B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4700/2015 pjn U r t e i l v o m 1 9 . O k t o b e r 2 0 1 6 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), alle Syrien, alle vertreten durch lic. iur. Jürg Walker, Fürsprech und Notar, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisung); Verfügung des SEM vom 30. Juni 2015 / N (…). D-4700/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden, syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie, verliessen ihr Heimatland ungefähr im Herbst 2013 in Richtung E._______, wo sie sich während etwa eines Jahres aufgehalten hätten. Nach Erhalt des Visums für die Schweiz reisten sie über den Luftweg von F._______ nach G._______. Am 21. Oktober 2014 ersuchten sie um Asyl. Am 5. No- vember 2014 fand die Befragung zur Person im Empfangs- und Verfahren- szentrum H._______ statt und am 22. April 2015 führe das SEM die Anhö- rungen durch. Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe seit seiner Kindheit bis zur Ausreise in I._______ gelebt. Im Jahr 2006 sei die Fabrik des Schwagers, in welcher er gearbeitet habe, abgebrannt worden. Dabei habe er Brand- verletzungen am Arm und am Rücken erlitten. Anschliessend sei er von der Regierung einvernommen und beschuldigt worden, Waren nach J._______ verkauft zu haben. Während eines Monats sei er in Untersuchungshaft festgehalten und gegen Bestechungsgeld freigelassen worden. In der Folge habe er ein bis zwei Mal pro Monat bei der Polizei seine Unterschrift leisten müssen, damit man über seinen Aufenthaltsort Bescheid gewusst habe. Im Jahr 2012 sei er an einer Strassensperre festgenommen und auf- gefordert worden, als Spitzel für die Regierung zu arbeiten, indem er hätte SIM-Karten dort abwerfen sollen, wo sich bewaffnete Kämpfer aufgehalten hätten. Da er dies nicht habe tun wollen, sei er E._______ gereist. Die Beschwerdeführerin stamme aus K._______ und habe seit 2009 mit ihrem Ehemann und den Kindern in I._______ gelebt. Sie sagte anlässlich der Befragung, selber keine Schwierigkeiten gehabt zu haben, sondern wegen der Probleme des Ehemannes ausgereist zu sein. Anlässlich der Anhörung machte sie hingegen geltend, zwischen 2011 und 2012 mehr- mals mitgenommen, zu ihrem Ehemann befragt und bedroht worden zu sein. Daraufhin sei sie E._______ ausgereist. Die Beschwerdeführenden gaben zum Nachweis ihrer Identität zwei Iden- titätskarten, ein Familienbüchlein, ein Militärbüchlein und drei syrische Rei- sepässe zu den Akten. Dennoch sagten sie anlässlich der Befragung, nie Reisepässe beantragt oder gehabt zu haben. B. Mit Verfügung vom 30. Juni 2015 – eröffnet am 1. Juli 2015 – stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht D-4700/2015 Seite 3 erfüllten, und lehnte ihre Asylgesuche ab . Sie wurden aus der Schweiz weggewiesen; der Vollzug der Wegweisung wurde indessen infolge Unzu- mutbarkeit aufgeschoben und die Beschwerdeführenden vorläufig aufge- nommen. Der zuständige Kanton wurde mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme beauftragt. Auf die Begründung wird in den nachfolgenden Er- wägungen näher eingegangen. C. Mit Beschwerde vom 15. September 2015 liessen die Beschwerdeführen- den über ihre Rechtsvertretung beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Beschwerdeführenden seien als Flüchtlinge anzuer- kennen und es sei ihnen Asyl zu gewähren, eventuell seien die Beschwer- deführenden als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen und im Fall einer Ab- weisung der Beschwerde im Hauptpunkt sei die vom SEM angeordnete vorläufige Aufnahme zu bestät igen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht er- suchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um unentgeltliche Rechtsverbeiständung. Zur Begründung wird in den nach- folgenden Erwägungen Stellung genommen. D. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 17. Septem- ber 2015 wurde n die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung und um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes abgewiesen und die Beschwerdeführenden zur Bezahlung eines Kosten- vorschusses innert der ihnen a ngesetzten Frist aufgefordert. Ferner wur- den sie angewiesen, innert Frist schriftliche Einverständnisse derjenigen Personen nachzureichen, in deren Dossier das Bundesverwaltungsge- richts Einsicht nehmen soll. Den Beschwerdeführenden wurde zudem eine Frist zur Stellungnahme gewährt. E. Mit Eingabe vom 19. August 2015 reichten die Beschwerdeführenden eine Stellungnahme zu den Akten. Der Eingabe lagen drei schriftliche Erklärun- gen und eine Fürsorgebestätigung bei. F. Der verlangte Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt. G. Mit Eingabe vom 5. September 2016 machte der Beschwerdeführer gel- tend, er sei seiner zivilen und bürgerlichen Rechte beraubt worden, wie das D-4700/2015 Seite 4 beiliegende Dokument belege. Somit sei er staatenlos. Das Dokument sei per Kurier aus E._______ gekommen, wie aus den ebenfalls beigelegten Begleitpapieren ersichtlich sei. Eine Übersetzung liege bei. Unter diesen Umständen könne er auf normalem Weg keinen Reisepass mehr erhalten, weil er nicht mehr syrischer Staatsangehöriger sei. Dies habe er schon an- lässlich der Bundesanhörung erwähnt. Hintergrund der faktischen Ausbür- gerung bilde die Fabrik seines Schwagers, in welcher er gearbeitet habe und welche (…) nach J._______ exportiert habe, was er jedoch nicht ge- wusst habe. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 108 Abs. 2 AsylG ; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Besetzung D-4700/2015 Seite 5 mit drei Richtern oder drei Richterinnen. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG kann auch in diesen Fällen auf die Durchführung eines Schriften- wechsels verzichtet werden. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefäl schte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 In seiner Verfügung vom 30. Juni 2015 legte das SEM dar, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden insgesamt nicht glaubhaft ausgefal- len seien. So habe der Beschwerdeführer unterschiedliche Angaben über den Zeitpunkt des Brandes der Fabrik, die Identität der Täter und deren Motivation zu Protokoll gegeben. Es sei indessen zu erwarten, dass er die Kernelemente eines Ereignisses, das ihn aufgrund der schweren Verbren- nungen und der geltend gemachten behördlichen Belästigungen über Jahre hinweg geprägt haben müsse, stimmig hätte wiedergeben können. Somit könne ihm nicht geglaubt werden, dass sich der Brand der Fabrik so zugetragen habe, wie er von ihm geltend gemacht worden sei. Auch das Datum der Ausreise habe der Beschwerdeführer unterschiedlich angege- ben. Während dies gemäss der einen Version im Anschluss an die Auffor- derung, als Spitzel tätig zu sein, beziehungsweise im Dezember 2012 ge- wesen sei, habe er gemäss einer weiteren Version angegeben, Syrien Ende 2013 beziehungsweise vor einem Jahr (anlässlich der Befragung vom 5. November 2014) verlassen zu haben. Auch die Beschwerdeführerin D-4700/2015 Seite 6 habe sich in diese Widersprüchlichkeiten verwickelt. Die Beschwerdefüh- renden hätten diese Widersprüchlichkeiten nicht plausibel erklären kön- nen. Unter diesen Umständen sei davon auszugehen, dass die Beschwer- deführenden Syrien tatsächlich erst 2013 verlassen und ihre Vorbringen nachträglich angepasst hätten, um das Vorbringen, der Beschwerdeführer sei als Spitzel angeheuert worden, unterbringen zu können. Unter diesen Umständen sei davon auszugehen, dass sich dieses Vorbringen nie oder nicht wie geschildert zugetragen habe. Als widersprüchlich sei auch die An- gabe zu werten, nie einen Reisepass besessen zu haben, diesen indessen zu den Akten zu geben. Unter diesen Umständen seien erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen angeb racht. Ferner habe die Be- schwerdeführerin nachträglich anlässlich der Anhörung dargelegt, sie sei zwischen 2011 und 2012 drei oder vier Mal mitgenommen und während eineinhalb bis zwei Stunden zu ihrem Ehemann befragt und bedroht wor- den. Demgegenüber habe sie anlässlich der Befragung nur erklärt, wegen der Probleme ihres Ehemannes ausgereist zu sein. Ihr Einwand im Zusam- menhang mit der Konfrontation dieser unterschiedlichen Angaben, nämlich sie habe die Mitnahmen auch anlässlich der Befragung erwähnt, diese seien indessen nicht protokolliert worden, und überdies habe sie sich mit der dolmetschenden Person wegen deren Dialekts nicht richtig verständi- gen können, würden indessen nicht gelten. Aufgrund der widersprüchli- chen und nachgeschobenen Vorbringen könnten die Aussagen der Be- schwerdeführenden nicht geglaubt werden. Es sei davon auszugehen, dass sie von den syrischen Behörden nicht in dem von ihnen geschilderten Kontext behelligt worden seien. 5.2 In ihrer Beschwerde vom 31. Juli 2015 legten die Beschwerdeführen- den Folgendes dar: 5.2.1 Zunächst wandten sie ein, dass sie in der Schweiz Kontakt zu aner- kannten Flüchtlingen hätten, welche in Syrien verfolgt worden seien oder mit einer Verfolgung rechnen müssten. Folglich seien auch sie wegen einer drohenden Reflexverfolgung gefährdet. Dabei handle es sich um objektive – und nicht subjektive – Nachfluchtgründe, da sie nicht von den Beschwer- deführenden gesetzt worden, sondern einfach durch den Kontakt entstan- den seien. Es handle sich dabei um den Bruder des Beschwerdeführers L._______, und die beiden Schwager M._______ und N._______ M._______ sei der Partner des Beschwerdeführers gewesen und N._______ habe in der Fabrik mitgearbeitet. Sollten sie als Flüchtlinge an- erkannt werden, bestehe für den Beschwerdeführer eine Gefahr, zumal da- von auszugehen sei, dass die syrischen Behörden von den Kontakten in D-4700/2015 Seite 7 der Schweiz wüssten. Auch aus diesen Gründen seien sie als Flüchtlinge anzuerkennen und es sei ihnen Asyl zu gewähren, allenfalls müssten sie als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen werden. Mit dieser Frage habe sich das SEM nicht befasst. Im Fall einer Beendigung des Bürgerkrieges in Sy- rien sei der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden somit auch aufgrund der erwähnten Gefährdung ausgeschlossen. Das SEM habe sich jedoch im Zusammenhang mit der Gewährung der vorläufigen Aufnahme darauf beschränkt, die Beschwerdeführenden wegen des in Syrien herr- schenden Bürgerkrieges vorläufig aufzunehmen. 5.2.2 Überdies sei die Beschwerdeführerin infolge des Krieges in Syrien schwer traumatisiert. Sie scheine die Hilfe eines Psychiaters in Anspruch genommen zu haben. Eine Rückkehr nach Syrien sei für sie – auch nach Beendigung des Krieges – nicht zumutbar. Ähnlich verhalte es sich mit dem Beschwerdeführer, der ebenfalls ärztliche Hilfe habe in Anspruch nehmen müssen, wobei es hier um die Spätfolgen der Verbrennungen gehe. Eines der Kinder, bei welchem es sich um eine Frühge burt handle, leide eben- falls. Genaueres sei nicht bekannt, weil die medizinischen Akten im Rah- men der Akteneinsicht nicht herausgegeben worden seien. 5.2.3 Somit müsse im Urteil festgehalten werden, dass die vorläufige Auf- nahme nicht nur wegen des Bürgerkrieges angeordnet worden sei, son- dern wegen der Kontakte zu den als Flüchtlinge anerkannten Familienan- gehörigen und aus medizinischen Gründen. Nur dann könne verhindert werden, dass sich die Frage einer Aufhebung einer vorläufigen Aufnahme überhaupt stelle, wenn der Bürgerkrieg in Syrien einmal zu Ende ginge. 5.2.4 Ferner müsse sich das SEM bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit an die gesetzlichen Definitionen halten und dürfte keine eigenen Regeln ein- führen. Insbesondere dürfe das Protokoll der Befragung nicht überbewertet werden. Der Beweiswert dieses Protokolls sei niedriger als derjenige des Anhörungsprotokolls. Dies habe auch die damalige Asylrekurskommission (ARK) in einem Entscheid festgehalten. Danach dürften nur klare Aussa- gen verwendet werden. Auf Widersprüche dürfe nur geschlossen werden, wenn die Aussagen diametral von späteren abweichen würden. Somit dürfe auch vorliegend das Protokoll der Befragung nicht dazu verwendet werden, um Widersprüche zu konstruieren. Darüber hinaus sei beiden Be- schwerdeführenden gesagt worden, sie sollten sich anlässlich der Befra- gung kurz fassen, weil sie später Gelegenheit hätten, ihre Asylgründe aus- führlich zu schildern. D-4700/2015 Seite 8 5.2.5 Zudem habe der Beschwerdeführer nie von „seiner“, sondern von „unserer“ Fabrik gesprochen und damit zum Ausdruck gemacht, dass die Fabrik ihm und seinem Schwager gehört habe. Sie hätten die Fabrik als Partner betrieben. Seine Aussage anlässlich der Anhörung, wonach die Fabrik dem Schwager gehört habe, sei dahingehend zu verstehen, dass er dies den syrischen Behörden gegenüber so dargelegt habe, weil der Schwager bereits ausgereist gewesen sei. S omit liege kein Widerspruch vor. 5.2.6 Die Passage im Befragungsprotokoll, wonach man ihnen vorgewor- fen habe, Waren von J._______ anzunehmen, scheine die Folge eines Missverständnisses oder einer ungenauen Übersetzung zu sein, zumal die in der Fabrik hergestellten (…) exportiert worden seien und ihnen in Wirk- lichkeit vorgeworfen worden sei, diese nach J._______ zu exportieren . Ebenso verhalte es sich mit der protokollierten Angabe, in der Fabrik seien (…) hergestellt worden. Richtigerweise habe man (…) angefertigt. Die Vor- würfe, Waren nach J._______ geliefert zu haben, seien vor dem Brand er- hoben worden, was sich daraus ergebe, dass der Beschwerdeführer mit Bezug auf die Ereignisse vor dem Brand im Plural und damit von sich und seinem Schwager gesprochen habe, während nach dem Brand nur noch von seiner Person die Rede gewesen sei, weil die Behörden nur noch mit ihm gesprochen hätten, da sein Schwager inzwischen geflohen sei. Aus diesen Erklärungen ergebe sich, dass die vom SEM erwähnten Widersprü- che nicht gegeben seien. Im Übrigen könnten die Aussagen des Beschwer- deführers mit denjenigen seine r in der Schweiz anwesenden Schwager M._______ und N._______, welche beide in der erwähnten Fab rik gear- beitet hätten, überprüft werden. 5.2.7 Da beide Beschwerdeführenden mit Daten und Zeitbegriffen nicht viel anfangen könnten, hätten sie das effektive Ausreisedatum nicht beziffern können. Daraus könne indessen nicht einfach der Schluss gezogen wer- den, die Vorbringen seien nicht glaubhaft. Der Bruder des Beschwerdefüh- rers L._______ habe die Beschwerdeführenden im Rahmen der Visaer- leichterungen in die Schweiz eingeladen. Aus den Visa-Unterlagen ergebe sich, dass die erste Kontaktaufnahme am 29. November 20 13 erfolgt sei und man die Visa -Anträge am 20. Januar 2014 gestellt habe. Dabei sei festgestellt worden, dass sich die Beschwerdeführenden seit vier Monaten in O._______ aufhielten. Aufgrund dieser Angaben und der erfolgten Ein- reise in die Schweiz am 2. September 2013 seien diese Angaben mit den- jenigen anlässlich der Asylgesuche, wonach sie vor der Einreise in die D-4700/2015 Seite 9 Schweiz während etwa einem Jahr in O._______ gewesen seien, zu ver- einbaren. Gestützt auf diese Angaben sei indessen die Ausreise aus I._______ weder Ende 2012 noch Ende 2013 erfolgt, sondern Mitte 2013, woraus der Schluss zu ziehen sei, dass der Beschwerdeführer ungefähr in der ersten Hälfte des Jahres 2013 angeworben worden sein müsse. 5.2.8 Hinsichtlich der Angaben über die Reisepässe sei festzustellen, dass sich die Frage des Glaubhaftmachens nicht stelle, da sich die Reisepässe bei den Akten befänden. Es gebe somit keine Gründe für eine Diskussion darüber, ob die Beschwerdeführerin einen Reisepass besitze oder nicht. Das Gleiche gelte für die jenigen der Kinder. Man könne nichts zu ihren Ungunsten ableiten. 5.2.9 Bezüglich des Vorwurfs des SEM, die Beschwerdeführerin habe die erst anlässlich der Anhörung vorgebrachten Mitnahmen, Befragungen und Bedrohungen nachgeschoben, sei Folgendes festzuhalten: Zunächst seien beide Beschwerdeführenden angehalten worden, sich anlässlich der Be- fragung kurz zu fassen. Sodann habe die dolmetschende Person nicht al- les – insbesondere was ihr zu ausführlich erschienen sei – übersetzt. Des Weiteren habe die Beschwerdeführerin die dolmetschende Person nicht immer verstanden. Sie habe sich nicht zur Wehr gesetzt, weil sie sich ein- geschüchtert gefühlt habe. Ausserdem müsse auch berücksichtigt werden, dass sie an psychischen Problemen leide. Zudem habe sie anlässlich der Befragung korrekte Antworten gegeben, da sich die Verfolgung des syri- schen Staates nur gegen ihren Ehemann und nicht gegen sie gerichtet habe. Es handle sich somit um eine Art Reflexverfolgung. Dass der Ehe- mann vorher im Zusammenhang mit dem Brand der Fabrik inhaftiert wor- den sei, habe sie nicht mitbekommen, da sich dieser Vorfall drei Jahre vor der Heirat ereignet habe. 5.3 In der Zwischenverfügung vom 11. August 2015 wurde festgestellt, dass die Beschwerdebegehren a ussichtslos seien. Die Gesuche um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung eines un- entgeltlichen Rechtsbeistandes wurden abgewiesen. Für die Einzelheiten der Begründung wird auf die Zwischenverfügung verwiesen. 5.4 In ihrer Eingabe vom 19. August 2015 legten die Beschwerdeführenden dar, dass die im Jahr 2006 begonnene Verfolgung des Beschwerdeführers nicht als abgeschlossen gelten könne, da er aufgrund dieses Vorfalls re- gelmässig habe auf dem Posten der Sicherheitskräfte erscheinen und D-4700/2015 Seite 10 seine Unterschrift abgeben müssen. Diese Verfolgungsmassnahmen hät- ten ihn zur Flucht veranlasst. Zudem werde das Bundesverwaltungsgericht darum ersucht, beim Empfangszentrum P ._______ eine schriftliche Aus- kunft über die Praxis, dass dort befragte Asylsuchende sich kurz zu fassen hätten, einhole. Ferner helfe der Verweis auf die Rückübersetzung nichts, da der gleiche Übersetzungsfehler bei der Rückübersetzung wiederum vor- gekommen sein müsse. Das Protokoll werde nicht Satz für Satz, sondern integral rückübersetzt, weshalb es vorkommen könne, dass man etwas überhöre. Weiter bestehe kein Anlass, an den Daten der Einreise zu zwei- feln, weil diese aufgrund der Visa-Unterlagen feststünden. Ebenso sei die Passgeschichte irrelevant, weil keine Zweifel an der legalen Ausr eise der Beschwerdeführenden E._______ bestünden. Da die Akten der Personen, auf die sich die Beschwerdeführenden beziehen, noch gar nicht hätten bei- gezogen werden können, könne das Bundesverwaltungsgericht auch nicht feststellen, dass sich aus den Akten k eine Hinweise auf das Risiko einer Reflexverfolgung ergebe. Im Übrigen werde um Beizug der Akten der Re- ferenzpersonen ersucht. 6. 6.1 Nach Prüfung der Akten der Beschwerdeführenden und derjenigen ih- rer Verwandten (N […] N […] und N […]) gelangt das Bundesverwaltungs- gericht zum Schluss, dass ihre Vorbringen trotz des familiären Hinter- grunds nicht asylrelevant beziehungsweise nicht glaubhaft sind. Insgesamt geben die Erwägungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu keinen Beanstandungen Anlass, weshalb grundsätzlich auf diese zu ver- weisen ist. 6.2 Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden in erster Instanz keine Reflexverfolgung geltend gemacht hatten. Unter diesen Umständen kann der Vorinstanz nicht vorgeworfen werden, dass sie eine solche nicht geprüft hat, zumal sie dazu keinen Anlass hatte. 6.3 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im D-4700/2015 Seite 11 Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringe n der gesuchstellenden Person. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge- richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma- chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigu ng, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.3). 6.4 Vorliegend ist vorab auf die Erwägungen in der Zwischenverfügung vom 11. August 2015 zu verweisen, um unnötige Wiederholungen zu ver- meiden. 6.5 Sodann kann den Beschwerdeführenden nicht beigepflichtet werden, dass die „Passgeschichte“ irrelevant sei, weil sie die Reisepässe ja abge- geben hätten. Im Gegenteil sind ihre Aussagen anlässlich der Befragung, wonach sie keine Reisepässe beantragt und bekommen hätten, nicht zu vereinbaren mit der nachträglichen Einreichung der Reisepässe, was die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen grundsätzlich beschlägt, zumal sie mit die- sen Angaben wichtige Tatsachen bewusst falsch dargestellt haben (vgl. die vorangehenden Erwägungen unter Ziff. 6.3). Mit diesen bewussten Falsch- angaben haben sie nicht nur ihre persönliche Glaubwürdigkeit in Frage ge- stellt, sondern auch geg en die ihnen obliegende Mitwirkungs - und Wahr- heitspflicht nach Art. 8 AsylG verstossen, zumal sie bezüglich der erfragten Pässe weder die Wahrheit gesagt noch ihre Reisepässe im Empfangs- und Verfahrenszentrum anlässlich der Befragung abgegeben haben (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. b). Somit bestehen grundsätzliche Zweifel am Wahrheitsgehalt ihrer Vorbringen, was sich auch auf die Prüfung der übrigen Vorbringen auswirkt. 6.6 Ferner ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden gestützt auf die Aktenlage nicht in P._______, sondern in H._______ befragt wurden. Der Antrag im Beschwerdeverfahren, wonach das Bundesverwaltungsgericht um eine schriftliche Auskunft seitens des Empfangszentrums P ._______ D-4700/2015 Seite 12 bezüglich der Anweisung an die Asylsuchenden, sich kurz zu halten, er- sucht werde, ist somit im vorliegenden Fall obsolet und wird deshalb abge- lehnt. Aus den Protokollen gehen im Übrigen weder entsprechende Anwei- sungen hervor noch ergibt sich anderweitig aus dem protokollierten Ablauf, dass solche Anweisungen erteilt wurden. Vielmehr zeigen die beiden Be- fragungsprotokolle, dass den Beschwerdeführenden mehrere Möglichkei- ten zur Äusserung zur Verfügung standen, weshalb ihnen nicht geglaubt werden kann, sie hätten anlässlich der Befragung nicht alle wesentlichen Ausreisegründe zumindest ansatzweise vorbringen können. So konnten sie zuerst von sich aus frei berichten, weshalb sie ihr Heimatland verlassen haben und in der Schweiz um Asyl ersuchen . Sodann wurden sie im An- schluss an diesen kurzen Bericht zum ersten Mal gefragt, ob dies alle Gründe seien, weshalb sie ihr Heimatland verlassen hätten, was von bei- den Beschwerdeführenden bejaht wurde (vgl. Akten A7/12 S. 7 Ziff. 7.01 und A10/11 S. 7 Ziff. 7.01). Des Weiteren wurden ihnen konkrete Fragen zu ihren Vorbringen gestellt, und im Anschluss daran wurden sie ein weite- res Mal gefragt, ob es weitere Gründe gebe, die sie noch nicht erwähnt hätten, welche gegen eine allfällige Rückkehr ins Heimatland sp rächen, was wiederum von beiden Beschwerdeführenden verneint wurde (vgl. a.a.O. S. 8 bzw. S. 7 Ziff. 7.03). Schliesslich hatten sie am Ende der Befra- gung ein drittes Mal die Möglichkeit, weitere Gesuchsgründe oder Bemer- kungen darzulegen (vgl. a.a.O. S. 8 Z iff. 9.01). Mithin standen den Be- schwerdeführenden somit trotz des summarischen Charakters der Befra- gungen mehrere Möglichkeiten offen, Gesuchsgründe oder Einwände zur Sprache zu bringen. Dies taten sie jedoch nicht. Ferner unterschrieben beide Beschwerdeführenden das ihnen rückübersetzte Befragungsproto- koll vorbehaltlos und brachten damit zum Ausdruck, dass es ihnen rück- übersetzt wurde und dass der Inhalt ihren Aussagen entspricht. Somit ha- ben sie sich den Inhalt dieser Protokolle voll und ganz anrechnen z u las- sen. Die im Beschwerdeverfahren vorgebrachten Einwände der Müdigkeit und der Eingeschüchtertheit sowie der fehlenden Protokollierungen und der Missverständnisse können demgegenüber nicht gehört werden. 6.7 Des Weiteren wird in der Eingabe vom 19. August 2015 geltend ge- macht, die vom Vorfall im Jahr 2006/2007 ausgelöste Verfolgung des Be- schwerdeführers habe bis zu seiner Ausreise im Jahr 2012/2013 gedauert, was sich darin zeige, dass er sich regelmässig auf dem Posten der Sicher- heitskräfte habe melden und dort seine Unterschrift abgeben müssen. Diese Verfolgungsmassnahmen hätten ihn zur Flucht veranlasst. Dieser Argumentation kann nicht zugestimmt werden. Anlässlich der Befragung D-4700/2015 Seite 13 sagte der Beschwerdeführer auf die Frage, warum er denn erst 2013 aus- gereist sei, aus, er habe damals (Anmerkung Gericht: Gemeint ist nach den Vorfällen im Jahr 2006/2007) sein Heimatland nicht verlassen wollen; die Behörden seien erst 2012 wieder gekommen, um ihn als Spitzel anzuwer- ben. Sonst habe er regelmässig seine Unterschrift leisten müssen (vgl. Akte A7/12 S. 7 f.). Aus diesen Aussagen geht ohne Zweifel hervor, dass die Ereignisse aus den Jahren 2006/2007 den Beschwerdeführer offen- sichtlich nicht zur Ausreise motiviert haben und er zwischen 2006/2007 und 2012/2013 – abgesehen von der regelmässigen Unterschriftsleistung – keine Probleme mit den syrischen Behörden hatte, dass hingegen die An- werbung als Spitzel ausschlaggebend für die Ausreise gewesen sein soll. Somit ist der Kausalzusammenhang zwischen de n Ereignissen aus den Jahren 2006/2007 und der Ausreise im Jahr 2012 oder 2013 sowohl in zeit- licher als auch in sachlicher Hinsicht unterbrochen, auch wenn der Be- schwerdeführer regelmässig bei den Behörden habe seine Unterschrift leisten müssen. Folglich sind die aus den Jahren 200 6/2007 geltend ge- machten Nachteile im Zusammenhang mit der Arbeit in der Fabrik, deren Zerstörung, die durch den Brand verursachte Verletzung des Beschwerde- führers und die im Anschluss daran folgenden behördlichen Massnahmen, insbesondere die Befragungen durch die syrischen Behörden, flüchtlings- rechtlich nicht relev ant. Allein die Pflicht zur regelmässigen Leistung der Unterschrift auf dem Posten kann mangels fehlender Intensität nicht als Verfolgung im Sinne des Gesetzes betrachtet werden. 6.8 Ferner erwähnte der Beschwerdeführer, dass das Familienunterneh- men, in welchem er tätig gewesen sein will, dem Schwager M._______ gehört habe (vgl. Akte […]), was sich im Übrigen auch mit den zu diesem Verfahren beigezogenen Akten von M._______ (vgl. N […]) deckt. Der in diesem Verfahren zu den Akten gegebene Auszug der Handelskammer von I._______ bestätigt, dass M._______ Besitzer der Fabrik war, während der Beschwerdeführer nicht namentlich aufgeführt ist, auch nicht als Part- ner oder Gesellschafter. Damit ist die Behauptung in der Beschwerde, wo- nach es in Syrien kein Handelsregister gebe und deshalb nicht nachgeprüft werden könne, wem die Fabrik gehört habe, widerlegt. M._______ selber sagte aus, er sei der Besitzer seines Unternehmens gewesen, erwähnte indessen auch, da ss sie zu viert als G esellschafter tätig gewesen seien (vgl. N […] Akte […]). Den Beschwerdeführer erwähnte er dabei nicht als Gesellschafter oder Partner. Somit steht fest, dass der Beschwerdeführer – entgegen der Angaben im Beschwerdeverfahren – nicht mit seinem Schwager als Partner zusammen ein Unternehmen führte; allenfalls mag D-4700/2015 Seite 14 er in dessen Unternehmen angestellt gewesen sein. Unter diesen Umstän- den ist die im Beschwerdeverfahren geltend gemachte Gefährdung des Beschwerdeführers wegen seiner ber uflichen Verbindung zu seinem Schwager M._______ und wegen seiner Verantwortung im Unternehmen stark zu relativieren. 6.9 Folglich erscheint auch der vom Beschwerdeführer vorgebrachte Vor- wurf der syrischen Behörden, er habe im Rahmen seiner beruflichen Tätig- keit in der Fabrik seines Schwagers mit ausländischen Behörden zusam- mengearbeitet und Waren aus Ländern importiert beziehungsweise in Län- der exportiert, in welche dies gemäss den syrischen Vorschriften verboten gewesen sei, nicht realistisch. Für Vergehen di eser Art hätten sich wenn schon sein Schwager als Besitzer des Unternehmens beziehungsweise die vier Gesellschafter des Unternehmens verantworten müssen, zumal der Beschwerdeführer offensichtlich weder Entscheidungsträger noch für den Import oder Export verantwortlich gewesen sein kann. Es ist davon auszu- gehen, dass sich die Verfolgungsmassnahmen der syrischen Behörden nicht auf ihn, sondern auf die Verantwortlichen des Unternehmens kon- zentriert haben, weshalb ihm nicht geglaubt werden kann, er sei wegen seiner Tätigkeit im Unternehmen seines Schwagers von den syrischen Be- hörden verfolgt und inhaftiert worden. An dieser Einschätzung vermöchten allfälligen Befragungen in diesem Zusammenhang nichts zu ändern, zumal solche als legitime Handlungen der staatlichen Behörden zu sehen wären. Folglich erscheinen die Vorbringen des Beschwerdeführers auch als über- trieben, wenig realistisch und vermögen daher nicht zu überzeugen. 6.10 Gestützt auf die vorangehenden Erwägungen steht somit auch fest, dass nicht die Fabrik des Beschwerdeführers, sondern allenfalls diejenige seines Schwagers niedergebrannt wurde. Dass der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang schwere Brandverletzungen erlitten ha be, ist für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft nicht relevant, zumal diese Ver- letzungen mangels Gezieltheit nicht als flüchtlingsrechtlich relevante Ver- folgungsmassnahmen zu betrachten wären und überdies auch nicht zur Ausreise aus dem Heimatland geführt haben, womit der Kausalzusammen- hang zwischen diesen Verletzungen und der Ausreise als unterbrochen gilt, was sich im Übrigen auch aus dem Zusammenhang mit den vorangehen- den Erwägungen unter Ziff. 6.7 ergibt. Ausserdem legte der Beschwerde- führer dar, er habe – abgesehen davon, dass er regelmässig seine Unter- schrift habe leisten müssen – zwischen 2006/2007 und der Ausreise keine Probleme mit den syrischen Behörden gehabt, was die Unterbrechung des Kausalzusammenhangs noch untermauert. D-4700/2015 Seite 15 6.11 Ferner machte der Beschwerdeführer unterschiedlich geltend, was man ihm nun konkret vorgeworfen h aben soll: Während dies gemäss der einen Version die Annahme von Waren aus J._______ gewesen sei (vgl. Akte A7/12 S. 7), soll es sich gemäss einer weiteren Version um den Export von Waren nach Q._______ beziehungsweise nach J._______ gehandelt haben (vgl. Akte A22/13 S. 4). Der Einwand im Beschwerdeverfahren, dies sei ein Missverständnis beziehungsweise ein Übersetzungsfehler, kann nicht gehört werden, zumal keine entsprechenden Ansatzpunkte dafür in den Protokollen ersichtlich sind. Diese Widersprüchlichkeit zeigt zudem, dass der Beschwerdeführer offensichtlich keine genauen Kenntnisse über die Geschäftstätigkeit der Firma, in welcher er gearbeitet haben will, hatte, was sich mit der geltend gemachten leitenden Stellung als Partner im Un- ternehmen nicht vereinbaren liesse. Die Befragung seiner Person zu den Vorfällen aus den Jahren 2006/2007 ist somit nicht auf seine leitende Stel- lung als Partner des Unternehmens zurückzuführen, sondern im Zusam- menhang mit seiner Aussage anlässlich der Anhörung, wonach die Ange- stellten der Firma einvernommen worden seien, zu sehen. Im Übrigen ist auf die in der Zwischenverfügung vom 11. August 2015 dargelegten Erwä- gungen zu verweisen. 6.12 Wie in der vorangehend erwähnten Zwischenverfügung ebenfalls be- reits ausgeführt wurde, hande lt es sich beim Zeitpunkt, wann die Fabrik niedergebrannt worden sei, zweifelsohne um eine widersprüchliche Aus- sage, was die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen ebenfalls untermauert. So wusste der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung nicht mehr, wann genau die Fabrik niedergebrannt worden sei, sagte aber aus, dies sei an- fangs 2006 gewesen, während er anlässlich der Befragung zwei verschie- dene exakte Daten – nämlich den 29. Oktober 2006 und den 2. November 2006 – nannte (vgl. Akten A22/13 S. 8 und A7/12 S. 7). Die Erklärung an- lässlich der Anhörung, während der Befragung habe er das ungefähre Da- tum angegeben, ist tatsachenwidrig. Abgesehen davon, dass es sich um mehrfach unterschiedliche Angaben und eine tatsachenwidrige Erklärung handelt, können diese Angaben auch nicht mit den Aussagen des Fabrik- besitzers, des Schwagers des Beschwerdeführers M._______ in dessen Anhörung vereinbart werden. Aus d ieser Anhörung ergibt sich nämlich, dass die Fabrik im Jahr 2007 niedergebrannt worden sei (vgl. N […] Akte […]). 6.13 Überdies legte der Beschwerdeführer dar, die syrischen Behörden hätten ihn vor der Ausreise als Spitzel gewinnen wollen. Wie bereits in der D-4700/2015 Seite 16 Zwischenverfügung vom 11. August 2015 festgehalten, entbehren die dies- bezüglichen Aussagen der nötigen Substanz und Detailfülle, um als glaub- haft gelten zu können. So war er beispielsweise nicht in der Lage, plausible Angaben darüber zu machen, was konkret seine Aufgabe als Spitzel ge- wesen wäre (vgl. Akte A22/13 S. 6 f.). Seine Aussage, er hätte SIM-Karten herumwerfen müssen, damit Signale hätten empfangen werden können und die syrischen Truppen gewusst hätten, wo sie hätten Bomben abwer- fen müssen, entbehrt jeder Plausibilität. 6.14 Des Weiteren wurde bereits in der Zwischenverfügung vom 11. Au- gust 2015 festgehalten, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin, wo- nach sie drei bis vier Mal mitgenommen worden sei, infolge Nachschubs nicht als glaubhaft zu betrachten sind . Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, wird auf die entsprechenden Erwägungen in der erwähnten Zwischenverfügung verwiesen. 6.15 Angesichts dieser mehrfachen widersprüchlichen, substanzlosen , nachgeschobenen und nicht plausiblen Angaben, welche die Kernvorbrin- gen der Beschwerdeführenden betreffen und die Ausreise motiviert haben sollen, kann ihnen grundsätzlich nicht geglaubt werden, dass sie im Hei- matland einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt waren. Dem Be- schwerdeführer kann deshalb auch nicht geglaubt werden, dass er im Hei- matland fichiert beziehungsweise verurteilt ist (vgl. Akte A22/13S. 2). Unter diesen Umständen erübrigt es sich, auf die weiteren Vorbringen näher ein- zugehen. Vielmehr ist an dieser Stelle auf die zutreffende Argumentation der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung und auf die Erwägungen in der Zwischenverfügung vom 11. August 2015 zu verweisen, während die Einwände in der Beschwerde und in den nachfolgenden Eingaben mehr- heitlich nicht zu überzeugen vermögen. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Meinung sind die in der Befragung festgehaltenen Aussagen der Beschwerdeführenden für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht bedeutungslos, auch wenn das Befragungsprotokoll sum- marischen Charakter aufweist und dieser Befragung nur ein beschränkt er Beweiswert zukommt. Im Sinne einer Gesamtwürdigung aller für und ge- gen die Glaubhaftigkeit sprechenden Argumente ist vorliegend festzuhal- ten, dass die Widersprüche klar und eindeutig sind und die nachträglichen Vorbringen zentrale Elemente des Sachvortr ags betreffen, weshalb sie nicht als Nebensächlichkeiten zu qualifizieren sind. Unter diesen Umstän- den sprechen einerseits die vom späteren Anhörungsprotokoll abweichen- den Aussagen trotz des summarischen Charakters des Erstprotokolls ge- gen die Glaubhaftigkeit der Aussagen; andererseits sind die erst anlässlich D-4700/2015 Seite 17 der Anhörung dargelegten Nachteile als Kernvorbringen zu sehen und hät- ten somit wenigstens ansatzweise von Anfang an vorgebracht werden müssen, um als glaubhaft gelten zu können. Des Weiteren sprechen auch die in wesentlichen Teilen der Vorbringen herrschende Substanzlosigkeit und fehlende Plausibilität gegen die Glaubhaftigkeit. 6.16 Bezüglich der nachträglich geltend gemachten Reflexverfolgung auf- grund der in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannten Angehörigen ist zu- nächst darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführenden anlässlich ih- rer Befragungen und Anhörungen keine Reflexverfolgung geltend mach- ten, weshalb eine solche nach geschoben und somit grundsätzlich nicht glaubhaft ist. Zudem ergibt sich aus den Akten des Bruders des Beschwer- deführers, dass dieser bereits am 26. Oktober 2008 aus dem Heimatland ausreiste (vgl. N […], Akte […]). Da der Beschwerdeführer geltend machte, zwischen 2006/2007 und der Ausreise (2012/2013) habe er – abgesehen von der Unterschriftsleistung – keine behördlichen Probleme gehabt, kann nicht geglaubt werden, dass er wegen seines allenfalls in Syrien gesuchten Bruders von den syrischen Behörden belang t worden ist. Auch wenn die beiden Schwager des Beschwerdeführers beziehungsweise Brüder der Beschwerdeführerin Syrien ungefähr im November 2013 beziehungsweise am 8. Juli 2014 verlassen haben wollen und mittlerweile in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt sind, ist nicht von einer vorbestanden en Reflexver- folgung auszugehen . Andernfalls hätten die Beschwerdeführenden eine Reflexverfolgung im Heimatland bereits anlässlich des erstinstanzlichen Verfahrens geltend gemacht. Damit ist festzustellen, dass die Beschwer- deführenden vor ihrer Ausreise aus Syrien keiner asylrelevanten Reflexver- folgung ausgesetzt waren. 6.17 Schliesslich machte der Beschwerdeführer im Verlauf des Beschwer- deverfahrens noch geltend, er sei seiner bürgerlichen und zivilen Rechte beraubt worden und damit staatenlos. Der Hintergrund für die faktische Ausbürgerung liege darin, dass er aus der Fabrik, welche seinem Schwa- ger gehört habe, (…) nach J._______ exportiert habe. Zur Untermauerung dieses Vorbringens reichte er ein Dokument und eine Übersetzung zu den Akten. Das Dokument sei ihm vom Bruder E._______ zugestellt worden. Dazu ist Folgendes festzuhalten: 6.17.1 Zunächst steht nicht fest, auf welchem Weg der erwähnte Bruder in den Besitz dieses Dokumentes gelangt sein will, was bereits erste Zweifel an der Echtheit des Beweismittels aufwirft. D-4700/2015 Seite 18 6.17.2 Sodann ist das Dokument teilweise sehr schlecht oder nicht lesbar, womit die Überprüfbarkeit verunmöglicht wird. Die eingangs erhobenen Zweifel können somit nicht aus dem Weg geräumt werden. 6.17.3 Überdies weist das Bewe ismittel kein Ausstellungsdatum auf, was mit einem von den zuständigen Behörden ausgestellten echten Dokument nicht zu vereinbaren ist. Somit werden die Zweifel erhärtet. 6.17.4 Darüber hinaus ist der Grund der Ausbürgerung nicht ersichtlich, obwohl ein amtliches Dokument einen solchen aufweisen müsste, womit weitere Zweifel entstehen. 6.17.5 Ferner ist nicht plausibel, dass es für die hoheitliche Feststellung der Ausbürgerung Zeugen braucht. Der Aufbau des Dokuments mit Zeugen gleicht einem selbstgebastelten Beweismittel, auch wenn es im Original vorliegt. Da Dokumente dieser Art im Übrigen leicht käuflich erwerbbar sind, ist das vorliegende Beweismittel von geringem Beweiswert und damit nicht geeignet, die – bereits aus andern Gründen als unglaubhaft festge- stellte – geltend gemachte Ausbürgerung des Beschwerdeführers zu bele- gen. 6.18 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsger icht zum Schluss, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden betreffend ihre Vorfluchtgründe teilweise den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit (Art. 7 AsylG) und teilweise denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft (Art. 3 AsylG) nicht genügen. Hinzuzufügen ist, dass die allgemeinen Benachtei- ligungen der kurdischen Bevölkerung in Syrien keine asylbeachtliche Ver- folgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen. 7. 7.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen konnten die Beschwerdefüh- renden für den Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Syrien keine Gründe im Sinne von Art. 3 nachweisen oder glaubhaft machen. Massgeblich für die Beur- teilung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG ist jedoch nicht die Si- tuation im Zeitpunkt der Ausreise, sondern diejenige im Zeitpunkt des Asy- lentscheides. So ist gegebenenfalls auch eine asylsuchende Person als Flüchtling anzuerkennen, die erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise im Fall einer Rückkehr ins Heimatland in flüchtlingsrechtlich rele- vanter Weise verfolgt würde. 7.2 Fraglich ist zuerst, ob objektive Nachfluchtgründe vorliegen. D-4700/2015 Seite 19 7.2.1 Diese sind dann gegeben, wenn äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen konnte, zur drohenden Ver- folgung führen; der von Verfolgung bedrohten Person ist in diesen Fällen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren. 7.2.2 Im vorliegenden Fall wird geltend gemacht, die Beschwerdeführen- den hätten mit den Kontakten zu ihren Familienangehörigen, welche in Sy- rien gesucht würden und deshalb in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt worden seien, objektive Nachfluchtgründe geschaffen. Infolge der Flucht seien sie mit den anerkannten Flüchtlingen in Kontakt geraten. Dabei handle es sich um L._______, den Bruder des Beschwerdeführers, sowie die beiden Schwager des Beschwerdeführers M._______ und N._______, deren Asylgesuche noch hängig seien. Sollten auch sie als Flüchtlinge an- erkannt werden, bestehe für die Beschwerdeführenden eine Gefahr, weil davon auszugehen sei, dass die syrischen Behörden von den Kontakten wüssten und sie de shalb dem Risiko einer Reflexverfolgung ausgesetzt seien. Diese Nachfluchtgründe hätten die Beschwerdeführenden aber nicht selber gesetzt; vielmehr seien sie einfach aus dem Umstand entstan- den, dass sie hier in der Schweiz ihre Angehörigen wieder getroffen hätten. Damit handle es sich nicht um subjektive, sondern um objektive Nach- fluchtgründe, welche eine Asylgewährung nach sich ziehen würden. 7.2.3 Vorliegend hatten die Beschwerdeführenden Einflussmöglichkeiten auf die äusseren Umstände, welche allenfalls zur drohenden Verfolgung führen könnten. So lag es an ihnen, die Hilfe ihrer in der Schweiz lebenden Verwandten, welche für sie Einreisevisa beantragt haben, in Anspruch zu nehmen, um letztlich in die Schweiz einreisen und dort um Asyl nachsu- chen zu können. Sie hätten – damals in E._______ lebend – auch einen anderen Weg mit einem anderen Ziel wählen können, um nicht in Kontakt mit ihren Angehörigen zu kommen und damit den erwähnten Nachflucht- gründen aus dem Weg zu gehen. Dies taten sie jedoch nicht. Unter diesen Umständen kann nicht die Rede davon sein, dass die Nachfluchtgründe nicht – wie in Art. 3 Abs. 4 AsylG festgehalten – wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden seien. Im Gegenteil sind sie gerade darauf zurückzuführen. Somit handelt es sich bei den geltend gemachten Kontak- ten zu Angehörigen in der Schweiz, welche von de n syrischen Behörden gesucht würden, nicht um objektive Nachfluchtgründe. 7.2.4 Im vorliegenden Verfahren sind somit keine Gründe ersichtlich, die unter dem Aspekt objektiver Nachfluch tgründe zur Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden zu führen vermöchten. D-4700/2015 Seite 20 7.3 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführenden durch ihr Ver- halten nach der Ausreise aus dem Heimatland einen Grund für eine zu- künftige Verfolgung durch die syrischen Behörden gesetzt haben und des- halb – mithin infolge subjektiver Nachfluchtgründe – die Flüchtlingseigen- schaft erfüllen. 7.3.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exil- aktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, sich so- mit auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG) beruft, hat begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Hei- mat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Akti- vitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f. und 2009/28 E. 7.1 S. 352). Subjektive Nachflu chtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, füh- ren jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräu chlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nach- weisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenom- men (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1. S. 352, m.w.H.). 7.3.2 Vorliegend machen die Beschwerdeführenden geltend, sie hätten in der Schweiz Kontakte zu Familienangeh örigen, welche in Syrien gesucht würden und sich entweder als anerkannte Flüchtlinge oder als Asylsu- chende in einem laufenden Verfahren in der Schweiz befänden. Im Fall einer Rückkehr nach Syrien seien sie auch deshalb einer asylrelevanten Gefahr ausgesetz t. Im Beschwerdeverfahren wurde darum ersucht, die Dossiers von drei verwandten Familien (N […], N […] und […]) beizuzie- hen. 7.3.3 Unter Reflexverfolgung sind behördliche Belästigungen oder Behelli- gungen von Angehörigen aufgrund des Umstandes zu verstehen, dass die Behörden einer gesuchten, politisch unbequemen Person nicht habhaft werden oder schlechthin von deren politischer Exponiertheit auf eine sol- che auch bei Angehörigen schliessen. Der Zweck einer solchen Reflexver- folgung kann insbesondere darin liegen, In formationen über effektiv ge- suchte Personen zu erlangen, beziehungsweise Geständnisse von Inhaf- tierten zu erzwingen (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -4120/2014 vom 31. Mai 2016 E. 5.3.1). D-4700/2015 Seite 21 7.3.4 Zu bemerken ist vorab, dass praxisgemäss die Tatsache allein, dass der Bruder und zwei Schwager des Beschwerdeführers in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt worden sind, für die Annahme einer Reflexverfol- gung nicht ausreicht (vgl. Urteil des Bundesverwal tungsgerichts E-5222/2015 vom 5. August 2016 E. 8.3). Vielmehr müssen zusä tzliche Kriterien erfüllt sein, um von einer Reflexverfolgung im oben erwähnten Sinn ausgehen zu können. 7.3.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in verschiedenen Urteilen zur aktuellen Praxis in Syrien geäussert. So legte es in BVGE 2015/3 dar, dass eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion allein die Flüchtlingsei- genschaft nicht zu begründen vermöge, sondern nur dann, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden sei, mithin die betroffene Person aus den in dieser Norm genannten Gründen wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen habe, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs.2 AsylG nachkomme (vgl. E. 5.9). In Bezug auf die spezifische Situation in Syrien erwog das Gericht weiter, die genannten Voraussetzungen seien im Fall eines syri- schen Refraktärs erfüllt, welcher der kurdischen Ethnie angehöre, einer op- positionell aktiven Familie entstamme und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezo- gen habe (vgl. E. 6.7.3). Vorliegend weisen die Beschwerdeführenden in- dessen kein Profil auf, das mit der Situation vergleichbar wäre, die dem zitierten Urteil zugrunde lag. So ergeben sich namentlich aus den Akten keine glaubhaften Hinweise dafür, dass sie sich innerhalb oder ausserhalb ihres Heimatlandes in regimekritischer Weise engagiert hätten oder aus anderen Gründen die besondere Aufmerksamkeit der syrischen Regie- rungsbehörden erregt und von diesen als Gegner des Regimes identifiziert worden sein könnten. Auch unter dem Umstand, dass der Bruder und der Schwager des Beschwerdeführers (N […] und N […]) infolge ihrer Militär- dienstverweigerung als Flüchtlinge in der Schweiz anerkannt wurden, lie- gen somit aufgrund der Aktenlage keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass die Beschwerdeführenden wegen der Wehrdienstverweigerung der beiden erwähnten Angehörigen mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Re- flexverfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten ha- ben. 7.3.6 Ferner ist auch aus dem in der Schweiz ausgeführten niederschwel- ligen exilpolitischen Engagement des Bruders des Beschwerdeführers (N […]) nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf behördliche Mass-D-4700/2015 Seite 22 nahmen im Sinne einer Reflexverfolgung zu schliessen. In diesem Zusam- menhang ist auch festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden nach der Flucht dieses Bruders im Oktober 2008 noch während mehrerer Jahre im Heimatland verblieben sind, ohne dass sie geltend gemacht hätten, wegen dieses Bruders irgendwelche Nachteile erlitten zu haben. Eine Reflexver- folgung kann somit schon aus diesem Grund ausgeschlossen werden. 7.3.7 Schliesslich vermag auch eine allfällige Suche nach dem Schwager des Beschwerdeführers (N […]) infolge dessen Aktivitäten im Heimatland nicht zu einer Reflexverfolgung zu führen, zumal dieser Schwager gemäss dessen Aussagen im Heimatland schon während mehrerer Jahre im Visier der syrischen Behörden gewesen sei, die Beschwerdeführenden indessen keine Reflexverfolgungsmassnahmen für die Zeit vor ihrer Ausreise aus Syrien geltend gemacht haben. Unter diesen Umständen kann nicht davon ausgegangen werden, dass sie nun allein aufgrund ihres Kontaktes zu die- sem Schwager in der Schweiz im Fall ein er Rückkehr ins Heimatland re- flexverfolgt würden. 7.3.8 Im vorliegenden Fall sind somit keinerlei Hinweise dafür, dass die Be- schwerdeführenden durch die Aktivitäten ihrer Angehörigen beziehungs- weise durch deren Militärdienstverweigerung und deren Flucht ins Ausland in das Blickfeld der syrischen Behörden geraten sein könnten. Obwohl die Sicherheitsbehörden Gelegenheit gehabt hätten, die Beschwerdeführen- den anstelle ihrer Angehörigen zu verhaften, ist dies gestützt auf die Akten- lage nicht geschehen. Zudem gilt es zu erwähnen, dass es der Beschwer- deführerin und ihren Kindern nicht möglich gewesen sein dürfte, legal ei- nen Reisepass zu beantragen und Syrien zu verlassen, wenn sie unter Be- obachtung der syrischen Behörden gewesen wären. Zwar gehen die syri- schen Behörden seit dem Ausbruch des Syrien-Konflikts im März 2011 ge- gen tatsächliche oder vermeintliche Regimegegner rigoros vor (vgl. Refe- renzurteil des B undesverwaltungsgerichts D-5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.7.2). Die Befürchtung en der Beschwerdeführen den – als Schwester beziehungsweise Bruder oder Schwager/Schwägerin – mit den den Wehrdienst verweigernden Angehörigen beziehungsweise dem oppo- sitionell aktiven Angehörigen in Verbindung gebracht und von den syri- schen Behörden als Regimegegner angesehen zu werden, erschein t vor dem Hintergrund vorstehender Erwägungen jedoch nicht als objektiv nach- vollziehbar. D-4700/2015 Seite 23 7.3.9 Festzuhalten ist schliesslich, dass die blosse Tatsache der Asylge- suchstellung in der Schweiz nicht zur Annahme führt, dass die Beschwer- deführenden bei der (hypothetischen) Rückkehr in ihr Heimatland mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit eine menschenrechtswidrige Behandlung zu befürchten hätten. Zwar ist aufgrund ihrer längeren Landesabwesenheit davon auszugehen, dass sie bei einer Wiedereinreise nach Syrien einer Befragung durch die heimatlichen Behörden unterzogen würden. Da die Beschwerdeführenden weder eine Vorverfolgung noch Nachfluchtgründe glaubhaft machen konnten und somit ausgeschlossen werden kann, dass sie vor dem Verlassen Syriens als regimefeindliche Personen ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten sind, ist nicht davon auszugehen, dass sie von den Behörden ihres Heimatlandes als staatsgefährdend eingestuft würden, weshalb nicht damit zu rechnen wäre, sie hätten bei einer Rück- kehr asylrelevante Massnahmen zu befürchten. 7.3.10 Somit liegen auch keine subjektiven Nachfluchtgründe vor. 7.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass weder asylrechtlich relevante Ver- folgungsgründe noch Nachfluchtgründe ersichtlich sind, weshalb das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdef ührenden zu Recht verneint und die Asylgesuche abgelehnt hat. Es erübrigt sich, auf die weiteren Aus- führungen in der Beschwerde einzugehen, da sie an der vorliegenden Wür- digung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). D-4700/2015 Seite 24 9.2 Die Vorinstanz nahm die Beschwerdeführenden mit Verfügung vom 30. Juni 2015 infolge fehlender Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorläufig auf. Unter diesen Umständen ist auf eine Er örterung der beiden andern Kriterien – insbesondere der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzu- ges – ebenso zu verzichten wie auf die geltend gemachten gesundheitli- chen Beeinträchtigungen, welche den Vollzug der Wegweisung ebenfalls beeinflussen könnten. Über diese müsste dann befunden werden, wenn die vorläufige Aufnahme aufgehoben würde. Zur Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs erübrigen sich im heutigen Zeitpunkt weitere Erwä- gungen (BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh- renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-4700/2015 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Be- zahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: