<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">ZwangsmassnahmenimAusländerrecht</span> <span class="page_no">343</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>72 Ausschaffungshaft;</b></span> <span class="ft1"><b>Beschleunigungsgebot.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Kann eine Wegweisung auf den Zeitpunkt der Entlassung aus dem Straf-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>vollzug nicht erfolgen, weil es die Migrationsbehörden, trotz klarer mi-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>grationsrechtlicher Ausgangslage, während Monaten versäumt haben, die</b></span><br/> <span class="ft1"><b>für die Ausschaffung notwendigen Schritte einzuleiten, obschon sie dazu</b></span><br/> <span class="ft1"><b>problemlos in der Lage gewesen wären und obschon sie seit Monaten</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Kenntnis des Entlassungszeitpunkts hatten, ist das Beschleunigungsgebot</b></span><br/> <span class="ft1"><b>verletzt und der Betroffene aus der Ausschaffungshaft zu entlassen.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Daran ändert auch das öffentliche Interesse an der Verhinderung von</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Straftaten nichts, da die Ausschaffungshaft einzig der Sicherstellung der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Ausschaffung dient (E. II./2.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Präsidenten des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft2">22. Oktober 2010 in Sachen Migrationsamt des Kantons Aargau gegen L.S.</span><br/> <span class="ft2">betreffend Haftüberprüfung (1-HA.2010.113).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">II. 2. Im vorliegenden Fall befindet sich der Gesuchsgegner seit</span><br/> <span class="ft4">längerer Zeit im Strafvollzug. Seit dem 3. September 2008 bzw. seit</span><br/> <span class="ft4">dem 10. Mai 2010 war dem Migrationsamt bekannt, dass der Ge-</span><br/> <span class="ft4">suchsgegner am 24. Oktober 2010 bedingt aus dem Strafvollzug</span><br/> <span class="ft4">entlassen wird. Nachdem das Migrationsamt dem Gesuchsgegner be-</span><br/> <span class="ft4">reits am 22. April 2008 mitgeteilt hatte, dass er die Schweiz nach der</span><br/> <span class="ft4">Haftentlassung werde verlassen müssen, ist von einer klaren frem-</span><br/> <span class="ft4">denpolizeilichen Ausgangslage auszugehen. Bei dieser Sachlage wä-</span><br/> <span class="ft4">ren die Migrationsbehörden bereits ab diesem Zeitpunkt in der Lage -</span><br/> <span class="ft4">und auch verpflichtet - gewesen, alle notwendigen Vorkehrungen zu</span><br/> <span class="ft4">treffen, damit der Gesuchsgegner nach seiner Entlassung aus dem</span><br/> <span class="ft4">Strafvollzug umgehend hätte ausgeschafft werden können.</span><br/> <span class="ft4">Wie den Akten zu entnehmen ist, geht das Migrationsamt davon</span><br/> <span class="ft4">aus, dass der Vollzug der Wegweisung nur dann erfolgen kann, wenn</span><br/> <span class="ft4">das [Bundesamt für Migration (BFM)] den Vollzug der Wegweisung</span><br/> <span class="ft4">mit Blick auf das Non-Refoulement-Gebot für unbedenklich erachtet.</span><br/> <span class="ft4">Dies wurde dem BFM bereits am 10. Mai 2010 mitgeteilt. Das BFM</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">344</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">widersprach dieser Auffassung nicht und führte nach längerer Untä-</span><br/> <span class="ft4">tigkeit und nach mehrmaliger Intervention seitens des Migrationsam-</span><br/> <span class="ft4">tes am 27. August 2010 aus, der Gesuchsgegner müsse diesbezüglich</span><br/> <span class="ft4">befragt werden.</span><br/> <span class="ft4">Ob die Auffassung des BFM und des Migrationsamtes zutrifft,</span><br/> <span class="ft4">dass die Wegweisung des Gesuchsgegners erst nach einer einlässli-</span><br/> <span class="ft4">chen Prüfung des Non-Refoulement-Gebots durch das BFM vollzo-</span><br/> <span class="ft4">gen werden kann, ist an dieser Stelle nicht weiter zu erörtern. Tat-</span><br/> <span class="ft4">sache ist, dass die Wegweisung des Gesuchsgegners auf den Zeit-</span><br/> <span class="ft4">punkt der Entlassung aus dem Strafvollzug nicht erfolgen kann, weil</span><br/> <span class="ft4">es die Migrationsbehörden, trotz klarer fremdenpolizeilicher Aus-</span><br/> <span class="ft4">gangslage, während Monaten versäumt haben, die für die Ausschaf-</span><br/> <span class="ft4">fung notwendigen Schritte einzuleiten, obschon sie dazu problemlos</span><br/> <span class="ft4">in der Lage gewesen wären und obschon sie seit Monaten wussten,</span><br/> <span class="ft4">dass der Gesuchsgegner ab dem 24. Oktober 2010 grundsätzlich aus-</span><br/> <span class="ft4">geschafft werden kann.</span><br/> <span class="ft4">Nach dem Gesagten steht fest, dass die Untätigkeit der Behör-</span><br/> <span class="ft4">den weit mehr als zwei Monate gedauert hat (vgl. BGE 124 II 49,</span><br/> <span class="ft4">E. 3b/bb) und das Beschleunigungsgebot verletzt ist.</span><br/> <span class="ft4">Entgegen der Auffassung des Migrationsamtes besteht kein</span><br/> <span class="ft4">Raum für eine Interessenabwägung. Dies auch wenn der Gesuchs-</span><br/> <span class="ft4">gegner massiv straffällig wurde. Stellt ein Betroffener ein sicher-</span><br/> <span class="ft4">heitspolizeiliches Risiko dar, ist umso mehr zu erwarten, dass die</span><br/> <span class="ft4">Behörden alles unternehmen, um den Betroffenen auf den Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft4">der Entlassung aus dem Strafvollzug ausschaffen zu können. Die</span><br/> <span class="ft4">Ausschaffungshaft dient einzig der Sicherstellung der Ausschaffung</span><br/> <span class="ft4">und nicht der Verhinderung von Straftaten.</span><br/> <span class="ft4">[...]</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>