Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Mai 2014 (720 14 3 / 106) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Zwischenverfügung: Anordnung einer polydisziplinären Begutachtung durch die Be- schwerdegegnerin zu Recht erfolgt, da der medizinische Sachverhalt, insbesondere die Arbeitsfähigkeit, bis zum Verfügungszeitpunkt nicht abgeklärt worden ist, obwohl die Unfallversicherung eine Erwerbsunfähigkeit von 82 % festgestellt hat Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____, Beschwerdeführer , vertreten durch Sebastian Laubscher , Advokat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Gutachten A. A.____, geboren 1984, arbeitete seit dem 14. Jun i 2006 als Polymechaniker bei der B.____ AG. Am 30. Oktober 2007 erlitt er einen Moto rradunfall und zog sich dabei schwerste Verletzungen zu. Diagnostiziert wurden insbesondere ein schweres Schädelhirntrauma mit Na- senbeinfraktur und Mittelgesichtsfrakturen, eine Sc hulterluxation mit Abriss des Tuberculums Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht majus, eine Fraktur der Scapula, eine inkomplette Läsion des Plexus cervicobrachialis links sowie eine Lungenkontusion beidseits. Mit Formular vom 5. Februar 2008 meldete er sich bei der Schweizerischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsb ezug an und beantragte Mass- nahmen für die berufliche Eingliederung (act. 1). Nach dem sich sein Gesundheitszustand ver- bessert hatte, finanzierte die Schweizerische Unfallversi cherungsanstalt (SUVA) bei der bishe- rigen Arbeitgeberin ein Arbeitstraining. Anlässlich ei nes Assessmentgesprächs vom 18. De- zember 2008 einigten sich die Beteiligten darauf, dass die SUVA die Integration am ange- stammten Arbeitsplatz unterstützen und die IV-Stelle B asel-Landschaft (IV-Stelle) den Renten- anspruch prüfen sollte (act. 20). Das Arbeitstraining bei der B.____ AG musste in der Folge jedoch abgebrochen werden, da im Betrieb Kurzarbeit e ingeführt wurde (Aktennotiz vom 22. Juni 2009, act. 21). Am 3. August 2009 verfügte die IV -Stelle die Kostengutsprache für eine dreimonatige berufliche Abklärung bei der Einglieder ungsstätte C.____ (act. 25). Da der Versi- cherte ab Januar 2010 einen mehrmonatigen Sprachaufe nthalt im Ausland geplant hatte, schloss die Berufsberatung das Dossier (Abschlussbericht der beruflichen Massnahmen vom 2. Januar 2010, act. 27). Im Zuge der Prüfung des Ren tenanspruchs teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, ihn nach seiner Rückkehr medizinisch begut achten zu lassen, da die Arbeits- fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bisher nicht beu rteilt worden sei (Schreiben vom 11. August 2010, act. 39). Mit Mitteilung vom 19. April 2011 sprach die IV-Stelle A.____ rückwirkend ab 1. Januar 2011 bis 21. Dezember 2011 ein Arbeitstraining bei der D.____ AG zu (act. 45, 52). Mit Mitteilungen vom 18. Oktober 2011 (act. 58) und vom 3. April 2012 (act. 69) wurde die Kostengutsprache bis En- de Dezember 2012 verlängert. Anlässlich eines Gesprächs a m 31. Mai 2012 wurde dem Versi- cherten mitgeteilt, dass ihm die gewünschte dreijährige Umschulung zum Logistikfachmann nicht zugesprochen werden könne, da die Arbeits- und L eistungsfähigkeit nicht klar sei. In der Folge begann der Versicherte diese Ausbildung im Septe mber 2012 auf eigene Kosten. Nach Abschluss der beruflichen Massnahmen leitete die Berufsber atung der IV-Stelle das Dossier erneut zur Rentenprüfung an die zuständige Abteilung weiter (Mitteilung vom 19. Dezember 2012, act. 85). Mit Verfügung vom 12. August 2013 sprach die SUVA dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. August 2013 und gestützt auf einen IV-Grad von 82 % eine Invalidenrente zu. Mit Schreiben vom 4. November 2013 zeigte die IV-Stell e A.____ an, dass auf Anraten des re- gionalen ärztlichen Dienstes beider Basel (RAD) eine polydisziplinäre Begutachtung vorgese- hen sei. Dagegen wehrte sich der Versicherte mit Schreib en vom 13. November 2013. Mit Zwi- schenverfügung vom 18. November 2013 hielt die IV-Stel le unter Hinweis auf den Untersu- chungsgrundsatz an ihrer Auffassung fest und teilte mit , dass sich der Versicherte einer poly- disziplinären Begutachtung zu unterziehen habe. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat S ebastian Laubscher, am 2. Januar 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, A bteilung Sozialversicherungsrecht. Darin liess er unter o/e-Kostenfolge die Aufhebung de r Verfügung vom 18. November 2013 so- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht wie die Anweisung, die Beschwerdegegnerin sei zum Erlass d es Rentenentscheids anzuwei- sen, beantragen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 17. Februar 2014 schlos s die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Eingabe vom 28. April 2014 stellte der Beschwe rdeführer dem Gericht den Bericht des Rehabilitationszentrums E.____ vom 8. April 2014 zu. E. Die Beschwerdegegnerin teilte am 5. Mai 2014 mit, dass der Bericht des Rehabilitati- onszentrums E.____ vom 8. April 2014 nichts an ihrem S tandpunkt zu ändern vermöge. Nach wie vor sei die Frage, wie hoch die Arbeits- bzw. Leistu ngsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer optimal seinen Beschwerden angepassten Verweistätigkeit zu beziffern sei, ungeklärt. Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Zwischenverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob sich der Besch werdeführer einer polydisziplinä- ren Begutachtung zu unterziehen hat. 3.1 Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) statuiert die Sachverhaltsabklärung von Am tes wegen, wobei es grundsätzlich im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat (Untersuchungsgrundsatz). Was zu beweisen ist , ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist de r Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Bewe isgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit entschieden werden kann (Urteil des Bunde sgerichts vom 1. April 2011, 8C_957/2010, E. 6.1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Der Untersuchungsgrundsatz wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der versicher- ten Person (BGE 125 V 193 E. 2). Danach hat sich diese den ärztlichen oder fachlichen Unter- suchungen zu unterziehen, wenn sie zumutbar sind. Nach dem Wortlaut von Art. 43 Abs. 1 und Abs. 2 ATSG müssen diese aber auch notwendig und somit vo n entscheidender Bedeutung für die Erstellung des rechtserheblichen Sachverhalts sein. I n diesem Sinne liegt die medizinische Begutachtung nicht im uneingeschränkten Ermessen der rech tsanwendenden Stellen. Diese haben sich von rechtsstaatlichen Grundsätzen leiten zu la ssen, wozu die Verpflichtung zur Ob- jektivität und Unvoreingenommenheit (vgl. ULRICH MEYER -BLASER , Das medizinische Gutachten aus sozialrechtlicher Sicht, in: Adrian M. Siegel/Dani el Fischer [Hrsg.], Die neurologische Be- gutachtung, Schweizerisches medico-legales Handbuch, Bd. 1 , Zürich 2004, S. 105) ebenso gehört wie der Grundsatz der rationellen Verwaltung ( vgl. M ARKUS FUCHS , Rechtsfragen im Rahmen des Abklärungsverfahrens bei Unfällen, in: SZS 20 06 S. 288). Kommen Personen, die Leistungen beanspruchen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen. Es ist ihnen eine a ngemessene Bedenkzeit einzuräumen (Mahn- und Bedenkzeitverfahren; Art. 42 Abs. 2 ATSG). Obwohl die üblichen Untersuchungen einer MEDAS generell als zumutbar im Sinne von Art. 43 Abs. 2 ATSG gelten (SVR 2007 IV Nr. 48 S. 156, I 988/06 E. 4.2), kann die betroffene Pe rson zur Teilnahme an der medizinischen Begutachtung nicht gezwungen werden (Pra 2009 Nr. 59 S. 382, 6B_937/2008 E. 2.3). Begrün- det diese die Verweigerung der persönlichen Mitwirku ng an der Abklärungsmassnahme einzig damit, sie sei rechtlich nicht dazu verpflichtet, vermag diese Auffassung für sich allein die Ver- letzung der Mitwirkungspflicht grundsätzlich nicht zu rechtf ertigen (SVR 2008 IV Nr. 18 S. 55, I 42/06 E. 4.1 und 4.7; Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juli 2010, 9C_359/2010, E. 4.5), an- sonsten die Sanktionierung eines solchen Verhaltens kaum mö glich wäre. Weigert sich die ver- sicherte Person in diesem Sinne, an der Begutachtung teilzunehmen, trägt sie letztlich die Kon- sequenzen der Untersuchungsverweigerung. 3.3 Im vorliegenden Fall ist entscheidend, ob über den Rentenanspruch des Beschwerde- führers auch ohne das polydisziplinäre Gutachten entschiede n werden kann. Um diese Frage beantworten zu können, müsste die vorliegende medizinische Aktenlage auf ihre Vollständigkeit und Schlüssigkeit hin überprüft werden. Eine eingehend e Überprüfung der medizinischen Ak- tenlage würde aber dazu führen, dass die Endverfügun g im Hinblick auf die Beurteilung der medizinischen Sachlage weitgehend präjudiziert würde. Weil die Verfahrenshoheit bis zum Ab- schluss des Verwaltungsverfahrens bei der Beschwerdegegneri n liegt und ihr deshalb im Rah- men der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zukommt, mu ss im vorliegenden Verfah- ren die richterliche Prüfung bei einer knappen Beurtei lung der Aktenlage im Sinne einer Plausi- bilitäts- resp. Missbrauchskontrolle ihr Bewenden haben. Entscheidend ist, ob die Gründe, die die Beschwerdegegnerin für den Umfang der medizinischen Abklärungen anführt, plausibel er- scheinen. Demnach greift das Gericht bei der Frage der Notwendigkeit, Umfang und Zweck- mässigkeit einer weiteren Begutachtung in das Ermessen der mit der Abklärung betrauten Ver- waltung nur dann ein, wenn klar erkennbare Fehleinsch ätzungen vorliegen, eine Begutachtung von vornherein untauglich angelegt wäre oder Anhaltspu nkte bestehen, dass sich die Be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdegegnerin bei ihrem Entscheid von sachfremden Moti ven leiten liess (Urteil des Kan- tonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht, vom 15. A ugust 2013, 720 13 117/186, E. 2.2). Dabei ist im Übrigen noch zu beachten, dass die zum jetzigen Zeitpunkt erfolgende kur- sorische Würdigung der geplanten Modalitäten der Festste llung des medizinischen Sachver- halts nicht etwa Ergänzungen in einem späteren Verfahrensstadium ausschliesst, sollten solche dereinst aufgrund des künftigen Kenntnisstandes für notwendig befunden werden. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist Arbeitsunfähigkeit die durch ei ne Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teil weise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutba- re Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbe reich berücksichtigt (Satz 2). Im Rahmen der Invaliditätsbemessung ist es Aufgabe des Arztes, den Ge sundheitszustand festzustellen und sich dazu zu äussern, in welchem Umfang und bezüglich we lcher Tätigkeiten der oder die Versicherte arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen) und welche Arbeitsleistun- gen ihm oder ihr noch zugemutet werden können (BGE 105 V 157 E. 1; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juli 2009, 9C_323/2009, E. 4.2). Es geht darum, inwiefern die betref- fende Person in den körperlichen und/oder geistigen F unktionen gesundheitlich bedingt einge- schränkt ist (BGE 107 V 17 E. 2b). Aufgrund dieses Anfor derungsprofils hat anschliessend der Berufsberater zu sagen, welche konkreten beruflichen Täti gkeiten unter Berücksichtigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versi cherten Person realistischerweise noch in Betracht fallen. Dazu sind unter Umständen Rückfrage n beim Arzt erforderlich (BGE 107 V 17 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts vom 19. November 2 007, 8C_364/2007, E. 5.2). Die medi- zinische Abklärung ist somit eine unabdingbare gesetzlich ve rankerte Voraussetzung für die Zusprache einer Leistung der Invalidenversicherung (Art. 7 Abs. 2, Art. 16, Art. 43 Abs. 1 ATSG). 5.1 Die Beschwerdegegnerin stellt sich in der angefochten en Verfügung auf den Stand- punkt, dass der medizinische Sachverhalt noch nicht ausreichen d abgeklärt sei. Es treffe zwar zu, dass die SUVA von einer bloss 18 %-igen Leistungsfähigkeit ausgehe und dass man an der Abschlussbesprechung vom 22. November 2012 teilgenomme n habe. Es sei aber auch be- kannt, dass sich die Vertreter der Beschwerdegegnerin damals erstaunt darüber gezeigt hätten, dass von einer so tiefen Leistungsfähigkeit ausgegange n werde. Des Weiteren habe auch das Rehabilitationszentrum E.____ mit Stellungnahme vom 17. April 2013 angemerkt, dass die Net- toleistung höher anzusetzen wäre. Ausserdem sei zu berücksicht igen, dass der Versicherte neben der Tätigkeit bei der D.____ AG zusätzlich eine Ausbildung zum Logistikfachmann ab- solviere. Dies beinhalte nicht nur einen wöchentlichen S chulbesuch im Umfang von dreieinhalb Stunden, sondern ebenfalls die Vor- und Nachbereitung des Unterrichtsstoffes sowie die Prü- fungsvorbereitung. Um die effektive Leistungsfähigkeit b eziffern bzw. um den konkreten IV- Grad berechnen zu können, seien deshalb weitere Abklär ungen unabdingbar. Dr. med. F.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, RAD, führt in seiner Ste llungnahme vom 28. Oktober 2013 (act. 99) aus, dass keine kreisärztliche Einschätzung erfolgt se i. Nach versicherungsmedizinischer Beurteilung der Aktenlage könnten die Schlussfolgerung en der SUVA nicht ohne weiteres Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nachvollzogen werden. Es liege keine Beurteilung der Ar beitsfähigkeit in einer optimal behinde- rungsangepassten Tätigkeit vor. Es stelle sich die Frage, o b die Tätigkeit als Logistikfachmann eine optimal behinderungsangepasste Tätigkeit sei. Offen seien zudem die neurokognitiven und die orthopädisch funktionellen Einschränkungen und die Defizite und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. 5.2 Dem hält der Beschwerdeführer entgegen, dass die in den letzten fünf Jahren von der SUVA und der Beschwerdegegnerin im Rahmen der Eingli ederungsbemühungen durchgeführ- ten Abklärungen das Ergebnis einer 18 %-igen Leistungs fähigkeit in jeglicher Hinsicht äusserst fundiert begründen würden, weshalb die SUVA zu Recht a uf weitere Abklärungen verzichtet und auf dieser Basis die Rente verfügt habe. Zudem se i von Seiten der behandelnden Ärzte des Rehabilitationszentrums E.____ und der behandelnden Psychologin Frau G.____ immer betont worden, dass bei einem optimalen weiteren Heil ungsverlauf in ca. drei Jahren eine Ver- besserung dieser Leistungsfähigkeit erwarten könne, was im Rahmen einer Revision festzustel- len wäre. Zudem warne Frau G.____ eindringlich davor , den Beschwerdeführer durch weitere Abklärungsmassnahmen ständig mit seinen Defiziten zu konfr ontieren und zu traumatisieren. Wenn die Chance auf eine weitere Steigerung der Leist ungsfähigkeit gewahrt werden solle, dann brauche der Beschwerdeführer Ruhe, um sich auf seine Arbeit bei der D.____ AG zu kon- zentrieren. Dort seien die Voraussetzungen für eine V erbesserung der Leistungsfähigkeit ideal, insbesondere aufgrund des Entgegenkommens des Unternehmen s. Es sei zu befürchten, dass die Zwängerei der Beschwerdegegnerin – anstatt dem Ein gliederungsziel zu dienen – zu des- sen Gegenteil führe. 5.3 Die summarische Würdigung der Aktenlage zeigt, dass d ie Gründe, die von der Be- schwerdegegnerin für eine polydisziplinäre Begutachtung a ngeführt werden, plausibel sind. Die SUVA hat die Restarbeitsfähigkeit nicht medizinisch abg eklärt, sondern letztlich auf eine arbeit- geberseitige Einschätzung vom 23. Januar 2013 abgestellt (act. 87.7). Die Beschwerdegegnerin führt in der Vernehmlassung aus, dass es nicht nachvollzi ehbar sei, weshalb ab November 2012 plötzlich nur noch eine 18 %-ige Arbeitsleistung g egeben sei, nachdem diese im Vorfeld immer mit ca. 50 % beziffert worden sei. Die Gründe f ür diesen Leistungsabfall sind in der Tat nicht geklärt. Einerseits könnte der Grund darin liegen , dass der Beschwerdeführer im Septem- ber 2012 die Ausbildung zum Logistikfachmann in Angrif f genommen hat. Frau G.____ hat be- stätigt, dass der Beschwerdeführer neben seinem Arbeitspe nsum viel Einsatz für die Ausbil- dung leiste. Dieser Einsatz kann bei der Ermittlung der Gesamtarbeitsfähigkeit nicht unberück- sichtigt gelassen werden. Auch aus den Schreiben des Rehab ilitationszentrums E.____ vom 17. April 2013, vom 16. Dezember 2013 und vom 8. Apri l 2014 geht hervor, dass der Be- schwerdeführer die Ausbildung unter grossen Anstrengungen absolviert und diese Beanspru- chung kompensiert wird, indem er am Arbeitsplatz zusätzli che Entlastung erhält. Dadurch ge- ben auch die Ärzte des Rehabilitationszentrums E.____ zum Ausdruck, dass die Ausbildung die aktuelle Leistungsfähigkeit beeinflusst. Eine andere Erkl ärung für den Leistungsabfall könnte sein, dass der Beschwerdeführer im November 2012 an drei vollen Tagen gearbeitet hat und nicht mehr auf fünf Tage verteilt. Zudem gibt es Hinwe ise darauf, dass die aktuelle Tätigkeit bei der D.____ AG den Beschwerdeführer zu stark fordern und daher nicht optimal angepasst sein könnte (Schreiben von Frau G.____ vom 8. Januar 2012, act. 87.6). Wie die Beschwerdegeg- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nerin richtig darlegt, gibt es bisher keine objektive E inschätzung der Arbeits- und Leistungsfä- higkeit des Beschwerdeführers in einer seinen Leiden angepassten Tätigkeit. Es kann durchaus zutreffen, dass der Beschwerdeführer am jetzigen Arbeits platz effektiv eine Leistung von ledig- lich 18 % erbringen kann. Dies schliesst aber nicht aus, d ass in einer angepassten Tätigkeit eine höhere Arbeitsfähigkeit bestehen könnte, was von d er Beschwerdegegnerin im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes in Zusammenarbeit mit Fachärzten abgeklärt werden muss. 6. Soweit sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt s tellt, dass eine Begutachtung zu einer Retraumatisierung führen würde, weshalb eine medizinische Abklärung als nicht zumutbar erscheine, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Die Beschwerdegegnerin weist in Ziff. 7 der Vernehmlassung zu Recht darauf hin, dass der Beschwerdefü hrer im Rahmen der dreijährigen Ausbildung dauernd mit seinen unfallbedingten Defizit en konfrontiert wird und er sich damit auseinander setzen muss (Bericht von Frau G.____ vom 17. Dezember 2013). Wenn nun diese Belastung dem Beschwerdeführer – auch aus psychologisch-p sychotherapeutischen und neu- ropsychologischen Gründen – zugemutet wird, so erscheint es zumindest fraglich, inwiefern eine Begutachtung, die von ausgebildeten Fachärzten durch geführt wird, zu einer Retraumati- sierung führen könnte. Überdies ist die Frage, ob eine gutachterliche Abklärung medizinisch verantwortbar ist, letztlich vom ärztlichen Sachverständigen zu beantworten (Urteil des Bundes- gerichts vom 21. Oktober 2013, 9C_723/2013, E. 2.3). Ge stützt auf die kursorische Würdigung der Unterlagen ist eine Unzumutbarkeit der Begutachtung daher nicht wahrscheinlich. 7. Zusammenfassend hält das vorliegend in Aussicht gestell te Vorgehen der Beschwerde- gegnerin im Hinblick auf die Feststellung des dem Renten verfahren zu Grunde zu legenden Sachverhalts vor der Plausibilitäts- resp. Missbrauchskontro lle, wie sie hier durchzuführen ist, stand. Es liegen weder klar erkennbare Fehleinschätzunge n seitens der Beschwerdegegnerin vor noch erscheint die Begutachtung als von vornherein un tauglich angelegt oder ist dem Be- schwerdeführer nicht zumutbar. Ebenso wenig bestehen An haltspunkte, dass sich die Be- schwerdegegnerin bei ihrem Entscheid von sachfremden Motiven hat leiten lassen. Der im Hin- blick auf die Rentenfrage massgebende Sachverhalt kann i n hinreichendem Masse festgestellt werden, wenn – wie dies die Beschwerdegegnerin vorsieht – eine fachärztliche polydisziplinäre Begutachtung durchgeführt wird. Die Beschwerdegegnerin weist ausserdem im Hinblick auf das noch junge Alter des Beschwerdeführers zu Recht darauf hi n, dass ohne umfassende medizini- sche Abklärung die Vergleichsbasis für zukünftige Rentenre visionen fehlen würde. Mit Blick auf die in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierte Abklärungspfli cht und den der Beschwerdegegnerin zu- kommenden Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, U mfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen sowie unter Berücksichtigung, da ss die IV-Stellen und die Unfall- versicherer die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen F all selbstständig vorzunehmen ha- ben und sich keinesfalls ohne weitere eigene Prüfung m it der blossen Übernahme des Invalidi- tätsgrades des Unfallversicherers oder der IV-Stelle beg nügen dürfen (BGE 126 V 288), er- scheint das Vorgehen der Beschwerdegegnerin somit als zul ässig. Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah renskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist der Beschwerdeführer un- terliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten in de r Höhe von Fr. 600.-- ihm zu auferlegen sind. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. 9. Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen selbständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn e ine Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unt er den in Art. 93 Abs. 1 BGG ge- nannten Voraussetzungen zulässig. Wie das Bundesgericht n unmehr im Grundsatzurteil BGE 138 V 271 festgestellt hat, sind kantonale Entscheide über Beschwerden gegen Verfügun- gen der IV-Stellen betreffend die Einholung von medizinischen Gutachten nicht an das Bundes- gericht weiterziehbar, sofern nicht Ausstandsgründe beurteilt worden sind. Es ist daher fraglich, ob die Voraussetzungen für eine Beschwerde im vorliege nden Fall erfüllt sind. Der Entscheid darüber obliegt dem Bundesgericht. Die nachstehende Re chtsmittelbelehrung erfolgt unter die- sem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem bereits geleistete n Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht