B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-886/2018 law/fes U r t e i l v o m 2 . O k t o b e r 2 0 1 9 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Roswitha Petry, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch MLaw El Uali Emmhammed Said, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Aargau, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 9. Januar 2018 / N (…). D-886/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess sein Heimatland Afghanistan eigenen An- gaben zufolge im Februar beziehungsweise März 2016 und begab sich nach Pakistan, von wo er via den Iran, die Türkei, Griechenland und Italien am 15. Juni 2016 in die Schweiz einreiste und gleichentags bei der Grenz- behörde um Asyl nachsuchte. B. Am 30. Juni 2016 erhob das SEM die Personalien des Beschwerdeführers und befragte ihn zum Reiseweg und summarisch zu den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes (BzP). Dabei erklärte der Beschwerdeführer zu seiner Person, er sei ethnischer Hazara aus B._______ (Distrikt C._______, Provinz Ghazni), wo er sich bis zum 18. Lebensjahr aufgehalten habe. Er habe in D.______ die Schule bis zur Maturität besucht. Danach sei er nach Mazar -i-Sharif umgezogen, wo er für eineinhalb Jahre an der Universität (…) studiert und als (…) und (…) gearbeitet habe. Weiter machte er geltend, im Februar 2016 hätten die Drohungen seitens der Taliban gegen ihn begonnen. Ein Brief sei an den Dorfvorsteher gerichtet worden, worin nach den Namen derjenigen gefragt worden sei, welche für den Staat arbeiten würden. Der Dorfvorsteher habe daraufhin seine Mutter gewarnt und ihr gesagt, er habe diesen Brief erhal- ten, ihn aber nicht beantwortet. Er mache sich Sorgen, weil es ihn (den Beschwerdeführer) und seinen Vater betreffen könnte. Der Dorfvorsteher habe geraten, dass er (der Beschwerdeführer) und sein Vater nicht mehr ins Dorf zurückkehren sollten. 25 Tage nach der Anfrage an den Dorfvor- steher im März 2016 beziehungsweise im Februar 2016 sei er in der Ort- schaft E.______ von den Taliban entführt worden, als er sich auf dem Heimweg von der Beerdigung seines ermordeten Cousins nach Mazar -i- Sharif befunden habe. Er sei an einen Ort gebracht worden, der zwei Stun- den vom Entführungsort entfernt gewesen sei. Im Raum hätten sich bereits drei Personen befunden. Er sei zu seiner Arbeit und Mitarbeitern befragt worden. Zwei Tage sei er dort gefangen gehalten worden. Dann sei er wäh- rend des Freitagsgebets mit den anderen Gefangenen durchs Fenster in ein Dorf in der Provinz F.______ geflüchtet. Mit einem Früchtelieferanten hätten sie von F.______ nach G.______ mitfahren dürfen. Im März 2016 sei er von G.______ nach Pakistan ausgereist. Als er bereits in Griechen- land gewesen sei, habe sein Vater einen Drohbrief von den Taliban erhal- ten, weil er für die deutschen Einheiten arbeite. Darin werde auch er (der D-886/2018 Seite 3 Beschwerdeführer) bedroht. Seine Mutter und seine Geschwister seien von den Taliban entführt worden. C. Am 20. September 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Kopie seiner Tazkara (afghanische Identitätskarte), seine Studentenkarte, eine Abrech- nung aus der Studienzeit, zwei Schuldokumente, eine Bestätigung zur Tä- tigkeit als (…), Zertifikate für die Teilnahme an einem Anti-Korruptionskurs und an Ausbildungen für (…), eine Arbeitsbestätigung von Radio (…), eine Fotografie, einen Drohbrief der Taliban vom 14. März 2016, Unterlagen zur Tätigkeit seines Vaters bei der International Security Assistance Force (ISAF) sowie ein Video, auf dem Zeugen von Entführungen interviewt wer- den, ein. D. Am 7. August 2017 hörte die Vorinstanz den Beschwerdeführer einlässlich zu den Asylgründen an. Dabei führte er zur Begründung seines Asylgesuches aus, er stamme aus B._______, wo er 18 Jahre gelebt habe. Danach sei er für drei Jahre we- gen des Gymnasiums nach Mazar -i-Sharif umgezogen. Anschliessend habe er eineinhalb Jahre dort studiert und im Studentenwohnheim gelebt, bis er nach B._______ zurückgekehrt sei und gewartet habe, bis das Se- mester wieder anfange. Sein Vater habe seit 2007 bei der North Atlantic Treaty Organization (NATO) im Norden Afghanistans als Reinigungskraft gearbeitet. Deshalb seien sie von den Dorfleuten unterdr ückt worden. Er habe sich aufgrund der schlechten Sicherheitslage in Afghanistan auch nicht frei bewegen können. Ab 2014 habe er Berichte über die Taliban und die Terroristen von Mazar-i-Sharif und Ghazni geschrieben. Diese Berichte seien in Mazar-i-Sharif unter seinem Namen durch den Radiosender (…) ausgestrahlt worden. Ab und zu habe er auch live berichtet. Er sei deshalb den Leuten in Afghanistan bekannt gewesen. Ende Januar 2016 hätten die Taliban dem Dorfvorsteher eine schwarze Liste geschickt. Auf dieser Liste seien die Namen von zwei Sicherheitskommandanten, seinem Vater, sei- nem Cousin und sein eigener Name gestanden. Es sei mit dem Tod ge- droht worden, wenn man sich nicht den Taliban stelle. Er persönlich habe vom Mullah der Moschee im Dorf von der Li ste erfahren. Zehn Tage nach dem Erhalt der Liste sei der Cousin ermordet worden. Ungefähr am 14. oder 15. Februar 2016 auf dem Weg von C._______ in die Stadt D.______ im Ort E.______ sei das Auto angehalten worden. Die Taliban hätten ihn und zwei weitere Personen mitgenommen und ins Gefängnis gesteckt. Am D-886/2018 Seite 4 Freitag während des Freitagsgebets der Taliban seien sie drei und ein Ge- fangener, der bereits dort gewesen sei, in die Provinz F.______ geflüchtet. Mit einem Früchtelieferanten seien sie in die Provinz G.______ gefahren. Während den vier Tagen in G.______ habe er mit seinem Vater Kontakt aufgenommen. Er habe ihm mitgeteilt, dass seine Familie das Gebiet ver- lassen habe. Zudem habe sein Vater eine weitere schriftliche Bedrohung erhalten, worin auch er (der B eschwerdeführer) erwähnt worden sei. Weil er nicht habe ins Dorf zurückkehren können, habe er keinen anderen Weg gehabt, als Afghanistan im Februar 2016 zu verlassen. In der Schweiz sei er online bei «(…)» (…) aktiv. Zudem habe er ein Buch über seine Flucht und die Veränderung der Lage in Afghanistan seit 2014 geschrieben. E. Mit Verfügung vom 9. Januar 2018 – eröffnet am 11. Januar 2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch vom 15. Juni 2016 ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. F. Mit Eingabe vom 12. Februar 2018 liess der Beschwerdeführer handelnd durch seinen damaligen Rechtsvertreter gegen diesen Ents cheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft fest- zustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit und die Unzumutbarkeit des Wegweisun gsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Sache zur er- neuten Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er zudem beantra- gen, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihm die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu ge- währen. G. Mit Verfügung vom 15. Februar 2018 stellte der zuständige Instruktions- richter des Bundesverwaltungsgerichts fest, der Besc hwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und hiess das Ge-D-886/2018 Seite 5 such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter der Voraus- setzung des Nachweises der Bedürftigkeit sowie unter Vorbehalt der Ver- änderung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers gut. H. Am 15. Februar 2018 reichte das Sozialamt des Kantons H.______ beim Bundesverwaltungsgericht eine Fürsorgebestätigung den Beschwerdefüh- rer betreffend ein. I. Mit Verfügung vom 22. Februar 2018 hiess der Instruktionsrichter das Ge- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gut und ordnete dem Beschwerdeführer den damaligen Rechtsvertreter als amtli- cher Rechtsbeistand bei. Gleichzeitig gab er dem SEM Gelegenheit, eine Vernehmlassung zur Beschwerdeeingabe einzureichen. J. In seiner Vernehmlassung vom 8. März 2018 hielt das SEM vollumfänglich an seinen Erwägungen fest. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwer- deführer am 15. März 2018 zur Kenntnisnahme zugestellt. K. Mit Schreiben vom 28. Februar 2019 ersuchte der damalige Rechtsvertre- ter um Entlassung als amtlicher Rechtsbeistand, da er sein Arbeitsverhält- nis bei der HEKS Rechtsberatungsstelle beende und anschliessend als Rechtsvertreter und Teamleiter im Bundesasylzentrum arbeiten werde. Ein allfälliger Honoraranspruch sei der HEKS Rechtsberatungsstelle zu über- weisen. L. Mit Verfügung vom 7. März 2019 hiess der Instruktionsrichter das Gesuch des damaligen Rechtsvertreters um Entlassung aus dem Amt als amtlicher Rechtsbeistand gut und ordnete dem Beschwerdeführer den jetzigen Rechtsvertreter neu als amtlicher Rechtsbeistand bei. M. Mit Eingabe vom 23. Mai 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Bestäti- gung des Ministeriums für Hochschulbildung und einen Artikel zur Situation von (…) in Afghanistan je mit einer Übersetzung ein. D-886/2018 Seite 6 N. Am 23. Juli 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Kopie seines Lehrver- trags und eine Kostennote ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge- setzesartikel sind unverändert vom AuG ins AIG übern ommen worden, weshalb nachfolgend die neue Gesetzesbezeichnung verwendet wird. 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). D-886/2018 Seite 7 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer be stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers seien einerseits nicht glaubhaft und würden andererseits der Asylrelevanz entbehren. Im Einzelnen führte es aus, die unterschiedlichen Angaben des Beschwer- deführers zu den letzten Wohnorten vor der Ausreise sowie zu den Papie- ren seien auffällig. In der BzP habe er angegeben, von Geburt bis vor etwa zwei Jahren in B._______ gelebt zu haben. In B._______ habe er die Schule bis zur Maturität absolviert. Eineinhalb Jahre vor der Ausreise sei er nach Mazar -i-Sharif umgezogen. In diesen eineinhalb Jahren habe er die Universität besucht. Im Jahre 2015 habe er einen Pass bekommen. Diesen habe er in Mazar-i-Sharif gelassen. Demgegenüber habe er in der Anhörung behauptet, von Geburt an 18 Jahre lang in B._______ gelebt zu haben. Danach sei er für drei Jahre zur Ausbildung und wegen des Gym- nasiums nach Mazar-i-Sharif gegangen. Auf mehrfache Nachfragen, wel- che er jeweils ausweichend beantwortet habe, habe er zu Protokoll gege- ben, er habe in Mazar-i-Sharif drei Jahre das Gymnasium besucht. Danach habe er weitere eineinhalb Jahre in einem Studentenheim im Mazar-i-Sha- rif gelebt, um an der Unive rsität zu studieren. Später habe er ausgeführt, bereits nach drei Jahren nach B._______ zurückgekehrt zu sein, um schliesslich erneut von einem Aufenthalt von viereinhalb Jahren in Mazar-D-886/2018 Seite 8 i-Sharif zu sprechen. In B._______ habe er die letzten sechs Monate v or der Ausreise aus Afghanistan gelebt. Er wisse nicht, wo sich sein Pass be- finde. Als er von D.______ nach C._______ unterwegs gewesen sei, habe er ihn noch dabeigehabt, bei der Rückkehr nicht mehr. Diese mehrfach wi- dersprüchlichen Aussagen habe er nicht zu erklären vermocht. Angesichts dieser Ausgangslage würden sich erhebliche Zweifel an den von ihm an- gegebenen letzten Wohnorten in Afghanistan ergeben sowie zum Ausrei- sezeitpunkt. Folglich gelte Gleiches in Bezug auf die Glaubhaftigkeit seiner Ausreisegründe. Hinzu kämen weitere Ungereimtheiten. Während der An- hörung habe er behauptet, bereits vor Januar/Februar 2016 Probleme we- gen des Vaters gehabt zu haben. Die Leute im Dorf hätten ihn deswegen unterdrückt. Aus diesem Grunde sei er nach Mazar-i-Sharif umgezogen. Er sei trotz Nachfrage aber nicht in der Lage gewesen, diese Probleme im Dorf zu konkretisieren. Im Verlaufe der BzP habe er erklärt, im Februar 2016 sei dem Dorfvorsteher ein Brief geschickt worden. Darin sei nach den Namen derjenigen gefragt worden, welche für den Staat arbeiten würden. Der Dorfvorsteher habe daraufhin seine Mutter gewarnt und ihr gesagt, er habe diesen Brief erhalten, aber nicht beantwortet. Er mache sich Sorgen, weil es ihn und seinen Vater betreffen könnte. Der Dorfvorsteher habe des- halb geraten, dass er und sein Vater nicht mehr ins Dorf zurückkehren soll- ten. Demgegenüber habe er in der Anhörung ausgeführt, die Taliban hätten damals eine schwarze Liste an den Dorfvorsteher geschickt. Auf dieser Liste sei sein Name, der Name sei nes Vaters, seines Cousins und zweier Sicherheitskommandanten gewesen. Man habe gefordert, diese Personen auszuliefern, ansonsten werde man sie umbringen. Er sei durch den Mul- lah der Moschee darüber informiert worden. Jener hätte den Taliban eine Liste von Lehrpersonen, Soldaten, Mitgliedern der Volkspolizei und Trai- nern, die sich in der Organisation «Kampf gegen Gewaltbekämpfung ge- gen Frauen» betätigt hätten, geben müssen, habe es aber nicht getan, sondern die Liste an den Sicherheitsdienst weitergeleitet. Die Widersprü- che habe er in der Anhörung ebenfalls nicht nachvollziehbar klären können. Zudem habe er in der BzP angegeben, 25 Tage nach der Anfrage der Tali- ban beim Dorfvorsteher entführt worden zu sein. Er sei damals auf dem Rückweg von der Beerdigung seines Cousins von D.______ nach Mazar- i-Sharif gewesen. Die Taliban hätten bei dieser Gelegenheit seine afghani- sche Identitätskarte beschlagnahmt. In der Anhörung habe er aber ange- geben, sein Cousin sei zehn Tage nach Erhalt der ersten schriftlichen Dro- hung ums Leben gekommen. Am nächsten Tag sei er beerdigt worden. Die Entführung habe nach der Trauerzeremonie stattgefunden. Er sei damals von C._______ in die Stadt D.______ unterwegs gewesen. Später habe er D-886/2018 Seite 9 angegeben, auf dem Weg zur Beerdigung gewesen zu s ein, um sich da- raufhin erneut zu korrigieren, indem er zu Protokoll gegeben habe, er sei von D.______ nach C._______ gereist, habe dort an der Beerdigung teil- genommen und sei anschliessend auf dem Rückweg nach Hause in die Stadt D.______ entführt worden. Auch diese Aussage habe er schliesslich korrigiert. Er sei nicht auf dem Weg nach Hause gewesen, sondern von C._______ nach D.______. Die Aussage in der BzP in Bezug auf die 25 Tage habe er nicht erklären können. Darüber hinaus habe er in der BzP angegeben, der zweite Drohbrief sei gekommen als er bereits in Griechen- land gewesen sei. Vor der Ausreise habe er keine Drohungen erhalten. Demgegenüber habe er während der Anhörung ausgeführt, dieser Droh- brief sei gekommen, als er in G.______, also noch in Afghanistan gewesen sei. Bereits vor der Ausreise habe er davon durch seinen Vater erfahren, über die Details allerdings erst in Griechenland. Auch habe er in der BzP behauptet, er wisse nicht, wo sich seine Mutter und seine Geschwister be- fänden, weil sie vor fünf bis sechs Monaten von den Taliban entführt wor- den seien. Im Gegensatz dazu habe er in der Anhörung ausgeführt, er habe nach der Ausreise von seinem Vater erfahren, dass er vom Tierarzt die Mit- teilung erhalten habe, dass seine Mutter und Geschwister das Dorf selbst- ständig verlassen und sich an einen unbekannten Ort begeben hätten, nachdem der zweite Brief gekommen sei und weil in seiner Heimat Krieg herrsche. Darauf angesprochen habe er ausgeführt, in der BzP nicht von einer Entführung gesprochen zu haben. Diese Behauptung könne nicht ge- hört werden, sei ihm doch das BzP-Protokoll rückübersetzt worden. Die von ihm eingereichten Beweismittel seien erfahrungsgemäss käuflich leicht erhältlich. Angesichts der dargelegten Unglaubhaftigkeit seiner Vor- bringen könne im vorliegenden Fall auf eine eingehende Würdigung der Dokumente verzichtet werden. Sie würden trotzdem zu folgenden Bemer- kungen Anlass geben: Die Unterlagen, welche er im Zusammenhang mit seiner Ausbildung und beruflichen Tätigkeit sowie derjenigen seines Vaters abgegeben habe, würden keine Verfolgung belegen. Auch stünden dieje- nigen in Bezug auf seinen Vater im Widerspruch zu seinen eigenen Aussa- gen. Das abgegebene Video zeige Interviews eines Reporters des Senders TOLO-TV mit Zeugen von Entführungen. Es belege die geltend gemachten Verfolgungen ebenfalls nicht. Folglich sei die von ihm geltend gemachte Verfolgung nicht glaubhaft. Damit ergäben sich auch keine Hinweise auf eine mögliche Verfolgung durch die Taliban nach einer Rückkehr nach Af- ghanistan. D-886/2018 Seite 10 Er habe geltend gemacht, auch wegen der schlechten Sicherheitslage aus- gereist zu sein. Er habe sich in seiner Heimat nicht frei und sorglos bewe- gen können. Diese Aussagen seien Ausdruck der allgemeinen Lage in Af- ghanistan. Sie würden keine zielgerichtete Verfolgung darstellen. Folglich sei dieses Vorbringen nicht asylrelevant. Schliesslich habe er ausgeführt, in der Schweiz online bei «(...)» (...) aktiv zu sein. Zudem habe er ein Buch über seine Flucht und die Veränderung der Lage seit 2014 geschrieben. Aus diesen Vorbringen ergäben sich keine Hinweise auf eine begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung. 4.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, die Vo- rinstanz stütze sich hinsichtlich der Widersprüche zu den Wohnorten sowie zum Zeitpunkt der Ausreise aus Afghanistan primär auf Aussagen des Be- schwerdeführers, welche dieser im Rahmen seiner Anhörung gemacht habe und verweise dabei unter anderem auf die Seiten 2 bis 6 des Anhö- rungsprotokolls. Die Vorinstanz berücksichtige jedoch die abschliessenden Erläuterungen des Beschwerdeführers zu seinen Wohnorten und zu seiner Ausbildung nicht. So habe er erklärt, dass er insgesamt viereinhalb Jahre in Mazar-i-Sharif gelebt habe. Drei Jahre habe er das und anschliessend für eineinhalb Jahre die Universitä t besucht. Im Rahmen der BzP sei der Beschwerdeführer lediglich betreffend seine Schulzeit befragt worden, weshalb er auch über die drei Jahre Gymnasium in Mazar-i-Sharif berichtet habe. Bei der Anhörung habe er hingegen die Möglichkeit gehabt, seinen Lebenslauf ausführlich zu schildern und habe dies in ausführlicher und nachvollziehbarer Weise getan. Bezüglich der Ausführungen zum Erhalt des Drohbriefes durch den Mullah sowie dem Inhalt des Drohbriefes habe die Vorinstanz die Aussagen des Beschwerdeführers nicht korrekt interpre- tiert und gehe davon aus, dass der Mullah lediglich ein Schreiben der Tali- ban erhalten habe. Wie der Beschwerdeführer jedoch im Rahmen der BzP erklärt habe, sei der Mullah zuerst aufgefordert worden, die Namen der Personen zu nennen, welche in seinem Dorf leben und für den Staat arbei- ten würden. Der Mullah habe daraufhin die Mutter des Beschwerdeführers informiert und ihr erklärt, dass der Beschwerdeführer und sein Vater auf dieser Liste seien. Zu diesem Zeitpunkt habe der Mullah die Liste noch nicht eingereicht, habe dies aber kurz darauf getan. Erst anschliessend habe der Mullah eine Liste von den Taliban erhalten. Die darauf aufgeführ- ten Personen seien von den Taliban gesucht worden und sollten ihnen übergeben werden oder sich den Taliban stellen. Im Rahmen der Anhörung sei der Beschwerdeführer ausschliesslich zu dieser Liste befragt worden, weshalb er auch diesbezüglich Auskunft gegeben habe. Trotz der zahlrei- chen Glaubhaftigkeitsmerkmale habe die Vorinstanz auf eine eingehende D-886/2018 Seite 11 Würdigung der vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel verzich- tet und in pauschalisierender Weise festgestellt, dass diese käuflich leicht erwerblich seien. Die Vorinstanz habe es somit unterlassen, einen zentra- len Teil der Vorbringen des Beschwerdeführers, nämlich seine (...) Tätigkeit genauer zu untersuchen. Zusammenfassend sei deshalb festzustellen, dass der Beschwerdeführer seine Vorbringen im Wesentlichen nachvoll- ziehbar und kongruent habe schildern können. Die Vorinstanz habe es je- doch versäumt, eine Gesamtwürdigung der Vorbringen des Beschwerde- führers vorzunehmen und habe diese zu Unrecht als unglaubhaft bezeich- net. Der Beschwerdeführer habe insgesamt glaubhaft gemacht, dass er in Afghanistan aufgrund seiner eigenen Tätigkeit sowie auch wegen der T ä- tigkeit seines Vaters von den Taliban verfolgt worden sei. Der Beschwerde- führer sei deshalb als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu ge- währen. Sollte dem Beschwerdeführer wider Erwarten kein Asyl gewährt werden, sei die angefochtene Verfügung zu r Neubeurteilung an die Vo- rinstanz zurückzuweisen, damit insbesondere eine umfassende Würdi- gung der Vorbringen sowie der Beweismittel vorgenommen werden könne. 5. In der Beschwerde wird geltend gemacht, das SEM habe seine Verfügung nicht hinreichend begründe t und damit das rechtliche Gehör des Be- schwerdeführers verletzt, indem es die Vorbringen des Beschwerdeführers und die Beweismittel nicht umfassend gewürdigt habe. Dem kann nicht ge- folgt werden. Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung nicht bezwei- felt, dass der Beschwerdeführer sich (...) betätigt hat, weshalb es sich hierzu nicht weiter zu äussern brauchte. Es hat lediglich die daraus abge- leitete Verfolgung als unglaubhaft erachtet. Hierzu hat es anschaulich dar- gelegt, inwiefern der Beschwerdeführer sic h in seinen Ausführungen zu den Asylgründen widersprochen hat. Die Vorinstanz ist zudem auf die Be- weismittel eingegangen. Einerseits stellte sie fest, dass die eingereichten Beweismittel leicht käuflich erhältlich seien. Andererseits würden die Un- terlagen im Zusammenhang mit seiner Ausbildung und den beruflichen Tä- tigkeiten sowie diejenige n seines Vaters und das eingereichte Video von TOLO-TV keine Verfolgung belegen. Schliesslich stünden die Beweismittel in Bezug zu seinem Vater im Widerspruch zu seinen Aussagen. Alleine der Umstand, dass das SEM die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Asylgründe und die eingereichten Beweismittel anders würdigte als der Be- schwerdeführer beziehungsweise dessen Rechtsvertreter, spricht nicht für eine Verletzung der Begrün dungspflicht. Das rechtliche Gehör des Be- schwerdeführers wurde nicht verletzt. Der Rückweisungsantrag ist folglich abzuweisen. D-886/2018 Seite 12 6. 6.1 Der Beschwerdeführer macht zur Asylbegründung geltend er sei auf- grund seiner Arbeit als (…) und wegen seines Vaters, welcher für die NATO arbeite, von den Taliban verfolgt worden. Er sei in einem Drohbrief bezie- hungsweise einer Liste namentlich erwähnt und einmal entführt worden, woraufhin er geflüchtet sei. 6.2 Übereinstimmend mit der Einschätzung des SEM ist die vom Be- schwerdeführer geltend gemachte Verfolgung durch die Taliban nicht als glaubhaft zu erachten. Seine Angaben anlässlich der BzP und diejenigen bei der Anhörung enthalten eine Vielzahl von Widersprüchen. Diesbezüg- lich kann vorweg auf die zutreffenden Erwägungen des SEM in der ange- fochtenen Verfügung verwiesen werden kann. In der Beschwerde wird gel- tend gemacht, die Widersprüche die Ausbildung und Wohnorte betreffend würden in den abschliessenden Erläuterungen anlässlich der Anhörung aufgelöst. In der BzP erklärte der Beschwerdeführer jedoch entgegen den diesbezüglichen Einwänden eben gerade nicht, dass er das Gymnasium in Mazar-i-Sharif besucht habe, sondern dass er in D.______ die Schule bis zum Erhalt der Maturität besucht habe. In Mazar -i-Sharif habe er nur ein- einhalb Jahre studiert und als (…) und (…) gearbeitet (vgl. Akte A8/11 S. 4 Ziff. 1.17.04). Zudem führte er anlässlich der BzP aus, er habe nur die letz- ten eineinhalb Jahre in Mazar-i-Sharif gelebt (vgl. Akte A8/11 S. 4 Ziff. 2.01) und nicht viereinhalb Jahre wie er anlässlich der Anhörung zu Protokoll gab (vgl. Akte A19/18 F17-33) und in der Beschwerde geltend gemacht wird. Die Widersprüche hinsichtlich der Ortschaft, in der das Gymnasium be- sucht habe, und der Aufenthaltsdauer in Mazar -i-Sharif konnte der Be- schwerdeführer weder anlässlich der Anhörung auflösen noch gelingt dies in der Beschwerde. Der Erklärung in der Beschwerde, das SEM habe die Ausführungen des Beschwerdeführers hinsichtlich des Drohbriefes bezie- hungsweise der Liste falsch interpretiert, kann nicht gefolgt werden. Viel- mehr ist bei der Erklärung in der Beschwerde von einer nachträglichen An- passung des Sachverhalts auszugehen. Anlässlich der BzP führte der Be- schwerdeführer nämlich aus, der Dorfvorsteher sei von den Taliban aufge- fordert worden, Namen von Personen zu melden, die für den Staat arbeiten würden, er dies aber nicht gemacht habe (vgl. Akte A8/11 S. 6 Ziff. 7.01). Anlässlich der Anhörung gab der Beschwerdeführer bei der freien Schilde- rung der Asylgründe jedoch an, die Taliban hätten bereits ein e schwarze Liste mit Namen an den Dorfvorsteher geschickt, auf welcher sich sein Name und der Name des Vaters und des Cousins sowie zweier Sicher- heitskommandanten aufgeführt gewesen wären. Eine vorangehende An- frage der Taliban an den Dorfvorsteher erwähnte er hingegen nicht (vgl. D-886/2018 Seite 13 Akte A19/18 F35). Schliesslich konnte der Beschwerdeführer auch die gel- tend gemachte Entführung durch die Taliban im Februar 2016 nicht glaub- haft schildern. Einerseits gab er zwar anlässlich der Anhörung übereinstim- mend mit seinen Angaben bei der BzP an, er sei in E.______ von den Ta- liban entführt worden, als er von der Beerdigung in C._______ nach D.______ beziehungsweise Mazar-i-Sharif unterwegs gewesen sei. Ande- rerseits ist jedoch nicht nachvollziehbar, warum der Beschwerdeführer in E.______ entführt worden sein soll, zumal sich E.______ von C._______ in der entgegengesetzten Richtung zu D.______ befindet. Auch zum Zeit- punkt der Entführung machte der Beschwerdeführer widersprüchliche An- gaben, die nicht in Einklang stehen. Anlässlich der BzP erklärte er, er sei 25 Tage, nachdem der Dorfvorsteher die Anfrage erhalten habe, entführt worden, als er von der Beerdigung seines Cousins zurückkehrte (vgl. Akte A8/11 S. 7 Ziff. 7.01). Bei der Anhörung gab er hingegen zu Protokoll, sein Cousin sei zehn Tag e nach Erhalt der ersten Drohung ermordet worden und am elften Tag habe die Beerdigung stattgefunden. Schliesslich gab der Beschwerdeführer anlässlich der BzP an, im Raum seien bereits drei an- dere Gefangene gewesen (vgl. Akte A8/11 S. 7 Ziff. 7.01). Demgegenüber erklärte er bei der Anhörung, es habe sich nur eine Person bereits im Raum befunden (vgl. Akte A19/18 F35, F63). Vernachlässigbar ist die Differenz von einem Tag bezüglich der Dauer der Gefangenschaft (vgl. Akten A8/11 S. 7 Ziff. 7.01: zwei Tage, A19/18 F35, F64, drei Tage). Seine Schilderung der mehrtägigen Festhaltung erweckt jedoch nicht den Eindruck, dass er diese selber erlebt hat. So weist sie weder Details noch Realkennzeichen auf. Der Beschwerdeführer beschreibt weder das Haus noch die Räumlich- keiten, wo er angeblich mehrere Tage festgehalten worden sei, und auch die Taliban werden mit keinen charakteristischen Eigenschaften beschrie- ben. Die Schilderung der eigenen Festnahme und Festhaltung durch die Taliban sowie die Flu cht aus der Gefangenschaft fällt seitens des Be- schwerdeführers zudem ausgesprochen emotionslos aus, dies obschon er gemäss dem Drohbrief beziehungsweise der Liste der Taliban zum Tode verurteilt worden und während der Festnahme ausgepeitscht worden sein soll (vgl. Akte A19/18 F35, F62, F67). Schliesslich machte der Beschwer- deführer auch hinsichtlich des Zeitpunkts, als der zweite Drohbrief zu Hause eingetroffen sei, unlogische Angaben. Anlässlich der BzP gab er an, dieser sei erst zu Hause angekommen, als e r schon in Griechenland ge- wesen sei. Anlässlich der Anhörung sagte er jedoch, sein Vater habe vom zweiten Drohbrief bereits Kenntnis gehabt, als er sich noch in G.______ aufgehalten habe (vgl. Akte A19/18 F47 -49). Aufgrund dieser Widersprü- che im Kernvorbri ngen des Beschwerdeführers ist die geltend gemachte D-886/2018 Seite 14 Verfolgung durch die Taliban unglaubhaft. Daran vermag auch der einge- reichte angebliche zweite Drohbrief der Taliban nichts zu ändern. Einerseits hat das SEM zutreffend festgestellt, dass solche Dokumente leicht käuflich erhältlich seien. Andererseits hat sich der Beschwerdeführer, wie bereits ausgeführt, über den Zeitpunkt des Erhalts desselben widersprüchlich ge- äussert, weshalb begründete Zweifel an der Authentizität des Briefes be- stehen. 7. Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht ge- lungen ist, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaub- haft zu machen, weshalb das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). D-886/2018 Seite 15 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen , kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Af- ghanistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaa t dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte ( EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl . Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Solches ist im vorliegenden Fall nicht ersichtlich. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Afghanistan lässt den Wegwei- sungsvollzug zum heutigen Zei tpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. D-886/2018 Seite 16 9.3 9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.3.2 Betreffend die allgemeine Lage in Afghanistan ist vorab auf die vom Bundesverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung im Koordina- tionsurteil BVGE 2011/7 zu verweisen. Die Sicherheitslage sowie die hu- manitären Bedingungen in weiten Teilen Afghanistans – ausser allenfalls in den Grossstädten – wird als äusserst schlecht bezeichnet. Die Situation in Afghanistan wurde praktisch flächendeckend als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG qualifiziert (vgl. BVGE 2011/7 E. 9.3 ff.). 9.3.3 Diese Einschätzung wurde im Referenzurteil D -5800/2016 vom 13. Oktober 2017 grundsätzlich bestätigt, wobei generell von einer “deutli- chen Verschlechterung“ der Situation festgestellt wurde. In weiten Teilen Afghanistans bestünden unverändert eine derart schlechte Sicherheitslage sowie derart schwierige humanitäre Bedingungen, dass die Situation als existenzbedrohend einzustufen und der Wegweisungsvollzug nach wie vor als unzumutbar zu beurteilen sei. 9.3.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat nun im Urteil D-4287/2017 vom 8. Februar 2019 (als Referenzurteil publiziert) eine Analyse der Situation in Mazar-i-Sharif vorgenommen. Zusammenfassend hielt es fest, dass sich die Sicherheitslage in der Stadt Mazar -i-Sharif in den letzten Jahren ver- schlechtert habe, während sich im Bereich der humanitären Situation Ver- besserungen und Rückschläge die Waage halten dürften. Im Vergleich zu anderen Regionen und Städten Afghanistans zähle die Stadt Mazar-i-Sha- rif immer noch zu den stabileren und ruhigeren Orten. Folglich rechtfertige es sich insgesamt nicht, aktuell eine generelle Unzumutbarkeit der Rück- kehr dorthin anzunehmen. Vielmehr sei daran festzuhalten, dass bei Vor- liegen begünstigender Umstände weiterhin von der Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs in die Stad t Mazar-i-Sharif auszugehen sei. Allerdings sei mit Nachdruck daran zu erinnern, dass nicht jeder noch so schwache Bezugspunkt zu Mazar -i-Sharif für die Annahme begünstigender Um- stände genüge. Vielmehr sei eine Gesamtbeurteilung der verschiedenen Faktoren, wie sie bereits in BVGE 2011/49 erwähnt worden seien, vorzu- nehmen. Diese gesamthafte Betrachtung müsse zum Schluss führen, im D-886/2018 Seite 17 konkreten Einzelfall seien begünstigende Voraussetzungen für eine Rück- kehr nach Mazar-i-Sharif gegeben (vgl. a.a.O. E. 6.2.3.5). Angesichts die- ser aktuellen Lagebeurteilung durch das Gericht ist auf die in der Be- schwerde vertretene, anderslautende Einschätzung nicht weiter einzuge- hen. 9.3.5 Der Beschwerdeführer stammt gemäss eigenen Angaben ursprüng- lich aus B._______ (Distrikt C._______, Provinz Ghazni), wohin der Voll- zug der Wegweisung unzumutbar wäre. Der Beschwerdeführer hat jedoch in Mazar-i-Sharif, auch wenn hinsichtlich der Aufenthaltsdauer keine über- einstimmenden Angaben vorliegen (vgl. E. 6.2), immerhin eineinhalb be- ziehungsweise viereinhalb Jahre gelebt. Er ist jung, gesund und studierte an der Universität in Mazar -i-Sharif (…). Zudem arbeitete er dort als (…) und als (…). Sein Vater lebt in Mazar-i-Sharif, wo er eine Arbeitsstelle bei der NATO hat. Hinsichtlich der Vorkommnisse bezüglich seiner Mutter und Geschwister hat der Beschwerdeführer keine kongruenten Angaben ge- macht (vgl. E. 6.2). Unabhängig davon, wo sich diese tatsächlich aufhalten, ist anzunehmen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines Studiums und seiner beruflichen Tätigkeiten in Mazar-i-Sharif auf ein tragfähiges so- ziales Beziehungsnetz zurückgreifen kann, welches ihm eine angemes- sene Unterkunft, Grundversorgung sowie Hilfe zur sozialen und wirtschaft- lichen Reintegration bieten kann. Aufgrund seiner guten Ausbild ung und seiner Arbeitserfahrung dürfte es dem Beschwerdeführer möglich sein, wieder eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Nach dem Gesagten er- weist sich der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Ma- zar-i-Sharif nicht als unzumutbar. 9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). D-886/2018 Seite 18 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wurde mit Verfügung vom 15. Februar 2018 unter der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsor- gebestätigung sowie unter Vorbehalt der Veränderung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers gutgeheissen. Die Bedürftigkeit des Be- schwerdeführers wurde mit einer Fürsorgebestätigung vom 14. Februar 2018 belegt. Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 23. Juli 2019 seinen Lehrvertrag ein, wonach er am 1 . August 2019 eine Lehre als (…) angefangen hat und einen monatlichen Bruttolohn von Fr. 1020.– erhält. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass er damit den prozessualen Notbedarf übersteigende Einkünfte erzielt hat. Da der Beschwerdeführer mithin nach wie vor als prozessual bedürftig zu betrachten ist, werden ihm vorliegend keine Verfahrenskosten auferlegt. 11.2 Das Gesuch um Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistands im Sinne von Art. 110a Abs. 1 AsylG wurde mit Verfügung vom 22. Februar 2018 gutgeheissen. Die notwendigerweise erwachsenen Parteikosten sind deshalb durch das Bundesverwaltungsgericht zu übernehmen (vgl. aArt. 110a Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 9–14 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Eingabe vom 23. Juli 2019 wurde eine Kostennote eingereicht, worin der zeitliche Aufwand von neun Stunden und 15 Minuten und Auslagen von Fr. 42.– aufgeführt sind. Dies erscheint an- gemessen. Nach Praxis des Gerichts werden amtlich bestellten Rechtsver- tretern ohne Anwaltspatent mit einem Stundensatz von Fr. 100.– bis 150.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Der in der Kostennote verrechnete Stundenansatz von Fr. 250.– ist entsprechend auf Fr. 150.– zu reduzieren. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem amtlichen Rechtsbeistand zu Lasten des Bun- desverwaltungsgerichts ein Honorar von insgesamt Fr. 1429.50 (inkl. Aus- lagen) zu vergüten. (Dispositiv nächste Seite) D-886/2018 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird durch das Bundesverwaltungsgericht ein Honorar von Fr. 1429.50 ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Sarah Ferreyra Versand: