B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3752/2011 U r t e i l v o m 30 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. Parteien A._______, geboren am (…), und dessen Ehefrau B._______, geboren am(…), Sri Lanka, beide vertreten durch lic. iur. Christian Wyss, Fürsprecher, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. Juni 2011 / N _______. D-3752/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliessen die Beschwerdeführenden, zwei sri - lankische Staatsbürger tamilischer Ethnie aus C._______ (Jaffna), ihren Heimatstaat am 3. Dezember 2008 und gelangten am 4. Dezember 2008 auf dem Luftweg legal in die Schweiz. Hier stellten sie am 17. Februar 2009 ihre Asylgesuche, zu denen sie am 20. Februar 2009 im Rahmen einer Befragung zur Person (BzP) summarisch befragt wu rden. Am 5. März 2009 fand die direkte Anhörung durch das BFM (DBA) statt. B. Zur Begründung ihrer Asylgesuche machten die Beschwerdeführenden im Wesentlichen geltend, sie hätten von Geburt an in C._______ ge- wohnt. Ungefähr sechs Monate vor ihrer Ausreise hätten sie sich nach Colombo begeben, wo sie ein Zimmer gemietet hätten. Am 4. Dezember 2008 seien sie gestützt auf ein Besuchervisum in die Schweiz eingereist, um ihre hier wohnhafte Tochter, die ein Kind bekommen habe, zu bes u- chen. Sie seien im Besitz ei nes Retourbillets gewesen und hätten eigen t- lich nach Ablauf ihres Visums in ihre Heimat zurückkehren wollen. Sie hätten sich jedoch wegen der zum damaligen Zeitpunkt in Sri Lanka vo r- herrschenden schlechten Lage gefürchtet, dies zu tun. In Sri Lanka käme es immer wieder zu "Round -Ups". Die "Behörden" gingen von Haus zu Haus und würden Personen abholen und bis am Abend festhalten. Auch käme es zu Entführungen durch unbekannte Personen und ab 18.00 Uhr sei bis am Morgen eine allgemeine Ausgangssperre verhängt worden. Aus diesen Gründen hätten sie beschlossen, in der Schweiz ein Asylg e- such einzureichen. Wenn sich die Lage stabilisiert haben würde, würden sie freiwillig wieder in ihre Heimat zurückkehren. C. Mit Verfügung vom 3. Juni 2011 lehnte das BFM die Asylge suche ab und ordnete die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz an. Zur Begründung wurde ausgeführt, die Vorbringen der Beschwerdefü h- renden könnten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] nicht ge- nügen. Das BFM führte im Einzelnen aus, dass im Rahmen von Krieg oder Situa- tionen allgemeiner Gewalt erlittene oder befürchtete Nachteile keine Ve r- folgung im Sinne des Asylgesetzes darstellten, soweit sie nicht auf der Absicht beruhen würden, einen Menschen aus einem der in Art. 3 AsylG D-3752/2011 Seite 3 erwähnten Gründe zu treffen. Die Beschwerdeführenden hätten geltend gemacht, sie hätten sich wegen der zum damaligen Zeitpunkt in Sri La n- ka vorherrschenden schlechten Lage gefürchtet, in ihre Heim at zurückzu- kehren. Es sei immer wieder zu "Round -Ups" gekommen und die Behö r- den seien von Haus zu Haus gegangen und hätten Personen mitgeno m- men und bis zum Abend festgehalten. Es sei auch zu Entführungen durch unbekannte Personen gekommen. Zudem sei ab 18. 00 Uhr bis am Mo r- gen eine allgemeine Ausgangssperre verhängt worden. Diese Begebe n- heiten wären auf den damals in Sri Lanka vorherrschenden Bürgerkrieg zurückzuführen gewesen und könnten aus den einleitend festgehaltenen Gründen keine Asylrelevanz entfalten. Darüber hinaus sei der bewaffnet e Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den separatis tischen Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) im Mai 2009 mit deren Niederl a- ge zu Ende gegangen und die allgemeine Sicherheitslage in Sri Lanka habe sich seit Mai 2009 denn auch deutlich entspannt. D. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 2. Juli 2011 lie s- sen die Beschwerdeführenden beantragen, es seien die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung aufzuheben und die Vori n- stanz sei anzuweisen, die Beschwerdeführenden vorläufig aufzunehmen. Zur Begründung führten die Beschwerdeführenden unter Bezugnahme auf verschiedene Quellen aus, sie erachteten eine Rückkehr nach Jaffna noch immer als zu gefährlich und sie würden sich immer noch als Gewalt- flüchtlinge betrachten. Ausserdem bestünden gesundheitliche Probleme. Der Beschwerdeführer habe im Jahr 2007 einen Schlaganfall erlitten, welcher mit einer Aorta -Verengung im Zusammenhang gestanden habe, welche [in einem Schweizer Spital] habe behandelt werden müssen. Der behandelnde Arzt werde diesbezüglich von seiner Schweigepflicht en t- bunden. Da der Beschwerdeführer keinen Stresssituationen ausgesetzt werden sollte und eine Behandlung im Raum Jaffna bei einem allfälligen Rückfall nur ungenüge nd sichergestellt sei, würden die Beschwerdefü h- renden eine Rückkehr nach C._______ oder in die Provinz Jaffna für u n- zumutbar erachten und um Schutz durch die Gewährung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz ersuchen. E. Am 4. Juli 2011 bestätigte das Bundes verwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. D-3752/2011 Seite 4 F. Mit Zwischenverfügung vom 22. März 2012 stellte das Bundesverwa l- tungsgericht fest, dass lediglich der Vollzug der Wegweisung Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde. Gleichzeitig wurde den Beschwerd e- führenden unter Hinweis auf die Säumnisfolge die Gelegenheit eing e- räumt, sich bis am 10. April 2012 zum vorinstanzlichen Länderbericht zu Sri Lanka vernehmen zu lassen, und einen aktuellen ärztlichen Bericht sowie eine Erklärung über die Entbindung von der ärz tlichen Schweige- pflicht gegenüber den Asylbehörden einzureichen. G. Mit Eingabe vom 10. April 2012 kamen die Beschwerdeführenden diesen Aufforderungen fristgerecht nach. Dabei hielten sie bezüglich des vorinstanzlichen Länderberichts fest, i h- nen erscheine die Feststellung des BFM wichtig, wonach die medizin i- sche Versorgung in Jaffna wegen der grossen Zahl von Binnenvertrieb e- nen und Rückkehrern überlastet sei. Gerade für ältere Personen sei eine Behandlung nicht gut gewährleistet, weil die medizinische Verso rgung mittlerweile an ihre Kapazitätsgrenze gestossen sei. Der Beschwerdefü h- rer habe in der Schweiz erfolgreich behandelt und betreut werden können und sein Zustand erscheine momentan unter ärztlicher Kontrolle eher stabil. Dennoch sei nicht zu verkennen, dass Blutdruckprobleme best e- hen würden, welche eine regelmässige medizinische Beobachtung und Betreuung erfordern würden. Ob diese Betreuung zur Zeit und in den nächsten Monaten in Jaffna gewährleistet werden könne, sei fraglich. Dies rechtfertige die Rück kehr nach Jaffna im heutigen Zeitpunkt als u n- zumutbar zu bezeichnen. Gleichzeitig wurden ein den Beschwerdeführer betreffendes Arztzeugnis der Hausärztin vom 28. März 2012 sowie zwei ärztliche Befunde (Radiologie) vom 22. Juni 2009 sowie vom 3. Juli 2009 [eines Schweizer Spitals] zu den Akten gereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r-D-3752/2011 Seite 5 waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nic hts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders be rührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Wie bereits mit Zwischenverfügung vom 22. März 2012 festgestellt, ric h- tet sich die Beschwerde ausschliesslich gegen den angeordneten Vollzug der Wegweisung. Die Ziffern 1 (Verneinung der Flüchtlingseigenschaft) und 2 (Ablehnung des Asylgesuchs) des Dispositivs der Verfügu ng des BFM vom 3. Juni 2011 sind somit mangels Anfechtung in Rechtskraft e r- wachsen. Auch die Wegweisung als solche ist nicht mehr zu überprüfen (Ziffer 3 des Urteilsdispositivs). Gegenstand des vorliegenden Beschwe r- deverfahrens bildet somit lediglich die F rage, ob allenfalls wegen Unz u- lässigkeit, Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des Vollzugs der Wegwe i- sung die vorläufige Aufnahme anzuordnen ist (Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Auslände- rinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20] D-3752/2011 Seite 6 4. 4.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Bewei s möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 4.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 4.3. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden D-3752/2011 Seite 7 Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den A ussagen der Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss P raxis des Europä i- schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN - Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgeme ine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt kl a- rerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völke r- rechtlichen Bestimmungen zulässig. 4.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 4.5. 4.5.1. Gemäss öffentlich zugänglichen Quellen ist heute im Heimatstaat der Beschwerdeführenden von einer seit Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri-lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 erheblich verbesserten Menschenrechts- und Sicherheitslage auszugehen, auch wenn sich das Land immer noch in einem Entwicklungsprozess befindet (vgl. das zur Publikation vorgesehene Länderurteil BVGE E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 12 S. 40). Laut UNHCR "bedürfen Personen aus dem Norden des Landes in Übereinstimmung mit den einschlägigen Prinzipien und Kriterien des Flüchtlingsrechts oder komplementären Schutzformen nicht länger alleine wegen der Gefahr von Schäden, die durch wahlloses Vorgehen verursacht werden, interna tionalen Schutzes" (vgl. a.a.O., mit Hinweis). D-3752/2011 Seite 8 Die Lage präsentiert sich jedoch nicht in allen Landesteilen gleich und muss differenziert betrachtet werden. Insbesondere die Lage in der Nord- provinz von Sri Lanka ist nach Einschätzung des Bundesverwaltungsg e- richts differenziert einzuschätzen, da sich die Situation gebietsweise sehr unterschiedlich präsentiert (vgl. das zur Publikation vorgesehene Länder- urteil BVGE E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2. S. 41). Insbe- sondere in den Gebieten, die bereits seit l ängerer Zeit unter Regierung s- kontrolle stehen, das heisst die Distrikte Jaffna und in den südlichen Te i- len der Distrikte Vavuniya und Mannar, scheint der Alltag eingekehrt zu sein und die Lage in Jaffna hat sich namentlich nach der Öffnung der Verbindungsstrasse A9 (Hauptverkehrsachse zwischen Kandy in der Zentralprovinz nach Jaffna) im November 2009 deutlich gebessert und die Versorgungslage ist entspannt (vgl. a.a.O. E. 13.2.1. S. 41). Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass in den genannten Provi n- zen (Distrikt J affna und die südlichen Teilen der Distrikte E._______ und Mannar) keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und die dortige poli- tische Lage nicht dermassen angespannt ist, dass eine Rückke hr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste (vgl. d as zur Publikati- on vorgesehene Länderurteil BVGE E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2.1. S. 42). 4.6. Zu prüfen bleibt die individuelle Zumutbarkeit der Wegweisung für die Beschwerdeführenden. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit (beispiel s- weise die sozio -ökonomischen und medizinischen Aspekte und das Ki n- deswohl) ist dabei auch dem zeitlichen Element gebührend Rechnung zu tragen (vgl. a.a.O E. 13.2.1.1. f. S. 42). Für Personen, die aus der Nor d- provinz stammen, bildet die Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 das entscheidende zeitliche Moment. Dabei sind bei Personen, wie den Beschwerdeführenden, die die Nordprovinz vor der Beendigung des Bü r- gerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, die aktuel l vorliegenden L e- bens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutba r- keit des Wegweisungsvollzuges hin zu überprüfen (vgl. a.a.O. S. 42 f.). 4.6.1. Die Beschwerdeführenden verliessen C._______ Mitte 2008 und begaben sich nach Colombo, wo sie sic h bis zu ihrer Ausreise im D e- zember 2008 aufhielten (vgl. A1/8 S. 1, A2/8 S. 1). Ihren Angaben zufolge besitzen sie in C._______ ein Haus, welches sie ihrer in England leben- den Tochter überschrieben haben (vgl. A1/8 S. 3 F. 8; A2/8 S. 3 F. 7 f.) und welches sie mittlerweile an eine Frau vermietet haben wollen (vgl. A1/8 S. 3 F. 9; A2/8 S. 6 F. 33 f.). Die Beschwerdeführenden haben somit D-3752/2011 Seite 9 den grössten Teil ihres Lebens in Sri Lanka verbracht und verliessen ihre Heimat ein knappes halbes Jahr vor der Beendung des Bürgerkrieges im Mai 2009. In Anbetracht dessen, dass sie in der Lage waren, ihre Reise in die Schweiz zu finanzieren und in Sri Lanka Wohneigentum zu erwerben, kann davon ausgegangen werden, dass sie über entsprechende fin an- zielle Mittel verfügen. Demnach ist von ausreichenden Lebens- und Wohnverhältnissen der Beschwerdeführenden in ihrem Heimatstaat au s- zugehen. Daran vermag auch der auf Beschwerdeebene erhobene Ei n- wand nichts zu ändern , wonach die Beschwerdeführenden nicht ohne Weiteres in ihr Haus zurückkehren könnten, da es in Sri Lanka praktisch nicht möglich sei, ein Mietverhältnis vom Ausland aus zu kündigen. Zum einen handelt es sich hier um ein privat rechtliches Problem, welches die Beschwerdeführenden - allenfalls mit Hilfe eines sri -lankischen Recht s- anwalts - angehen können und irrelevant ist. Zum anderen können die Beschwerdeführenden bis zur Klärung dieser Rechtsfrage mit dem ihnen geschuldeten Mietzins ein ähnliches Objekt mieten. Falls wie auf B e- schwerdeebene geltend gemacht worden ist, die Miete nicht in Geld, sondern lediglich durch Unterhaltsarbeiten am Haus geleistet worden ist, ist von äusserst stabilen finanziellen Verhältnissen der Beschwerdefü h- renden auszugehen, die sich ohne weiteres die Miete eines ande ren Wohnobjektes leisten können. 4.6.2. Auf Beschwerdeebene wurden des Weiteren gesundheitliche Prob- leme geltend gemacht, deren Behandlung beziehungsweise Therapierung in Jaffna fraglich sei und die es rechtfertigen würden, die Rückkehr nach Jaffna im heutigen Zeitpunkt als unzumutbar zu bezeichnen. Aus dem eingereichten Zeugnis der Hausärztin vom 28. März 2012 geht jedoch hervor, dass die gesundheitlichen Probleme nicht dergestalt sind , dass sie nur in der Schweiz behandelbar wären oder ein Wegweisung s- hindernis darstellen würden. Ausserdem wird keine lebensbedrohende Erkrankung geltend gemacht , welche einer Behandlung in Jaffna nicht zugänglich wäre. Auch könnten dem Beschwerdeführer die benötigten Medikamente, falls dies erforderlich sein sollte, im Rahmen der medizini- schen Rückkehrhilfe ausgehändigt werden. Die geltend gemachten g e- sundheitlichen Probleme stellen somit kein Wegweisungshindernis dar. 4.6.3. Der Beschwerdeführer fand seinen eigenen Aussagen zufolge für sich und seine Familie ein Auskommen als Zigarrendre her beziehung s- weise in der Landwirtschaft (vgl. A1/8 S. 3). Seine insgesamt drei G e- schwister leben noch immer in Sri Lanka (ein Bruder und eine Schwester D-3752/2011 Seite 10 in C._______, eine Schwester in D._______). Der Bruder der Beschwe r- deführerin lebt in E._______ (vgl. A2/8 S. 3). Die vier Kinder der B e- schwerdeführenden leben alle im Ausland ( zwei Söhne und eine Tochter in Grossbritannien und eine Tochter in der Schweiz [vgl. A1/8 S. 3; A2/8 S. 3]). Im Rahmen ihrer Befragungen haben die Beschwerdeführenden vorgetragen, sie seien von ihren im Ausland lebenden Kindern nicht be- ziehungsweise nicht gross finanziell unterstützt worden (vgl. A2/8 S 2; A6/8 F. 13 S. 4). In Anbetracht des Umstandes, dass die in der Schweiz lebende Tochter sowie deren Ehemann im Verlauf des Asylver fahrens wiederholt und ausdrücklich erklärt haben, sie seien bereit, für den Au f- enthalt ihrer Eltern beziehungsweise Schwiegereltern in der Schweiz f i- nanziell aufzukommen (vgl. Art. 4 der Rechtsmitteleingabe vom 2. Juli 2012 sowie der letzte Absatz der Eingabe vom 10. April 2012 ), ist jene Aussage zu relativeren. Auch der Umstand, dass die Beschwerdeführe n- den bereits vor ihrer Ausreise im Dezember 2008 mehrmals im Ausland waren (einmal in Grossbritannien und zweimal in der Schweiz und der Beschwerdeführer alleine einmal in Malaysia) lässt auf eine nicht unw e- sentliche Unterstützung durch ihre im Ausland lebenden Kinder und durch ihre anderen im Ausland lebenden Verwandten schliessen. 4.6.4. Aufgrund der persönlichen Verhältnisse der Beschwerdeführenden ist vom Vorliegen begünstigender Faktoren auszugehen. Es ist anzune h- men, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auf ein existierendes, tragfähiges familiäres Netz zurückgreifen können. Bei der Wiedereingliederung in C._______, wo zwei Geschwister des Be- schwerdeführers und der jüngere Bruder der Beschwerdeführerin leben, können ihnen diese Angehörigen gegebenenfalls Unterstützung gewä h- ren. Es bestehen demnach keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Notlage geraten würden. Dies um so weniger, als die Beschwerdeführenden den Auss a- gen des Beschwerdeführers zufolge vor ihrer Ausreise bei dem in C._______ lebenden jüngeren Bruder der Beschwerdeführerin leben durf- ten (vgl. A6/8 F. 33 S. 6) und davon auszugehen ist, dass er ihnen auch bei ihrer Rückkehr Unterstützung zukommen liesse. Auch wenn sie alle n- falls nicht erneut direkt zu ihm ziehen könnten, ist anzunehmen, dass sie mit dessen Hilfe eine dauerhafte Bleibe in C._______ finden könnten. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. D-3752/2011 Seite 11 4.7. Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der We g- weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 4.8. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 5. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf in s- gesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Fe b- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-3752/2011 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Ulrike Raemy Versand: