Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Juli 2019 (720 19 112 / 169) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rentenrevision / Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin i.V. Evelyne Frey Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Axel Delvoigt, Advo- kat, St. Johanns-Vorstadt 23, Postfach 1328, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1967 geborene A.____ brach ihre erste Ausbildu ng als kaufmännische Angestellte nach eineinhalb Jahren ab und ging seither verschiedenen Erwerbstätigkeiten (u.a. Büroarbeiten, Zeitungen austragen, Reinigungshilfe) nach. Am 16. Oktober 1997 meldete sie sich unter Hinweis Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf eine Diskushernie erstmals bei der Eidgenössischen Inva lidenversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug an. Die Invalidenstelle Basel-Landschaft (IV -Stelle) lehnte mit Verfügung vom 24. Januar 2000 einen Rentenanspruch unter Verweis auf einen Invaliditätsgrad von 30 % ab. A.2 Insbesondere aufgrund von zwei Ereignissen (Tod ihre s Pferdes im Jahr 2011 und Unfall des Sohnes im September 2012) verschlechterte sich ihr Gesu ndheitszustand. Infolgedessen meldete sich A.____ am 22. Oktober 2012 (Eingang) erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Zur Begründung wies sie auf eine Traumafolgestörung, Depressionen und Gedächtnisverlust hin. Mit Verfügung vom 19. November 2013 sprach ihr die IV-Stelle rückwirkend ab 1. April 2013 eine ganze Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 100 % zu. A.3 Anfangs September 2014 leitete die IV-Stelle ei ne Revision der Invalidenrente von Am- tes wegen ein. Nach Einholen eines bidisziplinären Gutachtens bei Dr. B.____, FMH Neurologie, und Dr. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, sowie nach Durchführung des Vorbe- scheidverfahrens setzte sie die ganze Rente mit Verfügung vom 27. Februar 2019 auf eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 50 % herab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Axel Delvoigt, mit Eingabe vom 1. April 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Land schaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die Verfügung der IV-Stelle vom 27. Februar 2019 aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihr über den 1. April 2019 hinaus eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualit er sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen; unter o/e-K ostenfolge. In prozessualer Hinsicht be- antragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Proze ssführung und Verbeiständung. Zur Be- gründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass sich ihr Ge sundheitszustand nicht verbessert, sondern verschlechtert habe und dass das Gutachten von Dr. C.____ nicht den bundesgerichtli- chen Anforderungen an eine medizinische Beweisgrundlage entspreche. C. Mit Verfügung vom 12. April 2019 bewilligte das K antonsgericht die unentgeltliche Pro- zessführung und Verbeiständung mit Advokat Dr. Axel Delvoigt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 15. Mai 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung verwies sie auf die beigelegte Stellungnahme von Dr. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dien st beider Basel (RAD), vom 15. Mai 2019. E. In ihrer Eingabe vom 11. Juni 2019 nahm die Beschw erdeführerin zum RAD-Bericht Stellung und legte ihr die E-Mail-Korrespondenz mit Dr. E.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, vom 21. und 27. Mai 2019 bei. Die IV-Stelle verzichtete mit Schreiben vom 18. Juni 2019 auf eine Stellungnahme. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Be- schwerde vom 1. April 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgese tzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län- gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im Bereich der Invaliden- versicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung u nd Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten au f dem in Betracht kommenden allge- meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens der Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu be- rücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwar- tet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinwei- sen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheitsbe einträchtigung verursachten Er- werbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Ve rwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – sogar für die Gesell- schaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalidi tätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein- tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizi nischen Behandlung und allfälliger Einglie- derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be i ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einan der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflus- sen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente unter anderem revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen in Bezug auf die Betätigung im üblichen Auf- gabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen; vgl. auch: BGE 117 V 199 E. 3b mit weiteren Hinweisen; RUDOLF RÜEDI , Die Verfügungsanpassung als verfahrensrechtliche Grund figur namentlich von Invalidenrentenrevisionen, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg .], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 16 f.). 3.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu einer materiellen Revision. Bloss auf einer anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhebliche Differenzen sind daher von revisi- onsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugrenzen. Eine ärztliche Schlussfolgerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht ver- ändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (Urteil des Bun desgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 3.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab- klärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkomm ensvergleichs beruht (BGE 133 V Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 7 ff. E. 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle der Beschwerde- führerin mit Verfügung vom 19. November 2013 rückwirken d ab 1. April 2013 eine Viertelsrente zu. Bis zum folgenden Revisionsverfahren beginnend im Jah r 2014 erfolgte keine weitere Prü- fung. Somit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen einge- treten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der bis an hin ausgerichteten Rente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen (auf einer vollständigen materiellen Anspruchsprüfung beruhenden) Rentenverfügung vom 19. November 2013 bestan- den hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 27. Februar 2019. 4. Im Folgenden ist demnach zu prüfen, ob und inwief ern sich der Gesundheitszustand und – damit einhergehend – der Grad der Arbeitsunfähigkei t der Beschwerdeführerin seit der Renten- zusprache am 19. November 2013 in anspruchserheblicher Weise verändert hat. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in w elchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahre ns eingeholten Gutachten externer Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs- sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper tise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.4 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedi- zinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslau- tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben F älle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4.5 Bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen S achverhaltes in Revisionsfällen im Sinne des Art. 17 ATSG ist überdies Folgendes zu beachten: Da die Feststellung einer revisi- onsbegründenden Veränderung durch eine Gegenüberstellung eines vergangenen und des ak- tuellen Zustandes erfolgt, bildet Gegenstand des Beweis es das Vorhandensein einer entschei- dungserheblichen Differenz in den – den medizinischen Gu tachten zu entnehmenden –Tatsa- chen. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt folglich wesent- lich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) des Sach- verhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet voll ständigen, nachvollziehbaren und schlüssi- gen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenbe- rechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, w enn sich die (von einer früheren abwei- chende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Ver- änderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vorb ehalten bleiben Sachlagen, in de- nen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben (Urteile des Bun- desgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2, und vom 26. März 2015, 9C_710/2014, E. 2). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands der Beschwerde führerin liegen zahlreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht allesamt g ewürdigt wurden. Im Folgenden sollen indessen lediglich diejenigen Gutachten und Berichte wi edergegeben werden, welche sich für den vorliegenden Entscheid als zentral erweisen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Zum Zeitpunkt der ersten Verfügung vom 19. November 2013, worin die IV-Stelle der Beschwerdeführerin rückwirkend per 1. April 2013 eine ganze Invalidenrente zusprach, lagen die folgenden medizinischen Unterlagen vor: 6.1.1 Dr. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, un d Prof. Dr. G.____, FMH Neurolo- gie, beschreiben in ihrer psychiatrischen second opinion vom 12. Juli 2012 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode im Rahmen einer re- zidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F 33.1) und deutliche Hinweise auf ein Aufmerksam- keitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) (ICD-10: F 90.0 ). Hier sei differentialdiagnostisch auch eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10: F 60.3) zu er- wägen. Sowohl in der angestammten als auch in einer a ngepassten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine schrittweise Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit in 25%igen Schritten pro Monat in einer angepassten Tätigkeit sei a ls erreichbar anzusehen und auch aus therapeutischen Gründen erstrebenswert (Selbstwertgefühl, Tagesstruktur). 6.1.2 Der damalige Psychiater der Beschwerdeführerin, D r. I.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, stellt in seinem Bericht vom 14. November 2012 fast die gleichen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wie Dr. F.____: Es bestehe ein Erschöpfungssyndrom (ICD- 10: F 48.0), eine rezidivierende depressive Störung, ge genwärtig mittelgradige depressive Epi- sode (ICD-10: F 33.1), ein ADHS (ICD-10: F 90.0) und als Differenzialdiagnose der Verdacht auf eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10: F 60.3). Im Verlauf der Behandlung habe der Sohn der Patientin einen Un fall mit lebensbedrohlichen Verletzungen erlitten. Dadurch sei es bei ihr zu einer Exazerbation der Symptomatik gekommen, so dass heute davon auszugehen sei, dass sich die Symptomatik im Verlauf eher verschlechtert habe. Während des gesamten Gesprächs sei sie auffällig unruhig, nervös un d logorrhoisch gewesen. Ihre Kon- zentration und Merkfähigkeit seien deutlich reduziert. Seit dem 1. April 2012 sei sie in ihrer ange- stammten Tätigkeit bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Längerfristig sollte zumindest eine Teilzeitarbeitsfähigkeit wiedererlangt werden können. 6.1.3 In der psychiatrischen second opinion von Dr. E.____ , und Prof. Dr. G.____ vom 26. Februar 2013 wird eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1) diagnostiziert. Während der Untersuchung habe die Beschwerdeführerin geschildert, dass es ihr infolge von zwei Ereignissen (Tod ihres Pferdes und Unfall ihres So hnes) gesundheitlich massiv schlechter gehe. Im Gespräch sei sie zunächst deutlich angespannt u nd motorisch unruhig gewesen, was sich im Verlauf der Untersuchung dann gebessert habe. Da s formale Denken sei weitschweifig, sprunghaft und sie habe Mühe mit der Strukturierung des Gedankenablaufs. Teilweise seien Er- klärungen aus einem mehrseitigen Schriftstück abgelesen w orden. Die Ärzte kommen zum Schluss, dass der aktuelle psychische Befund derart ausgepr ägt und instabil sei, dass eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jedweder Tätigkeit best ehe. Mithilfe einer Therapie-Optimierung sei eine schrittweise Wiedererlangung der Arbeitsfähig keit in 25%igen Schritten pro Monat mit Beginn in ungefähr drei Monaten (ab Anfang Juni 2013) zu erwarten. 6.1.4 Im Bericht der K.____, vom 24. April 2013 betre ffend die neuropsychologischen und me- dizinischen Untersuchungen vom Februar 2013 werden als D iagnosen eine mittelschwere neu- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ropsychologische Störung, eine posttraumatische Reaktion sowie schädlicher Gebrauch von mul- tiplen Substanzen, Schlafstörung und chronische Kopfschmerzen beschrieben. Hinweise auf ein neurogeneratives Geschehen würden zum aktuellen Zeitpunkt keine vorliegen. 6.1.5 Im Bericht vom 5. September 2013 bestätigt Dr. J.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, RAD, dass die 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit April 2012 bestehe. 6.2.1 Im September 2014 leitete die IV-Stelle sodann eine Rentenrevision ein. Ende 2015 be- auftragte sie Dr. E.____ mit der Erstellung eines Berichts. Dieser diagnostiziert am 14. April 2016 eine chronifizierte posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F 43.2), bestehend seit der Kind- heit. Das Verhalten und Auftreten der Beschwerdeführer in beschreibt Dr. E.____ so wie in der second opinion vom 26. Februar 2013. Er folgert darau s, dass der aktuelle psychische Befund derart ausgeprägt und instabil sei, dass eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestehe. Mittels Therapiefortführung sei ein e schrittweise Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit grundsätzlich erreichbar. Einer ange passten Tätigkeit könne die Patientin wäh- rend zwei Stunden pro Tag nachgehen. Ab 1. Januar 2017 könne zudem mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit auf 40 % gerechnet werden. 6.2.2. Zwecks weiterer Abklärung des Gesundheitszustandes d er Beschwerdeführerin beauf- tragte die IV-Stelle in der Folge Dr. B.____ und Dr. C.____ mit der Erstellung eines bidisziplinären Gutachtens. 6.2.2.1 In seinem neurologischen Gutachten vom 5. August 2016 erwähnt Dr. B.____ als Diag- nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronisch inflammatorische Polyneuropathie (CIPD)/Lewis-Sumner-Syndrom mit Erstdiagnose im Juni 2015, ein leichtes rechtsbetontes unte- res Cervicalsyndrom und ein leichtes bis mässiges, oberes Thoracovertebralsyndrom. Anlässlich der Untersuchung hätten sich keine Hinweise auf kognitive Defizite ergeben und es seien auch keine Ermüdungserscheinungen zu beobachten gewesen. Eb enso wenig würden Hinweise auf eine neurodegenerative Erkrankung vorliegen. Jedoch sei die Explorandin aufgrund ihrer Wirbel- säulenprobleme, der sensomotorischen Defizite im Bereich beider Arme und möglicherweise auch der Beine in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschrän kt. Zumutbar seien körperlich leichte Tätig- keiten ohne repetitive Tätigkeiten über Schultergürtelhöhe und ohne lange Zwangsstellungen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) mit vermehrten Pausen ganztags mit einem Rendement von 80 %. Aus neurologischer Sicht könne die Einschätzung der Explorandin selber, im Bürobereich nicht mehr als zwei bis drei Stunden täglich und (theore tisch) als Tierheilpraktikerin vier bis fünf Stunden täglich arbeiten zu können, in diesem Ausmass ni cht begründet werden. In prognosti- scher Hinsicht seien von Seite der Wirbelsäule aufgrund d er erfolgten Operationen keine rele- vanten Veränderungen, eher Verbesserungen zu erwarten. Ungewiss sei der weitere Verlauf der Polyneuropathie. 6.2.2.2 Dr. C.____ diagnostiziert in seinem Gutachten vom 27. August 2016 aus psychiatrischer Sicht eine leicht- bis mittelgradige, kombinierte Persön lichkeitsstörung mit emotional instabilen und dissoziativen Anteilen (ICD-10: F 61.0). Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten das anamnestisch festgestellte ADHS im Erwachsenenalter und Ereignisse in der Kindheit mit der Folge des Verlustes des Selbstwertgefühls (ICD-10: Z 61.3). Aufgrund dieser Diagnosen und der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach wie vor festzustellenden emotionalen Instabilität, der Angst vor vielen Menschen, der dau- ernden Müdigkeit, der gewissen mnestischen Funktionsstörungen sowie des Misstrauens ande- ren Menschen gegenüber seien die psychophysische Belastbarke it sowie die Frustrations- und Stresstoleranz als eingeschränkt zu betrachten. Es würden sich Ressourcen nachweisen lassen, namentlich schreibe die Versicherte momentan ein Buch über Pferde und tätige hierfür Recher- chen. Ihren Hobbies könne sie nach eigener Angabe manchmal stundenlang nachgehen, insbe- sondere verbringe sie sechs Stunden pro Tag im Reitstal l. Während der Untersuchung hätten sich keine Konzentrations-, Aufmerksamkeits- oder Auffassung sstörungen nachweisen lassen. Aus diesen Gründen könne die Diagnose eines ADHS zwar differentialdiagnostisch in Betracht gezogen, jedoch aufgrund der aktuellen Untersuchung nicht mit Sicherheit gestellt werden. Man- gels Vorliegens der entsprechenden Kriterien könnten auch keine posttraumatische Belastungs- störung und keine andauernde Persönlichkeitsänderung d iagnostiziert werden. Gegenüber den Befunden von Dr. E.____ vom 26. Februar 2013 sei es zu einer deutlichen gesundheitlichen Ver- besserung gekommen. Aktuell würden sich keine massiven veget ativen Auffälligkeiten oder an- dere Zeichen eines erhöhten Arousals mehr zeigen, insbe sondere keine Intrusionen, keine Schreckhaftigkeit und keine deutliche affektive Destabili sierung. Anderweitige psychiatrische Komorbiditäten würden sich nicht nachweisen lassen. Ihr Fähigkeitsniveau, gemessen am Ra- tingbogen Mini-ICF-APP, sei aus psychiatrischer Sicht insgesamt als höchstens leicht- bis mittel- gradig eingeschränkt zu beurteilen. Als eingeschränkt z u betrachten seien insbesondere die Durchhaltefähigkeit, die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Fähigkeit zu intimen Beziehungen, die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit und bis zu einem gewissen Grad auch die Kontaktfähigkeit zu Dritten. Auf die übrigen Fähigkeiten, Ressourcen und Coping-Strategien könne sich die Versi- cherte bei der Ausübung einer Tätigkeit abstützen. Insgesamt lasse sich aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer angepass- ten Tätigkeit von maximal 40 % ab dem Untersuchungsdatum begründen. Dabei mitberücksichtigt sei eine gewisse Verminderung der Leistungsfähigkeit. Aus neurologischer und psychiatrischer Sicht lasse sich eine T eiladditivität begründen, so dass gesamtmedizinisch ab dem Untersuchungsdatum von einer 50%igen Einschränkung der Arbeits- fähigkeit auszugehen sei. 6.2.3.1 Die Beschwerdeführerin reichte am 12. März 20 18 im Rahmen des Einwandverfahrens einen neuropsychologischen Bericht von Dr. E.____ (die e ntsprechende Untersuchung erfolgte nicht durch Dr. E.____) ein, welcher gemäss ihrer Auskunft vom 22. Februar 2018 datiert. Darin folgert Dr. E.____, dass sich aus der Testung der Verda cht auf eine leichte bis mittelgradige neuropsychologische Störung ergeben habe. Dieses Beeintr ächtigungsmuster sei mit den be- schriebenen kognitiven Störungen im Rahmen einer postt raumatischen Belastungsstörung ver- einbar. 6.2.3.2 Hierzu äussert sich Dr. C.____ am 18. Oktober 20 18. Die von Dr. E.____ gestellte Diag- nose einer neuropsychologischen Störung sei lediglich eine Verdachtsdiagnose. Er folgert, dass er keine Änderung an seinem Gutachten bezüglich der Diag nosen und der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vornehmen müsse. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.1 Im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens holte di e IV-Stelle eine RAD- Stellungnahme von Dr. D.____ ein, welche vom 15. Mai 2019 datiert. Zum Bericht von Dr. E.____ vom 14. April 2016 führt Dr. D.____ aus, dass darin pra ktisch der identische Text aus seinem Gutachten vom 26. Februar 2013 wiedergegeben werde. Dasselbe gelte für den ärztlichen Be- fund, weshalb anzunehmen sei, dass im Bericht vom April 2016 kein aktueller psychiatrischer Befund erhoben worden sei. Zudem kritisiert er, dass die Behandlungsfrequenz nicht erwähnt werde. Soweit eine neuerliche psychiatrische Untersuchung erfolgt sei, sei die entsprechende Dokumentation im laufenden Einwand- und Beschwerdeverf ahren nicht vorgelegt worden. Aus all dem folge, dass sich keine aktuelle psychiatrische Einschätzung begründen lasse, welche die Feststellungen im Gutachten von Dr. C.____ in Frage stellen würden. 6.3.2 Die Beschwerdeführerin legte seiner Eingabe vom 11. Juni 2019 die E-Mail von Dr. E.____ vom 27. Mai 2019 bei, worin Dr. E.____ bestätigt, dass der von ihm erhobene Befund dem Status zum letzten Untersuchungstermin vom 13. Januar 2016 entspreche. Da er zum Vor- befund weitgehend unverändert sei, sei er identisch fo rmuliert. Ferner äussert er sich zum Be- handlungsintervall: zunächst seien die Behandlungen in einem 14-tätigen Intervall bis Ende Ok- tober 2015 erfolgt, über den Jahreswechsel 2015/2016 se i eine Therapiepause vereinbart wor- den. Der nächste Termin habe am 20. April 2016 stattgefunden. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich in ihrer Verfügung vom 2 7. Februar 2019 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vollumfänglich auf das bidisziplinäre Gutachten vom 5. und 27. August 2016. Sie ging demzufolge davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Rentenzusprache am 19. Novem- ber 2013 wesentlich verbessert habe und ihr eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft in einem Pen- sum von 50 % ab Gutachtenszeitpunkt zumutbar sei. Wie unter Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, ist dem im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete In- dizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. 7.2 Solche Indizien liegen in Bezug auf das neurologisch e Gutachten von Dr. B.____ nicht vor. Es entspricht den bundesgerichtlichen Anforderung en an eine medizinische Beweisgrund- lage (vgl. E. 4.2 hiervor) und wird von den Parteien denn auch zu Recht nicht beanstandet. So ist das Gutachten für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, be- rücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, setzt sich ausführlich mit den bei den Akt en liegenden (abweichenden) fachärztli- chen Einschätzungen auseinander und ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Demzufolge kann bei der Beurteilung der medizinischen Sachlage au f das Gutachten von Dr. B.____ abge- stellt werden. 7.3 Beanstandet wird von der Beschwerdeführerin demgeg enüber das psychiatrische Gut- achten von Dr. C.____. Vorweg ist festzuhalten, dass Dr. C.____ die Beschwerdeführerin einge- hend untersuchte und in der Folge in Kenntnis der Vorakten und unter Berücksichtigung der be- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht klagten Beschwerden ein umfassendes Gutachten erstellte . Entgegen der Auffassung der Be- schwerdeführerin geht daraus eingehend hervor, dass sich de r Gesundheitszustand der Be- schwerdeführerin seit der Rentenzusprache gebessert hat. Namentlich ist die aus den Diagnosen und Befunden gefolgerte Arbeitsunfähigkeit von 40 % überzeugend begründet. Zwar leide die Versicherte an einer leicht- bis mittelgradigen, kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und dissoziativen Anteilen. Die Diagnose eine r posttraumatischen Belastungsstörung könne mangels Vorliegens der entsprechenden Kriterien wä hrend seiner Untersuchung aber nicht gestellt werden. Ebenso legt Dr. C.____ schlüssig da r, dass die Diagnose des ADHS zum gegebenen Zeitpunkt keine Auswirkung auf die Arbeitsf ähigkeit der Beschwerdeführerin habe, wogegen sich die weiterhin bestehenden Einschränkungen in der psychophysischen Belastbar- keit sowie der Frustrations- und Stresstoleranz auf die A rbeitsfähigkeit auswirken würden. Im Rahmen der Befunde liessen sich dagegen keine Konzentr ations-, Aufmerksamkeits- oder Auf- fassungsstörungen sowie massiven vegetativen Auffälligkeiten oder andere Zeichen eines erhöh- ten Arousals, insbesondere keine Intrusionen, keine Schreckhaftigkeit und keine deutliche affek- tive Destabilisierung, mehr nachweisen. Zudem beschreibt er die Beschwerdeführerin nicht als angespannt oder motorisch unruhig und ihr Denken nicht als weitschweifig oder sprunghaft, wie dies im Jahr 2013 beschrieben wurde. In diesem Zusammen hang ist zu erwähnen, dass auch Dr. B.____ während seiner Untersuchung keine Hinweise auf kognitive Defizite und keine Ermü- dungserscheinungen beobachten konnte, was die Befunde von Dr. C.____ in dieser Hinsicht be- stätigt. Diese Einschätzungen von Dr. C.____ scheinen ferner über die Untersuchung hinaus zu- zutreffen. Andernfalls könnte die Beschwerdeführerin ihren Hobbies, welche die entsprechenden Fähigkeiten erfordern, nicht über eine lange Dauer nachgehen. Diesbezüglich beschreibt die Be- schwerdeführerin, dass sie momentan unter anderem ein Buch schreibe und hierfür Recherchen tätige. Sie begibt sich nach eigenen Aussagen zudem wäh rend mehreren Stunden pro Tag in einen Reitstall und beschäftigt sich dort mit den Pferd en. Dies zeigt auf, dass ihr die Ausübung einer ihren Fähigkeiten entsprechenden Tätigkeit zuzum uten ist. Im Ergebnis überzeugen die Ausführungen von Dr. C.____ zur Frage, inwiefern sich die erhobenen Befunde und Diagnosen von denjenigen unterscheiden bzw. nicht unterscheiden, die im Rahmen der ursprünglichen Ren- tenzusprache im Jahr 2013 vorlagen. Das Gutachten entspricht damit auch den bundesgerichtli- chen Vorgaben zur Beurteilung des medizinischen Sachverha lts in Revisionsfällen (vgl. E. 4.5 hiervor). Insgesamt ergibt das Gutachten von Dr. C.____ ein umfassendes und schlüssiges Bild über die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführe rin. Es lässt damit eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten zu, w eshalb die Beschwerdegegnerin bei der Beurteilung der medizinischen Sachlage darauf abstellen durfte. 8.1 Die Beweiskraft des Gutachtens von Dr. C.____ wird de nn auch von der Beschwerde- führerin nicht substantiiert beanstandet. Sie macht ge ltend, es sei eine gesundheitliche Ver- schlechterung eingetreten, was den Einschätzungen von Dr. E.____ zu entnehmen sei. Insbe- sondere sei eine gesundheitliche Verbesserung innerhalb von drei Monaten seit dem Bericht von Dr. E.____ vom 14. April 2016 bis zum Erstellen des Gutachtens von Dr. C.____ gar nicht möglich gewesen. Vielmehr sei das Gutachten bestenfalls als abweichende ärztliche Einschätzung eines ansonsten im Wesentlichen unverändert gebliebenen gesundheitlichen Zustands zu werten. Dem kann schon deshalb nicht gefolgt werden, weil sich aus den gesamten ärztlichen Unterlagen eine gesundheitliche Verbesserung feststellen lässt: Selbst D r. E.____ attestiert im April 2016 - im Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unterschied zur second opinion vom 26. Februar 2013 - eine 20%ige Arbeitsfähigkeit. Zudem ist zu den Einschätzungen von Dr. E.____ entsprechend dem RAD-Bericht vom 15. Mai 2019 fest- zuhalten, dass die im Bericht vom 14. April 2016 beschriebenen Befunde und Diagnosen weitge- hend dem Bericht vom 26. Februar 2013 entsprechen. Au ffällig ist, dass diverse Textteile wort- wörtlich übereinstimmen. Soweit Dr. D.____ bezweifelt , dass Dr. E.____ im Bericht vom April 2016 einen neuen psychiatrischen Befund erhoben hat, erscheint dieser Zweifel begründet. Den vorliegenden Arztberichten ist zwar zu entnehmen, dass si ch der Gesundheitszustand der Be- schwerdeführerin aufgrund von zwei Ereignissen (Tod des P ferdes und Unfall des Sohnes) vo- rübergehend verschlechterte. Wie in Erwägung 7.3 ausgeführt, zeigen aber die im Gutachten von Dr. C.____ beschriebenen Befunde klar auf, dass sich die Beschwerdeführerin seit dem Zeitpunkt der entsprechenden Untersuchung insgesamt in einem besseren Gesundheitszustand als im Jahr 2013 befindet. Damit betrifft die Einschätzung von Dr. C.____ entgegen dem Vorbringen der Be- schwerdeführerin keinen unveränderten Gesundheitszustand. Ferner überzeugt die von der Be- schwerdeführerin eingereichte E-Mail von Dr. E.____ vom 27. Mai 2019 nicht, wonach die posttraumatische Belastungsstörung als definitive Diagnose fest- gestellt werden könne. Denn es mangelt an der Dokumentation einer neuerlichen psychiatrischen Untersuchung, welche im Unterschied zum Bericht vom 14. April 2016 zweifelsfrei neue Befunde enthält und die Feststellungen im Gutachten von Dr. C._ ___ in überzeugender Weise in Frage stellen könnte. Zusammengefasst sind die Ausführungen von Dr. E.____, worauf sich die Be- schwerdeführerin beruft, nicht geeignet, Zweifel an de r Zuverlässigkeit des Gutachtens von Dr. C.____ zu wecken. Dies gilt zuletzt auch, weil es der Beurteilung von Dr. E.____ an der Aus- einandersetzung mit den Ressourcen der Beschwerdeführeri n fehlt, welche, wie bereits ausge- führt (vgl. E. 7.3 hiervor), auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes schliessen lassen. 8.2 Da die erwähnten Befunde und Ressourcen deutlich machen, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin entgegen ihrer Auffassung ab de m Jahr 2016 weniger stark einge- schränkt ist, als dies im Jahr 2013 noch der Fall war, erscheint nicht massgebend, ob es sich bei der im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung diagnostizierten leicht- bis mittelgradi- gen neuropsychologischen Störung um eine definitive oder um eine Verdachtsdiagnose handelt, wie dies Dr. E.____ und Dr. C.____ diskutieren und von der Beschwerdeführerin vorgebracht wird. Entscheidend ist vielmehr, dass die Prüfung der Indikatoren insgesamt für die Arbeitsfähig- keit von mindestens 60 % und damit für eine gesundheitliche Verbesserung sprechen. Auch Dr. E.____ hat bereits früher eine Verbesserung prognostizie rt. Im Übrigen ist zu berücksichtigen, dass die behandelnden Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. E. 4.4 hiervor). 8.3 Richtig ist, dass zwischen der Erstellung der Gutachten von Dr. B.____ und von Dr. C.____ bis zum Verfügungserlass der Rentenkürzung im Februar 2019 über zwei Jahre ver- gangen sind. Jedoch lassen sich in psychiatrischer Hinsicht keine gesundheitlichen Veränderun- gen in dieser Zeitspanne nachweisen. Auch in zeitlicher Hinsicht ist daher keine neue Begutach- tung erforderlich. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.4. Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen ergibt sich, dass auch gegen die Zuverläs- sigkeit des Gutachtens von Dr. C.____ keine Indizien vorliegen und die Vorbringen der Beschwer- deführerin ebenfalls keine Zweifel an der Beweiskraft des Gutachtens zu wecken vermögen. Die Arbeitsfähigkeit beträgt demnach in psychiatrischer Hinsicht entsprechend diesem Gutachten 60 %. 9. Zusammenfassend ergibt sich, dass auf das bidisziplinäre G utachten von Dr. B.____ und Dr. C.____ vom 5. und 27. August 2016 abgestellt werden kann. Dabei ist auch die aus der mittels Teiladditivität der beiden Gutachten beurteil te Arbeitsfähigkeit von 50 % nicht zu bean- standen. Insgesamt kann daher entsprechend dem bidisziplinären Gutachten von einer wesent- lichen Verbesserung des Gesundheitszustandes seit der ersten Rentenverfügung am 19. Novem- ber 2013 ausgegangen werden. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung der Vergleichseinkommen vorzunehmen wäre und die Berec hnung auch von der Beschwerde- führerin nicht beanstandet wurde, erübrigt sich eine de taillierte Auseinandersetzung mit dem durch die IV-Stelle angestellten Einkommensvergleich. Die Verfügung der IV-Stelle vom 27. Feb- ruar 2019 ist folglich nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver-weige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- - bis Fr.1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Ver- fahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer- legt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist mit Verfügung vom 7. Mai 2019 die unentgelt- liche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 10.2 Dem Prozessausgang entsprechend wird der Beschwerdef ührerin keine Parteientschä- digung zugesprochen. Da der Beschwerdeführerin jedoch mit Verfügung vom 12. April 2019 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 b eträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 11. Juni 2019 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 11.6 Stun- den für seine Arbeit geltend gemacht. Dieser Aufwand erweist sich angesichts der sich stellenden Rechtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind auch die geltend gemachten Auslagen von Fr. 96.70. Dem Rechtsvertreter ist somit ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘602.80 (11.6 Stun- den à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 96.70 + 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse auszurichten. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Beschwer- deführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘602.80 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht