<h2>SubmittedText<h2><p>Mehr oder weniger unbemerkt von der hiesigen Öffentlichkeit ereignete sich in der Wiederaufbereitungsanlage Thorp im englischen Sellafield der schwerste Atomunfall seit zehn Jahren; von der IAEA wird er als "ernst" eingestuft. Offenbar war ein enormes Leck über Monate unbemerkt geblieben, niemand hat das Fehlen von immerhin rund 20 Tonnen Uran und Plutonium bemerkt, und was mit der tödlichen Suppe jetzt passieren soll, ist offensichtlich ebenfalls noch höchst unklar.</p><p>Trotzdem bestand selbstredend "für die Öffentlichkeit nie eine Gefährdung". </p><p>In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Wann und durch wen hat er vom Unglück in Sellafield erfahren?</p><p>2. Wieweit ist die Wiederaufbereitung atomarer Brennstäbe aus schweizerischen AKW von der Stilllegung der Anlage in Sellafield betroffen?</p><p>3. Wieweit sind Verträge zwischen Thorp/Sellafield und den schweizerischen Atomkraftwerksbetreibern bzw. die Wiederaufbereitung atomarer Brennstäbe aus schweizerischen AKW von einer möglicherweise definitiven Schliessung der Wiederaufbereitungsanlage betroffen?</p><p>4. Was passiert mit abgebrannten Brennstäben in Sellafield, falls die Anlage definitiv geschlossen wird?</p><p>5. Die aktuelle Beinahe-Katastrophe ist nicht die erste Schlamperei, die in Sellafield passiert. Sah er bzw. die HSK sich nie veranlasst, die Firma Thorp etwas genauer unter die Lupe zu nehmen - spätestens etwa nach der Lieferung defekter Brennstäbe im Jahr 2000?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Bundesbehörden (UVEK, BFE, HSK) erfuhren Anfang Mai 2005 vom Vorfall in der Anlage Thorp (Thermal Oxide Reprocessing Plant) in Sellafield.</p><p>2. Die Wiederaufarbeitung von abgebrannten Brennelementen aus schweizerischen Kernkraftwerken in Sellafield ist im Gang. Aufgrund des zeitweiligen Stillstandes der Anlage Thorp ergibt sich eine Verzögerung bei der Wiederaufarbeitung.</p><p>3./4. Die Verträge zwischen den Betreibern der schweizerischen Kernkraftwerke und der British Nuclear Fuel Inc. (BNFL), der Betreiberin der Wiederaufarbeitungsanlage von Sellafield, sind privatrechtlicher Natur. Deren detaillierte Regelungen sind den schweizerischen Behörden nicht bekannt. Der Bundesrat kann sich daher nicht über die vertraglichen Folgen bei einer allfälligen Schliessung der Thorp-Anlage äussern.</p><p>Die Schweiz hat sich jedoch am 30. September 1983 gegenüber Grossbritannien verpflichtet, die bei der Wiederaufarbeitung angefallenen radioaktiven Abfälle (soweit nicht bereits erfolgt) bzw. im Falle der Nichtwiederaufarbeitung die Brennelemente zurückzunehmen.</p><p>5. Die HSK ist nicht befugt, Inspektionen in ausländischen kerntechnischen Anlagen durchzuführen. Dafür sind die jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörden zuständig.</p><p>In Absprache mit den britischen Aufsichtsorganen "Nuclear Safety Directorate" und "Nuclear Installation Inspectorate" und in Begleitung ihrer Inspektoren besuchte die HSK zu ihrer Information in den vergangenen fünf Jahren viermal Anlagen von BNFL in Sellafield (2000, 2001, 2002, 2005). Einer dieser Besuche war der Anlage Thorp gewidmet, drei der Fertigung von MOX-Brennelementen. Die HSK überzeugte sich von der korrekten Umsetzung der behördlichen Massnahmen in Sellafield.</p>