<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 50 S.287</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">287</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>50 Disziplinarverfahren;</b></span> <span class="ft2"><b>befristetes</b></span> <span class="ft2"><b>Berufsausübungsverbot.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Weiterleiten von Kassibern ist - unabhängig von der strafrichterli-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>chen Beurteilung - ein schwerer Verstoss gegen Art. 12 lit. a BGFA</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Wahl der geeigneten Sanktion (Erw. 4 ).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Eine befristete Berufseinstellung kann auch für eine erstmalige Dis-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ziplinierung angemessen sein (Erw. 5)</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 13. Mai 2008 in Sachen X.</span><br/> <span class="ft5">gegen die Anwaltskommission (WBE.2008.46).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">288</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Zur allgemeinen Berufspflicht des Anwalts gehört gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 12 lit. a BGFA, dass der Beruf sorgfältig und gewissenhaft aus-</span><br/> <span class="ft1">geübt wird. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts umfasst</span><br/> <span class="ft1">die Generalklausel nicht nur das Verhalten zwischen Anwalt und</span><br/> <span class="ft1">Klient, sondern auch das Verhalten des Anwalts gegenüber Behör-</span><br/> <span class="ft1">den, der Gegenpartei und der Öffentlichkeit (Fellmann, in: Walter</span><br/> <span class="ft1">Fellmann / Gaudenz Zindel [Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgesetz,</span><br/> <span class="ft1">Zürich / Basel / Genf 2005, Art. 12 N 12). In seiner Tätigkeit hat der</span><br/> <span class="ft1">Anwalt in erster Linie die Interessen seines Klienten zu wahren, ist</span><br/> <span class="ft1">aber den Zielen des Rechtsstaats verpflichtet. Auch wenn der Straf-</span><br/> <span class="ft1">verteidiger seine Tätigkeit nicht am Strafverfolgungsinteresse des</span><br/> <span class="ft1">Staats auszurichten und in der Wahl der Verteidigungsmittel ein ho-</span><br/> <span class="ft1">hes Mass an Entscheidungsfreiheit hat, ist es ihm verwehrt, rechts-</span><br/> <span class="ft1">widrige Mittel zu ergreifen (Fellmann, a.a.O., Art. 12 N 37; Peter</span><br/> <span class="ft1">Noll, Die Strafverteidigung und das Disziplinarrecht der Rechtsan-</span><br/> <span class="ft1">wälte, in: ZStr 1981, S. 181; BGE 106 Ia 100 Erw. 6b; Beschluss der</span><br/> <span class="ft1">Aufsichtskommission über die Rechtsanwälte des Kantons Zürich</span><br/> <span class="ft1">vom 1. Juni 1995, in: ZR 94/1995, S. 285 f.). Unstatthaft ist es insbe-</span><br/> <span class="ft1">sondere, die Ermittlungen der staatlichen Behörden aktiv und pro-</span><br/> <span class="ft1">zessordnungswidrig zu vereiteln, namentlich durch die Weiterleitung</span><br/> <span class="ft1">von Kassibern aus dem Gefängnis, welche den Tatbestand der Be-</span><br/> <span class="ft1">günstigung erfüllen können (Peter Albrecht, in: Marcel Alexander</span><br/> <span class="ft1">Niggli / Philippe Weissenberger, Strafverteidigung, Basel 2002,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 2.20, 2.39 und 2.45; Hansruedi Müller, Die Grenzen der Vertei-</span><br/> <span class="ft1">digertätigkeit, in: ZStr 1996, S. 177).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer hat seine Berufspflichten gemäss Art. 12</span><br/> <span class="ft1">lit. a BGFA nicht nur durch die Widerhandlung gegen die über den</span><br/> <span class="ft1">freien Verkehr zwischen Strafverteidiger und Klient geltenden straf-</span><br/> <span class="ft1">prozess- und verwaltungsrechtlichen Vorschriften verletzt</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 1998, S. 96 ff.), sondern seine Handlungen erfüllten den</span><br/> <span class="ft1">Straftatbestand der versuchten Begünstigung gemäss Art. 305 Abs. 1</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">289</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, teilweise i.V.m. Art. 23 Abs. 1 StGB. Der</span><br/> <span class="ft1">Umstand, dass es in der strafrechtlichen Beurteilung durch das Be-</span><br/> <span class="ft1">zirksgericht Aarau bei vollendeten und untauglichen Versuchen blieb,</span><br/> <span class="ft1">vermag das pflichtwidrige Verhalten des Beschwerdeführers nur sehr</span><br/> <span class="ft1">eingeschränkt zu relativieren. Der Beschwerdeführer leitete die weit-</span><br/> <span class="ft1">aus überwiegende Anzahl der Schreiben ungeprüft weiter. Dass es im</span><br/> <span class="ft1">Strafurteil bei versuchtem (zwei Fälle) bzw. bei untauglichem Ver-</span><br/> <span class="ft1">such (vier Fälle) der Begünstigung blieb, war allein dem dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer unbekannten Inhalt der Schreiben und dem Umstand</span><br/> <span class="ft1">zuzuschreiben, dass die Ehefrau des Verhafteten die Anweisungen</span><br/> <span class="ft1">nicht befolgte. Somit ist erstellt, dass der Beschwerdeführer in ob-</span><br/> <span class="ft1">jektiver Hinsicht durch das Weiterleiten der Briefe die Berufspflich-</span><br/> <span class="ft1">ten mehrfach und wiederholt verletzte und seine Handlungsweise den</span><br/> <span class="ft1">Straftatbestand der versuchten Begünstigung erfüllte.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Die disziplinarische Einstellung in der Berufsausübung ist eine</span><br/> <span class="ft1">der schwersten Sanktionen, welche sich nur bei schweren Wider-</span><br/> <span class="ft1">handlungen gegen die Berufsregeln rechtfertigen lässt. Auch ein be-</span><br/> <span class="ft1">fristetes Verbot ist nach der Rechtsprechung grundsätzlich nur im</span><br/> <span class="ft1">Wiederholungsfall gerechtfertigt (BGE vom 24.</span> <span class="ft1">Februar 2006</span><br/> <span class="ft1">[2A.177/2005], Erw. 4.1; BGE vom 11. Juni 2007 [2A.499/2006],</span><br/> <span class="ft1">Erw. 5.1). Bei der Wahl der geeigneten Sanktionen aus dem Katalog</span><br/> <span class="ft1">von Art. 17 BGFA ist der Einzelfall zu betrachten, wobei general-</span><br/> <span class="ft1">und spezialpräventive Aspekte für die Wahl und Bemessung der</span><br/> <span class="ft1">Sanktion massgebend sind. Die Sanktion hat grundsätzlich einen</span><br/> <span class="ft1">administrativen Charakter und dient dem Schutz des rechtssuchenden</span><br/> <span class="ft1">Publikums und der Wahrung des Ansehens der Anwaltschaft</span><br/> <span class="ft1">(BGE 128 I 346 Erw. 2.2 mit Hinweisen; Tomas Poledna, in: Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar zum Anwaltsgesetz, a.a.O., Art. 17 N 14 f.). Bei der Wahl und</span><br/> <span class="ft1">Bemessung der Sanktion steht der Anwaltskommission ein gewisser</span><br/> <span class="ft1">Ermessensspielraum zu, welcher durch das Verhältnismässigkeitsge-</span><br/> <span class="ft1">bot eingeschränkt ist.</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz begründete das befristete Berufsverbot mit der</span><br/> <span class="ft1">Tatschwere und setzte die Dauer aufgrund der objektiven und der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">290</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">persönlichen Umstände des Beschwerdeführers mit sechs Monaten</span><br/> <span class="ft1">fest. Auch für das Verwaltungsgericht ist der Missbrauch der Privile-</span><br/> <span class="ft1">gien des Strafverteidigers im Verkehr mit Untersuchungsgefangenen</span><br/> <span class="ft1">ein schwerer Verstoss gegen die Berufspflichten. Besonders ins Ge-</span><br/> <span class="ft1">wicht fällt aber, dass sich der Beschwerdeführer auch der mehrfa-</span><br/> <span class="ft1">chen versuchten Begünstigung schuldig machte. Die besondere Tat-</span><br/> <span class="ft1">schwere einer strafrechtlichen Verurteilung in anwaltsrechtlicher</span><br/> <span class="ft1">Hinsicht findet ihre Begründung darin, dass eine fehlende strafrecht-</span><br/> <span class="ft1">liche Verurteilung wegen Handlungen, die mit dem Anwaltsberuf</span><br/> <span class="ft1">nicht zu vereinbaren sind und die im Strafregisterauszug für Privat-</span><br/> <span class="ft1">personen erscheinen, zu den persönlichen Voraussetzungen für den</span><br/> <span class="ft1">Registereintrag gehört (Art. 8 Abs. 1 lit. b BGFA). Der Gesetzgeber</span><br/> <span class="ft1">hat damit die Tätigkeit der Rechtsanwälte im Monopolbereich ausge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen, wenn eine für den Rechtsanwaltsberuf relevante straf-</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Verurteilung im Strafregister erscheint. Ziel dieser Rege-</span><br/> <span class="ft1">lung ist der Schutz des Vertrauensverhältnisses. Das Vertrauensver-</span><br/> <span class="ft1">hältnis, das zwischen einer Anwältin oder einem Anwalt und der</span><br/> <span class="ft1">Klientschaft bestehen muss, ist erheblich beeinträchtigt, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Anwältinnen oder Anwälte aufgrund eines strafrechtlichen Vorlebens</span><br/> <span class="ft1">nicht vollumfänglich für Seriosität und Ehrenhaftigkeit in der Be-</span><br/> <span class="ft1">rufsausübung bürgen können.</span><br/> <span class="ft1">Nicht jede strafrechtliche Verurteilung ist geeignet, dieses Ver-</span><br/> <span class="ft1">trauensverhältnis zu beeinträchtigen; relevant sind nur solche Verur-</span><br/> <span class="ft1">teilungen, die Auswirkungen auf die Ausübung des Anwaltsberufs</span><br/> <span class="ft1">haben (vgl. Bundesgesetz über die Freizügigkeit der Anwältinnen</span><br/> <span class="ft1">und Anwälte vom 28. April 1999 [Botschaft BGFA], in: BBl 1999 IV</span><br/> <span class="ft1">6050). Die Begünstigung eines Straftäters steht ebenso wie die</span><br/> <span class="ft1">Widerhandlung gegen die Bestimmungen über den freien Verkehr</span><br/> <span class="ft1">des Strafverteidigers mit seinem inhaftierten Klienten im Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhang mit der anwaltlichen Tätigkeit. Der freie Verkehr zwischen</span><br/> <span class="ft1">Strafverteidiger und Klient ist ein zentrales Element seiner Unabhän-</span><br/> <span class="ft1">gigkeit von staatlichen Instanzen und bildet damit die Basis des Ver-</span><br/> <span class="ft1">trauens zwischen Verteidiger und Klient. Dieses Vertrauen ist auch</span><br/> <span class="ft1">die Grundlage für eine wirksame Strafverteidigung von Inhaftierten,</span><br/> <span class="ft1">wie sie u.a. Art. 6 Ziff. 3 lit. b EMRK und Art. 32 Abs. 2 BV ge-</span><br/> <span class="ft1">währleisten (vgl. dazu Mark E. Villiger, Handbuch der Europäischen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">291</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Menschenrechtskonvention [EMRK], 2.</span> <span class="ft1">Auflage, Zürich 1999,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 514 ff.; BGE 126 I 153 Erw. 4a). In diesem Sinne haben die An-</span><br/> <span class="ft1">wältinnen und Anwälte eine wichtige Funktion für die Gewähr-</span><br/> <span class="ft1">leistung korrekter rechtsstaatlicher Strafverfahren (vgl. BGE 130 II</span><br/> <span class="ft1">270 Erw. 3.2.2 mit Hinweis; Fellmann, a.a.O., Art. 12 N 16 mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weis) mit der entsprechenden Verpflichtung zur Rechtsstaatlichkeit</span><br/> <span class="ft1">gegenüber der Allgemeinheit. Strafbare Begünstigungshandlungen</span><br/> <span class="ft1">eines Strafverteidigers und der Missbrauch seiner Privilegien unter-</span><br/> <span class="ft1">graben daher auch das Vertrauen der Allgemeinheit in die Anwalt-</span><br/> <span class="ft1">schaft. Die Seriosität des Anwaltsstandes leidet auch aus der Sicht</span><br/> <span class="ft1">der Klienten, wenn sich Strafverteidiger über strafrechtliche Verbote</span><br/> <span class="ft1">hinwegsetzen. Fehlbare Anwältinnen und Anwälte bieten auch keine</span><br/> <span class="ft1">Gewähr dafür, dass sie sich im Mandatsverhältnis uneingeschränkt</span><br/> <span class="ft1">an die gesetzlichen Vorschriften und Berufsregeln halten. Auch wenn</span><br/> <span class="ft1">bei Straftaten gegen die Rechtspflege Zurückhaltung angebracht ist</span><br/> <span class="ft1">und es nicht darum gehen kann, den Strafbehörden unliebsame Straf-</span><br/> <span class="ft1">verteidiger zu massregeln oder ihren Handlungsspielraum einzu-</span><br/> <span class="ft1">schränken (Ernst Stähelin / Christian Oetiker, in: Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">Anwaltsgesetz, a.a.O., Art. 8 N 21), überschreitet die dem Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer anzulastende Verletzung der Berufsregeln die Schwelle</span><br/> <span class="ft1">eines leichten oder mittleren Vergehens. Die strafrechtliche Verurtei-</span><br/> <span class="ft1">lung beeinträchtigt die Vertrauenswürdigkeit des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">sehr stark, und sie betrifft seine berufsspezifische Zutrauenswürdig-</span><br/> <span class="ft1">keit erheblich, weil seine Vergehen im Zusammenhang mit seiner</span><br/> <span class="ft1">Funktion als Rechtsanwalt und amtlicher Verteidiger stehen. Das be-</span><br/> <span class="ft1">fristete Berufsverbot ist in solchen Fällen in der Regel eine zutreffen-</span><br/> <span class="ft1">de Sanktion (vgl. den Entscheid der Aufsichtskommission über die</span><br/> <span class="ft1">Rechtsanwälte des Kantons Zürich vom 2. April 1980, in: ZR</span><br/> <span class="ft1">80/1981, S. 17 ff.). Die Verwarnung und der Verweis sind für leich-</span><br/> <span class="ft1">tere Pflichtverletzungen bestimmt und kommen daher vorliegend</span><br/> <span class="ft1">nicht in Betracht.</span><br/> <span class="ft1">Die mit dem Strafregistereintrag bis August 2007 fehlende per-</span><br/> <span class="ft1">sönliche Voraussetzung für die Eintragung ins Anwaltsregister hat</span><br/> <span class="ft1">den Beschwerdeführer in seiner beruflichen Tätigkeit nicht einge-</span><br/> <span class="ft1">schränkt. Auch wenn im Zeitpunkt der vorinstanzlichen Beurteilung</span><br/> <span class="ft1">eine Löschung des Registereintrags infolge fehlender persönlicher</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">292</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen (Art. 9 BGFA) nicht mehr in Frage kam, kann der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer aus diesem Umstand nichts zu seinen Gunsten</span><br/> <span class="ft1">ableiten. Die Wahl der Sanktion im Disziplinarverfahren wird durch</span><br/> <span class="ft1">die Voraussetzungen für den Registereintrag nicht eingeschränkt.</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">5.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz hat in subjektiver Hinsicht das schwierige Man-</span><br/> <span class="ft1">datsverhältnis, die kurze Dauer der Anwaltstätigkeit, fehlende Ein-</span><br/> <span class="ft1">tragungen in der Disziplinarkontrolle und die Einsichtigkeit sowie</span><br/> <span class="ft1">das seitherige Wohlverhalten des Beschwerdeführers in Rechnung</span><br/> <span class="ft1">gestellt. Nicht massgeblich ist die Beurteilung durch das Bezirksge-</span><br/> <span class="ft1">richt Aarau, da sich diese auf die strafrechtliche Würdigung be-</span><br/> <span class="ft1">schränkte. Die vom Beschwerdeführer angeführte Belastung durch</span><br/> <span class="ft1">das Straf- und Disziplinarverfahren sowie die Pressepublizität, seine</span><br/> <span class="ft1">Einsicht und auch die Auswirkungen in finanzieller Hinsicht wurden</span><br/> <span class="ft1">von der Vorinstanz bereits zureichend berücksichtigt. Ein Strafver-</span><br/> <span class="ft1">teidiger muss auch nach Auffassung des Verwaltungsgerichts in der</span><br/> <span class="ft1">Lage sein, mit manipulativen, aggressiven Mandanten umzugehen,</span><br/> <span class="ft1">oder das Pflichtmandat abgeben.</span><br/> <span class="ft1">Den finanziellen Verhältnissen des Beschwerdeführers hat die</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz dadurch Rechnung getragen, dass sie auf die Ausspre-</span><br/> <span class="ft1">chung einer Busse verzichtete. Das befristete Berufsverbot be-</span><br/> <span class="ft1">schränkt sich sodann auf die Monopoltätigkeit. Dem Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer sind die Beratungstätigkeit und die Anwaltstätigkeit im gerichtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Verfahren ausserhalb des Anwaltsmonopols während der Dauer</span><br/> <span class="ft1">des befristeten Berufsverbots gestattet. Er ist in einer Anwaltskanzlei</span><br/> <span class="ft1">mit mehreren Anwälten tätig, so dass organisatorische Möglichkeiten</span><br/> <span class="ft1">zu einer internen Arbeitsaufteilung bestehen.</span><br/> <span class="ft1">Nicht zu folgen ist der Auffassung des Beschwerdeführers, dass</span><br/> <span class="ft1">die Tatschwere das Vertrauen des Klienten in seinen Anwalt nicht</span><br/> <span class="ft1">beschlägt. Ein Anwalt, der sich willentlich über die Anstaltsordnung</span><br/> <span class="ft1">und über strafrechtliche Schranken hinwegsetzt, verletzt das Klien-</span><br/> <span class="ft1">tenvertrauen selbst dann in schwerwiegender Weise, wenn er diese</span><br/> <span class="ft1">Handlungen im vermeintlichen Interesse seines Mandanten vor-</span><br/> <span class="ft1">nimmt. Der Klient kann daraus nur den Schluss ziehen, dass die Per-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">293</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sönlichkeit des Anwalts auch im Mandatsverhältnis solche Risiken</span><br/> <span class="ft1">nicht ausschliesst.</span><br/> <span class="ft1">5.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Verschulden des Anwalts ist mit der Vorinstanz als sehr</span><br/> <span class="ft1">schwer zu qualifizieren. Insbesondere ins Gewicht fällt, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer die überwiegende Anzahl der Briefe, welche er wei-</span><br/> <span class="ft1">terleitete, nicht einmal inhaltlich überprüfte und damit die elementar-</span><br/> <span class="ft1">ste Vorsichtmassnahme zur Vermeidung von Kollusions- und Begün-</span><br/> <span class="ft1">stigungshandlungen unterliess. Auch der Umstand, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer Briefe der Ehefrau ohne jede Druckausübung in die</span><br/> <span class="ft1">Untersuchungshaft schmuggelte und auch diese Briefe mehrheitlich</span><br/> <span class="ft1">ungeprüft und im Wissen um die mögliche Strafbarkeit seines Ver-</span><br/> <span class="ft1">haltens weiterleitete, lässt die im unteren Bereich des Strafrahmens</span><br/> <span class="ft1">von Art. 17 Abs. 1 lit. d BGFA angesetzte Dauer des Berufsverbots</span><br/> <span class="ft1">nicht als unverhältnismässig erscheinen. Eine strafrechtliche Verur-</span><br/> <span class="ft1">teilung wegen fortgesetzter und wiederholter Handlungen, die mit</span><br/> <span class="ft1">dem Anwaltsberuf nicht zu vereinbaren sind (Art. 8 Abs. 1 lit. b</span><br/> <span class="ft1">BGFA), kann in der Regel auch nicht mehr als mittelschwere Pflicht-</span><br/> <span class="ft1">verletzung nur mit Busse geahndet werden. Aussergewöhnliche Um-</span><br/> <span class="ft1">stände, welche diese mildere Massnahme rechtfertigen könnten, wer-</span><br/> <span class="ft1">den vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht und sind auch aus</span><br/> <span class="ft1">den Akten nicht ersichtlich. Das Strafverfahren gegen den Klienten</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers kann nicht als äusserst heikel oder schwierig</span><br/> <span class="ft1">bezeichnet werden. Die mangelnde Erfahrung und der behauptete</span><br/> <span class="ft1">grosse Leistungsdruck sind ohnehin nicht geeignet, den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer zu entlasten.</span><br/> <span class="ft1">5.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Beurteilung der Anwaltskommission der persönlichen Um-</span><br/> <span class="ft1">stände des Beschwerdeführers trägt seinen subjektiven Einschrän-</span><br/> <span class="ft1">kungen und Belastungen wie der Zeitdauer seit den begangenen Ver-</span><br/> <span class="ft1">fehlungen angemessen Rechnung. Wird weiter in Betracht gezogen,</span><br/> <span class="ft1">dass der Beschwerdeführer weder im Straf- noch im Disziplinarver-</span><br/> <span class="ft1">fahren eine plausible Erklärung dafür geben konnte, warum er sich</span><br/> <span class="ft1">zu diesem fortgesetzten und wiederholten pflichtwidrigen Verhalten</span><br/> <span class="ft1">verleiten liess, sich auch seinen Büropartnern gegenüber nicht über</span><br/> <span class="ft1">seine Situation offenbarte und bis zu seiner Anhaltung durch die Po-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">294</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lizei keinerlei Schritte unternahm, um vom strafbaren Verhalten Ab-</span><br/> <span class="ft1">stand zu nehmen, erscheint die befristete Berufseinstellung mit der</span><br/> <span class="ft1">Dauer von sechs Monaten auch unter spezialpräventiven Gesichts-</span><br/> <span class="ft1">punkten zwar für eine erstmalige Disziplinierung hart, aber angemes-</span><br/> <span class="ft1">sen. Auf jeden Fall liegt die Dauer noch im Rahmen des der Vorin-</span><br/> <span class="ft1">stanz zustehenden Ermessens.</span><br/></div> </div> </body> </html>