B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1435/2016 U r t e i l v o m 1 5 . N o v e m b e r 2 0 1 8 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richterin Claudia Cotting-Schalch, Gerichtsschreiberin Anne Kneer. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl ohne Wegweisungsvollzug (Mehrfachgesuch); Verfügung des SEM vom 1. Februar 2016 / N (…). D-1435/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer – ein syrischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie – verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Angaben am 25. Februar 2013 und gelangte nach einem rund sechsmonatigen Aufent- halt in der Türkei auf dem Luftweg in die Schweiz, wo er am 22. August 2013 am Flughaften Z._______ um Asyl ersuchte. Am 25. August 2013 wurde er summarisch befragt, bevor ihm am 26. August 2013 die Einreise in die Schweiz bewilligt wurde. Am 3. Juni 2014 wurde der Beschwerdefüh- rer vertieft zu seinen Asylgründen angehört. Bezüglich der geltend gemachten Asylgründe sowie der eingereichten Be- weismittel wird soweit wesentlich in den Erwägungen darauf eingegangen respektive auf die vorinstanzlichen Akten verwiesen. A.b Mit Verfügung vom 19. August 2014 stellte das SEM fest , der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, deren Voll- zug jedoch aufgrund von Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Auf- nahme aufgeschoben wurde. A.c Auf d ie dag egen am 22. September 2014 eingereichte Beschwerde wurde mit Urteil D -5400/2014 vom 11. November 2014 aufgrund der ver- späteten Beschwerdeeinreichung nicht eingetreten. B. Am 16. Februar 2015 reichte der Beschwerdeführer – handelnd durch sei- nen Rechtsvertreter – ein zweites Asylgesuch, eventualiter ein Wiederer- wägungsgesuch beim SEM ein. Dabei beantragte er zur Hauptsache die Gewährung von Asyl, eventualiter die vorläufige Aufnahme als Flüchtling, subeventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme zufolge Unzuläs- sigkeit. Zudem ersuchte er um Ansetzung einer Frist zur Einreichung einer Übersetzung des Beweismittels. Zur Begründung des Gesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentli- chen geltend, sein Wehrbezirk habe eine Zustellurkunde des Militärs nach Hause geschickt, aus welcher hervor gehe, dass er Militärdienst leisten müsse. Er müsste demnach in den Militärdienst einrücken, wozu er sich jedoch aufgrund seiner politischen Überzeugung weigere, weshalb er von den syrischen Behörden gezielt asylrelevant verfolgt werde. D-1435/2016 Seite 3 Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er einen Einberufungsbefehl für den Reservedienst in der syrischen Armee zu den Akten. C. Mit Schreiben vom 19. Februar 2015 setzte das SEM dem Beschwerde- führer eine Frist zur Einreichung einer Übersetzung des eingereichten Be- weismittels an. Die Übersetzung wurde am 4. März 2015 eingereicht. D. Am 9. März 2015 reichte der Beschwerdeführer Fotos von Demonstratio- nen in der Schweiz sowie ein an einer Demonstration verteiltes Flugblatt zu den Akten. E. Am 23. April 2015 wurde der Beschwerdeführer zu seinen neuen Asylgrün- den angehört. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, sein Vater unterliege einem Ausreiseverbot. Da dieser aber trotzdem habe versuchen wollen, sich ei- nen Pass ausstellen zu lassen, damit er seine Söhne in der Schweiz hätte besuchen können, habe er sich am (…) 2014 für die Ausstellung des Pas- ses beim Rekrutierungsbüro in Y ._______, welches sich aufgrund des Krie- ges in X._______ befinde, eine entsprechende Erlaubnis aushändigen las- sen wollen. Auf dem Büro habe sein Vater erfahren, dass er (der Beschwer- deführer) zum Reservedienst aufgeboten worden sei und es sei ihm der eingereichte Einberufungsbefehl für den Reservedienst ausgehändigt wor- den, worauf das Einrückungsdatum vom (…) 2014 notiert sei. Ohne seinen Vater hätte er nicht von der Einberufung erfahren. Im Militärdienst habe er damals Munition hergestellt, wozu er wieder einberufen worden sei. Sei- nem Vater sei überdies aufgrund der nach wie vor bestehenden Ausreise- sperre kein Pass ausgestellt worden. Er (der Beschwerdeführer) sei zudem aufgrund seiner Demonstrationsteilnahmen von der Regierung gesucht worden. Ein Nachbar seines Vaters, welcher bei der Militärsicherheit ar- beite, habe seinem Vater auch mitgeteilt, dass seine Demonstrationsteil- nahmen bekannt seien und er dies unterlassen solle. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er einen USB -Stick mit Videoauf- nahmen, sein Militärbüchlein sowie diverse Fotos von Demonstrationsteil- nahmen zu den Akten. F. In der Eingabe vom 13. Januar 2014 wies der Beschwerdeführer auf BVGE D-1435/2016 Seite 4 2015/3 hin und präzisierte, er werde als Dienstverweigerer, welcher ins Ausland geflüchtet sei, betrachtet. Er gehöre der kurdischen Ethnie an, ent- stamme einer oppositionell aktiven Familie und habe bereits in der Vergan- genheit die Aufmerksamkeit der staatlichen Sicherheitskräfte auf sich ge- zogen. Seine Situation und sein Profil seien demjenigen in BVGE 2015/3 sehr ähnlich. Seit Oktober 2014 habe das syrische Regime die Mobilisie- rung von Reservisten intensiviert, wobei eine Gene ralmobilmachung von allen Reservisten, die nach 1984 geboren seien, erfolgt sei. G. Mit Verfügung vom 1. Februar 2016 – eröffnet am 9. Februar 2016 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesu ch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und erhob eine Gebühr . Die angeordnete vorläufige Aufnahme bestehe weiterhin. H. Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 7. März 2016 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte im Wesentlichen d ie Auf- hebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung ans SEM, eventualiter die Anerkennung der Flüchtlingsei- genschaft und die Gewährung von Asyl, subeventualiter die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. In formeller Hinsicht ersuchte er um Einsicht in die Akte B2, eventualiter die Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Akte B2 und nach Gewährung der Akteneinsicht oder des rechtlichen Gehörs eine Ansetzung einer angemes- senen Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung. Zudem ersuchte er um Beizug mehrerer N -Akten für die Darlegung der Gefährdung auf- grund der exilpolitischen Tätigkeit. I. Mit Zwischenverfügung vom 23. März 2016 stellte die Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und forderte ihn auf, innert Frist einen Kostenvorschuss zu leisten, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall. J. Der geforderte Kostenvorschuss wurde am 30. März 2016 fristgerecht ge- leistet. D-1435/2016 Seite 5 K. Mit Zwischenverfügung vom 6. April 2016 wurde eine Kopie der Beschwer- deeingabe sowie das N -Dossier dem SEM zur umgehenden Behandlung des Akteneinsichtsgesuchs und anschliessenden Retournierung an das Bundesverwaltungsgericht übermittelt und dem Beschwerdeführer innert Frist Gelegenheit zur Beschwerdeverbesserung nach Einsicht in die bean- tragten Akten eingeräumt. L. Am 9. Mai 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Beschwerdeergänzung zu den Akten. M. Am 1. Juni 2016 reichte das SEM – nach entsprechender Aufforderung durch das Bundesverwaltungsgericht – eine Vernehmlassung zu den Ak- ten. N. Mit Schreiben vom 20. Juni 2016 nahm der Beschwerdeführer – nach ent- sprechender Aufforderung durch das Bundesverwaltungsgericht – zur Ver- nehmlassung des SEM Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). D-1435/2016 Seite 6 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psych ischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. Vorliegend wären zunächst die formellen Rügen zu behandeln, wonach der Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör in verschiedener Hinsicht verletzt worden sei. Wie die nachfolgenden Erwägungen ergeben, ist allerdings ohnehin auf die Aufhebung der angefochtenen Verfügung zu schliessen. Angesichts des Verfahrensausgangs kann daher offen gelas- sen werden, ob die gerügten formellen Mängel zu einer Kassation führen würden, zumal der Sachverhalt als genügend erstellt zu erachten ist. D-1435/2016 Seite 7 5. 5.1 Das SEM macht e in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen geltend, es sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die staatliche Ver- folgung aufgrund der Demonstrationsteilnahmen glaubhaft zu machen. Er habe während des ersten Asylverfahrens die Listung seines Namens nicht erwähnt. Zudem gehe aus seinen Aussagen in tatsachenwidriger Weise hervor, dass sich die syrischen Truppen bereits im April 2011 aus den kur- dischen Gebieten zurückgezogen hätten. Es seien de shalb bereits seine Aussagen zur Suche der Polizei im ersten Asylverfahren erheblich zu be- zweifeln. Der nun geltend gemachte Umstand, die Militärsicherheit sei ne- ben ihrem Wohnhaus stationiert gewesen und ein Mitarbeiter habe dem Vater erzählt, dass der Beschwerdeführer gesucht werde, erscheine gänz- lich unglaubhaft. Dies widerspreche früheren Aussagen, sei nachgescho- ben, in sich unstimmig und unsubstanziiert. Die Ausführungen seien so- wohl oberflächlich und stereotyp, als auch wirr und in sich widersprüchlich. Einerseits habe er gesagt, es werde nach ihm gesucht , um später anzu- merken, dass es dafür keine konkreten Hinweise gegeben habe, da die Militärsicherheit seinen Namen noch nicht bekommen habe. Diese Begrün- dung sei haltlos, da die Behörde neben ihm angesiedelt gewesen und sein Vater darauf angesprochen worden sei. Auch die Einberufung zum Reser- vistendienst sei unglaubhaft. Zunächst habe er in der Gesuchseingabe gel- tend gemacht, das Schreiben sei nach Hause zugestellt worden, bei der Anhörung habe er geltend gemacht, sein Vater habe beim Rekrutierungs- büro davon erfahren. Es könne vom Rechtsvertreter erwartet werden, dass dieser konsistente Aussagen zum Ablauf machen könne. Auch die Um- stände, wie der Vater das Aufgebot erhalten habe, seien nicht nachvollzieh- bar. Die Pässe würden von einer anderen Stelle ausgestellt, als die Aufge- bote zum Militärdienst. Zudem sei nicht plausibel, weshalb der Vater eine Bestätigung des Rekrutierungsbüros für seinen Pass benötige. Der Be- schwerdeführer habe auch nicht erklären können, weshalb sich der Vater, welcher Behördenkontakt vermeide, proaktiv gemeldet hätte. Auch das ein- gereichte Beweismittel könne aufgrund dessen geringen Beweiswerts an der Einschätzung nichts ändern. Zu den vorgebrachten exilpolitischen Tä- tigkeit sei anz umerken, dass keine Intensivierung des Engagements seit dem ersten Asylentscheid erkennbar sei. Sowohl aus den Beweismitteln als auch aus seinen Schilderungen sei zu schliessen, dass er ein einfacher Teilnehmer der Kundgebungen sei und keine führende Funktion innehabe. Es sei nicht davon auszugehen, dass die syrischen Behörden auf ihn auf- merksam geworden seien. Folglich sei auch sein zweites Asylgesuch ab- zulehnen. D-1435/2016 Seite 8 5.2 Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde im Wesentlichen geltend, er habe auch jetzt nur deshalb von der Liste erzählt, da das SEM ihn gefragt habe, ob nichts K onkretes passiert sei, dass ihn annehmen liesse, er würde gesucht werden. Auch bei der Aussage in der zweiten An- hörung handle es sich nur um eine Vermutung, dass die Behörden seinen Namen registriert hätten. Es spreche weiter für die Glaubhaftigkeit, dass er angegeben habe, sein Vater sei nur einmal von der Militärsicherheit kon- taktiert worden. Sonst hätte er eine weit dramatischere Geschichte vorge- bracht. Es spiele keine Rolle, wann sich die Regierung aus Y ._______ zu- rückgezogen habe, da er sowohl vor als auch nach dem Rückzug an De- monstrationen teilgenommen habe, wobei er eine auffällige Rolle innege- habt habe. Die Einberufung sei seinem Vater ausgehändigt worden. In der Gesuchseingabe sei nur geltend gemacht worden, dass er eine Einberu- fung erhalten habe. Der genaue Ablauf sei durch das SEM abzuklären, weshalb es sich um einen konstruierten Widerspruch handle. Das SEM glaube – ohne Quellen zu nennen – nicht, dass es für eine Passbeantra- gung eine Bestätigung des Rekrutierungsbüros brauche. Er habe dies aber in Berücksichtigung der Kriegszeiten glaubhaft geschildert und es sei nach- vollziehbar, dass die gesamte Familie registriert sei. Er habe auf ein Ver- halten von Dritten keinen Einfluss, weshalb seine Vorbringen nicht auf- grund des Verhaltens seines Vaters oder der Behörden als unglaubhaft er- achtet werden könnten. Bei seinen Aussagen seien viele Realkennzeichen zu erkennen. Es stehe fest, dass er eine Einberufung in den Militärdienst erhalten habe, wobei auch das SEM keine objektiven Fälschungsmerk- male habe feststellen können. Aufgrund der Zusammenarbeit der Partiya Yekitîya Demokrat (PYD) mit den syrischen Truppen sei davon auszuge- hen, dass beide Parteien nach ihm als Dienstverweigerer im Sinne von BVGE 2015/3 suchten. Weiten Bevölkerungsg ruppen werde bereits auf- grund ihrer Familien-, Stammes, Religions- oder Ethniezugehörigkeit eine politische Haltung unterstellt. Um die Flüchtlingseigenschaft zu erfüllen, sei gemäss dem Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Natio- nen (UNHCR) keine gezielte Verfolgung notwendig. Das SEM sei angehal- ten, dies zu berücksichtigen. Die Verfolgung von Oppositionellen habe sich intensiviert und die allgemeine Sicherheits- und Menschenrechtslage habe sich massiv verschlechtert, wobei auch die militärische Unterstützung Russlands eine grosse Rolle spiele. Durch seine Demonstrationsteilnah- men im In- und Ausland sowie aufgrund seiner Militärdienstverweigerung würde er von der Regierung als Oppositioneller wahrgenommen und ver- folgt. Bei einer Rückkehr nach Syrien würde er an den Geheimdienst über- stellt und ausgeliefert. Bezüglich seines exilpolitischen Engagements sei darauf hinzuweisen, dass sowohl die Absichten der syrischen Behörden D-1435/2016 Seite 9 als auch deren Möglichkeiten, die Opposition zu überwachen, nicht unter- schätzt werden sollten, was auch in verschiedenen Asylverfahren ersicht- lich werde. Die Schweiz sei mit dem Sitz der Vereinten Nationen in Genf sowie als Gastgeberland von Anlässen und als Vermittlerin zudem ein be- liebtes Land bei Nachrichten- und Geheimdiensten. 5.3 In der Beschwerdeergänzung vom 9. Mai 2016 führte der Beschwerde- führer im Wesentlichen aus, seine Beweismittel würden seine Vorbringen belegen, wobei auch aus den Fotos ersichtlich sei, dass er bei den De- monstrationen eine exponierte Stellung inne gehabt habe. Es sei somit für die syrischen Behörden ein leichtes gewesen, ihn zu identifizieren. Dies verschärfe sein Profil als Dienstverweigerer noch zusätzlich. 5.4 In seiner Vernehmlassung führte das SEM im Wesentlichen aus, die Beschwerde beschränke sich darauf, bereits Gesagtes zu wiederholen und umzudeuten. Der Beschwerdeführer habe weder die Nachgeschobenheit erklären, noch die vermutete Listung seines Namens plausibel begründen können. Das SEM beziehe sich bezüglich des Besuchs des Vaters bei den Militärbehörden auf gesicherte Erkenntnisse des norwegischen Migrations- amts. Daraus gehe hervor, dass der Vater des Beschwerdeführers auf- grund seines Alters nicht verpflichtet gewesen sei, für die Beantragung ei- nes Passes die Einwilligung der Militärbehörde einzuholen. Es verstärke sich deshalb der Eindruck, dass es sich um einen konstruierten Ablauf handle, um erklären zu können, wie er vom Aufgebot erfahren habe. Daran würden auch die eingereichten Beweismittel nichts ändern, deren Beweis- wert als gering einzustufen sei. Der Beschwerdeführer habe seine Einbe- rufung nicht glaubhaft machen können, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass er als politischer Gegner qualifiziert und bestraft würde. Das Ru- fen von Parolen und das Besteigen eines Autos seien nicht als auffälliges oder qualifiziertes Verhalten bei den jeweiligen Demonstrationsteilnahmen anzusehen. Keines der eingereichten Fotos der exilpolitischen Aktivitäten lasse darauf schliessen, dass er sich in qualifizierter Weise betätige, son- dern diese bestätigten viel eher den Eindruck, dass er den Kundgebungen als einfacher Teilnehmer ohne weitere Funktionen beiwohne. Auch aus den Videos auf dem USB -Stick könne auf keine qu alifizierte Rolle des Be- schwerdeführers an den Demonstrationen in Syrien geschlossen werden. 5.5 Der Beschwerdeführer hielt dem im Wesentlichen entgegen, das SEM würdige die Videos aus Syrien fälschlicherweise im Zusammenhang mit den exilpolitischen Tätigkeit en. Die Identifikation der Teilnehmenden be-D-1435/2016 Seite 10 schränke sich nicht auf Personen mit einem herausragenden Profil, son- dern dies geschehe willkürlich, damit möglichst viele eingeschüchtert wer- den könnten. Aus den Ausführungen des SEM werde nach wie vor nicht ersichtlich, auf welche Quelle sich das SEM genau stütze. Hätte sich der Ablauf anders abgespielt, hätte er seine Vorbringen sicherlich nicht so ge- schildert. Das SEM sei schliesslich verpflichtet, jedes Beweismitt el unab- hängig von dessen Beweiswert zu prüfen und zu würdigen. 6. 6.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent- liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick- sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesent- lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor- kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte- nen Verfolgung ist gekenn zeichnet durch Korre ktheit, Originalität, hinrei- chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch- lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei- lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele- mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub- stantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprechen ( vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5779/2013 vom 23. Februar 2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] mit weiteren Hinweisen). 6.2 Vorliegend ist zunächst festzustellen, dass es sich um eine besondere Konstellation handelt. Der Beschwerdeführer macht aufgrund seines Fern- bleibens vom Reservedienst eine befürchtete Verfolgung durch die syri- sche Regierung geltend, welche erst nach seiner Flucht aus Syrien ent- standen ist. Es handelt sich demnach um objektive Nachfluchtgründe, bei welchen bezüglich der Beurteilung der begründeten Furcht vor Verfolgung D-1435/2016 Seite 11 auf den Zeitpunkt der Entscheidfällung abgestellt wird (vgl. Entscheidun- gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 1994 Nr. 17 E. 3b). Diese objektiven Nachfluchtgründe werden ferner erst im Rah- men eines zweiten Asylgesuchs nach Art. 111c AsylG geltend gemacht, wobei sich der Beschwerdeführer nur auf eine Nacherzählung der Ereig- nisse, welche seinem Vater in Syrien widerfahren sind, stütz en kann. Die üblichen Merkmale, anhand welcher die Glaubhaftigkeit von Aussagen überprüft werden kann, wie beispielsweise die Substanziiertheit oder die Widerspruchsfreiheit der Aussagen, sind aufgrund dieses Nacherzählens nur in sehr beschränkter Weise anwendbar, weshalb ausnahmsweise stär- keres Gewicht auf die Plausibilität der Vorbringen gelegt werden muss. Da- neben kann sich das Gericht auch mithilfe von Country of Origin Informati- onen (COI) ein Bild der Lage Nordsyriens im Jahr 2014 machen, sowie die eingereichten Beweismittel berücksichtigen. Die vorliegende Beurteilung des Asylgesuchs basiert – in akzentuiertem Masse – somit auf äusserst hypothetischen, auf die Vergangenheit bezogenen und volatilen Sachver- haltsabklärungen. 6.3 Bezüglich der Bewertung des Aussageverhaltens des Beschwerdefüh- rers ist festzustellen, dass dieser die Umstände, bei welchen der Vater von der Einberufung erfahren habe, insgesamt in glaubhafter Weise zu schil- dern vermochte. Dabei ist nochmals darauf hinzuweisen, dass der Be- schwerdeführer die Ereignisse nicht selber erlebt hat und es sich somit um eine Nacherzählung handelt, wobei aus der Natur der Sache hervor geht, dass Informationen sowie Details eines Ereignisses bei der Weitergabe der Geschehnisse verloren gehen können respektive gar nicht erst gewusst werden. Nichts desto trotz vermochte der Beschwerdeführer die Abläufe genau zu erklären und in die damaligen Verhältnisse einzuordnen. Insbe- sondere schilderte der Beschwerdeführer die administrativen Abläufe (z.B. B11/21 F48, F53, F145 f.) oder auch die Unstimmigkeiten bezüglich des Ausstellungsorts, wobei das Rekrutierungsbüro aus Y ._______ nun in X._______ tätig sei (z.B. B11/21 F43 ff., F98, F155), entgegen der Ansicht des SEM im Rahmen seiner Möglichkeiten überzeugend und stimmig. So beantwortete er Nachfragen so gut als möglich, indem er Beispiele anfügte (B11/21 F155) oder den Detaillierungsgrad steigerte (B11/21 F44), was auf eine glaubhafte Erzählweise hindeutet. Der Beschwerdeführer schilderte zudem Umstände, welche er selber erlebt hatte oder bei welchen er vor Ort war (z.B. B11/21 F58 ff. [Ort und Aussehen des Rekrutierungsbüros], F86 [Militärdienst], F155 [Ablauf des Einrückens]), detailliert und substantiiert. D-1435/2016 Seite 12 6.4 Der Beschwerdeführer hat mit schriftlicher Einreichung seines zweiten Asylgesuchs einen Einberufungsbescheid datiert auf den (…) 2014 zu den Akten gereicht, mit welchem er darlegen will, dass er zum Reservedienst aufgeboten wurde. Dieser weist keine objektiven Fälschungsmerkmale auf und stimmt auch mit den mündlichen Vorbringen des Beschwerdeführers überein. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass sowohl die Qualität des Ein- berufungsbescheids als kopiertes Formular, welches handschriftlich aus- gefüllt wird, als auch der angegebene Ausstellungsort „ Y ._______“ unter Berücksichtigung der damaligen Lage in dieser Region nicht auf eine Fäl- schung hindeuten (vgl. nachfolgend E. 6.5). Der Beschwerdeführer hat dar- über hinaus sein Dienstbüchlein zu den Akten gereicht, welche ebenfalls keine objektiven Fälschungsmerkmale aufweist. Auc h die getätigten Ein- tragungen stimmen mit dem geltend gemachten Sachverhalt überein. Die eingereichten Beweismittel sind somit als positives Indiz für die Glaubhaf- tigkeit der Einberufung zum Reservedienst zu werten. 6.5 Die Vorbringen des Beschwerdeführers können auch durch die COI in ei- nem gewissen Umfang bestätigt werden. 6.5.1 Im Juli 2012 brachten Mitglieder der PYD mehrere Verwaltungsge- bäude der syrischen Regierung, darunter das Rathaus, das Hauptquartier des Militärgeheimdienstes, Polizeiposten und Gerichte, in Y ._______ unter ihre Kontrolle. Ab November 2012 zogen sich die syrischen Behörden aus weiteren Stadtteilen zurück und ab Dezember 2012 verfügten die syrischen Behörden über keine Polizeipräsenz mehr in Y ._______. Es gibt keine Hin- weise, dass sich bis im Dezember 2014 etwas an dieser Situation geändert hätte (vgl. Kurdwatch [Berlin], Y ._______: Regime cedes service offices and rural areas to the PYD —intelligence service headquarters reclaimed, 05.08.2012, http://kurdwatch.org/?aid=2602&z=en ; diesel., ʿAmudah/ad- Darbasiyah: Syrian regime cedes additional cities to the PYD,01.12.2012, http://kurdwatch.org/?aid=2702&z=en, diesel., ʿAmudah: PYD destroys Mi- litary Intelligence Service documents, 09.12.2012, http://kurdwatch.org/ ?aid=2706&z=en, alle abgerufen am 16.10.2018). Die Aussage des Be- schwerdeführers, wonach sich das Rekrutierungsbüro von Y ._______ nun in X._______ befinde, ordnet sich somit ohne Weiteres in die verfügbaren COI ein. 6.5.2 Bezüglich des Umstands, dass der Vater des Beschwerdeführers für die Ausstellung des Passes eine Erlaubnis der Militärbehörde habe einho- len müssen, lässt sich aus den verfügbaren COI feststellen, dass Männer D-1435/2016 Seite 13 zwischen 17 respektive 18 und 42 respektive 50 Jahren für die Ausreise aus Syrien eine solche Erlaubnis benötigen. Männer, die ihren Wehrdienst bereits geleistet haben, können eine Ausreisegenehmigung einfacher be- kommen. Ob Ausreisegenehmigungen erteilt werden oder nicht, hängt aber auch stark von den individuellen Umständen ab. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die gesetzlichen Bestimmungen in Syrien aufgrund des Kriegszustands in unvorhersehbarer und willkürlicher W eise angewendet werden. Zudem geben insbesondere Grenzbehörden interne Anweisun- gen, welche nicht öffentlich verfügbar sind (UNHCR, Relevant Country of Origin Information to Assist with the Application of UNHCR’s Country Guidance on Syria: “Illegal Exit” from Syria and Related Issues for Deter- mining the International Protection Needs of Asylum -Seekers from Syria, 02.2017, http://www.refworld.org/docid/58da824 d4.html, Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA), Fact Finding Mission Report Syrien, 08.2017, http://www.bfa.gv.at/files/berichte/FFM_Bericht_Syrien_mit__Bei traegen_zu__Jordanien_Libanon_Irak_2017_8_31.pdf, abgerufen am 16.10.2018.). Gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers war der Va- ter im Jahr 2014 (…) Jahre alt, weshalb dieser für die Passausstellung grundsätzlich keine Bestätigung der Militärbehörde mehr gebraucht hätte, was ein Indiz gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen darstellt. Unter Be- rücksichtigung des Umstands, dass der Vater des Beschwerdeführers aber einer Ausreisesperre respektive -beschränkung unterlag, deren Grund nicht abschliessend eruiert werden konnte, sowie des allgegenwärtigen Kriegszustandes in Syrien, erscheint es trotz seines Alters durchaus plau- sibel, dass dieser für den Versuch einer Passverlängerung eine Bestäti- gung der Militärbehörde einholen musste respektive in diesem Zusammen- hang beim Rekrutierungsbüro vorstellig wurde, zumal sich die Altersgren- zen je nach Quelle auch in nicht unerheblichen Massen unterscheiden. 6.6 Im Sinne einer Gesamtbetrachtung aller Indizien, welche für und gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen sprechen , stellt das Bundesverwal- tungsgericht vorliegend fest, dass die geltend gemachte Einberufung in den Reservedienst unter Berücksichtigung der Vorbringen, der eingereich- ten Beweismittel sowie der verfügbaren COI überwiegend glaubhaft ist. 7. 7.1 In einem weiteren Schritt ist nun zu beurteilen, ob der Beschwerdefüh- rer die Flüchtlingseigenschaft erfüllt, da er der Einberufung in den Reser- vedienst keine Folge leistete und ihm dies als regimekritische Handlung unterstellt wird. D-1435/2016 Seite 14 7.2 Das Bundesverwaltungsg ericht gelangte in BVGE 2015/3 zum Schluss, dass nach der Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG die bisherige Rechtspraxis in Bezug auf Personen, die ihr Asylgesuch mit einer Wehr- dienstverweigerung oder Desertion im Heimatstaat begründen, weiterhin gültig ist. Demnach vermag eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion nicht alleinig, sondern nur dann die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist, mit anderen Worten die betroffene Person aus den in dieser Norm ge- nannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be- stimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen hat, die ernsthaften Nachteil en gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt (a.a.O. E. 5.9). Ferner hielt das Gericht fest, dass die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 gegen tat- sächliche oder vermeintliche Regimegegner mit grösster Brutalit ät und Rücksichtslosigkeit vorgehen. Personen, die sich dem Dienst in der staat- lichen syrischen Armee entzogen haben – etwa, weil sie sich den Aufstän- dischen anschliessen wollten oder in der gegebenen Bürgerkriegssituation als Staatsfeinde und als potentielle gegnerische Kombattanten aufgefasst werden –, sind seit dem Jahr 2011 in grosser Zahl nicht nur von Inhaftie- rung, sondern auch von Folter und aussergerichtlicher Hinrichtung betrof- fen (a.a.O. E. 6.7.2 m.w.H.). 7.3 Was den Beschwerdeführer betrifft, ist dav on auszugehen, dass die Weigerung in den Reservedienst einzurücken aufgrund der Demonstrati- onsteilnahmen, welche durch die zahlreichen Beweismittel als belegt er- achtet werden und von der Vorinstanz auch nie bestritten wurden, des fa- miliären Hintergrunds mit dem Vater, welcher einer Ausreisebeschränkung unterliegt, sowie der kurdischen Herkunft des Beschwerdeführers aus dem Nordosten Syriens von den syrischen Behörden als Ausdruck der Regime- feindlichkeit aufgefasst wird. Die dem Beschwerdeführer drohende Str afe würde nicht allein der Sicherstellung der Wehrpflicht dienen, was nach zu bestätigender Praxis ‒ immer unter der Voraussetzung rechtsstaatlicher und völkerrechtskonformer Rahmenbedingungen (vgl. E. 5, insb. 5.7.1 f. und 5.9) ‒ grundsätzlich als legitim zu erachten wäre. Es ist vielmehr damit zu rechnen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Dienstverweige- rung als politischer Gegner qualifiziert und als solcher unverhältnismässig schwer bestraft würde. Mit anderen Worten hätte er, sollte das staatlic he Regime seiner habhaft werden, eine politisch motivierte Bestrafung und D-1435/2016 Seite 15 eine Behandlung zu erwarten, die einer flüchtlingsrechtlich relevanten Ver- folgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommt. Eine innerstaatliche Fluchtalternative ist vorliegend nicht vorhanden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.7). 7.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flücht- lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG erfüllt und ihm Asyl zu gewähren ist. Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen. Demnach ist das SEM anzu- weisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 8. Diesen Erwägungen gemäss ist die Beschwerde gutzuheissen, die Ziffern 1–3 und 5 der Verfügung des SEM vom 1. Februar 2016 sind aufzuheben und das SEM ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der am 30. März 2016 geleistete Kostenvor- schuss von Fr. 600.– wird vom Bundesverwaltungsgericht zurückerstattet. 9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Der notwendige Vertretungsauf- wand lässt sich indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet we rden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehe nden Bemes- sungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1750.– zuzuspre- chen. (Dispositiv nächste Seite) D-1435/2016 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, und die Ziffern 1 –3 und 5 der Verfü- gung des SEM vom 1. Februar 2016 werden aufgehoben. 2. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der am 30. März 2016 ge- leistete Kostenvorschuss von Fr . 600.– wird vom Bundesverwaltungsge- richt zurückerstattet. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1750.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Anne Kneer Versand: