<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 106 S.447</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bundessteuern</span> <span class="page_no">447</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Bundessteuern</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>A. Bundesratsbeschluss über die Erhebung einer direkten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bundessteuer vom 9. Dezember 1940 (BdBSt)</b></span><br/> <br/> <span class="ft3"><b>106 Einkommenssteuer; gewerbsmässiger Handel mit Wertschriften (Art. 21</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Abs. 1 lit. a BdBSt).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Kriterien für die Gewerbsmässigkeit und deren Gewichtung.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">22. Juni 2000 in Sachen W., BB.1999.50001/E 4041</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2. a) Gewinne, die bei der Veräusserung oder Verwertung von</span><br/> <span class="ft6">Vermögensstücken erzielt werden (sog. Kapitalgewinne), unterliegen</span><br/> <span class="ft6">der direkten Bundessteuer, wenn sie im Betrieb eines zur Führung</span><br/> <span class="ft6">kaufmännischer Bücher verpflichteten Unternehmens erzielt werden</span><br/> <span class="ft6">(Art. 21 Abs. 1 lit. d BdBSt). Kapitalgewinne, die bei der privaten</span><br/> <span class="ft6">Verwaltung eigenen Vermögens oder in Ausnützung einer sich zufäl-</span><br/> <span class="ft6">lig bietenden Gelegenheit erzielt werden, sind steuerfrei. Beruht der</span><br/> <span class="ft6">Gewinn indessen auf einer Tätigkeit, die in ihrer Gesamtheit auf</span><br/> <span class="ft6">Erwerb (Verdienst) gerichtet ist, wird er als Erwerbseinkommen be-</span><br/> <span class="ft6">steuert. Dieses unterliegt nach Art. 21 Abs. 1 lit. a BdBSt der Ein-</span><br/> <span class="ft6">kommenssteuer, unabhängig davon, ob die Tätigkeit im Haupt- oder</span><br/> <span class="ft6">Nebenberuf, regelmässig, wiederkehrend oder nur einmal ausgeübt</span><br/> <span class="ft6">wird. In der Praxis können neben Gewinnen aus Liegenschaftsver-</span><br/> <span class="ft6">käufen insbesondere auch solche aus Wertpapier-, Gold- und Devi-</span><br/> <span class="ft6">sengeschäften gestützt auf Art. 21 Abs. 1 lit. a BdBSt besteuert</span><br/> <span class="ft6">werden.</span><br/> <span class="ft6">b) Ob der Kauf und Verkauf von Wertschriften eine auf Erwerb</span><br/> <span class="ft6">gerichtete Tätigkeit darstellt, ist unter Berücksichtigung der gesam-</span><br/> <span class="ft6">ten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Dabei weisen nament-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">448</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">lich die folgenden Indizien auf eine (Erwerbs-) Tätigkeit hin, welche</span><br/> <span class="ft6">über die blosse Vermögensverwaltung hinausreicht: systematisches</span><br/> <span class="ft6">oder planmässiges Vorgehen (insbesondere das Bemühen, die Ent-</span><br/> <span class="ft6">wicklung des Marktes zur Gewinnerzielung auszunützen), Häufigkeit</span><br/> <span class="ft6">der Transaktionen, eine kurze Besitzesdauer, ein enger Zusammen-</span><br/> <span class="ft6">hang mit der beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen, der Einsatz</span><br/> <span class="ft6">spezieller Fachkenntnisse oder erheblicher fremder Mittel zur Finan-</span><br/> <span class="ft6">zierung der Geschäfte sowie die Wiederanlage des erzielten Gewin-</span><br/> <span class="ft6">nes in gleichartigen Vermögensgegenständen. Nicht entscheidend ist,</span><br/> <span class="ft6">ob der Steuerpflichtige die Wertschriftengeschäfte selber oder durch</span><br/> <span class="ft6">eine bevollmächtigte Drittperson abwickelt. Nicht nötig ist ferner</span><br/> <span class="ft6">eine sichtbare Teilnahme am wirtschaftlichen Verkehr. Entscheidend</span><br/> <span class="ft6">für die Annahme einer Erwerbstätigkeit ist, dass die pflichtige Person</span><br/> <span class="ft6">eine Tätigkeit entfaltet, die - aufgrund des Gewichts eines oder meh-</span><br/> <span class="ft6">rerer der genannten oder ähnlicher Indizien - in ihrer Gesamtheit auf</span><br/> <span class="ft6">Erwerb ausgerichtet erscheint (StE 1999 B 23.1 Nr. 43, mit Hinwei-</span><br/> <span class="ft6">sen auf die Rechtsprechung). Die für eine Erwerbstätigkeit sprechen-</span><br/> <span class="ft6">den Indizien müssen beim Wertschriftenhandel besonders deutlich</span><br/> <span class="ft6">erfüllt sein (StR 1997 S. 27). Wird die Aktivität eines Steuerpflichti-</span><br/> <span class="ft6">gen im Wertpapier- und Derivatgeschäft als Erwerbstätigkeit qualifi-</span><br/> <span class="ft6">ziert, so sind folgerichtig auch die in diesem Zusammenhang erlitte-</span><br/> <span class="ft6">nen Kapitalverluste, soweit sie verbucht wurden, zu berücksichtigen</span><br/> <span class="ft6">und zum Abzug zuzulassen (ASA 68 S. 641 ff.).</span><br/> <span class="ft6">3. Die Vorinstanz ist gestützt auf Vermögenszunahmen zwi-</span><br/> <span class="ft6">schen dem 1. Januar 1989 und dem 1. Januar 1993 davon ausgegan-</span><br/> <span class="ft6">gen, dass der Beschwerdeführer aus gewerbsmässigem Wertschrif-</span><br/> <span class="ft6">tenhandel steuerbares Einkommen erzielt hatte. Sie hat daher nach</span><br/> <span class="ft6">Ermessen für die Steuerperiode 1991/92 (Bemessungsjahre 1989/90)</span><br/> <span class="ft6">nicht versteuerte Gewinne aus Börsentermingeschäften von</span><br/> <span class="ft6">Fr. 50'000.-- und für die Steuerperiode 1993/94 (Bemessungsjahre</span><br/> <span class="ft6">1991/92) von Fr. 75'000.-- nachbesteuert. Nach Auffassung der Ver-</span><br/> <span class="ft6">treterin des Beschwerdeführers liegt kein gewerbsmässiger Wert-</span><br/> <span class="ft6">schriftenhandel vor. Im Folgenden ist auf die von der Rechtspre-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bundessteuern</span> <span class="page_no">449</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">chung entwickelten Indizien des gewerbsmässigen Wertschriftenhan-</span><br/> <span class="ft6">dels (vgl. oben Ziff. 2 b) einzugehen.</span><br/> <span class="ft6">a) planmässiges Vorgehen</span><br/> <span class="ft6">aa) Der Beschwerdeführer hat mit einem Startkapital von</span><br/> <span class="ft6">Fr. 20'000.-- mit einem norwegischen Geschäftsfreund sowie drei</span><br/> <span class="ft6">weiteren Personen mit ausländischem Wohnsitz (deren Identität der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer aus Diskretionsgründen nicht bekanntgeben will)</span><br/> <span class="ft6">während mehr als zwanzig Jahren Börsentermingeschäfte ab-</span><br/> <span class="ft6">gewickelt. Der Anstoss für die einzelnen Geschäfte ist jeweils vom</span><br/> <span class="ft6">norwegischen Geschäftsfreund ausgegangen. Wenn nicht alle Betei-</span><br/> <span class="ft6">ligten ihre Zustimmung zu einem vorgeschlagenen Geschäft gegeben</span><br/> <span class="ft6">haben, ist es nicht abgeschlossen worden. Der norwegische Ge-</span><br/> <span class="ft6">schäftsfreund hat nicht nur die Geschäfte abgewickelt, sondern auch</span><br/> <span class="ft6">die Verwaltung übernommen; eine Entschädigung hat er dafür nicht</span><br/> <span class="ft6">bezogen. Die Absprachen sind stets mündlich erfolgt. Dem Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer sind aufgrund des langjährigen Vertrauensverhältnis-</span><br/> <span class="ft6">ses nie schriftliche Abrechnungen über die getätigten Geschäfte und</span><br/> <span class="ft6">die erzielten Gewinne vorgelegt worden. Die Vorinstanz ist der Auf-</span><br/> <span class="ft6">fassung, dass unter diesen Umständen nicht vom Ausnützen einer</span><br/> <span class="ft6">sich bietenden Gelegenheit im Rahmen einer blossen privaten Ver-</span><br/> <span class="ft6">mögensverwaltung gesprochen werden kann, sondern planmässiges</span><br/> <span class="ft6">Vorgehen vorliege. Demgegenüber liegt nach Ansicht der Vertreterin</span><br/> <span class="ft6">des Beschwerdeführers kein planmässiges Vorgehen vor. Zur Be-</span><br/> <span class="ft6">gründung wird im Wesentlichen ausgeführt, dass der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer die jeweiligen Anlageentscheide in aller Regel auf Initiative</span><br/> <span class="ft6">des norwegischen Geschäftsfreundes, letztlich aber in eigener Ver-</span><br/> <span class="ft6">antwortung getroffen habe. Der norwegische Geschäftsfreund, wel-</span><br/> <span class="ft6">cher mit Halbfabrikaten, nicht aber mit reinen Metallen handelte,</span><br/> <span class="ft6">habe dann jeweils einen ihm bekannten Broker mit der Ausführung</span><br/> <span class="ft6">des Auftrages beauftragt. Die geringe Intensität der Anlagetätigkeit</span><br/> <span class="ft6">belege, dass es dem Beschwerdeführer lediglich darum gegangen sei,</span><br/> <span class="ft6">zufällig sich bietende Gelegenheiten zu nutzen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">450</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">ab) Die Planmässigkeit kann nicht isoliert betrachtet werden, da</span><br/> <span class="ft6">wie jede Liegenschaftstransaktion auch jede Wertschriftentransaktion</span><br/> <span class="ft6">eine minimale Planmässigkeit voraussetzt. In diesem Sinne ist die</span><br/> <span class="ft6">Planmässigkeit als solche nur ein bedingt taugliches</span><br/> <span class="ft6">Abgrenzungskriterium zur Abgrenzung gegenüber der privaten Ver-</span><br/> <span class="ft6">mögensverwaltung (P. Stocker, Die steuerliche Abgrenzung der selb-</span><br/> <span class="ft6">ständigen Erwerbstätigkeit von der privaten Vermögensverwaltung,</span><br/> <span class="ft6">Diss. Basel 1992, S. 154 bzw. 112). Es werden daher in der Literatur</span><br/> <span class="ft6">und Rechtsprechung (z.B. StR 1999 S. 315, StE 1989 B 23.1 Nr.16)</span><br/> <span class="ft6">die Indizien "Planmässigkeit" und "Häufigkeit" zum Teil zusammen</span><br/> <span class="ft6">behandelt. Eine Kombination der Kriterien "Häufigkeit" und "Plan-</span><br/> <span class="ft6">mässigkeit" bildet ein kaum widerlegbares Indiz für das Vorliegen</span><br/> <span class="ft6">eines gewerbsmässigen Vorgehens (P. Stocker, a.a.O., S. 158). Dem-</span><br/> <span class="ft6">gegenüber wird man bei einem Steuerpflichtigen, der nur gelegent-</span><br/> <span class="ft6">lich und vereinzelt Börsengeschäfte tätigt, kaum von einer anhalten-</span><br/> <span class="ft6">den und planmässigen Aktivität sprechen können (StE 1989 B 23.1</span><br/> <span class="ft6">Nr. 16).</span><br/> <span class="ft6">ac) Planmässigkeit wird gelegentlich schon angenommen, wenn</span><br/> <span class="ft6">eine konkrete Anlagestrategie verfolgt wird, so dass das einzelne</span><br/> <span class="ft6">Geschäft als Teil eines sinnvollen Ganzen erscheint (B. Hirt,</span><br/> <span class="ft6">Grundfragen der Einkommensbesteuerung, Bern 1998, S. 320). Dies</span><br/> <span class="ft6">dürfte auch beim Beschwerdeführer zutreffen, gleichzeitig aber</span><br/> <span class="ft6">praktisch bei allen Vermögensanlagen, da sich die meisten Anleger</span><br/> <span class="ft6">eine gewisse Vorstellung darüber machen, ob sie eher konservative</span><br/> <span class="ft6">oder risikoreichere Anlagen tätigen wollen. Die Verfolgung einer</span><br/> <span class="ft6">Anlagestrategie gehört nicht nur zu einer gewerbsmässigen, sondern</span><br/> <span class="ft6">auch zu einer seriösen privaten Vermögensverwaltung. Allein ge-</span><br/> <span class="ft6">stützt darauf darf nicht auf Gewerbsmässigkeit geschlossen werden.</span><br/> <span class="ft6">So gesehen ist die Planmässigkeit kein sehr aussagekräftiges Krite-</span><br/> <span class="ft6">rium (vgl. RGE vom 30. Juni 1999 in Sachen H. = AGVE 1999</span><br/> <span class="ft6">S. 395 ff.). Es muss heute ein systematisches und planmässiges Vor-</span><br/> <span class="ft6">gehen auch bei der schlichten Vermögensverwaltung als üblich gel-</span><br/> <span class="ft6">ten (Steuerpraxis des Kantons Schwyz, Heft 1, Mai 2000, S. 6).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bundessteuern</span> <span class="page_no">451</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Der Umstand, dass der Beschwerdeführer auf Anraten eines</span><br/> <span class="ft6">(sachkundigen) Geschäftsfreundes durch denselben Börsenterminge-</span><br/> <span class="ft6">schäfte abwickeln liess, kann angesichts der paar wenigen Transak-</span><br/> <span class="ft6">tionen, welche der Beschwerdeführer pro Jahr tätigte, nicht als plan-</span><br/> <span class="ft6">mässiges Vorgehen bezeichnet werden. Wer bloss Anlageempfehlun-</span><br/> <span class="ft6">gen berücksichtigt, selber jedoch das Wirtschaftsleben und die Kurs-</span><br/> <span class="ft6">entwicklung nicht regelmässig beobachtet und bloss vereinzelt Bör-</span><br/> <span class="ft6">sengeschäfte tätigt, handelt nicht planmässig (B. Hirt, a.a.O., S. 320).</span><br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer investierte lediglich Vermögen, gleich einer</span><br/> <span class="ft6">Privatperson, die auf Spekulationsgewinne hofft.</span><br/> <span class="ft6">b) Einsatz spezieller Fachkenntnisse/Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft6">hauptberuflichen Tätigkeit</span><br/> <span class="ft6">ba) Der Beschwerdeführer hat die Börsentermingeschäfte als</span><br/> <span class="ft6">auch die physischen Metallkäufe und -verkäufe auf Anraten seines</span><br/> <span class="ft6">norwegischen Geschäftsfreundes, einem Kaufmann, getätigt. Dieser</span><br/> <span class="ft6">hat die Geschäfte dank bestehender Verbindungen und Zugang zur</span><br/> <span class="ft6">Börse auch abgewickelt. Nach Auffassung der Vorinstanz konnte so</span><br/> <span class="ft6">der Beschwerdeführer dank dem vorhandenen Fachwissen (sowohl</span><br/> <span class="ft6">das eigene, welches sich der Beschwerdeführer im Rahmen seiner</span><br/> <span class="ft6">hauptberuflichen Tätigkeit als Altstoffhändler aneignen konnte, als</span><br/> <span class="ft6">auch desjenigen des norwegischen Geschäftsfreundes) die jeweils</span><br/> <span class="ft6">bestehenden Marktverhältnisse für die Gewinnerzielung ausnutzen.</span><br/> <span class="ft6">Die Vertreterin vertritt demgegenüber die Auffassung, dass der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer über kein berufsspezifisches Fachwissen im</span><br/> <span class="ft6">Reinmetallbereich verfüge, welches für die vorliegend zur</span><br/> <span class="ft6">Diskussion stehende Vermögensanlage relevant sei. Sein Fachwissen</span><br/> <span class="ft6">liege ausschliesslich im Bereich "Altmetall".</span><br/> <span class="ft6">bb) Es muss davon ausgegangen werden, dass der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer aufgrund seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Alt-</span><br/> <span class="ft6">stoffhändler im Metallbereich (sowohl Rein- als auch Altmetall be-</span><br/> <span class="ft6">treffend) ein überdurchschnittliches Wissen hat. Seine Börsentermin-</span><br/> <span class="ft6">geschäfte im Metallbereich können jedoch nicht allein deshalb als</span><br/> <span class="ft6">gewerbsmässig angesehen werden, weil er von Berufes wegen mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">452</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Metallen zu tun hat und dadurch andern privaten Anlegern etwas</span><br/> <span class="ft6">voraus hat. Es besteht kein allgemeiner Grundsatz, wonach jedes</span><br/> <span class="ft6">Geschäft, das vom Steuerpflichtigen unter Ausnutzung beruflicher</span><br/> <span class="ft6">Erfahrungen, Kenntnisse oder Verbindungen getätigt wird, vom pri-</span><br/> <span class="ft6">vaten in den geschäftlichen Bereich fällt (StR 1999 S. 316 f.). Der</span><br/> <span class="ft6">allfällige Einsatz von Spezialkenntnissen allein reicht nicht aus, die</span><br/> <span class="ft6">Tätigkeiten als Handel zu qualifizieren. Er kann allenfalls Hinweis</span><br/> <span class="ft6">auf die Planmässigkeit des Vorgehens sein, so wenn der Steuer-</span><br/> <span class="ft6">pflichtige spezielle Marktkenntnisse nutzt (StE 1990 B 23.1 Nr. 21).</span><br/> <span class="ft6">Gesamthaft gesehen muss das Kriterium "Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft6">hauptberuflichen Tätigkeit" trotz vorhandener Ausnahmen als zweit-</span><br/> <span class="ft6">rangiges Kriterium taxiert werden, welches an Bedeutung hinter den</span><br/> <span class="ft6">Kriterien der "Häufigkeit" und der "Planmässigkeit" zurücksteht.</span><br/> <span class="ft6">Grundsätzlich ist dieses Kriterium isoliert betrachtet weniger stark zu</span><br/> <span class="ft6">gewichten als beim Liegenschaftenhändler (P. Stocker, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">S. 160).</span><br/> <span class="ft6">c) Wiederanlage des erzielten Gewinnes in gleichartige Vermö-</span><br/> <span class="ft6">gensgegenstände</span><br/> <span class="ft6">ca) Die Vorinstanz sieht im Umstand, dass der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer die erzielten Erlöse überwiegend wieder für den</span><br/> <span class="ft6">Abschluss neuer Börsentermingeschäfte verwendete bzw. seinem</span><br/> <span class="ft6">norwegischen Geschäftsfreund für weitere Geschäfte zur Verfügung</span><br/> <span class="ft6">stellte, ein weiterer Hinweis für das Vorliegen einer auf Erwerb ge-</span><br/> <span class="ft6">richteten Tätigkeit.</span><br/> <span class="ft6">cb) Die Investition des Verkaufserlöses in gleichartige</span><br/> <span class="ft6">Vermögenswerte gilt in der Rechtsprechung als Indiz für die Ge-</span><br/> <span class="ft6">werbsmässigkeit (vgl. StE 1999 B 23.1 Nr. 43). In der Literatur wird</span><br/> <span class="ft6">dieses Indiz z.T. gar nicht erwähnt (vgl. StR 1999 S. 315) oder es</span><br/> <span class="ft6">wird ihm eine absolut untergeordnete Bedeutung zugemessen</span><br/> <span class="ft6">(P. Stocker, a.a.O., S. 162 f.) bzw. sogar vollständig abgelehnt</span><br/> <span class="ft6">(E. Höhn/R. Waldburger, Steuerrecht, Band II, 8. Auflage, 1999,</span><br/> <span class="ft6">Rz 29 zu § 34).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bundessteuern</span> <span class="page_no">453</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <br/> <span class="ft6">d) Häufigkeit der Transaktionen/Besitzesdauer</span><br/> <span class="ft6">da) Die Vorinstanz misst den Indizien "Häufigkeit der</span><br/> <span class="ft6">Transaktionen" und "Besitzesdauer" kein allzu grosses Gewicht bei,</span><br/> <span class="ft6">weil selbst bei der privaten Vermögensverwaltung verschiedene</span><br/> <span class="ft6">Strategien (langfristige Investitionen oder eine aktive Bewirtschaf-</span><br/> <span class="ft6">tung des Portefeuilles mit kürzeren Besitzesdauern) verfolgt werden</span><br/> <span class="ft6">können. Sie hält aber immerhin fest, dass unter Berücksichtigung der</span><br/> <span class="ft6">erzielten Gewinne davon ausgegangen werden müsse, dass die Zahl</span><br/> <span class="ft6">der getätigten Börsentermingeschäfte das vom Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">behauptete Ausmass übersteigt. Die Vertreterin des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rers hält fest, dass bei jährlich zwei bis maximal drei Geschäften</span><br/> <span class="ft6">nicht von häufigen Transaktionen im Sinne der bundesgerichtlichen</span><br/> <span class="ft6">Rechtsprechung gesprochen werden könne. Sie will jedoch berück-</span><br/> <span class="ft6">sichtigt haben, dass es sich bei den vom Beschwerdeführer erworbe-</span><br/> <span class="ft6">nen Optionen um Anlagen mit einem längerfristigen Zeithorizont</span><br/> <span class="ft6">gehandelt habe, was gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung für</span><br/> <span class="ft6">eine private Vermögensverwaltung spreche.</span><br/> <span class="ft6">db) Wohl können die vom Bundesgericht zum Liegen-</span><br/> <span class="ft6">schaftenhandel entwickelten Kriterien übernommen werden, doch ist</span><br/> <span class="ft6">bei ihrer Gewichtung den mannigfachen rechtlichen und tatsächli-</span><br/> <span class="ft6">chen Unterschieden Rechnung zu tragen, die zwischen Wertpapieren</span><br/> <span class="ft6">und Grundstücken bestehen. Insbesondere müssen an die Häufigkeit</span><br/> <span class="ft6">von Kauf und Verkauf bei Wertpapieren in der Regel erhöhte Anfor-</span><br/> <span class="ft6">derungen gestellt werden. Denn im Unterschied zu Liegenschaften</span><br/> <span class="ft6">können bei Wertschriften einzelne Verkäufe, auch wenn sie aus-</span><br/> <span class="ft6">schliesslich in der Absicht der Gewinnerzielung erfolgen, vielfach</span><br/> <span class="ft6">noch als Akt der Vermögensverwaltung betrachtet werden (StE 1989</span><br/> <span class="ft6">B 23.1 Nr. 17). Auch bei den Diskussionen im Zusammenhang mit</span><br/> <span class="ft6">einer allfälligen Revision von Art. 18 des Bundesgesetzes vom</span><br/> <span class="ft6">14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer (DBG) wurde als</span><br/> <span class="ft6">Kriterium eine "unverhältnismässig hohe Anzahl von Transaktionen"</span><br/> <span class="ft6">gefordert (Neuhaus/Agner/Steinmann, Der gewerbsmässige Liegen-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">454</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">schaften- und Wertschriftenhandel nach dem Stabilisierungspro-</span><br/> <span class="ft6">gramm 1998, in: Der Schweizer Treuhänder 1999 S. 593 ff., insbe-</span><br/> <span class="ft6">sondere S. 596). Liegt nur eine einzige Transaktion vor, so spricht</span><br/> <span class="ft6">dies zwar grundsätzlich für die private Natur des Geschäfts. Es kön-</span><br/> <span class="ft6">nen jedoch die andern Indizien für eine Erwerbstätigkeit im Sinne</span><br/> <span class="ft6">von Art. 21 Abs. 1 lit. a BdBSt überwiegen (StE 1999 B 23.1 Nr. 43).</span><br/> <span class="ft6">Das Abgrenzungskriterium "kurze Besitzesdauer" ist meistens</span><br/> <span class="ft6">im Abgrenzungskriterium "Häufigkeit der Transaktionen" mitent-</span><br/> <span class="ft6">halten. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es um die Beurtei-</span><br/> <span class="ft6">lung einer grossen Anzahl von Wertschriftentransaktionen innerhalb</span><br/> <span class="ft6">einer kurzen Zeitspanne geht. Dass sich die Wertschriften in einem</span><br/> <span class="ft6">derart gelagerten Fall nur während kurzer Zeit im Portefeuille befin-</span><br/> <span class="ft6">den, erklärt sich von selbst (P. Stocker, a.a.O., S. 165 f.). Bei gewis-</span><br/> <span class="ft6">sen Geschäften (z.B. Derivaten) ist eine kurze Besitzesdauer üblich,</span><br/> <span class="ft6">und zwar sowohl beim gewerbsmässigen Wertschriftenhandel als</span><br/> <span class="ft6">auch bei der privaten Vermögensverwaltung. Das Abgrenzungskrite-</span><br/> <span class="ft6">rium "kurze Besitzesdauer" taugt daher im Bereich des Wertschrif-</span><br/> <span class="ft6">tenhandels nicht zur Abgrenzung der Gewerbsmässigkeit von der</span><br/> <span class="ft6">privaten Vermögensverwaltung (StR 1997 S. 323).</span><br/> <span class="ft6">e) Einsatz von Fremdkapital</span><br/> <span class="ft6">ea) Die Vorinstanz ist darauf nicht näher eingegangen, weil sie</span><br/> <span class="ft6">diesem Kriterium untergeordnete Bedeutung zumisst und davon</span><br/> <span class="ft6">ausgeht, dass der Beschwerdeführer kein Fremdkapital einsetzte.</span><br/> <span class="ft6">eb) Bei der Abgrenzung von der gewerbsmässigen zur privaten</span><br/> <span class="ft6">Vermögensverwaltung kann die Inanspruchnahme von Fremdkapital</span><br/> <span class="ft6">ein wichtiges Indiz darstellen. Je grösser der Fremdkapitalanteil ist,</span><br/> <span class="ft6">desto stärker tritt das Merkmal der Vermögensverwaltung in den</span><br/> <span class="ft6">Hintergrund. Im Wertschriftenbereich ist der Einsatz von</span><br/> <span class="ft6">Fremdmitteln im Gegensatz zum Liegenschaftenbereich keineswegs</span><br/> <span class="ft6">alltäglich. Dem Einsatz von Fremdkapital im Wertschriftenbereich ist</span><br/> <span class="ft6">daher mehr Gewicht beizumessen als im Liegenschaftenbereich</span><br/> <span class="ft6">(P. Stocker, a.a.O., S. 161 f.). Er deutet im besonderen Masse auf</span><br/> <span class="ft6">eine Erwerbstätigkeit im Sinne von Art. 21 Abs. 1 lit. a BdBSt hin</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bundessteuern</span> <span class="page_no">455</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">(StE 1999 B 23.1 Nr. 43). So wird denn auch in der Praxis von ver-</span><br/> <span class="ft6">schiedenen Steuerverwaltungen bei Vorliegen einer Fremdfinanzie-</span><br/> <span class="ft6">rung auf Gewerbsmässigkeit geschlossen (vgl. Steuerpraxis des</span><br/> <span class="ft6">Kantons Schwyz, Heft 1, Mai 2000, S. 5 ff.; CASH Nr. 21, 26. Mai</span><br/> <span class="ft6">2000, S. 43 ff. und S. 107 ff.).</span><br/> <span class="ft6">4. a) Das StRG ist der Auffassung, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">unter Berücksichtigung der dargelegten Indizien und deren Gewich-</span><br/> <span class="ft6">tung aufgrund des von der Vorinstanz erhobenen Sachverhaltes</span><br/> <span class="ft6">(weitere Abklärungen dazu seitens des StRG erübrigen sich, da die</span><br/> <span class="ft6">Vorinstanz bereits mehrere Einvernahmen durchführte und keine</span><br/> <span class="ft6">neuen Erkenntnisse zu erwarten wären) nicht als gewerbsmässiger</span><br/> <span class="ft6">Wertschriftenhändler bezeichnet werden kann. Die Vorinstanz geht</span><br/> <span class="ft6">wohl zu Recht davon aus, dass der Beschwerdeführer pro Jahr mehr</span><br/> <span class="ft6">als nur zwei bis drei Börsentermingeschäfte abwickelte. Die Anzahl</span><br/> <span class="ft6">der Geschäfte hat aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich-</span><br/> <span class="ft6">keit nie das Ausmass erreicht, wie es den Fällen, welche vom Bun-</span><br/> <span class="ft6">desgericht als gewerbsmässiger Handel beurteilt wurden, zugrunde-</span><br/> <span class="ft6">liegt (vgl. die Übersicht von Othmar Huber in StR 1998 S. 22 f.; den</span><br/> <span class="ft6">dort aufgeführten Fällen liegen zwischen 128 und ca. 750 Transak-</span><br/> <span class="ft6">tionen [innert 2 bis 7 Jahren] zugrunde). Aufgrund der doch eher</span><br/> <span class="ft6">geringen Anzahl der vom Beschwerdeführer getätigten Transaktionen</span><br/> <span class="ft6">kann nicht von einer planmässigen Aktivität gesprochen werden,</span><br/> <span class="ft6">welche das Ausmass einer seriösen privaten Vermögensverwaltung</span><br/> <span class="ft6">übersteigt. Die restlichen Indizien ("Einsatz spezieller Fachkennt-</span><br/> <span class="ft6">nisse/Zusammenhang mit der hauptberuflichen Tätigkeit" und "Wie-</span><br/> <span class="ft6">deranlage des erzielten Gewinnes in gleichartige Vermögensgegen-</span><br/> <span class="ft6">stände") sind zu wenig gewichtig, um trotzdem auf Gewerbsmässig-</span><br/> <span class="ft6">keit zu schliessen oder sprechen sogar eher gegen ein gewerbsmässi-</span><br/> <span class="ft6">ges Handeln (fehlender Einsatz von Fremdkapital). Nach Auffassung</span><br/> <span class="ft6">des StRG hat der Beschwerdeführer eine durch seine berufliche Si-</span><br/> <span class="ft6">tuation geprägte, jedoch rein private Vermögensverwaltung betrie-</span><br/> <span class="ft6">ben.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">456</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">b) Die Vorinstanz verweist zur Begründung der Gewerbs-</span><br/> <span class="ft6">mässigkeit auf den BGE vom 9. November 1990 (StE 1991 B 23.1</span><br/> <span class="ft6">Nr. 22), wonach Termingeschäfte den Rahmen einer privaten Vermö-</span><br/> <span class="ft6">gensverwaltung in der Regel schon ihrer Natur wegen sprengen. Im</span><br/> <span class="ft6">vom BGr beurteilten Fall handelte es sich um systematisch betrie-</span><br/> <span class="ft6">bene Termindifferenzgeschäfte, d.h. der Steuerpflichtige hat die auf</span><br/> <span class="ft6">Termin erworbenen oder verkauften Positionen innerhalb der laufen-</span><br/> <span class="ft6">den Fristen mit gleichartigen Gegengeschäften jeweils wieder ausge-</span><br/> <span class="ft6">glichen und dabei pro Jahr mehr als 100 (Devisen- und Gold-)Trans-</span><br/> <span class="ft6">aktionen getätigt. Es kann also weder die Art der Geschäfte noch</span><br/> <span class="ft6">deren Anzahl mit dem vorliegenden Fall verglichen werden. Allein</span><br/> <span class="ft6">aus dem Umstand, dass jedes Termingeschäft namhafte Verlustrisi-</span><br/> <span class="ft6">ken in sich birgt, darf nicht automatisch auf gewerbsmässigen Han-</span><br/> <span class="ft6">del geschlossen werden; dazu müssen weitere Indizien vorliegen. Es</span><br/> <span class="ft6">muss einem Steuerpflichtigen im Rahmen rein privater Vermögens-</span><br/> <span class="ft6">verwaltung der Abschluss vereinzelter risikoreicher Geschäfte offen-</span><br/> <span class="ft6">stehen. Auch die private Vermögensverwaltung ist in der Regel nicht</span><br/> <span class="ft6">bloss auf die reine Werterhaltung, sondern darüber hinaus auf die</span><br/> <span class="ft6">Erzielung einer angemessenen Rendite ausgerichtet. Grundsätzlich</span><br/> <span class="ft6">ohne Belang ist dabei, ob diese mit einer konservativen Anlagestra-</span><br/> <span class="ft6">tegie oder durch Investitionen in Wertschriften und derivative Fi-</span><br/> <span class="ft6">nanzinstrumente angestrebt wird, auch wenn dies mit einem höheren</span><br/> <span class="ft6">Verlustrisiko verbunden ist (ASA 68 S. 641 ff.).</span><br/></div> </div> </body> </html>