B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5034/2025 U r t e i l v om 3 1 . J u l i 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichterin Roswitha Petry, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Flavia Mark. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Marek Wieruszewski, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat - Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG); Verfügung des SEM vom 1. Juli 2025 / N (…). E-5034/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin suchte am 7. Mai 2025 gemeinsam mit ihren El- tern und ihrer minderjährigen Schwester (N […]) sowie ihrem volljährigen Bruder und dessen Familie (N […]) in der Schweiz um Asyl nach. Ein Ab- gleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Eurodac) ergab, dass ihr am (…) 2025 in Griechenland internationaler Schutz gewährt wor- den war. B. B.a Am (…) 2025 ersuchte das SEM die griechischen Behörden um Rück- übernahme der Beschwerdeführerin gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. De- zember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitglied- staaten zur Rü ckführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger (Rück- führungsrichtlinie) sowie das Abkommen vom 28. August 2006 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Hellenischen Re- publik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufe nthalt (SR 0.142.113.729). B.b Mit E-Mail vom (…) 2025 stimmten die griechischen Behörden dem Ersuchen zu und bestätigten, dass Griechenland die Beschwerdeführerin am (…) 2025 als Flüchtling anerkannt habe und ihre Aufenthaltsbewilligung bis am (…) 2028 gültig sei. C. Anlässlich des am 16. Mai 2025 durchgeführten persönlichen Gesprächs wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid und zu ihrer Rückführung nach Griechenland ge- währt. Dabei machte sie im Wesentlichen geltend, sie sei in Afghanistan zwei Jahre lang zu Hause unterrichtet worden und könne lesen und schrei- ben. Sie habe nicht gearbeitet, aber ihre Familie habe ein bisschen Acker- land gehabt und damit den Lebensunterhalt bestreiten können. In Grie- chenland habe sie sodann (…) Monate auf B._______ verbracht und sich dann ungefähr während (…) Monaten in der Stadt C._______ aufgehalten. Betreffend ihre Wohnverhältnisse erklärte die Beschwerdeführerin, die Lage sei nicht schlecht gewesen, aber in d er Unterkunft hätten sie nichts gehabt. So hätten sie keine Bettdecken gehabt und es habe nur einen ka- putten Heizkörper gegeben. Sie hätten kein warmes Wasser gehabt und nicht duschen können. Nachdem sie Schutz erhalten hätten, habe sich im Grunde nichts g eändert. Ihnen sei mitgeteilt worden, sie müssten das E-5034/2025 Seite 3 Camp sofort verlassen. Sie hätten gemeldet, keine Unterkunft zu haben, jedoch keine Unterstützung erhalten. Auch darüber hinaus hätten sie we- der finanzielle noch materielle Hilfe erhalten. Da die Beschw erdeführerin zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig gewesen sei, habe sie sich nicht wie ihr Vater um finanzielle Unterstützung bemühen können. An wen sich ihr Vater gewandt habe, wisse sie nicht. Auf die Frage ob es Gründe gäbe, die gegen eine Wegweisung u nd Rückkehr nach Griechenland sprechen würden, gab die Beschwerdeführerin an, dass sie dort keine Bildungsmög- lichkeiten hätte und die Camps schmutzig und ekelhaft gewesen seien. Im Camp auf B._______ sei zudem die Sicherheitslage sehr schlecht gewe- sen. Es sei oft zu Streit und Auseinandersetzungen zwischen den Erwach- senen gekommen. Auf ihren Gesundheitszustand angesprochen erklärte die Beschwerdeführerin, dass es ihr viel besser gehe und sie sich in der Schweiz wohl fühle. D. Am 30. Juni 2025 unterbreitete das SEM der Beschwerdeführerin sowie ihren Eltern und ihrer minderjährigen Schwester ( […]) einen Entwurf zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid und zur Wegweisung nach Grie- chenland. E. Mit gemeinsamer Stellungnahme vom 1. Juli 2025 äusserten sich die Be- schwerdeführerin und ihre Eltern zum beabsichtigten Nichteintretensent- scheid der Vorinstanz sowie zur Wegweisung nach Griechenland. Sie führ- ten im Wesentlichen aus, die Familie sei mit diesem nicht einverstanden. Die Lebenssituation in Griechenland sei seh r schwierig gewesen und es würde keine Zukunftsperspektiven geben. Sie hätten keine Unterstützung bei der Integration sowie der Wohnungs - und Arbeitssuche erhalten. Ent- gegen der Darstellung des SEM hätten sie sehr wohl alles ihnen Mögliche unternommen, um an Unterstützung zu gelangen. So seien sie sowohl im Camp als auch ausserhalb auf verschiedenen Ämtern und bei verschiede- nen Hilfsorganisationen gewesen. Zudem habe die Mutter keine hinrei- chende Unterstützung erhalten. Sie sei zwar im Spital gewesen, dort aber nicht richtig behandelt worden. Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung nach Griechenland seien entgegen der Auffassung der Vorinstanz keine günstigen Umstände ersichtlich. Die Familie habe sich nicht längere Zeit in Griechenland aufgehalten, sie würden über keine Kenntnisse der griechi- schen Sprache verfügen und hätten keine ausreichenden finanziellen Mit- tel. Bei der Beschwerdeführerin handle es sich sodann um eine sehr junge Frau ohne Schulbildung und ohne Arbeitserfahrung, weshalb nicht davon E-5034/2025 Seite 4 ausgegangen werden könne, sie könne sich in Griechenland selbständig ein Leben aufbauen. Auch dürfte es ihr kaum möglich sein, sich alleine die notwendige Hilfe zu holen, weshalb sie in der Schweiz vorläufig aufzuneh- men sei. F. Mit Verfügung vom 1. Juli 2025 – eröffnet am 2. Juli 2025 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen. G. Mit Eingabe vom 8. Juli 2025 erhob die Beschwerdeführerin beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügu ng und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuwei- sen, auf das Asylgesuch einzutreten, eventualiter sei die Sache zur Ver- vollständigung des Sachverhalts und zur neuen Entscheidung an die Vor- instanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. H. Am 9. Juli 2025 bestätigte die Instruktionsrichterin den Eingang der Be- schwerde und hielt fest, die Besch werdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-5034/2025 Seite 5 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden, die Be- schwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung le- gitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1 –3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.) Bezüglich der Frage des Wegweisungsvollz ugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt. 2.3 Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt – als offen- sichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zustän- digkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schrif- tenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. Da die Beschwerdeführerin ihren Eventualantrag auf Rückweisung der Sa- che an die Vorinstanz in der Rechtsmitteleingabe nicht näher begründet, ist darauf nicht weiter einzugehen. Es sind denn auch keine Verletzungen der Verfahrensrechte der Beschwerdeführerin zu erkennen. 4. 4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid im Wesentlichen damit, die Beschwerdeführerin sei im sicheren Drittstaat Griechenland als Flüchtling anerkannt und Griechenland habe ihrer Rückübernahme zugestimmt. Sie könne dorthin zurückkehren, ohne eine Rückschiebung in Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips befürchten zu müssen. Es sei daher in Anwen- dung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG nicht auf ihr Asylgesuch einzutreten. Griechenland sei ferner Signatarstaat der EMRK, der FoK sowie des Zu- satzprotokolls zur Flüchtlingskonvention vom 31. Januar 1967. Gemäss E-5034/2025 Seite 6 Art. 6a AsylG bestehe zugunsten sicherer Drittstaaten – wie Griechenland es sei – die Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalten würden. Trotz der dargelegten Schwächen könne nicht von ei- nem dysfunktionalen Aufnahmesystem gesprochen werden. Es sei nicht von einer Situation auszugehen, in der jeder Person eine völkerrechtswid- rige Behandlung drohe. Betreffend die Zumutb arkeit des Wegweisungsvollzug s führte das SEM aus, die Beschwerdeführerin habe in Griechenland keine genügenden An- strengungen unternommen, sich eine Existenz aufzubauen und sich zu in- tegrieren. Die Angaben, inwiefern sie und ihre Familienmitglieder sich in Griechenland um Unterstützung nach der Schutzgewährung bemüht hät- ten, seien ungenau und unsubstantiiert ausgefallen. So habe sie nicht an- geben können, an welche Behörde sie sich gerichtet hätten und habe ver- neint, dass jemand aus der Familie je auf einem griechischen Sozialamt gewesen sei. Es sei ihr zuzumuten, durch entsprechende Internetrecher- chen die entsprechende Adresse herauszufinden und eine Übersetzungs- hilfe – sofern notwendig – bei der Vorsprache zu Hilfe zu nehmen. Ferner habe die Beschwerdeführerin angegeben, den griechischen Asylentscheid per E-Mail erhalten und auch gelesen zu haben. Es sei davon auszugehen, dass darin weiterführende Informationen betreffend Unterstützungsleistun- gen aufgeführt gewesen seien. Es dürfe von ihr erwartet werden, si ch bei Unterstützungsbedarf an die griechischen Behörden zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Im Übri- gen müsse gemäss Kenntnissen des SEM der Reisepass für Flüchtlinge separat beantragt werden und eine Kaution hinterlegt werden. Da der Be- schwerdeführerin und ihren Angehörigen die Ausstellung der Dokumente nachweislich gelungen sei, sei davon auszugehen, dass sie sich erste Kenntnisse im Umgang mit den griechischen Behörden habe aneignen können. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdefüh- rende sich auf die Garantien der Richtlinie 2011/95/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 (Qualifikationsrichtli- nie) berufen könne, wonach sie den griechischen Bürgerinnen und Bürgern in Bezug auf Fürsorge, Zugang zu Gerichten, medizinische Versorgung, respektive anderen ausländischen Personen in Bezug auf Erwerbstätigkeit oder Gewährung einer Unterkunft gleichgestellt sei. Es würden keinerlei Belege dafür vorliegen, dass ihr der Zugang zu ihr zustehenden Leistungen gemäss Qualifikationsrichtlinie verweigert worden sei. Die in Griechenland im Allgemeinen schwierigen ökonomischen Lebensbedingungen sowie die herrschende Wohnungsnot würden sodann die ganze Bevölkerung treffen und vermöchten die Zulässigkeit und die Zumutbarkeit des Vollzugs der E-5034/2025 Seite 7 Wegweisung nach Griechenland nicht zu widerlegen. Insofern die Be- schwerdeführerin sodann geltend mache, die Sicherheitslage im Camp auf B._______ sei sehr schlecht gewesen, sei festzuhalten, dass Griechenland ein Rechtsstaat mit funktionierendem Justiz- und Polizeisystem sei. Sollte sich die Beschwerdeführerin durch griechische Behörden oder Drittperso- nen ungerecht oder rechtswidrig behandelt fühlen, könnte sie sich mit einer Beschwerde an die zuständigen Stellen wenden oder eine Anzeige einrei- chen. Folglich könne festgehalten werden, dass es der Beschwerdeführe- rin nicht gelungen sei, die in Art. 83 Abs. 5 AIG verankerte Legalvermutung umzustossen. Es sei nicht davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr nach Griechenland trotz zumutbaren Anstrengungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in eine existenzielle Notlage geraten würde, die sie nicht aus eigener Kraft abwenden könnte. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch durchführbar, eine entspre- chende Zustimmung Griechenlands liege vor. 4.2 4.2.1 Dem wird auf Beschwerdeebene entgegengehalten, dass Griechen- land der Beschwerdeführerin nicht den nötigen Schutz, die nötige Versor- gung und den Zugang zu staatlichen Mitteln biete. Sie spreche die griechi- sche Sprache nicht und habe in Afghanistan nur zwei Jahre Hausunterricht erhalten. In Anbetracht der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin bei ih- rer Ankunft in Griechenland noch minderjährig gewesen sei, stelle sich die Frage, ob ihr zur Last gelegt werden könne, dass sie die staatlichen Insti- tutionen nicht ausgeschöpft habe. Es würden denn auch bereits gut aus- gebildete erwachsene Personen im griechischen System an ihre Grenzen stossen. Der Beschwerdeführerin sei es sodann bis zu ihrer Ausreise nicht möglich gewesen, Sozialhilfeleistungen zu beantragen oder eine Unter- kunft zu finden. Die Unterbringung sei unzumutbar gewesen, zudem sei die Beschwerdeführerin den anderen, insbesondere den männlichen Bewoh- nenden, schutzlos ausgeliefert gewesen. Im Falle einer Rückführung nach Griechenland sei darüber hinaus von Obdachlosigkeit auszugehen, was nicht nur gegen die EMRK, sondern auch gegen die Istanbul -Konvention verstosse. Zudem würden sich die Ausführungen des SEM nicht mit dem Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts F-5298/2024 vom 12. Juni 2025 vereinbaren lassen. Dieses weise auf systematische Mängel in Grie- chenland für Personen mit einem Dublin Entscheid hin. Vor diesem Hinter- grund stelle sich die Frage, ob es für Menschen mit Schutzstatus nicht noch schwieriger sei, weil noch weniger Infrastruktur und Integrationsmöglich- keiten bereitgestellt würden. E-5034/2025 Seite 8 Abschliessend sei festzuhalten, dass eine Rückführung nach Griechenland mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz nicht zu vereinbaren wäre und daher als unzulässig gelten müsse. Insbesondere bestehe ein hohes Risiko einer Verletzung von Art. 3 EMRK. Zusätzlich müsse die rest- riktive Haltung der griechischen Regierung berücksichtigt werden. Die Rückübernahme von Flüchtlingen werde offen abgelehnt. Die griechische Regierung gebe offen zu , dass sie keine Kapazitäten hätten, um den Flüchtlingen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. 4.2.2 Mit der Beschwerde wurden im Wesentlichen Bilder der Unterkunft in Griechenland sowie ein Brief von griechischen Nichtregierungsorganisati- onen vom 9. Juli 2025 zu der aktuellen Situation von Flüchtlingen in Grie- chenland zu den Akten gereicht. In diesem Brief wird im Wesentlichen aus- geführt, die grössten Hindernisse für den Zugang von Flüchtlingen zu den notwendigen Dokumenten und sozioökonomischen Rechten seien in der innerstaatlichen Gesetzgebung zu finden. Ferner habe die drastische Kür- zung der Dienstleistungen nach dem Wegfall der USAID -Finanzmittel un- mittelbare und schwerwiegende Auswirkungen auf die Fähigkeit der Zivil- gesellschaft, Flüchtlingen in Griechenland zu helfen. Angesichts dessen hätten die Nichtregierung sorganisationen ernsthafte Zweifel daran, dass Flüchtlinge die rechtlichen Hindernisse überwinden könnten, indem sie sich auf die von Nichtregierungsorganisationen angebotenen Dienste ver- lassen würden. Zudem wird auf im Beschwerdeverfahren der Eltern de r Beschwerdeführerin (N […]) eingereichte Videos, welche die fehlende Un- terstützung sowie den Zustand der Unterbringung in Griechenland belegen sollen, verwiesen. 5. Bei Griechenland als Mitgliedstaat der EU handelt es sich um einen siche- ren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG. Gemäss den Akten ist der Beschwerdeführerin in Griechenland internationaler Schutz gewährt worden und die griechischen Behörden haben ihrer Rückübernahme aus- drücklich zugestimmt. Die Beschwerdeführerin k ann nach Griechenland zurückkehren, ohne eine Rückschiebung in Verletzung des Non -Refoule- ment-Gebotes befürchten zu müssen. Das SEM ist demzufolge zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf ihr Asylgesuch nicht eingetre- ten. 6. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es – wie hier in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG – darauf nicht ein, so verfügt es in der E-5034/2025 Seite 9 Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine ausländer- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz- lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Vorliegend ist der Wegweisungsvollzug in Bezug auf Griechenland zu prüfen. Beim Geltendmachen von Wegweisungsvoll- zugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgericht s der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaf t; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.1 7.1.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz, insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom- mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und Art. 3 EMRK, einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss der Praxis des EGMR kann der Vollzug der Wegweisung eines abgewiese nen Asylsu- chenden mit gesundheitlichen Problemen im Einzelfall einen Verstoss ge- gen Art. 3 EMRK darstellen; hierfür sind jedoch ganz aussergewöhnliche Umstände Voraussetzung (vgl. Urteil Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, 41738/10, § 183). Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil E -3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situation in Griechen- land auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtsprechung festge- halten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland für Perso- nen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätzlich zulässig ist. In Griechenland ist nicht von einer Situation auszugehen, in der jeder Per- son mit Schutzstatus eine unangemessene und erniedrigende Behandlung E-5034/2025 Seite 10 im Sinne von Art. 3 EMRK droht. Trotz der schwierigen Verhältnisse geht das Gericht davon aus, dass schutzberechtigte Personen grundsätzlich in der Lage sind, ihre existenziellen Bedürfnisse abzudecken (a.a.O. E. 11.2). Die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe zur Lage Schutzberechtigter in Griechenland fügen den der Rechtsprechung des Bundesverwaltungs- gerichts zugrundeliegenden Informationen zur Situation in Griechenland keine neue Dimension hinzu und vermögen an seiner Einschätzung nichts zu ändern. 7.1.2 Die Beschwerdeführerin wurde in Griechenland als Flüchtling anerkannt. Als Schutzberechtigte kann sie sich auf die Garantien der Richtlinie 2011/95/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 (Qualifikationsrichtlinie) berufen – insbe- sondere die Regel betreffend den Zugang zu Beschäftigung [Art. 26], Bildung [Art. 27], Sozialhilfeleistungen [Art. 29], Wohnraum [Art. 32] und medizinischer Versorgung [Art. 30] –, zu deren Einhaltung Griechenland als EU -Mitgliedstaat völkerrechtlich verpflichtet ist. Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Rückkehr nach Griechenland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 des Überein- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Es ist unbestritten, dass die Lebensbedingungen in Griechenland für die gesamte Bevölkerung mitunter schwierig sind; dennoch ist unter diesen Umständen im heutigen Zeitpunkt nicht von einem «real risk» auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in die- sen Staat einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt wäre. Auch unter Berücksichtigung der Schwächen des griechischen Aufnah- mesystems vermag die blosse Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus nicht voraussehbaren Gründen in eine missliche Lebenssituation zu geraten, die einer Aussetzung einer existenziellen Notlage und andauernden menschenrechtswidrigen Behandlung gleich käme, die Schwelle eines entsprechenden «real risk» nicht zu erreichen. 7.1.3 Betreffend die von der Beschwerdeführerin geäusserten Sicher- heitsbedenken ist in Übereinstimmung mit den Ausführungen der Vo- rinstanz festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin sich bei Bedarf in Griechenland an die zuständigen Stellen, welche als schutzfähig und schutzwillig zu erachten sind, wenden und falls nötig auch den Rechtsweg beschreiten kann. E-5034/2025 Seite 11 7.1.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zulässig. 7.2 7.2.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Mit Blick auf die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Vollzugs der Weg- weisung (Art. 83 Abs. 5 AIG) nach Griechenland von Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, stellte das Gericht im Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 weiter fest, dass dieser grundsätzlich auch für vulnerable Personen (wie zum Beispiel Personen, welche an gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht als s chwerwie- gende Erkrankung einzustufen sind) Gültigkeit zukomme. Nicht länger auf- rechterhalten wurde hingegen die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung bei äusserst vulnerablen Personen (wie zum Beispiel unbegleiteten Minderjährigen ode r Personen, deren psychische oder physische Gesundheit in besonders schwerwiegender Weise beein- trächtigt ist), welche im Falle einer Rückkehr nach Griechenland Gefahr laufen, dauerhaft in eine schwere Notlage zu geraten, weil sie nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft die ihnen zustehenden Rechte vor Ort einzu- fordern. In diesen Fällen ist der Wegweisungsvollzug nur bei Bestehen be- sonders begünstigender Umstände zumutbar (vgl. a.a.O. E. 11.5). 7.2.2 Nach Durchsicht der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung die Zumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs mit zutreffender Begründung bejaht hat und sich keine Hinweise darauf finden lassen, dass die Beschwerdeführe- rin im Falle einer Rückführung nach Griechenland in eine existenzielle Not- lage geraten würde. Aufgrund der Aktenlage ist nicht davon auszugehen, dass es sich bei ihr um eine äusserst vulnerable Person handelt. Wie die Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, hat sie nur kurze Zeit als anerkannter Flüchtling in Griechenland verbracht, weshalb nicht davon auszugehen ist, dass sie alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Integration, Arbeit und Beantragung weiterer Unterstützung ausgeschöpft hat. Es ist zwar nicht in Abrede zu stellen, dass eine Einglied erung für Personen mit Schutzstatus möglicherweise mit nicht zu verkennenden Erschwernissen verbunden sein kann. Diese erscheinen aber vorliegend nicht als E-5034/2025 Seite 12 unüberwindbar. Es darf – auch unter Berücksichtigung ihres jungen Alters – von ihr erwartet werden, sich bei Unterstützungsbedarf, beispielsweise bei der Wohnungs - und Arbeitssuche, an die griechischen Behörden zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzu- fordern. Nichtregierungsorganisationen können in dieser Hinsicht behilflich sein. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass sie gemeinsam mit ihren Eltern, ihrer minderjährigen Schwester sowie ihrem Bruder und dessen Familie ausreisen wird und somit in Griechenland über ein familiäres Beziehungs- netz verfügen wird. 7.2.3 Insgesamt ist nicht davon auszugehen, die Beschwerdeführerin ge- rate bei einer Rückkehr nach Griechenland in eine ihre Existenz gefähr- dende Situation. An dieser Einschätzung vermag auch der eingereichte Brief von Nichtregierungsorganisationen in Griechenland nichts zu ändern. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass dieser nicht eine auf ihren Einzelfall bezogene Situation begründet und keine Abweichung von der aktuellen Einschätzung der Situation in Griechenland rechtfertigt. Auch aus den zu den Akten gereichten Bilder n und Videos, welche den Zustand der Unterkunft sowie die mangelnde Unterstützung belegen sol- len, kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten. Das- selbe gilt für das in der Beschwerde zitierte Urteil F -5298/2024 vom 12. Juni 2025, welches ausschliesslich die Situation von Asylsuchenden im Rahmen des Zuständigkeitsverfahrens gemäss Dublin -III-Verordnung be- trifft. Damit ist der Vollzug der Wegweisung zumutbar. 7.3 Nachdem die griechischen Behörden einer Rückübernahme der Be- schwerdeführerin ausdrücklich zugestimmt haben, ist der Vollzug der Weg- weisung auch möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG; vgl. Urteil des BVGer E-2517/2024 vom 26. April 2024, E. 10.3). 7.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rech tserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. E-5034/2025 Seite 13 9. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – von vornherein aussichtslos waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Das Gesuch um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wird mit dem vorliegenden Entscheid in der Sache gegenstandslos. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bunde sverwaltungsge- richt [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-5034/2025 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Roswitha Petry Flavia Mark Versand: