Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 18. Juni 2019 (400 19 77) ____________________________________________________________________ Zivilprozessrecht Eine Arbeitsverweigerung oder ein unentschuldigtes Nichterscheinen am Arbeitsplatz stellen einen wichtigen Grund für eine fristlose En tlassung nach Art. 337 OR dar, wenn sie beharrlich sind und ihnen eine Verwarnung unter klarer Androhung der fristlosen Ent- lassung vorausgegangen ist. Es sei denn, die Absenz erstreckt sich über mehrere Tage oder ist erfolgt, obwohl der Arbeitgeber die Anwese nheit unmissverständlich gefordert hat. Ein wichtiger Grund nach Art. 337 OR liegt hier nicht vor. Besetzung Präsident Roland Hofmann, Richterin Barbara Jermann Richterich (Ref.), Richter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Giuseppe Di Marco Parteien A.___ , vertreten durch Advokat Roman Baumgartner, Simonius Pfrommer & Partner, Aeschenvorstadt 67, Postfach, 4010 Basel, Kläger und Berufungskläger gegen B.___ , vertreten durch Advokat Lorenz Altenbach, Amthausstrasse 12, 4143 Dornach, Beklagte und Berufungsbeklagte Gegenstand Arbeitsrecht Berufung gegen den Entscheid vom 30. Januar 2019 des Präsidenten des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.___ war seit dem 15. Februar 2007 als Logistikmitarbeiter bei der B.___ angestellt. Die- se entliess ihn am 29. Januar 2018 fristlos. Dagegen pro testierte er mit Einschreiben vom 31. Januar 2018 und bot weiterhin seine Arbeitsleistun g an. Am 31. März 2018 reichte er ein Schlichtungsgesuch beim Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West ein, mit dem er von B.___ die Zahlung von brutto CHF 22‘200.64 zuzüglich Zins von 5 % seit dem 30. Januar 2018 (Mehrfor- derung vorbehalten), die Lohnabrechnungen für die Monate Februar und März 2018, den Lohn- ausweis 2018 sowie ein Arbeitszeugnis gemäss seinem Zeugn isentwurf forderte. Nach einer gescheiterten Schlichtungsverhandlung am 31. Mai 2018 w urde A.____ die Klagebewilligung ausgestellt. Gestützt darauf stellte er mit Klage vo m 26. September 2018 an das Zivilkreisge- richt Basel-Landschaft West folgende Rechtsbegehren: „1. Es sei die Beklagte zu verurteilen, dem Kläger CHF 9'900.00 brutto nebst Zins zu 5 % seit 30. Januar 2018 zu bezahlen. Es sei die Beklagte zur A usrichtung der entsprechenden So- zialabgaben zu verpflichten. Mehrforderungen explizit vorbehalten. 2. Es sei die Beklagte zu verurteilen, dem Kläger CHF 19'03 9.10 netto nebst Zins zu 5 % seit 30. Januar 2018 zu bezahlen. Mehrforderungen explizit vorbehalten. 3. Es sei dem Kläger die unentgeltliche Prozessführung mit dem Unterzeichnenden als Rechtsbeistand zu bewilligen. 4. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beklagten.“ B. Mit Entscheid vom 30. Januar 2019 wies der vorinstanzliche Gerichtspräsident die Klage vom 26. September 2018 ab. Er erwog im Wesentlichen, e s liege ein eigenmächtiger Ferienbe- zug des Klägers entgegen einem abschlägigen Entscheid der Arbeitgeberin vor. Der Kläger habe für Januar 2018 um vier Ferienwochen ersucht. Die Beklagte habe ihm drei Wochen Fe- rien bis zum 23. Januar 2018 bewilligt. Die gewünschte vierte Woche sei dem Kläger ausdrück- lich verweigert worden. Am Abend seines letzten Ferientages, am 23. Januar 2018, sei der Klä- ger an seinem Arbeitsplatz erschienen und habe dem Lei ter der Nachtschicht, C.____, mitge- teilt, dass er in den Ferien bestohlen worden sei und zur Regelung seiner Angelegenheiten noch einen respektive drei weitere Ferientage beziehe n möchte. Diese zusätzlichen Ferientage seien dem Kläger entgegen seiner eigenen Auffassung nic ht bewilligt worden. Aufgrund der Zeugenaussage von C.____ könne lediglich davon ausgega ngen werden, dass dieser dem Kläger seinen Dienst für den nächsten Tag erlassen habe . Für weitere Ferientage sei jedoch das Fernbleiben des Klägers ausdrücklich nicht bewilligt w orden. Demgemäss sei die Beklagte berechtigt gewesen, ohne Verwarnung eine fristlose Kün digung gegen den Kläger auszuspre- chen. Die Klage sei entsprechend abzuweisen. Hinsichtli ch der Liquidation und Verteilung der Prozesskosten verzichtete der vorinstanzliche Gerichtspräsident auf die Erhebung von Ge- richtskosten. Er verpflichtete jedoch den Kläger, der B.__ __ eine Parteientschädigung von CHF 5‘013.20 zu bezahlen. Dem Kläger bewilligte er die unentgeltliche Rechtspflege und ord- nete die Ausrichtung einer Entschädigung an seinen Recht sbeistand, Advokat Roman Baum- gartner, von CHF 3‘865.80 zu Lasten des Staates an, unter Hinweis auf die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 Abs. 1 ZPO. C. Gegen den vorinstanzlichen Entscheid vom 30. Januar 2019 erhob A.____ (nachfolgend Berufungskläger) am 25. März 2019 Berufung mit den Ant rägen, Ziffer 1 des angefochtenen Entscheids aufzuheben und seine Rechtsbegehren Ziffern 1 und 2 seiner Klage vom 26. Sep- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tember 2018 gutzuheissen. Für das Rechtsmittelverfahren se i ihm die unentgeltliche Prozess- führung mit Advokat Roman Baumgartner als Rechtsbeistand zu bewilligen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge des erst- sowie zweitinstanzlichen Ver fahrens zu Lasten der Berufungs- beklagten. Am 10. Mai 2019 erstattete die B.____ (nach folgend Berufungsbeklagte) ihre Beru- fungsantwort mit dem Antrag auf kostenfällige Abweisung der Berufung. D. Der instruierende Präsident der Abteilung Zivilrecht de s Kantonsgerichts Basel- Landschaft forderte den Berufungskläger mit Verfügung vom 13. Mai 2019 auf, Belege über sein aktuelles Einkommen einzureichen. In Nachachtung des B eweisantrags des Berufungsklä- gers wies er die Vorinstanz an, die Tonaufnahme der Zeugenbefragung von D.____, Lagerleiter bei der Berufungsbeklagten, zu edieren. Im Weiteren sc hloss er den Schriftenwechsel und ord- nete den Entscheid durch die Dreierkammer des Kantonsger ichts, Abteilung Zivilrecht, auf Grundlage der Akten an. Den Entscheid über das Gesuch d es Berufungsklägers um unentgelt- liche Rechtspflege stellte er mit dem Entscheid in der Hauptsache in Aussicht. Die Begrün- dungen der Vorinstanz und der Parteien werden in den nachfolgenden Erwägungen wiederge- geben, soweit sie für den Entscheid rechtserheblich sind. Erwägungen 1.1 Gegen einen erstinstanzlichen Endentscheid in einer verm ögensrechtlichen Angelegen- heit ist die Berufung zulässig, sofern der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegeh- ren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Mit „zuletzt aufrechterhalten“ sind jene Rechtsbegehren gemeint, welche der Kläger durch den Entscheid der Vorinstanz zuge- sprochen zu erhalten hoffte und daher unmittelbar vor Eröffnung des erstinstanzlichen Ent- scheides noch strittig waren. Aus den Rechtsbegehren Zif fern 1 und 2 der Klage vom 26. September 2018 ergeht, dass der Berufungskläger von der Vorinstanz die Leistung von CHF 9‘900.00 brutto und von CHF 19‘039.10 netto dur ch die Berufungsbeklagte forderte. An- lässlich der Hauptverhandlung vom 30. Januar 2019 erhöht e der Berufungskläger den mit Rechtsbegehren Ziffer 1 geltend gemachten Lohnanspruch auf CHF 10‘246.40 brutto. Der Streitwert der Klage beträgt daher CHF 29‘285.50. D ie Berufungsbeklagte beantragte die voll- umfängliche Abweisung der Klage. Die Streitwertgrenze von CHF 10‘000.00 ist somit erreicht. 1.2 Die Berufung ist schriftlich und begründet innert 30 T agen seit Zustellung des begründeten Entscheides bzw. seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZP O). Die schriftliche Begründung des angefochtenen Entscheids des Zivilkreisgerichtspräsidenten Base l-Landschaft West vom 30. Januar 2019 wurde dem Rechtsbeistand des Berufungsklä gers am 21. Februar 2019 zuge- stellt. Die 30-tägige Rechtsmittelfrist lief am Samstag , 23. März 2019, ab. Fällt der letzte Tag einer Frist auf einen Samstag, Sonntag oder anerkannte n Feiertag, so endet sie am nächsten Werktag (Art. 142 Abs. 3 ZPO). Die Einreichungsfrist ist durch die Berufung vom 25. März 2019 eingehalten. 1.3 Mit Berufung können die unrichtige Rechtsanwendung sowi e die unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO) . Der Berufungskläger rügt Rechts- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht verletzungen und eine unrichtige Sachverhaltsfeststellu ng durch die Vorinstanz, auf die in den nachfolgenden Erwägungen im Detail eingegangen wird . Er macht somit zulässige Berufungs- gründe geltend. In Anbetracht der Kostenlosigkeit des Entscheidverfahrens in Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis bis zu einem Streitwert von CHF 30‘000.00 war kein Kostenvorschuss für das Rechtsmittelverfahren zu leisten (Art. 114 lit. c ZP O). Nachdem alle übrigen Prozess- voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Berufung einzu treten. Erstinstanzliche Entscheide, die wie hier im vereinfachten Verfahren ergangen sind, fal len in die sachliche Beurteilungskompe- tenz der Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kanto nsgerichts (§ 6 Abs. 1 lit. c EG ZPO). Nach Art. 316 Abs. 1 ZPO kann die Rechtsmittelinstanz eine Verhandlung durchführen oder auf Grundlage der Akten entscheiden. Der vorliegende Fall e rscheint nach Durchführung eines Schriftenwechsels spruchreif, so dass gestützt auf die Aktenlage zu entscheiden ist. 2.1 Der Berufungskläger macht zunächst eine Verletzung des Unt ersuchungsgrundsatzes geltend. Zusammenfassend lässt er vortragen, die Beweislast für das Vorliegen eines wichtigen Grundes zur gerechtfertigten fristlosen Auflösung des Arb eitsverhältnisses obliege derjenigen Partei, welche sich auf den wichtigen Grund berufe. Vorliegend wäre dies die Berufungsbeklag- te gewesen. Die einzigen Beweismittel, welche sie zum wichtigen Grund des eigenmächtigen Ferienbezugs habe vorbringen können, seien Aussagen von Zeugen gewesen, die allesamt nach wie vor in einem Anstellungsverhältnis mit der Beru fungsbeklagten stünden. An der vor- instanzlichen Verhandlung seien die Zeugen C.____, D.__ __, E.____ und F.____ befragt wor- den und es habe G.____ als Partei ausgesagt. Mit Blick auf die Zeugenbefragungen lasse sich eindeutig erkennen, dass in Bezug auf den eigenmächti gen Ferienbezug höchstens auf die Aussagen von Zeuge C.____ abgestellt werden könne. Säm tliche weiteren Zeugen und Ange- stellten der Berufungsbeklagten würden nur indirekt wiedergeben, was ihnen von Zeuge C.____ direkt oder gar indirekt erzählt worden sei. An der vorinstanzlichen Verhandlung habe dieser mit aller Deutlichkeit bestätigt, dass er dem Zeugen D.____ eine E-Mail-Nachricht geschrieben ha- be. Die Vorinstanz, welche den Sachverhalt von Amtes weg en zu untersuchen hätte, habe sich jedoch zu keinem Zeitpunkt für das entsprechende Dokument interessiert. Dabei sei gerade die E-Mail-Nachricht ein Schlüsseldokument gewesen. In diese m Punkt hätte die Vorinstanz weiter nachforschen müssen. Indem sie dies nicht getan habe, habe sie die gesetzliche Pflicht gemäss Art. 247 Abs. 2 ZPO verletzt. Die Berufungsbeklagte le hnt eine Verletzung der Untersuchungs- maxime durch die Vorinstanz ab. 2.2 Der Rüge des Berufungsklägers kann nicht gefolgt werden. Nach Art. 247 Abs. 2 lit. b ZPO hat das Gericht im vereinfachten Verfahren den Sach verhalt von Amtes wegen festzustel- len. Dabei handelt es sich jedoch um eine beschränkte b zw. abgeschwächte Untersuchungs- maxime, die von Lehre und Rechtsprechung auch als sozial e Untersuchungsmaxime bezeich- net wird (BGE 141 III 569 E. 2.3.1; 139 III 457 E. 4.4.3.2). Sie bezweckt, die schwächere Partei zu schützen, die Gleichheit zwischen den Parteien zu gara ntieren und das Verfahren zu be- schleunigen (KGE BL 400 18 139 vom 21. August 2018 E. 4; BGE 141 III 569 E. 2.3.1; 125 III 231 E. 4a). Im Geltungsbereich der sozialen Untersuchun gsmaxime beschränkt sich das Ge- richt darauf, bei der Feststellung des Sachverhalts und der Beweiserhebung „mitzuwirken“ (BSK ZPO-MAZAN , 3. Aufl., 2017, Art. 247 N 4). Nach dem Willen de s Gesetzgebers ist darunter ein- zig eine verstärkte Fragepflicht des Gerichts zu verstehen. Der Grundsatz der eingeschränkten Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Untersuchungsmaxime befreit die Parteien weder vor ihre r Behauptungs- noch Beweislast (KGE BL 400 18 139 vom 21. August 2018 E. 4; OGer ZH LA160004 vom 17. August 2016 E. II.A.5.4.2.2). Es obliegt den Parteien, den massgeblichen Sachverhalt vorzutragen. Damit die notwendigen Behauptungen gemacht und die dazugehörig en Beweismittel bezeichnet werden, kann das Gericht die Parteien durch sachgemässe Fragen un terstützen. Es darf aber keine ei- genen Ermittlungen anstellen. Sind die Parteien durch einen Anwalt vertreten, darf und soll sich das Gericht mit Fragen zurückhalten (BGE 141 III 569 E. 2.3.1; BGer 4A_46/2016 vom 20. Juni 2016 E. 7.1.2; BSK ZPO-MAZAN , 3. Aufl., 2017, Art. 247 N 13). 2.3 Nach einem durchgeführten Schriftenwechsel ordnete der vorinstanzliche Gerichtspräsi- dent mit Verfügung vom 15. November 2018 auf Antrag der Berufungsbeklagten die Vorladung der Herren C.____, D.____ und E.____ sowie von Frau F .____ zur Zeugenbefragung an. Ge- stützt auf einen weiteren Beweisantrag der Berufungsbekl agten forderte der Gerichtspräsident mit derselben Verfügung den Kläger auf, Belege zum be haupteten Diebstahl einzureichen. Ei- nem Antrag des Berufungsklägers folgend, verfügte der Ge richtspräsident am 12. Dezember 2018 zusätzlich H.____ zur Zeugenbefragung aufzubieten. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 30. Januar 2019 befragte er alle vorgenannten Perso nen als Zeugen. Zudem befragte er an der Verhandlung einlässlich den Berufungskläger sowie den Geschäftsführer und Verwal- tungsratspräsidenten der Berufungsbeklagten, G.____, zur Sache. Damit nahm der vorinstanz- liche Richter die Beweisanträge der Parteien ab und w irkte darauf hin, dass der relevante Sachverhalt festgestellt werden konnte. Die soziale Untersuchungsmaxime nach Art. 247 Abs. 2 lit. b ZPO geht keinesfalls so weit, dass der vorinstan zliche Richter den Sachverhalt von Amtes wegen erforschen und gestützt auf die Aussagen der bef ragten Personen entsprechende Be- weise erheben muss. Ebenso zwingt die soziale Untersuchungsmaxime den Richter nicht dazu, das Beweisverfahren beliebig auszudehnen und alle seine r Ansicht nach möglichen oder erfor- derlichen Beweise abzunehmen. Der Vorwurf des Berufun gsklägers, dass sich der vor- instanzliche Richter nicht für die E-Mail-Nachricht des Zeu gen C.____ an den Zeugen D.____ interessiert haben soll, geht deshalb ins Leere. Es ob lag vielmehr dem Berufungskläger, die Edition dieser von ihm als Schlüsseldokument bezeichneten E-Mail-Nachricht zu verlangen, zumal die Behauptungs- und Beweislast auch unter der Her rschaft der sozialen Untersu- chungsmaxime bei den Parteien verbleibt. Die Parteien waren im vorinstanzlichen Verfahren zudem anwaltlich vertreten, weshalb sich das Gericht mit de r Stellung von Fragen zum Sach- verhalt und zur Beweiserhebung zurückhalten durfte bzw. m usste. Der Berufungskläger unter- liess es, die Edition der E-Mail-Nachricht des Zeugen C._ ___ an den Zeugen D.____ als Be- weisantrag zu stellen. Ob die Vorinstanz bei Vorliegen dieser E-Mail-Nachricht, sofern vorhan- den, zu einem anderen Beweisergebnis gekommen wäre, ka nn dahingestellt bleiben. Eine Ver- letzung der sozialen Untersuchungsmaxime durch den vorinst anzlichen Richter liegt jedenfalls nicht vor. 3.1 Es ist die Rechtmässigkeit der fristlosen Entlassung des Kläg ers vom 29. Januar 2018 zu beurteilen. Nach Art. 337 Abs. 1 OR können der Arbei tgeber und der Arbeitnehmer jederzeit das Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen fristlos auflös en. Als wichtiger Grund gilt nament- lich jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem Kündig enden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zugemutet werden darf (Art. 337 Abs. 2 OR). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Als ausserordentliche Massnahme ist die fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses nur mit grosser Zurückhaltung zuzulassen. Eine fristlose Entlassung ist einzig bei besonders schweren Verfehlungen des Arbeitnehmers gerechtfertigt. Diese müssen einerseits objektiv geeignet sein, die für das Arbeitsverhältnis wesentliche Vertrauens grundlage zu zerstören oder zumindest so tiefgreifend zu erschüttern, dass dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Vertrags nicht mehr zu- zumuten ist. Anderseits wird vorausgesetzt, dass sie tatsächl ich zu einer entsprechenden Zer- störung oder Erschütterung des gegenseitigen Vertrauens geführt haben. Sind die Verfehlun- gen weniger schwerwiegend, müssen sie trotz Verwarnung w iederholt vorgekommen sein. Ob die dem Arbeitnehmer vorgeworfene Pflichtverletzung d ie erforderliche Schwere erreicht, hängt von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab (BGE 142 I II 579 E. 4.2; BGE 130 III 213 E. 3.1; BGE 127 III 153 E. 1a; BGer 4C.201/2004 vom 22. Juli 2004 E. 4.1; ZK OR-S TAEHELIN , 4. Aufl., 2014, Art. 337 N 14; S TREIFF /VON KAENEL /R UDOLPH , Arbeitsvertrag Praxiskommentar zu Art. 319 - 362 OR; 7. Aufl., 2012, Art. 337 N 3). Die fristlose Entlassung muss als „ultima ratio“ oder „Notventil“, mithin als einziger Ausweg aus einer verfahrenen Situation erscheinen. Sie untersteht damit dem Grundsatz der Verhältnismässigk eit und ist ausgeschlossen, wenn dem Kündigenden mildere Massnahmen zur Verfügung stehe n, um die eingetretene Störung des Arbeitsverhältnisses in zumutbarer Weise zu beheben, beispielsweise durch ordentliche Kündigung, Ergreifen von vertraglich vorgesehenen Diszip linarmassnahmen, Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz oder Abmahnung des Arbeitn ehmers. Je kürzer die Kündigungsfrist ist, umso gewichtiger muss der angeführte Grund sein, u m zur fristlosen Kündigung zu berech- tigen (BGE 117 II 560 E. 3b; BGer 4C.114/2002 vom 10 . Juli 2002 E. 2.2; ZK OR-S TAEHELIN , 4. Aufl., 2014, Art. 337 N 4; S TREIFF /VON KAENEL /R UDOLPH , Arbeitsvertrag Praxiskommentar zu Art. 319 - 362 OR; 7. Aufl., 2012, Art. 337 N 13 f.). 3.2 Nach der Lehre und Rechtsprechung stellen die Arbeitsve rweigerung oder das unent- schuldigte Nichterscheinen einen wichtigen Grund für eine fristlose Entlassung nach Art. 337 OR dar, wenn sie beharrlich sind und ihnen eine Verwarnung unter klarer Androhung der fristlo- sen Entlassung vorausgegangen ist. Anders verhält es sich, wenn die Absenz sich über mehre- re Tage erstreckt oder erfolgt, obwohl der Arbeitgebe r die Anwesenheit unmissverständlich ge- fordert hat (BGer 4A_215/2011 vom 2. November 2011 E. 3.3; BGE 108 II 301 E. 3b; Entschei- de des Appellationsgerichts Basel-Stadt ZB.2016.14 vom 16. Januar 2017 E. 4.2 und ZB.2017.18 vom 17. November 2017 E. 3.1; BGer C_259/ 06 vom 14. Dezember 2007 E. 6.1; BSK OR I-PORTMANN /R UDOLPH , 6. Aufl., 2015, Art. 337 N 18 ff., 31). Ein länge res Fernbleiben ist bei Absenzen von etwa mehr als 1-2 Tagen anzunehmen (ZK OR-STAEHELIN , 4. Aufl., 2014, Art. 337 N 15 mit Hinweisen; BGer 4C.222/2003 vom 2. September 2003 E. 2.2; BGer 4C.250/1996 vom 21. Oktober 1996 E. 2b f.). Nicht abge mahnte Absenzen vermögen für sich allein namentlich dann keinen Grund zur fristlosen Entlassung abzugeben, wenn sie auf blosser Nachlässigkeit, auf entschuldbaren Motiven oder auf einem Irrtum über die Rechtslage gründen (BGer 4C.222/2003 vom 2. September 2003 E. 2; S TREIFF /VON KAENEL /RUDOLPH , Arbeitsver- trag Praxiskommentar zu Art. 319 - 362 OR; 7. Aufl., 2012, Art. 337 N 7 mit Hinweisen). 3.3 Die Beweislast für die Tatsachen, aus welchen die Bere chtigung zur ausserordentlichen Kündigung abgeleitet wird, obliegt der Partei, welch e die Kündigung erklärt hat. Ist dieser Be- weis nicht erbracht, so ist die ausserordentliche Kündigung ungerechtfertigt (ZK OR-STAEHELIN , Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Aufl., 2014, Art. 337 N 42). Über das Vorhandense in solcher Kündigungsgründe entscheidet der Richter nach seinem Ermessen (Art. 337 Abs. 3 OR). Gemäss Art. 4 ZGB hat er dabei seine Entscheidung nach Recht und Billigkeit zu treffen, wozu sämtliche für den Entscheid wesentli- chen Umstände des Einzelfalls zu würdigen sind. Zu berücksi chtigen sind dabei insbesondere die Stellung und die Verantwortung des Arbeitnehmers im Betrieb, die Art und die Dauer des Arbeitsverhältnisses, die Länge der ordentlichen Kündi gungsfrist sowie die Natur und die Trag- weite der dem Arbeitnehmer vorgeworfenen Verfehlunge n (BGer 4C.114/2002 vom 10. Juli 2012 E. 2.3; BGE 116 II 145 E. 6a). 4.1 Der Berufungskläger verneint das Vorliegen einer gerech tfertigten fristlosen Kündigung. Zusammenfassend bringt er vor, dass er stets pünktlich zur Arbeit erschienen sei und seine Arbeit in der Vergangenheit korrekt erledigt habe. Gemäss Parteiaussage der Berufungsbeklag- ten habe die Arbeitsleistung jedoch nachgelassen. Dieser Vorwurf sei erst im Gerichtsverfahren eingebracht worden. Die entsprechenden Aussagen hätten im Sachverhalt keinerlei Berücksich- tigung gefunden, obwohl sie entscheidend seien, wenn es um den Kündigungsgrund gehe. Aus den Aussagen werde nämlich ersichtlich, dass der Berufungsklägerin (richtig: Berufungsbeklag- ten) die Kündigung anscheinend entgegen gekommen sei, es in der Vergangenheit aber keiner- lei unentschuldigte Absenzen gegeben habe. Der Vorwu rf sei unbelegt, wonach seine Arbeits- leistung nachgelassen habe, respektive lasse sich aus den Zeugenaussagen und Urkunden das Gegenteil erkennen. Die Parteiaussagen der Berufungs beklagten würden den Berufungskläger diffamieren. Der Beschwerdeführer habe zwischen Arbeit u nd Freizeit unterscheiden können. Der Alkoholkonsum hätte in der Freizeit stattgefunden. Die letzte Verwarnung des Berufungs- klägers am 4. März 2014 liege denn auch vier Jahre vor der Kündigung. Nachher habe es keine Beanstandungen mehr gegeben. Aus der Verwarnung von 20 14 werde ersichtlich, dass die vorangehenden Tadelungen in Zusammenhang mit Alkohol gestanden hätten. Eine Absenz des Berufungsklägers oder eine Pflichtverweigerung sei nie beanstandet worden. 4.2 Nach Ansicht des Berufungsklägers habe die Vorinstanz zudem ausser Acht gelassen, dass er ursprünglich um vier Wochen Ferien ersucht habe, weil er für vier Wochen nach Kenia habe gehen wollen. In der Vergangenheit habe er auc h bereits einmal vier Wochen in Kenia geweilt. Dadurch, dass ihm diesmal vier Wochen Ferien ni cht bewilligt worden seien, habe er seine Ferienpläne angepasst und sei entsprechend planmä ssig früher von Kenia heimgereist. Wenn er auf seine vier Wochen Ferien am Stück hätte beha rren wollen, wäre er wie ursprüng- lich geplant vier Wochen in Kenia geblieben. Er sei somi t keineswegs auf sein ursprüngliches Gesuch zurückgekommen. Die entsprechende Sachverhaltsfestste llung sei falsch. Nach seiner Rückkehr aus Kenia sei er persönlich zu seinem Vorgesetzten g egangen und habe gefragt, ob er am Mittwoch, Donnerstag und Freitag freihaben könn e. Ohne Bewilligung der freien Tage wäre er zur Arbeit erschienen. Anstelle davon, einfach vi er Wochen nach Kenia zu gehen und versuchen, sich krank zu melden, sei er rechtzeitig nach Ha use zurückgereist. In Erwägung 9 halte die Vorinstanz fest: „Diese Ferientage sind dem Kl äger entgegen seiner eigenen Auffas- sung nicht bewilligt worden.“ Diese Aussage stimme so nicht . Zeuge C.____ habe bestätigt, dass er ihm für Mittwoch freigegeben habe. Weiter habe C.____ bestätigt, dem Berufungskläger gesagt zu haben, dass er eine E-Mail schreibe. Nach der Aussage des Zeugen sei also lediglich strittig, ob der Vorgesetzte auch Donnerstag und Freit ag bewilligt habe oder nicht. Die Vorin- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht stanz habe korrekt ausgeführt, dass er der Auffassung gewesen sei, sein Vorgesetzter habe die freien Tage bewilligt. Weshalb die Vorinstanz die ent sprechende Feststellung später wieder verworfen habe, sei unverständlich, habe sie anlässlich d er mündlichen Entscheidbegründung gar ausgeführt, dass es sich vorliegend um ein Missverständnis gehandelt haben könnte. 4.3 Der Berufungskläger führt schliesslich aus, ein eigenmächt iger Ferienbezug als Grund für eine fristlose Kündigung setze voraus, dass das dem Berufun gskläger vorgeworfene Fernblei- ben beharrlich gewesen sein müsse. Die Beharrlichkeit könn e sich in der Dauer der ungerecht- fertigten Arbeitsverweigerung oder aber in einem bewussten Verstoss gegen klare und konkrete Weisungen des Arbeitgebers zeigen, die mit der Androhu ng einer fristlosen Entlassung verbun- den seien. Es gehe in casu um die Arbeitseinsätze von Do nnerstag und Freitag, 25. und 26. Januar 2018. Am nächsten Arbeitstag sei der Berufu ngskläger ganz normal zur Arbeit er- schienen. Alleine schon aufgrund dieser kurzen Dauer könn e nicht von einer Beharrlichkeit ge- sprochen werden. Darüber hinaus sei es der erste Vorfal l dieser Art gewesen. Es habe keine unentschuldigten Absenzen in der Vergangenheit gegeben . Er sei auch stets pünktlich zur Ar- beit erschienen. Sein Vorgesetzter habe ihm bestätigt, dass er „es“ weitergebe. Für den Beru- fungskläger sei klar gewesen, dass er erst am Montag wieder zur Arbeit zu erscheinen habe. Im Nachhinein scheine es, er und Zeuge C.____ hätten sich f alsch verstanden. Bezüglich des Ge- sprächs zwischen den beiden gebe es leider keine weiteren Z eugen. Die einzig nützliche Ur- kunde (E-Mail) sei von der beweispflichtigen Berufungsbeklagten nicht ins Recht gelegt worden. Es sei aber offensichtlich, dass es keine klare und konkre te Weisung der Berufungsklägerin (richtig: Berufungsbeklagten) gegeben habe. Geschweige denn sei es zu einer Androhung einer fristlosen Entlassung gekommen. Die fristlose Kündigung se i somit offensichtlich ungerechtfer- tigt. Vorliegend sei nicht ersichtlich, weshalb eine For tsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht zumutbar gewesen sein soll. Offensichtlich wäre beispielswe ise eine normale Kündigung oder eine disziplinarische Massnahme ohne Weiteres zumutbar gew esen. Die fristlose Kündigung sei somit ungerechtfertigt. 4.4 Die Berufungsbeklagte bestreitet nicht, dass der Berufun gskläger während seiner Anstel- lungsdauer stets pünktlich zur Arbeit erschienen sei und seine Arbeit grundsätzlich korrekt erle- digt habe. Dies sei aber ebenso wenig Gegenstand dies es Verfahrens wie die Parteiaussage der Berufungsbeklagten, die Arbeitsleistung habe aufgru nd des Alkoholproblems des Beru- fungsklägers in letzter Zeit nachgelassen. Der Kündigung sgrund sei der entgegen den Weisun- gen der Berufungsbeklagten getätigte mehrtägige zusätzli che Ferienbezug gewesen, ohne vor- ab darum nachzusuchen, trotz der Ablehnung dieser zusä tzlichen Ferienwoche vor dem ur- sprünglichen Ferienbezug und insbesondere ohne dass ein tatsächlicher Grund für diesen Feri- enbezug vorgelegen hätte. Es gehe in keiner Weise daru m, den Berufungskläger in irgendeiner Weise zu diffamieren. Hingegen sei erstellt und vom B erufungskläger anlässlich der Schlich- tungsverhandlung gar explizit eingestanden, dass dieser seit längerem über ein erhebliches Alkoholproblem verfüge. Indiz dafür sei mit Sicherheit dessen durch die Zeugenaussagen be- stätigte „Auftritt“ am 23. Januar 2018 abends. Fakt und damit entscheidend sei, dass sein ur- sprüngliches Feriengesuch von vier Wochen abgelehnt und i hm letztlich aus betrieblichen und personellen Gründen nur drei Wochen bewilligt worden seien. Ob er nun diese drei Wochen in Kenia oder sonstwo habe verbringen wollen, sei völlig irrelevant. Ebenfalls sei nicht richtig, dass Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Berufungskläger seinen Vorgesetzten kontaktiert habe, um zusätzlich drei Tage zu beantra- gen. Stattdessen habe er sich lediglich (alkoholisiert) b eim Nachtschichtleiter gemeldet, von dem er gewusst habe oder habe wissen müssen, dass dieser ihm keine zusätzlichen Freitage habe bewilligen können. Ebenso gut hätte er, da für d ie aus seiner Sicht notwendigen freien Tage absolut keine Dringlichkeit bestanden habe, sich an seinem ersten Arbeitstag bei dem Leiter Lager, dem Leiter Logistik oder bei der Persona lverantwortlichen melden können und müssen, um dann deren Entscheidung abzuwarten. 4.5 Die Berufungsbeklagte führt weiter aus, der Berufung skläger verschweige, dass er sein Gesuch um zusätzliche Freitage mit in allen Punkten erlo genen Gründen gestellt habe, was für die rechtliche Beurteilung letztlich entscheidend sei. Die bisherige Beweisaufnahme habe erge- ben, dass dem Berufungskläger - entgegen seiner ursprüngl ichen Behauptung - der Pass nicht gestohlen worden sei und er zum Zeitpunkt seines Vorspre chens am 23. Januar 2018 bereits ein neues Handy gekauft gehabt habe. Er habe also wede r für den Ersatz des ihm gestohlenen Handys oder die Wiederbeschaffung eines nicht gestohlenen Passes gar keinen Freitag (richtig: einen Freitag) benötigt. Die dem Leiter der Nachtschi cht vorgetragenen Gründe seien offen- sichtlich vorgeschoben gewesen. Hinzu komme, dass der Berufu ngskläger permanent in der um 17.30 Uhr beginnenden Nachtschicht eingeteilt gewe sen sei, ihm somit - falls tatsächlich notwendig - der gesamte Tag für die Regulierung des ihm angeblich erwachsenen Schadens geblieben sei. Auch unter diesem Blickwinkel seien keine w eiteren Freitage notwendig gewe- sen. Es sei offensichtlich, dass der Berufungskläger gewusst habe, hätte er das Gesuch um zusätzliche Freitage bei der richtigen Stelle, also seinem direkten Vorgesetzten oder der Perso- nalverantwortlichen gestellt, wäre es ihm mit den vorge nannten Überlegungen gar nicht erst bewilligt worden. Die Behauptungen, es seien ihm zusä tzliche Ferientage bewilligt worden, würden sich somit als reine Schutzbehauptungen erweisen, die fern jeder Lebensrealität liegen würden. Auch habe der Berufungskläger bis heute nicht d argelegt, was er nun in diesen drei Freitagen so Wichtiges zu erledigen gehabt habe und was ihn davon abgehalten habe, sich am Folgetag des 23. Januar 2018 ordnungsgemäss bei seinem Vo rgesetzten zum Arbeitsantritt zu melden. 4.6 Nach Ansicht der Berufungsbeklagten sei die Vorinstanz ge stützt auf das gesamte Be- weisergebnis zum korrekten Entscheid gekommen, dass dem Ber ufungskläger keine zusätzli- chen Ferientage bewilligt worden seien. Entgegen den Ausführungen des Berufungsklägers sei auch den Zeugenaussagen von C.____ nicht zu entnehmen, dass ihm dieser für Mittwoch, den 24. Januar 2018, frei gegeben habe. Vielmehr habe e r lediglich ausgesagt: „Ich mache D.____ (dem Leiter Lager) und E.____ (dem Leiter Logistik) ein Email, dass du nicht kommst.“ Dieser Satz beinhalte lediglich die Mitteilung an die zustän digen Vorgesetzten, dass sich der Beru- fungskläger abgemeldet habe, aber sicherlich keine Bewil ligung auch nur eines zusätzlichen Freitages. Damit sei nicht lediglich noch strittig, ob a m Donnerstag und Freitag ein freier Tag bewilligt worden sei. Wie oben dargelegt, handle es sich bei dieser Auffassung des Berufungs- klägers um eine absolute Schutzbehauptung, da er seine Freitage und Ferientage immer von den zuständigen Vorgesetzten oder der Personalverantwort lichen habe bewilligen lassen müs- sen. Ebenfalls werde bestritten, dass die Vorinstanz anlä sslich der mündlichen Entscheidbe- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gründung ausgeführt haben soll, dass es sich vorliegend u m ein Missverständnis gehandelt haben könnte. 4.7 Die Berufungsbeklagte wirft dem Berufungskläger vor, sei n Zitat aus Erwägung 5 des erstinstanzlichen Urteils sei unvollständig. Er verschweige die grundsätzlich richtige Wiederga- be der gesetzlichen Voraussetzungen einer fristlosen Entl assung dahingehend, dass die er- wähnten Voraussetzungen der Beharrlichkeit und vorgängige n Verwarnung nicht gelten wür- den, „wenn eine klare Aufforderung durch den Arbeitge ber vorausgegangen ist, am Arbeitsplatz anwesend zu sein.“ Wie bereits dargelegt, könne aus de n Aussagen des Zeugen C.____ nicht abgeleitet werden, dass dieser dem Berufungskläger eine n zusätzlichen Ferientag bewilligt ha- be. Zum einen, weil er eine solche Bewilligung gar n icht erst habe aussprechen können, zum anderen, weil der Berufungskläger um diese fehlende Ko mpetenz des Nachtschichtleiters ge- wusst habe. Ob vorliegend von Beharrlichkeit im Sinne d er Rechtsprechung gesprochen wer- den könne aufgrund der zusätzlichen drei - oder nach Arg umentation des Berufungsklägers zwei - zusätzlichen freien Tagen, sei für die Beurteilung irrelevant. Entscheidend sei, dass be- reits beim ursprünglichen Ferienantrag dem Berufungsklä ger unzweideutig beschieden worden sei, dass eine zusätzliche vierte Ferienwoche aus betriebl ichen und personellen Gründen nicht möglich sei und er zwingend am 24. Januar 2018 wieder zu r Arbeit anzutreten habe. Diese Vorgeschichte und die unbestrittene Mitteilung des Nacht schichtleiters C.____, der Berufungs- kläger habe sich unbedingt bei seinem direkten Vorgesetzt en zu melden, um sich die zusätzli- chen freien Tage bewilligen zu lassen, könne nicht an ders als eine konkrete Weisung des Ar- beitgebers interpretiert werden, der Berufungskläger habe in jedem Fall am 24. Januar 2018 zur Arbeit zu erscheinen. Der Berufungskläger habe offensich tlich gegen eine konkrete Weisung des Arbeitgebers verstossen. Damit sei unbeachtlich, ob nun ein Bezug von zwei, drei oder mehr freien Tagen zur Debatte gestanden habe. Die fristlose Entlassung als „ultima ratio“ könne nur anhand des konkreten Einzelfalls beurteilt werden. V orliegend habe sich der Berufungsklä- ger zusätzliche ihm ursprünglich nicht bewilligte Ferient age genommen, dies unter Vorspiege- lung falscher Tatsachen und unter Vortäuschung erfundene r Gründe. Diese dreiste Vorge- hensweise müsse es dem Arbeitgeber ermöglichen, einen sich offensichtlich um sämtliche Wei- sungen des Arbeitgebers foutierenden Angestellten auch ohne Verwarnung fristlos zu entlas- sen. Nicht zuletzt deshalb, weil jede andere Vorgehensweise auch innerbetrieblich fatale Signa- le ausstrahlen könnte. Damit sei eine normale Kündigun g oder eine disziplinarische Massnah- me nicht mehr zumutbar gewesen. Die fristlose Kündigu ng sei deshalb im Sinne der Erwägun- gen der Vorinstanz als gerechtfertigt einzustufen. 5.1 Bei der Prüfung, ob die fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch die Berufungs- beklagte am 29. Januar 2018 gerechtfertigt war, ist ei ne Gesamtbeurteilung aller im Zusam- menhang mit der Kündigung verbundenen Umstände des Ei nzelfalls vorzunehmen. Ausgangs- lage bildet dabei die Begründung der Kündigung durch die Berufungsbeklagte, zumal sie die Beweislast für das Vorliegen eines wichtigen Grundes nac h Art. 337 OR trägt. Im Kündigungs- schreiben vom 29. Januar 2018 wird vorgebracht, nach Ablauf des Urlaubs am 23. Januar 2018 habe der Berufungskläger seinen Vorgesetzten persönlich in Kenntnis gesetzt, dass ihm wäh- rend des Urlaubes Gegenstände gestohlen worden seien. De r Berufungskläger habe um einen weiteren Urlaubstag am 24. Januar 2018 gebeten, um d ie nötigsten Formalien zu erledigen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sein Vorgesetzter habe ihm deutlich mitgeteilt, dass e r sich nochmals bei D.____, Lagerleiter, oder E.____, Logistikleiter, habe melden sollen, um die Angelegenheit zu besprechen. Seit dem 24. Januar 2018 habe er sich nicht mehr gemeldet und s ei nicht zur Arbeit erschienen. Unter diesen Umständen sei eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr zumutbar gewesen. Seit seiner Anstellung sei er einige Male wegen Missachtung der Vorsc hriften verwarnt worden und es sei- en ihm immer wieder neue Chancen zur Verbesserung geboten worden. Die Berufungsbeklagte führt im Kündigungsschreiben und im vorinstanzlichen Verfa hren nicht weiter aus, welche Vor- schriften er dabei missachtet haben soll und wann sich di ese Verfehlungen ereignet haben sol- len. Unbestritten ist, dass der Berufungskläger bis zum Vor fall, der zur fristlosen Auflösung des Arbeitsverhältnisses geführt hat, stets pünktlich zur Arbei t erschienen ist und seine Arbeit grundsätzlich korrekt erledigt hat. Aus den Akten und in sbesondere aus den Partei- und Zeu- genbefragungen durch den vorinstanzlichen Richter ergibt sich, dass der Berufungskläger seit geraumer Zeit mit Alkoholproblemen zu kämpfen hat. Au fgrund dieses Alkoholproblems wurde der Berufungskläger am 23. September 2009 und am 4. M ärz 2014 schriftlich verwarnt. Wäh- rend dem Berufungskläger in der Verwarnung vom 23. Sep tember 2009 zusätzlich eine falsche Zeiteintragung auf den Monatsrapporten vorgeworfen w urde, soll es gemäss der schriftlichen Verwarnung vom 4. März 2014 zu zwei weiteren mündlichen Verwarnungen im Zusammenhang mit dem Alkoholproblem gekommen sein. Als Kündigungsgru nd bringt die Berufungsbeklagte der entgegen den Weisungen des Arbeitgebers getätigte mehrtägige zusätzliche Ferienbezug vom 24. bis 26. Januar 2018 vor. Damit wird dem Beruf ungskläger ein unentschuldigtes Nicht- erscheinen am Arbeitsplatz vorgeworfen. Vor diesem Vorf all, der zur Kündigung geführt hat, gab es keine Verwarnung zufolge eines unentschuldigten N ichterscheinens am Arbeitsplatz oder einer Arbeitsverweigerung. Demnach ist davon auszuge hen, dass der Berufungskläger vom 24. bis 26. Januar 2018 erstmals seit seiner Anstellun g im Februar 2007 nicht wie von der Berufungsbeklagten erwartet zur Arbeit erschienen ist. 5.2 Einigkeit besteht darüber, dass der Berufungskläger b ei der Berufungsbeklagten ur- sprünglich um vier Ferienwochen für den Januar 2018 er sucht hatte. Die Berufungsbeklagte bewilligte drei Ferienwochen bis und mit dem 23. Januar 2018. Erstellt ist im Weiteren, dass der Berufungskläger am Abend des 23. Januar 2018 bei seinem direkten Vorgesetzten, dem Nachtschichtleiter C.____, um zusätzliche Ferientage ersuc ht hatte. Als Grund für den Bezug von weiteren Ferientagen hatte der Berufungskläger geg enüber dem Nachtschichtleiter eine Notsituation geschildert, die sich im Nachhinein - zuminde st teilweise - als falsch herausstellte. Der Berufungskläger gab damals an, er sei im Urlaub b estohlen worden und sein Pass, Geld sowie Mobiltelefon seien abhandengekommen. Mit Eingab e vom 10. Dezember 2018 präzisier- te der Berufungskläger im vorinstanzlichen Verfahren, dass ihm zwei Mobiltelefone sowie Bar- geld gestohlen worden seien. In der Verhandlung vom 3 0. Januar 2018 verneinte der Beru- fungskläger auf Anfrage des Gerichtspräsidenten, dass ihm der Pass gestohlen worden sei. Somit hatte der Berufungskläger am 23. Januar 2018 d em Nachtschichtleiter falsche Angaben gemacht. Darauf ist später zurückzukommen. Jedenfalls be stätigte C.____ im Rahmen der Zeugenbefragung vom 30. Januar 2019, dem Berufungskläg er am 23. Januar 2018 für den 24. Januar 2018 frei gegeben zu haben. Bei seiner Bef ragung gab C.____ zu Protokoll: „Ich habe ihm den Dienst für den nächsten Tag erlassen, das ist richtig.“ Somit ist festzuhalten, dass Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Berufungskläger für den Mittwoch, 24. Januar 2018, ein arbeitsfreier Tag bewilligt worden war. 5.3 Unklar bleibt hingegen, ob der Nachtschichtleiter dem Berufungskläger auch den Dienst für den 25. und 26. Januar 2018 erlassen hatte, wie der Berufungskläger verstanden haben will. Die bezüglich des Vorliegens eines wichtigen Grundes b eweisbelastete Berufungsbeklagte bringt diesbezüglich vor, C.____ sei gar nicht befugt gewesen, Ferien- oder Freitage zu bewilli- gen, was der Berufungskläger gewusst habe bzw. hätte wisse n müssen. Der Berufungskläger bestreitet dies und gibt an, bei seinem zusätzlichen Fer iengesuch wie üblich vorgegangen zu sein. Die Vorinstanz erwog in ihrem Entscheid vom 30. Jan uar 2019, gemäss den Zeugenaus- sagen hätten Arbeitnehmer der Berufungsbeklagten ihre Feriengesuche zwar an den direkten Vorgesetzten zu richten. Die Gesuche würden durch diese geprüft, dann jedoch an die höheren Vorgesetzten weitergeleitet. Erst mit Eintragung durch die Personalabteilung würden Ferienge- suche genehmigt. Von diesem Vorgang hätten alle Mitar beiter Kenntnis. Auch dem Berufungs- kläger hätte dies aufgrund seiner langjährigen Tätigk eit bei der Beklagten bekannt gewesen sein müssen. Nach Ansicht der Dreierkammer des Kantonsgerich ts Basel-Landschaft ist zwar richtig, dass hinsichtlich des Ablaufs bei Feriengesuchen im Betrieb der Berufungsbeklagten auf die Aussagen der Parteien und Zeugen abzustellen ist, d a weder ein Reglement zum Bezug von Ferien und Freitagen vorliegt noch im Einzelarbeit svertrag zwischen den Parteien eine ent- sprechende Regelung enthalten ist. Die Vorinstanz schilde rt im angefochtenen Entscheid den generellen Vorgang zum Bezug von Ferien oder Freitage n im Betrieb der Berufungsbeklagten. Fraglich ist, ob diese Gesuche vom direkten Vorgesetzten bewilligt und von den höheren Vor- gesetzten bzw. von der Personalabteilung zur Kenntnis ge nommen werden, oder ob der defini- tive Entscheid über die Gesuche bei den höheren Vorges etzten bzw. der Personalabteilung liegt. Den Aussagen der Parteien und der Zeugen kann keine eindeutige Antwort zu dieser Fra- ge entnommen werden. Sie kann vorliegend offen gelass en werden, denn im konkreten Fall gab der Zeuge C.____, Nachtschichtleiter und damit di rekter Vorgesetzter des Berufungsklä- gers, bei seiner Befragung klar zu Protokoll, dass er de m Berufungskläger den Dienst für den 24. Januar 2018 erlassen hatte. Zudem gab er an, die h öheren Vorgesetzten diesbezüglich per E-Mail zu informieren. Anlässlich der vorinstanzlichen Zeugenbefragung bestätigte F.____, Per- sonalleiterin bei der Berufungsbeklagten, dass C.____ de r direkte Vorgesetzte des Berufungs- klägers war. Dasselbe ergibt sich auch ausdrücklich aus der h ier im Streit liegenden Kündigung vom 29. Januar 2018. Der Nachtschichtleiter erachtete sich als befugt, einem ihm unterstellten Lageristen Urlaubs- bzw. Freitage zu bewilligen, was di e Aussage des Zeugen E.____ relati- viert, dass Urlaubsgesuche in der Regel mit dem entspr echenden Formular gestellt würden. Demzufolge kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Nac htschichtleiter dem Berufungs- kläger im konkreten Fall nicht nur für Mittwoch, 24. Jan uar 2018, sondern auch für den 25. und 26. Januar 2018 Ferien- oder Freitage bewilligt habe n könnte. Dass der Nachtschichtleiter mit der Bewilligung von Ferien- oder Freitagen allenfall s seine Kompetenzen überschritten hat, kann nicht zu Ungunsten des Berufungsklägers ausgelegt werden. 5.4 Bei der Prüfung, ob dem Berufungskläger zusätzlich der 25. und 26. Januar 2018 als freie Tage bewilligt worden sind, ist entscheidend, auf welche Frage des Berufungsklägers hin der Nachtschichtleiter mit „OK. Ich mache D.____ und E.____ ein Email, dass Du nicht kommst.“ Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht geantwortet hat. Während der Berufungskläger vorbringt , ein Gesuch um drei zusätzliche Feri- entage gestellt zu haben, gibt der Nachtschichtleiter d emgegenüber an, dass dieser zunächst nur einen zusätzlichen Tag frei haben wollte. Nachdem e r dem Berufungskläger für Mittwoch, 24. Januar 2018, frei gegeben und gesagt hatte, er we rde D.____ und E.____ hierüber per E-Mail informieren, habe der Berufungskläger geantwor tet, er komme vielleicht die ganze Wo- che nicht. Daraufhin habe der Nachtschichtleiter mitget eilt, er könne es für die ganze Woche nicht sagen und der Berufungskläger müsse anrufen und fragen, ob er frei machen könne. Der Berufungskläger, welcher gemäss Aussage von C.____ am Abe nd des 23. Januar 2018 nicht nüchtern gewesen sein soll, streitet ab, vom Nachtschichtleiter aufgefordert worden zu sein, die höheren Vorgesetzten am 24. Januar 2018 telefonisch kon taktieren zu müssen. Die Aussagen der weiteren Zeugen und des Geschäftsführers G.____ ei gnen sich nur bedingt, um dieses all- fällige Missverständnis zwischen dem Berufungskläger und dem Nachtschichtleiter klären zu können, da sie teilweise widersprüchliche Angaben zur Sach e beinhalten und am 23. Januar 2018 nicht direkt mit dem Vorfall involviert waren. Si e können lediglich wiedergeben, was ihnen von Zeuge C.____ oder von einer anderen Person indirek t erzählt worden ist. Insbesondere ist die Zeugenaussage von D.____, Lagerleiter bei der Be rufungsbeklagten, mit Vorsicht zu würdi- gen, da er einerseits von einem dem Berufungskläger be willigten Urlaub von 2,5 Wochen bis zum 16. Januar 2018 und damit offensichtlich von einer falschen Zeitangabe spricht. Anderer- seits führte er aus, von C.____ keine E-Mail erhalten z u haben, sondern von diesem am Mon- tagabend, 23. Januar 2018, telefonisch über das zusätzliche Feriengesuch informiert worden zu sein. Es bleibt somit unklar, ob der Nachtschichtleiter de m Berufungskläger auch den 25. und 26. Januar 2018 als zusätzliche Ferientage bewilligt hat oder ob allenfalls ein Missverständnis zwischen ihnen vorlag. Dieser Unklarheit muss jedoch nicht weiter nachgegangen werden, weil sie für die Beurteilung der fristlosen Entlassung aus nach folgenden Gründen nicht entscheid- relevant ist. 5.5 Der von der Berufungsbeklagten geltend gemachte Kündig ungsgrund des eigenmächti- gen Ferienbezugs durch den Berufungskläger ist nach der L ehre und Rechtsprechung dann als wichtiger Grund für eine fristlose Entlassung anzusehen, wenn sich die Absenz über eine länge- re Dauer erstreckt hat oder ihr eine klare Aufforderun g durch den Arbeitgeber vorausgegangen ist, am Arbeitsplatz anwesend zu sein. Im hier zu beurteil enden Fall ist die Absenz des Beru- fungsklägers von zwei Tagen weder von längerer Dauer no ch ist ihr eine ausdrückliche und klare Aufforderung durch die Berufungsbeklagte vorausge gangen, am Arbeitsplatz anwesend zu sein. Der Berufungskläger bestreitet, am 23. Januar 2 018 von seinem Nachtschichtleiter an- gewiesen worden zu sein, sein zusätzliches Feriengesuch tel efonisch den höheren Vorgesetz- ten zu melden. Wie bereits in der vorstehenden Erwägung erläutert, gelingt es der beweisbelas- teten Berufungsbeklagten nicht, das Gegenteil nachzuwe isen. Entgegen der Berufungsbeklag- ten ist der Berufungskläger mit seinem Ersuchen um Verlän gerung der Ferien nicht auf sein ursprüngliches Gesuch von vier Ferienwochen zurückgekommen. Er hat somit die ihm ur- sprünglich verweigerte Ferienwoche auch nicht eigenmächt ig bezogen. Denn der Berufungs- kläger ist rechtzeitig von seinem Urlaub in Kenia zurückge reist, so dass er an und für sich am 24. Januar 2018 wieder hätte zur Arbeit erscheinen können. Aufgrund des vom Berufungskläger vorgebrachten und vom Zeugen H.____ bestätigten Diebs tahls in Kenia ersuchte der Beru- fungskläger nach seiner Rückkehr in die Schweiz und vor Wi ederaufnahme der Arbeit rechtzei- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht tig um zusätzliche Ferientage. Bei der Anfrage des Ber ufungsklägers um Bezug von weiteren Ferientagen vom 23. Januar 2018 handelt es sich demnach um ein neues Feriengesuch. Über dieses Gesuch hatte die Berufungsbeklagte frühestens am 23. Januar 2018 neu zu entscheiden und dabei die neue Ausgangslage wie die Dringlichkeit des Feriengesuchs, das konkrete Ar- beitsvolumen am 25. und 26. Januar 2018 sowie die Anzahl der an diesen Tagen zur Verfügung stehenden Mitarbeitern zu berücksichtigen. Mit der Bewil ligung des neuen Feriengesuchs zu- mindest für den 24. Januar 2018 war die ursprüngliche Weisung der Berufungsbeklagten, ab dem 24. Januar 2018 wieder zur Arbeit zu erscheinen, fü r den Berufungskläger nicht mehr bin- dend und er durfte sich darauf verlassen, dass der Nachtsch ichtleiter das zusätzliche Ferienge- such per E-Mail an die höheren Vorgesetzten melden würde. Daran ändert nichts, dass der Be- rufungskläger - wie sich nach der Kündigung herausgestellt hat - den zusätzlichen Ferienbezug mit unwahren Angaben begründete, zumal bezüglich des Vorliegens eines wichtigen Grundes respektive des Zustands des Vertrauensverhältnisses zum Arbeitnehmer der Wissensstand des Arbeitgebers im Zeitpunkt der Kündigung massgebend ist. 5.6 Ein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung kann auch darin liegen, dass das unent- schuldigte Fernbleiben des Arbeitnehmers beharrlich gewe sen ist und der Arbeitgeber zuvor eine Verwarnung unter klarer Androhung der fristlosen Entlassung ausgesprochen hat. Vorlie- gend kann das Nichterscheinen des Berufungsklägers am Arbei tsplatz vom 25. und 26. Januar 2018 weder aufgrund der Dauer von zwei Tagen noch zuf olge eines allenfalls bewussten Verstosses gegen eine Weisung des Arbeitgebers als beharrli ch im Sinne der Rechtsprechung bezeichnet werden. Zudem ist der Absenz des Berufungskläg ers keine Verwarnung unter An- drohung der fristlosen Entlassung durch die Berufungsbe klagte vorausgegangen. Sofern also dem Berufungskläger für den 25. und 26. Januar 2018 kei ne Ferien- oder Freitage bewilligt worden sind, ist im Ergebnis festzuhalten, dass die Absenz des Berufungsklägers an diesen beiden Tagen in Anlehnung an die bisherige bundesge richtliche Rechtsprechung nicht als be- harrliche Arbeitsverweigerung bzw. als beharrliches Nichte rscheinen qualifiziert werden kann. Ein unentschuldigtes längeres Fernbleiben und die Ver letzung einer klaren Aufforderung des Arbeitgebers, am Arbeitsplatz anwesend zu sein, liegen ebenfalls nicht vor. Folglich ist das Nichterscheinen des Berufungsklägers am 25. und 26. Januar 2018 für sich allein kein wichtiger Grund, der die Vertrauensgrundlage zwischen den Partei en derart erschüttern konnte, dass eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für die Berufungsbeklagte nicht mehr zumutbar war. 5.7 Im Rahmen der Gesamtwürdigung aller Umstände, die mit der fristlosen Kündigung ver- bunden sind, ist im Übrigen zu berücksichtigen, dass der B erufungskläger im Zeitpunkt der Kündigung 58 Jahre alt war und seit Februar 2007 im Dienst der Berufungsbeklagten stand. Als Lagerist hatte der Berufungskläger eine eher untergeor dnete Verantwortung im Betrieb inne. Die Kündigungsfrist betrug zwei Monate und ist angesich ts der Dauer des Arbeitsverhältnisses als kurz zu bezeichnen. Der Berufungskläger hatte zwar Alkoh olprobleme, welche zuletzt im März 2014 zu einer schriftlichen Verwarnung führten. Ei n danach erfolgter Arbeitseinsatz unter Einfluss von Alkohol ist nicht bekannt. Die Berufungsbekla gte bestätigte, dass der Berufungs- kläger stets pünktlich zur Arbeit erschien und seine Arbei t grundsätzlich korrekt erledigte. Die dreitägige Absenz des Berufungsklägers vom 24. bis 26. Ja nuar 2018 war der erste Vorfall die- ser Art und hatte keine ernsthaften negativen Auswirkun gen auf das Geschäft der Berufungs- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht beklagten zur Folge. Jedenfalls hat die Berufungsbeklag te im Verfahren keine solchen negati- ven Auswirkungen geltend gemacht. Insbesondere hat sie wed er behauptet, dass eine Ersatz- kraft für den ferngebliebenen Berufungskläger habe gesu cht werden müssen noch dass durch das Fernbleiben des Berufungsklägers eine Umsatzeinbusse en tstanden sei. Gestützt darauf und in Nachachtung des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit hätte sich die Berufungsbeklag- te für eine mildere Massnahme wie beispielsweise eine V erwarnung, eine andere disziplinari- sche Massnahme oder allenfalls eine ordentliche Kündigu ng entscheiden müssen. Die fristlose Kündigung vom 29. Januar 2018 erfolgte ohne Vorliegen eines wichtigen Grundes nach Art. 337 OR, weshalb der angefochtene Entscheid der Vo rinstanz vom 30. Januar 2019 aufzu- heben ist. 6. Entlässt der Arbeitgeber den Arbeitnehmer fristlos ohne wichtigen Grund, so hat dieser nach Art. 337c Abs. 1 OR Anspruch auf Ersatz dessen, wa s er verdient hätte, wenn das Ar- beitsverhältnis unter Einhaltung der Kündigungsfrist o der durch Ablauf der bestimmten Ver- tragszeit beendigt worden wäre. Dabei muss sich der Arbe itnehmer anrechnen lassen, was er infolge der Beendigung des Arbeitsverhältnisses erspart h at und was er durch anderweitige Arbeit verdient oder zu verdienen absichtlich unterlassen hat (Art. 337c Abs. 2 OR). Darüber hinaus bestimmt Art. 337c Abs. 3 OR, dass der Richter den Arbeitgeber verpflichten kann, dem Arbeitnehmer eine Entschädigung von bis zu sechs Monatslö hne zu bezahlen, die er nach frei- em Ermessen unter Würdigung aller Umstände festlegt. I m angefochtenen Entscheid hat die Vorinstanz das Vorliegen eines wichtigen Grundes nach Ar t. 337 OR bejaht, weshalb sie sich konsequenterweise nicht mit den Folgen einer ungerech tfertigten fristloser Entlassung des Be- rufungsklägers auseinandergesetzt hat. Die Dreierkammer d es Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, gelangt indessen zu ei nem anderen Ergebnis und verneint ei- nen wichtigen Grund für eine gerechtfertigte fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses zwi- schen den Parteien. In Gutheissung der Berufung ist der angefochtene Entscheid vom 30. Ja- nuar 2019 aufzuheben und der Fall an die Vorinstanz zur Beurteilung der vom Berufungskläger geltend gemachten finanziellen Ansprüche zurückzuweisen. 7.1 Abschliessend ist über die Verlegung der im Berufungsve rfahren entstandenen Kosten zu befinden. In diesem Zusammenhang ist zum einen das Gesuch des Berufungsklägers um un- entgeltliche Rechtspflege nach Art. 117 ff. ZPO zu b ehandeln. Gemäss Bestätigung vom 20. Mai 2019 wird der Berufungskläger seit September 2018 von der Sozialhilfebehörde der Ge- meinde Reinach unterstützt. Der Berufungskläger ist offe nsichtlich bedürftig im Sinne der kon- stanten kantonalen Rechtsprechung zu Art. 117 Abs. 1 ZPO. Im Weiteren sind seine gestellten Rechtsbegehren nicht aussichtslos und er ist zur gerichtlic hen Geltendmachung seiner Ansprü- che auf einen Rechtsbeistand angewiesen. Ihm ist daher die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokat Roman Baumgartner als Rechtsbeistand zu bewilligen. 7.2 Hinsichtlich der Verteilung und Liquidation der Proze sskosten für das Berufungsverfahren sind zum anderen die Prozesskosten nach dem Verfahrensausg ang der unterliegenden Partei aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die unterliegende Berufungsbeklagte hat somit für die Pro- zesskosten des Berufungsverfahrens aufzukommen. Da dem Verf ahren eine Streitigkeit aus einem Arbeitsverhältnis mit einem Streitwert von wenig er als CHF 30‘000.00 zu Grunde liegt, sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 114 lit. c Z PO). Antragsgemäss hat die Berufungs- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht beklagte allerdings eine Parteientschädigung an den Ber ufungskläger auszurichten. In der Ho- norarnote des Rechtsvertreters des Berufungsklägers, Advo kat Roman Baumgartner, vom 20. Mai 2019 wird eine Entschädigung für das kantonsge richtliche Verfahren von insgesamt CHF 4‘494.05 beantragt, bestehend aus einem Grundhonorar von CHF 4‘126.75, Auslagen von CHF 46.00 und der Mehrwertsteuerabgabe von 7,7 %. Die se geltend gemachte streitwertab- hängige Parteientschädigung entspricht den anzuwendende n Bestimmungen der kantonalen Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (§§ 7, 10, 16 und 17 der Tarifordnung, SGS 178.112) und ist in Anbetracht des Streitwerts von CHF 29‘285.50 nicht zu beanstanden. Die Berufungsbeklagte ist daher zu verpflichten, dem Berufu ngskläger für das Rechtsmittelverfah- ren eine Parteientschädigung von CHF 4‘494.05 zu bezahlen. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird gutgeheissen und es wird fe stgestellt, dass die fristlo- se Kündigung der Berufungsbeklagten vom 29. Januar 2018 nicht ge- rechtfertigt war. Demzufolge wird der Entscheid des Zivi lkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 30. Januar 2019 aufgehoben. Die Sache wird zur Beurteilung der finanziellen Folgen der ungerechtfer tigten frist- losen Kündigung an das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft We st zu- rückgewiesen. 2. Dem Berufungskläger wird die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokat Roman Baumgartner als Rechtsbeistand bewilligt. 3. Für das vorliegende Berufungsverfahren wird keine Entscheidgebü hr erhoben. Die Berufungsbeklagte hat dem Berufungskläger für das B erufungsver- fahren eine Parteientschädigung von CHF 4‘494.05 (inkl. Auslagen von CHF 46.00 und inkl. 7,7 % MWST von CHF 321.30) zu bezahlen. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiber Giuseppe Di Marco