<h2>SubmittedText<h2><p>Gemäss kürzlich veröffentlichten Zahlen des Bundesamtes für Statistik wurden in der Schweiz im Jahr 2004 total rund 12 000 registrierte Abtreibungen gezählt. Gemäss inoffiziellen Zahlen liegen auch die Abtreibungszahlen der Vorjahre in der gleichen Grössenordnung. Auf der anderen Seite beklagen sich Behörden und Statistiker seit Jahren über die ungenügende Reproduktionsrate der Schweizer in unserem Land. Aus der Antwort des Bundesrates auf meine Interpellation 05.3848 entnehme ich, dass 2003 in der Schweiz knapp 10 000 Embryonen für IVF-Eingriffe "verbraucht" wurden, um knapp 1000 gesunde Kinder zur Welt zu bringen. Aus der gleichen Antwort geht hervor, dass bei diesen IVF-Eingriffen 26 Prozent als Aborte endeten und 2,6 Prozent der Geborenen mit Missbildungen geboren wurden.</p><p>Meine Fragen an den Bundesrat:</p><p>1. Wie lauten die IVF-Zahlen für das Jahr 2004, welche in der Antwort auf meine Interpellation 05.3848 noch fehlten?</p><p>2. Ist er der Ansicht, dass der Embryonenverschleiss bei IVF-Eingriffen den Bestimmungen in Artikel 3 FmedG z. B. entspricht?</p><p>3. Wie beurteilt er den hohen Anteil an IVF-Geborenen mit Missbildung?</p><p>4. Wie beurteilt er den hohen Anteil an IVF-Aborten?</p><p>5. Wie beurteilt er die fragwürdige IVF-"Erfolgsrate", und was gedenkt er in dieser Sache zu unternehmen?</p><p>6. Wie beurteilt er den Einfluss der verlorenen abgetriebenen, ungeborenen Generation in den letzten Jahren auf die Demografie unseres Landes, und was gedenkt er in dieser Sache zu unternehmen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat kann die Fragen folgendermassen beantworten:</p><p>1. IVF-Zahlen: Die in der Antwort der Interpellation Wäfler 05.3848, "Vollzug der statistischen Meldepflicht und Kontrolle beim FMedG und beim StFG", noch fehlenden Angaben für das Jahr 2004 lauten:</p><p>a. für die Art der Indikationen:</p><p>- weibliche Sterilität: 611 (18 Prozent);</p><p>- männliche Sterilität: 1331 (39 Prozent);</p><p>- weiblich und männlich: 718 (21 Prozent);</p><p>- idiopathische Sterilität: 226 (7 Prozent);</p><p>- Indikation unbekannt: 528 (15 Prozent);</p><p>b. für den Schwangerschaftsausgang:</p><p>- Anzahl Entbindungen: 763;</p><p>- Anzahl Geborener: 876.</p><p>Ein ausführlicher und kommentierter Bericht über die Aktivitäten gemäss Artikel 11 des Fortpflanzungsmedizingesetzes (FMedG) wird vom Bundesamt für Statistik vorbereitet und demnächst erscheinen.</p><p>2. "Embryonenverschleiss": Ziel des Bundesrates ist eine qualitativ hochstehende Reproduktionsmedizin. Deshalb ist nach der Fortpflanzungsmedizinverordnung für die Anwendung von Fortpflanzungsverfahren der eidgenössische Weiterbildungstitel für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Schwerpunkt für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin erforderlich (Art. 2 Abs. 1). Im Übrigen gehört es zu der ärztlichen Aufklärungspflicht, die Wunscheltern über Erfolgsaussichten und Gefahren zu orientieren (Art. 6 Abs. 1 Bst. b FMedG). In seiner Botschaft zum FMedG hat der Bundesrat darauf hingewiesen, der Arzt oder die Ärztin habe insbesondere auf die relativ geringe Schwangerschaftsrate und auf das Abortrisiko hinzuweisen (BBl 1996 III 258, Ziff. 322.141).</p><p>3. Missbildungen: Statistisch erfasst wurden 27 von insgesamt 1071 Kindern, also 2,6 Prozent, die nach IVF mit einer Missbildung zur Welt kamen. Zum Vergleich: "Etwa 5 Prozent aller Neugeborenen sind bei der Geburt von einer schweren Krankheit oder Fehlbildung betroffen, davon etwa 0,5 Prozent von einer Chromosomenstörung" (Zitat aus der Stellungnahme des Nationalen Ethikrates, "Genetische Diagnostik vor und während der Schwangerschaft", Berlin 2003, S. 35). Sowohl die Zahl als auch die Art der Missbildungen bei Kindern nach IVF sind Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen und Diskussionen. Die Bundesverwaltung verfolgt die Entwicklungen der Wissenschaft aufmerksam mit und handelt entsprechend, sobald die Wissenschaft zu eindeutigen Erkenntnissen kommt, die von gesetzgeberischer Relevanz sind.</p><p>4. Aborte: Nachdem sich ein Embryo im mütterlichen Uterus eingenistet hat, kann es aus verschiedensten Gründen zu Aborten kommen. 2003 wurden 304 Aborte von insgesamt 1274 klinischen Schwangerschaften statistisch erfasst. Der häufigste Grund für einen Abort ist eine Chromosomenaberration (numerische und/oder strukturelle Chromosomenstörung) beim Kind. Die meisten Embryonen mit Chromosomenaberrationen nisten sich nach natürlicher Zeugung gar nicht im Uterus ein und gehen ab. Genau deswegen begeben sich Eltern häufig in eine Fertilitätsbehandlung. Und genau deswegen ist es für den Bundesrat auch nicht überraschend, dass die Abortrate nach IVF bei Eltern, die auf die künstliche Befruchtung angewiesen sind, bei 26 Prozent liegt. Aufgrund wissenschaftlicher Studien geht man davon aus, dass bei der natürlichen Reproduktion die Rate der Spontanaborte bei etwa 20 Prozent der klinisch festgestellten Schwangerschaften, also im vergleichbaren Rahmen liegt.</p><p>5. Erfolgsrate: Im Jahr 2003 kam es bei 1274 klinischen Schwangerschaften nach IVF zur Geburt von 1071 Kindern. Diese Kinder kamen bei 884 Geburten zur Welt. Der Bundesrat hält diese Rate im Gegensatz zum Interpellanten nicht für "fragwürdig", sondern unter Berücksichtigung der spezifischen Umstände für gut - zumal es diese Kinder ohne IVF-Verfahren gar nicht gäbe. Die klinische Schwangerschaftsrate pro Transfer nach IVF und ICSI (IntraCytoplasmic Sperm Injection) in einem sogenannten Frischzyklus betrug in den letzten Jahren um 25 Prozent. Zum Vergleich: Die Chance einer 20- bis 25-jährigen Frau, auf natürliche Weise in einem bestimmten Monat schwanger zu werden, beträgt zwischen 10 und 20 Prozent.</p><p>Die Erfolgsrate nach IVF zu verbessern, ist Ziel der Forschung. Auch in der parlamentarischen Diskussion rund um die Präimplantationsdiagnostik bzw. das FMedG wurde ins Feld geführt, dass die Rate mit einer möglichen PID gesteigert werden kann. Der Bundesrat ist zuversichtlich, dass sich die IVF-Erfolgsrate mit Fortschreiten der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der praktischen Erfahrungen weiter verbessern wird.</p><p>6. Demografie: Im Vergleich mit europäischen Ländern, die ähnliche oder sogar niedrigere Geburtenraten (Italien) aufweisen, ist die Rate abgebrochener Schwangerschaften in der Schweiz ausgesprochen niedrig. Was die Zuständigkeit bei der Vermeidung unerwünschter Schwangerschaften, die dabei eingesetzten Massnahmen sowie den diesbezüglichen Beitrag des Bundes betrifft, hat sich der Bundesrat bereits geäussert (Interpellation Waber 05.3837, Zunahme der Zahl der Abtreibungen im Jahre 2005).</p>  Antwort des Bundesrates.