A bteilung III C -778/2006 {T 0/2} U rteil vom 9. M ai 2007 M itw irkung: R ichter Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Trom m er und R ichter Vaudan; G erichtsschreiber Birgelen. N ._______, Beschw erdeführerin, vertreten durch D r. iur. R oland Strauss, Advokat, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Einreisebew illigung B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie 1978 geborene kubanische Staatsangehörige N ._______ (nachfol- gend: G esuchstellerin bzw . Beschw erdeführerin) beantragte am 8. M ai 2006 bei der Schw eizerischen Vertretung in H avanna ein Visum für einen dreim onatigen Besuchsaufenthalt bei ihrer Schw ester I._______ (nachfol- gend: Schw ester). Als G astgeber und G arant trat der im Kanton Basel- Stadt ansässige R ._______, ein Freund der Fam ilie, auf (nachfolgend: G astgeber). N ach form loser Verw eigerung leitete die Schw eizerische Ver- tretung das G esuch an das Bundesam t für M igration (BFM , nachfolgend: Vorinstanz) zur Prüfung und zum form ellen Entscheid w eiter. B. N achdem das Sicherheitsdepartem ent des Kantons Basel-Stadt, Abteilung D ienste, beim G astgeber w eitere Abklärungen getroffen hatte, w ies die Vorinstanz das G esuch um Bew illigung der Einreise m it Verfügung vom 14. Juni 2006 ab. Zur Begründung w urde ausgeführt, es bestehe keine G e- w ähr für eine fristgerechte W iederausreise. D ie G esuchstellerin stam m e aus einer R egion, aus w elcher als Folge der dort herrschenden w irtschaftli- chen und soziokulturellen Verhältnisse ein starker Zuw anderungsdruck festzustellen sei. Persönlich oblägen ihr w eder fam iliäre noch gesellschaft- liche Verantw ortlichkeiten und der N achw eis beruflicher Verpflichtungen sei nicht erbracht w orden. C . G egen diese Verfügung erhob die G esuchstellerin am 27. Juli 2006 beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) Beschw erde. D a- rin ersucht sie um Aufhebung der Verfügung vom 14. Juni 2006 und An- w eisung an die Vorinstanz, das von ihr beantragte Visum zu erteilen. In verfahrensrechtlicher H insicht rügt sie, die Vorinstanz habe sie nie zur Ein- reichung von besonderen N achw eisen für eine fristgem ässe W iederausrei- se aufgefordert und dam it ihren Anspruch auf W ahrung des rechtlichen G ehörs verletzt. In der Sache selbst m acht die Beschw erdeführerin gel- tend, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die anstandslose W ieder- ausreise nach einem Besuchsaufenthalt w äre nicht genügend gesichert. Sie habe um Erteilung eines Einreisevisum s ersucht, w eil sie ihre hoch- schw angere Schw ester, zu w elcher sie eine enge Beziehung habe, besu- chen und sie in der ersten Zeit nach der um den 8. August 2006 herum zu erw artenden N iederkunft unterstützen m öchte. D ie Schw ester sei auf ihre H ilfe angew iesen, w eil keine anderen Fam ilienangehörigen in der Schw eiz leben w ürden. W eiter habe sie auf W unsch der Vorinstanz eine R ückreise- verpflichtung unterzeichnet und der G astgeber habe insbesondere den Einreisezw eck bestätigt und eine G arantieerklärung abgegeben. Sie habe kein Interesse daran, Kuba definitiv zu verlassen. Bis auf ihre Schw ester lebe die ganze Fam ilie dort. In ihrer H eim at sei sie gesellschaftlich fest verw urzelt und auch w irtschaftlich abgesichert: Sie habe eine feste Anstel- lung als C oiffeuse und von ihrem Arbeitgeber die Erlaubnis, w ährend des Besuches ihrer Schw ester in der Schw eiz ihrem Arbeitsplatz für längere Zeit fernzubleiben. Sie sei M itglied der U nión de Jóvenes C om unistas, w oraus geschlossen w erden könne, dass sie auch nicht aus politischen Er- w ägungen beabsichtige, ihre H eim at zu verlassen. Zudem sei sie auch 3 nicht vorbestraft. M it diesen Ausführungen und den eingereichten Bew eis- m itteln habe sie in genügender W eise dargetan, dass G ründe für die An- nahm e einer fristgerechten R ückkehr nach Kuba bestünden. D er von der Vorinstanz behauptete grosse Zuw anderungsdruck aus Kuba dürfe ihr nicht entgegengehalten w erden, da sie für allfällig unkorrektes Verhalten anderer Landsleute nichts könne. Eine generelle Verw eigerung des unm it- telbaren fam iliären Kontaktes in der Schw eiz sei im übrigen m it Art. 8 EM R K nicht vereinbar. D er Beschw erde legte die Beschw erdeführerin als neue Bew eism ittel ei- nen Auszug aus dem Schw eizerischen Zivilstandsregister ihre Schw ester und deren Ehem ann betreffend, ein Arztzeugnis bezüglich zu erw artender N iederkunft der Schw ester, ein Zw ischenarbeitszeugnis des G astgebers, eine Bestätigung ihrer Arbeitgeberin, einen M itgliederausw eis der U nión de Jóvenes C om unistas sow ie einen Strafregisterauszug des kubanischen Justizm inisterium s bei. D . In ihrer Vernehm lassung vom 24. August 2006 spricht sich die Vorinstanz für eine Abw eisung der Beschw erde aus. Auch w enn die Beschw erdefüh- rerin berufliche und gesellschaftliche Beziehungen im H eim atland geltend m achen könne, sei aufgrund der derzeitigen w irtschaftlichen und sozioöko- nom ischen Lage in Kuba nicht von einer gesicherten W iederausreise aus- zugehen. W eiter w ürde in der Beschw erdeschrift nunm ehr geltend ge- m acht, die Beschw erdeführerin solle der in der Schw eiz w ohnhaften Schw ester im H aushalt behilflich sein. D abei handle es sich jedoch um eine bew illigungspflichtige Erw erbstätigkeit, w elche sich m it dem beantrag- ten Besuchervisum nicht vereinbaren lasse. D er Vernehm lassung legte die Vorinstanz eine Stellungnahm e der Schw ei- zerischen Vertretung in H avanna zur w irtschaftlichen und politischen Situa- tion in Kuba vom 16. N ovem ber 2005 bei. E. In ihrer R eplik vom 28. Septem ber 2006 hält die Beschw erdeführerin an ih- rer Beschw erde fest und m acht geltend, die Vorinstanz anerkenne in ihrer Vernehm lassung im plizit, dass ihre W iederausreise aufgrund beruflicher und gesellschaftlicher Beziehungen im H eim atland gew ährleistet sei. Sie stütze sich für ihre Ablehnung eines Einreisevisum s som it einzig auf die in Kuba herrschenden w irtschaftlichen und soziokulturellen Verhältnisse und den daraus fliessenden Zuw anderungsdruck. Es sei bereits dargelegt w or- den, dass m it dieser Argum entationslinie Art. 8 EM R K und Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA verletzt w ürden. D ie Stellungnahm e der Schw eizerischen Ver- tretung in H avanna enthalte keinerlei H inw eise darauf, dass sie aufgrund ihrer konkreten Situation geneigt sein könnte, nicht in ihr H eim atland zu- rückzukehren. D ie M itteilung der Schw eizerischen Vertretung vom 11. M ai 2006, w onach sie ohne Arbeit sei, habe sie m it der nachgereichten Bestäti- gung ihrer Arbeitgeberin w iderlegt. Im Ü brigen habe sie im vergangenen Jahr eine W eiterbildung als Servicefachangestellte absolviert, um in Zu- kunft in einem Touristenort in der G astronom ie arbeiten zu können. Aus diesem G rund habe sie sich zu jener Zeit nicht in einer Festanstellung be- funden. U nzutreffend sei, dass ihr Aufenthaltszw eck in der Schw eiz in ei-4 ner bew illigungspflichtigen Erw erbstätigkeit bestehe. Sie m öchte aus An- lass der m ittlerw eile erfolgten G eburt des Kindes ihrer Schw ester den fam i- liären Kontakt m it ihr pflegen und ihr w ährend ihres befristeten Aufenthal- tes auch tatkräftig zur Seite stehen. Es handle sich m ithin um eine im R ah- m en fam iliärer Bindungen vollkom m en übliche H ilfe, w elche w eder in ihrem Falle gegen Entgelt erfolge, noch im Verhältnis zw ischen G eschw istern im Allgem einen derart geschehe. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eige- rung der Einreisebew illigung unterliegen der Beschw erde an das Bundes- verw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31, Art. 32 sow ie Art. 33 lit. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw altungsgericht [VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die Beurteilung der beim In- krafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidge- nössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021). D as U rteil ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BG G , SR 173.110]). 1.4 D ie Beschw erdeführerin ist gem äss Art. 48 Vw VG zur Beschw erde legiti- m iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutre- ten (Art. 49 ff. Vw VG ). 1.5 D ie Beschw erdeführerin rügt eine Verletzung des Anspruchs auf rechtli- ches G ehör, indem die Vorinstanz ihr G esuch um Erteilung eines Einreise- visum s abgew iesen habe, ohne sie vorgängig zur Einreichung besonderer N achw eise aufzufordern, w elche eine anstandslose und fristgerechte W ie- derausreise als w ahrscheinlich erscheinen liessen. D ieser R echtsauffassung kann nicht gefolgt w erden: D er verfassungs- m ässige Anspruch auf rechtliches G ehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfas- sung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101], Art. 29 Vw VG ) beschlägt nur die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes, nicht aber die rechtliche W ürdigung desselben. D em Be- troffenen ist deshalb in der R egel kein R echt auf vorgängige Stellungnah- m e bezüglich Fragen der rechtlichen Beurteilung und W ürdigung von Tat- sachen einzuräum en, es sei denn, die Behörde gedenke, sich in ihrem Entscheid auf einen völlig unüblichen nicht voraussehbaren R echtsgrund 5 abzustützen (vgl. Entscheid der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission vom 24. M ai 1994, teilw eise publiziert in der Verw altungspraxis des Bun- des, VPB 59.53 m it H inw eisen). In Verfahren, die auf Antrag des Betroffe- nen eingeleitet w erden, m uss das Äusserungsrecht uno actu m it der Ver- fahrenseinleitung ausgeübt w erden. D er Betroffene hat die Bew eise, m it denen er seine Vorbringen zu unterm auern gedenkt, gleichzeitig m it der Antragsstellung anzubieten. Aus dem G ehörsanspruch folgt nicht allge- m ein, dass dem Betroffenen die G elegenheit zur Bezeichnung von Bew eis- m itteln ausdrücklich gew ährt w erden m uss; eine solche ausdrückliche Auf- forderung erübrigt sich insbesondere dann, w enn die N otw endigkeit, eine Behauptung zu bew eisen, aus der Verfahrenssituation eindeutig hervor- geht (KLAU S R EIN H AR D T, D as rechtliche G ehör in Verw altungssachen, Zürich 1968, S. 206). Sofern der Antrag aus G ründen abgew iesen w erden soll, die dem Betroffenen nicht bekannt sind und zu denen er sich nicht schon in der Antragsbegründung geäussert hat, sind ihm diese G ründe m itzutei- len. Andernfalls entfällt diese M itteilungspflicht (KLAU S R EIN H A R D T, a.a.O ., S. 20). Vorliegend w urde das erstinstanzliche Verfahren auf Antrag der Beschw er- deführerin eingeleitet. D ass der G ew ähr für eine fristgerechte W iederaus- reise grosse Bedeutung zukom m t, liegt bei einem Einreisevisum zu Be- suchszw ecken in der N atur der Sache und m uss nicht speziell hervorgeho- ben w erden. D ie Beschw erdeführerin hatte allen Anlass, ihre Verhältnisse m öglichst vollständig offenzulegen und nach M öglichkeit auszuw eisen. D ie Vorinstanz stützte ihren anschliessenden negativen Entscheid einzig auf die von der Beschw erdeführerin und ihrem G astgeber eingereichten U nter- lagen und Auskünfte ab. Sie w ar som it nicht verpflichtet, der Beschw erde- führerin in Form eines Verfügungsentw urfes das Ergebnis ihrer Bew eis- w ürdigung und rechtlichen Beurteilung - näm lich, dass die fristgem ässe W iederausreise nicht gew ährleistet sei - vorgängig m itzuteilen, dam it sich diese dazu äussern und ergänzende Belege einreichen konnte. 1.6 Erachtet die Behörde som it die Visum svoraussetzungen der gesicherten W iederausreise nicht als erfüllt, ohne die Partei dazu vorgängig anzuhören und ihr die G elegenheit zum G egenbew eis einzuräum en, so verletzt sie nicht deren Anspruch auf rechtliches G ehör. Sie fällt allenfalls einen m ate- riell unrichtigen Entscheid, der als solcher beschw erdew eise beanstandet w erden kann. Falls eine Behörde bei der Sachverhaltserm ittlung in G estalt w illkürlicher Bew eisw ürdigung oder Verletzung des U ntersuchungsgrund- satzes Verfahrensfehler begeht, so kom m t solchen Fehlern in einem Ver- fahren w ie dem vorliegenden keine selbständige Bedeutung zu. D enn das Bundesverw altungsgericht verfügt dabei über freie Kognition (Art. 49 Bst. b Vw VG ; vgl. ferner FR ITZ G YG I, Bundesverw altungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 287).6 2. 2.1 D ie Schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist - vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe - von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern [VEA, SR 142.211], PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M . 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La protec- tion de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). U m ein Vi- sum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter an- derem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D ie Beschw erdeführerin bedarf aufgrund ihrer N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass eines Visum s. D ie Vorinstanz verw eigerte die Erteilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.3 D ie aktuelle Lage in Kuba ist - neben den noch im m er bestehenden Ein- schränkungen politischer Freiheitsrechte durch das kom m unistische R e- gim e - insbesondere durch eine seit dem Ende des kalten Krieges anhal- tende schw ierige w irtschaftliche Situation gekennzeichnet. D as durch- schnittliche m onatliche Salär in Kuba beträgt um gerechnet bloss etw a 12 U SD . D ie m onatlichen R ationen zu stark subventionierten Preisen decken noch die G rundbedürfnisse für zehn Tage. R und 40 % der Bevölkerung m uss dam it auskom m en, 60 % hat zusätzlich in der einen oder anderen Form Zugang zu D evisen. Aufgrund dieser m isslichen Verhältnisse versu-7 chen daher jährlich Tausende von kubanischen Staatsangehörigen, das Land zu verlassen (vgl. etw a N eue Zürcher Zeitung vom 18. Januar 2006: "Im m er m ehr Kubaner suchen die Freiheit" sow ie die von der Vorinstanz eingereichte Lageanalyse der Schw eizerischen Vertretung in H avanna vom 16. N ovem ber 2005). D ie Bereitschaft, das Land auf der Suche nach besseren Lebensbedingun- gen zu verlassen, w ird erfahrungsgem äss dort noch begünstigt, w o bereits Verw andte oder Bekannte im Ausland leben und entsprechend ein m inim a- les Beziehungsnetz besteht. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der strengen frem denpolizeilichen Zulassungspraxis nicht selten zur U m - gehung ausländerrechtlicher Bestim m ungen. D abei geht es nicht etw a al- lein um die Einreichung von Asylgesuchen nach erfolgter Einreise, son- dern es w ird oftm als versucht, den Aufenthalt zu verlängern oder - bei- spielsw eise durch Ausbildung oder H eirat - auf eine andere m igrations- rechtliche G rundlage zu stellen. Eine R olle bei der R isikoanalyse spielt aber auch der Aspekt, dass kubanische Staatsangehörige, die sich länger als elf M onate im Ausland aufgehalten haben, in der R egel nicht m ehr in ihr H eim atland zurückkehren können (vgl. M IC H AEL KIR SC H N ER , Kuba: Legale und illegale Aus- und Einreise, Schw eizerische Flüchtlingshilfe, Bern 2006). D iese R egelung lädt M igrationsw illige geradezu dazu ein, die Ver- pflichtung zur W iederausreise zu m issachten oder so lange hinauszuzö- gern, bis eine zw angsw eise W egw eisung durch den Aufenthaltsstaat nicht m ehr durchgesetzt w erden kann. 4. 4.1 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine an- standslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstel- lern, die in ihrer H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m öglichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entspre- chender Erfahrungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschrifts- gem ässen Verhaltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufent- halt) hoch eingeschätzt w erden. 4.2 Bei der Beschw erdeführerin handelt es sich um eine 29-jährige, ledige Frau. Ü ber ihren fam iliären H intergrund ist nur gerade bekannt, dass - m it Ausnahm e ihrer Schw ester - ihre gesam te Fam ilie in Kuba lebt. Aus diesen w enigen Angaben w erden keine besonderen fam iliären Verpflichtungen er- sichtlich, die nachhaltig von einer allfälligen Em igration abhalten könnten. 4.3 Aus der M itgliedschaft der Beschw erdeführerin bei der U nión de Jóvenes C om unistas lässt sich nicht zw ingend eine besondere Verbundenheit m it dem Land oder auch nur m it dem herrschenden R egim e ableiten. Bei den gegebenen sozialen und politischen Verhältnissen dürfte es für kubanische Staatsbürger nicht unüblich sein, in der einen oder andern staatstragenden Vereinigung m itzuw irken. 8 4.4 Auch die beruflichen Verhältnisse der Beschw erdeführerin lassen nicht auf Lebensum stände schliessen, die gegen eine Ausw anderung sprechen: Sie ist m om entan als C oiffeuse angestellt und hat - eigenen Angaben zufolge - eine W eiterbildung als Servicefachangestellte absolviert, in der H offnung, in Zukunft in der G astronom ie in einem der Touristenorte arbeiten zu kön- nen. D am it bestätigt sich im Falle der Beschw erdeführerin das Bild der skizzierten schw ierigen Verhältnisse, in denen viele M enschen trotz ihrer Arbeit kaum ein genügendes Auskom m en finden und gezw ungen sind, sich auf die eine oder andere Art Zugang zu D evisen zu verschaffen. Bem erkensw ert ist auch, dass die Beschw erdeführerin ein Visum für volle drei M onate beantragt. Es stellt sich die Frage, w ie sich eine solch lange Abw esenheit m it den Verbindlichkeiten aus dem Arbeitsverhältnis verträgt. Zw ar liegt eine R eiseerlaubnis ihrer Arbeitgeberin vor; ob diese auch eine W eiterbeschäftigungsgarantie nach ihrer R ückkehr beinhaltet, erscheint je- doch zum indest fraglich. D essen ungeachtet zeugt die lange D auer des beabsichtigten Besuchsaufenthaltes von einer grossen Flexibilität der Be- schw erdeführerin auch in beruflicher H insicht. 4.5 Vor dem aufgezeigten H intergrund durfte die Vorinstanz daher zu R echt davon ausgehen, die fristgerechte W iederausreise sei nicht gew ährleistet (vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m . Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). Zw ar lässt sich diese Einschätzung nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten; sie reicht aber aus, um die Erteilung einer Einreisebew illigung - auf w elche w ie be- reits erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht - abzulehnen. D ie Be- schw erdeführerin hat zw ar eine schriftliche R ückreiseverpflichtung unter- zeichnet. D abei handelt es sich jedoch lediglich um eine Absichtserklä- rung, w elche w eder rechtlich verbindlich noch faktisch durchsetzbar ist. U nter diesen Voraussetzungen kann auch offenbleiben, ob die von der Be- schw erdeführerin w ährend ihres Besuchsaufenthaltes beabsichtigte U nter- stützung der Schw ester nach deren N iederkunft als bew illigungspflichtige Erw erbstätigkeit und dam it als eine von einem Besuchervisum nicht ge- deckte Beschäftigung anzusehen w äre. 5. D ie Beschw erdeführerin w eist darauf hin, dass ihr G astgeber den Zw eck ihrer Einreise bestätigt und gestützt auf Art. 6 VEA eine G arantieerklärung abgegeben habe, w onach er für allfällig von ihr in der Schw eiz verursachte und ungedeckte Kosten hafte. D ie Integrität und Seriosität des G astgebers w ird vorliegend in keiner W eise in Zw eifel gezogen. Indessen geht es bei der Abw ägung des R isikos einer nicht fristgerechten W iederausreise nicht so sehr um das Verhalten des G astgebers, sondern vielm ehr um dasjenige des G astes. N ur dieser ist in der Lage, hinreichend G ew ähr für eine frist- gerechte und anstandslose W iederausreise zu bieten. D er G astgeber kann zw ar für gew isse finanzielle R isiken G arantie leisten, nicht aber - m angels rechtlicher D urchsetzbarkeit - für ein bestim m tes Verhalten des G astes. 6. D ie Beschw erdeführerin m acht w eiter geltend, eine generelle Verw ei- gerung des unm ittelbaren fam iliären Kontaktes in der Schw eiz - m it dem Argum ent einer präventiven Verm eidung frem denpolizeilicher Interventio- nen - sei unter dem Blickw inkel des Anspruchs auf Führung eines effekti-9 ven Fam ilienlebens im Sinne von Art. 8 EM R K unzulässig. Art. 8 der Kon- vention vom 4. N ovem ber 1950 zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten (Europäische M enschenrechtskonvention, EM R K, SR 0.101) sow ie Art. 13 Abs. 1 BV garantieren das R echt auf Fam ilienleben. Keine dieser Bestim m ungen verleiht jedoch einen Anspruch auf Verw irkli- chung dieses Fam ilienlebens in einem bestim m ten Staat. Von einem recht- fertigungsbedürftigen G rundrechtseingriff könnte - w enn überhaupt - nur dann ausgegangen w erden, w enn die W ahrnehm ung fam iliärer Kontakte in zum utbarer W eise nur durch Besuche der Schw ester in der Schw eiz zu verw irklichen w äre, w as vorliegend zu R echt nicht behauptet w ird. 7. Aus vorstehenden Erw ägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist da- her abzuw eisen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens w ird die unterliegende Be- schw erdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfah- renskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 1010 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 600.-- w erden der Beschw erdefüh- rerin auferlegt. Sie sind durch den am 9. August 2006 in gleicher H öhe ge- leisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten 2 229 533 zurück) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: A. Im oberdorf L. Birgelen Versand am :