<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2006.00155</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=205967&amp;W10_KEY=4467135&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2006.00155</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 28.06.2006</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">1. Abteilung/1. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht ist auf eine staatsrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid am 01.02.2007 nicht eingetreten.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Baubewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Baubewilligung. Umwandlung ehemaliger Drogenklinik in Durchgangszentrum für Asylsuchende in Kernzone (Weilerzone).<br/><br/>Legitimation der Gemeinde gemäss § 21 lit. a VRG: Die Gemeinde ist nur insoweit beschwerdelegitimiert, als die von ihr vertretenen schutzwürdigen Interessen reichen und als sie in Bezug auf jede Rüge substanziiert darlegt, inwieweit sie durch die Bewilligung des Bauvorhabens in spezifisch kommunalen Interessen betroffen ist. Dies hat sie in Bezug auf mehrere Rügen, welche die angebliche Verletzung von kantonalrechtlichen Bestimmungen betreffen, unterlassen, und die besondere Betroffenheit in spezifisch kommunalen Interessen ist auch nicht offensichtlich, weshalb sie insoweit nicht legitimiert ist (E. 1.2).<br/><br/>Art. 3 Abs. 2 BZO, der Zweck und Nutzung der Kernzonen umschreibt, stellt kompetenzgemäss erlassenes kommunales Recht dar, dessen Anwendung und Auslegung durch die kommunale Behörde grundsätzlich zu schützen ist, wenn sie vertretbar ist und kein übergeordnetes Recht verletzt. Art. 3 Abs. 2 BZO, wonach in der Kernzone nur "Wohnungen" zulässig sind, eröffnet einen primär von der kommunalen Baubehörde auszufüllender Beurteilungsspielraum. Der Gemeinderat durfte deshalb auf den Zonenzweck und die der Einzonung der Weiler zugrunde liegenden Planungsabsichten abstellen. Weder die einzelnen Unterkünfte des projektierten Durchgangszentrums für Asylsuchende noch die Unterkunft als Ganzes stellen "Wohnungen" dar und widersprechen dem Charakter der betreffenden Weilerzone. Das Durchgangszentrum für Asylsuchende ist in der betreffenden Weilerzone demnach zonenwidrig und die diesbezügliche Auffassung des Gemeinderates vertretbar (E. 2).<br/><br/>Offen gelassen, ob das Bauvorhaben gestützt auf § 357 PBG über die Änderung an vorschriftswidrigen Bauten und Anlagen bewilligt werden kann. Durch die Aufgabe der Nutzung der Liegenschaft als Drogenklinik ist das Bestandesprivileg für diese Nutzung jedenfalls nicht untergegangen (E. 3).<br/><br/>Teilweise Gutheissung und Rückweisung anVorinstanz (E. 3).</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ASYLSUCHENDE/ASYLBEWERBER">ASYLSUCHENDE/ASYLBEWERBER</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BESTANDESPRIVILEG">BESTANDESPRIVILEG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEURTEILUNGSSPIELRAUM">BEURTEILUNGSSPIELRAUM</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DURCHGANGSZENTRUM">DURCHGANGSZENTRUM</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KERNZONE">KERNZONE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: LEGITIMATION">LEGITIMATION</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: LEGITIMATION DER GEMEINDE">LEGITIMATION DER GEMEINDE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SUBSTANZIIERUNG">SUBSTANZIIERUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SUBSTANZIIERUNGSPFLICHT">SUBSTANZIIERUNGSPFLICHT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: UNTERKUNFT">UNTERKUNFT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WEILER">WEILER</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WOHNUNG">WOHNUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Planungs- und Baurecht ST: ZONENKONFORMITÃT">ZONENKONFORMITÃT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ZONENWIDRIGKEIT">ZONENWIDRIGKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ZONENZWECK">ZONENZWECK</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 3 Abs. II BZO Oberembrach</span><br/><span class="ungerade">§ 49a Abs. III PBG</span><br/><span class="gerade">§ 357 PBG</span><br/><span class="ungerade">§ 21 lit. b VRG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">RB 2006 Nr. 19</span><br/> </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 2 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">Der Kanton ZÃ¼rich plant die Umwandlung der ehemaligen, fÃ¼r maximal 25 Patienten bestimmten Drogenklinik L in ein Durchgangsheim fÃ¼r bis zu 145 Asylsuchende. Die seit Herbst 2003 leer stehende Klinik-Liegenschaft Kat.-Nr. 01 im Weiler L befindet sich im Gemeindegebiet von Oberembrach und umfasst ein WohngebÃ¤ude und ein ehemaliges Schulhaus. Das WohngebÃ¤ude, welches neben Aufenthalts-, Verwaltungs-, KÃ¼chen- und SanitÃ¤rrÃ¤umen neu rund 120 SchlafplÃ¤tze aufnehmen soll, ist der Kernzone KB gemÃ¤ss Art. 1 der Bau- und Zonenordnung der Gemeinde Oberembrach vom 6. Oktober 1994 (BZO) zugeteilt. Das ehemalige Schulhaus, das neben weiteren Aufenthalts-, KÃ¼chen- und SanitÃ¤rrÃ¤umen weitere 20 SchlafplÃ¤tze aufnehmen soll, liegt in der Landwirtschaftszone.</p> <p class="Sachverhalt2">Nachdem sich die Bauherrschaft zunÃ¤chst erfolglos gegen die DurchfÃ¼hrung eines Baubewilligungsverfahrens gestrÃ¤ubt hatte, reichte sie am 23. Dezember 2004 die erforderlichen Unterlagen zur Bewilligung in. </p> <p class="Sachverhalt2">FÃ¼r die Umbauten und NutzungsÃ¤nderungen am in der Landwirtschaftszone gelegenen ehemaligen Schulhaus erteilte die Baudirektion die Ausnahmebewilligung im Sinn von Art. 24c des Bundesgesetzes vom 22. Juni 1979 Ã¼ber die Raumplanung (RPG) am 22. MÃ¤rz 2005. Unter gleichzeitiger ErÃ¶ffnung dieser VerfÃ¼gung verweigerte der Gemeinderat Oberembrach am 21. April 2005 dem Bauvorhaben die baurechtliche Bewilligung; die von der Bauherrschaft zu bezahlende BaubewilligungsgebÃ¼hr setzte er auf insgesamt Fr. 5'140.- fest.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">WÃ¤hrend gegen die Erteilung der Ausnahmebewilligung mehrere Anwohner Rekurs erhoben, wurde die Bauverweigerung des Gemeinderats durch den Kanton ZÃ¼rich als Bauherrschaft angefochten. Die Baurekurskommission IV vereinigte am 9. MÃ¤rz 2006 diese Rekursverfahren und lud den Gemeinderat Oberembrach unter Gutheissung des Rekurses der Bauherrschaft zur Erteilung der Baubewilligung ein; auf den Rekurs der Anwohner trat sie teilweise nicht ein, teilweise wies sie ihn ab.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Mit Beschwerde vom 5. April 2006 liess der Gemeinderat Oberembrach dem Verwaltungsgericht beantragen, den Rekursentscheid unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen aufzuheben, soweit damit die Bauverweigerung aufgehoben und der Gemeinderat zur Erteilung der Bewilligung eingeladen worden sei.</p> <p class="Urteilstext">Die Vorinstanz beantragte am 4. Mai 2006 Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen. Die Bauherrschaft liess am 26. Mai 2006 Abweisung des Rechtsmittels unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen beantragen; eventualiter sei die fÃ¼r die Bauverweigerung festgesetzte GebÃ¼hr auf eine angemessene HÃ¶he zu reduzieren. </p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Das Verwaltungsgericht ist gemÃ¤ss § 41 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) zur Behandlung der gegen einen Entscheid der Baurekurskommission erhobenen Beschwerde zustÃ¤ndig.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Streitig ist lediglich noch die Bauverweigerung durch den Gemeinderat Oberembrach vom 22. April 2005. </p> <p class="Urteilstext"><span>GemÃ¤ss § 21 lit. b in Verbindung mit § 70 VRG ist die Gemeinde zur Beschwerde berechtigt zur Wahrung der von ihr vertreten schutzwÃ¼rdigen Interessen. Das trifft nach der Praxis dann zu, wenn sie sich fÃ¼r die Durchsetzung und richtige Anwendung ihres kommunalen Rechts wehrt (VGr, 24. September 1985, BEZ 1985 Nr. 44 = ZBl 87/1986, S. 40; Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 21 N. 62). Diese Voraussetzung ist hier ohne weiteres insofern erfÃ¼llt, als die BeschwerdefÃ¼hrerin eine Verletzung ihrer Kernzonenvorschriften geltend macht. Aus demselben Grund beschwerdebefugt ist sie auch insoweit, als sie geltend macht, die RekursbehÃ¶rde habe Art. 27 BZO nicht angewendet, wonach bei Mehrfamilien- und ReiheneinfamilienhÃ¤usern ab sechs Wohneinheiten Kinderspiel- und RuheflÃ¤chen im Ausmass von gesamthaft mindestens 20 % der dem Wohnen dienenden GeschossflÃ¤chen anzulegen seien.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Entgegen der Auffassung der BeschwerdefÃ¼hrerin bedeutet dies jedoch nicht, dass die Gemeinde damit auch zu allen weiteren von ihr erhobenen RÃ¼gen befugt ist. Insofern gelten andere Regeln als bei einem Privaten, der gemÃ¤ss § 21 lit. a VRG anfechtungsberechtigt ist, wenn er durch die angefochtene Anordnung berÃ¼hrt ist und ein schutzwÃ¼rdiges Interesse an deren Aufhebung oder Ãnderung hat, und der deshalb grundsÃ¤tzlich alle RÃ¼gen vorbringen kann, welche die angestrebte Entlastung herbeifÃ¼hren kÃ¶nnen (RB 1980 Nr. 7). Dagegen ist die Gemeinde nur anfechtungsbefugt, soweit die von ihr vertretenen schutzwÃ¼rdigen Interessen reichen. Bestehen diese wie hier in der richtigen Anwendung ihrer Kernzonenvorschriften, so braucht im Anfechtungsverfahren nur diese Frage geprÃ¼ft zu werden, und ist die Gemeinde deshalb im Gegensatz zum Privaten nicht ohne weiteres auch zu weiteren RÃ¼gen befugt. Vielmehr muss sie darlegen, inwiefern sie durch die Bewilligung des Bauvorhabens in anderen von ihr vertretenen schutzwÃ¼rdigen Interessen betroffen ist, was beispielsweise dann zutreffen kann, wenn sie als Folge einer Baubewilligung zum Ausbau von Erschliessungsanlagen gezwungen wird oder wenn ein privates Bauvorhaben den Betrieb einer benachbarten kommunalen Einrichtung beeintrÃ¤chtigt.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Solche Interessen werden hier jedoch nicht geltend gemacht und genÃ¼gend substanziiert. Die BeschwerdefÃ¼hrerin legt nicht hinreichend dar, inwiefern sie durch das bewilligte Bauvorhaben bzw. durch die behauptete Verletzung von kantonalrechtlichen Bestimmungen betreffend AufenthaltsrÃ¤ume in GemeinschaftsunterkÃ¼nften (§ 10 lit. c der Besonderen Bauverordnung I vom 6. Mai 1981; BBV I), betreffend Wohnhygiene (§§ 301, 303 des Planungs- und Baugesetzes vom 7. September 1975 [PBG]; § 10 Abs. 1 lit. b BBV I) sowie betreffend Erschliessung (§§ 236 f. PBG) in schutzwÃ¼rdigen kommunalen Interessen betroffen ist. Dass bei der Anwendung dieser Bestimmungen teilweise ErmessensspielrÃ¤ume bestehen, rechtfertigt keine andere Betrachtungsweise; eine qualifizierte Entscheidungs- und Ermessensfreiheit, wie sie der Gemeinde insbesondere bei der Anwendung der Einordnungsvorschrift von § 238 PBG zusteht, besteht bei der Anwendung dieser Bestimmungen nicht. Sodann lÃ¤sst die Praxis des Verwaltungsgerichts die Anfechtung eines Rekursentscheids Ã¼ber eine Baubewilligung wegen ungenÃ¼gender ZugÃ¤nglichkeit des BaugrundstÃ¼cks durch die Gemeinde zwar grundsÃ¤tzlich zu (RB 1983 Nr. 8 = BEZ 1983 Nr. 20 = ZBl 84/1983, 500 = ZR 82/1983 Nr. 97); auch dabei wird jedoch vorausgesetzt, dass die Gemeinde darlegt, inwiefern sie durch die Erteilung der Baubewilligung fÃ¼r ein ungenÃ¼gend erschlossenes GrundstÃ¼ck in ihren planungs- oder erschliessungsrechtlichen Interessen betroffen ist (VGr, 27. August 2003, VB.2003.00170, E. 1b [nicht publizierter Nichteintretensentscheid]). Eine solche Darlegung hat hier die BeschwerdefÃ¼hrerin unterlassen und die besondere Betroffenheit in spezifisch kommunalen Interessen ist auch nicht offensichtlich. Allein der Umstand, dass der Gemeinderat bezÃ¼glich der Verkehrssicherheit die VerhÃ¤ltnisse anders beurteilt als die RekursbehÃ¶rde, vermag die Legitimation der Gemeinde nicht zu begrÃ¼nden.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Urteilstext">GemÃ¤ss Art. 3 Abs. 2 BZO sind in den Kernzonen Wohnungen und mÃ¤ssig stÃ¶rende Betriebe zulÃ¤ssig. Zu einer solchen Regelung der Nutzweise ist die Gemeinde gemÃ¤ss §§ 49a Abs. 3 und § 50 PBG befugt. Art. 3 Abs. 2 BZO stellt demgemÃ¤ss kompetenzgemÃ¤ss erlassenes kommunales Recht dar, dessen Anwendung und Auslegung durch die kommunale BehÃ¶rde insbesondere in ZweifelsfÃ¤llen, wenn die Auslegung <span>schwierig ist und in besonderem Masse Ã¶rtliche VerhÃ¤ltnisse zu wÃ¼rdigen sind, </span>nach stÃ¤ndiger Rechtsprechung dann zu schÃ¼tzen ist, wenn sie vertretbar ist und kein Ã¼bergeordnetes Recht, insbesondere keine verfassungsmÃ¤ssigen Garantien verletzt (BGr, <span>6. Juni 2005, 1P.487/2004, E. 3.1., mit Hinweisen, </span>www.bger.ch<span>; grundlegend </span>BGE 96 I 369 E. 4; vgl. sodann RB 1981 Nr. 20, 1982 Nr. 38, 1984 Nr. 106, 1986 Nr. 116).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>Die Baurekurskommission hat erwogen, Kernzonen stellten ihrem Wesen nach Mischzonen dar, in welchen mangels anderweitiger kommunaler Regelung sowohl Wohn- als auch gewerbliche Nutzungen zulÃ¤ssig seien. PrimÃ¤r diene das Institut der Kernzone nicht der Regelung der zulÃ¤ssigen Nutzung, sondern dem Ortsbildschutz. Art. 3 BZO sei im Sinn dieser kantonalen Gesetzessystematik formuliert, ohne irgendwelche Abweichungen zu statuieren; als Zonenzweck werde in Absatz 1 die Erhaltung und ErgÃ¤nzung der Dorfkerne in ihrer rÃ¤umlichen und baulichen Struktur umschrieben, und gemÃ¤ss Absatz 2 seien neben Wohnungen auch mÃ¤ssig stÃ¶rende Betriebe zulÃ¤ssig. Diese Bestimmungen liessen keine Fragen offen, die Raum fÃ¼r das Auslegungsermessen der Gemeinde bÃ¶ten. Der Begriff der Wohnnutzung bestimme sich nach Massgabe des kantonalen Rechts und der Norm lasse sich nicht entnehmen, dass mit der angestrebten Erhaltung des Weilers in seiner rÃ¤umlichen und baulichen Struktur die BevÃ¶lkerungszahl beschrÃ¤nkt werden sollte; dafÃ¼r bÃ¶ten denn auch §§ 48 ff. PBG keine Grundlage. Eine Liegenschaft diene dann dem Wohnen, wenn sie bestimmungsgemÃ¤ss dem wohnbezogenen Aufenthalt von Menschen dienen solle; dies treffe nach der Rechtsprechung der Baurekurskommissionen bei UnterkÃ¼nften fÃ¼r Asylsuchende zu. Die relativ grosse Zahl der vorgesehenen Bewohner rechtfertige keine andere Betrachtungsweise. Die Bedenken des Gemeinderats, wenn sich zu den 20 bisherigen Bewohnern des Weilers bis zu 145 Asylsuchende gesellten, seien nachvollziehbar, betrÃ¤fen jedoch sozialpolitische Aspekte, die im baurechtlichen Verfahren nicht berÃ¼cksichtigt werden kÃ¶nnten.</p> <p class="Erwgung2">Die BeschwerdefÃ¼hrerin macht geltend, diese ErwÃ¤gungen missachteten, dass die Gemeinde die Weilerzonen bewusst klein gehalten habe, um damit eine nur sehr massvolle innere Entwicklung zu ermÃ¶glichen; fÃ¼r alle Weiler zusammen sei von einer langfristigen ErhÃ¶hung der Einwohnerzahl um 80 bis 100 Personen ausgegangen worden. Das geplante Durchgangsheim widerspreche diesen Absichten diametral. Sodann unterscheide sich die Einquartierung von Asylsuchenden deutlich vom normalerweise in Wohn- oder Kernzonen vorgesehenen Wohnen; die Bewohnerdichte und die Massierung von Menschen auf engem Raum widerspreche dem in der Kernzone Vorgesehenen und ZulÃ¤ssigen; das gelte selbst dann, wenn diese Art von Unterkunft als Teil eines Betriebes angesehen werde, wie beispielsweise das Personalhaus eines Restaurants.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Entgegen der Auffassung der Vorinstanz erÃ¶ffnet der Wortlaut von Art. 3 Abs. 2 BZO, wonach in der Kernzone B (Weiler) "Wohnungen" zulÃ¤ssig sind, einen primÃ¤r von der Ã¶rtlichen BaubehÃ¶rde auszufÃ¼llenden Beurteilungsspielraum. Der Aufenthalt von 145 Personen in einer Gemeinschaftsunterkunft mit Mehrbettzimmern kann zwar dem Oberbegriff "Wohnen" zugeordnet werden, doch handelt es sich weder bei der Unterkunft als Ganzem noch bei den einzelnen Zimmern, die Ã¼ber keine eigenen KÃ¼chen- und SanitÃ¤reinrichtungen verfÃ¼gen, um "Wohnungen" im Sinn des allgemeinen Sprachgebrauchs; namentlich fehlt es bei einem Durchgangszentrum, welches als Erstphasenunterkunft der vorÃ¼bergehenden Beherbergung von Asylsuchenden dient, bevor diese einer bestimmten Gemeinde zugewiesen werden kÃ¶nnen, auch am fÃ¼r den Begriff der Wohnung immanenten Element der stÃ¤ndigen bzw. dauernden Unterkunft (vgl. DUDEN, Bd. 10, BedeutungswÃ¶rterbuch, Lemma Wohnung; vgl. auch VGr AG, 14. MÃ¤rz 1994, AGVE 1994, S. 367, insbesondere S. 370 ff.). Der Gemeinderat hat deshalb bei der Anwendung von Art. 3 Abs. 2 BZO zulÃ¤ssigerweise auf den in Abs. 1 umschriebenen Zonenzweck und die der Einzonung der Weiler zugrunde liegenden Planungsabsichten, mithin auf den Charakter der betreffenden Kernzone, abgestellt (RB 1998 Nr. 95; vgl. auch VGr AG, 14. MÃ¤rz 1994, AGVE 1994, S. 367, insbesondere S. 372 ff.). Bereits aus dem Zweck der Erhaltung der Weiler in ihrer rÃ¤umlichen und baulichen Struktur lÃ¤sst sich zwanglos herauslesen, dass unter Wohnungen im Sinn von Abs. 2 keine MassenunterkÃ¼nfte mit mehr als 140 Bewohnern zu verstehen sind. Diese Auffassung wird durch die von der BeschwerdefÃ¼hrerin dokumentierten Planungsabsichten untermauert, wonach in den eingezonten Weilern nur geringfÃ¼gige zusÃ¤tzliche BaumÃ¶glichkeiten geschaffen werden sollten; entsprechend ist in den Weilern eine relativ tiefe AusnÃ¼tzung von 30 % festgesetzt worden (Art. 7 BZO). Das Durchgangszentrum fÃ¼r Asylsuchende ist dem Gesagten zufolge in der betreffenden Weilerzone zonenwidrig.</p> <p class="Urteilstext">Damit erweist sich die Auslegung der Ã¶rtlichen BaubehÃ¶rde als vertretbar und hat die Vorinstanz zu Unrecht in den ihr bei der Anwendung des kommunalen Rechts zustehenden Beurteilungsspielraum eingegriffen. Insbesondere verstÃ¶sst der Entscheid des Gemeinderats nicht gegen das Ã¼bergeordnete kantonale Recht; § 49a Abs. 3 PBG erÃ¶ffnet den Gemeinden einen weiten Spielraum fÃ¼r die Umschreibung der zulÃ¤ssigen Nutzweisen (RB 1998 Nr. 95).</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Urteilstext">Damit stellt sich die Frage, ob das Bauvorhaben gestÃ¼tzt auf § 357 PBG Ã¼ber die Ãnderung an vorschriftswidrigen Bauten und Anlagen bewilligt werden kann. Entgegen der von der BeschwerdefÃ¼hrerin in der Bauverweigerung vom 21. April 2005 vertretenen Auffassung ist durch die Aufgabe der Nutzung der Liegenschaft als Drogenklinik im Herbst 2003 das Bestandesprivileg fÃ¼r diese Nutzung nicht untergegangen. Vielmehr wird zu prÃ¼fen sein, ob bereits diese Nutzung zonenwidrig war und ob auch die weiteren Voraussetzungen fÃ¼r eine zonenwidrige Umnutzung gegeben sind. Zu diesem Zweck sind in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Akten an die Baurekurskommission IV zurÃ¼ckzuweisen (§ 64 Abs. 1 VRG); diese wird, da eine Bewilligung gestÃ¼tzt auf § 357 PBG im bisherigen Verfahren noch nicht thematisiert worden ist, zur Wahrung des rechtlichen GehÃ¶rs einen weiteren Schriftenwechsel durchzufÃ¼hren haben.</p> <p class="Urteilstext">Die teilweise Gutheissung der Beschwerde hat sodann zur Folge, dass die Kosten- und EntschÃ¤digungsregelung des angefochtenen Rekursentscheids insofern aufzuheben ist, als der Gemeinde Kosten auferlegt wurden und sie zu einer ParteientschÃ¤digung verpflichtet wurde. Ãber die der Gemeinde auferlegte KostenhÃ¤lfte wird im zweiten Rechtsgang neu zu befinden sein; nicht berÃ¼hrt vom Beschwerdeentscheid sind dagegen die Auferlegung der Kosten fÃ¼r die privaten Rekurrierenden<span class="UrteilstextChar"> sowie deren Verpflichtung zur Zahlung einer UmtriebsentschÃ¤digung. </span></p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Urteilstext">Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Verfahrenskosten den Parteien je zur HÃ¤lfte aufzuerlegen (§ 13 Abs. 2 Satz 1 in Verbindung mit § 70 VRG) und steht keiner Partei eine UmtriebsentschÃ¤digung zu.</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss </span><span><a id="Text25"></a>entscheidet</span><span> </span><span>die Kammer</span><span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Rekursentscheid wird insoweit aufgehoben als damit die BeschwerdefÃ¼hrerin zur Erteilung der Baubewilligung eingeladen wird, und die Akten werden zu neuer Entscheidung im Sinne der ErwÃ¤gungen an die Baurekurskommission IV zurÃ¼ckgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die Regelung der Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen des Rekursentscheids wird insoweit aufgehoben, als damit der BeschwerdefÃ¼hrerin Kosten auferlegt wurden und sie zu einer ParteientschÃ¤digung verpflichtet wurde. Ãber die Verlegung dieser KostenhÃ¤lfte ist im zweiten Rechtsgang zu entscheiden.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 3'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 3'060.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Gerichtskosten werden den Parteien je zur HÃ¤lfte auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. ParteientschÃ¤digungen werden nicht zugesprochen.</span></p> <p class="Urteilstext">5. Mitteilung an â¦</p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>