Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Juli 2012 (725 12 69 / 189) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Rentenanspruch und Einkommensvergleich Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Yves T hommen, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Daniel Scheuner Parteien R.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Marcel Muff, Advokat, Nauenstrasse 49, Postfach 3636, 4002 Basel gegen Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG , Schadenservice, Postfach, 8048 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1948 geborene R.____ betrieb zusammen mit seine r Ehefrau bis Ende 2002 das Restaurant H.____ in L.____. In dieser Eigenschaft war er als Selbstständigerwerbender freiwil- lig gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheite n bei der Allianz Suisse Versicherungs- Gesellschaft AG (Allianz) versichert. Nach Aufgabe des Re staurantbetriebes in L.____ begann R.____ mit dem Aufbau einer Snackbar in M.____. Mit Unfallmeldung vom 10. März 2003 zeig- te R.____ der Allianz an, dass er am 4. März 2003 bei e inem Skiunfall in Saas Fee eine Trüm- merfraktur des rechten Schienbeins erlitten habe. In de r Folge richtete die Allianz Taggelder Seite 2 aus und kam für die Kosten der ärztlichen Behandlung auf . Mit Verfügung vom 24. Juli 2009 stellte die Allianz fest, dass von einer weiteren Fortset zung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr zu erw arten sei, woraufhin sie die weitere Ausrichtung von Taggeldern sowie die Übernahme der Behandlungskosten einstellte. Weiter ermittelte sie einen Invaliditätsgrad von 0 % u nd lehnte einen Rentenanspruch ab. Fer- ner richtete sie dem Versicherten eine Integritätsentsch ädigung auf der Basis einer Integritäts- einbusse von 15 % aus. Mit Einsprache vom 21. August 200 9 beantragte R.____, vertreten durch die X.____ Rechtsschutz-Versicherungs AG, die Ausrichtung von Rentenleistungen. Am 20. Januar 2010 teilte die Allianz R.____ mit, d ass für das Unfallereignis vom 4. März 2003 keine Versicherungsdeckung bestanden habe, da der neue V ertrag für die freiwillige Unfallver- sicherung betreffend die Tätigkeit in der Snackbar in M .____ erst nach dem Schadenereignis zustande gekommen sei. Unter diesen Umständen müsse hin sichtlich der Verfügung vom 24. Juli 2009 eine Reformatio in peius durchgeführt u nd dementsprechend die bereits erbrach- ten Leistungen zurückgefordert werden. Sollte ein vorbe haltloser Einspracherückzug erfolgen, würde im Gegenzug auf die Durchsetzung der Rückforderun gsansprüche verzichtet werden. Nachdem R.____ an der Einsprache festhielt, wies die All ianz diese mit Entscheid vom 9. April 2010 ab. B. Am 12. Mai 2010 reichte R.____, nunmehr vertreten durch Marcel Muff, Advokat, beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht), Be- schwerde gegen den Einspracheentscheid der Allianz ein un d beantragte, es sei dieser aufzu- heben und festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin fü r die Folgen des Unfallereignisses vom 4. März 2003 leistungspflichtig sei. Ferner sei mit Wirkung ab 1. Januar 2007 eine halbe Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von 50 % auszurichten. C. Mit Urteil vom 26. Mai 2011 hiess das Kantonsgericht die Beschwerde gut und stellte fest, dass die Allianz für die Folgen des Unfallereigniss es vom 4. März 2003 leistungspflichtig ist. Dieser Entscheid erwuchs in der Folge unangefochten in Rechtskraft. D. Nachdem die Allianz das Einspracheverfahren wieder auf genommen hatte, wies sie das Leistungsbegehren mit Entscheid vom 25. Januar 2012 ern eut ab. Zur Begründung machte sie erneut geltend, dass aufgrund der ärztlichen Zumutbarkeitsbeurteilung eine Arbeitsfähigkeit von 100 % für Verweistätigkeiten bestehe und nach Durchführ ung des Einkommensvergleichs eine uneingeschränkte Erwerbsfähigkeit resultiere. E. Am 23. Februar 2012 reichte R.____, nach wie vor vertreten durch Advokat Muff, Be- schwerde beim Kantonsgericht ein und beantragte die A ufhebung des angefochtenen Einspra- cheentscheides sowie die Zusprechung einer Invalidenren te auf der Basis einer Erwerbsunfä- higkeit von 50 % mit Wirkung ab 1. Januar 2007, zuzüglich Verzugszins von 5 % auf den im Zeitpunkt der Zahlung verfallenen Leistungsnachzahlungen. Seite 3 F. In ihrer Vernehmlassung vom 25. April 2012 hielt d ie Allianz an ihrem Entscheid fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Auf die Ausf ührungen der Parteien in deren Recht- schriften wird - soweit erforderlich - in den nachstehenden Erwägungen einzugehen sein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. Streitig und zu prüfen ist nachstehend, ob und gege benenfalls in welchem Umfang der Be- schwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente der obli gatorischen Unfallversicherung hat. Die mit rechtskräftigem Urteil des Kantonsgerichts vom 26. Mai 2011 geklärte Frage der (bejah- ten) Versicherteneigenschaft des Beschwerdeführers bildet nicht mehr Gegenstand des Verfah- rens. Hinsichtlich der zugesprochenen Integritätsentschäd igung hat der Beschwerdeführer kein Rechtsmittel eingelegt, sodass der angefochtene Einsprach eentscheid beziehungsweise die Verfügung vom 24. Juli 2009 diesbezüglich in Rechtskraft erwachsen sind. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfal lversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Versicherer in der obligatorischen Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Be rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG ge währt der versicherten Person An- spruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeit sunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Art. 18 Abs. 1 UVG gewäh rt Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn die versicherte Person infolge des Unfalles zu minde stens 10 % invalid ist. Mit dem Ren- tenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG). 2.2 Für Leistungen nach UVG hat der Versicherer nur au fzukommen, wenn zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Kr ankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidi- tät, Integritätsschädigung) ein natürlicher und adäqua ter Kausalzusammenhang besteht, wobei letzterer im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Un fallfolgen praktisch keine Rolle spielt, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlich en Kausalität deckt (vgl. BGE 134 V 109 E. 2; 127 V 102 E. 5b/bb). Organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolgen liegen dann vor, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden A bklärungen bestätigt wurden und die dabei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2008, 8C_806/2007 E. 8.2 m it zahlreichen Hinweisen). Ursa- chen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind al le Umstände, ohne deren Vor- handensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetr eten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs ist somit nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelba- re Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusam- men mit anderen Bedingungen die körperliche oder gei stige Integrität der versicherten Person (im Sinne einer Teilursache) beeinträchtigt hat (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.3; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Mai 2010, 8C_1032/2009, E. 2). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natür licher Kausalzusammenhang besteht, ist Seite 4 eine Tatfrage, worüber der Versicherungsträger beziehu ngsweise im Beschwerdefall das Ge- richt im Rahmen der Beweiswürdigung nach dem im Sozialve rsicherungsrecht üblichen Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinde n haben. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Lei stungsanspruches nicht (vgl. BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3.1 Für die Beurteilung, ob eine gesundheitliche B eeinträchtigung in einem natürlichen Kausalzusammenhang zu einem Unfallereignis steht, sind en tsprechende Unterlagen - wobei hier Arztberichte ganz im Vordergrund stehen - erforder lich (vgl. BGE 122 V 158 E. 1b). Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen wie alle ander en Beweismittel nach dem für den So- zialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Bewe iswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicher ungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Das Gericht hat somit alle Beweismittel - unabhängig ihrer Herkunft - objektiv zu prüfen und zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterl agen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Bei einander widersp rechenden medizinischen Berichten muss das gesamte Beweismaterial gewürdigt werden und es si nd die Gründe anzugeben, wa- rum auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abgestellt wird. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist somit entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, au ch die geklagten Beschwerden be- rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung de r medizinischen Situation einleuchtet und ob die ärztlichen Schlussfolgerungen begründet sind. Weder die Herkunft eines Beweismit- tels noch dessen Bezeichnung als Bericht, Gutachten oder dergleichen sind ausschlaggebend für den Beweiswert (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). Beurteilungen von angestellten versicherungsinternen Arzt personen soll jedoch bereits dann kein Beweiswert im vorbeschriebenen Sinne mehr zukommen, wenn auch nur geringe Zweifel an deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009 E. 3.2 mit Verweis auf BGE 122 V 157 E. 1d). 2.3.2 Die Rechtsprechung des Bundesgerichts erachtet es d ennoch mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, wenn nicht konkrete Indizien gegen die Zuverl ässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandeln- den Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsa che Rechnung tragen, dass diese mit- unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauen sstellung in Zweifelsfällen eher zu Guns- ten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei de r Abschätzung des Beweiswerts im Rah- men einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfe n allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergesse n werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Arzt stammt, darf n icht dazu führen, sie als von vornher- Seite 5 ein unbeachtlich einzustufen, da die einen längeren Z eitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte oft wertvolle Erkenn tnisse hervorbringt. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlung sauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des am tlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; U rteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- od er Gerichtsgutachten stets in Frage zu stel- len und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anders- lautenden Einschätzungen gelangen (vgl. Urteil des Bund esgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 3. Vorliegend besteht zwischen den Parteien Einigkeit d arüber, dass zur Beurteilung der Erwerbstätigkeit des Versicherten auf die in den Akten b efindlichen medizinischen Zumutbar- keitsbeurteilungen und hier erster Linie das orthopädi sche Gutachten von Dr. med. C.____, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie, vom 2. Feb ruar 2009 abgestellt werden kann. Die- sem zufolge leidet der Beschwerdeführer unter einer be ginnenden posttraumatischen OSG- und USG-Arthrose rechts bei einem Zustand nach Osteosynthese einer Pilon tibiale Fraktur am 4. März 2003 sowie einem Zustand nach Entfernung von S chrauben proximal und distal am 16. August 2004 und einer Restmetallentfernung am 25. April 2005. Weiter diagnostizierte Dr. C.____ einen klinischen Verdacht auf eine beginnen de Coxarthrose rechts bei grösseren Ossifikationen am lateralen Pfannenrand sowie einen Ve rdacht auf eine Bursitis subacromialis links. Weiter führte der Gutachter aus, dass die geltend gemachten gesundheitlichen Beein- trächtigungen im Sinne der vorgenannten Diagnosen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest teilweise auf das Unfallgeschehen vom 4. März 2003 zurückzuführen seien. Hinsicht- lich der im Zeitpunkt des Unfalls ausgeführten Tätigkeit als selbstständigerwerbender Betreiber einer Snackbar attestierte der Gutachter eine Arbeits unfähigkeit von 50 %, wobei er die Ein- schränkung im Wesentlichen mit beim Gehen und Stehen auf tretenden Schmerzen und Schwellungen begründete. Demgegenüber gelangte er zu m Schluss, dass für Tätigkeiten in vorwiegend sitzender Stellung eine vollständige Arbeitsfähigkeit bestehe. 4.1 Auf der Basis der gutachterlichen Zumutbarkeitsbeur teilung ist im Folgenden zu prüfen, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang eine rentenb egründende Erwerbsunfähigkeit vor- liegt. Die Invaliditätsbemessung bei erwerbstätigen Ve rsicherten erfolgt aufgrund eines Ein- kommensvergleichs. Gemäss Art. 16 ATSG wird dazu das Erwer bseinkommen, das die versi- cherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Dur chführung der medizinischen Behand- lung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegli- chener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zum Erwerbsein- kommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht inva lid geworden wäre (Validenein- kommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst gena u ermittelt und einander ge- genübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensd ifferenz der Invaliditätsgrad bestim- men lässt (vgl. BGE 104 V 136). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind für den Einkommensvergleich grundsätzlich die Verhältnisse im Zeit punkt des Beginns des Rentenan- spruchs massgebend (vgl. BGE 129 V 222, 128 V 174). Seite 6 4.2 Bei der Bemessung des für die Bestimmung des Invali ditätsgrades massgebenden hypothetischen Einkommens ohne Gesundheitsschaden (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt als gesunde Person tatsächlich ver- dienen würde (vgl. BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen weiteren Hinweisen; Urteil des Bun- desgerichts vom 11. Dezember 2009, 8C_342/2009, E. 7.1). Das Valideneinkommen ist so kon- kret wie möglich zu ermitteln, weshalb in der Regel vo m letzten Lohn, den die versicherte Per- son vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielt hat, auszugehen ist (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 5. September 2006, I 447/06, E. 1.3.1; U LRICH MEYER , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], in: Murer/Stauffer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozi- alversicherungsrecht, Zürich 2010, Art. 28a, Ziffer II, 6.a), S. 300). Im Zeitpunkt des Unfalls vom 4. März 2003 war der Versicherte im Begriff sich berufli ch neu zu orientieren, indem er das bis- her mit seiner Frau betriebene Restaurant H.____ in L.____ per Ende 2002 aufgegeben hatte und seit Anfang 2003 eine Snackbar in M.____ aufbaute. Der Beschwerdeführer befand sich somit in der Startphase seines neuen Betriebes und es ist überwiegend wahrscheinlich, dass er dabei ein unterdurchschnittliches Einkommen erwirtschafte te. Auf derartige, offensichtlich zu tiefe Einkommenszahlen kann zur Ermittlung des Validene inkommens jedoch nicht abgestellt werden. Bei einer derartigen Ausgangslage sind die lo hnstatistischen Zahlen der Schweizeri- schen Lohnstrukturerhebung (LSE) heranzuziehen (vgl. BGE 126 V 76 E. 3b/bb). Da der Be- schwerdeführer als Betreiber eines Restaurantbetriebes B erufserfahrung hat, ist es sachge- recht, auf die LSE 2008, privater Sektor, Wirtschaftszw eig Gastgewerbe, Männer, Anforde- rungsniveau 3 abzustützen, womit ein jährliches Validen einkommen von Fr. 51'432.-- (=12x4'286) resultiert. Da vorliegend auch das Invalid eneinkommen mittels statistischer Lohn- werte ermittelt wird (vgl. nachstehende E. 4.3.1), i st auf eine Anpassung der Vergleichsgrössen an die Nominallohnentwicklung sowie die durchschnittliche Wochenarbeitszeit zu verzichten. 4.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nac h der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Der von einer invaliden Person tatsächlich erzielte Verdienst bildet für sich allein betrach- tet grundsätzlich jedoch kein genügendes Kriterium für die Bestimmung der Erwerbsunfähigkeit und damit des Invaliditätsgrades. Das Mass der tatsächlichen Erwerbseinbusse stimmt mit dem Umfang der Invalidität vielmehr nur dann überein, wenn - kumulativ - besonders stabile Arbeits- verhältnisse eine Bezugnahme auf den allgemeinen Arbei tsmarkt sich praktisch erübrigen, wenn die versicherte Person eine Tätigkeit ausübt, bei der anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und wenn das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2). Geht die versicherte Person keiner Erwerbstätig keit mehr nach, ist beim Einkommens- vergleich von einem hypothetischen Invalideneinkommen aus zugehen, für dessen Ermittlung auf die statistischen Löhne der (LSE) abzustellen ist (vgl. BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und BGE 124 V 322 E. 3b/aa). Vorliegend vertritt der Beschwerdeführer die Ansicht, es sei zur Ermittlung des Invalideneinkommens auf das von ihm tatsä chlich noch erwirtschaftete Einkom- men als Betreiber einer Snackbar abzustellen. Dieses ent spreche der ärztlich attestierten Rest- arbeitsfähigkeit für den Gastwirtschaftsbereich von 50 %. Für diese Tätigkeit sei er optimal ein- gegliedert. Dagegen ist die Allianz der Meinung, es s ei auf die ärztlich attestierte Arbeitsfähig- keit von 100 % für Verweistätigkeiten abzustellen. Insbe sondere sei es dem Versicherten zu- Seite 7 mutbar, einer derartigen Tätigkeit nachzugehen, mit der er ein rentenausschliessendes Invali- deneinkommen zu erwirtschaften vermöge. Vorliegend ist offensichtlich, dass der Beschwerdeführer die ihm verbleibende Restarbeitsfähig- keit nicht im Rahmen der ärztlichen Zumutbarkeitsbeurte ilung voll ausschöpft, indem er statt zu 100 % einer Verweistätigkeit nachzugehen, nach wie vor im Umfang von 50 % seine bisherige Tätigkeit im Gastwirtschaftsbereich ausübt. Unter solchen Umständen ist für die Ermittlung des Invalideneinkommens auf die lohnstatistischen Werte der LSE abzustellen und zu ermitteln, was der Beschwerdeführer unter Verwertung der ihm offe nstehenden erwerblichen Möglichkei- ten im Rahmen einer Verweistätigkeit auf der Basis ein er Arbeitsfähigkeit von 100 % erwirt- schaften könnte. Dabei ist er nicht auf den Bereich des G astgewerbes eingeschränkt, weshalb der Medianwert der LSE 2008 heranzuziehen ist. Zu en tscheiden ist schliesslich, ob die im Gastwirtschaftsbereich gesammelten Berufskenntnisse auf den Bereich allgemeiner Verweistä- tigkeiten übertragen werden können. Die Frage kann ab er offenbleiben, da - wie nachstehend aufgezeigt wird - auch bei der Verwendung der Zahle n des Anforderungsniveaus 4 (=einfache und repetitive Tätigkeiten) keine einen Anspruch auf Re ntenleistungen begründende Erwerbs- unfähigkeit resultiert. Laut LSE 2008 beträgt der Zen tralwert für Männer im Anforderungsni- veau 4 pro Jahr Fr. 57'672.-- (=12x4'806) und liegt s omit deutlich über dem ermittelten Valide- neinkommen (vgl. vorstehende E. 4.2). 4.3.2 Von dem auf diese Weise erhobenen statistischen W ert können unter bestimmten Vor- aussetzungen Abzüge vorgenommen werden. Laut der dazu ergangenen Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöh ne herabzusetzen sind, von sämtli- chen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäf- tigungsgrad), welche nach pflichtgemässem Ermessen gesam thaft zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung al ler jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (vgl. BGE 126 V 80 E. 5b). Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dan n erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts- punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer der genannten Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsf ähigkeit auf dem allgemeinen Arbeits- markt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der gesamthaft vor- zunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Ü berprüfung kann es nicht darum ge- hen, dass die kontrollierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkre- ten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hä tte ausfallen sollen. Soll in die Er- messensbetätigung der Vorinstanz eingegriffen werden, mu ss sich die richterliche Behörde demnach auf Gegebenheiten abstützen können, die eine a bweichende Ermessensausübung als näher liegend erscheinen lassen (vgl. BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil des Bundesge- richts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). Laut den g utachterlichen Einschätzungen sind dem Versicherten jegliche sitzenden Verweistätigkeiten zumutba r. Somit sind keine beziehungswei- se nur sehr geringe Aspekte ersichtlich, die auf eine Er schwernis bei der erwerblichen Verwer- tung der Restarbeitsfähigkeit schliessen lassen würden. Selbst wenn in grosszügiger Ermes- Seite 8 sensbetätigung aufgrund des Lebensalters ein Abzug von maximal 10 % vorgenommen würde, resultierte nach wie vor ein Invalideneinkommen, welches ü ber dem Valideneinkommen zu lie- gen käme, womit keine Erwerbsunfähigkeit vorliegt. Über die Vornahme eines leidensbedingten Abzuges muss somit vorliegend nicht entschieden werden un d es ist im Ergebnis nicht zu be- mängeln, dass die Allianz den Rentenanspruch des Versiche rten abgelehnt hat. Die Beschwer- de ist demgemäss abzuweisen. 5. Art. 61 lit. a ATSG sieht die Kostenlosigkeit des Ver fahrens vor, weshalb keine ordent- lichen Kosten zu verlegen sind. Dem Verfahrensausgang en tsprechend sind die ordentlichen Kosten wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde am 4. Oktober 2012 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_806/2012 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht