Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. März 2013 (720 12 347 / 62) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Neuanmeldung, Eintreten Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Daniel N oll, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Denis G. Giovannelli, Rechtsanwalt, Baarerstrasse 34, Postfach, 6300 Zug gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1961 geborene A.____ meldete sich am 23. Janu ar 2003 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Durchführung der erforderli- chen Abklärungen wies die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 16. Dezember 2003 ab. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft. A.2 Am 30. März 2005 meldete sich A.____ bei der IV-St elle unter Hinweis auf eine De- pression sowie Nerven-, Gelenk- und Muskelschmerzen erneut zum Leistungsbezug an. Nach Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abklärung der medizinischen, erwerblichen und haushalte rischen Verhältnisse wies die IV- Stelle das Leistungsbegehren am 8. Februar 2007 in Anw endung der gemischten Methode und aufgrund eines rentenausschliessenden IV-Grades von 1% wied erum ab. Die hiergegen beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht), erhobene Beschwerde wurde mit Urteil vom 19. Oktober 2007 (Verfahren Nr. 720 07 122) abgewiesen. A.3 Nachdem der behandelnde Arzt Dr. med. B.____, FMH Allgemeinmedizin, der IV-Stelle am 28. April 2008 eine Verschlechterung des Gesundheitszust andes meldete, klärte diese die Verhältnisse der Versicherten erneut ab. Nach Durchführ ung des Vorbescheidverfahrens wies sie mit Verfügung vom 25. September 2009 in Anwendung der gemischten Bemessungsmetho- de einen Anspruch von A.____ auf eine Rente bei eine m rentenauschliessenden IV-Grad von 10% abermals ab. Die gegen diesen Entscheid erhobene B eschwerde wies das Kantonsgericht mit Urteil vom 24. September 2010 (Verfahren Nr. 720 09 327) ab. A.4 Am 16. Januar 2012 meldete sich A.____ bei der I V-Stelle unter Hinweis auf chroni- sche Rückenschmerzen seit dem Jahr 2002 und eine Bandschei benoperation erneut zum Leis- tungsbezug an. Mit Schreiben vom 19. Januar 2012 wies di e IV-Stelle die Versicherte darauf hin, dass eine Revision nur möglich sei, wenn sie glaubhaft darlege, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit dem ursprünglichen Entscheid in einer für den Anspruch erheblichen Weise verändert hätten. Die IV-Stelle forderte die Versicher te deshalb auf, durch die Einreichung wei- terer Unterlagen bis 17. Februar 2012 darzulegen, dass sich ihr Gesundheitszustand in einer für den Anspruch relevanten Weise verändert habe. Andernfal ls könne auf das Leistungsbegehren nicht eingetreten werden. Nachdem die Versicherte der IV-Stelle innert Frist keine weiteren Un- terlagen einreichte, trat diese mit Verfügung vom 24. Februar 2012 auf das Leistungsbegehren von A.____ nicht ein. Zur Begründung machte sie gelte nd, die Versicherte habe nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse in einer für den Anspruch erheblichen Weise verändert hätten. A.5 Bereits am 24. August 2012 meldete sich A.____ unt er Hinweis auf eine schwere De- pression, Müdigkeit, Rücken-, Gelenk- und Nackenschmerzen seit dem Jahr 2001 abermals bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. In der Folge ford erte die IV-Stelle die Versicherte mit Schreiben vom 31. August 2012 erneut auf, bis 8. Oktober 2012 durch die Einreichung weiterer Unterlagen darzulegen, dass sich ihr Gesundheitszustand in einer für den Anspruch relevanten Weise verändert habe. Sie wies darauf hin, dass bei unb enutztem Fristablauf oder ungenügen- der Glaubhaftmachung der veränderten Verhältnisse auf das Leistungsbegehren nicht eingetre- ten werde. A.____ liess der IV-Stelle in der Folge ei nen Bericht von Dr. med. C.____, FMH All- gemeine Innere Medizin, vom 19. September 2012 zukommen . Nachdem die IV-Stelle bei Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regi onaler Ärztlicher Dienst beider Basel (RAD), eine Stellungnahme zum Bericht des beha ndelnden Arztes eingeholt hatte, trat sie mit Verfügung vom 10. Oktober 2012 auf das Leistung sbegehren von A.____ mit der Be- gründung nicht ein, sie habe nicht glaubhaft dargeleg t, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse in einer für den Anspruch erheblichen Weise verändert hätten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanw alt Denis G. Giovannelli, am 10. November 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie beantragte, in Aufhebung der Verfü- gung vom 10. Oktober 2012 sei ihr mindestens eine Drei viertelsrente zuzusprechen. Eventuali- ter sei die Verfügung vom 10. Oktober 2012 aufzuheben und die IV-Stelle sei anzuweisen, ein Revisionsverfahren einzuleiten und über das Leistungsbegeh ren neu zu befinden; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie den Beizug der Akten des Verfah- rens Nr. 720 09 327 und die Bewilligung der unentgel tlichen Rechtspflege mit Rechtsanwalt Giovannelli als unentgeltlichen Rechtsvertreter. Zur Beg ründung wurde im Wesentlichen ange- führt, dass die Vorinstanz mit dem pauschalen Verweis, di e aktuell dargelegten Diagnosen sei- en bereits in früheren medizinischen Gutachten gewürdig t worden, ihrer Begründungspflicht nicht hinreichend nachgekommen sei. Aufgrund der aktuell en Berichte von Dr. C.____ vom 12. September 2012 und des Spitals G.____ vom 18. Okt ober 2012 sei eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes zumindest glaubhaft gemacht. C. Mit Verfügung vom 14. November 2012 wurde der Beschw erdeführerin die unentgeltli- che Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Rechtsanwalt Giovannelli als unentgeltlichen Rechtsbeistand bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 21. Dezember 2012 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der IV-Stelle Basel-L andschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind g rundsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vor- gängig verbindlich - in Form einer Verfügung - Stellu ng genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sa churteilsvoraussetzung, wenn und in- soweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 f. E. 2.1, 125 V 414 E. 1a mit Hinweisen). Die Beschwerde der Versicherten richtet sich gegen die V erfügung vom 10. Oktober 2012, mit welcher die IV-Stelle auf das neue Leistungsbegehren de r Beschwerdeführerin nicht eingetre- ten ist. Dieser Verwaltungsakt bildet - formell - Anfe chtungsgegenstand des vorliegenden Be- schwerdeverfahrens. In ihrer Beschwerde beantragt die V ersicherte aber nicht nur die Aufhe- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bung der Verfügung, sondern auch die Zusprechung eine r Rente. Über einen Leistungsan- spruch hat die IV-Stelle jedoch nicht verfügt. Insoweit fehlt es somit an den Sachurteilsvoraus- setzungen, so dass über diesen Antrag im vorliegenden Verfahren nicht zu befinden ist. Auf die Beschwerde ist deshalb, soweit mit ihr die Zusprechung vo n Leistungen beantragt wird, nicht einzutreten. 2.1 Die Beschwerdeführerin beanstandet in erster Linie , dass die IV-Stelle in der angefoch- tenen Verfügung vom 10. Oktober 2012 die ihr obliege nde Begründungspflicht „in unhaltbarer und unheilbarer Weise“ verletzt habe. So habe sich die Vorinstanz mit den von Dr. C.____ ge- stellten Diagnosen nicht hinreichend auseinandergesetzt und bloss auf frühere Gutachten ver- wiesen. Bei diesem Einwand handelt es sich um eine Rüge formeller Natur. Sollte sich diese als begründet erweisen, kann dies zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung führen, ohne dass die Angelegenheit materiell beurteilt würde. Der betreffende Einwand ist darum vorab zu prüfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2009, 8C_951/2008, E. 3). 2.2.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch au f rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift (BGE 132 V 370 E. 3.1 mit zahlreichen Hinw eisen). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt das rechtliche Gehör, dass die Behörde die Vorbringen des vom Ent- scheid Betroffenen auch tatsächlich hört, ernsthaft prüft und in ihrer Entscheidfindung ange- messen berücksichtigt (BGE 136 I 188 E. 2.2.1 mit Hinweis). 2.2.2 In Konkretisierung dieses verfassungsrechtlichen Ge hörsanspruchs statuiert Art. 49 Abs. 3 ATSG die grundsätzliche Pflicht der Versicherungst räger, ihre Verfügungen zu begrün- den, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll ent sprechen. Zur Frage, welche Begrün- dungsdichte die Verfügung aufweisen muss, äussert sich di e genannte Bestimmung nicht. Diesbezüglich ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechun g zu verweisen, wonach die Be- gründung so abgefasst sein muss, dass der Betroffene die Verfügung gegebenenfalls sachge- recht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl der Betroffene wie auch die Rechtsmit- telinstanz sich über die Tragweite des Entscheides ein Bil d machen können. Zu diesem Zweck müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihre Verfügung stützt. Di es bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinan- dersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Ent scheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 124 V 181 E. 1 mit Hinweisen; vgl. auch 136 I 188 E. 2.2.1). 2.3 Der Beschwerdeführerin ist einzuräumen, dass die Beg ründung der angefochtenen Ver- fügung vom 10. Oktober 2012 knapp ausgefallen ist. Gle ichwohl wird deutlich, dass nach An- sicht der IV-Stelle der Bericht von Dr. C.____ vom 12. September 2012 keine Diagnosen ent- hält, die nicht schon in früheren Gutachten aufgeführt und gewürdigt worden waren und dass eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustande s nicht genügend glaubhaft ge- macht wurde. Mit dieser Begründung konnte sich die Bes chwerdeführerin über die Tragweite Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Entscheides ein Bild machen. Unter Berücksichtigung, d ass es sich bei der angefochtenen Verfügung um einen Nichteintretensentscheid handelt, b ei dem eine detaillierte inhaltliche Aus- einandersetzung mit den medizinischen Unterlagen nicht e rwartet werden kann, und der Tatsa- che, dass die Beschwerdeführerin sowohl den Inhalt des B erichts von Dr. C.____ vom 12. September 2012 als auch die medizinische Aktenlage a us dem bisherigen Verfahren kennt, erweist sich die Begründung in der angefochtenen Verfügung als ausreichend. Immerhin konnte die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde detailliert be gründen, was indiziert, dass die Überle- gungen, von denen sich die IV-Stelle leiten liess, hin reichend dargelegt wurden. Demnach ist - entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin - eine Verl etzung des rechtlichen Gehörs zu ver- neinen. 3. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung zum Leistungsbezug, welche die Beschwerdefü hrerin am 24. August 2012 ein- reichte, zu Recht nicht eintrat. 3.1 Wurde ein Rentenanspruch der versicherten Person we gen eines zu geringen Invalidi- tätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 4 der V erordnung über die Invalidenversiche- rung (IVV) vom 17. Januar 1961 eine Neuanmeldung zum Rentenbezug nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 3 erfüllt sind. Danach ist von der versicherten Person im Ge- such glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invaliditä t in einer für den Anspruch erhebli- chen Weise geändert hat. Gelingt ihr dies nicht, so wi rd auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (vgl. BGE 117 V 200 E. 4b). Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 3 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Anspruchsprüfung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher beg ründeten Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 112 E. 5.3.1). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht einer neuen Prü- fung so lange entgegen, wie der seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht verändert hat. Die Verwaltung verfügt bei der Beurtei lung der Eintretensvoraussetzungen über einen gewissen Spielraum. So wird sie zu berücksichtigen h aben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und an die Gla ubhaftmachung dementsprechend mehr oder weniger hohe Anforderungen stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen; BGE 109 V 114 E. 2b). 3.2 Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind allerdin gs herabgesetzte Anforderun- gen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im Sozial- versicherungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend ge- machten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, be i eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalid enrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollt en (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substantielle Ansatzpunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darzulege n. Wie das Bundesgericht im Ent- scheid 130 V 64 ff. bekräftigt hat, spielt der Untersuchu ngsgrundsatz, wonach die Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhal- tes zu sorgen hat (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1 a, je mit Hinweisen), insoweit nicht. Wenn die der Neuanmeldung beiliegenden ärztlichen Be richte so wenig substantiiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntn isse allenfalls rechtfertigen würde, ist es der Verwaltung zwar unbenommen, entsprechende Erhebungen anzustellen oder bei der versi- cherten Person Belege nachzufordern, eine Verpflichtun g der IV-Stelle zur Nachforderung wei- terer Angaben (analog zu BGE 130 V 64 ff.) besteht i ndessen nur, wenn den - für sich allein genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden - Arztberi chten konkrete Hinweise entnommen werden können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen erstellbare rechtserheb- liche Änderung vorliegt. Im Übrigen bedeutet eine bl osse Abklärung durch die Verwaltung, so das Einholen eines einfachen Arztberichtes, allein noch ke in materielles Eintreten auf die Neu- anmeldung (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). 4.1 Wie eingangs geschildert, lehnte die IV-Stelle mi t Verfügung vom 25. September 2009 einen Anspruch der Versicherten auf eine IV-Rente gestü tzt auf einen Invaliditätsgrad von 10% ab. Sie stützte sich damals bei der Beurteilung des medizi nischen Sachverhaltes im Wesentli- chen auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. med. E.___ _, FMH Psychiatrie und Psychothera- pie, und Dr. med. F.____, FMH Innere Medizin und Rhe umatologie, vom 14. Februar 2009 und 3. April 2009. Darin diagnostizierte das Expertenteam unter Einbezug der vorhandenen medizi- nischen Unterlagen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkei t aus psychiatrischer Sicht (1) eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), ( 2) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), und in somatischer Hinsicht (3) ein chro- nisches lumbospondylogenes Syndrom rechts (ICD-10 M54). In B ezug auf die Arbeitsfähigkeit gelangten die Gutachter zur Auffassung, dass der Versicher ten aus gesamtmedizinischer Sicht bezogen auf ein Ganztagespensum eine Arbeitsfähigkeit von 80% zuzuerkennen sei. 4.2 Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung vom 24. Aug ust 2012 sind folgende Berichte zu beachten: 4.2.1 Am 12. September 2012 diagnostizierte Dr. C.__ __ eine chronische mittelschwer bis schwer ausgeprägte Depression, eine anhaltende somatofor me Schmerzstörung, einen Status nach Fenestration und Diskektomie L5/S1 rechts, eine ch ronische Bronchitis und eine Hyper- cholesterinanämie. Die Versicherte leide seit Jahren an einer somatoformen Schmerzstörung mit einer chronischen mittelschweren bis schweren Depressio n. Jegliche therapeutische Be- handlungsversuche seien bisher nicht zufriedenstellend e rfolgreich verlaufen. Für eine ange- passte Tätigkeit bestünde aktuell eine Arbeitsfähigkeit von maximal 40%. 4.2.2 In seiner Stellungnahme vom 26. September 2012 hielt RAD-Arzt Dr. D.____ fest, dass keine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes d er Beschwerdeführerin aus- gewiesen sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.3 Im Bericht des Spitals G.____ vom 18. Oktober 20 12 wurden sodann ein chronisches zerviko- und lumbovertebrales Schmerzsyndrom, ein myofasziale s Schmerzsyndrom, ein Vita- min D-Mangel, eine somatoforme Schmerzstörung, aktenanam nestisch eine mittelschwere de- pressive Episode und ein Nikotinabusus diagnostiziert. Für e ine leichte bis wechselbelastende Tätigkeit bestünde eine Arbeitsfähigkeit von 40%. Im Verlauf des stationären Aufenthaltes vom 1. bis 17. Oktober 2012 habe sich unter intensiver physio therapeutischer Behandlung im Rah- men eines komplexen rheumatologischen Behandlungsschema s eine deutliche Besserung der Beschwerden eingestellt. 4.3 Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, dass sie m it den vorstehend zitierten Berich- ten von Dr. C.____ vom 12. September 2012 und des Sp itals G.____ vom 18. Oktober 2012 eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes zumindest glaubhaft gemacht hat. Dieser Betrachtungsweise kann mit Blick auf die Beurteilung de r Dres. E.____ und F.____ vom 14. Februar 2009 und 3. April 2009 nicht gefolgt we rden. Die IV-Stelle weist in ihrer Vernehm- lassung zu Recht darauf hin, dass aus den erwähnten weitg ehend unbegründeten und deshalb nicht nachvollziehbaren Berichten von Dr. C.____ und de m Spital G.____ keine hinreichenden Hinweise auf eine rechtserhebliche psychische oder somatisc he Verschlechterung des Ge- sundheitszustandes ersichtlich sind. Die Formulierung im Be richt von Dr. C.____, wonach die Versicherte seit Jahren an einer somatoformen Schmerzstör ung und einer chronischen mittel- schweren bis schweren Depression leide, impliziert vielmehr einen seit längerer Zeit bestehen- den unveränderten Gesundheitszustand. Auch aus dem Bericht des Spitals G.____ ergeben sich keine hinreichenden Hinweise auf eine dauerhafte V erschlechterung des Gesundheitszu- standes. Dem Bericht ist nämlich zu entnehmen, dass sich be reits während dem stationären Aufenthalt eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszust andes eingestellt hat. Aufgrund dieser Berichte gelingt es der Beschwerdeführerin - wie die IV-Stelle zutreffend festgehalten hat - nicht, eine anspruchserhebliche Änderung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin glaubhaft zu machen. Demnach ist die IV-Stelle, welche bei der Beur- teilung der Eintretensvoraussetzungen ohnehin über eine n gewissen Spielraum verfügt (vgl. E. 3.1 hiervor), zu Recht auf das Leistungsbegehre n der Versicherten nicht eingetreten. Nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwerdeführe rin schliesslich aus dem Umstand, dass die IV-Stelle beim RAD-Arzt Dr. D.____ eine kurze Stellungnahme (vom 26. September 2012) zum Bericht von Dr. C.____ eingeholt hat. Wie o ben aufgezeigt (vgl. E. 3.3 hiervor), stellt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Vornah me blosser Abklärungen durch die Verwaltung - wie etwa das Einholen eines einfachen Ar ztberichtes oder einer kurzen Stellung- nahme des RAD - allein noch kein materielles Eintreten auf ein neues Leistungsbegehren dar. 4.4 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV- Stelle auf die Neuanmeldung der Versicherten vom 24. August 2012 zu Recht nicht eingetreten ist. Die gegen die betreffende Verfügung der IV-Stelle vom 10. Oktober 2012 erhobene Beschwerde erweist sich als unbe- gründet, weshalb sie abzuweisen ist, soweit darauf eingetreten werden kann. 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist aller- dings mit Verfügung vom 14. November 2012 die unentg eltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 5.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 14. N ovember 2012 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wurde, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 180.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwer deführerin hat in seiner Honorarnote vom 11. November 2012 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 9,1 Stunden und Auslagen von Fr. 35.80 geltend gemacht, was sich umfangm ässig in Anbetracht der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erwe ist. Dem Rechtsvertreter ist des- halb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'807.70 (9,1 Stunden à Fr. 180.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 35.80 + 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1'807.70 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht