Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. September 2016 (725 16 154 / 254) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Beweiswürdigung: Es bestehen Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der von der Beschwerdegegnerin eingeholten und als massgebl ich erachteten versicherungsin- ternen Beurteilung, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann und stattdessen ergän- zende Abklärungen vorzunehmen sind Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Yves Thommen, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Visana Versicherungen AG , Weltpoststrasse 19, Postfach 253 , 3000 Bern 15, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1970 geborene A.____ ist seit 1. Januar 2010 als kaufmännische Mitarbeiterin bei B.____ angestellt und durch die Arbeitgeberin bei der Visana Versicherungen AG (nachfolgend: Visana) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Mit “Ba- gatell-Unfallmeldung UVG“ vom 21. März 2012 liess A.____ der Visana durch ihre Arbeitgeberin melden, dass sie am 8. März 2012 beim Spielen mit i hrem Sohn ausgerutscht und rückwärts Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die rechte Schulter gefallen sei. Dabei habe sie sich die rechte Schulter verrenkt. Die Visa- na erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (H eilbehandlung) im Zusammenhang mit diesem Ereignis, wobei sie allerdings am 24. September 2012 die von der Versicherten bean- tragte Kostenübernahme von Osteopathiebehandlungen mit der Begründung ablehnte, dass es sich bei diesen um keine Pflichtleistungen nach UVG handeln würde. Im August 2014 reichte die Versicherte der Visana neue R echnungen ihres behandelnden Chi- ropraktors ein. Nachdem die Visana diese als Rückfallmel dung zum Unfall vom 8. März 2012 entgegen genommen und ihre Leistungspflicht unter die sem Titel geprüft hatte, entschied sie mit Verfügung vom 4. März 2015, dass „für den gemeldet en Rückfall zum Ereignis vom 08.03.2012 kein Anspruch auf Versicherungsleistungen au s der obligatorischen Unfallversiche- rung besteht.“ Gegen diese Verfügung erhob A.____ Ei nsprache, welche die Visana jedoch mit Einspracheentscheid vom 19. April 2016 abwies. In ihrer Begründung gestand die Visana der Versicherten einzig zu, dass man in der angefochtenen Ve rfügung zu Unrecht von einem Rück- fall ausgegangen sei. Zur Beurteilung stünden vielmeh r (weitere) Leistungsansprüche der Ver- sicherten aus dem Grundfall. Die entsprechende Prüfung führe aber ebenfalls zum Ergebnis, dass man eine Leistungspflicht für die geltend gemachten, ab Februar 2014 ärztlich behandel- ten Beschwerden zu Recht verneint habe, denn diese seien mit überwiegender Wahrscheinlich- keit nicht mehr auf das Ereignis vom 8. März 2012 zurückzuführen. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 8. Mai 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht). Darin beantragte sie sinngemäss, es sei der angefochtene Einspracheentscheid a ufzuheben und es seien ihr die ihr zustehenden Versicherungsleistungen auszurichten. C. In ihrer Vernehmlassung vom 24. Juni 2016 beantra gte die Visana die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in C.____ (BL), weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsge- richts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Auf die - im Übrigen frist- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 8. Mai 2016 ist demnach einzu- treten. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 2.2 Art. 11 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 hält fest, dass Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt werden. Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern e iner vermeintlich geheilten Krank- heit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähig- keit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinba r geheiltes Leiden im Verlaufe län- gerer Zeit organische oder psychische Veränderungen bewir kt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können. Rückfälle und Spätfolge n schliessen somit begrifflich an ein be- stehendes Unfallereignis an (Kranken- und Unfallversicher ung - Rechtsprechung und Verwal- tungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). 2.3 Im August 2014 hatte die Versicherte der Beschwerde gegnerin neuere Rechnungen des behandelnden Chiropraktors eingereicht. Die Visana nahm diese als Rückfallmeldung zum Unfall vom 8. März 2012 entgegen und prüfte ihre Lei stungspflicht unter diesem Titel. Gestützt auf ihre Abklärungen lehnte sie mit Verfügung vom 4. März 2015 weitere Leistungsansprüche der Versicherten ab. In der Folge gelangte die Visana im angefochtenen Einspracheentscheid vom 19. April 2016 jedoch nach nochmaliger Würdigung de r Akten zur Auffassung, dass vorlie- gend nicht von einem Rückfall ausgegangen werden könne . Die (weitere) Leistungspflicht sei stattdessen unter dem Titel des “Grundfalls“ zu beurteile n. Diese neue, auf den Vorbringen der Versicherten in der Einsprache vom 30. März 2015 beruhen de Betrachtungsweise der Visana erweist sich als zutreffend. Mit der Beschwerdegegnerin ist deshalb festzuhalten, dass vorlie- gend nach wie vor Leistungsansprüche der Versicherten a us dem Grundfall zur Beurteilung stehen. 3. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist somit, ob d ie Visana zu Recht entschieden hat, dass die von der Versicherten geltend gemachten, ab Febr uar 2014 ärztlich behandelten Be- schwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr auf das Ereignis vom 8. März 2012 zurückzuführen seien. 3.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt - unter anderem - vor- aus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetre tenen Schaden (Krankheit, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr oblieg enden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.2 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (Kranken- und Unfallversicherung - Re chtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenh ang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines G esundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- keit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewi esen sein. Die blosse Möglichkeit nun- mehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfa lles genügt nicht. Da es sich hier- bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, li egt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu sammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (S ozialversicherungsrecht - Recht- sprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Bewe is des Wegfalls des Kausalzusammen- hangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Bewei s zu verlangen, dass kein Gesund- heitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nu n bei voller Gesundheit sei. Ent- scheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeu- tung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil P . des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der Feststellung natürlicher Kausalzu- sammenhänge im Bereich der Medizin - ist die rechtsanwen dende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinw eisen). Das Gericht hat diese medizini- schen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsproz ess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bin- dung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeu- tet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver- lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatt en. Insbesondere darf es bei einan- der widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Be weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belan ge umfassend ist, auf allseitigen Un- tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil A. des Bundesgerich ts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5.1 Die Beschwerdegegnerin legte die medizinischen Akten des vorliegenden Falles an- fangs 2015 ihrem beratenden Arzt Dr. med. D.____, All gemeine Innere Medizin FMH, vor und ersuchte ihn um Beurteilung der Frage, ob die von der Versicherten aktuell geltend gemachten Beeinträchtigungen mit überwiegender Wahrscheinlichkei t zumindest als Teilursache auf das Ereignis vom 8. März 2012 zurückzuführen seien. In seiner Stellungnahme vom 7. Januar 2015 verneinte Dr. D.____ dies mit der Begründung, dass beim fraglichen Ereignis keine unfallkausa- le strukturelle Läsion diagnostiziert worden sei. Die gel tend gemachten Brückensymptome sei- en während ca. 3 1/4 Jahren nicht ärztlich/chiropraktisch dokumentiert worden. Myogelosen und Funktionsstörungen im zervikothorakalen Bereich könnten je derzeit auch ohne Unfallereignis auftreten oder rezidivieren. Gestützt auf diese Einschätzu ng des beratenden Arztes erliess die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdegegnerin am 4. März 2015 die dem vorliegende n Verfahren zu Grunde liegende Verfügung, mit welcher sie entschied, dass „für den gemel deten Rückfall zum Ereignis vom 08.03.2012 kein Anspruch auf Versicherungsleistungen au s der obligatorischen Unfallversiche- rung besteht.“ 5.2 Im Rahmen des Einspracheverfahrens holte die Beschw erdegegnerin weitere medizi- nische Unterlagen ein, unter anderem Berichte des beha ndelnden Chiropraktors Dr. med. E.____ und der F.____-Physio, und sie zog bei Dr. E.___ _ die Krankengeschichte der Versi- cherten bei. Zudem liess sie beim Institut G.____ ein MRT der HWS und eine MR-Arthrographie des Schultergelenks rechts durchführen. Gemäss den Berich ten von Dr. med. H.____, Radiolo- gie FMH, vom 18. Februar 2016 habe das MRT der HWS ei ne mässig ausgeprägte Osteo- chondrose und Unkovertebralarthrose auf Höhe HWK 5/6 und im Seitenvergleich eine geringe Einengung des Neuroforamens rechts gegenüber links aufgru nd der Unkovertebralarthrose ge- zeigt. Die MR-Arthrographie des Schultergelenks rechts ha be einen interstitiellen Sehnenriss der Supraspinatussehne direkt auf Höhe des Ansatzes am Tu berculum majus mit einer Breite von 5 mm ergeben. 5.3 Nach Erhalt dieser Berichte von Dr. H.____, Insitut G.____, legte die Beschwerdegeg- nerin das gesamte Dossier ihrem beratenden Arzt Dr. med . I.____, Orthopädische Chirurgie FMH, zur Prüfung der Unfallkausalität der aktuell gel tend gemachten Beschwerden vor. In sei- ner Beurteilung vom 29. März 2016 hielt Dr. I.____ fest, dass das Ereignis vom 8. März 2012 zu Schmerzen an der rechten Schulter und der oberen Wirbelsäule geführt habe. Auf die Frage, ob das Ereignis allenfalls einen Vorzustand verschlimmert hab e, wies er darauf hin, dass die Ver- sicherte gemäss den vorliegenden Akten bereits seit 2004 i n chiropraktischer Behandlung ge- standen habe und dass dabei wiederholt auch die obere Wirbelsäule und die rechte Schulter therapiert worden seien. Das Ereignis habe nicht zu ein er makrostrukturellen Veränderung im traumatisierten Bereich im Sinne einer richtunggeben den Verschlimmerung geführt. Es sei vielmehr von einer vorübergehenden Verschlimmerung des bereits zuvor bestehenden schmerzhaften Zustandes durch das Ereignis vom 8. März 2012 auszugehen. Die Frage, ob die aktuell geltend gemachten Beschwerden noch zumindest teil weise auf das Ereignis zurückzu- führen seien, verneinte Dr. I.____. Gemäss den zeitnahe n Unterlagen sei bereits am 8. Juni 2012 der Abschluss der chiropraktischen Behandlung nach de m Ereignis vom 8. März 2012 erfolgt. Über die anschliessend offenbar durchgeführte n (wenigen) osteopathischen Sitzungen würden keine näheren Angaben vorliegen und eine erneute chiropraktische Behandlung sei erst im Frühjahr 2014 wieder aufgenommen worden. Eine Br ückensymptomatik sei somit nicht do- kumentiert und ein Zusammenhang zwischen der erneuten B ehandlung und dem ursprüngli- chen Ereignis sei somit überwiegend wahrscheinlich auszusch liessen. Viel eher sei die neue Behandlung aufgrund der gleichen Problematik durchgef ührt worden, wie sei bereits seit 2004 dokumentiert sei. Auf die abschliessende Frage, seit wan n die Beeinträchtigungen ausschliess- lich ereignisfremd seien bzw. seit wann der status quo a nte oder der status quo sine erreicht sei, hielt Dr. I.____ fest, mit dem Behandlungsabschlu ss am 8. Juni 2012 sei überwiegend wahrscheinlich der morphologische status quo sine erreicht worden. Durch die im Februar 2016 durchgeführten MRT der HWS und der rechten Schulter habe dann auch objektiv belegt werden Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht können, dass das Ereignis vom 8. März 2012 nicht zu dauerhaften strukturellen Veränderungen geführt habe. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stütze sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 19. April 2016 bei der Beurteilung der Unfallkausalit ät der von der Versicherten geltend ge- machten, ab Februar 2014 ärztlich behandelten Beschwerde n vollumfänglich auf diese Beurtei- lung von Dr. I.____ vom 29. März 2016. Sie entschied deshalb, dass man in der angefochtenen Verfügung eine Leistungspflicht für diese Beschwerden zu Recht verneint habe, da diese mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr auf das Er eignis vom 8. März 2012 zurückzufüh- ren seien. Wie oben ausgeführt, ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass ein Versiche- rungsträger seinen Entscheid auf medizinische Unterlage n stützt, die er versicherungsintern eingeholt hat. In solchen Fällen sind jedoch strenge A nforderungen an die Beweiswürdigung zu stellen und zwar in dem Sinne, dass bei auch nur gering en Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellu ngen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (vgl. E. 4.2 hiervor und die dortigen H inweise auf die entsprechende bun- desgerichtliche Rechtsprechung). 6.2 Vorliegend ergeben sich nun allerdings Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig- keit der von der Beschwerdegegnerin als massgebend erac hteten versicherungsinternen ärztli- chen Feststellungen. Die Versicherte beanstandet in ihre r Beschwerde vom 8. Mai 2016, dass weder die Beschwerdegegnerin in ihrem Einspracheentsch eid vom 19. April 2016 noch Dr. I.____ in seiner Beurteilung vom 29. März 2016 de n im MRI des Instituts G.____ vom 18. Februar 2016 diagnostizierten “5 mm-Sehnenriss“ erw ähnen würden. Dieser Einwand er- weist sich als berechtigt und es ist denn auch schlicht nich t nachvollziehbar, weshalb Dr. I.____ diesen radiologischen Befund in seiner Beurteilung mi t keinem Wort erwähnt. Dies ist umso erstaunlicher, als der betreffende Sehnenriss im Bericht von Dr. H.____ vom 18. Februar 2016 über die MR-Arthrographie des rechten Schultergelenks ni cht etwa nur am Rand - im Sinne eines “marginalen“ Nebenbefundes - erwähnt wird. Es ko mmt ihm innerhalb des Berichts viel- mehr ein ganz erheblicher Stellenwert zu, weist Dr. H. ____ doch an zentralen Stellen, nämlich sowohl im Abschnitt “Befund“ als auch in der “Beurteilu ng“ ausdrücklich auf diesen interstitiellen Sehnenriss der Supraspinatussehne hin. Vor diesem Hinter grund muss sich Dr. I.____ den Vorwurf gefallen lassen, dass er sich bei der Erstellung seiner Beurteilung vom 29. März 2016 - wenn überhaupt - nur sehr oberflächlich mit den auf V eranlassung der Beschwerdegegnerin beim Institut G.____ eingeholten Aufnahmen und den d azugehörenden Berichten befasst hat. Somit liegen aber nicht unerhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und demzufolge auch an der Zuverlässigkeit und der Schlüssigkeit der betreffenden versi cherungsinternen Beurteilung vom 29. März 2016 vor. Dieser kann demnach kein ausschlaggebe nder Beweiswert beigemessen werden. 6.3 An diesem Ergebnis ändert auch die von der Beschwerde gegnerin im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens eingeholte und zu den Akten gegebene nachträgliche Stel- lungnahme von Dr. I.____ vom 31. Mai 2016 nichts. In Anbetracht der Vorbringen der Versi- cherten in ihrer Beschwerde hat die Beschwerdegegnerin - im Hinblick auf die Ausarbeitung ihrer Vernehmlassung - Dr. I.____ ersucht, nachträglich zur Unfallkausalität des festgestellten Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht “interstitiellen Sehnenrisses der Supraspinatussehne“ St ellung zu nehmen. Dieser Aufforderung ist der beratende Arzt mit dem erwähnten Bericht vom 31 . Mai 2016 nachgekommen. Darauf kann nun aber vorliegend nicht abgestellt werden. Die entsprechende Auseinandersetzung mit der Frage der Unfallkausalität des Sehnenrisses hätte in Anbetracht des erheblichen Stellen- wertes, der diesem Befund im Bericht von Dr. H.____ v om 18. Februar 2016 zugekommen ist, zwingend Gegenstand der vor Erlass des Einspracheentscheids ve rfassten ersten fachärztli- chen Beurteilung vom 29. März 2016 bilden müssen. Da d ie nachträgliche Stellungnahme zu dieser Thematik einzig aufgrund der in der Beschwerde e rhobenen berechtigten Kritik der Ver- sicherten eingeholt worden ist, muss zumindest die Frage erlaubt sein, ob der beratende Arzt die nachträgliche Beurteilung (noch) mit der erforderlichen Unvoreingenommenheit hat abgeben können. Da auch in Bezug auf diese Frage bereits gerin ge Zweifel genügen, um ergänzende Abklärungen vornehmen zu lassen, rechtfertigt es sich, die nachträgliche Stellungnahme von Dr. I.____ vom 31. Mai 2016 bei der Würdigung des mass gebenden medizinischen Sachver- halts unberücksichtigt zu lassen. 6.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass vorliegen d Zweifel an der Zuverlässig- keit und Schlüssigkeit der von der Beschwerdegegnerin ein geholten und als massgeblich er- achteten versicherungsinternen Beurteilung von Dr. I.____ bestehen. Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 4.2 hiervor) kann bei diesem Beweisergebnis ni cht auf die betreffende versicherungsin- terne Beurteilung abgestellt werden und es sind stattde ssen ergänzende Abklärungen vorzu- nehmen. Der angefochtene Einspracheentscheid ist deshalb aufzuheben und die Angelegenheit ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird die Frage der Unfallkausalität der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Schulterbe schwerden rechts durch einen ver- sicherungs externen Facharzt gutachterlich abklären zu lassen haben. Anschlie ssend wird sie gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung über den Leistungsanspruch der Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Hebt das Kantonsgericht einen be i ihm angefochtenen Einspracheent- scheid auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an den Versichere r zurück, so gilt in prozessualer Hin- sicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) ob siegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinwei sen). Demnach ist die Beschwerdeführerin vorliegend zwar obsiegende Partei, da sie jedoch ihre A ngelegenheit selber vor Gericht vertre- ten hat, entfällt ein Anspruch auf Ersatz der Parteikoste n im Sinne der genannten Bestimmung. Die ausserordentlichen Kosten des Verfahrens können demnach wettgeschlagen werden. 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 9 3 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid der Visana Versicherungen AG vom 19. April 2016 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren A bklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfü gung an die Visana Versicherungen AG zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht