<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">I 554/99 Ca </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>III. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Schön, Spira und Bundesrichterin Widmer; </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Maillard </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 27. März 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">R.________, 1948, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechts- </div> <div class="para">anwalt Dr. K.________, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV-Stelle des Kantons Zürich, Röntgenstrasse 17, Zürich, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, Winterthur </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Der 1948 geborene R.________ meldete sich am </div> <div class="para">15. Juni 1995 unter Hinweis auf Rückenbeschwerden bei der </div> <div class="para">Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Nach Abklärun- </div> <div class="para">gen in medizinischer und beruflicher Hinsicht verneinte die </div> <div class="para">IV-Stelle des Kantons Zürich mit Verfügung vom 10. Juli </div> <div class="para">1996 einen Anspruch auf eine Invalidenrente. </div> <div class="para"> B.- Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Sozial- </div> <div class="para">versicherungsgericht des Kantons Zürich mit Entscheid vom </div> <div class="para">11. August 1999 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- R.________ lässt Verwaltungsgerichtsbeschwerde </div> <div class="para">führen mit dem Rechtsbegehren, der vorinstanzliche Ent- </div> <div class="para">scheid sei aufzuheben und die Sache zur ergänzenden Abklä- </div> <div class="para">rung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Die IV-Stelle sei zur </div> <div class="para">Erstattung der Kosten der vom Rechtsvertreter veranlassten </div> <div class="para">Begutachtung bei Dr. med. H.________ (Expertise vom 31. Ja- </div> <div class="para">nuar 1997) zu verpflichten. Weiter wird um Gewährung der </div> <div class="para">unentgeltlichen Verbeiständung ersucht. </div> <div class="para"> Die IV-Stelle schliesst auf Abweisung der Verwaltungs- </div> <div class="para">gerichtsbeschwerde, während sich das Bundesamt für Sozial- </div> <div class="para">versicherung (BSV) nicht vernehmen lässt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Das kantonale Gericht hat im angefochtenen Ent- </div> <div class="para">scheid die massgeblichen gesetzlichen Bestimmungen und </div> <div class="para">Grundsätze über den Begriff der Invalidität (<span class="artref">Art. 4 Abs. 1 </span></div> <div class="para">IVG), die Voraussetzungen und den Umfang des Rentenan- </div> <div class="para">spruchs (<span class="artref"><artref id="CH/831.20/28/1^bis" type="start"></artref><artref id="CH/831.20/28/1" type="start"></artref>Art. 28 Abs. 1 und 1bis IVG</span><artref id="CH/831.20/28/1^bis" type="end"></artref><artref id="CH/831.20/1^bis" type="end"></artref>), die Bemessung des </div> <div class="para">Invaliditätsgrades bei erwerbstätigen Versicherten nach der </div> <div class="para">Einkommensvergleichsmethode (<span class="artref">Art. 28 Abs. 2 IVG</span>) und zur </div> <div class="para">richterlichen Beweiswürdigung von Arztberichten (BGE 122 V </div> <div class="para">160 Erw. 1c; siehe auch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=14&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-351%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page352">BGE 125 V 352</a> ff. Erw. 3) zutref- </div> <div class="para">fend dargelegt. Darauf kann verwiesen werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Zunächst ist umstritten, ob nebst den ausgewiese- </div> <div class="para">nen Rückenbeschwerden auch ein psychischer Gesundheitsscha- </div> <div class="para">den mit Krankheitswert die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde- </div> <div class="para">führers beeinträchtigt. In Würdigung der medizinischen Ak- </div> <div class="para">ten, insbesondere des im Administrativverfahren eingeholten </div> <div class="para">Gutachtens des Dr. med. M.________, Spezialarzt FMH für </div> <div class="para">Physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheuma- </div> <div class="para">erkrankungen, vom 6. Mai 1996, sowie unter Berücksichtigung </div> <div class="para">der vom Beschwerdeführer im kantonalen Verfahren ins Recht </div> <div class="para">gelegten Privatexpertise des Dr. med. H.________, Psychiat- </div> <div class="para">rie und Psychotherapie FMH, vom 31. Januar 1997, hat dies </div> <div class="para">die Vorinstanz verneint, was aufgrund folgender Überlegun- </div> <div class="para">gen nicht zu überzeugen vermag. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> a) In den Akten sind verschiedene ärztliche Aussagen </div> <div class="para">vorhanden, welche das Vorliegen einer psychischen Störung </div> <div class="para">beim Beschwerdeführer bejahen. So findet sich in der Kran- </div> <div class="para">kengeschichte der Rehabilitationsklinik F.________ am </div> <div class="para">16. Februar 1995 der Vermerk, es habe bereits bei Eintritt </div> <div class="para">eine allgemeine regressive und auch depressive Stimmungsla- </div> <div class="para">ge bestanden, weswegen eine antidepressive Medikation mit </div> <div class="para">Aurorix vorgenommen wurde. Im Bericht der Orthopädischen </div> <div class="para">Universitätsklinik X.________ vom 3. September 1996 wurde </div> <div class="para">unter anderem eine psychische Depression und Überlagerung </div> <div class="para">diagnostiziert. Dr. med. M.________ hingegen beantwortete </div> <div class="para">die ihm von der IV-Stelle unterbreitete Frage nach dem Be- </div> <div class="para">stehen einer Krankheit des psychiatrischen Formelkreises </div> <div class="para">mit "eher nein", während Dr. med. H.________ die Diagnosen </div> <div class="para">"Episode einer Major Depression" und "Schmerzstörung in </div> <div class="para">Verbindung mit sowohl psychischen Faktoren wie einem medi- </div> <div class="para">zinischen Krankheitsfaktor" stellt. </div> <div class="para"> Zu Recht hat zwar das kantonale Gericht dem Gutachten </div> <div class="para">des Dr. med. M.________ vollen Beweiswert (vgl. dazu BGE </div> <div class="para">125 V 352 ff. Erw. 3 mit Hinweisen) zuerkannt. Hingegen </div> <div class="para">erfüllt dieser Experte mangels Spezialausbildung in Psy- </div> <div class="para">chiatrie die Voraussetzungen, die Frage nach dem Bestehen </div> <div class="para">eines psychischen Leidens mit Krankheitswert rechtsgenüg- </div> <div class="para">lich zu beantworten, nicht. Es kann aber auch nicht auf das </div> <div class="para">Privatgutachten des Dr. med. H.________ abgestellt werden. </div> <div class="para">Dies weil es einerseits aus den von der Vorinstanz genann- </div> <div class="para">ten Gründen nicht zu überzeugen vermag. Dann aber auch, </div> <div class="para">weil es die Bejahung eines psychischen Leidens mit Krank- </div> <div class="para">heitswert beim Beschwerdeführer wegen des Vorhandenseins </div> <div class="para">von Umständen bejaht, die bei der grossen Mehrheit der in </div> <div class="para">der Schweiz lebenden Fremdarbeiter mit gleichen oder ver- </div> <div class="para">gleichbaren somatischen Beschwerden als gegeben angesehen </div> <div class="para">werden müssten. Auch ist darauf hinzuweisen, dass der So- </div> <div class="para">zialversicherungsrichter nach ständiger Rechtsprechung die </div> <div class="para">Rechtmässigkeit der Verwaltungsverfügungen in der Regel </div> <div class="para">nach dem Sachverhalt beurteilt, der bis zur Zeit des Ver- </div> <div class="para">fügungserlasses eingetreten ist (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=14&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-V-362%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page366">BGE 121 V 366</a> Erw. 1b mit </div> <div class="para">Hinweisen). Dr. med. H.________ weist ausdrücklich darauf </div> <div class="para">hin, dass seine Beurteilung den heutigen Zustand (Datum der </div> <div class="para">Untersuchung) betreffe, diese damit keine Rückschlüsse auf </div> <div class="para">denjenigen zur Zeit des Erlasses der Verfügung zulässt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Angesichts der dargelegten Umstände lässt sich </div> <div class="para">nicht schlüssig beurteilen, ob der Beschwerdeführer nebst </div> <div class="para">den somatischen Beschwerden auch an einem invalidisierenden </div> <div class="para">psychischen Gesundheitsschaden leidet. Zur Beantwortung </div> <div class="para">dieser Frage drängt sich eine fachärztliche Begutachtung </div> <div class="para">geradezu auf. Die Sache ist daher an die IV-Stelle zurück- </div> <div class="para">zuweisen, damit sie die notwendigen Abklärungen veranlasst </div> <div class="para">und anschliessend über den Rentenanspruch neu verfügt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Nachdem das Ausmass der dem Beschwerdeführer ver- </div> <div class="para">bliebenen Arbeitsfähigkeit noch nicht feststeht, erübrigt </div> <div class="para">es sich, zu seinen Einwendungen in der Verwaltungsgerichts- </div> <div class="para">beschwerde zur Bemessung des Invaliditätsgrades Stellung zu </div> <div class="para">nehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- In Bezug auf die Abweisung des Begehrens um Vergü- </div> <div class="para">tung der Kosten des Privatgutachtens von Dr. med. </div> <div class="para">H.________ ist der angefochtene Entscheid sodann nicht zu </div> <div class="para">beanstanden, war doch dieses zur Feststellung, dass die </div> <div class="para">medizinische Sachlage abklärungsbedürftig ist, nicht erfor- </div> <div class="para">derlich (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=14&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F115-V-62%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page62">BGE 115 V 62</a>). </div> <div class="para"> 5.- Da es im vorliegenden Verfahren um Versicherungs- </div> <div class="para">leistungen geht, sind gemäss <span class="artref">Art. 134 OG</span> keine Gerichtskos- </div> <div class="para">ten zu erheben. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens hat </div> <div class="para">die IV-Stelle dem Beschwerdeführer eine reduzierte Partei- </div> <div class="para">entschädigung zu bezahlen (Art. 159 Abs. 3 in Verbindung </div> <div class="para">mit <span class="artref">Art. 135 OG</span>). Insoweit ist dessen Gesuch um unentgelt- </div> <div class="para">liche Verbeiständung gegenstandslos. Soweit der Beschwerde- </div> <div class="para">führer unterliegt (Erw. 4), kann seinem Begehren um Bewil- </div> <div class="para">ligung der unentgeltlichen Verbeiständung nicht entsprochen </div> <div class="para">werden, da die Beschwerde hinsichtlich des Begehrens um </div> <div class="para">Vergütung der Kosten des Privatgutachtens als aussichtslos </div> <div class="para">zu bezeichnen ist (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=14&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-265%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page275">BGE 125 II 275</a> Erw. 4b mit Hinweis). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.In teilweiser Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbe- </div> <div class="para"> schwerde werden der Entscheid des Sozialversicherungs- </div> <div class="para"> gerichts des Kantons Zürich vom 11. August 1999 und </div> <div class="para"> die Verfügung vom 10. Juli 1996 aufgehoben, und es </div> <div class="para"> wird die Sache an die IV-Stelle des Kantons Zürich </div> <div class="para"> zurückgewiesen, damit sie im Sinne der Erwägungen </div> <div class="para"> verfahre und über den Leistungsanspruch neu verfüge. </div> <div class="para"> Im Übrigen wird die Verwaltungsgerichtsbeschwerde </div> <div class="para"> abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Verbei- </div> <div class="para"> ständung wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV.Die IV-Stelle des Kantons Zürich hat dem Beschwerde- </div> <div class="para"> führer für das Verfahren vor dem Eidgenössischen Ver- </div> <div class="para"> sicherungsgericht eine Parteientschädigung von </div> <div class="para"> Fr. 2000.- (einschliesslich Mehrwertsteuer) zu be- </div> <div class="para"> zahlen. </div> <div class="para">V.Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich wird </div> <div class="para"> über eine Neuverlegung der Parteikosten für das kanto- </div> <div class="para"> nale Verfahren entsprechend dem Ausgang des letztin- </div> <div class="para"> stanzlichen Prozesses zu befinden haben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">VI.Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversiche- </div> <div class="para"> rungsgericht des Kantons Zürich, der Ausgleichskasse </div> <div class="para"> des Kantons Zürich und dem Bundesamt für Sozialversi- </div> <div class="para"> cherung zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 27. März 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der III. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>