Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 10. September 2014 (810 14 81) ____________________________________________________________________ Personalrecht Ablehnung der Forderung nach Ferienentschädigung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen , Edgar Schürmann, Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Parteien A.____ , Beschwerdeführeri n, vertreten durch Roman Felix , Advokat gegen Kantonsspital Baselland , B._____ , Beschwerdegegner Betreff Ablehnung der Forderung nach Ferienentschäd igung (Verfügung des Kantonsspitals Baselland vom 4. März 2014) A. A.____, geboren 1983, war seit dem 16. April 201 0 als diplomierte Pflegefachfrau An- ästhesie mit einem Beschäftigungsgrad von 100% am K antonsspital B.____ bzw. Baselland angestellt. Ab dem 25. Juni 2012 war A.____ aufgrun d einer infektiösen Mononukleose (Pfeif- fersches Drüsenfieber) zu 100% arbeitsunfähig. Mit Schreiben vom 27. August 2012 kündigte A.____ das Arbeitsverhältnis per Ende November 2012 . Im Schreiben vom 29. August 2012 betätigte C.____, Personalbereichsverantwortlicher des Kantonsspitals Baselland (Kantonsspi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tal), die durch die Arbeitnehmerin erfolgte Kündigun g und hielt unter anderem fest, dass allfälli- ge Restferien, Frei- bzw. Kompensationstage sowie Über zeit bis zum letzten Arbeitstag zu be- ziehen seien. Im letzten Arztzeugnis vom 29. September 201 2 schrieb Dr. D.____ A.____ vom 1. Oktober 2012 bis Ende November 2012 krank. Nach dem Austrittsgespräch vom 11. Oktober 2012 mailte C. ____ A.____, dass sie Dr. D.____ bitten solle, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Des Weitere n habe A.____ bestätigt, dass sie feri- entauglich und ihr Erholung in diesem Sinne möglich se i. Dr. D.____ hielt in seinem Schreiben vom 19. November 2012 fest, dass A.____ seit dem 25. Ju ni 2012 bei ihm in Behandlung sei. Ab diesem Datum sei die Patientin zu 100% arbeitsunfäh ig gewesen und sei es bis Ende No- vember 2012 noch. Trotz dieser Arbeitsunfähigkeit besteh e aus medizinischer Sicht keine Ein- schränkung bezüglich der Ferien, das heisse, die Patientin sei ferientauglich “in dieser Zeit“. Mit Schreiben vom 18. Januar 2013 wandte sich A.____ an C.____ mit der Aufforderung, die ihr zustehende Entschädigung für 25 Ferientage zu überweise n. In der E-Mail vom 22. Januar 2013 teilte C.____ A.____ mit, dass bei ihr Ferienfähigkeit bestanden habe, weshalb ihr Ferien- saldo per Austrittsdatum habe ausgeglichen werden können . Nach weiterer Korrespondenz zwischen A.____ und C.____ machte A.____, nunmehr vertr eten durch Christof Enderle, Advo- kat, mit Schreiben vom 24. Mai 2013 die Entschädigung für 23 Ferientage geltend und bean- tragte eventualiter den Erlass einer anfechtbaren Verfügung. Das Kantonsspital lehnte mit “Ver- fügung“ (eine Rechtsmittelbelehrung fehlte) vom 4. März 2014 unter anderem unter Hinweis auf das Schreiben von Dr. D.____ vom 19. November 2012 die Entschädigung der geltend ge- machten Ferientage ab. Am 12. März 2014 verfasste das K antonsspital eine identische Verfü- gung wie die vom 4. März 2014, datierte sie auf den 1 2. März 2014, ergänzte sie mit einer Rechtsmittelbelehrung und liess sie dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zukommen. B. Gegen die Verfügung vom 4. bzw. 12. März 2014 erho b A.____, nunmehr vertreten durch Roman Felix, Advokat, mit Eingabe vom 21. März 2 014 beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschw erde und beantragte, es sei die Verfügung vom 4. bzw. 12. März 2014 aufzuheben und der Beschwerdegegner zu verpflichten, der Beschwerdeführerin brutto Fr. 6‘923.40 nebst Zins zu 5% seit 1. Dezember 2012 zu bezah- len, unter o/e Kostenfolge. In der Beschwerdebegründ ung vom 26. Mai 2014 machte die Be- schwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass ihr Ferie ntauglichkeit lediglich für die Zeit vom 19. November 2012 bis Ende November 2012 attestiert w orden sei, dass ihr aufgrund der nicht voraussehbaren Krankheitsschübe gar nicht möglich gewesen sei, Ferien von über 4.5 Wochen Dauer zu planen bzw. zu buchen und es sich zudem bei de r Behauptung des Beschwerdegeg- ners, er habe die Ferien angeordnet, um eine reine Schutzbehauptung handle. In seiner Vernehmlassung vom 12. Juli 2014 beantragte der Beschwerdegegner die vollumfäng- liche Abweisung der Beschwerde, unter o/e Kostenfolge. E r machte im Wesentlichen geltend, dass gemäss Arztzeugnis die Ferienfähigkeit während der gan zen Behandlungsdauer bestan- den habe und davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführ erin im Oktober und November 2012 nicht mehr in der akuten Phase der Erkrankung gewese n sei. Des Weiteren habe das Kantonsspital den Ferienbezug angeordnet. Zudem müsse b ei einem durch die Arbeitnehmerin Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gekündigten Arbeitsverhältnis die Arbeitnehmerin den Ferienbezug in ihre Zukunftsplanung ein- beziehen, sofern der Arbeitgeber – wie vorliegendenfa lls – keinen begründeten Anlass für die Kündigung gegeben habe. Diese Pflicht leite sich auch a us der Treuepflicht der Arbeitnehmerin ab. Überdies werde der Erholungszweck der Ferien nicht d adurch vereitelt, dass eine Arbeit- nehmerin die Ferien zu Hause verbringe oder keine Aktivferien machen könne. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 in Verbindung mit § 25 des Spitalgesetzes (Spitalge- setz) vom 17. November 2011 ist zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde das Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), zuständig. Das Schreiben vom Dienstag, 4. März 2014, in welchem der Beschwerdegeg ner die Forderung der Beschwer- deführerin nach Ferienentschädigung abgelehnt hat, wurde dem Rechtsvertreter der Beschwer- deführerin per B-Post geschickt und ging gemäss Ausführun gen desselben am Dienstag, 11. März 2014, nach dem Fasnachtsmontag, bei ihm ein. Die Beweispflicht für die Zustellung dieses Schreibens trägt der Beschwerdegegner. Da der Beschw erdegegner den genannten Zustellungszeitpunkt nicht in Frage gestellt hat und nicht einen anderen Zustellungszeitpunkt nachweisen kann, gilt das Schreiben vom 4. März 2014 als a m 11. März 2014 zugestellt, womit mit der Beschwerde vom 21. März 2014 die 10tägige Beschw erdefrist nach § 48 VPO gewahrt ist. Da die Beschwerdeführerin ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung des angefoch- tenen Entscheides hat, sie somit nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO zur Beschwerde befugt ist, und die übrigen formellen Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, kann auf die vorlie- gende Beschwerde eingetreten werden. 2.1. Nach § 26 Abs. 3 Spitalgesetz richten sich, solange kein Gesamtarbeitsvertrag im Sin- ne von § 11 Spitalgesetz abgeschlossen ist, jedoch längstens bis vier Jahre ab Inkrafttreten des Spitalgesetzes, die Anstellungsbedingungen inhaltlich nach der basellandschaftlichen Perso- nalgesetzgebung, womit vorliegendenfalls inhaltlich das Gesetz über die Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kantons (Personal gesetz) vom 25. September 1997 und die Verordnung zum Personalgesetz (Personalverordnung) vom 19. Dezember 2000 anwend- bar sind. 2.2. Nach § 46 Personalverordnung sind die Ferientage vor Beendigung des Arbeitsver- hältnisses zu beziehen (Abs. 3). Ist der Ferienbezug aus be trieblichen oder anderen wichtigen Gründen nicht vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses mö glich, so kann die Anstellungsbe- hörde eine Entschädigung für nicht bezogene Ferientage gewähren (Abs. 4). Im Schreiben vom 29. August 2012 an die Beschwerdeführe rin bestätigt der Personalbereichs- verantwortliche des Kantonsspitals die durch die Arbeitneh merin erfolgte Kündigung. Zudem wurde explizit festgehalten, dass allfällige Restferien, Frei- bzw. Kompensationstage sowie Überzeit bis zum letzten Arbeitstag zu beziehen seien. Nun ist es aber unstatthaft, einem “Fe- rienunfähigen“ Ferien zuzuteilen, solange dieser kran k ist, da er die Ferien nicht geniessen und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich nicht erholen kann (U LLIN STREIFF /A DRIAN VON KAENEL /R OGER RUDOLPH , Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319 - 362 OR, 7. Auflage, Zürich 2012, Rz 13 zu Art. 329c OR). 2.3. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass es kaum denkbar sei, dass bei 100%iger Arbeitsunfähigkeit der Bezug von Ferien angeordnet w erde. Der Beschwerdeführerin ist inso- fern zu folgen, als mit dem Schreiben vom 29. August 2 012 nicht der Ferienbezug während der Arbeitsunfähigkeit und der Ferienunfähigkeit angeor dnet wurde. Jedoch ist diese Aufforderung so zu verstehen, dass allfällige Restferien bis zum letzten Arbeitstag zu beziehen sind, soweit die Arbeitnehmerin die Voraussetzungen für den Ferienb ezug und damit unter anderem die Voraussetzung der Ferienfähigkeit erfüllt. Damit wurde mit diesem Schreiben – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin – der Bezug der Feri entage für den Fall der Ferienfähigkeit angeordnet. Zu prüfen ist demzufolge als nächstes, ob un d allenfalls ab wann die Beschwerde- führerin ferienfähig war. 3.1. Die Beschwerdeführerin war vom 25. Juni 2012 bis E nde November 2012 zu 100% krankgeschrieben und damit arbeitsunfähig. Zu prüfen ist , ob im vorliegenden Fall die Arbeits- unfähigkeit auch zur Ferienunfähigkeit geführt hat. D abei ist massgebend, ob der Zustand der Beschwerdeführerin der Erholung entgegenstand oder ni cht. Bei Bettlägerigkeit, Spitalaufent- halt und bei regelmässigem, häufigem Arztbesuch über l ängere Zeit schliesst die Krankheit Fe- rien aus. Die Beeinträchtigungen müssen ein einigermasse n erhebliches Ausmass angenom- men haben, um überhaupt den Ferienzweck vereiteln zu kö nnen (Urteil des Kantonsgerichts Graubünden ZK2 11 13 vom 6. März 2013 E. 9b, in: Entsc heide des Kantonsgerichts des Kan- tons Graubünden; A LFRED BLESI , Die Freistellung des Arbeitnehmers, Zürich 2010, Rz 45 4 ff. mit Hinweis auf das Urteil des Arbeitsgerichts Zürich EA Z 2007 Nr. 11 vom 17. Oktober 2007; ROGER RUDOLPH , Fokus Arbeitsrecht: Zankapfel “Ferien“, in: Der Treuhandexperte [TREX] 2013 S. 167). 3.2. Die Beschwerdeführerin war vom 25. Juni 2012 bis E nde November 2012 krankge- schrieben. Nach dem Austrittsgespräch vom 11. Oktober 20 12 mailte C.____ der Beschwerde- führerin gleichentags, dass sie – wie im Gespräch erwäh nt – Dr. D.____ bitten solle, Kontakt mit ihm aufzunehmen, um zu besprechen, wie bereits am 29. S eptember 2012 durch Dr. D.____ eine Krankschreibung bis Ende November 2012 habe beschlossen werden können. Des Weite- ren hielt C.____ fest, dass die Beschwerdeführerin bes tätigt habe, dass sie ferientauglich und ihr Erholung in diesem Sinne möglich sei. Aus diesem G runde wäre er froh, wenn Dr. D.____ diese Ferientauglichkeit bestätigen könne, damit das Sp ital das Feriensaldo entsprechend an- passen könne. Dr. D.____ hielt in seinem Schreiben vom 19. November 2012 fest, dass die Beschwerdeführerin seit dem 25. Juni 2012 bei ihm in B ehandlung sei. Ab diesem Datum sei die Patientin zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Des Weite ren wünsche er zu bestätigen, dass die Patientin bis Ende November 2012 100% arbeitsunfä hig sei. Trotz dieser Arbeitsunfähigkeit bestehe aus medizinischer Sicht keine Einschränkung bezüglich der Ferien, das heisse, die Patientin sei ferientauglich “in dieser Zeit“. 3.3. In ihrem Schreiben vom 18. Januar 2013 an den Besc hwerdegegner stellte die Be- schwerdeführerin fest, dass in den Monaten November und Dezember keine Abrechnung des Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht noch offen stehenden Ferienanspruchs erfolgt sei. Sie bitte die ihr noch zustehende Entschädi- gung für 25 nicht bezogene Ferientage zu überweisen. M it Schreiben vom 22. Januar 2013 antwortete C.____, dass er über diesen Brief erstaunt se i. Im gemeinsamen Gespräch vor dem Austritt habe er die Beschwerdeführerin gefragt, ob e s ihr im damals aktuellen Zustand (wäh- rend der Krankschreibung) möglich gewesen sei, sich zu erholen. Die Beschwerdeführerin habe dies bestätigt und auch, dass es ihr möglich gewesen sei, in die Ferien zu verreisen. Daraufhin habe er bei ihrem Arzt Dr. D.____ um die Bestätigung der Ferienfähigkeit gebeten. Die Ferien- tauglichkeit habe Dr. D.____ mit Schreiben vom 19. Nove mber 2012 bestätigt. Ein Restferien- guthaben bestehe somit nicht. Mit Schreiben vom 12. Januar 2013 forderte die Beschwerdefüh- rerin nochmals die Auszahlung der ihr zustehenden Entschä digung, ansonsten sie den Fall an ihre Rechtsschutzversicherung abtreten werde. Im Schreibe n der E.____ Rechtsschutz- Versicherungsgesellschaft AG vom 4. März 2013 an das Kanto nsspital wurde festgehalten, dass die Weigerung auf Seiten des Spitals damit begrün det werde, dass die Beschwerdeführe- rin während der Krankschreibung ferienfähig gewesen sei n soll. Diese Tatsache werde zumin- dest für den Zeitraum ab Herbst nicht bestritten. In d er Beschwerde an das Kantonsgericht machte die Beschwerdeführerin geltend, dass die Ferien fähigkeit gestützt auf das Zeugnis von Dr. D.____ erst ab dem 19. November 2012 gegeben sei. 3.4. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Be schwerdeführerin die Aus- führungen von C.____ im E-Mail vom 11. Oktober 2012, d ass sie bestätigt habe, ferientauglich zu sein und ihr Erholung in diesem Sinne möglich sei, ü ber Monate nicht bestritten hat, obwohl der Zusammenhang zwischen Ferienfähigkeit und Feriensaldo aus der E-Mail eindeutig hervor- ging. Erst im Schreiben vom 24. Mai 2013 ihres Rechtsvert reters an das Kantonsspital bestrei- tet die Beschwerdeführerin ihre Ferienfähigkeit. Des Weiteren wird im Schreiben der E.____ Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG vom 4. März 2013 fe stgehalten, dass zumindest für den Zeitraum ab Herbst nicht bestritten werde, da ss die Beschwerdeführerin ferientauglich gewesen sei. Erst im Schreiben des jetzigen Rechtsvertrete rs der Beschwerdeführerin vom 24. Mai 2013 wird erklärt, dass “die Bestätigung von Dr . D.____ vom 19. November 2012 mit Vorsicht zu geniessen“ sei. Der Gesundheitszustand der Be schwerdeführerin sei keineswegs während der gesamten Dauer der Arbeitsunfähigkeit gle ich bleibend gewesen. Der Zustand habe sich vielmehr im Laufe der Zeit gebessert. Die Bestätigung von Dr. D.____ müsse deshalb an dieser Stelle bestritten werden, zumal auch die an den Arzt gerichtete Fragestellung nicht bekannt gewesen sei. 3.5. Aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdeführeri n monatelang die E-Mail vom 11. Oktober 2012 von C.____ nicht bestritten oder richt ig gestellt hat – obwohl darin explizit festgehalten wurde, die Beschwerdeführerin habe ihre Ferienfähigkeit bestätigt, und aus dieser E-Mail der Zusammenhang zwischen Ferienfähigkeit und Fe riensaldo eindeutig hervorgeht – und die Beschwerdeführerin durch ihre Rechtsschutzversicherung die Ferienfähigkeit ab Herbst bestätigt hat, gilt die Ferienfähigkeit für die Zeit ab 22. September 2012 als erstellt. Zugunsten der Beschwerdeführerin wird vom Beginn des astronomische n Herbstes und somit dem 22. September 2012 und nicht vom meteorologischen Herb stbeginn (1. September 2012) aus- gegangen. Damit kann offen bleiben, wie das Zeugnis v om Dr. D.____ verstanden werden muss. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1. Als nächstes ist zu prüfen, ob die spätestens ab 22. S eptember 2012 gegebene Fe- rienfähigkeit der Beschwerdeführerin zum Erlöschen des Ferienentschädigungsanspruchs ge- führt hat. 4.2. In der Beschwerde an das Kantonsgericht führte die Beschwerdeführerin – die dort eine Ferienfähigkeit ab 19. November 2012 geltend ma chte – aus, dass sich der Gesundheits- zustand im Spätjahr 2012 verbessert habe. Es sei jedoch keineswegs während der gesamten Dauer der 100%igen Arbeitsunfähigkeit gleich bleiben d gewesen. Vielmehr seien immer wieder einzelne Krankheitsschübe zu verzeichnen gewesen, wie dies dem im vorliegenden Fall chroni- schen Verlauf der Krankheit entspreche. Dass es der Beschwe rdeführerin unter diesen Um- ständen nicht möglich gewesen sei, Ferien von über 4.5 Wochen Dauer zu planen bzw. zu bu- chen, verstehe sich mangels Voraussehbarkeit des Krankheitsverlaufes von selbst. 4.3. Nach Art. 329c des Bundesgesetzes betreffend die Ergä nzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht; OR) vo m 30. März 1911 sind die Ferien in der Regel im Verlauf des betreffenden Dienstjahres zu gewähren; wenigstens zwei Ferienwo- chen müssen zusammenhängen (Abs. 1). Art. 329c Abs. 2 OR statuiert, dass der Arbeitgeber den Zeitpunkt der Ferien bestimmt und dabei auf die Wünsche des Arbeitnehmers soweit Rück- sicht nimmt, als dies mit den Interessen des Betriebes ode r Haushaltes vereinbar ist. Nach Art. 329d Abs. 2 OR dürfen die Ferien während der Da uer des Arbeitsverhältnisses nicht durch Geldleistungen oder andere Vergünstigungen abgegolten werden. 4.4. Zweck der Ferien ist die Erholung des Arbeitnehmer s (BGE 128 III 280 E. 4.a/aa, be- sprochen von ALFRED BLESI , in: Zeitschrift für Arbeitsrecht und Arbeitslosenversich erung [ARV] S. 14 ff.; Urteil des Kantonsgerichts Graubünden ZK2 11 13 vom 6. März 2013 E. 9.b mit weite- ren Hinweisen). Die Tatsache, dass ein Arbeitnehmer kei ne Reise antreten kann, führt nicht unbedingt zum Schluss, dass dadurch der Erholungszweck der Ferien vereitelt wird. Ferien, die ein Arbeitnehmer zu Hause verbringt, können durchaus ihr en Erholungszweck erfüllen. Tages- ausflüge, Spaziergänge, Besuche bei Freunden können si ch für einen Arbeitnehmer, der nicht arbeitsfähig ist, ebenso erholsam auswirken wie eine of t mit vielen Umstellungen verbundene Ferienreise (Urteil des Arbeitsgerichts Zürich vom 1. Feb ruar 1979, in: Blätter für Zürcherische Rechtsprechung [ZR] 80/1981 S. 203). 4.5. Ob der Erholungszweck erreicht werden kann oder nich t wird unter anderem davon abhängig gemacht, ob der Arbeitnehmer oder der Arbe itgeber gekündigt hat und ob der Arbeit- nehmer während der Kündigungsfrist eine Stelle suchen muss. Weiter sind für die Frage, ob Ferien bezogen werden müssen, die Länge der Ankündigu ngszeit bzw. der Ferienvorberei- tungszeit und die Dauer der zu beziehenden Ferien von Relevanz. Kündigt der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis, kann in den meisten Fällen davon ausgegan- gen werden, er habe einen zukünftigen Arbeitsplatz ber eits organisiert, so dass es kaum am Erholungszweck mangeln wird. Hier können die Ferien re lativ unproblematisch während der Kündigungsfrist in natura bezogen werden, sofern die Ankündigungsfrist lange genug ist. Kün- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht digt der Arbeitgeber, muss auf den konkreten Fall abgestellt werden (HANS PETER EGLI , Strittige Fragen zum Thema “Ferien“, in: Mitteilung des Institut s für Schweizerisches Arbeitsrecht [ArbR] 2006 S. 161 mit weiteren Hinweisen auch auf andere Lehrmeinungen). 4.6.1. Zur Länge der Ankündigungs- bzw. Vorbereitungszei t gibt es in Lehre und Rechtspre- chung verschiedene Meinungen. 4.6.2. Mehrheitlich wird in der Lehre folgende Meinu ng vertreten: Ferien von einer Woche oder kürzer taugen erfahrungsgemäss wenig zur Erholung. Selbst mit der Stellensuche belastet wird ein Arbeitnehmer noch einige wenige Tage Ferien beziehen können, sofern die Kündi- gungsfrist lang genug ist. Es kommt dazu, dass die Orga nisation von kurzen Ferien weniger Vorbereitungszeit benötigt. Sind dagegen noch rund zwe i Wochen Ferien oder mehr ausste- hend, hat der Arbeitnehmer Anspruch darauf, diese an e inem Stück zu beziehen. Dazu ist ihm eine entsprechende Vorbereitungszeit einzuräumen. Die Ankündigungszeit sollte ca. drei Mona- te betragen. Das hat zur Folge, dass längere Ferien, ab ca. acht bis zehn Arbeitstagen, wäh- rend einer normalen Kündigungsfrist von einem bis dre i Monaten nicht mehr in natura bezogen werden müssten, schon weil es an der notwendigen Vorbe reitungszeit mangelt (vgl. zum Gan- zen EGLI , a.a.O., S. 121 mit weiteren Hinweisen). 4.6.3. Es wird jedoch in der Lehre auch der Standpunkt vertreten, während der Kündigungs- frist könne die Zeitvorgabe für die Ankündigung und damit auch für die Ferienvorbereitung kür- zer sein und bei Freistellung des Arbeitnehmers mehr oder weniger wegfallen (vgl. zum Ganzen EGLI , a.a.O., S. 121 mit weiteren Hinweisen; BGE 128 III 280 E. 4.a/cc). Dieser Standpunkt wird grundsätzlich aus folgenden Überlegungen vertreten: In d er Lehre wird davon ausgegangen, dass eine Festlegung von drei Monaten im Voraus der Arbe itnehmerin genügend Zeit belässt, ihre Ferien angemessen zu organisieren. Diese Zeitvorgab e findet Anwendung unter gewöhnli- chen Verhältnissen, gilt aber nur beschränkt für Ferien , die infolge einer Kündigung des Ar- beitsverhältnisses angeordnet werden. Die Lehre geht d avon aus, dass eine dreimonatige Frist zur Ferienvorbereitung erforderlich ist, weil gewisse Fe rien- und Reisedestinationen anderen- falls bereits ausgebucht wären. Diese Argumentation b ezieht die Überlegung ein, dass die An- gestellte ihre Wünsche, wo sie die Ferien verbringen w ill, möglichst sollte verwirklichen dürfen. Würde an ihr jedoch unter allen Umständen festgehalte n, müssten Ferien, die – von der noch zur Verfügung stehenden Zeit im Arbeitsverhältnis betra chtet – nur noch kurzfristiger als drei Monate im voraus festgelegt werden könnten und gegen de ren Zeitpunkt sich die Mitarbeiterin wehrt, stets ausbezahlt werden. Dem steht die gesetzliche Pflicht entgegen, die Ferien in natura zu beziehen bzw. beziehen zu lassen, um die Erholungsmöglic hkeit für die Arbeitnehmerin si- cherzustellen. Bei der Abwägung der einander gegenüberstehenden Interessen ist die Erholung der Arbeitnehmerin zweifellos stärker zu gewichten. Die erforderliche Erholung kann eine Ange- stellte jedoch auch dann finden, wenn sie in ihrer Fre iheit, die Vorzugsdestination ihrer Ferien zu wählen, eingeschränkt ist. Diese Einschränkung hält sich denn auch in Grenzen. Namentlich sind in der heutigen Zeit die Angebote auf dem Ferienmarkt für kurzfristige Ferien zahlreich und breitgefächert. Unter diesen Umständen erweist sich eine mindestens zweiwöchige Vorberei- tungszeit grundsätzlich als ausreichend. Ausnahmen von di esem Grundsatz können aufgrund besonderer Verhältnisse geboten sein, beispielsweise be i der Rücksichtnahme auf die Ferien Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schulpflichtiger Kinder (Entscheid des Gewerblichen Schied sgerichts Basel-Stadt vom 9. August 2001, in: Basler juristische Mitteilungen [BJM] 2003 S. 317 f. mit weiteren Hinweisen). 4.6.4. Wie die obigen Ausführungen zeigen, sind sich Le hre und Rechtsprechung bezüglich Ferienvorbereitungszeit während der Kündigungsfrist f ür Arbeitsverhältnisse, die nach Obligati- onenrecht geregelt sind, nicht einig. Je nachdem welche n Interessen und Überlegungen mehr Gewicht beigemessen wird, fällt diese Vorbereitungszeit anders aus. Zudem muss dem einzel- nen Fall Rechnung getragen werden. 5.1. Der vorliegende Fall ist aber nicht nach Obligati onenrecht zu beurteilen, sondern nach den kantonalen Bestimmungen über die Arbeitsverhältni sse der Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter des Kantons. Das Obligationenrecht kann hier grundsä tzlich nur analog angewendet wer- den. Wie die obigen Ausführungen zeigen, hängt die A ntwort auf die Frage nach der Länge der Vorbereitungszeit während der Kündigungsfrist davon ab, welchen sich widersprechenden Inte- ressen mehr Gewicht beigemessen wird. Die Antwort auf die Frage, welche Interessen im ob- genannten Spannungsfeld höher zu gewichten sind, hat d ie Personalverordnung selber getrof- fen. So statuiert – wie in der Erwägung 2.2 bereits a usgeführt – § 46 Personalverordnung, dass Ferientage vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu beziehen sind (Abs. 3). Ist der Ferien- bezug aus betrieblichen oder anderen wichtigen Gründen nicht vor Beendigung des Arbeitsver- hältnisses möglich, so kann die Anstellungsbehörde eine E ntschädigung für nicht bezogene Ferientage gewähren (Abs. 4). 5.2. Daraus geht klar hervor, dass von der Regel, dass Fer ientage vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu beziehen sind, nur aus betrieblic hen oder anderen wichtigen Gründen abgewichen werden darf. Eine längere Ferienvorbereit ungszeit kann nicht grundsätzlich als wichtiger Grund im Sinne von § 46 Abs. 2 Personaldekre t qualifiziert werden. Würde die Ge- währung einer längeren Ferienvorbereitungszeit als wich tiger Grund bezeichnet werden, so wäre innerhalb der gesetzlichen Kündigungsfrist öfters kein oder zumindest kein vollständiger Ferienbezug mehr möglich, da die Kündigungsfrist nach § 17 Personalgesetz ab dem zweiten Anstellungsjahr in der Regel drei Monate beträgt. Die Verordnung hat also ausdrücklich grund- sätzlich auch eine kürzere Ankündigungs- und damit auch Vorbereitungszeit in Kauf genommen und gewollt. 5.3. Vorliegendenfalls kündigte die Beschwerdeführerin das Arbeitsverhältnis während ihrer Krankheit selber. Sie war spätestens ab dem 22. Septe mber 2012 ferienfähig. Das Arbeitsver- hältnis dauerte bis Ende November 2012. In der Zeit v om Mittwoch, 31. Oktober 2012, bis Frei- tag, 30. November 2012, hätte die Beschwerdeführerin die von ihr in der Beschwerdebegrün- dung an das Kantonsgericht geltend gemachten 23 Ferien tage am Stück beziehen können. Damit hätte sie vom 22. September 2012 bis zum 30. Oktob er 2012 und damit fünfeinhalb Wo- chen Zeit gehabt, ihre Ferien zu planen. In Anbetracht, dass die Beschwerdeführerin selber und zudem in Kenntnis und während ihrer Krankheit gekündigt hat, § 46 Personalverordnung die Regel vorsieht, dass Ferien während der Kündigungsfrist zu beziehen sind, dass vorliegend keine wichtigen Gründe ersichtlich sind, von dieser Regel abzuweichen, und die Beschwerde- führerin zudem eine Ferienvorbereitungszeit von über einem Monat hatte, stand ihr ab 22. Sep- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht tember 2012 genügend Zeit zur Verfügung, um die 23 Tage wie Ferientage zu nutzen. Sie hätte überdies ab dem 31. Oktober 2012 die ihr zustehenden 23 Ferientage am Stück als Ferientage beziehen und in dieser Zeit auch verreisen können. Dabei ist irrelevant, ob sie in die Ferien ver- reist ist. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. 6. Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Gestüt zt auf § 20 Abs. 1 VPO in Ver- bindung mit § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskost en in der Höhe von Fr. 1‘400.-- der unterliegenden Beschwerdeführerin auferlegt und die Parteikosten gestützt auf § 21 Abs. 1 VPO wettgeschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- gehen zu Lasten der Beschwerdeführerin und werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800.-- verrechnet. Der zuviel bezahlt e Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 400.-- wird der Beschwerdeführerin zurücker- stattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. 4. Eine Kopie der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 28. August 2014 geht an den Beschwerdegegner zur Kenntnisnahme. Präsidentin Gerichtsschreiberin