<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 12 S.53</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">53</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>12</b></span> <span class="ft2"><b>§ 105 lit. b ZPO; Sicherstellung von Parteikosten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Verpflichtung zur Sicherheitsleistung während der Hängigkeit des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Konkursverfahrens ist beschränkt auf Klagen des Konkursiten; die Kon-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kursmasse ist daher nicht per se sicherstellungspflichtig. Dies schliesst</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht aus, dass die Konkursmasse aus anderen Gründen als zahlungsun-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>fähig erscheint (Erw. 1a).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zahlungsunfähigkeit der Konkursmasse kann gegeben sein, wenn diese</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vermutlich nicht über genügend Aktiven verfügt, um die Prozesskosten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zu decken. Aus der Anordnung des summarischen Konkursverfahrens</b></span><br/> <span class="ft2"><b>darf nicht ohne weiteres auf die Zahlungsunfähigkeit der Konkursmasse</b></span><br/> <span class="ft2"><b>geschlossen werden (Erw. 1a und b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 3. Zivilkammer, vom 26. Februar</span><br/> <span class="ft3">2001 i.S. Konkursmasse der U. AG in Liquidation gegen R.E.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Gemäss § 105 lit. b ZPO hat eine Partei, die als Kläger oder</span><br/> <span class="ft1">Widerkläger auftritt, der Gegenpartei für die Parteikosten auf deren</span><br/> <span class="ft1">Begehren Sicherheit zu leisten, wenn gegen sie ein Konkursverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren hängig ist, Verlustscheine bestehen oder wenn sie aus anderen</span><br/> <span class="ft1">Gründen als zahlungsunfähig erscheint. Sicherstellungspflichtig ist</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich jede natürliche und juristische Person. Das Bundes-</span><br/> <span class="ft1">recht lässt es zudem zu, auch der Konkursmasse eine Parteikostensi-</span><br/> <span class="ft1">cherstellung aufzuerlegen (BGE 105</span> <span class="ft1">Ia</span> <span class="ft1">252</span> <span class="ft1">ff. Erw.</span> <span class="ft1">2d; Büh-</span><br/> <span class="ft1">ler/Edelmann/Killer, Kommentar zur aarg. Zivilprozessordnung,</span><br/> <span class="ft1">2. A., Aarau 1998, N 2 zu § 105 ZPO).</span><br/> <span class="ft1">a) Während der Hängigkeit des Konkursverfahrens ist die Ver-</span><br/> <span class="ft1">pflichtung zur Sicherheitsleistung beschränkt auf Klagen des Kon-</span><br/> <span class="ft1">kursiten (Bühler/Edelmann/Killer, a.a.O., N 13a. zu § 105 ZPO).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">54</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Unter Konkursit ist nur eine natürliche Person zu verstehen, so dass</span><br/> <span class="ft1">eine Konkursmasse durch Eröffnung des Konkursverfahrens nicht</span><br/> <span class="ft1">per se sicherstellungspflichtig wird (LGVE 1998 I Nr. 27). Dies</span><br/> <span class="ft1">schliesst aber nicht aus, dass die Konkursmasse aus anderen Gründen</span><br/> <span class="ft1">als zahlungsunfähig erscheint und deshalb die Parteikosten sicherzu-</span><br/> <span class="ft1">stellen hat. Die Generalklausel der "Zahlungsunfähigkeit aus anderen</span><br/> <span class="ft1">Gründen" gestattet, in Fällen, die nicht unter die qualifizierten Tatbe-</span><br/> <span class="ft1">stände (hängiges Konkursverfahren, Verlustscheine) fallen, doch eine</span><br/> <span class="ft1">Sicherstellung anordnen zu können (Bühler/Edelmann/Killer, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">N 13c. zu § 105 ZPO).</span><br/> <span class="ft1">Zahlungsunfähigkeit liegt vor, wenn die betreffende Partei we-</span><br/> <span class="ft1">der über Mittel noch über Kredite verfügt, fällige Verbindlichkeiten</span><br/> <span class="ft1">zu erfüllen. Die Zahlungsunfähigkeit ist von der Partei zu beweisen,</span><br/> <span class="ft1">die Sicherheit von der Gegenpartei verlangt (AGVE 1992 S. 86 f.;</span><br/> <span class="ft1">SJZ 91 [1995] S. 96 ff.). Eine Zahlungsunfähigkeit der Konkurs-</span><br/> <span class="ft1">masse im vorstehenden Sinn kann gegeben sein, wenn diese vermut-</span><br/> <span class="ft1">lich nicht über genügend Aktiven verfügt, um die Prozesskosten zu</span><br/> <span class="ft1">decken (LGVE 1998 I Nr. 27; RBOG 1991 Nr. 23).</span><br/> <span class="ft1">b) Der Beklagte machte im Sicherstellungsgesuch geltend, am</span><br/> <span class="ft1">21. Mai 1999 sei gestützt auf die Überschuldungsanzeige der Re-</span><br/> <span class="ft1">visionsstelle der Klägerin gemäss Art. 729b Abs. 2 OR der Konkurs</span><br/> <span class="ft1">eröffnet worden. Weiter gab er unter Hinweis auf die Anzeige im</span><br/> <span class="ft1">Amtsblatt und die Akten des Konkursverfahrens an, dass das summa-</span><br/> <span class="ft1">rische Konkursverfahren durchgeführt werde. Die Zahlungsunfähig-</span><br/> <span class="ft1">keit sei aufgrund des laufenden und summarischen Konkursverfah-</span><br/> <span class="ft1">rens als erwiesen zu betrachten. Weitere Ausführungen zur Zah-</span><br/> <span class="ft1">lungsunfähigkeit der Klägerin machte der Beklagte nicht.</span><br/> <span class="ft1">Die Prozesskosten stellen, wie weitere von der Konkursmasse</span><br/> <span class="ft1">nach Eröffnung des Konkurses eingegangene Verpflichtungen, Mas-</span><br/> <span class="ft1">severbindlichkeiten dar, die aus dem Verwertungserlös der Aktiv-</span><br/> <span class="ft1">masse vorweg zu begleichen sind. Reicht der Erlös des inventari-</span><br/> <span class="ft1">sierten Vermögens voraussichtlich zur Deckung der Kosten aus oder</span><br/> <span class="ft1">leistet ein Gläubiger Sicherheit, wird das ordentliche Konkursverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren durchgeführt (Art. 231 Abs. 1 Ziff. 1 und Abs. 2 SchKG). Wer-</span><br/> <span class="ft1">den die Kosten des ordentlichen Verfahrens voraussichtlich nicht</span><br/> <span class="ft1">gedeckt oder sind die Verhältnisse einfach, sind die Bestimmungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">55</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">über das summarische Konkursverfahren anwendbar (Art. 231 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">Ziff. 1 und 2 SchKG). Dass vorliegend das summarische Konkurs-</span><br/> <span class="ft1">verfahren angeordnet wurde, kann somit durchaus in einfachen, rasch</span><br/> <span class="ft1">überblickbaren Verhältnissen begründet sein. Jedenfalls darf daraus</span><br/> <span class="ft1">nicht ohne weiteres auf Zahlungsunfähigkeit der Konkursmasse ge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen werden. Diese ist vielmehr im Verfahren um Sicherstellung</span><br/> <span class="ft1">vom Antragsteller zu substanziieren und nachzuweisen.</span><br/> <span class="ft1">Der Beklagte hat den Nachweis der Zahlungsunfähigkeit der</span><br/> <span class="ft1">Klägerin nicht erbracht. Insbesondere genügt sein pauschaler Hin-</span><br/> <span class="ft1">weis auf die Durchführung des summarischen Konkursverfahrens</span><br/> <span class="ft1">und auf die Konkursakten nicht. Er hätte vielmehr darlegen müssen,</span><br/> <span class="ft1">weshalb beispielsweise die inventarisierten Aktiven zur Deckung der</span><br/> <span class="ft1">Massekosten nicht ausreichen oder aus welchen Gründen die Kon-</span><br/> <span class="ft1">kursverwaltung das summarische Konkursverfahren eröffnet hat.</span><br/> <span class="ft1">Auch aus der Tatsache der Konkurseröffnung aufgrund einer Über-</span><br/> <span class="ft1">schuldungsanzeige der Revisionsstelle kann im Übrigen nicht auf</span><br/> <span class="ft1">Zahlungsunfähigkeit der Klägerin geschlossen werden. Die Über-</span><br/> <span class="ft1">schuldungsanzeige bedeutet nur, dass Aktiven und Passiven in einem</span><br/> <span class="ft1">Missverhältnis stehen, nicht aber, dass unzureichende Aktiven vor-</span><br/> <span class="ft1">handen sind, um die Kosten des Konkursverfahrens zu decken.</span><br/> <span class="ft1">Die Klägerin kann nach dem Gesagten mangels Nachweises ih-</span><br/> <span class="ft1">rer Zahlungsunfähigkeit nicht zur Sicherstellung der Parteikosten des</span><br/> <span class="ft1">Beklagten verhalten werden. Ihre Anschlussbeschwerde ist deshalb</span><br/> <span class="ft1">gutzuheissen.</span><br/></div> </div> </body> </html>