<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 64 S.284</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">284</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>64 Baubewilligungspflicht.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Bei der Beurteilung der Bewilligungspflicht ist die Frage der Recht-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>mässigkeit unerheblich (Erw. 1/b).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Ein Wand-Klimagerät hat als Baute im Sinne von § 6 Abs. 1 lit. a</b></span><br/> <span class="ft1"><b>BauG zu gelten und untersteht deshalb der Baubewilligungspflicht</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gemäss § 59 Abs. 1 BauG (Erw. 1/b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 28. März 2001</span><br/> <span class="ft2">in Sachen M. gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1. Umstritten ist, ob die Installation eines vom Beschwerdegeg-</span><br/> <span class="ft5">ner an der südwestlichen Aussenfassade seines - am Wohnhaus an-</span><br/> <span class="ft5">gebauten - zahntechnischen Labors montierten Wand-Klimageräts</span><br/> <span class="ft5">des Modells ,,Toshiba RAS-09 EK/EA" mit einer Breite von 77 cm,</span><br/> <span class="ft5">einer Höhe von 53 cm und einer Tiefe von 20 cm der Baubewilli-</span><br/> <span class="ft5">gungspflicht unterliegt.</span><br/> <span class="ft5">a) (Darlegung der Praxis [vgl. AGVE 2001 65 286])</span><br/> <span class="ft5">In Ergänzung zu § 59 BauG hat der Regierungsrat in § 30</span><br/> <span class="ft5">ABauV festgehalten, welche baulichen Änderungen - unter Vorbehalt</span><br/> <span class="ft5">abweichender Nutzungsvorschriften für bestimmte Schutzzonen -</span><br/> <span class="ft5">keiner Baubewilligung im ganzen Gemeindegebiet (Abs. 1) oder in</span><br/> <span class="ft5">den Bauzonen (Abs. 2) bedürfen. Klimaanlagen sind in diesen Be-</span><br/> <span class="ft5">stimmungen nicht enthalten. Die Beurteilung hat somit ausschliess-</span><br/> <span class="ft5">lich nach Massgabe von Art. 22 Abs. 1 RPG bzw. § 59 Abs. 1 BauG</span><br/> <span class="ft5">zu erfolgen.</span><br/> <span class="ft5">b) Das Baudepartement hat die Baubewilligungspflicht im We-</span><br/> <span class="ft5">sentlichen mit folgender Begründung verneint: Das Aussengerät der</span><br/> <span class="ft5">fraglichen Klimaanlage erzeuge einen maximalen Geräuschpegel von</span><br/> <span class="ft5">46 dB, und zwar gemessen in einem Meter Entfernung vom Kom-</span><br/> <span class="ft5">pressor. In der Dorfkernzone, in welcher die beiden Grundstücke</span><br/> <span class="ft5">gelegen seien, gelte die Empfindlichkeitsstufe III, und die entspre-</span><br/> <span class="ft5">chenden Planungswerte betrügen 60 dB(A) am Tag und 50 dB(A) in</span><br/> <span class="ft5">der Nacht. Die Lärmemissionen des Kompressors lägen somit unter</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">285</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">den Planungswerten. Am Ort der Einwirkung sei die Unterschreitung</span><br/> <span class="ft5">noch deutlicher. Dies zeige, dass die von der Klimaanlage verursach-</span><br/> <span class="ft5">ten Immissionen kein Ausmass annähmen, das als ,,erheblich" im</span><br/> <span class="ft5">Sinne von § 6 Abs. 1 lit. h BauG bezeichnet werden könne. Dazu</span><br/> <span class="ft5">komme, dass die Klimaanlage nur tagsüber zwischen drei bis fünf</span><br/> <span class="ft5">Stunden in Funktion sei, und dies auch nur in den Sommermonaten</span><br/> <span class="ft5">Juli und August.</span><br/> <span class="ft5">Diese Argumentation krankt vor allem daran, dass das Baude-</span><br/> <span class="ft5">partement zirkelschlussartig die Prüfung der Bewilligungsfähigkeit</span><br/> <span class="ft5">vorwegnimmt, indem es feststellt, dass beim fraglichen Gerätetyp die</span><br/> <span class="ft5">Planungswerte gemäss LSV nicht erreicht seien, und aus dem Ergeb-</span><br/> <span class="ft5">nis folgert, die Baubewilligungspflicht sei nicht gegeben. Dieses</span><br/> <span class="ft5">Vorgehen ist schon im Ansatz nicht richtig. Das Gesetz knüpft die</span><br/> <span class="ft5">Baubewilligungspflicht bewusst ausschliesslich an das Vorhanden-</span><br/> <span class="ft5">sein einer ,,Baute" an, unbesehen von deren Rechtmässigkeit. Es geht</span><br/> <span class="ft5">ja namentlich auch darum, das Spektrum der baubewilligungspflich-</span><br/> <span class="ft5">tigen Vorkehren derart weit zu öffnen, dass Drittbetroffene Gelegen-</span><br/> <span class="ft5">heit erhalten, ihre Interessen in das Verfahren einzubringen. Werden</span><br/> <span class="ft5">bereits in dieser Vorstufe Fragen der Rechtmässigkeit mitbeurteilt,</span><br/> <span class="ft5">sind die nachbarlichen Rechtsschutzansprüche nicht mehr gewährlei-</span><br/> <span class="ft5">stet. Eine strikte Trennung zwischen Bewilligungs<i>pflicht</i> und Bewil-</span><br/> <span class="ft5">ligungs<i>fähigkeit</i> ist daher unumgänglich.</span><br/> <span class="ft5">Für das Verwaltungsgericht ist nicht zweifelhaft, dass Wand-</span><br/> <span class="ft5">Klimageräte ganz allgemein, d. h. unabhängig vom Gerätetyp, unter</span><br/> <span class="ft5">den Bautenbegriff fallen. Bauten sind u.a. ,,alle weiteren, künstlich</span><br/> <span class="ft5">hergestellten und mit dem Boden fest verbundenen Objekte" (§ 6</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 lit. a BauG). Unter diese Begriffsumschreibung kann ein Kli-</span><br/> <span class="ft5">magerät, wie es hier in Frage steht, zwangslos subsumiert werden</span><br/> <span class="ft5">(der vom Baudepartement angeführte § 6 Abs. 1 lit. h BauG ist hier</span><br/> <span class="ft5">kaum anwendbar, da damit primär Anlagen wie Sportplätze oder</span><br/> <span class="ft5">Motocross-Pisten gemeint sind [vgl. die regierungsrätliche Botschaft</span><br/> <span class="ft5">vom 21. Mai 1990 zur Totalrevision des Baugesetzes vom 2. Februar</span><br/> <span class="ft5">1971, S. 11 zu § 3]). Damit steht nach Art. 22 Abs. 1 RPG bzw. § 59</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 BauG fest, dass die Baubewilligungspflicht für das Klimage-</span><br/> <span class="ft5">rät zu bejahen ist. Dies erscheint auch unter dem Gesichtspunkt der</span><br/> <span class="ft5">Immissionsträchtigkeit derartiger Geräte gerechtfertigt. Ein starkes</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">286</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Indiz bildet in dieser Beziehung der Umstand, dass Klimaanlagen in</span><br/> <span class="ft5">den Katalog derjenigen Bauten und Anlagen aufgenommen worden</span><br/> <span class="ft5">sind, für welche in der LSV Belastungsgrenzwerte festgelegt sind</span><br/> <span class="ft5">(vgl. deren Anhang 6 Ziff. 1 Abs. 1 lit. e). Die erwähnten Prospekt-</span><br/> <span class="ft5">unterlagen zeigen denn auch, dass bei den Aussengeräten Ge-</span><br/> <span class="ft5">räuschpegel bis zu 60 dB möglich sind. Dass Bauten und Anlagen,</span><br/> <span class="ft5">welche in den Anhängen der LSV aufgeführt sind, generell einer</span><br/> <span class="ft5">vorgängigen Kontrolle im Baubewilligungsverfahren sollen unterzo-</span><br/> <span class="ft5">gen werden können, ist als Umkehrschluss auch aus § 30 ABauV</span><br/> <span class="ft5">ableitbar. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass Bauten und Anla-</span><br/> <span class="ft5">gen, welche Immissionen erzeugen, auch dem Vorsorgeprinzip ge-</span><br/> <span class="ft5">mäss Art. 11 Abs. 2 USG genügen müssen (Robert Wolf, Umstritte-</span><br/> <span class="ft5">nes Lärmschutzrecht: Alltagslärm - kantonale Lärmschutzvorschrif-</span><br/> <span class="ft5">ten - Bestimmungen von Empfindlichkeitsstufen im Einzelfall, in:</span><br/> <span class="ft5">URP 1994, S. 99); unter diesem Titel ist etwa denkbar ein Gerät wie</span><br/> <span class="ft5">das hier in Frage stehende auf dem Dach oder an einer sonst weniger</span><br/> <span class="ft5">exponierten Lage anzubringen. Auch für derartige Beurteilungen ist</span><br/> <span class="ft5">ein vorgängiges Baubewilligungsverfahren erforderlich. Die Vorin-</span><br/> <span class="ft5">stanzen haben daher die Baubewilligungspflicht zu Unrecht verneint.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>