B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4961/2018 U r t e i l v o m 1 . O k t o b e r 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Rajeevan Linganathan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 30. Juli 2018 / N (…). E-4961/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am (…) Juli 2016 in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 26. Juli 2016 und der Anhörung vom 26. Juli 2018 machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei sri -lankischer Staatsangehöriger, tamilischer Ethnie und in B._______ geboren, wo er ungefähr zehn bis zwölf Jahre gewohnt habe, bevor er nach C._______ gezogen sei. Im Jahre (…) sei er schliesslich nach D._______ gegangen, wo er bis ungefähr im Jahr (…) geblieben sei. Um dem Krieg zu entkommen, sei er danach zurück nach C._______. Im Vanni-Gebiet seien zu dieser Zeit alle verpflichtet worden, die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zu unterstützen. Da (…) bereits für die LTTE tätig gewesen und im Kampf für diese gefallen sei und auch (…) für die LTTE als (…) im Einsatz gewesen sei, habe die LTTE verzichtet, ihn eben- falls zu rekrutieren. Er sei allerdings als (…) tätig gewesen, wobei er alle (…) habe, so unter anderem auch (…). Im (…) 2006 seien er und seine Familie aufgrund der Kampfhandlungen in Trincomalee nach Indien aus- gereist, wo er knapp zehn Jahre lang im Flüchtlingslager gelebt habe, be- vor er am (…) 2015 nach Sri Lanka zurück gekehrt sei, um zu heiraten, wie dies seine Familie vorgeschlagen habe. Bereits am Flughafen, wo er ge- gen (…) Uhr gelandet sei, sei er angehalten und in einen Raum gebracht worden, wo er mehrere Stunden vom Criminal Investigation Department (CID) verhört worden sei. Gegen drei, vier oder fünf Uhr morgens hätten sie ihn freigelassen, wora uf er nach B._______ zu (…) gefahren sei. Am (…) 2016 seien dort drei Männer – vermutlich des CID – in Zivil erschienen und hätten ihn, ohne sich auszuweisen, befragt und festnehmen wollen, da sie der Meinung gewesen seien, dass er der LTTE angehöre und diese von Indien aus unterstützt habe. Da (…) geschrien habe, seien die Nachbarn erschienen, was die Personen des CID schliesslich von seiner Festnahme abgehalten habe. Am darauf folgenden Tag, seien die Personen erneut er- schienen und hätten ihn zur Seite genommen und ihm gedroht, ihn – falls erforderlich auch unter falschem Vorwand – zu verhaften. Da er jedoch Be- such seiner Verwandtschaft gehabt habe, hätten die Beamten erneut da- von abgelassen, ihn mitzunehmen. Aufgrund dieses Vorfalls sei er zu ei- nem Freund nach C._______ geflohen, der ihn jedoch aus Angst vor seiner eigenen Verfolgung, nicht habe aufnehmen wollen. Deshalb sei er zu (…) nach E._______. Diese habe ihm zusammen mit ihrem Ehemann geholfen, eine Identitätskarte ausstellen zu lassen. Da das CID ihn bereits bei seinem E-4961/2018 Seite 3 Freund in C._______ gesucht habe, habe er nicht bei (…) bleiben können, weshalb (…) ihm eine Unterkunft in F._______ und einen Schlepper für die Ausreise organisiert habe . Dort habe er bis zu seiner Ausreise gewohnt, wobei er da s Haus aus Angst nicht verlassen habe. Am (…) 2016 sei er schliesslich mit Hilfe eines Schleppers via Thailand und weitere Länder in die Schweiz gereist. Als Beweismittel legte er seine Geburtsurkunde in Kopie, eine Austrittsbe- scheinigung der indischen Be hörden, ein Zertifikat betreffend seinen Auf- enthalt im Flüchtlingscamp (…), ein elektronisches Flugticket von Indien nach Sri Lanka, eine Flüchtlingskarte aus Indien in Kopie, eine sri-lanki- sche Flüchtlingsidentitätskarte in Kopie, die Todesscheine seiner Eltern in Kopie, zwei Fotografien von Informationen zu (…) sowie seine sri-lankische Identitätskarte bei. B. Mit Verfügung vom 30. Juli 2018 – eröffnet 31. Juli 2018 – verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. C. Mit Beschwerde vom 30. August 2018 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Unzulässigkeit und/oder Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu verfügen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewäh rung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um amtliche Verbeiständung des rubrizierten Rechtsvertreters. Der Beschwerde fügte er eine Unterstützungsbestätigung der Flüchtlings- und Asylkoordinationsstelle der (…) vom 15. August 2018 bei. D. Am 31. August 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein- gang der Beschwerde. E-4961/2018 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist da her zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend - endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zw eiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 4. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. E-4961/2018 Seite 5 5. In seiner Rechtsmitteleingabe erhebt der Beschwerdeführer zunächst ver- schiedene formelle Rügen. Er macht geltend, das SEM habe sein rechtli- ches Gehör und die Begründungspflicht verletzt sowie den rechtserhebli- chen Sachverhalt falsch, unvollständig und willkürlich festgestellt. 5.1 Im Folgenden sind vorab diese formellen Rügen zu prüfen, da sie ge- gebenenfalls geeignet wären, eine Kassation der angefochtenen Verfü- gung zu bewirken (vgl. K ÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1156 m.w.H.). 5.2 5.2.1 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsmaxime). Dabei muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter- lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen (vgl. dazu auch Art. 30–33 VwVG). Un- richtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein fal- scher und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachve rhalt zu- grunde gelegt wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn nicht alle für die Entscheidung wesentli- chen Sachumstände berücksichtigt wurden. Die Behörde ist allerdings nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachfor- schungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2008, Rz. 15 zu Art. 12; BENJAMIN SCHINDLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 28 zu Art. 49). Ihre Grenze findet die Untersuchun gspflicht in der Mit- wirkungspflicht der asylsuchenden Person (vgl. Art. 8 AsylG). 5.2.2 Der Beschwerdeführer fasst seine Rüge an den vorinstanzlichen Er- wägungen zwar unter dem Titel der unvollständigen und unrichtigen Abklä- rung de s rechtserheblichen Sachverhalts und der willkürlichen Sachver- haltsfeststellung zusammen, führt darunter jedoch lediglich aus, die Vo- rinstanz habe seine Aussagen falsch gewürdigt, indem sie fälschlicher- weise von deren Unglaubhaftigkeit ausgehe. Zudem habe sie seinen sowie den LTTE-Hintergrund (…) sowie seine zehnjährige Landesabwesenheit nicht berücksichtigt. E-4961/2018 Seite 6 5.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet die von Amtes wegen zu prüfende Pflicht der Vorinstanz, den Sachverhalt vollständig und richtig festzustellen, vorliegend als nicht verletzt. D ie Vorinstanz hat gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers alle wesentlichen Vorbringen be- rücksichtigt und diese korrekt und im gebotenen Umfang wiedergegeben. Soweit der Beschwerdeführer betreffend die Glaubhaftigkeit und Asylrele- vanz seiner Vorbri ngen zu einem anderen Schluss als die Vorinstanz kommt, liegt darin jedenfalls keine falsche, unvollständige oder willkürliche Sachverhaltsfeststellung, sondern vielmehr handelt es sich um eine inhalt- liche Rüge, auf welche im Rahmen der ma teriellen Prüfung einzugehen sein wird. 5.3 5.3.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 29 VwVG ) umfasst eine Anzahl ver- schiedener verfassungsrechtlicher Verfahrensgarantien. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persön- lichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbe- sondere das Recht der Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Ent- scheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 S. 293; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Die Behörde würdigt, bevor sie verfügt, alle erheblichen und rechtzeitigen Vorbringen der Partei (Art. 32 Abs. 1 VwVG). Gemäss Art. 33 Abs. 1 VwVG nimmt sie ferner die ihr angebotenen Beweise ab, wenn diese zur Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheinen. Auch hierbei handelt es sich um einen Teilaspekt des Anspruchs auf rechtliches Gehör. Die Begründungspflicht, welche sich ebenfalls aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt, verlangt, dass die Behörde ihren Entscheid so begründet, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachge- recht anfechten kann und sich sowohl er als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER, in: a.a.O., Art. 35 N. 6ff.; BVGE 2007/30 E. 5.6). Dabei kann sich die verfü gende Behörde auf die wesentlichen Gesichtspunkte be- schränken, hat jedoch wenigstens die Überlegungen kurz anzuführen, von denen sie sich leiten liess und auf welche sie ihren Entscheid stützt (BVGE 2008/47 E. 3.2; EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1). E-4961/2018 Seite 7 5.3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe hinsicht- lich seiner Befragungen durch das CID nicht berücksichtigt, dass er Tamile sei, für die LTTE tätig gewesen sei und (…) im Kampf für die LTTE gefallen sei. Sie verletzte somit seinen Anspruch auf das rechtliche Gehör. Anstatt einer Abwägung der unzähligen positiven Elemente, welche ohne weiteres für die Glaubhaftigkeit sprechen würden, berufe sich die Vorinstanz dar- über hinaus pauschal auf die Unglaubhaftigkeit sowie auf das Nichtvorlie- gen einer ernsthaften Verfolgung. Überdies habe die Vorinstanz hinsicht- lich der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs keine individuell -konkrete Prüfung vorgenommen, sondern es bei Standardformulierungen belassen. Es seien weder die Risikofaktoren gemäss Referenzurteil des Bundesver- waltungsgerichts E-1866/2015 noch die LTTE -Vergangenheit der Familie berücksichtigt worden, weshalb eine Anfechtung nicht möglich gewesen und die Begründungspflicht sowie Art. 12 VwVG verletzt worden seien. 5.3.3 Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung seines rechtlichen Ge- hörs und der vorinstanzlichen Begründungspflicht geltend macht, ergeben sich nach Durchsicht der Akten keine Hinweise auf eine Berechtigung die- ser Rügen. Auch der Vorwurf der Verletzung der Begründungspflicht ist unbegründet. Die Vorinstanz hat seine Rechtsauffassung in der Verfügung so begründet, dass der Beschwerdeführer diese sachgerecht anfechten konnte. Sie legte im angefochtenen Entscheid sodann in ausführlicher und nachvollziehbarer Weise dar, aufgrund welcher Überlegungen die geltend gemachten Vorbringen entweder nicht glaubhaft oder nicht asylrelevant seien. So hat die Vorinstanz sowohl die familiären und ethnischen Hinter- gründe als auch seine LTTE-Vergangenheit berücksichtigt und das Vorlie- gen allfälliger Risikofaktoren durchaus geprüft. Diesbezüglich wird zur Ver- meidung von Wiederholungen auf die betreffenden vorinstanzlichen Aus- führungen und auf die Zusammenfassung in der Erwägung 7.1 des vorlie- genden Entscheids verwiesen. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbestand- lichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken darf (BGE 126 I 97 E. 2b). 5.4 Zusammenfassend erweisen sich die verschiedenen Rügen der Verlet- zung formellen Rechts im Ergebnis als unbegründet. Der Eventualantrag, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neube- urteilung wegen unvollständiger, unrichtiger sowie willkürlicher Sachver- haltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist demzufolge abzuwei- sen. E-4961/2018 Seite 8 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 6.2 Befürchtungen, künftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausge- setzt zu werden, sind nur dann asylrelevant, wenn begründeter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss ent- fernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahr- scheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nach- vollziehbar erscheinen lassen. Ob eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be- drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in der gleichen Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Die objektive Betrachtungsweise ist durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fäl- len zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausge- setzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. die vom Bundesverwaltungsgericht fortgeführte Rechtsprechung der [damaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK] in EMARK 2004/1 E. 6a; BVGE 2008/4 E. 5.2; BVGE 2011/50 E. 3.1.1; BVGE 2011/51 E. 6, je m.w.H.). 6.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-4961/2018 Seite 9 7. 7.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids brachte die Vor - instanz vor, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den An- forderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG standhalten. Aufgrund seiner zehnjährigen Landesabwesenheit und dem nachvollzieh- baren und legitimen Interesse, ein Aufflammen der LTTE zu verhindern, sei es plausibel, dass die sri-lankischen Behörden ihn ausführlich befragt hät- ten. Die Behörden hätten ihn mit Sicherheit nicht auf freien Fuss gesetzt, wenn sie einen ernsthaften Verdacht für seine LTTE-Mitgliedschaft gehegt hätten. Vielmehr hätten sie ihn festgenommen und entsprechende Unter- suchungsmassnahmen eingeleitet. Überdies würden Rückkehrer regel- mässig auch am He rkunftsort beziehungsweise Wohnort zwecks Regist- rierung, Erfassung der Identität bis hin zur Überwachung der Aktivitäten der Personen befragt. Diese Kontrollmassnahmen würden grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass annehmen. Dass das CID ihn bei (…) zwei Mal habe festnehmen wollen und wegen Anwesenheit der Nachbarn bezie- hungsweise Verwandten unverrichteter Dinge wieder gegangen sei, ent- spreche keineswegs der Vorgehensweise des CID und sei als realitäts- fremd zu werten. Abgesehen davon seien seine Aussagen zu seiner Ver- folgungssituation nicht konstant gewesen. Zu seiner angeblichen Suche durch das CID bei seinem Freund in C._______ habe er sich hinsichtlich der Häufigkeit der Suche, der Behandlung seines Freundes durch das CID und der Erlangung der entsprechenden Information widersprochen. Zudem sei es unverständlich, warum er eine Identitätskarte beantragt habe, ob- wohl er sich vor den Behörden habe verstecken wollen. Sein Verhalten ent- spreche nicht demjenigen einer verfolgten Person. Die damalige Mitgliedsc haft (…) bei den LTTE vermöge eine Verfolgung seiner Person nicht zu begründen, da (…) zum einen bereits im Jahr 1992 umgekommen sei und er zum anderen dieses Verwandtschaftsverhältnis offengelegt habe. Dass die sri -lankischen Behörden deswegen rund 26 Jahre später ein asylbeachtliches Verfolgungsinteresse an ihm haben könnten, sei nicht fundiert. Der Beschwerdeführer würde auch die sog. Risikofaktoren, welche ge- mäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung zur Prüfung der be- gründeten Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG her- anzuziehen seien, nicht erfüllen. Er habe nicht glaubhaft machen können, dass er in den Augen der sri -lankischen Sicherheitsbehörden als Person E-4961/2018 Seite 10 gelten würde, die eine besonders enge Beziehung zu den LTTE gepflegt habe. Die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und die zweijährige Lan- desabwesenheit würden jedoch gemäss herrschender Praxis nicht rei- chen, um von Verfolgungsmassnahmen nach seiner Rückkehr auszuge- hen. Zudem sei anzunehmen, dass er im (…) 2015 nicht freiwillig von In- dien nach Sri-Lanka zurückgekehrt wäre, wenn er eine Verfolgung befürch- tet hätte. Auch das Vorliegen weiterer Risikofak toren verneinte die Vo- rinstanz, zumal er die illegale Ausreise nicht habe glaubhaft machen kön- nen. So habe er anlässlich der BzP dargelegt, mit dem eigenen Pass aus- gereist zu sein, welcher ihm anschliessend im Flugzeug von einer Begleit- person abgenommen worden sei. In der Anhörung habe er indes behaup- tet, der Schlepper habe ihm den Pass bereits vor der Ausreise abgenom- men. Die erlittenen Benachteiligungen seien somit insgesamt nicht intensiv ge- nug und es lasse sich daraus kein asylbeachtliches Motiv ableiten. 7.2 In materieller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer auf Beschwerde- ebene im Wesentlichen, die Vorinstanz sei pauschal von der Unglaubhaf- tigkeit seiner Aussagen ausgegangen. Entgegen der Auffassung der Vo- rinstanz seien seinen Aussagen unzählige Realkennzeichen sowie Glaub- haftigkeitselemente zu entnehmen. So habe er die einzelnen Befragungen in B._______ sowie am Flughafen widerspruchsfrei, detailliert und schlüs- sig erzählt. Auch seine Schilderungen betreffend s einen Aufenthalt in C._______, E._______ und F._______ seien absolut glaubhaft. Eine Per- son ohne Erlebnisgrundlage wäre niemals in der Lage die entsprechenden Handlungsabläufe und Interaktionen zwischen den verschiedenen Orten zu erfinden und schlüssig zu präsentieren. Es verneine die Glaubhaftigkeit insbesondere mit dem Hinweis auf einen angeblichen Widerspruch im Zu- sammenhang mit der Suche in C._______. Diesbezüglich werde festge- halten, dass er nur indirekt (über […]) über die Suche erfahren habe. Er habe nur gewusst, dass die Suche zum Zeitpunkt als er in F._______ ge- wesen sei, passiert sei. Verständlicherweise sei er nach zwei Jahren nicht mehr in der Lage gewesen, sich zu erinnern, zu welchem Zeitpunkt er (…) von der Suche in C._______ erfahren habe. Zudem sei es nicht abwegig, dass (…) die Suche zuerst verheimlicht habe, zumal er sich zu diesem Zeitpunkt auf seine Ausreise vorbereitet habe und mental nicht fit gewesen sei. Da er ohne offiziellen Haftbefehl gesucht worden sei, sei es auch nicht abwegig, dass er sich eine Identitätskarte habe ausstellen lassen, zumal die einzelnen Provinzen nicht elektronisch verbunden seien. E-4961/2018 Seite 11 Die Vorinstanz habe darüber hinaus nicht berücksichtig, dass er als sri - lankischer Tamile, der zehn Jahre lang in Indien gelebt habe, der LTTE vor seiner Flucht logistische Hilfe geleistet habe , (auch) aufgrund der LTTE - Mitgliedschaft (…) und als abgewiesener Asylsuchender zur Gruppe der gefährdeten Personen gehöre. Diese Gründe würden bereits genügen, um eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG auszulösen. Gemäss Berichten der SFH seien insbesondere tamilische Personen im Norden Sri Lankas von Entführungen, Folter und sexuelle r Gewalt durch staatliche Sicher- heitskräfte betroffen. Es gebe zudem Hinweise, dass Angehörige staatli- cher Sicherheitskräfte und des Militärs Personen teilweise in entführungs- ähnlichen Aktionen verhaften würden, ohne sich als Behördenvertretende kenntlich zu machen. Unter anderem könne auch eine Rückkehr aus dem Ausland oder die LTTE-Mitgliedschaft eines Familienmitglieds dazu beitra- gen, dass eine Person Gefahr laufe, entführt und gefoltert zu werden. Bei Verhören der entführten Personen würden sich die Behörden unter ande- rem auf eine mögliche Neugruppierung der LTTE und auf mögliche finan- zielle und weitere Unterstützung aus dem Ausland konzentrieren. 8. 8.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. (vgl. Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). 8.2 Die Befragung am Flughafen wird weder durch die Vorinstanz noch durch das Bundesverwaltungsgericht in Zweifel gezogen, zumal eine sol- che Kontrolle üblich und staatsrechtlich legitim ist. Auch die Aussagen be- treffend die Besuche der Beamten bei (…) sind nicht primär unglaubhaft, da sie etliche Realkennzeichen, wie etwa die Nennung bei seinem Rufna- men (vgl. A23/16 F 29 und F 39), aufweisen. Allerdings ist – wie dies die Vorinstanz korrekt darlegt – davon auszugehen, dass das CID den Be- schwerdeführer bei der Kontrolle und Befragung am Flughafen nicht hätte gehen lassen, hätten sie tatsächlich den Verdacht gehegt, er hätte etwas mit der LTTE zu tun . Es ist nicht plausibel, dass sich das CID die Mühe machen würde, den Beschwerdeführer gehen zu lassen, um ihn danach für die Festnahme – höchstwahrscheinlich im Beisein von Zeugen und un- ter einer falschen Anschuldigung – wieder suchen zu müssen . Auch die Transportart des Festzunehmenden per Motorrad anlässlich des ersten Besuches erscheint unwahrscheinlich. Es kann somit davon ausgegangen E-4961/2018 Seite 12 werden, dass zwar Beamte ihn bei (…) aufgesucht und befragt haben, in- des ohne Festnahmeabsicht. Die Befragungen und Kontrollen am Wohnort beziehungsweise bei (…) sind daher nicht intensiv genug, um asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG zu sein. Wie die Vorinstanz ausführt, sind die darauf folgenden Aussagen des Be- schwerdeführers nicht mehr kohärent. Es ist zwar möglich, dass der Be- schwerdeführer nach dem Besuch (…), zu seinem Freund nach C._______ und dann zu (…) nach E._______ gefahren ist, allerdings ist die Suche nach ihm durch das CID unwahrscheinlich, da er sich diesbezüglich mehr- mals widerspricht. So sagte er anlässlich der BzP aus, das CID habe ihn bei seinem Freund in C._______ gesucht, als er in E._______ gewesen sei. (…) habe daher Angst bekommen, weshalb (…) ihm geraten habe, er solle nicht dort bleiben (vgl. A5/13 F7.01). Er gibt an, er se lbst habe dies erst in F._______ erfahren, widerspricht sich aber nur eine Frage später, indem er behauptet, erst nach seiner Ausreise davon Kenntnis erhalten zu haben (vgl. A23/16 F35 ff.). Auch bezüglich der Organisation seiner Unter- kunft in F._______ und seiner Ausreise ist er sich unschlüssig. So sagte er erst aus, beides sei durch (…) organisiert worden (vgl. A5/13 F7.01). An- lässlich der Anhörung behauptet er , (…) habe ihm die Unterkunft F._______ besorgt (vgl. A23/16 F29). Selbst in der Beschwerde ver strickt er sich in neue Widersprüche, indem er dieses Mal behauptet, die Ausreise sei durch (…) organisiert worden. Überdies bringt er anlässlich der Anhö- rung vor, sein Freund sei geschlagen worden, wobei dieser gemäss Aus- sagen während der BzP lediglich schikaniert worden sei (vgl. A5/13 F 7.01 und A23/16 F35). Auch die Ausstellung einer Identitätskarte trotz befürch- teter Verfolgung ist nicht nachvollziehbar. Er widerspricht sich bereits beim Ausstellungsort: so sei er einerseits nach F._______ gereist, wo er die Identitätskarte im Beisein von Leuten, welche (…) beauftragt habe ihn bei dem Behördengang zu begleiten, beantragt habe. Andererseits habe er die Identitätskarte in G._______, in der Nähe von E._______, ausstellen las- sen (vgl. A23/16 F29 und F69). Dass die sri -lankischen Behörden nicht elektronisch vernetzt seien und die Suche nach dem Beschwerdeführer daher nicht bis zu den Behörden in E._______ durchgedrungen sei, ist nicht plausibel, zumal er ja auch in C._______, was weit von F._______ entfernt ist, gesucht worden sei. Die Ausstellung der Identitätskarte in F._______, wo er erstmals befragt worden war und wo seine Überwachung angeblich begonnen habe, lässt seine Furcht vor Verfolgung noch unglaub- hafter erscheinen. Dass er einerseits das Haus während seines Aufenthalts in der Hauptstadt nicht verlassen habe, sich aber andererseits freiwillig bei den Behörden gemeldet ha be, erscheint ebenfalls fragwürdig. Insgesamt E-4961/2018 Seite 13 konnte der Beschwerdeführer daher seine Vorbringen nach dem Besuch des CID bei (…) nicht mehr glaubhaft machen. Eine Nachfrist zur weiteren Untermauerung der Glaubhaftigkeit seiner Aus- sagen, ist nicht angezeigt, zumal der Beschwerdeführer die Gelegenheit hatte, sich dazu zu äussern und allenfalls entsprechende Belege nachzu- reichen. 8.3 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender Vorverfol- gung bei einer Rückkehr in sein Heimatland ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. 8.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge- fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Be- urteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsth after Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko- faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop List“ und die Teilnahme an exilpo litischen regimekritischen Handlungen wurden als stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Feh- len ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach ri- sikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weit- reichenden Risikofaktoren erfüllten, ha be jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri -lankischen Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" ver- merkt seien und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungs- weise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch be- tätigt hätten (vgl. a.a.O. E. 8). Nach Einschätzung des Bundesverwaltungs- gerichts ändert der Ausgang der Kommunalwahlen vom 10. Februar 2018 an der eben dargelegten Einschätzung der Verfolgungssituation nach Sri E-4961/2018 Seite 14 Lanka zurückkehrender Tamilen nichts. Insofern ist an der Lageeinschät- zung im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 festzuhalten. 8.3.2 Der Beschwerdeführer war kein Mitglied der LTTE. Die gelegentliche Tätigkeit als Mechaniker für die LTTE und die Befragungen durch das CID ist wie durch die Vorinstanz dargelegt nicht geeignet, um ihn als Person mit besonders enger Bindung zur LTTE erscheinen zu lassen . Den vorge- brachten Behelligungen des Beschwerdeführers wegen (…) fehlt der zeit- liche Kausalzusammenhang, zwischen deren Aktivitäten (sie sei im Jahr 1992 gestorben) und den Befragungen durch das CID. Zudem wurde der Beschwerdeführer weder verhaftet noch einer Straftat angeklagt oder gar verurteilt und verfügt somit auch nicht über einen Stra feintrag. Er ist auf- grund seiner widersprüchlichen Aussagen zu seiner Ausreise, davon aus- zugehen, dass er Sri Lanka mit seinem eigenen Pass legal verlassen hat (vgl. Ausführungen der Vorinstanz). Aus den Akten ergeben sich keine Hin- weise auf andere bestehe nde Risikofaktoren . Auch aus der tamilischen Ethnie und der kurzen Landesabwesenheit kann keine Gefährdung abge- leitet werden. Unter Würdigung aller Umstände ist somit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer von der sri -lankischen Regierung nicht zu je- ner kleinen Gruppe gezählt wird, die bestrebt ist, den tamilischen Separa- tismus wiederaufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellt. Es ist nicht davon auszugehen, dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. 8.4 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht so- dann zum Schluss, dass das SEM in seinen Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis gelangt ist, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen von Art. 3 AsylG und Art. 7 AsylG nicht genügen. Es ist nicht davon auszugehen, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aufgrund der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Behelligungen eine kon- krete und für die Ausreise kausale Verfolgungsgefahr bestand. Die Ausfüh- rungen in der Beschwerde sowie die in den Akten liegenden Beweismittel führen zu keiner anderen Betrachtungsweise. Das Bundesverwaltungsge- richt gelangt somit nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass die Vo- rinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht ver- neint und sein Asylgesuch abgewiesen hat. E-4961/2018 Seite 15 9. 9.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker - rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. 10.2.1 Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigen- schaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an- dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 10.2.2 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem eu- ropäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be -E-4961/2018 Seite 16 schwerde Nr. 10466/11; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P .K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichts- hof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehren- den Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung, ob der oder die Betroffene ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Be- fragung ein Interesse, verschiedene Aspekte – welche im Wesentlichen durch die vom Gerich t identifizierten Risikofaktoren abgedeckt sind (vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O., §94) – in Betracht gezogen werden, wobei dem Umstand gebührend Beachtung zu schenken sei, dass diese einzelnen Aspekte, auch wenn sie für sich alleine betrachtet mögli cher- weise kein "real risk" darstellen, diese Schwelle bei einer kumulativen Wür- digung erreichen könnten. 10.2.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, es müsse festgehalten wer- den, dass jeder nach Sri Lanka zurückgeschaffte tamilische Asylgesuch- steller jederzeit Op fer einer Verhaftung und von Verhören unter Anwen- dung von Folter werden könne. 10.2.4 Wie bereits ausgeführt, ist dem Beschwerdeführer bei seiner ersten Rückreise nach Sri Lanka keine asylrelevante Verfolgung widerfahren, weshalb auch nicht davon auszugehen ist, dass dem dieses Mal nicht so sein sollte. Nachdem der Beschwerdeführer, wie bereits ausgeführt, nicht darlegen konnte, dass er befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Hei- matland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem flücht- lingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde aus demselben Grund eine menschen- rechtswidrige Behandlung in Sri Lanka drohen. Der Vollzug der Wegwei- sung ist somit zulässig. 10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 10.3.1 Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass E-4961/2018 Seite 17 der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz (mit Ausnahme des Vanni-Ge- biets) zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri- terien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (Urteil des BVGer E -1866/2015 E. 13.2). In seinem neusten als Referenzurteil publizierten Entscheid er- achtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins Vanni-Gebiet als zumutbar (Urteil des BVGer D-3619/2016 vom 16. Okto- ber 2017 E. 9.5). Somit sprechen weder die aktuelle politische Lage noch andere allgemeine Gründe gegen die Zumutbarkeit einer Rückführung nach Sri Lanka. 10.3.2 Den Schlussfolgerungen der Vorinstanz, wonach er an seinem Her- kunftsort über verwandtschaftliche Anknüpfungspunkte verfüge und Ge- schwister im Ausland habe, welche ihn gegebenenfalls unterstützen könn- ten, ist zu folgen, weshalb darauf verwiesen wird , wobei zu ergänzen ist, dass die Familie offenbar über ein Grundstück in B._______ verfügt, was dem Existenzaufbau durch den Beschwerdeführer zusätzlich entgegen- kommen sollte (vgl. A5/13 F7.01 zweite Frage). 10.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 10.5 Schliesslich verfügt der Beschwerdeführer über eine gültige Identi- tätskarte, womit es ihm möglich sein sollte, sich bei der zuständigen Ver- tretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku- mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG un d dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AuG). 10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. E-4961/2018 Seite 18 11.1 Angesichts des Umstands, wonach sich die Rechtsbegehren als aus- sichtslos erwiesen haben, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen. Man- gels Erfüllung der Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist das Ge- such um amtliche Verbeiständung im Sinne von Art. 110 a Abs. 1 Bst. a AsylG ebenfalls abzuweisen. 11.2 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos. 11.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-4961/2018 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750. werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Regina Seraina Goll Versand: