B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2454/2016 U r t e i l v o m 7 . J u n i 2 0 1 6 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher; Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des SEM vom 18. März 2016 / N (…). E-2454/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer stellte am 19. Mai 2015 im Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) Vallorbe ein Asylgesuch. Anlässlich der im EVZ durch- geführten Befragung zur Person (BzP) vom 16. Juni 2015 und der Anhö- rung vom 10. November 2015 zu den Asylgründen machte er im Wesentli- chen Folgendes geltend: Er sei ethnischer Kurde und stamme aus Kamishli, wo er stets mit seiner Familie gelebt und zuletzt als (…) gearbeitet habe. Seit 2011 besitze er die syrische Staatsbürgerschaft; zuvor habe er den Status eines „Ajnabi “ ge- habt. Im Spätsommer 2014 sei er mittels Vorladung aufgefordert worden, sich innert dreier Monate zwecks Einzugs in die Armee beziehungsweise zwecks Ausstellung des Militärbüchleins im Rekrutierungszentrum zu mel- den. Dieser Aufforderung sei er nicht nachgekommen, weil er weder für das diktatorische Regime Militärdienst leisten noch auf Leute schiessen wolle. Am 2. Dezember 2014 habe sein Vater einen ihn (Beschwerdeführer) be- treffenden Haftbefehl entgegengenommen. Aus Angst vor einer Verhaftung habe er auf Anraten seines Vaters sein Heimatland noch gleichentags in Begleitung eines Schleppers illegal in Richtung Türkei verlassen. Von dort sei er ein paar Monate später via unbekannte Länder am 18. Mai 2015 illegal in die Schweiz gelangt. Auf der Reise sei er nie kontrolliert worden. Ansonsten habe er in seiner Heimat keine Probleme gehabt , jedoch manchmal an oppositionellen Demonstrationen teilgenommen und ferner eine Zwangsrekrutierung durch die PYD (Partei der Demokratischen Union) befürchtet. Weiter machte er auf seine sich als Asylbewerber in der Schweiz aufhaltenden Brüder B._______ (N […]) und C._______ (N […]) aufmerksam. Für den weiteren Inhalt der Vorbringen wird auf die Akten ver- wiesen. Der Beschwerdeführer reichte als Beweismittel zunächst eine Kopie des erwähnten Haftbefehls, später dessen Original und ferner seine Identitäts- karte ein. Einen Reisepass habe er nie besessen und die Militärvorladung werde er nachreichen beziehungsweise diese habe er verloren. B. Das SEM liess den eingereichten Haftbefehl am 18. Februar 2016 amtsin- tern einer Dokumentenprüfung durch einen Spezialisten unterziehen. E-2454/2016 Seite 3 Am 23. Februar 2016 gewährte es dem Beschwerdeführer Gelegenheit zur Stellungnahme zum Prüfungsbericht, den es unter Hinweis auf Geheimhal- tungsgründe zur Verhinderung von Missbräuchen nicht als solchen offen- legte, dessen „contenu essentiel“ es jedoch mit folgendem Wortlaut wie- dergab: (…). Am 29. Februar 2016 nahm der Beschwerdeführer innert angesetzter Frist schriftlich dahingehend Stellung, dass sein Vater das Dokument so erhal- ten habe und es sich daher um ein authentisches Dokument handle. Es sei denkbar, dass die staatlichen Behörden in Syrien aufgrund der dortigen Kriegssituation Fotokopien von bereits gestempelten Dokumenten anfer- tigten oder amt liche Dokumente auf qualitativ unzureichendes Papier druckten. C. Mit Verfügung vom 18. März 2016 – eröffnet am 22. März 2016 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte dessen Asylgesuch unter gleichzeiti ger Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz ab (Dispositivziffern 1 bis 3), gewährte ihm jedoch zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges die vorläufige Aufnahme (Dispositivziffern 4 bis 7). Im Weiteren zog es den eingereichten Haftbefehl ein (Dispositivziffer 8). D. Mit Schreiben vom 8. April 2016 ersuchte der Beschwerdeführer durch sei- nen Rechtsvertreter um vollständige Einsicht in die gesamten Asylakten, inklusive in die von ihm selber eingereichten Akten, wobei er insbesondere auch um Einsicht in von ihm eingereichte Beweismittel im Original er- suchte. Mit Begleitschreiben des SEM vom 13. April 2016 erhielt der Beschwerde- führer Einsicht in das Aktenverzeichnis und die dort aufgeführten Aktenstü- cke, mit Ausnahme von sieben Aktenstücken, die es als geheimhaltungs- pflichtig oder intern qualifizierte und somit als nicht editionspflichtig erach- tete. Beim einen dieser internen Aktenstücke (A15) handelt es sich um den Bericht der Dokumentenprüfung des SEM betreffend den abgegebenen Haftbefehl. Aufgrund der Fälschungserkenntnis verweigerte das SEM fer- ner die Herausgabe des Haftbefehls im Original, offerierte jedoch die Ein- sichtnahme vor Ort. E-2454/2016 Seite 4 Am 20. April 2016 nahm die Rechtsvertretung am Sitz des SEM Einsicht in dieses Originaldokument. E. Mit Eingabe vom 21. April 2016 und Ergänzungen vom 22. April 2016 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ge- gen die Verfügung des SEM vom 18. März 2016. Darin beantragt er deren Aufhebung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollstän- digen und richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung sowie eventualiter die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. In prozessua- ler Hinsicht beantragt er vollumfängliche Einsicht in die Akten A13 und A15 beziehungsweise eventualiter die Gewährung des rechtlichen Gehörs zu diesen Akten, nachfolgend die Einräumung einer angemessenen Frist zur Beschwerdeergänzung sowie den Verzicht auf die Erhebung sowohl von Verfahrenskosten als auch eines Kostenvorschusses. F. Am 22. April 2016 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur E-2454/2016 Seite 5 Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf diese ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich begründete und offensichtlich unbegründete Beschwer- den wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweit en Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu be- gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG wird das Verfahren in deutscher Spra- che geführt. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. E-2454/2016 Seite 6 5.1 Zur Begründung des ab lehnenden Asylentscheides qualifizierte das SEM die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen als den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines Asyl begründenden Sach- verhalts nicht genügend, weshalb der Beschwerdeführer die Flüchtlingsei- genschaft nach Art. 3 AsylG nicht erfülle. So seien betreffend die Zeitdiffe- renz zwischen Erhalt der Militärvorladung und Erhalt des Haftbefehls, be- treffend das zuständige Rekrutierungsbüro , ferner bezüglich des Vorla- dungszwecks und der gesetzten Handlungsfrist sowie hinsichtlich seines Aufenthaltsortes im Zeitpunkt der Zustellung der Vorladung Widersprüche in wesentlichen Punkten aufgetreten. Auch sei nicht nachvollziehbar, wie die illegale Ausreise in die Türkei innert eines Abends hätte in die Wege geleitet werden können. An diesen Erkenntnissen vermöchten die vorge- legten Dokumente nichts zu ändern. Im Speziellen handle es sich beim vorgelegten Ha ftbefehl um eine Fälschung. Das ihm zur Kenntnis ge- brachte Fälschungsmerkmal habe der Beschwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs nicht überzeugend erklären können. Der Fälschungs- befund stütze die gewonnenen Unglaubhaftigkeitserkenntnisse und das Dokument sei als Fälschung einzuziehen. Angesichts der Unglaubhaf- tigkeit der Vorbringen erübrige sich eine Prüfung ihrer Asylrelevanz. 5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend, seine Ansprüche auf Akteneinsicht und rechtliches Gehör seien dadurch verletzt, dass der zur Einsicht gegebene Beweismittelumschlag nicht pagi- niert sei, es sich dabei vermutlich um die Akte A1 handle und sich damit gleichsam die Frage stelle, um welches Beweismittel es sich denn bei der am 18. Februar 2016 paginierten Akte A13 – ebenfalls bezeichne t mit „moyens de preuve“ – handle. In dieses Aktenstück habe er nämlich keine Einsicht erhalten. Das Recht auf Akteneinsicht beinhalte praxisgemäss eine übersichtlich geordnete Führung, Ablage, Paginierung und Registrie- rung der vollständigen Akten im Akten verzeichnis, welche Anforderungen vorliegend nicht erfüllt seien. Sein Anspruch auf Akteneinsicht sei ferner dadurch verletzt, dass ihm die Einsicht in den als interne Notiz bezeichne- ten Dokumentenprüfungsbericht (Akte A15) verweigert worden sei. Die Ge- währung des rechtlichen Gehörs genüge nicht, da er nicht beurteilen könne, ob er sich umfassend zu den angeblichen Fälschungsmerkmalen habe äussern können; zudem sei die Qualifikation der das Dokument prü- fenden Person nicht ersichtlich. Das SEM wäre gehalten gewesen, das Do- kument zumindest unter Einschwärzung der sensiblen Stellen offenzule- gen. Weiter sei die Aktenführungspflicht dadurch verletzt, dass die von ihm abgegebene Identitätskarte nicht auf dem Beweismittelumschlag vermerkt und ihm wiederum nicht zur Einsicht gegeben worden sei. Es handle sich E-2454/2016 Seite 7 dabei um ein Beweismittel, welches somit ordnungsgemäss erfasst werden müsse. Diese Verletzungen des rechtlichen Gehörs müssten praxisge- mäss zwingend die Aufhebung der angefochtenen Verfügung zur Folge ha- ben. Sodann habe das SEM mehrere wesentliche Vorbringen sachverhalt- lich nicht erfasst, so unter anderem de n konkreten Verweis auf die Anwe- senheit zweier Brüder, deren Asylverfahrensakten das SEM im Hinblick auf das allfällige Vorliegen einer Reflexverfolgung hätte beiziehen müssen. Die weitere Beschwerdeargumentation richtet sich gegen die vorinstanzlich er- kannte Fälschungserkenntnis betreffend den Haftbefehl und gegen die wei- teren vorinstanzlichen Unglaubhaftigkeitselemente und befasst sich mit der aus Sicht des Beschwerdeführers klar zu bejahenden Frage der flüchtlings- rechtlichen Beachtlichkeit der von ihm befürchteten Nachteile. Diesbezüg- lich kann angesichts des aus formellen Gründen erfolgenden Kassations- ausganges dieses Beschwerdeverfahrens auf die Beschwerdes chrift ver- wiesen werden. Auch für den weiteren Inhalt der Beschwerde ist einstwei- len auf die Akten zu verweisen, soweit darauf nicht in den nachfolgenden Erwägungen besonders eingegangen wird. 6. 6.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtl ichen Gehörs fordert, dass die verfügende Behörde die Vorbringen der Betroffe- nen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfin- dung berücksichtigt, was sich entsprechend in einer sachgerecht anfecht- baren Entscheidbegründung nieder zuschlagen hat (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1 VwVG; EMARK 2004 Nr. 38 E. 6.3 und 2006 Nr. 24 E. 5.1). Dem Bundesverwaltungsgericht obliegt gemäss Art. 49 Bst. b VwVG (beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG) eine umfassende Sachverhaltskontrolle (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.188). Ermittelt das Bundesverwaltungsgericht eine fehler - oder lü- ckenhafte Feststellung des Sachverhalts, hebt es die Verfügung au f und weist die Sache an die Vorinstanz zurück, damit diese den rechtserhebli- chen Sachverhalt neu und vollständig feststellt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU- BÜHLER, a.a.O., Rz. 2.191; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1155). Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen des Ver- waltungs- beziehungsweise Asylverfahrens (Art. 12 VwVG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren not- wendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Unrichtig ist E-2454/2016 Seite 8 die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten- widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder wenn die Vorinstanz nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts prüfte, etwa weil sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneinte. Un- vollständig ist die Sachverha ltsfeststellung, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043). Sodann besteht eine Aktenfüh- rungspflicht. Diese beinhaltet insbesondere die geordnete Ablage, die Pa- ginierung und die Registrierung der vollständigen Akten im Aktenverzeich- nis und ergibt sich aus dem Akteneinsichtsrecht des Gesuchstellers bezie- hungsweise Beschwerdeführers, welches in Art. 26 ff. VwVG geregelt ist und ebenfalls Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör darstellt (vgl. dazu ausführlich BVGE 2011/37 E. 5.4.1). Sie ist aber auch für die rekurs- instanzlichen Behörden von massgeblicher Bedeutung, weil im Falle einer Unkenntnis über die von der Vorinstanz tatsächlich herangezogenen Akten die Gefahr eines unrichtigen – wenngleich grundsätzlich revisionsfähigen – Urteils besteht, wodurch erneut der Anspruch des Betroffenen auf recht- liches Gehör verletzt wäre. Gegenstand der Aktenführungspflicht sind sämtliche Akten, wogegen massgeblich für den Einsich tsanspruch das grundsätzliche Potenzial zur Entscheidbeeinflussung ist. Eine allfällige Ein- schränkung des Akteneinsichtsrechts gegenüber dem um Einsicht Ersu- chenden ist grundsätzlich zulässig, muss aber nach Art. 27 VwVG konkret begründet sein und sich im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung auf das Erforderliche beschränken. Die genannten Grundsätze sind vorliegend in mehrfacher Hinsicht verletzt, wie sich aus nachfolgenden Erwägungen ergibt. 6.2 Vorab zu prüfen ist die Rüge einer Verletzung des Anspruchs a uf Ak- teneinsicht und der Aktenführungs- und Paginierungspflicht betreffend die Aktenstücke A1 und A13 und die vom Beschwerdeführer abgegebenen Be- weismittel. Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich geltend, seine An- sprüche auf Akteneinsicht und rechtliches Gehör seien dadurch verletzt, dass der zur Einsicht gegebene Beweismittelumschlag nicht paginiert sei, es sich dabei vermutlich um die Akte A1 handle und sich damit gleichsam die Frage stelle, um welches Beweismittel es sich somit bei der Akte A13 handle; in dieses Aktenstück habe er nämlich keine Einsicht erhalten. Beide Aktenstücke sind im Aktenverzeichnis mit „moyens de preuve“ be- zeichnet, wobei das Aktenstück A1 am 16. Juni 2015 paginiert wurde und das Aktenstück A13 am 18. Februar 2016. Beim Aktenstück A13 handelt es E-2454/2016 Seite 9 sich um den Beweismittelumschlag. Dieser ist zwar mit „A13“ paginiert, je- doch liegt die Vermutung nahe, dass die Paginierung des Dokuments beim Kopieren für die Akteneinsicht aufgrund des grösseren Formats verloren gegangen und für den Be schwerdeführer daher auf der ihm zur Einsicht gegebenen Kopieversion nicht ersichtlich ist. Mit dieser mutmasslichen ko- piertechnischen Unsorgfalt wäre noch keine Verletzung der Paginierungs- pflicht verbunden, sondern eine Richtigstellung würde genügen. Die beim Beschwerdeführer entstandene Verwirrung ist jedoch augenfällig insoweit nachvollziehbar, als zwei Aktenstücke mit „moyens de preuve“ im Akten- verzeichnis erscheinen, beide im Übrigen mit dem für einen Editionsver- zicht massgeblichen Code E („der gesuchstellenden Person bekannte Ak- ten). Davon befindet sich aber nur das Aktenstück A13 in den vorinstanzli- chen Akten, wobei der Beschwerdeführer hier irrtümlich annimmt, es handle sich um das Aktenstück A1. Letzteres Aktenstück (A1) ist offensicht- lich inexistent oder wurde vom SEM aus unerfindlichen Gründen aus den Akten entfernt. Das Aktenstück A1 ist somit weder für den Beschwerdefüh- rer noch für das Bundesverwaltungsgericht bekannt. Ob es sich dabei um eine falsche Ablage, Führung, Paginierung oder Registrieru ng von Akten handelt, ist insoweit unwesentlich, als vorliegend mindestens eines der ge- nannten Elemente unrichtiger Aktenführung gegeben ist, der Beschwerde- führer keine Einsicht in das Aktenstück A1 erhalten hat damit in jedem Fall das Akteneinsichtsrecht des Beschwerdeführers und sein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt sind. Erstaunen erweckt im Übrigen die Klassifi- zierung des Aktenstücks A13 mit Code E ("der gesuchstellenden Person bekannte Akte"), denn das Couvert war dem Beschwerdeführer bis zur Of- fenlegung mit Sicherheit nicht bekannt, da es vom SEM angefertigt wurde. Bekannt war ihm bestenfalls der Inhalt des Couverts in Gestalt des in Kopie und später als Original vorgelegten Haftbefehls. Die Codierung ist bei die- sem Aktenstück immerhin deshalb nicht relevant, weil der Beschwerdefüh- rer Einsicht in die Kopie des Beweismittelumschlags erhalten hat. Im Wei- teren ist festzuhalten, dass die Vorinstanz Verweigerungen der Aktenein- sicht mit der Begründung Code E zu unterlassen hat, sobald ein Rechts- vertreter – wie vorliegend – explizit Akteneinsicht in die selber eingereich- ten Beweismittel beantragt. Das SEM hat im Weiteren die Abgabe der Identitätskarte durch den Be- schwerdeführer in der BzP (dort Ziff. 4.01) erfasst und das Dokument wurde in der Sichttasche des N-Dossiers abgelegt. Somit ist an sich weder die Ablage noch die Registrierung des Dokuments zu beanstanden. D er Beschwerdeführer rügt aber offensichtlich zurecht eine Verletzung des Ak- teneinsichtsrechts insoweit, als ihm die Identitätskarte ebenfalls nicht zur E-2454/2016 Seite 10 Einsicht gegeben wurde, obwohl er ausdrücklich darum ersuchte und hie- rauf einen uneingeschränkten Anspruch hat (vgl. Art. 27 Abs. 3 VwVG) . Grund für diese Verletzung des Akteneinsichtsrecht ist wahrscheinlich die Praxis des SEM, Identitätsdokum ente in der Sichttasche des N -Dossiers und nicht im Beweismittelumschlag abzulegen und dort zu vermerken. Diese Praxis ist nicht als solche bereits rechtswidrig. Würden aber Identi- tätsdokumente zusätzlich in Kopieform im Beweismittelumschlag abgelegt und dort der Ablageort des Originals vermerkt , wäre auch die Pflicht des SEM zur ordnungsgemässen Aktenführung, Paginierung und Aufnahme ins Aktenverzeichnis eingehalten. 6.3 Der Beschwerdeführer macht ferner eine Verletzung seines Anspruchs auf Akteneinsicht dergestalt geltend, dass ihm die Einsicht in den als in- terne Notiz bezeichneten Dokumentenprüfungsbericht (Akte A15) verwei- gert worden sei. Die Gewährung des rechtlichen Gehörs genüge nicht, da er nicht beurteilen könne, ob er sich umfassend zu den angeblichen Fäl- schungsmerkmalen habe äussern können; zudem sei die Qualifikation der das Dokument prüfenden Person nicht ersichtlich. Das SEM wäre gehalten gewesen, den Prüfungsbericht zumindest unter Einschwärzung der sen- siblen Stellen offenzulegen. Das SEM hat das A ktenstück A15 im Aktenverzeichnis mit dem Code A („überwiegende öffentliche oder private Interessen an Geheimhaltung [Art. 27 VwVG]“) bezeichnet. Wie bereits oben (E. 6.1) erwähnt, ist eine solche Einschränkung des Akteneinsichtsrechts grundsätzlich zulässig, muss aber nach Art. 27 VwVG konkret begründet sein und sich im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung auf das Erforderliche beschränken. Vor- liegend fehlt eine solche konkrete Begründung im Aktenverzeichnis und im Begleitschreiben des SEM betreffend Akteneinsicht (Akte A23). Sie ist aber der Zwischenverfügung des SEM vom 23. Februar 2016 betreffend das rechtliche Gehör zum Prüfungsb ericht zu entnehmen, wo auf öffentliche Geheimhaltungsgründe zur Verhinderung von Missbräuchen hingewiesen wird. Dies genügt an sich als Begründung. Hingegen ist die Verhältnismäs- sigkeit der Einsichtsverweigerung offensichtlich nicht gegeben. Betrachtet man nämlich den im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs of- fengelegten Inhalt des Prüfungsberichts mit dem tatsächlichen Inhalt, fällt auf, dass das SEM dem Beschwerdeführer nur eine von vier „constata- tions“ und diese zudem nicht inhaltsgleich mit der tatsächlichen Feststel- lung des Fälschungsmerkmals zur Kenntnis bringt. Hinzu kommt als klare Missachtung des Verhältnismässigkeitsprinzips und des Anspruchs auf rechtliches Gehör, dass das SEM darauf verzichtet hat, die eigentliche E-2454/2016 Seite 11 „conclusion“ der Dokumentenprüfung dem Beschwerdeführer mitzuteilen. Bei dem im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur Kenntnis gebrachten Fäl- schungsmerkmal (…) handelt es sich nicht um den „contenu essentiel“ des Prüfungsberichts. Es ist in Stützung des Hinweises in der Beschwerde vor- liegend auch nicht ersichtlich, weshalb das SEM den Prüfungsbericht nicht unter Abdeckung sensibler Stellen hätte offenlegen können. In diesem Zu- sammenhang fällt übrigens auf, dass im N -Dossier insgesamt drei mit „A15“ paginierte Aktenstücke vorhanden sind, nämlich ein Original, dane- ben eine Kopie mit manipulativ abgedeckten Stellen und schliesslich eine (in einem roten Sichtmäppli befindliche) Kopie des zuletzt erwähnten Exemplars. Diese Aktenführung ist nicht statthaft und geht in dieser eigen- tümlichen Form auch nicht aus dem Aktenverzeichnis hervor . Ob ein Ko- pieexemplar von A15 allenfalls für die Akteneinsicht hätte bestimmt sein sollen und dessen Herausgabe womöglich vergessen ging , ist nicht er- kennbar. Unzweifelhaft ist aber nach dem Gesagten betreffen d den Prü- fungsbericht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs in gleich mehrfacher Erscheinungsform festzustellen. Im Rahmen der Behebung der Mängel wird sich das SEM ferner mit der vom Beschwerdeführer aufgeworfenen Frage der Qualifikation der den Prüfungs bericht erstellenden Person zu befassen haben; diese Qualifikation ist auch für das Gericht aus den Akten nicht ersichtlich. 6.4 Sodann habe das SEM mehrere wesentliche Vorbringen sachverhalt- lich nicht erfasst, so unter anderem de n konkreten Verweis auf die Anwe- senheit zweier Brüder, deren Asylverfahrensakten das SEM im Hinblick auf das allfällige Vorliegen einer Reflexverfolgung hätte beiziehen müssen. Aus den vorinstanzlichen Akten ist nicht ersichtlich, ob das SEM für den vorliegenden Asylentscheid die Asylverfahrensakten der beiden Brüder des Beschwerdeführers tatsächlich beigezogen hat. Daneben stellt sich aber auch die Frage, ob ein solcher Beizug im konkreten Fall indiziert ist . Gründe hierfür werden in der Beschwerde keine angeführt. Das bloss rein hypothetisch denkbare Vorliegen von Reflexverfolgungsindizien reicht mit Bestimmtheit nicht, wogegen aber das konkrete Geltendmachen einer ent- sprechenden Reflexverfolgung, ferner die zuerkannte Flüchtlingseigen- schaft von engen Verwandten, aber auch objektive Gründe Anlass für ei- nen Aktenbeizug von Amtes wegen aufdrängen können. Diesfalls müsste der Beizug auch seinen Niederschlag im Asylentscheid respektive vorgän- gig im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs finden, dies mittels Erwähnung des erfolgten Beizugs sowie der Mitteilung und Begründung E-2454/2016 Seite 12 des Beizugsergebnisses. Ob vorliegend eine mangelhafte Sachverhalts- feststellung und eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör in Form eines zu Unrecht unterlassenen Aktenbeizuges vorliegt, kann ange- sichts des ohnehin unausweichlichen Kassationsausganges einstweilen dahingestellt bleiben. Das SEM wird sich jedoch in diesem Zusammenhang insbesondere an die in den Urteilen E-1417/2016 vom 6. Mai 2016 E. 6.2 f., E-8390/215 vom 15. März 2016 E. 6.3.3 und D-3242/2014 vom 3. Dezem- ber 2014 E. 5 konkretisierten Leitplanken betreffend Aktenbeizüge zu hal- ten haben. Auch mit der weiteren Beschwerdeargumentation und insbesondere der Rüge, das SEM habe mehrere Vorbringen sachverhaltlich nicht erfasst, wird sich das SEM im Rahmen des wiederaufzunehmenden erstinstanzli- chen Verfahrens zu befassen haben. Der Beschwerdeführer ist immerhin darauf aufmerksam zu machen, dass die Dichte der Sachverhaltsfeststel- lung von der Frage der Entscheidrelevanz der einzelnen Sachverhaltsele- mente abhängig ist. Er unterlässt es aber weitgehend, die Bedeutsamkeit der einzelnen als unerfasst beanstandeten Sachverhaltselemente für die Entscheidfindung aufzuzeigen. 7. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die angefochtene Verfügung mehrere, zum Teil schwerwiegende und nicht heilbare Sachverhaltsfest- stellungsfehler und Bundesrechtsverletzungen aufweist (Art. 106 Abs. 1 AsylG), die zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung führen. Die Be- schwerde ist insoweit gutzuheissen und die Sache ist an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das SEM ist dabei gehalten, den Anspruch des Be- schwerdeführers auf rechtliches Gehör zu wahren, den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig und richtig abzuklären und zu erfassen und ge- stützt darauf sowie unter Mitberücksichtigung des Inhalts der vorliegenden Beschwerde einen neuen Entscheid zu fällen. Es ist, auch angesichts der nach Art. 106 Abs. 1 AsylG eingeschränkten Kognition, vorliegend nicht Sache des Bundesverwaltungsgerichts, die Mängel und Versäumnisse sel- ber zu heilen und als letzte Instanz einen neuen, unter Umständen negati- ven Entscheid zu treffen, da der Instanzenverlust abermals eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehörs bewirken würde (zur Frage der Heil- barkeit vgl. auch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -7452/2014 vom 13. Februar 2015 E. 6.5 mit weiteren Hinweisen). E-2454/2016 Seite 13 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung von Verfahrenskosten nach Art. 65 Abs. 1 VwVG wird somit hinfällig. 8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens im Kassationsantrag in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschä- digung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre- chen. Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'700.– (inkl. Auslagen und Mehr- wertsteuerzuschlag i.S.v. Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) E-2454/2016 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Beschwerde inso- weit gutgeheissen. 2. Die Sache geht zur vollständigen und richtigen Feststellung des rechtser- heblichen Sachverhalts im Sinne der Erwägungen (vgl. E. 6) und zur Neu- beurteilung an die Vorinstanz zurück. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'700.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand: