A bteilung V E -7160/2006 {T 0/2} U rteil vom 13. Juni 2007 M itw irkung: R ichter W eber, W espi, Stöckli G erichtsschreiberin Balm elli A._______, Serbien, vertreten durch M ilosav M ilovanovic, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM , vorm als Bundesam t für Flüchtlinge, BFF), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 3. O ktober 2002 in Sachen A syl und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschw erdeführer den Kosovo am 11. Juli 2002 und gelangte am 15. Juli 2002 in die Schw eiz, w o er gleichentags ein Asylge- such einreichte. Am 16. Juli 2002 w urde der Beschw erdeführer in der Em pfangs- stelle Kreuzlingen befragt. D as B._______ hörte ihn am 19. Septem ber 2002 zu den Asylgründen an. Im W esentlichen m achte der Beschw erdeführer geltend, er stam m e aus C ._______, Bezirk D ._______, und gehöre der Ethnie der Bosniaken an. Sein Bruder E._______ habe vom Juni 1998 bis Juni 1999 D ienst bei der jugoslaw ischen Arm ee geleistet. Seither seien sein Bruder und er von den Albanern unter D ruck gesetzt w orden. Sie hätten nicht m ehr in R uhe leben können und sich im m er w ieder verstecken m üssen. Anfangs Juli 2002 sei er zusam m en m it seinem Bruder verfolgt w orden. Sie seien in den W ald geflüchtet, hätten sich dort einige Zeit aufgehalten und seien w ieder ins D orf zurückgekehrt. D araufhin hätten sie sich zur Ausreise entschlossen. B. M it Verfügung vom 3. O ktober 2002 - eröffnet am 14. O ktober 2002 - stellte das Bundesam t fest, der Beschw erdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. G leichzeitig ordnete es die W egw eisung und deren Vollzug aus der Schw eiz an. C . M it Beschw erde vom 13. N ovem ber 2002 an die vorm als zuständige Schw eizeri- sche Asylrekurskom m ission (AR K) beantragte der Beschw erdeführer durch seinen Vertreter, die Verfügung sei aufzuheben und das Asylgesuch gutzuheissen. Es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gew ähren. D . M it Zw ischenverfügung vom 20. N ovem ber 2002 setzte die dam als zuständige In- struktionsrichterin dem Beschw erdeführer Frist zur Einreichung des in Aussicht ge- stellten ärztlichen Zeugnisses. Ferner gab sie ihm G elegenheit, sich schriftlich dazu zu äussern, w as im Fall eines W egw eisungsvollzugs gegen eine innerstaatli- che W ohnsitzalternative in Serbien ausserhalb des Kosovos sprechen w ürde. So- dann verzichtete die Instruktionsrichterin auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses und verw ies den Entscheid über das G esuch um G ew ährung der unentgeltli- chen R echtspflege auf einen späteren Zeitpunkt. E. Innert der angesetzten Frist reichte der Beschw erdeführer am 5. D ezem ber 2002 seine Stellungnahm e und am 11. D ezem ber 2002 den ärztlichen Bericht von D r. m ed. F._______, FM H Psychiatrie & Psychotherapie, vom 23. N ovem ber 2002 zu den Akten. F. D as Bundesam t schloss in der Vernehm lassung vom 23. Juni 2003 auf Abw eisung der Beschw erde. M it Zw ischenverfügung vom 1. Juli 2003 unterbreitete die dam als zuständige Instruktionsrichterin dem Beschw erdeführer die Vernehm lassung zur Stellungnahm e. Innert der angesetzten Frist reichte der Beschw erdeführer am 10. Juli 2003 die R eplik ein. G . M it Zw ischenverfügung vom 5. Februar 2004 setzte die dam als zuständige Instruk- tionsrichterin dem Beschw erdeführer Frist zur Einreichung eines psychiatrie-ärztli- chen Zeugnisses. Innert der angesetzten Frist gab der Beschw erdeführer ein ärzt-3 liches Zeugnis von D r. m ed. G ._______, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 20. Februar 2004 zu den Akten. H . M it Schreiben vom 9. M ai 2007 reichte der Vertreter des Beschw erdeführers eine Kostennote in der H öhe von Fr. 795.-- ein. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgeset- zes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der ehem aligen AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. 2.1 Vorab ist die Frage der Prozessfähigkeit als Sachurteilsvoraussetzung von Am tes w egen zu prüfen (vgl. FR ITZ G YG I, Bundesverw altungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 73). Im R ahm en des R echtsm ittelverfahrens hat der Beschw erdeführer zw ei ärztliche Berichte eingereicht. Beide Zeugnisse äussern sich kurz zum Intel- lekt des Beschw erdeführers. D r. m ed. F._______, FM H Psychiatrie & Psychotherapie äussert in seinem Bericht vom 23. N ovem ber 2002 den Verdacht auf prim äre intellektuelle Schw achbegabung (D ebilität) des Beschw erdeführers. D r. m ed. G ._______, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellt in seinem Zeugnis vom 20. Februar 2004 fest, der Beschw erdeführer m ache den Eindruck einer intellektuell schw ach begabten Person. O ffenbar handelt es sich beim Beschw erdeführer um eine intellektuell m inderbegabte Persönlichkeit. Beide Ärzte äussern sich jedoch nicht w eitergehend zu ihrem Verdacht beziehungsw eise ihrer Feststellung. Aufgrund der Aktenlage sind denn auch keine w eiteren diesbezüglichen Abklärungen erforderlich. 4 2.2 G em äss Art. 16 des Schw eizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. D ezem ber 1907 (ZG B, SR 210) ist ein jeder urteilsfähig, dem nicht w egen seines Kindesalters oder infolge von G eisteskrankheit, G eistesschw äche, Trunkenheit oder ähnlichen Zu- ständen die Fähigkeit zu vernunftgem ässem H andeln m angelt. N ach herrschender Lehre und Praxis ist aufgrund der gesam ten U m stände zu prüfen, ob die fragliche Person im konkreten Fall, das heisst je nach N atur, Schw ierigkeit und Tragw eite der fraglichen R echtshandlung, als urteilsfähig angesehen w erden kann oder nicht. D abei ist grundsätzlich vom Bestehen der U rteilsfähigkeit auszugehen, denn nach allgem einer Lebenserfahrung stellt sich das Vorliegen der U rteilsunfähigkeit als die Ausnahm e dar (vgl. die w eiterhin zutreffende Praxis der AR K in Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 1996 N r. 3 S. 22, M AR IO PED R AZZIN I / N IKLAU S O BER H O LZER , G rundriss des Personenrechts, 4. Aufl., Bern 1993, S. 68 f.). D ie U rteilsfähigkeit in Bezug auf die D urchführung des Asylverfahrens setzt vor- aus, dass eine Person als Asylgesuchsteller in der Lage ist, Bedeutung und Trag- w eite des Asylverfahrens und der dazu erforderlichen M itw irkungshandlungen zu erfassen, bezüglich der nötigen M itw irkung vernunftgem äss zu handeln und na- m entlich die Verfolgungssituation nachvollziehbar zu schildern (vgl. die w eiterhin zutreffende Praxis der AR K in EM AR K 1996 N r. 5 S. 39). Bei der Erstellung des Sachverhalts im R ahm en des Asylverfahrens geht es darum , eigene Erlebnisse w iederzugeben und diesbezüglich klärende Fragen des Befragers zu beantw orten. Aufgrund der Akten ist festzustellen, dass der Beschw erdeführer einen sehr einfa- chen Sachverhalt geltend m acht. Entsprechend w ar er anlässlich der beiden Befra- gungen auch in der Lage, die ihm gestellten Fragen, w enn auch w eitgehend kurz, so doch verständlich und auf den Kontext bezogen zu beantw orten. Für das vorlie- gende Beschw erdeverfahren kann daher die U rteilsfähigkeit des Beschw erdefüh- rers und dam it seine zivilrechtliche H andlungsfähigkeit (Art. 12 ff. ZG B) w ie auch seine verfahrensrechtliche Prozessfähigkeit bejaht w erden. D er Beschw erdeführer ist som it legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist ein- zutreten (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. Vw VG ). 3. 3.1 G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling w ird eine ausländische Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim at- staat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gel- ten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M assnahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken (Art. 3 AsylG ). 3.2 W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zum in- dest glaubhaft m achen. D iese ist glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vor- handensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. U nglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begründet oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeb- lich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (Art. 7 AsylG ).5 3.3 D as Bundesam t lehnte das Asylgesuch ab, da die Vorbringen des Beschw erdefüh- rers den Anforderungen an das G laubhaftm achen gem äss Art. 7 AsylG nicht standhielten. D er Beschw erdeführer habe die angebliche Bedrohungssituation nur sehr vage geschildert. Aus seinen Aussagen sei keine konkrete Bedrohung er- sichtlich. Er habe nur gerade ein Ereignis geschildert. D iesbezüglich sei den Aus- sagen jedoch nicht zu entnehm en, w eshalb der Beschw erdeführer habe flüchten m üssen. Zudem halte sich ein w eiterer Bruder des Beschw erdeführers nach w ie vor im D orf auf, obw ohl dieser ebenso gefährdet sein m üsste w ie der Beschw erde- führer. D a die angebliche Furcht vor Ü bergriffen D ritter offensichtlich w eder in ob- jektiver noch in subjektiver H insicht begründet sei, könne sie auch nicht geglaubt w erden. W äre der Beschw erdeführer tatsächlich in der geltend gem achten W eise gefährdet gew esen, so hätte er dies m it Sicherheit der KFO R gem eldet, um deren Schutzpflicht und w eitgehende Schutzfähigkeit in Anspruch zu nehm en. D iese U n- terlassung sei nicht nachvollziehbar und w ürde die Zw eifel an den Vorbringen des Beschw erdeführers erhärten. 3.4 In der R echtsm itteleingabe w ird ausgeführt, der Beschw erdeführer sei w ährend der kriegerischen Auseinandersetzungen auf der Seite der Serben gew esen. D es- w egen sei er nach dem Einm arsch der N ATO -Truppen von den albanischen Ban- den schikaniert, bedroht und angegriffen w orden. D ie KFO R -Truppen w ürden - entgegen der vom Bundesam t vertretenen Ansicht - den M inderheiten keinen Schutz gew ähren. D ie Ausführungen des Beschw erdeführers seien daher glaub- haft. 3.5 3.5.1 In Anbetracht der seitens der behandelnden Ärzte festgestellten verm inderten In- telligenz des Beschw erdeführers ist vorw eg zu prüfen, ob auf dessen Aussagen anlässlich der beiden Befragungen für die Beurteilung des Asylgesuchs abgestellt w erden kann. W as die Erstbefragung in der Em pfangsstelle betrifft, so sind dem betreffenden Protokoll keine Anhaltspunkte für eine Beeinträchtigung des U rteils- verm ögens des Beschw erdeführers zu entnehm en. D ie sum m arische D arstellung des R eisew egs und der Fluchtgründe ist inhaltlich ohne w eiteres nachvollziehbar. D er Einvernahm edialog w eist keine U nregelm ässigkeiten auf, und aus den einzel- nen, w enn auch kurzen Antw orten des Beschw erdeführers geht hervor, dass er den Sinn der ihm gestellten Fragen verstand und ohne w eiteres darauf eingehen konnte. D em zufolge spricht nichts gegen eine Verw endung des Em pfangsstellen- protokolls bei der Beurteilung der geltend gem achten Asylgründe. D esgleichen gilt hinsichtlich der Verw ertbarkeit des Protokolls der kantonalen Anhörung. D em Pro- tokoll lassen sich keine H inw eise darauf entnehm en, dass der Beschw erdeführer in seinem Erinnerungs- und U rteilsverm ögen über das norm ale M ass hinaus redu- ziert gew esen w äre. D er Beschw erdeführer liess keine Frage unbeantw ortet und beantw ortete die ihm gestellten Fragen zw ar kurz, aber durchaus sachbezogen. Es lassen sich den Akten keine Anhaltspunkte dafür entnehm en, dass der Beschw er- deführer aufgrund seiner verm inderten Intelligenz nicht einvernahm efähig gew esen w äre. Entsprechend haben w eder der befragende kantonale M itarbeiter im Proto- koll noch die anw esende H ilfsw erksvertreterin im R ahm en ihrer Bestätigung fest- gestellt, der Beschw erdeführer habe aufgrund seiner verm inderten Intelligenz der Befragung nicht folgen können. Schliesslich w urde auch im R ahm en des R echts- m ittelverfahrens nie geltend gem acht, der Beschw erdeführer sei aufgrund seiner 6 verm inderten intellektuellen Fähigkeiten nicht einvernahm efähig gew esen beziehungsw eise könnten die erstellten Protokolle dem vorliegenden Verfahren nicht zu G runde gelegt w erden. 3.5.2 Aufgrund der vorstehenden Erw ägungen ergibt sich, dass sow ohl das Protokoll der Erstbefragung als auch dasjenige der kantonalen Anhörung der vorliegenden Beurteilung des Asylgesuchs des Beschw erdeführers zu G runde gelegt w erden können. 3.6 N ach der w eiterhin zutreffenden R echtsprechung der AR K ist die Flüchtlingseigen- schaft glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vorhandensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. Vorbringen sind dann glaubhaft, w enn sie ge- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in w esentlichen Punkten nicht w idersprüchlich sein oder der innern Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der all- gem einen Erfahrung w idersprechen. D arüber hinaus m uss der G esuchsteller per- sönlich glaubw ürdig erscheinen. G laubhaftm achen bedeutet ferner - im G egensatz zum strikten Bew eis - ein reduziertes Bew eism ass und lässt durchaus R aum für gew isse Einw ände und Zw eifel an den Vorbringen des G esuchstellers. Es ist auf eine objektivierte Sichtw eise abzustellen (vgl. die w eiterhin zutreffende Praxis der AR K in EM AR K 1993 N rn. 11 und 21, 1994 N r. 5 sow ie 1996 N rn. 27 und 28). 3.7 In der R echtsm itteleingabe hält der Beschw erdeführer an der G laubhaftigkeit sei- ner Aussagen fest. M it dem blossen W iederholen seiner Vorbringen sow ie dem Festhalten an deren Tatsächlichkeit verm ag er indes nicht dazutun, inw iefern die Vorinstanz zu U nrecht auf U nglaubhaftigkeit geschlossen hat. U m diesbezüglich W iederholungen zu verm eiden, kann auf die zutreffenden Erw ägungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung verw iesen w erden. Ü berdies ist festzu- stellen, dass der Beschw erdeführer und sein Bruder in w esentlichen Punkten der Asylbegründung unvereinbar ausgesagt haben. Anlässlich der kantonalen Anhö- rung gab der Beschw erdeführer zu Protokoll, elf Tage vor der Ausreise hätten er und sein Bruder auf der Strasse unbekannte Personen gesehen, w orauf sie sofort die Flucht ergriffen und sich im W ald versteckt hätten. N ach einigen Stunden seien sie zurückgekehrt. Bis zur Ausreise hätten sie einm al bei einer Tante übernachtet. D ie w eiteren N ächte hätten sie bei verschiedenen Leuten beziehungsw eise zu H ause verbracht (vgl. A 7, S. 6 ff.). D em gegenüber erklärte der Bruder des Be- schw erdeführers, dieser Vorfall habe sich rund 15 Tage vor der Ausreise ereignet und sie hätten nur die erste N acht bei der Tante verbracht. D ie w eiteren N ächte hätten sie zu H ause geschlafen (vgl. N _______, A 7, S. 5 ff.). Vorliegend w ider- sprechen sich der Beschw erdeführer und sein Bruder einerseits hinsichtlich der Anzahl Tage, w elche zw ischen dem fluchtauslösenden Ereignis und der Ausreise liegen, andererseits betreffend ihren Aufenthaltsort bis zur Ausreise. Auch w enn dem Beschw erdeführer von Fachärzten eine verm inderte Intelligenz attestiert und vom Bundesverw altungsgericht anerkannt w ird (vgl. E. 2.1 und 5.7), so dürfen von ihm und seinem Bruder in Anbetracht der Einfachheit des vorgetragenen Sachver- halts sow ie des U m standes, dass dieses einschneidende Vorkom m nis sie zum Verlassen des H eim atlandes veranlasst hat, übereinstim m ende Angaben erw artet w erden. D ies gilt besonders hinsichtlich des Aufenthaltsortes des Beschw erdefüh- rers und seines Bruders vor der Ausreise. W eiter bringen der Beschw erdeführer und sein Bruder vor, sie hätten das H eim atland gleichentags verlassen und seien 7 beide am 15. Juli 2002 in die Schw eiz eingereist, seien indes nicht zusam m en gereist. Es w ird indes ernsthaft bezw eifelt, dass der Beschw erdeführer und sein Bruder nicht m iteinander reisten. Sie schildern den R eisew eg sow ie insbesondere das verw endete Auto übereinstim m end. Ferner ist w eder der Beschw erdeführer noch sein Bruder in der Lage, einen überzeugenden G rund für die getrennte Fahrt anzugeben. W eiter m acht der Bruder des Beschw erdeführers geltend, ihr H eim atdorf sei aus- schliesslich von Bosniaken bew ohnt gew esen und die KFO R habe fast täglich im D orf patrouilliert. Vor diesem H intergrund ist nur schw er vorstellbar, dass sich al- banische U nbekannte am helllichten Tag im D orf aufhielten, um gezielt den Be- schw erdeführer und seinen Bruder zu bedrohen. Ferner ist nicht nachvollziehbar, w eshalb sich der Beschw erdeführer und sein Bruder nicht an die KFO R gew andt haben, dies um so m ehr, als ihr O nkel D orfvorsteher w ar und ihm in dieser Funkti- on ohne w eiteres zum utbar gew esen w äre, H ilfestellung seitens dieser O rganisati- on zu beantragen. D ie Vergangenheit hat denn auch gezeigt, dass die KFO R - Truppen durchaus in der Lage w aren und sind, ethnischen M inderheiten Schutz zu gew ähren. Seit der Ausreise des Beschw erdeführers im Som m er 2002 hat sich die Lage im Kosovo w esentlich verändert und stabilisiert. D ie internationale Staaten- gem einschaft - in polizeilicher H insicht durch die Kosovo Forces (KFO R ) und den Kosovo Police Service (KPS), in zivil- und verw altungstechnischer H insicht durch die U N Interim Adm inistrative M ission in Kosovo (U N M IK) und den ihr untergeord- neten Provisional Institutions of Self G overnm ent (PISG ) repräsentiert - übt nicht nur faktisch das G ew altm onopol im Kosovo aus, sondern hat auch die zivile Ver- w altung in m assgeblicher W eise übernom m en. D ie Bem ühungen der internationa- len Staatengem einschaft sind zw ar bis heute nicht abgeschlossen und gelegentlich kom m t es zu Zw ischenfällen unter den Angehörigen der verschiedenen Ethnien. Insgesam t aber hat sich die Situation der ethnischen M inderheit der slaw ischen M uslim e (Bosniaken, G orani, Torbes) vorab in den Bezirken D ragash, Prizren, G jakove und Pej in den vergangenen Jahren - unterbrochen allerdings durch die M ärz-U nruhen im Jahre 2004, von denen auch Prizren und U m gebung betroffen w aren - verbessert. Von einer generellen, m ithin asylrelevanten Verfolgung bezie- hungsw eise Verdrängung der slaw ischen M uslim e aus diesen G ebieten durch die albanischstäm m igen Extrem isten und Separatisten kann som it nicht gesprochen w erden. 4. Aufgrund der vorstehenden Erw ägungen ergibt sich, dass der Beschw erdeführer keine G ründe nach Art. 3 AsylG nachw eisen oder glaubhaft m achen konnte. D ie Vorinstanz hat dem nach das Asylgesuch zu R echt abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesam t das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an; da- bei ist der G rundsatz der Einheit der Fam ilie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zu- m utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzli-8 chen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 5.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus- länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 5.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 5.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D e- zem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon- vention vom 4. N ovem ber 1950 zum Schutze der M enschenrechte und G rundfrei- heiten (EM R K, SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder er- niedrigender Strafe oder Behandlung unterw orfen w erden. 5.5 D er Beschw erdeführer verfügt w eder über eine frem denpolizeiliche Aufenthalts- bew illigung, noch hat er einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie W egw ei- sung w urde dem nach zu R echt angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). 5.6 D er Kosovo w ird zurzeit zu etw a 75 % von ethnischen Albanern bevölkert, die w ei- teren 25 % der Bevölkerung stellen Angehörige verschiedener ethnischer Volks- gruppen. D ie Zahl der slaw ischen M uslim e w ird auf etw a 50'000 geschätzt. Sie un- terscheiden sich von der M ehrheitsethnie durch ihre Sprache (serbokroatisch) und ihre religiös-kulturelle Zugehörigkeit, w obei die Sprach- und R eligionsgrenzen quer durch die einzelnen Ethnien verlaufen. G em äss den Erkenntnissen des Bundes- verw altungsgerichts hat sich die Sicherheitslage für die Angehörigen der genann- ten M inderheitsethnien seit den U nruhen im M ärz 2004 entspannt. D ie Spannun- gen m it den Kosovoalbanern konnten abgebaut w erden. D ie Bew egungsfreiheit der slaw ischen M uslim e ist grundsätzlich gew ährleistet, ebenso der Zugang zu Schulen sow ie m edizinischen Versorgungseinrichtungen. D ie w irtschaftliche Situa- tion sow ie die Arbeitsm arktlage sind für die Angehörigen aller Ethnien nach w ie vor als schw ierig zu bezeichnen. Sporadisch w erden sodann slaw ische M uslim e auf- grund des G ebrauchs der serbokroatischen Sprache diskrim iniert oder gar be- droht. Selbst Schikanen bei Behördengängen können nicht ausgeschlossen w er- den. Trotz dieser allenfalls auftretenden Benachteiligungen erachtet das Bundes- verw altungsgericht den Vollzug der W egw eisung für slaw ische M uslim e aus dem Kosovo, die ihren letzten W ohnsitz vor der Ausreise in den Bezirken D ragash, Prizren, G jakovë oder Pejë hatten, als zum utbar (vgl. die w eiterhin zutreffende Praxis der AR K in EM AR K 2002 N r. 22 S. 177 ff.). D as Bundesverw altungsgericht trägt aber der besonderen Situation der Angehörigen der slaw ischen M uslim e da- durch R echnung, dass es die Beurteilung der Zum utbarkeit des Vollzugs im Einzel- fall nach den R egeln der Individualprüfung vornim m t, w obei U nzum utbarkeit anzu-9 nehm en ist, w enn sich aus der persönlichen Situation ein zusätzliches - das heisst über die schw ierige Alltagslage der slaw ischen M uslim e hinausgehendes - indivi- duelles G efährdungsindiz ergibt. Zusätzliche Indizien können sich zum Beispiel aus dem fehlenden Beziehungsnetz, der beruflichen oder fam iliären Situation oder w egen gesundheitlicher Schw ierigkeiten ergeben. 5.7 5.7.1 D er Beschw erdeführer gehört der Ethnie der slaw ischen M uslim e (Bosniaken) an und hatte vor der Ausreise seinen letzten W ohnsitz in C ._______, Bezirk D ._______. D em nach ist der Vollzug der W egw eisung grundsätzlich zum utbar. Indes ergibt sich aufgrund der Akten, dass der Beschw erdeführer nach seiner Einreise M itte Juli 2002 w egen Angstzuständen und Verhaltensaufälligkeiten im N ovem ber 2002 von D r. m ed. F._______, FM H Psychiatrie & Psychotherapie, psychiatrisch untersucht w urde. Im ärztlichen Bericht vom 23. N ovem ber 2002 führte der Psychiater aus, w egen des Zustandes des Beschw erdeführers sei eine geordnete Erhebung von Angaben über den Beschw erdeverlauf überaus schw ierig. Viele Fragen habe der Beschw erdeführer m it "ich w eiss nicht" beantw ortet. Beim Them a Bedrohung durch albanische Extrem isten habe er erklärt, er "habe viel Angst gehabt". Bei der Frage betreffend eine allfällige Ausw eisung aus der Schw eiz in den Kosovo habe der Beschw erdeführer m it w eit aufgerissenen Augen zu zittern begonnen, begleitet von einem sichtbaren Schw eissausbruch. Zum klinisch-psychopathologischen Befund führte der Arzt aus, der Beschw erdeführer habe ein unauffälliges Äusseres, sei M im ik-arm , das G esicht w irke m askenhaft. W ährend der U ntersuchung sei der Beschw erdeführer steif und ohne Begleitbew egungen dagesessen, die G esprächsführung sei völlig passiv, im Kontakt sei er fast autistisch, die Fragen hätten häufig w iederholt w erden m üssen, die Auskünfte seien karg oder einsilbig und vielfach vom m itanw esenden Bruder beantw ortet w orden. Es liege keine Appellation, keine Klagsam keit und keine erkennbare Aggravation vor. D ie W ahrnehm ung und Auf- fassung seien eingeengt, die Aufm erksam keit und Konzentration diffus gestört. Stim m ungsm ässig sei der Beschw erdeführer offensichtlich depressiv, resigniert, blockiert, im Antrieb reduziert. D er form ale G edankengang sei, sow eit feststellbar, geordnet, stockend. D er Psychiater diagnostizierte eine generalisierte schw ere re- aktive D epression m it Anzeichen einer Psychose sow ie eine chronifizierte Angst- störung m it Panikattacken im Sinne einer psychogenen Anpassungsstörung. Zu- dem äusserte er den Verdacht auf prim äre intellektuelle Schw achbegabung (D ebi- lität). Zur Beurteilung führte er aus, der offenbar schon prim är schw achbegabte Beschw erdeführer sei nicht im Stande gew esen, dem Psychoterror seitens der al- banischen Extrem isten standzuhalten. N ach der Flucht in die Schw eiz habe sich der Zustand des Beschw erdeführers zunächst verbessert. Aller W ahrscheinlichkeit nach im G efolge des negativen Asylentscheids habe sich sein Befinden erheblich verschlechtert; der aktuelle Zustand sei als D epression im G renzbereich zur Psy- chose zu beurteilen, flankiert von der reaktivierten Angststörung und der prim ären Schw achintelligenz. Es dürfe angenom m en w erden, dass die Verarbeitungsres- sourcen des Beschw erdeführers durch die eingetretene Situation völlig ausge- schöpft w orden seien und so zw angsläufig in die reaktive depressive Psychose m ündeten, w ie dies bei D ebilen in Belastungssituationen nicht selten der Fall sei. D er aktuelle Zustand bedürfe einer dringenden fachpsychiatrischen m edikam entö-10 sen und psychotherapeutischen Behandlung in der M uttersprache des Beschw er- deführers. Solange sich der Zustand des Beschw erdeführers nicht w esentlich ge- bessert habe, w ürde eine W egw eisung zu einer w eiteren seelischen oder gar vita- len G efährdung führen. 5.7.2 Im ärztlichen Bericht von D r. m ed. G ._______, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 20. Februar 2004 w ird ausgeführt, der Beschw erdeführer leide unter D epressionen, Angstzuständen, Schlaflosigkeit, Albträum en und starker psychom otorischer U nruhe. Er fühle sich überall bedroht, ziehe sich desw egen am liebsten zurück und w eiche jedem Kontakt m it der U m gebung aus. D en Beschw erdeführer beschrieb der Arzt als bew usstseinsklar, voll orientiert, jedoch sehr ängstlich und psychom otorisch unruhig. Auf die ihm gestellten Fragen habe er nur zum Teil richtige Antw orten gegeben, spontan produziere er kaum . Er habe starke Ängste und unklare Suizidgedanken geäussert. D er Beschw erdeführer m ache den Eindruck einer intellektuell schw ach begabten Person. Vor diesem H intergrund diagnostizierte der Psychiater eine posttraum atische Belastungsstörung sow ie eine intellektuelle M inderbegabung. D er Beschw erdeführer w erde seit Juli 2003 m edikam entös und psychotherapeutisch behandelt. O hne Behandlung sei die Prognose gegenw ärtig und zukünftig sehr schlecht. Aus psychischen G ründen sei die R eisefähigkeit nicht gegeben. D er Beschw erdeführer sei intellektuell m inderbegabt, verarbeite desw egen verschiedene Situationen, insbesondere dann, w enn er überfordert sei, paranoid. Es sei daher zu befürchten, dass es im Falle einer R ückkehr in den Kosovo zu einer vollen psychischen D ekom pensation kom m en könnte. D er Beschw erdeführer sei auch nicht im stande, die Situation adäquat zu verarbeiten, w as sicher zum Ausbruch eines psychotischen Zustandes und einer akuten Suizidalität führen könnte. 5.7.3 N ach den Erkenntnissen des Bundesverw altungsgerichts ist die m edizinische Ver- sorgungslage im Kosovo generell prekär. D er Zugang zur G esundheitsversorgung ist durch Kapazitätsproblem e, w eite D istanzen und die m angels Existenz eines Krankenversicherungssystem s hohen Kosten nur eingeschränkt gew ährleistet. D ies trifft besonders auf die Behandlungsm öglich-keiten von psychischen Erkran- kungen (insbesondere bei posttraum atischen Belastungsstörungen) zu, bei w el- chen sich die öffentliche G rundversorgung auf m edikam entöse Behandlungen be- schränkt und kaum sozio- oder psychotherapeutische Behandlungen durchgeführt w erden. D ie Behandlungszentren für psychische Krankheiten (C om m unity M ental H ealth C entres) fokussierten sich w eitgehend auf die R ehabilitierung chronisch und schw er erkrankter - nicht an posttraum atischen Belastungsstörungen leiden- der - Personen. Insgesam t lässt sich ein M angel an kom petentem Fachpersonal - insbesondere an ausgebildeten Psychiatern - und eine beschränkte Zahl geeigne- ter m edizinischer Einrichtungen feststellen, w as aufgrund des gesteigerten Bedürf- nisses der Bevölkerung an Behandlungen von psychischen Erkrankungen akute Kapazitätsproblem e zur Folge hat. Zw ar hat das BFM in Zusam m enarbeit m it der Psychiatrischen Klinik Basel in Pristina die Intensive Psychiatric C are U nit (IC PU ) eingerichtet, an w elcher psychisch schw er kranke Patienten behandelt w erden können. Trotz diesen zusätzlichen Strukturen beurteilen nichtstaatliche O rganisationen (N G O 's) seit 2004 bis zum heutigen Zeitpunkt insgesam t die Be- handelbarkeit schw erer und chronischer psychischer Krankheiten nicht als ausrei-11 chend, dies insbesondere bei notw endiger individueller Psychotherapie (vgl. SFH , D ie m edizinische Versorgungslage in Kosovo, U pdate vom 24. M ai 2004, S. 9 ff. und 16 ff.; U N H C R , U N H C R Position on the C ontinued International Protection N eeds of Individuals from Kosovo [M arch 2005], Ziff. 10 ff. und 18; H AN S W O LFG AN G G IER LIC H S, Zur psychiatrischen Versorgung im Kosovo: in Zeitschrift für Ausländerrecht und Ausländerpolitik 2006, N r. 8, S. 277; U K H om e O ffice, O perational G uidance N ote, R epublic of Serbia [including Kosovo], 12. Februar 2007, Ziff. 4.4; U nited N ations Kosovo Team , Initial O bservations on G aps in H ealth C are Services in Kosovo [January 2007], Ziff. III). 5.7.4 Vorliegend steht aufgrund der zw ei von verschiedenen Psychiatern verfassten ärztlichen Berichte fest, dass der Beschw erdeführer an einer schw eren D epression leidet und offensichtlich intellektuell schw ach begabt ist. G em äss den übereinstim - m enden Feststellungen beider Psychiater ist der Beschw erdeführer aufgrund der psychischen sow ie geistigen Störung nicht in der Lage, Situationen richtig einzu- ordnen und entsprechend zu handeln. W eiter stellen beide Psychiater fest, dass der Beschw erdeführer insbesondere bei belastenden Situationen beziehungsw eise Situationen, die ihn überfordern, nicht in der Lage ist, deren effektive Tragw eite einzuschätzen, w eshalb er überreagiert. Solche paranoiden R eaktionen können laut den ärztlichen Ausführungen ohne w eiteres zu D ekom pensation führen. Beide Psychiater halten in ihren ärztlichen Zeugnissen fest, dass eine R ückkehr in den H eim atstaat zu einer vollen D ekom pensation m it einer akuten Suizidalität führen könnte. D ass der Beschw erdeführer entsprechend heftig reagiert, zeigte sich be- reits anlässlich der Sitzung vom 21. N ovem ber 2002. Als er dam als vom untersu- chenden Psychiater auf eine allfällige W egw eisung aus der Schw eiz in den Kosovo angesprochen w urde, begann er m it aufgerissenen Augen zu zittern, begleitet von einem sichtbaren Schw eissausbruch. Sodann ist der Beschw erdeführer nach über- einstim m ender Ansicht beider Psychiater auf eine angem essene m edikam entöse und fachärztliche Behandlung angew iesen. W ie vorstehend dargelegt, ist eine sol- che im Kosovo kaum gew ährleistet. H inzu kom m t, dass die Inanspruchnahm e einer psychiatrischen Behandlung im H eim atland voraussetzt, dass der Betroffene auf ein bestehendes soziales Bezie- hungsnetz zurückgreifen kann, w elches ihm bei der R eintegration und der psychiatrischen Behandlung hilfreich zur Seite stehen kann. Aufgrund der Akten ergibt sich, dass die Eltern (C -Bew illigung), der Bruder H ._______(C -Bew illigung) und eine Schw ester (B-Bew illigung) des Beschw erdeführers in Zürich leben. Ferner w ird der Bruder E._______. des Beschw erdeführers m it heutigem U rteil des Bundesverw altungsgerichts w egen U nzum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs in der Schw eiz vorläufig aufgenom m en. Abgesehen von einem O nkel, einer Tante und ihren Fam ilien sow ie den G rosseltern m ütterlicherseits, lebt von den nächsten Verw andten des Beschw erdeführers nur noch der Bruder A. im H eim atland. O b dieses soziale U m feld ein tragfähiges Beziehungsnetz für den psychisch w ie geistig kranken Beschw erdeführer bildet und ihm bei einer R eintegration die zw eifellos erforderliche U nterstützung gew ähren könnte, ist m ehr als fraglich. Schliesslich ist davon auszugehen, dass der Beschw erdeführer aufgrund der nach w ie vor allgem ein sehr schw ierigen w irtschaftlichen Lage im Kosovo sow ie seiner geistigen w ie psychischen Krankheit w ohl kaum eine Anstellung und dam it ein finanzielles Auskom m en finden w ürde. D em gegenüber ist davon auszugehen, 12 dass der Beschw erdeführer hier in der Schw eiz, nebst der fachärztlichen Betreuung, die notw endige persönliche w ie m aterielle U nterstützung von seinen Verw andten erhält. 5.7.5 D em Beschw erdeführer ist es som it aufgrund seiner geistigen w ie psychischen Er- krankung, der allgem ein schw ierigen m edizinischen Situation im Kosovo und des fehlenden Beziehungsnetzes nach Auffassung des G erichts nicht zuzum uten, in seinen H eim atstaat zurückzukehren, zum al sich aus den Akten auch keine H inw ei- se auf das Vorliegen von Ausschlussgründen im Sinne von Art. 14a Abs. 6 AN AG ergeben. 6. D ie drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der W egw eisung (U nzu- lässigkeit, U nzum utbarkeit, U nm öglichkeit) sind alternativer N atur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der W egw eisung als undurchführbar zu betrachten und die w eitere Anw esenheit in der Schw eiz gem äss den Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e zu regeln (vgl. hinsichtlich der Alternativität der Vollzugshin- dernisse die w eiterhin zutreffende Praxis in EM AR K 2006 N r. 6 E. 4.2. S. 54 f., 2001 N r. 1 E. 6a S. 2). G egen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahm e durch die Vorinstanz steht den (ab- und w eggew iesenen) Asylgesuchstellern w ie- derum die Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht offen (vgl. Art. 105 Abs. 1 AsylG i.V.m . Art. 44 Abs. 2 AsylG ), w obei in jenem Verfahren säm tliche drei Vollzugshindernisse von Am tes w egen nach M assgabe der dannzum al herrschen- den Verhältnisse (vgl. EM AR K 1997 N r. 27 S. 205 ff.) erneut zu prüfen sind. D a das Bundesverw altungsgericht vorliegend den Vollzug der W egw eisung als unzu- m utbar erachtet, ist auf eine Prüfung der zw ei anderen Vollzugshindernisse zu ver- zichten. 7. Zusam m enfassend ist festzuhalten, dass das Bundesam t zu R echt festgestellt hat, der Beschw erdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, das Asylgesuch ab- gelehnt und die W egw eisung verfügt hat. D em gegenüber erw eist sich der ange- ordnete Vollzug der W egw eisung als nicht zum utbar. D ie Verfügung der Vorinstanz vom 3. O ktober 2002 ist dem nach betreffend die Ziffern 4 und 5 des D ispositivs aufzuheben und das BFM anzuw eisen, den Beschw erdeführer in der Schw eiz vor- läufig aufzunehm en. 8. 8.1 D er Beschw erdeführer beantragt die G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege. G em äss Art. 65 Abs. 1 Vw VG w ird von der Erhebung von Verfahrenskosten abge- sehen, w enn der Beschw erdeführer nicht über die erforderlichen M ittel verfügt und sein Begehren nicht aussichtslos erscheint. Aufgrund der Akten ergibt sich, dass der Beschw erdeführer bedürftig ist und die R echtsm itteleingabe im Zeitpunkt ihrer Einreichung nicht als aussichtslos zu bezeichnen w ar. D as G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 Vw VG ist daher gutzuhei- ssen. D em Beschw erdeführer sind som it keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 8.2 O bsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen 13 erw achsenen notw endigen Kosten (Art. 64 Abs. 1 Vw VG i.V.m . Art. 7 Abs. 1 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2] i.V.m . Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G ). O bsiegt die Partei nur teilw eise, so ist die Parteientschädigung entspre- chend zu kürzen (Art. 16 Abs. 2 VG KE). D er Vertreter des Beschw erdeführers hat eine Kostennote vom 9. M ai 2007 in der H öhe von Fr. 795.-- zu den Akten gereicht. Er w eist in seiner R echnung einen zeit- lichen Aufw and von 5,25 Stunden und keine Barauslagen aus. D er zeitliche Auf- w and erscheint in Anbetracht dessen, dass die Beschw erdeschrift nur gerade zw eieinhalb Seiten um fasst, die nachfolgende Korrespondenz identisch ist m it der- jenigen den Bruder des Beschw erdeführers betreffend und derselbe Arzt m it der Ausstellung des Arztzeugnisses beauftragt w urde, als zu hoch. Es rechtfertigt sich daher, den zeitlichen Aufw and auf drei Stunden zu kürzen. In Anw endung von Art. 8, 9 und 11 VG KE sow ie unter Berücksichtigung des Stundenansatzes von Fr. 150.-- ist die Parteientschädigung für den Vertreter daher auf Fr. 450.-- festzuset- zen und ausgehend von einem hälftigen O bsiegen auf Fr. 225.-- zu reduzieren. D as BFM ist anzuw eisen, diesen Betrag dem Beschw erdeführer als Parteientschä- digung auszurichten. (D ispositiv nächste Seite)14 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen, sow eit den Vollzug der W egw eisung betref- fend; w eitergehend w ird sie abgew iesen. 2. D as BFM w ird angew iesen, den Beschw erdeführer vorläufig aufzunehm en. 3. D as G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege w ird gutgeheissen. 4. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 5. D as BFM w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 225.-- auszurichten. 6. D ieses U rteil geht an: - Beschw erdeführer durch Verm ittlung seines Vertreters, 2 Expl. (eingeschrie- ben) - BFM , Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N _______) - B._______ D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: Beat W eber Barbara Balm elli Versand am :