<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para">{T 0/2} </div> <div class="para">2A.197/2003 /ErC </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 16. Mai 2003 </div> <div class="para">II. Öffentlichrechtliche Abteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Wurzburger, Präsident </div> <div class="para">Bundesrichter Hungerbühler, Müller, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Hugi Yar. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Parteien </div> <div class="para">Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement, Generalsekretariat, 3003 Bern, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">Beschwerdegegner, </div> <div class="para">Migrationsamt des Kantons Zürich, Berninastrasse 45, Postfach, 8090 Zürich, </div> <div class="para">Bezirksgericht Zürich, Haftrichter, Wengistrasse 28, Postfach, 8026 Zürich. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Ausschaffungshaft (<span class="artref">Art. 13b ANAG</span>), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen die Verfügung des Bezirksgerichts Zürich, Haftrichter, vom 4. April 2003. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Bundesgericht stellt fest und zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Das Migrationsamt des Kantons Zürich nahm am 3. April 2003 den nach eigenen Angaben aus Tadschikistan (Russland) stammenden A.________ (geb. 1979) in Ausschaffungshaft. Der Haftrichter am Bezirksgericht Zürich weigerte sich tags darauf, diese zu bestätigen, da der Betroffene "nicht unglaubhaft" geltend mache, dass er den Entscheid des Bundesamts für Flüchtlinge, womit auf sein Asylgesuch nicht eingetreten und er aus der Schweiz weggewiesen wurde, "nicht erhalten" habe. Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement hat hiergegen Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereicht mit dem Antrag, diesen Entscheid aufzuheben. Das Migrationsamt und der Haftrichter am Bezirksgericht beantragen, die Beschwerde gutzuheissen. </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Die Eingabe erweist sich als offensichtlich begründet und kann im vereinfachten Verfahren nach <span class="artref">Art. 36a OG</span> erledigt werden: </div> <div class="para">2.1 Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement ist das in der Sache zuständige Departement und damit berechtigt, namens des Bundes die Verfügung des Haftrichters vom 4. April 2003 anzufechten, nachdem es bei der umstrittenen Frage der Eröffnung des Wegweisungsentscheids um die einheitliche Auslegung des Bundesrechts in einem Einzelfall geht, aus dem sich Konsequenzen für andere Fälle ergeben können (<span class="artref">Art. 103 lit. b OG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=06.05.2003&amp;to_date=25.05.2003&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-II-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">BGE 129 II 1</a> E. 1.1 S. 3 f., mit Hinweisen). Der Beschwerdegegner ist unmittelbar im Anschluss an den Haftrichterentscheid entlassen worden und scheint inzwischen untergetaucht zu sein. Da bei seiner Anhaltung eine allfällige Ausschaffungshaft erneut verfügt und haftrichterlich überprüft werden müsste, kann über die vorliegende Beschwerde entschieden werden, ohne dass er dazu Stellung genommen hat (vgl. Urteil 2A.96/2002 vom 16. April 2002, E. 1). </div> <div class="para">2.2 Wurde ein erstinstanzlicher, nicht notwendigerweise auch rechtskräftiger Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet, so kann die zuständige Behörde einen Ausländer in Ausschaffungshaft nehmen, wenn die Voraussetzungen von <span class="artref">Art. 13b ANAG</span> (SR 142.20) erfüllt sind (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=06.05.2003&amp;to_date=25.05.2003&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F128-II-193%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page193">BGE 128 II 193</a> E. 2.1). Der Haftrichter ist vorliegend, was er in seiner Vernehmlassung zugesteht, zu Unrecht davon ausgegangen, die Wegweisung des Bundesamts für Flüchtlinge sei dem Beschwerdegegner nicht korrekt eröffnet worden: Nach <span class="artref">Art. 12 Abs. 1 AsylG</span> (SR 142.31) wird eine Zustellung an die letzte den Behörden bekannte Adresse von Asylsuchenden nach Ablauf der ordentlichen siebentägigen Abholfrist rechtsgültig, auch wenn der Betroffene aufgrund einer besonderen Vereinbarung mit der Schweizerischen Post erst zu einem späteren Zeitpunkt davon Kenntnis erhält oder die Sendung als unzustellbar retourniert wird (vgl. EMARK 2001 Nr. 9). Der asylrechtliche Nichteintretens- und der damit verbundene Wegweisungsentscheid ist dem Beschwerdegegner am 19. März 2003 zugestellt und von der Post am 31. März 2003 als "Nicht abgeholt. Taxplichtig" retourniert worden. Die Wegweisung war demnach bei der Haftprüfung gültig eröffnet gewesen, umso mehr als dem Beschwerdegegner im Rahmen des rechtlichen Gehörs vor der Haftanordnung vom Inhalt des Entscheids des Bundesamts Kenntnis gegeben worden war und im Übrigen eine - vorweg angeordnete - Wegweisung gemäss der Rechtsprechung je nach den Umständen auch erst zusammen mit dem Haftrichterentscheid eröffnet werden kann (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=06.05.2003&amp;to_date=25.05.2003&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F128-II-103%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page103">BGE 128 II 103</a> E. 1.5 S. 106, mit Hinweisen). </div> <div class="para">2.3 Angesichts der prozessualen Situation (Fehlen eines aktuellen diesbezüglichen Interesses) erübrigt es sich, die Sache zum Entscheid über das Vorliegen der übrigen Haftvoraussetzungen, die mit Blick auf das bisherige Verhalten des Beschwerdegegners (Missachtung einer Ausgrenzung; wiederholte Straffälligkeit) ebenfalls erfüllt gewesen sein dürften (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=06.05.2003&amp;to_date=25.05.2003&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-369%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page369">BGE 125 II 369</a> E. 3b/aa S. 375; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=06.05.2003&amp;to_date=25.05.2003&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-II-49%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page49">122 II 49</a> E. 2a), an den Haftrichter zurückzuweisen. Es genügt, antragsgemäss den angefochtenen Entscheid aufzuheben (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=06.05.2003&amp;to_date=25.05.2003&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F128-II-193%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page193">BGE 128 II 193</a> E. 2.3). </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Es werden keine Kosten erhoben und keine Parteientschädigungen zugesprochen (vgl. <span class="artref">Art. 156 Abs. 2 und <artref id="CH/173.110/159/2" type="start"></artref>Art. 159 Abs. 2 OG</span><artref id="CH/173.110/156/2" type="end"></artref>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht </div> <div class="para">im Verfahren nach <span class="artref">Art. 36a OG</span>: </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird gutgeheissen, und die Verfügung des Bezirksgerichts Zürich, Haftrichter, vom 4. April 2003 wird aufgehoben. </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Es werden keine Kosten erhoben. </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Dieses Urteil wird dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement, dem Migrationsamt des Kantons Zürich (für sich und den Beschwerdegegner) sowie dem Bezirksgericht Zürich, Haftrichter, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para">Lausanne, 16. Mai 2003 </div> <div class="para">Im Namen der II. öffentlichrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para">Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: </div> <div class="para"> </div> </div></body></html>