<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 17 S.75</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">75</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>17</b></span> <span class="ft3"><b>Berufskosten (Gewinnungskosten); Fahrtkosten eines Wochenaufenthal-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ters.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Zumutbarer zeitlicher Mehraufwand für die Benützung des öffentli-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>chen Verkehrs.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Berechnung der Zeitersparnis.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 23. Januar 2008 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">Kantonales Steueramt gegen M. (WBE.2007.176). Zur Publikation vorgese-</span><br/> <span class="ft6">hen in StE 2009.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">Gemäss § 35 Abs. 1 lit. a StG werden die notwendigen Kosten</span><br/> <span class="ft8">für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte als Berufskosten ab-</span><br/> <span class="ft8">gezogen. Steht kein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung oder</span><br/> <span class="ft8">ist dessen Benutzung objektiv nicht zumutbar, so können die Kosten</span><br/> <span class="ft8">des privaten Fahrzeugs abgezogen werden (§§ 12 ff. StGV i.V.m.</span><br/> <span class="ft8">Art. 5 Abs. 3 der Verordnung des EFD über den Abzug von Berufs-</span><br/> <span class="ft8">kosten der unselbständigen Erwerbstätigkeit bei der direkten Bun-</span><br/> <span class="ft8">dessteuer vom 10. Februar 1993 [Berufskostenverordnung,</span><br/> <span class="ft8">SR 642.118.1]). Grundsätzlich sind also in erster Linie die Kosten</span><br/> <span class="ft8">des öffentlichen Verkehrs abziehbar.</span><br/> <span class="ft8">4.</span><br/> <span class="ft8">4.1</span><br/> <span class="ft8">Die Kosten des privaten Fahrzeuges werden steuerlich dann be-</span><br/> <span class="ft8">rücksichtigt, wenn die Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels</span><br/> <span class="ft8">nicht zumutbar ist. Dies trifft namentlich zu bei:</span><br/> <span class="ft8">"- Krankheit oder körperlichen Gebrechen</span><br/> <span class="ft8">- beachtlicher Entfernung der nächsten Haltestelle</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">76</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">- schlechten Bahn- oder Busverbindungen</span><br/> <span class="ft8">- Arbeitsbeginn oder -schluss ausserhalb der Verkehrszeiten</span><br/> <span class="ft8">- erheblichem zeitlichem Mehraufwand bei Benützung der</span><br/> <span class="ft8">öffentlichen</span> <span class="ft8">Verkehrsmittel"</span><br/> <span class="ft8">(Philip Funk, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft8">2. Auflage, Muri-Bern 2004, § 35 N 7 mit Hinweisen)</span><br/> <span class="ft8">Soweit es um das Kriterium des erheblichen zeitlichen Mehr-</span><br/> <span class="ft8">aufwands bei Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel geht, wird</span><br/> <span class="ft8">nach der Rechtsprechung die Benützung des öffentlichen Verkehrs</span><br/> <span class="ft8">als zumutbar erachtet, wenn der damit verbundene Zeitverlust, ver-</span><br/> <span class="ft8">glichen mit der Benützung des privaten Fahrzeuges, weniger als eine</span><br/> <span class="ft8">Stunde pro Tag beträgt (AGVE 1997, S. 406 m.H.). Die genannte</span><br/> <span class="ft8">Zeitersparnis von einer Stunde stellt einen Richtwert dar, der nicht</span><br/> <span class="ft8">sklavisch zu befolgen ist. Massgebend sind die Umstände des Einzel-</span><br/> <span class="ft8">falles (BGE vom 25. April 1995 in Sachen R., publiziert in: Die neue</span><br/> <span class="ft8">Steuerpraxis 1995, S. 84), insbesondere die Quantität (Fahrplan-</span><br/> <span class="ft8">dichte) und Qualität (direkte Verbindungen, S-Bahn oder Bummel-</span><br/> <span class="ft8">züge) des Angebotes an öffentlichen Verkehrsmitteln, die Umsteige-</span><br/> <span class="ft8">verhältnisse und die Distanzen zu den Haltestellen. Lässt sich bei</span><br/> <span class="ft8">Benützung des Privatfahrzeugs mehr als eine Stunde pro Tag einspa-</span><br/> <span class="ft8">ren, so deutet dies indessen auf ungenügende öffentliche Verbindun-</span><br/> <span class="ft8">gen hin (AGVE 2005, S. 364 f.; 1997, S. 409).</span><br/> <span class="ft8">4.2.</span><br/> <span class="ft8">4.2.1</span><br/> <span class="ft8">Diese Rechtsprechung bezieht sich auf Pendler, welche den Ar-</span><br/> <span class="ft8">beitsweg täglich zurücklegen. Sie lässt sich auf Wochenaufenthalter</span><br/> <span class="ft8">sinngemäss übertragen. Auch hier sind die Kosten des privaten Fahr-</span><br/> <span class="ft8">zeugs abzugsfähig, wenn dessen Benützung für den Arbeitsweg not-</span><br/> <span class="ft8">wendig - oder anders ausgedrückt, wenn die Benützung der öffentli-</span><br/> <span class="ft8">chen Verkehrsmittel nicht zumutbar ist. Dabei gilt es zu bestimmen,</span><br/> <span class="ft8">welcher zeitliche Mehraufwand beim Benützen der öffentlichen Ver-</span><br/> <span class="ft8">kehrsmittel noch als zumutbar erachtet werden kann. Das KStA ist</span><br/> <span class="ft8">der Meinung, dieser sei auf ungefähr fünf Stunden pro Woche fest-</span><br/> <span class="ft8">zulegen, da dies umgerechnet einer Stunde pro Arbeitstag ent-</span><br/> <span class="ft8">spreche; bei Wochenaufenthaltern führt dies zu einem zumutbaren</span><br/> <span class="ft8">Mehraufwand von 2,5 Stunden pro Wegstrecke. Die Vorinstanz er-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">77</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">achtet demgegenüber gleich wie beim Pendler eine Stunde Mehrauf-</span><br/> <span class="ft8">wand pro Tag - was beim Wochenaufenthalter auf eine Stunde Mehr-</span><br/> <span class="ft8">aufwand pro Wegstrecke hinausläuft - als Grenze des Zumutbaren.</span><br/> <span class="ft8">4.2.2.</span><br/> <span class="ft8">Es erscheint angezeigt, beim Wochenaufenthalter gleich wie</span><br/> <span class="ft8">beim Pendler die Hin- und Rückfahrt insgesamt zu bewerten, denn</span><br/> <span class="ft8">letztlich steht für ihn der gesamte Zeit- bzw. Mehraufwand am</span><br/> <span class="ft8">Wochenende im Zentrum.</span><br/> <span class="ft8">Die vom KStA vorgenommene Umrechnung vermag nicht zu</span><br/> <span class="ft8">überzeugen. Der auf (rund) eine Stunde festgelegte zumutbare Mehr-</span><br/> <span class="ft8">aufwand pro Arbeitstag ist nicht aus der Überlegung entstanden, wie</span><br/> <span class="ft8">viele Stunden einem Pendler in der Woche zuzumuten sind. Wesent-</span><br/> <span class="ft8">lich ist vielmehr die Zumutbarkeit, den öffentlichen Verkehr zu be-</span><br/> <span class="ft8">nützen, was von dessen Quantität und Qualität abhängt. Es liegt auf</span><br/> <span class="ft8">der Hand, dass bei einem zeitlichen Unterschied von 2,5 Stunden für</span><br/> <span class="ft8">eine Wegstrecke (was auf eine Reisezeit von 5 Stunden oder mehr</span><br/> <span class="ft8">mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schliessen lässt) grundsätzlich</span><br/> <span class="ft8">nicht mehr von einem genügenden Angebot an öffentlichen Ver-</span><br/> <span class="ft8">kehrsmitteln gesprochen werden kann. Zu beachten ist auch, dass</span><br/> <span class="ft8">beim Wochenaufenthalter die Fahrten auf das Wochenende und damit</span><br/> <span class="ft8">auf eine für die Erholung besonders wertvolle Zeit fallen können.</span><br/> <span class="ft8">Andererseits ist zu berücksichtigen, dass der Wochenaufenthalter nur</span><br/> <span class="ft8">zwei Mal wöchentlich eine solche Fahrt absolvieren muss, und über-</span><br/> <span class="ft8">dies geschieht die Hin- und Rückfahrt nicht gleichentags, summiert</span><br/> <span class="ft8">sich also nicht an einem einzigen Tag.</span><br/> <span class="ft8">In einer Gesamtwürdigung rechtfertigt es sich, die vom Steuer-</span><br/> <span class="ft8">rekursgericht beachtete Grenze etwas zu erhöhen und den zeitlich</span><br/> <span class="ft8">zumutbaren Mehraufwand für die Benützung der öffentlichen Ver-</span><br/> <span class="ft8">kehrsmittel bei Wochenaufenthaltern, für Hin- und Rückfahrt zu-</span><br/> <span class="ft8">sammengenommen, auf 2,5 Stunden festzusetzen. Im Weiteren dürfte</span><br/> <span class="ft8">- was hier allerdings nicht endgültig entschieden werden muss - die</span><br/> <span class="ft8">Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel generell unzumutbar sein,</span><br/> <span class="ft8">wenn es nicht möglich ist, nach Arbeitsschluss noch am Freitagabend</span><br/> <span class="ft8">nach Hause zurückzukehren.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">78</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">4.3.</span><br/> <span class="ft8">4.3.1.</span><br/> <span class="ft8">Massgeblich sind selbstverständlich die Fahrpläne des Jahres</span><br/> <span class="ft8">2003. (...).</span><br/> <span class="ft8">4.3.2.</span><br/> <span class="ft8">Die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen K. und</span><br/> <span class="ft8">B. dauert gemäss den Feststellungen der Vorinstanz 260 Minuten</span><br/> <span class="ft8">(Hinweg) bzw. 280 Minuten (Rückweg), also insgesamt 540 Minu-</span><br/> <span class="ft8">ten. Nach Abzug der Fahrtzeit mit dem Privatfahrzeug (zweimal 2,5</span><br/> <span class="ft8">Stunden, insgesamt 300 Minuten) ergibt sich ein zeitlicher Mehrauf-</span><br/> <span class="ft8">wand von 240 Minuten. Dieser Mehraufwand von vier Stunden pro</span><br/> <span class="ft8">Woche macht die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel unzu-</span><br/> <span class="ft8">mutbar. Selbst wenn noch geringfügige Änderungen an der Berech-</span><br/> <span class="ft8">nung vorgenommen würden, vermöchte dies am Ergebnis nichts zu</span><br/> <span class="ft8">ändern.</span><br/></div> </div> </body> </html>