Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Juni 2016 (720 16 30) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Gutheissung der Beschwerde; die Angelegenheit wird an die Vorinstanz zurückgewiesen. Die IV-Stelle hat eine neue Abklärung vor Ort (Haushaltsabklärung) durchzuführen und neu die gemischte Methode mit der Aufteilung 50% Haushalt / 50% Erwerb anzuwenden. Gestützt darauf hat sie über den Rentenanspruch der Versicherten neu zu verfügen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Stephan Müller, Advo- kat, c/o Procap Schweiz, Froburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1985 geborene A.____ meldete sich erstmals mit Gesuch vom 27. September 2000 unter Hinweis auf eine Minderintelligenz sowie einen Entwicklungsrückstand bei der Eid- genössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistun gsbezug an. Mit Verfügung vom 29. Mai Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2001 wurde ihr eine Anlehre im Verkauf im Sinne eine r erstmaligen beruflichen Ausbildung zu- gesprochen. Diese Ausbildung schloss A.____ am 31. Juli 2003 erfolgreich ab. Am 24. August 2010 beantragte die Versicherte erneut Leistungen der IV. Mit Schreiben vom 7. März 2011 wurde ihr durch die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stel le) Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche zugesprochen. Am 19. August 2011 wurden die beruflichen Massnahmen mit der Begründung, dass die Betreuung der Kinder neben einer Erwerbstätigkeit vor Sommer 2012 nicht möglich sei, wieder abgeschlossen. A.2 Am 7. Juli 2014 meldete sich A.____ abermals zum Be zug von Leistungen bei der IV an, wobei sie im entsprechenden Anmeldeformular eine Hilflosenentschädigung beantragte. Mit Verfügung vom 13. Oktober 2014 sprach die IV-Stelle ihr eine Hiflosenentschädigung leichten Grades, rückwirkend ab 1. Juli 2013, zu. Die Versicherte e rhob hiergegen Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht), wel- ches die Beschwerde mit Urteil vom 7. Mai 2015 insofern guthiess, als es feststellte, dass der Versicherten bereits ab 1. Juli 2009 eine Hilflosenentschädigung leichten Grades zuzusprechen sei. Die IV-Stelle zog dieses Urteil am 3. September 2015 weiter vor das Bundesgericht und beantragte, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkun g zuzuerkennen, in Gutheissung der Beschwerde sei das angefochtene Urteil aufzuheben und die Angelegenheit an die Vo- rinstanz zurückzuweisen, damit diese das Beschwerdeverfahren bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Rentenentscheids sistieren kann. Eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft zurückzuweisen, damit diese nach erfolgter Abklärung über den Rentenanspruch über einen allfälligen Anspruch auf e ine Hilflosenentschädigung neu verfügen kann. Das Bundesgericht hat der Beschwerde mit Verfügung vom 3. November 2015 die auf- schiebende Wirkung zuerkannt. A.3 Im Rahmen der Prüfung des Rentenanspruchs klärte di e IV-Stelle die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse der Versicherten ab. Mit Vorbescheid vom 6. Januar 2014 lehnte die IV-Stelle den Anspruch auf eine Invalidenrente in Anwendung der gemischten Methode und gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 36% ab. Der g egen diesen Vorbescheid erhobene Ein- wand der Versicherten wurde mit Verfügung vom 8. Deze mber 2015 abgewiesen. Weiterhin in Anwendung der gemischten Methode (60% Haushalt / 40% Erwerb) und gestützt auf einen In- validitätsgrad von neu 39% wurde der Anspruch auf eine Invalidenrente abgelehnt. B. Gegen die Verfügung vom 8. Dezember 2015 erhob A._ ___, vertreten durch Advokat Stephan Müller, am 29. Januar 2016 Beschwerde beim Kan tonsgericht. Darin beantragte sie, es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 8. Deze mber 2015 aufzuheben und ihr mit Wirkung ab 1. Februar 2012 eine ganze Invalidenrent e zuzusprechen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte A.____, es sei ihr die unentgeltli che Prozessführung zu bewilligen und sie sei von allfälligen Vorschuss- und Sicherheitsleistungen zu befreien. Zudem sei ihr die unent- geltliche Rechtsverbeiständung durch den Unterzeichnende n zu gewähren; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der gesetzlichen Meh rwertsteuer) zulasten der Be- schwerdegegnerin. Zur Begründung brachte sie im Wesentl ichen vor, es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass nach der Trennu ng vom Ehemann Anfang 2011 seitens der Sozialhilfe von ihr verlangt worden wäre, einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachzu- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gehen und sie dieser Aufforderung auch nachgekommen wäre. Im Februar 2012 wäre sie somit voll erwerbstätig gewesen, sodass die allgemeine Bemessung smethode des Einkommensver- gleichs zur Anwendung komme. Die Vergleichseinkommen erg äben eine Erwerbseinbusse von rund 97%, was einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ab 1. Februar 2012 begründe. C. Mit Verfügung vom 24. Februar 2016 bewilligte das Kantonsgericht der Beschwerde- führerin die unentgeltliche Prozessführung und die u nentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Müller als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 16. März 2016 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. E. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Besch werdeführerin mit Replik vom 11. April 2016 und die Beschwerdegegnerin mit Duplik vo m 2. Mai 2016 an ihren eingangs ge- stellten Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 29. Januar 2 016 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Umstritten sind insbesondere die Methode zur Invaliditätsbemessung sowie das Ausmass der Einschränkung im Haushaltsbereich. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefoch- tenen Verfügung vom 8. Dezember 2015 entwickelt hat. D ieser Zeitpunkt bildet rechtspre- chungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überpr üfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenb ereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemut et werden kann, wird für die Bemes- sung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG d arauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Be tätigungsvergleich bzw. spezifische Me- thode; Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind o der die unentgeltlich im Betrieb des Ehe- gatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für die sen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich t ätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach der spezifischen Methode festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen u nd der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte M ethode der Invaliditätsbemes- sung; Art. 28a Abs. 3 IVG). 3.4 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bund esgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versich erten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen z u berücksichtigen. Bei der hypothe- tische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Tei l-) Erwerbstätigkeit ist der im Sozial- versicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden W ahrscheinlichkeit erforderlich (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 4.1 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsberei ch bedarf es im Regelfall einer Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 der Verordnung ü ber die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Hinsichtlich des Beweiswertes des Abkläru ngsberichts sind – analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft von Arztberichten (BGE 134 V 232 E. 5.1) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein Haushaltsabklärungsbericht ist beweiskräftig, wenn er von einer qualifizierten Person verfasst wird, welche Kenntni s der örtlichen und räumlichen Verhält- nisse sowie der Beeinträchtigungen und Behinderungen hat, die sich aus den medizinischen Diagnosen ergeben. Weiter sind die Angaben der versicher ten Person zu berücksichtigen, wo- bei divergierende Meinungen der Beteiligten im Berich t aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detaill iert bezüglich der einzelnen Ein- schränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. AHI-Praxis 2003 S. 218 E. 2.3.2; Urteil d es Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sofern de r Bericht eine zuverlässige Entschei- dungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der Abklärungsper- son nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate vorliegen. Das gebietet insbesond ere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverha lt steht als das im Beschwerde- fall zuständige Gericht (Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 2008, 8C_107/2008, E. 3.2.1 mit Hinweis; BGE 128 V 93 f. E. 4). 4.2 Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Aus- masses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten. S eine grundsätzliche Massge- blichkeit ist darum – auch wenn die in E. 4.1 hiervor e rwähnten Anforderungen erfüllt sind – praxisgemäss eingeschränkt, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Rechtsprechungsgemäss bedarf es hier des Beizugs einer ärzt lichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushaltsführung unter d em Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2008 , 8C_671/2007, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen). Zwar bildet die Abklärung vor Ort auch hier grundsätzlich ein geeignetes Mittel zur Invaliditätsbemessung im Aufgabenbereich. Den ärztlichen Stellungnahmen ist in der Regel jedoch mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung. Diese prinzi- pielle Gewichtung hat ihren Grund darin, dass es für di e Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen. Für die Rechtsanwendung i m konkreten Fall bedeutet dies, dass nach Massgabe der Kriterien, die von der Rechtsprech ung entwickelt worden sind, der Beweiswert sowohl der medizinischen Unterlagen als auch d es Haushaltabklärungsberichts zu beurteilen ist. Liegen gleichermassen beweiskräftige Stel lungnahmen vor, muss geprüft wer- den, ob die gemachten Aussagen vereinbar sind oder ein ander widersprechen. Bestehen Wi- dersprüche zwischen den Ergebnissen der Haushaltsabklärung und den ärztlichen Feststellun- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre Haushalts tätigkeiten trotz des psychischen Lei- dens noch verrichten zu können, ist der medizinischen Ein schätzung prinzipiell höheres Ge- wicht beizumessen (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Sept ember 2011, 9C_201/2011, E. 2 mit weiteren Hinweisen; Urteil des Eidgenössischen Versicherung sgerichts [EVG; heute: Bundes- gericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 23. Dezember 2003, I 311/03, E. 5.3). 5.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falles sind im W esentlichen folgende Unterlagen zu berücksichtigen: 5.2 In den Akten befindet sich ein versicherungspsychiatrisch es Fachgutachten der Klinik B.____ vom 25. Juni 2012. Darin diagnostizierten Prof. Dr. med. C.____, FMH Neurologie so- wie Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychothera- pie, mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine leich te Intelligenzminderung (ICD-10 F70) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leic hte Episode (ICD-10 F33.0). Als Diag- nosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellten die Dres. C.____ und D.____ einen akten- anamnestischen Zustand nach akuter polymorph-psychotischer Störung ohne Symptome einer Schizophrenie (ICD-10 F23.0) sowie eine aktenanamnestisch e dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörung (ICD-10 F44.6) fest. Die Dres. C.___ _ und D.____ hielten unter anderem fest, dass insgesamt häufiger der Eindruck entstehe, dass die Versicherte den Inhalt der Fragen nicht verstehe und darauf angewiesen sei, dass man ihr die Frage zwei- bis dreimal umschreibe und ihr Bespiele gebe. Erst dann begreife sie, was gefr agt worden sei. Die Unterschiede zwi- schen einer Treppe und einer Leiter oder zwischen einem See und einem Fluss habe die Versi- cherte nicht erläutern können. Auch in der Exploration h abe sie häufig mit ganz gängigen Be- griffen (wie beispielsweise „Vormittag“ oder „ängstlich“) nichts anfangen können. Ausserdem sei die Beschwerdeführerin 20 Minuten nach der Exploration von Dr. D.____ auf dem Klinikgelände angetroffen worden und habe sich erkundigt, wie genau sie zum Ausgang komme. Weiter führ- ten die Dres. C.____ und D.____ aus, dass man gemäss IC D-10 von einer leichten Intelligenz- minderung spreche, wenn der IQ-Bereich zwischen 50 und 69 liege. Bei Erwachsenen diene ein mentales Alter von neun bis unter zwölf Jahren zum Vergl eich. Aus rein psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Intelligenzmi nderung auf dem freien Arbeitsmarkt zurzeit zu 100% arbeitsunfähig. An einem geschützten Arb eitsplatz würden sie die Versicherte zunächst für 60% arbeitsfähig halten, nach einer inten siven Einarbeitungszeit könne eine schrittweise Erhöhung des Arbeitspensums im weiteren Verlauf geprüft werden. Im Rahmen der Intelligenzminderung sei ihr ein Planen und Strukturi eren von Aufgaben nicht möglich, ihre Fle- xibilität und ihre Umstellungsfähigkeit seien stark bee inträchtigt ebenso die Anwendung fachli- cher Kompetenzen sowie ihre Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit. 5.3 Im „Abklärungsbericht Haushalt“ vom 14. November 2 012 hielt die Abklärungsperson der IV-Stelle, Herr E.____, eine Einschränkung im Aufg abenbereich Haushalt von insgesamt 0,4% fest. Die Beschwerdeführerin sei lediglich im Bere ich „Einkauf und weitere Besorgungen“ eingeschränkt. Im Fragebogen zur Ermittlung der Erwer bstätigkeit hielt Herr E.____ fest, dass die Versicherte im Gesundheitsfall aus finanziellen un d sozialen Gründen zu maximal 40% er- werbstätig wäre. Eine Kinderbetreuung durch Familien angehörige bzw. Bekannte wäre nicht möglich, da diese nicht in der Region wohnhaft seien. Ihre Mutter sei verstorben, als die Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführerin acht Jahre alt gewesen sei. Die Beziehung zum getrennt lebenden Kindsvater sei konfliktiv. Dieser wohne im Kanton X.____ und hüte während einem Wochenende monatlich die gemeinsamen Kinder bei sich zu Hause. Weitere Fami lienangehörige seien nicht in der nä- heren Umgebung wohnhaft, so dass eine Kinderbetreuung ausschliesslich durch die Versicher- te erfolgen müsse. Eine Kinderkrippenbetreuung wäre fü r die Beschwerdeführerin finanziell nicht gewinnbringend. Ihr jüngerer Sohn habe im August 2012 mit dem Kindergarten begonnen. Dabei sei er jeweils von Montag- bis Freitagmorgen zwisc hen 08.00 Uhr und 12.00 Uhr im Kin- dergarten. Die Versicherte könnte während der Abwesenheit ihres Sohnes einem Erwerb nach- gehen. Dies ergebe maximal ein 40% Pensum. 5.4 Nachdem die Versicherte gegen den Vorbescheid vom 6. Januar 2014 Einwand erho- ben hatte, nahm Herr E.____ am 5. Mai 2014 Stellung zu seinem Abklärungsbericht. Neu er- rechnete er eine Einschränkung im Haushaltsbereich von in sgesamt 2,9%. Eingeschränkt sei die Versicherte in den Bereichen „Haushaltführung“ (1, 5%) sowie „Einkauf und weitere Besor- gungen“ (1,4%). Herr E.____ hielt fest, dass die Aufte ilung der Erwerbstätigkeit nach der ge- mischten Methode mit 40% Erwerb und 60% Haushalt einge hend mit der Versicherten bespro- chen worden sei. Die Situation sei schriftlich festgehal ten und mit einer Bedenkfrist von 10 Ta- gen der Beschwerdeführerin zur Gegenunterschrift zugest ellt worden. Diese hätte somit genü- gend Zeit und Möglichkeiten gehabt, allfällige Frage n oder Unklarheiten zu besprechen. Auch die neue hypothetische Annahme, dass die Kinder bei ein er Tagesfamilie hätten zu Mittag es- sen können, ergebe keine überzeugenden Aspekte, weshalb die Versicherte nun 50% statt wie angenommen 40% hätte arbeiten sollen. 5.5 Im „Abklärungsbericht Hilflosigkeit“ vom 1. Septembe r 2014 hielt Herr E.____ unter anderem fest, dass die Versicherte seit April 2003 Unters tützung bei der Bewältigung von All- tagssituationen benötige. Regelmässig könne sie Alltagssit uationen (beispielsweise Situationen betreffend Gesundheit, Finanzielles, Elternabende etc.) erst nach Rückfragen bei ihrer Schwes- ter oder bei ihrem Bruder bewältigen. Die diesbezügli che Unterstützung der Schwester, des Arztes und des Psychologen umfasse einen Zeitaufwand von zwei Stunden pro Woche. Aus- serdem benötige die Beschwerdeführerin ebenfalls seit April 2003 eine Anleitung zur Erledigung des Haushaltes, müsse überwacht und kontrolliert werden. Man müsse ihr bei der Organisation des Haushaltes helfen. Die Schwester investiere dafür 10 Minuten pro Woche. Schliesslich sei eine Begleitung für Erledigungen und Kontakte ausserh alb der Wohnung (zum Beispiel Einkäu- fe erledigen) nötig. Seit April 2003 betrage der ze itliche Aufwand der Schwester dafür 20 Minu- ten pro Woche. 5.6 Am 24. November 2014 nahmen die Dres. C.____ und D.____ von der Klinik B.____ Stellung zum Haushaltsabklärungsbericht und der ermittelt en Einschränkung im Haushalt von neu 2,9%. Sie hielten fest, dass die Versicherte nicht in der Lage sei, das Ausmass ihrer Ein- schränkungen richtig einzuschätzen und stets bemüht sei, de n Eindruck zu erwecken, keine Hilfe zu benötigen. Während der Exploration 2012 hab e er (Prof. Dr. C.____) den Eindruck ge- wonnen, dass die Versicherte die Erziehung ihrer Kinder und die Versorgung des Haushaltes vor allem mit Hilfe einer Familienhilfe habe realisie ren können. Mit dem Erwachsenwerden der Kinder sei diese Hilfe ausgelaufen. Die Versorgung der Kinder scheine die Beschwerdeführerin Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht aber weiter zu fordern bzw. teilweise auch zu überford ern. Im Jahr 2012 habe die Versicherte geäussert, dass ihre Schwester täglich bei ihr sei, um ihr beim Kochen und im Haushalt zu hel- fen. Dies sei auch gut nachvollziehbar gewesen, da sie auf die Nachfrage was und wie sie denn selber koche, nicht näher habe beschreiben können, wie sie beispielsweise eine Nudelsosse mache. Beim Erstellen des Haushaltsabklärungsberichtes so lle man sich überwiegend auf den eigenen Eindruck, wie die Versicherte in der Lage sei, eigene Haushaltstätigkeiten auszuführen, und auf Fremdanamnesen verlassen. Auf die Aussagen der Beschwerdeführerin könne man sich nicht stützen. 5.7 Im Haushaltabklärungsbericht vom 13. Oktober 2015 h ielt Herr E.____ fest, dass für die Versicherte keine kostenlose Alternative zu einer ext ernen Kinderbetreuung bestehe. Die Kinderbetreuung müsse zwingend durch die Beschwerdeführ erin erfolgen. Ihre Schwester sei Vollzeit erwerbstätig und selber Mutter. Die komplexe Festsetzung der Statusfrage sei bereits vorgängig durch diverse Institutionen, Behörden und Angehörige mehrmals mit der Versicherten besprochen worden und man habe versucht, dies ansatzweis e festzulegen. Er (Herr E.____) verweise hierbei auf die Stellungnahme vom 21. Januar 2015, wonach die Versicherte heute bei gleicher familiärer Konstellation, ohne gesundheitliche Einschränkungen mit einer vollständig fehlenden und finanziell nicht lohnenswerten Kinderbet reuung, zu maximal 40% erwerbstätig wäre. Der blosse Wunsch der Beschwerdeführerin ein Vol lzeitpensum anzunehmen, könne als alleinerziehende Mutter zweier primarschulpflichtiger K inder nicht akzeptiert werden. Im Aufga- benbereich Haushalt beurteilte Herr E.____ die Beschwerdeführerin insgesamt als zu 2,9% ein- geschränkt. Eine Einschränkung wurde in den Bereichen „H aushaltführung“ (1,5%) sowie „Ein- kauf und weitere Besorgungen“ (1,4%) festgestellt. Im Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbs- tätigkeit führte Herr E.____ aus, die Versicherte geb e an, ohne gesundheitliche Beschwerden einer Vollzeiterwerbstätigkeit nachzugehen. Dies aus pe rsönlichen und finanziellen Gründen. Die Schwester habe mitgeteilt, dass auch sie trotz Kinderb etreuung einem Vollzeitpensum nachgehen würde und dies in ihrer Familie so gehandhabt werde. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 8. Dezember 2015 ins- besondere auf den Haushaltsabklärungsbericht vom 13. O ktober 2015 und ging demzufolge davon aus, dass die Versicherte im Aufgabenbereich bzw. i m Haushalt insgesamt zu 2,9% ein- geschränkt sei. 6.2 In pflichtgemässer Würdigung der vorstehend erwähnt en Verfahrensakten (vgl. E. 5.1- 5.7 hiervor) kann der Beschwerdegegnerin nicht gefolgt werden. Denn aus nachfolgenden Gründen bestehen erhebliche Zweifel an der Beweiskraft des Haushaltsabklärungsberichtes vom 13. Oktober 2015. Der Bericht wurde zwar von einer q ualifizierten und erfahrenen Abklä- rungsperson erstellt. Diese hat jedoch die Vorgaben d er medizinischen Fachpersonen nicht richtig umgesetzt (vgl. E. 5.6 hiervor); wiederum – wi e bereits im früheren Bericht vom 14. No- vember 2012 – wird weitestgehend auf die Aussagen der Versicherten abgestellt. Eigene Be- trachtungen der Abklärungsperson fehlen ebenso wie Fremdanamnesen. Die im Bericht beschriebenen Beobachtungen widersprechen zudem den Ausführungen im Gutachten der Klinik B.____ vom 25. Juni 2012 (vgl. E. 5.2 hiervor) und der Stellungnahme der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dres. C.____ und D.____ vom 24. November 2014 (vgl. E. 5.6 hiervor) sowie auch dem Abklä- rungsbericht betreffend Hilflosigkeit vom 1. September 2014 (vgl. E. 5.5 hiervor). Gemäss dem Gutachten der Klinik B.____ kannte die Versicherte alltägliche Wörter wie zum Beispiel „Vormit- tag“ oder „ängstlich“ nicht. Auch konnte sie die Untersc hiede zwischen See/Fluss und Trep- pe/Leiter nicht erfassen. Zudem irrte sie anscheinend nach der Begutachtung während 20 Minu- ten im Klinikgebäude umher, ohne den Weg zum Ausgang zu finden. Wenn man das Gutachten der Klinik B.____ sowie auch die Stellungnahme der Dr es. C.____ und D.____ betrachtet, er- scheint die Beschwerdeführerin insgesamt erheblich eing eschränkt. Deshalb ist eine Ein- schränkung im Haushalt von lediglich 2,9% schlicht nicht nachvollziehbar. Ein Widerspruch findet sich beispielsweise im Bereich „Ernä hrung“. Während im Abklärungsbe- richt in diesem Bereich keinerlei Einschränkungen festgehalten sind, sprechen die Dres. C.____ und D.____ in ihrer Stellungnahme davon, dass die Ver sicherte nicht wisse, wie man eine Nu- delsosse zubereite. Des Weiteren führen die Dres. C.____ und D.____ in ihrer Stellungnahme unter anderem aus, dass die Versicherte mit der Betreuung der Kinder teilweise überfordert sei. Im Abklärungsbericht hingegen ist in diesem Bereich wied erum keine Einschränkung vermerkt. Ausserdem hat die Versicherte gemäss dem psychiatrischen Fa chgutachten das mentale Alter eines neun bis unter zwölf jährigen Kindes. Aus rein psych iatrischer Sicht sei die Beschwerde- führerin aufgrund ihrer Intelligenzminderung auf dem freien Arbeitsmarkt zu 100% arbeitsunfä- hig. An einem geschützten Arbeitsplatz würden sie die V ersicherte für 60% arbeitsfähig halten. Im Rahmen der Intelligenzminderung sei ihr ein Planen und Strukturieren von Aufgaben nicht möglich, ihre Flexibilität und ihre Umstellungsfähigkei t seien stark beeinträchtigt, ebenso die Anwendung fachlicher Kompetenzen sowie ihre Entscheidung s- und Urteilsfähigkeit. Vor die- sem Hintergrund ist es nicht vorstellbar, dass die Beschwer deführerin in der Haushaltstätigkeit nur zu 2,9% eingeschränkt sein soll. 6.3 Unter diesen Umständen liefert der Abklärungsberi cht vom 13. Oktober 2015 jedenfalls keine zuverlässige Entscheidungsgrundlage für die Beurteilung der Frage, in welchem Ausmass die Versicherte im Aufgabenbereich eingeschränkt ist. An dieser Stelle ist zudem darauf hinzu- weisen, dass bei Widersprüchen zwischen den Ergebnissen d er Haushaltsabklärung und den ärztlichen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Pe rson, ihre Haushaltstätigkeiten trotz des psychischen Leidens noch verrichten zu können, der medi zinischen Einschätzung prinzipi- ell höheres Gewicht beizumessen ist (vgl. E. 4.2 hiervor). Aus diesen Gründen ist die Verfügung vom 8. Dezember 2015 aufzuheben und die Angelegenhei t an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese erneut eine Abklärung vor Ort durchführt. D ie Abklärung vor Ort ist einerseits mit einer anderen Abklärungsperson und andererseits im Bei sein einer ärztlichen Fachperson in Angriff zu nehmen. Gestützt auf die Ergebnisse der Abklä rung vor Ort ist schliesslich neu zu entscheiden. 7.1 Hinsichtlich der Statusfrage hielt die IV-Stelle g estützt auf den ersten Abklärungsbe- richt vom 14. November 2012 fest, dass die Beschwerdeführe rin im Gesundheitsfall zu höchs- tens 40% erwerbstätig wäre. Unter Anwendung der gemisch ten Methode (40% Erwerb / 60% Haushalt) errechnete die Beschwerdegegnerin schliesslich einen rentenausschliessenden Inva- liditätsgrad von 39%. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Die Beschwerdeführerin hat in den aktuelleren Abkl ärungsberichten angegeben, im Gesundheitsfall in einem Vollzeitpensum erwerbstätig zu sein. Ihre Schwester sei auch Mut- ter/Hausfrau und arbeite gleichzeitig 100%. Die Beschwerdeführerin machte zudem gestützt auf das Merkblatt betreffend „Pflichten der unterstützten P erson“ des Kantonalen Sozialamtes, auf eine E-Mail der Gemeinde Y.____ vom 18. Dezember 2015 sowie auf einen Entscheid des Kan- tonsgerichts (Urteil des Kantonsgerichts vom 20. Dezember 2006, 810 06 256 / 282) geltend, dass die Sozialhilfebehörde sie ohne Behinderung ohnehi n auffordern würde, zu 100% zu ar- beiten und sie dieser Aufforderung Folge leisten würde. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass die Mutter im soeben zitierten Entscheid von der Sozialh ilfebehörde nicht verpflichtet wurde, eine Vollzeitstelle anzunehmen, sondern lediglich ein e Teilzeitstelle. Aus dem Entscheid geht zudem hervor, dass ein allein erziehender Elternteil e rst ab dem dritten Lebensjahr des Kindes von der Behörde dazu gedrängt werden soll, eine Erwerb stätigkeit aufzunehmen. In welchem zeitlichen Umfang die Aufnahme einer Tätigkeit erwarte t wird, ist daraus hingegen nicht er- kennbar. Auch aus dem Merkblatt des Kantonalen Sozialamt es und der E-Mail der Gemeinde Y.____ geht nicht hervor, dass die Beschwerdeführerin verpflichtet würde, einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Mit der Beschwerdegegneri n ist festzuhalten, dass die Versi- cherte heute ohne Gesundheitsschaden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Die Beschw erdeführerin ist alleinerziehend und hat zwei Kinder (geb. 2005 und 2007) im schulpflichtige n Alter. Daher ist die Berechnung des Invaliditätsgrades unter Anwendung der gemischten Metho de grundsätzlich nicht zu beanstan- den. Fraglich ist jedoch, aus welchen Gründen die IV-Stelle gerade eine Aufteilung in 40% Erwerb und 60% Haushalt vorgenommen hat. Dies entspricht zwar den Ausführungen der Beschwerde- führerin im Jahr 2012 (vgl. E. 5.3 hiervor). Gemäss den Dres. C.____ und D.____ kann aber ohnehin nicht auf die Aussagen der Beschwerdeführerin abgestellt werden. Auch wenn die Sta- tusfrage mit der Versicherten besprochen wurde, muss davo n ausgegangen werden, dass die- se aufgrund ihrer mentalen Behinderung nicht zuverlässig beantworten konnte, wie sie im Ge- sundheitsfall die Aufteilung zwischen Erwerb und Hausha lt vorgenommen hätte. Wenn die Ver- sicherte sogar Verständnisprobleme bei „einfachen“ Fragestellungen hat und alltägliche Begriffe nicht kennt, versteht sie mit überwiegender Wahrscheinlich keit die komplexe Frage nach dem hypothetischen Status nicht. Hinzu kommt, dass die Beschw erdeführerin seit ihrer Geburt an der Minderintelligenz leidet und sich wohl überhaupt keine Vorstellungen darüber machen kann, wie sich die Situation ohne Behinderung darstellen wür de. Weitere Abklärungen in diesem Punkt würden nichts ergeben, da die Beschwerdeführerin nicht in der Lage ist, die Statusfrage zu beantworten. Aus den Akten (vgl. E. 5.3 hiervor) geht hervor, dass der jüngere Sohn der Versicherten seit August 2012 im Kindergarten ist und die Beschwerdeführ erin in dieser Zeit (Montag-Freitag zwischen 08.00 Uhr und 12.00 Uhr) arbeiten könnte. Dies entspricht nicht nur einem Pensum von 40%, sondern einem solchen von 50%. In der Zwische nzeit sind beide Kinder im schul- pflichtigen Alter und es ist davon auszugehen, dass sie zu den oben erwähnten Zeiten (wahr- scheinlich sogar zusätzlich an gewissen Nachmittagen) in d er Schule sind. Ausserdem ist übli- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherweise eine Arbeitsstelle in einem 50% Pensum einfac her zu finden als eine in einem 40% Pensum. 7.3 Vor diesem Hintergrund ist die angefochtene Verfü gung vom 8. Dezember 2015 aufzu- heben und die Aufteilung Erwerb/Haushalt neu auf 50 %/50% festzulegen. Gestützt auf die ge- mischte Methode (mit der Aufteilung 50% Erwerb und 50 % Haushalt) sowie auf den neuen Ab- klärungsbericht hat die IV-Stelle schliesslich den Invaliditätsgrad neu zu berechnen. 8. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass kurz nach Einreichung der Beschwerde der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) im Urteil Nr. 7186/09 vom 2. Februar 2016 i. S. Di Trizio c. Schweiz festgestellt habe, dass die bisherige Berechnungspraxis des Bundesgerichts Art. 14 in Kombination mit Art. 8 der K onvention zum Schutze der Menschen- rechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 verletze, da die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung hauptsächlich bei Frauen (nach der Geburt eines Kindes) angewandt werde. Das Urteil verweise ausserdem auf alternative Ber echnungsmethoden. Würde man die- se im vorliegenden Fall anwenden, hätte die Versicherte einen Rentenanspruch. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kann die Rechtsprechung des EGMR für den vorliegenden Fall nicht zur Anwendung gelangen. Da das Urteil des EGMR zum Verfügungs- zeitpunkt (8. Dezember 2015) sowie auch zum Urteilszeitpunkt (9. Juni 2016) noch nicht rechts- kräftig war, hat es für das Beschwerdeverfahren vor dem Kantonsgericht keine rechtlichen Auswirkungen. 9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerde gut geheissen und die ange- fochtene Verfügung vom 8. Dezember 2015 aufgehoben w ird. Es wird festgestellt, dass die Be- schwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 50% erwerbstätig und zu 50% im Haushalt tätig wäre. In Bezug auf die Frage nach der Einschränkung im Aufg abenbereich wird die Angelegenheit an die IV-Stelle zurückgewiesen, damit diese eine erneute Abklärung vor Ort durchführt. Gestützt auf die gemischte Methode (50% Erwerb und 50% Hausha lt) und auf den neuen Haushaltsab- klärungsbericht hat die IV-Stelle sodann den Invalidit ätsgrad neu zu berechnen und eine neue Verfügung über den Rentenanspruch der Versicherten zu erlassen. 10.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens - und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 10.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der R egel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auf erlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 10.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besc hwerdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Beschwerdeführerin als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 11. April 2016 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Z eitaufwand von 9.65 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und R echtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausge wiesenen Auslagen in der Höhe von Fr. 71.90. Der Beschwerdeführerin ist demnach eine Par teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘683.15 (9.65 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen v on Fr. 71.90 zuzüglich 8 % Mehrwertsteu- er) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 11.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzu machenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 11.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 11.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher Praxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g – wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst – einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BG G) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Seine Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil des Bun- desgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird insofern gutgeheissen, als die angefochtene Verfügung vom 8. Dezember 2015 aufgehoben und die An gelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zu m Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurück gewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘683.15 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht