<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">167</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>31 Legitimation zur Einreichung eines Kostenverteilungsgesuchs nach</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Art. 32d Abs. 4 USG (Auslegung des Begriffs "Verursacher").</b></span><br/> <span class="ft2"><b>"Verursacher" nach Art. 32d Abs. 4 USG kann auch ein früherer Zu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>standsstörer sein, der die Kosten für notwendige Massnahmen zur Unter-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>suchung, Sanierung und Überwachung getroffen hat.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 21. September 2010 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen X. AG (WBE.2010.39).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz schützte den Nichteintretensentscheid des BVU</span><br/> <span class="ft1">(Rechtsabteilung) und wies die dagegen erhobene Beschwerde ab.</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat begründete seinen Beschwerdeentscheid damit,</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführerin habe ihre Eigenschaft als Verursacherin mit</span><br/> <span class="ft1">der Veräusserung der Parzellen Nrn. (...) und (...) verloren, weshalb</span><br/> <span class="ft1">sie nicht legitimiert sei, ein Kostenverteilungsgesuch nach Art. 32d</span><br/> <span class="ft1">USG zu stellen. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet</span><br/> <span class="ft1">somit einzig die Frage, ob die Vorinstanzen die Legitimation der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin zur Einreichung eines Kostenverteilungsgesuchs</span><br/> <span class="ft1">nach Art. 32d USG richtig beurteilt haben oder nicht. Nicht zu be-</span><br/> <span class="ft1">antworten ist dagegen die - vom Regierungsrat im verwaltungsinter-</span><br/> <span class="ft1">nen Beschwerdeverfahren noch nicht beurteilte - Streitfrage, ob und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">168</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">inwiefern die angefallenen Untersuchungskosten einer Verteilung</span><br/> <span class="ft1">nach Art. 32d USG überhaupt zugänglich sind.</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.-2.2. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 32d Abs. 4 USG erlässt die Behörde eine Verfügung</span><br/> <span class="ft1">über die Kostenverteilung, wenn ein Verursacher dies verlangt oder</span><br/> <span class="ft1">die Behörde die Massnahmen selber durchführt. Damit beantwortet</span><br/> <span class="ft1">das Bundesumweltrecht, wer legitimiert ist, ein Kostenverteilungs-</span><br/> <span class="ft1">gesuch zu stellen, nämlich der "Verursacher". Aus der von der Vor-</span><br/> <span class="ft1">instanz erwähnten Praxis des Verwaltungsgerichts (vgl. VGE III/89</span><br/> <span class="ft1">vom 16. September 1992 [BE.92.00129], S. 5 f.) zu § 38 aVRPG</span><br/> <span class="ft1">(auf 1. Januar 2009 aufgehoben) und des Bundesgerichts zu Art. 103</span><br/> <span class="ft1">lit. a des früheren Bundesgesetzes über die Organisation der Bun-</span><br/> <span class="ft1">desrechtspflege vom 16. Dezember 1943 (OG) (BGE 110 Ib 93 f.),</span><br/> <span class="ft1">die sich auf andere prozessuale Grundlagen beziehen, lassen sich</span><br/> <span class="ft1">keine klaren Rückschlüsse für die Auslegung von Art. 32d Abs. 4</span><br/> <span class="ft1">USG ziehen.</span><br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">Der Begriff des "Verursachers", der nach Art. 32d Abs. 4 USG</span><br/> <span class="ft1">legitimiert ist, ein Gesuch um Kostenverteilung zu stellen, bedarf der</span><br/> <span class="ft1">Auslegung. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine</span><br/> <span class="ft1">Norm in erster Linie aus sich selbst heraus, d.h. nach Wortlaut, Sinn</span><br/> <span class="ft1">und Zweck und den ihr zu Grunde liegenden Wertungen, aber auch</span><br/> <span class="ft1">nach der Entstehungsgeschichte auszulegen. Auszugehen ist vom</span><br/> <span class="ft1">Wortlaut, doch kann dieser nicht allein massgebend sein. Besonders</span><br/> <span class="ft1">wenn der Text unklar ist oder verschiedene Deutungen zulässt, muss</span><br/> <span class="ft1">nach seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Berücksichti-</span><br/> <span class="ft1">gung weiterer Auslegungselemente, wie namentlich der Entste-</span><br/> <span class="ft1">hungsgeschichte der Norm, ihrem Zweck und ihrem Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">mit andern Bestimmungen (statt vieler BGE 135 II 418; 134 II 252;</span><br/> <span class="ft1">Urteil des Bundesgerichts vom 21. März 2000, in: ZBl 102/2001,</span><br/> <span class="ft1">S. 84; siehe auch AGVE 2003, S. 191 f.).</span><br/> <span class="ft1">2.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Wortlaut des Gesetzes kommt die Legitimation dem</span><br/> <span class="ft1">"Verursacher" zu. Nach gefestigter Lehre und Rechtsprechung fallen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">169</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">darunter sowohl Verhaltens- als auch Zustandsstörer. Als Verhaltens-</span><br/> <span class="ft1">störer gelten Personen, die durch das eigene Verhalten oder durch das</span><br/> <span class="ft1">unter der eigenen Verantwortung erfolgende Verhalten Dritter eine</span><br/> <span class="ft1">polizeiwidrige Gefahr oder Störung verursachen. Zustandsstörer ha-</span><br/> <span class="ft1">ben dagegen die rechtliche oder tatsächliche Gewalt über die Sache,</span><br/> <span class="ft1">die den ordnungswidrigen Zustand bewirkt. Im Altlastenrecht kom-</span><br/> <span class="ft1">men als Zustandsstörer Eigentümer, Mieter oder Pächter sowie be-</span><br/> <span class="ft1">auftragte Personen in Betracht, welche die rechtliche oder tatsächli-</span><br/> <span class="ft1">che Herrschaft über das Grundstück haben, das einen belasteten</span><br/> <span class="ft1">Standort verkörpert. Es kann insofern auf die zutreffenden Ausfüh-</span><br/> <span class="ft1">rungen der Vorinstanz verwiesen werden.</span><br/> <span class="ft1">Dem Wortlaut des Gesetzes lässt sich hingegen keine eindeutige</span><br/> <span class="ft1">Antwort auf die umstrittene Frage entnehmen, ob unter den Begriff</span><br/> <span class="ft1">"Verursacher" nach Art. 32d Abs. 4 USG neben dem Verhaltensstörer</span><br/> <span class="ft1">und dem aktuellen Zustandsstörer auch der vormalige Zustandsstörer</span><br/> <span class="ft1">fällt. Vom Begriff des "Verursachers" sind grundsätzlich beide Arten</span><br/> <span class="ft1">von Zustandsstörern (d.h. aktueller und früherer) abgedeckt. Insbe-</span><br/> <span class="ft1">sondere lässt auch der französische Wortlaut Raum, unter dem Ver-</span><br/> <span class="ft1">ursacher nach Art. 32d Abs. 4 USG auch den früheren Zustandsstörer</span><br/> <span class="ft1">zu verstehen, spricht doch die französische Fassung in Art. 32d</span><br/> <span class="ft1">Abs. 4 von der "betroffenen Person" ("une personne concernée"),</span><br/> <span class="ft1">und nicht vom Verursacher gemäss Abs. 1 ("celui qui est l'origine</span><br/> <span class="ft1">des mesures nécessaires").</span><br/> <span class="ft1">2.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanzen haben bei der Auslegung des Verursacherbe-</span><br/> <span class="ft1">griffs nach Art. 32d Abs. 4 USG auf den Begriff des Störers abge-</span><br/> <span class="ft1">stellt. Nach dem Störerprinzip beurteilt sich im Allgemeinen, wer die</span><br/> <span class="ft1">umweltrechtlich gebotenen Massnahmen ergreifen muss und damit</span><br/> <span class="ft1">vorschusspflichtig wird (sog. Realleistungspflicht; vgl. Karin Scher-</span><br/> <span class="ft1">rer, Handlungs- und Kostentragungspflichten bei der Altlastensanie-</span><br/> <span class="ft1">rung, Diss. Bern 2005, S. 9 f.). In Altlastenfällen knüpft das Gesetz</span><br/> <span class="ft1">allerdings für die Realleistungspflicht nicht an den Begriff des Verur-</span><br/> <span class="ft1">sachers, sondern an denjenigen des "Inhabers" an (vgl. Art. 20 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">der Verordnung vom 26. August 1998 über die Sanierung von</span><br/> <span class="ft1">belasteten Standorten [Altlasten-Verordnung, AltlV; SR 814.680]).</span><br/> <span class="ft1">Auf den Störerbegriff wird ferner abgestellt, um den Verursacher zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">170</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bezeichnen, der die Kosten einer Massnahme (endgültig) zu tragen</span><br/> <span class="ft1">hat (sog. Kostentragungspflicht wie sie in Art. 2 und 32d USG gere-</span><br/> <span class="ft1">gelt ist; siehe zum Ganzen Scherrer, a.a.O., S. 85 und 88 mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weisen).</span><br/> <span class="ft1">Das systematische Element berücksichtigt die Stellung der aus-</span><br/> <span class="ft1">zulegenden Norm innerhalb des Gesetzes und deren Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">mit anderen Vorschriften. Der Umstand, dass das USG den gleich-</span><br/> <span class="ft1">lautenden Begriff des Verursachers nicht nur bei der Regelung der</span><br/> <span class="ft1">(definitiven) Kostentragung verwendet, sondern auch zur Beant-</span><br/> <span class="ft1">wortung der Frage, wer berechtigt ist, ein Gesuch um behördliche</span><br/> <span class="ft1">Kostenverteilung nach Art. 32d Abs. 4 USG zu stellen, spricht auf</span><br/> <span class="ft1">den ersten Blick dafür, dass der Gesetzgeber diesen Begriff ein-</span><br/> <span class="ft1">heitlich verwendet hat. Diese Annahme ist jedoch nicht zwingend.</span><br/> <span class="ft1">Vielmehr ist es denkbar, dass der Gesetzgeber mit diesem Sammel-</span><br/> <span class="ft1">begriff je nach Kontext, in dem er ihn verwendet hat, unterschiedli-</span><br/> <span class="ft1">che Personen ansprechen wollte. Dafür gäbe es auch sachliche</span><br/> <span class="ft1">Gründe: Veräussert ein Grundeigentümer sein Grundstück, verliert er</span><br/> <span class="ft1">im Allgemeinen gleichzeitig die Sachherrschaft und damit die Ver-</span><br/> <span class="ft1">antwortung für den polizeikonformen Zustand der veräusserten Sa-</span><br/> <span class="ft1">che. Mit dem Verkauf entfällt somit die Rechtfertigung für seine</span><br/> <span class="ft1">Kostentragungspflicht. Es ist daher folgerichtig, den früheren Zu-</span><br/> <span class="ft1">standsstörer von der Kostentragungspflicht auszunehmen (vgl. al-</span><br/> <span class="ft1">lerdings 32b</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">Abs. 1 USG). Demgegenüber befasst sich das USG in</span><br/> <span class="ft1">Art. 32d Abs. 4 mit der Verteilung der Kosten, die ein Real-</span><br/> <span class="ft1">leistungspflichtiger provisorisch getragen hat. Die Verteilung kann</span><br/> <span class="ft1">dazu führen, dass der Realleistungspflichtige die provisorisch auf-</span><br/> <span class="ft1">gewendeten Kosten ganz oder teilweise auf andere Störer oder das</span><br/> <span class="ft1">Gemeinwesen abwälzen kann. Art. 32d Abs. 4 USG bestimmt, wer</span><br/> <span class="ft1">berechtigt ist, eine Verfügung über die Kostenverteilung zu ver-</span><br/> <span class="ft1">langen. Anders als bei der Umschreibung der Kostentragungspflicht</span><br/> <span class="ft1">gibt es hier grundsätzlich keinen Anlass, den früheren Zustandsstö-</span><br/> <span class="ft1">rer, der Kosten für Massnahmen i.S.v. Art. 32d Abs. 1 USG getragen</span><br/> <span class="ft1">hat, vom Verursacherbegriff auszuklammern. Es gäbe somit durchaus</span><br/> <span class="ft1">Gründe, den Begriff des Verursachers unterschiedlich zu verstehen,</span><br/> <span class="ft1">je nach Kontext, in dem er verwendet wird. Das relativiert die</span><br/> <span class="ft1">Annahme der Vorinstanzen, der Gesetzgeber habe den Begriff des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">171</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Verursachers bei der Kostentragung gleich verstanden wie denjeni-</span><br/> <span class="ft1">gen bei der behördlichen Kostenverteilung.</span><br/> <span class="ft1">Als Zwischenergebnis ist somit festzuhalten, dass das systema-</span><br/> <span class="ft1">tische Auslegungselement zu keinem eindeutigen Ergebnis führt.</span><br/> <span class="ft1">2.4.3.</span><br/> <span class="ft1">In Anwendung des historischen Elements ist zunächst festzu-</span><br/> <span class="ft1">halten, dass das USG in der früheren Fassung von Art. 32d Abs. 4</span><br/> <span class="ft1">vom "Sanierungspflichtigen" sprach. Nach dem Wortlaut des frühe-</span><br/> <span class="ft1">ren Rechts hätte somit auch der frühere Zustandsstörer, der in Erfül-</span><br/> <span class="ft1">lung einer Sanierungspflicht Kosten aufgewendet hat, ein Gesuch um</span><br/> <span class="ft1">Kostenverteilung stellen können. Mit der Revision gemäss Bundes-</span><br/> <span class="ft1">gesetz vom 16. Dezember 2005 (Inkrafttreten: 1. November 2006)</span><br/> <span class="ft1">wurde der Begriff des "Sanierungspflichtigen" durch denjenigen des</span><br/> <span class="ft1">Verursachers ersetzt, womit der Gesetzgeber klarstellen wollte, dass</span><br/> <span class="ft1">die Regeln über die Kostenverteilung nicht nur für die eigentlichen</span><br/> <span class="ft1">Sanierungskosten, sondern auch für Untersuchungs- und Überwa-</span><br/> <span class="ft1">chungskosten gelten (Hans W. Stutz, Das revidierte Altlastenrecht</span><br/> <span class="ft1">des Bundes, URP 2006, S. 338 und 340). In den Materialien lassen</span><br/> <span class="ft1">sich jedoch keine Anhaltspunkte dafür finden, dass der Gesetzgeber</span><br/> <span class="ft1">mit dem Begriffswechsel gleichzeitig den früheren Zustandsstörer,</span><br/> <span class="ft1">der die Kosten für notwendige Massnahmen zur Untersuchung,</span><br/> <span class="ft1">Überwachung oder Sanierung übernommen hat, vom Kreis der Per-</span><br/> <span class="ft1">sonen ausschliessen wollte, die ein Gesuch i.S.v. Art. 32d Abs. 4</span><br/> <span class="ft1">USG stellen können.</span><br/> <span class="ft1">Art. 32d Abs. 3 des Entwurfs der Kommission für Umwelt,</span><br/> <span class="ft1">Raumplanung und Energie des Nationalrats zur Revision des Altlas-</span><br/> <span class="ft1">tenrechts vom 20. August 2002 ermächtigte die zuständige Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsbehörde, auf Antrag eines "Beteiligten" und bei klaren Verhält-</span><br/> <span class="ft1">nissen im Kostenverteilungsverfahren auch über privatrechtliche</span><br/> <span class="ft1">Ansprüche zu entscheiden (BBl 2003 5041; Bericht vom 20. August</span><br/> <span class="ft1">2002 der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des</span><br/> <span class="ft1">Nationalrates [Bericht UREK-N, BBl 2003 5025 ff.]). Diese Rege-</span><br/> <span class="ft1">lung hätte es ohne Weiteres erlaubt, auf das Kostenverteilungsgesuch</span><br/> <span class="ft1">eines früheren Zustandsstörers einzutreten, der sich gegenüber dem</span><br/> <span class="ft1">Erwerber des Grundstücks kaufvertraglich verpflichtet hat, notwen-</span><br/> <span class="ft1">dige Massnahmen zur Untersuchung, Überwachung oder Sanierung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">172</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zu ergreifen (Bericht UREK-N, BBl 2003 5028 und 5033). Von der</span><br/> <span class="ft1">im Gesetzesentwurf vorgesehenen Möglichkeit, auf Antrag eines Be-</span><br/> <span class="ft1">teiligten und bei klaren Verhältnissen auch über zivilrechtliche An-</span><br/> <span class="ft1">sprüche entscheiden zu können, nahm das Parlament aber bewusst</span><br/> <span class="ft1">Abstand. Begründet wurde dies damit, die Verwaltungsbehörde müs-</span><br/> <span class="ft1">se bei der Kostenverteilung ausschliesslich im Rahmen des öffent-</span><br/> <span class="ft1">lichen Rechts entscheiden. Um dies klarzustellen, wurde der Begriff</span><br/> <span class="ft1">des "Beteiligten" in der Folge durch denjenigen des "Verursachers"</span><br/> <span class="ft1">ersetzt (vgl. Amtl. Bull. SR IV/2004, S. 527, Votum Büttiker; Amtl.</span><br/> <span class="ft1">Bull. SR II/2005, S. 563, Votum Büttiker). Daraus darf jedoch nicht</span><br/> <span class="ft1">gefolgert werden, der Gesetzgeber habe dem früheren Zustands-</span><br/> <span class="ft1">störer, der Kosten für notwendige Massnahmen zur Untersuchung,</span><br/> <span class="ft1">Überwachung oder Sanierung getroffen hat, von vornherein das</span><br/> <span class="ft1">Recht absprechen wollen, eine behördliche Kostenverteilung i.S.v.</span><br/> <span class="ft1">Art. 32d Abs. 4 USG zu verlangen. In den Materialien lassen sich</span><br/> <span class="ft1">jedenfalls keine Hinweise für eine derartige Absicht des Gesetz-</span><br/> <span class="ft1">gebers finden. Selbst wenn ein früherer Zustandsstörer aufgrund</span><br/> <span class="ft1">einer privatrechtlichen Gewährleistungspflicht Kosten für notwendi-</span><br/> <span class="ft1">ge Massnahmen zur Untersuchung, Überwachung oder Sanierung</span><br/> <span class="ft1">getragen hat, führt dies nämlich nicht dazu, dass die zuständige</span><br/> <span class="ft1">Behörde im Rahmen des Kostenverteilungsverfahrens nach Art. 32d</span><br/> <span class="ft1">Abs. 4 USG zwingend Privatrecht anwenden müsste. Vielmehr könn-</span><br/> <span class="ft1">te sie die Kosten auch in solchen Fällen ausschliesslich nach dem</span><br/> <span class="ft1">umweltrechtlichen Verursacherprinzip verlegen, ohne auf eine abwei-</span><br/> <span class="ft1">chende privatrechtliche Regelung Rücksicht nehmen zu müssen.</span><br/> <span class="ft1">Die Entstehungsgeschichte liefert somit ebenfalls keine eindeu-</span><br/> <span class="ft1">tige Antwort auf die Frage, ob ein früherer Zustandsstörer, der</span><br/> <span class="ft1">Kosten für notwendige Massnahmen zur Untersuchung, Über-</span><br/> <span class="ft1">wachung oder Sanierung übernommen hat, berechtigt ist, eine Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung über die Kostenverteilung zu verlangen.</span><br/> <span class="ft1">2.4.4.</span><br/> <span class="ft1">Einzugehen bleibt auf das teleologische Element, das nach dem</span><br/> <span class="ft1">Sinn und Zweck der auslegungsbedürftigen Bestimmung fragt.</span><br/> <span class="ft1">Art. 32d USG will Ungerechtigkeiten entgegen wirken, die bei</span><br/> <span class="ft1">der Anwendung des Störerprinzips im Altlastenrecht entstehen kön-</span><br/> <span class="ft1">nen. Nach Art. 20 AltlV obliegen Untersuchungs-, Überwachungs-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">173</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und Sanierungsmassnahmen primär dem Standortinhaber, der als</span><br/> <span class="ft1">Eigentümer in erster Linie verpflichtet ist Gefahren abzuwehren, die</span><br/> <span class="ft1">sich aus dem Vorhandensein gefährlicher Gegenstände auf seinem</span><br/> <span class="ft1">Grundstück ergeben, auch wenn diese ohne sein Dazutun dorthin</span><br/> <span class="ft1">gelangt sind. Diese Lösung dient dem Interesse an einer raschen Be-</span><br/> <span class="ft1">seitigung der Gefahrenquelle bzw. einer raschen Klärung der Frage,</span><br/> <span class="ft1">ob eine Altlast überhaupt vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft1">vom 3. Mai 2000, in: URP 2000, S. 597). Der Eigentümer steht der</span><br/> <span class="ft1">zu untersuchenden oder zu sanierenden Sache näher als ein Dritter.</span><br/> <span class="ft1">Zudem hat er in der Regel selber ein Interesse daran, dass notwen-</span><br/> <span class="ft1">dige Untersuchungen speditiv vorgenommen werden, da eine unge-</span><br/> <span class="ft1">klärte Situation seine Nutzungs- und Verfügungsmöglichkeiten ein-</span><br/> <span class="ft1">schränken kann. Nach dieser Regelung fallen somit die Kosten im</span><br/> <span class="ft1">Allgemeinen zunächst beim Inhaber des Standorts an, der häufig als</span><br/> <span class="ft1">schuldloser Zustandsstörer zu qualifizieren ist. Vor der Einführung</span><br/> <span class="ft1">von Art. 32d USG konnte dieser zwar hernach auf dem Zivilweg ge-</span><br/> <span class="ft1">gen die übrigen Störer vorgehen, oft führte dieser Weg aber wegen</span><br/> <span class="ft1">der bereits eingetretenen Verjährung oder wegen Beweisschwierig-</span><br/> <span class="ft1">keiten nicht zum Ziel, so dass der aktuelle Zustandsstörer meist auf</span><br/> <span class="ft1">den Kosten sitzen blieb, während die übrigen Störer ungeschoren da-</span><br/> <span class="ft1">vonkamen (Hans W. Stutz, Verfahrensfragen bei der Kostenvertei-</span><br/> <span class="ft1">lung, URP 2001, S. 804 [nachfolgend "Verfahrensfragen"]; derselbe,</span><br/> <span class="ft1">Die Kostentragung der Sanierung - Art. 32d USG, URP 1997, S. 766</span><br/> <span class="ft1">[nachfolgend "Kostentragung"]). Bei dieser Rechtslage präjudizierte</span><br/> <span class="ft1">somit die Auswahl des realleistungspflichtigen Störers häufig die</span><br/> <span class="ft1">endgültige Kostenverteilung (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Fe-</span><br/> <span class="ft1">bruar 1998, in: URP 1998, S. 160). Mit der Einführung von Art. 32d</span><br/> <span class="ft1">USG sollte dies korrigiert und die Kostentragung bei der Altlastensa-</span><br/> <span class="ft1">nierung so ausgestaltet werden, dass ein möglichst gerechtes Ergeb-</span><br/> <span class="ft1">nis erzielt wird (Stutz, Kostentragung, S. 767). Art. 32d USG federt</span><br/> <span class="ft1">die Folgen der Realleistungspflicht ab, indem er dem provisorischen</span><br/> <span class="ft1">Träger der Kosten das Recht einräumt, von der Verwaltungsbehörde</span><br/> <span class="ft1">eine Verfügung über die endgültige Kostenverteilung zu verlangen</span><br/> <span class="ft1">(Stutz, Verfahrensfragen, S. 804). Soweit der Realleistungspflichtige</span><br/> <span class="ft1">Kosten für notwendige Massnahmen getragen hat, die seinen</span><br/> <span class="ft1">Verursacheranteil übersteigen, hat er einen Ausgleichs- bzw. Rück-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">174</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">erstattungsanspruch gegenüber dem Gemeinwesen (vgl. Jürg E. Hart-</span><br/> <span class="ft1">mann / Martin K. Eckert, Sanierungspflicht und Kostenverteilung bei</span><br/> <span class="ft1">der Sanierung von Altlasten-Standorten nach [neuem] Art. 32d USG</span><br/> <span class="ft1">und Altlastenverordnung, URP 1998, S. 605 und 626; Michael</span><br/> <span class="ft1">Budliger, Zur Kostenverteilung bei Altlastensanierung mit mehreren</span><br/> <span class="ft1">Verursachern. Die Regelung im revidierten USG und im Vorentwurf</span><br/> <span class="ft1">zur neuen Altlasten-Verordnung, URP 1997, S. 304 f.; Karin Scher-</span><br/> <span class="ft1">rer, Kostentragung nach Art. 32d USG, URP 2007, S. 574). Diese</span><br/> <span class="ft1">Schutzmechanismen führen in vielen Fällen dazu, dass sich der Zu-</span><br/> <span class="ft1">standsstörer der Pflicht zur Untersuchung, Überwachung oder Sanie-</span><br/> <span class="ft1">rung widerstandslos unterzieht (Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft1">3. Mai 2000, in: URP 2000, S. 597 f.), was im öffentlichen Interesse</span><br/> <span class="ft1">einer raschen Beseitigung der Gefahrenquelle bzw. einer raschen</span><br/> <span class="ft1">Klärung der Frage dient, ob eine Altlast vorliegt. Die erforderlichen</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen sollen zügig durchgeführt und nicht dadurch belastet</span><br/> <span class="ft1">werden, dass der Realleistungspflichtige befürchten muss, auf den</span><br/> <span class="ft1">gesamten Kosten sitzen zu bleiben (vgl. Pierre Tschannen, in: Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl., Zürich / Basel / Genf</span><br/> <span class="ft1">2004, Art. 32d N 2).</span><br/> <span class="ft1">Diesem Ziel widerspräche es, wenn man einem früheren Zu-</span><br/> <span class="ft1">standsstörer, der die Kosten für notwendige Massnahmen zur Unter-</span><br/> <span class="ft1">suchung, Überwachung und Sanierung eines belasteten Standorts</span><br/> <span class="ft1">übernommen hat, die Befugnis absprechen würde, ein Gesuch um</span><br/> <span class="ft1">Kostenverteilung i.S.v. Art. 32d Abs. 4 USG zu stellen. Unter Wer-</span><br/> <span class="ft1">tungsgesichtspunkten verdient ein früherer Zustandsstörer, der die</span><br/> <span class="ft1">Kosten für notwendige Massnahmen zur Untersuchung, Überwa-</span><br/> <span class="ft1">chung und Sanierung belasteter Standorte getroffen hat, den gleichen</span><br/> <span class="ft1">Schutz wie der aktuelle Zustandsstörer, der solche Vorkehren trifft.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem die rasche Ergreifung derartiger Massnahmen so oder</span><br/> <span class="ft1">anders im öffentlichen Interesse liegt, wäre es stossend, wenn der</span><br/> <span class="ft1">frühere Zustandsstörer in derartigen Fällen wegen der Hürden des Zi-</span><br/> <span class="ft1">vilwegs auf seinen Kosten sitzen bliebe. Die Behandlung seines Kos-</span><br/> <span class="ft1">tenverteilungsgesuchs beeinträchtigt auch keine öffentlichen Interes-</span><br/> <span class="ft1">sen. Da von vornherein nur die Kosten für notwendige Massnahmen</span><br/> <span class="ft1">verteilungsfähig sind, besteht insbesondere keine Gefahr, dass das</span><br/> <span class="ft1">Gemeinwesen bei der Behandlung eines solchen Gesuchs um Kos-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">175</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tenverteilung ein doppeltes Ausfallrisiko trägt. In solchen Fällen ver-</span><br/> <span class="ft1">fügt der Träger der provisorischen Kosten in der Regel über ein</span><br/> <span class="ft1">schutzwürdiges Interesse an einer Kostenverteilung, das auch bei der</span><br/> <span class="ft1">Veräusserung des Grundstücks fortbesteht.</span><br/> <span class="ft1">2.4.5.</span><br/> <span class="ft1">Gestützt auf den Gesetzeszweck ist somit davon auszugehen,</span><br/> <span class="ft1">dass auch der frühere Zustandsstörer, der die Kosten für notwendige</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen zur Untersuchung, Sanierung und Überwachung ge-</span><br/> <span class="ft1">troffen hat, berechtigt ist, eine behördliche Kostenverteilung zu ver-</span><br/> <span class="ft1">langen (die Legitimation bejahend Hans W. Stutz, Die Kostentragung</span><br/> <span class="ft1">bei Altlastensanierungen und beim Umgang mit schadstoffbelasteten</span><br/> <span class="ft1">Bauabfällen, PBG 2001, S. 23 f.; Legitimationsfrage offen gelassen</span><br/> <span class="ft1">im Entscheid der Baudirektion des Kantons Zürich vom 3. Mai 2000,</span><br/> <span class="ft1">in: URP 2000, S. 392). Die übrigen Auslegungselemente stehen die-</span><br/> <span class="ft1">sem Auslegungsergebnis zumindest nicht entgegen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>