B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-1576/2022 U r t e i l v o m 2 5 . J a n u a r 2 0 2 3 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Yannick Antoniazza-Hafner, Richter Gregor Chatton, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien X._______, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum. F-1576/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. Z._______, eine (…) geborene iranische Staatsangehörige (nachfolgend: Gesuchstellerin), ersuchte am 7. Dezember 2021 auf der schweizerischen Botschaft in Teheran um ein Schengen-Visum für einen Besuchsaufenthalt in der Schweiz für die Dauer vom 1. bis 28. Februar 2022. Sie gab an, ihren in der Schweiz lebenden Onkel ( nachfolgend: Beschwerdeführer oder Gastgeber) und dessen Ehefrau besuchen zu wollen (Akten der Vorinstanz [SEM act.] 3/33 ff.). Bereits davor hatte sich der Gastgeber mit einem Ein- ladungsschreiben vom 1. Dezember 2021 an die schweizerische Vertre- tung gewandt und mitgeteilt, der Besuchsaufenthalt seines Gastes in der Schweiz sei vom 1. Februar 2022 bis 30. April 2022 geplant (SEM act. 3/27). B. Mit Formularverfügung vom 8. Dezember 2021 verweigerte die schweize- rische Botschaft das Visum mit der Begründung, dass die fristgerechte Wiederausreise der Gesuchstellerin aus dem Schengen -Raum nicht als hinreichend gesichert erscheine (SEM act. 3/29 ff.). C. Gegen die Visumsverweigerung erhob der Gastgeber am 17. Dezember 2021 Einsprache bei der Vorinstanz (SEM act. 1). D. Nachdem das SEM beim kantonalen Migrationsamt um die Durchführung von zusätzlichen Abklärungen und um die Abgabe einer Stellungnahme er- sucht hatte, wies die Vorinstanz die Einsp rache mit Verfügung vom 14. März 2022 ab (SEM act. 6, 7). E. Am 4. April 2022 gelangte der Gastgeber mit Beschwerde an das Bundes- verwaltungsgericht und beantragte sinngemäss die Aufhebung der vorin - stanzlichen Verfügung (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer act.] 1). F. In ihrer Vernehmlassung vom 24. Mai 2022 schloss die Vorinstanz auf Ab- weisung der Beschwerde (BVGer act. 5). F-1576/2022 Seite 3 G. Der Beschwerdeführer replizierte am 14. Juni 2022 (BVGer act. 7). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Einspracheentscheide des SEM betreffend Schengen-Visa sind mit Be- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). 1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer hat am Einspracheverfahren teilgenommen und ist als Verfügungsadressat sowie Gastgeber durch die angefochtene Ver- fügung besonders berührt. Er ist zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Obwohl der anberaumte Besuchszeitraum mittlerweile verstrichen ist, muss auf ein fortbestehendes Rechtsschutzinteresse geschlossen wer- den. Dies belegt schon die Einreichung des Rechtsmittels (vgl. auch Be- schwerde S. 1 f.). Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutre- ten (vgl. Art. 50 und Art. 52 VwVG). 1.4 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal- tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwer- deverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheids (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). F-1576/2022 Seite 4 3. 3.1 Der Beschwerdeführer rügte in seiner Replik sinngemäss eine Verlet- zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ( Prüfungs- und Berücksichti- gungspflicht; vgl. Art. 30 i.V.m. Art. 32 Abs. 1 VwVG; siehe dazu auch WALDMANN/BICKEL in: Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 29 N. 83, Art. 30 N. 6 und Art. 32 N. 18 ff.). Konkret machte er geltend, das Visacenter und die Botschaft hätten das Visumsgesuch der Gesuchstellerin innerhalb eines Tages nach Einreichung des Visumsgesuchs und der entsprechen- den Unterlagen geprüft und abgewiesen. Dies deute darauf hin, dass der Botschafter das Anliegen und die Bemühungen seines Gastes als unwich- tig erachtet habe. Es stelle sich die Frage, ob die Unterlagen überhaupt geprüft worden seien (BVGer act. 7). 3.2 Die Rügen des Beschwerdeführers betreffen die Formularverfügung der schweizerischen Botschaft in Teheran vom 8. Dezember 2021. Anfech- tungsgegenstand der vorliegenden Beschwerde kann jedoch lediglich die Verfügung des SEM vom 14. März 2022 sein (vgl. BVGE 2015/5 E. 6.2). Der Vollständigkeit halber sei festgehalten, dass sich die schweizerische Vertretung gemäss einer Aktennotiz vom 8. Dezember 2021 nachweislich mit dem Visumsgesuch und den eingereichten Unterlagen auseinanderge- setzt hat (SEM act. 3/28) und damit der Prüfungs- und Berücksichtigungs- pflicht in hinreichender Weise nachgekommen ist. 4. 4.1 Dem angefochtenen Einspracheentscheid liegt das Gesuch einer irani- schen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen Besuchs- aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sie sich nicht auf die EU/EFTA - Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Auf- enthaltsdauer 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen ni cht überschritten wird, fällt die Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen -Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen -Besitzstand und die dazugehörigen gemein- schaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländer- und In- tegrationsgesetz vom 16. Dezember 2005 (AIG, SR 142.20) und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 4 AIG). F-1576/2022 Seite 5 4.2 Das sch weizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen Anspruch auf Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher grundsätzlich nicht gehalten, drittstaatsan- gehörigen Personen die Einreise zu gestatten. Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, diese zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schen- gen-Recht nicht (BVGE 2014/1 E. 4.1.1 und 4.1.5; 2011/48 E. 4). 4.3 Drittstaatsangehörige benötigen zur Einreise in den Schengen -Raum für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen gültige Reisedokumente, die zum Grenzübertritt berechtigen, sowie ein Visum, sofer n dieses – wie vorliegend – erforderlich ist (Art. 8 Abs. 1 der Verordnung vom 15. August 2018 über die Einreise und die Vi- sumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Anhang I der Verordnung [EU] 2018/1806 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Novem- ber 2018 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müs- sen, sowie der Liste der Dri ttländer, deren Staatsangehörige von di eser Visumpflicht befreit sind [ ABl. L 303/39 vom 28.11.2018 ]). Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Umstände ihres beab- sichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichend finanzielle Mit- tel verfügen. Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufent- halts verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wieder- ausreise bieten. Sie dürfen sodann nicht im Schengener Informationssys- tem zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellen (vgl. zu den Einreis evoraussetzungen Art. 5 Abs. 1 und 2 AIG; Art. 3 und Art. 8 VEV i.V.m. Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung [EU] 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Persone n [Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 77/1 vom 23.3.2016]; Art. 14 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex, VK, ABl. L 243/1 vom 15.09.2009]). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige F-1576/2022 Seite 6 Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (BVGE 2014/1 E. 4.3 m.H.). Die Behörden ha- ben zu prüfen und Drittstaatsangehörige zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 VK). Bestehen Zweifel an der von der drittstaatsangehörigen Person bekundeten Absicht, das Ho- heitsgebiet der Mitgliedstaaten vor Ablauf der Gültigkeit des beantragten Visums wieder zu verlassen, ist das Visum zu verweigern (Art. 32 Abs. 1 Bst. b VK; BVGE 2014/1 E. 4.4 f.). Den Behörden kommt bei der Beurtei- lung, ob die Voraussetzungen für die Visumerteilung erfüllt sind, ein weiter Spielraum zu (BVGE 2014/1 E. 4.1.5). 4.5 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die vorerwähnten Einreisevor- aussetzungen nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des betreffenden Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der betref- fende Staat unter anderem Gebrauch machen, wenn er es aus humanitä- ren Gründen, aus sol chen des nationalen Interesses oder aufgrund inter- nationaler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 3 Abs. 4 VEV; Art. 25 Abs. 1 Bst. a VK; Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). 5. 5.1 Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 6 Abs. 1 SGK ist die Frage der gesicherten Wiederausreise zentral. Eine solche erach- tete das SEM vorliegend aufgrund der allgemeinen Situation im Heimat- land und der persönlichen Verhältnisse der eingeladenen Person als nicht genügend gewährleistet. 5.2 In der Regel lassen sich keine gesicherten Feststellungen darüber tref- fen, ob eine drittstaatsangehörige Person tatsächlich beabsichtigt, vor Ab- lauf des Visums den Schengen-Raum zu verlassen, weshalb darüber eine Prognose zu erstellen ist. Hierzu sind alle Umstände des Einzelfalles zu würdigen. Die Beweisführungslast obliegt dabei der drittstaatsangehörigen Person (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II VK; Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.1). An- haltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederaus- reise können sich zunächst aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der drittstaatsangehörigen Person ergeben. Ein Visum darf dabei nur erteilt werden, wenn keine begründeten Zweifel an der Absicht de r gesuchstel- lenden Person bestehen, den Schengen-Raum vor Ablauf des Visums zu F-1576/2022 Seite 7 verlassen (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.4 m.H). Namentlich bei Einreisegesu- chen von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit politisch, wirtschaftlich und sozial ungünstigen Verhältnissen rechtfertigt sich eine strenge Praxis, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen erfahrungsgemäss häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebe- willigung im Einklang steht (BVGE 2014/1 E. 6.1 m.H.). 6. 6.1 Die Wirtschaft Irans steckt tief in der Rezession ; Inflation und Arbeits- losigkeit sind hoch. Ursächlich dafür sind Klientelpolitik, internationale Sanktionen und die gros se Abhängigkeit vom Erdölexport. Die Corona - Krise hat dabei die Situation zusätzlic h verschärft. Teile der Mittelschicht sind verarmt. Zum Missmanagement des Staates kommt das fehlende Ver- trauen der Bürger und Bürgerinnen in ihre Regierung. Seit Mitte September 2022 kommt es in zahlreichen Städten des Landes zu Protesten gegen die Regierung. Auch die schwierige Wirtschaftslage und die latenten Spannun- gen führen periodisch zu Kundgebungen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Preiserhöhungen, mit politischen Forderungen oder mit (religiösen) Lo- kalfeiertagen und Gedenktagen. Bei Ausschreitungen und gewaltsamen Zusammenstössen zwischen den Sicherheitskräften und Demonstrieren- den sind zahlreiche Personen getötet oder verletzt worden. Teilweise wird scharfe Munition eingesetzt. Das Risiko von Anschlägen besteht im ganzen Land. So wurden im Oktober 2022 mehrere Personen bei einem Attentat auf den Shah Cheragh-Schrein in Shiraz getötet oder verletzt. Im April 2022 sind Attentate auf Kleriker in Moscheen in Mashhad (Provinz Khorasan) und in Gonbad Kavus (Provinz Golestan) verübt worden. In den Grenzpro- vinzen im Osten und Westen werden die Sicherheitskräfte immer wieder Ziel von bewaffneten Überfällen und Anschlägen (vgl. https://www.bpb.de /themen/naher-mittlerer-osten/iran/501914/wirtschaft/ und https://www. eda.admin.ch/eda/de/home/vertretungen-und-reisehinweise/iran/ reisehinweise-fuerdeniran.html#edadf2646; jeweils abgerufen im Januar 2023). 6.2 Vor diesem Hintergrund ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise von Besucherinnen und Besuchern aus dem Iran als grundsätzlich sehr hoch einschätzt. Allerdings wäre es zu schematisch und nicht haltbar, generell und ohne spezifische Anhaltspunkte ausschliesslich aufgrund der allgemei- nen Lage in der Herkunftsregion auf eine nicht hinreichend gesicherte Wie-F-1576/2022 Seite 8 derausreise zu schliessen. Es gilt vielmehr, über die Situation im Herkunfts- land hinaus, die weiteren Umstände ebenfalls zu w ürdigen. Dabei sind in die Prognose über die Absicht einer gesuchstellenden Person, den Schen- gen-Raum fristgerecht zu verlassen, deren persönliche, familiäre und be- rufliche bzw. wirtschaftliche Situation sowie deren Interessenlage miteinzu- beziehen (BVGE 2014/1 E. 6.3.1). Obliegt einer gesuchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dies die Prognose für eine anstands- lose Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Person en, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten Einreise als hoch eingeschätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1 m.H.; 2009/27 E. 8). 7. 7.1 Den Akten ist zu entnehmen, dass es sich bei der Gesuchstellerin um eine (…)-jährige verheiratete Frau und Mutter zweier Kinder (geb. 2005 und 2012) handelt, die in ihrem Heimatland als Hausfrau tätig ist. Die Kin- der werden bei Abwesenheit der Gesuchstellerin vom Vater und der Schwiegermutter betreut. Ausser dem Beschwerdeführer leben alle Fami- lienangehörigen der Gesuchstellerin im Iran (SEM act. 6/80, 3/36, 6/60, 6/80). Auch wenn über die persönlichen und familiären Verhältnisse der Gesuch- stellerin vor Ort nichts Konkreteres bekannt ist, kann grundsätzlich nicht in Abrede gestellt werden, dass sie als Mutter zweier Kinder eine gewisse familiäre Verantwortung trägt. Diese ist aber bereits aufgrund des geplan- ten dreimonatigen Besuchsaufenthalts in der Schweiz zu relativieren . Diese Zeitspanne wurde denn auch vom Beschwerdeführer – entgegen den Angaben der Gesuchstellerin im Visumsgesuch – mehrmals genannt (SEM act. 3/27, 6/81, BVGer act. 1). Die aufgrund des Alters der Kinder nicht mehr erforderliche engmaschige Betreuung der Kinder kann zudem, wie sich aus den Akten ergibt, problemlos durch andere Familienmitglieder übernommen werden. In den familiären und persönlichen Verhältnissen der Gesuchstellerin sind demnach keine Besonderheiten erkennbar, die nachhaltig von einer allfälligen Emigration abzuhalten vermöchten. Ohne- hin kann der Umstand, dass ein Gast nahe Familienangehörige im Heimat- land zurücklässt, für sich allein die Prognose einer fristgerechten und an- standslosen Wiederausreise nicht hinreichend begünstigen. Wesentliche Bedeutung kommt auch den sozialen und wirtschaft lichen Verhältnissen F-1576/2022 Seite 9 zu, in denen sich die Betroffenen befinden. Denn der Wille zur Emigration ist häufig auch mit der Hoffnung verbunden, zurückbleibende Familienan- gehörige aus dem Ausland effizienter unterstützen und allenfalls später nachziehen zu können. 7.2 Gemäss Angaben des Beschwerdeführers seien sein Gast und dessen Familie in der Landwirtschaft tätig. Im Winter ruhe die Feldarbeit. Sobald der Sommer komme, müsse jedoch die ganze Familie arbeiten (SEM act. 6/80). Mit Beschwerde führte er zudem aus, der Mann der Gesuchstellerin erziele das Haupteinkommen der Familie; die Familie würde zwei grosse Apfel- und Traubenfelder besitzen; mit dem Einkommen würden sie sehr wohl leben können; es würde sich nicht lohnen, alles hinter sich zu lassen. Im Iran bekomme eine Frau in einer Situation wie die Gesuchstellerin kei- nen festen Lohn und es sei auch nicht nötig, dass Geld auf das Konto der Frau eingezahlt werde (BVGer act. 1). Weder im vorinstanzlichen noch im vorliegenden Verfahren wurden Anga- ben über die konkreten Einnahmen der Familie der Gesuchstellerin ge- macht bzw. entsprechende Belege eingereicht. Weiter fehlen auch Doku- mente, welche den Besitz der Familie an de m Apfel- und Traubenfeld be- legen würden. Zwar sind den vorinstanzlichen Akten diverse Bankbelege zu entnehmen (vgl. SEM act. 6/66 f.), wie jedoch bereits das SEM in der angefochtenen Verfügung feststellte, wurden gemäss Bankauszug vom 6. Dezember 2021 kurz vor Einreichung des Visumgesuchs mehrere nam- hafte Beträge auf das Konto der Gesuchstellerin einbezahlt (SEM act. 6/66). Dieses Vorgehen lässt durchaus den Schluss zu, die Zahlungen seien im Hinblick auf das Visumsverfahren vorgenommen worden. Der Be- schwerdeführer hält dem denn auch beschwerdeweise nichts entgegen. Im Übrigen hätte er die wirtschaftliche Verankerung der Familie der Gesuch- stellerin im Iran ohne Weiteres auch durch das Einreichen von entspre- chenden Kontoauszügen des Ehemannes seines Gastes belegen können. Aufgrund dieser Ausführungen kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Gesuchstellerin bzw. ihre Familie über eine gesicherte wirtschaft- liche Existenz im Iran verfügt. 7.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Gesuchstellerin im Iran keine besonderen beruflichen oder gesellschaftlichen Verpflichtungen obliegen, die sie von einer Emigration abzuhalten vermö chten. Den hinreichenden Beleg einer sicheren wirtschaftlichen Existenz bleibt sie schuldig. Vor die- sem Hintergrund erscheint das Risiko, dass sie die Schweiz nach ihrem F-1576/2022 Seite 10 Aufenthalt nicht wieder verlassen könnte, auch unter Berücksichtigung der vorgebrachten familiären Bindungen im Heimatland, als erheblich. 7.4 Der Wunsch des Beschwerdeführers, die Gesuchstellerin in die Schweiz einladen zu wollen, ist verständlich. Doch gilt es zu bedenken, dass er als Gastgeber – entgegen seinen Vorbringen (Beschwerde S. 3) – nur für gewisse finanzielle Risiken Garantie leisten kann. Es soll denn auch nicht in Abrede gestellt werden, dass er über einen guten Leumund verfügt. Mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkei t kann er hingegen nicht für ein bestimmtes Verhalten se ines Gastes Gewähr bieten (vgl. BVGE 2014/1 E. 6.3.7 m.w.H.; 2009/27 E. 9). 7.5 Sofern der Beschwerdeführer überdies ausführt, die Inlandabklärungen durch die kantonale Migrationsbehörde sowie deren Bestätigung deute auf Vollständigkeit der Unterlagen und auf die Zusage zur Erteilung eines Vi- sums hin (Replik S. 1 unten), so gilt es darauf hinzuweisen, dass die kan- tonale Migrationsbehörde den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 17. Januar 2022 ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, das SEM werde über das Gesuch befinden (SEM act. 6/82). 8. Unter Berücksichtigung der allgemeinen Situation im Heimatland und vor dem dargelegten persönlichen Hintergrund durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und an- standslose Wiederausreise der Gesuchstellerin besteht. Demnach wurde das Visum für den Schengen-Raum zu Recht verweigert. Das SEM stützte sich dabei auf eine hinreichend einzelfallweise Beurteilung des Einreisege- suchs, wobei der vom Beschwerdeführer beanstandete Vergleich mit sei- ner Situation (illegale Einreise in die Schwei z und Familiennachzugsge- such betreffend seine Verlobte; BVGer act. 7 S. 2) nur ein Aspekt von meh- reren darstellte, welche zur Ablehnung des Visumsgesuchs seines Gastes führte. 9. 9.1 Zu prüfen ist schliesslich, ob in casu ein Visum mit räumlich beschränk- ter Gültigkeit gemäss Art. 25 Abs. 1 VK erteilt werden kann (vgl. E. 4.5). 9.2 Der Beschwerdeführer macht dazu geltend, die Gesuchstellerin habe bis zu ihrem 12. Lebensjahr mit ihrer Familie bei ihm gelebt; er kenne sie ganz gut und sie sei wie seine eigene Tochte r (Beschwerde S. 2 unten). Damit beruft er sich sinngemäss auf den in Art. 8 EMRK statuierten Schutz F-1576/2022 Seite 11 des Familien - und Privatlebens (vgl. dazu ausführlich Urteil des BVGer F-1990/2022 vom 28. September 2022 E. 6.3). 9.3 Vorliegend wird weder dargetan, noch ist aus den Akten ersichtlich, dass ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der Rechtsprechung zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Gast besteht, zumal er selbst angibt, bereits im Jahr 2005 in die Schweiz gekommen zu sein (SEM act. 1/7). Bei dieser Sachlage kann aus Art. 8 EMRK kein Anspruch auf Erteilung eines Visums abgeleitet werden. Demzufolge bestehen auch keine Gründe, der Gesuchstellerin ein humanitäres Visum auszustellen. 10. Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochte ne Verfü- gung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Be- schwerde ist daher abzuweisen. Es steht der Gesuchstellerin jederzeit of- fen, ein hinreichend dokumentiertes neues Visumsgesuch zu stellen. 11. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind d ie Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1 ff. des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-1576/2022 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Sie sind durch den bereits geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und die Vorinstanz. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Susanne Stockmeyer Versand: