<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 23 S.74</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">74</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [..]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>23</b></span> <span class="ft2"><b>§ 49 Abs. 1, 3 und 4 StPO.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zustellung von Vorladungen und anderen Gerichtsurkunden an den Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schuldigten im Strafverfahren.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Zustellung strafprozessualer Gerichtsurkunden hat durch deren</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Übergabe an den Beschuldigten persönlich oder an einen mit ihm im glei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>chen Haushalt lebenden urteilsfähigen über 16 Jahre alten Familienge-</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">75</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>nossen zu erfolgen und ist mit der Aushändigung der Urkunde an eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Person am Arbeitsplatz des Beschuldigten selbst dann nicht rechtsgültig</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vorgenommen, wenn dieser, ohne dort eine bestimmte Person zur Entge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gennahme der für ihn bestimmten Postsendungen ermächtigt zu haben,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die Zustellung am Arbeitsort verlangt hat.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Beschwerdekammer in Strafsachen,</span><br/> <span class="ft3">vom 23. August 2001 i.S. U.W.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Vorliegend stellt sich die Frage, ob der Strafbefehl, der an die</span><br/> <span class="ft1">Adresse des Arbeitgebers des Beschuldigten zugestellt wurde (Res-</span><br/> <span class="ft1">taurant S., B.), als ordnungsgemäss zugestellt gelten kann. Er wurde</span><br/> <span class="ft1">offensichtlich nicht dem Beschuldigten persönlich, sondern offenbar</span><br/> <span class="ft1">einer thailändischen Hilfskraft des Restaurants ausgehändigt; die</span><br/> <span class="ft1">Unterschrift auf der Zustellungsbescheinigung vom 9. August 2000</span><br/> <span class="ft1">stimmt offensichtlich mit derjenigen des Beschuldigten auf dem</span><br/> <span class="ft1">Pass, dem Schreiben vom 9. November 2000 und der Vollmacht von</span><br/> <span class="ft1">Advokat O. nicht überein, wobei allerdings auch diese Unterschriften</span><br/> <span class="ft1">variieren.</span><br/> <span class="ft1">2. Gemäss § 49 Abs. 1, 3 und 4 StPO sind Zustellungen persön-</span><br/> <span class="ft1">lich vorzunehmen, können aber bei Abwesenheit des Zustellungsbe-</span><br/> <span class="ft1">rechtigten auch einem urteilsfähigen, über 16 Jahre alten Familien-</span><br/> <span class="ft1">genossen übergeben werden. Die Zustellung an andere Personen ist</span><br/> <span class="ft1">zwar dem Postbeamten bei Fehlen gegenteiliger Weisungen erlaubt</span><br/> <span class="ft1">(Art. 2.3.5 der Post-AGB), kann aber für strafprozessuale Gerichts-</span><br/> <span class="ft1">urkunden nicht als ordnungsgemässe Zustellung gelten, auch wenn</span><br/> <span class="ft1">der Beschuldigte selbst die Zustellung an seinen Arbeitsort verlangt</span><br/> <span class="ft1">hat.</span><br/> <span class="ft1">Der Nachweis, dass der Beschuldigte vor der Woche vom</span><br/> <span class="ft1">23. Oktober 2000 Kenntnis vom Strafbefehl erhalten hat, ist folglich</span><br/> <span class="ft1">nicht erbracht. Die mit Postaufgabe vom 10. November 2000 einge-</span><br/> <span class="ft1">reichte Einsprache hat daher als fristgemäss (§ 197 Abs. 1 StPO) zu</span><br/> <span class="ft1">gelten. Entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft stellt sich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">76</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">hier die Frage einer fiktiven Zustellung nicht, da keine Abholungs-</span><br/> <span class="ft1">einladung ausgestellt worden, sondern die Zustellung an eine nicht</span><br/> <span class="ft1">bezugsberechtigte Person erfolgt ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>