B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2102/2014 U r t e i l v o m 6 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), Kosovo, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl); Verfügung des BFM vom 19. März 2014 / N (…). D-2102/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Im September 1991 reiste der nahezu zweijährige Beschwerdeführer zusammen mit der Mutter im Rahmen des Familiennachzugs zu seinem Vater in die Schweiz ein. Er erhielt eine Aufenthaltsbewilligung. Mit Verfü- gung vom 12. Dezember 1994 verweigerte die Migrationsbehörde des Kantons M._______ die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, nac h- dem der Vater des Beschwerdeführers wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren verurteilt worden war. Der Beschwerdeführer und seine Familie verliessen in der Folge die Schweiz nicht und stellten stattdessen am 22. April 1998 ein Asylgesuch. S ie wurden gestützt auf den Bundesratsbeschluss zur kollektiven Aufnahme von Personen aus der damaligen serbischen Pr o- vinz Kosovo vorläufig aufgenommen. Nach Aufhebung der kollektiven vorläufigen Aufnahme stellte der Beschwerdeführer ein Wiedererw ä- gungsgesuch zwecks Verbleibs in der Schweiz. Mit der in Rechtskraft e r- wachsenen Verfügung vom 15. November 2002 wurde der Beschwerd e- führer zusammen mit seiner Mutter und Geschwistern aus der Schweiz weggewiesen. Gleichzeitig ordnete das BFM wiederum die vorläufige Aufnahme an, da ein Vollzug der Wegweisung in seinen Heimatstaat nicht zumutbar erschien. A.b Mit Urteil des Bezirksgerichts N._______ vom 28. November 2008 wurde der Beschwerdeführer zu 120 Tagessätzen von Fr. 30. – bedingt sowie einer Busse wegen Schreckung der Bevölkerung und Vergehen s gegen das Bundesgesetz über explosionsgefährliche Stoffe verurteilt. A.c Die Staatsanwaltschaft O._______, Kanton P ._______, verurteilte den Beschwerdeführer am 6. Juni 2011 zu 30 Tagessätzen von Fr. 130. – bedingt und einer Busse wegen fahrlässiger Körperverletzung. A.d Mit Schreiben vom 8. August 2012 beantragte die Migrationsbehörde des Kantons P ._______ aufgrund mehrfacher Delinquenz die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers. Am 4. Oktober 2012 teilte das BFM der kantonalen Migrationsbehörde mit, dass eine Aufhebung der vorläufigen Aufnahme aufg rund der langen Anwesenheitsdauer des Beschwerdeführers in der Schweiz trotz der mehrfachen Straffälligkeit nicht verhältnismässig sei. D-2102/2014 Seite 3 A.e Der Beschwerdeführer wurde am 3. September 2013 vom Kanton s- gericht P ._______ zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten und einer am- bulanten Behandlung gemäss Art. 63 StGB wegen Nötigung, einfacher Körperverletzung, Vergehens gegen das Waffengesetz und Widerhan d- lung gegen das Strassenverkehrsgesetz verurteilt. A.f Mit Schreiben vom 24. Januar 2014 beantragte die Migrationsbehörde des Kantons P ._______ aufgrund der erneuten Verurteilung des B e- schwerdeführers beim BFM die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers. A.g Im Rahmen des rechtlichen Gehörs wurde dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 10. Februar 2014 dargelegt, dass das BFM die Aufhe- bung der vorläufigen Aufnahme beabsichtige. Es wurde ihm Gelegenheit zur diesbezüglichen Stellungnahme eingeräumt. Der Beschwerdeführer äusserte sich dazu am 1. März 2014 wie folgt: Er sei kurz nach der Geburt zusammen mit seiner Mutter in die Schweiz ein- gereist und hier mit seinen Geschwistern aufgewachsen. Er sei heute 24 Jahre alt und kenne nichts anderes als die Schweiz. Er gehöre hierhin und sehe seine Zukunft in der Schweiz. Der Entscheid bedrücke ihn sehr. Die Tatsache, dass er die Schweiz verlassen müsse, nehme ihm den Bo- den unter den Füssen weg; er verliere alles. Er sei zurzeit in psychoth e- rapeutischer Behandlung und würde sich gerne weiterhin behandeln las- sen, um so seine psychischen Probleme wegen de s ständig unsicheren Aufenthaltsstatus der vorläufigen Aufnahme zu bewältigen. Seine Familie lebe in der Schweiz und zwei seiner Geschwister seien eingebürgert wo r- den. Er habe im Kosovo kein Zuhause, kein Eigentum und auch keine Wohnung. Er habe mit diesem Land nichts zu tun. Er wolle mit seiner Stellungnahme die Sachlage aus seiner Sicht darlegen, damit das BFM Verständnis habe und seine Perspektive verstehen und berücksichtigen könne. Er bereue seine Fehler zutiefst und falls er die Zeit zurückdrehen könnte, würde er dafür sorgen, dass er nie einen Fehler machen und nie - mandem Schaden zufügen würde. Es sei ihm bewusst , dass eine Haf t- strafe von 24 Monaten schwer wiege, doch sei seine Ausschaffung kont- raproduktiv. Er wisse nicht, wo er hingehen solle, wo er arbeiten und wie er seine Familie vom Kosovo aus besuchen könne. Er habe in der Schweiz eine (…)firma, seine Fr eunde und Bekannten seien hi er und er kenne die Arbeit in der Schweiz. Er wolle die Schweiz nicht verlassen, da ihn das zerstören werde. In den letzten Monaten habe er von seiner Z u-D-2102/2014 Seite 4 kunft in der Schweiz geträumt, wie er nach der Haftentlassung als gerei f- ter Mensch einer Arbeit nachgehen werde. B. Mit Verfügung vom 19. März 2014 – eröffnet am folgenden Tag – hob das BFM die mit Verfügung vom 15. November 2002 angeor dnete vorläufige Aufnahme auf und teilte dem Beschwerdeführer mit, er habe die Schweiz – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – am Tage der Entlassung aus dem Strafvol lzug zu verlassen. Der Kanton P ._______ werde mit dem Vollzug der Wegwe isung beauftragt. Einer al l- fälligen Beschwerde gegen diese Verfügung we rde die aufschiebende Wirkung entzogen. C. Mit Beschwerde vom 16. April 2014 beantragte der Beschwerdeführer sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erw ä- gungen eingegangen. D. Mit Zwischenverfügung vom 30. April 2014 forderte der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts den Beschwerdeführer auf, bis zum 15. Mai 2014 einen Kostenvorschuss von Fr. 600. – zu Gunsten der G e- richtskasse zu überweisen. Der Beschwerdeführer leistete den einverlangten Kostenvorschuss innert Frist. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Ausländerrechts betreffend die vorläufige Aufnahme endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 3 BGG). D-2102/2014 Seite 5 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art . 37 VGG i.V.m. Art. 112 AuG (SR 142.20) und Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). Auf die B e- schwerde ist einzutreten. 1.3 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Gestützt auf Art. 57 Abs. 1 VwVG (e contrario) wurde auf einen Schriftenwechsel verzichtet. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 112 Abs. 1 A uG i.V.m. Art. 49 VwVG). 3. 3.1 Der Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz die am 15. November 2002 verfügte vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 19. März 2014 zu Recht aufgehoben hat. 3.2 Die am 1. Januar 2008 in Kraft getretene übergangsrechtliche B e- stimmung von Art. 126 a Abs. 4 AuG sieht vor, dass für Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung des AsylG vom 16. Dezember 2005 und des AuG den Ersatzstatus der vorläufigen Aufnahme besassen, das neue Recht gilt. Für die Frage der Aufhebung der vorläufigen Au f- nahme ist vorliegend somit Art. 84 Abs. 1–3 AuG anwendbar. 4. 4.1 Das BFM machte zur Begründung seines Entscheids im Wesentlichen geltend, der Aufhebungsgrund von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG setze vo r- aus, dass die betreffende ausländische Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt worden sei. Vorliegend sei der Beschwerdeführer mit Urteil des Kantonsgerichts P ._______ vom 3. September 2013 zu e i- ner Freiheitsstrafe von 24 Monaten und einer ambulanten Behandlung gemäss Art 63 StGB wegen Nötigung, ein facher Körperverletzung, Ve r- gehens gegen das Waffengesetz und Widerhandlung gegen das Stra s-D-2102/2014 Seite 6 senverkehrsgesetz verurteilt worden. Damit seien die Anforderungen von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG vorliegend erfüllt. Dabei sei unerheblich, ob dem Vollzug der Wegweisung allenfalls eine Unzumutbarkeit entgege n- stehe. Indes bleibe zu prüfen, ob eine Aufhebung der vorläufigen Au f- nahme verhältnismässig sei. Gemäss den Akten sei der Beschwerdeführer in den letzten Jahren dre i- mal strafrechtlich verurteilt worden: Das Bezirksgericht N._______ habe ihn am 28. November 2008 zu 120 Tagessätzen von Fr. 30.– bedingt und einer Busse von Fr. 600.– wegen Schreckung der Bevölkerung und Vergehens gegen das Bundesgesetz über explosionsgefährliche Stoffe verurteil t. Der Beschwerdeführer, der zur Tatzeit teilweise noch minderjährig gewesen sei, habe in seiner dama- ligen Schule Fotos gezeigt, die ihn a ls Taliban-Kämpfer mit einem AK-47 Gewehr und einer Pistole gezeigt hätten. Dazu habe er mit einschlägigen Aussagen Gewalt und Terrorismus verherrlicht und Mitschülerinnen impli- zit mit deren Beseitigung gedroht. In einem Kurzgutachten vom 28. Jan u- ar 2008 sei dem Beschwerdeführer vom behandelnden Arzt eine Persö n- lichkeit mit akzentuiert unreifen, narzisstischen, depressiven und diss o- zialen Zügen bei bestehender Selbstwert - und andauernder Integrations- problematik attestiert worden. Die Staatsanwaltschaft O._______ Kanton P ._______ habe den B e- schwerdeführer am 6. Juni 2011 zu 30 Tagessätzen von Fr. 130.– bedingt und einer Busse von Fr. 970. – wegen fahrlässiger Körperverletzung ve r- urteilt. Dem Strafverfahren habe ein Verkehrsunfall mit Verletzungsfolge zugrunde gelegen, bei dem der Beschwerdefü hrer mit überhöhter, dem Strassenzustand nicht angepasster Geschwindigkeit einen Unfall mit Ver- letzungsfolge verursacht habe. Das Kantonsgericht P ._______ habe den Beschwerdeführer am 3. Se p- tember 2013 in zweiter Instanz zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten und einer ambulanten Behandlung gemäss Art. 63 StGB wegen Nötigung, einfacher Körperverletzung, Vergehens gegen das Waffengesetz und Wi- derhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz verurteilt. Der B e- schwerdeführer habe Frau B._______ ab Februar 2012 in zunehmend bedrohlicher Weise nachgestellt, obwohl ihm diese Frau bereits im Januar 2012 mitgeteilt habe, dass sie keine weiteren Kontakte wünsche. Dazu komme, dass der Beschwerdeführer von dieser Frau den Namen e ines Mannes verlangt habe, der ihn angeblich an der Fasnacht im Jahre 2012 D-2102/2014 Seite 7 gewürgt habe. Die stetigen Drohungen, am 9. April 2012 sogar mit einer gespannten Pistole, hätten bei Frau B._______ Angstzustände ausgelöst, die zur Aufgabe ihrer Erwerbstätigkeit, der Inanspruchnahme von psycho- therapeutischer Hilfe sowie zu einer Verlegung des Wohnorts geführt hät- ten. Im Anklagepunkt der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB sei der Beschwerdeführer vom Kantonsgericht freigesprochen wo r- den. Bereits im Fokalgutachten vom 14. Januar 2013 sei dem Beschwerdefüh- rer die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit histrion i- schen und narzisstischen, verdachtsweise auch dissozialen Anteilen ge- stellt worden. In diesem Gutachten sei eine deutliche bis sehr hohe Rück- fallgefahr festgestellt und die Wahrscheinlichkeit eines schweren Gewal t- delikts gegenüber von Frau B._______ aber auch gegenüber Drittpers o- nen als moderat ausgeprägt eingeschätzt worden. Im Urteil des Kantons- gerichts P ._______ vom 13. September 2013 sei zudem eine deliktsorien- tierte Behandlung durch einen forensischen Therapeuten angeordnet worden. Der Zwischenbericht zum Therapieverlauf vom 28. Februar 2014 zeige, dass es dem behandelnden Arzt zwar gelungen sei, eine vertra u- ensvolle therapeut ische Beziehung aufzubauen, doch bagatellisiere der Beschwerdeführer die begangenen Delikte und neige dazu, die Verant- wortung dafür zu externalisieren. Zudem habe er wiederholt Gewaltfanta- sien gegenüber verschiedenen Personen und Institutionen geäussert. Im Bericht werde weiter erwähnt, dass die Rückfallgefahr für Drohungen und Nötigungen nach der Entlassung aus dem Strafvollzug trotz Risikomonito- ring aktuell mindestens als deutlich einzuschätzen sei. Im Fall einer Rück- führung in den Kosovo habe der Beschwerdeführer angekündigt, in die Schweiz zurückkehren zu wollen, um sich zu rächen. Er habe gedroht, dass er immer noch Zugang zu Schusswaffen habe. Aus dem Bericht g e- he weiter hervor, dass das Risiko der Gewaltanwendung gegenüber Frau B._______ sowie Drittpersonen und Behörden als erheblich beurteilt wer- de. Bei dieser Sachlage bestehe bereits ein grosses öffentliches Interesse an der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme und am Vollzug der gegen den Beschwerdeführer ausgesprochenen Wegweisung. Der Vater des Beschwerdeführers habe seit Mitte der 80er Jahre als Sa i- sonnier in der Schweiz gearbeitet und eine Aufenthaltsbewilligung erha l- ten. Im September 1991 sei der Beschwerdeführer mit seiner Mutter in die Schweiz eingereist. Seith er habe er sich immer in der Schweiz au f-D-2102/2014 Seite 8 gehalten. Nachdem seine Aufenthaltsbewilligung nicht mehr verlängert worden sei, habe seine Mutter am 22. April 1998 ein Asylgesuch gestellt und der Beschwerdeführer sei vorläufig aufgenommen worden. Im Jahre 2010 seien der Mutter und den Geschwistern des Beschwerdeführers im Rahmen einer Härtefallreg elung Aufenthaltsbewilligungen erteilt worden. Das Gesuch des Beschwerdeführers um Erteilung einer Aufenthaltsbewil- ligung sei hingegen abgewiesen worden, und es sei bei seiner vorläufigen Aufnahme geblieben. Der Beschwerdeführer habe die obligatorische Schulzeit in der Schweiz erfolgreich beendet und vor Antritt der Haftstrafe den Maturakurs der AKAD in Q._______ besucht. Bis vor kurzem habe er bei seiner Mutter und Ges chwistern gelebt. Es könne nicht von der Hand gewiesen we r- den, dass er sich erfolgreich in das schweizerische Schulsystem habe i n- tegrieren können. Eine gewisse Verwurzelung des Beschwerdeführers in der Schweiz sei, nicht zuletzt über die enge Beziehung zu seiner Familie, sicher vorhanden. Bezüglich seines Bezugs zu seinem ursprünglichen Herkunftsort im heutigen Staat Kosovo könne davon ausgegangen we r- den, dass er dort über Verwandte verfüge. Bei Einreichung seines Asy l- gesuchs im Jahre 1999 habe der Vater de s Beschwerdeführers ausg e- führt, er habe im Kosovo einen Bruder und eine Schwester. Die Mutter des Beschwerdeführers habe im Jahre 1998 zu Protokoll gegeben, ihre Eltern, ein Bruder und zwei Schwestern lebten in R._______ sowie eine Schwester in S._______. Der Vater des Beschwerdeführers sei bereits Mitte der 90er Jahre weggewiesen und seither mehrfach zwangsweise in den Kosovo zurückgeführt worden. Er dürfte im Kosovo über enge Bezi e- hungen zu seinen Verwandten verfügen oder zumindest einen Wohnsitz haben. Der Beschwerdeführer verfüge damit über wichtige Bezugspers o- nen im Kosovo, die ihm bei der Integration in diesem Land behilflich sein könnten. Es sei unbestritten, dass die Integration für den Beschwerdefüh- rer im für ihn unbekannten Kosovo schwierig sein we rde und eine grosse Herausforderung darstelle. Seine gute Schulbildung und einschlägigen handwerklichen Fähigkeiten als (…) würden ihm indessen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Neben seinem verwandtschaftlichen Bezi e- hungsnetz vor Ort könnten ihn a uch die in der Schweiz lebenden Ve r- wandten unterstützen. Aufgrund der ungünstigen Prognose und einer erhöhten Rückfallgefahr für Drohungen und Nötigungen sei eine Verletzung oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG nich t ausz u- schliessen. Die Uneinsichtigkeit des Beschwerdeführers, seine Delikte D-2102/2014 Seite 9 anzuerkennen, sowie seine auch im Strafvollzug ausgesprochenen Dr o- hungen gegenüber Frau B._______, Drittpersonen und Behörden liessen auf ein beträchtliches Gefährdungspotential s chliessen. Aus den vorst e- henden Erwägungen folge, dass das öffentliche Interesse an einer Au f- hebung der vorläufigen Aufnahme und dem anschliessenden Wegwe i- sungsvollzug die entgegenstehenden privaten Interessen des Beschwe r- deführers an einem weiteren Verbleib in der Schweiz überwiege. Die Auf- hebung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers sei deshalb auch verhältnismässig. Offensichtlich hätten auch die hier lebenden Angehörigen dem B e- schwerdeführer in den vergangenen Jahren keinen genügenden Rückhalt geben können, der ihn von wiederholter Begehung von Straftaten hätte abhalten können. Auch sonst seien keine sozialen Bande bekannt oder geltend gemacht worden, deren Auflösung einem Wegweisungsvollzug entgegenstehen könnten. Auch leide der Beschwerdefüh rer unter keinen aktenkundigen gesundheitlichen Problemen. Der Wegweisungsvollzug sei zulässig, zumutbar und möglich, weshalb die vorläufige Aufnahme g e- stützt auf Art. 83 Abs. 7 AuG aufzuheben und die Wegweisung zu vollzi e- hen sei. Schliesslich gehe aus d em Zwischenbericht zum Therapieverlauf vom 26. Februar 2014 hervor, dass beim Beschwerdeführer eine erhöhte Rückfallgefahr drohe. Zudem werde das Risiko von Gewaltanwendung gegenüber Privatpersonen und Behörden weiterhin als erheblich eing e- schätzt. Aus die sem Grund überwiege das öffentliche Interesse der Schweiz am sofortigen Vollzug der Wegweisung gegenüber den persönl i- chen Interessen des Beschwerdeführers, sich bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens in der Schweiz aufhalten zu dürfen, weshalb einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung die aufschiebende Wirkung entzogen werde. 4.2 In seiner Beschwerde vom 16. April 2014 macht der Beschwerdefü h- rer im Wesentlichen geltend, er verstehe nicht, weshalb er als "rückfällig" eingestuft werde, wenn er in einer Psychoth erapie über das sprechen müsse, was ihn umgebe und beschäftige . Wenn er wieder frei wäre, a r- beiten und mit seiner geliebten Familie mehr Zeit verbringen könnte, wü r- den ihn die begangenen Straftaten, Frau B._______ oder sonstige u n- wichtige Themen nicht mehr beschäftigen. Er habe in miserablen Verhält- nissen aufwachsen müssen und keine Lehre machen können. Eine posi- tive Zukunft sei mit seinem Aufenthaltsstatus in der Schweiz verknüpft. D-2102/2014 Seite 10 Demgegenüber sei e ine Ausschaffung in den Kosovo nicht das Richtige für ihn. Er kenne den Kosovo nicht, habe keinen Bezug zu diesem Land, könne dort nicht arbeiten und beherrsche die Landessprache nur mit al l- gemeinen Ausdrücken, habe er doch in der Schule lediglich Deutsch, nicht Albanisch, gelernt. Während der l etzten beiden Jahre im Gefängnis habe er sich finanziell nicht auf die Ausschaffung vorbereiten können, weshalb ihm nun die Mittel für einen Neu beginn fehlten. Es gebe keine Verwandten oder Freu nde im Kosovo, die ihm helfen würden , weil all e Verwandten in der Schweiz lebten, nämlich in T._______ (M._______) und in U._______ (V._______). Seine Mutter und seine beiden Brüder lebten in W._______ und seine Schwester in X._______. Er habe im Ko- sovo kein Haus, keine Wohnung und im Übrigen helfe ihm dort niemand, weil jeder seine eigenen Sorgen habe. Er sei in psychotherapeutischer Behandlung, die er im Kosovo niemals erhalten könne. Ausserdem sei dies die beste Unterstützung, um mit der Vergangenheit abzuschliessen. Sein grösster Stolz, seine Firma (…), sei derzeit stillgelegt, doch könne er die Arbeit wieder aufnehmen, sobald er aus dem Strafvollzug entlassen werde. Der letzte und wichtigste Punkt sei seine hier lebende Familie. Weil seine Geschwister Schweizer seien, werde er dafür kämpfen, sie e t- wa bei besonderen Anlässen besuchen zu können. Wie er in seiner Ste l- lungnahme vom 1. März 2014 bereits erwähnt habe, bereue er seine Feh- ler zutiefst. Er habe sein Denken geändert und werde auch in Zukunft sein Handeln ändern, doch könne er dies nur in der Schweiz beweisen. 5. 5.1 Nach Art. 84 Abs. 3 AuG i.V.m. Art. 83 Abs. 7 AuG kann das BFM die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des Voll- zugs aufheben, wenn die weggewiesene Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe im In- oder Ausland verurteilt wurde (Bst. a erster Teilsatz), wenn gegen sie eine strafrechtliche Massnahme i.S. von Art. 64 oder 61 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) angeordnet wurde (Bst. a zweiter Teilsatz) oder wenn sie e r- heblich oder wiede rholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder äussere Sicherheit gefährdet (Bst. b). Die für die Anordnung einer ausländerrechtlichen Massnahme zuständ i- gen Behör den berücksichtigen bei der Ermessensausübung die öffentl i- chen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer (Art. 96 AuG). D-2102/2014 Seite 11 5.2 Der Ausschlussgrund (Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme) von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG setzt voraus, dass eine Person zu einer länger - fristigen Freiheitsstrafe im In- oder Ausland verurteilt wurde. Das Bundes- gericht hat den Begriff der "längerfristigen Freiheitsstrafe" i.S. von Art. 62 Bst. b AuG (und damit auch den gleichlautenden Begriff von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG) dahingehend konkretisiert, dass darunter im Sinne eines fe s- ten Grenzwertes eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr zu verst e- hen ist (BGE 135 II 377 E. 4.2). Dieser Praxis folgt das Bundesverwa l- tungsgericht im Bereich seiner endgültigen Entscheidkompetenz (vgl. U r- teile des Bundesverwaltungsgerichts D -1972/2009 vom 11. August 2011, E. 4.4, und D -5522/2009 vom 17. November 2011, E. 4.1.1). Unter einer längerfristigen Freiheitsstrafe nach Art. 62 Bst. b AuG (und damit nach Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG) dürfen zudem kürzere Freiheitsstrafen nicht zu- sammengerechnet werden, sondern das Kriterium ist nur erfüllt, wenn e i- ne sich aus einem einzigen Urteil ergebende Strafe die Dauer von einem Jahr überschreitet (vgl. BGE 137 II 297 E. 2.3). 5.3 5.3.1 Der Beschwerdeführer hat seit dem Jahre 2007 immer wieder g e- gen das Strafgesetz verstossen (siehe oben Bst. A.b, A.c und A.e). Dabei fällt insbesondere das Urteil vom 3. September 2013 des Kantonsgerichts P ._______ ins Gewicht. 5.3.2 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht , dass er zu einer längerfrist i- gen Freiheitsstrafe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG verurteilt wu r- de. Ob er auch den Tatbestand von Art. 83 Abs. 7 Bst. b AuG erfüllt, kann offen bleiben, da es sich um alternativ e Voraussetzungen für die Aufh e- bung der vorläufigen Aufnahme handelt. Die Voraussetzungen für eine Aufhebung der vorläufigen Aufnahme ohne Prüfung der Z umutbarkeit sind damit grundsätzlich erfüllt. Zu prüfen bleibt die Verhältnismässigkeit der Massnahme. 5.4 5.4.1 Der Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme respektive deren Aufhebung muss verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 BV; Art. 96 Abs. 1 AuG). Dabei ist das Interesse der Schweiz, den Beschwerdeführer zur Verhinderung von zukünftigen kriminellen Handlungen von der Schweiz fernzuhalten, dessen privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz gegenüber zu stellen. Zu berücksichtigen sind dabei namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens, die seit der Tat verga n- gene Zeit und das Verhalten des Betrof fenen in dieser Periode, der Grad D-2102/2014 Seite 12 seiner Integration, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile. Es ist nicht von einer schematischen Betrachtungsweise auszugehen, sondern auf die gesa m- ten Umstände des Einzelfalls abzustellen (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.3, BGE 134 II 1 E. 2.2 m.w.H.; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-1808/2010 vom 21. September 2010, E. 6.1, und D -5522/2009 vom 17. November 2011, E. 5.1). 5.4.2 Zugunsten des Beschwerdeführers fällt zunächst seine sehr lange Aufenthaltsdauer in der Schweiz ins Gewicht. Der bald 25 -jährige B e- schwerdeführer hält sich seit September 1991, mithin seit 2 3 Jahren in der Schweiz auf. Somit hat er seine gesamte Adoleszenz hier durchlebt und wurde im hiesigen Kulturkreis sozialisiert. Ebenfalls zugunsten des Beschwerdeführers ist zu berücksichtigen, dass seine engere Verwand t- schaft in der Schweiz wohnt. Indessen leben weitere Verwandte im Koso- vo, machte doch der Vater des B eschwerdeführers anlässlich der Befra- gung vom 2. April 1999 zur Person (BzP) geltend, ein Bruder und eine Schwester lebten im Kosovo (B2/9 Ziff. 12 S. 2). Seit vielen Jahren hat auch der Vater des Beschwerdeführers, dessen Aufenthaltsbewilligung nach der V erurteilung zu einer dreijährigen Zuchthausstrafe wegen W i- derhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz nicht verlängert wu r- de, Wohnsitz im Kosovo. Nach dem Gesagten gibt es für den Beschwe r- deführer im Kosovo, entgegen seinen Vorbringen in der Beschwerd e- schrift, eine Reihe von Bezugspersonen, die ihm bei der Integration in den ihm unbekannten Heimatstaat behilflich sein und den noch weitg e- hend fehlenden Bezug zum Kosovo vermitteln können. Der Integration im Kosovo stehen somit keine wesentlichen Hinderniss e entgegen, zumal nicht anzunehmen ist, er "beherrsche die Landessprache nur mit allg e- meinen Ausdrücken", drängt sich doch aufgrund der Akten der Schluss auf, dass in der Familie ausschliesslich Albanisch gesprochen wurde (A2/8 Ziff. 9 S. 2). Der Beschwerd eführer ist nach dem Gesagten zwe i- sprachig aufgewachsen und wird im Heimatstaat keine sprachlichen Ba r- rieren zu überwinden haben. Auch seine Aussichten in Bezug auf eine er- folgreiche berufliche Integration im Heimatstaat stehen gut, zumal er den Akten zufo lge arbeitswillig ist und auch im Heimatstaat eine Nachfrage nach (…)arbeiten besteht. Diesbezüglich hätte er es in der Schweiz zwar etwas einfacher, weil er sich darauf beschränken könnte, die Arbeit in seiner am Markt bereits eingeführte n Firma (…) wieder aufzunehmen , während er demgegenüber im Kosovo eine Firma erst noch gründen s o- wie eine gewisse Aufbauarbeit leisten müsste. Doch handelt es sich dabei nicht um ein kaum überwindbares Hindernis. D-2102/2014 Seite 13 5.4.3 Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer mehrfach rechtskräftig verurteilt ist, namentlich zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe, lässt das öf- fentliche Interesse am Wegweisungsvollzug und somit an der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers per se gewichtig e r- scheinen. Dabei ist darauf zu verweisen, dass wertvolle Rechtsgüter wie die körperliche und psychische Unversehrtheit Dritter betroffen waren und der Beschwerdeführer eine erhebliche Gewaltbereitschaft zeigte, etwa i n- dem er Frau B._______ mit einer Schusswaffe bed rohte, wobei er einer zusätzlichen Verurteilung wegen Gefährdung des Lebens nur deshalb entging, weil nach dem Verständnis der zweiten Instanz ein hinreichender Beweis für die Schussbereitschaft der von ihm benutzten Waffe nicht er- bracht wurde. Der Beschwerdeführer wurde zudem über eine lange Zeit- spanne, nämlich von 2007 bis 2012, immer wieder straffällig und war zum Zeitpunkt der Tatbegehung mit Ausnahme von wenigen vor dem 2. Okt o- ber 2007 begangenen Straftaten volljährig. Zur Entlastung des Beschwerdeführers kann auf das ungünstige väterli- che Vorbild sowie auf die grundsätzlichen Schwierigkeiten des Hera n- wachsens zwischen zwei Kulturen verwiesen werden. Indessen vermag dies die Bedeutung und Schwere der begangenen Delikte nicht entsche i- dend zu relativieren, dies nicht zuletzt weil er diese Straftaten über einen langen Zeitraum und weit über seine Jugendjahre hinaus beging. Die Prognose bezüglich der Gefahr, dass der Beschwerdeführer erneut straffällig wird, fällt zudem, gegenteiligen Beteuerungen in der Beschwe r- deschrift zum Trotz, eher ungünstig aus. Schon das Gutachten (…) vom 14. Januar 2013 geht von einer "deutlichen bis sehr hohen Rückfallgefahr für einschlägige Delikte" aus. Ausserdem erachten die Gutachter die Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer gegenüber von Fr au B._______ oder derjenigen Person, welche ihn an der Fasnacht 2012 tät- lich angegangen hat, ein schweres Gewaltdelikt begeht, als "moderat ausgeprägt". Schliesslich diagnostizierten die Gutachter eine kombinierte Persönlichkeitsstörung und empfahlen zwecks Sen kung des mittel - und langfristigen Rückfallrisikos eine deliktsorientierte therapeutische Mas s- nahme. Wie der Beschwerdeschrift zu entnehmen ist, fand eine solche Therapie statt und wird vom Beschwerdeführer durchaus positiv gewür- digt. Das wäre zugunsten des Beschwerdeführers grundsätzlich positiv zu werten. Indessen vermittelt der Zwischenbericht des behandelnden Ar z- tes vom 28. Februar 2014 zum Therapieverlauf ein etwas differenziert e- res Bild. So konnte sich dieser Therapeut der diagnostischen Beurteilung der Gutachter anschliessen und hielt fest, der Beschwerdeführer habe D-2102/2014 Seite 14 während der Therapiesitzungen bislang vorwiegend narzisstische und zuweilen auch dis soziale Den k- und Verhaltensweisen präsentiert. Eine Persönlichkeitsstörung liege bei ihm sicherlich vor. Bezüglich der Progno- se sei er ebenfalls mit der Einschätzung der Gutachter einverstanden, sowohl hinsichtlich einschlägiger Delinquenz als auch schwerer Gewal t- delikte. Es stelle sich die Frage, ob durch die elf Therapiesitzungen daran etwas habe geändert werden können. Zwar sei es ihm gelungen, eine ausreichend gute therapeutische Be ziehung aufzubauen. I m Falle einer Haftentlassung wäre eine Tagesstruktur gewährleistet , und der B e- schwerdeführer habe glaubhaft versichert, die Therapietermine in der Praxis des Therapeuten regelmässig wahrzunehmen. Auf der anderen Seite sei der Beschwerdeführer bezüglich der begangenen Straftaten nicht geständig und auch nicht einsichtig. Die aktuelle Wahrscheinlichkeit für schwere Gewalthandlungen durch den Beschwerdeführer habe ge- genüber dem Begutachtun gszeitpunkt lediglich leicht vermindert werden können. Die Rückfallgefahr für Drohungen und Nötigungen wäre in Fre i- heit trotz Risikomonitoring aktuell mindestens als deutlich einzuschätzen. In Anbetracht dieser Einschätzung kö nne aus forensisch -psychiatrischer Sicht eine Entlassung des Beschwerdeführers aus dem Strafvollzug an sich nicht empfohlen werden. Allerdings würde auch der verbleibende Strafrest mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen, um eine a n- gemessene Risikosenkung zu erreichen. Dennoch sei die Therapiefähi g- keit des Beschwerdeführers im ambulanten Setting als gegeben zu beu r- teilen. Im Übrigen werde von einer Rückschaffung des Beschwerdefü h- rers aus der Haft in den Kosovo dringend abgeraten, da er für diesen Fall angekündigt habe, in die Schweiz zurückzukehren und sich dann zu r ä- chen. Das Risiko von Gewaltanw endungen gegenüber Fr au B._______, dem "Würger", dem bedrohten Staatsanwalt, den Voll zugsbehörden und auch dem Therapeuten gegenüber sei dann als erhebli ch zu beurteile n. Die vom Therapeuten angesprochene Furcht vor Racheakten nach einer allfälligen Ausschaffung in den Kosovo kann bei der Abwägung zwischen öffentlichem und privatem Interesse nicht entscheidend sein für einen al l- fälligen Verzicht auf den Wegweisungsvollzug. Vielmehr würde in sol- chem Falle das öffentliche Interesse am Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers von vornherein dessen persönlichen Interessen hin t- angestellt, obwohl die vom Beschwerdeführer angedrohte Reaktion auf seine Ausschaffung in den Heimatstaat zum einen seine fortbestehende Gewaltbereitschaft und zum anderen die Bekundung von Reue als blo s- ses Lippenbekenntnis erkennen lässt. Darüber hinaus bestehen erhebli-D-2102/2014 Seite 15 che Zweifel daran, ob er in Zukunft in irgendeiner kritischen Sit uation nicht wieder gewalttätig werden würde. 5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass das öffentliche Interesse am Vollzug der Wegweisung die persönlichen Interessen des Beschwerd e- führers am Verbleib in der Schweiz überwiegt. Die Aufhebung der vorlä u- figen Aufnahme aufgrund der deliktischen Tätigkeiten des Beschwerd e- führers ist somit verhältnismässig. 6. Die vorläufige Aufnahme kann jedoch nur aufgehoben werden, wenn der Wegweisungsvollzug zulässig ist. Dies ergibt sich daraus, dass die Au s- nahme von der Anordnung der vorläufigen Aufnahme nach Art. 83 Abs. 7 AsylG nur die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit und Unmö g- lichkeit betrifft und die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs völke r- rechtliche Pflichten der Schweiz betrifft, die in jedem Fall zu beachten sind. Will das BFM eine zu einem früheren Zeitpunkt verfügte vorläufige Aufnahme wegen Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit aufheben, muss es in jedem Fall die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs prüfen. Erweist sich dieser als unzulässig, ist die vorläufige Aufn ahme (neu aufgrund Un- zulässigkeit) zu belassen. Der Vollzug ist unzulässig, wenn völkerrechtl i- che Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entg e- genstehen. 6.1 Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, der Vollzug seiner Wegweisung verstosse gegen das Recht auf Achtung des Privat - und Familienlebens nach Art. 8 EMRK. 6.2 Art. 8 EMRK garantiert jeder Person ein Recht auf Achtung des Pr i- vat- und Familienlebens. Das Recht gilt nicht absolut, Einschränkungen sind nach Abs. 2 jedoch nur zulässig, soweit sie gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale oder öffentl i- che Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechte r- haltung der Ordnung, zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der G e- sundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten a n- derer notwendig sind. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) betont in se i- ner Rechtsprechung, dass jeder Staat in den Grenzen seiner internati o- nalen Verpflichtungen das Recht habe, die Einreise von Ausländerinnen D-2102/2014 Seite 16 und Ausländern in sein Land und deren Aufenthalt zu kontrollieren. Die EMRK garantiert kein Recht auf Einreise und Verbleib in einem bestim m- ten Land und Mitgliedstaaten der EMRK haben das Recht, im Interesse der Sicherung der öffentlichen Ordnung, Ausländer auszuweisen, die strafrechtlich verurteilt worden sind. Solche Entscheidungen müssen j e- doch mit Art. 8 EMRK vereinbar sein. Ein absoluter Schutz vor Au swei- sung kann aus Art. 8 EMRK nicht abgeleitet werden (EGMR, Üner gegen die Niederlande, Beschwerde-Nr. 46410/99, Urteil vom 18. Oktober 2006, § 54 f.). 6.3 In den Schutzbereich des Rechts auf Achtung des Familienlebens fal- len in erster Linie Beziehungen innerhalb der Kernfamilie (Beziehung zwi- schen Eltern und minderjährigen Kindern und zwischen Ehegatten). In zweiter Linie können auch Beziehungen zu Verwandten ausserhalb der Kernfamilie oder nicht rechtlich begründete familiäre Verhältnisse in den Schutzbereich des Rechts auf Achtung des Familienlebens fall en, wenn zu diesen Personen eine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung besteht. Namentlich das Zusammenleben in einem gemei n- samen Haushalt, eine finanzielle Abhängigkeit, speziell enge famili äre Bande oder die Übernahme von Verantwortung für eine minderjährige Person sind Hinweise auf ein geschütztes Familienleben (vgl. ALBERTO ACHERMANN/MARTINA CARONI, Einfluss der völkerrechtlichen Praxis auf das schweizerische Migrationsrecht, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, N. 6.27). Der Beschwerdeführer ist ledig und hat keine Kinder. Er ist fast 25 Jahre alt, weshalb die Kontakte zu seiner Mutter und seinen Geschwistern nicht als geschützte Beziehungen i.S. von Art. 8 EMRK zu bewerten sind , zu- mal er für die Bewältigung seines Alltags nicht von diesen Personen a b- hängig ist . Der Schutzbereich des Rechts auf Achtung des Familienl e- bens – und damit auch der kombinierte Schutzbereich von Privat - und Familienleben – ist nach Art. 8 EMRK durch die Aufhebung der vorläuf i- gen Aufnahme und den Vollzug der Wegweisung nicht berührt. 6.4 6.4.1 Art. 8 EMRK schützt auch das Recht, Beziehungen mit Personen ausserhalb der Familie und mit der Aussenwelt im Allgemeinen einzug e- hen, zu entwicke ln und zu erhalten; diese Beziehungen können unter Umständen Aspekte der sozialen Identität einer Person darstellen. Die Gesamtheit sozialer Beziehungen zwischen niedergelassenen Auslä n- dern ("settled migrants", "immigrés établis") und der Gemeinschaft, in der D-2102/2014 Seite 17 sie leben, bildet einen Teil des Konzepts des Privatlebens i.S. von Art. 8 EMRK. Unabhängig vom Bestehen eines geschützten Familienlebens im Sinne der Konvention bildet die Ausweisung eines niedergelassenen Aus- länders eine Einschränkung des Rechts auf Achtung des Privatlebens nach Art. 8 EMRK. Solche Einschränkungen sind nur zulässig, wenn sie nach den Bedingungen von Art. 8 Abs. 2 EMRK gerechtfertigt sind, wozu insbesondere die Verhältnismässigkeit der Massnahme gehört (vgl. EGMR, Maslov gegen Österrei ch, Beschwerde -Nr. 1638/03, Urteil vom 23. Juni 2008, § 63 ff.). Zur Beurteilung der Verhältnismässigkeit der Ausweisung eines jungen Erwachsenen, der noch keine eigene Familie gegründet hat, müssen bei der Zulässigkeitsprüfung die folgenden Kriterien ber ücksichtigt werden: die Art und Schwere der begangenen Straftaten, die Dauer der Anwesen- heit des Beschwerdeführers im Land, aus dem er ausgewiesen werden soll, die seit der Begehung der Straftaten vergangene Zeit und sein Be - tragen in dieser Zeit sowie die Stabilität der sozialen, kulturellen und fami- liären Beziehungen mit dem Aufenthaltsland und dem Zielland. Zudem kann das Alter der betroffenen Person in Bezug auf die genannten Krit e- rien eine Rolle spielen, zum Beispiel bei der Beurteilung der Schwere der begangenen Straftaten. Bezüglich der Dauer des Aufenthaltes im Gas t- staat muss einbezogen werden, ob die betroffene Person bereits als Kind oder Jugendlicher einreiste, oder sogar dort geboren wurde, oder ob sie im Erwachsenenalter einreiste. Die besondere Situation von Ausländern, die ihre Kindheit ganz oder grösstenteils im Aufenthaltsland verbracht h a- ben, dort aufgezogen wurden und dort ihre Bildung erhielten, muss geh ö- rig berücksichtigt werden. Zusammengefasst müssen bei niedergelass e- nen Ausländern, die ihre Kindheit und Jugend ganz oder grösstenteils l e- gal im Aufenthaltsstaat verbracht haben, sehr ernsthafte Gründe für eine Ausweisung vorliegen, damit diese gerechtfertigt werden kann (EGMR, Maslov gegen Österreich, a.a.O., § 71 ff.). Das Bundesgericht sieht den Schutzbereich des Rechts auf Achtung des Familienlebens nur berührt, wenn besonders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Bindungen gesellschaftlicher oder b e- ruflicher Natur beziehungsweise entsprechend vertiefte soziale B ezie- hungen zum ausserfamiliären beziehungsweise ausserhäuslichen B e- reich bestehen (BGE 130 II 281 E. 3.2.1). 6.4.2 Der Beschwerdeführer kam im September 1991 – im Alter von etwa zwei Jahren – mit seiner Mutter und Geschwistern in die Schweiz. Sei t-D-2102/2014 Seite 18 her, das heisst seit 23 Jahren, wohnt er in der Schweiz. Seit dem 15. No- vember 2002 ist er in der Schweiz vorläufig aufgenommen. Er hat hier die Schule besucht und sich beruflich zum (…) entwickelt. Ein Teil seiner Fa- milie wohnt in der Schweiz. Er hat seit 1991 nicht mehr im Kosovo gelebt, hat jedoch seinen Vater und diverse Verwandte dort. Damit handelt es sich beim Beschwerdeführer um einen Ausländer der zweiten Generation. In den 2 3 Jahren seines Aufenthalt in der Schweiz hat er sich zwangsläufig bis zu einem gewissen Mass in der Schweiz i n- tegriert, hat er hier doch die entwicklungsmässig wichtigen Jahre als Kind und als Jugendlicher und seine Schulzeit verbracht. Trotz seines sehr langen Aufenthaltes in der Schweiz ist der Beschwerde- führer jedoch nicht als niedergelass ener Ausländer im Sinne der Rech t- sprechung des EGMR zu betrachten. Es wäre ihm durchaus möglich g e- wesen, eine Aufenthaltsbewilligung, eine Niederlassungsbewilligung oder gar das Schweizer Bürgerrecht zu erhalten, was der Umstand zeigt, dass seine Geschwist er Schweizer Staatsangehörige sind . Der Grund, dass der Beschwerdeführer keinen sichereren Aufenthaltsstatus hat, liegt g e- nau darin, dass er seit dem Jahr 2007 immer wieder gegen das Strafrecht verstiess. Unter diesen Umständen würde es im vorliegenden Fal l dem Zweck der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers diametral zuw i- derlaufen, den Aufenthalt des Beschwerdeführers als gefestigt zu qualif i- zieren. Die seit der Begehung der Straftaten vergangene Zeit – nämlich etwas mehr als zwei Jahre (die letzte s trafrechtlich beurteilte Straftat fand am 9. April 2012 statt) – ist angesichts des Erwachsenenalters des B e- schwerdeführers nicht besonders lang und vermag auch angesichts der seitherigen Untersuchungshaft und Freiheitsstrafe wenig auszusagen über seine ge genwärtige Einsicht, Absicht und Befähigung zu einem d e- liktfreien und sozialverträglichen Verhalten in der hiesigen Alltagsgesel l- schaft. Das Strafende ist voraussichtlich am 10. August 2014. Da es dem Bundesverwaltungsgericht verwehrt ist, seinen Entscheid für einen Zei t- raum von beispielsweise zwei Jahren auszusetzen, um die Resozialisie- rung und Wiedereingliederung des Beschwerdeführers ins gesellschaftl i- che und berufliche Umfeld seriös prüfen zu können, sind für das Gericht allein die Umstände, wie sie sic h im heutigen Zeitpunkt darstellen, en t- scheidend. D-2102/2014 Seite 19 Damit ist als Resultat der Beurteilung der Verhältnismässigkeit der Aus - beziehungsweise Wegweisung festzustellen, dass die Aufhebung der vor- läufigen Aufnahme im Fall des Beschwerdeführers das Recht auf Sch utz des Privatlebens nach Art. 8 EMRK nicht berührt. Es liegt damit kein Ei n- griff in das Recht auf Schutz des Privat - und Familienlebens nach Art. 8 EMRK vor. 6.5 Mit Verfügung vom 31. August 1998 stellte das Bundesamt für Flücht- linge (BFF) fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Diese Feststellung wurde mit Urteil der Schweizerischen Asylre- kurskommission (ARK) vom 3. November 1998 rechtskräftig. Daher findet das in Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Refoulement -Verbots im vorliegenden Verfahren keine Anwendung. Sodann ergeben sich aus den Ausführu n- gen des Beschwerdeführers und den ü brigen Akten keine glaubhaften Hinweise auf eine menschenrechtswidrige Behandlung, die ihm im Koso- vo drohen könnte, so dass auch das menschenrechtliche Refoulement - Verbot nicht tangiert ist (Art. 3 EMRK). 6.6 Der Vollzug der Wegweisung ist damit zulässig. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– grund- sätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Der am 15. Mai 2014 geleistete Kostenvorschuss wird zur B e- zahlung der Verfahrenskosten verwendet. (Dispositiv nächste Seite) D-2102/2014 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfa h- renskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand: