Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. November 2017 (720 17 255 / 307) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Der Abklärungsbericht Haushalt ist vollständig und schlüssig und somit beweistauglich Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Stephan Bläsi , Adv o- kat, Birsigstrasse 34, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1978 geborene A.____ war vom 1. November 200 7 bis zum 29. Februar 2016 im Spital X.____ zuerst als Pflegefachfrau und ab 2010 als Wundmanagerin angestellt, zuletzt in einem Pensum von 70 %. Am 15. August 2013 meldete s ie sich aufgrund einer Bandscheiben- problematik und starken Rückenschmerzen bei der IV- Stelle Basel-Landschaft zum Leistungs- bezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen, erwe rblichen und hauswirtschaftlichen Ver- hältnisse sowie der Durchführung des Vorbescheidverfahrens gewährte die IV-Stelle A.____ mit Seite 2 Verfügung vom 18. Juli 2017 in Anwendung der gemisch ten Bemessungsmethode mit einem Erwerbsanteil von 80 % und einem Haushaltsanteil von 20 % ab 1. April 2014 eine halbe Rente, ab 1. Dezember 2015 eine ganze Rente und ab 1. März 2016 eine per 30. April 2016 befristete Dreiviertelsrente. Ab 1. Mai 2016 wurde ein Rentenanspruch verneint. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt S tephan Bläsi, mit Eingabe vom 28. August 2017 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Sie be- antragte, es sei ihr in Aufhebung der angefochtenen V erfügung eine in der Höhe noch zu be- stimmende Rente zuzusprechen. Eventualiter seien weitere Abklärungen in die Wege zu leiten, um nach Kenntnis der Abklärungsresultate erneut über de n Rentenanspruch zu befinden. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass aufgrund des nur noch beschränkt mög- lichen Arbeitspensums ein leidensbedingter Abzug von mi ndestens 10 % angezeigt sei. Ferner sei die ermittelte Einbusse von 6,9 % im Haushalt in Würdigung der Gesamtumstände nicht plausibel. Sie sei im Haushalt in vielen Tätigkeiten nicht mehr belastbar und ihr Ehemann arbei- te während 6 Tagen der Woche in der eigenen Autogara ge und könne die Ausfälle im Haushalt nur bedingt kompensieren. Ihre Hausärztin, Dr. med. B .____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, empfehle zu Recht in ihrem Bericht vom 24. August 2017 die Durchführung einer orthopädischen Begutachtung mit Evaluation der funktionellen Haushaltsfähigkeit. Der Untersu- chungsgrundsatz gebiete eine derartige vertiefte Abklärung. C. Mit Vernehmlassung vom 29. September 2017 beantrag te die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 28. August 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der ge sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglied erungsmassnahmen durch eine ihr zu- mutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie n icht invalid geworden wäre. Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (BGE 141 V 20 E. 3.2) mit den Unterva- rianten des Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 114 V 313 E. 3a) und der ausseror- dentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.2 Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufg abenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werde n kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abge stellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Ab s. 2 IVG). Dies ist die spezifische Me- thode der Invaliditätsbemessung (Betätigungsvergleich; BGE 141 V 20 E. 3.2). Seite 4 3.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Absatz 2 festgelegt. In diesem F all sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des E hegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der In validitätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Dies ist die gemischte M ethode der Invaliditätsbemessung (BGE 141 V 20 f. E. 3.2 mit Hinweisen). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundhe itsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach d en Grundsätzen für Erwerbstäti- ge zu bemessen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 4. Die Aufteilung von 80 % Erwerbs- und 20 % Haushalt stätigkeit ist unbestritten, weshalb darauf abgestellt werden kann. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 5.3 Die Versicherte ist gelernte Pflegefachfrau und le idet seit 2005 an Rückenbeschwerden. Im Jahr 2006 wurde eine Bandscheibenimplantation durch geführt. Die Beschwerden besserten sich daraufhin und die Versicherte arbeitete ab 1. Janu ar 2007 100 % als Pflegefachfrau im Spital X.____. Im März 2010 nahm sie die Tätigkeit al s Wundmanagerin zu 80 % im Wundam- bulatorium im selben Spital auf. Mitte März 2012 tra ten erneut Schmerzen im Rückenbereich auf und die Versicherte musste ihre Arbeitstätigkeit ges undheitsbedingt einschränken. Die at- testierten Arbeitsunfähigkeiten liegen zwischen 65 % und 100 %. Gestützt auf die medizini- schen Unterlagen, insbesondere das bidisziplinäre Gutachten von Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, und Dr. med. D.___ _, FMH Psychiatrie und Psychothera- pie, vom 19. Januar 2016 bzw. vom 26. Januar 2016 ging die IV-Stelle von einer Arbeitsfähig- keit ab 1. April 2014 von 28 %, ab 1. Januar 2015 von 30 %, ab 5. September 2015 von 0 % und ab 26. Januar 2016 von 50 % in der zuletzt ausgeübte n Tätigkeit als Wundmanagerin oder in einer angepassten Verweistätigkeit aus. Die medizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist unbe- stritten. Da das bidisziplinäre Gutachten von Dr. C.____ und Dr. D.____ in formaler und inhaltli- cher Hinsicht umfassend und schlüssig ist und die beweisrechtl ichen Anforderungen an ein Gutachten erfüllt (vgl. E. 5.2), kann ohne weiteres darauf abgestellt werden. 6.1 Dagegen ist die Beweistauglichkeit des Haushaltsberich ts strittig. Diesbezüglich stützte sich die IV-Stelle auf den Abklärungsbericht Haushalt vom 23. Mai 2016, wonach die Versicher- te im Rahmen von 6,9 % in der Ausübung der Haushaltst ätigkeiten eingeschränkt sei. Die Ver- sicherte erachtet diese Prozentzahl als zu tief und ford ert gestützt auf das Schreiben von Dr. B.____ vom 24. August 2017 und den Untersuchungsgru ndsatz – wonach die IV-Stelle von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat (Art. 43 Abs. 1 ATSG) - die Durchführung ei ner orthopädischen Begutachtung mit Evaluation der funktionellen Haushaltsfähigkeit. 6.2 Im Zusammenhang mit den Einschränkungen im Haushalt ist nicht die medizinisch- theoretische Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend, sondern wie sich der Gesundheitsschaden in der nichterwerblichen Betätigung konkret auswirkt, was d urch die Abklärung an Ort und Stelle (vgl. Art. 69 Abs. 2 Satz 2 IVV) zu erheben ist (Urteil des Bundesgerichts vom 31. März 2011, 9C_121/2011, E. 3.1.1 mit Hinweisen). Die Abklärung e rstreckt sich im Haushalt auch auf den zumutbaren Umfang der Mithilfe von Familienangehörige n, welche im Rahmen der Schaden- minderungspflicht zu berücksichtigen ist und weiter geht als die ohne Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung (BGE 133 V 504 E. 4.2 mit Hinweisen). 6.3 Für den Beweiswert eines solchen Berichtes ist wesentl ich, dass er von einer qualifizier- ten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtlichen un d räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchti gungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksi chtigen, wobei divergierende Mei- nungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. De r Berichtstext muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einsc hränkungen sein sowie in Überein- Seite 6 stimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (Urteile des Bundesgerichts vom 21. Juli 2014, 8C_334/2014, E. 5.2, vom 30. August 2012, 9C_150/2012, E. 5.3.2). Das Gericht greift, sofern der Bericht formal korrekt erstellt wurde, in das Ermessen der Abklärungs- person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Rechtsprechungsgemäss hat sich nur dann auch eine ärztliche Fachperson zur Zumutbarkeit der einzelnen Haushaltsver- richtungen zu äussern, wenn die versicherte Person ungla ubwürdige Angaben macht, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (in BGE 1 34 V 9 nicht publizierte E. 5.2.1 des Urteils des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2007, I 246/05). 6.4 Der versicherten Person sind im Rahmen der Schadenm inderungspflicht Massnahmen zuzumuten, die ein vernünftiger Mensch in der gleichen Lage ergreifen würde, wenn er keinerlei Einschränkungen zu erwarten hätte. Für die im Haushalt tätigen Versicherten bedeutet dies, dass sie Verhaltensweisen zu entwickeln haben, welche die A uswirkungen der Behinderung im hauswirtschaftlichen Bereich reduzieren und ihnen eine m öglichst vollständige und unabhängi- ge Erledigung der Haushaltsarbeiten ermöglichen. Kann die versicherte Person wegen ihrer Behinderung gewisse Haushaltsarbeiten nur noch mühsam u nd mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit eint eilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von Familienangehörigen in Anspruch nehmen. Ein invali ditätsbedingter Ausfall darf bei im Haushalt tätigen Personen nur insoweit angenommen we rden, als die Aufgaben, welche nicht mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen Entlöhnung oder durch Angehörige ver- richtet werden, denen dadurch nachgewiesenermassen ein e Erwerbseinbusse oder doch eine unverhältnismässige Belastung entsteht. Die zu berücksichtigende Mithilfe von Familienangehö- rigen geht daher bei gesundheitlicher Einschränkung we iter als ohne Gesundheitsschädigung. Geht es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist danach zu fragen, wie sich eine vernünf- tige Familiengemeinschaft einrichten würde, wenn keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären (BGE 133 V 504 E. 4.2 mit Hinweisen). 6.5 Der Haushaltsbericht vom 5. Oktober 2016 ist sehr aus führlich und führt in jedem Auf- gabenbereich detailliert auf, welche Verrichtungen der Versicherten noch zumutbar sind. Die einzelnen noch machbaren Arbeiten stimmen nachvollziehbar überein mit dem Tätigkeitsprofil der medizinischen Zumutbarkeitsbeurteilung. Grundsätzli ch kann festgestellt werden, dass die Versicherte in allen Aufgabenbereichen die körperlich we niger anstrengenden Verrichtungen noch selbst ausführen kann, während sie die mit grösserer körperlicher Belastung verbundenen Arbeiten nicht mehr oder nur verlangsamt tätigen kann. Die geringe Einschränkung von insge- samt 6,9 % ist nachvollziehbar erklärbar durch die Mithil fe des Ehemannes, der Eltern sowie des Bruders. Die Beschwerdeführerin substantiiert nicht nä her, weshalb die Einschränkung von 6,9 % nicht plausibel sei. Namentlich wird nicht ausgefü hrt, welche Verrichtungen, die der Ver- sicherten noch zugemutet werden, ihr nicht mehr möglich sein sollen. Auch der Einwand, der Ehemann arbeite 6 Tage in der Woche vollzeitlich und könne im Haushalt nur beschränkt ein- gesetzt werden, erscheint insofern nicht stichhaltig, als ihm eine Mitarbeit im Haushalt von le- diglich 2 Stunden pro Woche angerechnet wird, was unter dem Titel Schadenminderungspflicht Seite 7 sicher zumutbar ist. Ebenso sind die Mithilfe der Mutter von wöchentlich einer Stunde und die- jenige des Vaters und des Bruders von wöchentlich je einer halben Stunde Gartenarbeit nicht zu beanstanden (vgl. BGE 141 V 462 E. 4.3.2). Insgesamt erweist sich der Abklärungsbericht Haushalt als vollständig und schlüssig und somit als bewei stauglich. Die IV-Stelle hat zu Recht darauf abgestellt. Der Antrag auf Durchführung einer orthopädischen Begutachtung mit Evalua- tion der funktionellen Haushaltsfähigkeit ist folglich i n antizipierter Beweiswürdigung abzuwei- sen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2017, 9C_203/2017, E. 3.5). 7.1 Schliesslich wird gegen den Einkommensvergleich einge wendet, dass die IV-Stelle zu Unrecht keinen leidensbedingten Abzug vom Invalideneinkomm en vorgenommen habe. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass aufgrund der med izinischen Ausgangslage ein Abzug von 10 % angemessen sei. Im Übrigen wird die Berechnung nicht bestritten. 7.2 Praxisgemäss kann von dem anhand der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstruk- turerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) ermittel ten Invalideneinkommen unter be- stimmten Voraussetzungen ein leidensbedingter Abzug v orgenommen werden. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 142 V 178 E. 1.3) und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen d ie verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit un terdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 E. 5b/aa). Ohne für jedes zur Anwendung gelangende Merkmal separat quantifizierte Abzüge vorzunehmen, ist de r Einfluss aller Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Ei nzelfall nach pflichtgemässem Er- messen gesamthaft zu schätzen. Der Abzug darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2, 126 V 75 E. 5b/bb-cc, Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2017, 8C_253/2017, E. 4.3.2). 7.3 Im Gegensatz zur Kognition des Bundesgerichts ist diejeni ge der Vorinstanz in diesem Zusammenhang nicht auf Rechtsverletzung (einschliesslich Er messensüberschreitung, -miss- brauch oder -unterschreitung) beschränkt, sondern erstreckt sich auch auf die Beurteilung der Angemessenheit der Verwaltungsverfügung (BGE 137 V 73 E. 5.2). Bei der Angemessenheit geht es um die Frage, ob der zu überprüfende Entschei d, den die Behörde nach dem ihr zu- stehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfal len sollen. Allerdings darf das kan- tonale Gericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwal- tung setzen; es muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen können, die seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 mit Hinweis). 7.4 Gemäss gutachterlichem Zumutbarkeitsprofil ist die Ve rsicherte in ihrer Tätigkeit als Wundmanagerin zu 50 % arbeitsfähig sowie in jeder an deren körperlich leichten Tätigkeit, so- Seite 8 fern kein Heben, Stossen oder Ziehen über 5 kg, nicht d auerndes Sitzen oder Stehen, kein re- petitives Bücken und keine Überkopfarbeiten erforderlich sind und keine Zwangshaltungen ein- genommen werden müssen. In Frage käme im vorliegenden Fall allenfalls ein Abzug vom Ta- bellenlohn aufgrund der gesundheitlichen Einschränkung en, da die anderen Merkmale wie Le- bensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltska tegorie sowie Beschäftigungsgrad keine massgebenden Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben. Die I V-Stelle ist der Auffassung, dass kein leidensbedingter Abzug vom Invalidenlohn vorzunehm en sei, da die Versicherte auch mit den gesundheitlichen Vorgaben weiterhin in ihrer bish erigen Tätigkeit als Wundmanagerin in einem Teilzeitpensum arbeiten könnte. Diese Vorgehensw eise erweist sich unter den gegebe- nen Umständen als angemessen und ist folglich nicht zu bea nstanden. Denn es gibt keine An- haltspunkte dafür, dass die Versicherte gegenüber ihren gesunden Arbeitskolleginnen und –kol- legen lohnmässig benachteiligt wäre. Diesbezüglich ist au ch auf den Bericht der Reha in Y.____ vom 7. März 2014 zu verweisen, wonach die verblei bende Leistungsfähigkeit in einem Assessment beurteilt und festgestellt wurde, dass die Tät igkeit als Wundmanagerin eine sehr geeignete Tätigkeit sei, da sich die Gewichtsbelastungen im Rahmen hielten und die Haltungen bzw. die Körperpositionen gewechselt werden könnten. 8. Insgesamt hält die von der IV-Stelle vorgenommene B erechnung des Invaliditätsgrades einer Überprüfung stand und erweist sich als rechtens. Ab 26. Januar 2016 ist somit von einem Invaliditätsgrad von 37,7 % im Erwerbsbereich und von einem solchen von 1.39 % im Bereich Haushalt auszugehen. Gesamthaft ergibt sich ein Invali ditätsgrad von gerundet 39 %, welcher nicht rentenbegründend ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerde- verfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kosten- pflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassun gs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahre nskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ih r zu auferlegen sind. Gemäss Ausgang des Verfahrens werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Besc hwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 9 Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht