<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">283</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>54</b></span> <span class="ft3"><b>Berufskosten; Schadenersatzzahlungen (§ 35 Abs. 1 lit.c StG).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Kein Abzug von Schadenersatzzahlungen als Berufskosten bei grober</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Fahrlässigkeit.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">284</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Steuerrekursgerichtes vom 29. April 2010 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">Y. (3-RV.2009.165)</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent war Verwaltungsratspräsident der X. AG, wel-</span><br/> <span class="ft1">cher 1999 Nachlassstundung gewährt worden war. In der Folge</span><br/> <span class="ft1">stellte sich heraus, dass die Firma gewisse Sozialversicherungsbei-</span><br/> <span class="ft1">träge nicht bezahlt hatte. Dies bewog die zuständige Ausgleichskas-</span><br/> <span class="ft1">se, gegen die beiden damaligen Verwaltungsräte (den Rekurrenten</span><br/> <span class="ft1">sowie F.) eine Schadenersatzklage betreffend nicht entrichtete</span><br/> <span class="ft1">Sozialversicherungsbeiträge für die Zeit vom November 1998 bis</span><br/> <span class="ft1">zum Februar 1999 einzureichen. Der Rekurrent wurde schliesslich</span><br/> <span class="ft1">verpflichtet, einen Betrag von CHF 111'393.45 zu bezahlen. Die erste</span><br/> <span class="ft1">Zahlung von CHF 20'000.00 erfolgte am 30. Dezember 2005.</span><br/> <span class="ft1">In der Steuererklärung 2005 (Beilage "1.2 unselbständiger Ne-</span><br/> <span class="ft1">benerwerb") brachte der Rekurrent diese CHF 20'000.00 als Gewin-</span><br/> <span class="ft1">nungskosten in Abzug. Er hält dazu fest, dass der Einsitz in Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsräten "zu den beruflichen Tätigkeiten eines in wirtschaftli-</span><br/> <span class="ft1">chen Bereichen tätigen Anwaltes" gehöre. Die Verpflichtung zu</span><br/> <span class="ft1">Schadenersatzzahlungen gestützt auf die sozialversicherungsrecht-</span><br/> <span class="ft1">lichen Grundlagen würden Bestandteil des üblichen Berufsrisikos</span><br/> <span class="ft1">eines Anwalts bilden. Es bestehe "ein enger Zusammenhang zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen dem fraglichen Schadenersatz und dem aus meiner beruflichen</span><br/> <span class="ft1">Tätigkeit fliessenden Betriebsrisiko". Eine grobe Pflichtverletzung</span><br/> <span class="ft1">könne ihm nicht zur Last gelegt werden. Schliesslich wäre die Prä-</span><br/> <span class="ft1">mie für eine entsprechende Haftpflichtversicherung als Geschäfts-</span><br/> <span class="ft1">aufwand zugelassen worden.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Das Einkommen aus der Tätigkeit als Verwaltungsrat stellt sol-</span><br/> <span class="ft1">ches aus unselbständigem Erwerb dar (RGE vom 27. März 2008 in</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">285</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Sachen F.M. = AGVE 2008 S. 328, mit Hinweisen auf: VGE vom</span><br/> <span class="ft1">5. Dezember 2003 in Sachen A. + H.L. [BE.2003.00163]; ZStP 2002</span><br/> <span class="ft1">S. 205 f). Davon geht auch der Rekurrent aus. Allerdings bringt er</span><br/> <span class="ft1">vor, die Schadenersatzzahlung sei im Zusammenhang mit seiner Tä-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit als freiberuflicher Anwalt erfolgt. Nicht schlüssig ist deshalb,</span><br/> <span class="ft1">dass er die fragliche Zahlung von CHF 20'000.00 selber von seinen</span><br/> <span class="ft1">Einkünften aus unselbständiger Erwerbstätigkeit in Abzug bringt</span><br/> <span class="ft1">(Steuererklärung 2005).</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Da die damals bei der X. AG erzielten Verwaltungsratshonorare</span><br/> <span class="ft1">Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit darstellen, können</span><br/> <span class="ft1">auch die mit dieser Tätigkeit zusammenhängenden Gewinnungs-</span><br/> <span class="ft1">kosten bloss solche aus unselbständiger Erwerbstätigkeit sein. Daran</span><br/> <span class="ft1">ändert auch das Vorbringen des Rekurrenten, wonach die Einsitznah-</span><br/> <span class="ft1">me in Verwaltungsräte zum Tätigkeitsbereich eines (Wirtschafts-)An-</span><br/> <span class="ft1">walts gehöre, nichts. Etwas anderes könnte nur gelten, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsratshonorare als Bestandteil der selbständigen Erwerbs-</span><br/> <span class="ft1">tätigkeit betrachtet werden müssten, was allerdings eine entsprechen-</span><br/> <span class="ft1">de - vom Rekurrenten selber nicht vorgenommene - Verbuchung vor-</span><br/> <span class="ft1">aussetzt (RGE vom 27. März 2008 in Sachen F.M.).</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">5.1.</span><br/> <span class="ft1">Als Berufskosten werden u.a. "die übrigen für die Ausübung des</span><br/> <span class="ft1">Berufes erforderlichen Kosten" abgezogen (§ 35 Abs. 1 lit. c StG).</span><br/> <span class="ft1">Dazu gehören z.B. Auslagen für Berufswerkzeuge, Fachliteratur, ein</span><br/> <span class="ft1">privates Arbeitszimmer und Berufskleider (§ 12 StGV in Verbindung</span><br/> <span class="ft1">mit Art. 7 Abs. 1 der Verordnung über den Abzug von Berufskosten</span><br/> <span class="ft1">der unselbstständigen Erwerbstätigkeit bei der direkten Bundessteuer</span><br/> <span class="ft1">vom 10. Februar 1993 [BkV; Fassung Anhang vom 22. Juli 2004]).</span><br/> <span class="ft1">5.2.</span><br/> <span class="ft1">Nach der Rechtsprechung können unter die übrigen Berufsaus-</span><br/> <span class="ft1">lagen auch erwerbsbezogene Schadenersatzleistungen fallen. Dabei</span><br/> <span class="ft1">ist zu berücksichtigen, dass der Begriff der Berufskosten nicht nur</span><br/> <span class="ft1">sog. finale Aufwendungen umfasst, die unmittelbar für die Erzielung</span><br/> <span class="ft1">des Einkommens getätigt werden und mit ihr in einem direkten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">286</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ursächlichen Zusammenhang stehen. Abzugsfähig sind unter Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen auch kausale Kosten (d.h. solche, die nicht zum Zwecke der</span><br/> <span class="ft1">Einkommenserzielung gemacht werden, sondern eine Folge der be-</span><br/> <span class="ft1">ruflichen Tätigkeit sind), wenn sie direkt durch die berufliche Tätig-</span><br/> <span class="ft1">keit verursacht werden. Diesfalls geht es also um willensunabhän-</span><br/> <span class="ft1">gige Ausgaben infolge Eintritts eines mit der Erwerbstätigkeit ver-</span><br/> <span class="ft1">bundenen, nicht ohne weiteres vermeidbaren Risikos. Diese Voraus-</span><br/> <span class="ft1">setzungen können nicht nur bei Kausalhaftungen erfüllt sein, sondern</span><br/> <span class="ft1">unter Umständen auch in Fällen der Verschuldenshaftung, z.B. bei</span><br/> <span class="ft1">der Organhaftung des Verwaltungsrats einer Aktiengesellschaft.</span><br/> <span class="ft1">Als genügend engen Zusammenhang zwischen dem Beruf und</span><br/> <span class="ft1">dem zu leistenden Schadenersatz verlangt die Praxis ein Betriebsrisi-</span><br/> <span class="ft1">ko, das derart eng mit der Erwerbstätigkeit verbunden ist, dass es bei</span><br/> <span class="ft1">deren Ausübung in Kauf genommen werden muss. Das Herbeiführen</span><br/> <span class="ft1">des ersatzpflichtigen Schadens bildet somit einen Teil des Risikos,</span><br/> <span class="ft1">welches die Einkommenserzielung gewöhnlich mit sich bringt, und</span><br/> <span class="ft1">erscheint als eine nicht ohne weiteres vermeidbare Begleiterschei-</span><br/> <span class="ft1">nung davon. In diesem Fall wird auch die für die Besteuerung mass-</span><br/> <span class="ft1">gebliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Pflichtigen durch das</span><br/> <span class="ft1">betreffende Risiko begrenzt. Nicht abzugsfähig sind hingegen Zah-</span><br/> <span class="ft1">lungen, deren Ursache den Rahmen dessen sprengt, was noch als mit</span><br/> <span class="ft1">der Ausübung der Erwerbstätigkeit üblicherweise verbundenes Ri-</span><br/> <span class="ft1">siko gelten kann, z.B. wenn eine Verschuldenshaftung auf einem</span><br/> <span class="ft1">krassen und aussergewöhnlichen Fehlverhalten beruht bzw. grobfahr-</span><br/> <span class="ft1">lässig oder sogar absichtlich herbeigeführt worden ist (zum Ganzen:</span><br/> <span class="ft1">Bundesgerichtsurteil vom 16. Dezember 2008 [2C_566/2008] = StR</span><br/> <span class="ft1">2009 S. 561 = ZStP 2009 S. 223, mit Hinweisen auf BGE 124 II 29,</span><br/> <span class="ft1">ASA 67 480, StE 2002 B 23.45.2 Nr. 2, ASA 64 232 E. 3).</span><br/> <span class="ft1">Das Bundesgericht hat in besagtem Entscheid präzisierend Fol-</span><br/> <span class="ft1">gendes festgehalten:</span><br/> <span class="ft1">"Dementsprechend ist es wohl richtig, die (Kausal-)Beziehung</span><br/> <span class="ft1">zwischen Einkommenserzielung und Abzugsfähigkeit der Gewin-</span><br/> <span class="ft1">nungskosten zu betonen, aber mit mindestens zwei wesentlichen</span><br/> <span class="ft1">Präzisierungen: Einerseits ist es nicht in das individuelle Belieben</span><br/> <span class="ft1">des Pflichtigen gestellt, (subjektiv) darüber zu befinden, ob die von</span><br/> <span class="ft1">ihm angegebenen Kosten abzugsfähig sind; denn die Steuerfolgen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">287</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">von erwerbsbezogenen Schadenersatzzahlungen sollen nicht generell</span><br/> <span class="ft1">auf den Staat abgewälzt werden können; die Beurteilung der Ab-</span><br/> <span class="ft1">zugsfähigkeit obliegt den Behörden, wobei diese strikt an die gesetz-</span><br/> <span class="ft1">lichen Bedingungen gebunden sind. Andererseits kann nicht die blos-</span><br/> <span class="ft1">se Tatsache irgendeines Zusammenhangs zwischen Kosten und Ein-</span><br/> <span class="ft1">kommenserzielung genügen; vielmehr muss dieser Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">die vom Gesetz geforderte Intensität aufweisen und kann gegebenen-</span><br/> <span class="ft1">falls nur derjenige Teil der geltend gemachten Kosten zum Abzug zu-</span><br/> <span class="ft1">gelassen werden, bei dem diese genügende Intensität wirklich erfüllt</span><br/> <span class="ft1">ist. Die genannten beiden Präzisierungen gelten nicht nur für die 'Er-</span><br/> <span class="ft1">forderlichkeit' bzw. 'Notwendigkeit' der Gewinnungskosten im Rah-</span><br/> <span class="ft1">men von Art. 26 Abs. 1 lit. a-c DBG (zu lit. d dieser Vorschrift vgl.</span><br/> <span class="ft1">u.a. StE 2008 B 22.3 Nr. 96 E. 3 mit Hinweisen), sondern auch für</span><br/> <span class="ft1">die 'geschäftsmässige Begründetheit' der abzugsfähigen Kosten selb-</span><br/> <span class="ft1">ständiger Erwerbstätigkeit (vgl. zum Verhältnis der beiden Bereiche</span><br/> <span class="ft1">BGE 124 II 29 E. 3b S. 32 f.; StE 2002 B 23.45.2 Nr. 2 E. 5 sowie</span><br/> <span class="ft1">oben E. 2.3 in fine).</span><br/> <span class="ft1">In diesem Sinne hat die Praxis das gesetzliche Tatbestands-</span><br/> <span class="ft1">merkmal der Erforderlichkeit bzw. der Notwendigkeit gemäss Art. 26</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 lit. a-c DBG durch mehrere Beurteilungskriterien verdeutlicht</span><br/> <span class="ft1">(vgl. dazu BGE 124 II 29 E. 3 S. 32 ff.), die sich auf die verschie-</span><br/> <span class="ft1">denen Teilbereiche und Einzelkonstellationen unterschiedlich gut an-</span><br/> <span class="ft1">wenden lassen. Hinsichtlich der Abzugsfähigkeit von erwerbsbezo-</span><br/> <span class="ft1">genen Schadenersatzzahlungen ist zuerst das Kriterium hervorzuhe-</span><br/> <span class="ft1">ben, ob bzw. inwiefern die Vermeidung einer solchen Zahlung dem</span><br/> <span class="ft1">Berufstätigen zugemutet werden kann. Direkt damit verbunden ist</span><br/> <span class="ft1">die Frage, ob bzw. in welchem Umfang die Zahlung einem üblichen</span><br/> <span class="ft1">Betriebsrisiko des Erwerbstätigen entspricht (vgl. oben E. 2.3).</span><br/> <span class="ft1">In diesem Zusammenhang hat das Bundesgericht den Verschul-</span><br/> <span class="ft1">densgrad der (zivilrechtlichen) Verantwortlichkeit behandelt. Die</span><br/> <span class="ft1">Praxis wird nicht genau wiedergegeben, wenn bemängelt wird, das</span><br/> <span class="ft1">Bundesgericht stütze sich auf Gesichtspunkte, die der Wertneutralität</span><br/> <span class="ft1">des Steuerrechts zuwiderlaufen würden. Wie aus der Begründung der</span><br/> <span class="ft1">massgeblichen Urteile deutlich wird, werden die Umstände und Hin-</span><br/> <span class="ft1">tergründe der Schadenersatzzahlung nicht im Hinblick auf ein mora-</span><br/> <span class="ft1">lisch verwerfliches Verhalten geprüft, sondern um den Zusam-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">288</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">menhang zur Erwerbstätigkeit festzustellen, d.h. namentlich, wie</span><br/> <span class="ft1">unüblich bzw. vermeidbar das eingegangene Betriebsrisiko ist. Dem-</span><br/> <span class="ft1">entsprechend ist auch offen gelassen worden, ob Ersatzleistungen</span><br/> <span class="ft1">aufgrund grobfahrlässig verursachter Schädigungen allgemein nicht</span><br/> <span class="ft1">von den Steuern abgesetzt werden können (vgl. StE 2002 B 23.45.2</span><br/> <span class="ft1">Nr. 2 E. 5.2; ZStP 12, 80 E. 2.2).</span><br/> <span class="ft1">Im Rahmen der sich aufdrängenden Gesamtbetrachtung der</span><br/> <span class="ft1">konkreten Umstände des Einzelfalls ist der Verschuldensgrad nur ein</span><br/> <span class="ft1">Aspekt unter mehreren. Daneben kann es u.a. auch auf die Art und</span><br/> <span class="ft1">den Umfang der massgeblichen Schädigung ankommen, so z.B.</span><br/> <span class="ft1">darauf, ob sie zulasten der eigenen Unternehmung erfolgt ist (wie bei</span><br/> <span class="ft1">dem in ZStP 12, 80 veröffentlichten Fall, in dem der Präsident des</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrats die finanzielle Aushöhlung der eigenen Gesellschaft</span><br/> <span class="ft1">durch die Gewährung ungesicherter betrieblicher Darlehen für ein</span><br/> <span class="ft1">privates Immobilienprojekt der Alleinaktionärin mitverschuldete). In</span><br/> <span class="ft1">Bezug auf die Unüblichkeit bzw. Vermeidbarkeit der eingegangenen</span><br/> <span class="ft1">Betriebsrisiken kann auch ins Gewicht fallen, ob der Berufstätige die</span><br/> <span class="ft1">gesetzlich vorgeschriebenen Sozialleistungen zugunsten seiner Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitnehmer nicht einbezahlt hat, d.h. eine allen zugemutete und üb-</span><br/> <span class="ft1">licherweise auch vollumfänglich erfüllte Pflicht nicht eingehalten</span><br/> <span class="ft1">hat. Diese und weitere Gesichtspunkte können im Einzelfall von Be-</span><br/> <span class="ft1">lang sein, um darüber zu befinden, ob zwischen der erfolgten Scha-</span><br/> <span class="ft1">densverursachung und der Einkommenserzielung ein genügend enger</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang besteht. Dabei kann der Verschuldensgrad bedeut-</span><br/> <span class="ft1">sam sein und gegebenenfalls von den Steuerbehörden vorfrageweise</span><br/> <span class="ft1">festgelegt werden (vgl. oben E. 4.1), ohne dass dies aber - nach dem</span><br/> <span class="ft1">Gesagten - zwingend in jedem Einzelfall zu geschehen hat."</span><br/> <span class="ft1">Entscheidend ist demnach gemäss Bundesgericht primär der</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang zwischen der Schadenersatzzahlung und der Er-</span><br/> <span class="ft1">werbstätigkeit, d.h. namentlich die Frage, wie unüblich das einge-</span><br/> <span class="ft1">gangene Betriebsrisiko ist bzw. ob es bei Ausübung der Tätigkeit in</span><br/> <span class="ft1">Kauf genommen werden musste.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">289</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">6.</span><br/> <span class="ft1">6.1.</span><br/> <span class="ft1">6.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 52 AHVG (in der bis zum 31. Dezember 2002 gülti-</span><br/> <span class="ft1">gen Fassung) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grob-</span><br/> <span class="ft1">fahrlässige Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet,</span><br/> <span class="ft1">diesen der Ausgleichskasse zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine ju-</span><br/> <span class="ft1">ristische Person, so können subsidiär gegebenenfalls die verantwort-</span><br/> <span class="ft1">lichen Organe in Anspruch genommen werden.</span><br/> <span class="ft1">Die subsidiäre Organhaftung stellt keine Kausalhaftung dar,</span><br/> <span class="ft1">sondern setzt immer ein qualifiziertes Verschulden mindestens in</span><br/> <span class="ft1">Form von grober Fahrlässigkeit voraus. Die Ausgleichskasse, welche</span><br/> <span class="ft1">feststellt, dass sie einen durch Missachtung von Vorschriften entstan-</span><br/> <span class="ft1">denen Schaden erlitten hat, darf davon ausgehen, dass der Arbeitge-</span><br/> <span class="ft1">ber oder dessen Organ die Vorschriften absichtlich oder mindestens</span><br/> <span class="ft1">grobfahrlässig verletzt hat, sofern keine Anhaltspunkte für die Recht-</span><br/> <span class="ft1">mässigkeit des Handelns oder die Schuldlosigkeit des Arbeitgebers</span><br/> <span class="ft1">bestehen (Bundesgerichtsurteil vom 5. Februar 2009 [9C_228/2008],</span><br/> <span class="ft1">u.a. mit Hinweis auf BGE 129 V 11, 126 V 237, 123 V 12 und 108 V</span><br/> <span class="ft1">183).</span><br/> <span class="ft1">6.2.</span><br/> <span class="ft1">6.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Mit Urteil vom 21. April 2005 hat das Eidgenössische Versiche-</span><br/> <span class="ft1">rungsgericht festgehalten, dass der Rekurrent für die Zeitspanne vom</span><br/> <span class="ft1">November 1998 bis zum Februar 1999 formelle und materielle Or-</span><br/> <span class="ft1">ganstellung im Sinne von Art. 52 AHVG und der Rechtsprechung in-</span><br/> <span class="ft1">nehatte und entsprechend der subsidiären Organhaftung unterliege.</span><br/> <span class="ft1">Das Eidgenössische Versicherungsgericht bestätigte das dem Rekur-</span><br/> <span class="ft1">renten von der Vorinstanz vorgeworfene grobfahrlässige Verhalten</span><br/> <span class="ft1">bzw. die Pflicht zur Zahlung der eingeklagten Beiträge.</span><br/> <span class="ft1">6.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Indem der Rekurrent als Verwaltungsratspräsident der X. AG</span><br/> <span class="ft1">zur Bezahlung des Schadens zur Verantwortung gezogen wurde, wird</span><br/> <span class="ft1">aufgezeigt, dass dieser zumindest durch grobe Missachtung der Vor-</span><br/> <span class="ft1">schriften bzw. seiner Pflichten als Verwaltungsratspräsident entstan-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">290</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">den ist. Der Rekurrent anerkennt dies offensichtlich, da er die Schuld</span><br/> <span class="ft1">ratenweise bezahlt.</span><br/> <span class="ft1">6.3.</span><br/> <span class="ft1">Zum einen sind damit die Vorbringen des Rekurrenten, ihm</span><br/> <span class="ft1">könne keine grobe Pflichtverletzung zur Last gelegt werden, durch</span><br/> <span class="ft1">das Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts widerlegt.</span><br/> <span class="ft1">Weshalb die Pflichtverletzung "im Sinne der steuerrechtlichen Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung" milder beurteilt werden sollte, ist nicht ersichtlich. Zum</span><br/> <span class="ft1">anderen ist festzuhalten, dass die Pflicht zur Zahlung von Sozial-</span><br/> <span class="ft1">versicherungsbeiträgen zwar durchaus zum üblichen Berufsrisiko</span><br/> <span class="ft1">eines Verwaltungsrates gezählt werden kann, vorliegend jedoch dem</span><br/> <span class="ft1">Versäumnis bzw. dem eigenen Verschulden des Rekurrenten zuzu-</span><br/> <span class="ft1">rechnen ist. Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht festge-</span><br/> <span class="ft1">halten hat, wäre es dem Rekurrenten - indem er die Begleichung der</span><br/> <span class="ft1">ausstehenden Sozialversicherungsbeiträge veranlasst bzw. überwacht</span><br/> <span class="ft1">hätte - möglich und zumutbar gewesen, die (vermeidbare) Begleiter-</span><br/> <span class="ft1">scheinung seiner Nebenerwerbstätigkeit abzuwenden (Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richtsurteil vom 25. Januar 2002 [2A.90/2001]; RGE vom 25. Okto-</span><br/> <span class="ft1">ber 2007 in Sachen C. + S.B., mit Hinweis auf Bundesgerichtsurteil</span><br/> <span class="ft1">vom 4. November 2002 [2A.252/2002] = ZStP 2003 Nr. 12).</span><br/> <span class="ft1">6.4.</span><br/> <span class="ft1">An dieser Beurteilung vermag auch das Vorbringen des Rekur-</span><br/> <span class="ft1">renten, wonach die Prämien einer allfälligen Haftpflichtversicherung</span><br/> <span class="ft1">für die Tätigkeiten als Verwaltungsrat als Geschäftsaufwand hätten</span><br/> <span class="ft1">verbucht werden können, nichts zu ändern. Schliesslich hat der</span><br/> <span class="ft1">Rekurrent effektiv nie Prämien bezahlt bzw. nie einen entsprechen-</span><br/> <span class="ft1">den Geschäftsaufwand tragen müssen. Es hätte ihm zwar frei gestan-</span><br/> <span class="ft1">den, der Pflicht zur Zahlung von Schadenersatz durch eine entspre-</span><br/> <span class="ft1">chende Versicherung für die Tätigkeiten als Verwaltungsrat allenfalls</span><br/> <span class="ft1">zu entgehen. Damit ist jedoch nichts von den vorstehenden Aus-</span><br/> <span class="ft1">führungen Abweichendes in Bezug auf die steuerliche Behandlung</span><br/> <span class="ft1">von Schadenersatzzahlungen gesagt.</span><br/> <span class="ft1">7.</span><br/> <span class="ft1">Insgesamt erweist sich der Rekurs als unbegründet. Die fragli-</span><br/> <span class="ft1">chen Schadenersatzzahlungen beruhen auf grober Fahrlässigkeit des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">291</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Rekurrenten und stellen weder abzugsfähige Berufskosten noch ge-</span><br/> <span class="ft1">schäftsmässig begründeten Aufwand dar. Der Rekurs ist abzuweisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>