<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 33 S.134</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">134</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>33</b></span> <span class="ft2"><b>Baubewilligungsgebühr; Verfassungskonformität der Gebührenverord-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nung, soweit diese den Behandlungsaufwand unberücksichtigt lässt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 9. August 2007 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen U. AG und P. AG gegen Regierungsrat (WBE.2006.370).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">135</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Sachverhaltszusammenfassung</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Am 31. März 2005 stellten die U. AG und die P. AG als Bau-</span><br/> <span class="ft1">konsortium "Hofzelg" bei der Gemeinde Niederrohrdorf ein Bauge-</span><br/> <span class="ft1">such für eine Wohnüberbauung mit 6 Mehrfamilienhäusern und einer</span><br/> <span class="ft1">Tiefgarage auf den Parzellen 560, 561 und 568, innerhalb der Bau-</span><br/> <span class="ft1">zone. Das BVU erhob für die erforderliche kantonale Teilverfügung</span><br/> <span class="ft1">vom 8. September 2005 eine Gebühr von Fr. 13'333.35.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. 2.1. Die Beschwerdeführerinnen stellen die Verfassungskon-</span><br/> <span class="ft1">formität der Verordnung über die vom Departement Bau, Verkehr</span><br/> <span class="ft1">und Umwelt für Entscheide über Baugesuche zu erhebenden Gebüh-</span><br/> <span class="ft1">ren vom 17. August 1994 (SAR 713.125; nachfolgend GebV) in</span><br/> <span class="ft1">Frage. Für den Fall nicht bloss untergeordneter baulicher Massnah-</span><br/> <span class="ft1">men lasse diese nämlich den Behandlungsaufwand unberücksichtigt,</span><br/> <span class="ft1">was unzulässig sei (Verwaltungsgerichtsbeschwerde, S. 12).</span><br/> <span class="ft1">2.2. Bei der Gebührenerhebung muss - neben dem hier nicht in</span><br/> <span class="ft1">Frage stehenden Kostendeckungsprinzip - das Äquivalenzprinzip be-</span><br/> <span class="ft1">achtet werden. Dieses konkretisiert das Verhältnismässigkeitsprinzip</span><br/> <span class="ft1">und das Willkürverbot (Art. 5 Abs. 2 sowie Art. 9 BV) für den Be-</span><br/> <span class="ft1">reich der Kausalabgaben. Nach dem Äquivalenzprinzip darf eine</span><br/> <span class="ft1">Gebühr nicht in einem offensichtlichen Missverhältnis zum objekti-</span><br/> <span class="ft1">ven Wert der Leistung stehen und muss sich in vernünftigen Grenzen</span><br/> <span class="ft1">halten. Nach der Praxis des Bundesgerichts bemisst sich der Wert der</span><br/> <span class="ft1">Leistung nach dem wirtschaftlichen Nutzen, den sie dem Pflichtigen</span><br/> <span class="ft1">bringt, oder nach dem Kostenaufwand der konkreten Inanspruchnah-</span><br/> <span class="ft1">me im Verhältnis zum gesamten Aufwand des betreffenden Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungszweigs, wobei schematische, auf Wahrscheinlichkeit und</span><br/> <span class="ft1">Durchschnittserfahrungen beruhende Massstäbe angelegt werden</span><br/> <span class="ft1">dürfen. Es ist demnach nicht notwendig, dass die Gebühr in jedem</span><br/> <span class="ft1">Fall genau dem Verwaltungsaufwand entspricht, der für die bean-</span><br/> <span class="ft1">spruchte Leistung anfällt. Gebühren sollen aber nach sachlich ver-</span><br/> <span class="ft1">tretbaren Kriterien bemessen sein und nicht Unterscheidungen tref-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">136</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fen, für die keine vernünftigen Gründe ersichtlich sind. Bei der</span><br/> <span class="ft1">Festsetzung von Verwaltungsgebühren darf nach der Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">des Bundesgerichts innerhalb eines gewissen Rahmens auch der</span><br/> <span class="ft1">wirtschaftlichen Situation des Pflichtigen und dessen Interesse am</span><br/> <span class="ft1">abzugeltenden Akt Rechnung getragen werden. Solange zwischen</span><br/> <span class="ft1">der Höhe der Gebühr und dem Wert der Leistung kein offensichtli-</span><br/> <span class="ft1">ches Missverhältnis entsteht, ist es dem Gemeinwesen auch nicht</span><br/> <span class="ft1">verwehrt, mit den Gebühren für bedeutende Geschäfte den Ausfall in</span><br/> <span class="ft1">weniger bedeutsamen Fällen auszugleichen. In Fällen mit hohem</span><br/> <span class="ft1">Streitwert und starrem Tarif, der die Berücksichtigung des Aufwan-</span><br/> <span class="ft1">des nicht erlaubt, kann die Belastung allerdings unverhältnismässig</span><br/> <span class="ft1">werden, namentlich dann, wenn die Gebühr in Prozenten oder Pro-</span><br/> <span class="ft1">millen festgelegt wird und eine obere Begrenzung fehlt (zum Ganzen</span><br/> <span class="ft1">BGE 130 III 228 f.; vgl. auch AGVE 1992, S. 311, je mit Hinwei-</span><br/> <span class="ft1">sen).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss GebV beträgt die Gebühr für die Behandlung von Ge-</span><br/> <span class="ft1">suchen für Bauten und Anlagen 2</span> <span class="ft5"><sup>0</sup></span><span class="ft1">/</span><span class="ft5">00</span> <span class="ft1">der anhand von Erfahrungswer-</span><br/> <span class="ft1">ten geschätzten Erstellungskosten, mindestens aber Fr. 300.-- und</span><br/> <span class="ft1">höchstens Fr. 20'000.--. Eine Berücksichtigung des Behandlungsauf-</span><br/> <span class="ft1">wands lässt die GebV dann zu, wenn keine oder bloss untergeordnete</span><br/> <span class="ft1">bauliche Massnahmen geplant sind, das Projekt den Abbau oder die</span><br/> <span class="ft1">Ablagerung von Materialien vorsieht (§ 1 Abs. 2 GebV) oder wenn</span><br/> <span class="ft1">mit einem ungewöhnlich geringen Aufwand zu rechnen ist (§ 4 Abs.</span><br/> <span class="ft1">1 GebV). Für alle anderen Fälle besteht nach der GebV keine</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit, die Promillegebühr unter Berücksichtigung des effekti-</span><br/> <span class="ft1">ven Behandlungsaufwandes zu reduzieren.</span><br/> <span class="ft1">Die GebV bemisst die Behandlungsgebühr somit grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">nach Promillen der Bausumme. Insbesondere bei Investitionsobjek-</span><br/> <span class="ft1">ten besteht zwischen der Höhe der Bausumme und dem wirtschaftli-</span><br/> <span class="ft1">chen Nutzen des Gesuchstellers an der Baubewilligung ein enger</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang, geht es dem Gesuchsteller doch darum, mit dem</span><br/> <span class="ft1">Bauvorhaben einen wirtschaftlichen Wert zu realisieren. Mit der</span><br/> <span class="ft1">Höhe des Investitionsvolumens bzw. der Bausumme steigt für den</span><br/> <span class="ft1">Gesuchsteller in aller Regel auch der wirtschaftliche Nutzen an der</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung. Von diesem wirtschaftlichen Nutzen darf nach dem</span><br/> <span class="ft1">eingangs Gesagten auf den Wert der staatlichen Leistung geschlossen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">137</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">werden. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die Bausumme bei</span><br/> <span class="ft1">der Bemessung der Bewilligungsgebühr eine massgebliche Rolle</span><br/> <span class="ft1">spielt. Zwar kann diese Bemessungsmethode im Einzelfall dazu füh-</span><br/> <span class="ft1">ren, dass die erhobene Gebühr die Kosten des effektiven Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsaufwands übersteigt, dem Gemeinwesen ist es jedoch (wie ge-</span><br/> <span class="ft1">sagt) grundsätzlich nicht verwehrt, mit den Gebühren für bedeutende</span><br/> <span class="ft1">Geschäfte den Ausfall in weniger bedeutsamen Fällen auszugleichen.</span><br/> <span class="ft1">Die in § 1 GebV vorgesehenen Maximalbeträge verhindern denn</span><br/> <span class="ft1">auch, dass zwischen der Höhe der Gebühr und dem effektiven Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsaufwand ein nicht mehr zu rechtfertigendes Missverhältnis</span><br/> <span class="ft1">entsteht. Die Gebührenordnung gemäss den § 1 und 4 GebV hält so-</span><br/> <span class="ft1">mit vor der Verfassung stand.</span><br/> <span class="ft1">(Hinweis: Dieser Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>