Abteilung III C-7458/2008 {T 0/2} U r t e i l v o m 3 0 . M ä r z 2 0 0 9 Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richter Andreas Trommer, Richterin Elena Avenati-Carpani, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Y._______, vertreten durch S._______, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration BFM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Visum zu Besuchszwecken. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandC-7458/2008 Sachverhalt: A. Am 18. September 2008 beantragte die 1977 geborene thailändische Staatsangehörige Y._______ (nachfolgend Beschwerdeführerin) bei der schweizerischen Botschaft in Bangkok ein Visum für einen dreimo- natigen Besuchsaufenthalt bei S._______ (nachfolgend Gastgeber) in Konolfingen (BE). Die Schweizerische Vertretung verweigerte das Vi- sum formlos und übermittelte das Gesuch zur Prüfung und zum Ent- scheid an die Vorinstanz. B. Nachdem der Migrationsdienst des Kantons Bern beim Gastgeber wei- tere Abklärungen veranlasst und an die Vorinstanz weitergleitet hatte, wies diese das Gesuch um Bewilligung der Einreise mit Verfügung vom 30. Oktober 2008 ab. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, es bestünde nicht genügend Gewähr für eine fristgerechte Wiederaus- reise nach einem Besuchsaufenthalt. Die Beschwerdeführerin stamme aus einer Region, aus welcher der Zuwanderungsdruck als Folge der dort herrschenden wirtschaftlichen und soziokulturellen Verhältnisse bekanntermassen nach wie vor stark anhalte. Erfahrungsgemäss wür- den insbesondere Touristen- und Besuchervisa immer wieder von Per- sonen, welche sich hier dauerhaft aufhalten möchten, für eine erleich- terte Einreise in die Schweiz missbraucht. Nachweise, dass der Be- schwerdeführerin zwingende berufliche oder gesellschaftliche Ver- pflichtungen oblägen, welche trotz der allgemeinen Verhältnisse Ge- währ für eine Wiederausreise bieten würden, ergäben sich keine. Auch dürften sich solche Verpflichtungen kaum mit einer dreimonatigen Ab- wesenheit vereinbaren lassen. Des Weiteren lägen keine Gründe vor, die eine Einreise als zwingend erscheinen liessen. C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 24. November 2008 erhob die Beschwer- deführerin – welche durch ihren Gastgeber vertreten wird – beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragt die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des gewünschten Be- suchservisums. Eventualiter solle das Bundesverwaltungsgericht in der Sache entscheiden; subeventualiter sei die angefochtene Verfü- gung aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung macht sie im Wesentli- chen geltend, sie erfülle als Ausländerin sämtliche gesetzlichen Vor- Seite 2C-7458/2008 aussetzungen, um in die Schweiz einreisen zu können. Auch seien kei- ne Ablehnungsgründe ersichtlich: Sie verfüge über einen gültigen Pass; der Gastgeber garantiere für das Vorhandensein ausreichender finanzieller Mittel für die Dauer ihres Besuches in der Schweiz; sie stelle keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie die internationalen Beziehungen dar; sie sei noch nie in der Schweiz gewesen; sie habe nicht die Absicht, in der Schweiz zu verbleiben und es würden keine weiteren gesetzlichen Ablehnungsgründe vorliegen. Des Weiteren seien die in der vorinstanzlichen Verfügung aufgeführten Gründe zur Verweigerung der Visumerteilung nicht stichhaltig und wür- den auf eine Ermessensunterschreitung bzw. eine rechtswidrige Aus- übung des Ermessens hinauslaufen. So könne man nicht das Interes- se von einzelnen Personen aus gewissen Provinzen Thailands am dauerhaften Verbleib in der Schweiz verallgemeinern und die Möglich- keit des potentiellen Missbrauchs eines Touristenvisums dürfe nicht in allgemeiner Weise auf jeden Einzelfall übertragen werden. In Bezug auf die persönliche Situation der Beschwerdeführerin wird geltend ge- macht, sie müsse und wolle aus folgenden zwingenden Gründen (spä- testens) nach drei Monaten nach Thailand zurückkehren: Sie sei Mut- ter eines Kindes, welches sie während ihrer Abwesenheit in die Obhut der Grossmutter geben würde. Sie stehe in einem laufenden Mietver- hältnis für ihre Wohnung und sie gehe auch einer geregelten Arbeit nach. Ihr Gastgeber und dessen Lebenspartnerin hätten bereits mehr- mals Gäste aus Thailand empfangen. Sämtliche Personen seien recht- zeitig wieder ausgereist. Die Schweizer Auslandvertretung habe zu- dem den Sachverhalt nur ungenügend abgeklärt bzw. festgestellt, sei man dort doch davon ausgegangen, sie wolle zu einem anderen Zweck als zu "Ferien" in die Schweiz reisen. Dies wohl weil sie sich anlässlich ihrer Antragsstellung bei der Botschaft – mündlich und schriftlich – nicht genügend klar habe ausdrücken können. Es seien auch im Rahmen der vorzunehmenden Interessenabwägung keine öf- fentlichen Interessen ersichtlich, welche eine Ablehnung ihres Visum- antrags rechtfertigen würden. Zusammenfassend habe die Vorinstanz ihr Ermessen nicht bzw. missbräuchlich ausgeübt, den Sachverhalt un- vollständig abgeklärt und sowohl unangemessen wie auch unverhält- nismässig entschieden. Zum Beleg reichte die Beschwerdeführerin Kopien ihres Passes, eines Gesuchs um Wiedererwägung und der Garantieerklärung des Gastge- bers vom 8. September 2008, der Geburtsurkunde ihrer Tochter, ihres Arbeits- und Mietvertrags, des Passes und der Niederlassungsbewilli- Seite 3C-7458/2008 gung der Lebensgefährtin des Gastgebers sowie des Passes deren Tochter zu den Akten. D. Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 15. Januar 2009 auf Abweisung der Beschwerde. Die Verfügung sei nach umfassender und sorgfältiger Prüfung des Einreisebegehrens vom 18. September 2008, der diesbezüglichen Einschätzung der Schweizer Auslandvertre- tung in Bangkok sowie der Unterlagen der kantonalen Migrationsbe- hörde, welche in ihrem Auftrag Abklärungen im Inland habe durchfüh- ren lassen, ergangen. Die in der Beschwerde geltend gemachten Vor- würfe des Ermessensmissbrauchs sowie der unrichtigen oder unvoll- ständigen Feststellung des Sachverhaltes würden deshalb in aller Form zurückgewiesen. Die Beschwerdeführerin habe anlässlichs ihres Besuches bei der Schweizer Auslandvertretung nicht dokumentieren können, dass sie die Cousine der Lebenspartnerin des Gastgebers sei. Hingegen habe sie früher in Thailand deren inzwischen in der Schweiz lebendes Kind betreut. Da die Beschwerdeführerin keine wei- teren Angaben zu ihren Gastgebern habe tätigen können, müsse da- von ausgegangen werden, es bestünden zwischen ihr und den Gast- gebern weder eine nahe verwandschaftliche Beziehung noch eine ein- gehend gepflegte Beziehung. Die Beschwerdeführerin habe zudem eine Arbeitgeberbestätigung eingereicht und sei Mutter von zwei Kin- dern, doch halte sie offenbar weder Beruf noch Familie ab, sich für drei Monate in die Schweiz zu begeben. Ein solches Vorgehen lasse vielmehr darauf schliessen, dass die Beschwerdeführerin bereit sei, auch längerfristig auszuwandern. Schliesslich reiche auch die Zusiche- rung des Gastgebers nicht aus, um eine anstandslose Rückkehr zu gewährleisten. Die Integrität des Gastgebers werde dabei keinesfalls in Frage gestellt. Ü berdies ergebe sich aus dem Argument, vorherige Gäste des Gastgebers hätten die Schweiz immer fristgerecht verlas- sen, kein Anspruch für einen Besuchsaufenthalt der Beschwerdeführe- rin, da immer auf den Einzelfall abgestellt werden müsse. E. Mit Replik vom 20. Februar 2009 hält die Beschwerdeführerin vollum- fänglich an ihrem Begehren fest und wendet im Wesentlichen ein, sie bestreite die sorgfältige Abklärung des Sachverhalts durch die Schwei- zer Botschaft in Bangkok. Sie sei eindeutig die Cousine der Le- benspartnerin des Gastgebers. Der Gastgeber sei zudem – entgegen den vorinstanzlichen Unterstellungen – fähig und willens, die Garantie Seite 4C-7458/2008 gesetzestreu auszuüben und auch für eine fristgerechte Wiederausrei- se der Beschwerdeführerin zu sorgen. Zum Nachweis wird auf eine Aufstellung der Positionen und Tätigkeiten, welche der Gastgeber bekleide bzw. ausübe sowie in der Vergangenheit ausgeübt habe, verwiesen. F. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Er- wägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht – un- ter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen – Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. De - zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wur- den. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM betreffend Verweige- rung der Einreisebewilligung, welche vom Bundesverwaltungsgericht endgültig beurteilt werden (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsge- setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be- schwerde berechtigt. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50–52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts- erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be- schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge- Seite 5C-7458/2008 mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge- bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Rechts- und Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent- scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur- teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003). 3. Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie alle anderen Staa- ten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Auslän- dern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Ver- pflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189). 4. Am 1. Januar 2008 sind das Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) sowie die dazu gehörigen Ausführungsverordnungen (u.a. die Verordnung vom 24. Oktober 2007 über das Einreise- und Visumverfahren [VEV, AS 2007 5537]) in Kraft getreten. In der Volksabstimmung vom 5. Juni 2005 wurde dem Bundesbeschluss vom 17. Dezember 2004 über die Ge nehmigung und die Umsetzung der bilateralen Abkommen zwi- schen der Schweiz und der EU über die Assoziierung an Schengen und an Dublin (SR 362) zugestimmt. Die entsprechenden Assoziie- rungsabkommen (darunter das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwi- schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Europäischen Uni- on und der Europäischen Gemeinschaft über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schen- gen-Besitzstands [SAA, SR 0.360.268.1]) sind sodann für die Schweiz am 12. Dezember 2008 definitiv in Kraft getreten. Seitdem ist die Schweiz verpflichtet, den übernommenen Schengen-Besitzstand anzu- wenden und umzusetzen, wie u.a. die Bestimmungen zur gemeinsa- men Visapolitik, auf die verschiedentlich in EG-Rechtsakten verwiesen wird. Durch die Übernahme des Schengen-Besitzstandes wurden im AuG entsprechende Anpassungen notwendig (vgl. u.a. Art. 2 Abs. 4 AuG, wonach die Bestimmungen über das Visumverfahren und über die Ein- und Ausreise nur gelten, sofern das Schengen-Recht keine abweichenden Bestimmun gen enthält). Im Weiteren ist die VEV total Seite 6C-7458/2008 revidiert worden (Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204], in Kraft seit 12. Dezember 2008). Art. 57 VEV sieht vor, dass hängige Verfahren nach dem neuen, übergeordneten (Schengen-)Recht fortgeführt werden. Das bedeu tet, dass die Schweiz ungeachtet der übergangsrechtlichen Bestimmung von Art. 126 Abs. 1 AuG völkerrechtlich verpflichtet ist, auf Verfahren, die am 12. Dezember 2008 hängig sind, das neue Recht anzuwenden (zum Vorrang des internationalen Rechts: vgl. BGE 131 II 352 E. 1.3.1 [mit Hinweis auf Rechtsprechung und zitierte Doktrin], 119 V 171 E. 4; R AINER J. SCHWEIZER , Zur Einleitung: Das Bundesverwaltungsgericht im System der öffentlich-rechtlichen Rechtspflege des Bundes, in: Bernhard Ehrenzeller/Rainer J. Schweizer (Hrsg.), Das Bundesver- waltungsgericht: Stellung und Aufgaben, St. Gallen 2008, S. 24). 5. 5.1 Bezüglich der Einreisevoraussetzungen für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten verweist Art. 2 Abs. 1 VEV auf die Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen (Schengener Grenzkodex [SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1–32]). Art. 5 Abs. 1 SGK präzisiert die Ein- reisevoraussetzungen für Drittstaatsangehörige. Diese benötigen zur Einreise ein oder mehrere gültige Reisedokumente und – sofern sie der Visumspflicht unterliegen – ein gültiges Visum (Bst. a und b). Sie müssen den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen (Bst. c). Im Weiteren dürfen sie nicht im Schengener Informationssys- tem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentli- che Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglied- staats darstellen (Bst. d und e). 5.2 Die Einreisevoraussetzungen gemäss Schengener Grenzkodex entsprechen im Wesentlichen Art. 5 Abs. 1 Bst. a–d AuG. Das in Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK genannte Erfordernis, Zweck und Umstände des ge- planten Aufenthalts zu belegen, wird in Art. 5 Abs. 1 AuG nicht explizit erwähnt. Demgegenüber verlangt Art. 5 Abs. 2 AuG, dass im Falle ei- nes nur vorübergehenden Aufenthalts für die gesicherte Wiederausrei- se Gewähr zu bieten ist. Dies stellt jedoch kein zusätzliches im natio- nalen Recht verankertes Erfordernis dar und steht daher nicht im Wi- derspruch zum Schengener Grenzkodex. Die Angabe des vorüberge- Seite 7C-7458/2008 henden Aufenthaltszwecks stellt nämlich zugleich eine Absichtserklä- rung dar, nach Erfüllung dieses Zwecks wieder ausreisen zu wollen. Erfolgen widersprüchliche oder unglaubwürdige Angaben zum Aufent- haltszweck, so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass der je- weilige Gesuchsteller nicht willens ist, nach Ablauf des geplanten Auf- enthalts den Schengenraum fristgerecht zu verlassen. In diesem Sinne äussert sich auch die Gemeinsame Konsularische Instruktion an die diplomatischen Missionen und die konsularischen Vertretungen, die von Berufskonsularbeamten geleitet werden (GKI, ABl. C 326 vom 22.12.2005, S. 1–149), die eine analoge Auslegung vornimmt. Die GKI verlangt hinsichtlich des Entscheids über den Visumsantrag die Ein- schätzung des Migrationsrisikos; es muss geprüft werden, "ob der An- tragsteller die Absicht hat, in das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten mit Hilfe eines zu Touristik-, Studien-, Geschäfts- bzw. zu Familienbe- suchszwecken ausgestellten Visums einzuwandern und sich dort nie- derzulassen“ (vgl. ABl. C 326, S. 10). Die laut Art. 5 Abs. 2 SGK zur Glaubhaftmachung des Aufenthaltszwecks in Frage kommenden Bele- ge werden beispielhaft in Anhang I des Schengener Grenzkodex auf- gelistet. 5.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist somit festzuhalten, dass die nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK erforderliche Überprüfung des Aufenthaltszwecks dieselbe Fragestellung aufwirft wie die Überprüfung des in Art. 5 Abs. 2 AuG genannten Merkmals der gesicherten Wieder- ausreise. Es kann daher an die bisherige Praxis und Rechtsprechung bezüglich des letztgenannten Merkmals angeknüpft werden. 6. Das Schengen-Recht nimmt eine Differenzierung in Bezug auf die Vi- sumspflicht von Drittstaatsangehörigen vor. Die Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 (ABl. L 81 vom 21.03.2001, S. 1–7) verweist in Art. 1 Abs. 1 und 2 auf die Anhänge I und II, welche jeweils eine Liste von Drittländern enthalten. In An- hang I sind diejenigen Drittstaaten aufgelistet, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen der Schengen-Mitgliedstaaten im Besitz eines Visums sein müssen; Anhang II dagegen führt diejeni- gen Drittländer auf, deren Staatsangehörige von der Visumspflicht be- freit sind. Als thailändische Staatsangehörige unterliegt die Beschwer- deführerin damit der Visumspflicht. Seite 8C-7458/2008 7. 7.1 Vorliegend ist zu überprüfen, ob die Vorinstanz unter Berücksichti- gung der Verhältnisse im Herkunftsland und der persönlichen Lebens- umstände einen ermessensfehlerfreien Entscheid getroffen hat. Dabei rechtfertigt es sich, Einreisegesuchen von Personen aus Staaten mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen mit einer gewissen Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche In- teressenlage in solchen Fällen häufig nicht mit dem Ziel und Zweck ei- ner zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht. 7.2 Die Beschwerdeführerin stammt aus Thailand. Die Wirtschaft die- ses Landes ist nach Bewältigung der Asienkrise von 1997 zwar wieder zu neuem Wachstum gelangt. Im Jahr 2007 lag das Wirtschaftswachs- tum bei robusten 4.8%. Für 2008 wurde – worauf überdies auch die Be schwerdeführerin in ihrer Rechtsmitteleingabe verwies – ein Wachs- tum zwischen 4.5% und 5.5% erwartet (vgl. Länder- und Reiseinforma- tionen auf der Website des Auswärtigen Amtes, Länder- und Reisein- formationen > Thailand > Wirtschaft, <http://www.aus-waer tiges- amt.de >, Stand: Juni 2008, besucht im März 2009). Die grundsätzlich ermutigenden wirtschaftlichen Entwicklungen können aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass nach wie vor breite Bevölkerungs- schichten von vergleichsweise schwierigen ökonomischen und sozia- len Lebensbedingungen betroffen sind. Das Bruttoinlandprodukt pro Kopf der Bevölkerung betrug im Jahr 2007 nur gerade 3'737 USD, im Jahr 2008 schätzungsweise 4'102 USD (vgl. Länderbericht Thailand auf der Website des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO), The- men > Aussenwirtschaft > Länderinformationen > Asien/Ozeanien > Thailand,<http://www .seco . admin.ch >, Stand Juni 2008, besucht im März 2009). 7.3 In Anbetracht der allgemeinen Situation gewichtete die Vorinstanz somit das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise zu Recht als relativ hoch. Den Ausführungen der Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsmitteleingabe ist hingegen diesbezüglich zuzustimmen, als es zu schematisch und nicht haltbar wäre, generell und ohne spezifische Anhaltspunkte ausschliesslich aufgrund der allgemeinen Lage im Her- kunftsland auf eine nicht hinreichend gesicherte Wiederausreise zu schliessen. Die eben genannten Umstände entbinden die Vorinstanz daher nicht von einer einzelfallbezogenen Beurteilung. Namentlich können berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verpflichtungen die Prognose einer anstandslosen Wiederausreise begünstigen. Seite 9C-7458/2008 8. 8.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 31-jährige, ledige Frau. Ü ber ihre persönliche Situation ist bekannt, dass sie Mutter ist. Hingegen bestehen bezüglich Anzahl der Kinder Unklarheiten: Der Vertreter der Beschwerdeführerin, der auch ihr Gastgeber ist, macht geltend, die Beschwerdeführerin sei Mutter eines Kindes (vgl. Be- schwerde, S. 7). Einer zusammen mit der Beschwerdeschrift einge- reichten Geburtsurkunde ist hingegen zu entnehmen, sie habe zwei Kinder. Dies wird auch von der Schweizer Auslandvertretung bestätigt, die angibt, die zwei Kinder der Beschwerdeführerin seien 14 und 11 Jahre alt. Ob diese Diskrepanz als Hinweis auf eine – wie vorinstanz- lich festgestellt – wenig enge Beziehung zwischen Gastgeber und Be- schwerdeführerin zu deuten ist, muss jedoch aufgrund den vorliegen- den, spärlichen Informationen zur familiären Situation der Beschwer- deführerin offen gelassen werden. Jedenfalls wurde auch vom Vertre- ter der Beschwerdeführerin der Sachverhalt in dieser Hinsicht nicht er- läutert bzw. konkretisiert, obwohl in der vorinstanzlichen Vernehmlas- sung vom 15. Januar 2009 auf die zwei Kinder hingewiesen wird. Unabhängig von der Anzahl Kinder, lässt der Umstand, dass die Be- schwerdeführerin Mutter – zumindest – eines minderjährigen Kindes ist, erkennen, dass sie die elterliche Obhut hat und auch wirtschaftlich für ihr Kind aufkommen muss. Damit ist zwar von familiären Verpflich- tungen der Beschwerdeführerin (dem anlässlich ihres Besuchsaufent- halts zurückbleibenden Kind gegenüber) auszugehen. Solche Ver- hältnisse bilden für sich allein aber noch keine Garantie für eine frist- gerechte und anstandslose Wiederausreise. Was die Beschwerdefüh- rerin anbelangt, so ist ihr bald 12-jähriges Kind offensichtlich nicht mehr auf eine enge Betreuung durch die Mutter angewiesen. Andern- falls hätte die Beschwerdeführerin wohl kaum einen Besuch von drei Monaten in der Schweiz geplant (vgl. Visumantrag vom 18. September 2008). Wie in der Rechtsmitteleingabe geltend gemacht wird, soll die Betreuung bei Abwesenheit der Beschwerdeführerin denn auch von der Grossmutter des Kindes übernommen werden. Sodann zeigt die Erfahrung, dass zurückbleibende Angehörige gerade in Situationen angespannter wirtschaftlicher Verhältnisse nicht verlässlich davon ab- halten können, den Entscheid für eine Emigration zu fällen. Eine Tren- nung von Familienangehörigen kann sogar von der Hoffnung gesteuert sein, diese aus dem Ausland besser unterstützen und allenfalls später nachziehen zu können. Seite 10C-7458/2008 8.2 Nach Angaben der Beschwerdeführerin gehe sie einer geregelten Arbeit nach. Einem der Beschwerde beigelegten Arbeitszeugnis ist zu entnehmen, sie arbeite als Verkäuferin. Allerdings bestehen keine An- gaben über den Lohn, welche die Beschwerdeführerin aus dieser be- ruflichen Tätigkeit erzielt. Auch Belege wurden in diesem Zusammen- hang nicht eingereicht, womit sich keine zuverlässigen Rückschlüsse auf die wirtschaftlichen Verhältnisse, in der die Beschwerdeführerin lebt, ziehen lassen. Aufgrund der bestehenden Akten kann jedenfalls nicht davon ausgegangen werden, die Beschwerdeführerin befinde sich in vorteilhaften und stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen, die sie nachhaltig davon abzuhalten vermöchten, eine Emigration in die Schweiz in Erwägung zu ziehen. 8.3 Auch die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführerin – insbe- sondere das beschwerdeweise geltend gemachte laufende Mietver- hältnis – sind nicht dazu geeignet, besondere persönliche oder wirt- schaftliche Verpflichtungen der Beschwerdeführerin in ihrem Heimat- land zu begründen. 8.4 Der Vertreter der Beschwerdeführerin macht des Weiteren gel- tend, bei der Beschwerdeführerin handle es sich um eine Cousine sei- ner Lebenspartnerin (vgl. u.a. Schreiben vom 8. September 2008 an die Schweizer Auslandvertretung). Die Beschwerdeführerin selbst habe diese verwandschaftliche Beziehung jedoch nicht dokumentieren können, wie aus einem Schreiben der Schweizer Auslandvertretung hervorgeht. Die diesbezügliche replikweise angebrachte Erklärung des Vertreters der Beschwerdeführerin, die Grosseltern hätten bei der An- meldung der Geburt der Beschwerdeführerin sich selbst als Eltern ausgegeben, vermag jedoch auch in Anbetracht des spärlichen Wis- sens der Beschwerdeführerin über ihren Gastgeber, nicht zu überzeu- gen: So sei sie nicht in der Lage gewesen, gegenüber der Schweizer Auslandvertretung Angaben zum Namen oder Beruf des Lebenspart- ners ihrer Cousine zu tätigen. 9. Vorliegend kann auch nicht von einer unvollständiger Abklärung des Sachverhalts ausgegangen werden, wie dies beschwerdeweise gel- tend gemacht wird. Die Vorinstanz stützte sich in ihrem Entscheid nicht nur auf den Visumantrag vom 18. September 2008 und die Unterlagen der Schweizer Auslandvertretung, sondern liess zusätzlich noch durch den kantonalen Migrationsdienst weitere Abklärungen vornehmen, Seite 11C-7458/2008 welche dem Gastgeber unter anderem die Möglichkeit einräumten, zum Aufenthaltszweck der Beschwerdeführerin Stellung zu nehmen (vgl. Schreiben des Migrationsdienstes des Kantons Bern vom 8. Okto- ber 2008). In diesem Zusammenhang übersieht die Beschwerdeführe- rin, dass einer Partei gemäss Art. 13 VwVG Mitwirkungspflichten oblie- gen. Wird ein Verfahren – wie in casu – auf eigenes Begehren eingelei- tet, trifft die Partei eine gewisse Offenbarungs- und Substantiierungs- pflicht. Unter Berücksichtigung sämtlicher genannter Aspekte durfte die Vorinstanz zu Recht davon ausgehen, die fristgerechte Wiederaus- reise sei nicht hinreichend gewährleistet. Zwar lässt sich diese Prog- nose nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten; sie genügt in- dessen um die Erteilung einer Einreisebewilligung, auf welche ohnehin kein Rechtsanspruch besteht, abzulehnen. 10. An dieser Risikoeinschätzung vermögen auch die Hinweise des Vertre- ters der Beschwerdeführerin und Gastgebers auf seine finanzielle und berufliche Situation sowie seine Garantieerklärung vom 8. September 2008 nichts zu ändern. Die Integrität des Vertreters der Beschwerde- führerin in seiner Eigenschaft als Gastgeber wird nicht in Zweifel gezo- gen. Indessen sind bei der Abwägung des Risikos einer nicht fristge- rechten Wiederausreise nicht so sehr die Einstellung und Absichten des Gastgebers, sondern in erster Linie das mögliche Verhalten des Gastes selbst von Bedeutung. Nur Letzterer ist in der Lage, hinrei- chend Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise zu bieten. Der Gastgeber kann zwar für gewisse finanzielle Risiken Garantie leisten, nicht aber – mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit – für ein bestimmtes Verhalten des Gastes (vgl. an- stelle vieler: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-6950/2007 vom 7. November 2008 E. 8). Auch das Vorbringen, wonach der Gastgeber bereits mehrmals Gäste seiner Lebenspartnerin aus Thailand empfangen habe und diese frist- gerecht wieder ausgereist seien, geht ins Leere. Massgeblich für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ist, ob der aktuell eingela- dene Gast Gewähr für ihre fristgerechte Wiederausreise bietet. Wie vorstehend dargelegt, bestehen daran jedoch aufgrund des Gesamtzu- sammenhangs Zweifel. Die allfälligen anstandslosen Wiederausreisen früher vom Gastgeber eingeladener Personen vermögen diese nicht auszuräumen. Es wird im Übrigen auch nicht dargetan, inwiefern die Seite 12C-7458/2008 Verhältnisse, in welchen sich die Beschwerdeführerin befindet, vergleichbar sein sollen mit denjenigen der erwähnten Personen. 11. Folglich ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das öffentliche Interesse sowie die Beachtung der geltenden Bestimmungen entspre- chend gewichtete und der Gesuchstellerin die Einreise verweigerte. Die angefochtene Verfügung verletzt daher das Bundesrecht nicht. So- weit für das vorliegende Urteil massgebend wurde der rechtserhebli- che Sachverhalt richtig und vollständig festgestellt, und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Ermessen pflichtgemäss ausgeübt (vgl. 49 VwVG). 12. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wird die unterliegende Be- schwerdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfah- renskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) Seite 13C-7458/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor- schuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: - die Beschwerdeführerin (Einschreiben) - die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. [...]zurück) - den Migrationsdienst des Kantons Bern in Kopie Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer Versand: Seite 14