Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. August 2012 (720 10 325 / 238) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Verwertbarkeit eines Gerichtsgutachtens Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrich- ter Michael Guex, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, vertreten durch Renate Jäggi, Advokat in, Hauptstrasse 12, Postfach 811, 4153 Reinach gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1973 geborene A.____ arbeitete zuletzt vom 27 . März 2001 bis 2. Juni 2003 als Chauffeur bei der B.____AG. Am 1. November 2004 (Eingang) meldete er sich bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nac h Abklärung der erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse ermittelte die IV-Stell e einen IV-Grad von 41%. Gestützt auf die- ses Ergebnis sprach sie A.____ - nach durchgeführtem Vo rbescheidverfahren - mit Verfügung vom 18. September 2007 rückwirkend ab 1. Dezember 2004 eine Viertelsrente zu. Die hierge- gen vom Versicherten, vertreten durch Advokatin Renate Jäggi, erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan tonsgericht) mit Urteil vom 15. August 2008 in dem Sinne gut, als es die Verfügun g vom 18. September 2007 aufhob und Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Angelegenheit für weitere Abklärungen und zum Er lass einer neuen Verfügung an die IV- Stelle zurückwies. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. B. In Nachachtung des Urteils des Kantonsgerichts vom 15. August 2008 liess die IV-Stelle bei der C.____GmbH eine ergänzende Sachverhaltsabklär ung durchführen. Gestützt auf die Abklärungsergebnisse der C.____GmbH vom 29. Juni 2009 und 19. Oktober 2009 ermittelte die IV-Stelle einen IV-Grad von nunmehr noch 20%, worauf sie mit Verfügung vom 30. September 2010 einen Anspruch von A.____ auf eine Rente abwies. C. Hiergegen erhob A.____ weiterhin vertreten durch A dvokatin Jäggi, am 1. November 2010 Beschwerde beim Kantonsgericht. Er beantragte, i n Aufhebung der Verfügung vom 30. September 2010 sei ihm ab 1. Dezember 2004 eine ganze Rente zuzusprechen, eventuali- ter seien ergänzende medizinische Abklärungen vorzunehmen ; unter o/e- Kostenfolge. In ver- fahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die unentge ltliche Rechtspflege mit Advokatin Jäggi als unentgeltliche Rechtsvertreterin. Die Beschwerde begrü ndete er im Wesentlichen damit, dass die Verfügung auf unzureichenden medizinischen Unterl agen beruhe. Entgegen der Auf- fassung der IV-Stelle verfüge er über keine verwertba re Restarbeitsfähigkeit. Allenfalls sei ein Abzug vom Tabellenlohn von 25% vorzunehmen. D. Mit Verfügung vom 7. Januar 2011 wurde dem Beschwe rdeführer für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advo- katin Jäggi als unentgeltliche Rechtsvertreterin bewilligt und auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses verzichtet. E. In ihrer Vernehmlassung vom 18. März 2011 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. F. Mit Eingabe vom 31. März 2011 liess der Beschwerdefü hrer den Bericht von Dr. med. D.____, FMH Angiologie und Allgemeine Inne re Medizin, vom 26. Oktober 2010 zu den Akten reichen. G. Die IV-Stelle verzichtete am 7. April 2011 auf eine weitere Stellungnahme. H. Anlässlich der Urteilsberatung vom 21. Juli 2011 gel angte das Kantonsgericht zur Auf- fassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Angeleg enheit gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage nicht möglich ist. In der Folge st ellte es den Fall aus und beauftragte das Begutachtungsinstitut E.____ mit einem polydisziplin ären Gutachten, welches am 4. April 2012 erstattet wurde. I. Mit Eingaben vom 26. April 2012 und 11. Juni 2012 nahmen die Parteien zum Gutachten sowie zu allfälligen Auswirkungen der medizinischen Beurt eilung auf den Leistungsanspruch Stellung. Während die IV-Stelle an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde festhielt, bean- tragte der Beschwerdeführer, es sei zur Frage der Einschr änkung der Erwerbsfähigkeit und der Leistungsfähigkeit ein Obergutachten einzuholen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 30. September 2010 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 20 07 gültig gewesenen Fassung) bzw. nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 20 08 anwendbaren Fassung) hat die versi- cherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreivier- telsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Re nte, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialve rsicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Bee inträchtigung der körperlichen, der geis- tigen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28 Abs. 2 IVG [in der bis 31. Dezemb er 2007 gültig gewesenen Fassung] bzw. Art. 28a Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwendbaren Fassung]). Danach ist der Invalidi- tätsgrad aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimm en. Dazu wird das Erwerbseinkom- men, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalid ität und nach Durchführung der medizi- nischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätig- keit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein- ander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdiff erenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperli- che Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von A rt. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen gute n Willens, die verbleibende Leistungs- fähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Ford erbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 102 V 165; AHI-Praxis 2001 S. 22 8 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 4.4 Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabk lärung von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinde n, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt i hm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me dizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermit teln, dass über den Leistungsan- spruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden W ahrscheinlichkeit entschieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juli 2011, 8C_148/2011, E. 3.2). 5. Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind di e folgenden medizinischen Unterla- gen zu berücksichtigen: 5.1.1 In Nachachtung des Urteils des Kantonsgerichts vom 15 . August 2008 liess die IV- Stelle den Versicherten bei der C.____GmbH polydisziplin är begutachten. Am 29. Juni 2009 diagnostizierte das Expertenteam mit Einfluss auf die A rbeitsfähigkeit eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0), chronische Kopfschmerzen vom Spann ungstyp (ICD-10 G44.2) mit rezidivierenden Bewusstseinsverlusten unklarer Ätiologie, differentialdiagnostisch, funktionell, epilogen (ICD-10 R55). Aus psychiatrischer Sicht sei dem V ersicherten eine angepasste Tätig- keit im Umfang von 80% zumutbar. Grund für die Einschr änkung sei eine leichte depressive Episode. In neurologischer Hinsicht könne die Diagnose ei ner Epilepsie nicht sicher gestellt werden. Aufgrund der chronischen Kopfschmerzen vom Spannu ngstyp seien dem Versicherten leichte bis intermittierend mittelschwere angepasste Täti gkeiten bei einer verminderten Leis- tungsfähigkeit von 20% vollschichtig zumutbar. Angesichts der rezidivierenden Bewusstlosigkeit mit Amnesie seien Tätigkeiten mit hoher Selbstgefährdung sowie Schichtarbeit nicht mehr mög- lich. Aus allgemein internistischer Sicht bestünde keine Di agnose mit Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit. Gesamtmedizinisch seien dem Versicherten k örperlich schwere Tätigkeiten oder solche mit hoher Selbstgefährdung, Schichtarbeit und auch die bisherige Tätigkeit als Chauffeur nicht mehr zumutbar. Körperlich leichte bis intermittie rend mittelschwer belastende berufliche Arbeiten mit der Möglichkeit zu Wechselpositionen seien a ber ab Mai 2009 bei einer Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80% vollschichtig realisierbar . Die Einschränkungen in psychiatri- scher und neurologischer Hinsicht würden sich ergänzen, es bestünde kein additiver Effekt. 5.1.2 Auf Anfrage der IV-Stelle hielt das Expertentea m der C.____GmbH am 19. Oktober 2009 ergänzend fest, dass die Kopfschmerzen die Arbeits fähigkeit grundsätzlich nicht ein- schränken würden. Die in neurologischer Hinsicht attesti erte verminderte Leistungseinschrän- kung von 20% würde sich zu den psychiatrischen Einschränkungen nicht additiv auswirken. Hinsichtlich der Frage, ob eine Symptomausweitung vorliege, sei darauf verzichtet worden, die- se explizit zu erwähnen, da dabei in der Regel verschied ene Symptome, meistens in Form von diffusen Schmerzen oder anderen unspezifischen Beschwerd en, vorliegen würden, was in die- sem Fall aber nicht vorhanden sei. Eine funktionelle Überlagerung, bezogen auf die Grundprob- lematik, sei aber zu bejahen. 5.2 Am 26. Oktober 2010 hielt Dr. D.____ im Wesentli chen fest, dass anlässlich einer Un- tersuchung im Kantonsspital X.____ Ende 2009 ein schwe rgradig gemischtes obstruktives und zentrales Schlafapnoe-Syndrom festgestellt worden sei. 5.3 Das Kantonsgericht liess den Versicherten beim Begutach tungsinstitut E.____ polydis- ziplinär begutachten. Am 4. April 2012 diagnostizierte das Expertenteam mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit chronische Spannungskopfschmerzen (ICD-1 0 G44.2). Ohne Einfluss auf die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsfähigkeit bestünden rezidivierende Ausnahmezuständ e mit passagerer Bewusstlosigkeit und Sturzereignissen ohne Verletzungsfolge, überwiege nd wahrscheinlich dissoziativen / psy- chogenen Anfällen entsprechend, Probleme im Zusammenhang mit der beruflichen und familiä- ren Situation sowie unzulängliche soziale Fertigkeiten (ICD-10 Z56.6/Z63.8/Z73.4) mit Verdacht auf Anpassungsstörung mit u.a. Reizbarkeit und Störung des Sozialverhaltens (ICD-10 F43.28), ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, eine chronische Insom nie und ein gastroösophagealer Reflux. Nach eingehender Konsensbesprechung kamen die beteiligten Ärzte zum Schluss, dass die Diagnose einer genuinen Epilepsie höchst zweifelhaf t sei. Die aktuelle Neubeurteilung aller vorhandenen EEG Ableitungen würden zwar formal eine F unktionsstörung bifrontal bis fronto- zentral mit in diesem Bereich auch vereinzelt epilepsiev erdächtigen Einzelpotentialen zeigen, die jedoch für sich selbst genommen nicht beweisend (aber auch nicht ausschliessend) für eine Epilepsie seien. Die Anfalls-Semiologie ergebe jedoch mehrheitlich Hinweise auf eine nicht ge- nuine Epilepsie, sondern auf dissoziative Anfälle im Ra hmen der psychiatrischen Störung. Es bestehe der starke Verdacht einer psychogenen Verursachung dieser Anfälle. Es sei zu emp- fehlen, die antiepileptischen Medikamente auszuschleichen und ohne Medikamentenschutz ein erneutes EEG bei der behandelnden Neurologin durchzuf ühren. Die Ursache der Ausfälle blei- be unklar. Aus aktueller psychiatrischer Sicht liege keine plausible Einschränkung der Arbeits- fähigkeit vor. Die früher diagnostizierte Depressivität könne heute nicht mehr bestätigt werden. Das Schlafapnoe-Syndrom sei in der Zwischenzeit umfassend abgeklärt und therapeutisch er- folgreich angegangen worden. Es bewirke keine Einschränk ung der Arbeitsfähigkeit. In seiner bisherigen Tätigkeit als Chauffeur sei der Versicherte grundsätzlich arbeitsfähig. Es empfehle sich jedoch zur Sicherheit abzuwarten, bis die antiepil eptische Medikation ausgeschlichen und ein stabiler Befund dokumentiert sei. Aufgrund der Kop fschmerz-Symptomatik sei von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20% auszugehen. 6.1 Wie oben (vgl. E. 4.2 hiervor) ausgeführt, ist hin sichtlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes entscheidend, ob der Bericht für die streitigen B elange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden b erücksichtigt, in Kenntnis der Vor- akten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Das Gutachten des Begu tachtungsinstituts E.____ vom 4. April 2012 beruht auf eingehenden Untersuchungen des Versicherten und berücksichtigt die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte. Zudem gingen die Gutachter auf die Beschwerden des Versicherten ein und vermitteln ein hin reichendes Bild über dessen Gesund- heitszustand. Es wird deutlich, dass aus neurologischer Sic ht praktisch die gesamte Klinik, Anamnese und die bildgebenden Untersuchungen dafür s prechen, dass es sich bei den Be- schwerden wohl um psychogene Pseudoanfälle handelt, die im Rahmen der psychiatrischen Problematik zu interpretieren sind. Eine neurologische Ursache der Beschwerden wird mit gros- ser Wahrscheinlichkeit verneint. Aus psychiatrischer Sicht ko nnte indes keine Diagnose von Krankheitswert gestellt werden. Vielmehr bestehen nach Ansicht des psychiatrischen Gutach- ters zweifelsfreie Hinweise auf zumindest Aggravation, m öglicherweise auch Simulation und Widersprüchlichkeiten sowie Inkonsistenzen. Schliesslich wi rd darauf hingewiesen, dass das mittlerweile erfolgreich behandelte Schlafapnoe-Synd rom keine Auswirkungen auf die Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit des Versicherten hat. Vor diesem Hintergrund ist auch die fachärztliche Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar begrü ndet und es ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdefü hrer aktuell und retrospektiv zufolge einer Kopfschmerz-Symptomatik eine verminderte Leistungsfähigkeit von 20% aufweist. Die Beurteilungen im Gutachten des Begutachtungsinstit uts E.____ sind sowohl in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schluss- folgerungen überzeugend und bei der Beurteilung der medizinischen Sachlage deshalb mass- gebend. 6.2.1 Der Beschwerdeführer wendet gegen die Zuverlässigke it des Gutachtens des Begutach- tungsinstituts E.____ ein, es weise diverse Widersprüche auf und beantworte relevante Fragen nicht bzw. nur ungenügend. Zudem seien notwendige Abkl ärungen nicht umfassend vorge- nommen worden. So fehle es weiterhin an einer abschli essenden neurologischen Diagnostik und die Frage nach einer epileptogenen Ursache der B eschwerden sei nicht schlüssig beant- wortet. Diesen Einwänden des Beschwerdeführers kann nic ht gefolgt werden. Zwar konnte der neurologische Gutachter den Bestand einer genuinen Epi lepsie nicht mit letzter Sicherheit aus- schliessen. Nach eingehender - auch fremdanamnestischer - Abklärung und einlässlicher Wür- digung der vorhandenen Akten kam er zum überzeugenden Sch luss, dass die Diagnose einer genuinen Epilepsie "höchst zweifelhaft" sei. Überwiegen d wahrscheinlich sei von einer psycho- genen Verursachung der Anfälle auszugehen. Da nach An sicht des Gutachters keine eindeuti- gen Hinweise auf eine ursächliche neurologische Erkranku ng bestehen, erweisen sich weitere neurologische Abklärungen - entgegen der Ansicht des Besc hwerdeführers - als nicht notwen- dig. 6.2.2 Wenn der Beschwerdeführer weiter rügt, der psychi sche Gesundheitszustand sei nicht widerspruchsfrei geklärt und es wäre der Beizug eines D olmetschers erforderlich gewesen, ist ihm zwar insofern beizupflichten, als der bestmöglichen s prachlichen Verständigung zwischen Experte und versicherter Person insbesondere bei der psyc hiatrischen Abklärung besonderes Gewicht zukommt. Die Frage, ob eine medizinische Abklärung unter Beizug eines Dolmet- schers im Einzelfall geboten ist, hat grundsätzlich der Gutachter im Rahmen sorgfältiger Auf- tragserfüllung zu entscheiden. Entscheidend ist letztl ich die Aussagekraft und damit die be- weismässige Verwertbarkeit des Gutachtens. So müssen die Fe ststellungen des Experten nachvollziehbar sein, seine Beschreibung der medizinischen Situation muss einleuchten und die Schlussfolgerungen müssen begründet sein (vgl. E. 4.2 hiervor). Auch wenn der Versicherte einen neutralen Dolmetscher für seine Muttersprache kat egorisch abgelehnt hatte, erweisen sich die Ausführungen im psychiatrischen Gutachten als nachvo llziehbar und überzeugend. Inwiefern die für eine lege artis durchgeführte Explo ration erforderliche Kommunikation nicht gewährleistet gewesen war, ist nicht ersichtlich. Insgesam t sind die Untersuchungsergebnisse schlüssig und sie lassen keine Widersprüche erkennen. 6.2.3 Mit dem Beschwerdeführer ist einig zu gehen, wen n er einwendet, das Gutachten zeige nicht auf, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang da s Schlafapnoe-Syndrom vor der mitt- lerweile mit Erfolg durchgeführten Behandlung Auswirku ng auf die Arbeitsfähigkeit hatte. Aller- dings kann der Beschwerdeführer daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. Da sein Schlafap- noe-Syndrom medizinisch behandelbar ist und demnach kei ne voraussichtlich bleibende oder Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht längere Zeit dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigke it zur Folge hat, ist diese Beeinträchti- gung des Gesundheitszustandes nicht invalidisierend. 6.2.4 Wenn der Beschwerdeführer schliesslich geltend macht, die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei widersprüchlich, unvollständig und zudem nicht hinreichend begründet, erweist sich diese Rüge als nicht stichhaltig. Selbst wenn man bei der gutachterlichen Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätig keit Widersprüchlichkeiten erkennen wollte, lässt sich daraus nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers ab leiten, da ihm zumindest ange- passte Tätigkeiten im Umfang von 80% zumutbar sind. Da au fgrund des massgebenden Gut- achtens des Begutachtungsinstituts E.____ nach wie vor von einer beträchtlichen Restarbeits- fähigkeit des Versicherten auszugehen ist, erübrigen sich unter diesen Umständen detaillierte Ausführungen zum berücksichtigenden Leistungsprofil. 6.3 Im vorliegenden Fall lässt das Gutachten des Begutac htungsinstituts E.____ eine zuver- lässige Beurteilung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu, weshalb in antizi- pierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mi t zahlreichen Hinweisen) auf die bean- tragte zusätzliche Abklärung verzichtet werden kann. 7. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, seine Res tarbeitsfähigkeit lasse sich auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht verwerten, ist ihm entgegenzuhalten, dass gemäss dem massgebenden Gutachten vom 4. April 2012 einzig die chronischen Spannungskopf- schmerzen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben und ein e beträchtliche Restarbeitsfähigkeit besteht. Unter diesen Umständen steht dem Beschwerdeführe r trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen nach wie vor ein breiter Fächer ve rschiedenster Tätigkeiten auf dem aus- geglichenen Arbeitsmarkt offen, so dass nicht von realitä tsfremden und in diesem Sinne un- möglichen oder unzumutbaren Einsatzmöglichkeiten auszugehen ist. 8. Die von der IV-Stelle vorgenommene Bemessung der Ve rgleichseinkommen anhand von Tabellenlöhnen hat der Beschwerdeführer zu Recht ni cht bestritten. Wenn der Beschwer- deführer einwendet, es sei bei der Bemessung des Invalid eneinkommens ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn von 25% vorzunehmen, kann ihm n icht gefolgt werden. Im Gegenteil erscheint unter Berücksichtigung sämtlicher hier massgebende r Kriterien und im Quervergleich mit ähnlich gelagerten Fällen der von der Vorinstanz vor genommene Abzug vom Tabellenlohn von 20% eher grosszügig. Bei einer Einschränkung der Leist ungsfähigkeit von 20% könnte der Versicherte ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzi elen. Demnach ist die ange- fochtene Verfügung vom 2. Dezember 2011, mit welcher der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine IV-Rente verneint wurde, im Ergebnis nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist des- halb abzuweisen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 und 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor kantonalem Versi- cherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah renskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Entspre chend dem Ausgang dieses Ver- fahrens hat der Beschwerdeführer die Verfahrenskosten zu tragen. Da ihm mit Verfügung vom Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Januar 2011 die unentgeltliche Prozessführung bewil ligt wurde, gehen die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- zu Lasten der Gerichtskasse. 9.2 Die Kosten der Begutachtung durch das Begutachtung sinstitut E.____ in der Höhe von Fr. 9'000.-- sind der IV-Stelle aufzuerlegen (vgl. Ur teil des Bundesgerichts vom 28. Juni 2011, 9C_243/2010, E. 4.4.2). 9.3 Angesichts der Tatsache, dass zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erach- teten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage gek ommen wäre, eine solche in- dessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfallen ist, ist der Beschwerde führenden Person grundsätzlich auch dann eine volle Pa rteientschädigung zu Lasten der Ver- waltung zuzusprechen, wenn die Beschwerde gestützt auf d ie Ergebnisse des Gerichtsgutach- tens abzuweisen ist. Demnach ist dem Beschwerde führenden Versicherten eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Re chtsvertreterin des Beschwerdefüh- rers hat in ihrer Honorarnote vom 17. Juli 2012 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 22,78 Stunden und Auslagen von insgesamt Fr. 401.50 ausgewiesen, was angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfrag en sowie des Aktenumfangs nicht zu beanstanden ist. Damit ist dem Beschwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6'571.90 (22,78 Stunden à Fr. 250.-- und Ausla- gen von Fr. 401.50. zuzüglich 7,6 % bzw. 8% MwSt.) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 9'000.00 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 6'571.90 (inkl. Ausl agen und Mehr- wertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht