Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 2. August 2022 (810 22 119) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Regelung der Obhut und des persönlichen Verkehrs Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Gerichtssch reiberin Nathalie Droeser Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Martina Horni , Advokatin gegen Kindes - und E rwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Sina Larentis, Rechtsan- wältin Betreff Änderung/Aufhebung von Kindesschutzmassnahmen, Regelung der Obhut und des persönlichen Verkehrs (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 17. Mai 2022) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ und C.____ sind die nicht miteinander verhe irateten und getrenntlebenden Eltern der am XX.XX.2017 geborenen D.____. Die Kindseltern verfügen über die gemeinsame elterli- che Sorge, die Obhut liegt bei der Kindsmutter. B. Am 22. Juni 2018 stellte der Kindsvater einen Antra g auf Regelung der persönlichen Kontakte zwischen ihm und seiner Tochter. Daraufhin erö ffnete die Kindes- und Erwachsenen- schutzbehörde (KESB) B.____ am 18. Juli 2018 ein Verfahren und beauftragte den Sozialdienst der Einwohnergemeinde X.____ mit der Abklärung. Der entsprechende Abklärungsbericht lag am 9. Januar 2019 vor. C. Mit Entscheid vom 19. März 2019 errichtete die KESB B.____ für D.____ eine Erzie- hungsbeistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 Schweizer isches Zivilgesetzbuch (ZGB) vom 10. Dezember 1907 und regelte den persönlichen Verkehr zwischen dem Kindsvater und seiner Tochter wie folgt: a. bis 14. April 2019 wöchentliche, achtstündige Besuche beim Kindsvater. b. ab 15. April bis 31. Juli 2019 Kontakte von zwei auf einanderfolgenden Tagen ohne Über- nachtung. c. ab 1. August 2019 persönliche Kontakte an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit Übernachtungen beim Kindsvater. D. Die Kindsmutter reichte am 25. November 2020 bei de r KESB B.____ eine Gefähr- dungsmeldung wegen Verdachts auf sexuelle Handlungen se itens des Kindsvaters ein, worauf diese D.____ bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) Baselland (BL) anmeldete und eine Abklärung in Auftrag gab. E. Auf Empfehlung der KJP BL einigten sich die Kinds eltern von D.____ zum Vertrau- ensaufbau auf zweimalige begleitende Besuchstage (BBT) , was mit Entscheid der KESB B.____ vom 31. März 2021 festgehalten wurde. F. Am 15. Mai 2021 erstattete die Kindsmutter bei der Polizei Baselland Strafanzeige ge- gen den Kindsvater wegen sexuellen Handlungen mit Kindern. G. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Abteilung 1 Luzer n wurde mit superprovisorischem Entscheid der KESB B.____ vom 8. Juni 2021 die bisheri ge Beistandsperson zusätzlich mit der Vertretung von D.____ im Strafverfahren gegen ihren Vater betraut. H. Der Abklärungsbericht der KJP BL erging am 29. Juni 2021. Einen sexuellen Übergriff vom Kindsvater auf D.____ habe anhand der durchgeführte n Abklärung nicht ausgeschlossen, aber auch nicht bestätigt werden können. Aus kinderpsychiatrischer Sicht sei D.____ unauffällig entwickelt. Dennoch sei klar feststellbar, dass D.____ unter dem elterlichen Konflikt leide. Emp- fohlen wurde die Besichtigung der Wohnung des Kindsvat ers, das Installieren eines begleiteten Besuchsrechts zum Schutz des Kindsvaters vor neuen Vorwürf en der Kindsmutter sowie eine weitere einzeltherapeutische Begleitung von D.____ durch das KJP BL. Parallel sollten weitere Elterngespräche alle paar Monate stattfinden. Die Ki ndseltern erklärten sich mit den Empfeh- lungen einverstanden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Die KESB B.____ wies mit Entscheid vom 16. Juli 202 1 die Kindsmutter superproviso- risch und unter Strafandrohung an, D.____ ab sofort 1 4-täglich von Freitag bis Sonntag dem Kindsvater zur Betreuung zu übergeben. Zudem wurde e in Verfahren zur Prüfung der Ob- hutsumteilung eröffnet. Die Kindsmutter habe mitgeteilt, dass sie D.____ aufgrund der vermute- ten Gefährdung durch den Kindsvater nicht mehr zu den B BT bringen werde. Aufgrund der ho- hen Gefahr, dass das Kind zu seinem Schaden dem Kindsvater entfremdet werden solle, sei es notwendig, das Verhalten der Kindsmutter sofort zu stop pen. Die Bindungstoleranz sei ein we- sentlicher Bestandteil der Erziehungsfähigkeit. Dabei w erde geprüft, welcher Elternteil die Kon- takte zum getrenntlebenden anderen Elternteil zulassen könne, weil er/sie einsehe, dass diese Kontakte für das Kindswohl wichtig seien. Da diese Fähi gkeit bei der Kindsmutter zum wieder- holten Male nicht vorhanden sei, prüfe die Behörde in einem eigenen Verfahren die Umteilung der Obhut zum Kindsvater. J. Mit Entscheid der KESB B.____ vom 7. September 2021 wurden die Kindseltern unter anderem vorsorglich gemäss Art. 307 Abs. 2 ZGB angewiesen, die Gespräche in der KJP BL zu besuchen und die Termine verbindlich wahrzunehmen. Die KJP BL wurde gebeten, per 31. Ja- nuar 2022, oder falls notwendig früher, der KESB B._ ___ über den Verlauf der angeordneten Gespräche mit den Kindseltern von D.____ zu berichten. K. Am 1. August 2021 verlegte die Kindsmutter den Woh nsitz zu ihrem neuen Lebens- partner nach Z.____ (AG). L. Die Beiständin reichte der KESB B.____ am 9. Septe mber 2021 ihren Zwischenbericht ein und beantragte die Weiterführung der Beistandschaft für D.____. M. Die Staatsanwaltschaft Abteilung 1 Luzern stellte am 21. Oktober 2021 das Strafverfah- ren in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a Schweizeri sche Strafprozessordnung (StPO) vom 5. Oktober 2007 (kein Tatverdacht erhärtet, der eine Anklage rechtfertigt) gegen den Kindsvater ein. N. Am 31. Januar 2022 erging der Verlaufsbericht der K JP BL. Diese empfahl, die Gesprä- che der Kindseltern von D.____ in grösseren Abständen, d. h. alle zwei Monate fortzuführen, solange die Besuche funktionieren würden. Sollten sich P robleme ergeben, würde die KJP BL die Kindseltern zu monatlichen Gesprächen einladen. Das Besuchsrecht des Kindsvaters mit D.____ solle neu auch die Ferien umfassen, wobei ein schrittweiser Aufbau über ein verlänger- tes Wochenende und die Feiertage Ostern oder Pfingsten und danach ein einwöchiger Besuch in den Sommerferien als realistisch erachtet werde. O. Die Schule Y.____ (AG) reichte am 15. Februar 2022 eine Gefärdungsmeldung beim Bezirksgericht U.___ ein, da D.____ gegenüber ihrer Kla ssenlehrerin mitgeteilt habe, dass sie beim Kindsvater missbraucht werde. Nach Abklärungen der Zuständigkeit nahm die KESB B.____ am 22. Februar 2022 Kontakt mit der KJP BL auf , welche regelmässig über die Gesprä- che der Kindseltern informierte. Am 12. April 2022 f and beim Kindsvater ein Hausbesuch durch die KESB B.____ statt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht P. Die KJP BL empfahl der KESB B.____ mit Telefonat vom 3. Mai 2022 begleitende Be- suche beim Kindsvater. Aufgrund der Unschuldsvermutung werde keine Sistierung der Kontakte empfohlen, jedoch müsse die Sicherheit von D.____ ge währleistet werden, solange nicht klar sei, ob ein Strafverfahren eröffnet werde. Mit Schrei ben vom 16. Mai 2022 wurde die telefoni- sche Empfehlung schriftlich festgehalten. Q. Mit Entscheid vom 17. Mai 2022 verfügte die KESB B. ____ per sofort ohne Einschrän- kungen die Weiterführung der kurzfristig unterbrochenen Kontakte von D.____ mit ihrem Vater im bekannten 14-täglichen Rhythmus gemäss rechtskräftigem E ntscheid vom 19. März 2019 (Ziffer 1 und 2) und legte vorsorglich die Sommerferie n und als Aufbau ein verlängertes Wo- chenende über Auffahrt fest, wobei einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen wurde (Ziffer 3). Zudem wurden die Weihnach ts- und Neujahrsferien festgelegt (Ziffer 4). Die Kindseltern wurden gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB angewiesen, die Gespräche in der KJP BL weiter zu besuchen im von den Fachleuten vorgegeben en Rhythmus. Einer allfälligen Be- schwerde wurde ebenfalls die aufschiebende Wirkung entzog en (Ziffer 5). Der Antrag auf Ver- fahrensvertretung für D.____ wurde abgewiesen (Ziffer 7). Des Weiteren wurde den Kindseltern das rechtliche Gehör zum geplanten psychiatrisch-psychologisch en Gutachten betreffend die Abklärung der Kinderbelange gewährt (Ziffer 8). R. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ (nachfolgend Beschwerdeführerin genannt), vertreten durch Martina Horni, Advokatin, mit Eingabe vom 30. Mai 2022 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsre cht. Die Beschwerdeführerin bean- tragt, der Entscheid sei teilweise aufzuheben. Ziffer 2 des Entscheids der KESB B.____ vom 17. Mai 2022 sei aufzuheben und für die persönlichen K ontakte zwischen D.____ und ihrem Vater ein vorerst begleitetes Besuchsrecht anzuordnen. V on der sofortigen Weiterführung der kurzfristig unterbrochenen unbegleiteten Kontakte mit Ü bernachtungen im bekannten 14- täglichen Rhythmus sei derzeit abzusehen (Ziffer 2a). Ziffer 3 des Entscheids sei ebenfalls auf- zuheben und von der vorsorglichen Festlegung eines verlä ngerten Wochenendes über Auffahrt (26. - 30. Mai 2022) sowie von Sommerferien vom 18. b is 24. Juli 2022 beim Vater abzusehen (Ziffer 2b). Auch sei Ziffer 4 des Entscheids aufzuheben und von der Festlegung von Weih- nachts- und Neujahrsferien (26. Dezember 2022 bis 1. Januar 2023) beim Vater derzeit abzu- sehen (Ziffer 2c). Des Weiteren sei Ziffer 5 des Entsch eids teilweise aufzuheben und davon abzusehen, die Eltern zur Fortführung der Gespräche in der KJP BL anzuweisen. Vielmehr sei- en diese anzuweisen, die Gespräche bei einer wohnsitznäh eren Institution im Kanton Aargau oder Kanton Luzern zu besuchen (Ziffer 2d). Zudem sei Ziffer 7 des Entscheids aufzuheben und für D.____ eine Verfahrensvertretung einzusetzen (Ziffe r 2e). Unter o/e-Kostenfolge respektive unter Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege fü r die Beschwerdeführerin mit der Unter- zeichnenden als unentgeltliche Rechtsvertreterin (Ziffer 3). In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei in Aufhebung von Ziffer 3 Abs. 2 und Ziffer 5 Abs. 2 des Entscheids die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen. S. Mit Verfügung vom 1. Juni 2022 erteilte das Kanto nsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht der Beschwerde in Bezug auf Ziff er 3b des angefochtenen Entscheids Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht superprovisorisch die aufschiebende Wirkung. Die unbegle iteten Besuchskontakte zwischen D.____ und dem Kindsvater wurden superprovisorisch sistie rt und die Vorinstanz angewiesen, begleitete Besuche zwischen D.____ und dem Kindsvater zu organisieren. T. Mit Entscheid vom 10. Juni 2022 ordnete die KESB B .____ die psychologische Abklä- rung von D.____ und, soweit die Kinderbelange betref fend, auch der Kindseltern an. Mit der Begutachtung wurde das Zentrum für Begutachtung und Th erapie in Solothurn (zebt) beauf- tragt. Dieses teilte am 14. Juni 2022 der KESB B.____ mit, dass, sofern alles planmässig ver- laufe, mit dem Gutachten bis zum 31. Oktober 2022 gerechnet werden könne. U. Mit Vernehmlassung vom 22. Juni 2022 beantragte d er Kindsvater, vertreten durch Sina Larentis, Rechtsanwältin, die Beschwerde sei in Bezug auf die Anträge Ziffer 2a, 2b und 2c ab- zuweisen, sofern darauf einzutreten sei. Der vorsorglich e Antrag sei abzuweisen und die auf- schiebende Wirkung der Beschwerde zu entziehen, unter Koste n- und Entschädigungsfolge respektive unter Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfl ege mit der rubrizierenden Rechts- anwältin als unentgeltliche Rechtsvertreterin. V. Die KESB B.____ schloss am 22. Juni 2022 auf Abweisun g der Beschwerde. W. Mit Verfügung vom 24. Juni 2022 wurde festgehalte n, dass das Urteil schriftlich eröffnet wird. X. Für die Parteistandpunkte und die Erwägungen der V orinstanz wird grundsätzlich auf die Akten verwiesen. Soweit erforderlich, ist nachfolgend darauf einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 445 Abs. 3 ZGB in Verbindung mit Art. 3 14 Abs. 1 ZGB kann gegen Ent- scheide der KESB über vorsorgliche Massnahmen Beschwerde be im zuständigen Gericht er- hoben werden. Nach § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Ei nführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 ist für die Beurteilung v on Beschwerden gegen Entscheide der KESB das Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und V erwaltungsrecht, zuständig. Über Be- schwerden gegen Zwischenverfügungen betreffend vorsorgli che Massnahmen entscheidet die präsidierende Person (§ 1 Abs. 3 lit. f in Verbindung mit § 43 Abs. 2 bis lit. f des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Da sämtli- che Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Die Parteien beantragen, es seien die Akten des Str afverfahrens der Staatsanwalt- schaft Abteilung 1 Luzern beizuziehen. Der Kindsvater ste llt des Weiteren den Antrag, E.____ sowie F.____ von der KJP BL seien via Amtsauskunft bezügl ich «Wahl» der Vertrauensperson zu befragen. Das Gericht stellt von Amtes wegen die für den Entscheid wesentlichen Tatsachen fest. Es ist in der Beweiswürdigung frei. Die präsidiere nde Person und das Gericht können von sich aus oder auf Antrag und unter Mitteilung an die P arteien die Akten ergänzen, Erhebungen und Augenscheine vornehmen sowie Sachverständige und Zeu gen bzw. Zeuginnen anhören (§ 12 Abs. 1 und 2 VPO). In den Akten befinden sich Ausz üge aus den Strafakten der Staats- anwaltschaft Abteilung 1 Luzern. Da der Sachverhalt zur Beurteilung des Falles für das Gericht genügend klar aus den Akten hervorgeht, ist sowohl der Beizug der vollständigen Strafakten sowie die Befragung von E.____ und F.____ nicht notw endig und die Anträge sind demzufolge abzuweisen. 4.1.1 Die Vorinstanz hat ihren Entscheid damit begründ et, dass eine Behörde sich auf neut- rale Fachleute und deren Expertise berufen müsse. In di esem Fall seien die Fachleute der KJP BL wie die Strafverfolgungsbehörden nicht zum Schluss ge kommen, dass es irgendwelche Gründe geben könnte, dem Kind sein Recht auf Kontakt zum Vater zu verwehren. Zum Ver- trauensaufbau für die Mutter seien begleitete Besuche eingerichtet und sogar verlängert wor- den, um nicht deren Kooperation zu verlieren. Auch die Fachleute des BBT hätten festgehalten, dass die Tochter sich gefreut habe und Vater und Tochte r eine gute Zeit gehabt hätten. Es müsse konstatiert werden, dass die Mutter den Vorwurf de s "Nicht ernstgenommen werden" immer dann anbringe, wenn das Ergebnis der Fachleute n icht ihrer Erwartung entspreche. Die Kindsmutter bringe vor, dass sie unter Generalverdacht gestellt werde, weil sie sich Sorgen mache, ihr Kind schützen wolle und in diesem Unterfang en von der Behörde wie von Fachleu- ten nicht ernstgenommen werde. Vorliegend habe die K ESB B.____ eine Mutter kennen ge- lernt, welche seit Jahren die Kontakte ihrer Kinder zu den jeweiligen Vätern einseitig bestimme oder blockiert habe. Die Behörde sei von den Vätern d eshalb im 2018 kontaktiert worden. In zwei Verfahren habe die Mutter mit behördlichen Massnah men dazu gebracht werden müssen, die Kontakte zuzulassen, was auch die Errichtung zweier Be istandschaften erforderlich ge- macht habe. Auch nach diesen Verfahren habe die Mutte r keine Einsicht entwickelt, dass ihr Verhalten die Beziehung ihrer Kinder zu den Vätern en tscheidend beeinflusse. Vorwürfe des sexuellen Übergriffs hätten häufig sofortige Kontaktei nschränkungen/-abbrüche zur Folge, da dies ein unvorstellbar gravierender Vorwurf sei und de m Kindswohl schade. Die Empfehlung zu begleiteten Besuchen der KJP BL werde mit einem sehr h ohen Sicherheitsdenken interpretiert und nicht mit einer Überzeugung, dass Übergriffe stattf inden würden. Unter Berücksichtigung aller Umstände und der ganzen Vorgeschichte würden kein e verwertbaren Anhaltspunkte vor- liegen, dass ein sexueller Übergriff durch den Vater st attfinde, auch wenn die Mutter daran glaube. In ihrer Fixierung auf den übergriffigen Vat er habe sie das Kindswohl aus den Augen verloren und vertraue Fachleuten und Strafbehörden n icht. Auch sei sie nicht belehrbar. Ihr schädigendes Verhalten sei ihr bereits beim älteren S ohn ohne Erfolg vor Augen geführt wor- den. Es müsse verhindert werden, dass auch D.____ die Beziehung zum Vater verliere. 4.1.2 Die Beschwerdeführerin wendet dagegen insbesonde re ein, entgegen der neuen Ge- fährdungsmeldung von Seiten der Schulleitung Y.____, entgegen den neuerlichen Äusserungen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Kindes gegenüber der KJP BL und somit ohne Beachtu ng von dessen Wohlbefinden, und entgegen den hierauf erfolgten Empfehlungen der KJP BL von begleiteten Besuchen zur Si- cherheit des Kindes, welche wohl gemerkt beide Elterntei le akzeptiert hätten, habe die KESB B.____ nicht nur die Fortführung der unbegleiteten B esuche, sondern auch deren Ausdehnung verfügt. Sie habe dies getan, obwohl sie gleichzeitig eine psychiatrisch-psychologische Begut- achtung für die Abklärung der Kinderbelange anzuordnen gedenke, ohne die Ergebnisse aus dieser Begutachtung überhaupt erst abzuwarten. Dieses Vo rgehen sei äusserst fragwürdig und zumindest zum jetzigen Zeitpunkt mit dem Kindswohl nicht vereinbar, müssten doch unbegleitet Kontakte und erst recht eine zusätzliche Ausweitung der K ontakte angemessen sein und allen voran davon abhängen, dass D.____ mit dieser Kontaktreg elung zurechtkomme, was offen- sichtlich aber nicht der Fall zu sein scheint, andernfal ls sie sich nicht immer wieder gegenüber Drittpersonen - sei dies ihre Mutter, Frau F.____ von d er KJP BL oder nunmehr ihre Kindergar- tenlehrerin - so äussern würde, wie sie es eben tue. Überdies gelte es zu beachten, dass selbst wenn die Vorwürfe nicht zutreffen sollten, offensicht lich etwas nicht zu stimmen scheine, an- dernfalls sich D.____ wohl kaum so äussern würde. Dem m üsse nachgegangen werden, bevor darüber entschieden werde, dass sie ihren Vater unbeglei tet und ausgedehnt zu sehen habe. Weder die Fortführung der unbegleiteten Kontakte noch die Ausdehnung derselben würden im Moment zum Wohlbefinden von D.____ beitragen, sondern dienten einzig den Interessen des besuchsberechtigten Vaters. Dies widerspreche dem Grunds atz, wonach bei Regelungen in Kinderbelangen einzig das Kindswohl ausschlaggebend sei. Aus dem Genannten erhelle, dass vorerst keine unbegleiteten Besuche und erst recht nicht deren Ausdehnung stattfinden könn- ten, sondern vielmehr zuerst das Kindswohl im Rahmen de r durchzuführenden Begutachtung abzuklären sei. In dieser Zeit sollten die Kontakte aber nicht unterbrochen werden, sondern in begleitetem Rahmen durchgeführt werden, was denn auch so von Seiten der KJP BL empfoh- len und von den Eltern akzeptiert worden sei. Davon, dass die Kindsmutter einen Beziehungs- verlust von der Tochter zum Vater in Kauf nehmen würde, könne nicht die Rede sein. 4.1.3 Der Kindsvater hielt zusammenfassend fest, die p sychiatrisch-psychologische Begut- achtung von D.____ sei nicht gestützt auf die Gefährdung smeldung verfügt worden, sondern aufgrund des Verhaltens der Kindsmutter, das den Kontakt zwischen Vater und Kind regelrecht zu unterbinden versuche. Die Anordnung des Gutachtens sei verfügt worden, damit ein Ob- hutswechsel zum Vater geprüft werden könne. Seit der E rweiterung des Besuchsrechts und auch die Durchführung des Gutachtens im Raum stehe, würd en sich die Vorwürfe der Mutter betreffend sexuellem Missbrauch häufen. Es müsse davon ausg egangen werden, dass das Kind von der Mutter wiederum mehrfach suggestiv beeinf lusst worden sei, sodass das Kind nicht mehr unterscheiden könne, was es tatsächlich erlebt habe und was nicht. Die Ausweitung des Besuchsrechts diene sehr wohl D.____. Die Kindsmutt er verkenne es immer noch, dass der Kontakt zwischen Vater und Kind wichtig sei. Sie ve rsuche dies mit allen Mitteln zu unter- binden, was gegen das Kindswohl sei. 4.2.1 Nach Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen d ie elterliche Sorge oder Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr. Dieses Recht steht Eltern und Kindern um ihr er Persönlichkeit willen zu. Während der Zweck des Besuchsrechts früher eher darin gesehen wurde, dass dem besuchsberechtigten Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Elternteil ermöglicht werden soll, die verwandtschaftl ichen Beziehungen zum Kind aufrechtzu- erhalten, betont man heute vor allem das Bedürfnis des Kindes, Kontakt zu beiden Elternteilen zu haben. Was angemessen ist, lässt sich grundsätzlich nur an hand der Umstände des Einzel- falls unter Berücksichtigung des Zwecks des Besuchsrechts bestim men. Oberste Richtschnur muss das Kindeswohl sein, allfällige Interessen der Elte rn stehen dahinter zurück (vgl. INGEBORG SCHWENZER /MICHELLE COTTIER in: Thomas Geiser/Christiana Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, Basel 2018, N 3, 6 und 10 zu Art. 273 ZGB). 4.2.2 Ein begleitetes Besuchsrecht bezweckt, der Gefähr dung des Kindes wirksam zu be- gegnen, Krisensituationen zu entschärfen und Ängste abzubauen sowie Hilfestellungen für eine Verbesserung der Beziehungen zum Kind und unter den Elt ern zu vermitteln. Die Eingriffs- schwelle darf beim begleiteten Besuchsrecht nicht tiefer angesetzt werden, als wenn es um die Verweigerung oder den Entzug des Rechts auf persönlichen Verkehr ginge. Es erscheint insbe- sondere indiziert bei Verdacht auf sexuelle Übergriffe , Gewaltanwendungen, Entführungsge- fahr, Suchtabhängigkeit oder psychische Erkrankung, negat ive Beeinflussung des Kindes, psy- chische Belastung, Überforderungen und Ängste des Kindes sowie bei stark gestörtem Verhält- nis unter den Eltern. Das begleitete Besuchsrecht als sol ches muss verhältnismässig sein. Das begleitete Besuchsrecht stellt lediglich eine Übergangsl ösung dar und ist deshalb stets für eine begrenzte Dauer anzuordnen und es scheidet aus, wenn kl ar ist, dass die Besuche nicht innert absehbarer Zeit ohne Begleitung ausgeübt werden könn en (vgl. INGEBORG SCHWENZER /MICHELLE COTTIER , a.a.O., N 26 f. zu Art. 273 ZGB). 4.3.1 Dem Telefonat der KESB B.____ mit E.____ der KJP BL vom 3. Mai 2022 ist insbe- sondere zu entnehmen, dass aufgrund der Gefährdungsmel dung die KJP BL mit der Kinder- gärtnerin sowie der Kindsmutter gesprochen habe. Dami t das Gespräch mit D.____ überhaupt habe stattfinden können, sei man damit einverstanden ge wesen, dass der neue Partner der Kindsmutter anwesend sei. Dieser sei bei der Türe gesesse n, wo D.____ ihn nicht im Gesichts- feld gehabt habe. In dieser Ausgangslage habe D.____ gesagt, dass der Kindsvater den «Wurm» auf ihren Bauch gelegt habe und dieser grösser werde. Sie würde dem Kindsvater sagen, dass sie das nicht wolle. Er sage, dass er das schön finde, nicht aufhören wolle und es lustig fände. Im weiteren Verlauf habe D.____ gemalt und gesagt, der Kindsvater habe «aua im Fudi» gemacht. Dies sei angekleidet auf dem Sofa gesche hen. Sie würde es doof finden, zum Papi zu gehen. Auf die Frage, was für sie das Wichtigste sei, habe D.____ geantwortet, dass sie offen sei und alles erzählen solle. Dann habe sie das Gespräch beenden wollen. Sie habe sich dann zum neuen Lebenspartner der Kindsmutter gedre ht und ihn lange angeschaut. Sein Blick sei unauffällig gewesen. Sie habe noch mit den P uppen gespielt und nicht mehr gehen wollen. Die KJP BL habe am 2. Mai 2022 mit den Kindse ltern gesprochen. Die Kindsmutter ha- be nicht selber reden wollen, habe im Gespräch wenig gesagt und habe sich wenig konzentrie- ren können. Emotional sei es für sie klar, dass es so pa ssiert sei, wie D.____ dies erzählt habe. Der Kindsvater sei traurig gewesen und habe Tränen in den Augen gehabt. Er könne die Reak- tion der KJP BL verstehen, wenn diese das Erzählte von D .____ hören würden. Auf Empfeh- lung von E.____ habe die Kindsmutter D.____ für das le tzte Wochenende beim Vater krankge- meldet. Als weiteres Vorgehen wurde vorgeschlagen, D._ ___ nochmals zu sehen, damit wahr- genommen werden könne, wie sie dieses angebliche Ereign is verarbeite. Mit der Kindsmutter Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht werde abgeklärt, ob sie eine Anzeige erstatten wolle od er nicht. Es würden BBT empfohlen. Eine Sistierung der Kontakte werde aufgrund der Unschul dsvermutung nicht empfohlen, die Sicherheit für D.____ müsse aber gewährleistet werden, solange ein Strafverfahren nicht abge- schlossen oder klar sei, dass keines eröffnet werde. 4.3.2 Mit Schreiben vom 16. Mai 2022 empfahl E.____ vo n der KJP BL der KESB B.____ die Besuche von D.____ mit ihrem Vater begleitet durchzufüh ren. Die Kindseltern hätten sich mit der Fortführung der Kontakte in kontrolliertem Rahmen einverstanden erklärt. 4.4 Im vorliegenden Fall steht eine neue Gefärdungsmel dung durch die Schule Y.____ (AG) vom 15. Februar 2022 im Raum, wonach D.____ ge genüber ihrer Klassenlehrerin mitge- teilt habe, dass sie beim Kindsvater missbraucht werde. A nlässlich eines Gesprächs bei der KJP BL äusserte sich D.____ dahingehend, dass der Kindsva ter den «Wurm» auf ihren Bauch gelegt habe und dieser grösser geworden sei. Zudem ha be er ihr «aua im Fudi» gemacht. El- tern und Behörden sind in einer solchen Situation gle ichermassen herausgefordert. Jede Be- hörde, welche über den Kontakt zwischen einem verdächtigt en Elternteil und seinem Kind be- finden muss, befindet sich in einem Dilemma. Entscheide t sie sich für das unbegleitete Be- suchsrecht, setzt sie das Kind dem Risiko eines allfälligen se xuellen Übergriffs aus, sollte ein solcher in der Vergangenheit tatsächlich bereits stattgefunden haben. Ordnet es ein begleitetes Besuchsrecht an, obschon nie ein Missbrauch durch den Vater stattfand, missachtet sie das Recht des Elternteils und des Kindes auf eine freie, ung estörte Pflege ihrer Beziehung, was ebenfalls nicht zu unterschätzende nachteilige Auswirkunge n auf die Entwicklung des Kindes haben kann. Die Abwägung der auf dem Spiel stehenden Interessen, erfordert diejenige Mass- nahme, welche das Kind vor der Gefahr schützt, welche grösseren Schaden anrichten kann; dies ist zweifellos ein allfälliger sexueller Missbrauch. Z ur Sicherheit von D.____ empfahl auch die KJP BL respektive E.____ als Fachperson, welcher sowo hl mit D.____ und deren Eltern persönliche Gespräche geführt hat, begleitete Besuche, mit welchen sich die Kindseltern ein- verstanden erklärten. Auch wenn aufgrund der Vorgeschich te mit dem Sohn der Beschwerde- führerin aus einer früheren Beziehung und der ersten G efährdungsmeldung durch die Be- schwerdeführerin gewisse Vorbehalte seitens der KESB B. ____ vorhanden sind, und auch teil- weise durch das Gericht nachvollzogen werden können, sin d vorliegend keine Gründe ersicht- lich, weshalb nicht auf die Empfehlung der KJP BL abge stützt werden sollte. Aus dem Gesag- ten sind vorerst weder unbegleitete Besuche noch eine Ausdehnung derselben sowie etwelche Ferien zu verfügen, zumal zurzeit auch eine psychologische Abklärung von D.____ am zebt läuft, welche sich unausweichlich auch mit der Frage eines allfälligen sexuellen Übergriffs durch den Kindsvater zu befassen haben wird, zumal diesem die gesamten Akten zur Begutachtung vorliegen. Die Massnahme der BBT ist auch zumutbar und ve rhältnismässig, da mit der Erstel- lung des Gutachtens gemäss Rückmeldung von Dr. med. G.__ __ bis Ende Oktober 2022 ge- rechnet werden kann. Nach Eingang des Gutachtens wir d die KESB B.____ neu über den per- sönlichen Verkehr und einer allfälligen Obhutsumteilung zu befinden haben. Die Beschwerde ist in diesem Punkt demnach gutzuheissen. 4.5 Der Vollständigkeit halber ist daran zu erinnern, dass es zentrale Erziehungsaufgabe des obhutsberechtigten Elternteils ist, den Kontakt zum anderen Elternteil zu ermöglichen. Ei- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gene negative Stimmungslagen sind deshalb zu bekämpfen, und die Kinder sind nicht negativ zu beeinflussen, sondern darin zu bestärken, dass Kontakt e längerfristig und dereinst rückbli- ckend gesehen in den allermeisten Fällen von Nutzen sin d. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wäre es unhaltbar, wenn der obhutsberechtigte Elternteil es in der Hand hätte, gewissermassen durch Zwistigkeiten mit dem anderen Teil de n Umfang des Besuchsrechts zu steuern. In diesem Sinn ist auch zu bedenken, dass für ei nen allfälligen Loyalitätskonflikt des Kindes in erster Linie die Eltern verantwortlich sind, was ihnen allerdings oftmals nicht bewusst ist. Es ist eigentliche Aufgabe des Obhutsberechtigte n, eine positive Einstellung des Kindes gegenüber dem Besuchsberechtigten zu fördern (vgl. Urt eil des BGer 5A_885/2015 vom 16. März 2016 E. 3). 5.1.1 Die Beschwerdeführerin macht des Weiteren geltend , sowohl der Kindsvater als auch die Kindsmutter seien mit der Fortführung der Elterng espräche einverstanden, jedoch würden sich beide Eltern wünschen, dass diese Gespräche zufolge des Anfahrtsweges von W.____ und von Z.____ (AG) nicht mehr in V.____, sondern in einer wohnortnäheren Institution stattfin- de. Dass dem Wunsch beider Eltern nicht entsprochen werde und diese neuerlich angewiesen würden, die Gespräche in der KJP BL weiter zu besuchen, sei nicht nachvollziehbar, weshalb hiermit beschwerdeweise beantragt werde, die Eltern a nzuweisen, die Gespräche bei einer wohnsitznäheren Institution im Kanton Aargau oder Kanton Luzern zu besuchen und von weite- ren Gesprächen in V.____ abzusehen. 5.1.2 Der Kindsvater hält diesbezüglich fest, es sei ihm gleichgültig, wo die Sitzungen statt- finden würden. Wichtig sei, dass diese stattfinden und regelmässig von beiden Parteien ernst- haft wahrgenommen würden, sodass auch seine Besuche mit D.____ eine Regelmässigkeit und Beständigkeit erhielten und auch die Kindsmutter ihre Probleme angehe. 5.2.1 Gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB kann einer Kindswohlg efährdung mit einer Ermahnung oder einer Weisung an die Erziehungsberechtigten begeg net werden. Weisungen haben im Gegensatz zu Ermahnungen verbindlicheren Charakter und können gegebenenfalls mit der Strafandrohung des Verweisungsbruchs gemäss Art. 292 de s Schweizerischen Strafgesetzbu- ches (StGB) vom 21. Dezember 1937 verbunden werden ( vgl. DANIEL ROSCH /ANDREA HAURI , Zivilrechtlicher Kindesschutz, in: Rosch/Fountoulakis/Heck [Hrsg .], Handbuch Kindes- und Er- wachsenenschutz, Bern 2016, Rz. 1033). Die Kindesschutzbeh örde verfügt bei der Auswahl und Anordnung der zu treffenden Massnahme über einen grossen Ermessensspielraum (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_887/2017 vom 16. Februar 2018 E. 5.1 mit Hinweisen). 5.2.2 Die KESB B.____ hat die Kindseltern angewiesen , die Gespräche in der KJP BL im von den Fachleuten vorgegebenen Rhythmus weiter zu besuch en. Es ist zwar nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihres Wegzugs nach Z.____ (AG) und ihrer Sehbehinde- rung die Gespräche bei einer wohnsitznäheren Instituti on wahrnehmen möchte. Jedoch ist es wichtig, dass diese Gespräche aufgrund der Vorgeschichte und der aktuellen Situation unver- züglich weitergeführt werden. Durch einen Wechsel der Institution besteht die erhöhte Gefahr, dass sich die Gespräche verzögern oder dass sie gar abbreche n könnten, da sich die neuen Fachpersonen zuerst in die Akten einlesen müssten oder sich die Kindsmutter, wie die Vergan- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht genheit gezeigt hat, teilweise den Gesprächen entziehen könnte, was nicht dem Kindswohl ent- sprechen würde. Die KJP BL kennt zudem die Kindseltern u nd D.____ seit Beginn der ersten Gefährdungsmeldung und verfügt somit über die notwen digen Hintergrundinformationen. Bis anhin fanden die Elterngespräche monatlich und teilwei se auch nur alle zwei Monate statt. Da diese Gespräche in grösseren Zeitabständen stattfanden u nd wohl auch weiterhin stattfinden werden, ist der Beschwerdeführerin auch der Anfahrtsweg von Z.____ (AG) nach V.____ zu- mutbar. Die Beschwerde ist somit in diesem Punkt abzuweisen. 6. Wie schon im vorinstanzlichen Verfahren beantragt die Beschwerdeführerin auch vor Kantonsgericht, es sei für das Verfahren eine Kindesvertretung einzusetzen. 6.1 Gemäss Art. 314a bis ZGB ordnet die Kindesschutzbehörde wenn nötig die Vert retung des Kindes an und bezeichnet als Beistand eine in fürsorg erischen und rechtlichen Fragen er- fahrene Person (Abs. 1). Die Kindesschutzbehörde prüft d ie Anordnung der Vertretung insbe- sondere, wenn die Unterbringung des Kindes Gegenstand des Verfahrens ist; die Beteiligten bezüglich der Regelung der elterlichen Sorge oder bezüglich wichtiger Fragen des persönlichen Verkehrs unterschiedliche Anträge stellen (Abs. 2). Der Beistand des Kindes kann Anträge stel- len und Rechtsmittel einlegen (Abs. 3). Das Bundesgerich t weist in konstanter Rechtsprechung darauf hin, dass die Behörde bzw. das Gericht lediglich e ine Prüfungspflicht hat, die Anordnung einer Kindesvertretung aber keineswegs zwingend ist. Die B ezeichnung einer Vertretung der Kinder steht vielmehr im Ermessen der Behörde bzw. des G erichts (vgl. Urteile des Bundesge- richts 5A_403/2018 vom 23. Oktober 2018 E. 4.1.2; 5A_232/2016 vom 6. Juni 2016 E. 4). 6.2 Wie die Vorinstanz richtig festgestellt hat, werde n die Interessen von D.____ im vorlie- genden Verfahren – in welchem ohnehin das Untersuchung sprinzip gilt und die Behörde bzw. das Gericht dem Kindeswohl entsprechend zu entscheiden hat – ausreichend durch die Bei- ständin vertreten. D.____ ist zudem in einem Alter, in dem sie zur Ermittlung des Kindeswillens nicht befragt werden kann. Ein Kinderanwalt müsste sich auf die Akten und Abklärungen der Fachpersonen und der Beiständin stützen. Die Aufgabe d er Kindesvertretung im vorliegenden Verfahren besteht primär in der Hilfe bei der Sachver haltsermittlung und weniger in der recht- lich-verfahrensmässigen Unterstützung des Kindes in einem Pr ozess. Bei einer solchen Kons- tellation kann die von der Kindesschutzbehörde vorzunehmende Abwägung im Einzelfall durch- aus zum Ergebnis führen, dass die Wahrung der Interessen des Kindes im beistandschaftlichen Mandat erfolgt (vgl. PETER BREITENSCHMID in: Thomas Geiser/Christiana Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, Basel 2018, N 6 zu Art. 314a/314a bis ZGB). Die Be- schwerdeführerin stellt auch nicht in Abrede, dass die V ertretung des Kindes durch die Erzie- hungsbeiständin erfolgen kann. Fraglich ist zudem, ob die Beschwerdeführerin ihre Tochter überhaupt alleine mit der Kindesvertretung reden lassen oder zulassen würde, dass die Kindes- vertretung D.____ alleine an Termine begleitet. Bis a nhin war die Beschwerdeführerin nicht ge- willt, D.____ ohne eine Vertrauensperson ihrer Wahl oder ohne ihre Anwesenheit mit unbe- kannten Personen reden zu lassen. Nach dem Gesagten ist die Erziehungsbeiständin geeig- net, die Interessen D.____ im Verfahren adäquat wahrzu nehmen, ohne dass eine zusätzliche Verfahrensvertretung eingesetzt werden muss. Von der bea ntragten Einsetzung einer Verfah- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht rens- respektive Kindesvertretung ist abzusehen und die Besc hwerde in diesem Punkt abzu- weisen. 7. Zusammenfassend ist nach dem Gesagten die Beschwerde teilweise begründet und demnach teilweise gutzuheissen. Die Dispositiv-Ziffern 1, 2, 3 und 4 des Entscheids der KESB B.____ vom 17. Mai 2022 werden aufgehoben. Die KESB B.____ wird angewiesen, die beglei- teten Besuche zwischen D.____ und dem Kindsvater zu orga nisieren respektive gemäss Verfü- gung des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 1. Juni 2022 wei- terzuführen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. 8.1.1 Zunächst ist über die Gesuche der Beschwerdeführe rin und des Beschwerdegegners um unentgeltliche Rechtspflege zu befinden. Gemäss Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 hat jede Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unent geltliche Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbe- gehren nicht als aussichtslos erscheint. Soweit es zur Wahru ng ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechtsb eistand. Entsprechende Ansprüche statuiert § 22 VPO. Eine Person ist bedürftig, wenn sie nicht in der Lage ist, für die Prozesskos- ten aufzukommen, ohne dass sie Mittel beanspruchen müsste, die zur Deckung des Lebensun- terhaltes für sie und ihre Familie notwendig sind ( BERNHARD WALDMANN , in: Wald- mann/Belser/Epiney [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesverf assung, Basel 2015, N 77 zu Art. 29 BV). Als aussichtslos sind Prozessbegehren anzusehe n, bei denen die Gewinnaussich- ten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft be- zeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nic ht als aussichtslos, wenn sich Gewinn- aussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halt en oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Pro- zess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führe n würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (vgl. BGE 142 III 138 E. 5.1; KGE VV vom 13. Dezember 2017 [810 17 212] E. 3, jeweils mit weiteren Hinweisen). 8.1.2 Die Beschwerdeführerin erhält Ergänzungsleistung en und ist demnach bedürftig. Das Verfahren war auch nicht aussichtslos und eine Rechtsvertret ung angezeigt. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege ist somit zu bewilligen. 8.1.3 Aus dem eingereichten Gesuch des Beschwerdegegner s ergibt sich folgende monatli- che Grundbedarfsberechnung: Einkommen Fr. 5'319.-- und Ausgaben Fr. 4‘879.-- (Grundbetrag Fr. 1‘200.--, Erweiterung Grundbetrag (15%) Fr. 180.--, Mietzins Fr. 1‘560.--, Grundversicherung Krankenkasse Fr. 252.--, notwendige Berufsauslagen Fr . 289.--, Unterhaltsbeitrag Fr. 1‘210.--, Steuern Fr. 160.--), woraus ein Überschuss von Fr. 440.-- resultiert. In Anbetracht dieses be- rechneten monatlichen Überschusses ist es dem Beschwerdegeg ner möglich, die Verfahrens- kosten in der Höhe von Fr. 400.-- sowie die Kosten für die Rechtsvertretung innert etwas mehr als einem Jahr und ohne weiteres innert zwei Jahren zurückzubezahlen (vgl. DANIEL WUFFLI , Die Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht unentgeltliche Rechtspflege in der Schweizerischen Zi vilprozessordnung, Diss. 2015, Rz. 317; STEFAN MEICHSSNER , Das Grundrecht auf unentgeltliche Rechtspflege [Art. 29 Abs. 3 BV], Basel 2008, S. 75 f.), weshalb sein Gesuch um unentgeltliche Rechtpflege und –verbeiständung ab- zuweisen ist. 8.2 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden gemäss § 20 Abs. 3 VPO in d er Regel der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt. Die vorliegende Bes chwerde ist teilweise gutzuheissen. Die Beschwerdeführerin gilt somit als teilweise obsiegend u nd teilweise unterliegend. Die Parteien sind mit ihren Anliegen etwa im selben Masse durchgedrun gen. Unter Würdigung aller Umstän- de rechtfertigt es sich, die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 800.-- hälftig aufzuerlegen. Zufol- ge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung geht der der Beschwerdeführerin auferlegte Verfahrenskostenanteil zulasten der Gerichtskasse. 8.3 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Ausgang des Verf ahrens entsprechend sind die Par- teikosten wettzuschlagen. 8.4.1 Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbei ständung ist der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar aus der Gerichtskasse auszurichten. 8.4.2 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin macht in ihrer Honorarnote vom 28. Juni 2022 einen Aufwand von 15.90 Stunden à Fr. 200.-- sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 98.40 geltend, woraus sich ein Honorar von insgesam t Fr. 3'530.85 (inkl. 7.7 % MWST) ergibt, was angemessen ist. 8.4.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hi ngewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde werde n die Dispositiv-Ziffern 1, 2, 3 und 4 des Entscheids der Kindes- und Erwachsenen schutzbe- hörde B.____ vom 17. Mai 2022 aufgehoben. Die KESB B.____ wird angewiesen, die begleiteten Besuche zwischen D.____ un d dem Kindsvater zu organisieren respektive gemäss Verfügung des Kan- tonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 1. Juni 2022 weiterzuführen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. 3. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbeistän dung der Beschwerdeführerin wird bewilligt. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbeistän dung des Beschwerdegegners wird abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden zu je Fr. 400.-- der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdege gner aufer- legt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die der Beschwerdeführerin auferlegten Verfahrenskosten zulaste n der Ge- richtskasse. 5. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'530.85 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) aus der G erichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin