B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-1086/2020 U r t e i l v o m 2 3 . F e b r u a r 2 0 2 1 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiber Mathias Lanz. Parteien A._______, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken für B._______ und C._______. F-1086/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 2 6. September 2019 ersuchte n B._______ (geb. 1957) und deren Tochter C._______ (geb. 1981), beide syrische Staatsangehörige, bei der Schweizerischen Botschaft in Beirut um Ausstellung von Schengen -Visa für einen zweimonatigen Besuchsaufenthalt bei ihrem in der Schweiz im Kanton St. Gallen lebenden Sohn beziehungsweise Bruder A._______ (Ak- ten der Vorinstanz, C._______ betreffend [SEM-act.] 2, S. 26 ff. und 30 ff.). Der Gastgeber bestätigte in einem Einladungsschreiben vom 26. Septem- ber 2019 zuhanden der Schweizerischen Botschaft in Be irut, Mutter und Schwester zu einem Besuch empfangen zu wollen, da er Vater eines Kin- des geworden sei. Er verpflichte sich, alle anfallenden Kosten zu überneh- men, einschliesslich derjenigen einer Versorgung im Krankheitsfall sowie diejenigen einer allfälligen Rückführung (SEM-act. 2, S. 25). B. Die Schweizerische Botschaft lehnte die Visumsanträge in zwei separaten Formular-Verfügungen vom 4. Oktober 2019 mit der Begründung ab, die fristgerechte Ausreise der Gesuchstellerinnen aus dem Schengen -Raum könne nicht als hinreichend ge sichert betrachtet werden . Zudem sei der Nachweis über ausreichende Mittel zur Bestreitung des Lebensunterhalts für die Dauer des beabsichtigten Aufenthalts oder für die Rückkehr in den Herkunftsstaat nicht erbracht worden (SEM-act. 2, S. 16 ff. und 35 ff.). C. Gegen diese Verfügungen erhob der Gastgeber mit Eingabe vom 4. No- vember 2019 Einsprache bei der Vorinstanz (SEM -act. 1, S. 1 ff.). Die Vorinstanz liess durch die Migrationsbehörde des Kantons St. Gallen wei- tere Abklärungen zum Sachverhalt vornehmen. Am 30. Dezember 2019 unterzeichnete der Beschwerdeführer eine Erklärung, mit der er sich ver- pflichtete, gegenüber Behörden und privaten medizinisch en Dienstleis- tungserbringern bis zu einem Betrag von Fr. 30'000.– für sämtliche aus dem Aufenthalt der Gesuchstellerinnen entstehenden, ungedeckten Le- bensunterhaltskosten aufzukommen (SEM-act. 6, S. 45 ff. und act. 5, S. 38 ff.). D. Mit Entscheid vom 24. Januar 2020 wies die Vorinstanz die Einsprache in Bezug auf beide Gesuchstellerinnen ab. Zur Begründung führte sie im We- sentlichen an, die Gesuchstellerinnen stammten aus Syrien und somit ei-F-1086/2020 Seite 3 ner Region, aus welcher als Folge der dort herrschenden schwierigen Ver- hältnisse ein stark anhal tender Auswanderungsdruck festzustellen sei . Viele versuchten, das Land zu verlassen und sich im Ausland eine bessere Zukunft aufzubauen. Bestehe dort zudem bereits ein gewisses familiäres Beziehungsnetz, müsse das Risiko einer nicht fristgerechten und an- standslosen Rückkehr als grundsätzlich hoch eingestuft werden. In den persönlichen Verhältnissen der Gesuchstellerinnen seien keine besonde- ren beruflichen, familiären oder gesellschaftlichen Verpflichtungen zu er- kennen, welche das generell anzunehmende Risiko einer nicht anstands- losen Wiederausreise nach Ablauf des Visums aufzuwiegen vermöchten. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines einheitlichen Visums für den Schengen-Raum seien nicht erfüllt (SEM-act. 6, S. 91 ff. und act. 7, S. 114 ff.). E. Gegen den ablehnenden Einspracheentscheid gelangte der Gastgeber mit einer Rechtsmitteleingabe vom 24. Februar 2020 an das Bundesverwal- tungsgericht. Er ersuchte um Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids und um Ausstellung von Schengen-Visa für die Gesuchstellerinnen. Even- tualiter beantragte er, die Rechtssache sei zwecks weiterer Sachverhalts- abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Gleichzeitig ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. In der Sache selbst rügte der Be- schwerdeführer, die Vorinstanz habe den Willen zur Wiederausreise spe- kulativ in Frage gestellt und die Einsprache mit einer allgemeinen und nicht fallspezifischen Begründung abgewiesen. Die Gesuchstellerinnen hegten keine Auswanderungspläne. Sie wollten lediglich in die Schweiz kommen, um ihre beiden hier ansässigen Söhne beziehungsweise Brüder sehen zu können. Letzteren sei ein Besuch in Syrien nicht möglich. Es gehe den Gesuchstellerinnen wirtschaftlich gut und sie hielten sich an einem siche- ren Ort im kurdischen Teil Syriens auf. Ein Verbleib in der Schweiz käme für sie schon deshalb nicht in Betracht, weil sie sich ausserhalb Syriens entwurzelt fühlten (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1). F. Mit Zwischenverfügung vom 1. April 2020 wies der Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab (BVGer- act. 3). F-1086/2020 Seite 4 G. In ihrer Vernehmlassung vom 3. Juni 2020 beantragte die Vor instanz die Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 6). H. Von dem ihm am 10. Juni 2020 eingeräumten Replikrecht machte der Be- schwerdeführer keinen Gebrauch (BVGer-act. 7 und 8). I. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einspracheentscheide bezüglich Schen- gen-Visa sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (vgl. Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). 1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer hat am vorangegangenen Einspracheverfahren teilgenommen und ist als Gastgeber und enger Familienangehöriger der Gesuchstellerinnen durch den angefochtenen Entscheid besonders be- rührt. Er ist zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu- treten (Art. 50 und Art. 52 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht ent- scheidet in der vorliegenden Ange legenheit endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrü n- dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus F-1086/2020 Seite 5 anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent- scheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.). 3. 3.1 Dem angefochtenen Entscheid liegen Gesuche syrischer Staatsange- höriger um Erteilung von Visa zu Besuchszwecken für die Schweiz zu- grunde. Da sich die Gesuchstellerinnen nicht auf die EU/EFTA-Personen- freizügigkeitsabkommen berufen können und die beabsichtigte Aufent- haltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen -As- soziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernom- men hat. Das Ausländer - und Integrationsgesetz (AIG, SR 142.20) und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmun- gen enthalten (Art. 2 Abs. 4 AIG). 3.2 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei- lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesge- setz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 m.H.). Das Schengen-Recht schränkt die natio- nalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzun- gen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise beziehungsweise das Visum zu verweigern, wenn die Vorausset- zungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise beziehungsweise Vi- sum vermittelt aber auch das Schengen -Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5). 3.3 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen de s Schengen- Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit- raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, sofern dieses gemäss der Verordnung (EU) 2018/1806 des Euro- päischen Parlaments und des Rates vom 14. November 2018 zur Aufstel- lung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste F-1086/2020 Seite 6 der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind (ABl. L 303/39 vom 28.11.2018) erforderlich ist. Im Weiteren müssen Dritt- staatsangehörige den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Auf- enthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen. Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen-Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, beziehungsweise ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederaus- reise zu bieten. Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schen- gener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mit- gliedstaats darstellen (vgl. zum Ganzen: Art. 5 Abs. 1 und 2 AIG; Art. 3 Abs. 1 der Verordnung vom 15. August 2018 über die Einreise und die Vi- sumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung [EG] Nr. 2016/399 des Eur opäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 [kodifizierter Text] über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 77/1 vom 23.03.2016]; Art. 14 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfolgend: Visakodex, Abl. L 243 vom 15.9.2009]). 3.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (BVGE 2014/1 E. 4.3 m.H.). Die Behörden haben daher zu prüfen und die drittstaatsangehörige Person hat zu belegen, dass keine Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristge- rechten Ausreise besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex). Bestehen Zweifel daran, dass die gesuchstellende Person das Ho- heitsgebiet der Mitgl iedstaaten fristgerecht wieder verlässt, so ist das Vi- sum zu verweigern (Art. 32 Abs. 1 Bst. b Visakodex). Den Behörden kommt bei der Beurteilung, ob die Voraussetzungen für die Visumerteilung erfüllt sind, ein weiter Beurteilungsspielraum zu (BVGE 2014/1 E. 4.1.5). 3.5 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die vorerwähnten Einreisevo- raussetzungen nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des betreffenden Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der betref- fende Mitgliedstaat unter anderem Gebrauch machen, wenn er es aus hu- manitären Gründen, aus solchen des nationalen Interesses oder aufgrund F-1086/2020 Seite 7 internationaler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 5 Abs. 3 AIG; Art. 3 Abs. 4 und 5 VEV; Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; ebenso Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). 3.6 Aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit zu Syrien unterliegen die Gesuch- stellerinnen der Visumpflicht (vgl. Art. 8 Abs. 1 VEV i.V.m. Anhang I der in E. 3.3 erwähnten Verordnung [EU] 2018/1806; Art. 6 Abs. 1 Bst. b SGK). 4. 4.1 Die Vorinstanz begründet die Abweisung der Einsprache im Wesentli- chen damit, dass eine fristgerechte Wiederausreise der Gesuchstellerin- nen nicht gewährleistet sei. Bei der Beurteilung des Kriteriums der gesi- cherten Wiederausreise muss ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden. Hierzu sind lediglich Prognosen möglich, wobei sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen sind. Dabei sind einerseits die allge- meine Lage im Herkunftsland und ander erseits die individuelle Situation der gesuchstellenden Person in die Beurteilung miteinzubeziehen. Bei Ein- reisegesuchen von Personen aus Regionen mit politisch und/oder wirt- schaftlich ungünstigen Verhältnissen rechtfertigt sich eine strenge Praxis, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung im Einklang steht (BVGE 2014/1 E. 6.1 m.H.). 4.2 In weiten Teilen Syriens besteht aufgrund der seit langem anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen ein hoher Abwanderungsdruck unter der zivilen Bevölkerung. Viele sind in benachbarte Staaten geflüchtet und versuchen von dort aus, weiter – insbesondere nach Europa – zu gelangen (vgl. Asylstatistik 20 20 des SEM vom 1. Februar 2021, S. 14, < https://sem.admin.ch > Das SEM > Medien > Medienmitteilungen > Asyl- statistik 2020 >, abgerufen am 22.02.2021). Völlig zu Recht wies die Vo- rinstanz auch darauf hin, dass dort, wo bereits verwandtschaftliche Ver- knüpfungen zu einer Zieldestination bestehen, auch ein entsprechender Zuwanderungsdruck festzustellen ist. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz das Risiko als hoch einschätzt, dass syrische Staatsangehörige – einmal in der S chweiz – nicht mehr in ihren Heimatstaat zurückkehren wollen. Einreisegesuchen aus Syrien mit dem erklärten Ziel von Besuchsaufenthalten ist deshalb ganz allgemein mit grösster Zurückhaltung zu begegnen (vgl. BVGE 2014/1 E. 6.1). F-1086/2020 Seite 8 4.3 4.3.1 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgemeine Um- stände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des kon- kreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Per- son im Heimatland eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fami- liäre Verantwortung, kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Demgegenüber muss bei Per- sonen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein ausländerrechtlich nicht regelkonformes Verhalten nach einer bewilligten Einreise als hoch eingeschätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1; 2009/27 E. 7). 4.3.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers hat sich das SEM in der angefochtenen Verfügung vom 24. Januar 2020 eingehend mit der individuellen Situation der Gesuchstellerinnen in Syrien auseinanderge- setzt. Von einer nicht fallspezifischen Begründung kann keine Rede sein (zur Begründungspflicht im Allgemeinen vgl. Urteil des BVGer F-1858/2017 vom 7. August 2019 E. 3.5 m.w.H.). Nachfolgend gilt es somit auf die Frage einzugehen, ob sich die diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz als zutreffend erweisen. 4.3.3 Zu den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Gesuch- stellerinnen gab der Beschwerdeführer an, seine Mutter sei verwitwet und lebe mit seiner Schwester zusammen. Letztere betreibe einen Coiffeursa- lon und sei finanziell sehr gut aufgestellt. Sein Vater sei (…) 2017 gestor- ben und habe einige Liegenschaften hinterlassen. Diese Liegenschaften seien vermietet und dienten als sehr gute Einnahmequelle. Die Gesuch- stellerinnen würden nach dem Besuch wieder nach Syrien zurückkehren und sich weiter um die Familiengeschäfte kümmern. Ihnen gehe es wirt- schaftlich gut und sie hielten sich an einem sicheren Ort im Kurdengebiet auf. Die Tatsache, dass die Gesuchstellerinnen immer noch in Syrien leb- ten, spreche für eine stabile Sicherheitslage und ein gutes Leben. 4.3.4 Die Vorbringen des Beschwerdeführers zu den Verhältnissen der Ge- suchstellerinnen sind pauschal gehalten und nicht belegt. Insbesond ere finden sich in den Unterlagen keine Belege für eine Erwerbstätigkeit seiner Schwester. Aus ihrem Visumsantrag vom 27. September 2019 geht hervor, dass sie zumindest im Antragszeitpunkt keiner Arbeitstätigkeit nachgegan- gen ist (SEM act. 2, S. 32). Es finden sich in den Akten auch keine Unter- lagen betreffend einen Coiffeursalon. Doch selbst wenn sie in Syrie n als F-1086/2020 Seite 9 Coiffeuse arbeiten würde, wäre nicht anzunehmen, dass eine solche Tä- tigkeit – unter besonderer Berücksichtigung der im ganzen Land nach jah- relangem Bürgerkrieg herrschenden schwierigen Lebensverhältnisse – von einer Emigration abzuhalten vermöchte. Im Übrigen ist der Beschwer- deführer selbst Inhaber eine s Coiffeursalons in der Schweiz, was seiner Schwester entsprechende Perspektiven eröffnen könn te (SEM-act. 6, S. 87). Ebenso bleiben die vom Beschwerdeführer behaupteten Verwaltungstätig- keiten in Zusammenhang mit vom verstorbenen Vater hinterlassenen Lie- genschaften unbelegt. Doch selbst wenn solches Grundeigentum und an- dere Vermögenswerte vorhanden sein sollten, gingen sie bei einer allfälli- gen Emigration nicht zwingend verloren (BVGE 2014/1 E. 6.3.6 m.H.). Im Rahmen der von der Vorinstanz im Einspracheverfahren veranlassten sogenannten Inlandabklärung hielt der Beschwerdeführer in Beantwortung eines ihm unterbreiteten Fragekatalogs am 19. Dezember 2019 unter an- derem fest, er und ein Bruder hielten sich in der Schweiz auf, vier weitere Geschwister lebten in Deutschland; seine Schwester und die Mutter seien «alleine» in Syrien geblieben. Zur ausdrüc klich gestellten Frage nach all- fällig noch bestehenden familiären Bindungen der Gesuchstellerinnen zum Heimatland äusserte sich der Beschwerdeführer an dieser Stelle nicht. Un- ter den gegebenen Umständen kann nicht überzeugen, wenn er geltend macht, dass nu r schon die Tatsache ihres bisherigen Verbleibs in Syrien gegen eine Absicht der Gesuchstellerinnen zur Emigration spreche. Ebenso wenig kann überzeugen, dass sich die Gesuchstellerinnen im Falle eines Verbleibs in der Schweiz völlig entwurzelt fühlen würden; hier leben zwei Söhne beziehungsweise Brüder und die vier weiteren Söhne und Töchter respektive Geschwister halten sich im benachbarten Deutschland auf. Alles in allem ist mit der Vorinstanz davon auszu gehen, dass sowohl die verwitwete Mutter, als auch die kinderlose Schwester des Beschwerdefüh- rers aufgrund ihrer persönlichen Situation keine Verpflichtungen oder gar Abhängigkeiten in ihrem Herkunftsgebiet haben, die besondere Gewähr für eine Rückkehr dorthin bieten könnten. Das Risiko, dass sie – einmal in die Schweiz eingereist – vom zuvor deklarierten Aufenthaltszweck abweichen und diesen auf eine neue Basis zu stellen versuchen könnten, ist deshalb ganz grundsätzlich als hoch einzuschätzen (BVGE 2014/1 E. 6.2.2). F-1086/2020 Seite 10 4.4 An der Richtigkeit der Einschätzung der Vorinstanz ändert auch die Tat- sache nichts, dass der Beschwerdeführer die fristgerechte Ausreise der Gesuchstellerinnen zusichert. Bei der Risikobeurteilung ist in erster Linie das mögliche Verhalten der Gäste selbst von Bedeutung. Gastgeber und Garanten können mit rechtlich verbindlicher Wirkung zwar für gewisse fi- nanzielle Risiken im Zusammenhang mit dem Besuchsaufenthalt, nicht aber für ein bestimmtes Tun oder Unterlassen ihrer Gäste einstehen (vgl. in diesem Zusammenhang auch BVGE 2009/27 E. 9). 4.5 Nichts für sich ableiten kann der Beschwerdeführer ferner auch mit dem Einwand, wonach in mehreren vergleichbaren Fällen aus seinem Be- kanntenkreis den Angehörigen Visa erteilt worden seien. Zum einen unter- liess er es, diese Fälle so zu personifizieren, dass eine Überprüfung mög- lich gewesen wäre. Zum andern und ganz allgemein gilt es bei der Prüfung der gesicherten Wiederausreise jeweils eine Vielzahl von Faktoren zu be- rücksichtigen, sodass jeder Fall eine ihm in örtlicher, zeitlicher und persön- licher Hinsicht eigene und spezifische Konstellation aufweist. 4.6 Nach dem Gesagten ist die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach die Wiederausreise der Gesuchstellerinnen angesichts ihrer individuellen Situation sowie der allgemeinen Lage in Syrien nicht als gesichert angese- hen werden könne, nicht zu beanstanden. Mithin fehlt es an einer unab- dingbaren Voraussetzung für die Erteilung einheitlicher Visa für den ge- samten Schengen-Raum. Gründe für die Ausstellung von Visa mit räumlich beschränkter Gültigkeit wurden von den Beteiligten zu Recht nicht geltend gemacht und solche sind auch nicht ersichtlich (vgl. oben E. 3.5). 5. Gestützt auf die bisherigen Erwägungen steht fest, dass sich die Verwei- gerung der beantragten Visa durch die Vorinstanz als rechtmässig erweist. Die angefochtene Verfügung ist somit im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist abzuweisen. 6. Das Gesuch um Gewährung unentgeltlicher Prozessführung wurde mit Zwischenverfügung vom 1. April 2020 abgewiesen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuer- legen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). F-1086/2020 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 900.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie sind mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss ge- deckt. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] und […] retour) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Mathias Lanz Versand: