B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3003/2011 beu/pep U r t e i l v om 1 6 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Christa Luterbacher, Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Andreas Bellwalder, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. Mai 2011 / N (…). E-3003/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Ta mile aus Jaffna, verliess sein Heimatland gemäss eigenen Angaben am 26. November 2007 und reiste über Singa- pur, Malaysia, Südafrika, Mosambik und Portugal in die Schweiz, wo er am 6. April 2008 (vgl. A2) am Flughafen B._______ ankam und dort am 7. April 2008 um Asyl nachsuchte. Mit Zwischenverfügung des BFM vom selben Tag wurde ihm die Einreise in die Schwe iz vorläufig verwei gert und für die Dauer von maxima l 60 Tagen der Transitbereich des Flugh a- fens B._______ als Aufenthaltsort zugewiesen. Dort wurde der B e- schwerdeführer am 8. April 2008 durch die Flug hafenpolizei summarisch und am 16. April 2008 eingehend durch das BFM befragt. Dabei brachte er im Wesentlichen vor, er habe in Jaffna Waren für die Li- beration Tigers of Tamil Eelam (LTTE) transportieren müssen. Im Juni 2005 sei er aufgrund des Bürgerkriegs nach Colombo gezogen, wobei er in Jaffna angemeldet geblieben sei . Da die srilankische Armee ihn ver- dächtigt habe, ein Mitglied der LTTE zu sein, habe sie ihn je einmal im November 2005, im Jahr 2006 sowie am 17. Juli 2007 festgenommen. Dabei sei er auch misshandelt worden. Überdies würden die LTTE ihn suchen, weil er ihnen die Hilfe verwei gert habe . Auf die Details dieser Asylbegründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er u.a. folgende Unterlagen im Original zu den Akten:  Polizeibericht vom (…) über die Verhaftung des Beschwerdefü h- rers vom (…) 2007 und einen Entlassungsbericht vom (…) 2007 (sowie deren Übersetzungen in englischer Sprache).  Polizeibericht (sowie dessen Übersetzung in englischer Sprache) vom (…) 2006 über die Verhaftung des Beschwerdeführers (und weiteren 30 Personen) vom (…) 2006.  Zeitungsartikel (und dessen Übersetzung in deutscher Sprache) über die Festnahme von 920 Tamilen während einer gross ang e- legten Kontrolle, die in Colombo an 15 verschiedenen Orten stat t- gefunden habe. E-3003/2011 Seite 3  Meldung der Human Rights Commission of Sr i Lanka vom (…) 2006, dass der Beschwerdeführer seit dem (…) 2006 vermisst werde.  Bescheinigung über die Verhaftung des Beschwerdeführers vom (…) 2007 des Sicherheits - und Verteidigungsministeriums Sri Lanka (sowie deren Übersetzung in deutscher Sprache). B. Am 24. April 2008 bewilligte das BFM dem Beschwerdeführer zur Prüfung seines Asylgesuches die Einreise in die Schweiz. C. Mit Verfügung vom 2. Mai 2011 – eröffnet am 4. Mai 2011 – stellte das BFM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft ni cht er- fülle, und lehnte sein Asylgesuch ab; gleichzeitig verfügte es die Wegwei- sung aus der Schweiz sowie deren Vollzug. Begründet wurde der Entscheid insbesondere damit, dass die durch den Beschwerdeführer vorgebrachten Verhaftungen zu weit zurückliegen würden, als dass sie für sein Asylgesuch von entscheidender Relevanz sein könnten. Zudem handle es sich bei den Vorfällen , die nicht grun d- sätzlich angezweifelt würden, nicht um eine asylrelevante Verfolgung. Der Vollzug der Wegweisung sei ferner zulässig, möglich und in Anbetracht der seit Mai 2009 deutlich entspannten Sicherheitslage und den verbe s- serten Lebensbedingungen in Sri Lanka auch zumutbar. Auf die Details dieser Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägun- gen eingegangen. D. Dagegen liess der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 26. Mai 2011 (Poststempel) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben und beantragte, die angefochtene Verfügung der Vorinstanz sei vollumfänglich aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei er vorläufig aufzunehmen. Zudem wurde in verfahrensrechtlicher Hinsicht darum e r- sucht, der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen. Dabei wurde im Wesentlichen ausgeführt, es bestehe sehr wohl eine b e- gründete Furcht vor einer zukünftigen Verfolgung. Wie verschiedene Schreiben und Bestätigungen aus seiner Heimat belegen würden, werde er von den Behörden auch heute noch gesucht und bei einer Rückkehr bestehe die begründete Gefahr einer (erneuten) Verhaftung aufgrund des E-3003/2011 Seite 4 Verdachts der Zugehörigkeit zur LTTE. Alleine der Umstand, dass jemand als Mitglied der LTTE verdächtigt werde, stelle in Sri Lanka bereits eine Lebensgefahr dar. Die aktuelle Lage in Sri Lanka habe sich nicht wirklich verbessert. Mittels der Beschwerde beigelegten Briefen von C._______ (Justice of the Peace) vom (…) 2011, von D._______ (Anwalt) vom (…) 2011 und von der Mutter des Beschwerdeführers vom (…) 2011 werde bestätigt, dass die Intelligence Group ( Geheimdienst) immer noch an der P erson des Beschwerdeführers interessiert sei, so dass sein Leben in Sri Lanka nicht in Sicherheit sei. Ferner wur de ein Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 1. Dezember 2010 über die aktuelle Lage in Sri Lanka, ein Artikel der Wochenzeitung (WoZ) vom 6. Januar 2011 über rückkehrende Tamilen und Tamilinnen sowie ei n Auszug aus der Hom e- page der Tamil Youth Organization (TYO) Schweiz vom 11. März 2011 über die Aktivitäten der paramilitärischen Organisationen in Sri Lan ka der Beschwerde beigelegt. Auf die eingehende Begründung sowie auf die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel wird – sofern entscheidrelevant – in den E r- wägungen eingegangen. E. Mit Zwischenverfügung vom 30. Mai 2011 hielt das Bundesverwaltung s- gericht fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Zudem forderte es ihn auf, einen Kostenvo r- schuss in der Höhe der mutmasslichen Verfahrenskosten zu leisten, was der Beschwerdeführer innert Frist auch tat. F. Mit Verfügung vom 29. März 2012 gewährte das Bundesverwaltungsg e- richt dem Beschwerdeführer aufgrund der Änderung seiner R echtspre- chung (vgl. dazu das unter BVGE 2011/24 zur Publikation vorgesehene Urteil E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011) das rechtliche Gehör. G. Dieses nahm er am 27. April 2012 unter Einreichung von weiteren B e- weismitteln (Bestätigung des Ablebens seines Vater s, Sozialhilfebestät i- gung, Zertifikat betreffend einen Deutschkurs, Themenpapier der SFH vom 22. September 2011 zu Sri Lanka) wahr. Auf die e ingehende B e-E-3003/2011 Seite 5 gründung sowie auf die eingereichten Beweismittel wird – sofern en t- scheidrelevant – in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Be- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorliegend nicht zu- trifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor we l- chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichu ng der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebl ichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-3003/2011 Seite 6 2.2. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durc h- führung eines Schriftenwechsels verzichtet. 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer b e- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer p olitischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, so l- chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträgl ichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1. Der – bis im Juni 2005 in Jaffna wohnhafte – Beschwerdeführer brachte als Begründung seiner Verfolgungssituation vor, er habe seinen (...) und ein (...), mit welchen er seinen Lebensunterhalt bestritten habe, ständig der LTTE zur Verfügung stellen müssen (A8 S. 2 f.; A13 S. 15). Im Juni 2005 sei er wegen des Bürgerkriegs nach Colombo gegangen (wo- bei sein fester Wohnsitz Jaffna geblieben sei, A13 S. 3), wo er zunächst in einer Pension, später bei einer Tante gelebt habe (A8 S. 2). Im Novem- ber 2005 sei er erstmals – gemeinsam mit fünf weiteren jungen Tamilen – von Soldaten in der Pension aufgegriffen und auf den Polizeiposten ge- bracht worden. Ihm sei vorgeworfen worden, zu den Militanten (LTTE) zu gehören (A8 S. 6; A13 S. 2 ff.). Da zwei Personen für ihn gebürgt hätten, sei er nach einem Tag wieder auf freien Fuss gesetzt worden und habe danach weiter in Colombo gelebt und (...) genommen (A13 S. 4 f.). Im Jahr 2006 sei er auf dem Rückweg von der Schule gemeinsam mit etwa zehn anderen Tamilen aufgrund des Vorwurfs, Verbindungen zur LTTE zu E-3003/2011 Seite 7 haben, erneut festgenommen worden (A13 S. 6 ff.). Dies sei ein genere l- ler Verdacht gewesen, da er Tamile sei und die Sicher heitskräfte in Sri Lanka behaupten würden, jeder Tamile sei ein Militant. Er sei zunächst in einer Polizeizelle eingesperrt und am nächsten Tag ins [Gefängnis] ge- bracht worden, wo er weitere zehn Tage habe verbringen müssen. Ihm seien die Kleider weggenommen worden und er sei während der mehr als zehn Mal stattfindenden Verhöre mit Schlagstöcken misshandelt worden. Er sei in einem grossen Raum mit etwa 200 Mithäftlingen eingesperrt g e- wesen, wobei die älteren und einflussreichen Gefangenen ihm nicht e r- laubt hätten, zu schlafen ; man habe ihm Tee und Esswaren weggeno m- men, seine Sachen gestohlen und ihn geschla gen. Diese hätten auch mehrmals versucht, ihn sexuell zu misshandeln; einmal sei er durch einen Singhalesen unter Mithilfe eines anderen auf dem Gang verg ewaltigt worden (A13 S. 9 f.). Er habe dies am nächsten Tag einem Parlament a- rier erzählt, der ihn besucht habe , und es auch den Gefängniswärtern gemeldet; danach sei er indes noch schlechter behandelt wor den. Nach zehn Tagen sei er dem Gericht vorgeführt w orden (A13 S. 11); sein Vater habe für die Verhandlung einen Anwalt organisiert und für den Beschwer- deführer gebürgt. Er sei dann freigelassen worden, habe jedoch später weitere Gerichtstermin e gehabt. Nach der dritten Anhörung sei er schliesslich ohne Anklage entlassen worden, da sein Vater dem An walt (…) Rupien ausgehändigt und dieser damit den Staatsanwalt und weitere Beamte bestochen habe (A13 S. 12). Der Beschwerdeführer habe weiter in Colombo gelebt. Am 17. Juli 2007 sei er anlässlich einer Polizeikontrol- le auf der Strasse zum dritten Mal festgenommen und auf den Posten in E._______ gebracht worden, wo er verhört und gezwungen worden sei, das Verhörprotokoll zu unterschrei ben (A13 S. 12 ff.). Am nächsten Tag habe man ihn in ein Büro des C.I.D. (Criminal Investigation Depart ment) gebracht, wo er sich habe ausziehen müssen und mehrere Stunden b e- fragt worden sei. Am nächsten Morgen sei sein weiterer Verbleib in U n- tersuchungshaft richterlich angeordnet worden. Er sei wiederum ins [Ge- fängnis] gebracht worden, wo er erneut durch Mitgefangene schik aniert worden sei. Am 28. Juli 2007 sei er zur Anhörung vor ein Gericht gebracht worden. Er sei sicher, dass sein Anwalt mit der Polizei "etwas organisiert" habe (A13 S. 14), denn die Polizeibeamten hätten gesagt, er sei eine a n- ständige Person und habe mit Terrorismus nichts zu tun. Gleichentags sei er freigelassen worden. Als er seine persönlichen Gegenstände auf dem Polizeiposten E._______ habe abholen wo llen, habe er mitbekommen – obwohl die Polizeibeamten miteinander auf Singhalesisch diskutiert hät- ten und er das Gespräch nicht wörtlich verstanden habe –, dass man ihn erneut habe verhaften wollen. Er habe den Posten deshalb ohne sein E-3003/2011 Seite 8 Geld und Telefon verlassen und sei untergetaucht. Die Polizei habe ihn daraufhin bei seinen Bekannten gesucht. Er sei erst über drei Monate nach der Entlassung ausgereist, weil er die Reise zunächst h abe organi- sieren müssen (A13 S. 15). 4.2. Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, die Vo r- bringen des Beschwerdeführers würden durch die von ihm eingereichten Dokumente gestützt und nicht grundsätzlich angezweifelt. Sie würden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft indes nicht standhalten, da die drei Festnahmen und erduldeten Misshandlungen im Gefängnis zu weit zurückliegen würden, mithin kein in zeitlicher und sachlicher Hinsicht genügend enger Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht bestehe. Die erlittene Verfolgung sei nur dann beachtlich, wenn sie noch andauere oder konkrete Hinweise auf eine zukünftige Verfolgung best e- hen würden. Der Beschwerdeführer sei gemäss eigenen Angaben dreimal verhaftet worden, jedoch sei davon auszugehen, dass sich Verdächtigungen der Armee ihm gegenüber in Bezug auf eine LTTE-Mitgliedschaft nicht bestä- tigt hätten. Er sei nämlich bei der ersten Festnahme aufgrund eines gene- rellen Verdachts im Zuge einer Razzia gegen potenzielle Helfer der LTTE festgenommen und nach einem Tag wieder entlassen worden. Aus den eingereichten Anklageschriften vom (…) 2006 und vom (…) 2007 gehe ebenfalls hervor, dass der Beschwerdeführer mit diversen anderen Pe r- sonen festgenommen worden sei. Die Freilassungen seien zustande g e- kommen, weil sein Vater Bestechungsgelder bezahlt habe. Aufgrund des tiefen Betrags sei davon auszugehen, dass die Behörden keinen begrü n- deten Verdacht gegen ihn gehegt hätten. Dementsprechend gehe aus der Anklageschrift vom 19. Juli 2007 hervor, dass der Beschwerdeführer fre i- gelassen worden sei , da er in keine kriminellen Handlungen verwickelt gewesen sei. Seine Befürchtungen, nach der dritten Entlassung erneut festgenommen zu werden, würden lediglich auf seinem Gefühl und damit subjektiven Empfindungen basieren. Ferner weise der Beschwerdeführe r kein Profil au f, welches zum jetzigen Zeitpunkt mit erheblicher Wah r- scheinlichkeit zu asylrelevanter Verfolgung führen könnte. Hinsichtlich der Frage des zumutbaren Wegweisungsvollzugs führte das BFM aus, dass sich die allgemeine Sicherheitslage seit Mai 2009 deutlich verbessert habe, so dass auch eine Rückkehr in den Norden und Osten des Landes grundsätzlich als zumutbar qualifiziert werde. Beim B e- schwerdeführer handle es sich ferner um einen jungen Mann, der bereits E-3003/2011 Seite 9 beruflich tätig gewesen sei. Seine – eigenen Angaben entsprechend wohlhabende – Familie lebe in Jaffna. Es würden daher auch keine ind i- viduellen Gründe gegen einen Vollzug der Wegweisung sprechen. 4.3. In der Beschwerdeschrift vom 26. Mai 2011 wurde den Ausführungen des BFM entgegengehalten, es be stehe nach wie vor eine begründete Furcht vor zukünftiger asylrelevanter Verfolgung. Der Beschwerdeführer sei mehrere Mal e festgenommen und regelmässig geschlagen worden. Dass er in seiner Heimat noch immer bedroht sei und von den Behörden gesucht werde, w ürden die eingereichten Schreiben belegen. Die Vorin- stanz behaupte, er habe in seiner Heimat nichts zu befürchten, da er w e- der Mitglied noch Unterstützer der LTTE gewesen sei. Dies leuchte j e- doch nicht ein . Es treffe zwar zu, dass er kein aktives Mitglied der LTTE gewesen sei, doch ändere dies nichts am Umstand, dass er in seinem Heimatland dafür verdächtigt werde. Zudem sei er zur Unterstützung der "Tigers" gezwungen worden, indem er ihnen seinen (...) und sein (...) ha- be zur Verfügung stellen müssen. Entgegen der Ausführungen der Vorin- stanz habe sich schliesslich die aktuelle Lage in Sri Lanka nicht wirklich verbessert. Personen, die irgend eine Verbindung zu den LTTE aufweisen könnten, würden gesucht und unter Druck gesetzt. Besondere Risiken würden für zurückkehrende tamilische Landsleute bestehen. 4.4. In seiner Stellungnahme vom 27. April 2012 wiederholt er, unter Hin- weis auf das eingereichte Themenpapier der SFH vom 22. September 2011, die besondere Gefahr für Rückkehrer und hält daran fest, dass er weiterhin Verfolgung zu befürchten habe. Im Weiteren führte er aus, dass er sich in Sri Lanka keine Existenz werde aufbauen können; sein Vater sei verstorben, seine Mutter sei auch auf Unterstützung seitens Verwand- ter im Ausland angewiesen. 5. Im Folgenden gilt es , die flüchtlingsrechtliche Relevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers zu prüfen. 5.1. Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu - chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei- le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürc h- ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure z u- gefügt word en sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. E-3003/2011 Seite 10 BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtling s- rechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatl and kei- nen adäquaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurte i- lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer sol- chen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Ra h- men der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls w e- sentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zw i- schen Ausreise und Asyle ntscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1 S. 507 f., BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Auslände r- recht, 2. Aufl., Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 5.2. Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeit - punkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba- rer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft ve r- wirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete I ndizien vorliegen, welche den Eintritt der e r- warteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive er - folgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. Ents cheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asy l- rekruskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 6. 6.1. Mit dem unter BVGE 2011/24 zur Publikation vorgesehenen Urteil E- 6220/2006 vom 27. Oktober 2011 hat das Bundesverwaltung sgericht die letztmals im Februar 2008 (BVGE 2008/2) vorgenommene Lageanalyse betreffend Sri Lanka aktualisiert und seine Praxis angepasst. Gemäss dieser aktuellen Rechtsprechung hat sich seit der Beendigung des milit ä- rischen Konflikts zwischen der srilank ischen Armee und der LTTE die S i- cherheitslage erheblich verbessert und stabilisiert, auch wenn sich die Menschenrechtslage hinsichtlich der Meinungsäusserungs - und Press e- freiheit weiter verschlechtert hat. Einer erhöhten Verfolgungsgefahr sind E-3003/2011 Seite 11 demzufolge P ersonen, die der Zugehörigkeit zur LTTE verdächtigt we r- den, sowie politische Dissidenten und Oppositionspolitiker, die den Machtanspruch des Rajapakse -Regimes in Frage stellen, ausgesetzt. Ferner sind als Risikogruppen kritisch auftretende Journalisten, Me n- schenrechtsaktivisten oder Personen zu nennen, die Opfer und Zeuge schwerer Menschenrechtsverstösse waren und diesbezüglich juristische Schritte eingeleitet haben. Unter Umständen sind auch Rückkehrer aus der Schweiz, denen nahe Kontakte zur LTTE unterste llt werden, sowie Personen mit beträchtlichen finanziellen Mitteln einer erhöhten Verfo l- gungsgefahr ausgesetzt. Letztere deshalb, weil auch heute noch Entfü h- rungen insbesondere lokaler Geschäftsleute stattfinden sollen, vor denen die staatlichen Behörden i m Norden und Osten des Landes nur limitiert respektive ineffiz ient schützen (vgl. zum Ganzen BVGE E -6220/2006 E. 8). 6.2. Vorab ist festzuhalten, dass von der zeitlichen Kausalität zwischen den vom Beschwerdeführer angeführten Behelligungen (letzte Haften t- lassung am 28. Juli 2007) und seiner Ausreise am 26. November 2007 auszugehen ist (vgl. BVGE 2010/57 E. 3.2). Eine starre zeitliche Grenze, wann der (zeitliche) Kausalzusammenhang als unterbrochen zu gelten hat, lässt sich nicht festlegen; zu würdigen sind jewe ils bei der Beurte i- lung auch allfällige plausible objektive und subjektive Gründe, die eine frühere Ausreise verhindert haben (vgl. EMARK 2000 Nr. 17, S. 157 f mit weiteren Hinweisen). Immerhin kann festgehalten werden, dass in der asylrechtlichen Literatur und Praxis eine Zeitspanne von sechs bis zwölf Monaten genannt wird, nach deren Ablauf der zeitliche Kausalzusa m- menhang in der Regel als zerrissen gelten müsste (vgl. EMARK 1998 Nr. 20 E. 7 S. 179 f.; EMARK 2000 Nr. 17 E. 11.a S. 157 f.); bei einer Zei t- spanne von mehr als zwei Jahren wird jedenfalls in der Praxis ein Ka u- salzusammenhang nicht mehr bejaht (vgl. EMARK 1999 Nr. 7 E. 4.b S. 46). Vorliegend vermag der Beschwerdeführer nachvollziehbare subjekt i- ve Gründe dafür anzuführen, weshalb er eine frühere Ausreise nicht habe bewerkstelligen können (vgl. A13 S. 15). 6.3. Sofern der Beschwerdeführer eine Gefährdung durch die LTTE ge l- tend gemacht hat, ist von der fehlenden erforderlichen Aktualität und da- mit von einem fehlenden sachlichen Kausalzusammenhang auszuge hen (vgl. ALBERTO ACHERMANN/CHRISTINA HAUSAMMANN, Handbuch des Asy l- rechts, Bern/Stuttgart 1991, S. 108). Gemäss dem zur Publikation vorge- sehenen Urteil E -6220/2006 des Bundesverwaltungsgerichts vom 27. Oktober 2011 sind die LTTE mittlerweile militärisch ve rnichtend g e-E-3003/2011 Seite 12 schlagen worden. Von ihnen gehen heute keine Verfolgungshandlungen mehr aus ( vgl. BVGE E-6220/2006 E. 7.1 und 7.6). Ferner dürfte diese Furcht auch nicht begründet sein, weil der Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt angab, Jaffna – wo er Dienstleistungen für die LTTE erbringen musste – wegen konkreten Verfolgungsmassnahmen ihrerseits verlassen zu haben; zum Einen soll er lediglich von Freunden erfahren haben, dass er von ihnen gesucht werde (vgl. A8 S. 7). Zum andern habe er Jaffna wegen des Bürgerkriegs (vgl. A13 S. 3), beziehungsweise weil er seinen Onkel aus Frankreich nach Colombo begleitet habe (vgl. A13 S. 4), ve r- lassen. Die diesbezüglichen Einwände des Beschwerdeführers sind somit nicht zu hören. 6.4. Hinsichtlich der von ihm vorgebrachten Nachte ile wegen der drei Verhaftungen gilt es zunächst festzuhalten, dass es sich beim Beschwer- deführer nicht um ein Mitglied der LTTE handelt. Der Vorinstanz ist zuzu- stimmen, dass aufgrund der eingereichten Dokumente sowie der glau b- haften Ausführungen des Beschwerdeführers der Schluss gezogen we r- den kann, dieser habe bei seinen Festnahmen aufgrund seiner Zugeh ö- rigkeit zur tamilischen Ethni e unter einem Generalverdacht gestanden, sei jedoch nicht gezielt gesucht worden. Der Beschwerdeführer wurde im Jahr 2005 in seiner Pension festgenommen, wo eine Mehrheit d er B e- wohner aus Jaffna stammte (A13 S. 2 f.). In den Jahren 2006 und 2007 wurde er jeweils auf der Strasse anlässlich einer Massenkontrolle verha f- tet (A13 S. 6 und 12). In allen drei Fällen wurden auch weitere Personen festgenommen (A13 S. 3, 7 und 12), was sich auch aus dem im Verfa h- ren vor dem BFM eingereichte n Polizeiprotokoll vom 10. Mai 2006 ergibt (vgl. A23). Demnach wurden nebst dem Beschwerdefüh rer am 25. April 2006 anlässlich von durch die Armee angeordneten Razzien in verschi e- denen Strassen/Pensionen Colombos 30 weitere Personen aufgrund des Verdachts terroristischer Aktivität f estgenommen und in Untersuchung s- haft versetzt. Abklärungen hätten jedoch ergeben, dass von den Verdäch- tigten nur einer auf einer Liste von Personen, die in Aktivitäten tamilischer Terroristen involviert gewesen seien, verzeichnet gewesen sei. Die übr i- gen seien für eine Bürgschaft von 5'000.- Rupien pro Person freizulassen. Dem Protokoll der Festnahme vom 1 8. Juli 2007 (vgl. A23) ist zu entneh- men, dass der Beschwerdeführer gemeinsam mit einer weiteren Person verhaftet wurde, weil sie nicht begründen konnten, was sie in F._______, einer High Security Zone, getan hätten. Es seien sodann Abklärungen gemacht worden, doch hätten diese keine Straf taten der V erdächtigten ergeben, wes halb sie am 26. Juli 2007 freigelas sen worden seien . Auf- grund der Aktenlage ist somi t anzunehmen, dass der Beschwerdeführer E-3003/2011 Seite 13 nicht unter besonderer Beobachtung der srilankischen Behörden stand oder gesucht wurde, sondern aufgrund von Strassenkontrollen und Ra z- zien in Pensionen willkürlich mehrfach verhaftet und jeweils wieder freige- lassen wurde. Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass die er- littenen Misshandlungen und prekären Verhältnisse in den Gefängnissen für den Beschwerdeführer äusserst belastend gewesen sein dürften. J e- doch ist keine gezielte, individuelle und weiterhin dro hende Verfolgung des Beschwerdeführers ers ichtlich. Da sich der General verdacht gegen ihn nie bestätigt hat, ist auch nicht davon auszugehen, dass die srilank i- schen Behörden ihn im jetzigen Zeitpunkt suchen. Da er – wie durch das BFM zutreffend festgestellt – zudem für die Freilassung nach der zweiten Verhaftung gemäss Polizeiprotokoll auch nur eine kleine Summe beza h- len musste, ist unwahrscheinlich, dass die srilankische Armee ihn jemals ernsthaft verdächtigt hat, mit den LTTE oder einer anderen militanten Or- ganisation zu kooperieren. Die minimale Unterstützung, die der B e- schwerdeführer den LTTE zukommen liess – indem er regelmässig ge- zwungen wurde, ihnen für eine gewisse Zeit seinen (...) und sein (...) zu überlassen – dürfte für die Behörden ebenfalls nic ht relevant sein, zumal diese Vorgänge bereits sechs Jahre zurückliegen. 6.5. Die auf Beschwerdeebene eingereichten Schreiben der Mutter und des Anwalts des Beschwerdeführers sowie eines Friedensrichters weisen alle im Wesentlichen darauf hin, dass sich die Lage in Sri Lanka nicht wieder normalisiert habe. Ferner wurde vorgebracht, der Beschwerdefü h- rer sei im Jahr 2008 durch die Intelligence Group und eine nicht identif i- zierte bewaffnete Gruppe gesucht worden. Da er befürchtet habe, entführt und getötet zu werden, sei er geflüchtet. Die Intelligence Group versuche noch immer, den Aufenthaltsort des Beschwerdeführers zu ermitteln. Deshalb wäre er seines Lebens nicht sicher, falls er nach Sr i Lanka z u- rückkehren würde. Diese Schreiben sind nicht geeignet, eine konkrete, mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eintretende künftige Bedrohung des Beschwerdeführers zu begründen , da sie lediglich in unsubstantiierter Weise bestätigen, dass die ser gemäss Auskunft seiner Mutter weiterhin gesucht werde, weshalb sie als Gefälligkeitsschreiben bezeichnet werden müssen. Ansonsten wird nur ausgeführt, die Lage in Sri Lanka habe sich noch nicht wieder normalisiert. Den Berichten der SFH über die dem G e- richt be kannte Lage in Sri Lanka lassen sich, so weit fest stellbar, keine den Beschwerdeführer individuell und direkt betref fenden Passagen en t- nehmen. E-3003/2011 Seite 14 6.6. Der Beschwerdeführer weist im W eiteren darauf hin, dass er bei ei- ner Rückkehr in besonderem Mass gefährdet sei, weil er sein Heimatland während des Krieges verlassen und im Ausland ein Asylgesuch eing e- reicht habe. Damit machte der Beschwerdeführer subjektive Nachfluch t- gründe geltend. 6.6.1. Wer subjektive Nachfluchtgründe geltend macht, der beruft sich darauf, dass durch ein Verhalten (mit oder) nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsland eine Gefährdungssituation geschaffen wo r- den sei. Diese begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuc h- lich gesetzt wurden (BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). Massgeblich ist, ob vorliegend die srilankischen Behörden das Verhalten des Beschwerd e- führers als staatsfeindlich einstufen und dieser desw egen bei der Rüc k- kehr in den Heimatstaat eine Verfolgung von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer b e- gründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und Art. 7 AsylG). 6.6.2. Entgegen seinen Vorbringen verfügt der Beschwerdef ührer nicht über ein entsprechend gefährdetes Profil. Nach Ansicht des Bundesve r- waltungsgerichts kann nicht generell angenommen werden, dass abg e- wiesene tamilische Asylsuchende aus der Schweiz bei der Rückkehr nach Sri Lanka alleine aus diesem Grund in ein en behördlichen Verdacht geraten, während ihres Aufenthalts in der Schweiz Kontakte mit führe n- den LTTE-Kadern unterhalten zu haben (vgl. BVGE E-6220/2006, a.a.O., E. 8.4). Im vorliegenden Falle ergeben sich weder aus den Akten noch aus den Aussagen des Be schwerdeführers Hinweise dafür, dass die sr i- lankischen Behörden ihm nahe Kontakte zu den LTTE unterstellen wü r- den. Zudem wird nicht vorgebracht, dass der Beschwerdeführer – abge- sehen von seiner allfälligen Bedrohung durch die Rückkehr – einer der übrigen Risikogruppen angehört oder Kontakte zu Mitgliedern von Risik o- gruppen hatte. 6.7. Zusammenfassend besteht kein konkreter Anlass zur Annahme, dass der Beschwerdeführer aus heutiger Sicht mit beachtlicher Wahrschei n- lichkeit in absehbarer Zukunft Verfolgungsmassnahmen des srilankischen Staates ausgesetzt wäre. Die dargelegte subjektive Furcht vor Verfolgung erweist sich im jetzigen Zeitpunkt nicht als objektiv begründet. E-3003/2011 Seite 15 7. Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht g e- lungen ist, eine im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka bestehende oder unmittelbar drohende asylrechtlich relevante Verfolgung nachzuwe i- sen oder zumindest glaubhaft zu machen. Auch für den heutigen Zei t- punkt kann ihm keine begründete Furcht vor Verfolgung bei einer Rück- kehr in di e Heimat zuerkannt werden. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in seinen auf Beschwerdee bene gemachten Eingaben im Einzelnen einzugehen, da sie an der Würdigung des vorliegenden Sac h- verhalts nichts zu ändern vermögen. Das BFM hat sein Asylgesuch dem- nach zu Recht abgelehnt. 8. Lehnt das Bundesamt ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksich- tigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen A n- spruch auf Erteilung einer solchen (vgl. EMARK 2001 Nr. 21) und macht dies auch nicht geltend. Die Wegweisung wurde somit zu Recht angeord- net. 9. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 Asyl G; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 9.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise des Ausländers in seinen Heimat -, He r- kunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder i n dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30] und Art. 25 Abs. 2 der Bundesverfa s- sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]). Unter das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot fallen somit E-3003/2011 Seite 16 nur Flüchtlinge. Das menschenrechtliche Rückschiebungsverbot (Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenr ech- te und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101], Art. 25 Abs. 3 BV), wonach niemand in einen Staat ausgeschafft werden darf, in dem ihm Folter oder eine andere Art grausamer und unmenschlicher Behandlung oder Bestra- fung drohen, ist dagegen auf alle Menschen ohn e Rücksicht auf ihren Status anzuwenden. Da der Beschwerdeführer nicht als Flüchtling anerkannt wird, hat das BFM zu Recht ausgeführt, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG vorliegend nicht angewendet werden kann. Im Hinblic k auf das menschenrechtliche Rückschiebungsverbot nach Art. 3 EMRK ist zu bemerken, dass sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung durch Folter oder eine andere Art grausamer und unmenschli- cher Behandlung oder Bestrafung entnehmen lassen. Nachdem der B e- schwerdeführer nicht glaubhaft gemacht hat, dass er befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der srilankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich re levanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde aus demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung in Sri Lanka drohen ( vgl. E - 6220/2006, a.a.O., E. 10.4.2). Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Be- stimmungen als zulässig. 9.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat konkret gefährdet sind. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen angewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönlicher Ver folgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingse i- genschaft noch jene des völker rechtlichen Non-Refoulement-Prinzips er- füllen, jedoch wegen der Fol gen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situ a- tion allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres E-3003/2011 Seite 17 Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wä- ren (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.1 m.w.H.). 9.2.1. Die Vorinstanz hielt in der an gefochtenen Verfügung fest, die L e- bensbedingungen in Sri Lanka hätten sich soweit verbessert, dass eine Rückkehr auch in den Norden und Osten des Landes grundsätzlich wi e- der zumutbar sei. Im Norden herrsche in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierungskontrolle ste hen – wie auf der Halbinsel von Jaffna – weitgehend ein normales Alltagsleben. Der Beschwerdefü h- rer sei ein junger, gesunder Mann, der bereits beruflich tätig gewesen sei. Er stamme aus G._______ (Distrikt Jaffna), wo er zusammen mit seiner Familie bis 200 5 gelebt habe , und sein Vater sei sehr wohlhabend. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich damit als zumutbar. 9.2.2. Demgegenüber führte der Beschwerdeführer insbesondere in se i- ner Eingabe vom 27. April 2012 aus, sein Vater sei am (…) 2010 verstor- ben. Neben telefonischen Kontakten mit seiner Mutter – die bedürftig sei und von Verwandten aus dem Ausland unterstützt werde – pflege er keine Kontakte zu Personen in seinem Heimatland, verfüge somit weder über zumutbaren Wohnraum noch über ein tragfähiges Be ziehungsnetz. Sein Existenzminimum sei in seiner Heimat nicht gesichert. 9.2.3. Nach Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts präsentiert sich die Situation in der Nordprovinz von Sri Lanka unterschiedlich (vgl. BVGE E-6220/2006, a.a.O., E. 13.2). Im Distrikt Jaffna herrscht derzeit keine Situation allgemeiner Gewalt und die dortige politische Lage ist nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr als generell unzumu t- bar eingestuft werden müsste. Angesichts der im humanitären und wir t- schaftlichen Bereich nac h wie vor fragilen Lage, drängt sich beim We g- weisungsvollzug in dieses Gebiet jedoch eine sorgfältige, zurückhaltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf. Daneben ist auch dem zeitlichen Element gebührend Rechnung zu tragen. Hat sich die betreffende Person in der Nordprovinz zuletzt vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 aufgehalten, oder gehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben könnten, sind die aktuell vorli e- genden Lebens - und Wohnverhältnisse sorgfältig auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges hin zu überprüfen. In diesem Zusammenhang massgeblich sind namentlich die Existenz eines tragfähigen Beziehung s- netzes und konkrete Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation (vgl. E-6220/2006, a.a.O., E. 13.2.1.2). E-3003/2011 Seite 18 Der Beschwerdeführer hat gemäss den an seiner Erstbefragung gemach- ten Angaben während elf Jahren die Schule besucht (Primar- und Sekun- darschule) und diese im Jahr 2000 verlassen. Danach sei er als Trakto r- fahrer tätig gewesen, was für seinen Lebensunte rhalt gereicht habe (A8 S. 3). Im Jahre 2005 sei er nach Colombo gezogen. In Sri Lanka würden noch seine Eltern (in Jaffna, A13 S. 11) und weitere Verwandte leben (A8 S. 4). In Colombo habe er zwei Jahre lang einen (…)kurs besucht, den sein Vater bezahlt habe, welcher wohlhabend sei (A13 S. 5 und 16). Aufgrund der persönlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers ist vom Vorliegen begünstigender Faktoren auszugehen. Er ist jung und gesund und es ist anzunehmen, dass er bei einer Rückkehr nach Jaffna auf ein tragfähiges familiäres Netz stossen wird. Auch wenn sein Vater zwischen- zeitlich verstorben ist, verfügt er gemäss seinen Angaben über Onkel, Tanten, Cousins und seine Mutter im Heimatland (vgl. A8 S. 4), die ihrer- seits soziale Netze pflegen . Er verfügt über eine Schulbildung sowie mutmasslich gute Englischkenntnisse. Zwar hat der Beschwerdeführe r keine Ausbildung gemacht, jedoch hat er berufliche Erfahrung als (...). Obwohl der Beschwerdeführer seit Ende November 2007 – somit mehr als vier Jahre – landesabwesend gewesen ist, ist unter diesen Umstä n- den davon auszugehen, dass es ihm gelingen wird, sich in seiner Heimat- region innert nützlicher Frist eine wirtschaftliche Existenzgrundlage au f- zubauen. Zur Überbrückung allfälliger Anfangsschwierigkeiten kann er beim BFM Rückkehrhilfe beantragen. Es ist demnach nicht davon ausz u- gehen, dass er bei seiner Rückkehr in die Heimatstadt aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten würde, zumal die finanzielle Unte r- stützung, die er von seinen Verwandten in H._______ und der Schweiz bereits heute erhält, dort eine grössere Kaufkraft entfalten dürfte. 9.2.4. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.3. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung seines Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.4. Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM den Wegwe i- sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich qualifiziert hat. E-3003/2011 Seite 19 Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme au s- ser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind die Verfahrenskos- ten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG) und auf insgesamt Fr. 600. - festzusetzen (Ar t. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind mit dem am 7. Juni 2011 in gleicher Höhe ge leisteten Kostenvorschuss zu verrec h- nen. (Dispositiv nächste Seite) E-3003/2011 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600. - werden dem Beschwe r- deführer auferlegt. Diese sind durch den am 7. Juni 2011 geleisteten Kos- tenvorschuss in gleicher Höhe gedeckt und werden mit diesem verrec h- net. 3. Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, das BFM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe Versand: