<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 4 S.36</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">36</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>C. Nachbarrecht (EGZGB)</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>4</b></span> <span class="ft2"><b>§ 88 und 89 EGZGB</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Apfelbäume, die unter der Schere gehalten werden, so dass sie nicht hö-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>her als drei Meter werden, sind als Zwergbäume zu betrachten, die bis</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auf die Entfernung von einem Meter von der Grenze gepflanzt werden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dürfen (Erw. 2.c).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ein Kirschlorbeer darf bis 0,4 Meter an eine auf der Grenze zwischen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zwei Grundstücken verlaufende tote Einfriedung gesetzt werden, wenn er</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auf einer Höhe von 1,8 Meter sowie in einem Abstand von 0,1 Meter von</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Grenze unter Schnitt gehalten wird (Erw. 3.c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 2. Zivilkammer, vom 23. August 2001</span><br/> <span class="ft3">i.S. K.V.M. und G.M. gegen H.M. und U.A.M.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">2.c) (...) Apfelbäume zählen zu den Obstbäumen und dürfen</span><br/> <span class="ft5">deshalb gemäss § 88 Abs. 2 EG ZGB nur in einer Entfernung von</span><br/> <span class="ft5">drei Meter von der Grenze gepflanzt werden. In Analogie zur Recht-</span><br/> <span class="ft5">sprechung des Obergerichts (AGVE 1988 S. 23 f.) müssen Apfel-</span><br/> <span class="ft5">bäume, die unter der Schere gehalten werden, so dass sie nicht höher</span><br/> <span class="ft5">als drei Meter werden, als Zwergbäume betrachtet werden, welche</span><br/> <span class="ft5">bis auf die Entfernung von einem Meter von der Grenze gepflanzt</span><br/> <span class="ft5">werden dürfen. So wie man Linden, die naturgemäss zu den hoch-</span><br/> <span class="ft5">stämmigen Bäumen gehören, durch die Schere zu Zierbäumen ma-</span><br/> <span class="ft5">chen kann, kann man Apfelbäume, die naturgemäss zu den Obst-</span><br/> <span class="ft5">bäumen zählen, durch die Schere zu Zwergbäumen machen, mit der</span><br/> <span class="ft5">Folge, dass für sie nicht die Abstandsvorschriften für hochstämmige</span><br/> <span class="ft5">Bäume respektive Obstbäume, sondern diejenigen für Zier- respek-</span><br/> <span class="ft5">tive Zwergbäume gelten. Entgegen der Auffassung der Kläger ist</span><br/> <span class="ft5">dabei von sekundärer Bedeutung, ob die Bäume von Natur aus die</span><br/> <span class="ft5">gesetzlich zulässige Maximalhöhe nicht erreichen oder ob sie unter</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">37</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">der Schere gehalten werden müssen (AGVE 1988 S. 24 mit Hinwei-</span><br/> <span class="ft5">sen). Entscheidend ist vielmehr die Höhe der Bäume, da diese mass-</span><br/> <span class="ft5">gebend für Lichtentzug, Aussicht, Schattenwurf, das Übergreifen von</span><br/> <span class="ft5">Wurzeln und Ästen sowie ähnliche Beeinträchtigungen ist und der</span><br/> <span class="ft5">Zweck der gesetzlichen Abstandsvorschriften darin besteht, dass</span><br/> <span class="ft5">höhere Pflanzen mit Rücksicht auf ihre störenden Einwirkungen</span><br/> <span class="ft5">grössere Abstände zum Nachbargrundstück einhalten müssen</span><br/> <span class="ft5">(AGVE 1988 S. 24). Mit der Vorinstanz ist deshalb festzustellen,</span><br/> <span class="ft5">dass Obstbäume als Zwergbäume gelten, wenn sie auf einer Höhe</span><br/> <span class="ft5">von maximal drei Meter unter der Schere gehalten werden und dies-</span><br/> <span class="ft5">falls bis auf ein Meter an die Grundstücksgrenze gepflanzt werden</span><br/> <span class="ft5">dürfen. Es genügt somit, die Beklagten und Widerkläger zu ver-</span><br/> <span class="ft5">pflichten, die Apfelbäume auf maximal drei Meter unter der Schere</span><br/> <span class="ft5">zu halten. Die Appellation der Kläger ist in diesem Punkt abzuwei-</span><br/> <span class="ft5">sen.</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">3.c) (...) Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kann der</span><br/> <span class="ft5">Kirschlorbeer wie der Feigenbaum im Entscheid AGVE 1997 S. 61 f.</span><br/> <span class="ft5">wie ein Heckenstrauch geschnitten und muss daher nicht zwingend</span><br/> <span class="ft5">als Baum qualifiziert werden. Dies drängt sich im Übrigen auch nicht</span><br/> <span class="ft5">aufgrund des Aussehens des Kirschlorbeers auf, da sich dessen</span><br/> <span class="ft5">Stamm bereits kurz nach dem Austreten aus dem Boden verzweigt.</span><br/> <span class="ft5">Der Kirschlorbeer darf deshalb bis 0,4 Meter an eine auf der Grenze</span><br/> <span class="ft5">zwischen zwei Grundstücken verlaufende tote Einfriedung gesetzt</span><br/> <span class="ft5">werden, wenn er auf einer Höhe von 1,8 Meter sowie in einem Ab-</span><br/> <span class="ft5">stand von 0,1 Meter von der Grenze unter Schnitt gehalten wird.</span><br/> <span class="ft5">Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist § 89 EG ZGB auch nicht</span><br/> <span class="ft5">nur auf aneinandergrenzende Gärten, sondern auch auf aneinander-</span><br/> <span class="ft5">grenzende Baugrundstücke anwendbar (AGVE 1990 S. 253). Nicht</span><br/> <span class="ft5">zu entscheiden ist die Frage, ob es sich bei der Hauswand an der</span><br/> <span class="ft5">Grenze der Parzellen 1627 und 1628 um eine Einfriedung im Sinne</span><br/> <span class="ft5">von § 89 EG ZGB handelt. Die Kläger haben gestützt auf § 89 Abs. 2</span><br/> <span class="ft5">Satz 1 i.V.m. § 89 Abs. 1 EG ZGB und die dazu ergangene Recht-</span><br/> <span class="ft5">sprechung des Obergerichts das Recht, eine Einfriedung, die nicht</span><br/> <span class="ft5">höher ist als 1,8 Meter, bis an die Grenze ihres Grundstücks zu set-</span><br/> <span class="ft5">zen. Sie haben zudem gestützt auf die zitierte Rechtsprechung des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">38</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Obergerichts das Recht, als Einfriedung anstelle einer ganzen Hecke</span><br/> <span class="ft5">lediglich einen einzelnen Strauch zu pflanzen. Für einen einzelnen</span><br/> <span class="ft5">Strauch anstelle einer Hecke sind lediglich die gesetzlichen und von</span><br/> <span class="ft5">der Rechtsprechung entwickelten Regeln für Grünhecken einzuhal-</span><br/> <span class="ft5">ten, das heisst neben der Beachtung der Maximalhöhe muss die</span><br/> <span class="ft5">Grünhecke bzw. der Strauch soweit von der Grenze entfernt ge-</span><br/> <span class="ft5">pflanzt werden, dass bei seiner regelmässigen Pflege keine dauernde</span><br/> <span class="ft5">Beanspruchung des Nachbargrundstücks Platz greift. Nach der</span><br/> <span class="ft5">Rechtsprechung des Obergerichts muss dieser Abstand 40 Zentimeter</span><br/> <span class="ft5">ab Stockmitte gemessen betragen und zudem muss die Pflanze, um</span><br/> <span class="ft5">ein schnelles Hinüberwachsen ins Nachbargrundstück zu vermeiden,</span><br/> <span class="ft5">in einem Abstand von zehn Zentimeter vor der Grenze im Schnitt</span><br/> <span class="ft5">gehalten werden (AGVE 1997 S. 62). (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>