Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Januar 2015 (715 14 244) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Berechnung des versicherten Verdienstes: Bonuszahlungen in Form von Zusatzaktien bilden aufgrund des Entlöhnungssystems der Arbeitgeberfirma massgebenden Lohn im Sinne des AHVG; Tilgung der Wartetage Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei berin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Taggeld A. Die 1955 geborene A.____ arbeitete seit 1. Oktob er 1986 als gelernte Laborantin in ei- nem Teilzeitpensum von zuletzt 70 % bei der B.____. Am 14. Dezember 2012 kündigte die Ar- beitgeberin das Arbeitsverhältnis infolge Restruktu rierung per 30. Juni 2013. Im Rahmen eines Sozialplans der Arbeitgeberin entschloss sich A.___ _ zur Frühpensionierung per 1. Dezember 2013. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Bereits am 24. April 2015 meldete sich A.____ beim Regionalen Arbeitsvermittlungs- zentrum (RAV) X.____ zur Arbeitsvermittlung an und erho b am 25. April 2013 bei der Öffentli- chen Arbeitslosenkasse Basel-Landschaft (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Arbeitslosenent- schädigung ab 1. Juli 2013. Da die Versicherte während der Kündigungsfrist des Arbeitsver- hältnisses erkrankte, verlängerte sich diese bis 30. Novembe r 2013. In der Folge eröffnete die Arbeitslosenkasse eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 2. Dezember 2013 bis 1. De- zember 2015. Am 10. Januar 2014 stellte die Arbeitslosen kasse der Versicherten eine Über- sicht der Versicherungsleistungen zu. Darin wurde der versi cherte Verdienst mit Fr. 6'261.-- beziffert. Mit Schreiben vom 11. Januar 2014 und E-Mail (Eingang: 14. Januar 2014) beanstan- dete die Versicherte die Ermittlung des versicherten Ve rdienstes. Gemäss ihrer Berechnung belaufe sich der versicherte Verdienst auf Fr. 6'352.10 . Sie führe die Differenz auf die Nichtbe- rücksichtigung der ihr ausbezahlten Boni in Form von Akti en und Zusatzaktien zurück. Zudem machte sie geltend, dass die Tilgung der gesetzlichen Wart etage falsch vorgenommen worden sei. Mit Verfügung Nr. 175/2014 vom 27. Januar 2014 teilte die Arbeitslosenkasse der Versi- cherten mit, dass der versicherte Verdienst korrekt berech net worden sei. Beim ermittelten Ver- dienst in Höhe von Fr. 6'261.-- seien die Monatslöhne Dezember 2012 bis November 2013 so- wie Bonuszahlungen von insgesamt Fr. 7'629.-- berücksichti gt. Weiter seien die seit 1. Dezem- ber 2013 ausgerichteten Altersleistungen aus beruflicher Vorsorge von der Bruttoarbeitslo- senentschädigung abzuziehen, was dazu führe, dass sie im M onat Dezember 2013 lediglich Anspruch auf ein Taggeld habe. Da sie zudem 10 Warteta ge zu einem Taggeld von Fr. 201.95 zu bestehen habe, könnten ihr bis zu deren vollständige n Tilgung keine Arbeitslosentaggelder ausgerichtet werden. Die gegen diese Verfügung erhobe ne Einsprache wies die Arbeitslosen- kasse mit Entscheid vom 14. August 2014 ab. C. Hiergegen erhob A.____ am 24. August 2014 Beschwer de ans Kantonsgericht, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht. Sie beantragte sinngemäss, in Aufhebung des Einspracheent- scheids vom 14. August 2014 seien bei der Berechnung des ve rsicherten Verdienstes die Boni in Form von Zusatzaktien zu berücksichtigen und dementsprechen d der versicherte Verdienst zu erhöhen. Zudem seien die Wartetage gemäss ihrer Be rechnung bereits im Dezember 2013 getilgt worden. D. In ihrer Vernehmlassung vom 27. Oktober 2014 schloss die Arbeitslosenkasse auf Ab- weisung der Beschwerde. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obl igatorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide au s dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Ar t. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbe itslosenversicherung und die Insolven- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherun gsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasse s die Kontrollpflicht erfüllt. Da die Versicherte der Kontrollpflicht im Kanton Baselland na chgeht, ist die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen. Laut § 54 Abs. 1 lit. a de s Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 b eurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Ka ntons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 AT SG, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht ein- gereichte Beschwerde vom 24. August 2014 ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist die Taggeldabrechnung für den Monat De- zember 2013 strittig. Dabei liegt der Streitwert unter Fr. 10'000.--, weshalb über die Beschwerde präsidial zu entscheiden ist. 2.1 Vorliegend ist die Höhe des versicherten Verdienstes und die Tilgung der Wartetage strittig. Dabei sind sich die Parteien einig, dass die Ra hmenfrist für die Beitragszeit vom 2. De- zember 2011 bis 1. Dezember 2013 dauert. Zu prüfen ist als Erstes die Höhe des versicherten Verdienstes. 2.2 Die Arbeitslosenentschädigung wird als Taggeld ausge richtet (Art. 21 Satz 1 AVIG). Dessen Höhe richtet sich grundsätzlich nach dem versicherten Verdienst der arbeitslosen Per- son (Art. 22 AVIG). Als versicherter Verdienst gilt nach Art. 23 Abs. 1 Satz 1 AVIG der im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebende Lohn, der während ei nes Bemessungszeitraumes aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise e rzielt wurde; eingeschlossen sind die vertraglich vereinbarten regelmässigen Zulagen, sowe it sie nicht Entschädigung für arbeits- bedingte Inkonvenienzen darstellen. Aus der gesetzlichen U mschreibung ergibt sich, dass der versicherte Verdienst an den massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 des Bundesge- setzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AH VG) vom 20. Dezember 1946 an- knüpft. Es kommt damit nicht darauf an, ob es sich um ei n Erwerbseinkommen handelt, son- dern darauf, ob dieses Einkommen massgebenden Lohn im Sinne der AHV-Gesetzgebung ist. Aus diesem Grund ist nicht entscheidend, ob die Bezüge aus einer eigentlichen Arbeitnehmer- tätigkeit stammen, sondern ob sie als massgebender Lohn im Sinne der AHV gelten. Wie der in Art. 23 Abs. 1 Satz 1 AVIG enthaltene Rechtsbegriff "normalerweise" deutlich macht, stimmt der versicherte Verdienst nicht deckungsgleich mit dem AHV-r echtlichen massgebenden Lohn überein. Mit dem Rechtsbegriff "normalerweise" solle n auch Einkünfte, die mit über ein norma- les Arbeitnehmerpensum hinausgehenden Beschäftigungen erzielt werden, für den versicherten Verdienst unbeachtlich bleiben (vgl. T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in; Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Basel 2007, S. 2287 f.). 2.3 Gemäss Art. 5 Abs. 2 Satz 1 AHVG gilt als massgebend er Lohn grundsätzlich jedes Entgelt für in unselbstständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit. Dazu gehören begrifflich sämtliche Bezüge der Arbeitneh merin und des Arbeitnehmers, die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht wirtschaftlich mit dem Arbeitsverhältnis zusammenhängen, gleichgültig, ob dieses Verhältnis fortbesteht oder aufgelöst worden ist und ob die Leistu ngen geschuldet werden oder freiwillig erfolgen; ebenfalls nicht massgebend ist, ob es sich um ei n unmittelbares (oder bloss um eine mittelbares) Entgelt handelt. Es reicht zur Erfassung als massgebender Lohn also aus, dass die Entschädigung irgendeine (wirtschaftliche) Beziehung zum Arbeitsverhältnis hat (BGE 124 V 102; vgl. auch U ELI KIESER , Alters- und Hinterlassenenversicherung, in: Rechtsprech ung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Murer/Stauffer [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2012, zu Art. 5 Rz. 124). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gehören Bonuszahlungen zum massgebenden Lohn (vgl. BGE 122 V 363 E. 3a). Diese wer den in jenen Beitragsmonaten an- gerechnet, in welchen die Arbeitsleistung erbracht wu rde (Entstehungsprinzip), unerheblich ist somit, zu welchem Zeitpunkt die Zahlungen ausgerichtet werden (vgl. Weisung des seco [Staatssekretariat für Wirtschaft], AVIG-Praxis ALE C2; Urteil des Bundesgerichts vom 21. De- zember 2011, 8C_757/2011, E. 3.4). 2.4 Als Mitarbeiteraktien gelten Aktien der Arbeitgeb erin oder ihr nahestehenden Gesell- schaften, die den Mitarbeitenden aufgrund ihres Arbeit sverhältnisses übertragen werden. Geld- werte Vorteile aus unentgeltlich oder zu Vorzugsbeding ungen abgegebenen Mitarbeiteraktien stellen massgebenden Lohn dar (vgl. Wegleitung über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO, gültig ab 1. Dezember 2013, Rz. 2015). Gesper rte Mitarbeiteraktien sind in der Regel mit einer zeitlich befristeten Verfügungssperre (Sperrfrist) belegt, während welcher die Mitarbei- tenden die Aktie weder veräussern, verpfänden noch ander weitig belasten dürfen. Der Rechts- grund für die Sperrfrist ist regelmässig ein Beteiligun gsreglement zwischen dem Arbeitgeber und den Mitarbeitenden (vgl. Kreisschreiben der Eidgen össischen Steuerverwaltung [ESTV], Nr. 37 vom 22. Juli 2013). 3.1 Die Arbeitslosenkasse ermittelte den versicherten Verd ienst aufgrund eines monatlichen Durchschnittslohnes der letzten 12 Monate (Dezember 2012 = Fr. 5'600.-- und für die Monate Januar 2013 bis November 2013: 11 x Fr. 5'628.--). Hin zu rechnete sie die Bonuszahlung für das Jahr 2012 in Höhe von Fr. 9'980.-- und für das Jah r 2013 in Höhe von Fr. 6'798.-- (11 Mo- nate) anteilsmässig auf den Bemessungszeitraum von Dezembe r 2012 bis November 2013 an, so dass sie ein betragspflichtiges Einkommen von Fr. 75'13 7.65 bzw. einen versicherten Ver- dienst von Fr. 6'261.-- (Fr. 75'137.65 : 12) erhielt. Die Versicherte bestreitet die Berechnung des versicherten Verdienstes nur insoweit, als sie beanstandet, dass die Arbeitslosenkasse den Bonus, den sie in Form von Zusatzaktien der B.____ erha lten habe, nicht als Lohnbestandteil berücksichtigt habe. Seit 2002 lasse sie sich die jährliche n Boni in Aktien umwandeln. Diese seien jeweils mit einer Sperrfrist von drei Jahren beleg t worden. Während dieser Frist habe sie nicht über die Aktien verfügen können. Zudem seien diese Kursschwankungen unterworfen. Seit 2006 erhalte sie jedes Jahr zusätzlich die Hälfte der vor drei Jahren erworbenen Aktien gratis dazu, auf welche sie Sozialversicherungsbeiträge und Steuern bezahle. Diese Zusatzak- tien seien ein Teil des Bonus; Bonuszahlungen seien gemä ss Arbeitsvertrag ein variabler leis- tungs- und ereignisbezogener Gehaltsanteil. Gemäss ihren Berechnungen müsse während des Bemessungszeitraums von Dezember 2012 bis November 2013 e in zusätzlicher Betrag von Fr. 1'980.10 (Zusatzaktien 2012 = Fr. 363.20 [1/12 vo n Fr. 4'358.60] und Zusatzaktien 2013 = Fr. 1'616.90) berücksichtigt werden. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Die Arbeitslosenkasse geht mit der Versicherten eini g, dass die Auszahlung des Bonus in Form von Aktien grundsätzlich ein Lohnbestandteil b ildet. Dies gelte aber nicht für die Zu- satzaktien, welche die Versicherte nach Ablauf der Sper rfrist erhalten habe. Im Zeitpunkt der Fälligkeit des Bonus habe die Versicherte zwischen der Ba rauszahlung und der Zuteilung der gesperrten Unternehmensaktien wählen können. Indem sie sich für die gesperrten Aktien ent- schieden habe, habe sie einen Anlageentscheid getroffen. Es sei ihr bewusst gewesen, dass sie nach Ablauf deren Sperrfrist als Entschädigung weite re Aktien zugeteilt bekomme. Diese Aktien seien jedoch keine Gegenleistung für eine erbr achte Arbeitsleistung, weshalb ihnen kein Lohncharakter zukomme. 4. Es ist somit zu prüfen, ob die Zusatzaktien massgebende n Lohn gemäss Art. 23 Abs. 1 Satz 1 AVIG darstellen. 4.1 In der B.____ wie auch in der C.____ erhalten d ie Mitarbeitenden neben ihrem fixen Grundgehalt einen Bonus. Dieser hängt von der individ uellen Leistung, dem individuellen Ver- halten sowie vom Erfolg des Unternehmens ab. Der vari able Vergütungsanteil wird in kurzfristi- ge variable Vergütungsbestandteile bestehend aus einer Barauszahlung oder in langfristige variable Vergütungsbestandteile bestehend aus Aktien so wie einem Optionsplan unterteilt (vgl. SIMONE OESCH , Chancen und Gefahren der leistungsorientierten Ent löhnung, dargestellt an- hand von Fallbeispielen aus der Novartis, Fachhochschule be ider Basel Nordwestschweiz, Ba- sel 2004, S. 18). Um die Mitarbeiter zusätzlich einersei ts am langfristigen Erfolg des Unterneh- mens zu beteiligen und sie für eine Investition ins Un ternehmen zu ermutigen, andererseits de- ren Betriebsbindung zu erhöhen, sieht der im Jahr 2002 eingeführte Aktienbeteiligungsplan ESOP (Employee Share Ownership Plan) vor, dass die Mita rbeiter nach einer Sperrfrist von drei Jahren für je zwei investierte Aktien eine Gratisa ktie zum aktuellen Kurs erhalten. Eine Sperrfrist von drei Jahren bedeutet, dass die Aktien fü r diese Zeit von den Mitarbeitenden nicht bezogen werden können (vgl. O ESCH , a.a.O., S. 29). Normalerweise haben die Mitarbeite nden die Differenz aus dem Ausgabepreis der Aktie und deren Verkehrswert direkt zu versteuern und dafür Sozialabgaben zu leisten. Unterliegt die Aktie e iner Sperrfrist, dann vermindert sich das zu versteuernde Einkommen, da der Verkehrswert der Aktie d iskontiert, d.h. abgezinst, wird. Je länger die Sperrfrist, desto geringer ist der zu versteue rnde Anteil. Die Mitarbeitenden können ihre Aktien wahlweise auch für fünf oder zehn Jahre sperren lassen und so weitere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge auf den Aktienteil sparen (vgl. FRED HENNEBERGER , Das leistungs- und verhaltensorientierte Entlöhnungssystem von Novartis: Chancen und Risiken, Teil 2, in; Zeitschrift der internen Angestelltenorganisation Novartis [NAV], Juli 2005, S. 5). 4.2 Das Entlöhnungssystem der B.____ galt auch für die Ve rsicherte. Aus dem Arbeitsver- trag vom 8. Dezember 1997 geht hervor, dass sie als Gegen leistung für ihre Arbeitstätigkeit bei der B.____ nebst einem fixen Jahresgehalt einen variab len leistungs- und ergebnisbezogenen Gehaltsanteil erhielt (Ziffer 2). Weiter ist auf der Zusammenstellung der Aktienbezüge vom 15. Mai 2013 ersichtlich, dass die Versicherte ihre jährl ichen Boni von 2003 bis 2013 nicht bar, sondern in Form von Aktien bezog. Diese Aktien waren m it einer Sperrfrist zwischen 3 und 10 Jahren belegt und wurden auf ein Depot lautend a uf den Namen der Versicherten hinterlegt. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nach Ablauf von drei Jahren seit Aktienerwerb erhielt die Versicherte gestützt auf den Aktienbe- teiligungsplan ESOP kostenlos Zusatzaktien im Umfang der Hälfte der vor drei Jahren erworbe- nen Aktien. Zur Veranschaulichung des Aktienerwerbs folg endes Beispiel: Im Jahr 2006 wan- delte die Versicherte ihren Bonus vom Vorjahr in Höhe von Fr. 9'420.-- in Aktien um. Sie erwarb dabei 133 Stück à Fr. 71.30 = Fr. 9'482.90. Nach einer Mindestsperrzeit von 3 Jahren erhielt sie 2009 gratis 67 Aktien (133 : 2) dazu (vgl. Aktienbeteil igungsplan vom 15. Mai 2013; Gehaltsab- rechnung März 2006). Gemäss Auskunft der ehemaligen Arbe itgeberin der Versicherten vom 6. Dezember 2013 seien diese Aktien erst nach Ablauf d er Sperrfrist steuer- und AHV-pflichtig geworden. Infolge der Pensionierung per 1. Dezember 2 013 seien im Fall der Versicherten je- doch die restlichen hinterlegten Aktien sofort fälli g geworden und zum AHV-pflichtigen Lohn hinzugezählt worden (vgl. auch Lohnausweis für das Jahr 2013). 4.3 Bei dieser Sachlage ist festzustellen, dass die der Ve rsicherten in den Jahren 2006 - 2013 eingeräumten gebundenen Zusatzaktien in engem Zusa mmenhang mit ihrer Tätigkeit in der B.____ stehen. Dafür spricht der Umstand, dass die Z usatzaktien der Versicherten gestützt auf den Aktienbeteiligungsplan ESOP ausgerichtet wurden , an dessen Teilnahme ausschliess- lich Mitarbeitende berechtigt sind. Zu beachten ist we iter, dass sich die Zuteilung der Zusatzak- tien am Umfang der entsprechenden Bonuszahlung orien tierte und somit von der persönlichen Leistung der Versicherten abhängig war. Daran vermag d ie Tatsache, dass sich die Anzahl der Zusatzaktien aufgrund der Bonushöhe bzw. der erworbenen Mitarbeiteraktien vor drei Jahren berechnete, nichts zu ändern, ist doch der zeitlich gest affelte Erwerb von Gratisaktien auf das Entlöhnungssystem der B.____ zurückzuführen. Dass die Ausg abe der Zusatzaktien eng mit dem Arbeitsverhältnis verknüpft ist, zeigt sich auch dari n, dass bei dessen Beendigung alle im Rahmen des Aktienbeteiligungsplanes erworbenen Zusatzaktien vor Ablauf der Sperrfrist verfal- len (vgl. Abrechnung über Zusatzaktien pro rata vom 16. Dezember 2013; H ENNEBERGER , a.a.O., S. 10). Damit stellt aber die Ausgabe von Zusat zaktien - entgegen der Ansicht der Ar- beitslosenkasse - keine Vergütung für die Sperrfrist dar. Gegen diese Annahme spricht auch die Tatsache, dass einem Mitarbeitenden, der das Unternehme n vor Ablauf der Sperrfrist verlässt, keine Entschädigung für die bereits bestandenen Tage erh ält. Zudem unterliegen entsperrte Aktien einer Rediskontierung, d.h. sie werden für die a bgekürzte Sperrfrist besteuert (vgl. Reg- lement über das Mitarbeiterkonto und die Aktiendepotve rwaltung 2013, Ziffer 13.3). Die Zutei- lung der Zusatzaktien hat somit im Arbeitsverhältnis ihr en hinreichenden Rechtsgrund. Damit handelt es sich aber nicht um eine geldwerte Leistung, welche die Mitarbeitenden aufgrund ih- rer Beteiligungsrechte als Aktionäre vom Unternehmen erh ält und ohne entsprechende Gegen- leistung zugewendet wird (BGE 135 V 297 E. 2 S. 299 f. mit Hinweis auf BGE 103 V 1 E. 2b S. 4). Demzufolge rechtfertigt es sich, die Zusatzaktien als massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 Satz 1 AHVG zu qualifizieren. Da die in Art. 23 AVIG genannten Ausnahmen nicht vorliegen, welche ein Abweichen vom AHV-rechtlichen Beg riff des massgebenden Lohnes rechtfertigen würden, und der Erwerb von Zusatzaktien i m üblichen Rahmen des Arbeitsver- hältnisses mit der B.____ erfolgte, entspricht der versiche rte Verdienst dem AHV-rechtlichen massgebenden Lohn (vgl. Erwägung 2.2). 4.4 Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass bei der Be rechnung des versicherten Ver- dienstes zum von der Arbeitslosenkasse ermittelten Einkomm en für den Zeitraum von Dezem- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ber 2012 bis November 2013 in Höhe von Fr. 75'137.65 der Wert der in den Jahren 2012 und 2013 erworbenen Zusatzaktien anteilsmässig zu addieren ist. Aus der Abrechnung der Zusatz- aktien pro rata vom 16. Dezember 2013 ergibt sich, dass die Versicherte im Jahr 2012 62 und im Jahr 2013 23 Zusatzaktien zum Aktienkurs von je Fr. 7 0.30 erhielt. Der Gesamtwert der Zu- satzaktien betrug im Jahr 2012 somit Fr. 4'358.60 und im Jahr 2013 Fr. 1'616.90. Demzufolge erhöht sich das beitragspflichtige Einkommen auf Fr. 76 '983.-- (Fr. 363.20 [1/12 von Fr. 4'358.60] für den Monat Dezember 2012 und Fr. 1 '482.15 [11/12 von Fr. 1'616.90] für die Monate Januar bis November 2013). Daraus resultiert ein versicherter Verdienst von Fr. 6'415.--. Bei einem Durchschnitt von 21.7 Arbeitst agen pro Monat und der Anspruchsbe- rechtigung von 70 % des versicherten Verdienstes beläuft sich das Taggeld auf Fr. 206.95 (Fr. 6'415.-- x 70 % : 21,7 Tage). 5.1 Die Versicherte beanstandet weiter die Berechnung smethode der Arbeitslosenkasse bei der Tilgung der Wartezeit. Die Arbeitslosenkasse zog in der Taggeldabrechnung Dezember 2013 vom ermittelten Anspruch auf Arbeitslosenentschädi gung in Höhe von Fr. 4'442.90 (22 kontrollierte Tage x Fr. 201.95 Taggeld) die mon atliche Altersleistung der Pensionskasse C.____ von Fr. 4'232.-- ab, was einen Betrag von Fr. 2 10.90 ergab. In Beachtung, dass Warte- tage wertmässig, d.h. in Form von vollen Taggeldern, zu tilgen seien, könne bei einem Taggeld in Höhe von Fr. 201.95 von den 10 Wartetagen nur ein einziger abgebucht werden; es seien somit noch weitere 9 Wartetage zu bestehen. Die Versich erte bestreitet nicht, dass gestützt auf Art. 18c Abs. 1 AVIG von der Arbeitslosenentschädigung d ie Altersleistung in Höhe von Fr. 4'232.-- abzuziehen ist und die Anzahl der Wartetage in ihrem Fall 10 Tage beträgt (vgl. Art. 18 Abs. 1 lit. a AVIG). Sie stellt sich aber auf den St andpunkt, dass bei der Tilgung der Warte- zeit nicht von einem Taggeld von Fr. 201.95 bzw. Fr. 2 06.95 auszugehen sei, weil sich dieses infolge der Reduktion der Altersleistung auf Fr. 9.60 (Fr. 210.90 : 22 Kontrolltage) reduziere. Bei 22 Kontrolltagen im Monat Dezember 2013 resultiere na ch Abzug von 10 Wartetagen eine Ar- beitslosenentschädigung von Fr. 115.60 (22 Kontrolltage - 10 Wartetage x Fr. 9.60 Taggeld). 5.2 In dieser Hinsicht ist anzuführen, dass für die Ti lgung der Wartezeit massgebend ist, wie viele volle Taggelder in einer Kontrollperiode hätten bezogen werden können (BGE 114 V 197 E. 2b; vgl. dazu auch AVIG-Praxis ALE C109). Demzufol ge können die 10 Wartetage nicht ein- fach von den 22 Kontrolltagen abgezogen werden. Im Hinblick auf die für die Tilgung der Warte- tage massgebende Taggeldhöhe ist das Urteil des damalig en Eidgenössischen Versicherungs- gerichts (EVG; heute: Bundesgericht) vom 22. November 200 7, C 251/06, heranzuziehen, in welchem in Erwägung 2.3 die Berechnungsmethode dargele gt wurde. Dies ergibt auf den vor- liegenden Fall Folgendes: Ausgehend von der in Erwägu ng 4.4 berechneten Taggeldhöhe von Fr. 206.95 (Fr. 6'415.-- x 70 % : 21,7 Tage) entspri cht die monatliche Altersleistung von Fr. 4'232.-- im Monat Dezember 2013 20 vollen Taggel dern (Fr. 4'232.-- : Fr. 206.95). Diese Tage sind von der Anzahl der kontrollierten Tage abzu ziehen, was im Monat Dezember 2013 grundsätzlich zwei entschädigungsberechtigte Tage ergibt. Daraus folgt, dass die Versicherte im Monat Dezember 2013 2 Wartetage getilgt hat. Dieses Vorgehen ist in den Folgemonaten zu wiederholen, bis die Wartetage getilgt sind. Danach sin d die nach Abzug der 20 Tage verblei- benden kontrollierten Tage zu entschädigen. Es gibt ke ine sachlichen Gründe, um von dieser Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Berechnungsmethode abzuweichen; zumal das damalige EVG dieses Vorgehen als rechtmäs- sig erachtete. 5.3 Die Versicherte macht weiter geltend, dass sie sich mi t der von ihrer Arbeitgeberin erhal- tenen Abgangsentschädigung von Fr. 86'882.-- mit einem Betrag von Fr. 80'358.20 in die Pen- sionskasse C.____ eingekauft habe, um ihre Altersrente vo n monatlich Fr. 3'691.70 auf Fr. 4'232.-- erhöhen zu können. Durch dieses Vorgehen reduziere sich ihr Anspruch auf Arbeits- losenentschädigung um Fr. 540.30. Dagegen müssten ehemal ige Arbeitskolleginnen und Ar- beitskollegen, welche sich die Abgangsentschädigung bar a uszahlen liessen, keine ALV- rechtlichen Einbussen hinnehmen. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass Al- tersleistungen der beruflichen Vorsorge gemäss Art. 18c Abs. 1 AVIG von der Arbeitslosenent- schädigung abgezogen worden. Als Altersleistungen gelten die für das versicherte Risiko des Alters ausgerichteten Leistungen, ungeachtet dessen, ob sie in Form einer Rente oder aber ganz oder nur teilweise in Form einer Kapitalabfindun g ausgerichtet werden (SVR 2000 AlV Nr. 7 S. 21 [C 72/03]). Bei denjenigen Vorsorgeeinr ichtungen, welche die Möglichkeit einer vor- zeitigen Pensionierung vorsehen, ist unter Eintritt des Versicherungsfalls "Alter" rechtspre- chungsgemäss das Erreichen der reglementarischen Altersgrenze für eine vorzeitige Pensionie- rung zu verstehen; ohne Belang ist die Absicht der versi cherten Person, anderweitig erwerbstä- tig zu sein (BGE 129 V 381 E. 4.1 S. 382 und 120 V 30 6); Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2011, 8C_188/2011). Sinn und Zweck der Koordi nation von Arbeitslosenentschädigung und Leistungen aus beruflicher Vorsorge ist, den ungerechtfertigten gleichzeitigen Bezug dieser Leistungen zu verhindern, wenn vorzeitig pensionierte Per sonen Arbeitslosenentschädigung beanspruchen können (ALFRED BLESI , Abgangsentschädigungen des Arbeitgebers: Ungereimt- heiten im Arbeitslosenversicherungsrecht, in: ARV 2006, S. 92 und Rz. 50). Abgangsentschädi- gungen, die keine Altersleistung darstellen, sind deshal b nicht abzuziehen. Darunter fallen bei- spielsweise Freizügigkeits- bzw. Austrittsleistungen, da d iese Leistungen nicht für das versi- cherte Ereignis Alter ausgerichtet werden. Dies gilt au ch dann, wenn sie gegen das Ende einer beruflichen Laufbahn in Wert und Wirkung einer Alter sleistung sehr nahekommen (BGE 123 V 148 E. 5a; B ARBARA KUPFER BUCHER , Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversi- cherung und Insolvenzentschädigung, Zürich/Basel/Genf 20 13, S. 113 f.; für weitere konkrete Beispiele: AVIG-Praxis ALE C160)). Es ist deshalb anzune hmen, dass es sich bei den Ab- gangsentschädigungen der Arbeitskolleginnen und Arbeitsk ollegen, die in ihren ALV- Abrechnungen keinen Abzug hinnehmen mussten, nicht um Altersleistungen im Sinne des AVIG handelte. 5.4 Der von der Versicherten getätigte Einkauf hat Vo rsorgecharakter und ist deshalb als Altersleistung zu qualifizieren. Es ist sachlich nicht gere chtfertigt, wenn diejenigen Leistungen aus beruflicher Vorsorge, die mit einer Abgangsentschädi gung der Arbeitgeberin finanziert wur- den, nicht berücksichtigt würden. Denn es ist zu beachten, dass die Versicherte mit dem Ein- kauf ihre Altersrente erhöhen konnte, während diejeni gen Personen, welche die Abgangsent- schädigung nicht in die berufliche Vorsorge investierte n, aufgrund fehlender Beiträge eine ge- ringere Altersrente erhalten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5 Aufgrund dieser Ausführungen ergibt sich, dass die Versicherte mit ihrem Begehren, ihre Boni in Form von Zusatzaktien seien in die Berechnung d es versicherten Verdienstes einzube- ziehen im Wesentlichen durchgedrungen ist. Die Beschwer de ist demgemäss teilweise gutzu- heissen. Die Taggeldabrechnung für den Monat Dezember 2013 ist dahingehend zu korrigieren, als das Taggeld von Fr. 201.95 auf Fr. 206.95 und die Anzahl der getilgten Wartetage von 1 auf 2 zu erhöhen ist. 6. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverfah ren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise gut geheissen, als der Ein- spracheentscheid vom 14. August 2014 aufgehoben und die Taggeldab- rechnung für den Monat Dezember 2013 dahingehend zu ko rrigieren ist, als das Taggeld von Fr. 201.95 auf Fr. 206.95 und die Anzahl der getilg- ten Wartetage von 1 auf 2 zu erhöhen ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.