<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 339</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">339</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>81 Ausschaffungshaft; Dublin-Verfahren; Wegweisungsvollzug; rechtliche</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Hindernisse</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ist der Vollzug der Wegweisung gemäss Art. 69 AuG wegen fehlender</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechtskraft des Wegweisungsentscheids des BFM im Zeitpunkt der Haft-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>anordnung noch nicht zulässig, darf eine Ausschaffungshaft gestützt auf</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 6 AuG im Rahmen des Dublin-Verfahrens nur</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dann angeordnet werden, wenn ein minimales Zeitfenster verbleibt, in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>welchem der Vollzug der Wegweisung erfolgen kann. Berechnung des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>frühestmöglichen Vollzugs, wenn gegen den Wegweisungsentscheid des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>BFM ein Rechtsmittel ergriffen wird (E. II./2.3.2.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Präsidenten des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft3">15. April 2011 in Sachen Amt für Migration und Integration Kanton Aargau</span><br/> <span class="ft3">gegen M.E. betreffend Haftüberprüfung (1-HA.2011.65).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">2. [...]</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen bleibt, ob dem Vollzug der Wegweisung rechtliche</span><br/> <span class="ft1">Hindernisse im Wege stehen.</span><br/> <span class="ft1">Dabei ist zunächst Art. 69 Abs. 1 AuG zu beachten, wonach ein</span><br/> <span class="ft1">zwangsweiser Vollzug der Wegweisung erst ab Rechtskraft des</span><br/> <span class="ft1">BFM-Entscheids zulässig ist. Die Rechtskraft tritt ein, wenn ein Be-</span><br/> <span class="ft1">troffener nicht innert fünf Arbeitstagen beim Bundesverwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richt Beschwerde erhebt (Art. 108 Abs. 2 AsylG). Berücksichtigt</span><br/> <span class="ft1">man die garantierte Zustellungsfrist der Post für einen B-Post-Brief</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">340</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(drei Arbeitstage; vgl. http://www.post.ch/post-briefe-inland.pdf,</span><br/> <span class="ft1">aufgerufen am 14. April 2011, S. 4, "B-Post Briefe werden spätestens</span><br/> <span class="ft1">am dritten Arbeitstag nach der Aufgabe zugestellt"), kann die Rechts-</span><br/> <span class="ft1">kraft frühestens am achten Arbeitstag nach Zustellung des BFM-Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheids festgestellt werden. Je nach Wochentag der Zustellung ergibt</span><br/> <span class="ft1">sich eine andere Frist, innert welcher die Rechtskraft frühestens fest-</span><br/> <span class="ft1">gestellt werden kann. Bei Zustellungen an einem Montag oder Diens-</span><br/> <span class="ft1">tag am zehnten Tag nach Zustellung, bei Zustellungen von Mittwoch</span><br/> <span class="ft1">bis Freitag am zwölften Tag nach Zustellung. Liegen dazwischen</span><br/> <span class="ft1">zudem Feiertage, verlängert sich diese Frist entsprechend.</span><br/> <span class="ft1">Wird eine Beschwerde gegen einen Nichteintretensentscheid in</span><br/> <span class="ft1">einem Dublin-Verfahren eingereicht, kommt dieser von Gesetzes</span><br/> <span class="ft1">wegen keine aufschiebende Wirkung zu. Die asylsuchende Person</span><br/> <span class="ft1">kann aber innerhalb der Beschwerdefrist die Gewährung der auf-</span><br/> <span class="ft1">schiebenden Wirkung beantragen. Das Bundesverwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">entscheidet innerhalb von fünf Tagen nach Eingang eines solchen</span><br/> <span class="ft1">Antrags darüber. Wird die aufschiebende Wirkung innerhalb dieser</span><br/> <span class="ft1">Frist nicht gewährt, kann die Wegweisung vollzogen werden</span><br/> <span class="ft1">(Art. 107a AsylG).</span><br/> <span class="ft1">Aus Art. 107a AsylG folgt, dass nach Einreichung einer Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde der Vollzug der Wegweisung erst wieder zulässig ist, wenn</span><br/> <span class="ft1">entweder das Bundesverwaltungsgericht die aufschiebende Wirkung</span><br/> <span class="ft1">nicht zuerkannt hat oder innert fünf Tagen nach Eingang der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde nicht über die aufschiebende Wirkung entschieden wurde.</span><br/> <span class="ft1">Dies bedeutet, dass der Vollzug der Wegweisung nach Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">einreichung im Extremfall je nach Zustellungstag frühestens am</span><br/> <span class="ft1">15. oder 17. Tag nach Zustellung des BFM-Entscheids erfolgen kann.</span><br/> <span class="ft1">Dies jedoch erst, wenn das Bundesverwaltungsgericht an diesem Tag</span><br/> <span class="ft1">bestätigt hat, dass keine Beschwerde einging. Liegen in den ersten</span><br/> <span class="ft1">zehn bzw. zwölf Tagen dieser Frist Feiertage, verlängert sie sich ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten erhellt, dass [im vorliegenden Fall] trotz</span><br/> <span class="ft1">fehlender Rechtskraft des Wegweisungsentscheids ein kleines Zeit-</span><br/> <span class="ft1">fenster bleibt, in welchem der Vollzug der Wegweisung erfolgen</span><br/> <span class="ft1">kann. Es ist daher im Moment nicht generell von einer Undurchführ-</span><br/> <span class="ft1">barkeit des Vollzugs im Sinne von Art. 80 Abs. 6 lit. a AuG auszuge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">341</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">hen. Vielmehr ist im Einzelfall zu prüfen und durch den Gesuchstel-</span><br/> <span class="ft1">ler inskünftig darzulegen, dass im konkreten Fall der Vollzug der</span><br/> <span class="ft1">Wegweisung möglich ist.</span><br/> <span class="ft1">Sollte sich nach der Bestätigung der Haft erweisen, dass eine</span><br/> <span class="ft1">Ausschaffung bis zum Ablauf der maximal 30-tägigen Haft nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr möglich ist, wäre der Gesuchsgegner in Anwendung von</span><br/> <span class="ft1">Art. 80 Abs. 6 lit. a AuG entweder aus der Haft zu entlassen oder es</span><br/> <span class="ft1">müsste unverzüglich eine Haft angeordnet werden, die eine längere</span><br/> <span class="ft1">maximale Haftdauer zulässt.</span><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>