Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Mai 2013 (720 13 7 / 114) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Hilflosenentschädigung, lebenspraktische Begleitung Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dani el Noll, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Hilflosenentschädigung A. Der 1992 geborene A.____ leidet seit seiner Geburt an einem psychoorganischen Syn- drom (POS) und seit einem Unfall am 5. Juli 2009 an den Folgen eines schweren Schädel-Hirn- Traumas. Nachdem ein erstes Leistungsbegehren von der I V-Stelle des Kantons Basel- Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 23. November 1992 abgelehnt wurde, meldeten seine Eltern ihn am 26. Januar 2000 erneut zum Bezug von Le istungen der Eidgenössischen Invali- denversicherung (IV) an. In der Folge gewährte die IV- Stelle A.____ medizinische und berufli- che Massnahmen sowie Hilfsmittel. Mit Verfügung vom 15. Dezember 2011 sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft dem Versicherten ab 1. Mai 2010 ausserdem eine ganze Invalidenrente zu. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Im Rahmen der Rentenprüfung machte A.____ am 11. Au gust 2011 einen Anspruch auf Hilflo- senentschädigung geltend. Nach Einholung eines Berichtes ihres Abklärungsdienstes und einer ärztlichen Stellungnahme sowie nach Durchführung eines Vorbescheidverfahrens lehnte die IV- Stelle mit Verfügung vom 10. Dezember 2012 einen Anspruch auf Hilflosenentschädigung ab. B. Hiergegen erhob A.____ am 30. Dezember 2012 Beschwe rde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte sinngemäss die Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung und die Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung. Zur Be- gründung führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, dass seine Aussagen und diejeni- gen des telefonisch befragten Vaters im Abklärungsbericht unrichtig wiedergegeben worden seien. Entgegen den Feststellungen im Abklärungsbericht hätten er und sein Vater angegeben, dass er nicht in der Lage sei, selbstständig einen Haush alt zu führen, dass er Probleme bei der Tagesstruktur habe und er Mühe habe, selbstständig Ter mine zu vereinbaren und wahrzuneh- men sowie Einkäufe und anderes zu erledigen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 16. Januar 2013 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer sei un bestrittenermassen in keiner der massgeblichen sechs Lebensbereiche eingeschränkt. Ein Bedar f an regelmässiger, dauernder und intensiver lebenspraktischer Begleitung sei ebenfalls zu verneinen. Die gemachten Anga- ben im Abklärungsbericht seien schlüssig und nachvollziehbar. D. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung wurde der Beschwerdeführer befragt und B.____, die ehemalige Case-Managerin des Beschwerdeführ ers, C.____, eine Freundin des Beschwerdeführers, sowie D.____, seine Mutter, als Auskun ftspersonen einvernommen. Der ebenfalls als Auskunftsperson vorgeladene Vater des Beschw erdeführers konnte an der Ver- handlung aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen. Au f seine Befragung wurde verzichtet. In ihren Parteivorträgen hielten sowohl der Beschwerdefü hrer wie auch die Beschwerdegegnerin an den gestellten Rechtsbegehren fest. Auf die Ausfü hrungen der Parteien und der Auskunfts- personen wird – soweit notwendig – nachfolgend in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind vorliegend erfüllt , so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Hilflosenent- schädigung hat. 3.1 Gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Nach Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist eine Per- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht son hilflos, die wegen der Beeinträchtigung der Gesund heit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Übe rwachung bedarf. Als hilflos gilt ebenfalls eine Person, welche zu Hause lebt und wegen der Beein trächtigung der Gesundheit dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist. Ist nur di e psychische Gesundheit beeinträch- tigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit mindestens ein Anspruch auf eine Viertelsrente gegeben sein. Ist eine volljährige, versicherte Person le diglich dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen, liegt immer eine leichte Hilflosigkeit vor (Art. 42 Abs. 3 IVG). 3.2 Das Gesetz unterscheidet zwischen schwerer, mittelschwe rer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG). Die Hilflosigkeit gilt als leicht , wenn die versicherte Person trotz der Abga- be von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Leben sverrichtungen regelmässig in erhebli- cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist; einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwändigen Pflege bedarf; wegen einer schweren Sinnesschädigung oder ein es schweren körperlichen Gebre- chens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistun gen Dritter gesellschaftliche Kon- takte pflegen kann oder dauernd auf lebenspraktische Be gleitung im Sinne von Art. 38 der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Ja nuar 1961 angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a - e IVV). Die Hilflosigkeit gilt gemäss A rt. 37 Abs. 2 IVV als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in d en meisten alltäglichen Lebensverrich- tungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a); sie in min- destens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden Üb erwachung bedarf (lit. b); oder in min- destens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig i n erheblicher Weise die Hilfe Drit- ter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist (lit. c). 3.3 Nach ständiger Gerichtspraxis sind die folgenden sechs al ltäglichen Lebensverrichtun- gen für die Bemessung der Hilflosigkeit massgebend: Ankle iden, Auskleiden; Aufstehen, Absit- zen, Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichtung der No tdurft; Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme (BGE 127 V 97 E. 3c, 121 V 90 E . 3, 117 V 31 E. 4b; je mit Hinwei- sen). Die erforderliche Hilfe Dritter muss regelmässig und erheblich sein. Der Begriff der Erheb- lichkeit ist in Relation zu setzen zum zeitlichen Aufwand , den die Hilfsperson hat. Die Hilfe ist mithin insbesondere erheblich, wenn die versicherte P erson mindestens die Teilfunktion einer einzelnen Lebensverrichtung überhaupt nicht mehr, nur mit unzumutbarem Aufwand oder nur auf unübliche Art und Weise selbst ausüben kann oder we gen ihres psychischen Zustandes nicht vornehmen würde (vgl. Urteil des Eidgenössischen Ver sicherungsgerichts [EVG, heute: Schweizerisches Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilungen ] vom 18. April 2002, I 660/01, E. 2b/aa mit Hinweisen; Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicheru ng [KSIH], gültig ab 1. Januar 2012, Rz. 8026). Die Hilfe ist regelmässig, wenn sie die versicherte Person täglich benötigt oder even- tuell täglich nötig hat (KSIH Rz. 8025; vgl. auch: R OBERT ETTLIN , Die Hilflosigkeit als versicher- tes Risiko in der Sozialversicherung [Hilflosigkeit], Frei burg 1998, S. 150). Solange durch ge- eignete Massnahmen bei einzelnen Lebensverrichtungen die Selbstständigkeit erhalten werden kann, liegt diesbezüglich keine Hilflosigkeit vor (R OBERT ETTLIN , Sozialversicherungsrechtliche Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aspekte bei Verlust der Selbstversorgungsfähigkeit [Selb stversorgungsfähigkeit], in: Haftpflicht und Versicherung [HAVE] 2003, S. 117 und Fn. 8). 3.4 Ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sin ne von Art. 42 Abs. 3 IVG liegt ge- mäss Art. 38 Abs. 1 IVV vor, wenn eine volljährige versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbst- ständig wohnen kann (lit. a), für Verrichtungen und K ontakte ausserhalb der Wohnung auf Be- gleitung einer Drittperson angewiesen ist (lit. b) o der ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (lit. c). Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Beglei- tung, die regelmässig und im Zusammenhang mit den in Abs. 1 erwähnten Situationen erforder- lich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretung s- und Verwaltungstätigkeiten im Rahmen vormundschaftlicher Massnahmen nach Art. 398 bis 419 des Sc hweizerischen Zivilgesetzbu- ches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 (Art. 38 Abs. 3 IVV). Die lebenspraktische Begleitung ist regelmässig, wenn sie über eine Periode von drei Monat en gerechnet im Durchschnitt mindes- tens zwei Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 461 E. 6.2; KSIH Rz. 8053). 3.4.1 Die lebenspraktische Begleitung im Rahmen der E rmöglichung des selbstständigen Wohnens ist notwendig, damit der Alltag selbständig bewältigt werden kann, und liegt vor, wenn die versicherte Person auf Hilfe bei der Tagesstrukturierung, Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagssituationen (z.B. nachbarschaftliche Probleme, Fragen der Gesundheit, Ernährung und Hygiene, einfache administrative Tätigkeiten) oder A nleitung zur Erledigung des Haushalts angewiesen ist (KSIH Rz. 8050; BGE 133 V 465 f. E. 8.2.3). 3.4.2 Bei ausserhäuslichen Verrichtungen ist die lebensp raktische Begleitung notwendig, damit die versicherte Person in der Lage ist, das Haus für bestimmte notwendige Verrichtungen und Kontakte (Einkaufen, Freizeitaktivitäten, Kontakte m it Amtstellen oder Medizinalpersonen, Coiffeurbesuch, etc.) zu verlassen (KSIH Rz. 8051). Es m uss sich dabei um eine tatsächliche Begleitung handeln (BGE 133 V 466 E. 8.2.3; vgl. Urt eil des Bundesgerichts vom 21. Juli 2008, 9C_28/2008, E. 3.3). 3.4.3 Die lebenspraktische Begleitung kann ferner notw endig sein, um der Gefahr einer dau- ernden Isolierung von sozialen Kontakten und eine damit einhergehende erhebliche Ver- schlechterung des Gesundheitszustands zu verhindern (KSIH Rz. 8052). Die rein hypothetische Gefahr einer Isolation von der Aussenwelt genügt dabei nicht. Vielmehr müssen sich die Isolati- on und die damit verbundene Verschlechterung des Gesun dheitszustands bei der versicherten Person bereits manifestiert haben. Die notwendige lebenspraktische Begleitung besteht in bera- tenden Gesprächen und der Motivation zur Kontaktaufnah me, z.B. Mitnehmen zu Anlässen (BGE 133 V 466 E. 8.2.3; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2008, 9C_543/2007, E. 5.2). 3.4.4 Nach der Rechtsprechung beinhaltet die lebensprakt ische Begleitung weder die (direk- te oder indirekte) "Dritthilfe bei den sechs alltäglich en Lebensverrichtungen" noch die Pflege oder Überwachung. Vielmehr stellt sie ein zusätzliches un d eigenständiges Institut der Hilfe dar (BGE 133 V 466 E. 9). Ziel der lebenspraktischen Begle itung ist es zu verhindern, dass Perso- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen schwer verwahrlosen und/oder in ein Heim oder eine Klinik eingewiesen werden müssen (KSIH Rz. 8040), bzw. den Eintritt in eine stationäre Einrichtung nach Möglichkeit hinauszu- schieben (BGE 133 V 461 E. 5). Für einen Anspruch auf l ebenspraktische Begleitung ist nicht vorausgesetzt, dass die versicherte Person alleine wohnt. A bgesehen davon, dass sie ausser- halb eines Heims wohnen muss (Art. 38 Abs. 1 IVV), ist unerheblich, in welcher Umgebung sich die versicherte Person aufhält und ob sie auf die Hilf e des Ehegatten, der Kinder oder Eltern zählen kann. Nicht erforderlich ist sodann, dass die lebensp raktische Begleitung durch fachlich qualifiziertes oder speziell geschultes Betreuungspersonal e rbracht wird (KSIH Rz. 8047). Die Frage, ob eine Hilflosigkeit besteht, ist objektiv, nach d em Zustand der versicherten Person, zu beurteilen (BGE 133 V 461 E. 5 mit Hinweisen). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren wird vom Un tersuchungsgrundsatz be- herrscht. Das Gericht hat den rechtserheblichen Sachverha lt von Amtes wegen, aus eigener Initiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien abzuklären und festzustellen (vgl. BGE 117 V 263 E. 3b). Aus der Untersuchungsmaxime folgt auch das Prinzip der freien Beweiswürdigung, wonach das Gericht an kei ne förmlichen Beweisregeln gebunden ist (Art. 61 lit. c ATSG). Das gesamte Beweismaterial ist unvoreingenommen und sorgfältig auf dessen Stichhaltigkeit zu prüfen (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungs- rechts, 3. Auflage, Bern 2003, § 68 N 3). Die Verwalt ung als verfügende Instanz und im Be- schwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicheru ngsrecht hat das Gericht seinen Ent- scheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkei t eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 121 V 47 E. 2a, 115 V 142 E. 8b; jeweils mi t weiteren Hinweisen; L OCHER , a.a.O., § 68 Rz 43 ff.). 4.2 Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Beme ssung der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Ver waltung erforderlich. Erstere hat anzugeben, inwiefern die versicherte Person in ihr en körperlichen bzw. geistigen Funktio- nen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Versicherungs träger kann an Ort und Stelle weite- re Abklärungen vornehmen, wobei bei Unklarheiten über physische und psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen in der Alltagspraxis Rückfra gen an die medizinischen Fachper- sonen nicht nur zulässig, sondern notwendig sind (BGE 130 V 61 E. 6.1.1). Dies kann vor allem bei Beeinträchtigungen der geistigen oder psychischen Gesundheit angezeigt sein, da es für die Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Lei- dens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (vgl. BGE 133 V 468 E. 11.1.1; vgl. auch: Urteile des Bundesgerichts vom 5. September 2 011, 9C_201/2011, E. 2, und vom 13. Juni 2008, 8C_671/2007, E. 3.2.1; jeweils mit wei teren Hinweisen). Damit dem Abklärungs- bericht voller Beweiswert zukommt, müssen jedenfalls folg ende Voraussetzungen erfüllt sein: Als Berichterstatterin wirkt eine qualifizierte Person, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse hat sowie mit den seitens der Medizin gest ellten Diagnosen und den sich daraus Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ergebenden Beeinträchtigungen vertraut ist. Der Beri chtstext muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Leben sverrichtungen sowie den tatbestandsmäs- sigen Erfordernissen der lebenspraktischen Begleitung se in. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen im Bericht aufzuzei- gen sind. Genügt der Bericht über die Abklärung vor Ort den einzelnen rechtsprechungsgemäs- sen Beweisanforderungen, greift das Gericht in das Erm essen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzung en vorliegen (BGE 133 V 468 E. 11.1.1, 130 V 63 E. 6.2). 5.1 Der Beschwerdeführer hat in der Anmeldung zur Au srichtung einer Hilflosenentschädi- gung vom 11. August 2011 geltend gemacht, dass er bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte, namentlich bei der Kontaktaufnahme und Kontakterhaltu ng, auf Hilfe angewiesen sei. Selbst- ständig zu wohnen sei ihm nur aufgrund der kontinuier lichen Begleitung durch Eltern und Fach- personen möglich. Bei wichtigen Terminen benötige er die Begleitung einer Drittperson. Die regelmässige Anwesenheit einer Drittperson sei ferner erforderlich, um eine Isolation von der Aussenwelt zu verhindern. Im Beiblatt zum Anmeldeform ular vom 31. August 2011 gab der be- handelnde Arzt Dr. med. E.____, Allgemeine Medizin FM H, an, dass die Angaben des Be- schwerdeführers über die Hilflosigkeit mit seinen medizini schen Feststellungen übereinstimm- ten und beurteilte den gesundheitlichen Zustand des Beschwerdeführers als stationär. 5.2 Zur Abklärung der Hilflosigkeit hat die Beschwerdege gnerin einen Bericht ihres Abklä- rungsdienstes eingeholt. Die mit der Abklärung betraut e Person hat am 18. Juli 2012 in den Räumlichkeiten der Sozialversicherungsanstalt Basel-Land schaft ein Gespräch mit dem Be- schwerdeführer geführt, gefolgt von einem Telefonat m it dem Vater des Beschwerdeführers am 3. August 2012, und darüber am 15. August 2012 Bericht erstattet. Aus dem Abklärungsbericht geht hervor, dass der Beschwerdeführer in keiner der sech s massgeblichen Lebensverrichtun- gen auf direkte oder indirekte regelmässige und erhebl iche Hilfe angewiesen sei. Ferner wurde ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung verneint. Zur Tagesstrukturierung ist dem Bericht zu entnehmen, d ass eine eigentliche Terminplanung nicht erfolge; der Beschwerdeführer plane auch den Ta gesverlauf oder eine Tagesstruktur nicht. Es falle ihm schwer, am Morgen zur geplanten Zei t aufzustehen. Er benötige an sich je- manden, der ihn wecken, mit ihm aufstehen und frühstücken würde. Nachdem der Beschwerde- führer gefrühstückt habe, rufe er seine E-Mails ab und erledige, was gerade ansteht. Die Termi- ne würden mit dem Mobiltelefon verwaltet, welches ihn erinnere. Seine Freundin kümmere sich wenn immer möglich um ihn, habe jedoch eher wenig Zei t. Der Beschwerdeführer besuche bei- nahe täglich seine Eltern, um anstehende Themen zu be sprechen. Die Kleiderwäsche müsse nicht geplant werden, da er jederzeit Zugang zur Wasc hmaschine habe. Allerdings vergesse er regelmässig, am Vorabend der Kehrrichtabfuhr den Abfal l nach draussen zu bringen und ver- passe dies auch am Morgen, weil er Mühe habe aufzustehe n. Gemäss Aussagen des Vaters des Beschwerdeführers erfahre er bei der Tagesstruktur kei ne aktive und regelmässige Unter- stützung der Eltern oder anderer Personen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Bericht kam des Weiteren zum Schluss, dass der Beschwer deführer keine Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagsproblemen oder Anlei tung zur Erledigung des Haushalts benöti- ge. Fragen im Zusammenhang mit der Gesundheit kläre de r Beschwerdeführer in der Regel selbst. Bezüglich Ernährung und Körperhygiene werde eb enfalls keine Hilfe benötigt. Einfache administrative Tätigkeiten wie die Korrespondenz oder d en E-Mail-Verkehr erledige er ohne Unterstützung. Aufwändigere Themen würden ihn indesse n anstrengen und er wünsche sich dafür Hilfe. Seine Geldangelegenheiten verwalte der Beschwerdeführer selbstständig, wobei er nach eigenen Aussagen kein Budget erstelle, es ihm aber finanziell gut genug gehe, dass er keine Schulden habe und sich immer wieder etwas leisten könne. Kontakte mit Behörden betreffend einfache, schriftlich zu behandelnde Themen erfolgen selbstständig, bei komplexe- ren Fragestellungen sei er auf externe Unterstützung a ngewiesen. Der Beschwerdeführer habe Mühe mit dem Kochen; es fehle ihm an Ideen, was einzuka ufen und zu kochen sei. Am Wo- chenende und teilweise auch unter der Woche gehe er zu m Essen zu seinen Eltern. Die Erledi- gung des Haushalts sei für ihn mental sehr anstrengend, die Freundin übernehme deshalb ei- nen grossen Teil der Reinigungsarbeiten gegen Bezahl ung. Auch die Kleiderwäsche und das Bügeln seien für den Beschwerdeführer sehr anstrengend und ermüdend. Als er noch in F.____ gewohnt habe, habe er kaum selber gekocht oder die Woh nung gereinigt. Der Vater des Be- schwerdeführers führte dazu aus, dass es dem Beschwerdeführ er bezüglich seiner Ernährung an einer Struktur fehle. Wie es in der Wohnung aktuell aussehe, könne er indessen nicht beur- teilen, da der Beschwerdeführer kaum jemanden in die Wohnung lasse. Das Verhalten des Be- schwerdeführers könne aufgrund seiner Krankheiten etwas sc hwierig sein. Die Finanzen habe er aber mittlerweile im Griff. Bezüglich einer notwendigen Begleitung für Erledigun gen und Kontakte ausserhalb der Woh- nung wurde ausgeführt, dass der Beschwerdeführer den Einkauf nicht plane, sondern chaotisch jeweils das einkaufe, was ihn gerade anspreche. Freizei taktivitäten fänden beinahe nicht statt, der Beschwerdeführer treffe sich ab und zu mit älteren Kollegen und lasse sich von diesen zu Alltagsthemen beraten. Kontakte mit Amtsstellen und Medizinalpersonen sowie Coiffeurbesu- che würden von ihm selbstständig wahrgenommen. Er habe Schwierigkeiten mit Menschen- mengen und versuche diese nach Möglichkeit zu vermeiden. Er fahre selbstständig Auto, je- doch bloss ungern auf der Autobahn. Laut ergänzenden A ngaben des Vaters sei das soziale Umfeld des Beschwerdeführers sehr klein und beschränke sich auf die Eltern und zwei oder drei Kollegen, die deutlich älter seien. Der Bericht verneinte ferner die Notwendigkeit, eine dauernde Isolation des Beschwerdeführers zu verhindern. Er pflege aktiven Kontakt via E-Mail und auch persönlich zu anderen Personen, halte sich regelmässig bei den Eltern auf und führe ein e Beziehung. Der Beschwerdeführer ha- be zwei Jahre alleine in F.____ gewohnt und habe zu dieser Zeit kaum Unterstützung aus dem Umfeld erfahren. Aus diesem Grund sei er auch wieder in die Region zurückgekehrt. Ge- wünscht werde von ihm insbesondere auch eine Unterstütz ung zur Bewältigung von Alltags- themen. Der Vater führte hierzu aus, dass der Beschwerdef ührer nur begrenzt Hilfe annehmen könne. Die Eltern hätten sich in den letzten Jahren aktiv und intensiv um den Beschwerdeführer gekümmert, teilweise aber resignieren müssen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefocht enen Verfügung vollumfänglich auf den Abklärungsbericht vom 15. August 2012 sowie auf die im Rahmen des Vorbescheidver- fahrens eingeholte Stellungnahme des Abklärungsdienstes, in der an den Ergebnissen des Be- richts festgehalten und bestätigt wurde, dass keine reg elmässige lebenspraktische Begleitung im Umfang von über zwei Stunden pro Woche vorliege. D er Beschwerdeführer benötige weder eine aktive Begleitung, damit er selbstständig wohnen kö nne, noch sei er auf die regelmässige und aktive Begleitung für Kontakte ausserhalb der Wohn ung angewiesen. Er könne selbststän- dig Termine vereinbaren und auch wahrnehmen. Er führe den Haushalt grundsätzlich selber und habe lediglich etwas Unterstützung bei der Ausfüh rung, was nicht berücksichtigt werden könne. Ferner seien auch die Voraussetzungen des zeitlichen Umfangs nicht erfüllt. 6.2 Der Beschwerdeführer bestreitet diese Einschätzung . Anlässlich der heutigen Partei- verhandlung führte er aus, dass er in einer 1.5-Zimmer Wohnung lebe, die ca. 80 m 2 umfasse. Er habe Fotos mitbringen wollen, aber da er zügle, seh e es im Moment schlimm aus. Es sei eine Ausnahmesituation. Er habe eher viele Besitztümer, sei jedoch kein Messie. Es liege am Platzmangel, dass er nicht alles verräumen könne. Er mög e jedoch auch gar nicht aufräumen. Auch kochen möge er nicht; er würde, wenn überhaupt b loss einfache Gerichte zubereiten. Al- les überfordere ihn. Ohne die Hilfe von C.____ würde es nicht gehen. Neben der Hilfe im Haus- halt würde er sich auch einen Gesprächspartner wünschen. Er treffe sich zwar ab und zu mit Freunden, meistens sei er jedoch alleine. Er müsste eig entlich eine Physiotherapie machen, aber das beinhalte viele organisatorische Überlegungen. Der Besuch beim Hausarzt und das Vereinbaren und Wahrnehmen der entsprechenden Termi ne überfordere ihn. Er mache den Unfall verantwortlich dafür, dass es jetzt so schlecht laufe und dass er anderen Menschen ge- genüber ausfällig werde. Nur beim Autofahren könne e r über Stunden konzentriert bleiben, oh- ne Ermüdung, ohne Pausen und ohne Schmerzen. Seit ein igen Tagen arbeite er ohne Entgelt für einen Bekannten und verkaufe Reinigungsprodukte. Er sei dabei zeitlich ziemlich frei, dürfe auch einmal eine Woche fehlen und später am Tag anfa ngen. Er habe grosse Mühe aufzuste- hen. Auch heute sei er erst um zehn Uhr aufgestanden, o bwohl der Wecker auf sieben gestellt gewesen sei. Wie er neben der Arbeit auch noch einkauf en, waschen, putzen oder kochen sol- le, wisse er nicht. 6.3 Die als Auskunftsperson einvernommene ehemalige Ca se-Managerin des Beschwer- deführers B.____ gab an, dass sie aktuell nicht über die Lebensumstände des Beschwerdefüh- rers informiert sei und seit Längerem keinen Kontakt meh r zu ihm habe. Sie sei weder in der aktuellen Wohnung noch in derjenigen in F.____ gewes en. Die Eltern des Beschwerdeführers hätten damals ausgeführt, dass die Wohnung in F.____ ve rwahrlost gewesen sei und sie öfter haben vorbeigehen müssen. Sie seien damals an ihre Gren zen gekommen. Sie habe stets den Eindruck gehabt, dass der Beschwerdeführer viel Unterstüt zung benötige. Er habe zwar alleine zu Behörden, zu Ärzten oder Amtsstellen gehen können, die Gespräche seien dann jedoch re- gelmässig eskaliert. Auch ihre Begleitung habe dies nicht immer verhindern können. Neben den Behördengängen habe sie den Beschwerdeführer bei Alltagsthemen und kleineren administrati- ven Angelegenheiten wie dem Ausfüllen von Einzahlungssc heinen beraten. Vielfach sei es auch um den sozialen Austausch gegangen, sie habe den Ei ndruck gehabt, dass eine soziale Isolation habe verhindert werden müssen. An den konkreten Umfang ihrer Unterstützung könne Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sie sich nicht genau erinnern, es sei um durchschnittlich etwa zwei Stunden pro Woche gegan- gen. Die Unterstützung sei sehr umfassend gewesen, sie hab e keinen anderen Fall bei der Be- hindertenhilfsstelle gehabt, der so viel Zeit in Ansp ruch genommen habe. Es sei für sie eindeu- tig, dass der Beschwerdeführer ohne Unterstützung in S chwierigkeiten geraten, vielleicht ver- wahrlosen würde. Eine betreute Wohnform käme für den Beschwerdeführer aufgrund seiner Persönlichkeit jedoch nicht in Frage. 6.4 In der Befragung führte die als Auskunftsperson einve rnommene C.____ zunächst aus, dass sie entgegen den Angaben des Abklärungsberichts nicht d ie Lebenspartnerin, sondern lediglich eine Freundin des Beschwerdeführers sei. Sie kenne die aktuelle Wohnsituation. Die Wohnung sei unaufgeräumt, der Beschwerdeführer habe e s nicht im Griff mit der Wohnungs- pflege. Er verlange von ihr, aufzuräumen und zu putzen , aber sie habe selbst Familie und da- durch nicht genug Zeit. Früher sei sie regelmässiger g egangen, einmal pro Woche oder alle zwei Wochen für jeweils eine bis zwei Stunden, um zu put zen und aufzuräumen. Der Be- schwerdeführer versuche, es selbst zu machen, aber es funkti oniere nicht. Gewisse Abläufe könne er nicht einhalten, selbst, wenn sie ihn dabei anleite. Bei mehrfacher Anleitung schaffe er es zunächst, selbstständig das Nötige zu erledigen, falle jedoch innert weniger Wochen wieder in die alten Gewohnheiten zurück. Neben der Hilfe im Haushalt sei sie auch Ansprechpartnerin bei kleineren Problemen und habe versucht, ihm das Koch en beizubringen. Der Beschwerde- führer habe aber Mühe gehabt, den Anweisungen zu folg en und sei wütend geworden. Wenn es um Abläufe gehe, müsse man ihm alles mehrmals sagen, wie bei einem kleinen Kind. Sie sei ein- oder zweimal mit dem Beschwerdeführer einkaufen g egangen. Er könne auch selber ge- hen, wenn man ihm eine Einkaufsliste erstelle. Sie sei aktuell länger nicht mehr in der Wohnung des Beschwerdeführers gewesen und wisse nicht, was sie dort erwarte. 6.5 Die ebenfalls als Auskunftsperson befragte Mutter des Beschwerdeführers gab an, dass der Beschwerdeführer Mühe habe, ihre Hilfe anzuneh men und sie als Einmischung emp- finde. Sie sei deshalb nicht regelmässig in der Wohnung . Es sei ihr bewusst, dass ihr Sohn nicht vollständig für sich selbst sorgen könne. Insbesonder e bei organisatorischen Angelegen- heiten benötige er viel Hilfe. Ihr Mann und sie würde n oft auch bei administrativen Problemen helfen. Der Beschwerdeführer frage auch bei Geldangel egenheiten oft um Hilfe, lehne diese später aber wieder ab. Sie wisse nicht, was der Grund dafür sei, nehme jedoch an, dass es ihm zurzeit in finanzieller Hinsicht nicht gut gehe. Er zahle Rechnungen, soweit dies möglich sei, habe aber auch bei ihr Schulden. Ihrer Ansicht nach könn e der Beschwerdeführer einkaufen, kochen und putzen. Mehr als zwei oder drei Erledigungen täglich könne er jedoch nicht tätigen, da er sonst überfordert sei. Ihr Sohn sei nicht fähig, aufzuräumen oder Dinge wegzuwerfen. Er habe grosse Mühe, Dinge zu entsorgen, selbst wenn sie kaput t seien. Alles habe für ihn eine Bedeutung. Wenn er glaube, sie habe etwas weggeworfen, raste er aus. Neben der praktischen Begleitung ginge es bei der notwendigen Unterstützung auch darum, einen Gesprächspartner zu haben, jemand, der ihn aus der Isolation hole. Dies sei jedoch ausserordentlich schwierig. 7.1 Umstritten ist zwischen den Parteien in erster Linie , ob vorliegend eine lebensprakti- sche Begleitung zu bejahen ist und in diesem Zusammenhang , ob auf die Angaben des Abklä- rungsberichts vom 15. August 2012 abgestellt werden kann. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Wie bereits in Erwägung 4.2 hiervor ausgeführt, ist für den Beweiswert eines Abklä- rungsberichts unter anderem vorausgesetzt, dass er von ei ner qualifizierten Person, die Kennt- nisse über die örtlichen und räumlichen Verhältnisse hat , verfasst wird. Ausgangspunkt der Bemessung der Hilflosigkeit ist jedoch die medizinische Beu rteilung der vorliegenden Ein- schränkungen. Dies muss insbesondere bei psychisch oder geistig bedingten Einschränkungen gelten, wo es der medizinischen Fachperson eher möglich ist, dass Ausmass des Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (vgl. Erwägung 4.2 hiervor und die dort zitierte Rechtsprechung). Vorliegend hat sich lediglich der behandelnde Arzt Dr. E.____ im Rah- men eines Fragebogens zur Hilflosigkeit des Beschwerdefü hrers geäussert und dabei die An- gaben in der Anmeldung, namentlich den Bedarf an leb enspraktischer Begleitung und Unter- stützung bei der Aufnahme und Pflege gesellschaftlicher Kontakte, aus medizinischer Sicht oh- ne genauere Ausführungen bestätigt. In den Akten fin den sich keine weiteren medizinischen Unterlagen zur Hilflosigkeit. Auch der Bericht von Dr. med. G.____, Neurologie FMH, vom 1. November 2012 enthält keine Ausführungen zu den um strittenen Einschränkungen des Be- schwerdeführers. Damit liegt entgegen den von der Rec htsprechung genannten Grundsätzen keine eingehende ärztliche Einschätzung der Hilflosigkeit des Beschwerdeführers vor. Indessen wäre zumindest eine Rücksprache mit einer (behandelnden) ärztlichen Fachperson angezeigt gewesen, als deutlich wurde, dass die Ergebnisse der Abklä rung und die Einschätzung des behandelnden Arztes Dr. E.____ nicht übereinstimmten. Die Abklärung wurde ausserdem nicht vor Ort in der Wohnung des Beschwerdeführers, sondern im Rahmen eines Gesprächs in den Räumlichkeiten der Sozialversicherungsanstalt Basel-Landsch aft durchgeführt, obwohl der Be- schwerdeführer zum Zeitpunkt der Abklärung seit mehreren Monaten wieder im Kanton Basel- Landschaft wohnhaft war. Damit war es der abklärenden Person jedoch nicht möglich, sich selbst ein Bild der örtlichen Verhältnisse zu machen. Dem Abklärungsbericht kommt nach dem Ausgeführten keine genügende Beweiskraft zu. 7.3 Aufgrund der vorhandenen Akten und insbesondere de n glaubhaften Aussagen der Auskunftspersonen sowie den Ausführungen des Beschwerdef ührers erachtet das Gericht den vorliegenden Fall dennoch als spruchreif. 7.3.1 Aus den Aussagen anlässlich der heutigen Parteiverh andlung ist ersichtlich geworden, dass der Beschwerdeführer in keinem der sechs massgeblichen Lebensbereiche auf Hilfe an- gewiesen ist. Zwar bekundet der Beschwerdeführer Mühe , zeitig aufzustehen, ein Bedarf an (indirekter) Dritthilfe wird jedoch nicht geltend gem acht. Die in der Anmeldung geltend gemach- te notwendige Dritthilfe bei der Kontaktaufnahme un d -pflege ist im Rahmen der lebensprakti- schen Begleitung und nicht der entsprechenden Lebensverr ichtung zu beurteilen (vgl. KSIH Rz. 8024 und 8048). 7.3.2 Die Aussagen des Beschwerdeführers und der Auskunf tspersonen zeigten indessen, dass der Beschwerdeführer in verschiedener Weise auf lebe nspraktische Begleitung angewie- sen ist. So wurde aus den Aussagen von C.____ deutlich, dass der Beschwerdeführer nicht bloss aufgrund fehlender Motivation Probleme bei der W ohnungsreinigung hat, sondern die Abläufe alleine nicht einhalten kann und deshalb auf Anleitung durch eine Drittperson angewie- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen ist. Dass der Beschwerdeführer daneben Hilfe bei der Tagesstrukturierung und der Bewäl- tigung von Alltagsproblemen benötigt, ist bereits aus dem Abklärungsbericht vom 15. August 2012 ersichtlich. Darin wird festgehalten, dass der Besch werdeführer weder den Tagesverlauf plane noch eine eigentliche Terminplanung vornehme. Hi ngegen besuche er beinahe täglich seine Eltern, um anstehende Themen zu besprechen. Dies be stätigen die Aussagen von D.____, die anlässlich der heutigen Parteiverhandlung ausgeführt hat, dass der Beschwerde- führer insbesondere bei organisatorischen Fragen auf i hre Hilfe angewiesen sei. Sowohl die ehemalige Case-Managerin B.____ wie auch C.____ und d ie Mutter des Beschwerdeführers haben übereinstimmend angegeben, dem Beschwerdeführe r regelmässig auch bei kleineren administrativen Angelegenheiten zu helfen und ihn bei Alltagsthemen zu beraten. Anlässlich der Parteiverhandlung ist der Eindruck entstanden, dass auch in finanziellen Angelegenheiten Un- terstützung benötigt wird, der Beschwerdeführer jedoch entsprechende Hilfe nicht annimmt. Die Hilflosigkeit ist indessen in erster Linie objektiv nach d em Zustand des Beschwerdeführers zu beurteilen und nicht danach, ob die Hilfe aktuell tats ächlich in Anspruch genommen wird. Der Beschwerdeführer ist auch bezüglich der Ernährung, name ntlich bei der Planung der Mahlzei- ten und der Einkäufe, jedoch auch bei der Zubereitung selbst, auf die Begleitung bzw. Betreu- ung und Anleitung Dritter angewiesen. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Aus- sage C.____s, dass der Beschwerdeführer alleine einkaufen gehen könne, es jedoch notwendig sei, ihm eine Einkaufsliste mitzugeben. Für das Gericht ist nach dem Ausgeführten erstellt, dass der Beschwerdeführer auf lebenspraktische Begleitung bei der Tagesstrukturierung, der Bewäl- tigung von Alltagssituationen und bei der Erledigung d es Haushalts angewiesen ist, um selbst- ständig wohnen zu können. Dafür sprechen auch die Aussag en darüber, wie der Beschwerde- führer in F.____ gelebt hat und auch heute lebt, wen n er keine Hilfe in Anspruch nimmt. Nach diesen Angaben scheint zumindest die Gefahr einer Verw ahrlosung zu drohen. In einem mögli- cherweise geringeren Ausmass bedarf der Beschwerdeführer ausserdem der lebenspraktischen Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtungen. Dass nament lich der selbstständige Kontakt mit Amtsstellen problematisch ist, ist aus den vorhandenen Akten ersichtlich. B.____ bestätigte heute, dass die Gespräche, die der Beschwerdeführer alleine mit Behörden geführt habe, eska- liert seien und bloss eine Begleitung dies (zumindest zu m grossen Teil) verhindern könne. Auf- grund der Probleme bei der Termingestaltung wendet si ch der Beschwerdeführer ohne Hilfe auch nicht an Ärzte und andere Medizinalpersonen. So vermeidet er es, eine notwendige Phy- siotherapie in Angriff zu nehmen, weil ihn die Termin e nach eigenen Angaben überfordern. Freizeitaktivitäten finden kaum oder nicht statt. Da ge mäss Rechtsprechung die lebensprakti- sche Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtungen jedoch eine tatsächliche Begleitung vor- aussetzt und eine solche zumindest aktuell nicht regelmässig stattfindet, sind diese Aspekte bei der Bemessung der Hilflosigkeit lediglich zweitrangig zu berücksichtigen. Die dem Beschwerde- führer nahestehenden Auskunftspersonen äusserten ferner übereinstimmend Bedenken, dass er sozial isolieren könnte. Tatsächlich ist deutlich gewor den, dass der Beschwerdeführer einen sehr eingeschränkten Bekannten- und Freundeskreis hat. A uch das Verhältnis zur Familie ist nicht unbelastet. Es ist jedoch unklar geblieben, ob sich e ine Isolation – wie von der Rechtspre- chung gefordert – bereits manifestiert hat bzw. bloss mit Hilfe der beratenden Gesprächen mit und der Motivation durch die hilfeleistenden Personen v erhindert wird oder ob sie bloss eine hypothetische Gefahr darstellt. Die Frage kann letztlich offen gelassen werden, da der Bedarf an lebenspraktischer Begleitung bereits in anderen Aspekten zu bejahen ist. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.3 Fraglich und zu prüfen bleibt, ob die Erheblich keitsgrenze von durchschnittlich zwei Stunden lebenspraktische Begleitung pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten erreicht ist. Der Beschwerdeführer hat dazu keine konkreten Angabe n machen können. Aus den Aus- sagen der Auskunftspersonen und der Akten ergibt sich jedoch , dass der Beschwerdeführer mehrmals pro Woche bei den Eltern vorbeigeht oder anr uft, um Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ferner sagte C.____ aus, dass sie ca. eine Stunde pro Wo che den Beschwerdeführer bei der Haushaltsführung anleiten müsse oder die entsprechende n Aufgaben selbst übernehme, was gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig ist (BGE 133 V 467 E. 10.2; KSIH Rz. 8047.1). Da ferner gemäss Aussagen der Mutter auch andere Bekannte und Freunde den Beschwerdeführer bei Alltagsthemen beraten, kann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da- von ausgegangen werden, dass die notwendige lebensprakti sche Begleitung regelmässig im Sinne des KSIH ist. Dafür spricht im Übrigen auch der von B.____ angegebene Umfang der von ihr geleisteten Hilfe, der sich bereits auf zwei Stunden pro Woche belaufen habe. 7.4 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Be schwerdeführer insbeson- dere zur Ermöglichung des selbstständigen Wohnens, name ntlich bei der Tagesstrukturierung, der Bewältigung von Alltagssituationen und bei der Erl edigung des Haushalts auf beratende bzw. anleitende Unterstützung angewiesen ist. Die leben spraktische Begleitung ist ferner dau- ernd und regelmässig. Da der Beschwerdeführer ausserdem eine volle Rente der IV bezieht, sind damit sämtliche Voraussetzungen gemäss Art. 42 Abs. 1 und 3 IVG i.V.m. Art. 37 Abs. 3 lit. e IVV für die Zusprechung einer Hilflosenentschädig ung leichten Grades erfüllt. Die Be- schwerde ist folglich gutzuheissen und es ist festzustellen, d ass der Beschwerdeführer ab dem Datum der Anmeldung Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades hat. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeit en um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leist ungen vor dem kantonalen Versiche- rungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden V erfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt, gegenüber der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden werden indes keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliege nd die Vorinstanz unterlegen ist, ist demnach auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. Die ausserordentlichen Kosten sind beim nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer wettzuschlagen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfüg ung vom 10. Dezember 2012 aufgehoben und festgestellt, dass de r Beschwer- deführer ab 11. August 2011 Anspruch auf eine Hilflos enentschädi- gung leichten Grades hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdegegnerin am 21. August 2013 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_578/2013 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht