Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. September 2019 (730 19 94 / 239) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Keine Übernahme der Zahnbehandlungskosten; eine drohende Endokarditis gemäss Art. 19 lit. d KLV liegt nicht vor. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Markus Krapf, Rechtsanwalt, Sintzel Krapf Lang Rechtsanwälte, Stampfenbachstra- sse 42, Postfach, 8021 Zürich 1 gegen Easy Sana Krankenversicherung AG , Rechtsdienst, Rue des Cèdres 5, Postfach, 1919 Martigny Groupe Mutuel, Beschwerdegeg- nerin Betreff Leistungen A. A.____ ist bei der Easy Sana Krankenversicherung AG (E asy Sana) obligatorisch kran- kenversichert. Am 18. September 2018 erhielt die Easy Sa na eine Kostenschätzung über Fr. 5‘399.65 sowie das Zahnschadenformular von Dr. med. dent. B.____. Am 2. Oktober 2018 teilte die Easy Sana Dr. B.____ mit, dass die Behandlung nich t zu Lasten der obligatorischen Kran- kenversicherung vergütet werden könne. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 23. Oktober 2018 wurde der Easy Sana eine Honorar-Rechnung von Dr. med. & med. dent. C.____ für die Behandlung der Versicherten vom 28. August bis 7. September 2018 in der Höhe von Fr. 2‘505.75 zugestellt. Am 19. November 2018 teilte die Easy Sana Dr. C.____ mit, dass die Behandlung gemäss der eingereichten Honorar-Rechnung durch die obligatorische Krankenver- sicherung nicht gedeckt sei. Die Easy Sana erhielt am 16. November 2018 einen Kostenvoranschlag der Klinik D.____ betref- fend A.____ über den Betrag von Fr. 27‘863.15 und teilte am 29. November 2018 der Versicher- ten mit, dass die Behandlung gemäss Kostenvoranschlag der Klinik D.____ über Fr. 27‘863.15 nicht aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung vergütet werden könne. Mit Verfügung vom 18. Dezember 2018 lehnte die Easy Sana die Kostenübernahme für die Rech- nung von Dr. C.____ in der Höhe von Fr. 2‘505.75 sow ie für die geplante Zahnbehandlung bei Dr. B.____ oder bei der Klinik D.____ entsprechend den Kostenschätzungen vom 18. September 2018 im Betrag von Fr. 5‘399.65 und vom 15. November 2018 im Betrag von Fr. 27‘863.15 ab. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Easy Sana mit Entscheid vom 14. Februar 2019 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwal t Dr. Markus Krapf, mit Schreiben vom 15. März 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte , der angefochtene Einspracheent- scheid sei aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin z u verpflichten, die Kosten der Be- handlung bei Dr. C.____ und der geplanten Behandlung bei Dr. B.____ zu Lasten der obligatori- schen Krankenversicherung zu übernehmen. C. Mit Vernehmlassung vom 24. Mai 2019 beantragte di e Easy Sana, die Beschwerde sei abzuweisen. D. Auf Aufforderung des Kantonsgerichts hin reichte die Beschwerdegegnerin mit Schrei- ben vom 21. August 2019 das Zahnschadenformular von Dr. C.____ vom 7. September 2019 zu den Akten und wies darauf hin, dass weder vom Vertrauensarzt Dr. med. K.____ noch vom Ver- trauenszahnarzt Dr. med. dent. E.____ eine schriftliche Stellungnahme der Besprechung vom 6. November 2018 existiere. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 1994 auf die Krankenversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Krankenversicherer beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht befindet sich dieser im Kanton Basel-Landschaft, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des G esetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versiche- rungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden aus dem Bereich der Krankenversicherung. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 15. März 2019 ist demnach einzutreten. 1.2 Vorliegend bilden die Honorar-Rechnung von Dr. C. ____ vom 7. September 2018 in der Höhe von Fr. 2‘505.75 sowie der Kostenvoranschlag von Dr. B.____ vom 18. September 2018 in der Höhe von Fr. 5‘399.65 Streitgegenstand. Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist der Kostenvoranschlag der Klinik D.____ vom 15. November 2018 im Betrag von Fr. 27‘863.15. Demzufolge beträgt der Streitwert weniger als Fr. 20' 000.--, so dass gemäss § 55 Abs. 1 VPO die präsidierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts entschei- det. 2.1 Gemäss Art. 25 ff. KVG gelten die Kosten für Lei stungen, die der Diagnose oder Be- handlung einer Krankheit und deren Folgen dienen, als Pflichtleistung der obligatorischen Kran- kenpflegeversicherung. Die Kosten von zahnärztlichen Behandlungen werden von der obligatori- schen Krankenpflegeversicherung dagegen nur übernommen, wenn diese – alternativ – durch eine schwere, nicht vermeidbare Erkrankung des Kausystems (Art. 31 Abs. 1 lit. a KVG), durch eine schwere Allgemeinerkrankung oder ihre Folgen bed ingt (Art. 31 Abs. 1 lit. b KVG) oder zur Behandlung einer schweren Allgemeinerkrankung oder ihre r Folgen notwendig sind (Art. 31 Abs. 1 lit. c KVG). 2.2 In Art. 33 Abs. 2 und 5 KVG wurde der Bundesrat beauftragt, unter anderem die Leis- tungen nach Art. 31 Abs. 1 lit. a - c KVG für zahnärztl iche Behandlungen näher zu bezeichnen oder diese Aufgabe dem Departement oder dem Bundesa mt zu übertragen. Der Bundesrat machte von dieser Befugnis zur Übertragung der Aufgabe Gebrauch und gab dem Departement des Innern (EDI) den Auftrag, die zahnärztlichen Behandlungen gemäss Art. 31 Abs.1 KVG nach Anhören der zuständigen Kommission zu bezeichnen (Art. 33 lit. d der Verordnung über die Kran- kenversicherung [KVV] vom 27. Juni 1995). 2.3 Das EDI listete in der von ihm erlassenen Verordnung über Leistungen der obligatori- schen Krankenpflegeversicherung (KLV) vom 29. September 1995 die fraglichen zahnärztlichen Behandlungen in den Art. 17-19 auf. Art. 17 KLV bez eichnet die schweren, nicht vermeidbaren Erkrankungen des Kausystems, deren zahnärztliche Behandl ungen von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu übernehmen sind. Art. 18 KL V listet die schweren Allgemeiner- krankungen und ihre Folgen auf, die zu zahnärztlichen Behandlungen führen können und deren Kosten von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu tragen sind. Art. 19 KLV nennt schliesslich jene schweren Allgemeinerkrankungen, bei denen die zahnärztliche Massnahme ei- nen notwendigen Bestandteil der ärztlichen Behandlung darstellt. Die in der KLV enthaltene Liste der Erkrankungen, welche zu einer Pflichtleistung der Krankenkasse führen, ist gemäss der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung abschliessend konzipiert (BGE 130 V 467 E. 2.3, 127 V 332 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3a und 343 E. 3b, 124 V 193 E. 4). Diese Praxis hat zur Folge, dass zahnärztliche Behandlun- gen durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung nicht übernommen werden, wenn die Krankheit, welche den Anlass zur zahnärztlichen Behandlu ng gibt, in den Art. 17-19 KLV nicht erwähnt ist (BGE 128 V 59 E. 2c). Da zahnärztliche Beh andlungen grundsätzlich keine Pflicht- leistungen nach KVG auslösen, stellen die Bestimmungen der Art. 17-19 KLV somit Ausnahmere- gelungen dar (vgl. GEBHARD EUGSTER , Krankenversicherung [Krankenversicherung], in: Soziale Sicherheit, Ulrich Meyer [Hrsg.], 3. Aufl., Basel 2016 S. 552 ff.; BRIGITTE PFIFFNER RAUBER , Das Recht auf Krankheitsbehandlung und Pflege, Zürich/Basel/Genf 2003, S. 117). 3.1 Die Abklärung des für die Beurteilung von Ansprüche n versicherter Personen notwendi- gen Sachverhalts hat gemäss dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Untersuchungsgrund- satz die verfügende wie auch die eine Verfügung überprü fende Behörde bzw. das Gericht von Amtes wegen vorzunehmen. Das heisst sowohl die Krankenkasse wie auch das Sozialversiche- rungsgericht haben von sich aus, ohne Bindung an die Pa rteibegehren, für die richtige und voll- ständige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen. Recht serheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, in welcher Art über die Rechte und Pflichten einer versicherten Per- son zu entscheiden ist. Dabei sind gerade in Fällen wie dem vorliegenden, in denen medizinische Sachverhalte zu klären sind, sowohl die Verwaltung als au ch die Justiz zur Beurteilung der sich stellenden Rechtsfragen auf Unterlagen angewiesen, die eine Ärztin bzw. ein Arzt und gegebe- nenfalls andere Fachpersonen zur Verfügung zu stellen haben. 3.2 Die solcherart erhobenen Beweismittel sind sowohl d urch die Krankenkasse als auch durch das Gericht frei zu würdigen. Für das verwaltungs gerichtliche Beschwerdeverfahren be- deutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel – unabhä ngig davon, von wem sie stammen – objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs- sige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten (BGE 125 V 352 E. 3a sowie BGE 122 V 160 f. E. 1c). 3.3 Schliesslich darf das Sozialversicherungsgericht eine re chtserhebliche Tatsache erst dann als bewiesen annehmen, wenn es von ihrem Bestehen ü berzeugt ist. Dabei hat es seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts ge- nügt diesen Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt. 4. Für die Beurteilung des vorliegenden Sachverhalts li egen im Wesentlichen folgende ärztliche Unterlagen vor: 4.1 Am 8. Juni 2018 wird eine Orthopantomographie ( OPG) des Ober- und Unterkiefers der Beschwerdeführerin angefertigt. 4.2 Am 7. September 2018 reicht Dr. C.____ bei der B eschwerdegegnerin seine Honorar- Rechnung für die Behandlung der Beschwerdeführerin vom 28. August bis 7. September 2018 in der Höhe von Fr. 2'505.75 zusammen mit dem Zahnschadenf ormular vom 7. September 2018 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein. Als Diagnose gibt er eine Endokarditis nach dentogenem Abszess gemäss Art. 19 lit. d KLV und als therapeutische Massnahmen u.a. Extraktionen diverser Zähne an. 4.3 Dr. med. F.____, FMH Innere Medizin und FMH Kard iologie, Leitender Arzt Kardiologie Spital G.____, hält – nachdem er die Beschwerdeführe rin am 27. August 2018 in seiner Sprech- stunde gesehen hat – gemäss Arztbericht vom 28. August 2 018 (Korrigendum vom 10. Septem- ber 2018) folgende Diagnosen fest: 1. Auflagerungen auf der Aortenklappe, ED 07/2018 - am ehesten ausgeheilte dentogene infektiöse Endokar ditis bei Dg 2, DD Fibro- elastom etc. - - leichte Aortenklappeninsuffizienz, ansonsten strukture ll unauffälliges Herz (Echo- kardiographie 07/2018) 2. Schwere Parodontose - Status nach Zahnabszess mit Zahnextraktion und kurzer antibiotischer Behandlung vor circa drei Monaten 3. Status nach Herpes Zoster Th4 links 07/2018 Weiter führt Dr. F.____ aus, man habe sich aufgrund d er Echokardiographiebefunde, wie zu er- warten gewesen sei, nicht festlegen können, ob es sich bei dem Befund um thrombotische Auf- lagerungen, zum Beispiel bei Status nach ausgeheilter Endokarditis, oder einen Tumor, zum Bei- spiel einem Fibroelastom, handle. Der Vorschlag sei gew esen, eine Antikoagulation während zwei Monaten durchzuführen und dann eine transösophageale Echokardiographie zu wiederho- len. Bei Persistenz des Befundes müsste aufgrund der Grösse der mobilen Anteile eine chirurgi- sche Entfernung diskutiert werden. Aktuell sei das Hauptproblem der Zahnstatus. Gemäss Pati- entin würden diverse Zähne wackeln. Nach Rücksprache mit Dr. C.____ müsste wohl eine grös- sere Zahnsanierung stattfinden. Diese sollte unbedingt unter Antibiotikaschutz gemäss den gül- tigen Empfehlungen bezüglich der Endokarditisprophylaxe erfolgen. Der zeitliche Zusammen- hang mit dem Zahnabszess/der Zahnsanierung vor drei Mo naten und den beobachteten Klap- penveränderungen lege eine spontan abgeheilte infektiöse Endokarditis nahe. 4.4 Dr. B.____ hält mit Zahnschadenformular vom 18. September 2018 als Diagnose eine Endokarditis nach dentogenem Abszess fest und erstellt ein en Kostenvoranschlag für eine OK/UK-Modellgussprothese in der Höhe von Fr. 5'399.65. 4.5 Der Vertrauenszahnarzt der Easy Sana, Dr. E.____, f ührt mit Schreiben vom 9. Dezem- ber 2018 aus, gemäss Bericht von Dr. F.____ gebe es keine definitiven Hinweise auf das Vorlie- gen einer Endokarditis. Zudem würden Unterlagen fehl en, die belegen würden, dass sich die Patientin aufgrund einer Endokarditis in ärztliche Behandlung habe begeben müssen. Das OPG vom 8. Juni 2018 zeige einen generellen, relativ starken horizontalen und bei einigen Zähnen auch vertikalen Knochenabbau als Folge einer vermeidb aren Parodontitis. Eine Sanierung des Gebisses hätte auch ohne Grunderkrankung unbedingt erfolgen müssen. 4.6 Im Bericht des Spitals H.____ zur Besprechung vom 11 . Januar 2019 wird als Diagnose festgehalten: Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unklare Auflagerung auf der Aortenklappe ED 07/2018 - DD ausgeheilte dentogene infektiöse Endokarditis - Leichte Aortenklappeninsuffizienz - LVEF erhalten - Keine sonstigen Vitien - Blutkulturen und Rheumascreening negativ Schwere Parodontose - St. n. Zahnabszess mit Zahnextraktion und kurzer antibiotischer Behandlung Frühsommer 2018 - Zahnextraktion und Anpassung einer provisorischen Prothese 09/2018 Status nach Herpes Zoster thorakal 4 links 07/2018 In der akuell durchgeführten Echokardiographie zeige sich eine Persistenz des Befundes trotz Antikoagulation mit weiterhin leichter Aortenklappeninsuffizienz. Es stelle sich somit die Indikation einer chirurgischen Sanierung der Aortenklappe (Rekonstruktion). 4.7 In einem weiteren Bericht vom 10. Februar 2019 hä lt Dr. E.____ an seiner Stellung- nahme vom 9. Dezember 2018 fest. Er führt aus, dass bei der Patientin keine zu behandelnde Endokarditis vorliege und die Indikation zur Rekonstrukt ion der leichten insuffizienten Aorten- klappe zur Zeit der Zahnbehandlung nicht bestanden habe. Er empfehle weiterhin die Ablehnung der Kostenübernahme für die Zahnbehandlung. 4.8 Am 20. Mai 2019 nimmt Dr. E.____ nochmals Stell ung. Er hält fest, dass keine Verlage- rung von Zähnen vorliege, weshalb Art. 17 lit. a Ziff. 2 KLV nicht zum Tragen komme. Dem OPG vom 8. Juni 2018 sei zu entnehmen, dass der massivst parodont al geschädigte Zahn 47 den Abszess ausgelöst haben könnte. Dieser sei aufgrund des sc hon lange fehlenden Zahnes 46 mesial gekippt, aber nicht verlagert. Infolge des vermeidbaren parodontalen Zustandes des Ge- bisses der Patientin müssten diverse Zähne entweder extr ahiert oder durch aufwändige Paro- dontalbehandlungen zahnmedizinisch saniert werden. Die Kostenübernahme der zahnärztlichen Massnahmen setze voraus, dass eine zahnärztlich zu behandeln de Endokarditis vorliegen müsse. Dies sei aber hier nicht der Fall, da eine allfä llig mögliche – nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesene – Endokarditis auf jede n Fall ausgeheilt sei. Zum Zeitpunkt der Extraktionen, die mit Sicherheit wegen einer zahnärztlich nicht behandelbaren schweren Pa- rodontitis vorgenommen worden seien, sei kein Herzklap penersatz vorgesehen gewesen. Des- halb könne auch Art 19 lit. a KLV nicht nachträglich als Grundlage herangezogen werden. 5.1 In ihrer Beschwerde bringt die Beschwerdeführerin vorweg vor, gemäss Bericht von Dr. F.____ liege der Zahnsanierung ein Abszess zugrunde. Gemäss Art. 17 lit. a Ziff. 2 KLV sei eine Zahnbehandlung von der obligatorischen Krankenversicherung zu übernehmen, wenn eine Ver- lagerung und Überzahl von Zähnen und Zahnkeimen mit Krankheitswert vorliege. Eine Kostenübernahme gemäss Art. 17 lit. a Ziff. 2 KLV setzt einerseits eine Verlagerung oder Überzahl von Zähnen resp. Zahnkeimen und anderseits ein en qualifizierten Krankheitswert vo- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht raus. Unter Verlagerung von Zähnen und Zahnkeimen ist eine Abweichung von Lage oder Ach- senrichtung zu verstehen (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016, 9C_248/2016, E. 1.2). Vorliegend ist kein Anhaltspunkt für überzählige Zähn e ersichtlich. Demnach würde eine Leis- tungspflicht nach Art. 17 lit. a Ziff. 2 KLV zunächst voraussetzen, dass eine Verlagerung von Zäh- nen vorhanden ist. Diesbezüglich führt der Vertrauensarzt Dr. E.____ nachvollziehbar und über- zeugend aus, dass gestützt auf das OPG vom 8. Juni 2018 kein e Verlagerung von Zähnen vor- liege. Eine Verlagerung von Zähnen bestehe, wenn diese aus Platzgründen nicht am vorgesehe- nen Standort durchbrechen könnten. Zahn 48 sei keinesf alls verlagert und auch nicht Auslöser eines Abszesses. Dem OPG sei weiter zu entnehmen, dass der massivst parodontal geschädigte Zahn 47 den Abszess ausgelöst haben könnte. Dieser sei au fgrund des schon lange fehlenden Zahnes 46 mesial gekippt, aber nicht verlagert. Auch Dr . C.____ und Dr. B.____ haben keine Verlagerung oder Überzahl der Zähne oder Zahnkeime al s Grund für die Zahnsanierung ange- geben. Damit kommt Art. 17 lit. a Ziff. 2 KLV nicht zur Anwendung. 5.2 Weiter begründet die Beschwerdeführerin eine Lei stungspflicht der obligatorischen Krankenpflegeversicherung mit einer konkret drohenden Endokarditis. Eine diesbezügliche Leis- tungspflicht könnte nur auf Art. 19 lit. d KLV abgestützt werden. Art. 19 KLV umfasst die Übernahme der Kosten der zahn ärztlichen Behandlungen, die zur Un- terstützung und Sicherstellung der ärztlichen Behandlung notwendig sind: a. bei Herzklappenersatz, Gefässprothesenimplantation, kraniellen Shuntoperationen; b. bei Eingriffen mit nachfolgender langdauernder Immunsuppression; c. bei Strahlentherapie oder Chemotherapie maligner Leiden; d. bei Endokarditis e. bei Schlafapnoe-Syndrom. 5.2.1 Sinn dieser Bestimmung ist, wie aus dem Wortlaut deutlich hervorgeht, die Unterstüt- zung und Sicherstellung der ärztlichen Behandlungen der aufgelisteten schweren Allgemeiner- krankungen. Die medizinische Behandlung dieser Leiden zä hlt unbestrittenermassen zu den Pflichtleistungen der sozialen Krankenversicherung. Diese Behandlung verträgt in der Regel kei- nen Aufschub, sondern muss unverzüglich erfolgen können. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung kann eine zahnärztliche Versorgung sein. Wäre deren Finanzierung durch die sozi- ale Krankenversicherung nicht gesichert, könnte die soforti ge medizinische Behandlung der Krankheit in Frage gestellt und damit die Gesundheit, wenn nicht gar das Leben, gefährdet sein. Daraus ergibt sich, dass für die ausnahmsweise vorgesehene Übernahme der Kosten einer zahn- ärztlichen Behandlung eine zu behandelnde Endokarditis vorliegen, nicht erst drohen oder ver- mutet werden muss (Urteile des Bundesgerichts vom 14. A pril 2005, K 64/04, E. 2.4, vom 28. November 2007, K 153/06, E. 3.4.3, vom 6. Februar 2008, 9C_675/2007, E. 4.2). 5.2.2 Gestützt auf die vorliegenden Akten, insbesondere den Bericht von Dr. F.____, ergibt sich, dass die Auflagerung der Aortenklappe am ehesten auf eine ausgeheilte dentogene infekti- öse Endokarditis zurückzuführen ist, aber differentialdia gnostisch auch ein Fibroelastom sein Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht könnte. Es kann somit nicht davon ausgegangen werden, dass im Zeitpunkt der Zahnsanierung eine zu behandelnde Endokarditis vorgelegen hat. Wie sich weiter aus dem OPG vom 8. Juni 2018 ergibt, war die Ende August/Anfang September 20 18 erfolgte Zahnsanierung bereits zum damaligen Zeitpunkt angezeigt. Aus den Akten ist aber nicht ersichtlich, dass die Beschwerde- führerin zu diesem Zeitpunkt wegen einer Endokarditis in Behandlung gewesen wäre. Zudem ergibt sich, dass – falls überhaupt eine Endokarditis vor gelegen hätte – diese im Zeitpunkt der zahnärztlichen Behandlung Ende August/Anfang September 2018 bereits ausgeheilt war. Damit hat die Beschwerdegegnerin die Kosten der zahnärztliche n Behandlung auch nicht gestützt auf Art. 19 lit. d KLV zu übernehmen. 5.3 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, dass die zur Unterstützung und Sicherstellung der ärztlichen Behandlung notwendige Zahnbehandlung gemäss Art. 19 lit. a KLV bei einem Herzklappenersatz von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu übernehmen sei. Im Zeitpunkt der strittigen Zahnsanierung war ein Herzkl appenersatz nicht vorgesehen. Erst im Januar 2019 wurde eine Rekonstruktion der Aortenklappe als indiziert erachtet. Zu diesem Zeit- punkt war aber die Zahnsanierung schon längst erfolgt. Im Übrigen haben auch Dr. C.____ und Dr. B.____ einen Herzklappenersatz als Begründung für d ie vorzunehmende Zahnsanierung nicht angeführt. Demzufolge hat auch keine Kostenüberna hme für die strittige Zahnbehandlung durch die Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 19 lit. a KLV zu erfolgen. 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Ziel der str eitigen Behandlung klarerweise die Behandlung der Zähne und nicht die Behandlung einer Herzkrankheit war. Die Voraussetzun- gen für die – ausnahmsweise – Kostenübernahme einer z ahnärztlichen Behandlung sind vorlie- gend nicht gegeben, weshalb die Vorinstanz die Kostengutsprache zu Recht abgelehnt hat. Die vorliegende Beschwerde ist folglich abzuweisen. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren v or dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Dem Prozessausgang entsprechend wird der Beschwerde führerin keine Parteientschädi- gung zugesprochen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht