B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5400/2012 U r t e i l v o m 2 2 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter Walter Lang; Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), angeblich Kamerun, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. Oktober 2012 / N (…). D-5400/2012 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 15. Oktober 2011 in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass er anlässlich der Erstbefragung im Empfangs- und Verfahrenszent- rum (EVZ) B._______ vom 31. Oktober 2011 im Wesentlichen vorbrachte, er stamme aus C._______, Kamerun, und habe dort bis zu seiner Ausrei- se mit seiner Schwester zusammengelebt, dass seine Schwester am 19. August 2011 von drei Männern vergewaltigt worden sei, dass er in der Folge einen der Täter erstochen habe und deshalb im Sep- tember 2011 aus Kamerun geflüchtet sei, dass er nie einen Pass oder eine Identitätskarte besessen habe, dass bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten des rechtserheblichen Sachverhalts auf das Protokoll bei den Akten ve r- wiesen wird (vgl. vorinstanzliche Akten A5), dass das BFM aufgrund von Zweifeln an der Herkunft des Beschwerd e- führers ein linguistisches Gutachten erstellen liess, welches ergab, dass dieser mit Sicherheit nicht aus Kamerun, sondern aus D._______ stam- me, dass das BFM dem Beschwerdeführer das Ergebnis der linguistischen Analyse vom 25. Juni 2012 mit Schreiben vom 22. August 2012 zur Kenntnis brachte und ihm Gelegenheit einräumte, sich dazu zu äussern, dass der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom 20. September 2012 daran festhielt, aus Kamerun zu stammen, dass das BFM mit Verfügung vom 3. Oktober 2012 – eröffnet am 10. Oktober 2012 – in Anwendung vo n Art. 32 Abs. 2 Bst. b des Asylge- setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und die Wegw eisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug anordnete, dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anfü hrte, dass aufgrund des Ergebnisses der linguistischen Analyse feststehe, dass der B e-D-5400/2012 Seite 3 schwerdeführer die Behörden über seine Identität und Herkunft getäuscht habe, weshalb auf sein Asylgesuch in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG nicht einzutreten und die Wegweisung aus der Schweiz a n- zuordnen sei, dass der Wegweisungsvollzug zulässig sei, da aufgrund der Täuschung der Behörden über die Identität kein Grund zur Annahme allfälliger Hi n- weise auf die Flüchtlingseigenschaft bestehe und keine Anhalts punkte vorlägen, dass de m Beschwerdeführer eine durch Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschrechte und Grundfre i- heiten (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung drohe, dass der Wegweisungsvollzug auch zumutbar und möglich sei, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. Oktober 2012 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob, worin um Aufhe bung der vorinstanzlichen Verfügung und um Anweisung an das BFM, es sei auf das Asylgesuch einzutreten und ihm zumindest die vorläufige Aufnahme zu gewähren, ersucht wurde, dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht zudem um Verzicht auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses und – im Sinne einer vorsorglichen Massnahme – um Aussetzung des Wegweisungsvollzugs ersucht wurde, dass der Beschwerdeführer unter Verweis auf seine bisherigen Vorbri n- gen bekräftigte, aus der kamerunischen S tadt C._______ zu stammen, die nicht weit von D._____ entfernt sei, und E._______ zu sprechen, das je nach Herkunft unterschiedlich gesprochen werde, dass er zum Beweis seiner Herkunft eine Kopie einer kamerunischen Identitätskarte einreichte und um Ansetzung einer Fris t zur Nachreichung des Originals ersuchte, dass auf die weitere Beschwerdebegründung – soweit entscheidwesent- lich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfah-D-5400/2012 Seite 4 rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuche ns des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsw eise Änd e- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts un d die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu übe r- prüfen (Art. 32 – 35a AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5 S. 116), dass sich demnach die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintr e- tensentscheid als unr echtmässig erachtet – einer selbstständigen mat e- riellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die S a- che zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der [vorma- ligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mat e- riell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt, D-5400/2012 Seite 5 dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche ha ndelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, dass der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung z u- kommt und das Bundesamt diese vorliegend nicht entzogen hat, weshalb sich eine Auseinandersetzung mit dem diesbezüglichen Antrag erübrigt, dass gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG auf Asylgesuche nicht eingetr e- ten wird, wenn Asylsuchende die Behörden über ihre Identität täuschen und diese Täuschung aufgrund der Ergebnisse der erkennungsdienstl i- chen Behandlung oder anderer Beweismittel feststeht, wobei der Begriff der Identität Namen, Vornamen, Staatsangehörigkeit, Ethnie, Geburtsd a- tum, Geburtsort oder Gesc hlecht des Asylsuchenden umfasst (Art. 1 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]), dass im vorliegenden Verfahren das linguistische Gutachten vom 25. Juni 2012 ergab, dass der Beschwerdeführer mit Sicherheit nicht – wie ge l- tend gemacht – aus Kamerun, sondern aus D._______ stammt, dass der linguistischen Analyse erhöhter Beweiswert zukom mt (vgl. EMARK 2003 Nr. 14 E. 7 S. 89), dass sich die Ausführungen des Beschwerdeführers in der Beschwerd e- eingabe im Wesentlichen in einer Wiederholung der bereits im vorinstanz- lichen Verfahren vorgebrachte n Bestreitung der Ergebnisse der linguisti- schen Analyse erschöpfen und an diesen nichts zu ändern vermögen, dass die mit der Beschwerdeeingabe eingereichte Kopie einer am 18. Januar 2009 ausge stellten kamerunischen Identitätskarte das Ergeb- nis der Herkunftsanalyse ebenfalls nicht zu entkräften vermag , zumal an der Echtheit der angeblichen Identitätskarte des Beschwerdefüh rers e r- hebliche Zweifel bestehen, gab er doch bei der Erstbefragung im EVZ B._______ vom 31. Oktober 2011 an, es sei ihm noch nie eine Identität s- karte ausgestellt worden (vgl. A5 S. 5), D-5400/2012 Seite 6 dass zudem die Unterschrift auf der Identitätskarte nicht mit d er akte n- kundigen Unterschrift des Beschwerdeführers übereinstimmt (vgl. A5, A22 und die Beschwerdeeingabe vom 16. Oktober 2012), dass die angebliche Unterschrift des Beschwerdeführers auf der Ident i- tätskarte im Übrigen am falschen Ort – auf der Rück- statt Vorderseite, im Unterschriftsfeld der ausstellenden Behörde – angebracht wurde, dass es sich aufgrund dieser offenkundigen Fälschungsmerkmale erü b- rigt, dem Beschwerdeführer eine Frist zur Nachreichung des Originals der Identitätskarte anzusetzen, und der diesbezügliche Verfahrensantrag ab- zuweisen ist, dass das Verhalten des Beschwerdeführers ein klares Indiz dafür bildet, dass er nicht gewillt ist, seine wahre Identität und Herkunft zu offenbaren, dass mit grosser Sicherheit feststeht, dass der Beschwerdeführer die B e- hörden über seine wahre Identität u nd Herkunft getäuscht hat, weshalb das BFM zu Recht in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG auf des- sen Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbewill i- gung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen b e- steht (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21), wes- halb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Besti m- mungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wu r- de, dass aufgrund der Aktenlage davon ausgegangen werden kann, dass der Beschwerdeführer nicht wie beha uptet aus Kam erun, sondern aus D._______ stammt, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern regelt, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), D-5400/2012 Seite 7 dass bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist und andernfalls wenigs- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs grun d- sätzlich von Amtes wegen zu prüfen sind, diese Untersuchungspflicht j e- doch nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden findet (Art. 8 AsylG), der im Übrigen auch die Substanziie- rungslast trägt (Art. 7 AsylG), und es nicht Sache der Asylbehörden sein kann, nach allfälligen Wegweisungshindernissen in hypothetischen He r- kunftsländern zu forschen, dass der Beschwerdeführer deshalb die Folgen seiner fehlenden Mitwi r- kung respektive der Verheimlichung seiner wahren Identität und Herkunft zu tragen hat, indem vermutungsweise davon auszugehen ist, es würden einer Wegweisung in den t atsächlichen Heimatstaat D._______ keine landes- oder völkerrechtlichen Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2 – 4 AuG entgegenstehen (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2. S. 4f.), dass nach dem Gesagten der vom BFM verfügte Vollzug der Wegwei- sung zu bestätigen ist, dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den recht s- erheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder una n- gemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuwe i- sen ist, dass mit vorliegendem Urteil ohne vorgängige Instruktion das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos ge- worden ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). D-5400/2012 Seite 8 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Guns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand: