23. Juni 1988 N 915 Postulat Diener #ST# 87.986 Postulat Diener Gefährliche Chemikalien. Exportregelung Produits chimiques dangereux. Prescriptions régissant l'exportation Wortlaut des Postulates vom 17. Dezember 1987 Angesichts der Gefahren, die für Mensch und Umwelt aus dem Export potentiell toxischer Chemikalien entstehen kön- nen, angesichts der wichtigen internationalen Stellung der Schweizer Chemie und angesichts der moralischen Ver- pflichtung, welche die Schweiz mit ihrer Zustimmung zu internationalen Richtlinien bereits eingegangen ist, wird der Bundesrat eingeladen, zu prüfen, ob l.die Forderungen der Entwicklungsländer, welche beim Export gefährlicher chemischer Produkte die Vorausinfor- mation und Zustimmung der Importländer («Prior Informed Consent») wünschen, unterstützt werden können; 2. schweizerischerseits die Exportnotifikationspflichten für alle potentiell toxischen Chemikalien angewendet und nicht auf die in der Schweiz registrierten, verbotenen oder einge- schränkten Chemikalien beschränkt werden können; 3. die schweizerische Mitgliedschaft im FAO-Rat so zu nut- zen wäre, dass eine strikte Anwendung des Kodex erfolgen und ein wirksamer Kontrollmechanismus mit Sanktionen aufgebaut werden kann; 4. die bisher unverbindlichen, in den internationalen Ver- einbarungen enthaltenen Prinzipien in die nationale Gesetz- gebung überführt werden können, wie es das Bundesamt für Umweltschutz bereits anfangs 1986 in seinem Bulletin für notwendig gehalten hat; 5. die Instrumente der Entwicklungszusammenarbeit im Sinne der internationalen Richtlinien eingesetzt werden können; 6. die Gewährung der Exportrisikogarantie (ERG) für Chemi- kalienexporte nach Entwicklungsländern vom Nachweis abhängig gemacht werden kann, dass der Schweizer Liefe- rant die Informationspflichten entsprechend den internatio- nalen, von der Schweiz genehmigten Richtlinien erfüllt. Texte du postulat du 17 décembre 1987 Vu les dangers pour l'humanité et pour l'environnement de l'exportation de produits chimiques potentiellement toxi- ques, vu aussi l'importance de l'industrie chimique suisse et le devoir moral que notre pays a déjà contracté en approu- vant les directives internationales en la matière, le Conseil fédéral est prié d'examiner s'il est possible: 1. de satisfaire aux exigences des pays en développement, qui demandent que soit respecté le principe de l'information et du consentement préalable lors de l'exportation de pro- duits chimiques dangereux vers ces pays; 2. d'appliquer l'obligation de notifier l'exportation à tous les produits potentiellement toxiques et non seulement à ceux qui sont enregistrés, interdits ou limités en Suisse; 3. que la Suisse tire parti de sa qualité de membre de la PAO pour oeuvrer à une stricte application du code de conduite et à un mécanisme de contrôle efficace et appuyé par des sanctions; 4. de faire en sorte que les principes non-contraignants figurant dans les accords internationaux soient inscrits dans la législation suisse, suivant en cela l'avis exprimé par l'Of- fice fédéral de la protection de l'environnement dans son bulletin de début 1986; 5. de mettre en accord notre politique de l'aide au dévelop- pement avec les directives internationales sur les produits chimiques; 6. de subordonner l'octroi de la garantie sur les risques d'exportation (GRE) à la fourniture de la preuve que l'expor- tateur suisse respecte ces directives. Mitunterzeichner - Cosignataires: Bär, Bäumlin Richard, Braunschweig, Brélaz, Carobbio, Fierz, Grendelmeier, Haf- ner Rudolf, Herczog, Jaeger, Jeanprêtre, Maeder, Mauch Ursula, Meier Glattfelden, Morf, Müller-Aargau, Pitteloud, Rebeaud, Rechsteiner, Schmid, Stappung, Stocker, Uchten- hagen (23) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der wachsende internationale Handel von zahllosen potenti- ell toxischen Substanzen und deren Anwendung gab seit Ende der siebziger Jahre in zunehmendem Masse zu Besorgnis Anlass. Export- und Importländer tragen gemein- sam die Verantwortung für einen sachgemässen Einsatz gefährlicher Substanzen. Vor allem Entwicklungsländer ver- fügen aber oft überhaupt nicht oder nur lückenhaft über die vorhandenen Informationen, eigene Vorschriften und Kon- trollinstrumente. Unter anderem ist die rechtzeitige Informa- tion der Importländer und Benutzer über Anwendungsberei- che und Gefahren für Mensch und Umwelt vordringlich. Deshalb sind seit einigen Jahren in verschiedenen interna- tionalen Gremien (OECD, PAO, UNEP) Bestrebungen im Gange, für den Vertrieb und die Anwendung gefährlicher Chemikalien (namentlich Pestizide) Rahmenbedingungen festzulegen. 1984 wurden in der OECD «Empfehlungen zum Informationsaustausch betreffend den Export von verbote- nen oder ernsthaft eingeschränkten Chemikalien» verab- schiedet. Im Rahmen des UNEP wurde 1984 provisorisch und 1987 definitiv ein «Notifikationsmechanismus für verbo- tene und ernsthaft eingeschränkte Chemikalien» in Kraft gesetzt. In der FAO ist 1985 ein «Verhaltenskodex für den Vertrieb und die Anwendung von Pestiziden» beschlossen worden. Die Schweiz hat allen drei Vereinbarungen zuge- stimmt. Der 1987 veröffentlichte Uno-Bericht über Umwelt und Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit, den Export giftiger Chemikalien zu regeln. Untersuchungen u.a. des Environmental Liaison Centre in Nairobi über Pestizide zei- gen auf, dass die bisherigen rechtlich unverbindlichen Regelungen kaum wirksam geworden, sondern häufig ver- letzt worden sind. Darauf hat auch der Umweltminister von Senegal anlässlich seines Besuches 1987 in Europa hinge- wiesen. Die erwähnten, 1984/1987 geschaffenen internatio- nalen Richtlinien haben in der Schweiz zwar Diskussionen ausgelöst. Einen mit Exporten gekoppelten Informations- austausch gibt es jedoch nach wie vor nicht, obschon die Schweiz auch diesem Teil der Richtlinien zugestimmt hat. Die Schweiz ist ein wichtiger Exporteur von Chemikalien. Allein die Ausfuhrvon Pestiziden erreicht rund eine Milliarde Franken pro Jahr. Die Schweiz hat es in der Hand, die Exportregelungen von potentiell toxischen Chemikalien direkt und massgeblich zu beeinflussen. Einer vermehrten Berücksichtigung der Wünsche und Bedürfnisse der Entwicklungsländer im Sinne dieses Postulates käme auf internationaler Ebene Signalwirkung zu. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 25. Mai 1988 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 25 mai 1988 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Ueberwiesen - TransmisSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Diener Gefährliche Chemikalien. Exportregelung Postulat Diener Produits chimiques dangereux. Prescriptions régissant l'exportation In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1988 Année Anno Band II Volume Volume Session Sommersession Session Session d'été Sessione Sessione estiva Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 14 Séance Seduta Geschäftsnummer 87.986 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 23.06.1988 - 08:00 Date Data Seite 915-915 Page Pagina Ref. No 20 016 449 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.