Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 24. Januar 2019 (720 18 279 / 24) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Raffaella Biaggi , Adv o- katin, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1989 geborene A.____ arbeitet seit 1. Januar 2013 als Schadenspezialistin bei der B.____. Am 18. November 2011 meldete sie sich bei d er IV-Stelle Basel-Landschaft zum Leis- tungsbezug an. Mit Verfügung 13. Februar 2014 sprac h die IV-Stelle A.____ eine vom 1. Mai bis 31. Juli 2012 befristete Dreiviertelsrente zu. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 21. September 2015 meldete sich A.____ erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Ve rhältnisse und nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren lehnte die IV-Stelle mit Verfügu ng vom 24. August 2018 einen Renten- anspruch gestützt auf einen IV-Grad von 0 % ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Raffaella Biaggi, am 3. September 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es se i die angefochtene Verfügung auf- zuheben und die Beschwerdegegnerin zu verurteilen, ihr e ine halbe IV-Rente auszurichten. Eventualiter sei eine psychiatrische Begutachtung durch das Gericht anzuordnen. Subeventuali- ter sei die Sache zur Neubeurteilung und Einholung e ines psychiatrischen Gutachtens an die IV-Stelle zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 12. November 2018 bean tragte die Beschwerdegegne- rin, die Beschwerde sei abzuweisen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten ist demnach ein zutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer du rch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Vo- raussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der E rfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtlic he Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussa gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therape utisch tätigen (Fach-)Arztes einer- seits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander- seits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu a nderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich e ine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rei n subjektiver ärztlicher Interpretation ent- springende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begut achtung unerkannt oder ungewür- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht digt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arb eitsfähigkeit der Beschwerde- führerin liegen im Wesentlichen folgende ärztliche Unterlagen vor: 5.1 Im Abschluss- und Verlaufsbericht der C.___-Klinik vom 16. August 2011 (Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Klinik vom 7. Februar - 29. Juli 2011) wird als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode festgehalten. 5.2 Mit Arztbericht vom 11. Februar 2013 diagnostiziert Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eine rezidivierende depressive Störung , gegenwärtig mittelgradige Episo- de mit somatischem Syndrom. Ausgehend von zahlreichen interaktionellen Schwierigkeiten in der Vorgeschichte bestehe der Verdacht auf eine tiefgr eifendere strukturelle Störung im Sinne einer Persönlichkeitsstörung vom emotional instabilen T ypus. Es bestehe eine 60%ige Arbeits- unfähigkeit ab 1. Januar 2012. 5.3 Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hält in ihrem Arztbericht vom 6. November 2015 als Diagnosen eine rezidivierende depressiv e Störung mit somatischen Symp- tomen, gegenwärtig partiell remittiert, ICD-10 F33. 11, seit 2010, eine emotional instabile Per- sönlichkeit seit Jahren, ICD-10 F60.30, sowie Migräne sei t Jahren fest. Als Einschränkungen führt Dr. E.____ Konzentrationsstörungen, eine rasche E rmüdbarkeit, Antriebsstörungen und innere Unruhe und Reizbarkeit an. 5.4 Der RAD-Arzt Dr. med. F.____, Facharzt für Arbeitsm edizin, führt in seiner Beurteilung vom 7. Januar 2016 aus, dass die Beschwerdeführerin als Sch adensmitarbeiterin bei der B.____ gut aufgehoben sei. Der Kundenkontakt sei aber wegen der ausgewiesenen Impulsivität der Beschwerdeführerin problematisch. Es sei eine 20%ig e Einschränkung bezogen auf ein theoretisches 100 %-Pensum anzunehmen. Die Beschwerdeführerin arbeite nur 80 %, weshalb keine Einschränkung angenommen werden könne. 5.5 Mit Arztbericht vom 16. September 2016 hält Dr. E .____ folgende Diagnosen fest: Re- zidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Epi sode, ICD-10 F33.0, eine emotional instabile Persönlichkeit, ICD-10 F60.30 sowie DD: Bipo lar II-Störung. Was eine Heilung anbe- lange sei die Prognose ungünstig. Die depressive Episode könne jederzeit schlimmer werden. Eine Teilarbeitsfähigkeit von ca. 60 % könne für die Zukunft als realistisch angenommen wer- den. Die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin unt erliege starken Schwankungen und könne sich von Tag zu Tag ändern. Der gegenwärtige Arbe itsplatz der Beschwerdeführerin sei optimal, was ihre Bedürfnisse betreffe. Wenn es ihr schle cht gehe, könne sie fehlen, wenn es ihr gut gehe, könne sie arbeiten. 5.6 Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Medizin, hält mi t Arztbericht vom 24. Oktober 2016 als Diagnosen eine Depression und eine Insomnie fest und führt aus, die Ängste hätten bei der Beschwerdeführerin zugenommen, sie habe auch vermehrt Albträume. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7 Mit RAD-Bericht vom 4. September 2017 führt Dr. m ed. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, aus, dass gemäss den fachärztlichen Berichten e ine rezidivierende depressive Störung mit somatischem Syndrom, gegenwärtig partiell remittiert, seit 2010 sowie eine emotio- nal instabile Persönlichkeitsstörung und eine Migräne se it Jahren, vorliege. Es liege eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Die Beschwerdeführerin a rbeite in einem optimal angepassten Arbeitsplatz. Abgesehen von einer vorübergehenden Ver schlechterung sei der Gesundheitszu- stand längerfristig unverändert. 5.8 Die behandelnde Psychiaterin Dr. E.____ hält mit Schreiben vom 22. Oktober 2017 fest, dass die Beschwerdeführerin auch für eine Verweist ätigkeit nur zu 50 - 60 % arbeitsfähig, sei, da auch eine Reduktion der Belastung durch einfachere Arbeiten und weniger Stress erneut zu einer Krise geführt habe. 5.9 In einem weiteren Bericht vom 30. Januar 2018 gi bt Dr. E.____ wiederum die bekann- ten Diagnosen an. Zur Arbeitsfähigkeit hält sie fest, dass der Beschwerdeführerin ein zeitlicher Rahmen von 4 bis max. 4.5 Stunden pro Tag zugemutet werden könne. 5.10 Dr. F.____ führt mit RAD-Bericht vom 23. Mai 20 18 aus, Dr. E.____ könne nicht plau- sibel begründen, weshalb die Versicherte in einer Verweistätigkeit lediglich zu 50 % arbeitsfähig sein soll. Die psychiatrischen Diagnosen und deren Schwere grad hätten kein invalidisierendes Ausmass. Die Beschwerdeführerin sei mit ihrer leichten De pression und ihrer akzentuierten Persönlichkeit an einem leidensangepassten Arbeitsplatz oh ne übermässigen Zeit-, Verantwor- tungs- und Teamdruck, wie derzeit im Callcenter einer Versicherung, mindestens mit 80 % bei voller Leistung einsetzbar. Aus medizinischer Sicht könne am Vorbescheid festgehalten wer- den. 5.11 In einer Aktennotiz vom 24. Mai 2018 hält Dr. H .____ fest, dass sowohl die rezidivie- rende depressive Störung als auch die emotional instabile Persönlichkeitsstörung seit Jahren bestehen würden. Die Beschwerdeführerin habe dennoch in der freien Wirtschaft stets gearbei- tet. Es sei im Weiteren ersichtlich, dass es sich bei den e rwähnten Auslösern, nämlich Tren- nung vom Freund und Konflikten mit den Arbeitskollege n um invaliditätsfremde Faktoren hand- le, die bei der Beurteilung der medizinisch-theoretische n Arbeitsfähigkeit nicht herangezogen werden könnten. 5.12 Mit RAD-Beurteilung vom 17. September 2018 führ t Dr. H.____ aus, dass die Ver- dachtsdiagnose der bipolar affektiven Störung Typ II n icht nachvollzogen werden könne, da in den früheren medizinischen Unterlagen, insbesondere im Abschlussbericht der Tagesklinik EPD diese Diagnose nie gestellt worden sei. Hinzu komme , dass in den Anamnesen keine hy- pomanische oder manischen Episoden beschrieben worden sei en. Die Diagnose einer emotio- nal instabilen Persönlichkeitsstörung könne nur gestellt we rden, wenn die Kardinalkriterien vor- liegen würden, nämlich: schwer dysfunktionale Verhaltensw eisen mit deletären Auswirkungen auf allen Achsen des Lebens, Beruf, Beziehungsebene und soziale Umgebung. Diese Kriterien seien in den Arztberichten von Dr. E.____ nicht ersichtlich. Des Weiteren würden auch keine für Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht die emotional instabile Persönlichkeitsstörung spezifische n Kriterien beschrieben wie Selbst- schädigung, Selbstverletzung, Micropsychosen. Auch würden keine heftigen instabilen Bezie- hungen beschrieben, vielmehr werde die Beziehung zum Fr eund in einer Art beschrieben, die sich durchwegs im Bereich des Normalen bewege. Eine schwer e pathologische Beziehungsge- staltung oder Beziehungsform lasse sich nicht erkennen. Der Umstand, dass sich der Freund im Januar 2017 von der Beschwerdeführerin getrennt habe, was bei ihr eine depressive Krise aus- gelöst habe, genüge nicht als hinreichend pathologisch es Verhaltensmerkmal für eine Persön- lichkeitsstörung, vielmehr bewege sich dieses Verhalten im Normalbereich. Bei einer Persön- lichkeitsstörung sei nicht von einer Arbeitsunfähigkeit auszugehen, wenn die spezifische Verhal- tensweise und spezifischen Anforderungen des Arbeitsplatze s verträglich seien. Dies sei offen- bar am konkreten Arbeitsplatz bereits der Fall. Die Besch werdeführerin müsse keine eigenen Dossiers mehr bearbeiten, sie müsse auch keinen Pikettdien st mehr leisten und werde als Springerin eingesetzt. Eine zusätzliche Einschränkung sei versicherungsmedizinisch nicht nachvollziehbar. 6. Unklar ist aufgrund der vorliegenden Akten, ob die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom 24. August 2018 noch an ihrem Arbeitsplatz tätig war. Gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 20. Dezember 2017 war das Arbeitsverhältnis damals ungekündigt. Aus den IV-Akten ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführeri n per 1. Mai 2018 Arbeitslosenent- schädigung gewährt wurde. Demzufolge ist davon auszugehen, dass das Arbeitsverhältnis zu jenem Zeitpunkt nicht mehr bestand. Die Beschwerdeführer in macht in ihrer Beschwerde dies- bezüglich keine Ausführungen. Die IV-Stelle und der RAD berufen sich auf das noch ungekün- digte Arbeitsverhältnis und es wird geltend gemacht, dass die Beschwerdeführerin bei der B.____ zu 80 % arbeite und dies ohne Soziallohn. Darau s leiten die IV-Stelle und der RAD ab, dass demzufolge bei der Beschwerdeführerin erhebliche Ressourcen bestehen würden. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei der Beurteilun g der Arbeitsfähigkeit der Be- schwerdeführerin auf die diversen RAD-Berichte. Sie geht demzufolge davon aus, dass die Be- schwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. Der RAD erachtet die Voraussetzungen für die Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung als nicht erfüllt. Selbst wenn aber eine Persönlichkeitsstörun g vorliegen würde, so wäre von einem lediglich leichten Ausprägungsgrad auszugehen. Die IV-St elle führt in diesem Zusammenhang die Anpassung am Arbeitsplatz an, die für die Beschwerde führerin zu weniger Stress geführt habe. Diesbezüglich kann der IV-Stelle nicht gefolgt werden. Zunächst ist festzustellen, dass der Arbeitsplatz mittlerweile wohl aufgelöst wurde un d die Ausführungen der IV-Stelle hinsicht- lich des angepassten Arbeitsplatzes hinfällig sind. Zudem hat die behandelnde Psychiaterin bereits im Vorbescheidverfahren deutliche Hinweise fü r eine Persönlichkeitsstörung vorge- bracht. Es ist zwar richtig, dass die Trennung vom Freund – isoliert betrachtet – ein invaliditäts- fremder Faktor ist. Dieser Punkt ist aber nur ein Element. Im Vordergrund stehen viel mehr Kon- flikte am Arbeitsplatz bedingt durch die häufigen kran kheitsbedingten Absenzen der Beschwer- deführerin. Die behandelnde Ärztin hält in ihrem Ber icht vom 30. Januar 2018 zudem folgende Befunde fest: Geringes Selbstwertgefühl, Stimmungsschwan kungen, die von Tag zu Tag än- dern können, emotionale Instabilität (Wut, Ärger, Tra uer, Unzufriedenheit mit sich und ihrem Schicksal, Impulsivität), Multiple Ängste (Ängste bezügl ich eines Arbeitsplatzverlustes), dass Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nahe Bezugspersonen sterben könnten, Angst öffentlich e Verkehrsmittel zu benutzen, Angst verletzt zu werden oder allein zu sein, Reizbarkeit, inn ere Unruhe, Konzentrationsstörungen, Grübeln, Antriebsstörungen, rasche Ermüdbarkeit, vermeh rtes Schlafbedürfnis. Es werden Alb- träume von Mobbing oder vom „Ausgegrenztwerden“ beschri eben, in depressiven Phasen inne- re Leere, Morgentief, Appetitstörungen und auch Zwän ge, z.B. die Stufen zählen zu müssen, wenn sie eine Treppe hinaufsteige und zeitweise Suizi dgedanken. Die Suizidgedanken werden zeitlich ab Juni 2017 eingeordnet. 7.2 Dr. E.____, die die Beschwerdeführerin seit Juni 2015 behandelt, benennt damit durchaus Kriterien, die für eine rezidivierende depres sive Störung wie auch für eine emotional instabile Persönlichkeit sprechen. Es ist nicht an der be handelnden Ärztin diesbezüglich den schlüssigen Beweis zu führen. Soweit die IV-Stelle gelten d macht, dass selbst wenn eine Per- sönlichkeitsstörung angenommen werden könnte, diese ledig lich einen leichten Ausprägungs- grad hätte, so ist diese Differenzierung ohne eigene Un tersuchung nicht haltbar. In Anbetracht der im Vorbescheidverfahren seitens der Beschwerdeführe rin eingereichten Arztberichte hätten weitere Abklärungen gemacht werden müssen. Möglicherwe ise wurde die gesundheitliche Problematik der Beschwerdeführerin durch das bis mindesten s Ende 2017 bestehende Arbeits- verhältnis, für welches die Arbeitgeberin ein erstaunlich es Entgegenkommen aufgebracht hat, überdeckt, so dass die Beschwerdegegnerin sich nicht ver anlasst sah, weitere Abklärungen vorzunehmen. Festzuhalten ist weiter, dass der psychiatrische Befund seit 2010 aktenkundig ist und die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 13. Feb ruar 2014 bereits eine befristete Rente zugesprochen erhalten hat. Auch diese Punkte sprechen für eine sorgfältige Abklärung der me- dizinischen Situation. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass der medizinische Sachverh alt nicht rechtsgenüg- lich abgeklärt ist, da zumindest geringe Zweifel an den Arztberichten des RAD bestehen (vgl. E. 4.3). Es kann aber auch nicht auf die Einschätzung de r behandelnden Ärztin abgestellt wer- den. Da der medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklä rt wurde, ist die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen und zum Erlass einer ne uen Verfügung an die IV-Stelle zu- rückzuweisen. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. 9.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. In der ab 1. Januar 2019 neu in Kraft getretene n Bestimmung gemäss § 20 Abs. 3 VPO sind die ordentlichen Kosten neuerdings auch den unterli egenden Vorinstanzen zu auferlegen. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei. D ie ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- werden somit ihr auferlegt, und der geleistete Kostenvorschuss ist der Beschwerdeführerin zurückzuer- statten. 9.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Hebt das Kantonsgericht einen b ei ihm angefochtenen Entscheid auf und weist es die Angelegenheit zu ergänzender Abklärun g und neuer Beurteilung an die Ver- waltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, B GE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädig ung zu Lasten der Beschwerdegeg- nerin zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdef ührerin hat in ihrer Honorarnote vom 28. November 2018 für das vorliegende Verfahren ei nen Zeitaufwand von insgesamt 9,58 Stunden geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich s tellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungs- prozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwen dung gelangenden Stundenan- satz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden si nd sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 54.30. Der von der Rec htsvertreterin zusätzlich als Auslage geltende gemachte Betrag von Fr. 800.-- für den bere its geleisteten Kostenvorschuss kann nicht im Rahmen der Parteientschädigung geltend gemach t werden. Dieser Betrag wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet (vgl. E. 9.2). Der Be schwerdeführerin ist folglich eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘637.90 (9,58 S tunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 54.30 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die Verfügung vom 24. August 2018 aufgehoben und die Angelegenheit zur Vornah- me weiterer medizinischer Abklärungen im Sinne der Erw ägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückg ewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle hat der Beschwerdeführerin eine Par teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘637.90 (inklusive Auslagen und 7,7 % Mehrwert- steuer) auszurichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht