B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6953/2014 U r t e i l v o m 2 0 . A u g u s t 2 0 1 5 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Yanick Felley, Richter Daniel Willisegger, Gerichtsschreiberin Tu-Binh Tschan. Parteien 1. A._______, geboren (…), 2. B._______, geboren (…), 3. C._______, geboren (…), 4. D._______, geboren (…), alle aus Syrien, derzeit in Beirut, Libanon, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 24. September 2014 / N (…). E-6953/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Mit Schreiben vom 5. September 2012 bat der Beschwerdeführer 1 bei der Schweizer Botschaft in Beirut für sich und seine Familie um Asyl. A.b Am 12. November 2014 wurden die Beschwerdeführenden 1 und 2 zu ihren Asylgründen befragt. Sie machten im Wesentlichen geltend, an ihrem letzten Wohnsitz in E._______, Anfang 2012 wegen ihrer Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft von Privatpersonen anderer Glaubensgemein- schaften (ehemaligen Kunden des im Oktober 2011 eröffneten und im März 2012 wieder geschlossenen Restaurants des Beschwerdeführers 1 ) be- droht worden zu sein. Auch der Cousin des Beschwerdeführers 1 und ihr Nachbar seien von solchen Personen attackiert worden. Weil sie Angst ge- habt hätten, dass die Kinder entführt werden könnten , und aufgrund der allgemeinen Bedrohungslage für Christen in Syrien seien sie im Mai 2012 in den Libanon gereist. Im September 201 3 sei zudem der Vater der Be- schwerdeführerin 2 in Syrien entführt worden und nur gegen Lösegeldzah- lung wieder freigekommen. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden Kopien ihrer Identitätskarten, des Familienbüchleins und des "UNHCR Registra- tion Certificate" ein. A.c Mit Verfügung vom 24. September 2014 verweigerte das BFM (heute: SEM) den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz und lehnte ihre Asylgesuche ab. B. Mit Beschwerde (der Botschaft am 19. November 2014 übergeben; Ein- gang beim Gericht: 28. November 2014) beantragte der Beschwerdeführer 1 sinngemäss, es sei ihnen in Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung die Einreise in die Schweiz zwecks Asylgewährung zu bewilligen. C. Mit Schreiben vom 22. April 2015 übermittelte die Botschaft dem Gericht einen internen E-Mail-Verkehr ihrer Mitarbeitenden vom 21./22. April 2015. Der Cousin des Beschwerdefü hrers 1, F._______ (N (…)), habe der Botschaft anlässlich der Ausstellung der Einreisebewilligung mitgeteilt, seine eigenen Eltern (Onkel und Tante des Beschwerdeführers 1), die Eltern der Beschwerdeführenden 1 und 2 und die Familie des Bruders des Beschwerdeführers 1 seien am 23. Februar 2015 entführt worden. E-6953/2014 Seite 3 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die angefochtene Verfügung wurde den Beschwerdeführenden durch die Schweizer Botschaft in Beirut gemäss der unterzeichneten und retour- nierten Empfangsbestätigung am 21. Oktober 2014 eröffnet, so dass die bei der Botschaft am 19. November 2014 persönlich eingereichte und beim Bundesverwaltungsgericht am 28. November 2014 eingegangene, franzö- sisch verfasste Rechtsmitteleingabe rechtzeitig erfolgte. 1.3 Die Beschwerde ist somit frist- und formgerecht eingereicht (Art. 33a Abs. 1 und Art. 50 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 21 Abs. 2 VwVG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG ergeht der vorlie- gende Entscheid in deutscher Sprache. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrich tige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG; vgl. auch BVGE 2015/2]). 3. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung ei- nes Schriftenwechsels verzichtet. E-6953/2014 Seite 4 4. 4.1 Die Möglichkeit, im Ausland ein Asylgesuch bei einer Schweizer Ver- tretung zu stellen, ist mit Wirkung ab 29. September 2012 aufgehoben wor- den, wobei für Asylgesuche, die – wie vorliegend – vor Inkrafttreten des re- vidierten Gesetzes gestellt worden sind, die Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, Art. 52 und 68 in der alten Fassung des Asylgesetzes gelten (Übergangsbestim- mung zur Änderung vom 28. September 2012; AS 2012 5359). 4.2 Gemäss aArt. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch bei einer schweize- rischen Vertretung im Ausland gestellt werden. Diese führt in der Regel mit der asylsuchenden Person eine Befragung durch. Ist dies nicht möglich, ist die Person aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzulegen (Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Die schweizerische Vertretung übermittelt nach aArt. 20 Abs. 1 AsylG das Gesuch sowie einen allfälligen ergänzenden Bericht an das BFM (heute: SEM). 4.3 Die Beschwerdeführenden 1 und 2 wurden von der Schweizer Bot- schaft in Beirut zu ihren Asylgründen befragt. Der entscheidwesentliche Sachverhalt erscheint erstellt. Das Bundesamt hat den verfa hrensrechtli- chen Anforderungen damit Genüge getan. 5. 5.1 Das BFM bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur Ab- klärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen anderen Staat auszureisen (aArt. 20 Abs. 2 AsylG). 5.2 Unzumutbar ist ein Verbleib namentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist. Schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohn- ten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, sol- chen Nachteilen ausgesetzt zu werden; als ernsthafte Nachteile gelten na- mentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Ma ssnah- men, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.3 Das SEM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hinweise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr E-6953/2014 Seite 5 zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (aArt. 52 Abs. 2 AsylG). 5.4 Bei der Beurteilung der Elemente der Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und deren Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG handelt es sich um Rechtsfragen respektive um einen Beweismassstab, der mittels Gesetzesauslegung zu konkretisieren ist. Dem BFM/SEM kommt diesbezüglich kein Ermessen zu. Die Frage nach einer Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ist somit durch das Bundesverwaltungsgericht vollumfänglich überprüfbar (vgl. BVGE 2015/2 E. 5.3 und E. 7.3. 6. 6.1 Das BFM führte zur Begründung der ablehnenden Verfügung im We- sentlichen aus, den Akten seien keine Anhaltspunkte zu entnehmen, die darauf schliessen liessen, dass es sich bei den geltend gemachten Vor- kommnissen um eine konkrete und gezielte Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gehandelt habe. Es bedaure die geschilderten V orfälle und Nach- teile, welche die Beschwerdeführenden aufgrund ihrer Religionszugehörig- keit in Syrien hätten erleiden müssen. Diese Nachteile könnten jedoch nicht als gezielte Verfolgung im Sine von Art. 3 AsylG eingestuft werden, und die Drohungen den Beschwerdeführenden gegenüber seien zu wenig intensiv, um einreiserelevante Nachteile darzustellen. Schliesslich seien die geltend gemachten Drohungen zu wenig konkret, zu wenig detailliert und zu wenig substantiiert dargelegt worden. Den Akten seien beispielsweise keine An- haltspunkte zu entnehmen, die darauf hinweisen würden, dass bei der Po- lizei Anzeige erstattet worden sei. Folglich sei die Schutzbedürftigkeit im Sinne von Art. 3 AsylG nicht gegeben, weshalb ihre Asylgesuche abgelehnt und die Einreise nicht bewilligt werde. 6.2 Die Beschwerdeführenden hielten diesen Erwägungen im Wesentli- chen entgegen, angesichts des seit über drei Jahre dauernden Bürgerkrie- ges und der Unmöglichkeit ihrer Rückkehr dorthin sei die Einschätzung der Vorinstanz, dass sie in Syrien nicht gefährdet seien, unbillig. 6.3 Die Frage, ob die Vorinstanz die von den Beschwerdeführenden dar- gelegten Fluchtgründe unter Berücksichtigung der Informationen zu den Entführungen gemäss der Botschaftsmitteilung vom 22. Apri l 2015 zu Recht als nicht asylrelevant qualifiziert hat, kann vorliegend offen bleiben. Wie nachstehend aufgezeigt (vgl. E. 7) ist den Beschwerdeführenden näm- lich der weitere Verbleib im Libanon – ihrem derzeitigen Aufenthaltsort – im Sinne von aArt. 52 Abs. 2 AsylG zuzumuten. E-6953/2014 Seite 6 7. 7.1 Gemäss aArt. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Ausland befindet, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden kann, sich in einem andern Staat um Aufnahme zu bemühen. Diese Bestimmung trifft keine Unterscheidung zwischen Asylgesuchen aus dem Herkunftsland der asylsuchenden Person und solchen, die aus einem Drittstaat gestellt werden. Hält sich die Person, die ein Asylgesuch aus dem Ausland gestellt hat, in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne einer Vermutung davon aus- zugehen, die betreffende Person habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen, weshalb auch an- zunehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. Ent- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 19 E. 5.1) wie auch die Zumutbarkeit der Inanspruch- nahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu prüfen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung gefunden hat oder erlangen kann, und – falls dies zu bejahen ist – ob der asylsuchenden Person die Inanspruchnahme des Schutzes des Drittstaa- tes und somit der Verbleib in diesem Staat objektiv zugemutet werden kann. In jedem Falle sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Es gilt also zu prüfen, ob aufgrund der gesamten Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die einer Person den erforderlichen Schutz gewäh- ren soll (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1, EMARK 2004 Nr. 21 E. 4b.aa). 7.2 Die Beschwerdeführenden halten sich eigenen Angaben zufolge seit Mai 2012 im Libanon auf. Gemäss ihren Aussagen im Rahmen der Anhö- rung durch die Botschaft vom 12. November 2013 lebe die ganze Familie in einem sehr kleinen Zimmer (drei auf drei Meter) und bezahle dafür einen hohen Mietzins (USD 400). Der Beschwerdeführer 1 arbeite in einem Res- taurant, die Beschwerdeführerin verrichte nebst der Kinderbetreuung gele- gentlich für zwei bis drei Stunden (für USD 3.50/h) Reinigungsarbeiten in ihrem Wohngebäude. Ihr Verdienst sei gering; zusammen würden sie pro Monat etwa USD 500 bis 700 verdienen. Am Anfang hätten sie Hilfe vom UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) in Form einer einmaligen Verteilung von Lebensmitteln erhalten. Die assyrische Kirche habe ihnen zudem in den ersten zwei Monaten die Schulgebühren für die Privatschule erlassen. Derzeit könnten die Kinder indes nicht mehr zur Schule, da sie die Schulgebühren für die Privatschule nicht zahlen könnten E-6953/2014 Seite 7 und für die öffentliche Schule nach Auskunft der Behörden ein Stempel des Aussenministeriums notwendig wäre. Sie seien am Anfang auch vom Schwager des Beschwerdeführers 1 unterstütz t worden. Die Aufenthalts- bewilligung der Beschwerdeführenden sei nur bis am 19. November 2013 gültig, sie hätten indes Angst zur Grenze zu gehen, um diese erneuern zu lassen. Die Beschwerdeführenden waren mithin in jenem Zeitpunkt (Anfang No- vember 2013) beim UNHCR registriert, haben sich legal mit einer noch kurze Zeit gültigen Aufenthaltsbewilligung im Libanon auf gehalten und konnten arbeiten, was ihnen ermöglichte, eine Wohnung zu mieten und sich eine minimale Existenzgrundlage zu schaffen. Sorge bereitete den Be- schwerdeführenden, dass die Kinder keine Schule besuchen konnten. An- haltspunkte für eine substantielle Notlage , eine unmittelbare Gefährdung oder eine drohenden Ausschaffung nach Syrien lagen nicht vor. 7.3 In der Beschwerde vom 19. November 2014 wird dargelegt, der Be- schwerdeführer 1 sei nunmehr aus diversen Gründen arbeitslos geworden: So hätten ihn bestimmte Angestellte, mit welchen er zusammengearbeitet habe und welche das syrische Regime unterstützt hätten, als "trompeur" (hier allenfalls gemeint als Renegat) betrachtet, da er Syrien verl assen habe. Es sei deshalb zu Konflikten gekommen an seinem Arbeitsplatz, und diese Personen hätten angefangen, ihm mit dem Tod beziehungsweise mit der Verzeigung beim syrischen Geheimdienst zu drohen. Letzteres hätte auch eine Bedrohung für seine in Syrien verbliebenen Eltern dargestellt. Zudem sei es zu Tätlichkeiten und wiederholten verbalen Misshandlungen gegen ihn gekommen. Diese Vorkommnisse könne er leider nicht belegen. Seine Ehefrau sei des Weiteren depressiv geworden, da ihr Onkel von Ter- roristen umgebracht worden sei. Er sei also aktuell arbeitslos, habe (ge- meint ist wohl: zusammen mit seiner Familie) die Wohnung verlassen und lebe nun bei seinem Cousin und dessen Kinder in einer Einzimmerwoh- nung. Sie könnten dort nicht für länger bleiben und wüssten nicht, wie es weitergehen solle. Sie hätten lediglich während dreier Jahre Hilfe von den Vereinten Nationen (gemeint ist wohl : vom UNHCR) erhalten. Der Bot- schaftsmitteilung vom 22. April 2015 ist zu entnehmen, dass die Beschwer- deführenden nicht arbeiten würden und seit 2011 beim UNHCR registriert seien, aber von diesen keine finanzielle Unterstützung erhalten hätten. Sie würden aufgrund der Unterstützung durch die Caritas und die assyrische Kirche überleben. E-6953/2014 Seite 8 Die Lage der Beschwerdeführenden hat sich mithin gemäss ihren eigenen (unbelegten) Angaben in den letzten eineinhalb Jahren dahingehend ver- schlechtert, dass sie nicht mehr arbeiten und sich somit auch keine eigene Wohnung mehr leisten können. Indes ist ihren Angaben nicht zu entneh- men, seit wann der Beschwerdeführer 1 nicht mehr arbeite, und ob die Be- schwerdeführerin 2 ihre Tätigkeit als Reinigungskraft weiterhin ausüb e, und wenn ja in welchem Ausmass. Gemäss diesen Angaben ist auch un- klar, ob es sich bei dem in der Beschwerde erwähnten Cousin um dieselbe Person handelt, die in der Mitteilung der Botschaft vom 22. April 2015 er- wähnt wurde, oder ob noch weitere Verwandte (neben der Schwester und dem Schwager des Beschwerdeführers 1) derzeit im Libanon leben, wel- che sie unterstützen können. Schliesslich ist auch unklar, ob sie noch über eine Aufenthaltsbewilligung verfügen und ob die Kinder die Schule nun be- suchen können. Hingegen ist ihren Angaben zu entnehmen, dass sie Un- terstützung vom UNHCR erhalten haben und nach wie vor unterstützt wer- den von der Caritas und der assyrischen Kirche. Substantiierte Gründe da- für, dass sie sich in einer existentiellen Notlage befinden würden und ihnen mithin ein Verbleib im Libanon objektiv nicht beziehungsweise nicht mehr zumutbar wäre, werden damit nicht dargelegt. Es bestehen zudem weiter- hin keine Hinweise dafür, dass ihnen im Lib anon eine Ausschaffung nach Syrien drohe. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass a ufgrund der ver- änderten Migrationspolitik der libanesischen Regierung seit Januar 2015 zwar verschärfte Einreisebedingungen für syrische Staatsangehörige gel- ten (vgl. British Broadcasting Corporation [BBC], Syrians entering Lebanon face new restrictions, 5. Januar 2015, http://www.bbc.com/news/world-mi- ddle-east-30657003), die bereits Eingereisten hingegen nicht von Abwehr- mechanismen betroffen sind. Im Gegenteil: Bereits im September 2014 lan- cierte die "General Security" eine Legalisierungskampagne für legal einge- reiste syrische Staatsangehörige und Personen, die gegen die Niederlas- sungsgesetze verstossen hatten, indem sie bis Ende 2014 eine auf sechs Monate beschränkte und erneuerbare Niederlassungsbewilligung erh ält- lich machen konnten. Illegal Eingereiste konnten immerhin ihren Status re- gularisieren lassen und eine auf sechs Monate beschränkte, aber nicht er- neuerbare Bewilligung erhalten (vgl. http://www.general- security.gov.lb/news_det.aspx?d=169). Sollten die von den Beschwerdefüh- renden erwähnten, bis 19. November 2013 gültig gewesenen Aufenthalts- bewilligungen zwischenzeitlich abgelaufen beziehungsweise – aus wel- chen Gründen auch immer – nicht erneuert worden sein, hätte n sie dem- nach zumindest bis Ende 2014 von der erwähnten Regelung Gebrauch machen können. E-6953/2014 Seite 9 7.4 Selbst wenn der Aufenthalt der Beschwerdeführenden im Libanon nicht mehr geregelt sein sollte respektive sie tatsächlich keine Erwerbstätigkeit mehr ausüben sollten, lässt sich aus der generellen Situation syrischer Flüchtlinge im Libanon nicht auf eine Unzumutbarkeit ihres Verbleibs schliessen. Wohl ist die allgemeine Lage der syrischen Flüchtlinge im Li- banon schwierig. Über 1,1 Millionen Personen haben von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sich beim UNHCR als Flüchtlinge registrieren zu las- sen. Diese Registrierung verschafft ihnen zwar keine Aufenthaltsbewilli- gung, ermöglicht ihnen aber einen beschränkten rechtlichen Schutz und Zugang zu gewissen Dienstleistungen. Der Staat Libanon hat die Flücht- lingskonvention nicht ratifiziert, und syrische Flüchtlinge werden nicht offi- ziell als Flüchtlinge oder Asylsuchende anerkannt. Der libanesische Staat stellt auch keine zentralen Flüchtlingslager mit entsprechender Infrastruk- tur und Erfüllung der grundlegendsten Bedürfnisse zur Verfügung. Rund 40 % der Flüchtlinge im Libanon leben deshalb unter prekären Umständen, zum Beispiel in unfertigen Bauten oder in inoffiziellen Zeltlagern (vgl. ARANKI/KALIS, Limited L egal Status for R efugees from Syria in Lebanon, September 2014; Center for Middle Eastern Strategic Studies [ORSAM], The Situation of Syrian Refugees in the Neighboring Countr ies: Findings, Conclusions and Recommendations, April 2014; UNHCR Lebanon, Shelter Update, Dezember 2014). Bei den Beschwerdeführenden 1 und 2 handelt es sich indes um ein Ehepaar, dem es im Zeitpunkt der Einreichung ihrer Asylgesuche möglich war, im Libanon zu wohnen, zu arbeiten und ein aus- reichendes Einkommen für die Familie zu generieren. Auch wenn sich ihre Lage dergestalt verändert haben sollte, dass ihnen dies zurzeit nicht mehr möglich wäre, ist davon auszugehen, dass sie im Libanon über ein Bezie- hungsnetz verfügen und nicht auf sich allein gestellt sind, befinden sich doch zumindest die Schwester des Beschwerdeführers 1 und deren Ehe- mann im Land. Zudem erhalten sie offenbar Hilfe von der syrischen Kirche und der Caritas. Daraus ist zu schliessen, dass ihnen die zur Existenzsi- cherung erforderlichen M ittel zur Verfügung gestellt werden. Ausserdem gibt es Hinweise auf Anstrengungen der libanesischen Behörden, den rechtlichen Status tausender syrischer Flüchtlinge zu regeln. Beispiels- weise eröffnete gemäss Zeitungsberichten im Februar 2015 die "General Security" in der Stadt Arsal ein Büro zwecks Regelung des Aufenthalts sy- rischer Flüchtlinge. Schliesslich ist bekannt, dass Libanon , obwohl nicht Signatarstaat der Flüchtlingskonvention, das flüchtlingsrechtliche Non-Re- foulement-Prinzip im Sinne des völkergewohn heitsrechtlichen ius cogens grundsätzlich einhält. Die Beschwerdeführenden machen denn auch nicht geltend, persönlich und konkret von einer Rückschaffung nach Syrien be- droht zu sein. E-6953/2014 Seite 10 7.5 Letztlich fehlt es auch an einer beachtlichen Beziehungsnähe der Be- schwerdeführenden zur Schweiz, welche in einer Abwägung der Gesamt- umstände dazu führen müsste, dass es gerade die Schweiz ist, die ihnen den erforderlichen Schutz gewähren sollte. Daran vermag auch die dem Cousin des Beschwerdeführenden 1, F ._______, erteilte Einreisebewilli- gung – dem einzigen Anknüpfungspunkt der Beschwerdeführenden zur Schweiz – nichts zu ändern, zumal der Ausgang dessen Asylverfahren s offen ist. 7.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es den Beschwerdeführen- den nicht gelungen ist, Gründe darzutun, aus welchen die Zumutbarkeit ihres weiteren Aufenthalts im Libanon zu verneinen wäre. D ie Vorinstanz hat ihnen demnach im Ergebnis zu Recht die Einreise in die Schweiz ver- weigert und ihre Asylgesuche abgelehnt. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich de n Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwal - tungsökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend auf die Erhebung von Verfahrenskos- ten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-6953/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die Schweizer Vertretung in Beirut. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Stöckli Tu-Binh Tschan Versand: