Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Februar 2019 (731 18 278 / 49) ____________________________________________________________________ Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung Krankentaggeldversicherung; beweisrechtliche Würdigung des medizinischen Sachver- halts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Kläger gegen Elips Versicherungen AG , Landstrasse 40 , 9495 Triesen , Beklagte , vertreten durch Martin Bürkle, Rechtsanwalt LL.M., Thouvenin Rechtsanwälte KLG, Klausstrasse 33, 8024 Zürich Betreff Forderung A. Der 1959 geborene, in Y.____ wohnhafte A.____ wa r bei der B.____AG mit Sitz in X.____ als Projektentwickler angestellt und über die Arbeitgeberin bei der Elips Versicherungen AG (nachfolgend: Elips), krankentaggeldversichert. Aufgrund einer von der Hausärztin Dr. C.____ bescheinigten Arbeitsunfähigkeit seit de m 26. September 2016 richtete die Elips nach Ablauf der vertraglichen Wartefrist Taggeldlei stungen aus. Die behandelnde Psychiaterin Dr. D.____ bestätigte hernach eine anhaltende volls tändige Arbeitsunfähigkeit von A.____. In der Folge wurde das Arbeitsverhältnis per 31. März 2017 aufgelöst. Mit Schreiben vom 7. April Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2017 stellte die Elips in Aussicht, die Taggeldleistunge n gestützt auf das von ihr bei Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein geholte Gutachten vom 20. März 2017 per 31. Mai 2017 einzustellen. Nachdem Dr. D.___ _ dem Versicherten am 26. April 2017 ein schweres depressives Zustandsbild bescheinigt und weiter hin eine vollständige Arbeitsun- fähigkeit attestiert hatte, beauftragte die Elips Dr. E.____ mit einem weiteren Gutachten, wel- ches am 21. Juli 2017 erstattet wurde. In der Folge hi elt sie mit Schreiben vom 9. August 2017 an der Leistungseinstellung per 31. Mai 2017 fest. Vom 18. August 2017 bis 6. September 2017 war A.___ in der Klinik F.____ hospitalisiert (Bericht des psychiatrischen Chefarztes Dr. G.____ vom 3. Oktober 2017). Am 27. September 2017 informier te die Elips A.____ darüber, dass ein Rückfall während der Nachdeckung nicht versichert sei. B. Am 28. August 2018 reichte A.____ Klage beim Kant onsgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), ein. Er bea ntragte, die Elips sei zur Zahlung von Taggeldern vom 1. Juni 2017 bis zum 31. August 2018 vo n insgesamt Fr. 83'362.50 zu verpflichten. Zur Begründung brachte er sinngemäss vor, dass die von der Beklagten veranlass- ten Gutachten von Dr. E.____ vom 20. März 2017 und 21. Juli 2017 nicht geeignet seien, die Beurteilungen der behandelnden Ärzte Dres. D.____ und G.____ in Zweifel zu ziehen. Mit Ein- gaben vom 2. Oktober 2018 und 6. November 2018 reichte er weitere medizinische Berichte ein. C. Am 19. November 2018 schloss die Elips, vertreten durch Rechtsanwalt Martin Bürkle, unter o/e-Kostenfolge auf Abweisung der Klage. Aufg rund der in jeder Hinsicht überzeugenden Beurteilungen von Dr. E.____ vom 20. März 2017 und 21. Juli 2017 sei mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargetan, dass beim Kläger spätestens ab 1. Juni 2017 kei- ne leistungsrelevante Arbeitsunfähigkeit mehr vorgeleg en habe, weshalb die Taggelder per 31. Mai 2017 zu Recht eingestellt worden seien. D. Mit Verfügung vom 23. November 2018 wurde der Fall dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. E. Mit Eingaben vom 3. Dezember 2018, 8. Januar 2019 und 4. Februar 2019 reichte der Kläger weitere Unterlagen ein und erhöhte mit der E ingabe vom 4. Februar 2019 seine Forde- rung für weitere Taggelder bis zum Erschöpfen des maxim alen Leistungsanspruchs auf den Betrag von Fr. 88‘179.--. F. Am 18. Februar 2019 zog das Kantonsgericht die Akten der Invalidenversicherung bei und stellte den Parteien am 19. Februar 2019 das dari n enthaltene Gutachten von Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2 9. Mai 2018 zur Kenntnisnahme zu. G. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 21. Februar 20 19 nahmen der Kläger, begleitet von Charles Flory, C.P.T.F.E. Comité de Protection des Travailleurs Frontaliers Européens so- wie Rechtsanwalt Martin Bürkle für die Beklagte teil. Die Parteien hielten an ihren Anträgen fest. Auf ihre Ausführungen wird – soweit notwendig – im Rahmen der Erwägungen eingegangen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung u nterstehen gemäss Art. 2 Abs. 2 des Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (Krankenversicherungsaufsichtsgesetz, KVAG) vom 26. Septe mber 2014 dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz, VVG) vom 2. April 1908. Strei- tigkeiten im Bereich dieser Zusatzversicherungen sind somit privatrechtlicher Natur, weshalb strittige Ansprüche darüber in einem zivilprozessualen Ve rfahren geltend zu machen sind. Das Verfahren im Zivilprozess regelt die Schweizerische Zivilp rozessordnung (ZPO) vom 19. De- zember 2008. 1.2 Die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel -Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht, ergibt sich aus Art. 7 ZPO i.V.m. § 54 A bs. 1 lit. d des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dez ember 1993. Wie das Kantons- gericht mit Grundsatzentscheid vom 1. Dezember 2011 festhielt, ist bei Klagen betreffend Strei- tigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenver sicherung keine vorgängige Schlichtung durchzuführen, womit sie direkt am Kantonsg ericht, Abteilung Sozialversicherungs- recht, einzureichen sind (Beschluss des Kantonsgerichts vom 1. Dezember 2011, 731 11 262). 1.3 Der dem vorliegenden Fall zu Grunde liegende Versi cherungsvertrag ist gemäss bun- desgerichtlicher Rechtsprechung als Konsumentenvertrag im Sinne von Art. 32 ZPO zu qualifi- zieren (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. November 20 03, 5C.181/2003, E. 2.4 in fine mit diversen Hinweisen). Die örtliche Zuständigkeit richtet sich somit grundsätzlich nach Art. 9 ff. ZPO. Gemäss Art. 2 ZPO bleiben Bestimmungen des Staatsv ertragsrechts und des Bundesge- setzes über das Internationale Privatrecht (IPRG) vom 18 . Dezember 1987 jedoch vorbehalten. Das Übereinkommen über die gerichtliche Zuständigkeit u nd die Anerkennung und Vollstre- ckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (Lugan o-Übereinkommen, LugÜ) vom 30. Oktober 2007 regelt Streitigkeiten aus Konsumente nverträgen, sofern die beklagte Partei Wohnsitz in einem Vertragsstaat hat (Art. 2 und 4 LugÜ) ; vgl. dazu auch A NTON SCHNYDER /P ASCAL GROLLIMUND , Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag, Honsell/Vogt/Schnyder [Hrsg.], Basel/Genf/München 2001 , zu Art. 46a Rz. 13 ff.; N OËLLE KAISER J OB , Schweizerische Zivilprozessordnung, Spühler/Tenchio/Infa nger [Hrsg.], Basel 2010, zu Art. 32, Rz. 23; U RS FELLER /J ÜRG BLOCH , Kommentar zur Schweizerischen Zivilpro- zessordnung, Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], zu Art. 32, Rz. 63 ff.). Für Versi- cherungssachen enthält das LugÜ eine eigene Zuständigkei tsregelung in den Art. 8 ff. LugÜ. Nach Art. 9 Abs. 1 LugÜ kann ein Versicherer, der seine n Wohnsitz im Hoheitsgebiet eines durch dieses Übereinkommen gebundenen Staates hat, vor de n Gerichten des Staates, in dem er seinen Wohnsitz hat (lit. a), in einem anderen durch dieses Übereinkommen gebundenen Staat bei Klagen des Versicherungsnehmers, des Versichert en oder des Begünstigten vor dem Gericht des Ortes, an dem der Kläger seinen Wohnsitz hat (lit. b) oder falls es sich um einen Mitversicherer handelt, vor dem Gericht eines durch dieses Übereinkommen gebundenen Staa- tes, bei dem der federführende Versicherer verklagt wi rd (lit. c) verklagt werden. Von diesen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bestimmungen kann im Wege der Vereinbarung gestützt au f Art. 13 Ziffer 2 LugÜ abgewichen werden, wenn sie dem Versicherungsnehmer, Versicherten od er Begünstigten die Befugnis einräumt, andere als die in diesem Abschnitt angeführten Gerichte anzurufen. 1.4 Vorliegend hat der Kläger Wohnsitz in Y.____. Da jedoch Art. 10.4 der Allgemeinen Ver- sicherungsbedingungen der Elips zur Krankentaggeldversi cherung (AVB; Ausgabe 2014-1) der schweizerische Wohnsitz des Versicherungsnehmers (hier: X.___ _) anerkennt, ist das Kan- tonsgericht Basel-Landschaft für die Beurteilung der vorliegenden Streitigkeit auch örtlich zu- ständig. Mit Blick darauf, dass es sich vorliegend um eine Klage eines juristischen Laien handelt und für das Gericht das Rechtsbegehren und dessen Begründ ung erkennbar sind sowie in An- betracht der herabgesetzten Anforderungen im vereinf achten Verfahren (Art. 243 ff. ZPO) ge- nügt die Eingabe den formellen Voraussetzungen an eine Klage. Auf die Klage vom 28. August 2018 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu beurteilen ist, ob der Kläger übe r den 31. Mai 2017 hinaus Anspruch auf Ausrichtung von Krankentaggeldleistungen hat. Vorweg si nd die beweisrechtlichen Fragen zu prüfen. 3.1 Wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, hat gemäss Ar t. 8 ZGB derjenige das Vor- handensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, de r aus ihr Rechte ableitet. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung müssen im Privatversicherungsrecht die anspruchsbegrün- denen Tatsachen lediglich mit dem Beweisgrad der über wiegenden Wahrscheinlichkeit erwie- sen sein (BGE 130 III 327 E. 3.5). Das gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Tat- sachen, für welche die Beweislast aufgrund von Art. 8 Z GB beim Versicherer liegt (Praxis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Schwei zerischen Bundesgerichts vom 22. Novem- ber 1990]; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 4A_393/20 08 vom 17. November 2008 E. 4.1). Die besagte Beweislastverteilung gilt auch dann, wenn d er Versicherer zunächst Taggelder ausbezahlt hat. Macht der Versicherer später geltend, d ie Umstände hätten sich geändert oder die Leistungen seien zum Vornherein zu Unrecht erbrach t worden, so hat die versicherte Per- son zu beweisen, dass sie weiterhin Anspruch auf Taggelder hat (Urteil des Bundesgerichts vom 17. August 2015, 4A_246/2015, E. 2.2). 3.2 Gelangt das Gericht in Würdigung der Beweise zur Üb erzeugung, eine Tatsachenbe- hauptung sei bewiesen oder widerlegt, ist die Beweislast verteilung gegenstandslos (BGE 141 III 241 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). Die sfalls liegt freie Beweiswürdigung vor, die bundesrechtlich nicht geregelt ist, auch nicht durch Art. 8 ZGB. Diese Bestimmung schreibt dem Gericht nicht vor, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären und wie das Ergebnis zu wür- digen ist; sie schliesst selbst eine vorweggenommene Bewei swürdigung und Indizienbeweise nicht aus (BGE 122 III 219 E. 3c; Urteil des Bundesgeri chts 4A_346/2012 vom 31. Oktober 2012 E. 3.3). Eine beschränkte Beweisabnahme verletzt Ar t. 8 ZGB daher nicht, wenn das Ge- richt schon nach deren Ergebnis von der Sachdarstellung ei ner Partei überzeugt ist, gegenteili- ge Behauptungen also für unbewiesen hält (BGE 130 II I 591 E. 5.4). Ebenso wenig schliesst der im Verfahren zur Beurteilung von Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Krankenversicherung herrschende Untersuchungsgrundsatz die antizipierte Beweiswürdigung aus (Urteil des Bundesgerichts 5C.206/2006 vom 9. November 2006 E. 2.1). 3.3 Dem Versicherer steht ein – aus Art. 8 ZGB abgele itetes – Recht auf Gegenbeweis zu. Für das Gelingen des Gegenbeweises ist mithin bloss erford erlich, dass der Hauptbeweis er- schüttert wird (BGE 130 III 321 E. 3.4; 120 II 393 E. 4b) und damit die Sachbehauptungen nicht mehr als überwiegend wahrscheinlich erscheinen. Gelingt es mit dem Gegenbeweis, an der Sachdarstellung des Anspruchsberechtigten erhebliche Zw eifel zu wecken, so ist der Hauptbe- weis des Anspruchsberechtigten gescheitert. 3.4 Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes i st entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei nes Beweismittels noch die Bezeich- nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Ste llungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern ausschliesslich dessen Inhalt (vgl. BGE 125 V 352 f. E. 3, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). Das Gericht darf dabei eine Tatsac he nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt ist (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozess- rechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 136). 4.1 Da das VVG ausser in Art. 87 keine spezifischen Bestim mungen zum Krankentaggeld enthält, sind die vertraglichen Versicherungsvereinbarunge n massgebend. Gemäss vorliegen- der Versicherungspolice vom 12. Januar 2015 hat die Bekla gte mit der Arbeitgeberin des Klä- gers eine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen. Die V ersicherungsleistung besteht in der Ausrichtung von Taggeld bei krankheitsbedingter A rbeitsunfähigkeit (vgl. Art. 1.3 AVB). Krankheit ist jede Beeinträchtigung der körperlichen g eistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls oder einer Berufskrankheit ist, und die eine medizinische Untersu- chung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfä higkeit zur Folge hat (Art. 2.4.1 AVB). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigun g der körperlichen, geistigen oder psychi- schen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähi gkeit, im bisherigen Beruf oder Aufga- benbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Da uer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt . Teilweise Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25 % be steht (Art. 2.4.3 AVB). Das erneute Auftreten einer Krankheit (Rückfall) gilt dann als ne uer Versicherungsfall, wenn die versicherte Person seit dem letzten Auftreten der gleichen Krankhe it während zwölf Monaten ununterbro- chen arbeitsfähig war. Massegebend dafür ist das Arbeits pensum bei Eintritt des Leistungsfalls (vgl. Art. 2.7.3 AVB). Für Personen, die im Zeitpunkt ihres Arbeitsverhältnisses voll oder teilwei- se arbeitsunfähig sind und ein Leistungsfall vorliegt, besteht eine befristete Nachdeckung. Der Leistungsanspruch gilt bis zum Ende des Leistungsfalls, län gstens jedoch bis zum Ablauf der vereinbarten Leistungsdauer. Rückfälle geben keinen An spruch auf weitere Leistungen (Art. 2.7.4 AVB). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Mit undatierter Krankmeldung meldete die Arbeitg eberin der Beklagten, dass der Kläger ab dem 26. September 2016 arbeitsunfähig sei. In der Folge richtete diese gestützt auf die Ar- beitsunfähigkeitsbescheinigungen der behandelnden Ärztin nen Dres. C.____ und D.____ die vertraglich vereinbarten Leistungen nach Ablauf der Wa rtefrist aus. Diese ärztlichen Bescheini- gungen begründen eine rechtsgenügliche Grundlage für d ie Inanspruchnahme der Taggeldleis- tungen gemäss Art. 1.3 AVB. 4.3 In der Folge liess die Beklagte den Kläger versicheru ngsmedizinisch beurteilen. In sei- nem Gutachten vom 20. März 2017 diagnostizierte Dr. E.__ __ eine gegenwärtig leichtgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0). Der Versicherte sei in der Flexibilität und Umstellfähigkeit, in der Durchhaltefähigkeit, in der Kontaktfähigkeit zu Dritten, in der Gruppenaktivität, und allen- falls in der Bewältigung von Wegen leichtgradig beeint rächtigt. In der zuletzt ausgeübten Tätig- keit als Projektenwickler sei er in der Funktions- und Arb eitsfähigkeit im Umfang von 20 % ein- geschränkt. Bei einer geeigneten, an den Leitlinien orientierten Therapie sei die Prognose güns- tig, weshalb in circa zwei Monaten mit einer nahezu vo llständigen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden könne. Angepasste Verweistätigkeiten seien uneing eschränkt zumutbar. Die Be- schwerdeschilderung des Versicherten sei vage und vieldeut ig gewesen. Zudem sei testpsy- chologisch eine „negative Antwortverzerrung“ bzw. ein a bsichtliches Erzeugen/Übertreiben kör- perlicher oder psychischer Symptome ausgewiesen. Die Beur teilung der behandelnden Ärztin- nen, wonach eine schwere Depression ausgewiesen sei, sei ohne nähere Beschreibung bzw. Einordnung in die internationale statistische Klassifika tion der Krankheiten und verwandter Ge- sundheitsprobleme (ICD-10) erfolgt. Die attestierte vo llständige Arbeitsunfähigkeit sei nicht nachvollziehbar, zumal es sich hierbei um eine absolute mo torische, intellektuelle und/oder emotionale Einschränkung handeln müsste, was sich aus versich erungspsychiatrischer Sicht jedoch nicht begründen liesse. 4.4 Am 26. April 2017 diagnostizierte Dr. D.____ eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (IC D-10 F33.2). Es sei von einer larvierten Depression mit somatischen und ängstlichen Ante ilen sowie Schlafstörungen und Albträumen auszugehen. Der Versicherte sei weiterhin vollständig arbeitsunfähig. 4.5 Die Beklagte beauftragte Dr. E.____ mit einem we iteren Gutachten. Am 21. Juli 2017 diagnostizierte er mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichtgradige depressive Episode, aktenanamnestisch im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.0). Oh- ne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünde ein Verdacht auf eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (ICD-10 F68.0). In Vergleich zum Befund vom März 2017 würden sich keine wesentlichen Veränderungen zeigen. Es bestünde weiterhin eine leichte de- pressive Störung. Ein somatisches Syndrom habe nicht festgest ellt werden können. Die im Be- richt von Dr. D.____ vom 26. April 2017 beschriebene „m askierte“ schwere depressive Episode könne nicht eindeutig nachvollzogen werden, da sie kein angemessener Psychostatus nach dem System zur standardisierten Erfassung und Dokumentatio n eines psychopathologischen Befundes (AMDP) beschreibe. Zudem stütze sie ihre Beu rteilung offenbar in erheblichem Um- fang auf die (subjektiven) Angaben resp. Beschwerden de s Versicherten. Zu beachten sei in Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht diesem Zusammenhang, dass erneut Hinweise auf eine „neg ative Antwortverzerrung“ vorliegen würden, da der Versicherte im Rahmen der testpsychologischen Beschwerdevalidierung wiede- rum ein positives Ergebnis erzielt habe und seine Äusser ungen – trotz mehrfacher Nachfrage und Unterstützung des Dolmetschers – erneut vage, ungenau und vieldeutig gewesen seien. Klinisch-phänomenologisch liege aktuell keine schwere depr essive Affektivität vor. Die Funkti- ons- und Arbeitsfähigkeit sei weiterhin nur leicht im Umfang von 20 % eingeschränkt. 4.6 Der Kläger war vom 18. August 2017 bis 6. Septemb er 2017 in der Klinik F.____ hospi- talisiert. Im Bericht vom 3. Oktober 2017 diagnostizierte Dr. G.____ eine mittelgradige depressi- ve Episode (ICD-10 F32.1). Der Versicherte berichte über Müdigkeit, Energielosigkeit und Trauer. Anamnestisch beschäftige er sich im Garten, im H aushalt und unternehme Spaziergän- ge. Die Hospitalisation sei gut verlaufen; er habe an den Angeboten der Klink teilgenommen. Eine psychische oder körperliche Verlangsamung sei nicht festgestellt worden. Die analgetische Behandlung und ambulante Betreuung durch Dr. D.____ sei fortzusetzen. 4.7 Am 9. Oktober 2017 hielt Dr. D.____ fest, dass ein e schwere depressive Störung mit ängstlicher Komponente vorliege. Die maskierte Depression sei resistent und persistiere seit September 2016. Die Hospitalisation sei daher nicht d ie Folge eines Rückfalls. Eine regelmäs- sige berufliche Tätigkeit sei nach wie vor ausgeschlossen. 4.8 Die Invalidenversicherung beauftragte Dr. H.____ m it einem psychiatrischen Gutachten. Am 29. Mai 2018 diagnostizierte er eine andauernde Pe rsönlichkeitsveränderung nach psychi- scher Krankheit (ICD-10 F62.1). Ohne Einfluss auf die Ar beitsfähigkeit bestünde ein Status nach einem Burnout (ICD-10 Z73.0). Der Versicherte s ei im Herbst 2016 infolge von Arbeits- überlastung in ein Burnout geraten. Das Krankheitsgesch ehen habe sich im Verlauf zusehends chronifiziert. Der Versicherte verharre in Passivität und Initiativlosigkeit. Subjektiv werde der Zustand als hoffnungs- und perspektivenlos erlebt. Das K rankheitsbild habe sich in Richtung einer andauernden Persönlichkeitsveränderung nach psychisch er Krankheit verschoben. Die Beurteilung der behandelnden Psychiaterin Dr. D.____, wonach eine resistente maskierte De- pression vorliege, könne nicht bestätigt werden. Auch Dr . G.____ beschreibe in seinem Bericht vom 3. Oktober 2017 keine erhebliche Depression. Die von Dr. E.____ gestellten Diagnosen würden letztlich ebenfalls keine überzeugende Erklärung f ür den Zustand des Versicherten be- inhalten, da sich bei ihm aus einer ursprünglichen Erschöpfungssymptomatik nach und nach ein krankhaftes, unangepasstes Verhalten entwickelt habe, dessen Zuordnung neu gefasst werden müsse. Dem Versicherten sei die bisherige Tätigkeit seit Okt ober 2016 im Umfang von 80 % möglich. In einer angepassten Verweistätigkeit sei seit O ktober 2016 von einer Arbeitsfähigkeit von 90 % auszugehen. 5.1 Zu prüfen ist, ob die von der Beklagten eingehol ten Gutachten von Dr. E.____ vom 20. März 2017 und 21. Juli 2017 geeignet sind, die vom Kläger vorgelegten Arbeitsunfähig- keitsbescheinigungen der behandelnden Ärzteschaft zu erschü ttern bzw. ob ihr damit der Ge- genbeweis in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit gelingt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Die besagten fachärztlichen Gutachten von Dr. E.__ __ sind aufgrund von Beobachtun- gen und Untersuchungen des Klägers sowie nach Einsicht in die Akten erstattet worden. Sie erscheinen umfassend und nachvollziehbar begründet. Es be stehen keine Anhaltspunkte, die gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen würden. Vielmehr kon nte sich Dr. E.____ nach eingehen- der Erörterung der Befunde und unter Berücksichtigung der vorhandenen Berichte sowie nach vertiefter Auseinandersetzung mit den Kriterien gemäss I CD-10 und zudem nach Durchführung diverser testpsychologischer Abklärungen ein umfassendes Bild über die gesundheitlichen Be- einträchtigungen und deren Auswirkungen auf die Arbei tsfähigkeit machen, weshalb seiner Be- urteilung besonderes Gewicht zukommt. Er kommt überzeugen d zum Schluss, dass die vom Versicherten geäusserten und in den Akten erwähnten Besc hwerden im Zeitpunkt der Begut- achtungen nicht ausgereicht haben, um eine Einwirkung auf die Arbeitsfähigkeit von mindes- tens 25 % zu begründen. Insgesamt sind die Gutachten von Dr. E.____ überzeugend und stel- len geeignete Entscheidgrundlagen dar. Zweifel an der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen, welche eine Neubeurteilung verlangen würden (vgl. Urt eil des Bundesgerichts vom 2. Februar 2016, 8C_674/2015), bestehen nicht. Seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit deckt sich vielmehr mit derjenigen von Dr. H.____ vom 29. Mai 2018, welche r dem Versicherten ab 1. Juni 2017 ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bescheinigt. Daraus folgt, dass die besagten Gutach- ten berechtigte Zweifel an den Beurteilungen der beh andelnden Ärzte Dres. C.____, D.____ und G.____ zu wecken vermögen. Soweit sie dem Kläger über den 31. Mai 2017 hinaus voll- ständige Arbeitsunfähigkeit bescheinigen, erscheint die Richtigkeit ihrer Beurteilung damit nicht mehr überwiegend wahrscheinlich. 5.3 Daran vermögen die Vorbringen des Klägers nichts zu ändern. Soweit er sich weiterhin auf die Beurteilungen seiner behandelnden Ärzte beruf t, ist ihm entgegenzuhalten, dass Dr. E.____ aufgrund der umfassenden Abklärungen eine g ewisse Objektivierung erreicht und so auch die Herleitung der Restarbeitsfähigkeit nachvo llziehbar macht, wohingegen die weit weniger ausführlich und fundiert begründeten Berichte der behandelnden Fachärzte Dres. D.____ und G.____ hinsichtlich Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit weitgehend nicht nachvollziehbar sind. Hinzu kommt, dass in Bezug auf Atteste von behandelnden Spezia- listen der Erfahrungstatsache Rechnung getragen werden darf und soll, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353, 122 V 162 E. 1c, 120 V 367 E. 3b), weshalb auf de- ren Aussagen nicht unbesehen abgestellt werden kann (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versi- cherungsgerichts [EVG] vom 28. Januar 2004, I 294/04, E . 4.3.3). Insgesamt vermögen die Gutachten von Dr. E.____ in beweismässiger Hinsicht erheb liche Zweifel an den Beurteilungen der behandelnden Ärzte zu wecken. Diese Zweifel hat der Kläger nicht ausgeräumt, namentlich sind auch nach Anhängigmachung der Klage vom 28. Augu st 2018 keine hinreichend begrün- deten ärztlichen Stellungnahmen zu den gutachterlichen Beurteilungen erfolgt. Damit steht fest, dass aufgrund der bestehenden erheblichen Zweifel der Hauptbeweis des Klägers gescheitert ist. 5.4 Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass di e Beklagte bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Klägers auf die Gutachten von Dr. E.____ Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 20. März 2017 und 21. Juli 2017 abgestellt und die Taggeldleistungen per 31. Mai 2017 eingestellt hat. Die Klage ist daher abzuweisen. 6.1 Das Verfahren vor dem Versicherungsgericht ist gem äss Art. 114 Abs. 2 lit. f ZPO kos- tenlos. Es werden desahlb keine Verfahrenskosten erhoben. 6.2 Der obsiegenden Partei ist gestützt auf Art. 106 Ab s. 1 ZPO grundsätzlich eine Partei- entschädigung zulasten der unterliegenden Partei zuzuspre chen. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung besteht im Bereich der Zusatzversicherunge n zur sozialen Krankenversiche- rung ein Anspruch des obsiegenden Versicherungsträgers unt er der Voraussetzung, dass der Versicherungsträger durch einen externen Anwalt vertret en ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. Januar 2001, 5C.244/2000, E. 5 mit Hinweisen, zu r Geltung dieser Rechtsprechung un- ter der ZPO: Urteil des Bundesgerichts vom 17. November 2010, 4A_194/2010, E. 2.2.1 mit Hinweisen). Diese Voraussetzung ist vorliegend gegeben, weshalb die Beklagte einen An- spruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten des Klägers hat (vgl. auch Urteil des Kantons- gerichts vom 9. Mai 2014, 731 13 350, E. 7.2). Der Re chtsvertreter der Beklagten hat in seinen Honorarnoten vom 12. Dezember 2018 und 21. Februar 2 019 und für das vorliegende Verfah- ren einen Zeitaufwand von insgesamt 27,4 Stunden sowie Auslagen von Fr. 360.55 geltend gemacht, was in Anbetracht der sich stellen Sachverhalts - und Rechtsfragen nicht zu bean- standen ist. Gemäss dem praxisgemäss zur Anwendung gelange nden Stundenansatz von Fr. 250.-- (vgl. § 2 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003) hat die Beklagte demnach Anspruch auf Vergütun g der Parteikosten in Höhe von Fr. 7'765.75 (27,4 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 360.55 und 7,7% Mehrwertsteuer). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der Kläger hat der Beklagten eine Parteientschädig ung in der Höhe von Fr. 7‘765.75 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht