Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 21. April 2020 (400 20 2) ____________________________________________________________________ Zivilprozessrecht / Obligationenrecht Neue rechtliche Begründungen sind von der Novenschr anke von Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht erfasst und können im kantonalen Berufungsver fahren unbeschränkt vorgebracht werden (E. 2.2); Grad der Substantiierung einer behaupteten Tatsache und deren Bestrei- tung (E. 4.4 f.); Voraussetzungen für eine vorzeitige Kündigung des Mietverhältnisses aus wichtigen Gründen (E. 5.1 ff.). Folgen einer un berechtigten vorzeitigen Kündigung und Schadenminderungspflicht des Vermieters gemäss Art. 264 OR (E. 7.1 ff.) Besetzung Präsident Roland Hofmann, Richterin Barbara Jermann Richterich (Ref.), Richter Philipp Spitz; Gerichtsschreiber Giuseppe Di Marco Parteien A.____ , vertreten durch Advokat Dr. Christoph Nertz, und Advokat Michael Kaufmann, NEOVIUS AG, Hirschgässlein 30, Postfach, 4010 Basel, Klägerin und Berufungsbeklagte Gegen B.____ AG , vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Urs Markus Lischer, Lischer Zemp & Partner, Haus zum Schwanen, Schwanenplatz 4, 6004 Luzern, Beklagte und Berufungsklägerin Gegenstand Forderung Berufung gegen das Urteil des Zivilkreisgerichts des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 5. September 2019 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die B.____ AG als Mieterin und die A.____ als Vermie terin schlossen am 10. / 18. März 2008 – mit Nachtrag vom 4. / 6. November 2008 – eine n befristeten Mietvertrag mit Wirkung ab 1. September 2008 bis 30. August 2018 über eine Verka ufs- und Lagerräumlichkeit im Ein- kaufszentrum X.____ in Y.____. Für die Gebrauchsüberlass ung des Mietobjekts vereinbarten sie einen jährlichen Bruttomietzins in Höhe von CHF 131 '725.00, der sich aus einem Mindest- mietzins von CHF 120'550.00, Nebenkosten von CHF 10'80 0.00 akonto sowie pauschalen Ne- benkosten von CHF 375.00 zusammensetzte. Der monatliche B ruttomietzins betrug damit CHF 10'977.10. Dieser Mietvertrag aus dem Jahre 2008 ersetzte den Mietvertrag zwischen den Parteien vom 21. Januar 1974 inklusive sämtlicher Nachträge. B. Mit Schreiben vom 16. November 2015 kündigte die B._ ___ AG das vorgenannte Miet- verhältnis ein erstes Mal ausserordentlich auf den 30. A pril 2016 gemäss Art. 266g OR. Im Zuge des anschliessenden Schlichtungsverfahrens vor der Sch lichtungsbehörde für Mietange- legenheiten des Kantons Basel-Landschaft reduzierte die A.____ mit Erklärung vom 26. Febru- ar 2016 den Mindestmietzins ab 1. März 2016 auf CHF 95 '000.00 pro Jahr (CHF 7'916.65 pro Monat) plus 15 % des Umsatzes von B.____ AG, der den Bet rag von CHF 515'000.00 (exkl. MWST) übersteigt. Die zusätzlich zu entrichtenden Nebenkosten blieben unverändert bestehen. Der Verzicht auf einen Teil des Mindestmietzinses durch die A.____ erfolgte unter dem Vorbe- halt, dass die B.____ AG den Mietvertrag erfüllt, das Mietobjekt effektiv als Verkaufsgeschäft selber nutzt und die Kündigung vom 16. November 2015 al s unwirksam anerkennt. Mit Schrei- ben vom 29. Februar 2016 teilte die B.____ AG der Sc hlichtungsbehörde mit, ihre Kündigung vom 16. November 2015 als unwirksam sowie das Fortdauern d es Mietverhältnisses über den 30. April 2016 hinaus anzuerkennen. Die Schlichtungsbehörde schrieb in der Folge das Schlich- tungsverfahren ab. C. Am 28. März 2017 kündigte die B.____ AG das vorliegend e Mietverhältnis erneut aus- serordentlich gestützt auf Art. 266g OR auf den 30. Juni 2017 mit der Begründung, dass sich die wirtschaftlichen Umstände sowohl in Bezug auf die V erkäufe als auch in Bezug auf das Un- ternehmen massiv verschlechtert hätten. Trotz verstärkter A nstrengungen hätten die einschnei- denden Umstände, etwa die unerwartete Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweize- rische Nationalbank und das dadurch massiv veränderte Einka ufsverhalten der früheren Kund- schaft, nicht wettgemacht werden können. Die A.____ bestritt mit Schreiben vom 12. April 2017 das Vorliegen von wichtigen Kündigungsgründen im Sinne von Art. 266g OR und hielt die Kün- digung der B.____ AG vom 28. März 2017 für unwirksam. D. Am 7. Juli 2017 sandte die B.____ AG die Schlüssel z um Mietobjekt der A.____ zurück. Diese wiederum hielt in ihrem Schreiben an die B.____ AG vom 18. Juli 2017 fest, dass durch die Entgegennahme der Schlüssel keineswegs der Beendigu ng des Mietverhältnisses zuge- stimmt werde. Der bestehende Mietvertrag bleibe bis zu seinem Ablauf am 30. August 2018 unverändert bestehen und die A.____ werde gegebenenf alls die geschuldeten Mietzinsen so- wie Konventionalstrafen gerichtlich durchsetzen. E. Per 13. Oktober 2017 wurde das Mietobjekt im Einkaufszen trum X.____ in Y.____ an die A.____ zurückgegeben, wobei im Abnahmeprotokoll festgehalten wurde, dass die Haftung für das Mietobjekt bis Ende August 2018 fortdauere. Im Anschluss daran leitete die A.____ Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegen die B.____ AG die Betreibung für ausstehende M ietzinsen vom 1. Juli 2017 bis 1. No- vember 2017 in der Höhe von CHF 104'549.85 nebst Zins zu 5 % seit dem 1. September 2017 ein. Die B.____ AG erhob dagegen Rechtsvorschlag. Das d anach durchgeführte Schlichtungs- verfahren blieb ergebnislos, woraufhin der A.____ die Klagebewilligung vom 8. Februar 2018 ausgestellt wurde. F. Mit Klage an das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost vo m 12. März 2018 forderte die A.____ von der B.____ AG die Bezahlung von CHF 87'816 .80 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 1. November 2017 sowie die Beseitigung des Rechtsvorschlag es für den Betrag von CHF 43'908.40 nebst Zins zu 5 % seit dem 1. September 2017 und für Zahlungsbefehlskosten von CHF 101.65, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der B.____ AG. Die A.____ begründete ihre Klage im Wesentlichen damit, dass kein wichtiger Grund für eine ausserordent- liche Kündigung nach Art. 266g OR vorliegen würde und die Kündigung vom 28. März 2017 demnach unwirksam sei. Nachdem die B.____ AG das Mietobjekt entgegen der in Ziffer 4.3 des Mietvertrags vereinbarten Gebrauchspflicht seit Juli 2 017 nicht mehr nutze, falle auch die mit Erklärung der A.____ vom 26. Februar 2016 gewährte Mi etzinsreduktion dahin. Geschuldet sei demnach der vereinbarte Bruttomietzins in Höhe von CHF 10'977.10 pro Monat, wobei die vor- zeitige Rückgabe der Mietsache nicht zu einer Beendigun g des Mietverhältnisses führe. Da die B.____ AG nicht einmal den Versuch unternommen habe, einen Ersatzmieter zu stellen, schul- de sie weiterhin die vereinbarten Mietzinsen. G. Mit Klageantwort vom 11. Juli 2018 ersuchte die B.____ AG um kostenfällige Abweisung der Klage und um Feststellung, dass die Kündigung des Mietvertrages vom 28. März 2017 per 30. Juni 2017, eventuell per 30. September 2017, wirksam und demnach das Mietverhältnis der Parteien per 1. Juli 2017, eventuell per 1. Oktober 2017, aufgelöst sei. Die B.____ AG führte zusammenfassend aus, es würden strukturelle Veränderungen vorliegen, welche gemäss bun- desgerichtlicher Rechtsprechung zur ausserordentlichen Kü ndigung des Mietverhältnisses be- rechtigen würden. Im Weiteren träfe die A.____ eine Schadenminderungspflicht, indem sie das Mietobjekt weitervermieten müsse. Auf diese Schadenminde rungspflicht sei die A.____ auch mehrmals aufmerksam gemacht worden. Sie habe jedoch kein e Wiedervermietungsbemühun- gen unternommen und auch die weiteren Pflichten ihrer Schadenminderungspflicht aufgrund des Bestehens eines langjährigen Mietverhältnisses verl etzt. Namentlich aufgrund der Eigen- nutzung durch die A.____ habe sie sich hypothetische Ersat zeinkünfte nach Art. 264 Abs. 3 lit. b OR anrechnen zu lassen. H. Nach Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels und d er Hauptverhandlung vom 5. September 2019 entschied die Dreierkammer des Zivil kreisgerichts Basel-Landschaft Ost, die Klage der A.____ gutzuheissen und die B.____ AG z u verpflichten, der Klägerin CHF 87'816.80 zuzüglich Zins von 5 % seit 1. November 2 017 zu bezahlen. Die Vorinstanz be- seitigte zudem den Rechtsvorschlag von B.____ AG für ein e Forderung der Klägerin von CHF 43'908.40 nebst Zins zu 5 % seit 1. September 201 7 und für Zahlungsbefehlskosten im Umfang von 82.00 definitiv. Das Feststellungsbegehren der B.____ AG wurde abgewiesen und die gesamten Gerichtskosten wurden ausgangsgemäss der un terliegenden B.____ AG aufer- legt. Diese wurde sodann verpflichtet, der Klägerin e ine Parteientschädigung von CHF 13'851.50 zu bezahlen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Gegen das schriftlich begründete Urteil der Vorinstanz v om 5. September 2019 erhob die B.____ AG (nachfolgend Berufungsklägerin) am 6. J anuar 2020 Berufung beim Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, mit dem Antrag, das angefochtene Urteil sei auf- zuheben und die Klage der A.____ sei vollumfänglich a bzuweisen. Eventualiter sei die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, a lles unter Kosten- und Entschädi- gungsfolge zu Lasten der Gegenpartei. Mit Berufungsa ntwort vom 3. März 2020 ersucht die A.____ (nachfolgend Berufungsbeklagte) um kostenfällige Abweisung des Rechtsmittels, sofern und soweit darauf eingetreten werden könne, sowie um Bestätigung des angefochtenen Urteils der Vorinstanz. J. Mit Verfügung vom 9. März 2020 schloss das instruierend e Gerichtspräsidium des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, de n Schriftenwechsel und kündigte den Parteien den Entscheid der Dreierkammer der Berufungsinstanz auf Grundlage der Akten an. In den nachfolgenden Entscheiderwägungen werden die Vort räge der Parteien wiedergegeben, soweit sie für die Beurteilung des Falles rechtserheblich sind. Erwägungen 1. Der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbe gehren richtet sich nach der klä- gerischen Forderung in Höhe von CHF 87'816.80, weshal b gegen den angefochtenen Endent- scheid der Vorinstanz vom 5. September 2019 das Rechtsmit tel der Berufung zur Verfügung steht (Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 ZPO). Die Ber ufung ist bei der Rechtsmittelinstanz innert 30 Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheides be ziehungsweise seit der nachträgli- chen Zustellung der Entscheidbegründung schriftlich und begründet einzureichen (Art. 311 ZPO). Das schriftlich begründete Urteil der Vorinstanz vom 5. September 2019 wurde der Beru- fungsklägerin gemäss Sendungsverfolgung der Schweizerischen Post am 21. November 2019 zugestellt. Unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes vom 18. Dezember 2019 bis und mit 2. Januar 2020 (Art. 145 Abs. 1 lit. c ZPO) endete die Berufungsfrist am 6. Januar 2020. Mit der Berufung vom 6. Januar 2020 ist die Rechtsmittelfrist ei ngehalten. Die Berufungsklägerin ver- fügt als Adressatin des vorinstanzlichen Urteils zweifelsohne über ein schutzwürdiges Interesse im Sinne von Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO und sie hat de n Kostenvorschuss für das Berufungsver- fahren in Höhe von CHF 6'500.00 fristgerecht in die Gerichtskasse einbezahlt. Sie rügt sowohl eine unrichtige respektive unvollständige Feststellung d es Sachverhalts sowie die unrichtige Rechtsanwendung durch die Vorinstanz im Sinne von Art. 310 ZPO. Auf das Rechtsmittel ist somit einzutreten und der vorliegende Entscheid ist schrif tlich zu eröffnen. Zur Beurteilung der Berufung ist die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts sachlich zuständig (§ 6 Abs. 1 lit. d EG ZPO). 2.1 Die Berufungsklägerin möchte den Entscheid des Zivilkreisg erichts Basel-Landschaft West vom 3. September 2019, welcher die ausserordentl iche Kündigung des Mietverhältnisses bezüglich ihrer Filiale in Z.____ per 30. Juni 2017 b etrifft, sowie einen am 9. Dezember 2019 in der Zeitschrift Beobachter publizierten Artikel mit de m Titel «Lädelisterben: Die Schuhbranche trifft es besonders» im vorliegenden Berufungsverfahr en berücksichtigt haben. Sie beruft sich dabei auf Art. 326 ZPO und lässt vorbringen, allgemein - und gerichtsnotorische Tatsachen wie Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fachliteratur und Gerichtsurteile sowie sämtliche im Int ernet öffentlich publizierten Inhalte wür- den nicht unter die Novenschranke des Art. 326 ZPO fallen. Die Berufungsbeklagte ist hingegen der Auffassung, der Entscheid des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft West vom 3. September 2019 stelle ein Novum dar, welches bereits an der vorinst anzlichen Hauptverhandlung vom 5. September 2019 hätte vorgebracht werden können bzw . müssen. Denn zu diesem Zeitpunkt seien die Erwägungen des Zivilkreisgerichts Basel-Landscha ft West aufgrund der öffentlichen Beratung des Dreiergerichts vom 3. September 2019 be kannt gewesen. Ohnehin sei fraglich, was die Berufungsklägerin aus diesem Entscheid für das vor liegende Verfahren zu ihren Guns- ten ableiten möchte, sei jenem Urteil doch ein andere r Sachverhalt zugrunde gelegen. Zum Artikel «Lädelisterben: Die Schuhbranche trifft es beson ders» äussert sich die Berufungsbe- klagte nicht. 2.2 Entgegen der Ansicht der Berufungsklägerin regelt nich t Art. 326 ZPO, sondern Art. 317 Abs. 1 ZPO die Zulässigkeit von Noven im Berufungsverfahren. Nach Art. 317 Abs. 1 ZPO kön- nen neue Tatsachen und Beweismittel im Rechtsmittelverf ahren nur noch berücksichtigt wer- den, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten. Neue rechtli che Begründungen sind von dieser Bestimmung nicht erfasst und können im kantonalen Berufu ngsverfahren sowie vor Bundesge- richt unbeschränkt vorgebracht werden, was sich insbesondere aus dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen ergibt (BGer 4A_519/2 011 vom 28. November 2011 E. 2.1; BSK ZPO-S PÜHLER , 3. Aufl., 2017, Art. 317 N 12; R EETZ /H ILBER , in: Sutter-Somm/- Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., 3. Aufl., 2016, Art. 317 N 31, 33; BK ZPO-S TERCHI , 2012, Art. 317 N 3). Der von der Berufungsklägerin ein gereichte Entscheid des Zivilkreisge- richts Basel-Landschaft West vom 3. September 2019 stellt eine neue rechtliche Begründung dar und ist im Rechtsmittelverfahren ohne Weiteres zuzul assen. Im Übrigen lag die schriftliche Begründung dieses Entscheids vom 3. September 2019 betreffend die Filiale in Z.____ im Zeit- punkt der Urteilsberatung durch die Dreierkammer der V orinstanz am 5. September 2019 im hier zu beurteilenden erstinstanzlichen Verfahren noch nicht vor. Dasselbe gilt für den Artikel «Lädelisterben: Die Schuhbranche trifft es besonders», w elcher am 9. Dezember 2019 in der Zeitschrift Beobachter veröffentlicht wurde. Dieser Art ikel stellt ein echtes Novum dar, welches mit der ersten Rechtsschrift im Berufungsverfahren und somit ohne Verzug im Sinne von Art. 317 Abs. 1 ZPO eingereicht worden ist. Auch der Artikel vom 9. Dezember 2019 ist daher im Rechtsmittelverfahren zu berücksichtigen. Mit der Zula ssung dieser beiden Berufungsbeila- gen ist jedoch noch nichts über deren Beweiswert gesagt (dazu nachstehende Erwägungen 3.2 und 5.4). 3.1 In materieller Hinsicht weist die Berufungsklägerin auf den Entscheid des Zivilkreisge- richts Basel-Landschaft West vom 3. September 2019 hin, welche das Vorliegen der Vor- aussetzungen für eine ausserordentliche Kündigung nach Art. 266g OR betreffend die Filiale der Berufungsklägerin in Z.____ bejaht und die Kündig ung für gültig erklärt hatte. Die Beru- fungsklägerin lässt dazu hauptsächlich vortragen, die Kün digung des Mietverhältnisses betreffend den Standort in Z.____ sei zeitgleich mit der vorliegend zu beurteilenden Kündigung betreffend die Filiale in Y.____ ausgesprochen word en. Dem Entscheid des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 3. September 2019 sei im Wese ntlichen dieselbe Ausgangslage Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit denselben Parteien zu Grunde gelegen wie im vorliegenden Verfahren. Die Berufungskläge- rin habe das mit Mietvertrag vom 9. / 16. Mai 2011 ge schlossene und bis zum 31. August 2021 befristete Mietverhältnis betreffend ihre Filiale in Z .____ aus wirtschaftlichen Gründen mit Schreiben vom 28. März 2017 vorzeitig per 30. Juni 201 7 ausserordentlich gekündigt. Auch in Bezug auf die Filiale in Z.____ habe es nach einer e rsten ausserordentlichen Kündigung des Mietverhältnisses durch die Berufungsklägerin am 16. Nov ember 2015 eine aussergerichtliche Einigung mit der Berufungsbeklagten gegeben. Letztere habe dabei auf einen Teil des Mietzin- ses verzichtet. In seinem sorgfältig begründeten Entschei d sei das Zivilkreisgericht Basel- Landschaft West zum Schluss gekommen, dass die Rechtsprechung im BGE 60 II 209 vom 29. Mai 1934 im Zeitpunkt der neuerlichen Kündigung auf eben diesen Fall anwendbar sei. Na- mentlich habe es festgestellt, dass die von der Berufun gsklägerin vorgetragenen Umstände eine wesentliche Veränderung der Umstände seit Vertragsschluss dargestellt hätten und kausal für die Umsatzeinbrüche in der Filiale in Z.____ gew esen seien. Das wesentliche Auseinander- fallen von Betriebskapazität und tatsächlicher Beanspruchung habe den Mietzins zu einer uner- träglichen Last für die Berufungsklägerin werden lassen. Diese Umstände hätten im Zeitpunkt des Abschlusses des Mietverhältnisses nicht vorgelegen und seien von der Berufungsklägerin nicht vorhersehbar gewesen. Der Entscheid des Zivilkreisgerichts West vom 3. September 2019 sei von den Parteien nicht angefochten und inzwischen rechtskräftig geworden. 3.2 Im Parallelverfahren vor dem Zivilkreisgericht Basel-Lan dschaft West betreffend die Fi- liale der Berufungsklägerin in Z.____ lag ein Mietvert rag zwischen den Parteien über ein Miet- objekt an einem anderen Standort mit anderen Laufzei ten zur Beurteilung vor. Die Ausgangsla- ge im hiesigen Verfahren betreffend den Standort in Y.____ ist damit nicht identisch mit derjeni- gen bezüglich des Standorts in Z.____. Selbst wenn identische Sachverhalte vorliegen würden, würde dies nicht zu einer Bindung eines erstinstanzlichen G erichts an den früheren Entscheid eines anderen erstinstanzlichen Gerichts führen, da jedes G ericht nach dem Grundsatz iura novit curia das Recht von sich aus anzuwenden hat (Art. 57 ZPO; BSK ZPO-G EHRI , 3. Aufl., 2017, Art. 57 N 4 m. w. H.). Insbesondere dort, wo das Gesetz dem Gericht ein Ermessen ein- räumt bzw. auf die Würdigung der Umstände oder wichtiger Gründe verweist (so im hier zu prü- fenden Art. 266g Abs. 1 OR), hat es seine Entscheidun g nach Recht und Billigkeit gemäss Art. 4 ZGB zu treffen, was in vergleichbaren oder identischen Fällen zu unterschiedlichen erstin- stanzlichen Urteilen führen kann. Der Entscheid des Zi vilkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 3. September 2019 hat somit nicht zur Folge, dass d ie Vorinstanz im vorliegenden Fall genauso hätte entscheiden müssen wie das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West. Damit ist auch irrelevant, ob bzw. dass der Entscheid des Zivilkreisg erichts Basel-Landschaft West vom 3. September 2019 in Rechtskraft erwachsen ist. Das Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, greift bei der Beurteilung von erstinstanzlichen Ermessensentschei dungen auf Antrag einer Partei praxisgemäss nur mit Zurückhaltung ein bzw. nur dann, wen n der Ermessensspielraum der Vo- rinstanz eine Rechtsverletzung darstellt, mithin wenn ein Ermessensmissbrauch oder eine Er- messensunterschreitung bzw. -überschreitung vorliegt (BK Z PO-STERCHI , 2012, Art. 310 N 8; BSK ZPO-SPÜHLER , 3. Aufl., 2017, Art. 310 N 3). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die Berufungsklägerin machte im vorinstanzlichen Verfahr en zusammenfassend gel- tend, dass die Weiterführung des im März 2008 geschlossene n Mietverhältnisses aufgrund von gravierenden und über Jahre andauernden Umsatzrückgänge n nicht mehr zumutbar gewesen sei. Der Umsatz aller Filialen sei von CHF 48'409'095.0 0 im Jahr 2013 auf CHF 29'362'096.00 im Jahr 2016 respektive auf CHF 21'271'954.00 im Jahr 2017 gesunken. Der Jahresumsatz der Filiale in Y.____ habe in den Jahren 2006 bis 2010 im Schnitt rund CHF 582'000.00 betragen. In den Jahren 2011 bis 2013 sei ein Umsatzrückgang von etw a CHF 60'000.00 bzw. 10 % ver- zeichnet worden. In den Jahren 2014 und 2015 habe ein Jahresumsatz von CHF 504'419.00 respektive CHF 513'661.00 resultiert. Im Jahr 2016 sei d er Umsatz der Filiale in Y.____ mit CHF 336'953.00 im Vergleich zum früheren Durchschnitt u m annähernd 43 % definitiv und in ausserordentlichem Umfang eingebrochen, wodurch sich die Berufungsklägerin im März 2017 zur ausserordentlichen Kündigung veranlasst gesehen habe. Die dargelegten Zahlen der Filiale in Y.____ würden den jährlichen Nettoumsätzen der or dentlichen Filialergebnisrechnungen ent- sprechen. Die Jahresrechnungen und die diesen zugrundeli egenden Umsatzzahlen seien ge- prüft worden. 4.2 Die Vorinstanz sprach den eingereichten Unterlagen für den Nachweis des behaupteten erheblichen Umsatzrückganges der Filiale in Y.____ eine Beweiskraft ab. Bei den Filialergeb- nisrechnungen handle es sich um selbstverfasste Aufstellunge n, welche nicht geeignet seien, eine rechtserhebliche Tatsache zu beweisen, zumal auf d iesen weder der Aussteller der abge- bildeten Umsatzzahlen noch deren Überprüfung durch ei ne unabhängige (Revisions)-Stelle ersichtlich sei. Diese ungeprüften Umsatzzahlen würden da her eine blosse Parteibehauptung darstellen. Ebenso seien die eingereichten Abschlüsse nicht geeignet, einen allfälligen Umsatz- rückgang der Filiale in Y.____ rechtsgenüglich nachzuweisen, da sie konzern- und nicht filialbe- zogen seien. Dem von PricewaterhouseCoopers AG verfassten Bericht zur Jahresrechnung 2017 könne zwar entnommen werden, dass sich die Geschäftsz ahlen der Berufungsklägerin insgesamt merklich verschlechtert hätten, allerdings würden diese Zahlen wie erwähnt nicht die Filiale in Y.____, sondern das Geschäftsergebnis sämtl icher Filialen der Berufungsklägerin ab- bilden. Objektbezogene und verifizierte Geschäftsergebnisse betreffend die Filiale in Y.____ seien nicht ins Recht gelegt worden. Der Berufungsklägeri n sei es durchaus möglich gewesen, allfällige finanzielle Schwierigkeiten betreffend die Filiale in Y.____ etwa durch Vorlage von ge- prüften Geschäftsabschlüssen oder mittels Beibringen von Bankauszügen darzulegen. 4.3 Die Berufungsklägerin rügt, die Vorinstanz habe bei de r Beweiswürdigung der Filialzah- len in Y.____ den Grundsatz der Dispositionsmaxime gemäss Art. 58 ZPO verletzt. Überdies würden sich die von der Vorinstanz gestellten Anforder ungen an die Substantiierungspflichten der Berufungsklägerin als überspitzt formalistisch erweisen. Der Vorinstanz sei eine willkürliche Rechtsanwendung vorzuwerfen. Der Aussteller der Filial umsatz- und Filialergebniszahlen sei die Berufungsklägerin gewesen, was von der Berufungsbe klagten auch nie bestritten worden sei. Die Berufungsklägerin unterliege der eingeschränkten Revision. Die Pricewaterhouse- Coopers AG prüfe als Revisorin jeweils die Jahresrechnung der Berufungsklägerin, welche sich aus den Ergebnisrechnungen der einzelnen Filialen zusa mmensetze. Die einzelnen Filialergeb- nisrechnungen würden nicht noch zusätzlich einer gesonderten Revision unterzogen. Objektbe- zogene verifizierte Jahresrechnungen gebe es nicht. Die Berufungsbeklagte habe die Filial- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ergebnisrechnungen der Filiale in Y.____ aus den Jahre n 2006 bis 2017 lediglich "der guten Ordnung halber" bestritten. Eine solche Bestreitung er weise sich als in keiner Weise rechts- genüglich. Die Vorinstanz habe damit eigenmächtig an d er Authentizität dieser Filialergebnis- zahlen gezweifelt, was nicht angehe. Bei den Umsatzzahlen einer Unternehmung handle es sich stets um "selbstverfasste" Aufstellungen. Hinzu komme, da ss heutzutage finanzielle Daten elektronisch erfasst und bearbeitet würden. Auch im vorli egenden Fall seien die Umsatzzahlen aufgrund der Kassenbelege in Excel-Dateien erfasst und ü ber die gesamten Filialen zusam- mengeführt worden. Separate, ausgedruckte Umsatzzahlenerf assungen würden nicht mehr existieren. Der Hinweis der Vorinstanz auf das "Beibring en von Bankauszügen" gehe fehl, da die Kundinnen und Kunden mit Maestro, Kreditkarten o der überwiegend mit Bargeld bezahlen würden. Die Zuordnung von Bankzahlungen auf einzelne Fi lialen erweise sich ohnehin als fak- tisch unmöglich. Dass nicht meterlange Kassenabrechnungen vorsorglich, aufgrund nicht im Ansatz belegter Bestreitungen, dem Gericht einzureichen seien, verstehe sich von selbst. Es würde die Beweisanforderungen in völlig unzumutbarer Weise überdehnen. Entsprechend habe denn auch das Zivilkreisgericht Base-Landschaft West im Ur teil vom 3. September 2019 trotz der auch in jenem Verfahren durch die Berufungsbeklagte erfolgten Bestreitung "der guten Ord- nung halber" auf die vorgelegten Filialumsatzzahlen ab gestellt. Mittels der geprüften Jahres- rechnungen der Berufungsklägerin habe schliesslich aufgezei gt werden können, dass der Um- satz in allen Filialen – vor allem ab dem Jahr 2015 – massiv zurückgegangen sei. Die Umsatz- entwicklung aller Filialen stimme mit den sich ebenfall s stark negativ entwickelnden Filialergeb- nisrechnungen der Filiale in Y.____ überein. Die Vorinstanz habe damit zu Unrecht nicht auf die Filialergebnisrechnungen der Filiale in Y.____ aus de n Jahren 2006 bis 2017 abgestellt und diesen eine Beweiskraft aberkannt. 4.4 Forderungen aus Mietvertrag mit einem Streitwert von mehr als CHF 30'000.00 unter- stehen der Dispositions- und Verhandlungsmaxime. Nach Art . 58 Abs. 1 ZPO darf das Gericht in Anwendung der Dispositionsmaxime einer Partei nicht m ehr und nichts anderes zusprechen, als sie verlangt, und nicht weniger, als die Gegenparte i anerkannt hat. Im Rahmen der Ver- handlungsmaxime haben die Parteien nach Art. 55 Abs. 1 ZPO dem Gericht die Tatsachen, auf die sie ihre Begehren stützen, darzulegen und ihre Bew eismittel anzugeben. Gegenstand des Beweises sind strittige rechtserhebliche Tatsachen (Art. 150 Abs. 1 ZPO). Zum Beweis erhoben werden nur substantiiert behauptete bzw. substantiiert bestrittene Tatsachen. Das Vorhanden- sein einer Tatsache muss daher nicht nur behauptet, sond ern immer so konkret formuliert wer- den, dass eine substantiierte Bestreitung möglich ist ode r der Gegenbeweis angetreten werden kann (BGE 141 III 433 E. 2.6; BSK ZPO-G EHRI , 3. Aufl., 2017, Art. 55 N 4). Es sind allerdings nur solche Tatsachenbehauptungen zu beweisen, welche aus drücklich bestritten werden. Be- streitungen sind ihrem Zweck entsprechend so konkret zu h alten, dass die Gegenpartei weiss, welche einzelnen Tatsachenbehauptungen sie beweisen muss. Dabei beeinflusst der Grad der Substantiierung einer Behauptung den erforderlichen Substantiierungsgrad einer Bestreitung; je detaillierter Tatsachen eines gesamten Sachverhalts beh auptet werden, desto konkreter muss die Gegenpartei erklären, welche dieser einzelnen Tat sachen sie bestreitet. Je detaillierter mit- hin ein Parteivortrag ist, desto höher sind die Anfor derungen an eine substantiierte Bestreitung. Letztere sind zwar tiefer als die Anforderungen an die Substantiierung einer Behauptung, jedoch reichen pauschale Bestreitungen nicht aus. Erford erlich ist vielmehr eine klare Äusse- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung, dass der Wahrheitsgehalt einer bestimmten und ko nkreten gegnerischen Behauptung in Frage gestellt wird (BGer 4A_178/2015 vom 11. Septem ber 2015 E. 2.6; BGer 4A_692/2015 vom 1. März 2017 E. 6.1.1; BGE 117 II 113 E. 2; BK ZP O-BRÖNNIMANN , 2012, Art. 150 N 15; BSK ZPO-G UYAN , 3. Aufl., 2017, Art. 150 N 4). Nach Art. 157 ZPO b ildet das Gericht seine Überzeugung nach freier Würdigung der Beweise, wobei vorliegend der strenge oder volle Be- weis zu erbringen ist. Dies bedeutet, dass das Gericht nach objektiven Gesichtspunkten von der Richtigkeit einer Sachverhaltsdarstellung zu überzeugen ist. Absolute Gewissheit wird nicht verlangt, vielmehr genügt es, wenn das Gericht am Vorlie gen der Tatsachenbehauptung keine ernsthaften Zweifel mehr hat oder allenfalls verbleibe nde Zweifel als leicht erscheinen (BGE 130 III 321 E. 3.2; BSK ZPO-GUYAN , 3. Aufl., 2017, Art. 157 N 7). 4.5 Die Berufungsklägerin behauptet vorliegend, dass der Umsa tz ihrer Filiale in Y.____ derart gravierend gesunken sei, dass die Fortführung des Mietvertrags für sie nicht länger zu- mutbar gewesen sei. Prozessrechtlich hat die Berufungsklä gerin diesen behaupteten Sachver- halt substantiiert darzulegen und zu beweisen, andernfalls sie die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat. Die Berufungsklägerin legte im vorinstanzlichen Verfahren zunächst die angeblichen Umsatzzahlen der Filiale in Y.____ und weiteren Filial en für den Zeitraum von 2006 bis 2017 ins Recht (Klageantwortbeilagen 3 bis 5). Diese wurde n von der Gegenseite nicht nur mit Nichtwissen bestritten, sondern es wurde zudem ausgefüh rt, dass es sich dabei nicht um Zah- len handle, die aus geprüften Abschlüssen hervorgehen würden. Daraufhin reichte die Beru- fungsklägerin mit ihrer zweiten Rechtsschrift einerseits d ie Erfolgsrechnungen zu den Jahren 2013 bis 2017, die Bilanzen der Jahre 2015 bis 2017 s owie den Bericht der Revisionsstelle Pri- cewaterhouseCoopers AG zur Jahresrechnung 2017 ein (Klageantwortbeilagen 43 bis 45). Die- se Beweisurkunden betreffen jedoch alle den Gesamtkonzern der Berufungsklägerin und haben keine respektive nur eine geringe Aussagekraft für die F iliale in Y.____, da sich aus den er- wähnten Erfolgsrechnungen und Bilanzen sowie aus der Jah resrechnung 2017 keine Umsatz- zahlen der Filiale in Y.____ ergeben. Andererseits re ichte die Berufungsklägerin als Klageant- wortbeilage 47 angebliche Filialergebnisrechnungen unt er anderem betreffend die Filiale in Y.____ aus den Jahren 2006 bis 2017 ein. Es handelt sich dabei um Tabellen, aus denen we- der der Ersteller bzw. Aussteller noch das Erstellungsda tum der Tabellen ersichtlich ist, wobei mit der Vorinstanz davon ausgegangen werden darf, dass diese Tabellen aus der Feder der Berufungsklägerin stammen. Die Berufungsklägerin geht in ihrer Duplik mit keinem Wort auf die Filialergebnisrechnungen in Klageantwortbeilage 47 e in. In der Replik bestreitet die Berufungs- beklagte die vorgelegten Tabellen "der guten Ordnung halber" und sie erklärt darin, diese Zah- len würden allfällige unternehmerische Fehleinschätzun gen der Berufungsklägerin nicht aus- schliessen. Zudem würden diese Zahlen zu keiner ausseror dentlichen Kündigung berechtigen. Diese Bestreitung der Filialergebnisrechnungen durch di e Berufungsbeklagte genügt nach An- sicht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivil recht, den prozessrechtlichen Sub- stantiierungsanforderungen, zumal die Berufungsbeklagt e bereits zuvor die Filialumsatzzahlen als ungeprüft zurückgewiesen hatte mit der Begründung, sie würden nicht aus geprüften Ab- schlüssen stammen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6 Nach dem Gesagten kann zum einen festgestellt werden, dass die Rüge der Berufungs- klägerin, wonach die Vorinstanz eigenmächtig an der Aut hentizität dieser Filialergebniszahlen gezweifelt habe, ohne dass diese Ergebnisse von der Gegen partei substantiiert bestritten wor- den seien, nicht zutreffend ist. Andererseits ist das Erge bnis der vorinstanzlichen Beweiswürdi- gung, wonach sich die eingereichten Abschlüsse und Filiale rgebniszahlen der Berufungskläge- rin nicht eignen würden, um einen erheblichen Umsatzrü ckgang bei der Filiale in Y.____ zu be- weisen, mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung na ch Art. 157 ZGB vereinbar. Der Vor- instanz kann gefolgt werden, wenn sie im Rahmen ihres pf lichtgemäss ausgeübten Ermessens die Zahlen aus den Filialergebnisrechnungen als nicht v alidiert und verifiziert würdigte und als von der Gegenseite bestrittene Parteibehauptung qualif izierte. Somit kann offen gelassen wer- den, ob die ungeprüften Filialergebnisse betreffend den Standort in Y.____ einen Umsatzrück- gang von bis zu 43 % im Jahre 2016 präsentieren. Im We iteren muss sich die Berufungskläge- rin entgegenhalten lassen, dass die von ihr mit der Duplik eingereichten und von der Revisions- stelle geprüften Abschlüsse den gesamten Konzern betref fen. Diesen geprüften Abschlüssen können die Jahresergebnisse der Filiale der Berufungsklä gerin in Y.____ nicht entnommen werden, weshalb sie nicht geeignet sind, den behaupteten erheblichen Umsatzrückgang bei der betroffenen Filiale in Y.____ zu beweisen. Der Nachweis des Umsatzrückganges beim Standort in Y.____ ist aber vorliegend gerade deshalb von zentraler Bedeutung, weil die Berufungskläge- rin nicht von sämtlichen Mietverhältnissen betreffend all e anderen Filialen zurückgetreten ist. Folglich ist eine Einzelbetrachtung der Filiale in Y. ____ angezeigt. Vor diesem Hintergrund ist die Erwägung der Vorinstanz, wonach die Berufungsklägeri n allfällige finanzielle Schwierigkei- ten betreffend die Filiale in Y.____ etwa durch Vor lage von geprüften Geschäftsabschlüssen betreffend die Filiale in Y.____ oder mittels Einreichung von Bankauszügen hätte darlegen kön- nen, nicht zu beanstanden. Der Vorinstanz hierbei üb erspitzten Formalismus vorzuwerfen, ist verfehlt, zumal auf Seiten der Berufungsklägerin keine B eweisnot vorliegt, welche ein strikter Beweis nach der Natur der Sache unmöglich oder unzum utbar werden lässt und zu einer Be- weiserleichterung führt (dazu BGE 130 III 321 E. 3.2; BSK ZPO-GUYAN , 3. Aufl., 2017, Art. 157 N 11, m. w. H.). Es bleibt der Berufungsklägerin überl assen, mit welchen Mitteln sie den Voll- beweis für den behaupteten erheblichen Umsatzrückgang betreffend die Filiale in Y.____ er- bringt, sei es mit geprüften Abschlüssen, Bankbelegen o der anderweitigen Beweismitteln. Die Berufungsklägerin führt in ihrer Berufung zwar aus, es w ürden keine von der Revisionsstelle geprüften Filialergebnisse vorliegen; sie erklärt jedoch nicht, dass sie beispielsweise von der Revisionsstelle keine geprüften Geschäftszahlen betreffen d den Standort in Y.____ hätte ver- langen und einreichen können. Zudem stellt die Behau ptung der Berufungsklägerin, die Um- satzentwicklung des Konzerns würde mit den sich ebenfalls sta rk negativ entwickelnden Ergeb- nissen der Filiale in Y.____ überstimmen, einen neuen Tatsachenvortrag im Berufungsverfah- ren dar, der im vorinstanzlichen Verfahren hätte vorgebracht werden können und daher gestützt auf Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht zu hören ist. Gelingt es der Berufungsklägerin nicht, das Gericht vom angeblich erheblichen Umsatzrückgang bei der Filiale in Y.____ zu überzeugen, so hat sie die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen, welche letztlich dazu führen, dass ein wichtiger Grund für die ausserordentliche Kündigung des Mietverhältnisse s im Sinne von Art. 266g Abs. 1 OR nicht nachgewiesen ist. Die Rüge der Berufungsklägerin bezüglich des aberkannten Beweis- werts der Umsatzzahlen am Standort in Y.____ ist demnach abzuweisen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Die Vorinstanz befasste sich in der Eventualbegründung de s Entscheids, das heisst für den Fall eines nachgewiesenen erheblichen Umsatzrückgan ges bei der Filiale in Y.____, mit den weiteren Voraussetzungen von Art. 266g Abs. 1 OR. Namentlich prüfte sie, ob die von der Berufungsklägerin geltend gemachten Umstände, welche zu m behaupteten Umsatzrückgang führten, bei Vertragsschluss weder bekannt noch voraussehb ar waren und nicht auf ein Ver- schulden der kündigenden Partei zurückzuführen waren. Di e Vorinstanz erwog, dass zum Zeit- punkt des Vertragsschlusses im März 2008 sowohl die Abwertung des Euro um 31,9 % bis zum Kündigungszeitpunkt im März 2017 als auch die verände rte Wettbewerbslage aufgrund des zunehmenden Onlinehandels für die Berufungsklägerin nic ht unvorhersehbar gewesen seien. Einer geschäftserfahrenen Partei wie die Berufungskläg erin müsse bewusst sein, dass Wäh- rungskurse volatil seien und insbesondere finanzpoliti sche Massnahmen – wie die Stabilisie- rung des Euro-Franken-Kurses oder die Aufhebung dieser Stabilisierung – jederzeit durch die Nationalbank angeordnet respektive aufgehoben werden könnten. Zudem sei das veränderte Kaufverhalten der Kundschaft mit Tendenz zum Onlinehan del nicht urplötzlich erfolgt, sondern dieses sei eine langandauernde und sich abzeichnende Entw icklung gewesen. Der Eintritt von Online-Mitbewerbern in den schweizerischen Bekleidungsmarkt und der wachsende Einfluss des Onlinehandels seien für die Berufungsklägerin zum Zei tpunkt des Vertragsschlusses im März 2008 nicht vollkommen unerwartet und plötzlich übe r sie hereingebrochen. Diese zwei Umstände seien demnach für die Berufungsklägerin zum Ver tragszeitpunkt bereits vorherseh- bar gewesen und könnten nicht als Gründe für die vorzeit ige Kündigung des Mietverhältnisses nach Art. 266 Abs. 1 OR herangezogen werden. 5.2 Die Berufungsklägerin rügt unter Hinweis auf BGE 60 I I 209, die Vorinstanz verkenne die vom Schweizerischen Bundesgericht geschaffenen Krite rien für eine zulässige Kündigung aus wichtigen Gründen nach Art. 266g OR. Die Vorinst anz sei deshalb davon ausgegangen, dass das Vorliegen einer existentiellen Krise einer ganzen Branche nicht nachgewiesen und ein wichtiger Grund für eine ausserordentliche Kündigung darum nicht gegeben sei. Die Berufungs- klägerin sieht darin eine willkürliche Sachverhaltsfeststellung und eine willkürliche Beweiswürdi- gung durch die Vorinstanz. Die existentielle Krise sei im vorinstanzlichen Verfahren ausreichend belegt worden und habe im Zeitpunkt der Kündigung auch bestanden. 5.3 In Nachachtung des Grundsatzes von Treu und Glauben so wie aus Gründen der Rechtssicherheit sind Verträge auch bei veränderten Ver hältnissen grundsätzlich einzuhalten. Art. 266g Abs. 1 OR gestattet jedoch im Sinne einer Ausnahme, dass ein Mietverhältnis aus wichtigen Gründen, welche die Vertragserfüllung für e ine Partei unzumutbar macht, unter Ein- haltung der gesetzlichen Frist auf einen beliebigen Zei tpunkt gekündigt werden. Als wichtige Gründe kommen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ausschliesslich aussergewöhn- lich schwerwiegende Umstände in Betracht, die bei Vert ragsabschluss weder bekannt noch voraussehbar waren und die der kündigenden Partei nicht angelastet werden können (BGer vom 2. Mai 1995, in: mp 1/96 S. 17 f.; BGE 100 II 34 5 E. 2b; BSK ZPO-W EBER , 7. Aufl., 2020, Art. 266g N 5 m. w. H.). Dazu gehören etwa gravierende Veränderungen in den wirtschaftlichen Verhältnissen, welche aber nicht schon vorliegen, wenn die Mietpreise sinken oder die Konjunk- tur schwankt (BGE 60 II 205 E. 3; BSK ZPO-W EBER , 7. Aufl., 2020, Art. 266g N 5; ZK OR-H IGI , 4. Aufl., 1995, Art. 266g N 41). Demgegenüber ist festzuhalten, dass bei langfristigen Verträgen Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Parteien mit der Möglichkeit der Änderung der be stehenden Verhältnisse während der Ver- tragsdauer rechnen müssen. Die Anforderungen an die Voraussehbarkeit von Veränderungen dürfen nicht allzu hoch angesetzt werden, um den Art. 266g OR nicht illusorisch werden zu las- sen. Allerdings ist zu beachten, dass Vertragsparteien au sdrücklich oder dem Sinne nach da- von absehen können, den Einfluss solcher Änderungen der Verhältnisse auf die gegenseitigen Leistungen auszuschliessen. So entspricht es dem Wesen eine s Vertrages, dass er so erfüllt wird, wie er abgeschlossen worden ist. Diesfalls hat je de Partei grundsätzlich die Risiken zu tragen, die sich für sie aus Änderungen der Verhältni sse ergeben. Sie hat keinen Anspruch da- rauf, dass sich die Vertragserfüllung für sie lohnend ge stalte und der Vertrag aufgehoben oder geändert werde, wenn dies nicht mehr zutrifft (BGE 100 II 345 E. 2b m. w. H.). Bei den verän- derten Verhältnissen darf es sich demnach gemäss der bund esgerichtlichen Rechtsprechung nicht um Umstände handeln, welche die Zukunft immer mit sich bringen kann und mit denen ein umsichtiger Geschäftsmann hätte rechnen müssen. Auch unerwa rtete finanzielle Schwierigkei- ten sind nichts Unvorhergesehenes, mit Ausnahme von p lötzlichen und schweren wirtschaftli- chen Krisen, die einen breiten Sektor treffen (BGer vom 2. Mai 1995, in: mp 1/96 S. 18; MÜLLER , SVIT-Komm., 4. Aufl., 2018, Art. 266g N 26). Ob i m Einzelfall wichtige Gründe nach Art. 266g Abs. 1 OR vorliegen, hat das Gericht gemäss A rt. 4 ZGB nach Recht und Billigkeit zu entscheiden (BGE 60 II 205 E. 2). Ein einzelner Grun d oder mehrere Gründe müssen dabei für sich allein oder in der Gesamtheit derart schwer wiegen, dass er bzw. sie unter Berücksichti- gung der Grundsätze der Vertragstreue, der Rechtssicher heit und des Interesses der Gegen- partei an der Vertragseinhaltung als deutlich überwieg end erscheint bzw. erscheinen (ZK OR- HIGI , 4. Aufl., 1995, Art. 266g N 30, m. w. H.). 5.4.1 Die Berufungsklägerin führt als wichtigen Grund nach Ar t. 266g Abs. 1 OR zum einen die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizeri sche Nationalbank im Jahr 2015 an, welche für sie unvorhersehbar gewesen sei und zu ei ner Steigerung des Einkaufstourismus in das benachbarte Ausland geführt habe. Nach Ansicht der Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, durfte die Berufungsklägerin jedoch nicht darauf vertrau- en, dass der im Jahre 2011 von der Schweizerischen Nation albank als Stabilisierungsmass- nahme festgesetzte Euro-Mindestkurs für unbestimmte Zeit bestehen bleiben würde. Im Gegen- teil musste die geschäftserfahrene Berufungsklägerin dam it rechnen, dass die Stabilisierungs- massnahme der Schweizerischen Nationalbank dereinst aufgeh oben werden würde und sie musste ihre geschäftliche Tätigkeit derart ausrichten, d ass sie auch nach Aufhebung des Euro- Mindestkurses weiterhin erfolgreich auf dem Markt bestehen kann. Zumal die Entwicklung des Euro-Franken-Kurses ein dem Geschäftsbereich der Berufu ngsklägerin inhärentes Risiko dar- stellt, der bereits vor Festlegung des Euro-Mindestkurses i m Jahre 2011 bestanden hat, kann die Berufungsklägerin die Aufhebung des Euro-Mindestkur ses und die damit verbundene Stei- gerung des Einkaufstourismus nicht als unvorhersehbare we sentliche Veränderung im Sinne eines wichtigen Grundes gemäss Art. 266g Abs. 1 OR anfü hren, zumal die Aufhebung des Eu- ro-Mindestkurses im Zeitpunkt der Vertragsanpassung im Febr uar 2016 bereits erfolgt war. Auch wird die Aufhebung dazu geführt haben, dass die Berufungsklägerin ihrerseits mit auslän- dischen Lieferanten bessere Konditionen aushandeln konnt e. Jedenfalls führte die Aufgabe der festen Koppelung des Euro-Franken-Kurses nicht zu einer völligen Entwertung des Schweizer Frankens. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4.2 Was das Argument der Digitalisierung und des wachsend en Onlinehandels betrifft, so muss sich die Berufungsklägerin entgegenhalten lassen, da ss das veränderte Kaufverhalten nicht plötzlich erfolgte und unaufhaltsam über sie herei nbrach. Diese Entwicklung hin zum wachsenden Onlinehandel hatte sich schon früh – weit vor der ersten Kündigung der Beru- fungsklägerin am 16. November 2015 – abgezeichnet und d ie Berufungsklägerin hätte sich auf diese absehbare Veränderung der Marktlage entsprechend einstellen können. Aus dem Ver- weis auf andere Konkurrenten in der Branche, welche im Digitalisierungszeitalter mit existenzi- ellen Problemen zu kämpfen haben, sowie auf den im Be rufungsverfahren eingereichten Artikel «Lädelisterben: Die Schuhbranche trifft es besonders» v ermag die Berufungsklägerin nichts für ihren Standpunkt ableiten. Es ist letztlich das Ergebnis d er freien Marktwirtschaft, dass ein Wandel in der Retail-Branche stattfindet und reine O nlinehändler auch Schuhe anbieten und so zu Konkurrenten der Berufungsklägerin werden. Diese verän derte Wettbewerbssituation, wel- che die Berufungsklägerin hätte antizipieren können, kann nicht als unvorhersehbare wirtschaft- liche Veränderung angesehen werden, die zur vorzeitige n Kündigung eines laufenden Mietver- trags berechtigen können. Die Vorinstanz hat denn auch zu Recht festgestellt, dass der wach- sende Onlinehandel für sich alleine keine existentielle K rise für sämtliche in der Bekleidungs- und Schuhbranche tätigen Unternehmen ausgelöst hat. 5.4.3 Die von der Berufungsklägerin angeführten Gründe der A ufhebung des Euro-Franken- Kurses und des konkurrierenden Onlinehandels sind nicht vergleichbar mit der Weltwirtschafts- krise gemäss BGE 60 II 205 vom 29. Mai 1934, welche schwe rwiegende Auswirkungen auf ganze Dienstleistungssektoren hatte. Daher überwiegt das Interesse an der Rechtssicherheit und der Vertragseinhaltung deutlich dem Interesse der Berufungsklägerin an der vorzeitigen Beendigung des Mietverhältnisses. Der Vorinstanz kann folg lich weder eine falsche Feststel- lung des relevanten Sachverhalts noch eine willkürliche Beweiswürdigung vorgeworfen werden, wenn sie den beiden von der Berufungsklägerin geltend g emachten Kündigungsgründen – jede für sich allein oder in der Gesamtheit – die Unvorher sehbarkeit abspricht. Die entsprechende Rüge der Berufungsklägerin geht daher ins Leere. 6.1 Im Weiteren befasste sich das Zivilkreisgericht Basel-Landscha ft Ost im Eventualfall mit der Unzumutbarkeit der Fortsetzung des bestehenden Mietver hältnisses bis zu seinem vertrag- lichen Ablauf. Die Vorinstanz erwog, der Berufungskläge rin sei es zuzumuten gewesen, trotz eines allfälligen Umsatzrückganges die letzten vierzehn Monate des Mietvertrags zu erfüllen. Damit würde auch die Restdauer des Mietverhältnisses geg en eine ausserterminliche Kündi- gung aus wichtigem Grund im Sinne von Art. 266g Abs. 1 OR sprechen. Darüber hinaus habe die Berufungsklägerin, nachdem sie ihre erste Kündigun g vom 16. November 2015 für ungültig anerkannt und sich mit der Berufungsbeklagten auf einen reduzierten Mindestmietzins von mo- natlich CHF 7'916.65 zuzüglich eines umsatzabhängigen Z uschlags geeinigt habe, implizit zu verstehen gegeben, dass der neue Mietzins trotz schwieriger Marktsituation angemessen für die Fortführung ihrer Geschäftstätigkeit in der Filial e in Y.____ gewesen sei. Damals seien der Berufungsklägerin bereits sämtliche Parameter bekannt gew esen. Es liege insoweit ein wider- sprüchliches Verhalten der Berufungsklägerin vor und es erscheine als treuwidrig, einen redu- zierten Mietzins zu akzeptieren und darauf zu vertrauen, dass sich eine wirtschaftliche Erholung einstelle, jedoch im entgegengesetzten Fall bei einer weiteren Verschlechterung der Situation Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht erneut zu kündigen und damit jegliches finanzielle Risi ko an die Vertragspartnerin zu überwäl- zen. 6.2 Die Berufungsklägerin moniert auch bezüglich dieser vorste henden Erwägung der Vor- instanz eine unrichtige Rechtsanwendung sowie willkürli che Sachverhaltswürdigung. Im We- sentlichen bringt sie vor, die Vorinstanz setze die Anfo rderungen von Gründen gemäss Art. 266g Abs. 1 OR ein weiteres Mal zu hoch an. Mit ihrer Argumentation ignoriere die Vorinstanz die finanzielle Not der Berufungsklägerin, welche dera rt gross sei, dass ihr die weitere Fortset- zung des Mietverhältnisses unter keinen Umständen mehr zuzum uten gewesen sei. Zudem bestrafe die Vorinstanz die Berufungsklägerin für ihre Vertragstreue. Wie belegt hätte sich der Verlust der Berufungsklägerin im Jahre 2017 und dann a uch im Jahre 2018 noch erheblich er- höht. Die Aufrechterhaltung des Mietvertrags über weitere vierzehn Monate hätte zu einem Ver- lust von CHF 200'000.00 oder mehr allein für die Fil iale in Y.____ geführt. Im Zeitpunkt der Einigung auf einen reduzierten Mietzins habe die Berufungsklägerin nicht davon ausgehen kön- nen, dass der Umsatz der Filiale in Y.____ im Jahre 2016 noch weiter und drastischer einbre- chen würde. Die ausserordentliche Kündigung der Beruf ungsklägerin vom 28. März 2017 zeige gerade, dass sich die weitere wirtschaftliche Entwicklung erheblich schlechter dargestellt habe, als sie zu diesem Zeitpunkt habe annehmen dürfen. Im Z eitpunkt der Teilverzichtsvereinbarung sei man Ende Februar 2016 davon ausgegangen, dass sich d er Markt wieder erholen werde und die Berufungsklägerin habe danach versucht, die Fil iale in Y.____ zu retten. Aufgrund der nicht vorhersehbaren weiteren Marktentwicklung und den ve rheerenden Auswirkungen auf den Umsatz der Berufungsklägerin habe die Berufungsklägerin d iesen Rettungsversuch abbrechen müssen. Die Vorinstanz habe all diese Umstände verkannt. 6.3 Wie bereits erwähnt, bleibt die Berufungsklägerin der rechtsgenügliche Nachweis der Höhe des Umsatzrückganges bei der Filiale in Y.____ schul dig. Die Vorinstanz stellte zwar mit Hinweis auf die von der Revisionsstelle geprüfte Jahresrechn ung 2017 fest, dass sich die Ge- schäftszahlen der Berufungsklägerin insgesamt merklich versch lechtert hätten, jedoch würden sich diese Zahlen nicht auf die Filiale in Y.____, sonde rn auf den Konzern beziehen. Das Vor- bringen der Berufungsklägerin, dass sich ihre finanzielle Not nach Vereinbarung des reduzier- ten Mietzinses im Februar 2016 nachweislich vergrössert ha be, bleibt daher eine unbewiesene Behauptung und ist nicht weiter zu hören. Im Weiteren ist der Vorinstanz beizupflichten, wonach sich die wirtschaftliche Lage nach der Vereinbarung eine s reduzierten Mietzinses im Februar 2016 nicht nochmals erheblich zu Ungunsten der Berufung sklägerin verändert hat. Der bereits vorher eingesetzte verstärkte Einkaufstourismus im Zuge de r Aufhebung des Euro- Mindestkurses im Jahr 2015 und der ebenfalls bereits zuvor eingesetzte Wandel im Kaufverhal- ten der Kundschaft (stetig wachsender Onlinehandel) wa ren der Berufungsklägerin im Februar 2016 bekannt und deren Folgen voraussehbar. Hinzu kommt , dass die Berufungsklägerin mit ihrem Schreiben vom 29. Februar 2016 ihre erste Künd igung vom 16. November 2015 für un- wirksam erklärt und die Fortdauer des Mietverhältnisses ge stützt auf den reduzierten Mietzins anerkannt hatte. Damit gab sie implizit zu verstehen, dass für sie der neue Mindestmietzins von monatlich CHF 7'916.65 zuzüglich eines umsatzabhängige n Zuschlags und der Nebenkosten trotz schwieriger Marktsituation angemessen erschien, um ihre Geschäftstätigkeit in der Filiale in Y.____ fortzuführen. Infolgedessen stellt die Schlus sfolgerung der Vorinstanz, wonach der Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Berufungsklägerin die Fortsetzung des Mietverhältnisses um weitere vierzehn Monate bis zum ordentlichen Ablauf des Mietverhältnisses zumutbar ist, kei ne ermessensverletzende Beweis- würdigung dar. Ein vertragstreues Verhalten der Berufu ngsklägerin ist nicht auszumachen. Ob gar ein treuwidriges Verhalten der Berufungsklägerin v orliegt, weil sie den reduzierten Mietzins unter den damals bekannten Umständen akzeptierte, um den Mietvertrag nach Ausbleiben der erhofften wirtschaftlichen Erholung dennoch vorzeitig zu kündigen und so das unternehmeri- sche Risiko auf die Berufungsbeklagte zu überwälzen, kann b ei diesem Ergebnis offenbleiben. Die Berufungsklägerin kann sich demnach nicht erfolgrei ch auf den Standpunkt stellen, die ver- änderte wirtschaftliche Situation mache die Vertragser füllung für sie unzumutbar. Dies gilt erst recht, wenn das Mietverhältnis nur noch rund vierzehn Mo nate dauerte. Die vorinstanzliche Würdigung ist in dieser Hinsicht nicht zu beanstanden. 7.1 Die Berufungsklägerin rügt sodann die Erwägung 5 des vo rinstanzlichen Urteils zur Schadenminderungspflicht der Berufungsbeklagten. Dazu f ührt sie aus, bei Vorliegen der Vor- aussetzungen für eine ausserordentliche Kündigung gemä ss Art. 266g OR seien die Weiter- vermietungsbemühungen der Parteien nicht im Zusammenh ang mit der vorzeitigen Rückgabe der Sache nach Art. 264 Abs. 1 OR, sondern unter den ve rmögensrechtlichen Folgen gemäss Art. 266g Abs. 2 OR zu beurteilen. Die Berufungsklägeri n habe in der Klageantwort dargelegt, dass auch der Vermieterin eine Schadenminderungspflich t zukomme. Dies gelte insbesondere dann, wenn sich erweise, dass die Mieterin nicht in der Lage sei, geeignete Nachmieterinnen zu finden, weil die Mietsache beispielsweise aufgrund eine s zu hohen Mietzinses nicht zu den bis- herigen Konditionen weitervermieten lasse. Indem die V orinstanz festhalte, dass sich die von der Berufungsklägerin behauptete 3.5-fache Marktmiete a nhand der knapp begründeten Miet- zinseinschätzung von Wüest und Partner AG nicht beweisen l iesse, verletze sie die Dispositi- onsmaxime. Die Vorinstanz stelle auch hier wieder überspi tzt formalistische Anforderungen an die Substantiierungs- und Beweispflicht der Berufungsklägerin. Die Berufungsbeklagte habe die Mietzinseinschätzung von Wüest und Partner AG lediglich pa uschal und unsubstantiiert bestrit- ten, weshalb die Vorinstanz auf die erwähnte Mietzinsei nschätzung hätte abstellen müssen. Aufgrund der 3.5-fachen Marktmiete – bzw. 2.8-fach unte r Berücksichtigung der vorübergehend gewährten Mietzinsreduktion ab März 2016 – sei es für die Berufungsklägerin unmöglich gewe- sen, eine Nachmieterin zu finden. Die Berufungsbeklagte habe dadurch, dass sie am völlig überhöhten und nicht marktgerechten Mietzins festgehalt en und unter diesen Bedingungen of- fensichtlich erfolglos eine Nachmieterin gesucht habe, ihrer Schadenminderungspflicht nicht genügt. Sie hätte für die restlichen Monate auch nur einen Teil der Miete akzeptieren und somit den Schaden reduzieren können. Hingegen habe die Ber ufungsklägerin vor dem Hintergrund der massiv überhöhten Miete alles ihr Zumutbare unterno mmen, um ihrerseits den Schaden zu mindern. All dies sei bei der Bemessung der Entschädigu ng nach Art. 266g Abs. 2 OR zwin- gend zu berücksichtigen gewesen. 7.2 Wie bereits dargelegt, liegt keine rechtswirksame ausser ordentliche Kündigung durch die Berufungsklägerin im Sinne von Art. 266g Abs. 1 OR vor. Damit dauerte das Mietverhältnis bis zum vereinbarten Mietende fort, was die Vorinstanz richtigerweise dazu bewog, Art. 264 Abs. 1 OR anzuwenden. Nach dieser Bestimmung wird ein Mieter, der die Mietsache vor Ablauf des Mietverhältnisses zurückgibt, nur dann von seinen mietve rtraglichen Pflichten befreit, wenn Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht er einen für den Vermieter zumutbaren neuen Mieter vo rschlägt, der zahlungsfähig und bereit ist, den Mietvertrag zu den gleichen Bedingungen zu übe rnehmen. Stellt der Mieter keinen sol- chen Ersatzmieter, so hat er nach Art. 264 Abs. 2 OR seine n mietvertraglichen Pflichten bis zur ordentlichen Beendigung des Mietverhältnisses nachzukommen , wobei sich der Vermieter ge- mäss Art. 264 Abs. 3 anrechnen lassen muss, was er an Ausla gen erspart (lit. a) und durch anderweitige Verwendung der Sache gewinnt oder absich tlich zu gewinnen unterlassen hat (lit. b). Die Vorinstanz erwog in diesem Zusammenhang korrekterweise, dass die Berufungsklä- gerin zwar Anfragen von potentiellen Interessenten für das Mietobjekt in Y.____ erhalten hatte, jedoch konnte sie der Berufungsbeklagten unbestrittenermassen keinen Ersatzmieter offerieren, der das Mietobjekt noch vor Ablauf des Mietverhältnisses zu denselben Konditionen übernom- men hätte. Die Berufungsbeklagte ist grundsätzlich nicht verpflichtet, einen Ersatzmieter zu schlechteren Bedingungen zu akzeptieren. Zu einer zumind est zeitweisen Befreiung der Miet- zinszahlungspflicht der Berufungsklägerin ist es deshalb nicht gekommen. Die Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Zivilrecht, teilt sodann die Auffassung der Vorinstanz, wonach sich aus Art. 264 Abs. 3 lit. b OR grundsätzlich keine P flicht des Vermieters zur aktiven Mitwir- kung bei der Suche nach einem geeigneten Ersatzmieter ableiten lasse. Der Vermieter darf in aller Regel das Resultat der Suchbemühungen des Miete rs abwarten. Eigene Suchbemühun- gen hat der Vermieter erst dann vorzunehmen, wenn ein weiteres Untätigbleiben eine absichtli- che Unterlassung zumutbarer Anstrengungen zur Weitervermietung bedeuten würde, was dann der Fall wäre, wenn der Vermieter erkennt, dass der Mieter sich nicht oder ungenügend um die Weitervermietung bemüht, das heisst wenn ihm die weitere Untätigkeit als Verstoss gegen die Regeln von Treu und Glauben vorgeworfen werden könnte (BGer 4C.118/2002 vom 19. August 2020 E. 3.1, in: Pra 92 Nr. 108; BGE 117 II 156 E. 3; BSK OR I-WEBER , 7. Aufl., 2020, Art. 264 N 10). Entscheidend ist in diesem Zusammenhang auch d ie Restdauer des Mietverhältnisses. Bereits die Vorinstanz wies hierbei auf BGer 4C.387/ 1997 vom 29. September 1998 E. 2, in: Pra 88 Nr. 54 hin, in welchem das Bundesgericht festhie lt, dass ein Vermieter bei einer Rest- mietdauer von elf respektive neunzehn Monaten nicht dazu verpflichtet ist, das Mietobjekt zu einem tieferen Mietzins weiterzuvermieten. Im zu beurteilenden Fall unternahm die Berufungsbeklag te aktenkundig von sich aus Bemü- hungen, um die leerstehende Ladenfläche neu zu vermie ten. Der Replikbeilage 13 kann ent- nommen werden, dass die Berufungsbeklagte bereits anfan gs Oktober 2017 mit Suchbemü- hungen startete. Am 20. Februar 2018 beauftragte sie sodann die C.____ AG mit der Vermie- tung des Mietobjekts (Replikbeilage 14). Der Berufun gsbeklagten kann demnach keine Untätig- keit vorgeworfen werden, so dass auch keine Verletzung d er Schadenminderungspflicht durch sie vorliegt. Doch selbst wenn die Berufungsbeklagte kei ne solchen Bemühungen unternom- men hätte, wäre im Rahmen ihrer zumutbaren Suchbemüh ungen nach Ersatzmietern zu be- rücksichtigen, dass die Restlaufzeit des Mietvertrags besten falls ab Rückgabe des Mietobjekts am 13. Oktober 2017 bis zum ordentlichen Ablauf des Mi etverhältnisses am 30. August 2018 – also nicht einmal mehr ein Jahr – dauerte. Auch aufgrun d dieser kurzen Restmietdauer kann der Berufungsbeklagten kein treuwidriges Verhalten vorgeworfen werden, wenn sie nicht gewillt war, die Ladenfläche schadenmindernd zu einem verminde rten Mietzins weiterzuvermieten. Damit sind die Voraussetzungen für eine Kürzung des Er satzanspruchs der Berufungsbeklag- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten gemäss Art. 264 Abs. 3 OR nicht gegeben und die ent sprechenden Rügen der Berufungs- klägerin – in Bestätigung der vorinstanzlichen Erwägungen – abzuweisen. 8. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es der Ber ufungsklägerin im vor- instanzlichen Verfahren nicht gelungen ist, den Nachweis des behaupteten erheblichen Um- satzrückganges bei der Filiale in Y.____ zu erbringen. Selbst wenn sie diesen Nachweis er- bracht hätte, ist der Vorinstanz darin beizupflichten, da ss der Umsatzrückgang nicht auf unvor- hersehbare gewichtige Gründe beruht hat, welche die F ortdauer des bestehenden Mietverhält- nisses für die Berufungsklägerin unzumutbar machten und d iese berechtigte, nach Art. 266g Abs. 1 OR vorzeitig aus dem Mietvertrag auszusteigen. Ei ne strukturelle Krise im gesamten Bekleidungssektor ist nicht nachgewiesen. Der Berufungskl ägerin ist es unter diesen Umstän- den zuzumuten, die Restdauer des Mietverhältnisses von run d vierzehn Monaten vereinba- rungsgemäss zu erfüllen und den vertraglich geschuldete n Mietzins zu bezahlen, zumal der Berufungsbeklagten keine Verletzung ihrer Schadenminde rungspflicht vorgeworfen werden kann. Die Berufung ist demnach abzuweisen und der Ent scheid des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost vom 5. September 2019 zu bestätigen. 9. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind der Berufu ngsklägerin in Anwendung von Art. 106 Abs. 1 ZPO die Prozesskosten des Berufungsverf ahrens aufzuerlegen. Die Ge- richtsgebühr ist gestützt auf § 9 Abs. 1 in Verbindung m it § 8 Abs. 1 lit. f Ziff. 3 des kantonalen Gebührentarifs (SGS 170.31) auf pauschal CHF 6‘500.00 festzusetzen und der Berufungs- klägerin aufzuerlegen. Überdies hat die Berufungsklägeri n für das Rechtsmittelverfahren eine Parteientschädigung an die Berufungsbeklagte zu entricht en. Da keine Honorarrechnung des Rechtsvertreters der Berufungsbeklagten vorliegt, ist die Parteientschädigung in Anwendung von § 18 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO, SGS 178.112) vom Gericht nach Ermessen festzusetzen, wobei eine streitwerta bhängige Bemessung erfolgt (§ 2 Abs. 2 TO). Bei einem Streitwert von CHF 50‘000.00 bi s CHF 100‘000.00 ist ein Grundhonorar von CHF 6'000.00 bis maximal CHF 10'500.00 vorgesehen (§ 7 Abs. 1 lit. f TO). Je nach Schwierigkeit des Falles und dem Umfang der Bemühungen ist der untere, obere oder ein mitt- lerer Ansatz anzuwenden (§ 7 Abs. 1 Satz 2 TO). Angesi chts des vorliegenden Streitwerts von CHF 87'816.80, der Einstufung als mittlere Schwierigkeit und der Tatsache, dass im Berufungs- verfahren eine Rechtsschrift einzureichen war und keine Verhandlung stattfand, erscheint ein Grundhonorar von CHF 9'400.00 als angemessen. Etwaige Spesen sowie eine allfällige Mehr- wertsteuerabgabe zusätzlich zum Grundhonorar sind nicht geschuldet, da keine entsprechende Abrechnung respektive Anträge vorliegen (dazu KGer BL 400 19 237 vom 3. Dezember 2019 E. 9 f.; KGer BL 400 19 196 vom 19. November 2019 E. 10). Die Berufungsklägerin ist somit zu verpflichten, der Berufungsbeklagten eine Parteientschädigung von CHF 9'400.00 zu bezahlen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird abgewiesen und der Entscheid des Zivi lkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 5. September 2019 bestätigt. 2. Die Entscheidgebühr von CHF 6'500.00 für das Berufungsverfahren wird der Berufungsklägerin auferlegt. Die Forderung des Staates wird mit dem geleisteten Ko stenvorschuss von CHF 6'500.00 verrechnet. Die Berufungsklägerin hat der Berufungsbeklagten für da s Berufungs- verfahren eine Parteientschädigung in Höhe von CHF 9'40 0.00 zu be- zahlen. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiber Giuseppe Di Marco