<h2>SubmittedText<h2><p>Es ist durchaus verständlich, dass die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) nicht Rollmaterial auf Vorrat besitzen, um eine Extremsituation, wie sie sich nach dem Orkan Lothar stellt, zu bewältigen. Die hierzu erfolgte Kritik ist denn auch (mindestens teilweise) fehl am Platz. Einige Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang trotzdem.</p><p>Durch das Überangebot an Rundholz, hervorgerufen durch den Orkan Lothar, besteht auf dem Holzbinnenmarkt ein Absatzproblem. Deshalb setzt die Branche auf den Export. Momentan kann in grossen Mengen an italienische und österreichische Sägewerke geliefert werden. Doch der Absatz krankt am Abtransport des Holzes durch die Bahn. Die SBB sind offensichtlich überlastet. Rund 2000 Waggons werden pro Woche bestellt, diese sind aber oft nicht vorhanden. Die Waldbesitzer monieren überdies, dass die Zuteilung der Waggons willkürlich erfolge. Deshalb wird momentan des Öfteren das Holz per Lastwagen an die Grenze transportiert, wo es dann auf Bahnwaggons verladen wird und den Weg in die österreichischen Sägereien findet. In den Kantonen Zürich, Schaffhausen und Aargau hat man auf diese Weise bereits viel Sturmholz abführen können.</p><p>Im Hinblick auf die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene verursacht die jetzige Situation Sorgenfalten. Zudem sind die Tarife für den Holztransport per Bahn im internationalen Vergleich sehr hoch.</p><p>1. Welche Strategie verfolgen der Bundesrat und die SBB, um das besagte Logistikproblem zu lösen?</p><p>2. Sind die SBB bereit, ihre Tarifstruktur für die Transporte per Bahn in Ausnahmesituationen zu überdenken?</p><p>3. Ab wann sind die SBB bezüglich Rollmaterial auf die zu erwartende allgemein höhere Nachfrage nach Gütertransport gerüstet?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat verweist auf seine Antwort zur Frage Aeschbacher (00.5019) in der Fragestunde vom 13. März 2000.</p><p>Er ist für den unternehmerischen Bereich der SBB nicht zuständig, hat ihr die Fragen jedoch unterbreitet. Die SBB nehmen wie folgt Stellung:</p><p>"1. Die SBB setzen alles daran, möglichst rasch eine möglichst grosse Holzmenge zu transportieren. Zugemietete Wagen sowie spezielle Betriebskonzepte mit den ausländischen Bahnen sollen dazu beitragen.</p><p>Die SBB setzen im Exportverkehr nach Österreich rund 500 Wagen ein. Weitere 400 Wagen laufen im Binnenverkehr und im Export nach Italien und Deutschland. Von diesen im Zusammenhang mit Lothar eingesetzten Wagen sind 300 Einheiten angemietet.</p><p>Ein Anmieten weiterer Wagen wäre im Moment nicht sinnvoll. Den Engpass bilden die Entlademöglichkeiten auf den Empfangsbahnhöfen und die Verarbeitung des Holzes in den Sägewerken.</p><p>2. Die Abwicklung des Güterverkehrs der SBB hat nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen zu erfolgen. Zur Bewältigung der enormen Holzmengen betreiben die SBB einen in verschiedener Hinsicht - insbesondere auch finanziell - aussergewöhnlich hohen Aufwand. Diesen Umständen ist auch preislich Rechnung zu tragen.</p><p>3. Die Vorhaltung des Rollmaterials der Eisenbahnen richtet sich nach der Nachfrage in 'Normalsituationen'. Durch die Poolbildung der Wagen innerhalb der europäischen Bahnen ist es möglich, dass bei extremer Nachfrage im Bereich einzelner Bahnen auf Rollmaterial von anderen Gesellschaften zurückgegriffen werden kann.</p><p>Bei der SBB werden sich im Zusammenhang mit dem Joint Venture von SBB-Cargo mit dem Güterverkehr der italienischen Staatsbahnen FS vermehrt Möglichkeiten des Ausgleichs öffnen. Das Joint Venture tritt auf den 1. Oktober 2000 in Kraft. Die SBB gehen davon aus, dass sich danach diese Zusammenarbeit positiv auswirken wird.</p><p>Der Bestand an Güterwagen wird kontinuierlich aufgrund der Nachfrage erneuert. Ältere und kleinere Güterwagen werden durch neue mit grösserer Transportkapazität ersetzt. Im Moment werden moderne Getreidesilo- und Schiebewandwagen beschafft.</p><p>Nicht nur die Bahnen, sondern auch die privaten Transportgesellschaften erneuern und ergänzen stetig ihren Wagenpark (beispielsweise Containertragwagen der Firma Hupac).</p><p>Gesamthaft darf erwähnt werden, dass die Bahnen für den erwarteten Anstieg im Gütertransport gerüstet sind und sich gegenseitig bei Spitzenbedarf mit Wagen aushelfen."</p>  Antwort des Bundesrates.