B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1103/2023 U r t e i l v o m 2 . M ä r z 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Walter Lang; Gerichtsschreiberin Linda Mombelli-Härter. Parteien A._______, geboren am (…), Russland, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 17. Februar 2023 / N (…). E-1103/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reiste am 28. Dezember 2022 in die Schweiz ein und suchte am darauffolgenden Tag um Asyl nach. Er gab seinen russi- schen Reisepass zu den Akten. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck - Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am (…) 2022 bereits in Kroatien ein Asylgesuch eingereicht hatte. B. Im Rahmen der Personalienaufnahme vom 9. Januar 2023 erklärte der Be- schwerdeführer, er habe sein Heimatland am 21. Oktober 2022 verlassen. Das erste europäische Land, in das er eingereist sei, sei Slowenien gewe- sen (am […] 2022). Gleichentags mandatierte er die ihm zugewiesene Rechtsvertretung. C. Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 11. Januar 2023 im Rah- men des persönlichen Gesprächs (gemäss Art. 5 der Verordnung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit- gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio- nalen Schutz zuständig ist [nachfolgend: Dublin-III-VO]) das rechtliche Ge- hör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit einer Wegweisung nach Kroatien, welches grundsätzlich für die Behandlung sei- nes Asylgesuchs zuständig sei. Dabei machte der Beschwerdeführer geltend, er habe in Kroatien nicht um Asyl nachsuchen wollen. Er sei über die Türkei, Serbien und Bosnien an die kroatische Grenze gelangt. Nachdem die bosnischen Beamten die Pässe abgestempelt hätten, hätten die kroatischen Behörden die Pässe genommen und sie seien über 24 Stunden ohne Essen und Trinken in Con- tainern festgehalten worden. Am ersten Tag sei es noch gegangen. Am zweiten Tag sei er in ein kleines Zimmer verlegt worden, was sehr schwie- rig gewesen sei. Es seien so viele Leute im Zimmer gewesen, dass man nicht habe sitzen können. Später seien noch Iraner angekommen, welche nass gewesen seien und draussen hätten bleiben müssen. Nach Wasser zu fragen, sei wegen unfreundlicher Beamten sehr schwierig gewesen. Er E-1103/2023 Seite 3 habe sich aber zum Beten mit Wasser waschen müssen, um das er hab e betteln müssen. Gebetet habe er draussen auf dem Boden. Danach sei er von der Grenze zu einem Polizeiposten gebracht worden, wo er während sieben Stunden in einem kleinen Container voller Menschen festgehalten worden sei. Dort habe man ihm nichts erklärt . Sodann sei er in der Nacht weiter zu einem Flüchtlingscamp gefahren worden. Es sei ein Fahrzeug für sechs Personen gewesen. Dennoch seien jeweils zwölf Personen zusam- men transportiert worden. Am frühen Morgen seien sie beim Camp ange- kommen. Dort habe man sie angeschrien, da man nicht gewusst habe, was man machen müsse. Einige seien nicht ins Camp, sondern zum Bahnhof gebracht worden. Nachdem er im Camp eine Nummer erhalten habe, sei er in ein Zimmer gebracht worden. Dort habe es Säcke mit alter Bettwä- sche und abgelaufenen Lebensmitteln gehabt. Über dreissig Personen seien in dem kleinen Zimmer gewesen, in dem es gestunken habe und schmutzig gewesen sei. Zudem habe man das Fenster nicht richtig schlies- sen können und an der Decke gesehen, dass bei Regen Wass er durch- komme. Er habe zuvor zwei Tage nicht duschen können. Die Duschen dort seien alt, kaputt und schmutzig gewesen. Er habe am nächsten Tag Fami- lien gebeten, dass man ihn deren Dusche benutzen lasse, da die Bedin- gungen dort besser gewesen seien. Er habe (…) im Camp verbracht und sei dann am folgenden Abend von dort weggegangen. Im Camp seien Flüchtlinge (insb. aus dem Iran) angeschrien und geschlagen worden. Er sei nicht geschlagen, aber angeschrien worden. Er habe gehört, dass man B._______ auch schlagen würde. Einige seiner Landsleute seien durch die Behandlung im Camp dazu gebracht worden, sich zu widersetzen. Sie seien wie Tiere behandelt worden. Ferner habe er gehört, dass es in Kro- atien immer schlimmer werde. Landsleute seien dort geschlagen worden und man habe sie aufgefordert, keinen Antrag zu stellen. Danach seien diese trotzdem geschlagen und aufgefordert worden, nicht darüber zu be- richten. Zudem seien im Camp mehr als die Hälfte der Personen an Covid erkrankt. Er sei nach der Flucht aus dem Camp drei Tage lang krank ge- wesen (Fieber, Husten, Gliederschmerzen und Übelkeit). Im Camp habe es keine medizinische Unterstützung gehabt. Man habe zwar Essen be- kommen, sich aber nicht verspäten dürfen. Einmal habe er nach dem Es- sen das Geschirr wegbringen wo llen und sei dann von einem Mitarbeiter angeschrien worden. Bei einer Rückführung nach Kroatien bestehe die Ge- fahr, dass er wie viele B._______ nach Russland abgeschoben würde. Von dieser Gefahr habe er von vielen gehört. In seiner Heimat werde nach ihm gesucht. Zu seinem Gesundheitszustand führte er aus, er sei gesund. E-1103/2023 Seite 4 D. Am (…) 2023 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Rücküber- nahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Diesem Gesuch wurde am (…) 2023 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III- VO entsprochen. E. Mit Verfügung vom 17. Februar 2023 (eröffnet am 20. Februar 2023) trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegwei- sung nach Kroatien, forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Gleichzeitig verfügte das SEM die Aushän- digung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine auf- schiebende Wirkung zu. F. Am 20. Februar 2023 zeigte die Rechtsvertretung dem SEM die Beendi- gung des Mandatsverhältnisses an. G. Mit Beschwerde vom 24. Februar 2023 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei aufzu- heben, die Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen, eventualiter sei der Ent- scheid der Vorinstanz aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren Sachverhaltsabklärungen (insbesondere zur besonderen Situation als B._______) an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte er, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzich- ten und es sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Ferner sei im Sinne vorsorglicher Massnahmen die aufschiebende Wirkung zu ertei- len und die Voll zugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung nach Kroatien abzusehen, bis das Gericht über die vorliegende Be- schwerde entschieden habe. Der Beschwerde wurden zwei Berichte vom Dezember 2022 der C._______ beigelegt. E-1103/2023 Seite 5 H. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 27. Februar 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh- rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge- reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel verzichtet. E-1103/2023 Seite 6 4. 4.1 Der Beschwerdeführer erh ob die formelle Rüge, das SEM habe den Sachverhalt unzureichend ermittelt. Es habe sich auf pauschale Aussagen beschränkt und seinen Fall nicht individuell geprüft. Es sei in Form einer Standardformulierung erwähnt worden, dass in Kroatien keine Fälle von Benachteiligung oder völkerrechtswidriger Behandlungen dokumentiert seien, was der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts wider- spreche und den Anspruch auf rechtliches Gehör verletze, wonach eine Begründung im Einzelfall zwingend sei. Insbesondere habe sich die Vor- instanz nicht damit auseinandergesetzt, dass er als B._______ in Kroatien besonders gefährdet sei, wie alles, was er gehört habe , und die Berichte, die er beilege, zeigten. Vielleicht habe er diesen Aspekt an der Befragung zu wenig erklären können. Die Vorinstanz habe es ferner unterlassen, die Frage einer Kettenabschiebung zu prüfen. Dies sei vor dem Hintergrund von Art. 3 EMRK und dem Verbot von Kettenabschiebungen besonders kri- tisch. «Push-backs» aller Art seien in Kroatien allgemein häufig . Und die Gefahr sei real, dass ihn Kroatien nach Russland abschiebe (oder in die Türkei, von wo aus er nach Russland abgeschoben würde). Dies wäre sein Tod. Die Vorinstanz habe sich hierzu pauschal geäussert und darauf hin- gewiesen, dass es gemäss Abklärun gen kaum denkbar sei, dass Dublin - Rückkehrenden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Zagreb eine Kettenab- schiebung drohe. Dieser Ansicht werde widersprochen. Entgegen der Dar- legung der Vorinstanz würden deutsche Gerichte die vorinstanzliche Ein- schätzung hinsichtlich systemischer Mängel zudem nicht teilen. Es bestün- den erhebliche Zweifel an der Ernsthaftigkeit und Vollständigkeit der durch die Vorinstanz durchgeführten Abklärungen zur Situation der Dublin-Rück- kehrenden. 4.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Die Behörde hat von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtser- heblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Un- terlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und darüber Beweis zu führen (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind nur dann vor- zunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen. 4.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung auf die generelle Situation Asylsuchender in Kroatien hingewiesen. Sie hat aber auch die E-1103/2023 Seite 7 persönlichen Angaben des Beschwerdeführers am Dublin -Gespräch auf- genommen und diese – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – ausreichend gewürdigt (vgl. Verfügung S. 3 ff.). Sie hat sich ferner zur Frage drohender Kettenabschiebung von Dublin-Rückkehrenden in Kroa- tien geäussert (vgl. a.a.O. S. 5 f.). Da der Beschwerdeführer am Gespräch nicht konkret aufgezeigt hat, weshalb er persönlich bei einer Rückkehr nach Kroatien von einer realen Abschiebungsgefahr nach Russland oder in die Türkei besonders betroffen sein könnte, durfte die Vorinstanz folge- richtig keine Veranlassung gesehen haben, sich weiter damit auseinander- zusetzen. Entsprechende individuelle Ergänzungen oder Nachweise sind auch der Beschwerdeschrift nicht zu entnehmen . Mithin kann vorliegend von einem hinreichend erstellten Sachverhalt ausgegangen werden. Dass der Beschwerdeführer die Einschätzung der Vorinstanz (in Bezug auf sei- nen Fall sowie in genereller Hinsicht) nicht teilt und auf andere Quellen (u.a. Rechtsprechung deutscher Gerichte) hinweist , vermag daran nic hts zu ändern. Die formelle Rüge erweist sich als unbegründet. Anlass für eine Rückweisung an die Vorinstanz zu weiteren Sachverhaltsabklärungen be- steht nach dem Gesagten nicht, weshalb das Eventualbegehren abzuwei- sen ist. 5. 5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfa hren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rah- men eines Wiederaufnahmeverfahrens findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und E. 8.2.1 m.w.H.). Die Zuständigkeit beziehungsweise die Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d bezie- hungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union [EuGH], Grosse Kammer vom 2. April 2019, H. und E-1103/2023 Seite 8 R., C 582/17 und C-583/17, EU:C:2019:280, Rn. 47–50; BVGE 2019 VI/7 E. 4–6). 5.3 Der Beschwerdeführer hatte gemäss Eurodac -Treffer (…) vor seiner Asylgesuchstellung in der Schweiz bereits in Kroatien um Asyl nachge- sucht (vgl. Sachverhalt Bst. A). Das SEM ersuchte deshalb die kroatischen Behörden am (…) 2023 um Wiederaufnahme des Beschwer deführers. Diese Behörden stimmten dem Ersuchen der Vorinstanz am (…) 2023 zu (unter Hinweis auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO). Die Zuständigkeit Kroati- ens steht somit grundsätzlich fest. Die Hinweise des Beschwerdeführers, er habe in Kroatien nicht um Asyl nachsuchen wollen und sei gezwungen worden, seine Fingerabdrücke abzugeben, er habe sich unter schlechten Bedingungen dort aufhalten müssen und ihm sei nichts erklärt oder über- setzt worden, vermögen bezüglich der Zuständigkeitsfrage nichts zu än- dern. Es ist nicht ersichtlich, weshalb er in Kroatien als asylsuchende Per- son hätte erfasst und in ein Flüchtlingscamp hätte gebracht werden sollen, wenn er keine entsprechende Äusserung getätigt hätte. Dass er nicht schriftlich in einer ihm verständlichen Sprache über alle Aspekte des Asyl- verfahrens informiert worden se i (vgl. Beschwerde S. 4), dürfte sodann auch darauf zurückzuführen sein, dass er sich lediglich (…) in Kroatien auf- gehalten hat. Schliesslich befürchtet der Beschwerdeführer, die kroatische Dublin-Unit habe seiner Rückübernahme nur teilweise zugestimmt, wes- halb nicht sichergestellt sei, dass sein Asylverfahren bei einer Rückkehr vorbehaltlos wieder aufgenommen würde. Die Vorinstanz sei anzuweisen, die Bereitschaft der kroatischen Behörden zur Wiederaufnahme abzuklä- ren. Hierzu ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer auf Erwägun- gen in einer Zwischenverfügung in einem anderen am Gericht hängigen Verfahren beruft (vgl. Beschwerde S. 9). Daraus kann er nichts zu seinen Gunsten ableiten. Weshalb in seinem Fall nur eine «teilweise» Zustimmung zur Rückübernahme vorliegen sollte, zeigte er zudem nicht auf und ist dem Zustimmungsschreiben der kroatischen Behörden nicht zu entnehmen (vgl. SEM-Akte A1223825-18/1). Der Umstand, dass die Zustimmung vor- liegend gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO erfolgte, ändert nichts an der Zuständigkeit Kroatiens (vgl. u.a. Urteil des BVGer D -574/2023 vom 15. Februar 2023). Entsprechend ist auch nicht zu erblicken, weshalb wei- tere Abklärungen vorzunehmen wären. 6. 6.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu- ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für E-1103/2023 Seite 9 Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei- sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand- lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin- gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfen de Mitglied- staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 6.2 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell- ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). 7. 7.1 Der Beschwerdeführer wies in der Beschwerdeschrift erneut auf die Er- lebnisse in Kroatien hin (u.a. Aufenthalt in kleinen Räumen mit vielen Per- sonen unter schlechten Bedingungen, respektlose Behandlung, fehlende medizinische Hilfe) und machte geltend, damit liege eine unmenschliche und entwürdigende Behandlun g im Sinne von Art. 4 der EU -Grund- rechtecharta und Art. 3 EMRK vor. Die minimalen Aufnahmebedingungen würden nicht eingehalten, entgegen der vorinstanzlichen Darlegung . Er habe jegliches Vertrauen in die kroatischen Behörden verloren. Seine ge- schilderte erfahrene Behandlung stelle keine Ausnahme dar. Sowohl der Vorinstanz als auch dem Gericht sei bekannt, dass die Situation in Kroatien für Asylsuchende sehr schlecht sei u nd die Betroffenen unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt seien. Deshalb werde das Gericht gebeten, fest- zustellen, dass das kroatische Aufnahme - und Asylsystem systemische Schwachstellen aufweise. Die Missstände in Kroatien – namentlich Gewalt und Push-backs – seien breit dokumentiert (mit Hinweis auf mehrere Be- richte und Rechtsprechung aus Deutschland hierzu). Sodann sei zwar grundsätzlich möglich, dass Asylsuchende gegen Polizeigewalt den Rechtsweg beschreiten würden, aber nur, wenn finanzielle Mittel für eine anwaltliche Vertretung vorhanden seien. Chancen auf Erfolg seien zudem gering. Ferner sei er als B._______ in Kroatien besonders gefährdet. B._______ würden häufig ausgeschafft, direkt nach Russland oder über die Türkei nach Russland. Es drohe die Gef ahr einer Kettenabschiebung (unter Nennung zweier Berichte von C._______). E-1103/2023 Seite 10 7.2 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli- che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe- dingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische Schwachstel- len aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU -Grundrechtecharta mit sich bringen würden. 7.2.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner- kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt- linien des Europäischen Parlam ents und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber- kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf- nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah- merichtlinie) ergeben. 7.2.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts liegen zum heutigen Zeitpunkt keine konkreten Gründe für die Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragstellende in Kroatien würden sys- temische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO aufwei- sen (vgl. u.a. Urteil des BVGer E -4754/2022 vom 18. Januar 2023 E. 7.2 m.H. u.a. auf das Referenzurteil D-1611/2016 vom 22. März 2016 E. 4.3.2), wie von der Vorinstanz ausführlich dargelegt (vgl. Verfügung S. 4 ff.). Hin- weise, die diese Erwägungen im Fall des Beschwerdeführers erschüttern könnten, sind vorliegend nicht ersichtlich (vgl. Referenzurteil E-3078/2019 vom 12. Juli 2019 E. 5.5–5.8). Auch unter Berücks ichtigung der von ihm geschilderten negativen Erlebnisse nach der Einreise, der in der Beschwer- deschrift genannten allgemeinen Berichte zur Situation in Kroatien sowie der Rechtsprechung aus Deutschland, geht das Gericht nicht davon aus, Kroatien verstosse zum heutigen Zeitpunkt systematisch gegen seine ver- traglichen Verpflichtungen als zuständiger Dublin -Mitgliedstaat bei Rück- überstellungen von Asylsuchenden. Die vom Beschwerdeführer für die Zeit seines Aufenthalts in Kroatien geltend gemachte sch lechte Behandlung rechtfertigt es nicht, davon auszugehen, er werde bei einer Rückkehr mit E-1103/2023 Seite 11 hoher Wahrscheinlichkeit Opfer einer unmenschlichen oder erniedrigen- den Behandlung im Sinn von Art. 3 EMRK oder Art. 4 EU -Grund- rechtecharta. Mit der Vorinstanz ist ferner darauf hinzuweisen, dass er sich bei allfälligem Fehlverhalten einzelner Beamter an die zuständigen Stellen wenden könnte. Es ist davon auszugehen, Kroatien sei ein Rechtsstaat mit funktionierendem Justizsystem. Dass solche Schritte in Kroatien allenfalls mit grösseren Hürden und Schwierigkeiten verbunden sind, begründet – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – noch keine systemischen Schwachstellen im kroatischen Asyl- und Aufnahmeverfahren (vgl. u.a. Ur- teil des BVGer D-769/2023 vom 13. Februar 2023 E. 8.1.2 m.w.H.). 7.2.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO nicht gerechtfertigt. 7.3 Weiter ist zu prüfen, ob die Vorinstanz trotz der grundsätzlichen Zu- ständigkeit Kroatiens das Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III- VO, konkretisiert in Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 (SR 142.311), hätte ausüben müssen, wonach das SEM ein Asylgesuch "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. 7.3.1 In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan hat, die kroatischen Behörden würden sich weigern, ihn wiederaufzunehmen (vgl. bereits oben) und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhal- tung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen – ihm mithin ein faires Asylverfahren zukommen zu lassen . Der Beschwerdeführer äusserte die Befürchtung, bei einer Rückkehr nach Kroatien direkt nach Russland oder zunächst in die Türkei abgeschoben zu werden, wie dies vielen B._______ passiere. Hierzu ist festzu stellen, dass es sich um eine unsubstantiierte Annahme des Beschwerdeführers handelt . Auch die genannten Berichte ohne Bezug zu ihm zeigen nicht auf, inwiefern ihm persönlich eine Abschie- bung drohen sollte. Damit vermochte er nicht darzulegen, dass angenom- men werden müsste, Kroatien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde , zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausserdem hat der Be- schwerdeführer nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Kroatien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verlet- zung von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK E-1103/2023 Seite 12 führen könnten. Des Weiteren hat er mit dem Hinweis auf seine Erfahrun- gen in den (…) in Kroatien keine individuellen Umstände für die Annahme aufgezeigt, ihm würden dort dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei einer allfäl- ligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich zudem an die zu- ständigen Behörden wenden und die ihm zustehenden Rechte und Le is- tungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Im Übrigen steht ihm die Möglichkeit offen, die vor Ort tätigen karikativen Or- ganisationen zu kontaktieren. Schliesslich sind den Akten keine Hinweise zu entnehmen, dass der Gesundhei tszustand des Beschwerdeführers ei- ner Rückführung entgegenstehen könnte. D ass er nicht reisefähig w äre oder eine Überstellung seine Gesundheit ernsthaft gefährden würde, ist daher nicht anzunehmen. Im Übrigen verfügt auch Kroatien über eine aus- reichende medizinische Infrastruktur und ist verpflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). 7.3.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der Anwendung der Kann -Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 7.3.3 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er- messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein- räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). 7.4 Somit bleibt Kroatien der für die Behandlung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. Kroa- tien ist verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 23, 24, 25 und 29 wie- deraufzunehmen. 8. Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie- derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Kroatien in An- wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). E-1103/2023 Seite 13 9. Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 10. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 11. Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes- halb sich die gestellten Gesuche um vorsorgliche Massnahmen hinsichtlich Erteilung der aufschiebenden Wirkung (Art. 107a Abs. 2 AsylG) bezie- hungsweise Vollzugshandlungen sowie um Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses als gegenstandslos erweisen. 12. 12.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da die Begehren gemäss den vor- stehenden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen waren. 12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-1103/2023 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Linda Mombelli-Härter Versand: