Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. November 2021 (725 21 137 / 300) ___________________________________________________________________ Unfallversicherung Adäquater Kausalzusammenhang bei HWS-Distorsion Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Caroline Meyer Ho- negger, Advokatin, Rittergasse 19A, Postfach 1540, 4001 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1980 geborene A.____ ist seit dem 1. April 20 17 Geschäftsführer der B.____ AG und durch die Arbeitgeberin bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 8. November 2017 erlitt er auf der Autobahn einen Auffahrunfall mit mehreren Beteiligten. Am nächsten Tag suchte er seinen Hausarzt, Dr. med. C.____ , auf, welcher eine HWS-Distorsion Grad I bis II diagnostizierte. Eine neurologische Untersuchung folgte am 18. Dezember 2017 im Spital mit anschliessender MRT-Abklärung am 20. Dezemb er 2017. Die Suva anerkannte ihre Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Leistungspflicht, richtete Taggelder aus und übernahm die Kosten der Heilbehandlung. Mit Ver- fügung vom 26. Oktober 2018 stellte die Suva die Versich erungsleistungen per 11. November 2018 ein. Auf Einsprache von A.____ hin, kam sie auf die Einstellungsverfügung zurück und er- brachte weiterhin Leistungen. Schliesslich stellte die Suva mit Verfügung vom 12. Juni 2020 die Leistungen per 21. Juni 2020 ein. Zur Begründung füh rte sie an, dass die noch geklagten Be- schwerden organisch nicht hinreichend nachweisbar seien und in keinem adäquaten Kausalzu- sammenhang zum Unfall vom 8. November 2017 ständen. Die vom Versicherten dagegen erho- bene Einsprache wies die Suva mit Entscheid vom 16. März 2021 ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Dr. Caroline Meyer Honegger, sub- stitutionsweise vertreten durch Advokat Adrian Berger, mit Eingabe vom 3. Mai 2021 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Er b eantragte, der angefochtene Ein- spracheentscheid vom 16. März 2021 sei aufzuheben und die gesetzlichen Leistungen seien wei- terhin zu erbringen. Eventualiter sei der Einspracheentscheid vom 16. März 2021 betreffend die Verneinung der Adäquanz aufzuheben und festzustellen, dass die Beschwerden natürlich und adäquat kausal auf den Unfall vom 8. November 2017 zurückzuführen seien. Subeventualiter sei ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben und nach dessen Vorliegen gestützt darauf neu zu verfügen. Der Unfall sei zu den schwereren Unfä llen im mittleren Bereich zu zählen. Es seien mindestens sechs der sieben vom Bundesgericht aufgestellten Kriterien, davon mehrere in ausgeprägtem Masse, gegeben. Folglich sei neben dem natürlichen auch der adäquate Kausal- zusammenhang zu bejahen. Ferner seien die Kosten der Ph ysiotherapie auch nach Fallab- schluss zu übernehmen, da es sich um eine zweckmässige Heilbeh andlung zum Erhalt der Er- werbstätigkeit handle. C. Mit Vernehmlassung vom 25. Mai 2021 beantragte di e Suva die Abweisung der Be- schwerde. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers seien vorliegend allenfalls zwei der massgebenden Kriterien in nicht erheblichem Umfang er füllt. Beim zu beurteilenden Unfall, der höchstens als mittelschwer einzustufen sei, könne die Adäq uanz nicht bejaht werden. Soweit in der Beschwerde beantragt werde, es seien weiterhin Hei lbehandlungskosten zu erbringen, be- stehe hierfür kein Raum, da der adäquate Kausalzusammenhang verneint worden sei und somit keine Leistungen durch die Unfallversicherung mehr geschul det seien. Es liege somit nicht der Fall vor, bei dem wegen Erreichens des Endzustandes und Verneinung einer Rente keine Heil- behandlungskosten mehr bezahlt würden, sondern es bestehe die Situation, dass keine Heilbe- handlungskosten (und auch keine anderen Leistungen wie Taggelder) mehr ausgerichtet würden, da der (adäquate) Kausalzusammenhang zu verneinen sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungs- träger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 3. Mai 2021 ist demnach einzutreten. 2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob der Versicherte über den 21. Juni 2020 hinaus Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung hat. 2.2 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Diese wir d mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 2.3 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Inva- lidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher Kausalzu sammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusamm enhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Entsprechend dieser Umschreibung ist für die B ejahung des natürlichen Kausalzu- sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesund- heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigend e Ereignis zusammen mit anderen Be- dingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.4 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt weite r voraus, dass zwischen dem ver- sicherten Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden auch ein adäquater Kausalzusammen- hang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis d ann als adäquate Ursache eines Er- folges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf de r Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis all gemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinweis). Ob bei Vorliegen eine s natürlichen Kausalzusammenhangs zwi- schen dem versicherten Ereignis und der eingetretenen g esundheitlichen Schädigung auch der Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht erforderliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzu sammenhang besteht, ist eine Rechts- frage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten R egeln vom Gericht zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). 2.5 Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfo lgen spielt die Adäquanz als recht- liche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 E. 2.1, 127 V 103 E. 5 b/bb). Liegen keine organisch (hinrei- chend) nachweisbaren Unfallfolgeschäden vor, hat eine besondere Adäquanzprüfung zu erfol- gen. Dabei ist rechtsprechungsgemäss wie folgt zu differenzieren (BGE 127 V 103 E. 5b/bb mit Hinweisen): Hat die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der HWS, einen äqui- valenten Verletzungsmechanismus oder ein Schädel-Hirntrauma, dessen Folgen sich mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen (BGE 117 V 382 E. 4b), erlitten und liegt in der Folge das für diese Verletzung typische bunte Beschwerdebild vor (diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw., BGE 119 V 338 E. 1), so ist die Adäquanz nach Massgabe der in BGE 117 V 359 ff. entwickelten und mit BGE 134 V 109 ff. modifizierten Grundsätze zu prüfen (sog. Schleudertrau ma-Praxis). Liegt kein Unfall mit einem Schleudertrauma oder einer adäquanzrechtlich äquivalente n Verletzung vor oder fehlt es nach einer solchen Verletzung an dem hierfür typischen bunten Beschwerdebild, so hat die Adäquanz- beurteilung der Folgeschäden des Unfalls nach den in BG E 115 V 133 ff. (sog. Psycho-Praxis) entwickelten Kriterien zu erfolgen. Der Unterschied be steht darin, dass bei Unfällen mit einem Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Unfallfolgen verzichtet wird (BGE 134 V 117 E. 6.2.1, 117 V 367 E. 6a in fine), während bei den übrigen Unfällen fü r die Beurteilung der Adäquanz psychischer Fehlentwicklungen lediglich das Unfallereignis als solches und die dabei erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden sowie deren objektive Folgen massgebend sind (BGE 115 V 140 E. 6c/aa). 2.6 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismi ttel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen . Dies bedeutet, dass das So- zialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig dav on, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Be- urteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.1 Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass der Besc hwerdeführer beim Verkehrs- unfall vom 8. November 2017 ein Schleudertrauma erlitten hat. Der Versicherte klagte unmittelbar nach dem Unfall über Kopf- und Nackenschmerzen sowie über Schwindel. Es folgten Schlafstö- rungen, Rücken-, Schulter- und Brustschmerzen sowie Schm erzen am linken Handgelenk. Dr. C.____ stellte die Diagnose einer HWS-Distorsion Grad I bis II (vgl. Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma vom 9. November 2017 sowie Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arztzeugnis UVG vom 23. November 2017). Im Spital fand infolge der drückenden, bitemporalen Kopfschmerzen am 18. Dezember 2017 eine neurologische Untersuchung statt und am 20. De- zember 2017 folgte eine Magnetresonanztomographie (MRT) der HWS. Im anschliessenden Be- richt des Spitals wurde die Diagnose eines Schleudertraumas der HWS bestätigt. Eine posttrau- matische Läsion im Bereich der HWS konnte mittels MRT-Bil dern ausgeschlossen werden. Als Nebenbefund war eine geringe degenerative, akute Osteochondrose mit Bandscheibenprotrusion HWK 5/6 ohne Wurzelkompression erkennbar. Als Therapie w urde Physiotherapie mit Kräfti- gungsübungen und Haltungsaufbau empfohlen. Am 9. Apr il 2018 wurde in der Rehaklinik ein ambulantes Assessement durchgeführt. Dabei wurden eine HWS-Distorsion Grad II, Spannungs- kopfschmerzen und aktuell ein residuelles zervikospondylogenes Syndrom festgestellt. Nebst der bereits besuchten Physiotherapie wurde dem Versicherten zusätzlich eine medizinisch geleitete Trainingstherapie (MTT) empfohlen, um schrittweise die Beweglichkeit und die Belastbarkeit wie- der zu steigern (vgl. Bericht vom 11. April 2018). 3.2 Am 18. Oktober 2018 folgte eine weitere neurolog ische Untersuchung im Spital wegen eines passageren intermittierenden Zitterns der Arme. Ein Zusammenhang dieser Beschwerden mit der HWS-Distorsion konnte nicht festgestellt werden. Bezüglich der HWS-Distorsion bestän- den entsprechend der anamnestischen Angaben chronische Zervikozephalgien, welche am ehesten auf eine muskuläre Dysbalance zurückzuführen seien, jedoch ohne Anhalt für fokalneu- rologische Defizite im Sinne einer Radikulopathie, Myelopahtie oder Ähnliches (vgl. Bericht vom 19. Oktober 2018). 3.3 Dr. C.____ überwies den Versicherten aufgrund persi stierender Beschwerden an Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie. Dr. D.____ stell te nach Untersuchung am 1. November 2018 ein chronisches zervikocephales Syndrom bei Status nach Kollision respektive Auffahrkol- lision mit begleitender Angstkomponente fest. Anamenst isch leide der Versicherte seit der Auf- fahrkollision an persistierenden hoch zervikalen Schmerzen mit Ausstrahlung über die Kopfhaut nach anterior. Klinisch zeige sich das typische Bild einer muskulären Dysfunktion der hoch zervi- kalen Segmente passend zur Anamnese. Hinweise für eine P roblematik des Nervus medianus oder aber auch für vermindertes neuronales Gleiten an d en oberen Extremitäten gebe es nicht. Für die Angstkomponente werde die Medikation mit Cipralex ergänzt. Ferner erfolge eine erneute physiotherapeutische Behandlung zur Verbesserung der muskul ären Dysbalance. Gegebenen- falls kämen im Verlauf eine Infiltration der okzipitale n Nerven oder aber auch eine zusätzliche Destruktion von Entspannungstechniken in Frage (vgl. Bericht vom 28. November 2018). 3.4 Die Kreisärztin Dr. med. E.____, Fachärztin für Chi rurgie, hielt in ihrer Beurteilung vom 18. Dezember 2018 fest, dass weder im Rahmen der klinischen, orthopädischen und fachneuro- logischen Untersuchung noch im Rahmen der bildgebenden Diagnostik (MRT vom 20. Dezember 2017) objektivierbare strukturelle Folgen des Unfalles dokumentiert seien. Von einer weiteren Behandlung der Unfallfolgen könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit, mehr als zwölf Mo- nate nach dem Unfall, keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden. 3.5 Mit ärztlichem Zwischenbericht vom 12. März 2020 führ te Dr. C.____ gleich wie Dr. D.____ ein chronisches zervikospondylogenes Syndrom auf. Die Beschwerden seien in etwa Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht stationär. Sofern regelmässig Sport betrieben würde, sei eine Beschwerdefreiheit denkbar. Der Versicherte sei heute zu 100 % arbeitsfähig. Am 14. Ma i 2020 attestierte der Hausarzt rückwir- kend ab 18. März 2020 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit au fgrund einer Zunahme der Kopf-, Na- cken- und Rückenbeschwerden. 3.6 Kreisarzt Dr. med. F.____, Facharzt für Chirurgie, kam nach Würdigung der medizini- schen Aktenlage zum Schluss, dass mittlerweile zweieinhalb Ja hre nach dem Unfall die anhal- tenden Beschwerden nach Ausschluss von objektivierbaren, st rukturellen Verletzungen nicht mehr unfallkausal bzw. durch das Ereignis vom 8. November 2017 zu erklären seien. Diese seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit krankheitsbedingt und auf einen bereits 2017 in der MRT nachgewiesenen degenerativen Vorzustand bzw. auf die Diskushernie HWK 5/6 zurückzuführen (vgl. Bericht vom 16. Juni 2020). 4. Vorliegend ist unbestritten, dass der Versicherte am 8 . November 2017 ein Distorsions- trauma der HWS erlitten hat und dass die geklagten Beschwerden nicht hinreichend objektivier- bar sind. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Suva die Adäquanz der Unfallfolgen nach der Schleudertrauma-Praxis gestützt auf BGE 117 V 359 und BGE 134 V 109 geprüft hat. 4.1 Die Prüfung der Adäquanz ist bei Anwendung der Sch leudertrauma-Praxis in jenem Zeit- punkt vorzunehmen, in dem von der Fortsetzung der auf da s Schleudertrauma-Beschwerdebild gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung mehr zu erwarten ist (BGE 134 V 109 E. 4.3 und E. 6.2). Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich nach Mas- sgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Dabei verdeutlicht die Verwendung des Begriffs "namhaft" durch den Gesetzgeber, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (Urteile des Bundesgerichts vom 13. Juli 2017, 8C_184/2017, E. 2.2 und vom 2. Mai 2014, 8 C_888/2013, E. 4.1; RKUV 2005 Nr. U 557 S. 388, U 244/04 E. 3.1). 4.2 Die Suva ging im Juni 2020 davon aus, dass von eine r weiteren Behandlung der Unfall- folgen keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden könne. Dies ist nicht zu beanstanden, selbst wenn der Hausarzt des Versicherten, Dr. C.____, am 14. Mai 2020 rückwirkend ab 18. März 2020 eine Verschlechterung des Gesu ndheitszustandes und eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit attestierte. In seinem vorhe rigen Bericht vom 12. März 2020 berich- tete Dr. C.____ von einem grundsätzlich stabilen Zustand und einer vollen Arbeitsfähigkeit seit 3. Juni 2019. Regelmässige Bewegung und Übungen nach physiot herapeutischer Anleitung seien die gegenwärtige Therapie. Eine konsekutive Gewichtsreduktion werde zusätzlich empfohlen. In seinem Bericht vom 14. Mai 2020 empfahl Dr. C.____ die Weiterführung der bisherigen Therapie, allenfalls eine intensivierte Physiotherapie und Bedarfs analgesie. Ein neuer ärztlicher oder the- rapeutischer Ansatz wurde nicht vorgeschlagen. Die Grenze des Behandelbaren schien erreicht zu sein. Von einer Fortsetzung der ärztlichen bzw. physiotherapeutischen Behandlung über den Zeitpunkt des Fallabschlusses hinaus kann jedenfalls nicht auf eine namhafte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit geschlossen werden, sind die Therapievorschläge doch die gleichen geblieben. Dass der Versicherte von weiterer Physiotherapie profitie ren kann, genügt praxisgemäss nicht, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht um den Fallabschluss hinauszuzögern. Ärztliche Verlaufskontr ollen, die Einnahme von Medika- menten sowie manualtherapeutische Behandlungen gelten nicht als kontinuierliche, mit einer ge- wissen Planmässigkeit auf eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung im Sinne der Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Dezember 2019, 8C_674/2019, E. 4.3 mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf die reduzierte Arbeitsfähigkeit handelt es sich offenbar um eine Schwankung nach einer stabilen Arbeitsphase. Der Beschwer- deführer konnte denn auch seine Arbeitsfähigkeit schrittweise wieder steigern, zuerst ab Novem- ber auf 70 % und seit Januar 2021 arbeitet er wieder zu 100 %. Der Kreisarzt Dr. F.____ kam schliesslich ebenfalls zum Schluss, dass weiterführende Therap ien den Gesundheitszustand nicht verbessern könnten (vgl. Bericht vom 16. Juni 2020). Dass die Suva im Juni 2020 in Prüfung der Adäquanz den Fall abschloss, ist nach der medizinisc hen Aktenlage folglich nicht zu bean- standen. Im Übrigen wird der Zeitpunkt des Abschlusses von der beschwerdeführenden Partei auch nicht bestritten. 5.1 Strittig hingegen ist, ob die Suva den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen den noch vorhandenen Beschwerden und dem Unfall vom 8. Nov ember 2017 zurecht verneint hat. Die Bejahung der Adäquanz nach der "Schleudertrauma-Pr axis" setzt voraus, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufw eist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – zwischen banalen beziehungsweise leichten Unfällen einerseits, schweren Unfällen anderseits und sch liesslich dem dazwischenliegenden mittleren Bereich unterschieden wird. Während der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel bei schweren Unfällen ohne weiteres bejaht und bei leichten Unfällen verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem mittle ren Bereich nicht aufgrund des Unfall- geschehens allein schlüssig beantworten. Es sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzu beziehen. Es handelt sich dabei um folgende Kriterien: besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; eine fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung; erhebliche Beschwerden; eine ärztliche Fehlbehandlung, wel- che die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; ein schwier iger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie eine erhebliche Arbeitsunfähigkei t trotz ausgewiesener Anstrengungen (BGE 134 V 109 E. 10.3). Dabei ist nicht in jedem Fal l der Einbezug sämtlicher Kriterien in die Gesamtwürdigung erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist. Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Kommt keinem Einzelkriterium besonde res bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere der sieben unfallbezogenen Kriter ien bejaht werden können (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2018, 8C_414/2017, E. 3.4). Diese Würdigung des Unfalls zu- sammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausal- zusammenhangs (BGE 117 V 367 E. 6b). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Praxisgemäss werden einfache Auffahrkollisionen auf e in haltendes Fahrzeug als mit- telschwere Unfälle im Grenzbereich zu den leichten Unf ällen betrachtet (Urteil des Bundesge- richts vom 14. Juni 2017, 8C_833/2016, E. 6.1). Aus dem Rapport der Polizei des Kantons Solo- thurn vom 8. November 2017 und dem unfallanalytischen Gutachten mit biomechanischer Beur- teilung (Kollisionsanalyse) vom 10. April 2018 geht hervor, dass der Beschwerdeführer in seinem Auto auf der Autobahn auf dem Normalstreifen unterwe gs war, als er den stockenden Verkehr vor ihm bemerkte. Er wechselte auf die Überholspur, verr ingerte seine Geschwindigkeit und bremste schliesslich bis zum Stillstand ab. Die hinter ihm fahrende Lenkerin bemerkte zwar den stockenden Verkehr, zu spät aber, dass die Kolonne stillst and. Sie leitete zwar sofort eine Voll- bremsung ein, fuhr jedoch in das Heck des Wagens des Be schwerdeführers. Durch die Wucht der Kollision wurde sein Personenwagen in das Heck des vor ihm stehenden Fahrzeuges hinein- geschoben. Das Fahrzeug des Beschwerdeführers war durch den Aufprall vorne an der Stoss- stange, am Kühlergrill und an der Motorhaube eingedr ückt. Am Heck wies das Auto Beschädi- gungen an der Stossstange, am Kofferraum, an den rechten und linken Schlusslichtern sowie am rechten Kotflügel auf. Gemäss Kollisionsanalyse lag die ko llisionsbedingte Geschwindigkeit (Delta-v) des Mercedes des Beschwerdeführers beim Heckanstoss zwischen 14,7 und 17,9 km/h, womit von einem Mittelwert von 16 km/h ausgegangen werd en könne. Falls das angestossene Fahrzeug bzw. weitere Fahrzeuge im Kollisionsmoment gebremst worden wäre/wären, könne die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung etwas tiefer gewesen sein (um ca. 1 km/h, je nach Bremsintensität). Anschliessend sei der Mercedes mit einer relativen Kollisionsgeschwindigkeit von etwa 8 bis 13 km/h gegen das vor ihm stehende Fahrzeug geprallt. Durch diese zweite Kol- lision habe der Mercedes eine kollisionsbedingte Geschwindig-keitsänderung (diesmal eine Ver- langsamung) von 5,1 bis 8,5 km/h erfahren. Es könne von einem Mittelwert von ca. 7 km/h aus- gegangen werden. Der Wert der Heckkollision liegt mit 16 km/h (ohne Berücksichtigung einer Bremsung) knapp über der für Heckkollisionen im Normalfall angenommenen Harmlosigkeitsgrenze von 10-15 km/h. Die Vorinstanz wertete den Unfall als mittelschweren Unfall im engeren Sinne (mittleren Bereich; Ur- teil des Bundesgerichts vom 7. Oktober 2011, 8C_1026/20 10, 5.3 [Massenkarambolage, ohne grössere Verletzungen]). Sofern der Beschwerdeführer der Auffassung ist, es habe sich um eine massive Auffahrkollision gehandelt, weshalb mindestens von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen auszugehen sei, kann ihm aufgrund der beschriebenen Unfallsituation und der gemessenen Kollisionsgeschwindig keit nicht gefolgt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Dezember 2020, 8C_548/2020, E. 4.3). Daran ändert auch der Total- schaden des Autos des Versicherten nichts, bestand ein solcher doch nur deshalb, weil der Zeit- wert des Fahrzeugs von Fr. 3'350.-- weniger betrug als d ie Reparaturkosten (vgl. Zusatzbericht Xpertcenter vom 23. November 2017). Die Adäquanz wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder mindestens drei der sieben zu berücksichtigenden Kriterien gegeben wären (Urteil des Bun- desgerichts vom 19. Februar 2020, 8C_518/2019, E. 4.2). 5.3 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitu mstände oder der besonderen Ein- drücklichkeit des Unfalls ist objektiv zu beurteilen und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht bzw. des Angstgefühls der versicherten Person (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Januar 2015, 8C_325/2014, E.4.2.2). Beim vorliegenden Unfall handelt es sich um einen einfachen Auffahrun- fall, der sich nicht unter besonders dramatischen Begle itumständen abgespielt hat. Auch wenn der Unfall für den Versicherten eindrücklich gewesen ist, kann er aus objektiver Sicht und unter Berücksichtigung, dass jedem mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit innewohnt (Urteil des Bundesgerichts vom 20. November 2008, 8C_397 2008, E. 5.2) nicht als besonders eindrücklich im Sinne der massgebenden bundesgerichtlichen Rechtsprechung bezeichnet wer- den. Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder der besonderen Eindrück- lichkeit des Unfalls ist somit zu verneinen. 5.4.1 Die Diagnose einer HWS-Distorsion genügt für sich allein nicht zur Bejahung des Krite- riums der Schwere oder besonderen Art der erlittenen V erletzung. Zur Bejahung dieses Kriteri- ums bedarf es einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma beziehungsweise für die adäquanzrechtlich äquivalente Verletzung typischen Beschwe rden oder besonderer Umstände, die das Beschwerdebild beeinflussen können. Es kann sich da bei zum Beispiel um eine beim Unfall eingenommene spezielle Körperhaltung und die d adurch bewirkten Komplikationen han- deln. Auch erhebliche Verletzungen, welche sich die ver sicherte Person neben dem Schleuder- trauma beim Unfall zugezogen hat, können bedeutsam sein (BGE 134 V 109 E. 10.2.2). Ferner entspricht es einer allgemeinen Erfahrungstatsache, d ass pathologische Zustände nach HWS- Verletzungen bei erneuter Traumatisierung stark exazerbieren können. Die Annahme einer Ver- letzung der besonderen Art rechtfertigt sich allerdings nur bei Vorliegen einer erheblich vorge- schädigten Wirbelsäule (Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2015, 8C_791/2014, E. 4.2.2 mit weiteren Hinweisen). 5.4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass dieses K riterium zu bejahen sei, weil er in- nert kürzester Zeit drei Auffahrunfälle mit Beteiligung der HWS erlitten habe und die Behandlung der Folgen des zweiten Auffahrunfalles im Zeitpunkt d es aktuell zu beurteilenden Unfalles noch nicht abgeschlossen gewesen sei. Die bereits vorgeschädi gte HWS sei durch den dritten Unfall nochmals massiv lädiert worden, was auch die lange Thera piedauer und Arbeitsunfähigkeit er- kläre. Der erste Auffahrunfall habe er anfangs 2016 erlitten. Dabei habe es sich aber glücklicher- weise um einen eher leichten Unfall gehandelt. Der zweite Auffahrunfall sei am 3. Juni 2016 pas- siert. Dieser zweite Unfall sei bereits deutlich schlimmer gewesen und habe zu einer längeren medizinischen Behandlung und einer Arbeitsunfähigkeit von über vier Wochen geführt. 5.4.3 Der Argumentation des Beschwerdeführers kann ni cht gefolgt werden. In Bezug auf den ersten Unfall ist anzunehmen, dass er keine Verletzungsfolgen für die Wirbelsäule hatte, sprach der Beschwerdeführer doch von einer leichten Kollision. Der Unfall wurde der Unfallversicherung auch nicht gemeldet, weshalb diesbezüglich auch keine Unterlagen existieren. Beim zweiten Un- fall handelte es sich gemäss beschriebenem Unfallhergang ebenfalls um eine leichtere Kollision. Das Röntgenbild der HWS vom 6. Juni 2016 zeigte einen unauffälligen Befund (Untersuchungs- bericht vom 6. Juni 2016) und gemäss Unfallschein war der Versicherte ab Mitte Juli 2016 wieder voll arbeitsfähig gewesen. Somit war er über ein Jahr lang wieder zu 100 % arbeitsfähig bis er am 8. November 2017 erneut verunfallte. In Bezug auf die fortdauernde Behandlung gab der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherte am 18. April 2017 an, dass er Schmerzmittel einnehme und zweimal pro Monat Phy- siotherapie besuche. Dies ist nicht aussergewöhnlich bei HWS-Distorsionen. Aufgrund der vor- liegenden Faktenlage ist nicht davon auszugehen, dass die Wirbelsäule beim Unfall vom 8. No- vember 2017 erheblich vorgeschädigt war. Die dabei erl ittene HWS-Distorsion ist folglich nicht als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren. 5.5 Das Kriterium einer fortgesetzt spezifischen, die ve rsicherte Person belastenden ärztli- chen Behandlung bedingt, gesamthaft betrachtet, eine ko ntinuierliche, mit einer gewissen Plan- mässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustands gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine Behandlungsbedürftigkeit von zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma durchaus üblich ist (Urteil des Bundesge- richts vom 6. Februar 2007, U 479/05, E. 8.3.3). Wie die Suva zu Recht bemerkte, dauerte die Behandlung vom Unfall am 8. November 2017 bis zur Adäq uanzprüfung im Sommer 2019 ein- einhalb und nicht fünf Jahre. Ferner stellen manualtherapeutische Vorkehren in Form von Physi- otherapie sowie medikamentöse Behandlungen keine spezifische, die versicherte Person speziell belastende ärztliche Behandlungen dar. Dasselbe gilt für alternativ- und komplementärmedizini- sche Behandlungen (Urteile des Bundesgerichts vom 14. Februar 2012, 8C_150/2011, E. 9.2.4, vom 6. Februar 2007, U 479/05, E. 8.3.3, vom 1. April 2015, 8C_791/2014, E. 4.2.4). Da die vom Beschwerdeführer angegeben Behandlungen unter die genannten Kategorien fallen, gilt das Kri- terium als nicht erfüllt. 5.6 Das Kriterium der erheblichen Beschwerden ist aufg rund der Individualität des Schmerz- empfindens subjektiv ausgeprägt und deshalb zu objektivieren. Adäquanzrelevant können nur die in der Zeit zwischen dem fraglichen Unfall und dem Fallabschluss ohne wesentlichen Unterbruch bestehenden erheblichen Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach Massgabe der glaubhaften Schmerzen und der Beeinträchtigung, welc he die verunfallte Person durch die Be- schwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 128 E. 10.2.4). Der Beschwerdeführer führt aus, dass er an ständigen Nacken-, Rücken- und Kopfschmerzen l eide. Auch Schwindel trete inter- mittierend auf, begleitet von Sehstörungen. Ferner spüre er ein Kribbeln in der Hand und seit dem Unfall leide er unter Schlafstörungen. Nur dank der Physiotherapie und der alternativen Therapien sowie der niedrigen Auftragslage, sei es ihm möglich, V ollzeit zu arbeiten. Die Suva pflichtete dem Versicherten bei, dass die Beschwerden zu einer gewissen Verminderung der Lebensquali- tät führten. Das Kriterium der erheblichen Beschwerden sei jedoch nicht in ausgeprägter Form erfüllt, da der Versicherte 100% arbeiten könne. Dem ist nichts entgegen zu setzen. 5.7 Der Versicherte macht zu Recht nicht geltend, das s das Kriterium der ärztlichen Fehlbe- handlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimm ert hat, erfüllt sei (BGE 134 V 129 E. 10.2.5). 5.8 Die beiden Teilaspekte des Kriteriums des schwierig en Heilungsverlaufs und der erheb- lichen Komplikationen müssen nicht kumulativ erfüllt sein . Rechtsprechungsgemäss darf allein aus der Dauer der ärztlichen Behandlung und der vorhand enen Beschwerden nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es be- darf vielmehr besonderer Gründe, welche die Heilung b eeinträchtigt haben. Nicht darunter zu Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht zählen sind etwa die Einnahme vieler Medikamente und die Durchführung verschiedener Thera- pien. Ebenso wenig vermag die Tatsache, dass trotz rege lmässiger Therapien weder eine Be- schwerdefreiheit noch eine (vollständige) Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit erreicht werden konnten, das Kriterium zu erfüllen (Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2015, 8C_791/2014, E. 4.2.5 mit Hinweisen). Besondere Gründe, die die Heilung beeinträchtigten oder zu erheblichen Komplikationen geführt hätten, sind vorliegend nicht ersichtlich. Namentlich lässt die Dauer der Behandlung seit dem Unfall vom 8. Nove mber 2017 nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf schliessen (vgl. E. 5.5). 5.9 Beim Kriterium der Arbeitsunfähigkeit ist dem Umst and Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumata der HWS ein längerer oder gar dauernder Aus- stieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt au s als eher ungewöhnlich er- scheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist dahe r massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, welche die versicherte P erson trotz ernsthaften Anstrengungen nicht zu überwinden vermag. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweise n vermag, kann das Kriterium erfüllen (BGE 134 V 109 E. 10.2.7). Das Kriterium der erhebli chen Arbeitsunfähigkeit bezieht sich nicht nur auf den angestammten Beruf, sondern auch auf alternative leidensangepasste Arbeiten (Ur- teil des Bundesgerichts vom 9. April 2014, 8C_635/2013) . Die Vorinstanz hat dieses Kriterium anerkannt, aber nicht im ausgeprägtem Ausmass. Der Beschw erdeführer war nach dem Unfall zunächst vom 9. November 2017 bis 28. Januar 2018 (für zweieinhalb Monate) zu 100 %, an- schliessend vom 29. Januar 2018 bis 28. Februar 2018 (für einen Monat) zu 50 %, dann vom 1. März 2018 bis 6. März 2018 (eine Woche) zu 30 %, vom 7. März 2018 bis 3. Juni 2018 (für drei Monate) zu 100 %, anschliessend vom 4. Juni 2018 bis 19. August 2018 (für zweieinhalb Monate) zu 70 %, danach vom 20. August 2018 bis 23. April 2019 (für acht Monate) wieder zu 50 % und vom 24. April 2019 bis 2. Juni 2019 (für eineinhalb Mo nate) zu 30 % arbeitsunfähig. Ab dem 3. Juni 2019 bis zum 5. März 2020 (für neun Monate) war es dem Beschwerdeführer möglich, Voll- zeit tätig zu sein. Ab dem 6. März 2020 bis zum 26. November 2020 (achteinhalb Monate) war er erneut zu 50 % und vom 27. November 2020 bis 17. Jan uar 2021 (für rund eineinhalb Monate) zu 30 % arbeitsunfähig (vgl. zu den Arbeitsunfähigkeit szeiten die detaillierte Taggeldübersicht der Suva sowie die Unfallscheine). Seit dem 18. Januar 2021 – mithin nach Fallabschluss – ist er vollständig arbeitsfähig in seiner angestammten Tätigk eit, wobei rund die Hälfte der Arbeitszeit auf den administrativen Teil entfällt und rund 50 % auf die Arbeit in der Werkstatt. Dem Versi- cherten ist zugute zu halten, dass er sich bemühte, wieder in den Arbeitsprozess zu finden und immer wieder eine Teilarbeitsfähigkeit erreichte. D amit konnte er die Perioden vollständiger Ar- beitsunfähigkeit mit insgesamt fünfeinhalb Monaten verhältnismässig kurzhalten. Von einer aus- geprägten Arbeitsunfähigkeit kann – gesamthaft betrach tet – nicht gesprochen werden. Nament- lich ist festzuhalten, dass der Versicherte zwar Geschäftsfüh rer ist, sein Aufgabenbereich aber auch die Tätigkeit in der Werkstatt im Bereich Pneuwechsel umfasst. Dass er diesen, körperlich schweren Teil der Arbeit längere Zeit nicht ausführen konnte, ist naheliegend. 6. Können somit insgesamt höchstens zwei der zu prüfend en Adäquanzkriterien als erfüllt gelten, wenn auch nicht in besonders augenfälliger Form, reicht dies beim festgestellten Schwe- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht regrad des Unfalls nicht aus, um die noch vorhandenen Beschwerden nach der allgemeinen Le- benserfahrung und dem üblichen Lauf der Dinge auf das Ereignis vom 8. November 2017 zurück- zuführen (Urteil des Bundesgerichts vom 31. Juli 2009, 8C_172/2009, E. 5.3.5 mit Hinweisen). Demnach hat die Suva den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 8. No- vember 2017 und den vom Versicherten über den 21. Juni 2020 hinaus geklagten gesundheitli- chen Beeinträchtigungen zu Recht verneint. Infolgedessen ist nicht nur das Leistungsbegehren, sondern auch das eventualiter gestellte Feststellungsbegehren abzuweisen. 7. Auch aus dem Vorbringen des Versicherten, wonach di e Suva die Kosten für die Heil- behandlung zur Aufrechterhaltung des Status quo zu übernehmen habe, kann kein Leistungsan- spruch über den 21. Juni 2020 hinaus begründet werden. Zwar sind die Kosten für Pflegeleistun- gen zur Erhaltung der verbleibenden Erwerbstätigkeit gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG durch den Unfallversicherer zu vergüten. Für eine solche Leistungspflicht ist jedoch vorausgesetzt, dass die versicherte Person dauernd einer Behandlung und der Pflege bedarf und sie aufgrund des versi- cherten Ereignisses einen Rentenanspruch hat. Vorliegend steht fest, dass der Versicherte auf- grund des Unfalls vom 8. November 2017 keinen Rentenanspruch hat. Eine Leistungspflicht über den Fallabschluss per 21. Juni 2020 hinaus besteht im Übrigen auch deshalb nicht, weil es – wie die Suva richtig festgehalten hat – am adäquate Kaus alzusammenhang zwischen Unfallereignis und den geklagten Beschwerden über diesen Zeitpunkt hinaus fehlt. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Nach Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Da das UVG keine grundsätzliche Kostenpflicht vorsieht, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Eine Parteientschädigung wird dem Ausgang des Verfahrens entspre- chend nicht ausgerichtet. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht