B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1620/2014 U r t e i l v o m 9 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch B._______, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 26. Februar 2014 / N (…). D-1620/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Mit Eingabe an die Schweizerische Botschaft in Colombo (nachfol- gend: die Botschaft) vom 10. Juni 2010 (dort eingegangen am 15. Juni 2010) ersuchte die Beschwerdeführerin um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und die Gewährung von Asyl. Nach entsprechender Auffor- derung reichte sie mit Eingabe an die Botsch aft vom 28. Juli 2010 (dort eingegangen am 6. August 2010 ) ergänzende Ausführungen nach. Im Anschluss daran wurden die Akten von der Botschaft ans BFM weiterg e- leitet, wo sie am 27. August 2010 eintrafen. Mit Eingabe an die Botschaft vom 13. Oktober 2010 (d ort eingegangen am 28. Oktober 2010) gab die Beschwerdeführerin eine neue Adresse bekannt. A.b Nachdem seit der Einreichung des Asylgesuches bereits drei Jahre verstrichen waren, liess die Beschwerdeführerin durch ihren vormaligen Rechtsvertreter sowohl das BFM (mit Eingaben vom 9. Juli 2013, 6. Sep- tember 2013, 11. Oktober 2013 und 22. November 2013) als auch die Botschaft (mit Eingabe vom 2. Dezember 2013) um einen möglichst ra- schen Abschluss des Verfahrens respektive um eine umgehende Einl a- dung zur Anhörung ersuchen. Da ihr vom Bundesamt keine zügige Be- handlung ihres Gesuches in Aussicht gestellt wurde, gelangte sie am 17. Januar 2014 durch ihren vormaligen Rechtsvertreter mit einer Rechts- verzögerungsbeschwerde ans Bundesverwaltungsgericht. Diese wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -289/2014 vom 28. Januar 2014 gutgeheissen (vgl. dazu im Einzelnen die Akten). A.c Am 30. Januar 2014 wurde die Beschwerdeführerin von der Botschaft zu ihren Gesuchsgründen angehört. Anschliessend sandte die Botschaft die Akten ans BFM, wo sie am 14. Februar 2014 eintrafen. B. B.a Im Rahmen ihrer Eingaben vom 10. Juni 2010 und 28. Juli 2010 brachte die Beschwerdeführerin zur Hauptsache das Folgende vor: Sie stamme aus der Ostprovinz, aus der Ortschaft X._______ (…), wo sie im Frühjahr 1992 ihren ersten Ehemann geheiratet und ein Jahr später ihr erstes Kind bekommen habe. Weil ihr Bruder C._______ (C._______; N …) von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) rekrutiert worden sei, sei es damals bei ihnen zuhause immer wieder zu Nachfragen vonseiten der sri -lankischen Sicherheitskräfte gekommen. I n diesem Zusamme n- hang sei ihr Ehemann … (im Herbst) 1993 von der Armee verhaftet wor- den. Als sie sich in der Folge beim örtlichen Militär-Camp nach seinem D-1620/2014 Seite 3 Verbleib erkundigt hab e, sei ihr von einem Offizier mitgeteilt worden, ihr Ehemann sei der Verbindung zu den LTTE verdächtig gewesen und des- halb erschossen worden. Ihr Kind sei damals erst sechs Monate alt g e- wesen. Nach der Verschleppung ihres Ehemannes habe sie sich zuerst an das Bürgerkomitee ihres Heimatortes und ein Jahr später auch an die Ortsverwaltung gewandt, wobei ihre Klagen publiziert worden seien . Ei- nen Totenschein betreffend ihren ersten Ehemann habe sie jedoch erst 1997 erhalten. In diesem sei verzeichnet worden, dass ihr Ehemann … (im Herbst) 1993 von Unbekannten entführt und ermordet worden sei. Wegen C._______ sei später auch ihr zweiter Bruder D._______ von der Armee mitgenommen und gefoltert worden. Im Frühjahr 2006 habe sie ein zweites Mal geheiratet und ein Jahr später mit ihrem heutigen Eh e- mann ihr zweites Kind bekommen. Ihr Bruder C._______, welcher für die LTTE als … (Spezialist) tätig gewes en sei, habe sich später von den LTTE abgesetzt, worauf Angehörige der Karuna-Gruppe bei ihrer Familie nach C._______ gesucht hätten. I hre Familie sei unter Druck gesetzt worden, C._______ auszuliefern. Sie hätten Drohbriefe der Tamil Makkal Viduthalai Pulikal (TMVP) bekommen und im Januar 2009 sei sie zuhau- se von einer Gruppe maskierter Männer überfa llen worden, welche nach ihrem Bruder gesucht hätten. Aufgrund der bei diesem Vorfall erlittenen Verletzungen sei sie in Spitalbehandlung gekommen , wobei sie während ihres Spitalaufenthalts von ihrer Tante erfahren habe, dass ihre gesamte Familie abgetaucht und unbekannten Aufenthalts sei . Nach ihrer Spita l- entlassung sei sie von ihrer Tante zu ihrem Schutz in Colombo unterge- bracht worden, von wo sie im Herbst 2009 nach Kuwait ausge reist sei. Dort habe sie als Haushaltshilfe arbeiten wollen, wegen Problemen an ih- rer Arbeitsstelle sei sie jedoch im Sommer 2010 wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt. Seither lebe sie erneut bei der ihr bekannten Familie in Colombo, wo sie sich jedoch ständig vor einer Verhaftung fürchte. Sie könne auch nicht nachhause zur ückkehren, da ihr Haus von der Armee versiegelt worden sei und von Angehörigen der Karuna-Gruppe weiterhin nach ihrer Familie gesucht werde. In der Eingabe vom 13. Oktober 201 0 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie ihren bisherigen Aufenthaltsort in Colombo habe aufgeben müssen und nun in Y ._______ (ein Vorort von Colombo) lebe. B.b Im Rahmen ihrer Rechtsverzögerungsbeschwerde vom 17. Januar 2014 brachte die Beschwerdeführerin unter anderem vor, die behördliche Suche nach ihrer Person sei in letzter Zeit intensiviert worden, weshalb sie sich nunmehr in einem neuen Versteck aufhalten müsse. Sie habe sich bis dahin in Y ._______ aufgehalten, wo sie ohne Anmeldung bei e i-D-1620/2014 Seite 4 ner Familie gewohnt und in einem tamilischen Laden gearbeitet habe. Im November 2013 sei jedoch die Polizei zweimal in diesem Laden erschi e- nen und habe sich nach ihr erkundigt, weshalb sie Y ._______ umgehend verlassen habe und untergetaucht sei. B.c Im Rahmen der Anhörung führte die Beschwerdeführerin zu den U m- ständen ihres Aufenthalts seit dem So mmer 2010 namentlich das Fo l- gende aus: Ihre Ausreise nach Kuwait sei von ihrer Schwiegermutter o r- ganisiert worden und nach ihrer Rückkehr sei sie von ihr bei einer Familie in Y ._______ untergebracht worden. Aus Kuwait zurückgekehrt sei sie nicht wegen Prob lemen am Arbeitsplatz, sondern weil sie ihre Familie vermisst habe. Nach einem kürzeren Aufenthalt in Y ._______ habe sie sich Ende 2010 zu ihrer Familie nach Z._______ begeben (eine Klei n- stadt in der nördlichen Zentralprovinz), wo sie bis heute mit ihrem E he- mann und ihren mittlerweile zwei gemeinsamen Kindern sowie mit ihren Eltern und ihrem Bruder D._______ lebe. Zum Verbleib ihres erstgebore- nen Kindes äusserte sich die Beschwerdeführerin im Rahmen der Anhö- rung nicht. Zum Aufenthaltsort Z._______ führte si e aus, dieser Ort sei 2009 von i hren Eltern ausgewählt worden. S ie hätten dort aber keine Verwandtschaft und seien dort nicht angemeldet, sondern ihre Familie wechsle innerhalb von Z._______ immer wieder die Adresse. Ihr jüngstes Kind habe sie 2012 zuhause auf die Welt gebracht, da sie sich nicht ge t- raut habe, in Z._______ ein Spital aufzusuchen. Da sie nicht angemeldet seien, könn ten ihre Kinder auch nicht zur Schule gehen. In Z._______ gehe ihr Ehemann Gelegenheitsarbeiten nach respektive sie würden dort von ihrer Schwiegermutter unterstützt, da sie sich nicht in die Öffentlic h- keit wagen würden. Sie selber sei seit ihrer Rückkehr nach Sri Lanka nie mehr einer Arbeit nachgegangen und es treffe nicht zu, dass sie in Y ._______ in einem Laden ausgeholfen habe. Ihre Schwiegermutter lebe weiterhin im Heimatort X._______. Ihr Bruder C._______ sei derweil be- reits im Juni 2009 mit Hilfe der Familie aus Sri Lanka nach Malaysia g e- flüchtet, von wo er später die Schweiz erreicht habe. Ihre Familie sei 2009 wegen C._______ von der Karuna -Gruppe verfolgt worden und sie würden bis heute vom Criminal Investigation Department (CID) gesucht, da sie C._______ im Sommer 2009 zu seiner Flucht aus Sri Lanka ver- holfen hätten, anstatt ihn den Behörden auszuliefern. Wegen der Hilfeleis- tung der Familie sei bis heute einer ihrer Onkel in Haft, und er werde nur freigelassen werden, wenn sich ihre Familie den Behörden stellen würde. Auf die Vorbringen zur geltend gemachte n Verfolgungssituation wird wei- ter – soweit wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingega n- gen. Für die von der Beschwerdeführerin vorgelegten Beweismittel, da r-D-1620/2014 Seite 5 unter zwei angebliche Drohbriefe der TMVP , ist auf die Akten zu verwe i- sen. C. Mit Verfügung des BFM vom 26. Februar 2014 (eröffnet am 1. März 2014) wurde der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz verweigert und das Asylgesuch (aus dem Ausland) abgelehnt. Dabei hielt das Bunde s- amt in seinem Entscheid im Wesentlichen fe st, es sei nicht glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin bis heute mit Massnahmen vonseiten der sri-lankischen Sicherheitskräfte zu rechnen habe, bloss weil sie ihrem angeblich mit den LTTE in Verbindung stehenden Bruder vor Jahren zur Ausreise aus Sri Lanka verholfen habe. Zwar sei nicht auszuschliessen, dass sie nach der Ausreise ihr es Bruders unter Beobachtung der Behö r- den gestanden habe und befragt worden sei. Derartigen Massnahmen komme jedoch aufgrund mangelnder Intensität kein Verfolgungscharakter zu. Wäre die Beschwerdeführerin vonseiten der sri -lankischen Behörden tatsächlich als Gefahr für die Sicherheit des Staates betrachtet worden, so wäre sie zweifellos schon längst inhaftiert worden , was jedoch nicht der Fall sei. Gegen die geltend gemachte Verfolgungssituation spreche zudem, dass der Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge im Janu- ar 2014 von den heimatlichen Behörden ein neuer Reisepass ausgestellt worden sei. Gegen das Vorliegen einer ernsthaften Furcht vor Verfolgung spreche ferner sowohl die freiwillige Rückkehr aus Kuwait nach Sri Lanka im Juni 2010 als auch der weitere Verbleib in der Heimat bis zum heut i- gen Zeitpunkt. Abschliessend sprach das BFM d en von der Beschwerde- führerin vorgelegten Kopien von angeblich aus der Feder der TMVP stammenden Drohbriefen jegliche Beweiskraft ab. D. Am 26. März 2014 (schweizerischer Poststempel) erhob die Beschwerde- führerin unter dem Namen beziehungsweise der Schreibweise E._______ – handelnd durch den rubrizierten Rechtsvertreter – gegen die Verfügung des BFM vom 26. Februar 2014 Beschwerde. In ihrer Eingabe beantragte sie zur Hauptsache die Aufhebung der Verfügung des BFM und die Bewil- ligung der Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung des Asylverfa h- rens. Gleichzeitig ersuchte sie um Befreiung von der Kostenvorschus s- pflicht. Im Rahmen ihrer Beschwerdebegründung hielt sie an der geltend gemachten Bedrohungslage fest, wobei sie namentlich auf die frühere Tä- tigkeit ihres Bruders C._______ für die LTTE verwies sowie auf den U m- stand, dass er von der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden sei. Vor diesem Hintergrund führte sie an, C._______ habe zu den Kadern der D-1620/2014 Seite 6 LTTE gehört und die systematische Verfolgung der Familienangehörigen früherer LTTE-Kader habe sich intensiviert. Dabei nahm sie das im Rah- men der Anhörung verworfene Vorbringen wieder auf, sie habe in Y ._______ gelebt und dort in einem Laden gearbeitet, bis es dort im N o- vember 2013 zu einer polizeilichen Suche nach ihr gekommen sei. De r vorinstanzlichen Einschätzung ihrer Vorbringen hielt sie sodann unter Verweis auf eine Reihe von Presseberichten entgegen, alleine in der letz- ten Woche sei es zu mehreren Verhaftungen von Zivilpersonen geko m- men, womit belegt sei, dass die Menschenrechte von den sri -lankischen Behörden in keiner Weise beachtet würden. Die Vorfälle zeigten auf, dass auch sie mit grösster Wahrscheinlichkeit mit Ver folgung und Folter rec h- nen müsse, vor allem weil ihr Bruder ein LTTE-Kader sei, womit aus Sicht der Behörden auch sie den LTTE nahestehe. Damit erfülle sie in jeder Hinsicht das Risikoprofil, um in ihrer Heimat verhaftet zu werden. Für die weiteren Beschwerdevorbringen sowie für die von der Beschwerdeführ e- rin als Beweismittel vorgelegten Presseberichte ist auf die Akten zu ve r- weisen. E. Mit Schreiben des Bundesverwaltungsgerichts vom 2. April 2014 wurde der Beschwerdeführerin der Eingang ihrer Beschwerde bestätigt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Behandlung von Beschwerden gegen Verfügungen des BFM; dabei en t- scheidet das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorliegend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31 und 33 Verwal- tungsgerichtsgesetz [VGG, SR 173.32] sow ie Art. 83 Bst. d Ziff. 1 Bu n- desgerichtsgesetz [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVG, SR 172.021), soweit das VGG oder das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 AsylG). D-1620/2014 Seite 7 1.3 Die Beschwerdeführerin ist legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und ihre Beschwerde ist als frist- und formgerecht zu erkennen (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. 1.4 Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde verzichtet (vgl. Art. 111a Abs. 1 AsylG). 2. Mit der Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 – von der Bundesversammlung als dringlich erklärt und am 29. September 2012 in Kraft getreten – ist die Möglichkeit der Einreichung eines Asylgesuches aus dem Ausland weggefallen (vgl. BBL 2012 5359). Das vorliegende Ur- teil, welches ein Asylgesuch aus dem Ausland nach altem Recht zum Gegenstand hat, ergeht demzufolge gestützt auf die Übergangsbesti m- mung zur Änderung vom 28. September 2012, wonach für Asylges uche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 in der bisherigen Fassung des Gesetzes gelten. 3. Wird ein Asylgesuch im Ausland bei einer Schweizerischen Vertr etung gestellt, so führt diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durch und überweist das Gesuch anschliessend an das BFM (vgl. dazu aArt. 19 und aArt. 20 Abs. 1 AsylG sowie aArt. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 übe r Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist die Durchführung einer Befragung nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asylgrü n- de schriftlich festzuhalten (aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Im vorliegenden Ver- fahren hat die Botschaft mit der Beschwerdeführerin eine Anhörung zu den Gesuchsgründen durchgeführt. Auf eine Anhörung ihres Ehemannes hat die Botschaft demgegenüber verzichtet, was indes nicht zu bemä n- geln ist, da dieser Verzicht dem Wunsch der Beschwerdeführerin ent- sprach (vgl. act. A19: Anhörungsprotokoll, S. 13 unten). 4. 4.1 Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, Art. 7 und aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Abklärung des Sac h-D-1620/2014 Seite 8 verhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. 4.2 In seiner bisherigen Praxis zur Behandlung von Asylgesuchen aus dem Ausland hat das Bundesverwaltungsgericht namentlich festgehalten, dass für die Erteilung der Einreisebewilligung die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Personen ausschlaggebend ist, mithin die Prüfung der Frage, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wurde und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsa b- klärungen zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3, mit Hi n- weisen auf die bisherige Praxis). 4.3 Im angefochtenen Entscheid gelangt das BFM in entscheidrelevanter Hinsicht zum Schluss, aufgrund der Aktenlage sei nicht davon auszuge- hen, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Heimat konkret gefährdet sei. Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, aufgrund ihrer persönlichen Verbindungen zu ih rem Bruder C._______, welcher ein LTTE-Kader gewesen sei, sowie aufgrund der in ihrer Heimat herrsche n- den Verhältnisse sei sie akut bedroht . Ihre diesbezüglichen Vorbringen erweisen sich indes – wie nachfolgend aufgezeigt – als nicht geeignet, die vorinstanzlichen Feststellungen und Schlüsse zu entkräften. 5. 5.1 Aufgrund der Aktenlage muss davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit von den Auswirkungen des sri- lankischen Bürgerkrieges durch den frühen Verlust ihres ersten Ehema n- nes schwer getroffen wurde . Die von der Beschwerdeführerin beschrie- benen Ereignisse – die Verschleppung und Ermordung ihres ersten Eh e- mannes mutmasslich durch die sri-lankische Armee – liegen jedoch mitt- lerweile zwanzig Jahre zurück . In dieser Hinsicht ist mit dem BFM darin einig zu gehen, dass die Bewilligung der Einreise in die Schweiz nicht dem Ausgleich vergangenen Unrechts dienen kann, sondern die Einreise demjenigen zu gewähren ist, der aktuell des Schutzes bedarf. 5.2 Von der Beschwerdeführerin wurde weiter geltend gemacht, vonsei- ten der Karuna-Gruppe sei ab Anfang 2009 massiver Druck auf ihre F a- milie ausgeübt worden, um die Auslieferung ihres Bruders C._______ zu erreichen, respektive diesen dazu zu bewegen, sich der Karuna -Gruppe zu ergeben. Tatsächlich ist vor dem Hintergrund der damaligen Kriegss i- tuation und des Profils des Bruders ein gesteigertes Interesse der Kar u- na-Gruppe an C._______ nicht auszuschliessen, soll es sich doch bei D-1620/2014 Seite 9 ihm um einen … (Spezialisten) und damit um eine in militärischer Hinsicht besonders wertvolle Person gehandelt haben. Aufgrund der Aktenlage er- scheint glaubhaft , dass die Beschwerdeführerin in diesem Zusamme n- hang im Frühjahr 2009 das Opfer des von ihr mehrfach geltend gemach- ten Überfalls wurde, welchen sie auch anlässlich der Anhörung zwar nur kurz aber recht klar beschrieben hat (vgl. act. A20, S. 12 [vierter und fünf- ter Absatz]). Den von der Beschwerdeführerin vorgelegten Kopien von angeblich aus der Feder der TMVP stammenden Droh briefen ist demge- genüber – angesichts der mit Tipex veränderten Datierung und im Sinne der vorinstanzlichen Feststellungen, welchen von der Beschwerdeführerin nichts entgegengesetzt wird – jegliche Beweiskraft abzusprechen. Auch wenn an dieser Stelle der Überfall vom Januar 2009 nicht in Abrede gestellt wird, so ist doch auch in dieser Hinsicht festzuhalten, dass dieses Ereignis noch während des laufenden Krieges stattfand und mittlerweile fünf Jahre zurückliegt. Nachdem der sri -lankische Bürgerkrieg im Mai 2009 mit der vollständigen militärischen Niederlage der LTTE ein Ende fand, besteht kein Anlass zur Annahme, vonseiten der Karuna -Gruppe respektive der heutigen TMVP würde noch ein Interesse an der B e- schwerdeführerin und ihrer Familie bestehen. Diese Einschätzung wurde von der Beschwerdeführerin im Rahmen der Anhörung zuerst im Wesent- lichen bestätigt (vgl. act. A20, S. 9 Mitte), später machte sie jedoch ge l- tend, die Karuna-Gruppe suche auch weiterhin nach ihr (vgl. a.a.O., S. 11 Mitte). Ihre diesbezüglichen Ausführungen erscheinen jedoch als aufg e- setzt und vermögen nicht zu überzeugen. 5.3 Die Beschwerdeführerin führt schliesslich aus, sie werde bis heute vom CID gesucht, da ihre Familie ihrem Bruder C._______ im Sommer 2009 bei seiner Flucht geholfen habe, und sie macht insbesondere ge l- tend, aus diesem Grund halte sich ihre Familie seit Jahren in Z._______ versteckt. Ihre diesbezüglichen Ausführungen halten jedoch einer näh e- ren Betrachtung nicht stand. Zwar ist aufgrund der Akten davon auszuge- hen, dass der heut e in der Schweiz lebende Bruder C._______ bei den LTTE keine unbedeutende Rolle gespielt hat. Auch wird zu Recht darauf hingewiesen, dass der sri-lankische Staat alles daran setzt, ein Wiederer- starken der LTTE zu verhindern. Einem nach wie vor anhaltendem inte n- siven Interesse des CID an der Beschwerdeführerin und ihrer Familie steht jedoch ihr langjähriger unbehelligt gebliebener Aufenthalt in Z._______ entgegen. So ist unter Berücksichtigung der in Sri Lanka herr- schenden Verhältnisse mit dem BFM darin einig zu gehen, dass die B e- schwerdeführerin schon längst verhaftet worden wäre, würde vonseiten D-1620/2014 Seite 10 des CID tatsächlich ein ernsthaftes Interesse an ihrer Person respektive an ihrer Familie bestehen. Vor dem Hintergrund der weiterhin starken Kontrolle der Bevölkerung durch die sri -lankischen Sicherheitskräfte ist davon auszugehen, dass sich eine siebenköpfige Familie (die Beschwe r- deführerin mit ihrem Ehemann und zwei Kindern, ih ren Eltern und ihrem Bruder D._______) nicht über Jahre in der singhalesisch dominierten Kleinstadt Z._______ hätte versteckt halten können. Das Vorbringen, sie hätten dort immer wieder ihre Adresse gewechselt, erscheint in diesem Zusammenhang als nicht nachvollziehbar, auch da die Beschwerdeführe- rin eigenen Angaben zufolge in Z._______ nicht über ein starkes familiä- res Netz verfügt, welches in der Lage wäre, über viele Jahre hinweg eine dermassen grosse Personengruppe verstecken zu können. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin sich während dieser Zeit offenbar einen Pass hat ausstellen lassen, die Geburt ihrer Tochter registrieren liess und ihr Ehemann gelegentlich arbeiten konnte. Die Ausführungen der B e- schwerdeführerin über ihr an gebliches versteckt bl eiben während vielen Jahren erweisen sich denn auch als kaum substanziiert. Ihre diesbezügl i- chen Vorbringen überzeugen daher nicht. Da die Familie der Beschwe r- deführerin zugleich eine starke singhalesische Prägung aufweist, ist viel- mehr davon auszugehen, s ie hätten sich – wenn unter Umständen auch nicht an ihrem früheren Heimatort – schon vor längerer Zeit wieder in die sri-lankische Gesellschaft integriert. Laut den Ausführungen der Beschwerdeführerin ist den sri -lankischen Behörden im Übrigen schon seit Jahren bekannt, dass ihr Bruder C._______ das Land bereits Mitte 2009 verlassen hat. Vor diesem Hi n- tergrund ist mit dem BFM davon auszugehen, ein allfälliges Interesse der sri-lanksichen Behörden an der Beschwerdeführerin sei mittlerweile erl o- schen, zumal die Beschwerdeführerin selber kein politisches Profil au f- weist, das das Interesse der Behörden wecken könnte. In diesem Z u- sammenhang ist schliesslich auch darauf hinzuweisen, dass das auf B e- schwerdeebene wiederaufgenommene Vorbringen betreffend eine angeb- liche behördliche Suche nach der Beschwerdeführerin in Y ._______ im November 2013 den Angaben zu ihrem Aufenthaltsort während der let z- ten vier Jahre im Rahmen der Anhörung durch die Botschaft widerspricht. Den letzte n konkreten Kontakt mit den heimatlichen Sicherheitskräften hat die Beschwerdeführerin denn auch auf das Früh jahr 2009 datiert (vgl. act. A20, S. 10 oben). Ihre Vorbringen über eine angeblich darüber hinaus bis heute laufende Suche nach ihrer Familie – angeblich durch weiterhin laufende Vorsprach en des CIC bei ihrer Schwiegermutter – vermögen nach vorstehenden Erwägungen nicht zu überzeugen. D-1620/2014 Seite 11 5.4 Alleine die allgemein gehaltenen Ausführungen der Beschwerdeführe- rin über die in ihrer Heimat herrschenden Verhältnisse sprechen ebenfalls nicht für ein individuelles Gefährdungspotential. 5.5 Nach dem Gesagten ist mit dem BFM darin einig zu gehen , dass im Falle der Beschwerdeführerin nicht vom Vorliegen einer aktuellen G e- fährdungslage ausgegangen werden kann. Objektive Hinwei se in diese Richtung sind aufgrund der Aktenlage nicht erkennbar. Vor diesem Hi n- tergrund fällt die Bewilligung einer Einreise im Sinne der oben zitierten Praxis ausser Betracht. 5.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass das BFM der Beschwerdeführe- rin zu Recht die Erteilung einer Einreisebewilligung verweigert und das Asylgesuch aus dem Ausland abgelehnt hat. 6. Nach vorstehenden Erwägungen ist die angefochten e Verfügung zu be - stätigen und die Beschwerde abzuweisen. 7. Mit vorliegendem Urteil wird das Gesuch um Befrei ung von der Koste n- vorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) gegenstandlos. Bei vor- liegendem Ausgang des Verfahrens wären der Beschwerdeführerin so- dann Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungsök o- nomischen Gründen respektive zufolge vor aussichtlicher Uneinbringlich- keit ist jedoch von einer Kostenauflage abzusehen (vgl. Art. 6 des Regle- ments vom 21.Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-1620/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführerin werden keine Kosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und das BFM. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand: