B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6107/2014 U r t e i l v o m 3 1 . O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Sandra Sturzenegger. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan LL.M., substituiert durch MLaw Angela Stettler, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 3. Oktober 2014 / N (…). D-6107/2014 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin – eine eritreische Staatsangehörige – ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im März 2012 verliess und nach mehrmonatigen Aufenthalten in Äthiopien sowie im Sudan über Libyen und Italien am 6. Juli 2014 in die Schweiz gelangte, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte, dass am 14. Juli 2014 die Befragung zur Person (BzP) stattfand und der Beschwerdeführerin dabei das rechtliche Gehör in Bezug auf eine allfäll i- ge Wegweisung nach Italien gewährt wurde, dass ihr im Anschluss an die BzP das rechtliche Gehör bezüglich ihres sinngemässen Ersuchens auf Zuteilung in den Kanton B._______, wo ihr Bruder C._______ (N […]) wohne, gewährt wurde, dass das BFM im Zuweisungsentscheid vom 17. Juli 2014 zum Schluss kam, dass dem Ersuchen der Beschwerdeführerin nicht entsprochen werden könne und sie dem Kanton D._______ zuwies, dass es mit Verfügung vom 3. Oktober 2014 – eröffnet am 15. Oktober 2014 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eintrat , ihre Wegweisung aus der Schweiz nach Italien anordnete und sie aufforderte, die Schweiz (spätestens) am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushänd i- gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Be - schwerdeführerin verfügte, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 22. Oktober 2014 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und dabei in materieller Hinsicht beantragen liess, die angefochtene Ver- fügung sei vollumfänglich aufzuheben und die Sache sei zur rechtsg e- nüglichen Sachverhaltsabklärung an das BFM zurückzuweisen, eventuali- ter sei die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und in der Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen, dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen liess, es sei der vor- liegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und es seien im Sinne einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme die D-6107/2014 Seite 3 Vollzugsbehörden anzuweisen, von ihrer Überstellung nach Italien abz u- sehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der au f- schiebenden Wirkung entschieden habe, dass die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses zu verzichten sei, dass ihr in der Person der Unterzeichnenden eine unentgeltliche Recht s- beiständin zu bestellen sei, dass auf die Begründung der Beschwerdebegehren und die eingereichten Beweismittel – soweit für den Entscheid wesentlich – in den nachfolge n- den Erwägungen eingegangen wird, dass die vorinstanzlichen Akten am 24. Oktober 2014 beim Bundesver- waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 1 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Re- gel – so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass die Beschwerdefüh rerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ä n- derung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen ( Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG) entscheiden, dass das Bundesverwaltungsgericht auch in solchen Fällen – wie vorlie- gend – auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten kann (Art. 111a Abs. 1 AsylG), D-6107/2014 Seite 4 dass mit Beschwerde die Verletzung von B undesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentschei de, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründethe it hin zu übe r- prüfen (Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der B e- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vori n- stanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.), dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen kön nen, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständ ig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Krit e- rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Pr ü- fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), zur Anwendung kommt, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem ei n- zigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird, wobei die einzelnen Bestimmungskriterien in der Reihenfolge ihrer Auflistung im Kapitel III Anwendung finden (Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist, einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag g e- stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin -III-VO aufzuneh- men (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO), dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig- keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens z u- ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den eigentlich z uständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentl i- che Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Au f-D-6107/2014 Seite 5 nahmebedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grun d- rechte der Europäischen Uni on (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfol- gend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den Regeln der Dublin-III-VO kein anderer zuständiger Mitglied staat bestimmt werden kann, dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be- schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbstein- trittsrecht), dass sich die Beschwerdeführerin – gemäss ihren Aussagen anlässlich der BzP – vor ihrer Einreise in die Schw eiz in Italien aufgehalten hat (vgl. Akten BFM A 4/12 S. 7), dass das BFM die italienischen Behörden am 23. Juli 2014 um Aufnahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO ersuch- te, dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin -III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet liessen, womit sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannten (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO), dass die Zuständigkeit Italiens somit grundsätzlich gegeben ist, dass es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfah- ren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Italien würden sys- temische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschl i- chen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 EU -Grund- rechtecharta mit sich bringen, dass Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausam e, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abko m- mens vom 28. Juli 1951 über die Rechts stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 D-6107/2014 Seite 6 (SR 0.142.301) ist und sei nen di esbezüglichen völkerrechtlichen Ve r- pflichtungen nachkommt, dass insbesondere nicht erstellt ist , dass Italien systematisch gegen die Bestimmungen der Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Ra- tes 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des inte rnationalen Schutzes (sog. Ver- fahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), verstösst, dass diese Ansicht durch den Europäischen Gerichtshof für Mensche n- rechte (EGMR) bestätigt wird, indem dieser in seiner bisherigen Rech t- sprechung festhält, dass in Italien kein systematischer Mangel an Unte r- stützung und Einrichtungen für Asyl suchende bestehe, obwohl die allg e- meine Situation und insbesondere die Lebensumstände von Asylsuche n- den, anerkannten Flüchtlingen und Personen mit einem subsidiären Schutzstatus in Italien gewisse Mängel aufweisen würden (vgl. EGMR: Entscheidung Mohammed Hussein und andere vs. Niederlande und It a- lien [Beschwerde Nr. 27725/10] vom 2. April 2013, § 78), dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, dass die Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift vorab im Wesent- lichen rügte, das BFM habe keine angemessene Einzelfallprüfung vorg e- nommen, zumal es sie nicht zur Beziehung zu ihrem Bruder befragt und auch ihren Bruder nicht angehört habe sowie keinen Arztbericht eingeholt oder von ihr verlangt habe, dass es unzulässig erweise unterlassen habe, ihr das rechtliche Gehör dazu zu gewähren, dass die enge Beziehung zu ihrem Bruder sowie das Abhängigkeitsverhältnis anscheinend nicht als gegeben angesehen wü r- den beziehungsweise sie darüber zu informieren, mit was für Beweismi t- teln die enge Beziehung und das Abhängigkeitsverhältnis belegt werden könne, dass es zudem ihre besondere Verletzlichkeit nicht beachtet habe, dass das BFM damit gegen das Recht auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV sowie das Recht auf Information gemäss Art. 4 Abs. 1 D-6107/2014 Seite 7 Bst. c i.V.m. Art. 4 Abs. 2 Dublin -III-VO verstossen und demnach den Sachverhalt unvollständig festgestellt habe, dass diesbezüglich zunächst darauf hinzuweisen ist, dass die Beschwe r- deführerin ihre besondere Verletzlichkeit einzig mit ihren Fluchtgründen begründet, welche im Dublin-Verfahren nicht zu prüfen sind, dass sodann festzuhalten ist, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der BzP nach in der Schweiz lebenden Familienangehörigen gefragt wurde (A 4/12 S. 6) und ihr im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs in Bezug auf die Kantonszuweisung die Möglichkeit gewährt wurde, nähe- re Ausführungen zu ihrer Beziehung zu ihrem Bruder geltend zu machen (A 6/2), dass daher nicht ersichtlich ist, inwiefern das BFM das Recht auf Informa- tion oder ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt haben soll, dass sodann darauf hinzuweisen ist, dass der Anspruch auf rechtliches Gehör nur die Sachverhaltsfeststellung nicht aber die rechtliche Würd i- gung beschlägt (BVGE 2009/35 E. 6.4.1), dass das B FM daher – entgegen der in der Beschwerde vertretenen A n- sicht – nicht verpflichtet war, der Beschwerdeführerin vorab mitzuteilen, dass die enge Beziehung zu ihrem Bruder sowie das Abhängigkeitsve r- hältnis nicht als gegeben angesehen würden, und ihr diesbezü glich die Möglichkeit zur Stellungnahme einzuräumen, dass der Sachverhalt – wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen e r- gibt – rechtsgenüglich festgestellt ist, dass nach dem Gesagten kein Anlass besteht, die angefochtene Verf ü- gung aus formellen Gründen au fzuheben und die Sache zur Neubeurte i- lung an das BFM zurückzuweisen, weshalb der Hauptantrag abzuweisen ist, dass die Beschwerdefü hrerin zur Begründung ihres Eventualbegehrens das Urteil C -245/211 des Gerichtshofes der Europäischen Gemeinscha f- ten (EuGH) vom 6. November 2012 heranzieht und insbesondere geltend macht, zwischen ihr und ihrem in der Schweiz lebenden Bruder, der schon seit mehreren Jahren an einer (…) leide, bestehe ein Abhängi g- keitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO, D-6107/2014 Seite 8 dass eine Wegweisung nach Italien eine Verletzung von Art. 8 EMRK dar- stellen würde, zumal ihr Bruder in der Schweiz über ein gefestigtes Anwe- senheitsrecht verfüge, dass diesbezüglich vorab festzuhalten ist, dass sich zunächst die Mitgli e- der der Kernfamilie, mithin die Ehegatten (denen Konkubinatspartner gleichgestellt sind) und ihre minderjährigen Kinder, auf den Schutz von Art. 8 EMRK berufen können, dass nach der Rechtsprechung der Strassburger Organe grundsätzlich auch über diesen engen Kern hinausgehende verwandtschaftliche Bande unter den Schutz der Einheit der Familie fallen, sofern eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung zwischen den Angehörigen besteht, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine über die eigentl i- che Kernfamilie hinausgehende schützenswerte verwandtschaftliche B e- ziehung voraussetzt, dass zwischen diesen Personen ein eigentliches Ab- hängigkeitsverhältnis besteht, dass sich die Asylbehörden dieser bundesgerichtlichen Umschreibung des Familienbegrif fs angeschlossen habe n (vgl. zum Ganzen BVGE 2008/47 E. 4.1.1, m.w.H.), dass im Zusammenhang mit Art. 8 EMRK im Übrigen auf die bundesg e- richtliche Rechtsprechung hinzuweisen ist, wonach der sich in der Schweiz aufhaltende Familienangehörige über ein gefest igtes Anwesen- heitsrecht (Bürgerrecht, Niederlassungsbewilligung oder Aufenthaltsbewil- ligung, auf deren Verlängerung ein Anspruch besteht) in der Schweiz ver- fügen muss (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.1), dass die Tatsachen, dass sich der Bruder der Beschwerdeführerin bereits seit dem Jahr 2008 in der Schweiz aufhält, er gemäss ihren Angaben in der Beschwerde "schon seit mehreren Jahren" an (…) leidet (vgl. den mit der Beschwerde eingereichten Arztbericht vom 21. Oktober 2014) , die Beschwerdeführerin selbst aber erst im Juli dieses Jahres in die Schweiz gelangte, gegen das Vorliegen eines Abhängigkeitsverhältnisses spr e- chen, dass sich sodann weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin an- lässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs in Bezug auf die Ka n- tonszuweisung noch aus den mit der Beschwerde eingereichten Ste l- lungnahmen der Beschwerdeführerin und ihres Bruders vom 21. Oktober D-6107/2014 Seite 9 2014 Anhaltspunkte für das Vorliegen eines Abhängigkeitsverhältnisses ergeben (vgl. A 6/2), dass dem in der Beschwerde zitierten Urteil des EuGH ein anderer Sach- verhalt zugrunde lag, weshalb die Beschwerdeführerin daraus nichts zu ihren Gunsten abzuleiten vermag, dass sich die Beschwerdeführerin somit mangels eines Abhängigkeits- verhältnisses weder auf Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO noch auf Art. 8 EMRK berufen kann, dass sie im Übrigen auch deshalb keine Ansprüche aus Art. 8 EMRK ab- leiten kann, weil ihr Bruder in der Schweiz lediglich vorläufig aufgeno m- men wurde und dementsprechend – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – nicht über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht ve r- fügt (vgl. BGE 126 II 335), dass die Beschwerdeführerin in der Beschwerde des Weiteren auf zah l- reiche Berichte zu den Zuständen in Italien verwies und geltend machte, die Lebensbedingungen in Italien hätten e inen so verheerenden Zustand erreicht, dass jede Überstellung einer verletzlichen Person unmenschl i- che und erniedrigende Behandlung im Sinne v on Art. 3 EMRK mit sich bringe, dass die chronische Überlastung des italienischen Asylsystems für sie bedeuten würde, dass sie allerspätestens nach kurzer Zeit in einem Au f- nahmezentrum auf der Strasse landen würde, wo sie keinerlei staatliche Unterstützung erhalten würde und ohne Zugang zu medizinischen Dienst- leistungen wäre, dass sie in Armut und Obdachlosigkeit verkümmern müsste und als junge Frau auf der Strasse ohne Bezugsperson (wie bereits in Eritrea) sexuel- len Übergriffen ausgesetzt wäre, dass eine Wegweisung möglicherweise katastrophale Auswirkungen auf ihren psychischen Zustand habe, was in einer Gesamtwürd igung ebe n- falls zu berücksichtigen sei, dass sie mit diesen Vorbringen ebenfalls einen Selbsteintritt der Schweiz gestützt auf Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) ve r- langt, D-6107/2014 Seite 10 dass diesbezüglich festzuhalten ist, dass die Beschwerdeführerin kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan hat, die italienischen Behörden würden sich weigern, sie aufzunehmen und ihren Antrag auf internationa- len Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen, dass sie mit ihren in der Beschwerde geschilderten Befürchtungen auch keine konkreten Hinweise für die Annahme dargetan hat, Italien würde ihr dauerhaft die ihr gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen L e- bensbedingungen vorenthalten, und sie sich bei einer vorübergehenden Einschränkung im Übr igen nötigenfalls an die italienischen Behörden wenden und die ihr zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechts- weg einfordern könnte (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie), dass sodann darauf hinzuweisen ist, dass in Italien insbesondere für b e- sonders verletzliche Personen, darunter auch für Dublin -Rückkehrende, in den Aufnahmezentren Plätze reserviert sind und gemäss Stellungna h- me des italienischen Staates zudem die notwendigen medizinischen Vo r- kehrungen für diese Personen getroffen würden, sofern der überstellende Staat eine Person als solche bezeichne (vgl. Urteil des EGMR a.a.O., § 43 und 45), dass allfällige psychische Leiden auch in Italien behandelt werden kö n- nen, dass es nach de m Gesagten (bei einer Gesamtwürdigung) keinen Grund für einen Selbsteintritt der Schweiz gibt und an dieser Stelle festzuhalten bleibt, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3), dass die weiteren Beschwerdevorbringen und die eingereichten Bewei s- mittel nicht geeignet sind, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewi r- ken, weshalb es sich erübrigt darauf einzugehen, dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetre- ten ist und – weil die Beschwerdeführerin nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), D-6107/2014 Seite 11 dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nich t- eintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10), dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verf ü- gung des BFM zu bestätigen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb sich die Anträge auf Anordnung v orsorglicher Massnahmen wie Erteilung der aufschiebenden Wirkung beziehungsweise Anweisung der Vollzugsbehörden, bis zum Entscheid über das vorliegende Recht s- mittel von jeglichen Vollzugshandlungen abzusehen, welche ohnehin nur für die Dauer des Beschwerdeverfahrens wirksam sind, als gegenstands- los erweisen, dass das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses mit vorliegendem Entscheid in der Hauptsache hinfällig wird, dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeic h- nen waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind, dass folglich auch das Gesuch um Gewährung d er unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-6107/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Sandra Sturzenegger Versand: