Kantonsgericht Schwyz Beschluss vom 17. Januar 2020 BEK 2019 118 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsidentin lic. iur. Daniela Pérez-Steiner, Kantonsrichter Clara Betschart und Josef Reichlin, Gerichtsschreiber MLaw Patrick Neidhart. In Sachen A.________, Privatklägerin und Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwältin B.________, gegen Kantonale Staatsanwaltschaft, Postfach 75, Sicherheitsstützpunkt Biberbrugg, 8836 Bennau, Strafverfolgungsbehörde und Beschwerdegegnerin, vertreten durch Staatsanwalt C.________, betreffend unentgeltliche Rechtspflege (Beschwerde gegen die Verfügung der kantonalen Staatsanwaltschaft vom 12. Juni 2019, SUB 2014 265);- hat die Beschwerdekammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. a) Am 16. Dezember 2015 stellte A.________ (nachfolgend Beschwer- deführerin) als Privatklägerin im Strafverfahren gegen D.________ bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz ein Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Rechtspflege (U-act. 3.1.012). Mit Schreiben vom 21. Dezember 2015 bestätigte die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz den Eingang des Gesuchs und teilte der Beschwerdeführerin mit, dass nach Eingang der not- wendigen Unterlagen darüber entschieden werde (U-act. 3.1.013). Am 24. April 2019 setzte die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz der Be- schwerdeführerin Frist an, um das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zu begründen (U-act. 3.1.023). Die Beschwerdeführerin reichte am 20. Mai 2019 diverse Unterlagen zur Begründung des Gesuchs ein (U-act. 3.1.025). Mit Verfügung vom 12. Juni 2019 wies die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz das Gesuch ab und hielt fest, dass gemäss den einge- reichten Unterlagen einem monatlichen Nettoeinkommen von Fr. 6‘715.75 ein Grundbedarf von ca. Fr. 4‘150.00 entgegenstehe, weshalb die Mittellosigkeit der Beschwerdeführerin nicht gegeben sei (U-act. 3.1.026). b) Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 24. Juni 2019 Beschwerde mit folgenden Anträgen (KG-act. 1): 1. Die Verfügung der Staatsanwaltschaft Schwyz vom 12. Juni 2019 sei aufzuheben. 2. Der Beschwerdeführerin sei für das Vorverfahren in der Strafsache D.________ die vollumfänglich unentgeltliche Rechtspflege inkl. Verbeiständung zu gewähren. 3. Eventualiter sei die Angelegenheit zur inhaltlichen Prüfung und Neuverfügung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 4. Für das vorliegende Beschwerdeverfahren sei der Beschwerdefüh- rerin ebenfalls die unentgeltliche Rechtspflege inkl. Verbeistän- dung zu gewähren. 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Gegenpar- tei bzw. zu Lasten des Staates.Kantonsgericht Schwyz 3 Am 26. Juni 2019 reichte die Beschwerdeführerin weitere Unterlagen ein, wel- che versehentlich nicht der Beschwerde beigelegt worden seien (KG-act. 3). Mit Beschwerdevernehmlassung vom 28. Juni 2019 beantragte die Staatsan- waltschaft des Kantons Schwyz die Abweisung der Beschwerde und führte zur Begründung im Wesentlichen aus, dass auch die Berücksichtigung der Versi- cherungsprämien KVG von monatlich ca. Fr. 730.00 sowie ein um 25 % erwei- terter Grundbedarf nichts daran ändern würden, dass keine Mittellosigkeit vor- liege (KG-act. 5). Diese Eingabe wurde der Beschwerdeführerin zur Kenntnis zugestellt (KG-act. 6). 2. Die Beschwerdeführerin rügt im Wesentlichen, die Vorinstanz habe in der angefochtenen Verfügung nicht ausgewiesen, wie sie auf den monatlichen Bedarf komme. Eine substantiierte Anfechtung der einzeln angerechneten oder nicht angerechneten Positionen sei deshalb nicht möglich. Es sei zu vermuten, dass die Vorinstanz auf der Einkommensseite der Beschwerdefüh- rerin zwar die Waisenrenten der beiden Kinder angerechnet habe, jedoch auf der Bedarfsseite keine Auslagen für die Kinder. Die beiden erwachsenen Töchter würden bei der Beschwerdeführerin leben und seien vollständig auf deren finanzielle Unterstützung angewiesen. Die ältere Tochter E.________ befinde sich im Studium und die jüngere Tochter G.________ absolviere eine Lehre, in welcher sie einen monatlichen Bruttolohn von Fr. 800.00 erhalte. Dieses Einkommen dürfe der Beschwerdeführerin aber nicht zu 100 % ange- rechnet werden, sondern höchstens zu einem Drittel. Auf der Bedarfsseite seien sodann die Ausgaben für die beiden Töchter zu berücksichtigen. Hierzu führt die Beschwerdeführerin eine detaillierte Auflistung der einzelnen Be- darfspositionen auf (KG-act. 1, S. 3 f.). Aus der Gegenüberstellung der Ein- kommens- und Auslagensituation sei ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin bedürftig im Sinne des Gesetzes sei und daher nicht in der Lage sei, die Kos- ten des Vorverfahrens zu finanzieren. Sodann seien auch die Voraussetzun- gen für eine anwaltliche Vertretung erfüllt, weil es sich um einen komplexen Fall von langjährigen Vergewaltigungen und weiteren Straftatbeständen inner-Kantonsgericht Schwyz 4 halb der Familie mit der Entstehung von zwei Kindern aus diesen Straftaten heraus handle. 3. a) Mangels einer allgemeinen Regelung des Novenrechts in der StPO (mit Ausnahme von Art. 398 Abs. 4 StPO betreffend die Berufung) sind gemäss Lehre und bundesgerichtlicher Rechtsprechung neue Tatsachen und Beweismittel im Beschwerdeverfahren zulässig (BGE 141 IV 396, E. 4.4; BGer, Urteil 1B_768/2012 vom 15. Januar 2013, E. 2.1; Guidon, in: Nigg- li/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro- zessordnung, Bd. II, 2. A., 2014, N 16 zu Art. 393 StPO; Keller, in: Do- natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafpro- zessordnung, 2. A., 2014, N 42 zu Art. 393 StPO; Schmid/Jositsch, Schweize- rische StPO, Praxiskommentar, 3. A., 2018, N 16 zu Art. 393 StPO; vgl. auch Kantonsgericht Schwyz, Beschluss BEK 2017 66 vom 26. Oktober 2016, E. 3b.aa m.w.H.). Dabei zulässig erscheinen sowohl echte wie unechte No- ven. Letztere sind in zeitlicher Hinsicht begrenzt, weil sie innerhalb der zehntägigen Beschwerdefrist von Art. 396 Abs. 1 StPO bzw. innert einer allen- falls angesetzten, kurzen Nachfrist (Art. 385 Abs. 2 StPO) vorgebracht werden müssen (Guidon, a.a.O., N 16 zu Art. 393 StPO). Weil die Beschwerdeführerin einen Teil der Unterlagen zu den Vorbringen in der Beschwerde versehentlich nicht mit der Beschwerde, sondern umgehend nach Erkennen des Versehens am 26. Juni 2019 einreichte (KG-act. 3) und weil die Ansetzung einer Nachfrist unter anderem gerade bei Versehen in Frage kommt (vgl. Keller, a.a.O., N 15 zu Art. 396 StPO), erscheint es im vorliegenden Fall ausnahmsweise gerecht- fertigt, auch die mit Eingabe vom 26. Juni 2019 eingereichten Belege noch zu berücksichtigen. b) Gemäss Art. 136 Abs. 1 StPO gewährt die Verfahrensleitung der Privat- klägerschaft für die Durchsetzung ihrer Zivilansprüche ganz oder teilweise die unentgeltliche Rechtspflege, wenn die Privatklägerschaft nicht über die erfor- derlichen Mittel verfügt (lit. a) und die Zivilklage nicht aussichtslos erscheint Kantonsgericht Schwyz 5 (lit. b). Die Voraussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege im Strafpro- zessrecht entsprechen den allgemeinen zivilprozessualen Grundsätzen betref- fend die unentgeltliche Rechtspflege (vgl. Art. 117 ZPO; Lieber, in: Do- natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafpro- zessordnung, 2. A., 2014, N 4 zu Art. 136 StPO). Mittellosigkeit liegt vor, wenn eine Person für die Prozesskosten nur dann aufkommen kann, wenn Mittel beansprucht werden müssen, die sie zur Deckung des Grundbedarfs für sich und ihre Familie benötigt (BGE 135 I 221 = Pra 99 [2010] Nr. 25, E. 5.1; Rüegg/Rüegg, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A., 2017, N 7 zu Art. 117 ZPO). Zur Feststellung und Bemessung der Bedürftigkeit sind die Einkommens- und Vermögensverhältnisse dem Aufwand für den notwendigen Lebensunterhalt gegenüberzustellen. Der Gesuchsteller muss seine Einkünfte, seine Vermö- genslage und seine finanziellen Verpflichtungen vollständig angeben und so- weit möglich belegen (BGE 135 I 221 = Pra 99 [2010] Nr. 25, E. 5.1; BGE 120 Ia 179, E. 3a; Emmel, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A., 2016, N 4 zu Art. 117 ZPO). Das gesamte Nettoeinkommen ist anzurechnen (vgl. Rüegg/ Rüegg, a.a.O., N 9 zu Art. 117 ZPO; Emmel, a.a.O., N 6 zu Art. 117 ZPO). Zur Bestimmung des notwendigen Lebensunterhalts ist grundsätzlich vom betrei- bungsrechtlichen Existenzminimum auszugehen. Es ist den individuellen Um- ständen Rechnung zu tragen (BGE 124 I 2, E. 2a; Rüegg/Rüegg, a.a.O., N 7 zu Art. 117 ZPO; Emmel, a.a.O., N 9 zu Art. 117 ZPO). Bei einer notwendigen Unterstützung eines mündigen Kindes durch die Eltern im Rahmen von Art. 277 Abs. 2 ZGB bis zum Abschluss der ordentlichen Berufsausbildung ist – gleich wie bei den unmündigen, im gleichen Haushalt wie der Gesuchsteller lebenden Kindern – grundsätzlich eine Gesamtberechnung vorzunehmen (Wuffli/Fuhrer, Handbuch unentgeltliche Rechtspflege im Zivilprozess, 2019, S. 94 f.; vgl. auch LGVE 2011 I Nr. 29).Kantonsgericht Schwyz 6 c) Das Erwerbseinkommen der Beschwerdeführerin besteht aus einer Wit- wenrente in Höhe von Fr. 9‘456.00 pro Jahr (= Fr. 788.00 monatlich; U-act. 3.1.025/09) sowie einem Nettolohn aus unselbständiger Erwerbstätig- keit von Fr. 61‘677.00 pro Jahr (= Fr. 5‘139.75 monatlich; U-act. 3.1.025/10). Das monatliche Nettoeinkommen der Beschwerdeführerin beträgt demzufolge Fr. 5‘927.75 (= Fr. 788.00 + Fr. 5‘139.75). Wie bei der Erwerbstätigkeit eines unmündigen Kindes gilt auch für das mün- dige, in Ausbildung befindende Kind der Grundsatz, wonach dieses nicht ver- pflichtet ist, seinen ganzen (Lehrlings-)Lohn seinen Eltern zur Finanzierung von Prozesskosten zur Verfügung zu stellen. Es rechtfertigt sich jedoch, das Erwerbseinkommen des Kindes in Höhe von einem Drittel seines Nettoein- kommens zum Einkommen der Eltern hinzuzurechnen (Bühler, in: Haus- heer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Bd. I, 2012, N 156 und 160 zu Art. 117 ZPO). Beide Kinder der Beschwerde- führerin sind volljährig und erhalten je eine Waisenrente in Höhe von Fr. 4‘728.00 pro Jahr bzw. Fr. 394.00 monatlich (U-act. 3.1.025/09). Sodann erhält die jüngere Tochter G.________ für das erste Lehrjahr einen monatli- chen Bruttolohn von Fr. 800.00 (KG-act. 1/2). Angesichts dessen, dass ein 13. Monatslohn vereinbart wurde und unter Berücksichtigung der gesetzlichen Sozialabzüge sowie der zusätzlichen Abzüge gemäss Lehrvertrag (KG- act. 1/2, Ziff. 7,11 und 12) ist von einem monatlichen Nettolohn von rund Fr. 800.00 (x 12) auszugehen. Das Einkommen der beiden Kinder beträgt folglich total Fr. 1‘588.00 pro Monat. Davon sind 1/3, d.h. Fr. 529.35 (= Fr. 1‘588.00 / 3) zum Einkommen der Beschwerdeführerin hinzuzurechnen. Demnach beläuft sich das anrechenbare Einkommen der Beschwerdeführerin auf Fr. 6‘457.10 (= Fr. 5‘927.75 + Fr. 529.35). d) Der Bedarf der Beschwerdeführerin zusammen mit den beiden in Aus- bildung befindenden, volljährigen Kinder gestaltet sich wie folgt: Der Grundbe- trag für die Beschwerdeführerin beträgt gemäss Ziff. I.1.2 der Richtlinien für Kantonsgericht Schwyz 7 die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums nach Art. 93 SchKG (Notbedarf) vom 7. Dezember 2009 (nachfolgend Richtlinien Notbe- darf) Fr. 1‘350.00. Die Grundbeträge der beiden Töchter betragen bis zum Abschluss der Erstausbildung je Fr. 600.00 (Ziff. I.1.4 Richtlinien Notbedarf). Auf diese Grundbeträge ist nach Ziff. I der Richtlinien der Gerichtspräsiden- tenkonferenz vom 3. November 2003 (mit Änderung vom 7. November 2007 und Anpassung an § 5 GebTRA i.d.F. vom 11. März 2008 bzw. 7. Dezember 2010; nachfolgend UP-Richtlinien) ein maximaler Zuschlag von 30 % zu ge- währen, mithin für die Beschwerdeführerin Fr. 405.00 (= 30 % von Fr. 1‘350.00) und für die beiden Töchter je Fr. 180.00 (= 30 % von Fr. 600.00). Sodann betragen die Wohnkosten Fr. 1‘600.00 (U-act. 3.1.025/08), die KVG-Prämien der Beschwerdeführerin Fr.353.50 (= Fr. 4‘242.00 / 12; U-act. 3.1.025/03), diejenigen der Tochter G.________ Fr. 95.00 und jene von E.________ Fr. 239.80 (KG-act. 3/3). Ferner weist die Beschwerdeführerin selbstgetragene Krankheitskosten von monatlich Fr. 39.28 (= Fr. 471.40 / 12) für sich (U-act. 3.1.025/03), Fr. 2.02 (= Fr. 24.25 / 12) für G.________ (U-act. 3.1.025/05) und Fr. 25.58 (= Fr. 306.95 / 12) für E.________ aus (U-act. 3.1.025/06). Nicht zu berücksichtigen sind sodann die Prämien für die Zusatzversicherungen nach VVG (vgl. Ziff. II.3 Richtlinien Notbedarf mit Hin- weis auf BGE 134 III 323). Für die Tochter G.________ macht die Beschwer- deführerin Kosten für den öffentlichen Verkehr von Fr. 35.00 geltend, weil die- se ein- bis zweimal pro Monat Kurse in anderen Kantonen besuchen müsse. Als Belege für diese Kosten reicht sie insgesamt drei Fahrkarten ein (Schwyz- Lenzburg [Fr. 35.00] am 20. Mai 2019; Schwyz-Zürich Stettbach [Fr. 27.00] am 23. April 2019 und Schwyz-Zürich Stettbach [Fr. 27.00] am 18. März 2019; KG-act. 1/4). Die ausgewiesenen Kosten für diese drei Monate betragen somit im Schnitt Fr. 30.00 pro Monat (= [Fr. 35.00 + Fr. 27.00 + Fr. 27.00] / 3). Da- von ausgehend, dass diese Kosten tatsächlich jeden Monat anfallen, ist für die Tochter G.________ somit ein monatlicher Betrag für den öffentlichen Verkehr von Fr. 30.00 anzurechnen. Für die Tochter E.________ macht die Be- schwerdeführerin Ausbildungskosten von Fr. 117.80 pro Monat geltend und Kantonsgericht Schwyz 8 reicht eine Rechnung der H.________ vom 31. Januar 2019 über den Betrag von Fr. 707.00 für das Frühlingssemester ein (KG-act. 3/5). Die Kosten sind im behaupteten Umfang ausgewiesen und somit im Bedarf der Beschwerde- führerin zu berücksichtigen. Überdies führt die Beschwerdeführerin Kosten für das Auto (Fr. 400.00) und für auswärtige Verpflegung (Fr. 220.00) auf und führt aus, sie sei für ihre Arbeit auf ein Auto angewiesen und fahre täglich viermal eine Strecke von 2 km. Die Beschwerdeführerin wohnt in Seewen und arbeitet in Seewen oder Schwyz (U-act. 3.1.025/13). Inwiefern sie auf ein Auto angewiesen ist, legt sie nicht dar. Ebenso wenig begründet sie, weshalb sie bei diesem kurzen Arbeitsweg auf eine auswärtige Verpflegung angewiesen sein soll. Die entsprechenden Kosten sind somit im Bedarf nicht zu berück- sichtigen. Folglich sind auch die Kreditkosten für das Auto, welche aufgrund des von der Beschwerdeführerin aufgeführten Betrags von Fr. 505.20 offenbar einen Kredit bei der F.________ AG (Bank I) (U-act. 3.1.025/04; KG-act. 3/9) betreffen, nicht zum Bedarf hinzuzurechnen, nachdem die Beschwerdeführe- rin nicht nachweist, weshalb sie auf das Auto beruflich oder aber allenfalls anderweitig zwingend angewiesen ist. Des Weiteren führt die Beschwerdefüh- rerin in ihrer Bedarfsberechnung die Abzahlung eines Bankkredits von monat- lich Fr. 494.35 auf. Hierzu legt sie eine Zinsbescheinigung der I.________ AG (Bank II) (U-act. 3.1.025/07) sowie einen Beleg über eine einmalige Zahlung am 4. Juni 2019 in Höhe von Fr. 494.35 (KG-act. 3/9) ins Recht. Ferner macht die Beschwerdeführerin Steuern in Höhe von Fr. 220.00 monatlich geltend. Private Schuldverpflichtungen und Steuern sind nur zu berücksichtigen, wenn der Gesuchsteller deren bisherige regelmässige Amortisation nachweist (BGE 135 I 221 = Pra 99 [2010] Nr. 25, E. 5.2.1; Bühler, a.a.O., N 198 zu Art. 117 ZPO). Mit der einmaligen Bezahlung von Fr. 494.35 an die I.________ AG (Bank II) weist die Beschwerdeführerin noch keine regelmäs- sige Amortisation in der genannten Höhe nach. Hinsichtlich der Steuern belegt die Beschwerdeführerin gar keine Zahlungen und reicht auch keine Veranla- gungsverfügung ein. Unter diesen Umständen sind diese Positionen nicht hin- reichend belegt und folglich nicht im Bedarf der Beschwerdeführerin zu Kantonsgericht Schwyz 9 berücksichtigen. Weil die gesuchstellende Person ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse betreffend eine umfassende Mitwirkungsobliegenheit trifft bzw. die Beschwerdeführerin anwaltlich vertreten ist, entfällt die Verpflich- tung, eine Nachfrist anzusetzen, um ein unvollständiges oder unklares Ge- such zu verbessern (vgl. BGer, Urteil 4A_114/2013 vom 20. Juni 2013, E. 4.3.2; vgl. BGer, Urteil 5A_26/2008 vom 4. Februar 2008, E. 3.2 m.w.H.). Zusammenfassend ergibt sich für die Beschwerdeführerin zusammen mit ih- ren beiden Töchtern folgende Bedarfsrechnung: Bedarfsposition Beschwerde- führerin G.________ E.________ Grundbetrag Fr. 1‘350.00 Fr. 600.00 Fr. 600.00 Zuschlag 30 % Fr. 405.00 Fr. 180.00 Fr. 180.00 Wohnkosten Fr. 1‘600.00 KVG-Prämien Fr. 353.50 Fr. 95.00 Fr. 239.80 ungedeckte Krankheitskosten Fr. 39.28 Fr. 2.02 Fr. 25.58 Öffentlicher Verkehr Fr. 30.00 Ausbildungskosten Fr. 117.83 Total einzeln Fr. 3‘747.78 Fr. 907.02 Fr. 1‘163.21 Total gesamt Fr. 5‘818.01 e) Ausgehend vom anrechenbaren Einkommen von Fr. 6‘457.10 verbleibt der Beschwerdeführerin nach Abzug des Bedarfs (Fr. 5‘818.00 gerundet) so- mit ein Überschuss von Fr. 639.10 (= Fr. 6‘457.10 - Fr. 5‘818.00) pro Monat. Der Einkommensüberschuss muss so gross sein, dass es dem Gesuchsteller möglich ist, die mutmasslichen Prozesskosten für ein relativ einfaches Verfah-Kantonsgericht Schwyz 10 ren innert einem Jahr und für ein komplexeres Verfahren innert zwei Jahren ratenweise zu bezahlen (BGE 135 I 221 = Pra 99 [2010] Nr. 25, E. 5.1; Bühler, a.a.O., N 222 zu Art. 117 ZPO). Die Beschwerdeführerin bringt selber vor, es handle sich um einen komplexen Fall und eine schwierige Situation. Dafür spricht auch der Umstand, dass das Vorverfahren mehrere Jahre dauerte. Es ist folglich von einem komplexen Verfahren auszugehen, weshalb die Be- schwerdeführerin mit ihrem Einkommensüberschuss in der Lage sein muss, die mutmasslichen Verfahrenskosten, welche in ihrem Fall hauptsächlich in Form von eigenen Anwaltskosten bestehen, innerhalb von zwei Jahren raten- weise zu bezahlen. Beim errechneten Überschuss von Fr. 639.10 pro Monat bedeutet dies, dass die mutmasslichen Kosten den Betrag von Fr. 15‘338.40 (= Fr. 639.10 x 24) nicht übersteigen dürfen. Der Aufwand für die Rechtsver- treterin der Beschwerdeführerin im Vorverfahren, worauf sich ihr Antrag aus- drücklich beschränkt, bestand im Wesentlichen in der Anwesenheit an diver- sen Einvernahmen (U-act. 10.1.008, 10.1.009, 10.1.010, 10.1.011, 10.1.015, 10.1.018 und 10.1.019). Angesichts der Dauer dieser Einvernahmen sowie der benötigten An- und Rückreisezeit (ca. 45 Minuten pro Weg) beläuft sich der Aufwand der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin für die Teilnahme an den Einvernahmen auf ungefähr 30 Stunden. Auch unter Berücksichtigung weiterer notwendiger Aufwendungen für Besprechungen, Korrespondenz und allfällige rechtliche Abklärungen sowie einem maximal ortsüblichen Stunden- ansatz von Fr. 250.00 ist die Beschwerdeführerin mit dem errechneten Über- schuss in der Lage, die mutmasslichen Kosten des Vorverfahrens innert zwei- er Jahre zu bezahlen. Demzufolge ist die Mittellosigkeit nicht gegeben und das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen bzw. die angefochtene Verfügung zu bestätigen. Weitere Ausführungen im Zusammenhang mit Art. 136 Abs. 1 lit. b StPO erübrigen sich.Kantonsgericht Schwyz 11 4. Ausgangsgemäss gehen die Kosten des Beschwerdeverfahrens von pauschal Fr. 800.00 zu Lasten der unterliegenden Beschwerdeführerin (Art. 428 Abs. 1 StPO). Aufgrund des errechneten Überschusses (vgl. E. 3 vorstehend) und in Anbetracht des verhältnismässig geringen Aufwands für die Ausarbeitung der fünfseitigen Beschwerde (KG-act. 1) ist die Beschwerde- führerin ohne Weiteres in der Lage, die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen, weshalb auch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren abzuweisen ist;-Kantonsgericht Schwyz 12 beschlossen: 1. Die Beschwerde sowie das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Beschwerdeverfahren werden abgewiesen. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 800.00 werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. 3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsa- chen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Be- schwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. 4. Zufertigung an Rechtsanwältin B.________ (2/R), die Oberstaatsanwalt- schaft (1/R), die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz (1/R, mit den Akten) und an die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der Beschwerdekammer Die Kantonsgerichtsvizepräsidentin Der Gerichtsschreiber Versand 22. Januar 2020 kau