<h2>SubmittedText<h2><p>In Kambodscha wütet eine Meningitis-Epidemie. Unter dem Druck der multinationalen Pharma-Firmen weigert sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die erforderlichen Impfstoffe freizugeben. Namentlich weigert sie sich, dem Leiter des Schweizer Spitals Kantha Bopha, Dr. Beat Richner, Impfstoffe zu überlassen (vgl. Tages-Anzeiger vom 10.12.1997).</p><p>Die Schweiz ist an der Finanzierung der WHO massgeblich beteiligt. Welche dringlichen Massnahmen gedenkt der Bundesrat zu ergreifen, um die WHO zu einer raschen Änderung ihres skandalösen Verhaltens zu veranlassen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Es gibt keine offizielle Quelle, welche davon spricht, dass in Kambodscha in den letzten Monaten eine Epidemie von bakterieller Hirnhautentzündung (epidemische Meningitis) aufgetreten ist.</p><p></p><p>Es ist jedoch bekannt, dass in Kambodscha - wie in vielen Ländern Asiens und des indischen Subkontinents - eine andere Hirninfektion verbreitet ist: die virale Japanische Enzephalitis. 1997 wurden jedoch weder dem zuständigen WHO-Regionalbüro noch der WHO-Vertretung in Kambodscha offizielle Informationen über epidemische Ausbrüche gemeldet. Gemäss Informationen der Hilfsorganisation MSF (Médecins sans frontière) vom 11.11.1997 hat das kambodschanische Institute of Public Health' 1997 einen Bericht veröffentlicht, in welchem auf die Bedeutung der Japanische Enzephalitis hingewiesen und eine Impfung für Risikogruppen' empfohlen wird.</p><p></p><p>Es liegen somit keine gesicherten Informationen vor, wonach Kambodscha von einer Meningitis oder Enzephalitis-Epidemie heimgesucht wird. Es scheint aber, dass die Japanische Enzephalitis von kambodschanischen Gesundheitsverantwortlichen als ein ernsthaftes Gesundheitsproblem anerkannt worden ist, welches eventuell - nach entsprechenden Abklärungen - entsprechende langfristige Bekämpfungsmassnahmen erfordert.</p><p>Wenn der Fragesteller darlegt, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sich weigert, die erforderlichen Impfstoffe freizugeben, muss bedacht werden, dass dies nicht in ihrer Kompetenz liegt. Ihre Funktion bei solchen Entscheiden liegt im Bereich der technischen Beratung. In Japan, China und in den Nordprovinzen Thailands, wo für eine Japanische Enzephalitis-Massenimpfung für Kleinkinder optiert wurde, geschah dies allerdings nicht gegen den Willen der WHO. Die WHO kann jedoch als Vermittlerin und Koordinatorin wirken. Die WHO hat es bis heute nicht als sinnvoll erachtet, verbindliche Empfehlungen bezüglich Japanische Enzephalitis-Massenimpfungen herauszugeben, da solche gesundheitspolitische Entscheidungen stark vom jeweiligen nationalen und epidemiologischen Kontext abhängen und individuell beurteilt werden müssen.</p><p>Das kambodschanische Institute of Public Health' macht seine Empfehlung für eine Massenimpfung richtigerweise vom Resultat einer Seroprävalenz-Studie (Evaluation der Infektionshäufigkeit bei Kleinkindern) abhängig, welche zusammen mit anderen Kriterien erst eine Entscheidung der Gesundheitsbehörden ermöglicht. Kambodscha muss mit einem extrem begrenzten Gesundheitsbudget von wenigen Dollars pro Kopf der Bevölkerung auskommen, was den Priorisierungsprozess der Bedürfnisse sehr schwierig und auch schmerzlich macht. Viel mehr Kinder sterben in Kambodscha immer noch an Krankheiten, welche bei entsprechenden Kenntnissen in der Bevölkerung und den dazu notwendigen Infrastrukturen im Gesundheitswesen mit risikolosen und einfachen Mitteln behandelt werden könnten. Ob die Japanische Enzephalitis-Impfkampagne heute schon zu den Prioritäten gehören soll oder noch nicht, muss vom kambodschanischen Gesundheitsministerium entschieden werden.</p><p></p><p>Gemäss Feststellung des Fragestellers, dass die WHO unter dem Druck der multinationalen Pharma-Firmen handle, liegen diesbezüglich keine Informationen vor, welche diese Aussage bestätigen. Aufgrund obiger Ausführungen scheint ein Druck von Seiten der Produzenten ziemlich unwahrscheinlich.</p><p></p><p>Aufgrund obiger Ausführungen scheinen uns die 1997 in die Wege geleiteten Koordinations-Anstrengungen, welche auch die Pharma-Industrie einschliessen, in Zukunft nicht nur zu einer effizienteren Reaktion auf Meningitis- und ev. auch Enzephalitis-Epidemien - zu führen, sondern auch die Basis für einen weit nachhaltigeren Umgang mit dem Problem zu legen: die Katastrophen-Vorbeugung. Es kann also nicht von skandalösen Praktiken' der WHO gesprochen werden. Dringliche Massnahmen des Bundesrates drängen sich somit nicht auf.</p><p></p><p></p><p>Kambodscha ist kein Schwerpunktland der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), weshalb ihr Engagement auch im politischen Dialog mit dem kambodschanischen Gesundheitsministerium kaum möglich ist. In Ländern mit substantiellen Gesundheitsprogrammen der DEZA (Mosambik, Madagaskar, Tansania, Benin, Mali, Tschad) finden hingegen regelmässige Kontakte mit den Gesundheitsbehörden statt, was eine Diskussion derartiger Probleme vor Ort stark vereinfacht. Es wird darauf hingewiesen, dass die DEZA an das Kantha Bopha Spital einen Beitrag von 1,5 Millionen Franken pro Jahr für die nächsten drei Jahre leistet.</p>  Antwort des Bundesrates.