Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 15. August 2016 (810 16 65) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Sistierung des Gesuchs um Familiennachzug Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, G erichtsschreiber Marius Wehren Beteiligte 1. A.____ , Beschwerdeführer , 2. B.____ , Beschwerdeführerin, 3. C.____ , Beschwerdeführer, 4. D.____ , Beschwerdeführer, 5. E.____ , Beschwerdeführer, 6. F.____ , Beschwerdeführerin, Beschwerdeführer 3-6 gesetzlich vertreten durch Beschwerdeführer 1 und 2, diese wiederum vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Sistierung des Gesuchs um Familiennachzug (RRB Nr. 0209 vom 23. Februar 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1976 geborene kosovarische Staatsangehörige A.__ __ verfügt über die Niederlas- sungsbewilligung. Am 27. Januar 2015 reichte A.____, ve rtreten durch Philippe Häner, Advokat in Pratteln, beim Amt für Migration des Kantons Basel- Landschaft (AfM) ein Gesuch um Famili- ennachzug für seine in Mazedonien lebende Ehefrau B.__ __ und die vier Kinder C.____, D.____, E.____ und F.____ ein. B. Am 27. Januar 2015 teilte das AfM A.____ mit, dass gegen ihn ein Verfahren betref- fend Widerruf der Niederlassungsbewilligung eingeleit et worden sei. Als Grund wurden seine massiven Schulden und die Straffälligkeit angeführt. C. Im August 2015 reisten B.____ und die vier Kinder mit einem Touristenvisum in die Schweiz ein und meldeten sich am 24. August 2015 in der Gemeinde G.____ an. D. Mit Verfügung vom 9. Oktober 2015 sistierte das AfM das Verfahren betreffend Famili- ennachzug und ordnete die umgehende Ausreise von B.____ , C.____, D.____, E.____ und F.____ an. E. Die von A.____ und B.____ sowie den Kindern C.___ _, D.____, E.____ und F.____, vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, Advokat in Basel, am 22. Oktober 2015 gegen die Verfü- gung des AfM vom 9. Oktober 2015 erhobene Beschwerde wu rde mit Entscheid des Regie- rungsrats vom 23. Februar 2016 abgewiesen. Es wurde ve rfügt, dass B.____, C.____, D.____, E.____ und F.____ die Schweiz sofort zu verlassen hätt en, sofern sie dies nicht bereits getan hätten. F. Mit Eingabe vom 3. März 2016 erhoben A.____ und B. ____ sowie die Kinder C.____, D.____, E.____ und F.____, vertreten durch Dr. Nicola s Roulet, Advokat, gegen den Entscheid des Regierungsrats vom 23. Februar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Sie stellen das Rechtsbegehren, es sei der an- gefochtene Entscheid vollumfänglich aufzuheben und es sei festzustellen, dass das AfM das Recht der Beschwerdeführer auf gebührliche Behandlung des Gesuchs um Familiennachzug verweigere (Ziff. 1). Dementsprechend sei das AfM anzuwe isen, das am 27. Januar 2015 ge- stellte Gesuch um Familiennachzug unverzüglich zu behande ln und es sei die Wegweisung in Form der umgehenden Ausreise der Beschwerdeführer 2-6 aufzuheben (Ziff. 2). In verfahrens- rechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei den Beschwer deführern 2-6 zu gestatten, den Aus- gang des Verfahrens in der Schweiz abzuwarten (Ziff. 3). Im Anschluss daran sei das Verfahren zu sistieren, eventualiter sei den Beschwerdeführern ein e angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdebegründung zu setzen (Ziff. 4). G. Mit Eingabe vom 9. März 2016 beantragten die Beschwe rdeführer, es sei das AfM an- zuweisen, bis zum Entscheid über den Verfahrensantrag au f Anordnung einer vorsorglichen Massnahme einstweilen von der Vollstreckung der Wegweisun g der Beschwerdeführer 2-6 ab- zusehen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Präsidialverfügung vom 7. April 2016 wurde das AfM angewiesen, bis auf weiteres vom Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführer 2-6 abzu sehen. Der Verfahrensantrag der Beschwerdeführer auf Sistierung des Verfahrens wurde abgewiesen. I. Am 13. April 2016 reichten die Beschwerdeführer die Beschwerdebegründung ein, in welcher sie vollumfänglich an den gestellten Rechtsbegehren festhalten. J. Der Beschwerdegegner beantragt mit Vernehmlassung vo m 3. Mai 2016, es sei die Beschwerde unter o/e-Kostenfolge abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist die verwaltung sgerichtliche Beschwerde beim Kan- tonsgericht zulässig gegen Verfügungen und Entscheide d es Regierungsrats. Zwischenverfü- gungen sind nach § 43 Abs. 2 bis VPO selbständig anfechtbar, wenn sie die Zuständigkeit (lit. a), den Ausstand (lit. b), die Auskunfts- oder Editionspfli cht (lit. c), die Verweigerung der Aktenein- sicht (lit. d), die Nichtabnahme gefährdeter Beweise ( lit. e), vorsorgliche Massnahmen und den Entzug sowie die Erteilung der aufschiebenden Wirkun g (lit. f) oder die Verweigerung der un- entgeltlichen Rechtspflege (lit. g) zum Gegenstand habe n. Darüber hinaus sind Zwischenverfü- gungen nach ständiger Praxis jeweils dann selbständig anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (vgl. Urteil d es Kantonsgerichts [KGE VV] vom 6. September 2010 [810 10 136] E. 1.5). Rechtsmittel entscheide über Zwischenverfügungen stellen ihrerseits Zwischenentscheide dar (vgl. BLKGE 20 10 Nr. 45 S. 256 ff.; Urteil des Bun- desgerichts 1A.136/2005 vom 17. Juni 2015 E. 3.2; T HOMAS MERKLI /A RTHUR AESCHLIMANN / RUTH HERZOG , Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Bern 1997, Art. 61 N 7). 1.2 Der angefochtene Entscheid hat die Sistierung de s Verfahrens betreffend Familien- nachzug und die Verweigerung des Aufenthalts der Beschwerdeführer 2-6 während der Verfah- rensdauer zum Gegenstand. Angefochten ist mithin ein Z wischenentscheid, weshalb die Zu- ständigkeit bei der präsidierenden Person liegt (§ 1 Abs. 3 lit. f VPO). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist bei einer Beschwerde gegen die Si stierung eines Verfahrens vom Erfor- dernis eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils abzuse hen, wenn – wie im vorliegenden Fall – eine ungerechtfertigte Verfahrensverzögerung ge ltend gemacht wird bzw. nicht ausge- schlossen werden kann (vgl. BGE 134 IV 43 E. 2 ff.; 135 III 127 E. 1.3; 120 III 143 E. 1b). Die Anordnung, während eines ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahrens die Schweiz verlassen zu müssen, gilt sodann als nicht wieder gutzumachender Na chteil, wenn grundsätzlich ein Rechtsanspruch auf Aufenthalt in der Schweiz besteht (vg l. Urteil des Bundesgerichts 2C_762/2011 vom 15. Juni 2012 E. 1.2). Diese Vorausse tzung ist hinsichtlich der Beschwerde- führer 2-6 erfüllt. Da auch die weiteren Prozessvorausse tzungen erfüllt sind, ist auf die Be- schwerde grundsätzlich einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gem äss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3.1 Bezüglich der Sistierung des Familiennachzugsverfah rens kann den Akten entnommen werden, dass das AfM den Beschwerdeführer 1 mit Schreibe n vom 16. Juni 2016 zur Einrei- chung diverser Unterlagen im Zusammenhang mit dem Ges uch um Familiennachzug aufgefor- dert hat. Der Beschwerdeführer 1 hat mit Eingabe vom 3 0. Juni 2016 entsprechende Unterla- gen eingereicht. Demnach ist festzustellen, dass das AfM d ie Behandlung des Familiennach- zugsgesuchs des Beschwerdeführers 1 zwischenzeitlich wieder an die Hand genommen hat. Ein aktuelles Interesse an der Behandlung der Beschwerde , soweit sich diese gegen die Ver- fahrenssistierung bzw. die Behandlung des Familiennachzug sgesuchs richtet, ist vor diesem Hintergrund nicht mehr gegeben und das Verfahren erweist sich insofern als gegenstandslos. 3.2.1 Die Beschwerde wäre in Bezug auf die Verfahren ssistierung im Übrigen gutzuheissen gewesen. 3.2.2 Das AfM sistierte mit Verfügung vom 9. Oktober 20 15 das Verfahren betreffend Famili- ennachzug und ordnete die umgehende Ausreise der Beschw erdeführer 2-6 aus der Schweiz an. Zur Begründung wurde auf das gegen den Beschwerdef ührer 1 hängige Verfahren betref- fend Widerruf der Niederlassungsbewilligung wegen Sc huldenwirtschaft verwiesen. Aufgrund der erst kürzlich und unter dem Druck dieses Verfahrens bego nnenen Abzahlungen an die Gläubiger könne noch nicht definitiv über den weiteren Verbleib des Beschwerdeführers 1 in der Schweiz entschieden werden. Vielmehr müsse weiter beobac htet werden, wie sich dessen Schuldensituation entwickle. Eine erneute Prüfung der f inanziellen Situation des Beschwerde- führers 1 finde Ende April 2016 statt. Bis dahin werde der Entscheid über seinen weiteren Auf- enthalt aufgeschoben. Der Aufenthaltsstatus des Beschwer deführers 1 könne angesichts der Verwarnungen sowie des laufenden Verfahrens nicht als gesichert betrachtet werden. Demnach seien vorliegend auch die Zulassungsvoraussetzungen für d ie Erteilung einer Aufenthaltsbewil- ligung nicht offensichtlich erfüllt. Bis zum Beschluss des AfM über den weiteren Verbleib des Beschwerdeführers 1 in der Schweiz werde das Familienna chzugsgesuch sistiert. Die Familie habe den Entscheid über das Familiennachzugsgesuch im Ausland abzuwarten. 3.2.3 Der Beschwerdegegner hat die Sistierung des Verf ahrens betreffend Familiennachzug mit der Begründung geschützt, dass gegen den Beschwerdefü hrer 1 ein Verfahren betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung hängig sei. En tsprechend sei das Aufenthaltsrecht des Beschwerdeführers 1 nicht gesichert. Es sei dem AfM darin zuzustimmen, dass sich die finanzi- elle Situation des Beschwerdeführers 1 und seine Bemühu ngen erst bewähren müssten, damit sich für die Familie nicht kurz nach Abschluss der beide n Verfahren die Gefahr einer Sozialhil- feabhängigkeit verwirklichen werde. Das AfM habe das Widerrufsverfahren des Ehegatten denn auch nicht auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, sondern e inen bestimmten Zeitpunkt (Ende April Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2016) festgelegt, um das Verfahren fortzuführen bzw. zu entscheiden. Nach Aussage des Be- schwerdeführers 1 habe sich seine finanzielle Situation se it August 2015 gefestigt. Es seien somit seit dieser Änderung erst ein paar Monate vergange n und der zeitliche Rahmen für die Behandlung der Verfahren sei deshalb eingehalten. 3.2.4 Die Beschwerdeführer wenden dagegen zusammengef asst ein, es sei bereits im Au- gust 2015 bekannt gewesen, dass sich die finanzielle Situ ation des Beschwerdeführers 1 er- heblich gebessert habe. Der entsprechende Schuldenabbau sei kontinuierlich fortgesetzt wor- den, so dass der Beschwerdeführer 1 seit Mitte Februar 2016 über ein leeres Verlustscheinre- gister verfügt habe. Soweit sich die Vorinstanzen auf d en Standpunkt gestellt hätten, dass die finanzielle Situation des Beschwerdeführers 1 erst im April 2016 wieder näher angeschaut wer- de, hätten sie keinen Grund für ein derart langes Zuw arten genannt. Die Gesamtsituation hätte beim Vorliegen neuer Erkenntnisse vielmehr jederzeit ne u beurteilt werden müssen und dürfe nicht erst 15 Monate nach Gesuchseinreichung neu geprüft werden. 3.2.5 Nach Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schwe izerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 hat jede Person Anspruch auf Be urteilung innert angemessener Frist. Eine Rechtsverweigerung liegt vor, wenn es eine Behörde ausdrücklich ablehnt, eine Entschei- dung zu treffen, obwohl sie dazu verpflichtet ist. Um ei ne Rechtsverzögerung handelt es sich dagegen, wenn sich die zuständige Behörde zwar bereit z eigt, einen Entscheid zu treffen, die- sen aber nicht binnen der Frist fällt, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (vgl. Urtei l des Bundesgerichts 2C_442/2011 vom 7. Juli 2011 E. 3.1; U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwal- tungsrecht, 7. Auflage, Zürich 2016, S. 228, Rz. 1046) . Eine Verfahrenssistierung ist mit Blick auf Art. 29 Abs. 1 BV grundsätzlich nur ausnahmsweise z ulässig und muss sich auf sachliche Gründe stützen. Nach der Rechtsprechung gilt insbesondere die Hängigkeit eines anderen Ver- fahrens, dessen Ausgang von präjudizieller Bedeutung ist, als zureichender Grund für eine Sis- tierung (vgl. BGE 130 V 90 E. 5 mit Hinweis; Urteil d es Bundesgerichts 4A_69/2007 vom 25. Mai 2007 E. 2.2). 3.2.6 Den Vorinstanzen ist grundsätzlich beizupflichten , dass die Rechtshängigkeit des Wi- derrufsverfahrens gegen den Beschwerdeführer 1 einen sa chlichen Grund darstellen kann für eine Sistierung des Gesuchs um Familiennachzug. Allerdin gs setzt dies voraus, dass in Bezug auf das Widerrufsverfahren den Anforderungen des Beschl eunigungsgebots entsprochen wird. Der Regierungsrat weist im angefochtenen Entscheid zutreffend darauf hin, dass das AfM nebst der förmlichen Sistierung des Familiennachzugsverfahren s auch das Verfahren betreffend den Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdef ührers 1 bis Ende April 2016 ausge- setzt hat. Für dieses Vorgehen, das Widerrufsverfahren w ährend einer Dauer von über einem halben Jahr auszusetzen und in diesem Zeitraum keinerl ei weiteren Abklärungen zu tätigen, bestand indes kein hinreichender sachlicher Grund. Aus de n Akten geht hervor, dass gegen den Beschwerdeführer 1 bereits im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids keine offenen Ver- lustscheine mehr vorlagen. Angesichts der erfolgten Schuld ensanierung hätte somit spätestens zu diesem Zeitpunkt zwingend eine Neubeurteilung erfol gen müssen. Jedenfalls ist keine Grundlage ersichtlich für die Auflage, wonach sich der Beschwerdeführer 1 während einer ge- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wissen Zeit in Bezug auf seine finanzielle Situation b ewähren muss, bevor das gegen ihn hän- gige Widerrufsverfahren weitergeführt wird. Nach dem Gesagten bildete das gegen den Be- schwerdeführer 1 eingeleitete Verfahren betreffend Wi derruf der Niederlassungsbewilligung spätestens im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids keinen zulässigen Grund mehr für die Sistierung des Verfahrens betreffend Familiennachzug und der angefochtene Entscheid erweist sich insofern als rechtsfehlerhaft. 3.3.1 Strittig ist im Weiteren, ob die Vorinstanzen zu Recht den Verbleib der Beschwerdefüh- rer 2-6 in der Schweiz während der Verfahrensdauer ( Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005) verweigerten. 3.3.2 Nach Art. 17 Abs. 1 AuG haben ausländische Personen , die für einen vorübergehen- den Aufenthalt rechtmässig eingereist sind und die na chträglich eine Bewilligung für einen dau- erhaften Aufenthalt beantragen, den entsprechenden En tscheid im Ausland abzuwarten; dies gilt auch für illegal Anwesende, die ihren Aufenthalt nachträglich durch ein entsprechendes Be- willigungsgesuch zu legalisieren versuchen. Der Gesuchste ller soll sich – so die Botschaft des Bundesrats – nicht darauf berufen können, dass er das nach gesuchte Aufenthaltsrecht bereits während des Verfahrens ausüben darf, es sei denn, die Bewilligungsvoraussetzungen erschie- nen "mit grosser Wahrscheinlichkeit" als erfüllt (vgl. BG E 139 I 37 E. 2.1; BBl 2002 3709 ff., 3777 zu Art. 15 AuG). 3.3.3 Ist dies der Fall, kann bzw. muss die zuständige ka ntonale Behörde im Rahmen ihres verfassungskonform zu handhabenden Ermessens den Aufentha lt während des Verfahrens gestatten, falls die Voraussetzungen eines gesetzlichen, ve rfassungs- oder konventionsrechtli- chen Anspruchs auf die Bewilligung mit grosser Wahrschein lichkeit gegeben erscheinen (Art. 17 Abs. 2 AuG; sog. "prozeduraler Aufenthalt"). Es ist darüber in einer summarischen Würdigung der Erfolgsaussichten (sog. "Hauptsachenprognos e") zu entscheiden, wie dies bei der Anordnung vorsorglicher Massnahmen regelmässig der Fa ll ist (vgl. BGE 139 I 37 E. 2.2). Die Anforderungen können insbesondere dann als "offensichtlich" erfüllt gelten, wenn die einge- reichten Unterlagen einen gesetzlichen oder völkerrecht lichen Anspruch auf die Erteilung einer Kurzaufenthalts- oder Aufenthaltsbewilligung belegen, keine Widerrufsgründe vorliegen (Art. 62 AuG) und die betroffene Person ihren Mitwirkungspflicht en nachkommt (Art. 6 Abs. 1 der Ver- ordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE] vom 24. Oktober 2007). 3.3.4 Die Beschwerdeführer machen im Wesentlichen gelten d, dass der Beschwerdeführer 1 seine finanzielle Lage in den Griff bekommen habe und seinen Lebensunterhalt und denjenigen seiner Familie ohne staatliche Unterstützung bewältigen könne, weshalb weder bezüglich der Beschwerdeführer 2-6 noch den Beschwerdeführer 1 ein Widerrufsgrund gegeben sei. Im Wei- teren sei darauf hinzuweisen, dass C.____ derzeit in H.____ zur Schule gehe und D.____ in G.____ den Kindergarten besuche. Das Wohl der Kinder sei im Rahmen der Verhältnismässig- keitsprüfung angemessen zu berücksichtigen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3.5 Die Vorinstanzen verweigerten den Aufenthalt de r Beschwerdeführer 2-6 während der Verfahrensdauer im Wesentlichen mit der Begründung, d ass gegen den Beschwerdeführer 1 ein Verfahren auf Widerruf der Niederlassungsbewillig ung hängig sei und dessen Aufenthalts- recht in der Schweiz demnach nicht gesichert sei. Mittl erweile hat das AfM wie dargelegt (E. 1.3) das Verfahren betreffend Familiennachzug wie der aufgenommen. Der Beschwerdefüh- rer 1 weist sodann den Akten zufolge seit rund einem h alben Jahr keine offenen Verlustscheine mehr auf und es sind gegen ihn keine Betreibungen häng ig. Soweit das Verfahren betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdefü hrers 1, welches in erster Linie we- gen dessen Schulden eröffnet wurde, nach wie vor hängig ist, kann es nach dem Gesagten jedenfalls im heutigen Zeitpunkt nicht mehr genügen als (alleinige) Grundlage zur Verweigerung des prozeduralen Aufenthalts der Beschwerdeführer 2-6. Soweit der Beschwerdegegner in der verfahrensleitenden Verfügung vom 12. November 2015, au f welche im angefochtenen Ent- scheid verwiesen wird, ausserdem das geringfügige Einkom men des Beschwerdeführers 1 und die damit einhergehende Möglichkeit der Sozialhilfeab hängigkeit als Grund anführte, weshalb die Voraussetzungen von Art. 17 Abs. 2 AuG nicht gegebe n seien, genügen die entsprechen- den Ausführungen im vorliegenden Zusammenhang nicht. B ei Bewilligungen, auf deren Ertei- lung ein Anspruch besteht, bedarf es hinreichend konkreter Indizien für das Vorliegen von Ver- weigerungsgründen, um das Erfüllen der Zulassungsvorausse tzungen im Sinne von Art. 17 Abs. 2 AuG verneinen zu können; potenzielle, nicht konkretisierte Annahmen wie eine mögliche Sozialhilfeabhängigkeit genügen hierzu nicht (vgl. BGE 139 I 37 E. 4.2). Gegen den Beschwer- deführer 1 lagen wie bereits ausgeführt im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids keine offe- nen Verlustscheine mehr vor. Die Beschwerdeführer macht en zudem bereits im vorinstanzli- chen Verfahren geltend, dass der Beschwerdeführer 1 ein monatliches Einkommen von Fr. 7'500.-- erzielen könne. Dem angefochtenen Entschei d lässt sich bezüglich dieser Sachum- stände ebenso wie der weiteren, unter dem Gesichtspunkt des Verhältnismässigkeitsprinzips zu berücksichtigenden Aspekte (Einschulung der Kinder etc.) keinerlei (summarische) Würdigung unter dem Gesichtspunkt von Art. 17 Abs. 2 AuG entnehm en. Eine solche ist erstmalig nicht durch das Kantonsgericht vorzunehmen, weshalb die Angele genheit in Gutheissung der Be- schwerde zur erneuten Prüfung der Voraussetzungen von A rt. 17 Abs. 2 AuG an das AfM zu- rückzuweisen ist. Das AfM wird dabei auch über die von de n Beschwerdeführern beantragte Ausstellung eines Rückreisevisums für die Beschwerdeführerin 2 zu befinden haben (vgl. Ein- gabe vom 9. August 2016). 4.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmas s auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Den Vorinstanzen werden keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Dementspre- chend sind im vorliegenden Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. 4.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei fü r den Beizug eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werden. En tsprechend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens ist den Beschwerdeführern eine P arteientschädigung zulasten des Beschwerdegegners zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 15. Juni 2016 für das Verfah- ren vor Kantonsgericht ausgewiesene Aufwand von 8.25 St unden à Fr. 250.-- erweist sich als Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht angemessen. Die Auslagen für das kantonsgerichtliche Verf ahren sind pauschal auf Fr. 100.-- festzusetzen. Den Beschwerdeführern ist demzufolge für das vorliegende Verfahren eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2'335.50 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) zulasten des Regierungsrats zuzusprechen. Bezüglich der Neuverlegung d er Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens ist die Angelegenheit an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit sie sich nicht als gegen- standslos erweist, und die Angelegenheit wird an das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft zurückgewiesen zur Neubeurt eilung im Sinne der Erwägungen. 2. Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Ver fahrens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat des Kantons Basel-L andschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 500.-- wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 4. Den Beschwerdeführern wird eine Parteientschädigu ng in der Höhe von Fr. 2'335.50 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) zulasten des Be- schwerdegegners zugesprochen. 5. Eine Kopie der Eingabe der Beschwerdeführer vom 9. August 2016 wird dem Beschwerdegegner zur Kenntnisnahme zugestellt . Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli Gerichtsschreiber Marius Wehren