Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 8. Februar 2023 (810 22 171) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Erteilung einer Einreisebewilligung im Rahmen des Familiennachzugs / Ergänzungsleis- tungsbezug Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Daniel Noll, Niklaus Ruckstuhl, Kantonsrichterin Ana Dettwiler, Gerichtsschrei- ber i.V. Lucius Schweizer Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Marco Bivetti, Rechts- anwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Vorinstanz Betreff Erteilung der Einreisebewilligung im Rahmen des Familiennachzugs (RRB Nr. 1175 vom 16. August 2022) A. A.____ (geb. 1997) ist als Staatsangehöriger des Kosovo in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Er besitzt die Niederlassungsbewilligung u nd bezieht eine ausserordentliche ganze Invalidenrente sowie Ergänzungsleistungen. Im Ra hmen eines geschützten Arbeitsplat- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zes ist er in einem Pensum von 50 % erwerbstätig. Am 9. August 2021 heiratete A.____ im Ko- sovo B.____ (geb. 2002), welche ebenfalls kosovarische Staatsangehörige ist. B. Am 7. Oktober 2021 stellte B.____ bei der schweize rischen Botschaft in Pristina, Ko- sovo, ein Gesuch um Erteilung einer Einreisebewilligun g im Rahmen des Familiennachzugs zum Verbleib bei ihrem Ehemann. In der Folge reichte A.____ am 26. Oktober 2021 seinerseits beim Amt für Migration und Bürgerrecht des Kantons Basel-Landschaft (AFMB) ein Gesuch um Familiennachzug zugunsten seiner Ehefrau ein. C. Mit Schreiben vom 4. November 2021 stellte das AFMB fest, dass die Voraussetzun- gen für den Familiennachzug nach Art. 43 Abs. 1 lit. e des Bundesgesetzes über die Auslände- rinnen und Ausländer und über die Integration (AIG) vom 16. Dezember 2005 nicht erfüllt seien, weil A.____ eine ausserordentliche Invalidenrente un d Ergänzungsleistungen beziehe, und ge- währte ihm diesbezüglich das rechtliche Gehör. Mit Sch reiben vom 8. November 2021 nahm A.____ dahingehend Stellung, dass er seine Frau seit dr ei Jahren kenne und sie regelmässig im Kosovo besucht habe. B.____ habe eine Ausbildung z ur Coiffeuse abgeschlossen und be- finde sich auf Arbeitssuche. In der Schweiz habe sie keine Stellenzusicherung. Sie spreche fliessend Albanisch und ein wenig Englisch. A.____ führte weiter aus, dass er im Falle einer Verweigerung des Familiennachzugs die Schweiz nicht ver lassen, sondern die Ehe auf Distanz weiterführen würde. Seine Ehefrau sei noch nie in der Schweiz gewesen. D. Mit Verfügung vom 7. Februar 2022 wies das AFMB da s Gesuch um Erteilung der Ein- reisebewilligung für B.____ im Rahmen des Familiennac hzugs zum Verbleib bei ihrem Ehe- mann ab. E. Am 25. Februar 2022 erhob A.____, vertreten durch die Anlaufstelle Baselland, gegen diese Verfügung Beschwerde beim Regierungsrat des Kanton s Basel-Landschaft. Mit Eingabe vom 22. April 2022 reichte A.____, neu vertreten durch Marco Bivetti, Rechtsanwalt, die Be- schwerdebegründung ein und stellte das Begehren, es sei die Verfügung vom 7. Februar 2022 aufzuheben und seiner Ehefrau die Einreisebewilligung im Rahmen des Familiennachzugs zum Verbleib bei ihrem Ehemann zu erteilen. Eventualiter sei seiner Ehefrau eine Einreisebewilli- gung mit vom Regierungsrat festgelegten Bedingungen zu gewähren. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass die Voraussetzungen von Art. 43 Abs. 1 lit. e AIG erfüllt seien. Blos- se finanzielle Bedenken genügten nicht, um eine Einreisebewilligung zu verweigern. Im Übrigen sei bei einer Familienzusammenführung von einer guten finanziellen Prognose auszugehen. Namentlich habe B.____ gute Chancen, am hiesigen Arbei tsmarkt Fuss zu fassen, und ihre Anwesenheit führe mittelfristig zu einer Ablösung von A.____ von den Ergänzungsleistungen. F. Mit Beschluss des Regierungsrats (RRB) Nr. 1175 vom 16. August 2022 wurde die Beschwerde von A.____ abgewiesen. G. Am 29. August 2022 erhob A.____, vertreten durch M arco Bivetti, Rechtsanwalt, gegen den Entscheid des Regierungsrats vom 16. August 2022 Beschw erde beim Kantonsgericht Ba- sel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrec ht (Kantonsgericht). Er stellt das Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Begehren, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und B.____ die Einreisebewilligung im Rahmen des Familiennachzugs zum Verbleib beim Beschw erdeführer zu erteilen (Ziff. 1 und 2). Eventualiter sei B.____ die Einreisebewillig ung im Rahmen des Familiennachzugs zum Verbleib beim Beschwerdeführer verbunden mit einer vom Kantonsgericht zu bestimmenden Bedingung (z.B. hinsichtlich Erlangen einer Arbeitsstell e innert festgelegter Frist) zu erteilen (Ziff. 3). Subeventualiter sei die Angelegenheit zum Erlass eines neuen Entscheids an die Vor- instanz zurückzuweisen (Ziff. 4). Dem Beschwerdeführer sei für das vorinstanzliche Verfahren und das Verfahren vor Kantonsgericht die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren (Ziff. 5 und 6). H. Mit Vernehmlassung vom 26. Oktober 2022 beantragt d ie Vorinstanz, es sei die Be- schwerde unter o/e-Kostenfolge abzuweisen. I. Mit Verfügung vom 2. November 2022 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Ka ntonsgericht zulässig. Der Be- schwerdeführer ist als Adressat vom angefochtenen Beschluss b erührt und hat ein schutzwür- diges Interesse an dessen Änderung (§ 47 Abs. 1 lit. a V PO). Auch die weiteren formellen Vo- raussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können nac h § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Strittig ist, ob das AFMB zu Recht den Familiennach zug der Ehefrau des Beschwerde- führers verweigerte. 4.1 Gemäss Art. 43 Abs. 1 AIG haben ausländische Ehegatt en und ledige Kinder unter 18 Jahren von Personen mit Niederlassungsbewilligung Anspr uch auf Bewilligung des Familien- nachzugs, wenn sie mit dieser Person zusammenwohnen (li t. a), eine bedarfsgerechte Woh- nung vorhanden ist (lit. b), sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind (lit. c), sie sich in der am Wohnort gesprochenen Landessprache verständigen können ( lit. d) oder zu einem Sprachför- derungsangebot angemeldet sind (Abs. 2) und der niede rgelassene Ehegatte keine jährlichen Ergänzungsleistungen nach dem Bundesgesetz vom 6. Oktober 2 006 über die Ergänzungsleis- tungen zur Alters-, Hinterlassenen- oder Invalidenversich erung (ELG) bezieht oder wegen des Familiennachzugs beziehen könnte (lit. e). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Im Folgenden ist einzig zu prüfen, ob die Vorinst anz zu Recht den Familiennachzug aufgrund des Ergänzungsleistungsbezugs des Beschwerdef ührers verweigerte. Die übrigen Voraussetzungen für den Familiennachzug sind unbestrittenermassen erfüllt. 4.3.1 Das AFMB führte in seiner Verfügung vom 7. Feb ruar 2022 aus, die in Art. 43 Abs. 1 lit. e AIG enthaltene Bedingung, wonach die nachziehende Person keine Ergänzungsleistungen beziehen dürfe, sei im Fall des Beschwerdeführers nicht erfüllt. Allfällige künftige Einkommen müssten berücksichtigt werden, sofern diese mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Beendigung des Anspruchs auf Ergänzungsleistungen zur Folge hätten und somit zu einer nachhaltigen Entlas- tung der öffentlichen Hand führen würden. Dem AFMB l iege jedoch kein entsprechender Vor- vertrag und keine verbindliche Stellenzusicherung für B.____ vor. Der Beschwerdeführer bezie- he bereits heute Ergänzungsleistungen und seine Ehefrau hätte nach dem Familiennachzug ebenfalls Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Folglich bestehe kein Anspruch auf Familien- nachzug gestützt auf Art. 43 Abs. 1 lit. e AIG. 4.3.2 Die Vorinstanz erwog ihrerseits, dass der Beschwerd eführer eine volle IV-Rente in der Höhe von Fr. 1'593.-- sowie Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr. 1'062.-- pro Monat be- ziehe. Die Ehefrau des Beschwerdeführers spreche weder Deutsch noch eine andere Schwei- zer Landessprache. Der von ihr besuchte sechsmonatige Ku rs im Haareschneiden und Make- Up sei nicht ansatzweise mit einem Lehrabschluss mit Eidgen össischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) als Coiffeuse oder Kosmetikerin zu vergleichen. Obw ohl das AFMB die nicht vorhande- nen Deutschkenntnisse der Ehefrau bereits in der Verfü gung vom 7. Februar 2022 erwähnt ha- be, habe die Ehefrau bis anhin keinerlei Anstrengunge n zum Erlernen der deutschen Sprache nachgewiesen. Die Aussichten der Ehefrau, in der Schwei z als Coiffeuse oder Kosmetikerin zu arbeiten, seien als ungünstig zu bezeichnen. Es sei dahe r nicht davon auszugehen, dass sie in der Schweiz finanziell unabhängig sein werde. Unbestrittenermassen beziehe der Beschwerde- führer bereits heute Ergänzungsleistungen. Daran würd e sich bei einer Wohnsitznahme der Ehefrau nichts ändern. Es wäre im Gegenteil damit zu r echnen, dass die Ergänzungsleistungen für den Beschwerdeführer und seine Ehefrau zunehmen wü rden. Somit habe der Beschwerde- führer keinen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung für seine Ehefrau. 4.3.3 Der Beschwerdeführer wendet hiergegen zusammenge fasst ein, dass blosse finanziel- le Bedenken, Hypothesen und pauschalierte Gründe nicht genügen würden, um einen Famili- ennachzug wegen eines befürchteten Ergänzungsleistungsbe zugs zu verweigern. Es sei die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht unter Einbezug aller Familienangehö- rigen der Beurteilung der Gefahr des Ergänzungsleistu ngsbezugs zugrunde zu legen. Zwar sei richtig, dass seine Ehefrau keine Landessprache spreche. Dies stehe einer erfolgreichen Stel- lensuche jedoch nicht im Wege, zumal sie bereit sei, umge hend einen Sprachkurs zu besu- chen. Weiter sei nach Art. 43 Abs. 1 lit. e AIG keine qu alifizierte Ausbildung verlangt, damit von einer positiven finanziellen Prognose auszugehen sei. Es könne daher kein EFZ oder gleich- wertiger Abschluss verlangt werden. Die Ehefrau sei berei t, nach ihrer Einreise so rasch wie möglich eine Stelle im Coiffeur-Bereich – soweit erf orderlich aber auch in einer anderen Bran- che (z.B. Reinigung) – anzutreten. Es bestehe daher kein Grund, um von einer schlechten fi- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nanziellen Prognose auszugehen. Im Gegenteil könne man erwarten, dass sich mit Blick auf die Erwerbsfähigkeit und Erwerbswilligkeit der Ehefrau die finanzielle Lage der Familie verbessern und damit auch zu einer Ablösung des Beschwerdeführers v on Ergänzungsleistungen führen werde. 5.1 Für die Beurteilung, ob das Kriterium der Ergänz ungsleistungsunabhängigkeit von Art. 43 Abs. 1 lit. e AIG erfüllt ist, kann nach der R echtsprechung des Bundesgerichts analog auf die Rechtsprechung zur Sozialhilfeunabhängigkeit g emäss Art. 43 Abs. 1 lit. c AIG abge- stellt werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_10/20 22 vom 21. September 2022 E. 8.2; 2C_795/2021 vom 17. März 2022 E. 4.2.3; 2C_309/2021 vom 5. Oktober 2021 E. 5.5). Dabei ist jedoch dem Umstand Rechnung zu tragen, dass Fürsorgeleistungen und Ergänzungsleistungen nicht in jeder Hinsicht gleichzustellen sind. Insbesondere g ilt es zu berücksichtigen, dass es Personen, die Anspruch auf eine IV-Rente haben, in aller Regel nicht möglich ist, etwas an ihrer finanziellen Situation zu ändern (vgl. Urteil des Bun desgerichts 2C_309/2021 vom 5. Oktober 2021 E. 5.5). Das Kriterium der Sozialhilfeunabhängigkeit ist erfüllt, wenn keine konkrete Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit besteht. Für die Beurtei lung der Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit ist von den bisherigen und aktuellen Verhältnissen auszuge hen und die wahrscheinliche finan- zielle Entwicklung auf längere Sicht abzuwägen. Blosse fi nanzielle Bedenken genügen nicht, und ebensowenig kann diesbezüglich auf Hypothesen u nd pauschalierte Gründe abgestellt werden. In die Beurteilung ist nicht nur das Einkomm en des hier anwesenheitsberechtigten Fa- milienangehörigen, sondern sind auch die finanziellen M öglichkeiten aller Familienmitglieder miteinzubeziehen. Das Einkommen der Angehörigen, die an die Lebenshaltungskosten der Familie beitragen sollen und können, ist daran zu messen , ob und gegebenenfalls in welchem Umfang sich dieses grundsätzlich als tatsächlich realisierb ar erweist. In diesem Sinn müssen die Erwerbsmöglichkeiten und das damit verbundene Einko mmen mit einer gewissen Wahr- scheinlichkeit auf mehr als nur kurze Frist hin gesichert ersch einen (vgl. Urteil des Bundesge- richts 2C_795/2021 vom 17. März 2022 E. 4.2.3). Mithin ist eine Prognose zu treffen, wie sich der Nachzug auf die wirtschaftliche Situation des Niede rgelassenen auswirkt. Der Familien- nachzug ist nach der Lehre im öffentlichen Interesse gebo ten, wenn die vom Niedergelassenen bezogenen Ergänzungsleistungen durch den Nachzug von Fam ilienangehörigen dank Anrech- nung von deren Einkommen voraussichtlich reduziert werden können oder gar gänzlich dahin- fallen (vgl. MARC SPESCHA , in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Kommentar Mig- rationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, Rz. 6 zu Art. 43 AIG). 5.2.1 Das Bundesgericht hat im Urteil 2C_309/2021 das Vorgehen der Vorinstanz geschützt, welche den gemäss den Sozialhilferichtlinien bemessenen kün ftigen Gesamtbedarf des Ehe- paars dem gegenwärtigen Einkommen des Ehemanns (IV-Ren te, Hilflosenentschädigung, Er- gänzungsleistungen) gegenüberstellte (Urteil des Bundesgerichts 2C_309/2021 vom 5. Oktober 2021 E. 6.2 unter Bezugnahme auf E. 4.1). Nachfolgend ist die finanzielle Situation der Be- schwerdeführer demnach anhand dieser Vorgehensweise, welcher das Kantonsgericht in einem neueren Entscheid gefolgt ist, zu beurteilen (vgl. U rteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 19. Oktober 202 2 [810 21 265] E. 5; siehe auch Urteil des Kantonsgerichts Freiburg, I. Verwaltungsgerichtshof, vom 11. Juli 2022 [601 2022 31] E. 4). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.2 Dabei ist der zukünftige Bedarf der Gesamtfami lie gestützt auf das Sozialhilferecht zu ermitteln. In die Bedarfsrechnung sind vorliegend der G rundbedarf, die Wohnkosten sowie die obligatorischen Versicherungen einzubeziehen (vgl. § 6 Abs. 1 des Gesetzes über die Sozial- und die Jugendhilfe [SHG] vom 21. Juni 2001). Gemäss § 9 Abs. 1 lit. b der Sozialhilfeverord- nung (SHV) vom 25. September 2001 beträgt der monat liche Grundbedarf für einen Haushalt mit zwei Personen Fr. 1'577.--. Dazu kommen der Mietzi ns zuzüglich Nebenkosten in der Höhe von Fr. 1'200.-- (Mietvertrag vom 1. März 2020) sowie di e monatliche Krankenkassenprämie des Beschwerdeführers in der Höhe von Fr. 284.35 (vgl. Versicherungspolice 2022, S. 2). Für die Ehefrau ist die am Wohnsitz des Beschwerdeführers geltende Durchschnittsprämie für die Prämienregion 2, jugendliche Erwachsene, von Fr. 391.- - einzusetzen (§ 12 Abs. 1 lit. b SHV). Demgemäss beträgt der sozialhilferechtliche monatliche Be darf der Familie insgesamt Fr. 3'452.35. 5.2.3 Dem gegenüberzustellen ist ausgehend vom heutigen Einkommen des Beschwerde- führers das künftig zu erwartende Familieneinkommen. D er Beschwerdeführer bezieht eine ganze IV-Rente in der Höhe von (netto) Fr. 1'593.--. Dazu kommen Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr. 1'062.-- (inkl. Zahlung Durchschnittsp rämie an obligatorische Krankenkasse, vgl. Verfügung der SVA Basel-Landschaft vom 31. Dezembe r 2021). Darüber hinaus erzielt der Beschwerdeführer ein monatliches Nettoeinkommen in der Höhe von rund Fr. 840.-- (vgl. Lohn- ausweis 2021, Lohnabrechnungen Januar bis August 2022). Daraus resultiert ein Gesamtein- kommen von Fr. 3'495.--. Wie bereits ausgeführt (E. 5. 2.1 hiervor), hat das Bundesgericht im Urteil 2C_309/2021 auf das zukünftige Einkommen der Ehegatten mitsamt den Ergänzungsleis- tungen abgestellt. Folgt man dieser Methode, so best eht bei einem Nachzug der Ehefrau keine Unterdeckung, sondern ein geringfügiger Überschuss. 5.3 Hinsichtlich der Gefahr des künftigen Bezugs von (zusätzl ichen) Ergänzungsleistungen führt die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid aus, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers mangels anerkannter Ausbildung und aufgrund fehlender Deutschkenntnisse in der Schweiz nicht finanziell unabhängig sein werde. Am Ergänzungslei stungsbezug des Beschwerdeführers würde sich im Fall der Wohnsitznahme der Ehefrau somit nichts ändern. Es sei im Gegenteil damit zu rechnen, dass die Ergänzungsleistungen für den Beschwerdeführer und seine Ehefrau zunehmen würden (E. 4.3.2 hiervor). Der Beschwerdeführ er macht zu Recht geltend, dass die- se Ausführungen der Vorinstanz pauschaler Natur sind. G emäss seinen unbestrittenen Ausfüh- rungen leidet der Beschwerdeführer an einem Geburtsgeb rechen, welches ihm verunmöglicht, eine rentenausschliessende Erwerbstätigkeit auszuüben. Der Beschwerdeführer ist im Rahmen eines geschützten Arbeitsplatzes in einem Teilzeitpensum erwerbstätig, mit welchem er ein durchschnittliches monatliches Einkommen von rund Fr. 840. -- erzielt. Mithin ist es ihm nicht möglich, etwas an seiner finanziellen Situation zu ände rn (E. 5.1 hiervor) und unternimmt er vielmehr alles Zumutbare, um den Bezug von Ergänzungslei stungen auf ein Minimum zu redu- zieren. Der Beschwerdeführer legt im Weiteren – wie b ereits im vorinstanzlichen Verfahren – schlüssig dar, dass seine Ehefrau gewillt sei, so schnell wie möglich eine Stelle im Coiffeur- Bereich oder – falls nötig – in einer anderen Branch e anzutreten. Er bestreitet die fehlenden Deutschkenntnisse seiner Ehefrau nicht, macht allerding s zu Recht geltend, dass diesen hin- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichtlich der finanziellen Prognose keine entscheidende Bedeutung zukomme. Dasselbe gilt hinsichtlich der Tatsache, dass die Ehefrau noch über kein en Arbeitsvertrag bzw. eine entspre- chende Zusicherung verfügt. Nach der allgemeinen Leben serfahrung werden beispielsweise Stellen im Reinigungsgewerbe kurzfristig angeboten bzw. frei und setzen nicht zwingend Deutschkenntnisse voraus (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C _309/2021 vom 5. Oktober 2021 E. 6.3). Bei der Ehefrau des Beschwerdeführers handelt es sich um eine gesunde, arbeitswillige junge Frau, welche am Beginn ihres Erwerbslebens steht. Es ist davon auszugehen, dass sie in der Lage sein wird, innert verhältnismässig kurzer Frist ein Erwerbseinkommen zu erzielen, welches den Ergänzungsleistungsbezug des Beschwerdeführers massgeblich reduzieren bzw. mittelfristig beenden wird. In diesem Zusammenhang ist die Ehefrau bei ihrer Zusage zu behaf- ten, innert nützlicher Frist nach Einreise eine Stelle anzunehmen – dies wenn nötig in einer an- deren Branche als der Coiffeur- und Kosmetikbranche – und sich für einen Sprachkurs anzu- melden. 5.4 Die Prognose über die Auswirkungen des Ehegattenn achzugs auf die finanzielle Situa- tion der Beschwerdeführer führt nach dem Gesagten zum Ergebnis, dass die Familie voraus- sichtlich längerfristig ein stabiles Gesamteinkommen erziel en wird, welches über dem sozialhil- ferechtlichen Bedarf zu liegen kommt (E. 5.2.3 hiervo r). Darüber hinaus ist den Ehegatten hin- sichtlich des künftigen Ergänzungsleistungsbezugs eine günstige Prognose zu stellen (E. 5.3 hiervor). 5.5 Die Voraussetzungen für einen Familiennachzug gem äss Art. 43 Abs. 1 AIG sind dem- nach im vorliegenden Fall erfüllt, was zur Gutheissung d er Beschwerde führt. Die Beurteilung der weiteren Rügen – namentlich der gerügten Verletz ung des Diskriminierungsverbots (vgl. Art. 8 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerische n Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999; Art. 8 in Verbindung mit Art. 14 der Konvention zum Schutze der Menschenrech- te und Grundfreiheiten [EMRK] vom 4. November 1950) – erübrigt sich bei diesem Ausgang. Der angefochtene Entscheid ist aufzuheben und das AFMB anzuweisen, der Ehefrau des Be- schwerdeführers die Einreisebewilligung im Rahmen des F amiliennachzuges zu erteilen. Dabei steht es im Ermessen der Behörde, die Bewilligung gege benenfalls unter Auflagen oder Bedin- gungen zu erteilen und mit dem Abschluss einer Integrati onsvereinbarung (Art. 43 Abs. 4 AIG) zu verbinden. 6.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinde n. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Di e Verfahrenskosten umfassen die Ge- richtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Ausgan gsgemäss sind die Verfahrens- kosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- dem Regierungsrat aufzuerlegen. 6.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der in der Honorarno te vom 9. November 2022 für das kantonsgerichtliche Verfahren geltend gemachte Aufwand von 10 Stunden und 57 Minuten à Fr. 200.-- erweist sich als angemessen. Dem Beschwerdefüh rer ist somit eine Parteientschädi- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung in der Höhe von Fr. 2'429.40 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) zulasten des Regierungs- rats zuzusprechen. 6.3 Im Übrigen wird die Angelegenheit zur Neuverle gung der vorinstanzlichen Kosten an die Vorinstanz zurückgewiesen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Regier ungsratsbeschluss Nr. 1175 vom 16. August 2022 aufgehoben und das Amt f ür Migration und Bürgerrecht des Kantons Basel-Landschaft angewiesen, B.____ die Einreisebewilligung im Rahmen des Familiennachzugs zu erteilen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel- Landschaft zurückgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden dem Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft auferlegt. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat dem Be- schwerdeführer für das kantonsgerichtliche Verfahren eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2'429.40 (inkl. Ausl agen und 7.7 % MWST) auszurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.