2017 be- treffend die Kinder C._______ und E._______ zu den Akten gegeben . Auf die Begründung der Replik wird – soweit entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. K. Aus organisatorischen Gründen hat ein Wechsel des Instruktionsrichters stattgefunden. Demnach entscheidet vorliegend der neu zuständige In- struktionsrichter als vorsitzender Richter. Der vormalige Instruktionsrichter wurde im Spruchkörper als Zweitrichter eingesetzt. F-905/2017 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das VGG und das Asy lG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Inter esse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 2 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (v gl. BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.). 3. 3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin -III-VO. F-905/2017 Seite 6 Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref- fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein. 3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird. Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind diese Kriterien in der aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständig- keitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO; vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2; FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien 2014, K4 zu Art. 7). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän- digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An- nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An- tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu- ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän- dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 3.3. Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver- ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.3 11) konkretisiert und das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus humani- tären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin -III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. F-905/2017 Seite 7 4. 4.1. Zur Begründung des Nichteintretensentscheids führte das SEM im Wesentlichen aus, vom Umstand, dass die Beschwerdeführenden in der Schweiz über Verwandte verfügten, könnten sie nichts zu ihren Gunsten ableiten, da Eltern und Geschwister nicht als Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO gelten würden. Zudem bestünden auch keine Hinweise auf ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen den Be- schwerdeführenden und ihren Verwandten. Aus der Anwesenheit dieser Verwandten in der Schweiz lasse sich somit kein Zuständigkeitskriterium ableiten und die Zustän digkeit Italiens zur Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens bleibe bestehen. Mit seinem Ersuchen um Aufnahme vom 23. November 2016 habe das SEM die italienischen Behörden bereits darauf hingewiesen, dass die Be- schwerdeführenden eine Familie bildeten. Im Rahmen der nachträglichen Mitteilung, auf welcher die Personalien aller Familie nmitglieder detailliert festgehalten worden seien, hätten die italienischen Behörden das SEM in- formiert, dass die Überstellung der Beschwerdeführenden nach L._______ erfolgen solle. Demnach hätten die italienischen Behörden die Beschwer- deführerin und ihre Kinder im Rahmen des Dublin-Verfahrens eindeutig als Familienmitglieder identifiziert. Sie würden nach Ankunft in Italien gemein- sam in einem der vor Ort zur Verfügung stehenden SPRAR Projekte unter- gebracht. Da die tatsächliche Auslastung dieser SPRAR Projekte nicht im Voraus festgelegt werden könne, sei es zum jetzigen Zeitpunkt nicht mög- lich, das genaue Projekt zu bezeichnen, in welchem die Familie unterge- bracht werde. Dadurch entstehe jedoch keine Verletzung von Art. 3 EMRK, da es einzig den italienischen Behörden obliege, die asylsuchenden Per- sonen nach Ankunft in Italien unter Berücksichtigung der momentanen Auslastung einer konkreten Aufnahmestruktur zuzuweisen. Angesichts der konkreten, überprüfbaren und somit justiziablen Informationen hinsichtlich der Unterbringung der Beschwerdeführenden in Italien würden dem SEM keine konkreten Hinweise vorliegen, dass Italien, trotz merklicher Prob- leme im Bereich der Aufnahmebedingungen für Asylsuchende, nicht in der Lage sein werde, die Beschwerdeführerin und ihre Kinder gemeinsam und in einer dem Alter der Kinder gerecht werdenden Struktur aufzunehmen. Es würden keine konkreten Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich Italien nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten und das Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchführen würde. Somit sei festzuhalten, dass nicht davon auszugehen sei, dass die Be- schwerdeführenden bei einer Überstellung nach Italien im Sinne von Art. 3 F-905/2017 Seite 8 Abs. 2 Dublin -III-VO und Art. 3 EMRK gravierenden Menschenrechtsver- letzungen ausgesetzt würden, in eine existenzielle Notlage gerieten oder ohne Prüfung ihres Asylgesuchs und unter Verletzung des Non -Refoule- ment-Gebots in ihren Heimat- respektive Herkunftsstaat überstellt würden. Zudem seien keine systemischen Mängel im Asyl - und Aufnahmesystem Italiens ersichtlich. Im Weiteren würden auch keine Gründe gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III- VO vorliegen, die die Schweiz verpflichten würden, das Asylgesuch zu prü- fen. Hinsichtlich der Unterernährung beim Sohn C._______ sei angesichts der Aktenlage festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden sich bei allfälligen gesundheitlichen Problemen an eine medizinische Institution in Italien wen- den könnten. Da Italien für das Asylgesuch zuständig sei und keine Gründe vorliegen würden, die die Anwendung der Souveränitätskla usel durch die Schweiz begründeten, werde auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. 4.2. In der Rechtsmitteleingabe wird im Wesentlichen entgegnet, die Be- schwerdeführerin sei nicht fähig, sich ohne die Hilfe ihrer Familie angemes- sen um ihre Kinder zu kümmern. Seit der Einreise in die Schweiz habe sich in vielfacher Hinsicht gezeigt, dass sie mit der Betreuung der Kinder stark überfordert sei und ohne die engmaschige Unterstützung ihres Vaters und ihrer Geschwister nicht die notwendige Fürsorge erbringen könne. Hinzu komme, dass sie am (…) (recte: […]) ihr drittes Kind zur Welt gebracht habe. Die behandelnde Hausärztin äussere im ärztlichen Zeugnis vom 8. Februar 2017 den Verdacht auf Anpassungsstörung, Anämie und eine psychosoziale Überlastungssituation. Im Schreiben des Durc hgangszent- rums M._______ vom 7. Februar 2017 werde festgehalten, dass die Schwester und der Bruder die Beschwerdeführerin bereits seit dem Ein- trittstag begleitet hätten und während des gesamte n Aufenthalts im Zent- rum sehr präsent gewesen seien. Die Kinder hätten die Wochenenden oft bei ihren Verwandten verbracht. Gerade aufgrund des hohen Engagements der Familienangehörigen zeige sich, wie fest die Beschwerdeführerin von diesen abhängig sei u nd wie sehr sie mit der alltäglichen Betreuungspflicht überfordert sei. Auch aus den Berichten des Kinderspitals K._______ vom 10. Januar 2017 und des behandelnden Kinderarztes vom 8. Februar 2017 gehe hervor, dass die F-905/2017 Seite 9 Beschwerdeführerin mit der Betreuung ihrer Kinder überfordert und drin- gend auf die Unterstützung ihrer Familie angewiesen sei. Es sei bedenk- lich, dass sich die Überforderung sogar anhand des Gesundheitszustands der Kinder feststellen lasse. Die Unterstützung durch die Familie diene so- mit in erster Linie dem Kindeswohl. Des Weiteren sei auch seitens der Lehrpersonen festgestellt worden, dass der Sohn E._______ körperlich, sozial und sprachlich deutlich unter dem Niveau der anderen Kinder liege. Er habe daher gemäss dem Schreiben der Schulärztin vom 24. November 2016 in den Kindergarten zurückver- setzt werden müssen. Nebst dieser Rückversetzung habe die Ärztin Fö r- dermassnahmen empfohlen, da sie die aktuellen Rahmenbedingungen als nicht ausreichend erachtet habe. In diesem Zusammenhang sei auch die Mütter- und Väterberatung vom N._______ beauftragt worden, die Be- schwerdeführerin und ihre Kinder zu unterstützen und eine geeignete Ta- gesstruktur einzuleiten. Wie aus dem Schreiben der Zentrumsleiterin vom 8. Februar 2017 hervorgehe, sei die Beschwerdeführerin auf die tatkräftige Unterstützung ihrer Geschwister angewiesen. Der Verlust des familiären Umfeldes könnte zu einer Gefährdung des Kindeswohls führen. Zusammenfassend lasse sich festhalten, dass zwischen der Beschwerde- führerin und ihren Familienangehörigen ein Abhängigkeitsverhältnis be- stehe. Die Familie leiste eine intensive und elementare Unterstützung bei der Betreuung der Kinder. Insgesamt sei – auch im Lichte des Kindeswohls gemäss Art. 3 der Kinderrechtskonvention (SR 0.107) – von einem erheb- lichen Unterstützungsbedarf der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder durch ihre Familienangehörigen auszugehen. Ausserdem hielten sich die Familienangehörigen rechtmässig in der Schweiz auf und die familiäre Bin- dung zwischen ihnen habe bereit s in Eritrea beziehungsweise in H._______ bestanden. Die Familienangehörigen würden ihre Unterstüt- zungsaufgabe entsprechend wahrnehmen und seien dazu in der Lage. Auch der Wunsch, zusammen in der Schweiz leben zu wollen, besteh e. Die Voraussetzungen von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO seien infolgedessen erfüllt. Aufgrund des gefestigten Aufenthalts ihrer Familie in der Schweiz und des bestehenden Abhängigkeitsverhältnisses könne sich die Beschwerdefüh- rerin auch auf Art. 8 EMRK berufen. Da sowohl die Voraussetzungen von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO als auch diejenigen von Art. 8 EMRK gegeben seien, sei das SEM zu verpflichten, F-905/2017 Seite 10 auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin einzutreten beziehungsweise ihr und ihren Kindern in der Schweiz ein nationales Verfahren zu eröffnen. 4.3. In ihrer Vernehmlassung verweist die Vorinstanz auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und hält darüber hinaus mit Blick auf Art. 8 EMRK fest, die Verwandten der Beschwerdeführerin würden bereits seit mehreren Jahren in der Schweiz leben, die Schwester seit 2008, der Vater seit 2011 und der Bruder seit 2012. Die Beschwerdeführerin habe vor der Ankunft in der Schweiz etliche Jahre lang ein selbstständiges Leben ge- führt. Ihre Eltern hätten Eritrea ohne sie verlassen und seien daraufhin im Jahr 2011 in die Schweiz eingereist. Die Beschwerd eführerin habe dem- nach ihre beiden Söhne ohne die Hilfe ihrer in der Schwei z lebender Ver- wandten – und angeblich auch ohne de n Kindsvater – in Eritrea und in H._______ grossgezogen. Sie habe gemäss ihren Ausführungen anläss- lich der Befragung zur Person in den letzten vier beziehungsweise fünf Jahren – seit sie ihre Verwandten nicht mehr gesehen habe – unter kom- plizierten Verhältnissen in Eritrea und später in H._______ gelebt und im Jahr 2016 alleine die zweifelsohne gefährliche Reise nach Europa unter- nommen. Es sei verständlich, dass sie – eine alleinerziehende Mutter dreier Kinder – in der Nähe ihrer Verwandten bleiben möchte und diese ihr bei der Eingewöhnung in der Schweiz und der Erziehung ihrer Kinder un- bedingt behilflich sein möchten. Doch alleine aufgrund des geltend ge- machten „hohen Engagements“ der Verwandten scheine es n icht ange- zeigt, vom Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO Ge- brauch zu machen, zumal weder aus den Arztberichten noch den anderen eingereichten Schreiben explizit hervorgehe, dass für eine allfällige Betreu- ung der Kinder die Verwandten un erlässlich wären. Zudem sei anzumer- ken, dass eine gewisse temporäre Überforderung während einer Schwan- gerschaft auch kein Nachweis dafür sei, dass die Beschwerdeführerin dau- erhaft mit der Erziehung ihrer Kinder nicht zurechtkomme und einzig die Hilfe der Verwandten daran etwas zu ändern vermöchte. Auch die geltend gemachte Mangelernährung der Söhne müsse stets unter der Gesamtheit der Umstände, wie der schwierigen Reise nach Europa, betrachtet werden. Zwar stehe ausser Frage, dass die Beschwerdeführerin für das Grosszie- hen ihrer Kinder eine gewisse Unterstützung benötige, doch diese Unter- stützung und Betreuung werde sie auch in Italien erhalten kö nnen, wo sie gemeinsam mit ihren Kindern in einem SPRAR Projekt untergebracht werde. Zum Gesundheitszustand der Kinder führt die Vorinstanz weiter aus, dass es sich bei der diagnostizierten Anämie des jüngsten Sohnes nicht um ein F-905/2017 Seite 11 Leiden handle, welches eine engmaschige und dauerhafte Betreuung er- fordere. Als Ursache dieses Leidens könne unter anderem auch das Leben in Eritrea und in H._______ wie auch die strapaziöse und lange Reise von Eritrea in die Schweiz ins Feld geführt werden. Die implizite Aussage, wo- nach das etwas tiefe soziale und sprachliche Niveau von Sohn E._______ ausschliesslich auf die angebliche Überforderung der Mutter zurückzufüh- ren sei, halte bei genauerer Betrachtung nicht stand, zumal diese Aussage die bisherigen Lebensumstände der Beschwerdeführenden gänzlich aus- ser Acht lasse. Was den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin be- treffe, so sei anzumerken, dass dem SEM nach wie vor keine gesicherte Diagnose einer qualifizierten Fachperson vorliege. Abschliessend sei fest- zuhalten, dass Italien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfüge und gemäss der Aufnahmerichtlinie verpflichtet sei, der Beschwer- deführerin und ihren Kindern die erforderliche medizinische Versorgung zu gewähren. Es würden keine Hinweise vorliegen, wonach Italien ihnen eine medizinische Behandlung verweigert hätte oder zu künftig verweigern würde. 4.4. Replikweise wird im Wesentlichen geltend gemacht, aus den Akten gehe nicht hervor, wie die Lebensverhältnisse der Beschwerdeführerin zwi- schen 2012 und 2014 beziehungsweise 2016 gewesen seien. W enn die Vorinstanz davon ausgehe, die Beschwerdeführerin habe etliche Jahre ih- ren Alltag selbstständig meistern können, stütze sie sich auf blosse Vermu- tungen und müsste diesbezüglich den Sachverhalt angemessen abklären. Des Weiteren sei es augenfällig, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage sei, sich alleine um ihre Kinder zu kümmern. In diversen Schreiben von verschiedenen Behörden und Ärzten sei unabhängig voneinander in- nert kurzer Zeit festgestellt worden, dass die Beschwerdeführerin bei der Betreuung ihrer Kinder klare Defizite aufweise und von ihren F amilienan- gehörigen abhängig sei. Da die Beschwerdefüh rerin erst seit Kurzem in K._______ lebe, sei es den behandelnden Ärzten nicht möglich gewesen, sämtliche Abklärungen zu treffen, um ihr oder den Kindern eine gesicherte Diagnose zu stellen. Die Vorinstanz vernachlässige, dass die Beschwerdeführerin über die Un- terstützung und Betreuung von staatlichen Instanzen hinaus auf die Hilfe ihrer Verwandten angewiesen sei. In Italien wäre sie als alleinstehende Mutter von drei Kindern masslos überfordert und hätte keine familiäre Hilfe. Folglich sei von einer Rückführung, selbst mit Zusicherung einer SPRAR- Unterkunft, abzusehen. Wenn die Vorinstanz betone, dass in Italien die erforderliche medizinische F-905/2017 Seite 12 Versorgung gewährleistet sei, dann übersehe sie die S chwierigkeiten des Einzelfalles. 5. Vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin mit ihren zwei älteren Kindern am 6. Oktober 2016 in Italien illegal in das Hoheitsgebiet der Dub- lin-Staaten eingereist war und die italienischen Behörden am 24. Januar 2017 dem Übernahmeersuchen vom 23. November 2016 gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO nachträglich explizit zugestimmt haben, ist das SEM zu Recht von der Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens ausgegangen. Wie die nachfolgenden Erwägungen z eigen, sind die geltend gemachten Vorbringen nicht geeignet, an dieser Zuständigkeit etwas zu ändern. Sie begründen auch keinen Anlass zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der Schweiz (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO, Art. 29a Abs. 3 AsylV 1). 6. 6.1. Es gibt keine wesentlichen Gründe für die Annahme, das Asylverfah- ren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Italien würden sys- temische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin- III-VO aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigen- den Behandlung gemäss Art. 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden. So ist Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich- tungen nach. Im Weiteren darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuer kennung und Aber- kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf- nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah- merichtlinie) ergeben. Diese Ansicht wird vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) bestätigt, indem dieser in seiner bisherigen Rechtsprechung festhält, dass in Italien kein systematischer Mangel an Un- terstützung und Einrichtungen für Asylsuchende bestehe, obwohl die allge- meine Situation und insbesondere die Lebensumstände von Asylsuchen- den, anerkannten Flüchtlingen und Personen mit einem subsidiären F-905/2017 Seite 13 Schutzstatus in Italien gewisse Mängel aufweisen würden (vgl. EGMR: Ent- scheidung Mohammed Hussein und andere vs. Niederlande und Italien [Beschwerde Nr. 27725/10] vom 2. April 2013, § 78). 6.2. 6.2.1. Gemäss BVGE 2015/4 E. 4.3 stellen die von den italienischen Be- hörden einzuholenden Garantien einer kindgerechten und die Einheit der Familie respektierenden Unterbringung nicht eine blosse Überstellungsmo- dalität, sondern gemäss dem Urteil des EGMR Tarakhel gegen Schweiz vom 4. November 2014 eine materielle Voraussetzung der völkerrechtli- chen Zulässigkeit einer Überstellung nach Italien dar. Italien hat bereits in einem Schreiben vom 15. April 2015 an die Europäische Kommission eine Liste mit Aufnahmeprojekten des Sistema per Richiedenti Asilo e Rifugiati (SPRAR) übermittelt. In den aufgeführten Projekten sind Aufnahmeplätze für Familien reserviert, welche im Rahmen eines Dublin -Verfahrens nach Italien überstellt werden. In einem Rundschreiben vom 8. Juni 2015 wurde die erwähnte Liste den Mitgliedstaaten zugänglich gemacht. Die italieni- schen Behörden haben dabei erklärt, dass die genannten Projekte nebst Unterkunft und Verpflegung eine engmaschige Betreuung der Asylsuchen- den vor sehen würden, welche sie bei de r wirtschaftlichen und gesell - schaftlichen Eingliederung individuell begleite. BVGE 2016/2 zufolge stellt ein konkretes Schreiben mit Namens- und Altersangabe sowie einer Aner- kennung als Familieneinheit – zusammen mit einem (impliziten) Hinweis auf allgeme ine Garantien einer familiengerechten Unterbringung in der Form von Rundschreiben – eine hinreichend konkretisierte und individuali- sierte Zusicherung im Sinne der Anforderungen gemäss BVGE 2015/4 so- wie der Rechtsprechung des EGMR dar (vgl. a.a.O., E. 5) . Eine aktuali- sierte Liste wurde den Mitgliedstaaten am 15. Februar 2016 und 12. Okto- ber 2016 übermittelt. Die italienische Dublin Unit hat erklärt, die für Familien reservierten Aufnahmeplätze würden je nach Auslastung der einzeln en Projekte fortlaufend ergänzt. 6.2.2. Vorliegend hat das SEM in seinem Übernahmeersuchen vom 23. November 2016 die beiden Kinder C._______ und E._______ als Fa- milienangehörige aufgeführt und die italienischen Behörden damit darauf aufmerksam gemacht, es handle sich um eine Familie. Ausserdem wurde darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem dritten Kind schwanger sei (vgl. Akte A25). Italien hat dem Gesuch um Übernahme der Beschwerdeführenden als Familie am 24. Januar 2017 nachträglich explizit zugestimmt und die Überstellung nach L._______ angeordnet, wo sich die Familie unmittelbar nach ihrer Ankunft bei der Grenzpolizei am Flughafen F-905/2017 Seite 14 zu melden habe (vgl. A29). Die von den italienischen Behörden vorgeleg- ten Informationen sind hinsichtlich der Unterbringung der Famili e konkret, überprüfbar und demnach justiziabel. So hat Italien die Beschwerdeführen- den in seinem Zustimmungsschreiben vom 24. Januar 2017 als Familie anerkannt und das Zustimmungsschreiben enthält die genauen Persona- lien (Vor- und Nachnamen, Geburtsdaten, Staatsan gehörigkeit) der Be- schwerdeführenden wie auch ihren Verwandtschaftsgrad. Vor allem wurde aber ausdrücklich zugesichert, die Familie werde in Übereinstimmung mit dem Rundschreiben vom 8. Juni 2015 untergebracht. Damit liegt eine aus- drückliche aktuelle Übernahmeerklärung vor, aus welcher hervorgeht, dass Italien den Familiencharakter der zu übernehmenden Personen anerkennt und die Familie im Sinne der Zusicherungen an die Dublin-III-Partner fami- liengerecht unterbringen wird, unbesehen dessen, dass das Rundsch rei- ben bereits vom 8. Juni 2015 datiert. 6.2.3. Die Beschwerdeführenden haben kein konkretes und ernsthaftes Ri- siko dargetan, die italienischen Behörden würden sich weigern, sie aufzu- nehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln d er Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Italien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und die Beschwerdeführen- den zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwun- gen zu werden. Die Beschwerdeführenden haben ausserdem nicht darge- tan, die sie bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Italien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Sie haben auch nicht konkret dargelegt, Italien würde ihnen dauerhaft die ihnen gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei einer vorübergehenden Einschränkung können sie sich nötigenfalls an die italienischen Behörden wenden und die ihnen zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 7. Gestützt auf die Ausführungen de r Beschwerdeführenden ist sodann zu prüfen, ob die Anwesenheit ihrer Verwandten i n der Schweiz einer Über- stellung im Rahmen des vorliegenden Dublin-Verfahrens entgegensteht. 7.1. Der Vater und die Geschwister der Beschwerdeführerin sind zwar hier- zulande aufenthaltsberechtigt (Vater: Asylstatus seit dem […], Schwester: als Flüchtling vorläufig aufgenommen seit dem […], Bruder: als Flüchtling F-905/2017 Seite 15 vorläufig aufgenommen seit dem […] [vgl. Einträge im Zentralen Migrati- onssystem (ZEMIS)]). Da sie jedoch nicht als Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO gelten, fällt eine Anwendung von Art. 9 Dub- lin-III-VO und damit eine Begründung der Zuständigkeit der Schweiz aus- ser Betracht. 7.2. Im Weiteren sind auch die in Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO erwähnten Ermessensdeterminanten (Schwangerschaft, neugeborenes Kind, schwe- re Krankheit, ernsthafte Behinderung, hohes Alter), welche eine Unterstüt- zung der Verwandten erfordern würden, nicht erfüllt. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführenden (Verdacht auf Anpassungs- störung, Anämie und eine psychosoziale Überlastungsstörung bei der Be- schwerdeführerin, Mangelernährung bei beiden Söhnen und Anämie beim jüngsten Sohn) sind weder als schwere Krankheit noch als ernsthafte Be- hinderung einzustufen. Eine schwere Krankheit, welche gemäss der Rechtsprechung des Europäisc hen Gerichtshofs (EuGH) einer Dublin - Rückführung entgegenstehen würde (siehe im Ergebnis das Urteil des EuGH vom 16. Februar 2017 C-578/16), kann vorliegend ausgeschlossen werden. Darüber hinaus muss eine familiäre Bindung – ungeachtet des- sen, dass eine so lche bereits im Heimatland beziehungsweise in H._______ bestanden haben soll – verneint werden, zumal die Beschwer- deführerin erst am 19. Oktober 2016 in die Schweiz einreiste, ihre Ver- wandten sich indessen bereits seit mehreren Jahren hier aufhalten (Ein- reise Vater: 1. Februar 2011, Schwester: 4. November 2008, Bruder: 24. Oktober 2012 [vgl. Einträge im ZEMIS]). Aus dem Wunsch nach einem Zusammenleben in der Schweiz vermögen die Beschwerdeführenden nach dem Gesagten nichts für sich abzuleiten. Dass sich ihre Verwandten rechtmässig in der Schweiz aufhalten und in der Lage sind, ihre Unterstüt- zungsaufgabe wahrzunehmen, kann zu keiner anderen Einschätzung füh- ren. 8. Entgegen anderslautender Einschätzung sind im vorliegenden Fall auch die Voraussetzungen von Art. 8 EMRK nicht erfüllt. 8.1. Der Familienbegriff gemäss Art. 8 EMRK erfasst zwar über die Kern- familie hinausgehend auch die Beziehungen zwischen allen nahen Ver- wandten, die in der Familie eine wesentliche Rolle spielen können. Aller- dings setzt im Verhältnis zwischen diesen Verwandten ausserhalb der Kernfamilie die Berufung auf den Grundsatz der Familieneinheit gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts – nebst einer nahen, F-905/2017 Seite 16 echten und tatsächlich gelebten Beziehung – grundsätzlich ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis voraus (BVGE 2008/47 E. 4.1.1 S. 677 f.). 8.2. Vorliegend fehlt es indessen schon an einer gelebten Beziehung im Sinne der Rechtsprechung, da sich die Verwandten – wie schon erwähnt – bereits seit mehreren Jahren in d er Schweiz aufhalten, hingegen die Be- schwerdeführerin ihr Asylgesuch erst im Oktober 2016 einreichte. Im Wei- teren steht a ufgrund der Akten zwar fest, dass die alleinstehende Be- schwerdeführerin mit der Betreuung ihrer drei Kinder überfordert und auf entsprechende Unterstützung und Hilfe angewiesen ist. Es ist deshalb durchaus nachvollziehbar, dass sie sich familiäre Unterstützung wünscht und ihre Verwandten ihr und den Kindern zur Seite stehen möchten. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz sind jedoch keine Anhaltspunkte er- sichtlich, dass die Verwandten für diese Unterstützung unentbehrlich wä- ren. Wenn die Vorinstanz in der Vernehmlassung hervorgehoben hat, die Beschwerdeführerin habe vor der Ankunft in der Schweiz etliche Jahre lang ein selbstständiges Leben geführt, ist dies nicht – wie in der Replik bean- standet wird – eine blosse Vermutung, sondern dahingehend aufzufassen, dass die Beschwerdeführerin vor der Einreise in die Schweiz mehrere Jahre ohne Unterstützung ihrer hier lebender Verwandten ausgekommen ist. Die Vorinstanz hat in der Vernehmlassung denn auch verdeutlicht, dass die Beschwerdeführerin ihre zwei Söhne ohne die Hilfe ihrer in der Schweiz lebender Verwandten – und angeblich auch ohne den Kindsvater – in Eri- trea und in H._______ grossgezogen habe. Wie bereits erwähnt wurde, hat Italien in seiner Übernahmeerklärung den Familiencharakter der Beschwerdeführenden anerkannt und wird die Fa- milie im Sinne der Zusicherungen an die Dublin-III-Partner familiengerecht unterbringen (vgl. E. 6.2.2). Es darf davon ausgegangen werden, dass da- bei auch das gemäss Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. Novem- ber 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) zu berücksichti- gende Kindeswohl nicht ausser Acht gelassen wird. Sollte die Beschwer- deführerin bei der Betreuung ihrer Kinder mit Schwierigkeiten konfrontiert sein, wird sie auch in Italien die Möglichkeit haben, die Hilfe von Behörden beziehungsweise karitativen Organ isationen in Anspruch zu nehmen. Ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der Rechtsprechung zwischen den Beschwerdeführenden und ihren Verwandten ist nac h dem Gesagten zu verneinen, weshalb eine Rückführung nach Italien keine Ver- letzung von Art. 8 EMRK darstellt. F-905/2017 Seite 17 9. Auch der Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden steht einer Über- stellung nicht entgegen. 9.1. Nach der Rechtsprechung des EGMR zu Art. 3 EMRK, die bei der Aus- legung von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta zu berücksichtigen ist, kann das durch eine natürlich auftretende physische oder psychische Erkran- kung entstehende Leiden unter Art. 3 EMRK fallen, wenn es durch eine von den Behörden zu verantwortende Behandlung – die sich aus Haftbedin- gungen, einer Ausweisung oder anderen Massnahmen ergeben kann – verschlimmert wird oder zu werden droht, sofern das dadurch entstehende Leiden das nach diesem Arti kel erforderliche Mindestmass der Schwere erreicht (vgl. Urteil des EuGH vom 16. Februar 2017 C-578/16 Rn. 68, mit Hinweis auf das Urteil des EGMR Paposhvili vs. Belgien [Beschwerde Nr. 41738/10] vom 13. Dezember 2016, §§ 174 und 175). Angesichts des all- gemeinen und absoluten Charakters von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta sind diese grundsätzlichen Erwägungen auch im Rahmen des Dublin-Sys- tems relevant (vgl. Urteil des EuGH vom 16. Februar 2017 C-578/16 Rn. 69). Gemäss der neuesten Rechtsprechung des EGMR ist eine Abschie- bung vor dem Hintergrund des Art. 3 EMRK nicht nur unzulässig, wenn der Tod des abzuschiebenden Ausländers unmittelbar bevorsteht. Besondere Ausnahmefälle, die einer Abschiebung entgegenstehen können, sind auch dann anzunehmen, wenn stichhaltige Gründe dargelegt werden, dass der Betroffene mit einem realen Risiko konfrontiert würde, wegen des Fehlens angemessener Behandlung im Zielstaat der Abschiebung oder des fehlen- den Zugangs zum Gesundheitssystem einer ernsten, raschen und unwie- derbringlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustands ausgesetzt zu sein, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung de r Lebenserwartung führen (vgl. Urteil Paposhvili vs. Belgien, § 183). Bei der Prüfung der Umstände im Zielstaat der Abschiebung ist insbesondere zu berücksichtigen, ob Betroffene auch tatsächlich Zugang zur notw endigen Behandlung haben. Entscheidend ist dabei nicht der Standard der medizi- nischen Versorgung im wegweisenden Staat. Es muss mit anderen Worten nicht geprüft werden , ob die Versorgung im Ziel staat gleichwertig oder schlechter ist als diejenige im wegweisenden Staat. Ebenso wenig kann aus Art. 3 EMRK ein Recht auf eine besondere Behandlung im Zielstaat abgeleitet werden, welche für den Rest der Bevölkerung nicht verfügbar ist (vgl. a.a.O., § 189). 9.2. Besondere Ausnahmefälle, die einer Überstellung nach Italien entge- genstehen könnten, sind vorliegend nicht ersichtlich . Die Beschwerde - führenden konnten nicht nachweisen, dass sie nicht reisefähig seien oder F-905/2017 Seite 18 eine Überstellung ihre Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Ihr Gesund- heitszustand vermag eine Unzulässigk eit im Sinne der erwähnten Recht- sprechung nicht zu rechtfertigen. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind auch nicht von einer derartigen Schwere, dass aus humanitären Grün- den von einer Überstellung abgesehen werden müsste. Im Übrigen ist allgemein bekannt, dass Italien über eine ausreichende me- dizinische Infrastruktur verfügt, welche auch Asylsuchenden zugänglich ist. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbe- dingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychi- schen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnah- merichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die erfor- derliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Auf- nahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Italien seinen Ver- pflichtungen im Rahmen der Dub lin-III-VO in medizinischer Hinsicht nicht nachkommen und den Beschwerdeführenden eine adäquate Behandlung verweigern würde. Die in der Schweiz in Anspruch genommene medizini- sche Behandlung und Betreuung (vgl. Untersuchungsbericht des Kinder- spitals K._______ vom 10. Januar 2017 und ärztliches Zeugnis der Haus- ärztin vom 8. Februar 2017) ist auch in Italien erhältlich. 10. Zusammenfassend besteht kein konkretes und ernsthaftes Risiko, dass die Überstellung der Beschwerdeführenden nach Italien gegen Art. 3 EMRK oder andere völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz oder Landes- recht verstossen würde. Demnach ist insgesamt kein Grund für eine An- wendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO ersichtlich und es bleibt an dieser Stelle festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutz- suchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3), weshalb die Beschwerde- führenden aus ihrem Wunsch nach einem Verbleib in der Schweiz nichts zu ihren Gunsten ableiten können. Dem SEM kommt bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermes- sen zu (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten sind keine Hi nweise auf eine gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch die Vorinstanz zu entnehmen. Unter diesen Umständen ent- hält sich das Bundesverwaltungsgericht weiterer Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts. F-905/2017 Seite 19 11. Das SEM ist na ch dem Gesagten zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. Da die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung sind, wurde die Überstellung nach Italien in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeord- net (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 12. Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 13. In Anbetracht der Umstände ist die Beschwerde abzuweisen und die Ver- fügung des SEM zu bestätigen. Auf die weiteren Vorbringen und Beweis- mittel braucht bei dieser Sachlage nicht näher eingegangen zu werden. 14. 14.1. Ausgangsgemäss wären die Kosten grundsätzlich den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem aber mit Zwi- schenverfügung vom 16. Februar 2017 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheis- sen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 14.2. Aufgrund ihres Unterliegens wird den Beschwerde führenden keine Parteientschädigung ausgerichtet. (Dispositiv nächste Seite) F-905/2017 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand: