<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 137 S.581</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">581</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Schulrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>137 Religiöse Neutralität des Unterrichts an staatlichen Schulen.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Inhalt der Glaubens- und Gewissensfreiheit (Erw. 3 b).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Das Einüben eines Krippenspiels in der Vorweihnachtszeit und wäh-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rend des allgemeinen Schulunterrichts ist unter bestimmten Voraus-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>setzungen mit dem Grundsatz der Glaubens- und Gewissensfreiheit</b></span><br/> <span class="ft3"><b>vereinbar (Erw. 3 c aa).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Zulässigkeit des Singens von Liedern mit religiösem Inhalt im allge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>meinen Schulunterricht? (Erw. 3 c bb).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Lehrpersonen, welche die Kinder dazu anhalten, im allgemeinen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Schulunterricht täglich ein Gebet zu sprechen, verstossen gegen den</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Grundsatz der Glaubens- und Gewissensfreiheit (Erw. 3 c cc).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Regierungsrates vom 6. September 2000 in Sachen G.R. ge-</span><br/> <span class="ft4">gen Erziehungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3. a) Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend,</span><br/> <span class="ft6">dass er während des allgemeinen Schulunterrichtes, d.h. ausserhalb</span><br/> <span class="ft6">des Schulfaches Religion, in unzulässiger Weise religiös beeinflusst</span><br/> <span class="ft6">worden sei. So verstosse insbesondere die Verwendung von Lieder-</span><br/> <span class="ft6">texten wie "So ist Gott" gegen das Gebot der religiösen Neutralität</span><br/> <span class="ft6">des Unterrichts an staatlichen Schulen. Es sei auch nicht zulässig,</span><br/> <span class="ft6">wenn an einer Singprüfung drei der vier zur Auswahl stehenden Lie-</span><br/> <span class="ft6">der einen religiösen Bezug aufwiesen oder im Rahmen des allgemei-</span><br/> <span class="ft6">nen Schulunterrichts ein Krippenspiel aufgeführt werde. Werte wie</span><br/> <span class="ft6">Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Treue könnten auch ohne religiö-</span><br/> <span class="ft6">sen Hintergrund vermittelt werden. Geschehe dies nicht, werde den</span><br/> <span class="ft6">Eltern das Recht entzogen, über die religiöse Erziehung ihrer Kinder</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">582</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">zu entscheiden. Dies gelte erst recht, wenn gar zu befürchten sei,</span><br/> <span class="ft6">dass die Kinder in der Schule täglich beten müssten.</span><br/> <span class="ft6">Der Erziehungsrat hingegen ist der Ansicht, dass es keinerlei</span><br/> <span class="ft6">Anhaltspunkte für eine unrechtmässige, dem Gebot der religiösen</span><br/> <span class="ft6">Neutralität widersprechende Unterrichtsführung durch A. und H. D.</span><br/> <span class="ft6">gebe. Die Aufführung eines Krippenspiels während der Weihnachts-</span><br/> <span class="ft6">zeit gehöre zur abendländischen Kultur. Zudem habe der Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deführer an der umstrittenen Singprüfung nicht nur religiöse Lieder</span><br/> <span class="ft6">zur Auswahl gehabt.</span><br/> <span class="ft6">b) Gemäss Art. 15 der Bundesverfassung der Schweizerischen</span><br/> <span class="ft6">Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) ist die Glaubens- und</span><br/> <span class="ft6">Gewissensfreiheit gewährleistet (Abs. 1). Jede Person hat das Recht,</span><br/> <span class="ft6">ihre Religion und ihre weltanschauliche Überzeugung frei zu wählen</span><br/> <span class="ft6">und allein oder in Gemeinschaft mit anderen zu bekennen (Abs. 2).</span><br/> <span class="ft6">Jede Person hat zudem das Recht, einer Religionsgemeinschaft bei-</span><br/> <span class="ft6">zutreten oder anzugehören und religiösem Unterricht zu folgen (Abs.</span><br/> <span class="ft6">3). Niemand darf gezwungen werden, einer Religionsgemeinschaft</span><br/> <span class="ft6">beizutreten oder anzugehören, eine religiöse Handlung vorzunehmen</span><br/> <span class="ft6">oder religiösem Unterricht zu folgen (Abs. 4). Die Glaubens- und</span><br/> <span class="ft6">Gewissensfreiheit ist auch in § 11 der Verfassung des Kantons Aar-</span><br/> <span class="ft6">gau vom 25. Juni 1980 (KV) statuiert und § 35 KV bestimmt weiter,</span><br/> <span class="ft6">dass der Unterricht an öffentlichen Schulen das Recht der Eltern auf</span><br/> <span class="ft6">Erziehung und Bildung ihrer Kinder sowie die Persönlichkeit der</span><br/> <span class="ft6">Schülerinnen und Schüler zu achten hat (Abs. 1); die Lehrkräfte an</span><br/> <span class="ft6">öffentlichen Schulen sind im Unterricht an die verfassungsmässige</span><br/> <span class="ft6">Grundordnung und an die staatlichen Lehrziele gebunden (Abs. 2).</span><br/> <span class="ft6">§ 2 Abs. 2 des Schulgesetzes hält schliesslich fest, dass die öffentli-</span><br/> <span class="ft6">chen Schulen konfessionell neutral sind.</span><br/> <span class="ft6">Die Glaubens- und Gewissensfreiheit ist ein unverzichtbares</span><br/> <span class="ft6">und unverjährbares Recht. Sie schützt die Bürgerinnen und Bürger</span><br/> <span class="ft6">vor jeder staatlichen Einmischung, die geeignet ist, ihre religiösen</span><br/> <span class="ft6">Überzeugungen zu verletzen. Dabei geht es um die Freiheit, zu glau-</span><br/> <span class="ft6">ben, nicht zu glauben und jederzeit, auf welche Weise auch immer,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">583</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">die eigenen religiösen Überzeugungen zu ändern. Die Glaubens- und</span><br/> <span class="ft6">Gewissensfreiheit schliesst den Grundsatz der konfessionellen Neu-</span><br/> <span class="ft6">tralität des Staates ein, das heisst die Offenheit gegenüber allen reli-</span><br/> <span class="ft6">giösen und philosophischen Überzeugungen. Dagegen fordert dieser</span><br/> <span class="ft6">Grundsatz vom Staat nicht, eine Haltung einzunehmen, die frei von</span><br/> <span class="ft6">jeglichen religiösen oder philosophischen Aspekten ist. Die gegen-</span><br/> <span class="ft6">teilige Ansicht würde die geltende Regelung der Beziehungen zwi-</span><br/> <span class="ft6">schen Kirche und Staat in den Kantonen in Frage stellen, denn die</span><br/> <span class="ft6">Mehrheit der Kantonsverfassungen anerkennt die wichtigsten Kon-</span><br/> <span class="ft6">fessionen als juristische Personen des öffentlichen Rechts; dies bringt</span><br/> <span class="ft6">jenen im Allgemeinen steuerliche Vorteile oder führt dazu, dass der</span><br/> <span class="ft6">Staat Beiträge an die anerkannten Kirchen zur Erfüllung der ihnen</span><br/> <span class="ft6">obliegenden Aufgaben ausrichtet (vgl. dazu §§ 109 ff. KV). Die Ver-</span><br/> <span class="ft6">pflichtung des Staates, sich im religiösen Bereich neutral zu verhal-</span><br/> <span class="ft6">ten, besteht vielmehr darin, sich öffentlichen Handlungen konfessio-</span><br/> <span class="ft6">neller Art zu enthalten, die geeignet sind, die Freiheit der Bürgerin-</span><br/> <span class="ft6">nen und Bürger in einer pluralistischen Gesellschaft zu beeinträchti-</span><br/> <span class="ft6">gen (vgl. zum Ganzen Botschaft des Bundesrates über eine neue</span><br/> <span class="ft6">Bundesverfassung vom 20. November 1996 [nachfolgend: Bot-</span><br/> <span class="ft6">schaft], S. 156; BGE 123 I 296 ff. [Pra 87 Nr. 47], 119 Ia 183 ff., 118</span><br/> <span class="ft6">Ia 56, 116 Ia 252 ff. [Pra 81 Nr. 72]).</span><br/> <span class="ft6">Besondere Bedeutung kommt dem Grundsatz der konfessio-</span><br/> <span class="ft6">nellen Neutralität des Staats im Bereich der öffentlichen Schule zu,</span><br/> <span class="ft6">denn der Unterricht ist ohne Unterschied zwischen den Konfessionen</span><br/> <span class="ft6">für alle obligatorisch (vgl. Art. 62 BV, § 4 des Schulgesetzes). Es</span><br/> <span class="ft6">geht hier darum, die Achtung der Empfindlichkeit der Individuen</span><br/> <span class="ft6">verschiedener Bekenntnisse zu gewährleisten, das den Eltern zuste-</span><br/> <span class="ft6">hende Recht, über die religiöse Erziehung ihrer Kinder zu verfügen</span><br/> <span class="ft6">(vgl. Art. 303 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom</span><br/> <span class="ft6">10. Dezember 1907, ZGB), zu stärken und das Recht der Kinder, ihre</span><br/> <span class="ft6">Konfession nach Vollendung des 16. Lebensjahres frei zu wählen</span><br/> <span class="ft6">(vgl. Art. 303 Abs. 2 ZGB), vor jedem Einfluss zu schützen. Die</span><br/> <span class="ft6">Schule soll zudem kein Ort der Auseinandersetzung zwischen An-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">584</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">hängerinnen und Anhängern verschiedener Bekenntnisse sein; es</span><br/> <span class="ft6">geht also auch um die Wahrung des religiösen Friedens an der</span><br/> <span class="ft6">Schule. Den Behörden und Lehrkräften ist es untersagt, den Unter-</span><br/> <span class="ft6">richt - sei es zu Gunsten oder zum Nachteil einer oder mehrerer Reli-</span><br/> <span class="ft6">gionen - in konfessioneller Hinsicht auszurichten. Die Glaubens- und</span><br/> <span class="ft6">Gewissensfreiheit verbietet Programme, Formen und Methoden von</span><br/> <span class="ft6">Unterricht, die konfessionell orientiert sind oder die - im Gegenteil -</span><br/> <span class="ft6">religionsfeindlich sind. Die Schule darf sich nicht zum Nachteil der</span><br/> <span class="ft6">Angehörigen anderer Konfessionen mit bestimmten religiösen An-</span><br/> <span class="ft6">schauungen - der Mehrheit oder der Minderheit - identifizieren. Sie</span><br/> <span class="ft6">muss das Phänomen Religion berücksichtigen, ohne jedoch die Reli-</span><br/> <span class="ft6">gionsfreiheit der Schülerinnen und Schüler unzulässigerweise zu</span><br/> <span class="ft6">beeinträchtigen, insbesondere indem sie ihnen gegenüber Zwang</span><br/> <span class="ft6">ausübt oder bestimmte Bekenntnisse herabsetzt oder rühmt (vgl.</span><br/> <span class="ft6">auch BGE 123 I 296 ff. [Pra 87 Nr. 47], 116 Ia 252 ff. [Pra 81 Nr.</span><br/> <span class="ft6">72]).</span><br/> <span class="ft6">Die Haltung der Lehrkräfte spielt aus dieser Sicht eine wichtige</span><br/> <span class="ft6">Rolle. Nur schon durch ihr Verhalten können sie einen grossen Ein-</span><br/> <span class="ft6">fluss auf ihre Schülerinnen und Schüler ausüben. Sie stellen ein Vor-</span><br/> <span class="ft6">bild dar, wofür die Schülerinnen und Schüler aufgrund ihrer Jugend,</span><br/> <span class="ft6">den täglichen Kontakten - den sie sich grundsätzlich nicht entziehen</span><br/> <span class="ft6">können - und der hierarchischen Art dieses Verhältnisses besonders</span><br/> <span class="ft6">empfänglich sind. Lehrerinnen und Lehrer tragen einen Teil der</span><br/> <span class="ft6">Amtsgewalt der Schule und vertreten den Staat, dem ihr Verhalten</span><br/> <span class="ft6">zuzurechnen ist. Es ist deshalb besonders wichtig, dass Lehrkräfte</span><br/> <span class="ft6">bei der Ausübung ihrer Tätigkeit konfessionell neutral bleiben. Sie</span><br/> <span class="ft6">müssen nicht nur darauf verzichten, unzulässige Mittel zum Versuch</span><br/> <span class="ft6">der Indoktrination ihrer Schülerschaft zu verwenden, wie psychi-</span><br/> <span class="ft6">schen Druck, Bestrafung entgegengesetzter Meinungen oder Diskri-</span><br/> <span class="ft6">minierung, sondern sie müssen ausserdem besonders aufmerksam in</span><br/> <span class="ft6">der Achtung der Religionsfreiheit ihrer Schülerinnen und Schüler</span><br/> <span class="ft6">sein. Die Lehrkräfte haben grosse Zurückhaltung in der Äusserung</span><br/> <span class="ft6">ihres Glaubens zu wahren, dürfen die Schülerinnen und Schüler nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">585</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">in ihren Glaubensbekenntnissen verletzen oder in ihrer religiösen</span><br/> <span class="ft6">Wahl beeinflussen. Sie dürfen ihre Autorität nicht missbrauchen, um</span><br/> <span class="ft6">die Erziehung zu durchkreuzen, welche die Eltern ihren Kindern zu</span><br/> <span class="ft6">geben beabsichtigen. Es obliegt den Lehrerinnen und Lehrern, in der</span><br/> <span class="ft6">Schule eine Atmosphäre religiöser Toleranz herrschen zu lassen (vgl.</span><br/> <span class="ft6">dazu auch BGE 123 I 296 ff. [Pra 87 Nr. 47]).</span><br/> <span class="ft6">Ein in jeder Hinsicht absolut neutraler Unterricht ist jedoch</span><br/> <span class="ft6">konkret nur schwer vorstellbar. Es ist unvermeidlich, dass die Über-</span><br/> <span class="ft6">zeugungen einer Lehrkraft in bestimmten Bereichen des Unterrichts</span><br/> <span class="ft6">(z.B. Geschichte, Geographie) einen gewissen Einfluss auf ihre Art</span><br/> <span class="ft6">und Weise, die Schülerinnen und Schüler auszubilden, oder auf ihr</span><br/> <span class="ft6">Verhalten im Allgemeinen haben. Im Übrigen berechtigt das Neutra-</span><br/> <span class="ft6">litätserfordernis an der Schule nicht, Lehrkräfte mit ihren religiösen</span><br/> <span class="ft6">Überzeugungen zu disqualifizieren oder von diesen zu erwarten, dass</span><br/> <span class="ft6">sie ihre Konfession derart verleugnen, dass sie nicht mehr erkennbar</span><br/> <span class="ft6">ist. Die Glaubensfreiheit enthält auch keinen allgemeinen Anspruch,</span><br/> <span class="ft6">nicht den religiösen Überzeugungen anderer ausgesetzt zu sein (vgl.</span><br/> <span class="ft6">dazu auch BGE 123 I 296 ff. [Pra 87 Nr. 47]).</span><br/> <span class="ft6">Die Problematik besteht somit darin, festzulegen, wieweit die</span><br/> <span class="ft6">Pflicht zur Zurückhaltung von Lehrkräften öffentlicher Schulen im</span><br/> <span class="ft6">Rahmen ihrer Tätigkeit geht. Die Antwort ist in Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft6">aller Umstände des konkreten Einzelfalles zu finden. Die Pflicht zur</span><br/> <span class="ft6">Zurückhaltung muss strenger sein, wenn es sich um eine obligatori-</span><br/> <span class="ft6">sche Schule handelt. Je höher die Unterrichtsstufe ist, desto mehr</span><br/> <span class="ft6">dürfen grundsätzlich die Grenzen des konfessionell orientierten Ver-</span><br/> <span class="ft6">haltens der Lehrkräfte erweitert werden, denn ältere Schülerinnen</span><br/> <span class="ft6">und Schüler verfügen normalerweise über eine grössere Urteilsfähig-</span><br/> <span class="ft6">keit im geistigen Bereich und sind auf intellektueller und persönli-</span><br/> <span class="ft6">cher Ebene unabhängiger von ihren Lehrkräften. Schliesslich ist die</span><br/> <span class="ft6">Art und Weise zu berücksichtigen, wie Lehrerinnen und Lehrer ihr</span><br/> <span class="ft6">Glaubensbekenntnis in der Schule leben und darstellen. Insbesondere</span><br/> <span class="ft6">kann ihre Pflicht zur Zurückhaltung gemildert werden, wenn sie</span><br/> <span class="ft6">hervorheben, dass ihre Meinung nur eine unter anderen ist, und wenn</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">586</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">sie ihre Schülerinnen und Schüler ermutigen, sich in voller Freiheit</span><br/> <span class="ft6">zu entscheiden (vgl. dazu auch BGE 123 I 296 ff. [Pra 87 Nr. 47]).</span><br/> <span class="ft6">c) aa) Die Schule ist Teil unserer Gesellschaft, welche auf all-</span><br/> <span class="ft6">gemein anerkannten, sittlichen und ethischen Normen bzw. Wertvor-</span><br/> <span class="ft6">stellungen basiert. Weihnachten ist ein Bestandteil unserer Kultur</span><br/> <span class="ft6">und Gesellschaft. Es ist nicht unüblich, im Unterricht vor Weihnach-</span><br/> <span class="ft6">ten konfessionell gebundene, vor allem christliche Lieder zu singen.</span><br/> <span class="ft6">Solange dies nur einen bescheidenen Raum einnimmt und damit</span><br/> <span class="ft6">nicht bekenntnishafte Verhaltensweisen oder religiöse Handlungen</span><br/> <span class="ft6">verbunden sind, ist dagegen nichts einzuwenden (vgl. auch Herbert</span><br/> <span class="ft6">Plotke, Schweizerisches Schulrecht, Bern/Stuttgart 1979, S. 160;</span><br/> <span class="ft6">Marco Borghi, in: Kommentar zur Schweizerischen Bundesverfas-</span><br/> <span class="ft6">sung, Band II, N 80 zu Art. 27). Wird - wie vorliegend - während der</span><br/> <span class="ft6">Vorweihnachtszeit ein Krippenspiel eingeübt, benötigt dies gezwun-</span><br/> <span class="ft6">genermassen mehr Zeit als das Singen einzelner Lieder. Zudem wer-</span><br/> <span class="ft6">den die betroffenen, noch sehr jungen Schülerinnen und Schüler von</span><br/> <span class="ft6">der geistigen Intensität her relativ stark beansprucht. Das Einüben</span><br/> <span class="ft6">eines Krippenspiels während des allgemeinen, ausserhalb des Faches</span><br/> <span class="ft6">Religion stattfindenden Schulunterrichtes ist daher nicht ganz un-</span><br/> <span class="ft6">problematisch und erfordert von den Lehrkräften entsprechende Sen-</span><br/> <span class="ft6">sibilität. Das Krippenspiel muss in einen grösseren Rahmen einge-</span><br/> <span class="ft6">bettet werden, der insbesondere Hinweise auf andere Religionen</span><br/> <span class="ft6">bzw. Weltanschauungen sowie deren Umgang mit Weihnachten be-</span><br/> <span class="ft6">inhaltet und es den Schülerinnen und Schülern auch erlaubt, sich</span><br/> <span class="ft6">ihrem Alter entsprechend und in kritischer Art und Weise mit dem</span><br/> <span class="ft6">Inhalt des aufgeführten Stücks auseinander zu setzen. Wie der Erzie-</span><br/> <span class="ft6">hungsrat zu Recht festgestellt hat, muss den Eltern zudem die Mög-</span><br/> <span class="ft6">lichkeit zukommen, ihr Kind von den entsprechenden Aktivitäten in</span><br/> <span class="ft6">der Schule fernzuhalten. Vermögen die Lehrkräfte den soeben um-</span><br/> <span class="ft6">schriebenen Rahmen zu bieten und wird das Krippenspiel nicht mit</span><br/> <span class="ft6">bekenntnishaften Verhaltensweisen oder religiösen Handlungen ver-</span><br/> <span class="ft6">bunden, ist das Einüben eines solchen Stückes im allgemeinen</span><br/> <span class="ft6">Schulunterricht angesichts unserer abendländischen Kultur entgegen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">587</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">der Ansicht des Beschwerdeführers als mit der Glaubens- und Ge-</span><br/> <span class="ft6">wissensfreiheit vereinbar einzustufen.</span><br/> <span class="ft6">bb) aaa) A. und H.D. machen geltend, den vom Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rer gerügten Liedertext "So ist Gott" ausschliesslich im schulischen</span><br/> <span class="ft6">Religionsunterricht verwendet zu haben; gleichzeitig räumen sie aber</span><br/> <span class="ft6">ein, dass der besagte Liedertext von den Kindern für die Singprüfung</span><br/> <span class="ft6">im allgemeinen Schulunterricht hätte gewählt werden dürfen. Eine</span><br/> <span class="ft6">eigentliche Auswahlliste für die fragliche Singprüfung habe es keine</span><br/> <span class="ft6">gegeben; die Kinder hätten einfach ein Lied auswählen können, wel-</span><br/> <span class="ft6">ches in der Schule schon gesungen worden sei, das Lied "So ist Gott"</span><br/> <span class="ft6">sei von keinem Kind vorgetragen worden. Der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">hingegen legt dar, dass vier Lieder für die Singprüfung zur Auswahl</span><br/> <span class="ft6">gestanden hätten: "So ist Gott", "Wer klopfet an", "Uf em Fäld i der</span><br/> <span class="ft6">Nacht" und "Ach, lieber Frosch"; von diesen vier Liedern hätten</span><br/> <span class="ft6">deren drei - insbesondere das Stück "So ist Gott" - einen aus seiner</span><br/> <span class="ft6">Sicht unzulässig religiösen Inhalt gehabt.</span><br/> <span class="ft6">Die Verfahrensbeteiligten stellen den Sachverhalt somit nicht</span><br/> <span class="ft6">ganz übereinstimmend dar. Unbestritten ist indes, dass das Lied "So</span><br/> <span class="ft6">ist Gott" an der Singprüfung gewählt werden konnte. Ebenfalls unbe-</span><br/> <span class="ft6">stritten geblieben ist die Aussage des Beschwerdeführers, wonach die</span><br/> <span class="ft6">andern von ihm angeführten Lieder an der Singprüfung ebenfalls</span><br/> <span class="ft6">vorgetragen werden durften. Es bleibt daher zu prüfen, ob die vier</span><br/> <span class="ft6">genannten Kinderlieder angesichts des Grundsatzes der Glaubens-</span><br/> <span class="ft6">und Gewissensfreiheit in der gewählten Form Gegenstand einer</span><br/> <span class="ft6">Singprüfung im allgemeinen Schulunterricht bilden durften. Die</span><br/> <span class="ft6">Texte der vier Lieder lauten wie folgt:</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>So ist Gott</b></span><br/> <span class="ft7">"Er bindet nicht, er hält uns fest, so ist Gott. Das glaube ich, Gott lebt,</span><br/> <span class="ft7">Gott lebt, er ist da für mich.</span><br/> <span class="ft7">Er weist nicht ab, er nimmt uns an, so ist Gott. Das glaube ich, Gott</span><br/> <span class="ft7">lebt, Gott lebt, er ist da für mich.</span><br/> <span class="ft7">Er knechtet nicht, er macht uns frei, so ist Gott. Das glaube ich, Gott</span><br/> <span class="ft7">lebt, Gott lebt, er ist da für mich.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">588</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Er macht nicht Angst, er gibt uns Mut, so ist Gott. Das glaube ich,</span><br/> <span class="ft7">Gott lebt, Gott lebt, er ist da für mich."</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>Wer klopfet an</b></span><br/> <span class="ft7">"Wer klopfet an? O zwei gar arme Leut! Was wollt ihr denn? O gebt</span><br/> <span class="ft7">uns Herberg heut! O durch Gottes Lieb wir bitten, öffnet uns doch eure</span><br/> <span class="ft7">Hütten! O nein, o nein! O lasset uns doch ein! Es kann nicht sein! Wir wol-</span><br/> <span class="ft7">len dankbar sein! Nein, es kann einmal nicht sein, da geht nur fort, ihr</span><br/> <span class="ft7">kommt nicht ein!</span><br/> <span class="ft7">Wer vor der Tür? Ein Weib mit ihrem Mann! Was wollt ihr denn? Hört</span><br/> <span class="ft7">unser Bitten an! Lasset heut bei euch uns wohnen, Gott wird euch schon</span><br/> <span class="ft7">alles lohnen! Was zahlt ihr mir? Kein Geld besitzen wir! So geht von hier!</span><br/> <span class="ft7">O öffnet uns die Tür! Ei, macht mir kein Ungestüm und packt euch, geht wo</span><br/> <span class="ft7">anders hin!</span><br/> <span class="ft7">Da geht nur fort! O Freund, wohin, woaus? Zum Viehstall dort! Geh,</span><br/> <span class="ft7">Joseph, nur hinaus! O mein Kind, nach Gottes Willen musst du schon die</span><br/> <span class="ft7">Armut fühlen! Jetzt packt euch fort! O dieses harte Wort! Zum Viehstall</span><br/> <span class="ft7">dort! O wohl ein schlechter Ort! Ei, der Ort ist gut für euch; ihr braucht</span><br/> <span class="ft7">nicht viel. Da geht nur gleich!"</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>Uf em Fäld i der Nacht</b></span><br/> <span class="ft7">"Uf em Fäld i der Nacht sind d Hirte noch wach. Do ghöreds es</span><br/> <span class="ft7">Klinge, vom Himmel es Singe: Ihr Mänsche, sind froh; der Heiland isch</span><br/> <span class="ft7">cho!</span><br/> <span class="ft7">Die Hirten im Fäld löhnd d Herde bim Zält. Si juchzed und singed, sie</span><br/> <span class="ft7">laufed und springed und finded dänn gschwind im Chrippli das Chind.</span><br/> <span class="ft7">O Vatter, lueg do das Chind uf em Stroh, wies d Chelti tuet gschpüre,</span><br/> <span class="ft7">es muess fascht verfrüre. Ich holen im gschnäll für is Chrippli es Fell.</span><br/> <span class="ft7">O Chind, Gottes Sohn, uf em himmlische Thron, du chunsch voll Er-</span><br/> <span class="ft7">barme uf d Wält zun eus Arme. Du chunsch au zu mir; ich dank dir defür."</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>Ach, lieber Frosch</b></span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">589</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Offensichtlich unproblematisch ist das Stück "Ach, lieber</span><br/> <span class="ft6">Frosch", denn es nimmt keinen Bezug auf religiöse oder weltan-</span><br/> <span class="ft6">schauliche Aspekte.</span><br/> <span class="ft6">bbb) Das Kinderlied "So ist Gott" weist dagegen eindeutig ei-</span><br/> <span class="ft6">nen stark religiösen Inhalt auf. Lediglich aufgrund des Wortlautes</span><br/> <span class="ft6">des Liedes ist zwar nicht ersichtlich, welcher Gott gemeint ist. Bei</span><br/> <span class="ft6">einer Verwendung des Stückes ohne weitere Kommentierung muss</span><br/> <span class="ft6">angesichts der christlichen Grundorientierung unserer Gesellschaft</span><br/> <span class="ft6">indessen davon ausgegangen werden, dass das Lied auf Gott in ei-</span><br/> <span class="ft6">nem christlichen Sinne Bezug nimmt. Das Lied ist denn auch im</span><br/> <span class="ft6">Buch "Weil du mich so magst, religiöse Kinderlieder" von Gerhard</span><br/> <span class="ft6">Krombusch und Ludger Edelkötter publiziert; gemäss Vorwort ist es</span><br/> <span class="ft6">Ziel dieses Buches, "dass die christliche Botschaft als 'frohe Bot-</span><br/> <span class="ft6">schaft' in der Welt der Kinder heute zum Klingen kommt". Aufgrund</span><br/> <span class="ft6">dieser Sachlage muss der Text des Liedes folglich als Glaubensbe-</span><br/> <span class="ft6">kenntnis zugunsten des Christentums interpretiert werden. Die An-</span><br/> <span class="ft6">sicht der Schulpflege F., wonach die Verwendung des Liedes im all-</span><br/> <span class="ft6">gemeinen Schulunterricht nicht gegen Richtlinien verstosse, vermag</span><br/> <span class="ft6">in dieser Form daher nicht vollumfänglich zu überzeugen. Personen,</span><br/> <span class="ft6">die nicht an das Christentum oder überhaupt nicht glauben, können</span><br/> <span class="ft6">durch das Lied vielmehr in ihren religiösen und weltanschaulichen</span><br/> <span class="ft6">Überzeugungen verletzt werden.</span><br/> <span class="ft6">Die Lieder "Wer klopfet an" und "Uf em Fäld i der Nacht" wei-</span><br/> <span class="ft6">sen ebenfalls einen sehr deutlichen Bezug zu religiösen Fragen auf,</span><br/> <span class="ft6">obwohl sie von ihrem religiösen Inhalt her nicht so weit wie das</span><br/> <span class="ft6">Stück "So ist Gott" gehen; der Text dieser beiden Lieder befasst sich</span><br/> <span class="ft6">mit den Geschehnissen in der Weihnachtszeit aus christlicher Sicht.</span><br/> <span class="ft6">Wie bereits vorstehend ausgeführt worden ist, kann zwar gegen das</span><br/> <span class="ft6">Singen von konfessionell gebundenen, insbesondere christlichen</span><br/> <span class="ft6">Liedern im allgemeinen Unterricht vor Weihnachten grundsätzlich</span><br/> <span class="ft6">nichts eingewendet werden. Die Zulässigkeit des Singens solcher</span><br/> <span class="ft6">Lieder in der Vorweihnachtszeit wird indes gerade wegen des zeitlich</span><br/> <span class="ft6">beschränkten Rahmens, in dem solche Lieder gesungen werden,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">590</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">bejaht (vgl. Herbert Plotke, a.a.O., S. 164). Es ist in unserer abend-</span><br/> <span class="ft6">ländischen Kultur denn auch nicht üblich, während des ganzen Jahres</span><br/> <span class="ft6">konfessionell gebundene Weihnachtslieder zu singen; mit gesell-</span><br/> <span class="ft6">schaftlichen Traditionen lässt sich die Darbietung dieser Lieder</span><br/> <span class="ft6">ausserhalb der Weihnachtszeit somit nicht begründen. Grundsätzlich</span><br/> <span class="ft6">sollte das Singen von Weihnachtsliedern der vorliegenden Art daher</span><br/> <span class="ft6">auf die traditionelle Weihnachtszeit beschränkt bleiben.</span><br/> <span class="ft6">Es darf indessen nicht ausser Acht gelassen werden, dass das</span><br/> <span class="ft6">Thema "Religion" auch im allgemeinen Schulunterricht seinen Platz</span><br/> <span class="ft6">hat. So haben sich die Schülerinnen und Schüler im heutigen Bereich</span><br/> <span class="ft6">"Realien" unter der Rubrik "Mensch und Mitmensch" beispielsweise</span><br/> <span class="ft6">mit Vorurteilen und Diskriminierungen auseinander zu setzen, die auf</span><br/> <span class="ft6">geschlechtliche, soziale, religiöse oder andere Unterschiede zu-</span><br/> <span class="ft6">rückgeführt werden; sie lernen, andere Werte und Normen als</span><br/> <span class="ft6">gleichwertig zu achten. Zudem werden unter der Rubrik "Mensch</span><br/> <span class="ft6">und Zeit" geschichtliche Aspekte behandelt, die ebenfalls Raum für</span><br/> <span class="ft6">den Miteinbezug von religiösen Fragen lassen. Im Fach "Musik"</span><br/> <span class="ft6">können schliesslich die verschiedenen Funktionen und Wirkungen</span><br/> <span class="ft6">von Musik in unserer Gesellschaft thematisiert werden; dabei geht es</span><br/> <span class="ft6">insbesondere auch um die Stellung der Musik bei verschiedenen</span><br/> <span class="ft6">Anlässen wie Festen oder Ritualen (vgl. zum Ganzen Lehrplan für</span><br/> <span class="ft6">die Volksschule des Kantons Aargau, Realien S. 4 und 13, Musik S.</span><br/> <span class="ft6">9). Ein Verstoss gegen den Grundsatz der Glaubens- und Gewissens-</span><br/> <span class="ft6">freiheit liegt bei der Behandlung religiöser Themen im obligatori-</span><br/> <span class="ft6">schen allgemeinen Schulunterricht nicht vor, solange das Ziel nicht</span><br/> <span class="ft6">in der religiösen Unterweisung und Erbauung, sondern in der Ver-</span><br/> <span class="ft6">mittlung von Erkenntnissen eines bestimmten Fachgebietes besteht</span><br/> <span class="ft6">(vgl. auch Peter Karlen, Das Grundrecht der Religionsfreiheit in der</span><br/> <span class="ft6">Schweiz, Zürich 1988, S. 394). Bei der Vermittlung von solchen</span><br/> <span class="ft6">Erkenntnissen dürfen die Lehrkräfte auch entsprechendes Hilfsmate-</span><br/> <span class="ft6">rial verwenden. Der Beschwerdeführer geht daher fehl, wenn er</span><br/> <span class="ft6">glaubt, dass ausserhalb des Religionsunterrichtes überhaupt keine</span><br/> <span class="ft6">Texte, Bilder oder Lieder mit religiösem Gehalt beigezogen werden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">591</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">dürfen. An die Lehrkräfte sind bei der Behandlung von religiösen</span><br/> <span class="ft6">Aspekten im allgemeinen Schulunterricht indes hohe Anforderungen</span><br/> <span class="ft6">zu stellen. Die religiösen Aspekte müssen sorgfältig und dem Alter</span><br/> <span class="ft6">der Kinder angemessen präsentiert und in einen entsprechenden Ge-</span><br/> <span class="ft6">samtzusammenhang gestellt werden, damit deutlich wird, dass es um</span><br/> <span class="ft6">die Vermittlung von Erkenntnissen eines bestimmten Fachgebietes</span><br/> <span class="ft6">geht. Schliesslich gilt es zu beachten, dass die vertiefte Auseinander-</span><br/> <span class="ft6">setzung mit der Religion trotz ihres berechtigten Platzes im allge-</span><br/> <span class="ft6">meinen Schulunterricht überwiegend im Rahmen des Fachs "Schuli-</span><br/> <span class="ft6">scher Religionsunterricht" zu erfolgen hat. Der schulische Religions-</span><br/> <span class="ft6">unterricht ist in erster Linie das Fach, in welchem religiöse und ethi-</span><br/> <span class="ft6">sche Themen des Lebens behandelt werden sollen (vgl. auch Lehr-</span><br/> <span class="ft6">plan für die Volksschule des Kantons Aargau, Religion S. 1). Würde</span><br/> <span class="ft6">man auf die - zugegebenermassen nicht immer leicht fallende -</span><br/> <span class="ft6">Grenzziehung zwischen dem allgemeinen Schulunterricht und dem</span><br/> <span class="ft6">schulischen Religionsunterricht verzichten, würde das Recht der</span><br/> <span class="ft6">Eltern, ihre Kinder vom schulischen Religionsunterricht dispensieren</span><br/> <span class="ft6">zu lassen (vgl. § 38 Abs. 2 des Schulgesetzes), seines Gehaltes ent-</span><br/> <span class="ft6">leert.</span><br/> <span class="ft6">Im vorliegenden Fall haben sich die jungen Schülerinnen und</span><br/> <span class="ft6">Schüler bereits im Rahmen des Krippenspiels intensiv mit religiösen</span><br/> <span class="ft6">Aspekten, insbesondere mit christlichem Liedgut, auseinander ge-</span><br/> <span class="ft6">setzt. Inwiefern die zusätzliche Verwendung der Lieder "So ist Gott",</span><br/> <span class="ft6">"Wer klopfet an" und "Uf em Fäld i der Nacht" im Rahmen der Sing-</span><br/> <span class="ft6">prüfung geboten oder gar erforderlich gewesen sein sollte, lässt sich</span><br/> <span class="ft6">weder den Akten noch den Stellungnahmen der Vorinstanzen bzw.</span><br/> <span class="ft6">der Lehrkräfte entnehmen. Insbesondere haben die beiden Lehrkräfte</span><br/> <span class="ft6">im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens auch nicht dargelegt, dass es</span><br/> <span class="ft6">ihnen bei der gewählten Art der Gestaltung der Singprüfung um die</span><br/> <span class="ft6">Vermittlung von Erkenntnissen eines bestimmten Fachgebietes ge-</span><br/> <span class="ft6">gangen ist und sie den Umgang mit den fraglichen Liedern in das</span><br/> <span class="ft6">notwendige pädagogische Umfeld eingebettet haben. In ihrer Stel-</span><br/> <span class="ft6">lungnahme vom 19. November 1999 im Verfahren vor dem Regie-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">592</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">rungsrat legen sie lediglich dar, eine Gutheissung der Beschwerde</span><br/> <span class="ft6">hätte zur Folge, dass verschiedene bekannte und verbreitete Lieder</span><br/> <span class="ft6">("All Morgen ist ganz frisch und neu", "Lobet und preiset ihr Völker</span><br/> <span class="ft6">den Herrn", "Zeller-Weihnacht", sogar "Trittst im Morgenrot daher"</span><br/> <span class="ft6">sowie verschiedene Weihnachtslieder) keinen Platz mehr in der</span><br/> <span class="ft6">Schule hätten. Diese Argumentation geht indessen am Kernproblem</span><br/> <span class="ft6">des vorliegenden Falles vorbei (vgl. die Ausführungen unter E.3b</span><br/> <span class="ft6">und 3c aa). Der Regierungsrat zweifelt nicht an der Absicht und dem</span><br/> <span class="ft6">Willen von A. und H.D., ihre Schülerinnen und Schüler gut und dem</span><br/> <span class="ft6">Lehrplan entsprechend unterrichten zu wollen. Er kommt indes auf-</span><br/> <span class="ft6">grund der Aktenlage zum Schluss, dass im vorliegenden Fall die</span><br/> <span class="ft6">Grenzen zwischen dem allgemeinen Schulunterricht und dem schuli-</span><br/> <span class="ft6">schen Religionsunterricht auf unzulässige Art und Weise verwischt</span><br/> <span class="ft6">worden sind und christlichen Aspekten im allgemeinen Schulunter-</span><br/> <span class="ft6">richt ein zu grosses Gewicht zugekommen ist und sie einen zu</span><br/> <span class="ft6">grossen Raum eingenommen haben. Werden Drittklässlerinnen und</span><br/> <span class="ft6">Drittklässler nicht nur in der Vorweihnachtszeit, sondern das ganze</span><br/> <span class="ft6">Jahr über im allgemeinen Schulunterricht mit Liedern konfrontiert,</span><br/> <span class="ft6">die einen augenfällig religiösen bzw. christlichen Bezug haben, kann</span><br/> <span class="ft6">die Gefahr einer religiösen Beeinflussung gerade angesichts des noch</span><br/> <span class="ft6">geringen Alters und einer gewissen Intensität der religiösen Themen</span><br/> <span class="ft6">nicht von der Hand gewiesen werden. Eltern, welche ihren Kindern</span><br/> <span class="ft6">andere Weltanschauungen oder religiöse Inhalte vermitteln wollen,</span><br/> <span class="ft6">geraten zudem in eine schwierige Situation und werden in ihrem</span><br/> <span class="ft6">Recht, über die religiöse Erziehung ihrer Kinder zu verfügen (vgl.</span><br/> <span class="ft6">Art. 303 Abs. 1 ZGB), eingeschränkt.</span><br/> <span class="ft6">An der obigen Einschätzung vermag auch die Tatsache, dass an</span><br/> <span class="ft6">der Singprüfung nebst den drei beanstandeten Liedern zumindest</span><br/> <span class="ft6">noch ein Stück ohne religiösen Inhalt zur Auswahl stand, nichts zu</span><br/> <span class="ft6">ändern, denn die Gefahr einer unzulässigen religiösen Beeinflussung</span><br/> <span class="ft6">der Schülerinnen und Schüler oder der Einschränkung der diesbe-</span><br/> <span class="ft6">züglichen Elternrechte besteht auch bei einer solchen Konstellation.</span><br/> <span class="ft6">Ebenfalls unbehelflich ist der Hinweis des Erziehungsrates, dass den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">593</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Kindern bei allen Tätigkeiten mit religiösem Hintergrund - also auch</span><br/> <span class="ft6">bei der Präsentation von religiösen Liedern - die Möglichkeit offen</span><br/> <span class="ft6">stehen muss, nicht teilzunehmen. Es darf nicht übersehen werden,</span><br/> <span class="ft6">dass die Kinder einen Anspruch haben, am gesamten Schulunterricht</span><br/> <span class="ft6">teilzunehmen. Würde ein Kind durch häufige religiöse Tätigkeiten</span><br/> <span class="ft6">innerhalb des allgemeinen Schulunterrichts zur Nichtteilnahme am</span><br/> <span class="ft6">Unterricht gezwungen, würde dieser Anspruch, dem im Übrigen</span><br/> <span class="ft6">grosses Gewicht beizumessen ist, verletzt (vgl. dazu auch Herbert</span><br/> <span class="ft6">Plotke,</span> <span class="ft6">a.a.O., S. 161 und 164). Schliesslich ist darauf hinzuweisen,</span><br/> <span class="ft6">dass es eine Vielzahl von Kinderliedern gibt, die im Hinblick auf die</span><br/> <span class="ft6">Glaubens- und Gewissensfreiheit absolut unproblematisch sind; die</span><br/> <span class="ft6">Erteilung eines qualifizierten Schulunterrichts - insbesondere das</span><br/> <span class="ft6">Abhalten einer Singprüfung - ist daher problemlos möglich, ohne</span><br/> <span class="ft6">mehrere religiöse Lieder der vorliegend geprüften Art heranzuziehen</span><br/> <span class="ft6">und dadurch die Glaubens- und Gewissensfreiheit zu beeinträchtigen.</span><br/> <span class="ft6">cc) Was das Beten anbelangt, liegen ebenfalls unterschiedliche</span><br/> <span class="ft6">Sachverhaltsdarstellungen vor. Die Eltern des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft6">machen geltend, H.D. habe sich ihnen gegenüber auf den Standpunkt</span><br/> <span class="ft6">gestellt, dass er das Recht und die Möglichkeit habe, die Schulklasse</span><br/> <span class="ft6">täglich beten zu lassen, solange ihr Sohn nicht zum aktiven Mitma-</span><br/> <span class="ft6">chen gezwungen werde. H.D. hingegen macht geltend, er habe an-</span><br/> <span class="ft6">lässlich des besagten Gesprächs lediglich darauf hingewiesen, dass</span><br/> <span class="ft6">das Thema "Beten" zu den Inhalten des schulischen Religionsunter-</span><br/> <span class="ft6">richts der 3.-5. Klasse gehöre. Welche der beiden Sachverhaltsdar-</span><br/> <span class="ft6">stellungen letztlich zutreffend ist, kann vorliegend offen bleiben,</span><br/> <span class="ft6">zumal der Beschwerdeführer nicht rügt, dass er und seine Schul-</span><br/> <span class="ft6">klasse tatsächlich gezwungen gewesen seien, täglich zu beten. Ange-</span><br/> <span class="ft6">sichts der Bedeutung der Frage erscheint es dem Regierungsrat oh-</span><br/> <span class="ft6">nehin angebracht, die generelle Problematik des Schulgebetes einer</span><br/> <span class="ft6">klärenden Prüfung zu unterziehen.</span><br/> <span class="ft6">Das Sprechen eines Gebetes stellt zweifelsohne eine Kultus-</span><br/> <span class="ft6">handlung dar (vgl. Botschaft, S. 156). Mit dem Gebet geht ein klares</span><br/> <span class="ft6">Glaubensbekenntnis einher. Von einem konfessionell neutralen Un-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">594</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">terricht kann daher keine Rede mehr sein, wenn Lehrkräfte öffentli-</span><br/> <span class="ft6">cher Schulen ihre Kinder dazu anhalten, täglich ein Gebet zu spre-</span><br/> <span class="ft6">chen. Vielmehr muss ein derart gestalteter Unterricht als konfessio-</span><br/> <span class="ft6">nell ausgerichtet taxiert werden. Das Bundesgericht hat bereits das</span><br/> <span class="ft6">Aufhängen eines Kruzifixes als unzulässig erachtet; es hat insbeson-</span><br/> <span class="ft6">dere betont, dass sich irgendwelche Personen durch die ständige</span><br/> <span class="ft6">Präsenz des Symbols einer Religion, der sie nicht angehören, in ihren</span><br/> <span class="ft6">religiösen Überzeugungen verletzt fühlen können (vgl. BGE 116 Ia</span><br/> <span class="ft6">252 ff. [Pra 81 Nr. 72]). Wenn die ständige Anwesenheit eines reli-</span><br/> <span class="ft6">giösen Symbols im Schulzimmer nicht mit der Glaubens- und Ge-</span><br/> <span class="ft6">wissensfreiheit vereinbar ist, kann die Verpflichtung von Kindern zu</span><br/> <span class="ft6">einem aktiven Tun, d.h. zu einem Glaubensbekenntnis in Form eines</span><br/> <span class="ft6">Gebetes, erst recht nicht als grundrechtskonform erachtet werden. Es</span><br/> <span class="ft6">liegt auf der Hand, dass gerade junge Schülerinnen und Schüler</span><br/> <span class="ft6">durch ein tägliches Schulgebet in unzulässiger Weise religiös beein-</span><br/> <span class="ft6">flusst werden können und das Recht der Eltern, über die religiöse</span><br/> <span class="ft6">Erziehung ihrer Kinder zu verfügen, dadurch unerlaubterweise be-</span><br/> <span class="ft6">schnitten wird. An dieser Einschätzung ändert sich auch nichts, wenn</span><br/> <span class="ft6">die Kinder anderer Glaubensbekenntnisse oder konfessionslose Kin-</span><br/> <span class="ft6">der während des Gebets vor dem Schulzimmer warten können oder</span><br/> <span class="ft6">wenn diese, ohne mitbeten zu müssen, im Schulzimmer bleiben kön-</span><br/> <span class="ft6">nen bzw. müssen. Einerseits gilt es zu beachten, dass sich gerade</span><br/> <span class="ft6">Drittklässlerinnen und Drittklässer einem solchen Ritual aufgrund</span><br/> <span class="ft6">des Gruppendruckes nur schwerlich entziehen können. Tun sie es</span><br/> <span class="ft6">trotzdem, z.B. auf Anweisung ihrer Eltern, riskieren sie, von der</span><br/> <span class="ft6">Klasse ausgegrenzt zu werden. Andererseits stellen Lehrkräfte, die</span><br/> <span class="ft6">ihre Schulklassen täglich beten lassen, ihre soziale Aufgabe in Frage,</span><br/> <span class="ft6">wenn sie in ihre Tätigkeiten Elemente einfliessen lassen, welche</span><br/> <span class="ft6">Angehörige gewisser Konfessionen oder konfessionslose Kinder von</span><br/> <span class="ft6">einem Teil ihrer Aktivitäten ausschliessen oder jedenfalls einer Sepa-</span><br/> <span class="ft6">rierung Vorschub leisten. Wie bereits oben dargelegt, kommt zudem</span><br/> <span class="ft6">dem Anspruch der Schülerinnen und Schüler auf die Teilnahme am</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">595</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">gesamten Unterricht ein grosses Gewicht zu (vgl. zum Ganzen auch</span><br/> <span class="ft6">Marco Borghi,</span> <span class="ft6">a.a.O., N 79 zu Art. 27).</span><br/> <span class="ft6">d) Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass sich einzig die</span><br/> <span class="ft6">Rüge des Beschwerdeführers in Bezug auf die Verwendung der Lie-</span><br/> <span class="ft6">dertexte "So ist Gott", "Wer klopfet an" und "Uf em Fäld i der</span><br/> <span class="ft6">Nacht" im allgemeinen, ausserhalb des schulischen Religionsunter-</span><br/> <span class="ft6">richtes stattfindenden Schulunterrichtes im Sinne der obigen Erwä-</span><br/> <span class="ft6">gungen teilweise als berechtigt erweist. Zwar muss die Behandlung</span><br/> <span class="ft6">von religiösen Liedern nicht auf den schulischen Religionsunterricht</span><br/> <span class="ft6">beschränkt werden; der allgemeine Schulunterricht lässt auch in Be-</span><br/> <span class="ft6">rücksichtigung des Grundsatzes der Glaubens- und Gewissensfreiheit</span><br/> <span class="ft6">die Auseinandersetzung mit religiösem Liedgut und der Denkweise</span><br/> <span class="ft6">bzw. Gefühlswelt von religiösen Menschen zu. Lehrpersonen müssen</span><br/> <span class="ft6">indes darauf achten, dass die Behandlung von religiösen Themen in</span><br/> <span class="ft6">einem ausgewogenen Rahmen erfolgt. Insbesondere darf nicht eine</span><br/> <span class="ft6">bestimmte Religion bzw. Konfession im Vordergrund stehen; es gilt</span><br/> <span class="ft6">vielmehr die bestehende Vielzahl von Weltanschauungen zu berück-</span><br/> <span class="ft6">sichtigen. Bei der Auseinandersetzung mit religiösen Themen muss</span><br/> <span class="ft6">es zudem darum gehen, Erkenntnisse eines bestimmten Fachgebietes</span><br/> <span class="ft6">zu vermitteln. Es ist des Weitern zu beachten, dass die vertiefte Aus-</span><br/> <span class="ft6">einandersetzung mit der Religion trotz ihres berechtigten Platzes im</span><br/> <span class="ft6">allgemeinen Schulunterricht überwiegend im Rahmen des Fachs</span><br/> <span class="ft6">"Schulischer Religionsunterricht" zu erfolgen hat. A. und H.D. haben</span><br/> <span class="ft6">dem soeben umschriebenen Rahmen bei der Gestaltung ihres Unter-</span><br/> <span class="ft6">richtes nicht vollumfänglich Rechnung getragen. Sie werden daher</span><br/> <span class="ft6">angewiesen, in ihrem Unterricht inskünftig verstärkt die Trennung</span><br/> <span class="ft6">zwischen schulischem Religionsunterricht und allgemeinem Schul-</span><br/> <span class="ft6">unterricht zu berücksichtigen; zudem haben sie sich bei der Behand-</span><br/> <span class="ft6">lung von religiösen Aspekten im Rahmen des allgemeinen Schulun-</span><br/> <span class="ft6">terrichtes nach dem Lehrplan auszurichten und auf die Vermittlung</span><br/> <span class="ft6">von Erkenntnissen des entsprechenden Fachgebietes zu beschränken</span><br/> <span class="ft6">sowie vermehrt darauf zu achten, dass bezüglich Gewicht und Inten-</span><br/> <span class="ft6">sität der religiösen Themen der zulässige Rahmen eingehalten wird.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">596</span></div> <div class="page" id="S16"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Die Schulpflege F. wird in ihrer Funktion als Aufsichtsbehörde be-</span><br/> <span class="ft6">auftragt, im Sinne der obigen Ausführungen den Unterricht von A.</span><br/> <span class="ft6">und H. D. im Hinblick auf die Gewährleistung der Glaubens- und</span><br/> <span class="ft6">Gewissensfreiheit zu überwachen (vgl. § 71 lit. a und n des Schulge-</span><br/> <span class="ft6">setzes). Somit ist die Beschwerde in diesem Punkt - soweit überhaupt</span><br/> <span class="ft6">auf Beschwerdeantrag 1 eingetreten werden kann (vgl. Erwägung</span><br/> <span class="ft6">1.c/bb) - im Sinne der Erwägungen teilweise gutzuheissen. (...)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>