<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">71</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>11</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 123 Abs. 2, 124 Abs. 1 ZGB; Art. 25a FZG</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Unmöglichkeit der Teilung nach WEF-Vorbezug:</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Sind bei der Vorsorge- oder Freizügigkeitseinrichtung des pflichtigen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ehegatten infolge WEF-Vorbezug nicht mehr genügend Mittel vor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>handen, um den Anspruch des anderen Ehegatten zu befriedigen, so</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hat der pflichtige Ehegatte den geschuldeten Betrag auf die Vor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sorge- oder Freizügigkeitseinrichtung des berechtigten Ehegatten zu</b></span><br/> <span class="ft2"><b>übertragen.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Verfügt der pflichtige Ehegatte über keine genügenden finanziellen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Mittel und ist eine vertragliche Einigung ausgeschlossen, hat das</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Scheidungsgericht die Teilung des Vorbezugs zu verweigern und dem</b></span><br/> <span class="ft2"><b>berechtigten Ehegatten eine angemessene Entschädigung zuzu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sprechen. Dem Versicherungsgericht fehlt dazu die sachliche Zu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ständigkeit.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 3. Kammer, vom 3. April</span><br/> <span class="ft5">2012 in Sachen J.H. gegen J.H.-T. (VKL.2009.21).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">4.</span><br/> <span class="ft7">4.1.</span><br/> <span class="ft7">Der Anspruch auf Vorsorgeausgleich richtet sich gegen den</span><br/> <span class="ft7">pflichtigen Ehegatten. Soweit die zu teilende Masse bei einer Vor-</span><br/> <span class="ft7">sorge- oder Freizügigkeitseinrichtung liegt, wird der Anspruch so er-</span><br/> <span class="ft7">füllt, dass die Vorsorge- oder Freizügigkeitseinrichtung des schuldne-</span><br/> <span class="ft7">rischen Ehegatten den entsprechenden Betrag an diejenige des Gläu-</span><br/> <span class="ft7">bigers überträgt. Soweit jedoch bei der Vorsorge- oder Freizügig-</span><br/> <span class="ft7">keitseinrichtung des pflichtigen Ehegatten infolge eines Vorbezugs</span><br/> <span class="ft7">nicht mehr genügend Mittel vorhanden sind, um den Anspruch des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">72</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">anderen Ehegatten zu befriedigen, kann sich der Teilungsanspruch</span><br/> <span class="ft7">nicht mehr gegen die Einrichtung richten; vielmehr hat der pflichtige</span><br/> <span class="ft7">Ehegatte den geschuldeten Betrag auf die Vorsorge- oder Freizügig-</span><br/> <span class="ft7">keitseinrichtung des berechtigten Ehegatten zu übertragen (BGE 135</span><br/> <span class="ft7">V 324 E. 5.2.2, 135 V 428 E. 3 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft7">4.2.</span><br/> <span class="ft7">Den Scheidungsakten ist zu entnehmen, dass der Kläger über</span><br/> <span class="ft7">keine genügenden finanziellen Mittel verfügt, um die vorstehend be-</span><br/> <span class="ft7">rechnete Ausgleichszahlung zu leisten. In BGE 135 V 324 hat das</span><br/> <span class="ft7">Bundesgericht verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie die For-</span><br/> <span class="ft7">derung des ausgleichsberechtigten Ehegatten durch den Ehegatten,</span><br/> <span class="ft7">der seine Mittel der beruflichen Vorsorge für Wohneigentum zum ei-</span><br/> <span class="ft7">genen Bedarf vorbezogen hat, getilgt werden kann. Ausgangspunkt</span><br/> <span class="ft7">bildet dabei die Annahme, dass der ausgleichspflichtige Ehegatte Ei-</span><br/> <span class="ft7">gentümer der Liegenschaft bleibt, für die der Vorbezug verwendet</span><br/> <span class="ft7">wurde. Es bestehen unter anderem folgende Möglichkeiten: (1.)</span><br/> <span class="ft7">Wurden nicht sämtliche Mittel der beruflichen Vorsorge vorbezogen,</span><br/> <span class="ft7">ist die Ausgleichsforderung des anderen Ehegatten durch die noch</span><br/> <span class="ft7">vorhandene Freizügigkeitsleistung zu tilgen. (2.) Verfügt der aus-</span><br/> <span class="ft7">gleichspflichtige Ehegatte über genügend Vermögen, kann er den ge-</span><br/> <span class="ft7">schuldeten Betrag an seine Vorsorgeeinrichtung zurückbezahlen, die</span><br/> <span class="ft7">den Anspruch des anderen Ehegatten durch Übertragung einer Frei-</span><br/> <span class="ft7">zügigkeitsleistung erfüllt. (3.) Durch Gestaltungsurteil kann dem</span><br/> <span class="ft7">ausgleichsberechtigten Ehegatten die bedingte Forderung auf vorzei-</span><br/> <span class="ft7">tige Rückzahlung des Vorbezugs ganz oder teilweise übertragen wer-</span><br/> <span class="ft7">den. (4.) Ist zwischen den Ehegatten eine vertragliche Einigung er-</span><br/> <span class="ft7">zielbar, kann die Fälligkeit der Forderung, die dem ausgleichsbe-</span><br/> <span class="ft7">rechtigten Ehegatten zusteht, für eine bestimmte Zeitspanne aufge-</span><br/> <span class="ft7">schoben werden, wobei die Forderung durch ein Grundpfand auf</span><br/> <span class="ft7">dem Wohneigentum zu sichern ist und die Vorsorgeeinrichtungen</span><br/> <span class="ft7">beider Ehegatten in die Vereinbarung einbezogen werden müssen.</span><br/> <span class="ft7">(5.) Ist eine vertragliche Einigung ausgeschlossen und verfügt der</span><br/> <span class="ft7">ausgleichspflichtige Ehegatte über keine finanziellen Mittel, um den</span><br/> <span class="ft7">Anspruch des anderen Ehegatten aus beruflicher Vorsorge unverzüg-</span><br/> <span class="ft7">lich zu erfüllen, verbleibt nur mehr als Lösung, dass das Gericht die</span><br/> <span class="ft7">Teilung des Vorbezugs verweigert (Art. 123 Abs. 2 ZGB) und dem</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">73</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">ausgleichsberechtigten Ehegatten eine angemessene Entschädigung</span><br/> <span class="ft7">(Art. 124 Abs. 1 ZGB) in der Höhe der geschuldeten Austrittsleistung</span><br/> <span class="ft7">zuspricht, die der ausgleichspflichtige Ehegatte in Raten abzuzahlen</span><br/> <span class="ft7">hat (vgl. BGE 137 III 49 E. 3.4.3, 135 V 324 E. 5.2.1 S. 329 ff. mit</span><br/> <span class="ft7">Hinweisen).</span><br/> <span class="ft7">4.3.</span><br/> <span class="ft7">Die vorerwähnten Varianten 3 bis 5 können allein vom Schei-</span><br/> <span class="ft7">dungsgericht festgelegt bzw. angeordnet werden. Dem Ver-</span><br/> <span class="ft7">sicherungsgericht fehlt dazu die sachliche Zuständigkeit, ist es doch</span><br/> <span class="ft7">im Rahmen der Teilung der Freizügigkeitsleistungen nach Eheschei-</span><br/> <span class="ft7">dung nur für die Umsetzung der vom Scheidungsgericht angeordne-</span><br/> <span class="ft7">ten Teilung, d.h. die ziffernmässige Feststellung der gegenseitigen</span><br/> <span class="ft7">Ansprüche, zuständig (vgl. Art. 142 ZGB; Art. 25a FZG). (...)</span><br/> <span class="ft7">4.4.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss den vorstehenden Ausführungen kommt in casu für den</span><br/> <span class="ft7">Ausgleichsanspruch der Beklagten gegenüber der vom Kläger wäh-</span><br/> <span class="ft7">rend der Ehedauer geäufneten Freizügigkeitsleistung nur mehr eine</span><br/> <span class="ft7">Lösung im Rahmen von Art. 124 Abs. 1 ZGB in Frage, d.h. die Fest-</span><br/> <span class="ft7">setzung einer angemessenen Entschädigung. Eine solche ist nicht nur</span><br/> <span class="ft7">geschuldet, wenn bei einem oder beiden Ehegatten ein Vorsorgefall</span><br/> <span class="ft7">bereits eingetreten ist, sondern weitergehend im Sinne eines Auf-</span><br/> <span class="ft7">fangtatbestandes auch dann, wenn - wie hier - aus anderen Gründen</span><br/> <span class="ft7">Ansprüche aus der beruflichen Vorsorge, die während der Ehe er-</span><br/> <span class="ft7">worben worden sind, nicht geteilt werden können (vgl. BGE 137 III</span><br/> <span class="ft7">49 E. 4.5).</span><br/> <span class="ft7">5.</span><br/> <span class="ft7">Sind die Voraussetzungen zum Vollzug der vom Scheidungsge-</span><br/> <span class="ft7">richt angeordneten hälftigen Teilung der Austrittsleistung der beruf-</span><br/> <span class="ft7">lichen Vorsorge nicht gegeben und ist die Teilung daher unmöglich,</span><br/> <span class="ft7">hat das Versicherungsgericht einen Nichteintretensentscheid zu fällen</span><br/> <span class="ft7">und die Sache an das Scheidungsgericht zur Festsetzung einer ange-</span><br/> <span class="ft7">messenen Entschädigung nach Art. 124 ZGB zu überweisen</span><br/> <span class="ft7">(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_185/2008 vom 24. Juli 2008 E.</span><br/> <span class="ft7">4.1 mit Hinweis auf SVR 2007 BVG Nr. 42 E. 4.2.2 und Nr. 32</span><br/> <span class="ft7">S. 116 E. 6).</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>