<h2>SubmittedText<h2><p>1. Welche Bedeutung misst der Bundesrat der höheren Berufsbildung, insbesondere den eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen bei? </p><p>2. Der schweizerische Gewerbeverband fordert eine staatliche Finanzierung der vorbereitenden Kurse für Berufs- und höhere Fachprüfungen. Ist der Bundesrat bereit, in dieser Richtung eine Finanzierungsbotschaft auszuarbeiten? </p><p>3. Wenn ja, bis wann? </p><p>4. Was unternimmt er, um die Berufs- und höheren Fachprüfungen besser zu positionieren? </p><p>5. Wie stellt er sich zu Forderungen der Akademien nach mehr Geld für die Hochschulen, während die finanzielle Last bei der höheren Berufsbildung vor allem von den Privaten getragen wird?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Bundesrat misst der höheren Berufsbildung grosse Bedeutung zu. Sie bildet den Tertiär B-Bereich (Tertiär A: Hochschulen) und umfasst die Bildungsgänge der höheren Fachschulen und die eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen. Die Angebote der höheren Berufsbildung bereiten auf verantwortungsvolle Fach- und Führungsfunktionen vor und stellen in den verschiedenen Branchen den Nachwuchs an höher qualifizierten Berufsleuten sicher.</p><p>Markenzeichen der höheren Berufsbildung ist ihre Praxisorientierung und ihr enger Bezug zum Arbeitsmarkt. Die Bedeutung der höheren Berufsbildung für die Wirtschaft und Gesellschaft zeigt sich im vielfältigen Angebot. Über 400 verschiedene Berufs- und höhere Fachprüfungen haben eine eidgenössische Anerkennung und ebenso viele Bildungsgänge an höheren Fachschulen. Die höhere Berufsbildung ist grundsätzlich offen für Personen mit einer abgeschlossenen beruflichen Grundbildung wie auch für Personen mit einer akademischen Ausbildung. Jährlich werden rund 28 000 Abschlüsse vergeben. (Tertiär A: 33 000 Abschlüsse, Tertiär B: 28 000 Abschlüsse/2007).</p><p>2./3. Die Finanzierung der Angebote in der höheren Berufsbildung ist historisch gewachsen. Entsprechend uneinheitlich sind sowohl das generelle Engagement für die höhere Berufsbildung als auch die jeweiligen Beiträge der Kantone für die einzelnen Bildungsangebote. Die Finanzierung seitens der Nachfragerinnen und Nachfrager fällt ebenfalls unterschiedlich aus. Das Spektrum reicht von Beteiligungen der Arbeitgeber in unterschiedlicher Höhe über Stipendien bis zur vollständigen Eigenfinanzierung.</p><p>Der Bund entrichtet einen leistungsorientierten Pauschalbeitrag an die einzelnen Kantone. Unter diesen Pauschalbeitrag fällt unter anderem auch die Finanzierung der vorbereitenden Kurse für die eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen. Damit liegt die Verantwortung vor Ort bei den Kantonen. 2008 wendeten die Kantone 140 Millionen Franken für die vorbereitenden Kurse (inkl. berufsorientierte Weiterbildung) auf.</p><p>Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT überprüft zurzeit zusammen mit den Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt das Beitragssystem der höheren Berufsbildung unter einer gesamtheitlichen Optik. Erste Modelle zur Lösung der komplexen Problematik werden voraussichtlich 2010 vorliegen. Es geht darum, die vorhandenen Bildungsbereiche zu stärken, die Pluralität der höheren Berufsbildung zu respektieren und die Nachfrage-Orientierung zu optimieren. Dabei ist den Entwicklungen in anderen Politikbereichen, wie zum Beispiel bei der Frage nach Steuerabzügen für Weiterbildungen, Rechnung zu tragen. Wie sich diese Modelle auf die BFI-Botschaft auswirken, ist zum heutigen Zeitpunkt nicht absehbar.</p><p>4. Mit dem 2004 in Kraft getretenen neuen Berufsbildungsgesetz ist die höhere Berufsbildung zum ersten Mal als eigenständiger Bildungsbereich positioniert worden. Mit ihren formalen, eidgenössisch anerkannten Abschlüssen grenzt sie sich von der staatlich nicht geregelten Weiterbildung ab.</p><p>Um die höhere Berufsbildung zu stärken, muss sie auch international bekannter gemacht werden. Insbesondere in Ländern mit schulisch geprägten Bildungssystemen wird der Wert der praxisorientierten höheren Berufsbildung zu wenig erkannt. Aus diesem Grunde beteiligt sich die Schweiz am Kopenhagen-Prozess der Europäischen Union. Dieser hat zum Ziel, die verschiedenen nationalen Bildungsabschlüsse auf europäischer Ebene vergleichbar zu machen, was die Transparenz und Mobilität erhöht. Weiter setzt sich die Schweiz dafür ein, dass die höhere Berufsbildung bei der Einreihung in das internationale Bildungs-Klassifikationssystem ISCED die gebührende Einordnung erhält. Schliesslich trägt auch die Untersuchung der OECD über die verschiedenen Berufsbildungssysteme (Learning for jobs) dazu bei, unser eigenständiges und praxisbezogenes System der höheren Berufsbildung bekannter zu machen.</p><p>5. Der Bundesrat sieht zwischen den allgemeinbildenden beziehungsweise akademischen und den berufsbezogenen Bildungswegen keine Konkurrenz. Beide Bildungsbereiche entsprechen den Bedürfnissen der Individuen, der Gesellschaft und der Wirtschaft und ergänzen sich. Die Schweiz verfügt damit über ein abgestimmtes und durchlässiges Bildungssystem.</p><p>Die Forderungen von Interessengruppen nach mehr finanziellen Mitteln für einzelne Bildungsbereiche sind in einen bildungs-, arbeitsmarkt- und finanzpolitischen Zusammenhang zu stellen. Ausserdem sind für die Erhöhung der Qualität von Bildung, Forschung und Dienstleistungen nicht nur finanzielle, sondern auch andere Wege und Instrumente in Betracht zu ziehen.</p>  Antwort des Bundesrates.