B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-936/2016 U r t e i l v o m 2 1 . J a n u a r 2 0 1 9 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer; Gerichtsschreiber Michal Koebel. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), und ihr Sohn C._______, geboren am (…), alle Syrien, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 13. Januar 2016 / N (…). E-936/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführer suchten am 1 3. Juni 2014 in der Schweiz um Asyl nach. Am 26. Juni 2014 fanden die Befragung en zur Person und am 28. Oktober 2014 die Anhörungen statt. Hierbei machten sie im Wesentli- chen geltend, im (…) Syrien verlassen zu haben, wegen des Bürgerkriegs und der damit zusammenhängenden Armut. Zudem sei d er Beschwerde- führer im (…) desertiert und habe die YPG (Yekîneyên Parastina Gel) eine Zusammenarbeit verlangt. B. Am (…) wurde der Sohn der Beschwerdeführer geboren. C. Mit Verfügung vom 13. Januar 2016 stellte das SEM fest, die Beschwerde- führer erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete aufgr und der Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme an. D. Mit Eingabe vom 1 5. Februar 2016 reichte n die Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte n, es sei voll- umfängliche Einsicht in die Visaunterlagen zu gewähren, eventualiter das rechtliche Gehör zu diesen zu gewähren. Nach der Gewährung der Akten- einsicht, eventualiter des rechtlichen Gehörs, sei eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Die angefoch- tene Verfügung des SEM vom 13. Januar 2016 sei aufzuheben und die Sache dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung, zur Feststel- lung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung zurück- zuweisen. Eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und die Flüchtlingseigenschaft festzustellen sowie Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und sie als Flüchtlinge anzuerken- nen. In prozessualer Hinsicht sei auf die Erhebung von Verfahrenskosten sowie eines Kostenvorschusses zu verzichten. E. Mit Schreiben vom 17. Februar 2016 bestätigte das Bundesverwaltungs- gericht den Eingang der Beschwerde. E-936/2016 Seite 3 F. Mit Zwischenverfügung vom 25. Februar 2016 stellte der zuständige In- struktionsrichter fest, die Beschwerdeführer könnten den Ausgang des Ver- fahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wies er die Anträge auf Bei- zug und Einsicht in die Visaunterlagen, Gewährung einer F rist zur Be- schwerdeergänzung, Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus ses ab und setzte eine Frist zur Leistung des Kostenvorschusses in Höhe von Fr. 600. – an, der am 2. März 2016 fristgerecht geleistet wurde. G. Mit Eingabe vom 22. September 2016 machten die Beschwerdeführer wei- tere Ausführungen und verwiesen auf fünf allgemeine Artikel im Internet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die Beschwerdeführer sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung in Asylsachen auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige oder un- vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Der Wegweisungsvollzug bildet nicht mehr Gegenstand der Be- schwerde, nachdem die Vorinstanz die vorläufige Aufnahme angeordnet hat. 2.3 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite- rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). E-936/2016 Seite 4 3. Die Beschwerdeführer erheben verschiedene formelle Rügen, die vorab zu prüfen sind, da sie zur Kassation der angefochtenen Verfügung führen kön- nen. Sie rügen Gehörsverletzungen inklusive Akteneinsichtsrecht (E. 4), eine Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes (E. 5) sowie die Verletzung weiterer Ge- setzesbestimmungen (E. 6 f.). Dem Willkürverbot gemäss Art. 9 BV kommt im vorliegenden Verfahren keine eigenständige Bedeutung zu. Die Be- schwerdeführer berufen sich lediglich in Verbindung mit andere n Bestim- mungen darauf. Vor diesem Hintergrund enthält sich das Bundesverwal- tungsgericht im Folgenden der eigenständigen Prüfung einer Verletzung von Art. 9 BV. Soweit sich die Beschwerde in allgemeinen Ausführungen erschöpft, ohne einen konkreten Bezug zur vorliegenden Beschwerdesa- che erkennen zu lassen, ist darauf nicht weiter einzugehen. 4. 4.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeit sbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, der in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass ei- nes solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise bei- zubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträ- gen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entwe- der mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen . Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1, BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit- frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab- gefasst sein, dass der Betroffene den Ent scheid gegebenenfalls sachge- recht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nen- nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen E-936/2016 Seite 5 Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor- bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 4.2 Aus der angefochtenen Verfügung ergeben sich auch nach Prüfung der Akten keine Anhaltspunkte, die den Schluss zuliessen, die Vorinstanz habe irgendeine dieser Pflichten verletzt. Die Rügen der Gehörsverletzung ge- hen fehl. Die Verfügung der Vorinstanz ist – entgegen den Zitaten aus den Befragungsprotokollen auf Beschwerdeebene und den Rügen unerwähn- ter Details, wie namentlich das besonder e Interesse der YPG am Be- schwerdeführer aufgrund seiner militärischen Kenntnisse, der lange Auf- enthalt der Beschwerdeführer in der Schweiz oder der Ethnie im Zusam- menhang mit der Feststellung der Zumutbarkeit – ausreichend begründet, zumal sie sich nicht mit jedem einzelnen Vorbringen auseinandersetzen muss. Dass eine sachgerechte Anfechtung möglich war, zeigt die Be- schwerde selbst. Der Begründungspflicht ist mithin Genüge getan. Da die Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind (so bereits BVGE 2009/51 E. 5.4), besteht auch kein schutzwürdiges Interesse an der Über- prüfung beziehungsweise ausführlichen Begründung, aus welchen Grün- den die Vorinstanz den Vollzug aufgeschoben hat (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG). Das Vorliegen von Vollzugshindernissen ist bei einer allfälligen Aufhebung der vorläufigen Aufnahme erneut zu prüfen. Das Aktenein- sichtsrecht wurde bereits mit Zwischenverfügung vom 25. Februar 2016 abgehandelt und die entsprechenden Anträge (inklusive rechtliches Gehör betreffend die Visaunterlagen und die Beschwerdeergänzung ) abgewie- sen. Darauf ist hier zu verweisen. 4.3 Ferner ist auch die Paginierungs - und Aktenführungspflicht nicht ver- letzt, was bereits die Informationen zeigen, die dem Rechtsvertr eter auf- grund des Aktenverzeichnisses vorliegen. Dass die erst im Oktober 2015 eingereichten Unterlagen (SEM -Akten, A21/8) nicht im Beweismittelum- schlag vom Juni 2014 (SEM-Akten, A5/1) abgelegt worden sind, sondern separat paginiert wurden, ist nicht zu be anstanden. Diese Tatsache stellt keine Verletzung der Aktenführung dar, zumal sie auch keine Auswirkung auf die vorinstanzliche Verfügung hatte. So wurde das entsprechende Be- weismittel (Empfangsbestätigung für Material) in der vorinstanzlichen Ver- fügung explizit aufgeführt und gewürdigt (angefochtene Verfügung, S. 2 und S. 4). E-936/2016 Seite 6 5. 5.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Ur- kunden, Auskünfte der Parteien, Auskünft e oder Zeugnis von Drittperso- nen, Augenschein und Gutachten von Sachverständigen). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri- ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor- den sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegenüber unvollständig, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be- rücksichtigt werden ( KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 630). Der Amts- grundsatz zur Feststellung des Sachverhalts findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Partei (Art. 8 AsylG). 5.2 Die Rüge der rechtsfehlerhaften Sachverhaltsfeststellung geht eben- falls fehl. Die Rüge, die Vorinstanz habe in unbegründeter Weise behaup- tet, die Vorbringen de r Beschwerdeführer seien unglaubhaft, ohne dabei die von ihnen eingereichten Beweismittel ausreichend zu würdigen, erweist sich als nicht stichhaltig, zumal in der angefochtenen Verfügung in rechts- genüglicher Weise begründet wurde, weshalb aus Sicht der Vorinstanz die gesuchsbegründenden Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaf- tigkeit nicht zu genügen vermöchten. Die Vorinstanz hat die eingereichten Unterlagen – soweit rechtserheblich – berücksichtigt. Wie zu zeigen sein wird, ist ein Militärausweis für sich alleine nicht geeignet, eine unglaubhaft geschilderte Desertion in glaubhaftes Licht zu rücken (E. 6 f.). Es ist ferner festzustellen, dass sich die Vorinstanz im vorliegenden Verfahren mit den entscheidwesentlichen Vorbringen auseinandergesetzt hat. Zusätzliche Abklärungen – insbesondere eine weitere Anhörung – würden weder zu neuen sachdienlichen Erkenntnissen führen noch wären sie im vorinstanz- lichen Verfahren entscheiderheblich gewesen. In antizipierter Beweiswür- digung ist festzustellen, dass eine ergänzende, vertiefte Sachverhaltsfest- stellung bei der Beurteilung des vorliegenden Verfahrens nicht zu einem anderen Entscheid führen kann, weshalb auch aus diesem Grund die ent- sprechenden Anträge abzuweisen sind. Schliesslich ist die Rüge der Ver- mischung der Kriterien der Flüchtlingseigenschaft und der Unzulässigkeit mit der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, wie bereits mit Zwi- schenverfügung vom 25. Februar 2016 festgestellt, unbegründet. Wie im Folgenden zu zeigen sein wird, sind auch die Beweiswürdigung und die Rechtsanwendung der Vorinstanz nicht zu beanstanden. E-936/2016 Seite 7 6. 6.1 Gemäss Art. 3 AsylG sind Flüchtlinge Personen, die in ihrem Heimat- staat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Reli- gion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu wer- den (Abs. 1). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 6.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausges etzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 3 AsylG). Vorbehalten bleibt die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, SR 0.142.30). 6.3 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 AsylG). Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbeson- dere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massge- blich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dar- gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 7. Die Vorinstanz hat den Massstab des Glaubhaftmachens nicht verkannt und auf den vorliegenden Fall korrekt angewendet. Ihre Schlussfolg erun- gen sind weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstan- den. Die Rechtsmitteleingabe erschöpft sich in weitschweifigen sowie all- gemeinen Erklärungsversuchen, womit es ihr nicht gelingt aufzuzeigen, in- wiefern die vorinstanzliche Beweiswürdigung Bundesrecht verletzen oder zu einer rechtsfehlerhaften Sachverhaltsfeststellung führen soll. Solches ist auch nicht ersichtlich. E-936/2016 Seite 8 Im Rahmen von Krieg oder Situationen allgemeiner Gewalt erlittene Nach- teile stellen keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes dar, mithin vermö- gen die diesbezüglichen Vorbringen der Beschwerdeführer keine Asylrele- vanz zu entfalten. Was die angebliche Sorge vor einer Rekrutierung seitens der YPG anbelangt, vermag eine Dienstverweigerung bei der YPG eben- falls keine asylrelevante Verfolgung darzustellen (statt vieler Urteile des BVGer E-1187/2018 vom 26. April 2018 E. 4, D-5287/2015 vom 7. Juli 2016 E. 6.3.2 oder D -7292/2014 vom 22. Mai 2015 E. 4.4.2). So will der Be- schwerdeführer im engeren Sinne auch keine Probleme mit der YPG ge- habt haben (SEM-Akten, A13, S. 13, F122). Was den Militärdienst und die damit geltend gemachte Desertion anbe- langt, fehlt es für deren Glaubhaftigkeit bereits an einem zeitlichen Kausal- zusammenhang zwischen dieser ([…]) und der Ausreise ( […]). In diesen fast zwei Jahren konnte der Beschwerdeführer ohne wesentliche Behelli- gungen in seinem Wohnort leben (SEM-Akten, A3, S. 8, Ziff. 7.01 und A13, S. 11, F105 f. ). Es ist der zutreffenden Schlussfolgerung der Vorinstanz darin beizupflichten, dass die syrischen Behörden, Streitkräfte oder die YPG in diesen zwei Jahren genügend Zeit gehabt hätten, auf den Be- schwerdeführer zuzugreifen. Ferner war der Beschwerdeführer zum Zeit- punkt seiner angeblichen Desertion bereits zwei Jahre im Militärdienst, was ebenfalls darauf hinweist, dass er diesen ordentlich beendet hat. Seine Aussage, er habe den Militärdienst sechs Monate länger geleistet als nötig, untermauert diese Schlussfolgerung (SEM-Akten, A3, S. 6, Ziff. 4.02 und A13, S. 8, F68). Es ist auch nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerde- führer zwei Jahre Dienst leistet und erst dann – kurz vor einer möglichen Entlassung – desertieren sollte. Seine entsprechenden oberflächlichen Er- klärungsversuche – sowohl in den Befragungen als auch auf Beschwerde- ebene – lassen keinen anderen Schluss zu (z. B. SEM-Akten, A13, S. 10, F93 ff. und S. 15, F141 f.). Auf Beschwerdeebene wird insbesondere auf das Urteil des Bundesver- waltungsgerichts BVGE 2015/3 verwiesen (insb. Besc hwerde, S. 1 6 f.). Hierin wird festgestellt, dass auch nach der Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG die bisherige Rechtspraxis in Bezug auf Personen, die ihr Asylge- such mit einer Wehrdienstverweigerung oder Desertion im Heimatstaat be- gründen, weiterhin Best and hat. Eine Wehrdienstverweigerung oder De- sertion für sich allein begründet die Flüchtlingseigenschaft jedoch nicht; diese ist indessen dann anzuerkennen, wenn sie zu einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG führt. Mit anderen Worten muss die be-E-936/2016 Seite 9 troffene Person aus den in dieser Norm genannten Gründen (Rasse, Reli- gion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder De- sertion eine Behandlung zu gewärtigen haben, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. In Bezug auf die spezifische Si- tuation in Syrien erwog das Gericht weiter, die genannten Voraussetzun- gen seien im Falle eines syrischen Refraktärs erfüllt, welcher der kurdi- schen Ethnie angehöre, einer oppositionell aktiven Familie entstamme und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen habe (BVGE 2015/3 E. 6.7.3). Der Be- schwerdeführer verkennt, dass eine vergleichbare Konstellation vorliegend nicht gegeben ist. Den Akten lassen sich keine Anhaltspunkte für gezielte Verfolgungsmassnahmen der syrischen Behörden gegen ihn vor seiner Ausreise entnehmen und es besteht kein Grund zur Annahme, dass er de- ren Aufmerksamkeit erregt haben könnte. Es kann auch ausgeschlossen werden, dass er einer in erhöhtem Masse oppositionell aktiven Familie ent- stammt. Ferner ist davon auszugehen, dass die Regierungstruppen auf die Rekrutierung kurdischstämmiger Männer zurzeit weitgehend verzichten, um Spannungen mit den kurdischen Truppen zu vermeiden (hierzu statt vieler Urteile des BVGer E -4076/2017 vom 1. September 2017 E. 4.3, D-5018/2015 vom 26. Oktober 2015 E. 5.2 und Danish Immigration Ser- vice, Syria: Military Service, Mandatory Self-Defence Duty and Recruitment to the YPG, 26. Februar 2015, § 2.2, S. 15). Das Risiko einer Rekrutierung durch die Syrische Arabische Armee ist nach dem Gesagten als gering ein- zuschätzen. Diese Frage kann jedoch vorliegend offen bleiben, zumal der Beschwerdeführer neben seiner Ethnie keine weiteren Gründe vorgebracht hat, die auf ein asylrelevantes Motiv schliessen liessen. Schliesslich sind auch keine subjektiven Nachfluchtgründe ersichtlich. Die Artikel, auf die mit Schreiben vom 22. September 2016 verwiesen wurde oder die verschie- denen Berichte sowie die Rundschau aus dem Schweizer Fernsehen, auf die in der Beschwerde bezuggenommen wird, sind nicht geeignet, am Be- weisergebnis etwas zu ändern. Zumal vorliegend nicht in Zweifel gezogen wird, dass der Beschwerdeführer Militärdienst geleistet hat, trifft dies auch für die eingereichten Beweismittel (Militärausweis und Bestätigung der Ma- terialentgegennahme) und die Beschwerdeausführungen zur glaubhaft en Militärausbildung zu. Vor diesem Hintergrund war die Vorinstanz nicht ge- halten, weitere Abklärungen zu treffen. Der Antrag bzw. die „Aufforderung“, die Vorinstanz solle die einschlägigen Berichte und die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts berücksichtigen und entsprechende Kon- sequenzen ziehen, ist abzuweisen. Um Wiederholungen zu vermeiden, ist E-936/2016 Seite 10 auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen, die zu Recht die Asylgesuche abgelehnt hat. 8. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine ausländer- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu- weisen. Nach dem Gesagten besteht auch kein Anlass zur Rückweisung der Sach e an die Vorinstanz, der entsprechende Beschwerdeantrag ist ebenfalls abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Ver- zicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses wurden bereits mit Zwischen- verfügung vom 25. Febr uar 2016 abgewiesen. Der am 2. März 2016 ge- leistete Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 600.– ist diesem Betrag anzu- rechnen. (Dispositiv nächste Seite) E-936/2016 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführern aufer- legt. Der Kostenvorschuss wird diesem Betrag angerechnet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Michal Koebel Versand: