B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2916/2012 U r t e i l v o m 2 8 . O k t o b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. April 2012 / N (…). E-2916/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der tamilische Beschwerdeführer reiste gemäss seiner Darstellung am 6. Dezember 2010 illegal in die Schweiz ein und stellte gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylgesuch. Nach der Kurzbefragung im EVZ vom 9. Dezember 2010 wurde er für die Da u- er des Verfahrens dem Kanton B._______ zugewiesen. Am 20. Deze m- ber 2010 fand eine direkte Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) statt. B. B.a Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen vor, er stamme ursprünglich aus C._______, Bezirk Jaffna. Aufgrund der Rückeroberung der Jaffna -Halbinsel durch die sri - lankische Armee sei er mit seiner Familie im Jahre 1996 nach D._______ umgezogen. Dort habe er in den Jahren (…) bis (…) für die "Tamil Eelam Economic Development Organization" (TEEDOR) gearbeitet, wobei er ab (…) als (…) tätig gewesen sei. Er habe in dieser Funktion (…) der Libera- tion Tigers of Tamil E elam (LTTE) verwaltet und Kontakte zu vielen Mi t- gliedern der LTTE gepflegt. In den Jahren (…) bis (…) sei er als (…) für das "Ministry of (…)" (Bezirksverwaltung D._______) tätig gewesen. Wäh- rend dieser Zeit, im Jahre 2008, habe er bei der LTTE eine Grenzschutz - Ausbildung absolvieren müssen. Am 20. April 2009 habe er mit seiner Familie aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in das von der Armee kontrollierte Gebiet flüchten müssen , und sie hätten sich bis im Oktober 2009 in einem Camp namens E._______ aufgehalten. Er sei dort verhört worden, wobei er aber seine frühere Tätigkeit für die LTTE ve r- schwiegen habe. Nach Verlassen des Camps hätten er und seine Ang e- hörigen sich zunächst bei e inem Freund in F._______, G._______ auf- gehalten und seien dann im Februar 2010 nach D._______ zurückge- kehrt, wo er für das (…) der Vereinten Nationen ([…]) gearbeitet habe. Im August 2010 hätten ihn drei Soldaten zu Hause aufgesucht und ihn zu seinen Kontakten zu den LTTE sowie zu Waffenverstecken dieser Orga- nisation befragt und geschlagen, wobei er an einer Hand verletzt worden sei. Er habe in der Folge von seinem Schwager erfahren, dass H._______, ein anderer ehemaliger Angestellter der TEEDOR, mit we l- chem er früher zusammengearbeitet habe, mit der Armee kooperiere und dieser den Standort eines Waffenverstecks der LTTE verraten habe. Aus Angst vor weiteren Repressalien im Zusammenhang mit dieser Angel e- genheit sei er mit seiner F amilie nach Jaffna gegang en, wo sie bei sei-E-2916/2012 Seite 3 nem Bruder gelebt hätten. Da dieser aber Probleme mit den Regierung s- kräften aufgrund seiner Anwesenheit befürchtet habe, sei er im Septe m- ber 2010 nach G._______ zurückgekehrt. Nachdem im Oktober und N o- vember 2010 viele Tamilen , welche für die LTTE gearbeitet hätten, e r- schossen worden seien, habe er sich schliesslich zur Ausreise entschlos- sen. Am (…) Dezember 2010 sei er von Colombo aus mithilfe eines Schleppers per Flugzeug nach Italien gereist und von dort in einem Auto in die Schweiz geb racht worden. Seine Ehefrau und die beiden gemei n- samen Kinder würden sich vermutlich in Jaffna versteckt aufhalten, wo auch seine Mutter und seine beiden Geschwister wohnhaft seien. B.b Zum Beleg seiner Identität und seiner Vorbringen reichte der B e- schwerdeführer eine Identitätskarte und eine im (…) 2009 ausgestellte Temporary Identity Card, beide im Original, Geburts- und Eheregisteraus- züge in Kopie, eine Relief Assistance Card, Arbeitsbestätigungen der TEEDOR, des " (…)" sowie des (…) und eine Fotoaufnahme ein es ze r- störten Hauses zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 26. April 2012 – eröffnet am 27. April 2012 − stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. D. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29. Mai 2012 beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung des BFM vom 26. April 2012 sei aufz u- heben und die Sache sei zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sach verhalts sowie zur Neubeurteilung an die Vori n- stanz zurückzuweisen. Eventualiter sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zu- zuerkennen und das Asyl zu gewähren, subeventualiter seien die Disposi- tiv-Ziffern 4 und 5 der Verfügung vom 26. April 2012 aufzuheben und die Unzulässigkeit sowie die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs fes t- zustellen. In formeller Hinsicht beantragte er, es sei es sei ihm das für das vorliegende Verfahren zuständige Spruchgremium bekanntzugeben und ihm vor einer Gutheissung eine Frist zur Einreichung einer detaillierten Kostennote anzusetzen. Mit der Beschwerdeschrift wurden als Bewei s- mittel zahlreiche Lageberichte verschiedener Organisationen und Artikel von Medien in Bezug auf die politische und menschenrechtliche Situation in Sri Lanka eingereicht. Auf die Begründung wird – soweit entscheidwe- sentlich – in den Erwägungen eingegangen. E-2916/2012 Seite 4 E. Mit Zwischenverfügung vom 5. Juni 2012 forderte der vormals zuständige Instruktionsrichter den Beschwerdeführer zur Einzahlung eines Koste n- vorschusses innert Frist auf, gab ihm antragsgemäss das Spruchgremium bekannt und gewährte ihm ein e Frist zur Einreichung der in Aussicht g e- stellten Beweismittel. F. Mit Eingabe vom 20. Juni 2012 ersuchte der Beschwerdeführer unter Bei- lage einer Fürsorgebestätigung der Sozia len Dienste I._______ vom 18. Juni 2012 um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. G. Mit Instruktionsverfügung vom 22. Juni 2012 hiess der damalige Instrukti- onsrichter das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsve rfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) gut, hob die Dispositiv-Ziffern 2 und 3 der Zw i- schenverfügung vom 5. Juni 2012 auf und verzichtete wiedererwägung s- weise auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. H. Mit ergänzender Eingabe seines Rech tsvertreters vom 16. Juli 2012 reichte der Beschwerdeführer folgende Beweismittel zu den Akten: − Bestätigungsschreiben des "(…)" vom 4. Juli 2012 in Kopie, − Bestätigungsschreiben des Grama Officer von J._______ sowie des Administrative Officer des (…), vom 3. Mai 2012 − eine Fotoaufnahme einer Gedenkfeier für einen gefallenen LTTE - Kämpfer − einen Ausdruck des Wikipedia-Artikels zu den "Sea Tigers" − eine Liste von LTTE-Mitgliedern zu welchen der Beschwerdeführer an- geblich Kontakt hatte − Kopie des britischen Reisepasses eines ehemaligen Arbeitskollegen − zwei Internet-Artikel betreffend die Verhaftung von Führungspersonen der TEEDOR beziehungsweise zum Beleg der TEEDOR-Mitgliedschaft des ehemaligen Vorgesetzten H._______ des Beschwerdeführers − drei Internet -Artikel betreffend Folter von nach Sri Lanka zurückg e- schafften tamilischen Asylsuchenden − Schreiben von Dr. med. K._______, L._______, vom 13. Juli 2012 − E-Mail-Schreiben von M._______, Physiotherapie (…), vom 31. Mai 2012 E-2916/2012 Seite 5 − eine Fotoaufnahme von Verletzungen des Beschwerdeführers − Kostennote seines Rechtsvertreters vom 16. Juli 2012 Zudem ersuchte er um Einräumung einer neuen Frist zur Einreichung weiterer Beweismittel sowie um Verlängerung der Frist für die Einre i- chung eines ärztlichen Zeugnisses. I. Mit Instruktionsverfügung vom 20. Juli 2012 wies der damalige Instrukti- onsrichter die Gesuche um Einräumung einer neuen Beweismittelfrist b e- ziehungsweise Verlängerung der Frist zur Einreichung eines Arztzeugnis- ses ab und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. J. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 25. Juli 2012 an seiner Ver- fügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. K. Die Vernehmlassung des BFM wurde dem Beschwerdeführer mit Z u- schrift vom 30. Juli 2012 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. E-2916/2012 Seite 6 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Das BFM stellte sich zur Begründung seiner Verfügung auf den Standpunkt, den Vorbringen des Beschwerdeführers liessen sich keine Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass er mit beachtlicher Wahrschei n- lichkeit mit asylrelevanter Verfolgung rechnen müsse. Das von ihm vo r- gebrachte Verhör und die Schläge durch Angehörige der Sicherheitskräfte seien mangels hinreichender In tensität asylrechtlich nicht beachtlich. Z u- dem sei er gemäss seinen Angaben kein weiteres Mal von den Behörden aufgesucht worden und es sei den Akten auch nicht zu entnehmen, dass andere Personen aus seinem Umfeld Nachteile erlitten hätten. Es sei d a- von au szugehen, dass der Beschwerdeführer kein Profil aufweise, we l- ches ihn in den Augen der sri-lankischen Behörden im heutigen Zeitpunkt als verdächtig erscheinen lasse. Die TEEDOR, bei welcher er gearbeitet habe, sei nicht Teil der LTTE, sondern werde nur von diesen verwaltet. Dass er anlässlich der Befragung vom August 2010 von der sri - lankischen Armee nicht verhaftet worden und seine Identitätskarte nicht konfisziert worden sei, spreche dafür, dass er keines nennenswerten E n- gagements für die LTTE verdächtigt worden sei. Zudem sei zu beachten, dass sich die allgemeine Lage in Sri Lanka seit dem Ende des Bürge r- kriegs grundlegend geändert habe und die Sicherheitskräfte keinen A n- lass mehr hätten, flächendeckend nach Mitgliedern und Sympathisanten der LTTE zu su chen. Im Übrigen liessen sich den Akten keine Anhalt s- punkte dafür entnehmen, dass dem Beschwerdeführer im Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 der Konvention vom E-2916/2012 Seite 7 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung drohen würde und auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lasse den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen. Ferner würden w e- der die in der Herkunftsregion Jaffna des Beschwerdeführers herrschen- de Sicherheitslage noch dessen individuelle Situation für die Unzumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen. Namentlich verfüge er in der Heimat über ein funktionierendes familiäres Beziehungsnetz sowie damit über eine gesicherte Wohnsituation und sei jungen Alters. 3.2 3.2.1 In seiner Beschwerdeschrift rügte der Beschwerdeführer zunächst, die Vorinstanz habe in mehrfacher Hinsicht den Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt. Da seine letzte Anhörung rund eineinhalb Jahre zurückliege un d das Bundesamt es unterlassen habe, ihn vor der En t- scheidfällung zu seiner aktuellen Gefährdungssituation erneut anzuhören oder ihm Gelegenheit zu einer entsprechenden schriftlichen Stellun g- nahme zu geben , habe es seinen Anspruch auf rechtliches Gehör ve r- letzt. Zudem sei er in den Anhörungen zu zentralen Punkten, namentlich zu seiner genauen Position und seinen Aufgaben bei der TEEDOR sowie zum Tätigkeitsfeld und zur Struktur dieser Organisation, nicht befragt worden, und es fänden sich in den Akten keine Informationen zu ehema- ligen Vorgesetzten und Mitarbeitern von ihm und deren Schicksal nach Kriegsende. Aus dem Aktenverzeichnis sei zu schliessen, dass keine län- derspezifischen Informationen eingeholt und zu den Akten genommen worden seien, obwohl seine Ge fährdungssituation nur vor diesem Hinte r- grund beurteilt werden könne. Schliesslich sei kein ärztliches Gutachten hinsichtlich der von ihm vorgebrachten gesundheitlichen Probleme eing e- holt worden. Im Weiteren habe die Vorinstanz dadurch die Begründungs- pflicht verletzt, dass sie mit keinem Wort auf mehrere von ihm vorg e- brachte, wesentliche Sachverhaltselemente eingegangen sei, nämlich, dass er im Rahmen seiner Tätigkeit für die TEEDOR Kontakt zu zahlre i- chen LTTE -Mitgliedern gehabt und (…) der LTTE verwaltet h abe, und dass er unter gesundheitlichen Problemen ([…]) leide. 3.2.2 Bezüglich der aktuellen Situation in Sri Lanka sei zu beachten, dass die sri-lankische Regierung am Prevention of Terrorism Act (PTA) festhal- te, was den Willen , auch in Zukunft sämtliche Unter stützer der LTTE zu bekämpfen, wiederspiegle. Die PTA räume den Sicherheitskräften eine fast unermessliche Machtbefugnis ein, was dazu führe, dass Folterungen und Menschenrechtsverletzungen weit verbreitet seien. Verschiedene E-2916/2012 Seite 8 Menschenrechtsorganisationen hätten ernsthafte Bedenken bezüglich der Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach Sri Lanka geäussert. Es seien zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen aus dem Ausland nach Sri Lanka zurückkehrende Personen, unabhängig davon, ob sie tatsächlich eine Verbindung zu den LTTE gehabt hätten oder nicht, festgehalten und gefoltert worden seien. Es gebe ferner viele Berichte darüber, dass Pe r- sonen mit einer tatsächlichen Verbindung zu den LTTE an unbekannte Orte überführt worden seien und auch freigelassene Personen überwacht würden. Seit Anfang 2011 werde die tamilische Bevölkerung erneut sy s- tematisch registriert, was auch dem Zweck der Identifizierung und Auffi n- dung von Mitgliedern und Unterstützern der LTTE diene. Die sri-lankische Regierung erachte die tamilische Exilgemeinschaft nach wie vor als gro s- se Bedrohung für die Sicherheit des Landes, weshalb diese streng übe r- wacht werde. Abgewiesene tamilische Asylsuchende würden bei der Wiedereinreise strenger kontrolliert als andere Rückkehrer. Gemäss Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) seien zurückkehrende Tamilen und Tamilinnen, welche verdäch- tigt würden, eine Verbindung zu den LTTE zu haben, dem Risiko von Misshandlungen im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt. 3.2.3 Das BFM habe die Rel evanz seiner Asylvorbringen nicht erkannt und sei zu Unrecht zum Schluss gekommen, er verfüge über kein Profil, welches i hn zum heutigen Zeitpunkt dem Verdacht der LTTE - Mitgliedschaft aussetzen würde. Die in der angefochtenen Verfügung g e- troffene Feststellung, die TEEDOR sei nicht Teil der LTTE gewesen, sei falsch. Vielmehr habe diese Organisation zum politischen Flügel der LTTE gehört und zahlreiche Aufgaben in dem von diesen kontrollierten Gebiet übernommen. Aufgrund seiner Funktion als (…) sei er bekannt gewesen und sei von aussen als hohes Mitglied der LTTE wahrgeno m- men worden. Er habe durch seine Arbeit viele Kontakte zu Mitgliedern und Kämpfern der LTTE gehabt, welche auch nach seinem Stellenwec h- sel nicht völlig abgebrochen seien. Viele seiner früheren Vorgesetzten und Mitarbeiter bei der TEEDOR seien wegen ihrer früheren Tätigkeit für diese Organisation im Gefängnis oder seien ins Ausland geflüchtet. Dass er nicht bereits im Flüchtlingslager in G._______ verhaftet worden sei, lasse darauf schliessen, d ass die Behörden zu diesem Zeitpunkt noch keine Kenntnisse über seine berufliche Tätigkeit für die TEEDOR gehabt hätten. Es sei aber davon auszugehen, dass sich dies zwischenzeitlich geändert habe, da ein ehemaliger hochgestellter Mitarbeiter mit den B e- hörden kooperiere und diese auch durch die inhaftierten Angestellten die- ser Organisation sowie die Auswertung beschlagnahmter Akten Inform a-E-2916/2012 Seite 9 tionen erlangt haben dürften. Dass er seine Tätigkeit für die TEEDOR g e- genüber den Behörden vorerst verschwiegen habe, d ürfte seine Situation noch erschweren. Seine Gefährdung werde da durch erhärtet, dass sich zweimal mehrere Männer in Zivilkleidung bei seiner Ehefrau nach seinem Verbleib erkundigt hätten. Er habe sich im Weiteren in der Schweiz durch Teilnahme an zahlreich en Demonstrationen exilpolitisch betätigt und es sei davon auszugehen, dass die sri -lankischen Behörden darüber B e- scheid wüssten. Ferner sei zu berücksichtigen, dass er illegal ausgereist sei, in der Schweiz um Asyl ersucht habe, wo sich viele Kaderleute d er LTTE aufhalten würden und dass er Narben an (…) und an (…) habe. Zudem sei einer seiner Cousins als LTTE -Kämpfer umgekommen. Aus diesen Gründen müsse er im Falle der Rückkehr damit rechnen, bereits am Flughafen zwecks näherer Abklärungen verhaftet zu we rden, wobei eine reale Gefahr bestehe, asylrelevante Nachteile zu erleiden. Demzu- folge sei er als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm das Asyl zu g e- währen. 3.2.4 Im Übrigen sei der Wegweisungsvollzug auch als unzumutbar zu erachten. Es bestehe eine konkrete G efährdung nach Sri Lanka zurüc k- kehrender Tamilen. Zudem sei zu beachten, dass er ab 1996 in D._______ im Vanni-Gebiet gelebt und gearbeitet habe und seine Eh e- frau und die gemeinsamen Kinder nach wie vor dort leben würden. Er h a- be im Distrikt Jaffna weder e in tragfähiges Beziehungsnetz noch berufl i- che Kontakte. Im Übrigen sei er wegen einer (…)-Erkrankung und (…) in ärztlicher Behandlung und müsse sich regelmässig physiotherapeutisch behandeln lassen. 3.3 In der ergänzenden Eingabe vom 16. Juli 2012 wies der Beschwerde- führer namentlich darauf hin, dass sein früherer Wohnort N._______ sich nach wie vor in der Hochsicherheitszone befinde und er deswegen nicht dorthin zurückkehren könne. Die Hautveränderungen an (…) stammten von Verletzungen, welche er bei einem dre imonatigen Training, welches er etwa im Jahr 1999 bei den LTTE habe absolvieren müssen, erlitten ha- be. Zudem sei er wegen diversen gesundheitlichen Problemen, namen t- lich Schmerzen (…), in ärztlicher und physiotherapeutischer Behandlung. Schliesslich sei zu berücksichtigen, dass gemäss Berichten mehrerer Menschenrechtsorganisationen tamilische Rückkehrer durch die sri - lankischen Behörden verhaftet und gefoltert worden seien und das obers- te Gericht in Grossbritannien aufgrund dessen am 31. Mai 2012 einen Rückführungsstopp betreffend vierzig abgewiesene tamilische Asyls u- chende angeordnet habe. E-2916/2012 Seite 10 4. 4.1 Im Verwaltungsverfahren und insbesondere im Asylverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz, das heisst die Behörde stellt den rechtserhebli- chen Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG; vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Für das erstinstanzliche Asy l- verfahren bedeutet dies, dass das BFM zur richtigen und vollständigen Ermittlung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts verpflich- tet ist und auch nach allen Elementen zu for schen hat, die zugunsten der asylsuchenden Person sprechen. Sofern es zur Feststellung des Sac h- verhalts notwendig ist und die gesetzlichen Mitwirkungspflichten durch die asylsuchende Person nicht verletzt worden sind, ist das Bundesamt g e- setzlich verpflichtet, über die Befragung hin aus weitere Abklärungen vo r- zunehmen (vgl. Art. 41 Abs. 1 AsylG). Nach Lehre und Praxis besteht e i- ne Notwendigkeit für weitere Abklärungen insbesondere dann, wenn au f- grund der Vorbringen der asylsuchenden Per son und der von ihr eing e- reichten oder angebotenen Beweismittel Zwei fel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbestehen, die voraussichtlich mit Ermittlungen von Am- tes wegen beseitigt werden kön nen (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1 S. 734 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylr e- kurskommission [EMARK] 1995 Nr. 23 E. 5a). 4.2 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bundesver- fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101] , Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verf ü- gende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung b erücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass der Be- troffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der von der Verfügung Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Ent scheides ein Bild machen können. Die verfügende Behörde muss sich zwar nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtl ichen Einwand au s- einandersetzen, sondern kann sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Sie hat aber wenigstens kurz die Überlegungen anzufü h- ren, von denen sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Begründungsdichte richt et sich dabei nach dem Verfügungsgegen s- tand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten Int e-E-2916/2012 Seite 11 ressen des Betroffenen eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER in: Kommentar zum VwVG, Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Zürich 2008, N. 6 ff. zu Art. 35; BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f., BVGE 2007/30 E. 5.6 S. 366 f.). 5. 5.1 5.1.1 Nach Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts hat sich seit der Beendigung des Bürgerkriegs in Sri Lanka zwar die Sicherheitslage weitgehend stabilisiert, jedoch ist eine weitere Verschlechterung der Men- schenrechtslage, namentlich hinsichtlich der Meinungsäusserungs - und Pressefreiheit, eingetreten (vgl. BVGE 2011/24, welches Urteil eine detail- lierte Lageanalyse beinhaltet). Gemäss Rechtsprechung des Bundesve r- waltungsgerichts sehen sich Personen, die gewissen Risikogruppen a n- gehören, einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt. Zu diesen Risiko- gruppen gehören namentlich Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen beziehungsweise gestanden zu sein, kritisch auftretende Journalisten und Medienschaffende, Menschenrechtsaktivisten und regimekritische Nicht- regierungsorganisationen-Vertreter, ferner Personen, die Opfer oder Ze u- ge schwerer Menschenrechtsverstösse wurden oder diesbezüglich juristi- sche Schritte einleiten, sowie Rückkehrer aus der Schweiz, denen nahe Kontakte zu den LTTE unterstellt werden beziehungs weise die über b e- trächtliche finanzielle Mittel verfügen (vgl. BVGE 2011/24 E. 8, bestätigt in zahlreichen neueren Urteilen, vgl. z.B. Urteil des Bundesverwaltungsg e- richts D -3852/2012 vom 10. April 2013). Innerhalb der Risikogruppen muss im Einzelfall untersucht werden, ob die individuellen Begebenheiten eine asylrelevante Verfolgungsgefahr zu begründen vermögen. 5.1.2 Auch der EGMR hat in mehreren Urteilen (vgl. auch BVGE 2011/24 E. 10.4.2 m.w.H.) unterstrichen, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Be- fragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühere Registrierung als ve r- dächtigtes oder tatsächliches LTTE-Mitglied, das Bestehen einer Vorstra- fe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kaut i- onsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses oder ähnlicher E-2916/2012 Seite 12 Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Exi s- tenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sr i Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE -Finanzmittelbeschaffungs- zentrum gilt, das Fehlen von ID -Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Verwandtschaft mit einem LTTE- Mitglied. 5.2 Der Beschwerdeführer hat zur Begründung seines Asylgesuchs unter anderem vorgebracht, von (…) bis (…) in D._______ (Vanni-Gebiet) für die "Tamil Eelam Economic Development Organization" (TEEDOR) gea r- beitet zu haben, wobei er ab (…) als (…) tätig gewesen sei. Er hat diese Tätigkeit mit einem Arbeitszeugnis belegt. Da die TEEDOR im Vanni - Gebiet in dem Zeitraum, in welchem diese Region von den LTTE kontro l- liert wurde, tätig war, ist davon auszugehen, dass eine Verbindung bezie- hungsweise Kooperation zwischen den beiden Organisationen bestand. Diese Einschätzung wird auch vom BFM geteilt, stellte es doch in der a n- gefochtenen Verfügung fest, die TEEDOR sei zwar nicht Teil der LTTE gewesen, aber von dieser verwaltet worden (vgl. Ziff. I 3., S. 4). 5.3 5.3.1 Im Lichte der oben skizzierten Rechtsprechung, welche unter ande- rem Personen, welche verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen, zu den gefährdeten Risikogruppen zählt, handelt es sich bei der früheren Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers bei der TEEDOR um ein Sachverhaltselement, welches von potenziell erheblicher Bedeutung für die Beurteilung seiner Gefährdungssituation ist. Die Vorinstanz hat dieses jedoch in der angefochtenen Verfügung nicht gebührend berück- sichtigt und gewürdigt und ist damit ihren Pflichten, die sich aus dem Un - tersuchungsgrundsatz sowie aus dem Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör ergeben, nicht nachgekommen. 5.3.2 Den Akten ist nicht zu entnehmen, auf welchen Quellen die Fes t- stellungen des BFM zum Verhältnis zwischen der TEEDOR und der LTTE beruhen. Die angefochtene Verfügung enthält auch keine nachvollziehba- re Begründung für die Folgerung, die Tätigkeit des Beschwerdeführers für die TEEDOR führe nicht zu einem risikobegründenden Profil. Die Vor- instanz hat es insoweit unterlassen, ihre Einschätzung rechtsgenüglich zu begründen, und damit ihre Begründungspflicht verletzt , Zudem erscheint der Sachverhalt zu diesem Punkt ungenügend abgeklärt. Für eine zuver- lässige Abschätzung des Verfolgungsrisikos des Bes chwerdeführers sind nähere Abklärungen betreffend das Verhältnis zwischen der TEEDOR E-2916/2012 Seite 13 und den LTTE sowie zu einer allfälligen sich daraus ergebendes Gefähr- dung von ehemaligen Kaderangehörigen der TEEDOR erforderlich. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuw eisen, dass der Beschwerde- führer auf Beschwerdeebene vorbrachte, zahlreiche frühere Angestellte der TEEDOR, namentlich solche mit Führungspositionen, seien von den sri-lankischen Behörden verhaftet worden und einen diesbezüglichen Zei- tungsartikel zu den Akten reichte. Es liegen somit Anhaltspunkte für eine Gefährdung vor, die einer eingehenderen Prüfung bedürfen. 5.4 Das BFM hat sich in der angefochtenen Verfügung zudem nicht zum Vorbringen des Beschwerdeführers geäussert, er habe im Rahmen seiner Tätigkeit für die TEEDOR (…) der LTTE (…) und Kontakte zu vielen Mi t- gliedern der LTTE gepflegt . Da diese Umstände auf eine gewisse Nähe des Beschwerdeführers zu den LTTE und damit auf ein möglicherweise gefährdungsrelevantes Profil schliessen l assen, handelt es sich hierbei ebenfalls um ein potenziell wesentliches Sachverhaltselement. Dass die Vorinstanz es unterliess, dieses zu würdigen, stellt eine Verletzung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör dar . Auch dies- bezüglich sind w eitere Untersuchungsmassnahmen zur Abklärung des Verhältnisses des Beschwerdeführers zu den LTTE sowie eine umfas- sende Würdigung unter Berücksichtigung der oben zitierten Rechtspr e- chung notwendig. In diesem Zusammenhang werden im Übrigen auch die vom Beschwer- deführer erst auf Beschwerdeebene vorgebrachten exilpolitischen Aktiv i- täten (vgl. Beschwerdeeingabe vom 29. Mai 2012, S. 11) zu berücksicht i- gen sein. 5.5 Im Übrigen hat es das BFM in seiner Verfügung vom 26. April 2012 unterlassen, die Aussagen des Bes chwerdeführers einer eingehenden Glaubhaftigkeitsprüfung zu unterziehen. Im Rahmen der Neubeurteilung wird es demnach − falls es zum Schluss gelangt, die Asylvorbringen des Beschwerdeführers würden die Anforderungen an die asylrechtliche R e- levanz erfüllen − eine eingehende Prüfung von deren Glaubhaftigkeit vor- zunehmen haben. 5.6 Die Vorinstanz hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs insbe- sondere unter Hinweis darauf bejaht, der Beschwerdeführer stamme aus C._______, Distrikt Jaffna. Gemäss seinen Aussagen anlässlich der B e- fragungen war er aber ab 1996 bis kurz vor seiner Ausreise in D._______ im Vanni-Gebiet wohnhaft. Der Wegweisungsvollzug ins Vanni -Gebiet ist E-2916/2012 Seite 14 gemäss konstanter Rechtsprechung unzumutbar (BVGE 2011/24, E. 13.2.2.1). Für die aus dem Vanni -Gebiet stammenden Personen ist das Bestehen einer zu mutbaren Aufenthaltsalternative in der übrigen Nordprovinz beziehungsweise in den anderen Landesteilen Sri Lankas zu prüfen, welche das Vorliegen besonders begünstigender Faktoren (in s- bes. die Existenz ei nes tragfähigen familiären oder sozialen Bezie hungs- netzes sowie die Aussichten auf eine gesi cherte Einkom mens- und Wohnsituation) erfordert ( vgl. a.a.O. E. 13.2.2.3). Im erstinstanzlichen Verfahren gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, seine Ehefrau u nd die Kinder würden sich vermutlich in Jaffna aufhalten, führte in seiner B e- schwerdeeingabe aber aus, sie würden nach wie vor in D._______ leben (Beschwerdeeingabe vom 29. Mai 2012, S. 20). Zudem gab er an, sein in Jaffna wohnhafter Bruder habe ihn nicht länger beherbergen wollen. Den Akten lassen sich weder Angaben zu den Lebensverhältnissen der Ehe- frau und Kinder des Beschwerdeführers und einem allfälligen Bezi e- hungsnetz derselben, noch zu den Lebensverhältnissen seiner Mutter und Schwester, welche nach seinen Angaben ebenfalls in Jaffna leben, entnehmen. Demnach können bei der derzeitigen Aktenlage die Frage des Bestehens einer zumutbaren Aufenthaltsalternative ausserhalb des Vanni-Gebiets, insbesondere das Vorliegen der gemäss oben genannte r Rechtsprechung erforderlichen besonders begünstigenden Faktoren, nicht zuverlässig beurteilt werden. Auch zu dieser Frage würde die Vorinstanz, sofern sie zum Schluss g e- langen würde , die Voraussetzungen für die Asylgewährung seien nicht gegeben, weitere Abklärungen vorzunehmen haben. 6. 6.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, eine Verlet - zung desselben führt deshalb grundsätzlich – das heisst ungeachtet der materiellen Auswirkungen – zur Aufhebung des daraufhin ergangenen Entscheides (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f., BVGE 2008/14 E. 4.1 S. 185, BVGE 2007/30 E. 8.2 S. 371, BVGE 2007/27 E. 10.1 S. 332). 6.2 Die Heilung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen Gründen ist auf Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, der Besc hwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz im streitigen Fall die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt sowie die fes t- gestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende E-2916/2012 Seite 15 Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f.). 6.3 Im vorliegenden Fall ist es angezeigt, die Sache an das BFM als erste Instanz zu rückzuweisen, damit dieses die erforderlichen Ab klärungen vornimmt und de ren Ergebnis im Rahmen eines neuen Entscheids fes t- hält, da sich die Ent scheidungsreife nicht mit geringem Aufwand herste l- len lässt. 6.4 Die angefochtene Verfügung ist somit aufzuheben, und die Akten sind dem BFM zur korrekten Durchführung des erstinstanzlichen Asylverfa h- rens zu überweisen . Die Berechtigung der übrigen prozessualen Rügen des Beschwerdeführers kann bei dieser Sachlage offen bleiben. 7. Die Beschwerde ist demzufolge gutzuheissen, soweit beantragt wird, die angefochtene Verfügung vom 26. April 2012 sei aufzuheben. Die Sache ist zwecks weiterer Abklärung des Sachverhalts im Sinne der Erwä - gungen und insbesondere zum neuen Entscheid an das BFM zurück - zuweisen (Art. 61 Abs. 1 in fine VwVG). 8. Bei diesem Ausgang des Verfa hrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 9. Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle ments vom 21. Februar 2008 über d ie Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). In der Kostennote vom 16. Juli 2012 wird ein Zeitauf- wand von total 21.40 Stunden ausgewiesen. Der veranschlagte Vertre- tungsaufwand erscheint indessen als übermässig hoch, weshalb er – un- ter Berücksichtigung des nach Einreichen der Kostennote entstandenen Aufwands – auf ein als angemessen zu erachtendes Mass von insgesamt 15 Stunden zu kürzen ist. Zudem sind auch die veranschlagten Auslagen zu kürzen, da es sich bei den zahlreichen in Kopie eingereichten Be- weismitteln zum Teil um allgemein zugängliche , dem Gericht bekannte Länderberichte handelt, und sich dieser Aufwand als unnötig erweist. Un- ter Anwendung des vom Rechts vertreter des Beschwerdeführers vera n- schlagten Stundenansatzes sowie unter Anrechnung von Auslagen in der E-2916/2012 Seite 16 Höhe von Fr. 50.− und des Mehrwertsteueranteils wird die Parteientschä- digung somit auf Fr. 3'950.− festgesetzt. (Dispositiv nächste Seite) E-2916/2012 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefoc h- tenen Verfügung beantragt wird. 2. Die Verfügung des BFM vom 26. April 2012 wird aufgehoben und die Sa- che im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorin stanz zu- rückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Vorinstanz wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Ver - fahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'950.− (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) zu ent- richten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: