A bteilung V E -6331/2006 {T 0/2} U rteil vom 10. A ugust 2007 M itw irkung: R ichter Stöckli, R ichterin de C oulon Scuntaro, R ichter Schürch G erichtsschreiber H ardegger A._______, Sri Lanka, w ohnhaft B._______, vertreten durch C ._______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (BFM ; vorm als Bundesam t für Flüchtlinge, BFF), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 5. D ezem ber 2003 in Sachen N ichteintreten auf W iedererw ägungs- gesuch / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. M it Verfügung vom 31. August 2000 - eröffnet am 1. Septem ber 2000 - stellte das BFF fest, der Beschw erdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch 17. August 1998 ab. G leichzeitig ordnete es die W egw eisung und deren Vollzug aus der Schw eiz an. Zur Begründung des Asylgesuchs hatte der Beschw erdeführer im W esentlichen geltend gem acht, er sei Tam ile und habe bis zum 18. April 1997 in (...) gew ohnt. Sein H aus sei zerstört w orden. Er sei m ehrm als, insbesondere im M ärz 1996, w egen Verdachts auf Tätigkeiten bei den Liberation Tigers of Tam il Eelam (LTTE) festgenom m en w orden. Später sei er nach (...) gezogen. Im Vorfeld der sog. SH ALK-G espräche im Jahr 1998 habe es einen Bom benanschlag gegeben. In der Folge sei eine Kollegin, in deren W ohnung kom prom ittierendes Bew eism aterial gefunden w orden sei, im Juli 1998 festgenom m en w orden. D ie Polizei habe am (...) in seiner Abw esenheit seine W ohnung durchsucht und D okum ente beschlagnahm t. Am (...) sei er an seinem Arbeitsort gesucht w orden. Sein Arbeitgeber habe ihm dann geraten, nach Kalpittya zu den m oslem ischen Fischhändlern zu fliehen, von w o aus er im Juli 2000 aus seinem H eim atland ausgereist sei. Für die übrigen Aussagen w ird auf die Akten verw iesen. B. Eine gegen diese Verfügung vom 31. August 2000 erhobene Beschw erde vom 2. O ktober 2000 w urde m it U rteil der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) vom 11. D ezem ber 2000 abgew iesen. C . In der Folge setzte das BFF dem Beschw erdeführer Frist bis zum 26. Februar 2001 zum Verlassen der Schw eiz an. D ie Ausreise konnte m angels eines R ei- sepapiers nicht rechtzeitig erfolgen. Im Frühjahr 2001 erkundigte sich der Be- schw erdeführer w iederholt bei den schw eizerischen Behörden um eine R ückreise- m öglichkeit nach (...). D ie Flugreise von Zürich nach C olom bo w urde nach Eintreffen des R eisepapiers im R ahm en des vom Beschw erdeführer beantragten Einbezugs ins R ückkehrhilfeprogram m auf den 22. Juli 2001 gebucht. W ährend der Ausreisevorbereitungen richtete die dam alige Arbeitgeberin des Beschw erde- führers ein vom 22. Juni 2001 datiertes Schreiben an den dam aligen D irektor des BFF m it dem Ersuchen, von einer R ückführung des Beschw erdeführers nach Sri Lanka aus hum anitären G ründen abzusehen, und w andte sich am 25. Juni 2001 m it einem w eiteren Schreiben ähnlichem Inhalts an die dam alige Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ents. Am 3. Juli 2001 erteilte das Bundesam t diesen Anträgen der Arbeitgeberin eine Absage. D er Beschw erdefüh- rer erschien am 22. Juli 2001 nicht zur Ausreise. D . Am 16. M ai 2002 reichte der Beschw erdeführer ein als W iedererw ägungsgesuch bezeichnetes Schreiben beim BFF ein und ergänzte es am 20. Juni 2002 (m it G erichtsakten zu einem Strafverfahren, in w elchem er als O pfer eines tätlichen Angriffs Zeuge w ar) und am 14. O ktober 2002 (m it Arztbericht) sow ie, auf schriftliche Aufforderung des BFF vom 15. M ai 2003 hin, m it einer Stellungnahm e vom 13. Juni 2003, unter Beilegung eines vom 25. M ai 2003 datierten Berichtes seines künftigen Schw iegervaters (ohne die darin erw ähnten Beilagen).3 E. Am 21. N ovem ber 2003 kam das BFF zum Schluss, bei der Eingabe handle es sich um ein R evisionsgesuch, und überw ies sie an die AR K. F. D ie AR K w idersprach m it Schreiben vom 25. N ovem ber 2003 dieser Erkenntnis, lehnte in Anbetracht der langen Verfahrensdauer beim BFF und dessen Instrukti- onsm assnahm en die form lose Ü berw eisung ab und bestand für den Fall eines Festhaltens auf einem form ellen Entscheid. G . M it Verfügung vom 5. D ezem ber 2003 - eröffnet am 9. D ezem ber 2003 – trat das BFF auf das W iedererw ägungsgesuch nicht ein und überw ies die Eingabe vom 16. M ai 2002 als R evisionsgesuch an die AR K. H . D er R echtsvertreter des Beschw erdeführers stellte der AR K eine O rientierungsko- pie eines vom 8. D ezem ber 2003 datierten und an das kantonale M igrationsam t adressierten Schreibens zu, w orin er die Absicht seines M andanten festhielt, die Schw eizerin (...) zu heiraten. I. M it Verfügung vom 12. D ezem ber 2003 setzte der Instruktionsrichter der AR K den Vollzug der W egw eisung aus. J. M it an die AR K adressierten Eingabe vom 7. Januar 2004 liess der Beschw erde- führer eine Beschw erde gegen die Verfügung vom 5. D ezem ber 2003 einreichen. In der Beschw erde w urde um Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Eintre- ten auf das W iedererw ägungsgesuch ersucht. K. M it Verfügung vom 12. Januar 2004 w urde dem Beschw erdeführer Frist zur Leis- tung eines Kostenvorschusses angesetzt. D er Kostenvorschuss in der H öhe von Fr. 1'200.-- w urde am 26. Januar 2004 fristgerecht geleistet. L. Am 10. M ai 2004 führte das dam alige Spruchgrem ium der AR K eine Beratung durch, an w elcher beschlossen w urde, dass der Fall nicht spruchreif und eine Ver- nehm lassung einzuholen sei. M . M it Vernehm lassung vom 30. Juni 2004 schloss das BFF auf Abw eisung der Be- schw erde, w elche Stellungnahm e dem Beschw erdeführer am 6. Juli 2004 zur Kenntnis gebracht w urde. N . Im R ahm en des Ehevorhabens des Beschw erdeführers liess das zuständige Zivil- standsam t diverse Bew eism ittel zur Person des Beschw erdeführers auf ihre Au- thentizität hin überprüfen. D ie eingereichten G eburtsurkunden w urden als echt be- funden. D er Ledigkeitsausw eis konnte nicht bestätigt w erden. Bei der eingereich- ten Identitätskarte vom (...) kam die zuständige Stelle in Sri Lanka zum Schluss, der Ausw eis sei von einer zustndigen Stelle ausgestellt w orden, hingegen könne sie die Foto nicht bestätigen. Sie stelle aber im m erhin diesbezüglich fest, zw ischen der Foto auf einer Identitätskarte des Jahres (...) und derjenige des Jahres (...) bestehe kein grosser U nterschied. O . Aus einem Schreiben des zuständigen Zivilstandsam tes vom 12. April 2005 ging hervor, dass die Ehevorbereitungen noch im m er andauerten. P. D as zuständige Zivilstandsam t überm ittelte dem BFM anfangs Septem ber, beim BFM eingegangen am 12. Septem ber 2006, die bestehenden Identitätsdokum ente und teilte m it, dass das D ossier geschlossen w erde, da die Braut verstorben sei.4 Q . M it Schreiben vom 21. M ai 2007 an den Beschw erdeführer orientierte das Bundes- verw altungsgericht über seine seit Beginn des Jahres bestehende Zuständigkeit für das vorliegende Verfahren. R . M it Schreiben vom 31. M ai 2007 teilte der R echtsvertreter dem Bundesverw al- tungsgericht m it, dass die Verlobte des Beschw erdeführers am (...) verstorben sei, dass am 8. Septem ber 2006 seitens des Zivilstandsam tes in Anerkennung der Echtheit von G eburtsurkunde und Identitätskarte grünes Licht zur H eirat gegeben w orden sei und dass er am 8. M ai 2007 ein G esuch um Erteilung einer hum anitä- ren Aufenthaltsbew illigung eingereicht habe. Ferner erw ähnte er, dass der An- greifer anlässlich des tätlichen Angriffs im (...) der PLO TE (People's Liberation O rganization of Tam il Eelam ) zuzurechnen sei und am (...) zu einer Freiheitsstrafe von (...) M onaten bedingt verurteilt w orden sei, sow ie dass sein M andant im (...) 2006 w ieder O pfer eines tätlichen Angriffs, w elcher allerdings nicht in Verbindung m it politischen Zugehörigkeiten und nicht durch einen Landsm ann erfolgte, gew orden sei. S. M it Schreiben vom 6. Juli 2007 gab der M igrationsdienst des Kantons Bern dem G esuchsteller in Form einer ausdrücklich als nicht beschw erdefähig bezeichneten Verfügung bekannt, dass die Feststellung von Schutz vor Verfolgung (hängiges Verfahren vor Bundesverw altungsgericht) der Feststellung eines H ärtefalles (hän- giges kantonales Verfahren) vorgehe und die Eingabe vom 8. M ai 2007 bei einer m ateriellen Beurteilung w ohl keine reale Erfolgschance hätte, w eshalb das G esuch vom 8. M ai 2007 dem BFM nicht zur Zustim m ung unterbreitet w erden könne. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM (vorm als BFF) gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]) und ist dam it auch zustän- dig für die Behandlung von Beschw erden in W iedererw ägungsverfahren (vgl. die nach w ie vor zutreffende Praxis der AR K in Entscheidungen und M itteilungen der AR K [EM AR K] 2003 N r. 7 E. 2a/aa S. 43). Vorliegend stellt der Entscheid des BFF vom 5. D ezem ber 2003 - N ichteintreten auf das W iedererw ägungsgesuch des Beschw erdeführers w egen Vorliegens eines R evisionsgesuchs - eine Verfügung dar, die m it Beschw erde an das letztinstanzlich zuständige Bundesverw altungs- gericht angefochten w erden kann.5 1.2 D ie AR K w ar bis Ende 2006 für die Beurteilung von Beschw erden gegen Entscheide des BFM zuständig. Per 1. Januar 2007 hat das Bundesverw al- tungsgericht die hängigen R echtsm ittelverfahren übernom m en. D as neue Ver- fahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist dam it - m it der nachstehend er- w ähnten Einschränkung - einzutreten. 3. 3.1 G egenstand des W iedererw ägungsverfahrens vor dem Bundesam t bildeten ent- sprechend der Antragstellung im W iedererw ägungsgesuch nur die Fragen der An- ordnung der W egw eisung und deren Vollzugs. 3.2 N achdem die Vorinstanz den Anspruch des Beschw erdeführers auf Behandlung des W iedererw ägungsgesuchs verneint hat und m it Verfügung vom 5. D ezem ber 2003 auf das G esuch nicht eingetreten ist, beschränkt sich der G egenstand des vorliegenden Beschw erdeverfahrens auf die Frage, ob das BFF zu R echt nicht ein- getreten ist. Bei begründeter Beschw erde ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuw eisen. N icht G egen- stand des vorliegenden Verfahrens ist die Aufhebung der rechtskräftigen Anord- nung der W egw eisung und des rechtskräftigen Vollzugs der W egw eisung des Be- schw erdeführers, w eil sich das BFM im angefochtenen Entscheid zu diesen Fra- gen nicht in m aterieller H insicht geäussert hat; diesbezüglich ist auf die Beschw er- de nicht einzutreten. 3.3 Anfangs 2004 w urde aktenkundig, dass der Beschw erdeführer beabsichtige, eine Schw eizerin zu heiraten (act. 6). D a die Anordnung der W egw eisung und ihres Vollzuges m it einer aufgrund der H eirat zu erteilenden Aufenthaltsbew illigung dahingefallen und das vorliegende Verfahren gegenstandslos gew orden w äre, w urde von der AR K das Ende des H eiratsprozederes abgew artet. 4. 4.1 D er Beschw erdeführer ersuchte in seiner R echtsschrift vom 16. M ai 2002, ergänzt durch Eingaben vom 20. Juni 2002, 14. O ktober 2002 und 13. Juni 2003, um w ie- dererw ägungsw eise Aufhebung der ablehnenden Verfügung des BFF vom 31. Au- gust 2000. Er m achte dabei unter anderem geltend, seit 3. Septem ber 2001 in psychiatrischer Behandlung zu sein. Seinem eingereichten ärztlichen Attest vom 7. April 2002 sei 6 zu entnehm en, dass er sich in einer labilen gesundheitlichen Verfassung befinde. Es sei w egen einer erheblichen und zunehm enden Suizidgefahr m it einer allenfalls klinischen Behandlung zu rechnen. Er sei in der Schw eiz im (...) von einem Lands- m ann und Angehörigen der PLO TE und seinen Kum panen m it M esser und Base- ballschläger angegriffen und dabei verletzt w orden. D etaillierte Angaben zu dieser Auseinandersetzung seien dem eingereichten Arztzeugnis vom (...) zu entnehm en [siehe dort: Angriff (...) auf den Beschw erdeführer, w elcher dabei m ultiple Prellungen und Blutergüsse am Kopf, eine Platzw unde an der Lippe und R ippenprellungen erlitt]. D a die Angehörigen der PLO TE bekannterw eise m it den heim atlichen Behörden kooperierten, befürchte er im Fall einer D enunziation erhebliche N achteile bei einer R ückkehr nach Sri Lanka. D em ärztlichen Bericht vom (...) w ar w eiter zu entnehm en, dass der Beschw erdeführer als Achtzehn- jähriger von den Tam il Tigers im Kriegshandw erk ausgebildet und w ährend zw eier Jahre in einem ihrer Kam pfverbände eingesetzt w orden sei. N achdem er eine Schussverletzung am (...) erlitten habe, habe er sein H eim atland verlassen. Als M itglied der Tam il Tigers und als D eserteur sei sein Leben seitens der Tam il Tigers und der regulären Arm ee ernsthaft bedroht. Er sei nach D eutschland gereist, w o er von 1993 bis 1998 in einer Pizzeria gearbeitet habe. Aufgrund eines Abschiebungsentscheides sei er von den deutschen Behörden in H aft genom m en w orden. Er habe indessen vor seiner Ausschaffung entkom m en können und sei in die Schw eiz gereist. Er habe heute noch panische Furcht vor einer Ausschaffung. M it Schreiben vom 20. Juni 2002 erklärte der Beschw erdeführer unter anderem , er habe vor dem Schw eizer Strafgericht seine Sym pathie und seine Aktivitäten für die LTTE aus Angst verschw iegen, um nicht im schiefen Licht des Terrorism us zu stehen. D em m it dieser Eingabe eingereichten U rteil des zuständigen Kreisge- richts (...) vom (...) ist zu entnehm en, dass einer der Täter w egen w iederholter einfacher Körperverletzung, Tätlichkeit, N ötigung und w iederholter D rohung gegen den Beschw erdeführer schuldig gesprochen und zu (...) M onaten G efängnis unter G ew ährung des bedingten Strafvollzugs auf eine Probezeit von vier Jahren verurteilt w urde. D as G ericht ging bei der Erm ittlung der Bew eggründe davon aus, die O pfer - darunter auch der Beschw erdeführer - hätten den Kopf für Taten hinhalten m üssen, die andere begangen hätten, es sich also um klassische R acheakte im U m feld von rivalisierenden und politisch verfeindeten G ruppierungen aus Sri Lanka gehandelt habe. Aus dem am (...) eingereichten ärztlichen Bericht vom (...) geht zudem hervor, der Beschw erdeführer sei ein ängstlicher und sehr em pfindsam er Patient, der seit dem physischen Angriff in ständiger Angst lebe, unter som atischen Störungen leide und nam entlich in kritischen Situationen in bedrohlich suizidale Panikzustände gerate. Ü ber w eitere Einzelheiten w ird auf die jew eiligen Eingaben des Beschw erdeführers und die eingereichten Atteste verw iesen. 4.2 D as BFF hielt m it Schreiben vom 15. M ai 2003 dem Beschw erdeführer vor, er habe vor der Einreichung des W iedererw ägungsgesuchs in keinem Zeitpunkt des bisherigen Asylverfahrens geltend gem acht, als Käm pfer der LTTE aktiv gew esen und aus deren Kam pfverband geflohen zu sein, seinen Aufenthalt in D eutschland habe er bislang verschw iegen und den G erichtsakten des Strafverfahrens sei nicht zu entnehm en, dass er eine Vergangenheit bei den LTTE gehabt habe, aus w el-7 cher Aktivität der behandelnde Arzt gesundheitliche Problem e für den Beschw er- deführer ableite, und räum te ihm eine Frist zur Stellungnahm e ein. 4.3 D er R echtsvertreter erklärte am 13. Juni 2003, sein M andant habe das unange- m essene Vorgehen der srilankischen Arm ee gegenüber der tam ilischen Bevölke- rung selber erfahren, w eshalb er sich im (...) freiw illig dem m ilitärischen W iderstand angeschlossen habe. N ach einer dreim onatigen Ausbildung in einem C am p der Tam il Tigers sei er in einem ihrer Kam pfverbände eingesetzt w orden. R und ein Jahr später sei er bei einem Schussw echsel m it der (...) Arm ee verletzt w orden. Eine W oche später habe er sich von seinem Kam pfverband unerlaubter- w eise entfernt. Er habe sich in der Folge an m ehreren O rten aufgehalten und dort den Tam il Tigers geholfen, Plakate anzuschlagen. Auf diese W eise habe er den Anschein w ahren w ollen, die Tigers nach w ie vor zu unterstützen. D ie politischen Verbände der Tigers hätten dam als nicht erfahren, dass er desertiert sei, zum al die m ilitärischen Verbände m it G uerillataktik operiert hätten. Im Jahr (...) sei er von Käm pfern der Tigers aufgefordert w orden, zur käm pfenden Truppe zurückzukehren, w as er indessen - auf R at seiner Fam ilie - nicht getan habe. Im Jahr 1993 sei ihm die Ausreise nach D eutschland geglückt. In der Schw eiz habe ihm ein Tam ile em pfohlen, seine Zugehörigkeit zu den LTTE zu verschw eigen. Angehörige der PLO TE in der Schw eiz hätten herausgefunden, dass er bei den Tigers gew esen sei. Er habe seine LTTE-Zugehörigkeit im Strafverfahren nur abgestritten, um keinen W iderspruch zum Asylverfahren und keine w eiteren G e- w alttätigkeiten von seiten der Anhänger der PLO TE entstehen zu lassen. Er be- fürchte, bei einer R ückkehr nach Sri Lanka durch srilankische Sicherheitskräfte und die m it ihr kooperierenden O rganisationen getötet zu w erden. Er fürchte zu- dem die R ache der Tigers w egen der D esertion. 4.4 D as BFF stellte m it Schreiben vom 21. N ovem ber 2003 fest, der Beschw erdeführer stelle in seinem Schreiben vom 13. Juni 2003 keine nachträglich veränderte Sach- lage dar, sondern bringe hauptsächlich revisionsrechtliche G ründe (neue erhebli- che Tatsachen oder Bew eism ittel) vor, w eshalb sich die AR K m it der Angelegen- heit zu befassen habe. M it Verfügung vom 25. N ovem ber 2003 w idersprach die AR K dieser Auffassung und em pfahl unter R ücksendung der Akten, das W iederer- w ägungsverfahren fortzuführen oder im Fall des Beharrens auf der Q ualifikation als R evisionsgesuch eine form elle Erledigung der G esuchs m ittels anfechtbaren N ichteintretensentscheid vorzunehm en. 4.5 M it Verfügung vom 5. D ezem ber 2003 trat das BFF auf das am 16. M ai 2002 und 20. Juni 2002 erhobene W iedererw ägungsgesuch nicht ein und überw ies die Ein- gabe der AR K zur Behandlung als R evisionsgesuch. 4.6 D er Beschw erdeführer hielt in seiner Beschw erde dem BFF sinngem äss entgegen, es habe zu R echt die eingereichten Angaben als neu, indessen letztlich zu U nrecht als neu im Sinne der revisionsrechtlichen Bestim m ungen bezeichnet. So handle es sich bei den geltend gem achten Vorgängen einer D esertion bei den LTTE und einer entsprechenden G efährdung bei einer R ückkehr lediglich um Seinsvorgänge, die schon vor dem U rteil der AR K vom 11. D ezem ber 2000 be- standen hätten. Sein M andant habe diese Tatsachen bis anhin lediglich aus Furcht vor einer Abstem pelung als M itglied einer terroristischen Vereinigung nicht ange- geben, um auf diese W eise seine Asylchancen zu w ahren. Er sei aus einem sub-8 jektiven G rund nicht in der Lage gew esen, seine effektive Vergangenheit bei den LTTE vorzubringen. Aufgrund seiner Vergangenheit (LTTE-Käm pfer, D esertion) sei der Beschw erdeführer bei einer R ückkehr sow ohl seitens der srilankischen Ar- m ee als auch der LTTE gefährdet. Eine R ückkehr aus m edizinischen G ründen könne ihm nicht zugem utet w erden. Zudem habe sich die Suizidgefahr erst nach dem U rteil der AR K vom 11. D ezem ber 2000 entw ickelt, w as sich einer revisions- rechtlichen Beurteilung entziehe. Falls das W iedererw ägungsgesuch als R evisi- onsgesuch zu qualifizieren sei, hätte dies zur Folge, dass das m it einer psychiatri- schen D iagnose begründete G esuch nicht von der zuständigen Behörde beurteilt w erden könne. 5. D er Begriff der W iedererw ägung w ird in m ehrdeutigem Sinn verw endet, w obei im W esentlichen folgende drei Konstellationen erfasst sind: Zurückkom m en der Be- hörde auf einen von ihr erlassenen und unangefochten in R echtskraft erw achse- nen Entscheid, W iderruf eines von ihr erlassenen und unangefochten in R echts- kraft erw achsenen Entscheides zufolge Vorliegens eines R evisionsgrundes, An- passung einer ursprünglichen (fehlerfreien) Verfügung an nachträglich eingetrete- ne Veränderungen der Sachlage (vgl. dazu ausführlich die D arstellung in EM AR K 1995 N r. 21 E. 1c, m .w .H .). Im vorliegenden Fall ist das W iedererw ägungsgesuch in seiner an dritter Stelle ge- nannten Bedeutung gem eint. 6. D as Bundesverw altungsgericht gelangt nachfolgend zum Schluss, dass das BFF auf das W iedererw ägungsgesuch bezogen und beschränkt auf die Prüfung von W egw eisungsvollzugshindernissen hätte eintreten m üssen, w ährend zur blossen Anordnung der W egw eisung, w elche bekanntlich eine gesetzliche N orm alfolge der Asylgesuchsabw eisung darstellt (Art. 44 Abs. 1 AsylG ), seitens des Beschw erde- führers kein Argum ent vorgebracht w orden ist. 6.1 In der hier relevanten Bedeutung bezeichnet die W iedererw ägung die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an nachträglich eingetretene Verände- rungen der Sachlage. D iese Art eines W iedererw ägungsgesuches stellt in diesem Sinne ein ausserordentliches R echtsm ittel dar, auf dessen Behandlung ein An- spruch besteht. 6.2 Einerseits w erden in der Beschw erdeschrift die beim Beschw erdeführer eingetrete- nen m edizinischen G ründe, nam entlich seine Ängste und D epressionen, die zu- nehm ende Suizidgefahr sow ie die som atischen Beschw erden, m ithin die sinnge- m ässe Verschlechterung seines G esundheitszustandes, als die w esentlichen W ie- dererw ägungsgründe bezüglich des W egw eisungsvollzugs genannt. Anderseits w ird in der Begründung des W iedererw ägungsgesuchs sinngem äss ausgeführt, dass auch die U rsachen der m edizinischen G ründe in diese Prüfung des W iederer- w ägungsgesuchs einzubeziehen seien, som it nam entlich: • die nachträglich vorgebrachten Aktivitäten als ein von den LTTE ausgebildeter und erprobter Käm pfer und die daraus entstandenen Spätfolgen; • die D esertion aus dem Kam pfverband der LTTE und ihre Folgen;9 • die sich in der Schw eiz ereigneten gew alttätigen Angriffe von angeblich der PLO TE angehörenden Landsleuten sow ie ihre U rsache und Folgen; • die ursprüngliche Angst des Beschw erdeführers, als M itglied einer terroristischen Vereinigung betrachtet zu w erden, m it der Folge, erhebliche Sachverhaltsteile verschw iegen zu haben. 6.3 W ährend der R echtsvertreter die vorstehenden Behauptungen und Bew eism ittel als neu (entstanden nach der am 11. D ezem ber 2000 eingetretenen R echtskraft der BFF-Verfügung vom 31. August 2000) und als prüfensw ert erachtete, stellte das BFF in der angefochtenen N ichteintretensverfügung schlicht fest, dass es sich um R evisionsgründe handle, ohne diese Behauptung allerdings zu begründen. Auch in der Vernehm lassung verzichtete die Vorinstanz auf eine Begründung. D as zentrale Vorbringen im W iedererw ägungsgesuch ist die durch ärztliche Zeug- nisse belegte Behauptung, der Beschw erdeführer befinde sich seit dem 3. Sep- tem ber 2001 in ärztlicher Behandlung. In seinem Bericht kom m t der Psychiater S. zur Feststellung, dass sich der psychische und körperliche G esundheitszustand des Beschw erdeführers im Verlauf der letzten M onate verschlechtert habe. D am it stellt das Faktum , das - m it w eiteren, später dazugekom m enen U m ständen - nach M einung des Beschw erdeführers zur W iedererw ägung führen solle, zw eifelsfrei eine nachträglich (d.h. nach dem vom 11. D ezem ber 2000 datierenden Eintritt der R echtskraft der Verfügung des BFF) eingetretene Veränderung der Sachlage dar, w elcher in Bezug auf die Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzuges R elevanz zu- kom m en könnte. O hne dass an dieser Stelle die konkrete R elevanz der vom Beschw erdeführer ge- gen die Bejahung der Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs sprechenden Argu- m ente zu analysieren w äre - dies w ird Sache des BFM sein -, ist jedenfalls abs- trakt festzustellen, dass eine schw ere Beeinträchtigung des G esundheitszustan- des und bestehende Suizidalität G rund für eine vorläufige Aufnahm e darstellen kann (vgl. die w eiterhin gültige Praxis der AR K in EM AR K 2003 N r. 17 E. 4-6, N r. 18 E. 8, N r. 24 E. 5, 2005 N r. 23 E. 5). D ie U rsachen der psychischen Problem e des Beschw erdeführers - in w elchen die Vorinstanz offenbar das M otiv für die An- nahm e eines R evisionsgesuches gesehen hat - sind dabei durchaus von einer ge- w issen Bedeutung und sollen, sow eit m öglich, erforscht w erden. D er entscheiden- de Aspekt bei der Erm ittlung der Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs ist aller- dings nicht, w eshalb die psychische oder physische G esundheit beeinträchtigt ist, zum al sich D epressionen kaum je m onokausal erklären lassen, sondern ob dies der Fall ist und bejahenderw eise ob der G esundheitszustand eine R ückkehr unzum utbar m acht. Bei der Feststellung, ob der heutige G esundheitszustand des Beschw erdeführers einen W egw eisungsvollzug unzum utbar erscheinen lässt, w ird die Vorinstanz auch anderen Zum utbarkeitskriterien, w ie den in der Schw eiz erlittenen Ereignissen - w iederholte Bedrohung und Beeinträchtigung der körperlichen Integrität durch Landsleute im Jahre (...), Verlust seiner Braut durch Tod im (...) 2006 nach einem sich über zw eieinhalb Jahre hinziehenden zivilstandsam tlichen Verifikations- prozedere, physischer Angriff durch einen D isco-Besucher Ende (...) 2006 m it der angeblichen Folge w eitgehender Erblindung des einen Auges - sow ie der R e-10 integrationsproblem atik in Sri Lanka nach einer 9- bzw . 14-jähriger Landesabw e- senheit, gebührend R echnung zu tragen haben. D as BFF hätte m ithin auf die Q ualifikation der Eingabe des rechtskundigen R echtsvertreters und auf dessen Anträge in dessen R echtsschrift abstellen m üs- sen; im vorliegenden Fall hat denn auch der R echtsvertreter im W iedererw ägungs- gesuch ausdrücklich um w iedererw ägungsw eise Aufhebung der W egw eisungsver- fügung und die Anordnung der vorläufigen Aufnahm e ersucht. Som it bleibt kein R aum für die Prüfung der Begehren unter dem Titel eines R evisionsgesuchs, zu dem er ohnehin (im R ahm en einer Anfrage) die Zustim m ung hätte geben m üssen. 6.4 Som it sind erhebliche G ründe dargetan, die unter dem Titel eines W iedererw ä- gungsgesuchs in m aterieller H insicht hätten geprüft w erden m üssen, w eshalb das BFF in der Verfügung vom 5. D ezem ber 2003 unzutreffend davon ausgegangen ist, das G esuch erw eise sich als R evisionsgesuch. U nter diesen U m ständen ist das BFF zu U nrecht auf das W iedererw ägungsgesuch nicht eingetreten. 6.5 Zusam m enfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschw erdeführer gelungen ist, eine w iedererw ägungsw eise zu prüfende veränderte Sachlage und eventuell das Vorliegen neuer erheblicher Tatsachen oder Bew eism ittel darzutun. Aufgrund der vorstehenden Erw ägungen kann davon abgesehen w erden, auf die w eiteren Aus- führungen in der Beschw erde im Einzelnen einzugehen. 7. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht verletzt (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist daher insow eit gutzuheissen, als im H auptantrag die Aufhebung dieser Verfügung beantragt w ird. Im Ü brigen ist auf die Beschw erde nicht einzutreten. D ie angefochtene BFF-Verfügung ist som it aufzuheben und die Akten sind an das neu zuständige BFM zum m ateriellen Ent- scheid über das W iedererw ägungsgesuch vom 16. M ai 2002 und die in der Folge dazu eingereichten Ergänzungen zu überw eisen. Bei diesem Ausgang entfällt die Prüfung der Eingabe als R evisionsgesuch. 8. 8.1 Einer obsiegenden Partei w erden in der R egel keine Verfahrenskosten aufzuerle- gen sein, es sei denn, sie habe diese durch Verletzung von Verfahrenspflichten verursacht (vgl. Art. 63 Abs. 3 Vw VG ). Im vorliegenden Fall sind keine solche An- zeichen erkennbar. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschw erdeführer keine Verfahren- skosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 3 Vw VG sow ie Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 2 und 3 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). Bei dieser Sachlage ist der am 26. Januar 2004 geleistete Kostenvorschuss in der H öhe von Fr. 1'200.-- dem Beschw erdeführer zurückzuerstatten. 8.2 D ie Beschw erdeinstanz kann der ganz oder teilw eise obsiegenden Partei von Am - tes w egen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erw achsene notw endige und verhältnism ässig hohe Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 Vw VG ; Art. 7 des 11 R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D er Beschw erdeführer ist vertreten und hat im vorliegenden Verfahren obsiegt. Sein R echtsvertreter hat von der Einreichung einer H onorarnote abgesehen. Infolgedessen ist der Aufw and von Am tes w egen festzulegen (vgl. Art. 14 Abs. 2, in fine VG KE). In Anw endung der vorgenannten Bestim m ungen sow ie unter Berücksichtigung der m assgeblichen Bem essungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VG KE) ist die vom BFM auszurichtende Partei- entschädigung auf insgesam t Fr. 300.-- (inkl. M W St und Auslagen) festzusetzen. (D ispositiv nächste Seite)12 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen, sow eit darauf eingetreten w ird. D ie Verfügung des BFF vom 5. D ezem ber 2003 w ird aufgehoben. 2. D as BFM w ird im Sinne der Erw ägungen angew iesen, auf das am 16. M ai 2002 gestellte W iedererw ägungsgesuch einzutreten und es in m aterieller H insicht zu be- urteilen. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. D er am 26. Januar 2004 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- w ird dem Be- schw erdeführer zurückerstattet. 5. D as BFM w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 300.-- zu entrichten. 6. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter des Beschw erdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N _______; Kopie) - E._______ (Kopie) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: W alter Stöckli Thom as H ardegger Versand am : 13