<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 2 S.24</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">24</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>2</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 129 Abs. 1 ZGB.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Eine Sistierung der Unterhaltsrente kommt in Betracht, wenn mit Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stimmtheit oder grosser Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass die ur-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sprüngliche Leistungsfähigkeit der verpflichteten Person oder der ur-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sprüngliche Unterhaltsbedarf der berechtigten Person sich wieder einstel-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>len werden. Ist auf Seiten des Unterhaltsschuldners eine Verschlechte-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rung der wirtschaftlichen Verhältnisse eingetreten, welche zwar erheblich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ist und über längere Zeit andauert, der endgültige Charakter der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Veränderung aber trotzdem nicht feststeht, kann in solchen Fällen ein</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Wiederherstellungs- oder Wiedererhöhungsvorbehalt angeordnet wer-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den, wonach die aufgehobene oder herabgesetzte Scheidungsrente bis</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zum im Scheidungsurteil festgesetzten Betrag wieder hergestellt oder er-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>höht wird, wenn und soweit auch die frühere Leistungsfähigkeit des Ren-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tenschuldners wieder eintritt.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">25</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Zivilgericht, 1. Kammer, vom</span><br/> <span class="ft3">21. Februar 2006 in Sachen O.S. gegen U.M.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">9.</span><br/> <span class="ft1">Die Sistierung des Unterhaltsbeitrags bewirkt, dass die</span><br/> <span class="ft1">unterhaltspflichtige Person während der Dauer der Sistierung von der</span><br/> <span class="ft1">Pflicht zur Unterhaltsleistung entbunden ist. Mit Ablauf der Frist lebt</span><br/> <span class="ft1">der Unterhaltsanspruch wieder auf (Sutter/Freiburghaus, Kommentar</span><br/> <span class="ft1">zum neuen Scheidungsrecht, Zürich 1999, N 38, 39 zu Art. 129</span><br/> <span class="ft1">ZGB; Schwenzer, in: Schwenzer, FamKomm Scheidung, Bern 2005,</span><br/> <span class="ft1">N 30 zu Art. 129 ZGB). Eine Sistierung der Unterhaltsrente kommt</span><br/> <span class="ft1">daher in Betracht, wenn mit Bestimmtheit oder grosser Wahrschein-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit anzunehmen ist, dass die ursprüngliche Leistungsfähigkeit</span><br/> <span class="ft1">der verpflichteten Person oder der ursprüngliche Unterhaltsbedarf</span><br/> <span class="ft1">der berechtigten Person sich wieder einstellen werden (Sut-</span><br/> <span class="ft1">ter/Freiburghaus, a.a.O., N 32 zu Art. 129 ZGB).</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall fehlt es bereits an dieser Sistierungs-</span><br/> <span class="ft1">voraussetzung. Wie die Vorinstanz und auch die Parteien festgestellt</span><br/> <span class="ft1">haben, ist offen, ob, wann und allenfalls in welcher Höhe der Kläger</span><br/> <span class="ft1">IV-Rentenleistungen erhalten und/oder ob er (teilweise) wieder ins</span><br/> <span class="ft1">Erwerbsleben eintreten wird. Selbst wenn mit grosser Wahrschein-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit davon auszugehen wäre, dass dem Kläger in absehbarer Zeit</span><br/> <span class="ft1">eine Invalidenrente zugesprochen wird, stünde völlig dahin, ob er</span><br/> <span class="ft1">damit seine ursprüngliche Leistungsfähigkeit wieder erlangt. Dies</span><br/> <span class="ft1">gilt umso mehr, wenn der Rentenentscheid negativ ausfällt. Die von</span><br/> <span class="ft1">der Vorinstanz "bis zur Klärung seiner IV-Rentenberechtigung" ange-</span><br/> <span class="ft1">ordnete Sistierung der Unterhaltspflicht des Klägers ist daher aufzu-</span><br/> <span class="ft1">heben.</span><br/> <span class="ft1">10.</span><br/> <span class="ft1">10.1.</span><br/> <span class="ft1">Eine aufgehobene oder herabgesetzte Scheidungsrente kann</span><br/> <span class="ft1">nachträglich nicht mehr neu festgelegt oder erhöht werden (BGE 120</span><br/> <span class="ft1">II 5 Erw. 5d), was bei der Urteilsfindung im Abänderungsverfahren</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">26</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Schwierigkeiten bereitet, wenn die Verschlechterung der wirtschaftli-</span><br/> <span class="ft1">chen Verhältnisse auf Seiten des Rentenschuldners zwar erheblich ist</span><br/> <span class="ft1">und über längere Zeit andauert, der endgültige Charakter der Verän-</span><br/> <span class="ft1">derung aber trotzdem noch nicht feststeht. Diesen Schwierigkeiten</span><br/> <span class="ft1">kann gemäss Lehre und Rechtsprechung mit einem Wiederherstel-</span><br/> <span class="ft1">lungs- oder Wiedererhöhungsvorbehalt begegnet werden, wonach die</span><br/> <span class="ft1">aufgehobene oder herabgesetzte Scheidungsrente bis zum im Schei-</span><br/> <span class="ft1">dungsurteil festgesetzten Betrag wieder hergestellt oder erhöht wird,</span><br/> <span class="ft1">wenn und soweit auch die frühere Leistungsfähigkeit des Renten-</span><br/> <span class="ft1">schuldners wieder eintritt. Über die Erfüllung dieser Bedingung ent-</span><br/> <span class="ft1">scheidet im Streitfall das Abänderungsgericht (BGE 5C.84/2005</span><br/> <span class="ft1">Erw. 2.3 mit Hinweisen auf die Literatur und Rechtsprechung).</span><br/> <span class="ft1">10.2.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend ist rechtsgenüglich ausgewiesen, dass dem Kläger</span><br/> <span class="ft1">seit April 2005 die Leistungsfähigkeit zur Verpflichtung zu Unter-</span><br/> <span class="ft1">haltszahlungen an die Beklagte fehlt. Da diese Situation bereits rund</span><br/> <span class="ft1">10 Monate andauert, der Kläger nach wie vor arbeitsunfähig ist, ein</span><br/> <span class="ft1">Rentenentscheid der Invalidenversicherung aussteht und völlig un-</span><br/> <span class="ft1">gewiss ist, ob, wann und in welchem Umfang der Kläger seine Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsfähigkeit wieder erlangen und ob er diese auf dem Arbeitsmarkt</span><br/> <span class="ft1">auch noch verwerten könnte, ist die Veränderung seiner wirtschaftli-</span><br/> <span class="ft1">chen Verhältnisse als dauerhaft zu betrachten und seine Unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">pflicht entsprechend dem Anschlussappellationsbegehren Ziff. 2c ab</span><br/> <span class="ft1">dem 1. April 2005 aufzuheben.</span><br/> <span class="ft1">Es ist indessen zu erwarten, dass der Kläger bei dauernder Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsunfähigkeit eine Invalidenrente erhalten oder bei Wiedererlan-</span><br/> <span class="ft1">gung seiner Arbeitsfähigkeit nach einer allfälligen Umschulung wie-</span><br/> <span class="ft1">der ein Erwerbseinkommen erzielen wird. Es besteht somit zumin-</span><br/> <span class="ft1">dest die Wahrscheinlichkeit, dass der Kläger noch vor dem Erlöschen</span><br/> <span class="ft1">seiner Unterhaltspflicht bei Erreichen seines AHV-Alters gemäss</span><br/> <span class="ft1">Scheidungsurteil vom 14. Oktober 1998 des Bezirksgerichts Baden</span><br/> <span class="ft1">wieder eine Leistungsfähigkeit erlangt, die es ihm erlaubt, den im</span><br/> <span class="ft1">Scheidungsurteil festgesetzten Unterhaltsbeitrag ganz oder teilweise</span><br/> <span class="ft1">zu bezahlen. Die Aufhebung der Unterhaltspflicht ist daher mit ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Wiederherstellungsvorbehalt zu versehen. Dabei ist zu beachten,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">27</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dass der Kläger im Rentenfall für die Zeit seit Entstehen des</span><br/> <span class="ft1">Rentenanspruchs bis zum Rentenentscheid unter Umständen eine</span><br/> <span class="ft1">Nachzahlung erhalten wird. Da ein neuer Abänderungsentscheid in</span><br/> <span class="ft1">der Regel frühestens auf den Zeitpunkt der Klage zurückwirkt, ist der</span><br/> <span class="ft1">Rektifikationsvorbehalt rückwirkend auf den Zeitpunkt der Entste-</span><br/> <span class="ft1">hung eines allfälligen Rentenanspruchs auszugestalten. Der Kläger</span><br/> <span class="ft1">ist ausserdem zu verpflichten, die Beklagte umgehend über einen</span><br/> <span class="ft1">Rentenentscheid bzw. über ein allfälliges Erwerbseinkommen zu in-</span><br/> <span class="ft1">formieren.</span><br/></div> </div> </body> </html>