A bteilung III C -763/2006 {T 0/2} U rteil vom 28. Juni 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichterin Beutler; R ichter Vuille; G erichtsschreiber Birgelen. E._______, Beschw erdeführerin, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Einreisebew illigung für J._______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie 1966 geborene philippinische Staatsangehörige J._______ (nachfol- gend: G esuchstellerin) beantragte am 27. Januar 2006 bei der Schw eizeri- schen Vertretung in M anila ein Visum für einen zw eim onatigen Besuch bei ihrer in W ._______ w ohnhaften C ousine E._______ (nachfolgend: G astge- berin bzw . Beschw erdeführerin) und deren Fam ilie. N ach form loser Ver- w eigerung leitete die Schw eizerische Vertretung das G esuch an das Bun- desam t für M igration (BFM , nachfolgend: Vorinstanz) zur Prüfung und zum form ellen Entscheid w eiter. B. N achdem das M igrationsam t des Kantons Zürich bei der G astgeberin w ei- tere Abklärungen getroffen hatte, w ies die Vorinstanz das G esuch um Be- w illigung der Einreise m it Verfügung vom 31. M ai 2006 ab. Zur Begrün- dung w urde ausgeführt, die G esuchstellerin stam m e aus einer R egion, aus w elcher als Folge der dort herrschenden w irtschaftlichen und soziokulturel- len Verhältnisse ein starker Zuw anderungsdruck festzustellen sei. Viele ih- rer Landsleute w ürden versuchen, ihren Aufenthalt in der Schw eiz durch Ausschöpfung säm tlicher rechtlicher M ittel zu verlängern und sich so in U m gehung der bundesrätlichen Begrenzungsm assnahm en eine verm eint- lich bessere Zukunft aufzubauen. Persönlich w ürden der G esuchstellerin in ihrem U rsprungsland w eder zw ingende gesellschaftliche Verpflichtungen noch fam iliäre Verantw ortlichkeiten obliegen, w elche gegebenenfalls G e- w ähr für eine fristgerechte R ückkehr bieten könnten. C . M it Beschw erde vom 13. Juni 2006 beantragte die G astgeberin beim da- m als zuständigen Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) sinngem äss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Ertei- lung der Einreisebew illigung. Zur Begründung m achte sie im W esentlichen geltend, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die W iederausreise nach einem Besuchsaufenthalt w äre nicht genügend gew ährleistet. D ie G esuchstellerin arbeite in ungekündigter Stellung und w ohne m om entan im H aus der Beschw erdeführerin in Tanauan C ity, w o sie den H aushalt er- ledige und R echnungen für sie bezahle. Sie w erde nach ihrem Besuch in der Schw eiz auf die Philippinen zurückkehren, ihre Arbeit w ieder aufneh- m en und sich w eiterhin um das H aus küm m ern. D . In ihrer Vernehm lassung vom 5. Juli 2006 sprach sich die Vorinstanz für eine Abw eisung der Beschw erde aus. D abei hielt sie unter anderem fest, dass hinsichtlich der D auer des vorgesehenen Besuchsaufenthaltes sei- tens der G esuchstellerin und der Beschw erdeführerin unterschiedliche An- gaben gem acht w orden seien und diese Planung jedenfalls auf eine gros- se persönliche Flexibilität bei der G esuchstellerin schliessen lasse. D er G astgeberin sei es zuzum uten, ihren Kontakt m it der G esuchstellerin w ie bis anhin durch Besuche auf den Philippinen zu pflegen. E. D ie Beschw erdeführerin verzichtete in der Folge auf die Einreichung einer R eplik.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eige- rung der Einreisebew illigung unterliegen der Beschw erde an das Bundes- verw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und 33 lit. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw altungsgericht [Verw altungsgerichtsgesetz, VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht hat die Beurteilung der beim Inkrafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erdediensten der D e- partem ente hängigen R echtsm ittel übernom m en. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Verw altungsge- richtsgesetz nichts anderes bestim m t. D as U rteil des Bundesverw altungs- gerichts ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BG G , SR 173.110]). 1.4 D ie Beschw erdeführerin ist gem äss Art. 20 Abs. 2 AN AG und Art. 48 Vw VG zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht einge- reichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie Schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist - vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe - von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern [VEA, SR 142.211]; PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M . 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La protec- tion de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). U m ein Vi- sum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter an-4 derem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D ie G esuchstellerin untersteht aufgrund ihrer N ationalität der Visum s- pflicht. D ie Vorinstanz verw eigerte die Erteilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise er- scheine nicht als hinreichend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen tref- fen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.3 Auf den Philippinen sind fraglos breite Bevölkerungsschichten von ver- gleichsw eise kargen w irtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen be- troffen. N ach Angaben der Asiatischen Entw icklungsbank hatten im Jahr 2003 44.1% der Bevölkerung w eniger als U SD 2 pro Tag zur Verfügung und 11.1% w aren von absoluter Arm ut (w eniger als U SD 1 pro Tag) betrof- fen. Angesichts des starken Bevölkerungsw achstum s stellt die Arbeitslo- sigkeit ein zunehm endes Problem dar. Zw ar ist die Arbeitslosenrate 2005 offiziell von 11.8% auf 7.4% zurückgegangen, doch dürfte dieser R ück- gang auf eine neue D efinition von Arbeitslosigkeit zurückzuführen und die tatsächliche Arbeitslosenrate unverändert geblieben sein. Zu den offiziel- len Arbeitslosen kom m en rund 21% U nterbeschäftigte hinzu (Q uelle: http://w w w .ausw aertiges-am t.de, Stand: Februar 2007). Entsprechend hoch ist der Anteil jener, die zeitw eise oder auf D auer ins Ausland em igrie- ren w ollen, um dort unter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere Existenz aufbauen zu können. So verlassen rund 1 M io. M enschen jährlich die Philippinen, um im Ausland Arbeit zu suchen (vgl. Ausw ärtiges Am t, a.a.O .). D ieser Trend zeigt sich erfahrungsgem äss dort besonders stark, w o durch die Anw esenheit von Verw andten oder Bekannten bereits ein so- ziales Beziehungsnetz im Ausland besteht. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven Zulassungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländerrechtlicher Bestim m ungen. 4. 4.1 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine an- standslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstel-5 lern, die in ihrer H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m öglichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entspre- chender Erfahrungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschrifts- gem ässen Verhaltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufent- halt) hoch eingeschätzt w erden. 4.2 Bei der G esuchstellerin handelt es sich um eine 40-jährige, ledige Frau, w elche m it der G astgeberin entfernt verw andt ist (Tochter eines O nkels). Ü ber die Existenz sonstiger Angehöriger auf den Philippinen ist nichts be- kannt. D am it kann jedenfalls nicht von irgendw elchen fam iliären Verant- w ortlichkeiten ausgegangen w erden, w elche besondere G ew ähr für eine R ückkehr nach dem angestrebten Besuchsaufenthalt bieten könnten. 4.3 G em äss den Angaben der Beschw erdeführerin küm m ere sich die G esuch- stellerin w ährend ihrer Abw esenheit um ihr H aus in Tanauan C ity. In w eit- gehender U nkenntnis der konkreten Verhältnisse kann allerdings nicht da- von ausgegangen w erden, dass die persönliche Präsenz der G esuchstelle- rin in besagtem H aus unabdingbar ist und ihre dam it in Zusam m enhang stehenden Aufgaben nicht auch durch andere Personen w ahrgenom m en w erden könnten. 4.4 D ie Beschw erdeführerin m acht insbesondere berufliche Bindungen der G esuchstellerin an ihre angestam m te U m gebung geltend. G em äss Bestäti- gung ihres Arbeitgebers vom 17. Januar 2006 arbeitet die G esuchstellerin als "payroll supervisor" im betreffenden U nternehm en und erzielt ein jährli- ches Einkom m en (Stand: Januar 2006) von PH P 175'000, d.h. um gerech- net ca. U SD 3'340 (zum W echselkurs vom 17. Januar 2006). Ihr Tagessa- lär von ca. U SD 9 liegt som it über dem für philippinische Verhältnisse all- gem ein üblichen (vgl. Ziffer 3.3). D ie Erfahrung zeigt jedoch, dass auf- grund des grossen Lohngefälles zw ischen der Schw eiz und Staaten w ie den Philippinen selbst ein für einheim ische Verhältnisse gutes Salär nicht nachhaltig davon abhalten kann, das H eim atland dauerhaft zu verlassen. Auffallend ist zudem , dass die G esuchstellerin in ihrem Antragsform ular ei- nen zw eim onatigen Besuchsaufenthalt deklarierte, w ährend die Beschw er- deführerin gegenüber dem M igrationsam t des Kantons Zürich äusserte, es sei ein einm onatiger Aufenthalt geplant. Zum Einen erstaunt die solcher- m assen fehlende Koordination zw ischen den Beteiligten. Zum andern w äre nicht ohne w eiteres davon auszugehen, die G esuchstellerin könne ihrer Arbeit über M onate hinw eg fernbleiben. Eine entsprechende Bestätigung der Firm a w urde jedenfalls nicht vorgelegt. 4.5 H inzu kom m t, dass die G esuchstellerin offenbar einen sehr viel stärkeren sozialen Bezug zur Schw eiz hat, als dies aufgrund ihrer G esuchsunterla- gen und den Ausführungen im Beschw erdeverfahren verm utet w erden könnte. N eben der Beschw erdeführerin leben auch noch ein O nkel der G e- suchstellerin und dessen Ehefrau sow ie w eitere Verw andte m it einem ent- sprechenden Anw esenheitsrecht in der Schw eiz. G em äss einem H inw eis der Schw eizerischen Vertretung in M anila sollen zudem m ehrere Fam ilien- angehörige der G esuchstellerin illegal in der Schw eiz leben (Stand: Januar 2006), w as von der G esuchstellerin auf entsprechenden Vorhalt bestätigt 6 w orden sei. 5. Vor dem aufgezeigten H intergrund durfte die Vorinstanz daher zu R echt davon ausgehen, die fristgerechte W iederausreise sei nicht gew ährleistet (vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m . Art. 1 Abs. 2 lit. c VEA). Zw ar lässt sich diese Einschätzung nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten; sie reicht aber aus, um die Erteilung einer Einreisebew illigung - auf w elche w ie be- reits erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht - abzulehnen. D er Be- schw erdeführerin und der G esuchstellerin ist es zum utbar, ihre Beziehung w ie bisher auf den Philippinen zu pflegen. 6. Aus vorstehenden Erw ägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist da- her abzuw eisen. 7. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens w ird die unterliegende Be- schw erdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrens- kosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 lit. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 600.-- w erden der Beschw erdefüh- rerin auferlegt. Sie sind durch den am 22. Juni 2006 in gleicher H öhe ge- leisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten 1 870 408 zurück) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: A. Trom m er L. Birgelen Versand am :