<h2>SubmittedText<h2><p>In seiner Stellungnahme zur Motion 21.3777 "Keine Benachteiligung der muttergebundenen Kälberaufzucht bei der Milchleistungsprüfung" hält der Bundesrat fest, dass die vorgeschlagenen Anpassungen auf Betrieben mit muttergebundener Kälberaufzucht MuKa mit der ICAR-Richtlinie zur Milchleistungsprüfung nicht vereinbar seien und gegen das EU-Tierzuchtrecht verstossen würden. Bei den vorgeschlagenen Anpassungen für die Milchleistungsprüfung sollen aber die Zellzahl-Werte bei einem Fettgehalt ausserhalb des Referenzbereichs nicht für die Berechnung der Zuchtwerte berücksichtigt werden, sondern einzig die Früherkennung von Mastitis und somit eine Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes im Falle einer Mastitis ermöglichen.</p><p>In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat den Ausweis der Zellzahl-Werte unabhängig vom Fettgehalt im Hinblick auf die Strategie Antibiotikaresistenzen StAR?</p><p>2. Bei der Milchleistungsprüfung bei einer kranken Kuh wird der Zellwert ausgewiesen, nicht aber die Milchmenge.</p><p>Erachtet der Bundesrat ein analoges Vorgehen im Sinne des "missing values" (Ziffer 6.6 Bst. C der Guidelines for Dairy Cattle Milk Recording ICAR), also der Ausweis der Zellzahl-Werte gegenüber dem Landwirt auch bei einem Fettwert ausserhalb des Referenzwertes, als vereinbar mit der ICAR-Richtlinie zur Milchleistungsprüfung?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Im Hinblick auf die Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) ist es generell wünschenswert, wenn Zellzahlen durch die Tierhalterin oder den Tierhalter beobachtet werden. Steigende Zellzahlen können ein Indiz für eine gestörte Eutergesundheit sein. Sie sollten daher Anlass für eine umfassende Analyse der Melktechnik, Melkroutine, Stall- und Melkhygiene sowie der Fütterung der betroffenen Tiere sein. Ein frühzeitiges Eingreifen kann helfen, Mastitiden und damit die Verabreichung von Antibiotika zu vermeiden.</p><p>Die Zellzahlwerte in der Tankmilch werden im Rahmen der öffentlich-rechtlichen Milchprüfung mindestens zweimal pro Monat überprüft. Es wird beispielsweise geprüft, ob sie den Anforderungen betreffend Zellzahlen gemäss Artikel 8 Absatz 2 der Verordnung des EDI über die Hygiene bei der Milchproduktion (VHyMP; SR 916.351.021.1) entspricht.</p><p>2. Gemäss Artikel 8 Absatz 2 der Tierzuchtverordnung (TZV; SR 916.310) müssen die anerkannten Zuchtorganisationen Leistungsprüfungen nach wissenschaftlich und international anerkannten Methoden durchführen. Die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) hat im "Reglement für die Durchführung von Leistungsprüfungen beim Rind in der Schweiz" entsprechende Regeln festgelegt, damit die Milchleistungsprüfungsergebnisse den Bestimmungen der TZV und der internationalen ICAR-Richtlinien entsprechen. Milchproben von Einzeltieren, die im Rahmen der Milchleistungsprüfung einen Fettgehalt ausserhalb des Intervalls [1,5 Prozent, 9 Prozent] aufweisen, gelten laut dem "International Committee for Animal Recording" (ICAR, Artikel 6.6 Buchstabe e der ICAR-Richtlinie zur Milchprüfung) und Artikel 22 des "Reglements für die Durchführung von Leistungsprüfungen beim Rind in der Schweiz" der ASR als anormal und werden als fehlende Werte angesehen. Solche anormalen Milchproben lassen technisch gesehen keine zuverlässige Bestimmung der Zellzahl und damit auch keine zuverlässigen Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand eines Tieres zu.</p><p>ICAR hat den spätesten Zeitpunkt für die erste Milchleistungsprüfung in einer Laktation vom 80. auf den 95. Laktationstag erhöht. Wenn bei säugenden Kühen das Kalb etwa am 85. Tag gänzlich von der Kuh getrennt wird, kann ab diesem Zeitpunkt die Milchleistungsprüfung normal durchgeführt werden. Damit stehen auch die wichtigen Zellzahlwerte in der muttergebundenen Kälberaufzucht zur Verfügung. Die Zuchtorganisationen arbeiten zusammen mit dem Forschungsinstitut für biologische Landwirtschaft (FiBL) an einer Erweiterung ihrer Reglemente, so dass auch bei säugenden Kühen Milchleistungsprüfungen und damit die Erhebung von Zellzahlen zuverlässig durchgeführt werden können. </p>  Antwort des Bundesrates.