B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5225/2016 U r t e i l v o m 3 1 . A u g u s t 2 0 1 8 Besetzung Richter Simon Thurnheer (Vorsitz), Richterin Daniela Brüschweiler, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiberin Andrea Beeler. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Eleonora Heim, Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 27. Juli 2016 / N (…). D-5225/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin suchte am 30. März 2016 im Empfangs- und Ver- fahrenszentrum (EVZ) des SEM in B._______ um Asyl nach. Am 7. Ap- ril 2016 wurde sie zu ihrer Person, zum Reiseweg und summarisch zu den Asylgründen befragt (Befragung zur Person, BzP). Am 10. Juni 2016 hörte sie das SEM vertieft zu ihren Asylgründen an. B. Die Beschwerdeführerin machte anlässlich ihrer Befragungen im Wesent- lichen geltend, dass sie sri-lankische Staatsangehöriger tamilischer Ethnie sei und bis 2014 mit ihrem Ehemann und ihren drei jüngeren Kindern in C._______ in der Nähe von Vavuniya (Nordprovinz) gewohnt habe. Von 1997 bis 2008 habe sie ohne das Wissen ihres Ehemannes Pakete für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) entgegengenommen und weiter- geleitet. Dies habe sie aus finanziellen Gründen getan, da sie für jede ab- gelieferte Sendung (…) bis (…) Rupien erhalten habe. Die Pakete seien ihr von einer Person namens D._______ übergeben worden. Ende 2014 sei sie zum Einkaufen ausser Haus gewesen, als Angehörige des Criminal In- vestigation Department (CID) bei ihr zu Hause vorbeigekommen seien. Ihre jüngere Tochter habe den Beamten erkl ärt, dass sie nicht zu Hause sei, woraufhin die Leute Haus und Hof nach ihr durchsucht hätten. Auch eine Nachbarin sei herbeigeeilt. Die Tochter habe ihr nach ihrer Rückkehr mit- geteilt, dass die Leute vom CID ihr die Nachricht hinterlassen hätten, dass sie sich zur Befragung in deren Büro an der (…) einzufinden habe. Als sie dem Ehemann mitgeteilt habe, dass sie einst für di e LTTE tätig gewesen sei und das CID sie wohl deswegen befragen wolle, sei er sehr wütend geworden. Für sie selbst sei klar gewesen, dass sie aus Angst der Auffor- derung des CID keine Folge leisten würde. Sie habe die Nacht bei einer Nachbarin verbracht und sei am folgenden Tag mit ihrem Pass, der Identi- tätskarte und der Besitzurkunde für ein Stück Land nach Colombo zu einer Bekannten der Nachbarin gereist. Dort habe sie sich zwei Jahre lang in einem Zimmer aufgehalten und in dieser Zeit nur sporadischen Kontakt zu einer Tante gehabt. Die Familie oder ihre verheiratete , in E._______ le- bende Tochter habe sie nie angerufen, da sie diese nicht in Schwierigkeiten habe bringen wollen. Aus diesem Grund sei ihr nicht bekannt, ob die Fami- lie überhaupt noch in C._______ lebe beziehungsweise was mit ihr ge- schehen sei. Da sie das Haus in Colombo aus Angst vor dem CID nicht habe verlassen dürfen, habe s ie sich zur Ausreise entschlossen. Am (…) 2016 sei sie mit der Hilfe eines Schleppers und eines gefälschten Passes D-5225/2016 Seite 3 per Flugzeug in ein ihr unbekanntes Land gereist. Nach mehrwöchigem Aufenthalt an einem ihr unbekannten Ort sei sie teils zu Fuss, teils mit ei- nem Fahrzeug über eine ihr unbekannte Route am 30. März 2016 in die Schweiz gelangt. Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin eine beglaubigte Kopie ihrer Geburtsurkunde sowie eine beglaubigte englische Übersetzung ihrer Eheurkunde ein. C. Mit Verfügung vom 27. Juli 2016 – eröffnet am 28. Juli 2016 – stellte die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. D. Mit Beschwerde vom 29. August 2016 (Datum des Poststempels) focht die Beschwerdeführerin diesen Entscheid durch ihre Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantragte sie in materieller Hinsicht, die angefochtene Verfügun g sei vollumfänglich aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr sei Asyl zu gewähren. Eventu- aliter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs festzustellen und ihr die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Feststellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses. E. Mit Schreiben vom 6. September 2016 bestätigte das Bundesverwaltungs- gericht den Eingang der Beschwerde. F. Mit Zwischenverfügung vom 19. September 2016 stellte der Instruktions- richter fest, dass die Beschwerdeführerin den Abschluss des Beschwerde- verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe, hiess das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbehalt der fristgemäs- sen Nachreichung einer Fürsorgebestätigung gut und forderte die Be- schwerdeführerin dementsprechend auf, entweder einen Bedürftigkeitsbe- leg nachzureichen oder einen Kostenvorschuss zu bezahlen. D-5225/2016 Seite 4 G. Mit Schreiben vom 28. September 2016 reichte die Beschwerdeführerin eine Sozialhilfebestätigung der (…) ein. H. Mit Instruktionsverfügung vom 4. Oktober 2016 wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen. I. Mit Vernehmlassung vom 14. Oktober 2016 äusserte sich die Vorinstanz in einigen Punkten zur Beschwerdeschrift und verwies im Übrigen auf ihre Erwägungen in der angefochtenen Verfügung, an welchen sie vollumfäng- lich festhielt. J. Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am 20. Oktober 2016 zur Kenntnis gebracht und ihr eine Frist bis zum 4. November 2016 zur Replik angesetzt. K. In ihrer Replik vom 4. November 2016 nahm die Beschwerdeführerin zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung, wobei sie vollumfänglich an ihren bisherigen Vorbringen festhielt. Gleichzeitig reichte sie ihre Identitätskarte im Original zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). D ie Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgere cht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). D-5225/2016 Seite 5 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Fl üchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung ihrer abweisenden Verfügung führte die Vorinstanz aus, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht genügen würden. So habe sie anlässlich der BzP ausgesagt, dass sie in F._______ und C._______ gelebt habe, die Sendungen von einem gewissen D._______ erhalten habe, dessen Vorgesetzter G._______ gewesen sei und dass sie die Pakete beziehungsweise Briefe bei sich zu Hause im Schrank versteckt habe. In der Anhörung hingegen habe sie angegeben, dass sie während der Zeit, als sie für die LTTE tätig gewesen s ei, in F._______, H._______ und C._______ gelebt habe, wobei D._______ ihr kleine Pakete gebracht habe, welche sie einem gewissen I._______ übergeben habe. Die Pakete habe sie im Wäschekorb versteckt und aufbewahrt. Auf Vorhalt sei sie nicht in der Lage ge wesen, diese Widersprüche zu entkräften, sondern habe sich im Gegenteil in einen weiteren Widerspruch verwickelt, indem sie gel- tend gemacht habe, I._______, dem sie die Pakete persönlich übergeben habe, sei der Vorgesetzte von D._______ gewesen, was nicht möglich sei, da sie in der BzP ausgeführt ha be, den Vorgesetzten von D._______ nie gesehen zu haben. Sodann habe sie in der Kurzb efragung mehrfach ge- schildert, dass sie in den zwei Jahren, die sie in Colombo verbracht habe, D-5225/2016 Seite 6 ausser mit einer Tante keinen Kontakt mit der Familie, sonstigen Angehö- rigen oder Bekannten gehabt habe und daher nicht wisse, was aus ihrer Familie geworden sei. Dieses Verhalten habe sie damit begründet, dass sie die Familie nicht habe in Schwierigkeiten bringen wollen. An der Anhö- rung habe sie diese Angaben zunächst wiederholt, dann aber plötzlich vor- gebracht, dass sie die Familie nach einem Jahr in Colombo mehrfach ver- geblich telefonisch zu erreichen versucht habe; ebenso habe die Tante er- folglos versucht, die Familie telefonisch zu e rreichen. Widersprüchliche Antworten habe sie zudem auf die Frage nach dem Entschluss zur Aus- reise gegeben. In der BzP habe sie geschildert, bereits zu Beginn des zwei- jährigen Aufenthalts in Colombo versucht zu haben, ins Ausland zu reisen, wobei dies nie geklappt habe. In der Anhörung habe sie hingegen ausge- sagt, dass sie sich erst nach etwa (…) Jahren Aufenthalt in Colombo be- ziehungsweise (…) Monate vor Ausreise respektive einige Wochen bevor sie dem Schlepper den Pass übergeben habe, dazu entschlossen ha be. Widersprüchliche Angaben habe sie ausserdem betreffend die Verwandt- schaft gemacht. In der BzP habe sie ausgeführt, dass sie über (…) Onkel väterlicherseits im Distrikt E._______ und (…) Onkel sowie (…) Tanten mütterlicherseits in J._______ verfügen würde. In K._______ würden ihre Schwestern L._______ und M._______ leben. Ihre dritte Schwester, N._______ lebe in einem ihr unbekannten, europäischen Land. Seit ihrer Heirat im Jahr (…) habe sie keinen Kontakt mehr zu ihren Schwestern. In der Anhörung habe sie dann ausgeführt, dass sie nur über (…) Onkel vä- terlicherseits verfüge, der in einem Pflegeheim in O._______ lebe. Mütter- licherseits habe sie (…) Onkel und Tanten, von denen (…) im Distrikt P ._______ und die übrigen in J._______ leben würden. Ihre Schwester N._______ lebe in Q._______. Auch ihre Schwestern M._______ und L._______ würden in Europa leben, aber sie wisse nicht mehr in welchem Land. Seit (…) habe sie keinen Kontakt mehr mit den Schwestern. Ihr e diesbezüglichen Erklärungsversuche, wonach die Mutter der Familie aus (…) Geschwistern bestanden habe und dass väterlicherseits bereits (…) Onkel gestorben seien und die Frage an der BzP überdies anders gestellt worden und sie auch gar nicht nach den Schwestern gefragt worden sei, entbehrten jeglicher Grundlage, zumal sie anlässlich der BzP ausführlich zu den Schwestern befragt worden sei. Überdies sei die Beschreibung der Reiseumstände vage und unglaubhaft ausgefallen, was die bereits beste- henden Zweifel an der Glaub haftigkeit der Asylvorbringen zusätzlich ver- stärke. Auch stehe ihre Identität nicht fest, da die von ihr als Beweismittel eingereichten Dokumente nicht rechtsgenüglich seien. Ihre diesbezügliche Erklärung, wonach der Schlepper ihr den Pass und die ID vor der Ausreise D-5225/2016 Seite 7 abgenommen und nicht mehr zurückgegeben habe und sie zwar über wei- tere Dokumente bei der Bekannten in Colombo verfüge, diese jedoch nicht beibringen könne, weil sie weder deren Namen noch die Adresse kenne und auch die Telefonnummer verloren habe, vermöge in keiner We ise zu überzeugen. Vielmehr deute ihr Verhalten daraufhin, dass sie nicht gewillt sei, den Schweizer Behörden ihre Identität offen zu legen. 4.2 In der Beschwerde wird dagegen vorgebracht, dass Sri Lanka derzeit nicht willens oder in der Lage sei, die nötigen Vorkehrungen zu treffen, um Tamilen in der Lage der Beschwerdeführerin zu schützen. Dies gelte ins- besondere auch nach der Wahl von Präsident Sirisena im Januar 2015 noch. Ein wichtiges Ziel des sri-lankischen Staates bleibe es, das Aufflam- men des tamilischen Separatismus im Keim zu ersticken. An dem Tag, als sie vom CID in ihrer Abwesenheit ein erstes Mal gesucht worden sei, wie sie bereits in den Befragungen geschildert habe, sei sie am frühen Abend alleine im Haus gewesen, da der Ehemann die Kinder von der Nachhilfe ab geholt habe. Gegen (…) Uhr seien wiederum Leute vom CID vorbeigekommen, wobei es sich wohl um andere Männer gehan- delt habe, als jene, die sie am Nachmittag gesucht hätten. Sie seien zu (…) gewesen, wobei (…) Männer vor dem Haus gewartet hätten und (…) ins Innere gekommen seien und sie befragt hätten. Sie hätten ihr viele Fragen gestellt, Drohgebärden gemacht, sie bedrängt, an ihren Kleidern gerissen und geschlagen. Sie habe die Männer nur bruchstückhaft verst anden. Ihr sei wohl vorgeworfen worden „gegen die CID gearbeitet“ zu haben. Sie sei von den Männern gegen die Wand gestossen und mit dem Knie in den Bauch getreten worden. Sie habe sich verzweifelt gewehrt, als die Männer versucht hätten, sie zu vergewaltigen, bis sie schliesslich in Ohnmacht ge- fallen sei. Als sie wieder aufgewacht sei, sei sie auf dem Bode n gelegen, ihre Kleider seien völlig ruiniert gewesen und sie habe überall und beson- ders in der Bauchgegen starke Schmerzen gehabt. In diesem Zustand sei sie von ihrem Ehemann und ihren Kindern vorgefunden worden. In ihrem Wertekatalog nehme Ehre einen zentralen Platz ein und sie richte ihre Handlungen nach einem strengen Ehrenkodex, weshalb sie die Ereignisse im Rahmen des zweiten Besuchs durch das CID zunächst nicht geschildert habe. Nach diesem traumatischen Einschnitt sei sie monatelang depressiv gewesen und habe sogar Suizidgedanken geh egt. Sie habe sich schlicht nicht in der Lage gesehen, dieses schmerzhafte Erlebnis vor wildfremden Menschen auszubreiten. Erst nach Ablehnung ihres Asylgesuchs sei ihr bewusst geworden, dass ebensolche Schilderungen immens wichtig für die D-5225/2016 Seite 8 Glaubhaftigkeit seien, und sie habe ihren ganzen Mut zusammengenom- men, um zu berichten, was wirklich geschehen sei. Betreffend der Kontaktperson bei den Paketlieferungen für die LTTE sei es wohl zu einem sprachlic hen Missverständnis gekommen . Den Namen I._______ spreche man in ihrem Dialekt eher als R._______ aus. Je nach englischer Schreibweise könne er auch als G._______ oder S._______ geschrieben werden. Daher rührten die verschiedenen Schreibweisen des Namens im Protokoll der BzP und jenem der Anhörung. I._______ und D._______ hätten immer wieder die Seite getauscht, das heisst, manchmal seien sie am Abgabe-, manchmal am Abholort gewesen, und sie habe nicht gewusst, welcher der beiden I._______ und welcher D._______ geheissen habe und wer hierarchisch über wem gestanden habe. Diese Taktik sei vom LTTE Secret Service extra gewählt worden, damit sie bei einer allfäl- ligen Befragung nichts hätte verraten können. Sie habe während elf Jahren Pakete für die LTTE weitergeleitet. Innerhalb einer so langen Zeitspanne und in Anbetracht dessen, dass sie mehrmals ihren Wohnort habe wech- seln müssen, sei es naheliegend, dass das Abgabesystem nicht imm er gleich habe ablaufen können. Die scheinbaren Widersprüche rührten da- her, dass sie nicht immer von der gleichen Phase der Tätigkeit für die LTTE gesprochen habe. Sodann sei es auch betreffend die Kontaktversuche zur Familie zu einem Missverständnis gekom men. Sie habe lediglich mittels T._______ versucht, Kontakt mit der Familie aufzunehmen und nicht sel- ber, um die Familie zu schützen. Die Tante habe sie nur angerufen, damit wenigstens jemand aus der Verwandtschaft gewusst habe, wo sie sich auf- halte. Was den Entschluss zur Ausreise angehe, so habe die Beschwerde- führerin schon früh gewusst, dass sie auf jeden Fall nicht mehr zur Familie zurückkehren wolle, um diese zu schützen. Einen eigentlichen Ausreise- plan habe sie aber nicht gehabt, was angesichts ihrer überstürzten Abreise nachvollziehbar sei. Sie sei psychisch wegen der Ereignisse in einer schwierigen Lage gewesen, habe sogar Suizidgedanken gehabt und sei nur wegen U._______ Initiative, bei der sie in Colombo gewohnt habe, auf die Idee gekommen, das Land zu verlassen. Der Entschluss sei also sehr viel später gefallen. Die ungenaue Schilderung sei darauf zurückzuführen, dass sie selber nicht genau angeben könne, wann sie den Entschluss ge- fasst habe. Was ihre Angaben zu ihrer Verwandtschaft angehe, so müsse berücksichtigt werden, dass sie, nachdem sie (…) ihren Ehemann gegen den Willen der Familie geheiratet habe, keinen Kontakt mehr zu den Schwestern gehabt habe. Somit sei auch gut nachvollziehbar, dass sie heute nicht genau wisse, wo sich die Schwestern in Europa aufhielten. Das D-5225/2016 Seite 9 Missverständnis mit der Anzahl Onkel habe sie auf Nachfrage dahinge- hend auflösen können, dass sie ursprünglich (…) Onkel gehabt habe, nun aber nur noch (…) am Leben sei. Schliesslich müsse berücksichtigt wer- den, dass die Befragungen jeweils mittels einer Dolmetscherin stattgefun- den hätten. Dolmetscher seien nicht in der Lage, exakt zu übersetzen, son- dern müssten die tamilischen Äusserungen bereits interpretieren, bevor sie diese sinngemäss übersetzten. Für das Protokoll werde die Übersetzung nicht etwa wörtlich stenographiert oder aufgezeichnet, sondern erneut sinngemäss zusammengefasst. Mehr als die sinngemässe Wiedergabe seiner Äusserungen könne ein Gesuchsteller auch bei Rückübersetzung nicht überprüfen. Es verbiete sich daher, aus einzelnen Wörtern und Halbs- ätzen Widersprüche abzuleiten, wenn der Gesamtkontext ein stimmiges widerspruchsfreies Bild ergebe. 4.3 In der Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, dass keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be weismittel vorliegen würden, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen würden. Was den zweiten Be- such durch das CID angehe, so habe die Beschwerdeführerin sowohl an- lässlich der BzP als auch an der Anhörung mehrfach bestätigt, alle Asyl- gründe ge nannt zu haben. Zudem seien bei beiden Befragungen aus- schliesslich Frauen anwesend gewesen, alle zudem zur gleichen Alters- gruppe wie die Beschwerdeführerin gehörend, weshalb es nicht nachvoll- ziehbar sei, warum die Beschwerdeführerin diesen zweiten Besuch d es CID mit keinem Wort erwähnt haben sollte. In der Beschwerdeschrift fän- den sich schliesslich verschiedene weitere Sachverhalte, die im Wider- spruch zu den Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Befragun- gen stünden. Als Beispiel sei die Darlegung zu nennen, wonach sich die Identitätskarte bei der Gastgeberin der Beschwerdeführerin in Colombo befinde. In der BzP habe die Beschwerdeführerin diesbezüglich zu Proto- koll gegeben, dass sie die Identitätskarte zusammen mit dem Pass dem Schlepper habe übergeben müssen. 4.4 In der Replik wird dagegen ausgeführt , dass die Beschwerdeführerin die Kernvorbringen ausführlich, kohärent und detailliert beschrieben habe. In Bezug auf gewisse Ungenauigkeiten hätten im Rahmen der Beschwerde die Aussagen ergänzt und jegliche Unklarheiten geklärt werden können. Die Aussagen würden sich so zu einem schlüssigen und plausiblen Ge- samtbild zusammenfügen. Ihr sei klar gewesen, dass sie ihre Asylgründe ausführlich habe schildern müssen. Da es in ihrer Heimat jedoch absolut unvorstellbar sei, dass man fremden Leuten von sexuellen Belästigungen erzähle, habe sie erst nach dem negativen Asylentscheid realisiert, dass D-5225/2016 Seite 10 sie sich auch in dieser Hinsicht öffnen müsse, um glaubhaft zu sein. Ver- setze man sich in ihre Lage sei gut nachvollziehbar, dass sie die sexuelle Belästigung erst so spät geschildert habe. Bei der Würdigung der Aussa- gen, die sich auf sexuelle Übergriffe beziehen, sei auch der besondere so- ziokulturelle Hintergrund des tamilisch-hinduistischen Kulturkreises zu be- rücksichtigen, wonach Opfer von Vergewaltigungen in Sri Lanka prinzipiell diskriminiert und stigmatisiert würden. Dies erschwere es tamilischen Op- fern massiv, über Geschehnisse zu sprechen. Sollte eine tamilische Frau Asylgründe konstruieren wollen, erscheine es aufgrund des soziokulturel- len Kontexts äusserst unwahrscheinlich, dass sie ausgerechnet von sexu- ellen Übergriffen berichte, die schambelastet seien und hochgradig tabui- siert würden. Frauen würden auch im Jahr 2016 noch unter den Folgen des Krieges und ihrer sozialen Stellung in Sri Lanka leiden. Sexueller Miss- brauch bleibe weit verbreitet – sowohl innerhalb der Zivilgesellschaft als auch durch die Sicherheitskräfte. Aus dem Einsatz von sexueller Gewalt als Folterinstrument und Mittel zur Demoralisierung der tamilis chen Zivil- bevölkerung werde auch der Verfolgungscharakter der Übergriffe umso deutlicher. Soweit die vergangenen und drohenden sexuellen Übergriffe sie nicht spezifisch als Tamilin oder LTTE -Verdächtige sondern schlicht als Frau getroffen hätten beziehungsweise treffen würden, liege aber nach der Rechtsprechung ohnehin ein asylrelevantes Verfolgungsmotiv vor, wenn das Ausbleiben adäquaten staatlichen Schutzes in einer Diskriminierung aufgrund des Geschlechts begründet liege. Der sri-lankische Staat sei nicht willens, einen wirksamen Schutz gegen sexuelle Übergriffe zu gewähren. Betreffend der Identitätskarte sei es wohl zu einem Missverständnis an- lässlich der BzP gekommen. Die ID sei nicht vom Schlepper zurückbehal- ten worden, sondern sie habe dies e aus Siche rheitsgründen bei U._______ zurücklassen müssen. Mittlerweile sei es ihr jedoch gelungen, mit Hilfe von Tamilen in der Schweiz mit U._______ Kontakt aufzunehmen und die Identitätskarte zu beschaffen. Dies sei für sie sehr schwer gewesen und zeige, dass sie alle möglichen Wege ausschöpfe, um ihrer Mitwir- kungspflicht nachzukommen. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es der Beschwer- deführerin entgegen ihren Vorbringen nicht gelungen ist, eine asylbeacht- liche Verfolgung glaubhaft zu machen. Insbesondere ergibt eine Konsulta- tion der Befragungsprotokolle und der vorinstanzlichen Verfügung , dass D-5225/2016 Seite 11 die Vorinstanz die Akten sorgfältig geprüft und die oben genannten Wider- sprüche in ihrer Verfügung nachvollziehbar aufgezeigt und schliesslich zu Recht festgestellt hat, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen sei, glaubhaft darzulegen, dass sie wegen einer angeblichen Tätigkeit für die LTTE gesucht werde. Die Rechtsmitteleingabe stellt dem nichts Stichhaltiges entgegen und er- schöpft sich vielmehr in Wiederholungen des bereits aktenkundigen Sach- verhaltes und unplausiblen Erklärungsversuchen, womit sie nicht aufzeigt, inwiefern die vorinstanzliche Beweiswürdigung Bundesrecht verletzen oder zu einer rechtsfehlerhaften Sachverhaltsfeststellung führen soll. Solches ist auch nicht ersichtlich. Insbesondere vermag auch der Einwand der Beschwerdeführerin, die von der Vorinstanz festgestellten Widersprüche, zum Beispiel betreffend die Kontaktpersonen für die Paketlieferung, würden auf Missverständnissen beruhen, in keiner Weise zu überzeugen. Anlässlich der BzP gab die Be- schwerdeführerin an, d ie Dolmetscherin gut zu verstehen ( […]). Auch im Anhörungsprotokoll vom 10. Juni 2016 finden sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, es sei bei der Anhörung zu entsprechenden Missverständ- nissen gekommen und auch dort hat die Beschwerdeführerin d ie Dolmet- scherin laut eigenen Angaben gut verstanden ( […]). Nach der Rücküber- setzung hat sie die Richtigkei t ihrer Aussagen unterschriftlich bestätigt ([…]) und auch die Hilfswerksvertretung hat keine Bemerkungen ange- bracht, welche auf Verständigungsschwierigkeiten hindeuten würden ([…]). Damit bleiben die von der Vorinstanz festgestel lten Widersprüche betref- fend die Kontaktpersonen für die Paketlieferung unerklärlich. Insbesondere sind die Ausführungen auf Rechtsmittelebene, wonach es sich bei I._______ und G._______ um ein und dieselbe Person handeln soll, ange- sichts der folgenden Antwort der Beschwerdeführerin in keiner Weise plau- sibel: „ I._______ ist der Vorgesetzte von D._______. Das stimmt. Nicht G._______, I._______.“ ([…]). Auch weitere Erläuterungen auf Rechtsmit- telebene, mit denen die Beschwerdeführerin angebliche Missverständ- nisse auflösen will, überzeugen angesichts ihrer Antworten in der Anhörung nicht. So führt sie auf Beschwerdeebene zum Beispiel aus, dass D._______ und I._______ immer wieder die Seiten gewechselt hätten und sie mithin nicht gewusst h abe, wer wie hiess beziehungsweise wer D._______ und wer I._______ gewesen sei. In der Anhörung antwortet e sie jedoch durchgehend wie folgt: „Jeweils bekam ich diese Pakete von D._______. Dann musste ich diese Pakete an I._______ liefern.“, „Jeweils habe ich die Pakete von D._______ erhalten […] Dorthin kam I._______ D-5225/2016 Seite 12 um die Pakete abzuholen.“ und „Ich gab die Pakete jeweils an I._______.“ ([…]). Über die vorinstanzlichen Erwägungen hinaus, die weder in rechtlicher noch in tatsächlicher Hinsicht zu beanstanden sind, ist ferner darauf hinzu- weisen, dass die Schilderungen der Beschwerdeführerin diverse weitere Widersprüche aufweisen. So gibt sie einerseits an, dass sie ihre Familie Ende 2014 das letzte Mal gesehen habe beziehungsweise, dass die Ge- heimdienstleute Ende 2014, nachdem ein LTTE -Mitglied fes tgenommen worden sei, zu ihr nach Hause gekommen seien ([…]), schildert dann aber, dass sie sich anschliessend zwei Jahre in Colombo aufgehalten habe ([…]). Selbst wenn man der Beschwerdeführerin zu Gute halten würde, dass sich der Vorfall mit dem CID im (…) 2014 abgespielt hat, wie eine ihrer Antworten in der Anhörung impliziert ([…]), geht die geschilderte Ab- folge zeitlich nicht auf, da sie sich bei einer (…) 2016 erfolgten Ausreise auch dann weniger als die vorgebrachten zwei Jahre in Colombo aufgehal- ten hätte. Sodann gibt die Beschwerdeführerin in der BzP an, ihr sei mit- geteilt worden, die Leute vom CID hätten ihr die Nachricht hinterlassen, dass sie sich am folgenden Tag zu einer Befragung in ihrem Büro einzufin- den hätte ( […]), während sie im Widerspruc h dazu in der Anhörung aus- führt, sie hätte sich am selben Tag melden müssen ( […]). Auch gibt die Beschwerdeführerin in der Anhörung zunächst zu Protokoll, sie sei nach dem Vorfall mit dem CID zu einer Nachbarin namens T._______ gegangen und habe einige Tage dort übernachtet ([…]), während sie im Widerspruch dazu einige Fragen später ausführt, sie habe nur eine Nacht dort übernach- tet, bevor sie nach Colombo gegangen sei ( […]). Des Weiteren gibt die Beschwerdeführerin in der Anhörung zunächst an, in Colombo bei einer Person namens V._______ gelebt zu haben ( […]), während sie danach aussagt, sie habe bei einer Frau namens U._______ gelebt. In diesem Zu- sammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass sie den Namen ihrer Tante ebenfalls mit V._______ angibt ([…]). Weitere Ungereimtheiten finden sich in den Angaben der Beschwerdeführerin zur Identität, mit welcher sie schliesslich ausgereist sei. So gibt sie in der BzP zunächst an, der Vorname sei W._______ gewesen und den Nachnamen habe sie auswendig lernen müssen, habe ihn aber mittlerweile vergessen ([…]). In der Anhörung sagt sie dann jedoch aus, sie sei unter dem Namen W._______ und ihrem ei- genen Namen ausgereist ([…]). Was den erst auf Beschwerdeebene vorgetragenen, zweiten Besuch durch das CID betrifft, so ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass es nicht nachvoll- ziehbar ist, dass die Beschwerdeführerin diesen Vorfall weder in der BzP D-5225/2016 Seite 13 noch in der Anhörung nicht wenigstens ansatzweise erwähnt hat. Vielmehr hat sie wiederholt bestätigt, alles für das Asylgesuch Wesentliche bezie- hungsweise alle Gründe, die gegen eine Rückkehr in den Heimatstaat sprechen könnten, genannt zu haben. Soweit die Beschwerdeführerin vor- bringt, sie sei im Rahmen dieses angeblichen zweiten Besuchs des CID Opfer eines sexuellen Übergriffes geworden, ist zunächst festzuhalten, dass sich Verdrängungsmechanismen von traumatisierten Menschen nachteilig auf deren Erinnerungsvermögen auswirken können, weshalb ein nicht bei der ersten sich bietenden Gelegenheit vorgebrachtes Ereignis nicht per se den Rückschluss erlaubt, dieses sei erfunden. Alleine aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin den geltend gemachten (versuch- ten) sexuellen Übergriff erst auf Beschw erdeebene vorgebracht hat, lässt sich dessen Wahrheitsgehalt somit zwar noch nicht verneinen. Ebenso we- nig überzeugt es jedoch, sich als für das verspätet vorgebrachte Vorbrin- gen lediglich auf den kulturellen Hintergrund und eine allfällige, im vorlie- genden Fall jedoch unbelegte, Traumatisierung zu berufen. Das Aussage- verhalten der Beschwerdeführerin ist vielmehr in den Gesamtkontext ihrer Biographie und Fluchtgeschichte zu stellen und kritisch zu würdigen. In An- betracht der fehlenden Glaubhaftigkeit der As ylvorbringen der Beschwer- deführerin, insbesondere des verspätet vorgetragenen zweiten Besuches durch das CID und der Einbettung des angeblichen sexuellen Übergriffs in diesen Vorfall, kann der Beschwerdeführerin die geltend gemachte ge- schlechterspezifische Verfolgung nicht geglaubt werden. 5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O., E. 8.3). Zur Beur- teilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko - faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder verme intliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop-List“ und die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits, für sich alleine genommen, zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Feh- len ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen La nd schwach ri- sikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weit - reichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im D-5225/2016 Seite 14 Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" ver- merkt seien und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungs- weise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch be- tätigt hätten. Angesichts dessen, dass auch das Gericht von der Unglaubhaftigkeit der von der Beschwerdeführerin geschilderten Vorbringen ausgeht, ist sie kei- ner dieser Risikogruppen zuzurechnen, zumal sie sich in ihrer Heimat nie politisch aktiv betätigt hat ( […]), niemals vor Gericht stand und auch nie- mals inhaftiert gewesen ist ( […]). Sie konnte nach Ende der angeblichen Tätigkeit für die LTTE j ahrelang unbehelligt in Sri Lanka leben ( […]) und sich gemäss eigenen Angaben in der BzP „vor vier Jahren“, mithin unge- fähr im Jahr (…), einen Pass ausstellen lassen ( […]). Schliesslich ist ins- besondere nicht davon auszugehen, dass die sri-lankischen Behörden ihr ein Interesse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus zu- schreiben würden. 5.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine flüchtlingsrechtlich relevan- ten Verfolgungsgründe ersichtlich sind, weshalb die Vor instanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über e ine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis D-5225/2016 Seite 15 nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwal- tungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flücht- lingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und ande rnfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs- sig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter D-5225/2016 Seite 16 oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Der EGMR hat sich wiederholt mit der Gefä hrdungssituation für Tamilen auseinandergesetzt, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zu- rückkehren müssen (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; T.N. gegen Dänemark, Ur- teil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P .K. gegen Däne- mark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Da- bei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon aus- zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Be- handlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung, ob Betroffene ernsthafte Gründe für die Befürchtung haben, die Behörden hätten an ihrer Festnahme und Befragung ein Interesse, verschieden e Aspekte bezie- hungsweise persönliche Risikofaktoren in Betracht gezogen werden (vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O, § 94). Nachdem die Beschwerdeführerin nicht darzutun vermocht hat, dass sie befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden auf sich zu ziehen, bestehen auch keine An- haltspunkte dafür, ihr würde aus demselben Grund eine menschenrechts- widrige Behandlung in Sri Lanka drohen. Auch die allgemeine Menschen- rechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nach der Recht- sprechung des Bundesverwaltungsgerichts nicht als unzulässig erschei- nen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Der bewaffnete Konflikt der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Gemäss Rechtsprechung des Bundesver- waltungsgerichts ist der Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz D-5225/2016 Seite 17 (auch in das „Vanni -Gebiet“) zumutbar, wenn das Vorli egen individueller Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä- ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzur- teile des B VGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.3.3 sowie D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 insb. E. 9.5.9.). Die Beschwerdeführerin, die aus J._______ im Distrikt Jaffna (Nordpro- vinz) stammt und seit vielen Jahren im Distrikt Vavuniya (Nordprovinz), zu- letzt in C._______, gelebt h at, hat anlässlich der Befragungen wider- sprüchliche Angaben zu ihren Angehörigen gemacht. So hat sie in der BzP angegeben, über (…) Onkel väterlicherseits im Distrikt E._______ und (…) Onkel sowie (…) Tanten mütterlicherseits, alle in J._______, zu verfügen ([…]), in der Anhörung dann ausgesagt, dass die Mutter (…) Geschwister gehabt habe und von diesen (…) in X._______ (Distrikt Jaffna) und die anderen in J._______ (Distrikt E._______) leben würden ( […]). Auf die Frage, wie viele Verwandte väterlicherseits sie in Sri Lanka habe, hat die Beschwerdeführerin dann geantwortet, dass nur ein Onkel väterlicherseits in E._______ lebe ([…]) und, mit dem Widerspruch betreffend die Anzahl Onkel väterlicherseits konfrontiert, ausgeführt, dass der Vater (…) Brüder gehabt habe, nun aber nur noch (…) lebe ([…]). Betreffend ihre Schwestern führte die Beschwerdeführerin in der BzP aus, dass ihre Schwester L._______ in Q._______ wohne und auch ihre Schwester M._______ in K._______ lebe, sie aber nicht wisse wo genau. Auch ihre dritte Schwester Y ._______ lebe in Europa, aber sie wisse nicht wo ([…]). In der Anhörung schilderte die Beschwerdeführerin dann jedoch, dass die Schwestern N._______ und L._______ im Ausland leben würden und N._______ in Q._______ wohne. Auf den Widerspruch angesprochen, erklärte die Be- schwerdeführerin auf Nachfrage, dass L._______ und M._______ im Aus- land und N._______ in Q._______ lebe ([…]). Die Erklärung der Beschwer- deführerin, dass sie es vielleicht falsch gesagt habe, weil sie aufgeregt ge- wesen sei ([…]), vermag in diesem Zusammenhang nicht zu überzeugen und auch dass die Beschwerdeführerin seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr zu ihren Schwestern habe, ist angesichts des Widerspruches, dass dies seit ihrer Hochzeit im Jahr (…) (BzP , […]) beziehungsweise seit (…) (Anhörung, […]) der Fall sei, anzuzweifeln. Auch zu den Kontaktversuchen mit ihrer Familie hat die Beschwerdeführerin inkonsistente Angaben ge- macht, indem sie zunächst ausgeführt hat, dass sie der Familie keine Prob- leme machen und diese während ihrer Zeit in Colombo nicht kontaktieren wollte ([…]), dann jedoch geschildert hat, sie habe nach einem Jahr in Co- lombo versucht, ihre Familie zu erreichen, dies aber nicht geschafft ( […]). D-5225/2016 Seite 18 Insgesamt ist aufgrund der unglaubhaften Angaben demnach zu ihren Un- gunsten davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihre persönli- chen Lebensumstände in Sri Lanka verheimlichen will und dort über ei n familiäres Beziehungsnetz, das sie bei ihrer Rückkehr unterstützen kann, sowie über eine gesicherte Wohnsituation verfügt. Zudem hat die gesunde Beschwerdeführerin (…) Jahre die Schule besucht und sich in der Vergan- genheit mit kleinen Geschäften ([…]) etwas dazuverdienen können. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumut- bar. 7.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt ric htig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenver- fügung vom 19. September 2016 wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gutgeheissen. Da den Akten auch nicht zu entnehmen ist, dass sich die finanzielle Situation der Beschwerdeführerin geändert hätte, sind vorliegend demnach keine Verfahrenskosten zu erheben (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-5225/2016 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Andrea Beeler Versand: