<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt zu prüfen, ob es möglich wäre, ein System des direkten Zugangs zur Physiotherapie einzuführen. Zu prüfen sind insbesondere die Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung. Zudem soll er in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Physiotherapie Verband Physioswiss nach dem Vorbild anderer Länder ein oder mehrere Pilotprojekte vorschlagen, anhand derer die Möglichkeiten der interdisziplinären Zusammenarbeit, die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten und die Auswirkungen dieses Systems auf die Gesundheitskosten geprüft werden können.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Schweizer Bevölkerung hat bereits heute die Möglichkeit, Physiotherapeutinnen und -therapeuten ohne ärztliche Überweisung aufzusuchen, allerdings auf eigene Rechnung. Die Sozialversicherungen in der Schweiz (obligatorische Unfallversicherung, UV, bzw. obligatorische Krankenpflegeversicherung, OKP) übernehmen die Kosten der Physiotherapie nur, wenn diese auf ärztliche Anordnung hin erfolgt. Die UV arbeitet nach dem Grundsatz der Schadens-Wiedergutmachung; der Fallführung durch Versicherungsärzte kommt dabei eine grosse Bedeutung zu. Die OKP ist eine reine Kostenrückerstattungsversicherung mit möglichst geringen Eingriffen in das Angebot, die Art und die Menge der Leistungen. Im ambulanten Bereich kommen zudem mehrheitlich Einzelleistungstarife zur Anwendung. Dieses System basiert auf dem Diagnose- und Anordnungsmonopol der Ärzte und Ärztinnen. Ausnahmen bestehen nur in speziellen Bereichen (Leistungen der Hebammen während der normalen Schwangerschaft und Geburt, Leistungen der Chiropraktorinnen und Chiropraktoren für ein eng umschriebenes Tätigkeitsgebiet). Die im Postulat genannten Gesundheitssysteme in anderen Ländern sind (mit Ausnahme der Niederlande) staatliche Gesundheitssysteme oder Systeme mit starker zentraler Steuerung bzw. Globalbudgets. In den Niederlanden bezahlt die Grundversicherung zwar physiotherapeutische Leistungen ohne ärztliche Anordnung, allerdings nur bei chronischen Krankheiten. Zudem müssen die Versicherten die ersten zehn Behandlungen selber bezahlen.</p><p>Eine generelle Erleichterung des Zugangs zur Physiotherapie im System der Sozialversicherungen ist nach Ansicht des Bundesrates nicht geeignet, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Berufsgruppen im Interesse der Optimierung der Behandlung zu verbessern. Es kann aber zu erheblichen Mehrkosten ohne gesundheitlichen Mehrwert führen. Eine Aufwertung der Zusammenarbeit wird bereits in zahlreichen Innovations- und Vernetzungsprojekten z. B. im Rahmen von besonderen Versicherungsmodellen angestrebt. Diese Bestrebungen sind zu unterstützen, um so die optimale Behandlung der Versicherten zu sichern und zu fördern. Auf eine Vervielfältigung der direkt mit der Versicherung abrechnenden Fachpersonen ist demgegenüber zu verzichten.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.