<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">366</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>69</b></span> <span class="ft4"><b>Verletzung von Verfahrenspflichten; Betätigung aufrichtiger Reue (§ 235</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Abs. 1 StG, Art. 48 lit. d StGB)</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Wird die Steuererklärung nach der Eröffnung des Strafbefehls wegen</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Verletzung von Verfahrenspflichten noch eingereicht, ist darin keine Be-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>tätigung aufrichtiger Reue zu sehen.</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft6">vom 4. Mai 2015 in Sachen J.D. (3-BU.2015.49).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">3.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Angeklagte macht geltend, er habe nach Erhalt des Strafbe-</span><br/> <span class="ft1">fehls seinen "Fehler zu beheben" versucht und die Steuererklärung</span><br/> <span class="ft1">2013 sofort nachgereicht. Zudem habe er sich bei der Post in X. we-</span><br/> <span class="ft1">gen des fehlgeschlagenen ersten Versands erkundigt sowie beim Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindesteueramt Z. vorgesprochen.</span><br/> <span class="ft1">3.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Bleibt damit zu überprüfen, ob das Verhalten des Angeklagten</span><br/> <span class="ft1">einen Strafmilderungsgrund darstellt und eine Strafminderung be-</span><br/> <span class="ft1">wirkt. Das verspätete Einreichen der Steuererklärung könnte allen-</span><br/> <span class="ft1">falls den Milderungsgrund der Betätigung aufrichtiger Reue erfüllen</span><br/> <span class="ft1">(Art. 48 lit. d StGB). Für die Annahme eines solchen wird gefordert,</span><br/> <span class="ft1">dass Einsicht in die Schwere der Verfehlung besteht. Es müssen zu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">367</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dem aktive Anstrengungen unternommen werden um deren negati-</span><br/> <span class="ft1">ven Folgen entgegenzuwirken. Insgesamt gelten in der Praxis strenge</span><br/> <span class="ft1">Anforderungen (Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, Art. 48 StGB N 20 ff.; Basler</span><br/> <span class="ft1">Kommentar, Strafgesetzbuch I, Basel 2003, Art. 64 aStGB N 25 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Demgemäss kann nicht allein das verspätete Einreichen der Steuer-</span><br/> <span class="ft1">erklärung zu einer Strafmilderung führen. Es müssen darüber hi-</span><br/> <span class="ft1">nausgehende Anstrengungen erkennbar sein, welche vom Bestreben</span><br/> <span class="ft1">zeugen, die Pflichtverletzung aufzuwiegen.</span><br/> <span class="ft1">Zwar trifft es zu, dass der Angeklagte nach dem Erhalt des</span><br/> <span class="ft1">Strafbefehls gewisse Anstrengungen unternommen hat. Das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht hat indessen erst jüngst zu einem vergleichbaren Sach-</span><br/> <span class="ft1">verhalt festgehalten (VGE vom 31. März 2015 in Sachen W.F.</span><br/> <span class="ft1">[WBE.2014.349], mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung):</span><br/> <span class="ft6">"Wenn schon hätte der Beschwerdeführer nach Verstreichen der letz-</span><br/> <span class="ft6">ten Frist und vor Erhalt des Strafbefehls handeln müssen, ist doch die Be-</span><br/> <span class="ft6">kundung von Reue allein unter dem Druck eines drohenden oder hängigen</span><br/> <span class="ft6">Strafverfahrens nicht ausreichend (...). Wer sich erst unter dem Druck des</span><br/> <span class="ft6">drohenden Verfahrens zu einer besonderen Anstrengung herbeilässt, bekun-</span><br/> <span class="ft6">det keine aufrichtige Reue sondern handelt aus taktischen Gründen und ver-</span><br/> <span class="ft6">dient deshalb keine besondere Milde (...)."</span><br/> <span class="ft1">Zudem hielt es fest, dass die Strafe nach Erhalt des Strafbefehls</span><br/> <span class="ft1">bereits ausgefällt worden ist, und eine danach vorgenommene Hand-</span><br/> <span class="ft1">lung nicht mehr in die Bemessung der Strafe einfliessen könne.</span><br/> <span class="ft1">Die dargelegten Erwägungen des Verwaltungsgerichts treffen</span><br/> <span class="ft1">auch vorliegend uneingeschränkt zu. Das Nachreichen der Steuerer-</span><br/> <span class="ft1">klärung 2013 erfolgte offensichtlich allein zu dem Zweck, die Aus-</span><br/> <span class="ft1">fällung der Busse nachträglich noch abzuwenden. Darin ist weder</span><br/> <span class="ft1">aufrichtige Reue, noch eine Einsicht zu erkennen, zumal das nicht</span><br/> <span class="ft1">fristgemässe Einreichen der Steuererklärung beim Angeklagten in</span><br/> <span class="ft1">der Vergangenheit die Norm - und nicht etwa die Ausnahme - dar-</span><br/> <span class="ft1">stellte.</span><br/></div> </div> </body> </html>