Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Juli 2016 (720 16 96 / 172) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Das von der Verwaltung veranlasste Gutachten ist beweistauglich. Die Beschwerdeführe- rin benennt keine Unterlagen, die Zweifel an der Beurteilung der medizinischen Experten wecken würden. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Denis G. Giovannelli , Rechtsanwalt und Notar, Baarerstrasse 34, Postfach, 6300 Zug gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1986 geborene A.____ war zuletzt vom 1. Jul i 2007 bis 30. November 2007 bei der B____AG als Disponentin angestellt. Am 12. April 20 08 meldete sie sich erstmals bei der Inva- lidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der Verhältnisse wies die IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) das Leistungsbe gehren mit Verfügung vom 1. März 2011 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufgrund eines rentenausschliessenden IV-Grads von 15% ab. Nachdem sich A.____ am 30. Juli 2012 erneut zum Leistungsbezug angemeldet ha tte, trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 20. November 2012 auf das Leistungsbegehren nicht ein. Zur Begründung führte sie aus, die Versicherte habe nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der Verfügung vom 1. März 2011 wesentlich verändert hätten. A.2 Am 9. August 2013 meldete sich A.____ unter Hinwei s auf eine Angst- und Panikstö- rung, Depressionen, Migräne und Spannungskopfschmerzen wi ederum bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Diese klärte in der Folge die Verhäl tnisse ab und ermittelte einen IV-Grad von 30%. Gestützt auf dieses Ergebnis und nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens wies sie mit Verfügung vom 5. Februar 2016 einen Anspruch von A.____ auf eine Rente ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwa lt Denis G. Giovannelli, am 15. März 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilu ng Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die Verfügung vom 5. Februar 2016 aufzuheben und es sei ihr mindestens eine unbefri stete halbe IV-Rente auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen und diese anzuweisen, gestützt auf ein Obergutachten neu zu verfügen. Subeve ntualiter sei eine Stellungnahme eines Arztes der klinischen Pharmakologie des Universitätsspital s X.____ zur Halbwertszeit des Anti- depressivums und zur Interaktion dieses Medikaments mit der Antibabypille einzuholen und gestützt darauf neu zu verfügen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Rechtsanwalt Giovannelli als Rechtsvertreter. Zur Begrün- dung führte sie im Wesentlichen aus, dass der angefochte ne Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Mit Verfügung vom 21. März 2016 wurde der Beschwerd eführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege mit Rechtsanw alt Giovannelli als Rechtsvertreter bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 2. Juni 2016 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 15. März 2016 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 5. Februar 2016 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1) 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Zu den psych ischen Gesundheitsschäden gehören somit neben den eigentlichen Geisteskrankheiten auch seelisch e Abwegigkeiten mit Krank- heitswert. Nicht als Auswirkungen einer krankhaften seelisc hen Verfassung und damit invali- denversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Beein trächtigungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen gute n Willens, Arbeit in ausreichendem Masse zu verrichten, zu vermeiden vermöchte, wobei das Mass d es Forderbaren weitgehend objektiv bestimmt werden muss (BGE 131 V 50 f. E. 1.2, 130 V 353 E. 2.2.1; je mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente , wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindes- tens 40% invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlich en Beeinträchtigungen arbeitsfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumut- barerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Sc hlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Inva- lidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Di ese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsve rfahren sinngemäss Anwendung (Ur- teil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung d es Gesundheitszustandes und der Arbeits- fähigkeit der Versicherten auf das von ihr bei Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, und Dr. med. Reto D.____, FMH Neurologie, in Auftrag gegebene bisdisziplinäre Gut- achten vom 26. März 2014 und 25. Oktober 2014. In psychia trischer Hinsicht diagnostizierte Dr. C.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ei ne Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit best ünden akzentuierte (histrionische) Per- sönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) und eine Neurasthenie (ICD-10 F48.0). Die Versicherte pflege weitgehend intakte Beziehungen mit ihrer Mutter, ihre m Freund, dem Vater und einer Kollegin. In der Untersuchung zeige sie über weite Strecken ein si tuationsadäquates Verhalten. Sie hin- terlasse keinen ängstlichen, sondern eher einen bestimmt en Eindruck. Die Copingstrategien seien als ausreichend gut zu beurteilen. Kognitive Beein trächtigungen liessen sich, abgesehen davon, dass die Versicherte nicht immer präzise zeitliche Angaben machen könne, klinisch Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht erkennen. Das Fähigkeitsniveau sei gemäss Mini-ICF-AP P leicht- bis mittelgradig einge- schränkt. Insbesondere seien die Kontaktfähigkeit zu Dritt en, die Gruppenfähigkeit, die Fähig- keit zu Spontanaktivitäten, die Verkehrsfähigkeit und bis zu einem gewissen Grad die Durchhal- tefähigkeit sowie die Flexibilität und Umstellfähigkei t beeinträchtigt. Die übrigen Items des Ra- tingbogens seien nicht relevant betroffen. In diesem Kontext sei festzuhalten, dass die Versi- cherte zwar nicht in der Lage sei, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Sie könne aber – wenn auch nicht für längere Strecken – selbstständig Aut o fahren. Zudem sei sie in der Lage einzukaufen und die Hausarbeiten alleine zu erledigen. Aufgrund der Agoraphobie mit Panikstö- rung sowie der knapp leichtgradigen depressiven Episode lasse sich in medizinisch- theoretischer Hinsicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer alternativen Tätigkeit von 20% begründ en. Diese Einschränkung der Arbeitsfähig- keit bestünde seit dem Jahr 2011. Entgegen der Auffassun g des behandelnden Arztes Dr. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, liessen di e aktuellen Untersuchungsbefunde keine generelle Angststörung diagnostizieren. Was er mit einer mittelgradigen Panikstörung meine, sei nicht nachvollziehbar. Der behandelnde Psych iater habe bei seiner Beurteilung auf die Angaben der Versicherten abgestellt; objektive Be funde, eine Beschwerdevalidierung oder das Fähigkeitsniveau nach dem Mini-ICF-APP würden nich t beschrieben. Aus neurologischer Sicht diagnostizierte Dr. D.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Migräne ohne Au- ra. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden die Spannungskopfschmerzen, ein Sta- tus nach Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerzen, Heuschnupf en, eventuell ein leichtes Asthma und anamnestisch diverse Allergien. Aufgrund der Migräne ohne Aura bestünde heute eine Einschränkung der quantitativen Arbeitsfähigkeit von 15% bis 20%. Es sei anzunehmen, dass durch eine optimale Behandlung die durch die Migräne bedingte Einschränkung der quan- titativen Arbeitsfähigkeit deutlich verringert werden könnte. Aus bidisziplinärer Sicht sei von ei- ner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30% auszugehen. 7.2 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens nahm Dr. C.____ am 14. September 2015 zu den Einwänden der Beschwerdeführerin Stellung. Er hi elt fest, dass bei ihr keine Persönlich- keitsstörung zu diagnostizieren sei. Es bestünden aber akze ntuierte histrionische Persönlich- keitszüge. Diese Diagnose stütze sich auf die während der Untersuchung festgestellte Dramati- sierungs- und histrionische Ausgestaltungstendenz der Be schwerden sowie einen eher ober- flächlichen und labil wirkenden Affekt. Davon ausgehend , dass es bei einer Panikattacke, nach Einnahme des Beruhigungsmittels nach 5 bis spätestens 30 Minuten zu einer Entspannung komme, lasse nicht auf eine hohe Einschränkung der Arbeit sfähigkeit schliessen. Die während der Arbeitsversuche häufig aufgetretenen Absenzen lie ssen sich allein mit der Agoraphobie mit Panikstörung nicht begründen. Da die Versicherte das An tidepressivum seit längerer Zeit ein- nehme, sei davon auszugehen, dass der Steady-State-Spi egel erreicht sei. Daher sei unerheb- lich, wann die Versicherte das Medikament einnehme und zu welcher Tageszeit die Laborun- tersuchungen durchgeführt worden seien. Zudem liessen sich keine Interaktionen zwischen dem Antidepressivum und dem Verhütungsmittel nachweisen. Bei der gleichze itigen Einnahme des Neuroleptikums sei eine verstärkte Wirkung möglich. Sc hliesslich bleibe unklar, was der behandelnde Psychiater Dr. E.____ mit der von ihm diagn ostizierten mittelgradigen Panikstö- rung meine. Nach der ICD-10-Klassifikation würden bei der Diagnose einer Panikstörung keine unterschiedlichen Schweregrade beschrieben. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Die IV-Stelle ging gemäss den Beurteilungen der D res. C.____ und D.____ vom 26. März 2014 und 25. Oktober 2014 davon aus, dass die V ersicherte in einer angepassten Tätigkeit im Umfang von 70% arbeitsfähig ist. Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 5.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sp rechen. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebni sse im Gutachten der Dres. C.____ und D.____ in Frage zu stellen oder gar davon abzuweiche n. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzunge n an eine medizinische Beurtei- lungsgrundlage in jeder Hinsicht erfüllt. Es weist wed er formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.2 hiervor) – umfassend, beruht auf all- seitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschw erden, ist in Kenntnis der Vor- akten abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein un d nimmt insbesondere eine hinreichen- de Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor. Sodann weist das Gutachten keine Widersprüche auf und es setzt sich auch hinlänglich mit de n bei den Akten liegenden (abwei- chenden) fachärztlichen Einschätzungen auseinander. Die e ntsprechenden vorstehend (vgl. E. 7.1 f.) wiedergegebenen Darlegungen der Gut achter vermögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. 8.2 Die von der Beschwerdeführerin geäusserte Kritik am Gutachten der Dres. C.____ und D.____ ist nicht geeignet, dessen ausschlaggebenden Bewei swert in Frage zu stellen. Wenn sie zunächst rügt, es sei nicht nachvollziehbar, dass der psychi atrische Gutachter von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgehe, obwohl sie mehrere Arb eitsversuche habe abbrechen müssen, kann ihr schon deshalb nicht gefolgt werden, weil der psyc hiatrische Gutachter eine Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit von 20% attestiert. Ausserde m setzte sich Dr. C.____ in seiner Stel- lungnahme zu den Einwänden des Rechtsvertreters der Beschw erdeführerin vom 14. Septem- ber 2015 mit den während den Arbeitsversuchen häufig a ufgetretenen Absenzen auseinander und legte überzeugend dar, weshalb die abweichende Be urteilung des behandelnden Psychia- ters Dr. E.____ nicht zu überzeugen vermag und weshalb bei der Versicherten akzentuierte histrionische Persönlichkeitszüge bestehen. Auch die Ausfü hrungen des psychiatrischen Gut- achters in Bezug auf die pharmakologische Behandlung üb erzeugt. So legte er nachvollziehbar dar, dass von untergeordneter Bedeutung sei, wann die Versicherte das Medikament einnehme und zu welcher Tageszeit die Laboruntersuchungen durchge führt worden seien. Ausserdem machte er deutlich, dass sich keine Interaktionen zwischen dem Antidepressivum und dem Ver- hütungsmittel nachweisen liessen. Insgesamt sind keine A nhaltspunkte ersichtlich, welche da- rauf hinweisen würden, dass das widerspruchsfreie Gutacht en nicht lege artis erstellt worden wäre. Insgesamt bringt die Beschwerdeführerin denn auch nichts vor, was eine andere Betrach- tungsweise rechtfertigen könnte. Vielmehr wurden ihre zu einem wesentlichen Teil bereits vorinstanzlich geltend gemachten Rügen mit der einlässli chen Stellungnahme von Dr. C.____ vom 14. September 2015 bereits im Vorverfahren substanzii ert entkräftet. Zudem benennt sie Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine medizinischen Unterlagen, die Zweifel an der Beur teilung der medizinischen Experten wecken würden. Die Beschwerde ist daher unbegründet. 9. Aufgrund des Gesagten ist gemäss der massgebenden Beurt eilung der Dres. C.____ und D.____ davon auszugehen, dass der Versicherten eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 70% möglich und zumutbar ist. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschät- zung der Vergleichseinkommen vorzunehmen wäre und die B erechnung auch von der Versi- cherten nicht beanstandet wurde, erübrigt sich eine deta illierte Auseinandersetzung mit dem durch die IV-Stelle angestellten Einkommensvergleich. Es ist mit der IV-Stelle davon auszuge- hen, dass die Beschwerdeführerin ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen könnte. Die angefochtene Verfügung, mit welcher der An spruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente verneint wurde, ist demnach nicht zu beanstan den. Die Beschwerde ist deshalb ab- zuweisen. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Da ihr mit Verfügung vom 21. März 2016 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde , gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin ebenfalls mit Verfügung vom 21. März 2016 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wurde, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwer deführerin hat in seiner Honorarnote vom 4. Juli 2016 für das vorliegende Verfahren einen Ze itaufwand von 7,9 Stunden und Ausla- gen von Fr. 38.50 geltend gemacht. In Anbetracht der Tatsache, dass der Rechtsvertreter in seiner Beschwerde zu einem wesentlichen Teil die bereits v orinstanzlich geltend gemachten Rügen und Begründungen wiederholt und ihm für das Ei nwandverfahren zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung ein Honorar im U mfang von Fr. 2‘557.-- (11,6 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 47.60 und 8% Mehr wertsteuer) vergütete wurde, erweist sich der vorliegend geltend gemachte Aufwand für das Be schwerdeverfahren als zu hoch, wes- halb eine angemessene Kürzung der Entschädigung vorzuneh men ist. Da ein Teil des Auf- wands bereits im Vorverfahren abgegolten wurde, ist für das vorliegende Verfahren eine redu- zierte Entschädigung von Fr. 1‘121.60 (5 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 38.50 Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht und 8% Mehrwertsteuer) gerechtfertigt. Dem Rechtsvert reter der Beschwerdeführerin wird des- halb ein Honorar in dieser Höhe aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 10.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1'121.60 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus de r Gerichtskas- se ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht