Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Juli 2022 (710 21 56 / 168) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Organhaftung nach Art. 52 AHVG bejaht. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Stephan Pauk- ner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Tobias Treyer , Advokat , Hauptstrasse 13, Postfach 810, 4144 Arlesheim B.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Tobias Treyer, Advokat, Hauptstrasse 13, Postfach 810, 4144 Arlesheim C.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Tobias Treyer, Advokat, Hauptstrasse 13, Postfach 810, 4144 Arlesheim gegen Ausgleichskasse Wirtschaftskammer 114 , Viaduktstrasse 42, Postfach, 4002 Basel, Beschwerdegegnerin Betreff Schadenersatz A. Die D.____ AG (AG) mit Sitz in E.____ war als beit ragspflichtige Arbeitgeberin bei der Ausgleichskasse Wirtschaftskammer 114 (Kasse) angeschlossen. Seit 1994 war A.____ einzel- zeichnungsberechtigter Verwaltungsratspräsident der AG. Als kollektivzeichnungsberechtigte Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verwaltungsräte der AG fungierten im Weiteren seit 19 98 B.____ und C.____ seit 2003. Am 29. Januar 2019 wurde über die AG der Konkurs eröffnet und am 22. April 2020 als geschlossen erklärt. Am 20. April 2020 stellte das zuständige Konkursamt des Kantons Basel-Landschaft der Kasse zwei Verlustscheine über insgesamt Fr. 299'815.80 a us. Am 4. Mai 2020 wurde die AG von Amtes wegen aus dem Handelsregister gelöscht. B. Nachdem A.____, B._____ und C._____ am 15. bzw. am 22. April 2020 zunächst auf- gefordert worden waren, zu der vom Konkursamt kolloziert en Forderung der Kasse Stellung zu nehmen, erliess die Kasse am 30. Juli sowie am 6. August 2020 je eine Schadenersatzverfügung, mit welcher sie von den Genannten in ihrer Eigenschaft a ls formelle Organe der AG für die Zeit ab 10. März 2017 die Bezahlung eines Schadenersatzes in der Höhe von Fr. 299'815.80 (inkl. Verwaltungskosten, Mehrkosten für Arbeitgeberkontrolle, Mahngebühren, Verzugszinsen und Betreibungskosten) in solidarischer Haftung forderte. Eine hiergegen von allen drei Personen er- hobene Einsprache vom 28. August 2020 wies die Kasse mit Einspracheentscheid vom 8. Januar 2021 ab. C. Hiergegen erhoben A.____, B._____ und C._____, a lle vertreten durch Advokat Tobias Treyer, am 10. Februar 2021 Beschwerde beim Kantonsge richt des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und b eantragten die Aufhebung sowohl des angefochtenen Einspracheentscheids als auch der ihm vorausgegangenen Schadenersatz- verfügung der Kasse vom 30. Juli 2020, unter o/e-Kosten folge. Zur Begründung liessen sie im Wesentlichen geltend machen, dass die AG nach der Wirtsch aftskrise im Jahr 2009 finanziell erstmals ins Straucheln geraten sei. Bis 2017 habe aber wieder ein Cashflow von über Fr. 1'200'000.— generiert werden können. Die Beschwerde führer hätten sich stets mit der finan- ziellen Lage des Unternehmens auseinandergesetzt. Es sei en Strategiepapiere erarbeitet und umgesetzt worden, um die Gesellschaft in eine sichere Zukunft zu führen. Mit Blick auf den Cash- flow der Jahre 2013 bis 2018 sei es für die Unternehmu ngsleitung lediglich eine Frage der Zeit gewesen, bis der Schuldenberg hätte abgebaut werden kö nnen. Die Beschwerdeführer hätten sodann auch private Mittel eingeschossen und auf ihren Lohn verzichtet. Letztlich hätten ein schwerwiegender Hackerangriff Ende des Jahres 2018 sowie d ie Insolvenz eines grossen aus- ländischen Kunden die Bemühungen des Verwaltungsrates aber vereitelt. Die Beschwerdeführer hätten demnach weder grobfahrlässig noch vorsätzlich geha ndelt. Im Zeitpunkt der Konkurser- öffnung habe die AG in Form diverser Debitoren, verwertbarer Maschinen und Mobiliar über Ak- tiven im Umfang von über Fr. 300'000.— verfügt. Seiten s des Konkursamtes sei indessen alleine eine offene Forderung gegenüber einem Kunden im Umfang von Fr. 141'986.— mit der simplen Begründung nicht eingefordert worden, dass diese Forderung bestritten worden sei. Weshalb sich das Konkursamt mithin nicht bemüht habe, die liquiden Debitoren zwecks Deckung der Beitrags- ausstände konsequent einzufordern, sei ebenso unverständlich wie die Tatsache, dass die vor- handenen Maschinen sowie das Mobiliar der AG nicht verwe rtet worden seien. Auch wenn der damit einhergehende Vorwurf in erster Linie das zuständige Konkursamt betreffe, müsse sich die Kasse bewusst sein, dass sich die heutige Situation insbeson dere infolge behördlichen Versa- gens eingestellt habe. Hinsichtlich eines wesentlichen Teils der Ausstände seien ausserdem die Maschinen des Unternehmens mit einem Wert von mindestens Fr. 500'000.— als massgebende Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aktiven zugunsten der Kasse gepfändet gewesen. Damit sei dem Verwaltungsrat der AG behör- denseitig vermittelt worden, dass die Ausstände gegenüber der Kasse insbesondere für den Fall eines Konkurses abgesichert gewesen seien. Unter dieser P rämisse sei seitens der AG beab- sichtigt gewesen, vorab neu anfallende Beiträge zu tilge n, das Unternehmen laufend zu stabili- sieren sowie die übrigen offenen AHV-Beiträge abzubau en. Der Verwaltungsrat der AG sei ge- stützt auf die behördlichen Auskünfte der festen Überzeugung gewesen, dass die alten Beitrags- forderungen durch den Erlös eines allfälligen Maschinenverkaufs entsprechend gedeckt und da- mit gesichert gewesen seien. Entsprechend überrascht und schockiert seien die Verwaltungsräte der AG gewesen, als im Rahmen der Konkurseröffnung die gepfändeten Maschinen seitens des Konkursamtes ohne Zustimmung freigegeben und der Vermie terschaft der Geschäftsräumlich- keiten der AG in Abgeltung offener Mietzinsausstände überlassen worden seien. Auch die erfolg- reichen Bemühungen seitens der Beschwerdeführer, einen potenten Nachmieter zu finden, wel- cher gewillt gewesen sei, für die Maschinen und Einrichtungen der AG bis zu einer halben Million Franken zu bezahlen, seien seitens des Konkursamtes ignoriert worden. Es stelle sich somit die Frage, ob das vorgängig involvierte Betreibungsamt und damit auch die Kasse durch dieses Vor- gehen nicht ein falsches Bild erzeugt und damit die Vergrösserung des Schadens mitverursacht hätten. Auch wenn die Verwaltungsräte gewusst hätten, dass von geleisteten Lohnzahlungen die AHV-Beiträge abzuziehen und gegenüber der Kasse abzurechn en gewesen seien, stelle deren Nichtbezahlung unter diesen Umständen weder ein vorsätzliches noch ein grobfahrlässiges Ver- schulden dar. Vielmehr hätten sich die Beschwerdeführer auf die Zusicherung des Betreibungs- amtes verlassen und seien davon ausgegangen, dass die AG entsprechend Zeit habe, ihre Aus- stände abzubauen. Die Beschwerdeführer hätten deshalb nicht für die Schadenersatzforderung einzustehen. Im Wissen um die solidarische Haftung werde das Gericht eventualiter zudem er- sucht, das Verschulden der Beschwerdeführer zu differenzier en, hätten doch insbesondere B.____ und C.____ trotz ihres Status als Verwaltungsräte einen nur geringen Einfluss auf die AG und deren Geschäftsverlauf ausgeübt. Schliesslich sei zu be rücksichtigen, dass die in Aussicht gestellte Schadenersatzforderung alle drei Beschwerdeführer äusserst schwer treffe, da alle sehr viel Geld mit dem Konkurs der AG verloren hätten und ihre finanzielle Existenz wegen bereits bestehender Schulden akut gefährdet sei. D. In ihrer Vernehmlassung vom 24. März 2021 schloss die Kasse auf Abweisung der Be- schwerde. Die geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge seien über Jahre nur schleppend und beinahe ausschliesslich via Betreibungsamt bezahlt worden. Den Beschwerdeführern müsse vor- geworfen werden, dass sie die AG trotz erstmals bereits 2014 erlassener Schadenersatzverfü- gungen im gleichen Trott über Jahre weitergeführt hätten. Es sei eine marode Firma über Jahre zu Lasten der Sozialversicherung weitergeführt worden. Als Verwaltungsrat könne man sich na- mentlich nicht darauf verlassen, dass die geschuldeten So zialversicherungsbeiträge durch den Wert gepfändeter und betriebsnotwendiger Maschinen g edeckt seien. Alleine schon das Ver- trauen auf eine Pfändung von Vermögenswerten sei als absichtliches Nichtbezahlen geschulde- ter Beiträge zu taxieren. Wenn das Konkursamt die vom Ve rwaltungsrat erhofften Erträge nicht habe generieren können, liege dieser Umstand nicht in der Verantwortung der Kasse. Jedenfalls könne sich der Verwaltungsrat nicht auf die Verwertungserträge des Konkursamtes verlassen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Mit Replik vom 26. Mai 2021 hielten die Beschwerdef ührer an ihren Beschwerdeanträ- gen fest. Sie bestritten, dass sie sich nicht auf die seitens des Betreibungs- resp. Konkursamtes erfolgten Auskünfte betreffend die zu Gunsten der AG gepfändeten Maschinen hätten verlassen dürfen. Dass die AG keinerlei Bemühungen getätigt habe, die ausstehenden AHV-Ausstände zu tilgen, werde ebenfalls bestritten. So seien im Jahr 2018 Gutschriften im Umfang von mindestens Fr. 75'000.— erfolgt. Im Hinblick auf die eingefordert en AHV-Beiträge stelle sich ausserdem die Frage der Verjährung. Gemäss der von der Beschwerdegegnerin eingereichten Zusammenstel- lung sei per 10. März 2017 lediglich ein Übertrag von Fr. 55'483.95 ausgewiesen. Es müsse folg- lich davon ausgegangen werden, dass die nicht ausgewiesenen, vor diesem Datum angefallenen AHV-Beiträge zwischenzeitlich verjährt seien. Ausserdem stelle sich die Frage, wann die Kasse Kenntnis von den Beitragsausständen gehabt habe und mit welchen Handlungen eine Unterbre- chung der Verjährung erfolgt sei. So sei schon früh klar gewesen, dass zulasten der Kasse ein Schaden entstehen werde. Es sei unverständlich, weshalb die Kasse es zugelassen habe, dass über mehrere Jahre sich wieder ein derart grosser Ausstand an AHV-Beiträgen angehäuft habe. Der AG seien nie Grenzen gesetzt und damit die Eskalation eines Schadens verhindert worden. Vielmehr habe man die Beschwerdeführer in ihrer Auffassung, dass mit der bereits zuvor erfolg- ten Pfändung der Maschinen der AG die AHV-Forderungen gedeckt seien, über Jahre machen lassen. F. Die Kasse hielt mit Duplik vom 26. Mai 2021 an der Abweisung der Beschwerde fest. Die Beschwerdeführer könnten nicht ernsthaft behaupte n, sie hätten sich bemüht, die AHV- Beiträge zu tilgen, da die entsprechenden Ausstände pe r Januar 2015 über Fr. 27'633.95 mehr oder weniger kontinuierlich bis zum 25. Oktober 2018 auf Fr. 289'899.10 angestiegen seien. Die neu erhobene Verjährungseinrede sei nicht substantii ert und ignoriere die Tatsache, dass Zah- lungen und Gutschriften auf die ältesten Ausstände anzurechnen seien. Dem eingereichten Kon- toauszug der Kasse zufolge würden somit keine Beiträge vor dem 10. März 2017 als buchhalte- risch offen gelten. Dass sich das Betreibungsamt von der AG offenbar mit Teilzahlungen zufrie- den stellen liess, habe nichts mit Inkonsequenz der Kasse zu tun. Es sei nicht Aufgabe der Kasse, der Schuldenmacherei eines Arbeitgebers ein Ende zu setzen. G. Am 12. Juli 2021 zog das Kantonsgericht beim zuständ igen Konkursamt die Konkursak- ten betreffend die AG bei. Mit verfahrensleitender Ve rfügung vom 3. August 2021 gewährte es den Parteien Gelegenheit, in diese Konkursakten Einsicht zu nehmen. Mit Stellungnahme vom 23. August 2021 hielten die Beschwerdeführer fest, dass d ie beigezogenen Konkursakten nicht vollständig seien. Insbesondere fehle ein im Hinblick auf die geleisteten AHV-Zahlungen ange- legter Ordner. Ebenfalls seien keine Ordner betreffend die Kreditoren vorhanden. Vollständig feh- len würden ausserdem die Unterlagen des Betreibungsamt es hinsichtlich der vorangehenden Pfändung der Maschinen der AG. Die Kasse verzichtete mit Eingabe vom 24. August 2021 auf eine Einsichtnahme in die beigezogenen Konkursakten. H. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 21. September 2021 hielt das Kantonsgericht fest, dass zwei neuerliche Nachfragen des Gerichts beim zuständigen Betreibungs- und Kon- kursamt betreffend die von den Beschwerdeführenden als unvollständig kritisierten Konkursakten Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ergeben hätten, dass nebst der Pfändungsurkunde vom 12. Juli 2017 keine weiteren Akten vor- handen seien. Mit Eingabe vom 1. Oktober 2021 hielt die Kasse fest, aus der Pfändungsurkunde vom 12. Juli 2017 sei ersichtlich, dass das Betreibungsamt zwar etliche Gegenstände der Kon- kursitin gepfändet habe, auf deren Verwertung jedoch verzichtet habe, weil ein realistischer Til- gungsplan bestanden habe. Weiter gehe daraus hervor, dass gemäss Bilanz der AG per 31. De- zember 2017 zwar ein Warenlager im Wert von rund Fr. 746'000.— bestanden habe, welches zu pfänden aber nur bedingt sinnvoll gewesen sei, weil diese Waren von der AG noch veredelt wür- den. Dass, ob und wieweit Forderungen der Gläubiger ü ber das Betreibungsamt befriedigt wor- den seien, habe alleine am Betreibungsamt gelegen, we lches offensichtlich auf Prognosen und Versprechungen der Konkursitin vertraut habe. Eine Mitve rantwortung der Kasse bezüglich der Schadenhöhe lasse sich aus dem Verhalten des Betreibungsamtes jedenfalls nicht ableiten. Mit Stellungnahme vom 1. November 2021 hielten die Beschwerdeführer fest, dass weiterhin davon auszugehen sei, dass seitens des Betreibungs- und Konkursamtes unvollständige Unterlagen zur Verfügung gestellt worden seien. Es sei ihnen behörden seitig stets vermittelt worden, dass im Hinblick auf die mittels Pfand gesicherten Forderungen eine ausreichende Deckung bestehe. Aus der Pfändungsurkunde vom 12. Juli 2017 gehe hervor, dass ein realistischer Schuldentilgungs- plan bestanden habe und die Verwertung der gepfändeten Vermögenswerte folglich bis zur voll- ständigen Deckung aufgeschoben worden sei. Da eine voll ständige Deckung jedoch nie erfolgt sei, hätte die Pfändung nicht aufgehoben werden dürfe n. Behördenseitig sei demnach bestätigt worden, dass die AG mit Aussicht auf Erfolg eine mögli chst zeitnahe finanzielle Stabilisierung angestrebt habe. Unerklärlich bleibe dabei, weshalb die Pfändung zum Nachteil der konkursiten AG entgegen dem Wortlaut der Pfändungsurkunde aufgehoben worden sei. Es werde schliesslich nach wie vor bestritten, dass die in der Aufstellung der Kasse enthaltenen Forderungen, welche unter dem Titel «Vortrag» im Umfang von Fr. 55'483.95 aufgeführt würden, noch Bestand hätten. Es müsse davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um Forderungen der Kasse handle, welche älter als fünf Jahre und damit verjährt seien. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 15. Dezember 2021 wurde die Angelegenheit schliesslich dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechtes (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide der Versiche- rungsträger Beschwerde erhoben werden. Jeder Kanton bestellt ein Versicherungsgericht als einzige Instanz zur Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung (Art. 57 ATSG). Laut § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Kantonsgericht als einzige ge- richtliche Instanz des Kantons zur Beurteilung von Beschwer den gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG sachlich zuständig. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2. Nach Art. 52 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Alte rs- und Hinterlassenenversiche- rung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 ist in Abweichung von Art. 58 Abs. 1 ATSG für Beschwer- den betreffend Schadenersatzansprüche der Ausgleichskassen das Versicherungsgericht desje- nigen Kantons zuständig, in dem der Arbeitgeber seinen Wohnsitz hat, beziehungsweise die als Arbeitgeberin auftretende juristische Person ihr statutarisches Domizil hat, ungeachtet des jewei- ligen Wohnsitzes der in Anspruch genommenen Organe. Da die AG ihren Sitz in D.____ hatte, ist auch die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben. 1.3 Die Beschwerdeführer beantragen in ihrer Beschwerd e, es sei sowohl der Einsprache- entscheid der Kasse vom 8. Januar 2021 als auch die ihr vorangegangene Schadenersatzverfü- gung vom 30. Juli 2020 aufzuheben. Anfechtungsgegenstand der vorliegenden Beschwerde bil- det indessen einzig der vorinstanzliche Einspracheentscheid vom 30. Juli 2020. Auf die form- und fristgerecht erhobene Beschwerde vom 10. Februar 2021 i st demnach nur insoweit einzutreten, als sie sich gegen die Aufhebung des vorinstanzlichen Einspracheentscheids der Kasse richtet. 2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführ er gemäss Art. 52 AHVG für den bei der Kasse entstandenen Schaden einstehen müssen. Nach Art. 52 Abs. 1 AHVG hat ein Arbeit- geber, welcher der Versicherung durch absichtliche oder g robfahrlässige Missachtung von Vor- schriften einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Hand elt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäfts- führung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden soli darisch (Art. 52 Abs. 2 AHVG). Die Haftung nach Art. 52 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf widerrechtliches und schuldhaftes Verhalten des Arbeitgebers und – subsidiär – des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. 2.2 Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nac h Art. 52 AHVG sowie die dazu entwi- ckelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invaliden-ver- sicherung vom 19. Juni 1959), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Er- werbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft vom 25. September 1952) und Arbeitslo- senversicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen-ver- sicherung und die Insolvenzentschädigung vom 25. Juni 19 82) sowie auf jene an die Familien- ausgleichskassen gemäss dem Bundesgesetz über die Familien zulagen vom 24. März 2006 (Art. 25 lit. c). 3.1 Zu prüfen ist vorab die Verjährungseinrede der B eschwerdeführenden. Art. 52 Abs. 3 AHVG sieht vor, dass der Schadenersatzanspruch zwei Jahre, nachdem die zuständige Aus- gleichskasse vom Schaden Kenntnis erhalten hat, und jed enfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens verjährt (Satz 1). Diese Fristen können unter brochen werden (Satz 2). Dabei handelt es sich, wie das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG, heute: Bundesgericht, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sozialrechtliche Abteilungen) unter Hinweis auf den Ge setzeswortlaut und die Materialien ent- schieden hat, um Verjährungsfristen (Urteil des EVG vom 30. November 2004, H 96/03, E. 5.1; BGE 131 V 427 E. 3.1). 3.2 Im Zusammenhang mit der zweijährigen relativen Ver jährungsfrist ist nach der bundes- gerichtlichen Rechtsprechung die Schadenkenntnis von dem Zeitpunkt an gegeben, in welchem die Ausgleichskasse unter Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit erkennen muss, dass die tatsächlichen Gegebenheiten nicht mehr erlauben, die Beiträge einzufordern, wohl aber eine Schadenersatzpflicht begründen können (BGE 131 V 427 E. 3.1, 119 V 92 E. 3). Voraussetzung für eine ausreichende Schadenkenntnis ist dabei, dass d ie Ausgleichskasse alle tatsächlichen Umstände über die Existenz, die Beschaffenheit und die we sentlichen Merkmale des Schadens kennt bzw. kennen müsste (BGE 116 V 72 E. 3b). Dabei haben sich in der Praxis Regelzeitpunkte entwickelt, in welchen die Schadenkenntnis üblicherweise angenommen wird. Es ist dies im Falle eines Konkurses praxisgemäss dann, sobald die Kollokati on der Forderungen eröffnet, der Kol- lokationsplan also zur Einsicht aufgelegt wird (Urteil e des Bundesgerichts 9C_166/2017 vom 8. August 2017, E. 4.2.1 und 9C_325/2010 vom 26. Juni 20 18, E. 4.5.2). Für eine fristauslösende Schadenkenntnis ausnahmsweise schon vor diesem Regelzeitpunkt ist rechtsprechungsgemäss ein strenger Massstab anzulegen; eine Vorverlegung auf die Zeit vor Auflegung des Kollokations- plans rechtfertigt sich beispielsweise nur dann, wenn eine Ausgleichskasse anlässlich der Gläu- bigerversammlung vernimmt, dass ihre Forderung auf jed en Fall ungedeckt bleiben wird (BGE 118 V 193 E. 3b). Was sodann die absolute Verjährungsfrist von fünf Jahren seit dem Ein- tritt des Schadens betrifft, gilt der Schaden als einge treten, wenn anzunehmen ist, dass die ge- schuldeten Beiträge aus rechtlichen (Eintritt der Beitragsverwirkung) oder tatsächlichen Gründen (Zahlungsunfähigkeit der Beitragsschuldnerin) nicht mehr eingefordert werden können (BGE 129 V 193 E. 2.1. ff.). Sobald die Beiträge wegen Zahlu ngsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordentlichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG erho ben werden können, fällt der Beginn der absoluten Verjährungsfrist dabei auf den Zeitpunkt de r Ausstellung eines Pfändungsverlust- scheins oder auf den Zeitpunkt der Konkurseröffnung über den Arbeitgeber (BGE 141 V 487 E. 2.2 mit Hinweisen). 3.3 Im vorliegenden Fall wurde über die AG am 29. Ja nuar 2019 der Konkurs eröffnet. Indem die Kasse am 30. Juli 2020 und am 6. August 2020 je eine Schadenersatzverfügung gegenüber den heutigen Beschwerdeführerenden erlassen hat, hat sie unbesehen einer späteren Auflage des Kollokationsplans die zweijährige Frist gemäss Art. 5 2 Abs. 3 AHVG zweifellos gewahrt. Nichts anderes gilt hinsichtlich der absoluten Verjährung sfrist von fünf Jahren seit Eintritt des Schadens. Soweit die Beschwerdeführer zunächst einwenden, dass die in der Aufstellung der Kasse enthaltenen Forderungen, welche unter dem Titel «Vortrag» im Umfang von Fr. 55'483.95 aufgeführt würden, infolge Verjährung keinen Bestand mehr hätten, übersehen sie, dass der Schaden nicht im Zeitpunkt der Fälligkeit der geschuldeten Beiträge entsteht, sondern erst dann, sobald sie nicht mehr erhoben werden können (UELI KIESER , Alters- und Hinterlassenenversiche- rung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, 3. Auflage, Basel 2016, Rz. 527). Eine allfällige Beitragsverwirkung gemäss Art. 16 Abs. 1 AHVG der im Kontoauszug der Kasse vom 25. Oktober 2018 (Beilage 2 zur Vernehmlassung) enthaltenen Forderungen per Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. März 2017 ist ausserdem nicht ersichtlich. Aus diesem Kontoauszug geht hervor, dass ledig- lich Beitragsausstände ab März 2017 im Konkurs eingegeb en worden und die erhaltenen Zah- lungen an ältere Beitragsforderungen angerechnet wor den sind. Dasselbe ergibt sich aus der Anmeldung der Kasse zur Kollokation vom 3. April 2019 (Akt 34 in Akten des Konkursamtes), wonach der geltend gemachte Schaden Beitragsforderungen erst ab 10. März 2017 enthält. Für die Zeit vor dem 10. März 2017 gelten demnach keine Be iträge als offen und eine Beitragsver- wirkung liegt damit keine vor. In tatsächlicher Hinsicht begann die absolute Verjährungsfrist so- dann ebenfalls mit der Konkurseröffnung zu laufen (BGE 141 V 487 E. 2.2 mit Hinweisen). Da die Kasse ihren Schaden verfügungsweise bereits rund eineinhalb Jahre nach der Konkurseröff- nung über die AG geltend gemacht hat, ist ihre Schade nersatzforderung auch in absoluter Hin- sicht nicht verjährt. 4.1 Der Schaden der Ausgleichskasse besteht bei einer Anw endung von Art. 52 Abs. 1 AHVG darin, dass der AHV ihr ein gesetzlich geschuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Scha- dens entspricht dabei dem Betrag, den die Ausgleichskasse nicht erhältlich machen kann. Ver- waltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahn gebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 27. August 2013, 9C_646/2012, E. 4.1; zum Ganzen: T HOMAS NUSSBAUMER , Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatz- prozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5). 4.2 Die Beschwerdegegnerin macht aufgrund ungedeckt gebl iebener Beitragsforderungen einen Schaden im Umfang von Fr. 299'815.80 geltend. Diese Schadenhöhe ergibt sich aus dem Kontoauszug der Kasse vom 25. Oktober 2018 (Beilage 2 zur Vernehmlassung) und stimmt so- wohl mit dem Totalbetrag gemäss berichtigter Konkurseingabe der Kasse vom 30. August 2019 als auch mit den der Kasse letztlich ausgestellten Konkur sverlustscheinen vom 20. April 2020 (Beilagen 4 und 5 zur Vernehmlassung) überein. Die Hö he des Schadens wird seitens der Be- schwerdeführenden sodann nicht bestritten, so dass das Kantonsgericht keine Veranlassung hat, diese näher zu überprüfen. Der Verwaltungsprozess ist zwar vom Untersuchungsgrundsatz be- herrscht. Dieser entbindet die rechtsuchenden Parteien jedoch nicht davon, selbst allfällige Be- anstandungen vorzubringen und ihrerseits zur Feststellung des Sachverhalts beizutragen (Urteil des EVG vom 21. April 2006, H 157/05, E. 2.2). Mangels offenkundiger Anhaltspunkt für allfällige Berechnungsfehler ist die Schadenberechnung der Kasse mi thin zu bestätigen und von einem vorliegend relevanten Schadenbetrag von Fr. 299'815.80 auszugehen. 5.1 Der Schaden der Ausgleichskasse muss auf ein widerrech tliches Verhalten des Scha- denersatzpflichtigen zurückzuführen sein. Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicheru ng (AHVV) vom 31. Oktober 1947 schreibt vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit seinen eigenen Beiträgen der Ausgleichskasse periodisch zu entrich- ten hat. Diese werden von der Ausgleichskasse aufgrund der voraussichtlichen Lohnsumme fest- gesetzt, wobei die Arbeitgeber wesentliche Änderungen der Lohnsumme während des Jahres zu Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht melden haben. Nach Ablauf einer Abrechnungsperiode, welche jeweils das Kalenderjahr umfasst, nimmt die Ausgleichskasse aufgrund der Abrechnung der A rbeitgeber den Ausgleich zwischen den geleisteten Akontobeiträgen und den tatsächlich geschuldeten Beiträgen vor, wobei ausste- hende Beiträge innert 30 Tagen ab Rechnungsstellung z u bezahlen sind (Art. 36 Abs. 3 und 4 AHVV). Diese Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlich-rechtliche Aufgabe. Dazu erklärte das Bundesgericht wiederholt, dass die Nichterfüllung dieser öffentlich-rechtlichen Aufga be eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 AHVG bedeute und die volle Schadensd eckung nach sich ziehe (BGE 118 V 193 E. 2a und 111 V 173 E. 2; Urteil des EVG vom 21. April 2006, H 157/05, E. 4.1; auch MARCO REICHMUTH , Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG, Frei- burg 2008, Rz. 504). 5.2 Im vorliegenden Fall muss der AG insofern eine Missa chtung von Vorschriften vorge- worfen werden, als sie seit dem Jahr 2015 den ihr oblie genden Zahlungsverpflichtungen nicht oder nur unvollständig nachkam und damit öffentlich-rechtliche Vorschriften verletzte. Sie wurde deswegen von der Ausgleichskasse wiederholt gemahnt und betrieben. Schliesslich blieben für die Zeit ab März 2017 Sozialversicherungsbeiträge (inklusi ve Nebenkosten) in der Höhe von Fr. 299'815.80 offen (oben, Erwägung 4.2). Damit ist die AG ihren gesetzlichen Pflichten als Ar- beitgeberin nicht nachgekommen und hat öffentlich-rechtliche Vorschriften verletzt. 6. Zwischen dem bei der Ausgleichskasse eingetretenen Sch aden und dem pflichtwidrigen Verhalten des Arbeitgebers bzw. seiner Organe muss sodann ein adäquater Kausalzusammen- hang bestehen (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 2. Novem- ber 2012, 9C_369/2012 und 9C_370/2012, E. 7.1; so a uch Urteile des Kantonsgerichts vom 7. April 2016, 710 14 238/84, E. 6 und vom 10. Dezember 2015, 710 14 283/326, E. 3.4). Vorlie- gend ist offensichtlich, dass die Nichterfüllung der der AG als Arbeitgeberin obliegenden Pflicht zur vollständigen Begleichung der paritätischen Sozialver sicherungsbeiträge für den bei der Kasse entstandenen Schaden kausal ist und dass ein derartiges Verhalten nach dem gewöhnli- chen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, den eingetretenen Erfolg zu bewirken. Wenn die Beschwerdeführer geltend machen, d ass der Kausalzusammenhang durch eine angebliche Untätigkeit der Kasse unterbrochen worden sei, da die Kasse gerade mit Blick auf eine bereits in der Vergangenheit erfolgte Pfändung der weiteren Nichtbezahlung von Beiträgen einen Riegel hätte schieben müssen, kann ihnen in diesem Zusammenhang nicht ge- folgt werden. Namentlich ist es nicht die Aufgabe eine r Ausgleichskasse, einer allfälligen Nicht- bezahlung von Beiträgen durch einen Arbeitgeber ein Ende zu bereiten. Diese hat die Ausstände bloss über den Betreibungsweg einzufordern. Die Höhe des eingetretenen Schadens ist demnach auch im vorliegenden Fall einzig auf die Nichtbezahlung der Beiträge durch die AG zurückzufüh- ren und nicht etwa auch auf eine allfällige Mitverursachung durch die Kasse. Ein adäquater Kau- salzusammenhang zwischen dem bei der Kasse eingetretenen Schaden und dem pflichtwidrigen Verhalten der AG ist somit zu bejahen. 7.1 Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpfl icht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 Abs. 1 AHVG schliesslich darin, dass die Missach tung von Vorschriften in absichtli- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht cher oder grobfahrlässiger Weise erfolgt ist. Art. 52 Abs. 1 AHVG statuiert eine Verschuldenshaf- tung aus öffentlichem Recht. Sowohl der Arbeitgeber al s auch das allfällige Arbeitgeberorgan muss ein Verschulden treffen. Verlangt wird damit ein d oppeltes oder zweistufiges Verschulden (REICHMUTH , a.a.O., Rz. 535). 7.2 Zu prüfen ist in einem ersten Schritt, ob und inwi eweit der entstandene Schaden auf ein qualifiziert schuldhaftes Verhalten der AG zurückzuführen ist. Das Bundesgericht geht in seiner Praxis davon aus, dass bei Verletzung der Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht ein Ver- schulden des Arbeitgebers grundsätzlich gegeben ist. Ledi glich wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erla ubt oder nicht schuldhaft erscheinen las- sen, entfällt eine Haftung (vgl. R EICHMUTH , a.a.O., Rz. 536; THOMAS NUSSBAUMER , Die Haftung des Verwaltungsrates nach Art. 52 AHVG [Haftung des Verwaltungsrates], in: AJP 1996 S. 1077 f. mit Hinweisen auf BGE 108 V 183 E. 1b und ZAK 198 5 S. 576 E. 2). Zu diesen besonderen Umständen gehört etwa, wenn es einem Arbeitgeber, der sich in schwieriger finanzieller Lage befindet, durch das (absichtliche) Nichtbezahlen der Beiträge gelingt, das Überleben des Unter- nehmens zu sichern. Es muss aber feststehen, dass der Arbeitgeber im Zeitpunkt, in welchem er diese Entscheidung trifft, aufgrund der objektiven Umst ände und einer seriösen Beurteilung der Lage damit rechnen durfte, die Forderung der Ausgleichskasse innert nützlicher Frist befriedigen zu können (BGE 108 V 183 E. 2). Die höchstrichterliche Rechtsprechung geht diesbezüglich da- von aus, dass dies mittels eines konkreten Sanierungskonzept es detailliert aufgezeigt werden muss (vgl. Urteil des EVG vom 19. November 2003, H 397/01, E. 6.2.3 mit Hinweis auf BGE 108 V 183 E. 2, 121 V 243; UELI KIESER , Alters- und Hinterlassenenversicherung, in: Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Murer/Stau ffer [Hrsg.], Zürich 2012, Art. 52 AHVG, Rz. 49). In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass fehlende finanzielle Mittel der Gesellschaft für sich allein keinen Rechtfertigungs- oder Entschuldigungsgrund darstellen, da an- sonsten die Haftungsvorschrift von Art. 52 Abs. 1 AHVG we itgehend ihres Gehaltes entleert würde (Urteile des Kantonsgerichts vom 7. April 2016, 7 10 14 238/84, E. 8.1 und vom 10. De- zember 2015, 710 14 283/326, E. 3.4). 7.3 Die Beschwerdeführer bringen zunächst vor, dass die AG erstmals nach der Wirtschafts- krise im Jahre 2009 ins Straucheln geraten sei, nachdem der Umzug des Unternehmens im Jahr 2006 samt der Erstellung neuer Anlagen 2,5 Millionen Franken gekostet habe. Nachdem bis ins Jahr 2008 eine Million Franken habe zurückbezahlt werden können, sei der Schuldenberg bis ins Jahr 2012 wieder auf zwei Millionen Franken angewachse n. Seit 2013 habe der Schuldenberg aber kontinuierlich wieder abgetragen werden können. A usserdem sei im Jahr 2018 Personal abgebaut worden. Der Verwaltungsrat habe sich stets mit der finanziellen Situation der AG aus- einandergesetzt. Für die Unternehmung wäre es bei eine m jährlichen Cash-Flow von über Fr. 250'000.— in den Jahren 2013 bis 2018 nur eine Fr age der Zeit gewesen, bis der Schulden- berg abgebaut gewesen wäre. Zudem hätten die Beschwerdeführer wiederholt private Mittel ein- geworfen und auf ihren Lohn verzichtet. Soweit die Be schwerdeführenden damit unter Hinweis auf den Massnahmenplan der AG für die Jahre 2019 und 2 020 (Einzelbeilage zur Eingabe der Beschwerdeführenden vom 1. November 2021) in erster Linie die Existenz eines Sanierungskon- zeptes geltend machen, ist zunächst festzuhalten, dass sich d araus keine konkreten Anhalts- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht punkte ergeben, bis wann die hier im Streit stehenden, seit März 2017 aufgelaufenen Beitrags- schulden letztlich vollständig beglichen worden wären. W enn sie vorbringen, dass es mit Blick auf den von der AG in den Jahren 2013 bis 2018 erwir tschafteten Cashflow nur eine Frage der Zeit gewesen wäre, bis der Schuldenberg abgebaut gew esen wäre, muss im Gegenteil festge- stellt werden, dass dem von ihnen eingereichten Massnahm enplan zu entnehmen ist, dass der Grund der schwierigen Liquiditätssituation an einem offenbar über Jahre zu tiefen Cashflow ge- legen hat, dem per Ende 2018 noch immer zu hohe Abzahl ungsverpflichtungen gegenüber ge- standen haben (a.a.O., S. 3, ad Ziffer 1.1). Alleine dieser Umstand zeigt auf, dass kein fristge- rechtes Sanierungskonzept vorgelegen hat, aufgrund dessen davon auszugehen wäre, dass die Forderungen der Ausgleichskasse innert nützlicher Frist befriedigt worden wären. Der Argumen- tation der Beschwerdeführer kann mit Blick auf die AHV- Beitragsausstände aber auch deshalb nicht gefolgt werden, weil unter dem Titel der gepla nten Massnahmen per 2018 nicht etwa eine Rückzahlung von AHV-Ausständen, sondern zwecks Deckung weitere r Verbindlichkeiten viel- mehr eine Kürzung der Schuldenrückzahlung vorgenommen worden war, die per Ende November 2018 die offene Position gegenüber der AHV gemäss eigener Darstellung um Fr. 104'834.— hatte ansteigen lassen (a.a.O., S. 7, ad Ziffer 2.2, Spalte AHV). In diesem Zeitpunkt betrugen die seit März 2017 angefallenen Ausstände gegenüber der Kasse aber bereits Fr. 289'899.10 (Kontoaus- zug der Kasse vom 25. Oktober 2018, Beilage 2 zur Verneh mlassung). Eine ernsthafte und ra- sche Tilgungsabsicht der hier zur Diskussion stehenden Beitragsschulden gegenüber der Kasse, wie sie rechtsprechungsgemäss ausnahmsweise als Exkulpationsgrund anerkannt werden kann, muss bei dieser Ausgangslage verneint werden. Soweit die Beschwerdeführer geltend machen, dass die Schulden der AG seit 2013 kontinuierlich abgetragen worden seien, verhält es sich mit Blick auf die hier im Streit stehenden Beitragsausstände geradezu umgekehrt. Dem Kontoauszug der Kasse vom 25. Oktober 2018 ist nämlich zu entnehmen, dass deren Ausstände seit Septem- ber 2016 bis Mitte Juli 2017 kontinuierlich angestiegen und den seither bis Oktober 2018 ver- buchten Gutschriften im Umfang von Fr. 114'455.20 neuerliche Beitragsschulden in deutlich mehr als doppelter Höhe gegenübergestanden sind. Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführer haben sich die Schulden gegenüber der Kasse mithin nicht verringert, sondern vergrössert, was namentlich darauf zurückzuführen ist, dass trotz stetig sich kumulierender Beitragsausstände bis Oktober 2018 seitens der AG schlicht ungenügend hohe Za hlungen geleistet worden sind. Bei dieser Aktenlage kann nicht davon gesprochen werden, dass aufgrund der objektiven Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage ernsthaft damit zu rechnen war, die seit März 2017 aus- stehenden Forderungen Kasse innert nützlicher Frist noch befriedigen zu können. Dies gilt umso mehr, weil den vorliegenden Generalversammlungsprotokollen der AG zufolge der Verlustvortrag seit dem Jahr 2016 letztlich in einem nur sehr bescheiden en Umfang reduziert werden konnte (Beilage 6 zur Beschwerde). Auch wenn die Unternehmungsführung der AG per Mitte des Jahres 2018 noch davon ausgegangen war, dass infolge Rückzahlun g von Bankkrediten ab Juli 2018 Gelder für Abzahlungen zur Verfügung stehen würden, e rfolgten die Zahlungen an die Kasse bereits schon länger nur sporadisch und konnten einen we iteren Anstieg der fraglichen Aus- stände nicht verhindern. Wie es sich damit im Detail verhält, kann dahingestellt bleiben. Weil die AG im vorliegenden Fall die von ihr geschuldeten Beiträge bereits über einen längeren Zeitraum teils überhaupt nicht bzw. nur unvollständig bezahlt hatte, kann so oder anders nicht von einem kurzfristigen Liquiditätsengpass gesprochen werden, aufgrund dessen in guten Treuen hätte da- von ausgegangen werden dürfen, die aufgelaufenen Beitragsrückstände würden innert nützlicher Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Frist beglichen. Unabhängig davon, dass der Massnahmeplan der AG in Bezug auf die hier im Streit stehenden AHV-Verbindlichkeiten als deutlich ver spätet qualifiziert werden muss, ist mit Blick auf die dargelegte Rechtsprechung festzustellen, d ass sich der Aufbau der Schulden ge- genüber der Kasse spätestens seit Mitte des Jahres 2017 über mehr als ein weiteres Jahr hinge- zogen hat, ohne dass mit Blick auf die seit Jahren hohen V erlustvorträge und im Verhältnis zu den in den Jahren 2016 und 2017 nur geringen Betriebsgewinnen objektiv damit hätte gerechnet werden können, nebst den parallel anfallenden Beitragsforderungen die bereits angefallenen Bei- tragsausstände abzahlen zu können. Unter diesen Umständen ist festzustellen, dass die AG hin- sichtlich ihrer Beitragszahlungspflicht ein Verschulden im Umfang grober Fahrlässigkeit trifft, und dass keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, die das fehlerhafte Verhalten als gerechtfertigt erschei- nen lassen. Die Haftbarkeit der AG als Arbeitgeberin ist daher zu bejahen. 7.4 Daran ändern auch die weiteren Vorbringen in der Beschwerde nichts. Die Beschwer- deführer verweisen zunächst auf einen Angriff auf ihre elektronische Infrastruktur sowie auf den Verlust eines grossen Kunden Ende des Jahres 2018. Dabei übersehen sie, dass die Ausstände gegenüber der Kasse bis hin zu diesen Ereignissen bereits derart hoch waren, dass die geltend gemachten Ereignisse für den resultierenden Schaden l etztlich weder kausal sein noch ange- sichts der Dauer der kumulierten Ausstände einen Rechtfe rtigungsgrund für die dem Gesagten zufolge objektiv nicht ausgewiesene Hoffnung darstellen kö nnen, die offenen Beitragsschulden innert absehbarer Frist noch bezahlen zu können (oben, Erwägung 7.3). Damit ist es auch uner- heblich, ob die geltend gemachten Ereignisse weitere Sanierungsbemühungen letztlich zunichte- gemacht haben und ob zwischen C.____ und der AG ein Rangrücktritt abgeschlossen, ein Lohn- verzicht der Beschwerdeführenden vereinbart oder schliesslich die Kündigung von Arbeitsver- hältnissen, namentlich jenes von C.____ ausgesprochen worden ist. Diese Massnahmen erfolg- ten erst im November bzw. Dezember 2018 und damit in einem zu späten Zeitpunkt, als dass sie zur Abwendung der ungenügenden Liquidität der AG und insbesondere zur Deckung der Bei- tragsausstände gegenüber der Kasse noch hätten beitra gen können (Beilagen 9 bis 15 zur Be- schwerde). 7.5.1 Die Beschwerdeführenden bringen schliesslich vor, dass sie davon ausgegangen seien, die Forderungen der Kasse seien mit bereits gepfändete n Vermögenswerten abgedeckt gewe- sen. Im Zeitpunkt der Konkurseröffnung habe die AG in Form diverser Debitoren, verwertbarer Maschinen und Mobiliar über Aktiven im Umfang von über Fr. 300'000.— verfügt. Seitens des Konkursamtes sei indessen alleine eine offene Forderung gegenüber einem Kunden im Umfang von Fr. 141'986.— mit der simplen Begründung nicht ein gefordert worden, dass diese Forderung durch den Schuldner bestritten worden sei. Weshalb sich das Konkursamt mithin nicht bemüht habe, die liquiden Debitoren zwecks Deckung der Beitragsa usstände konsequent einzufordern, sei ebenso unverständlich wie die Tatsache, dass die vorhandenen Maschinen sowie das Mobi- liar der AG nicht verwertet worden seien. Hinsichtli ch eines wesentlichen Teils der Ausstände seien Maschinen des Unternehmens mit einem Wert von mindestens Fr. 500'000.— als massge- bende Aktiven zugunsten der Kasse gepfändet gewesen. Damit sei dem Verwaltungsrat der AG behördenseitig vermittelt worden, dass die Ausstände ge genüber der Kasse insbesondere für den Fall eines Konkurses abgesichert gewesen seien. De r AG seien nie Grenzen gesetzt und Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht damit die Eskalation eines Schadens verhindert worden. Vielmehr habe man die Beschwerdefüh- rer in ihrer Auffassung, dass mit der bereits zuvor erfolgten Pfändung der Maschinen der AG die AHV-Forderungen gedeckt seien, über Jahre machen lassen. Aus der Pfändungsurkunde vom 12. Juli 2017 gehe hervor, dass ein realistischer Schulde ntilgungsplan bestanden habe und die Verwertung der gepfändeten Vermögenswerte folglich bis zur vollständigen Deckung aufgescho- ben worden sei. Behördenseitig sei demzufolge bestätig t worden, dass die AG mit Aussicht auf Erfolg eine möglichst zeitnahe finanzielle Stabilisierung angestrebt habe. Unerklärlich bleibe da- bei, weshalb die Pfändung zum Nachteil der konkursiten AG entgegen dem Wortlaut der Pfän- dungsurkunde aufgehoben worden sei. 7.5.2 Soweit die Beschwerdeführer monieren, dass die Ka sse der AG keine Grenzen gesetzt und damit den eingetretenen Schaden nicht verhindert habe, sind sie vorab darauf hinzuweisen, dass die Pflicht zur fristgerechten Bezahlung von Beitr ägen kraft gesetzlicher Bestimmung aus- schliesslich die AG in ihrer Eigenschaft als Arbeitgeberin trifft. Wenn sie an anderer Stelle in ihren Rechtsschriften geltend machen, dass ihr Vorwurf in erster Linie das zuständige Konkursamt be- treffe und sich die Kasse bewusst sein müsse, dass sich der Konkurs namentlich infolge behörd- lichen Versagens eingestellt habe, ist ausserdem festzuste llen, dass es nicht die Aufgabe des Betreibungs- oder Konkursamtes ist, sich gegenüber den S chuldnerinnen und Schuldnern zu äussern, ob und in welchem Umfang ihre Schulden tatsä chlich gesichert sind. Vor diesem Hin- tergrund können sich Schuldnerinnen und Schuldner jedenfalls nicht darauf verlassen, dass die gepfändeten Gegenstände oder die im Konkurs verbleibenden Aktiven zur Deckung ihrer Schul- den tatsächlich ausreichen. Hintergrund bildet die Tat sache, dass sowohl der Ausgang eines Pfändungsverfahrens als auch die Verwertung im Konkurs in masslicher Hinsicht kaum voraus- zusehen sind. Dies gilt namentlich auch für die Eintrei bung von Forderungen gegenüber allfälli- gen Debitoren. Sich als Schuldner auf einen konkreten Verwertungserlös zu verlassen und unter dieser Prämisse weiterhin keine AHV-Beiträge zu bezahlen, geht nicht an und ist zumindest als grobfahrlässig zu taxieren. Dies gilt im vorliegenden Fall umso mehr, weil der von den Beschwer- deführenden kritisierte Pfändungsvollzug vom 18. Mai 20 17 nicht die hier im Streit stehenden Beitragsausstände, sondern bereits vor März 2017 aufgelaufene Schulden gegenüber der Kasse betroffen hat (Pfändungsurkunde vom 12. Juli 2017, in Konkursakten). Aus der Pfändungsur- kunde vom 12. Juli 2017 geht ausserdem hervor, dass im H inblick auf eine Sachpfändung von einem geschätzten Pfändungserlös von lediglich Fr. 163'200.— auszugehen war. Die bereits vor sowie nach März 2017 aufgelaufenen Schulden gegenüber der Kasse überstiegen diesen Betrag aber deutlich. Alleine daraus erhellt, dass die Unternehmungsführung der AG im Falle einer Ver- wertung der gepfändeten Sachwerte sich nicht auf eine Tilgung ihrer hier im Streit stehenden Beitragsschuld hätte verlassen dürfen. Nichts anderes gilt hinsichtlich des Warenlagers der AG. So geht aus der Pfändungsurkunde nämlich hervor, dass e ine Pfändung des Warenlagers nur bedingt sinnvoll sei, weil sämtliche Waren in der Unternehmung veredelt würden. Den Beschwer- deführenden ist aber auch deshalb zu widersprechen, weil die Verwertung sämtlicher gepfändeter Vermögenswerte infolge eines Schuldentilgungsplanes aufgeschoben worden war, der sich man- gels Erreichens des hierfür budgetierten Cashflows bereits kurze Zeit später als unrealistisch er- wiesen hat. Zeitgleich hatten die Beitragsausstände abe r bereits wieder massiv zugenommen (oben, Erwägung 7.3). Beide Umstände liegen weder im Verantwortungsbereich des zuständigen Betreibungs- und Konkursamtes noch der Kasse. Die Pfändu ngsurkunde aus dem Jahr 2017 Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht belegt letztlich einzig, dass das Betreibungsamt auf eine Verwertung verzichtet hat, weil der Ab- zahlungsplan mit wöchentlichen Abzahlungen in Höhe von F r. 2'500.— ursprünglich mehr Erlös versprochen hat. Damit aber erhellt zugleich, dass bei einer allfälligen Verwertung der gepfände- ten Gegenstände mit einem Verlust für die Gläubiger zu rechnen war. Unabhängig davon, dass es nachweislich der Akten an einem konkreten Nachweis einer Zusicherung betreffend die De- ckung der hier strittigen Beitragsausstände fehlt, kann unter diesen Umständen mitnichten die Rede davon sein, dass die AG und deren Unternehmungsführung alles versucht hätten, die frag- lichen Ausstände abzubauen. Daran ändern auch die Einwände der Beschwerdeführer hinsicht- lich einer nur unbefriedigenden Verwertung im Konkur s nichts. Einerseits wäre es der AG und ihrer Unternehmungsführung offen gestanden, sich allfällige Forderungsprozesse abtreten zu las- sen. Vor allem aber stand die Höhe des Schadens berei ts im Zeitpunkt der Konkurseröffnung fest. 8.1 In einem zweiten Schritt ist das Verschulden der Be schwerdeführer zu prüfen. Hinter- grund bildet der Umstand, dass nicht jedes einer Firma anzulastende Verschulden auch ein sol- ches ihrer Organe sein muss. Vielmehr ist abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Ar- beitgeberin einem bestimmten Organ im Hinblick auf d essen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuld haft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Per- son übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfachen Verhält- nissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesell schaft, der als solcher die Verwal- tung der Gesellschaft als einzige Person in Organstellun g zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitgehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delega- tion der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einziges Verwaltungsor- gan an den Geschäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b). Formell eingesetzte Geschäfts- führer wie auch Personen, die faktisch die Funktion ei nes Geschäftsführers ausüben, haften für den der Ausgleichskasse zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstande- nen Schaden nach den gleichen Grundsätzen wie Organe ei ner Aktiengesellschaft (BGE 126 V 237). 8.2 Vorliegend ist zu Recht unbestritten geblieben, da ss allen drei Beschwerdeführenden in ihrer Eigenschaft als im Handelsregister eingetragene Verwaltungsräte bzw. als eingetragener Verwaltungsratspräsident eine formelle Organstellung bei der AG zugekommen ist. Die AG ist mit Blick auf den von ihr erwirtschafteten Jahresumsatz in der Höhe zwischen 2,2 und 3,2 Millionen Franken sodann als KMU-Unternehmen mit einfacher Verwaltungsstruktur anzusehen. Entspre- chend durfte und musste von den Beschwerdeführern als dere n Organe der Überblick über alle Belange verlangt werden, und es sind an deren Sorgfalt spflicht grundsätzlich strenge Anforde- rungen zu stellen (R EICHMUTH , a.a.O., Rz. 638 mit zahlreichen Hinweisen; vgl. BGE 108 V 199 E. 3a). Zumal den Beschwerdeführenden ihren eigenen Vorbringen zufolge bewusst war, wie wichtig die Abführung der geschuldeten Beiträge gewesen wäre (Replik, S. 5, ad Ziffer 11), hatten sie mit Blick auf die bereits kurz zuvor bereits am 18. Mai 2017 erfolgte Pfändung für Beitrags- schulden gegenüber der Kasse zweifellos darauf zu achten, dass keine erneuten Beitragsaus- stände entstehen und ein massgebender Lohn insbesondere nur in dem Umfang ausgerichtet Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird, als die darauf geschuldeten, unmittelbar mit der Lohnauszahlung anfallenden Beitragsver- bindlichkeiten effektiv auch bezahlt oder doch wenigsten s sichergestellt werden können (Urteil des EVG vom 25. Oktober 2004, H 239/03, E. 3.4; R EICHMUTH , a.a.O., Rz. 674 mit Hinweisen). Auch wenn davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführ er die Geschäfte ihrer Gesellschaft stets nach bestem Wissen und Gewissen zu führen versucht haben, ist ihnen vorzuwerfen, dass sie nicht genügend darum besorgt waren, die erneut entstandenen Beitragsausstände der Kasse innert nützlicher Frist beispielsweise mittels umfangmässiger genügender Rückstellungen sicher- zustellen. Es kann an dieser Stelle auf das bereits Gesagte verwiesen werden (oben, Erwägung 7.3). In diesem Zusammenhang ist denn auch darauf hin zuweisen, dass grobe Fahrlässigkeit bereits dann bejaht wird, wenn keine Rückstellungen g ebildet werden, obwohl der Arbeitgeber durch die Ausgleichskasse mittels Verfügung zur Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen verpflichtet worden ist (KIESER , a.a.O., Rz 48 f., 51 zu Art. 52 AHVG mit Hinweisen). Solche Rück- stellungen wurden nachweislich der Akten gerade nicht gebildet. Auch was das Vorbringen der Beschwerdeführenden betrifft, auch persönlich auf einen angemessenen Verwertungserlös im Pfändungsvollzug bzw. im Konkursverfahren vertraut zu habe n, kann auf das bereits Gesagte verwiesen werden, wonach hinsichtlich der Schadenhöhe von einer Mitursächlichkeit weder des Betreibungsamtes noch der Konkursverwaltung gesprochen werden kann (oben, Erwägung 7.5). Da keine zusätzlichen Anhaltspunkte ersichtlich sind, die gegen eine persönliche Schadenersatz- pflicht des Beschwerdeführers sprechen würden, ist deren persönliche Haftung gemäss Art. 52 AHVG zu bejahen. Die Ausführungen in der Beschwerde, die Kasse habe das Verschulden der Beschwerdeführer individuell zu differenzieren, sind angesichts der klaren Solidarhaftung vorlie- gend schliesslich nicht zu hören. Vielmehr steht es den Betroffenen, soweit sie tatsächlich belangt werden, selber zu, im Innenverhältnis auf die einzelnen Solidarschuldner Regress zu nehmen. 9. Zusammenfassend resultiert, dass die Voraussetzungen fü r eine Haftung für den geltend gemachten Schaden wegen ausstehenden Beiträgen bei allen drei Beschwerdeführenden erfüllt sind. Rechtfertigungs- oder Exkulpationsgründe liegen keine vor. Die Kasse hat die Beschwerde- führenden deshalb zu Recht verpflichtet, ihr den Schadenersatz für entgangene Beiträge der AG in Höhe von Fr. 299'815.80 in solidarischer Haftung zu bezahlen. Ihre gegen den Einspracheent- scheid vom 8. Januar 2021 erhobene Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet, wes- halb sie abgewiesen werden muss, soweit darauf eingetreten werden kann (oben, Erwägung 1.3). 10. Der seit 1. Januar 2021 in Kraft stehende Art. 61 lit. f bis ATSG hält fest, dass das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig ist, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorge- sehen ist. Das AHVG sieht in Art. 85 bis Abs. 2 AHVG keine Kostenpflicht vor, weshalb der vorlie- gende Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind dem- nach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe ben. Eine Parteientschädigung ist in- folge Abweisung der Beschwerde keine geschuldet. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet.