<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">442</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>B. Erschliessungsabgaben</b></span><br/> <br/> <span class="ft1"><b>90 Anschlussgebühren</b></span> <span class="ft1"><b>Abwasser</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Hartflächen wie Gemeindestrassen, Privatstrassen und private Zufahr-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>ten, die in die öffentliche Kanalisation entwässert werden, sind anschluss-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gebührenrechtlich gleich zu behandeln.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Kausalabga-</span><br/> <span class="ft2">ben und Enteignungen, vom 23. Januar 2013 in Sachen S.AG gegen Einwoh-</span><br/> <span class="ft2">nergemeinde W. (4-BE.2011.9).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">Die Gemeinde W. belastet private Zufahrten und Privatstrassen,</span><br/> <span class="ft4">die in die Kanalisation entwässert werden, mit Anschlussgebühren.</span><br/> <span class="ft4">Für entwässerte Gemeindestrassen werden keine Anschlussgebühren</span><br/> <span class="ft4">bezahlt.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">4.3.</span><br/> <span class="ft4">(...) Ausführungen zum Rechtsgleichheitsgebot</span><br/> <span class="ft4">4.4.</span><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/> <span class="ft4">Die Anschlussgebühr ist das Entgelt für den Einkauf in das</span><br/> <span class="ft4">bestehende Abwassersystem. Sie ist erst beim Anschluss an die Ka-</span><br/> <span class="ft4">nalisation geschuldet. Sie richtet sich nach dem Mass des Vorteils,</span><br/> <span class="ft4">welcher dem Grundeigentümer durch die Abwasserentsorgung er-</span><br/> <span class="ft4">wächst. Dieser Vorteil wird anhand schematischer, liegenschaftsbe-</span><br/> <span class="ft4">zogener Kriterien berechnet, wobei das Verursacherprinzip (Art. 60a</span><br/> <span class="ft4">GSchG) zu beachten ist (Bundesgerichtsentscheide 2C_101/2007</span><br/> <span class="ft4">vom 22. August 2007, Erw. 4.3 und 2P.232/2006 vom 16. April 2007,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Abteilung Kausalabgaben und Enteignungen</span> <span class="page_no">443</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Erw. 3.2 f.). Rechtstechnisch handelt es sich bei den Anschlussge-</span><br/> <span class="ft4">bühren nicht um Vorzugslasten. "Die Abgaben werden nicht erhoben,</span><br/> <span class="ft4">um den wirtschaftlichen Sondervorteil der Erschliessung bzw. der</span><br/> <span class="ft4">Überbaubarkeit des Grundstücks abzugelten, sondern als Gegenleis-</span><br/> <span class="ft4">tung für den Anschluss eines bestimmten Gebäudes an das betreffen-</span><br/> <span class="ft4">de Versorgungsnetz." Da sie ebenfalls zur Deckung der Erstellungs-</span><br/> <span class="ft4">kosten der öffentlichen Anlage dienen, darf für ihre Bemessung aber</span><br/> <span class="ft4">auf das Ausmass des dem Pflichtigen erwachsenden Vorteils abge-</span><br/> <span class="ft4">stellt werden (Bundesgerichtsentscheid 2P.223/2004 vom 18. Mai</span><br/> <span class="ft4">2005, Erw. 3.2).</span><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/> <span class="ft4">Im Baugebiet besteht zudem eine Anschlusspflicht an die</span><br/> <span class="ft4">öffentliche Kanalisation (Art. 11 GSchG). Damit soll einerseits eine</span><br/> <span class="ft4">technisch einwandfreie Abwasserentsorgung gewährleistet und ande-</span><br/> <span class="ft4">rerseits eine ausgewogene, gemeinschaftliche und rechtsgleiche Fi-</span><br/> <span class="ft4">nanzierung der erforderlichen Abwasseranlagen sichergestellt werden</span><br/> <span class="ft4">(Bundesgerichtsentscheid 1C_534/2011 vom 29. Mai 2012</span><br/> <span class="ft4">Erw. 3.3 f.).</span><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/> <span class="ft4">4.5.</span><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/> <span class="ft4">4.6.</span><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/> <span class="ft4">Mit dem Anschluss einer Baute/Hartfläche an die Kanalisation</span><br/> <span class="ft4">wird erreicht, dass das anfallende Abwasser gewässerschutzkonform</span><br/> <span class="ft4">entsorgt wird. Diesen Vorteil erlangt jede an die Kanalisation ange-</span><br/> <span class="ft4">schlossene "Anlage", ob Gebäude oder Hartfläche. Für welchen</span><br/> <span class="ft4">Zweck (Wohnen, Verkehr) die entwässerte "Anlage" erstellt wurde,</span><br/> <span class="ft4">spielt aus Sicht des Erschliessungsfinanzierungsrechts keine Rolle.</span><br/> <span class="ft4">Ebenso ist aus dieser Optik irrelevant, ob die öffentliche Hand oder</span><br/> <span class="ft4">ein Privater Eigentümer der angeschlossenen Hartfläche ist und ob</span><br/> <span class="ft4">diese dem Gemeingebrauch gewidmet ist oder nicht.</span><br/> <span class="ft4">Wird eine Strasse, ein Platz oder eine Zufahrt über die öffentli-</span><br/> <span class="ft4">che Kanalisation entwässert, hat der Eigentümer der Baute dafür ein</span><br/> <span class="ft4">Entgelt zu zahlen. Das führt dazu, dass sich die Gemeinde quasi in</span><br/> <span class="ft4">das eigene Abwassersystem "einkauft". Angesichts der gesetzlichen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">444</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Pflicht der Gemeinde, die Abwasserbeseitigung als nicht mit Steuer-</span><br/> <span class="ft4">mitteln finanzierten Eigenwirtschaftsbetrieb zu führen, ist das auch</span><br/> <span class="ft4">richtig. Würde sie für ihre in die Kanalisation entwässerten Bau-</span><br/> <span class="ft4">ten/Hartflächen keine Anschlussgebühren bezahlen, würde dies</span><br/> <span class="ft4">einerseits gegen das Verursacherprinzip verstossen (im kantonalen</span><br/> <span class="ft4">Recht in § 23 EG UWR verankert) und andererseits eine Kostenver-</span><br/> <span class="ft4">schiebung zu Lasten der Privaten bewirken. (...) Ist eine Versicke-</span><br/> <span class="ft4">rung nicht möglich und wird das Wasser über die Kanalisation abge-</span><br/> <span class="ft4">führt, profitiert die öffentliche Fläche von der Abnahme des Wassers</span><br/> <span class="ft4">gleich wie die private Fläche. Beide sind gleichermassen auf das</span><br/> <span class="ft4">kommunale Abwassersystem angewiesen. Die wesentlichen Tatbe-</span><br/> <span class="ft4">stände sind für private und öffentliche entwässerte Hartflächen</span><br/> <span class="ft4">gleich. Eine Ungleichbehandlung bei den Anschlussgebühren lässt</span><br/> <span class="ft4">sich sachlich nicht begründen, weshalb sie nicht gerechtfertigt ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>