Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. April 2016 (720 16 27) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Gutachten beweiskräftig. Kein Anspruch auf eine IV-Rente Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichte- rin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advoka- tin, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.9156.7842.00) A. Der 1975 geborene A.____ arbeitete als Hilfsgips er. Am 13. November 2007 meldete er sich erstmals bei der IV-Stelle zum Leistungsbez ug an. Er litt an einer Diskushernie C4/C5 mit radikulärer Reiz- und motorischer Ausfallsympto matik. Mit Verfügung vom 5. März 2010 sprach die IV-Stelle A.____ gestützt auf das bidisz iplinäre Gutachten von Dr. B.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, und Dr. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom Seite 2 5. Oktober 2009 für die Zeit ab April 2008 bis Ende August 2008 eine volle Invalidenrente zu, verneinte aber einen Anspruch auf Rentenleistungen ab dem 1. September 2008. Diese Verfü- gung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am 11. Februar 2014 meldete sich A.____ erneut bei de r IV-Stelle. Er gab an, unter einem Zer- vikalsyndrom sowie unter Depressionen zu leiden. Dr. D.____, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, bestätigte am 4. März 2014 eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Versi- cherten und eine volle Arbeitsunfähigkeit seit dem 22. Oktober 2013. Mit Verfügung vom 14. Januar 2016 lehnte die IV-Stelle im Wesentlichen gest ützt auf das bidisziplinäre Verlaufsgut- achten von Dr. B.____ und Dr. C.____ vom 16. April/21. April 2015 das Leistungsgesuch ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Ra ffaella Biaggi, Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Er bea ntragte die Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen. Eventualiter sei die An- gelegenheit zur Durchführung einer erneuten Begutach tung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In formeller Hinsicht habe Dr. C.____ in seinem Guta chten den Datenschutz missachtet und das Berufsgeheimnis verletzt. Aber auch inhaltlich fehl e es dem Gutachten an Überzeugungs- kraft, weshalb darauf nicht abgestellt werden dürfe. Vielmehr sei aufgrund der übrigen Akten von einer Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen. Allenfa lls sei ein weiteres Gutachten einzuho- len. C. Mit Vernehmlassung vom 3. März 2016 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführe rs entspreche das Gutachten von Dr. C.____ sowohl in formeller als auch in materielle r Hinsicht den beweisrechtlichen Anforde- rungen. Auf die Einholung eines weiteren Gutachtens könne verzichtet werden. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführ er Anspruch auf eine IV-Rente hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, d ie ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei Seite 3 langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternati- ve Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens Seite 4 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbe sondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation Seite 5 einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen g elangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Der Beweiswert von Berichten des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) nach A rt. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikatio- nen verfügt (BGE 134 V 231 E. 5.1, 137 V 210 E. 1.2. 1). Auf das Ergebnis versicherungsinter- ner ärztlicher Abklärungen kann jedoch nicht abgestellt w erden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; Urteile des Bundesgerichts vom 3. Oktober 2014, 8C_197/2014, E. 4.2 und vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2). 5.1 Im rheumatologischen/psychiatrischen Gutachten vom 5. Oktober 2009 hielten Dr. B.____ und Dr. C.____ als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches zerviko-spondylogenes Syndrom links fest bei Status nach post eriorer Fenestration C4/5 links und Entfernung von komprimierendem Bandscheibengewebe am 1. April 2008. Als psychiatri- sche Nebendiagnose seien Anpassungsprobleme bei Verände rungen der Lebensumstände (ICD-10 Z60.00) zu nennen. Diese ICD-10 Z-Diagnose be einträchtige die Arbeitsfähigkeit nicht. Für drei Monate nach der Operation am 1. April 2008 sei eine volle Arbeitsunfähigkeit für jegli- che Tätigkeit anzunehmen. Danach sei der Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit als Gipser weiterhin zu 100% arbeitsunfähig. In einer adaptierten Verweistätigkeit bestehe dagegen nach Ablauf der Dreimonatsfrist eine volle Arbeitsfähigkeit. 5.2 Mit Arztzeugnis vom 4. März 2014 berichtete der beha ndelnde Arzt, Dr. D.____, dass der Versicherte seit dem 16. Januar 2014 wegen einer mi ttelgradigen depressiven Episode in seiner Behandlung stehe. Zudem leide der Versicherte an einem chronischen zervikoradikulä- ren Schmerzsyndrom links bei Zustand nach Operation einer Diskushernie am 1. April 2008. Er sei seit dem 22. Oktober 2013 zu 100% arbeitsunfähig. Seite 6 5.3 Aufgrund des persistierenden zervikobrachialen Schmerzsyn droms überwies der Hausarzt, Dr. E.____, FMH Innere Medizin, den Versicher ten an die neurologische Abteilung des Universitätsspitals Basel zur Untersuchung. Diagnostiziert wurden mit Bericht vom 21. März 2014 ein persistierendes chronisches zervikobrachiales Sch merzsyndrom und ein radikuläres Reizsyndrom. Bis auf eine schmerzbedingt eingeschränkte Kopfrotation nach links sowie minim abgeschwächtem Bizepssehnenreflex links im Seitenvergleich zeigten sich klinisch- neurologisch unauffällige Befunde. Empfohlen wurden e ine Physiotherapie sowie eine Vorstel- lung bei den Kollegen der Schmerztherapie. 5.4 Dr. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, begut achtete den Versicherten im Auftrag der G.____. Mit Gutachten vom 16. April 2014 konnte er keine Diagnosen mit Auswir- kungen auf die Arbeitsfähigkeit stellen. Ohne Auswirkun gen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine weitgehend remittierte depressive Episode mit ger inger Restsymptomatik, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie eine Anpassungsstörung bei Depression, dysphorischer Verstimmung und Anspannung. 5.5 Dr. E.____ attestierte mit Arztbericht vom 27. Nov ember 2014 eine Arbeitsfähigkeit von 50% für leichtere Tätigkeiten ab 1. September 2014. Die Arbeit als Gipser sei nicht mehr zu- mutbar. 5.6 In seinem Bericht vom 14. Dezember 2014 wiederholte Dr. D.____ die von Dr. E.____ attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100% als Gipser un d von 50% in einer Verweistätigkeit. Diag- nostisch liege aus psychiatrischer Sicht eine Anpassungsstörung mit Depression, dysphorischer Verstimmung und Anspannung vor (F43.23) bei anhaltend em zervikobrachialem Schmerzsyn- drom links nach posteriorer Fenestration C4/5 am 1. Apr il 2008. Aufgrund der Anpassungsstö- rung bestehe eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20%. 6. Zur Abklärung der aktuellen medizinischen Situation g ab die IV-Stelle ein Verlaufsgut- achten bei Dr. B.____ und Dr. C.____ in Auftrag. 6.1 Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkei t nannte Dr. B.____ am 21. April 2015 ein chronisches zervikovertebrales Syndrom bei Status n ach posteriorer Fenestration C4/5 links und Entfernung von komprimierendem Bandscheibengewebe am 1. April 2008 sowie radiomorphologisch normalem Operationssitus mit altersent sprechenden degenerativen HWS- Veränderungen. Die körperlichen Befunde seien praktisch identisch mit jenen von 2009. Der Versicherte imponiere aber deutlich weniger schmerzempfi ndlich. Die ergänzende Röntgenun- tersuchung vom 15. April 2015 zeige bis auf eine etwas auffällige Form der Wirbelsäule, welche jedoch nicht für die Beschwerden verantwortlich sei, alt ersentsprechende degenerative Verän- derungen. In der angestammten Tätigkeit als Gipser be stehe nach wie vor eine 100%ige Ar- beitsunfähigkeit, dies selbst in Kenntnis, dass der Versi cherte im Jahr 2012 einer Tätigkeit als Gipser nachgegangen sei. Die Tätigkeit als Gipser stelle eine körperlich schwere und nach ei- Seite 7 ner Wirbelsäulenoperation ungünstige Arbeit dar. In Bezug auf eine Verweistätigkeit sei zu be- achten, dass der Versicherte von Seiten der HWS nicht übe r 10 kg heben, stossen oder ziehen und nicht dauernd mit inklinierter oder reklinierter H WS-Haltung arbeiten dürfe. Arbeiten auf Leitern oder Gerüsten seien ebenfalls unzumutbar. Sofer n diese Einschränkungen berücksich- tigt würden, liege die Arbeitsfähigkeit bei 100%. D ie heutige Beurteilung sei somit praktisch identisch mit der Beurteilung von 2009. Einzig, dass dama ls noch eine Einschränkung von Sei- ten des linken Arms formuliert worden sei, welche heut e nicht mehr vorliege. Nach wie vor be- stünden Diskrepanzen zwischen den subjektiven Angaben und de n objektiv erhebbaren Befun- den. Allerdings imponierten diese nicht derart wie bei der Erstbegutachtung im Jahr 2009. Die rheumatologische Beurteilung wird vom Beschwerdefü hrer nicht beanstandet. Da diesbe- züglich auch keine Hinweise auf eine Fehlbeurteilung vo rliegen, kann den Ergebnissen von Dr. B.____ ohne weiteres gefolgt werden. 6.2 In Bezug auf die psychiatrische Beurteilung durch Dr. C.____ vom 16. April 2015 macht der Beschwerdeführer in formeller Hinsicht eine D atenschutzverletzung sowie eine Ver- letzung des Berufsgeheimnisses geltend. Dr. C.____ habe i m Gutachten erwähnt, dass er von der IV-Stelle auch mit der Begutachtung der Lebenspart nerin, welche auch namentlich genannt werde, beauftragt worden sei. Zudem habe er Informat ionen aus dem Abklärungsbericht Haus- halt preisgegeben. Somit gelangten vertrauliche Daten an Dritte. Aufgrund dieser formellen Mängel sei das Gutachten nicht verwertbar. 6.3 Dem kann nicht gefolgt werden. Der Name der Leben spartnerin wird im gegebenen Fall auch im Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gen annt, weshalb diese Information nicht geheim ist. Dass die Situation der Lebenspartnerin im Gutachten von Dr. C.____ erwähnt wird, stellt im Übrigen nichts Ungewöhnliches dar, wird doch in den Gutachten über die familiären Gegebenheiten berichtet. Dass der Lebenspartner oder di e Lebenspartnerin beispielsweise Bezügerin einer IV-Rente oder ein entsprechender An spruch abgelehnt worden ist, stellen übli- che Informationen da. Zudem gibt Dr. C.____ über die Lebenspartnerin nur das wieder, was der Versicherte schilderte. Speziell im vorliegenden Fall ist einzig, dass derselbe Facharzt den Auf- trag erhalten hat, auch die Lebenspartnerin zu begutachten. Ob dies der IV-Stelle bewusst war, kann im Nachhinein nicht eruiert werden. Eine solche V erkettung kann sich in gewissen Fällen als problematisch erweisen. Im vorliegenden Fall gibt e s jedoch keine Anhaltspunkte dafür, dass Dr. C.____ voreingenommen wäre. Im Gegenteil, der Beschwerdeführer berichtete von sich und erwähnte, dass er seiner Partnerin bei schweren Einkäufen helfe. Dr. C.____ bestätig- te dann zu Gunsten des Beschwerdeführers, dass diese Info rmation auch aus dem Haushalts- bericht der Lebenspartnerin hervorgehe. Somit kann im vorliegenden Fall – entgegen der Auf- fassung der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers – keine Verletzung des Datenschutzes oder des Berufsgeheimnisses erkannt werden. Seite 8 6.4 In materieller Hinsicht wird geltend gemacht, dass d as Gutachten nicht beweiskräftig sei. Dr. C.____ habe die anhaltende somatoforme Schm erzstörung nach den Foersterkriterien geprüft, welche nach der aktuellen bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht mehr massge- blich seien. Im Zug der entsprechenden Rüge im Vorbe scheidverfahren habe der RAD die Be- urteilung der funktionellen Auswirkungen der diagnosti zierten somatoformen Schmerzstörung zwar nachgeholt. Diese Beurteilung sei jedoch nicht nachvollziehbar. 6.5 Dr. C.____ diagnostizierte in seinem Fachgutachten eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) und Anpassungsprobleme bei Verän derungen der Lebensumstände (ICD10 Z60.0). Diese Diagnosen hätten keine Auswirkung a uf die Arbeitsfähigkeit. Der Versi- cherte habe seine Schmerzen praktisch gleich wie anlässlich der ersten Untersuchung im Sep- tember 2009 beschrieben. Es sei also nicht zu einer Schme rzausweitung während der letzten knapp sechs Jahre gekommen. In Bezug auf die Foersterkrit erien sei festzuhalten, dass keine psychiatrische Komorbidität bestehe. Chronische körperlich e Beschwerden seien gemäss rheumatologischem Gutachten vorhanden. Dagegen sei es nicht zu einem sozialen Rückzug gekommen, der Versicherte sei sehr gut eingebunden. E r berichte über anhaltende Körper- schmerzen, stehe aber seit langem nicht mehr in einer Ph ysiotherapie und mache zuhause auch keine Übungen. Er sei weiterhin bei Dr. D.____ i n psychiatrischer Behandlung. Die ver- schriebenen Psychopharmaka nehme er dagegen nicht mehr ei n. Zusammenfassend seien die Foersterkriterien mehrheitlich nicht erfüllt, weshalb dem Versicherten aus psychiatrischer Sicht eine „volle aktive Willensleistung“ zugemutet werden könn e, um seine Körperschmerzen zu überwinden. Im Ergebnis ist das ausführliche Gutachten von Dr. C.____ stimmig und nachvoll- ziehbar, weshalb grundsätzlich darauf abgestellt werden kann. 7.1 Zu keiner anderen Beurteilung der (Rest-) Arbeits fähigkeit des Versicherten führt im Übrigen die mit BGE 141 V 281 ff. begründete neue S chmerzrechtsprechung des Bundesge- richts. In diesem Entscheid hat das Bundesgericht seine bisherige Praxis zu den Voraussetzun- gen, unter denen anhaltende somatoforme Schmerzstörun gen und vergleichbare psychosoma- tische Leiden eine rentenbegründende Invalidität zu bew irken vermögen, grundlegend über- dacht und teilweise geändert. Diese neue Rechtsprechung findet auf laufende Verfahren wie das vorliegende Anwendung (vgl. BGE 141 V 309 E. 8 und 137 V 266 E. 6). Danach kann eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit weiterhin nur ans pruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundh eitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig wird der Rentenanspruch – in Nachachtung der verfassungs - und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 der Bundesverfassung (BV) vom 18. Apr il 1999 (Rechtsgleichheit) und Art. 7. Abs. 2 ATSG (objektive Zumutbarkeitsbeurteilung) – anhand eins normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht medizinische Evidenz, dass die E rwerbsunfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes hält das Bundesgericht – de r seit längerem namentlich aus medi- zinischer, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusser- ten Kritik Rechnung tragend- an der Überwindbarkeitsver mutung nicht weiter fest (BGE 141 V 294 E. 3.5). Anstelle des bisherigen Regel /Ausnahme-Modells tritt ein strukturier- Seite 9 ter, normativer Prüfraster. In dessen Rahmen wird im R egelfall anhand von auf den funktionel- len Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tats ächlich erreichbare Leistungsvermö- gen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem glei chermassen den äusseren Belastungs- faktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit Hinweisen; BGE 141 V 307 f. E. 6). 7.2 Geht es darum, den medizinischen Sachverhalt im Licht e dieser neuen höchstrichterli- chen Schmerzrechtsprechung zu würdigen, so bleibt in i ntertemporalrechtlicher Hinsicht auf Folgendes hinzuweisen: Laut Bundesgericht verlieren die gemäss altem Verfahrensstandard eingeholten Gutachten – wie das hier vorliegende Gut achten von Dr. C.____ – nicht per se ih- ren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaf ten Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ent scheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bun desrecht standhält (BGE 141 V 309 E. 8 mit Hinweis). 7.3 Der psychiatrischen Thematik kommt bei der Beurteilu ng des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers eine untergeordnete Bedeutung zu. Im Vorder- grund stehen die rheumatologischen Beschwerden. So füh rt Dr. C.____ in Bezug auf den funk- tionellen Schweregrad der anhaltenden somatoformen S chmerzstörung aus, dass beim Versi- cherten keine qualitativen Funktionseinbussen vorlägen, s ondern dass die innerpsychische Vi- talität weiterhin vollumfänglich erhalten sei. Aus obj ektiver Sicht könne auch keine Affektpatho- logie diagnostiziert werden. Dies sei auch kongruent mit den subjektiven Angaben des Versi- cherten, der von einer guten Grundstimmung berichte, über einen intakten inneren Antrieb, über eine nur teilweise auftretende Müdigkeit und weder über eine Freud-, Interessen- noch über eine Lustlosigkeit berichte. Somit ergäben sich auch aus den subjektiven Angaben des Versi- cherten keine Hinweise für eine Affektpathologie. Aus d em Gutachten geht weiter hervor, dass die Ressourcen des Versicherten sehr gut sind. Er ist in se iner Familie eingebettet und führt einen geregelten Tagesablauf. Um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, hat er den Führerausweis erworben und besucht via RAV jeden Morgen einen Deutschkurs, welcher ihm sehr viel Freude bereite. An den Nachmittagen spiele er mit seinem Sohn. Sie seien viel draussen im Park. Die Hausarbeit teilt er mit seiner Lebenspartnerin. Abends würden sie zu- sammen essen, fernsehen und gegen 22 Uhr ginge er schla fen. Er verfügt nach eigenen Anga- ben über einen grossen Bekanntenkreis. Seine Kollegen und Freunde treffe er regelmässig und zu seinen Eltern und Geschwistern habe er einen guten Ko ntakt. Dr. C.____ führt zusammen- fassend aus, dass sämtliche Beurteilungsdimensionen eine se hr hohe gegenseitige Konver- genz ergäben. Zu keinem Zeitpunkt habe eine subdepre ssive oder gar depressive Grundstim- mung geherrscht. Da der Versicherte über einen vollständ ig intakten inneren Antrieb verfüge, sei es ihm aus eigener Kraft möglich, eine Stelle zu finden. Diesbezüglich habe er mit dem Füh- rerscheinerwerb und dem Deutschkurs bereits Schritte einge leitet. Die Schlussfolgerungen im psychiatrischen Gutachten und das Verhalten des Versicherten im Alltag sind stimmig und es kann ohne weiteres angenommen werden, dass die anhalten de somatoforme Schmerzstörung Seite 10 keinen massgebenden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten hat. Nichts anderes ist im Übrigen dem Gutachten von Dr. F.____ vom 16. April 2014 und den RAD-Berichten vom 19. November 2015 sowie vom 2. Dezember 2015 zu entne hmen. Insgesamt erweisen sich die Ergebnisse des Gutachtens von Dr. C.____ deshalb auch im Lichte der neuen bundesgerichtli- chen Schmerzrechtsprechung als umfassend und schlüssig. Demnach ist dem Beschwerdefüh- rer eine adaptierte Verweistätigkeit zu 100% zumutbar. 8. Bei dieser Ausgangslage besteht kein Anspruch auf eine IV-Rente und es kann auf den Einkommensvergleich gemäss Verfügung vom 14. Januar 2016, wogegen inhaltlich zu Recht keine Einwände geltend gemacht worden sind - verwiesen w erden. Die Beschwerde ist dem- nach abzuweisen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahr en bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfa hrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt . Dem Beschwerdeführer ist mit Verfügung vom 7. März 2016 die unentgeltliche Prozessfü hrung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeist ändung (vgl. Verfügung vom 7. März 2016) wird der Rechtsvertreterin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘298.90 (10 Stunden und 5 Minuten sowie Auslagen von Fr. 112.-- und 8% Mehrwert steuer) aus der Gerichtskasse ausge- richtet. 10. Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 11 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘298.90 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet.