Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Februar 2020 (720 19 290 / 27) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Eingliederungsmassnahmen / Prüfung der objektiven und der subjektiven Eingliede- rungsfähigkeit Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Markus Schä- fer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D r. Daniel Riner, Advo- kat, Steinentorstrasse 13, Postfach 204, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Eingliederungsmassnahmen A. Der 1959 geborene A.____ hatte sich im September 2002 unter Hinweis auf Schmer- zen am Rücken und im linken Bein sowie auf einen anfan gs 2002 erlittenen Unfall bei der Eid- genössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen angemeldet. Nachdem sie die erwerblichen und die gesundheitlichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft beim Versicherten einen Invaliditätsgr ad von 100 %. Gestützt auf dieses Er- gebnis sprach sie A.____ mit Verfügung vom 10. Oktober 2003 mit Wirkung ab 1. Oktober 2002 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine ganze Rente zu. lm September 2006 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ein Rentenre- visionsverfahren ein. Dieses fand seinen Abschluss mit dem Erlass der Verfügung vom 15. Ja- nuar 2009, mit welcher die IV-Stelle entschied, dass d er Versicherte weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente habe. Am 25. Juni 2013 leitete die IV-Stelle unter Hinwei s auf lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen der am 18. März 2011 beschlossenen Änderung des Bundesge setzes über die Invalidenversi- cherung (IVG) vom 19. Juni 1959 (6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket, gültig seit 1. Janu- ar 2012; im Folgenden: SchlB IVG) von Amtes wegen ein e erneute Überprüfung des laufenden Rentenanspruchs des Versicherten ein. Gestützt auf die E rgebnisse ihrer Abklärungen hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. Juni 2018 die dem Ver sicherten bisher ausgerichtete ganze Rente per Ende Juli 2018 auf. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Daniel Riner, am 12. Juli 2018 Beschwerde beim K antonsgericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), mit der er im Wesentlichen die Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung und die Weiterausrichtung der Invalidenrente be antragte. Mit Urteil vom 24. Oktober 2019 (Verfahren-Nr. 720 18 230) wies das Kantonsger icht die Beschwerde ab. Dieser Ent- scheid ist im jetzigen Zeitpunkt noch nicht in Rechtskraft erwachsen. Während der Rechtshängigkeit des vorstehend geschilderte n Beschwerdeverfahrens (Nr. 720 18 230) hatte die IV-Stelle am 27. Septemb er 2018 überdies verfügt, dass A.____ ab 1. Oktober 2018 Anspruch auf Weiterausrichtung einer ga nzen Rente habe. Diese gelange zur Auszahlung, wenn Massnahmen zur Wiedereingliederung du rchgeführt würden, längstens aber bis 31. Juli 2020. Mit einer weiteren Verfügung vom 21 . November 2018 setzte die IV-Stelle betragsmässig die Höhe der dem Versicherten ab 1. Oktober 2018 zustehenden Übergangsren- te sowie die ihm auszurichtende Nachzahlung fest. Gegen diese beiden Verfügungen erhob A.____, wiederum vertreten durch Advokat Dr. Daniel Riner, am 26. Oktober 2018 (Verfahren- Nr. 720 18 353) bzw. am 30. November 2018 (Verfahren- Nr. 720 18 388) Beschwerden beim Kantonsgericht. Darin beantragte er jeweils, es seien i hm die gesetzlichen Leistungen aus der IV zuzusprechen. Insbesondere seien die angefochtenen Ve rfügungen vom 27. September 2018 und vom 30. November 2018 bezüglich des Beginns de s Anspruchs auf eine Übergangs- rente aufzuheben und es sei ihm diese ab dem 1. Augu st 2018 zuzusprechen. In der Folge leg- te das Kantonsgericht diese beiden Beschwerdeverfahren zu sammen. Mit Urteil vom 24. Okto- ber 2019 änderte es in Gutheissung der Beschwerden die angefochtenen Verfügungen dahin- gehend, als es feststellte, dass der Beschwerdeführer ab 1 . August 2018 Anspruch auf Weiter- ausrichtung der ganzen Rente habe. Auch dieser Entsche id ist im jetzigen Zeitpunkt noch nicht rechtskräftig. B. Ab Oktober 2018 gewährte die IV-Stelle A.____ als berufliche Massnahme ein Belast- barkeitstraining im Zentrum B.____. In den nachfolgen den Monaten gelangte die IV-Stelle je- doch zur Auffassung, dass weitere Eingliederungsmassnahme n aufgrund der ungenügenden aktiven Mitwirkung und der subjektiven hohen Krankheitsüb erzeugung des Versicherten nicht mehr zielführend seien. Nach erfolgtem Vorbescheidverf ahren entschied die IV-Stelle deshalb mit Verfügung vom 5. Juli 2019, dass die Eingliederun gsmassnahmen per 31. Mai 2019 einge- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellt würden und dementsprechend der Anspruch auf die Übergangsrente per 1. Juni 2019 en- de. C. Gegen diese Verfügung erhob A.____, weiterhin ver treten durch Advokat Dr. Daniel Riner, am 6. September 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen aus der IV weiter auszurichten. Insbesondere sei für Eingliederun gsmassnahmen Kostengutsprache zu erteilen, damit diese weitergeführt werden könnten, und es sei die Übergangsrente weiter aus- zurichten. Eventualiter seien weitere medizinische Abkläru ngen durchzuführen; unter o/e- Kos- tenfolge. D. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Oktober 2019 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG können Verfügunge n der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle angef ochten werden. Anfechtungsobjekte des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsp rozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherun gsgericht als einzige gerichtliche In- stanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kanto nalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde n zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versiche rten vom 6. September 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Gemäss lit. a Abs. 1 SchlB IVG werden Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbar e organische Grundlage gespro- chen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkraftt reten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Art. 7 des Bundesgesetztes über den Al lgemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen von Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, so hat die Be zügerin oder der Bezüger Anspruch auf Massnahmen zur Wiedereingliederung nach Art. 8a IVG. E in Anspruch auf eine Übergangsleis- tung nach Art. 32 Abs. 1 lit. c IVG entsteht dadurch ni cht (Abs. 2). Werden Massnahmen zur Wiedereingliederung nach Art. 8a IVG durchgeführt, so wird die Rente bis zum Abschluss der Massnahmen weiter ausgerichtet, längstens aber während zwe i Jahren ab dem Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung (Abs. 3). 2.2 Indem die Regelung von lit. a Abs. 2 SchlB IVG au f den (die Wiedereingliederung von Rentenbezügerinnen und Rentenbezügern regelnden) Ar t. 8a IVG verweist, führt sie keine se- parate Kategorie von Massnahmen mit eigenen Anspruchsvor aussetzungen ein. So besteht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch im Anwendungsbereich von lit. a Abs. 1 SchlB IVG nicht in jedem Fall ein Recht auf Wie- dereingliederungsvorkehren; vielmehr ist erforderlich, d ass die Massnahmen für eine Wieder- eingliederung sinnvoll und nutzbringend sind (BGE 145 V 266 E. 4.1 mit Hinweisen). Wie alle Eingliederungsmassnahmen setzen auch die Wiedereinglie derungsmassnahmen nach Art. 8a IVG in Verbindung mit lit. a Abs. 2 SchlB IVG nicht nur eine objektive, sondern auch eine sub- jektive Eingliederungsfähigkeit der betroffenen Person voraus (Urteil des Bundesgerichts vom 6. September 2016, 8C_667/2015, E. 4.2 mit Hinweisen). 2.3 Im Weiteren haben nach der bundesgerichtlichen Re chtsprechung rentenbegleitende Massnahmen zur Wiedereingliederung nach Art. 8a IVG gr undsätzlich nahtlos an die Renten- aufhebung gemäss lit. a SchlB IVG anzuknüpfen (BGE 14 5 V 266 E. 3.2 und 141 V 385 E. 5.5 mit Hinweisen). 3. Wie im Sachverhalt festgehalten, gewährte die IV-S telle dem Versicherten ab Oktober 2018 berufliche Eingliederungsmassnahmen. Diese wurden im Zentrum B.____ durchgeführt und bestanden vorerst aus einem Belastbarkeitstraining und ab April 2019 aus einem Aufbau- training. Nachfolgend ist näher auf den in den Akten dokumentierten Verlauf dieser Massnah- men einzugehen. 3.1 Der Versicherte trat sein Belastbarkeitstraining pe r 1. Oktober 2018 im Zentrum B.____ an, der Einsatz erfolgte in den Bereichen "K-Lumet-Pro duktion" und "Kommissionierung und Packung von Schrauben-Dübel-Sets". Wie in der vom Versi cherten unterzeichneten Zielverein- barung vom 19. September 2018 vorgesehen, betrug sein e Präsenzzeit anfänglich lediglich zwei Stunden pro Tag. Diese sollte jedoch innerhalb von drei Monaten auf mindestens vier Stunden an fünf Tagen pro Woche gesteigert werden. Wi e der Aktennotiz zum Standortge- spräch vom 12. Dezember 2018 zu entnehmen ist, habe sich der Versicherte aber bis Dezem- ber 2018 lediglich in der Lage gefühlt, viermal drei Stunden pro Woche anwesend zu sein. Zu- dem habe er mit deutlich reduziertem Tempo gearbeitet , seine Leistung sei als nicht verwertbar beurteilt worden. Der Versicherte habe erklärt, dass di e gesundheitlichen Beschwerden im Vor- dergrund stünden und deshalb eine Steigerung des Pensu ms und der Leistung nicht machbar sei; ebenso sei eine Tätigkeit im Arbeitsmarkt auch künft ig nicht möglich. Auf Veränderungsop- tionen (Wechselbelastung, Veränderung der Zeiten/Pause n) am bisherigen Setting habe der Versicherte ablehnend und zum Teil harsch reagiert. Mit der nachfolgenden Zielvereinbarung vom 17. Dezember 2018, welche der Versicherte unterzeichnete, wurde eine Stabilisierung des Pensums auf viermal vier Stunden sowie eine Steigerung auf fünfmal vier Stunden oder viermal fünf Stunden ab März 2019 vereinbart. 3.2 Gemäss der Aktennotiz zum Standortgespräch vom 20. Mä rz 2019 habe sich der Ver- sicherte nicht in der Lage gesehen, die vereinbarte Zie lsetzung bezüglich Pensumssteigerung zu erfüllen. Das Pensum habe im Durchschnitt 35 % betr agen und der Versicherte habe Zu- satzpausen von 30 bis 90 Minuten pro Tag für sich in Ansp ruch genommen. Während seiner Anwesenheit habe die beobachtete Leistung bei deutli ch unter 30 % gelegen. Die subjektive Einschätzung des Versicherten laute dahingehend, dass e r weder das Pensum noch die Leis- tung steigern könne. Ein Arbeitsversuch im Bereich des Elektrorecyclings und der Elektrode- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht montage sei aus seiner Sicht nicht möglich, auch könne er sich nicht mehr vorstellen, im Ar- beitsmarkt zu arbeiten. Der für die Eingliederung vera ntwortliche Teamleiter hielt deshalb als Fazit fest, zielführende Eingliederungsmassnahmen müssten in Anbetracht der fehlenden Kon- stanz in der Leistung, der geringen Produktionsmenge, d es niedrigen Pensums und der hohen Abwesenheitsquote sowie der fehlenden subjektiven Überzeu gung hinsichtlich der Möglichkeit zur Pensums- und Leistungssteigerung sowie hinsichtlich der Eingliederung in den Arbeitsmarkt hinterfragt werden. 3.3 Mit Schreiben vom 26. März 2019 leitete die IV-St elle das Mahn- und Bedenkzeitver- fahren ein. Man werfe dem Versicherten vor, dass aufgr und seines selbstlimitierenden Verhal- tens keine zielführenden Eingliederungsmassnahmen durch führbar seien. Man verlange von ihm deshalb, sein Engagement in den Eingliederungsmassna hmen deutlich zu erhöhen. Als Zwischenschritte würden eine konstante Teilnahme an den E ingliederungsmassnahmen, Pen- sumssteigerungen ab April 2019 auf fünf Stunden pro Ta g und ab Mai 2019 auf sechs Stunden pro Tag sowie eine Leistungssteigerung auf mindestens 50 % gegen Ende Mai 2019 erwartet. 3.4 Wie in der Aktennotiz zum Standortgespräch vom 21. M ai 2019 ausgeführt wird, habe der Versicherte das Pensum nicht steigern, sondern ledigl ich stabil bei vier Stunden pro Tag halten können. Zu Absenztagen hingegen sei es seit dem letzten Gespräch nicht mehr gekom- men. Der Versicherte habe sodann angegeben, im Zentrum B.____ weiterarbeiten zu wollen, da er sich im Team wohl fühle. Trotz diesem Wunsch des Versicherten gelangte der für die Ein- gliederung verantwortliche Teamleiter in seinem Fazit zur Auffassung, dass die Eingliederung wegen der fehlenden Mitwirkung des Beschwerdeführers pe r Ende Mai 2019 abzuschliessen sei. Im Einzelnen wies der Teamleiter darauf hin, dass d as Pensum aus subjektiver Sicht des Beschwerdeführers nicht gesteigert werden könne. Zude m sei dessen Leistung nach acht Mo- naten nach wie vor sehr weit vom Arbeitsmarkt entfernt , betrage sie doch lediglich 25 - 30 %, und auch ein letzter Versuch zur Ausweitung der Arbeits aufgaben habe nicht funktioniert. Schliesslich sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer k eine Möglichkeit sehe, auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig zu sein. Er könne nach wie vor keine Arbeiten nennen, die er sich zumute. Er sei vielmehr der Auffassung, dass er mit seinen körperlichen und psychischen Ein- schränkungen nicht mehr arbeiten könne. 3.5 In der Folge entschied die IV-Stelle - nach durch geführtem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vom 5. Juli 2019, dass die Eingliederungsmassnah men per 31. Mai 2019 eingestellt würden und dementsprechend der Anspruch auf die Übergangsrente per 1. Juni 2019 ende. 4. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die IV -Stelle in der genannten Verfügung zu Recht die Eingliederungsmassnahmen per 31. Mai 2019 eingestellt und den Anspruch des Ver- sicherten auf die Übergangsrente per 1. Juni 2019 verneint hat. 5.1 Der Beschwerdeführer bestreitet die Rechtsmässigkeit d ieser Verfügung vorab mit dem Einwand, für die Phase der Eingliederungsmassnahmen hä tte sein gesundheitlicher Zustand neu abgeklärt werden müssen, allenfalls auch mit einem entsprechenden neuen Gutachten. Es sei sachwidrig, wenn sich die Beschwerdegegnerin bei der Beurteilung der Frage, ob die aktuel- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht len Wiedereingliederungsmassnahmen medizinisch zumutbar seien, auf die Feststellungen der Gutachter der Ärztlichen Begutachtungsinstitut (ABI) Gm bH aus dem Jahre 2014 stütze. Sie hätte vielmehr auf die jüngsten Einschätzungen der behandelnden Ärzte abstellen bzw. nötigen- falls ein erneutes Gutachten oder Kurzgutachten einhole n müssen. Diesem Einwand des Be- schwerdeführers kann aus den nachfolgenden Gründen nicht beigepflichtet werden. 5.2.1 Im ABI-Gutachten vom 31. Oktober 2014 mit fachä rztlichen Untersuchungen in den Bereichen Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Orth opädie, Neurologie und Neuropsycholo- gie gelangte das beteiligte Ärzteteam zur Auffassung, dass keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erhoben werden könne. Als Leiden oh ne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wur- den hauptsächlich eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) mit Symptomausweitung, ein chronisches lu mbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5) sowie chronische Schulter-, Arm- und N ackenbeschwerden der dominanten rechten Seite (ICD-10 M79.60/M54.2) diagnostiziert. In ihrer im Rahmen einer interdisziplinären Gesamtbeurteilung erfolgten Einschätzung der Arbeitsfä higkeit gelangten die Gutachter zum Schluss, dass beim Versicherten eine uneingeschränkte Arbeit s- und Leistungsfähigkeit in sämtlichen Erwerbstätigkeiten bestehe. Lediglich das wiede rholte Heben und Tragen von Las- ten über 30 kg sollte vermieden werden. Sodann nahm C.____, Fachärztin für Psychiatrie, Re- gionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, im Augu st 2015 eine nachträgliche Prüfung der bei der Beurteilung der invalidisierenden Wirkung von somatoformen Schmerzstörungen und damit vergleichbaren psychosomatischen Leiden neu massgeb enden Standardindikatoren (vgl. dazu BGE 141 V 281) vor und gelangte dabei zum Ergebnis, dass aufgrund der beim Versicher- ten evaluierten Ressourcen dessen Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt sei. In seinem Urteil vom 24. Oktober 2019 (Verfahren-Nr. 720 18 230), mit welchem es die von der IV-Stelle verfüg- te Aufhebung der Rente des Versicherten schützte, entschied das Kantonsgericht, dass sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Versicher- ten zu Recht auf die Ergebnisse des polydisziplinären ABI- Gutachtens vom 30. Oktober 2014 und der Beurteilung der RAD-Ärztin C.____ vom 5. August 2015 gestützt habe. 5.2.2 Vor diesem Hintergrund durfte die IV-Stelle d ie Frage, ob die aktuellen Wiedereinglie- derungsmassnahmen medizinisch zumutbar seien, gestützt auf die genannten Feststellungen der ABI-Gutachter und der RAD-Ärztin C.____ beurteil en. Anders verhielte es sich lediglich, wenn sich der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Versicherten seither in relevan- ter Weise verschlechtert hätten. Solches lässt sich jedoch den Akten nicht entnehmen und auch der Beschwerdeführer macht - zu Recht - nicht geltend, d as sich die medizinische Situation seit der gutachterlichen Einschätzung massgeblich verändert habe. 6.1 Der Einsatz des Versicherten im Rahmen des Belastbar keits- und Aufbautrainings im Zentrum B.____ erfolgte, wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.1 hiervor), in den Bereichen "K-Lumet- Produktion" und "Kommissionierung und Packung von Schrau ben-Dübel-Sets". Bei den Tätig- keiten, die der Versicherte dort zu verrichten hatte, han delte es sich zweifellos um körperlich leichte, wenig anspruchsvolle Arbeiten, die sich klarerwei se im Rahmen des vorstehend ge- schilderten, gutachterlich attestierten Zumutbarkeitsprofi ls bewegten. Zudem betrug die Prä- senzzeit in diesem Training anfänglich lediglich zwei Stu nden pro Tag, wobei diese innerhalb Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht von drei Monaten auf mindestens vier Stunden an fünf T agen pro Woche gesteigert werden sollte. Im Abstand von jeweils weiteren drei Monaten w ar anschliessend eine Steigerung der Einsatzzeit auf fünf bzw. sechs Stunden täglich vorgesehen. Wie die IV-Stelle in ihrer Vernehm- lassung zutreffend geltend macht, berücksichtigte sie mit dieser Vorgehensweise die lange Ab- wesenheit des Versicherten vom Arbeitsmarkt und sie ermögli chte es ihm, sich im Rahmen ei- ner körperlich leichten, wenig anspruchsvollen Tätigkeit behutsam und sich langsam steigernd wieder in den Arbeitsprozess einzugewöhnen. Es kann deshal b ohne Weiteres festgehalten werden, dass das angeordnete niederschwellige Belastbarke its- und Aufbautraining dem Versi- cherten zumutbar war und dass es sich bei diesem Training um eine geeignete, notwendige und in jeder Hinsicht angemessene, d.h. insgesamt also um eine verhältnismässige Eingliede- rungsmassnahme handelte. 6.2 Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, verm ag kein anderes Ergebnis zu be- gründen. Der Versicherte verweist auf die Arztzeugnisse von Dr. med. D.____, Allgemeine Me- dizin FMH, vom 5. April 2019 bzw. von Dr. med. E.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 16. Mai 2019. Aus diesen ergebe sich, dass ihm lediglich eine Tätigkeit während vier Stun- den vormittags als maximal mögliches Arbeitspensum im gesch ützten Rahmen zumutbar sei. Auf diese Arztzeugnisse kann nun allerdings - entgegen der Auffassung des Beschwerdefüh- rers - schon deshalb nicht abgestellt werden, weil sie ni cht im erforderlichen Masse begründet sind. In diesem Zusammenhang ist auf die vom Versicherte n unterzeichnete Zielvereinbarung vom 19. September 2018 hinzuweisen, in welcher festgehalten ist, dass Arztzeugnisse gewisse Vorgaben zu erfüllen haben. So muss bei krankheits- od er unfallbedingten Absenzen aus dem Arztzeugnis ersichtlich sein, dass "aus gesundheitlichen Grün den die Teilnahme an Eingliede- rungsmassnahmen im geschützten Rahmen bei reduziertem P ensum und leichten, wechselbe- lastenden Tätigkeiten ohne Leistungsdruck nicht möglich " sei. Die beiden vom Versicherten angerufenen Arztzeugnisse enthalten jedoch keinen dies bezüglichen Vermerk. Selbst wenn man diese Betrachtungsweise als zu formell bezeichnen sollte, fehlt in den beiden Zeugnissen - und dies ist entscheidend - aber eine inhaltliche Begr ündung, weshalb nunmehr von der nach wie vor massgeblichen Zumutbarkeitsteilung des ABI-Gutach tens abgewichen werden müsste. Diesbezüglich lässt sich den beiden Zeugnissen nichts entn ehmen. Zu erwähnen ist vielmehr, dass der Hausarzt Dr. D.____ in einem nur wenig älteren Attest vom 1. November 2018 geäus- sert hatte, er motiviere den Patienten seit Jahren, dass er eigentlich arbeiten könnte. Darum sei "ein Arbeitsversuch unbedingt nötig, der mit angepasster Härte erfolgen muss". Damit wird klar, dass nicht nur die mit der Wiedereingliederung betra uten Fachleute, sondern auch der behan- delnde Arzt dem Beschwerdeführer deutlich mehr zumutet, als dieser sich selbst zutraut. 7. Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, e r sei nach wie vor bereit, sich Ein- gliederungsmassnahmen zu unterziehen. Mit den bisherig en Trainings sei durchaus eine ge- wisse Pensumssteigerung erreicht worden. 7.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.2 hiervor), setzen auch die Wiedereingliederungsmass- nahmen nach Art. 8a IVG in Verbindung mit lit. a Ab s. 2 SchlB IVG - wie alle Eingliederungs- massnahmen - nicht nur eine objektive, sondern auch eine subjektive Eingliederungsfähigkeit der betroffenen Person voraus (Urteil des Bundesgericht s vom 6. September 2016, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8C_667/2015, E. 4.2 mit Hinweisen). Es darf sich dies bezüglich nicht um reine Lippenbekennt- nisse handeln. Von fehlendem Eingliederungswillen bzw. fehl ender subjektiver Eingliederungs- fähigkeit ist aber nur dann auszugehen, wenn sie mit de m Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 138 V 218 E. 6) festst ehen (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2019, 8C_611/2018, E. 6.2). Zu beachten i st sodann, dass berufliche Massnahmen zwar auch dazu dienen können, subjektive Eingliederungshi ndernisse im Sinne einer Krank- heitsüberzeugung der versicherten Person zu beseitigen, es bedarf indessen auch diesfalls eines Eingliederungswillens bzw. einer entsprechenden Motivation der versicherten Person (Ur- teil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2019, 8C_611/2018, E. 6.1 mit Hinweisen). 7.2 Laut dem Protokoll "Erstgespräch Schlussbestimmungen " gab der Beschwerdeführer bereits anlässlich dieses Erstgesprächs vom 18. September 20 18 an, dass er nicht an Einglie- derungsmassnahmen teilnehmen und auch nicht arbeiten mö chte. Aus finanziellen Überlegun- gen und weil er sich nicht beim RAV oder dem Sozialdienst melden wolle, werde er aber an den Eingliederungsmassnahmen teilnehmen. Sodann ist der Aktennotiz zum Standortgespräch vom 12. Dezember 2018 zu entnehmen, dass der Beschwerdeführe r seit dem 22. November 2018 jeweils nach ca. drei Stunden aufgrund von Rücken- und Nackenbeschwerden nach Hause ge- gangen sei. Zudem habe er mit deutlich reduziertem Te mpo gearbeitet, seine Leistung sei als nicht verwertbar beurteilt worden. Der Versicherte hab e erklärt, dass die gesundheitlichen Be- schwerden im Vordergrund stünden und deshalb eine Ste igerung des Pensums und der Leis- tung nicht machbar sei; ebenso sei eine Tätigkeit im A rbeitsmarkt auch künftig nicht möglich. Auf Veränderungsoptionen (Wechselbelastung, Veränderung der Zeiten/Pausen) am bisherigen Setting habe der Versicherte jedoch ablehnend und zum Teil harsch reagiert. Aus dem Bericht des Zentrums B.____ vom 13. Dezember 2018 ist ersichtlich, dass der Versicherte sich je nach Gesundheitszustand motiviert oder eben nicht motiviert z eige, er ziehe sich dann zurück und mache Spaziergänge. Im gleichen Bericht wird festgehalte n, dass er an 25 Tagen ohne ein Arztzeugnis Verspätungen von mehr als 15 Minuten gehabt habe oder mehr als 15 Minuten früher nach Hause gegangen sei. Im gleichen Dokument wird zudem erwähnt, dass man für ihn einen in der Höhe verstellbaren Tisch eingerichtet hab e, den er jedoch selten in Anspruch ge- nommen habe. In der seinem Rechtsvertreter zugestellten Abmahnung vom 26. März 2019 wird nochmals ausdrücklich auf das selbstlimitierende Verhalt en des Versicherten hingewiesen. Dem Abschlussbericht der Eingliederungsmassnahme vom 22 . Mai 2019 ist dann zu entneh- men, dass die Abmahnung zwar zur Folge gehabt habe, d ass keine Absenzen mehr zu regist- rieren gewesen seien, in diesem Bericht wird aber au ch die Selbsteinschätzung des Versicher- ten wiederholt, wonach er sich weiterhin nicht vorstelle n könne, das Pensum über vier Stunden hinaus zu steigern. Der genannte Abschlussbericht hält zud em fest, dass der Versicherte auf externe Anregungen ablehnend reagiere und dass der ge samte Eingliederungsverlauf geprägt sei durch einen latent vorhandenen Widerstand und die f ehlende Eigeninitiative des Versicher- ten. 7.3 Gestützt auf die geschilderten Feststellungen der m it der Durchführung der Eingliede- rungsmassnahme betrauten Fachleute durfte die IV-Stell e nach achtmonatiger Eingliederungs- dauer den Schluss ziehen, dass von einer Weiterführung d er beruflichen Massnahmen mit dem Ziel einer Integration in den Arbeitsmarkt aufgrund der ungenügenden aktiven Mitwirkung und Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der subjektiven hohen Krankheitsüberzeugung des Versiche rten abzusehen sei. Da sich das Verhalten und die geringen Leistungen des Beschwerdef ührers mit den ausgewiesenen ge- sundheitlichen Einschränkungen objektiv nicht erklären lie ssen, sprach ihm die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung die subjektive Eingliederungs fähigkeit ab. Diese Einschätzung der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Hält man sich den Eingliederungsverlauf und die geschil- derten Verhaltensweisen des Versicherten vor Augen, so l ässt sich mit der IV-Stelle festhalten, dass dessen unzureichende Eingliederungsbereitschaft jeden falls mit dem erforderlichen Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist. Gleichzeitig überwiegt der Eindruck, dass es sich bei den anderslautenden Beteuerungen des Ver sicherten vielfach um reine Lip- penbekenntnisse handelte. So dürfte denn auch sein anlä sslich des Abschlussgesprächs ge- äusserter ausdrücklicher Wunsch, die Massnahme fortzuführe n, in erster Linie vor dem Hinter- grund erfolgt sein, dass er dadurch weiterhin die ganze Rente als akzessorische Übergangsleis- tung zu den Eingliederungsmassnahmen hätte beziehen können. 7.4 Zu ergänzen bleibt, dass sich das Vorgehen der IV-St elle auch in formeller Hinsicht als korrekt erweist. In der vorgängigen Abmahnung hat sie - wie bereits die Durchführungsstelle anlässlich der vorausgegangenen Standortgespräche - dem Versicherten aufgezeigt, inwiefern sein Verhalten und seine Leistungen zu Beanstandungen An lass gaben. Ebenso hat sie die gewünschten Verhaltensänderungen in angemessenen Zielvorgaben formuliert und ihm so aus- reichend Gelegenheit eingeräumt, seine Haltung zu überdenken und zu ändern. Schliesslich hat sie ihn auch im genannten Schreiben auch auf die Kon sequenzen hingewiesen, die er im Falle einer Nichterreichung dieser Vorgaben zu gewärtigen habe. 8. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV-St elle berechtigt war, die Ein- gliederungsmassnahmen für den Versicherten per 31. Mai 2019 einzustellen. Da die dem Ver- sicherten am 27. September 2018 zugesprochene Übergangsrente nur zur Auszahlung gelangt, solange Massnahmen zur Wiedereingliederung durchgeführt werden, hat die IV-Stelle zudem zu Recht angeordnet, dass der Anspruch des Versicherten a uf diese Rente per 1. Juni 2019 ende. Die gegen die betreffende Verfügung vom 5. Jul i 2019 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 9.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat der Beschwerdeführ er keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht