Bu n d e s ve rwa l tungs ger i cht T r i b unal a dm i nis tr at if f é dér a l T r i b unale a m m ini s tra ti vo f e der a le T r i b unal a dm i nis tr at iv f e de ra l Abteilung I A-5038/2020 U r t e i l v o m 2 3 . N o v e mb e r 2 0 2 1 Besetzung Richter Jürg Steiger (Vorsitz), Richterin Marianne Ryter, Richter Keita Mutombo, Gerichtsschreiber Roger Gisclon. Parteien A._______ AG, vertreten durch JP Steuer AG, Beschwerdeführerin, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, Verrechnungssteuer, Stempelabgaben, Vorinstanz. Gegenstand Umsatzabgabe; Effektenhändler. A-5038/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Die A._______ AG (nachfolgend: Gesellschaft) wurde per (Datum) ins Han- delsregister des Kantons (…) eingetragen. Seit ihrer Gründung besteht ihr Zweck unter anderem im Anbieten bzw. Erbringen von Dienstleistungen, insbesondere bei der V ermittlung von Unternehmen. B. Am 10. Juli 2017 verlangte die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) im Zuge der Abklärung der Unterstellungspflicht der Gesellschaft als Effek- tenhändlerin im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b des Bundesgesetzes vom 27. Juni 1973 über die Stempelabgaben (StG, SR 641.10) mit einem Fra- gebogen Auskunft über deren Tätigkeit. Nach verschiedenen Korrespon- denzen zwischen der Gesellschaft und der ESTV verfügte diese am 15. Oktober 2018, dass die Gesellschaft ab dem 1. Januar 2012 als Effek- tenhändlerin (V ermittlerin) der Umsatzabgabepflicht unterstellt werde. In den Erwägungen dieser V erfügung hielt die ESTV zudem sinngemäss fest, dass die Erhebung der Umsatzabgabe für die Steuerperioden vor dem Jahr 2012 verjährt sei. C. Am 13. November 2018 erhob die Gesellschaft Einsprache gegen die V er- fügung vom 15. Oktober 2018 und beantragte deren vollständige Aufhe- bung. Dies begründete sie hauptsächlich damit, dass sie entgegen dem Wortlaut von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG weder Anlageberatung noch V ermögensverwaltung betreibe. Zudem bestehe ihre Tätigkeit nicht aus- schliesslich oder zu einem wesentlichen T eil darin, den Kauf und V erkauf von steuerbaren Urkunden zu vermitteln. D. Mit Einspracheentscheid vom 10. September 2020 wies die ESTV die Ein- sprache vom 13. November 2018 ab. Zudem stellte sie fest, dass die Ge- sellschaft mit Wirkung ab dem 1. Januar 2012 als Effektenhändlerin um- satzabgabepflichtig sei und dass die Gesellschaft ihr ab dem Jahr 2012 die anfallende Umsatzabgabe mittels amtlichem Formular 9 umgehend zu de- klarieren und zuzüglich eines V erzugszinses von 5% – berechnet vom Zeit- punkt der jeweiligen Fälligkeit bis zum T ag der Entrichtung – zu entrichten habe. Zur Begründung führte die ESTV im Wesentlichen aus, dass der Ge- setzgeber den Begriff des gewerbsmässigen V ermittlers mit der Formulie- rung «als Anlageberater oder V ermögensverwalter» nicht habe einschrän-A-5038/2020 Seite 3 ken wollen. Im Übrigen entspreche die Tätigkeit der Gesellschaft derjeni- gen einer Anlageberaterin, wobei sich die Gesellschaft ausschliessl ich oder zu einem wesentlichen T eil dieser Tätigkeit widme. Letzteres könne der eingereichten Mandatsliste für die Jahre 2012 bis 2017 entnommen werden. E. Gegen diesen Einspracheentscheid der ESTV (nachfolgend auch: V or- instanz) lässt die Gesellschaft (nach folgend: Beschwerdeführerin) am 9. Oktober 2020 Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht erheben und beantragen, der Einspracheentscheid vom 10. September 2020 sei aufzu- heben und es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin nicht als Ef- fektenhändlerin gemäss Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG zu qualifizieren sei und auch nicht in der V ergangenheit als solche zu qualifizieren gewesen sei (Beschwerdebegehren 1); dass die Beschwerdeführerin weder in der V ergangenheit, das heisst konkret ab 1. Januar 2012, umsatzabgabepflich- tig gewesen sei noch ak tuell umsatzabgabepflichtig sei (Beschwerdebe- gehren 2); und dass die Beschwerdeführerin kein Formular 9 einzureichen und kein Umsatzregister zu führen habe (Beschwerdebegehren 3); alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der V orinstanz. F. In ihrer V ernehmlassung vom 18. November 2020 schliesst die V orinstanz auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei, und verweist auf den Einspracheentscheid vom 10. September 2020. G. Mit Replik vom 3. Dezember 2020 hält die Beschwerdeführerin an ihren in der Beschwerde vom 9. Oktober 2020 gestellten Anträgen vollumfänglich fest. Auf die detaillierten Vorbringen der Beschwerdeführerin und die Akten wird – soweit sie für den Entscheid wesentlich sind – in den Erwägungen ein- gegangen. A-5038/2020 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des V erwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen V erfügungen nach Art. 5 des V erwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt hier nicht vor. Als anfechtbare V erfügungen gelten auch Einspracheentscheide der ESTV (Art. 5 Abs. 2 VwVG i.V .m. Art. 33 Bst. d VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Das V erfahren vor Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Ent- scheids, mit welchem ihre Begehren abgewiesen wurden, grundsätzlich zur vorliegenden Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Gemäss Art. 25 Abs. 1 VwVG kann die in der Sache zuständige Behörde über den Bestand, den Nichtbestand oder den Umfang öffentlich -rechtli- cher Rechte oder Pflichten von Amtes wegen oder auf Begehren eine Fest- stellungsverfügung treffen. Eine von Amtes wegen erlassene Feststel- lungsverfügung setzt analog zu Art. 25 Abs. 2 VwVG ein öffentliches Fest- stellungsinteresse voraus (BGE 137 II 199 E. 6.5.1 und 130 V 388 E. 2.4). V orliegend hat die ESTV mit V erfügung vom 15. Oktober 2018 von Amtes wegen den Bestand der Umsatzabgabepflicht ab dem 1. Januar 2012 fest- gestellt (vgl. Sachverhalt, Bst. B). Eine solche Feststellungsverfügung ist zulässig (vgl. auch: Art. 38 Bst. b StG). In der Folge wurde diese durch den Einspracheentscheid vom 10. September 2020 ersetzt (sog. Devolutiv- effekt; vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER , Prozessieren vor dem Bundes- verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, N. 2.7). Die Beschwerdeführerin verlangt mit ihren Feststellungsbegehren nichts anderes als die Reformation von Feststellungen der V orinstanz. Hierfür ist ihr Feststellungsinteresse zu be- jahen (vgl. dazu: Urteil des BGer 2C_364/2015 und 2C_425/2015 vom 3. Februar 2017 E. 2.4). Somit ist auch die Beschwerde der Beschwerde- führerin, mit welcher sie sich gegen die Feststellung der Umsat zabgabe- pflicht ab dem 1. Januar 2012 wehrt, ohne Weiteres zulässig. 1.3 Auf die im Übrigen frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist demnach einzutreten. A-5038/2020 Seite 5 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Einsprache- entscheid in vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann ne- ben der V erletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrich- tigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG). Eine V erletzung von Art. 49 Bst. b VwVG liegt beispielsweise dann vor, wenn eine der Untersuchungsmaxime unterworfene Behörde den Sachver- halt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder dies unrichtig bzw. nur unvoll- ständig getan hat. Als unrichtig gilt die Sachverhaltsfeststellung, wenn der angefochtenen V erfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zu- grunde gelegt wurde oder entscheidrelevante Gesichtspunkte nicht geprüft oder Beweise falsch gewürdigt wurden. Als unvollständig gilt sie, wenn nicht über alle rechtserheblichen Umstände Beweis geführt wurde oder eine entscheidrelevante T atsache zwar erhoben, jedoch nicht gewürdigt wurde und nicht in den Entscheid einfloss (statt vieler: Urteile des BVGer A-479/2021 vom 8. September 2021 E. 1.3 und A-5321/2013 vom 23. April 2014 E. 3.2.1 m.w.H.). 1.5 1.5.1 Das V erfahren vor der ESTV wie auch jenes vor dem Bundesverwal- tungsgericht werden von der Untersuchungsmaxime beherrscht. Danach muss die entscheidende Behörde den rechtlich relevanten Sachverhalt von sich aus abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen (statt vie- ler: Urteile des BVGer A-416/2017 vom 2. Juli 2018 E. 2.3 und A-629/2010 vom 29. April 2011 E. 3.1; MICHAEL BEUSCH/SUSANNE RAAS, in: Zweifel/ Beusch/Bauer-Balmelli [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuer- recht, Bundesgesetz über die Stempelabgaben [nachfolgend: Kommentar StG], 2. Aufl. 2019, Art. 39a N. 15). Der Untersuchungsgrundsatz wird allerdings modifiziert durch die im Steu- errecht regelmässig gesetzlich vorgesehene Mitwirkungspflicht des Steu- erpflichtigen. Für die Stempelabgaben ist diese in Art. 35 StG geregelt, wo- nach der Abgabepflichtige der ESTV über alle T atsachen, die für die Abga- bepflicht oder für die Abgabebemessung von Bedeutung sein könnten, nach bestem Wissen und Gewissen Auskunft erteilen muss (vgl. BEUSCH/RAAS, Kommentar StG, Art. 39a N. 15). A-5038/2020 Seite 6 1.5.2 Ist der Sachverhalt unklar und daher zu beweisen, endet die Beweis- würdigung mit dem richterlichen Entscheid darüber, ob eine rechtserhebli- che T atsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der Beweis ist geleis- tet, wenn das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdigung zur Überzeu- gung gelangt ist, dass sich der rechtserhebliche Sachumstand verwirklicht hat. Gelangt die Entscheidinstanz nicht zum Ergebnis, dass sich der in Frage stehende Umstand verwirklicht hat, so fragt es sich, wer die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat (statt vieler: Urteile des BVGer A-1878/2014 vom 28. Januar 2015 E. 2.4 und A-629/2010 vom 29. April 2011 E. 3.2). Gestützt auf d ie allgemeinen Regeln der Beweislastverteilung trägt die Steuerbehörde die Beweislast für die steuerbegründenden und -erhöhen- den T atsachen und der Steuerpflichtige für die steueraufhebenden und -mindernden T atsachen (BGE 140 II 248 E. 3.5 und 121 II 257 E . 4c/aa; Urteil des BGer 2C_16/2015 vom 6. August 2015 E. 2.5.4; Urteile des BVGer A -6214/2018 vom 20. April 2020 E. 1.6.2, A -7956/2015 vom 30. Juni 2016 E. 2.4 und A-1335/2014 vom 14. Dezember 2015 E. 2.3). 2. 2.1 Der Bund erhebt Stempelabgaben unter anderem auf dem Umsatz ge- wisser in- und ausländischer Urkunden (Art. 1 Abs. 1 Bst. b StG). Gegen- stand dieser Umsatzabgabe ist die entgeltliche Übertragung von Eigentum an steuerbaren Urkunden, sofern eine der V ertragsparteien oder einer der V ermittler inländischer Effektenhändler ist (Art. 13 Abs. 1 StG). Damit die Umsatzabgabe geschuldet ist, müssen demnach folgende Ele- mente erfüllt sein: Eigentumsübertragung, Entgeltlichkeit, Übertragung von steuerbaren Urkunden sowie die Beteiligung eines inländischen Effekten- händlers, sei es als V ertragspartei oder als V ermittler (vgl. THOMAS JAUSSI/MARKUS PFIRTER, Die eidg. Stempelabgaben, 2. Aufl. 2017, S. 60; MARTIN BÜELER, Kommentar StG, Art. 13 N. 1). 2.2 Als Effektenhändler gelten gemäss Art. 13 Abs. 3 StG unter anderem die Banken, die bankähnlichen Finanzgesellschaften im Sinne des Ban- kengesetzes vom 8. November 1934 (BankG, SR 952.0), die Schweizeri- sche Nationalbank sowie die zentralen Gegenparteien im Sinne des Fi- nanzmarktinfrastrukturgesetzes vom 19. Juni 2015 (FinfraG, SR 95 8.1) (Bst. a); die nicht unter Bst. a fallenden inländischen natürlichen und juris- tischen Personen und Personengesellschaften, inländischen Anstalten und A-5038/2020 Seite 7 Zweigniederlassungen ausländischer Unternehmen, deren Tätigkeit aus- schliesslich oder zu einem wesentlichen T eil darin besteht, (1) für Dritte den Handel mit steuerbaren Urkunden zu betreiben (Händler) oder (2) als An- lageberater oder V ermögensverwalter Kauf und V erkauf von steuerbaren Urkunden zu vermitteln (V ermittler) (Bst. b); die nicht unter die Buchstaben a und b fallenden inländischen Aktiengesellschaften, Kommanditaktienge- sellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung und Genossen- schaften sowie inländischen Einrichtungen der beruflichen V orsorge und der gebundenen V orsorge, deren Aktiven nach Massgabe der letzten Bi- lanz zu mehr als 10 Millionen Franken aus steuerbaren Urkunden nach Abs. 2 bestehen (Bst. d). 2.3 2.3.1 Die Abgabeforderung entsteht mit dem Abschluss des Geschäfts (Art. 15 Abs. 1 StG). Es ist Sache des Effektenhändlers, die auf dem Ent- gelt der übertragenen Urkunde berechnete Abgabe (1,5 Promille für inlän- dische und 3 Promille für ausländische Urkunden) zu leisten (Art. 16 Abs. 1 und Art. 17 Abs. 1 StG). Der Effektenhändler schuldet gemäss Art. 17 Abs. 2 StG (je) eine halbe Abgabe, (i) wenn er vermittelt: für jede V ertrags- partei, die sich weder als registrierter Effektenhändler noch als von der Ab- gabe befreiter Anleger ausweist (Bst. a); (ii) wenn er V ertragspartei ist: für sich selbst und die Gegenpartei, die sich weder als registrierter Effekten- händler noch als von der Abgabe befreiter Anleger ausweist (Bst. b). 2.3.2 Ein Effektenhändler gilt gemäss Art. 17 Abs. 3 StG als V ermittler, (i) wenn er mit seinem Auftraggeber zu den Originalbedingungen des mit der Gegenpartei abgeschlossenen Geschäfts abrechnet (Bst. a); (ii) lediglich Gelegenheit zum Geschäftsabschluss nachweist (Bst. b); (iii) die Urkunden am T ag ihres Erwerbs weiterveräussert (Bst. c). 2.4 Das Umsatzabgaberecht kennt mehrere V ermittlerbegriffe. So sind die jeweils in Art. 13 Abs. 1 St G (E. 2.1), in Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG (E. 2.2) und in Art. 17 Abs. 3 StG (E. 2.3.2) verwendeten V ermittlerbegriffe inhaltlich nicht deckungsgleich, da sie verschiedene Zwecke verfolgen (Urteil des BGer 2C_638/2020 vom 25. Februar 2021 E. 3.2; Urteil des BGer vom 4. März 1985, veröffentlicht in: ASA 54, S. 599 ff., E. 1b betref- fend das V erhältnis zwischen Art. 13 Abs. 1 und 17 StG). 2.4.1 Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG definiert die Eigenschaft als Effekten- händler für eine bestimmte Gruppe von Personen näher. Demnach ist Ef-A-5038/2020 Seite 8 fektenhändler nur, wer gewerbsmässig als Anlageberater oder V ermögens- verwalter den Kauf und V erkauf von steuerbaren Urkunden vermittelt. Ge- mäss Gesetzestext muss nämlich die Tätigkeit ausschliesslich oder zu ei- nem wesentlichen T eil in der beschriebenen bestehen (Urteil des BVGer A-1480/2019 vom 9. Juni 2020 E. 2.6.1.1 [bestätigt mit Urteil 2C_638/2020 E. 3.2.1]). Gewerbsmässig handelt insbesondere, wer sich mit der V ermittlung von Wertpapiergeschäften befasst in der Absicht, sich aus dieser Tätigkeit eine Quelle dauernden Erwerbs zu verschaffen (Urteil des BVGer A-515/2007 vom 26. März 2010 E. 3.1.3 m.H.). 2.4.2 In Art. 13 Abs. 1 StG geht es hingegen um die konkrete Handlung, die ein (bereits definierter) Effektenhändler ausführen muss, damit – soweit die weiteren V oraussetzungen im Sinne der E. 2.1 erfüllt sind – die Um- satzabgabe zu entrichten ist. Diese Tätigkeit kann auch einmalig sein (Urteil A-1480/2019 E. 2.6.1.2). Das Bundesgericht hat sich jüngst im Urteil 2C_638/2020 vom 25. Februar 2021 zur Auslegung des V ermittlerbegriffs gemäss Art. 13 Abs. 1 StG ge- äussert. Es hat gestützt auf das Mäklervertragsrecht (vgl. Art. 412–418 des Obligationenrechts vom 30. März 1911 [OR, SR 220]) festgehalten, dass ein Effektenhändler – wie ein Nachweismäkler – als erster die Gelegenheit zum V ertragsabschluss nachweisen oder – wie ein V ermittlungsmäkler – im Rahmen der V ertragsverhandlungen auf die Abschlussbereitschaft der anderen V ertragspartei einwirken und damit eine kausale Ursache für den V ertragsabschluss setzen müsse, damit er zu einem V ermittler im Sinne von Art. 13 Abs. 1 StG werde (Urteil 2C_638/2020 E. 3.4 und 3.9). Des Weiteren hielt es an der bisherigen Rechtsprechung fest, wonach es uner- heblich sei, ob der Effektenhändler als Kommissionär, Agent, Makler oder Beauftragter tätig werde, wobei diese Formulierung insoweit zu präzisieren sei, als der Effektenhändler, der ein Geschäft als Kommissionär in eigenem Namen, aber auf fremde Rechnung abschliesse, dieses Geschäft formell- zivilrechtlich gesehen nicht vermittle, sondern V ertragspartei desselben sei und deshalb im Rahmen von Art. 13 Abs. 1 StG V ertragspartei und nicht V ermittler sei, obschon ihn Art. 17 Abs. 3 Bst. a und c StG unter gewissen V oraussetzungen für den Zweck der Bestimmung des Abgabepflichtigen als V ermittler qualifiziere (Urteil 2C_638/2020 E. 3.5.2 mit V erweis auf Ur- teil des BGer vom 4. März 1985, veröffentlicht in: ASA 54, S. 599 ff., E. 1b; vgl. auch: Urteil A -515/2007 E. 3.1.1). Ebenso sei unerheblich, ob zwi-A-5038/2020 Seite 9 schen dem V ermittler und einer V ertragspartei ein Mäkler- oder ein sonsti- ges V ertragsverhältnis bestehe, in welcher rechtlichen Beziehung V ermitt- ler und V ertragsparteien zueinanderstehen oder ob eine V ertragspartei dem V ermittler bei Geschäftsabschluss ein Entgelt schulde (Urteil 2C_638/2020 E. 3.5.2). 2.4.3 Schliesslich umschreibt Art. 17 StG den Kreis derjenigen Personen, welche die Umsatzabgabe abzuliefern haben, wenn de r T atbestand von Art. 13 Abs. 1 StG erfüllt ist. Zum einen wird ein Effektenhändler als V ermittler im Sinne von Art. 17 Abs. 3 Bst. b StG abgabepflichtig, wenn «er lediglich Gelegenheit zum Ge- schäftsabschluss nachweist» (E. 2.3.2). Dabei knüpft dieser V ermittlungs- begriff (alleine) an die für eine Nachweismäkelei typische Leistung an, wo- bei diese Norm – aufgrund der fehlenden Anknüpfung an Tätigkeiten, die einen intensiveren Beitrag an das Gelingen einer Transaktion leisten – keine abschliessende Definition der V ermittlertätigkeit darstellt (Urteil 2C_638/2020 E. 3.2.3 f.). Zum anderen löst ein Effektenhändler, der steuerbare Urkunden in eige- nem Namen erwirbt, zwar im Rahmen von Art. 13 Abs. 1 StG die Umsatz- abgabe bereits als V ertragspartei und nicht (nur) als V ermittler aus. Für die Bestimmung der abgabepflichtigen Person wird er jedoch nicht als V er- tragspartei, sondern wie ein V ermittler behandelt, wenn eine der Konstel- lationen von Art. 17 Abs. 3 Bst. a oder c StG erfüllt ist (vgl. dazu: E. 2.3.2). Weil der Effektenhändler als V ermittler die Umsatzabgabe nur schuldet, wenn sich die V ertragsparteien nicht als Effektenhändler oder befreite An- leger ausweisen (vgl. dazu: E. 2.3.1), verhindert die Regelung von Art. 17 Abs. 3 Bst. a und c StG Mehrfachbelastungen bei Kettenübertragungen mit mehreren Effektenhändlern (zum Ganzen: Urteil 2C_638/2020 E. 3.2.2 m.w.H.). 2.4.4 Der V ollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass das Kreis- schreiben Nr. 12 der ESTV vom 10. März 2011 «Umsatzabgabe» keine De- finition des V ermittlerbegriffs enthält. Soweit eine Definition ansatzweise enthalten ist, lehnt sich diese an Art. 17 Abs. 3 StG an (z.B. Rz. 50 des Kreisschreibens). 2.5 Die Umsatzabgabe ist eine Rechtsverkehrssteuer auf dem Abschluss von V erträgen betreffend die entgeltliche Übertragung von steuerbaren Ur- kunden. Besteuert wird die Übertragung des Eigentums und nicht etwa wie A-5038/2020 Seite 10 bei der Grundstückgewinnsteuer der Gewinn, den der V eräusserer aus dem Geschäft erzielt. Für die Festsetzung der Umsatzabgabe ist gemäss Art. 27 Abs. 1 StG der wirkliche Inhalt der Urkunden oder Rechtsvorgänge massgebend. Dem formalen Charakter der Stempelabgaben entsprechend ist grundsätzlich die rechtliche Gestaltung des zu beurteilenden Geschäfts massgebend und nicht dessen wirtschaftlicher Zweck (zum Ganzen: BGE 143 II 350 E. 2.2 f.; Urteile des BGer 2C_638/2020 vom 25. Februar 2021 E. 3.1 und 2C_996/2015 vom 7. März 2017 E. 2.2; Urteile des BVGer A-2777/2016 vom 4. Juli 2017 E. 2.3.1 und A-7065/2013 vom 11. Septem- ber 2014 E. 3.4). 3. V orab ist auf die Rüge der Beschwerdeführerin einzugehen, wonach die V orinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt fehlerhaft und unvollständig ermittelt habe. 3.1 Die Beschwerdeführerin macht diesbezüglich geltend, dass sich die V orinstanz im angefochtenen Einspracheentscheid auf formelle Kriterien wie den im Handelsregister eingetragenen Zweck, die Bezeichnung der V erträge und die Inhalte der Webseite etc. berufen habe. Damit habe die V orinstanz sich auf formelle Kriterien versteift und es unterlassen, den wirk- lichen, materiell massgebenden Sachverhalt abzuklären. 3.2 Die ESTV hat in Anwendung der Untersuchungsmaxime den für sie re- levanten Sachverhalt festzustellen und einen Entscheid zu fällen (E. 1.5.1). Dies tat sie, wie dem angefochtenen Einspracheentscheid entnommen werden kann, hauptsächlich gestützt auf die Zweckumschreibung der Be- schwerdeführerin im Handelsregister und auf diverse, von der Beschwer- deführerin eingereichte Unterlagen. Letztere umfassen eine Mandatsliste der Jahre 2012 bis 2017, zwei Musterverträge und stichprobeartig einge- forderte, tatsächlich abgeschlossene V erträge. Gleichzeitig wurde der Be- schwerdeführerin umfassend Gelegenheit zur Stellungnahme (bspw. für eine Ergänzung oder Richtigstellung des Sachverhalts) eingeräumt. Auf dieser Grundlage kam die ESTV unter Anwendung des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung (E. 1.5.2) zum Schluss, dass sämtliche erforderli- chen Informationen für die Beurteilung, ob die Beschwerdeführerin Effek- tenhändlerin sei, vorliegen würden. Mit anderen Worten erac htete die ESTV den Sachverhalt als genügend erstellt. Dieses V orgehen ist nicht zu beanstanden. Dass auch aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts sämt- liche erforderlichen Informationen zum Sachverhalt vorliegen, wird nach- folgend zu zeigen sein. A-5038/2020 Seite 11 Im Übrigen ist aktenkundig, dass die ESTV mit Schreiben vom 15. Novem- ber 2017 bei der Beschwerdeführerin eine Inspektion vor Ort zwecks Kon- trolle der Umsatzabgabe gemäss Art. 37 StG angekündigt hatte. Die Be- schwerdeführerin antwortete am 21. November 2017 auf dieses Schreiben der ESTV , dass sie eine Kontrolle der Umsatzabgabe mit Blick auf ihr am 14. November 2017 eingereichtes (fälschlicherweise als «Einsprache» be- zeichnetes) Schreiben nicht als angebracht erachte. V or diesem Hinter- grund kann der V orinstanz nicht ernsthaft vorgeworfen werden, dass sie sich nicht weiter mit dem materiell massgebenden Sachverhalt habe aus- einandersetzen wollen. 4. Im vorliegenden Fall ist streitig und zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin Vermittlerin im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG und deshalb als Effektenhändlerin zu qualifizieren ist . Demgegenüber ist mit Blick auf die V oraussetzungen dieser Rechtsnorm (E. 2.2) unbestritten und ergibt sich aus den Akten, dass die Beschwerdeführerin eine nicht unter Art. 13 Abs. 3 Bst. a StG fallende inländische juristische Person ist. 4.1 Die Geschäftstätigkeit der Beschwerdeführerin kann wie folgt um- schrieben werden: Die Beschwerdeführerin führt verkaufsinteressierte Un- ternehmensinhaber durch den gesamten V erkaufsprozess und sorgt für die V erkaufsabwicklung. Dabei werden eine attraktive Unternehmenspräsen- tation, bereinigte Geschäftsabschlüsse sowie ein V ermarktungskonzept ausgearbeitet. Kunden erhalten Zugang zu ihrer Käuferdatenbank sowie zu ihrer Onlineplattform. Konkret schliesst die Beschwerdeführerin mit ih- ren Kunden einen «Auftrag V erkauf» ab. In diesem wird Folgendes festge- halten: «Der Auftragnehmer [die Beschwerdeführerin] sucht für den Auf- traggeber als Makler für die Gesellschaft einen Käufer/Investor/Kapitalge- ber/Mieter […] zum besten marktgängigen Preis. Sämtliche ökonomischen Entscheide im Zusammenhang mit dem V erkauf liegen beim Auftraggeber […].» Das Honorar besteht jeweils aus einer Entschädigung für den Initial- aufwand sowie insbesondere aus einem prozentualen Anteil am erzielten V erkaufspreis. Der V ertrag verbietet es dem Kunden, ohne Zustimmung der Beschwerdeführerin Direktgespräche mit Kaufinteressenten zu führen. 4.2 Als Erstes bestreitet die Beschwerdeführerin, dass sie als V ermittlerin im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG tätig sei. A-5038/2020 Seite 12 4.2.1 4.2.1.1 Zur Begründung verweist die Beschwerdeführerin auf Art. 17 Abs. 3 Bst. b StG, wonach V ermittler sei, wer Gelegenheit zum Geschäfts- abschluss nachweise. Dies könne vorliegend zumindest in Frage gestellt werden, da sie für ihre Tätigkeit unter Umständen auch dann ein Honorar erhalte, wenn eine Transaktion nicht abgeschlossen werde. 4.2.1.2 Im angefochtenen Einspracheentscheid äussert sich die V orinstanz dahingehend, dass die Beschwerdeführerin deshalb als V ermittlerin handle, weil sie am Abschluss eines Geschäftes zwischen zwei Drittpar- teien kausal mitwirke, das heisst den tatsächlichen Erfolg des Austausches der übereinstimmenden Willenserklärung wissentlich verursache oder mit- verursache. 4.2.2 Nach Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG ist Effektenhändler nur, wer – unter V orbehalt der übrigen, dort genannten V oraussetzungen – als Anla- geberater oder V ermögensverwalter Kauf und Verkauf von steuerbaren Ur- kunden vermittelt (vgl. auch: E. 2.2 und 2.4.1). 4.2.2.1 Das B undesverwaltungsgericht hat die V ermittlungstätigkeit (ge- mäss Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG) letztmals im Urteil A-515/2007 vom 26. März 2010 beleuchtet. Dort hat es mit Blick auf den Anlageberater unter anderem erwogen, dass dem Stempelsteuergesetz ein weiter Begriff der V ermittlung zugrunde liege. Massgebend sei, dass kausal am Abschluss eines Wertpapiergeschäfts mitgewirkt werde, das heisst, dass der tatsäch- liche Erfolg des Austauschs der übereinstimmenden Willenserklärungen wissentlich verursacht oder mitverursacht werde. Beschränke sich aber die Tätigkeit eines Anlageberaters auf eine reine Beratertätigkeit, das heisst, würde dieser lediglich unverbindlich auf die Möglichkeiten von Käufen und V erkäufen hinweisen, ohne sich dabei direkt an den entsprechenden Ge- schäftsabschlüssen zu beteiligen, könne darin kein kausaler Beitrag zum Umsatz steuerbarer Urkunden liegen (zum Ganzen: Urteil A -515/2007 E. 3.1.1 m.w.H.). In der dort zu beurteilenden Fallkonstellation bejahte das Bundesverwaltungsgericht eine V ermittlungstätigkeit, weil aufgrund von Vollmachten Investitionsentscheide unterbreitet worden seien, die konkrete Käufe und V erkäufe von Wertpapieren zur Folge gehabt hätten (Urteil A-515/2007 E. 3.1.2). 4.2.2.2 Das Bundesgericht hat sich im Urteil 2C_638/2020 vom 25. Feb- ruar 2021 zur Auslegung des V ermittlerbegriffs gemäss Art. 13 Abs. 1 StG A-5038/2020 Seite 13 geäussert und dabei für die Auslegung der V ermittlungstätigkeit (ein- schliesslich des Kausalzusammenhangs zwischen dieser Tätigkeit und dem Geschäftsabschluss) auf das Mäklervertragsrecht zurückgegriffen (Urteil 2C_638/2020 E. 3.5.2; vgl. auch vorangehend: E. 2.4.2). Demnach vermittelt, wer – wie ein Nachweismäkler – als erster die Gelegenheit zum V ertragsabschluss nachweist oder – wie ein V ermittlungsmäkler – im Rah- men der V ertragsverhandlungen auf die Abschlussbereitschaft der anderen V ertragspartei einwirkt und damit eine kausale Ursache für den V ertrags- abschluss setzt (E. 2.4.2). 4.2.2.3 Es stellt sich vorab die Frage, ob die bundesgerichtliche Auslegung der V ermittlungstätigkeit im Sinne von Art. 13 Abs. 1 StG auch für die V er- mittlungstätigkeit im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG einschlägig ist. Dies ist nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts aufgrund folgen- der Überlegung zu bejahen: Zweck der erstgenannten Rechtsnorm ist die Umschreibung einer konkreten Handlung – hier interessierend: die V ermitt- lungstätigkeit –, die ein (bereits definierter) Effektenhändler im Zusammen- hang mit einem Geschäftsabschluss ausführen muss, damit die Umsatz- abgabe für diesen Geschäftsabschluss zu entrichten ist (E. 2.4.2). Hinge- gen will die zweitgenannte Rechtsnorm die Eigenschaft als Effektenhänd- ler für eine bestimmte Gruppe von Personen näher definieren. Diese Rechtsnorm sieht unter anderem vor, dass die V ermittlungstätigkeit ge- werbsmässig ausgeübt werden muss, damit der V ermittler Effektenhändler ist (E. 2.4.1). Nach dieser Leseart knüpft der V ermittlerbegriff im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG an die V ermittlungstätigkeit gemäss Art. 13 Abs. 1 StG an und ergänzt diese um weitere subjektive Kriterien wie unter anderem die Gewerbsmässigkeit. Nachdem im Ergebnis die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur V ermitt- lungstätigkeit im Sinne von Art. 13 Abs. 1 StG auch für die V ermittlungstä- tigkeit im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG anwendbar ist, stellt sich als Zweites die Frage, ob dieser aktuellen Rechtsprechung ein im V er- gleich zur bisherigen Rechtsprechung zu Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG (E. 4.2.2.1) engeres V erständnis der V ermittlungstätigkeit zugrunde liegt. Während dies eine Stimme in der Literatur bejaht (vgl. STEFAN OESTER- HELT, Aus der Rechtsprechung im Jahr 2020/2021 [T eil 1], in: IFF Forum für Steuerrecht [FStR] 3/2021 S. 259 ff., S. 265 f., wonach die neue bun- desgerichtliche Rechtsprechung von einem zivilrechtlich geprägten, enge- ren Begriff der V ermittlungstätigkeit ausgehe), scheint das Bundesgericht selbst eher von einer Präzisierung dahingehend auszugehen, dass für die A-5038/2020 Seite 14 Beurteilung der Kausalität die wirtschaftlichen Interessen des (potenziel- len) V ermittlers keine Rolle spielen würden (vgl. Urteil 2C_638/2020 E. 3.5.2 und 3.6.3). Dabei hat das Bundesgericht ausdrücklich bestätigt, dass die rechtliche Beziehung zwischen V ermittler und V ertragsparteien ir- relevant sei, mithin auch kein Mäklervertrag im zivilrechtlichen Sinne vor- liegen müsse (Urteil 2C_638/2020 E. 3.2.4 und 3.5.2). 4.2.3 Nach dem Gesagten ist nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerde- führerin im Sinne der E. 4.2.2.2 f. als V ermittlerin tätig ist. 4.2.3.1 Aus dem in den Akten liegenden V ertrag «Auftrag V erkauf» wird klar ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin – bzw. die für sie handelnden Organe und Hilfspersonen (Arbeitnehmer) – für die Unternehmen ihrer Kunden einen Käufer sucht (E. 4.1). Der V erkaufsprozess beinhaltet denn auch die Erstellung der V erkaufsdokumentation, die Kontaktaufnahme mit Kaufinteressenten sowie die Organisation von Interessentengesprächen durch die Beschwerdeführerin. Zudem unterstützt sie ihre Kunden in de r V erhandlung der Kaufverträge. Da sich die Kunden dazu verpflichten, keine Direktgespräche mit Kaufinteressenten ohne Zustimmung der Be- schwerdeführerin zu führen, kann davon ausgegangen werden, dass sie die Kaufverträge jeweils selbst verhandelt oder sich zumindest massge- blich an den V erhandlungen der Kaufverträge beteiligt. Die Tätigkeiten der Beschwerdeführerin verdichten sich zu einem Gesamtbild, das den Schluss zulässt, dass sie wie ein V ermittlungsmäkler im Rahmen der V er- tragsverhandlungen auf die Abschlussbereitschaft der anderen V ertrags- partei einwirkt und damit eine kausale Ursache für den V ertragsabschluss setzt. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass sich die Beschwerdeführerin im genannten V ertrag selbst ausdrücklich als Maklerin bezeichnet und in ihrer Beschwerde vom 9. Oktober 2020 einräumt, dass von einer V ermitt- lungstätigkeit «im weitesten Sinne» ausgegangen werden könne . Dem- nach entspricht ihr faktisches Handeln dem im Handelsregister aufgeführ- ten Gesellschaftszweck, der unter anderem explizit die V ermittlung er- wähnt (vgl. Sachverhalt, Bst. A). 4.2.3.2 Das von der Beschwerdeführerin dagegen vorgebrachte Argument, es sei höchst fraglich, ob sie einer V ermittlungstätigkeit gemäss Art. 17 Abs. 3 Bst. b StG nachgehe, zumal sie für ihre Tätigkeit unter Umständen auch dann ein Honorar erhalte, wenn eine Transaktion nicht abgeschlos- sen werde, vermag indes nicht zu überzeugen. Zum einen stellt diese Rechtsnorm keine abschliessende Definition der Tätigkeit des V ermittlers auf, weshalb sich die Beschwerdeführerin nicht auf deren engen Wortlaut A-5038/2020 Seite 15 berufen kann (E. 2.4.3). Zum anderen ist für das V orliegen einer V ermitt- lungstätigkeit irrelevant, ob eine V ertragspartei dem V ermittler bei Ge- schäftsabschluss ein Entgelt schuldet (E. 2.4.2). In der Konsequenz kann die im V ertrag vereinbarte Honorarregelung nichts zur Qualifikation der Tä- tigkeit als V ermittlungstätigkeit beitragen. Die Frage der Honorarregelung wird erst bei der Prüfung der Gewerbsmässigkeit der V ermittlungstätigkeit relevant (vgl. nachfolgend: E. 4.3.1). 4.2.4 Als erstes Zwischenfazit ist somit festzuhalten, dass die Beschwer- deführerin als V ermittlerin im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG tätig ist. 4.3 Als Zweites moniert die Beschwerdeführerin sinngemäss, die V or- instanz sei zu Unrecht von einer gewerbsmässigen V ermittlungstätigkeit ausgegangen. 4.3.1 4.3.1.1 In dieser Hinsicht verweist die Beschwerdeführerin auf Art. 13 Abs. 3 Bst. b StG, wonach ihre Tätigkeit «ausschliesslich oder zu einem wesentlichen T eil» in der V ermittlungstätigkeit bestehen müsse, damit sie als Effektenhändlerin gelten könne. Die V ermittlungstätigkeit dürfe nicht vernachlässigbar sein, sondern müsse T eil der statutarischen bzw. gesell- schaftsvertraglichen oder faktischen Geschäftstätigkeit sein. V on ihren Tä- tigkeiten würden sich nur die V ermarktung und allenfalls das öffentliche Präsentieren der anonymisierten V erkaufsdokumentation der V ermittlung zurechnen lassen, was zeitlich etwa die Hälfte ihrer Tätigkeit ausmache. Darin seien jedoch auch nicht steuerbare V ermittlungen wie diejenigen von Asset Deals enthalten. Schliesslich führt die Beschwerdeführerin aus, dass der Fokus der angebotenen Dienstleistungen auf der Organisation des V er- kaufs eines Betriebs bzw. eines Unternehmens im Sinne einer Nachfolge- regelung liege, weshalb die eigentliche V ermittlung nicht als wesentlich be- zeichnet werden könne. 4.3.1.2 Die V orinstanz führt im angefochtenen Einspracheentscheid aus, die Gewerbsmässigkeit sei im vorliegenden Fall zu bejahen, da die Be- schwerdeführerin mit ihrer V ermittlungstätigkeit beabsichtige, ein Erwerbs- einkommen zu erzielen, und sie diese Tätigkeit selbständig und fortgesetzt ausübe mit der Absicht, sich aus dieser Tätigkeit eine dauernde Erwerbs- quelle zu verschaffen. Zudem erfülle die V ermittlungstätigkeit der Be- schwerdeführerin die erforderliche qualitative und quantitative Wesentlich- keit, was sich insbesondere aus der Mandatsliste ergebe. Letztere zeige, A-5038/2020 Seite 16 dass die Beschwerdeführerin überwiegend den V erkauf von juristischen Personen und nicht von Personengesellschaften vermittelt habe. Diese Tä- tigkeit bilde unbestrittenermassen ihre Haupttätigkeit. Schliesslich sei das Argument der Beschwerdeführerin, sie erbringe ihre Dienstleistungen nur dem Unternehmensverkäufer, nicht stichhaltig. 4.3.2 Wie bereits ausgeführt, ist nur derjenige Effektenhändler, der ge- werbsmässig als Anlageberater oder V ermögensverwalter den Kauf und V erkauf von steuerbaren Urkunden vermittelt. Gemäss Gesetzestext muss nämlich die Tätigkeit ausschliesslich oder zu einem wesentlichen T eil in der beschriebenen bestehen. Gewerbsmässig handelt insbesondere, wer sich mit der V ermittlung von Wertpapiergeschäften befasst in der Absicht, sich aus dieser Tätigkeit eine Quelle dauernden Erwerbs zu verschaffen (E. 2.4.1). 4.3.2.1 Die von der Beschwerdeführerin ausgeübte Geschäftstätigkeit zielt unbestritten auf den V erkauf von Unternehmen ab (E. 4.1). Dies zeigt sich namentlich darin, dass ihre Tätigkeit – abgesehen vom Initialaufwand – grundsätzlich nur im Falle eines erfolgreichen V erkaufs entschädigt wird (sog. Erfolgshonorar). Steht der erfolgreiche Abschluss der Unternehmens- verkäufe im Rahmen der Tätigkeit der Beschwerdeführerin derart im V or- dergrund, kann die Wesentlichkeit der V ermittlungstätigkeit nicht bereits deshalb verneint werden, weil sie zusätzlich reine Beratungsleistungen (im Sinne der E. 4.2.2.1) erbringt, auch wenn diese (angeblich) in zeitlicher Hinsicht überwiegen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Beratungs- dienstleistungen T eil des gesamten V erkaufsprozesses sind. Demnach dürfen sie auch nicht als eigenständige Tätigkeit in Abgrenzung zur V er- mittlungstätigkeit in der Wesentlichkeitsbeurteilung berücksichtigt werden. Nach dem Gesagten kann dem Argument der Beschwerdeführerin, wo- nach ihre Geschäftstätigkeit überwiegend Beratungstätigkeiten und nicht die eigentliche V ermittlungstätigkeit umfassen würde, nicht gefolgt werden. Im Übrigen handelt es sich bei der Beratungstätigkeit der Beschwerdefüh- rerin ohnehin nicht um reine Beratungstätigkeit im Sinne der bundesver- waltungsgerichtlichen Rechtsprechung, da sich die Beschwerdeführerin zweifellos an den entsprechenden Geschäftsabschlüssen beteiligt (E. 4.2.3.1). 4.3.2.2 Des Weiteren ergibt sich aus der aktenkundigen Mandatsliste der Beschwerdeführerin, dass die von ihr vermittelten Unternehmensverkäufe überwiegend durch eine Übertragung von steuerbaren Urkunden zustande kamen. Dementsprechend handelt es sich bei den in den Jahren 2012 bis A-5038/2020 Seite 17 2017 vermittelten Unternehmen – wie die V orinstanz zu Recht ausführt – überwiegend um juristische Personen. Der Anteil der vermittelten juristi- schen Personen betrug jeweils zwischen 77,9% (Jahr 2015) und 90, 5% (Jahr 2017). Wenn die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, dass auch bei juristischen Personen ein Verkauf ohne Übertragung von steuerbaren Urkunden (Asset Deal) möglich sei, ist ihr im Prinzip zuzustimmen. Jedoch haben die von der V orinstanz stichprobeartig eingeforderten V erträge ge- zeigt, dass in 17 von 22 Fällen ein Share Deal vermittelt wurde. Bloss in fünf Fällen war ein Asset Deal V ertragsgegenstand. Demnach erachtet es das Bundesverwaltungsgericht in Anwendung der freien Beweiswürdigung (E. 1.5.2) als erwiesen, dass die Geschäftstätigkeit der Beschwerdeführe- rin zumindest zu einem wesentlichen T eil darin besteht, den V erkauf von steuerbaren Urkunden zu vermitteln. Dass die Beschwerdeführerin – ein gewinnorientiertes Unternehmen – die besagte Tätigkeit damit auch ge- werbsmässig ausübt, versteht sich von selbst. 4.3.3 Als zweites Zwischenfazit ist damit festzuhalten, dass die Beschwer- deführerin ihre V ermittlungstätigkeit gewerbsmässig ausübt. 4.4 Als Drittes beanstandet die Beschwerdeführerin, die V orinstanz habe sie fälschlicherweise als Anlageberaterin qualifiziert. 4.4.1 4.4.1.1 Diesbezüglich führt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, dass die Qualifikation als Anlageberaterin ein konstitutives Element von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG sei. Das Bundesgericht habe sich in zivil- rechtlicher Hinsicht mit dem Begriff des Anlageberaters auseinanderge- setzt und diese n insbesondere vom V ermögensverwalter abgegrenzt. Ebenso sei dieser Begriff im Bundesgesetz vom 15. Juni 2018 über die Finanzdienstleistungen (Finanzdienstleistungsgesetz, FIDLEG, SR 950.1) definiert. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung, die Definition im Finanz- dienstleistungsgesetz sowie der allgemeine Sprachgebrauch impliziere, dass unter der Anlageberatung in einem weiten Kontext die «Abgabe von Empfehlungen zur Anlage von Finanzmitteln» zu verstehen sei. Diese Dienstleistungen würden in der Regel durch eine Bank erbracht. Es gebe jedoch weitere «bankennahe» Anbieter, welche ähnliche Dienstleistungen (das heisst Beratung bei der Anlage von V ermögenswerten) anbieten wür- den. Zudem scheine es, dass ein Anlageberater seine Kunden über einen längeren Zeitraum begleiten würde. Demgegenüber betreibe sie ein «typi- sches Merger & Acquisitions (M&A)-Geschäft». Dem V erkäufer werde nicht eine bestimmte Anlage empfohlen, er werde vielmehr beim V erkauf seiner A-5038/2020 Seite 18 Gesellschaft – einem einmaligen V organg – unterstützt. Es finde somit ge- rade der umgekehrte V organg einer klassischen Anlageberatung statt. Weiter beziehe sich ihre Tätigkeit nicht auf einen Anlageentscheid ihrer Kunden, sondern diene letztlich dazu, den bereits gefassten Entscheid für einen Unternehmensverkauf umzusetzen. Im Ergebnis «vermittle» sie zwar die steuerbaren Urkunden, jedoch nicht als Anlageberaterin. Weil die V orinstanz im angefochtenen Einspracheentscheid für die Auslegung des Anlageberaterbegriffs einzig auf die V ermittlungstätigkeit abgestellt habe, liege aus ihrer Sicht ein unzulässiger Umkehrschluss vor. Eine solche ex- tensive Auslegung widerspreche ferner dem abgaberechtlichen Legalitäts- prinzip. 4.4.1.2 Die V orinstanz entgegnet, dass die Formulierung «als Anlagebera- ter oder V ermögensverwalter» auf die T eilrevision des Stempelabgabenge- setzes vom 4. Oktober 1991 zurückgehe. V or der T eilrevision seien neben den professionellen Händlern auch gewerbsmässige V ermittler Effekten- händler gewesen. Bei der T eilrevision sei der umsatzabgabebefreite Han- delsbestand gemäss Art. 14 Abs. 3 StG eingeführt worden, was eine Ab- grenzung des Händlers zum V ermittler erforderlich gemacht habe. Dies sei durch die Formulierung «als Anlageberater oder V ermögensverwalter» ge- schehen. Im Ergebnis liege dem angefochtenen Einspracheentscheid keine extensive Auslegung des Begriffs des Anlageberaters zugrunde. Vielmehr würde eine enge Umschreibung dieses Begriffs dem Grundsys- tem der Umsatzabgabe zuwiderlaufen. Schliesslich hält die V orinstanz an der Qualifikation der Beschwerdeführerin als Anlageberaterin fest. 4.4.2 Vorliegend stellt sich zunächst die Frage , wie die in Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG enthaltene Formulierung «als Anlageberater oder V ermö- gensverwalter» zu verstehen ist. 4.4.2.1 Die Konkretisierung einer Norm im Hinblick auf einzelne Lebens- sachverhalte als T eil der Gesetzesanwendung geschieht durch Auslegung. Deren Ziel ist die Ermittlung des Sinngehaltes der Bestimmung. Ausgangs- punkt jeder Auslegung ist der Wor tlaut, wobei bei Erlassen des Bundes- rechts die Fassungen in den drei Amtssprachen gleichwertig sind (vgl. zur Gleichwertigkeit Art. 14 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 18. Juni 2004 über die Sammlungen des Bundesrechts und das Bundesblatt [PublG, SR 170.512] sowie BGE 134 V 1 E. 6.1). Ist der Wortlaut nicht ganz klar bzw. bestehen Gründe für die Annahme, er gebe nicht den wahren Sinn der V orschrift wieder, muss unter Berücksichtigung aller Auslegungsele- mente nach der wahren Tragweite gesucht werden. Diesfalls ist namentlich A-5038/2020 Seite 19 auf die Entstehungsgeschichte der Norm (historische Auslegung), auf ihren Sinn und Zweck (teleologische Auslegung) und auf die Bedeutung, die der Norm im Kontext mit anderen Bestimmungen zukommt (systematische Auslegung), abzustellen. Das Bundesgericht hat sich dabei stets von ei- nem Methodenpluralismus leiten lassen (statt vieler: BGE 141 V 197 E. 5.2, 140 II 289 E. 3.2 ff., 138 III 359 E. 6.2, 134 II 249 E. 2.3; Urteil des BVGer A-3824/2016 vom 14. Juni 2017 E. 2.4.2). Nach bundesgerichtlicher Recht- sprechung sollen alle jene Methoden kombiniert werden, die für den kon- kreten Fall im Hinblick auf ein vernünftiges und praktikables Ergebnis am meisten Überzeugungskraft haben (statt vieler: BGE 134 II 249 E. 2.3; BVGE 2007/41 E. 4.2; Urteil des BVGer A-2937/2017 vom 30. Januar 2018 E. 2.5). 4.4.2.2 Der deutsche Wortlaut der genannten Rechtsnorm lautet wie folgt: «Effektenhändler sind die nicht unter Buchstabe a fallenden inländischen natürlichen und juristischen Personen und Personengesellschaften, inlän- dischen Anstalten und Zweigniederlassungen ausländischer Unterneh- men, deren Tätigkeit ausschliesslich oder zu einem wesentlichen T eil darin besteht, als Anlageberater oder V ermögensverwalter Kauf und V erkauf von steuerbaren Urkunden zu vermitteln (V ermittler)». Der deutsche Wortlaut «als Anlageberater oder V ermögensverwalter» im- pliziert, dass die gewerbsmässige V ermittlungstätigkeit in der Eigenschaft als Anlageberater oder Vermögensverwalter ausgeübt werden muss, damit die entsprechende Person als Effektenhändlerin zu qualifizieren ist (vgl. Duden Online Wörterbuch, Stichwort «als», www.duden.de/rechtschrei- bung/als_in_ V ergleichen, abgerufen am 14 . Oktober 2021, wonach das Wort «als» die nähere Erläuterung eines Bezugswortes [hier: die V ermitt- lungstätigkeit] einleitet). Im Umkehrschluss wären diejenigen Personen, die – ohne Anlageberater oder V ermögensverwalter zu sein – (bloss) eine gewerbsmässige V ermittlungstätigkeit ausüben, keine Effektenhändler. Somit ist nachfolgend die Frage zu beantworten, was unter einem Anlage- berater zu verstehen ist. Weil vorliegend unbestritten ist, dass die Be- schwerdeführerin keine V ermögensverwalterin ist, erübrigt sich eine Aus- legung des letztgenannten Begriffes. Nachfolgend ist deshalb lediglich auf den Begriff des Anlageberaters einzugehen. 4.4.2.3 Das Wort «Anlageberater» setzt sich aus den zwei Wörtern «An- lage» und «Berater» zusammen. Demnach wäre Anlageberater, wer be- züglich Anlagen berät. Dass mit dem Begriff «Anlagen» im vorliegenden Kontext Geschäfte mit steuerbaren Urkunden im Sinne von Art. 13 Abs. 2 A-5038/2020 Seite 20 StG gemeint sind, lässt sich aus dem Umstand schliessen, dass sich die Formulierung «als Anlageberater» auf die V ermittlungstätigkeit («Kauf und V erkauf von steuerbaren Urkunden zu vermitteln») bezieht und diese näher erläutert (E. 4.4.2.2). Somit ergibt der deutsche Wortlaut, dass derjenige Anlageberater im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG ist, der bezüg- lich Geschäften mit steuerbaren Urkunden berät. Der französische und ita- lienische Wortlaut («en tant que c onseiller en placement»; «come con- sulenti in investimenti») führen zum gleichen Ergebnis. Diese Auslegung ist – wie die V orinstanz im angefochtenen Einspracheent- scheid zutreffend ausführt – zumindest insofern im Einklang mit der zivil- rechtlichen Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Anlageberatungs- vertrag, als auch dort die Beratungsdienstleistung bezüglich Anlagen im Zentrum steht. Gemäss dieser Rechtsprechung, die im Zusammenhang mit Sorgfaltspflichtverletzungen von Banken ergangen ist, zeichnet sich die Anlageberatung (in Abgrenzung zur reinen Konto-/Depot-Beziehung) näm- lich dadurch aus, dass der Kunde die Anlageentscheide zwar selber trifft, die Bank ihm jedoch dabei beratend zur Seite steht ( BGE 144 III 155 E. 2.1.1; Urteile des BGer 4A_519/2020 vom 15. Februar 2021 E. 4.1 und 4A_54/2017 vom 29. Januar 2018 E. 5.1.3 je m.w.H. ; vgl. auch: P. CHRISTOPH GUTZWILLER, Rechtsfragen der Vermögensverwaltung, 2008, S. 27 ff. und 52 ff.). Nach dem Gesagten ist im Ergebnis festzuhalten, dass nach dem gram- matikalischen Element der Begriff des Anlageberaters weit auszulegen ist. Demnach ist derjenige als Anlageberater zu qualifizieren, der bezüglich Geschäften mit steuerbaren Urkunden berät. Im Folgenden ist unter Be- rücksichtigung der übrigen Auslegungselemente zu untersuchen, ob diese weite Auslegung dem wahren Sinn der Norm entspricht oder ob diese eine engere Auslegung des Begriffs des Anlageberaters nahelegen (E. 4.4.2.1). 4.4.2.4 Um die Entstehungsgeschichte der eingangs genannten Rechts- norm näher zu beleuchten, soll zunächst ihre alte Fassung betrachtet wer- den. Im Stempelabgabengesetz in der Fassung bis 31. März 1993 lautete aArt. 13 Abs. 3 Bst. a StG (AS 1974 11, 17) wie folgt: «Effektenhändler sind natürliche und juristische Personen und Personengesellschaften, die ge- werbsmässig den An- und V erkauf von Urkunden im Sinne von Absatz 2 für eigene oder fremde Rechnung betreiben». Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung konnte auch Effektenhändler sein, wer bloss gewerbs- mässig vermittelt, ohne gleichzeitig im eigenen Namen an Kaufgeschäften beteiligt zu sein (Urteil des BGer vom 4. März 1985, veröffentlicht in: ASA A-5038/2020 Seite 21 54, S. 599 ff., E. 1c mit V erweis auf PAUL AMSTUTZ/ERNST WYSS, Das eid- genössische Stempelsteuerrecht, 1930, S. 126 und Botschaft des Bundes- rates an die Bundesversammlung vom 16. Mai 1917 betreffend den Erlass eines Ausführungsgesetzes zu Art. 41bis der Bundesverfassung [Bundes- gesetz über die Stempelabgaben] [nachfolgend: Botschaft aStG], BBl 1917 III 83, 119). Mit der T eilrevision vom 4. Oktober 1991 wurde unter anderem der umsatz- abgabebefreite Handelsbestand eingeführt (vgl. Art. 14 Abs. 3 StG, wel- cher auf die gewerbsmässigen Effektenhändler gemäss Art . 13 Abs . 3 Bst. a und b Ziff. 1 StG verweist). Dabei beabsichtigte der Gesetzgeber, dass nur die eigentlichen Händler, nicht aber die gewerbsmässigen V er- mittler und die übrigen Effektenhändler in den Genuss dieser neuen Befrei- ung kommen sollten. Der Gesetzgeber sah nämlich die Gefahr, dass ab- gabepflichtige Holding- und Industriegesellschaften sich als «gewerbsmäs- sige» Händler bezeichnen, um auf diesem Wege eine Freistellung von der Umsatzabgabe zu erwirken, obwohl sich ihre Geschäfte auf die nach der Rechtsprechung nicht als gewerbsmässig geltende V erwaltung des eige- nen V ermögens beschränken. Aus diesem Grund und mit Blick auf die Rechtssicherheit wurde der Effektenhändlerbegriff dahingehend konkreti- siert, dass unter Bst. a (von Art. 13 Abs. 3 StG) die Banken und die bank- ähnlichen Finanzgesellschaften erwähnt sind, während Bst. b neu die (nicht unter Bst. a fallenden) gewerbsmässigen Händler und V ermittler auf- zählt (zum Ganzen: Botschaft vom 5. Juni 1989 zur Neuordnung der Bun- desfinanzen und zur Änderung des Bundesgesetzes über die Stempelab- gaben [nachfolgend: Botschaft T eilrevision 1991], BBl 1989 III 1, 69 f.; vgl. auch: HANS-JOACHIM JAEGER/CHRISTOPHE ADANK, in: Kommentar StG, Art. 13 N. 61). Dabei wurde in der Botschaft ausdrücklich festgehalten, dass die in Bst. a und b verwendeten Formulierungen (nur) der Konkreti- sierung des bisher geltenden Rechts dienen würden und dass der Kreis der Personen, welche wegen der Ausübung einer gewerbsmässigen Tätig- keit abgabepflichtig seien, folglich nicht ausgedehnt werde (Botschaft T eil- revision 1991, BBl 1989 III 1, 70). Nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts zeigt die Entstehungsge- schichte auf, dass der Gesetzgeber mit der T eilrevision vom 4. Oktober 1991 die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach gewerbsmässige V ermittler ebenfalls Effektenhändler gemäss aArt. 13 Abs. 3 Bst. a StG seien, in das Stempelabgabengesetz integrieren wollte. Dies ergibt sich auch aus dem in der Botschaft enthaltenen Hinweis auf das entsprechende A-5038/2020 Seite 22 Bundesgerichtsurteil. Obwohl der Wortlaut des im Gesetz verankerten Ef- fektenhändlerbegriffs ausgedehnt wurde, stellt die Botschaft klar, dass da- mit in materieller Hinsicht keine Ausdehnung des abgabepflichtigen Perso- nenkreises einhergehe, mithin die bestehende Re chtslage unverändert weiter gelte. V or diesem Hintergrund ist offensichtlich, dass der Gesetzge- ber mit der gesetzlichen V erankerung des gewerbsmässigen V ermittlers erst recht keine Einschränkung des abgabepflichtigen Personenkreises be- absichtigt haben kann. Insofern überrascht es nicht, dass die Botschaft le- diglich zu einer möglichen Ausdehnung des Effektenhändlerbegriffs Stel- lung nimmt (und eine solche verneint). In Bezug auf die konkrete Bedeutung der Formulierung «als Anlageberater oder V ermögensverwalter» äussert sich die Botschaft nicht. Allerdings ist aus dem Kontext ersichtlich, dass sich die Notwendigkeit einer präziseren Definition des gewerbsmässigen Händlers im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. a und b Ziff. 1 StG – neben dem allgemeinen Interesse der Rechtssi- cherheit – aufgrund der Einführung des umsatzabgabebefreiten Handels- bestands ergab. Damit war gleichzeitig eine präzisere Definition des ge- werbsmässigen V ermittlers notwendig, um diesen vom gewerbsmässigen Händler abzugrenzen (und in der Folge vom umsatzabgabebefreiten Han- delsbestand auszuschliessen). Daraus lässt sich ableiten, dass die Formu- lierung «als Anlageberater oder V ermögensverwalter» vor allem der Ab- grenzung des V ermittlers vom Händler dient (vgl. auch: Urteil 2C_638/2020 E. 3.2.1). Da sowohl der gewerbsmässige V ermittler als auch der gewerbs- mässige Händler grundsätzlich Effektenhändler sind, kann die erwähnte Formulierung nach diesem V erständnis nicht dazu verwendet werden, den Effektenhändlerbegriff einschränkend auszulegen. In Bezug auf die histo- rische Auslegung des Begriffs des Anlageberaters bedeutet dies in der Konsequenz, dass dieser ebenfalls nicht einschränkend, sondern – in Übereinstimmung mit dem grammatikalischen Element (E. 4.4.2.3) – viel- mehr weit auszulegen ist. 4.4.2.5 Die Umsatzabgabe ist eine Rechtsverkehrssteuer auf dem Ab- schluss von V erträgen betreffend die entgeltliche Übertragung von steuer- baren Urkunden ( E. 2.5). Dabei werden nicht sämtliche V ertragsab- schlüsse der Umsatzabgabe unterstellt, sondern bloss jene, an denen ein inländischer Effektenhändler beteiligt ist (E. 2.1). Dieser wird denn auch abgabepflichtig (Art. 17 Abs. 1 StG; vgl. auch: E. 2.3.1 und 2.4.3). Die Be- grenzung der Umsatzabgabe auf V ertragsabschlüsse mit Beteiligung eines Effektenhändlers war ursprünglich praktisch bedingt ( ausführlich: Urteil A-5038/2020 Seite 23 2C_638/2020 E. 3.7.2). So hielt der Bundesrat bei der Einführung der Um- satzabgabe fest, dass diese Begrenzung bezwecke, die Kontrolle des Ab- gabebezugs zu sichern (Botschaft aStG, BBl 1917 III 83, 119). Im Zuge der T eilrevision vom 22. Dezember 1927 präzisierte er, dass die direkten Um- sätze zwischen Privaten eigentlich auch steuerwürdig wären, diese aber nicht kontrollierbar seien (Botschaft des Bundesrates an die Bundesver- sammlung vom 28. Mai 1926 über den Erlass eines Bundesgesetzes be- treffend die Abänderung der Bundesgesetze vom 4. Oktober 1917 über die Stempelabgaben und vom 25. Juni 1921 betreffend die Stem pelabgabe auf Coupons [nachfolgend: Botschaft T eilrevision 1927], BBl 1926 I 727, 743 f.). Dass der Gesetzgeber in der Folge den Effektenhändlerbegriff auf gewisse Private – die nicht-professionellen «übrigen Effektenhändler» – ausgedehnt hat (vgl. Art. 13 Abs. 3 Bst. d StG), sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt. Der Umsatzabgabe liegt somit – soweit hier interessierend – folgende Wer- tung zugrunde: Grundsätzlich wären sämtliche entgeltlichen Übertragun- gen von steuerbaren Urkunden steuerwürdig, aber die Erhebung der Um- satzabgabe bei Übertragungen, an denen kein Effektenhändler beteiligt ist, ist nicht praktikabel. Diese Wertung führt zur logischen Schlussfolgerung, dass es nicht im Sinne des Gesetzgebers wäre, den Effektenhändlerbegriff ohne zwingende Gründe einschränkend auszulegen, insbesondere in Fäl- len, in welchen die Erhebung der Umsatzabgabe bzw. die Kontrolle des Abgabebezugs ohne Weiteres praktikabel wäre. Dies muss in der Konse- quenz auch für die Auslegung des Begriffs des Anlageberaters gelten. Der Gesetzgeber geht (teilweise implizit) davon aus, dass bei gewerbs- mässig abgeschlossenen oder vermittelten Geschäften die Praktikabilität der Abgabenerhebung bzw. die Kontrolle des Abgabenbezugs gegeben ist (vgl. Botschaft aStG, BBl 1917 III 83, 119; Botschaft T eilrevision 1927, BBl 1926 I 727, 743 f.). Insofern legt das teleologische Element nahe, dass – falls eine gewerbsmässige V ermittlungstätigkeit gegeben ist – der Begriff des Anlageberaters nicht eng ausgelegt werden darf. 4.4.2.6 Eine systematische Betrachtung zeigt, dass der Begriff «Anlagebe- ratung» ebenfalls im Finanzdienstleistungsgesetz enthalten ist. Dort wird Anlageberatung definiert als «die Erteilung von persönlichen Empfehlun- gen, die sich auf Geschäfte mit Finanzinstrumenten beziehen» (Art. 3 Bst. c Ziff. 4 FIDLEG). Diese Definition enthält insofern eine gewisse Ein- schränkung, als die Beratung auf die persönlichen Bedürfnisse des Auf- traggebers zugeschnitten sein muss (vgl. DA VID JOST, Der Anlegerschutz A-5038/2020 Seite 24 im Finanzdienstleistungsgeschäft, 2018, S. 51; SANDRO ABEGGLEN/LÉONIE LUTERBACHER, Transaktionsbezogene vs. portfoliobezogene Anlagebera- tung unter FIDLEG: keine einfache Abgrenzung, in: SZW 2018 S. 462 ff., S. 463). Somit bestätigt das systematische Element grundsätzlich die in E. 4.4.2.3 dargelegte, weite Auslegung des Begriffs des Anlageberaters im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG. Ob dieser, wie derjenige im Fi- nanzdienstleistungsgesetz, Beratung erbringen muss, die auf die persönli- chen Bedürfnisse des Auftraggebers zugeschnitten ist, kann vorliegend of- fenbleiben. Wie nachfolgend zu zeigen ist, würde die Beschwerdeführerin auch diese etwas engere Definition des Anlageberaters ohne Weiteres er- füllen (vgl. nachfolgend: E. 4.4.3). 4.4.2.7 Als Ergebnis ist festzuhalten, dass auch die übrigen Auslegungs- elemente die weite Auslegung des Begriffs des Anlageberaters stützen. Demnach ist Anlageberater, wer bezüglich Geschäften mit steuerbaren Ur- kunden berät. Daran können auch die diversen Einwände der Beschwerdeführerin nichts ändern: Die Beschwerdeführerin bringt zunächst vor, dass Art. 13 Abs. 3 Bst. b StG für bankähnliche Institutionen eingeführt worden sei. Demnach müsse eine Person eine «Bankennähe» aufweisen, damit sie als Anlageberaterin zu qualifizieren sei . Mit diesem Einwand vernachlässigt die Beschwerdefüh- rerin, dass der Gesetzgeber gerade mit Art. 13 Abs. 3 Bst. b StG diejenigen Personen bezeichnet hat, die – gemäss seiner Auffassung – ähnlich wie die Banken eine besonders enge Beziehung zum Handel mit steuerbaren Urkunden pflegen (in diesem Sinne ist wohl auch die von ihr angeführte Literaturstelle zu verstehen: HANS PETER HOCHREUTENER, Die Eidgenössi- schen Stempelabgaben und die V errechnungssteuer, 2013, S. 215 N. 1259). Somit verbleibt für zusätzliche Kriterien wie die «Bankennähe» keinen Raum. Zudem ist die nicht weiter substantiierte Behauptung der Be- schwerdeführerin, wonach auch die Entstehungsgeschichte ihren Einwand stütze, für das Bundesverwaltungsgericht nicht nachvollziehbar, zumal die obigen Ausführungen das Gegenteil nahelegen (E. 4.4.2.4). Des Weiteren vertritt die Beschwerdeführerin die Auffassung, dass ein An- lageberater seine Kunden über einen längeren Zeitraum begleiten müsse. Diese Ansicht entspricht aber weder der zivilrechtlichen Rechtsprechung des Bun desgerichts z um Anlageberatungsvertrag ( explizit: Urteil 4A_519/2020 E. 4.3, wonach auch «punktuelle Anlageberatungsverträge» A-5038/2020 Seite 25 möglich seien) noch der Legaldefinition im Finanzdienstleistungsgesetz (VOGEL/HEIZ/LUTHIGER, FIDLEG/FINIG Kommentar, 2020, Art. 3 N. 86). Die Beschwerdeführerin weist mit Blick auf die Botschaft T eilrevision 1991 (BBl 1989 III 1) ferner darauf hin, dass der Gesetzgeber den Kreis der ab- gabepflichtigen Personen mit den Begriffen «Anlageberater» und «V ermö- gensverwalter» bewusst eingeschränkt habe. Sie leitet diese Erkenntnis von der T atsache ab, dass der Gesetzgeber beim gewerbsmässigen Händ- ler ausschliesslich auf die Handelstätigkeit abstelle und auf ein zusätzli- ches Kriterium wie «als Anlageberater oder V ermögensverwalter» verzich- tet habe. Dieser Argumentation ist mit Blick auf die Entstehungsgeschichte entgegenzuhalten, dass der Gesetzgeber mit der T eilrevision vom 4. Okto- ber 1991 den Kreis der abgabepflichtigen Personen gerade nicht ein- schränken wollte (E. 4.4.2.4). Im Übrigen kann au s dem Umstand, dass beim gewerbsmässigen Händler kein zusätzliches Kriterium wie «als Anla- geberater oder V ermögensverwalter» zu finden ist, keine Erkenntnis für die Auslegung des Begriffs des Anlageberaters (oder V ermögensverwalters) gewonnen werden. Überdies widerspricht eine weite Auslegung des Begriffs des Anlagebera- ters nicht dem abgaberechtlichen Legalitätsprinzip wie die Beschwerdefüh- rerin behauptet. Gemäss Art. 127 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV , SR 101) be- darf die Erhebung öffentlich -rechtlicher Abgaben grundsätzlich eines rechtssatzmässigen und formell-gesetzlichen Fundaments (Erfordernis der Normstufe) und hat das Gesetz die grundlegenden Bestimmungen über den Kreis der Abgabepflichtigen (Abgabesubjekt), den Gegenstand (Abga- beobjekt) und die Bemessung der Abgabe (Bemessungsgrundlage und -tarif) festzulegen (Erfordernis der Normdichte) (zum Ganzen statt vieler: BGE 146 II 97 E. 2.2.4, 145 I 52 E. 5.2.1 und 142 II 182 E. 2.2.1 f.). Nach der Rechtsprechung darf das Gebot nach Bestimmtheit rechtlicher Normen indes nicht in absoluter Weise verstanden werden. Der Gesetzgeber kann nicht darauf verzichten, allgemeine und mehr oder minder vage Begriffe zu verwenden, deren Auslegung und Anwendung der Praxis überlassen wer- den muss (BGE 138 IV 13 E. 4.1, 131 II 271 E. 6.1 und 109 IA 273 E. 4d m.w.H.; vgl. auch: KLAUS A. VALLENDER/RENÉ WIEDERKEHR, in: Ehrenzeller/ Schindler/Schweizer/V allender [Hrsg.], Die schweizerische Bundesverfas- sung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, Art. 127 N. 7; PETER LOCHER, Das Legalitätsprinzip im Steuerrecht, in: ASA 60 S. 1 ff., S. 6 f.). V or die- sem Hintergrund ist aus Sicht des abgaberechtlichen Legalitätsprinzips nicht zu beanstanden, dass der in Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG – einem A-5038/2020 Seite 26 Gesetz im formellen Sinn – enthaltene Begriff des Anlageberaters ausle- gungsbedürftig ist. Darüber hinaus liegt nach Ansicht des Bundesverwal- tungsgerichts keine extensive Gesetzesauslegung vor, wenn der Begriff des Anlageberaters weit verstanden wird; zumal bereits der Wortlaut eine entsprechende Auslegung nahelegt (E. 4.4.2.3). Somit kann von einem un- zulässigen Eingriff in die rechtspolitis che Kompetenz des Gesetzgebers nicht die Rede sein. Schliesslich ist noch auf den V orwurf der Beschwerdeführerin einzugehen, die V orinstanz habe im angefochtenen Einspracheentscheid den Begriff des Anlageberaters nicht ausgelegt, sondern bloss mit der gewerbsmässi- gen V ermittlung gleichgesetzt. Wie die V orinstanz zu Recht ausführt, könn- ten vor allem die Entstehungsgeschichte, aber auch der Sinn und Zweck der Norm darauf hindeuten, dass der Formulierung «als Anlageberater oder V ermögensverwalter» keine eigenständige Bedeutung für die Frage zukommt, ob eine gewerbsmässig vermittelnde Person Effektenhändler ist (vgl. insbesondere: E. 4.4.2.4). Diese Interpretation würde nahelegen, dass es sich bei der genannten Formulierung um eine beispielhafte Auf- zählung einer gewerbsmässigen V ermittlungstätigkeit zum Zwecke der Ab- grenzung zum gewerbsmässigen Händler handelt. Ob dies zutrifft, kann an dieser Stelle aber offenbleiben, da die Beschwerdeführerin – wie nachfol- gend in E. 4.4.3 aufzuzeigen sein wird – ohnehin als Anlageberaterin zu qualifizieren ist. 4.4.3 Nach dem Gesagten ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin eine Anlageberaterin im Sinne der E. 4.4.2 ist. Dies trifft zu, wenn sie bezüglich Geschäften mit steuerbaren Urkunden berät. Es ist aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin diverse Beratungsdienst- leistungen erbringt, die T eil des gesamten V erkaufsprozesses sind (E. 4.3.2.1). Darunter fällt insbesondere die persönliche, auf die Bedürf- nisse des Auftraggebers zugeschnittene Beratung beim Erstellen von V er- kaufsdokumentationen, bei der V ermarktung, bei der Due Diligence, in der V erhandlung sowie bei der Redaktion des Kaufvertrags (vgl. auch: E. 4.1). Dies wird im Übrigen von der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten. Zudem kann dem Mustervertrag entnommen werden, dass sie ihrem Auf- traggeber erste Informationen über die (von ihr gefundenen) Interessenten im Sinne einer Entscheidungsgrundlage zur V erfügung stellt. Ihr Leitfaden für V erkäufer (www.[...], abgerufen am 14. Oktober 2021) führt zu diesem Schritt Folgendes aus: «Wir werden Ihnen alle Angebote präsentieren, die für Ihr Unternehmen abgegeben wurden und alle V or- und Nachteile mit A-5038/2020 Seite 27 Ihnen abwägen». Damit liegt im Ergebnis auch in dieser Hinsicht eine per- sönliche Beratungsdienstleistung vor. Ebenfalls ergibt sich aus den Akten, dass sich diese Beratungsdienstleis- tungen auf Geschäfte mit steuerbaren Urkunden beziehen. So berät die Beschwerdeführerin überwiegend V erkäufe von juristischen Personen mit- tels Share Deal (E. 4.3.2.2). Dabei ist unerheblich, dass sich di e Bera- tungstätigkeiten ausschliesslich auf den Verkauf von steuerbaren Urkun- den beziehen. Wie bereits dargelegt, ist der Begriff des Anlageberaters weit auszulegen, so dass Beratung bezüglich Geschäften mit steuerbaren Ur- kunden grundsätzlich genügt (E. 4.4.2). Insbesondere ist nicht erforderlich, dass zusätzlich Beratungstätigkeiten ausgeübt werden müssen, die sich auf den Kauf von steuerbaren Urkunden beziehen. Im Übrigen ist d iese Schlussfolgerung auch im Einklang mit der bisherigen bundesverwaltungs- gerichtlichen Rechtsprechung, wonach der V ermittler im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG (gewerbsmässig) Wertpapiergeschäfte vermittelt (Urteil A-515/2007 E. 3.1.3; vgl. auch: E. 4.2.2.1). Ebenso spricht das Bun- desgericht in diesem Zusammenhang bloss von «V ermittlung steuerbarer Urkunden» (Urteil 2C_638/2020 E. 3.2.1; Hervorhebung durch das Bun- desverwaltungsgericht). Ebenfalls ist für die Qualifikation als Anlageberater unerheblich, wenn die Beschwerdeführerin vorbringt, ihre Auftraggeber würden mit dem Ziel zur Desinvestition auf sie zukommen und dabei den V erkaufsentscheid bereits gefasst haben. Zwar trifft es wohl zu, dass die Auftraggeber den Entscheid, dass sie ihr Unternehmen verkaufen wollen, bereits gefällt haben. Jedoch wird dieser V erkaufsentscheid durch die Beschwerdeführerin entscheidend konkretisiert, indem sie namentlich die Gegenpartei bzw. potenzielle Käu- fer sucht und sich an den V erhandlungen über die V erkaufsmodalitäten (Kaufpreis etc.) beteiligt (E. 4.1 und 4.2.3.1). 4.4.4 Als drittes Zwischenfazit ist demnach festzuhalten, dass die Be- schwerdeführerin auch Anlageberaterin im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG – und damit Effektenhändlerin – ist. 4.5 Schliesslich ist auf das verbleibende Argument der Beschwerdeführerin einzugehen, wonach ihr nicht bekannt sei, dass «andere M&A-Unterneh- men» gestützt auf Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG als Effektenhändlerinnen erfasst worden seien. Demnach handle es sich vorliegend um einen nicht begründeten Einzelfall, der auch dem Gebot der rechtsgleichen Behand- lung widerspreche. A-5038/2020 Seite 28 Nachdem die Rechtmässigkeit der Qualifikation der Beschwerdeführerin als Effektenhändlerin bejaht wurde (E. 4.2–4.4), verlangt sie mit obigem V orbringen sinngemäss eine Gleichbehandlung im Unrecht. Nach der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung geht der Grundsatz der Gesetzmässig- keit der V erwaltung in der Regel der Rücksicht auf die gleichmässige Rechtsanwendung vor. Der Umstand, dass das Gesetz in anderen Fällen nicht oder nicht richtig angewendet worden ist, gibt den Bürgern grundsätz- lich keinen Anspruch darauf, ebenfalls abweichend vom Gesetz behandelt zu werden. Ausnahmsweise und unter strengen Bedingungen wird jedoch im Rahmen des verfassungsmässig verbürgten Gleichheitssatzes ein An- spruch auf Gleichbehandlung im Unrecht anerkannt (Art. 8 Abs. 1 BV; ein- gehend hierzu: PIERRE TSCHANNEN, Gleichheit im Unrecht: Gerichtsstrafe im Grundrechtskleid, in: ZBI 112/2011 S. 57 ff.). Die Gleichbehandlung im Unrecht setzt voraus, dass die zu beurteilenden Fälle in den tatbestands- erheblichen Sachverhaltselementen übereinstimmen und dieselbe Be- hörde in ständiger Praxis vom Gesetz abweicht (zum Ganzen statt vieler: BGE 146 I 105 E. 5.3.1, 139 II 49 E. 7.1, 136 I 65 E. 5.6 und 123 II 248 E. 3c). Im vorliegenden Fall sind die strengen V oraussetzungen für eine Gleichbe- handlung im Unrecht nicht erfüllt. Zum einen unterlässt es die Beschwer- deführerin, substantiiert vorzutragen, inwiefern ihr Fall mit den Fällen «an- derer M&A-Unternehmen» in den tatbestandserheblichen Sachverhalts- elementen übereinstimmt. Zum anderen ist auch nicht ersichtlich, inwiefern eine rechtswidrige Praxis der V orinstanz vorliegen soll. Da bei den Stem- pelabgaben das Selbstveranlagungsprinzip gilt (vgl. Art. 34 StG), kann der Abgabepflichtige nicht geltend machen, der Fiskus habe sein (unkorrektes oder fehlerhaftes) V erhalten stillschweigend geduldet, selbst wenn die ESTV dessen Betrieb während längerer Zeit nicht an Ort und Stelle geprüft hat (Urteile des BVGer A -2777/2016 vom 4. Juli 2017 E. 2.3.2 und A-515/2007 vom 26. März 2010 E. 3.1.5 m.w.H.). Entsprechend ist der Schluss der Beschwerdeführerin, wonach die V orinstanz (angebliche) Nichtanmeldungen von abgabepflichtigen Konkurrentinnen stillschweigend dulde, unzulässig. 4.6 Nach dem Gesagten hat die V orinstanz die Beschwerdeführerin zu Recht als Effektenhändlerin im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG qualifiziert. Damit erweist sich die Beschwerde insgesamt als unbegründet und ist abzuweisen. A-5038/2020 Seite 29 5. Abschliessend bleibt über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Be- schwerdeverfahrens zu befinden. 5.1 Ausgangsgemäss sind die V erfahrenskosten in Höhe von Fr. 5'000.– der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1–4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu entnehmen. 5.2 Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario). Als Bundesbehörde steht eine solche auch der V o- rinstanz nicht zu (Art. 7 Abs. 3 VGKE). Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite. A-5038/2020 Seite 30 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht : 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die V erfahrenskosten in Höhe von 5'000.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Der im gleichen Umfang einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Begleichung der V erfahrenskosten verwendet. 3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die V orinstanz (Ref-Nr. […]; Gerichtsurkunde) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Jürg Steiger Roger Gisclon A-5038/2020 Seite 31 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 T agen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten T ag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen V er- tretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Un- terschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). V ersand: