Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Mai 2013 (720 12 239 / 110) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Revision der Invalidenrente; Aufhebung infolge Verbesserung des Gesundheitszustands; Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Micha el Guex, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Martina Freivogel Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Daniel Tschopp, Advo- kat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1951 geborene A.____ bezog gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 47 % (Einkom- mensvergleich nach der allgemeinen Bemessungsmethode) ab dem 1. August 2003 eine halbe Härtefallrente und ab dem 1. Januar 2004 eine Vierte lsrente der Invalidenversicherung. Im De- zember 2007 leitete die IV-Stelle Basel-Landschaft (I V-Stelle) von Amtes wegen eine Überprü- fung des laufenden Rentenanspruchs der Versicherten ein. Aufgrund ihrer Abklärungen gelang- te sie zur Auffassung, dass die ursprüngliche Rentenzuspr ache zweifellos unrichtig gewesen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei. Ausserdem habe sich der Gesundheitszustand von A.___ _ verbessert, sodass der vorzu- nehmende Einkommensvergleich lediglich noch einen Inval iditätsgrad von 11 % ergebe. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. Juni 2012 die bisherige Viertelsrente der Versicherten per 1. August 2012 auf. B. Hiergegen erhob Advokat Daniel Tschopp namens und i m Auftrag von A.____ am 15. August 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht) und beantragte, es sei die a ngefochtene Verfügung der IV-Stelle aufzuheben und der Versicherten weiterhin eine Vierte lsrente auszurichten. Zudem sei ihr für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspfl ege mit dem Unterzeichnenden als Rechtsvertreter zu gewähren; unter o/e-Kostenfolge. Z ur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, es sei weder die ursprüngliche Rentenv erfügung zweifellos unrichtig gewe- sen, noch liege eine erhebliche Verbesserung des Gesundheitszustands der Versicherten vor. C. Mit Verfügung vom 27. September 2012 gewährte da s Kantonsgericht der Beschwerde- führerin die unentgeltliche Prozessführung sowie die u nentgeltliche Verbeiständung mit Daniel Tschopp als Rechtsvertreter. D. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 9. November 2012 die Abweisung der Beschwerde. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 17. Januar 2013 gelangte das Kantonsgericht zur Auf- fassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Angeleg enheit gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Die IV-Stelle h abe sich in der angefochtenen Verfü- gung bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts hauptsächlich auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. med. B.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1. Febru ar 2011 gestützt, was im Grunde genommen nicht zu beanstanden sei. Der behandelnde Arzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, habe jedoch i n einem nachträglichen Bericht vom 23. Mai 2011 festgehalten, seine Patientin hätte g egenüber Dr. C.____ relevante Angaben verheimlicht, in deren Kenntnis dessen psychiatrisches Teilgu tachten anders ausgefallen wäre. Gestützt auf diese Aussage des behandelnden Arztes beschlo ss das Kantonsgericht den vor- liegenden Fall auszustellen und Dr. C.____ um eine erg änzende Stellungnahme zum Arztbe- richt von Dr. D.____ zu ersuchen. F. Am 6. Februar 2013 erstattete Dr. C.____ dem Geri cht die gewünschte Stellungnahme. In der Folge erhielten die Parteien Gelegenheit, sich zu m Inhalt des ergänzenden Arztberichts zu äussern. Während die IV-Stelle mit Schreiben vom 11. März 2013 hierauf verzichtete, reichte die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 20. März 2013 sow ohl ihre eigene als auch eine Stel- lungnahme von Dr. D.____ vom 16. März 2013 ein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 15. August 2012 ist demnach einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vor aussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigke it. Sie kann im Bereich der Invaliden- versicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung un d Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten au f dem in Betracht kommenden allge- meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körper- liche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von A rt. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen gute n Willens, die verbleibende Leistungs- fähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Ford erbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 131 V 50 E. 1.2). Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psy- chischen Gesundheitsbeeinträchtigung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psychischen Leiden den belastenden psychosozialen Faktoren sow ie soziokulturellen Umstän- den kein Krankheitswert zukommt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei ge- eigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherte n Person trotz des Leidens willens- mässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Er werb nachzugehen (BGE 127 V 299 f. E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine p sychische Gesundheitsbeeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, d ass die versicherte Person nicht hinrei- chend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob an zunehmen ist, die Verwertung der Ar- beitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 167; vg l. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation, so liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor (BGE 131 V 51 E. 1.2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Wie jede andere psychische Beeinträchtigung begründe t auch eine anhaltende soma- toforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mi t einer zumutbaren Willensanstren- gung überwindbar sind (BGE 131 V 50 E. 1.2). Ein Abweichen von diesem Grundsatz fällt nur in jenen Fällen in Betracht, in welchen die festgestell te somatoforme Schmerzstörung nach Ein- schätzung des Arztes eine derartige Schwere aufweist, dass de r versicherten Person die Ver- wertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft auf dem Arbe itsmarkt bei objektiver Betrachtung so- zial-praktisch nicht mehr zumutbar oder für die Gesellschaf t gar untragbar ist (BGE 130 V 354 E. 2.2.3 mit mehreren Hinweisen). Ob ein solcher Ausn ahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergr und steht die Feststellung einer psychi- schen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein kön- nen auch weitere Faktoren, so: (1) chronische körperliche Begleiterkrankungen; (2) ein mehr- jähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unverän derter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; (3) ein sozialer Rückzu g in allen Belangen des Lebens; (4) ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); (5) das Scheitern einer konse quent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem the rapeutischem Ansatz) trotz kooperati- ver Haltung der versicherten Person. Je mehr dieser Kriter ien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Vorausset- zungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneine n (BGE 131 V 50 f. E. 1.2 und 130 V 353 ff. E. 2.2.3, je mit zahlreichen Hinweisen; vgl. zum Ganzen A NDREAS BRUNNER / NOAH BIRKHÄUSER , Somatoforme Schmerzstörung - Gedanken zur Rechtsprech ung und deren Folgen für die Praxis, insbesondere mit Blick auf die Rentenrevision, in: Basler Juristische Mit- teilungen [BJM] 4/2007 S. 169 ff.). 3.1 Die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung un d im Streitfall das Gericht - ist bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insbesondere auch bei der Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit einer versicherten Person auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 131 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 f. E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden di e ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätig- keiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauig- keit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schla uri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.2 Sofern bei weitgehendem Fehlen eines somatischen Befunds die (rein) psychiatrische Erklärbarkeit der Schmerzsymptomatik nicht genügt, um ei nen sozialversicherungsrechtlichen Leistungsanspruch zu begründen, gilt für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit Folgendes: Bei Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Frage, ob eine anhaltende somatoforme Schmerzstöru ng vorliegt, und bejahendenfalls so- dann, ob eine psychische Komorbidität oder weitere Umst ände gegeben sind, welche die Schmerzbewältigung hindern, handelt es sich um eine Tat sachenfeststellung. Eine Rechtsfrage ist hingegen die Beurteilung, ob eine festgestellte p sychische Komorbidität hinreichend erheb- lich ist und ob einzelne oder mehrere der festgestellten weiteren Kriterien (vgl. E. 2.3 hiervor) in genügender Intensität und Konstanz vorliegen, um gesamt haft den Schluss auf eine nicht mit zumutbarer Willensanstrengung überwindbare Schmerzstöru ng und somit auf eine invalidisie- rende Gesundheitsschädigung zu gestatten (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 29. August 2007, I 683/06, E. 2.2). Es obliegt daher den beguta chtenden psychiatrischen Fachpersonen, im Rahmen der ärztlichen Stellungnahme zur Arbeits(un)fähigkeit aufzuzeigen, ob und inwiefern die versicherte Person über psychische Ressourcen verfügt, die es ihr mit Blick auf die vorste- hend genannten Kriterien erlauben, mit ihren Schmerze n umzugehen (BGE 131 V 355 E. 2.2.4). Diese ärztlichen Stellungnahmen zum psychische n Gesundheitszustand und zu dem aus medizinischer Sicht (objektiv) vorhandenen Leistungspo tential bilden eine unabdingbare Grundlage für die Beurteilung der Rechtsfrage, ob u nd gegebenenfalls inwieweit einer versi- cherten Person unter Aufbringung allen guten Willens d ie Überwindung ihrer Schmerzen und die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft zumutbar ist (BGE 130 V 355 f. E. 2.2.5). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen wie al le anderen Beweismittel nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der f reien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi alversicherungsgericht alle Be- weismittel - unabhängig von wem sie stammen - objektiv z u prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Be urteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach ent scheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.5 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten i hrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Bei der Abschätzung des Beweisw erts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung sind allerdings auch die pot entiellen Stärken der Berichte be- handelnder Ärzte nicht zu vergessen. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behan- delnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustu- fen. Die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfa ssende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf de r anderen Seite lässt es die unterschiedli- che Natur vom Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und vom Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini schen Experten anderseits nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu a nderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich e ine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation ent- springende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Januar 2013, 8C_733/2012, E. 3.2 mit Hin- weisen). 3.6 Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass eine psychia trische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. So ver fügt die begutachtende psychiatrische Fachperson praktisch immer über einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte bzw. die Expertin lege artis vorgegangen i st (Urteile des Bundesgerichts vom 5. März 2009, 8C_694/2008, E. 5.1 und vom 19. September 2006, I 51/06, E. 3.1.2). 4. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die IV-Stelle die laufende Viertelsrente der Beschwerdeführerin zu Recht mit Wirkung ab 1. August 2012 aufge- hoben hat. 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Invalidenre nten für die Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditä tsgrad in einer für den Anspruch er- heblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt j ede wesentliche Änderung in den tat- sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditä tsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Änderung des Gesund- heitszustands der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebli ebenen Gesundheitszustands er- heblich verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5 mit Hinweisen). Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung des Inva liditätsgrads bildet die letzte der versicherten Person eröffnete rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 f. E. 3.2.3). Vor- liegend hat die IV-Stelle der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 5. September 2005 ge- stützt auf einen Invaliditätsgrad von 47 % eine Viertel srente zugesprochen. Nach Überprüfung Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Rentenanspruchs von Amtes wegen samt Vornahme der erforderlichen Abklärungen ist die laufende Viertelsrente der Versicherten von der Vorinst anz mit Verfügung vom 22. Juni 2012 und mit Wirkung ab 1. August 2012 aufgehoben worden. Somit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Herabset- zung der bis anhin ausgerichteten Rente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung vom 5. September 2005 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 22. Juni 2012. 4.2 Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG ist die Verwaltung abe r auch befugt, ohne Vorliegen der Revisionsvoraussetzungen auf formell rechtskräftige Verfügun gen oder Einspracheentscheide zurückzukommen, sofern diese zweifellos unrichtig sind und i hre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Indem Art. 53 Abs. 2 ATSG ausdrücklich die Verfügung und den Einspracheent- scheid als Objekt der Wiedererwägung bezeichnet, wird klargestellt, dass Entscheide eines Ge- richts nicht in Wiedererwägung gezogen werden können (vg l. UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 53 Rz. 27). Der Wiedererwägung zugänglich sind mit anderen Worten nur Verfügungen und Einspracheentscheide , die nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben. Die am 5. S eptember 2005 anlässlich der ursprüngli- chen Rentenzusprache erlassene Verfügung der IV-Stelle hat bis anhin nicht Gegenstand eines Gerichtsentscheids gebildet, womit vorliegend auch die Pr üfung einer Wiedererwägung nicht ausgeschlossen ist. 5. Zunächst wird untersucht, ob die Voraussetzungen fü r eine Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorliegen. Es stellt sich diesbezü glich die Frage, ob sich der Gesundheits- zustand und - damit einhergehend - der Grad der Erwer bsfähigkeit der Beschwerdeführerin tat- sächlich, wie von der IV-Stelle geltend gemacht, in eine r anspruchserheblichen Weise verbes- sert hat. 5.1 In ihrer ursprünglichen Verfügung vom 5. September 2005, mit welcher sie der Versi- cherten eine Viertelsrente zugesprochen hatte, stützte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit im Wesentl ichen auf die nachfolgenden medizi- nischen Angaben. 5.1.1 Dr. med. E.____, FMH Innere Medizin und Rheuma tologie, diagnostizierte in ihren Arztberichten vom 10. September 2003 und vom 29. Oktobe r 2003 bei der Beschwerdeführerin eine rechtsbetonte, bilaterale Sacroiliitis unklarer Zuordnung (St. n. intraarticulär Kenacourt SIG rechts am 8. April 2003 und 22. Oktober 2003) sowie Lu mbalgien bei muskulärer Dysbalance des Beckengürtels. Aus rheumatologischer Sicht könnten der P atientin grundsätzlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten, bei welch en repetitives Heben von Gewichten über 15 kg ausgeschlossen bleibe, zu 100 % zugemutet wer den. Die derzeitige Arbeit bei der F.____ als Packerin von Trockenfrüchten scheine diesbezügl ich ideal. Aufgrund der noch be- stehenden muskulären Dysbalance sollte die Arbeitsfähig keit langsam schrittweise von der ak- tuell 50%igen Tätigkeit auf 100 % gesteigert werden . Die Patientin stehe allerdings einem Aus- bau der Arbeitsfähigkeit sehr kritisch entgegen. Sollte die volle Arbeitsfähigkeit bei Einhalten der empfohlenen therapeutischen Massnahmen nicht erreicht we rden, so müssten hierfür nicht- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht rheumatische Gründe verantwortlich gemacht werden. Im Beurteilungszeitpunkt lägen keine Hinweise für eine Schmerzgeneralisierung oder für nicht organische Schmerzen vor. Bei der Patientin bestünde jedoch eine erschwerende psychosoziale Situation (finanzielle Engpässe, alleinerziehend, geschieden) sowie eine bezüglich ihrer Gesundheit tendenziell passive Einstel- lung. Dies begünstige eine Chronifizierung der Beschwerden. 5.1.2 Am 9. November 2004 stellte Dr. med. G.____, F MH Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem psychiatrischen Gutachten bei der Beschwerdeführe rin die Diagnose einer rezidivie- renden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode im Sinne einer Erschöpfungs- depression, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Anhaltspunkte für eine deutliche Somatisie- rung im Sinne einer Schmerzfehlverarbeitung könnten nicht gefunden werden. Vielmehr schei- ne das Schmerzleiden durch die affektive Störung verstärkt. Die Prognose sei ungünstig, da seit Jahren ein chronisches Schmerzsyndrom mit einer konsekutive n depressiven Entwicklung im Sinne einer Erschöpfungsdepression bestehe. Selbst wenn das affektive Leiden der Exploran- din heute in seiner Ursache nicht nur auf das chronisch e Schmerzsyndrom zurückgehe, so sei es durch dieses doch wesentlich bedingt. Die Arbeitsfäh igkeit der Versicherten werde aktuell sowohl durch das depressive Leiden als auch durch somatische Schmerzleiden beeinflusst und scheine aus rein psychiatrischer Sicht zu ungefähr 25 % bi s 30 % eingeschränkt. Es könne kei- ne Verweistätigkeit angegeben werden, in welcher die Arbeitsfähigkeit höher als 70 % bis 75 % betragen würde. Ob die Versicherte an ihrem jetzigen A rbeitsplatz optimal eingegliedert sei, könne aus psychiatrischer Sicht nicht beurteilt werden. Jed enfalls sei die bei der F.____ als Packerin ausgeübte 50%ige Tätigkeit unter Berücksichtigu ng der somatischen Diagnose das der Versicherten maximal zumutbare Pensum. 5.1.3 In seiner Stellungnahme vom 15. November 2004 stellte der zuständige Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) fest, dass im Fall der Beschwerdeführerin keine weiteren medizinischen Abklärungen nötig seien. Gemäss psychiatrischem Gutachten von Dr. G.____ vom 9. November 2004 bestehe bei der Versicherten eine u ngünstige Prognose und eine gegenwärtig als mittelgradig zu bezeichnende depressive Episode. Gestützt auf diese Beurteilung sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 30 % auszugehen. 5.2.1 Dr. B.____ diagnostizierte in seinem rheumatol ogischen Teilgutachten vom 1. Februar 2011 eine Fibromyalgie sowie ein chronisches Lumbovertebralsyndrom mit/bei Chrondrose L4/5 und Osteochondrose L5/S1 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Die Versicherte sei ohne sichtliche Beeinträchtigungen von der Wartezone ins Unter suchungszimmer gekommen und habe sich ohne Einschränkungen ausziehen können. Weder an den oberen noch an den unte- ren Extremitäten seien radikuläre Zeichen vorhanden. Kr aft, Sensibilität und Reflexbild seien unauffällig. Anhaltspunkte für ein entzündlich-rheumat ologisches Geschehen lägen nicht vor. Anlässlich früherer Untersuchungen im Jahr 2003 sei eine Sacroiliitis bzw. ISG-Arthritis disku- tiert worden, welche sich heute nicht mehr finden lasse . Aktuell bestünde keinerlei Gelenksakti- vität; es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass eine solche zu einem früheren Zeit- punkt in geringem Masse vorgelegen habe. Bildgebend zei ge sich hingegen eine Abnutzung der untenstehenden zwei Segmente der Lendenwirbelsäule (LWS), welche die Belastbarkeit des Achsenorgans einschränke. So könne im MRI vom 26. No vember 2010 eine Chondrose Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht L4/5 und eine deutliche Osteochondrose L5/S1 festgestel lt werden. Ausserdem sei die überla- gernde weichteilrheumatische Schmerzproblematik unüberse hbar. Aufgrund der degenerativen Veränderungen der unteren LWS sowie der Schmerzschwell störung (Fibromyalgie) seien der Versicherten keine körperlichen Schwerarbeiten zumutbar. Aus rheumatologischer Sicht voll- schichtig zumutbar sei ihr hingegen eine Tätigkeit, bei welcher sie nicht über 15 kg heben, stos- sen oder ziehen und bei welcher sie nicht dauernd in Zw angsstellungen vorübergebeugt oder nur repetitiv gebückt arbeiten müsse. Diese Beurteilung der Arbeitsfähigkeit habe seit Jahren ihre Gültigkeit. 5.2.2 In seinem psychiatrischen Fachgutachten konnte Dr. C .____ keine Diagnose mit Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen. Die Beschwerd eführerin leide zwar an einer anhalten- den somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie e iner redizivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4), die se Beschwerden schränkten jedoch die Ar- beitsfähigkeit nicht ein. In subjektiver Hinsicht gebe die Versicherte zu ihrer psych ischen Verfassung an, sie fühle sich „traurig“ aber „nicht so traurig“. Gefühle der Freu de seien möglich, wenn sie mit ihren Söhnen zusammen sei. Ansonsten erlebe sie eher ein Gefühl der F reudlosigkeit, nicht aber der Gefühl- losigkeit. Wenn sie auf ihr Leben zurückblicke, dann denke sie, dass sie nicht sehr viel Schönes erlebt habe. Sie habe eine schwierige und wenig harmo nische Ehe hinter sich. Richtig nieder- geschlagen fühle sie sich nicht, einfach traurig. Sie versuche bei der Arbeit mit den Mitarbeite- rinnen Spass zu haben, um den Rest des Lebens zu vergessen. Regelmässig lese sie Zeitun- gen oder Bücher und sehe die Tagesschau. Dann interessiere sie sich für verschiedene The- men und könne sich anderntags gut an das Gelesene bzw. Gesehene erinnern. Die Konzentra- tionsfähigkeit sowie die Gedächtnisleistungen seien ins gesamt intakt. Der Schlaf sei nicht be- sonders gut und sie fühle sich häufig müde. Während meh reren Jahren sei sie bei Dr. med. H.____ in ambulant-psychiatrischer Behandlung gewesen. Dieser habe jedoch mehrere Berich- te zuhanden der IV-Stelle nicht geschrieben, weshalb sie die Behandlung abgebrochen habe. Seit Oktober 2009 sei sie nun bei Dr. D.____ in psychia trischer Behandlung. Dort besuche sie einmal monatlich eine einstündige Sprechstunde. Es tue ihr gut, mit jemandem zu reden. Zu ihrem Tagesablauf habe die Versicherte angegeben, sie stehe morgens jeweils zwischen sie- ben und acht Uhr auf, gehe ihrer Körperpflege nach u nd ziehe sich an. Nach dem Frühstück erledige sie einige Haushaltsarbeiten, welche sie alle selbständig vornehmen könne. Täglich mache sie kleine Einkäufe. Das Essen nehme sie mittags allei ne und abends mit ihrem Sohn ein. Gelegentlich gehe sie draussen spazieren. Nach Serbie n reise sie nicht jedes Jahr, da hierzu das Geld fehle. In Bezug auf das soziale Umfeld habe die Beschwerdeführerin angege- ben, nie viele Bekanntschaften gepflegt zu haben. Ein e igentlicher sozialer Rückzug habe nicht stattgefunden. Die Beziehung zu ihren beiden Söhnen sei sehr gut. Regelmässig habe sie auch telefonischen Kontakt zu ihren Geschwistern in Serbien. Den Ehemann sehe sie hin und wie- der. Nach der Trennung habe sie sich eine Zeit lang ga nz von ihm entfernt. Sie habe jedoch feststellen müssen, dass es schwierig sei, finanziell alleine durchzukommen. Ihre Arbeitsfähig- keit sei nach eigener Einschätzung mit zwei Stunden täg lich an der Grenze. Wenn sie mehr arbeiten würde, dann hätte sie viel mehr Schmerzen, insb esondere in den Handgelenken und im Rücken. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht In Bezug auf die objektiven Befunden stellte Dr. C.___ _ fest, bei der Explorandin könne psy- chomotorisch keinerlei Agitation oder Verlangsamung er kannt werden. Die Mimik und Gestik zeigten ein ordentliches Spiel. Der Blickkontakt sei vigila nt und adäquat. Die Versicherte weise sprachmotorisch keine Auffälligkeiten auf. Die Kooperat ionsbereitschaft sei jederzeit sehr gut. Im formalen Denken zeigten sich keinerlei Auffälligkeit en. Im inhaltlichen Denken ergäben sich ebenfalls keine Hinweise für wahnhafte, bizarre oder su izidale Ideen. Ich-Störungen sowie Sin- nestäuschungen aller Art fehlten vollständig. Insgesamt bestehe eine dysthyme, d.h. subde- pressive Grundstimmung. Die Grundstimmung wirke jedoch n ie eigentlich depressiv. Eine euthyme Grundstimmung könne ebenfalls in keinem Zeitpun kt beobachtet werden. Die Versi- cherte zeige auch keine Affektverarmung, Affektverflachun g oder gar eine Affektstarre. Es sei nie zu einer Affektlabilität oder zu einer Affektinko ntinenz gekommen. Mehrmals habe trotz der subdepressiven Grundstimmung eine ordentliche affektive Schwingungsfähigkeit beobachtet werden können. Schliesslich hielt Dr. C.____ in seiner psychiatrischen Be urteilung zur gestellten Diagnose fest, die Explorandin berichte über Schmerzen an verschiedenen Stellen des Körpers und des Be- wegungsapparates. Aufgrund der zu Verfügung stehenden Akten sowie der rheumatologischen Begutachtung durch Dr. B.____ lägen jedoch nicht genü gend organische Korrelate vor, um die subjektiv beklagten Körperschmerzen vollumfänglich erklären zu können. Es seien klar psycho- soziale Belastungen zu erkennen. Hinweise für eine Verd eutlichungstendenz, eine Aggravation oder eine Begehrlichkeit lägen keine vor. Insgesamt seien damit die Grundvoraussetzungen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gegeben. Zudem bestehe eine emotionale Belastung im Sinne einer dysthymen, subdepressiven Grundst immung. Diese könne jedoch unter der somatoformen Schmerzstörung subsumiert werden und werde deshalb nicht als sepa- rate Diagnose aufgeführt. Darüber hinaus seien keine weiteren Diagnoseentitäten festzustellen. Es bestehe keine auffällige Persönlichkeitsstruktur und es liege insbesondere keine regelrechte depressive Störung vor. Kognitive Defizite sowie eine nied ergeschlagene oder deprimierte Grundstimmung würden verneint. Die alterierte Grundst immung erfülle nicht die Kriterien für eine eigentliche depressive Störung. Die objektiven Bef unde seien unauffällig in all jenen Para- metern, welche zur Validierung der innerpsychischen Vita lität sehr gut herangezogen werden könnten, namentlich in Sprach- und Psychomotorik, äusserem Aussehen, Mimik und Gestik, Denktempo, kognitiven Leistungen sowie fehlender Affek tverarmung. Die subjektiven Angaben der Versicherten qualifizierten ebenso wenig eine eigen tliche depressive Störung. Die Explo- randin gebe zwar an, sich müde zu fühlen, aber auch in der Lage zu sein, den Haushalt zu täti- gen, die Einkäufe zu erledigen, etc. Gestützt auf die su bjektiven Angaben könne keine relevan- te Interesselosigkeit erkannt werden. Eine diskrete Freu dlosigkeit scheine vorzuliegen, sei aber nicht als ausgeprägt einzustufen. Insgesamt korrelierten d amit die subjektiven Angaben der Versicherten ziemlich gut mit den objektiven Untersuchungs ergebnissen. Gemäss Akten gäbe es Hinweise dafür, dass in früheren Jahren eine depressive Störung vorgelegen habe. Aus heu- tiger Sicht könne über den Schweregrad der damalige n Störung jedoch nicht verlässlich Stel- lung genommen werden. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bezüglich Arbeitsfähigkeit machte Dr. C.____ folgende Angaben: „Zu den Funktionsfähigkeiten aus psychiatrischer Sicht ist nu n zu sagen, dass beim Vorliegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung die Foerster-Kriterien gewürdigt werden müssen. Es liegt keine psychiatrische Co- Morbidität vor, es liegen einzelne, wenig spezifische chronische körperliche Erkrankungen vor; es ist nicht zu einem sozialen Rückzug gekommen; die Schmerzen sind seit mehrere n Jahren vorhanden und insgesamt scheinen sie therapierefrektär; die Explorandin steht in einer ambulant-psychiatrischen Behandlung, einmal pro Monat, erhält seit einem Monat Ciprylex 10 mg, was bei ihr aber zu Schwindel und gastrointestinalen Nebenwirkungen führt. Insgesamt kann gesagt werden, dass die Foerster-Kriterien zu wenig erfüllt sind, insbesondere besteht keine psychiatrische Co- Morbidität, sodass der Explorandin aus rein psychiatrischer Sicht eine vollständige aktive Willensleistung zugemutet werden kann, um ihre Körperschmerzen zu überwinden.“ 5.2.3 Der behandelnde Psychiater Dr. D.____ unterstützte in seinem Bericht vom 23. Mai 2012 grundsätzlich die Beurteilung von Dr. C.____ vom 1 . Februar 2011. Allerdings habe die ängstliche und misstrauische Explorandin dem Gutachter gegenüber falsche Angaben über ihre Leiden, ihre Lebensgeschichte sowie die Sinnlosigkeit ih res Lebens gemacht. Dr. D.____ ging deshalb davon aus, dass das psychiatrisches Teilgutachten v on Dr. C.____ in Kenntnis aller Angaben über die Beschwerdeführerin anders ausgefallen wäre. 5.2.4 In der gerichtlich eingeholten Stellungnahme vo n Dr. C.____ vom 6. Februar 2013 stellte dieser im Wesentlichen fest, es sei durchaus mögli ch, dass die Versicherte im Rahmen der psychotherapeutischen Gespräche bei Dr. D.____ über ein schlechteres subjektives Befin- den berichtet habe als anlässlich seiner gutachterlichen U ntersuchung. Solche Phänomene seien jedoch - im Gegensatz zur Begutachtung - typisch fü r die Psychotherapie. Bei Letzterer könnten die Patientinnen und Patienten regredieren u nd detailliert über ihre subjektiven Be- schwerden berichten. Dies bilde aber nicht stets eine su bjektive Befindlichkeit ab, welche sich zwingend auf die Arbeitsfähigkeit auswirken müsse. Relev ant sei für die Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit der objektive Psychostatus. Wie im Gutach ten vom 1. Februar 2011 ausführlich erläutert, zeige dieser deutlich, dass jene objektiven Parameter, welche sehr gut die innerpsy- chischen Vitalitäten abzubilden vermöchten, bei der Expl orandin vollständig bland ausfielen. Demzufolge könne mit Sicherheit keine relevante affektive Störung vorliegen. Unter diesen Um- ständen schätze er die Situation der Versicherten auch in Kenntnisnahme des Arztberichts von Dr. D.____ vom 23. Mai 2012 nicht anders ein als in sei nem psychiatrischen Teilgutachten vom 1. Februar 2012. Seine Einschätzung des Gesundheitszusta nds sowie der Arbeitsfähigkeit der Versicherten blieben damit unverändert. 5.3 Die IV-Stelle hat sich bei der Beurteilung des aktu ellen medizinischen Sachverhalts und beim Entscheid über die Frage, ob seit der ursprün glichen Rentenzusprache eine wesentli- che Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdefüh rerin eingetreten ist, auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. B.____ und Dr. C.___ _ vom 1. Februar 2011 gestützt. Sie ist demzufolge davon ausgegangen, dass sich der Gesundheitszustan d der Versicherten seit der Rentenverfügung vom 5. September 2005 namentlich in psychiatrischer Hinsicht deutlich ver- bessert habe. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist n icht zu beanstanden. Wie oben auf- geführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverl ässigkeit der Expertise sprechen. Sol- che Hinweise liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Gu tachten vom 1. Februar 2011 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. vorstehende E. 3.3) - für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersu- chungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in K enntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Z usammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, setzt sich mit den vorha ndenen abweichenden ärztlichen Ein- schätzungen auseinander und ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. 5.4 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht ge eignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des bidisziplinären Gutachtens, insbesondere der psychiatrischen Beurteilung von Dr. C.____, in Frage zu stellen. 5.4.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Versicherte , sofern sie mit den divergierenden Diagnosen von Dr. H.____ und Dr. G.____ argumentiert, nicht gehört werden kann. Gemäss Arztbericht von Dr. H.____ vom 11. Juli 2012 hat dieser die Beschwerdeführerin nur bis ins Jahr 2008 behandelt. Dr. G.____ hat die Versicherte sogar nur einmal im Jahr 2004 anlässlich einer Begutachtung gesehen. Die beiden Psychiater haben daher keine aktuelle Beurteilung vorge- nommen. Infolgedessen sind ihre Arztberichte für die vor liegend interessierende Frage einer allfälligen Verbesserung des Gesundheitszustands bzw. der Arbeitsfähigkeit der Beschwerde- führerin nicht relevant. Diesbezüglich sind höchstens allf ällige divergierende Einschätzungen des im Zeitpunkt des Revisionsverfahrens behandelnden Psychiaters Dr. D.____ zu berücksich- tigen. Insofern läuft auch das Argument der Beschwerdeführeri n, wonach die im vorliegenden Fall involvierten psychiatrischen Fachärzte praktisch durchgehend und übereinstimmend eine rezi- divierende depressive Störung diagnostiziert hätten, ins Leere: Während des Revisionsverfah- rens hat nebst Dr. D.____ und Dr. C.____ lediglich der RAD-Arzt Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem Gutachten vom 13. Oktober 2009 eine Diagno- se zum psychischen Gesundheitszustand der Versicherten abgeg eben. Wie Dr. C.____ hat auch Dr. I.____ das Vorliegen einer depressiven Störun g verneint. Einzig der behandelnde Arzt Dr. D.____ hat somit bei der Beschwerdeführerin im re levanten Zeitpunkt eine depressive Stö- rung diagnostiziert. Dessen abweichende Einschätzung verma g jedoch, wie sich in der nach- stehenden Erwägung zeigen wird, die Beurteilung von Dr. C.____ nicht in Frage zu stellen. 5.4.2 Die Beschwerdeführerin bringt unter Verweis auf den Bericht des behandelnden Arztes Dr. D.____ vom 23. Mai 2012 vor, die Beurteilung von Dr. C.____ sei unvollständig, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne. Im Zusammenhang mit der Rüge der Unvollständigkeit ist zunächst die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu wiederho len, wonach die unterschiedliche Natur vom Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen Facharztes einerseits und vom Be- gutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinisc hen Experten anderseits es nicht zu- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht lassen, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen , es sei denn, der behandelnde Arzt benennen wichtige Aspekte, die im Rahmen der Begutac htung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. E. 3.5 hiervor). Was die anlässlich der Untersuchung von Dr. C.____ an- geblich verschwiegenen Angaben der Versicherten zu ihrer sogenannten “Lebensgeschichte“ betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei um psychosoziale bzw. invaliditätsfremde Belastungsfaktoren handelt, welche für die vorliegend e Beurteilung unbeachtlich sind (vgl. vor- stehende E. 2.2). Zu den übrigen, anscheinend divergie renden Aussagen der Beschwerdefüh- rerin hat sich Dr. C.____ in der gerichtlich eingeholt en Stellungnahme vom 6. Februar 2013 geäussert (vgl. E. 5.2.4 hiervor). Die entsprechenden Ausführungen des Gutachters sind durch- aus einleuchtend. So ist es nachvollziehbar, dass in Anbet racht der unterschiedlichen Funktion einer Begutachtung im Vergleich zu einer Psychotherapie die Angaben der Patientin divergieren können. Insbesondere scheint es im Hinblick auf die mehrfa ch erwähnten, psychosozialen Be- lastungsfaktoren naheliegend, dass das subjektiv wahrgenommene Leiden der Beschwerdefüh- rerin nicht unbedingt einem invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden gleich kommt. Die unterschiedlichen Beobachtungen von Dr. D.____ verm ögen daher die Beurteilung von Dr. C.____ nicht in Frage zu stellen. Mithin ist auch d ie Rüge der Unvollständigkeit gegens- tandslos. In Anbetracht der psychosozialen Belastungsfaktoren sowi e des subjektiven Empfindens der Versicherten steht im Übrigen die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin bereits seit mehreren Jahren eine ambulante psychiatrische Therapie besucht, de r Annahme einer vollschichtigen Arbeitsfähigkeit nicht entgegen. Ebenso wenig schein t es widersprüchlich, wenn Dr. C.____ eine Weiterführung dieser Therapie empfiehlt. Die e ntsprechenden Kritikpunkte der Versicher- ten am Gutachten von Dr. C.____ sind ebenfalls unbegründet. 5.4.3 Die Beschwerdeführerin moniert weiter, Dr. C._ ___ halte unmissverständlich fest, dass er bereits die ursprüngliche Beurteilung von Dr. G.____ für falsch halte. So gebe er an, es lägen keine Hinweise vor, wonach die Versicherte in früheren Ja hren überhaupt an einer depressiven Störung gelitten hätte. Diese Einschätzung des Gutachter s sei offensichtliche tendenziös und nicht nachvollziehbar. Die eingereichten Berichte offenb arten, dass im Längsschnitt über Jahre hinweg eine depressive Störung - vorwiegend mittelgrad ig rezidivierend - vorgelegen habe. Zu- dem sei es widersprüchlich, wenn der Gutachter das Vorli egen einer früheren depressiven Stö- rung verneine, gleichzeitig aber eine rezidivierende S törung, gegenwärtig remittiert, diagnosti- ziere. Hierzu ist festzuhalten, dass Dr. C.____ an keiner Stelle seines Gutachtens Zweifel daran äussert, dass die Versicherte im Zeitpunkt der ursprünglich en Rentenzusprache an einer de- pressiven Störung gelitten habe. Im Gegenteil stellt e r fest, den Vorakten seien Hinweise auf eine früher vorhandene, depressive Störung zu entnehmen . Allerdings könne über den Schwe- regrad der damaligen depressiven Störung aus heutiger Sicht nicht verlässlich Stellung ge- nommen werden. Damit stellt Dr. C.____ lediglich in Frage, ob die im Gutachten von Dr. G.____ aufgeführten depressiven Phänomene tatsächlich ausgereic ht haben, um eine mittelgradige depressive Störung zu diagnostizieren. Die damalige Diagn ose der depressiven Störung wird hingegen nicht angezweifelt. Indem Dr. C.____ zum Sc hluss kommt, dass die Beschwerdefüh- rerin im Gutachtenszeitpunkt nicht mehr an einer depressi ven Störung gelitten habe, ist seine Diagnose der redizivierenden depressiven Störung, gegenw ärtig remittiert (ICD-10 F33.4), Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht durchaus schlüssig und keineswegs widersprüchlich. Mithin kann den Argumenten der Be- schwerdeführerin auch diesbezüglich nicht gefolgt werden. Im Übrigen ist für die Prüfung eines Revisionsgrunds nicht zu untersuchen, ob im Längsschnitt ü ber all die Jahre eine wesentliche Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person sta ttgefunden hat. Vielmehr ist die gesundheitliche Situation der Versicherten im Zei tpunkt der Rentenzusprache mit jener im Zeitpunkt der Rentenrevision zu vergleichen. Sofern damals eine depressive Störung diagnosti- ziert worden ist, welche heute nicht mehr vorliegt bzw. r emittiert ist, kann eine Verbesserung bejaht werden, unabhängig davon, welchen Schwankungen der Gesundheitszustand zwischen- zeitlich ausgesetzt gewesen ist. 5.4.4 Sodann macht die Beschwerdeführerin geltend, ind em Dr. C.____ aufgrund der beste- henden Symptome auf eine somatoforme Schmerzstörung schli esse, beurteile er lediglich die ursprüngliche und nunmehr über Jahre hinweg gleich gebl iebene psychische Problematik an- ders bzw. neu. Diese unterschiedliche Interpretation des a n sich gleich gebliebenen Sachver- halts stelle alleine noch keinen Revisionsgrund gemäss Art . 17 Abs. 1 ATSG dar. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei der somatoformen S chmerzstörung (ICD-10 F45.4) und der redizivierenden depressiven Störung, gegenwärtig rem ittiert (ICD-10 F33.4) um zwei unter- schiedliche psychische Störungen handelt, welche verschiedene Symptome aufzeigen und sich gegenseitig nicht ausschliessen (vgl. Internationale Klassif ikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (f) Klinisch-diagnostische Leitlinien , H. Dilling/W. Mobour/M.H. Schmidt [Hrsg.], 8. Auflage, Bern 2011, insbesondere S. 180 f . und 233 f.). Indem Dr. C.____ im Rah- men der Rentenrevision das Vorliegen einer depressiven S törung ausdrücklich und wohlbe- gründet verneint und neu eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert, interpretiert er nicht lediglich denselben Sachverhalt anders, sondern stellt bei der Beschwerdeführerin eine Verän- derung des Gesundheitszustands fest. Es gibt keinen Hinwei s darauf, dass es sich bei der Be- urteilung von Dr. C.____ im Vergleich zu jener von Dr . G.____ lediglich um eine andere Inter- pretation eines gleichbleibenden Sachverhalts handelt. Bereits aufgrund der siebenjährigen Zeitdauer zwischen den beiden Begutachtungen kann davon ausgegangen werden, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse der Versicherten mittlerwei le anders darstellen als im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache (z.B. aufgrund von Sche idung, Volljährigkeit der Kinder, Wechsel der Arbeitsstelle, Reduktion des Arbeitspensums, etc.). Die zwischenzeitlich veränder- te Lebenssituation der Versicherten stellt insbesondere wegen der früheren Diagnose einer „Er- schöpfungsdepression“ eine nicht unbeachtliche Änderung d er Sachlage dar. Sodann wird bei der Beschwerdeführerin im Rahmen der Rentenrevision ke ine Sacroiliitis mehr diagnostiziert. Dadurch fällt eine organische Ursache für die Schmerze mpfindungen der Beschwerdeführerin weg, was für die Diagnose der anhaltenden somatoforme n Schmerzstörung eine erhebliche Veränderung eines Sachverhalts darstellt. Das Argument der Versicherten, wonach keine Revi- sionsgrund vorliege, da Dr. C.____ den an sich gleich gebliebenen Sachverhalt lediglich anders interpretiere, geht damit ebenfalls fehl. 5.4.5 Ferner kritisiert die Beschwerdeführerin, dass Dr. C.____ das Gutachten von Dr. I.____ vom 13. Oktober 2009 als mit „in allen Belangen als nac hvollziehbar und gründlich“ bezeichnet. Dr. C.____ komme zu einem anderen Schluss als der RAD-Arzt , namentlich hinsichtlich der somatoformen Schmerzstörung, der Aggravation sowie der psychosozialen Belastungssituation. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Es sei daher tendenziös und einseitig, wenn er das Gutac hten von Dr. I.____ trotzdem derart positiv hervorhebe. Hierzu ist festzustellen, dass sich die Ei nschätzungen der beiden Gutachter betreffend die Aggravation und die psychosoziale Belastu ngssituation der Beschwerdeführerin nicht massgeblich voneinander unterscheiden, weshalb die entsprechende Beanstandung der Beschwerdeführerin unbegründet ist. Was die Diagnose de r somatoformen Schmerzstörung betrifft, weicht die Beurteilung von Dr. C.____ tat sächlich von jener des RAD-Arztes ab. Aller- dings sind die beiden Gutachten diesbezüglich nicht direkt miteinander vergleichbar, da sie ei- nerseits nicht im gleichen Zeitpunkt verfasst worden sind u nd anderseits das Gutachten von Dr. C.____ im Rahmen einer bidisziplinären Beurteilun g und damit unter Berücksichtigung so- matischer Beschwerden erstellt worden ist, was für die Di agnose einer anhaltenden somatofor- men Schmerzstörung wesentlich ist. Zudem hat das Bundes gericht - wie bereits erwähnt (vgl. E. 3.5) - anerkannt, dass eine psychiatrische Exploration naturgemäss mit Ermessenzügen behaftet ist. Sofern die bundesgerichtlichen Anforderungen an eine Expertise erfüllt sind, kommt der begutachtenden psychiatrischen Fachperson in der Regel ein gewisser Spielraum zu, in- nerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpre tationen zulässig sind. Infol- gedessen ist es nicht weiter ungewöhnlich, geschweige denn tendenziös oder einseitig, wenn Dr. C.____ in seiner psychiatrischen Beurteilung teilweise zu einem anderen Schluss kommt als Dr. I.____, dessen Gutachten aber trotzdem als nachvollziehbar und gründlich bezeichnet. 5.4.6 Die Versicherte rügt weiter, dass Dr. C.____ ihre kognitiven Fähigkeiten zu wenig ab- geklärt habe. So könne dem Gutachten nirgends entnomme n werden, weshalb bzw. aufgrund welcher objektiven Befunde der Psychiater zum Schluss gek ommen sei, dass keine Gedächt- nislücken und Konzentrationsstörungen vorliegen würden. E s sei nicht nachvollziehbar, wie Dr. C.____ nach einem einmaligen Gespräch ihre Konz entrationsfähigkeit im Hinblick auf eine achtstündige tägliche Belastung beurteilen könne. Gemäss Dr. D.____ wäre es ein Leichtes gewesen, psychometrische Untersuchungen vorzunehmen, welche Rückschlüsse auf die kogni- tiven Fähigkeiten zulassen würden. Was dieses Vorbringen betrifft, ist festzustellen, dass bei einer psychiatrischen Begutachtung nicht sämtliche plausible n Störungen detailliert abgeklärt werden müssen. Sofern Dr. C.____ weder bei den objekti ven noch bei den subjektiven Befun- den ein Hinweis auf invalidisierende, kognitive Defizite der Versicherten auffällt, ist es nicht zu beanstanden, dass er keine eingehende Untersuchung der Konzentrations- und Erinnerungsfä- higkeit vornimmt. 5.4.7 Überdies bemängelt die Beschwerdeführerin, Dr. C.____ habe die Überwindbarkeit der somatoformen Schmerzstörung anhand der Foerster-Kriteri en geprüft und damit seine Kompe- tenzen überschritten. Diese Frage sei gemäss bundesgericht licher Rechtsprechung dem Rechtsanwender vorbehalten. Der Argumentation der Versicherten kann auch in dieser Hinsicht nicht gefolgt werden. Wie bereits erwähnt (vgl. E. 3.2 hiervor), hat eine begutachtende Fach- person der Psychiatrie im Falle einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung durchaus die sogenannten Foerster-Kriterien (psychische Komorbidität u nd/oder weitere massgebende Fak- toren) zu untersuchen. Dr. C.____ nimmt folglich mit d er Prüfung der besagten Kriterien ledig- lich seine Aufgabe als psychiatrischer Gutachter wahr. Seine medizinische Beurteilung bildet für die Frage der Überwindbarkeit der Schmerzen und - dam it einhergehend - der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin eine unabdingbare Grundlage. So kann vorliegend im Rahmen der Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechtlichen Würdigung festgestellt werden, dass keines de r Foerster-Kriterien in genügender Intensität und Konstanz vorliegt, um bei der Versicherten gesamthaft den Schluss auf eine inva- lidisierende Gesundheitsschädigung zu gestatten. Es bleibt anzumerken, dass diese Würdigung der Foerster-Kriterien zwar nicht ins Aufgabengebiet de r medizinischen Fachperson fällt; wenn Dr. C.____ eine solche trotzdem vornimmt, vermag dies jedoch keinen Mangel an seinem Gut- achten zu begründen. 5.4.8 Schliesslich verlangt die Beschwerdeführerin ein V erlaufsgutachten mit der Begrün- dung, die einmalige psychiatrische Exploration durch Dr. C.____ sei nicht geeignet, der schwankenden Ausprägung ihrer depressiven Störung Rechnung zu tragen. Dr. D.____ habe in seinen Berichten vom 23. Mai 2011 und vom 16. März 2013 nachvollziehbar dargelegt, dass ihr psychischer Status Schwankungen unterliege und aktuell wieder eine mittelgradige Ausprägung der rezidivierenden Störung bestehe, welche die Arbeits fähigkeit beeinflusse. Zu diesen Vor- bringen sind folgende Bemerkungen anzubringen: Zum einen bezieht sich die Einschätzung von Dr. C.____ nicht nur auf die persönliche Untersuchung der Versicherten; darüber hinaus haben dem Experten diverse zum Gesundheitszustand der Explora ndin erstellte medizinische Akten zur Verfügung gestanden, welche es ihm durchaus ermöglich t haben, eine nicht auf die Mo- mentaufnahme beschränkte Beurteilung abzugeben. So set zt sich der Gutachter nebst seiner eigenen Untersuchung auch ausführlich mit den übrigen bei den Akten liegenden, fachärztli- chen Berichten und Stellungnahmen auseinander. Insbeso ndere geht er auf den Bericht des behandelnden Arztes Dr. D.____ vom 12. Juni 2010 ein und legt nachvollziehbar dar, aus wel- chen Gründen auf dessen divergierende Einschätzung - in sbesondere im Zusammenhang mit der Diagnose der rezidivierenden depressiven Störung - n icht abgestellt werden kann. Die Ein- schätzung von Dr. C.____, wonach die Versicherte im Zeit punkt des Revisionsverfahrens nicht mehr an einer depressiven Störung gelitten hat, deckt si ch im Übrigen mit jener des RAD- Gutachters Dr. I.____ vom 13. Oktober 2009. Zum andern kommt es für den Aussagegehalt eines Arztberichts nicht auf die Dauer der Behandlung un d die Anzahl der Untersuchungen an. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollstän dig und im Ergebnis schlüssig ist (vgl. E. 3.3 hiervor). Wie bereits in E. 5.3 erwähnt, ist das psychiatrische Teilgutachten vom 1. Februar 2011 diesbezüglich nicht zu beanstanden. Demnach kann davon ausgegangen wer- den, dass bei der Beschwerdeführerin im Begutachtungszei tpunkt keine rezidivierende depres- sive Störung mehr vorgelegen hat, weshalb auch nicht ko nstant mit Schwankungen bzw. mit einer Verschlechterung des Gesundheitszustands zu rechnen ist. Würde bei der Versicherten nach Aufhebung der Rente wieder eine invalidisierende Gesundheitsbeeinträchtigung eintreten, so wäre allenfalls eine erneute Anmeldung bei der Inva lidenversicherung in Betracht zu ziehen. Eine entsprechende, zuverlässige fachärztliche Diagnose ist bis anhin jedoch nicht aktenkun- dig. 5.5. Im Ergebnis kann somit festgehalten werden, dass da s bidisziplinäre Gutachten von Dr. B.____ und Dr. C.____ vom 1. Februar 2011 nicht zu bemängeln ist und sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands bzw. der Erw erbsfähigkeit der Beschwerdeführe- rin zu Recht darauf abgestützt hat. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Als Nächstes ist der Invaliditätsgrad zu untersuchen. 6.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 6.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 104 V 136 f. E. 2a und b). Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin gestützt auf diese allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs berechnet. 6.3 Aus dem von der IV-Stelle getätigten Einkommensvergl eich resultiert ein Invaliditäts- grad von 11 %. Diese vorinstanzliche Berechnung wird nic ht beanstandet. Den Akten können ebenfalls keine Anhaltspunkte entnommen werden, wonach der Vorinstanz beim Einkommens- vergleich ein Fehler unterlaufen wäre. Es besteht folg lich kein Anlass für eine nähere Prüfung von Amtes wegen (BGE 125 V 414 ff. E. 1b und 2c). Auf den von der Vorinstanz getätigten Ein- kommensvergleich, woraus sich ein rentenausschliessender Inval iditätsgrad von 11 % ergibt, kann daher vollumfänglich abgestellt werden. 7. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die IV-Stelle d ie laufende Viertelsrente der Beschwerdeführerin zu Recht revisionsweise mit Verfügung vom 22. Juni 2012 aufgehoben hat. Damit erübrigt es sich, die Frage der Wiedererwägung zu beurteilen. Die vorliegende Be- schwerde ist demnach abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantona- len Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zwischen Fr. 200.-- und Fr. 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahre nsaufwand entstanden ist, setzt das Ge- richt die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrec htlichen Kostenrahmens einheit- lich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdefüh- rerin unterliegende Partei, weshalb sie die Verfahrenskosten zu tragen hat. Der Versicherten ist Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht nun allerdings mit Verfügung vom 27. September 2012 die unentgeltliche Prozessführung bewil- ligt worden. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 8.2 Die Kosten für die Stellungnahme von Dr. C.____ vom 6. Februar 2013 in der Höhe von Fr. 99.35 sind der IV-Stelle aufzuerlegen (vgl. BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). 8.3 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 27. September 2012 auch die unentgeltli- che Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, wird dieser für seine Bemü- hungen aus der Gerichtskasse entschädigt. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwäl- tinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das H onorar bei unentgeltlicher Ver- beiständung Fr. 180.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 12 Stund en und 15 Minuten geltend, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalt s- und Rechtsfragen als angemes- sen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewi esenen Auslagen von Fr. 113.--. Dem Rechtsvertreter ist demzufolge ein Honorar in der Höhe von insgesamt Fr. 2'503.45 (12 Stunden und 15 Minuten à Fr. 180.-- zuzüglich Ausla gen von Fr. 113.-- plus 8 % Mehr- wertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Kosten für die ergänzende Stellungnahme von Dr . med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in der Höhe von Fr. 99 .35 wer- den der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2'503.45 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht