Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Februar 2013 (715 12 275 / 31) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberin i.V. Nadja Wenger Parteien A. ____, Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1970 geborene A.____ war seit 1. Februar 1990 bei der B.____ GmbH als Professio- nal Marketing Services Managerin angestellt. Infolge ein er Firmensitzverlegung kündigte A.____ am 31. Oktober 2011 das Arbeitsverhältnis per 31 . Januar 2012. Am 21. Dezember 2011 meldete sie sich beim Regionalen Arbeitsvermittlun gszentrum (RAV) C.____ zur Arbeits- vermittlung an und erhob am 2. Januar 2012 bei der Ö ffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Kasse) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. Feb ruar 2012. Mit Verfügung vom 13. März 2012 stellte die Kasse A.____ wegen selbstverschulde ter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Feb- ruar 2012 für 31 Tage in der Anspruchsberechtigung ein . Dagegen erhob A.____ am 12. April 2012 Einsprache. Die Kasse wies die Einsprache mit Entscheid vom 10. August 2012 ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 10. Septemb er 2012 Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsg ericht). Darin beantragte sie sinnge- mäss die Aufhebung des Einspracheentscheides vom 10. Augu st 2012 und die vollumfängliche Aufhebung der Verfügung Nr. … der Kasse vom 31. März 2 012. C. Die Kasse beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 25 . Oktober 2012 die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 10. August 2012; unter o/e Kostenfolge. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gege n Einspracheentscheide der Versicherungsträger Beschwerde beim kantonalen Versicheru ngsgericht erhoben werden. Ört- lich zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG grundsätzlich d as Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung Wohnsitz hat. Diese Regelung entspricht nun allerdings für den Bekgreich der Arbeitslosenversicherung nicht der bis vor Inkrafttreten des ATSG geltenden Zuständigkeitsordnun g, weshalb der Bundesrat in Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 ausdrücklich ermächtigt worden ist, die örtli- che Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in A bweichung von Art. 58 ATSG zu regeln. Nach Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 198 3 richtet sich die Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Kassenverfü- gungen sinngemäss nach Art. 119 AVIV. Diese Bestimmung e rklärt in Abs. 1 lit. a für die Ar- beitslosenentschädigung den Ort, wo die versicherte Person die Kontrollpflicht erfüllt, als mass- gebend. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin die Ko ntrollpflicht im Kanton Basel-Landschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassu ngs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsger icht als Versicherungsgericht als einzi- ge gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Eins pracheentscheide der Versiche- rungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachli ch zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 10. September 2012 ist demnach einzutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts durch Präsidialentscheid St reitigkeiten bis zu einem Streit- wert von 10'000 Franken. Im vorliegenden Fall beläuft sich der Streitwert bei einer Einstellungs- dauer von 31 Tagen und unter Berücksichtigung des Taggeld ansatzes der Versicherten von Fr. 159.95 auf Fr. 4'958.45; die Beurteilung der Be schwerde vom 10. September 2012 fällt demnach in die Kompetenz der präsidierenden Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten de r Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist j edoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriff snotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherun gsgerichts ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 2.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1978, S. 135). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid n ach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. H ANS -ULRICH STAUFFER /B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht , Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentsch ädigung, 3. Auflage, Zürich 2008, S. 146). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverh alts genügt den Beweisanforderun- gen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würd igt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). 3. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführe rin zu Recht wegen selbstverschul- deter Arbeitslosigkeit im Umfang von 31 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt wor- den ist. 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. K ommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung verfügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, welche die versicherte Person hät te vermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Verschuldensprinzip beherrscht (vgl. THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, So ziale Sicherheit, 2. Auflage, Ba- sel/Genf/München 2007, S. 2423, Rz. 822). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der E intritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den per sönlichen Umständen und den per- sönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt (vgl. Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] 1982 Nr. 4 S. 39). D ie Arbeitslosigkeit gilt unter anderem dann als selbstverschuldet, wenn die versicherte Person da s Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesiche rt war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schaden- minderungspflicht (vgl. Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gre nze grundsätzlich im Zumutbarkeitsgedan- ken. 4.3 Wie den Akten entnommen werden kann, hat im vorli egenden Fall die Kündigung der Versicherten zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses und damit zur Arbeitslosigkeit geführt. Es ist zu untersuchen, ob der Versicherten ein Weiterführe n des Arbeitsverhältnisses zumindest bis zum Antritt einer Anschlussstelle nicht mehr zumutbar gewesen ist. 5.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass ihr die Weiterführung des Arbeitsverhält- nisses am neuen Firmensitz aufgrund ihrer familiären Sit uation nicht zumutbar gewesen sei. Durch den verlängerten Arbeitsweg hätte sie ihre Familie nicht mehr wie gewohnt über den Mit- tag angemessen versorgen und betreuen können. Auch wäre sie nicht mehr flexibel gewesen und hätte im Notfall schnellstmöglich bei ihrer Familie sein können. Hinzu komme, dass sie das jüngste Kind noch gestillt habe und es durch den drei mal längeren Arbeitsweg nicht hätte an- gemessen versorgen und betreuen können. Die Frage nach der Zumutbarkeit des Verbleibens an der bisherigen Arbeitsstelle ist nach Art. 16 AVIG zu beurteilen. Danach gilt eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesond ere den gesamt- und normalarbeits- vertraglichen Bedingungen entspricht, den Fähigkeiten u nd dem Gesundheitszustand der ar- beitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wesentlich erschwert. Das Bundesgericht wendet hinsichtlich der Anna hme der Unzumutbarkeit am bishe- rigen Arbeitsplatz zu verbleiben, einen strengen Masssta b an und schliesst generell subjektive Beweggründe von der Zumutbarkeitsprüfung aus (vgl. BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2428, Rz. 832; JACQUELINE CHOPARD , Die Ein- stellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S . 116). Wenn nicht besondere Umstände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemutet we rden, wenigstens so lange am Arbeits- platz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat, bzw. ein zumutbares Vertragsände- rungsangebot zu akzeptieren und das Arbeitsverhältnis bis zur Zusage einer anderen Erwerbs- tätigkeit weiterzuführen (vgl. JACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 116 und 119). 5.2 Laut Art. 16 Abs. 2 lit. f AVIG ist eine Arbeit unzumutbar, die einen Arbeitsweg von mehr als zwei Stunden je für den Hin- und Rückweg notw endig macht und bei welcher für die versicherte Person am Arbeitsort keine angemessene Unterku nft vorhanden ist oder sie bei Vorhandensein einer entsprechenden Unterkunft ihre Bet reuungspflicht gegenüber den Ange- hörigen nicht ohne grössere Schwierigkeiten erfüllen ka nn. Obschon der Arbeitsplatz der Versi- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherten nach C.____ verlegt wurde, hatte sie die Möglichkeit ihre Teilzeitanstellung zu behalten. Durch die Firmensitzverlegung hat sich der Arbeitsweg für die Versicherte um rund 30 Minuten pro Weg verlängert. Wie den Ausführungen der Kasse im angefochtenen Einspracheentscheid zu entnehmen ist, hätte die Beschwerdeführerin jeweils dreiviertel Stunden aufwenden müssen, um mit dem Fahrzeug von ihrem Wohnort an ihren neuen Arbeitsort und von dort wieder nach Hause zu gelangen. Die Reisezeit von dreiviertel Stunde n liegt innerhalb des Rahmens von zwei Stunden, den die Rechtsprechung als zumutbar erac htet (Sozialversicherungsrecht - Rechtsprechung [SVR] 1999 ALV Nr. 22 S. 54 E. 4b/aa). Auch der von der Versicherten geltend gemachte Arbeitsweg von 45 bis 60 Minuten liegt im zumutbaren Rahmen. 5.3 Eine Arbeit gilt sodann als unzumutbar, wenn sie d en persönlichen Verhältnissen der versicherten Person oder ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen ist (Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung fa llen bei der Prüfung der Zumutbarkeit einer Arbeit unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Ve rhältnisse insbesondere die gesund- heitlichen und familiären Umstände der versicherten Per son in Betracht. Betreuungspflichten gegenüber minderjährigen Kindern stellen grundsätzlich keinen persönlichen Grund dar, der eine arbeitsmarktliche Massnahme unzumutbar macht. Dies käme nur in Frage, wenn eine Kin- derbetreuung durch Drittpersonen bei objektiver Betrach tungsweise auch potenziell undenkbar wäre, was nach Ablauf des Mutterschaftsurlaubes regelmä ssig nicht mehr der Fall sein dürfte. (vgl. BGE 120 V 375 E. 4b; Urteil des Eidgenössischen Ver sicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilu ngen] vom 25. Juni 2004, C 43/04, E. 2.2). Die Versicherte hat vier Kinder, wovon das Jüngste im Zeitpunkt der Auflösung des Ar- beitsverhältnisses siebeneinhalb Monate alt war. Nach La ge der Akten lebt die Versicherte mit ihrem Partner zusammen, welcher zugleich der Vater d er vier Kinder ist. Aufgrund von Arbeits- unfähigkeit bezieht der Partner der Versicherten eine I V-Rente zu 100%. Gemäss der Feststel- lungsverfügung vom 13. März 2012 wurde die Versicherte als vermittlungsfähig erklärt, da ihr Partner auf ihre Kinder aufpassen kann. Folglich kann da von ausgegangen werden, dass wäh- rend der Abwesenheit der Versicherten ihr Partner die Betreuung der Kinder am Vormittag und am Mittag hätte übernehmen können. Auch für den Fall , dass der Vater die Betreuung nicht wahrnehmen könnte, wäre die Versicherte angehalten ge wesen, sich für die Zeit ihrer Abwe- senheit um eine alternative Betreuungsmöglichkeit zu kümm ern. Sowohl die Unterbringung der Kinder in einer Betreuungsstätte oder die Betreuung d urch eine Drittperson erscheint zumutbar (vgl. Entscheid des EVG vom 25. Juni 2004, C 43/04, E. 3.2). Aus den Ausführungen ergibt sich, dass keine objektive, potentielle Unmöglichkeit der Kindsbetreuung vorliegt. Die Be- schwerdeführerin kann sich nicht auf die Ausnahmeregelung des Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG beru- fen. 5.4. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie im Z eitpunkt der Auflösung des Ar- beitsverhältnisses ihr jüngstes Kind gestillt habe. Aufgrund des verlängerten Arbeitsweges hätte sie das Kind nicht angemessen versorgen und betreuen können . Die Stillzeit nach der Nieder- kunft ist für sich noch kein Unzumutbarkeitstatbestand im Sinne des AVIG. Der Gesetzgeber bringt mit dem Schutz der Mutterschaft im Arbeitsgeset z und im Arbeitsvertragsrecht gerade zum Ausdruck, dass die Mutterschaft kein Grund sein soll, d ie Arbeit aufgeben zu müssen. In Art. 35 und Art. 36 Bundesgesetz über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (ArG), so- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wie in Art. 60 Verordnung zum Arbeitsgesetz (ArGV1) ist ein Sonderschutz für schwangere und stillende Mütter vorgesehen. Das Arbeitsgesetz schützt in Art. 35 die Gesundheit der Mutter und des Kindes vor Beeinträchtigungen, die durch Beschäftigu ngen oder Arbeitsbedingungen ge- schaffen werden. Stillenden Müttern ist die erforderli che Zeit zum Stillen freizugeben (vgl. Art. 35a Abs. 2 ArG). Die Stillzeit im Betrieb gilt als Arbeitszeit (vgl. Art. 60 Abs. 2 lit. a ArGV1). Ver- lässt die Arbeitnehmerin den Arbeitsort zum Stillen, i st die Hälfte dieser Abwesenheit als Ar- beitszeit anzuerkennen (vgl. Art. 60 Abs. 2 lit. b ArGV 1). Laut Art. 36 Abs. 1 ArG ist bei der Festsetzung der Arbeits- und Ruhezeit auf Arbeitnehmeri nnen, die einen Haushalt mit Famili- enangerhörigen besorgen, Rücksicht zu nehmen. Die gena nnten Bestimmungen schützen die arbeitstätige Mutter - vor allem während der Stillzei t - und sind zwingender Natur. Erst ihre Nichteinhaltung durch den Arbeitgeber lässt das Arbeitsv erhältnis unzumutbar werden. Eine entsprechende Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch die betroffene Versicherte stellt so- dann keinen Einstellungsgrund dar (vgl. Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Die Versicherte ist Mutter von vier Kind ern, wobei das Jüngste im fraglichen Zeit- punkt noch gestillt wurde. Die Schutzbestimmungen sind zweifelsohne anwendbar. Die Be- schwerdeführerin machte jedoch weder geltend noch geht aus den Akten hervor, dass der Ar- beitgeber gezielt gegen eine der genannten Bestimmungen verstossen hat. Zu beachten ist im Übrigen, dass die Beschwerdeführerin ihren Anspruch auf Freigabe der zum Stillen erforderlichen Zeit hätte geltend machen könn en. Sie hat jedoch darauf verzichtet, mit dem Arbeitgeber nach alternativen Lösungen zu suchen. Si e hätte während der Stillzeit die Ar- beitsstelle früher verlassen können, wobei ihr die Abwes enheit zwecks Stillen an die Arbeitszeit angerechnet worden wäre (vgl. Art 35a Abs. 2 ArG und Art. 60 Abs. 2 lit. b ArGV1). Stattdessen hat sie ihre Anstellung freiwillig aufgegeben. In die sem Sinne ist ihr ein Verschulden an ihrer Arbeitslosigkeit vorzuwerfen. Auch wenn sie sich als stillende Mutter in einer besonderen Situa- tion befunden hat, muss von ihr verlangt werden, ihre n Anspruch gegenüber ihrem ehemaligen Arbeitgeber zu vertreten (vgl. Urteil des Versicherungsg erichts des Kantons Basel-Landschaft vom 2. Februar 2001, 2000/184, E.3b). 5.5 Als Zwischenergebnis ist demnach festzuhalten, dass die Kasse vorliegend zu Recht von einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit der Versicherten im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV ausgegangen ist. 6.1 Abschliessend bleibt zu prüfen, ob die durch die Kass e verfügte Einstellung in der An- spruchsberechtigung im Umfang von 31 Tagen angemessen ist. 6.2 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Gr ad des Verschuldens und beträgt je nach Einstellungsgrund höchstens 60 Tage (vgl. Art. 3 0 Abs. 3 AVIG). Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung wird gemäss Art. 45 Abs. 3 AVIV ab gestuft und beträgt bei leichtem Verschulden 1 bis 15 Tage, bei mittelschwerem Verschulden 16 bis 30 Tage und bei schwerem Verschulden 31 bis 60 Tage. Die Einstellung beginnt am ersten Tag nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses, wenn die versicherte Person aus eige nem Verschulden arbeitslos gewor- den ist (Art. 45 Abs. 1 lit. a AVIV). Bei der Bemessung der Einstellungsdauer steht der Kasse ein Ermessen zu, welches sie pflichtgemäss auszuüben hat. N ach § 57 lit. c VPO hat die sozi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht alversicherungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts bzw . deren präsidierende Person bei Präsidialentscheiden die angefochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprü- fen. Sie greift jedoch bei der Beurteilung der von de r Kasse angeordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in deren Ermessensspielraum ein. 6.3 Gemäss Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV liegt schweres Ver schulden vor, wenn die versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeit sstelle ohne Zusicherung einer neu- en Arbeitsstelle aufgegeben hat. 6.4 Vorliegend hat die Kasse das Verhalten der Versiche rten als schweres Verschulden qualifiziert, was eine Einstellungsdauer von 31-60 Tagen zur Folge hat. In der Regel beträgt die Einstellung in der Anspruchsberechtigung 36 Tage bei ei ner selbstverschuldeten Arbeitslosig- keit infolge Kündigung durch die Versicherte. Innerhal b dieses Rahmens hat die Kasse eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung für die Dauer von 31 Tagen verfügt. Als verschul- densmindernd hat sie dabei zu Recht die Schwierigkeiten am Arbeitsplatz (Firmensitzverle- gung) und die persönlichen Verhältnisse der Versicherten berücksichtigt. Die Kasse hat ihre Sanktion hinreichend an die besonderen Umstände des Falles und die persönliche Situation der Beschwerdeführerin angepasst. Die verfügte Einstellungsda uer erscheint somit angemessen und es besteht kein Anlass, in das Ermessen der Arbeitslosenkasse einzugreifen. 7. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass der angefo chtene Einspracheent- scheid der Kasse vom 10. August 2012 nicht zu beanstande n ist. Die dagegen erhobene Be- schwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor de m kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegend e Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten können wettgeschlagen werden. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosen erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht