Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 31. August 2023 (810 23 130) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Akteneinsicht / Rechtsverweigerung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Gerichtssch reiberin Nathalie Droeser Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Urs Grob, Advokat gegen Kindes - und E rwachsenenschutzbehörde B.____, Vorinstanz C.____, Beschwerdegegner D.____ , Beschwerdegegnerin Betreff Akteneinsicht / Rechtsverweigerung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 1. Juni 2023) A. A.____ (nachfolgend Beschwerdeführer genannt, gebo ren 1935) ist der Vater von C.____ (geboren 1975) und D.____ (geboren 1972) und seit dem 10. Mai 2018 Witwer von Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht E.____ (geboren 1940). Am 1. August 2022 verheirate te sich der Beschwerdeführer mit F.____ (geboren 1959). B. Mit E-Mail vom 7. September 2022 wandten sich C.___ _ und D.____ mit einer Gefähr- dungsmeldung betreffend ihren Vater an die Kinder- u nd Erwachsenenschutzbehörde (KESB) B.____ und ersuchten diese, die Konten und das Aktiende pot ihres Vaters superprovisorisch schnellstmöglich zu sperren. Zusammengefasst gaben sie unte r anderem an, dass sie ein en- ges und gutes Verhältnis mit täglichem Kontakt zu ihrem seit vier Jahren verwitweten Vater pflegten. Per Zufall hätten sie vor Kurzem von der He irat ihres Vaters mit F.____ erfahren. Seit Monaten sei zu beobachten, wie diese versuche, einen Keil zwischen ihnen und ihrem Vater zu treiben. F.____ habe mehrfach verhindert, dass sie alle ine mit ihrem Vater sprechen konnten. Auch sei versucht worden, ein grösseres Aktienpaket auf die neue Ehefrau zu übertragen. Es liege der dringende Verdacht vor, dass die neue Ehefra u ihren Vater emotional stark unter Druck setze und es scheinbar auf sein Vermögen abgesehen ha be. Aufgrund der zunehmen- den Vergesslichkeit ihres Vaters sei eine Abklärung bei de r Memory Clinic Basel angezeigt, wozu bereits eine Überweisung ihres Vaters durch den Hausarzt erfolgt sei. Anlässlich der Anhörung bei der KESB B.____ am 9. Sep tember 2022 bestätigten die beiden Kinder des Beschwerdeführers ihre Angaben in ihrer Gef ährdungsmeldung und teilten unter anderem mit, sie seien sowohl um die persönliche und gesundheitliche Versorgung ihres Vaters sehr besorgt als auch darum, dass er finanziell durch di e Machenschaften seiner neuen Ehe- frau geschädigt werden könnte. Der Kontakt zu ihrem Va ter sei inzwischen ganz abgebrochen, sie würden ihn telefonisch nicht mehr erreichen, was sie zusätzlich sehr beunruhige. Die Wohn- adresse seiner neuen Ehefrau in X.____ sei ihnen nic ht bekannt und habe nicht ausfindig ge- macht werden können. C. Mit superprovisorischem Entscheid vom 12. September 202 2 entzog die KESB B.____ dem Beschwerdeführer die Handlungsfähigkeit in finanziellen Angelegenheiten, sperrte ihm und bevollmächtigten Drittpersonen den Zugang zu sämtlichen Vermögenswerten und forderte ihn auf, sich der Abklärung in der Memory Clinic Basel zu unterziehen. D. Nach Anhörung des Beschwerdeführers am 27. September 2022 errichtete die KESB B.____ am 25. Oktober 2022 für diesen vorsorglich eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermö- gensverwaltung nach Art. 394 Abs. 1 i.V.m. Art. 395 Ab s. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz- buchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 mit den Aufgabenbere ichen, die verbeiständete Person beim Erledigen der administrativen Angelegenheiten soweit nötig zu vertreten, insbesondere auch im Verkehr mit Behörden, Ämtern, Banken, Post, (Sozial)-Versicherungen, sonstigen Insti- tutionen und Privatpersonen und sowohl Einkommen wie V ermögen der verbeiständeten Per- son sorgfältig zu verwalten. Zudem wurde dem Beschwerdef ührer vorsorglich die Handlungsfä- higkeit sowie der Zugriff auf seine Vermögenswerte teil weise entzogen (Art. 394 Abs. 2 und Art. 395 Abs. 3 ZGB). Vollmachten an Drittpersonen, mit Ausnahme des Beistandes, wurden widerrufen. Der Beschwerdeführer wurde zudem aufgefo rdert, die bereits aufgegleisten Termi- ne zur Abklärung seines Schutz- und Unterstützungsbedarf s in der Memory Clinic Basel wahr- zunehmen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Mit E-Mail vom 19. April 2023 ersuchten C.____ und D.____ bei der KESB B.____ um Einsicht in den Bericht der Memory Clinic Basel betreffend ihren Vater sowie in allfällige weitere Dokumente und Korrespondenz aus dem bisherigen Verfahren , die ihnen noch nicht vorliegen würden. F. Der Bericht der Memory Clinic Basel vom 25. April 20 23 ging am 28. April 2023 bei der KESB B.____ ein. Beim Beschwerdeführer wurde eine ma jore neurokognitive Störung mit ei- nem leichten Schweregrad diagnostiziert, was auf das Vo rliegen einer Alzheimer Krankheit hin- deute. Gleichentags stellte die KESB B.____ mit Verfügung eine Kopie des Berichts der Memo- ry Clinic Basel dem Beschwerdeführer und seinem Beistan d sowie seinen beiden Kindern zur Kenntnisnahme zu. Es werde in Erwägung gezogen, die v orsorglichen Massnahmen in ihrem bestehenden Umfang zu bestätigen und eine neue Beista ndsperson einzusetzen. Dem Be- schwerdeführer wurde diesbezüglich Frist zur Stellungnahm e sowie um Mitteilung betreffend den Wunsch einer persönlichen Anhörung und die Einsichtna hme der Kinder in seine Verfah- rensakten bei der KESB B.____ gesetzt. G. Nach Eingang der Stellungnahme des Beschwerdeführer s vom 26. Mai 2023 hiess die KESB B.____ am 1. Juni 2023 das Akteneinsichtgesuch von C.____ und D.____ teilweise gut. Von der Einsicht ausgenommen wurde das Antrittsinventar des Beistands mit den dazugehöri- gen Unterlagen und nachträglichen Eingaben des Beistands (Ziffer 1). Es wurde unter anderem festgehalten, dass der Entscheid in der Hauptsache betreff end Bestätigung/Aufhebung/An- passung/Beistandspersonenwechsel der vorsorglichen Erwachs enenschutzmassnahmen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen werde (Ziffer 7). H. Dagegen erhob der Beschwerdeführer, vertreten durch Advokat Urs Grob, mit Schreiben vom 12. Juni 2023 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht), und beantragte, 1. Es sei Ziffer 1 des Entscheids der KESB B.____ vom 1. Juni 2023 aufzuheben und den Kindern des Beschwerdef ührers die Einsicht in die Verfah- rensakten der KESB B.____ zu verweigern. 2. Es sei fest zustellen, dass die Vorinstanz die Be- gehren des Beschwerdeführers gemäss Ziffer 3 der Stellu ngnahme vom 26. Mai 2023 un- rechtsmässig nicht behandelt habe. 3. Es sei der Vorinstanz eine Frist zu setzen, innert welcher sie die Ziffer 3 der Stellungnahme vom 26. Mai 2023 zu behandeln habe. 4. Unter o/e- Kostenfolge zzgl. MWST zulasten der Vorinstanz. I. C.____ und D.____ sowie die Vorinstanz schlossen mit Vernehmlassungen vom 22. Juni 2023 und 18. Juli 2023 auf vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. J. Für die Parteistandpunkte und die Erwägungen der Vo rinstanz wird grundsätzlich auf die Akten verwiesen. Soweit erforderlich, ist nachfolgend darauf einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einfüh rung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurtei lung von Beschwerden gegen Ent- scheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden das Kan tonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Im vorliegend angefochtenen Entscheid gewährte die KESB B.____ den beiden Kindern des Beschwerdeführ ers die teilweise Akteneinsicht. Der Entscheid schliesst das Verfahren vor der Vorinstanz nicht ab, sondern stellt im weiterhin hän- gigen Verfahren lediglich einen Schritt auf dem Weg zum Endentscheid über die Bestäti- gung/Aufhebung/Anpassung/Beistandspersonenwechsel der vor sorglichen Erwachsenen- schutzmassnahmen dar. Es handelt sich damit um einen Zwi schenentscheid (vgl. BGE 139 V 42 E. 2.3; BGE 132 III 785 E. 3; R ENE RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 4. Auflage, Basel 2021, Rz. 1870). Die Zuständigkeit zur Beurteilung der vorlie genden Streitsache liegt deshalb in An- wendung von § 66 Abs. 2 EG ZGB i.V.m. § 1 Abs. 3 lit. f des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 19 93 bei der präsidierenden Per- son (vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfass ungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 16. November 2017 [810 17 306] E. 1; KGE VV vom 11. Februar 2015 [810 14 366] E. 1.2; BLKGE 2010 Nr. 45 E. 1.1). 2. Von Bundesrechts wegen anfechtbar sind sämtliche Ende ntscheide (Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB] vom 10. Dezember 1907) sowie Zwischenentscheide über vorsorgliche Massnahmen (Art. 445 Abs. 3 ZGB). Die Anfechtbarkeit von weiteren Zwi- schenverfügungen richtet sich nach dem kantonalen Recht (KGE VV vom 16. November 2017 [810 17 306] E. 2; KGE VV vom 16. Oktober 2017 [810 17 189] E. 2; KGE VV vom 29. Januar 2014 [810 13 353] E. 1.3). Der Entscheid über die te ilweise Gewährung der Akteneinsicht stellt weder einen Endentscheid noch eine nach Art. 445 Abs. 3 ZGB anfechtbare vorsorgliche Mass- nahme dar. Gemäss dem kantonalen Prozessrecht sind Zwischen verfügungen selbständig an- fechtbar, wenn sie die Zuständigkeit (§ 43 Abs. 2 bis lit. a VPO), den Ausstand (lit. b), die Aus- kunfts- oder Editionspflicht (lit. c), die Verweigerung der Akteneinsicht (lit. d), die Nichtabnahme gefährdeter Beweise (lit. e), vorsorgliche Massnahmen u nd den Entzug sowie die Erteilung der aufschiebenden Wirkung (lit. f) oder die Verweigerung der unentgeltlichen Rechtspflege (lit. g) zum Gegenstand haben. Der vorliegend angefochtene Entsch eid lässt sich nicht unter eine der im Katalog von § 43 Abs. 2 bis VPO aufgeführten selbständig anfechtbaren Zwischenverfüg un- gen subsumieren. 3.1 Nach der Rechtsprechung ist die Beschwerde gegen Z wischenverfügungen ausserdem zulässig, wenn letztinstanzlich das Bundesgericht angerufen w erden kann (KGE VV vom 16. November 2017 [810 17 306] E. 3.1 mit weiterem Hinweis; vgl. auch Urteil des Bundesge- richts 5A_71/2020 vom 16. Juni 2020 E. 1.2 mit Hinweise n). Dies ist gemäss Art. 93 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 20 05 der Fall, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (l it. a); oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (lit. b). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Die Variante von Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG fäll t vorliegend von Vornherein ausser Be- tracht. Dafür fehlt es bereits an der ersten Voraussetzung, denn das Kantonsgericht könnte kei- nen verfahrensabschliessenden Endentscheid über Erwachsenen schutzmassnahmen fällen. Vertiefter zu prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer durch die teilweise Gewährung der Aktenein- sicht seinen beiden Kindern gegenüber ein nicht wieder gutzumachender Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG droht. Der drohende nicht wiedergutzumachende Nachteil muss dabei rechtlicher Natur sein. Das setzt voraus, dass er sich auch mit einem späteren günstigen En- dentscheid nicht oder nicht gänzlich beseitigen lässt. Die blosse Möglichkeit eines nicht wieder- gutzumachenden Nachteils rechtlicher Natur genügt. Dage gen reichen rein tatsächliche Nach- teile wie die Verfahrensverlängerung oder -verteuerung nicht aus (BGE 141 III 395 E. 2.5; BGE 138 III 190 E. 6; BGE 137 III 380 E. 1.2.1; je mit Hinweisen). Die Einsicht in Verfahrensakten, welche vertrauliche Informationen enthalten, kann nach d er Rechtsprechung für die betroffene Person einen solchen Nachteil bewirken, sofern auch ein günstiger Endentscheid die mit der Einsicht verbundenen Beeinträchtigungen nicht vollständig beheben kann (Urteil des Bundesge- richts 5A_71/2020 vom 16. Juni 2020 E. 1.2 mit Hinweise n). Der Beschwerdeführer macht durch die teilweise Gewährung der Akteneinsicht eine Ve rletzung der Persönlichkeitsrechte geltend. Eine Kenntnisnahme vertraulicher Information en kann nach erfolgter Akteneinsicht nicht mehr rückgängig gemacht werden. Dem Beschwerdeführ er droht durch den angefochte- nen Entscheid damit ein nicht wiedergutzumachender Nach teil. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 4. In verfahrensrechtlicher Hinsicht verlangt der Beschwer deführer die Erteilung der auf- schiebenden Wirkung. Der Beschwerde kommt gemäss Art. 45 0c ZGB mangels gegenteiliger Anordnung von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu, weshalb sich der gestellte Verfah- rensantrag des Beschwerdeführers als unnötig erweist und darauf nicht eingetreten werden kann. 5. Der Beurteilung unterliegt unter anderem, ob den beiden Kindern des Beschwerdefüh- rers zu Recht die teilweise Akteneinsicht gewährt wurde. 5.1.1 Die Vorinstanz erwog, nebst der betroffenen Per son selbst seien in Verfahren vor den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden auch nahestehende Personen legitimiert, Parteirech- te auszuüben. Vorliegend sei die Parteistellung der beiden Kinder des Beschwerdeführers, wel- che unbestrittenermassen bis zum Bekanntwerden der Verheiratung respektive der Verfahrens- aufnahme der Erwachsenenschutzbehörde regen bis innige n Kontakt zu diesem pflegten, zu bejahen. Beide Kinder hätten bis zu diesem Zeitpunkt zumindest teilweise die Personensorge sowie auch administrative und finanzielle Belange ihres Vaters wahrgenommen. Wenngleich bei den Kindern auch Eigeninteressen – der Schutz ih res potentiellen Erbes – mitschwingen mögen, so kann ihnen die ernsthafte Sorge um das Wohler gehen des Vaters und dessen Inte- ressenwahrung nicht abgesprochen werden, zumal sie die vo rsorglichen Erwachsenenschutz- massnahmen anstrengten, das Erstgespräch mit ihnen stattgef unden habe und sie der KESB B.____ die Informationen vorgelegt und dabei glaubha ft gemacht haben, dass sie damit ihren Vater schützen wollen. Aufgrund ihrer Vorbehalte gegen über der Ehefrau ihres Vaters und der Meinungsverschiedenheiten rund um die Situation an sich könne ihnen die Parteistellung im Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht aktuellen Verfahren nicht abgesprochen werden, unabhäng ig davon, ob diese begründet seien oder nicht. Damit die Kinder ihre Parteirechte als na he Angehörige im laufenden Verfahren wahrnehmen könnten, sei ihnen die Einsicht in die Ve rfahrensakten der KESB B.____ zu ge- währen, so auch in den Bericht der Memory Clinic, zumal si ch dieser mit den für das laufende Verfahren relevanten Fragestellungen befasse. Im Übrig en dürften die wesentlichen Informatio- nen den Kindern ohnehin bereits bekannt sein. Das Ge sagte gelte jedoch nicht für die Akten des Beistands zur Finanzverwaltung, namentlich für das Antrittsinventar mit den dazugehörigen Unterlagen. Die Einsicht in diese Akten sei für die W ahrnehmung der Parteirechte der Kinder vorliegend nicht notwendig. 5.1.2 Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, die Ve rfahrensakten hätten besonders schützenswerte Personendaten des Beschwerdeführers zum Inhalt, welche nur mit seinem Ein- verständnis Dritten zugänglich gemacht werden dürften, auch wenn es sich dabei um seine Kinder handle. Es sei verstärktes Fingerspitzengefühl ang ezeigt da zu vermuten sei, dass die beiden Kinder auch finanzielle Interessen verfolgen würden, was der Gefährdungsmeldung ent- nommen werden könne. C.____ und D.____ würden sich w idersprüchlich verhalten und die Urteilsfähigkeit respektive Urteilsunfähigkeit je nach eigener Vorteilslage vorbringen. Dass seine Kinder keine finanziellen Interessen verfolgen würden u nd die Gefährdungsmeldung lediglich zum Schutz des Familienerbes gemacht hätten, sei nicht zu vermuten. Der Beschwerdeführer lehne die Gewährung der Akteneinsicht zum Schutze seine r Persönlichkeitsrechte vehement ab. Auch sei die Gewährung der Akteneinsicht nicht da s mildeste Mittel, da Informationen, wel- che die Kinder des Beschwerdeführers betreffen würden, auch punktuell weitergegeben werden könnten. Das Interesse des Beschwerdeführers am Schutz sein er Persönlichkeit überwiege die finanziellen Interessen seiner Kinder, welche bereits vo n einem „Familienerbe" sprechen wür- den, obwohl ihr Vater noch unter ihnen sei. 5.1.3 Die Vorinstanz äussert sich in ihrer Vernehmlassun g dahingehend, zur Akteneinsicht in den Bericht der Memory Clinic Basel vom 25. April 2023 sei festzuhalten, dass der Bericht für die Klärung der vorliegend strittigen Fragen relevan t sei. Würde den Kindern dieser vorenthal- ten, würden sie damit an der Wahrnehmung ihrer Parte irechte behindert. Der Bericht der Me- mory Clinic Basel enthalte nebst der Nennung einer lei chten majoren neurokognitiven Störung infolge eines neurodegenerativen Prozesses im Gehirn als Schwächezustand des Beschwerde- führers auch die Ergebnisse der entsprechenden Tests. Ob und welcher Schwächezustand vor- liege und wie sich dieser auf den Schutzbedarf auswir ken könnte, sei vorliegend umstritten und relevant für das weitere Vorgehen. Dass ein solcher Schw ächezustand vorliegen könnte, sei von den Kindern, welche selbst und noch vor der Meldun g an die KESB B.____ die Abklärung ihres Vaters durch die Memory Clinic Basel initiierten, zumindest in Erwägung gezogen worden. Diese Diskussion sei also schon vor der Verfahrenseröffn ung durch die KESB B.____ geführt worden. Gemäss Angabe des Beschwerdeführers habe am 6. D ezember 2022 sodann auch eine Besprechung in der Memory Clinic Basel im Beisein seiner beiden Kinder stattgefunden. Es sei zudem festzuhalten, dass der Bericht der Memory Cl inic Basel keine weiteren die Intim- und Persönlichkeitssphäre des Beschwerdeführers betreffende Informationen oder auch sonsti- ge Themen enthalte, welche den Kindern nicht ohnehin bereits bekannt seien. Die Verfahrens- akten würden keine Informationen über den Beschwerdefüh rer enthalten, welche gegenüber Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Kindern geschützt werden müssten. Sie dürften ihne n ebenfalls bereits alle bekannt sein, zumal sie einerseits aus ihren eigenen Eingaben bestünden und im Übrigen die Eingaben je- weils zugestellt worden seien. 5.2.1 Gemäss Art. 449b Abs. 1 1. Teilsatz ZGB haben die an einem Erwachsenenschutzver- fahren beteiligten Personen Anspruch auf Akteneinsicht. Diese Bestimmung gilt auch für das gerichtliche Beschwerdeverfahren. Das Recht auf Aktenein sicht ist ein Teilgehalt des An- spruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 Bundesverf assung der Schweizerischen Eidge- nossenschaft [BV] vom 18. April 1999). Es bezieht sich gru ndsätzlich auf sämtliche Akten, die für das betreffende Verfahren erstellt oder beigezogen wurden, ohne dass ein besonderes Inte- resse geltend gemacht werden müsste und gilt unabhängig davon, ob die fraglichen Akten aus Sicht der Behörde für den Ausgang des Verfahrens bed eutsam sind (Urteil 5A_71/2020 vom 16. Juni 2020 E. 3.1 mit Hinweisen). 5.2.2 Ein Recht auf Akteneinsicht besteht aber nicht un beschränkt, sondern nur insoweit, als ihm nicht überwiegende Interessen entgegenstehen (Art. 449b Abs. 1 2. Teilsatz ZGB). Damit kann das Einsichtsrecht auf Grundlage einer Abwägung mit den der Einsicht entgegenstehen- den privaten oder öffentlichen Interessen eingeschränkt werden. Die Verweigerung der Einsicht kann sich insbesondere mit Blick auf Geheimhaltungsintere ssen der betroffenen Person recht- fertigen. Das Verhältnismässigkeitsprinzip (vgl. Art. 5 Ab s. 2 BV) gebietet dabei, die Aktenein- sicht bei überwiegenden entgegenstehenden Interessen mö glichst nicht gänzlich zu verbieten, sondern bloss einzuschränken, sei dies in sachlicher, zeitlicher oder persönlicher Hinsicht. Beim Entscheid über die Akteneinsicht verfügt die zuständige Behörde über einen grossen Ermes- sensspielraum (Urteile 5A_71/2020 vom 16. Juni 2020 E. 3.2 mit Hinweisen). 5.3 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass seine b eiden Kinder nahestehende Perso- nen nach Art. 450 Abs. 2 lit. b ZGB sind und daher al s Verfahrenspartei legitimiert sind. Dem- entsprechend steht ihnen grundsätzlich auch ein Akteneinsichtsrecht zu. Der Beschwerdeführer macht jedoch geltend, dass die Verfahrensakten besonder s schützenswerte Personendaten von ihm zum Inhalt hätten, welche nur mit seinem Einver ständnis Dritten zugänglich gemacht werden dürften, auch wenn es sich dabei um seine Kinder handle. Die beiden Kinder des Be- schwerdeführers sind seit der Gefährdungsmeldung an die KESB B.____ am Verfahren betei- ligt. Alle Verfügungen, Entscheide und Stellungnahmen wurden diesen dementsprechend auch zugestellt, was seitens des Beschwerdeführers nie bemänge lt worden ist. Die beiden Kinder des Beschwerdeführers haben zudem Kenntnis des Berichts d er Memory Clinic Basel vom 25. April 2023, wo beim Beschwerdeführer eine majore neurokognitive Störung mit einem leich- ten Schweregrad diagnostiziert wurde. Nach dem Tod sei ner ersten Ehefrau und bis zu seiner erneuten Heirat mit F.____ im August 2022 nahmen sein e beiden Kinder, vorallem die Tochter des Beschwerdeführers, unbestrittenermassen teilweise die Personensorge sowie auch admi- nistrative und finanzielle Belange des Beschwerdeführer s wahr (vgl. Anhörung des Beschwer- deführers vom 27. September 2022 Seite 3 f.). Die Ver fahrensakten enthalten demnach Infor- mationen über den Beschwerdeführer, welche den Kindern bereits bekannt sind, zumal diese auch aus ihren eigenen Eingaben bestehen und, wie be reits erwähnt, die übrigen Eingaben sowie die Verfügungen und Entscheide der KESB B.____ j eweils an die Kinder zugestellt wur- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht den. Auch wenn bei den Kindern ein gewisses finanzielles Interesse an der Sache nicht von der Hand zuweisen ist, so hat die KESB B.____ gerade die Akteneinsicht diesbezüglich einge- schränkt: Das Antrittsinventar des Beistandes mit den dazugehörigen Unterlagen und nachträg- lichen Eingaben des Beistandes sind von der Akteneinsicht ausgenommen. Die KESB B.____ hat – mit den Worten des Beschwerdeführers gesagt – dem nach ein "verstärktes Fingerspit- zengefühl" wahrgenommen. Eine Verletzung des Persönl ichkeitsschutzes respektive das Vor- liegen besonders schützenwerten Personendaten des Beschwerdeführers ist nach dem Gesag- ten nicht ersichtlich und die teilweise Akteneinsicht der beiden Kinder wurde demnach zu Recht gewährt. 5.4 Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die KESB B.____ mit Verfügung vom 28. April 2023 den Beschwerdeführer um eine Stellung nahme betreffend die Akteneinsicht sei- ner Kinder vom 19. April 2023 bis 15. Mai 2023 bat, diesen aber mit ein und derselben Verfü- gung den Bericht der Memory Clinic Basel vom 25. April 2023 zustellte, in welchen die Kinder des Beschwerdeführers explizit um Einsicht ersucht hatten. Dieses Vorgehen der KESB B.____ ist weder nachvollziehbar noch korrekt. Sie hätte die S tellungnahme des Beschwerdeführers zuerst abwarten müssen und erst danach über die Akteneinsich t der Kinder des Beschwerde- führers entscheiden dürfen. Ob die Zustellung des Berichts der Memory Clinic Basel an die Kin- der des Beschwerdeführers an sich überhaupt rechtens w ar, oder ob diesen das Ergebnis der Abklärung des Beschwerdeführers auch anderweitig für die Wahrung ihrer Verfahrensrechte hätte mitgeteilt werden können, kann vorliegend jedoch offengelassen werden, da der Versand des Berichts nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Die KESB B.____ wird künftig bei Akteneinsichtgesuchen vor der Zustellung etwaiger Dokument en an Dritte zuerst der betroffe- nen Person das rechtliche Gehör gewähren respektive ein e Stellungnahme diesbezüglich ab- warten müssen. 6. Der Beschwerdeführer macht weiter eine Rechtsverwei gerung nach Art. 29 Abs. 1 BV in Bezug auf die in Ziffer 3 der Stellungnahme vom 26. Mai 2023 gestellten Verfahrensanträge bei der KESB B.____ geltend. Diese seien im Rahmen des E ntscheids der Vorinstanz vom 1. Juni 2023 in keinster Weise thematisiert respektive behandelt worden, obwohl es sich dabei um wichtige Informationen zwecks Belegung der Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers handle. 6.1 Nach Art. 29 Abs. 1 BV hat jede Person in Verfahr en vor Gerichts- und Verwaltungs- instanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf Beurteilung innert ange- messener Frist. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprech ung liegt eine formelle Rechtsver- weigerung nach Art. 29 Abs. 1 BV vor, wenn eine Behö rde auf eine ihr frist- und formgerecht unterbreitete Sache nicht eintritt bzw. diese nicht b ehandelt, obschon sie darüber entscheiden müsste (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_590/2021 vom 13 . Februar 2023 E. 5.3 mit Hinwei- sen). 6.2.1 Dem Entscheid der Vorinstanz ist bezüglich des weit eren Vorgehens hinsichtlich der Verfahrensanträge des Beschwerdeführers zu den geforde rten Ergänzungsfragen zu entneh- men, dass die KESB B.____ im Rahmen ihrer Anhörung am 27. September 2022 keine Hinwei- se auf ein vermindertes Hörvermögen beim Beschwerdeführ er habe feststellen können. Nach Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erhalt der entsprechenden Auskünfte vom Beschwerdefüh rer sei allenfalls der Memory Clinic Basel die Frage bezüglich des Einflusses des Hörvermögens auf die Testergebnisse zu stellen. Die Frage der Wahrscheinlichkeit bezüglich vergangener E reignisse stelle sich für die Erwach- senenschutzbehörde nicht, relevant erscheine ihr viel mehr die aktuelle Beurteilung, wozu sich der Bericht der Memory Clinic Basel bereits geäussert hab e. Zur Frage bezüglich des Ab- schlussgesprächs am 6. Dezember 2022 sei festzuhalten, dass es sich dabei um einen Termin gehandelt habe, welchen die Kinder vom Beschwerdeführ er bereits vor Verfahrenseröffnung der KESB B.____ aufgegleist hätten. Die Testung, auf der die Beurteilung der Memory Clinic Basel zu Handen der KESB B.____ beruhe, habe gemäss Be richt vom 25. April 2023 der Me- mory Clinic Basel am 6. April 2023 ohne Beisein der Kinder und der Ehegattin stattgefunden. 6.2.2 Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung fest , sie habe sich sehr wohl in der Instruk- tionsverfügung vom 1. Juni 2023 mit den Verfahrensanträ gen befasst und begründet, welche Ergänzungsfragen aus ihrer Sicht von Interesse seien un d welche sich erübrigen würden. Der Beschwerdeführer respektive dessen Rechtsvertretung sei au fgefordert worden, die von ihm erwähnten Dokumente und Angaben zur Prüfung vorzulegen und habe sodann lediglich in Er- wägung gezogen, welche Ergänzungsfragen in der Folge z u stellen seien. Es sei festgehalten worden, dass nach Erhalt der gefragten Dokumente die nächsten Schritte angegangen würden. Seitens des Beschwerdeführers seien bis heute weder di e verlangten Dokumente eingereicht, noch sei eine abschlägige Mitteilung gemacht und es sei en auch keine anderweitige Eingabe – etwa ein Antrag auf Erlass einer anfechtbaren Verfügu ng – eingereicht worden. Die KESB B.____ werde dem nun nachgehen und sodann über das weitere Vorgehen befinden. 6.3 Diesen treffenden Erwägungen ist nichts Wesentliches beizufügen. Entgegen der Mei- nung des Beschwerdeführers hat sich die Vorinstanz in ih rem Entscheid vom 1. Juni 2023 sehr wohl mit den Verfahrensanträgen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt und auch be- gründet, weshalb sie zu anderen Ergänzungsfragen an di e Memory Clinic Basel als der Be- schwerdeführer gekommen ist. Es kann somit weder die Red e davon sein, dass die KESB B.____ keinerlei Würdigung der Verfahrensanträge vorgenommen und diese ignoriert hat, noch, dass sie die Eingabe des Beschwerdeführers stillschweigend nicht an die Hand genommen und behandelt hat. Es liegt demnach keine formelle Rech tsverweigerung im Sinne von Art. 29 Abs. 1 BV vor. 7. Die Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet un d ist abzuweisen. 8. Es ist noch über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 A bs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem Ausgang des Verfah rens entsprechend trägt der unter- legene Beschwerdeführer die Verfahrenskosten in der Hö he von insgesamt Fr. 800.--. Die Par- teikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvor schuss in gleicher Höhe verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin