B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2778/2017 U r t e i l v o m 11 . J u n i 2 0 2 0 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Yanick Felley, Richterin Daniela Brüschweiler, Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), und deren Kinder, C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), Afghanistan, alle vertreten durch lic. iur. Semsettin Bastimar, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 11. April 2017 / N (…). D-2778/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden verliessen ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im (…) 2008 und gelangten – unter anderem und mit teilweise län- geren Aufenthalten – über den Iran und die Türkei im Jahr 2014 nach Grie- chenland. A.a Daraufhin reiste die Beschwerdeführerin B._______ (nachfolgend: Be- schwerdeführerin) alleine per Flugzeug und Taxi und mit falschen Ausweis- papieren über Italien in die Schweiz, wo sie am 16. November 2014 ein Asylgesuch stellte. Die Beschwerdeführerin wurde am 24. November 2014 summarisch befragt und am 16. Juli 2015 einlässlich zu ihren Asylgründen angehört. Zur Begründung ihres Asylgesuchs und zu ihrem persönlichen Hintergrund machte sie im Wesentlichen geltend, sie sei afghanische Staatsangehö- rige, gehöre zur Ethnie der Sayed und stamme aus F._______, wo sie ge- boren und aufgewachsen sei und ihre ganze Familie auch heute noch lebe. Sie sei nie zur Schule gegangen und ihr familiäres Umfeld sei sehr konser- vativ. Ihr Vater sei drogenabhängig und ihre Mutter und ihre Schwester hät- ten den Lebensunterhalt der Familie durch das Knüpfen von Teppichen be- stritten. Im Alter von (…) Jahren sei sie gegen ihren Willen für 10‘000 Dollar als Drittfrau an einen (…)-jährigen Kommandanten namens G._______ verkauft und mit ihm religiös verheiratet worden. Nach der Heirat habe sie bei der Familie des Ehemanns gewohnt, der sie vergewaltigt habe, und dessen ganze Familie sie habe bekochen müssen. Sie sei mehrmals von den beiden ersten Frauen des Kommandanten und dessen Sohn misshan- delt worden und habe am ganzen Kö rper Verbrennungen und Verbrühun- gen erlitten. Als sie nach (…) Monaten von ihrer Mutter und ihrem Bruder zur Pflege ihrer Verletzungen in ein Spital und schliesslich für einige Tage in ihr Elternhaus verbracht worden sei, habe ihre Mutter ihr zur Flucht mi t dem Beschwerdeführer – einem im Iran aufgewachsenen Verwandten, der vor der Hochzeit erfolglos um ihre Hand angehalten hatte – verholfen. Sie seien im (…) über H._______ in den Iran gereist, wo sie während (…) Jah- ren gelebt hätten. Dann hätten sie jedoch von Verwandten erfahren, dass ihr vormaliger Ehemann und ihr Bruder sie im Iran gesucht hätten, um we- gen der Ehrverletzung Rache zu nehmen. In der Folge sei sie zusammen mit ihrem Mann in die Türkei gegangen, wo sie während (…) Jahren gelebt D-2778/2017 Seite 3 hätten. Schliesslich sei der Beschwerdeführer in der Türkei von ihrem an- deren Bruder mit einem Messer angegriffen und verletzt worden. Daraufhin seien sie mit dem Boot nach Griechenland ausgereist. Zur Stützung ihrer Vorbringen legte sie drei Fotos ihrer Hochzeit mit dem Kommandanten, eine in I._______ ausgestellte und auf sie und den Be- schwerdeführer lautende Hochzeitsbescheinigung sowie verschiedene das erstgeborene Kind betreffende Dokumente (Geburtsurkunde, Impfaus- weis, Spitalbericht aus dem Iran) ins Recht. A.b Der Beschwerdeführer A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) hielt sich mit dem im Jahr (…) geborenen Kind C._______ während einiger Monate in Griechenland auf, bevor sie zu Fuss und mit dem Zug über Ma- zedonien, Serbien, Ungarn und Österreich am 8. Juni 2015 in die Schweiz gelangten, wo sie am darauffolgenden Tag ebenfalls ein Asylgesuch stell- ten. Er wurde am 22. Juni 2015 summarisch befragt und am 13. Februar 2017 vertieft zu seinen Asylgründen angehört. Zur gemeinsamen Geschichte i m Nachgang der Flucht aus Afghanistan machte er weitgehend dieselben Angaben. Auf allfällige Widersprüche oder Ungereimtheiten wird – soweit entscheidrelevant – im Rahmen der ent- sprechenden Erwägungen ein gegangen. Zu seine n persönlichen Flucht- gründen brachte er zudem vor, er sei afghanischer Staatsbürger tadschiki- scher Ethnie und im Iran als Kind afghanischer Flüchtlinge geboren und aufgewachsen. Sein in der Partei (…) aktiver Vater sei im Jahr (…) nach Afghanistan zurückgekehrt, wo er schliesslich aufgrund seiner politischen Aktivität im Jahr (…) von den Taliban getötet worden sei. Er sei – weil er nach einem Stadtwechsel keine gültigen iranischen Papiere mehr gehabt habe und von den Behörden erwischt worden sei – im (…) 2006 nach Af- ghanistan deportiert wor den. Dort habe er kaum jemanden gekannt, sei aber in F._______ beim Bruder der Beschwerdeführerin – der selber meh- rere Jahre im Iran gearbeitet und während dieser Zeit bei seiner Familie gewohnt habe – untergekommen. Am Wochenende sei er oft bei der Fami- lie der Beschwerdeführerin zu Gast gewesen. Nach ungefähr eineinhalb Jahren Aufenthalts sei er schliesslich mit der Beschwerdeführerin geflohen. Er reichte eine ebenfalls in I._______ ausgestellte afghanische Nationali- tätenbescheinigung, einen IKRK -Gefangenenausweis betreffend seinen Vater (Kopie), eine Mitgliederbestätigung der Partei (...), vier Fotos seines Vaters und Bruders zusammen mit dem Parteiführer der obengenannten Bewegung, zwei Hochzeitsfotos der Ehefrau, ein Foto eines im Jahr (…) in D-2778/2017 Seite 4 H._______ getöteten Cousins sowie eine diese Tötung betreffende CD zu den Akten. B. Am (…) wurde D._______ in der Schweiz geboren. C. Mit Schreiben vom 20. Februar 2017 benachrichtigte das SEM die zustän- dige kantonale Migrationsbehörde, die Dossiers der Beschwerdeführerin und des inzwischen geborenen Kindes würden aufgehoben und mit dem Dossier des Beschwerdeführers zusammengelegt. D. Mit Verfügung vom 11. April 2017 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh- renden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, l ehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Gleichzeitig wurde deren Vollzug jedoch wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben. E. Mit Eingabe vom 15. Mai 2017 erhoben die Beschwerdeführenden – han- delnd durch ihren Rechtsvertreter – gegen den Entscheid des SEM Be- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten zur Hauptsa- che die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur neuen Abklärung und Feststellung des asylrelevanten Sachver- halts sowie zur Neubeurteilung. Eventualiter seien die Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei die Flüchtlingsei- genschaft und daraus folgend die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzu- ges festzustellen und ihnen die vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge zu ge- währen. In formeller Hinsicht sei in die Aktenstücke B16/3 und A17/2 sowie in alle von ihnen zuhanden der Vorinstanz eingereichten Beweismittel Ein- sicht zu gewähren und eine angemessene Frist zur Beschwerdeergänzung anzusetzen. Zuletzt ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung und Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit aArt. 110a AsylG (SR 142.31) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden einen auf sie lautenden Leistungsentscheid der sozialen Dienste der Stadt J._______ zu den Akten. D-2778/2017 Seite 5 F. Mit Zwischenverfügung vo m 23. Mai 2017 stellte die Instruktionsrichterin fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, hiess die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung gut, ordnete den rubrizierten Rechtsvertr eter als amtlichen Rechtsbeistand bei und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ferner wies sie das Akteneinsichtsgesuch betreffend die Aktenstücke B16/3 und A17/2 (recte: B17/2) ab, wobei sie gleichzeitig das Gesuch um Akteneinsicht in die von den Beschwerdeführenden einge- reichten Beweismittel guthiess und die Vorinstanz anwies, die entspre- chende Akteneinsicht zu gewähren. Den Beschwerdeführenden wurde – ab gewährter Akteneinsicht – eine Frist zur Beschwerdeergänzung ge- setzt. G. Mit Eingabe vom 9. Juni 2017 reichten die Beschwerdeführenden eine Be- schwerdeergänzung zu den Akten. Der Beschwerdeergänzung lagen zwei Fotos der Hochzeit der Beschwer- deführerin im Original, eine Schnellrecherche der Schweizerischen Flücht- lingshilfe (nachfolgend: SFH) zum Thema Blutrache und Blutfehde vom 7. Juni 2017 sowie eine Kostennote bei. H. Mit Verfügung vom 12. Juni 2017 wurde das SEM eingeladen, sich zu den Beschwerdevorbringen vernehmen zu lassen. I. Mit Eingabe vom 14. Juni 2017 reichte das SEM seine Vernehmlassung zu den Akten, wobei es auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwies, an denen vollumfänglich festgehalten werde. Zu den auf Beschwerdeebene eingereichten Fotos bemerkte das SEM, diese würden zwar die Heirat der Beschwerdeführerin belegen, nicht je- doch die Identität des Bräutigams oder den Zeitpunkt und die Örtlichkeit der Hochzeit. Es könne sich daher auch um die Hochzeit mit dem Be- schwerdeführer handeln. Folglich vermöchten die Fotos die Unglaubhaf- tigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführenden nicht zu widerlegen. J. Mit Verfügung vom 16. Juni 2017 erhielten die Beschwerdeführenden Ge- legenheit, eine Replik zu den Akten zu reichen. D-2778/2017 Seite 6 K. Mit Eingabe vom 30. Juni 2017 reichten die Beschwerdeführenden ein wei- teres Beweismittel – einen Haftbefehl der Sicherheitsbehörde der Provinz K._______ im Duplikat samt deutscher Übersetzung – zu den Akten. L. Mit Eingabe vom 13. Juli 2017 reichten die Besc hwerdeführenden zwei weitere Beweismittel – eine iranische Impfkarte sowie ein iranisches Schul- zeugnis des Beschwerdeführers, beide ohne Übersetzung – zu den Akten. M. Am (…) wurde E._______ in der Schweiz geboren. N. Mit Eingabe vom 22. August 2018 erkundigte sich der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden nach dem Verfahrensstand und de m Zeithorizont der Verfahrensbehandlung. Ferner teilte er dem Gericht mit, dass er inzwi- schen über das Anwaltspatent verfüge, wobei er um entsprechende Be- rücksichtigung im Rahmen der Berechnung der Parteientschädigung res- pektive des amtlichen Honorars ersuchte. O. Mit Eingabe vom 30. August 2018 reichten die Beschwerdeführenden die Kopie der Anzeige des Beschwerdeführers beziehungsweise des polizeili- chen Berichts der Polizei de r Gemeinde L._______/M._______ ein, wel- cher vom ehemaligen Vermieter N._______ auf die Bitte des Beschwerde- führers besorgt worden sei. Dieses Beweismittel belege dessen Aussagen betreffend seine Verletzung durch ein Messer seines Schwagers O._______. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM. Dabei entschei- det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel- chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). D-2778/2017 Seite 7 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ä nde- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.3 Das während des hängigen Beschwerdeverfahrens geborene Kind E._______ ist in das Beschwerdeverfahren seiner Eltern miteinzubezie- hen. 1.4 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Die vorliegende Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen die Ableh- nung der Asylgesuche, die Feststellung der Vorinstanz, die Beschwerde- führenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, sowie die Anordnung der Wegweisung. Die Frage des Vollzugs der Wegweisung bildet damit nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens. 4. 4.1 Die Beschwerdeführenden haben verschiedene verfahrensrechtliche Be- gehren gestellt, die vorab zu behandeln sind. So wird gerügt, trotz entspre- chender Hinweise der Hilfswerksvertretung sei nicht berücksichtigt worden, dass die Anhörung der Beschwerdeführerin sehr kurz vor der Geburt derer Tochter stattgefunden habe. Ebenfalls ausser Acht gelassen worden sei die Tatsache, dass seit der Flucht der Beschwerdeführenden im Zeitpunkt der Anhörungen mehr als (…) Jahre vergangen seien. Auch liege zu viel Zeit – 19 Monate – zwischen der Befragung und der Anhörung des Beschwerde- führers. Überdies sei die Aktenführung der Vorinstanz mangelhaft, indem verschiedene Beweismittel nicht im Aktenverzeichnis aufgeführt worden seien, und die Vorinstanz habe nicht vollständige Akteneinsicht gewährt. Da es sich dabei um gravierende Verletzungen des rechtlichen Gehörs D-2778/2017 Seite 8 handle, sei die angefochtene Verfügung aufzu heben und die Sache zur Feststellung des asylrelevanten Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 4.2 Nachdem das Akteneinsichtsgesuch mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2017 behandelt wurde, ist darauf nicht weiter einzugehen. Auch die Aufnahme der Beweismittel im Aktenverzeichnis ist inzwischen erfolgt. Be- treffend den Vorwurf, es sei nicht berücksichtigt worden, dass die Be- schwerdeführerin zum Zeitpunkt der Anh örung hochschwanger gewesen sei, ist festzuhalten, dass dem Anhörungsprotokoll zu entnehmen ist, dass dieser Umstand sehr wohl berücksichtigt wurde. Die Beschwerdeführerin gab an, dass die Durchführung der Anhörung kein Problem sei (vgl. vo- rinstanzliche Akten act. A18 F7). Es lassen sich weder aus dem besagten Protokoll noch aus dem Entscheid des SEM Hinweise darauf entnehmen, dieser Umstand sei nicht berücksichtigt worden oder die Beschwerdefüh- rerin habe sei in irgend einer Art in eingeschränkt gewesen . Dasselbe gilt für den Zeitablauf. Dieser ist bei der Glaubhaftigkeitsprüf ung zu berück- sichtigen, vermag aber keine Rückweisung an die Vorinstanz zu begrün- den. Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefoch- tene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der entspre chende Antrag um Rückweisung an das SEM ist daher abzuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Grün- den ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen D-2778/2017 Seite 9 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte d as SEM im Wesentlichen aus, dass das Vorbringen der Beschwerdeführerin, in Afghanistan zwangs- verheiratet worden und daraufhin mit dem Beschwerdeführer geflüchtet zu sein, als konstruiert und daher unglaubhaft beurteilt werde. Die Beschwer- deführenden hätten sich zur Art und Weise des Heiratsantrags, zum Schmieden der Fluchtpläne sowie zum Ablauf der Flucht widersprüchlich geäussert. Zudem seien die Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend den Besuch ihrer Mutter und ihres Bruders in sich widersprüchlich. Weitere Widersprüche würden sich sodann aus den Erzählungen über den Aufent- halt im Iran ergeben. Die zahlreichen Widersprüche würden ausserdem durch realitätsferne Punkte in den Aussagen der Beschwerdeführenden unterstrichen. Es sei nicht logisch, dass die Beschwerdeführerin verschie- dene Ereignisse beschreibe, bei welchen sie nicht anwesend gewesen sei. Etwas realitätsfern und merkwürdig erscheine auch die vorgebrachte Für- sorge des Bruders der Beschwerdeführerin. Der Vorfall in M._______, bei welchem der Beschwerdeführer von seinem Schwager mit einem Messer niedergestochen worden sei, wirke ebenfalls konstruiert und wenig glaub- haft. Im Weiteren sei auch die Beschreibung der Hochzeit stereotyp und wenig detailliert ausgefallen. Es würden sich keine Realkennzeichen oder besondere Details darin finden lassen, die darauf hinweisen würden, dass die Beschwerdeführerin das Erzählte auch tatsächlich erlebt habe. Die ein- gereichten Fotos der angeblichen Hochzeit vermöchten die zahlreich auf- geführten Unglaubhaftigkeitselemente nicht aufzuheben. Insgesamt seien die Vorbringen im Zusammenhang mit der Zwangsheirat mangels Glaub- haftigkeit nicht auf deren Asylrelevanz zu überprüfen. Betreffend das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er aufgrund der Vergangenheit seines Vaters von den Taliban bedroht werde, wurde ausgeführt, dass dieses als asylirrelevant zu beurteilen sei, zumal Perso- nen mit einer innerstaatlichen Fluchtalternative nicht auf den Schutz eines Drittstaates angewiesen seien. Mit dem prob lemlosen Aufenthalt in F._______ habe der Beschwerdeführer bewiesen, dass er den Schutz der Schweiz nicht bedürfe. 6.2 In der Beschwerde wurde dieser Einschätzung im Wesentlichen entge- gengehalten, die Verweise der Vorinstanz auf Fragen und Antworten seien D-2778/2017 Seite 10 nicht ganz zutreffend und beträfen andere Themen oder Sachverhaltsteile, was ein Indiz für eine unsorgfältige und mit Vorurteilen belastete Arbeit sei. Ferner wurde die Glaubhaftigkeitsprüfung der Vorinstanz in Frage gestellt. Hinsichtlich der angeführten Wid ersprüche wurde unter anderem ausge- führt, es sei nicht berücksichtigt worden, dass die Beschwerdeführerin bei der Anhörung hochschwanger gewesen und das erwähnte Ereignis fast über (…) Jahre her sei. Insbesondere die unterschiedliche Wahrnehmung der Flucht sei ein starkes Indiz dafür, dass es sich bei der dargestellten Flucht um keine konstruierte beziehungsweise abgesprochene Geschichte handle. Das SEM habe bei seiner Beurteilung die sozio -kulturellen Fakto- ren völlig ausser Acht gelassen. Entgegen der Behauptung des SEM, dass die Beschwerdeführerin den Eindruck vermittelt habe, das Geschilderte nicht selbst erlebt zu haben, habe die Hilfswerkvertreterin in ihrer Notiz festgehalten, die Beschwerdeführerin habe in ihrem Vorbringen sehr glaub- haft (recte: glaub würdig) gewirkt, was durch ihre Mimik oft unterstrichen worden sei. 6.3 Mit ihrer Beschwerdeergänzung reichten die Beschwerdeführenden weitere Hochzeitsfotos nach und trugen vor, dass in der afghanischen Ge- sellschaft eine sehr klare Geschlechtertrennung herrsche. Bei Hochzeiten würden Frauen und Männer getrennt feiern. Es sei undenkbar beziehungs- weise unvorstellbar, dass sich ein männlicher Familienangehöriger, wie der Vater, mit der Braut so abbilden lasse, als ob er der Bräutigam wäre. Blut- rache könne auch nach Jahren oder Jahrzenten ausgeübt werden. Staatli- che Institutionen würden keinen Schutz davor bieten. Die vorinstanzliche Behauptung, dass die Verfolgung der Familie des Beschwerdeführers lokal beschränkt sei, treffe nicht zu. Damals habe niemand von sei nem Aufent- halt in F._______ gewusst. 6.4 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, dass die Fotos der Hoch- zeit der Beschwerdeführerin zwar belegen würden, dass sie geheiratet habe, jedoch nicht wen, wann und wo. Es könnte sich daher auch um ihre Hochzeit mit dem Beschwerdeführer handeln, weshalb die Fotos die Un- glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen nicht zu widerlegen vermöchten. 6.5 In ihrer Replik führten die Beschwerdeführenden aus, das ins Recht gelegte Duplikat des Haftbefehls der Sicherheitsbehörde der Provin z K._______, das der Cousin des Beschwerdeführers mit Hilfe der Mutter der Beschwerdeführerin besorgt und in die Schweiz geschickt habe, stelle ein offizielles Dokument dar und belege ihre Flucht. D-2778/2017 Seite 11 7. 7.1 Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge- gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerische n Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftigkeit eines Verfol- gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanzi- ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilde rung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tat- sächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Origi- nalität, hinreichende Präzision und innere Üb ereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, wi- dersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdig- keit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person sprechen. Glaub- haft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven E lemente über- wiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge- brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 7.2 Nach Prüfung der Akten kann sich das Bundesverwaltungsgericht den vorinstanzlichen Ausführungen zur Unglaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführenden zwar nur teilweise anschliessen, kommt aber im Er- gebnis zum gleichen Resultat. 7.3 Zwar erachtet das Bundesverwaltungsgericht die Beschreibung der ersten Hochzeit der Beschwerdeführerin entgegen der Ansicht des SEM nicht als stereotyp und wenig detailliert. Zugegebenermassen hat die Be- schwerdeführerin nicht ausführlich über die Heirat mit ihrem ersten Ehe- mann berichtet (vgl. act. A18 F50-55), jedoch wurde sie von der Vorinstanz diesbezüglich auch nicht konkreter befragt. Ihr Aussageverhalten ist denn auch nicht erstaunlich, da in Berücksichtigung der kulturellen Gegebenhei- ten die Frauen in Afghanistan in dieser Hinsicht oft kein Mitspracherecht haben (vgl. unten E. 8.2). Umso ausführlicher kann die Beschwerdeführe-D-2778/2017 Seite 12 rin aber über die Zeit in der Familie ihres Ehemanns erzählen. Sie ber ich- tete anschaulich, wie schwierig das Leben in der neuen Grossfamilie ge- wesen sei, obwohl sie sich eigentlich gewohnt gewesen sei, mit einer Grossfamilie unter einem Dach zu leben. Ferner kann sie im Detail aufzäh- len, wie sich die neue Familie zusammenges etzt habe. Eindrücklich be- schreibt sie ausserdem, wie der erste Monat noch einigermassen gut ge- gangen sei, aber sich die Umstände verschlimmert hätten, nachdem der Kommandant mutmasslich aufgrund von Kampfhandlungen ausser Haus gewesen sei. So hätten kleinste Missgeschicke ihrerseits, wie das falsche Würzen der Speisen, dazu geführt, dass sie von den anderen zwei Ehe- frauen – die ausserdem neidisch auf sie gewesen seien – an den Unterar- men und im Brustbereich verbrannt oder am Fussgelenk verbrüht worden sei. Vom ältesten Sohn des Kommandanten sei sie zudem wiederholt mas- siv verprügelt worden, wenn sie versucht habe, sich gegen die schlechte Behandlung zu wehren (a.a.O. F46, F60, F78 f.). Die Beschwerdeführerin trägt sodann Narben am Körper, die auf diese Misshandlungen hindeuten. Des Weiteren sind die eingereichten Hochzeitsfotos ein weiteres Indiz für die Heirat mit dem um viele Jahre älteren Mann. Denn, wie die Beschwer- deführerin in der Rechtsmitteleingabe ausführt, erscheint es eher unwahr- scheinlich, dass ein anderes männliches Familienmitglied ein Foto mit der Braut macht, auf dem die Braut und der Mann einander einen Ring anste- cken. Das Argument des SEM, die Beschwerdeführerin könne nicht darle- gen, woher sie genau wisse, dass ihre männl ichen Familienmitglieder mit dem Heiratsantrag des Kommandanten sofort einverstanden gewesen seien, erscheint ebenfalls gesucht. Bereits an anderer Stelle im Protokoll erwähnt die Beschwerdeführerin, dass ihr Vater ein Brautgeld von 10‘000 Dollar verlangt habe, welches der Beschwerdeführer nicht habe aufbringen können. Es ist daher naheliegend, dass sie davon ausgehen konnte, dass ihre männlichen Familienmitglieder mit der Heirat einverstanden gewesen seien, nachdem der Kommandant bereit gewesen sei, das verlangte Braut- geld zu bezahlen (a.a.O. F48, F57). 7.4 Allerdings vermögen die Angaben der Beschwerdeführenden zu den weiteren Ereignissen im Heimatland nicht zu überzeugen. So ist der Vo- rinstanz darin beizupflichten, dass die Beschwerdeführenden zu wesentli- chen Punkten unterschiedliche Angaben gemacht haben. Beispielsweise erklärte die Beschwerdeführerin, der Beschwerdeführer habe sie zu Hause abgeholt und sie seien zusammen geflüchtet, während der Beschwerde- führer geltend machte, die Beschwerdeführerin beim Na chtessen vor der Flucht das erste Mal wiedergesehen und dort übernachtet zu haben, wobei die Beschwerdeführerin und deren Mutter ihn geweckt hätten, woraufhin er D-2778/2017 Seite 13 den Schlepper kontaktiert habe. Ferner behauptete die Beschwerdeführe- rin, keine Kleider mitgen ommen zu haben, der Beschwerdeführer aber sagte, seine Schwiegermutter habe ihm eine Tasche mit Kleidern für die Beschwerdeführerin mitgegeben. Schliesslich schilderte die Beschwerde- führerin, ihre Mutter habe die Flucht in Absprache mit dem Beschwerde- führer geplant, während dieser aussagte, er sei erst am Tag der Flucht ge- fragt worden, ob er mit der Beschwerdeführerin flüchten wolle. Auch betref- fend Besuchen der Beschwerdeführerin bei ihrer Familie während der ers- ten Ehe äusserten sich die Beschwerdeführenden widersprüchlich, indem sie aussagte, drei Monate lang keinen Kontakt mit ihrer Familie gehabt zu haben, er jedoch geltend machte, sie sei während dieser drei Monate mehrmals von ihrem Vater und Bruder nach Hause gebracht worden. Auch im Zusammenhang mit ihrem Aufenthalt im Iran fielen die Schilderun- gen der Beschwerdeführenden widersprüchlich aus. So legte die Be- schwerdeführerin dar, sie sei von einem entfernten Verwandten des Be- schwerdeführers darüber informiert worden, dass ihr Bruder und ihr erster Ehemann sie im Iran suchen würden, der Beschwerdeführer aber, seine Mutter habe ihn informiert. Ebenfalls zuzustimmen ist der Vorinstanz darin, dass der Vorfall in Istanbul konstruiert und wenig glaubhaft wirkt. So er- scheint es unwahrscheinlich, dass der Schwager sich zufällig zur gleichen Zeit im gleichen Park aufgehalten haben soll und ihn dann augenblicklich, umrundet von zahlreichen Zeugen, mit einem Messer niedergestochen ha- ben soll. Diesbezüglich widersprach sich der Beschwerdeführer zudem, in- dem er ein mal aussagte, sein Schwager sei in der Folge von der Polizei festgenommen, verurteilt und ausgeschafft worden, später aber angab, nicht zu wissen, ober er tatsächlich verurteilt und ausgeschafft worden sei. Es kann davon ausgegangen werden, dass, hätte sich dieses Ereignis tat- sächlich zugetragen, der Beschwerdeführer sich genau darüber informiert hätte, was mit seinem Schwager geschehen ist, zumal er sich ansonsten weiterhin in Lebensgefahr befunden hätte, schliesslich hielt er sich danach noch zwei Jahre lang in Istanbul auf. Die eingereichten Beweismittel vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Insbesondere das Dokument aus der Türkei kann unter Berück- sichtigung dessen, dass der Beschwerdeführer angegeben hat, es habe keine Unterlagen zur Mess erstecherei gegen (vgl. vorinstanzliche Akten act. B30 F124) nicht überzeugen. 7.5 Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden zu deren Flucht sowie zu den Vorkommnissen in D-2778/2017 Seite 14 Istanbul den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht genügen. Die erste Ehe und die durch die Familie des ersten Ehemannes erlittenen Schi- kanen können der Beschwerdeführerin indessen geglaubt werden. Nicht glaubhaft darzulegen vermochten die Beschwerdeführenden somit, dass sie Afghanistan tatsächlich gegen den Willen des ersten Ehemannes und der Familie der Beschwerdeführerin verlassen haben. Dass die Trennung der Beschwerdeführerin beziehungsweise deren Auszug aus dem Haus- halt ihres ersten Ehemannes unter den dargestellten Umständen stattge- funden hat, erscheint nicht glaubhaft. Es ist somit auch nicht erstellt, dass dies gegen den Willen der Familie der Beschwerdeführerin und ihres ers- ten Ehemannes geschehen ist. Aufgrund der unglaubhaften Aussagen diesbezüglich kann nicht von einer asylrelevanten Verfolgung aufgrund die- ser ersten Ehe ausgegangen werden. 7.6 Schliesslich macht e der Beschwerdeführer zusätzlich geltend, auf- grund der Vergangenheit seines Vaters von den Taliban bedroht zu werden. Diese Vorbringen sind – ebenfalls in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – als nicht asylrelevant zu beurteilen. So konnte er gemäss eigenen Anga- ben während eineinhalb Jahren in Mazar -i-Sharif, wo er über ein breites Familiennetz verfügt, leben, ohne Probleme zu haben. So gab er denn auch selber an, sich weniger aufgrund der Probleme seines Vaters vor ei- ner Rückkehr nach Afghanistan zu fürchten, als aufgrund der Probleme mit seiner Frau. Die von ihm befürchteten Nachteile leiten sich sodann aus lo- kal oder regional beschränkten Verfolgungsmassnahmen ab, welchen er sich durch einen Wegzug in einen anderen Teil des Landes entziehen kann, wie er dies schon einmal mit seinem problemlosen Aufenthalt in Mazar -i- Sharif getan hat. Gemäss dem Subsidiaritätsprinzip sind Personen mit ei- ner innerstaatlichen Fluchtalternative nicht auf en Schutz eines Drittstaates angewiesen. 7.7 Zusammenfassend ist es den Beschwerdeführenden somit nicht gelungen, asylrelevante Fluchtgründe nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat folglich zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). D-2778/2017 Seite 15 8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumu tbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]. 9.2 Nachdem die Beschwerdeführenden von der Vorinstanz infolge Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufgenom- men worden sind, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen weiterer Voll- zugshindernisse (Unzulässigkeit und Unmöglichkeit) heute nicht, da diese alternativer Natur sind: Ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 9.3 Die vom SEM in seiner Verfügung vom 11. April 2017 angeordnete vor- läufige Aufnahme tritt mit dem Erlass des heutigen Urteils formell in Kraft. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt s ich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch d as mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Verfügung vom 23. Mai 2017 gutgeheissen wurde, wer- den keine Verfahrenskosten auferlegt. 11.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde das Gesuch um Beigabe des rubrizierten Re chtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand (Art. 110 a Abs. 1 Bst. A und Abs. 3 AsylG) gutgeheissen. Die Festsetzung des amtli- chen Honorars erfolgt in Anwendung der Art. 8-11 sowie Art. 12 des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor D-2778/2017 Seite 16 dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). Der Rechtsvertre- ter hat zwei Kostennoten zu den Akten gereicht, in der Höhe von gesamt- haft Fr. 3610.25. Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungs- faktoren (Art. 9–13 VGKE) erscheinen die Kostennoten als etwas überhöht und sind deshalb zu kürzen. Dem Rechtsvertreter ist vom Bundesverwal- tungsgericht ein Honorar im Umfang von Fr. 2'778.50 (inkl. Auslagen und MWSt) aus der Gerichtskasse zu entrichten (vgl. Art. 12 und Art. 14 Abs. 2 VGKE). (Dispositiv nächste Seite) D-2778/2017 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem eingesetzten amtlichen Rechtsbeistand wird zu Lasten der Gerichts- kasse eine Entschädigung von Fr. 2'778.50 zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Aglaja Schinzel Versand: