200 13 438 KV GRD/SAW/KRK Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 1. Mai 2014 Verwaltungsrichter Grütter Gerichtsschreiberin Winiger A.________ Beschwerdeführerin gegen KPT Krankenkasse AG Rechtsdienst, Postfach 8624, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 30. April 2013 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2014, KV/13/438, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1966 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin), ist bei der KPT Krankenkasse AG (KPT bzw. Beschwerdegegnerin) obligato- risch krankenpflegeversichert (Akten der KPT, [act. II] 1). Im November 2008 unterzog sich die Versicherte einem bariatrisch-chirurgischen Eingriff, wodurch sich ihr Körpergewicht innerhalb eines Jahres von 122.8 kg auf 83 kg reduzierte (act. II 4). Dabei entstand im Bereich des Bauches eine hän- gende Fettschürze. Am 29. Dezember 2011 (act. II 4) ersuchten die behandelnden Ärzte Dr. med. B.________, FMH, und PD Dr. med. C.________, Facharzt für Nephrologie und Allgemeine Innere Medizin FMH, der Klinik D.________, die KPT um Kostenübernahme einer Abdominoplastik. Mit Schreiben vom 11. Januar 2012 (act. II 5) teilte die KPT – nachdem sie eine vertrauens- ärztliche Beurteilung eingeholt hatte – den antragstellenden Ärzten bzw. der Versicherten mit, dass sie keine Kostengutsprache leisten könne, da der vorgesehene Eingriff als vorwiegend ästhetische Operation anzusehen und kein Krankheitswert ausgewiesen sei. Am 19. Juni 2012 (act. II 6) er- suchte PD Dr. med. C.________ mit Verweis auf einen Bericht der Derma- tologen Dres. med. E.________ und F.________, Fachärzte für Dermato- logie und Venerologie FMH, vom 17. April 2012 (act. II 6 S. 2) die KPT er- neut um Übernahme der Kosten einer Abdominoplastik. Nachdem der Ver- trauensarzt der KPT, Dr. med. G.________, Facharzt für Herz- und thora- kale Gefässchirurgie FMH, die Unterlagen ein weiteres Mal geprüft hatte, lehnte die KPT am 27. Juni 2012 (act. II 7) das Gesuch wiederum mangels Krankheitswert ab. Hiergegen erhob die Versicherte am 27. September 2012 Einwände (act. II 8), woraufhin die KPT am 16. Oktober 2012 die Ab- lehnung der Kostenübernahme verfügte (act. II 9). Die Einsprache vom 30. Oktober 2012 (act. II 10) wies die KPT mit Einspracheentscheid vom 30. April 2013 ab (act. II 12). Das parallel zum Einspracheverfahren eingereichte Gesuch um Kosten- übernahme einer Reduktion der Fettschürze von Dr. med. H.________, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2014, KV/13/438, Seite 3 Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie FMH, vom 17. Dezember 2012 (act. II 11) lehnte die KPT mit Schreiben vom 11. Januar 2013 unter Hinweis auf die bisher geführten Korrespondenzen mit der Versicherten ab (act. II 11 S. 2). B. Gegen den Einspracheentscheid vom 30. April 2013 erhob die Versicherte am 24. Mai 2013 Beschwerde. Sie beantragt sinngemäss dessen Aufhe- bung sowie die Ausrichtung von Versicherungsleistungen für eine Abdomi- noplastik. Mit Beschwerdeantwort vom 23. Juli 2013 schliesst die Beschwerdegegne- rin auf Abweisung der Beschwerde. Zudem reichte sie mehrere ärztliche Stellungnahmen ein, die sie nach Erlass des Einspracheentscheides ein- geholt hatte (act. II 13-16). In der Replik vom 5. August 2013 verwies die Beschwerdeführerin auf die bisherigen Ausführungen und bestätigte die gestellten Rechtsbegehren. Mit prozessleitender Verfügung vom 6. August 2013 wurde die Replik der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis gebracht. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2014, KV/13/438, Seite 4 11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid vom 30. April 2013. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Über- nahme der Kosten einer Abdominoplastik. 1.3Mit Blick auf die Kosten des vorliegend zur Diskussion stehenden operativen Eingriffs sowie gestützt auf die bereits beurteilten gleichgelager- ten Fälle liegt der Streitwert offensichtlich unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt die Kos- ten für die Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen (Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung vom 18. März 1994 [KVG; SR 832.10]). Die Leistun- gen nach den Art. 25 - 31 KVG müssen wirksam, zweckmässig und wirt- schaftlich sein (Art. 32 Abs. 1 Satz 1 KVG). Gemäss Art. 3 Abs. 1 ATSG ist Krankheit jede Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi- schen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist und die eine medizini- sche Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2014, KV/13/438, Seite 5 2.2 2.2.1Ein ausschliesslich ästhetischer Mangel zählt grundsätzlich nicht zu den durch das KVG versicherten Krankheitsrisiken (Entscheid des Eid- genössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute Bundesgericht] vom 17. Januar 2006, K 135/04, E. 1). Natürliche Schönheitsfehler, die im Rah- men der normalen körperlichen Entwicklung entstehen, haben keinen Krankheitscharakter, soweit damit keine erheblichen Funktionsstörungen verbunden oder konkret zu erwarten sind. Hingegen können natürliche Schönheitsmängel Pflichtleistungen auslösen, wenn mit dem kosmetischen Defizit eine körperliche oder psychosomatische Beeinträchtigung mit aus- geprägtem Krankheitswert verbunden ist. Bei psychischen oder psychoso- matischen Störungen ist zur Annahme von Krankheitswert ein schweres psychisches Versagen voraussichtlich dauernder Natur zu verlangen. Die- se Forderung nach ausgeprägtem Krankheitswert erklärt sich daraus, dass erfahrungsgemäss jede gröbere Abweichung von der ästhetischen Norm zu Beeinträchtigungen des psychischen Wohlbefindens führen kann, ohne dass aber deswegen schon von Krankheit gesprochen werden müsste (GEBHARD EUGSTER, Die obligatorische Krankenpflegeversicherung, in UL- RICH MEYER [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl. 2007, S. 481 f. N. 260 f.). Soweit ein ästhetischer Mangel Beschwerden mit Krankheitswert im Rechtssinne verursacht, stellt die medizinische Behandlung dieser krank- haften Folgeerscheinungen durch operative Behebung des ästhetischen Mangels nur eine Pflichtleistung der Krankenkasse dar, wenn die Be- schwerden erheblich sind und andere, vor allem ästhetische Motive genü- gend zurückdrängen (BGE 121 V 211 E. 4 S. 213; EVG K 135/04, E. 1). 2.2.2Unter bestimmten Voraussetzungen hat der Krankenversicherer die Kosten der operativen Behandlung sekundärer krankheits- oder unfallbe- dingter Beeinträchtigungen, namentlich äusserliche Verunstaltungen vor allem an sichtbaren und in ästhetischer Beziehung speziell empfindlichen Körperteilen – besonders im Gesicht – zu übernehmen. Dies wenn die äus- serliche Verunstaltung ein gewisses Ausmass erreicht und sich durch eine kosmetische Operation beheben lässt, der Versicherer auch für die primären Unfall- oder Krankheitsfolgen leistungspflichtig war und die Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2014, KV/13/438, Seite 6 durchgeführte kosmetische Operation sich in allgemein üblichen Grenzen sowie im Rahmen der Wirtschaftlichkeit hält (BGE 121 V 119 E. 1 S. 121, 111 V 229 E. 1c S. 232; Entscheide des EVG vom 26. August 2004, K 15/04, E. 2.2, und vom 24. Dezember 2002, K 87/02, E. 1.2). Ob ein ästhetischer Mangel entstellend ist, beurteilt sich grundsätzlich nach objektiven Kriterien. Dazu gehört die gesellschaftliche Anschauung. Eben- falls von Bedeutung ist, inwiefern der von der Norm abweichende Zustand aus ästhetischen Gründen sich negativ auf das Erwerbsleben auswirkt. Mit Blick auf das Gebot der Gleichbehandlung der Versicherten (Art. 13 Abs. 2 lit. a KVG und Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung [BV; SR 101]) ist von einem engen Begriffsverständnis von „entstellend“ auszugehen. Subjektive Faktoren, insbesondere die persönliche Anschauung, haben ausser Acht zu bleiben. Ihnen wird bei der Frage Rechnung getragen, ob der Mangel körperliche oder psychische Beschwerden mit Krankheitswert verursacht, welche mit der Behebung des Mangels beseitigt werden können (EVG K 135/04, E. 2.3). 3. 3.1Unbestritten und aufgrund der Fotodokumentation (act. II 16) hinrei- chend erstellt ist, dass die Gewichtsreduktion der Beschwerdeführerin zu Hautüberschüssen im Bereich des Bauches geführt hat. Streitig und zu prüfen ist, ob die hängende Fettschürze – als grundsätzlich nicht leistungs- pflichtiger ästhetischer Mangel – behandlungsbedürftige Beschwerden mit Krankheitswert verursacht bzw. ob sie als entstellend zu qualifizieren ist. Nur diesfalls bestünde eine Kostenübernahmepflicht der Beschwerdegeg- nerin aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (vgl. E. 2.2 hier- vor). 3.2Den medizinischen Akten lässt sich hierzu im Wesentlichen das Folgende entnehmen: 3.2.1Im Gesuch um Kostengutsprache vom 29. Dezember 2011 (act. II 4) führten die behandelnden Ärzte, Dr. med. B.________ und PD Dr. med. C.________, aus, die hängende Fettschürze bereite grosse medizinische Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2014, KV/13/438, Seite 7 Probleme. Trotz guter Pflege, wie sie die Beschwerdeführerin durchführe, komme es vor allem in den Sommermonaten zu rezidivierenden intertri- ginösen Infekten. Daneben bestünden wegen der Bauchfalte massive psy- chische Probleme. Die Beschwerdeführerin geniere sich in Anwesenheit von anderen Menschen sportliche Aktivitäten auszuüben, v.a. wenn es ums Schwimmen gehe. Zudem habe sie Mühe mit zwischenmenschlichen inti- men Kontakten und fühle sich einsam. 3.2.2Am 10. Januar 2012 (act. II 5 S. 3) hielt der Vertrauensarzt der Be- schwerdegegnerin, Dr. med. G.________, fest, ein Krankheitswert sei nicht ausgewiesen; die Läsionen seien konservativ behandelbar. In den nachfol- genden Stellungnahmen wiederholte und bestätigte er diese Ansicht (act. II 7 S. 2, 9 S. 4). 3.2.3Die Dermatologen, Dres. med. E.________ und F.________, dia- gnostizierten im Bericht vom 17. April 2012 (act. II 6 S. 2) rezidivierende Mazerationen und Mischinfektionen. Im Weiteren gaben sie an, im Bereich des Bauchnabels und unter der ausgeprägten Fettschürze bestünden rela- tiv scharf begrenzte Rötungen. Aufgrund der Chronizität des Leidens und der ausgeprägten Fettschürze sei insbesondere bei der atopischen Dispo- sition, welche zu einer verringerten epidermalen Barrierefunktion und einer verminderten Abwehrfähigkeit der Haut führe, mit einem hartnäckigen, chronisch-rezidivierenden Verlauf zu rechnen. Da durch die unangeneh- men, teils schmerzhaften, bei jeder Bewegung spürbaren Hautreizungen und dem unannehmlichen Geruch eine deutliche Einschränkung der Le- bensqualität der Beschwerdeführerin vorliege, sei eine Abdominoplastik im Falle von weiter rezidivierenden chronischen Infekten durchaus indiziert. 3.2.4Dr. med. H.________ begründete die medizinische Indikation der Abdominoplastik am 17. Dezember 2012 (act. II 11) dahingehend, dass die Fettschürze vor allem wegen der Intertrigo suprapublisch störe sowie beim Tragen von Kleidern. 3.2.5Dem nach Verfügungserlass vom 16. Oktober 2012 (act. II 9) und Einspracheentscheid vom 30. April 2013 (act. II 12) eingeholten Bericht von Dr. med. I.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, vom 7. Juni 2013 (act. II 13) kann entnommen werden, dass sich die Beschwerde-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2014, KV/13/438, Seite 8 führerin vor allem in den Sommermonaten wegen unangenehmen Ge- ruchsemissionen unter anderen Leuten geniere. Zudem habe sich unter der Hautfalte eine chronische Entzündung (Mischinfekt) festgesetzt, welche trotz regelmässiger und sorgfältiger Pflege nicht zum Verschwinden ge- bracht werden könne. Ein weiteres Problem der Bauchfalte sei die Beein- trächtigung bei den sportlichen Betätigungen; die Beschwerdeführerin kön- ne deswegen kaum springen. Aus diesen Gründen sowie wegen der zu- nehmenden psychischen Belastung erachtete Dr. med. I.________ die Ab- dominoplastik aus medizinischen Gründen als indiziert. 3.2.6Am 4. Juli 2013 (act. II 15) gab Dr. med. B.________ an, die Be- schwerdeführerin leide vor allem in den Sommermonaten unter einem Ex- anthem und habe bereits mehrmals eine Mykose durchgemacht. Sie emp- finde sich zudem als stinkend und habe demzufolge auch psychische Pro- bleme. Im Weiteren arbeite die Beschwerdeführerin in einer Uniform, wobei die Fettschürze sichtbar sei und ein objektiv entstellendes Ausmass errei- che. 3.2.7In der Beurteilung der Vertrauensärzte der Beschwerdegegnerin vom 23. Juli 2013 (act. II 16 S. 3 f.) wurde festgehalten, dass im vorliegen- den Fall weder aus körperlicher (Ausprägung der Hautfalte) noch aus psy- chischer Sicht (behandlungsbedürftige psychische Beeinträchtigung) eine Situation mit Krankheitswert im Sinne des Sozialversicherungsrechts bestünde. Die bestehenden Hautveränderungen seien mit konservativen Massnahmen therapierbar. 3.3 3.3.1Die Beschwerdeführerin leidet insbesondere in den Sommermona- ten an rezidivierenden Mazerationen sowie Mischinfektionen (act. II 6 S. 2) und musste bereits mehrmals eine Mykose behandeln (act. II 15). Gemäss Rechtsprechung ist ein operatives Vorgehen von der obligatorischen Kran- kenpflegeversicherung nicht zu übernehmen, wenn schon einfache hygie- nische Massnahmen und dermatologische Behandlungen zu einer weitge- henden Linderung oder gar Beseitigung der aus überlappenden Körpertei- len resultierenden Hautbeschwerden führen. Zwar mag eine chirurgische Korrektur die Hauptprobleme dauernd beseitigen und insofern vorteilhaft Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2014, KV/13/438, Seite 9 erscheinen. Dies stellt aber nicht einen entscheidend höheren Nutzwert gegenüber der ebenfalls als wirksam zu erachtenden konservativen Be- handlung dar (EVG K 135/04, E. 2.2; Entscheide des EVG vom 22. Juni 2005, K 50/05, E. 3.1.1). Laut der Stellungnahme von Dr. med. G.________ vom 10. Januar 2012 (act. II 5 S. 3) können die bestehenden Läsionen der Beschwerdeführerin konservativ behandelt werden, was ebenfalls im vertrauensärztlichen Be- richt vom 23. Juli 2013 festgehalten wurde (act. II 16 S. 3). In den Akten sind im Weiteren keine Versuche einer erfolglosen konservativen Behand- lung dokumentiert, welche diesen Beurteilungen entgegenstehen würden. Denn gemäss der Stellungnahme von Dr. med. F.________ vom 3. Juni 2013 (act. II 14) suchte die Beschwerdeführerin lediglich einmal den Der- matologen auf. Eine regelmässige Behandlung unter dermatologischer Be- gleitung wurde demnach (noch) nicht durchgeführt. Dass die Beschwerde- führerin die Bauchfalte mit eigenen Applikationen von Babypuder – bisher erfolglos – behandelte (act. II 6 S. 2) und gemäss den Ärzten eine gute Pflege wahrt (act. II 4, 13), vermag daran nichts zu ändern. Schliesslich ist dem Bericht der Dermatologen vom 17. April 2012 (act. II 6 S. 2) nicht zu entnehmen, dass eine dermatologische Behandlung keine Erfolge mehr zeigen würde. Gegenteilig gaben sie der Beschwerdeführerin zur Behand- lung der Mischinfekte eine Castellani-Lösung und hielten fest, erst im Falle von weiter rezidivierenden chronischen Infekten sei der beantragte Eingriff indiziert. Demzufolge steht nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360), dass dermatologi- sche Affektionen, welche nicht einer konservativen Therapie zugänglich wären, im massgebenden Verfügungszeitpunkt vom 16. Oktober 2012 (act. II 9) nicht rechtsgenüglich ausgewiesen sind. Andere Funktionseinschränkungen oder objektive Befunde, welche einen Krankheitswert begründen würden, liegen weder vor noch macht die Be- schwerdeführerin solche geltend. Insbesondere vermögen das Stören der Bauchfettschürze beim Tragen von Kleidern (act. II 11) und die Beeinträch- tigungen bei sportlichen Aktivitäten (act. II 8, 11, 13) keinen Krankheitswert zu belegen, zumal den Akten denn auch nicht zu entnehmen ist, dass sich Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2014, KV/13/438, Seite 10 diese Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus- wirken würden. 3.3.2Es ist nachvollziehbar, dass das äussere Erscheinungsbild der Bauchfettschürze die Beschwerdeführerin subjektiv belastet; ein psychi- sches Leiden mit Krankheitswert ist dadurch indessen nicht ausgewiesen. So begründen insbesondere die in den Arztberichten erwähnten Hemmun- gen, in Anwesenheit von anderen Menschen sportliche Aktivitäten – v.a. Schwimmen – auszuüben oder die Mühe mit zwischenmenschlichen inti- men Kontakten (act. II 4, 15), allein noch keinen genügenden Leidens- druck, welcher den Schluss auf ein psychisches Leiden mit Krankheitswert zuliesse. Psychischer Leidensdruck oder Komplexe zufolge eines ästheti- schen Defizits sind hierfür nicht ausreichend (vgl. RKUV 1985 K 638 S. 200 E. 2a, RKUV 1994 K 931 S. 60 E. 3e). Vielmehr bedarf es eines schweren psychischen Versagens voraussichtlich dauernder Natur (vgl. E. 2.2.1 hier- vor). Obwohl in mehreren medizinischen Berichten (act. II 4, 13, 15) auf massive psychische Probleme der Beschwerdeführerin hingewiesen wurde, genügt dies nicht, um das Bestehen einer erheblichen, behandlungsbedürf- tigen psychischen Störung mit Krankheitswert anzunehmen. Denn eine klare fachärztliche psychiatrische Diagnose sowie eine Umschreibung all- fälliger Funktionseinschränkungen liegen nicht vor. Zudem war bisher eine psychiatrische Behandlung nicht indiziert. Die Beschwerdegegnerin macht schliesslich geltend, in absehbarer Zukunft sei eine psychiatrische Behandlung unumgänglich (Beschwerde S. 2). Da es sich hierbei um eine rein spekulative Annahme handelt, kann diese nichts zur Entscheidfindung beitragen (vgl. EVG K 135/04 E. 2.2). 3.3.3Demnach ist erstellt, dass durch den ästhetischen Mangel bedingte, konservativ nicht therapierbare körperliche oder psychische Beschwerden mit Krankheitswert nicht ausgewiesen sind. Eine Leistungspflicht der Be- schwerdegegnerin kann diesbezüglich nicht begründet werden (vgl. E. 2.2.1 hiervor). 3.4Zu prüfen bleibt, ob der ästhetische Mangel als sekundäre krank- heitsbedingte Beeinträchtigung die Kostenübernahme durch die Beschwer-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2014, KV/13/438, Seite 11 degegnerin rechtfertigt bzw. ob eine äusserliche Verunstaltung vorliegt, die objektiv als entstellend zu bezeichnen ist (vgl. E. 2.2.2 hiervor). Ob der Bauch zu den ästhetisch speziell empfindlichen Körperstellen gehört – wie beispielsweise das Gesicht (E. 2.2.2 hiervor) – kann vorlie- gend offen bleiben, denn selbst bejahendenfalls kann dieser aufgrund der durch die Fotos (act. II 16) hinreichend dokumentierten Verhältnisse bei objektiver Betrachtungsweise nicht als entstellend bezeichnet werden. Dafür ist die Bauchschürzt der Beschwerdeführerin im Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen zu wenig prägnant. Zudem variieren Form und Grösse des Bauches in der Allgemeinheit erheblich, ebenso wie die gesellschaftli- che Meinung darüber, was als „normal“ zu bezeichnen ist (vgl. dazu auch EVG K 15/04, E. 3.2.2). Die Beschwerdeführerin kann den ästhetischen Mangel zudem in den al- lermeisten alltäglichen Situationen und beispielsweise auch in der Badean- stalt mit entsprechenden Kleidungsstücken (Badekleid) abdecken. Im Wei- teren ist nicht dokumentiert und demnach nicht anzunehmen, dass die Hautüberschüsse die Beschwerdeführerin im Alltag oder im Beruf in erheb- lichem Ausmass behindern würden. Insbesondere vermag die Sichtbarkeit der Fettschürze in den Arbeitskleidern (Uniform) keine erhebliche äusserli- che Verunstaltung zu begründen (act. II 15). Demnach ist eine geradezu entstellende Situation angesichts des gemäss Rechtsprechung engen Be- griffs der Entstellung (vgl. E. 2.2.2 hiervor) im vorliegenden Fall zu vernei- nen. 3.5Nach dem Ausgeführten ist weder ein körperliches oder psychi- sches Leiden mit ausgeprägtem Krankheitswert nachgewiesen noch ist die Bauchschürze entstellend. Die Beschwerdegegnerin hat das Gesuch um Kostenübernahme einer Abdominoplastik folglich zu Recht abgelehnt. Die dagegen erhobene Beschwerde ist als unbegründet abzuweisen. 4. 4.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 KVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG wer- den keine Verfahrenskosten erhoben.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2014, KV/13/438, Seite 12 4.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Be- schwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehr- schluss aus Art. 1 Abs. 1 KVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch eine Parteientschä- digung zugesprochen. 3. Zu eröffnen (R): - A.________ - KPT Krankenkasse AG - Bundesamt für Gesundheit Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.