<h2>SubmittedText<h2><p>In etlichen Fällen haben Experten nach Anwendung der Lingua-Methode sich in ihrem Urteil, dass die betroffenen Personen ihre Identität vortäuschen, krass geirrt.</p><p>Hat das Bundesamt für Flüchtlinge die Zusammenarbeit mit diesen Pseudo-Experten eingestellt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Seit 1997 erstellt das Bundesamt für Flüchtlinge Herkunftsgutachten, mit dem Ziel, die Herkunft des Asylbewerbers, dessen Identität und Nationalität fragwürdig sind, festzustellen. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn der Asylbewerber keine Identitätspapiere einreicht und gleichzeitig begründete Zweifel an dem von ihm angegebenen Herkunftsland bestehen. Mit dieser Aufgabe ist die Fachstelle Lingua betraut, die seit ihrer Schaffung mehr als 3800 Gutachten angefertigt hat. Erstellung und Verwendung von Herkunftsanalysen sind im Asylgesetz verankert (Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG).</p><p>Als Grundlage der Herkunftsgutachten dient ein Gespräch, das 30 bis 60 Minuten dauert und sorgfältig dem Bildungsstand des Asylbewerbers angepasst wird. Der Asylbewerber spricht über verschiedene Bereiche aus dem Alltagsleben in seinem Herkunftsland, ohne sich zu seinen Asylgründen zu äussern. Der Experte nimmt im Allgemeinen zwei sich ergänzende Analysen vor: einerseits die Analyse der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse sowie des Alltagslebens des Asylbewerbers und andererseits die linguistische Analyse, in der vor allem die lexikalischen, phonologischen, syntaktischen und morphologischen Aspekte untersucht werden. Anschliessend verfasst der Experte sein Gutachten unabhängig und nach bestem Wissen und Gewissen. In dieser Hinsicht ist sein Gutachten einem Gerichtsgutachten gleichgestellt.</p><p>Die Experten werden in der Schweiz und im Ausland aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung (Hochschulniveau, Ausbildung in Linguistik oder Dialektologie), ihres umfassenden Wissens über die betreffende Region und Kultur sowie ihrer Unabhängigkeit und Neutralität rekrutiert. Die Richtigkeit der Gutachten und die Resultate werden während einer Probezeit ständig mittels "cross-checking" durch einen zweiten Experten überprüft. Um die Fachstelle weiterzuentwickeln und eine gleich bleibend hohe Qualität sicherzustellen, unterhält Lingua regelmässige Kontakte zu Universitäten und Forschungsinstituten im In- und Ausland.</p><p>Lingua hat international Anerkennung gefunden und nimmt heute in diesem spezifischen Bereich eine führende Stellung ein. Mehrere Staaten, darunter Kanada, Australien und die Vereinigten Staaten, planen ähnliche Fachstellen und orientieren sich hierbei am Lingua-Modell. Lingua kann auch auf die Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Fachstellen in Schweden, Deutschland und den Niederlanden zählen. Es findet ein ständiger Erfahrungsaustausch zwischen den Fachstellen statt, und "cross-checkings" können so auch international durchgeführt werden.</p><p>Die Erfahrung hat gezeigt, dass mit den Herkunftsgutachten eine seriöse Untersuchungsmethode entwickelt worden ist, die sowohl in der Schweiz - vom Gesetzgeber und der Asylrekurskommission - als auch im Ausland anerkannt wird. Wie beispielsweise bei medizinischen Gutachten treten auch bei Herkunftsgutachten unterschiedliche Expertenmeinungen auf. Bei Abweichungen untersucht Lingua die Gründe und veranlasst - soweit überhaupt erforderlich - qualitätsfördernde Massnahmen.</p><p>Wie bei den Gerichtsgutachten wird auch das Herkunftsgutachten von den zuständigen Behörden vor dem Entscheid nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit den anderen Elementen des Dossiers und der Stellungnahme des Asylbewerbers gewürdigt.</p>  Antwort des Bundesrates.