<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2020-02-18-4A_521-2019.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4A_521/2019</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 18. Februar 2020</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>I. zivilrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichterin Kiss, Präsidentin, </div> <div class="para">Bundesrichterin Niquille, </div> <div class="para">Bundesrichter Rüedi, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Hug. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwältin Judith Andenmatten, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B.________, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt Marino Di Rocco, </div> <div class="para">Beschwerdegegner. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Darlehen, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Entscheid </div> <div class="para">des Obergerichts des Kantons Aargau, </div> <div class="para">Zivilgericht, 2. Kammer, </div> <div class="para">vom 11. September 2019 (ZVE.2019.17). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">B.________ (Kläger, Beschwerdegegner) gewährte A.________ (Beklagter, Beschwerdeführer) im Dezember 2010 ein zinsloses Darlehen von Fr. 15'000.-- mit ratenweiser Rückzahlung bis spätestens 30. Juni 2013. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Am 25. November 2016 begehrte B.________ beim Bezirksgericht Bremgarten, A.________ sei zu verpflichten, ihm Fr. 14'500.-- zuzüglich 5 % Verzugszins seit 1. Juli 2013 zu bezahlen. Der Beklagte schloss auf Abweisung der Klage. </div> <div class="para">Mit Urteil vom 27. November 2018 verurteilte das Bezirksgericht Bremgarten den Beklagten, dem Kläger Fr. 4'500.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit 1. Juli 2013 zu bezahlen; im Mehrbetrag wies es die Klage ab. Das Bezirksgericht erachtete diverse Rückzahlungen des Beklagten von insgesamt Fr. 10'500.-- als bewiesen. Zur Verrechnung gestellte Ansprüche betreffend eine Anwaltshonorarrechnung sowie eine Genugtuungsforderung zufolge einer Straftat des Klägers anerkannte das Bezirksgericht indessen mangels rechtsgenüglichen Tatsachenfundaments nicht. </div> <div class="para">Das Obergericht des Kantons Aargau wies die Berufung des Beklagten mit Entscheid vom 11. September 2019 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Mit Beschwerde in Zivilsachen sowie subsidiärer Verfassungsbeschwerde begehrt der Beklagte, das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 11. September 2019 sei aufzuheben und die Klage sei abzuweisen; eventualiter sei die Sache im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. </div> <div class="para">Der Beschwerdegegner und die Vorinstanz wurden zur Sache nicht vernommen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>D.</b> </div> <div class="para">Mit Verfügung vom 4. November 2019 wurde der Beschwerde antragsgemäss die aufschiebende Wirkung erteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer erhebt sowohl eine Beschwerde in Zivilsachen (<span class="artref">Art. 72 ff. BGG</span>) als auch eine subsidiäre Verfassungsbeschwerde (<span class="artref">Art. 113 ff. BGG</span>). Das Bundesgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kognition, ob die Rechtsmittel zulässig sind (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=18&amp;from_date=06.02.2020&amp;to_date=25.02.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-III-395%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page395">BGE 141 III 395</a> E. 2.1 mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.</b> Der für die Beschwerde in Zivilsachen erforderliche Streitwert von Fr. 30'000.-- ist unstrittig nicht erreicht (<span class="artref">Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG</span>). Der Beschwerdeführer macht indessen geltend, es stelle eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung dar (<span class="artref">Art. 74 Abs. 2 lit. a BGG</span>), ob eine unbestritten gebliebene Tatsache mit der Anerkennung eines damit begründeten Rechtsanspruchs gleichgestellt werden kann. </div> <div class="para">Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers bedarf die von ihm aufgeworfene Rechtsfrage keiner höchstrichterlichen Klärung, zumal dem Gesetzeswortlaut bereits die Antwort entnommen werden kann: Soweit im Rahmen des Verhandlungs- und Dispositionsgrundsatzes (<span class="artref">Art. 55 Abs. 1 und <artref id="CH/272/58/1" type="start"></artref>Art. 58 Abs. 1 ZPO</span><artref id="CH/272/55/1" type="end"></artref>) alle tatsächlichen Voraussetzungen eines Anspruchs hinreichend behauptet und von der Gegenpartei nicht bestritten werden, hat das Gericht in Rechtsanwendung von Amtes wegen (<span class="artref">Art. 57 ZPO</span>) die Forderung zuzusprechen; es sei denn, es hege Zweifel an der Richtigkeit nicht streitiger Tatsachen (<span class="artref">Art. 153 Abs. 2 ZPO</span>). Falls jedoch, wie vorliegend gemäss Feststellung der Vorinstanz zum Prozesssachverhalt, eine der kumulativ erforderlichen Voraussetzungen eines Anspruchs nicht rechtsgenüglich behauptet wurde, ist der Anspruch - ebenfalls in Rechtsanwendung von Amtes wegen - abzuweisen. </div> <div class="para">Insofern der Beschwerdeführer zudem vorbringt, es sei als weitere Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung zu prüfen, ob ein Gericht in Rechtsanwendung von Amtes wegen die unzureichende Substanziierung einer Behauptung beanstanden darf, führt seine Argumentation ins Leere, zumal er sich richtig besehen wiederum auf den gleichen Themenkomplex bezieht. Entgegen dem, wovon der Beschwerdeführer auszugehen scheint, beschlägt die Frage der Substanziierung nur insoweit die Rechtsanwendung, als zu beurteilen ist, ob sie zureichend oder ungenügend ist. In diesem Sinne stellte die Vorinstanz zuerst in tatsächlicher Hinsicht fest, der Beschwerdeführer habe seine Forderung nicht konkret behauptet und wies den Anspruch sodann mangels erfüllter Voraussetzungen in Rechtsanwendung von Amtes wegen ab. </div> <div class="para">Da sich nach dem vorstehend Gesagten keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung (<span class="artref">Art. 74 Abs. 2 lit. a BGG</span>) stellt, ist die Beschwerde in Zivilsachen unzulässig. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.</b> Ob die Eintretensvoraussetzungen in Bezug auf die subsidiäre Verfassungsbeschwerde erfüllt sind, scheint ebenfalls fraglich. Indes braucht nicht abschliessend beurteilt zu werden, ob die Beschwerde die qualifizierten Rügeanforderungen im Sinne von <span class="artref"><artref id="CH/173.110/116" type="start"></artref>Art. 116-117 BGG</span><artref id="CH/173.110/117" type="end"></artref> i.V.m. <span class="artref">Art. 106 Abs. 2 BGG</span> erfüllt (vgl. dazu <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=18&amp;from_date=06.02.2020&amp;to_date=25.02.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-V-136%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page136">BGE 140 V 136</a> E. 1.1<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=18&amp;from_date=06.02.2020&amp;to_date=25.02.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-I-171%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page171">138 I 171</a></span> E. 1.4<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=18&amp;from_date=06.02.2020&amp;to_date=25.02.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-332%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page332">136 I 332</a></span> E. 2.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=18&amp;from_date=06.02.2020&amp;to_date=25.02.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-138%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page138">134 V 138</a> E. 2.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=18&amp;from_date=06.02.2020&amp;to_date=25.02.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-III-439%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page439">133 III 439</a> E. 3.2 S. 444). Denn die vom Beschwerdeführer im Rahmen der subsidiären Verfassungsbeschwerde geäusserte Kritik verfängt ohnehin nicht: </div> <div class="para">So hat die Vorinstanz, indem sie die geltend gemachten Ansprüche des Beschwerdeführers nicht zur Verrechnung zuliess, den Dispositionsgrundsatz gemäss <span class="artref">Art. 58 Abs. 1 ZPO</span> nicht verkannt und schon gar nicht auf willkürliche Art und Weise (vgl. <span class="artref">Art. 9 BV</span>). Indem die Vorinstanz im Ergebnis dem Antrag des Beschwerdegegners auf Abweisung der Berufung folgte, sprach sie ihm nämlich weder mehr noch etwas anderes zu, als er verlangte (vgl. <span class="artref">Art. 58 Abs. 1 ZPO</span>). Dass der Beschwerdegegner teilweise Tatsachenbehauptungen nicht bestritt, ändert entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nichts daran, dass die Verrechnungsforderungen nicht anerkannt wurden. Denn insoweit der Beschwerdeführer die tatsächlichen Behauptungen betreffend die zur Verrechnung gestellten Ansprüche nicht genügend konkret vortrug, war der Beschwerdegegner von seiner Bestreitungslast befreit. </div> <div class="para">Die Vorinstanz ging ferner zutreffend davon aus, die Frage der Angemessenheit der Genugtuungsforderung zufolge Persönlichkeitsverletzung (<span class="artref">Art. 49 OR</span>) stelle eine von ihr überprüfbare Rechtsfrage dar. Der Vorwurf des Ermessensmissbrauchs ist haltlos. Nachdem der Beschwerdeführer selbst nicht behauptet, die Grundzüge der Genugtuungsforderung nachvollziehbar behauptet zu haben, war es dem Beschwerdegegner gar nicht möglich, diese konkret zu bestreiten und die Vorinstanz konnte ohne Weiteres von einer entsprechenden Verrechnung absehen. </div> <div class="para">Die Vorinstanz war in diesem Zusammenhang entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers auch nicht gehalten, ihre Schlussfolgerung des mangelnden Tatsachenfundaments ausführlicher zu erklären. Mithin bedarf es keiner weiteren Begründung, dass dem auch vor Vorinstanz anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer die Behauptungs- und Substanziierungsanforderungen bewusst sein müssen. Damit ist der Rüge der Verletzung des verfassungsmässigen Anspruchs auf rechtliches Gehör (<span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span>) der Boden entzogen. </div> <div class="para">Entgegen der weiteren Kritik des Beschwerdeführers hat die Vorinstanz schliesslich weder den Sachverhalt offensichtlich unvollständig festgestellt, noch kann ihr eine Rechtsverweigerung vorgeworfen werden. Denn der Argumentation des Beschwerdeführers, wonach die Vorinstanz verpflichtet gewesen wäre, alle Voraussetzungen von <span class="artref">Art. 120 OR</span> in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht zu prüfen, kann nicht gefolgt werden. So obliegt es im Rahmen des Verhandlungsgrundsatzes (<span class="artref">Art. 55 Abs. 1 ZPO</span>) den Parteien, alle zur rechtlichen Würdigung notwendigen Tatbestandselemente zu behaupten. Namentlich übergeht der Beschwerdeführer mit seinen Ausführungen abermals, dass er aus den vom Beschwerdegegner nicht bestrittenen Tatsachenfeststellungen nichts zu seinen Gunsten ableiten kann, soweit er weitere kumulative Voraussetzungen nicht rechtsgenüglich behauptete. Insbesondere ist gemäss Feststellung der Vorinstanz weder dargetan noch ersichtlich, welcher Teil des geltend gemachten Genugtuungsanspruchs auf welchen Umstand zurückzuführen sei. In Bezug auf die ebenfalls zur Verrechnung gestellte Honorarforderung habe sich der Beschwerdeführer sodann, so erwog die Vorinstanz weiter, lediglich auf das Strafurteil gegen den Beschwerdegegner gestützt, worin der Anspruch jedoch auf den Zivilweg verwiesen worden sei. Aus diesem Grund verwarf die Vorinstanz die Verrechnungsforderungen zu Recht - respektive jedenfalls willkürfrei - als nicht hinreichend behauptet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Auf die Beschwerde in Zivilsachen ist nicht einzutreten. Die subsidiäre Verfassungsbeschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). Da vom Beschwerdegegner keine Beschwerdeantwort eingeholt wurde, ist ihm keine Entschädigung für das Verfahren vor Bundesgericht zuzusprechen (<span class="artref">Art. 68 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Auf die Beschwerde in Zivilsachen wird nicht eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die subsidiäre Verfassungsbeschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau, Zivilgericht, 2. Kammer, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 18. Februar 2020 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Präsidentin: Kiss </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Hug </div> </div></body></html>