<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 53 S.207</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">207</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>53</b></span> <span class="ft2"><b>Nutzungserweiterung (Hundeschule als zusätzlicher Betriebszweig einer</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bestehenden Hundezucht) in der von einer Landschaftsschutzzone über-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lagerten Landwirtschaftszone (Art. 24 RPG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Verneinung einer Planungspflicht (Erw. 4/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Kein Anspruch auf Grund einer "abgeleiteten" Standortgebundenheit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 4/c/aa).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Eine Hundeschule ist nicht negativ standortgebunden (Erw. 4/c/bb).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Verneinung der Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mäss Art. 24a RPG (Erw. 4/d).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 13. Juni 2002 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen S. und Mitb. gegen Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. a) Mit Zustimmung der Baugesuchszentrale (heute: Koordi-</span><br/> <span class="ft1">nationsstelle Baugesuche) des Baudepartements (Teilentscheid vom</span><br/> <span class="ft1">25. August 1992) erteilte der Gemeinderat GANSINGEN dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer 1 am 21. September 1992 die Baubewilligung für</span><br/> <span class="ft1">den Umbau einer bestehenden Pferdescheune (Gebäude Nr. 281) auf</span><br/> <span class="ft1">der Parzelle Nr. 775 ausserhalb der Bauzonen der Gemeinde. Zweck</span><br/> <span class="ft1">des Umbaus, der den Einbau von Hundeboxen, einer Zubereitungs-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">208</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">küche sowie sanitärer Installationen umfasste, war der Betrieb einer</span><br/> <span class="ft1">Hundezucht. Mit der Baubewilligung wurden u.a. folgende "Speziel-</span><br/> <span class="ft1">le Vorschriften und Auflagen" verknüpft:</span><br/> <span class="ft5">" 1. In der Zuchtstätte dürfen maximal 12 Zuchthunde (mit Welpen)</span><br/> <span class="ft5">untergebracht werden. Die Aufnahme weiterer Hunde (Pension)</span><br/> <span class="ft5">ist untersagt. Vorbehalten bleibt die vorübergehende gerichtliche</span><br/> <span class="ft5">Verwahrung von Hunden zur Behandlung; dafür ist jeweils die</span><br/> <span class="ft5">Bewilligung des Gemeinderates einzuholen.</span><br/> <span class="ft5">2. Es wird ausdrücklich festgehalten, dass die Baubewilligung für</span><br/> <span class="ft5">eine Hundezucht erteilt wird. Auf der Liegenschaft dürfen nur</span><br/> <span class="ft5">Privatlektionen erteilt werden, die im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft5">Zuchttauglichkeitsprüfung stehen. Es dürfen maximal zwei Lek-</span><br/> <span class="ft5">tionen gleichzeitig (Verkehrsbelastung, Lärmimmissionen, Park-</span><br/> <span class="ft5">platzangebot) durchgeführt werden. Die Erteilung von Privatlek-</span><br/> <span class="ft5">tionen wird auf folgende Zeiten beschränkt: Montag bis Samstag</span><br/> <span class="ft5">jeweils 09.00 Uhr bis 19.00 Uhr.</span><br/> <span class="ft5">Die Durchführung von Schulungskursen ist nicht gestattet. Grös-</span><br/> <span class="ft5">sere, einmalige Anlässe bedürfen der Bewilligung des Gemeinde-</span><br/> <span class="ft5">rates.</span><br/> <span class="ft5">3. Die Bauherrschaft wird darauf behaftet (...), dass im Schnitt pro</span><br/> <span class="ft5">Stunde zwei Fahrzeuge die Strasse zur Liegenschaft befahren</span><br/> <span class="ft5">werden. Die Fahrzeuge dürfen ausschliesslich auf dem Hofareal</span><br/> <span class="ft5">der Liegenschaft parkiert werden.</span><br/> <span class="ft5">(...)"</span><br/> <span class="ft1">In einem Entscheid vom 4. April 1996, dessen Gegenstand die</span><br/> <span class="ft1">Beseitigung eines Drogen- und Sprengstoffplatzes, einer Parkat-</span><br/> <span class="ft1">trappe, von Einfriedigungen sowie von Hundekisten bildete, legte</span><br/> <span class="ft1">das Verwaltungsgericht die - in formelle Rechtskraft erwachsene -</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung folgendermassen aus (S. 19 ff. passim): Dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer 1 sei nur eine Hunde<i>zucht</i> bewilligt worden, nicht</span><br/> <span class="ft1">dagegen der Betrieb einer Hundepension sowie die Erteilung von</span><br/> <span class="ft1">Privatlektionen, soweit sie nicht im Zusammenhang mit der Zucht-</span><br/> <span class="ft1">tauglichkeitsprüfung stünden. Aus den Äusserungen des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers 1 während des Baubewilligungsverfahrens habe der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat nach Treu und Glauben schliessen dürfen, dass der Betrieb</span><br/> <span class="ft1">einer ganz normalen Hundezuchtstätte mit dem Ziel der Abgabe der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">209</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">herangezüchteten Welpen im Alter von 8 bis 12 Wochen an die neuen</span><br/> <span class="ft1">Besitzer geplant sei; die Aufzucht und anschliessende Ausbildung der</span><br/> <span class="ft1">am besten qualifizierten Welpen bis zum einsatzbereiten Diensthund</span><br/> <span class="ft1">bzw. eine in diesem Sinne professionelle Zucht hätten dagegen nicht</span><br/> <span class="ft1">Bewilligungsinhalt gebildet.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Mit Schreiben vom 25. April 1997 ersuchte der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer 1 den Gemeinderat Gansingen unter Hinweis auf die</span><br/> <span class="ft1">schlechte wirtschaftliche Situation seines Betriebs darum, die</span><br/> <span class="ft1">"Stammbewilligung" vom 21. September 1992 wie folgt zu ergän-</span><br/> <span class="ft1">zen:</span><br/> <span class="ft5">" - Zusatzbewilligung, um die Betriebszeiten bis 21.00 Uhr zu ver-</span><br/> <span class="ft5">längern.</span><br/> <span class="ft5">- Dies während den Sommerzeitmonaten 15. März bis 15. Novem-</span><br/> <span class="ft5">ber.</span><br/> <span class="ft5">- In diesen Monaten möchten wir einen Hundeschulungskurs von</span><br/> <span class="ft5">19.00 Uhr bis 21.00 Uhr durchführen, der nicht <b>nur</b> im Zusam-</span><br/> <span class="ft5">menhang mit der Zuchttauglichkeitsprüfung steht (Sport- und Fa-</span><br/> <span class="ft5">milienhundekurse). In diesen zwei Stunden pro Tag könnte Wolf-</span><br/> <span class="ft5">sprung Kennels finanziell stark entlastet und vor dem Konkurs</span><br/> <span class="ft5">gerettet werden.</span><br/> <span class="ft5">- Die neuen Betriebszeiten gelten für die Wochentage Montag bis</span><br/> <span class="ft5">Freitag. Der Samstag bleibt ohne Veränderung, sowie auch der</span><br/> <span class="ft5">Sonntag und die übrigen Feiertage."</span><br/> <span class="ft1">Der Gemeinderat beschloss daraufhin am 28. April 1997:</span><br/> <span class="ft5">"Dem Antrag von Herrn S. zur Verlängerung der Betriebszeit</span><br/> <span class="ft5">während der Woche bis 21.00 Uhr wird entsprochen. Betreffend</span><br/> <span class="ft5">Verkehrsaufkommen gelten die bisherigen Auflagen."</span><br/> <span class="ft1">Zur Begründung wurde angeführt, dass die beantragte Betriebs-</span><br/> <span class="ft1">zeit im Rahmen des geltenden Polizeireglements liege, weshalb der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat dagegen grundsätzlich keine Einwendungen erhebe. Im</span><br/> <span class="ft1">Weitern wurde darauf hingewiesen, dass der Gemeinderat, sobald der</span><br/> <span class="ft1">Bundesgerichtsentscheid betreffend Einzäunung des Betriebsareals</span><br/> <span class="ft1">vorliege, die Frage zu klären haben werde, ob für den zusätzlichen</span><br/> <span class="ft1">Betriebszweig "Hundeschule" ein neues Gesuchsverfahren in die</span><br/> <span class="ft1">Wege zu leiten sei.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">210</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">In einem Protokollauszug vom 20. Juli 1998 nahm der Gemein-</span><br/> <span class="ft1">derat sodann Bezug auf den Beschluss vom 28. April 1997. Darin</span><br/> <span class="ft1">wurde festgestellt, dass der Beschwerdeführer 1 die im Gesuch vom</span><br/> <span class="ft1">25. April 1997 erwähnten Hundeschulungskurse seit August 1998</span><br/> <span class="ft1">nun durchführe, und zum "Weiteren Vorgehen" u.a. ausgeführt:</span><br/> <span class="ft5">"(...). Aus diesen Überlegungen heraus bittet der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft5">Herrn S., ein Gesuch zur Führung einer Hundeschule zu stellen,</span><br/> <span class="ft5">wie dies im Protokollauszug des Gemeinderates vom April 1997</span><br/> <span class="ft5">schon zum Ausdruck gebracht worden ist. In diesem Zusammen-</span><br/> <span class="ft5">hang müssen auch die Rahmenbedingungen überprüft und even-</span><br/> <span class="ft5">tuell angepasst werden.</span><br/> <span class="ft5">Da der Gemeinderat im April 1997 Herrn S. eine Bewilligung zur</span><br/> <span class="ft5">Schulung von Hunden erteilt hat, behält diese im Moment ihre</span><br/> <span class="ft5">Gültigkeit. Der Gemeinderat begrenzt sie aber bis zum Ablauf</span><br/> <span class="ft5">des neuen Auflageverfahrens.</span><br/> <span class="ft5">(...)"</span><br/> <span class="ft1">bb) Das Verwaltungsgericht hat im VGE vom 2. Mai 2000 in</span><br/> <span class="ft1">Sachen der Beschwerdeführer ausgeführt, namentlich auf Grund der</span><br/> <span class="ft1">authentischen Interpretation des Beschlusses vom 28. April 1997</span><br/> <span class="ft1">durch den Gemeinderat im Protokollauszug vom 20. Juli 1998 könne</span><br/> <span class="ft1">kein Zweifel daran bestehen, dass dem Beschwerdeführer 1 eine</span><br/> <span class="ft1">eigentliche "Bewilligung zur Schulung von Hunden" erteilt worden</span><br/> <span class="ft1">sei. Insoweit hat das Verwaltungsgericht in der Zwischenzeit keine</span><br/> <span class="ft1">neuen Erkenntnisse gewonnen. Konkret durfte der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">1 dem Beschluss vom 28. April 1997 - in Kombination mit seinem</span><br/> <span class="ft1">Gesuch vom 25. April 1997 - entnehmen, dass er neu und zusätzlich</span><br/> <span class="ft1">zur "Stammbewilligung" vom 21. September 1992 vom 15. März bis</span><br/> <span class="ft1">zum 15. November und von Montag bis Freitag jeweils von 19.00 bis</span><br/> <span class="ft1">21.00 Uhr Hundeschulungskurse durchführen durfte, die mit der</span><br/> <span class="ft1">Zuchttauglichkeitsprüfung der von ihm selber gezüchteten Hunde</span><br/> <span class="ft4"><i>nicht</i> zusammenzuhängen brauchten. Im Protokollauszug vom</span><br/> <span class="ft1">20. Juli 1998 bestätigte sich diese Deutung, und es kam darin auch</span><br/> <span class="ft1">zum Ausdruck, dass das Motiv für die Bewilligungserteilung durch</span><br/> <span class="ft1">den Gemeinderat in der "schwierigen wirtschaftlichen Situation des</span><br/> <span class="ft1">Gesuchstellers" lag. Klarzustellen ist indessen in diesem Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang, dass der Gemeinderat dem Beschwerdeführer 1 für die zusätz-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">211</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lichen zwei Stunden <i>keine Gruppen-, sondern ausschliesslich Pri-</i></span><br/> <span class="ft4"><i>vatlektionen</i> bewilligt hat. (...).</span><br/> <span class="ft1">Der Gemeinderat hat im Protokollauszug vom 20. Juli 1998 die</span><br/> <span class="ft1">Bewilligung vom 28. April 1997 zur Schulung von Hunden "bis zum</span><br/> <span class="ft1">Ablauf des neuen Auflageverfahrens" für die Führung einer Hunde-</span><br/> <span class="ft1">schule befristet. Diese Änderung der Bewilligung vom</span><br/> <span class="ft1">28. April 1997 ist rechtlich ohne Bedeutung, da sie in Form eines</span><br/> <span class="ft1">Widerrufs hätte erfolgen müssen (§ 26 Abs. 1 VRPG) und dessen</span><br/> <span class="ft1">formelle und materielle Voraussetzungen nicht erfüllt waren; weder</span><br/> <span class="ft1">wurde der Widerruf dem Beschwerdeführer 1 als Verfügung mit</span><br/> <span class="ft1">Begründung und Rechtsmittelbelehrung sowie unter Einräumung des</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Gehörs eröffnet (§ 15 Abs. 1 und § 23 Abs. 1 Satz 1 und</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 VRPG), noch findet sich im Protokollauszug vom 20. Juli</span><br/> <span class="ft1">1998 eine Interessenabwägung, wie sie § 26 Abs. 1 VRPG verlangt.</span><br/> <span class="ft1">Die Bewilligung vom 28. April 1997 für die Erteilung von Privatlek-</span><br/> <span class="ft1">tionen von 19.00 bis 21.00 Uhr (Montag bis Freitag) hat deshalb als</span><br/> <span class="ft1">unbefristet zu gelten. (...)</span><br/> <span class="ft1">c) Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer 1 schon heute auch solche Hunde, die nicht aus sei-</span><br/> <span class="ft1">ner Zucht stammen, ausbilden darf, jedoch nur in beschränktem zeit-</span><br/> <span class="ft1">lichen Rahmen und nur in Form von Privat- bzw. Einzellektionen.</span><br/> <span class="ft1">Neu sollen die Betriebszeiten von Montag bis Freitag 8.00 bis</span><br/> <span class="ft1">21.00 Uhr und Samstag 8.00 bis 16.00 Uhr (Sonn- und Feiertage</span><br/> <span class="ft1">geschlossen) festgelegt werden, wobei vor 09.00 Uhr nur</span><br/> <span class="ft1">Vorbereitungsarbeiten stattfänden. Zudem sollen neben den</span><br/> <span class="ft1">Privatlektionen auch Gruppenkurse angeboten werden können,</span><br/> <span class="ft1">nämlich von Montag bis Freitag zwischen 19.00 und 21.00 Uhr und</span><br/> <span class="ft1">am Samstag. Schliesslich will der Beschwerdeführer 1 (höchstens)</span><br/> <span class="ft1">10 Hunde auf dem Betrieb in Pension nehmen können; im Gegenzug</span><br/> <span class="ft1">wäre er bereit, die gemäss "Stammbewilligung" vom 21. September</span><br/> <span class="ft1">1992 zulässige Anzahl von 12 Zuchthündinnen auf deren 6 zu</span><br/> <span class="ft1">reduzieren.</span><br/> <span class="ft1">Der Gemeinderat hat das Baugesuch für eine solche Nutzungs-</span><br/> <span class="ft1">erweiterung abgewiesen mit der Begründung, die gewerbliche Tätig-</span><br/> <span class="ft1">keit des Beschwerdeführers 1 habe einen Umfang angenommen, der</span><br/> <span class="ft1">bereits heute weit über den in der Bewilligung vom 21. September</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">212</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">1992 im Sinne einer Ausnahme abgesteckten Rahmen hinausgehe</span><br/> <span class="ft1">und mit den verschiedenen gewichtigen öffentlichen Interessen des</span><br/> <span class="ft1">Natur- und Landschaftsschutzes sowie des Schutzes der Wildtiere im</span><br/> <span class="ft1">heiklen Gebiet des "Laubbergs" längst nicht mehr vereinbar sei; die</span><br/> <span class="ft1">Hundeschule bilde eine zusätzliche erhebliche Ausweitung dieses</span><br/> <span class="ft1">Eingriffs. Der Regierungsrat erachtet eine Hundeschule mit Hunde-</span><br/> <span class="ft1">pension, wie schon die Hundezucht, als negativ standortgebunden.</span><br/> <span class="ft1">Die Schulung von zuchtfremden Hunden, die zu Sporthunden ausge-</span><br/> <span class="ft1">bildet würden, unterscheide sich vom Inhalt her nicht von der Schu-</span><br/> <span class="ft1">lung im Hinblick auf die Zuchttauglichkeitsprüfung. Durch die Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsänderung würde aber das Verkehrsaufkommen ganz erheblich</span><br/> <span class="ft1">erhöht, schätzungsweise um das Achtfache (von 1'200 auf 9'600</span><br/> <span class="ft1">Fahrten). Demgegenüber hätte die Reduktion von bisher 12 auf 6</span><br/> <span class="ft1">Zuchthündinnen den Wegfall von jährlich rund 600 Fahrten zur</span><br/> <span class="ft1">Folge, die bis zur Platzierung der Welpen erfolgten; die Anzahl der</span><br/> <span class="ft1">Fahrten würde auch dadurch verringert, dass bei einer Verkleinerung</span><br/> <span class="ft1">der Zucht weniger Hunde verkauft würden, die in der Folge auf die</span><br/> <span class="ft1">Zuchttauglichkeitsprüfung vorbereitet werden müssten, und dass auf</span><br/> <span class="ft1">Grossanlässe, "Schnuppertage" und die "Wolf-People-Kurse" künftig</span><br/> <span class="ft1">verzichtet werde. Der Betrieb der Hundeschule mit Hundepension an</span><br/> <span class="ft1">sich sei mit den Anliegen des Landschafts- und Naturschutzes ver-</span><br/> <span class="ft1">einbar. Die Verkehrsproblematik sei mit Auflagen zu entschärfen. So</span><br/> <span class="ft1">dürfe der Beschwerdeführer 1 in seinen Ausbildungskursen nur so</span><br/> <span class="ft1">viele - maximal täglich 47 - Hunde schulen, als es für die entspre-</span><br/> <span class="ft1">chenden Fahrzeuge auf dem umzäunten Parkplatz sowie auf dem</span><br/> <span class="ft1">Richtung Trainingsplatz führenden Weg jeweils Platz habe, soweit</span><br/> <span class="ft1">dabei kein fremdes Gelände in Anspruch genommen werde. Dem</span><br/> <span class="ft1">Gesuch um Betrieb einer Hundeschule mit Hundepension sei in die-</span><br/> <span class="ft1">sem Sinne grundsätzlich stattzugeben.</span><br/> <span class="ft1">2. a) Die Parzelle Nr. 775, auf welcher der Beschwerdeführer 1</span><br/> <span class="ft1">seine kynologischen Aktivitäten anbietet, liegt gemäss dem Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsplan Kulturland der Gemeinde GANSINGEN vom</span><br/> <span class="ft1">12. Dezember 1986 / 8. November 1988 in der Landwirtschaftszone,</span><br/> <span class="ft1">die ihrerseits von einer Landschaftsschutzzone überlagert wird; aus-</span><br/> <span class="ft1">genommen von der Überlagerung sind lediglich die drei Gebäude</span><br/> <span class="ft1">Nrn. 281, 343 und 346 mit dem jeweiligen unmittelbaren Um-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">213</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schwung. Es kommen somit in erster Linie die Bestimmungen des</span><br/> <span class="ft1">RPG und seiner Ausführungsvorschriften zur Anwendung. (...)</span><br/> <span class="ft1">3. (...)</span><br/> <span class="ft1">4. a) Abweichend von Art. 22 Abs. 2 lit. a RPG können Bewil-</span><br/> <span class="ft1">ligungen erteilt werden, Bauten und Anlagen zu errichten oder ihren</span><br/> <span class="ft1">Zweck zu ändern, wenn der Zweck der Bauten und Anlagen einen</span><br/> <span class="ft1">Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert und keine überwiegen-</span><br/> <span class="ft1">den Interessen entgegenstehen (Art. 24 RPG [in der Fassung vom</span><br/> <span class="ft1">20. März 1998], mit identischem Wortlaut wie die frühere Fassung</span><br/> <span class="ft1">von Art. 24 Abs. 1 RPG). Die Standortgebundenheit darf dabei nur</span><br/> <span class="ft1">bejaht werden, wenn ein Bauvorhaben aus technischen oder be-</span><br/> <span class="ft1">triebswirtschaftlichen Gründen oder wegen der Bodenbeschaffenheit</span><br/> <span class="ft1">auf einen bestimmten Standort ausserhalb der Bauzonen angewiesen</span><br/> <span class="ft1">ist (positive Standortgebundenheit), oder wenn ein Werk, für das</span><br/> <span class="ft1">keine Planungspflicht besteht, wegen seiner Immissionen in einer</span><br/> <span class="ft1">Bauzone ausgeschlossen ist (negative Standortgebundenheit). Diese</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen beurteilen sich nach objektiven Massstäben. Es</span><br/> <span class="ft1">kann weder auf die subjektiven Vorstellungen und Wünsche des Ein-</span><br/> <span class="ft1">zelnen noch auf die persönliche Zweckmässigkeit oder Bequemlich-</span><br/> <span class="ft1">keit ankommen. Generell sind an die Voraussetzungen der Standort-</span><br/> <span class="ft1">gebundenheit strenge Anforderungen zu stellen (BGE 124 II 255 f.;</span><br/> <span class="ft1">118 Ib 19; 117 Ib 267, 383; Bundesgericht, in: ZBl 96/1995, S. 166;</span><br/> <span class="ft1">n.p. BGE vom 3. Juni 1997 [1A.261/1996] in Sachen der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer, S. 5).</span><br/> <span class="ft1">Für Zweckänderungen ohne bauliche Massnahmen ausserhalb</span><br/> <span class="ft1">der Bauzonen enthält Art. 24a RPG (in der Fassung vom 20. März</span><br/> <span class="ft1">1998) eine Spezialbestimmung. Sie lautet:</span><br/> <span class="ft5">"</span><span class="ft7"><sup>1</sup></span><span class="ft5">Erfordert die Änderung des Zwecks einer Baute oder Anlage</span><br/> <span class="ft5">ausserhalb der Bauzonen keine baulichen Massnahmen im Sinne</span><br/> <span class="ft5">von Artikel 22 Absatz 1, so ist die Bewilligung zu erteilen,</span><br/> <span class="ft5">wenn:</span><br/> <span class="ft5">a. dadurch keine neuen Auswirkungen auf Raum, Erschliessung</span><br/> <span class="ft5">und Umwelt entstehen; und</span><br/> <span class="ft5">b. sie nach keinem anderen Bundeserlass unzulässig ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">214</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft7"><sup>2</sup></span><span class="ft5">Die Ausnahmebewilligung ist unter dem Vorbehalt zu erteilen,</span><br/> <span class="ft5">dass bei veränderten Verhältnissen von Amtes wegen neu verfügt</span><br/> <span class="ft5">wird."</span><br/> <span class="ft1">b) Der Gemeinderat macht geltend, die Errichtung von Freizeit-</span><br/> <span class="ft1">und Sportanlagen - und eine solche habe der Beschwerdeführer 1</span><br/> <span class="ft1">mittlerweile errichtet - sei normalerweise planungspflichtig, benötige</span><br/> <span class="ft1">also eine besondere Zone nach Art. 18 RPG; dafür dürften keine</span><br/> <span class="ft1">Ausnahmebewilligungen gemäss Art. 24 RPG erteilt werden.</span><br/> <span class="ft1">aa) Bau- und auch Ausnahmebewilligungen haben den planeri-</span><br/> <span class="ft1">schen Stufenbau zu beachten. Für Bauten und Anlagen, die ihrer</span><br/> <span class="ft1">Natur nach nur in einem Planungsverfahren angemessen erfasst wer-</span><br/> <span class="ft1">den können, dürfen keine Ausnahmebewilligungen erteilt werden.</span><br/> <span class="ft1">Zieht ein nicht zonenkonformes Vorhaben durch seine Ausmasse</span><br/> <span class="ft1">oder seine Natur bedeutende Auswirkungen auf die bestehende Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsordnung nach sich, so darf es erst nach einer entsprechenden</span><br/> <span class="ft1">Änderung des Zonenplans bewilligt werden. Wann ein nicht zonen-</span><br/> <span class="ft1">konformes Vorhaben so gewichtig ist, dass es der Planungspflicht</span><br/> <span class="ft1">nach Art. 2 RPG untersteht, ergibt sich aus den Planungsgrundsätzen</span><br/> <span class="ft1">und -zielen (Art. 1 und 3 RPG), dem kantonalen Richtplan und der</span><br/> <span class="ft1">Bedeutung des Projekts im Lichte der im RPG und im kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Recht festgelegten Verfahrensordnung. Ein gewichtiges Indiz dafür,</span><br/> <span class="ft1">dass ein Bauvorhaben nur auf Grund einer Nutzungsplanung bewil-</span><br/> <span class="ft1">ligt werden kann, ist der Umstand, dass im konkreten Fall eine Um-</span><br/> <span class="ft1">weltverträglichkeitsprüfung (UVP) vorgeschrieben ist (BGE</span><br/> <span class="ft1">124 II 254 f. mit Hinweisen; n.p. BGE vom 24. Oktober 2001</span><br/> <span class="ft1">[1P.264/2001] in Sachen M. u.M., S. 11 f.).</span><br/> <span class="ft1">bb) Das Bundesgericht hat eine adäquate Nutzungsplanung</span><br/> <span class="ft1">etwa für grössere Sportanlagen (BGE 114 Ib 180 ff. [offene und ge-</span><br/> <span class="ft1">deckte Tennisfelder, zwei Fussballfelder, Dienstgebäude und Park-</span><br/> <span class="ft1">plätze]; BGE 114 Ib 312 ff. [Golfplatzanlage]), einen grossen Gärt-</span><br/> <span class="ft1">nereikomplex mit zahlreichen Gewächshäusern (BGE 116 Ib 131 ff.)</span><br/> <span class="ft1">oder Grossdeponien verlangt (BGE 116 Ib 50 ff. [Regionaldeponie];</span><br/> <span class="ft1">siehe zum Ganzen auch: Walter Haller/Peter Karlen, Raumplanungs-,</span><br/> <span class="ft1">Bau- und Umweltrecht, Band I, 3. Auflage, Zürich 1999, Rz. 674).</span><br/> <span class="ft1">Die Planungspflicht wurde demgegenüber verneint etwa für eine</span><br/> <span class="ft1">Reithalle mit entsprechender Infrastruktur (BGE 124 II 391 ff.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">215</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Auch im vorliegenden Falle hat man es nicht mit einer Nutzung zu</span><br/> <span class="ft1">tun, die derart erhebliche Auswirkungen auf die Infrastruktur und die</span><br/> <span class="ft1">Nachbarschaft hat, dass dem nur mittels einer vorangehenden</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsplanung angemessen Rechnung getragen werden könnte.</span><br/> <span class="ft1">Die raumwirksamen Auswirkungen sind klar begrenzt. Der vom</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer 1 geplante Hundeschulungsbetrieb hat denn auch</span><br/> <span class="ft1">weder "Richtplanhöhe" noch ist er UVP-pflichtig. Es steht daher</span><br/> <span class="ft1">nichts entgegen, das Umnutzungs- bzw. Nutzungserweiterungsge-</span><br/> <span class="ft1">such im Verfahren der Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG</span><br/> <span class="ft1">abzuwandeln.</span><br/> <span class="ft1">c) Unter dem Gesichtspunkt von Art. 24 RPG ergibt sich was</span><br/> <span class="ft1">folgt:</span><br/> <span class="ft1">aa) Der Beschwerdeführer 1 verfügt wie erwähnt über die</span><br/> <span class="ft1">"Stammbewilligung" vom 21. September 1992 zum Betrieb einer</span><br/> <span class="ft1">Hundezuchstätte und über die (Zusatz-)Bewilligung vom 28. April</span><br/> <span class="ft1">1997 zur Schulung von Hunden aus eigener oder fremder Zucht (in</span><br/> <span class="ft1">der Form der Erteilung von Privatlektionen) jeweilen von 19.00 bis</span><br/> <span class="ft1">21.00 Uhr (vorne, Erw. 1/a und b/aa und bb). Diese Bewilligungen</span><br/> <span class="ft1">berechtigen den Beschwerdeführer 1 nicht zu mehr, als ihm gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 24 RPG zusteht. Die Existenz eines ausserhalb der Bauzonen</span><br/> <span class="ft1">bewilligten Betriebs bedeutet nicht automatisch, dass alle dem</span><br/> <span class="ft1">Stamm- bzw. Hauptbetrieb dienenden Bauten und Anlagen oder Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungen zulässig wären. Erforderlich ist ein besonderes betriebswirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftliches oder technisches Bedürfnis, diese Bauten oder Anlagen</span><br/> <span class="ft1">am vorgesehenen Ort zu erstellen (BGE 124 II 256; 117 Ib 265;</span><br/> <span class="ft1">Haller/Karlen, a.a.O., Rz. 709). Der rechtmässige Bestand des bishe-</span><br/> <span class="ft1">rigen Betriebs an sich begründet also noch keine Standortgebunden-</span><br/> <span class="ft1">heit für die Hundeschule, um deren Bewilligung der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer 1 nachsucht. Sie kann - unter dem Titel einer "abgeleiteten"</span><br/> <span class="ft1">Standortgebundenheit (BGE 124 II 256) - nur als gegeben erachtet</span><br/> <span class="ft1">werden, wenn die Hundeschule für eine ordnungsgemässe Durchfüh-</span><br/> <span class="ft1">rung des bestehenden Betriebs erforderlich ist (BGE 117 Ib 267).</span><br/> <span class="ft1">Dies trifft indessen offensichtlich nicht zu. Es mag zwar für den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer 1 aus Synergieüberlegungen usw. zweckmässiger</span><br/> <span class="ft1">sein, wenn er die Hundeschule am angestammten Standort auf der</span><br/> <span class="ft1">Parzelle Nr. 775 betreiben kann, doch sind keine betriebsorganisato-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">216</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rischen oder technischen Gründe ersichtlich, welche eine solche</span><br/> <span class="ft1">Standortwahl objektiv zwingend erheischen. Ebenso wenig kann von</span><br/> <span class="ft1">Belang sein, dass hinter der beabsichtigten Nutzungserweiterung mit</span><br/> <span class="ft1">einer eigentlichen Hundeschule finanzielle Sachzwänge stehen.</span><br/> <span class="ft1">Bereits sein Gesuch vom 25. April 1997 betreffend Verlängerung der</span><br/> <span class="ft1">Betriebsöffnungszeiten bis 21.00 Uhr zwecks Durchführung eines</span><br/> <span class="ft1">von der Zuchttauglichkeitsprüfung unabhängigen Hundeschulungs-</span><br/> <span class="ft1">kurses begründete der Beschwerdeführer 1 mit der Verschlechterung</span><br/> <span class="ft1">der wirtschaftlichen Situation und finanziellen bzw. geschäftlichen</span><br/> <span class="ft1">Problemen; die Weiterführung seines Betriebs sei ohne Bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungsergänzung nicht denkbar. Das Nutzungsänderungsgesuch vom</span><br/> <span class="ft1">15. Dezember 1998 ist vom gleichen Tenor getragen, wird doch dort</span><br/> <span class="ft1">vom mittelfristigen "Überleben" des Betriebs gesprochen. Dies sind</span><br/> <span class="ft1">subjektive Gesichtspunkte, welche bei der raumplanungsrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung generell keine Berücksichtigung finden dürfen (siehe</span><br/> <span class="ft1">vorne, Erw. a).</span><br/> <span class="ft1">bb) aaa) Im Übrigen ist unbestritten, dass sich das Nutzungser-</span><br/> <span class="ft1">weiterungsvorhaben des Beschwerdeführers 1 nur mit der negativen</span><br/> <span class="ft1">und nicht auch mit der positiven Standortgebundenheit begründen</span><br/> <span class="ft1">lässt. Der Regierungsrat hat unter diesem Gesichtspunkt ausgeführt,</span><br/> <span class="ft1">nach Massgabe der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei seiner-</span><br/> <span class="ft1">zeit die Hundezucht des Beschwerdeführers 1 als negativ standortge-</span><br/> <span class="ft1">bunden qualifiziert worden. Eine Hundeschule mit Hundepension sei</span><br/> <span class="ft1">nicht anders zu beurteilen. Es sei zwar nicht ausgeschlossen, dass</span><br/> <span class="ft1">von einer Hundezucht oder einem Tierheim auf Grund des intensive-</span><br/> <span class="ft1">ren "Rund-um-die-Uhr-Betriebs" gesamthaft mehr Emissionen aus-</span><br/> <span class="ft1">gehen könnten als von einer Hundeschule mit angegliederter Hunde-</span><br/> <span class="ft1">pension. Tagsüber dürften sich die Belästigungen aber mindestens</span><br/> <span class="ft1">die Waage halten; zu bedenken sei dabei auch, dass eine Hunde-</span><br/> <span class="ft1">schule im Vergleich zu einer Hundezucht noch häufigere Wechsel der</span><br/> <span class="ft1">Tiere bedinge. Hinzu komme, dass sich auch bei einer Hundeschule</span><br/> <span class="ft1">mit Hundepension - anders als beispielsweise bei einem</span><br/> <span class="ft1">Schweinestall - Lärm und lästige Gerüche nicht durch bauliche oder</span><br/> <span class="ft1">betriebliche Massnahmen begrenzen liessen. Schliesslich sei nicht</span><br/> <span class="ft1">davon auszugehen, dass sich in den Bauzonen von GANSINGEN</span><br/> <span class="ft1">oder einer benachbarten Gemeinde für das Vorhaben des Beschwer-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">217</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">deführers 1 ein geeigneter Standort finden lasse. Die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer 2 und der Gemeinderat sind dagegen der Meinung, die negative</span><br/> <span class="ft1">Standortgebundenheit sei nicht gegeben.</span><br/> <span class="ft1">bbb) Das Bundesgericht hat in zwei Aargauer Fällen entschie-</span><br/> <span class="ft1">den, dass der Betrieb von Tierheimen ausserhalb der Bauzonen we-</span><br/> <span class="ft1">gen ihrer Immissionsträchtigkeit grundsätzlich als negativ stand-</span><br/> <span class="ft1">ortgebunden zu betrachten sei. Konkret ging es um ein Tierheim mit</span><br/> <span class="ft1">Krematorium und Dienstwohnungen in Unterbözberg (n.p. BGE vom</span><br/> <span class="ft1">21. März 1984 [A 208/83] in Sachen H. u.M.) und um ein Tierheim</span><br/> <span class="ft1">für je 30 Hunde und Katzen in Rothrist (ZBl 96/1995, S. 166 f.).</span><br/> <span class="ft1">Denselben Standpunkt vertrat das Bundesgericht in Bezug auf die</span><br/> <span class="ft1">Haltung von 60 Schlittenhunden (ZBl 91/1990, S. 187 ff.) sowie die</span><br/> <span class="ft1">Hundezucht des Beschwerdeführers 1 mit bis zu 12 Zuchthunden</span><br/> <span class="ft1">und einer entsprechenden Vielzahl von Welpen (n.p. BGE vom</span><br/> <span class="ft1">3. Juni 1997 [1A.261/1996]). Im Fall H. u. M. (zitiert in ZBl</span><br/> <span class="ft1">91/1990, S. 188 f., und 96/1995, S. 166 f., sowie in BGE 118 Ib 19)</span><br/> <span class="ft1">wurde zur Begründung angeführt, das unvermeidliche dauernde Ge-</span><br/> <span class="ft1">bell der sich in den Gehegen und Ausläufen befindenden Hunde, das</span><br/> <span class="ft1">angesichts des naturgemäss häufigen Wechsels der Tiere das normale</span><br/> <span class="ft1">Mass erheblich übersteigen dürfte, und allenfalls auch die mit dieser</span><br/> <span class="ft1">Art der Tierhaltung verbundene Geruchsbelästigung seien in einer</span><br/> <span class="ft1">Wohn-, Gewerbe- oder Industriezone für die Nachbarn in der Regel</span><br/> <span class="ft1">unzumutbar. Im Rothrister Fall verwies das Bundesgericht zusätzlich</span><br/> <span class="ft1">darauf, dass im Kanton Aargau alle Tierheime in der Landwirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftszone lägen und sich für das Bauvorhaben in den Bauzonen der</span><br/> <span class="ft1">Standortgemeinde oder einer benachbarten Gemeinde kein geeigne-</span><br/> <span class="ft1">ter Standort finden lasse (ZBl 96/1995, S. 167).</span><br/> <span class="ft1">Auf eine Hundeschule, wie sie der Beschwerdeführer 1 betrei-</span><br/> <span class="ft1">ben will, treffen diese Attribute nicht zu. Im klaren Unterschied so-</span><br/> <span class="ft1">wohl zu einem Tierheim als auch zu einem Hundezuchtbetrieb ist die</span><br/> <span class="ft1">Erteilung der Privat- und Gruppenlektionen auf bestimmte Zeiten</span><br/> <span class="ft1">beschränkt. Während der Nachtstunden sowie an den Sonn- und Fei-</span><br/> <span class="ft1">ertagen ist der Betrieb für den Publikumsverkehr geschlossen. In den</span><br/> <span class="ft1">Wintermonaten sollen zudem nur Privatlektionen abgehalten werden.</span><br/> <span class="ft1">Schon unter diesem zeitlichen Aspekt sind die mit dem Betrieb einer</span><br/> <span class="ft1">Hundeschule zusammenhängenden Lärmimmissionen als erheblich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">218</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">geringer zu veranschlagen als die von einer Hundezucht oder von</span><br/> <span class="ft1">einem Tierheim ausgehenden, rund um die Uhr wahrnehmbaren Im-</span><br/> <span class="ft1">missionen. Hinzu kommt, dass die in der Hundeschule auszubilden-</span><br/> <span class="ft1">den Tiere unter ständiger Aufsicht und Kontrolle sind und demzu-</span><br/> <span class="ft1">folge naturgemäss weniger bellen als ein Hund, der zusammen mit</span><br/> <span class="ft1">andern Artgenossen in einem Gehege, einer Boxe oder einem Aus-</span><br/> <span class="ft1">lauf eingesperrt ist; zumindest auf die Arbeit mit den Familienhun-</span><br/> <span class="ft1">den trifft diese Aussage zu. Der Beschwerdeführer 1 als anerkannter</span><br/> <span class="ft1">Hundekenner hat am Augenschein selber ausgeführt, bezüglich des</span><br/> <span class="ft1">Lärms sei der Unterschied zwischen einer Hundezucht und einer</span><br/> <span class="ft1">Hundeschule "enorm". Unter diesen Umständen lässt sich nicht sa-</span><br/> <span class="ft1">gen, der Betrieb einer Hundeschule sei aus Immissionsgründen auf</span><br/> <span class="ft1">einen Standort ausserhalb der Bauzonen zwingend angewiesen. Eine</span><br/> <span class="ft1">solche Nutzung ist innerhalb des Baugebiets, etwa in einer gemisch-</span><br/> <span class="ft1">ten Wohn- und Gewerbezone oder in einer reinen Gewerbezone,</span><br/> <span class="ft1">ohne Weiteres denkbar. Das Privileg, ausserhalb der Bauzonen Land</span><br/> <span class="ft1">zu beanspruchen, ist generell an strenge Voraussetzungen geknüpft,</span><br/> <span class="ft1">um der Zersiedelung vorzubeugen (siehe vorne, Erw. a). Eine Hun-</span><br/> <span class="ft1">deschule erfüllt diese Anforderungen nach dem Gesagten nicht.</span><br/> <span class="ft1">d) Das Bau- bzw. Zweckänderungsgesuch vom</span><br/> <span class="ft1">14./15. Dezember 1998 beinhaltet keinerlei bauliche Massnahmen.</span><br/> <span class="ft1">Es fragt sich daher, ob eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24a</span><br/> <span class="ft1">RPG (in der Fassung vom 20. März 1998) erteilt werden kann.</span><br/> <span class="ft1">Aus der Entstehungsgeschichte der angeführten Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">hat das Bundesgericht abgeleitet, dass der Gesetzgeber mit ihr eine</span><br/> <span class="ft1">Umnutzung bestehender landwirtschaftlicher Bauten ermöglichen</span><br/> <span class="ft1">wollte; Art. 24a RPG beschränke sich aber nicht auf landwirtschaftli-</span><br/> <span class="ft1">che Bauten, sondern erlaube auch Zweckänderungen anderer, z.B.</span><br/> <span class="ft1">gewerblicher Bauten ausserhalb der Bauzone, ohne dass der neue</span><br/> <span class="ft1">Zweck standortgebunden sein müsse (BGE 127 II 223 f.). Art. 24a</span><br/> <span class="ft1">RPG kommt auf das hier zu beurteilende Nutzungserweiterungsvor-</span><br/> <span class="ft1">haben somit grundsätzlich zur Anwendung. Indessen ist die Anforde-</span><br/> <span class="ft1">rung, dass durch das Zweckänderungsvorhaben keine neuen Auswir-</span><br/> <span class="ft1">kungen auf Raum, Erschliessung und Umwelt entstehen dürfen</span><br/> <span class="ft1">(Art. 24a Abs. 1 lit. a RPG), hier klarerweise nicht erfüllt, worauf</span><br/> <span class="ft1">namentlich die beantragte Ausweitung der Betriebszeiten für die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">219</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Hundeschulungskurse sowie der Einbezug von Gruppenlektionen</span><br/> <span class="ft1">(siehe vorne, Erw. 1/b/bb und c) schliessen lässt. Der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer 1 darf heute nach Massgabe der "Stammbewilligung" vom</span><br/> <span class="ft1">21. September 1992 und des Gemeinderatsbeschlusses vom 28. April</span><br/> <span class="ft1">1997 von Montag bis Freitag jeweils von 19.00 bis 21.00 Uhr maxi-</span><br/> <span class="ft1">mal zwei Privatlektionen gleichzeitig erteilen, d.h. insgesamt 24 mit</span><br/> <span class="ft1">ebenso vielen Zu- und Wegfahrten pro Tag. Unter dem neuen Regime</span><br/> <span class="ft1">gemäss dem Nutzungserweiterungsgesuch vom 14./15. Dezember</span><br/> <span class="ft1">1998 rechnet der Beschwerdeführer 1 selber mit maximal 47 Zu- und</span><br/> <span class="ft1">Wegfahrten pro Tag. Es ist also zweifellos so, dass die beabsichtigte</span><br/> <span class="ft1">Intensivierung der Hundeschule ein erhöhtes Verkehrsaufkommen</span><br/> <span class="ft1">zur Folge haben wird. Hieran ändert nichts, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer 1 die Zahl der gemäss "Stammbewilligung" vom</span><br/> <span class="ft1">21. September 1992 zulässigen 12 Zuchthündinnen auf deren 6 her-</span><br/> <span class="ft1">absetzen will (es entstehen in diesem Zusammenhang ebenfalls Ver-</span><br/> <span class="ft1">kehrsbewegungen, weil die Halter ihre Welpen in den ersten 9 Wo-</span><br/> <span class="ft1">chen durchschnittlich ein Mal pro Woche zu besuchen pflegen); fak-</span><br/> <span class="ft1">tisch befinden sich nämlich regelmässig nur 4 bis 5 Zuchthündinnen</span><br/> <span class="ft1">auf dem Hof, während die restlichen in Patenfamilien gehalten wer-</span><br/> <span class="ft1">den. Der diesbezügliche kompensatorische Effekt kann daher ver-</span><br/> <span class="ft1">nachlässigt werden.</span><br/> <span class="ft1">e) Zusammenfassend ist unter diesem Titel festzuhalten, dass</span><br/> <span class="ft1">weder Art. 24 noch Art. 24a RPG eine rechtliche Handhabe bieten,</span><br/> <span class="ft1">um das Nutzungserweiterungsvorhaben des Beschwerdeführers 1</span><br/> <span class="ft1">bewilligen zu können. (...).</span><br/> <span class="ft4"><i>Redaktionelle Anmerkung</i></span><br/> <span class="ft1">Das Bundesgericht, I. Öffentlichrechtliche Abteilung, hat eine gegen</span><br/> <span class="ft1">den Entscheid vom 13. Juni 2002 erhobene Verwaltungsgerichtsbe-</span><br/> <span class="ft1">schwerde mit Urteil vom 12. September 2003 abgewiesen, soweit es</span><br/> <span class="ft1">darauf eintrat (BGE 1A.214/2002).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>