Bu nde s ve rw altungs ge r icht Tr i buna l adm inis tr a tif fé dé r al Tr i buna le amm inis tr at ivo fe de r ale Tr i buna l adm inis tr a ti v fe de r al Abteilung IV D-5161/2014 U r t e i l v o m 1 0 . O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), Ukraine, vertreten durch Karl Kümin, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Flughafenverfahren) und Akteneinsicht; Verfügungen des BFM vom 20. August 2014 und 4. Sep- tember 2014 / N (…). D-5161/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 1 6. A ugust 2014 ersuchte d er Beschwerdeführer am Flughafen B._______ um Asyl. Er war in Begleitung seiner Mutter, seines Stiefvaters und seiner Schwester (vgl. V erfahren D-5153/2014). Das BFM verweiger- te ihm mit glei chentags eröffneter Zwi schenverfügung vom 1 6. August 2014 gestützt auf Art. 22 AsylG (SR 142.31) die Einreise in die Schweiz vorläufig und wies ihm für die Dauer von maximal 60 T agen den Transit- bereich des Flughafens B._______ als Aufenthaltsort zu. B. Am 19. August 2014 zeigte der Rechtsvertreter de s Beschwerdeführers der zuständigen Behörde seine Mandatsübernahme an. Am 20. Au gust 2014 beantragte er die Aktenedition. Er ersuchte insbesondere um Ein - sicht in d as Einvernahmeprotokoll der Erstbefragung, in die V erfügun g über die verweigerte Einreise und um Zustellung der Beweismittel in Ko- pie. Die V orinstanz wies das Gesuch noch am gleichen T ag unter Hinweis auf Art. 27 Abs. 1 Bst. c VwVG ab. C. Die Befragung zur Person fand am 17. August 2014 statt. Am 28. August 2014 führte das BFM die Anhörung durch. C.a Der Beschwerdeführer machte geltend, der Ethnie der Roma anz u- gehören. Dies habe er verheimlicht. Er habe sich juristisch ausbilden las- sen und bei einer Bank in C._______ – seinem Wohnort – gearbeitet. Er habe fünf Mitarbeitende geführt. Seine Aufgabe habe darin bestanden, säumige Schuldner zu betreiben. Bei andauernder Zahlungsverweigerun- gen sei der Rechtsweg beschritten worden. Die Flucht aus dem Heimat - land sei durch die mafiöse V erfolgung seiner Familie bedingt gewesen. Seine Mutter habe im Juni 2013 in der Öffentlichkeit eine proeuropäische Rede gehalten und den damals im Amt stehenden Präsidenten und des- sen Partei der Regionen als Kriminelle gebrandmarkt. In der Folge sei es zu den von ihr geschilderten V orfällen gekommen (vgl. dazu Bst. C.a im V erfahren D-5153/2014, welches ebenfalls mit Urteil heutigen Datums abgeschlossen wird). Zudem sei sein Arbeitgeber in der Bank proukrai - nisch eingestellt gewesen. Es hätten sich Anschläge auf Abteilungen die- ser Privatbank durch die prorussische Seite ereignet. Das Leben für die Angestellten sei sehr gefährlich geworden. Man habe ihn eine Woche vor der Ausreise geschlagen, bedroht und gesagt, wenn er nicht kündige, ge- wärtige er gravierende Nachteile. Falls er dort weitergearbeitet hätte, wä-D-5161/2014 Seite 3 re es mutmasslich zu schwerwiegenden Übergriffen auch auf seine Per - son gekommen. Ferner habe er befürchtet, in die Armee eingezogen zu werden. Massenweise würden Personen auf offener Strasse angehalten und ohne Kampferfahrung in die Kriegsgebiete geschickt. Zudem habe er bereits V orladungen erhalten. In Anbetracht dieser Situation und der ge- nerell angespannten Lage vor Ort hätten sich er und seine Angehörigen zur Flucht in den Westen entschieden. C.b Für die beim BFM eingereichten Dokumente ist auf die vorinstanzl i- chen Akten zu verweisen (vgl. dazu u.a. die Auflistungen und Erörteru n- gen in A 9/32 S. 7, A 19/1 und A 20/8 S. 3 und 5). D. D.a Mit V erfügung vom 4. September 2014 – eröffnet am selben T ag – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 16. August 2014 ab und ordnete die Wegweisung sowie den V ollzug an. Zur Begrün- dung führte die V orinstanz aus, gemäss seinen Aussagen habe er 2008 den medizinischen Rekrutierungstest durchlaufen und sei als untauglich erachtet worden. Dieser Umstand werde mit einem Eintrag in seinem Mili- tärbüchlein bestätigt. In der Folge sei er weiteren medizinischen Untersu- chungen unterzogen und laut seinen Angaben nie aufgefordert wor den, Dienst zu leisten. In seinem Militärbüchlein sei einzig der T est des Jahres 2008 vermerkt worden. Die von ihm erwähnten weiteren Untersuchungen habe er nicht belegen können. Zudem seien die diesbezüglichen Schilde- rungen ungereimt ausgefallen. Es sei mithin da von auszugehen, dass keine weiteren medizinischen Untersuchungen mehr stattgefunden hätten und er 2008 definitiv für untauglich erachtet wor den sei. Es sei mithin nicht glaubhaft, dass er seitens der Ukraine in den Militärdienst aufgebo- ten werde. Bei der von ihm geltend gemachten Bedrohung wegen seiner Arbeit eine Woche vor der Ausreise sei fraglich, ob d as Vorkom mnis überhaupt als asylrelevant bezeichnet werden könne. Unbesehen dieser Sachlage habe er das angebliche Ereignis pauschal und substanzlos ge- schildert. Überdies habe er den V orfall auch nicht dem Arbeitgeber g e- meldet, was nicht nachvollzogen werden könne. Die Bedrohungslage sei somit nicht glaubhaft. Es sei ihm auch nicht gelun gen, die Fokussierung der Mafia auf seine Familie wegen der Rede seiner Mutter vom Juni 2013 substanziiert vorzutragen. Er habe sich teilweise auf blosse V ermutungen beschränkt. Ferner habe er gemäss Anhö rungsprotokoll die behördliche Kontaktnahme seiner Eltern im Sommer 2014 nicht überzeugend geschil- dert. V or diesem Hintergrund bestehe kein Anlass, von einer drohenden Reflexverfolgung auszugehen. Schliesslich lasse seine akademische und D-5161/2014 Seite 4 berufliche Laufbahn nicht auf eine Diskriminierung aus ethnischen Grün- den schliessen. D.b Den V ollzug der Wegweisung erachtete das BFM als zulässig, zumut- bar und möglich. Die aktuelle Lage namentlich im Osten der Ukraine sei zwar angespannt. Es könne indes nicht von einer bürgerkriegsähnlichen oder allgemeinen Gewaltsituation im ganzen Land gesprochen werden. Zudem bestünden für den Beschwerdeführer in Anbetracht seiner Ausbil- dung und Berufserfahrung sowie der familiären Umstände auch keine in- dividuellen V ollzugshindernisse. Es sei davon auszugehen dass er sich in der Ukraine wieder eine Existenz aufbauen könne. E. E.a Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 11. September 2014 focht der Beschwerdeführer den vorinstanzlichen Entscheid beim Bundesver - waltungsgericht an. Er beantragte die Aufhebung der V erfügung, die An- erkennung als Flüchtling verbunden mit Asylgewährung sowie eventuali- ter die Feststellung der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Ferner ersuchte er um Feststellung, die V er- weigerung der Akteneinsicht gemäss der BFM -Zwischenverfügung vom 20. August 2014 verstosse gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK sowie Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 26 f. VwVG i.V .m. Art. 6 AsylG. Ausserdem beantragte er die Feststellung der U n- rechtmässigkeit und Unangemessenheit der Zuweisung in den Transitbe- reich des Flughafens als Aufenthaltsort. Entsprechend sei ihm die Einrei- se in die Schweiz für die Dauer des V erfahrens zu gestatten. Das vorlie- gende V erfahren sei mit dem V erfahren D-5153/2014 ( [Stief-]Eltern und Schwester) zu vereinigen. Eventuali ter seien die Akten dieses ersti n- stanzlichen V erfahrens (N …) beizuziehen. De m Beschwerdeführer sei Einsicht in die vorinstanzlichen Akten A 8 und A 19 sowie in das im ange- fochtenen Entscheid unter Ziff. 1. 2 erwähnte Militärbüchlein und die an selber Stelle erwähnten Berichte über die An schläge auf die ukrainische D._______ zu gewähren. Es sei ein zwei ter Schriftenwechsel anzuor d- nen, damit sich der Beschwerdeführer zu allen erheblichen Akten äussern könne. Es sei ihm eventualiter Gelegenheit einzuräumen, nach der bean- tragten Akteneinsicht diesbezüglich Stellung zu nehmen. E.b Zur Begründung der Anträge machte d er Beschwerdeführer insbe- sondere geltend, es sei bedenklich, dass Asylsuchende, welche auf lega- lem Weg per Flugzeug direkt vom Heimatland an die Schweizer Grenze flüchteten, im Flughafenverfahren schlechter gestellt seien als eine Per -D-5161/2014 Seite 5 son, welche auf illegalem Weg in die Schweiz gelange. Die Zuweisung in die Transitzone als Aufenthaltsbereich stelle eine lange und unverhältnis- mässige Einschränkung der Bewegungsfreiheit dar. Es liege eine V erlet- zung des Rechts auf persönliche Freiheit nach Art. 5 Ziff. 1 EMRK und Art. 10 Abs. 2 BV sowie des Rechts auf Privat- und Familienleben im Sin- ne von Art. 13 Abs. 1 BV respektive Art. 8 Abs. 1 EMRK und des Rechts auf Meinungs- und Informationsfreiheit gemäss Art. 16 Abs. 1 bis 3 BV und Art. 10 Abs. 1 EMRK vor. Diese schwerwiegen den Freiheits be- schränkungen seien nicht notwendig und nicht verhältnis mässig. Es sei für den Beschwerdeführer schwieriger und kostspieliger, vom Flughafen aus einen Anwalt zu kontaktie ren und mit diesem zu verkehren. Aus fi- nanziellen Gründen habe er auch nicht die T eilnahme des Rechtsvertre- ters an der Anhörung bewirken können. Das Flughafenverfahren sehe für das erstinstanzlichen Abschnitt keinen unentgeltlichen Rechtsvertreter vor, was aber schon aufgrund der verkürzten Beschwerdefrist angebracht wäre. Ausserdem seien dem Mandanten elektronische Geräte abgenom- men worden. Insgesamt seien die V erfahrensrechte erheblich einge - schränkt. V on einem fairen V erfahren könne keine Rede sein. E.c Im Weiteren sei dem Beschwerdeführer mit angefochtener Zwischen- verfügung vom 20. August 2014 die Akteneinsicht verweigert worden. Als Grund habe das BFM angegeben, dass die Untersuchung zu den Asy l- vorbringen noch nicht abgeschlossen sei (Art. 27 Abs. 1 Bst. c VwVG). Diese Praxis verstosse wie erwähnt gegen die relevanten Bestimmungen. Die angefochtene Verfügung sei wegen dieser Gehörsver letzung aufzu- heben. Auch wenn nach Fällung des Endent scheids zumindest ein T eil der V erfahrensakten übermittelt worden sei, bestehe ein grundsätzliches Klärungsbedürfnis dieser Praxis des BFM. V orliegend sei insbesondere um Einsicht in d as Einvernahmeprotokoll der Erstbefragung, die V erfü- gung über die verweigerte Einreise und Zustel lung der Beweismittel in Kopie ersucht worden. Es hätten keine überwiegenden Geheimhaltungs- interessen bestanden. Die Einsicht nahme seien zu Un recht verweigert worden. In das Einvernahmeprotokoll dürfe die Einsicht zwar maximal bis zum Abschluss der Untersuchung verweigert werden. Die erforderlichen Geheimhaltungsinteressen seien aber nicht gegeben ge wesen. Ausser- dem habe die Beschwerdefrist nur fünf T age betragen. Unabhängig davon seien aktuell immer noch nicht alle erwähnten Akten ediert worden. Im Weiteren sei bei der Anhörung des Beschwerdeführers erst nach 50 M i- nuten eine Hilfswerkvertretung dabei gewesen. Diese habe vermerkt, dass der Beschwerdeführer bei der Befragung keine Äusserungen zu r D-5161/2014 Seite 6 allgemeinen Situation in der Ukraine habe machen können. Auch diese Umstände sprächen gegen ein faires V erfahren. E.d Zur Gefährdung in der Ukraine brachte der Beschwerdeführer vor, er befürchte insbesondere, im Falle der Rückkehr gegen sein Gewissen, ge- gen seinen Willen und gegen seine religiöse Überzeugung in die Armee eingezogen und an die Front geschickt zu werden. Die V orinstanz ver- kenne die Glaubhaftigke it der Erklärung des Beschwerdeführers dafür, dass er bei späteren T erminen im Hinblick auf den zu leistenden Militär- dienst das Militärbüchlein nicht mehr mitgenommen habe, weshalb auch entsprechende Einträge fehlen würden. Gemäss der jetzt eingereichten V orladung der Staatsanwaltschaft der E._______ sei er für den (…) Au- gust 2014 vorgeladen worden, um sein Nichterscheinen an der sog e- nannten (…) zu rechtfertigen. Diese habe insbesondere im Zusamme n- hang mit dem Gesetz der "teilweisen Mobilisie rung" stattgefunden. Die ferner eingereichte Notiz besage, dass er aufgefordert worden sei, am (…) Juli 2014 mit diversen Unterlagen bei der zuständigen Militärabte i- lung zu erscheinen. Nach dem Gesagten müsse er konkret befürchten, im Krieg bei Kampfhandlungen einge setzt zu werden. Im Weiteren seien seine Angst zu Behelligungen wegen sei ner Arbeit bei der Bank durch prorussische Schergen durchaus begrün det. Das BFM verkenne de ren Glaubhaftigkeit. Hinzu komme die Gefahr der Reflexverfolgung wegen der Gefährdung seiner Eltern. Sie seien in den Fokus mafiöser Kreise mit dem Drahtzieher F ._______ geraten. Der Organisation stünden einfluss- reiche Personen der Partei der Regionen nahe. Diese Personen seien ak- tuell – wenn auch auf andere Parteien ver teilt – immer noch an der Macht. Das organisierte V erbrechen profitiere von der Unfähigkeit der Si- cherheitskräfte, es zu bekämpfen. Der Be schwerdeführer sei am (…) November 2013 zusammengeschlagen wor den. Entführungen und Folter seien insbesondere im Osten der Ukraine verbreitet. Aber auch die Strafverfolgungsbehörden in C._______ würden – so gemäss einem UNHCR-Bericht – nicht als unabhängig eingeschätzt. Der Fall de s B e- schwerdeführers und seiner Familie sei in Medien geschil dert worden, was die Gefährdung akzentuiere. Noch heute würden V erwandte ihretwe- gen unter Druck gesetzt. Hinzu komme beim Beschwerdeführer die Ge- fahr der Diskriminierung wegen der Roma -Zugehörigkeit. Generell seien seine V orbringen als glaubhaft einzuschätzen. Er habe sich konsistent , lebensnah, übereinstimmend, detailliert und nicht widersprüchlich geäus- sert. D-5161/2014 Seite 7 E.e Der V ollzug der Wegweisung würde nach dem Gesagten insbeson - dere wegen der Schutzlosigkeit des Beschwerdeführers und der drohen- den militärischen Einziehung gegen die relevanten gesetzlichen Bestim - mungen verstossen. E.f Als Beweismittel gab d er Beschwerdeführer Akten des erstinstanzli- chen V erfahrens, eine V orladung der Staatsanwaltschaft der E._______ für den (…) August 2014, eine Notiz, wonach er aufgefordert worden sei, am (…) Juli 2014 mit diversen Unterlagen bei der zu ständigen Militärab- teilung zu erscheinen, zwei Schreiben von V erwandten sowie zwei Arzt- berichte (den Beschwerdeführer und dessen Stief vater betreffend) samt Kurzübersetzungen und aktuellen Fotos sowie ei nen UNHCR-Bericht vom 15. Juli 2014 zu den Akten. F. Mit Zwischenverfügung vom 18. September 2014 stellte das Gericht unter anderem fest, der Beschwerdeführer könne respektive müsse den Ab - schluss des V erfahrens grundsätzlich im Transitbereich des Flughafens B._______ abwarten. Die V erweigerung der Einreise nach Art. 22 Abs. 2 AsylG könne bis zum Zeitpunkt der Eröffnung einer V erfügung nach Art. 23 Abs. 1 AsylG angefochten werden (Art. 108 Abs. 3 AsylG). Letz- tere sei im vorliegenden Verfahren bereits ergangen. Die Überprüfung der Rechtmässigkeit und Angemessenheit der Zuweisung eines Aufenthalts- ortes am Flughafen oder an einem anderen ge eigneten Ort nach Art. 22 Abs. 3 und 4 AsylG könne jederzeit mittels Beschwerde beantragt werden (Art. 108 Abs. 4 AsylG). Die Situation im Transitbereich des Flughafens weise nicht den Standard eines Asylzentrums verbunden mit entspr e- chenden technologischen Möglichkeiten auf, und die Kommunikation zwi- schen dem Beschwerdeführer und dem Rechtsvertreter könne erschwert sein. Es werde indes nicht geltend gemacht, der Kon takt sei unmöglich. Die gerügte Aufenthaltssituation erscheine nicht schon per se als recht s- widrig, zumal sie auf eine maximale Dauer von 60 T agen beschränkt sei. Die weite ren Argumente de s Beschwerdeführers sprächen mangels Stringenz ebenfalls nicht hinreichend gegen einen weite ren V erbleib im Rahmen der gesetzlichen Maximaldauer. Das Gesuch um eine aus seiner Sicht adäqatere Unterbringungsmöglichkeit bis zum V erfahrensabschluss sei daher abzuweisen. Das Gesuch um Akteneinsicht bezüglich der Akte A 8 sei abzuweisen, zumal es sich bei Überprüfungen der Echtheit von Dokumenten praxisgemäss um Akten handle, in deren vollstän dige Ein- sicht aufgrund überwiegender öffentli cher Interessen kein Anspruch b e- stehe und deren wesentlicher Inhalt (dass keine Fälschungsmerkmale er-D-5161/2014 Seite 8 kannt werden konnten) bereits offengelegt worden sei. Hingegen unterlä- gen die eingereichten Beweismittel (A 19, Militärbüchlein und Bericht über die Bank) dem Akten einsichtsrecht. Dem Rech tsvertreter sei zumindest die Möglichkeit einzuräu men, diese vor Ort einzusehen. Das BFM sei gehalten, dieser V orgabe umgehend nachzukommen. Der beantragten V erfahrensvereinigung werde durch eine koordinierte Verfahrensführung Rechnung getragen. G. Am 19. September 2014 gewährte das BFM die angeordnete Aktenein - sicht. H. Am 19. September 2014 nahm der Rechtsvertreter der Beschwerdefü h- renden Akteneinsicht am Flughafen. In seiner ergänzenden Eingabe vom 20. September 2014 hielt er fest, die V orinstanz habe die NGO-Berichte zu den Umtrieben von F ._______ und dessen Gefolgsleuten im angefoch- tenen Entscheid nicht hinreichend berücksichtigt. Im Falle der Rückkehr wären die Beschwerdeführenden den mafiösen Strukturen schutzlos aus- gesetzt. Der Eingabe lagen Berichte der erwähnten NGO bei. I. Mit V ernehmlassung vom 1. Oktober 2014 beantragte das BFM die Ab - weisung der Beschwerde. Die Rechtmässigkeit des Aufenthalts des Be - schwerdeführers in der Transitzone sei bereits in der Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. September 2014 festgestellt worden. Die beiden eingereichten Schreiben im Zusammenhang mit dem Militärdienst des Beschwerdeführers könnten nicht beurteilt werden. Falls es sich um Kopien handle, hätten sie aufgrund von Manipulationsmöglich- keiten einen geringen Beweiswert. Sie seien nicht übersetzt worden. In der Beschwerde werde nicht erklärt, unter welchen Umständen sie hätten beschafft werden können. Darüber hinaus falle auf, dass er die beiden V orladungen bei der Anhörung nicht erwähnt habe. Es sei aber davon auszugehen, dass er über die Existenz eines erneuten Militäraufgebots noch vor der Anhörung in Kenntnis gesetzt worden sei. J. Mit Replik vom 8. Oktober 2014 hielt der Beschwerdeführer an den bishe- rigen V orbringen fest. Insbesondere wurde erneut darauf hingewiesen, dass im Flughafenverfahren angesichts der verkürzten V erfahrensfristen die Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters bereits im Rahmen D-5161/2014 Seite 9 des vorinstanzlichen V erfahren angezeigt wäre. Sodann wurden weitere Beweismitteln beziehungsweise Übersetzungen nachgereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen V erfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine V orinstanz des Bun- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei V orliegen ei- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das V erfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am V erfahren vor der V orinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene V erfügung besonders berührt und hat ein schutz würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist d aher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Bei der Zwischenverfügung vom 20. August 2014 handelt es sich um eine Zwischenverfügung, die nur mit dem Endentscheid angefochten werden kann. Auch diesbezüglich sind demnach die entsprechenden Anforderungen erfüllt. Auf die Be - schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die V erletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-5161/2014 Seite 10 3. Im Verwaltungsverfahren und im spezifischen Asylverfahren gilt der U n- tersuchungsgrundsatz, das heisst die Behörde stellt den rechtserhebli - chen Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V .m. Art. 12 VwVG; vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Die Bestimmung von Art. 13 VwVG beschränkt den Untersuchungsgrundsatz und hält fest, dass die Parteien verpflichtet sind, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwir- ken. Eine im V ergleich zum V erwaltungsverfahren verstärkte Mitwirkungspflicht ist in Art. 8 AsylG vorgesehen und detailliert umschrieben. Dahinter steckt der Grundgedanke, dass die zuständige Behörde den Sachverhalt nicht selber ermitteln muss, wenn ein Asylsuchender die erforderliche Mitwir- kung verweigert. Gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG sind Asylsuchende verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken, und sie müssen insbesondere allfällige Beweismittel vollständig bezeichnen und sie unverzüglich einreichen oder, soweit dies zumutbar erscheint, sich darum bemühen, sie innerhalb einer angemessenen Frist zu beschaffen (BVGE 2009/50 E. 10.2 S. 734 ff., BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 356 f). Der Untersuchungsgrundsatz hat zur Folge, dass das BFM zur richtigen und vollständigen Ermittlung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts verpflichtet ist und auch nach allen Elementen zu forschen hat, die zugunsten der asylsuchenden Person sprechen. Weiter verlangt der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV , SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) unter anderem, dass die verfü gende Behörde die V orbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung ni e- derschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Ferner soll die Abfas sung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid gegebe - nenfalls sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Trag weite des Entscheides ein Bild machen können, wobei sich die verfügende Behörde allerdings nicht ausdrücklich mit je der tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Ein wand auseinandersetzen muss, son dern sich auf die wesentlichen Ge sichtspunkte beschränken kann. Die Begründung s- dichte richtet sich dabei nach dem Verfügungsgegenstand, den V erfa h-D-5161/2014 Seite 11 rensumständen und den Interessen des Betroffenen (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f., mit weiteren Hinweisen). 4. 4.1 Es trifft zwar zu, dass die Hilfswerkvertretung bei der Anhörung des Beschwerdeführers erst 50 Minuten nach Beginn der Anhörung vor Ort war. In der Folge hatte sie aber immer wieder Gelegenheit sich einzubrin- gen, und gab wiederholt zu erkennen, dass sie keine weiteren Fragen mehr habe (A 18/20 Antworten 75, 137 ff., 152, und 158 f.). Ferner bestä- tigte der Beschwerdeführer am Schluss der Anhörung die Korrektheit des rückübersetzten Protokolls. Entsprechend ist nicht davon auszugehen, dass ihm durch das verspätete Erscheinen der Hilfswerkvertretung ein re- levanter Nachteil entstanden ist. Auch im Übrigen entfaltet die Anhörung volle Rechtswirkung, selbst wenn die Hilfswerkvertretung trotz Einladung gar nicht erscheint (vgl. Art. 25 Abs. 2 AsylVO1) Im Weiteren erscheint die V orgehensweise der Befragungsperson anlässlich der Anhörung (Unte r- brechen des Beschwerdeführers bei Schilderungen der allgemeinen Lage in der Ukraine) als zulässig, ging es doch primär darum, seine persönl i- che Betroffenheit zu eruieren (A 18/20 Antworten 80 ff.). 4.2 Soweit der Beschwerdeführer in der Zuweisung der Transitzone des Flughafens als Aufenthaltsort – im Rahmen der noch möglichen Rü gen gemäss Art. 22 Abs. 3 und 4 AsylG – eine Gehörsverletzung erbli ckt, muss ihm widersprochen werden. Bereits in der Zwischenverfügung des Gerichts vom 18. September 2014 wurde auf die Gesetzeskonfor mität dieses Aufenthalts bis zu 60 Tagen hingewiesen. In der detaillierten vor- instanzlichen V ernehmlassung vom 30. September 2014 im V erfahren D-5153/2014 wurde aufgezeigt, dass der dortige Aufenthalt der Stellung einer in die Schweiz eingereisten asylsuchende n Person nahe kommt (vgl. Bst. I. im entsprechenden Urteil heutigen Datums). Als unangenehm wurde verständlicherweise empfunden, dass die elektronischen Geräte sichergestellt worden waren. Die Geräte wurden jedoch nach einigen Ta- gen mit Abschluss des vorinstanzlichen V erfahrens wieder ausgehändigt, weshalb nicht von einem übermässigen oder unverhältnismässigen V or- gehen gesprochen werden kann. Schliesslich ist festzuhalten, dass Kommunikationsmöglichkeiten zur V erfügung gestellt wurden und dem Beschwerdeführer wohl auch Adressen von Rechtsberat ungsstellen, die für ihn angesichts seines familiären Hintergrundes offensichtlich e r- schwinglich gewesen wären, zugänglich gemacht worden sind (vgl. Art. 7 V erordnung des EJPD über den Betrieb von Unterkünften des Bundes im Asylbereich [SR 142.311.23]). Dem Beschwerdeführer ist es denn auch D-5161/2014 Seite 12 offensichtlich gelungen, selbständig eine Vertretung zu organisieren. Die Rüge des Beschwerdeführers, er sei einem unfairen V erfahren ausge- setzt gewesen, greift mithin ins Leere. 4.3 Im Weiteren wurde bereits mit Zwischenverfügung des Gerichts vom 18. September 2014 die Einsicht in die Akte A 8 abgewiesen und das BFM aufgefordert, Einsicht in die Beweismittel samt Beweismittelver- zeichnis zu gewähren. Dieser Aufforderung ist das BFM am 19. Septem- ber 2014 nachgekommen und der Beschwerdeführer hat sich mit Eingabe vom 20. September 2014 ergänzend dazu geäussert. 4.4 Hingegen ist die Rüge bezüglich der Zwischenverfügung des BFM vom 20. August 2014 betreffend Akteneinsicht teilweise zu bestät igen. Das BFM hat es zu Unrecht verweigert, in die Zuweisungsverfügung des BFM vom 1 6. August 2014 und die eingereichten Beweismittel die Ein- sicht zu geben. Gemäss Art. 27 Abs. 3 VwVG sind entsprechende Akten jederzeit zugänglich zu machen. Insofern hat das BFM mit Zwischenver- fügung vom 20. August 2014 das rechtliche Gehör des Beschwerdefü h- rers verletzt. Die Rechtsprechung hat aber aus prozessökono mischen Gründen Leitlinien für eine Heilung von Ge hörsverletzungen auf B e- schwerdeebene entwickelt, nach welchen sich eine Aufhebung der ange- fochtenen V erfügung und Rückweisung der Sache an die V orinstanz er- übrigt, wenn das V ersäumte nachgeholt wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz im streitigen Fall die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf T atbestand und Rechtsanwen- dung zukommt, die festgestellte V erletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit ver- tretbarem Aufwand hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2007/30 E. 8.2 m.w.H.). Diese V oraussetzungen sind als erfüllt zu erachten. So kam die V orinstanz der Anweisung des Gerichts nach und gewährte am 19. Sep- tember 2014 Akteneinsicht. Zudem gab das BFM d em Rechtsvertreter Gelegenheit, die Akten vor Ort einzuse hen. Der geheilten Gehörsverlet- zung ist jedoch im Rahmen der Kostenfolge gebührend Rechnung zu tra- gen. Im Weiteren be steht entgegen den Beschwerdevorbringen kein Grund, die Praxis des BFM zu Art. 27 Abs. 3 VwVG (Edition von Befra - gungsprotokollen erst nach abgeschlossener Untersuchung) in Frage zu stellen, da dabei regelmässig Gründe im Sinne von Art. 27 Abs. 1 VwVG zu erkennen sind. Schliesslich erübrigt sich der beantragte zweite Schrif-D-5161/2014 Seite 13 tenwechsel, da im Rahmen des ersten nach gewährter Akteneinsicht das Replikrecht eingeräumt wurde. 4.5 Die weiteren Rüge des Beschwerdeführers, die V orinstanz habe sich zu wenig mit den Berichten einer NGO auseinandergesetzt beziehungs- weise sie gehe von einem unvollständigen und unzutreffen den Sachver- halt aus, treffen ebenfalls nicht zu. So wurde n namentlich der direkt be- troffenen Mutter des Beschwerdeführers bei der Anhörung wiederholt Fra- gen zur besagten Gruppierung gestellt, und die vorgebrachte Gefähr - dungslage wurde auch im hier angefochtenen Entscheid (im Sinne einer nicht bestehenden Gefahr von Reflexverfolgung) gewürdigt. Auch die gel- tend gemachte Gefährdung wegen der Tätigkeit für die erwähnte Bank ist vom BFM adäquat berücksichtigt worden. 4.6 Die beantragte Kassation wegen V erfahrensmängel kommt mithin nicht in Betracht. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnah men, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere V orbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den T atsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Der Beschwerdeführer fürchtet sich vor einer Reflexverfolgung wegen der insbesondere gegen seine Mutter gerichteten Behelligungen durch eine von F ._______ dominierte mafiöse Organisation. Im Verfahren seiner D-5161/2014 Seite 14 Eltern, welches mit Urteil heutigen Datums ebenfalls negativ entschieden wird, hält das Gericht fest, die angeblich auch noch aktuell drohende V er- folgung durch die Organisation sei nicht glaubhaft (E. 6). Substanziierte Aussagen, welche dieser Einschätzung entgegenstehen würden, fin den sich entgegen den Rekursvorbringen auch in den Akten des Beschwer - deführers nicht. So sind seine Angaben zu politischen Belangen vor Ort und zu den seiner Mutter widerfa hrenen Behelligungen dürftig aus - gefallen. Insbesondere vermochte auch er nicht darzulegen, weshalb die Mutter aktuell nach wie vor im Fokus von F._______ stehen sollte (A 18/20 Antworten 86 ff. und 132 ff.). Demzufolge ist auch für ihn keine re- levante diesbezügliche Gefährdung ersichtlich. Die von ihm diesbezüglich eingereichten Beweismittel sind – wie im Urteil seiner Eltern ausgeführt – nicht hinreichend beweistauglich. 6.2 Behelligungen wegen seiner Arbeit bei der Bank durch prorussische Schergen sind beim Beschwerdeführer zwar nicht auszuschliessen. Die Schilderung des einzigen ihn konkret betreffenden V orfalls eine Woche vor der Ausreise muss indes als ausgesprochen stereotyp bezeichnet werden. Sie weist keine Realkennzeichen auf und vermitt elt nicht den Eindruck von einem tatsächlich erfolgten Angriff (A 18/20 Antwor ten 38 ff.). Entgegen den Beschwerdevorbringen sind so die Voraussetzu n- gen der Glaubhaftigkeit nicht erfüllt. Unbesehen dieser Sachlage weist das BFM zudem zu Recht auf die frag liche Asylrelevanz eines solchen V orfalls hin. Die weitere Befürchtung des Beschwerdeführers, wegen der Roma-Abstammung behelligt zu werden, ist zwar subjektiv nachvollzieh- bar. Hinweise für eine diesbezüglich konkret drohende Ge fahr können den Akten indes auch bei ihm nicht entnommen werden. Schliesslich er- wähnte er den angeblichen V orfall vom (…) November 2013 erst auf Be- schwerdeebene. Unbesehen dieser Sachlage ist dieses Ereignis neun Monate vor der Aus reise wiederum nicht als fluchtrelevant zu q ualifizie- ren, zumal eine andauernde V erfolgungssituation im Zusammenhang mit F ._______ für den Zeitpunkt der Ausreise ja verneint wurde. 6.3 6.3.1 Nebst den bereits erwähnten V erfolgungsgründen befürchtet der Beschwerdeführer den Einzug in die Armee. In diesem Zusammenhang macht er geltend, gemäss der V orladung der Staatsanwaltschaft E._______ sei er für den (…) August 2014 vorgeladen worden, um sein Nichterscheinen an der sogenannten (…) zu rechtfertigen. Diese habe insbesondere im Zusammenhang mit dem Gesetz der "teilweisen Mobili- sierung" stattgefunden. Die ferner eingereichte Notiz besage, dass er D-5161/2014 Seite 15 aufgefordert worden sei, am (…) Juli 2014 mit diversen Unterlagen bei der zuständigen Militärabteilung zu erscheinen. 6.3.2 Die Vorinstanz hält in diesem Zusammenhang zu Recht fest, den eingereichten Dokumenten komme – falls es sich um Kopien handle – aufgrund von Manipulationsmöglichkeiten ein geringer Beweiswert zu. In der Beschwerde werde nicht erklärt, unter welchen Umständen der Be - schwerdeführer sie habe beschaffe n können. Darüber hinaus falle auf, dass die beiden V orladungen bei der Anhörung nicht erwähnt worden sei- en. Die vom BFM thematisierte abschliessende Beurteilung der Doku - mente kann unterbleiben. So ist es das legitime Recht eines Staates, sei- ne Bürger zum Militärdienst einzuberufen. Dass die allfällige militärische Inpflichtnahme in der Ukraine beim Beschwerdeführer aus asylrelevanten Motiven erfolgen würde, kann den Akten nicht entnommen wer den. Es wäre auch in keiner Weise offenkundig, dass er bei e inem Kampfeinsatz im Osten an der Front eingesetzt würde. Allfällige strafrechtliche oder dis- ziplinarische Massnahmen bei Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit der Militärdienstpflicht wären daher grundsätzlich nicht als politisch be- ziehungsweise re ligiös m otivierte oder menschenrechts widrige V erfol- gungsmassnahmen zu betrachten, sollte er entgegen der vorinstanzl i- chen Sichtweise tatsächlich einberufen werden. 7. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass d er Be- schwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaub- haft machen konnte. Die V orinstanz hat die Flüchtlingseigen schaft zu Recht verneint und d as Asylgesuch abgelehnt. An dieser Einschät zung vermögen die weiteren Ausführungen in den Eingaben mangels Stich - haltigkeit nichts zu ändern. Auch die Beweismittel rechtfertigen nach dem Gesagten keine andere Einschätzung. 8. 8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den V ollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). D-5161/2014 Seite 16 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewei- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigst ens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der V ollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche V erpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder e r- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Pra xis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder er - niedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3 Die V orinstanz wies in ihrer angefochtenen V erfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge - fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz de r Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh- rers in die Ukraine ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht- mässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-D-5161/2014 Seite 17 schaffung in den Heimat - beziehungsweise Herkunftsstaat dort mit b e- achtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK ver- botenen Strafe oder Behand lung ausgesetzt wäre. Gemäss Pra xis des EGMR sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste er eine kon- krete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung dro- hen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der Ukraine lässt den Wegwei sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht landesweit als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der V ollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der V ollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr- dung festgestellt, ist – unter V orbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. 9.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass die all gemei- ne Lage in der Ukraine nicht landesweit durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet ist, aufgrund de- rer die Zivilbevölkerung als konkret gefährdet bezeichnet werden müsste. Der V ollzug der Wegweisung ist unter diesen Umständen nicht generell als unzumutbar zu bezeichnen. 9.4.2 Der Beschwerdeführer stammt aus C._______ und mithin nicht aus dem Osten des Landes, wo erneut Kampfhandlungen statt finden. Seine Familie verfügt offenbar nach wie vor über V ermögen und soziale B e- zugspunkte vor Ort. Er ist gut ausgebildet und verfügt über Berufserfah - rung. Es ist entsprechend nicht davon aus zugehen, dass er nach seiner Rückkehr in die Ukraine dort in eine existenzgefährdende Situation gerät. Zudem ist ihm unbenommen, im Sinne einer innerstaatlichen Aufenthalts- alternative beispielsweise in G._______ Wohnsitz zu nehmen. Anzufügen ist, dass die von den Eltern des Beschwerdeführers geltend gemachte Gefährdung in Georgien – woher sein Stiefvater stammt – wegen kauka- sischer Banditen nicht hinreichend konkret auf entspre chende Nachteile hinweist. Entsprechend könnte der Beschwerdeführer allenfalls auch dort zusammen mit den Angehörigen Wohnsitz nehmen. D-5161/2014 Seite 18 9.4.3 Nach dem Gesagten erweist sich der V ollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen V ertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der V ollzug der Wegweisung auch als mög lich zu b e- zeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.6 Zusammenfassend hat die V orinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 10. Aus diesen Erwägung en ergibt sich, dass die angefochtene V erfügung vom 20. August 2014 Bundesrecht teilweise verletzte. Die entsprechende Gehörsverletzung konnte jedoch auf Beschwerdeebene geheilt werden. Die angefochtene V erfügung vom 4. September 2014 verletzt Bun- desrecht nicht und stellt den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig fest (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist in diesem Sinne abzuweisen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des V erfahrens sind die reduzierten Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf in s- gesamt Fr. 300.– festzusetzen (Art. 1–3 VGKE [SR 173.320.2]). 11.2 Sodann ist bezüglich der Akteneinsicht vom partiellen Obsiegen des Beschwerdeführers auszugehen, weshalb ihm eine entsprechend red u- zierte Parteientschädigung für die i hm erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V .m. Art. 7 ff. VGKE). Der Beschwerdeführer hat keine Kostennote ei n- gereicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann jedoch verzichtet werden, zumal der entsprechende Aufwand hinreichend zuverlässig a b- geschätzt werden kann. Unter Berücksichtigung der massgebenden Be- rechnungsfaktoren hat die V orinstanz eine P arteientschädigung von Fr. 300.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. D-5161/2014 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die V erfahrenskosten von Fr. 300.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 T agen ab V ersand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Die V orinstanz wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das V erfah- ren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 300.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber V ersand: