Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. März 2019 (720 18 280 / 80) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Revision von Amtes wegen; Verwaltungsexternes bidisziplinäres Gutachten genügt den beweisrechtlichen Voraussetzungen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ meldete sich mit Gesuch vom 16. Februar 2 004 unter Hinweis auf Rücken- schmerzen bei der Schweizerischen Invalidenversiche rung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Mit Verfügung vom 6. Oktober 2005 sprach die IV-Ste lle Basel-Landschaft (IV-Stelle) der Versi- cherten – in Anwendung der gemischten Methode mit d en Anteilen 80 % Erwerb und 20 % Haushalt – ab dem 1. Februar 2004 eine ganze Invali denrente, ab dem 1. November 2004 eine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dreiviertelsrente und ab dem 1. Mai 2005 eine Viertelsrente zu. Nach einer Revision von Amtes wegen hielt die IV-Stelle mit Mitteilung vom 24. Apr il 2006 fest, dass bei der Überprüfung des Invaliditätsgrades keine Änderung festgestellt worden se i, die sich auf die Rente auswirke. Im Rahmen einer im April 2009 eingeleiteten Revision von Amtes wegen teilte die Versicherte mit, dass sich eine gesundheitliche Verschlechterung eingestellt h abe. In der Folge liess die IV- Stelle A.____ durch Dr. med. B.____, Facharzt FMH für Rheumatologie und Facharzt FMH für Innere Medizin, rheumatologisch begutachten. Nach der Du rchführung einer neuen Haushalts- abklärung teilte die IV-Stelle der Versicherten am 7. Juni 2010 mit, dass keine Änderungen festgestellt worden seien, weshalb weiterhin eine Vie rtelsrente ausgerichtet werde. Im Juni 2013 wurde eine weitere Revision von Amtes eingeleitet . Mit Mitteilung vom 11. Oktober 2013 wurde A.____ abermals eröffnet, dass keine Änderungen festgestellt worden seien und weiter- hin eine Viertelsrente ausgerichtet werde. Im September 2016 wurde eine weitere Überprüfung von Amtes wegen eingeleitet. Mit Schrei- ben vom 23. September 2016 gab A.____ an, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe und seit August 2015 eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe. In der Folge liess die IV-Stelle die Versicherte durch Dr. B.____ und Dr. med. C.____, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, bidisziplinär begutachten (Gutachten vom 30. Mai 2017 bzw. 1. Juni 2017). Gestützt darauf teilte die IV-Stelle am 15. August 20 17 mit, dass keine Änderung festgestellt worden sei, die sich auf die Rente auswirke. In der Fol ge verlangte die Versicherte den Erlass einer Verfügung. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahr en hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. Juni 2018 fest, dass die Invalidenrente unverä ndert ausgerichtet werde. Es bestehe weiterhin Anspruch auf eine Viertelsrente bei einem I nvaliditätsgrad von 49 % (48.72 %). Dabei stellte sie in medizinischer Sicht auf das Gutachten von Dr. B.____ und Dr. C.____ ab und ging von einer Restarbeitsfähigkeit von 50 % aus. Aufgrund der per 1. Januar 2018 in Kraft getrete- nen Verordnungsänderung bei der gemischten Methode re chnete sie sodann das Erwerbsein- kommen, das die Versicherte durch die Teilerwerbstätigk eit erzielen könnte, wenn sie nicht in- valid geworden wäre, neu auf eine Vollerwerbstätigkeit hoch. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, mit Eingabe vom 3. September 2018 Beschwerde beim Ka ntonsgericht Basel-Landschaft, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht, und beantragte die teil weise Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Zusprechung einer ganzen Invalidenr ente mit Wirkung ab September 2016; unter o/e-Kostenfolge. Im Wesentlichen rügt die Beschwerdeführerin die Feststellung der Beschwerdegegnerin, dass in einer leidensangepassten Tät igkeit weiterhin eine 50 %-ige Ar- beitsfähigkeit bestehe. Auf das Gutachten von Dr. B.__ __ könne nicht abgestellt werden, da dieser trotz Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustands weiterhin von einer 50 %- igen Arbeitsfähigkeit ausgehe. Zudem sei er als Rheum atologe nicht befähigt, die ausgedehn- ten Befunde an der Halswirbelsäule richtig zu interpre tieren. Hierzu brauche es eine neurochi- rurgische Beurteilung. Sodann habe die Beschwerdegegnerin zu Unrecht die gemischte Metho- de angewendet, denn die Beschwerdeführerin wäre heut e im Gesundheitsfall in ihrer eigenen Firma voll erwerbstätig. Der Invaliditätsgrad sei dahe r nach der allgemeinen Methode des Ein- kommensvergleichs zu ermitteln. Schliesslich habe die Beschwerdegegnerin beim Invalidenein- kommen zu Unrecht keinen leidensbedingten Abzug vorgenommen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Mit Vernehmlassung vom 11. Oktober 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin – unter anderem unter Hinweis auf eine bei Dr. B.____ eingeholte Stellungnahme vom 17. Sep- tember 2018 – die Abweisung der Beschwerde. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die ei ngereichten Unterlagen wird in den Erwä- gungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Stritti g und zu prüfen ist, ob die Beschwerde- gegnerin zu Recht eine Erhöhung der bisher ausgerichte ten Rente ablehnte. Massgebend für diese Beurteilung sind die tatsächlichen Verhältnisse bis zum Erlass der angefochtenen Verfü- gung vom 27. Juni 2018. 2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). E rwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeg lichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erw erbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kö nnen ( lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindeste ns 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindest ens 40 % invalid sind (lit. c). Bei ei- nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspru ch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Ren te, bei einem Invaliditätsgrad von min- destens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 2.4 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in ein em Aufgabenbereich (z.B. Haus- halt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerb stätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgab enbereich zu betätigen (Betäti- gungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 2.5 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der IV-Grad entsprechend der Behin- derung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Method e der Invaliditätsbemessung). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt d er Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961 in der bis Ende 2017 geltende Fas- sung). 2.6 Mit der am 1. Dezember 2017 beschlossenen Änderung d er IVV und der dazu ergan- genen Übergangsbestimmung, in Kraft ab 1. Januar 2018 (vgl. AS 2017 7581 f.), wird für Teil- erwerbstätige, die sich zusätzlich im Aufgabenbereich Haush alt betätigen, ein neues Berech- nungsmodell statuiert (Art. 27 bis Abs. 2-4 IVV). Dieses sieht neuerdings vor, dass für die Ermitt- lung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbsfäh igkeit für das Valideneinkommen nicht mehr auf das Einkommen aus einem Teilzeitpensum abgeste llt, sondern das entsprechende Einkommen auf eine hypothetische Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27 bis Abs. 3 lit. a IVV). Die so berechnete prozentuale Erwerbseinbusse wird sodann weiterhin anhand des Beschäftigungsgrads, den die Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet (lit. b). Nach der dazu ergangenen Übergangsbestimmun g Ziff. II Abs. 1 ist für die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung vom 1. Dezember 2017 la ufenden Dreiviertelsrenten, halben Renten und Viertelsrenten, die in Anwendung der gemi schten Methode zugesprochen wurden, innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten dieser Änderung eine Revision einzuleiten. Eine allfäl- lige Erhöhung der Rente kann demnach erst auf den Zei tpunkt des Inkrafttretens dieser Ände- rung erfolgen. Art. 27 bis Abs. 2-4 IVV hingegen bereits auf zuvor zuzusprechende R enten anzu- wenden, liefe im Ergebnis auf eine Anwendung noch ni cht in Kraft stehenden Rechts hinaus, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht was einer unzulässigen positiven Vorwirkung gleichkäme (vgl. dazu BGE 129 V 455 E. 3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Dezember 2017, 9C_553/2017, E. 6.2). 2.7 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitwe ilig erwerbstätig oder als nicht erwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfun g, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bund esgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versich erten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 27. Juni 2018) entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesund- heitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 2.8 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerde- fall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztli che und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des A rztes oder der Ärztin ist es, den Ge- sundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehm en, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsun fähig ist. Im Weiteren sind die ärztli- chen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurtei lung der Frage, welche Arbeitsleistun- gen der versicherten Person noch zugemutet werden könn en (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinwei- sen). 2.9 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezüge rin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entspre- chend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen V erhältnissen, die geeignet ist, den Invali- ditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustande s, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustan- des erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mi t Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich geb liebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen a uf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts vom 11. Mai 2009, 9C_261/2009, E. 1.2 und vom 28. August 2003, I 212/03, E. 2.2.3). Ein Revisionsgrund ist ferner unt er Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 130 V 343 E. 3. 5 mit weiteren Hinweisen). Wird die Frage nach einer anspruchsrelevanten Veränderung des Sach verhalts im Sinne einer revisi- onsbegründenden erheblichen Veränderung bejaht, ist d er Invaliditätsgrad auf der Grundlage Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts neu und ohne Bindung an frühere Inva- liditätsschätzungen zu ermitteln (BGE 141 V 9 mit weit eren Hinweisen). Zeitliche Vergleichsba- sis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände rung des Invaliditätsgrades bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer mater iellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruhte (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urt eil des Bundesgerichts vom 26. März 2010, 9C_438/2009, E. 1 mit Hinweisen). Vorliegend sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerde führerin mit Verfügung vom 6. Ok- tober 2005 ab Februar 2004 eine ganze Rente, ab Nove mber 2004 eine Dreiviertelsrente und ab Mai 2005 eine Viertelsrente zu. Im Rahmen des im Jahr 2009 eingeleiteten Revisionsverfah- rens führte die Beschwerdegegnerin eine vertiefte mat erielle Überprüfung des bisherigen An- spruchs durch. Mit Mitteilung vom 7. Juni 2010 bestätigt e sie das Vorliegen eines unveränder- ten Gesundheitszustands und damit die bisherige Vierte lsrente. Diese Beurteilung erfolgte ge- stützt auf eine rheumatologische Begutachtung durch Dr. B.____ vom 10. Dezember 2009 und einen neu eingeholten Haushaltsbericht vom 2. Juni 2 010. Zu prüfen ist daher, ob sich die kon- kreten Verhältnisse seit 2010 bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 27. Juni 2018 wesentlich verändert haben. 3.1 In einem ersten Schritt ist die Rüge der Beschwer deführerin zu prüfen, ihre Rente hätte in Anwendung der allgemeinen Methode ermittelt werden müssen. 3.2 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin den Invalidi tätsgrad der Beschwerdeführerin in Anwendung der gemischten Methode bei einem Anteil Erwerb von 80 % und Haushalt von 20 % bemessen. Dabei stellte sie bei der Festlegung der Ant eile auf die im Fragebogen zur Ermitt- lung der Erwerbstätigkeit vom 18. März 2010 wiedergegebenen Angaben der Beschwerdeführe- rin ab (IV-act. 42, S. 2), wonach diese ohne gesundheitliche Beeinträchtigung in einem Pensum von 80 % eines Vollpensums ihrer bisher ausgeübten ausser häuslichen Erwerbstätigkeit nach- gegangen wäre. Die Beschwerdeführerin macht nun gelt end, dass die gemischte Methode zu Unrecht angewendet worden sei. Sie wäre im Gesundheits fall zu 100 % ausserhäuslich er- werbstätig, da ihre Kinder nun erwachsen wären und kei ne Betreuung mehr notwendig wäre. Diesem Vorbringen hält die Beschwerdegegnerin mit Ver nehmlassung vom 11. Oktober 2018 zu Recht entgegen, dass die Beschwerdeführerin im Rahme n des Einwandverfahrens mit Schreiben vom 15. Dezember 2017 (IV-act. 109) festhielt, dass aufgrund der Anwendung der gemischten Methode zu berücksichtigen sei, dass sich die Berec hnungsmethode ab Januar 2018 ändere und damit auch ihre Rente nach der neue n gemischten Methode zu berechnen sei. Mit diesem Schreiben erklärte sich die Beschwerdef ührerin, die damals durch ihre Rechts- schutzversicherung anwaltlich vertreten war, mit der Anwen dung der gemischten Methode ex- plizit einverstanden. Soweit die Beschwerdeführerin nun im Beschwerdeverfahren angibt, sie würde voll arbeiten, kann ihr nicht gefolgt werden. D ie Anwendung der gemischten Methode ist nicht zu beanstanden. Es ist daher nachfolgend von einer Aufteilung 80 % Erwerb und 20 % Haushalt auszugehen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, die Beschwerdegegnerin gehe fälschli- cherweise von einer 50 %-igen Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit aus. Stattdessen bestehe aufg rund der erheblichen somatischen Befunde eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit und damit ke ine verwertbare Restarbeitsfähigkeit mehr. 4.2.1 Zum Zeitpunkt der letztmaligen materiellen Rent enüberprüfung im Jahre 2010 stützte sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht auf d as rheumatologische Gutachten von Dr. B.____ vom 10. Dezember 2009. Dr. B.____ diagn ostiziert darin mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches zervikothorakales Schmerzsyn drom mit/bei Status nach Dis- kektomie HW4/5 sowie 5/6 von ventral, Cage-Implantation HW5/6 am 7. Februar 2003, Status nach Re-Diskektomie HW4/5 und 5/6 von ventral mit jeweil s Cage- und Plattenimplantation am 16. März 2009 bei fehlendem Durchbau des Cage sowie Diskushernie thorakal Th2/3. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit würden der Statu s nach Appendektomie, Tonsillektomie und Hysterektomie bleiben. In Bezug auf die Arbeitsfäh igkeit hält Dr. B.____ fest, dass in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin aus rheumatologisc her Sicht keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sei. Das Problem bestehe darin, dass sich die Explorandin als Verkäuferin im- mer auch wieder bücken sowie Regale über Kopf und auf tiefem Niveau einräumen müsse. Da- bei müsse sie immer wieder die Halswirbelsäule reklinie ren und inklinieren, was ihr auf Dauer nicht zuzumuten sei. Auch Lasten heben über 10 kg sei nicht möglich. Sie arbeite derzeit in einer Bürotätigkeit. Diese Tätigkeit habe sie eigent lich nicht gelernt. Sie habe sie sich selbst beigebracht und arbeite heute im Betrieb des Lebenspar tners. Für eine derartige Tätigkeit be- stehe bezogen auf ein Ganztagespensum eine 50 %-ige Arbe itsfähigkeit. Diese Beurteilung habe – mit Ausnahme der Perioden, in denen eine 100 %-ige Krankschreibung bestanden habe – seit Jahren Gültigkeit. 4.2.2 Dieses Gutachten blieb in der Folge unbestritten . Auch im heutigen Verfahren ist kein Grund ersichtlich, an der Verlässlichkeit der Beurteilun g von Dr. B.____ vom 10. Dezember 2009 zu zweifeln. 4.3.1 Anlässlich der im September 2016 eingeleiteten Revision von Amtes wegen holte die Beschwerdegegnerin die folgenden Arztberichte ein: 4.3.2 Am 20. November 2015 wurde von Dr. med. D.____ , Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie und Traumatologie, Spez. Spinal Chirurgie, eine Revisionsspondylodese C3-C7 mit Dekompression und Protheseneinlage C3/4 sowie Dekompressi on C6/7 mit ACIF-Versorgung durchgeführt. Im Austrittsbericht diagnostiziert er eine Anschlusssegmentdegeneration mit mög- licher zervikaler Myelopathie bei breitbasiger medianer k ompressiver Diskushernie C3/4 mit partieller Myelonkompression, semizirkulärer Diskusprotrusion C6/7 mit deutlicher Spinalkanal- enge mit/bei Status nach ventraler Fusionsoperation C4/ 5 und C5/6 am 7. Februar 2003 sowie eine mediolaterale linksseitige Diskusprotrusion BWK5/6 m it leichtem Myelonkontakt. Die Ope- ration und der postoperative Verlauf seien ohne Kompli kationen vonstattengegangen. Die neu- rologische Situation in den unteren Extremitäten habe sich auch nach der Operation nicht ver- ändert. Ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis sei der Patienti n nicht mitgegeben worden (vgl. Aus- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht trittsbericht vom 25. November 2015, zu finden im Anha ng zum Gutachten von Dr. B.____ vom 30. Mai 2017). Im Bericht vom 9. März 2016 hält Dr. D.____ bei gleichbleibender Diagnose fest, dass sich die myelopathische Situation durch die Dekompre ssion des Halsmarkes eindeutig verbessert habe. Als Restsymptomatik sei ein interskapuläre r Schmerzpunkt zu nennen, bei dem er mittels Infiltration links thorakal eine Beschwer deverbesserung zu erreichen versuche (IV-act. 69). Dem Bericht vom 16. März 2016 ist zu entneh men, dass die Infiltration vorgenom- men wurde (IV-act. 69). Mit Bericht vom 1. Juni 2016 e rhebt Dr. D.____ neu den Verdacht auf eine Nervenwurzelreizsymptomatik L5 bzw. S1 rechtsbetont bei leicht- bis mittelgradiger Spi- nalkanalenge L4/5. In der Folge nahm er eine weitere Infiltration vor (IV-act. 69). 4.3.3 Dr. med. E.____, Fachärztin FMH für Neurologie , diagnostiziert in ihrem IV-Bericht vom 21. November 2016 (IV-act. 72) mit Auswirkungen auf di e Arbeitsfähigkeit ein chronisches pan- vertebrales Schmerzsyndrom sowie eine mittelschwere depressive Episode bei cervicaler Mye- lopathie bei breitbasiger medianer Diskushernie C3/4 mi t partieller Myelonkompression, semi- zirkulärer Diskusprotrusion C6/7 mit deutlicher Spinalkanalenge und mediolateraler linksseitiger Diskusprotrusion C5/6 bei Status nach ventraler Fusionsoperation C4/5 und C5/6 am 7. Februar 2003, bei Status nach Revisionsspondylodese C3-C7 mit Dekompression und Protheseneinlage C3/4 sowie Dekompression C6/7 mit ACIF-Versorgung am 2 0. November 2015 sowie Dis- kusprotrusion Th5/6 mit leichtem Myelonkontakt. Die Patie ntin leide an einer hochkomplexen chronifizierten Schmerzsymptomatik, welche 2003 begonnen h abe. Nachdem die Patientin im November 2015 erneut operiert worden sei, bestünden se ither – trotz initial deutlicher Besse- rung der Schmerzsymptomatik – weiterhin auftretende bel astungsabhängige Nackenschmerzen ohne radikuläre Ausstrahlungen. Die Gangunsicherheit ha be sich postoperativ weitgehend zu- rückgebildet und sei aktuell lediglich beim Spazieren au f sehr unebenem Boden zu verspüren. Seit August 2015 bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Buchhalterin im Treuhandbüro des Ehemannes eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit. Es be stünden chronische Schmerzen, eine verminderte Sensibilität in den Armen und Beinen, Gle ichgewichtsstörungen, eine Depression und eine stark verminderte körperliche und kognitive Belastbarkeit. 4.3.4 In der Folge beauftragte die Beschwerdegegnerin Dr. B.____ und Dr. C.____ mit der rheumatologisch-psychiatrischen Begutachtung (Gutachten vo m 30. Mai 2017, IV-act. 90, und vom 1. Juni 2017, IV-act. 92). Im Rahmen der Konsensbe sprechung vom 24. Mai 2017 gelan- gen die beiden Gutachter zum Schluss, dass die rheumatolog ische Beurteilung als Gesamtbe- urteilung gelte, da aus psychiatrischer Sicht keine Einschrä nkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Dr. B.____ diagnostiziert in seinem Gutachten mit Einfl uss auf die Arbeitsfähigkeit ein chroni- sches zervikovertebrales Syndrom mit spondylogener Ausstrahlun g beidseits mit/bei Status nach Diskektomie HW4/5 sowie 5/6 von ventral, Cage-Implantation HW5/6 am 7. Februar 2003, Status nach Re-Diskektomie HW4/5 und 5/6 von ventral mit j eweils Cage- und Plattenimplanta- tion am 16. März 2009 bei fehlendem Durchbau des Cage sowie Status nach Revisionsspondy- lodese C3-C7 mit Dekompression und Protheseneinlage C3/ 4 sowie Dekompression C6/7 mit ACIF-Versorgung am 20. November 2015. Ohne Auswirkunge n auf die Arbeitsfähigkeit diag- nostiziert er ein thorakovertebrales Syndrom mit/bei klei ner mediolateraler Diskushernie thora- kal Th5/6 rechts, flacher mediolateraler Diskushernie T h7/8 rechts, geringer Protrusion Th6/7, ein Lumbovertebralsyndrom mit/bei Fehlform in Form e ines Hohlkreuzes, Chondrose L4/5 mit Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht flacher mediolateraler rechtsseitiger Protrusion bis Hern ie, Tendenz zu generalisiertem weich- teilrheumatischem Schmerzsyndrom und Status nach Appendekto mie, Tonsillektomie und Hys- terektomie. In der angestammten Tätigkeit als Verkäuferi n bestehe weiterhin eine Arbeitsfähig- keit von 0 %. In der Tätigkeit im Büro bestehe eine Arb eitsfähigkeit von 50 % bezogen auf ein Ganztagespensum. Die objektiven Befunde würden sich in etwa in gleichem Ausmass präsen- tieren wie anlässlich der Begutachtung vom 10. Dezember 2009. Es sei zu keiner Verschlechte- rung gekommen. Durch die Operation sei die vorübergehe nde HWS-Problematik behoben wor- den. 4.3.5 Im Rahmen des Einwandverfahrens reichte die Beschw erdeführerin eine Stellungnah- me von Dr. med. F.____, Facharzt Anästhesiologie/Interven tionelle Schmerzmedizin, vom 29. November 2017 ein (IV-act. 109). Darin nimmt Dr. F.__ __ Stellung zur Behandlung, äussert sich aber nicht zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. 4.4 Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Annahme eines i m Vergleich zum Jahr 2010 un- veränderten Gesundheitszustands auf das Gutachten von Dr . B.____ und Dr. C.____ vom 30. Mai 2017 bzw. vom 1. Juni 2017. Die Beschwerdeführerin ficht die Beweistauglichkeit der Beur- teilung von Dr. C.____ nicht an. Da aus den Akten ke ine Hinweise hervorgehen, die an dessen Beurteilung Zweifel aufkommen lassen würden, kann ohne Weiteres darauf abgestellt werden. 4.5.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet aber die Zuve rlässigkeit des Gutachtens von Dr. B.____ vom 30. Mai 2017. 4.5.2 Grundsätzlich ist hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes entschei- dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfa ssend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinische n Zusammenhänge und in der Beur- teilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Der Beweiswert eines zwecks Renten- revision erstellten Gutachtens hängt zudem wesentlich da von ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) des Sachverha lts – bezieht. Mit anderen Worten mangelt es einer für sich allein betrachtet vollständige n, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erst malige Beurteilung der Rentenberechti- gung beweisend wäre, in der Regel am rechtlich erford erlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nich t hinreichend darüber ausspricht, in- wiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustan des stattgefunden hat (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juli 2016, 9C_699/2015, E. 4 mit Hinweis auf Urteil vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2). 4.5.3 Anlässlich der Befragung zu den Beschwerden hiel t die Beschwerdeführerin gegen- über Dr. B.____ fest, dass es ihr die ersten paar Woche n nach der Operation vom 20. Novem- ber 2015 besser gegangen sei. Nach ein paar Wochen habe aber das Einschlafen der Hände wieder angefangen, zudem habe sie massive Schmerzen in be iden Armen, linksbetont, ver- spürt. Diese Verschlechterung sei etwa gegen Ende 2016 a ufgetreten. Sie habe auch massive Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schmerzen in den Beinen verspürt. Die Infiltrationen hätten nicht geholfen. Dr. F.____ habe ihr dann im April 2017 Cortison auf beiden Seiten des Halses sowie auch lumbal gespritzt. Danach sei im Mai 2017 eine Nervenverödung im Halsbereich bei dseits durch Dr. F.____ durchgeführt worden. Diese habe zur Folge gehabt, dass die Schmerzen vom Ellbogen beidseits an nach distal nicht mehr so stark vorhanden gewesen seien, sie hab e nur noch schwere Arme gehabt. Im Oberarmbereich seien die Schmerzen gleichgeblieben . Das Ameisenlaufen im Bereich der Hände sei wesentlich besser. Nachts könne sie jetzt nicht mehr nur eine halbe bis eine, son- dern drei bis vier Stunden schlafen. Sie habe heute ze rvikale Schmerzen (VAS-Skala 6), Schmerzen im Bereich der BWS (VAS-Skala 3-10) und lumb ale Schmerzen in beide Beine (VAS-Skala 7). Sie besitze keine Feinmotorik mehr. Sie brauche heute zum Schreiben doppelt so lange Zeit. Dr. B.____ klärte weiter den Tagesablau f ab. Die Beschwerdeführerin gab an, dass sie bis vor kurzem täglich zweimal mit dem Hund spazi eren gegangen sei. Nun sei der Hund verstorben. In Bezug auf den Tagesablauf gab die Beschwerdeführerin an, dass sie Haushalt mache, Bürotätigkeiten erledige, täglich ein kaufen gehe, wobei sie zum Teil auch von X.____ nach Y.____ laufe. Am Mittag koche sie nicht, d a niemand zum Essen nach Hause komme. Am Nachmittag erledige sie oftmals die Wäsche un d bügle diese. Zweimal in der Wo- che komme eine Reinigungsfrau. Alle zwei bis drei Wochen gehe sie nachmittags in die Physio- therapie. Sie bereite das Nachtessen vor, da alle zum Esse n nach Hause kommen würden. Abends sei sie mit der Familie zusammen. In Bezug auf die klinische Untersuchung hält Dr. B.____ fest, dass die Versicherte anlässlich der Anamnese 70 Minuten im Stuhl habe sitzen können. Die HWS habe er – wie im Jahr 2009 – nicht selber frei testen können. Er habe der Explorand in die Bewegungen vorgezeigt und sie habe sie nachgemacht. Dabei habe sich ein identisches Bew egungsausmass wie im Jahr 2009 gezeigt. Endphasig habe sie jeweils Schmerzen angegeben . Die BWS und die LWS seien gut untersuchbar gewesen. Hier hätten sich keine wesentliche n Einschränkungen, sondern nur ein Endphasenschmerz gefunden. An den oberen Extremitäten zeige die Kraft ein sakkardierendes Bewegungsausmass bei sämtlichen Testungen, die Kraft sei ab er normal. Es bestehe heute eine Hyposensibilität im Gebiet CV8 des linken Unterar ms mit einer Allodynie sowie eine Hypo- sensibilität im linken Daumen. Rechts sei die Sensibilitä t – im Gegensatz zur Untersuchung im Jahr 2009 – normal. Die Muskelumfänge seien seitengleich . An den unteren Extremitäten seien Kraft und Sensibilität normal. Auch dies sei gegenüber 2009 unverändert. Heute seien aber 14 von 19 Fibromyalgie-Druckpunkten positiv. Er stelle aber die Diagnose einer Fibromyalgie nicht, da lokale Diskopathien bildgebend nachgewiesen seien. Dennoch zeige sich heute eine klare Tendenz zu einem weichteilrheumatischen Geschehen, was er klären könne, weshalb die Schmerzen in einem sehr starken Ausmass empfunden würden. Dies gelte insbesondere für die Schmerzen in den unteren Extremitäten, da ein derarti ges subjektiv empfundenes Schmerz- ausmass bei fehlender Neurokompression nicht erklärt werden könne. Zusammenfassend hielt Dr. B.____ fest, dass – wenn er den Status mit demjenigen vom 10. Dezember 2009 vergleiche – sich praktisch identische Befun de finden lassen würden. Bereits damals sei eine Gangunsicherheit im heutigen Ausmass besch rieben worden, die Bewegungs- ausmasse seien praktisch gleich, die neurologischen Befund e seien ganz leicht verändert. So bestehe nicht mehr am rechten, sondern am linken Untera rm eine Hyposensibilität. Im Grossen Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Ganzen seien die Befunde jedoch identisch und se ien bereits 2009 in dem heute geschil- derten Ausmass vorhanden gewesen. In Bezug auf die Rönt genbilder könne er zusammenge- fasst festhalten, dass lokale vertebrale Syndrome bestünd en, überlagert von einem weichteil- rheumatischen Geschehen, wobei dieses die subjektiv beklagt en Beschwerden eben sehr wohl erklären könne. Neurologische Ausfälle an den unteren Extremitäten im Sinne einer akuten Wurzelkompression bestünden heute nicht. Klinisch sei es sch wierig, die verschiedenen Prob- leme auseinander zu halten, insbesondere, da eine zervikale Myelopathie klar vorgelegen habe und nachgewiesen worden sei, sie zu einer Operation g eführt habe und sich diese Symptome wieder auf in etwa den Vorzustand zurückgebildet hätten . Er gehe davon aus, dass sich heute aufgrund eines Vergleichs der objektiven Situationen in etwa die gleiche finden lasse wie an- lässlich der Begutachtung im Jahr 2009; auch wenn die Be schwerden heute in stärkerem Aus- mass empfunden würden. Seine Beurteilung von 2009 hab e bis August 2015 gegolten. Dann sei es zu einer Verschlechterung gekommen, infolge dere r eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden habe. Am 20. November 2015 habe die dritte HWS-Operation stattgefunden, infolge derer bis Mitte Mai 2016 (sechs Monate postoperativ) ei ne volle Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Ab Mitte Mai 2016 und auch weiterhin bestehe wieder eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit in einer Bürotätigkeit. 4.5.4 Dieser Auszug aus dem Gutachten zeigt, dass Dr. B.__ __ die von der Beschwerdefüh- rerin geklagten Beschwerden in angemessener Weise (S. 23 ff.) berücksichtigte und die Beur- teilung in Kenntnis der Vorakten (S. 3-23) und nach V ornahme der fachspezifischen klinischen Untersuchung (S. 29 ff.) abgab. Er setzte sich auch mit d er divergierenden Auffassung von Dr. E.____ vom 21. November 2016 auseinander. Diesbezüglich trifft seine Annahme, dass sich die behandelnde Neurologin bei ihrer Einschätzung einer 1 00 %-igen Arbeitsunfähigkeit an den subjektiven Angaben der Versicherten orientiert habe, wo hl zu. Weiter weist Dr. B.____ zu Recht auch darauf hin, dass die Einschätzung von Dr. E._ ___ nicht mit den umfangreichen Ta- gesaktivitäten der Beschwerdeführerin in Einklang zu bri ngen sei. Aus formaler Sicht ist das Gutachten somit korrekt erstellt worden. Auch die von Dr . B.____ gezogenen Schlussfolgerun- gen sind nachvollziehbar. Damit überzeugt das Gutachten nicht nur formal, sondern auch inhalt- lich. In Anbetracht des von ihm erhobenen Befundes ersc heint eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit in einer Bürotätigkeit als schlüssig. Damit ist grundsätzlich auf seine Beurteilung abzustellen. 4.6.1 Die Beschwerdegegnerin unterbreitete Dr. B.___ _ im Rahmen ihrer Vernehmlassung die vorliegende Beschwerde sowie die nachträglich erste llen medizinischen Berichte von Dr. F.____ vom 29. November 2017 und von Dr. D.____ vom 30. Dezember 2017. 4.6.2 In seiner Stellungnahme vom 17. September 2018 nimmt Dr. B.____ ausführlich zu den Rügen und den nachträglich eingereichten medizinisch en Berichten Stellung. Die von Dr. B.____ angeführten Argumente vermögen es, diejenigen der Beschwerdeführerin zu entkräften. Insbesondere in Bezug auf die Rüge, dass er im Jahr 2009 den Beschwerden im Bereich der BWS eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zugeschrie ben habe, führt Dr. B.____ nachvoll- ziehbar aus, dass er die Beschwerden damals in der Diagno se des zervikothorakalen Schmerzsyndroms und somit lediglich anders zusammengefasst h abe. In Bezug auf die Ar- beitsfähigkeit sei aber immer nur die zervikale Problem atik relevant gewesen. Er habe dies nun Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht im neuen Gutachten anders formuliert, indem er die z ervikale Problematik unter die Hauptdiag- nosen und die thorakale sowie die lumbale Problematik unter die Nebendiagnosen subsumiert habe. Es sei dies eine reine Formulierungsfrage. Die thorakale Problematik habe aber nie einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gehabt. Diese Erklär ung von Dr. B.____ überzeugt, denn aus der Arbeitsfähigkeitseinschätzung seines ersten Gutachte ns geht klar hervor, dass die Ein- schränkungen auf die HWS-Beschwerden zurückzuführen sind. E benfalls nachvollziehbar zeigt Dr. B.____ auf, dass die Befundung von Diskopathien schwi erig sei und in diesem Zusammen- hang nicht entscheidend sei, ob der Befund als Protrusi on oder als Hernie bezeichnet werde, sondern ob der Befund zu einer Neurokompression führe o der nicht. Bei der Versicherten be- stehe zwar bildgebend ein Befund, dieser führe aber nicht zu einer Klinik. Auch in Bezug auf die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten „vollständ igen Bewegungsunfähigkeit der HWS“ sind die Ausführungen von Dr. B.____ schlüssig. Aus den von ihm in den Jahren 2009 und 2017 durchgeführten Untersuchungen geht hervor, da ss die Bewegungseinschränkungen völlig identisch sind. Seine Schlussfolgerung, dass sich die funktionelle Beweglichkeit der HWS nicht verschlechtert habe, ist damit überzeugend. Soweit er sich zu seiner fachlichen Qualifika- tion und den Berichten von Dr. F.____ vom 29. November 2017 und von Dr. D.____ vom 30. Dezember 2017 äussert, kann an dieser Stelle vollumfäng lich darauf sowie auf die Ausführun- gen der Beschwerdegegnerin in der Vernehmlassung, Ziff . 10a und 10f, verwiesen werden. Dem bleibt nichts hinzuzufügen. 4.7 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass auf das (Verlaufs-) Gutachten von Dr. B.____ vom 30. Mai 2017 abgestellt werden kann, da keine Indizien vorliegen, die dessen Beweiskraft in Zweifel ziehen würden. Ein Vergleich der beiden Guta chten von Dr. B.____ zeigt klar auf, dass – abgesehen von der vorübergehenden Verschlechterung zwische n August 2015 bis Mitte Mai 2016 – keine erhebliche Veränderung des Gesundheitszusta nds der Beschwerdeführerin und ihrer Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. 5. Die Beschwerdegegnerin ermittelte in der Verfügun g vom 27. Juni 2018 in Anwendung der gemischten Methode einen IV-Grad von 49 %. Das von der Beschwerdegegnerin anhand der Angaben des Arbeitgebers berechnete Valideneinkomme n in der Höhe von Fr. 78‘000.-- wurde von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet. Nach dem sich aus den Akten keine Hin- weise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von A mtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre, erübrigt sich eine detaillierte Auseinanderset- zung mit dem Valideneinkommen. Es kann diesbezüglich vol lumfänglich auf die entsprechen- den Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der angefo chtenen Verfügung verwiesen wer- den. 6.1 Zu klären bleibt die Höhe des Invalideneinkommens. Die Beschwerdeführerin bean- standet, dass ihr kein leidensbedingter Abzug gewährt worden sei. Mit der Anerkennung einer reduzierten Arbeitsfähigkeit werde noch nicht berücksichti gt, dass sie auch im Rahmen der Restarbeitsfähigkeit unter gravierenden Einschränkungen l eide. Es sei von Dr. B.____ auch nicht dargelegt worden, wie er eine 50 %-ige Arbeits fähigkeit ermittelt habe und ob darin auch ein vermehrter Pausenbedarf berücksichtigt sei. Daher sei der maximale Abzug von 25 % vor- zunehmen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Praxisgemäss kann von dem anhand der Tabellenlöhne d er Schweizerischen Lohn- strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) ermi ttelten Invalideneinkommen unter bestimmten Voraussetzungen ein leidensbedingter Abzug vorgenommen werden. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsf ähigkeit auch auf einem ausgegliche- nen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerbl ichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll aber nicht automa tisch erfolgen und darf 25 % nicht überstei- gen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa- cc). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrol- lierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stell e der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Er- messen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen . Soll in die Ermessensbetätigung der Vorinstanz eingegriffen werden, muss sich die richter liche Behörde demnach auf Gegeben- heiten abstützen können, die eine abweichende Ermessens ausübung als näher liegend er- scheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil d es Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 6.3 Solche Gegebenheiten sind vorliegend nicht ohne we iteres ersichtlich und werden von der Beschwerdeführerin auch nicht wirklich vorgebracht. D ie Beschwerdegegnerin bringt in der Vernehmlassung zutreffend vor, dass die gesundheitliche n Beeinträchtigungen bereits im redu- zierten Pensum berücksichtigt worden seien. Da die weiteren Merkmale Lebensalter, Dienstjah- re, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäf tigungsgrad im vorliegenden Fall keine massgebende Auswirkung auf die Lohnhöhe haben, ist der Entscheid der Beschwerdegegnerin, keinen leidensbedingten Abzug vorzunehmen, nicht zu beanstanden. 7. Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfü- gung vom 27. Juni 2018 zu Recht feststellte, dass kein e Änderung eingetreten sei, die sich auf die Rente auswirke, und dass bei einem Invaliditätsgrad vo n 49 % weiterhin Anspruch auf eine Viertelsrente bestehe. Damit ist die Beschwerde abzuweisen. 8.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei. 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom S treitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnitt- licher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksich- tigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Die Verfahrenskos- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Regel in angemessenem Ausmass der unterlie- genden Partei auferlegt. Dem Prozessausgang entsprechen d hat deshalb die Beschwerdefüh- rerin als unterliegende Partei die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- zu tragen. Dieser Betrag ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zu verrechnen. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entspr echend wird keine Parteientschä- digung zugesprochen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht