<h2>SubmittedText<h2><p>Kürzlich wurde beschlossen, auf das einzige romanische Projekt an der Expo.02, "Lust und Lüge", zu verzichten. Die Generaldirektion der Expo und das Eidgenössische Volkwirtschaftsdepartement begründen diesen Entscheid mit dem mangelnden Interesse seitens der privaten Sponsoren.</p><p>Deshalb stellen wir nun folgende Fragen an den Bundesrat:</p><p>- Die Idee, eine neue Landesausstellung ins Leben zu rufen, wurzelt in den Spannungen, die sich zwischen den Sprachgemeinschaften gezeigt haben, sowie im Willen, den Zusammenhalt des Landes zu stärken. Wie kann der Bundesrat in diesem Kontext den Verzicht auf das einzige rätoromanische Projekt rechtfertigen?</p><p>- Wäre nach Ansicht des Bundesrates ein rätoromanisches Projekt nicht eine ideale Gelegenheit gewesen, um den Millionen von Besucherinnen und Besuchern der Expo.02 die Existenz der rätoromanischen Sprache und Gemeinschaft, die ungefähr 40 000 Personen umfasst, neu bewusst zu machen?</p><p>- Ist der Bundesrat nicht ebenfalls der Meinung, dass der Verzicht auf dieses Projekt nur eine der zahlreichen Konsequenzen davon ist, dass die Festlegung der Inhalte der Expo.02 massgeblich den Wirtschaftskreisen überlassen worden ist?</p><p>- Und ist der Bundesrat demzufolge nicht der Ansicht, dass der Verzicht auf das einzige rätoromanische Projekt darauf zurückgeht, dass dem Gönnertum (dem Sponsoring für diejenigen, die kein Französisch verstehen) ein für diese Veranstaltung zu hoher Stellenwert eingeräumt worden ist?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Fragen können aufgrund von Informationen der Expo-Generaldirektion wie folgt beantwortet werden:</p><p>Der Projektbereinigungsaktion des Steuerungskomitees vom Frühjahr 2001 ist das Ausstellungsprojekt "Lust und Lüge" zum Opfer gefallen. Ausser den eigenen Projekten der öffentlichen Hand sind sämtliche Ausstellungen der Expo.02 prinzipiell einer externen Finanzierung unterworfen. Dies heisst im Klartext: Finden sich für ein Thema nicht genügend Sponsoren, kann dieses nicht präsentiert werden. Vor diesem Hintergrund hat die künstlerische Direktion lang, intensiv und in gutem Einvernehmen mit der Lia Rumantscha nach einem geeigneten Projekt gesucht, welches das Rätoromanische einem breiten Publikum näher bringen kann und zudem Chancen hat, Finanzpartner zu finden. Der Bundeskredit von 50 Millionen Franken ist ausschliesslich für die vier bundeseigenen Projekte (je ein Projekt pro Arteplage) bestimmt.</p><p>Der Bundesrat bedauert es sehr, dass es den am Projekt interessierten Kreisen nicht gelungen ist, die notwendigen Mittel aufzutreiben und somit das Ausstellungsprojekt "Lust und Lüge" keine genügende Finanzbasis gefunden hat und vom Steuerungsausschuss gestrichen werden musste. Die Expo-Leitung wird jedoch alles daran setzen, damit die Existenz der rätoromanischen Sprache und Gemeinschaft dem Besucher an der Ausstellung bestmöglich bewusst wird. Die zuständige künstlerische Direktion hat sich denn auch Mitte Oktober 2001 bereits mit Vertretern der Lia Rumantscha getroffen, um die Lage genau zu analysieren und neue Lösungen zu suchen. Dank einer privaten Stiftung wird es möglich sein, dass sich die Lia Rumantscha am Projekt "Cirque des idées" mit Beiträgen zu Literatur, Film und Musik beteiligt.</p><p>Bereits seit Beginn von Planung und Vorbereitung der künftigen Landesausstellung war stets von einer kreativen Partnerschaft zwischen der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft die Rede. Dem Gönnertum wurde somit bewusst ein hoher Stellenwert eingeräumt. Dass Sponsoren auch Einfluss auf den Inhalt ihrer Projekte nehmen möchten, scheint naheliegend. Die künstlerische Direktion besitzt jedoch ein Mitspracherecht, damit auch gewährleistet werden kann, dass sich die Inhalte der Projekte harmonisch in die Thematik der jeweiligen Arteplage einfügen.</p>  Antwort des Bundesrates.