<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 15 S.64</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">64</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>15</b></span> <span class="ft1"><b>Art. 50 ATSG; Art. 22, 25a FZG; Art. 141 ZGB</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Im Verfahren vor Versicherungsgericht betreffend Teilung der Freizügig-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>keitsleistungen nach Ehescheidung ist ein Vergleichsabschluss zulässig.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 3. Kammer, vom 23. Januar</span><br/> <span class="ft2">2007 in Sachen F.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">3.2.</span><br/> <span class="ft4">Streitigkeiten über sozialversicherungsrechtliche Leistungen</span><br/> <span class="ft4">können durch Vergleich erledigt werden (Art. 50 Abs. 1 ATSG). Die</span><br/> <span class="ft4">Bestimmungen des ATSG sind in der beruflichen Vorsorge grund-</span><br/> <span class="ft4">sätzlich nicht anwendbar, in der Literatur wird indessen einhellig die</span><br/> <span class="ft4">analoge Anwendbarkeit postuliert (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,</span><br/> <span class="ft4">Zürich 2003, Art. 2 Rz. 18 bis 20 mit Hinw.).</span><br/> <span class="ft4">Das EVG hat sich zur Zulässigkeit von Vergleichen bei der Tei-</span><br/> <span class="ft4">lung der Freizügigkeitsleistungen im versicherungsgerichtlichen Ver-</span><br/> <span class="ft4">fahren in BGE 132 V 337 ff. geäussert. Danach folgt aus Art. 141</span><br/> <span class="ft4">Abs. 1 ZGB, dass den Parteien im Rahmen der Teilung der Aus-</span><br/> <span class="ft4">trittsleistung ein gewisser inhaltlicher Spielraum zukommt, da ihnen</span><br/> <span class="ft4">die Möglichkeit einer Einigung zugestanden wird. Jedoch besteht</span><br/> <span class="ft4">dieser Spielraum nach der Konzeption des Gesetzes primär im Rah-</span><br/> <span class="ft4">men des Scheidungsverfahrens, denn Art. 141 Abs. 1 in fine ZGB</span><br/> <span class="ft4">legt klar fest, dass die Genehmigung der Vereinbarung über die Tei-</span><br/> <span class="ft4">lung der Austrittsleistungen und die Art der Durchführung dieser Tei-</span><br/> <span class="ft4">lung durch das Gericht zu erfolgen hat. Die Bestimmung des Verhält-</span><br/> <span class="ft4">nisses, in welchem die Austrittsleistungen zu teilen sind, hat deshalb</span><br/> <span class="ft4">zwingend im Rahmen des Scheidungsverfahrens zu erfolgen</span><br/> <span class="ft4">(Erw. 2.3). Die Notwendigkeit der Teilung vor dem Scheidungsge-</span><br/> <span class="ft4">richt ändert jedoch nichts an der Möglichkeit der beteiligten Parteien,</span><br/> <span class="ft4">sich - mindestens in einem gewissen Rahmen und unter Zugrundele-</span><br/> <span class="ft4">gung des verbindlichen Teilungsschlüssels - im Verfahren vor dem</span><br/> <span class="ft4">Sozialversicherungsgericht über die Durchführung der Teilung der</span><br/> <span class="ft4">Austrittsleistung zu einigen. Eine solche Einigung der Parteien stellt</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">65</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">prozessual einen Vergleich dar. Da das ATSG im Bereich der berufli-</span><br/> <span class="ft4">chen Vorsorge nicht anwendbar ist, kann die den Vergleich betref-</span><br/> <span class="ft4">fende Bestimmung des Art. 50 ATSG nicht massgebend sein. Die Zu-</span><br/> <span class="ft4">lässigkeit eines gerichtlichen Vergleichs ergibt sich für das letztin-</span><br/> <span class="ft4">stanzliche Verfahren jedoch aus Art. 40 und Art. 135 OG i.V.m.</span><br/> <span class="ft4">Art. 73 BZP, woraus sich auch die Möglichkeit zum Vergleichsab-</span><br/> <span class="ft4">schluss für das kantonale Verfahren ergibt (vgl. auch Art. 73 BVG).</span><br/> <span class="ft4">Falls der Inhalt des Vergleichs dem öffentlichen Recht untersteht und</span><br/> <span class="ft4">der Disposition der Parteien entzogen ist, hat das Gericht einen Ver-</span><br/> <span class="ft4">gleich als übereinstimmenden Antrag der Parteien zu betrachten und</span><br/> <span class="ft4">diesen auf seine Übereinstimmung mit Tatbestand und Gesetz zu</span><br/> <span class="ft4">überprüfen. Die Genehmigung eines solchen Vergleichs setzt voraus,</span><br/> <span class="ft4">dass das kantonale Versicherungsgericht dafür sachlich zuständig ist</span><br/> <span class="ft4">(Erw. 2.4 mit Hinw.).</span><br/> <span class="ft4">3.3.</span><br/> <span class="ft4">Die von den Parteien abgeschlossene Vereinbarung respektiert</span><br/> <span class="ft4">den Grundsatz der hälftigen Teilung und trägt somit Art. 122 ZGB</span><br/> <span class="ft4">sowie dem Teilungsentscheid des Bezirksgerichts Brugg als Schei-</span><br/> <span class="ft4">dungsgericht Rechnung. Die Teilung der beidseitigen Freizügigkeits-</span><br/> <span class="ft4">guthaben erfolgt grundsätzlich per Rechtskraftdatum des Schei-</span><br/> <span class="ft4">dungsurteils. (...) Für das sachlich zuständige Versicherungsgericht</span><br/> <span class="ft4">(vgl. Erw. 1) besteht kein Anlass, den Vergleich nicht zu genehmi-</span><br/> <span class="ft4">gen, da er sich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben bewegt und</span><br/> <span class="ft4">dem übereinstimmenden Parteiwillen entspricht.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>