Kantonsgericht Schwyz Urteil vom 3. Mai 2022 STK 2021 30 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsident lic. iur. Stefan Weber, Kantonsrichter lic. iur. Walter Züger, Reto Fedrizzi, lic. iur. Jeannette Soro und lic. iur. Ilaria Beringer, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch. In Sachen A.________, Beschuldigter Berufungsführer und Anschlussberufungsgegner, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________, gegen 1. Staatsanwaltschaft, 4. Abteilung, Postfach 128, 8832 Wollerau, Anklagebehörde, Berufungsgegnerin und Anschlussberufungsführerin, vertreten durch Staatsanwalt C.________, 2. D.________ AG, 3. E.________, 4. F.________, 5. G.________, 6. H.________, 7. I.________, 8. J.________, 9. K.________, 10. L.________ AG, 11. M.________, 12. N.________ GmbH, 13. O.________, 14. P.________, 15. Q.________, vertreten durch Rechtsanwältin V.________,Kantonsgericht Schwyz 2 16. R.________, 17. S.________, 18. T.________, 2. – 18. Privatkläger und Berufungsgegner, betreffend StGB und Massnahme, (Berufung und Anschlussberufung gegen das Urteil des kantonalen Strafge- richts vom 28. Januar 2021, SGO 2020 27 und 38);- hat die Strafkammer,Kantonsgericht Schwyz 3 nachdem sich ergeben: A. Die Staatsanwaltschaft führte gegen den bereits teilweise wegen ähnli- cher Delikte im Kanton Schwyz mit Urteilen des kantonalen Strafgerichts vom 6. Juli 2017 (SGO 2017 7) respektive des Kantonsgerichts vom 19. Juni 2018 (STK 2017 66) mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten vorbestraften Be- schuldigten weitere Voruntersuchungen (SUM 2017 1861 und SUM 2020 290). Sie klagte ihn am 14. Mai 2020 sowie zusätzlich am 25. Juni 2020 wie- derum beim Strafgericht wegen einer Vielzahl von Delikten an (SGO 2020 27 und 38 je Vi-act. 1). Mit Urteil vom 28. Januar 2021 sprach das Strafgericht den Beschuldigten abgesehen von acht Freisprüchen (vgl. angef. Urteil Dis- positivziff. 2) im Sinne der Anklagen schuldig (ebd. Ziff. 1.a-x) und bestrafte ihn teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil des Kantonsgerichts vom 19. Juni 2018 mit einer unbedingten Freiheitstrafe von 24 Monaten, unter Anrechnung von 108 Tagen für Untersuchungshaft und Ersatzmassnahmen, und einer Busse von Fr. 1‘000.00 (ebd. Ziff. 3-5). Die früher angeordnete ambulante Massnahme hob das Strafgericht auf und ordnete den Vollzug der zu deren Gunsten aufgeschobenen Freiheitsstrafe von 12 Monaten an, unter Anrech- nung von 7 Tagen für den mit der ambulanten Massnahme verbundenen Frei- heitsentzug (ebd. Ziff. 6). Neben einem Kontakt- und Rayonverbot (Ziff. 7) sowie der Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen (Ziff. 11 f.) ver- wies es diverse Zivilforderungen auf den Zivilweg (Ziff. 8), entschied über die Beschlagnahmungen (Ziff. 9) und verzichtete auf eine Ersatzforderung (Ziff. 10). B. Gegen das Urteil des kantonalen Strafgerichts vom 28. Januar 2021 erklärte die amtliche Verteidigung die rechtzeitig angemeldete Berufung nach Vorliegen der schriftlichen Begründung innert Frist am 28. Juni 2021. Sie be- antragt neben Freisprüchen von Schuld und Strafe in sieben Schuldpunkten (KG-act. 8 Anträge Ziff. 1-7), Dispositivziffern 3, 4 und 6 des angefochtenen Urteils seien aufzuheben und für den Beschuldigten sei eine stationäre thera-Kantonsgericht Schwyz 4 peutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB anzuordnen (ebd. Ziff. 8- 11). Ausserdem seien drei Zivilforderungen in entsprechend angefochtenen Schuldpunkten in Aufhebung von Dispositivziffer 8 lit. b-d des angefochtenen Urteils abzuweisen (Ziff. 12). Ferner verlangt die Verteidigung ohne weitere Spezifizierung die Aufhebung der Kostenregelung (Ziff. 13). Zum Beweis be- antragt sie, die Vorabstellungnahme zu einem psychiatrischen Gutachten aus dem laufenden Strafverfahren der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland gegen den Beschuldigten zur Begründung der Notwendigkeit der stationären Massnahme (KG-act. 8/1) zu den Akten zu nehmen sowie zum gegebenen Zeitpunkt das Gutachten beizuziehen. Schliesslich informierte sie das Gericht über die Verfügung des vorzeitigen Antritts der stationären Massnahme per 14. Juni 2021 (KG-act. 8/2). Die Staatsanwaltschaft erklärte in der Folge An- schlussberufung (KG-act. 17) mit den Anträgen, der Beschuldigte sei in den fünf Sachverhalten der Anklage Ziffer 20.1, 20.2 und 22.1 sowie der Zusatz- anklage Ziffer 1 und 3 schuldig zu sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten und einer Busse von Fr. 1‘000.00 zu bestrafen. C. Mit Verfügung vom 25. Januar 2022 wurde das Mandat der bisherigen amtlichen Verteidigerin widerrufen und neu bzw. wiederum Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten bestellt (KG-act. 34). Die Privatklägerin W.________ teilte mit, keine weiteren Informationen über die Entwicklung des Falles zu wünschen (KG-act. 40). Am 23. Februar 2022 ging beim Kantonsgericht das im abgekürzten Verfahren ergangene unbe- gründete Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 3. Februar 2022 ein, womit der Beschuldigte unter Aufschub einer neben einer Busse von Fr. 3‘000.00 gleichzeitig ausgefällten Freiheitsstrafe von 15 Monaten mit einer stationären Massnahme nach Art. 59 StGB belegt wurde (KG-act. 49). Dieses Urteil reich- te der amtliche Verteidiger samt dem in der zürcherischen Strafuntersuchung eingeholten psychiatrischen Gutachten vom 15. Juli 2021 ein (KG-act. 51). Kantonsgericht Schwyz 5 D. Im Rahmen der Vorbereitung der angesetzten Berufungsverhandlung gab der Vorsitzende dem Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft die Gele- genheit, zu einer allfälligen Rückweisung der Sache an das erstinstanzliche Gericht zufolge ungenügender Begründung der Schuldpunkte und der Strafe Stellung zu nehmen (KG-act. 59). Der amtliche Verteidiger erklärte, mit einer Rückweisung nicht einverstanden zu sein, weil es im vorliegenden Fall nicht auf die einzelnen Begründungen zum Schuldspruch und zu den Strafzumes- sungen ankomme und eine Rückweisung einem Leerlauf gleichkommen wür- de (KG-act. 60). Die Staatsanwaltschaft ersucht „mit der Verteidigung eben- falls darum, die Sache sei nicht an die Vorinstanz zurückzuweisen“ (KG- act. 62). E. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung wurde der polizeilich vorgeführte Beschuldigte befragt (KG-act. 79 BVP S. 2 ff.). Die Verteidigung hält an den Berufungsanträgen des Beschuldigten fest und reichte einen aktu- ellen Therapieverlaufsbericht sowie eine Risikobeurteilung im zürcherischen Vollzug ein (KG-act. 79 Beilagen 1 und 2). Die Staatsanwaltschaft lässt die Anträge auf zusätzliche Schuldsprüche wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen (Az. 20.2) und Betrug (Az. 1 Zusatzanklage) fallen. Sie hält die Anordnung einer stationären Massnahme für sinnvoll und erklärt sich damit einverstanden (BVP S. 19). Die Verteidigung beantragt, die Anschlussberu- fungsanträge seien abzuweisen (ebd.);-Kantonsgericht Schwyz 6 und in Erwägung: 1. Die erstinstanzlichen Einstellungsbeschlüsse (angef. Urteil S. 41 Ziff. 1- 4) wurden nicht weitergezogen. Sie sind rechtskräftig. Auch das anstelle der Sicherheitshaft bis zum Eintritt der Rechtskraft des erstinstanzlichen Urteils erlassene Kontakt- und Rayonverbot (ebd. Ziff. 5) blieb unangefochten und wurde durch ein weitergehendes, ins Urteil aufgenommenes und ebenfalls nicht weitergezogenes Verbot abgelöst (angef. Urteil Dispositivziff. 7). Die erstinstanzlichen Beschlüsse werden daher nicht in das Berufungsurteil auf- genommen. Dagegen ist entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung das nur teilweise angefochtene Urteil des Strafgerichts vollumfänglich inkl. Wiederho- lung seiner rechtskräftigen Punkte neu auszufällen. Vorab sind daher der Be- rufungsgegenstand (Art. 399 Abs. 4 StPO) bzw. die im Berufungsverfahren zu überprüfenden angefochtenen Punkte (Art. 404 Abs. 1 StPO) darzulegen: Der Beschuldigte zieht das angefochtene Urteil in den Schuldpunkten gemäss den Dispositivziffern 1.b, j (Alinea 3), k (Alineas 1-4), l, m (Alinea 1), v und w wei- ter. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft betrifft die Freisprüche gemäss Dispositivziffer 2 des angefochtenen Urteils in Bezug auf die Sach- verhalte von Ziffern 20.1, 20.2 und 22.1 der Anklage vom 14. Mai 2020 sowie von Ziffern 1 und 3 der Zusatzanklage vom 25. Juni 2020. Rechtskräftig und daher nicht mehr zu überprüfen sind mithin die Schuldsprüche gemäss Dispo- sitivziffern 1.a, c-i, j (Alineas 1, 2 und 4-6), k (Alinea 5), m (Alineas 2-10), n-u und x. Es ist also nicht weiter auf die unzulässig nur unbegründet aufgelisteten Schuldpunkte (angef. Urteil E. II/2.) einzugehen, zumal in der Sache aufgrund der Parteivorbringen konkret keine gesetzwidrigen oder unbilligen Entschei- dungen ersichtlich sind (Art. 404 Abs. 2 StPO). Ebenfalls in Rechtskraft er- wachsen sind die Freisprüche von den Vorwürfen Ziffern 30 und 34 der An- klage vom 14. Mai 2020. Ferner gelten das Kontakt- und Rayonverbot (ebd. Ziff. 7 auch betreffend die frühere Adresse der Privatklägerin), die vier Kantonsgericht Schwyz 7 Zivilforderungen (ebd. Ziff. 8.a und e-g), die Entscheide über die Beschlag- nahmen (ebd. Ziff. 9) und der Verzicht auf eine Ersatzforderung (Ziff. 10) so- wie mit Ausnahme der je nach Ausgang des Berufungsverfahrens der Kosten- regelung anzupassenden Rückzahlungsverpflichtung die Entschädigungen an die amtlichen Verteidiger (Ziff. 12a-c) als rechtskräftig entschieden. 2. In Bezug auf die angefochtenen Schuldpunkte ist eine erste Vorbemer- kung anzubringen. Die Verteidigung stellt grundsätzlich die Verwertbarkeit von Aussagen geschädigter Personen infrage, die in Abwesenheit des Beschuldig- ten nur polizeilich befragt wurden. Die Staatsanwaltschaft macht dagegen wie bei der Vorinstanz geltend, die Zeugen seien deshalb nicht konfrontiert wor- den, weil der Beschuldigte im Wesentlichen die ihm vorgehaltenen Sachver- halte im Vorverfahren anerkannt und auf weitere Beweismassnahmen verzich- tet habe. Gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO haben die Parteien das Recht, bei Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Dieses spezifische Teilnahme- und Mitwirkungsrecht fliesst aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 107 Abs. 1 lit. b StPO). Nach Art. 147 Abs. 4 StPO dürfen Bewei- se, die in Verletzung der Bestimmungen von Art. 147 StPO erhoben worden sind, nicht zulasten der Partei verwertet werden, die nicht anwesend war. Vor Eröffnung einer Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft besteht der An- spruch auf Parteiöffentlichkeit jedoch nicht. Bei Beweiserhebungen durch die Polizei, etwa bei polizeilichen Einvernahmen von Auskunftspersonen gestützt auf Art. 306 Abs. 2 lit. b StPO, sind die Parteien mit anderen Worten nicht zur Teilnahme berechtigt (Art. 147 Abs. 1 StPO e contrario; BGer 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021 E. 1.3.1 f. m.H.). Daher sind Aussagen von selbständig im polizeilichen Ermittlungsverfahren in Abwesenheit des Beschuldigten befrag- ten Personen verwertbar. Indes hat der Beschuldigte als Teilgehalt des Rechts auf ein faires Verfahren Anspruch darauf, den Belastungszeugen Fra- gen zu stellen. Er kann aber den Behörden grundsätzlich nicht vorwerfen, ge- wisse Zeugen zwecks Konfrontation nicht vorgeladen zu haben, wenn er es Kantonsgericht Schwyz 8 unterlässt, rechtzeitig und formgerecht entsprechende Anträge zu stellen (da- zu etwa BGer Urteil 6B_1320/2020 vom 12. Januar 2022 E. 4.2 f. m.H.; vgl. auch ius.focus 3/2022 S. 28 mit wohl falschem BGer-Hinweis). Da der Beschuldigte bis und mit dem Berufungsverfahren (BGer ebd. E. 4.4.2) keine Beweisanträge auf eine Konfrontation mit Personen, die vor der Eröffnung bzw. Ausdehnung eines Strafverfahrens nur polizeilich einvernommen wur- den, stellte, ist davon auszugehen, dass er auf das Konfrontationsrecht ver- zichtete. Daher dürfen die Aussagen dieser Personen zu Lasten des Beschul- digten verwendet werden. Dies ist damit bei den nachfolgend zu behandeln- den Schuldsprüchen, die der Beschuldigte weiterzog, auf entsprechende Ein- wände des Verteidigers, nicht jedes Mal zu wiederholen. Vorab bleibt in einer zweiten Vorbemerkung auch noch offenzulegen, dass im Nachfolgenden auf die durch die Vorinstanz in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht nicht umfassend begründeten Schuldpunkte im Berufungsverfahren nur soweit eingegangen werden kann, als die Parteien ihnen einschlägig be- gründet opponieren. Die Parteien haben sich nämlich gegen eine Rückwei- sung an die Vorinstanz ausgesprochen, weil es auf die Begründungen der Schuldpunkte nicht mehr ankomme (vgl. oben lit. D). Insofern können die un- bestritten gelassenen vorinstanzlichen Begründungen der angefochtenen Schuldpunkte im Berufungsverfahren als unstreitig gelten und kann es mit einem Verweis auf die vorinstanzlichen Begründungen sein Bewenden haben (Art. 82 Abs. 4 StPO; vgl. BGer 6B_409/2018 vom 7. Juni 2019 E. 2.1). a) Des unrechtmässigen Bezugs von Leistungen der Sozialhilfe im Sinne von Art. 148a Abs. 1 StGB (Dossier 2; Az. 2) ist der Beschuldigte aufgrund folgenden Sachverhalts angeklagt: A.________ stellte per Ende September 2016 der Gemeinde Lachen den Antrag um Sozialhilfeleistungen. Mit Verfügung vom 24. Oktober 2016 gewährte die Gemeinde Lachen ihm rückwirkend ab Oktober 2016 einen Unterstützungsbeitrag von monatlich CHF 1'738.00. Die Verfügung bein- haltete u.a. auch die Hinweise, dass A.________ „über seine Verhältnis- se wahrheitsgetreu Auskunft geben muss“ (Beschluss-Ziff. IV.) und „Ver-Kantonsgericht Schwyz 9 änderungen jeglicher Art dem Sozialamt Lachen unverzüglich mitzuteilen hat“ (Beschluss-Ziff. XIII.). A.________ nahm die Verfügung Ende Okto- ber 2016 entgegen. Im Wissen um die Meldepflicht, versuchte er ab De- zember 2016 den Tiernahrungsmittel-Betrieb „X.________“, mit welchem er Tierfuttermittel produzieren wollte, in Lachen aufzubauen. Für den Aufbau dieses Betriebs nahm er von mehreren Personen nicht genauer bestimmbare Barmittel entgegen bzw. Schenkungen oder Darlehen, die er gegenüber dem Sozialamt der Gemeinde Lachen nicht offenlegte. Da- bei verschwieg er weiter - im Wissen um die unverzügliche Auskunfts- pflicht gegenüber dieser Behörde - dass er im fraglichen Zeitraum zudem Gelder/Leistungen von Dritten erhalten hatte (u.a. CHF 10'000.00 von seinem Vater, CHF 3'950.00 an Mietzinseinnahmen für die Untervermie- tung von Räumen, und CHF 1'000.00 von unbekannten Dritten), weil er befürchtete, die Gemeinde würde ihm diesfalls die Leistungen kürzen. A.________ bezog daher von Oktober 2016 bis Juli 2017 unrechtmässig Sozialhilfeleistungen der Gemeinde Lachen in der Höhe von CHF 9'557.30. aa) Wer jemanden durch unwahre oder unvollständige Angaben, durch Ver- schweigen von Tatsachen oder in anderer Weise irreführt oder in einem Irrtum bestärkt, sodass er oder ein anderer Leistungen einer Sozialversicherung oder der Sozialhilfe bezieht, die ihm oder dem andern nicht zustehen, wird mit Frei- heitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft (Art. 148a Abs. 1 StGB). In leichten Fällen ist die Strafe Busse (ebd. Abs. 2). Da nach dem Gesetz alle leistungsrelevanten Tatsachen gemeldet werden müssen, genügt zur Tatbe- standserfüllung die blosse Nichtanmeldung geänderter Verhältnisse. Der Tat- bestand von Art. 148a StGB ist als Vorsatzdelikt ausgestaltet und setzt in der Variante des „Verschweigens“ individuelles Wissen um Bestand und Umfang der Meldepflicht sowie tatsächlichen Täuschungswillen voraus. Eventualvor- satz im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB genügt (BGer 6B_1246/2020 vom 16. Juli 2021 E. 3.4 m.H.). bb) Der Beschuldigte ist geständig, unrechtmässig Sozialhilfe bezogen zu haben (BVP S. 7 Nr. 28). Der von seinem Verteidiger infrage gestellte tatbe- standsmässige Erfolg, nämlich, dass der Beschuldigte unrechtmässig Sozial- hilfe bezog, ist vorliegend hinreichend angeklagt, auch wenn die Anklage – was sie nicht tun muss (vgl. BGer 6B_1246/2020 vom 16. Juli 2021 E. 2.3) – nicht beziffert beschreibt, wie sich die vom Strafgericht dem Beschuldigten Kantonsgericht Schwyz 10 einzig angelastete Nichtoffenlegung von Mietzinseinnahmen rechnerisch auf die geleistete Sozialhilfe auswirkten. Da der Beschuldigte zugegebene (s. BVP S. 7 Nr. 27 und S. 8 Nr. 38 ff. sowie Plädoyer S. 4 Ziff. 3) leistungsre- levante Mietzinseinnahmen nicht meldete, versetzte er die Sozialhilfebehörde in einen Irrtum bezüglich seiner Einkommenslage. Sie konnte ihm daher die Leistungen nicht entsprechend kürzen, so dass er Sozialhilfe in einem Aus- mass bezog, das ihm aufgrund der Einkommenslage (bei entgegen der Vor- instanz nicht im Betrag von Fr. 5'450.00, sondern gemäss Anklage nur Fr. 3’950.00 anrechenbaren Mietzinseinnahmen in der angeklagten Zeitperi- ode von zehn Monaten, was monatlich durchschnittlich immerhin zusätzlich rund Fr. 400.00 ergibt) nicht zustand. Müssen nach dem Gesetz alle leistungs- relevanten Tatsachen gemeldet werden, genügt zur Tatbestandserfüllung die blosse Nichtanmeldung geänderter Verhältnisse, mithin nicht nur das Ver- schweigen im Falle eines aktiven Nachfragens durch den Leistungserbringer (vgl. BGer 6B_1030/2020 vom 30. November 2020 E. 1.1.2 m.H.). Der objek- tive Tatbestand von Art. 148a StGB ist daher erfüllt. Angesichts der gemäss Anklage massgebenden Mietzinseinnahmen von Fr. 3'950.00 dürfte, was zu Gunsten des Beschuldigten anzunehmen ist, die verhinderte Kürzung der So- zialhilfe indes nicht über einen leichten Fall im Sinne von Art. 148a Abs. 2 StGB hinausgegangen sein. cc) Der Beschuldigte bezog im fraglichen Zeitraum Sozialhilfe und wusste um seine unverzügliche Mitteilungspflicht, namentlich auch um die Pflicht der Vorlage eines Businessplanes hinsichtlich einer geplanten Unternehmens- gründung (ebd. und U-act. 10.1.02 Nr. 54 ff.). Es war ihm bewusst, eine Kür- zung der Sozialhilfe zu umgehen bzw. dies zumindest in Kauf zu nehmen; denn er ging selbst von einem wirtschaftlichen Vorteil aus, auch wenn er die- sen nicht als sehr gross erachtete (ebd. Nr. 77 und 83). Damit ist der subjekti- ve Tatbestand für einen unrechtmässigen Bezug von Sozialhilfe in einem leichten Fall erfüllt und abgesehen davon entgegen den Vorbringen seiner Kantonsgericht Schwyz 11 Verteidigung auch eingestanden (vgl. dazu BVP S. 8 Nr. 38; U-act. 10.1.30 Rn 53 ff., insbes. Rn 78). b) Der Beschuldigte ist durch die Vorinstanz in mehreren Fällen des Be- trugs schuldig gesprochen worden (angef. Urteil Dispositivziff. 1 lit. k). In ei- nem Fall (Az. 1 Zusatzanklage) ist er dagegen freigesprochen worden. An der gegen diesen Freispruch gerichteten Anschlussberufung hält die Staatsan- waltschaft an der Berufungsverhandlung nicht mehr fest, so dass darauf im Sinne der zweiten Vorbemerkung (s. oben vor lit. a) nicht weiter einzugehen ist. Es sind noch die vom Beschuldigten angefochtenen vier Schuldsprüche (angef. Urteil Dispositivziff. 1 lit. k Alinea 1-4) zu behandeln (hier und lit. c-e). Des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Dossier 10; Az. 9) ist der Beschuldigte aufgrund folgenden Sachverhalts angeklagt: A.________ stellte sich ca. Mitte Dezember 2017 beim Geschäftsführer Y.________ der „E.________“, Aarau, als Tierfuttermittelproduzent vor. Er erklärte dabei, Geschäftsinhaber der „X.________ AG“, Lachen, zu sein und gab sinngemäss vor, über die nötigen Bewilligungen für die Tier- futterproduktion zu verfügen - was tatsächlich damals nicht der Fall war - und dieser Firma Tierfutter liefern zu wollen. A.________ gab dabei in Kenntnis der Tatsachenwidrigkeit an, am 13. Januar 2018 zur Lade- neröffnung der „E.________“ in Aarau den massgebenden Bewilligungs- vorschriften entsprechende Tiernahrung liefern zu können, damit diese in der Folge dort verkauft werden könnte. Die „E.________“ bezog in der Folge Waren zum Preis von CHF 3'088.65, die schliesslich nicht verkauft werden konnten. Hätte Y.________ bei der Übernahme der Waren ge- wusst, dass die Futtermittelproduktion von A.________ noch über keine Bewilligung verfügte, hätte er die besagten Futtermittel nicht erworben und sich insgesamt nicht im genannten Umfang am Vermögen geschä- digt. A.________ nahm durch sein Verhalten zumindest in Kauf, dass Y.________ wegen der Lieferung unverkäuflicher Waren zu Schaden kam. Er bereicherte sich dabei um Umfang des Verkaufserlöses, was auch seine Absicht war. aa) Wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu berei- chern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irren-Kantonsgericht Schwyz 12 den zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen an- dern am Vermögen schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 146 Abs. 1 StGB). bb) Der Beschuldigte ist geständig, dem Geschäftsführer der Privatklägerin Futtermittel verkauft zu haben (BVP S. 10 Nr. 52; Plädoyer S. 12). Die Vertei- digung bestreitet im Berufungsverfahren das Vorliegen des Tatbestandsele- mentes der Arglist, welches die Vorinstanz nicht begründete (angef. Urteil E. II/5.2). Der Beschuldigte, so die Verteidigung, habe dem Geschäftsführer nicht sinngemäss vorgegeben, über eine Bewilligung zur Futtermittelprodukti- on zu verfügen. Indes anerkannte der Beschuldigte diesen Sachverhalt, na- mentlich auch der Vorwurf, sinngemäss vorgegeben zu haben, über die nöti- gen Bewilligungen zu verfügen (U-act. 10.1.30 Rn 210 ff.). Bei der Vorinstanz änderte er an der aktenkundigen Anerkennung dieses Vorwurfs nichts (vgl. Vi- act. 60 HVP Nr. 77). Wenn er im Berufungsverfahren nun zu Protokoll gibt, er sei an der Bewilligung dran gewesen und habe dem Geschäftsführer nie ge- sagt, dass er eine Bewilligung hätte, und dieser nie danach gefragt habe (BVP S. 10 Nr. 54 f.), geht seine Aussage am eigentlichen Vorwurf, sinn- gemäss vorgegeben zu haben, über eine Bewilligung zu verfügen, vorbei. Im Übrigen wurde die Bewilligung zur Futtermittelproduktion entgegen seinen Aussagen (ebd. Nr. 53) nicht nach, sondern vor dem Verkauf der Futtermittel sistiert (U-act. 8.10.01). Der Geschäftsführer sagte verwertbar (vgl. erste Vor- bemerkung vor lit. a) und – wie die Vorinstanz zutreffend annimmt (angef. Ur- teil E. II/5.2) – glaubhaft aus, der Beschuldigte habe ihm die Bewilligungen von sich aus in einer Art und Weise gezeigt, dass man nicht die Möglichkeit gehabt habe, genauer hinzuschauen (U-act. 8.10.2 Nr. 5 und 9 ff.). Es liegt auf der Hand, dass es der Geschäftsführer der Privatklägerin ohne detailliertes Studium bei der Präsentation von Dokumenten durch den als Verkäufer eines Futtermittelproduktionsunternehmens auftretenden und Schulungen anbieten- den Beschuldigten bewenden liess, musste er doch nicht damit rechnen, über das Vorhandensein der erforderlichen Bewilligungen getäuscht zu werden. Kantonsgericht Schwyz 13 Durch das Vorweisen von Dokumenten bediente sich der Beschuldigte mithin täuschender Machenschaften. Zudem inszenierte er die Dokumente dem Ge- schäftsführer derart, dass dieser gemäss seiner Voraussicht von einer genau- en Überprüfung absah. Aufgrund dieses Vorgehens geht der Einwand des Beschuldigten, der Geschäftsführer habe sich nicht nach der Bewilligung er- kundigt, an der Sache vorbei und vermag am Nachweis einer qualifizierten Täuschung nichts zu ändern. Mithin handelte der Beschuldigte arglistig, um durch den Verkauf der von der getäuschten Privatklägerin bezahlten Futtermit- tel zumindest einen vorübergehenden unrechtmässigen Vorteil zu erlangen, weshalb entgegen der Verteidigung ebenfalls eine Absicht unrechtmässiger Bereicherung vorliegt. Der Einwand des Beschuldigten, er habe im Nachhinein die Rückzahlung angeboten, erscheint an sich und im Zusammenhang mit den anderen Delikten als blosse Schutzbehauptung. Zudem vermag der Be- schuldigte nicht ansatzweise seine Ersatzfähigkeit geltend zu machen. Viel- mehr brach er gemäss den Aussagen des Geschäftsführers der Privatklägerin in Bezug auf eine Rückzahlung den Kontakt ab (ebd. Nr. 22), so dass diese nie zustande kam. Unter diesen Umständen bereicherte sich der Beschuldigte absichtlich zum Schaden des Vermögens der Privatklägerin, die ihn bezahlte, mindestens insoweit, als sie das Futter nicht mehr weiterverkaufen konnte. c) Des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Dossier 11; Az. 10) ist der Beschuldigte aufgrund folgenden Sachverhalts angeklagt: A.________ bestellte kurz vor dem 14. März 2018 bei F.________ in Kirchberg SG Fleischwaren für CHF 3'050.75, um diese in seinem Be- trieb zu Futtermittel zu verarbeiten. Da F.________ um die prekären fi- nanziellen Verhältnisse von A.________ wusste, wurde vorgängig aus- drücklich nur Auslieferung der Ware gegen Barzahlung abgemacht, wozu A.________ einwilligte. Nachdem A.________ am 14. März 2018 bei der Warenanlieferung durch F.________ nicht über die nötigen Barmittel ver- fügte, zeigte er diesem vor der Warenübergabe in Lachen einen Konto- auszug seines Geschäftskontos bei der Z.________ AG (Bank I) (IBAN zz), den er dafür zuvor extra gefälscht hatte. Darauf hatte er als Lastschrift die genannte Summe für F.________ und als Kontostand des fraglichen Kontos per 14. März 2018 den darauf tatsächlich nicht vorhan- denen Saldo von CHF 482'321.74 aufgeführt, weshalb F.________ in der Kantonsgericht Schwyz 14 Annahme, A.________ habe ihm den fälligen Betrag bereits angewiesen, das bestellte Fleisch ohne Barzahlung übergab. A.________ wusste, dass er das Fleisch nicht bezahlt hatte, die Ware am 14. März 2018 ohne Täuschung nicht erhalten hätte, und dass F.________ durch die Fleisch- lieferung zu Schaden kommen könnte, was schliesslich auch der Fall war. Aufgrund der verwertbaren (dazu vgl. vor lit. a) Aussagen des Privatklägers und der Anerkennung des Sachverhalts durch den Beschuldigten (U- act. 10.1.30 Rn 231 ff.; BVP S. 11 Nr. 58 f.) ist auch in diesem Fall der Tatbe- stand des Betrugs im objektiver Hinsicht erfüllt (zum Tatbestand s. oben lit. b/aa), zumal der Beschuldigte den Privatkläger mit einem gefälschten Kon- toauszug über eine entsprechende Zahlungsanweisung (U-act. 8.11.05; BVP S. 11 Nr. 59) täuschte und zur Fleischübergabe bewog. Dieses arglistige Manöver beweist die Absicht unrechtmässiger Bereicherung des Beschuldig- ten, täuschte er doch den Privatkläger damit nicht einfach nur über seine fi- nanzielle Leistungsfähigkeit, sondern auch insofern, als er bereits bezahlt ha- be, womit der Privatkläger keinen Anlass mehr hatte, bei der Fleischübergabe auf die vereinbarte Vorauszahlung zu beharren. Angesichts dieser qualifizier- ten Täuschung ist denn auch nicht ersichtlich, inwiefern die Anhaltung des Beschuldigten durch die Polizei an der Erfüllung des Tatbestandes etwas än- dern sollte. Abgesehen davon erweist sich die Behauptung des Beschuldigten, bei dem durch die Polizei sichergestellten Betrag handle sich um das zur Zah- lung der Forderung des Privatklägers aufgetriebene Geld (U-act. 8.11.09 Fra- ge 9), keineswegs als glaubhaft, nachdem die Sicherstellung erst anfangs Mai 2018 im Zusammenhang mit Strassenverkehrsdelikten erfolgte (U-act. 5.3.04). d) Eines weiteren Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Dossier 24; Az. 27) ist der Beschuldigte aufgrund folgenden Sachverhalts angeklagt: Am 6. Mai 2019 bestellte A.________ bei der N.________ GmbH, Hinwil ZH, Möbel im Wert von CHF 5'900.00 gegen Bezahlung vor Übernahme der Ware am 9. Mai 2019, obwohl er sich eine derartige Anschaffung nicht leisten konnte. Er gab bei den Kaufverhandlungen dabei allerdings zumindest sinngemäss an, er sei zahlungswillig und -fähig und würde bei Kantonsgericht Schwyz 15 der Auslieferung der Ware bezahlen. Am Tag der Auslieferung gab er Mitarbeitern der N.________ GmbH wahrheitswidrig (durch Vorweisen einer dafür zuvor extra hergestellten Quittung der Post) vor, er habe die Ware bereits bezahlt, was er jedoch nicht gemacht hatte, weshalb ihm die Möbel ausgeliefert wurden, die er sonst nicht am fraglichen Tag erhal- ten hätte. Er nahm damit zumindest in Kauf, dass die fragliche Firma zu Schaden kam, was in der Folge auch passierte. Im Berufungsverfahren räumte der Beschuldigte den Sachverhalt, namentlich dem Umstand ein, dass er einem Mitarbeiter der Privatklägerin sagte, bezahlt und ihm etwas „vorgegaukelt“ zu haben (BVP S. 11 Nr. 60 ff.), ein. Sein Ver- teidiger macht denn auch nurmehr geltend, der stets zahlungswillige Beschul- digte habe sich der „Notlügen“ nur bedient, um Zeit für die Beschaffung des Kaufpreises zu schinden, weshalb er weder vorsätzlich, absichtlich noch arg- listig gehandelt habe. Indes täuschte der Beschuldigte auch in diesem Fall qualifiziert mit der Vorlage eines gefälschten Dokuments. Er gab dabei wahr- heitswidrig vor, die Möbel bereits bezahlt zu haben, so dass er vorsätzlich arglistig handelte, um sich einen Vermögensvorteil zum Schaden des Vermö- gens der Privatklägerin zu verschaffen. Der Tatbestand des Betrugs (vgl. oben lit. b/aa) ist mithin auch in diesem Sachverhalt in objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt. e) Eines im Berufungsverfahren umstrittenen vierten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Dossier 23; Az. 28) ist der Beschuldigte aufgrund fol- genden Sachverhalts angeklagt: Am 8. Mai 2019 bestellte A.________ bei der M.________, Volketswil ZH, Möbel im Wert von CHF 12'100.00 gegen Vorauszahlung mit Einzah- lungsschein bis am 13. Mai 2019, obwohl er sich eine derartige Anschaf- fung nicht leisten konnte. Er gab bei den Kaufverhandlungen dabei aller- dings zumindest sinngemäss an, er sei zahlungswillig und -fähig und würde noch vor der Auslieferung der Ware im Voraus bezahlen. Am Tag der Auslieferung gab er Mitarbeitern der M.________ wahrheitswidrig durch Vorweisen einer dafür zuvor extra hergestellten Quittung der Post (die er diesen auf seinem Mobiltelefon zeigte) vor, er habe die angeliefer- te Ware bereits bezahlt, was nicht stimmte, weshalb ihm die Möbel aus- geliefert wurden. Er nahm damit zumindest in Kauf, dass die fragliche Firma zu Schaden kam, was in der Folge auch passierte.Kantonsgericht Schwyz 16 Im Berufungsverfahren gestand der Beschuldigte ebenfalls den gleichen Ab- lauf wie im vorstehenden Fall (s. oben lit. e) ein (BVP S. 11 f. Nr. 66 f.). Insbe- sondere bestätigt er seine frühere Aussage, dabei absichtlich einen Zahlungs- auftrag in täuschender Art und Weise vorgezeigt zu haben (ebd. Nr. 68). Sein Verteidiger stellt in diesem Zusammenhang ein weiteres Mal die Verwertbar- keit der Aussagen des Mitarbeiters des geschädigten Unternehmens in Abre- de, wozu auf das schon Gesagte verwiesen werden kann (vgl. oben erste Vorbemerkung vor lit. a), umso mehr als der Beschuldigte sein qualifiziert täu- schendes Verhalten eingesteht. Betreffend Vorsatz, Absicht und Arglist ver- weist der Verteidiger in Bezug auf seine Einwendungen gegen den vorinstanz- lichen Schuldspruch auf seine Ausführungen zum vorangehenden Fall, wes- halb hier auch auf die entsprechende Begründung verwiesen werden kann (s. oben lit. d). f) Wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung weg- nimmt, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 139 Ziff. 1 StGB). Des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, eventualiter der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB (Dossier 12; Az. 11) ist der Beschuldigte aufgrund folgenden Sachverhalts angeklagt: G.________ (Gesellschafter und Geschäftsführer der AA.________ GmbH) gewährte A.________ ab ca. März 2018 Zugang zu den von ihm in Wetzikon, AB.________strasse yy, betriebenen Räumlichkeiten des Clubs „AC.________“ und überliess ihm deswegen die dafür notwendi- gen Schlüssel, damit A.________ sich jederzeit Zugang zum Objekt ver- schaffen konnte. In den besagten Räumlichkeiten befand sich dabei in einer Kasse ca. CHF 6'000.00 in bar, die A.________ nicht ausdrücklich anvertraut war. A.________ nahm dieses Bargeld ca. im März 2018 an sich, um es für eigene Zwecke zu verwenden. Auf Aufforderung von G.________ gab er kurze Zeit später CHF 2'000.00 wieder zurück. Den restlichen Betrag von CHF 4'000.00 zahlte er nicht zurück, da er das Geld in der Zwischenzeit für sich verbraucht hatte.Kantonsgericht Schwyz 17 Der Beschuldigte bestreitet diesen Sachverhalt und macht geltend, dass ihm G.________ seinerseits Maschinen und Sachen in ungleich höherem Wert nicht zurückgegeben habe (BVP S. 8 f. Nr. 41 ff.). Entgegen der Vorinstanz (angef. Urteil E. II/7.3) hält die Berufungsinstanz die an sich verwertbaren Aussagen von G.________ nicht für glaubhaft. Es ist offensichtlich, dass G.________ einige Gründe dafür hatte, den Beschuldigten zu belasten. Die beiden gerieten über den Umbau der Clubräumlichkeiten in Streit und G.________ warf dem Beschuldigten vor, seinen Club, der später vom Betrei- bungsamt geschlossen wurde, unter Kostenfolgen zu seinen Lasten zerstört zu haben. Zuvor intervenierte G.________ gegen Initiativen des Beschuldig- ten hinsichtlich des Umbauprojekts und der Räumung des Clubs jedoch nicht (U-act. 8.12.05 Nr. 17 ff., insbes. auch Nr. 40 und 52 ff.). Die Umstände, unter welchen der Beschuldigte den Kasseninhalt von Fr. 6‘000.00 mitnahm bzw. eingestand, diesen Betrag mitgenommen zu haben, jedoch bloss im Um- fang von Fr. 2‘000.00 zurückbezahlt zu haben, sind daher nicht hinreichend geklärt. Eine Absicht unrechtmässiger Bereicherung ist vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen G.________ und dem Beschuldigten nicht nachweisbar. Der Beschuldigte ist somit vom Anklagevorwurf des Diebstahls, eventualiter der Veruntreuung, mangels sicheren Tatnachweises in dubio pro reo freizusprechen. g) Wer in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen, eine Urkunde fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt, eine Urkunde dieser Art zur Täuschung gebraucht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 251 Ziff. 1 StGB). Der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB (Dossier 12; Az. 12) ist der Beschuldigte aufgrund folgenden Sachverhalts angeklagt:Kantonsgericht Schwyz 18 A.________ wurde ca. im November 2017 mit G.________ bekannt ge- macht, wobei sich - aufgrund des Umstandes, dass sich A.________ vermehrt im von G.________ geführten Club „AC.________“ in Wetzikon ZH während Events aufhielt - in der Folge eine nähere Bekanntschaft er- gab. A.________ gab G.________ dabei u.a. an, dass er ein „Ge- schäftsmann“ sei, erfuhr, dass G.________ in Erwägung zog, die Clubräumlichkeiten in Wetzikon umzubauen und Letzterer auf der Suche nach Investoren war, die insgesamt ca. CHF 200'000.00 - gegen künftige Beteiligung am neuen Clublokal - einbringen könnten. Ca. im Februar 2018 erklärte A.________, dass er an einer Investition interessiert sei und er dafür auch „das nötige Geld“ zu Verfügung stellen könnte, was tatsächlich nicht der Fall war. G.________ forderte daraufhin einen Beleg für die Zahlungsfähigkeit bei A.________ an. Dieser fälschte in der Folge, ca. im Frühjahr 2018, an unbekannter Örtlichkeit - mutmasslich auf einer Vorlage der Z.________ AG (Bank I), bei der er tatsächlich ein Konto be- sass - einen Bankbeleg, der vortäuschte, er verfüge auf diesem Konto über ca. vier Millionen an Barvermögen. Diesen Bankbeleg zeigte A.________ G.________ in besagten Zeitraum an unbekannter Örtlich- keit, mutmasslich im Raume Wetzikon, auf seinem Mobiltelefon, damit dieser ihm weiterhin als möglichen künftigen Teilhaber in Betracht zog und ihn für die Umbauplanung gewähren liess, was G.________ bei Kenntnis der effektiven finanziellen Lage von A.________ nicht gemacht hätte. Durch sein Verhalten nahm A.________ zudem zumindest in Kauf, dass G.________ am Vermögen geschädigt wurde, was in der Folge auch passierte. Der Beschuldigte bestreitet, einen Bankkontobeleg gefälscht oder G.________ ein falsches Dokument vorgewiesen zu haben, wie dies Letzterer behauptet (U-act. 8.12.05 Nr. 21; BVP S. 9 Nr. 49 ff.). Da den Aussagen G.________ nicht ohne Weiteres Glauben geschenkt werden kann (vgl. oben lit. f), ist auch dieser Sachverhalt nicht erstellt, zumal, wie das Strafgericht feststellte (angef. Urteil E. II/E. 8), der inkriminierte, angeblich gefälschte Bankbeleg, womit der Beschuldigte die Verfügung über ein Konto mit ca. vier Millionen Guthaben vorgetäuscht haben soll, nicht aktenkundig ist. Der Be- schuldigte ist deshalb auch vom Vorwurf der Urkundenfälschung in dubio pro reo mangels sicheren Tatnachweises freizusprechen. h) Der mehrfachen Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte im Sinne von Art. 169 StGB und des Ungehorsams gegen amtliche Verfügun-Kantonsgericht Schwyz 19 gen im Sinne von Art. 292 StGB (Dossier 19; Az. 20.1 und 20.2) ist der Be- schuldigte aufgrund folgenden Sachverhalts angeklagt: Im Verwertungsverfahren betreffend die Pfändung Nr. xx wurde A.________ vom Betreibungsamt Höfe am 14. Juni 2018 - unter Mittei- lung der Strafbarkeit nach Art. 292 StGB, falls er der Verfügung nicht nachkäme - mitgeteilt, dass sein künftiges Einkommen und seine beweg- lichen Sachen gepfändet wären. Am 22. August 2018 und 27. August 2018 wurden vier Gegenstände (1 Tiefkühlinsel, 2 Tiefkühltruhen und 1 E-Scooter) im Schätzwert von CHF 3'000.00 in seiner Gegenwart in Frei- enbach, AD.________strasse ww, gepfändet. Dabei wurde er darauf aufmerksam gemacht, dass er über diese Dinge nicht mehr verfügen könne. Mit Schreiben vom 6. März 2019 (zugestellt am 7. März 2019) wurde A.________ aufgefordert, bekannt zu geben, wo sich die im Au- gust 2018 gepfändeten vier Gegenstände befänden, da diese dem Be- treibungsamt zwecks Verwertung abzuliefern wären. In Kenntnis der ge- samten Umstände sorgte A.________ ab dem 28. August 2018 nicht dafür, dass die vier Gegenstände nicht abhandenkamen, indem er unge- nügend darauf achtete, dass seine ehemaligen Geschäftsräume in Frei- enbach stets abgeschlossen waren, so dass darin befindliche Ge- genstände nicht von Drittpersonen daraus entfernt werden konnten. Wei- ter ermächtigte er einen unbekannten Maschinenhändler aus Reichen- burg unbeaufsichtigt mehrere Gegenstände in den besagten Geschäfts- räumen abzuholen. Durch sein Verhalten nahm er in Kauf, dass die ge- pfändeten Gegenstände dem Betreibungsamt nicht erhalten blieben bzw. schliesslich nicht zukamen bzw. diese Gegenstände nicht verwertet wer- den konnten und deshalb Gläubigern definitive Verlustscheine ausgestellt werden mussten bzw. Gläubiger zu Schaden kamen. aa) Wer eigenmächtig zum Schaden der Gläubiger über einen Vermögens- wert verfügt, der amtlich gepfändet ist, oder einen solchen Vermögenswert beschädigt, zerstört, entwertet oder unbrauchbar macht, wird mit Freiheitsstra- fe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 169 StGB). Von den entsprechenden Anklagevorwürfen sprach das Strafgericht den Be- schuldigten mit der Begründung frei, bloss passives Verhalten könne keine tatbestandsmässige eigenmächtige Verfügung im Sinne von Art. 169 StGB sein. Dagegen hält die Staatsanwaltschaft im Berufungsverfahren dafür, dass die Anklage nicht nur ein passives Verhalten, sondern die aktive Beteiligung des Beschuldigten am Verschwinden der gepfändeten Gegenstände um-Kantonsgericht Schwyz 20 schreibe. Er habe den Standort der Gegenstände an mindestens eine unbe- rechtigte Person weitergegeben und zudem die Schlüssel zu den Räumlich- keiten einem nunmehr namentlich genannten Herrn gegeben, damit dieser dort alles wegnehmen durfte, was er brauchen könne. Nach Art. 169 StGB macht sich in der vorliegend erheblichen Tatvariante strafbar, wer eigenmäch- tig zum Schaden der Gläubiger über einen amtlich gepfändeten Vermögens- wert verfügt, was nicht durch blosses Unterlassen begangen werden kann (Geiger, AK, Art. 169 StGB N 6 m.H.). Der Schuldner, der es unterlässt, das Abtransportieren retinierter Gegenstände zu verhindern, ist nicht strafbar (Trechsel/Ogg, PK, 4. A. 2021, Art. 169 StGB N 5). Der Anklage ist jedoch nicht zu entnehmen, inwiefern der Beschuldigte über die gepfändeten Ge- genstände verfügte. Insbesondere wird ihm nicht vorgeworfen, einen Schlüs- sel weitergegeben zu haben. Ebenfalls enthält die Anklage nicht den konkre- ten Vorwurf, den unbekannten Maschinenhändler zum Abtransport der inkri- minierten vier gepfändeten Gegenstände (drei Tiefkühlgeräte und ein E- Scooter) ermächtigt zu haben, um diese Vermögenswerte der Zwangsvollstre- ckung zu entziehen. Der Beschuldigte bestreitet im Übrigen, was anlässlich der Berufungsverhandlung seitens der Staatsanwaltschaft unwidersprochen geblieben ist, dass er sich noch um die in diesem Raum befindlichen Ge- genstände hätte kümmern können, weil er keinen Zutritt und keinen Schlüssel mehr hatte (BVP S. 12 f. Nrn. 74 ff.). bb) Wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beam- ten unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Ver- fügung nicht Folge leistet, wird mit Busse bestraft (Art. 292 StGB). Die Staatsanwaltschaft liess die Anschlussberufung hinsichtlich des Frei- spruchs von diesem Vorwurf des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen anlässlich der Berufungsverhandlung fallen und begründete diesen Antrag nicht, weshalb darauf nicht einzugehen ist (vgl. auch oben zweite Vorbemer- kungen vor lit. a). Abgesehen davon ist ebenso wenig wie bei der Anklage der Kantonsgericht Schwyz 21 Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte (vgl. oben lit. aa) zu beanstanden, dass die Vorinstanz der Anklage im Zusammenhang mit den vier gepfändeten Gegenständen nicht zu entnehmen vermag, dass der Be- schuldigte gegen die konkrete Bussenandrohung der fraglichen Pfändungsur- kunde verstiess. Die Pfändungsurkunde enthielt nur im Zusammenhang mit der Einkommenspfändung Bussenandrohungen (U-act. 8.19.04), die also das Abhandenkommen des E-Scooters und der drei Tiefkühlgeräte nicht erfassen. i) Ebenfalls begründete die Staatsanwaltschaft ihr Rechtsmittel bezüglich des Freispruchs in Bezug auf den Vorwurf des Betrugs im ersten Sachverhalt der ersten Anklageziffer der Zusatzanklage vom 25. Juni 2020 nicht, weshalb hier darauf nicht weiter einzugehen bzw. die Anschlussberufung abzuweisen ist. j) Der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB even- tualiter der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB (Dossier 18; Az. 22.1) ist der Beschuldigte aufgrund folgenden Sachverhalts angeklagt: A.________ und J.________ verabredeten sich für 11. März 2019 um 16:00 Uhr im Tanzlokal des "AE.________", um dort gemeinsam zu tan- zen. Man begab sich ca. um 16:00 Uhr gemeinsam in den Probe- /Tanzraum, den A.________ exklusiv bis 18:00 Uhr gemietet hatte. Be- reits ab ca. 16:10 Uhr geriet er mit J.________ in Streit, in dessen Verlauf J.________ mehrfach den Raum verlassen wollte, woran sie von A.________ u.a. durch Gewaltanwendung dauerhaft bis ca. 17:55 Uhr gehindert wurde. A.________ hielt J.________ in der fraglichen Zeitspanne u.a. mit beiden Händen an den Oberarmen fest, drückte sie mehrfach auf einen Stuhl oder den Boden, stiess sie mehrfach zu Boden, schlug ihren Kopf zwei- mal auf den Boden, setzte sich auf sie, trat ihr mit den Füssen in die Bei- ne, hielt ihr den Mund zu, zog sie an den Haaren, drückte sie mehrfach gegen die Wand und würgte sie zweimal während jeweils rund zehn Se- kunden, wobei J.________ Atemnot verspürte und um Luft rang bzw. Todesangst hatte bzw. befürchtete, A.________ könnte ihr beim zweimaligen festen Zudrücken das Genick brechen. Ca. eine halbe Stun- de nach dem Beginn des erstmaligen Zurückhaltens versuchte J.________ zudem telefonisch die Polizei zu erreichen. Als dies A.________ bemerkte, entwand er ihr das Mobiltelefon und gab es nicht Kantonsgericht Schwyz 22 mehr zurück mit der Ankündigung, er würde ihr das Telefon erst in deren Privatwohnung wieder aushändigen. […]. Infolge Rückzugs des Strafantrags betreffend einfacher Körperverletzung be- schloss das Strafgericht unangefochten, das Strafverfahren diesbezüglich einzustellen (angef. Urteil E. I/2 sowie Beschlussziff. 5). Im Weiteren stellte es fest, dass eine Aussage-gegen-Aussage Situation vorliege, hegte indes ge- wisse Zweifel an den grundsätzlich nicht für unglaubhaft gehaltenen Aussagen der Privatklägerin, namentlich hinsichtlich der Ernstlichkeit des von ihr ge- schilderten Vorfalls, und sprach den Beschuldigten unter Berücksichtigung der schwierigen „On-off-Beziehung“ zwischen den beiden in dubio pro reo vom Vorwurf der Freiheitsberaubung, eventualiter der Nötigung frei. aa) Der Anklagevorwurf stützt sich im Wesentlichen auf die Aussagen der Privatklägerin anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 11. März 2019 (U-act. 8.18.02) und der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 5. Juli 2019 (U-act. 10.1.17) ab. Anlässlich der Letzteren verzichtete der Beschuldig- te zumindest stillschweigend auf seine persönliche Teilnahme. Er erklärte sich in Gegenwart seines Verteidigers damit einverstanden, während der Befra- gung der Privatklägerin nicht im gleichen Raum anwesend zu sein und die Befragung auch nicht mit einer Kamera audiovisuell übertragen zu erhalten (U-act. 10.1.17 Rn 55 ff.). Damit wurde sein Anwesenheitsrecht zwar einge- schränkt, indes konnte sein Verteidiger an der Befragung teilnehmen und der Beschuldigte konnte am Schluss der Einvernahme via ihn Ergänzungsfragen stellen lassen (ebd. Rn 44). Damit liegt der Umstand, dass der Beschuldigte dem Wunsch der Privatklägerin entsprechend nicht persönlich an deren Be- fragung teilnahm bzw. deren Aussagen übertragen bekam, nicht in der Ver- antwortung der Behörden (BGer 6B_173/2022 vom 27. April 2022 E. 1.3.1 m.H.; Schleiminger Mettler, BSK, 2. A. 2014, Art. 147 StPO N 33h). Der Be- schuldigte kann denn auch nicht nur auf die Teilnahme, sondern schon auf die Benachrichtigung über eine Beweiserhebung verzichten (Schleiminger Mettler, ebd. N 11). Die Verwertbarkeit der Aussagen der Privatklägerin bestimmt sich Kantonsgericht Schwyz 23 daher danach, inwiefern sie ihre bei der Polizei deponierten Aussagen bei der Staatsanwaltschaft selbständig inhaltlich bestätigte. bb) Die Privatklägerin schildert in der polizeilichen Einvernahme zusam- menhängend, dass der Beschuldigte sie zwei Stunden lang gegen ihren Wil- len im Tanzproberaum festgehalten, sie immer wieder auf den Stuhl oder auf den Boden gedrückt und ihr das Mobiltelefon weggenommen habe, mit dem sie die Polizei habe alarmieren wollen (U-act. 8.18.02 Nr. 41). Auf Nachfragen ergänzte sie, der Beschuldigte habe sie mindestens 20 Mal auf den Boden geschmissen, sei auf sie drauf gesessen, teilweise mit Anlauf auf sie drauf gesprungen und habe sie viele Male geschlagen und zu würgen versucht (ebd. Nr. 49 und 53 ff.). Sie räumte aber etwa auch ein, den Beschuldigten gebissen und möglicherweise gekratzt zu haben (Nr. 64) und er ihr nicht ge- droht habe (Nr. 66). Mithin kann entgegen der Vorinstanz nicht davon ausge- gangen werden, dass die Privatklägerin sich nur als Opfer darstellte. Aller- dings bestätigte die durch die Staatsanwaltschaft in Anwesenheit des Vertei- digers des Beschuldigten befragte Privatklägerin einzig, bei der Polizei die Wahrheit gesagt zu haben (U-act. 10.1.17 Rn 170 ff). Ihre selbständige Bestätigung dazu wurde nicht eingeholt (ebd. Rn 176 ff.). Ausser zur Frage, ob der Beschuldigte ihr mehrfach den Mund zugehalten habe, damit sie nicht schreien könne (Rn 213 f.), wurde sie nur noch zu den Auswirkungen der Ver- letzungen (Rn 204 ff. und 217 ff.), deren Untersuchung die Vorinstanz rechts- kräftig einstellte, und der Rückgabe des Mobiltelefons (Rn 222 ff.) befragt. Mit dieser Befragungsweise wurde mithin der Konfrontationsanspruch des Be- schuldigten nicht gewahrt, weil er bzw. sein Verteidiger mangels selbständiger Schilderungen des Sachverhalts durch die Privatklägerin deren Aussagen nicht auf ihre Glaubhaftigkeit überprüfen konnte. Die staatsanwaltschaftliche Einvernahme beschränkte sich in diesem Punkt im Wesentlichen auf eine formale Bestätigung der früheren Aussagen der Privatklägerin bei der Polizei, so dass der Beschuldigte seine Verteidigungsrechte nicht wirksam wahrneh- men konnte. Folgedessen sind die Angaben der Privatklägerin bei der Polizei Kantonsgericht Schwyz 24 nach der Rechtsprechung nicht verwertbar (BGer 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021 E. 1.3.4 m.H. = SJZ 2021 Nr. 22 S. 1083 f.). Damit ist der Anklagesach- verhalt nicht erstellbar. cc) Abgesehen davon sind die Zweifel der Vorinstanz an der Erheblichkeit des Festhaltens der Privatklägerin durch den Beschuldigten nachvollziehbar. Aufgrund der ersten zusammenhängenden Schilderung der Privatklägerin ist zwar glaubhaft, dass sie durch den Beschuldigten verletzt wurde. Aber es ist nicht auszuschliessen, dass der Beschuldigte, wie er zusammenfassend an- lässlich der Berufungsverhandlung aussagt (BVP S. 13 f. Nrn. 80 ff.), die Pri- vatklägerin während eines längerdauernden Streits im Tanzproberaum jeweils nur kurzfristig festgehalten haben könnte und sie damit weder in ihrer Bewe- gungsfreiheit gänzlich eingeschränkt noch während der ganzen Dauer zum Verbleib im Lokal genötigt war. Insgesamt ist der vorinstanzliche Freispruch daher in tatsächlicher Hinsicht mangels fehlender Konfrontation der sich bezüglich eines Vier-Augen- Sachverhalts widersprechenden Aussagen der Beteiligten nicht zu beanstan- den und die dagegen erhobene Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft abzuweisen. k) Wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Ge- sundheit schädigt, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Der einfachen Körperverlet- zung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dossier 26; Az. 26) ist der Beschuldigte aufgrund folgenden Sachverhalts angeklagt: An einem nicht genauer bestimmbaren Abend in der zweiten Maiwoche 2019 stiess A.________ in seiner Wohnung an der AE.________strasse vv in Esslingen ZH J.________ mit den Füssen aus dem Bett, so dass diese auf den Boden fiel, nachdem sie seiner Aufforderung zu sexuellen Handlungen nicht nachgekommen war. Als J.________ am Boden lag, trat A.________ ihr mit den Füssen in den Rücken, so dass J.________ kurzzeitig der Atem wegblieb. A.________ fügte J.________ dabei meh-Kantonsgericht Schwyz 25 rere Prellungen an beiden Armen, Beinen und dem Rücken zu, die ca. eine Woche lang Schmerzen verursachten und Hämatome zurückliessen, die ca. zwei Wochen lang sichtbar waren. Im Unterschied zum vorstehend behandelten Freispruch von den Vorwürfen der Freiheitsberaubung eventualiter der Nötigung (vgl. oben lit. j) äusserte sich die Privatklägerin in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 5. Juli 2019 zu diesem Verletzungsvorwurf in der zweiten Maiwoche wenn auch ru- dimentär nochmals inhaltlich und im Willen, Strafantrag zu stellen (U- act. 10.1.17 Rn 380 ff.). Somit konnte der Beschuldigte sein Recht auf Kon- frontation durch seinen Verteidiger, der an der Befragung teilnahm und in Ab- sprache mit ihm auch Ergänzungsfragen stellen konnte (ebd. Rn 444 ff.), hin- reichend beanspruchen. Der Rückzug des Strafantrags Mitte März 2019 hin- derte die Privatklägerin nicht daran, bezüglich dieses Vorfalles in der zweiten Maiwoche in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme Strafantrag zu stellen (ebd. Rn 372 ff.). An der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin än- dert nichts, dass der Beschuldigte im Berufungsverfahren den Vorfall bestrei- tet (BVP S. 14 Nrn. 87 ff.) und sein Verteidiger dessen Zugabe bei der Vorin- stanz (HVP Nr. 77) an sich mit guten Gründen als diesbezüglich als zu vage kritisiert. Insbesondere in Bezug auf die Verletzungsvorgänge erweisen sich jedoch die hier verwertbaren, überzeugend an eine Diskussion über Sex und ein Stossen aus dem Bett anknüpfenden Aussagen der Privatklägerin indes als glaubhaft, namentlich auch, dass der Beschuldigte sie vorsätzlich am Bo- den liegend trat und in den Rücken stiess, womit der Tatbestand der Körper- verletzung erfüllt ist. Daher ist in diesem Punkt die Berufung des Beschuldig- ten, der immerhin auch noch an der Berufungsverhandlung einräumt, die Pri- vatklägerin aus dem Bett gestossen zu haben (BVP S. 14 Nr. 87), abzuwei- sen. l) Des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB und der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB (Dossier 26; Az. 29.1 und 29.2) ist der Beschuldigte aufgrund folgenden Sachverhalts angeklagt:Kantonsgericht Schwyz 26 A.________ begab sich im Zeitraum von ca. April 2019 bis Mai 2019 zu mehreren nicht genauer bestimmbaren Zeitpunkten (ca. 3-4 Mal) ohne Einwilligung von J.________ in Esslingen ZH, AE.________strasse uu, auf den Balkon der fraglichen Wohnung, indem er vom Rasenplatz her, sich über die Balkonbrüstung auf den Balkon zog, wo er jeweils wenige Minuten verweilte. A.________ begab sich am 30. Mai 2019, ca. 15:00 Uhr, zur Liegen- schaft AE.________strasse uu in Esslingen, wo er mehrere Minuten die Klingel zur Wohnung von J.________ betätigte, damit diese ihn einlassen solle. Obwohl J.________ die Türe nicht öffnete, gelangte A.________ in das Treppenhaus der Liegenschaft und hämmerte in der Folge an die Wohnungstüre. Nachdem J.________ diese ebenfalls nicht öffnete, ge- langte A.________ auf den Balkon der Wohnung und hämmerte gegen die Balkontüre. J.________ nahm in der Folge ihr Mobiltelefon in die Hand und gab vor, die Situation zu filmen. A.________ verliess daraufhin den Balkon und verschwand. Hernach sandte er ihr aufgrund der Zurückweisung aus Bosheit in sehr kurzer Folge über 200 E-Mails und rief mindestens 9 Mal anonym an. A.________ begab sich am 30. Mai 2019, ca. 17:30 Uhr, erneut zur Lie- genschaft AE.________strasse uu in Esslingen, wo er von J.________ eingelassen wurde, da er diesmal angab, er bringe ihr Geld. Als er in der Wohnung war, schrie A.________ J.________ an und stellte dabei weite- re Forderungen (er wolle Sex bzw. orale Befriedigung) damit diese das Geld erhalte. J.________ forderte A.________ daher auf, die Wohnung umgehend zu verlassen, was dieser jedoch nicht machte, sondern noch lauter herumschrie. Nachdem A.________ auch auf die Bitte, ruhig mit ihr zu sprechen, weiter herumschrie, forderte sie ihn erneut auf die Wohnung zu verlassen, was er wiederum nicht tat. In der Folge stiess A.________ J.________ zweimal von sich weg und verliess die Wohnung erst, als Nachbarn vor der offenen Wohnungstüre sich bemerkbar machten. aa) Strafbar macht sich nach Art. 186 StGB wer gegen den Willen des Be- rechtigten in ein Haus, in eine Wohnung, in einen abgeschlossenen Raum eines Hauses oder in einen unmittelbar zu einem Haus gehörenden umfriede- ten Platz, Hof oder Garten unrechtmässig eindringt oder, trotz Aufforderung eines Berechtigten, sich zu entfernen, darin verweilt. Der Beschuldigte bestreitet im Berufungsverfahren zwar, mehrfach auf dem Balkon gewesen zu sein (dazu vgl. angef. Urteil E. II/17.2 m.H.), sondern nur einmal mit dem Einverständnis der Privatklägerin auf dem Balkon Kleider ho- len gegangen zu sein (BVP S. 15 Nrn. 92 ff.). Seine Erklärung hinsichtlich der Kantonsgericht Schwyz 27 feststellbaren Widersprüche zu seinen früheren Aussagen, ein einziges Mal zwei, drei Sachen holen gegangen zu sein, ist jedoch nicht glaubhaft (ebd. Nrn. 94 f.). Bei der Polizei anerkannte er, sich trotz eines Hausverbotes auf der Liegenschaft, in der die Privatklägerin wohnte, aufgehalten zu haben (U-act. 8.26.16 Nr. 16 ff.). Er gestand auf Vorhalt den Hausfriedensbruch zu- dem ein (ebd. Nr. 37). Die Privatklägerin stellte Strafantrag (U-act. 10.1.17 Rn 372 ff.) und ihre Aussagen sind in diesem Punkt verwertbar, da sie zu den Vorfällen nochmals selbständig aussagte, so dass der Beschuldigte seine Konfrontationsrechte wahrnehmen konnte (dazu vgl. oben. lit. j). Sie sagte glaubhaft aus, der Beschuldigte sei mehrfach auf den Balkon eingestiegen, wenn sie ihn in der fraglichen Zeit nicht in die Wohnung einliess, oder sei trotz ihrer Aufforderung rauszugehen erst gegangen, als die Nachbarn vor der Tür gestanden seien (U-act. 10.1.17 Rn 346 ff.). Diesen Vorfall bestätigt indirekt auch der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung. Seine Entschul- digung, der Nachbar hätte es gesehen, dass er keine Möglichkeit hatte, die Wohnung zu verlassen, weil er nicht an der bei der Tür stehenden Privatkläge- rin vorbei hinausgelangen konnte, geht an der Sache vorbei, dass er sich vor- her trotz Aufforderung weigerte, die Wohnung zu verlassen (vgl. BVP S. 16 Nr. 100 und 103), so dass auf das Umherschreien der Privatklägerin die Nachbarn hinunterkamen (ebd. Nr. 106). Damit ist mehrfacher Hausfriedens- bruch erstellt, brachte doch die Privatklägerin durch das Nichthineinlassen in die Wohnung konkludent (dazu Delnon/Rüdy, BSK, 4. A. 2019, Art. 186 StGB N 28; Trechsel/Mona, PK, 4. A. 2021, Art. 186 StGB N 15) hinreichend deut- lich sowie explizit durch die Aufforderung, ihre Wohnung zu verlassen, zu den fraglichen Zeiten zum Ausdruck, dass sie dem Beschuldigten den Zutritt zu ihrer Wohnung und dem dazu gehörenden Balkon verwehren wollte. Selbst wenn sie sich nicht ausdrücklich äusserte, konnte der Beschuldigte nicht ein- fach von deren Einwilligung ausgehen, weil sie ihn zu anderen Zeiten in ihre Wohnung hineinliess. Mithin brach er im Sinne der Anklage das Hausrecht der Privatklägerin vorsätzlich durch Einsteigen auf den Balkon oder das Nichtver-Kantonsgericht Schwyz 28 lassen der Wohnung auf Aufforderung hin und ist von der Vorinstanz zu Recht des Hausfriedensbruchs schuldig gesprochen worden. bb) In Bezug auf die Tätlichkeit bekannte er sich zwar auch als schuldig (U- act. 8.26.16 Nr. 36), behauptete indes, die Privatklägerin lediglich einmal ganz leicht auf die Seite geschoben zu haben (ebd. Nr. 11 und U-act. 10.1.30 Rn 625 f. sowie BVP S. 16 Nrn. 100 ff.). Bei der Staatsanwaltschaft erklärte die Privatklägerin ebenfalls nur, dass der Beschuldigte ihr beim Aufstehen vom Stuhl nahekam (U-act. 10.1.17 Rn 369). Deshalb ist abgesehen davon, dass sie im Übrigen ihre polizeilichen Aussagen wiederum nur mit der Folge deren Unverwertbarkeit (vgl. oben lit. j) förmlich bestätigte und nicht inhaltlich wiederholte, aufgrund dieser Aussagen nicht nachzuweisen, dass das Nahe- kommen bzw. Wegschieben durch den Beschuldigten die für die Erfüllung des Tatbestands von Art. 126 StGB erforderliche Intensität (dazu etwa Ege, AK, Art. 126 StGB N 1 m.H.) aufwies. Somit ist der Beschuldigte vom Vorwurf der Tätlichkeiten in diesem Sachverhalt in teilweiser Gutheissung der Berufung freizusprechen. m) Des mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage im Sinne von Art. 179septies StGB (Dossier 3; Az. 3 der Zusatzanklage) ist der Beschuldigte aufgrund folgenden Sachverhalts angeklagt: A.________ sandte J.________ im Zeitraum von 16. bis 17. August 2019 mehrere Mails unter der Vorspiegelung, er sei „AF.________“. Er tat dies, da er wusste, dass J.________ nichts mehr von ihm hören wollte unter Inkaufnahme, J.________ damit zu belästigen, was auch der Fall war. Das Strafgericht verwarf die tatbestandsmässig geforderte Intensität im Falle der vorliegend angeklagten drei E-Mails (angef. Urteil E. II/21). Soweit die Staatsanwaltschaft ihre Anschlussberufung in diesem Punkt damit begründet, die drei E-Mails stellten im Zusammenhang mit der Vorgeschichte, wonach der Beschuldigte die Privatklägerin bereits unzählige Male unter Missbrauch von Fernmeldeanlagen belästigt habe, einen erneuten Missbrauch dar, ist Kantonsgericht Schwyz 29 festzustellen, dass die Anklage keinen derartigen Zusammenhang herstellt, sondern der Vorwurf ausschliesslich aufgrund der drei inkriminierten E-Mails erhoben wird. Der erstinstanzliche Freispruch ist daher in Abweisung der An- schlussberufung zu bestätigen, weil die Anklage der Berufungsinstanz nicht erlaubt, den Sachverhalt auf die Vorgeschichte auszudehnen (vgl. Art. 350 Abs. 1 StPO). 3. Zusammenfassend ist in den Schuldpunkten das angefochtene Urteil in vier Punkten zu korrigieren: Zum einen wird die Verurteilung wegen unrecht- mässigen Bezugs von Sozialhilfe nur in Bezug auf einen leichten Fall bestätigt (Art. 148a Abs. 2 StGB; Az. 2 und angef. Urteil Dispositivziff. 1.b). Zum ande- ren ist der Beschuldigte in drei Fällen, nämlich vom Vorwurf des Diebstahls, eventualiter der Veruntreuung (Az. 11 und angef. Urteil Dispositivziff. 1.l), vom Vorwurf der Urkundenfälschung (Az. 12 und angef. Urteil Dispositivziff. 1.m Alinea 1) und vom Vorwurf der Tätlichkeiten (Az. 29.2 und angef. Urteil Dispo- sitivziff. 1.w) freizusprechen. Die Parteien haben im Berufungsverfahren der Strafzumessung durch das Strafgericht nicht opponiert. Diese ist mithin grundsätzlich nicht streitig, weshalb sich die Berufungsinstanz mit nachfolgen- den Hinweisen und Anpassungen bezüglich der vier Änderungen in den Schuldpunkten dieser anschliessen kann (Art. 82 Abs. 4 StPO, nachfolgend lit. a-d), ohne sich diese eigen zu machen müssen (vgl. zu den alternativen Voraussetzungen von Art. 82 Abs. 4 StPO BGer 6B_570/2019 vom 23. Sep- tember 2019 E. 4.2 m.H.). Des Weiteren sind die von der Verteidigung gerüg- ten Anrechnungsmodalitäten zu prüfen (lit. e). a) Betreffend die Strafarten ging die Vorinstanz unbeanstandet davon aus, dass alle Vergehen und Verbrechen mit Freiheitsstrafen und die Übertretun- gen mit Bussen zu sanktionieren sind. Die Wahl der Freiheitsstrafe kann we- gen ihrer präventiven Effizienz für das durch die ständige und zahlreiche De- linquenz des vorbestraften Beschuldigten gefährdete soziale Umfeld auch in Kantonsgericht Schwyz 30 ihrer pauschalen Art und Weise ausnahmsweise als gerechtfertigt betrachtet werden. b) Für den unrechtmässigen Bezug von Sozialhilfe (Zusatzstrafe), die Ver- untreuung und die Urkundenfälschung, asperierte die Vorinstanz Freiheitsstra- fen von 15, 10 bzw. 15, insgesamt 40 Tagen, die in teilweiser Gutheissung der Berufung wegfallen, womit noch eine Freiheitsstrafe von total 680 Tagen re- sultiert. Bei den Bussen entfällt diejenige für die Tätlichkeiten von Fr. 100.00, womit nur noch eine selbständige Busse von Fr. 900.00 anfällt, zu welchen die zum ersten Verfahren im Kanton Schwyz (SGO 2017 7 bzw. STK 2017 66) zu asperierenden Zusatzbussen für das bewilligungslose Bauen von Fr. 50.00 und neu für den unrechtmässigen Bezug von Sozialhilfe von Fr. 150.00 zu addieren sind. Beim unrechtmässigen Sozialhilfebezug handelt es sich zwar um einen leichten, zufolge des nicht deklarierten Betrags von Fr. 3‘950.00 aber doch nicht unerheblichen Fall (vgl. oben E. 2.a). Insgesamt summieren sich die Bussen somit auf einen Betrag von Fr. 1‘100.00. c) Zutreffend berücksichtigte das Strafgericht bei den Täterkomponenten den Umstand als straferhöhend, dass der Beschuldigte während laufender Strafuntersuchung und trotz Vorstrafen in zahlreichen Fällen weiter delinquier- te (angef. Urteil E. III/6). Dennoch relativieren sich diese Straferhöhungsfakto- ren angesichts der inzwischen gutachterlich feststehenden verminderten Schuldfähigkeit schon an sich stark. Die diagnostische Beurteilung der Gut- achter ergab eine schwerwiegende narzisstische Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und histrionischen Zügen im Zeitraum der vorgeworfenen Delikte. Als Nebenbefund diagnostizierten sie einen schädlichen Gebrauch von Alko- hol und Kokain, sowie eine Anpassungsstörung (KG-act. 51/2 S. 100 Ziff. 1). Sie verwerfen eine Schuldunfähigkeit zwar in ihren Komponenten der Un- rechtseinsicht und Steuerungsfähigkeit (ebd. Ziff. 2.a), halten aber dafür, dass aufgrund der narzisstischen Persönlichkeitsstörung die Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten in einem mittleren Grad eingeschränkt sei (ebd. Ziff. 2.b), Kantonsgericht Schwyz 31 was abweichend vom vorinstanzlichen Urteil zusätzlich strafmindernd zu berücksichtigen ist. Ferner trägt auch die sich in der Massnahmebereitschaft (vgl. noch unten E. 4) manifestierende Einsicht des Beschuldigten zu einer erheblichen Strafminderung bei. Insgesamt rechtfertigt es sich daher, die Stra- fen gestützt auf die Täterkomponenten um gegen die Hälfte zu reduzieren, womit der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten und einer Busse von Fr. 600.00 zu sanktionieren ist. d) Zufolge der zahlreichen Vorstrafen, des Weiterdelinquierens während der gegen ihn geführten Strafverfahren und der Erkenntnisse des Gutachtens stellte die Vorinstanz dem Beschuldigten eine schlechte Prognose und sprach die Freiheitsstrafe zutreffend unbedingt aus (angef. Urteil E. III/8). e) Das Gericht rechnet die Untersuchungshaft, die der Täter während die- ses oder eines anderen Verfahrens ausstand, auf die Strafe an (Art. 51 StGB). Nach der Rechtsprechung sind Ersatzmassnahmen analog der Untersu- chungshaft (vgl. Art. 51 StGB) auf die Freiheitsstrafe anzurechnen. Bei der Bemessung der anrechenbaren Dauer hat das Gericht den Grad der Be- schränkung der persönlichen Freiheit im Vergleich zum Freiheitsentzug bei Untersuchungshaft zu berücksichtigen (BGer 6B_739/2019 vom 2. September 2019 E. 4.4 m.H.). aa) Der Verteidiger macht vom angefochtenen Urteil (E. III/9) abweichend geltend, dem Beschuldigten seien für die Untersuchungshaft vom 2. Juni 2019 bis 1. September 2019 90 Tage anzurechnen. Er stützt sich dabei auf die diesbezügliche zwangsrichterliche Haftanordnung vom 6. Juni 2019, womit Untersuchungshaft bis am 1. September 2019 angeordnet wurde (ZME 2019 56; U-act. 4.4.12). Indes wurde der Beschuldigte schon am 14. August 2019 aus der Untersuchungshaft entlassen (U-act. 4.4.45 f.), wobei er danach wie- derum vom 19. bis 21. August 2019 für drei Tag in Haft genommen wurde (U- act. 4.5.00; vgl. insbes. ZME 2019 88 vom 21. August 2019 in U-act. 4.5.06). Kantonsgericht Schwyz 32 Die vorinstanzliche Anrechnung von insgesamt 82 Tagen Untersuchungshaft ist daher nicht zu beanstanden. bb) Die Verteidigung macht weiter geltend, mit der angerechneten Anzahl von insgesamt 524 Tagen Ersatzmassnahmen habe die Vorinstanz 89 Tage Ersatzmassnahmen vom 13. März 2019 bis 11. Juni 2019 ausser Acht gelas- sen. Am 13. März 2019 entliess die Staatsanwaltschaft See/Oberland den Beschuldigten aus der Untersuchungshaft und auferlegte ihm ein Rayon- und Kontaktverbot (U-act. 4.3.06 und 4.3.09 f.). Diese Ersatzmassnahmen bestätigte der Zwangsmassnahmenrichter am Bezirksgericht Uster mit Verfü- gung vom 14. März 2019 bis am 11. Juni 2019 (U-act. 4.3.11), was das Straf- gericht übersah. Dem Beschuldigten sind für Ersatzmassnahmen daher zu- sätzlich 89 Tage, insgesamt 613 Tage anzurechnen. Hingegen ist der vorin- stanzliche Anrechnungssatz von 5 % nicht zu beanstanden, weil mit dem ihn in seiner Tagesgestaltung nahezu nicht beeinträchtigenden Kontakt- und Ray- onverbot in Bezug auf eine Person, mit der er nicht zusammenlebte und zer- stritten war, nur eine sehr geringfügige Freiheitsbeschränkung verbunden war. Insbesondere legt der Beschuldigte nicht dar, inwiefern er durch das Verbot konkret in seiner Lebensgestaltung erheblich eingeschränkt gewesen wäre. Mithin sind also neu 31 bzw. mit der Untersuchungshaft (vgl. oben lit. aa) ins- gesamt 113 Tage anzurechnen. cc) Der Verteidigter verlangt schliesslich die Berücksichtigung von 63 The- rapiesitzungen sowie damit einhergehender Bewährungshilfe, die der Be- schuldigte im Vollzug der mit dem Strafgerichtsurteil vom 6. Juli 2017 ange- ordneten ambulanten Massnahme (vgl. SGO 2017 7 bzw. STK 2017 66) be- suchte. Zunächst ist festzuhalten, dass das Strafgericht mit dem angefochte- nen Urteil die ambulante Massnahme aufhob und den Vollzug der dafür auf- geschobenen Freiheitsstrafe unter Anrechnung der mit der ambulanten The- rapie und der Bewährungshilfe verbundenen Einschränkungen anordnete (da- zu angef. Urteil E. IV/2). Soweit die weitere Delinquenz des Beschuldigten das Kantonsgericht Schwyz 33 Strafgericht zur mit dem Vollzug der Freiheitsstrafe nach Art. 63b Abs. 2 StGB einhergehenden Aufhebung der erfolglosen ambulanten Massnahme nach Art. 63a Abs. 3 StGB veranlasste (dazu das angef. Urteil E. IV/2), beanstandet dies der Beschuldigte im Berufungsverfahren nicht. Er verlangt indes die An- ordnung einer stationären Massnahme, die von Gesetzes wegen sowohl den Vollzug der neuen als auch der zu Gunsten der ambulanten Massnahme auf- geschobenen früheren Freiheitsstrafe weiter aufschiebt (Art. 57 Abs. 2 StGB). Obwohl vorliegend eine die Freiheitsstrafen aufschiebende stationäre Mass- nahme anzuordnen ist (vgl. unten E. 4) und mithin insofern die ambulante in eine stationäre Massnahme umgewandelt wird (Art. 63b Abs. 5 StGB), lässt sich der mit der ambulanten Massnahme verbundene Freiheitsentzug im Sin- ne von Art. 63b Abs. 4 StGB im Hinblick auf eine mögliche Rückversetzung zufolge Nichtbewährung im stationären Massnahmenvollzug anrechnen und der in Tagen festsetzen. Die vom Strafgericht auf 7 Tage festgesetzte An- rechnung erscheint im Ergebnis als angemessen. Es ist naheliegend davon auszugehen, dass der Beschuldigte für eine Therapiesitzung einschliesslich Bewährungshilfe um die vier bis fünf Stunden aufwenden musste. Selbst wenn die entsprechende Einschränkung der persönlichen Freiheit im Vergleich zu einem Freiheitsentzug zu dem von der Verteidigung vorgeschlagenen Drittel zu veranschlagen wäre, würde die Stundenzahl einer Woche nicht erreicht. Abgesehen davon legt die Verteidigung nicht konkret dar, inwiefern Therapie- sitzungen einschliesslich Bewährungshilfe in zeitlicher Hinsicht zu Beschrän- kungen geführt hätten, die mehr als einer Woche Freiheitsentzug entsprechen würden. dd) Die Verteidigung verlangt die Anrechnung des laufenden Massnahme- vollzugs während des mit dem Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 3. Fe- bruar 2022 abgeschlossenen Erkenntnisverfahrens. Diese Massnahme ist indes nicht aufzuheben, sondern wird mit der vorliegend gleichermassen an- geordneten stationären Massnahme zusammen als einzige vollzogen (vgl. auch unten E. 4.b). Es ist mithin nicht absehbar, dass mit dem Vollzug dieser Kantonsgericht Schwyz 34 Massnahmen je ein auf die ausgesetzten Strafen anzurechnender Freiheits- entzug anfallen könnte (dazu Art. 57 Abs. 3 StGB), so dass über eine Anrech- nung der Vollzugsdauer der stationären Massnahme zurzeit nicht entschieden werden kann. 4. Ist der Täter psychisch schwer gestört, so kann das Gericht gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB eine stationäre Behandlung anordnen, wenn das Verbre- chen oder Vergehen des Täters in Zusammenhang mit seiner psychischen Störung steht (lit. a) und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weite- rer mit seiner Störung in Zusammenhang stehender Taten begegnen (lit. b). Als schwere psychische Störungen im Rechtssinne gelten nur schwere psy- chopathologische Zustände von einer gewissen Ausprägung bzw. relativ schwerwiegende Arten und Formen geistiger Erkrankungen im medizinischen Sinne. Die Massnahme dient primär der Verbesserung der Legalprognose (BGE 134 IV 315 E. 3.6; vgl. auch Heer/Habermeyer, BSK, 4. A. 2019, Art. 56a StGB Art. 59 N 89 f.). Die Anordnung einer stationären therapeuti- schen Massnahme setzt eine hinreichende Wahrscheinlichkeit dafür voraus, dass sich durch eine solche Massnahme über die Dauer von fünf Jahren die Gefahr weiterer mit der psychischen Störung in Zusammenhang stehender Straftaten deutlich verringern bzw. sich eine tatsächliche Reduktion des Rück- fallrisikos erreichen lässt. Eine lediglich vage, bloss theoretische Erfolgsaus- sicht genügt für die Anordnung einer therapeutischen Massnahme nicht (BGE 134 IV 315 E. 3.4.1; vgl. auch Heer/Habermeyer, a.a.O., Art. 59 StGB N 68b). Nicht erforderlich ist hingegen eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass über einen Behandlungszeitraum von fünf Jahren ein Zustand erreicht wird, der es rechtfertigt, dem Betroffenen Gelegenheit für eine Bewährung in Freiheit zu geben (BGE 140 IV 1 E. 3.2.4 S. 9, 134 IV 315 E. 3.4.1 und 5; zum Ganzen BGer 6B_237/2019 vom 21. Mai 2019 E. 2.2.1 m.w.H.).Kantonsgericht Schwyz 35 a) Das im Zürcher Strafverfahren eingeholte aktuelle Gutachten vom 15. Juli 2021 stellt wie gesagt (vgl. oben E. 3.c) eine schwere Persönlich- keitsstörung fest, die auch in einem Zusammenhang mit den vorliegend zu beurteilenden Delikten steht (vgl. KG-act. 51/2). Dies lässt sich ohne weiteres aus dem Gutachten ableiten, das mehrfach den fatalen, zur wiederkehrenden Delinquenz führenden Kreislauf hervorhebt, in dem der Beschuldigte gefangen ist (ebd. z.B. S. 83 ff. und 92 f.; ebenfalls BVP S. 6 Nr. 21). Der Zusammen- hang zwischen den gutachterlich festgestellten Störungen und den Deliktsse- rien ist offensichtlich und hinreichend intensiv, dass das Korrelieren zwischen der schweren Störung und den vorliegend zu beurteilenden Delikten im Sinne von Art. 59 StGB anzunehmen ist (etwa Schaub, AK, Art. 59 StGB Rn 6). Die Gutachter halten die Persönlichkeitsstörung für behandelbar und erwarten, dass das Risiko neuerlicher Straftaten dadurch gesenkt wird (ebd. S. 102 Ziff. 4.b). Ebenfalls stellen sie fest, dass der Beschuldigte grundsätzlich bereit ist, sich einer Behandlung zu unterziehen (ebd. Ziff. 4.c sowie S. 98 f.), was der Beschuldigte anlässlich seiner Befragung an der Berufungsverhandlung durch seine Zufriedenheit mit der Massnahme und seiner Bereitschaft für die Weiter- führung des bereits angetretenen Massnahmevollzugs unterstreicht (BVP S. 4 Nr. 11 ff. sowie S. 7 Nr. 26). Angesichts dieser Motivation, der erfolglosen bis- herigen ambulanten Therapierung, der psychiatrischen Indikation und Zweck- mässigkeit, des für Gewalttaten als durchschnittlich und für Stalking als über- durchschnittlich eingeschätzten Risikos (KG-act. 51/2 S. 96 ff.) sowie der nied- rigeren Erfolgsaussichten bei einer vollzugsbegleitenden Behandlung (ebd. S. 102 f. Ziff. 4.d und e) erweist sich die Anordnung einer stationären Massnahme als verhältnismässig. Zwar ist es im bisherigen Behandlungsver- lauf (vgl. dazu auch noch unten lit. b) beim Beschuldigten zu einer Stabilisie- rung der psychischen Verfassung gekommen. Jedoch konnte therapeutisch nur ungenügend an risikorelevanten Faktoren bzw. dem Veränderungsbedarf gearbeitet werden, so dass die Legalprognose aktuell immer noch als unver- ändert anzusehen ist, zumal der Beschuldigte – was sich auch anlässlich der Befragung vor der Berufungsinstanz manifestierte – nach eigenen, therapeu-Kantonsgericht Schwyz 36 tisch noch wenig beeinflusst scheinenden Vorstellungen handelt (vgl. Thera- pieverlaufsbericht vom 25. April 2022, KG-act. 79 Beilage 1 S. 4 Ziff. 6 f.). So lässt weiterhin nur eine stationäre Massnahme erwarten, künftige Taten des Beschuldigten namentlich auch bezüglich der psychischen Integrität Dritter (Stalking) zu verhindern. b) Treffen mehrere Massnahmen zusammen, werden gleichartige Mass- nahmen wie eine einzige vollzogen (Heer, BSK, 4. A. 2019, Art. 56a StGB N 3 und 6 sowie Art. 13-15 V-StGB-MStG), weshalb vorliegend ungeachtet der bereits durch das Bezirksgericht Horgen angeordneten stationären Massnah- me, eine diesbezüglich weitere Anordnung möglich ist und sich umso mehr aufdrängt, als das vorliegend angefochtene Urteil vor demjenigen des Be- zirksgerichts Horgen erging. Die Massnahme geht sowohl der widerrufenen früheren als auch der vorliegend auszufällenden Freiheitsstrafe vor (Art. 57 Abs. 2 StGB sowie oben E. 3.e/cc). c) Die Vollzugsmodalitäten fallen in die Zuständigkeit der Vollzugsbehörde und es erscheint vorliegend trotz der erheblichen Rückfallgefahr für Stalking- verhalten nicht notwendig zu sein, Ausführungen hinsichtlich eines geschlos- senen Massnahmevollzugs zu machen (vgl. dazu Schaub, AK, Art. 59 StGB N 22 f.). Die Information über die vorliegend zu verfügende stationäre Mass- nahme und deren Koordination mit der bereits rechtskräftig im Vollzugsstadi- um befindlichen Massnahme des Bezirksgerichts Horgen wird Sache der zu- ständigen Vollzugsbehörde sein. Laut dem anlässlich der Berufungsverhand- lung von der Verteidigung eingereichten aktuellen Therapieverlaufsbericht der Psychiatrischen Dienste Solothurn ist die frühere Delinquenz des Beschuldig- ten bekannt (s. KG-act. 79 Beilage 1 S. 2 ff.; vgl. auch Risikoabklärung im Zürcher Vollzug KG-act. 79 Beilage 2 S. 8 f.). 5. Nachdem die erstinstanzlichen Schuldsprüche wegen Betrugs in den Anklageziffern 9 und 10 zu bestätigen sind (vgl. oben E. 3. lit. b und c), be-Kantonsgericht Schwyz 37 steht kein Grund, die Verweisung der entsprechenden Zivilforderungen auf den Zivilweg infolge fehlender Bezifferung bzw. mangelhafter Einreichung (vgl. angef. Urteil E. VI/E. 2 und 4) aufzuheben und die Forderungen direkt abzuweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). Wegen der fehlenden Bezifferung kann trotz der Freisprüche im Berufungsverfahren auch die Forderung von G.________ (s. oben E. 3 lit. f und g) mangels Spruchreife nicht direkt abge- wiesen werden, so dass es bei der erstinstanzlichen Verweisung auf den Zi- vilweg sein Bewenden hat (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO). 6. Zusammenfassend ist mithin die Berufung teilweise gutzuheissen, sind die angefochtenen Schuldsprüche betreffend Ziffern 10, 11 und 29.2 der An- klage vom 14. Mai 2020 aufzuheben und ist der Beschuldigte diesbezüglich von Schuld und Strafe freizusprechen. Im Fall von Anklageziffer 2 ist der Be- schuldigte nurmehr wegen eines leichten Falls im Sinne von Art. 148a Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen und unter entsprechender Anpassung der Ersatz- freiheitsstrafe zu büssen. Ferner ist der angefochtene Vollzug der reduzierten Freiheitsstrafe zu Gunsten einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB aufzuschieben. Die Anschlussberufung ist abzuweisen. Ausgangsgemäss sind die nicht aufteilbaren und von der Vorinstanz unbean- standet noch vollumfänglich dem Beschuldigten auferlegten erstinstanzlichen Verfahrenskosten nunmehr unter entsprechender Anpassung der nicht ange- fochtenen Rückzahlungsverpflichtung der Kosten der amtlichen Verteidigung zu neun Zehnteln dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 426 StPO). Die Kos- ten des Berufungsverfahrens sind ihm aufgrund des teilweisen Obsiegens mit seiner Berufung sowie gegen die Anschlussberufung zweitinstanzlich zur Hälf- te aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). In diesem Umfang ist der Beschuldig- te zur allfälligen Rückzahlung der Entschädigung des amtlichen Verteidigers nach Art. 135 Abs. 4 StPO im Berufungsverfahren zu verpflichten. Zu deren Festsetzung kann nicht auf die anlässlich der Berufungsverhandlung durch den amtlichen Verteidiger eingereichte Kostennote (KG-act. 79 Beilage 5) ab-Kantonsgericht Schwyz 38 gestellt werden, weil der darin verrechnete Aufwand von insgesamt rund 70 Stunden den Wechsel in der amtlichen Verteidigung während des Beru- fungsverfahrens nicht berücksichtigt. Zudem erscheint dieser Aufwand als nicht unerheblich übersetzt, nachdem der Verteidiger in der Stellungnahme vom 22. März 2022 der Berufungsinstanz hinsichtlich einer aufgrund des mangelhaft begründeten angefochtenen Urteils in Aussicht genommenen Rückweisung an die Vorinstanz darlegte, auf fehlende bzw. ungenügende Begründungen der Schuldsprüche und Strafzumessung komme es nicht an, weil ohnehin eine stationäre Massnahme anzuordnen sei (KG-act. 60);-Kantonsgericht Schwyz 39 erkannt: In teilweiser Gutheissung der Berufung und Abweisung der Anschlussberu- fung wird das angefochtene Urteil aufgehoben und wie folgt bestätigt bzw. ersetzt: 1. A.________ wird schuldig gesprochen a) des vorsätzlichen Bauens ohne Bewilligung im Sinne von § 92 PBG-SZ, begangen im Zeitraum von Dezember 2016 bis Sommer 2017 (Az. 1.2); b) des unrechtmässigen Bezugs von Leistungen einer Sozialversi- cherung oder der Sozialhilfe in einem leichten Fall im Sinne von Art. 148a Abs. 1 und 2 StGB, begangen im Zeitraum von 1. Okto- ber 2016 bis 31. Juli 2017 (Az. 2); c) der Verletzung der Auskunftspflicht im Sinne von Art. 88 Abs. 1 und 3 AHVG, begangen am 19. Juni 2018 (Az. 4); d) des mehrfachen vorsätzlichen Fahrens ohne Berechtigung im Sin- ne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG, begangen - mehrmals im Zeitraum von Sommer 2017 bis 2. Mai 2018 (Az. 5); - am 20. März 2018 (Az. 7 Zusatzanklage); e) der fahrlässigen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 i.V.m. 31 Abs. 1 SVG, begangen am 28. März 2018 (Az. 6); f) des mehrfachen vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG, begangen - am 29. März 2018 (Motorfahrzeug, 462 Mikrogramm Cocain pro Liter Blut; Az. 7.1); - am 2. Mai 2018 (Motorfahrzeug, 230 Mikrogramm Cocain pro Li- ter Blut; Az. 7.1);Kantonsgericht Schwyz 40 g) des vorsätzlichen Führens eines Fahrzeugs in nicht vorschrifts- gemässem Zustand im Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG, began- gen am 29. März 2018 (Az. 7.2); h) der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG, begangen im Zeitraum von Fe- bruar bis Mai 2018 (Az. 7.3); i) des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, be- gangen - im Zeitraum von März bis 5. April 2018 (Az. 8.1); - am 31. Oktober/1. November 2018 (Az. 18); j) des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB, begangen - im Zeitraum von März bis 5. April 2018 (Az. 8.2); - am 21./22. August 2018 (Az. 15.1); - mehrmals im Zeitraum von April bis 30. Mai 2019 (Az. 29.1); - am 17. August 2019 (Az. 2 Zusatzanklage); - im Zeitraum von 7. bis 14. März 2020 (Az. 8.2 Zusatzanklage); - im Zeitraum von 29. April bis 1. Mai 2020 (Az. 8.2 Zusatzankla- ge); k) des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB, be- gangen - Mitte Dezember 2017 (Az. 9); - am 14. März 2018 (Az. 10); - am 9. Mai 2019 (Az. 27); - am 14. Mai 2019 (Az. 28); - Anfang April 2019 (Az. 32); l) der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB, begangen - Ende September 2018 (Az. 17); - am 24. April 2019 (Az. 24); - am 22. Mai 2019 (Az. 24);Kantonsgericht Schwyz 41 - zweimal am 2./3. April 2019 (Az. 31); - am 4. April 2019 (Az. 31); - Anfang April 2019 (Az. 33); - Ende November 2019 (Az. 4 Zusatzanklage); - zwischen Dezember 2019 und 14. Februar 2020 (Az. 4 Zusatz- anklage); - Ende März 2020 (Az. 4 Zusatzanklage); m) des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG, begangen - im Zeitraum von November 2017 bis Januar 2018 (Az. 13.1); - mehrmals im Zeitraum von März 2018 bis 1. Mai 2018 (Az. 13.1); n) des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und g BetmG, begangen im Zeitraum von November 2017 bis Januar 2018 (Az. 13.2); o) des mehrfachen geringfügigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage im Sinne von Art. 147 Abs. 1 i.V.m. 172ter Abs. 1 StGB, begangen - mehrmals im Zeitraum von 20. bis 23. Juli 2018 (Az. 14.1); - am 25. August 2018 (Az. 14.1); - mehrmals im Zeitraum von 10. bis 14. März 2020 (Dossier 6 Zu- satzanklage); p) des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 i.V.m. 172ter Abs. 1 StGB, begangen - mehrmals im Zeitraum von 20. Juli bis 29. August 2018 (Az. 14.2); - am 21./22. August 2018 (Az. 15.2); - am 30. April/1. Mai 2020 (Az. 8.3 Zusatzanklage); q) der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, begangen am 22. August 2018 (Az. 16); r) der Zechprellerei im Sinne von Art. 149 StGB, begangen im Zeit- raum von 21. bis 29. November 2018 (Az. 19);Kantonsgericht Schwyz 42 s) des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB, begangen - am 8. Juli 2018 (Az. 21); - am 8. August 2018 (Az. 21); - am 8. September 2018 (Az. 21); - am 4. und 8. April 2019 sowie mehrmals im Zeitraum von 24. April bis 30. Mai 2019 (Az. 25); t) des mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage im Sinne von Art. 179septies StGB, begangen - mehrmals im Zeitraum von Anfang 2019 bis 11. März 2019 (Az. 23); - am 30. Mai 2019 (Az. 29.3); - am 2./3. Februar 2020 (Az. 5.2 Zusatzanklage); u) der leichten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB, begangen zwischen 6. und 12. Mai 2019 (Az. 26); v) der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB, begangen - im Zeitraum von 7. bis 14. März 2020 (Az. 8.1 Zusatzanklage); - am 30. April/1. Mai 2020 (Az. 8.1 Zusatzanklage). 2. Im Übrigen wird A.________ freigesprochen (Az. 11, 12, 20.1, 20.2, 22.1, 29.2, 30, und 34 sowie Az. 1, 3 und 5.1 der Zusatzanklage). 3. A.________ wird als teilweise Zusatzstrafe mit einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten, unter Anrechnung von 113 Tagen Haft (82 Tage Untersu- chungshaft und 31 Tage Ersatzmassnahmen), und einer Busse von Fr. 600.00 bestraft. 4. Es wird eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB zur Behandlung der psychischen Störungen angeordnet. Der Vollzug der Kantonsgericht Schwyz 43 Freiheitsstrafe wird zu Gunsten der stationären Massnahme in einer ge- eigneten Einrichtung (Art. 59 Abs. 2 und 3 StGB) aufgeschoben (Art. 57 Abs. 2 StGB). 5. Die Busse ist zu bezahlen. Bei schuldhaftem Nichtbezahlen der Busse tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen. 6. Die mit Urteil des Kantonsgerichts Schwyz STK 2017 66 vom 19. Juni 2018 angeordnete ambulante Massnahme wird zu Gunsten der statio- nären Massnahme aufgehoben, unter Anrechnung des mit der ambulan- ten Behandlung verbundenen Freiheitsentzugs von 7 Tagen. 7. A.________ wird für die Dauer von 5 Jahren verboten, mit J.________ auf welche Art und Weise auch immer (insbesondere direkt, indirekt, schriftlich, mündlich, telefonisch oder elektronisch) in Kontakt zu treten, sich ihr auf weniger als 100 Meter anzunähern und sich in der Liegen- schaft AG.________strasse tt aufzuhalten bzw. diese zu betreten. 8. Zivilforderungen: a) Die Zivilforderung der D.________ AG im Betrag von Fr. 5'800.00 wird auf den Zivilweg verwiesen (Dossier 9). b) Die unbezifferte Zivilforderung der E.________ wird auf den Zivil- weg verwiesen (Dossier 10). c) Die Zivilforderung von F.________ im Betrag von Fr. 3'050.75 wird auf den Zivilweg verwiesen (Dossier 11). d) Die unbezifferte Zivilforderung von G.________ wird auf den Zivil- weg verwiesen (Dossier 12). e) Die unbezifferte Zivilforderung von W.________ wird auf den Zi- vilweg verwiesen (Dossier 14.01). f) Die Zivilforderung von S.________ im Betrag von Fr. 2'300.00 wird auf den Zivilweg verwiesen (Dossier 8 Zusatzanklage).Kantonsgericht Schwyz 44 g) Die Zivilforderung von T.________ im Betrag von Fr. 5'845.00 wird auf den Zivilweg verwiesen (Dossier 13 Zusatzanklage). 9. Beschlagnahmen: a) Die beschlagnahmten Gegenstände A2 (Festplatte), A4 (USB- Stick), C1 (Schuhe), C3 (Visa-Karte) und D1 (Laptop), lagernd bei der Kantonspolizei Schwyz unter der Lager-Nr. ss, werden A.________ durch die Kantonspolizei Schwyz herausgegeben. b) Die beschlagnahmte Stichsäge (C2), lagernd bei der Kantonspoli- zei Schwyz unter der Lager-Nr. ss, wird AH.________ durch die Kantonspolizei Schwyz herausgegeben. c) Die beschlagnahmte Kabelbox (CS), lagernd bei der Kantonspoli- zei Schwyz unter der Lager-Nr. ss, wird der AI.________ durch die Kantonspolizei Schwyz herausgegeben. d) Der beschlagnahmte Kaba-Schlüssel (C6), lagernd bei der Kan- tonspolizei Schwyz unter der Lager-Nr. ss, wird AJ.________ durch die Kantonspolizei Schwyz herausgegeben. e) Die übrigen beschlagnahmten Gegenstände und Betäubungsmit- tel, lagernd bei der Kantonspolizei Schwyz unter den Lager- Nrn. qq, pp und ss sowie bei der Wasserpolizei, werden eingezo- gen und der Kantonspolizei Schwyz zur Vernichtung / gutschei- nenden Verwendung überlassen. f) Das beschlagnahmte Kokain (0.31 Gramm), lagernd bei der Kan- tonspolizei St. Gallen unter der Lager-Nr. oo, wird eingezogen und der Kantonspolizei St. Gallen zur Vernichtung überlassen. g) Die beschlagnahmten Vermögenswerte im Betrag von Fr. 5'220.00, einbezahlt auf das Konto-Nr. nn der vormaligen Staatsanwaltschaft March, werden (nach Abzug allfälliger Bank- spesen) zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet. 10. Auf die Anordnung einer Ersatzforderung wird verzichtet.Kantonsgericht Schwyz 45 11. Die Kosten des Verfahrens (Untersuchungs- und Anklagekosten von Fr. 65'764.20, den Gerichtskosten inkl. Gerichtsgebühr von Fr. 14'021.30) von total Fr. 79'785.50 werden A.________ zu neun Zehnteln (Fr. 71'806.95) auferlegt und gehen im Übrigen zu Lasten des Staates. 12. Erstinstanzliche amtliche Verteidigungen: a) Es wird Vormerk genommen, dass der ursprüngliche amtliche Ver- teidiger RA U.________ bereits mit Fr. 10'075.20 und der vormali- ge amtliche Verteidiger RA B.________ bereits mit Fr. 10'373.55 aus der Staatskasse entschädigt wurden (jeweils inkl. Auslagen und MWST). b) Die amtliche Verteidigerin RA AK.________ wird überdies pau- schal mit Fr. 8'000.00 (inkl. Auslagen und MWST) aus der Strafge- richtskasse entschädigt. c) Die Kosten für die amtlichen Verteidigungen im Gesamtbetrag von Fr. 28'448.75 werden aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse von A.________ einstweilen auf die Staatskasse genommen. d) Vorbehalten bleibt zu neun Zehnteln die Rückzahlungspflicht von A.________ gemäss Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO. 13. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 10‘000.00 (exkl. Kosten der amtlichen Verteidigung) werden zur Hälfte (Fr. 5‘000.00) A.________ auferlegt und gehen im Übrigen zu Lasten des Staates. 14. Der amtliche Verteidiger wird pauschal mit Fr. 8‘000.00 (inkl. Auslagen und MWST) aus der Kantonsgerichtskasse entschädigt. Vorbehalten bleibt zur Hälfte die Rückzahlungspflicht von A.________ gemäss Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO.Kantonsgericht Schwyz 46 15. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsa- chen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Be- schwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. 16. Zufertigung an den amtlichen Verteidiger (2/R), die Staatsanwaltschaft (1/A an die 4. Abteilung und 1/R an die Amtsleitung/zentraler Dienst), die Privatklagevertreterin (2/A), die Privatkläger (je 1/A) und an die Vor- instanz (1/ü) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/ES, mit den Akten), das Amt für Justizvollzug (1/R, samt Löschformular und inkl. Dispositiv des angefochtenen Entscheids zum Inkasso und Voll- zug), die Kantonspolizei Schwyz (1/R, auszugsweise Dispositiv-Ziff. 9a- 9e), die Kantonspolizei St. Gallen (1/R, auszugsweise Dispositiv-Ziff. 9f), die KOST (mit Formular) und die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Disposi- tiv). Namens der Strafkammer Der Kantonsgerichtsvizepräsident Der Gerichtsschreiber Versand 9. Juni 2022 kau