Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Januar 2017 (720 16 306 / 19) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die Berechnung des Valideneinkommens wurde korrekt vorgenommen und ein leidens- bedingter Abzug zu Recht verneint. Besetzung Vorsitzende Kantonsrichterin Elisabeth Be rger Götz, Kantonsrichter Markus Mattle, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Roman Felix, Advokat, Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1975 geborene A.____ war seit dem 1. März 20 05 bei der B.____ AG in C.____ als Hilfsarbeiter bzw. Bauarbeiter angestellt. Am 15. D ezember 2009 meldete sich A.____ unter Hinweis auf Wirbelsäulenbeschwerden bei der Eidgenö ssischen Invalidenversicherung (IV) an, wobei er berufliche Massnahmen beantragte. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die gesundheitlichen und beruflichen Verh ältnisse des Versicherten ab. Nach ge- scheiterten Arbeitsvermittlungsbemühungen und vorge nommener Prüfung des Rentenan- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht spruchs sprach die IV-Stelle dem Versicherten nach durchge führtem Vorbescheidverfahren am 16. November 2012 eine befristete halbe Rente vom 1. Ju ni 2010 bis 31. Januar 2011 bei ei- nem IV-Grad von 50 % zu. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde hiess da s Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgeri cht), mit Urteil vom 15. August 2013 in dem Sinne gut, dass die angefochtene Verfügun g aufgehoben und die Angelegenheit zur erneuten Abklärung an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde. Nachdem die IV-Stelle ihrer Abklärungspflicht nachgekommen war, indem sie eine bidisziplinäre rheumatologisch/psychiatrische Begutachtung durchführen un d die noch offenen Fragen hin- sichtlich des Valideneinkommens durch den ehemaligen Arb eitgeber beantworten liess, sprach sie dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 4. August 2016 eine befristete ganze Rente vom 1. Juni 2010 bis 31. Juli 2011 zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Roman Felix, mit Schreiben vom 14. September 2016 Beschwerde beim Kanto nsgericht und beantragte, die an- gefochtene Verfügung sei aufzuheben und die IV-Stelle zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen über den 31. Juli 2011 hinaus zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Vernehmlassung vom 16. November 2016 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti- gen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vo r, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gra d der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). 4.3.1 So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehend er Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.3.2 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten d arf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des thera- peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutacht ungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 17 5 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjek- tiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. U rteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Die Vorinstanz hat sich im Wesentlichen auf das psychiat risch/rheumatologische bidis- ziplinäre Gutachten von PD Dr. med. D.____, FMH Psychia trie und Psychotherapie, und von Dr. med. E.____, FMH Rheumatologie, vom 29. Mai/1. Juni 2015 gestützt. PD Dr. D.____ führte aus, dass beim Beschwerdeführer a us psychiatrischer Sicht nie eine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Es würde n weder Diagnosen mit noch Diag- nosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorlieg en. Demzufolge sei der Beschwerdefüh- rer aus psychiatrischer Sicht für sämtliche Tätigkeiten voll arbeitsfähig. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. E.____ hielt in seinem rheumatologischen Teilgutac hten folgende Diagnosen mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit fest: Zervikospondylogenes Syn drom rechts mit/bei St. n. initial zervikoradikulärem Reiz- und motorischem Ausfallsyndrom C7, fraglich C6 rechts bei grosser mediolateraler Diskushernie C5/6 rechts (MRI vom 01.04.2 009), grössenkonstant im MRI vom 21.10.2009, minimal grössenregredienter Befund im MR I HWS vom 09.12.2009 und im MRI vom 21.12.2012, abgeklungen spätestens am 09.11.2010, d. h. ab da spondylogen sowie bild- morphologisch leichte zervikale Myelopathie bei Spinalkan alstenose C5/6 und C6/7, ohne klini- sche Relevanz (MRI vom 21.12.2012), aktuell keine radikul äre Reizsymptomatik. Ohne Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit wurden ein mittelschwere s obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom, Adipositas sowie die Angabe von lumbalen Beschwerden mit /bei normalem MRI-Befund der LWS vom 21.12.2012 diagnostiziert. Dr. E.____ kam zum S chluss, dass der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit als Bauarbeiter und Bo denleger, welche doch eine körperlich schwere Arbeit darstelle und welche immer wieder auch in Zwangsstellungen bezüglich der Wirbelsäule getätigt werde, voll arbeitsunfähig sei, dies seit Anfang 2009. In einer leichten bis gelegentlich mittelschweren Tätigkeit, bei welcher er n icht dauernd in Zwangsstellungen, wie dauernd mit inklinierter oder dauernd reklinierter HW S und nicht dauernd über Kopf arbeiten müsse, könne hingegen eine volle Arbeitsfähigkeit bezog en auf ein 100%-Pensum attestiert werden. Gestützt auf die Akten werde hinsichtlich des Ver laufs von Anfang 2009 bis Ende der Hospitalisation im Bethesda-Spital am 1. April 2011 au ch für Verweistätigkeiten eine volle Ar- beitsunfähigkeit attestiert. Ab dem 2. April 2011 hab e dann eine volle Arbeitsfähigkeit im ge- nannten Verweisprofil bestanden. 6. Die Beurteilung der IV-Stelle gestützt auf das bid isziplinäre Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vom 29. Mai/1. Juni 2015 ist nicht zu beanstanden. Die begutachtenden Fachärzte haben den Versicherten eingehend untersucht, sie gehen in ihren Berichten einläss- lich auf seine Beschwerden ein, sie hatten Einsicht in d ie bei den Akten liegenden medizini- schen Unterlagen und sie vermitteln zusammen ein umfasse ndes Bild über den Gesundheits- zustand des Beschwerdeführers. Das Gutachten erweist sich al s umfassend, schlüssig und erklärt nachvollziehbar die vorhandenen Gesundheitsstöru ngen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer hat denn a uch zu Recht die medizinische Beurtei- lung nicht kritisiert oder in Frage gestellt. Demzufolge ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass ab Anfang 2009 bis 1. April 2011 eine volle Arbeitsunfähigkeit auch für Verweistätigkeiten und ab 2. April 2011 eine volle Arbeits- fähigkeit für eine Verweistätigkeit bestand. 7. Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Gemäss Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Er werbseinkommen, das die versi- cherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Dur chführung der medizinischen Behand- lung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegli- chener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkomme n), in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in valid geworden wäre (Validenein- kommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst gena u ermittelt und einander ge- genübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz läss t sich der Invaliditätsgrad bestim- men (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung vom 4. August 2016 den erforderlichen Ein- kommensvergleich vorgenommen. Dabei hat sie anhand der Gegenüberstellung eines Validen- einkommens von Fr. 83‘850.-- und des zumutbaren Invalide neinkommens in der Höhe von Fr. 61‘925.-- einen Invaliditätsgrad von 26 % ermitte lt. Der Beschwerdeführer bringt vor, das Valideneinkommen habe im Jahre 2009 Fr. 89‘668.80 be tragen. Unter Berücksichtigung der Teuerung von 1,3 % ergebe sich für das Jahr 2011 ein Va lideneinkommen von mindestens Fr. 90‘834.50. 7.1 Für die Berechnung des Valideneinkommens ist darauf abzustellen, was der Versicher- te im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns als G esunder verdienen würde. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls de r Teuerung und der realen Einkommens- entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft. Gemäss Auskunft des ehemaligen Arbeitgebers hätte der Beschwerdeführer im Jahr 2010 – der frühestmögliche Rentenbeginn war der 1. Juni 2010 – e inen Monatslohn von Fr. 6‘100.-- zuzüg- lich eine Mittagspauschale von Fr. 200.-- pro Monat und eine monatliche Reinigungspauschale von Fr. 150.-- verdient. Damit ergibt sich ein Validen einkommen in der Höhe von Fr. 83‘500.--. Nicht zu berücksichtigen ist die im Jahr 2009 einmalig ausbezahlte Gratifikation von Fr. 1‘000.--, die vertraglich nicht vereinbart war. Dem Vorbringen d es Beschwerdeführers, es seien Zeitzu- schläge bzw. Gleitzeitauszahlungen fälschlicherweise nicht b erücksichtigt worden, ist mit der Vorinstanz entgegenzuhalten, dass diese vom Arbeitgeber weder erwähnt noch bestätigt wur- den und deshalb nicht berücksichtigt werden können. Une rheblich ist ausserdem, wieviel der Beschwerdeführer in früheren Jahren verdient hat. Demzu folge ist die Beschwerdegegnerin zu Recht von einem Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 83‘500.-- ausgegangen. 7.2 Die von der IV-Stelle vorgenommene Berechnung des Invalideneinkommens gestützt auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerh ebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik wird vom Beschwerdeführer im Grundsatz nicht bes tritten. Er macht lediglich geltend, dass die IV-Stelle zu Unrecht keinen leidensbedingten Abzu g vorgenommen habe. Zur Begrün- dung führt er aus, er müsste in einer angepassten Täti gkeit eine erhebliche Lohneinbusse hin- nehmen, da ihm lediglich noch leichte Tätigkeiten, be i welchen er zusätzlich eingeschränkt sei, zuzumuten seien. Zudem würden seine ausländische Herkunft und die Dauer seiner Zugehörig- keit zum ehemaligen Arbeitgeber und seiner angestammte n Tätigkeit als Bauarbeiter darauf schliessen lassen, dass er keinen Durchschnittslohn gemäss den Tabellenlöhnen der LSE er- reichen könne. Unter Berücksichtigung aller Faktoren erscheine ein Abzug von 15 % gerechtfer- tigt. 7.2.1 Von dem gestützt auf statistische Werte ermittel ten Invalideneinkommen sind praxis- gemäss verschiedene Abzüge zulässig. Damit soll der Tatsach e Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausma ss der Behinderung, Lebensalter, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie un d Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgegli chenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen und darf 25 % nicht überstei gen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa-cc). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Er messen im Einklang mit den allge- meinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffe n hat, nicht zweckmässigerweise an- ders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetät igung der Vorinstanz eingegriffen wer- den, muss sich die richterliche Behörde demnach auf Gegeb enheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näher liegend ersch einen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 7.2.2 Vorweg ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in einer leidensangepassten Tä- tigkeit bezogen auf ein 100%-Pensum voll und ohne Ein schränkung arbeitsfähig ist, weshalb sich weder der Beschäftigungsgrad noch der Gesundheitszust and zusätzlich lohnmindernd auswirken. Auch verfügt der Beschwerdeführer über eine gute Schulbildung und relativ viel- schichtige Arbeitserfahrungen. Sein Alter, seine Nationalität und sein Aufenthaltsstatus rechtfer- tigen ebenfalls keinen leidensbedingten Abzug. Auch d ie lange Betriebszugehörigkeit hat ge- mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zwingend ei nen Abzug von den Tabellenlöh- nen zur Folge. So hat das Bundesgericht ausgeführt, dass die Bedeutung der Anzahl Dienstjah- re im privaten Sektor abnimmt, je niedriger das Anforderungsprofil ist (Urteil des Bundesgerichts vom 18. September 2012, 9C_386/2012, E. 5.2; AHI-Pra xis 1999, S. 177 ff., E. 3b). Mit Blick auf das der Invaliditätsberechnung zu Grunde liegende Anforderungsniveau 4 vermag die lange Betriebszugehörigkeit vorliegend keinen Abzug zu rechtfe rtigen. Auch der Verlust der Möglich- keit zur Verrichtung von Schwerarbeit führt nicht zu einem zusätzlichen Abzug (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2009, 9C_492/2008, E. 3.3). Andere Gründe, die für einen lei- densbedingten Abzug sprechen würden, sind nicht ersichtlich . Somit ist ein leidensbedingter Abzug grundsätzlich nicht in Betracht zu ziehen. Da keine weiteren Beanstandungen gegen den vorgenommenen Einkommensvergleich vorgebracht wurden, besteht kein Anlass für eine nähe- re Prüfung der Berechnung des Invaliditätsgrades von Amtes wegen (BGE 125 V 413 E. 1b und 2c). Im Übrigen ist festzuhalten, dass selbst wenn ein le idensbedingter Abzug im vom Be- schwerdeführer beantragten Umfang von 15 % vorgenommen würde, sich kein rentenbegrün- dender Invaliditätsgrad ergeben würde. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht von einem rentenaus- schliessenden Invaliditätsgrad von 26 % ab 2. April 2011 ausgegangen ist. Demzufolge ist die vorliegende Beschwerde abzuweisen. 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahre n bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Da der Beschwerdeführer vorliegend die unterlie gende Partei ist, sind ihm die Verfahrens- kosten in dieser Höhe aufzuerlegen. Sie werden mit dem bereits bezahlten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht