Abteilung III C-4389/2008/ {T 0/2} U r t e i l v o m 3 0 . A p r i l 2 0 1 0 Richter Beat Weber (Vorsitz), Richter Michael Peterli, Richterin Madeleine Hirsig, Gerichtsschreiberin Susanne Flückiger. A._______, Z._______ (Israel), Beschwerdeführer, gegen IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, Y._______, Vorinstanz. Invalidenversicherung (Nichtgewährung ganze Rente); Verfügung der IVSTA vom 9. Juni 2008. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandC-4389/2008 Sachverhalt: A. A.a A._______ (nachfolgend: Versicherter oder Beschwerdeführer), geboren 1951, ist Schweizer Staatsbürger. Der gelernte Metzger und Koch führte in X._______ bis Ende 1998 eine Metzgerei/Wursterei, ein Lebensmittelgeschäft und ein Restaurant. Daneben war er politisch aktiv und als ausgebildeter Sanitätssoldat und Paramediker im B._______ Pflegedienst tätig (act. IV/90.2, 154). Von April bis Dezember 1998 bezog er eine befristete halbe Invalidenrente aufgrund einer depressiv-ängstlichen Episode mit multiplen funktionellen Symp- tomen (act. IV/12, 15, 21). Im Dezember 1998 erlangte er wieder volle Arbeitsfähigkeit und verlegte seinen Wohnsitz nach Israel. In Israel baute er ab 1999 eine Wursterei mit angeschlossenem Restaurant auf und war daneben als freiwilliger Sanitäter tätig. Im Juli 1999 schloss er sich der freiwilligen Versicherung AHV/IV an (IV/4). A.b Am 28. Dezember 2006 erlitt er bei seiner Arbeit ein Verhebe- trauma beim Heben schwerer Lasten. Im Januar 2007 wurde eine klei- ne Diskushernie L2/L3 und eine deutliche Diskushernie L5/S1 links mit Kompression der Nervenwurzel L5 festgestellt (act. IV/54 – 55, 62, 153.3). A.c Mit Faxschreiben vom 25. Januar 2007 teilte der Versicherte der freiwilligen Alters- und Hinterlassenversicherung für Versicherte im Ausland mit, er sei seit drei Wochen zu 100% und längerfristig zu 80% invalid und könne nicht mehr als Metzger arbeiten (act. IV/24 = 26) und reichte am 22. Februar 2007 seine Anmeldung zum Bezug von IV- Leistungen für Erwachsene ein (act. IV/25). Ab Frühling 2007 machte er zusätzlich Nackenprobleme mit Schmerzen im rechten Arm, mit Ausstrahlung in die Hand verbunden mit Kribbelparästhesien, geltend (act. IV/30 = 32). Weiter reichte er am 13. De zem ber 2007 einen aktuellen Bericht seines Psychiaters in Israel ein und machte sinnge- mäss geltend, aufgrund seiner Einsätze als freiwilliger Sanitäter habe er bei Terrorangriffen Schockzustände erlitten. Dabei hätten sich die vorbestehenden Angstsymp tome und die Depression – auch im Zu- sam men hang mit der rückenbedingten Untätigkeit – wieder verstärkt (act. IV/149). A.d Die IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nachfolgend: Vor- instanz) holte bei der IV-Stelle W._______ die Vorakten sowie ärztliche Seite 2C-4389/2008 Berichte aus Israel ein. Am 18. Januar 2008 wurde der Versicherte in der Schweiz orthopädisch-neurologisch begutachtet. Die Vorinstanz holte ausserdem einen Bericht des in der Schweiz behandelnden Arz- tes und Psychotherapeuten ein (act. IV/153 – 155). Abschliessend nahm der ärztliche Dienst der Vorinstanz am 18. April 2008 Stellung (act. IV/158). A.e Mit Verfügung vom 9. Juni 2008 sprach die IVSTA dem Versicher- ten eine halbe Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Dezember 2007 zu (act. IV/164, 169). B. B.a Der Beschwerdeführer reichte am 16. Juni 2008 beim Bundesver- waltungsgericht Beschwerde ein und beantragte sinngemäss eine gan- ze Invalidenrente. Er begründete die Beschwerde damit, dass er seit seinem Un fall vom 28. Dezember 2006 ausser Hilfeleistungen nicht mehr berufstätig sei. Seine Wurstfabrikation habe er praktisch einstel- len müssen. Er sei seither in regelmäs siger ärztlicher, physiotherapeu- tischer und psychiatrischer Behandlung und müsse täglich Psycho- pharmaka einnehmen. Aufgrund starker Schmerzen könne er nicht mehr aktiv arbeiten. Er könne höchstens noch etwas Gästebetreuung im eigenen Restaurant machen, dies etwa zu 20%. Er sei auch im Rahmen der ärztlichen Spezialuntersuchungen in der Schweiz als min- destens zu 70% invalid beurteilt worden (act. 1). B.b Die Vorinstanz nahm in ihrer Vernehmlassung vom 20. Oktober 2008 Bezug auf die vorgehend erstellten umfangreichen ärztlichen Beurteilungen und die Stellungnahme ihres ärztlichen Dienstes vom 18. April 2008 (act. IV/158) und beantragte die Abweisung der Be- schwerde (act. 6). B.c Mit Replik vom 6. November 2008 hielt der Beschwerdeführer an seiner Beschwerde fest und führte aus, dass er noch höchstens dazu in der Lage sei, zu ca. 20% im eigenen Betrieb mitzuwirken und de facto alleine nichts mehr tun könne (act. 8a). Die Arbeiten im Restau- rant und im Office würden vorwiegend von seiner Frau und seiner Tochter ausgeführt. Die Wurstfabrik sei nur einmal monatlich geöffnet, um die Würste für das Restaurant zu produzieren. B.d In ihrer Duplik vom 29. Januar 2009 verwies die Vorinstanz auf ihre früheren Ausführungen und beantragte die Abweisung der Be- schwerde (act. 14). Seite 3C-4389/2008 B.e Nachdem der Beschwerdeführer den auferlegten Kostenvorschuss geleistet hatte, schloss das Bundesverwaltungsgericht am 20. Februar 2009 den Schriftenwechsel ab. B.f Mit Eingaben vom 19. Februar 2009 (Poststempel), vom 3. Sep- tember 2009 (per Telefax) und vom 17. November 2009 reichte der Be- schwerdeführer neue Arztzeugnisse aus Israel ein (act. 18, 20, 22 = 23.1). B.g Auf weitere Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einge- gangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) sowie Art. 5 des Bundesge- setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen der IV-Stelle für Versicherte im Aus- land. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilge- nom men; er ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Anfechtung (Art. 59 des Bundesge- setzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]; vgl. auch Art. 48 Abs. 1 VwVG). Er ist daher zur Beschwerde legitimiert. 1.3 Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht und der auferlegte Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde, ist da- rauf einzutreten (Art. 60 ATSG und 52 VwVG). 2. 2.1 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundes- verwaltungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt. Indes findet das Verwaltungsverfahrensgesetz aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG keine Anwen dung in Sozialversicherungssachen, Seite 4C-4389/2008 soweit das ATSG anwendbar ist. Nach Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Invalidenversicherung (Art. 1a – 26bis und 28 – 70) anwend bar, soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Ab- weichung vom ATSG vorsieht. 2.2 Der Beschwerdeführer ist Schweizer Staatsbürger und lebt in Israel. Somit ist das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidge- nossenschaft und dem Staat Israel über Soziale Sicherheit (SR 0.831.109.449.1, in Kraft getreten am 1. Oktober 1985) grundsätz- lich nicht anwendbar, da dieses an die Staatsangehörigkeit der unter- stehenden Personen und nicht an deren Wohnsitz/Aufenthalt anknüpft (vgl. Art. 3 Abs. 1 und Art. 4 Abs. 1 und 2 des Abkommens). Die Frage, ob, und gegebenenfalls ab wann, ein Anspruch auf Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung besteht, bestimmt sich dem- nach allein aufgrund der schweizerischen Rechtsvorschriften. 2.3 Weil in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass gebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führen- den Tatbestandes Geltung haben, und weil ferner die Gerichte bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des angefochtenen Verwaltungsaktes, hier der Verfügung vom 9. Juni 2008, eingetretenen Sachverhalt abstellen (BGE 130 V 329, BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweisen), sind die ab 1. Januar 2003 geltenden Bestim- mungen des ATSG anwendbar. Ein allfälliger Leistungsanspruch ist für die Zeit vor einem Rechts- wech sel aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (pro rata temporis; BGE 130 V 445). Entspre- chend ist das IVG für den Zeitraum vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007 in der Fassung vom 21. März 2003 (4. IV-Revision; AS 2003 3837, nachfolgend „aIVG“) anwendbar, ab dem 1. Januar 2008 in der Fassung gemäss 5. IV-Revision (Änderungen vom 6. Okto- ber 2006 [AS 2007 5129], nachfolgend „IVG“). Die IVV ist für den Zeit- raum vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007 in ihrer Fassung vom 21. Mai 2003 (4. IV-Revision; AS 2003 3859) anwendbar, ab dem 1. Januar 2008 in der Fassung gemäss 5. IV-Revision (Änderungen vom 28. Sep tember 2007 [AS 2007 5155]). 3. 3.1 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerde- verfahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Miss- brauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder Seite 5C-4389/2008 unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemes senheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG). 3.2 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht unbeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a, je mit weiteren Hinweisen). Im Sozialversicherungsprozess hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanfor- derungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstel- lung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen). 4. Im vorliegenden Verfahren ist streitig und vom Bundesverwaltungs- gericht zu prüfen, ob die IV-Stelle dem Beschwerdeführer zu Recht nur eine halbe Invalidenrente zugesprochen hat. Zunächst sind jedoch die zur Beurteilung der Streitsache massgeben- den materiellrechtlichen gesetzlichen Grundlagen und die von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze darzulegen. 4.1 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversiche- rung hat, wer invalid im Sinn des Gesetzes ist (Art. 7, 8, 16 ATSG; Art. 4, 28, 29 aIVG, Art. 4, 28, 28a, 29 IVG) und beim Versicherungsfall mindestens während eines vollen Jahres (Art. 36 Abs. 1 aIVG) bzw. während drei Jahren (Art. 36 Abs. 1 IVG) Beiträge an die Alters-, Hin- terlassenen- und Invalidenversicherung geleistet hat. Diese zwei Be- dingungen müssen kumulativ erfüllt sein. Der Beschwerdeführer hat während mehr als drei Jahren Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung bzw. an die freiwillige Versicherung für Auslandschweizer entrichtet (act. IV/4, 169.3), so dass er die gesetzliche Mindestbeitragsdauer so- wohl alt- wie neurechtlich erfüllt. Zu prüfen ist nachfolgend, in welchem Seite 6C-4389/2008 Grad er im Sinne des Gesetzes in rentenbegründendem Ausmass in- valid geworden ist. 4.2 Meldet sich eine versicherte Person mehr als zwölf Monate nach Entstehen des Anspruchs an, so werden allfällige Leistungen der Inva- lidenversicherung lediglich für die zwölf der Anmeldung vorangegange- nen Monate ausgerichtet (Art. 48 Abs. 2 aIVG). Massgebend ist die Einreichung des Gesuchs beim Versicherungsträger (hier: 22. Februar 2007), weshalb allfällige Leistungen grundsätzlich frühestens ab dem 22. Februar 2006 ausgerichtet werden könnten. Indessen macht der Beschwerdeführer Leistungsansprüche ab dem Unfallszeitpunkt (Ver- hebetrauma) vom 26. Dezember 2006 an geltend. Da der Beschwerde- führer gemäss der Aktenlage seit Dezember 1998 bis zu seinem Unfall im Jahr 2006 voll arbeitsfähig war, ist ein allfälliger Anspruch erst ab dem 26. Dezember 2006 zu prüfen. 4.3 Gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit als Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall. Erwerbsunfähigkeit ist gemäss Art. 7 ATSG der durch Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Ge- sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie- derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglich- keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teil- weise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut- bare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä- tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). 4.4 Der Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität beurteilt sich nach Art. 29 Abs. 1 aIVG. Der Rentenanspruch entsteht frühestens in dem Zeit- punkt, in dem der Versicherte mindestens zu 40% bleibend erwerbs- unfähig geworden ist (Bst. a: Dauerinvalidität, Art. 7 ATSG) oder während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig war (Bst. b: langdauernde Krank- heit, Art. 6 ATSG, vgl. BGE 121 V 264 E. 6). Neurechtlich haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte Anspruch auf eine Rente, die ihre Er- werbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a); während Seite 7C-4389/2008 eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes- tens zu 40% arbeitsunfähig gewesen sind (Bst. b); und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Bst. c). 4.4.1Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 1 aIVG, Art. 28 Abs. 2 IVG). 4.4.2Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus- geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom - men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen; Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 aIVG bzw. Art. 28a Abs. 1 IVG). 4.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeits- leistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen). Die – arbeitsmedizinische – Aufgabe der Ärz- te und Ärztinnen besteht darin, sich dazu zu äussern, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen oder geistigen Funktionen lei- densbedingt eingeschränkt ist. Die Frage, welche konkreten beruflichen Tätigkeiten auf Grund der medizinischen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fä- higkeiten der versicherten Person in Frage kommen, ist demgegenüber nicht von der Ärztin oder dem Arzt, sondern von der Verwaltung bzw. von der Berufsberatung zu beantworten (vgl. Urteil des Eidgenössi- Seite 8C-4389/2008 schen Versicherungsgerichts I 457/04 vom 26. Oktober 2004, in: SVR 2006 IV Nr. 10, E. 4.1 mit Verweis auf BGE 107 V 17 E. 2b). 4.6 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweis- mittel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwer- deverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Be- weise frei, das heisst ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksich- tigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi- zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Be weiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft des Beweis- mittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag ge- gebenen Stellungnahme als Bericht oder als Gutachten (vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts vom 26. Januar 2006 [I 268/2005] E. 1.2, mit Hinweis auf BGE 125 V 352 E. 3a). In Bezug auf Berichte von Haus ärzten darf und soll der Richter der Erfahrungstatsache Rech- nung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags- rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen. Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189 E. 2a in fine). Den Berichten und Gut- achten versicherungsinterner Ärzte kommt schliesslich Beweiswert zu, sofern sie schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine konkreten Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schlies- sen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet er- scheinen lassen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a und 3b, 122 V 160 E. 1c, 123 V 178 E. 3.4 sowie U ELI K IESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 43 Rz. 35). Seite 9C-4389/2008 Auf Stellungnahmen der RAD oder der ärztlichen Dienste kann für den Fall, dass ihnen materiell Gutachtensqualität zukommen soll, nur ab- gestellt werden, wenn sie den allgemeinen beweisrechtlichen Anfor- derungen an einen ärztlichen Bericht genügen (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 15. Dezember 2006 [I 694/05] E. 2). Die RAD-Ärzte müs- sen sodann über die im Einzelfall gefragten persönlichen und fach- lichen Qualifikationen verfügen (Urteile des Bundesgerichts vom 20. November 2007 [I 142/07] E. 3.2.3 und vom 10. April 2007 [I 362/06] E. 3.2.1). Denn die fachliche Qualifikation des Experten spielt für die richterliche Würdigung einer Expertise eine erhebliche Rolle. Bezüglich der medizinischen Stichhaltigkeit eines Gutachtens müssen sich Verwaltung und Gerichte auf die Fachkenntnisse des Experten verlassen können. Deshalb ist für die Eignung eines Arztes als Gutachter in einer bestimmten medizinischen Disziplin ein entspre- chender, dem Nachweis der erforderlichen Fachkenntnisse dienender, spezialärztlicher Titel des berichtenden oder zumindest des den Be- richt visierenden Arztes vorausgesetzt (Urteil des Bundesgerichts vom 3. August 2000 [I 178/00] E. 4a). Nicht zwingend erforderlich ist, dass die versicherte Person untersucht wird. Nach Art. 49 Abs. 2 IVV führt der Regionalärztliche Dienst (RAD) – respektive analog der Medizinische Dienst – für die Beurteilung der me dizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs nur "bei Be- darf" selber ärztliche Untersuchungen durch. In den übrigen Fällen stützt er seine Beurteilung auf die vorhandenen ärztlichen Unterlagen ab. Das Absehen von eigenen Untersuchungen ist somit nicht an sich ein Grund, um einen RAD-Bericht in Frage zu stellen. Dies gilt insbe- sondere, wenn es im Wesentlichen um die Beurteilung eines festste- henden medizinischen Sachverhalts geht und die direkte ärztliche Be- fassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Ur- teile des Bundesgerichts vom 14. Juli 2009 [9C_323/2009] E. 4.3.1 so- wie vom 14. November 2007 [I 1094/06] E. 3.1.1, beide mit Hinwei- sen). 5. Der Beschwerdeführer beantragt die Zusprechung einer ganzen Invali- denrente. Er stützt sich hauptsächlich auf die Begutachtungen der Schweizer Ärzte im Januar 2008. Diese hätten seine Invalidität als mindestens 70% beurteilt (act. IV/153, 154). Seite 10C-4389/2008 Im Folgenden ist demnach abzuklären, in welchem Mass der Be- schwerdeführer erwerbsunfähig ist. Weiter ist darauf einzugehen, ob sein Rentengesuch genügend abgeklärt wurde. 5.1 Die Akten enthalten folgende – für den zu beurteilenden Zeitraum vom 28. Dezember 2006 (siehe oben E. 4.2) bis zum Verfügungs- zeitpunkt vom 9. Juni 2008 (oben E. 2.3) – massgebende medizinische Akten: - Stellungnahmen und Untersuchungsbescheide zu Beeinträchti- gungen der Lenden- und Halswirbelsäule in Israel: Wirbelsäulen- CT Lendenwirbelsäule L1 – S1 vom 14. Januar 2007 (act. IV/62, 61 = 54a); MRI Lendenwirbelsäule vom 24. Januar 2007 (act. IV/59, 58 = 54); Arztzeugnisse Dr. C._______, Hausarzt, vom 14. Februar 2007 und 29. März 2007 (act. IV/55a, 55); Messungen des Nervenleitvermögens vom 16. Mai 2007 (act. 56); Dr. D._______, Orthopädische Chirurgie, vom 13. August 2007 (act. IV/105) und vom 12. Januar 2008 (act. IV/136, 151, 150); - Stellungnahme ärztlicher Dienst der IVSTA vom 21. Oktober 2007, Dr. E._______, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, Phlebologie SGP, Vertrauensarzt (act. IV/108); - Stellungnahme Dr. F._______, M.D. Psychiatric Services, Trauma and Crisis Centre, vom 10. Dezember 2007 und 19. Januar 2008 (act. IV/149 und 156); - Gutachten vom 8. Februar 2008, Spital V._______, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa- rates, Prof. Dr. G.________, Chefarzt, Dr. H.________, Oberarzt Wirbelsäulenchirurgie sowie Prof. Dr. I._______, Facharzt für Neurologie (act. IV/153); - Stellungnahmen/Arztberichte Dr. J._______, Innere Medizin- Psychotherapie, vom 15. Januar 2008 und 3. März 2008 (act. IV/152, 154, 155); - Stellungnahme ärztlicher Dienst, Dr. E._______, vom 18. April 2008 (act. IV/158). 5.2 Ausserdem wurden im Beschwerdeverfahren Arztberichte von Dr. K._______, Arbeitsmedizin, vom 3. September 2008 (act. 18a), Dr. L._______, Orthopäde, vom 19. Februar 2009 (act. 18b), und Dr. M._______, Fachärztin für Psychiatrie, vom 26. August 2009 (act. 20), alle aus Israel, eingereicht. Diese sind nur zu berücksichtigen, Seite 11C-4389/2008 soweit sie den Sachverhalt im fraglichen Zeitraum bis zum Verfügungs- zeitpunkt vom 9. Juni 2008 betreffen (vgl. E. 2.3 und 4.2). Weiter finden sich in den Vorakten aus dem ersten IV-Verfahren aus- führliche psychiatrische Gutachten von Dr. N._______, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, X._______, vom 28. März 1998 und 31. Juli 1998, sowie Prof. Dr. O._______, Psychiatrische Uni- versitätsklinik, U._______, vom 2. Novem ber 1998 (act. IV/84, 90, 98). Soweit sie Anhaltspunkte zum vorliegend in Frage stehenden psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers enthalten, sind sie beachtlich. 5.3 Aus orthopädischer Sicht ist dem ausführlichen Gutachten des Spitals V._______ zu entnehmen, dass die Diagnose des chronischen Lumbovertebralsyndroms und der chronischen Wurzelirritation S1 links bei Diskushernie L5/S1 links und die Einschätzungen aus Israel zu weiteren Therapiemassnahmen und zur Arbeitsfähigkeit bestätigt werden. Bei unauffälligen Untersuchungsbefunden der Halswirbelsäule seien die geschilderten Zervikobrachialgien zur Zeit nicht von Bedeutung. Aufgrund der Beinschmerzen und der schmerzhaften Rücken-Funktionseinschränkung sei der Patient in seiner angestamm- ten Tätigkeit als Restaurateur und Metzger hinsichtlich der körperli- chen Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig. Dies betreffe 80% seiner Tätig- keit als Selbständigerwerbender; die verbleibenden 20% an admini- strativer Tätigkeit seien ihm aus orthopädischer Sicht zumutbar. Weiter seien leichte Tätigkeiten ohne Heben oder Tragen von Gewichten (über 5 kg), im Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen zumut- bar, mit Ausschluss von Zwangshaltungen und Tätigkeiten, die über- wiegend im Stehen oder Gehen ausgeübt werden. In einer entspre- chenden leichten, rückengerechten Tätigkeit betrage die Arbeitsfähig- keit mindestens vier Stunden täglich (act. IV/153 S. 12 f.). Der Neurologe führt aus, dass es jeweils zu einer Wechselwirkung zwischen lumboischialgischen Beschwerden und Depressionen kom- me. Bezüglich der Lumboischialgie gehe er kurz- bis mittelfristig von einer eher ungünstigen Prognose für eine Besserung aus. Der weitere Verlauf sei eher schwierig zu prognostizieren. Eine langsame Be- schwerdebesserung über die nächsten zwei bis drei Jahre lasse sich nicht mit Sicherheit ausschliessen. In den bisherigen körperlichen Tä- tigkeiten sei der Patient nicht mehr arbeitsfähig. Die administrativen Aufgaben in seinem Betrieb von 20% seien ihm jedoch ohne Ein- Seite 12C-4389/2008 schränkung zumutbar. In einer leichten rückengerechten Tätigkeit be- trage die Arbeitsfähigkeit mindestens 50% oder mindestens vier Stun- den täglich ohne Einschränkung der Leistung (act. IV/153 S. 14 ff.). Einschränkend stellen die Gutachter fest, der Beschwerdeführer leide gemäss Arztzeugnis vom 10. Dezember 2007 seit Jahren an Depres- sionen, was zweifellos die Arbeitsfähigkeit zusätzlich beeinträchtige. Die psychiatrischen Aspekte würden separat von Dr. J._______ unter- sucht und beurteilt. 5.4 Aus Sicht des behandelnden Psychiaters stellte Dr. F._______ in seinem Bericht vom 10. Dezember 2007 und dem praktisch identischen Bericht vom 19. Januar 2008 (Faxzustellung) fest, er behandle den Beschwerdeführer seit sieben Jahren wegen einer Depression. Vor fünf Jahren habe der Versicherte als freiwilliger Sanitäter in T._______ mitgeholfen. Dabei sei er blutigen Szenen von Bomben anschlägen ausgesetzt gewesen. Bei den letzten zwei Terror- anschlägen, die nahe bei seinem Domizil erfolgt seien, sei er Zeuge von besonders blutigen Szenen gewesen und habe zerfetzte Leichen evakuieren müssen. Als Reaktion darauf habe er unter einer akuten traumatischen Belastungsstörung und einem posttraumatischen Stresssyndrom (post-traumatic stress disorder, PTSD) gelitten. Nach sechs Monaten Behandlung in einem speziellen Therapieprogramm habe er sich erholt, wenn auch die Angstsymptome ausgeprägter geworden seien. Die im Dezember 2006 durch das Verhebetrauma rückenbedingten Schmer zen und die relative körperliche Unfähigkeit hätten einen schädlichen Einfluss auf seinen mentalen Zustand gehabt. Die körper- liche Einschränkung mache ihn hilflos. Dass seine Frau und seine Tochter seinen Teil der harten Arbeit ausführten, verstärke seine Schuld- und depressiven Gefühle. Er reagiere mit depressiven Episo- den, wenn immer die Rückenschmerzen sich verstärkten, sich äus- sernd in Ruhelosigkeit, Zorn und Weinanfällen. Der Patient befinde sich in einem Teufelskreis von Schmerz und Depression, in dem der Schmerz die Depressionszustände auslöse und diese wiederum die Schmerz schwelle herabsetzten. Aufgrund des Gesundheitszustandes seien die Psychiatriesitzungen gesteigert und die Dosen der Psycho- pharmaka erhöht worden. Als Diagnose stellte Dr. F._______ eine reaktive Depression sekundär zum Schmerz des unteren Rückens mit Seite 13C-4389/2008 Diskushernie L5/S1, bei einem Patienten mit bereits früherer Depression, fest. 5.5 Gestützt auf diesen Bericht bestanden für die Vorinstanz Anzei- chen dafür, dass beim Beschwerdeführer auch eine rentenrelevante psychische Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vorliegen könnte. Sie bemühte sich deshalb im Rahmen der anstehenden Begutachtung in der Schweiz um einen Untersuchungstermin bei Prof. Dr. O._______, der im Jahr 1998 ein Gutachten erstellt hatte (act. IV/98). Da jedoch so kurzfristig kein Termin erhältlich war, beauftragte sie den behandeln- den Dr. J._______ mit der Erstellung eines aktuellen Berichtes (vgl. act. 133 – 135, 152, 154, 155). 5.5.1Dieser gibt in seinem Bericht vom 3. März 2008 an, der Be- schwerdeführer sei bei ihm von 1980 – 1986 in regelmäs siger Psycho- therapie wegen schweren Depressionen, Ängsten und Phobien gewe- sen. Nach seiner Auswan derung 1986 (recte: 1998) seien sie in engem Kontakt geblieben. Ausführlichen Angaben zur Familiengeschichte fol- gen Ausführungen dazu, dass beim Beschwerdeführer im Jahr 1980 De pressionen und Ängste aufgetreten seien, die ihn teilweise immobi- lisiert hätten. Nach der Auswanderung nach Israel sei die Situation dort ein Schock gewesen und die Depressionen hätten zugenom men. Er habe sein Fachwissen als Paramediker zur Verfügung gestellt und sei bei Terrorangriffen stundenlange Einsätze in der Ambulanz gefah- ren. Aufgrund der erlebten grausamen Szenen sei es zu Panikattacken gekom men, die in Israel psychiatrisch behandelt worden seien. Wegen des im Jahr 2006 erlittenen Verhebetraumas habe er sein Metzgerge- schäft und sein damit verbundenes Restaurant reduziert. Die Ehefrau und die Tochter würden praktisch die ganze Arbeit erledigen. Die for- cierte Untätigkeit verstärke die Depressionen. Dr. J._______ hält den Patienten für zu 100% arbeitsunfähig. Er stellt die Diagnosen neurotische Depressionen mit Angstzuständen F 33.2 (schwere rezidivierende Depression), F 40.01 (Agoraphobie mit Panik- störung). Er zählt im Weiteren Medikamente (ohne Dosierung) auf. Ak- tuell sei der Patient depressiv und völlig verunsichert, bei klarem Be- wusstsein, örtlich, zeitlich, situativ intakter Orientierung; die Wahrneh- mungs- und Auffassungsfähigkeit sei ohne Besonderheit, die Kontakt- fähigkeit sei gross, es bestünden keine Denkstörungen, eine klar und zusammen hängende Sprache und keine Suizidalität. Seite 14C-4389/2008 Im Arztberichtsformular, ebenfalls datiert auf den 3. März 2008, gibt er als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit an: neuroti- sche Depression mit Angstzuständen seit 1981 bzw. 1980, konstante Schmerzen bei Diskushernie L5/S1 seit 1990. Die medizinisch begrün- dete Arbeitsunfähigkeit bestehe zu 30% ab 1981 und zu 100% seit 2006. Eine ergänzende medizinische Abklärung hält er nicht für ange- zeigt. 5.5.2In seinem früheren Bericht vom 15. Januar 2008 (act. IV/152) gibt Dr. J._______ an, er habe den Patienten von 1992 bis 1994 regel- mäs sig wegen Angstzuständen und Depressionen psychotherapeu- tisch behandelt. Der Patient sei 1994/95 (recte: Dezember 1998) nach Israel ausgewandert und habe bei Einsätzen beim freiwilligen Medizin- corps (Emergency Ambulance Service) bei Terrorangriffen mehrere Schockzustände erlitten. In T.________ sei er in Behandlung bei Dr. med. F._______. Er suche Dr. J._______ jedes Mal auf, wenn er sich in X._______ aufhalte. Seine Arbeitsunfähigkeit sei zu einem grossen Anteil psychisch bedingt. 5.6 Dr. E._______, ärztlicher Dienst der IVSTA, folgert in seiner zweiten Stellungnahme vom 18. April 2008 gestützt auf das ortho- pädisch-neurologische Gutachten, aus medizinischer Sicht bestehe für körperliche Schwerarbeit (Metzger, Wurster, Koch) eine 80%-ige Arbeitsunfähigkeit ab Dezember 2006. Für Verweistätigkeiten bestehe jedoch eine solche von 50% bei sämtlichen administrativen Tätigkeiten in einem Restaurant/Metzgerei- und Handelsbetrieb. In der Gesamtheit erachte er aus medizinisch/betrieblichen Überlegungen eine globale 50%-ige Arbeitsunfähigkeit als gegeben. Der Beschwerdeführer habe in der Schweiz früher einen Handelsbetrieb mit Angestellten geführt, und es sei davon auszugehen, dass er vor allem auch Betriebsleiter gewe sen sei. Letzteres sei wohl auch in Israel der Fall. Im Vordergrund stehe die lumbale Rückenproblematik. Auch aus psychischen Gründen erachte er die vorgeschlagenen Tätigkeiten im obigen Rahmen als zumutbar. Zusammenfassend stellte er eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit sowohl in der bisherigen wie auch in einer Verweistätigkeit fest, fügte jedoch an, zur definitiven Berechnung des IV-Grades sei allenfalls noch eine Erfolgsrechnung 2007 einzuholen (act. IV/158). 6. 6.1 Sowohl aus den Berichten der untersuchenden und behandelnden Ärzte in Israel als auch dem Gutachten der Spezialisten aus dem Seite 15C-4389/2008 Spital V._______ geht detailliert, klar und unmissverständlich hervor, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Diskushernie jegliche bisherigen schweren Tätigkeiten als Metzger/Wurster/Koch nicht mehr ausüben kann. Es resultiert eine Arbeitsunfähigkeit von 80% im bishe- rigen Beruf. Zumutbar bleibt der Anteil von 20% administrativer Tätigkeit im eigenen Geschäft. Bezüglich einer leichten, rückenscho- nenden, wechselbelastenden Verweistätigkeit ist gemäss den begut- achtenden Prof. Dr. G._______, Dr. H._______ sowie Prof. Dr. I._______ von einer zumutbaren Tätigkeit von bis zu vier Stunden täg- lich auszugehen. Darauf ist abzustellen. 6.2 6.2.1Was die psychiatrischen Berichte von Dr. J._______ betrifft, ist festzustellen, dass er über einen Facharzttitel für innere Medizin und nicht für Psychiatrie und/oder Psychotherapie verfügt. Er gab indes gegenüber der IVSTA an, er sei von der FMH betitelt, um psychiatri- sche Gutachten zu erstellen (act. IV/135). Zu berücksichtigen ist, dass er der lang jährige behandelnde Psychotherapeut des Be- schwerdeführers ist. Aus seiner Sicht ist der Beschwerdeführer zu 100% arbeitsunfähig, dies aufgrund der seit vielen Jahren bestehenden Depression (seit 1980 bzw. 1992, act. IV/152, 154), verstärkt durch die erlittenen Schockzustände während Terrorangriffen und aufgrund der rückenbedingten Schmerzen. 6.2.2Bezüglich der früher aufgetretenen Depression geht aus den Vorakten der IV W._______ hervor, dass eine mittelgradige depressive Episode ab Frühling bzw. Sommer 1997 bestand, verursacht u.a. durch Span nungen und Schwierigkeiten im sozialen Umfeld des Beschwer- deführers ab dem Jahr 1993 (act. IV/12, 84.2, 98.2). Die Episode schien per 14. Dezember 1998 – mit der Auswan derung nach Israel – überwunden, der Beschwerdeführer wurde von Dr. J._______ wieder voll arbeitsfähig geschrieben (act. IV/12.2, 43, 92a, 100; vgl. aber Beurteilung Prof. Dr. O._______ vom 2. November 1998, act. 98.6 f.) und die zugesprochene halbe Invalidenrente wurde befristet (act. IV/15). 6.2.3Gemäss dem Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. F._______ vom 10. Dezember 2007 steht der Patient seit sieben Jahren in Israel in psychiatrischer Behandlung. Allerdings hat der Beschwerdeführer erst wieder aufgrund des erlittenen Verhebetraumas und der auch aus psychischer Sicht geltend gemach ten Gesundheits- Seite 16C-4389/2008 verschlechterung einen neuen Rentenantrag gestellt. Aus dem Bericht von Dr. F._______ ist ersichtlich, dass Hinweise für das Vorliegen einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung bestehen. 6.2.4Zu verweisen ist im Übrigen auch auf die Ausführungen der Gutachter im Bereich Orthopädie/Neurologie, wonach die psychische Komponente einen bedeutenden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers haben könnte (act. IV/153.18). 6.3 Da die psychiatrischen Berichte von behandelnden Ärzten stam- men, der Bericht von Dr. J._______ gemessen am Standard eines Gutachtens nur bedingt begründet ist und im Vergleich mit den früheren Akten der IV W._______ zeitliche Unstimmigkeiten aufweist (z.B. Auswan derung per Dezember 1998; Beginn der Depression ca. ab 1993; Diskushernie diagnostiziert im Januar 2007, act. IV/62), haben diese Berichte nur einen beschränkten Beweiswert. Da Dr. J._______ feststellt, der Patient sei örtlich, zeitlich und situativ orientiert, bezüglich der Wahrnehmungs- und Auffassungsfähigkeit keine Besonderheit bestehe und keine Denkstörungen und Suizidalität vorliege, ist aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts entgegen der Beurteilung von Dr. J._______ nicht von einer vollständigen Arbeitsun- fähigkeit aus psychischen Gründen sowohl im noch zumutbaren bisherigen Tätigkeitsfeld wie auch in einer ange passten Verweistätigkeit auszugehen. Der Beschwerdeführer gibt selbst an, er könne seine Gäste noch zu 20% betreuen. Das Bundesver- waltungsgericht geht jedoch davon aus, dass zusätzlich zu den ortho- pädisch-neurologischen Gesundheitseinschränkungen ein (unbe- stimmter) Anteil aus psychischen Gründen hinzukommt. 6.4 Demgegenüber äussert sich Dr. E._______ – notabene in einem Satz – soweit, der Umfang der von den Gutachtern des Spitals V.________ festgestellten noch möglichen Tätigkeiten seien aus psychischen Gründen zumutbar. Weder setzt er sich mit den Beurteilungen der psychiatrisch behandelnden Ärzte noch mit den Feststellungen der Gutachter im somatischen Bereich auseinander, die einen zusätzlichen Einfluss der psychischen Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen, noch begründet er seine Äusserung im Einzelnen. Insbesondere fehlen Aussagen und Schlussfolgerungen zur beschriebenen Kriegstrauma tisierung in Israel und zu den psychischen Auswirkungen aufgrund der Rückenproblematik, unter Berücksich- tigung einer bereits früher aktenkundigen und allenfalls andauernden – Seite 17C-4389/2008 damals befristet rentenrelevanten – Depression. Im Übrigen fehlt Dr. E._______ zur Beurteilung einer solchen psychiatrischen Krank- heitssituation die nötige Qualifikation. Ausserdem bleibt unklar, was Dr. E._______ mit einer „in der Gesamtheit aus medizinisch/betrieb- lichen Überlegungen geschätzten globalen 50%-igen Arbeitsunfähig- keit“ meint. 6.5 Demnach ist festzuhalten, dass die psychiatrischen Berichte der behandelnden Ärzte wie auch die Stellungnahme von Dr. E._______ zur vorliegend zu klärenden Frage, in welchem Mass der Beschwerde- führer aus psychiatrischer Sicht erwerbsunfähig ist, als Beweismittel ungenügend sind. Es ist daher nicht nachvollziehbar, wie die Vorins- tanz – gestützt auf die Beurteilung durch den ärztlichen Dienst – ver- lässliche, den vom Bundesgericht festgelegten Anforderungen ge- mässe Schlüsse in psychiatrischer Hinsicht ziehen konnte. Es widerspricht darüber hinaus der gesetzlichen Regelung, dass sie keinen Erwerbsvergleich vornahm, obwohl sie bei der Festlegung des Invaliditätsgrades auf eine Verweistätigkeit abgestellt hat. 6.6 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass dem Beschwerde- führer schwere Arbeiten im Sinne seiner angestammten Tätigkeit nicht mehr möglich sind. Zumutbar bleibt die administrative Geschäftstätig- keit im Rahmen von 20%. Weiter zumutbar sind leichte, rückenscho- nende und wechselbelastende Verweistätigkeiten bis zu vier Stunden täglich. Das Bundesverwaltungsgericht kann jedoch – weil einerseits der Einfluss der psychischen Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit nicht genügend erstellt und andererseits kein Er- werbsvergleich durchgeführt wurde – den IV-Grad und somit den Ren- tenanspruch des Beschwerdeführers nicht abschliessend bestimmen beziehungsweise überprüfen. 6.7 Die Verfügung vom 9. Juni 2008 ist deshalb aufzuheben und die Sache zur Durchführung einer eingehenden psychiatrischen Begut- achtung in der Schweiz und neuerlichen Bestimmung der Arbeitsfähig- keit in einer zumutbaren Verweistätigkeit unter Berücksichtigung der Untersuchungsergebnisse an die Vorinstanz zurückzuweisen. Bei der Neubeurteilung sind auch die im Lauf des Beschwerdeverfahrens ein- gereichten medizinischen Akten aus Israel (siehe oben E. 5.2) zu be- rücksichtigen. Anschliessend hat die Vorinstanz einen Erwerbsver- gleich durchzuführen und den Rentenanspruch des Beschwerdefüh- rers neu zu berechnen. Dabei hat die Vorinstanz in Berücksichtigung Seite 18C-4389/2008 dessen, dass der Beschwerdeführer selbständig erwerbend war und die Geschäfte nunmehr zu grossen Teilen von Familienmitgliedern ge- führt werden, der Frage nachzugehen, welche Berechnungsmethode (allgemeine oder ausserordentliche Methode) anzuwenden ist. 6.8 Abschliessend ist der Beschwerdeführer darauf hinzuweisen, dass es ihm im Rahmen der Schadenminderungspflicht (Art. 21 Abs. 4 ATSG) obliegt, (freiwillige) Tätigkeiten wie Sanitätseinsätze, die sich ungünstig auf seine psychische Gesundheit auswirken könnten, auf- zugeben. 7. Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Partei- entschädigung. 7.1 Weder der unterliegenden Vorinstanz noch dem obsiegenden Be- schwerdeführer sind Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der geleistete Kostenvorschuss ist dem Beschwerde- führer zurückzuerstatten. 7.2 Dem obsiegenden, nicht vertretenen Beschwerdeführer, welchem durch die Beschwerdeführung keine notwendigen, verhältnismässig hohen Kosten erwachsen sind, ist keine Parteientschädigung zuzu- sprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als dass die Verfü- gung vom 9. Juni 2008 aufgehoben und die Angelegenheit an die Vor- instanz zurückgewiesen wird, damit diese nach weiterer Abklärung im Sinne der Erwägungen neu über den Rentenanspruch verfüge. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvor- schuss in Höhe von Fr. 300.-- wird dem Beschwerdeführer zurücker- stattet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Seite 19C-4389/2008 4. Dieses Urteil geht an: - den Beschwerdeführer (Einschreiben mit Rückschein; Beilage: Rückerstattungsformular) - die Vorinstanz (Ref-Nr. [...]) - das Bundesamt für Sozialversicherungen Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Beat Weber Susanne Flückiger Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt werden, sofern die Vor- aussetzungen gemäss den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundes- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) gegeben sind. Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Ent- scheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG). Versand: Seite 20