Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. November 2015 (720 15 207 / 285) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Ablehnung einer IV-Rente zu Recht erfolgt; Berechnung des IV-Grads mittels gemischter Methode Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin i.V. Stepha- nie Wirz Parteien A.___, Beschwerdeführerin, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.1538.7100.74) A. Die 1963 geborene A.___ arbeitete zuletzt in Tei lzeit als Raumpflegerin. Mit Gesuch vom 29. Februar 2012 meldete sie sich unter Hinweis auf Beschwerden in den Füssen sowie einer Nierenunterfunktion als Folge von erblich bed ingten Zystennieren bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. In der Folge klärte die IV-Stelle Ba- sel-Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen, er werblichen und hauswirtschaftlichen Verhält- nisse der Versicherten ab und führte am 28. August 2014 eine Haushaltsabklärung durch. Zu- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem veranlasste die IV-Stelle eine rheumatologische Be gutachtung beim Universitätsspital Ba- sel. Dieses Gutachten vom 27. Februar 2014 attestierte der Beschwerdeführerin für mittel- schwere Verweistätigkeiten eine zumutbare Arbeitsfähig keit von 100%. Aus nephrologischer Sicht stufte das Universitätsspital Basel die Beschwerdefü hrerin als mindestens 50% arbeitsfä- hig ein. In Anwendung der gemischten Methode wurde be i einem 60%igen Erwerbsanteil und einem 40%igen Haushaltsanteil eine Einschränkung von 16 .8% im Haushalt ermittelt. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte die IV-Ste lle mit Verfügung vom 6. Mai 2015 einen Rentenanspruch der Versicherten aufgrund eines Invaliditätsgrades von 22% ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.___, vertreten dur ch Advokat Nicolai Fullin, mit Ein- gabe vom 10. Juni 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Ba sel-Landschaft, Abteilung Sozial- versicherunsgrecht (Kantonsgericht), und beantragte die Aufhebung der Verfügung sowie die Zusprechung mindestens einer halben Invalidenrente; alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. In verfahrensrechtlicher Hinsicht bea ntragte die Beschwerdeführerin die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung. Zur B egründung führte sie im Wesentlichen aus, dass die IV-Stelle zu Unrecht annehme, dass sie be i vollständiger Gesundheit lediglich zu 60% erwerbstätig wäre. Es müsse vielmehr von einer Volle rwerbstätigkeit ausgegangen wer- den. Für die Bestimmung des IV-Grades müsse deshalb nicht die gemischte Methode, sondern der allgemeine Einkommensvergleich zur Anwendung gelangen. C. Mit Verfügung vom 13. August 2015 wurde das Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh- rung und Verbeiständung abgewiesen. D. Mit Vernehmlassung vom 24. Juli 2015 beantragte di e Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 10. Juni 2015 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für d ie Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in ein em Aufgabenbereich (z.B. Haus- halt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerb stätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgab enbereich zu betätigen (Betäti- gungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 3.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch in einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätig- keit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fa lle sind der Anteil der Erwerbstätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Eh egatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der In validitätsgrad entsprechend der Behin- derung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Method e der Invaliditätsbemessung; Art. 28a IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, d ass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbst ätig wären, so ist die Invalidi- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerb stätige zu bemessen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 3.5 Das Bundesgericht hat in BGE 131 V 51 E. 5.1 festge halten, dass bei Art. 27 bis Abs. 1 IVV nach Wortlaut und Systematik danach zu untersch eiden ist, ob die versicherte Per- son neben der Erwerbstätigkeit oder der Mitarbeit im Betrieb des Ehemannes oder der Ehefrau in einem Aufgabenbereich im Sinne von Art. 5 Abs. 1 I VG tätig ist und es auch ohne Gesund- heitsschaden wäre. Wenn jedoch anzunehmen ist, dass die versicherte Person ohne gesund- heitliche Beeinträchtigung teilerwerbstätig wäre oder sie unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten würde, ohne daneben in einem Aufgabenbereich nach Art. 5 Abs. 1 IVG tätig zu sein, ist die Invalidität ausschliessli ch nach den Grundsätzen für Erwerbstä- tige, somit nach Art. 28a Abs. 1 IVG zu bemessen (Art. 2 7 bis Abs. 2 Satz 1 sowie Abs. 1 Satz 2 und 3 e contrario IVV; vgl. BGE 131 V 51 E. 5.1.2, vgl . auch Urteile des Bundesgerichts vom 11. Oktober 2012, 8C_812/2011, vom 4. Januar 2008, 9 C_265/2007 und vom 7. August 2009, 8C_485/2009, E. 2.2.2). Somit ist die Reduktion des zu mutbaren erwerblichen Arbeitspensums, ohne dass die dadurch frei werdende Zeit für die Tätig keit in einem Aufgabenbereich nach Art. 5 Abs. 1 IVG verwendet wird, für die Methode der Invaliditätsbemessung ohne Bedeutung. Die Gründe für eine ohne Gesundheitsschaden bloss teilz eitlich ausgeübte Erwerbstätigkeit sind für die Wahl der Bemessungsmethode lediglich insofer n von Interesse, als sie im Zusam- menhang mit der Tätigkeit in einem Aufgabenbereich n ach Art. 5 Abs. 1 IVG stehen (und Art. 8 Abs. 3 ATSG; BGE 131 V 51 E. 5.2). Insbesondere werden daher alleinstehende Personen bei einer Reduktion des Beschäftigungsgrades aus freien Stücken nicht gleichsam automatisch zu Teilerwerbstätigen mit einem Aufgabenbereich Haushal t neben der Berufsausübung (BGE 131 V 51 E. 5.2). 3.6 Bei einer hypothetisch (im Gesundheitsfall) ledigl ich teilerwerbstätigen versicherten Person ohne einen Aufgabenbereich nach Art. 5 Abs. 1 IV G bemisst sich die Invalidität nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs oder ein er Untervariante davon (Schät- zungs- oder Prozentvergleich). Das Valideneinkommen ist n ach Massgabe der ohne Gesund- heitsschaden ausgeübten Teilerwerbstätigkeit festzulegen (BGE 131 V 51 E. 5.1.2). Entschei- dend ist in den Fällen einer Teilerwerbstätigkeit, wa s die versicherte Person als Gesunde tat- sächlich an Einkommen erzielen würde, und nicht, was sie bestenfalls erzielen könnte. Wäre sie gesundheitlich in der Lage, voll erwerbstätig zu sein , reduziert sie aber das Arbeitspensum aus freien Stücken, insbesondere um mehr Freizeit zu habe n, oder ist die Ausübung einer Ganzta- gestätigkeit aus Gründen des Arbeitsmarktes nicht möglich, hat dafür nicht die Invalidenversi- cherung einzustehen (BGE 131 V 51 E. 5.1.2). Das Invalid eneinkommen bestimmt sich ent- sprechend den gesetzlichen Vorgaben danach, was die versic herte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Einglied erungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erziel en könnte. Dabei kann das vom Arzt festzulegende Arbeitspensum unter Umständen grösser sein als das ohne gesundheitliche Be- einträchtigungen geleistete. 4.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist – was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbe- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht messung führt –, ergibt sich nach konstanter Rechtsprechun g des Bundesgerichts aus der Prü- fung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umst änden täte, wenn keine gesundheitli- che Beeinträchtigung bestünde. Dabei sind im Besonderen die persönlichen, familiären, sozia- len und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfälli ge Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persön- lichen Neigungen und Begabungen der versicherten Person zu berücksichtigen. Die Statusfra- ge beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfü- gung (hier: 6. Mai 2015) entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Ge- sundheitsfall ausgeübten Teilerwerbstätigkeit der im S ozialversicherungsrecht übliche Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 E. 2c, 117 V 194 E. 3b, je mit Hinweisen; Urteil des Eidgenössischen Ver sicherungsgerichts [EVG, heute Schweizerisches Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilungen ] vom 13. November 2002, I 58/02, E. 1.2). Die blosse Möglichkeit eines bestimm ten Sachverhalts genügt den Beweisan- forderungen nicht. Das Gericht hat jener Sachverhaltsd arstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste wür digt (BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen weiteren Hinweisen; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 451 f.). 4.2 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsberei ch bedarf es im Regelfall einer Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Hinsichtli ch des Beweiswertes des Abklärungsbe- richts sind – analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft von Arztberichten (vgl. nachstehen E. 5.2 ff; BGE 134 V 232 E. 5.1) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein Haushaltsabklä- rungsbericht ist beweiskräftig, wenn er von einer quali fizierten Person verfasst wird, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der Beeinträchtigungen und Behinde- rungen hat, die sich aus den medizinischen Diagnosen er geben. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierend e Meinungen der Beteiligten im Be- richt aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plau sibel, begründet und angemes- sen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. AHI -Praxis 2003 S. 218 E. 2.3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1 .1). Das Gericht greift, sofern der Be- richt eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschr iebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der Abklärungsperson nur ein, wenn klar feststellb are Fehleinschätzungen oder An- haltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate (z.B. infolge von Widersprüchlichkei- ten) vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstan d, dass die fachlich kompetente Abklä- rungsperson näher am konkreten Sachverhalt steht als d as im Beschwerdefall zuständige Ge- richt (Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 2008, 8C _107/2008, E. 3.2.1 mit weiteren Hin- weisen; BGE 128 V 93 f. E. 4). 4.3 In der Regel ist deshalb zur Beurteilung der Stat usfrage grundsätzlich auf die Angaben, die anlässlich des Abklärungsgesprächs von den versicherten Personen gemacht werden, ab- zustellen. Dies legt auch der Umstand nahe, dass die im Haushaltsabklärungsbericht festgehal- tenen Ausführungen, rechtsprechungsgemäss auch als spontane „Aussage der ersten Stunde“ bezeichnet, praxisgemäss stärker zu gewichten sind als späte re, anderslautende Erklärungen, welche von Überlegungen sozialversicherungsrechtlicher Natu r beeinflusst sein können (Urteil Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8C_352/2008 vom 9. Oktober 2008 E. 3.2.2 mit Hinweise n; vgl. auch BGE 121 V 45 E. 2a S. 47). 4.4 In der angefochtenen Verfügung vom 6. Mai 2015 ha t die IV-Stelle die Beschwerdefüh- rerin als teilerwerbstätig eingestuft und den Invalidi tätsgrad in Anwendung der gemischten Me- thode bemessen. Bei der Festlegung der Anteile der Er werbs- und der Haushaltstätigkeit ist sie davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin ohne ges undheitliche Beeinträchtigung ei- ner Erwerbstätigkeit im Umfang von 60% nachgegangen wäre und den Haushalt im Umfang der restlichen 40% besorgt hätte. Die IV-Stelle weist zur Be gründung der von ihr getroffenen Me- thodenwahl und der Festlegung der Anteile der Erwerb stätigkeit und der Haushaltstätigkeit da- rauf hin, dass die Versicherte anlässlich der Haushaltabklä rung vom 28. August 2014 angege- ben habe, sie würde ohne gesundheitliche Einschränkunge n in einem Pensum von 60% einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Dieses Teilzeitpensum habe sie auch bis anhin ausgeführt, um sich in ihrer Freizeit um den Haushalt und die Familie kümmern zu können. Die IV-Stelle er- rechnete aufgrund der Haushaltabklärung eine Einschränku ng im Haushalt von 16,8%. Diese Bemessung wird von der Beschwerdeführerin nicht beansta ndet. Demgegenüber macht sie in ihrer Beschwerde geltend, dass sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen zu 100% er- werbstätig wäre. Die Bemessung der Invalidität habe de shalb nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu erfolgen. 4.5 Den Akten kann entnommen werden, dass der Versichert en anlässlich des Abklä- rungsgesprächs der Fragebogen zur Ermittlung ihrer Er werbstätigkeit von der Abklärungsper- son vorgängig in ihrer Muttersprache Italienisch erläut ert wurde. Darin führte sie aus, die Sta- tusfrage und deren Zeck verstanden zu haben. Sie gab an, dass sie bei guter Gesundheit in einem Arbeitspensum von 60% arbeiten würde, um daneben noch den Haushalt führen zu kön- nen. Nachdem sie das Formular zur Unterzeichnung zugeste llt bekommen hatte, hat sie nach- träglich ihre Meinung geändert, indem sie das Unterschr iftenformular der IV-Stelle nicht unter- schrieben zurücksandte und ein in perfektem Deutsch abgefass tes Schreiben beilegte. Darin führte sie aus, dass sie im Gesundheitsfall nicht zu 60% sondern im Umfang von 100% er- werbstätig wäre, da ihre Kinder beide längst erwachsen seien. Sie habe bisher lediglich kein solches Vollzeitpensum aufgenommen, um sich in Anbetracht ihrer Krankheit gesundheitlich zu schonen. In ihrer Beschwerde legte sie sodann dar, dass ei ner vollen Erwerbstätigkeit schon längst keine invaliditätsfremden Hindernisse mehr entg egenstünden. Ihre Kinder seien erwach- sen und im Jahr 2009 respektive im Jahr 2011 von zu Hause ausgezogen. Damit seien ihre Betreuungsaufgaben bereits seit Jahren weggefallen. Dass sie das Arbeitspensum trotz fortge- schrittenen Alters ihrer beiden Kinder nicht erweitert habe, sei lediglich darauf zurückzuführen, dass sie in den letzten Jahren zunehmend an ihrer erbli ch bedingten Niereninsuffizienz leide und aus Angst vor Überlastung und der Befürchtung eine r allfälligen daraus resultierenden Ver- schlechterung ihrer Gesundheit ein bewusstes Schonverhalten an den Tag gelegt habe. Zudem verdiene ihr Ehemann im Monat Fr. 4‘600.-- brutto, w eshalb schon immer eine gewisse Not- wendigkeit bestanden habe, dass beide Ehegatten arbeiten würden. 5.1 Wie bereits erwähnt, ist zur Beurteilung der Statu sfrage grundsätzlich auf die Angaben der Versicherten anlässlich des Abklärungsgesprächs abzustell en (vgl. E. 4.3 hiervor). Vorlie- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gend stellt sich die Frage, ob gewichtige Gründe gegeb en sind, die für ein Abweichen von den Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich des Abklärungsgesprächs und damit für eine höhe- re Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall sprechen. 5.2 Der Ehemann der Beschwerdeführerin arbeitet zu 10 0% als Maurer und verdient im Monat Fr. 4‘600.-- brutto. Das Existenzminimum des Ehepa ares ist somit nicht gefährdet und ein Vollzeitpensum der Beschwerdeführerin deshalb auch nicht unbedingt erforderlich, um die monatlich anfallenden Lebenskosten decken zu können. Die f inanziellen Verhältnisse der Be- schwerdeführerin und ihres Ehemannes sprechen somit gege n ein zwingendes Abweichen von den Angaben anlässlich der Haushaltsabklärung. Dem Beri cht der Haushaltsabklärung vom 6. Oktober 2014 ist im Weiteren zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin zusammen mit ihrem Ehemann in einem 4-Zimmer Einfamilienhaus lebt. Seit dem Auszug ihrer Söhne führt sie einen Zweipersonenhaushalt, welcher einen gewissen Aufwand für den täglichen Unterhalt ver- ursachen dürfte. Die Beschwerdeführerin gab im Rahmen des Abklärungsgespräches an, dass sie für sich und ihren Ehemann täglich eine warme Mahlze it zubereite und mehrheitlich für die Haushalts- und Wäschereinigung zuständig sei. Ihre aufg ezeigten Lebensumstände belegen somit, dass ein eigentlicher Aufgabenbereich vorliegt. Auch in Anbetracht des persönlichen und beruflichen Werdegangs der Beschwerdeführerin sind somi t, selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Kinder längst erwachsen sind, keine zw ingenden Gründe ersichtlich, von den Angaben der Haushaltsabklärung bezüglich eines hypot hetischen Teilzeitpensums abzu- weichen. Auch in Bezug auf die Schadenminderungspflicht und die Höhe der festgestellten Ein- schränkungen erweist sich der Abklärungsbericht als korrekt. Di eser wurde er von einer qualifi- zierten Person verfasst, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der Beeinträchtigungen und Behinderungen hatte, die sich aus den medizinischen Diagnosen erge- ben. Der Berichtstext ist plausibel, begründet und angem essen detailliert bezüglich der einzel- nen Einschränkungen sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Anga- ben. Insofern kann ihm grundsätzlich nichts entgegen gehalten werden. 6.1 Es bleibt jedoch zu klären, ob medizinische Gründe gegeben sind, die ein Schonver- halten der Beschwerdeführerin zu rechtfertigen vermögen. 6.2 Bis November 2013 war die Beschwerdeführerin gemä ss den Einschätzungen der be- handelnden Ärzte des Universitätsspitals Basel, Abteilun g Nephrologie, in ihrer angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin zu 100% arbeitsfähig. Er st seit November 2013 ist sie aufgrund ihrer progredienten Niereninsuffizienz nur noch zu 50% arbeitsfähig (siehe IV-Akten). Die Be- schwerdeführerin hat über zwei Jahrzehnte hinaus nie me hr als 60% gearbeitet. In ihrer Be- schwerde gibt sie an, dass sie bereits mit im Alter von 30 Jahren gewusst habe, was durch ihre erblich bedingte Krankheit auf sie zukäme. Sie habe d ies bereits bei ihrer Mutter und ihrer Schwester, die beide an Zystennieren litten, mitverfol gen müssen und habe sich deshalb über die Jahre angesichts ihrer Krankheit bewusst schonen wollen. 6.3 Dr. med. B.___, FMH Allgemeine und Innere Medizi n, hielt in seinem Bericht vom 23. Januar 2015 demgegenüber fest, dass die langsam progredi ente Niereninsuffizienz über Jahre hinweg zu einer Vielzahl von chronischen Begleiterkrankungen geführt habe, welche eine direk- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht te Folge der Grunderkrankung der Patientin darstellten . Diese würden es ihr seit längerem ver- unmöglichen, ein höheres Arbeitspensum aufzunehmen. 6.4 Pract. med. C.___, Master of Advanced Studies Insur ance Medicines, hielt in ihrem Bericht vom 27. Oktober 2014 fest, dass die Argumentati on der Versicherten hinsichtlich ihres Schonverhaltens nicht nachvollziehbar sei, da die behande lnden Ärzte des Universitätsspitals Basel bis November 2013 eine 100%ige Arbeitsfähigkei t attestiert hätten. Erst im November 2013 hätten die behandelnden Ärzte aufgrund einer st ark eingeschränkten Nierenfunktion die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in ihrer ang estammten Tätigkeit als Raumpflegerin um 50% als eingeschränkt beurteilt. Weder in wissenschaftlichen Studien noch in Patientenratge- bern würde eine körperliche Schonung als probates Mitt el zum Schutz der Nierenfunktion im Falle chronisch progredienter Nierenerkrankungen erwähnt . Vielmehr seien dafür Massahmen wie zum Beispiel eine Umstellung der Ernährung angeze igt, welche mit einer Reduktion der Eiweisszufuhr einhergehe. Eine zunehmende Einschränkung de r Nierenfunktion sei erst 2011 festgestellt worden. Erst seit diesem Zeitpunkt lasse sich nachvollziehen, dass die vorhandenen Sekundärkomplikationen der schweren Nierenfunktionsstöru ng gewisse körperliche Beschwer- den wie eine ausgeprägte Müdigkeit und eine körperli che Schwäche aufgrund der zunehmen- den renalen Anämie, des sekundären Hyperparathyreoidism us und der metabolischen Azidose hervorrufen, wie sie im Arztbericht des Universitätsspitals B asel vom 21. Juli 2014 genannt sei- en. Mit Ausnahme des Beginns der Arbeitsunfähigkeit in d er angestammten Tätigkeit als Reini- gungskraft, die auf Dezember 2011 zu datieren sei, könne auf die RAD-Stellungnahme vom 24. Juli 2014 bezüglich der Arbeitsfähigkeit in angestammt er und alternativer Tätigkeit weiterhin abgestellt werden. Die Angaben und die Beurteilung i m Haushaltsabklärungsbericht ergäben aus versicherungsmedizinischer Sicht Sinn. 6.5 Wie von pract. med. C.___ ausgeführt, existieren kein e wissenschaftlichen Belege, die für ein Schonverhalten bei progredienter Niereninsuff izienz sprechen. Viel eher wären ange- sichts dieser Krankheit in Beabsichtigung, die eigene Gesundheit positiv zu beeinflussen, ande- re Massnahmen angezeigt, wie beispielsweise eine Umstellung der Ernährung. Der Bericht von Dr. B.___ vermag daher nichts an der Tatsache zu änd ern, dass medizinisch kein solches Schonverhalten ausgewiesen ist. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang, dass der Hausarzt der Versicherten nicht auf das Gebiet der Nephr ologie spezialisiert ist. Die Beschwer- deführerin ist bereits seit über zwei Jahrzehnten bein ahe während ihres gesamten Erwerbsle- bens im Umfang von maximal 60% erwerbstätig gewesen. Ob schon erst im November 2011 – in einem Zeitpunkt, indem sie der Einschätzung der beha ndelnden Ärzte am Universitätsspital Basel zufolge noch zu 100% arbeitsfähig war – eine z unehmende Einschränkung ihrer Nieren- funktion festgestellt worden ist, hatte die Versicherte zuvor stets nur ein Teilzeitpensum inne. Mithin war sie bereits teilzeitlich tätig, lange bevor sie nicht nur medizinisch nachvollziehbar überhaupt in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war, sondern auch bevor sie sich krankheits- bedingt aus eigenen Stücken hätte schonen müssen. Es ist deshalb mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführeri n als Gesunde heute in einem Teilzeitpensum ebenfalls von maximal 60% arbeiten würd e. Ein Methodenwechsel erweist sich unter diesen Umständen somit als nicht gerechtfertigt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Nicht beanstandet wird zu Recht im Übrigen die fü r den erwerblichen Bereich massge- bende medizinische Beurteilung des Gesundheitszustandes, w onach die Versicherte noch in der Lage ist, einer leidensadaptierten Tätigkeit we iterhin im Umfang von 50% nachzugehen (vgl. E. 6.2 hiervor). Zwischen den Parteien zu Recht u nbestritten geblieben ist letztlich ebenso die Festsetzung des ihr im erwerblichen Bereich noch erzi elbaren Validen- und Invalidenein- kommens (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 14. Septe mber 2009, 9C_515/2009, E. 1). Dies führt im erwerblichen Bereich zu einem IV-Grad von 25%. Damit aber vermag der resultierende IV-Grad aber so o der anders keinen Rentenanspruch zu begründen. Es reduziert sich der IV-Grad bereits dadurch, weil bei der Bemessung der Invalidi- tät die gemischte Methode zur Anwendung gelangt und bei deren Anwendung die Invalidität im erwerblichen Bereich nicht bezogen auf ein Vollzeitpe nsum, sondern bezogen auf die hypothe- tisch ausgeübte Teilerwerbstätigkeit im Umfang von 60% zu bemessen ist (BGE 125 V 153, E. 5). Ausgehend von einer Gewichtung zwischen Erwerbstätigkeit (60%) und Aufgabenbereich (40%) resultiert folgende Aufstellung: Erwerbstätigkeit 60%-Pensum 25 % Einschränkung 15 % IV-Grad Aufgabenbereich 40%-Pensum 16,8% Einschränkung 6, 72 % IV-Grad Insgesamt ergibt sich somit ein IV-Grad von 22%, weshalb der Schwellenwert für den Anspruch auf eine IV-Rente nicht erreicht wird. 6.7 Zusammenfassend hat die IV-Stelle die Versicherte zu Recht als teilserwerbstätig ein- gestuft und den Invaliditätsgrad nach der gemischten Me thode ermittelt. Ausgehend von einem zeitlichen Umfang der Erwerbstätigkeit von 60% wird der für einen Rentenanspruch der IV massgebende Schwellenwert von 40% nicht erreicht, w eshalb die angefochtene Verfügung zu schützen und ein Rentenanspruch der Versicherten zu ve rneinen ist. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis abzuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 6 9 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligun g oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten i n Berücksichtigung des bundesrechtli- chen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. N ach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah- renskosten in der Regel der unterliegenden Partei in a ngemessenem Ausmass auferlegt. Vor- liegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Par tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr auf- zuerlegen sind. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.