B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2919/2012 U r t e i l v o m 1 . A p r i l 2 0 1 4 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Daniel Willisegger; Gerichtsschreiberin Lhazom Pünkang. Parteien A._______, geboren am (…), Irak, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. April 2012 / N (…). E-2919/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein sunnitischer Kurde aus dem Irak, eigenen An- gaben zufolge aus Mosul, verliess seinen Heimatstaat gemäss seinen Aussagen am 13. August 2010 und gelangte in einem Personenwagen zunächst über Syrien in die Türkei, von wo er versteckt im Laderaum ei- nes Lastwagens weiterreiste und ca. zweiein halb Tage später die Schweiz erreichte. Am 30. August 2010 suchte er im Empfangs- und Ver- fahrenszentrum (EVZ) Basel um Asyl nach. Anlässlich seiner Kurzbefr a- gung am 9. September 2010 im EVZ Kreuzlingen sowie der einlässlichen Anhörung am 19. April 2012 zu seinen Ausreise - und Asylgründen trug der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes vor: Er stamme aus Mosul und habe dort mit seinem Vater und seinen zwei Brüdern gelebt. Im (...) 2006 sei sein Bruder B._______ von unbekannten Personen getötet worden. Sein zweiter Bruder C._______ sei daraufhin vom Dienst bei der republikanischen Garde, welche damals mit den ame- rikanischen Behörden zusammen gearbeitet habe, zurückgetreten, da er sich wegen seines Militärdienstes nicht mehr sicher gefühlt und die T ö- tung seines B ruders damit in Verbindung gesetzt habe. Die Familie des Beschwerdeführers habe ständig Drohbriefe erhalten, in welchen sie als Verräter bezeichnet und der Kollaboration mit den Amerikanern beschul- digt worden sei. Der Vater des Beschwerdeführers sei wegen dieser Situ- ation mehrere Male bei der Polizei vorstellig geworden, diese habe sich jedoch nicht um seine Familie gekümmert resp. ihre Ermittlungen seien erfolglos geblieben. Im (…) 2008 sei auch sein Bruder C._______ getötet worden. Dies weil er bei der republikanisch en Garde gearbeitet gehabt habe, wobei ihm im Konkreten die Weitergabe von Informationen über Is- lamisten an die Amerikaner vorgeworfen worden sei. Der Beschwerdefüh- rer sei nach dem Tod seiner Brüder auch persönlich verfolgt wo rden. So seien eines Tages mehrere vermummte und bewaffnete Personen aus ei- nem Auto ausgestiegen und in seine Richtung gelaufen , als er auf dem Bazar gewesen sei. Er habe noch rechtzeitig flüchten können, als er meh- rere Schussabgaben hinter sich gehört habe. Auf Anraten seines Vaters und von Bekannten habe er schliesslich seine Heimat verlassen. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer folgende Beweismittel zu den Akten:  Irakische Identitätskarte des Beschwerdeführers (Original); E-2919/2012 Seite 3  Irakischer Nationalitätenausweis des Beschwerdeführers (Orig i- nal);  Sterbeurkunde vom (…) März 2008 lautend auf C._______, gebo- ren (…) (Kopie);  Wohnsitzbestätigung vom (…) 2010 der irakischen Informations- behörde (Innenministerium) betreffend den Beschwerdeführer; darin wird gleichzeitig die Tötung der Brüder des Beschwerdefü h- rers bestätigt und die Bedrohungssituation des Beschwerdefü h- rers selbst festgestellt;  Drohbrief vom 13. Juli 2010 an den Beschwerdeführer, wo rin er als Verräter bezeichnet wird und ihm mit dem Tod gedroht wird. B. Am 6. Dezember 2010 wurde mit dem Beschwerdeführer ein Telefong e- spräch im Hinblick auf eine sprachliche und länderkundliche Expertise (sogenannte Lingua -Analyse) geführt. Der mit der An alyse betraute E x- perte gelangte zum Schluss, der Beschwerdeführer spreche Kurmanji und stamme mit Sicherheit aus dem Irak, sei mit Sicherheit aber nicht in Mosul sozialisiert worden. Dem Beschwerdeführer wurde das rechtliche Gehör in diesem Zusammenhang an lässlich der Anhörung vom 19. April 2012 gewährt. Anlässlich dieser Anhörung wurde ihm auch mitgeteilt, seine Identitätsd o- kumente enthielten gemäss einer amtsintern durchgeführten Dokume n- tenanalyse objektive Fälschungsmerkmale. C. Mit Verfügung vom 27. Apri l 2012 – dem Beschwerdeführer eröffnet am 1. Mai 2012 – wies das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung sowie den Vollzug der Wegweisung an. Es hielt im Wesentlichen fest, dass weder die geltend gemachte Herkunft aus Mosul noch die darauf beruhenden Asylvorbringen des Beschwerde- führers glaubhaft gemacht worden seien. Es sei vielmehr davon ausz u- gehen, dass der Beschwerdeführer aus dem Nordirak (Provinzen Dohuk, Erbil und Sul eimaniya) stamme. Das BFM bezeichnete den Wegwe i- sungsvollzug dorthin als zulässig, zumutbar und möglich. Auf die En t- scheidbegründung im Einzelnen wird in den nachstehenden Erwägungen näher eingegangen. E-2919/2012 Seite 4 D. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers erhob mit Eingabe vom 30. Mai 2012 gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwa l- tungsgericht und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufz u- heben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwe i- sen. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde führers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren; subeventualiter sei die Unzulä s- sigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen . In formeller Hi n- sicht wurde die Gewährung der unentge ltlichen Rechtspflege mit unen t- geltlicher Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG b e- antragt sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses er- sucht. Zum Nachweis der Mittellosigkeit wurde eine Fürsorgebestätigung des ORS Service vom 15. Mai 2012 beigelegt. Weiter wurde in prozess u- aler Hinsicht beantragt, dem Beschwerdeführer sei Einsicht in das Expe r- tengutachten betreffend Sprach - und Ländertest sowie in die Authentiz i- tätsanalyse des BFM betreffend die Identitätsdokumente zu gewähren. E. Mit Instruktionsverfügung vom 8. Juni 2012 wurde das Gesuch um unen t- geltliche Rechtspflege gutgeheissen und auf die Erhebung eine s Kosten- vorschusses verzichtet. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsve r- beiständung wurde dagegen abgewiesen, ebenso wie der Antrag auf Ein- sicht in die Sprach- und Länderexpertise sowie in die Authentizitätsanaly- se der Identitätsdokumente. F. Mit Vernehmlassung vom 21. Juni 2012 hielt das BFM fest, dass die B e- schwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder B eweismittel enthalte, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könn- ten. Betreffend die bei den eingereichten Identitätsdokumenten durchge- führte Dokumentenanalyse legte das BFM diesbezüglich konkrete festge- stellte Fälschungsmerkmale dar (der S chriftträger der Identitätskarte en t- spreche nicht echtem Vergleichsmaterial, es seien orthografische Fehler vorhanden, die Druckart der Seriennummer sei falsch; auch bei der S e- riennummer des Nationalitätenausweises sei das Druckverfahren falsch, der Schriftträger sei von schlechter Qualität, der Vordruck der Aussense i- te des Ausweises entspreche nicht vorhandenem Vergleichsmaterial) und hielt fest, die Dokumente seien von zwei Fachspezialisten analysiert wor- den. Im Übrigen verwies das BFM auf seine Erwägungen in der ang e- fochtenen Verfügung und beantragte die Abweisung der Beschwerde. E-2919/2012 Seite 5 G. Die Instruktionsrichterin bot dem Beschwerdeführer daraufhin Gelegen- heit, zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung zu nehmen. Mit Replik vom 11. Juli 2012 (Poststempel) hielt der Rechtsvertreter an der Echtheit der Identitäts papiere fest und beantragte eine Prüfung der Dokumente durch eine unabhängige Stelle wie das Forensische Institut Zürich sowie die Durchführung einer Botschaftsabklärung. H. Mit Eingabe vom 8. Oktober 2012 wurde ein weiteres Beweismittel – eine Niederlassungsbestätigung vom (…) 2012, ausgestellt betreffend den Be- schwerdeführer durch den Quartiervorsteher des (…)-Viertels – samt deutschsprachiger Übersetzung zu den Akten gereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungs gericht B e- schwerden ge gen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vor instanz des Bun- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet be treffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor liegenden Beschwerde und entscheidet im Be reich des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig ( Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31 ]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 37 VGG i.V.m. Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz würdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da- her zur Einreichung de r Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. E-2919/2012 Seite 6 2. Die zulässigen Rügen und die Kognition des Gerichts im Asylbereich bestimmen sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen une rträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz hielt in ihrer ablehnenden Verfügung fest, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers insgesamt unglaubhaft seien. Die E r- gebnisse des Länder - und Sprachtests, der mit dem Beschwerdeführer durchgeführt worden sei, würden klar aufzeigen, dass er nicht aus Mosul stamme. Der Beschwerdeführer spreche nicht den kurdischen Dialekt , der in Mosul gesprochen werd e, sondern den Badini -Dialekt aus der Re- gion Dohuk. Sein Arabisch sei ungenügend, zumal der Beschwerdeführer angegeben habe, in Mosul die Schule besucht zu haben . Zudem mangle es seinem Arabisch an spezifischen Merkmalen der irakisch-arabischen Umgangssprache. Er spreche dagegen lediglich eine Var iante des Hoch- arabisch. W eiter besitze der Beschwerdeführer nur sehr rudimentäre Kenntnisse über seine angebliche Heimatstadt. Er könne sein Quartier, in dem er während mehr als zwanzig Jahren gewohnt haben soll, innerhalb der Stadt Mosul nicht geografisch einordnen. Auch kenne er wichtige Orte der Stadt nicht und ihm sei das während des Saddam -Regimes in Mosul verwendete Geld nicht bekannt. Schliesslich habe die Analyse der einge-E-2919/2012 Seite 7 reichten Identitätspapiere ergeben, dass diese Fälschungsmerkmale auf- weisen würden. Aus diesen Gründen stehe für das BFM mit Sicherheit fest, dass der Beschwerdeführer nicht aus Mosul stamm e und entspr e- chend seine Familie dort auch nie von unbekannten Personen habe ver- folgt werden können. Die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen werde durch verschiedene Widersprüche in seinen Aussagen zusätzlich erhärtet. Die Erklärungen und Gegenargumente des Beschwerdeführers im Rahmen des rechtlichen Gehörs zu den Abklärungsergebnissen und zu den vor- gehaltenen Ungereimtheiten vermöchten das BFM nicht zu üb erzeugen. Auch die eingereichten Beweisunterlagen könnten zu keiner anderen Würdigung führen. Aufgrund der fehlenden Glaubhaftigkeit der Vorbringen erübrige sich die weitere Prüfung der Asylrelevanz. Den Vollzug der Wegweisung in den von der kurdischen Reg ionalregierung kontrollierten Nordirak (Provinzen Dohuk, Erbil und Suleimaniya) erachtete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. 4.2 4.2.1 Demgegenüber hielt der Rechtsvertreter in seiner Beschwerdeei n- gabe fest, dass der vom Beschwerdeführer gesprochene Badini -Dialekt nicht nur in Dohuk, sondern auch in der Region Mosul von einem grossen Teil der kurdischen Bevölkerung gesprochen werde, dies vor allem im Wohnquartier des Beschwerdeführers. Zu den ungenügenden Arabisch - Kenntnissen sei festzuhalten, dass der Besc hwerdeführer bereits selber dies damit begründet habe, dass er Kurde sei und in Hocharabisch unter- richtet worden sei. Zuhause sei nur Kurdisch gesprochen worden. Weiter habe der Sprachexperte den Beschwerdeführer lediglich ca. 3 -5 Minuten auf Arabisch befragt und die Fragen auf Hocharabisch und nicht im irak i- schen Dialekt gestellt. Im Übrigen beherrsche der Beschwerdeführer en t- gegen der Auffassung der Vorinstanz auch den irakischen Dialekt. Hierzu wurde angemerkt , dass der Beschwerdeführer durchaus fliessen d Ar a- bisch spreche, wo er doch alle auf Arabisch gestellten Fragen im Befr a- gungsprotokoll v erstanden und beantwortet habe und sich mit dem Rechtsvertreter, dessen Muttersprache Arabisch sei, während einer Stun- de problemlos auf Arabisch habe unterhalten können. 4.2.2 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz verfüge der Beschwerd e- führer auch über gute Kenntnisse über seine Heimatstadt. Er habe an der Kurzbefragung alle Nachbarsquartiere seines Wohnviertels nennen kö n- nen. Die Universität habe er nicht falsch bezeichnet, sondern sie h eisse in der Umgangssprache in Mosul tatsächlich "Al Hadbaa". Die Angabe des Beschwerdeführers zu den während des Saddam -Regimes verwen-E-2919/2012 Seite 8 deten Geldscheinen sei korrekt, da er von "Dinar" gesprochen habe. Man unterscheide zwischen alt en und neuen Dinar, nur die Notenbilder und die Kennzeichen hätten sich geändert. 4.2.3 Bezüglich der vom BFM als gefälscht bezeichneten Identitätsdok u- mente wird gerügt, es sei dem Beschwerdeführer keine Einsicht in den Inhalt der Authentizitätsanalyse gewährt w orden, sondern lediglich deren Ergebnis ohne Erläuterung angegeben worden. Der Rechtsvertreter hielt fest, dass diese Dokumente die Herkunft des Beschwerdeführers aus Mosul beweisen würden und die vorinstanzliche Verfügu ng auf einer fa l- schen Annahme basier e. Im Übrigen seien die Asylgründe des B e- schwerdeführers widerspruchsfrei und detailliert geschildert worden. Hinsichtlich der Sprach- und Herkunftsanalyse der Fachstelle "Lingua" hielt der Rechtsvertreter fest, dass diese nur in ihrem wesentlichen Inhalt dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gegeben worden sei (vgl. Verfügung des BFM vom 27. April 2012, Anhörungsprotokoll vom 19. April 2012). Aus nicht konkret genannten Gründen sei sie im Übrigen geheim gehal- ten worden. Die Wiedergabe der Vorinstanz enthalte k einerlei Details betreffend die Sichtweise des Gutachters. Durch die einseitige Würdigung des Gutachtens seien vorliegend der Grundsatz der Waffengleichheit und der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. 4.2.4 Die Vorinstanz habe die Herkunft des Beschwerdefü hrers aus M o- sul zu Unrecht lediglich gestützt auf die Ergebnisse der Lingua -Analyse als unglaubhaft gewürdigt, und damit auch zu Unrecht die in Mosul erle b- ten Verfo lgungsvorbringen nicht geglaubt. Die Darstellungen des Be- schwerdeführers würden sodann entge gen der vorinstanzlichen Erwä- gungen auch keine Widersprüche beinhalten; zu würdigen sei ferner, dass entsprechende Beweismittel (Wohnsitzbestätigung; Todesurkunde betreffend den Bruder, Drohbrief) eingereicht worden seien. Der B e- schwerdeführer habe asylrelevante Verfolgung zu befürchten, ohne dass im Zentralirak ein funktionierendes und effizientes Rechts - und Justizsys- tem zur Verfügung stünde, weshalb ihm dort der erforderliche staatliche Schutz vor Verfolgung fehlen würde. Schliesslich bestünden keine inn er- staatlichen Fluchtalternativen. Der Beschwerdeführer, der im arabischen Teil des Iraks sozialisiert sei, verfüge über keine familiäre n oder sozialen Anknüpfungspunkte im kurdisch-kontrollierten Nordirak. 5. Vorab sind die Rügen des Beschwerdeführers zu prüfen, die Vorinstanz E-2919/2012 Seite 9 habe betreffend die Einsichtsgewährung in die Lingua -Analyse und in die Dokumentenanalysen das rechtliche Gehör verletzt. 5.1 Was die Lingua -Analyse betrifft, wurde diese dem Beschwerdeführe r nicht vollumfänglich offengelegt, sondern die Schlussfolgerung des E x- perten ebenso wie dessen wesentliche Überlegungen, die seinem Schluss zugrunde lagen, wurden dem Beschwerdeführer während der Anhörung vom 19. April 2012 (vgl. A25/15 S. 12) zur Kenntni s gebracht und zur Stellungnahme unterbreitet. Ausserdem wurden ihm in anonym i- sierter Form der Werdegang und die Qualifikation des Experten offeng e- legt (vgl. A20/1). Dieses Vorgehen erweist sich als korrekt und praxiskonform (vgl. Ent- scheidungen und Mitte ilungen der Schweizerischen Asylrekurskommiss i- on [EMARK] 1999 Nr. 20 E. 3, 1998 Nr. 34 E. 9b), und die Vorinstanz hat betreffend eine vollständige Edition der Lingua-Analyse zu Recht das Be- stehen überwiegender öffentliche r oder privater Geheimhaltun gsinteres- sen im Sinne von Art. 27 VwVG bejaht . Mit Instruktionsverfügung vom 8. Juni 2012, auf die an dieser Stelle verwiesen werden kann, wurde das Gesuch um Einsicht in die Sprach- und Länderexpertise abgewiesen. 5.2 Was die vom BFM amtsintern erstellten Dokumente nanalysen zu den Identitätsdokumenten betrifft, wurde in der Instruktionsverfügung vom 8. Juni 2012 ein überwiegendes öffentliches Geheimhaltungsinteresse gemäss Art. 27 VwVG, das einer integralen Offenlegung entgegenstehe, ebenfalls bejaht und entsprechen d der Antrag um Einsicht in die Dok u- mentenanalysen ebenfalls abgewiesen. Hingegen wurde festgehalten, mit dem blossen Hinweis, es bestünden "objektive Fälschungsmerkmale" (so A25/15 S. 12 f.) , sei der wesentliche Inhalt der geheimzuhaltenden D o- kumente im Sinne von Art. 28 VwVG nicht genüglich offengelegt, und das BFM wurde eingeladen, entsprechend die festgestellten Fälschung s- merkmale in ihrem wesentlichen Gehalt näher zu umschreiben. Indem die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 21. Juni 2012 nac h- träglich den wesentlichen Inhalt der Dokumentenanalysen dargelegt hat, wozu der Beschwerdeführer replikweise hat Stellung nehmen können (vgl. oben Bst. F, G und H), ist der Mangel im Rahmen des Beschwerd e- instruktionsverfahrens mithin behoben und geheilt worden. E-2919/2012 Seite 10 6. Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Durchsicht der Akten in Übereinstimmung mit den Erwägungen der Vorinstanz zum Schluss, dass der Beschwerdeführer keine begründete Furcht vor Verfolgung glaubhaft machen konnte. Das Gericht teilt die Würdigung des BFM, dass der Be- schwerdeführer nicht aus Mosul stammt und die diesbezüglichen Vorbrin- gen überwiegend unglaubhaft sind. 6.1 Der Beschwerdeführer gab an der Erstbefragung selber zu Protokoll, dass das kurdische Badini (auch Kurmanji genannt) seine Muttersprache sei (vgl. A1/13 S. 3). Innerhalb des irakischen Staatsgebiets wird Badini in den nördlichen Kurden-Gebieten der Provinz Erbil und in der Provinz D o- huk gesprochen (vgl. UK Border Agency, Country of Origin Information Report, Kurdistan Regional Governme nt Area of Iraq, 16. September 2009, http://www.refworld.org/ pdfid/4ab399c10.pdf ; abgerufen am 24. März 2014). Mosul befindet sich dagegen ausserhalb der beiden g e- nannten Provinzen, namentlich südlich von der Provinz Dohuk und wes t- lich von der Provinz Erbil. Die vom BFM veranlasste Herkunftsanalyse, wonach der Beschwerdeführer das nordkurdische Badini spreche, stimmt mit dem Gesagten überein. Anhand des Expertengutachtens wird ersicht- lich, dass sowohl die kurdische als auch die arabische Sprache des B e- schwerdeführers sorgfältig im Hinblick auf seine H erkunft überprüft wur- den und sich dabei für den Experten klar herausstellte, dass der B e- schwerdeführer nicht aus Mosul stammen könne. Das auf Beschwerd e- ebene entgegengehaltene Argument, der Dialekt des Beschwerdeführers werde auch von einem Grossteil der in Mosul ansässigen Kurden gespro- chen, erweist sich damit als nicht stichhaltig. Die Schlussfolgerung der sachverständigen Person wird in der Lingua -Analyse in fundierter und nachvollziehbarer Weise begründet, und das Gericht erachtet die vom Experten in sprachlicher Hinsicht gezogenen Schlüsse als überzeugend. Das Lingua-Gutachten gibt im Weiteren auch über die geographi schen, kulturellen und gesellschaftlichen Kenntnisse des Beschwerdeführers Auskunft, welche indessen aufg rund au genfälliger Wissenslücken nicht auf eine Abstammung aus Mosul schliessen lassen . Auch diesen Schlussfolgerungen der sachverständigen Person schliesst sich das G e- richt an. So nannte der Beschwerdeführer den falschen Namen der Un i- versität Mosul, nämlich "Al-Hadbaa", obwohl er behauptete, er habe diese Universität besuchen wollen (vgl. A25/15 S. 4 F29). Zwar gibt es gemäss öffentlich-zugänglichen Quellen eine private Universität in Mosul namens 'Al Hadbaa University College' , jedoch hat der Beschwerdeführer zu ke i-E-2919/2012 Seite 11 nem Zeitpunkt den genauen Namen dieser Universität nennen können und auch nicht darauf hingewiesen, dass es mehrere Universitäten in Mosul gibt. Die Erklärung auf Beschwerdeebene, der vom Beschwerd e- führer angeführte Name der Universität, "Al -Hadbaa", sei die umgan gs- sprachliche Bezeichnung der Universität Mosul, überzeugt ebenso wenig. Auch die Aufzählung der umliegenden Quartiere seines Wohnorts stimmt gemäss Länderexpertise mehrheitlich nicht mit den tatsächlichen Verhält- nissen überein. Darüber hinaus konnte der Beschwerdeführer allgemein bekannte Orte der Stadt (Märkte, Kinos, Parks und Schreine) nicht au f- zählen. Vor diesem Hintergrund vermitteln a uch die Antworten des B e- schwerdeführers auf die Frage, was ihm persönlich an seiner Heimatstadt besonders gefallen habe, den Ein druck, er würde die Stadt nicht richtig kennen. So fallen seine diesbezüglichen Antworten sehr knapp aus, w o- bei er mitunter Gegenfragen stellte, obwohl die Frage an sich genügend klar formuliert wurde. Im Wesentlichen führte er lediglich an, es gebe viele Dinge in Mosul wie die Universität, Moscheen und ein Minarett sowie e i- nen Fluss. Allerdings gab er damit keine Antwort auf die gestellte Frage, was ihm persönlich an der Stadt besonders gefallen habe (vgl. A25/15 S. 4 F28 ff.) . Angesichts dieser Erkenntnisse erstaunt es auch nicht, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung keine einzige Tele- fonnummer von seinen nahen Angehörigen, Verwandten oder Freunden nennen konnte (vgl. A1/13 S. 2). 6.2 Ferner erwiesen sich die vom Beschwerdeführer eingereichten Ident i- tätsdokumente (die Identitätskarte und der Nationalitätenausweis) , we l- che vom BFM amtsintern auf ihre Echtheit hin überprüft wurden, als g e- fälscht. Zwei Fachspezialisten des BFM haben die Dokumente unabhä n- gig voneinander überprüft und haben übereinstimmend objektive Fä l- schungsmerkmale in beiden Dokumenten gefunden. Der Beschwerdefüh- rer hält in seine r Replik an der Echtheit der Dokumente fest, ohne dass indessen seine Stellungnahme zu den konkret dargelegten Fälschung s- merkmalen überzeugen kann. So weist die eingereichte Identität skarte orthografische Fehler auf, die auch nach Einschätzung des Gerichts klarerweise gegen die Echtheit e i- nes amtlichen Ausweises sprechen. Weiter ist die Seriennummer der Identitätskarte nicht in der Druckart gedruckt, wie dies Vergleichsmaterial entspricht, wobei weder der Umstand, dass die Ziffern der S eriennummer von links nach rechts grösser werden, ausschlaggebend ist, noch der Einwand zu überzeugen vermag, die Vorinstanz habe sich auf veraltetes Vergleichsmaterial abgestützt (Replik S. 1). Wenn sodann bei beiden E-2919/2012 Seite 12 Identitätsdokumenten Mängel im "Schriftträger" festgestellt worden sind, bezieht sich dies – entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (vgl. Replik S. 1) – nicht auf die Handschrift des unterzeichnenden Beamten, sondern auf Beschaffenheit und Ausgestaltung des für die Ausweise ver- wendeten Grundmaterials; auch diesbezüglich bleiben mithin die Einwän- de des Beschwerdeführers in seiner Replik unbehelflich. Die festgestellten Fälschungsmerkmale erweisen sich auch aus Sicht des Gerichts als deutlich und relevant; der Beschwerdeführer vermag die en t- sprechenden Festste llungen nicht glaubhaft zu relativieren. Der Antrag, es sei eine weitere Überprüfung der Dokumente durch eine unabhängige Stelle, wie beispielsweise das Forensische Institut Zürich, oder eine Bot- schaftsabklärung vorzunehmen (Replik S. 2), ist abzuweisen, z umal die Lingua-Analyse, wie oben ausgeführt, inhaltlich zu übereinstimmenden Erkenntnissen führt wie die vom BFM sorgfältig durchgeführten Dok u- mentenanalysen. 6.3 Nach dem Gesagten muss davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer nicht in Mosul, sondern in Nordirak sozialisiert wurde, weshalb auf weitere Ungereimtheiten nicht weiter einzugehen ist und diesbezüglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird. Was die im vorinstanzlichen V erfahren eingereichte Wohnsitzbestä- tigung betrifft, welche vom irakischen Innenministerium ("Ministry of Int e- rior Deputy Minister for the Information And National Investigation") au s- gestellt sein soll und in welcher zugleich eine Verfolgung des Beschwe r- deführers bestätigt wird, hat die Vorinstanz diesem Beweismittel zu Recht nicht ausschlaggebende Bedeutung zugemessen. Auch die auf B e- schwerdeebene (Eingabe vom 8. Oktober 2012) nachgereichte Niede r- lassungsbestätigung des Beschwerdeführers der Quartierbehörde (…) vermag an den vorstehenden Feststellungen nichts zu ändern, zumal es sich hierbei um eine Gefälligkeit oder um ein unrechtmässig erworbenes Dokument handeln könnte und ihr entsprechend geringe Beweiskraft z u- kommt. 6.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägu ngen können auch die Verfo l- gungsvorbringen des Beschwerdeführers, die räumlich unmittelbar an den Lebensraum in Mosul anknüpfen, nicht der Wahrheit entsprechen. Die vom Besc hwerdeführer geltend gemachte Gefährdungssituation er- weist sich demnach als unglaubhaft. E-2919/2012 Seite 13 7. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Beschwerd e- führer keine asylrechtlich relevanten Verfolgungsgründe im Sinne von Art. 3 und 7 AsylG glaubhaft machen konnte, weshalb das Vorliegen einer begründeten Furcht vor Verfolgung zu verneinen i st. Das BFM hat daher die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Vorliegend ist die Wegweisung des Beschwerd e- führers in die kurdischen Provinzen Erbil oder Dohuk im Nordirak zu prü- fen. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Au f- enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit Hinweis auf EMARK 2001 Nr. 21). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 Ausländergesetz [AuG, SR 142.20]). Bei der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstan- dard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2). 9.2 Der Vollzug ist nicht zu lässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 9.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in e in Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 E-2919/2012 Seite 14 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 9.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Stra fe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behan d- lung unterworfen werden. 9.2.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung f inden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in den Heimatstaat – in Frage steht vorliegend, wie oben fes t- gehalten, ein Wegweisungsvollzug in den Nordirak – dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europä i- schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGM R) sowie jener des UN - Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete G e- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall ei- ner Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heima t- staat und insbesondere die Sicherheits- und Menschenrechtslage im kur- dischen Nordirak, die in BVGE 2008/4 Gegenstand einer umfassenden Beurteilung bildete, lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zei t- punkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. E-2919/2012 Seite 15 9.3 9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und mediz inischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist im Frühjahr 2008 aufgrund einer umfassenden Beurteilung der Situation in den nordirakischen Provinzen Dohuk, Suleimaniya und Erbil zum Schluss gekommen, dass in den drei kurdischen Provinzen keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und die politische Lage nicht dermassen angespannt ist, dass eine Rückführu ng dorthin als generell unzumutbar betrachtet werden müsste (vgl. BVGE 2008/5). Zudem ist die Region mit Direktflügen aus Europa und aus den Nachbarstaaten erreichbar. Damit entfällt das Element der unzumutbaren Rückreise via Bagdad und anschliessend auf d em Landweg durch den von Gewalt heimgesuchten Zentralirak. Zusammenfassend wurde im e r- wähnten Entscheid festgehalten, dass die Anordnung des Wegweisung s- vollzugs in der Regel für alleinstehende, gesunde und junge kurdische Männer, die ursprünglich aus einer der drei Provinzen stammen oder eine längere Zeit dort gelebt haben und dort nach wie vor über ein soziales Netz oder Parteibeziehungen verfügen, zumutbar ist. Für alleinstehende Frauen und für Familien mit Kindern, sowie für Kranke und Betagte ist bei der Feststellung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs dagegen grosse Zurückhaltung angebracht (vgl. BVGE 2008/5 E. 7.5 und insb e- sondere E. 7.5.8 S. 65 ff.). Die im erwähnten Urteil vorgenommene Lag e- einschätzung basiert auf einer grossen Zahl von Berichte n verschiedener Organisationen, darunter namentlich auch des UNHCR (vgl. die Quelle n- angabe in BVGE 2008/5 E. 7.4 S. 65). Die Sicherheitssituation im Nordirak hat sich seit Publikation des erwäh n- ten Urteils nicht verschlechtert. In der überwiegenden Mehrhe it der B e- richte von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen sowie des UN- Sicherheitsrats wird eine insgesamt stabile Situation beschrieben (vgl. UK Home Office, Country of Origin Information Report vom 25. März 2011 über die Kurdistan Regional Govern ment Area of Iraq, Ziffern 8.67 bis 8.69; vgl. zur aktuellen Lageeinschätzung durch das Bundesverwaltung s- gericht unter anderen die Urteile E -5424/2010 vom 26. Juni 2012 E. 7.3.2, E -4673/2009 vom 24. Mai 2012 E. 4.2.2, D -7368/2010 vom 8. Februar 2012 E. 8.4.3, D-873/2013 vom 29. Mai 2013 E. 6.4.2). E-2919/2012 Seite 16 Der Beschwerdeführer stammt aus der kurdischen Provinz Erbil oder D o- huk im Nordirak. Es ist davon auszugehen, dass er in seiner Heimatreg i- on auch über ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz verfügt, zumal er zu Protokoll gab, dass er dem (...)-Stamm angehöre und dass seine E l- tern und weitere Verwandte in Mosul leben würden (vgl. A1/13 S. 4). Wei- ter habe er bis zu seiner Ausreise noch die Schule besucht. Zum damali- gen Zeitpunkt hatte er bereits rund (…) ordentliche Schuljahre absolviert und es fehlte ihm lediglich noch (…) bis zum Abschluss des Gymnas i- ums. Angesichts der langjährigen Schulbildung des Beschwerdeführers und der mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhandenen familiären Beziehu n- gen ist davon auszugehen, dass er sich sowohl sozial als auch wirtschaft- lich wieder in das gesellschaftliche System in seiner Heimatprovinz inte g- rieren wird. Der Beschwerdeführer ist [noch jung] und, soweit aktenku n- dig, in einer guten gesundheitlichen Verfassung. Folglich sind keine in di- viduellen Hindernisse ersichtlich, die den Vollzug der Wegweisung als un- zumutbar erscheinen lassen. Zugute kommen dürften dem Beschwerd e- führer ausserdem die von ihm in der Schweiz während seines Aufenthalts gesammelten Erfahrungen. Schliesslich ist darau f hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer zur Überbrückung allfälliger Anfangsschwierigkeiten beim BFM Rückkehrhilfe beantragen kann. 9.3.3 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist der Vollzug der Wegweisung sowohl vor dem Hintergrund der allgemeinen Lage im Nord- irak als auch in individueller Hinsicht als zumutbar zu erachten. 9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt si ch, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. E-2919/2012 Seite 17 11. Bei diesem Ausg ang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). Der Beschwerdeführer stellte in seiner Rechtsmitteleingabe vom 30. Mai 2012 jedoch ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ( Art. 65 Abs. 1 VwVG), welches mit Inst ruktionsverfügung vom 8. Juni 2012 gut geheis- sen wurde. Gemäss Akten haben sich die finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers bis heute kaum verändert. Demnach werden keine Verfahrenskosten erhoben. (Dispositiv nächste Seite) E-2919/2012 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Lhazom Pünkang Versand: