<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 118 S.448</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">448</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>118 Festlegung der Bewilligungsgebühr für die Errichtung von temporären</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Reklamen entlang der Kantonsstrasse.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Baubewilligungspflicht der Strassensreklamen; Verhältnis zwischen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bundesrecht und kantonalem Recht (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Überprüfung der Gebühr für die strassenverkehrsrechtliche Bear-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>beitung des Strassenreklamegesuches (Erw. 4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 12. September 2007 i.S. C.W.</span><br/> <span class="ft3">GmbH gegen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom</span><br/> <span class="ft3">7. Februar 2007.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft1">1. Die beiden Gebührenverfügungen der Abteilung für Baube-</span><br/> <span class="ft1">willigungen des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) set-</span><br/> <span class="ft1">zen sich aus je drei verschiedenen Positionen zusammen, nämlich</span><br/> <span class="ft1">aus einer Behandlungsgebühr für das als Baugesuch entgegen ge-</span><br/> <span class="ft1">nommene Werbeprojekt der Beschwerdeführerin in der Höhe von je</span><br/> <span class="ft1">Fr. 300.-, aus einer Unkostenpauschale von je Fr. 15.- und aus</span><br/> <span class="ft1">Fr. 500.- bzw. Fr. 250.- für die strassenverkehrsrechtliche Bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung der ein- und doppelseitigen Werbeträger. Es ergibt sich eine</span><br/> <span class="ft1">Summe von Fr. 815.- für den Standort H. und von Fr. 565.- für den</span><br/> <span class="ft1">Standort R., insgesamt Fr. 1'380.-.</span><br/> <span class="ft1">2. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.2. In ihrer Verfügung vom 7. Februar 2007 subsumierte die</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz die Werbeträger der Beschwerdeführerin unter § 6 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">lit. c des Gesetzes über Raumplanung, Umweltschutz und Bauwesen</span><br/> <span class="ft1">(Baugesetz, BauG) vom 19. Januar 1993, indem sie davon ausging,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">449</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">diese seien ähnlich zu behandeln wie Schaukästen, denn die Werbe-</span><br/> <span class="ft1">träger seien künstlich hergestellte Objekte, welche die Umwelt zu be-</span><br/> <span class="ft1">einflussen vermöchten.</span><br/> <span class="ft1">Bei den Werbeträgern der Beschwerdeführerin handelt es sich</span><br/> <span class="ft1">um mit Transparenten bespannte mobile Absperrgitter (sog. Polizei-</span><br/> <span class="ft1">gitter), diese sind etwa 1.10 m hoch und rund 2 m lang, weisen eine</span><br/> <span class="ft1">Fläche von etwa 2.25 m² auf und standen vom 14. bis 18. Februar</span><br/> <span class="ft1">2007, also während knapp fünf Tagen, entlang der Kanntonsstrassen</span><br/> <span class="ft1">K X und K Y in H. sowie an der K Z in R.. Sie standen jeweils in ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Abstand von 3 bis 5 m zum Fahrbahnrand und wurden auf pri-</span><br/> <span class="ft1">vatem Grund mit dem Einverständnis der Grundeigentümer aufge-</span><br/> <span class="ft1">stellt. Die Absperrgitter wurden nicht im Untergrund verankert oder</span><br/> <span class="ft1">eingegraben, sondern lediglich auf diesem aufgestellt. Es zu prüfen,</span><br/> <span class="ft1">ob es sich hier um Bauten im Sinne des Baugesetzes handelt.</span><br/> <span class="ft1">2.3. In § 6 Abs. 1 umschreibt das Baugesetz den Begriff der</span><br/> <span class="ft1">Baute. Grundsätzlich ist eine Baute vorab eine auf Dauer fest mit</span><br/> <span class="ft1">dem Boden verbundene Einrichtung. Es handelt sich mit anderen</span><br/> <span class="ft1">Worten um eine Investition, die bei einer Rechtsänderung nicht ein-</span><br/> <span class="ft1">fach an einen anderen Ort verschoben werden kann (Ernst Kistler/-</span><br/> <span class="ft1">René Müller, Baugesetz des Kantons Aargau, 2. Auflage, Brugg</span><br/> <span class="ft1">2002, § 6 N 2; AGVE 1985, S. 277, Erw. 3a).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Bundesgericht sind Bauten und Anlagen jene künstlich</span><br/> <span class="ft1">geschaffenen und auf Dauer angelegten Einrichtungen, die in fester</span><br/> <span class="ft1">Beziehung zum Erdboden stehen und geeignet sind, die Vorstellung</span><br/> <span class="ft1">über die Nutzungsordnung zu beeinflussen, sei es, dass sie den Raum</span><br/> <span class="ft1">äusserlich erheblich verändern, die Erschliessung belasten oder die</span><br/> <span class="ft1">Umwelt beeinträchtigen.</span><br/> <span class="ft1">Obwohl es sich bei den Werbeträgern der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">unbestrittenermassen um künstlich geschaffene Objekte handelt,</span><br/> <span class="ft1">fehlt es ihnen am wichtigsten Kriterium, welches für das Vorhanden-</span><br/> <span class="ft1">sein einer Baute oder Anlage im Sinne der Baugesetzgebung spricht,</span><br/> <span class="ft1">nämlich an der festen Verbindung mit dem Boden. Auch eine erheb-</span><br/> <span class="ft1">liche Veränderung des Raums kann wegen der kleinen Fläche und</span><br/> <span class="ft1">der sehr kurzen Zeit, während der sie am Ort verbleiben, ausge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen werden (siehe dazu auch unten, Erw. 2.5.). Gleiches ist in</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">450</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Bezug auf eine mögliche Belastung der Erschliessung oder eine Be-</span><br/> <span class="ft1">einträchtigung der Umwelt zu sagen.</span><br/> <span class="ft1">2.4. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Juli 2007 stellte sich die</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz auf den Standpunkt, es handle sich bei den in Frage ste-</span><br/> <span class="ft1">henden Werbeträgern um Fahrnisbauten, welche über nicht unerheb-</span><br/> <span class="ft1">liche Zeit ortsfest verwendet würden. Da diese im Unterabstand</span><br/> <span class="ft1">(3 bis 5 m) zur Kantonsstrasse aufgestellt worden seien, habe man</span><br/> <span class="ft1">gemäss der verwaltungsgerichtlichen Praxis eine Ausnahmebewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung nach § 67 BauG erteilen müssen. Die Vorinstanz führt aus, die</span><br/> <span class="ft1">zu beurteilenden Werbeträger seien ähnlich wie Baracken oder Stän-</span><br/> <span class="ft1">de zu behandeln. Insbesondere müsse hier die Verbindung zum Bo-</span><br/> <span class="ft1">den so stabil sein, dass die Verkehrssicherheit nicht durch Wegwehen</span><br/> <span class="ft1">der Fahrnisbauten gefährdet werde. Dies müsse selbstverständlich</span><br/> <span class="ft1">auch für die Absperrgitter der Beschwerdeführerin gelten, welche mit</span><br/> <span class="ft1">darübergestülpten Reklamen eine relativ grosse Angriffsfläche für</span><br/> <span class="ft1">den Wind böten (Segelwirkung).</span><br/> <span class="ft1">§ 30 Abs. 2 lit. c der Allgemeinen Verordnung zum Baugesetz</span><br/> <span class="ft1">(ABauV) vom 23. Februar 1994 bestimmt, dass Materialablagerun-</span><br/> <span class="ft1">gen und Fahrnisbauten, wie Festhütten, Zelte, Hütten, Buden, Ba-</span><br/> <span class="ft1">racken, Stände und dergleichen bis zu einer Dauer von 2 Monaten in</span><br/> <span class="ft1">den Bauzonen keiner Baubewilligung bedürfen, unter Vorbehalt ab-</span><br/> <span class="ft1">weichender Nutzungsvorschriften für bestimmte Schutzzonen. Nur</span><br/> <span class="ft1">wenn eine Ausnahmebewilligung nötig ist, muss gemäss § 30 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">ABauV ein Baubewilligungsverfahren durchgeführt werden. Träger</span><br/> <span class="ft1">für temporäre Veranstaltungsreklamen sind in der allerdings nicht ab-</span><br/> <span class="ft1">schliessenden Aufzählung von § 30 Abs. 2 lit. c ABauv nicht er-</span><br/> <span class="ft1">wähnt.</span><br/> <span class="ft1">Ob die Werbeträger der Beschwerdeführerin unter diese Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmung subsumiert werden können, ist im Lichte der bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richtlichen Praxis zum Begriff der Fahrnisbauten zu prüfen. Danach</span><br/> <span class="ft1">handelt es sich bei Fahrnisbauten um Gebilde, welche über nicht un-</span><br/> <span class="ft1">erhebliche Zeiträume ortsfest verwendet werden (BGE 123 II 256,</span><br/> <span class="ft1">259; BGE 120 Ib 379 E. 3c; BGE 119 Ib 222 E 3a; 118 Ib 1 E. 2c je</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweis[en]). Die Baubewilligungspflicht soll der Behörde er-</span><br/> <span class="ft1">möglichen, das Bauprojekt - in Bezug auf seine räumlichen Folgen -</span><br/> <span class="ft1">vor seiner Ausführung auf die Übereinstimmung mit der raumplane-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">451</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rischen Nutzungsordnung und der übrigen einschlägigen Gesetzge-</span><br/> <span class="ft1">bung zu überprüfen (BGE 123 II 256, E.3.). Massstab dafür, ob eine</span><br/> <span class="ft1">bauliche Massnahme erheblich genug ist, um sie dem Baubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungsverfahren zu unterwerfen, ist somit die Frage, ob mit der Reali-</span><br/> <span class="ft1">sierung der Baute oder Anlage im Allgemeinen und nach dem ge-</span><br/> <span class="ft1">wöhnlichen Lauf der Dinge, so wichtige räumliche Folgen verbun-</span><br/> <span class="ft1">den sind, dass ein Interesse der Öffentlichkeit oder der Nachbarn an</span><br/> <span class="ft1">einer vorgängigen Kontrolle besteht (BGE 120 Ib 379 S. 384).</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall wurde deshalb ein Baubewilligungsver-</span><br/> <span class="ft1">fahren durchgeführt, weil die Werbeträger der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">nicht die in § 111 Abs. 1 lit. a BauG für Bauten vorgeschriebenen</span><br/> <span class="ft1">Abstände einhielten und die Vorinstanz deshalb der Meinung war, sie</span><br/> <span class="ft1">bedürften einer Ausnahmebewilligung im Sinne von § 67 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">BauG. § 30 Abs. 3 ABauV schreibt für an sich baubewilligungsfreie</span><br/> <span class="ft1">Bauten und Anlagen dann die Durchführung eines Baubewilligungs-</span><br/> <span class="ft1">verfahrens vor, wenn eine Ausnahmebewilligung erforderlich ist. Die</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz stützt das durchgeführte Baubewilligungsverfahren auf</span><br/> <span class="ft1">die verwaltungsgerichtliche Praxis ab und zitiert dazu einen Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichtsentscheid (AGVE 2006 S. 159 ff.).</span><br/> <span class="ft1">In Bezug auf die Strassenabstandsvorschriften äusserte sich das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht in diesem Entscheid in klarer Weise zum Verhält-</span><br/> <span class="ft1">nis der bundesrechtlichen Strassenabstandsvorschriften von Art. 97</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 der Signalisationsverordnung vom 5. September 1979 (SSV)</span><br/> <span class="ft1">zu den Abstandsvorschriften von § 111 Abs. 1 lit. a BauG. Es hielt</span><br/> <span class="ft1">fest, dass das Bundesrecht die Aspekte der Verkehrssicherheit ab-</span><br/> <span class="ft1">schliessend regle, deshalb entfalle bei der Beurteilung einer Aus-</span><br/> <span class="ft1">nahmebewilligung nach § 67 Abs. 1 BauG im Zusammenhang mit</span><br/> <span class="ft1">Strassenreklamen der Verkehrssicherheitsaspekt, sofern der vom</span><br/> <span class="ft1">Bundesrecht vorgegebene Mindestabstand und die übrigen Vorgaben</span><br/> <span class="ft1">eingehalten seien. Inzwischen wurde die Signalisationsverordnung</span><br/> <span class="ft1">revidiert und die Abstandsvorschriften wurden gestrichen. Am</span><br/> <span class="ft1">Grundsatz, dass die Verkehrssicherheitsaspekte im Lichte der Bun-</span><br/> <span class="ft1">desgesetzgebung zu prüfen sind und nicht im Licht des kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Baurechts, ändert sich dadurch jedoch nichts. Mit anderen Worten</span><br/> <span class="ft1">bleibt nur dann Raum für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung</span><br/> <span class="ft1">von den Abstandsvorschriften nach § 111 Abs. 1 lit. a BauG, wenn es</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">452</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sich beim zu prüfenden Werbeträger um eine Baute im Sinne der</span><br/> <span class="ft1">Baugesetzgebung handelt, für die ohnehin ein Baubewilligungsver-</span><br/> <span class="ft1">fahren nötig wäre, dies weil bei Bauten andere Aspekte (z.B. Frei-</span><br/> <span class="ft1">haltung für künftigen Strassenausbau, Ortsbildschutz, Zonenkonfor-</span><br/> <span class="ft1">mität) zu berücksichtigen sind. Dies war denn auch der dem Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgerichtsurteil zugrunde liegende Sachverhalt. Wenn jedoch</span><br/> <span class="ft1">keine Baute im Sinn von § 6 Abs. 1 BauG vorliegt, ergibt sich aus</span><br/> <span class="ft1">der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung, dass nicht aufgrund</span><br/> <span class="ft1">von § 30 Abs. 3 ABauV in Verbindung mit § 111 Abs. 1 lit. a BauG</span><br/> <span class="ft1">ein Baubewilligungsverfahren durchgeführt werden kann; wenn le-</span><br/> <span class="ft1">diglich Aspekte der Verkehrssicherheit betroffen sind, kommt die ab-</span><br/> <span class="ft1">schliessende bundesrechtliche Regelung der Signalisationsverord-</span><br/> <span class="ft1">nung zur Anwendung. Die kantonalen Abstandsvorschriften sind in</span><br/> <span class="ft1">diesem Zusammenhang nicht anwendbar (AGVE 2006 S. 161).</span><br/> <span class="ft1">2.5. Es ist äusserst fraglich, ob die Werbeträger mit einer Fläche</span><br/> <span class="ft1">von lediglich 2.25 m</span><span class="ft6"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">überhaupt geeignet sind, die Umwelt zu beein-</span><br/> <span class="ft1">flussen, jedenfalls dann, wenn sie nur während weniger Tage aufge-</span><br/> <span class="ft1">stellt bleiben. Das Interesse der Öffentlichkeit, bzw. der Nachbarn an</span><br/> <span class="ft1">einer vorgängigen Prüfung unter anderen Aspekten als denjenigen</span><br/> <span class="ft1">der Verkehrssicherheit (z.B. in Bezug auf den Landschafts- und</span><br/> <span class="ft1">Ortsbildschutz, Freihaltung des Strassenrands für den zukünftigen</span><br/> <span class="ft1">Landerwerb) ist vorliegend nicht gegeben, vor allem, weil es sich um</span><br/> <span class="ft1">eine einmalige, auf sehr kurze Zeit befristete Aktion handelte. Wür-</span><br/> <span class="ft1">den die Werbehussen immer wieder, mit wechselnden Plakaten be-</span><br/> <span class="ft1">spannt, am selben Ort aufgestellt, würden sie denselben Zweck er-</span><br/> <span class="ft1">füllen, wie eine fest im Boden einbetonierte Plakatanschlagsstelle</span><br/> <span class="ft1">und die Prüfung unter baurechtlichen Aspekten wäre gerechtfertigt.</span><br/> <span class="ft1">Eine Beeinflussung von Raum und Umwelt müsste auch dann als ge-</span><br/> <span class="ft1">geben angesehen werden, wenn die Werbeträger über einen Zeitraum</span><br/> <span class="ft1">von mehreren Wochen aufgestellt blieben und sich somit ebenfalls</span><br/> <span class="ft1">eine Annäherung an feststehende Plakatständer ergeben würde. Im</span><br/> <span class="ft1">hier vorliegenden Fall ist dies jedoch nicht der Fall. Die Werbe-</span><br/> <span class="ft1">hussen wurden am 12. Februar 2007 aufgestellt und am 18. Februar</span><br/> <span class="ft1">2007 wieder entfernt. Eine Beeinflussung der Raumordnung kann</span><br/> <span class="ft1">somit ausgeschlossen werden. Alle von der Vorinstanz gegen die</span><br/> <span class="ft1">Werbeträger vorgebrachten Argumente (Angriffsfläche für den Wind,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">453</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[vgl. ...]; Ablenkung der Verkehrsteilnehmer, [vgl. ...]) zielen denn</span><br/> <span class="ft1">auch auf die Verkehrssicherheit und nicht auf die Raumordnung ab.</span><br/> <span class="ft1">Somit ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall keine Fahrnis-</span><br/> <span class="ft1">baute im Sinne des Baurechts und der bundesgerichtlichen Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung gegeben ist. Die mit der Aufstellung der hier zu beurtei-</span><br/> <span class="ft1">lenden Werbeträger verbundenen Folgen sind nicht derart gewichtig,</span><br/> <span class="ft1">dass ein Interesse der Öffentlichkeit oder der Nachbarn an einer vor-</span><br/> <span class="ft1">gängigen Kontrolle besteht, welche über die Aspekte der Verkehrssi-</span><br/> <span class="ft1">cherheit hinausginge. Somit bleibt im Sinne der verwaltungsgericht-</span><br/> <span class="ft1">lichen Rechtsprechung kein Raum für eine Ausnahmebewilligung</span><br/> <span class="ft1">nach § 67 Abs. 1 BauG, denn es sind lediglich Aspekte der Ver-</span><br/> <span class="ft1">kehrssicherheit zu prüfen. Die Vorinstanz hat das Gesuch der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin somit zu Unrecht einem Baubewilligungsverfahren</span><br/> <span class="ft1">unterzogen. Damit erweist sich auch die Erhebung von Behand-</span><br/> <span class="ft1">lungsgebühren in der Höhe von je Fr. 300.- als nicht gerechtfertigt.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerde ist folglich in diesem Punkt gutzuheissen.</span><br/> <span class="ft1">3. (...)</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1. Zu überprüfen bleiben folglich die in Rechnung gestellten</span><br/> <span class="ft1">Gebühren für die strassenverkehrsrechtliche Bewilligung in der Höhe</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 500.- in H. und Fr. 250.- in R.</span><br/> <span class="ft1">4.2. Bei der Erhebung von Gebühren und Abgaben ist das</span><br/> <span class="ft1">Äquivalenzprinzip zu beachten. Dieses besagt, dass die Höhe der</span><br/> <span class="ft1">Gebühr im Einzelfall in einem vernünftigen Verhältnis zum objekti-</span><br/> <span class="ft1">ven Wert der Leistung stehen muss. Bei der Gebührenbemessung</span><br/> <span class="ft1">dürfen neben dem Aufwand für die Prüfung und Bewilligungsertei-</span><br/> <span class="ft1">lung unter anderem auch folgende Gesichtspunkte mitberücksichtigt</span><br/> <span class="ft1">werden: die sich mit der betreffenden amtlichen Handlung verbin-</span><br/> <span class="ft1">dende Verantwortung, das Interesse der Pflichtigen an der gebühren-</span><br/> <span class="ft1">pflichtigen Handlung bzw. der Wert, den die staatliche Leistung für</span><br/> <span class="ft1">die Abgabepflichtigen hat, und schliesslich die wirtschaftliche Leis-</span><br/> <span class="ft1">tungsfähigkeit der Gebührenpflichtigen. Bei dieser grundsätzlich auf</span><br/> <span class="ft1">den konkreten Fall ausgerichteten Berechnungsweise ist aus Gründen</span><br/> <span class="ft1">der Verfahrensökonomie jedoch auch eine gewisse Pauschalisierung</span><br/> <span class="ft1">der Gebühr zulässig. Die Relation zwischen Höhe der Gebühr und</span><br/> <span class="ft1">Wert der Leistung muss aber bestehen bleiben (vgl. zum Ganzen:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">454</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">BGE 130 III 229 f.;</span> <span class="ft1">Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann,</span><br/> <span class="ft1">Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zürich 2006, N 2641;</span><br/> <span class="ft1">Max Imboden/René A. Rhinow, Schweizerische Verwaltungsrecht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung, 6. Auflage, Basel 1986, Band II, Nr. 110 B I; René A.</span><br/> <span class="ft1">Rhinow/Beat Krähenmann, Schweizerische Verwaltungsrecht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung, Ergänzungsband, Basel 1990, Nr. 110 B V).</span><br/> <span class="ft1">4.3. Die dritte Position der beiden Gebührenverfügungen vom</span><br/> <span class="ft1">7. Februar 2007 stützt sich auf § 14 lit. g der Verordnung über die</span><br/> <span class="ft1">Steuern, Abgaben und Gebühren im Strassenverkehr vom 5. Novem-</span><br/> <span class="ft1">ber 1984. Es handelt sich um Gebühren für die Bewilligung von Re-</span><br/> <span class="ft1">klamen, Betriebs- und Hotelreklamen, welche durch Art. 99 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">der Signalisationsverordnung vom 5. September 1979 (SSV) für be-</span><br/> <span class="ft1">willigungspflichtig erklärt werden. Ziel der Bewilligungspflicht ist</span><br/> <span class="ft1">es, sicherzustellen, dass die Strassenreklamen die Verkehrssicherheit</span><br/> <span class="ft1">nicht beeinträchtigen. Die Höhe der Gebühren bewegt sich in einem</span><br/> <span class="ft1">Rahmen von Fr. 20.- bis Fr. 750.- (§ 14 lit. g der Verordnung über</span><br/> <span class="ft1">die Steuern, Abgaben und Gebühren im Strassenverkehr); dazu hat</span><br/> <span class="ft1">die Vorinstanz ein Merkblatt mit dem Titel ,,Gebühren für die stras-</span><br/> <span class="ft1">senverkehrsrechtliche Bearbeitung von Strassenreklamegesuchen"</span><br/> <span class="ft1">(Merkblatt, RM.TV.002 vom 22.</span> <span class="ft1">Oktober 2004, abrufbar unter</span><br/> <span class="ft1">www.ag.ch/strassenreklamen/de/pub/index.php) erlassen. Dieses</span><br/> <span class="ft1">fixiert die zu erhebende Gebühr für temporäre Veranstaltungsrekla-</span><br/> <span class="ft1">men auf Fr. 100.-.</span><br/> <span class="ft1">4.4. Es ist durchaus zulässig, im Sinne einer einheitlichen und</span><br/> <span class="ft1">rechtsgleichen Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen Merk-</span><br/> <span class="ft1">blätter wie das oben (4.3.) genannte zu verfassen und bei der Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheidfällung beizuziehen. Dies darf jedoch nicht darüber hinweg-</span><br/> <span class="ft1">täuschen, dass es sich lediglich um eine Richtlinie handelt, welche</span><br/> <span class="ft1">die verfügende Behörde nicht davon dispensiert, das ihr in den ein-</span><br/> <span class="ft1">schlägigen Rechtsgrundlagen eingeräumte Ermessen im Einzelfall</span><br/> <span class="ft1">auch anzuwenden und also die Richtlinie den Umständen des Einzel-</span><br/> <span class="ft1">falles anzupassen. Wo der Gesetzgeber Ermessen einräumt, erwartet</span><br/> <span class="ft1">er von den Verwaltungsbehörden, dass sie sachliche Unterscheidun-</span><br/> <span class="ft1">gen treffen und den besonderen Umständen des konkreten Falls an-</span><br/> <span class="ft1">gemessene Rechtsfolgen anordnen. Tun sie dies nicht, liegt eine so</span><br/> <span class="ft1">genannte Ermessensunterschreitung vor, welche eine Rechtsverlet-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">455</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zung darstellt, denn die Behörden verzichten auf sachliche Unter-</span><br/> <span class="ft1">scheidungen, wo der Gesetzgeber einen differenzierten Entscheid für</span><br/> <span class="ft1">nötig hält (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 471). Es ist also stets</span><br/> <span class="ft1">zu überlegen, ob die Gebührenauferlegung dem Einzelfall angemes-</span><br/> <span class="ft1">sen ist.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz hat bei der Festsetzung der Gebühr den im</span><br/> <span class="ft1">Merkblatt genannten Betrag mit der Anzahl der bewilligten Werbe-</span><br/> <span class="ft1">ständer multipliziert. Bei den beiden doppelseitig bespannten Rekla-</span><br/> <span class="ft1">meständern wurde die Einzelgebühr praxisgemäss auf Fr. 150.- er-</span><br/> <span class="ft1">höht. Diese Betrachtungsweise wird indessen den konkreten Verhält-</span><br/> <span class="ft1">nissen nicht gerecht. Bei der Multiplikation der im Merkblatt vorge-</span><br/> <span class="ft1">sehenen Gebühr mit der Anzahl der bewilligten Werbeträger wären</span><br/> <span class="ft1">nämlich sehr schnell Gesamtbeträge erreicht, welche nicht nur die</span><br/> <span class="ft1">gesetzliche Obergrenze von Fr. 750.- übersteigen würden, sondern</span><br/> <span class="ft1">auch in keinem vernünftigen Verhältnis zum Wert der Leistung mehr</span><br/> <span class="ft1">stünden - wäre doch beispielsweise im vorliegenden Fall bei Bewil-</span><br/> <span class="ft1">ligung aller zwölf Werbeträger bereits eine Gebühr von Fr. 1'200.-</span><br/> <span class="ft1">oder noch mehr fällig, denn bei beidseitig bedruckten Reklamen be-</span><br/> <span class="ft1">trägt die Gebühr praxisgemäss Fr. 150.-. Ausgangspunkt der Bemes-</span><br/> <span class="ft1">sung ist vielmehr die Überlegung, dass gemäss den erwähnten Richt-</span><br/> <span class="ft1">linien der Normalaufwand bei der Prüfung eines Gesuchs (nicht des</span><br/> <span class="ft1">einzelnen Werbeträgers) rund Fr. 100.- beträgt. Aus dem Vorgehen</span><br/> <span class="ft1">der Abteilung für Baubewilligungen des BVU, das Gesuch der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin in zwei verschiedene Verfahren (eines für H. und</span><br/> <span class="ft1">eines für R.) aufzuteilen, kann geschlossen werden, dass ein Gesuch</span><br/> <span class="ft1">jeweils Werbeaktionen innerhalb einer Gemeinde umfasst. Es kann</span><br/> <span class="ft1">also pro Gemeinde von einer Grundgebühr von Fr. 100.- ausgegan-</span><br/> <span class="ft1">gen werden. Je nach dem verursachten Aufwand ist diese Grundge-</span><br/> <span class="ft1">bühr sodann angemessen zu erhöhen oder zu verringern.</span><br/> <span class="ft1">4.5. In ihrer Vernehmlassung vom 30. April 2007 führt die Vor-</span><br/> <span class="ft1">instanz aus, dass bezüglich des Gesuchs der Beschwerdeführerin ein</span><br/> <span class="ft1">eher geringer Aufwand nötig gewesen sei. Es wurden weder fremde</span><br/> <span class="ft1">Fachstellen beigezogen, noch war ein Augenschein angezeigt, die</span><br/> <span class="ft1">Aufwändigkeit der Gesuchsprüfung habe sich lediglich aus der An-</span><br/> <span class="ft1">zahl der Werbeständer ergeben. Bis auf einen lagen alle in der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde H. zur Bewilligung unterbreiteten Werbestandorte entlang</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">456</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der gleichen Kantonsstrasse, ein Werbeträger lag an der K Y, welche</span><br/> <span class="ft1">von der K X zur Autobahn A1 führt. Die in der Gemeinde R. zu be-</span><br/> <span class="ft1">urteilenden Standorte lagen beide an der K Z. Durch die räumliche</span><br/> <span class="ft1">Nähe ist der Mehraufwand pro zusätzlichen Werbeträger als eher ge-</span><br/> <span class="ft1">ring einzustufen, in H. waren jedoch tatsächlich relativ viele Stand-</span><br/> <span class="ft1">orte zu prüfen, weswegen sich eine Erhöhung der Grundgebühr auf</span><br/> <span class="ft1">Fr. 170.- für dieses Bewilligungsverfahren rechtfertigt. Zuzüglich</span><br/> <span class="ft1">der Unkostenpauschale von je Fr. 15.- für Porti, Telefonspesen und</span><br/> <span class="ft1">Kopien ergibt sich somit für das Bewilligungsverfahren in H. eine</span><br/> <span class="ft1">Gebührenhöhe von Fr. 185.- und für das Bewilligungsverfahren in R.</span><br/> <span class="ft1">eine Gebührenhöhe von Fr. 120.-, zuzüglich der Unkostenpauschale</span><br/> <span class="ft1">somit Fr. 135.-, insgesamt also Fr. 320.-. Diese Gebührenhöhe sollte</span><br/> <span class="ft1">dem Nutzen, welcher der Beschwerdeführerin aus der Werbeaktion</span><br/> <span class="ft1">entstanden ist, angemessen sein. Denn die Werbeaktion der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin war auf vier Tage und ein einziges Ereignis (Eröff-</span><br/> <span class="ft1">nung der B.-Filiale in H.) beschränkt. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>