Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 21. April 2016 (715 15 391 / 95) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Insolvenzentschädigung; Verletzung der Schadenminderungspflicht. Lohnausstände sind frühzeitig und mit Nachdruck zu verfolgen und rechtlich einzufordern, andernfalls die versicherte Person ihren Anspruch auf Insolvenzentschädigung verliert. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Insolvenzentschädigung A. Die 1980 geborene A.____ war seit 1. April 2011 bei der B.____ GmbH in einem unbe- fristeten Anstellungsverhältnis als C.____ tätig. D ieses Arbeitsverhältnis wurde ihr am 27. Sep- tember 2012 per Ende November 2012 aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt. Zwischen Feb- ruar 2013 und 23. November 2013 arbeitete A.____ im Stundenlohn erneut für die B.____ GmbH. Dabei erhielt sie im August 2013 letztmals ei nen Teil des vereinbarten Lohnes ausbe- zahlt. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 10. März 2015 wurde über die B.____ GmbH der K onkurs eröffnet. Am 21. April 2015 stellte A.____ bei der öffentlichen Arbeitslosenka sse Baselland (Kasse) einen Antrag auf Insolvenzentschädigung für den ausstehenden Lohn bis zum 2 3. November 2013 in der Höhe von CHF 9‘530.20. C. Mit Verfügung vom 8. Juni 2015 lehnte die Kasse d en Antrag auf Insolvenzentschädi- gung mit der Begründung ab, dass die Versicherte ihrer Schadenminderungspflicht nicht nach- gekommen sei. Sie habe es insbesondere unterlassen, di e offenen Lohnforderungen bei ihrer ehemaligen Arbeitgeberin rechtsgenüglich geltend zu mach en. Eine dagegen erhobene Ein- sprache wies die Kasse mit Einspracheentscheid vom 17. November 2015 ab. D. Hiergegen erhob die Versicherte am 16. Dezember 20 15 Beschwerde beim Kantons- gericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversi cherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids sowie die Ausrichtung der ihr zustehenden Insolvenzentschädigung. Zur Begründung machte sie geltend, dass ihr der ausstehende Lohn zustehe, weil sie dafür gea rbeitet habe. Daran ändere nichts, dass sie die Lohnausstände nicht rechtzeitig mit einem unmi ssverständlichen Zeichen wie bei- spielsweise einer Betreibung oder einer Konkursandrohu ng ernsthaft bei ihrer ehemaligen Ar- beitgeberin moniert habe. Sie habe auf die Aussage d es Geschäftsführers ihrer ehemaligen Arbeitgeberin vertraut. Dieser habe versprochen, ihr das Salär zu überweisen. E. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 1. Februar 201 6 auf Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung hielt sie im Wesentlichen fest, dass die Versicherte eingestanden habe, die ausstehenden Löhne noch während des Arbeitsverhältnisses lediglich mündlich sowie per Email geltend gemacht zu haben. Auch nach der Been digung ihres Arbeitsverhältnisses habe sie es lediglich bei einer mündlichen Geltendmachun g belassen, wobei keinerlei Akten vorhanden wären, welche ihre Aussage bestätigen würden . Es gehe nicht an, dass die Versi- cherte eineinhalb Jahre untätig geblieben sei. Daran ä ndere auch nichts, dass sie ein sehr gu- tes Verhältnis zum Geschäftsführer ihrer ehemaligen Arb eitgeberin und dessen Familie inne gehabt habe. Zusammenfassend habe die Beschwerdeführe rin ihre Schadenminderungspflicht verletzt. Sie besitze daher keinen Anspruch auf Insolvenzentschädigung. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerd e der Versicherten ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von CHF 10'000.- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist vor liegend, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf Insolvenzentschädigung im Umfang von CHF 9‘530.20 zu Recht verneint hat. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. a AVIG haben beitragsp flichtige Arbeitnehmende von Arbeit- gebern, die in der Schweiz der Zwangsvollstreckung unterliegen oder Arbeitnehmende beschäf- tigen, Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihre Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen zu stehen. Gemäss Art. 52 Abs. 1 AVIG deckt die Insolvenzentschädigung die Lohnforderungen für die letzten vier Monate des Arbeits- verhältnisses vor der Konkurseröffnung des Arbeitgebers, fü r jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 1 AVIG. Der gesetzliche Zwe ck der Insolvenzentschädigung be- steht im Schutz der Lohnguthaben der Arbeitnehmerende n und soll diesen im Konkursfall ihres Arbeitgebers den Lebensunterhalt garantieren. Damit soll vermieden werden, dass die betroffe- nen Arbeitnehmer durch den Verlust ihrer Lohnforderu ngen in ihrer Existenz bedroht werden (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die obligatorische Arb eitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung vom 2. Juli 1980; BBl 1980 III 534 f. und 606; BGE 114 V 58 E. 3c und Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] C 321/99 vom 20. April 2001 E. 3b). Hintergrund bildet die Überle- gung, dass Arbeitnehmende grundsätzlich vorleistungspflichti g sind und das Entgelt für ihre Arbeit erst am Ende des Monats fällig wird (vgl. Art. 3 23 Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [OR] vom 30. März 1911). 2.2 Wird der Arbeitgeber zahlungsunfähig, so kann der Arbeitnehmende gemäss Art. 337a OR das Arbeitsverhältnis fristlos auflösen, sofern ihm fü r seine Forderungen aus dem Arbeits- verhältnis nicht innert angemessener Frist Sicherheit geleistet wird. Dem Arbeitnehmer steht mit dieser Bestimmung die Möglichkeit offen zu verhindern, d ass er dem Arbeitgeber auf unbe- stimmte Zeit Kredit gewährt und das Risiko trägt, die G egenleistung nicht zu erhalten (BGE 120 II 212 E. 6a). Es kann von ihm jedoch nicht un ter dem Titel der Schadenminderungs- pflicht (BGE 129 V 463 E. 4.2, 123 V 233 E. 3c mit Hi nweisen) verlangt werden, diesen Schritt zu machen. Können Lohnansprüche während der Dauer des Arbeitsverhältnisses nicht erhält- lich gemacht werden, bedeutet dies zudem noch nicht, dass dies auch im Konkursverfahren der Fall sein wird. Um zu verhindern, dass der Arbeitnehmer beliebig lange ohne Lohn beim bishe- rigen Arbeitgeber bleibt, hat der Gesetzgeber in Art . 52 Abs. 1 AVIG eine zeitliche Grenze für die Bezugsdauer der Insolvenzentschädigung gesetzt. Späte stens nach vier Monaten ohne Lohn ist es dem Arbeitnehmer demnach aus arbeitslosenversich erungsrechtlicher Sicht nicht mehr zumutbar, beim insolventen Arbeitgeber zu verbleib en. Dem Schutzzweck der Insolven- zentschädigung entsprechend sollen nicht Unternehmensr isiken abgedeckt, sondern soziale Härten der Arbeitnehmenden vermieden werden (SVR 200 5, AlV Nr. 10 S. 31 f. E. 5.3; Urteil des EVG C 264/04 vom 20. Juli 2005). Verbleibt der A rbeitnehmer ohne Lohnbezug über die- sen Zeitraum hinaus beim bisherigen Arbeitgeber, anst att sich nach einer neuen Beschäftigung umzusehen, handelt er auf eigenes Risiko (Urteil des EVG C 270/05 vom 6. Februar 2006). 2.2.1 Nach Art. 55 Abs. 1 AVIG müssen Arbeitnehmende i m Konkurs- oder Pfändungsver- fahren alles unternehmen, um ihre Ansprüche gegenübe r dem Arbeitgeber zu wahren, bis die Kasse ihnen mitteilt, dass sie an ihrer Stelle in das V erfahren eingetreten ist. Danach müssen sie die Arbeitslosenkasse bei der Verfolgung ihres Anspruc hs in jeder zweckdienlichen Weise unterstützen. Diese Bestimmung bezieht sich dem Wortlaut nach auf das Konkurs- und Pfän- dungsverfahren. In reduziertem Umfang greift diese Scha denminderungspflicht bereits auch Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht schon vor der Auflösung des Arbeitsverhältnisses, wenn der Arbeitgeber der Lohnzahlungs- pflicht nicht oder nur teilweise nachkommt und mit einem Lohnverlust zu rechnen ist (ARV 2002 Nr. 30 S. 190). 2.2.2 Die Anforderungen an die Erfüllung der Schaden minderungspflicht und damit an die ausreichenden Bemühungen im Sinne von Art. 55 Abs. 1 AVIG wurden vom Bundesgericht in steter Praxis präzisiert. In BGE 114 V 60 E. 4 führte d as Bundesgericht aus, der Anspruch auf Insolvenzentschädigung entfalle, wenn der Arbeitnehmer vor oder nach der Auflösung des Ar- beitsverhältnisses seine Lohnansprüche nicht innert nützlicher Frist geltend mache. Dabei setze der Anspruch auf Insolvenzentschädigung nicht voraus, d ass der Versicherte unverzüglich be- treibungsrechtliche Schritte gegen seinen Arbeitgeber ei nleite (Urteil des Bundesgerichts vom 4. September 2001; C 91/01). Es genüge, wenn die Arbeitnehmenden unmissverständliche Zei- chen setzen, aus denen die Ernsthaftigkeit ihrer Lohnfor derungen zu erkennen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2001, C 194/01, E. 2b). I n einem weiteren Urteil vom 14. Ok- tober 2004 (C 114/04) hat das Bundesgericht diese Praxis dahingehend konkretisiert, dass ei- ner versicherten Person vor Auflösung des Arbeitsverhältniss es nicht die gleiche Schadenmin- derungspflicht obliege wie danach. Das Ausmass der vora usgesetzten Schadenminderungs- pflicht richte sich nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalls (Urteil vom 6. Februar 2006, C 270/05, E. 3.1). Zu weitergehenden Schritten ist die versicherte Person insbesondere dann ge- halten, wenn es sich um erhebliche Lohnausstände handelt und sie konkret mit einem Lohnver- lust rechnen muss. Unmissverständliche Zeichen zur Geltendma chung der Lohnforderungen würden dabei nicht ausreichen. Gefordert sei eine konseq uente und kontinuierliche Weiterver- folgung der eingeleiteten Schritte, welche in einem der vom Gesetz geforderten zwangsvollstre- ckungsrechtlichen Stadien münden müssten, damit ein Anspr uch auf Insolvenzentschädigung bestehe (Urteil des Bundesgerichts vom 3. August 2009, 8C_462/2009, E. 3.3). Selbst wenn die Überschuldung des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin o ffensichtlich erscheine, sei es kei- neswegs ausgeschlossen, dass die Lohnforderungen von Arbe itnehmern kurz vor der Kon- kurseröffnung oder der Pfändung nicht doch noch beglich en würden (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Oktober 2011, 8C_630/2011, E. 4.2). Eine versich erte Person, deren Arbeitsverhältnis bereits lange vor dem Konkurs des Arbeitgebers beendigt worden ist, und die nach Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses mehr als ein Jahr zuwartet, um au sstehende Löhne geltend zu ma- chen, verliert deshalb den Anspruch auf Insolvenzentsch ädigung (Urteil vom 4. Juli 2002, C 39/02). 2.2.3 In seinem Urteil vom 23. Oktober 2009 bestätigte das Bundesgericht seine Rechtspre- chung und führte aus, dass es für die Erfüllung der Scha denminderungspflicht grundsätzlich nicht genüge, wenn Lohnausstände lediglich mündlich gema hnt würden. Dies gelte beispiels- weise, wenn eine langandauernde, das heisst über zwei bi s drei Monate hinaus andauernde Nichterfüllung der vertraglichen Verpflichtung des Arbe itgebers zur Diskussion stehe; wenn überhaupt keine, also auch keine Akonto- oder Teilzahlu ng erfolgt sei; wenn aus der Sicht des Versicherten nicht mit guten Gründen damit gerechnet w erden könne, dass sich bald eine Bes- serung der Situation ergebe oder wenn nicht andere, i m Einzelfall verständliche Gründe vorlä- gen, die ein vorläufiges Zuwarten mit zielgerichteten S chritten aus objektiver Sicht verständlich erscheinen lassen. Der Umstand allein, dass zwischen Arbeit geber und Arbeitnehmer ver- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wandtschaftliche Beziehungen bestünden, sei dabei insbeso ndere keine hinreichende Begrün- dung für ein Nichtergreifen der notwendigen Massnahmen , auch wenn es mit Blick auf ein be- stehendes Familienverhältnis aus persönlicher Sicht verstän dlich erscheinen möge, dass von weiteren Massnahmen zur Realisierung der Lohnansprüche a bgesehen würde (Urteil des Bun- desgerichts 8C_685/2009 vom 23. Oktober 2009, E. 4.2). 3. Strittig ist die Rechtmässigkeit der ursprünglich von der Kasse am 17. November 2015 verfügten Ablehnung des Anspruchs auf Insolvenzentschädig ung. Die Versicherte hat in ihrem Antrag auf Insolvenzentschädigung vom 21. April 2015 de n ausstehenden Lohn bis zu ihrem letzten Arbeitstag am 23. November 2013 ihres im Stunde nlohn entgoltenen Arbeitsverhältnis- ses eingefordert (vgl. Kassen-Dok N° 29). Der in diesem Zusammenhang massgebenden Zeit- erfassung kann entnommen werden, dass sie letztmals am 2 ., 8., 9., 15., 16., 22. sowie am 23. November 2013 für ihre ehemalige Arbeitgeberin tätig gewesen ist (Kassen-Dok N° 15). Im Hinblick auf die Bestimmung von Art. 52 Abs. 1 AVIG ist deshalb vorab festzuhalten, dass ein allfälliger Lohnanspruch so oder anders nicht mehr du rch die Insolvenzentschädigung abge- deckt wird, sofern dessen Fälligkeit mehr als vier Monate seit der Konkurseröffnung zurückliegt (vgl. Erwägung 2.1 hiervor). Jene Arbeitsstunden und mit ihnen die im Zeitpunkt ihrer Leistung fällig gewordenen Lohnforderungen, welche bei der im Stundenlohn angestellten Versicherten mehr als vier Monate vor der Konkurseröffnung über die B.____ GmbH am 10. März 2014 noch vor dem 10. November 2013 angefallen sind, sind im vorl iegenden Fall durch die Insolvenzent- schädigung nicht gedeckt. Die gemäss Art. 52 Abs. 1 AVIG vo n der Insolvenzentschädigung in zeitlicher Hinsicht noch erfasste Lohnforderung beschränkt sich demnach unabhängig von der zwischen den Parteien strittigen Schadenminderungspflich t auf den ausstehenden Lohn der Versicherten für deren Arbeitsstunden zwischen dem 10. und 23. November 2013 im Umfang von insgesamt 30 ¾ Stunden à CHF 27.75 und damit auf lediglich CHF 853.30 (vgl. Arbeits- zeiterfassung November 2013, Kassen-Akt N° 15; ebenso Bescheinigung über den Zwischen- verdienst der B.____ GmbH vom 23. November 2013, Kassen-Akt N° 18). 4. In Bezug auf den für die Zeit zwischen dem 10. und 23. November 2013 ausstehenden Lohn der Versicherten verbleibt zu prüfen, ob die Besch werdeführerin ihrer Schadenminde- rungspflicht im Sinne der dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung nachgekommen ist. 4.1 Aus den Akten ergibt sich Folgendes: Im Antrag auf Insolvenzentschädigung vom 21. April 2015 gab die Beschwerdeführerin an, ihren Lohn ab August 2013 nur noch teilweise erhalten zu haben. Für die Monate August bis November 2013 machte sie offene Lohnforde- rungen im Umfang von CHF 9‘530.20 geltend (Kassen-Dok N° 28). Aus der dieser Anmeldung beigelegten und von der Versicherten unterzeichneten Erklärung vom 21. April 2014 geht her- vor, dass sie bereits vom 1. April 2011 bis Ende November 2012 bei der B.____ GmbH gearbei- tet habe. Deren Personalverantwortlicher habe sie im Fr ühjahr 2013 angefragt, ob sie nicht wieder bei ihm arbeiten würde. Sie habe lediglich im Zwischenverdienst zugesagt, da die Lage unsicher gewesen sei. Für die Zeit dieses erneuten Arb eitsverhältnisses zwischen Februar bis November 2013 habe weder ein schriftlicher Vertrag noch eine Kündigung existiert. Sie habe in dieser Zeit im Stundenlohn gearbeitet. Ab August 2013 habe sie nur noch einen Teil bzw. kei- nen Lohn mehr erhalten. Da ein sehr gutes Verhältnis zu den Verantwortlichen ihrer Arbeitgebe- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rin und deren Familie bestanden habe, habe sie sich bi s Ende 2014 auf deren Versprechen, ihr den ausstehenden Lohn bis Ende 2014 zu überweisen, verla ssen. Zwischen August und Sep- tember 2014 habe sie immer wieder telefonisch, per Ma il und persönlich im Geschäft danach gefragt und gebeten, ihr das Geld zu überweisen. Erst i m Frühjahr 2015 habe sie dann mit ei- nem eingeschriebenen Brief an ihre ehemalige Arbeitg eberin weitere Schritte unternommen (Kassen-Dok N° 27). Aus einem undatierten Einschreiben der Versicherten an ihre ehemalige Arbeitgeberin geht denn auch hervor, dass die fällige n Lohnforderungen von August bis No- vember 2013 im Gesamtbetrag von CHF 9‘530.20 noch ni cht überwiesen worden seien. Sie setze eine letzte Frist bis zum 27. Februar 2015 bzw. 2. M ärz 2015 zur vollständigen Beglei- chung, andernfalls rechtliche Schritte eingeleitet wür den (Kassen-Dok N° 26). Der Forderungs- eingabe für Arbeitnehmer vom 21. April 2015 zufolge ( Kassen-Dok N° 25) wurde diese einge- schrieben versandte Zahlungsaufforderung offenbar erst im Februar 2015 versandt. In den Ak- ten findet sich schliesslich ein Betreibungsbegehren, we lches von der Versicherten jedoch we- der datiert noch unterzeichnet worden ist. Im Übrigen sind keine Unterlagen oder Hinweise vor- handen, wonach die Versicherte eine arbeitsrechtliche Kl age oder eine Betreibung tatsächlich auch eingereicht bzw. in die Wege geleitet hätte. Der Einsprache der Versicherten vom 3. Juli 2015 kann im Gegenteil entnommen werden, dass sie keine Betreibung in die Wege geleitet habe (Kassen-Dok N° 39). Ebenso wenig sind allfällige Unterlagen vorhanden, welche die von der Versicherten erwähnten Emails substantiieren würden. 4.2. Die Vorinstanz ging im angefochtenen Einsprachee ntscheid vom 17. November 2015 davon aus, dass die Beschwerdeführerin ihre Schadenmin derungspflicht verletzt habe, indem sie die ausstehende Lohnforderung erst im Frühjahr 2015 und mithin lange nach ihrem Aus- scheiden aus der B.____ GmbH geltend gemacht habe. Die Beschwerdeführerin ihrerseits be- streitet nicht, es unterlassen zu haben, ihren ehemalig en Arbeitgeber rechtzeitig mit einem un- missverständlichen Zeichen wie beispielsweise einer Betreibung zur Begleichung ihrer Lohnfor- derung aufgefordert zu haben (vgl. Beschwerdebegründun g vom 16. Dezember 2015, ebenso Einsprache der Versicherten vom 3. Juli 2015, Kassen-Akt N° 39). Sie vertritt jedoch die Auffas- sung, dass sie mit Blick auf ihre mündlich und per Email e rfolgten Abmahnungen auf das Ver- sprechen des Geschäftsführers ihrer ehemaligen Arbeitgebe rin habe vertrauen dürfen, dass ihr der Lohn schliesslich doch noch überwiesen würde. 4.2.1 Von entscheidender Bedeutung ist vorliegend die T atsache, dass die Beschwerdefüh- rerin ihre ausstehende Lohnforderung in der über eine inhalb Jahre dauernden Zeitspanne von Ende August 2013 bis Frühjahr 2015 einzig mündlich respe ktive auf elektronischem Wege per Email abgemahnt, jedoch keinerlei konkrete, rechtliche Schritte zur Realisierung und Durchset- zung ihrer Lohnausstände unternommen hat. Mit zunehmend em Zeitablauf wurde es jedenfalls immer unwahrscheinlicher, dass die ehemalige Arbeitgeberin noch über die Mittel verfügt hätte, um die ausstehenden Löhne noch begleichen zu können. D ieser Umstand musste auch der Versicherten schon früh bekannt sein, weil sie vor dem nu nmehr fraglichen Arbeitsverhältnis bereits zwischen dem 1. April 2011 und 30. November 201 2 bei derselben Arbeitgeberin ange- stellt gewesen und schon dazumal aus wirtschaftlichen Grü nden entlassen worden war (vgl. Kassen-Akt N° 21). Nachdem die Versicherte die wirtschaftliche Situation deshalb offenbar bereits im Zeitpunkt ihres erneuten Stellenantritts b ei der B.____ GmbH im Frühjahr 2013 als Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht unsicher eingeschätzt hatte, wäre sie im Rahmen der ihr obliegenden Schadenminderungs- pflicht deshalb umso mehr gehalten gewesen, die zur Real isierung ihrer Lohnansprüche erfor- derlichen rechtlichen Schritte nicht nur ohne Verzug, so ndern auch unmissverständlich in die Wege zu leiten. Auch nach der Beendigung des vorliegen d zur Diskussion stehenden Arbeits- verhältnisses Ende November 2013 beliess es die Beschwerdefüh rerin jedoch weiterhin bei einer mündlichen Geltendmachung und dem Schreiben von Emails. In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass weder die Anzahl der Telefongesprä che noch der Emails aktenkundig sind, welche ihre Aussage belegen würden. Den Akten ist einzig ein undatiertes Einschreiben zu entnehmen, mit welchem die Versicherte ihre ehemali ge Arbeitgeberin offenbar im Februar 2015 (vgl. Forderungseingabe für Arbeitnehmer, Kassen-Akt N° 25) und damit erst rund 18 Mo- nate seit dem ersten Lohnausstand im August 2013 aufgef ordert hat, die ausstehenden Löhne zu bezahlen. Eine solche Unterlassung aber führt grundsä tzlich zum Verlust des Anspruchs auf Insolvenzentschädigung (vgl. oben, Erwägung 3.2.2. a. E. ). Unabhängig davon, dass keinerlei Belege oder sonstige Hinweise in den Akten zu finden sin d, wonach das fragliche Einschreiben im Februar 2015 tatsächlich versandt worden wäre, sind keine Bemühungen ausgewiesen, wel- che darauf schliessen lassen, dass die Versicherte konsequent und kontinuierlich überhaupt je rechtliche Schritte eingeleitet hätte, welche in eine m der vom Gesetz geforderten zwangsvoll- streckungsrechtlichen Stadien gemündet hätten. Die bloss be haupteten Bemühungen der Ver- sicherten mündlicher und elektronischer Natur sind deshalb nicht zuletzt auch in Anbetracht der hohen Lohnausstände im Umfang von knapp CHF 10‘000.— a ls grobe Missachtung des objek- tiv zu Erwartenden zu werten (Urteil des Bundesgerichts vo m 29. August 2011, 8C_66/2011, E. 4.3). 4.2.2 Mit Blick auf die unter Erwägung 3.2.1 f. hierv or dargelegte Rechtsprechung ist in der langen Untätigkeit der Beschwerdeführerin demnach ein e offensichtliche Verletzung der in Art. 55 Abs. 1 AVIG statuierten Schadenminderungspflicht zu sehen. Die diesbezügliche Würdi- gung der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Daran ver mag nichts zu ändern, dass die Be- schwerdeführerin offenbar bis zuletzt auf die Zusagen des Geschäftsführers ihres ehemaligen Arbeitgebers vertraut hat, wonach ihr das Salär zu gute r Letzt doch noch überwiesen würde. Dem Gesagten zufolge hätte die Versicherte ihre Ausstände deutlich früher auf dem Rechtsweg einfordern müssen, weil ihr ein Jahr zuvor aus wirtschaftlichen Gründen schon einmal gekündet worden war und ihr die wirtschaftliche Lage ihres Arbe itgebers bereits zu Beginn des erneuten Arbeitsverhältnisses offenbar selbst als zu unsicher erschie nen ist, um sich von der Arbeitslo- senversicherung abzumelden (vgl. Beiblatt zum Antrag auf Insolvenzentschädigung vom 21. April 2015, Kassen-Akt N° 27). Auch wenn es der Besc hwerdeführerin unbenommen war, ihrem damaligen Arbeitgeber gegenüber das Vertrauen entgegenzubringen, dass ihre Lohnfor- derung doch noch beglichen würde, kann der daraus entsta ndene Verlust nicht auf die Arbeits- losenkasse überwälzt werden. An diesem Ergebnis vermag der Einwand der Beschwerdeführe- rin nichts zu ändern, dass sie ein sehr gutes (familiäres) V erhältnis zum Geschäftsführer ihres Arbeitgebers inne gehabt habe. Es kann an dieser Stelle auf die in diesem Zusammenhang massgebende Rechtsprechung des Bundesgerichts verwiesen w erden, wonach eine verwandt- schaftliche Nähe das Nichtergreifen der notwendigen Massna hmen nicht zu rechtfertigen ver- mag. Daran ändert schliesslich auch nichts, dass es mit Blick auf ein bestehendes Familienver- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht hältnis aus persönlicher Sicht verständlich erscheinen mag , dass von weiteren Massnahmen zur Realisierung eigener Lohnansprüche abgesehen wird (vgl. oben, Erwägung 3.2.3 hiervor). 5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführ erin ihre Lohnforderun- gen – soweit sie in zeitlicher Hinsicht überhaupt von der Insolvenzentschädigung gedeckt wer- den (vgl. oben, Erwägung 4 hiervor) – weder frühzeiti g genug noch mit genügendem Nachdruck verfolgt und eingefordert hat. Die Ablehnung ihres An spruchs auf Insolvenzentschädigung ist deshalb nicht zu beanstanden und die dagegen gerichtete Beschwerde ist abzuweisen. 6. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.