<h2>SubmittedText<h2><p>Das BFS hat Anfang August 2023 die aktuellen Daten zu den Lehrverhältnissen veröffentlicht. Rund 70'000 Lernende starteten dieses Jahr ihre Berufslehre. Das sind weniger als 12 Jahre früher: Im Sommer 2011 hatten 78'500 Lernende die Berufsausbildung gestartet. Die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Schweiz ist seither deutlich gewachsen. Es werden folglich immer weniger Lernende im Verhältnis zu den regulären Beschäftigten ausgebildet. Die Zeitungen von CH Media berichteten am 2. August im Artikel «Die unebene Bildungslandschaft», dass die Lehrstellenquote in dieser Zeit von 4.9 auf 4,5 Prozent gesunken sei. Als Sollgrösse (Faustregel) gelte eine Quote von 6 Prozent, also pro 100 Vollzeitangestellte 6 Lehrverhältnisse.</p><p>Vor allem aber zeigte der Artikel auf, dass der Anteil Lernender, gemessen an den Anzahl Beschäftigten, je nach Branche sehr unterschiedlich ausfällt. Während beispielsweise im Baugewerbe oder im Gesundheits- und Sozialwesen die Anteile überdurchschnittlich sind, gibt es diverse Branchen mit sehr tiefen Quoten. Unter 3 Prozent ist sie beispielsweise in den Branchen Wasserversorgung und Abfallentsorgung, Gastronomie, Grundstücks- und Wohnungswesen, Kunst und Unterhaltung und Erholung, Verkehr und Lagerei, Finanz- und Versicherungsdienstleistun­gen sowie Information und Kommunikation. Die letztgenannten drei Branchen waren zudem gemäss Seco/BFS (SAKE-Erhebung) im Jahr 2021 diejenigen mit dem grössten Fachkräftemangel.</p><p>&nbsp;</p><p>Aus diesen Gründen bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol><li>Welche Möglichkeiten hat der Bund, um in Branchen mit einem sehr geringen Anteil Lernender diesen Anteil zu erhöhen? Welche Instrumente erachtet der Bundesrat als zielführend?</li><li>Gibt es erfolgreiche Beispiele, wie sich dank Bundesengagement in bestimmten Branchen die Anzahl Lehrverhältnisse anheben liess? Wenn ja: Weiss der Bundesrat, ob der Effekt auch nach Abschluss eines Engagements des Bundes anhält?</li><li>Grosse Unterschiede gibt es auch zwischen den Kantonen: Sie lassen sich nur zum Teil mit der unterschiedlichen Branchenstruktur erklären. Was unternimmt der Bund in Zusammenarbeit mit den kantonalen Berufsbildungsämtern in jenen Kantonen mit einer unterdurchschnittlichen «Kultur» der Berufsbildung?</li><li>Könnten für künftige statistische Erhebungen die Anzahl Lehrverhältnisse pro Arbeitsmarktgrossregion noch aufschlussreicher als jene pro Kanton sein?</li></ol><h2>FederalCouncilResponseText<h2><div><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:6pt; line-height:18pt; widows:0; orphans:0"><span style="font-family:Arial; font-size:11pt">Der Bundesrat ist sich bewusst, dass der Mangel an Fachkräften eine Herausforderung für die Wirtschaft darstellt. Die Berufsbildung leistet dabei einen wichtigen Beitrag. Nach wie vor entscheiden sich zwei Drittel der Jugendlichen für den Einstieg in die Arbeitswelt über eine berufliche Grundbildung. Die Anzahl der Lehrverhältnisse hängt von verschiedenen Faktoren ab. Nebst dem Interesse der Jugendlichen spielt auch die Demografie eine entscheidene Rolle. Da in den letzten Jahren geburtenschwächere Jahrgänge die obligatorische Schule verlassen, ist die Gesamtzahl der Lehrverhältnisse tiefer als in früheren Jahren. </span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:6pt; line-height:18pt; widows:0; orphans:0"><span style="font-family:Arial; font-size:11pt">1./2. Das Schweizer Berufsbildungssystem beruht wesentlich auf der freiwilligen Beteiligung der Wirtschaft. Die Betriebe und Organisationen der Arbeitswelt (OdA) haben ein ureigenes Interesse, ihren Nachwuchs an Fachkräften sicherzustellen. Dieser Bottom-up-Ansatz in der Berufsbildung bewährt sich. Der Staat fördert nicht einzelne Branchen, sondern unterstützt die private Initiative durch günstige Rahmenbedingungen insgesamt, beispielsweise durch die Entwicklung neuer Berufe, in denen Fachkräftemangel herrscht, wie Entwicklerin digitales Business EFZ oder Solarinstallateur EFZ. Branchenspezifisches Lehrstellenmarketing ist Aufgabe der Betriebe und OdA. Der Bund leistet auf Grundlage des Berufsbildungsgesetzes (BBG; SR 412.10) im Weiteren Beiträge für besondere Leistungen im öffentlichen Interesse (Art. 55 BBG). Dazu zählen Beiträge an regionale Berufsmessen oder für die «Woche der Berufsbildung», an der sich rund 30 Lokalradios beteiligen. Die Schweiz hat zudem Erfahrung im Umgang mit angespannten Lehrstellensituationen. Während der Covid-19-Pandemie zeigte sich deutlich, dass erprobte Instrumente vorhanden sind und bei Bedarf zeitnah aktiviert und weiterentwickelt werden können. Mit der Einrichtung eines Förderschwerpunkts konnte ein effektives Instrumentarium für die Unterstützung von Projekten in Kantonen und Branchen, wo Bedarf vorhanden war, bereitgestellt werden. So konnte beispielsweise die Nachwuchsrekrutierung für die Fleischwirtschaft ausgebaut werden. Alle durch den Bund geförderten Projekte werden angemessen evaluiert und mit einem Schlussbericht abgeschlossen. </span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:6pt; line-height:18pt; widows:0; orphans:0"><span style="font-family:Arial; font-size:11pt">3. Der Bundesrat begrüsst es, dass sich die Kantone für optimale Rahmenbedingungen für die Berufsbildung einsetzen. Dabei steht es ihnen frei, im Rahmen ihrer Vollzugsaufgaben innovative Wege zu beschreiten und in Zusammenarbeit mit den Organisationen der Arbeitswelt neue Lösungen zu finden. So haben in den letzten Jahren verschiedene Kantone Programme zur Förderung der Berufsbildung lanciert, beispielsweise die Kantone Genf, Waadt, St. Gallen oder Zürich. Wie bereits erwähnt, kann der Bund entsprechende Projekte auf Grundlage des BBG finanziell unterstützen.</span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; line-height:18pt; widows:0; orphans:0"><span style="font-family:Arial; font-size:11pt">4. Das Bundesamt für Statistik erhebt die Lehrverhätlnisse jeweils unter anderem nach Lehrbetriebskanton, Ausbildungsfeld und Beruf. Aus Sicht des Bundesrats sind diese Daten aussagekräftig genug, so dass eine zusätzliche Erhebung nach den 16 Arbeitsmarktgrossregionen oder 101 Arbeitsmarktregionen keinen zusätzlichen Nutzen brächte. </span><a name="_Hlk129251570"></a></p></div>