A bteilung IV D -5306/2006 haf/w ig {T 0/2} U rteil vom 17. Juli 2007 M itw irkung: R ichter Fulvio H aefeli, Beat W eber, G érald Bovier G erichtsschreiber W inter A ._______ geboren , Afghanistan, alias B ._______, geboren , Afghanistan, vertreten durch C ._______ , Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 14. M ärz 2006 i.S. A syl und W egw eisung / N B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge gelangte der Beschw erdeführer am 18. M ärz 2004 unter U m gehung der G renzkontrolle in die Schw eiz und ersuchte am 22. M ärz 2004 in der Em pfangsstelle Kreuzlingen um Asyl. Anlässlich der Befragung vom 25. M ärz 2004 in der Em pfangsstelle sow ie der Anhörung vom 15. April 2004 durch das Am t für M igration des Kantons Luzern m achte er zur Begründung seines Asylgesuchs im W esentlichen geltend, er sei ein ethnischer H azara und stam m e aus der Pro- vinz Bam iyan. Aufgew achsen sei er allerdings seit seinem zw eiten Lebensjahr in Kabul, w o er das G ym nasium von der ersten bis zur achten Klasse absolviert habe. D ie Fortsetzung des Studium s sei jedoch an den kriegerischen Auseinander- setzungen gescheitert, w elche die Stadt Kabul anlässlich der M achtergreifung durch die W iderstandskäm pfer im Jahre 1991 in einen Kriegsschauplatz verw an- delt hätten. N achdem im Frühsom m er 1992 seine M utter und zw ei Brüder in Kabul bei einem R aketenangriff um s Leben gekom m en seien, habe er sich im Jahre 1993 m it seinem Vater und einigen seiner G eschw ister in die Provinz Baghlan be- geben und in einem D orf niedergelassen. Schon bald habe er sich bei einem loka- len Kom m andanten als Landarbeiter betätigt, doch habe ihn dieser anfangs 2004 für die ihm unterstellte Truppe rekrutieren w ollen. D a er sich vor einer Zw angsre- krutierung gefürchtet habe, sei er im Februar 2004 aus dem H eim atstaat ausge- reist und via Pakistan, Iran, die Türkei und w eitere unbekannte Länder in die Schw eiz gelangt. B. D as BFM stellte m it Verfügung vom 14. M ärz 2006 - eröffnet am 15. M ärz 2006 - fest, der Beschw erdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. G leichzeitig ordnete es die W egw eisung des Beschw erdeführers aus der Schw eiz und den Vollzug an. Zur Begründung w urde im W esentlichen aus- geführt, die Asylbegründung des Beschw erdeführers w eise eine R eihe von U nge- reim theiten auf. So sei zunächst das Vorbringen, der Kom m andant habe ausge- rechnet den Beschw erdeführer, der seit m ehreren Jahren in der Landw irtschaft für ihn tätig gew esen sei, für seine Truppe rekrutieren w ollen, w enig plausibel. Be- zeichnenderw eise habe zu dem vom Beschw erdeführer erw ähnten Zeitpunkt in Af- ghanistan - in W irklichkeit - kein Kriegszustand geherrscht. D es W eiteren habe der Beschw erdeführer ungereim te Angaben zu den angeblichen M otiven des Kom - m andanten gem acht. Schliesslich habe sich der Beschw erdeführer auch noch in einen gew ichtigen W iderspruch verstrickt. So habe er anlässlich der Anhörung be- hauptet, der Kom m andant habe ihn zw eim al persönlich aufgefordert, für ihn in den Krieg zu ziehen, und zw eim al habe er ihn über den Vater aufgefordert. D em gegen- über habe er in der Erstbefragung angegeben, der Kom m andant habe ihn im m er w ieder dazu aufgefordert. Auf Vorhalt hin habe er dazu erklärt, er habe auch in der Erstbefragung von zw ei Aufforderungen gesprochen. M it dieser aktenw idrigen Er- klärung sei es ihm indessen nicht gelungen, den festgestellten W iderspruch aufzu- lösen. Eine gesam theitliche W ürdigung der U ngereim theiten führe zum Schluss, der Beschw erdeführer stütze sich auf eine konstruierte Asylbegründung. Es erübri- ge sich, auf w eitere U ngereim theiten näher einzugehen. C . M it Fax-Beschw erde vom 18. April 2006 liess der Beschw erdeführer bei der 3 Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft des Beschw erdeführers und die G ew ährung von Asyl beantragen. Eventualiter sei die U nzulässigkeit be- ziehungsw eise U nzum utbarkeit des Vollzugs der W egw eisung festzustellen und die vorläufige Aufnahm e des Beschw erdeführers in der Schw eiz anzuordnen. Schliesslich sei ihm die unentgeltliche R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021) zu gew ähren. Auf die Begründung w ird, sow eit w esentlich, in den nachfolgenden Erw ägungen eingegangen. D . M it Zw ischenverfügung vom 21. April 2006 teilte der dam als zuständige Instruk- tionsrichter der AR K dem Beschw erdeführer m it, er könne den Ausgang des Ver- fahrens in der Schw eiz abw arten, und forderte ihn gleichzeitig auf, innert sieben Tagen ab Erhalt dieser Verfügung eine Beschw erdeverbesserung einzureichen. Ausserdem w ies er das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG ab und verzichtete auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses. E. Am 21. April 2006 (Poststem pel) liess der Beschw erdeführer die einverlangte Be- schw erdeverbesserung, am 8. Juni 2006 nebst einer Beschw erdeergänzung Aus- züge aus dem U rteil vom 14. Juli 2005 des Bayerischen Verw altungsgerichtshofs sow ie eines U rteils des Verw altungsgerichts N eustadt an der W einstrasse zu den Akten reichen. F. In seiner Vernehm lassung vom 21. D ezem ber 2006 schloss das BFM auf Abw ei- sung der Beschw erde. Zur Begründung w urde ausgeführt, die Beschw erdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Bew eism ittel, w elche eine Ände- rung des vorinstanzlichen Standpunktes rechtfertigen könnten. Im Ü brigen w erde auf die Erw ägungen in der angefochtenen Verfügung verw iesen, an denen vollum - fänglich festgehalten w erde. D ie Vernehm lassung w urde ihm am 13. Juni 2007 zur Kenntnisnahm e ohne R eplikrecht gebracht. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 Vw VG , sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorin- stanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t am 1. Januar 2007, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der bei der AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrens-4 recht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m it- hin einzutreten. 3. 3.1 G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling w ird eine ausländische Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim at- staat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gel- ten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M assnahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist R echnung zu tragen (Art. 3 AsylG ). 3.2 W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zum in- dest glaubhaft m achen. D iese ist glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vor- handensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. U nglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begründet oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeb- lich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (Art. 7 AsylG ). 4. 4.1 D er Beschw erdeführer schildert in seiner Eingabe vom 18. April 2006 vorab noch- m als den Sachverhalt und m acht im W esentlichen geltend, er hätte bei einer er- zw ungenen R ückkehr nach Afghanistan zum jetzigen Zeitpunkt unter Verfolgung seitens des Staates zu leiden. Er sei w egen der gegenw ärtig dort herrschenden politischen Situation an Leib und Leben gefährdet, und er habe unter anderen M assnahm en zu leiden, w elche einen unerträglichen D ruck erzeugen w ürden. 4.2 D er Beschw erdeführer hat den schw eizerischen Asylbehörden entgegen seiner Ankündigung w ährend des bisherigen Verfahrens keinerlei Identitätspapiere abge- geben. Bei der Em pfangsstellenbefragung sagte er aus, er habe seine Identitäts- karte zu H ause gelassen. Er habe bislang keine M öglichkeit gehabt, das Papier zu beschaffen, doch w erde er dies m it Sicherheit nachholen. Auch anlässlich der di- rekten Anhörung vom 15. April 2004 stellte er in Aussicht, er w erde seine Identi- tätskarte so schnell w ie m öglich beschaffen. D a er diesen Ankündigungen jedoch keine Taten folgen liess, steht die Identität des Beschw erdeführers bis heute nach w ie vor nicht fest. 4.3 D ie Vorinstanz hat in ihrer Verfügung zu R echt darauf hingew iesen, dass der Be- schw erdeführer im Verlaufe des Verfahrens zu w esentlichen Punkten abw eichende und w idersprüchliche Angaben gem acht hat. D a der Beschw erdeführer den Fest- stellungen der Vorinstanz nichts Substanzielles entgegenhält, ist anstelle von W ie- derholungen auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung 5 zu verw eisen. D ie Vorinstanz erachtete die Furcht des Beschw erdeführers vor ei- ner Zw angsrekrutierung zu R echt als unbegründet. Zusam m enfassend ist festzu- halten, dass der Beschw erdeführer nicht glaubhaft m achen konnte, Afghanistan aus dem von ihm genannten G rund verlassen zu haben. 4.4 Aufgrund der vorstehenden Erw ägungen erübrigt es sich, auf die w eiteren Ausfüh- rungen in der Beschw erde im Einzelnen einzugehen, w eil sie am Ergebnis nichts ändern können. U nter Berücksichtigung der gesam ten U m stände folgt, dass der Beschw erdeführer keine G ründe nach Art. 3 AsylG nachw eisen oder glaubhaft m a- chen konnte. D as Bundesam t hat sein Asylgesuch zu R echt abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesam t das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an; da- bei ist der G rundsatz der Einheit der Fam ilie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zu- m utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzli- chen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG , Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 5.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus- länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 5.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 5.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D e- zem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon- vention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder ernied- rigender Strafe oder Behandlung unterw orfen w erden. 6. D er Beschw erdeführer verfügt w eder über eine frem denpolizeiliche Aufenthaltsbe- w illigung noch einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie W egw eisung w urde dem nach zu R echt angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG , Entscheidungen und M ittei- lungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 2001 N r. 21). 7. 7.1 D as BFM w ies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der G rundsatz der N ichtrückschiebung gem äss Art. 5 Abs. 1 AsylG nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. D er Beschw erdeführer erfüllt die Flüchtlingseigenschaft nicht, w eshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des 6 flüchtlingsrechtlichen N on-refoulem ents im vorliegenden Verfahren keine Anw en- dung findet. Eine R ückkehr des Beschw erdeführers nach Afghanistan w äre dem - nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtm ässig. Sodann ergeben sich w eder aus den Aussagen des Beschw erdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte da- für, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Afghanistan dort m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EM R K oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt w äre. G em äss Praxis des Europäischen G erichtshofes für M enschenrechte sow ie jener des U N -Anti-Folterausschusses m üsste er eine kon- krete G efahr nachw eisen oder zum indest glaubhaft m achen, dass ihm im Fall einer R ückschiebung Folter oder unm enschliche Behandlung drohten (vgl. EM AR K 2001 N r. 16 S. 122, N r. 17 S. 130 f., 1996 N r. 18 S. 182 ff., jew eils m it w eiteren H inw ei- sen). D as ist jedoch vorliegend nicht der Fall, zum al der Beschw erdeführer keine Verfolgung glaubhaft m achen konnte. Schliesslich hat er auch aufgrund seiner Zu- gehörigkeit zur Ethnie der H azara und seines schiitischen G laubens m it keinen im Sinne der zu beachtenden Bestim m ungen relevanten Benachteiligungen zu rech- nen. N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung sow ohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim m ungen zulässig. 7.2 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung einer völkerrechtlichen Verpflichtung der Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung auch verzichtet, w enn die R ückkehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung dar- stellt. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herrschenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Si- tuation allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om en- te, w ie beispielsw eise einer notw endigen m edizinischen Behandlung, die im H ei- m atstaat nicht durchgeführt w erden kann, angenom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 7.2.1 D as Bundesam t führt in seiner Verfügung aus, die Sicherheitslage in Afghanistan sei nach w ie vor nicht in allen Provinzen stabil. D ennoch könne nicht von einer konkreten G efährdung der Bevölkerung ausgegangen w erden. D ie R egierung Kar- zai habe die Situation stabilisieren können, indem sie einen G rossteil der lokalen M achthaber eingebunden und ihren Einflussbereich w esentlich über Kabul hinaus ausgedehnt habe. Zur Stabilisierung der Situation trügen einerseits das Voran- schreiten des Aufbaus eines Sicherheitsapparates sow ie andererseits das erfolg- reiche Entw affnungsprogram m der M ilizen bei. D es W eiteren sei am 19. D ezem ber 2005 nach abgehaltenen W ahlen die Am tseinsetzung des Parlam ents erfolgt. Zu- dem w erde die R egierung zur G ew ährung der Sicherheit für die Bevölkerung von der internationalen Schutztruppe ISAF (International Security and Assistance Force) unterstützt und auch die W iederaufbauteam s (PR T, Provincial R econstruc- tion Team ) seien w eiterhin operationell. D arüber hinaus hätten die Teilnehm er an der internationalen Afghanistan-Konferenz in London Anfang 2006 beschlossen, den W iederaufbau des Landes auch in Zukunft zu fördern und hätten dem Land in den kom m enden fünf Jahren eine internationale W iederaufbauhilfe zugesprochen. Ferner gebe es auch keine individuellen G ründe, w elche gegen die Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs sprächen. 7.2.2 D er Beschw erdeführer m acht in seiner Beschw erdeergänzung vom 8. Juni 2006 geltend, in Afghanistan herrsche kein Frieden. D ie R egierung könne sich nur auf-7 grund der Interventionstruppen an der M acht halten. D ie Polizeikräfte seien nicht in der Lage, die Sicherheit zu gew ährleisten. In Kabul sei die organisierte Krim ina- lität ein grosses Problem . D ie M afiastrukturen der Kriegsw irtschaft bestünden im - m er noch und die Korruption sei w eit verbreitet. Es gebe kaum qualifizierte R ichter und die m edizinische Versorgung sei völlig unzureichend. Ein grosses Problem sei die O bdachlosigkeit, da es zu w enig W ohnraum gebe beziehungsw eise dieser zu teuer gew orden sei. Schliesslich sei die Arbeitsm arktsituation schlecht. 7.2.3 D ie AR K hat sich in EM AR K 2006 N r. 9 sow ie 2003 N rn. 10 und 30 eingehend zur Lage in Kabul geäussert und die U nterschiede zw ischen der Stadt Kabul und an- deren R egionen des Landes dargestellt. M it dem erstgenannten U rteil bestätigte die AR K ihre bisherige R echtsprechung in Bezug auf die Stadt Kabul. Infolge der im Vergleich zu anderen Landesteilen günstigeren Situation hat sie den W egw ei- sungsvollzug nach Kabul unter bestim m ten strengen Voraussetzungen, insbeson- dere einem tragfähigen Beziehungsnetz und einer gesicherten W ohnsituation, als zum utbar erachtet. Es w urde som it bekräftigt, dass bei der Beurteilung der indivi- duellen Zum utbarkeitskriterien eine differenzierte Beurteilung angezeigt ist. D ie AR K erachtete den Vollzug auch in w eitere Provinzen Afghanistans als zum utbar. D as Bundesverw altungsgericht sieht keine Veranlassung, im heutigen Zeitpunkt von dieser Lageeinschätzung abzuw eichen. 7.2.4 D er Beschw erdeführer behauptete, er sei im Jahre 1974 in der Provinz Bam iyan geboren w orden und habe dort seine beiden ersten Lebensjahre verbracht. An- schliessend habe er sich bis im Jahre 1993 in Kabul aufgehalten und sich danach w egen des Krieges in die Provinz Baghlan begeben. G em äss seinen Vorbringen leben sein Vater und zw ei G eschw ister noch in der Provinz Baghlan, eine Schw es- ter in der Provinz Bam iyan und w eitere zw ei (verheiratete) Schw estern in Kabul. Es ist ihm gelungen, die aufw ändige R eise von Afghanistan in die Schw eiz zu or- ganisieren und deren auf U SD 7'000.-- bezifferte Kosten zu begleichen. Ange- sichts seiner Vorbringen kann nicht davon ausgegangen w erden, dass er bei einer R ückkehr nach Afghanistan auf sich allein gestellt w äre. Aus diesen G ründen kann in Anbetracht der fam iliären Solidarität vom Bestehen eines ausreichenden enge- ren Beziehungsnetzes sow ohl in Kabul als auch in der Provinz Baghlan ausgegan- gen w erden. Im W eiteren verfügt der Beschw erdeführer nach eigenen Angaben über einige berufliche Erfahrung als D ._______. Zw ar dürfte sich ein berufliches Fortkom m en als schw ierig erw eisen, indessen ist in Berücksichtigung seines fam i- liären H intergrundes und seiner beruflichen Erfahrung und Flexibilität nicht davon auszugehen, dass er bei seiner R ückkehr in eine existenzielle N otlage geraten w ird, und dies unabhängig davon, ob er sich in Kabul oder der Provinz Baghlan niederlassen sollte. Im m erhin berichtete er davon, seine Fam ilienangehörigen führten seines W issens nach w ie vor ein norm ales Leben (A12/24 S. 7). Ausser- dem stehen einem Vollzug der W egw eisung nach Kabul und in die Provinz Bagh- lan w eder kriegerischen Aktivitäten noch andauernde Instabilität entgegen (EM AR K 2006 N r. 9 E. 7.8 S. 102). D em entsprechend ist der Vollzug der W egw ei- sung insgesam t gesehen als zum utbar zu erachten. 7.3 Schliesslich obliegt es dem Beschw erdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung seines H eim atstaates die für eine R ückkehr notw endigen R eisedokum ente zu be- schaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG ), w eshalb der Vollzug der W egw eisung auch als 8 m öglich zu bezeichnen ist. 7.4 D er von der Vorinstanz verfügte W egw eisungsvollzug steht daher in Ü bereinstim - m ung m it den zu beachtenden Bestim m ungen und ist zu bestätigen. N ach dem G esagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahm e ausser Betracht (Art. 14a Abs. 1 - 4 AN AG ). 8. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig fest- stellt und angem essen ist (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist nach dem G esag- ten abzuw eisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschw erdeführer auf- zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ) und auf insgesam t Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 2 und 3 des R eglem ents über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 20. April 2006 [VG KE]). (D ispositiv nächste Seite)9 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten, bestim m t auf Fr. 600.--, w erden dem Beschw erdeführer auf- erlegt. D ieser Betrag ist innert 30 Tagen zu G unsten der G erichtskasse zu über- w eisen. 3. D ieses U rteil geht an: - die Vertreterin des Beschw erdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben; Beilage: Ein- zahlungsschein) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N ) - das Am t für M igration D er R ichter: D er G erichtsschreiber: G érald Bovier G ert W inter