<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 68 S.288</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">288</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>68</b></span> <span class="ft2"><b>Kostengutsprache. Legitimation zur Stellung des Gesuchs und zur Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schwerdeführung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Das Kostengutsprachegesuch kann auch von der Institution oder Per-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>son gestellt werden, zu deren Gunsten die Kostengutsprache verlangt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wird (Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Zur Beschwerde gegen die Verweigerung der Kostengutsprache ist die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Institution nicht legitimiert (Erw. 4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 15. Januar 2003 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen Stiftung H. und C.L. gegen Entscheid des Regierungsrats.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. a) Anspruch auf materielle Hilfe hat grundsätzlich der Hilfe-</span><br/> <span class="ft1">suchende persönlich. Seine Verhältnisse sind massgebend beim Ent-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">289</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">scheid, ob materielle Hilfe zu gewähren ist. Im Regelfall wird des-</span><br/> <span class="ft1">halb er als Gesuchsteller auftreten. Bezüglich Gutsprachen bestimmt</span><br/> <span class="ft1">nun § 17 Abs. 1 SHV, dass solche "bei materieller Notlage auf Ansu-</span><br/> <span class="ft1">chen hin zu erteilen (sind), insbesondere an Ärzte, Zahnärzte, Apo-</span><br/> <span class="ft1">theken, Spitäler, Kliniken und Heime". Wer Gesuchsteller sein kann,</span><br/> <span class="ft1">wird in § 17 ff. SHV nicht näher ausgeführt. Immerhin fällt auf, dass</span><br/> <span class="ft1">sonst generell von "Hilfesuchenden" die Rede ist, im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">mit Kostengutsprachen aber von "Gesuchstellern". Dies, wie auch</span><br/> <span class="ft1">die Formulierung, dass Gutsprachen <i>an</i> Ärzte usw. erteilt werden,</span><br/> <span class="ft1">deutet darauf hin, dass auch diejenigen Personen oder Institutionen,</span><br/> <span class="ft1">zu deren Gunsten die Gutsprache erteilt wird (im Folgenden als ge-</span><br/> <span class="ft1">suchstellende Institution bezeichnet), ein entsprechendes Gesuch</span><br/> <span class="ft1">einreichen können.</span><br/> <span class="ft1">Der Argumentation im angefochtenen Entscheid ist sicher in-</span><br/> <span class="ft1">soweit zu folgen, als Kostengutsprachen nicht gegen den Willen der</span><br/> <span class="ft1">hilfsbedürftigen Person zu erteilen sind. Daraus kann aber noch nicht</span><br/> <span class="ft1">geschlossen werden, ein Gesuch, das nicht vom Hilfesuchenden</span><br/> <span class="ft1">selber oder in dessen <i>formeller</i> Vertretung gestellt worden sei, sei</span><br/> <span class="ft1">ungültig und eine gestützt darauf ergehende Verfügung nichtig. Ein</span><br/> <span class="ft1">derartiger Schluss ist durch kein ausreichendes sachliches Interesse</span><br/> <span class="ft1">gedeckt und daher übertrieben formalistisch. Der Ansatz der SHV,</span><br/> <span class="ft1">wonach die durch eine Kostengutsprache begünstigten Personen und</span><br/> <span class="ft1">Institutionen selbst ein Gesuch einreichen können, erscheint reali-</span><br/> <span class="ft1">tätsnaher. Allerdings ändert dies nichts daran, dass es sich um ein</span><br/> <span class="ft1">Gesuch <i>für die hilfsbedürftige Person</i> handelt. Geht ein solches Ge-</span><br/> <span class="ft1">such einer gesuchstellenden Institution ein, das für eine hilfsbedürf-</span><br/> <span class="ft1">tige Person, aber nicht in deren formeller Vertretung eingereicht</span><br/> <span class="ft1">wurde, hat die zuständige Behörde, wenn sich das Einverständnis</span><br/> <span class="ft1">nicht aus den Umständen ergibt, zu klären, ob die hilfsbedürftige</span><br/> <span class="ft1">Person mit dem Gesuch einverstanden ist. Dies geschieht, indem sie</span><br/> <span class="ft1">diese entweder direkt anfragt oder von der gesuchstellenden Institu-</span><br/> <span class="ft1">tion die Einreichung einer entsprechenden Bestätigung verlangt. Der</span><br/> <span class="ft1">Sachverhalt ist vergleichbar mit demjenigen, wo ein Vertreter auftritt,</span><br/> <span class="ft1">ohne sogleich das Vertretungsverhältnis durch eine schriftliche Voll-</span><br/> <span class="ft1">macht zu belegen (vgl. § 18 Abs. 2 VRPG; AGVE 1978, S. 142 f.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">290</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">b) Im vorliegenden Fall reichte die Stiftung H. (Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rerin 1) das Gesuch vom 8. März 2001 "für Frau C.L." (Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin 2) ein. Da der Gemeinderat seine Verfügung nicht auch an</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführerin 2 zustellte, ist zu vermuten, dass er von</span><br/> <span class="ft1">einem Vertretungsverhältnis ausging. Wenn er auf Abklärung ver-</span><br/> <span class="ft1">zichtete, musste er die Vertretung oder jedenfalls das Einverständnis</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin 2 annehmen (AGVE 1978, S. 143). Dies lag</span><br/> <span class="ft1">denn auch nahe. Die Beschwerdeführerin 2 hatte ja schon früher ein</span><br/> <span class="ft1">gleichgerichtetes Kostengutsprachegesuch gestellt und in der Zwi-</span><br/> <span class="ft1">schenzeit die Therapie bei der Stiftung begonnen. Von Nichtigkeit</span><br/> <span class="ft1">der Verfügung des Gemeinderats kann keine Rede sein.</span><br/> <span class="ft1">4. a) aa) Auch wenn die Einreichung eines Kostengutsprache-</span><br/> <span class="ft1">gesuchs im Interesse der hilfsbedürftigen Person als zulässig be-</span><br/> <span class="ft1">zeichnet wird, führt dies nicht notwendigerweise zum Schluss, dass</span><br/> <span class="ft1">der gesuchstellenden Institution ein eigener Anspruch zusteht, den</span><br/> <span class="ft1">sie in eigenem Namen insbesondere auch im Rechtsmittelverfahren</span><br/> <span class="ft1">vertreten und durchsetzen kann. Zutreffend führt die Vorinstanz aus,</span><br/> <span class="ft1">Zweck der materiellen Hilfe sei nicht die finanzielle Absicherung</span><br/> <span class="ft1">von Therapieeinrichtungen, sondern ausschliesslich die Unterstüt-</span><br/> <span class="ft1">zung der hilfsbedürftigen Person. Dies gilt unabhängig davon, ob die</span><br/> <span class="ft1">materielle Hilfe direkt an den Hilfesuchenden oder an Dritte (z.B.</span><br/> <span class="ft1">Vermieter, Krankenkasse usw.) ausbezahlt wird. Ein direktes Forde-</span><br/> <span class="ft1">rungsrecht des Dritten (analog zu Art. 112 Abs. 2 OR beim Vertrag</span><br/> <span class="ft1">zugunsten Dritter), das gegebenenfalls dessen Beschwerdelegitima-</span><br/> <span class="ft1">tion begründen könnte, ist nur zu bejahen, wenn eine entsprechende</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Regelung besteht oder wenn die Sozialbehörde einem</span><br/> <span class="ft1">Dritten Zusicherungen abgibt, auf die sich dieser nach dem Vertrau-</span><br/> <span class="ft1">ensgrundsatz berufen kann. Diese Überlegungen gelten nicht nur für</span><br/> <span class="ft1">Zahlungen, sondern in gleicher Weise mit Bezug auf Kostengutspra-</span><br/> <span class="ft1">chen. ...</span><br/> <span class="ft1">bb) Gemäss § 38 Abs. 1 VRPG kann Verfügungen und Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheide durch Beschwerde anfechten, wer ein schutzwürdiges ei-</span><br/> <span class="ft1">genes Interesse geltend macht. Die Beschwerdebefugnis oder</span><br/> <span class="ft1">-legitimation setzt also ein <i>eigenes</i> Interesse voraus. Beschwerden zu</span><br/> <span class="ft1">Gunsten Dritter sind nur in Ausnahmefällen zulässig (siehe Michael</span><br/> <span class="ft1">Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkotrollverfahren nach dem</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">291</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege [Kommentar</span><br/> <span class="ft1">zu den §§ 38-72 VRPG], Diss. Zürich 1998, § 38 N 136), in der</span><br/> <span class="ft1">Regel auf Grund ausdrücklicher Bestimmungen oder bei Sachver-</span><br/> <span class="ft1">halten, wo sich der Beschwerdeführer zwar selber auf Vertrauens-</span><br/> <span class="ft1">schutz berufen, aber nicht Leistung an sich selber beantragen kann.</span><br/> <span class="ft1">Ein bloss indirektes Interesse, wie es vor allem der Vertragspartner</span><br/> <span class="ft1">eines Leistungsempfängers hat, reicht nicht aus. So hat das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht entschieden, eine Elektroheizungsfirma, die namens</span><br/> <span class="ft1">verschiedener Bauherren um den Anschluss von elektrischen Raum-</span><br/> <span class="ft1">heizungen nachgesucht hatte, könne gegen die Ablehnung des Ge-</span><br/> <span class="ft1">suchs nicht im eigenen Namen Beschwerde führen. Es genüge nicht,</span><br/> <span class="ft1">dass sie nach der Verweigerung der Anschlussbewilligung keine</span><br/> <span class="ft1">Aussicht auf die Lieferung und Installation ihrer Elektroheizungen</span><br/> <span class="ft1">mehr habe (AGVE 1985, S. 353 ff., mit Beispielen von Ausnahme-</span><br/> <span class="ft1">fällen auf S. 357). Dabei spiele es insbesondere auch keine Rolle,</span><br/> <span class="ft1">dass das ursprüngliche Gesuch von der Firma selber und nicht von</span><br/> <span class="ft1">den Bauherren eingereicht worden sei.</span><br/> <span class="ft1">cc) Aus den vorangehenden Ausführungen ergibt sich ohne</span><br/> <span class="ft1">weiteres, dass der Beschwerdeführerin 1 die Legitimation fehlte, im</span><br/> <span class="ft1">eigenen Namen gegen die Verfügung des Gemeinderats Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">zu führen; sie durfte lediglich selber ein Gesuch stellen. Der vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gende Fall ist in den wesentlichen Punkten gleich gelagert wie das</span><br/> <span class="ft1">erwähnte Präjudiz und deshalb auch gleich zu entscheiden.</span><br/> <span class="ft1">Aus dem angerufenen Entscheid des Regierungsrats vom</span><br/> <span class="ft1">23. Oktober 1996 ergibt sich nichts Abweichendes. Die von der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin 1 für die dortige hilfsbedürftige Person verfasste</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde ans Bezirksamt wurde von der hilfsbedürftigen Person</span><br/> <span class="ft1">mit unterschrieben, sodass diese selbst (ebenfalls) als Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin auftrat.</span><br/> <span class="ft1">b) Nachdem das ursprüngliche Gesuch noch Hinweise auf ein</span><br/> <span class="ft1">mögliches Vertretungsverhältnis enthalten hatte (vorne, Erw. 3/b),</span><br/> <span class="ft1">nicht aber die Beschwerde der Beschwerdeführerin 1 ans Bezirks-</span><br/> <span class="ft1">amt, hätte richtigerweise schon dem Bezirksamt die später vom Ge-</span><br/> <span class="ft1">sundheitsdepartement am 10. September 2002 vorgenommene Ab-</span><br/> <span class="ft1">klärung oblegen. ... Weil die Beschwerdeführerin 1 in ihrer Antwort</span><br/> <span class="ft1">auf die Anfrage vom 10. September 2002 ausdrücklich bestätigte, das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">292</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Begehren um Kostengutsprache aus eigenem Recht geltend zu</span><br/> <span class="ft1">machen und sich nicht, unter Vorlage einer entsprechenden Voll-</span><br/> <span class="ft1">macht, auf die Vertretung der Beschwerdeführerin 2 berief, verneinte</span><br/> <span class="ft1">der Regierungsrat zutreffend ihre Beschwerdelegitimation. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">hauptung der Beschwerdeführerin 1, sie habe wegen der materiellen</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung durch den Gemeinderat und das Bezirksamt nach Treu</span><br/> <span class="ft1">und Glauben nicht mit einem Nichteintretensentscheid rechnen müs-</span><br/> <span class="ft1">sen, ist angesichts der Anfrage vom 10. September 2002 nicht nach-</span><br/> <span class="ft1">vollziehbar. Diese machte erkennbar nur Sinn, wenn das instruie-</span><br/> <span class="ft1">rende Gesundheitsdepartement an der selbstständigen Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">legitimation der Beschwerdeführerin 1 zweifelte. Deren eigene Stel-</span><br/> <span class="ft1">lungnahme vom 16. September 2001 lässt sich nicht nachträglich</span><br/> <span class="ft1">unter Berufung auf Treu und Glauben beseitigen. Der vorinstanzliche</span><br/> <span class="ft1">Nichteintretensentscheid erweist sich damit als korrekt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>