<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">[AZA 0/2] </div> <div class="para">5P.449/2000/ZBE/bnm </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II. Z I V I L A B T E I L U N G ******************************** </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">26. Januar 2001 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Reeb, Präsident der II. Zivilabteilung, </div> <div class="para">Bundesrichter Bianchi, Bundesrichter Merkli sowie </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Zbinden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para">Z.________, Beschwerdeführerin, vertreten durch Fürsprecher Mark Sollberger, Dufourstrasse 18, Postfach, 3000 Bern 6, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para">Y.________, Beschwerdegegner, vertreten durch Fürsprecherin Marianne Jacobi, Amthausgasse 28, Postfach 6873, 3001 Bern, Appellationshof des Kantons Bern, II. Zivilkammer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para">vorsorgliche Massnahmen im Ehescheidungsverfahren, </div> <div class="para">wird festgestellt und in Erwägung gezogen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.-Am 3. Februar 1993 unterzeichneten Y.________ und Z.________ im Rahmen des Eheschutzverfahrens eine Trennungsvereinbarung, in der sich der Ehemann verpflichtete, der Ehefrau monatlich und im Voraus Unterhaltsbeiträge von Fr. 1'100.-- zu bezahlen. Seit Mai 1994 ist zwischen den Parteien ein Scheidungsverfahren hängig. Mit Eingabe vom 3. Februar 2000 ersuchte der Ehemann gestützt auf <span class="artref">Art. 137 ZGB</span> darum, die Unterhaltsbeiträge, die die Parteien einander schulden, für die Dauer des Scheidungsverfahrens neu festzusetzen, was der Gerichtspräsident 4 des Gerichtskreises V A.________ mit Entscheid vom 23. Mai 2000 ablehnte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Appellationshof des Kantons Bern hiess am 16. Oktober 2000 die Appellation des Ehemannes gut und setzte dessen monatlich im Voraus zahlbaren Unterhaltsbeitrag auf Fr. 750.-- herab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Ehefrau führt staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung von <span class="artref">Art. 8 Abs. 1 und <artref id="CH/101/9" type="start"></artref>Art. 9 BV</span><artref id="CH/101/8/1" type="end"></artref> mit dem Antrag, den Entscheid des Appellationshofs aufzuheben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Ehemann verweist in seiner Vernehmlassung einzig auf seine Eingabe an das Obergericht vom 13. November 2000 zur Frage der Berichtigung des angefochtenen Entscheids, stellt aber keinen Antrag zur Sache. Der Appellationshof hat sich nicht vernehmen lassen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die gegen den Entscheid des Appellationshofs eingereichte staatsrechtliche Beschwerde des Ehemannes ist am 22. Dezember 2000 abgewiesen worden (5P. 447/2000). </div> <div class="para">2.-Der Verweis des Beschwerdegegners auf die Eingabe vom 13. November 2000 an das Obergericht erweist sich als unzulässig (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=16.01.2001&amp;to_date=04.02.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F115-IA-27%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page27">BGE 115 Ia 27</a> E. 4a S. 30); er ist folglich unbeachtlich. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.-Die von der Beschwerdeführerin verlangte Abänderung des Urteils infolge irrtümlicher Feststellung des Sachverhaltes kann nicht auf dem Wege der Berichtigung (<span class="artref">Art. 334 Abs. 2 ZPO</span>/BE) bewirkt werden, kann doch das Gericht auf das einmal gefällte Urteil nicht zurückkommen (Leuch/Marbach/Kellerhals/Sterchi, Die Zivilprozessordnung für den Kanton Bern, 5. Aufl. Bern 2000, N. 3a zu <span class="artref">Art. 334 ZPO</span>/BE). Der angefochtene Entscheid gilt damit als letztinstanzlich, so dass auf die staatsrechtliche Beschwerde grundsätzlich eingetreten werden kann (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=16.01.2001&amp;to_date=04.02.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F100-IA-12%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page12">BGE 100 Ia 12</a> E. 1 S. 14; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=16.01.2001&amp;to_date=04.02.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F109-IA-81%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page81">109 Ia 81</a> E. 1 S. 83 mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.-Als willkürlich beanstandet die Beschwerdeführerin einzig, der Appellationshof habe in ihrem Existenzminimum die Steuern lediglich mit einen Betrag von Fr. 320.-- berücksichtigt, obwohl vor Appellationsinstanz ein solcher von Fr. 1'187.-- ausgewiesen gewesen sei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Appellationshof hat den von der Beschwerdeführerin vorgetragenen Sachverhalt in einem internen Aktenvermerk eingeräumt und ausserdem bemerkt, dass das Gesuch des Beschwerdegegners um Abänderung des Unterhaltsbeitrages bei Berücksichtigung der effektiven Steuern hätte abgewiesen werden müssen. In der Tat ergibt die Berücksichtigung der effektiven Steuern von Fr. 1'187.-- ein Existenzminimum der Beschwerdeführerin von Fr. 3'373.--, folglich ein Gesamtexistenzminimum von Fr. 7'784.-- und damit einen Überschuss von Fr. 1'720.-- (Fr. 9'504.-- ./. Fr. 7'784.--), wovon Fr. 60.-- der Beschwerdeführerin gutzuschreiben sind. Damit beläuft sich ihr Anspruch auf insgesamt Fr. 4'233.-- (Fr. 3'373.-- + Fr. 860.--), den sie im Umfang von Fr. 3'063.-- durch Eigenverdienst deckt. Der Unterhaltsanspruch gegenüber dem Beschwerdegegner betrüge somit Fr. 1'170.-- (Fr. 4'233.-- ./. Fr. 3'063.--), so dass das Gesuch des Beschwerdegegners um Abänderung des Unterhaltsbeitrages für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens effektiv hätte abgewiesen werden müssen. Der angefochtene Entscheid erweist sich folglich als im Ergebnis willkürlich (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=16.01.2001&amp;to_date=04.02.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-I-257%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page257">BGE 122 I 257</a> E. 5 S. 262<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=16.01.2001&amp;to_date=04.02.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-I-208%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page208">124 I 208</a></span> E. 4a, je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5.-Damit ist die staatsrechtliche Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Entscheid aufzuheben. Der Beschwerdegegner hat sich zwar im Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde nicht vernehmen lassen; er hat jedoch den angefochtenen Entscheid zu Unrecht veranlasst, weshalb ihm die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen sind (<span class="artref">Art. 156 Abs. 1 OG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=16.01.2001&amp;to_date=04.02.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F95-I-313%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page316">BGE 95 I 316</a> E. 4; Messmer/Imboden, Die eidgenössischen Rechtsmittel in Zivilsachen, S. 35 mit weiteren Nachweisen in Fn. 19). Zudem hat er die Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche Verfahren zu entschädigen (<span class="artref">Art. 159 Abs. 2 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht </div> <div class="para">im Verfahren nach <span class="artref">Art. 36a OG</span>: </div> <div class="para">_________________________________ </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.-Die staatsrechtliche Beschwerde wird gutgeheissen und der Entscheid des Appellationshofs des Kantons Bern, II. Zivilkammer, vom 16. Oktober 2000 aufgehoben. </div> <div class="para">2.-Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- wird dem Beschwerdegegner auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.- Der Beschwerdegegner hat die Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 1'500.-- zu entschädigen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.-Dieses Urteil wird den Parteien und dem Appellationshof des Kantons Bern, II. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">______________ </div> <div class="para">Lausanne, 26. Januar 2001 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. Zivilabteilung des </div> <div class="para">SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para">Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>