Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, vom 22. November 2016 (400 16 213) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Ehescheidung: - Kinderunterhaltsbeitrag (insbesondere Frage der Höhe und der An- rechnung der Kinderrenten) - nachehelicher Unterhaltsbeitrag (insbesondere Frage der Lebensprä- gung, der Berücksichtigung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Unterhaltsberechtigten, des anrechenbaren Einkommens des Unter- haltsverpflichteten, welches sich kurz nach dem Scheidungsurteil er- höht, und der Dauer des nachehelichen Unterhaltsbeitrags) Besetzung Präsident Roland Hofmann, Richter Dieter Freiburghaus (Ref.), Richterin Barbara Jermann Richterich; Gerichtsschreiberin Karin Arber Parteien A. ____ vertreten durch Advokatin Susanne Ackermann, Spittelerhof, Kaser- nenstrasse 22a, Postfach 569, 4410 Liestal, Kläger und Berufungskläger/Anschlussberufungsbeklagter gegen B. ____ vertreten durch Advokatin Doris Vollenweider, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal, Beklagte und Berufungsbeklagte/Anschlussberufungsklägerin Gegenstand Ehescheidung Berufung gegen das Urteil des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 17. Mai 2016 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die Ehegatten A.____ und B.____ heirateten am 30. J anuar 1991 in Horgen ZH. Der Ehe sind die drei Kinder C.____, geboren am 13. Oktober 1995, D.____, geboren am 24. November 1999, und E.____, geboren am 9. Oktober 2002 entspr ungen. Die Ehegatten trennten sich im Jahr 2011. Am 7. Mai 2013 reichte der Ehemann nach zwei jähriger Trennungszeit am Bezirks- gericht Gelterkinden (seit 1. April 2014: Zivilkreisgeri cht Basel-Landschaft Ost) die Klage auf Scheidung ein. Die Ehefrau wohnt mit den Kindern in der ehelichen Liegenschaft. B. Im Ehescheidungsverfahren vor dem Zivilkreisgericht Basel-L andschaft Ost wurde ein doppelter Schriftenwechsel durchgeführt. Im Laufe des Scheidungsverfahrens verfügte die Inva- lidenversicherung, dass die IV-Rente der Ehefrau von einer vollen auf eine halbe Rente gekürzt werde. Diese Verfügung focht die Ehefrau an, so dass während dem laufenden Eheschei- dungsverfahren der IV-Entscheid nicht rechtskräftig wur de und bis zum Scheidungsurteil unge- wiss blieb, ob die Ehefrau weiterhin eine volle oder eine halbe IV-Rente erhalten wird. Das Zivil- kreisgericht führte am 7. April 2016 die Hauptverhandl ung durch, an welcher zwei Zeugen an- gehört wurden. Im Nachgang zur Hauptverhandlung schlossen die Ehegatten eine Teilvereinba- rung betreffend Güterrecht. Mit Urteil vom 17. Mai 2016 schied das Zivilkreisgericht die Ehe der Parteien (Dispositiv Ziffer 1). Es beliess die elterliche Sorge über die beiden noch minderjähri- gen Kinder beiden Ehegatten gemeinsam, wobei festgest ellt wurde, dass die Kinder ihren Wohnsitz zurzeit bei der Mutter hätten (Dispositiv Ziffer 2). Es wurde sodann das minimale Be- suchs- und Ferienrecht für den Vater geregelt (Dispositiv Ziffer 3). Hinsichtlich der Kinderunter- haltsbeiträge wurde der Ehemann verpflichtet, den Ki ndern monatliche und vorauszahlbare Un- terhaltsbeiträge von CHF 281.00 bis August 2016 und von CHF 1‘000.00 ab September 2016 je Kind (jeweils zuzüglich Kinder- und/oder Ausbildungszulag en) zu bezahlen, wobei festgehalten wurde, dass sich die Unterhaltsbeiträge ab September 2016 um allfällige an die Beklagte für die Kinder durch die IV ausbezahlten Kinderrenten reduzie ren würden (Dispositiv Ziffer 4). Weiter wurde die Anrechnung der AHV-Erziehungsgutschriften zu Gunsten der Ehefrau verfügt (Dispo- sitiv Ziffer 5). Der Kläger wurde verpflichtet, der Beklagten gemäss Art. 125 ZGB mit Wirkung ab Rechtskraft des Urteils monatliche und vorauszahlbare Unterh altsbeiträge zu bezahlen, wobei vier Phasen unterschieden wurden und innerhalb der Ph asen der Unterhaltsbeitrag für den Fall einer vollen IV-Rente und für den Fall einer halben IV-Rente der Beklagten festgelegt wurde (Dispositiv Ziffer 6). Der nacheheliche Unterhaltsbeitra g wurde bis Juli 2034 (AHV-Alter des Klägers) festgelegt. Weiter wurden im Urteil die Inde xklausel mit dem Basiseinkommen (Dispo- sitiv Ziffer 7) aufgeführt, die Anweisung an die Vorsor geeinrichtung gemacht (Dispositiv Zif- fer 8), die Teilvereinbarung zum Güterrecht genehmigt (Dispositiv Ziffer 9), die Anweisung an das Grundbuchamt vorgenommen (Dispositiv Ziffer 10) und d ie Prozesskosten verteilt (Disposi- tiv Ziffer 11). C. Mit Eingabe vom 27. Juni 2016 an das Kantonsgericht B asel-Landschaft, Abteilung Zivil- recht, erklärte der Ehemann gegen die Ziffern 4 und 6 des Scheidungsurteils des Zivilkreisge- richts Basel-Landschaft Ost vom 17. Mai 2016 die Berufun g. Hinsichtlich der Kinderunterhalts- beiträge (Dispositiv Ziffer 4 des Scheidungsurteils) be antragte er keine Änderung in der Höhe, jedoch dass sich die Kinderunterhaltsbeiträge um allfäl lige an die Beklagte für die Kinder durch die IV und durch die PK ausbezahlten Kinderrenten reduzieren sollen (Rechtsbege hren Zif- fer 1). Hinsichtlich der nachehelichen Unterhaltsbeiträg e beantragte er, der persönliche Unter- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht haltsbeitrag an die Ehefrau sei in Abänderung von Zi ffer 6 des Scheidungsurteils aufzuheben respektive das Unterhaltsbegehren abzuweisen, eventuali ter sei der Unterhaltsbeitrag im Be- trag von CHF 143.00 bei einer vollen IV-Rente der Ehe frau und von CHF 543.00 bei einer hal- ben IV-Rente der Ehefrau auf den 16. Geburtstag der jüngsten Tochter, das heisst auf Oktober 2018, zu befristen; alles unter o/e-Kostenfolge. D. Am 2. September 2016 reichte die Ehefrau die Berufun gsantwort ein. Sie beantragte, es sei auf Ziffer 1 der Berufung nicht einzutreten, even tuell sei dieser Antrag abzuweisen, und im Übrigen sei die Berufung vollumfänglich abzuweisen; unte r o/e-Kostenfolge. Die Ehefrau er- suchte für das Berufungsverfahren um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. Mit separater Eingabe vom 2. September 2016 erklärte d ie Ehefrau die Anschlussberufung. Sie beantragte, es sei in Abänderung von Ziffer 4 des Schei dungsurteils der Kinderunterhalt von je CHF 1‘000.00 pro Kind ohne Reduktion um allfällige an die Beklagte für die Kinder ausgerichte- ten Kinderrenten zu bezahlen und es sei in Ergänzung di eser Ziffer der Unterhaltsbeitrag ab September 2016 bis zur Mündigkeit respektive darüber hi naus bis zum ordentlichen Abschluss einer Erstausbildung festzulegen; alles unter o/e-Kostenfolge. Die Ehefrau ersuchte auch in der Anschlussberufung um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. E. Mit Anschlussberufungsantwort vom 10. Oktober 2016 bean tragte der Ehemann die Ab- weisung der Anschlussberufung unter o/e-Kostenfolge. Auf die vorinstanzliche Entscheidbegründung sowie auf die Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. F. Mit Verfügung vom 12. Oktober 2016 schloss der Kanton sgerichtspräsident Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, den Schriftenwechsel u nd lud die Parteien zu einer Hauptver- handlung vor die Dreierkammer. Das Gesuch der Berufung sbeklagten und Anschlussberu- fungsklägerin um unentgeltliche Rechtspflege bewilligte er unter Beiordnung von Advokatin Do- ris Vollenweider als unentgeltliche Rechtsbeiständin. G. Am 22. November 2016 fand die Hauptverhandlung vor d er Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft statt, an welcher eingangs Vergleichsgesprä- che geführt wurden. Nachdem keine Einigung über die n och strittigen Punkte zustande kam, hielten die Rechtsvertreterinnen ihre Plädoyers, in wel chen sie an den bereits in den Rechts- schriften aufgeführten Rechtsbegehren und Begründungen festhielten. Erwägungen 1. Gegen erstinstanzliche Endentscheide kann Berufung erho ben werden. In vermögens- rechtlichen Angelegenheiten ist die Berufung nur zulässig , sofern der Streitwert der zuletzt auf- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 ZPO). Im vorliegenden Berufungsverfahren ist diese Streitwertgrenze erreicht. Die Beru- fung ist schriftlich und begründet innert 30 Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheids bzw. seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegr ündung bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Die schriftliche Beg ründung des Entscheids des Zivilkreis- gerichts Basel-Landschaft Ost vom 17. Mai 2016 wurde der Rechtsvertreterin des Berufungs- klägers am 26. Mai 2016 zugestellt. Die Rechtsmittelfrist lief bis am Samstag, dem 25. Juni 2016, und endete gestützt auf Art. 142 Abs. 3 ZPO am M ontag, dem 27. Juni 2016. Die Rechtsmittelfrist ist folglich durch die Berufung vom 27. Juni 2016 eingehalten. Die Berufung wurde der Rechtsvertreterin der Berufungsbeklagten am 7 . Juli 2016 zugestellt. Unter Berück- sichtigung des Fristenstillstandes vom 15. Juli bis 15. Aug ust (Art. 145 Abs. 1 lit. b ZPO) erfolg- te die Anschlussberufung vom 2. September 2016 ebenfal ls fristgemäss. Die weiteren Forma- lien sind sowohl in der Berufung wie auch in der Ansch lussberufung erfüllt, so dass auf die Be- rufung und auf die Anschlussberufung einzutreten ist. Ge mäss § 6 Abs. 1 lit. d EG ZPO ist die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgericht s für die Beurteilung von Berufungen gegen Entscheide der Dreierkammern der Zivilkreisgerichte sachlich zuständig. Zur Vereinfachung der Lesbarkeit wird der Ehemann (K läger, Berufungskläger und Anschluss- berufungsbeklagter) in den folgenden Erwägungen imme r als „Kläger“ bezeichnet und die Ehe- frau (Beklagte, Berufungsbeklagte, Anschlussberufungsklägerin) immer als „Beklagte“. 2. Der Kläger beantragt in der Berufung mit dem Rechtsbe gehren Ziffer 1, es sei das Schei- dungsurteil betreffend die Kinderunterhaltsbeiträge insofern zu ergänzen, als sich die Kinder- renten nicht nur um die an die Beklagte ausbezahlten I V-Kinderrenten, sondern auch um die PK-Kinderrenten reduzieren sollen. Er begründet dazu , aus den vorinstanzlichen Erwägungen gehe eindeutig hervor, dass das Gericht der Meinung gewesen sei, dass beide Kinderrenten an den Unterhaltsbeitrag anzurechnen seien und es sich um e in offensichtliches Versehen handle, wenn im Dispositiv nur die IV-Kinderrente erwähnt werd e. Die Beklagte beantragt, auf das ent- sprechende Rechtsbegehren sei nicht einzutreten, weil di eses Versehen mit einem Erläute- rungs- oder Berichtigungsbegehren bei der Vorinstanz gel tend zu machen sei. Die Beklagte führte unter Ziffer 3 der Berufungsantwort aus, es g ehe aus der Urteilsbegründung ohne weite- res hervor, dass die Vorinstanz der Meinung war, dass sich die Beklagte die Kinderrenten der IV und der PK anrechnen lassen müsse und sich der Kinder unterhalt um die jeweilige Höhe dieser Kinderrenten der Sozialversicherungen reduziere. Es ist somit unter den Parteien nicht strittig, dass die Vorinstanz den Unterhaltsbeitrag sowohl um die jeweiligen Kinderrenten der IV wie auch der PK reduzieren wollte. Folglich ist dieser Punkt im vorliegenden Berufungsverfah- ren gegenstandslos, da er nicht strittig ist. 3. Die Beklagte beantragt mit Rechtsbegehren Ziffer 2 d er Anschlussberufung, es sei in Er- gänzung des vorinstanzlichen Urteils der Kinderunterhalt sbeitrag von CHF 1‘000.00 ab Sep- tember 2016 bis zur Mündigkeit respektive bis zum orden tlichen Abschluss einer beruflichen Erstausbildung festzulegen. Nachdem die Vorinstanz am 6. September 2016 die entsprechende Ziffer 4 des Urteils vom 17. Mai 2016 in diesem Sinne berichtigte bzw. den Wortlaut ersetzte, ist das Rechtsbegehren Ziffer 2 der Anschlussberufung ebenfa lls gegenstandslos geworden und darauf nicht mehr weiter einzugehen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die der Beklagt en ausbezahlten Kinderrenten vom Kinderunterhaltsbeitrag abzuziehen sind oder ob der vom Kläger an die Beklagte zu be- zahlende Kinderunterhaltsbeitrag von CHF 1‘000.00 je Kind ohne Reduktion zu leisten ist. 4.1 Die Vorinstanz hat die Höhe des Kinderunterhaltsbeitr ags vorab nach der abstrakten Me- thode bemessen und hierfür auf einen pauschalen Prozen tsatz des Nettoeinkommens des Klä- gers abgestellt. Für zwei Kinder hat sie mit einem Pro zentsatz von 25-27% des Nettoeinkom- mens des Klägers von CHF 7‘627.00 einen Betrag von CHF 2 ‘059.30 ermittelt, was demnach für die beiden minderjährigen Töchter einen Unterha ltsbeitrag von je CHF 1‘000.00 zuzüglich Kinder- bzw. Ausbildungszulage ergebe. Sodann ist die V orinstanz auf den Bedarf der Kinder eingegangen und hat diesbezüglich die Tabelle des Obergerichts des Kantons Aargau beigezo- gen. Die Vorinstanz führte aus, die hiesigen Verhältniss e würden eher den Lebenshaltungskos- ten im benachbarten Kanton Aargau entsprechen als de njenigen im Kanton Zürich. Gemäss den Aargauer Tabellen betrage der Barbedarf für ein es von zwei Kindern im Alter zwischen 13 und 16 Jahren CHF 976.00 und im Alter ab 16 Jahren CHF 1‘184.00. Bei dem mittels der Prozentmethode errechneten Unterhaltsbeitrags je Kind von CHF 1‘000.00 zuzüglich Kinder- bzw. Ausbildungszulage sei dieser Bedarf gedeckt, zumal nicht bekannt sei, dass zu den übli- chen Aufwendungen besondere Kosten hinzukämen. Die Kind errenten seien daher an die Kin- derunterhaltsbeiträge anzurechnen, so dass sich die vom Kläger an die Beklagten zu leistenden Kinderunterhaltsbeiträge um die Kinderrenten reduzieren würden. 4.2 Die Beklagte stellt sich auf den Standpunkt, der Kin derunterhaltsbeitrag sei ohne Redukti- on um die Kinderrenten zu leisten. Sie moniert, mit der Regelung der Vorinstanz werde der Kin- derunterhaltsbeitrag auf CHF 1‘200.00 bzw. CHF 1‘250. 00 beschränkt, so dass den Kindern kein Anteil an der veränderten Lebensstellung der Eltern zukomme. Der Bedarf der Kinder habe sich nicht nur am Existenzminimum zu orientieren, sondern es seien auch Überschussanteile zu berücksichtigen, welche nunmehr insbesondere dem Unter haltspflichtigen zur Verfügung stün- den. Die Beklagte ist der Meinung, es sei auf die Zürche r Tabellen abzustützen, welche von einem monatlichen Durchschnittseinkommen der Eltern von i nsgesamt brutto CHF 7‘000.00 ausgehen würden. Reduktionen von den Tabellenwerten se ien nur sehr zurückhaltend vorzu- nehmen. Die Familie habe schon während dem Zusammenleb en in überdurchschnittlichen Ver- hältnissen gelebt und das Einkommen des Klägers habe sich seit August 2016 auf netto CHF 7‘627.00 verbessert, weshalb von den Zürcher Tabe llen auszugehen sei. Diese sähen für eines von zwei Kindern im Alter von 13 bis 18 Jahren einen Barbedarf von CHF 1‘605.00 vor. Mit einem Unterhaltsbeitrag von CHF 1‘000.00, der Ki nderzulagen von CHF 200.00 sowie Kin- derrenten von insgesamt CHF 463.00 werde dieser Betrag gerade gedeckt, ohne dass den Kin- dern ein Überschussanteil zukomme. Die Beklagte moniert üb erdies, indem die Vorinstanz auf die Berücksichtigung von zusätzlichen Kosten mangels Kenntni s von solchen verzichtet habe, habe sie den Untersuchungsgrundsatz gemäss Art. 296 ZPO verletzt. Aufgrund des Bildungsni- veaus der Eltern sowie dem bisherigen Ausbildungsweg der beiden älteren Töchter sei ohne weiteres davon auszugehen, dass alle drei Kinder eine w eiterführende Schule besuchen wür- den. Es sei gerichtsnotorisch, dass dann zusätzliche Kosten von monatlich rund CHF 200.00 für Lehrmittel, Schulmaterial und Exkursionen anfallen wür den, sowie weitere CHF 200.00 für aus- wärtige Verpflegung und CHF 50.00 für das U-Abo. Sel bst wenn dem Gericht diese Zahlen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht bekannt gewesen wären, hätte es sie im Rahmen des U ntersuchungsgrundsatzes in Er- fahrung bringen müssen. Durch die Anrechnung der Kind errenten und die entsprechende Re- duktion des Unterhaltsbeitrages erhöhe sich der Überschuss de s Klägers, wogegen die Kinder auf das Existenzminimum verwiesen würden. Damit werde der Grundsatz, dass sich der Kin- derunterhaltsbeitrag auch an der Lebensstellung der Eltern orientieren soll, verletzt. 4.3 Der Kläger bringt vor, die Vorinstanz habe zu Recht au f die Aargauer Tabellen abgestellt. Im Übrigen gäbe es keine vorgeschriebene Methode, wie d ie Unterhaltsbeiträge zu berechnen seien. Das Existenzminimum je Kind betrage im vorliegende n Fall CHF 946.00. Mit dem Betrag von CHF 1‘000.00 (unter Einberechnung der Kinderrente n), der Kinderzulage von CHF 200.00 und der Prämienverbilligung von CHF 62.00 stehe je Kind CHF 1‘262.00 zur Verfügung, sodass ein Überschussanteil enthalten sei. Der Kläger unterstütze auch noch die volljährige Tochter, so dass ihm gar kein Überschuss verbleibe. Zusätzliche Kosten für die Kinder seien im vorinstanz- lichen Verfahren nicht geltend gemacht worden und würden vom Kläger bestritten. 4.4 Gemäss Art. 276 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 276 Abs. 3 ZGB und Art. 285 Abs. 1 ZGB soll der Kindesunterhaltsbeitrag den Bedürfnissen des Kindes sowie der Lebensstellung und Leistungs- fähigkeit der Eltern entsprechen und ausserdem Vermöge n und Einkünfte des Kindes sowie den Beitrag des nicht obhutsberechtigten Elternteils a n der Betreuung des Kindes berücksichti- gen. Das Gesetz macht keine Vorgaben, wie der Kinderun terhaltsbeitrag zu berechnen ist. Das Bundesgericht schreibt auch keine bestimmte Methode der U nterhaltsberechnung vor und ge- währt den Sachgerichten einen grossen Ermessensspielraum. In der Praxis finden verschiede- ne Bemessungsmethoden Anwendung. Teilweise werden die Unterhaltsbeiträge auf der Basis der betreibungsrechtlichen Grundbeträge der Kinder be stimmt und im Rahmen der Über- schussverteilung erweitert. Andere Gerichte orientieren sich an Normalbeträgen wie den "Zür- cher Empfehlungen" oder den "Aargauer Empfehlungen". Etliche Kantone setzen die Höhe des Unterhaltsbeitrags als Prozentsatz des Nettoeinkommens des beitragspflichtigen Elternteils fest, wobei für zwei Kinder Ansätze von 25-27 % zur Anw endung kommen. Schliesslich werden die Kinderunterhaltsbeiträge im Rahmen von eherechtl ichen Entscheiden teilweise auch nach Festsetzung der gesamten Unterhaltslast des pflichtigen Ehegatten ausgeschieden (FamKomm Scheidung / W ULLSCHLEGER , 2. Aufl., Art. 285 ZGB N 65). Die Vorinstanz hat n ebst der Pro- zentregel die Empfehlungen des Obergerichts des Kantons A argau für die Berechnung beige- zogen. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, hat wiederholt ebenfalls auf diese „Aargauer Tabellen“ abgestellt und nicht auf di e Empfehlungen des Jugendamtes des Kantons Zürich, weil die Empfehlungen des benachbarten Kantons Aargau besser auf die hie- sigen Lebenskosten zugeschnitten seien als die Zürcher Empf ehlungen (siehe etwa die im In- ternet publizierten Entscheide des Kantonsgerichts Basel-L andschaft vom 03.01.2012 im Verf. Nr. 400 11 269, E. 2, und vom 29.10.2013 im Verf. N r. 400 13 179, E. 4). Dies gilt für den vor- liegenden Fall umso mehr, als die Parteien in einer e her ländlichen Gegend im Oberbaselbiet wohnen. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Vori nstanz auf die „Aargauer Tabellen“ abstellte und nicht auf jene des Kantons Zürich. Die B egründung der Vorinstanz, dass die Le- benshaltungskosten im Kanton Aargau eher den hiesigen V erhältnissen entsprechen würden, ist entgegen der Ansicht der Beklagten ausreichend und nachvollziehbar und erlaubte ihr, die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht erstinstanzlichen Erwägungen sachgerecht zu rügen. Die V orinstanz musste nicht weiter be- gründen, weshalb sie nicht auf die „Zürcher Tabellen“ abstellt. 4.5 Die Vorinstanz führte aus, es sei nicht bekannt, dass beson dere Kosten zu den üblichen Aufwendungen des täglichen Bedarfs für die Kinder hinz ukämen, wie etwa besondere Gesund- heits- oder Ausbildungskosten. Die Beklagte sieht darin e ine Verletzung der Untersuchungsma- xime. Es trifft zu, dass hinsichtlich der Kinderbelange d ie Untersuchungsmaxime gilt und das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen zu erforschen ha t (Art. 296 Abs. 1 ZPO). Jedoch sind die Parteien auch im Rahmen dieser uneingeschränkte n Untersuchungsmaxime zur Mit- wirkung verpflichtet. Sie sind von der Sammlung des Prozessstoffes nicht entbunden und haben die Verhältnisse darzulegen, auf welche abgestellt we rden soll (A NNETTE SPYCHER , in: Berner Kommentar zur ZPO, Bern 2012, Art. 296, N 7; Botschaft ZPO S. 7313 und S. 7316; BGE 133 III 507, E. 5.4). Die Beklagte hat bei der Vorin stanz keine zusätzlichen Kinderkosten gel- tend gemacht und hat solche auch nicht belegt, so dass diese nicht zu berücksichtigen sind. Sie kann sich hinsichtlich der geltend gemachten Schulkosten auch nicht auf die Notorietät berufen. Sollten sich die Verhältnisse erheblich ändern, ist di e Beklagte auf die Abänderungsklage ge- mäss Art. 286 Abs. 2 ZGB zu verweisen. Die von der Beklagt en erwähnten Kosten für Zahnkor- rekturen und Zahnspangen sind ebenfalls nicht zu berücksichtigen, da diese weder substantiiert vorgetragen noch beziffert wurden. Hinsichtlich dieser Ko sten ist auf Art. 286 Abs. 3 ZGB zu verweisen, wonach bei ausserordentlichen Bedürfnissen ein besonderer Beitrag eingeklagt werden kann. Der von der Vorinstanz festgelegte Barbedar f entsprechend den Aargauer Emp- fehlungen für eines von zwei Kindern im Alter zwischen 1 3 und 16 Jahren von CHF 976.00 und im Alter ab 16 Jahren von CHF 1‘184.00 ist folglich nicht zu beanstanden und wird mit dem vor- instanzlich festgelegten Unterhaltsbeitrag von CHF 1‘00 0.00 zuzüglich Kinderzulage auch ge- deckt. 4.6 Die Vorinstanz entschied, dass sich die Kinderunterhaltsbei träge um allfällige an die Be- klagte ausbezahlte Kinderrenten reduzieren würden. Die Beklagte ist dagegen der Meinung, die Kinderrenten seien nicht anzurechnen und die Kinderun terhaltsbeiträge seien vom Kläger un- geschmälert zu leisten. Art. 285 Abs. 2 ZGB legt fest, dass Kinderzulagen und So zialversicherungsrenten, die dem Un- terhaltspflichtigen zustehen, zusätzlich zum Unterhaltsb eitrag zu bezahlen seien, soweit das Gericht es nicht anders bestimmt. Der umgekehrte Fall, in welchem wie hier vorliegend dem unterhaltsberechtigten Ehegatten Kinderrenten zustehen , ist im Gesetz nicht geregelt. Das Bundesgericht hat im Entscheid 5C.173/2005 vom 07.12.2005, E. 2.3.2, festgehalten, dass ent- sprechend Art. 276 Abs. 3 und Art. 285 Abs. 1 ZGB bei der Festlegung des Kinderunterhaltsbei- trages auch die finanziellen Verhältnisse des Kindes zu ber ücksichtigen seien. Zwar sei das Kind nicht selber Anspruchsberechtigte der IV-Kinderr ente, so dass es sich nicht um eigene Einkünfte des Kindes handle. Indes sei die Kinderrente nach ihrem gesetzlichen Zweck aus- schliesslich für den Unterhalt und die Erziehung des Kinde s zu verwenden und damit beim Un- terhaltsbedarf des Kindes vorab zu berücksichtigen. Die Ki nderrenten, welche die Beklagte be- zieht, sind daher im vorliegenden Fall an den Unterhal tsbeitrag anzurechnen (siehe auch Ent- scheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, vom 15.03.2016 im Verf. Nr. 400 15 432, E. 9.4). Der vorinstanzliche Entscheid ist dem entsprechend auch hinsichtlich der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anrechnung der Kinderrenten an den Unterhaltsbeitra g nicht zu beanstanden. Folglich ist die Anschlussberufung abzuweisen. 5. Der Kläger ist mit dem vorinstanzlich festgelegten nache helichen Unterhaltsbeitrag weder betreffend die Höhe noch betreffend die Dauer einverstanden. 5.1 Die Vorinstanz ging aufgrund der Dauer des ehelichen Zusammenlebens von 20 Jahren und dem Umstand, dass aus der Ehe drei Kinder hervorgega ngen sind, von einer lebensprä- genden Ehe aus und bejahte aufgrund der Krankheit der Beklagten die nacheheliche Solidarität. Den gebührenden Bedarf der Beklagten inkl. Überschussanteil und Vorsorgeunterhalt bezifferte die Vorinstanz mit CHF 4‘127.00 bis Oktober 2020 (Volljährigkeit der jüngsten Tochter) bzw. mit CHF 3‘877.00 ab November 2020. Die Vorinstanz prüfte sodann das Einkommen und die Ei- genversorgungskapazität der Beklagten. Dabei berücksichtigte sie, dass der IV-Entscheid hin- sichtlich der verfügten Reduktion von einer vollen auf ei ne halbe IV-Rente im Urteilszeitpunkt noch nicht rechtskräftig und daher folglich noch ungewiss war, ob die Beklagte eine volle oder eine halbe Invalidenrente erhalten wird. Für den Fal l, dass die Beklagte eine volle IV-Rente er- halten sollte, rechnete ihr die Vorinstanz als Einkommen diese Rente an. Für den Fall, dass die Beklagte eine halbe IV-Rente erhalten sollte, rechne te ihr die Vorinstanz zur Rente ein Zusatz- einkommen von CHF 2‘000.00 für ein 50%-iges Arbeitspensum an, wobei ihr bis zum 16. Alters- jahr der jüngsten Tochter (d.h. bis Oktober 2018) wege n der Betreuungsarbeit lediglich ein Ein- kommen von CHF 1‘000.00 angerechnet wurde. Anschliessen d prüfte die Vorinstanz die Leis- tungsfähigkeit des Klägers. Sie führte dazu aus, der Kl äger absolviere bis im August 2016 noch seine Primarlehrerausbildung und könne bis dahin keine n nachehelichen Unterhaltsbeitrag be- zahlen. Für die Zeit ab September 2016 stellte die Vo rinstanz auf das Einkommen von CHF 7‘627.00 ab, welches der Kläger dann als Primarle hrer mit einem vollen Pensum erzielen könne. Den Bedarf des Klägers bezifferte sie auf CHF 3‘8 33.00. Hinsichtlich der Leistungsfä- higkeit des Klägers zur Bezahlung des nachehelichen Unte rhalts erwog die Vorinstanz, dass sich die Kinderunterhaltsbeiträge um die der Beklagte n ausbezahlten Kinderrenten reduzieren und sich damit die verfügbaren Mittel für den nachehel ichen Unterhalt erhöhen würden. Die Vorinstanz legte aufgrund dieser Parameter den nachehe lichen Unterhaltsbeitrag folgender- massen fest: a) bis August 2016 mangels Leistungsfähigkeit des Kläge rs: CHF 0.00 b) ab September 2016 bis und mit Oktober 2018 (jüngste Tochter 16-jährig) CHF 1‘300.00, sofern die Beklagte eine volle IV-Rente bezieht, bzw. CHF 1‘700.00, sofern die Beklagte eine halbe IV-Rente bezieht, c) ab November 2018 bis Oktober 2020 (jüngste Tochter vol ljährig) CHF 1‘300.00, sofern die Beklagte eine volle IV-Rente bezieht, bzw. CHF 700. 00, sofern die Beklagte eine halbe IV-Rente bezieht, d) ab November 2020 bis Juli 2034 CHF 1‘050.00, sofern die Beklagte eine volle IV-Rente bezieht, bzw. CHF 450.00, sofern die Beklagte eine halbe IV-Rente bezieht. 5.2 Der Kläger beantragt mit seiner Berufung, der Beklag ten sei kein persönlicher Unterhalts- beitrag zuzusprechen, eventualiter sei lediglich bis Okto ber 2018 ein Unterhaltsbeitrag von Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 143.00 bei einer vollen IV-Rente der Beklagten bzw . von CHF 543.00 bei einer halben IV- Rente der Beklagten zuzusprechen. Er führt aus, die Pa rteien hätten sich während der Ehe die Erwerbs- und Familienarbeit halbwegs gleichmässig geteilt und er sei nicht vollzeitlich erwerbs- tätig gewesen, sondern habe stets nur ein bescheidenes E inkommen erzielt. Diese Rollenver- teilung habe zur Folge gehabt, dass er nie in eine ber ufliche Karriere habe investieren können. Aufgerechnet auf 100% entspreche sein eheliches Einkomme n ca. CHF 4‘500.00. Auch nach der Trennung hätten die Parteien sich die Kinderbetre uung noch während zwei Jahren geteilt. Wegen der ständigen Differenzen zwischen den Parteien habe er der Beklagten jedoch im Jahr 2013 vorgeschlagen, dass entweder sie oder er die Kinde rbetreuung übernehmen solle. Die Beklagte habe sich entschieden, dass sie die Kinderbetreu ung übernehmen wolle. Daraufhin habe er, nach Einreichung der Scheidungsklage, eine Que reinsteigerausbildung als Primarleh- rer begonnen, welche im August 2016 ende. Bei der Prü fung seines anrechenbaren Einkom- mens sei auf den Trennungszeitpunkt abzustellen. Was der Kläger nach der Trennung, als das Scheitern der Ehe bereits feststand, zur Verbesserung sei ner wirtschaftlichen Leistungskraft unternommen habe, dürfe nach dem Clean-Break-Prinzip nicht zur Bemessung des Unterhalts- beitrags herangezogen werden. Es sei falsch, wenn zur Be stimmung seiner Leistungsfähigkeit von einem Einkommen ausgegangen werde, welches er erst fünf Jahre nach der Trennung er- zielen könne. Aufgrund der Rollenverteilung stelle sich d ie Frage, ob die Ehe im Sinne des Un- terhaltsrechts überhaupt lebensprägend gewesen sei und bei der Beklagten eine berechtigte Vertrauensposition habe wecken dürfen. Denn durch diese Rollenteilung hätten beide Ehegat- ten die gleichen Nachteile erlitten, so dass keine zu sch ützenden Vertrauenspositionen ge- schaffen worden seien. Der Kläger stellt sich überdies auf den Standpunkt, die Krankheit der Beklagten sei nicht ehebedingt und hätte sich auch ohn e die Ehe verwirklicht, so dass diese Krankheit keine finanziellen Folgen für den Kläger ha ben könne. Hinsichtlich der Bemessung des nachehelichen Unterhaltsbeitrags moniert der Kläge r, die Vorinstanz habe den Lebens- standard während der Ehe viel zu hoch berechnet. Die Ehe gatten hätten ein einfaches Leben ohne Luxus geführt, was die Zeugen bestätigt hätten. Ei n Überschuss, an welchem die Beklag- te zu beteiligen wäre, sei nie vorgelegen. Das Existenzminimum der Beklagten betrage gemäss Berechnung der Vorinstanz CHF 2‘966.00 ohne Überschussan teil und ohne Steuern. Der ge- bührende Bedarf bestehe in diesem Existenzminimum, welch es die Beklagte selber decken könne. 5.3 Die Beklagte entgegnet diesen Ausführungen im Wesen tlichen, die Berücksichtigung ei- ner künftigen Einkommenssteigerung sei auch in Art. 1 29 Abs. 3 ZGB vorgesehen. Daher müs- se auch die bereits feststehende Einkommenssteigerung ber ücksichtigt werden. Der Kläger habe während der Ehe seine Erwerbstätigkeiten wiederh olt abgebrochen und neue berufliche Tätigkeiten aufgenommen. Er habe damit seine persönli chen Interessen verfolgt. Phasenweise habe er wenig verdient, jedoch aus seinen selbständigen Tätigkeiten in einzelnen Jahren auch höhere Einkommen erzielt. Das von der Vorinstanz herang ezogene Einkommen des Klägers liege durchaus im Bereich der ehelichen Verhältnisse. Die hälftige Aufteilung der Kinderbetreu- ung während der Ehe bestreitet die Beklagte. Die Bekla gte führt weiter aus, es handle sich um eine lebensprägende Ehe und ihr Gesundheitszustand sei zu berücksichtigen, ungeachtet der Ehebedingtheit der gesundheitlichen Beeinträchtigung. Es spiele auch keine Rolle, wann die Beeinträchtigung der Gesundheit während der lebenspr ägenden Ehe eintrete, solange dies vor Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Scheidungsurteil der Fall sei. Aufgrund der Gesun dheit der Beklagten gründe der Unter- haltsbeitrag auf nachehelicher Solidarität. Bei Ein tritt der Arbeitsunfähigkeit sei die Beklagte wegen der Kinderbetreuung nur zu 30% berufstätig und aus diesem Grund nur minimal versi- chert gewesen. Daher erhalte sie auch über die Scheidun g hinaus eine tiefere Rentenleistung. Die ehebedingte Rollenteilung habe folglich über die Trennung und Scheidung hinaus für die Beklagte finanzielle Auswirkungen, so dass ehebedingte Nac hteile auch nach der Scheidung fortbeständen und zu entschädigen seien. Die Beklagte ist der Meinung, die Vorinstanz habe ihren Bedarf zu tief festgelegt, beantragt ihrerseits jedoch keine Änderung. 5.4 Ist einem Ehegatten nicht zuzumuten, dass er für den ihm gebührenden Unterhalt selbst aufkommt, so hat ihm der andere Teil gestützt auf Art . 125 Abs. 1 ZGB angemessenen, nach- ehelichen Unterhalt zu leisten, soweit er hierzu in der Lage ist. Nebst weiteren Kriterien sind dabei insbesondere die Aufgabenteilung während der Eh e, die Dauer der Ehe, die Lebensstel- lung während der Ehe, das Alter und die Gesundheit der Ehegatten zu berücksichtigen (Art. 125 Abs. 2 Ziff. 1-4 ZGB). Die bundesgerichtliche Rechtsprec hung zum nachehelichen Unterhalt basiert auf der Unterscheidung, ob eine Ehe lebenspräg end war oder nicht. Hat das eheliche Zusammenleben weniger als fünf Jahre gedauert, wird ver mutet, dass keine Lebensprägung vorliegt, während eine Ehe, die mehr als zehn Jahre g edauert hat, vermutungsweise lebens- prägend war. Unabhängig von der Dauer gilt die Ehe in der Regel als lebensprägend, wenn aus ihr Kinder hervorgegangen sind. Liegt eine Lebenspräg ung vor, wird angenommen, dass das Vertrauen auf den Fortbestand der bisherigen, frei ve reinbarten Aufgabenteilung objektiv schutzwürdig ist und der unterhaltsberechtigte Ehegatte grundsätzlich Anspruch auf Fortset- zung des zuletzt gemeinsam gelebten Standards hat (BGE 135 III 59, E. 4.1; 137 III 102, E. 4.1). Im vorliegenden Fall betrug das eheliche Zusam menleben bis zur Trennung 20 Jahre und aus der Ehe sind drei Kinder hervorgegangen. Es h andelt sich somit gemäss ständiger Rechtsprechung um eine lebensprägende Ehe. Im vorliege nden Fall vermag auch die vom Klä- ger ausgeführte Rollenteilung daran nichts zu ändern. Im Gegenteil zeigen seine Ausführungen, dass beide Ehegatten wegen der gemeinsamen Kinderbetre uung nicht einfach wie vor der Ehe weiterarbeiteten, sondern dass beide Parteien ihre Ar beitspensen wegen der Kinderbetreuung reduzierten, so dass die Ehe für beide Parteien lebensprägend war. Ob sie die Kinderbetreuung gleichmässig unter sich aufteilten oder ob eine Partei sich in grösserem Umfang um die Kinder- betreuung kümmerte, ist kaum beweisbar und unter den Parteien umstritten, jedoch für die Fra- ge der Lebensprägung der Ehe ohnehin nicht von Bedeu tung, da beide Parteien ihre Arbeits- pensen wegen der Familienarbeit reduzierten. 5.5 Die Parteien streiten darüber, ob die Gesundheitsbee inträchtigung der Beklagten ehebe- dingt ist bzw. ob Schwierigkeiten in der Ehe mitursächlich für diese sind. Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, dass es bei einer lebensprägen den Ehe nicht darauf ankommt, ob die Krankheit ehebedingt ist. Liegt eine lebensprägende Ehe vor, wird der Gesundheitszustand un- geachtet der Ehebedingtheit seiner Beeinträchtigung berücksichtigt, sofern die Beeinträchtigung vor der Scheidung eintritt (Bundesgerichtsentscheide 5A_128/2016 vom 22.08.2016, E. 5.1.3.2; 5A_894/2011 vom 14.05.2012, E. 6.5.2; 5A_384/2008 vo m 21.10.2008, E. 5.2.1; 5A_288/2008 vom 27.08.2008, E. 4.3). Im vorliegenden Fall heirate ten die Parteien im Jahr 1991 und trenn- ten sich im Jahr 2011. Die Beklagte wurde während dem e helichen Zusammenleben im Jahr Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2003 arbeitsunfähig und erhielt sodann eine volle IV-Rente. Da es sich vorliegend um eine wäh- rend der Ehe eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beklagten handelt, ist ihre Gesundheit als Faktor bei der Beurteilung de s nachehelichen Unterhaltsanspruchs zu berücksichtigen. Da es gemäss wiederholter bundesgerichtli cher Rechtsprechung bei einer le- bensprägenden Ehe, wie hier vorliegend, keine Rolle spi elt, ob die gesundheitliche Beeinträch- tigung ehebedingt ist oder nicht, braucht auf die ent sprechenden Ausführungen der Parteien und vorinstanzlichen Erwägungen nicht weiter eingegang en zu werden. Vielmehr ist entspre- chend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aufgrund der Lebensprägung der Ehe der Ge- sundheitszustand der Beklagten zu berücksichtigten. Bei dieser Sachlage ist auch die Rollentei- lung während der Ehe bzw. die umstrittene Frage, wer sich wieviel um die Kinderbetreuung kümmerte, nicht mehr von Bedeutung und daher ist auch auf die diesbezüglichen Ausführungen der Parteien und Erwägungen der Vorinstanz nicht weiter einzugehen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Rech t von einer lebensprägenden Ehe ausging und den Gesundheitszustand der Beklagten be i der Prüfung des nachehelichen Unterhaltsbeitrages berücksichtigte. Daran vermag auch de r Hinweis des Klägers auf den Auf- satz von Andrea Büchler und Sandro Clausen (Die Eigen versorgungskapazität im Licht des nachehelichen Unterhalts: Theorie und Rechtsprechung, in: FamPra 2015, S. 8) nichts zu än- dern. In der zitierten Passage dieses Aufsatzes wird kriti siert, dass sich das Bundesgericht bis- lang nicht mit den kritischen Meinungsäusserungen der Le hre auseinandergesetzt und sich nicht derer Lösungsansätze angenommen habe. Der Gesetzge ber hat keine Vorgaben zur Be- rechnung des nachehelichen Unterhaltsbeitrags und zur Gewichtung der in Art. 125 Abs. 2 ZGB aufgeführten Kriterien gemacht. Es kann daher nicht moniert werden, wenn sich die Gerichte an der bundesgerichtlichen Rechtsprechung orientieren, wes halb der Hinweis des Beklagten auf die Kritik aus der Lehre vorliegend am Ergebnis nichts zu ändern vermag. 5.6 Der Kläger moniert die Bemessung des Unterhaltsbeitr ags und macht diesbezüglich gel- tend, die Vorinstanz habe den Lebensstandard während der Ehe deutlich zu hoch errechnet. Er stellt sich auf den Standpunkt, es sei auf das Existenzminimum der Beklagten abzustellen, ohne Anrechnung eines Überschusses und ohne Einrechnung von Steu ern. Gemäss Art. 125 Abs. 1 ZGB ist ein nachehelicher Unterhaltsbeitrag geschuldet, wenn einem Ehegatten nicht zuzumu- ten ist, für den ihm gebührenden Unterhalt unter Ein schluss einer angemessenen Altersvorsor- ge selber aufzukommen. Entsprechend dieser Gesetzesbestim mung ist auf den gebührenden Unterhalt abzustellen und - entgegen der Ansicht des Klägers – nicht auf das Existenzminimum. Der gebührende Unterhalt orientiert sich an der zuletzt vor Aufnahme des Getrenntlebens in der Ehe gelebten Lebensführung, welche zugleich die Ober grenze bildet (FamKomm Scheidung / SCHWENZER , 2. Aufl., Art. 125 N 4f.). Die Vorinstanz errechn ete einen zuletzt gelebten Fami- lienbedarf von CHF 6‘820.00 und ein Familieneinkommen zum Zeitpunkt der Aufnahme des Getrenntlebens von CHF 8‘511.55, so dass ein Überschuss von rund CHF 1‘700.00 resultiere. Die Vorinstanz führte aus, es sei nicht bekannt, dass die Ehegatten aus den laufenden Ein- kommen Ersparnisse gebildet hätten, weshalb zu vermuten s ei, dass das gesamte Einkommen für das Führen des Lebensstandards aufgebraucht worden s ei, zumal die Parteien nichts Ge- genteiliges vorgetragen hätten. Die Vorinstanz teilte den von ihr errechneten Überschuss von CHF 1‘700.00 zu gleichen Teilen auf den Kläger, die Beklagte und die Kinder auf, so dass ein Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anspruch der Beklagten am Überschuss von rund CHF 560.00 resultierte. Den Bedarf der Be- klagten berechnete die Vorinstanz bis Oktober 2020 auf CHF 4‘127.00 und danach auf CHF 3‘877.00 (Grundbetrag von CHF 1‘350.00 bis Oktobe r 2020 bzw. CHF 1‘200.00 ab No- vember 2020, Hypothekarzins von CHF 382.00, Wohnnebenkost en CHF 400.00, Krankenkas- senprämie CHF 358.00, U-Abo CHF 76.00, Steuern CHF 3 00.00, Gesundheitskosten CHF 201.00, Überschussanteil CHF 560.00, Vorsorgeunterh alt CHF 400.00 [recte: = CHF 4‘027.00 bei einem Grundbetrag von CHF 1‘350.00]). Der Kläger hat weder das von der Vorinstanz errechnete Familieneinkommen im Zeitpunkt de r Trennung von CHF 8‘511.55 be- stritten, noch dargelegt, wofür sie dieses Geld ausgegeben hätten oder dass ein Betrag gespart worden sei. Er hat auch nicht vorgerechnet, wie sich nach seiner Auffassung der Familienbedarf im Zeitpunkt der Trennung dargestellt haben soll ode r was an der vorinstanzlichen Berechnung konkret falsch sein soll. Der Kläger hat somit weder die von der Vorinstanz berücksichtigten Positionen und Beträge noch die vorinstanzlichen Berechn ungen substantiiert bestritten. Er führt lediglich aus, es sei selbstredend, dass bei einer vol len Invalidität mit mehreren langan- dauernden Klinikaufenthalten hohe Arztselbstbehalte anfallen würden, ohne diese jedoch weiter auszuführen oder zu beziffern. Er verweist sodann auf d en von der Vorinstanz eingesetzten Betrag für Gesundheitskosten der Beklagten von monatli ch CHF 200.00, ohne weitere Ausfüh- rungen dazu, ob dieser Betrag im vorinstanzlich berechn eten Familienbedarf fehle, so dass da- rauf nicht weiter einzugehen ist. Sein Hinweis, es sei notorisch, dass bis vor wenigen Jahren die Hypothekarzinse massiv höher gewesen seien, ist ebenfalls n icht zu hören. Zum einen beziffert der Kläger nicht, in welchem Betrag die Hypothekarzinsen zu berücksichtigen seien. Zum ande- ren ist nicht auf die Hypothekarzinssätze oder einen Durchsch nittswert während des ehelichen Zusammenlebens abzustellen, sondern auf die konkreten Hyp othekarzinsen im Zeitpunkt der Aufnahme des Getrenntlebens (= zuletzt gelebter Standar d). Auf die vorinstanzliche Berech- nung des gebührenden Unterhalts ist mangels substantiiert er Bestreitung durch den Kläger nicht weiter einzugehen. Folglich ist für die Berechnun g des nachehelichen Unterhaltsbeitrags auf den gebührenden Unterhalt der Beklagten, wie ihn die Vorinstanz berechnete, abzustellen. Das für die Beklagte von der Vorinstanz errechnete Ein kommen und die Eigenversorgungska- pazität in den verschiedenen Phasen (sowohl für den Fall einer vollen als auch einer halben IV- Rente) wurden vom Kläger nicht moniert und sind folgl ich ebenfalls nicht zu prüfen. Der Ver- gleich des von der Vorinstanz errechneten gebührenden U nterhalts der Beklagten von CHF 4‘127.00 (bis Oktober 2020) [recte: CHF 4‘027.00] bzw. CHF 3‘877.00 (ab November 2020) mit deren Eigenversorgungskapazität, welche je na ch Phase und Höhe der Rente zwi- schen CHF 2‘423.00 und CHF 3‘423.00 beträgt, zeigt, dass die Beklagte für ihren gebührenden Unterhalt nicht selber aufkommen kann, so dass sie angesic hts der lebensprägenden Ehe An- spruch auf einen nachehelichen Unterhalt hat. 5.7.1 Die Vorinstanz ging sodann auf die Leistungsfähigkeit des Klägers ein. Der Kläger hat im Sommer 2013 die Quereinsteigerausbildung als Primarle hrer begonnen. Die Vorinstanz unter- schied daher hinsichtlich seines Einkommens zwei Abschnitte, nämlich die Zeit während der Primarlehrerausbildung bis im August 2016, in welcher dem Beklagten die Bezahlung eines nachehelichen Unterhaltsbeitrags nicht möglich sei, und die Zeit nach Absolvierung dieser Aus- bildung. Die Vorinstanz stellte für die Zeit ab Septe mber 2016 auf das Einkommen ab, welches der Kläger als Primarlehrer erzielen kann. Sie berief sich auf die Literaturstelle in Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht HAUSHEER /S PYCHER (Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. Aufl., Bern 2010, N 05.172), wonach nacheheliche Karrieresprünge oder ausserordentliche gr osse Einkommenssteigerungen des Unterhaltspflichtigen ausser Betracht fallen, wenn sie im Scheidungszeitpunkt nicht unmittelbar bevorstehen und deshalb noch als ehebedingt anzusehen sei en. Die Vorinstanz sah dies aller- dings als gegeben und führte aus, der Kläger habe noch während der Ehe, wenn auch nach der Trennung, eine Ausbildung begonnen mit der Konsequenz , dass trennungsbedingte Mehrkos- ten nicht hätten gedeckt werden können. Dass die Beklagte nicht auf einen Unterhaltsanspruch bzw. die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens währ end der Trennungszeit beharrt habe, dürfe ihr nicht zum Nachteil gereichen. Es sei zudem eher zufällig, dass das Scheidungs- urteil wenige Wochen vor Abschluss der Primarlehrerausb ildung des Klägers ergehe. Es sei daher auf das Einkommen des Klägers als Primarlehrer abzustellen, zumal dieses Einkommen anhand der fixen Lohnklassen genau abschätzbar sei. Die Vo rinstanz ging folglich ab Septem- ber 2016 von einem Einkommen des Klägers als Primarlehr er von CHF 7‘627.00 aus. Den Be- darf des Klägers berechnete sie auf CHF 3‘833.00 zuzüglich Überschussanteil von CHF 560.00. Die Vorinstanz führte aus, die vom Kläger zu bezahlenden Kinderunterhaltsbeiträge würden je CHF 1‘000.00 betragen, sich jedoch um die ausgerichte ten Kinderrenten reduzieren, so dass sich die verfügbaren Mittel um diese Beträge erhöhen w ürden und dem Kläger die Bezahlung des nachehelichen Unterhaltsbeitrags möglich sei. 5.7.2 Der Kläger hält dem entgegen, für die Prüfung seines anrechenbaren Einkommens sei auf den Zeitpunkt der Trennung abzustellen und nicht auf den Scheidungszeitpunkt. Was der Klä- ger nach der Trennung, als das unwiderrufliche Scheiter n der Ehe bereits festgestanden sei, unternommen habe, um seine wirtschaftliche Leistungskraft zu verbessern, dürfe nach dem Clean-Break-Prinzip nicht zur Bemessung des nachehelichen Un terhalts beigezogen werden. Der Kläger sei während der Ehe nie vollzeitig erwerbstä tig gewesen und habe aus seiner selb- ständigen Tätigkeit als Gärtner ein bescheidenes Einkommen erzielt, welches aufgerechnet auf ein 100%-iges Pensum netto rund CHF 4‘500.00 betrag en habe. Während der Ausbildung zum Primarlehrer habe er auch etwa dieses Einkommen erzie lt und die Beklagte habe während die- ser Zeit und auch davor zu Recht keinen persönlichen Unterhaltsanspruch geltend gemacht. Es könne nunmehr, fünf Jahre nach der Trennung, nicht auf ein Einkommen abgestellt werden, welches er während der Ehe nicht erzielt habe. Weiter führt der Kläger aus, er plane kein voll- zeitliches Pensum als Lehrer und es stehe ihm zu, seine E rwerbstätigkeit entsprechend seinen persönlichen Neigungen zu gestalten, solange er nicht weniger verdiene als während der Ehe. 5.7.3 Die Beklagte entgegnet, der Kläger habe eine Ausbild ung angefangen und dadurch kei- nen resp. nur einen geringfügigen Unterhalsbeitrag bezahlt. Seine berufliche und wirtschaftliche Veränderung habe sich damit bereits während der Ehe zul asten der Familie ausgewirkt. Es sei folgerichtig, dass umgekehrt auch eine Verbesserung der Familie zukommen müsse. Auch in Art. 129 Abs. 3 ZGB sei die Berücksichtigung einer künft igen Einkommenssteigerung vorgese- hen. Die Beklagte weist darauf hin, dass der Kläger in den Jahren 2005 und 2006 ein Einkom- men als selbständiger Gärtner von CHF 65‘089.00 bzw. CHF 71‘485.00 erzielt habe. 5.7.4 Entsprechend dem Clean-Break-Prinzip ist eine nacheheliche Einkommenssteigerung des Unterhaltspflichtigen grundsätzlich unbeachtlich. Dieser Grundsatz gilt jedoch nicht uneinge- schränkt. Ausnahmsweise kann ein im Scheidungszeitpunkt un mittelbar bevorstehender, schei- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht dungsrelevanter Karrieresprung berücksichtigt werden, wenn etwa eine Weiterbildung als durch die Ehegemeinschaft finanziert anzusehen ist (H AUSHEER /S PYCHER [Hrsg.], Handbuch des Un- terhaltsrechts, 2. Aufl., Bern 2010, N 05.145 und N. 05.172). Eine nacheheliche Einkommens- steigerung der unterhaltspflichtigen Person ist auch unt er den Voraussetzungen von Art. 129 Abs. 3 ZGB zu berücksichtigen. Entsprechend dieser Gesetze sbestimmung kann die unter- haltsberechtigte Person innerhalb von fünf Jahren seit der Scheidung die Festsetzung einer Rente oder deren Erhöhung verlangen, wenn im Urteil festgehalten worden ist, dass keine zur Deckung des gebührenden Unterhalts ausreichende Rente fest gesetzt werden konnte, und die wirtschaftlichen Verhältnisse der verpflichteten Person sich entsprechend verbessert haben. Wie bereits festgehalten, kann die Beklagte für ihren g ebührenden Bedarf nicht selber aufkom- men (siehe vorstehende Erwägung 5.6). Hätte die Vorinst anz nur auf das im Zeitpunkt des Scheidungsurteils aktuelle Einkommen des Klägers abgestellt bzw. auf ein Einkommen von rund CHF 4‘500.00, hätte für die Beklagte kein nache helicher Unterhaltsbeitrag festgesetzt werden können, wie aus dem Scheidungsurteil für die erst e Phase bis August 2016 hervorgeht. Bei einem solchen Entscheid hätte die Vorinstanz in Anw endung von Art. 282 Abs. 1 ZPO und Art. 129 Abs. 3 ZGB den Fehlbetrag zur Deckung des gebü hrenden Unterhalts der Beklagten und die Einkommen beider Parteien, von welchen ausgega ngen wird, im Scheidungsurteil vom 17. Mai 2016 aufführen müssen. Die Beklagte hätte alsdann, nachdem der Kläger seine Primar- lehrerausbildung abgeschlossen hat, eine Erhöhung bzw. Festsetzung des nachehelichen Un- terhaltsbeitrags beantragen können. Aufgrund des im Sche idungszeitpunkt unmittelbar bevor- stehenden Abschlusses der Ausbildung des Klägers bzw. der da durch erzielbaren zeitnahen Einkommenssteigerung auf Beginn des Schuljahres 2016/201 7, ist es sinnvoll, per September 2016 auf das Einkommen des Klägers aus seiner Tätigkeit a ls Lehrer abzustellen. Angesichts der unmittelbar bevorstehenden Einkommenssteigerung wäre es nicht angebracht gewesen, auf ein Einkommen des Klägers von CHF 4‘500.00 abzuste llen und die Beklagte auf ein Abän- derungsverfahren nach Art. 129 Abs. 3 ZGB zu verweisen. Vielmehr entsprach die Berücksich- tigung der Einkommenssteigerung durch die Vorinstanz de r in Art. 129 Abs. 3 ZGB statuierten Intention des Gesetzgebers, wonach eine nachträgliche Ei nkommenssteigerung des Unter- haltsschuldners unter den gegebenen Voraussetzungen zu ei ner Erhöhung bzw. Festsetzung eines nachehelichen Unterhaltsbeitrags führt. Entsprech end diesen Ausführungen ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz ab September 2016 auf das Einkommen des Klägers als Lehrer abstellte. Die Vorinstanz berechnete das Einkommen als Lehrer anhand der Lohntabelle des Kantons Basel-Landschaft auf netto CHF 7‘627.00, e xkl. Kinder- und Ausbildungszulagen, inkl. 13. Monatslohn. Diese Berechnung wird vom Kläger nicht bestritten und ist daher nicht weiter zu überprüfen. 5.8 Die Vorinstanz verpflichtete den Kläger zur Leistung de s nachehelichen Unterhaltsbeitra- ges bis zum Eintritt in dessen Pensionsalter, das heisst bi s im Juli 2034. Der Kläger erachtet diese Dauer als viel zu lange. Er führt aus, ein Betreuu ngsunterhalt wäre höchstens bis im Ok- tober 2018 (jüngste Tochter wird 16-jährig) geschuldet und in Fällen von nachehelicher Solidari- tät sei ein nachehelicher Unterhaltsbeitrag nur für e ine kurze Übergangszeit zu leisten. Diesen Ausführungen kann nicht gefolgt werden. Das Bundesgericht hat in jüngster Zeit bestätigt, dass Art. 125 ZGB keine Befristung des nachehelichen Unterhal ts vorsehe und der Rentenanspruch meist bis zum Eintritt des AHV-Alters des Pflichtigen zug esprochen werde. Der nacheheliche Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unterhaltsbeitrag ist, so das Bundesgericht, unbefristet geschuldet, soweit der eine Ehegatte für den ihm zustehenden Bedarf nicht oder nur teilweise auf zukommen vermag; diesfalls ist der andere Ehegatte bei einer lebensprägenden Ehe verpfl ichtet, diese Eigenversorgungslücke nach Massgabe seiner Leistungsfähigkeit zu decken (BGE 1 41 III 465; Bger 5A_956/2015 vom 07.09.2016, E. 5.2). Vorliegend geht es, insbesonder e nach Oktober 2018, nicht mehr um Be- treuungsunterhalt, sondern um einen Unterhaltsbeitrag aufgrund nachehelicher Solidarität. Da die Beklagte für ihren gebührenden Bedarf nicht selber aufzukommen und diesen nur teilweise durch eigene Mittel (Rente und allenfalls Einkommen) zu decken vermag, und die Lücke ab AHV-Alter der Beklagten voraussichtlich fortdauern wird, ist der Unterhaltsbeitrag unbefristet bzw. bis zum AHV-Alter des Klägers zuzusprechen. Diese Da uer des nachehelichen Unter- haltsbeitrags von insgesamt knapp 18 Jahren steht auch an gesichts der Ehedauer von gut 20 Jahren bis zur Trennung in keinem Missverhältnis. Der vorinstanzliche Entscheid ist somit auch in diesem Punkt nicht zu beanstanden. Folglich ist d ie Berufung vollumfänglich abzuwei- sen. 6. Entsprechend den vorstehenden Erwägungen sind sowohl di e Berufung als auch die An- schlussberufung vollumfänglich abzuweisen. Es bleibt über die Verteilung der Prozesskosten zu entscheiden. 6.1 Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der u nterliegenden Partei aufer- legt. Hat keine Partei vollständig obsiegt, werden sie nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Vorab ist festzuhalten, dass sich die Streitwerte der Berufung und der Anschlussberufung nicht exakt berechnen lassen, da sowohl im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids wie auch des vorliegenden Rechtsmittelentscheids noch nicht bekannt war bzw. ist, ob die Beklagte zukünftig eine volle oder eine halbe I V-Rente erhalten wird. Vom Rentenent- scheid hängt ab, wie hoch die vom Kläger zu bezahlenden Unterhaltsbeiträge für die Kinder und für die Beklagte sind. Da allerdings sowohl die Berufu ng wie auch die Anschlussberufung ab- zuweisen sind, ist es angemessen, die Gerichtskosten den P arteien je hälftig aufzuerlegen und jede Partei ihre eigenen Parteikosten tragen zu lassen . Die Gerichtsgebühr wird in Anwendung § 9 Abs. 1 i.V.m. § 8 Abs. 1 lit. i der Verordnung üb er die Gebühren der Gerichte vom 15. November 2010 (Gebührentarif, GebT; SGS 170.31) auf CHF 3‘000.00 festgesetzt und wie bereits ausgeführt den Parteien je zur Hälfte auferl egt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege für die Berufungsbeklagte geht deren Anteil an den Gerichtskosten zu Lasten des Staates. 6.2 Der Rechtsvertreterin der Berufungsbeklagten ist in Anwe ndung von Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu bezahlen. Die Rechtsvertreterin der Beru- fungsbeklagten macht mit ihrer Honorarnote vom 22. Nov ember 2016 einen Aufwand von 20.17 Std. ohne Hauptverhandlung sowie Auslagen von in sgesamt CHF 170.50 geltend, was einem Betrag von CHF 4‘540.85 inkl. MWST entspricht. Dieser Aufwand ist angesichts der ein- gereichten Berufungsantwort und der begründeten Anschl ussberufung angemessen. Für die Hauptverhandlung ist ein Aufwand von 3.5 Std. à CHF 20 0.00 zuzüglich MWST von 8% bzw. insgesamt CHF 756.00 zu addieren, so dass ein Honorar von insgesamt CHF 5‘296.85 (inkl. Auslagen und MWST) resultiert, welches der Rechtsvertreterin der Berufungsbeklagten aus der Gerichtskasse zu bezahlen ist. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Die Berufungsbeklagte wird darauf hingewiesen, dass ei ne Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichte t ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Der Anspruch des Kantons verjährt zehn Jahre nach Abschluss des Verfahrens (Art. 123 ZPO). Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung und die Anschlussberufung werden a bgewiesen. 2. Die Gerichtsgebühr von CHF 3‘000.00 wird den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen R echtspflege für die Berufungsbeklagte geht deren Kostenanteil von CHF 1‘500.00 zu Lasten des Staates. 3. Jede Partei hat für ihre eigenen Parteikosten auf zukommen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng für die Beru- fungsbeklagte wird an deren Rechtsvertreterin, Doris Vo llenweider, ein Honorar von CHF 5‘296.85 (inkl. Auslagen von CHF 170.5 0 und MWST von CHF 392.35) aus der Gerichtskasse ausbezahlt. 4. Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage i st. Der Anspruch des Kantons verjährt zehn Jahre nach Abschluss des Verfahrens (Art. 123 ZPO). Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiberin Karin Arber