Baurekursgericht des Kantons Zürich 1. Abteilung G.-Nr. R1S.2013.05040 BRGE I Nr. 0013/2014 Entscheid vom 7. Februar 2014 Mitwirkende Abteilungspräsident Felix Hess, Baurichter Ulrich Weiss, Baurichter Bruno Grossmann, Gerichtsschreiberin Barbara Eidenbenz in Sachen Rekurrenten 1. K. G., [….] 2. L. G., [….] gegen Rekursgegnerinnen 1. Bausektion der Stadt Zürich, Amtshaus IV, 8021 Zürich 2. Baugenossenschaft X, [….] betreffend Bausektionsbeschluss Nr. BE 417/13 vom 20. März 2013; Baubewilligung für Sanierung, hofseitiger Anbau und Pergola _______________________________________________________ R1S.2013.05040 Seite 2 hat sich ergeben: A. Mit Beschluss vom 20. März 2013 erteilte die Bausektion der Stadt Zürich der Baugenossenschaft X die baurechtliche Bewilligung für die Sanierung samt hofseitigem Anbau und einer Pe rgola im Hof der zehn Gebäu de auf dem Grundstück Kat.-Nr. U000. B. Hiegegen wandten sich K. G. und L. G. mit gemeinsamer Reku rseingabe vom 23. April 2013 rechtzeitig an das Baurekursgericht und bea ntragten, der angefochtene Beschluss sei mit Bez ug auf die im Hofbereich geplante Pergola unter Kosten - und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekursge g- nerin aufzuheben. C. Mit Präsidialverfügung vom 25. April 2013 wurde der Rekurseingang vo r- gemerkt und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. Von L. G. wurde für die mutmasslichen Kosten des Rekursverfahrens ein Barvo rschuss von Fr. 1'500.00 verlangt. In ihrer Stellungnahme vom 11. Juni 2013 beantragte die Bausektion die Abweisung des Rekurses. Die Baugenossenschaft X beantragte am 19. Juni 2013 die Abweisung des Reku rses, soweit darauf eingetreten werden könne, sowie die Zusprechung einer Umtriebsentsch ädigung. In ihrer Re p- lik vom 8. Juli 2013 und Duplik vom 25. Juli 2013 ( Baugenossenschaft X) bzw. 29. Juli 2013 (Bausektion) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. D. Am 3. Oktober 2013 führte das Baurekursgericht in Anwesenheit der Pa r- teien einen Augenschein auf dem Lokal durch. Nach dem Augenschein wurde das Verfahren bis zum 4. Dezember 2013 sistiert. E. Auf die Parteivorbringe n und das Ergebnis des Augenscheins wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen Bezug genommen. R1S.2013.05040 Seite 3 Es kommt in Betracht: 1.1. Die private Rekursgegnerin beanstandet, nur F. R. habe die Zustellung des baurechtlichen Entscheides verlangt, nicht aber die rekurriere nden K. G. und L. G. Entsprechend den Ausführungen in der R ekurseingabe sei K. G. durch Schenkung Rechtsnachfolger von F. R. geworden. L. G. dagegen habe sein Rekursrecht verwirkt. 1.2. Als direkte Nachbarn de s Baugrundstückes sind die Rekurrenten vom a n- gefochtenen Beschluss besonders betroffen und grundsätzlich zur Rekur s- erhebung legitimiert (§ 338a Abs. 1 Planungs - und Baugesetz [PBG]). A l- lerdings kann nur rekurrieren, wer innert 20 Tagen seit der öffentliche n Be- kanntmachung bei der örtlichen Baubehörde schriftlich die Zustellung des baurechtlichen Entscheides verlangt hat (§ 315 Abs. 1 PBG). 1.3. Gemäss Grundbuchauszug vom 18. April 2013 sind L. G. und K. G. Eigen- tümer einer an das Baugrundstück gr enzenden Liegenschaft . Die Zuste l- lung des angefochtenen Beschlusses ist j edoch ohne Angabe eines Vertre- tungsverhältnisses mit Schreiben vom 20. August 2010 lediglich von F. R. (damals noch Miteigentümer) verlangt worden (vg l. „Dritte gemäss § 315 PBG“ im angefochtenen Beschluss, act. 3 und act. 5.3.). Am 15. D ezember 2011 hat F. R. seinen Anteil an der Li egenschaft als gemischte Schenkung auf K. G. übertragen. Als Käufer und Beschenkter tritt K. G. mit allen Rechten und Pflic hten an die Stelle von F. R. und kann sich anrechnen lassen, dass F. R. den ange- fochtenen Entscheid rechtzeitig verlangt hat . Damit ist sein Anspruch auf Rekurserhebung gewahrt. Da die übrigen Rekursvo raussetzungen e rfüllt sind, ist auf den Rekurs, soweit er von K. G. erhoben worden ist, einz utre- ten. L. G. dagegen, der bereits zur Zeit der Ausschreibung Miteigentümer der Nachbarliegenschaft war, hat es unterlassen, den Entscheid rechtzeitig zu R1S.2013.05040 Seite 4 verlangen. Er hat sein Rekursrecht verwirkt. Deshalb ist auf den Rekurs, soweit er von L. G. erhoben worden ist, nicht einzutreten. 2.1. Acht der zehn Gebäude auf dem Baugrundstück bilden den östlichen B o- gen einer Blockrandbebauung und sind mit Beschluss vom 8. Juni 2011 un- ter Schutz gestellt worden. Die Hofbaute B.-Strasse 55 und 57 auf dem gleichen Grundstück dagegen wurde aus dem Inventar entlassen. Das mit dem angefochtenen Beschluss bewilligte Projekt umfasst neben Sani e- rungsarbeiten im Gebäudeinn ern der Blockrandgebäude eine den Fass a- den vorgelagerte Schichterweiterung in den Hofbereich hinaus sowie den Ersatz des Hofgebäudes durch eine Pergola. Der vorliegende Rekurs ric h- tet sich einzig gegen die Pergola. [….] Bei dieser „Pergola“ genannten Baute handelt es sich um ein Raumgerüst aus Robinienholz mit Stahlböden auf verschiedenen Ebenen. Daraus en t- steht ein in Höhe, Breite und Tiefe abgetreppter R aumkörper, der verschie- dene Funktionen wie Spielplatz, Pflanzenrankgerüst, Veloabstellplatz, Sit z- platz und gemeinsamer Aufenthaltsort beherbergt. Die Baut e soll eine Grundfläche von 318 m2 oder 17,5 % der Hoffläche überstellen und g egen- über der rekurrentis chen Liegenschaft einen Grenzabstand von 8.32 m so- wie einen Gebäudeabstand von 11.82 m einhalten. Die verschiedenen Ebenen haben einen Höhenunterschied von 3.10 m. Die oberste Ebene 3 soll auf einer Höhe von 9.30 m erstellt und mit einem 1.00 m hohen Gelän- der ausgerüstet werden. [….] 2.2. Der Rekurrent rügt, das Bauvorhaben sei nach Einreichung der Au stausch- pläne nicht nochmals ausgesteckt und ausgeschrieben worden. Die Detai l- planung der Pergola und der Umgebungsplan mit den Angaben zur B e- pflanzung und Materialisierung fehlten. Die im Hof geplante B aute sei nicht fassbar, denn es handle sich weder um eine Pergola, noch um ein beso n- deres Gebäude oder ein Hauptgebäude. Ausrüstung und Nutzweise seien unklar und gingen über eine herkömmliche Spielplatzanlage hinaus. S o- dann wird die feuerpolizeiliche Situ ation gerügt, und schliesslich befürchtet der Rekurrent, die Benützung der Pergola würde zu übermässigem Lärm führen, und der Kletterturm könnte Voyeure einladen , seine Wo hnungen R1S.2013.05040 Seite 5 einzusehen. Die Rekursgegnerinnen halten die rekurrentischen Einwände für nicht stichhaltig. 3.1. Darstellbare Bauvorhaben sind vor ihrer öffentlichen Bekanntmachung au s- zustecken. Die Aussteckungen müssen mindestens während der ga nzen Auflagefrist stehen. Werden sie vor der rechtskräftigen Erledigung des Baugesuches entfernt, kann in streitigen Fällen die Wiederherstellung a n- geordnet werden (§ 311 PBG). Die Aussteckung des Bauvorhabens dient dazu, den Nachbarn auf das Bauvorhaben und dessen mögliche Auswirkungen auf sein Grundstück aufmerksam zu machen und ihn so auf die öffentliche Bekanntmachung des Bauvorhabens sowie die öffentliche Auflage der Baugesuchsunterlagen (§ 314 PBG) hinzulenken, damit er gegebenenfalls ein Begehren um Z u- stellung des Baubescheides stellen kann. Für den Inhalt des Bauvorhabens massgeblich sind jedoch einz ig das Baugesuch bzw. die zugehörigen U n- terlagen, die der Nachbar während der Auflagefrist einsehen kann und die er in Wahrung der ihm obliegenden Sorgfaltspflicht im Hinblick auf eine mögliche Rechtsmittelergreifung auch einsehen muss. Die Folgen einer Un- terlassung hat der Nachbar selber zu tragen. Eine fehlerhafte Ausst eckung bildet somit in der Regel keinen wesentlichen Verfahrensmangel. Werden nach der Publikation eines Projektes Änderungen vorgenommen, so können diese im Anzeigeverfahren bewilligt wer den, sofern sie von u n- tergeordneter Bedeutung sind und keine zum Rekurs berechtigende Int e- ressen Dritter berühren. Die Pflicht zur Aussteckung und Bekanntmachung entfällt (§ 13 der Bauverfahrensverordnung [BVV]). Zum Schutz von Nac h- barn, welche mit der rec htzeitigen Einreichung des Begehrens um Zuste l- lung des baurechtlichen Beschlusses ihr Int eresse kundgetan haben, sieht § 316 Abs. 2 PBG vor, dass dem Gesuchsteller alle baurechtlichen En t- scheide über das Vorhaben zuzustellen sind, solange keine neue Ausst e- ckung und Bekanntmachung erfolgt ist (§ 316 Abs. 2 PBG). Mängel des baurechtlichen Verfahrens können vom Nachbarn dann erfol g- reich gerügt werden, wenn sie sich auf dessen Rechts - und Interesse n- wahrnehmung nachteilig auswirken, indem der Anfechtende das Pro jekt und seine Auswirkungen nicht bzw. nicht hinreichend beurteilen konnte. R1S.2013.05040 Seite 6 Entsteht kein solcher Nachteil, liegt kein wesentlicher Verfahrensmangel vor, womit diesbezüglich kein Grund zur Aufhebung der Baubewilligung b e- steht (VB.2000.00086 in BEZ 2000 Nr. 39). 3.2. Mit den an der „Pergola“ vorgenommenen u nd in den Austauschplänen be- rücksichtigten Änderungen wurde nach der unbestrittenen Darstellung im angefochtenen Be schluss die „Pergola“ auf 26.2 4 m verkürzt. Zusätzliche negative Auswirkungen auf die rekurrentische Liegenschaft waren von di e- ser Projektverkleinerung nicht zu erwarten. Vor allem aber war der Reku r- rent mit der Erwähnung im angefochtenen Beschluss über die Änderung grundsätzlich informiert und konnte bei Bedarf den Sachverhalt vor Einre i- chung seiner Rekurseingabe mittels Akteneinsicht näher prüfen. Es ist nicht einzusehen, inwiefern eine zusätzliche Aussteckung und Ausschreibung des Pr ojektes die rekurrentische Stellung hätte verbesser n können. Weil der Rekurrent durch den Verzicht auf eine nochmalige Aussteckung und Publikation nicht benachteiligt wurde, ist die Rüge abzuweisen. 4.1. Sodann beanstandet der Rekurrent, dass die Details zur Ausführung und Materialisierung der Pergola sowi e der endgültige Umgebungsplan mit den Angaben zur Bepflanzung und Materialisierung erst vor der Rohbauvolle n- dung einzureichen und bewilligen zu lassen sind (Disp.-Ziff. 2 des ang e- fochtenen Beschlusses, act. 3). Die Rekursgegnerinnen sehen darin ein üb- liches und zulässiges Vorgehen. 4.2. Die Einhaltung grundlegender Baurechtsnormen, deren Verletzung eine Bauverweigerung rechtfertigt, muss nach dem Grundsatz der Einheit des baurechtlichen Entscheides in einem einzigen Baubewilligungsverfahren geprüft werden. Der baurechtliche Entscheid muss sich somit zu sämtlichen Punkten aussprechen, die für die Bewilligungsfähigkeit eines Proje ktes von ausschlaggebender Bedeutung sind. Fehlen wesentliche Teile des Bauvo r- habens, so ist die Baueingabe zur Verbesserung an die Bauherrschaft zu- rückzuweisen (§ 313 Abs. 1 PBG). R1S.2013.05040 Seite 7 Kein solcher Mangel liegt vor, wenn es um Aspekte des Bauvorhabens geht, die dem üblichen Bauverlauf entsprechend am besten einem spät e- ren Bewilligungsverfahren vorbehalten bleiben. Dies gilt namentlich fü r De- tailaspekte wie etwa die Putzstruktur, die Farbgebung oder die Materialisi e- rung der Fassadenverkleidung. Es wäre kaum sinnvoll, von der Bauher r- schaft bezüglich solcher Aspekte eine Detailprojektierung, die mit erhebl i- chem Aufwand verbunden sein kann, z u verlangen, wenn die Bewilligung s- fähigkeit des eigentlichen Vorhabens noch gar nicht feststeht. Ferner kann auch die Prüfung der Umgebungsgestaltung einem nachgeordneten Bewi l- ligungsverfahren vorbehalten werden . N ur bei Arealüberbauungen muss die Umgebung sgestaltung − wenn auch nicht zwingend aus dem Umg e- bungsplan − bereits im Hauptbewilligungsverfahren in den wesentlichen Zügen ersichtlich sein (§ 73 Abs. 1 PBG). 4.3. Wie aus der Beschreibung in Erwägung 2.1 und den dort angegebenen U n- terlagen hervorgeht, ist die Ges taltung des Hofes im Allgemeinen und der Pergola im Besonderen von der Bauherrschaft bereits sehr detailliert fes t- gelegt worden. So stehen die Dimensionen und die Platzierung inne rhalb des Hofes, die Bauweise und die Materialisierung der Pergola im W esentli- chen fest. Auch die verschiedenen Nutzungen sind definiert worden. Au f- grund dieser Angaben war es der Vorinstanz ohne weiteres möglich, a lle baurechtlich relevanten Elemente zu überprüfen und über die Bewill igungs- fähigkeit der Hofgestaltung zu befinden. Der Rekurs ist in diesem Punkt ab- zuweisen. 5.1. Der Rekurrent rügt, die Vorinstanz habe ein vages, nicht fassbares Gebilde bewilligt, dessen Ausrüstung und Nutzweise unklar seien und über eine herkömmliche Spielplatzanlage hinaus gingen. Die Vorinstanz räumt ein, es handle sich nicht um ein typisch es Hofgebäude im Sinne von Art. 24h der Bau- und Zonenordnung (BZO). Weil aber die zulässigen Gebäuded imen- sionen eingehalten würden, seien die diesbezüglichen Einwände in der R e- kursschrift unbehelflich. Die private Rekursgegnerin weist darauf hin, dass anstelle der Pergola auch ein massives Hofgebäude erstellt werden könnte. Die geplante Baute halte die für Hofgebäude geltenden Dimensi onen ein und sei nur für Nutzungen bestimmt, die in einem Hof typisch seien. R1S.2013.05040 Seite 8 5.2. Angesichts der vorhandenen detaillierten Pläne, Beschriebe und Visualisi e- rungen kann der rekurrentischen Behauptung, die Vorinstanz habe etwas Vages mit unklarer Ausrüstung und Nutzung bewilligt, nicht gefolgt werden. Zutreffend ist jedoch, und das wird vo n keiner Seite bestritten, dass die g e- plante „Pergola“ weder der klassischen Bauweise und Nutzung einer Per- gola noch eines Besonderen Gebäudes, eines Hauptgebäudes oder eines Spielgerätes entspricht, auch wenn einzelne Elemente jeder Kategorie vo r- handen sind. Das geplante Bauwerk wird wohl wegen seiner offenen Bauweise als „Per- gola“ bezeichnet. Indessen sprengen die drei übereinander liegenden Eb e- nen deren übliche Dimensionen , und die verschiedenen Plattformen sind wegen ihrer gegen Witterungseinflüsse sch ützenden Wirkung als Gebä u- deelemente zu betrachten, die einer Qualifikation als Pergola entgegenst e- hen. Die Einstufung der Baute als Besonderes Gebäude würde der Nu t- zung als Velounterstand entsprechen, kommt aber wegen den erheblichen Abmassen nicht in Frage (§ 273 PBG) und einer Qualifikation als Spielgerät stehen die neben dem Spielen geplanten Nutzungen als Pflanzenrankge- rüst, Veloabstellplatz, Sitzplatz und gemeinsamer Aufenthaltsort entgegen. Bezüglich ihrer Grösse entspricht die Baute einem Hauptgebäude, a ller- dings fehlen die sonst üblichen Dachflächen und Fassaden sowie die für Hauptgebäude zwar nicht vorgeschriebene, aber gleichwohl typische Nu t- zung zu Wohn- und/oder Arbeitszwecken. Damit erweist sich das geplante Bauwerk als eine Baute sui generis, was indessen nicht bedeutet, dass sie automatisch nicht bewilligungsfähig wäre. Entscheidend ist vielmehr, ob das Bauwerk dem in der Quartiererhaltung s- zone I massgebenden Gebietscharakter entspricht und sowohl bezüglich seiner Dimensionen und Platzierung i m Hof als auch bezüglich seiner Nu t- zung keinen gesetzlichen Vorschriften widerspricht. 5.3. Gemäss Art. 24f BZO zeichnen sich die Gebiete der Quartiererhaltungsz o- ne I aus durch eine die Strassen beidseits begleitende, mehrheitlich g e- schlossene Bauweise von hoher Dicht e des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts mit prägnanten Strassenräumen und Innenhöfen oder Ansätzen zu einer Hofbildung. Der rückwärtige Bereich bzw. die Höfe sind unterschiedlich dicht bebaut oder grossflächig frei gehalten. R1S.2013.05040 Seite 9 Dass in einem Innenhof − entsprechend dem rekurrentischen Standpunkt − nur „selbständige klassische Gebäude“ wie die heutige Baute mit Wohnu n- gen und Kindergarten oder allenfalls noch Besondere Gebäude zulässig seien, kann Art. 24f BZO nicht entnommen werden. Im Gegentei l werden die Überbauungsmöglichkeiten weitgehend offen gelassen, indem die Überbauungsdichte ausdrücklich als unterschiedlich bezeichnet wird. S o- dann werden in Art. 24h und 24 i BZO die maximalen Dimensionen von Hofgebäuden und Besonderen Gebäuden in Höfen definiert, ohne dass die Realisierung anderer Arten von Bauwerken ausgeschlossen würde. En t- scheidend ist, dass der Hof als solcher erkenn - und erlebbar bleibt. Das ist bei der geplanten „Pergola“ , die bei leichter Bauweise 318 m2 oder 17,5 % und damit weni ger als einen Fünftel der Hoffläche überstellen soll und h ö- henmässig weit hinter den bestehenden Randgebäuden zurückbleiben wird, zweifellos der Fall. Ein Widerspruch zu Art. 24f BZO ist nicht zu e r- kennen. 5.4. Bei der Beurteilung der Dimensionen des Bauwe rkes hat sich die Vori n- stanz an den in Art. 24h BZO enthaltenen Vorschriften für Hofgebäude or i- entiert und die für Hauptgebäude massgebenden Abmasse und Abstände herangezogen. Danach sind ma ximal eine Gebäudehöhe von 7.00 m und eine Firsthöhe von 3.00 m zulässig. Es sind Grenzabstände von 3.50 m zu- züglich allfälliger Mehrlängenzuschläge sowie Gebäudeabstände von mi n- destens 7.00 m zu beachten. Die nachbarliche Einräumung eines N äher- baurechtes bleibt vorbehalten (§ 270 Abs. 3 PBG). Weil die geplante „Pe r- gola“ − zumindest wenn auch das Balkengerüst mit einbezogen wird − die für Hauptgebäude zulässigen Maximalmasse teilweise erreicht, ist nicht zu beanstanden, dass die Einhaltung der − im Vergleich zu anderen Ba uten wie Besonderen Gebäuden oder Spielgeräten − erhöhten Abmasse und Abstände analog verlangt wurde. Nach Darstellung des Rekurrenten ist die „geplante Superpergola“ zwar g e- rade zehn Meter hoch, durchstosse aber die Dachflächen, welche aus den drei Metern Firsthöhe zu berechnen wären. Zu diesem Schluss ge langt er, weil er die Baute als „dreistöckigen quaderförmigen Bau“ sieht. Diese U m- schreibung trifft den tatsächlichen Sachverhalt nicht, denn − mit Ausnahme der nicht dem rekurrentischen Gebäude zugewandten westlichen Schma l- seite − verjüngt sich das Bauwerk gegen oben erheblich und durchstösst R1S.2013.05040 Seite 10 die hypothetische Dachfläche nicht über das für Hauptgebäude zulässige Mass hinaus (§ 292 PBG). So weis t beispielsweise die oberste Plattform gerade noch eine Fläche von 36 m2 auf. Insgesamt liegt die „Pe rgola“ im Rahmen der für ein Hauptgebäude zulässigen Dimensionen. 5.5.1. Dass das Bauvorhaben Grenz- und Gebäudeabstand gegenüber der reku r- rentischen Liegenschaft einhält, wird vom Rekurrenten nicht in Frage g e- stellt. Er beanstandet jedoch, dass der Grenzabs tand gegenüber dem Grundstück Kat.-Nr. V000 an der schmalsten Stelle nur 4.05 m statt 4.38 m beträgt und mittels eines Näherbaurechtes legalisiert worden ist. Dieses Vorgehen ist unter Vorbehalt einwandfreier wohnhygienischer und feuerp o- lizeilicher Verhältnisse zulässig (§ 270 Abs. 3 PBG). Der rekurrentischen Befürchtung, der Durchgang werde für die Feuerwehr extrem eng, ist zu entgegnen, dass auch bei der geplanten Reduktion des Grenzabstandes um 22 cm bis 33 cm n och ein Gebäudeabstand von 7.50 m bis 7. 61 m vorhanden ist. Dieser liegt über dem kantonalen Mi n- destabstand von 7.00 m (§§ 270 Abs. 1 und 271 PBG) und entspricht, wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung ausf ührlich darlegt, Ziff. 2.3 Abs. 2 lit. b der Brandschutzrichtlinie 15 -03d betreffend S chutzabstände und Brandabschnitte. Danach ist zwischen Bauten bzw. Anlagen ein Abstand von 7.50 m einzuhalten, wenn die äusserste Schicht bei einer Baute bzw. Anlage brennbar (Pergola), bei der andern hingegen nicht brennbar (G e- bäude A.-Strasse 178a) ist. Wegen der offenen Bauweise der Pergola sind Rettungsaktionen und Löschangriffe überdies von allen Seiten her möglich, sodass die Feuerwehr im Ernstfall nicht zwingend von der a bstandsredu- zierten Nordwestseite her agieren muss. Ergänzend anzume rken ist, d ass auch der Abstand zum re kurrentischen Gebäude mit 11.82 m die feuerpoli- zeilichen Vorgaben einhält. Soweit der Rekurrent mangelnde Zugänglichkeit mit Rettungsfahrzeugen rügt, ist zu entgegnen, dass bei Bauten, die eine Höhe von weniger als 13.00 m und ke ine starke Personenbelegung aufweisen (starke Persone n- belegung wird bei Anstalten, Schulhäusern, Warenhäusern angenommen, was hier nicht zutrifft) eine Abwicklungsdistanz vom Zugang bis zum G e- bäudeeingang von bis zu 80.00 m zulässig ist (vgl. Anhang zu den Zu- gangsnormalien). Diese Voraussetzungen sind gegenüber allen Pergol azu- gängen erfüllt. R1S.2013.05040 Seite 11 Damit erweisen sich die feuerpolizeilichen Verhältnisse auch bei einem leicht reduzierten Grenzabstand als einwandfrei. 5.5.2. Schliesslich wendet der Rekurrent gegen die vorgesehene Platzierung der Pergola auch noch ein, nach erfolgter Bewachsung des Gestelles werde die Pergola wie eine Wand wirken. Dabei verkennt er, dass im streitbetro f- fenen Hof ohne weiteres auch ein klassisches Hauptgebäude mit den A b- massen des Pergola-Gestelles realisiert werden dürfte, das gegenüber dem rekurrentischen Gebäude eine geschlossene Fassade aufweisen könnte. In diesem Fall hätte er tatsächlich eine Wand vor seinem Gebä ude. Dank der offenen Bauweise und der Verjüngung gegen oben wird di e Pergola − selbst bei einer starken Bepflanzung − nicht wie eine Wand wi rken und ge- genüber dem rekurrentischen Gebäude bedeutend zurückha ltender in E r- scheinung treten als es beim gesetzlich zulässigen Maximum der Fall wäre. Ein Gesetzesverstoss ist bei de r vorgesehenen Platzierung und Bepfla n- zung der Pergola nicht erkennbar. 5.6. Die geplanten Nutzungen wie Spielplatz, Pflanzenrankgerüst, Veloabstel l- platz, Sitzplatz und gemeinsamer Aufenthaltsort dienen dem Wohnen und sind als Ausstattung von Wohnbauten nicht nur zulässig, sondern grössten- teils auch vorgeschrieben (§§ 238 Abs. 3 und 248 Abs. 1 PBG, Art. 11 Abs. 2 BZO, Parkplatzverordnung). Zu Recht weisen die Rekursgegneri n- nen darauf hin, dass es sich durchwegs um typische Hofnutzungen handelt. Eher ungewöh nlich, aber ohne weiteres zulässig ist einzig, dass die g e- nannten Nutzungen nicht in einzeln erstellten Bauten und Anlagen stat tfin- den, sondern in einem einzigen Bauwerk zusamme ngefasst werden sollen. Darin ist nichts Unrechtmässiges zu erkennen. Da eine g ewerbliche Nu t- zung auch nicht ansatzweise geplant ist oder möglich erscheint, erweist sich der rekurrentische Einwand, die Nutzung des Ba uwerkes verstosse gegen den Wohnanteilplan, als völlig aus der Luft gegri ffen. Die im streitbe- troffenen Bauwerk geplant en Nutzungen sind nicht nur zulässig, sondern notwendig und deshalb in keiner Weise zu beanstanden. 6.1. Auch wenn das streitbetroffene Bauwerk bezüglich primärer Baubesti m- R1S.2013.05040 Seite 12 mungen und Abstände zu Recht wie ein Hauptgebäude behandelt worden ist, bestehen be züglich der Nutzung und deren Auswirkungen auf die Nachbarschaft einige wichtige Unterschiede, die sich hauptsächlich aus dem Fehlen von durchgehenden Geschossböden, Fassaden und Dach e r- geben. So entsteht beim geplanten Bauwerk gegenüber einem Hauptgebäude we- gen der Beschränkung der Begehbarkeit auf die Plattformen und Treppen eine massiv verringerte Nutzfläche, die überdies wegen des rudimentär vorhandenen Witterungsschutzes zeitlich nur sehr eingeschränkt benützt werden kann. Andererseits entfällt der du rch die Fassaden und das Dach üblicherweise gewährte Immissionsschutz gegenüber der Nachbarschaft. Allerdings ist anzumerken, dass immissionsmässig vergleichbare Hauptg e- bäude dann entstehen können, wenn grossflächige Balkone und begehbare Dachterrassen erstellt werden, was baurechtlich zulässig wäre. 6.2. Der Rekurrent befürchtet denn auch übermässige Lärmimmissionen sowie die Verletzung der Privatsphäre seiner Mieter durch Voyeure. Er macht ge l- tend, das Pergola-Gestell sei nicht mit einem üblichen Kinders pielplatz ver- gleichbar, weil sich hier auf vier Ebenen verschiedene Nutzungen häuften. Befürchtet wird, dass jugendliche Nutzer zeitlich unbeschränkt lärmintens i- ven Tätigkeiten wie etwa „Bikerennen hoch und runter“ nachgehen kön n- ten. Ohne genauere Kenntnis se über die Ausrüstung des Pergola -Gestel- les könne keine Lärmprognose angestellt werden. Verlangt werden vo r- sorgliche Lärmbegrenzungen wie eine Betriebszeitbeschränkung. Die Rekursgegnerinnen entgegnen, es sei wohl eher mit normalen Nutzu n- gen wie Schwatze n, Spielen, Schaukeln, Grillieren zu rechnen. Der Vel o- abstellplatz und der Spielplatz mit Kletter - und Schaukelgeräten befänden sich auf dem gewachsenen Boden, die Verweilorte auf den beiden oberen Ebenen. Es gehe also im Wesentlichen um menschliche Lautäu sserungen, die auf Aussenflächen zur Wohnnutzung üblich seien. Eine vorsorgliche Begrenzung der Lärmimmissionen erübrige sich, weil sie einerseits nur g e- ringfügiges Störpotential aufwiesen und andererseits zu erwarten sei, dass die Anwohner nötigenfalls selbstregulierend eingreifen würden. R1S.2013.05040 Seite 13 6.3.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung unterliegen Spielplätze, die im Zusammenhang mit Wohnbauten stehen, grundsätzlich dem Bunde s- umweltrecht, welches keine Belastungsgrenzwerte für solche Anlagen vo r- sieht. D ie Beurteilung der Lärmeinwirkungen hat nach Art. 40 Abs. 3 der Lärmschutzverordnung (LSV) daher anhand der Kriterien von Art. 15 des Umweltschutzgesetzes (USG) und unter Berücksichtigung von Art. 23 USG zu erfolgen. Nach Art. 15 USG dürfen Lärmeinwirkunge n die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören. Ein geringeres Einwirkung s- potenzial ist gemäss Art. 23 USG bei neuen lärmigen ortsfesten Anlagen erlaubt (vgl. BGE 123 II 74, BRGE II Nrn . 0004 und 0005/2011 in BEZ Nr. 28/2011). Von übermässigen und damit unzulässigen Lärmeinwirkungen auf die U m- gebung ist dann auszugehen, wenn die gebotene Wohnruhe in rechtse r- heblichem Ausmass gestört wird . Lärmimmissionen, welche im Zusa m- menhang mit dem bestimmungsgemässen Gebrauch von Wohnbauten , de- ren Ausstattung und deren Umschwung verursacht werden, sind indes von vornherein nicht übermässig. Mit dem Wohnen verbundene Aufentha lte im Freien sind klarerweise erlaubt; damit kann auch die mit der besti mmungs- gemässen Nutzung der Aussenräume verbundene Lärmentw icklung nicht verboten sein. Diese ist vielmehr von den jeweiligen Nachbarn − denen ih- rerseits das Nämliche zusteht − ohne weiteres hinzunehmen. Unz ulässig sind demgegenüber Ruhestörungen, die inadäquatem Verhalten von B e- wohnern oder deren Gästen entspring en. Solche Verhaltensweisen können indes im Baubewilligungsverfahren nicht einfach antizipiert und der ba u- rechtlichen Beurteilung zu Grunde gelegt werden; vielmehr ist − nicht an- ders als etwa im Kontext mit Gewerbelärm − zunächst von einer ordnungs- gemässen und sich namentlich auch im Rahmen des Polizeirechtes halte n- den Nutzung auszugehen (Kommentar USG, N. 35 zu Art. 25). Somit kann aufgrund der reinen Möglichkeit unzulässiger Ruhestörungen weder eine Aufhebung noch auch nur eine Einschränkung der Baubewill igung verlangt werden (BRKE I Nr. 0214/2002). 6.3.2. Das streitbetroffene Bauwerk dient Nutzungen, die im Zusammenhang mit Wohnbauten vorgeschrieben sind und dem Wohnen dienen (vgl. oben E. 5.6.). Deshalb sind Lärmimmissionen, die bei der Benützung der „P ergo- la“ üblicherweise entstehen, von der Nachbarschaft hinzunehmen. Daran R1S.2013.05040 Seite 14 ändert auch nichts, dass die verschiedenen Nutzungen im vorliegenden Fall nicht horizontal, sondern vertikal auf verschiedenen Ebenen angeor d- net werden sollen. Denn bei der vorauszus etzenden ordnungsgemässen Nutzung des Bauwerkes entsteht durch die unübliche Anordnung kein z u- sätzlicher Lärm. Somit besteht kein Anlass, die Baubewilligung mit e r- schwerenden Auflagen zu versehen. 6.3.3. Auch die vom Rekurrenten befürchtete Verletzung der Privatsphäre durch Voyeure − genannt werden vor allem Spanner − entspricht nicht einer or d- nungsgemässen Nutzung der „Pergola“ und darf nicht einfach unterstellt werden. Die Gefahr eines solchen Missbrauches ist überdies eher gering, weil der Hof Tag und Na cht durch ein Tor abgeschlossen ist, welches sich mit den Schlüsseln zu den Wohnungen der privaten Rekursgegnerin öffnen lässt. Damit ist der Zutritt für Orts fremde praktisch ausgeschlossen und bei den Anwohnern dürfte die Sozialkontrolle übermässige Neugi erde unte r- binden. Vor allem aber haben die Mieter des Rekurrenten mit dem Schlie s- sen von Vorhängen oder Rollläden ein einfaches und wirksames Mittel in der Hand , sich vor befürchteten Spähblicken zu schützen. Deshalb kann auch diese Befürchtung nicht dazu führen, dass die Baubewilligung mit e r- schwerenden Auflagen versehen oder gar aufgehoben wird. 7. Schliesslich befürchtet der Rekurrent, die „der Öffentlichkeit nicht v orent- haltbare Einrichtung“ könnte nicht alle Sicherheitsstandards einhalten, we l- che jede Kinderspieleinrichtung in einer baubewilligungspflichtigen Baute einhalten müsse. Konkrete Mängel werden nicht genannt. Vorerst einmal wird die „Pergola“ in einem abgeschlossenen Hof zu stehen kommen und ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Sodann f indet die pauschale rekurrentische Unterstellung mangelnder Sicherheit keinerlei Stütze in den vorliegenden Plänen, denn die Plattformen sollen mit A b- sturzsicherungen versehen werden, und die Fluchtwege über nicht bren n- bare Treppen sind nachgewiesen (act. 12.3.2 und 12.3.5). Mangels Su b- stantiierung ist auf die Rüge nicht einzutreten. [….]