w . i B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2018/2012 U r t e i l v o m 11 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Somalia, vertreten durch Safia Hassan (Rechtsvertreterin 1), (…), und Ricardo Lumengo (Rechtsvertreter 2), Swiss-Exile, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 15. März 2012 / N (…). D-2018/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Mit Schreiben an das BFM vom 8. November 2011 stellte die Rechts- vertreterin 1 für den Beschwerdeführer beim BFM ein Gesuc h um Einrei- sebewilligung zur Durchführung des Asylverfahrens. Sie sei im Jahr 1993 in der Schweiz vorläufig aufgenommen worden. Ihr Halbbruder (der Be- schwerdeführer) sei im Jahr 2009 aus Somalia geflohen und lebe i m Je- men. Wegen den Unruhen und Gewaltakten sei es dort für ihn sehr g e- fährlich. Er sei Opfer von Fremdenhass und i m Jemen unerwünscht. Er leide unter den schlechten Lebensbedingungen. A.b Das BFM teilte der Rechtsvertreterin 1 mit Zwischenverfügung vom 4. Januar 2012 mit, die Initiierung eines Asylver fahrens aus dem Ausland setze einen persönlichen Antrag der asylsuchenden Person voraus. Sei eine Anhörung nicht möglich, sei ein vertretungsweise eingereichtes Asylgesuch durch Einreichung einer persönlich verfassten oder zumi n- dest unterzeichneten Stellun gnahme zum Fragenkatalog des BFM zu bestätigen. Im Jemen gebe es keine schweizerische Vertretung, in der ei- ne Anhörung durchgeführt werden könne, weshalb das Verfahren schrif t- lich durchzuführen sei. Der Rechtsvertreterin 1 wurde ein Fragenkatalog übermittelt, zu dessen Beantwortung Frist gesetzt wurde. A.c Mit Eingabe vom 23. Januar 2012 übermittelte die Rechtsvertreterin 1 dem BFM eine vom Beschwerdeführer unterzeichnete Vollmacht und be- antwortete die vom BFM gestellten Fragen. Ihr Halbbruder habe bis im Mai 2009 im Distrikt Mogadischu (Somalia) gelebt. Am 18. April 2009 sei er von den Al-Shabaab gefangen genommen worden. Elf Tage später sei ihm die Flucht gelungen, und wiederum einige Tage danach habe er seine Heimat verlassen. Seither lebe er im Jemen und werde von seinen in der Schweiz lebenden Angehörigen unterstützt. Die Sicherheitslage in Sanaa sei explosiv, und er leide unter dem Fremdenhass, werde diskriminiert und riskiere, deportiert zu werden. B. Mit Verfügung vom 15. März 2012 bewilligte das BFM dem Beschwerde- führer die Einreise in die Schweiz nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. C. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 13. April 2012 (Post- stempel vom 16. April 2012) liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter 2 beantragen, der Ent scheid des BFM sei aufzuheben D-2018/2012 Seite 3 und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventuell sei er vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 des Verwaltungsverfahrensgeset- zes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). D. Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 18. April 2012 gut und verzichtete auf die Erhebung eines Koste n- vorschusses. Das Gesu ch um Gewährung der unentgeltlichen Recht s- pflege gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wies er ab. Die Akten wurden zur Vernehmlassung an das BFM überwiesen. E. Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 24. April 2012 die Abweisung der Beschwerde. Die se wurde dem Rechtsvertreter 2 vom Bundesverwaltungsgericht am 26. April 2012 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgeri cht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesve rwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsw eise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 D-2018/2012 Seite 4 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist unter Vorbehalt der nachstehenden E r- wägung 1.3 einzutreten. 1.3 Nicht einzutreten ist hingegen auf den Eventualantrag, der Beschwer- deführer sei in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Die vorläufige Au f- nahme stellt eine Ersatzmassnahme bei nicht durchführbarem Vollzug der Wegweisung dar (vgl. Art. 83 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Da der Beschwerdeführer sich im Jemen befinde t, wurde er nicht aus der Schweiz weggewiesen, womit die Möglichkeit der Anordnung einer vo r- läufigen Aufnahme entfällt. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 3.1.1 Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass die Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts die Anwesenheit des Beschwerd e- führers in der Schweiz nicht erfordere. Aufgrund des Sachverhalts könne davon ausgegangen werden, dass keine unmittelbare Gefährdung vorli e- ge, die eine sofortige Einreise (in die Sc hweiz) notwendig erscheinen las- se. Die Ausführungen im Asylgesuch und in der Stellungnahme vom 23. Januar 2012 liessen nicht darauf schliessen, dass er in Somalia ei n- reiserelevante Nachteile erlitten habe oder ihm solche gedroht hätten. Der Halbbruder der Rechtsvertreterin 1, der sich seit September 2009 im Jemen befinde, habe sich offensichtlich nicht beim UNHCR gemeldet. Seinen Lebensunterhalt habe er alleine respektive mit Hilfe von Familie n- angehörigen, die in anderen Ländern lebten, bestritten. Jemen ha be das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und die Zusatzprotokolle am 18. Januar 1980 unte r- zeichnet. Es gebe aber kein Gesetz, das die Vergabe des Flüchtlingsst a- tus oder von Asyl regle. Die Verfassung verbiete die Auslieferung von "po- litischen Flüchtlingen" und gebe dem Präsidenten das Recht, "politisches Asyl" zu erteilen. Im Jahr 2000 sei das "National Comittee for Refugee Af- fairs" (NCRA) geschaffen worden, das konsultative Funktion habe. Die Versorgungslage im Jemen sei angespannt, wovon auch die einheim i- sche Bevölkerung betroffen sei. Im Januar 2011 hätten 202'500 registrier-D-2018/2012 Seite 5 te Flüchtlinge in Jemen gelebt. Insgesamt lebten 700'000 Migranten vom Horn von Afrika dort. Sie würden gemeinsam vom UNHCR und vom j e- menitischen "Bureau of Refugees" betreut. In einem in der Wüste gel e- genen Flüchtlingslager lebten 14'000 Flüchtlinge. Sie hätten Zugang zu Lebensmitteln, und es gebe eine Schule und ein Spital. Sie dürften sich frei im Land bewegen, die Möglichkeiten seie n aber sehr beschränkt. Die Versorgung der in den grossen Städten lebenden Flüchtlinge sei weniger umfassend als im Lager. Sie erhielten in der Regel dieselben Leistungen wie die einheimische Bevölkerung, die kaum soziale Dienstleistungen e r- halte. Verletzliche Flüchtlinge erhielten vom UNHCR durch den Partner "Interaction for Development Foundation" (IDF) finanzielle Unterstützung. Da die aktuelle Krise zu einer Verteuerung der Basisgüter geführt habe, seien die Zahlungen erhöht und mehr Flüchtlinge als "verletzlich" definiert worden. Flüchtlinge seien von der allgemeinen Unsicherheit betroffen, aber nicht speziell gefährdet. In den Städten hätten sie Zugang zur med i- zinischen Grundversorgung, wozu das UNHCR mit der jemenitischen Regierung ein "Memorandum of Understanding" abgeschlossen habe. Das UNHCR biete in Sanaa ausserdem Berufs - und Computerausbildun- gen sowie Kindertagesstätten mit Essen und Arabischunterricht an, NGOs Dienstleistungen wie Schulunterricht oder medizinische Verso r- gung. Die Erteilung einer Arbeitsbewilligung sei kompliziert und langwi e- rig, die informelle Arbeitsaufnahme von Flüchtlingen werde aber meistens toleriert. Kinder von Flüchtlingen dürften die lokalen Schulen besuchen, aufgrund mangelnder Kapazitäten sowie soziale r Probleme besucht en aber nicht alle die Schulen. Somalische Flüchtlinge hätten in Aden und Sanaa guten Zugang zum Ausbildungswesen. 3.1.2 Das BFM verkenne nicht, dass die Lage im Jemen für den B e- schwerdeführer nicht einfach sei. Es bestünden aber keine Anhaltspunkte dafür, dass ihm ein Verbleib nicht zumutbar oder möglich sei, zumal er dort keine einreiserelevanten Nachteile erlitten habe oder ihm solche drohten. Der Beschwerdeführer lebe seit zweieinhalb Jahren dort und es sei davon auszugehen, dass er sich eine Existenzgrundlage und ein trag- fähiges Beziehungsnetz habe schaffen können. Es sei ihm auch zuzumu- ten, sich ans UNHCR zu wenden, sollte dies nötig sein. Die Befürchtung, er könnte nach Somalia zurückgeschafft werden, erachte das BFM als unbegründet, da es dafür keine Anhaltspunkte gebe. Der Beschwerdefüh- rer verfüge über einen Anknüpfungspunkt zur Schweiz, der aber nicht derart gewichtig sei, als dass eine Gesamtabwägung der Umstände im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG dazu führen müsste, dass gerade die Schweiz den erforderlichen Schutz zu gewähren habe. Im Jemen lebe ein D-2018/2012 Seite 6 weiterer volljähriger Verwandter und der Beschwerdeführer habe dort e i- ne gewisse Selbständigkeit zu entfalten vermocht, indem er den Leben s- unterhalt ohne Hilfe des UNHCR bestreiten könne. Ausserdem lebten Familienangehörige in den Niederlanden. Er benötige somit den subsidiä- ren Schutz der Schweiz nicht, es sei ih m zuzumuten, im Jemen zu verbleiben. Die Voraussetzungen für eine Familienzusammenführung seien nicht gegeben, da die Rechtsvertreterin 1 nicht über d en Flüch t- lingsstatus verfüge. 3.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei in Somalia unmittelbar gefährdet. Er sei von der Al Shabaab mehrfach bedroht, gefangengenommen und mit dem Tod bedroht worden, da diese von ihm Geld hätten erpre ssen wollen. Diese Miliz sei in Somalia immer noch aktiv. Es sei nicht einfach, im Jemen beim UNHCR um Hilfe nac h- zusuchen; es müssten hohe bürokratische Hürden überwunden werden. In Sanaa erhielten nur 80 Familien regelmässig Unterstützung. Geregelte Arbeit zu finden, sei praktisch unmöglich. Der Beschwerdeführer erhalte vom UNHCR keine Unterstützung und könne nur selten arbeiten. Er sei im Jemen nicht ausreichend geschützt. Aufgrund der herrschenden Situa- tion sei es ihm bisher nicht möglich gewesen, sich e ine wirtschaftliche Existenzgrundlage zu schaffen. Er habe dort auch kein tragfähiges B e- ziehungsnetz. Ein Grossteil seiner Familie ( Schwester, Grossnichten und Grossneffen) lebe in der Schweiz, in den Niederlanden lebten lediglich zwei Nichten. Die Sicherh eitslage im Jemen habe sich nach den im Mai 2011 ausgebrochenen Auseinandersetzungen immer noch nicht nachha l- tig verbessert. Dadurch werde auch die Arbeit des UNHCR erschwert. Es sei für ihn auch nicht möglich, in ein anderes Land zu reisen. 4. 4.1 Ein Asylgesu ch kann gemäss Art. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfah- rens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht Art. 10 der Asyl- verordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt. Davon kann nur abgewichen werden, wenn eine Befragung faktisch oder aus organisato rischen oder kapazitätsmä s- sigen Gründen unmöglich ist, oder wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erscheint (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8 S. 367 f.). Ist eine Befragung im Ausland nicht mög- lich, ist die asylsuchende Person aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich D-2018/2012 Seite 7 festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das BFM hat den Verzicht auf eine Befragung im Ausland in der Verfügung zu begründen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8 S. 368). 4.2 Vorliegend wurde keine Anhörung de s Beschwerdeführers durchge- führt. Das BFM begründete dies in seiner Zwischenverfügung vom 4. Januar 2012 damit, dass es im Jemen keine schweizerische Vertretung gebe, die eine Anhörung durchführen könnte. Die Rechtsvertreterin 1 der Beschwerdeführenden nahm mit Eingabe vom 23. Januar 2012 zu den vom BFM im Schreiben vom 4. Januar 2012 gestellten Fragen Stellung. Der Beschwerdeführer erhielt somit die Möglichkeit, seine Asylgründe darzulegen und bei der Erhebung und Ergänzung des rechtserheblichen Sachverhaltes mitzuwirken. 5. Einer Person, welche im Ausland ein Asylgesuch gestellt hat, ist die Ei n- reise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaubhaft gemacht wird (Art. 20 Abs. 3 AsylG) – das heisst im Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und die Asylgewährung – oder aber, wenn für die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts ein weiterer Au f- enthalt im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in ei nen Drittstaat nicht zumutbar erscheint (Art. 20 Abs. 2 AsylG). Asyl – und da- mit die Einreise in die Schweiz – ist ihr zu verweigern, wenn keine Hin - weise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in ein em Drittstaat um Aufnahme zu bemü - hen (Art. 52 Abs. 2 AsylG). 6. 6.1 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu - kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von Art. 52 Abs. 2 AsylG na - mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die prakti - sche Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schutz- suche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilati - onsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. BVGE E -8127/2008 vom 12. Mai 2011 E. 3.3, Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri - schen Asylrekurskommission [EM ARK] 2005 Nr. 19 E. 4 S. 174 ff., D-2018/2012 Seite 8 EMARK 2004 Nr. 21 E. 2 S. 136 f., EMARK 2004 Nr. 20 E. 3 S. 130 f., EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f S. 131 f.). 6.2 Der Beschwerdeführer macht eine eigene Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG i.V.m. Art. 20 AsylG geltend, indem er vorbringt, er sei mehr- fach mit dem Tod bedroht und von der Al -Shabaab (islamische militante Bewegung) festgenommen worden . Nach elftägiger Gefangenschaft sei ihm die Flucht gelungen. Das BFM hält in der angefochtenen Verfügung ohne auf diese Vorbringen näher einzugehen fest, die Ausführungen im Asylgesuch und in der Stellungnahme vom 23. Januar 2012 liessen nicht darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer in Somalia einreiserele- vante Nachteile erlitten habe oder ihm solche gedroht hätten. Bei der Prü- fung des Asylausschlussgrundes von Art. 52 Abs. 2 AsylG bejaht es z u- dem die Zumutbarkeit des Verbleibs des Beschwerdeführers im Jemen. 7. 7.1 7.1.1 Gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Au s- land befindet, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden kann, sich in einem andern Staat um Aufnahme zu bemühen. Diese B e- stimmung trifft keine Unterscheidung zwischen Asylgesuchen aus dem Herkunftsland der asylsuchenden Person und solchen, die aus einem Drittstaat gestellt werden. Hält sich die Person, d ie ein Asylgesuch aus dem Ausland gestellt hat, in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, die betreffende Person habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort e r- langen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu prüfen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung gefunden hat oder erlangen kann, und – falls dies zu bejahen ist – ob der asylsuchenden Person die Inanspruchnahme des Schutzes des Drittstaates und somit der Verbleib in diesem Staat objektiv zugemutet werden kann. Bei dieser Abwägung bildet die besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz ein zentrales, wenn auch nicht das einzige Kriterium (vgl. BVGE E-8127/2008 vom 12. Mai 2011 E. 5.1, EMARK 2004 Nr. 21 E. 4 b.aa S. 139 f.). D-2018/2012 Seite 9 7.1.2 Das Kriterium der besonderen Beziehungsnähe ist nicht mit den Voraussetzungen des Familienasyls in Bezug auf den Verwandtschafts - grad nach Art. 51 AsylG gleichzusetzen. Auch verwandtschaftliche Bezie- hung zu Personen ausserhalb der Kernfamilie sind in die Abwägung mit einzubeziehen. Ferner ist nicht ausgeschlossen, dass gegebenenfalls auch aus anderen Gründen als aufgrund einer Verwandtschaft z u in der Schweiz lebenden Personen eine enge Beziehung zur Schweiz anzuneh - men sein könnte (vgl. EMARK 2004 Nr. 21. E. 4.b.aa S. 140, EMARK 1997 Nr. 15 E. 2g S. 132). Zu berücksichtigen sind zudem die Bezi e- hungsnähe zum Drittstaat (oder zu anderen Staaten) sowie die vorau s- sichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in der Schweiz beziehungsweise im Drittstaat (oder in anderen Staaten). Allein die Tatsache, dass die asylsuchende Person keine besondere Bezi e- hungsnähe zur Schweiz hat, ist deshal b für die Ablehnung des Asylgesu- ches nicht ausschlaggebend (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f. S. 131 f.). Hält sich die asylsuchende Person in einem Drittstaat auf, ist die Einreise in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen, wenn der Drittstaat keine hin- reichende Gewähr für ein ordentliches Asylverfahren bietet und eine A b- schiebung in den Heimatstaat nicht ausgeschlossen erscheint, auch wenn eine Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz fehlt (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). Umgekehrt führt der Umstand, dass eine Beziehungsnähe zur Schweiz namentlich aufgrund von hier ansässigen nahen Familienangehörigen gegeben ist, nicht zur Erteilung einer Einreisebewilligung, wenn aufgrund einer Abwägung mit anderen Kriterien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist (vgl. etwa Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D -7225/2010 vom 14. Februar 2011 E. 6, insbes. 6.6, D -4758/2010 vom 30. August 2010 E. 4.1.4, D-2047/2010 vom 29. April 2010, insbes. S. 9 f.). 7.2 Im Hinblick auf die Prüfung der Anwendbarkeit des Asylausschluss - grundes von Art. 52 Abs. 2 AsylG hält das BFM in Ziffer 3 seiner Verfü- gung unter Hinweis auf die Rechtsprechung fest, die Kriterien, welche die Zufluchtnahme in einem Drittstaat als zumutbar erscheinen liessen, seien mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Es legt so - dann in Ziffer 4 dar, weshalb trotz der schwierigen Bedingungen für soma- lische Flüchtlinge im Jemen nicht von der Unzumutbarkeit des Verbleibs in diesem Dritt staat ausgegangen werden könne. Schliesslich bejaht es einen Anknüpfungspunkt des Beschwerdeführers zur Schweiz, geht aber davon aus, dieser sei nicht derart gewichtig, dass gerade die Schweiz den erforderlichen Schutz zu gewähren habe. D-2018/2012 Seite 10 8. 8.1 Einleitend ist darauf hinzuweisen, dass die Frage , ob der Beschwe r- deführer in Somalia tatsächlich (noch) einer Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt ist, ebenso offenbleiben kann wie diejenige, ob seine Vorbringen als glaubhaft zu erachten sind oder nicht . Selbst im Fall einer Bejahung der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen und einer flüchtling s- rechtlich relevanten Gefährdung ist es ihm – wie nachstehend auszufüh- ren sein wird – zuzumuten, sich weiterhin im Jemen aufzuhalten. 8.2 Mit Blick auf die Frage, ob es de m Beschwerdeführer zugemutet wer- den kann, sich in einem anderen Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (Art. 20 Abs. 2 und Art. 52 Abs. 2 AsylG), ergibt die Prüfung der Akten, dass sich die diesbezüglichen Erwägungen in der angefochtenen Verfü - gung als zutreffend e rweisen. Der Beschwerdeführer befindet sich g e- mäss seinen Angaben in der Eingabe vom 23. Januar 2012 seit Septem- ber 2009 im Jemen und hat sich dort in Sanaa niedergelassen. Die Tatsa- che, dass er seit bald drei Jahren als Flüchtling im Jemen lebt und keiner- lei Probleme mit den dortigen Behörden geltend macht , lässt es als u n- wahrscheinlich erscheinen, dass er, wie befürchtet, nach Somalia zurück- geschafft wird . Die in der Beschwerde vertretene Auffassung, de r Be- schwerdeführer sei im Jemen nicht ausreichend ges chützt, kann somit nicht geteilt werden. Es ist ihm offenbar mit Hilfe seiner in der Schweiz le- benden Verwandten gelungen, sich im Jemen so einzurichten, dass es nicht nötig war, sich an das UNHCR zu wenden und dieses um Hilfe a n- zugehen. Da er über eine ei gene Unterkunft verfüg t, war er auch nicht gezwungen, sich um Aufnahme im Flüchtlingslager zu bemühen. Es mag zwar sein, dass zahlreiche Hürden überwunden werden müssten, um Hi l- fe vom UNHCR zu erhalten ; da der Beschwerdeführer dies bis heute nicht versucht hat, kann davon ausgegangen werden, es sei ihm gelu n- gen, seine Bedürfnisse auf andere Art abzudecken. Er verfügt zwar in der Schweiz über ein familiäres Beziehungsnetz, indessen hat die Vorinstanz bei der Würdigung dieses Elementes das ihr zustehende weit e Ermessen nicht überschritten. Die Halbschwester des Beschwerdeführers hält sich seit 1993 in der Schweiz auf und hat seither offenbar keinen direkten Kontakt mehr mit ihm. Der Wunsch des Beschwerdeführers und seiner in der Schweiz lebenden Angehörigen, hier persönliche Kontakte zu p fle- gen, erscheint verständlich, lässt es indessen nicht als zwingend ersche i- nen, dass ih m gerade die Schweiz Schutz vor Verfolgung zu gewähren hätte, den er bereits in einem anderen Staat gefunden ha t. Angesichts des mehrjährigen Aufenthalts des Beschwerdeführers im Jemen und der grossen Zahl dort lebender somalischer Staatsangehöriger darf zudem D-2018/2012 Seite 11 davon ausgegangen werden, dass er mittlerweile auch dort über ein B e- ziehungsnetz im weiteren S inn verfügt. Eine Abwägung der Gesamtu m- stände im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG führt somit vorliegend zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer ein Verbleib im Jemen zuzumuten ist. 9. Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bu n- desrecht nic ht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das BFM hat das Asylgesuch der Beschwerdeführenden aus dem Ausland zu Recht abgelehnt und ih nen die Einreise in die Schweiz verwei gert. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenverfügung vom 18. April 2012 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, ist auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-2018/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand: