A. Verwaltungsentscheide 1506 26 gend auf der östlichen Wiesenfläche auszuscheiden, um von der westlich a n- grenzenden Fläche möglichst wenig Boden der landwirtschaftlichen Nutzung zu entziehen. Durch die partielle Arrondierung der östlichen Wiesenfläche von rund 1'000 m2 würde eine Restfläche an der östlichen Parzelle ngrenze übrig bleiben, die weniger als 25 Aren umfassen würde und deutlich von der wes t- lich angrenzenden Landwirtschaftsfläche abgetrennt wäre. Es stellt sich daher die Frage, o b eine Unterstellung dieser Restfläche in den Geltungsbereich des bäuerlichen Bodenrechts noch zweckmässig ist. c) Das BGBB verfolgt in erster Linie eigentums - und strukturpolitische Zie- le; insbesondere sollen Familienbetriebe erhalten bleiben und ihre Str uktur verbessert werden. Das landwirtschaftliche Gewerbe und der landwirtschaftl i- che Betrieb geniessen denn auch besonderen Schutz; das BGBB will ihre Existenz sichern, nicht aber unerwünschte Strukturen zementieren ( BGE 125 III 175 E. 2 ff.). Wird demzufolge eine Abparzellierung nach Art. 60 Abs. 1 BGBB bewilligt, hat die Aufteilung aufgrund sinn - und zweckmässigen Überle- gungen zu erfolgen. Die deutlich von der übrigen landwirtschaftlichen Nutzfläche abgetrennte Restfläche würde im Hinblick auf den angestr ebten Zweck der landwirtschaf t- lichen Bodennutzung kaum noch eine angemessene Wirkung entfalten. Stru k- turpolitisch besteht bei einer derart kleinen und unzweckmässigen Fläche ke i- ne Notwendigkeit, diese weiterhin im Geltungsbereich des BGBB zu belassen. Die Erhaltung für die Landwirtschaft erscheint deshalb nicht verhältnismässig. d) Das Abparzellierungsgesuch, wonach die gesamte Fläche östlich des Wohnhauses und der Zufahrtsstrasse und südlich der Waldgrenze aus dem Geltungsbereich des BGBB ausg enommen werden soll, stellt insgesamt eine zweckmässigere Abparzellierungslösung dar. Dass die abzuparzellierende Fläche grösser ist als nach Praxis üblich, ist unter den besonderen Umstä n- den des vorliegenden Falles hinzunehmen ( Christoph Bandli, a.a.O., N 28 zu Art. 2 BGBB). Die ersuchte Abparzellierung ist demnach gemäss Art. 60 Abs. 1 lit. a BGBB i.V.m. Art. 60 Abs. 1 lit. d BGBB zu bewilligen. Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden, 31.05.2011 1506 Nutzungsplanverfahren. Gesetzeswidrige Umfunktionierung einer Gewe rbe- zone. Aus den Erwägungen: 5. Gemäss der Naturgefahrenkarte ist der Uferbereich des einzuzone nden Areals sowie praktisch die gesamte Fläche der linksufrigen Parzelle Nr. XY A. Verwaltungsentscheide 1506 27 hochwassergefährdet. Wie der Gemeinderat eigens im Planungsb ericht vom 16. Februar 2009 feststellt, ist die Parzelle Nr. XY daher nicht als Standort für neue Gewerbebetriebe geeignet (Ziffer 5.3.1.4). Auf dem Grundstück soll d a- rum lediglich die bisherige Nutzung als Lager- und Aufbereitungsplatz für Kies und Baumaterialien erhalten ble iben. Um der bisherigen Nutzung im Areal ausreichenden Schutz vor dem Hochwasser zu bieten, sind mit der Zone n- planänderung sichernde Massnahmen vorgesehen. Einerseits wird der g e- samte Uferbereich einer Grünzone nach Art. 28 Abs. 1 lit. a BauG zugewi e- sen. A ndererseits wird die Parzelle Nr. XY der Quartierplanpflicht unterstellt und mit einer Nutzungsbeschränkung nach Art. 23 Abs. 2 BauG belegt . Die Parzelle Nr. XY wird dementsprechend der Gewerbezone GE* zugewiesen, in der gemäss beigefügter Legende die Nutz ung auf die Materiallagerung, die bestehende Brechanlage sowie die notwendigen baulichen Massnahmen zum Schutz des Ufergehölzes und für den Hochwasserschutz beschränkt ist. a) In den Gewerbezonen sind Betriebe sowie dazugehörige Bauten und Anlagen zulässig, die ihre Umgebung nicht übermässig stören (Art. 23 Abs. 1 BauG). Im Rahmen der Nutzungsplanung können bestimmte Betriebsarten aus planerischen oder infrastrukturellen Gründen ausgeschlossen werden (Abs. 23 Abs. 2 BauG). In der vorliegenden Zonenplanänder ung wird die Pa r- zelle Nr. XY der Gewerbezone zugewiesen. Im Sinne von Art. 23 Abs. 2 BauG werden für die Parzelle jedoch sämtliche Gewerbearten ausgeschlossen; z u- gelassen werden nur Bauten und Anlagen für die Materiallagerung und zum Schutz vor Hochwasser sowie die bestehende Brechanlage für die Kiesg e- winnung. Hierbei ist zu prüfen, ob die zugelassenen Nutzungsmöglichkeiten überhaupt in eine Gewerbezone gehören. Über die Parzelle Nr. XY werden aus dem Fluss A. Gesteine gewonnen. Die Gesteine werden durch ei ne Brechanlage sortiert und gelagert. Diese T ä- tigkeit, insbesondere die Brechanlage, verursacht übermässig störende Emi s- sionen. Die Kiesgewinnung stellt für das Gewerbe insofern keine typische Nutzung dar. Die Zuweisung der Parzelle Nr. XY in eine Gewerbez one, um die Kiesgewinnung und die Nutzung einer Brechanlage zu ermöglichen, ist daher ausgeschlossen. Fraglich ist auch, ob die Lagerung von Kies und G e- stein überhaupt als Gewerbebetrieb qualifiziert werden kann. Jedenfalls ve r- mag die blosse Nutzung eines Grundstücks für die Materiallagerung und für Bauten und Anlagen zum Schutz vor Hochwasser eine Einzonung in die G e- werbezone nicht zu rechtfertigen. Aufgrund der Hochwassergefährdung ist das Areal ohnehin grundsätzlich nicht zur gewerblichen Nutzung geeignet. Mit der Einzonung der Parzelle Nr. XY wird letztlich eine Gewerbezone geschaffen, in der sämtliche Gewerbearten ausgeschlossen und dafür nur nicht gewerbetypische Nutzungen ermöglicht werden. Die Beschränkung der Gewerbezone geht damit bedeutend weiter, als in Art. 23 Abs. 2 BauG vorge- sehen. Die Schaffung einer solchen Gewerbezone (GE*) ist nicht zweckmä s-A. Verwaltungsentscheide 1506 28 sig und widerspricht der gesetzlichen Zonenordnung . Die Einzonung der Pa r- zelle Nr. XY kann demnach nicht gutgeheissen werden. b) Immerhin bedeutet die N icht-Einzonung der Parzelle Nr. XY in die G e- werbezone noch nicht, dass das Grundstück der Landwirtschaftszone erha l- ten bleiben muss. Für die Nutzung de r Parzelle Nr. XY wäre insbesondere die Möglichkeit einer kantonalen Abbau - und Deponiezone nach Art. 11 BauG prüfenswert, umso mehr als das Areal gemäss der kantonalen Richtplanung zur Sicherstellung der Kiesversorgung im vorrangigen Interessengebiet liegt (vgl. kantonaler Richtplantext, Abschnitt E). Zuständig für die Ausscheidung einer solchen Zone ist das Departement Bau und Umwelt. Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden, 20.12.2011