BRKE II Nr. 243/1992 vom 24. November 1992 in BEZ 1993 Nr. 32 (Bestätigt mit VB 93/0006 vom 30. August 1993) 6. Der Rekurrent verlangt die Löschung der auf seinen Parzell en lastenden baubeschränkenden Servituten. Er bringt vor, die tatsächlichen Verhältnisse hätten sich seit Errichtung der Dienstbarkeiten im Jahre 1929 so grundlegend verändert, dass sich deren Aufhebung im Rahmen des Quartierplanverfahrens rechtfertige. De r Gemeinderat X. vertritt dagegen die Auffassung, eine Ablösung der Dienstbarkeiten sei nicht zwingend und komme zudem einer Expropriation nahe. Im Rahmen des Quartierplanverfahrens können nötigenfalls gesetzliche Eige n- tumsbeschränkungen des privaten Recht s, Dienstbarkeiten, Grundlasten oder vo r- gemerkte persönliche Rechte aufgehoben, geändert oder begründet werden (§ 139 Abs. 1 PBG). Die Ablösung von Dienstbarkeiten ist u.a. dann zulässig, wenn diese für den B erechtigten im quartierplanrechtlichen Neubestan d nutzlos geworden sind, die rationelle Ausgestaltung des Quartierplanes erheblich erschweren, eine adäqu a- te Grundstück s nutzung verhindern bzw. beeinträchtigen oder anderweitig mit der Zonenordnung in mehr als nur geringfügiger W eise in Widerspruch stehen. Die Mutter des Rekurrenten erwarb die mit einem W ohnhaus überbaute Parzel- le Kat. -Nr. 3179 und das mit Reben bestockte Grundstück Kat. -Nr. 3614 (damals Kat.-Nr. 3202) mit Kaufvertrag vom 10. Mai 1929. Dabei wurde zugunsten der Ve r- käuferin, welche in der Fo lge auf dem Nachbargrundstück Kat. -Nr. 3319 ein neues Wohngebäude erstellte, folgende Dienstbarkeit errichtet: "Die Käuferin verpflichtet sich gege nüber dem Eigentümer von Kat. -Nr. 3319 [...], auf den Kaufobjekten Kat. - Nrn. 3179 und 3202 au sser dem bestehenden Wohnhaus Assek.-Nr. 1445 kein wei- teres Gebäude zu erstellen [....]; ebenso keine Tennisanlagen mit Bretterwänden. Die Gitter eines allfälligen Ten nis platzes dürfen nicht mit Pflanzen überwachsen werden". Ob und in welcher Höhe für die Einräumung diese s faktischen Bauverbotes eine Entschädigung geleistet wurde, ist nicht erstellt. Der Rekurrent geht von einem Betrag in der Höhe von Fr. 2'000 - 3'000 aus. Möglicherweise wurde dies bereits bei der Bemessung des Kaufpreises berück sichtigt. Dem zitier ten W ortlaut der Dienstbarkeiten ist unmissverständlich zu entne h- men, dass es sich um Aussichtsservituten handelt. Davon gehen übereinstimmend auch die am vorliegenden Verfahren beteiligten Parteien aus. Die damalige Verkä u- ferin wollte sich mit der Freihaltung v or allem der tiefer liegenden rekurrentischen Parzelle Kat. -Nr. 3614 die freie Aussicht auf den See sichern. In der Zwischenzeit haben sich die tatsäc hlichen Verhältnisse jedoch einschneidend geändert. Hanga b- wärts wurden in west -/südwestlicher Richtung zah lreiche Bauten erstellt, welche die - 2 - Sicht schmälern. Dieselbe W irkung hat die teilweise dichte Bepflanzung des Gebi e- tes. Selbst auf dem westlichen Teil der begünstigten Parzelle Kat. -Nr. 10164 stehen mehrere Bäume, we lche die Au ssicht vom begünstigten Grun dstück ganz erheblich einschränken. Schliesslich hat auch die mit dem Quartierplan teilweise neu festg e- setzte Parzellarordnung eine neue Situat ion geschaffen. Mit der Erstellung der Quartierplanstrasse B, welche zwischen dem b egünstigten und den belasteten Grundstücken vorgesehen ist, der Zurücknahme der Ba ulinie auf der Parzelle Kat. - Nr. 3614 sowie der Abtretung des nordwestlichen Zipfels des letzterwähnten Grun d- stückes an die berechtigte Parzelle Kat. -Nr. 10164 wurde bzw. wird der rekurrent i- sche Baubereich erheblich verringert, was sich auf die Sichtverhäl tnisse von der be- rechtigten Parzelle in Richtung See positiv auswirkt. Ingesamt ist das private Int e- resse an e inem W eiterbestand der Aussicht sservituten als nicht mehr allzu gross einzustufen. Hingegen besteht ein erhebliches raumplanerisches Interesse daran, das reku r- rentische in der W ohnzone W2/40 gelegene Bauland baureif zu machen. Die weit e- re Freihaltung des Areals mittels einer Dienstbarkeit, welche faktisch jede Bautäti g- keit verhindert, stünde in krassem Widerspruch zur kommunalen Zonenordnung, zur Maxime, den Boden haushälterisch zu nutzen (Art. 1 Abs. 1 RPG). Die auf den Grundstücken Kat.-Nrn. 3179 und 3614 lastenden Baubeschränkungsservituten sind daher aufzuheben. Insoweit ist der Rekurs gutzuheissen. Die Frage, ob - und wenn ja - in welcher Höhe der Servitutsberechtigte vom R e- kurrenten eine Entschädigung beanspruchen könne, hat sich bis heute nicht gestellt. Der Gemeinderat X. ist einzuladen, die Entschädigungsfrage im Rahmen der Übe r- arbeitung des Quartierplanes zu prüfen.