<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 83 S.383</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">383</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>83 Jahressteuer; mehrere Kapitalzahlungen aus beruflicher Vorsorge</b></span><br/> <span class="ft2"><b>2. Säule im gleichen Jahr (§ 45 Abs. 2 StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Mehrere im gleichen Jahr ausgerichtete Kapitalzahlungen aus berufli-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>cher Vorsorge 2. Säule sind zusammenzurechnen, sofern die Steuer-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>behörde im Zeitpunkt der Vornahme der Veranlagung von allen im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>massgebenden Jahr ausgerichteten Kapitalleistungen Kenntnis hatte</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bzw. hätte Kenntnis haben müssen; Nachbesteuerung einer nicht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>berücksichtigten Kapitalzahlung nur unter den Voraussetzungen von</b></span><br/> <span class="ft2"><b>§ 206 ff. StG.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">17. Februar 2005 in Sachen R. + I.H., RV.2004.50292/K 9152</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">384</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Der Rekurrent hat am 5. Juli 2002 von der BVG-Stiftung der</span><br/> <span class="ft1">B. AG zwecks Wohneigentumsförderung aus 2. Säule eine Kapital-</span><br/> <span class="ft1">leistung von Fr. 100'000.-- erhalten. Der Rekurrentin wurde von der</span><br/> <span class="ft1">betrieblichen Altersvorsorgeeinrichtung (BAV) G. A. aus gleichem</span><br/> <span class="ft1">Grund am 28. August 2002 eine Kapitalleistung von Fr. 50'000.--</span><br/> <span class="ft1">ausgerichtet. Aufgrund der bei der Vorinstanz im Dezember 2002</span><br/> <span class="ft1">eingegangenen "Meldung über Vorbezüge für Wohneigentumsförde-</span><br/> <span class="ft1">rung" der BVA G. erhob die Vorinstanz mit der provisorischen</span><br/> <span class="ft1">Steuerrechnung vom 7. Februar 2003 auf Fr. 50'000.-- eine geson-</span><br/> <span class="ft1">derte Jahressteuer zu 40 % des Tarifs B. Diese Steuer wurde mit der</span><br/> <span class="ft1">definitiven Veranlagung vom 26. Juni 2003 bestätigt. Diese Veranla-</span><br/> <span class="ft1">gung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Aufgrund der am</span><br/> <span class="ft1">12. Mai 2004 eingegangenen "Meldung über Vorbezüge für Wohnei-</span><br/> <span class="ft1">gentumsförderung" der BVG-Stiftung der B. AG über Fr. 100'000.--</span><br/> <span class="ft1">erliess die Vorinstanz am 3. Juni 2004 eine definitive (Korrek-</span><br/> <span class="ft1">tur-)Verfügung über Fr. 150'000.--. Die Rekurrenten beantragen sinn-</span><br/> <span class="ft1">gemäss, es sei die Korrektur-Verfügung aufzuheben, weil sie beide</span><br/> <span class="ft1">Kapitalleistungen korrekt in der Ende März 2003 eingereichten</span><br/> <span class="ft1">Steuererklärung 2002 deklariert hätten, so dass keine neue Tatsache</span><br/> <span class="ft1">vorliege, welche eine Revision der Veranlagung vom 26. Juni 2003</span><br/> <span class="ft1">erlaube.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Kapitalzahlungen aus beruflicher Vorsorge 2. Säule unter-</span><br/> <span class="ft1">liegen einer getrennt vom übrigen Einkommen berechneten Jahres-</span><br/> <span class="ft1">steuer zu 40 % des Tarifs (§ 45 Abs. 1 lit. a StG). Sämtliche im glei-</span><br/> <span class="ft1">chen Jahr ausgerichteten Kapitalzahlungen an allein stehende oder</span><br/> <span class="ft1">gemeinsam steuerpflichtige Personen nach Absatz 1 lit. a, b und d</span><br/> <span class="ft1">sowie nach Absatz 4 sind zusammen zu versteuern (§ 45 Abs. 2 StG).</span><br/> <span class="ft1">b) Nach Auffassung von P. Locher kann eine von mehreren im</span><br/> <span class="ft1">gleichen Jahr angefallenen Kapitalleistungen, welche aus Versehen</span><br/> <span class="ft1">nicht in die Jahressteuer einbezogen wurde, grundsätzlich nur</span><br/> <span class="ft1">nachbesteuert werden, wenn die Voraussetzungen der Nachsteuer</span><br/> <span class="ft1">erfüllt sind (Kommentar zum DBG, I. Teil, Therwil/Basel 2001, Art.</span><br/> <span class="ft1">48 DBG N 3). Diese Meinung vertritt (wohl) auch die Steuerrekurs-</span><br/> <span class="ft1">kommission I des Kantons Zürich, sofern eine Gesetzesbestimmung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">385</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(und nicht nur wie im Kanton Zürich eine für die Steuerjustizbehör-</span><br/> <span class="ft1">den unverbindliche Dienstanleitung) besteht, welche das Steuerob-</span><br/> <span class="ft1">jekt als Summe aller im gleichen Jahr zugeflossenen Kapitalbeträge</span><br/> <span class="ft1">der nämlichen Art definiert (vgl. Zürcher Steuerpraxis 1999 S. 312</span><br/> <span class="ft1">ff.). Dem ist nach Ansicht des Steuerrekursgerichts zuzustimmen, so-</span><br/> <span class="ft1">fern die Steuerbehörde im Zeitpunkt der Vornahme der Veranlagung</span><br/> <span class="ft1">von allen im massgebenden Jahr ausgerichteten Kapitalleistungen</span><br/> <span class="ft1">Kenntnis hatte bzw. wie im vorliegenden Fall aufgrund der Ende</span><br/> <span class="ft1">März 2003 eingereichten Steuererklärung 2002 (auch wenn die</span><br/> <span class="ft1">ordentliche Veranlagung 2002 aufgrund einer ausstehenden Grund-</span><br/> <span class="ft1">stückschätzung noch nicht vorgenommen werden konnte) hätte</span><br/> <span class="ft1">Kenntnis haben müssen. Wenn die Vorinstanz Zweifel an der</span><br/> <span class="ft1">Richtigkeit der deklarierten Kapitalzahlung von Fr. 100'000.-- gehabt</span><br/> <span class="ft1">hätte, weil die Meldung der BVG-Stiftung der B. AG erst am 12. Mai</span><br/> <span class="ft1">2004 eingegangen ist, hätte sie mit der Vornahme der Veranlagung</span><br/> <span class="ft1">zuwarten oder vorgängig entsprechende Abklärungen treffen müssen.</span><br/> <span class="ft1">Die Auffassung des Rechtsdienstes des KStA, § 45 StG erfordere</span><br/> <span class="ft1">nicht, dass die Kapitalzahlungen desselben Jahres in einer Veranla-</span><br/> <span class="ft1">gungsverfügung besteuert werden, kann unter den vorliegenden Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen nicht geteilt werden. Die Zusammenrechnung von im glei-</span><br/> <span class="ft1">chen Jahr ausgerichteten Kapitalzahlungen gemäss § 45 Abs. 2 StG</span><br/> <span class="ft1">lässt sich mit der Zusammenrechnung der Einkommen und Vermö-</span><br/> <span class="ft1">gen von Verheirateten, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter</span><br/> <span class="ft1">Ehe leben, gemäss § 21 Abs. 1 StG vergleichen. Wenn das deklarierte</span><br/> <span class="ft1">Erwerbseinkommen des einen Ehegatten bei der Veranlagung aus ir-</span><br/> <span class="ft1">gendwelchen Gründen nicht berücksichtigt wird, kann dieses auch</span><br/> <span class="ft1">nur noch unter den Voraussetzungen von § 206 ff. StG nachbesteuert</span><br/> <span class="ft1">werden. Auch in diesem Fall beschlägt die Rechtskraft der Veranla-</span><br/> <span class="ft1">gung alle von einem Ehepaar im massgeblichen Jahr erzielten und</span><br/> <span class="ft1">deklarierten Erwerbseinkünfte und nicht nur die der Veranlagung</span><br/> <span class="ft1">zugrundeliegenden. Anders wäre zu entscheiden, wenn in § 45 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">StG, wie dies im bis Ende 2000 geltenden § 35 Abs. 4 aStG der Fall</span><br/> <span class="ft1">war, ausdrücklich die Revision (besser: Korrektur) der früher vorge-</span><br/> <span class="ft1">nommenen Veranlagung vorgesehen wäre. Der im Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">Aargauer Steuergesetz, 2. Auflage, vertretenen Auffassung, dass</span><br/> <span class="ft1">separat vorgenommene Veranlagungen trotz der in § 45 Abs. 2 StG</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">386</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nicht mehr ausdrücklich erwähnten Revision zu revidieren seien</span><br/> <span class="ft1">(§ 201 StG N 23), erscheint zumindest unter den vorliegenden Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen, wo die Kapitalzahlungen den Steuerbehörden bekannt sein</span><br/> <span class="ft1">mussten, als nicht zutreffend. Wenn der Gesetzgeber die ausserge-</span><br/> <span class="ft1">wöhnliche Revisionsmöglichkeit (so VGE vom 27. März 2001 in Sa-</span><br/> <span class="ft1">chen R. + E. R.) gemäss § 35 Abs. 4 aStG hätte beibehalten wollen,</span><br/> <span class="ft1">so hätte er dies im § 45 StG (wie im Entwurf vom 21. Mai 1997 zur</span><br/> <span class="ft1">1. Beratung sowie im Entwurf vom 19. August 1998 zur 2. Beratung</span><br/> <span class="ft1">im damaligen § 44 Abs. 5 StG und im § 45 Abs. 3 StG in der in den</span><br/> <span class="ft1">Vorlagen zur aargauischen Volksabstimmung aufgeführten Fassung</span><br/> <span class="ft1">betreffend Kapitalzahlungen aus steuerbaren Lebensversicherungen</span><br/> <span class="ft1">im Sinne von § 29 lit. a Ziff. 2 [aufgehoben durch Dekret über die</span><br/> <span class="ft1">Teilrevision des Steuergesetzes vom 7. September 1999]) ausdrück-</span><br/> <span class="ft1">lich erwähnen müssen, wie das in § 267 Abs. 4 StG betreffend</span><br/> <span class="ft1">Kapitalzahlungen aus Kapitalversicherungen mit Einmalprämie der</span><br/> <span class="ft1">Fall ist ("...Mehrere solche Kapitalzahlungen sind zusammen und</span><br/> <span class="ft1">zum Gesamtsatz zu besteuern, falls sie innert 5 Jahren ausgerichtet</span><br/> <span class="ft1">werden. Früher vorgenommene Veranlagungen sind zu revidie-</span><br/> <span class="ft1">ren....").</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>