A bteilung IV D -6557/2006 {T 0/2} U rteil vom 28. Septem ber 2007 M itw irkung: R ichter M artin Zoller, François Badoud, Thom as W espi G erichtsschreiber D aniel W idm er A ._______, R epublik Serbien, w ohnhaft (Adresse), vertreten durch Antonia Kerland, (Adresse), Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), vorm als Bundesam t für Flüchtlinge (BFF), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 9. O ktober 2003 i.S. A syl / (N ._______) B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer verliess eigenen Angaben zufolge seinen H eim atstaat am 19. N ovem ber 2001 auf dem Seew eg in R ichtung Italien, von w o er am 20. N ovem ber 2001 unter U m gehung der G renzkontrolle in die Schw eiz gelangte. Am 21. N ovem ber 2001 suchte er in (O rt) um Asyl nach. Am 22. N ovem ber 2001 fand dort die Em pfangsstellenbefragung statt. Am 6. M ärz 2002 w urde er durch die zuständige kantonale Behörde zu den Asylgründen angehört. D er Beschw erdeführer m achte im W esentlichen geltend, er sei als serbischer Staatsangehöriger albanischer Ethnie in (O rt) aufgew achsen. Seit dem Tod seiner M utter im N ovem ber 2000 verfüge er in seiner H eim at über keine nahen Angehörigen m ehr. Seit er ab N ovem ber 1998 die ihm jew eils von seiner Schw ester aus der Schw eiz geschickten Ausgaben der Zeitschrift (N am e) gelesen und an andere Albaner w eitergegeben habe, sei er vom serbischen Staatssicherheitsdienst verfolgt und insgesam t neun M al festgenom m en w orden. Auf den Polizeiposten sei er jew eils m it Tritten und Schlägen traktiert, jedoch im m er nach kurzer Zeit ohne w eitere M assnahm en w ieder auf freien Fuss gesetzt w orden. Im Septem ber 2001 hätten ihn Beam te des Staatssicherheitsdienstes aufgefordert, (O rt) zu reisen und Spitzeltätigkeiten zu verrichten. N och bevor ihm die Auftraggeber genaue Instruktionen hätten geben können, habe er seinen H eim atstaat in R ichtung Schw eiz verlassen. Seit dem Tod seiner M utter habe er an psychischen Problem en gelitten und sich noch in (O rt) in ärztliche Behandlung begeben. D iesbezüglich reichte er ein Arztzeugnis zu den Akten. Für seine w eiteren Aussagen w ird auf die Protokolle bei den Akten verw iesen. D er Beschw erdeführer ist auch in der Schw eiz auf m edizinische Betreuung angew iesen und reichte in diesem Zusam m enhang diverse ärztliche Berichte ein. B. M it Verfügung vom 9. O ktober 2003 stellte das BFF fest, der Beschw erdeführer er- fülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. G leichzeitig verfügte es die W egw eisung. D a es deren Vollzug dazum al als unzum utbar erachtete, ordnete es die vorläufige Aufnahm e des Beschw erdeführers an. D ie Ablehnung des Asylgesuchs begründete die Vorinstanz im W esentlichen dam it, dass die geltend gem achten Verfolgungsvorbringen den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht genügten. So habe der Beschw erdeführer geltend gem acht, er sei m ehrm als vom Staatssicherheitsdienst in H aft genom m en und dabei geschlagen w orden, w obei die längste H aftdauer vier Tage betragen habe. D ieser Vorfall habe sich Ende des Jahres 1998 ereignet. D ie Ausreise des Beschw erdeführers sei jedoch erst nahezu drei Jahre später erfolgt. Zudem verm öchten die geltend gem achten Verfolgungsm assnahm en - bei W ahrunterstellung - auf G rund ihrer Art und Intensität noch keine Verfolgungssituation im Sinne von Art. 3 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) zu bew irken. Insbesondere sei der Beschw erdeführer 3 im m er w ieder aus der H aft entlassen w orden, ohne dass ein gerichtliches Verfahren eingeleitet w orden sei, w as klar gegen ein echtes Verfolgungsinteresse der Behörden spreche. Aufgrund des U m stands, dass kein G erichtsverfahren eingeleitet w orden sei, könne davon ausgegangen w erden, dass nichts Konkretes gegen den Beschw erdeführer vorgelegen habe und er deshalb keiner landesw eiten Verfolgung ausgesetzt gew esen sei. D em zufolge m üsse es sich bei den geltend gem achten Verfolgungsvorbringen um lokal oder regional beschränkte Verfolgungsm assnahm en gehandelt haben, w elchen sich der Beschw erdeführer durch W egzug in ein anderes G ebiet seines H eim atstaates, beispielsw eise in einen m ehrheitlich von Albanern bew ohnten Landesteil, hätte entziehen können. M ithin sei er auch aus diesem G rund nicht auf den Schutz der Schw eiz angew iesen. C . M it Eingabe vom 4. N ovem ber 2003 (Poststem pel) an die Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) beantragte der dam als durch seine Schw ester vertretene Beschw erdeführer, es sei ihm Asyl zu gew ähren; in prozessualer H insicht beantragte er die Befreiung von allfälligen Verfahrenskosten. D . M it Instruktionsverfügung vom 14. N ovem ber 2003 teilte die AR K dem Beschw erdeführer m it, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schw eiz abw arten könne. G leichzeitig w urde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet und der Entscheid über das G esuch um Erlass allfälliger Verfahrenskosten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Zudem w urde der Beschw erdeführer aufgefordert, seine Bedürftigkeit um gehend zu belegen. E. Am 20. N ovem ber 2003 (Poststem pel) reichte der Beschw erdeführer eine Fürsorgebestätigung zu den Akten. F. M it Vernehm lassung vom 20. N ovem ber 2003 schloss das BFF auf Abw eisung der Beschw erde. Zur Begründung führte es aus, die Beschw erdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Bew eism ittel, w elche eine Änderung des Standpunkts rechtfertigten. G . Am 24. M ai 2006 liess die AR K über die Schw eizerische Vertretung in (O rt) w eitere Abklärungen vornehm en. H . M it Schreiben vom 29. Septem ber 2006 (Eingang bei der AR K: 6. O ktober 2006) teilte die Schw eizerische Botschaft der AR K die Ergebnisse ihrer Abklärungen m it. D iesen zufolge konnte Folgendes in Erfahrung gebracht w erden: Angehörige der albanischen Ethnie sind in (O rt) - sow eit bekannt - w eder Schikanen noch N achteilen aufgrund ihrer nationalen Zugehörigkeit ausgesetzt. Inspektor B._______ ist noch auf dem Polizeiposten (N am e und Adresse) tätig. D ie Botschaft kann sich w eder dazu äussern, w ie heute der Staatssicherheitsdienst 4 beziehungsw eise die Sicherheits- und Inform ationsagentur nam ens BIA arbeitet, w elche anstelle des früheren, zum Innenm inisterium gehörenden Staatssicherheitsdienstes gegründet w urde, noch ob diese Agentur ein Interesse an einer Person w ie dem Beschw erdeführer hat. D ie BIA ist gestützt auf das G esetz über die Sicherheits- und Inform ationsagentur (Am tsblatt der R epublik Serbien N r. 42/2002) gegründet w orden und ist eine separate juristische Person, die nicht zum Innenm inisterium gehört, sondern eine unabhängige Agentur, w elche über ihre Tätigkeit der N ationalversam m lung und der R egierung der R epublik Serbien Bericht erstattet. Eine Ü berprüfung beim C ._______ hat ergeben, dass dort kein Strafverfahren gegen den Beschw erdeführer hängig ist. Ausserdem w urde über das D ._______ eruiert, dass dieser w eder steckbrieflich ausgeschrieben ist noch von den Behörden der R epublik Serbien gesucht w ird. O bw ohl das nicht m it Sicherheit bedeutet, dass w eder bei einem der fünf G em eindegerichte in (O rt) noch bei einem anderen G ericht in Serbien ein Strafverfahren gegen den Beschw erdeführer hängig ist, w ird für kaum w ahrscheinlich gehalten, dass ein solches hängig ist; dies w eil der Beschw erdeführer, w enn er w egen eines m it einer G efängnisstrafe von drei Jahren oder m ehr zu ahndenden O ffizialdelikts - w as nach dem D afürhalten der Botschaft der Fall gew esen w äre - angeklagt w orden w äre, steckbrieflich ausgeschrieben sein m üsste, w enn ihm an der Adresse, unter w elcher er angem eldet ist, eine Vorladung nicht hätte zugestellt w erden können, w as jedoch nicht geschehen ist. I. Zur Botschaftsanfrage und den Abklärungsergebnissen w urde dem Be- schw erdeführer am 12. O ktober 2006 schriftlich das rechtliche G ehör gew ährt. D ie schriftliche Stellungnahm e seiner neu beauftragten R echtsvertreterin datiert vom 23. N ovem ber 2006. J. Auf die im Verlauf des Verfahrens vom Beschw erdeführer eingereichten R echtsm ittel, Stellungnahm en und Bew eism ittel w ird, sow eit für den Entscheid w e- sentlich, in den nachfolgenden Erw ägungen Bezug genom m en. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw al- tungsgericht (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw er- den gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG ; SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G ge- nannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das AsylG ; das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun- desgericht [BG G , SR 173.110]).5 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei der AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfah- rensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m ithin einzutreten. 3. 3.1 G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling w ird eine ausländische Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim at- staat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gel- ten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M assnahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist R echnung zu tragen (Art. 3 AsylG ). 3.2 W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zum in- dest glaubhaft m achen. D iese ist glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vor- handensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. U nglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begründet oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeb- lich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (Art. 7 AsylG ). 4. 4.1 Vergangene Verfolgung ist grundsätzlich nur dann für die Anerkennung als Flüchtling beachtlich, als sie noch andauert oder - falls sie bereits abgeschlossen ist - die Furcht vor künftiger Verfolgung begründet erscheinen lässt beziehungsw eise w enn die R ückkehr in den Verfolgerstaat aus triftigen G ründen, die auf frühere Verfolgung zurückgehen, nicht zugem utet w erden kann (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 1993 N r. 31 S. 222 f. u. dortige H inw eise). 4.2 Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides m assgebend. Einerseits ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise aktuell vorhandenen Furcht zu stellen und andererseits ist zu prüfen, ob die Furcht vor einer absehbaren Verfolgung (noch) begründet ist. So sind Veränderungen der objektiven Situation im H eim atland im Zeitraum zw ischen Ausreise und Asylentscheid zugunsten und zulasten des G esuchstellers zu berücksichtigen (W ALTER KÄLIN , G rundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M . 6 1990, S. 135 ff.). 4.3 D ie Vorinstanz verneinte die Flüchtlingseigenschaft des Beschw erdeführers m it der Begründung, die geltend gem achten M assnahm en der serbischen Behörden seien - bei unterstellter G laubhaftigkeit - auf G rund ihrer Art und Intensität nicht asylrelevant. Zudem handle es sich um lokal oder regional beschränkte Verfolgungsm assnahm en, denen sich der Beschw erdeführer durch einen W egzug in ein anderes G ebiet des H eim atlandes, beispielsw eise in einen m ehrheitlich von Albanern bew ohnten Landesteil, hätte entziehen können (vgl. Sachverhalt, Bst. B). 4.3.1 D en Akten können keine Anhaltspunkte für berechtigte Zw eifel an der G laubhaftigkeit der vom Beschw erdeführer geltend gem achten Verfolgungsvorbringen entnom m en w erden. Vielm ehr w eisen dessen Aussagen zahlreiche R ealkennzeichen auf. So sind nam entlich die Aussagen in sich stim m ig, fehlen W idersprüche sow ohl in w esentlichen Punkten als auch zw ischen den beiden Befragungen, und legte der Beschw erdeführer seine Verfolgungssituation in einer längeren freien und detaillierten Schilderung dar. D er rechtserhebliche Sachverhalt kann m ithin so, w ie er vom Beschw erdeführer geschildert w urde, als erstellt gelten (vgl. Sachverhalt, Bst. A). D em nach w urde der Beschw erdeführer im Zeitraum vom 20. N ovem ber 1998 bis zum 1. N ovem ber 2001 im Zusam m enhang m it der Zeitschrift (N am e), w elche er ab N ovem ber 1998 von seiner in der Schw eiz w ohnhaften Schw ester erhalten, gelesen und an andere Albaner w eitergegeben hatte, insgesam t neun M al durch die serbischen Behörden festgenom m en, w obei er einm al w ährend dreier Tage und einm al w ährend vier Tagen inhaftiert w ar und anlässlich dreier Inhaftierungen (20. N ovem ber 1998, 27. D ezem ber 2000, 6. April 2001) schw er m isshandelt w urde. Bereits nach der zw eiten M isshandlung vom 27. D ezem ber 2000 stellten sich beim Beschw erdeführer psychische Problem e (D epressionen, Angstzustände, Essstörungen) ein, w elche ihn veranlassten, sich in (O rt) in psychiatrische Behandlung zu begeben, und schliesslich zur vorläufigen Aufnahm e in der Schw eiz führten. D ie Verfolgungsm assnahm en gingen m ithin von den serbischen Behörden aus, richteten sich gezielt gegen den Beschw erdeführer in seiner Eigenschaft als Angehöriger der albanischenstäm m igen M inderheit in (O rt), w eil dieser Propaganda für die U nabhängigkeit des Kosovo m achte, und dauerten w ährend nahezu dreier Jahre an. Entgegen der Vorinstanz ist die Asylrelevanz dieser Verfolgungsm assnahm en auf G rund ihrer Art und Intensität nicht zu verneinen. W egen einm alig erlittener Schläge auf einem Polizeiposten, die nicht die Intensität von Folter erreichten, oder w egen einer einzigen Inhaftierung von w enigen Tagen allein m uss niem and Schutz im Ausland suchen. Asylgew ährung hat zum Zw eck, Schutzbedürftigen Aufnahm e zu gew ähren, und nicht, O pfer jeglichen U nrechts für erlittene U nbill zu „entschädigen“. In diesem Sinne w ird in konstanter schw eizerischer Praxis G esuchstellern entgegengehalten, eine kurze freiheitsbeschränkende M assnahm en stelle zw ar einen Eingriff in die physische Bew egungsfreiheit dar, dam it aber eine solche M assnahm en Verfolgungsw ert erhält, bedarf es jedoch einer gew issen Intensität. D iese ist dann erreicht, w enn die Verfolgungsm assnahm e ein m enschenw ürdiges Leben im Verfolgerstaat verunm öglicht oder in unzum utbarer W eise erschw ert, so dass der Verfolgte sich dieser Zw angssituation nur durch Flucht ins Ausland entziehen kann. Bei freiheitsbeschränkenden M assnahm en bedarf es dazu einer gew issen D auer des Eingriffs. D as Zum utbarkeitskriterium stösst allerdings an G renzen, w o 7 sehr schw ere Eingriffe zur D iskussion stehen. Ab einer gew issen Intensität ist Verfolgung autom atisch zu bejahen, ohne dass die Zum utbarkeit noch einzelfallbezogen abzuklären ist. Irgendw o ist ein M ass an Intensität erreicht, w elches von niem andem hingenom m en w erden m uss (vgl. KÄLIN , a.a.O ., s. 42 f). 4.3.2 N ach dem G esagten w urde die Schw elle der Verfolgungsintensität beim Beschw erdeführer überschritten. Selbst w enn dies m it der Vorinstanz verneint oder m it ihr davon ausgegangen w ürde, dass es sich um lokal oder regional beschränkte Verfolgungsm assnahm en handeln w ürde, w äre vorliegend dem Beschw erdeführer ein m enschenw ürdiges Leben in Serbien verunm öglicht gew esen, um so w eniger, als er über keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt. Schliesslich verliess der Beschw erdeführer seinen H eim atstaat nicht zu einem früheren Zeitpunkt, w eil seine finanziellen Verhältnisse es nicht zuliessen, ergriff jedoch die erste sich dazu bietende G elegenheit, als ihm von seinen Verfolgern finanzielle M ittel zur Ausübung von Spitzeltätigkeiten (O rt) ausgehändigt w urden. Zusam m enfassend ist nach dem G esagten festzuhalten, dass der Beschw erdeführer zum Zeitpunkt der Ausreise aus dem H eim atstaat in asylrelevanter W eise verfolgt w urde. 4.4 D ie allgem einen Verhältnisse in Serbien haben sich seit der Ausreise des Beschw erdeführers kaum w esentlich verändert. D ie Frage stellt sich nun, ob sich diese Tatsachenfeststellung unter dem G esichtspunkt der begründeten Furcht auch bezüglich der vom Beschw erdeführer geltend gem achten Verfolgungssituation ausw irkt, w as im Folgenden zu prüfen ist. 4.4.1 D ie Furcht vor Verfolgung enthält eine subjektive und eine objektive Kom ponente (vgl. KÄLIN , a.a.O ., S.137 ff.; ALBER TO AC H ER M AN N /C H R ISTIN A H AU SAM M A N N , H andbuch des Asylrechts, 2. Aufl., Bern/Stuttgart 1991, S.108). Voraussetzung zur Anerkennung als Flüchtling ist, dass der G esuchsteller subjektiv Furcht vor Verfolgung hat. D ie Furcht m uss aber ihrerseits durch die tatsächliche Situation objektiv begründet sein. M assgebend für die Bestim m ung der begründeten Furcht ist nicht allein, w as ein norm al em pfindender M ensch angesichts der geschehenen oder drohenden Verfolgungsm assnahm en zu R echt an Furcht em pfunden hätte. D iese rein objektive Betrachtungsw eise ist zusätzlich durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das W issen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. D abei hat derjenige, der bereits früher staatlichen Verfolgungen ausgesetzt w ar, objektive G ründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht als jem and, der erstm als in Kontakt m it staatlichen Sicherheitskräften kom m t (vgl. EM AR K 1993 N r. 11). Allein schon die subjektive Furcht w ürde für die Bejahung einer begründeten Furcht ausreichen, w enn sie zw ar diejenige eines vernünftigen M enschen überstiege, aber trotzdem nachvollziehbar bliebe (vgl. U rteil der AR K vom 11. Septem ber 1992, publiziert in ASYL 1992/4, S. 71 ff.). 4.4.2 W ie der Beschw erdeführer in seiner Stellungnahm e vom 23. N ovem ber 2006 zutreffend ausführt, ändert der U m stand, dass der Staatssicherheitsdienst im Jahr 2002 in eine nicht m ehr dem Innenm inisterium unterstehende Sicherheits- und Inform ationsagentur um gew andelt w orden ist, w elche der N ationalversam m lung und der R egierung Bericht erstattet, an seiner G efahrenlage nichts. Trotz der vorgegebenen Bem ühungen der serbischen R egierung und der neuen Sicherheits- und Inform ationsagentur selbst, den neuen D ienst als frei von politischen 8 Einflüssen erscheinen zu lassen, hat eine grundlegende personelle und inhaltliche Veränderung des D ienstes nicht stattgefunden. Sodann ist die Frage des zukünftigen Status des Kosovo noch keinesw egs geklärt und w idersetzen sich die serbischen Behörden dessen U nabhängigkeit und sind dem entsprechend nach w ie vor an dam it sym pathisierenden Personen interessiert. N am entlich in Berücksichtigung der erw ähnten Vorverfolgung des Beschw erdeführers hat dieser eine objektiv begründete, ausgeprägtere Furcht als jem and, der erstm als in Kontakt m it den Sicherheitskräften kom m t. Ein objektives R isiko für den Beschw erdeführer erscheint als gegeben, bei einer allfälligen R ückkehr nach Serbien erneut befragt und m isshandelt zu w erden, zum al - w ie die Abklärungen durch die Schw eizerische Vertretung in (O rt) ergeben haben - Inspektor B._______ nach w ie vor auf dem Polizeiposten in (O rt) arbeitet und offensichtlich keinesw egs seines Am tes und seiner M acht enthoben w orden ist. H ieran verm ag die Einschätzung durch die Schw eizerische Vertretung, w onach auf G rund der Schilderungen des Beschw erdeführers m it der Eröffnung eines (nicht eröffneten) Strafverfahrens m it Zustellung einer Vorladung und allenfalls einer steckbrieflichen Ausschreibung zu rechnen gew esen w äre, nichts zu ändern. Auf G rund der zur Verfügung stehenden Inform ationen und des vom Beschw erdeführer m it den serbischen Sicherheitskräften Erlebten ist die Furcht vor N achteilen im Sinne von Art. 3 AsylG auch zum jetzigen Zeitpunkt nachvollziehbar. Sodann bestand oder besteht w eder rück- noch vorausschauend eine sichere inländische Fluchtalternative. 4.5 Zusam m enfassend ist festzustellen, dass der Beschw erdeführer aufgrund der Situation, w ie sie im Zeitpunkt der Flucht bestand und auch heute praktisch unverändert andauert, objektiverw eise berechtigte Furcht hatte und noch hat, ernsthaften N achteilen im Sinne von Artikel 3 AsylG ausgesetzt zu w erden. D ie sinngem ässe R üge, das Bundesam t habe Artikel 3 AsylG falsch ausgelegt, hat sich som it als berechtigt erw iesen. Aufgrund obenstehender Erw ägungen erfüllt der Beschw erdeführer die Voraussetzungen der Flüchtlingseigenschaft. 5. Zu prüfen bleibt, ob G ründe vorliegen die zum Ausschluss der Flüchtlingseigenschaft oder des Asyls führen könnten. D ies ist dann der Fall, w enn sich der Beschw erdeführer eines besonders schw eren Verbrechens im Sinne von Art. 1 F Bst. b des Abkom m ens über die R echtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30) schuldig gem acht hätte oder - gem äss Praxis w eitergehend - ihm eine verw erfliche H andlung im Sinne von Art. 53 AsylG vorzuw erfen w äre. Zur Feststellung der Asylunw ürdigkeit m üssten ernsthafte G ründe für den Verdacht eines schw eren Verbrechens gem äss Strafgesetz bestehen. D ie Asylunw ürdigkeit kann gem äss R echtsprechung der schw eizerischen Asylbehörden gestützt auf eine rechtskräftige Verurteilung oder auf G rund einer klaren Aktenlage festgestellt w erden (vgl. EM AR K 1993 N r. 8 E und b). Indes enthalten die Akten keine diesbezüglichen Anhaltspunkte. U nter diesen U m ständen sind som it keine Ausschlussgründe gem äss Art. 53 AsylG oder 9 gem äss Art. 1 F Bst. b FK gegeben. 6. Zusam m enfassend ergibt sich, dass der Beschw erdeführer die Voraussetzungen von Art. 3 und 7 AsylG erfüllt. Ausserdem gibt es keine konkreten H inw eise auf Asylausschlussgründe. U nter diesen U m ständen ist die Verfügung der Vorinstanz in G utheissung der Beschw erde aufzuheben und dem Beschw erdeführer Asyl zu gew ähren. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 Vw VG ). D am it w ird das G esuch um unentgeltliche Prozessführung gegenstandslos, w eshalb darüber nicht m ehr zu befinden ist. G em äss Art. 64 Abs. 1 Vw VG i.V.m Art. 7 Abs. 1 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht (VG KE, SR 173.320.2) kann die Beschw erdeinstanz der ganz oder teilw eise obsiegenden Partei von Am tes w egen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erw achsene notw endige und verhältnism ässig hohe Kosten zusprechen. N achdem die R echtsvertreterin keine Kostennote zu den Akten gereicht hat, und sich der notw endige Vertretungsaufw and auf G rund der Aktenlage zuverlässig abschätzen lässt, ist die Parteientschädigung unter Berücksichtigung der m assgebenden Berechnungsfaktoren von Am tes auf Fr. 900.-- festzusetzen. D as BFM ist zu verpflichten, dem Beschw erdeführer diesen Betrag als Parteientschädigung zu entrichten. (D ispositiv nächste Seite)10 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen und das BFM angew iesen, dem Beschw erdeführer Asyl zu erteilen. 2. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. D as BFM w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 900.-- zu entrichten. 4. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer, durch Verm ittlung seiner Vertreterin (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N ._______) - (kantonale Behörde) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: M artin Zoller D aniel W idm er Versand am :11 Eingeschrieben Frau Antonia Kerland Advokaturbüro Langstrasse 4 8004 Zürich