06/07 27 UV. Art. 6 Abs. 1 UVG. Adäquanz des Kausa lzusammenhanges bei psychischer Fehlentwicklung nach einem Unfall. Abko mmen des Autos beim Rückwärtsfahren von der Strasse, mehrmaliges Übersc hlagen desselben mit etwa vierzig Meter langem den Abhang Hinunterrutsch en auf dem Dach. Still- stand des Autos auf dem Dach liegend. Leichte Verle tzungen des Beschwerde- führers, Unverletztheit der Beifahrerin. Zuordnung des Unfalles zu den nicht schwereren im mittleren Bereich. Die Eindrücklichke it des Unfalles ist nicht von solcher Natur, dass sie als besonders ausgepräg t gelten kann. Die Tatsa- chen, dass sich der Beschwerdeführer selbst aus dem Auto befreien konnte, die Verletzungen leichterer Natur waren und ausser den Fahrzeuginsassen kei- ne weiteren Personen in den Unfall involviert waren , führen dazu, dass der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen ist. Obergericht, 07. Dezember 2007, OG V 07 14 Aus den Erwägungen: 4. Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden bei Berufsunfäl len, Nichtberufsunfällen und Be- rufskrankheiten Versicherungsleistungen gewährt, so weit das Gesetz nichts anderes be- stimmt. Der Versicherte hat gemäss Art. 10 Abs. 1 U VG Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen. Bei voller oder teilwe iser Arbeitsunfähigkeit infolge des Unfal- les hat er Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Die Beschwerdegegnerin haftet jedoch für einen Gesundheitsschaden nur insoweit, a ls dieser in einem natürlichen und in einem adäquaten Kausalzusammenhang zu einem versich erten Ereignis steht (BGE 118 V 289 f. E. 1b und c). 5. a) Bei körperlichen Unfallfolgen genügt die nat ürliche Kausalität, da der Unfall- versicherer auch für seltenste, schwerwiegendste Ko mplikationen haftet, welche nach der unfallmedizinischen Erfahrung im Allgemeinen gerade nicht einzutreten pflegen (BGE 118 V 291 f. E. 3a). Ursachen i.S. des natürlichen Kausal zusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg ni cht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetr eten gedacht werden kann. Für die Beja- hung des natürlichen Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei- nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Stö rungen ist; es genügt, dass das schädi- gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die Integrität des Versicherten beein- trächtigt hat (BGE 119 V 337 E. 1, 117 V 360 E. 4a). Für den Nachweis des natürlichen Kau- salzusammenhangs genügt im Sozialversicherungsrecht in der Regel der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Die blosse Möglic hkeit eines Zusammenhanges genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht ( BGE 119 V 338 E. 1, 117 V 360 E. 4a m.H.). b) Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule di agnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedäc htnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektla bilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit in d er Regel anzunehmen (BGE 119 V 338 E. 1, 117 V 360 E. 4b). c) Der Beschwerdeführer klagte in der ersten Zeit nach dem Unfall über Kopf- schmerzen, Nackenbeschwerden, Schlafstörungen, Müdi gkeit, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit und Antriebslosigkeit. Später kame n dann noch Hüftbeschwerden links hin- zu. Zwar liegen hier einige Beeinträchtigungen vor, welche zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS gehören. Bis auf die Nackenbeschwerden, die Schlafstö- rungen und die dadurch bedingten Konzentrationsstör ungen und die Müdigkeit waren diese Beschwerden jedoch nicht von langer Dauer. Mittlerw eile können beim Beschwerdeführer auch keine Nackenbeschwerden mehr festgestellt werd en. Der Beschwerdeführer leidet je- doch nach wie vor an psychisch bedingten Schlafstör ungen. Bei den Hüftbeschwerden han- delt es sich gemäss den medizinischen Befunden um e ine minimale Coxarthrose mit Weich- teilverspannungen, welche gemäss Dr. med. X von der psychischen Traumatisierung i.S. einer Schmerzverarbeitungsstörung unterhalten werden. Vorliegend treten daher die körper- lichen Beschwerden im Vergleich zu den psychischen Problemen des Beschwerdeführers in den Hintergrund. Ein typisches Beschwerdebild eines Schleudertraumas liegt nicht oder je- denfalls aufgrund der bloss anfänglich einschlägige n Beschwerden nur teilweise vor. Für die weitere Beurteilung des Falles ist die Kausalität d aher unter dem Gesichtspunkt einer psy- chischen Fehlentwicklung nach Unfall vorzunehmen (BGE 123 V 99 E. 2a m.H.). 6. Unbestritten ist, dass die psychischen Beschwer den natürlich kausal auf den Unfall zurückzuführen sind. Jedoch ist die Adäquanz des Ka usalzusammenhanges genauer zu prüfen. a) Ein Ereignis hat dann als adäquate Ursache ein es Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der a llgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetre tenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begü nstigt erscheint (BGE 117 V 361 E. 5a, 115 V 135 E. 4a). Zur Beurteilung des adäquaten Kau salzusammenhangs zwischen Unfall und psychischem Gesundheitsschaden ist nach der höc hstrichterlichen Rechtsprechung in erster Linie auf den augenfälligen Geschehensablauf des Unfalls abzustellen. Bei banalen Unfällen kann der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel ohne weiteres verneint wer- den. Bei schweren Unfällen ist dagegen der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel zu bejahen. Die übrigen Unfälle sind sodann als mittelschwere Unfälle einzustufen (BGE 115 V 139 f. E. 6a-c/aa; Entscheid Obergericht des Kan tons Uri vom 13.03.2006, OG V 05 19, E. 10a). Die Schilderung des Unfallherganges durch die Besch werdegegnerin im angefochtenen Ein- spracheentscheid entspricht nicht den Ausführungen des Beschwerdeführers gegenüber dem Sachbearbeiter der Beschwerdegegnerin. Die Besc hwerdegegnerin bemerkt zum Un- fallhergang lediglich, dass der Beschwerdeführer mit seinem Wagen einen Abhang hinunter- rutschte, wobei das Auto auf das Dach kippte und na ch mehreren Metern zum Stillstand kam. Gemäss dem Beschwerdeführer hingegen, überschl ug sich das Auto drei bis vier Mal und rutschte dann auf dem Dach weiter den Abhang hi nunter. Sodann überschlug es sich nochmals und kam schliesslich auf dem Dach liegend zu stehen. Insgesamt betrug der Rutschweg des Autos etwa 40 m. Die Schwere eines Un falles ist in erster Linie nach den zerstörenden und verletzenden Kräften zu beurteilen (BGE U 282/05 vom 13.02.2006 E. 2.2.3, U 458/04 vom 07.04.2005, E. 3.4.2). Der B eschwerdeführer trug zwar nur leichte Verletzungen davon, während die Beifahrerin gänzlich unverletzt blieb. Jedoch erlitt das Auto Totalschaden und der objektive Unfallhergang kann n icht als banal bezeichnet werden. Das Unfallereignis kann daher nicht als leichter Unfall gewertet werden. Der Unfall ist jedoch auch nicht als schwerer Unfall zu qualifizieren, da mit solchen regelmässig schwere Verlet- zungen einhergehen (vgl. Alexandra Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum UVG, 3. Aufl., Zürich 2003, S. 55). Mit der Beschwe rdegegnerin ist bezüglich Einteilung des Unfalles daher davon auszugehen, dass der Unfall dem mittleren Bereich zuzuordnen ist. b) In der mittleren Unfallgruppe, d.h. bei nicht mehr banalen, aber auch noch nicht schweren Unfällen, lässt sich der adäquate Kausalzusammenhang nicht allein aufgrund des Unfalls schlüssig beurteilen. Es sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche un- mittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen ode r als direkte oder indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubezi ehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen: besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Un- falls; die Schwere oder besondere Art der erlittene n Verletzungen, insbesondere ihre erfah- rungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauers chmerzen; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; sc hwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 140 E. 6c/aa). Vorliegend ist einzig das Kriterium der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles genauer zu prüfen. Die Erfüllung der übrigen Kriterien ist zu verneinen. Insbesondere ist darauf zu ver- weisen, dass der Beschwerdeführer lediglich leichte Verletzungen erlitten hat, die er erst einige Tage nach dem Unfall ärztlich hat untersuchen lassen. Eine ungewöhnlich lange Dau- er der ärztlichen Behandlung, ärztliche Fehlbehandl ung und ein schwieriger Heilungsverlauf liegen nicht vor. Zwar macht der Beschwerdeführer k örperliche Dauerschmerzen geltend, diese sind jedoch gemäss den ärztlichen Berichten m edizinisch nicht nachgewiesen und tre- ten im Vergleich zu den psychischen Beschwerden in den Hintergrund. Die teilweise Arbeits- unfähigkeit des Beschwerdeführers ist denn auch nic ht physisch bedingt, sondern auf seine psychischen Beschwerden zurückzuführen. c) Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien i n die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten U mständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Unfall und p sychisch bedingten Unfallfolgen neben dem Unfall ein einziges Kriterium genügen, we nn der Unfall im mittleren Bereich zu den schwereren zu zählen ist oder ein einziges Krit erium besonders ausgeprägt erfüllt ist (BGE 115 V 140 f. E. 6c/bb). Für die entsprechende Beurteilung ist an das objektive Unfall- ereignis und nicht an das subjektive Erlebnis anzuk nüpfen (115 V 139 E. 6, BGE U 270/05 vom 06.09.2005, E. 5). Den schweren Fällen der mittleren Gruppe ist, ähnli ch der Gruppe der schweren Unfälle, ein bestimmter Grad von Verletzungen immanent. So erlit t z.B. eine Radfahrerin bei einem Zu- sammenstoss mit einem nicht vortrittsberechtigten L astwagen, eine obere und untere Schambeinastfraktur links und eine Oberschenkelkont usion rechts (RKUV 1999 Nr. U 330 S. 123 E. 4b/bb; vgl. für weitere Beispiele von sch weren Fällen des mittleren Bereiches: Ale- xandra Rumo-Jungo, a.a.O., S. 57). Wie bereits ausg eführt, erlitt der Beschwerdeführer je- doch nur leichte Verletzungen. Der Unfall des Besch werdeführers ist daher nicht zu den schwereren des mittleren Bereiches zu zählen. Der Unfall des Beschwerdeführers war nicht gerade h armlos. Zwar hat der Beschwerdefüh- rer nur leichte Verletzungen davongetragen und sein er Begleiterin ist nichts geschehen. Trotzdem kann dem Unfallereignis eine gewisse Eindr ücklichkeit nicht abgesprochen wer- den. Die Eindrücklichkeit ist jedoch nicht von solc her Natur, dass sie als besonders ausge- prägt gelten kann. Wie das Bundesgericht schon in ä hnlichen Fällen ausgeführt hat, führen die Tatsachen, dass sich der Beschwerdeführer selbs t aus dem Auto befreien konnte, die Verletzungen leichterer Natur sind und ausser den F ahrzeuginsassen keine weiteren Perso- nen in den Unfall involviert waren, dazu, dass der adäquate Kausalzusammenhang zu ver- neinen ist (BGE U 282/05 vom 13.02.2006, E. 2.2.2, RKUV 2003 Nr. U 481 S. 204). d) Gesagtes erhellt, dass die Verwaltungsgerichts beschwerde abzuweisen ist.