<h2>SubmittedText<h2><p>Auf dem Flughafen Zürich kam es im März 2011 beinahe zu einem Zusammenstoss zweier sich kreuzenden Flugzeuge, weil der zuständige Fluglotse beiden Flugzeugen der Swiss gleichzeitig die Startfreigabe erteilte.</p><p>Der besagte Fluglotse wurde diese Woche vom Bezirksgericht Bülach freigesprochen, Bezirksrichter Michael Peterhans übte an der Urteilsverkündung jedoch harsche Kritik an der Flugsicherung Skyguide. In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen:</p><p>1. Trifft es zu, dass kein Schriftstück existiert, welches die Abstände auf dem Pistenkreuz am Flughafen Zürich zwischen startenden Flugzeugen regelt?</p><p>2. Falls ja, warum hat man bis jetzt von einer Regelung abgesehen?</p><p>3. Wäre in dem Fall in Zukunft diesbezüglich eine schriftliche und verbindliche Regelung geplant?</p><p>4. Ist der Bundesrat auch der Ansicht des Berufsverbandes der Flugverkehrsleiter Aerocontrol, dass die aus lärmpolitischen Gründen aufgezwungenen, restriktiven Betriebsverfahren die Ursache der hohen Komplexität am Flughafen Zürich sind?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Das dreiecksartig angelegte Pistensystem am Flughafen Zürich führt zu einem komplexen Betrieb. Sicherheitsrelevante Vorfälle wie die erwähnte Annäherung zweier Flugzeuge 2011 veranlassten das Bazl zu einer systematischen Sicherheitsüberprüfung des Flugbetriebs. Die Ergebnisse zeigen, dass nationale und internationale Normen eingehalten werden und der Flughafen auf einem akzeptablen Sicherheitsniveau betrieben wird.</p><p>1.-3. Nein, diese Aussage trifft nicht zu: Die Flugsicherung Skyguide verfügt über Betriebshandbücher. Die darin beschriebenen Verfahren werden von den Flugverkehrsleitenden angewandt. Beim Umgang mit Bewegungen auf kreuzenden Pisten wird konkret geregelt, wann eine Startfreigabe auf einer Piste in Abhängigkeit von der Lage des Flugzeugs auf der anderen Piste gegeben werden darf.</p><p>Zusätzlich zu der bestehenden Regelung haben die Flugsicherung Skyguide und die Flughafen Zürich AG Ende 2011 das Projekt Automated Runway Status Indication (Arsi) lanciert, um die Sicherheitsempfehlung zur Entschärfung der Pistenkreuzung umzusetzen. Das künftige System soll anhand von visuellen und akustischen Warnungen den Flugverkehrsleiter oder die Flugverkehrsleiterin auf sich widersprechende Freigaben wie beispielsweise eine Startfreigabe für die Pisten 16 und 28 aufmerksam machen. Die Umsetzung ist für 2018 geplant.</p><p>4. Seit der Eröffnung des Flughafens Zürich meidet der Flugverkehr das städtische Gebiet im Süden des Flughafens. Die Betriebsabläufe am Flughafen Zürich sind heute primär aufgrund der bestehenden Infrastruktur und der betrieblichen Rahmenbedingungen komplex. Im Rahmen des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt (SIL 2) wurden verschiedene Betriebsvarianten ausgearbeitet, u. a. auch eine komplett kreuzungsfreie Variante. Diese aus der Perspektive der Sicherheit zu bevorzugende Variante würde jedoch zu einer erheblichen Erhöhung der Anzahl der über dem Lärmschutz-Grenzwert belasteten Personen führen. Dies widerspricht den Zielen des Bundesrates, wie sie auch im Luftfahrtpolitischen Bericht 2016 festgehalten sind.</p><p>Ein möglicher Kompromiss wäre eine andere Variante mit einem guten Verhältnis zwischen Sicherheitsgewinn und Lärmbelastung. Diese Variante genügt mit einem kreuzungsfreien Betrieb bei Bise und Nebel den grundlegenden Anforderungen der Sicherheit und führt zu keiner erheblichen Erhöhung der Lärmbelastung im Vergleich zu dem im SIL-Objektblatt bereits festgelegten Betrieb.</p>  Antwort des Bundesrates.