B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III F-2905/2015 U r t e i l v o m 2 6 . A u g u s t 2 0 1 6 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richter Yannick Antoniazza-Hafner, Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. Parteien A._______, Beschwerdeführer, vertreten durch Thomas Biedermann, Rechtsanwalt, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. F-2905/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1960 geborene kosovarische Staatsangehörige B._______ (nachfol- gend: Gesuchstellerin) beantragte am 6. Januar 2015 bei der Schweizeri- schen Botschaft in Pristina ein Schengen -Visum für einen einmonatigen Besuchsaufenthalt bei ihrer Tochter C._______ (nachfolgend: Gastgebe- rin) und ihrem Schwiegersohn A._______ (nachfolgend: Gastgeber bzw. Beschwerdeführer) im Kanton Bern (Akten der Vorinstanz [SEM act.] 5/83 – 86). Der Gastgeber war bereits zuvor mit einer als Garantie -Erklärung betitelten Eingabe, datiert vom 19. November 2014, an die Schweizer Ver- tretung gelangt. Darin verpflichtete er sich zur Übernahme sämtlicher Kos- ten im Zusammenhang mit dem Besuchsaufenthalt seiner Schwiegermut- ter und gab an, dass seine Ehefrau schwanger sei (SEM act. 5/74). B. Mit Formularentscheid vom 8. Januar 2015 lehnte es die schweizerische Vertretung ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihre Haltung mit der ihrer Auffassung nach fehlenden Gewähr für die fristge- rechte Wiederausreise der Gesuchstellerin aus dem Sch engen-Raum nach einem Besuchsaufenthalt (SEM act. 5/78 – 79). C. Dagegen erhob der Gastgeber mit einer undatierten Eingabe Einsprache bei der Vorinstanz (Eingang beim SEM: 15. Januar 2015). Zur Begründung deutete er an, dass bei seiner schwangeren Ehefrau die Geburt aus medi- zinischen Gründen operativ durchgeführt werden müsse und er auf die Mit- hilfe der Schwiegermutter im Haushalt und bei der Kinderbetreuung ange- wiesen sei. Im Weiteren gab er an, die Gesuchstellerin habe im Kosovo ein eigenes Haus. Zudem besitze sie ungefähr einen Hektar (10'000 m2) Land und habe ein Bankguthaben von mehr als 50'000 Euro (SEM act. 2/41). D. Auf Ersuchen der Vorinstanz hin liess die Migrationsbehörde des Kantons Bern über die Wohnsitzgemeinde beim Gastgeber ergänzende Auskünfte einholen (SEM act. 7 und 8) . Mit Verfügung vom 7. April 2015 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. Dabei teilte sie die Einschätzung der schwei- zerischen Auslandvertretung, wonach die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise der Gesuchstellerin aus dem Schengen-Raum nach einem Besuchsaufenthalt nicht als gesichert betrachtet werden könne. Die Ge- suchstellerin stamme aus einem Land, in dem als Folge der dort insbeson- dere in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Verhältnisse ein anhaltend F-2905/2015 Seite 3 hoher Migrationsdruck festzustellen sei. In den persönlichen und familiären Verhältnissen der Gesuchstellerin seie n keine Umstände in Form beson- derer Verpflichtungen zu erkennen, die das grundsätzlich anzunehmende Risiko einer nicht anstandslosen Wiederausreise entscheidend relativieren könnten. Die Gesuchstellerin sei verwitwet und gehe keiner Erwerbstä tig- keit nach (SEM act. 10/111 – 114). E. Gegen den Einspracheentscheid der Vorinstanz gelangte der Gastgeber mit einer Rechtsmitteleingabe vom 6. Mai 2015 an das Bundesverwal- tungsgericht. Er stellt dabei sinngemäss das Begehren, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und das gewünschte Besuchsvisum zu erteilen. Zur Begründung wird im Wesentlichen geltend gemacht, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass die Wiederausreise der Gesuchstellerin nicht gesichert wäre. Diese sei Kriegswitwe, bereits 55 Jahre alt und sie habe keinen Grund, länger als geplant in der Schweiz zu bleiben. Sie be- wohne ein grosses Haus, das ihr alleine gehöre. Im gleichen Dorf wohnten praktisch sämtliche nahen Verwandten. Im Weiteren besitze sie mehrere Tausend m2 Land und sie verfüge über ein Vermögen von 62'000 Euro. Obwohl auf keine Erwerbstätigkeit angewiesen, baue sie auf einem Grund- stück von knapp 10'000m2 Paprika und Pfeffer an und erziele damit ein or- dentliches Einkommen. Das Vermögen der Gesuchstellerin setze sich zu- sammen aus Ersparnissen sowie aus Leistungen, die ihr nach dem Tode des Ehemannes ausbezahlt worden seien. Beim geplanten Aufenthalt in der Schweiz gehe es einzig darum, die Familie ihrer Tochter in der Schweiz – insbesondere die inzwischen vier Enkelkinder – zu besuchen. Zusammen mit der Beschwerde wurden diverse Fotos einer Liegenschaft und zwei Bankbelege zu den Akten gereicht. F. Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 1. Juli 2015 auf Ab- weisung der Beschwerde. G. Der Beschwerdeführer hält in seiner Replik sei nerseits an seinem Antrag und an dessen Begründung fest. H. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit entscheidwesentlich, in den Er- wägungen eingegangen. F-2905/2015 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen des SEM betreffend Schengen -Visa sind beim Bundes- verwaltungsgericht anfechtbar ( Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG ). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Der Beschwerdeführer ist zur Be schwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 1.3 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal- tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde ans Bundesverwa ltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes- sens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdever- fahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be- schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis- sen oder abweisen. Massgebend sind grundsätzlich die tatsächlichen Ver- hältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (BVGE 2014/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch ein er kosovarischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen einmonatigen Be- suchsaufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorlie- gende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbe- reich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmun- gen enthalten (Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). F-2905/2015 Seite 5 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei- lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesge- setz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen-Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraus- setzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten ver- pflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Vorausset- zungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5; a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Caroni / Gächter / Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Auslän- der, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen - Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit- raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku- mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, de- ren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz ei- nes Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsan- gehörige von dieser Vis umpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gültigen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristigen Aufenthalt ver- fügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 d er Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204, Fassung gemäss Änderung vom 4. Mai 2016, AS 2016 1283] i.V.m. Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung [EU] Nr. 2016/399 des Europäi- schen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemein- schaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfol- gend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 77 vom 23.03.2016; kodifi- zierter Text], Art. 4 Abs. 1 VEV). F-2905/2015 Seite 6 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und d ie Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 6 Abs. 1 Bst. c und Abs. 4 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfol- gend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informati- onssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats dar- stellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 6 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristgerecht wie- der zu verlassen (vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederaus- reise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einrei- seerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 6 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 36 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Grün- den, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der drittstaatsangehö- rigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset zungen nicht er- füllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für F-2905/2015 Seite 7 das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Voraussetzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestat- tet werden, vgl. Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). 5. 5.1 Aufgrund ihrer Staatszugehörigkeit unterliegt die Gesuchstellerin der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 [ABl. L 81 vom 21.03.2001; zum vollständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV]). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 6 Abs. 1 SGK ist die Frage der gesicherten Wiederausreise zentral. Eine solche erachtet die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Situation im Hei- matland und der persönlichen Verhältnisse der Gesuchstellerin als nicht genügend gesichert. Zur Einschätzung entsprechender Risiken sind sämt- liche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreise- gesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit po- litisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen kön- nen ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein klang steht. 5.3 Im Kosovo erweist sich die wirtschaftliche Lage auch Jahre nach Aner- kennung der Unabhängigkeit als schwierig. Die Arbeitslosigkeit im Jahr 2014 lag offiziell bei über 35 % (bei Jugendlichen sogar noch deutlich hö- her), wobei diese Angaben aufgrund des in der Statistik schlecht erfassten informellen Sektors zu relativieren ist. Die kosovarische Regierung ging für das Jahr 2014 von einem Bruttoinlandprodukt von rund 3'080 Euro je Ein- wohner aus, womit Kosovo nicht nur als eines der ärmsten Länder Euro- pas, sondern auch als das ärmste Land auf dem Balkan gilt. Zuverlässige Angaben über die Höhe der Transferleistungen aus dem Ausland fehlen jedoch. Diese Überweisungen – sie fliessen vor allem in den privaten Kon- sum – stellen jedenfalls eine wichtige Einkommensquelle und damit einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar (Quelle: www.auswaertiges -amt.de > Aussen- und Europapolitik > Länderinformationen > Kosovo > Wirtschafts- politik, Stand: Dezember 2015, abgerufen im Juli 2016). F-2905/2015 Seite 8 5.4 Die Schweiz gilt aufgrund der grossen hier ansässigen Diaspora als eines der beliebtesten Zielländer für Emigranten aus dem Kosovo. Die Ten- denz zur Immigration wird erfahrungsge mäss dort noch be günstigt, wo durch die Anwesenheit von Verwandten oder Freunden bereits ein soziales Beziehungsnetz besteht. Angesichts der restriktiven Zulassungsregelung werden dabei nicht selten ausländerrechtliche Bestimmungen umgangen, indem versucht wird, den Aufent halt – einmal eingereist – auf eine ganz andere rechtliche oder faktische Basis zu stellen und sich so der Pflicht zur Wiederausreise zu entziehen. 5.5 Bei der Risikoanalyse sind jedoch nicht nur die allgemeinen Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Person im Heimat- oder Herkunftsland beispielsweise eine besondere berufliche, ge- sellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser Umstand durch- aus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. An- dererseits muss bei Personen, die in ihrer Heimat beziehungsweise in ih- rem Herkunftsland keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer be- willigten Einreise als hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine mittlerweile 56-jährige Frau, die seit dem Kosovokrieg und damit schon seit geraumer Zeit verwit- wet ist (Todestag des Ehemannes: […], SEM act. 5/64) . Sie bewohnt al- leine ein Haus im Dorf D._______ (Gemeinde E._______), einem Ort, an dem im März 1999 eines der schwersten Kriegsverbrechen im Kosovokon- flikt begangen wurde. Möglicherweise ist der Ehemann der Gesuchstellerin (wie zahlreiche andere Männer auch) Opfer dieses Massakers geworden. Am Wohnort der Gesuchstellerin sollen noch weitere nahe Verwandte – Angehörige ihres verstorbenen Ehemannes und eigene Geschwister – le- ben (SEM act. 8/105). Die Gesuchstellerin dürfte damit zwar durchaus ein gewisses familiäres Netz vor Ort haben. Ihre eigenen Kinder und Gross- kinder sind aber alle ausserhalb Kosovos wohnhaft. Nebst der Gastgeberin lebt eine zweite Tochter mit Familie hier in der Schweiz. Der einzige Sohn der Gesuchstellerin lebt in Frankreich (dies gemäss den Angaben des da- maligen Gastgeber s in einem früheren Visumsverfahren , datiert vom 16. Februar 2012 (SEM act. 1/34). Ebenfalls in der Schweiz ansässig ist ein Bruder der Gesuchstellerin (SEM act. 8/105). Damit ist klar, dass die wichtigsten Bezugspersonen nicht mehr im Kosovo, sondern in d er Schweiz und in Frankreich leben. Die Beziehungen zu diesen Personen F-2905/2015 Seite 9 können mit fortschreitendem Alter immer wichtiger werden. Andererseits ist über die Zukunftsplanung der (alleine lebenden) Gesuchstellerin weiter nichts bekannt. Es kann vor einem solchen Hintergrund nicht ausgeschlos- sen werden, dass der Wunsch einer definitiven Übersiedlung zu den eige- nen Nachkommen besteht. 6.2 Dass sich die Gesuchstellerin in vergleichsweise vorteilhaften wirt- schaftlichen Verhältnissen befinden dürfte, ist nicht ernsthaft in Frage zu stellen. Sie lebt in einem (aus eingereichten Fotos zu schliessen) relativ grossen, modernen Haus und verfügt offenbar über ein beachtliches (wenn auch grossen Schwankungen unterworfenes) Bankguthaben. Gemäss Darstellung in der Beschwerde beschäftigt sie sich mit dem Anbau von Ge- müse bzw. Gewürzpflanzen. Eigentliche Obliegenheiten oder gar Verpflich- tungen, die von ei ner allfälligen Emigration abzuhalten vermöchten, sind aber weder darin noch in anderem Sachzusammenhang zu erkennen. 6.3 In Konstellationen wie der vorliegenden stehen bei der persönlichen Lebensplanung wirtschaftliche Überlegungen häufig nicht im Vordergrund. Es sind vielmehr andere Anliegen wie die Nähe zu den nächsten Angehö- rigen, die persönliche Fürsorge im Alter oder eine bestmögliche medizini- sche Versorgung, die über eine allfällige Emigration entscheiden können. 6.4 Vor dem beschriebenen allgemeinen und p ersönlichen Hintergrund durfte die Vorinstanz durchaus davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der Ge- suchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht. An dieser Beurteilung ändert die Tatsache nichts, dass der Beschwerdeführer die rechtzeitige Rückkehr der Gesuchstellerin zusichert. In seiner Eigenschaft als Gastge- ber kann er zwar für gewisse finanzielle Risiken (Lebens haltungskosten während des Besuchsaufenthalts, allfällige von einer Versiche rung nicht gedeckte Kosten für Unfall oder Krankheit sowie für Repatriierung) Garan- tie leisten, nicht aber – mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit – für ein bestimmtes Verhalten seines Gastes (vgl. BVGE 2009/27 E. 9). 6.5 Gründe für die Ausstellu ng eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit wurden vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht und sol- che sind auch nicht ersichtlich. 7. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im F-2905/2015 Seite 10 Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist da- her abzuweisen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). Dispositiv S. 11 F-2905/2015 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Sie sind mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss ge- deckt. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref-Nr. […]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Denise Kaufmann