Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. April 2014 (720 13 296) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Kein Anspruch auf eine unbefristete Rente, Selbsteingliederung zumutbar Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Marco Albrecht, Advokat, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.9066.3273.06) A. Der 1977 geborene A.____ arbeitete als Servicean gestellter in der Café Bar B.____. Am 7. April 2010 meldete er sich wegen Rückenschmerzen zum Leistungsbezug bei der Invaliden- versicherung an. Mit Verfügung vom 10. September 20 13 sprach die IV-Stelle gestützt auf das Gutachten der C.____ vom 6. September 2012 A.____ e ine befristete ganze IV-Rente von Ja- nuar 2011 bis 31. Dezember 2012 zu. Seite 2 B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Marco Albrecht, mit Ein- gabe vom 14. Oktober 2013 Beschwerde ans Kantonsgeric ht, Abteilung Sozialversicherungs- recht. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Ausrichtung einer unbefristeten ganzen IV-Rente. Eventualtier sei ihm ei ne halbe IV-Rente zuzusprechen. Die Verfügung setze sich mit der Frage der Wechselwirkung der in neurologischer und in rheumato- logischer Hinsicht festgestellten Arbeitsunfähigkeiten ni cht auseinander. So sei nicht auszu- schliessen, dass aus einer gesamtheitlichen Betrachtung eine rentenauslösende Arbeitsunfä- higkeit hervorgehe. Insbesondere werde die vom Neurolo gen aufgeworfene Frage der schritt- weisen Erhöhung der Arbeitsfähigkeit mit keinem Wort behandelt. Der Einwand, wonach die Entwicklung von einer vollen Arbeitsunfähigkeit zu eine r 100%igen Arbeitsfähigkeit von einem Monat auf den anderen unmöglich sei, werde in der ang efochtenen Verfügung nicht widerlegt. Vor dem Rentenentscheid wären zudem berufliche Abklärun gen vorzunehmen gewesen. Der rheumatologische Gutachter habe solche explizit erwähnt. Insofern stehe dem Beschwerdefüh- rer bis zum Ergebnis dieser Abklärungen weiterhin eine volle IV-Rente zu. C. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 2 2. November 2013 die Abweisung der Beschwerde. In Bezug auf die Frage der Wechselwirku ng sei eine Rückfrage erfolgt. Es sei bestätigt worden, dass aus gesamtmedizinischer Sicht eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Verweistätigkeit gegeben sei (vgl. Ber icht vom 1. November 2013). Aus medizinischer Sicht sei die 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 12. Januar 2011 damit begründet worden, dass sich der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt nach der durchgeführten Fenest- ration, Recessus-Resektion und Disektomie L5/S1 links vom 4. November 2010 weiterhin in der postoperativen Rekonvaleszensphase befunden und somit noch kein stabiler Gesundheitszu- stand vorgelegen habe. Bereits ab dem 20. April 2011 se ien die behandelnden Rheumatologen von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer leidensange passten Tätigkeit ausgegangen, d.h. ab Ende April 2011 sei seitens der Wirbelsäule ein Endzustand eingetreten. Da in der Folgezeit bis zum Zeitpunkt der Untersuchung im Rahmen des Gutachtens vo m September 2012 keine echt- zeitliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit mehr vorgenom men worden sei, könne die Arbeits- fähigkeit erst ab dann zuverlässig beurteilt werden. Im angefochtenen Entscheid sei zugunsten des Beschwerdeführers von Ende April 2011 bis zum Gutacht enszeitpunkt von einer vollständi- gen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen worden, obwohl e ventuell eine höhere Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe (vgl. Bericht vom 1. November 2013). In Bezug auf die beruflichen Massnah- men habe der Gutachter Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologie, diese als zumutbar bezeichnet, während sie im Rahmen der Gesamtbeu rteilung als empfehlenswert be- trachtet worden seien. Daraus könne nicht auf eine zwing ende Durchführung solcher Mass- nahmen vor Erlass der Rentenverfügung geschlossen werden . Es stehe dem Versicherten frei, ein entsprechendes Gesuch zu stellen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 1. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführ er Anspruch auf eine unbefristete IV- Rente hat. 1.1 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende od er längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Di e Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 1.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad bei erwerbstätigen Versicherten auf- grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird da s Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Eink ommensdifferenz der IV-Grad bestim- men lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136). 2. Auf die rückwirkende Zusprechung einer befristeten I V-Rente sind die für die Renten- revision geltenden Bestimmungen analog anzuwenden (Art . 17 Abs. 1 ATSG und Art. 88a der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Nach der Rechtspre- chung ist die Frage, ob eine erhebliche, d.h. mit Bezu g auf den Invaliditätsgrad rentenwirksame Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten i st, durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügun g bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der streitigen Revisionsverfügung zu beurteilen (BGE 130 V 351 E. 3.5.2). Wird rück- wirkend eine befristete Rente zugesprochen, sind einer seits der Zeitpunkt des Rentenbeginns und anderseits der in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzende Zeitpunkt der Rentenherabsetzung oder -aufhebung die massgebenden Vergleichszeitpunkte. 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob das polydisziplinäre Gutachten der C.____ vom 6. September 2012 den bewei srechtlichen Anforderungen genügt und darauf abgestellt werden kann. Die Gutachter kamen zum Schluss, dass der Beschwerde- Seite 4 führer in einer angepassten Tätigkeit zu 70% arbeitsf ähig sei. Der Versicherte stellt einerseits die Beweiskraft des Gutachtens bezüglich Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in Frage. Anderseits macht er mangelnde Eingliederungsmassnahmen seitens der IV-Stelle geltend. 4.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arb eitsunfähigkeit die durch eine Be- einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundh eit bedingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme Seite 5 als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht s vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 5.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung de r Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf das Gutachten vom 6. September 2012 ab, wonach ihm die erlernte Tätigkeit als Plattenleger und vergleichbare wirbelsäulen-, kniegelenk- sowie schulte rbelastende Tätigkeiten nicht mehr zumutbar seien. Auch für die letzte Tätigkeit an der Bar bei der B.____ seien die Anforderungen bezüglich Heben und Tragen von Gewichten zu hoch. Körp erlich leichte bis höchstens gele- gentlich mittelschwere Tätigkeiten seien dagegen zumutb ar, sofern diese nicht regelmässige über Kopf Arbeiten, repetitives Heben, Stossen oder Z iehen von Lasten von mehr als 10 kg beinhalteten und nicht überwiegend kniende oder kauern de Arbeiten bzw. ausschliessliches Gehen oder Stehen bedingten. Für solche Tätigkeiten li ege die Arbeitsfähigkeit bei 70% (vgl. auch Schreiben der C.____ vom 29. November 2012). 5.2 Gemäss Gutachten der C.____ vom 6. September 201 2 wurde der Versicherte in rheu- matologischer, neurologischer und psychiatrischer Hinsicht un tersucht. In der Gesamtbeurtei- lung stellten die Gutachter als Diagnosen mit Einfluss a uf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom, persistierende Schulter schmerzen rechts sowie eine be- ginnende Gonarthrose links fest. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien unter anderem ein ausgeprägtes, teils inkonstantes Schmerzvermeidungsverha lten, eine fixierte Krankheits- und Behinderungsüberzeugung, eine inkonstante muskuläre HWS-Beweglichkeitseinschränkung mit muskulären Verspannungen, eine Plantarfascien-Enthesiopa thie beidseits bei Valgus-Knick- Senkfussdeformität beidseits sowie ein femoro-azetabulä res Impingement vom CAM-Typ der linken Hüfte. Die medizinischen Beurteilungen und Diagnosen werden ni cht beanstandet. Diesbezüglich kommt dem Gutachten ohne weiteres volle Beweiskraft zu. E s wird einzig geltend gemacht, Seite 6 dass allfälligen Wechselwirkungen bei der Bemessung der Arbeitsfähigkeit keine Beachtung geschenkt worden sei. 5.3 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers fand e ine eingehende Auseinander- setzung mit den Wechselwirkungen der neurologisch und rhe umatologisch bedingten Ein- schränkungen anlässlich der Konsensbesprechung statt. Die die sbezügliche Rüge des Be- schwerdeführers ist somit unbegründet. Richtig ist aber , dass die Gutachter sich bezüglich der Arbeitsfähigkeit aus gesamtmedizinischer Sicht mit der Formulierung, dass eine „Arbeitsfähig- keit von 80% (Pensum) mit einer Leistungsfähigkeit von 70% zumutbar sei“ unklar ausdrückten. Eine Nachfrage der Beschwerdegegnerin (vgl. Schreiben v om 20. November 2012) ergab in- dessen, dass der Versicherte zu 70% arbeitsfähig sei (vgl . Schreiben der C.____ vom 29. No- vember 2012). Dieses Ergebnis lässt sich auch aufgrund der Einzelgutachten gut nachvollzie- hen, indem der rheumatologische Facharzt Dr. D.____ ein e Arbeitsfähigkeit von 70% in einer Verweistätigkeit attestierte und der neurologische Fac harzt Dr. E.____ eine solche von 80%. Gesamtmedizinisch erachteten sie schliesslich eine Tätigkeit zu 70% als zumutbar. 6.1 Der Versicherte macht weiter geltend, dass die vom neurologischen Gutachter aufge- worfene Frage der schrittweisen Erhöhung der Arbeits fähigkeit mit keinem Wort behandelt wor- den sei. Der Einwand, wonach die Entwicklung von einer vo llständigen Arbeitsunfähigkeit zu einer vollen Arbeitsfähigkeit von einem Moment auf den anderen unmöglich sei, werde in der angefochtenen Verfügung nicht widerlegt. Es sei jedenfa lls völlig undenkbar, dass der Versi- cherte ohne Unterstützung plötzlich wieder voll arbeiten könne. Neben einer schrittweisen Er- höhung der Arbeitsfähigkeit hätten auch berufliche Ab klärungen erfolgen müssen. Bis zum Ab- schluss dieser Abklärungen habe er Anspruch auf die volle IV-Rente. Die IV-Stelle vertritt dage- gen die Auffassung, dass die behandelnden Rheumatologen bereits ab 20. April 2011 von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit ausgegangen seien, weil die Rekon- valeszenz der LWS zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen gewese n sei und der Endzustand ein- getreten sei. Zufolge Fehlens einer echtzeitlichen Beu rteilung der Arbeitsfähigkeit zwischen April 2011 und dem C.____-Gutachten vom 6. September 2012 könne die Arbeitsfähigkeit erst ab Gutachtenszeitpunkt verlässlich beurteilt werden. Sie sei deshalb zugunsten des Beschwer- deführers von einer vollen Arbeitsunfähigkeit bis 6. Sep tember 2012 ausgegangen, obwohl wahrscheinlich bereits vorher eine Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Ferner habe der rheumato- logische Gutachter lediglich berufliche Massnahmen als zum utbar bezeichnet, während solche in der Gesamtbeurteilung als empfehlenswert erachtet w orden seien. Dies heisse jedoch nicht, dass solche Massnahmen zwingend vor dem Rentenentscheid durchzuführen gewesen wären. 6.2 Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notw endig und geeignet sind, die Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenber eich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a); und die Vorauss etzungen für den Anspruch auf die ein- zelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Seite 7 6.3 Der Beschwerdeführer erhält rückwirkend eine volle IV -Rente für zwei Jahre vom 1. Ja- nuar 2011 bis 31. Dezember 2012. Wie die Vorinstanz r ichtig ausführte, attestierten die behan- delnden Rheumatologen des F.____ ab April 2011 eine volle Arbeitsfähigkeit (vgl. Bericht vom 12. Juli 2011). Aus neurologischer Sicht erachtete der F acharzt des F.____ den Versicherten 5 Stunden täglich bzw. 62,5% arbeitsfähig, wobei das Pe nsum schrittweise von 3 auf 5 Stunden zu erhöhen sei (vgl. Bericht vom 12. April 2011). Über ein Jahr später kamen die Gutachter der C.____ zum Schluss, dass der Versicherte seit April 2011 zu 70% arbeitsfähig sei. Eine Emp- fehlung zur schrittweisen Erhöhung des Pensums fehlt in d er Konsensbeurteilung der Gutach- ter. Eine solche findet sich einzig im Einzelgutachten d es Neurologen, welcher die Empfehlung gemäss Bericht des F.____ ohne weitere Begründung über nahm. Die IV-Stelle stützte sich letztlich auf die Ergebnisse der Konsensbesprechung, was nicht zu beanstanden ist. Die invol- vierten Gutachter beurteilten die Arbeitsfähigkeit gem einsam. Eine schrittweise Erhöhung des Pensums erachteten sie offenbar als nicht notwendig. Auch wird nicht eine Leistung von 0 % auf 100 % vom Versicherten verlangt, sondern eine leid ensangepasste Tätigkeit von 70%. In Bezug auf berufliche Massnahmen wird seitens der Gutach ter eine Abklärung bzw. ein Arbeits- training empfohlen, da der Versicherte noch relativ jun g sei. Eine Notwendigkeit solcher Mass- nahmen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag k ann daraus jedoch nicht abgeleitet wer- den. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die IV-Stelle als Verweistätigkeit von einer Hilfsarbei- tertätigkeit ausgegangen ist. Für eine berufliche Neu orientierung bedarf es keiner besonderen Kenntnisse, da dem Beschwerdeführer an sich eine Vielzahl an behinderungsangepassten Hilfsarbeitertätigkeiten offenstehen. Dem Versicherten können deshalb die notwendigen Schrit- te zur Eingliederung überantwortet werden. Nicht zulet zt ist fraglich, ob Eingliederungsmass- nahmen erfolgreich durchgeführt werden können. Die C._ ___-Gutachter verweisen nämlich auf irreversible Reintegrationshindernisse vor allem in Form einer fixierten Krankheits- und Behin- derungsüberzeugung. 7. Die IV-Stelle hat folglich zu Recht eine befriste te IV-Rente verfügt. Spätestens am 6. September 2012 ist von einer massgebenden Gesundheitsverbesserung und einer Arbeitsfä- higkeit von 70% auszugehen. Gemäss Einkommensvergleich resu ltierte ein IV-Grad von 37%, womit ab September 2012 kein Anspruch mehr auf eine IV-Rente besteht. Da der Einkom- mensvergleich nicht beanstandet wird, besteht kein Anl ass für eine nähere Prüfung von Amtes wegen (BGE 125 V 413 E. 1b und 2c). Die IV-Stelle ha t richtigerweise die IV-Rente in Anwen- dung von Art. 88a Abs. 1 IVV noch bis Ende Dezember 20 12 ausgerichtet. Die Beschwerde ist demgemäss abzuweisen. 8. Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahre n bei Streitigkeiten um die Bewil- ligung oder Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kant onalen Versicherungsgericht kosten- pflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassun gs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahre nskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist der Beschwerdeführer un- Seite 8 terliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Gemäss Ausgang des Verfahrens werden die ausserordentlichen Kosten wet tgeschlagen. Der Beschwerdeführer hat nun allerdings mit Eingabe vom 14. Oktober 2013 ein Gesuch um unentgeltliche Prozess- führung und unentgeltliche Verbeiständung gestellt. Ge mäss § 22 Abs. 1 VPO wird eine Partei, der die nötigen Mittel fehlen und deren Beschwerde n icht offensichtlich als aussichtslos er- scheint, auf ihr Begehren von der Bezahlung der Verfahr enskosten und der Kosten von Be- weismassnahmen befreit. Gestützt auf Art. 61 lit. f ATSG in Verbindung mit § 22 Abs. 2 VPO wird der Beschwerde führenden Person unter denselben Vo raussetzungen ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wenn zusätzlich die anwaltlich e Verbeiständung notwendig oder doch geboten ist. Für den Entscheid über die Bewilligung d er unentgeltlichen Prozessführung bezie- hungsweise der unentgeltlichen Verbeiständung hat die v ersicherte Person ihre aktuellen Ein- kommens- und Vermögensverhältnisse umfassend darzustellen und soweit als möglich zu be- legen. Gemäss Verfügung der IV-Stelle vom 10. Septembe r 2013 erhielt der Beschwerdeführer Rentennachzahlungen in der Höhe von Fr. 84‘216.--. Im Zeitpunkt des Gesuchs am 14. Oktober 2013 kann folglich nicht von einer Bedürftigkeit des Ve rsicherten gesprochen werden. Das Ge- such um unentgeltliche Rechtspflege ist demnach abzuweisen. Seite 9 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgew iesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. 4. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 11.09.2014 Beschwerde beim Bun- desgericht ( Verfahren-Nr. 8C_655/2014 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht