Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Oktober 2016 (720 16 90) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Gutheissung der Beschwerde; Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz. Die IV- Stelle hat zunächst den Anspruch der Versicherten a uf berufliche Massnahmen zu beur- teilen. Die Frage, ob ein Anspruch auf eine Rente b esteht, hat sie hingegen vorerst zu- rückzustellen. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Michelle Wahl, Advoka- tin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente / Berufliche Massnahmen A.1 Die 1971 geborene A.____ ist gelernte Schneider in und meldete sich bereits 1996 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Damals finanzierte ihr die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) unter an derem berufliche Massnahmen in Form einer Umschulung im kaufmännischen Bereich, da sie den Sc hneiderberuf aufgrund eines allergi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen Asthma bronchiale aufgeben musste. Mit Verfügung v om 21. Juli 1999 stellte die IV- Stelle fest, dass die Versicherte beruflich angemessen ein gegliedert sei und weitere Massnah- men beruflicher Art nicht notwendig seien. Das Begehr en um berufliche Eingliederungsmass- nahmen werde deshalb abgeschrieben. A.2 Am 24. September 2008 (Eingang) meldete sich A._ ___ erneut bei der IV an und bean- tragte unter Hinweis auf Schwindel, allergisches Asthma, Schlafprobleme, Atemprobleme sowie psychische Einschränkungen Massnahmen für die berufliche Ein gliederung. Nach gesundheitli- chen, erwerblichen und haushalterischen Abklärungen sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 14. Januar 2011 ab 1. August 2008 eine b is 31. Januar 2009 befristete Vier- telsrente zu. Nachdem A.____ dagegen Einwand erhoben hatte, liess die IV-Stelle ein Gutach- ten durch die B.____ erstellen. Gestützt darauf erlie ss die IV-Stelle am 11. Juni 2014 erneut einen Vorbescheid, in welchem sie denjenigen vom 14. Januar 2011 bestätigte. Die Versicherte erhob erneut Einwand, doch die IV-Stelle hielt mit V erfügung vom 10. Februar 2016 wiederum an ihrem Entscheid fest. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Michelle W ahl, Advokatin, am 14. März 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte sie, die Verfügung der IV-Stelle vom 10. Februar 2016 sei aufzu- heben. Es sei ihr Anspruch auf berufliche Massnahmen zu ge währen; demgemäss sei die Sa- che zur Durchführung beruflicher Massnahmen sowie zur Vorn ahme weiterer medizinischer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Es sei die I V-Stelle anzuweisen, das Rentenfest- setzungsverfahren bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Massnahmenentscheids zu sistieren und anschliessend neu über ihren Invalidenrentenanspruch zu entscheiden. Eventualiter sei ihr mit Wirkung ab 1. August 2008 eine unbefristete Invali denrente zuzusprechen und die Sache zur Neufestsetzung des Invaliditätsgrades nach Vornahme we iterer medizinischer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen; alles unter o/e-Kostenf olge. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass nicht auf das Gutachten der B.____ abgestellt werden könne und sie lediglich in der Lage sei, zwei bis maximal drei Stunden pro Tag einer Tätigkeit nachzugehen. Ausserdem sei ein allfälliger Anspruch auf berufliche M assnahmen zwingend vor dem Renten- anspruch zu prüfen. Sie habe bereits mehrfach konkret b erufliche Massnahmen beantragt. Schliesslich seien verschiedene Punkte des von der IV-Stell e vorgenommenen Einkommens- vergleichs zu beanstanden. C. In ihrer Vernehmlassung vom 1. Juni 2016 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. D. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Besch werdeführerin mit Replik vom 30. Juni 2016 und die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 2. August 2016 an ihren eingangs gestellten Anträgen fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Die IV-Stelle stellt sich in ihrer Vernehmlassung v om 1. Juni 2016 auf den Standpunkt, dass die beantragten beruflichen Massnahmen gar nicht Geg enstand des vorliegenden Verfah- rens seien. Es stehe der Beschwerdeführerin jedoch frei, bei der IV-Stelle nach Vorliegen eines rechtskräftigen Rentenentscheides um Eingliederungsmassnah men zu ersuchen. Die Be- schwerdegegnerin ist demnach der Auffassung, dass auf den Antrag auf berufliche Massnah- men nicht einzutreten sei. Wie nachfolgend aufgezeigt wird, kann dem jedoch nicht gefolgt wer- den (vgl. E. 5.3 und E. 5.4 hiernach). Auf die – im Ü brigen frist- und formgerecht eingereichte – Beschwerde vom 14. März 2016 ist somit einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch d er Beschwerdeführerin. Die Be- schwerdeführerin beantragt in erster Linie berufliche M assnahmen. Die IV-Stelle hat jedoch in der angefochtenen Verfügung lediglich den Anspruch auf eine Invalidenrente geprüft. Diesbe- züglich macht die Versicherte geltend, die IV-Stelle hab e ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie nicht über den Anspruch auf beruflic he Massnahmen verfügt bzw. diesen Antrag ignoriert habe. 3.1 Nach Art. 1a lit. a IVG sollen die Leistungen di eses Gesetzes die Invalidität mit geeig- neten, einfachen und zweckmässigen Eingliederungsmassnahmen verhindern, vermindern oder beheben. 3.2 Invalidität liegt nur vor, wenn nach zumutbarer Ei ngliederung ein ganzer oder teilweiser Verlust der Erwerbsmöglichkeiten verbleibt (Art. 8 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche rungsrechts [ATSG] vom 6. Ok- tober 2000 sowie Art. 16 ATSG). Damit wird der Grun dsatz "Eingliederung vor Rente" bzw. „Eingliederung statt Rente“ statuiert, welcher besagt, dass vor der Durchführung von Eingliede- rungsmassnahmen eine Rente nur gewährt werden darf, we nn die versicherte Person wegen ihres Gesundheitszustandes (noch) nicht eingliederungsfähig ist (BGE 121 V 190 E. 4a S. 191; Urteil 9C_186/2009 vom 29. Juni 2009 E. 3.2; U LRICH MEYER , Rechtsprechung des Bundesge- richts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Inv alidenversicherung [IVG], 2. Aufl. 2010, S. 275). Um über berufliche Massnahmen entscheiden zu können, hat die IV- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle demnach zunächst die Eingliederungsfähigkeit de r Versicherten zu prüfen (vgl. etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2008 I 112/07 E. 5.2). Gemäss dem seit 1. Januar 2008 in Kraft stehenden Art. 2 8 Abs. 1 lit. a IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, die u.a. ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederung smassnahmen wieder herstellen, erhal- ten oder verbessern können. Mit dieser Regelung soll die Priorität der Eingliederung gegenüber der Rente gesetzlich noch stärker verankert und gleichze itig der Rentenzugang verschärft wer- den (BGE 137 V 351 E. 4.2 S. 358). Rentenleistungen sollen erst dann allenfalls zur Ausrich- tung gelangen, wenn keine zumutbaren Eingliederungsma ssnahmen (mehr) in Betracht fallen (Botschaft vom 22. Juni 2005 zur Änderung des Bundesgeset zes über die Invalidenversiche- rung [5. Revision], BBl 2005 4459 ff., 4521 ff., 4531 und 4568; Urteil 9C_99/2010 vom 6. De- zember 2010 E. 3.1). Der Anspruch auf eine Rente ist daher nicht zu prüfen und eine Rente kann nicht zugesprochen werden, solange Eingliederungsmass nahmen in Betracht fallen kön- nen (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juni 2012 9C_108/2012 E. 2.2.1). 4. Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich im vorlie genden Fall wie folgt dar: 4.1 Die Beschwerdeführerin hat in ihrer Anmeldung zu m Leistungsbezug vom 24. Septem- ber 2008 (Eingang) ausschliesslich Massnahmen für die ber ufliche Eingliederung beantragt. Anschliessend wurde die Versicherte von der IV-Stelle zu einem Abklärungsgespräch (Assess- ment) eingeladen. Bezüglich des Gesprächs vom 3. November 2008 wurde im „Assessment Bogen“ unter anderem festgehalten, dass sich die Versich erte in X.____ für eine Stelle als Sachbearbeiterin beim C.____ beworben habe und auf diese Stelle hoffe. Ausserdem arbeite sie weiter als Dolmetscherin beim D.____; höchstens in e inem 5%igen Pensum. Dieses Pen- sum könne sie auch steigern, sobald sie gesundheitlich wied er fitter sei. Ausserdem wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin bis auf Weiteres zu 50% arbeitsunfähig sei. 4.2 Im „Abschlussbericht Frühintervention“ vom 5. Dezembe r 2008 hielt der Eingliede- rungsverantwortliche fest, dass die Versicherte nicht tran sparent sei und ihre Aussagen wider- sprüchlich seien. Ein Eingliederungspotential sei momen tan nicht auszumachen, offenbar gehe es nicht ohne Rentenprüfung. Es erscheine ihm, dass die Zumutbarkeit nicht ohne psychiatri- sches Gutachten herausgefunden werden könne. Es bestehe ke in Eingliederungspotential im Rahmen der Frühintervention und derzeit auch nicht im Rahmen der Arbeitsvermittlung, da die Vermittelbarkeit lediglich mit 50% beim Regionalen A rbeitsvermittlungszentrum (RAV) doku- mentiert sei. 4.3 Mit Mitteilung vom 8. Dezember 2008 schrieb die Besc hwerdegegnerin, dass gemäss ihren Abklärungen aufgrund des Gesundheitszustandes der Versicherten zurzeit keine Einglie- derungsmassnahmen möglich seien. Die Versicherte sei gemäss dem Gespräch vom 3. No- vember 2008 aus gesundheitlichen Gründen nur noch 50% arbeitsfähig und beantrage deshalb die Prüfung eines Rentenanspruchs. Deshalb werde der Anspruch auf eine Rente geprüft. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Im ersten Vorbescheid vom 14. Januar 2011 äusserte sich die Beschwerdegegnerin nicht zu der Frage, ob die Versicherte Anspruch auf be rufliche Massnahmen habe und prüfte lediglich den Rentenanspruch. Gleich verhält es sich mit dem Vorbescheid vom 11. Juni 2014. 4.5 Im Einwand gegen den Vorbescheid vom 11. Juni 201 4 beantragte die Versicherte, es sei ihr Anspruch auf berufliche Massnahmen zu gewähren. D as Rentenfestsetzungsverfahren sei bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Massnahmenentsch eids zu sistieren und es sei nach Durchführung von beruflichen Massnahmen sowie nach Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen neu über den Invalidenrentenanspruch zu entscheiden. 4.6 In der Verfügung vom 10. Februar 2016 hielt die Beschwerdegegnerin sodann das Fol- gende fest: „Betreffend den beruflichen Massnahmen bitten wir Sie, nach Erlass der Rentenver- fügung ein Gesuch um berufliche Massnahmen zu stellen, damit der Anspruch geprüft werden kann.“ Ansonsten wurde nur der Rentenanspruch geprüft. 4.7 In der Beschwerde vom 14. März 2016 gegen die im vo rliegenden Fall angefochtene Verfügung beantragt die Versicherte wiederum im Hauptbegehren berufliche Massnahmen. Nur im Eventualbegehren beantragt sie eine Invalidenrente. 5.1 In pflichtgemässer Würdigung der Aktenlage ergibt si ch, dass die Beschwerdegegnerin der Versicherten die Ablehnung der beantragten berufl ichen Massnahmen lediglich in einem formlosen Schreiben (Schreiben vom 8. Dezember 2008, vg l. E. 4.3 hiervor) mitgeteilt hat. Eine anfechtbare Verfügung wurde nie erlassen. Dies obwohl die Beschwerdeführerin mehrfach um berufliche Massnahmen ersucht hat; in ihrer Anmeldung gab sie ausschliesslich an, Massnah- men für die berufliche Eingliederung zu beantragen ( vgl. E. 4.1 hiervor). In der Stellungnahme zum Gutachten der B.____ vom 28. September 2012 beant ragte die Versicherte, vertreten durch Advokat Wassmer, es sei ihr Anspruch auf berufliche Massnahmen zu gewähren und das Rentenfestsetzungsverfahren bzw. das Vorbescheidverfahren bis zum Vorliegen eines rechts- kräftigen Massnahmenentscheids zu sistieren; eventualiter sei ihr eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Auch im Einwand gegen den Vorbescheid sow ie schliesslich in der Beschwer- deschrift beantragte die Versicherte jeweils im Hauptb egehren berufliche Massnahmen (vgl. E. 4.5 und 4.7 hiervor). Anhand der gesamten Verfahr ensakten wird ersichtlich, dass die Be- schwerdeführerin stets prioritär um die Gewährung beruf licher Massnahmen ersucht hat. Trotz- dem hat die Beschwerdegegnerin in der im vorliegenden Fall angefochtenen Verfügung ledig- lich den Rentenanspruch geprüft. 5.2 Es kommt ausserdem hinzu, dass die medizinischen Unte rlagen ebenfalls berufliche Massnahmen anordnen bzw. empfehlen. Beispielsweise hielt Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem Beiblatt zum Arztbericht vo m 29. Januar 2009 unter Ziff. 4 fest, dass man die Arbeitsfähigkeit der Versicherten mit beruflichen Massnahmen sicher bis zu 100% verbessern könne. Auch Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, führte in sei- nem Gutachten vom 31. Dezember 2009 auf Seite 14 aus, dass berufliche Massnahmen erfolg- versprechend und geeignet seien, eine Steigerung der A rbeitsfähigkeit zu erreichen und vor allem die Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten. S innvoll wäre dabei sicherlich eine Arbeitser- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht probung mit Feststellung des (auch fachlichen) Ressourcen - und Belastungsprofils und an- schliessende Hilfe bei der Stellensuche. Grundsätzlich wä re die Versicherte in einer ruhigen, emotional nicht stressenden, gut strukturierten und nic ht monotonen Arbeitstätigkeit arbeitsfä- hig. Im Gutachten der B.____ vom 22. Mai 2012 wird auf Seite 27 ebenfalls festgehalten, dass die Versicherte nach Einschätzung der Gutachter auf die Mithilfe der IV angewiesen sei, einen angemessenen Arbeitsplatz in der freien Marktwirtschaft zu finden. Vor diesem Hintergrund kann nicht leichthin davon ausgegangen werden, dass die Versicherte von vornherein nicht ein- gliederungsfähig ist und daher der Rentenanspruch vor der Durchführung von beruflichen Mas- snahmen geprüft bzw. gewährt werden kann (vgl. E. 3.2 hiervor). 5.3.1 Wie bereits ausgeführt, bringt die Beschwerdegeg nerin vor, dass auf den Antrag der Versicherten auf berufliche Massnahmen nicht eingetrete n werden kann (vgl. E. 1.2 hiervor). Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass gemäss Rechtsprech ung des Bundesgerichts aus der fehlenden Äusserung der Verwaltung zu einer bestimmten Frage im Text einer Verfügung nicht zwingend geschlossen werden kann, dass es diesbezüglich an einem Anfechtungsgegenstand fehlt. Zu diesem gehören nicht nur diejenigen Rechtsve rhältnisse, über welche die Verwaltung in der Verfügung tatsächlich eine Anordnung getroffen hat. Vielmehr bilden auch jene Rechts- verhältnisse Teil des beschwerdeweise anfechtbaren Verfü gungsgegenstandes, hinsichtlich deren es die Verwaltung zu Unrecht – in Verletzung de s Untersuchungsgrundsatzes sowie des Prinzips der Rechtsanwendung von Amtes wegen – unterlasse n hat, verfügungsweise zu befin- den, obwohl dazu nach der Aktenlage oder den Parteiv orbringen hinreichender Anlass bestan- den hätte (Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 200 3 I 848/02 E. 3.2 mit weiteren Hinwei- sen). Jede verfügte (teilweise oder vollständige) Renten zusprechung schliesst die Annahme in sich, die versicherte Person sei in dem von der Verwaltung zugestandenen Ausmass der Er- werbsunfähigkeit nicht (mehr) eingliederungsfähig. Bei Beschwerden, welche sich gegen Verfü- gungen über die Zusprechung einer (ganzen, halben o der Viertels-)Rente der Invalidenversi- cherung richten, besteht daher im Umfange der von der V erwaltung anerkannten Erwerbsunfä- higkeit in allen Fällen die Möglichkeit, die Priorität der Eingliederungsberechtigung vor dem Rentenanspruch von Amtes wegen zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2002 I 347/00). 5.3.2 Im vorliegenden Fall hat demnach die IV-Stelle , indem sie in der angefochtenen Verfü- gung über den Rentenanspruch der Versicherten entschieden hat, gleichzeitig implizit deren Anspruch auf berufliche Massnahmen abgelehnt. Die IV-S telle hätte nach dem Grundsatz „Ein- gliederung vor Rente“ vor dem Rentenanspruch den Anspruc h der Beschwerdeführerin auf be- rufliche Massnahmen prüfen sollen. Dies beinhaltet unte r anderem die Prüfung der Eingliede- rungsfähigkeit der versicherten Person (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 25. Januar 2008 I 112/07 E. 5.2). Die IV-Stelle hat jedoch entgegen den gesetzlichen Vorgaben weder eine ma- terielle Prüfung der Eingliederungsfähigkeit vorgenommen noch formell darüber verfügt. Daraus folgt, dass – entgegen der Auffassung der Beschwerdegegn erin – die Frage nach einem allfälli- gen Anspruch auf berufliche Massnahmen durchaus zum Anfe chtungsgegenstand gehört, da die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung zu Unrecht nicht darauf eingegangen ist. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Aus dem bereits Gesagten ergibt sich zusammenfassend, d ass die IV-Stelle zunächst den Anspruch der Versicherten auf berufliche Massnahmen zu beurteilen hat. Die Frage, ob ein Anspruch auf eine Rente besteht, hat sie hingegen vorer st zurückzustellen. In diesem Sinne ist die angefochtene Verfügung der IV-Stelle vom 10. Feb ruar 2016 aufzuheben und die Be- schwerde der Versicherten gutzuheissen. Die Angelegenheit ist an die Vorinstanz zurückzuwei- sen, damit diese zunächst den Anspruch der Versicherten auf berufliche Massnahmen abklärt und eine neue Verfügung erlässt. 6. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 6.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 6.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der R egel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanze n – vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auf erlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten er hoben werden. Der Beschwerde- führerin wird der bereits geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 6.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Beschwerdeführerin als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 10. August 2016 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Ze itaufwand von 13.83 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Hin- sichtlich der in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen ist jedoch anzumerken, dass gemäss § 15 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen un d Anwälte vom 17. November 2003 neben dem Honorar für Doppel der Rechtsschriften, Eingaben un d Korrespondenzen, für Abschriften, Fotokopien und mehrfache Ausfertigungen ein Auslagenersatz von Fr. 1.50 pro Seite berechnet werden darf. Abs. 2 derselben Bestimmung hält fest, da ss der Auslagenersatz bei Massenkopi- en 50 Rp. pro Seite beträgt. Unter diesen Umständen si nd die geltend gemachten Ansätze pro kopierte Seite in der Höhe von Fr. 2.-- bzw. Fr. 1.-- zu hoch angesetzt, weshalb sie auf die ge- setzlich vorgegebenen Beträge zu reduzieren sind. Der Be schwerdeführerin ist demnach eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘900.95 (13.83 Stunden à Fr. 250.-- + Aus- lagen von Fr. 154.50 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzu- sprechen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 7.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung vom 10. Februar 2016 aufgehoben und die An gelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zu m Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landscha ft zurückge- wiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine redu- zierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘900.9 5 (inkl. Ausla- gen und 8 % Mehrwertsteuer) auszurichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht