B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1410/2018 U r t e i l v o m 2 3 . M ä r z 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richterin Barbara Balmelli; Gerichtsschreiberin Linda Mombelli-Härter. Parteien A._______, geboren am (…), Staat unbekannt, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 2. Februar 2018 / N (…). E-1410/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin reichte am 21. Februar 2016 in der Schweiz ein Asylgesuch ein, unter der Angabe, am 2. April 2000 geboren zu sein. Nach einer Handknochenanalyse vom 23. Februar 2016 zwecks Altersbestim- mung wurde sie am 2. März 2016 zur Person befragt (BzP), wobei sie ihr Geburtsdatum auf den (…) korrigierte. Am 25. Januar 2018 folgte die An- hörung zu den Asylgründen durch das SEM (Art. 29 Abs. 1 AsylG [SR 142.31]). B. Zur Begründung des Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im We- sentlichen geltend, sie sei somalische Staatsangehörige und würde der Clanfamilie B._______ angehören. Von ihrem Wohnort Mogadischu aus habe sie ihre Heimat im Jahr (…) verlassen. An der BzP gab sie an, ihre Mutter und (…) Geschwister würden in Moga- dischu leben, während ihr Vater von einer Bombe getötet worden sei. Ihre Mutter habe sie einige Male nach Äthiopien geschickt, wo sie bei einer Freundin der Familie (…) gearbeitet habe. Nach dem Tod dieser Freundin habe sie sich entschieden, Äthiopien zu verlassen. An der Anhörung machte sie geltend, ein Mann habe ihren Vater zwecks Eheschliessung mit ihr angefragt, was ihr Vater abgelehnt habe. Dieser Mann habe gesagt, in zwei Tagen komme er wieder und wolle eine andere Antwort. Zwei Tage später seien ihr Vater und (…) ihrer Geschwister bei einem Bombenanschlag (…) getötet worden. Die Mutter habe die Flucht ergriffen. Seitdem habe sie weder zu ihr noch zu den anderen Geschwis- tern Kontakt gehabt und wisse nicht, wo diese leben würden. Die Nachba- rin, bei der sie (…) tätig gewesen sei, habe sie mit nach Äthiopien genom- men. Dort habe sie bei ihr gearbeitet und (…) kaum verlassen. Nach dem Tod dieser Frau habe ihr Sohn versucht, sie zu vergewaltigen. Es sei ihr nichts passiert, doch nach diesem Vorfall habe sie sich entschieden, das Land zu verlassen. Nach Somalia könne sie nicht zurückkehren, da sie dort niemanden mehr habe und dort kein Frieden herrsche. C. Es wurden keine Identitätsdokumente zu den Akten gereicht. Das rechtli- che Gehör zu einer allfälligen Änderung der Staatsangehörigkeit wurde der E-1410/2018 Seite 3 Beschwerdeführerin im Rahmen der Anhörung gewährt, wobei sie an der geltend gemachten somalischen Staatsangehörigkeit festhielt. D. Mit Verfügung vom 2. Februar 2018 stellte die Vorinstanz fest, die Be- schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylge- such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll- zug an. E. Mit Eingabe vom 7. März 2018 reichte die Beschwerdeführerin beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die Verfügung des SEM sei wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzug s aufzuheben und es sei ihr die vorläufige Aufnahme zu gewähren, eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und auf die E rhebung eines Kostenvorschusses zu verzich- ten, es sei ihr ein Rechtsbeistand ihrer Wahl nach Art. 110 a AsylG zu be- stellen. Es wurden ein Certificat de naissance, ausgestellt am 9. Februar 2018 von der somalischen Botschaft in Genf , sowie eine Unterstützungsbedürftig- keitserklärung vom 8. März 2018 zu den Akten gereicht. F. Am 9. März 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, wie auch vorliegend, endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdefüh- rerin ist als Verfügungsadressat in zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). E-1410/2018 Seite 4 2. Die Kognition des Bundesverw altungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (A rt. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Die Vorinstanz kommt zum Schluss, die Ausführungen der Beschwer- deführerin zu ihren Lebensumständen in ihre r Heimat seien widersprüch- lich, lückenhaft, unsubstantiiert und unvollständig, insgesamt somit un- glaubhaft. Die Angaben zu ihrer Herkunft aus Somalia seien zudem derart E-1410/2018 Seite 5 substanzlos und wirkten konstruiert, dass ausgeschlossen werden könne, dass sie die Sta atsangehörigkeit dieses Landes besitze. Ihre Vorbringen würden den Anforderungen an Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung nicht genügen. Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfülle sie nicht. 5.2 Der erste Widerspruch sei bereits bezüglich der Angaben zum Geburts- datum der Beschwerdeführerin aufgetreten. Weiter habe sie an der BzP erwähnt, ihre Mutter und Geschwister lebten in Mogadischu, während sie an der Anhörung angegeben habe, nicht zu wissen, wo sich diese aufhal- ten würden. Weiter habe sie ihre Geschwister namentlich und mit dem Alter zum Zeitpunkt ihrer Ausreise genannt und bestätigt, sie sei die Älteste. Da- rauf angesprochen, da ss ihr Bruder C._______ bei ihr er Ausreise im Jahr (…) (…)-jährig gewesen sei, habe sie somit mindestens (…)-jährig gewesen sein müssen, habe sie erklärt, das Alter der Geschwister zum Zeitpunkt der Anhörung genannt zu haben. Damit habe sich ein weiterer Widerspruch ergeben, da sie zuvor gesagt habe, (…) ihrer Geschwister seien (…) oder jünger. Diese wären folglich bei ihrer Ausreise im Jahr (…) noch gar nicht geboren gewesen. An der Anhörung habe sie zudem zu Pro- tokoll gegeben, nie die Schule besucht zu haben, während sie an der BzP angegeben habe, drei Jahre zur Koranschule gegangen zu sein. Den Wi- derspruch habe sie damit erklärt, dass sie die Frage nicht richtig verstan- den habe. Ein weiterer Widerspruch habe sich darin ergeben, dass sie an der BzP erklärt habe, einige Monate nach dem Tod ihres Vaters aus Soma- lia ausgereist zu sein. An der Anhörung habe sie jedoch zu Protokoll gege- ben, am Tag seines Todes ausgereist zu sein. Zu diesem Widerspruch sei darauf hingewiesen worden, die Angabe an der BzP sei ein Fehler gewe- sen. Ferner hätten ihre Angaben zur Herkunft und zum Alltag in Somalia mar- kante Wissens- und Substanzlücken aufgewiesen. Die Fragen hierzu seien dürftig, absolut oberflächlich und unsubstantiiert beantwortet worden. Trotz mehrfacher Aufforderung seien ihre Erzählungen zum Leben in Somalia einsilbig und farblos ausgefallen, indem sie bloss erwähnt habe, dass sie gearbeitet und geschlafen sowie keine Freunde gehabt habe. Zwar habe sie die Telefonvorwahl von Somalia, jedoch nur eine Telefongesellschaft nennen können. Die somalische Währung oder eine Radio-Station kenne sie nicht, obwohl sie angegeben habe, (…) gearbeitet und zuhause Radio gehört zu haben. Zur Arbeit ihres Vaters habe sie nur ausführen können, er habe Lasten getragen und sei Strassenreiniger gewesen. Details hierzu habe sie nicht nennen können. E-1410/2018 Seite 6 Auch die Kenntnisse zum angeblichen Quartier , in welchem sie in Moga- dischu gelebt habe – welches sie an der BzP anders bezeichnet habe als an der Anhörung – seien sehr gering ausgefallen. Sie habe nur ein Sub- quartier und keine Moschee in der Gegend namentlich nennen können. Zwar habe sie zwei Spitäler in Mogadischu erwähnt. In einem sei ihr Vater behandelt worden. Die Route dorthin habe sie aber nicht beschreiben kön- nen. Verwaltungsregionen oder andere Städte in Somalia habe sie nicht nennen können. Auch zu ihrer Clanzugehörigkeit und zu allgemeinen Fra- gen bezüglich der Rolle von Clans habe sie keine Informationen geben können. Sie habe sich nicht dafür interessiert. An der BzP und an der An- hörung habe sie zudem unterschiedliche Namen ihrer Clanfamilie genannt. Zu ihrer Reise von Mogadischu nach Addis Abeba habe sie lediglich ange- geben, nichts mehr darüber zu wissen. Die vielen Wissenslücken und Widersprüche seien auch nicht mit dem jun- gen Alter der Beschwerdeführerin bei ihrer Ausreise aus Somalia erklärbar. Hinzu kämen die sich fast vollständig widersprec henden Asylgründe ge- mäss BzP und Anhörung (vgl. oben Sachverhalt B.). Darauf angesprochen habe sie angegeben, die an der Anhörung zu Protokoll gegebene Version sei richtig. Einiges habe sie an der BzP nicht sagen können, weil sie unter- brochen worden sei. Insgesamt seien die Aussagen der Beschwerdeführerin zu ihren Familien- und Lebens verhältnissen widersprüchlich und unglaubhaft. Ihre Länder - und Regionalkenntnisse seien mangelhaft und die Angaben zur Ausreise aus Somalia substanzlos ausgefallen. Überdurchs chnittlich viele Fragen habe sie nicht beantworten können. Zudem hätten die substanzlosen Aus- führungen zu Somalia von jeder Drittperson nacherzählt werden können. Auch aufgrund der fehlenden Identitätspapiere sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführer in ihre wahre Identität beziehungsweise Her- kunft zu verschleiern versuche und nicht am von ihr angegebenen Ort so- zialisiert worden sei. Es sei auszuschliessen, dass sie in der behaupteten Region Somalias gelebt habe und die Staatsangehörigkeit Somalias be- sitze. Dazu habe sie im Rahmen des rechtlichen Gehörs Stellung genom- men und angegeben, aus Somalia zu sein. Dies e Erklärung sei nicht ge- eignet, die Zweifel des SEM umzustossen, weshalb die Staatsangehörig- keit auf „Staat unbekannt“ gesetzt worden sei. Eine P rüfung der Flücht- lingseigenschaft sei folglich verunmöglicht worden. Deshalb, und wegen der Unglaubhaftigkeit ihrer Asylgründe, sei das Asylgesuch abzulehnen. E-1410/2018 Seite 7 5.3 In ihrer Beschwerde brin gt die Beschwerdeführerin vor, sie habe von der somalischen Botschaft in der Schweiz eine Bestätigung einholen kön- nen, die ihre somalische Staatsangehörigkeit festste lle (Beilage 3). Ihre Herkunft habe sie jedoch bereits anlässlich der BzP und der Anhörung er- klären können, indem sie zahlreiche Fragen zur Heimat korrekt habe be- antworten können. Das SEM hätte zudem ein Sprachgutachten ausstellen lassen können. Ein paar Fehler seien ihr aufgrund ihres jungen Alters un- terlaufen. An der BzP sei sie zudem sehr nervös gewesen und diese sei zeitlich knapp durchgeführt worden. An der Anhörung habe sie sich dann erklären können. Sie sei somalische Staatsangehörige und ihr würden dort ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG drohen. Aufgrund der unsicheren Situation in Somalia und weil sie dort ohne Ausbildung auf sich gestellt wäre, würde ihr bei einer Wegweisung nach Somalia eine existenzielle Not- lage drohen. Als alleinstehende junge Frau wäre sie zudem der Gefahr von Vergewaltigungen und Misshandlung en ausgesetzt , weshalb sie zumin- dest vorläufig aufzunehmen sei. 6. 6.1 Nach Prüfung der Akten stellt das Gericht fest, dass die überzeugen- den vorinstanzlichen Erkenntnisse nicht zu beanstanden sind. Mit der Vor- instanz ist festzuhalten, dass die von der Beschwerdeführerin geltend ge- machte Herkunft, Sozialisation, Staatsangehörigkeit sowie die Asylgründe den Anforderungen von Art. 7 AsylG an das Glaubhaftmachen nicht genü- gen, weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt . Indem d ie Be- schwerdeführerin versucht, ihre wahre Identität und Herkunft zu verschlei- ern, verletzt sie ihre Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG. Das Asylge- such wurde zu Recht abgelehnt. Auf die zutreffenden und wohlbegründe- ten Erwägungen der Vorinstanz kann zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden (vgl. Verfügung E. II und oben E. 5.1 und 5.2). Der Inhalt der Beschwerde lässt keine andere Betrachtungsweise zu und vermag ins- besondere die von der Vorinstanz erkannten Substanzdefizite, Widersprü- che und Ungereimtheiten nicht zu entkräften. Die Einwände auf Beschwer- deebene richten sich hauptsächlich gegen die Erwägungen der Vorinstanz zur angeblichen Staatsangehörigkeit. Nachdem die Vorinstanz aufgrund der Ausführungen der Beschwerdeführerin zum zutreffenden Schluss ge- kommen ist, dass ihr die behauptete Herkunft und Staatsangehörigkeit nicht geglaubt werden kann, bestand keine Notwendigkeit für das Erstellen eines Sprachgu tachtens. Zudem ist, entgegen der Behauptung der Be- schwerdeführerin, auch eine junge Person in der Lage, Erlebtes in eigenen Worten und ohne markante Widersprüche wiederzugeben. Selbst wenn an E-1410/2018 Seite 8 der BzP wenig Zeit zur Verfügung stand und die Beschwerdeführer in ner- vös war – worauf aus dem BzP -Protokoll nichts hindeutet – ändert dies nichts an der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin die ihr gestellten Fra- gen kurz und korrekt hätte beantworten können. Diese Erklärungsversuche auf Beschwerdeebene vermögen an der Schlussfolgerung der Vorinstanz folglich nichts zu ändern. 6.2 Auch das auf Beschwerde ebene als Beweismittel und Kernargument vorgelegte „Certificat de naissance“ vom 9. Februar 2018 der somalischen Botschaft in Genf vermag keine andere Sichtweise zu bewirken. Einerseits ist angesichts der der Beschwerdeführerin mehrmals vorgehaltenen Zwei- fel an ihren Identitätsangaben nicht einzusehen, wieso sie sich erst nach Erhalt des ablehnenden Asylentscheids zur Beschaffung dieses Dokumen- tes veranlasst sah. Andererseits verfügt Somalia weder über ein zentrales Geburtenregister noch über andere Personenregister, mit deren Hilfe die somalischen Behörden die Identität vorsprechender Personen überprüfen könnte. Grundlage für die Ausstellung von Papieren sind mündliche Anga- ben und nicht Informationen aus Unterlagen oder Registern (vgl. dazu das Urteil des BVGer E-2345/2017 vom 6. Juni 2017 E. 7.1, zudem European Asylum Support Office [EASO], EASO Country of Origin Information Re- port. South and Central Somalia Country Overview, 31. August 2014, S. 39 und 41, abrufbar unter <http://www.refworld.org/docid/542e8b9d4.html> sowie United States Department of State, Somalia Reciprocity Schedule, ohne Datum, abrufbar unter <http://travel.state.gov/content/visas/english/ fees/reciprocity-by-country/SO.html>, beide zuletzt abgerufen am 19. März 2018). Dem Dokument „Certificat de naissance“ kommt daher kein Beweis- wert zu und es vermag über die Staatsangehörigkeit der Beschwerdefüh- rerin nichts auszusagen. 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, d ass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungssituation oder ihre Herkunft und Staatsangehörigkeit aus Somalia glaubhaft darzu- legen, weshalb die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und ihr Asyl- gesuch abgelehnt worden ist. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). E-1410/2018 Seite 9 7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 In Bezug auf den Vollzug der Wegweisung hält die Vorinstanz zutref- fend fest, die Beschwerdeführerin habe die geltend gemachte Herkunft nicht glaubhaft machen können. Indem sie die Behörden über ihre Identität getäuscht und damit ihre Mitwirkungspflicht grob verletzt habe, sei es nicht möglich zu prüfen, ob ihr im Falle eines Wegweisungsvollzugs im Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefahr drohe. 8.2 Grundsätzlich ist die Zulässigkeit, die Zumutbarkeit und die Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersu- chungspflicht findet jedoch ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asyl- suchenden Person (Art. 8 AsylG), welche auch die Substantiierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden, wo- möglich gezielt vo renthaltenen Hinweisen nach allfälligen Wegweisungs- vollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Ver- mutungsweise ist deshalb davon auszugehen, einer Wegweisung stünden keine Vollzugshindernisse im gesetzl ichen Sinne entgegen (vgl. BVGE 2014/12 E. 6). 8.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung zutreffend erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar sind. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig. Eine weitergehende Prüfung von Vollzugshindernissen erübrigt sich angesichts des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin der ih r obliegenden und zumutbaren Mitwirkungs- pflicht hinsichtlich Herkunft, Staatsangehörigkeit und Identität nicht nach- gekommen ist. Es kann diesbezüglich auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung (E. III) verwiesen werden. Soweit in der Be- schwerde ausgeführt wird, es würden bei einer Wegweisung nach Somalia Vollzugshindernisse vorliegen, ist darauf nicht weiter einzugehen, da – wie bereits vorstehend dargelegt – die geltend gemachte Herkunft de r Be- schwerdeführerin unglaubhaft ist. Insofern erübrigen sich auch Ausführun- gen zur vor gebrachten Gefährdung als alleinstehende junge Frau sowie zur möglichen existenziellen Notlage mangels Ausbildung. Den Akten las-E-1410/2018 Seite 10 sen sich ebenfalls keine Hinweise entnehmen, die einem Wegweisungs- vollzug entgegenstehen würden. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden i st (Art. 106 Abs. 1 AsylG sowie Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuwei- sen. Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurtei- lung besteht keine Veranlassung. 10. 10.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) sowie die Beiordnung eines amt- lichen Rechtsbeistands (Art. 110a AsylG). Aufgrund der vorstehenden Er- wägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten ha- ben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht ge- geben, weshalb die Gesuche abzuweisen sind. 10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge- samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) E-1410/2018 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Linda Mombelli-Härter Versand: