<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 48 S.186</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">186</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>48</b></span> <span class="ft2"><b>Ausnützungsziffer (§ 9 Abs. 2 ABauV).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Aussenterrasse eines Restaurants ohne Seitenwände und Dach-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>konstruktion stellt keine anrechenbare Geschossfläche dar.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 6. November 2003 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen H. gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Der Beschwerdeführer rügt, dass die geplante Terrasse des</span><br/> <span class="ft1">Restaurants nicht zur anrechenbaren Bruttogeschossfläche gezählt</span><br/> <span class="ft1">worden sei. Eine gewerblich genutzte Terrasse, welche 44 Personen</span><br/> <span class="ft1">Platz biete, könne nicht einfach mit einem Balkon, einem Sitzplatz,</span><br/> <span class="ft1">einer Dachterrasse oder einer Erdgeschosshalle im Sinne von § 9</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 lit. a ABauV verglichen werden. Nur wenn gewerbliche</span><br/> <span class="ft1">Flächen nicht mit Auswirkungen auf die Umgebung (Arbeitsplätze,</span><br/> <span class="ft1">Publikumsverkehr) verbunden seien, werde die Bruttogeschossfläche</span><br/> <span class="ft1">nicht tangiert. Es sei in diesem Zusammenhang irrelevant, ob die</span><br/> <span class="ft1">Terrasse nur bei guter Witterung benutzt werde und somit lediglich</span><br/> <span class="ft1">als "Ersatzfläche für diese Zeit" zu verstehen sei. Folglich müsse die</span><br/> <span class="ft1">Terrasse in die Berechnung der Ausnützungsziffer miteinbezogen</span><br/> <span class="ft1">werden. Ob der Beschwerdegegnerin für das vorliegende Bauprojekt</span><br/> <span class="ft1">eine Ausnützungsziffer von 1.0 zur Verfügung stehe, müsse das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht prüfen. In der Arealüberbauung sei ein</span><br/> <span class="ft1">Gartenrestaurant jedenfalls nicht vorgesehen gewesen. In formeller</span><br/> <span class="ft1">Hinsicht bemängelt der Beschwerdeführer, dass in den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">187</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Baugesuchsunterlagen keine nachvollziehbare Berechnung der</span><br/> <span class="ft1">Ausnützungsziffer vorhanden sei.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Die Ausnützungsziffer ist die Verhältniszahl zwischen der</span><br/> <span class="ft1">anrechenbaren Bruttogeschossfläche und der anrechenbaren</span><br/> <span class="ft1">Grundstücksfläche (§ 9 Abs. 1 ABauV). Sie ist ein zonenplanerisches</span><br/> <span class="ft1">Mittel, um im Verein mit anderen namentlich die bauliche Dichte zu</span><br/> <span class="ft1">begrenzen und ermöglicht so einer Gemeinde, die Intensität der</span><br/> <span class="ft1">Besiedlung, d.h. die Zahl der Wohnungen und Arbeitsstätten, also</span><br/> <span class="ft1">praktisch die Grösse der wohnenden und arbeitenden Bevölkerung,</span><br/> <span class="ft1">bezogen auf eine bestimmte Fläche zu beeinflussen. Abgesehen von</span><br/> <span class="ft1">soziologischen und wirtschaftlichen Aspekten dient diese</span><br/> <span class="ft1">Beschränkung zunächst vorwiegend polizeilichen Zielen (Erhaltung</span><br/> <span class="ft1">von Licht, Luft, Sonne, in gewissem Sinne auch der Gewährleistung</span><br/> <span class="ft1">der Wohnhygiene). Ferner erlaubt es die Ausnützungsziffer, die Fol-</span><br/> <span class="ft1">gewirkungen der privaten Bautätigkeit für die Öffentlichkeit zu be-</span><br/> <span class="ft1">einflussen: Sie ist ein Mass für die Belastung der Infrastruktur (Art,</span><br/> <span class="ft1">Distanz bzw. Länge und Auslastung der Anlagen) sowie der Umwelt</span><br/> <span class="ft1">(Immissionen, Orts- und Landschaftsbild usw.). Städtebauliche Be-</span><br/> <span class="ft1">deutung hat die Ausnützungsziffer, indem sie es erleichtert, Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsdifferenzierungen (Wohnanteile, Begrünungsanteile) zu um-</span><br/> <span class="ft1">schreiben, und die Zonenplanung befähigt, durch eine Differenz zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen grosszügigeren Abstandsvorschriften und anderen linearen</span><br/> <span class="ft1">Gebäudebegrenzungen einerseits und einer restriktiveren Ausnüt-</span><br/> <span class="ft1">zungsziffer anderseits einen Gestaltungsspielraum des privaten Bau-</span><br/> <span class="ft1">herrn in der Bestimmung des Baukörpers zu eröffnen und so zu einer</span><br/> <span class="ft1">insoweit differenzierten Überbauung zu gelangen (siehe</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1979, S. 243 f. mit Hinweisen). Diese Grundsätze haben auch</span><br/> <span class="ft1">heute noch Gültigkeit (siehe Walter Haller / Peter Karlen,</span><br/> <span class="ft1">Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht, Band I, 3. Auflage, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1999, Rz. 619, 625 f.).</span><br/> <span class="ft1">bb) Als anrechenbare Bruttogeschossfläche gilt die Summe aller</span><br/> <span class="ft1">ober- und unterirdischen <i>Geschossflächen</i>, einschliesslich der Mauer-</span><br/> <span class="ft1">und Wandquerschnitte (§ 9 Abs. 2 ABauV). Grundlegende</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzung für die Anrechenbarkeit einer Fläche ist also deren</span><br/> <span class="ft1">Qualifikation als Geschossfläche. Als Geschossflächen gelten dabei</span><br/> <span class="ft1">ungeachtet ihrer Nutzung alle unter- oder oberirdischen Innenräume</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">188</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">eines Gebäudes einschliesslich der Mauer- und Wandquerschnitte</span><br/> <span class="ft1">sowie die zum Gebäude gehörenden Aussenräume. Der Zweckbe-</span><br/> <span class="ft1">stimmung der Ausnützungsziffer entsprechend (Steuerung der bauli-</span><br/> <span class="ft1">chen Dichte, Wahrung polizeilicher Interessen, Durchsetzung städte-</span><br/> <span class="ft1">baulicher Anliegen; siehe vorne Erw. aa), sind nur jene Aussenräume</span><br/> <span class="ft1">zu berücksichtigen, die sich innerhalb der Gebäudehülle befinden.</span><br/> <span class="ft1">Hierzu zählen beispielsweise Erdgeschosshallen, überdeckte</span><br/> <span class="ft1">Sitzplätze, Balkone oder Dachterrassen. Handelt es sich demgegen-</span><br/> <span class="ft1">über wie im vorliegenden Fall um eine Terrasse ausserhalb des Bau-</span><br/> <span class="ft1">körpers, ohne eigene Seitenwände und Dachkonstruktion (d.h. ohne</span><br/> <span class="ft1">jeden Gebäudecharakter), liegt keine Geschossfläche im Sinne von</span><br/> <span class="ft1">§ 9 Abs. 2 ABauV, sondern ein nicht anrechenbarer Aussenraum vor,</span><br/> <span class="ft1">den der Bauherr im Rahmen der Zonenvorschriften beispielsweise</span><br/> <span class="ft1">als Autoabstellplatz, Terrasse oder Grünfläche beliebig nutzen kann.</span><br/> <span class="ft1">Somit fällt die Fläche der Terrasse des Restaurants bei der Berech-</span><br/> <span class="ft1">nung der anrechenbaren Bruttogeschossfläche von Vornherein ausser</span><br/> <span class="ft1">Betracht. Weil auch die Verschiebung der Autoabstellplätze und</span><br/> <span class="ft1">Velounterstände sowie der Teilabbruch des Ladenvorbaus nicht aus-</span><br/> <span class="ft1">nützungsrelevant sind bzw. nicht zu einer Erhöhung der anrechenba-</span><br/> <span class="ft1">ren Bruttogeschossfläche führen, hat das hier zu beurteilende Bau-</span><br/> <span class="ft1">vorhaben keinerlei Einfluss auf die Ausnützungsziffer. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdegegnerin war daher auch nicht verpflichtet, ihrem Bauge-</span><br/> <span class="ft1">such eine Ausnützungsberechnung beizulegen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>