Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. August 2021 (715 20 463 / 204) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Aufgrund einer Würdigung der konkreten Umstände zeigt sich, dass die Beschwerdefüh- rerin mit dem Abschluss des im arbeitsrechtlichen Schlichtungsverfahren geschlosse- nen Vergleiches nicht freiwillig und ohne vernünftigen Grund auf Leistungen aus dem Ar- beitsverhältnis verzichtete, weshalb ihr Verhalten nicht unter Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG zu subsumieren ist und eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu Unrecht erfolgte Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber in Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Erik Wassmer, Advokat, Advokatur am Fischmarkt, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A.1 A.____, geboren 1978, arbeitete ab 1. Mai 2016 zunächst temporär und ab 18. Januar 2017 unbefristet im Gasthaus B.____ als Reinigungs- u nd Küchenmitarbeiterin (vgl. Arbeitsver- trag vom 15. Januar 2017, act. 3, und Arbeitgeberbescheinigung vom 23. Oktober 2019, act. 26). Mit Schreiben vom 2. Oktober 2019 kündigte der Arbeitge ber das Arbeitsverhältnis fristlos (act. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1). Da die Versicherte das Schreiben nicht abgeholt hatte, bezahlte er den Lohn noch bis 6. Ok- tober 2019 aus (vgl. Lohnblatt 2019, act. 31). Am 21 . Oktober 2019 meldete sich A.____ zur Arbeitsvermittlung an und erhob gegenüber der Öffent lichen Arbeitslosenkasse Baselland (Ar- beitslosenkasse) gleichentags Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (act. 14). A.2 Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs, bei dem sich d ie Versicherte durch Advokat C.____ hatte vertreten lassen (vgl. Eingabe vom 6. Dezember 2019, act. 71), stellte die Arbeits- losenkasse A.____ gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbin- dung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a der Verordnung über d ie obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 198 3 für 44 Tage in der Anspruchsbe- rechtigung ein (vgl. Verfügung vom 12. Dezember 2019, act. 78). In der Begründung führte sie aus, gestützt auf die Eingabe vom 6. Dezember 2019 un d die Akten werde vorerst von einer fristlosen Auflösung des Arbeitsverhältnisses ausgegangen. Die Versicherte habe mit ihrem Ver- halten die Arbeitslosigkeit in grober Weise selbstverschul det und sei in der Anspruchsberechti- gung einzustellen. Sie werde darauf hingewiesen, dass die Verfügung nach Abschluss eines all- fälligen Arbeitsgerichtsverfahrens überprüft und gegebenenfalls aufgehoben bzw. ersetzt werde. Zudem werde sie bereits jetzt darauf aufmerksam gemacht, dass versicherte Personen, die eine Kündigung, die eine vertragliche Frist missachte, akzepti eren würden, in die Auflösung des Ar- beitsverhältnisses einwilligen und damit ebenfalls den Tatbestand der selbstverschuldeten Ar- beitslosigkeit gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG erfüllen würden. A.3 Mit Verfügung vom 23. Januar 2020 (act. 93) stellte das KIGA, Abteilung Ergänzende Massnahmen ALV, A.____ für vier Tage in der Anspruchsberechtigung ein, nachdem sie unent- schuldigt nicht zu einem Arbeitseinsatz erschienen war. A.4 Mit Verfügung vom 28. Januar 2020 (act. 103) lehn te die Arbeitslosenkasse den An- spruch auf Arbeitslosentaggelder ab 31. Dezember 2019 infolge Krankheit ab. Am 30. Dezember 2019 sei der 30. Tag nach Beginn der ganzen oder teilw eisen Arbeitsunfähigkeit abgelaufen. Aufgrund der Krankheit bestehe kein Anspruch mehr auf Taggelder. Ab 31. Dezember 2019 be- stehe nur noch ein Anspruch auf Arbeitslosentaggelder, wenn die Bedingungen von Art. 28 Abs. 4 AVIG erfüllt seien. In der Folge wurde der Versicherten von Dr. med. D.____, Praktischer Arzt FMH, rückwirkend ab dem 1. Januar 2020 eine 100 %-ige A rbeitsfähigkeit attestiert (vgl. Attest vom 30. Januar 2020, act. 106) und die Arbeitslosenkasse richtete für den Januar 2020 wieder Arbeitslosentaggelder aus. Am 1. Februar 2020 rutschte die Versicherte im Treppenhaus aus und zog sich eine Mehrfachverletzung mit Schmerzen zu (act. 111). Infolgedessen richtete die Suva ab dem 4. Februar 2020 aufgrund einer 100%-igen unf allbedingten Arbeitsunfähigkeit ein Tag- geld in der Höhe von Fr. 92.20 aus (act. 115). A.5 Anlässlich der Schlichtungsverhandlung vom 19. Febru ar 2020 schlossen die Versi- cherte, vertreten durch Advokat C.____, und der Arbeitgeber eine Vereinbarung (vgl. Verfügung des Zivilgerichts E.____ vom 19. Februar 2020, act. 120 f.). Darin hielten die Parteien fest, dass das Arbeitsverhältnis durch den Arbeitgeber per 4. Oktobe r 2019 beendet worden sei. Die be- klagte Partei bezahle der Klagpartei bis 31. März 2020 einen Betrag von Fr. 7'500.-- brutto. Nach Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vollzug der vorgenannten Ziffern seien die Parteien per Saldo aller Ansprüche aus dem Arbeits- verhältnis vollständig auseinandergesetzt. Mit Eingabe vom 27. Februar 2020 liess A.____, im- mer noch vertreten durch Advokat C.____, der Arbeitslose nkasse eine Kopie dieser Verfügung zukommen und beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 12. Dezember 2019 und die Aus- zahlung der 44 Taggelder (act. 126). In der Folge prü fte die Arbeitslosenkasse das Schreiben vom 27. Februar 2020 als Wiedererwägungsgesuch (act. 12 9). Mit Entscheid vom 9. Juli 2020 zog sie die Verfügung vom 12. Dezember 2019 in Wiedere rwägung, da die Einstellung der An- spruchsberechtigung ab 7. Oktober 2019 gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV zu Unrecht erfolgt sei (act. 151). A.6 Mit Verfügung vom 10. Juli 2020 (act. 162) stellte die Arbeitslosenkasse A.____ ab 7. Oktober 2019 wegen Verzichts auf Lohn- oder Entschädigungsansprüche gegenüber dem Arbeit- geber zu Lasten der Arbeitslosenversicherung für 25 Tag e in der Anspruchsberechtigung ein. Nachdem die Versicherte dagegen am 31. August 2020 Einsp rache erhoben hatte, wies die Ar- beitslosenkasse diese mit Einspracheentscheid vom 30. Oktober 2020 ab und bestätigte die Ver- fügung vom 10. Juli 2020. Gleichzeitig verneinte sie einen Anspruch auf unentgeltliche Verbei- ständung im Einspracheverfahren aufgrund der Aussichtslosigkeit desselben und fehlender Not- wendigkeit einer anwaltlichen Vertretung. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Erik Wassmer, substitutionsweise ver- treten durch Mlaw Christian Furler, mit Eingabe vom 30. November 2020 Beschwerde beim Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie liess die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 10. Juli 2020 beantragen. Die Beschwerdegegne- rin sei anzuweisen, ihr mit Wirkung ab dem 2. Oktober 2019 Taggelder der Arbeitslosenversiche- rung zu entrichten und auf die Verfügung von 25 Einste lltagen wegen Verzichts auf Lohn- und Entschädigungsansprüchen gänzlich zu verzichten. Eventualiter seien die ausgesprochenen 25 Einstelltage angemessen zu reduzieren. Alles unter o/e-Kostenfolge, wobei ihr die unentgeltliche Verbeiständung für das Einspracheverfahren und das Besch werdeverfahren zu bewilligen sei. Mit Eingabe vom 29. Dezember 2020 liess die Beschwerdeführerin weitere Unterlagen zu ihrem Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung nachreichen. C. Mit Vernehmlassung vom 12. Februar 2021 beantragt e die Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. D. Mit Instruktionsverfügung vom 25. Februar 2021 wurde das Gesuch der Beschwerde- führerin um Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständ ung mit Advokat Erik Wassmer als Rechtsvertreter bewilligt und die Angelegenheit wurde dem Präsidium zur Beurteilung überwie- sen. Auf die Argumente in den einzelnen Rechtsschriften sow ie den Inhalt der Akten wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gerich t form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 30. November 2020 ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsidi erende Person der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- . Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet der Einspracheentscheid der Beschwer- degegnerin vom 30. Oktober 2020. Streitig und zu prü fen ist, ob die Beschwerdeführerin für die Dauer von 25 Tagen in der Anspruchsberechtigung einzu stellen ist und ob sie einen Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung im Einspracheverfahren hat. Bei einem Taggeld von Fr. 140.- - beläuft sich der Wert der Versicherungsleistungen auf F r. 3'500.--. Selbst unter Berücksichti- gung eines allfälligen UP-Honorars im Einspracheverfahren läge der Streitwert unter der erwähn- ten Grenze von Fr. 20'000.--. Die Angelegenheit ist daher präsidial zu entscheiden. 2.1 Vorab ist auf folgende verfahrensrechtliche Grundsät ze hinzuweisen: 2.2 Das Sozialversicherungsgericht hat die Abklärung des S achverhaltes gemäss dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen vorzuneh- men (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Danach hat es von sich aus un d ohne Bindung an die Parteibe- gehren für die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen (BGE 125 V 195 E. 2). 2.3 Im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen hat es ferner auf den festgestellten Sachverhalt denjenigen Rechtssatz anzuwenden, den es als zutreffend ansieht, und ihm auch die Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (BGE 11 0 V 52 E. 4a, 116 V 26 f. E. 3c). Es hat sich dabei nicht darauf zu beschränken, den Streitge genstand bloss im Hinblick auf die von den Parteien aufgeworfenen Rechtsfragen zu überprüfe n. Vielmehr kann es eine Beschwerde aus anderen Gründen gutheissen oder abweisen als von der Beschwerde führenden Partei vor- getragen oder von der Vorinstanz erwogen (BGE 119 V 2 8 E. 1b mit Hinweisen, 119 V 442 E. 1a). Das Prinzip der Rechtsanwendung von Amtes wegen gi lt namentlich auch im kantonalen Beschwerdeverfahren im Bereich der Arbeitslosenversicherung (BGE 122 V 36 f. E. 2b, vgl. auch Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute Schweizerisches Bundesgericht] vom 21. März 2005, C 234/04, E. 1.1). 2.4 Dem Sozialversicherungsgericht kommt in Sozialversiche rungssachen sodann eine voll- ständige Überprüfungsbefugnis zu. Es ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO in Verbin- dung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Sozialversicherungsgericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Sozialversicherungsgericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichen- des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensab- läufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 144 V 427 E. 3.2). 3.1 Nach Art. 337 des Bundesgesetzes betreffend die Erg änzung des Schweizerischen Zi- vilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR) vom 30. März 1911 kann der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis aus wichtige n Gründen jederzeit fristlos auflösen (Abs. 1). Als wichtiger Grund gilt jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zugemutet werden darf (Abs. 2). Über das Vorhandensein solcher Umstände entscheidet das Gericht nach seinem Ermessen (Art. 337 Abs. 3 OR). Eine fristlose Entlassung ist nur bei besonders schweren Ver- fehlungen des Arbeitnehmers gerechtfertigt. Ihre Zulässigkeit darf nur mit grosser Zurückhaltung angenommen werden. Die dafür geltend gemachten Vorko mmnisse müssen einerseits objektiv geeignet sein, die für das Arbeitsverhältnis wesentliche Vertrauensgrundlage zu zerstören oder zumindest so tiefgreifend zu erschüttern, dass dem Arbeit geber die Fortsetzung des Vertrags nicht mehr zuzumuten ist. Anderseits müssen sie auch tatsächlich zu einer derartigen Zerstörung oder Erschütterung des gegenseitigen Vertrauens geführt haben. Sind die Verfehlungen weniger schwerwiegend, so müssen sie trotz Verwarnung wiederholt vorgekommen sein (BGE 127 III 153 E. 1a mit Hinweisen). Entlässt der Arbeitgeber den Arbeitnehmer ohne hinreichenden Grund frist- los, so hat dieser Anspruch auf Ersatz dessen, was er verdient hätte, wenn das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der Kündigungsfrist oder durch Abla uf der bestimmten Vertragszeit beendigt worden wäre (Art. 337c Abs. 1 OR). Der ungerechtferti gt fristlos entlassenen Person ist mit an- deren Worten das positive Vertragsinteresse zu ersetzen. Überdies kann das Gericht den Arbeit- geber zu einer Strafzahlung von maximal sechs Monatslöhnen verurteilen (Art. 337c Abs. 3 OR). 3.2 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt u. a. voraus, dass die versicherte Per- son einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 8 Abs. 1 lit. b AVIG). Der Arbeitsausfall ist gemäss Art. 11 Abs. 1 AVIG anrechenbar, wenn er ei nen Verdienstausfall zur Folge hat und mindestens zwei aufeinanderfolgende volle Arbeitstage d auert. Ein Arbeitsausfall, für den der arbeitslosen Person Lohn- oder Entschädigungsansprüche wegen vorzeitiger Auflösung des Ar- beitsverhältnisses zustehen, ist nicht anrechenbar (Art. 11 Abs. 3 AVIG). In einem solchen Fall ist die Anspruchsberechtigung nicht gegeben. Unter den B egriff der Entschädigungsansprüche bei vorzeitiger Auflösung des Arbeitsverhältnisses fallen Ansprüche gestützt auf Art. 337c Abs. 1 OR. Wie vorstehend bereits dargelegt, handelt es sich um lohnmässige Entschädigungsansprü- che im Sinne eines Schadenersatzes für entgangenen Lohn (BGE 123 V 5 E. 5). 3.3 Verzichtet die versicherte Person rechtsgültig, beispie lsweise aufgrund eines gerichtli- chen Vergleichs oder eines Vertrages, durch ausdrückliches oder konkludentes Verhalten ganz oder teilweise auf die vorgenannten Ansprüche, rechtfertigt dieses Verhalten eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG. Bei den fraglichen Lohn- und Ent- schädigungsansprüchen muss es sich um Ansprüche für die Zeit k ontrollierter Arbeitslosigkeit handeln. Dabei ist zu untersuchen, ob überhaupt Entschädigungs- oder Lohnansprüche bestan- den haben, auf welche allenfalls verzichtet worden sein soll (JAQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S 133 f.). Die strittigen Ansprüche müssen eindeutig Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sein und der Verzicht darauf muss ohne hinreichenden Grun d erfolgen (ARV 1996/1997 Nr. 21 S. 119 E. 6b). 4.1 Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie fol gt dar: 4.2 Der Arbeitgeber kündigte das Arbeitsverhältnis fristl os mit Schreiben vom 2. Oktober 2019 (act. 1). Die fristlose Kündigung begründete er mit mehrfachem kurz vorher per Telefon mitgeteiltem Fernbleiben von der Arbeit, einer fehlenden Information bezüglich der krankheitsbe- dingten Abwesenheit vom 30. Mai bis 4. Juni 2019 und wiederholtem frühzeitigem Verlassen des Arbeitsplatzes, obwohl die Aufgaben noch nicht erledigt gewesen seien. Man habe mehrmals das Gespräch gesucht und auf das Fehlverhalten aufmerksam gem acht und mündliche Abmahnun- gen ausgesprochen. 4.3 Mit Schlichtungsgesuch vom 13. Januar 2020 (Beschwerde beilage 8) beantragte die Be- schwerdeführerin, es sei der Arbeitgeber zu verurteilen , ihr einen Lohnersatz im Betrag von Fr. 10'280.-- brutto inkl. Anteil 13. Monatslohn von Fr. 900.-- pro rata, zuzüglich Zins seit Beendi- gung des Arbeitsverhältnisses, sowie eine Entschädigung von vier Monatslöhnen in der Höhe von insgesamt Fr. 14'400.-- zu bezahlen. In der Begründung wurde geltend gemacht, die Abwe- senheiten seien normale Krankheitstage gewesen, für die jeweils ein Arztzeugnis eingeholt wor- den sei. Dass die Klägerin der Aufforderung des Arbeitgebers, trotzdem zur Arbeit zu erscheinen, nicht nachgekommen sei, sei ihr Recht. Die Absenzen seien deshalb rechtlich nicht zu beanstan- den. Der Arbeitgeber sei in den drei Jahren der Anstellung stets mit der Arbeitsleistung zufrieden gewesen. Entgegen der Behauptung des Arbeitgebers hätten weder schriftliche noch mündliche Abmahnungen stattgefunden. Beweise für derartige Abm ahnungen gebe es nicht. Vielmehr sei die plötzliche fristlose Kündigung auf die Neueinstellung eines Lehrlings zurückzuführen, der die Arbeit günstiger verrichte und die Arbeitsleistung der Klägerin überflüssig mache. Ein wichtiger Grund, der dem Arbeitgeber das Weiterführen des Arbeitsverhältnisses hätte als unzumutbar er- scheinen lassen, liege nicht vor. Die Klägerin habe daher gemäss Art. 337c Abs. 1 OR Anspruch auf Ersatz dessen, was sie verdient hätte, wenn das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der Kün- digungsfrist beendigt worden wäre. Die Klägerin sei vom Tag der Kündigung an bis Ende Oktober 2019 krank gewesen. Auch bei einer fristlosen Kündigung müsse aufgrund der Sperrfrist von einer verlängerten Kündigungsfrist ausgegangen werde n, weshalb eine ordentliche Kündigung erst per Ende Dezember 2019 möglich gewesen wäre. Für Oktober sei noch ein Restbetrag von Fr. 3'080.--, für die Monate November und Dezember zwei ganze Monatslöhne von je Fr. 3'600.- - und für alle drei Monate der Anteil für den 13. Monatslohn pro rata von je Fr. 300.-- geschuldet. Zusätzlich werde die Zusprechung einer Entschädigung na ch Art. 337c Abs. 3 OR in der Höhe von Fr. 14'400.-- beantragt. 4.4 Im Rahmen der Schlichtungsverhandlung vom 19. Febr uar 2020 schlossen die Parteien eine Vereinbarung, in der sie unter anderem festhiel ten, dass das Arbeitsverhältnis durch den Arbeitgeber per 4. Oktober 2019 beendet worden sei und er der Versicherten bis 31. März 2020 einen Betrag von Fr. 7'500.-- brutto bezahle. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Mit Wiedererwägungsgesuch vom 27. Februar 2020 ( act. 129) führte die Beschwerde- führerin aus, der Arbeitgeber habe mit Bezahlung einer Entschädigung von Fr. 7'500.-- die Miss- bräuchlichkeit seiner fristlosen Kündigung anerkannt. Die Voraussetzungen für eine fristlose Kün- digung hätten nicht vorgelegen. Es treffe sie kein Verschulden. Es sei festzuhalten, dass die Ent- schädigung wegen missbräuchlicher fristloser Kündigung im Sinne von Art. 337c Abs. 3 OR kei- nen Lohnersatz darstelle und somit auch nicht mit Taggeldleistungen verrechnet werden könne. 4.6 Mit Aktennotiz vom 10. Juni 2020 (act. 153) befasste si ch ein Sachbearbeiter der Be- schwerdegegnerin mit der Frage, ob der Bruttobetrag von Fr. 7'500.-- als Entschädigung wegen missbräuchlicher fristloser Kündigung im Sinne von Art. 337c Abs. 3 OR oder als Lohnzahlung zu betrachten sei. Er hielt fest, dass die Versicherte bei Einhaltung der einmonatigen Kündigungs- frist einen Anspruch auf Fr. 7'722.60 (inkl. Anteil 13 . Ml) gehabt hätte. Aufgrund der Tatsache, dass es sich um eine Bruttoentschädigung handle, der Arbeitgeber also nicht verpflichtet worden sei, die Sozialabzüge (Arbeitnehmerin und Arbeitgeber) zu tätigen, könne davon ausgegangen werden, dass es sich um eine Entschädigung gemäss Art. 337c Abs. 3 OR handle. Ein Verrech- nungsanspruch der Arbeitslosenversicherung sei daher nicht gegeben. 4.7 Mit Entscheid vom 9. Juli 2020 (act. 151) hielt die Beschwerdegegnerin Folgendes fest: Aufgrund der Tatsache, dass der Arbeitgeber nicht verpflichtet worden sei, von der Zahlung der Summe von Fr. 7'500.-- Sozialversicherungsabzüge vorzunehmen, sei davon auszugehen, dass es sich um eine Entschädigung gemäss Art. 337c Abs. 3 OR handle. Die Verpflichtung zur Zah- lung einer Entschädigung lasse die fristlose Entlassung vom 2. Oktober 2019 als ungerechtfertigt erscheinen. Es sei somit davon auszugehen, dass kein wichtig er Grund für eine fristlose Auflö- sung des Arbeitsverhältnisses vorgelegen habe. Darauf d eute auch der Umstand hin, dass der Arbeitgeber nur die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit vom 30. Mai 2019 bis 4. Juni 2019 als genaueren Kündigungsgrund nenne, was in zeitlicher Hinsicht zu weit weg gewesen sei für eine fristlose Kündigung. Bei Vorliegen eines wichtigen Grun des müsse eine fristlose Entlassung in- nerhalb von zwei Wochen erfolgen. Jedoch könne daraus nicht ohne weiteres gefolgert werden, dass die Versicherte nicht Anlass zu einer ordentlichen Kündigung gegeben habe. Aufgrund der Darlegungen im Schreiben vom 6. Dezember 2019 könne aber ein schuldhaftes Verhalten der Versicherten an der Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht eindeutig erstellt werden. Die Ver- sicherte bestreite die Vorwürfe des Arbeitgebers vehemen t. Zudem würden zeitliche und men- genmässige Angaben zu den vorgeworfenen Absenzen und zum frühzeitigen Verlassen der Ar- beitsstelle fehlen. Davon ausgenommen sei die krankheit sbedingte Abwesenheit vom 30. Mai 2019 bis 4. Juni 2019. Dass es sich dabei um ein unentschuldigtes Fernbleiben gehandelt habe, werde vom Arbeitgeber lediglich behauptet. Es gebe daz u weder präzise Angaben noch eine schriftliche Dokumentation zu einem mündlich geführten Gespräch. Selbst wenn davon ausge- gangen würde, dass das Verhalten der Versicherten zumin dest eine ordentliche Kündigung zur Folge hätte haben können, wäre ein eventualvorsätzliche s Herbeiführen mangels entsprechen- der Belege für stattgefundene Ermahnungen zu verneinen. Vor diesem Hintergrund erweise sich die Einstellung für 44 Tage in der Anspruchsberechtigun g als zweifellos unrichtig. Daher werde die Verfügung vom 12. Dezember 2019 in Wiedererwägung gezogen. Die Einstellung in der An- spruchsberechtigung ab 7. Oktober 2019 gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV sei zu Unrecht erfolgt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.8 In der Verfügung vom 10. Juli 2020, die dem vorli egend angefochtenen Einspracheent- scheid vorangegangen war, legte die Beschwerdegegnerin dar, dass der Arbeitgeber zur Zahlung einer Entschädigung wegen missbräuchlicher Kündigung im Sinne von Art. 337c Abs. 3 OR ver- pflichtet worden sei. Es handle sich hierbei um eine Strafzahlung für das durch die missbräuchli- che Kündigung oder die ungerechtfertigte Entlassung zug efügte Unrecht. Arbeitslosenversiche- rungsrechtlich stelle die Pönale keinen Lohnersatz dar und werde daher nicht mit Taggeldleistun- gen verrechnet. Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG sei die versicherte Person in der Anspruchs- berechtigung einzustellen, wenn sie zu Lasten der Versicherung auf Lohn- und Entschädigungs- ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber verzichte. Gemäss der Vereinbarung zwischen der Ver- sicherten und dem Arbeitgeber vom 19. Februar 2020 habe sie Anspruch auf eine Entschädigung nach Art. 337c Abs. 3 OR im Betrag von Fr. 7'500.--. Die Ausrichtung der Strafzahlung durch den Arbeitgeber zeige, dass die fristlose Kündigung widerrechtlich gewesen sei. Daher hätte die Ver- sicherte Anspruch auf Ersatz dessen gehabt, was sie verdient hätte, wenn das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der Kündigungsfrist beendet worden wäre. Die Versicherte habe auf ihr Recht verzichtet, Lohn- oder Entschädigungsansprüche gegenüber dem Arbeitgeber gerichtlich durch- zusetzen. Die Folgen dieses Handelns könnten nicht vollumfänglich durch die Arbeitslosenversi- cherung gedeckt werden. Einen Teil müsse die Versicherte selbst tragen, weshalb sie für 25 Tage in der Anspruchsberechtigung einzustellen sei. 4.9 In der Begründung des vorliegend angefochtenen E inspracheentscheids führte die Be- schwerdegegnerin aus, die Parteien seien sich darüber einig, dass es sich beim Geldbetrag, den der Arbeitgeber der Versicherten gemäss Vereinbarung zu bezahlen habe, um eine Pönale nach Art. 337c Abs. 3 OR handle und dieser daher nicht als Lohnersatz zu qualifizieren sei. Es sei der Versicherten bewusst gewesen, dass sie nur einen Bruchteil dessen erhalte, was sie mit ihrem Schlichtungsgesuch vom 13. Januar 2020 geltend gemacht h abe, trotzdem habe sie den Ver- gleich akzeptiert. Damit habe sie aus versicherungstechnisch en Gründen auf ihre Rechte ver- zichtet und die Pönale einer Lohnzahlung nach Art. 337c Abs. 1 OR vorgezogen, in der Annahme, dass die Arbeitslosenkasse diese nicht als Lohn- bzw. Entsch ädigungsanspruch nach Art. 11 Abs. 3 AVIG anrechnen könne. Die Versicherte habe alleine die Konsequenzen für ihren Verzicht zu tragen und sei zu Recht mit 25 Tagen für jene Tage eingestellt worden, für die sie für die Dauer der Kündigungsfrist bis zum 30. November 2019 nach Abl auf der fünf Wartetage entschädigt worden wäre. 4.10 Die Beschwerdeführerin machte in der vorliegenden Beschwerde unter Hinweis auf das Urteil des EVG vom 30. Mai 2005 (C 59/2005) geltend, es müsse berücksichtigt werden, dass nicht bei jedem aussergerichtlichen Vergleich a priori e in Verzicht auf Lohn- oder Entschädi- gungsansprüche vorliege. Aufgrund der Umstände des Ei nzelfalles müsse beurteilt werden, ob in Anbetracht der Prozesschancen ein rechtswirksamer Verzicht auf Lohn- oder Entschädigungs- ansprüchen gegeben sei. Wenn mit dem Abschluss eines Ver gleichs eine ausgewogene und vernünftige Erledigung des Streitfalles habe erreicht werden können, so liege kein mit einer Ein- stellung in der Anspruchsberechtigung zu sanktionierendes Verhalten vor. Der Arbeitgeber werfe ihr vor, sie sei der Arbeit mehrfach aus privaten Gründen kurzfristig und ohne vorgängige Abspra- che ferngeblieben und hätte, trotz der Aufforderung, die Arbeit wiederaufzunehmen, dies jeweils Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht verweigert. Zudem sei sie ohne ihn zu informieren rund eine Woche der Arbeit ferngeblieben. Weiter hätte sie den Arbeitsplatz wiederholt frühzeitig verlassen, obwohl ihre Aufgaben noch nicht erfüllt gewesen seien. Das Verhalten hätte sich auch nac h einer mündlichen Abmahnung nicht gebessert. Diese Vorwürfe des Arbeitgebers würden schwer wiegen. Unwiderlegt würden sie eine fristlose Kündigung wohl rechtfertigen. Da die Beschwerdeführerin nur gerade für eine krankheits- bedingte Absenz ein Arztzeugnis vorweisen könne, gestalte sich der Gegenbeweis sehr schwie- rig. Weiter habe sie damit rechnen müssen, dass die an deren Arbeitnehmer die Vorwürfe des Arbeitgebers stützen würden, um die eigene Anstellung nicht zu gefährden. Dass der Arbeitgeber keinen schriftlichen Beweis für die Abmahnung vorweisen könne, habe die Prozesschancen nur gering erhöht, da die Ehefrau des Arbeitgebers beim G espräch anwesend gewesen sei. Wenn eine Abmahnung von der Ehefrau hätte bezeugt werden können, hätte aufgrund der Beweislage die Gefahr gedroht, zu unterliegen. Für die Beschwerdeführerin habe daher ein erhebliches Pro- zessrisiko bestanden. Es seien hinreichend Gründe gegeben gewesen, einen Vergleich mit dem Arbeitgeber einzugehen. Die Strafzahlung von Fr. 7'5 00.-- könne in Anbetracht der schlechten Prozesschancen ohne Weiteres als gutes Vergleichsergebnis bezeichnet werden. Darin sei kein Verzicht zu sehen. Zudem komme ein Verzicht auf Lohn- oder Entschädigungsansp rüche nur für Ansprüche in Frage, die tatsächlich bestanden haben. Dies könne vorl iegend nicht mit Sicherheit bejaht wer- den, denn aus dem Abschluss eines Vergleichs mit einer Str afzahlung über Fr. 7'500.-- könne nicht abgeleitet werden, dass Ansprüche aus der fristlosen Kündigung bestanden hätten. Bei der Strafzahlung handle es sich um einen Kompromiss mit dem Arbeitgeber, der hauptsächlich darum habe erstritten werden können, weil der Arbeitgeber einen Gerichtsprozess habe vermeiden wol- len. Einzig durch eine gerichtliche Beurteilung hätte f estgestellt werden können, ob tatsächlich Ansprüche gegen den ehemaligen Arbeitgeber bestanden. Es könne jedoch bei der offenen Be- weislage nicht von ihr verlangt werden, das Prozessrisiko auf sich zu nehmen und auf die sichere Entschädigungszahlung von Fr. 7'500.-- zu verzichten. Ihr Interesse sei es verständlicherweise gewesen, einen maximalen Betrag als Entschädigung für d ie erlittene Unbill zu erhalten. Es sei gerade Sinn und Zweck einer Schlichtungsverhandlung, zu Gunsten einer hinnehmbaren Lösung der anderen Partei Zugeständnisse zu machen und in Abw ägung der Prozesschancen einen möglichst günstigen Vergleich zu erstreiten. Über die ta tsächliche Rechtslage könne daraus nichts abgeleitet werden. Ein pflichtwidriges Verhalten, das zu einem Schaden der Arbeitslosen- versicherung geführt habe, könne ihr nicht vorgeworfen werden. 4.11 Die Beschwerdegegnerin hält in der Vernehmlassun g vom 12. Februar 2021 unter an- derem fest, dass die Beschwerdeführerin die fristlose Kü ndigung per 2. Oktober 2019 erhalten habe, sie sich aber erst am 21. Oktober 2019 bei der Ar beitslosenversicherung zum Leistungs- bezug angemeldet habe. Somit habe sie frühestens ab 21 . Oktober 2019 Anspruch auf Arbeits- losenentschädigung. Soweit die Beschwerdeführerin ausführlich auf den Sachverhalt betreffend selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit eingehe, sei diese Frag e bereits rechtskräftig entschieden worden und nicht Verfahrensgegenstand. Es liege keine s elbstverschuldete Arbeitslosigkeit der Beschwerdeführerin vor. Entgegen der Darstellung der B eschwerdeführerin hätte sie in einem Gerichtsprozess gute Prozessaussichten gehabt und das Proz essrisiko eingehen können. Auf- grund der Gesetzessystematik von Art. 337c OR ergebe sich, dass für eine pönale Entschädigung Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemäss Abs. 3 eine fristlose Kündigung ohne Grund vorliegen müsse. Nach Art. 337c Abs. 1 OR habe die Beschwerdeführerin einen Lohnanspruch besessen, auf den sie verzichtet habe. 5.1 Unter Berücksichtigung dieses Sachverhalts ist zunächst f estzuhalten, dass der Einstel- lungstatbestand von Art. 30 Abs. lit. a AVIG nicht Gege nstand des angefochtenen Einsprache- entscheids bildet und damit nicht Streitgegenstand ist. Soweit die Beschwerdegegnerin ausführt, sie habe bereits rechtskräftig entschieden, dass ein Verschulden der Beschwerdeführerin an der Kündigung nicht mit dem notwendigen strengen Beweismass erstellt werden könne, ist dem nichts entgegenzusetzen. 5.2.1 Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin zu Recht aufgrund eines Verzichts auf Lohn- und Entschädigungsansprüche gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG für 25 Tage in der An- spruchsberechtigung eingestellt wurde. 5.2.2 Mit den Parteien ist davon auszugehen, dass das Ar beitsverhältnis durch die fristlose Kündigung vom Arbeitgeber definitiv per 4. Oktober 2019 beendet wurde. Weiter ist zwischen den Parteien unbestritten und aufgrund der Akten erstellt, dass sich das Arbeitsverhältnis bei einer ordentlichen Kündigung aufgrund der Krankheit der Besch werdeführerin und der Sperrfristenre- gelung von Art. 336c Abs. 2 OR bis zum 31. Dezember 2019 verlängert hätte. Weiter ist mit den Parteien dahingehend einig zu gehen, dass die Gründe, die der Arbeitgeber im Kündigungs- schreiben festhielt und die ihm Anlass zur Aussprache einer fristlosen Kündigung gaben, wohl zu wenig schwerwiegend waren, um unter Berücksichtigung der Interessen beider Parteien von ei- nem für den Arbeitgeber nicht länger tolerierbaren unzumutbaren Zustand auszugehen. Nach Treu und Glauben und im Sinne einer Interessenabwägu ng wäre es ihm zuzumuten gewesen, unter Einhaltung der einmonatigen Kündigungsfrist das Vertragsverhältnis ordentlich zu beenden. Dies führt dazu, dass die Beschwerdeführerin nach Art. 337c Abs. 1 OR grundsätzlich einen lohn- mässigen Entschädigungsanspruch auf Ersatz dessen hat, was sie verdient hätte, wenn das Ar- beitsverhältnis unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist per 31. Dezember 2019 been- digt worden wäre. 5.2.3 Mit Schlichtungsgesuch vom 13. Januar 2020 machte d ie Beschwerdeführerin einen Lohnersatz im Betrag von Fr. 10'280.-- brutto inkl. Anteil 13. Monatslohn von Fr. 900.-- pro rata, zuzüglich Zins seit Beendigung des Arbeitsverhältnisses und eine Entschädigung von vier Mo- natslöhnen in der Höhe von insgesamt Fr. 14'400.-- geltend. Anlässlich der Schlichtungsverhand- lung kamen die Parteien überein, dass der Arbeitgebe r der Beschwerdeführerin per Saldo aller Ansprüche einen Betrag von Fr. 7'500.-- brutto bezahlt. Entscheidend für die weitere Beurteilung ist die rechtliche Einordnung dieser Leistung des Arbeitgebers. In der vor Gericht geschlossenen Vereinbarung selbst wird nicht definiert, ob es sich um e ine Entschädigung gemäss Art. 337c Abs. 1 OR oder Art. 337c Abs. 3 OR handelt, weshalb der Wortlaut der Vereinbarung nach Treu und Glauben auszulegen ist. Die Beschwerdeführerin führt aus, dass der Arbeitgeber nicht bereit gewesen sei, zusätzlich auf eine Lohnnachzahlung die Sozial abgaben zu entrichten. Weiter sei er der Meinung gewesen, er würde nach seinem Verständni s mit einer Lohnnachzahlung zuge- stehen, dass die Kündigung missbräuchlich gewesen sei. Hät te sie auf eine Lohnnachzahlung bestanden, wäre der Vergleich nicht zustande gekommen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nach Art. 5 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenen- versicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 werden vom E inkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit, dem massgebenden Lohn, Beiträge erhoben. Wie in Erwägung 3.2 hiervor be- reits dargelegt, gehört die Schadenersatzforderung nach Art. 337c Abs. 1 OR zum massgeben- den Lohn und ist beitragspflichtig, Entschädigungen nach Art. 337c Abs. 3 OR hingegen sind es nicht. Aufgrund des Umstands, dass der Betrag vorliegend explizit "brutto" zugesprochen wurde, kann darunter nur massgebender Lohn bzw. Lohnersatz im Sinne des AHVG verstanden werden. Wäre eine Pönale zugesprochen worden, hätte es den Zusa tz "brutto" nicht gebraucht. Die Be- schwerdeführerin legt denn auch nicht dar, weshalb die P önale "brutto" zugesprochen wurde. Weiter ist gerichtsnotorisch, dass im Rahmen einer arbeitsrechtlichen Streitschlichtung zunächst allfällige Lohnersatzansprüche zwischen den Parteien geregelt werden und erst in einem weite- ren Schritt über eine Strafzahlung verhandelt wird. Soweit die Beschwerdeführerin behauptet, der Arbeitgeber sei nicht bereit gewesen, Lohnersatz zu bez ahlen, da er darauf noch die Sozialver- sicherungsbeiträge hätte bezahlen müssen, kann sie die Auffassung des Arbeitgebers nicht be- legen. Damit kann den Parteien, sofern sie von einer Strafzahlung nach Art. 337c Abs. 3 OR ausgehen, nicht gefolgt werden. Stattdessen handelt es sich um Loh nersatz nach Art. 337c Abs. 1 OR im Betrag von Fr. 7'500.-- brutto. Dieser Ersatzanspruch f ührt grundsätzlich zu einem nicht anre- chenbaren Arbeitsausfall im Sinne von Art. 11 Abs. 3 AV IG und damit zur Verneinung der An- spruchsberechtigung aufgrund der fehlenden Voraussetzung von Art. 8 Abs. 1 lit. b AVIG. 5.3 Zu prüfen ist folglich, ab wann die Beschwerdeführ erin überhaupt anspruchsberechtigt ist. Dem Lohnblatt des Arbeitgebers für das Jahr 2019 (a ct. 31) ist zu entnehmen, dass er der Beschwerdeführerin im Oktober 2019 für sechs Tage Lohn in der Höhe von insg. Fr. 780.-- brutto auszahlte. Weiter ist klar, dass die Beschwerdeführerin grundsätzlich einen monatlichen Lohnan- spruch von insgesamt Fr. 3'900.-- brutto hatte (Fr. 3'600.-- brutto plus Fr. 300.-- brutto Anteil 13. Monatslohn). In Anbetracht des Umstands, dass der Arbeitgeber der Beschwerdeführerin pro Tag Fr. 130.-- brutto entrichtet hatte und unter Berücksich tigung der erstrittenen Summe von Fr. 7'500.-- brutto ergibt dies Lohnersatz für weiter e 57 Tage (Fr. 7'500.-- : Fr. 130.--). Die Be- schwerdeführerin erhielt dementsprechend Lohn bis und m it 2. Dezember 2019. In dieser Zeit- spanne erlitt die Beschwerdeführerin keinen anrechenbaren Verdienstausfall, den sie bei der Be- schwerdegegnerin geltend machen könnte. Ein Taggeldanspruch besteht somit frühestens ab 3. Dezember 2019, vorher ist die Anspruchsberechtigung der B eschwerdeführerin mangels anre- chenbaren Verdienstausfalls zu verneinen. 5.4.1 Zu klären gilt es weiter, ob der Umstand, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Schlichtungsverhandlung auf den ihr vom 3. Dezember 201 9 bis 31. Dezember 2019 zustehen- den Schadenersatz verzichtete, eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung rechtfertigt. Wenn ein Tagesansatz von Fr. 130.-- brutto berücksichtigt wird, hätte die Beschwerdeführerin noch An- spruch auf Fr. 3'770.-- brutto gehabt (ausgehend vom Sc hlichtungsgesuch der Beschwerdefüh- rerin wäre ein Anspruch von Fr. 3'680.-- brutto gegeben [Fr. 11'180.-- brutto – Fr. 7'500.-- brutto]). Die Beschwerdegegnerin ihrerseits stellte die Beschwerde führerin für 25 Tage à Fr. 140.-- ein, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht was Versicherungsleistungen in der Höhe von Fr. 3'500.-- ergibt. Damit ist zunächst festzustellen, dass die verfügten Einstelltage mehr oder weniger derjenigen Summe entsprechen, die der Be- schwerdeführerin gemäss Art. 337c Abs. 1 OR gegenüber d em Arbeitgeber noch zugestanden wäre. 5.4.2 Die Beschwerdeführerin macht in der vorliegenden Beschwerde unter Hinweis auf das Urteil des EVG vom 30. Mai 2005 (C 59/2005) geltend, es sei zu berücksichtigen, dass nicht bei jedem aussergerichtlichen Vergleich a priori ein Verzicht auf Lohn- oder Entschädigungsansprü- che vorliege. Aufgrund der Umstände des Einzelfalles müsse beurteilt werden, ob in Anbetracht der Prozesschancen ein rechtswirksamer Verzicht auf Lohn- oder Entschädigungsansprüche ge- geben sei. Wenn mit dem Abschluss eines Vergleichs eine ausgewogene und vernünftige Erle- digung des Streitfalles habe erreicht werden können, s o liege kein mit einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu sanktionierendes Verhalten vor. 5.4.3 Dieser Auffassung ist zuzustimmen. Gemäss bundesgeri chtlicher Rechtsprechung wird bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten vermutet, der gerichtliche Vergleich entspreche grundsätzlich einer ausgewogenen Erledigung des Streitfalles (Urteil des EVG vom 30. Mai 2005, C 59/05, E. 2.3 mit Hinweis auf ein nicht veröffentlichtes Urteil vom 7. Juli 1988, C 63/87). Der vorliegende Vergleich, der der Beschwerdeführerin in etwa zwei Mon atslöhne sicherte, ist sicher vernünftig. Es ist somit nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen, dass die Beschwerdeführer in bei Nichtakzeptieren des Ver- gleichs und bei Festhalten an der ursprünglichen Forde rung letztlich aufgrund der dürftigen Be- weislage mehr erhalten hätte, was aber für den Erlass einer Einstellungsverfügung unabdingbare Voraussetzung ist. Damit lag aus Sicht der Arbeitslosenversicherung kein mit einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu sanktionierendes Verhalten vor. 6. Somit ist ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf A rbeitslosenentschädigung vom 21. Oktober 2019 bis 2. Dezember 2019 abzulehnen, da sie in dieser Zeitspanne keinen anre- chenbaren Arbeitsausfall erlitt. Soweit die weiteren Anspruchsvoraussetzungen des AVIG gege- ben sind, hat sie ab 3. Dezember 2019 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Weiter hat sich aufgrund einer Würdigung der konkreten Umstände gezei gt, dass die Beschwerdeführerin mit dem Abschluss des gerichtlichen Vergleiches vom 19. Februar 2020 nicht freiwillig und ohne ver- nünftigen Grund auf Leistungen verzichtete. Ihr Verhal ten ist deshalb nicht unter Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG zu subsumieren, weshalb eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung nicht möglich ist. Die Beschwerde ist damit in diesem Punkt gutzuheissen. 7.1 Streitig und zu prüfen ist weiter, ob die Beschwerd egegnerin den Antrag der Beschwer- deführerin auf Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung im Einspracheverfahren zu Recht verneinte. 7.2 Die Beschwerdeführerin ist im vorliegenden Beschwer deverfahren mit ihrem Hauptbe- gehren durchgedrungen und der angefochtene Einspracheentscheid, soweit er die verfügten 25 Einstelltage bestätigte, wird aufgehoben. Dies bedeute t, dass die Beschwerdeführerin auch im Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einspracheverfahren hätte obsiegen müssen, weshalb nachfolgend zu prüfen ist, ob ihr die Be- schwerdegegnerin eine Parteientschädigung hätte zusprechen müssen. Nach Art. 52 Abs. 3 Satz 2 ATSG werden in der Regel für das Einspracheverfahre n keine Parteientschädigungen ausge- richtet. Nach der Rechtsprechung haben der Einsprecher oder die Einsprecherin, die im Falle des Unterliegens die unentgeltliche Verbeiständung nach Art. 37 Abs. 4 ATSG beanspruchen könn- ten, bei Obsiegen aber Anspruch auf eine Parteientschä digung (Urteil des Bundesgerichts vom 31. Januar 2017, 9C_740/2016, E. 3.1 mit Hinweis auf BGE 140 V 116 E. 3.2). 7.3 Gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG wird der gesuchstellenden Person im Sozialversicherungs- verfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern. Kumu- lative Voraussetzungen für die unentgeltliche Verbeiständung sind Bedürftigkeit, Nichtaussichts- losigkeit der Rechtsbegehren sowie sachliche Gebotenheit der Vertretung (BGE 132 V 200 E. 4.1). Bei den Voraussetzungen der finanziellen Bedürftigkeit und der fehlenden Aussichtslosigkeit ist keine strengere Prüfung als im Gerichtsverfahren angebracht. Demgegenüber ist die Voraus- setzung der Erforderlichkeit der Vertretung für das Verwaltungsverfahren eingehender zu prüfen als im Beschwerdeverfahren gemäss Art. 61 lit. f ATSG (UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich 2020, Art. 37 N 38 f.). Die Notwendigkeit der unentgeltlichen Verbeiständung ist auch nur in Ausnahmefällen zu bejahen, weil im sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungsverfahren der Untersuchungsgrundsatz gilt. Die Geltung des Untersuchung sgrundsatzes rechtfertigt somit ei- nen strengen Massstab, schliesst aber die sachliche Gebotenheit der unentgeltlichen Verbeistän- dung nicht grundsätzlich aus (BGE 130 I 180 E. 3.2). Es müssen sich schwierige Fragen rechtli- cher oder tatsächlicher Natur stellen. Zu berücksichtigen si nd die konkreten Umstände des Ein- zelfalls, Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften sowie weitere Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens. Neben der Komplexität der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts fallen auch bei der versicherten Person liegende Gründe in Betracht, etwa ihre Fä- higkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden. Massgebend ist dabei auch die Frage, ob die Vertre- tung durch einen Sozialarbeiter bzw. eine Sozialarbeiterin oder durch Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen in Frage kommt (BGE 132 V 200 E. 4.1). 7.4.1 Die Beschwerdegegnerin bejahte im Einspracheent scheid die Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren der Einsprache. Sie legte dar, dass die V ersicherte in casu darüber orientiert gewesen sei, dass der Arbeitgeber sich verpflichtet habe, ihr einen Betrag von Fr. 7'500.-- brutto zu bezahlen, ohne dass er darauf Sozialversicherungsabzüge habe vornehmen müssen. Bereits im damaligen Zeitpunkt sei festgestanden, dass es sich bei diesem Betrag nicht um Lohnersatz, sondern um eine Entschädigung nach Art. 337c Abs. 3 OR handle. Eine solche Strafzahlung falle eindeutig in den Anwendungsbereich von Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG. Dies hätte der Versicherten anhand der Verfügung vom 10. Juli 2020 mit den entsprechenden aufgezählten Gesetzesbestim- mungen klar sein müssen. Die Gewinnaussichten der Einsprache seien daher beträchtlich gerin- ger als die Verlustgefahr, womit sich diese von vornherein als aussichtslos erweise. 7.4.2 Aussichtslos im Sinne von Art. 29 Abs. 3 BV sind P rozessbegehren, bei denen die Ge- winnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernst- haft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begeh ren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei ver- nünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet. Ob im Einzelfall genügende Erfol gsaussichten bestehen, beurteilt sich auf- grund einer vorläufigen und summarischen Prüfung der Verhältnisse zur Zeit, in der das Armen- rechtsgesuch gestellt wurde (Urteil des Bundesgerichts vom 27. Februar 2019, 5A_872/2018, E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). 7.4.3 Aufgrund der vorliegenden Akten ist davon auszug ehen, dass im Zeitpunkt der Ein- spracheerhebung keine Aussichtslosigkeit vorlag. Einerseits waren die formellen Prozessvoraus- setzungen offensichtlich erfüllt. Zudem ging es nicht um materiell-rechtliche Fragen, die von ei- nem Gericht bereits rechtskräftig entschieden worden wären. Das Bundesgericht und die Literatur gehen davon aus, dass wenn eine ungerechtfertigt fristlos entlassene Person im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs ganz oder teilweise auf den ges etzlichen Schadenersatzanspruch für entgangenen Lohn verzichte, dieses Verhalten eine Einste llung in der Anspruchsberechtigung gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG rechtfertigen könne und jeweils eine Einzelfallbetrachtung durchzuführen sei (BARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. überarbeitete Auflage, Zürich 2019, Art. 30 AVIG, S. 219). Demnach stand nicht bereits im Zeitpunkt der Einspracheerhebung fest, dass der Verzicht der Beschwerdeführerin, auf der Aus- bezahlung der gesamten eingeklagten Summe zu beharren, tel quel zu einer Einstellung führt. 7.5.1 Die Beschwerdegegnerin stellte sich weiter auf d en Standpunkt, dass die unentgeltliche Verbeiständung am Erfordernis der Notwendigkeit scheitere, da sich weder in rechtlicher noch in tatsächlicher Hinsicht schwierige Fragen stellen würden. Die Verfügung sei ausführlich begründet gewesen und die Versicherte habe umfassend Kenntnis übe r den Sinn und Zweck der Pönale gehabt. Sie sei bereits damals anwaltlich vertreten gew esen. Die Eingabe hätte kurz ausfallen dürfen. Sie hätte durchaus von einem juristischen Laien verfasst werde können, da sie in formeller Hinsicht keinerlei besonderen Anforderungen zu genügen gehabt habe. Darüber hinaus würden fehlende Sprachkenntnisse oder eine fehlende berufliche Ausbildung alleine noch nicht die Ge- währung der unentgeltlichen anwaltlichen Vertretung rechtfertigen. 7.5.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass sie schlech t ausgebildet und nicht rechtskundig sei. Sie sei bei behördlichen Vorgängen schnell überfordert. Sie spreche praktisch kein Deutsch. Es würden sich komplexe juristische Fragen stellen, die tiefgreifende Rechtskenntnisse erfordern würden. Dies zeige sich auch darin, dass das Begehren auf Auszahlung der verfügten 44 Ein- stelltage anfänglich noch abgewiesen worden sei. Erst nach der Schlichtungsverhandlung und einem Wiedererwägungsgesuch habe der Anspruch durchgese tzt werden können. Dazu habe die Missbräuchlichkeit der Kündigung ohne Selbstverschulden rechtlich begründet dargelegt wer- den müssen. Im Weiteren habe sich die Frage nach der Kl assifikation der erstrittenen Zahlung und der Differenzierung der Verrechnungsfolgen von Lo hnersatz und Strafzahlung gestellt. Es sei weltfremd anzunehmen, sie könnte sich mit den komple xen juristischen Zusammenhängen auseinandersetzen und ihre Ansprüche mit einer rechtlich belegten Argumentation zum Durch- bruch verhelfen. Auch eine soziale Institution wäre mit der komplexen juristischen Fragestellung bei Weitem überfordert gewesen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.5.3 Vorliegend sind Umstände gegeben, aufgrund dere r die Notwendigkeit einer anwaltli- chen Verbeiständung im Einspracheverfahren ausnahmsweise zu bejahen ist. Es gilt zu berück- sichtigen, dass es sich bei der verfügten Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 25 Tagen um einen erheblichen Eingriff in die Rechtsstellung de r Beschwerdeführerin handelt. Zudem mussten schwierige tatsächliche und rechtliche Standpunkte vorgetragen werden, denn sowohl der dem Einspracheentscheid zugrundeliegende Sachverhal t wie auch dessen rechtliche Sub- sumtion waren umstritten. Insbesondere geht es auch um komplexe arbeitsrechtliche Zusam- menhänge, die sich direkt auf die Frage des Vorliegens eines Einstellungsgrunds auswirken. Er- schwerend kommt hinzu, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer einfachen schulischen Aus- bildung und der mangelhaften Deutschkenntnisse nicht in der Lage war, ihre Ansprüche gegen- über der Beschwerdegegnerin substantiiert zu vertreten un d geltend zu machen. Es fehlt ihr an administrativer Gewandtheit. In einer solchen Situation ist der Beizug einer anwaltlichen Vertre- tung nicht zu verwehren. Es wird eine fachliche Kompetenz vorausgesetzt, welche die Beschwer- deführerin selbst nicht aufweist und welche sie sich nur durch den Beizug einer anwaltlichen Rechtsvertreterin bzw. eines Rechtsvertreters verschaffen konnte. Der Einwand der Beschwer- degegnerin, sie hätte sich mit dem Beizug von Fach- und Vertrauensleuten sozialer Institutionen oder unentgeltlicher Rechtsberatungsstellen behelfen müsse, zielt ins Leere. In der Regel sind diese Personen keine Juristen, weshalb von ihnen nicht verlangt werden kann, komplexere Sach- verhalts- und Rechtsfragen kompetent zu beantworten. Ei ne anwaltliche Vertretung im Ein- spracheverfahren war somit sachlich geboten. 7.6 Damit sind zwei der drei Voraussetzungen für die Be willigung der unentgeltlichen Ver- tretung nach Art. 37 Abs. 4 ATSG gegeben. Da das Vorl iegen der finanziellen Bedürftigkeit im Einspracheverfahren nicht geprüft wurde, ist die Angelegenheit zur Abklärung dieser Anspruchs- voraussetzung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 8. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde gu tzuheissen ist. Der angefoch- tene Einspracheentscheid vom 30. Oktober 2020 wird auf gehoben. Die Sache wird an die Be- schwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie die finanzielle Bedürftigkeit der Beschwerdeführe- rin abklärt. Sollte auch diese Voraussetzung erfüllt sein, wird die Beschwerdegegnerin der Be- schwerdeführerin für das Einspracheverfahren eine Partei entschädigung auszurichten haben (vgl. Erwägung 7.2 hiervor). 9. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gü ltig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 1. Januar 2021) hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entspre- chend ist der Beschwerdeführerin deshalb eine Parteient schädigung zulasten der Beschwerde- gegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 2. März 2021 einen Zeitaufwand von insgesamt 14.8 3 Stunden ausgewiesen. Dieser Auf- wand erweist sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfra- gen als angemessen. Ebenfalls nicht zu beanstanden sind die in der Honorarnote ausgewiesenen Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auslagen von Fr. 54.--. Der Beschwerdeführerin ist desha lb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'991.35 (14.83 Stunden à Fr. 120.-- zuzü glich Auslagen von Fr. 54.-- und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 10. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbststän dig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Z uständigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in ö ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der b undesgerichtlichen Rechtsprechung han- delt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischen- entscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesg ericht. Die nachstehende Rechtsmittel- belehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angef ochtene Einsprache- entscheid vom 30. Oktober 2020 wird aufgehoben. Die A ngelegenheit wird an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie die finanzi- elle Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin abklärt und bei deren Vorlie- gen der Beschwerdeführerin für das vorinstanzliche Verfahren eine Par- teientschädigung zuspricht. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 1'991.35 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht