B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5515/2012 U r t e i l v o m 1 5 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Irma Stämpfli, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Sep- tember 2012 / N (…). E-5515/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – afghanischer Staatsangehöriger, Ismailit sowie ethnischer Hazara – verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland etwa am 5. Mai 2012 und reiste über Usbekistan oder Tadschikistan so- wie unbekannte Länder und Österreich am 24. Juli 2012 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Für die Dauer des Asylve r- fahrens wurde er dem Kanton (...) zugewiesen. Am 6. August 2012 wurde er im Empfangs - und Verfahrenszentrum [EVZ] (...) sowie am 13. Se p- tember 2012 vom BFM zu seinen Ausreise- und Asylgründen befragt und trug dabei im Wesentlichen Folgendes vor: Er sei zwar im Dorf B._______, Provinz C._______, geboren, jedoch be- reits im Kleinkindalter mit seiner Familie in die Provinz D._______ weg- gezogen. Aufgrund der Konflikte mit den Taliban (damals noch Sunniten, die sich später den Taliban angeschlossen hätten) bezüglich der Länd e- reien der Familie des Beschwerdeführers hätten sie im Jahr [90-Jahre] nach E._______, Pakistan, fliehen müssen, wo sie als Flüchtlinge ane r- kannt worden seien. Im Jahr 200(…) sei der Beschwerdeführer alleine ins Heimatland zurückgekehrt, wo er in Kabul in seiner erlernten Tätigkeit als [Beruf] gearbeitet und sich in die Wohngemeinschaft eines Verwandten eingemietet habe. Er habe gutes Geld verdient, so dass er seine Familie in Pakistan, welche er mindestens einmal im Jahr besucht habe, habe fi- nanziell unterstützen können. Als er allerdings Ende April 2012 durch sei- nen Cousin von den Plänen der Taliban erfahren habe, wegen der unge- klärten Besitzverhältnisse ihn oder ein anderes Mitglied der Fami lie ent- führen zu wollen, um an die Grundstückpapiere zu gelangen, sei er aus- gereist. Sowohl im Heimatdorf als auch in Kabul würden Stammesbrüder leben, welche den Beschwerdeführer verfolgen würden, weshalb er dor t- hin nicht zurückkehren könne. B. Mit Verfügung vom 26. September 2012 – eröffnet am 2. Oktober 2012 – wies das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung a us der Schweiz sowie den Wegwei sungsvollzug an . Zur Begründung führte es im Wesentlichen a us, dass die geltend g e- machten Vorbringen teils nicht den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) standzuhalten vermöchten, teils keine Asylrelevanz entfalten würden. Grundsätzlich seien die Behörden in Kabul schutzwillig und -fähig, wes-E-5515/2012 Seite 3 halb der Beschwerdeführer, hätte er ernsthaft eine Entführung zu befürch- ten gehabt, die Möglichkeit gehabt hätte, sich in Kabul an die Polizei zu wenden. Dass er von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch gemacht und den Behörden dadurch gar nicht erst die Gelegenheit gegeben habe, sich für ihn einzusetzen, sei ihm selbst an zulasten. Selbst gemäss dem Fall, dass Schutzwille und -fähigkeit der heimatlichen Behörden unzureichend wären, würden die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderu n- gen an die Flüchtlingseigenschaft mangels begründeter Furcht vor mit beachtlicher Wahr scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft eintretender Verfolgung oder auch mangels Intensität nicht standhalten. Im Übrigen habe er zum einen von der angeblichen Bedrohungslage lediglich vom Hörensagen erfahren, zum anderen seien die Ausführungen des B e- schwerdeführers in Bezug auf die Ursache beziehungsweise die Umstä n- de des Grundbesitzkonflikts vage, widersprüchlich und teils unlogisch ausgefallen. Namentlich habe er zur Frage nach dem aktuellen Besitzer der Grundstückspapiere widersprüchliche Aussagen gemacht und sei letztlich eine klare Antwort schuldig geblieben, obwohl er diesbezüglich zweifellos Bescheid wissen müsse. C. Mit Eingabe vom 17. Oktober 2012 (Datum Poststempel: 22. Oktober 2012) erhob der Beschwerdeführer gegen den Entscheid des BFM beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die vorinstanzl i- che Verfügung sei aufzuheben, es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft z u- zuerkennen sowie Asyl zu gewähren; eventualiter sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und der Beschwerdeführer vo r- läufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesg e- setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses ersucht. Zur Begründung wurde der Argumentation des BFM im W e- sentlichen entgegengehalten, das Bundesamt habe lediglich in allgeme i- ner Weise auf die Schutzwilligkeit der afghanischen Behörden verwiesen. Aufgrund der in Kabul herrschenden Korruption könne sich der B e- schwerdeführer jedoch nicht an die Polizei wenden. Nach seinem Weg- gang sei ein Mann in Begleitung eines Polizisten an seinem ehemaligen Arbeitsort erschienen und habe nach ihm gefragt; diese Szene habe sich mehrmals wiederholt. Sein einstiger Arbeitgeber habe in der Folge die El- tern des Beschwerdeführers k ontaktiert, welche daraufhin den Vorfall dem Beschwerdeführer gemeldet hätten. Im Übrigen verfüge er über kein familiäres Netz in Kabul, da seine Familie in Pakistan lebe, was die be i-E-5515/2012 Seite 4 liegenden Fotographien und Identitätskarten belegen würden. Ohnehin sei die ganze Familie vor dem Konflikt mit den Taliban, welche die Ethnie des Beschwerdeführers bekämpfen würden, nach Pakistan geflohen. D. Mit Zwischenverfügung vom 31. Oktober 2012 hielt das Bundesverwa l- tungsgericht fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgan g des Verfah- rens in der Schweiz abwarten, das Gesuch um Gewährung der unentgelt- lichen Prozessführung werde abgewiesen und der Beschwerdeführer werde aufgefordert einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– ein- zuzahlen. Zudem wurde der Antrag, das in der Beschwerdeeingabe offe- rierte Bestätigungsschreiben abzuwarten , in antizipierter Beweiswürd i- gung (vgl. BGE 131 I 153 E. 3; BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 357; ANDRÉ MO- SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bu n- desverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.144) abgelehnt. Am 14. November 2012 wurde der eingeforderte Kostenvorschuss recht- zeitig einbezahlt. E. Mit Beschwerdeergänzung vom 15. November 2012 an das Bundesve r- waltungsgericht führte die neu mandatierte Rechtsvertreterin aus, die Frage betreffend Verbleib der Grundstückpapiere habe beim Beschwe r- deführer – unter anderem habe hier die Übersetzung eine Rolle gespielt – zur Verwirrung geführt. Die Landtitel seien nach dem Tod des Grossvaters des Beschwerdeführers auf die (…) Söhne verteilt worden. Als der älteste Sohn und Wortführer der Familie respektive der Onkel des Beschwerd e- führers gestorben sei, seien die Grundstückpapiere vermutlich auf dessen Söhne übergegangen. Durch den Tod des Wortführers sei die Familie des Beschwerdeführers immer mehr in Bedrängnis geraten. Der Vater und der Onkel des Beschwerdeführers würden sich von E._______ aus um die Grundbesitzprobleme kümmern und würden ihn bisher nicht an den Fami- liensitzungen teilnehmen lassen, weshalb er hierzu auch keine weiteren Angaben machen könne. Weil die Gegner jedoch planen würden, den letzten anwesenden Spross der Familie zu entführen, um auf diese Weise den jahrelangen Landkonflikt zu ihren Gunsten zu entscheiden, habe die Familie des Beschwerdeführers angesichts der akuten Gefahr beschlo s- sen, er müsse das Land verlassen. Des Weiteren seien die Anhänger der ismailitischen Religionsgemeinschaft , von denen die Familie des B e- schwerdeführers eine der grössten im Dorf gewesen sei, vor rund [mehre- ren] Jahren durch die Mehrheit der Sunniten, welche dam als Jihadisten E-5515/2012 Seite 5 gewesen seien und sich später den Taliban angeschlossen hätten, aus ih- rem Dorf B._______ vertrieben worden. Viele – so auch die Familie des Beschwerdeführers – seien in der Folge nach Pakistan geflüchtet, wo sie zwar als Flüchtlinge vom UNHC R registriert worden seien, jedoch keine Möglichkeit hätten, am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Der pakist a- nische Staat versuche überdies ständig, afghanische Flüchtlinge mit R e- pression zur Rückkehr in ihr Land zu zwingen. Zwar habe der Beschwer- deführer von der ismaili tischen Gemeinschaft in Pakistan eine ge wisse schulische Förderung erhalten, der Umstand, dass bezahlte Arbeit den Pakistani vorbehalten gewesen sei, habe ihn jedoch gezwungen, alleine nach Kabul zurückzukehren, wo er in ein em (…)-Unternehmen gearbeitet habe. In Kabul sei er allerdings aus Vorsicht darauf bedacht gewesen, sich so wenig wie möglich in der Öffentlichkeit aufzuhalten. An die Polizei habe er sich nicht wenden können, da der Staat keinen Schutz bieten würde. Im Übrigen verfüge er mit Ausnahme eines Cousins über kein fa- miliäres Netz in Afghanistan. Schliesslich wurde insbesondere auf den Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH] "Afghanistan : Update; Die aktuelle Sicherheitslage " vom 3. September 2012 sowie [Bericht betreffend Situation der Ismailiten] verwiesen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme liegt in casu nicht vor; somit ist das Bundesverwaltungsgericht vorliegend letztinstanzlich zuständig. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht (Art. 37 V GG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am E-5515/2012 Seite 6 Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Folglich ist er zur Einre i- chung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und A rt. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die B e- schwerde ist somit einzutreten. 1.3 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif- tenwechsel verzichtet. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer b e- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, sol - chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den fra u- enspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweis en oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sic h widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum E-5515/2012 Seite 7 Schluss, dass die Unglaubhaftigkeitsar gumentation des BFM der Akte n- lage in weiten Teilen gerecht wird und das Bundesamt die Asylvorbringen des Beschwerdeführers bezüglich der Verfolgungssituation insgesamt zu Recht als unglaubhaft qualifizierte. Ob allerdings im Lichte der Schut z- theorie der Schutzwille und die Schutzfähigkeit der heimatlichen Behö r- den zureichend wären respektive ob es dem Beschwerdeführer zuzumu- ten wäre, einen in Kabul allfällig erhältlichen Schutz längerfristig in A n- spruch zu nehmen, kann vorliegend offen gelassen werden. 4.1 Dass der Beschwerdeführer aktuell eine im asylrechtlichen Kontext bedeutsame Verfolgung im Heimatland zu befürchten hat, wird aus der vorgetragenen Sachverhaltsdarstellung nicht ersichtlich . Vielmehr lassen die im Verlauf des Verfahrens entstandenen Unstimmigkeiten in den Aus- sagen des Beschwerdeführers erhebliche Zweifel an der Richtig keit des Vorgebrachten zu. Zwar ist festzuhalten, dass die geltend gemachten Vorbringen in Bezug auf den langjährigen Konflikt mit den Taliban betref- fend die Ländereien der Familie des Beschwerdeführers grundsätzlich nicht der Glaubhaftigkeit entbehren, jedoch ist dem BFM beizupflichten, wenn es implizit festhält, dass der Beschwerdeführer nicht in der L age gewesen sei, die im Ausreisezeitpunkt angeblich individuell drohende Ge- fährdung seitens der Taliban zu konkretisieren. Insbesondere bietet seine Aussage, die Gegner würden auf Zeit spielen und hoffen, dass man ihnen das Land verkaufe oder ganz überlasse (A21/13 S. 10), keine nachvol l- ziehbare Erklärung dafür, weshalb der Druck seitens der Taliban bezüg- lich des Grundbesitzkonflikts im April 2012, obschon sich der Beschwe r- deführer eigenen Angaben zufolge bereits seit 200(…) in Kabul aufgehal- ten hat, dermassen zugenommen hat, dass es ihm – anders als seinem ebenfalls in Kabul lebende n Cousin – nicht möglich war, im Heimatland zu verbleiben. Die Begründung des Beschwerdeführers, der Cousin habe jemanden aus seiner Familienverwandtschaft mit den Kontrahenten ver- heiratet, weswegen er der Gefahr einer Entführung weniger ausgesetzt sei als der Beschwerdeführer (A21/13 S. 10), erscheint nicht einleuc h- tend, zumal er in der Beschwerdeeingabe behauptete, seine Familie habe keinerlei Kontakt zu "jenen Leuten". Ferner fehlt es seiner Argumentation – es sei offensichtlich, dass der einzige Weg, um an die besagten Lände- reien zu gelangen, über eine Entführung eines Familienmitglieds führe, was ihm sein Cousin Ende April 2012 verdeutlicht habe, indem er den Beschwerdeführer darauf aufmerksam gemacht habe, dass es für ihn äusserst gefährlich sei, in Kabul zu bleiben (A21/13 S. 9) – an der gebo- tenen Substanz und Plausibilität. Insbesondere wird nicht nachvollziehbar dargelegt, weshalb sich der Beschwerdeführer überhaupt aus Pakistan E-5515/2012 Seite 8 ausgerechnet wieder nach Afghanistan begab, wenn aufgrund der ge l- tend gemachten Sachlage eines langjährigen Konflikts mit den Taliban die Gefahr einer Entführung derart hoch wäre. Schliesslich wurden weder in der Rechtsmitteleingabe noch in der Beschwerdeergänzung den Erw ä- gungen der Vorinstanz stichhaltige Argumente entgegensetzt, weshalb an den obgenannten Feststellungen auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern vermögen . Mithin führen die geltend g emachten Vor- bringen angesichts der aufgeführten Tatsachendefizite nicht zur Annahme einer begründeten Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG im Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerdeführers. 4.2 Des Weiteren liegen keine Erkenntnisse über eine gezielte Verfolgung der Gruppe der Ismailiten in Afghanistan vor. Weder die in der Beschwer- deergänzung erwähnte [Bericht betreffend Situation der Ismailiten] noch weitere Quellen lassen auf eine Kollektivverfolgung der Ismaeliten in Af- ghanistan schliessen. Namentlich schreibt das US Department of State in seinem Länderbericht zur Menschenrechtslage in Afghanistan vom Mai 2012 (Berichtsjahr: 2011) bezüglich der Situa tion der Ismailiten, dass ge- mäss Angaben von Nichtregierungsorganisationen Ismailiten (eine Mi n- derheit der schiitischen Gruppe, deren Mitglieder dem Aga Khan folgen würden) in der Regel nicht gezielt verfolgt oder schwer diskriminiert wü r- den (http://www.state.gov/documents/organization/ 186669.pdf , abger u- fen am 27. Dezember 2012). Im Übrigen machte der Beschwerdeführer weder in der EVZ -Befragung noch in der Anhörung geltend, einzig au f- grund seiner Zugehörigkeit zur Gruppe der Ismailiten verfolgt zu werden, weshalb dieses erst auf Beschwerdeebene geltend gemachte Vorbringen als nachgeschoben einzustufen ist. 4.3 Vor dem Hintergrund obiger Erwägungen halten die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flücht lingseigenschaft mangels begründeter Furcht vor mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft eintretender Verfolgung nicht stand. Die Vorinstanz hat folglich zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). E-5515/2012 Seite 9 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruc h auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zu mutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslä n- dern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerin nen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshin dernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls w e- nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Auslände r- recht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). Demgegenüber genügen Hinwei- se auf blosse Eventualitäten und vage Möglichkeiten von Vollzugshinde r- nissen nicht. 6.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweize rischen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein - kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vo m 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigen- der Strafe oder Behandlung unterworfen werden. E-5515/2012 Seite 10 6.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffe nd dar- auf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerd e- führer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nac h- zuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe o der Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Euro päischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im F all einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 -127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Afghanistan, wohin die Rückkehr des B e- schwerdeführers erfolgen soll, lässt den Wegweisungsvollzug zum heut i- gen Ze itpunkt nicht als unzulässig er scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der vö l- kerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr- dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor- läufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.3.1 Betreffend die allgemeine Lage in Afghanistan ist au f das Grundsatzurteil BVGE 2011/7 vom 16. Juni 2011 zu verweisen. Nach ein- gehender Lageanalyse stellte das Bundesverwaltungsgericht darin fest, dass die Sicherheitslage sowie die humanitären Bedingungen in weiten Teilen Afghanistans – ausser allenfalls in den Grossstädten – äusserst schlecht seien, weshalb die Situation in Afghanistan praktisch flächend e-E-5515/2012 Seite 11 ckend als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualif i- zieren sei. Von dieser allgemeinen Feststellung sei die Lage in der Hauptstadt Kabul zu unterscheiden. Angesichts dessen, dass dort die S i- cherheitslage weniger bedrohlich als in der anderen Landesteilen sei s o- wie sich zumindest in letzter Zeit nicht verschlechtert habe, und dass die humanitäre Situation im Vergleich zu den übrigen Gebieten etwas weni- ger dramatisch sei, könne der Vollzug der Wegweisung nach Kabul unter Umständen als zumutbar qualifiziert werden. Solche Umstände könnten grundsätzlich namentlich dann gegeben sein, wenn es sich beim Rüc k- kehrer um einen jungen, gesunden Mann hand le. Angesichts der ko n- stanten Verschlechterung der Lage über die vergangenen Jahre hinweg und der auch in Kabul schwierigen Situation verstehe es sich aber von selbst, dass die bereits von der vormaligen Beschwerdeinstanz in EMARK 2003 Nr. 10 formulierten strengen Bedingungen in jedem Einzel- fall sorgfältig geprüft werden und erfüllt sein müssten, um die Zumutba r- keit eines Wegweisungsvollzugs nach Kabul bejahen zu können. Una b- dingbar sei in erster Linie ein soziales Netz, das sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehrers als tragfähig erwe i- se; denn ohne Unterstützung durch Familie oder Bekannte würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul unweigerlich in eine l e- bensbedrohende Situation führen. Für einen Rückkehrer aus Eu ropa be- stehe nach der Ankunft in Kabul ein erhöhtes Risiko, entführt oder übe r- fallen zu werden, da vermutet werde, er trage Devisen auf sich. Verfüge er aber über keine genügenden finanziellen Mittel, habe er ohne soziale Vernetzung kaum Aussicht auf eine zumutbare – das heisst winterfeste und mit minimaler sanitärer Einrichtung ausgestattete – Unterkunft. Auch für die Arbeitssuche seien persönliche Beziehungen unerlässlich, da eine Einstellung (sogar von unqualifizierten Arbeitskräften) regelmässig nur aufgrund persönlicher Empfehlungen erfolge. Eine die Gesundheit nur ei- nigermassen garantierende Ernährung wäre ohne die Hilfe von nahest e- henden Personen ebenfalls kaum möglich, und der Zugang zu sauberem Trinkwasser schwierig; Unterstützungsmassnahmen der Reg ierung oder internationaler Organisationen könnten laut zuverlässigen Quellen daran nichts ändern. Ohne eine soziale Vernetzung würde daher auch ein ju n- ger und grundsätzlich gesunder Mann unweigerlich innert absehbarer Zeit in eine existenbedrohende Situation geraten. Im Übrigen betone auch der (für Afghanistan zuständige) Schweizer Botschafter in Islamabad die vo r- rangige Bedeutung eines tragfähigen sozialen Netzes für einen Rückke h- rer zur Vermeidung unüberbrückbarer Schwierigkeiten (vgl. a.a.O., E. 9.9). E-5515/2012 Seite 12 6.3.2 Der Beschwerdeführer lebte eigenen Angaben zufolge von 200(…) bis zu seiner Ausreise in Kabul , wo er sich in die Wohngemeinschaft e i- nes Verwandten einmietete, in seinem angelernten Beruf als [Tätigkeit] beinahe ununterbrochen tätig war und eigenen Angaben g emäss gutes Geld verdiente. Betreffend die soziale Vernetzung in Kabul gab der Be- schwerdeführer in der EVZ-Befragung zu Protokoll, dass alle Verwandten – mit Ausnahme seiner Kernfamilie – (wieder) in Afghanistan leben wür- den (A8/13 S. 6). In der Anhörung führte er aus , dass einige seiner Ve r- wandten in Kabul, die anderen in Pakistan leben würden (A21/13 S. 2 und 4 f.). Insbesondere lebe sein Cousin, zu dem er telefonischen Ko n- takt halte und der seine Ausreise mitfinanziert habe, in Kabul (A8/13 S. 7 f., A21/13 S. 5), was auf eine relativ enge Beziehung der beiden schlies- sen lässt. Dass in der Beschwerdeergänzung im Übrigen erklärt wurde, der Beschwerdeführer verfüge – nebst dem genannten Cousin – über kein familiäres Netz in Kabul, muss aufgrund der Aussagen in den Befra- gungen als nachgeschobene Behauptung beurteilt werden . Folglich ist davon auszugehen, dass für den Beschwerdeführer vor Ort nach wie vor soziale Anknüpfungspunkte bestehen , er somit über ein tragfähiges B e- ziehungsnetz verfügt und seine Wohnsit uation als gesichert gelten kann. Da sich die familiären Verhältnisse des Beschwerdeführers in Afghanistan seit seiner Ausreise nicht wesentlich verändert haben, würde er im Falle einer Rückkehr höchstwahrscheinlich in keine existenzbedrohende Situa- tion geraten, weshalb sich der Wegweisungsvollzug im Lichte der aktue l- len Praxis des Bundesverwaltungsgerichts als zumutbar erweist. In An- betracht dieser Faktoren und der persönlichen Voraussetzungen des ju n- gen gesunden Beschwerdeführers ist davon auszugehen, dass die sozia- le und wirtschaftliche Wiedereingliederung in seinem Heimatland gelingen wird. Folglich sind auch keine individuellen Wegweisungshindernisse ersicht - lich, die den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen lassen. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vo r- läufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). E-5515/2012 Seite 13 7. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten in der Höhe von Fr. 600.– (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzue rlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sie sind durch den am 14. November 2012 in gleicher Höhe g e- leisteten Kostenvorschuss gedeckt. (Dispositiv nächste Seite) E-5515/2012 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. – werden dem Beschwerdeführer au f- erlegt. Dieser Betrag ist durch den geleisteten Kostenvorschuss in gle i- cher Höhe gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand