Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 10. August 2016 (810 15 246) ____________________________________________________________________ Umweltschutz, Wasser und Energie Hochwasserschutz, Bewilligung für Untersuchungshandlungen Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Kantonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Jgnaz Jermann, Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Chiara Piras Beteiligte A.____, Beschwerdeführer B.____, Beschwerdeführer C.____ und D.____, Beschwerdeführer E.____, Beschwerdeführer F.____, Beschwerdeführer G.____, Beschwerdeführerin H.____, Beschwerdeführer I.____, Beschwerdeführer J.____, Beschwerdeführerin alle vertreten durch Dr. Nicolas Mosimann, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft, 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einwohnergemeinde K.____, Beigeladene Betreff Hochwasserschutz K.____: Bewilligung für Untersuchungshandlungen (RRB Nr. 1280 vom 18. August 2015) A. Mit Landratsbeschluss vom 8. Mai 2003 wurde für den Hochwasserschutz Dorf und den Amphibienschutz in K.____ ein Verpflichtungskredit von Fr. 7‘090‘000. -- bewilligt. Damit sollte unter anderem ein Hochwasserrückhaltebecken (HWRB) für den ‟X.____bach” finanziert werden. Als Standort für das HWRB ‟X.____bach” stand die im Gebiet Y.____weg/Z.____weg liegende natürliche Geländemulde (Standort ‟Z.____”) im Gespräch. B. Im Zusammenhang mit der Prüfung des Standortes ‟Z.____” für das HWRB ‟X.____bach” wurden im Jahr 2004 eine historische Untersuchung der Altlastensituation und 2008 eine ergänzende Baugrunduntersuchung vorgenommen. Die Berichte zeigten, dass der Standort durch Altlasten belastet war. C. Im Jahr 2010 wurde das Projekt zur Er stellung eines HWRB ‟X.____bach” weiterge- führt: Am 13. Oktober 2010 entschied der Gemeinderat von K.____, die Standortfrage durch eine Arbeitsgruppe aus Vertretern aus den Parteien, der Bürgergemeinde sowie den unmitte l- bar betroffenen Grundeigentümern beraten zu lassen. Die Standortvariante ‟Z.____” wurde von der Arbeitsgruppe am 27. Juni 2011 ausgeschlossen. In ihrem Schlussbericht vom 16. Nove m- ber 2011 empfahl die Arbeitsgruppe dem Gemeinderat den Standort ‟L.____”. Der Gemeinderat K.____ schloss sich mit Beschluss vom 7. Dezember 2011 der Empfehlung der Arbeitsgruppe an. D. Im Hinblick auf die Durchführung geologischer und geotechnischer Abklärungen am Standort ‟L.____”, fanden ab 2013 diverse Besprechungen und Schriftenwechsel zwischen der Bau- und Umw eltdirektion (BUD), der Gemeinde K.____ und den am Standort ‟L.____” be- troffenen Grundeigentümern statt. Letztere zeigten sich mit der Vornahme von Probebohrungen auf ihren Grundstücken nur einverstanden, wenn sämtliche mögliche Standorte und Varianten für das HWRB gleich dokumentiert und sie Einsicht in die Altlastenuntersuchungen betreffend den Standort ‟Z.____” erhalten würden. E. Mit Schreiben vom 11. Februar 2014 und 16. Juni 2015 gewährte die BUD den Grun d- stückeigentümern das rechtliche Gehör betreffend Erlass eines regierungsrätlichen Entscheides zur zwangsweisen Vornahme von vorübergehenden technischen Untersuchungshandlungen auf deren Grundstücken. F. Mit Schreiben vom 29. Juni 2015 sprachen sich A.____, B.____ (Eigentümer der Par- zelle Nr. B-xxx, Grundbuch [GB] K.____), F.____, G.____, H.____, I.____, J.____ (Eigentümer der Parzelle Nr. B-xxxy, GB K.____) sowie C.____ und D.____ (Eigentümer der Parzelle Nr. B- xyy, GB K.____), alle vertreten durch Dr. Nicolas Mosimann, Advokat, gegen die vorüberg e- hende Beanspruchung ihrer Grundstücke zur Vornahme diverser Untersuchungen (Bagge r- schlitze und Kernbohrungen) aus. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Beschluss Nr. 1280 vom 18. August 2015 bewilligte der Regierungsrat dem Tie f- bauamt des Kantons Basel-Landschaft auf den Parzellen B-xxx, B-xyy und B-xxxy, GB K.____, Untersuchungshandlungen vorzunehmen, wie sie sich aus dem Untersuchungsprogramm der M.____ AG vom 7. März 2012 ergeben und im Beschluss dargelegt wurden (Ziff. 1). Die Grundeigentümer der Parzellen B -xxx, B-xyy und B-xxxy, GB K.____, wurden verpflichtet, auf ihren Parzellen Untersuchungshandlungen, wie sie im Untersuchungsprogramm der M.____ AG vom 7. März 2012 grundsätzlich vorgesehen und im Beschluss geschildert wurden, zu dulden, die erforderlichen Zugangs- und Zutrittsrechte zu gewähren, die Messungen und Probeentna h- men zuzulassen und die Analysen zu dulden (Ziff. 2). Der Regierungsrat erwog im Wesentl i- chen, dass es sich beim vorliegenden Hochwasserbauprojekt um eine kantonale Nutzungspl a- nung handle, mit deren Erlass dem planenden Gemeinwesen auch das Enteignungsrecht g e- währt werde. Folglich dürften nach dem kantonalen Enteignungsgesetz notwendige vorbere i- tende Handlungen, wie bspw. Begehungen und Bohrungen, mit Bewilligung des Regierungsr a- tes gegen den Willen der Grundeigentümer erfolgen. Da für die geologisch-geotechnische Beur- teilung des Bodens zunächst nur Baggerschlitze erforderlich seien, und nur wenn die Resultate unsicher erschienen anschliessende Kernbohrungen zu erfolgen hätten, seien die geplanten Untersuchungshandlungen auf den Parzellen der betroffenen Grundeigentümer auch verhäl t- nismässig. H. Mit Eingabe vom 31. August 2015 haben A.____, B.____, C.____, D.____, E.____, F.____, G.____, H.____, I.____ und J.____, N.____ und die O.____ AG, alle vertreten durch Dr. Nicolas Mosimann, Advokat, beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs - und Verwa l- tungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde gegen den Beschluss des Regierungsrates Nr. 1280 vom 18. August 2015 erho ben. Sie stell en das Begehren, d er Entscheid des Regierungsrates sei aufzuheben (Ziff. 1), eventualiter sei der Entscheid aufzuheben und die Angelegenheit zur detaillierten Verfügung betreffend Dauer der vorbereitenden Handlung en an den Regierungsrat zurückzuweisen (Ziff. 2), dies unter o/e-Kostenfolge (Ziff. 3). In verfahrenstechnischer Hinsicht beantragen die Beschwerdeführer die Sistierung des Verfahrens bis zum Entscheid des Regi e- rungsrates im Verfahren betreffend Einsichtnahme in den Bericht zur Altlastenuntersuchung am Standort ‟Z.____” (Ziff. 1), eventualiter die Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einre i- chung der Beschwerdebegründung (Ziff. 2) und die Edition des geologisch -geotechnischen Un- tersuchungsprogrammes der Firma M.____ AG vom 7. März 2012 durch den Regierungsrat (Ziff. 3). In der Beschwerdebegründung vom 2. November 2015 zogen die Beschwerdeführer N.____ und O.____ AG ihre Beschwerden zurück. Die verbleibenden Beschwerdeführer präz i- sierten ihre Rechtsbegehren insofern, als sie nur ein Hauptbegehren stellten, nämlich die Auf- hebung des Beschlusses Nr. 1280 des Regierungsrates und die Rückweisung der Angelege n- heit an den Beschwerdegegner zur detaillierten Verfügung betreffend Dauer der vorbereitenden Handlung (Ziff. 1), unter o/e-Kostenfolge (Ziff. 2). Sie rügen im Wesentlichen, der Eingriff in ihre Eigentumsfreiheit sei unverhältnismässig, da der angefochtene Entscheid keine Angaben über die Dauer der Kernbohrungen enthalte. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Nach Anhörung des Beschwerdegegners und der beigeladenen Einwohnergemeinde K.____, wurde mit Verfügung vom 14. September 2015 das Gesuch der Beschwerdeführer um Sistierung des vorliegenden Verfahrens abgewiesen. J. Mit Vernehmlassung vom 3. Dezember 2015 beantragte der Beschwerdegegner die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Er wies insbesondere darauf hin, dass sich die von den Beschwerdeführern geltend gemachte Unverhältnismässigkeit lediglich auf die Ker n- bohrungen beziehe. Diese seien jedoch weit entfernt von den Überbauungen geplant und wü r- den maximal fünf Wochen dauern. Für die D auer sämtlicher Messungen sei insgesamt mit e i- nem Jahr zu rechnen. Die zu treffenden Massnahmen seien deshalb verhältnismässig. K. In der Stellungnahme vom 28. Januar 2016 betonten die Beschwerdeführer, dass nur die fehlende zeitliche Beschränkung der an geordneten Kernbohrungen Gegenstand des vorli e- genden Verfahrens bilde. Zudem sei der Beschwerdegegner auf die in der Vernehmlassung gemachten Zeitangaben zu behaften und anzuweisen, den Beschluss Nr. 1280 entsprechend zu ergänzen. L. In der Stellungnahme vom 9. Februar 2016 rügte der Beschwerdegegner, dass die Forderung der Beschwerdeführer, die Zeitangaben verbindlich in den angefochtenen Beschluss einzufügen, unverhältnismässig und inadäquat sei und lediglich dem Zweck diene, die Angel e- genheit durch Rückweisung an die Vorinstanz weiter zu verschleppen. M. Mit Verfügung vom 9. März 2016 wurde die Beschwerde der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 de s Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügungen und Entscheide des Regi e- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zulässig. Die B e- schwerdeführer sind als Adressate n vom angefochtenen Beschluss berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Da auch die übrigen formellen Voraussetzu n- gen erfüllt und sowohl die örtliche als auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichtes gegeben sind (vgl. Urt eil des Verwaltungsgerichtes [VGE] vom 6. Februar 1991, in: Basellan d- schaftliche Verwaltungsgerichtsentscheide [BLVGE] 1991 Nr. 10 E. 2), ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gemäss § 45 Ab s. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhaltes gerügt werden. Die Überprüfung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen verwehrt (vgl. § 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Die Beschwerdeführer rügen eine Verletzung der Eigentumsgarantie (Art. 26 Bunde s- verfassung [BV] vom 18. April 1999). Sie machen insbesondere geltend, dass der angefochtene Beschluss in Bezug auf die Baggerschlitze festhalte, dass die Arbeiten die bebauten und b e- wohnten Grundstücke der Beschwerdeführer einen Tag in Anspruch nehmen würden. Bei den geplanten Kernbohrungen bleibe aber unklar, mit welcher Dauer der Beeinträchtigung die B e- schwerdeführer rechnen müssten. Im angefochtenen Entscheid werde lediglich ausgeführt, dass die Standrohre längere Zeit im Boden blieben und alle zwei Wochen Messungen vorges e- hen seien. Aufgrund einer fehlenden zeitlichen Beschränkung seien diese Beeinträc htigungen unverhältnismässig. Die Angabe der Dauer der Kernbohrungen sei zudem auch mit Blick auf die Notwendigkeit einer Baubewilligung unerlässlich (vgl. Ziff. 10 der Beschwerdeeingabe vom 2. November 2015). 3.2 Dem entgegnet der Beschwerdegegner, dass aller Voraussicht nach entlang der Dammachse drei Kernbohrungen erforderlich seien. Deren Standorte lägen weit entfernt von den Überbauungen, in unmittelbarer Nähe des Baches (vgl. Rz. 35 der Vernehmlassung vom 3. Dezember 2015). Um Abklärungen bezüglich d es Grundwassers machen zu können, seien Piezometerschächte erforderlich, welche während der Dauer eines Jahres alle zwei Wochen kontrolliert werden müssten. Eine Messung nehme nicht mehr als eine Viertelstunde in A n- spruch (vgl. Rz. 40 der Vernehmlassung vom 3. Dezember 2015). Im Bereich der Dammwieder- lagefläche könnten zwei weitere Kernbohrungen erforderlich sein, welche aber wiederum weit von den nächsten Liegenschaften entfernt seien (vgl. Rz. 36 der Vernehmlassung vom 3. Dezember 2015). Für die Durchführ ung einer Kernbohrung und der erforderlichen Unters u- chungen seien zwei bis fünf Tage notwendig, für das Ausführen sämtlicher fünf Kernbohrungen würden somit (bei gestaffeltem Vorgehen) fünf Wochen benötigt (vgl. Rz. 38 der Vernehmla s- sung vom 3. Dezember 20 15). Die Dauer sämtlicher Messungen liege insgesamt bei einem Jahr (vgl. Rz. 41 der Vernehmlassung vom 3. Dezember 2015). Die begrenzte Dauer der vo r- sorglichen Baugrunduntersuchungen sei deshalb grundsätzlich allen klar (vgl. Rz. 43 der Ve r- nehmlassung vom 3. Dezember 2015). Im angefochtenen Entscheid sei zudem dargelegt wo r- den, dass nur so viel untersucht werden solle, als zur Beurteilung der geologisch - geotechnischen Situation effektiv erforderlich sei (vgl. Rz. 44 der Vernehmlassung vom 3. D e- zember 2015). 4. Vorliegend ist zunächst festzustellen, dass die den Beschwerdeführern auferlegte Pflicht zur Duldung der geplanten Vorbereitungshandlungen einen Eingriff in die von Art. 26 BV garantierte Eigentumsgarantie darstellt (vgl. BLVGE 1991 Nr. 10 E. 3). Ein Eingriff in die Eigen- tumsgarantie ist nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig: Er bedarf einer genügenden gesetzlichen Grundlage und eines überwiegenden öffentlichen Interesses und muss zudem verhältnismässig sein (vgl. BLVGE 1991 Nr. 10 E. 3 m.w.H.; ULRICH HÄFELIN/WALTER HALLER/ HELEN KELLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl., Zürich 2012, Rz. 302 ff. und 601 ff.). Ferner ist der Kerngehalt der Eigentumsgarantie unantastbar (vgl. Art. 36 Abs. 4 BV; KLAUS A. VALLENDER/PETER HETTICH, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], St. Galler Kommentar, Die schweizerische Bundesverfassung, 3. Aufl., St. Gallen 2014, Rz. 51 f. zu Art. 26 BV). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Bei einem leichten Eingriff in die Eigentumsgarantie ist das Erfordernis der gesetzli- chen Grundlage erfüllt, wenn der Eingriff in einem Gesetz im materiellen Sinn vorgesehen ist (vgl. BGE 109 Ia 188 E. 2; BGE 130 I 360 E. 1.2; Urteil des Bundesgerichtes 1C_3/2013, 1C_19/2013 vom 19. November 2013 E. 6.2). Für einen schweren Eingrif f ist eine klare und eindeutige Grundlage in einem formellen Gesetz erforderlich (vgl. Art. 36 Abs. 1 BV; BGE 130 I 360 E. 1.2). Da durch die streitgegenständlichen Vorbereitungshandlungen der bisherige oder künftig mögliche bestimmungsgemässe Gebrauch des Eigentums nicht massgeblich erschwert oder sogar verunmöglicht wird, handelt es sich vorliegend nicht um einen schweren Eingriff in die Eigentumsgarantie (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 1C_285/2007 vom 22. Mai 2008 E. 3.1). Eine klare und ausdrückliche Regelung in einem formellen Gesetz ist somit nicht erforderlich; es genügt eine materielle Rechtsgrundlage. 5.2 Der angefochtene Entscheid des Beschwerdegegners stützt sich auf § 15 Abs. 1 des Gesetzes über die Enteignung (EntG) vom 19. Juni 1950. Die Bes timmung sieht vor, dass Handlungen, die zur Vorbereitung eines Unternehmens, für das die Enteignung beansprucht werden kann, unumgänglich notwendig sind (wie Begehungen, Planaufnahmen, Ausstecku n- gen, Vermessungen und Bohrungen), mindestens fünf Tage vor der Vornahme dem Gemeinde- rat schriftlich angezeigt werden müssen. Dieser setzt die Interessenten davon in Kenntnis. W i- der den Willen des Eigentümers dürfen die Vorbereitungshandlungen nur mit Bewilligung des Regierungsrates erfolgen. § 15 EntG bildet somit e ine hinreichende gesetzliche Grundlage für die geplanten Untersuchungshandlungen, was von den Beschwerdeführern auch nicht in Frage gestellt wird. 6.1 Staatliche Eingriffe in das Eigentum müssen ferner durch ein öffentliches Interesse oder durch den Schu tz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt sein (vgl. Art. 36 Abs. 2 BV). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist grundsätzlich jedes öffentliche Interesse g e- eignet, einen Eingriff in das Eigentum zu rechtfertigen, sofern das angestrebte Ziel nicht r ein fiskalischer Natur ist oder gegen anderweitige Verfassungsnormen verstösst (vgl. BGE 106 Ia 94 E. 3a; Urteil des Bundesgerichtes 1C_455/2010 vom 7. Januar 2011 E. 3.3-3.5). Als legitime öffentliche Interessen werden in der Literatur unter anderem Inter essen der Raumplanung, des Umwelt- und Gewässerschutzes und des Natur - und Heimatschutzes anerkannt (vgl. ENRICO RIVA/THOMAS MÜLLER-TSCHUMI, Eigentumsgarantie, in: Thürer /Aubert/Müller [Hrsg.], Verfa s- sungsrecht der Schweiz – Droit constitutionnel sui sse, Zürich 2001, § 48, Rz. 18 m.w.H.; VALLENDER/HETTICH, in: Ehrenzeller /Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], a.a.O., Rz. 47 zu Art. 26 BV). 6.2 Das Vorliegen eines öffentlichen Interesses an den für die geologischen Untersuchu n- gen erforderlich en Vorbereitungshandlungen kann vorliegend nicht von der Hand gewiesen werden: Ein wirksamer Hochwasserschutz dient dem Schutz von Infrastruktur, Eigentum sowie Leib und Leben vor den Folgen von Naturgefahren. Beim Schutz von Mensch, Tier und Sachen vor Beeinträchtigungen durch Hochwasser handelt es sich um wichtige öffentliche Interessen (vgl. BGE 139 II 470 E. 4.2; BGE 115 Ib 472 E. 2e). Dies wird von den Parteien auch nicht b e- stritten. Es besteht damit ein wichtiges öffentliches Interesse an den streitge genständlichen Untersuchungshandlungen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Vorliegend strittig ist hingegen die Verhältnismässigkeit der allenfalls notwendigen Kernbohrungen (vgl. Urteilserwägungen 3.1 und 3.2). Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit (Art. 36 Abs. 3 BV) umfasst gemäss Lehre und Rechtsprechung drei Elemente, die kumulativ beachtet werden müssen: Die Verwaltungsmassnahme muss geeignet sein, das im öffentlichen Interesse angestrebte Ziel zu erreichen (Eignung der Massnahme). Ungeeignet ist eine Mas s- nahme dann, wenn sie am Ziel vorbeischiesst, d.h. keinerlei Wirkungen im Hinblick auf den a n- gestrebten Zweck entfaltet oder die Erreichung dieses Zwecks sogar erschwert oder verhindert. Zu prüfen ist also die Zwecktauglichkeit der Massnahme (BGE 124 I 40 E. 3e). Ferner muss die Verwaltungsmassnahme im Hinblick auf das im öffentlichen Interesse angestrebte Ziel erforder- lich sein (Erforderlichkeit der Massnahme); sie hat zu unterbleiben, wenn eine gleich geeignete, aber mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg ausreichen würde (vgl. ULRICH HÄFELIN/ GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich 2016, Rz. 527 ff.). Schliesslich ist eine Verwaltungsmassnahme nur gerechtfertigt (und damit zumu t- bar), wenn sie ein vernünftiges Verhältnis zwischen dem a ngestrebten Ziel und dem Eingriff, den sie für den betroffenen Privaten bewirkt, wahrt (Verhältnismässigkeit von Eingriffszweck und Eingriffswirkung, Verhältnismässigkeit im engeren Sinn oder Zumutbarkeit; vgl. Urteil des Kantonsgerichtes, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 10. November 2010 [810 09 447/355] E. 6.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 555 ff.). Im Planungsrecht kommt dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit im engeren Sinne eine besondere Bedeutung zu (vgl. PETER HÄNNI, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 5. Aufl., Bern 2008, S. 48 ff.). 7.2 Einleitend ist festzustellen, dass im angefochtenen Beschluss Nr. 1280 tatsächlich ke i- ne explizite zeitliche Beschränkung der Kernbohrungen angegeben ist. Im Besch luss Nr. 1280 wird jedoch mehrfach auf das Untersuchungsprogramm der Firma M.____ AG vom 7. März 2012 Bezug genommen und darauf verwiesen (vgl. die Beschreibung des Untersuchungspr o- jektes auf S. 2 ff., E. 3 und Dispositiv -Ziffer 1 und 2 des Beschlusses Nr. 1280). Das Untersu- chungsprogramm definiert das Vorprojekt am Standort ‟L.____”. Es sieht in einer ersten Phase der geologisch -geotechnischen Felduntersuchungen vier Baggerschlitze zur Sondierung der Fundationsverhältnisse entlang der Dammachse und zwei be im Rückhalterechen vor (vgl. Ziff. 2.2 des geologisch -geotechnischen Untersuchungsprogrammes). Bei unsicheren R e- sultaten aus den Baggerschlitzen empfiehlt das Untersuchungsprogramm drei, allenfalls fünf, Kernbohrungen (vgl. Ziff. 2.3 des geologisch-geotechnischen Untersuchungsprogrammes). Die- se seien auf das Gebiet in unmittelbarer Nähe des Baches (Kernbohrungen 1 -3, vgl. Situation der Sondierstandorte im Anhang 1 des Untersuchungsprogrammes) und in den äusseren B e- reichen der Dammaufstandsfläche, unmittelba r am Zugangsweg nördlich und südlich des B a- ches, beschränkt (Kernbohrungen 4 und 5; vgl. Situation der Sondierstandorte im Anhang 1 des Untersuchungsprogrammes). Der zeitliche Ablauf der Untersuchungen wird in Ziff. 4 des geol o- gisch-geotechnischen Untersuchungsprogrammes definiert und als Ablaufdiagramm im Anhang 2 des Untersuchungsprogrammes detailliert veranschaulicht. Dem Ablaufdiagramm ist zu en t- nehmen, dass das Programm für die Untersuchungen vom Zeitpunkt der Genehmigung bis zum Baubeginn insgesamt 61 Wochen vorsieht. Die Vornahme aller fünf Kernbohrungen würde sich Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht über eine Zeitdauer von ca. fünf Wochen erstrecken (vgl. Ablaufdiagramm im Anhang 2 des Untersuchungsprogrammes; Rz. 38 der Vernehmlassung vom 3. Dezember 2015). Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführer ergeben sich die vorgesehenen und mit dem Beschluss Nr. 1280 genehmigten Kernbohrungen sowohl in inhaltlicher wie auch in zeitl i- cher Hinsicht aus den Erwägungen und den Verweisen auf das von Fachexperten ausgearbe i- tete geologisch-geotechnische Untersuchungsprogramm im Beschluss Nr. 1280. Das Unters u- chungsprogramm befindet sich in den behördlichen Akten und bildet Bestandteil des angefoc h- tenen Entscheides (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes B -253/2012 vom 8. März 2012 E. 4.2). Dem Beschluss Nr. 1280 lässt sich somit entnehmen, welche Projektdauer die Ker n- bohrungen schätzungsweise umfassen. Die Beschwerdeführer hatten anlässlich der zahlre i- chen aktenkundigen Besprechungen mit den Behörden Gelegenheit, sich ein hinreichendes Bild von den geplanten Untersuchungshandlungen zu machen. Im Übrigen war es ihnen auch ohne weiteres möglich und zumutbar, das im Beschluss Nr. 1280 mehrfach erwähnte Unters u- chungsprogramm einzusehen und so den zeitlichen Umfang der Handlungen abzuschätzen (vgl. auch BGE 124 II 146 E. 2b). Dem Beschwerdegegner kann somit nicht vorgeworfen we r- den, keine zeitliche Beschränkung der Kernbohrungen verfügt und damit das Verhältnismässi g- keitsprinzip verletzt zu haben. Zudem wurde die vom Beschwerdegegner im Verlauf des v orlie- genden Verfahrens bestätigte Dauer von maximal fünf Wochen für die Durchführung der Ker n- bohrungen (vgl. Rz. 42 f. der Vernehmlassung vom 3. Dezember 2015) von den Beschwerd e- führern nicht beanstandet (vgl. Stellungnahme vom 28. Januar 2016, S. 2). An d ieser Stelle ist deshalb die Verhältnismässigkeit der vorgesehenen Dauer der Kernbohrungen nicht näher zu prüfen. Angesichts der oben gemachten Ausführungen erweist sich die Beschwerde als unb e- gründet und ist somit abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden gestützt auf § 20 Abs. 1 VPO in Verbindung mit § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Bei der Ver- legung der Verfahrenskosten ist vorliegend dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die B e- schwerdeführer im Verlauf des Verfahrens den Verfahrensgegenstand auf eine einzelne Frage eingeschränkt haben. Den Beschwerdeführern sind demnach reduzierte Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘100. -- in solidarischer Haftung aufzuerlegen und mit dem geleisteten Ko s- tenvorschuss von Fr. 2‘200.-- zu verrechnen. Der zu viel geleistete Kostenvorschuss i n der Hö- he von Fr. 1‘100. -- ist den Beschwerdeführern zurückzuerstatten. Als unterliegende Partei h a- ben die Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. § 21 Abs. 1 VPO). Die Parteikosten sind demzufolge wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘100. -- werden den B e- schwerdeführern in solidarischer Verbindung auferlegt und mit dem g e- leisteten Kostenvorschuss von Fr. 2‘200.-- verrechnet. Der zuviel bezahl- te Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘100. -- wird den Beschwerd e- führern zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin