Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Mai 2021 (725 20 300 / 121) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Fallabschluss; Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Sebastian Laubscher, Advokat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1961 geborene A.____war seit dem 1. Septembe r 2017 temporär als Bauarbeiter bei der Vermittlungsfirma B.____ AG angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallver- sicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 10. Oktober 2017 stürzte er aus einer Höhe von etwa ei nem Meter von einer Leiter auf seinen linken Fuss und erlitt eine drittgradige offene Schien beinfraktur. Er wurde gleichentags operiert und die Suva erbrachte in der Folge die gesetzlichen Versicherungsleistungen. Es erfolgten wei- tere operative Eingriffe am 27. Oktober 2017, am 22. Dezember 2017 und am 23. Februar 2018. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nachdem die Kreisärztin mit Bericht vom 25. April 2019 einen versicherungsmedizinischen End- zustand per Ende Juni 2019 festgestellt hatte, erliess die Suva am 17. Juni 2019 eine Verfügung, mit welcher der Anspruch auf eine Rente verneint und eine Integritätsentschädigung gestützt auf eine 30%ige Integritätseinbusse zugesprochen wurde. Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Suva mit Entscheid vom 17. Juni 2020 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Seb astian Laubscher, mit Schreiben vom 19. August 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, d er angefochtene Entscheid sei vollum- fänglich aufzuheben und demgemäss dem Beschwerdeführer weiterhin die Taggeldleistungen auszurichten; unter o/e-Kostenfolge. Eventualiter wurde die unentgeltliche Rechtsverbeiständung beantragt. C. Die Suva beantragte mit Vernehmlassung vom 4. Novem ber 2020, dass die Beschwerde abzuweisen sei. D. Mit Verfügung vom 10. November 2020 wurde dem Besch werdeführer die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Sebastian Laubscher als Rechtsvertreter gewährt. E. Mit Replik vom 28. Dezember 2020 bzw. mit Eingabe vom 27. Januar 2021 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Befin- det sich der Wohnsitz der versicherten Person im Ausland, so ist gemäss Art. 58 Abs. 2 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem sich ihr letzter schweizerischer Wohnsitz befand oder in dem ihr letzter schweizerischer Arbeitgeber Wohnsitz hatte. Da sich der Sitz des letzten Arbeitgebers des in C.____ wohnenden Be schwerdeführers in D.____ befand, ist die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltu ngsprozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherun gsgericht als einzige gerichtliche In- stanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde, die im Übrigen frist- und formgerecht erhoben wurde, zuständig. Auf die Beschwerde ist folglich einzu- treten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Vorliegend ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht davon ausgegangen ist, dass sie den Fall per Ende Juni 2019 abschliessen und auf diesen Zeitpunkt hin die Rentenfrage und die Integritätsentschädigung beurteilen durfte. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähig- keit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arb eitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs. 1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindes- tens 10 % invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Be- handlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustand es der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsma ssnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte P erson durch den Unfall eine dauernde er- hebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemessene Int egritätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenan spruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 2.2 Im Entscheid 134 V 109 ff. hat sich das Bundesgericht einlässlich mit der Thematik be- fasst, in welchem Zeitpunkt der Unfallversicherer einen Fall abzuschliessen und – gegebenenfalls – den Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integ ritätsentschädigung zu prüfen hat (BGE 134 V 113 E. 3.2). Dies habe, so das Bundesgericht, gest ützt auf Art. 19 Abs. 1 UVG in dem Zeitpunkt zu geschehen, in welchem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine nam- hafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten P erson mehr erwartet werden könne und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen seien (BGE 134 V 113 ff. E. 4). Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes zu verstehen sei, umschreibe das Gesetz nicht näher. Mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversi- cherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstätigen Pe rsonen ausgerichtet sei (vgl. etwa Art. 1a und Art. 4 UVG), werde sich dies namentlich – j edoch nicht ausschliesslich (Urteile des Bundesgerichts vom 29. Januar 2020, 8C_615/2019, E. 5.3 und vom 10. Juli 2014, 8C_354/2014, E. 3.2) – nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä- higkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt, bestimmen. Die Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber verdeutliche dabei, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen müsse. Unbedeutende Verbess erungen genügten nicht (BGE 134 V 115 E. 4.3 mit Hinweisen). Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therape utischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Fest stellungen beurteilt werden (Urteile des Bundesgerichts vom 29. Januar 2020, 8C_614/2019, E . 5.2, in SVR 2020 UV Nr. 24 S. 96 und vom 20. Dezember 2019, 8C_377/2019, E. 3.2, je mit Hinweisen; vgl. auch RKUV 2005 Nr. U 557 S. 388, U 244/04 E. 3.1). 3.1 Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Un- tersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Ver- waltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes we gen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Bleiben erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmass- nahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sin d (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007 E. 3.3 und vom 19. November 2007, 8C_364/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 3.2 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie insbe sondere der Feststellung der na- türlichen und adäquaten Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsanwen- dende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, d ie ihr vorab von ärztlichen sowie ge- gebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 122 V 158 f. E. 1b mit Hinweisen). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wich- tige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Allerdings kommt sol- chen Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachper sonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt en Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Beweiswürd igung sind deshalb strenge Anforde- rungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einh olung eines externen Gutachtens ent- schieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig- keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen – mit- hin eine Begutachtung im Verfahren nach Art. 44 ATS G – vorzunehmen (BGE 142 V 64 E. 5.1, 135 V 470 E. 4.4, je mit Hinweisen). 4. Zur Beurteilung des medizinischen Sachverhalts liegen im Wesentlichen folgende ärztli- chen Unterlagen vor: 4.1 Im Bericht des E.___-Spitals vom 13. Juli 2018 wird ausgeführt, es liege ein erfreulicher Verlauf vor. Die Physiotherapie sei zwei- bis dreimal wöch entlich intensiv fortzuführen, um die Belastung zu steigern. Es wurde ein orthopädischer Massschuh verordnet. Vermutlich werde der Patient nicht in seine körperlich anspruchsvolle Tätigkeit zurückkehren können. 4.2 Aus dem Bericht des E.___-Spitals vom 30. August 2018 ergibt sich, dass der Patient gute Fortschritte mache. Es zeige sich eine zunehmende k nöcherne Durchbauung. Es wurde eine Langzeitphysiotherapie verordnet und eine andauer nde Arbeitsunfähigkeit von 100 % be- stätigt. 4.3 Die Kreisärztin Dr. med. F.____, Fachärztin Chirur gie, führt am 3. September 2018 aus, der medizinische Endzustand liege noch nicht vor. Die K nochenheilung sei noch nicht abge- schlossen. Die angestammte Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. 4.4 In einem weiteren Bericht des E.___-Spitals vom 17 . Dezember 2018 wird ausgeführt, es liege nach wie vor ein regelhafter Verlauf vor. Der Patient mache langsame Fortschritte. Er sei darauf hingewiesen worden, dass die Gelenkfunktion sich sehr wahrscheinlich nicht mehr we- sentlich bessern werde. Ziel sei es, mit Physiotherapie di e Beweglichkeit und die Mobilität zu erhalten sowie die Muskulatur zu kräftigen. Es werde Physiotherapie sowie ein Ersatzkompressi- onsstrumpf nach Mass verordnet. Der Beschwerdeführer selbe r habe noch über belastungsab- hängige Schmerzen medial und lateral über dem oberen Sprunggelenk berichtet. 4.5 Dr. F.____ schlägt am 3. Januar 2019 vor, die näc hste computertomografische Untersu- chung abzuwarten und den Endzustand anschliessend wieder zu beurteilen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6 Im Schreiben des E.___-Spitals vom 6. Februar 2019 wird ausgeführt, dass der Patient über eine Kälteempfindlichkeit und die bekannten belastungsabhängigen Beschwerden berichte. Mit anliegendem Schuhwerk und Gehstützen zeige er ein flüssiges Gangbild, ohne Schuhwerk und Gangstützen ein massiv linkshinkendes Gangbild. Es bestehe eine deutliche Muskelminde- rung der Ober- und Unterschenkelmuskulatur bds. Die Beurteilung der Computertomografie vom 5. Februar 2019 betreffend das obere Sprunggelenk links ergebe u.a. eine weitestgehend über- baute ehemalige Defekt-Pseudarthrose der distalen Tibia mit knöcherner und kräftiger Überbrü- ckung der posterioren Corticalis, hier eine deutliche K nochenneubildung und Knochenbrücken- bildung. Die laterale Corticalis sei ebenfalls gut durchbaut. Die anteriore Corticalis sei noch nicht knöchern komplett überbrückt. Weiter wird ausgeführt, Physiotherapie sei dringend zur Mobilisa- tion und Kräftigung fortzuführen. Es sei nicht davon auszugehen, dass der Patient wieder auf der Baustelle arbeiten könne. Mit einer wesentlichen Besserung der Gelenksfunktion sei zu rechnen. Möglicherweise könne die Entfernung des Osteosynthesemate rials zu einer Beschwerdelinde- rung führen. Die Entfernung des Osteosesynthesematerial s sei frühestens im Herbst 2019 vor- zunehmen. 4.7 Der Kreisarzt Dr. med. G.____, FMH Chirurgie, hä lt mit Stellungnahme vom 21. Februar 2019 fest, der Fallabschluss sei derzeit nicht vernünftig, da noch von einer deutlichen klinischen Verbesserung unter den im Arztbericht vom 6. Februar 2019 genannten Massnahmen auszuge- hen sei. Zudem sollte die Metallentfernung abgewartet werden. 4.8 In ihrer kreisärztlichen Berichterstattung vom 25. Apr il 2019 führt die Kreisärztin Dr. med. H.____, FMH Chirurgie, aus, das Muskelrelief der beiden Oberschenkel sei seitengleich schwach ausgeprägt. Im Bereich des linken Unterschenkels und Spr unggelenks liege eine deutliche De- formierung vor. Es bestehe ein Taubheitsgefühl im Ber eich der ersten und zweiten Zehe links. Zusätzlich würden Parästhesien über der Lappenplastik und am linken Oberschenkel bestehen. Ein deutlicher Druckschmerz bestehe über der ehemaligen F rakturregion sowie im Bereich der dorsalen mittleren Wade. Die Beweglichkeit im Bereich der Hüft- und Kniegelenke sei seitengleich unauffällig. Im Bereich der Sprunggelenke liege linksseitig eine deutliche Bewegungseinschrän- kung hinsichtlich Dorsalextension und Plantarflexion vor. D ie Beweglichkeit im unteren Sprung- gelenk sei linksseitig nicht zu untersuchen, da der Ver sicherte über Schmerzen klage. Der Bar- fussgang sei linksseitig deutlich hinkend. Der linke Fuss werde lediglich hingestellt. Ein Abrollen sei nicht möglich. Zehenstand und -gang sowie Hackenstand und -gang seien nicht möglich. Die Hocke könne nicht eingenommen werden. Insgesamt falle ei ne ausgeprägte Bewegungsunsi- cherheit sowie Dekonditionierung auf. In ihrer Beurtei lung gibt Dr. H.____ an, bei der Untersu- chung habe ein Zustand mit deutlicher Bewegungseinschränk ung im Bereich des OSG sowie erheblicher Beschwerdepersistenz in Ruhe sowie nach Belast ung und Bewegung bestanden. Durch weitere Behandlungen sei nicht mehr mit einer namhaften Verbesserung der Arbeitsfähig- keit zu rechnen. Dennoch solle die Physiotherapie noch für ca. sechs Monate fortgeführt werden, um die Beschwerdesymptomatik zu lindern, die Mobilität und das Gangbild des Versicherten zu verbessern sowie der generalisierten Dekonditionierung entgegen zu wirken. Mit einer Rückkehr in die angestammte Tätigkeit sei nicht zu rechnen. Zumutbar seien leichte bis mittelschwere Ar- beiten, überwiegend sitzend mit der Möglichkeit zum Po sitionswechsel. Nicht zumutbar sei die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dauerhafte und repetitive Fortbewegung auf unebenen und abschüssigen Böden sowie auf Trep- pen. Nicht zumutbar sei die repetitive und dauerhafte Schlag- und Vibrationsbelastung des linken Beines. Stereotype Bewegungsmuster seien zu vermeiden. Ebenso seien Zwangshaltungen der linken unteren Extremitäten zu vermeiden. Für eine der art angepasste Tätigkeit sei die ganztä- gige Präsenz möglich. 4.9 Im Bericht des E.___-Spitals vom 23. Juli 2019 wir d ausgeführt, mit einer Rückkehr in die Tätigkeit als Maurer sei nicht zu rechnen. Auch für e ine körperlich mittelschwere Tätigkeit liege eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Es wird eine Kontrolle in drei Monaten mit einer allfäl- ligen Computertomografie vorgesehen, falls sich die Beschwerden nicht bessern sollten. Bei knö- cherner Konsolidierung wäre dann die Metallentfernun g zu diskutieren, welche möglicherweise eine Beschwerdelinderung bringe. Ein Endzustand sei derzeit noch nicht erreicht. 4.10 Gemäss einem weiteren Bericht des E.___-Spitals vom 22. Oktober 2019 wird bei un- veränderter Beschwerdeproblematik die Durchführung einer Computertomografie geplant. 4.11 Am 21. Januar 2020 ergeht ein weiterer Bericht des E.___-Spitals. Es wird eine post- traumatische Arthrose am OSG und eine weitestgehende knöcherne Konsolidierung der Fraktur diagnostiziert. Der Patient sei nach wie vor auf zwei Unterarmgehstützen angewiesen. Mit diesen könne er fünf Kilometer laufen. Für kürzere Strecken benutze er einen Gehstock. Mit Schuhwerk habe sich ein flüssiges Gangbild gezeigt, ohne Schuhwerk hinkend mit geminderter Abrollfunk- tion. Differenzierte Gangarten seien nicht durchführba r gewesen. Es sei immer noch eine Mus- kelminderung vorhanden gewesen. Von einer Arthrodese werde der Patient wahrscheinlich nicht profitieren. Dem Beschwerdeführer sei nochmals erläutert worden, dass ein Endzustand vorliege. 4.12 Im Bericht des E.___-Spitals vom 21. September 2020 wird beschrieben, dass zum Zeitpunkt Juni 2019, etwa 16 Monate nach dem letzten Eingriff, eine vollständige knöcherne Über- brückung hätte erwartet werden können. Das Röntgenbild vom Juni 2019 zeige zwar eine weit- gehende Überbrückung, andererseits habe der Patient üb er anhaltende Beschwerden im Kno- chendefektbereich berichtet. In der Computertomografie vom 1. November 2019 habe man eine ausreichende, aber nicht vollständige Überbrückung des Defekts festgestellt. Dies erkläre die Beschwerden im Bereich des Unterschenkels mit. Nach Vorliegen der Computertomografie hät- ten sich die Ärzte zum Abschluss der Behandlung entschlossen. Diskutierte Operationen seien die Entfernung des einliegenden Metalls in Kombination mit einer Sprunggelenksspiegelung ge- wesen. Dies hätte zu einer Besserung führen können. Von einer Versteifungsoperation des Sprunggelenks habe man sich keine Verbesserung versprochen . Berücksichtige man die Zeit- schiene, seien 16 Monate nach einem so komplexen Eingriff bis zum Abschluss von zwei Jahren noch Verbesserungen im Hinblick auf die Mobilität zu e rwarten. Dies hänge wiederum mit dem Ausmass der knöchernen Überbrückung zusammen. Sie würde also einerseits die Belastbarkeit der Extremität, den Übergang zum gehstützenfreien Lauf en und dem Angewiesensein auf nur eine Gehstütze betreffen. Die Schmerzsituation könne nur unter gewissen Umständen verbessert werden. Ca. 20 Monate nach dem ersten Eingriff sei eine weitere knöcherne Durchbauung nicht mehr zu erwarten gewesen. Ausserdem sei es zu einer Art hrose im Sprunggelenk gekommen, die kurzfristig im Hinblick auf die Mobilität nicht günstig hätte beeinflusst werden können. Für die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheidung, ob ein Endzustand oder noch eine Option für eine namhafte Verbesserung be- stehe, sei die Computertomografie erforderlich gewesen. Retrospektiv betrachtet und in Kenntnis der Information aus der computertomografischen Unters uchung sei die Einschätzung der Suva zwar korrekt, weil sich seit Juni 2019 keine klinischen Verbesserungen mehr ergeben hätten. Man habe aber die posttraumatische Ausprägung der Arthros e erst im computertomografischen Bild festgestellt. 5. Die Suva hat den Fall mit Verfügung vom 17. Juni 2019 gestützt auf die Beurteilung von Dr. H.____ vom 25. April 2019 abgeschlossen und ist da von ausgegangen, dass ab Ende Juni 2019 keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands zu erwarten gewesen sei. Es stellt sich die Frage, ob aufgrund der Situation, wie sie im April bzw. am 17. Juni 2019 vorlag, die Suva zu Recht davon ausgegangen ist, dass keine namhafte Verbes serung mehr zu erwarten war. Diese Frage war damals prospektiv zu beurteilen. Aus dem Bericht des E.___-Spitals vom 6. Februar 2019, welcher gestützt auf die computerto- mografische Untersuchung vom Vortag erging, ergibt sich, dass die Ärzte noch sehr wahrschein- lich mit einer Besserung der Gelenksfunktion gerechnet haben. Danach hat es auch der Kreisarzt Dr. G.____ in seinem Bericht vom 21. Februar 2019 als sinnvoll erachtet, die Metallentfernung noch abzuwarten. In der Folge sind bis zum Bericht von Dr. H.____ vom 25. April 2019, auf den die Suva ihren Fallabschluss stützte, keine weiteren med izinischen Unterlagen angefallen. Die Schlussfolgerung von Dr. H.____, dass keine namhafte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit mehr zu erwarten sei, blieb denn auch völlig unbegründet. Sie nimmt die Annahme des Endzustands einzig mit Blick auf die Arbeitsfähigkeit vor, weitere Aspekte, insbesondere die gemäss Bericht des E.___-Spitals zu erwartende Verbesserung der Gelenksf unktion, lässt sie unberücksichtigt. Sie diskutiert aber auch nicht, was eine Metallentfernung bewirken könnte, wie dies offenbar für Dr. G.____ zentral war, und wie allenfalls eine weitere Beschwerdelinderung sich auf die Nutzung der Stöcke und damit auch auf die Arbeitsfähigkeit ausw irken würde. Mit Blick darauf, dass sie selbst weitere Physiotherapie zur Verbesserung der Beschwerden, aber auch der Mobilität befür- wortet, erweist sich die unbegründete Annahme des Endzustands – auch mit Blick auf die gegen- teiligen Meinungen von Dr. G.____ und der Ärzte des E .___-Spitals – als nicht nachvollziehbar und schlüssig. Demgegenüber sind die Ausführungen im Bericht des E.___-Spitals vom 21. Sep- tember 2020 überzeugend. Die Berichterstattung erfolgt e in Kenntnis aller wesentlichen Akten. Der berichtende Arzt kommt dabei zum Schluss, dass erst mi t der Computertomografie vom 1. November 2019 zwar noch keine vollständige, aber eine ausreichende Überbrückung des De- fekts habe festgestellt werden können. Mit der Computertomografie habe man auch die Arthrose festgestellt, womit die Beschwerden erklärt würden. Fü r eine Besserung der Mobilität sei das Ausmass der knöchernen Überbrückung resp. die Stabilität entscheidend. Zu diesem Zeitpunkt – 20 Monate nach dem Ersteingriff – sei keine weitere knöcherne Durchbauung mehr zu erwarten gewesen. Diese Ausführungen sind nachvollziehbar und schlüssig. Sie decken sich auch weitge- hend mit dem Bericht des E.___-Spitals vom 21. Januar 2020. 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass per 30. Juni 2019 der Endzustand noch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erreicht war. Demzufolge erweist sich auch die auf diesen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zeitpunkt hin vorgenommene Berechnung der Rente und der Integritätsentschädigung als ver- früht, weshalb der Einspracheentscheid vom 17. Juni 2020 aufzuheben ist. Hingegen ist davon auszugehen, dass der Endzustand am 1. November 2019 erre icht war. Die Angelegenheit ist daher an die Suva zurückzuweisen, damit diese auf diesen Zeitpunkt hin den Fallabschluss vor- nimmt, die über den 30. Juni 2019 hinaus geschuldeten Leistungen bestimmt und sowohl die Frage der Rente als auch der Integritätsentschädigung beurteilt. 7.1 Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen, hier an- wendbaren Fassung (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 1. Januar 2021), hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Hebt das Kantonsgericht – wie h ier – einen bei ihm angefochtenen Ent- scheid auf und weist es die Angelegenheit zu neuer Beurteilung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). Dem Beschwerdefüh- rer ist deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 19. Februar 2021 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 13 Stund en und 5 Minuten Stunden geltend ge- macht. Dieser Aufwand erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechts- fragen als angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxis- gemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die geltend gemachten Auslagen von Fr. 59.60. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'586.85 (13,08 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 59.60 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewir ken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 E. 4.2). Bei m vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässi g. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrun g erfolgt unter diesem ausdrückli- chen Vorbehalt. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefoch- tene Einspracheentscheid vom 17. Juni 2020 aufgehoben u nd festge- stellt wird, dass der Endzustand per 1. November 2019 e rreicht wurde. Die Angelegenheit wird zur Festsetzung der gesetzliche n Leistungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zu- rückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 3'586.85 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde am 09.09.2021 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfahren-Nr. 8C_604/2021) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht