<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">35</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>5</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 68 SchKG. § 125 ZPO</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Im erstinstanzlichen Rechtsöffnungsverfahren ist die Gerichtsgebühr</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dem in der unentgeltlichen Rechtspflege prozessierenden Beklagten nicht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vorzumerken, sondern mit dem Kostenvorschuss des Klägers zu verrech-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nen und diesem vom Beklagten zu ersetzen bzw. vom Kläger von den</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zahlungen des Beklagten vorab zu erheben.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 16. Dezember 2008 i.S.</span><br/> <span class="ft3">S.B. GmbH gegen F.S.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz bewilligte dem Beklagten die unentgeltliche</span><br/> <span class="ft1">Rechtspflege. Gestützt darauf merkte sie ihm im Kostenspruch die</span><br/> <span class="ft1">Verfahrenskosten vor, verpflichtete ihn aber gleichzeitig, der Kläge-</span><br/> <span class="ft1">rin die von ihr vorgeschossene Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- zu er-</span><br/> <span class="ft1">setzen, was sich widerspricht. Die erstinstanzliche Gerichtsgebühr ist</span><br/> <span class="ft1">dem Beklagten nicht vorzumerken, sondern mit dem Kostenvor-</span><br/> <span class="ft1">schuss der Klägerin zu verrechnen und dieser vom Beklagten zu</span><br/> <span class="ft1">ersetzen bzw. von dieser von den Zahlungen des Beklagten vorab zu</span><br/> <span class="ft1">erheben. Das ist die Konsequenz von Art. 68 SchKG, wonach der</span><br/> <span class="ft1">Gläubiger das Risiko, dass die Betreibungskosten vom Schuldner</span><br/> <span class="ft1">nicht ersetzt werden, trägt (Emmel, Kommentar zum Bundesgesetz</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">36</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">über Schuldbetreibung und Konkurs, Basel/Genf/München 1998,</span><br/> <span class="ft1">Art. 68 N. 4 mit Hinweisen). Dies verletzt den Anspruch des Beklag-</span><br/> <span class="ft1">ten auf unentgeltliche Rechtspflege nicht, da der Minimalanspruch</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf die Bundesverfassung (Art. 29 Abs. 3 BV) einzig den</span><br/> <span class="ft1">Zugang zum Gericht, d.h. die Befreiung von der Kostenvorschuss-</span><br/> <span class="ft1">pflicht, nicht aber die Übernahme der Verfahrenskosten im Endent-</span><br/> <span class="ft1">scheid durch den Staat, d.h. die Befreiung von der Kostenauflage im</span><br/> <span class="ft1">Endentscheid, garantiert (BGE 122 I 322 ff.; Bühler/Edelmann/Kil-</span><br/> <span class="ft1">ler, Kommentar zur aargauischen Zivilprozessordnung, Aarau/Frank-</span><br/> <span class="ft1">furt am Main/Salzburg 1998, Vorbem. §§ 124-134 N. 3 und § 126 N.</span><br/> <span class="ft1">2 mit Hinweisen). Der weiter gehende Anspruch gemäss § 126 lit. a</span><br/> <span class="ft1">ZPO, welcher die (vorläufige) Befreiung von der Bezahlung der</span><br/> <span class="ft1">durch Urteil auferlegten Kosten vorsieht, wird durch Art. 68 SchKG</span><br/> <span class="ft1">ausgeschlossen. Nach dieser Bestimmung trägt der Schuldner die</span><br/> <span class="ft1">Betreibungskosten, welche vom Gläubiger vorzuschiessen sind und</span><br/> <span class="ft1">von ihm von den Zahlungen des Schuldners vorab erhoben werden</span><br/> <span class="ft1">können, was nicht möglich ist, wenn sie dem Schuldner in der</span><br/> <span class="ft1">unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen vorgemerkt werden. Der</span><br/> <span class="ft1">Kostenspruch der Vorinstanz ist daher von Amtes wegen zu korri-</span><br/> <span class="ft1">gieren, weil er widersprüchlich ist und der Offizialmaxime untersteht</span><br/> <span class="ft1">(Bühler/Edelmann/Killer, a.a.O., § 121 N. 1). Der Minimalanspruch</span><br/> <span class="ft1">nach Art. 29 Abs. 3 BV (ebenso wie § 126 lit. b Ziff. 2 ZPO) befreit</span><br/> <span class="ft1">im Übrigen auch nicht von der Bezahlung einer Parteientschädigung</span><br/> <span class="ft1">an die Gegenpartei (BGE 122 I 322 ff.).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>