Interpellation Comby 1308 N 19 septembre 1994 Zusätzliche Vorbehalte ergeben sich im phytosanitären Be- reich. Eine weitgehende Ausserkraftsetzung unserer Lebens- mittelgesetzgebung kann im Interesse der Volksgesundheit nicht geduldet werden. Der Standpunkt, nationales Recht sei in diesem Bereich über das Gatt-Ankommen zu stellen, ist auf- rechtzuerhalten. Alle, auch die Landwirtschaft, sind auf eine funktionierende Wirtschaft angewiesen. Nichts wäre zum jetzigen Zeitpunkt schädlicher als eine weitere Abschottung unserer Landes und seiner Wirtschaft Durch entsprechende, auch gesamtwirt- schaftlich verantwortbare Massnahmen zugunsten jener, die aus den Gatt-Verhandlungen heraus Verluste zu erwarten ha- ben, können unnötige und schädliche Auseinandersetzungen vermieden werden. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 17. November 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral du 17 novembre 1993 Die Gatt-Vorschläge im Agrarbereich gehen weitgehend in die gleiche Richtung wie die im 7. Landwirtschaftsbericht darge- legte Neuorientierung der Agrarpolitik. Dies gilt besonders für die Akzentverschiebung von der produktgebundenen Stüt- zung zu den Direktzahlungen. So sind bereits in diesem Jahr verschiedene Produktepreise gesenkt und die neuen Direkt- zahlungen gemäss den Artikeln 31 a und 31 b des Landwirt- schaftsgesetzes in Kraft gesetzt worden. Die vorgesehenen Reformen werden unter Einbezug der vor- und nachgelager- ten Stufen unabhängig vom Ausgang der Gatt-Verhandlungen konsequent weitergeführt. Zu den drei Begehren der Motion hält der Bundesrat folgen- des fest: 1. In der Regel sollen die Gatt-konformen Massnahmen der Agrarpolitik beibehalten werden, wie es vom Motionär verlangt wird. Allerdings können diesbezüglich Ausnahmen nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Ein Ausbau gewisser Massnahmen ist angebracht, beispielsweise bei den produk- tionsneutralen Direktzahlungen. In anderen Fällen ist dies nicht notwendig oder kollidiert sogar mit den Postulaten der Deregulierung und Revitalisierung. 2. Der Bundesrat wird Kürzungen aus Spargründen soweit notwendig in erster Linie bei nicht Gatt-konformen Massnah- men, so bei der produktgebundenen Stützung, vorschlagen. Er kann jedoch keine verbindliche Zusicherung abgeben, sämtliche Gatt-konformen Massnahmen unabhängig von der Lage der Bundesfinanzen von Sparmassnahmen vollständig auszunehmen. Gatt-konforme Massnahmen und namentlich die neuen Direktzahlungen sind für die nächsten Jahre je- doch ein fester Bestandteil von Budget und Finanzplanung. So sind für die Direktzahlungen gemäss den Artikeln 31 a und 31 b des Landwirtschaftsgesetzes die folgenden Beiträge vor- gesehen: 1994: 821 Millionen Franken, 1995: 970 Millionen Franken, 1996:1120 Millionen Franken, 1997:1270 Millionen Franken. Der Bundesrat wird allfällige Preissenkungen oder andere Abbaumassnahmen im Rahmen seiner finanzpoliti- schen Möglichkeiten mit Direktzahlungen kompensieren, so- weit es die Existenz einer leistungsfähigen Landwirtschaft er- fordert 3. Der Bundesrat sieht sich nicht in der Lage, die Zusicherung abzugeben, dass die im Gatt-Vertrag vorgesehenen Bestim- mungen über phytosanitäre Massnahmen der nationalen Le- bensmittelgesetzgebung untergeordnet werden. Einerseits gilt es den Grundsatz zu beachten, wonach Völkerrecht dem Landesrecht vorgeht. Zum anderen würde der Handlungs- spielraum des Bundesrates in den Gatt-Verhandlungen zu stark eingeschränkt, da bei einer Kollision zwischen nationa- lem und internationalem Recht ein Gatt-Vertrag nicht ratifiziert werden könnte. Selbstverständlich wird sich der Bundesrat dafür einsetzen, dass die vorgesehenen phytosanitären Mass- nahmen möglichst unserem hohen Standard der nationalen Lebensmittelgesetzgebung entsprechen. Im übrigen definie- ren die entsprechenden Gatt-Vorschläge auch in diesem Be- reich lediglich die Rahmenbedingungen; der nationale Gestal- tungsspielraum bleibt erhalten. Ausserdem erlaubt das Gatt phytosanitäre Massnahmen auf nationaler Ebene in Abwei- chung von internationalen Standards, solange sie wissen- schaftlich gerechtfertigt werden können und verhältnismässig sind. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzu- wandeln. Überwiesen als Postulat - Transmis comme postulat #ST# 93.3470 Interpellation Comby Vereinbarkeit des Dreiphasensystems mit dem Gatt Le système des trois phases et le Gatt Wortlaut der Interpellation vom 6. Oktober 1993 Nach meinen Informationen enthält das schweizerische Ver- handlungsangebot vom April 1992 die Forderung nach der Er- haltung des Dreiphasensystems. Wir leben zweifellos in einer Weltwirtschaft, die zunehmend von gegenseitiger Abhängigkeit geprägt ist; einer von zwei in der Schweiz verdienten Franken kommt aus dem Welthandel. Ausserdem ist die Förderung des freien Handels für die Bele- bung der Weltwirtschaft unerlässlich. Auf die schweizerische Landwirtschaft lassen sich die Regeln des Wettbewerbs und der Marktwirtschaft jedoch nicht strikt anwenden. Aus diesem Blickwinkel können wir den Entscheid, Direktzah- lungen an die Landwirtschaft einzuführen, nur begrüssen. Wir stellen aber fest, dass der Obst- und der Gemüsebau un- seres Landes nur in sehr geringem Masse davon profitieren. Wir ersuchen daher den Bundesrat, diese Zahlungen zugun- sten des Obst- und Gemüsebaus erheblich zu erhöhen. Wir bitten ihn und seine Vertreter ausserdem, im Rahmen der Gatt-Verhandlungen vehement für die Erhaltung des Dreipha- sensystems, das für die Obst- und Gemüseproduktion eine unverzichtbare Unterstützung darstellt, einzutreten. Dieser minimale Schutz ist Voraussetzung für das Überleben der genannten Produktionszweige! Müsste die Schweiz aus zwingenden Gründen diese Regulierung des Obst- und Ge- müseimports aufgeben, sollten unbedingt neue Schutzmass- nahmen, beispielsweise die Errichtung eines Tarifsystems, das die Bildung von Kontingenten erlaubt, vorgesehen wer- den. Nur zu diesem Preis ist es möglich, den Obst- und den Gemüsebau zu erhalten! Wir danken dem Bundesrat zum voraus für seine Bemühun- gen in dieser Richtung und hoffen auch, dass die Schlussakte der Uruguay-Runde eine erweiterte Schutzklausel zugunsten der Landwirtschaft enthalten wird. Texte de l'interpellation du 6 octobre 1993 Selon les informations obtenues, l'exigence du maintien du système des trois phases figure dans l'offre de la Suisse d'avril 1992. Certes, nous vivons dans une économie internationale, mar- quée de plus en plus du sceau de l'interdépendance, et 1 franc sur 2 gagnés en Suisse provient du commerce interna- tional. En outre, la promotion du libre-échange constitue sans doute un élément indispensable de la relance de l'économie mondiale. Mais l'agriculture suisse échappe largement aux rè- gles pures de la concurrence et de l'économie de marché. Dans cette optique, nous saluons les décisions prises d'intro- duire des paiements directs à l'agriculture. Toutefois, nous constatons que ceux-ci sont dérisoires pour l'économie frui- tière et maraîchère de notre pays. C'est pourquoi nous prions19. September 1994 N 1309 Postulat Schwab instamment le Conseil fédéral d'augmenter de manière signifi- cative ces paiements en faveur de l'économie fruitière et ma- raîchère de notre pays. En outre, dans le contexte des négo- ciations du Gatt, nous demandons au Conseil fédéral et à ses représentants de soutenir avec vigueur le maintien du sys- tème des trois phases, qui représente une aide indispensable à l'économie fruitière et maraîchère. Cette protection minimale représente une condition de survie de ce type d'agriculture! Si la Suisse devait, pour des raisons imperatives, abandonner cette régulation des importations de fruits et légumes, il fau- drait absolument prévoir d'autres mesures protectionnistes, telles que l'instauration d'un système de tarification permet- tant l'introduction de contingents. La sauvegarde de l'écono- mie fruitière et maraîchère est à ce prix. D'avance, nous remercions le Conseil fédéral de tous ses ef- forts dans ce sens et souhaitons également que l'agriculture puisse bénéficier d'une clause de sauvegarde élargie dans l'acte final de l'Uruguay Round. Mitunterzeichner-Cosignataires: Berger, BuhrerGerold, Cou- chepin, Darbellay, Epiney, Kühne, Perey, Philipona, Schmid- halter, Wanner, Zwahlen (11) Schriftliche Begründung - Développement par écrit L'auteur renonce au développement et demande une réponse écrite. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 23. Februar 1994 Rapport écrit du Conseil fédéral du 23 février 1994 Dans la phase finale des négociations de l'Uruguay Round, le Conseil fédéral a accepté la tarification généralisée, c'est-à- dire la conversion en droits de douane de toutes les mesures de protection à la frontière y compris le système des trois pha- ses. Il a ainsi renoncé aux exceptions qu'il avait demandées, dans son offre d'avril 1992, pour certains produits dont notam- ment les fruits et légumes. Cette décision a été prise d'entente avec les milieux intéressés de la production afin de ne pas de- voir accorder en contrepartie des possibilités supplémentai- res d'accès au marché. La tarification du système des trois phases représente une transformation du système de la protection à la frontière. Le Conseil fédéral considère que le nouveau régime permettra de continuer à fournir une protection appropriée aux producteurs de fruits et légumes de notre pays. Par ailleurs, sur un plan plus général, la Suisse a obtenu que les Accords du Gatt relatif à l'agriculture comprenne une clause de sauvegarde quantitative plus efficace et tienne mieux compte du principe de la multifonctionnalité de l'agri- culture. En ce qui concerne les cultures spéciales, le Conseil fédéral a, dans le cadre de ses décisions du 26 janvier 1994 concer- nant l'agriculture, tenu compte des intérêts des producteurs de fruits et légumes. Il a décidé de compter dorénavant dou- ble la surface des cultures spéciales pour déterminer le droit à la contribution (limite minimale 3 hectares) des paiements directs complémentaires ainsi que des contributions éco- logiques. Erklärung des Interpellanten: befriedigt Déclaration de l'interpellateur: satisfait #ST# 94.3139 Postulat Schwab Milchproduktion als tragende Säule einer flächendeckenden Bewirtschaftung unseres Landes La production laitière. Vecteur de mise en valeur économique Wortlaut des Postulates vom 17. März 1994 Der Bundesrat wird ersucht, bei den Vorarbeiten für eine neue Milchpolitik die Verwirklichung folgender Ziele anzustreben: 1. Die milchwirtschaftliche Gesetzgebung ist schrittweise, stu- fengerecht und unter Einhaltung einer genügend langen An- passungsphase zu überarbeiten. In einer ersten Phase ist die Anpassung an die Gatt-Vorschrif- ten vorzunehmen, ohne dabei den Grenzschutz für unsere Milchprodukte mehr zu senken, als zwingend vorgeschrieben wird. In einem zweiten Schritt sind die Bestimmungen über die Len- kung und Stützung von Milchverarbeitung und Handel anzu- passen. Insbesondere ist zu prüfen, inwiefern die der Milch- produktion nachgelagerten Stufen (Käserei, Molkerei, Han- del) einem neuen Leistungssystem zu unterstellen sind. Erst in einer dritten Phase, d. h. nach Erfüllung der Gatt- Bestimmungen im Jahre 2002, sind die Stützungsmechanis- men auf der Stufe Milchproduktion (Milchablieferungs- und Übernahmepflicht, garantierter Milchpreis) zu überprüfen. 2. Von einer Übernahme des in weiten Teilen Europas stark kri- tisierten Richtpreis- und Interventionssystems ist abzusehen. 3. Die Erhaltung unserer Produktionsmenge muss vorrangige Stelle haben. Texte du postulat du 17 mars 1994 Le Conseil fédéral est invité à prendre en compte les objectifs suivants lorsqu'il préparera la réforme de l'économie laitière: 1. Il révisera la législation en la matière par étapes progres- sives, en ménageant une période transitoire suffisamment longue. En une première phase, il entreprendra les adaptations aux Accords du Gatt, sans réduire les mesures de protection en fa- veur de nos produits laitiers plus qu'il n'est obligatoire. En une deuxième phase, il adaptera les dispositions concer- nant l'orientation et l'encouragement de la transformation et de la commercialisation du lait. Il examinera notamment dans quelle mesure les secteurs situés en aval des producteurs de lait (fromageries, laiteries, commerces) ne devraient pas être soumis à un nouveau système de prise en charge. En un troisième temps seulement, c'est-à-dire après la concré- tisation des dispositions issues de l'Uruguay Round, en 2002, il examinera les mécanismes de soutien au niveau de la pro- duction laitière (livraison et prise en charge obligatoires, prix garanti). 2. Il faut s'abstenir de reprendre le système de prix indicatifs et d'intervention, fortement critiqué dans une grande partie de l'Europe. 3. Le maintien de notre volume de production doit avoir la priorité. Mitunterzeichner - Cosignataires: Binder, Bühler Simeon, Bürgi, Daepp, Fischer-Hägglingen, Hari, Jäggi Paul, Kühne, Maurer, Müller, Ruckstuhl, Schmied Walter, Schnider, Seiler Hanspeter, Tschuppert Karl, Wittenwiler (16) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Eine Verringerung der Produktionsmenge sowie die Einfüh- rung eines Richtpreis- und Interventionssystems hätte für un- ser Land, insbesondere für die abgelegenen Regionen, ver- heerende Auswirkungen. Gerade in diesen Regionen sind die Bauernhöfe mit z. T. grossen finanziellen Aufwendungen,Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Comby Vereinbarkeit des Dreiphasensystems mit dem Gatt Interpellation Comby Le système des trois phases et le Gatt In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1994 Année Anno Band III Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 01 Séance Seduta Geschäftsnummer 93.3470 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 19.09.1994 - 14:30 Date Data Seite 1308-1309 Page Pagina Ref. No 20 024 413 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. 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