<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">317</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>64</b></span> <span class="ft3"><b>Quellensteuer; Direktbezug (§ 112 Abs. 1 StG, § 130 Abs. 1 StG)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Nachzahlung durch die quellensteuerpflichtige Person, wenn die Ein-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>forderung der Quellensteuer bei der Schuldnerin der steuerbaren Leis-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>tung nicht mehr möglich ist. Fehlen einer internationalen Doppelbesteue-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rung.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft4">vom 24. August 2017 in Sachen J.B. (3-RV.2017.49).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">318</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Das KStA, Quellensteuer, hat gestützt auf die Eingabe vom</span><br/> <span class="ft1">31. Mai 2016 festgestellt, dass der Rekurrent mit Wohnsitz im Aus-</span><br/> <span class="ft1">land vom 4. Juli 2011 bis zum 23. September 2011 in der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">erwerbstätig war. Aus dem Lohnausweis der A. AG, Aarau, vom</span><br/> <span class="ft1">31. Dezember 2011 und ebenso aus den Lohnabrechnungen ergibt</span><br/> <span class="ft1">sich, dass für das aus dieser Tätigkeit (vgl. Einsatzvertrag vom 4. Juli</span><br/> <span class="ft1">2011) erzielte Einkommen kein Quellensteuerabzug erfolgt ist. Das</span><br/> <span class="ft1">wird vom Rekurrenten nicht bestritten.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">In der Folge wurde die nicht abgelieferte Quellensteuer beim</span><br/> <span class="ft1">Rekurrenten mit Verfügung des KStA, Quellensteuer, vom 18. Au-</span><br/> <span class="ft1">gust 2016 und diese bestätigendem Einspracheentscheid vom</span><br/> <span class="ft1">8. Februar 2017 nachgefordert, da eine Einforderung bei der damali-</span><br/> <span class="ft1">gen Arbeitgeberin A. AG, Aarau, aufgrund der Auflösung der Gesell-</span><br/> <span class="ft1">schaft mit Urteil des Handelsgerichtes Zürich vom 15. Januar 2015,</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr möglich war.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 112 Abs. 1 StG werden Erwerbseinkünfte (§ 113</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 lit. a StG) von ausländischen Arbeitnehmern ohne fremden-</span><br/> <span class="ft1">polizeiliche Niederlassungsbewilligung, jedoch mit steuerrecht-</span><br/> <span class="ft1">lichem Aufenthalt im Kanton (§ 16 Abs. 3 StG), an der Quelle</span><br/> <span class="ft1">besteuert. Die Quellensteuer wird von den Bruttoeinkünften berech-</span><br/> <span class="ft1">net (§ 113 Abs.1 StG).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent bestreitet seinen ausländischen Wohnsitz wäh-</span><br/> <span class="ft1">rend der Dauer der in der Schweiz vom 4. Juli 2011 bis zum</span><br/> <span class="ft1">23. September 2011 (Dreimonatsbewilligung) ausgeübten Tätigkeit</span><br/> <span class="ft1">nicht. Während des Aufenthaltes in der Schweiz wohnte der Re-</span><br/> <span class="ft1">kurrent in Z. (Schreiben des Rekurrenten vom 5. August 2016 und</span><br/> <span class="ft1">Schreiben vom 31. Januar 2017). Eine regelmässige bzw. mindestens</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">319</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zweiwöchentliche Rückkehr nach Deutschland wird weder geltend</span><br/> <span class="ft1">gemacht, noch ist sie ausgewiesen.</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent war damit ohne Rückkehr nach Deutschland</span><br/> <span class="ft1">während mehr als 30 Tagen in der Schweiz erwerbstätig. Nach § 16</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 StG begründete er damit einen steuerrechtlichen Aufenthalt</span><br/> <span class="ft1">im Kanton Aargau. Sein im Jahr 2011 erzieltes Einkommen unterlag</span><br/> <span class="ft1">damit der Quellenbesteuerung nach § 112 StG und mangels Wochen-</span><br/> <span class="ft1">aufenthaltes nicht - wie im angefochtenen Einspracheentscheid zu</span><br/> <span class="ft1">Unrecht ausgeführt - nach § 121 Abs. 1 lit. a StG. An der Besteue-</span><br/> <span class="ft1">rung des Erwerbseinkommens an der Quelle und an der Höhe der ge-</span><br/> <span class="ft1">schuldeten Quellensteuer ändert sich dadurch jedoch nichts.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 130 Abs. 1 StG kann die steuerpflichtige Person (der</span><br/> <span class="ft1">Rekurrent) vom KStA zur Nachzahlung verpflichtet werden, wenn</span><br/> <span class="ft1">die steuerbare Leistung nicht oder nicht vollständig um die Quellen-</span><br/> <span class="ft1">steuer gekürzt ausbezahlt worden ist und ein Nachbezug bei der</span><br/> <span class="ft1">Schuldnerin der steuerbaren Leistung nicht möglich ist (vgl. dazu</span><br/> <span class="ft1">VGE vom 21. April 2010 in Sachen KStA/U.R. (WBE.2009.315),</span><br/> <span class="ft1">bestätigt durch Bundesgerichtsurteil vom 25. November 2010</span><br/> <span class="ft1">(2C_516/2010)). Die Nachforderung ist möglich innert fünf Jahren</span><br/> <span class="ft1">nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Steuerabzug hätte erfol-</span><br/> <span class="ft1">gen müssen (§ 135 Abs. 2 StG).</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend ist eine Nachforderung der von der A. AG nicht</span><br/> <span class="ft1">abgezogenen Quellensteuer (vgl. die eingereichten Lohnabrechnun-</span><br/> <span class="ft1">gen und den Lohnausweis für das Jahr 2011) bei der Schuldnerin des</span><br/> <span class="ft1">Lohnes nicht mehr möglich, da die damalige Arbeitgeberin des</span><br/> <span class="ft1">Rekurrenten vom Handelsgericht des Kantons Zürich aufgelöst wor-</span><br/> <span class="ft1">den ist. Dementsprechend wurde die nicht abgezogene Quellensteuer</span><br/> <span class="ft1">zu Recht beim Rekurrenten eingefordert</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">5.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent macht jedoch geltend, dass er für das identische</span><br/> <span class="ft1">Einkommen bereits in Deutschland besteuert worden sei (vgl. Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">320</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schluss des Finanzgerichtes vom 28. April 2017). Es liege daher eine</span><br/> <span class="ft1">(internationale) Doppelbesteuerung vor.</span><br/> <span class="ft1">5.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-</span><br/> <span class="ft1">schaft und der Bundesrepublik Deutschland zur Vermeidung der</span><br/> <span class="ft1">Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen</span><br/> <span class="ft1">und vom Vermögen vom 11. August 1971 (DBA CH-D) weist ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss seinem Art. 15 Abs. 1 lit. a Erwerbseinkommen dann dem Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsort (vorliegend Schweiz) zu, wenn sich der Leistungsempfänger</span><br/> <span class="ft1">(Rekurrent) nicht länger als 183 Tage während des Kalenderjahres im</span><br/> <span class="ft1">Staat des Arbeitsortes (Schweiz) aufgehalten hat. Die Schweiz bzw.</span><br/> <span class="ft1">der Kanton Aargau dürfen nach dieser Zuweisungsregel das im Jahr</span><br/> <span class="ft1">2011 während rund 90 Tagen in der Schweiz erzielte Arbeitsentgelt</span><br/> <span class="ft1">besteuern. Die Besteuerung erfolgt - wie ausgeführt - mit der</span><br/> <span class="ft1">Quellensteuer.</span><br/> <span class="ft1">Eine andere Frage ist, wie eine Doppelbesteuerung zu verhin-</span><br/> <span class="ft1">dern ist. Nach Art. 24 Abs. 1 Ziff. 1 lit. d DBA CH-D wird die Dop-</span><br/> <span class="ft1">pelbesteuerung bei einer Person, die in der Bundesrepublik Deutsch-</span><br/> <span class="ft1">land ansässig ist, vermieden, indem Gehälter, Löhne und ähnliche</span><br/> <span class="ft1">Vergütungen im Sinne des Art. 15 DBA CH-D von der Bemessungs-</span><br/> <span class="ft1">grundlage der deutschen Steuer ausgenommen werden, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Einkünfte aus der Schweiz stammen und die Arbeit in der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">ausgeübt wird. Nur zur Satzbestimmung sind diese Einkünfte in</span><br/> <span class="ft1">Deutschland zu berücksichtigen. Vorliegend hat damit Deutschland</span><br/> <span class="ft1">die Doppelbesteuerung nach Massgabe der genannten Regelung zu</span><br/> <span class="ft1">beseitigen.</span><br/> <span class="ft1">5.3.</span><br/> <span class="ft1">Trotz des Beschlusses des Finanzgerichtes vom 28. April 2017</span><br/> <span class="ft1">erfolgt die Besteuerung des erzielten Einkommens in der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">somit zu Recht.</span><br/></div> </div> </body> </html>