Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 28. Oktober 2015 (810 15 190) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Vertretungsbeistandschaft bei Interessenkollision/Verhinderung Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Parteien A. A. ____, Beschwerdeführerin, B.A.____ und C.A.____, Beschwerdeführer, gesetzlich vertreten durch A.A.____, alle vertreten durch Vinzenz Schnell, Fürsprecher gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde E.____ , Beschwerdege g- nerin Betreff Errichtung/Aufhebung Vertretungsbeistandsch aft bei Interessenkollisi- on/Verhinderung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde E.____ vom 2. Juni 2015) A. C.A.____, geboren 2000, und B.A.____, geboren 20 04, sind die Kinder der sorgebe- rechtigten Kindsmutter A.A.____. Der Kindsvater, D. A.____, ist am 2. August 2006 verstorben. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 21. August 2006 wurde F.____ als Beiständin für die beiden Kinder zwecks Regelung der Erbschaft eingesetzt. Gemäss Erbschaftsinventar Nr. 1952 der Bezirksschreiberei G.____ hat der Kindsvater den Kindern je Fr. 71‘335.50 hinterlass en. Davon wurden je Fr. 49‘900.-- auf zwei separate Sperrkonti überwiesen, welche gemäss Beschlu ss der Vormundschaftsbehörde G.____ vom 5. März 2007 bis zum Erreichen der Volljährig keit beider Kinder gesperrt bleiben sollen. Der je ausstehende Erbschaftsanteil in der Höhe von Fr. 21‘435.50 konnte aus Liquidi- tätsgründen nicht ausbezahlt werden. Die Kinder wurde n daher neben der Kindsmutter als Ge- samteigentümer des Grundstückes Nr. 3736 “X.____ 22“ (dam alige Familienliegenschaft) im Grundbuch G.____ eingetragen. Die Kindsmutter hatte sich bereit erklärt, die Hypothekarzinsen sowie den Unterhalt der Liegenschaft bis zur Mündigkeit der Kinder zu bezahlen. Mit Verfügung vom 21. Juli 2010 genehmigte die Vormundschaftsbehörde E.____ das Inventar über das Kin- desvermögen und hob die errichtete Beistandschaft auf. B. Mit Vertrag vom 20. Dezember 2013 wurde die Famil ienliegenschaft, Grundstück Nr. 3736, Grundbuch G.____, zu einem Preis von Fr. 750‘000.-- verkauft. Dieses Geschäft wur- de von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde E.____ (KESB) mit Entscheid vom 4. Februar 2014 genehmigt. Gleichzeitig erfolgte die Genehmigung der KESB über den Kauf des Grundstücks Nr. 2077, Grundbuch H.____, zu einem Kauf preis von Fr. 224‘100.-- (vgl. Kaufvertrag vom 12. Dezember 2013). Auf diesem neuen Grundstück soll die neue Familienlie- genschaft gebaut werden. C. Am 6. Februar 2015 ersuchte die Kindsmutter per E- Mail bei der KESB um Zustim- mung zur Freigabe von je Fr. 40‘000.-- aus dem Kindesvermögen für aus dem neuen Kreditver- trag Nr. 1760.3303.7002 entstehende Mehrkosten bzw. für die Fertigstellung der neuen Liegen- schaft. Gleichzeitig wies sie auf die zeitliche Dringlichkeit der Zustimmung zum Geschäft hin, da sie und die Kinder per Ende Februar 2015 aus der Fami lienwohnung ausziehen müssten. Die KESB forderte die Kindsmutter zur Einreichung eines sch riftlichen Antrags inkl. entsprechender Unterlagen auf; dieser blieb jedoch aus. Den betreffen den Kreditvertrag, welcher von der Kindsmutter sowie den minderjährigen Kindern B.A.____ und C.A.____ als Solidarschuldner unterzeichnet wurde, erhielt die KESB schliesslich von der I.____. D. Am 26. Mai 2015 wurden die Kindsmutter, ihre Kind er sowie J.____, welcher von der KESB als Beistandsperson in der vorliegenden Angeleg enheit vorgeschlagen wurde, von der KESB angehört. E. Mit Entscheid der KESB vom 2. Juni 2015 wurde eine Beistandschaft für C.A.____ und B.A.____ errichtet und J.____, K.____ GmbH, als Ma ndatsträger eingesetzt (vgl. Ernen- nungsurkunde der KESB vom 15. Juli 2015). Der Beistand wurde damit beauftragt, alle relevan- ten Informationen, Unterlagen (…) zu sichten und zu prüf en (Ziffer 3.a), sich mit der I.____ in Bezug auf den neuen Kreditvertrag in Verbindung zu se tzen (Ziffer 3.b) und der KESB innert nützlicher Frist in einem schriftlich begründeten Berich t Anträge bezüglich weiterer Handlungs- schritte, welche das Kindesvermögen von B.A.____ und C.A.____ betreffen, zu stellen (…) (Zif- fer 3.c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Dagegen erhoben A.A.____, B.A.____ und C.A.____, alle vertreten durch Vinzenz Schnell, Fürsprecher aus Burgdorf, am 1. Juli 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragten, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und auf die Errichtung der Beistan dschaft zu verzichten. Die Verfü- gungssperre über die Konti der Kinder bei der I.____ sei aufzuheben, unter o/e-Kostenfolge. G. Mit Schreiben vom 28. Juli 2015 teilte der eingese tzte Beistand der KESB mit, dass er sein Mandat aufgrund des zerrütteten Vertrauensverhältnisses zur Kindsmutter nicht antreten werde. H. Am 30. Juli 2015 liess sich die KESB vernehmen. I. Mit Präsidialverfügung vom 10. August 2015 wurde der Fall der Kammer zur Beur- teilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz buches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann ge gen Entscheide einer Kindesschutzbe- hörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werd en. § 66 Abs. 1 des kantonalen Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsgericht für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art . 450e ZGB. Im Übrigen sind die Be- stimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwend bar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Demnach ist die Fünferkammer der Abteilung Verfassungs - und Verwaltungsrecht des Kan- tonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (§ 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO ] vom 16. Dezember 1993). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Inte- resse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die bei- den Kinder B.A.____ und C.A.____ sind als direkte Verfahrensbeteiligte und die Kindsmutter als gesetzliche Vertreterin zur Beschwerdeerhebung legitimi ert. Da auch die übrigen Prozessvo- raussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. VPO erfüllt sind, ist – unter Vorbehalt von E. 2 – auf die Beschwerde ei nzutreten. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2. In der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege (wozu a uch die vorliegende Beschwer- de an das Kantonsgericht gehört) ist Streitgegenstand da s Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet, soweit es im St reit liegt (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N 987). Soweit die Beschwerd eführer beantragen, es sei die Verfü- gungssperre der beiden Konti der Kinder bei der I.__ __ aufzuheben, kann auf dieses Begehren nicht eingetreten werden, da es im vorinstanzlichen Verfahren nicht gestellt wurde und es somit ausserhalb des möglichen Streitgegenstands des vorliegend en Verfahrens liegt. Strittig und zu prüfen ist vorliegend einzig, ob die KESB zu Recht eine Beistandschaft für die Kinder errichtet hat. 3.1 Zusammenfassend führt die KESB im angefochtenen Ent scheid aus, dass vorliegend ein abstrakter Interessenkonflikt zwischen der Kindsmutte r und den Kindern gegeben sei und dadurch die elterlichen Befugnisse der Kindsmutter in de r umstrittenen Angelegenheit von Ge- setzes wegen dahingefallen seien. Der KESB sei es nicht mö glich gewesen, das Geschäft sel- ber zu regeln, weil insbesondere ein klar umschriebenes Rechtsbegehren der Kindsmutter ge- fehlt und sich somit das Geschäft als nicht liquid erwiesen habe. Zur Abklärung der Sachlage sei daher eine Beistandschaft errichtet worden. 3.2 Die Beschwerdeführer wenden sich gegen diese Beista ndschaft. Sie machen geltend, der Beistandschaft anlässlich der Anhörung vom 26. Mai 20 15 aufgrund der zeitlichen Dring- lichkeit und widerwillig (“notgedrungen“, vgl. Protokol l der Anhörung vom 26. Mai 2015, S. 2) zugestimmt zu haben. Es liege kein Interessenkonflikt zwischen der Kindsmutter und den bei- den Kindern vor. Vielmehr hätten alle ein gleich ger ichtetes Interesse, nämlich in einen Fami- lienwohnsitz zu investieren. Im Rahmen der Fertigstellu ng der Liegenschaft seien Rechnungen in der Höhe von insgesamt Fr. 50‘611.95 aufgelaufen. Die Anzehrung des Kindesvermögens sei aufgrund der Erhöhung der Hypothek von Fr. 530‘000.-- auf Fr. 580‘000.-- zwischenzeitlich je- doch nicht mehr notwendig. Die Interessen der Kindsmu tter und der beiden Kinder seien de- ckungsgleich, weshalb die Kindsmutter als gesetzliche Vert reterin berechtigt sei, den Kreditver- trag (betreffend die Erhöhung der Hypothek) in ihrem Namen sowie im Namen der Kinder abzu- schliessen. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, b ei Grundstückgeschäften, welche das Kindesvermögen belasten, liege immer eine abstrakte Interessenkollision vor, greife zu kurz. Die Liegenschaft diene den Kindern selber auch al s Wohnsitz. Folglich könne die Kinds- mutter im Rahmen der elterlichen Sorge als gesetzliche Vertreterin für die Kinder handeln und die angeordnete Massnahme sei nicht erforderlich. 4.1 Die Eltern haben von Gesetzes wegen die Vertretung des Kindes gegenüber Drittper- sonen im Umfang der ihnen zustehenden elterlichen Sorg e (Art. 304 Abs. 1 ZGB). Gemäss Art. 306 ZGB können urteilsfähige Kinder, die unter elterlicher Sorge stehen, mit Zustimmung der Eltern für die Gemeinschaft handeln, verpflichten damit aber nicht sich selbst, sondern die Eltern (Abs. 1). Haben die Eltern in einer Angelegen heit Interessen, die denen des Kindes wi- dersprechen, so ernennt die Kindesschutzbehörde einen Bei stand oder regelt die Angelegen- heit selber (Abs. 2). Eigenes Handeln der KESB bietet sich insbesondere an, wenn die Angele- genheit dringlich und infolge ihrer Liquidität rasch lösbar ist, oder wenn sie so unproblematisch ist, dass die Bestellung eines Beistands eine unnötige Formalität darstellen würde (vgl. INGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, Art. 1 - 456, 5. Auflage, Basel 2014, N 7b zu Art. 306). Bei Interessenkollision Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht entfallen von Gesetzes wegen die Befugnisse der Eltern i n der entsprechenden Angelegenheit (Abs. 3). Ob eine Interessenkollision vorliegt, ist abstr akt und nicht konkret zu bestimmen, d.h. es ist nicht darauf abzustellen, wie viel Vertrauen der gesetzliche Vertreter im Einzelfall verdient (vgl. INGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., N 4 zu Art. 306). Selbst wenn die Eltern in tatsächlicher Hinsicht beste Absichten haben, die Kind esinteressen nicht zu verletzen, muss eine Beistandschaft errichtet werden oder die KESB sel ber handeln, wenn Umstände auf eine Kollisionsmöglichkeit hindeuten (vgl. U RS VOGEL , Zwischen Schutz und Selbstbestimmung, in: Festschrift für Professor Christoph Häfeli zum 70. Gebur tstag, 2013, S. 177). Eine Interessen- kollision liegt vor, wenn die Interessen des Kindes denen der Eltern unmittelbar widersprechen (direkte Interessenkollision), sowie wenn die Interessen des Kindes denen eines Dritten wider- sprechen, der den Eltern besonders nahe steht (indirek te Interessenkollision). Direkte Interes- senkollision ist etwa bei Selbstkontrahieren, Doppelvert retung oder Interzession anzunehmen. Indirekte Interessenkollision liegt vor, wenn zwischen eine m Dritten und dem gesetzlichen Ver- treter eine so nahe Beziehung besteht, dass davon ausge gangen werden muss, die Rücksicht- nahme auf die Interessen des Dritten könnte das Handel n des Vertreters allenfalls beeinflussen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_743/2009 vom 4. März 2010 E. 2.1). Eine Interessenkollision wird praxisgemäss bejaht bei Grundstückgeschäften, mit dene n eine Belastung des Kindesver- mögens verbunden ist, verneint hingegen, wenn das Rechtsge schäft dem unmündigen Kind ausschliesslich Vorteile bringt und keinerlei Verpflichtun gen oder Belastungen zur Folge hat. In Zweifelsfällen ist eine Beistandschaft anzuordnen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_743/2009 vom 4. März 2010 E. 2.3). 4.2 Vorliegend ersuchte die Kindsmutter mit E-Mail vo m 6. Februar 2015 um Zustimmung zur Anzehrung des Kindesvermögens beider Kinder in der Höhe von je Fr. 40‘000.-- sowie um Zustimmung zum neuen Kreditvertrag (Nr. 1760.3303.70 02 ), welcher aufgrund der im Zusam- menhang mit der neuen Liegenschaft entstandenen Mehr kosten eine Erhöhung der Hypothek vorsieht. Der erwähnten E-Mail waren keinerlei Unterla gen beigefügt, welche einen Rück- schluss auf die Notwendigkeit der Anzehrung des Kindesverm ögens zugelassen hätten. Auch der mit Schreiben der I.____ vom 31. März 2015 einger eichte neue Kreditvertrag (Nr. 1760.3303.7002) vermochte die Unklarheiten nicht zu beseitigen. Daraus geht lediglich hervor, dass die Hypothekarschuld erhöht werden soll und so wohl die Kindsmutter als auch die beiden Kinder darin als Solidarschuldner aufgeführt sin d. Am 30. April 2015 erhielt die KESB ein Schreiben der I.____ über die Konditionen des urs prünglichen Kreditvertrags vom 20. Januar 2014 sowie einen Auszug des Baukreditkontos bzw. aktuelle Kontoauszüge der Sperrkonti der Kinder. Ferner befindet sich in den Akten eine Auflistung der ausstehenden Bau- kosten in der Höhe von Fr. 179‘598.--, welche vom neuen Lebenspartner der Kindsmutter, L.____, erstellt wurde. Schliesslich liegen die Pläne der Liegenschaft sowie eine entsprechende Kostenschätzung des Architekturbüros vor. Gemäss eigenen An gaben der Beschwerdeführerin sei L.____ am Hausbau beteiligt und unterstütze sie b ei den Bankgeschäften und Behörden- kontakten. Daraus geht jedoch nicht hervor, in welcher F orm der neue Lebenspartner der Kindsmutter am Hausbau beteiligt ist bzw. welche Geschäf te er regelt. Aus den Verfahrensak- ten ergibt sich einzig, dass sich L.____ vom Baukreditkon to der Erbengemeinschaft A.____ bisher insgesamt Fr. 140‘000.-- hat auszahlen lassen. W ofür er diese Zahlungen erhalten hat, ist unklar. Zudem ist davon auszugehen, dass dieses Konto auch den bisher nicht ausbezahlten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erbschaftsanteil der Kinder in der Höhe von je Fr. 21‘ 435.50 beinhaltet (hat). Wenn die Kinds- mutter also ausführt, der Einsatz eines Beistandes sei ni cht erforderlich, weil kein Interessen- konflikt zwischen ihr und den Kindern bestehe, kann ihr nicht gefolgt werden. Der Begünstigte der Zahlungen von insgesamt Fr. 140‘000.-- ist der ne ue Lebenspartner der Kindsmutter und der Vater der gemeinsamen Tochter M.____. Damit ist ei n Fall einer indirekten Interessenkolli- sion gegeben und die elterlichen Befugnisse der Kindsmutter fallen in dieser Angelegenheit von Gesetzes wegen dahin, auch wenn ein Beistand (noch) nicht ernannt ist (vgl. I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., N 6 zu Art. 306). 4.3 Daran hat sich auch nichts geändert, nachdem der KESB das Schreiben der I.____ vom 8. Juni 2015, welches nach Erlass des vorinstanzlichen Entsch eids erfolgte, zugetragen wurde. Daraus ergibt sich lediglich, dass das Kindesvermög en im Umfang von insgesamt Fr. 80‘000.-- zwecks Finanzierung der neuen Liegenschaft angezehrt werden soll. Die I.____ wies gleichzeitig darauf hin, dass dazu eine Aufhebung d er Sperrkonti der Kinder, die Zustim- mung zur Anzehrung des Kindesvermögens in der Höhe von je Fr. 40‘000.-- sowie die Zustim- mung zum Kreditvertrag (Nr. 1760.3303.7002) erforder lich seien. Immerhin konnten dadurch gewisse Schlüsse über den Hintergrund des “Antrags“ der Ki ndsmutter gezogen werden, diese reichen aber nicht aus, um die Fragen zur Schlussfina nzierung der neuen Liegenschaft ge- samthaft zu beurteilen. Abgesehen von den vorstehend dargelegten Unklarheiten über die Zah- lungen aus dem Erbschaftskonto lassen sich – wie ausgeführt – auch die aus dem neuen Kre- ditvertrag resultierenden Auswirkungen auf das Vermöge n der Kinder bei der vorliegenden Sachlage nicht abschliessend beurteilen. Soweit die Ki nder im neuen Kreditvertrag als Solidar- schuldner verpflichtet würden, kann nicht ernsthaft bestri tten werden, dass durch dessen Ab- schluss nicht ein Risiko für die Schmälerung resp. den Verl ust ihres Erbes bestehen würde. Dies entspricht nicht den Kindesinteressen. Die Kindsmutter dürfte demgegenüber in Bezug auf den Abschluss des Kreditvertrags an einem möglichst grossen Haftungssubstrat interessiert sein und somit liegen in diesem Punkt zumindest Umstände vor, welche auf einen möglichen Interessenkonflikt hindeuten. Darüber hinaus bestehen w eitere Unklarheiten: so ist aus den Akten nicht ersichtlich, weshalb die Kosten für den Hausba u so massiv von der ursprünglichen Schätzung abweichen. Wenn die Kindsmutter entgegnet, de r Kauf und die Errichtung der Lie- genschaft seien auch im Interesse der Kinder erfolgt, kan n ihr beigepflichtet werden. Dabei ver- kennt sie jedoch, dass damit einhergehende Belastungen d en Kindesinteressen grundsätzlich widersprechen. Aus diesem Grund sind das Kindsvermögen bel astende Akte vorab durch die KESB zu prüfen und zu genehmigen. Eine Genehmigung konnte jedoch nicht erfolgen, da zahl- reiche ungeklärte Fragen bestehen. Vor diesem Hintergrund erwies sich eine materielle Beurtei- lung der vorliegenden Angelegenheit durch die KESB a ls unmöglich. Es ist daher sinnvoll, die Geschäfte durch eine neutrale Drittperson begutachten zu lassen. Indem die KESB zur Klärung des Sachverhalts eine Vertretungsbeistandschaft für die Kinder errichtet hat, hält sie sich an die gesetzlichen Vorgaben und ihr Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Die Bestellung eines Vertretungsbeistands bedeutet schl iesslich nicht, dass der Abschluss des Kreditvertrags bzw. die Schlussfinanzierung der Liegensch aft nicht verwirklicht werden kann, sondern einzig, dass ein behördlich bestellter Dritter a nstelle der gesetzlichen Vertreterin die Vor- und Nachteile des neuen Kreditvertrags bzw. der a llfälligen Anzehrung des Kindesvermö- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gens unter dem alleinigen Blickwinkel der Kindesintere ssen abwägt (vgl. Urteil des Bundesge- richts 5A_743/2009 vom 4. März 2010 E. 3.3). Der formel le Entscheid der KESB vom 2. Juni 2015 betreffend die Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft ist daher zu schützen. Wenn die Beschwerdeführer geltend machen, die Zustimmung zum Ge schäft sei verweigert worden, ge- hen sie an der Sache vorbei. Vielmehr hat die KESB i n dieser Angelegenheit bislang einzig über die Errichtung einer Beistandschaft entschieden. Der Beistand wird den Sachverhalt abzu- klären haben, sodass die KESB gestützt darauf einen ma teriellen Entscheid wird treffen kön- nen. 5. Der in der vorliegenden Angelegenheit eingesetzte Beistand teilte der KESB mit Schreiben vom 28. Juli 2015 mit, dass er sein Mandat zufo lge des zerrütteten Vertrauensver- hältnisses zur Kindsmutter nicht antreten werde. Ob diese s Vorbringen ein Amtsenthebungs- grund bzw. ein wichtiger Grund im Sinne von Art. 423 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB darstellt, wird durch die KESB zu entscheiden sein. Demzufolge erübrigen sich weitere diesbezügliche Ausführungen. 6. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umf assen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Au smass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). G emäss dem Ausgang des Verfahrens ge- hen die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.00 zulasten der unterlegenen Beschwerde- führerin A.A.____ als gesetzliche Vertreterin der Kinde r. Die Parteikosten sind gemäss § 21 Abs. 1 VPO wettzuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.00 werden A.A.____ auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.00 verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin