Eine gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten hat das Bundesgericht am 22. Januar 2016 abgewiesen (9C_618/2015). 200 14 827 AHV LOU/LUB/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 29. Juni 2015 Verwaltungsrichter Loosli, Kammerpräsident Verwaltungsrichterin Fuhrer, Verwaltungsrichter Scheidegger Gerichtsschreiber Lüthi A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführerin gegen Ausgleichskasse des Kantons Bern Abteilung Beiträge und Zulagen, Chutzenstrasse 10, 3007 Bern Beschwerdegegnerin C.________ Beigeladene betreffend Einspracheentscheid vom 7. Juli 2014 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juni 2015, AHV/14/827, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1963 geborene D.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beigelade- ne) meldete sich am 24. Juli 2013 bei der Ausgleichskasse des Kantons Bern (nachfolgend AKB bzw. Beschwerdegegnerin) als Selbststän- digerwerbende im Bereich … an. Das aus der entsprechenden Tätigkeit resultierende voraussichtliche Einkommen bezifferte sie auf jährlich Fr. 4‘000.--, das investierte Kapital und die Geschäftsschulden auf je Fr. 3‘000.--. Ihrer Anmeldung legte sie den mit der A.________ (nachfol- gend A.________ bzw. Beschwerdeführerin) abgeschlossenen und als Agenturvertrag bezeichneten Vertrag vom 28. Juni bzw. 17. Juli 2013 (Ak- ten der AKB, Antwortbeilage [AB] 21) bei. Mit Verfügung vom 24. Oktober 2013 (AB 15) – welche ebenfalls der A.________ als Vertragspartnerin der Versicherten eröffnet wurde – stufte die AKB die Versicherte bezogen auf die für die A.________ ausgeübte Tätigkeit als Unselbstständigerwerbende ein und qualifizierte die erhalte- nen Entgelte als Bestandteil des massgebenden Lohnes. Eine hiergegen am 25. November bzw. am 16. Dezember 2013 erhobene Einsprache der A.________ (AB 12 und 8), nunmehr vertreten durch Rechtsanwalt B.________, wies die AKB mit Entscheid vom 7. Juli 2014 ab (AB 4). B. Gegen diesen Entscheid erhob die A.________, weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt B.________, am 9. September 2014 Beschwerde und stellte folgende Anträge: „Es sei die Einspracheentscheidung der Ausgleichskasse des Kantons Bern vom 7. Juli 2014 in Sachen beitragsrechtliche Stellung von D.________ auf- zuheben und die Tätigkeit von D.________, welche sie unter dem Agenturver- trag zwischen ihr und der Firma „A.________“, Zürich, ausübt, AHV-rechtlich als selbstständige Erwerbstätigkeit von D.________ zu qualifizieren. Der Beschwerdeführerin sei eine Parteientschädigung zuzusprechen. Alles unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdegegnerin.“Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juni 2015, AHV/14/827, Seite 3 Mit Beschwerdeantwort vom 24. Oktober 2014 beantragte die Beschwer- degegnerin die Abweisung der Beschwerde. Mit prozessleitender Verfügung vom 28. Oktober 2014 wurde die Versicher- te zum Verfahren beigeladen und ihr Gelegenheit zur Einreichung einer Stellungnahme eingeräumt. Mit prozessleitender Verfügung vom 21. November 2014 wurde festgestellt, dass beim Verwaltungsgericht innert Frist keine Stellungnahme der Beige- ladenen eingegangen ist. Mit Replik vom 5. Januar 2015 und Duplik vom 9. Februar 2015 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Mit Zuschrift vom 23. Februar 2015 reichte die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme zur Duplik vom 9. Februar 2015, mit welcher sie an ihren in der Beschwerde vom 9. September 2014 gestellten Anträgen festhielt, so- wie ihre Honorarnote ein. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juni 2015, AHV/14/827, Seite 4 gegeben (Art. 84 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenen- versicherung vom 20. Dezember 1946 [AHVG; SR 831.10]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwal- tungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 7. Juli 2014 (AB 4). Streitig und zu prüfen ist das AHV-rechtliche Beitragsstatut der Bei- geladenen in Bezug auf die ausgeübte Tätigkeit für die Beschwerdeführe- rin. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 1.5Erlässt eine Ausgleichskasse im Gebiet der paritätischen Beiträge eine Verfügung, so stellt sie eine Beitragsschuld sowohl des Arbeitgebers wie des Arbeitnehmers fest. Die Verfügung ist deshalb zur Wahrung des rechtlichen Gehörs grundsätzlich beiden zu eröffnen. Wurde eine Beitrags- verfügung ordnungsgemäss Arbeitgeber wie Arbeitnehmer eröffnet, erhebt aber lediglich eine der beiden Personen Beschwerde, hat die kantonale Beschwerdeinstanz die nicht Beschwerde führende Person zum Verfahren beizuladen und ihr das rechtliche Gehör zu gewähren, da diese von ihrem Entscheid gleichermassen betroffen ist wie die Beschwerde führende Per- son (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht {BGer}] vom 19. April 2005, H 4/05, E. 3). 2. 2.1Die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht Erwerbstätiger richtet sich u.a. danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte Er- werbseinkommen als solches aus selbstständiger oder aus unselbstständi-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juni 2015, AHV/14/827, Seite 5 ger Erwerbstätigkeit zu qualifizieren ist (Art. 5 und 9 AHVG sowie Art. 6 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung vom 31. Oktober 1947 [AHVV; SR 831.101]). Nach Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt als massgebender Lohn jedes Entgelt für in unselbstständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit; als Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gilt nach Art. 9 Abs. 1 AHVG jedes Ein- kommen, das nicht Entgelt für in unselbstständiger Stellung geleistete Ar- beit darstellt. 2.2Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbstständige oder unselbstständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht auf- grund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivil- rechtlichen Verhältnisse vermögen dabei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlagge- bend zu sein. Als unselbstständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu be- trachten, wer von einem Arbeitgeber in betriebswirtschaftlicher bzw. ar- beitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kein spezifisches Unter- nehmerrisiko trägt. Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beur- teilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zutage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 123 V 161 E. 1 S. 163; SVR 2012 AHV Nr. 6 S. 22 E. 5.2). 2.3Selbstständige Erwerbstätigkeit liegt im Regelfall vor, wenn die bei- tragspflichtige Person durch Einsatz von Arbeit und Kapital in frei bestimm- ter Selbstorganisation und nach aussen sichtbar am wirtschaftlichen Ver- kehr teilnimmt mit dem Ziel, Dienstleistungen zu erbringen oder Produkte zu schaffen, deren Inanspruchnahme oder Erwerb durch finanzielle oder geldwerte Gegenleistungen abgegolten werden (BGE 125 V 383 E. 2a S. 385; AHI 2003 S. 417 E. 3.2.2). Charakteristische Merkmale einer selbstständigen Erwerbstätigkeit sind die Tätigung erheblicher Investitio-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juni 2015, AHV/14/827, Seite 6 nen, die Benützung eigener Geschäftsräumlichkeiten sowie die Beschäfti- gung von eigenem Personal. Das spezifische Unternehmerrisiko besteht dabei darin, dass die versicherte Person unabhängig vom Arbeitserfolg Kosten des Betriebs zu tragen hat, wie namentlich Unkosten, Verluste, In- kasso- und Delkredererisiko (BGE 122 V 169 E. 3c S. 172; SVR 2009 AHV Nr. 9 S. 34 E. 4.3; AHI 2003 S. 370 E. 3.3). 2.4Von unselbstständiger Erwerbstätigkeit ist auszugehen, wenn die für den Arbeitsvertrag typischen Merkmale vorliegen, d.h. wenn die versi- cherte Person Dienst auf Zeit zu leisten hat, wirtschaftlich vom "Arbeitge- ber" abhängig ist und während der Arbeitszeit auch in dessen Betrieb ein- geordnet ist, praktisch also keine andere Erwerbstätigkeit ausüben kann. Indizien dafür sind das Vorliegen eines bestimmten Arbeitsplans, die Not- wendigkeit, über den Stand der Arbeiten Bericht zu erstatten, sowie das Angewiesensein auf die Infrastruktur am Arbeitsort. Das wirtschaftliche Risiko der versicherten Person erschöpft sich diesfalls in der (alleinigen) Abhängigkeit vom persönlichen Arbeitserfolg oder, bei einer regelmässig ausgeübten Tätigkeit, darin, dass bei Dahinfallen des Erwerbsverhältnisses eine ähnliche Situation eintritt, wie dies beim Stellenverlust eines Arbeit- nehmers der Fall ist (BGE 122 V 169 E. 3c S. 172). 2.5Bei Versicherten, die mehrere Tätigkeiten gleichzeitig ausüben, ist jedes Erwerbseinkommen gesondert auf seinen beitragsrechtlichen Cha- rakter zu überprüfen, dies sogar dann, wenn die verschiedenen Erwerbs- tätigkeiten in ein und derselben Firma ausgeübt werden (BGE 122 V 169 E. 3b S. 172; SVR 2009 AHV Nr. 9 S. 34 E. 4.4). Die Tatsache, dass eine beitragspflichtige Person bereits einer Ausgleichskasse als selbstständi- gerwerbende angeschlossen ist, hat daher für die Qualifikation eines Ent- gelts AHV-rechtlich keine Bedeutung. Ebenso wenig vermag umgekehrt die Tatsache, dass eine beitragspflichtige Person bereits mit einer Ausgleichs- kasse als unselbstständige abrechnet, die beitragsrechtliche Qualifikation des Einkommens aus einer weiteren Tätigkeit zu präjudizieren (BGE 123 V 161 E. 4a S. 167).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juni 2015, AHV/14/827, Seite 7 3. 3.1Die Beschwerdeführerin ist ein weltweit tätiges Unternehmen, das den … über ein System von Agenten betreibt und die rasche …, beim Kun- den zu Hause oder über … anbietet (vgl. <www.A.________....com> und AB 5). Die Beigeladene ist unbestritten für die Beschwerdeführerin gemäss Agen- turvertrag vom 28. Juni bzw. 17. Juli 2013 tätig und Mieterin eines Ge- schäftsraumes in … für den … (AB 21). An derselben Geschäftsadresse betreibt sie zudem einen … und meldete sich am 30. September 2013 ebenfalls für diese Tätigkeit als Selbststän-digerwerbende bei der AKB an (AB 16). Von den im Rahmen des … erhobenen Gebühren erhält die Bei- geladene die Hälfte als Provision (AB 13 und Agenturvertrag S. 8 § 6 Ziff. 2 [AB 21]). Für die … liegen Einnahmenbelege vor (AB 13). 3.2Unter den Begriff Agenten resp. Handelsvertreter fallen Personen, welche Kunden akquirieren und Dienstleistungen oder Waren für Dritte verkaufen (vgl. HANSPETER KÄSER, Unterstellung und Beitragswesen in der obligatorischen AHV, 2. Aufl. 1996, S. 135 N. 4.70). Sie gelten praxis- gemäss nur dann als Selbstständigerwerbende, wenn sie über eine eigene Verkaufsorganisation verfügen, d.h. kumulativ eigene Geschäftsräumlich- keiten benützen, eigenes Personal beschäftigen und die Geschäftskosten im Wesentlichen selber tragen (vgl. Wegleitung über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO [WML], gültig ab 1. Januar 2008, Rz. 4024 f.). Diese Umstände lassen auf ein spezifisches Unternehmerrisiko schliessen, weil dabei unabhängig vom Arbeitserfolg Kosten anfallen, welche vom Ar- beitgeber oder vom Selbstständigerwerbenden selber zu tragen sind. Demgegenüber ist das unternehmerische Risiko des alleine, ohne eigene Verkaufsorganisation tätigen Agenten entsprechend geringer; es erschöpft sich im Wesentlichen darin, dass geleistete Arbeit nicht oder nicht vollstän- dig entschädigt wird. Ob bei einer Agententätigkeit, die von ihrer Art her nur geringe Investitionen erfordert, bereits aufgrund des geringen Unterneh- merrisikos eine selbstständige Tätigkeit zu verneinen ist, erscheint als frag- lich. Für die Abgrenzung selbstständiger von unselbstständiger Tätigkeit kommt es jedoch nicht allein auf das Unternehmerrisiko an. Von Bedeutung ist vielmehr die Gesamtheit der Umstände des konkreten Falles, insbeson-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juni 2015, AHV/14/827, Seite 8 dere Art und Umfang der wirtschaftlichen und arbeitsorganisatorischen Ab- hängigkeit vom Auftrag- oder Arbeitgeber. Dieser Gesichtspunkt kann ins- besondere dort, wo die in Frage stehende Tätigkeit keine erheblichen In- vestitionen etwa in die Infrastruktur oder personellen Mittel erfordert, zu- gunsten unselbstständiger Erwerbstätigkeit sprechen (vgl. Entscheide des BGer vom 27. April 2015, 9C_796/2014, E. 3.4, und vom 30. September 2010, 9C_946/2009, E. 5.1; UELI KIESER, Alters- und Hinterlassenenver- sicherung, 3. Aufl. 2012, Art. 5 N. 25 f.; KÄSER, a.a.O., S. 135 f. N. 4.71 f.). 3.3Zu prüfen sind die einschlägigen Kriterien der Rechtsprechung zur Abgrenzung der selbstständigen von der unselbstständigen Erwerbstätig- keit (vgl. E. 2.2 ff. hiervor). Im Einzelnen ergibt sich dazu folgendes: 3.3.1Die Beschwerdeführerin räumt selbst ein, dass die Beigeladene den Geschäftsraum in … ursprünglich nur für die Ausübung der … gemietet hat und dieser erst danach ebenfalls für die … genutzt wurde (Beschwerde S. 8 N. 32). Aus dem am 20. Juni 2013 abgeschlossenen Mietvertrag und der Quittung vom 28. Juni 2013 über Fr. 3‘000.-- (AB 21) geht hervor, dass die Beigeladene das Geschäft von E.________ im Juni 2013 übernommen hat. Der Agenturvertrag zwischen der Beschwerdeführerin und der Beige- ladenen wurde dagegen erst am 28. Juni bzw. am 17. Juli 2013 abge- schlossen (AB 21). Insofern und weil nicht einsichtig ist, weshalb für den … ein Geschäftsraum angemietet werden muss, ist davon auszugehen, dass das … nur sekundär neben dem … betrieben wird. Dieser Umstand spricht für eine unselbständige Tätigkeit. 3.3.2Hinsichtlich der Beschäftigung von Personal führt die Beschwerde- führerin einerseits aus, die Beigeladene beschäftige grundsätzlich Perso- nal, wenngleich dieses in der Regel für die Ausübung des … angestellt worden sei (Beschwerde S. 8 N. 32). Andererseits hält sie fest, die Beige- ladene habe (vermutlich) noch kein Personal beschäftigt und begründet dies mit der bei der Geschäftsgründung angezeigten Vorsicht (Beschwerde S. 9 ff. N. 39 ff.). Schliesslich räumt sie dann ein, es sei noch kein eigenes Personal angestellt worden (Beschwerde S. 12 N. 46). Ungeachtet des zeitlichen Bestandes der ausgeübten Tätigkeit, hat die Beigeladene somit nicht für Lohnkosten aufzukommen, weshalb es an einem weiteren zentra- len Element der selbstständigen Erwerbstätigkeit fehlt.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juni 2015, AHV/14/827, Seite 9 3.3.3In der Anmeldung für Selbstständigerwerbende vom 24. Juli 2013 bezifferte die Beigeladene das im Betrieb investierte Kapital auf Fr. 3‘000.-- und legte der Anmeldung eine Quittung über diesen Betrag bei (AB 21). In Bezug auf die … gab sie in der Anmeldung vom 30. September 2013 eben- falls an, Kapital im Betrag von Fr. 3‘000.-- eingesetzt zu haben. Mit letzterer Anmeldung reichte sie die bereits der Anmeldung vom 24. Juli 2013 beige- legte Quittung ein (AB 16). Zur Ausübung der … stellt die Beschwerdefüh- rerin die gesamte Informatikinfrastruktur (ausgenommen Hardware) zur Verfügung. Daneben überlässt sie die Software zur Überwachung der Compliance-Vorschriften und gewährleistet auch die Ausbildung und jährli- che Weiterbildung des Personals der Agenturen (Agenturvertrag S. 6 § 5 Ziff. 1 und S. 9 § 9 Ziff. 1 [AB 21]). Insofern hat vorliegend die Beigeladene geringe Investitionen getätigt, was denn auch selbst die Beschwerdeführe- rin anerkannt (Beschwerde S. 11 N. 42 – 44 und Replik S. 7 N. 33). 3.3.4Nach dem Gesagten trägt die Beigeladene kaum ein Unternehmer- risiko, zumal sie das Geschäftslokal primär für die andere Tätigkeit als … mietet (vgl. E. 3.3.1 hiervor), kein Personal beschäftigt (vgl. E. 3.3.2 hier- vor) und das Informatiksystem (vgl. E. 3.3.3 hiervor) im Wesentlichen von der Beschwerdegegnerin zur Verfügung gestellt wird. Mangels einer eige- nen Verkaufsorganisation hat sie demzufolge kein unternehmerisches Risi- ko zu tragen (vgl. E. 3.2 hiervor). Daran vermag auch nichts zu ändern, dass die Beigeladene für bestimme Geschäftskosten, namentlich die An- schaffung der Hardware und deren Unterhalt sowie Mobiliar selber aufzu- kommen hat (Beschwerde S. 11 N. 44), begründen diese noch kein rele- vantes Geschäftsrisiko (vgl. Entscheid des BGer vom 30. September 2010, 9C_946/2009, E. 5.2.1). Hinzu kommt, dass die Beigeladene das Ge- schäftslokal primär für die Tätigkeit als … gemietet hat (vgl. E. 3.3.1 hier- vor) und somit ein wesentlicher Teil der geltend gemachten Auslagen mit dieser Tätigkeit im Zusammenhang steht. Auch im Umstand, dass sie keine Entschädigung erhält, wenn keine … abgewickelt werden (Beschwerde S. 11 N. 44), liegt noch kein spezifisches Unternehmerrisiko begründet. Das Risiko der – hier ohne eigene Verkaufsorganisation tätigen – Beigela- denen erschöpft sich im Wesentlichen in der Höhe des Einkommens, wel- ches abhängig ist von der Anzahl der getätigten ….Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juni 2015, AHV/14/827, Seite 10 Fehlt ein spezifisches Unternehmerrisiko, bedeutet dies jedoch nicht ohne weiteres, dass eine unselbstständige Erwerbstätigkeit vorliegt. Denn zu berücksichtigen sind auch weitere Umstände, namentlich die wirtschaftliche und arbeitsorganisatorische Abhängigkeit vom Auftrag- oder Arbeitgeber (vgl. E. 3.2 hiervor). 3.3.5Der Beschwerdeführerin ist nicht zu folgen, wenn sie geltend macht, in arbeitsorganisatorischer und wirtschaftlicher Hinsicht bestehe keine Ab- hängigkeit (Beschwerde S. 13 N. 50 ff. und Replik S. 8 f. N 38 und 43 f). Die Beigeladene ist nicht frei, Personal nach ihren Vorstellungen anzustel- len. Vielmehr schreibt die Beschwerdeführerin im Agenturvertrag vor, wel- chen Anforderungen das Anstellungsverfahren zu genügen hat. Darüber hinaus muss die Anstellung von Personal von der Beschwerdeführerin ge- nehmigt werden (Agenturvertrag S. 3 f. § 3 Ziff. 4, § 4 Ziff. 9 und S. 4 f. § 4 Ziff. 9 [AB 21]; Beschwerde S. 12 N. 46). Wird solches Personal für die … eingesetzt, besteht zusätzlich die Verpflichtung, dass dieses Veranstaltun- gen der Beschwerdeführerin zu besuchen hat. Hinzu kommt, dass auch die Agenten verpflichtet sind am jährlichen Ausbildungsprogramm teilzuneh- men, das einseitig durch die Beschwerdeführerin definiert wird (Agenturver- trag S. 5 § 4 Ziff. 10 [AB 21]). Die Beschwerdeführerin ist auch berechtigt Weisungen an Mitarbeiter zu erteilen und deren Mitarbeit zu untersagen (Agenturvertrag S. 4 f. § 4 Ziff. 8 und 10 [AB 21]). Insoweit liegt eine Wei- sungsgebundenheit vor und damit auch eine Einbettung in die Arbeitsorga- nisation der Beschwerdeführerin. Für eine Beschäftigung in unselbstständi- ger Stellung spricht weiter, dass der Auftritt gegen aussen und gegenüber der Kundschaft nach den Regeln der Beschwerdeführerin zu erfolgen hat. Die Beigeladene handelt denn auch nicht in eigenem Namen und auf eige- ne Rechnung (Agenturvertrag S. 3 § 3 [AB 21]), sondern tritt faktisch als Hilfsperson der Beschwerdeführerin auf (vgl. Beschwerde S. 13 N. 51). Ferner ist die Beigeladene der Beschwerdeführerin in jeder Hinsicht Re- chenschaft schuldig (Agenturvertrag S. 6 § 4 Ziff. 15 [AB 21]). Sie muss unter anderem die Beschwerdeführerin über die Entwicklung des Marktes, über die neu abgeschlossenen Geschäfte und deren Betreuung, über Ver- änderungen und Umstände, die einen negativen Einfluss auf die laufenden Geschäfte der Agentur haben könnten, informieren (Agenturvertrag S. 5 f. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juni 2015, AHV/14/827, Seite 11 § 4 Ziff. 12 f. [AB 21]). Die Provision beträgt 50 % der in Rechnung gestell- ten Gebühren. Die Beigeladene hat keinen Einfluss auf deren Höhe. Diese ist von der Beschwerdeführerin festgesetzt und nicht verhandelbar. Vor- schüsse auf Provisionen sind zudem vertraglich ausgeschlossen (Agentur- vertrag S. 7 f. § 6 [AB 21]). Daneben besteht ein umfassendes Konkurrenz- verbot, das nicht nur während der vereinbarten Vertragsdauer gilt, sondern sich ein Jahr über den Vertragsablauf hinaus erstreckt (Agenturvertrag S. 3 § 3 Ziff. 5 und S. 11 f. § 11 [AB 21]). Eine solche Ausgestaltung des Kon- kurrenzverbotes ist zwar ebenfalls in den Bestimmungen zum Agenturver- trag im Obligationenrecht vorgesehen (vgl. Art. 418d Abs. 2 des Schweize- rischen Obligationenrechts [OR; SR 220]), aber dennoch wird dieses ein- seitig von der Beschwerdeführerin bestimmt und weist damit auf das Ab- hängigkeitsverhältnis hin. 3.4Unter Würdigung der gesamten Umstände steht fest, dass vorlie- gend die für eine unselbstständige Erwerbstätigkeit sprechenden charakte- ristischen Merkmale überwiegen. Insbesondere liegt weder ein spezifisches Unternehmerrisiko vor (vgl. E. 3.3.4 hiervor) noch ist die Beigeladene gegenüber der Beschwerdeführerin in arbeitsorganisatorischer und wirtschaftlicher Hinsicht unabhängig (vgl. E. 3.3.5 hiervor). Zu Recht hat demnach die Beschwerdegegnerin die Beigeladene bezogen auf die für die Beschwerdeführerin ausgeübte Tätigkeit als unselbstständig erwerbend eingestuft und die ausgerichteten Provisionen als Bestandteil des massge- benden Lohnes qualifiziert. Soweit die Beschwerdeführerin mit ihrer Beschwerde Kritik an der gelten- den Rechtsprechung zu üben scheint, sieht sich das angerufene Gericht aufgrund der Umstände nicht veranlasst, die Praxis einer grundsätzlichen Überprüfung zu unterziehen. Hinzu kommt, dass die bisherige Rechtspre- chung zu den Agenten (Handels- oder Reisevertreter) in jüngster Zeit un- verändert bestätigt wird (KIESER, a.a.O., Art. 5 N. 27; Entscheid des BGer vom 27. April 2015, 9C_796/2014, E. 3.4).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juni 2015, AHV/14/827, Seite 12 4. 4.1Verfahrenskosten werden in Anwendung von Art. 1 Abs. 1 AHVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG keine erhoben. 4.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht gemäss Art. 1 Abs. 1 AHVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG (Umkehrschluss) kein Anspruch auf eine Parteientschädigung. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Es wird festgestellt, dass dem Verwaltungsgericht am 23. Februar 2015 eine Stellungnahme der Beschwerdeführerin und die Kostennote zugekommen sind. Ein Doppel der Stellungnahme geht an die Be- schwerdegegnerin und die Beigeladene zur Kenntnisnahme. 2. Die Beschwerde wird abgewiesen. 3. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch eine Parteientschä- digung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin - Ausgleichskasse des Kantons Bern, Abteilung Beiträge und Zulagen (mitsamt einer Kopie der Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 23. Februar 2015) - D.________ (mitsamt einer Kopie der Stellungnahme der Beschwer- deführerin vom 23. Februar 2015) - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juni 2015, AHV/14/827, Seite 13 Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.