Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. August 2018 (720 18 39 / 222) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Gewichtsreduktion als zumutbare Massnahme zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Dr. Claude Schnüriger, Advokat, Lange Gasse 90, Postfach 538, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1961 geborene A.____ arbeitete seit dem 1. F ebruar 2008 als Logistikerin. Am 6. November 2012 meldete sie sich erstmals wegen Sc hulter- und Kniebeschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leis tungsbezug an. Der Gesundheitszustand Seite 2 verbesserte sich und A.____ konnte ihre angestammte Tä tigkeit wieder aufnehmen. Die IV- Stelle lehnte daraufhin einen Leistungsanspruch infolge fehlender Invalidität mit Verfügung vom 16. Mai 2013 ab. Aufgrund zunehmender lumbaler Rückensch merzen wurde A.____ ab dem 24. Oktober 2015 von ihrem Hausarzt, Dr. med. B.____, FMH Allgemeine Medizin, zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. Da sich die Situation nicht besserte, meldete sie sich am 31. Mai 2016 bei der IV erneut zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der medizinischen und erwerb- lichen Verhältnisse, namentlich nach Einholung eines rhe umatologischen Gutachtens bei Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine I nnere Medizin, verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. Dezember 2017 bei einer attest ierten Arbeitsfähigkeit von 90 % und ei- nem ermittelten IV-Grad von 24 % einen Rentenanspruch. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Claude Schnüriger, mit Eingabe vom 29. Januar 2018 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht. Sie beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Ausrichtung einer Dreiviertels- rente. In medizinischer Hinsicht lägen zwei unterschiedli che gutachterliche Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit vor. Entgegen der Auffassung der IV-S telle sei nicht auf das Ergebnis von Dr. C.____ in seinem Gutachten vom 18. August 2017 abzustellen, sondern auf die Beurteilung von Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologi e, vom 26. Januar 2017, wonach von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszugehen sei. Event ualiter sei ein orthopädi- sches/rheumatologisches Obergutachten einzuholen. C. Mit Vernehmlassung vom 6. März 2018 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel- Landschaft, so dass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde der Versicherten vom 29. Januar 2018 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführe rin Anspruch auf eine IV-Rente hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- Seite 3 gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des IV-Grades bildet d ie Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- Seite 4 tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Den Berichten und Gut- achten versicherungsinterner Fachpersonen kommt hingegen nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu. Auf sie kann nicht abg estellt werden, sobald bereits geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 4. Mit medizinischem Gutachten vom 26. Januar 2017 diag nostizierte Dr. D.____ mit Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine deutliche Belast barkeitseinschränkung mit Bewegungs- und Belastungsschmerzen lumbal im Segment L4/L5 bei Spon dylolisthese Meyerding Grad I–II L4/L5, bei Bogenschlussstörung beidseits mit relevanten s ekundär-spondylarthrotischen Verän- derungen in diesem Segment und mit facettengelenksbe dingten Missempfindungen im rechten Bein, ohne foraminale Stenose oder Spinalkanalstenose und ohne Hinweise für eine radikuläre Symptomatik sowie eine morbide Adipositas. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine beginnende mediale Gonarthrose und ein retropa tellärer Knorpelschaden bei Status nach operativ sanierter Meniskusläsion. Die Versicherte gebe an , seit Juli 2015 an tieflumbalen Rückenbeschwerden mit zeitweiser Missempfindung im rechten Bein zu leiden. Bei der Arbeit als Lageristin mit stehenden und gehenden Arbeitsabläuf en sowie repetitivem Heben von Ge- wichten zwischen 5 und 20 kg sei es zu einer Beschwerdeverstä rkung mit anschliessender De- kompensation und einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ab dem 24. Oktober 2015 gekommen. Ausser der medikamentösen Behandlung mit Targin würden keine spezifischen Therapien mehr Seite 5 durchgeführt. Eine Verbesserung der Beschwerden und der Belastbarkeit sei bisher nicht einge- treten. Die radiologisch beschriebene Veränderung im Segment L4/L5 sei der Grund für die Belastbarkeitseinschränkung. Diese Veränderung bestehe aber schon lange und sei stets kom- pensiert worden. Das Übergewicht sei ein relevanter Risi kofaktor für eine Verschlechterung. Eine solche sei im Juli 2015 eingetreten. Vorher sei das Achsenskelett trotz der wirbelsäulenbe- lastenden Tätigkeit als Lageristin stets unauffällig gewe sen. Dies bestätige auch die Versicher- te. Vor dem Auftreten der Schmerzen habe sie 100 kg g ewogen und sei beschwerdefrei gewe- sen. Nachdem sie wegen der Schmerzen mit verschiedenen Med ikamenten behandelt worden sei und im November 2015 eine Kortisonspritze erhalten habe, habe sie 20 kg zugenommen. Das erhebliche Übergewicht führe anhaltend zu einer lu mbalen Überlastungssituation. Zum jetzigen Zeitpunkt sei die Versicherte für die angestamm te Tätigkeit als Lageristin vollständig arbeitsunfähig. In einer Verweistätigkeit mit vorwieg end sitzenden Arbeitspositionen und nur kurzzeitig stehenden respektive gehenden Abläufen liege di e Arbeitsfähigkeit momentan bei 50 %. Durch eine Gewichtsreduktion auf unter 100 kg kön ne mit überwiegender Wahrschein- lichkeit wieder eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht we rden. Denn aus der beruflichen Anamnese lasse sich schliessen, dass die Versicherte bis Juli 2015 tro tz Veränderung im Bereich L4/L5 voll arbeitsfähig gewesen sei mit einem Gewicht von 1 00 kg. Es stelle sich deshalb auch die Frage eines bariatrischen Eingriffes. Dagegen sei unwahr scheinlich, dass eine Spondylodese- Operation allein eine Besserung bringen würde. 5. Die IV-Stelle erachtete die Beurteilung von Dr. D .____ nach Rücksprache mit dem regi- onalen ärztlichen Dienst (RAD) als nicht ausreichend und beauftrage Dr. C.____ mit einer rheumatologischen Begutachtung. Dr. C.____ diagnostizie rte mit Gutachten vom 18. August 2017 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chron isches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts sowie eine beginnende Varusgonarthrose beidseits. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte er belastungsabhängige R estbeschwerden an der linken Schulter, eine Periarthropathia humeruscapularis rechts mit leichte m Impingement, eine hypertensive Herzkrankheit, eine arterielle Hypertonie, Diabetes me llitus Typ II, Adipositas WHO Grad III (BMI 43,1 kg/m 2) sowie eine chronisch-venöse Insuffizienz mit deutlichen U nterschenkel- und Fussödemen mit Verdacht auf eine zusätzliche Lymphödem-Komponente. Es bestehe ein chro- nisches Lumbovertebralsyndrom bei Antelisthesis L4/L5. Aufg rund der Anamnese sei davon auszugehen, dass initial eine radikuläre Reizkomponente rechts mitgewirkt habe. Heute liege diese nicht mehr vor. Auch berichte die Versicherte selbst , dass sich die Situation lumbal und auch bezüglich der ins Bein ausstrahlenden Schmerzen gegenüber früher verbessert habe. Des Weiteren bestehe eine beginnende Varusgonarthrose be idseits, welche die Belastbarkeit der Kniegelenke klar einschränke. In ihrer bisherigen Tätig keit als Lageristin bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer Verweistätigkeit im körp erlich leichten Bereich liege die Arbeitsfä- higkeit bei 90 % ab 26. Oktober 2015 für wechselbelast ende Arbeiten ohne Zwangshaltungen sowie ohne Gehen auf unebenem Boden oder vermehrtes S teigen auf Leitern oder Gerüsten. Gelegentliches Einnehmen dieser Stellungen sei hingege n zumutbar. In Bezug auf die Ausfüh- rungen von Dr. D.____ sei zu bemerken, dass er das Überg ewicht ebenfalls als erheblicher Seite 6 Risikofaktor eingestuft habe. Die Folgen seien Dyspnoe, B elastungseinschränkungen sowie eine Diabetes mellitus mit Ödemen. Dr. D.____ sei der Ansicht, dass eine Gewichtsreduktion zu einer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit führen würde. D ie Versicherte habe damals einen BMI von 47 kg/m 2 ausgewiesen, heute einen solchen von 43,1 kg/m 2. Sie befinde sich also auf einem guten Weg. Die Adipositas sei vorliegend aber nicht als Krankheitsfaktor zu werten, da sie be- handelbar und angehbar sei. Massgebend für die Beurte ilung der Leistungsfähigkeit seien ein- zig die lumbovertebrale und gonarthrotische Symptomati k, weshalb er zu einer höheren Ein- schätzung der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit gelange als Dr. D.____. 6. Aus den medizinischen Berichten geht übereinstimmend hervor, dass die somatischen Beschwerden, insbesondere die Rücken- und Kniebeschwerden , für sich allein betrachtet nicht invalidisierend sind. Dr. D.____ und Dr. C.____ sind z udem beide der Meinung, dass eine Re- duktion des Gewichts eine massgebende Verbesserung der G esundheitssituation zur Folge hätte. Unterschiedlich beurteilt wird jedoch die Bedeutung der Adipositas bei der gegenwärtigen Einschätzung der Leistungsfähigkeit. Dr. D.____ vertritt die Auffassung, dass das Übergewicht in dem Sinne Einfluss auf die Belastungssituation habe, als eine Verbesserung dieser erst er- reicht werden könne, wenn das Gewicht auf unter 100 kg falle. Dr. C.____ ist dagegen der Mei- nung, dass die Adipositas kein entscheidender Faktor bei de r Gewichtung der Arbeitsfähigkeit darstellen dürfe, da sie gut behandelbar sei. Schliessli ch habe die Versicherte ihr Gewicht be- reits massgebend reduzieren können. 7.1 Im Gebiet der IV gilt ganz allgemein der Grundsa tz, dass die versicherte Person, bevor sie Leistungen verlangt, das ihr Zumutbare selber vorzukeh ren hat, um die Folgen ihres invali- disierenden Gesundheitsschadens soweit wie möglich zu mi ldern (BGE 120 V 368 E. 6b). Von den versicherten Personen können jedoch nur Vorkehren verl angt werden, die unter Berück- sichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebe nheiten des Einzelfalls zumutbar sind (BGE 113 V 22, E. 4a). Rechtsprechungsgemäss bewi rkt Adipositas an sich keine Invalidi- tät. Eine solche kann nur angenommen werden, wenn das Übergewicht schon zu Gesundheits- schäden geführt hat oder wenn es selber die Folge gesu ndheitlicher Störungen ist, dadurch die Erwerbsfähigkeit wesentlich vermindert wird und diese durch keine zumutbaren Massnahmen in bedeutendem Grade verbessert werden kann (SVR 2010 IV Nr. 8 E. 2.3; Urteile des Bundesge- richts vom 19. September 2012, 8C_496/2012 E. 2.2 und vom 12. Dezember 2017, 8C_663/2017 E. 3.2). 7.2 In den Akten gibt es keine Anhaltspunkte dafür, da ss die Adipositas eine Folge gesund- heitlicher Störungen wäre. Im Gegenteil erwähnte die Beschwerdeführerin, dass Überwicht in der Familie liege. Ferner geht aus den Arztberichten nicht hervor, dass die typischen Folgen der Adipositas wie Dyspnoe, Diabetes mellitus und chronische venöse Insuffizienz mit Ödemen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Dagegen ha t das Übergewicht nach Dr. D.____ in dem Sinne Einfluss auf die Gesundheit, dass die Belastungssitu ation für den Rücken und die Ar- beitsfähigkeit erst dann eine Verbesserung erfahre, we nn das Gewicht auf unter 100 kg redu- Seite 7 ziert wird. Es stellt sich somit die Frage, ob die Adipo sitas durch eine geeignete Behandlung oder zumutbare Anstrengung auf ein Mass reduziert werden kann, das die Erwerbsfähigkeit nicht mehr wesentlich beeinträchtigt (Urteil des Bundesg erichts vom 13. Juni 2013, 8C_372/2012, E. 3.4). 7.3 Dies ist zu bejahen. Die Gewichtsabnahme ist grundsätzl ich eine zumutbare Massnah- me zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit. Im vorliegenden Fall sind auch keine Gründe ersicht- lich, die gegen die Zumutbarkeit der Gewichtsabnahme sprechen würden, solche werden denn auch nicht geltend gemacht. Eine invalidisierende Wir kung der Adipositas ist folglich zu vernei- nen. Die Versicherte hat es denn auch geschafft, ihr Gew icht innerhalb von sieben Monaten von BMI 47 kg/m 2 auf BMI 43,1 kg/m 2 beziehungsweise von 115 kg auf 104,9 kg zu reduzieren. Es ist davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand in absehbarer Zeit noch weiter verbessern wird. 8. In Bezug auf die geltend gemachten Schulterbeschwe rden geht sowohl aus dem Gut- achten von Dr. C.____, als auch aus den Berichten der be handelnden Ärzte hervor, dass diese heute nicht mehr im Vordergrund stehen. Die Versicherte wendet dagegen ein, dass sie vom RAD mit Bericht vom 21. August 2017 als Diagnose mit A uswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt worden seien, im Gutachten von Dr. C.____ da gegen nicht mehr, was unrichtig sei. Dazu ist festzuhalten, dass der RAD-Arzt Dr. med. E.____ , FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, in Bezug auf di e Schulterbeschwerden links in sei- nem Bericht vom 23. November 2016 (und somit vor dem Gu tachten von Dr. C.____) auf den Arztbericht von Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chiru rgie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates vom 18. November 2015 verwies und fest stellte, dass dort von einer erfolgrei- chen Behandlung mit zwischenzeitlicher Beschwerdekompensat ion gesprochen werde. Die Er- wähnung der Schulterbeschwerden links in der Diagnoseli ste mit Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit bedeutet somit einzig, dass noch eine Funktionsei nschränkung vorliegt, die bei der Zu- mutbarkeitsbeurteilung berücksichtigt werden sollte. Es heisst aber nicht per se, dass die Funk- tionseinschränkung invalidisierend ist. Im Übrigen handelt es sich bei der abweichenden Einrei- hung in die Diagnoseliste um eine unterschiedliche ärzt liche Wertung der belastungsabhängi- gen Restbeschwerden in der linken Schulter, wobei der gutachterlichen Einschätzung höheres Gewicht beizumessen ist als den internen Verwaltungsbericht en, sofern das Gutachten die be- weisrechtlichen Voraussetzungen an ein solches erfüllt. Di es trifft vorliegend ohne weiteres zu. Folglich hat es damit sein Bewenden, dass die Versicherte in einer angepassten Verweistätig- keit zu 90 % arbeitsfähig ist. Bei diesem Arbeitsfähigk eitsgrad besteht kein Anspruch auf eine Rente, diesbezüglich kann auf den Einkommensvergleich i n der Verfügung vom 27. Dezember 2017 verwiesen werden. 9.1 Im Ergebnis ist die Beschwerde demnach abzuweisen und es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdev erfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht Seite 8 kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah renskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Der Beschwerdeführerin ist mit Verfügung vom 5. Februar 2018 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.- - vorläufig auf die Gerichtskasse ge- nommen. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeist ändung (vgl. Verfügung vom 5. Februar 2017) wird dem Rechtsvertreter ein Honorar aus der Geri chtskasse ausgerichtet. Gemäss Ho- norarnote werden für den vorliegenden Fall 6 Stunden und 45 Minuten in Rechnung gestellt, was nicht zu beanstanden ist. Bei einem Stundenansatz von Fr. 200.--, Auslagen von Fr. 125.-- sowie 8 % bzw. 7.7 % Mehrwertsteuer ab 1. Januar 2018 w ird dem Rechtsvertreter eine Ent- schädigung in Höhe von Fr. 1'579.55 aus der Gerichtskasse ausbezahlt. 9.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 9 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1'579.55 (inkl. Auslagen und 8 % bzw. 7,7 % Mehrwe rtsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht