Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. August 2014 (720 12 254 / 205) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anordnung eines bidisziplinären Gerichtsgutachtens; gestützt auf das Ergebnis der neu- en Begutachtung Zusprechung einer ganzen IV-Rente in Anwendung der gemischten Methode bei einer Aufteilung Erwerb und Haushalt von 80 % resp. 20 % Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin E lisabeth Berger Götz, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Nikolaus Tamm , Adv o- kat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ meldete sich mit Gesuch vom 25. Mai 2011 (Eingang bei der IV-Stelle Basel- Landschaft [IV-Stelle] am 26. Mai 2011) unter Hinweis auf Erschöpfungsdepression, Depressio- nen, Diskushernie und Gleitsichtunverträglichkeit b ei der Eidgenössischen Invalidenversiche- rung (IV) zum Leistungsbezug an. In der Folge klärte die IV-Stelle die gesundheitlichen, erwerb- lichen und hauswirtschaftlichen Verhältnisse ab und lehnte mit Verfügung vom 2. Juli 2012 nach Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Durchführung des Vorbescheidverfahrens einen Rentenanspruch ab. Dabei gelangte sie in An- wendung der gemischten Bemessungsmethode mit den Anteil en Erwerb und Haushalt von 80 % bzw. 20 % zu einem unter der Erheblichkeitsgrenze von 40 % liegenden IV-Grad von 22 %. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Raf faella Biaggi, am 28. August 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Ge- richt) und beantragte die Aufhebung der angefochtene n Verfügung und die Zusprechung einer Invalidenrente nach den gesetzlichen Bestimmungen, alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. In verfahrensrechtlicher Hinsicht bean tragte sie die Bewilligung der un- entgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung. Mit Eingabe vom 4. Oktober 2012 liess die Beschwerdeführerin dem Gericht verschiedene ärztliche Be richte und Stellungnahmen zukom- men. C. Mit Verfügung vom 15. Oktober 2012 bewilligte di e instruierende Präsidentin der Be- schwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokatin Biaggi. D. Mit Vernehmlassung vom 15. November 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. E. Mit Eingabe vom 7. Januar 2013 liess die Beschwerdefüh rerin dem Gericht weitere me- dizinische Unterlagen zukommen, wozu sich die Beschwerdegegn erin mit Eingabe vom 17. Januar 2013 im Rahmen des rechtlichen Gehörs äusserte. F. Anlässlich der Urteilsberatung vom 31. Januar 2013 g elangte das Gericht zur Auffas- sung, dass eine Beurteilung der Angelegenheit nicht mö glich sei und beschloss zur abschlies- senden Klärung der medizinischen Sachlage, ein bidisziplinäres rheumatologisches / psychiatri- sches Gerichtsgutachten bei der Gutachterstelle B.____ i n Auftrag zu geben. Die Parteien er- hielten in der Folge Frist, um zur Gutachterstelle und zum Fragenkatalog Stellung zu nehmen. Mit Mitteilungen vom 18. März 2013 und vom 6. Mai 2013 erhoben die Parteien keine Einwände gegen die Gutachterstelle und erklärten sich mit dem Fr agenkatalog einverstanden. Die Gut- achterstelle B.____ erstattete ihr Gutachten am 27. Dezember 2013. G. Die Beschwerdeführerin, neu vertreten durch Advokat N ikolaus Tamm, liess sich mit Eingabe vom 25. Februar 2014 und die Beschwerdegegner in mit Stellungnahme vom 7. März 2014 zum Gutachten der Gutachterstelle B.____ und zum Rentenanspruch vernehmen. Auf die in den Schriften vorgebrachten Begründungen der Parteien wird – soweit für die Be- gründung notwendig – in den Erwägungen eingegangen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 28. August 2012 ist demnach einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die Beschwer deführerin Anspruch auf eine In- validenrente hat. 3.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich blei- bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilwei se Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geist igen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgeb rechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 3.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in ein em Aufgabenbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigke it nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in wel- chem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgabenb ereich zu betätigen (Betätigungs- vergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig si nd oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen u nd der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte M ethode der Invaliditätsbemes- sung; Art. 28a IVG). 3.5 Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG setzt der Anspruch auf eine IV-Rente voraus, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min- destens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist (sog. Wartejahr) . Die Wartezeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffne t, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. Als erheblich gi lt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (Urteil des Bundesgerichts vom 24. November 2010, 9C_757/ 2010, E. 4.1). Gemäss Art. 29 ter der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invaliden versicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 liegt ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfä higkeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 au feinanderfolgenden Tagen voll ar- beitsfähig war. 3.6 Die Rentenhöhe schliesslich ist sowohl vom Ausmass der nach Ablauf der Wartezeit weiterhin bestehenden Erwerbsunfähigkeit als auch von e inem entsprechend hohen Grad der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit während des vorang egangenen Jahres abhängig. Die durchschnittliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit während eines Jahres und die nach Ab- lauf der Wartezeit bestehende Erwerbsunfähigkeit müssen somit kumulativ und in der für die einzelnen Rentenabstufungen erforderlichen Mindesthöhe gegeben sein, damit eine Rente im entsprechenden Umfang zugesprochen werden kann (Urtei l des Bundesgerichts vom 5. Mai 2011, 9C_996/2010, E. 7.1; BGE 121 V 264 E. 6b/cc, 105 V 156 E. 2c/d). 3.7 Mit der 5. IVG-Revision per 1. Januar 2008 wurde eine sechsmonatige Wartefrist ab Einreichung des Leistungsgesuchs eingeführt (Art. 29 Ab s. 2 IVG). Der Rentenanspruch kann heute folglich frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leis- tungsanspruchs ausgerichtet werden. Gemäss Art. 29 Abs. 3 IVG wird die IV-Rente vom Beginn des Monats ausgerichtet, in dem der Rentenanspruch entst eht. Vorliegend meldete sich die Beschwerdeführerin am 26. Mai 2011 zum Bezug von IV-Le istungen an. Dies bedeutet, dass die sechsmonatige Wartefrist von Art. 29 Abs. 1 IVG am 2 5. November 2011 abgelaufen ist. Gestützt auf Art. 29 Abs. 3 IVG kann ein allfälliger Re ntenanspruch der Beschwerdeführerin somit frühestens am 1. November 2011 entstanden sein. 4.1 Die Beschwerdegegnerin berechnete die IV-Rente an hand der gemischten Methode mit den Anteilen Erwerb 80 % und Haushalt 20 %. Bei der Festsetzung der Anteile Erwerb/Haushalt verwies sie auf die Haushaltsabklärung vom 15. Dezember 2 011 und auf die von der Be- schwerdeführerin unterzeichnete Erklärung vom 9. Januar 2012. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Die Beschwerdeführerin stellt sich in der Beschwerde auf den Standpunkt, dass von einer Aufteilung 90 % Erwerb und 10 % Haushalt auszu gehen sei. Es könne nicht auf die An- gaben im Abklärungsbericht Haushalt abgestellt werden. Aufgrund der Akten stehe fest, dass sie per November 2011 ein 90 % Pensum angetreten hätte . Die entsprechenden Arbeitsverträ- ge seien bereits unterschrieben worden. Sie sei am St ellenantritt ausschliesslich aus gesund- heitlichen Gründen verhindert gewesen. 4.3 Wie es sich mit der Aufteilung Erwerb/Haushalt im vo rliegenden Fall verhält, kann – wie in den nachstehenden Erwägungen aufgezeigt wird – offe ngelassen werden. 5.1 Im Zusammenhang mit der Ermittlung der Einschränku ng im Erwerbsbereich ist zu klä- ren, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträch- tigungen arbeitsunfähig ist. 5.2.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Ar beitsunfähigkeit die durch eine Be- einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundh eit bedingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Die ärztlichen Stellungnahmen b ilden in diesem Zusammenhang eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbark eit, also der Frage, welche anderen Er- werbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbei t von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden könne n (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes eine r versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Str eitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verf ügung zu stellen sind. Im Weiteren ist es Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes, dazu Stellung zu ne hmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbe itsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). 5.2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, au ch die geklagten Beschwerden be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung de r medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des E xperten begründet sind. Ausschlagge- bend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag ge gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Den noch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesgerichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Ri chtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellunge n dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). 5.3 Schliesslich ist in verfahrensrechtlicher Hinsicht noch darauf zu verweisen, dass der Sozialversicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrsch t ist. Danach hat das Ge- richt von Amtes wegen für die richtige und vollständige A bklärung des rechtserheblichen Sach- verhalts zu sorgen (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E . 1a, je mit weiteren Hinweisen). In beweisrechtlicher Hinsicht ist nach dem im Sozialversicheru ngsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden. Die blo sse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1). 6.1 Anlässlich der Urteilsberatung vom 31. Januar 2013 gelangte das Gericht zur Auffas- sung, dass eine abschliessende Einschätzung der Angelegenheit gestützt auf die bei den Akten liegenden unterschiedlichen fachärztlichen Beurteilungen nicht möglich sei. Dem von der Be- schwerdegegnerin im Verwaltungsverfahren bei Dr. med. C.____, Rheumatologie FMH, und Dr. med. D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, eingeholte rheumatologische und psychiat- rische Gutachten vom 24. Oktober/11. November 2011 kön ne keine ausschlaggebende Be- weiskraft zukommen. Zum Einen seien die Auswirkungen der von Dr. D.____ gestellten Diag- nose Neurasthenie unklar. Hinzu komme, dass Dr. D.____ de n Status nach mittelgradiger de- pressiver Episode diagnostiziere, die psychiatrische Klinik E.____ in ihren Austrittsberichten vom 18. April 2011 und vom 20. März 2012 sowie auch Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem Bericht vom 29. Juli 2011 und in der ausführlichen Stellungnahme vom 3. Oktober 2008 (recte: 2012) aber eine rezidivieren de depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, diagnostizieren würden. Weiter bestünden auch in Bezug auf die Medi- kamenteneinnahme unterschiedliche Auffassungen, die abge klärt werden müssten. Zudem sei abzuklären, wie sich die von der psychiatrischen Klinik E._ ___ im Austrittsbericht zur dritten Hospitalisation der Beschwerdeführerin vom 29. November 2 012 diagnostizierte bipolare affek- tive Störung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefü hrerin auswirke. Zur Klärung der medizi- nischen Sachlage gab das Gericht bei der Gutachterstelle B.____ ein Gerichtsgutachten in Auf- trag. 6.2 Das Gutachterteam der Gutachterstelle B.____ – beste hend aus Dr. med. G.____, Facharzt für Arbeitsmedizin FMH, (internistischer Teil und Fallführung), Dr. med. H.____, Fach- arzt für Allgemeine Innere Medizin FMH und Facharzt für Rheumatologie, (rheumatologischer Teil) und Dr. med. I.____, Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie, (psychiat- rischer Teil) – diagnostiziert im Gutachten vom 19. Deze mber 2013 mit Einfluss auf die Arbeits- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht fähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel- bis schwergradige depres- sive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11/F32 .2), eine Persönlichkeitsakzentuie- rung mit ängstlich-vermeidenden, dependenten und histr ionischen Zügen (ICD-10 Z73.1), DD kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61), eine An gststörung (ICD-10 F41.1), derzeit subsyndromal unter Benzodiazepin-Medikation, und ein ch ronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5) bei degenerativen Verände rungen im Lumbosakralsegment. Im Rahmen der Konsensbeurteilung hält das Gutachtertea m fest, dass sich im Rahmen der klinisch-internistischen Untersuchung keine Befunde gezeigt hätten, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Ein im rheumatologischen Te ilgutachten berichtetes retrosternales En- gegefühl müsse bei Entwicklung einer typischen pectangiösen Symptomatik durch einen Belas- tungstest untersucht werden. In der durchgeführten Labo runtersuchung zeige sich ein vermin- derter Wert für freies Serumeisen bei gleichzeitig ver mindertem Eisenspeicher. Zwar befinde sich das Hämoglobin noch im normalen Bereich, die Blutk örperchen seien aufgrund des Eisen- mangels aber bereits in ihrem Volumen geschrumpft und w ürden einen verminderten Eisenan- teil enthalten. Unter Berücksichtigung der Beschwerden werde daher eine Eisensubstitution empfohlen, welche die Beschwerden, vor allem die Erschöp fung und die Müdigkeit, möglicher- weise bessern könne. Ebenso sei der Vitamin D-Spiegel u nzureichend, was gemäss Literatur möglicherweise im Zusammenhang mit Beschwerden des muskulo skelettalen Systems stehe. Es werde daher eine Vitamin-D-Substitution empfohlen, welche ebenfalls möglicherweise zu einer Beschwerdebesserung führen könne. Von Seiten des Bewegungsapparates bestehe bei ausgeprägten degenerativen Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule ein chronisches lumbo vertebrales Schmerzsyndrom mit Kompromittierung der Nervenwurzel S1 rechts. Obwohl die Explorandin als Sachbearbeiterin eine körperlich leichte Tätigkeit habe, komme es zu einer Beschwerdeverstärkung im Sitzen, so dass dieser Diagnose eine Auswirkung auf die Arbeitsfäh igkeit zuerkannt werde. Dem Vorgut- achter Dr. C.____ könne aus rheumatologischer Sicht weit gehend gefolgt werden, wobei die Arbeitsunfähigkeit geringfügig angepasst werde. Gesamtmedizinisch führend sei die psychische Erkrankung der E xplorandin. In Übereinstim- mung mit Dr. F.____ werde eine mittelgradige bis sog ar schwergradige depressive Episode diagnostiziert. Gleichzeitig liege eine Persönlichkeits auffälligkeit mit ängstlich-vermeidenden dependenten und histrionischen Zügen vor, welche so aus geprägt erscheine, dass sie als Di- agnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt werde. Zusätzlich bestehe eine Angststö- rung, die aktuell therapiert sei. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beru f und in einer Verweistätigkeit kommt das Gutachterteam zusammenfassend zum Schluss, dass in Überei nstimmung mit Dr. F.____ die Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aufgr und der schweren psychiatrischen Ein- schränkung nicht vorhanden sei. Durch eine intensivierte f achpsychiatrische und psychothera- peutische Behandlung scheine es möglich, dass es im weiter en Verlauf erneut zu einer Teil- Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt kommen kön ne. Aus diesem Grund werde nach Intensivierung der Therapien eine Nachbegutachtung in zwei Jahren empfohlen. In Bezug auf den Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei das Vorliegen einer schweren komorbiden Störung mit im Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vordergrund stehender mittel- bis schwergradigen Depre ssion einhergehend mit einer 100 %- igen Arbeitsunfähigkeit spätestens seit Oktober 2012 bis heute anzunehmen. Seit Ausbruch der Erkrankung im Jahr 2010 und bis heute habe keine ausrei chend stabile Phase mit Erreichen einer tragbaren Arbeitsfähigkeit von über 40 % eruiert werden können. 6.3.1 Nach der Praxis weicht das Gericht bei Gerichtsguta chten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachpersonen ab, d eren Aufgabe es ist, ihre Fach- kenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt me- dizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorlieg en, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegen- sätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Geri cht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexper tise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abw eichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). 6.3.2 Solche Gründe sind hier nicht gegeben. Es ist fest zustellen, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizini sche Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsicht erfüllt. Die Beurteilung des Gutachterte ams beruht auf einer eingehenden Unter- suchung der Beschwerdeführerin und enthält nach sorgfälti ger Würdigung der Vorgeschichte und des klinischen Befunds eine klare Antwort darauf, an welchen Krankheiten die Beschwer- deführerin leidet und wie hoch die Arbeitsfähigkeit i st. Insbesondere räumt das Gerichtsgutach- ten mit den noch offenen Fragen und Unklarheiten auf, die sich gestützt auf die vorhandenen medizinischen Unterlagen präsentiert haben. So setzt es sich ausführlich mit den bei den Akten liegenden abweichenden fachärztlichen Einschätzungen ause inander und legt insbesondere dar, weshalb auf die Ergebnisse von Dr. D.____ nicht a bgestellt werden kann. Auf Seite 17 des Gutachtens wird diesbezüglich ausgeführt, dass man sich de r Diagnose Neurasthenie und dem Status nach mittelgradiger depressiver Episode nicht anschl iessen könne. Die von Dr. D.____ im November 2011 beschriebene Symptomatik mit Müdigkeit, Erschöpfbarkeit, verminderter Vitalität und Affektlabilität entspreche vor dem Hint ergrund der Krankheitsgeschichte dem Bild einer teilremittierten rezidivierenden depressiven Störu ng und gehe somit über die Diagnose einer Neurasthenie hinaus. Auch stimme man nicht mit Dr. D.____ überein, soweit er ab August 2011 eine 30 %-ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit angenommen habe. Aufgrund der In- stabilität der Symptomatik und einer mindestens mittelgr adigen Depression wenige Monate vor der Begutachtung durch Dr. D.____ und auch wenige Monate danach gehe man von einer min- destens 50 %-igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auch von August 2011 bis Februar 2012 aus. Zu den Beurteilungen von Dr. F.____ und der psychi atrischen Klinik E.____ bestünden keine wesentlichen Diskrepanzen. 6.4.1 An der Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens vermögen die Vorbringen der Beschwer- degegnerin nichts zu ändern. Die Beschwerdegegnerin weist in ihrer Eingabe vom 7. März 2014 unter Hinweis auf die Stellungnahmen von Dr. med. J.__ __, Facharzt Psychiatrie und Psycho- therapie, Regionaler Ärztlicher Dienst beider Basel (R AD), vom 20. Januar 2014, vom 27. Ja- nuar 2014 und vom 14. Februar 2014 darauf hin, dass da s Gerichtsgutachten einige Unklarhei- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten aufweise. Klar sei die Einschätzung des Gutachterteam s betreffend Arbeitsfähigkeit ab Ok- tober 2012. Ab diesem Zeitpunkt werde eine Verschlechter ung des Gesundheitszustands mit einer vollen Arbeitsunfähigkeit für die angestammte wie auch für Verweistätigkeiten attestiert, so dass ab diesem Zeitpunkt bzw. gestützt auf Art. 88a IVV drei Monate später Anspruch auf eine ganze Rente bestehe. Die Einschätzung im Gutachten in Bezug auf den Zeitraum vor Ok- tober 2012 sei hingegen etwas unklar. Einerseits werde seit Ausbruch der Krankheit im Jahr 2010 bis heute keine ausreichend stabile Phase mit Errei chen einer tragbaren Arbeitsfähigkeit über 40 % beschrieben. Andererseits werde eine mindest ens 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit so- wohl für die angestammte Tätigkeit als auch für Verweist ätigkeiten von August 2011 bis Januar 2012 attestiert. Aus diesem Grund sei es angebracht, be im Gutachterteam nachzufragen und eine genaue und vollständige Aufstellung der Arbeitsf ähigkeit in der angestammten Tätigkeit und in den Verweistätigkeiten ab Beginn der für die Arbeitsfähigkeit relevanten Störung zu ver- langen. 6.4.2 Die Gutachter der Gutachterstelle B.____ halten fest, dass seit Ausbruch der Krankheit im Jahr 2010 keine ausreichend stabile Phase mit einer A rbeitsfähigkeit von über 40 % erreicht worden sei. Auf den Seiten 16 und 17 des Gutachtens neh men sie Stellung zum Verlauf der psychischen Erkrankung, die ausschlaggebend für die Beurte ilung der Arbeitsfähigkeit ist. Sie zeigen in nachvollziehbarer Weise auf, dass der relativ g ute Zustand der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Begutachtung bei Dr. D.____ im November 2011 keine ausreichende Stabili- tät erreicht hat. Sowohl vorher als auch nachher ist von einer mindestens mittelgradigen De- pression auszugehen. Die Auffassung des Gutachterteams, d ass seit Ausbruch der Krankheit im Jahr 2010 keine ausreichend stabile Phase mit einer A rbeitsfähigkeit von über 40 % erreicht worden sei, überzeugt auch mit Blick auf die Stellungnah men des behandelnden Psychiaters Dr. F.____. Dieser hält in seiner Stellungnahme vom 3. Oktober 2012 fest, dass er die Patientin nach ihrem Klinikaufenthalt ab März 2011 engmaschig bet reut habe, wobei es eben gerade nicht zu einer weitgehenden Besserung gekommen sei. Die Besserung bis zum Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. D.____ könne nur als leicht angen ommen werden. Der Zustand sei bis heute von starken Schwankungen geprägt. Kurz nach der B egutachtung habe sich der Zustand erneut verschlechtert und er habe sich gezwungen gefühlt , eine erneute Klinikeinweisung mit der Patientin zu diskutieren. Eine erneute Hospitalisa tion sei dann vom 20. Februar bis 2. März 2012 notwendig geworden. Bis heute sei der Verlauf vo n einem stark schwankenden Zustands- bild mit wiederkehrenden, ausgeprägten auch suizidalen Krisen geprägt (vgl. auch den Aus- trittsbericht der psychiatrischen Klinik E.____ vom 29. November 2012). 6.4.3 Letztlich stimmen die Schlussfolgerungen des Ger ichtsgutachtens in Bezug auf die Ar- beitsfähigkeit auch mit den echtzeitlichen ärztlichen Zeugnissen überein. Dr. med. K.____, FMH Innere, beschreibt im Arztzeugnis vom 29. November 2010 e ine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit dauernd vom 28. Oktober 2010 bis 17. Dezember 2010. Vom 8. Dezember 2010 bis 24. März 2011 hielt sich die Beschwerdeführerin stationär in der psychiatrischen Klinik E.____ auf. Das ärztliche Zeugnis der psychiatrischen Klinik E.____ vom 24. M ärz 2011 beschreibt eine 100 %- ige Arbeitsunfähigkeit vom 8. Dezember 2010 bis 31. M ärz 2011 und eine 60 %-ige Arbeitsun- fähigkeit dauernd vom 1. April 2011 bis 17. April 2011 . Dr. K.____ hält im Arztzeugnis vom 10. Mai 2011 fest, dass eine 60 %-ige Arbeitsunfähigkeit v om 18. April 2011 bis 25. April 2011 und Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit vom 26. April 2011 bis 20. Mai 2011 bestanden habe (vgl. auch IV-Bericht von Dr. K.____ vom 18. Juni 2011). Dr. F.____ hält in seinem Arztzeugnis vom 31. Mai 2011 fest, dass die Beschwerdeführerin zumindest seit dem 20. Mai 2011 für voraus- sichtlich weitere vier bis sechs Wochen zu 100 % arbeitsunfäh ig sei. In seinem Arztbericht vom 29. Juli 2011 stellt er fest, dass unter aktueller Umstel lung der antidepressiven Medikation all- mählich, wenn auch nur langsam mit einer Besserung der psychischen Verfassung zu rechnen sei, daher sei ein Arbeitsversuch mit zwei Arbeitsstunden pro Woche ab dem 1. August 2011 denkbar. Es sei aber mit einem längeren Verlauf zu rechnen. Seit dem Austritt aus der psychiat- rischen Klinik E.____ bestehe eine 100 %-ige Arbeitsunfä higkeit bis auf weiteres. In seinem Arztzeugnis vom 23. August 2011 hält er fest, dass seit d em 15. August 2011 voraussichtlich während zwei bis vier Wochen eine Arbeitsunfähigkeit zu 90 % bestehe. Im Austrittsbericht an- lässlich der zweiten Hospitalisation in der psychiatrischen K linik E.____ vom 20. Februar bis 2. März 2012 wird festgehalten, dass es zur Einweisung gekomm en sei, nachdem im Verlauf der letzten Wochen eine massive Zustandsverschlechterung einget reten sei. Dr. F.____ hält in sei- ner Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit vom 12. Juli 2 013 fest, dass seine Patientin seit dem Bericht vom 3. Oktober 2012 weiterhin zu 100 % arbeitsun fähig gewesen sei. Im November 2012 habe sich der Zustand derart verschlechtert, dass eine erneute Hospitalisation in der psy- chiatrischen Klinik E.____ notwendig geworden sei. Auch Dr. D.____ geht in seinem Gutachten davon aus, dass von Ende Oktober 2010 bis Ende Juli 2011 eine 100 %-igen Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. 6.4.4 Die Feststellungen des Gerichtsgutachtens und des beh andelnden Psychiaters Dr. F.____ sowie die echtzeitlich attestierten Arbeitsunf ähigkeiten der behandelnden Ärzte zeich- nen somit ein eindeutiges und klares Bild einer depressive n Erkrankung, die seit 2010 keine ausreichend stabile Phase mehr erreicht hat, welche ei ne Verwertung der Restarbeitsfähigkeit zugelassen hätte. Der Umstand, dass im August 2011 ein Ar beitsversuch stattfand, ändert an dieser Einschätzung nichts. Es handelte sich hierbei nicht u m eine mehrmonatige Erwerbstätig- keit, sondern um einen Arbeitsversuch. 6.5.1 Die Beschwerdegegnerin weist weiter darauf hin, dass in Bezug auf die von der psychi- atrischen Klinik E.____ diagnostizierte bipolare affektive Störung Unklarheiten bestehen wür- den. Da die Beschwerdeführerin weder antidepressiv noch mit einer Phasenprophylaxe behan- delt werde, könne gar nicht von einem stabilen Gesundheitszustand gesprochen werden. 6.5.2 Die Diagnose der bipolaren Störung kann gestützt auf das Gerichtsgutachten zum jetzi- gen Zeitpunkt nicht als ausreichend gesichert betrachtet werden. Dr. I.____ führt dazu aus, dass während des Aufenthaltes in der psychiatrischen Klini k E.____ Ende 2012 eine submani- sche Phase unter Medikation mit Trittico beschrieben word en sei. Die Dauer dieser Phase sei nicht angegeben worden. Nach den Angaben der Exploran din hätten sich die Symptome nach Absetzen von Trittico rasch zurück gebildet. Aufgrund di eser Symptomatik sei der Verdacht bzw. die Diagnose einer bipolaren Störung gestellt w orden. Weitere manische Phasen seien aber nicht eruierbar. Daher müsse erst der weitere Ve rlauf abgewartet werden und die bipolare Erkrankung werde lediglich als eine mögliche Differenti aldiagnose erwähnt. Es erübrigt sich somit, dem Gutachterteam zu dieser Diagnose weitere Fra gen zu stellen (Fragen 2 bis 4 der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 7. März 2014) . Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten einer allfälli gen bipolaren Störung bei der Beur- teilung der Rentenfrage nicht ausschlaggebend. 6.6 Die Zuverlässigkeit und Vollständigkeit des gerichtl ichen Gutachtens steht damit ausser Frage, weshalb es für die Beurteilung der Rentenfrag e massgebend ist. Demnach kann in anti- zipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mi t zahlreichen Hinweisen) auf ergän- zende medizinische Abklärungen verzichtet werden. 7.1 Gestützt auf das Gerichtsgutachten ist klar erstellt, dass die Beschwerdeführerin seit spätestens Oktober 2010 immer mindestens 40 % in ihrer A rbeitsfähigkeit eingeschränkt war. Aufgrund der Instabilität der Symptomatik war ihr eine wirtschaftliche Verwertbarkeit der Rest- arbeitsfähigkeit nicht zumutbar. 7.2 Im Erwerbsbereich besteht daher gewichtet ein IV- Grad von 80 % (100 % x 0.8), wenn man der Auffassung der Beschwerdegegnerin folgt, und von 90 % (100 % x 0.9), wenn man der Auffassung der Beschwerdeführerin folgt. Der IV-Grad liegt damit auch ohne Berücksichtigung des Haushaltsteils von 20 % resp. 10 % bereits deutlich über 70 %, weshalb in Anwendung von beiden Berechnungsarten Anspruch auf eine ganze Rente b esteht. Weitere Ausführungen zur Aufteilung zwischen Erwerb und Haushalt einerseits und zum Abklärungsbericht vom 8. Februar 2012 andererseits sind daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht notwendig. Sie ändern nichts am Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. 7.3 Damit kann zusammenfassend festgestellt werden, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. November 2011 Anspruch auf eine ganze Invaliden rente hat. Die Beschwerde erweist sich als begründet, weshalb sie gutzuheissen und die Verfü gung vom 2. Juli 2012, mit der die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine IV-Rente noch verneint hat, aufzuheben ist. 8.1 Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung bei d er Gutachterstelle B.____ in Höhe von insgesamt Fr. 9‘645.90 werden der Beschwerdegegnerin a uferlegt (vgl. BGE 137 V 210, E. 4.4.2 und Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2013, 8C_984/2012). 8.2 Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin ob siegende Partei ist, ist ihr eine Par- teientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzus prechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 15. Juli 2014 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 21 Stunden und 5 Minuten gelt end gemacht. Davon sind 1 Stunden und 20 Minuten abzuziehen, da es sich um vorprozessualen Aufwan d handelt, der praxisgemäss nicht entschädigt wird. Somit bleiben 19 Stunden und 4 5 Minuten, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfr agen als angemessen erweist. Die Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxi sgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewi esenen Auslagen von Fr. 241.90 (Fr. 249.90 abzüglich vorprozessualer Spesen in der Höhe von Fr. 8.--). Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5‘512.75 (19.75 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 241.90 zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu L asten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 2. Juli 2012 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerde- führerin ab 1. November 2011 Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 9‘645.90 werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. 4. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 5‘512.75 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht