Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Juni 2019 (720 19 38 / 136) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bemessung des Valideneinkommens bei einer selbständigen Erwerbsätigkeit; Zumutbar- keit des Berufswechsels Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Markus Mattle, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin i.V. Evelyne Frey Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Martin Lutz, Advokat, Falknerstrasse 3, Postfach 175, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1966 geborene A.____ arbeitet seit 1989 als sel bständig erwerbende Coiffeuse mit eigenem Betrieb ohne Angestellte. Seit dem Sommer 20 13 leidet sie anhaltend an einer limitie- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht renden Schmerzsymptomatik ausgehend von der unteren lumba len Wirbelsäule. In ihrer ange- stammten Tätigkeit als Coiffeuse ist sie seit dem 20. D ezember 2013 teilweise arbeitsunfähig. Am 2. Juni 2014 (Eingang) meldete sie sich unter Hinweis auf eine Verengung der Nervenkanäle an der unteren Wirbelsäule und Arthrose bei der Invalidenstelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nach Vornahme der medizinischen und beruflichen Abklärungen sowie nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 21. Dezember 2018 einen Rentenanspruch in Anwendung der allgemeinen Bemessungsmethode und unter Hin- weis auf einen Invaliditätsgrad von 0 % ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Martin Lutz, am 1. Februar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, A bteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die Verfügung vom 21. Dezember 2018 aufzuheben und es sei ihr eine halbe Invalidenrente zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass es an einer Bestimmba rkeit ihres Einkommens fehle und dass den Berechnungen des Einkommens durch die IV-Stelle nicht gefolgt werden könne. Zudem sei ihr die Aufgabe ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit nicht zumutbar. C. Mit Vernehmlassung vom 27. März 2019 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Be- schwerde. D. Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Replik vom 15 . April 2019 an ihrem Antrag fest und fügte als Begründung hinzu, dass für die Bemessung des Invaliditätsgrades die ausserordentliche Bemessungsmethode mit Betätigungsvergleich anzuwenden sei. E. Die IV-Stelle hielt in ihrer Duplik vom 23. April 2019 ihren Anträgen und Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen f orm- und fristgerecht eingereichte Be- schwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Streitig und im Folgenden zu prüfen ist der Rent enanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlas s der angefochtenen Verfügung vom Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 21. Dezember 2018 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 2.2 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.3 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutb are Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gra d der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträch- tigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterla gen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur- teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer-weise noch ver- richtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschät- zung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen d er Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, au f allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me- dizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Die Rechtsprechung erachtet es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als ver- einbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztin- nen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb- nissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraf t zuzuerkennen, solange nicht kon- krete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sp rechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversich erung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 5. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten – auch von Selbst- ständigerwerbenden – ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, d as die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkei t bei ausgeglichener Arbeitsmarkt- lage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invalidit ätsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Insoweit die fraglichen Erwerbsein-kom- men ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und sind die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig er- mitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifi sche Methode für nicht erwerbstätige Versicherte (Art. 28a Abs. 2 IVG) ein Betätigungsvergle ich anzustellen und der Invaliditätsgrad Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfä-higkeit in der kon- kreten erwerblichen Situation zu bestimmen. Der grundsätzliche Unterschied des ausserordentli- chen Bemessungsverfahrens zur spezifischen Methode (gemäss Ar t. 28a Abs. 2 IVG) besteht darin, dass die Invalidität nicht unmittelbar nach Massga be des Betäti-gungsvergleichs als sol- chem bemessen wird. Vielmehr ist zunächst anhand des Betä tigungs-vergleichs die leidensbe- dingte Behinderung festzustellen; sodann aber ist diese im Hinblick auf ihre erwerblichen Auswir- kungen besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsver- mögen eines Erwerbstätigen kann zwar, braucht aber nicht notwendi-gerweise, eine Erwerbsein- busse gleichen Umfangs zur Folge zu haben. Wollte man bei Er-werbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis des Betätigungsvergleichs abstellen, so wäre der gesetzliche Grundsatz verletzt, wonach bei dieser Kategorie von Versicherten die Inval idität nach Massgabe der Erwerbsunfä- higkeit zu bestimmen ist (ausserordentliches Bemessungsverfa hren; BGE 128 V 30 f. E. 1 mit Hinweisen). 6. Die IV-Stelle stützt sich in der angefochtenen Ver fügung vom 21. Dezember 2018 bei der Würdigung des massgebenden medizinischen Sachverhalts und bei der Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf das Gutachten von Dr. med. B.____, FMH Rheumato- logie und FMH Innere Medizin, vom 8. Juni 2015, wonach die Beschwerdeführerin sowohl in ihrer angestammten als auch in einer leidensangepassten Tätigk eit zu 50 % arbeitsunfähig sei. Dr. med. C.____, FMH Allgemeinmedizin (D), stellt in seinem RAD-Bericht vom 17. Juni 2015 fest, dass das erwähnte Gutachten von Dr. B.____ den bundesgerichtlichen Anforderungen ent- spreche: Es sei in den strittigen Belangen umfassend, be ruhe auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtige die beklagten Beschwerden, sei in Kenntnis der Vorakten erstellt, sei in der Dar- legung der medizinischen Zusammenhänge und der Beurteilung der medizinischen Situation ein- leuchtend und enthalte eine nachvollziehbare Begründung der Schlussfolgerungen. Er bestätigt in der Folge die 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und in einer leidensangepassten Tätigkeit seit Dezember 2013. Diese Beurteilung deckt sic h auch mit dem Bericht vom 18. No- vember 2014 des behandelnden Arztes, Dr. med. D.____, FMH für Innere Medizin, spez. Rheu- matologie. Darin wird konkretisiert, dass der Beschwerdeführerin bei einer 50%igen Arbeitsunfä- higkeit eine wechselbelastende Tätigkeit mit Treppenstei gen, Kauern, Knien, Rotation im Sit- zen/Stehen und Heben/Tragen von maximal 5 kg während vie r Stunden pro Tag zumutbar sei, wobei sie die letzten vier genannten Tätigkeiten nicht repetitiv ausführen könne. Gestützt auf diese ärztlichen Unterlagen ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten und in einer leidensangepassten Tä tigkeit zu 50 % arbeitsunfähig ist. Dies wird denn auch von der Beschwerdeführerin nicht bestritten. 7. Streitig und zu prüfen ist jedoch die Bemessung der Invalidität, namentlich die Wahl der Bemessungsmethode. Die IV-Stelle ermittelte den Invali ditätsgrad der Beschwerdeführerin mit- tels der ordentlichen Bemessungsmethode des Einkommensver gleichs. Dies beanstandet die Beschwerdeführerin, weil sich ihr Valideneinkommen nicht genügend zuverlässig ermitteln lasse und die ausserordentliche Bemessungsmethode mit Betätigu ngsvergleich anzuwenden sei. Für die Frage nach der richtigen Bemessungsmethode ist daher vorab die Beurteilung des Validen- einkommens vorzunehmen (vgl. hierzu E. 5 hiervor). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist ents cheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Da erfahrungsgemäss in der Regel die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüp- fungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens grun dsätzlich der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwick- lung angepasste Verdienst (BGE 134 V 322 E. 4.1, 129 V 222 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Das Vali- deneinkommen von Selbständigerwerbenden kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich aufgrund der Einträge im individuellen Konto (IK) bestimmt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. Dezember 2013, 8C_567/2013, E. 2 .2.2 mit Hinweisen). Weist das bis Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteil des Bundesgericht s vom 30. Dezember 2013, 8C_567/2013, E. 2.2.2 mit Hinweisen). 7.2 Auf der Grundlage des IK-Auszugs vom 15. Juli 2015 se tzte die IV-Stelle das Validen- einkommen unter Beizug der Jahre 2004 bis 2013 auf Fr. 24‘919.-- fest. In der Vernehmlassung vom 27. März 2019 folgte sie sodann dem Vorbringen der Beschwerdeführerin, es seien lediglich die Jahre 2005 bis 2010 zu beachten, weil sich ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen ab dem Jahr 2011 in der Höhe ihres Erwerbseinkommens niedergesch lagen hätten. Neu setzte die IV- Stelle das Valideneinkommen auf Fr. 30‘350.-- fest. D ie Berechnung der IV-Stelle ist nicht zu beanstanden. Gemäss dem erwähnten IK-Auszug betrug das Einkommen in der Zeit von 2005 bis 2010 zunächst Fr. 17‘900.--, dann Fr. 38‘100.--, und schwankte danach zwischen Fr. 27‘300.- - und Fr. 34‘900.--. Die Summe dieser Einkommen ergibt Fr. 182‘100.--, womit das durchschnitt- liche Einkommen Fr. 30‘350.-- beträgt. Nach diesem Z eitraum lassen sich in den IK-Auszügen Mindereinnahmen feststellen: von 2011 bis 2013 betrug das Einkommen zwischen Fr. 9‘094.-- und Fr. 9‘333.--, mithin sind ab dem erwähnten Zeitpunkt die Auswirkungen der gesundheitlichen Beschwerden auf das Einkommen ersichtlich. Diese Jahre wur den daher zu Recht nicht in die Bemessung des Valideneinkommens miteinbezogen. Ferner sin d Steueroptimierungen bei der Festlegung des Valideneinkommens entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht zu berücksichtigen. Massgebend ist einzig der AHV-pflichtige Lohn (Urteil des Bundesgerichts vom 10. November 2009, 8C_9/2009, E. 3.4). In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass eben- falls zu Recht keine Parallelisierung des Valideneinkommens erfolgte, da die Beschwerdeführerin als angestellte Coiffeuse ein höheres Einkommen hätte erzielen können und sie sich demzufolge freiwillig mit diesem Einkommen begnügt hat. Die Beschwerdeführerin bringt denn auch nicht vor, sich um eine Anstellung bemüht zu haben. 7.3 Das Valideneinkommen kann durch die vorliegenden IK-Auszüge nach dem Gesagten genügend zuverlässig bestimmt werden. Die IV-Stelle ste llte demzufolge zu Recht auf den IK- Auszug vom 15. Juli 2015 unter Beizug der Jahre 2005 bi s 2010, das heisst auf das effektive Einkommen der Beschwerdeführerin vor Eintritt ihrer ges undheitlichen Beeinträchtigungen, ab. Mit der IV-Stelle ist folglich von einem jährlichen Val ideneinkommen von Fr. 30‘350.-- auszuge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht hen. Wie in Erwägung 8 aufgezeigt wird, kann auch das I nvalideneinkommen genügend zuver- lässig bestimmt werden. Damit kommt nicht die ausserord entliche Bemessungsmethode, son- dern die ordentliche Methode des Einkommensvergleich s zur Anwendung (BGE 104 V 135 E. 2c). 8. Streitig ist sodann die Berechnung des Invalidenein kommens. Die IV-Stelle setzte das Invalideneinkommen auf Fr. 26‘896.-- fest. Sie verweist diesbezüglich auf die 50%ige Arbeitsfä- higkeit der Beschwerdeführerin in einer Verweistätigkei t und legt dem Invalidenlohn die Tabelle TA1_tirage_skill_level, Privater Sektor Total, Kompeten zniveau der Tätigkeit 1, Spalte Frauen, der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012 des Bundesamtes für Statistik zugrunde. Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber auf de n Standpunkt, dass auf das effektive Invalideneinkommen abzustellen sei, weil ihr die Aufgabe ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit als Coiffeuse nicht zumutbar sei. Vorweg zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführerin ein Berufswechsel zuzumuten ist. 8.1.1 Nach der Rechtsprechung gilt im Gebiet der Inval idenversicherung ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestm öglich zu mildern; deshalb besteht kein Rentenanspruch, wenn die Person selbst ohne Eingliederungsmassnahmen zumutbarerweise in der Lage wäre, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen. Die Selbstein-glie- derung als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht ist eine Last, welche die versi- cherte Person auf sich zu nehmen hat, soll ihr Leistung sanspruch – auf gesetzliche Ein-gliede- rungsmassnahmen oder Rente – gewahrt bleiben. Von der versicherten Person dürfen dabei nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (AHI-Praxis 2001 S. 282, E. 5a/aa; BGE 113 V 28 E. 4a). 8.1.2 Aufgrund der geschilderten Schadenminderungspfl icht darf deshalb von selbständig Er- werbstätigen erwartet werden, dass sie sich im Betrieb soweit möglich so organisieren, dass sie Arbeiten verrichten können, die ihnen gesundheitshalber noch zumutbar sind. Ist dies über-haupt nicht möglich oder erscheint die bisherige Tätigkeit au s gesundheitlichen Gründen als ungeeig- net, so steht die Aufnahme einer unselbstständigen (Hau pt-)Erwerbstätigkeit zur Dis-kussion. Nach der Rechtsprechung kann dem Einkommensvergleich eine solche zugrunde gelegt werden, wenn hiervon eine bessere erwerbliche Verwertung der A rbeitsfähigkeit erwartet werden kann und der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der ge samten Umstände (Alter, Aktivitäts- dauer, Ausbildung, Art der bisherigen Tätigkeit, per sönliche Lebensumstände) als zumutbar er- scheint (Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge richts [EVG; heute: Bundesge- richt, sozialrechtliche Abteilungen] vom 7. Juni 2006, I 38/06, E. 3.2 mit Hinweisen; AHI-Praxis 2001 S 283, E. 5a/bb mit Hinweisen). Die Anforderun gen an die Pflicht zur Selbsteingliederung als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht dür fen dabei zulässigerweise dort hö- her sein, wo eine verstärkte Inanspruchnahme der Invalide nversicherung in Frage steht. In die erforderliche Interessenabwägung sind deshalb auch die in Frage stehenden Rentenleistungen einzubeziehen (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juli 2009, 9C_111/2009, E. 2.2.2 mit Hinwei- sen). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1.3 Wie bereits ausgeführt (vgl. E. 6 hiervor) ist d ie ärztliche Beurteilung der 50%igen Ar- beitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und in einer Verweistätigkeit unbestritten. Ebenso wenig wird das von Dr. D.____ erstellte Zumutbarkeitsprofil beanstandet. Im „Abklärungsbericht Selbständigerwerbende“ vom 7. Juli 2015 stellte die Ab klärungsperson im Rahmen der Beurtei- lung der Umstände der selbständigen Erwerbstätigkeit als Coiffeuse fest, die Versicherte erwecke mangels gesundheitlicher Besserung mit den bisherigen Therapien nicht den Eindruck, ihr Pen- sum wieder steigern zu können. Allerdings wolle sie ihren Betrieb wenn immer möglich weiterfüh- ren. Sie sei dort frei in der Termingestaltung und könne die Arbeit ihrer Tagesverfassung anpas- sen. Die Abklärungsperson liess daraufhin die Frage, wie es mit der Erwerbstätigkeit der Versi- cherten weitergehen könne, ausdrücklich offen. In diesem Zusammenhang macht die Beschwer- deführerin geltend, dass sie aufgrund der genannten Freiheiten ihre Restarbeitsfähigkeit in ihrem eigenen Betrieb am besten nutzen könne. Auch gemäss Bericht von Dr. B.____ sei ihre selbstän- dige Erwerbstätigkeit als Coiffeuse aus diesen Gründen optimal auf ihre Gesundheitsproblematik zugeschnitten. Dem erwähnten Abklärungsbericht ist demgegenüber zu entnehmen, dass sie im Gespräch mit der Abklärungsperson mehrfach beschrieb, sie a rbeite nur vormittags. Diese Ar- beitszeit entspricht dem Bericht vom 18. November 2014 von Dr. B.____, wonach die Beschwer- deführerin in einem 50%igen Pensum während vier Stunden pro Tag arbeiten könne. Ferner wird in keinem Arztbericht festgehalten, dass eine der Beschwerdeführerin zumutbare Verweistätigkeit über den ganzen Tag hinweg zu verteilen sei. Die frei wählbaren Arbeitszeiten in der selbständi- gen Erwerbstätigkeit als Coiffeuse sprechen demzufolge nicht gegen die Zumutbarkeit eines Be- rufswechsels. 8.1.4 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind be i der Beurteilung der Zumutbarkeit der Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit weitere Umstände (vgl. hierzu E. 8.2 hiervor) zu berücksichtigen. Es ist zutreffend, dass die selbständige Erwerbstätigkeit schon seit langer Dauer besteht. Allerdings verbleibt der heute 53-jährigen B eschwerdeführerin – im Zeitpunkt der gut- achterlichen Abklärung war sie 48 Jahre alt –bis zur Pen sionierung genügend Zeit für eine Um- orientierung, weshalb ihr Alter und die lange Dauer der selbständigen Erwerbstätigkeit vorliegend nicht gegen die Zumutbarkeit der Aufgabe ihrer selbstä ndigen Erwerbstätigkeit sprechen. Die Beschwerdeführerin begründet die Unzumutbarkeit auch da mit, dass sie in ihrem Coiffeursalon ihre sozialen Kontakte pflege. Diese seien wesentlich, da die Beschwerdeführerin abends nicht mehr ausgehen könne. Dem ist entgegen zu halten, dass soziale Kontakte auch neben dem Be- rufsleben gepflegt werden können. Daher ist dieser Aspekt nicht derart zu gewichten, dass eine Unzumutbarkeit des Berufswechsels angenommen werden könnt e. Nicht massgebend ist so- dann, dass die Beschwerdeführerin ihre obligatorische Schulzeit nicht vollendete. Vielmehr kann sie einen Lehrabschluss vorweisen, obwohl sie keinen Schula bschluss besitzt. Der allgemeine Arbeitsmarkt bietet zudem zahlreiche Tätigkeiten, welche keine konkrete Ausbildung vorausset- zen und zugleich dem Zumutbarkeitsprofil der Beschwerdefü hrerin entsprechen. Zuletzt ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin in einer unselbständigen Erwerbstätigkeit gemäss dem entsprechenden Tabellenlohn mehr verdienen könnte, als ihre Einnahmen als selbständige Coiffeuse betragen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Gesamtbild ergibt, dass es der Beschwerdeführerin trotz der langen Dauer ihrer selbständi- gen Erwerbstätigkeit zuzumuten ist, diese Tätigkeit aufzugeben und eine unselbständige Tätigkeit aufzunehmen. 8.2. Da vorliegend von der Zumutbarkeit eines Berufswech sels auszugehen ist, ist für die Festsetzung des Invalideneinkommens nicht auf das tatsächlich erzielte Erwerbseinkommen, sondern auf die Tabellenlöhne der LSE abzustellen (BG E 129 V 472 E. 4.2.1). Die von der IV-Stelle gestützt auf die LSE vorgenommene Berechnung des Invalideneinkommens wurde von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht bestritten. Es kann folglich auf das von der IV-Stelle fest- gelegte Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 26‘896.-- abgestellt werden. 8.3 Für die Berechnung des Invaliditätsgrades nach der allgemeinen Methode des Einkom- mensvergleichs ist das Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 30‘350.-- dem Invalideneinkom- men in der Höhe von 26‘896.-- gegenüberzustellen. Im vorliegenden Fall ergibt diese Gegenüber- stellung einen Invaliditätsgrad von 11.38 %. 9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die IV-Stelle zu Recht die ordentliche Bemes- sungsmethode des Einkommensvergleichs angewendet hat und die Berechnung des Validenein- kommens korrekt erfolgt ist. Zudem ist der Beschwerdeführerin die Aufgabe ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit zumutbar und die Festlegung des Invalid eneinkommens ist nicht zu beanstan- den. Aufgrund des ermittelten Invaliditätsgrades von 11.38 % hat die IV-Stelle den Anspruch auf eine Invalidenrente der Beschwerdeführerin zu Recht vern eint. Aus diesen Gründen ist die Be- schwerde vollumfänglich abzuweisen. 11. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsge- richt kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verf ahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegen- den Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliege nd ist die Beschwerdeführerin unter- liegende Partei, weshalb sie die Verfahrenskosten zu tra gen hat. Diese werden mit dem geleis- teten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Entsprechend dem Verfahrensaus- gang wird keine Parteientschädigung zugesprochen (Art. 61 lit. g ATSG). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht