Postulat Zölch 442 N 18 mars 1988 harren dann kaum längere Zeit in ihrer Region aus, sondern wandern in die Zentren des Mittellands oder benachbarter Räume ab. Damit erscheinen sie kaum in den Statistiken. Tatsächlich haben solche Berggebietsregionen damit eine schleichende Arbeitslosigkeit zu verzeichnen, die sich über Jahre erstreckt und auch deshalb gravierend ist, weil sich damit abgelegene Dörfer entvölkern und entleeren und einem andauernden Substanzverlust ausgesetzt sind. In Graubünden hatten in den letzten Jahren und Jahrzehnten vor allem die Südtäler Puschlav und Misox solche Verluste, Firmenschliessungen und Abwanderungen zu verzeichnen, aber auch an diversen Orten Nordbündens ging eine Reihe von für den handwerklich-industriellen Bereich bedeuten- den Betrieben inThusis, Disentisund llanzein, und selbst im Prättigau drohte vor kurzem dem grössten Unternehmen, die Tore zu schliessen. Das Berggebiet leistet für die schweizerische Wirtschaft einen bedeutenden Beitrag in der Ausbildung und Vermitt- lung von tüchtigem Nachwuchs. Es muss aber verhindert werden, dass viele dieser qualifizierten jungen Leute nur ausserhalb ihrer Heimat Existenz und Auskommen finden. Im Sinne der Bundesverfassung, wonach der Bund die gemeinsame Wohlfahrt seiner Bürger fördert, ist der regio- nale Ausgleich stärker auszubauen. Das Investitionshilfege- setz für das Berggebiet, dessen Wirkungen hier nicht in Frage gestellt seien, vermag Infrastrukturhilfe anzubieten, jedoch nicht dauernde Arbeitsplätze zu schaffen. Hingegen könnten die Finanzierungsbeihilfen, wie sie der angespro- chene Bundesbeschluss vorsieht, willkommene Impulse ver- ' mittein. Gerade auch der gewerblich-industrielle Sektor im Berggebiet ist auf die Unterstützung bei der Einführung neuer Verfahren, bei der Aufnahme neuer Produkte und Produktionsprogramme oder bei der Einführung neuer Pro- duktionszweige angewiesen. Und Direktbeiträge an Informa- tionsstellen für Innovationsvorhaben wären dort ebenso dringlich wie im Flachland. Gerade auf eine unkonventio- nelle und unbürokratische Hilfeleistung bei Betriebsbera- tungen in bezug auf Umstellungen, technische Anpassun- gen und Weiterbildung wären manche Berggebietsregionen dringend angewiesen. Der Bundesrat wird deshalb eingeladen, dieses Problem zu prüfen, Möglichkeiten für die Anwendung des Bundesbe- schlusses betreffend wirtschaftlich bedrohter Regionen auch in bestimmten weiteren Gegenden des Berggebiets aufzuzeigen und eine allenfalls sich aufdrängende Geset- zesrevision zu skizzieren. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 17. Februar 1988 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 17 février 1988 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Ueberwiesen - Transmis #ST# 87.996 Postulat Zölch Import von Tierprodukten Importation de produits animaux Wortlaut des Postulates vom 18. Dezember 1987 In letzter Zeit mehren sich die Forderungen - auch in den Medien -, es sei ein Importverbot für Tierprodukte, die den Anforderungen der schweizerischen Tierschutzgesetzge- bung nicht entsprechen, zu erlassen. Dabei geben sowohl die nicht tiergerechte Produktion (z. B. durch übermässigen Hormoneinsatz, durch extreme Intensivhaltung bei Hühnern und Truten oder durch fragwürdige Mästmethoden bei Gän- sen) als auch die nicht tiergerechte, ja teilweise tierquäleri- sche Schlachtung bzw. Zerstümmelung (z. B. von Fröschen und Schildkröten) immer wieder zu Kritik Anlass. Der Bun- desrat wird deshalb ersucht, 1.zu prüfen, ob - und wenn ja welche - Massnahmen getroffen werden können, um den Import von Tierprodukten aus nicht tiergerechter Haltung und/oder nicht tiergerechter Schlachtung zu verhindern. Als tiergerecht gelten die in der schweizerischen Tierschutzgesetzgebung verankerten Normen; 2. einen schriftlichen Bericht zur Frage vorzulegen, welches die Folgen und Auswirkungen solcher allenfalls zu treffen- der Massnahmen im allgemeinen und für die schweizerische Landwirtschaft (Auswirkungen auf Preise und Inlandproduk- tion) und AussenWirtschaft im besonderen wären. Texte du postulat du 18 décembre 1987 Les demandes visant à interdire l'importation de produits animaux qui ne répondent pas aux normes de la loi suisse sur la protection des animaux se sont multipliées ces der- niers temps, dans les médias également. Les méthodes de production qui ne respectent pas les animaux (utilisation excessive d'hormones, élevage en batteries de poules et de dindes non conforme aux dispositions suisses ou méthodes douteuses de gavage des oies), les méthodes d'abattage ou de mutilation qui font souffrir les animaux (grenouilles et tortues) - toutes ces méthodes donnent lieu a des critiques sans cesse renouvelées. C'est pourquoi je prie le Conseil fédéral 1. d'examiner si des mesures - et si oui lesquelles - sont envisageables pour limiter les importations de produits ani- maux obtenus par des méthodes de production ou d'abat- tage qui ne respectent pas les animaux. Ces méthodes seront évaluées selon les normes de la législation suisse sur la protection des animaux. 2. de présenter un rapport écrit établissant quelles sont les conséquences de ces mesures - ou des mesures à prendre, le cas échéant - d'une façon générale ainsi que pour l'agri- culture suisse (effets sur les prix et la production intérieure) et le commerce extérieur. Mitunterzeichner - Cosignataires: Basler, Berger, Blocher, David, Dormann, Engler, Fischer-Seengen, Frey Walter, Graf, Hari, Hess Otto, LeuteneggerOberholzer, Luder, Nebi- ker, Oehler, Reimann Maximilian, Rohrbasser, Ruckstuhl, Rutishauser, Rüttimann, Rychen, Sager, Schnider, Schwab, Seiler Hanspeter, Stamm, Wanner, Widrig, Wiederkehr, Wyss William, Zwingli (31) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Urheberin verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 29. Februar 1988 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 29 février 1988 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Frau Zölch: Ich danke dem Bundesrat für die Entgegen- nahme meines Postulates. Nun wurde ich inzwischen noch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es auch Fleisch- importe gibt, welche unter anderem der jüdischen Bevölke- rung die Einhaltung der religiösen Speisegesetze ermögli- chen. Ich bitte deshalb den Bundesrat, bei allfälligen Massnahmen im Sinne meines Postulates die verfassungsmässig garan- tierte Glaubens- und Gewissensfreiheit zu beachten. Ueberwiesen - TransmisSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Zölch Import von Tierprodukten Postulat Zölch Importation de produits animaux In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1988 Année Anno Band I Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 87.996 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 18.03.1988 - 08:00 Date Data Seite 442-442 Page Pagina Ref. No 20 016 227 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. 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