Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 20. Februar 2019 (810 18 222) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Androhung der zwangsweisen Vollstreckung des Besuchsrechts Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsrichter Hans Furer , Jgnaz Jermann, Yves Thommen, Kantonsrichterin Helena Hess, Ge- richtsschreiberin i.V. Manuela Stierli Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Wicky Tzikas, Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde C.____ , Vorinstanz B.____ , Beschwerdegegner Betreff Aufhebung der Verfahrensbeistandschaft, Rege lung des Besuchs- rechts, Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 5. Juli 2018) A. A.____ und B.____ sind die getrennt lebenden Elte rn von D.____ (geb. 2000) und E.____ (geb. 2007). Mit E-Mail vom 20. November 2016 beantragte A.____ bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ (KESB) eine Kontaktsperre für ihre beiden Töchter gegen- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht über dem Kindsvater. Nach einem Gespräch mit B.____, i n welchem dieser mitteilte, dass er nach der Trennung mit A.____ mündlich vereinbart hab e, seine Tochter E.____ jedes zweite Wochenende zu sich zu Besuch zu nehmen, dies jedoch nie funktioniert und er kaum Kontakt mit E.____ habe, teilte die KESB den Kindeseltern a m 15. Dezember 2016 resp. am 22. De- zember 2016 mit, dass kein Kontaktverbot zwischen B.____ u nd seinen Töchtern ausgespro- chen werde. B. Mit Eingabe vom 22. März 2017 beantragte B.____ b ei der KESB die Regelung des persönlichen Verkehrs zwischen E.____ und ihm. C. Am 30. März 2017 rückte die Polizei Basel-Landschaft an lässlich eines Streitfalls zwi- schen A.____ und D.____ zum Wohnort der Familie aus. G emäss Polizeibericht vom 27. April 2017 teilte E.____ den Polizisten mit, dass sie ihren Vater gerne öfter sehen möchte. D. Am 12. Mai 2017 reichte A.____ der KESB ein Schre iben ein, wonach D.____ und E.____ keinen Kontakt zu ihrem Vater wünschten. Das S chreiben wurde von E.____ unter- zeichnet. Die Unterschrift von D.____ fehlt. Am 15. Mai 2017 teilte B.____ der KESB telefonisch mit, D.____ habe ihm erzählt, dass A.____ ihre Schwester und sie genötigt habe, einen Brief an die KESB zu unterschreiben, in welchem sie ein Kontaktve rbot zwischen ihnen und dem Vater forderten. E. Mit Entscheid vom 22. Juni 2017 errichtete die KESB für E.____ eine Verfahrensbei- standschaft und ernannte F.____ als Beiständin. Die Bei ständin wurde beauftragt, die Interes- sen von E.____ im Kindesschutzverfahren zu vertreten und f alls nötig entsprechende Anträge zu stellen. Auf die gegen diesen Entscheid erhobene Besch werde von A.____ ist das Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und V erwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 16. Oktober 2017 nicht eingetreten. F. Nachdem A.____ mit E-Mail vom 30. Oktober 2017 ein Gespräch zwischen E.____ und F.____ verweigerte, besuchte F.____ am 11. Dezember 2017 E.____ in ihrer Schule und führte ein Gespräch mit ihr. E.____ habe sich dahingehend g eäussert, dass sie weiterhin bei der Kindsmutter wohnen wolle, ihren Vater jedoch gerne j edes zweite Wochenende sehen würde. Mit Schreiben vom 27. Dezember 2017 beantragte F.____ der KESB unter anderem die Rege- lung des Besuchsrechts zwischen E.____ und B.____ und die Errichtung einer Beistandschaft zur Begleitung und Überwachung des Besuchsrechts. G. Mit Schreiben vom 2. Januar 2018 ersuchte A.____, na chfolgend immer vertreten durch Wicky Tzikas, Advokatin, die KESB um Gewährung der u nentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung für das Verfahren betreffend die Besuchsrechtsregelung. H. Mit Schreiben vom 12. April 2018 beantragte A.___ _ bei der KESB die Anordnung ei- nes begleiteten Besuchsrechts für den Kontakt zwischen E. ____ und B.____ und den vorläufi- gen Verzicht auf eine Anhörung von E.____. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Entscheid vom 5. Juli 2018 hob die KESB die Ver fahrensbeistandschaft auf, errich- tete für E.____ eine Erziehungsbeistandschaft und ernann te in Ziffer 4 des Entscheids F.____ als Erziehungsbeiständin. Sie verfügte ein gegenseitiges B esuchsrecht für E.____ und B.____, wonach E.____ jeden zweiten Samstag von 14:00 bis 18:0 0 Uhr, erstmals am ersten Samstag nach Eintritt der Rechtskraft des Entscheids, mit ihrem Vater verbringt. Die KESB wies B.____ an, seine Tochter E.____ im Rahmen von begleiteten Besuchen in Anwesenheit eines Mitarbei- ters bzw. einer Mitarbeiterin der Institution BBT zu treffen, wobei insgesamt vier solche begleite- te Besuche durchzuführen seien und danach erneut über diese Weisung zu entscheiden sei. Die KESB wies A.____ an, einen angemessenen persönli chen Verkehr zwischen E.____ und B.____ zu ermöglichen und zunächst jeden zweiten Samstag von 14:00 bis 18:00 Uhr für die Kontakte von E.____ zu ihrem Vater freizuhalten. Wei ter verfügte die KESB in Ziffer 8 des Ent- scheids, dass das Besuchsrecht nötigenfalls unter Beizug de r Polizei zu vollziehen sei. In Ziffer 11 des Entscheids erhob die KESB bei der Beschwerdefüh rerin die anteiligen Gebühren in der Höhe von Fr. 430.-- und verzichtete bei B.____ auf die Erhebung der anteiligen Gebühren. J. Gegen den Entscheid vom 5. Juli 2018 erhob A.____ am 8. August 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht mit dem Rechtsbegehren, es seien di e Ziffern 4, 8 und 11 des Entscheids vom 5. Juli 2018 aufzuheben (Ziff. 1); es sei dementsprechend Frau F.____, G.____ GmbH, als Erziehungsbeiständin abzusetzen und eine neutrale Erzieh ungsbeiständin/ein neutraler Erzie- hungsbeistand zu ernennen (Ziff. 2); eventualiter sei Herr H.____, Sozialarbeiter FH, als Erzie- hungsbeistand zu ernennen (Ziff. 3); alles unter o/e-K ostenfolge zu Lasten der Beschwerde- gegnerin und im Falle des Unterliegens unter Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. K. Am 16. August 2018 zog die KESB ihren Entscheid vom 5. Juli 2018 in Wiedererwä- gung und ernannte in Abänderung von Ziffer 4 des ange fochtenen Entscheids H.____, Sozial- beratung I.____, als Erziehungsbeistand. In Abänderung von Ziffer 8 verfügte die KESB, dass das Besuchsrecht, sofern es wider Erwarten von einer P artei nicht eingehalten werde, nötigen- falls unter Beizug der Polizei zu vollziehen sei. In Ab änderung von Ziffer 11 wurde verfügt, dass über die Erhebung des Gebührenanteils der Beschwerdeführerin entschieden werde, sobald sie sämtliche erforderlichen Unterlagen bei der KESB eingereicht habe. L. Mit Stellungnahme vom 26. September 2018 teilte d ie Beschwerdeführerin mit, dass sie an der Beschwerde vom 8. August 2018 und den dort gestellten Rechtsbegehren festhalte. Gleichzeitig reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ihre Honorarnote ein. M. Mit Verfügung vom 28. September 2018 wurde der F all der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Zudem wurde verfügt, dass über das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zusammen mit der Hauptsache entschieden wird. N. Mit Vernehmlassung vom 15. Oktober 2018 beantragt die KESB die Abweisung der Beschwerde, unter o/e-Kostenfolge. O. Am 21. November 2018 reichte die Beschwerdeführerin eine Replik ein. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht P. Die KESB reichte am 12. Dezember 2018 eine Duplik e in. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) vom 10. De- zember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen En tscheide einer Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB d as Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahr en richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des k antonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), d ie der betroffenen Person nahestehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhe bung oder Änderung des angefochte- nen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist als Verfahrensbeteiligte zur Be- schwerdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 gegeben sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststell ung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Mit Wiedererwägungsentscheid vom 16. August 2018 an erkannte die KESB die Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin teilweise, inde m sie in Abänderung von Dispositivzif- fer 4 des Entscheids vom 5. Juli 2018 H.____ als Erzie hungsbeistand ernannte. In diesem Um- fang ist die Beschwerde folglich gegenstandslos geworden . Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden damit einzig noch die Fragen, ob die KESB zu Recht die Vollstreckung des Besuchsrechts unter Beizug der Polizei androhte und der Beschwerdeführerin die hälftigen Ver- fahrenskosten auferlegte. 4.1 Die KESB verfügte in Dispositivziffer 8 des Entscheid s vom 5. Juli 2018, dass das Be- suchsrecht nötigenfalls unter Beizug der Polizei zu vollzi ehen sei. Im Wiedererwägungsent- scheid vom 16. August 2018 hat die KESB diese Dispositivziffer ergänzt, ohne sie jedoch inhalt- lich zu ändern. Die KESB führt im angefochtenen Entsc heid aus, die Beschwerdeführerin habe lange Zeit nicht gewünscht, dass E.____ Kontakt zu ihrem Vater habe und versucht, diesen Kontakt zu verhindern. E.____ habe sich gegenüber der Kindsvertreterin F.____ und gegenüber der Polizei dahingehend geäussert, dass sie Kontakt zu ihre m Vater wünsche. Im Wiedererwä- gungsentscheid vom 16. August 2018 führt die KESB weit er aus, es bestehe eine latente Ge- fahr, dass sich die Beschwerdeführerin der Besuchsregelung widersetzen könnte, da sie sich in der Vergangenheit Entscheiden der KESB widersetzt habe . Die Beschwerdeführerin habe der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht KESB in der jüngeren Vergangenheit mehrmals mitgeteilt, dass sie kein Besuchsrecht zwischen E.____ und dem Kindsvater zulassen werde. Der Beizug der Polizei für den Vollzug des ange- ordneten Besuchsrechts sei als ultima ratio gedacht. Zudem sei sich E.____ aufgrund mehrerer Polizeieinsätze bei der Familie gewohnt, dass die Polize i bei familiären Konflikten vermittle. In ihrer Vernehmlassung vom 15. Oktober 2018 führt die KESB aus, dass die Beschwerdeführerin, nachdem sie zuvor jegliche Kontaktrechte zwischen dem Kind svater und E.____ verweigert habe, seit Januar 2018 signalisiere, dass sie mit einem begleiteten Besuchsrecht einverstanden sei, weshalb die KESB davon ausgehe, dass die Beschwerdef ührerin dem angeordneten be- gleiteten Besuchsrecht Folge leisten werde und es zu kei ner Zwangsvollstreckung durch die Polizei kommen werde. Falls die Beschwerdeführerin das an geordnete Besuchsrecht jedoch irgendwann verweigern würde, müsse es zwangsvollstreckt werd en können, da es nicht zum Wohle des Kindes sei, wenn der Kontakt zum Vater herge stellt und nach kurzer Zeit wieder un- terbrochen werde. Bei E.____ sei ein echtes Bedürfnis nach Kontakt mit dem Vater erkennbar, weshalb sich die Realvollstreckung rechtfertigen lasse. Dad urch, dass E.____ anlässlich eines Polizeieinsatzes den Polizisten anvertraut habe, dass sie gerne Kontakt zu ihrem Vater hätte, habe sie gezeigt, dass sie in der Polizei eine Institution sehe, welche ihr zu ihrem Recht verhel- fen könne. 4.2 Die Beschwerdeführerin bringt in ihrer Beschwerde vom 8. August 2018 vor, ein Beizug der Polizei zur Vollstreckung des Besuchsrechts würde das Kindeswohl von E.____ massiv gefährden. Aufgrund der Tatsache, dass E.____ bisher je glichen Kontakt zu ihrem Vater ver- weigert habe, sei es für die Beschwerdeführerin bereits eine schwierige Aufgabe, E.____ so auf die Besuche vorzubereiten, dass sie keine Ängste erfahre, wenn sie mit dem Vater alleine ge- lassen werde. Würde E.____ durch die Polizei abgeholt und zum Vater gebracht, könne dies zu einer Traumatisierung führen, welche einen Kontakt zum Vater in Zukunft sogar verunmögli- chen würde. In ihrer Replik vom 21. November 2018 bring t die Beschwerdeführerin zudem vor, die Aussagen von E.____ gegenüber der Verfahrensbeistän din F.____ hätten keine Aussage- kraft, da deren Besuch in der Schule E.____ enorm veru nsichert habe. E.____ habe schriftlich den Wunsch geäussert, keinen Kontakt zum Vater zu haben, w as von der KESB ignoriert wor- den sei. Es lägen keine aussagekräftigen Angaben von E.____ vor, die auf ein echtes Bedürfnis nach Kontakt zum Vater schliessen lassen würden und es sei nie ein Gutachten erstellt worden. Es treffe zudem nicht zu, dass sich E.____ der Polizei anve rtraut und dieser mitgeteilt habe, sie wolle ihren Vater sehen. Es möge sein, dass die Polizei auf E.____ zugegangen sei und diese auf eine Frage nach Kontakt zum Vater eventuell einge schüchtert und verängstigt durch die Situation eine Antwort gegeben habe. Der Wortlaut d er Frage und der Antwort sei indes nicht dokumentiert worden. Die Besuche durch die Polizei sei en für E.____ jeweils mit sehr viel Stress, Angst, Unsicherheit und Trauer verbunden gewese n, weshalb sie mit der Polizei nicht wie von der KESB ausgeführt Vertrauen und Sicherheit, sondern eher negative Emotionen ver- binde. Eine Zwangsvollstreckung sei ausserdem nur möglich , wenn der obhutsinhabende El- ternteil die Ausübung des Besuchsrechts verhindere, nich t aber, wenn das Kind sich weigere bzw. sich entfremdet habe. Die Beschwerdeführerin habe das begleitete Besuchsrecht selbst beantragt und werde dieses sicherlich nicht sabotieren. Sollte dies der Fall sein, könne sie we- gen Ungehorsam bestraft werden. Sollte sich aber die To chter selbst weigern, sei ein polizeili- cher Zwang nicht geeignet. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3.1 Gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen die elterliche Sorge oder Obhut nicht zusteht, und das unmündige Kind gegenseitig Anspru ch auf angemessenen persönlichen Verkehr. Dabei handelt es sich um ein gegenseitiges Pfl ichtrecht, wobei es in erster Linie dem Interesse des Kindes dient und oberste Richtschnur für seine Ausgestaltung das Kindeswohl ist, welches anhand der Umstände des konkreten Einzelfalles zu beurteilen ist (Urteil des Bundes- gerichts 5A_661/2014 vom 27. März 2015 E. 3.2; BGE 122 III 404 E. 3a). Den obhutsberechtig- ten Elternteil trifft die Pflicht, die Beziehung zwisch en dem Kind und dem anderen Teil zu för- dern und das Kind für die Kontaktpflege positiv vorzube reiten (BGE 130 III 585 E. 2.2.1). Ent- sprechend kann sich der Obhutsberechtigte auch nicht damit begnügen, den Kontakt zum an- dern nur dann zu fördern, wenn das Kind diesen Kontakt will (Urteil des Bundesgerichts 5A_210/2018 vom 14. Dezember 2018 E. 2.1). Die Kind esschutzbehörde kann Eltern, Pflegeel- tern oder das Kind ermahnen und ihnen Weisungen erte ilen, wenn sich die Ausübung oder Nichtausübung des persönlichen Verkehrs für das Kind nacht eilig auswirkt oder wenn eine Er- mahnung oder eine Weisung aus anderen Gründen geboten ist (Art. 273 Abs. 2 ZGB). 4.3.2 Das Besuchsrecht ist grundsätzlich einer Zwangsvollstr eckung zugänglich (Urteil des Bundesgerichts 5A_764/2013 vom 24. Januar 2014 E. 2.1). Dabei ist stets der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu beachten (vgl. Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizeri- schen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999). Das Bunde sgericht erwog im Zusammen- hang mit urteilsfähigen Kindern, die den persönlichen Verkehr mit dem Besuchsberechtigten ablehnten, dass zur Durchsetzung des Besuchsrechts auf d ie Anwendung direkten Zwangs gegenüber Kindern verzichtet werden solle, da ein solcher dem Sinn des Besuchsrechtes zuwi- derliefe (BGE 107 II 301 E. 5). Später erwog es all gemeiner, dass auf eine direkte Realvollstre- ckung nach heutiger Auffassung jedenfalls bei urteilsfäh igen Kindern zu verzichten sei (Urteil des Bundesgerichts 5A_764/2013 vom 24. Januar 2014 E. 2. 1). Eine indirekte Zwangsvollstre- ckung durch Strafandrohung gemäss Art. 292 des Schweizeri schen Strafgesetzbuchs (StGB) vom 21. Dezember 1937 ist zulässig und kann direkt in die materielle Besuchsrechtsregelung aufgenommen werden (Urteil des Bundesgerichts 5A_764/2 013 vom 24. Januar 2014 E. 2.1). Die Strafandrohung als Vollstreckungsmassnahme steht dann zur Diskussion, wenn der andere Elternteil sich der Ausübung des Besuchsrechts in grundsät zlicher Weise widersetzt (Urteil des Bundesgerichts 5A_764/2013 vom 24. Januar 2014 E. 2.1; BGE 107 II 301 E. 5). 4.4 Im vorliegenden Fall wurde im angefochtenen Entsch eid ein Besuchsrecht zwischen E.____ und B.____ im Umfang von jedem zweiten Samstag von 14:00 bis 18:00 Uhr verfügt, welches vorerst viermal im Rahmen eines begleiteten Besuches in Anwesenheit eines Mitarbei- ters bzw. einer Mitarbeiterin der Institution BBT durch geführt wird. Damit wurde erstmalig eine Anordnung über den Anspruch auf persönlichen Verkehr zwischen Vater und Tochter getroffen. Gemäss Art. 275 Abs. 3 ZGB kann der persönliche Verkehr n icht gegen den Willen der Person, welcher die elterliche Sorge oder Obhut zusteht, ausge übt werden, wenn noch keine Anord- nungen über den Anspruch von Vater und Mutter bestehen. Somit bestand vor Erlass des ange- fochtenen Entscheids keine Grundlage für eine Durchsetzun g des persönlichen Verkehrs, wel- cher sich die Beschwerdeführerin hätte widersetzen können. Die KESB begründet die Andro- hung der polizeilichen Vollstreckung des Besuchsrechts unter anderem damit, dass sich die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführerin in der Vergangenheit Entscheiden de r KESB widersetzt habe und deshalb eine latente Gefahr bestehe, dass sie sich der Besuchsregel ung widersetzen könnte. Um was für Entscheide es sich dabei handelt, wird durch die KES B nicht näher ausgeführt. Aus den Ak- ten sind ein Entscheid der KESB betreffend die Vertret ungsbeistandschaft für E.____ sowie Entscheide im Zusammenhang mit der Schwester von E.____ ersichtlich, welche nicht den per- sönlichen Verkehr mit dem Vater zum Gegenstand hatten. I nwiefern sich die Beschwerdeführe- rin diesen Entscheiden widersetzt haben soll, erschliesst si ch nicht. Ungeachtet dessen kann daraus mangels eines sachlichen Zusammenhangs ohnehin nicht auf eine zukünftige Verweige- rung des behördlich festgesetzten Besuchsrechts von Seiten der Beschwerdeführerin geschlos- sen werden. Auch die Tatsache, dass sich die Beschwerdeführerin während des Verfahrens der KESB wiederholt gegen ein Besuchsrecht des Vaters ausspra ch, genügt nicht, um einen Ein- griff in der Schwere der angedrohten polizeilichen Vo llstreckung zu rechtfertigen. Die Be- schwerdeführerin beantragte mit Schreiben vom 12. Apri l 2018 ein begleitetes Besuchsrecht zwischen E.____ und B.____ und erklärte sich grundsätzlich d amit einverstanden, dass die Kontakte zwischen Vater und Tochter in einem begleite ten Rahmen wieder aufgenommen wer- den. Auch die KESB führt in ihrem Wiedererwägungsent scheid vom 16. August 2018 aus, dass die Beschwerdeführerin die verfügte Besuchsregelung ni cht in Frage stelle. In der Vernehmlas- sung vom 15. Oktober 2018 führt sie weiter aus, sie gehe nun davon aus, dass die Beschwer- deführerin dem angeordneten begleiteten Besuchsrecht F olge leiste und es zu keiner Zwangs- vollstreckung durch die Polizei kommen werde. Es ist somit nicht davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin der Ausübung des Besuchsrechts in grundsätzlicher Weise widersetzt. Bereits aus diesem Grund erweist sich die Androhung der Vollstreckung des Besuchsrechts unter Beizug der Polizei als nicht verhältnismässig, we shalb die Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen und Dispositiv-Ziffer 8 des Entscheids der KESB vom 5. Juli 2018 aufzuheben ist. Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass der Wunsch von E.____, regelmässigen Kontakt zu ihrem Vater zu pflegen, aufgrund der Akten als erstellt gelten kann. Sollte sich die Beschwerde- führerin ihrer Pflicht zur Ermöglichung eines angemesse nen persönlichen Verkehrs zwischen E.____ und B.____ dennoch widersetzen und das Besuchsrecht wider Erwarten nicht ausgeübt werden können, wäre zu dessen (indirekter) Vollstreckung in einem ersten Schritt das mildere Mittel der Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB in Betracht zu ziehen. 5. Zu prüfen bleibt nach dem oben Ausgeführten einzig noch, ob die KESB im vor- instanzlichen Verfahren bei der Beschwerdeführerin zu Re cht die anteiligen Gebühren erhob. Aus den ins Recht gelegten Unterlagen ergibt sich die of fensichtliche Bedürftigkeit der Be- schwerdeführerin. Damit ist gemäss § 17a Abs. 1 lit. b d er Verordnung über die Gebühren zum Zivilrecht (GebV) vom 8. Januar 1991 auch bei der Beschwe rdeführerin auf die Erhebung der anteiligen Gebühren zu verzichten und die Beschwerde fo lglich in diesem Punkt ebenfalls gut- zuheissen. 6.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahre ns zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht ko stenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 A bs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1'400.-- sind demzufolge der KESB aufzuerlegen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Gemäss dem Ausgang des Verfahrens ist der Beschwer- deführerin als obsiegender Partei antragsgemäss eine P arteientschädigung zu Lasten der Be- schwerdegegnerin zuzusprechen. Der in der Honorarnote vo m 26. September 2018 geltend gemachte Aufwand von 7.25 Stunden à Fr. 200.-- sowie die geltend gemachten Auslagen von Fr. 40.-- sind nicht zu beanstanden. Für den in der Ho norarnote nicht enthaltenen Aufwand im Zusammenhang mit der Replik vom 21. November 2018 erw eist sich ein Aufwand von 2 Stun- den à Fr. 200.-- als angemessen. Vorliegend ist der obsiegenden Beschwerdeführerin demnach für das kantonsgerichtliche Verfahren eine Parteientschä digung von insgesamt Fr. 2‘035.55 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) zu Lasten der KESB zuzu sprechen. Das von der Beschwer- deführerin gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspfl ege erweist sich bei diesem Verfahren- sausgang als gegenstandslos. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit sie sich nicht als gegen- standslos erweist. Dispositiv-Ziffer 8 des Entscheids der Kindes- und Erwachsen enschutz- behörde C.____ vom 5. Juli 2018 wird aufgehoben. Dispositiv-Ziffer 11 Satz 2 des Entscheids der Kindes- und Erwachse- nenschutzbehörde C.____ vom 5. Juli 2018 wird wie folgt neu gefasst: "Zufolge Bedürftigkeit ist auf die Erhebung der antei ligen Gebühren bei A.____ und B.____ zu verzichten." 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ auferlegt. 3. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ hat der Beschwer- deführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von F r. 2'035.55 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) auszurichten. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.