B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7315/2018 U r t e i l v o m 1 2 . J u n i 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichter Lorenz Noli, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Mara Urbani. Parteien A._______, geboren am (…), Beschwerdeführer, B._______, geboren am (…), Beschwerdeführerin, und deren Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), Syrien, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 20. November 2018 / N (…). E-7315/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden suchten am 28. September 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragungen zur Person (BzP) vom 28. September 2015 und der Anhörungen vom 7. Februar 2017 machten sie im Wesentlichen Folgendes geltend: Sie seien syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie und seien in E._______ geboren und aufgewachsen. Seit dem Jahr 1990 (Beschwer- deführer) beziehungsweise 2006 (Beschwerdeführe rin) bis zu ihrer Aus- reise hätten sie in F._______ in der Provinz Al Hasaka gelebt. Der Beschwerdeführer habe ein (…) besessen und als Tagelöhner (…), (…) und (…) transportiert. Sein Sohn, welcher ein (…) geführt habe, habe ihm oft Lieferaufträge erteilt. Ungefähr im Juni 2015 habe er einen Anruf erhalten beziehungsweise zwei Männer auf einem Motorrad seien beim Geschäft seines Sohnes erschienen ; dabei sei von ihm verlangt worden einem Anhänger des sogenannten Islamischen Staats (IS) vier bezie- hungsweise zwei Fässer Heizöl zu liefern. Er habe erwidert, dass er nicht für den IS ausliefere. Aufgrund dessen sei er dann bedroht worden. In der Nähe des (…) habe sich ein Posten der von der PYD (Partiya Yekitîya De- mokrat, Partei der Demokrati schen Union) gegründeten Asayish (Asayiş, interne Sicherheitskräfte) beziehungsweise des militärischen Arms der PYD, der YPG (Yekîneyên Parastina Gel, Volksverteidigungseinheiten) be- funden. Im Anschluss an den Vorfall habe er gemeinsam mit seinem Sohn diesen Kontrollposten aufgesucht und die Sicherheitsangestellten über das Erlebte informiert. Diese hätte ihm versichert, dass ihnen nichts zustossen würde. Tags darauf beziehungsweise drei bis vier Tage später seien drei maskierte Personen in ihr Haus gestürmt und hätten sie geschlagen. Dabei habe es sich mutmasslich um Anhänger des IS gehandelt. Sie hätten den Beschwerdeführer gefragt, warum er die verlangte Lieferung an den IS nicht ausgeführt habe. Bei dem Gespräch sei es aber dann eigentlich gar nicht mehr um das Heizöl gegangen, sondern darum, dass der IS gewollt habe, dass er für sie als Spitzel arbeite und die YPG sowie die Asayish ausspioniere. Als die Nachbarn den Streit mitbekommen hätten, seien die Angreifer umgehend geflohen. Sie hätten aber gedroht, wiederzukommen. Die Asayish habe einen beziehungsweise zwei der Angreifer festnehmen können. Nachts hätten unbekannte Personen den Beschwerdeführer an- gerufen und beschimpft. Kurz nach diesem Vorfall hätten sie das Dorf F._______ verlassen. Während ru nd einem Monat beziehungsweise drei E-7315/2018 Seite 3 bis sechs Monaten hätten sie sich in G._______ bei verschiedenen Fami- lien aufgehalten. Die syrische Armee habe gewollt, dass ihre Söhne Militärdienst leisten. Die Armeeangehörigen hätten den Beschwerdeführer mehrmals zu sich beru- fen und beschuldigt seine Söhne bei sich zu Hause zu verstecken. Danach hätten sie ihn jeweils wieder gehen lassen . Seit die Asayish die Kontrolle über das Dorf übernommen habe, hätten die behördlichen Behelligungen aufgehört. Zwei seiner Söhne seien in den Nordirak geflüchtet. Die in der Schweiz lebende Tochter habe für die ganze Familie ein Einrei- sevisum beantragt. Gestützt hierauf seien sie ungefähr im August 2015 nach E._______ gefahren, hätten dort ein Flugzeug bestiegen und seien nach Damaskus gereist. Von dort aus hätten sie sich mit einem Personen- wagen nach Libanon begeben und seien von Beirut über Abu Dhabi mit dem Flugzeug in die Schweiz eingereist. Als Nachweis ihrer Identität reichten die Beschwerdeführenden die Identi- tätskarten betreffend A._______ und B._______, das Laissez-Passer der Familie sowie ihr Familienbüchlein – jeweils im Original – ein. Zudem reich- ten sie den Invalidenausweis des Beschwerdeführers sowie eine Fotokopie der Aufenthaltsbewilligung B seiner in der Schweiz lebenden Tochter zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 20. November 2018 – eröffnet am 23. November 2018 – verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh- renden (Dispositivziffer 1), lehnte ihre Asylgesuche ab (Dispositivziffer 2) und verfügte ihre Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3) . Der Vollzug der Wegweisung wurde wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben (Dispositivziffer 4). C. Mit Beschwerde vom 20. Dezember 2018 an das Bundesverwaltungsge- richt beantragten die Beschwerdeführenden die Aufhebung der angefoch- tenen Verfügung in den Dispositivziffern 1–3, die Feststellung der Flücht- lingseigenschaft des Beschwerdeführers und die Gewährung von Asyl. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. E-7315/2018 Seite 4 D. Mit Eingabe vom 20. Dezember 2018 (Datum Poststempel) reichten die Beschwerdeführenden sodann medizinische Unterlagen betreffend den Beschwerdeführer vom 15. September 2016, vom 7. April 2017 sowie vom 18. Dezember 2018 – jeweils in Kopie – nach. E. Mit Zwischenverfügung vom 9. Januar 2019 lehnte der zuständige Instruk- tionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung ab und erhob – unter Androhung des Nichteintretens im Unterlas- sungsfall – einen Kostenvorschuss. F. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht beglichen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und fo rmgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 E-7315/2018 Seite 5 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 In der Beschwerdeschrift wird der Vorinstanz sinngemäss eine Verlet- zung des Untersuchungsgrundsatzes und somit des rechtlichen Gehörs vorgeworfen. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2). 4.2 4.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht al le Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in e inem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ih- rer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus- einandersetzt und jedes einzelne Vo rbringen ausdrückl ich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Dem verfassungsmässigen Grundsatz des rechtlichen Gehörs erwachsen behördliche Pflichten, wie unter anderem die Untersuchungspflicht (vgl. E. 4 .2.2). Das AsylG als lex specialis zum VwVG sieht für das Asylverfah ren besondere Verfahrensbestimmungen vor (Art. 6–17 AsylG). 4.2.2 Die behördliche Untersuchungspflicht beinhaltet die richtige und voll- ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes, die Beschaffung E-7315/2018 Seite 6 der für das Verfahren notwendigen Unterlagen, die Abklärung der rechtlich relevanten Umstände sowie die entsprechende, ordnungsgemässe Be- weisführung. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfü- gung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder wenn die Vorinstanz nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts prüfte, etwa weil sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneinte. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Im Asylverfahren wird der Untersuchungsgrundsatz durch Art. 13 VwVG in Verbindung mit Art. 8 AsylG beschränkt, weil diese im Asylverfahren eine Mitwirkungs- pflicht der asylsuchenden Person bei der Sachverhaltsermittlung verlan- gen. 4.3 4.3.1 Die Beschwerdeführenden machen implizit ge ltend, die Vorinstanz habe den Untersuchungsgrundsatz verletzt, indem sie darauf verzichtet habe, eine somatische und psychiatrische Begutachtung des Beschwerde- führers zu veranlassen. Er leide unter (…). Sein Gesundheitszustand sei vom SEM unbeachtet geblieben. Es ist nicht zu erkennen, inwiefern der Gesundheitszustand des Beschwer- deführers einen Einfluss auf seine Vernehmungsfähigkeit oder seine be- hauptete Verfolgungssituation im Heimatland zeitigen sollte. Dies wird in der Beschwerdeschrift auch nicht näher substantiiert . In den Akten finden sich keinerlei Hinweise auf eine Einschränkung der Vernehmungsfähigkeit. Ganz im Gegenteil ist festzuhalten, dass er seine Asylvorbringen vollstän- dig darlegen konnte. Überdies sah sich auch die an der Anhörung anwe- sende Hilfswerksvertretung nicht veranlasst, Schwierigkeiten in der Befra- gung oder eine mangelnde Vernehmungsfähigkeit des Beschwerdeführers festzuhalten (vgl. SEM-Akten A12, Unterschriftenblatt der Hilfswerks - vertretung). 4.3.2 Weiter wird von den Beschwerdeführenden gerügt, dass ein gewich- tiger Aspekt ihrer Asylvorbringen von der Vorin stanz unberücksichtigt ge- blieben sei. Ihre vorgebrachte Verfolgung durch die syrische Befreiungsarmee Al-Jaish Al-Hur, die mit dem Beschwerdeführer hätten zusammenarbeiten wollen, um an geheime Informationen zu gelangen, sei nicht gewürdigt worden. Hierbei habe es sich um das zentrale Hauptargument ihrer Asylvorbringen gehandelt. E-7315/2018 Seite 7 Die Rüge der Beschwerdeführenden findet in den Akten keine Stütze . Entgegen ihren Vorbringen in der Beschwerdeschrift haben die Beschwerdeführenden in ihren Befragungen keine Bedrohung durch die syrische Befreiungsarmee geltend gemacht. Vielmehr haben sie klar und deutlich vorgebracht, dass sie aufgrund der ausbleibenden Lieferung von Heizöl für den IS und der darauffolgenden Verfolgung durch denselben aus ihrem Heimatland ausgereist seien (vgl. A2 Ziffer 7.01; A3 Ziffer 7.01; A11 F44, F54; A12 F11). Die Beschwerdeführerin erwähnte vielmehr, dass die IS-Anhänger, welche angeblich in ihr Haus gestürmt seien, von ihrem Ehemann verlangt hätten, für sie als Spitzel zu arbeiten, um die YPG und die Asayish auszuspionieren (vgl. A11 F44, F54) . Im bisherigen Asylverfahren haben die Beschwerdeführenden zu keinem Zeitpunkt eine Verfolgung durch die syrische Befreiungsarmee geltend gemacht. Die entsprechende Rüge erweist sich daher als unbegründet. 4.3.3 Weiter ist festzustellen, dass das Bundesverwaltungsgericht den Ak- ten auch sonst keinerlei Hinweise entnehmen kann, dass die Vor instanz den Sachverhalt nicht ausreichend erstellt hätte. 4.4 Nach dem Ausgeführten ist eine Rückweisung der Sache an di e Vor- instanz nicht angezeigt. Folglich hat das Gericht in der Sache zu entschei- den (Art. 61 Abs. 1 VwVG). 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausges etzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen E-7315/2018 Seite 8 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Zur Begründung ihres Asylentscheids führt e die Vorinstanz aus, die Vorbringen der Beschwerdeführenden seien aufgrund zahlreicher Wider- sprüche unglaubhaft. Anlässlich der BzP habe der Beschwerdeführer an- gegeben, per Telefonanruf aufgefordert worden zu sein, das Heizöl auszu- liefern. Demgegenüber habe er in der Anhörung zu Protokoll gegeben, die- sen Auftrag persönlich von zwei Männern erhalten zu haben, als diese auf einem Motorrad vorbeigekommen seien. Sein Erklärungsversuch, er habe schon bei der BzP davon gesprochen, dass die Männer auch persönlich im Geschäft erschienen s eien, sei nicht überzeugend. Während die Be- schwerdeführenden anlässlich der BzP ausgesagt hätten, zwei der drei An- greifer seien gefasst worden, hätten sie in der Anhörung angegeben, dass nur einer der drei Angreifer festgenommen worden sei. Weiter habe der Beschwerdeführer in der Anhörung erwähnt, er sei mit der Lieferung von zwei Ölfässern beauftragt worden. In der BzP sei aber von vier Ölfässern die Rede gewesen. Bezüglich des Drohanrufs habe er angeführt, 15 Tage vor dem geltend gemachten Angriff bei ihm zuhause einen Drohanruf er- halten zu haben. Im Gegensatz dazu habe die Beschwerdeführerin ange- geben, dass der Drohanruf erst nach dem Überfall ergangen sei. In Bezug auf das Vorbringen des Beschwerdeführers, seine beiden Söhne seien aufgefordert worden, in den Militärdienst einzurücken und die syri- schen Behörden hätten ihn zu diesem Zweck mehrmals aufgesucht, fehle es an der Asylrelevanz. Er habe selbst dargel egt, dass er aufgrund der Rekrutierungsversuche selber keine Schwierigkeiten gehabt habe. Ebenso sei das Vorbringen der Beschwerdeführerin, ihr Bruder sei anläss- lich einer Razzia der syrischen Behörden mitgenommen worden und seit- her verschwunden, nicht as ylrelevant. Es ergäben sich aus den Akten keine Hinweise dafür, dass sie deswegen eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten habe. Aus den Akten ergäben sich auch keine Hinweise dafür, dass der Be- schwerdeführer aufgrund seiner in der Schweiz lebenden Toc hter eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu befürchten habe. E-7315/2018 Seite 9 6.2 Die Beschwerdeführenden halten diesen Erwägungen in ihrer Be- schwerdeschrift entgegen, sie hätten ausgesagt, dass die Männer mit dem Motorrad nur zwei Ölfässer hätten transportieren können. Die Männer hät- ten dem Beschwerdeführer gesagt, dass sie wiederkommen würden, um die anderen zwei Ölfässer abzuholen. In den Befragungen hätten sie über- einstimmend zu Protokoll gegeben, dass sie den obengenannten Drohan- ruf nach dem Überfall erhalten hätten. An den genauen Zeitpunkt könnten sie sich wegen massiven Konzentrations- und Gedächtnisproblemen nicht erinnern. Die Festnahme der Angreifer beziehungsweise des Angreifers hätten sie nicht mit eigenen Augen gesehen, sondern hätten diese Infor- mation von der YPG erhalten. 7. 7.1 Die Vorinstanz ist zur zutreffenden Einschätzung gelangt, dass die Vor- bringen der Beschwerdeführenden unglaubhaft sind. Es gelingt ihnen in der Beschwerdeeingabe nicht die zahlreichen Widersprüche und Unstim- migkeiten ihrer Angaben – die als reine Gegenbehauptungen zu qualifizie- ren sind – zu klären. Ganz im Gegenteil. So werden durch die Vorbringen in der Beschwerdeschrift gar noch weitere Widersprüche generiert. Mit den nachfolgenden Erwägungen kann daher zur Vermeidung von Wiederholun- gen auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. 7.2 Zunächst ist betreffend die erstmals auf Beschwerdeebene vorge- brachte Verfolgung durch die syrische Befreiungsarmee festzuhalten, dass diese Darstellung der Fluchtgründe keinerlei Stütze in den Akten findet (vgl. E. 4.3.2) und somit als nachgeschoben zu qualifizieren ist. Weitere Ausfüh- rungen oder Substantiierungen hierzu fehlen in der Beschwerdeschrift voll- ständig. Dieses Vorbringen ist somit als unglaubhaft zu qualifizieren. Die E rklärungsversuche der Beschwerdeführenden hinsichtlich dem an- geblichen Lieferungsauftrag an den IS sowie die genauen Umstände der danach aufgetretenen Probleme vermögen nicht zu überzeugen. So brin- gen die Beschwerdeführenden vor, sie hätten in der Anhörung davon ge- sprochen, dass die Mitglieder des IS nur zwei Ölfässer hätten transportie- ren wollen, weil nicht mehr Fässer auf deren Motorrad gepasst hätten. Der Beschwerdeführer hat jedoch explizit erwähnt, es sei von ihm selber ver- langt worden, zwei Heizölfässer auszuliefern (vgl. A12 F11). An einer spä- teren Stelle in der Anhörung versuchte er den Widerspruch aufzulösen, in- dem er zu Protokoll gab: "Vielleicht hätten sie später noch verlangt, dass ich noch zwei andere ausliefere" (vgl. A12 F46). Diese Aussage, welche E-7315/2018 Seite 10 auf einer reinen Vermutung basiert, ist wiederum nicht in Einklang zu brin- gen mit ihrer Angabe in der Beschwerdeschrift. Dort führten die Beschwer- deführenden aus, die Männer auf dem Motorrad hätten nur zwei Ölfässer transportieren können. Sie hätten ihnen gesagt, nochmals zu kommen, um die restlichen zwei Ölfässer abzuholen. In der Beschwerdeschrift ist somit erstmals die Rede davon, dass die IS-Anhänger die Ölfässer selbst hätten transportieren wollen. Demgegenüber haben sie in den Anhörungen aus- gesagt, dass der Beschwerdeführer diese an den gewünschten Ort hätte ausliefern sollen (vgl. A11 F44, F49; A12 F11, F46). Die Schilderungen der Beschwerdeführenden zum entsprechenden Geschehnisablauf weisen so- mit klare Widersprüche und Unstimmigkeiten auf. Auch die Ausführungen der angeblichen Drohungen erweisen sich als stark widerspruchsbehaftet. Anlässlich der Anhörung hat der Beschwerdeführer hierzu ausgeführt, ungefähr 15 Tage vor dem Überfall telefonisch bedroht worden zu sein (vgl. A12 F32). Seit er ein Nummernanzeigegerät montiert habe, habe er keine Drohanrufe mehr erhalten (vgl. A12 F31). Die Behaup- tung der Beschwerdeführenden, sie hätten übereinstimmend dargelegt, nach dem Überfall einen Drohanruf erhalten zu haben, trifft somit nach- weislich nicht zu. Weiter weisen auch die Vorbringen hinsichtlich der Verhaftung ihrer angeb- lichen Bedroher klare Unstimmigkeiten auf. Mit ihrem Erklärungsversuch, sie hätten die Festnahme der Angreifer nicht mit eigenen Augen gesehen, sondern hätten diese Information von der YPG erhalten, vermögen sie so- dann den Widerspruch betreffend der Anzahl der festgenommenen Angrei- fer nicht aufzulösen. Zumal die Angreifer ihnen angedroht hätten, wieder- zukommen und es sich beim Überfall um den angeblich fluchtauslösenden Moment handelt, wäre zweifelsfrei davon auszugehen, dass sie sich daran erinnern würden, wie viele der Personen, vor denen sie sich primär fürch- teten, überhaupt noch auf freiem Fuss gewesen wären. 7.3 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführenden nichts vorge- bracht, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat daher ihr e Asylgesu- che zu Recht abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel di e Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den E-7315/2018 Seite 11 Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solc hen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. Da das SEM in seiner Verfügung vom 20. November 2018 die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz angeordnet hat, er- übrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge- samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dabei ist zur Begleichung der Verfahrens- kosten der in selber Höhe geleistete Kostenvorschuss zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) E-7315/2018 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Zur Begleichung wird der in selber Höhe geleistete Kostenvor- schuss verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Lorenz Noli Mara Urbani Versand: