Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. August 2018 (720 17 180 / 215) ____________________________________________________________________ Anspruch des nicht rentenberechtigten Elternteils auf Auszahlung des Nachzahlungsbe- trages der IV-Kinderrenten (Art. 82 IVV in Verbindung mit Art. 71ter AHVV) Invalidenversicherung Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Mehmet Sigirci , Adv o- kat, Steinentorstrasse 39, 4051 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Beigeladener B.____ , vertreten durch Eduard Schoch , Rechtsanwalt und Notar , Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach Betreff IV-Kinderrente Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1951 geborene B.____ bezieht gemäss Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 21. Dezember 2016 seit 1. Januar 2011 eine Rente der Invalidenversicherung (IV) inkl. zwei IV-Kinderrenten für seinen 2004 geborenen Sohn C .____ und seine 2008 geborene Toch- ter D.____. Die Nachzahlung der Kinderrenten für die Zeit von Januar 2011 bis Oktober 2016 in Höhe von Fr. 83'288.-- wurde bis zur Klärung allfälli ger Verrechnungsansprüche auf ein Warte- konto gebucht (vgl. Verfügung vom 21. Dezember 2016). Mit Verfügung vom 10. Mai 2017 teilte die IV-Stelle Basel-Landschaft Advokat Eduard Schoch, Rechtsvertreter von C.____, mit, dass der vom Versicherten getrennt lebenden Ehefrau A.____ von der Nachzahlung der Kinderren- ten ein Betrag von Fr. 42'581.80 ausbezahlt würde. A.____ wurde eine Kopie dieser Verfügung zugestellt. B. Gegen die Verfügung vom 10. Mai 2017 erhob A.___ _ am 6. Juni 2017 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kant onsgericht). Sie beantragte sinn- gemäss, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei ihr der gesamte Nachzahlungsbetrag in Höhe von Fr. 83'288.-- auszurichten. C. In ihrer Vernehmlassung vom 9. August 2017 schloss die IV-Stelle gestützt auf die Stellungnahme der Schweizerischen Ausgleichskasse SAK (Aus gleichskasse) vom 2. August 2017 auf Abweisung der Beschwerde. D. Gestützt auf die Beiladungsverfügung vom 16. August 2 017 nahm C.____ als Beigela- dener durch seinen Rechtsvertreter am 15. September 20 17 Stellung zur vorliegenden Angele- genheit. Er beantragte mit Verweis auf die Vernehmla ssung der Ausgleichskasse vom 2. August 2017 die Abweisung der Beschwerde. E. In der Replik vom 22. November 2017 hielt die Besch werdeführerin, nun vertreten durch Advokat Mehmet Sigirci, an ihrem Antrag auf Ausri chtung des gesamten Nachzahlungs- betrages von Fr. 83'288.-- fest. Eventualiter sei die A ngelegenheit zur Neuberechnung an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. Ausserdem sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. F. Die IV-Stelle verwies in ihrer Duplik vom 12. Dezembe r 2017 auf die Stellungnahme der Ausgleichskasse vom 7. Dezember 2017 und stellte ern eut den Antrag auf Abweisung der Beschwerde. G. Der Beigeladene liess in seiner Stellungnahme vom 2 6. Januar 2018 die Abweisung der Beschwerde beantragen und ersuchte ebenfalls um Be willigung der unentgeltlichen Rechtspflege. H. Mit Verfügungen vom 31. Januar 2018 und 22. Febru ar 2018 bewilligte das Kantonsge- richt der Beschwerdeführerin und dem Beigeladenen die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit ihren Rechtsvertretern. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den A llgemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbindung mit Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 kann gegen Verfügungen der kantona- len IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versiche rungsgericht am Ort der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Da s Kantonsgericht ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 örtlich und sachlich zuständig. Di e Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung vom 10. Mai 2017 besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Inte- resse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb sie zu r Erhebung der Beschwerde legi- timiert ist (Art. 59 ATSG). Auf ihre im Übrigen form - und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 6. Juni 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Im versicherungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind g rundsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen der zuständige Sozialversicherer vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung - Stellung geno mmen hat. Insoweit bestimmt die Verfü- gung den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgeg enstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurt eilsvoraussetzung, wenn und inso- weit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 f. E . 2.1, 125 V 414 E. 1a und b, je mit Hin- weisen). 2.2 Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bi ldet die Verfügung der IV- Stelle vom 10. Mai 2017, mit welcher die Nachzahlung der IV-Kinderrenten für die Zeit vom 1. Januar 2011 bis 31. Oktober 2016 geregelt wurde. In ihrer Eingabe vom 22. November 2017 beantragt die Beschwerdeführerin, es sei eine amtliche Erkundigung bei der Zentralen Aus- gleichsstelle (ZAS) über die Ausrichtung der Kinderzula gen des Beigeladenen für die Zeit vom 1. Januar 2011 bis 31. Oktober 2016 anzuordnen. Auf die sen Antrag kann nicht eingetreten werden. Der Anspruch auf Kinderzulagen stützt sich auf Art. 3 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Familienzulagen (FamZG) vom 24. März 2006, f ür deren Beurteilung die Familienaus- gleichskassen zuständig sind. Die IV-Stelle hat demzufolge zu Recht keine Abklärungen in Be- zug auf einen solchen Anspruch vorgenommen und nicht d arüber verfügt. Mangels Anfech- tungsgegenstands kann deshalb auf den Antrag auf Einholung einer amtlichen Erkundigung bei der ZAS nicht eingetreten werden. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist somit aus- schliesslich die Frage, ob die Beschwerdeführerin Anspruch a uf Auszahlung des gesamten Nachzahlungsbetrages der IV-Kinderrenten des Beigeladenen von Fr. 83'288.-- hat. 3.1 Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente zu steht, haben gemäss Art. 35 Abs. 1 IVG für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisen rente der Alters- und Hinterlassenen- versicherung beanspruchen könnte, Anspruch auf eine Kinde rrente. Die Kinderrente dient dem Unterhalt des Kindes (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12 . Oktober 2006, 5P.346/2006, E. 3.3). Gemäss Art. 35 Abs. 4 IVG wird die Kinderrent e wie die Rente ausbezahlt, zu der sie gehört. Vorbehalten bleiben die Bestimmungen über di e zweckgemässe Verwendung (Art. 20 ATSG) und abweichende zivilrichterliche Anordnungen. Der Bundesrat kann die Auszahlung für Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sonderfälle in Abweichung von Art. 20 ATSG regeln, na mentlich für Kinder aus getrennter oder geschiedener Ehe. Die Kinderrente ist eine akzessorische L eistung zur Hauptrente. Anspruchs- berechtigt ist deshalb die rentenberechtigte versicherte Person. 3.2 Gestützt auf die Delegationsnorm von Art. 35 Abs. 4 IVG schaffte der Bundesrat mit der Änderung vom 14. November 2001 betreffend der Ve rordnung über die Invalidenversiche- rung (IVV) vom 17. Januar 1961 und der Verordnung übe r die Alters- und Hinterlassenenversi- cherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 eine Regelung auf Verordnungsstufe, indem er in Art. 82 IVV den Art. 71 ter AHVV für die Auszahlung der Kinderrenten der Invalid enversicherung als sinngemäss anwendbar erklärte. Gemäss Art. 71 ter Abs. 1 AHVV ist die Kinderrente, wenn die Eltern des Kindes nicht oder nicht mehr miteinander ve rheiratet sind oder getrennt leben, auf Antrag dem nicht rentenberechtigten Elternteil auszuzahl en, wenn diesem die elterliche Sorge über das Kind zusteht und es bei ihm wohnt; abweichende vormundschaftliche oder zivilrichter- liche Anordnungen bleiben vorbehalten. Nach Art. 71 ter Abs. 2 AHVV gilt dies auch für die Nachzahlung von Kinderrenten (Satz 1). Hat der rentenb erechtigte Elternteil seine Unterhalts- pflicht gegenüber dem Kind erfüllt, so steht ihm die N achzahlung im Umfang der monatlich er- brachten Leistungen zu (Satz 2). 3.3 Anlass zum Erlass von Art. 71 ter AHVV war der am 1. Januar 2000 in Kraft getretene Art. 285 Abs. 2 bis des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 (Erläu- terungen zu den Änderungen der AHVV auf den 1. Januar 2002, AHI-Praxis 2002 S. 15). Diese Bestimmung wurde per 1. Januar 2017 materiell unverän dert in Art. 285a Abs. 3 ZGB über- nommen (Bundesblatt [BBl] 2014 529). Nach dieser Besti mmung hat der unterhaltspflichtige Elternteil nachträglich ausgerichtete Sozialversicherung srenten oder ähnliche für den Unterhalt des Kindes bestimmte Leistungen, die Erwerbseinkommen ers etzen, dem Kind zu zahlen; der bisherige Unterhaltsbeitrag vermindert sich von Gesetzes wegen im Umfang dieser neuen Leis- tungen. Mit dem neu eingefügten Art. 285a Abs. 3 bzw . aArt. 285 Abs. 2 bis ZGB ist eine für die unterhaltspflichtige rentenberechtigte Person im Vergl eich zur früheren Rechtslage insofern vorteilhaftere Regelung getroffen worden, als sich der Unterhaltsbeitrag bei Nachzahlungen von Kinderrenten nun von Gesetzes wegen vermindert (vgl. BGE 129 V 362 E. 5). Dies bedeutet, dass bei Nachzahlungen von IV-Kinderrenten an einen unterhaltspflichtigen Elternteil diese dem Kind vollumfänglich zustehen, unabhängig davon, ob sie höher oder tiefer sind als der bisherige Unterhaltsbeitrag. Im letzteren Fall hat der Unterhaltsschuldner nur noch den um die Kinderren- te reduzierten Unterhaltsbeitrag zu leisten; im ersten Fall hat er gar keinen Unterhaltsbeitrag mehr zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts vom 11. September 2013, 5A_496/2013, E. 2.4.5). Gemäss herrschender Auffassung hat der renten berechtigte Elternteil die Kinderrente selbst dann dem Kind ungeschmälert oder dem gesetzlichen Vertreter zu überweisen, wenn er aufgrund mangelnder Leistungsfähigkeit nicht zu einem U nterhaltsbeitrag verpflichtet werden kann (U LRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, Zü- rich/Basel/Genf 2014, Rz. 12 zu Art. 35 IVG; Urteile des Bundesgerichts vom 12. Oktober 2006, 5P.346/2006, E. 3.3 und vom 7. Dezember 2005, 5C.173/2005, E. 2.3 ff.). 3.4 Gemäss der Wegleitung über die Renten (RWL) in der Eidgenössischen Alters-, Hinter- lassenen- und Invalidenversicherung des Bundesamtes für So zialversicherungen (BSV), gültig Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ab dem 1. Januar 2003, Stand 1. Januar 2017, sind Kind errenten grundsätzlich zusammen mit der Hauptrente auszuzahlen (RWL Rz. 10006). Sind die Eltern des Kindes nicht oder nicht mehr miteinander verheiratet oder leben sie getrennt, so sind die Kinderrenten – vorbehältlich abwei- chender zivilrichterlicher Anordnungen – auf Verlangen d em nicht rentenberechtigten Elternteil auszuzahlen, wenn dieser die (auch geteilte) elterliche Sorge besitzt und das Kind bei ihm wohnt (RWL Rz. 10007 - 10008). Die Ausgleichskasse hat d en nicht rentenberechtigten Eltern- teil auf diese Möglichkeit hinzuweisen, wenn aus den Rentenakten hervorgeht, dass die Eltern getrennt leben (RWL Rz. 10010). Gestützt auf diese Besti mmungen ist Art. 71 ter AHVV somit auch bei gemeinsamer elterlicher Sorge anwendbar (vgl. R OLAND FANKHAUSER /CHRISTINE KÄMPF , Ausgewählte Probleme beim Zusammenspiel von Kindesu nterhalt und Sozialversiche- rungsleistungen, in: Sozialversicherungsrecht: seine Verknü pfungen mit dem ZGB, Gabriela Riemer-Kafka [Hrsg.], Zürich 2016, S. 139). 3.5 Aufgrund der dargelegten Rechtslage ist zusammenfa ssend festzustellen, dass die Kinderrente grundsätzlich der anspruchsberechtigten inva liden Person ausbezahlt wird, da es sich bei ihr um eine akzessorische Leistung zur Invalidenren te handelt (BGE 113 II 123 E. 2b; MEYER /R EICHMUTH , a.a.O., Rz. 9 zu Art. 35 IVG). Indessen kann die IV-Ki nderrente und die Nachzahlung von Kinderrenten gestützt auf Art. 71 ter Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 AHVV in Verbin- dung mit Art. 82 IVV dem nicht rentenberechtigten El ternteil ausgerichtet werden, wenn die El- tern nicht oder nicht mehr miteinander verheiratet sin d oder getrennt leben, der nicht rentenbe- rechtigte Elternteil die (gemeinsame) elterliche Sorge über das Kind hat und das Kind nicht beim rentenberechtigten Elternteil wohnt. Ist der re ntenberechtigte Elternteil unterhaltspflichtig, so sind die Unterhaltsbeiträge um die Kinderrente bzw. die Nachzahlung von Kinderrenten zu kürzen (Art. 71 ter Abs. 2 Satz 2 AHVV). 4.1 Vorliegend geht aus den Akten hervor, dass die Besch werdeführerin und der Beigela- dene die gemeinsame elterliche Sorge über ihre Kinder C.____ und D.____ haben. Da die Kin- der zudem bei der Mutter wohnen, sind die Voraussetzung en für die Nachzahlung der Kinder- rente in Höhe von Fr. 83'288.-- an die Beschwerdeführ erin grundsätzlich erfüllt. Die IV-Stelle bzw. die Ausgleichskasse sowie der Beigeladene gehen nun davon aus, dass der Beschwerde- führerin in Anwendung von Art. 71 ter Abs. 2 Satz 2 AHVV in Verbindung mit Art. 82 IVV le diglich Fr. 42'581.80 auszuzahlen seien, weil der Beigeladene im hier massgebenden Zeitraum von Januar 2011 bis Oktober 2016 in diesem Umfang freiwil lig Unterhaltszahlungen an die Kinder geleistet habe. Die Beschwerdeführerin stellt sich dem gegenüber auf den Standpunkt, dass sie Anspruch auf die Auszahlung des gesamten Nachzahlungsbetrages von Fr. 83'288.-- habe. 4.2 Der Anspruch des rentenberechtigten Elternteils a uf einen - den geleisteten Unter- haltsbeiträgen entsprechenden - Anteil der Nachzahlun g im Sinne von Art. 71 ter Abs. 2 Satz 2 AHVV setzt voraus, dass die Unterstützungspflicht vorgän gig durch ein Zivilgericht oder eine Vormundschaftsbehörde festgelegt wurde. Dies ergibt sich aus Art. 285 Abs. 3 ZGB bzw. aArt. 285 Abs. 2 bis ZGB. Auch die Rechtsprechung geht davon aus, dass eine Re duktion des Unter- haltsbeitrags im Umfang der Nachzahlung von Sozialversich erungsrenten zunächst eine ge- richtliche Festlegung des Unterhaltsbeitrags erfordert (Urteil des Bundesgerichts vom 20. Okto- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ber 2009, 9C_326/2009, E. 3.4; Urteile des Bundesverwa ltungsgerichts vom 20. April 2016, C- 5758/2014, E. 5.4 und vom 13. September 2007, C-2798/2006, E. 3.3.2). 4.3 Gemäss der rektifizierten Verfügung des damaligen Be zirksgerichts X.____ (heute: Zivilkreisgericht Y.____) vom 29. November 2005 wurde auf eine Unterhaltsregelung infolge mangelnder Leistungsfähigkeit des Beigeladenen verzichtet (vgl. Ziffer 4; vgl. auch Verfügung des damaligen Bezirksgerichts X.____ vom 1. Juli 2008). A ndere zivilrechtliche Anordnungen betreffend Unterhaltspflicht gehen aus den Akten nicht hervor und werden von den Parteien auch nicht geltend gemacht. Damit steht fest, dass der Beigeladene weder von einem Gericht noch von einer Vormundschaftsbehörde zu Unterhaltsleist ungen verpflichtet wurde. Da eine gerichtlich oder behördlich festgelegte Unterhaltspfl icht jedoch Voraussetzung für die Anwen- dung von Art. 71 ter Abs. 2 Satz 2 AHVV bildet, ist es nicht zulässig, die Na chzahlung der IV- Kinderrenten an die Beschwerdeführerin im Umfang der geltend gemachten Geldüberweisun- gen des Beigeladenen an seine Kinder in Abzug zu bring en. Aus diesem Grund kann der An- sicht der Ausgleichskasse nicht gefolgt werden, wonach Art . 71 ter Abs. 2 Satz 2 AHVV – unab- hängig von der gerichtlichen Festlegung einer Unterhalt spflicht – immer Anwendung finde, wenn der Rentenempfänger tatsächlich Unterhaltsbeiträ ge geleistet habe. Für ein solches Vor- gehen fehlt es an einer gesetzlichen Grundlage. Daran ändert auch die von der Ausgleichskas- se in ihrer Vernehmlassung vom 6. Juni 2017 angeführte Rechtsprechung nichts, handelt es sich doch um Fälle, in welchen eine Unterhaltspflicht gerichtlich festgelegt wurde. 4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Art. 71 ter Abs. 2 Satz 2 AHVV keine Anwen- dung findet. Da sämtliche Voraussetzungen gemäss Art. 71 ter Abs. 1 AHVV für die Drittauszah- lung an die Beschwerdeführerin erfüllt sind, hat sie An spruch auf Nachzahlung der gesamten IV-Kinderrenten in Höhe von Fr. 83'288.--. Die Beschwerde ist demgemäss gutzuheissen. 5.1 Es verbleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art . 69 Abs. 1bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli gung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Rechtsprechungsgemäss sind jedoch Streitigkeiten über den Auszahlungsmodus nic ht unter dem Titel Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu subsumieren ( BGE 129 V 362 E. 2). Für das vorliegende Verfahren sind deshalb keine Kosten zu erheben. 5.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Versicherten machte in seiner Kostennote vom 3. April 2018 einen Au fwand von 6 Stunden und 25 Minuten mit einem Stundenansatz von Fr. 200.-- geltend, welch er sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 44.60. Der Beschwerdefüh- rerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'432.75 (inkl. Auslagen und 8 % bzw. 7.7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.1 Der Beigeladene ist mit seinen Rechtsbegehren n icht durchgedrungen, weshalb er keinen Anspruch auf Parteientschädigung hat. Da ihm aber mit Verfügung vom 31. Januar 2018 die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt wurde, ist dieser für sei- ne Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemä ss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 20 03 beträgt das Honorar bei unentgeltli- cher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsve rtreter des Beigeladenen wies in sei- ner Honorarnote vom 31. März 2018 für das vorliegende Verfahren einen angemessenen Zeit- aufwand von 7 Stunden und 15 Minuten sowie Auslagen vo n Fr. 56.60 aus. Dem Rechtsvertre- ter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'624. 10 (7,25 Stunden à Fr. 200.-- und Ausla- gen von Fr. 56.60 zuzüglich 8 % bzw. 7,7 % Mehrwertsteue r) aus der Gerichtskasse auszurich- ten. 5.3.2 Der Beigeladene wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisati- on der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur N achzahlung verpflichtet ist, sobald sie da- zu in der Lage ist. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Soweit darauf eingetreten werden kann, wird die Beschwerde gutge- heissen und die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 10. Mai 2017 wird insoweit aufgehoben, als die Auszahlung der Kinderrenten für die Zeit vom 1. Januar 2011 bis 31. Oktober 2016 a n den Beigela- denen verfügt wurde. Die IV-Stelle Basel-Landschaft wi rd angewiesen, die Kinderrenten für den Beigeladenen mit Wirkung a b 1. Januar 2011 der Beschwerdeführerin auszuzahlen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 1'432.75 (inkl. Auslagen und 8 % bzw. 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird Rechts- anwalt Eduard Schoch für das kantonale Beschwerdeverfahr en ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'624.10 (inkl. Auslagen und 8 % bzw. 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beigeladenen am 19. November 2018 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfahren-Nr. 8C_796/2018 ) erhoben. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht