B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5853/2012 U r t e i l v o m 1 5 . N o v e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichterin Christa Luterbacher, mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Algerien, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Italien (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 25. Oktober 2012 / N (…). E-5853/2012 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 4. September 2012 in d ie Schweiz ein- reiste und gleichentags um Asyl nachsuchte, dass ihm das BFM anlässlich der Befragung vom 7. September 2012 im Empfangs- und Verfahrenszentrum [EVZ] (…) aufgrund seiner Aussagen sowie einer daktyloskopischen Untersuchung mit der Datenbank EUR O- DAC, welche Treffer in Italien ergab, das rechtliche Gehör zur mutmassli- chen Zuständigkeit Italiens zur Durchführung des vorliegenden Asyl - und Wegweisungsverfahrens und zu einer allfälligen Überstellung dorthin g e- währte, dass d er Beschwerdeführer dabei ausführte , er wolle nicht nach Italien zurückkehren, weil er dort ke ine Unterstützung erhalten habe, mehrfach habe stehlen müssen, um sich ernähren zu können, sowie zuletzt auf der Strasse gelebt habe, dass er ferner im (…) 2011 eine sechs Monate gültige Aufenthaltsbewilli- gung in Italien erhalten habe, welche allerdings nicht erneuert worden sei, dass er zudem einen Wegweisungsentscheid seitens der italienischen Behörden erhalten habe, den er jedoch zerrissen habe, dass bezüglich der weiteren Aussagen respektive der Einzelheiten des rechtserheblichen Sachverhalts auf das Protokoll in den Akten verwiesen wird (vgl. A 8/10), dass die Vorinstanz mit Schreiben vom 10. Oktober 2012 ein Übernah- meersuchen gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Krit e- rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Pr ü- fung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat g e- stellten Asylantrags zuständig ist (Dublin -II-VO), an die italienischen Be- hörden stellte und diese innerhalb der festgelegten Frist keine Stellung dazu nahmen, dass das BFM mit Verfügung vom 25. Oktober 2012 – eröffnet am 8. No- vember 2012 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des B e- schwerdeführers nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Ita-E-5853/2012 Seite 3 lien anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz sp ä- testens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen d iese Verfügung komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushänd i- gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichn is an den Beschwerdeführer verfügte, dass es zur Begründung im Wesentlichen anführte, Italien sei gestützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Krit e- rien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Pr ü- fung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asyla n- trags (Dublin -Assoziierungsabkommen [DAA], SR 0.142.392.68) für die Durchführung des vorliegenden Asyl und Wegweisungsverfahrens z u- ständig, dass angesichts dessen, dass die italienischen Behörden innerhalb der festgelegten Frist zum Übernahmegesuch des BFM keine Stellung g e- nommen hätten, die Zuständigkeit zur Durchführung des vorliegenden Asyl- und Wegweisungsverfahrens in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO am 25. Oktober 2012 auf Italien übergegangen sei, dass es somit den zuständigen italienischen Behörden obliege, den Auf- enthaltsstatus des Beschwerdeführers zu regeln und eine allfällige Weg- weisung ins Heimatland anzuordnen, dass zudem festzuhalten sei, es würden keine Hinweise vorliegen, dass Italien seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nach komme, und das Asyl- und Wegweisungsverfahren in Italien nicht korrekt durchgeführt worden sei, dass sodann auch ein abgeschlossenes Asyl- und Wegweisungsverfah- ren in Italien keine Änderung der Zuständigkeit zu bewirken vermöge, dass im Übrigen die individuellen Präferenzen der asylsuchenden Person – der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, er wolle nicht, dass It a- lien sein Asylgesuch behandle – im Normalfall keine Beachtung finde n würden, E-5853/2012 Seite 4 dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder Verlängerung gemäss Art. 19 f. Dublin-II-VO – bis spätestens am 25. April 2013 zu erfolgen habe, dass d er Beschwerdeführer in einen Drittstaat reisen könn e, in dem er Schutz vor Rückschiebung im Sinne v on Art. 5 Abs. 1 AsylG finde , wes- halb das Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat - oder Herkunfts- staats nicht zu prüfen sei, und ferner für den Fall einer Rückkehr nach Ita- lien keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Kon vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten (EMRK, SR 0.101) bestehen würden, dass weder die in Italien herrschende Situation noch andere Gründe g e- gen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs dorthin sprechen wü r- den, dass sodann in Bezug auf die seitens des Beschwerdeführers monierten Lebensbedingungen in Italien festzuhalten sei, Italien habe die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mindes t- normen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedstaa ten (so- genannte Aufnahmerichtlinie), welche zahlreiche Mindestnormen für die Aufnahme und Betreuung von asylsuchenden Personen beinhalte, ohne Beanstandung von Seiten der Europäischen Kommission umgesetzt, weshalb es dem Beschwerdeführer zuzumuten sei, sich an die dafür z u- ständigen Behörden zu wenden, um die nötige Unterstützung zu beantra- gen, dass somit die Aussagen des Beschwerdeführers die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Italien nicht zu widerlegen vermöchten, dass der Vollzug der Wegweisung schliesslich technisch möglich und praktisch durchführbar sei, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 9. November 2012 (Datum Poststempel) gegen die vorinstanzliche Verfügung beim Bundesverwa l- tungsgericht Beschwerde erhob und dabei sinngemäss beantragte, die Verfügung des BFM sei aufzuhe ben und die Akten seien zur materiellen Prüfung des Asylgesuchs an das Bundesamt zurückzuweisen, dass er zur Begründung im Wesentlich ausführte, er habe in Italien zwar ein Asylgesuch gestellt, jedoch hätten sich die italienischen Behörd en – obwohl er an einer psychischen Krankheit leide – nicht um ihn gekü m-E-5853/2012 Seite 5 mert, weshalb er nicht mehr dorthin zurückkehren wolle und die Schweiz ersuche, ihm die Gelegenheit einzuräumen, sich hier behandeln zu la s- sen, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Telefax vom 12. November 2012 den Vollzug der Wegweisung gestützt auf Art. 56 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sofort einstweilen aussetzte, dass die vorinstanzlichen Akten am 13. November 2012 (nachmittags) beim Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entschei- det, ausser bei Vorl iegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 - 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung e ines zweiten Richters entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufg e- zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), E-5853/2012 Seite 6 dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu übe r- prüfen (Art. 32 - 35 AsylG), die Beurteilungskompete nz der Beschwerd e- instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5.), dass sich die Beschwerdeinstanz einer selbständigen materiellen Prüfung enthält und die Sache – sofern sie den Nichteintretensentscheid als un - rechtmässig erachtet – zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück - weist, dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs (bezie - hungsweise der Durchführbarkeit der Überstellung in den zus tändigen Staat) materiell geprüft hat, weshalb dem Bundesgericht diesbezüglich grundsätzlich volle Kognition zukommt, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführun g des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass diesbezüglich das DAA zur Anwendung gelangt und das BFM die Zuständigkeitsfrage gestützt auf die Dublin-II-Verordnung prüfte, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Satz 2 Dublin-II-Verordnung jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird, dass derjenige Mitgliedstaat zuständig ist, welcher einem Familienang e- hörigen das Re cht auf Aufenthalt in seiner Eigenschaft als Flüchtling g e- währt hat, welcher dem Asylbewerber einen gültigen Aufenthaltstitel oder ein gültiges Visum ausgestellt hat, dessen Land -, See - oder Luftgrenze der Asylbewerber aus einem Drittstaat kommend legal od er illegal übe r- schritten hat, oder in welchem der erste Asylantrag gestellt wurde (Art. 5 i.V.m. Art. 6 bis 13 Dublin-II-Verordnung), dass derjenige Mitgliedstaat den Asylbewerber, der sich zuvor während eines ununterbrochenen Zeitraumes von mindestens fünf Monaten in die- sem Mitgliedstaat aufgehalten hat, nach Massgabe der Art. 17 bis 19 E-5853/2012 Seite 7 Dublin-II-Verordnung aufzunehmen hat (Art. 10 Abs. 2 und Art. 16 Abs. 1 Bst. a Dublin -II-Verordnung), wenn der Asylbewerber in einem weiteren Mitgliedstaat ein Asylgesuch einreicht, dass die Übernahmeverpflichtungen erlöschen, wenn der Drittstaatsa n- gehörige das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten für mindestens drei M o- nate verlassen hat, es sei denn, der Drittstaatsangehörige ist im Besitz eines vom zuständigen Mitgliedstaat a usgestellten gültigen Aufenthaltsti- tels (Art. 16 Abs. 3 Dublin-II-Verordnung), dass sodann jedem Mitgliedstaat, in Abweichung von den vorgenannten Zuständigkeitskriterien, die Möglichkeit zur Prüfung eines Asylgesuches eingeräumt wird (vgl. zur Souveränitätsklausel Art. 3 Abs. 2 Dublin -II- Verordnung und zur humanitären Klausel Art. 15 Dublin -II-Verordnung; vgl. auch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]), dass ein Abgleich der Fingera bdrücke des Beschwerdeführers mit der Datenbank EURODAC ergab, dass dieser am 3. Juni 2011 in Italien um Asyl ersucht hatte (Klassifizierung EURODAC -Treffer der Kate gorie 1 = Asylbewerber; zur Interpretation der Codes siehe Art. 2 Ziff. 3 der Ve r- ordnung (EG) Nr. 407/2002 des Rates vom 28. Februar 2002 zur Festl e- gung von Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 2725/2000 über die Einrichtung von EURODAC für den Vergleich von Fingerabdrücken zum Zwecke der effektiven Anwendung des Dubli ner Übereinkommens [EURODAC-Durchführungsverordnung]), dass das BFM die italienischen Behörden am 10. Oktober 2012 um Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-Verordnung ersuchte, und Italien das Übernahmeersuchen i n- nert der in Art. 20 Abs. 1 Bst. b Dublin-II-Verordnung vorgesehenen Frist unbeantwortet liessen, womit es die Zuständigkeit implizit anerkannte (vgl. Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-Verordnung), dass der Beschwerdeführer nicht bestreitet, in Italien ein Asylgesuch ein- gereicht zu haben, und auch die Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates u n- bestritten blieb, dass sich die vorinstanzlichen Erwägungen aufgrund der Akten als zutref- fend erweisen und die Pflicht Italiens zur Übernahme de s Beschwerde- führers feststeht, E-5853/2012 Seite 8 dass die Asylgründe des Beschwerdeführers mithin in Italien, das staats- vertraglich für das vorliegende Verfahren zuständig ist, zu prüfen sind r e- spektive bereits geprüft wurden, dass es angesichts der Vermutung, der f ür die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens zuständige Staat respektiere seine aus dem internationalen Recht fliessenden Verpflichtungen, dem Beschwerdefüh- rer obliegt darz utun, gestützt auf welche ernsthaften Hinweise die A n- nahme naheliegt, dass die italienischen Behörden in seinem Fall die staatsvertraglichen Verpflichtungen nicht respektieren und ihm den no t- wendigen Schutz nicht gewähren werden (vgl. Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte [EGMR], M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Appl. No. 30696/09], Urteil vom 21. Januar 2011, § 84-85 und 250; Urteil des Geric htshofes der Europäischen Union [EuGH] vom 21. Dezember 2011 in der Rechtssache C-411/10 und C-493/10, BVGE 2010/45 E. 7.4 - 7.5), dass in den Ausführungen des Beschwerdeführers – er habe seitens der italienischen Behörden keine Unterstützung erhalten sowie unter prek ä- ren Bedingungen, zuletzt ga r auf der Strasse, leben müssen – kein Hin- weis auf eine systematische Verletzung der EMRK durch Italien gesehen werden kann, dass das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende zwar in gewissen Punkten in der Kritik steht (vgl. namentlich Bericht der Sc hweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH] und The Law Students’ Legal Aid Office, Juss-Buss [Norwegen], Oslo und Bern, vom Mai 2011 ; vgl. auch UNHCR, Reco m- mendations on Important Aspects of Refugee Protection in Italy, Juli 2012, Ziffer 5: "Reception conditions for asylum -seekers"), dass jedoch in den Aufenthalts- und Verfahrensbedingungen für Personen, welche sich im Rahmen eines Asylverfahrens in Italien aufhalten, insgesamt in der Regel kein Vollzugshindernis zu sehen ist, dass im Übrigen nach Kennt nis des Bundesverwaltungsgerichts Dublin - Rückkehrende sowie verletzliche Personen bezüglich Unterbringung von den italienischen Behörden bevorzugt behandelt werden und daneben sich auch private Hilfsorganisationen der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, dass der Beschwerdeführer im vorliegenden Fall demnach keine konkre- ten Anhaltspunkte geltend machte, wonach Italien, bei welchem es sich E-5853/2012 Seite 9 um einen Signatarstaat der EMRK, des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und des Proto- kolls über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) handelt, seine staatsvertraglichen Verpflichtungen mis s- achten und den Beschwerdeführer in seinen Heimatstaat zurücksch affen würde, dies unter Missachtung des flüchtlingsrechtlichen Non - Refoulement-Gebotes oder von Art. 3 EMRK, dass Italien sodann gehalten ist, die Richtlinie 2005/85/EG des Rates vom 1. Dezember 2005 über Mindestnormen für Verfahren in den Mi t- gliedstaaten zur Zuerkennung und Aberkennung der Flüchtlingseige n- schaft (sogenannte Verfahrensrichtlinie) sowie die Aufnahmerichtlinie an- zuwenden respektive umzusetzen, und keine Anhaltspunkte vorliegen, Italien halte sich nicht an die daraus resultierenden Verpflichtungen, dass somit davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer werde dort grundsätzlich ein rechtsstaatlich konformes Asylverfahren finden, dass es dem Beschwerdeführer obliegt, seine spezifische Situation und seine allfälligen Schwierigkeiten zunächst bei den zuständigen italien i- schen Behörden vorzubringen und bei diesen durchzusetzen, und er da- bei auf den Rechtsweg verwiesen wird, dass die Vermutung, wonach Italien seine Verpflichtungen einhält, folglich nicht umgestossen wurde (vgl. vorgenanntes Urteil M.S.S., § 69, 342-343 m.w.H.), dass weiter auch sein geltend gemachter prekärer Gesundheitszustand einer Überstellung nach Italien nicht entgegensteht, dass sich zwar den Akten entnehmen lässt, der Beschwerdeführer leide an einer psychischen Erkrankung, weshalb er Medikamente sowie eine Behandlung benötigt (vgl. A 11/1), dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen jedoch nur unter ausserordentlichen Umständen einen Ve r- stoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann, so etwa wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstad i- um und bereits in Todesnähe befindet (vgl. Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte [EGMR], N. c. Vereinigtes Königreich [Appl. No. 26565/05], Urteil vom 27. Mai 2008), E-5853/2012 Seite 10 dass dies – wie aus den Akten hervorgeht – im vorliegenden Fall für die Situation des Beschwerdeführers nicht zutrifft, und er durch die Überstel- lung nach Italien keiner Gefahr für seine Gesundheit ausgesetzt bezi e- hungsweise keine Verletzung von Art. 3 EMRK vorliegen würde, dass es dem Dublin -System ferner immanent ist, dass grundsätzlich d a- von ausgegangen werden kann, der zuständige Mitgliedstaat sei in der Lage, die nötigen medizinischen Versorgungsleistungen zu erbringen, hat doch jeder EU -Mitgliedstaat die Aufnahmerichtlinie, welche medizinische Versorgung garantiert, in Landesrecht umgesetzt, dass die medizinische Grundversorgung in Italien grundsätzlich gewähr- leistet ist, mithin keine Hinweise vorliegen, dass dieser Staat seinen Ve r- pflichtungen im Rahmen der Dublin -II-VO nicht auch in medizinischer Hinsicht nachkommt, und d er Beschwerdeführer demnach gehalten ist, sich für eine allfällig notwendige medizinische Behandlung an die zustän- digen Stellen in Italien zu wenden, respektive aus den Akten hervorgeht, dass er dort bereits medizinische Hilfe in Anspruch genommen hat (vgl. A 8/10 S. 7), dass eine Unzumutbarkeit der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Italien demnach grundsätzlich aufgrund der psychischen Erkrankung nicht angenommen werden kann und davon ausgegangen werden darf, dass er dort adäquate medizinische und psychologische Betreuung fi n- den wird, dass er zusammenfassend somit keine konkrete und ernsthafte Gefahr nachzuweisen oder glaubhaft zu machen vermag, dass seine Überstel- lung nach Italien gegen Art. 3 EMRK oder eine an dere völkerrechtliche Verpflichtung der Schweiz verstosse, dass unter diesen Umständen keinerlei Hindernisse, insbesondere auch keine humanitären Gründe im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, eine Überstellung des Beschwerdeführers als unzulässig oder unzumutbar e r- scheinen lassen, dass das BFM somit keine Veranlassung zu einem Selbsteintritt (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO) hatte, dass Italien folglich für die Prüfung des vorliegenden Asyl- und Wegwei- sungsverfahrens zuständig und entsprechend verpflichtet ist, den B e- schwerdeführer aufzunehmen, E-5853/2012 Seite 11 dass das Bundesamt demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht einge- treten ist und, da er nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Nie- derlassungsbewilligung ist, ebenfalls zu Recht in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 AsylG die Wegweisung aus de r Schweiz angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), dass die Anordnung der Wegweisung nach Italien der Systematik des Dublin-Verfahrens – bei dem es sich um ein Überstellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuchs zuständigen Staat handelt – ent- spricht und im Einklang mit der Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht, wobei in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach der Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs in den für die Prüfung des Asylgesuchs zuständigen Staat r egelmässig bereits Voraus- setzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheids und hier nicht mehr zu prüfen ist (BVGE 2010/45 E. 10.2), dass sich auch die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in einem Dublin-Verfahren nicht unter dem Aspekt der vorläufigen Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) stellt, sondern eine entsprechende Prüfung, soweit notwendig, bereits im Ra h- men der Entscheidfind ung hinsichtlich der Ausübung des Selbsteintritts - rechts stattfinden muss (vgl. vorstehende Erwägungen), dass vorliegend – wie aufgezeigt – kein Anlass zur Ausübung des Selbst- eintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO) besteht, weshalb der vom BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist, dass hingegen der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers bei der Ausgestaltung der Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen und in s- besondere sicherzustellen ist, dass er Medikamentie rung für die Reise, wie auch für die Übergabe an die italienischen Behörden erhält, und die italienischen Behörden über die Ankunft sowie die gesundheitliche Pro b- lematik und diesbezüglichen Schutzbedürfnisse des Beschwerdeführers umfassend informiert werden, dass es de m Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist, darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den recht s- erheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder una n-E-5853/2012 Seite 12 gemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG), weshalb die Beschwerde abz uwei- sen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-5853/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der gesundheitlichen Situation des Beschwer deführers ist bei der Au s- gestaltung der Vollzugsmodalitäten im Sinne der Erwägungen Rechnung zu tragen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Guns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständi- ge kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand: