Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Dezember 2016 (720 16 171 / 320) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Da geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit der versicherungsinternen medizinischen Sachverhaltsermittlung bestehen, wird die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur polydisziplinären Abklärung zurückgewiesen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien Peter A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch B.____ gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1956, ist ausgebildeter Chemiefa charbeiter und machte eine Ausbil- dung als Baumaschinenführer und Mechaniker. Ab dem 1. Juni 2008 war er für die C.____ AG als Baggerführer, Chauffeur und Schweisser tätig. A m 3. Februar 2009 erlitt er einen Unfall. Dabei flog beim Ausschleifen von Buchsen mit dem Ru ndschleifer der Schleifstein weg und A.____ verletzte sich schwer am rechten Auge. In de r Folge meldete er sich am 12. Juni 2009 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zum Rentenbezug bei der Schweizerischen Invalidenversicheru ng (IV) an. Mit Verfügung vom 11. November 2010 sprach ihm die Schweizerische Unfallv ersicherungsanstalt (SUVA), bei der der Arbeitsunfall versichert war, eine IV-Rente von 18 % zu. Dieser Entscheid wurde mit Ein- spracheentscheid vom 25. Februar 2011 bestätigt. In Koo rdination mit dem SUVA Entscheid lehnte die IV-Stelle des Kantons Aargau mit Verfügung vom 21. Juni 2011 einen Rentenan- spruch des Versicherten ab. Sie ging davon aus, dass eine angepasste Tätigkeit zu 100 % möglich sei und übernahm den IV-Grad der SUVA von 18 %. Am 16. Dezember 2014 meldete sich A.____ unter Hinweis auf den Arbeitsunfall und ei ne psychische Erkrankung bei der – auf- grund eines Wohnortwechsels – neu zuständigen IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) an. Mit Verfügung vom 3. Mai 2016 lehnte die IV-Stelle nach D urchführung des Vorbescheidverfahrens einen Rentenanspruch bei einem IV-Grad von 34 % ab. Sie ging dabei davon aus, dass es dem Beschwerdeführer zumutbar sei, zu 80 % in einer leidensangepassten Tätigkeit zu arbeiten. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch seinen Sozial arbeiter B.____, mit Eingabe vom 13. Mai 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-La ndschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die erneute Prüfung der gesundheitlich en Verhältnisse und der Rente und, falls nötig, die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht er- suchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung. In der Begründung wurde ausge- führt, dass es nicht der Realität entspreche, dass er eine Arbeitsfähigkeit von 76 % besitze. Seit seinem Unfall im Jahr 2009 habe er versucht, die angesta mmte Arbeit wieder aufzunehmen. Er habe aber schnell feststellen müssen, dass er das Arbeitste mpo und die Leistung nicht mehr erbringen könne. Da weder die Arbeitgeberin noch die Mitarbeitenden das nötige Verständnis ihm gegenüber aufgebracht hätten, sei er noch kränker geworden. Er leide seit dem Jahr 2013 unter Schlafstörungen sowie Magen- und Darmprobleme n. Der behandelnde Arzt und Psychia- ter habe eine posttraumatische Belastungsstörung diagnosti ziert, aufgrund derer er zu 100 % arbeitsunfähig sei. Er nehme auch Psychopharmaka. Er kön ne sich vorstellen, in einem 20- 30 %-igen Pensum zu arbeiten, z.B. als Bote oder in e iner geschützten Werkstatt. Dies müsse aber zuerst im Alltag geprüft werden. Die Arbeiten, die die Beschwerdegegnerin erwähne, seien nicht spezifiziert. Hinzu komme, dass nun auch das linke gesund e Auge Probleme verursache und operiert werden müsse. C. Mit Verfügung vom 8. August 2016 bewilligte der in struierende Präsident der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts dem Beschwerde führer gestützt auf die von ihm eingereichten Unterlagen für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung. D. Mit Vernehmlassung vom 7. September 2016 beantrag te die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 13. Mai 2016 ist demnach ein zutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegne rin zu Recht den Anspruch des Be- schwerdeführers auf Leistungen der IV abgelehnt hat. Ma ssgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 3. Mai 2016 entwickelt hat. Dieser Zeit- punkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefug- nis (BGE 129 V 4 E. 1.2). Tatsachen, die sich erst späte r verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in enge m Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Erlasses des Verwaltungsaktes zu beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts vom 10. August 2009, 9C_136/2009, E. 2.5). 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Diese Definitionen e ntsprechenden vor Inkrafttreten des ATSG per 1. Januar 2003 von der Rechtsprechung entwi ckelten Begriffen in der Invalidenversi- cherung (BGE 130 V 343 ff.). 3.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs). 3.5 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invalidi tätsgrades verweigert und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invali- denversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961), so ist im Besch werdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch r elevante Änderung des Invaliditätsgra- des eingetreten ist. Nach der Rechtsprechung sind die b ei einem Revisionsfall geltenden Re- geln bei einer Neuanmeldung analog anzuwenden (vgl. d ie in BGE 130 V 343 nicht publizierte E. 4 des Urteils des EVG vom 30. April 2004, I 626/03, mit Hinweisen). Ändert sich der Invalidi- tätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in d en tatsächlichen Verhältnissen, die ge- eignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten anspruch zu beeinflussen. Zeitliche Ver- gleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserhebl ichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der l etzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsb emessung beruht (BGE 122 V 108, 130 V 71 E. 3.2.3). 3.6 Vorliegend ist demgemäss die Entwicklung in der Zeit zwischen der Verfügung vom 21. Juni 2011 und der angefochtenen Verfügung vom 3. Mai 2016 zu vergleichen. 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an för mliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4.1 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen): 4.4.2 So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehend er Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.4.3 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten d arf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweis- würdigung dürfen allerdings auch die potentiellen St ärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Medi- ziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornher ein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite l ässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Ar ztes einerseits und Begutachtungsauf- trag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten a nderseits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjek- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007 I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4.4.4 Bei versicherungsinternen medizinischen Entscheidun gsgrundlagen sind strenge An- forderungen an die Beweiswürdigung zu stellen. Es genüg en relativ geringe Zweifel an der Zu- verlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellunge n, um eine (neue) versicherungsex- terne medizinische Begutachtung im Verfahren nach Art. 4 4 ATSG oder ein Gerichtsgutachten anzuordnen (BGE 139 V 99 E. 2.3.2, 135 V 465 E. 4, Urteile des Bundesgerichts vom 12. Juni 2013, 9C_734/2012, E. 3.2, vom 4. Oktober 2012, 9C_4 95/2012, E. 2.2 und 2.3 sowie vom 17. September 2012, 9C_148/2012, E. 1.3 und 1.4; ferner SVR 2012 IV Nr. 32 S. 127, 9C_776/2010 E. 3.3 in fine). 4.5 Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass das Admi nistrativverfahren vor der IV- Stelle wie auch der kantonale Sozialversicherungsprozess vo m Untersuchungsgrundsatz be- herrscht sind (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Da nach haben IV-Stelle und Sozialversiche- rungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vol lständige Abklärung des rechtserhebli- chen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht da uert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tats achen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_16 3/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 5.1 Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind di e folgenden medizinischen Unterla- gen zu berücksichtigen: 5.2.1 Die Beschwerdegegnerin stellte im Jahr 2011 für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf die Akten der SUVA ab. Diese ging davon aus, dass dem Beschwerdeführer aufgrund der Unfallfolgen am rechten Auge noch eine leichte Tätigke it ganztags zu 100 % zumutbar sei, so- weit dafür keine Binokularität und kein Stereosehen er forderlich seien (Verfügung der SUVA vom 11. November 2010 und Einspracheentscheid vom 25. F ebruar 2011). Schon damals wa- ren die psychischen Probleme bekannt. So diagnostiziert Dr. med. D.____, Facharzt für Psychi- atrie und Psychotherapie FMH, SUVA, mit Bericht vom 4. November 2009 gestützt auf seine psychiatrische Untersuchung vom 15. Oktober 2009 eine Anpa ssungsstörung mit sonstigen näher bezeichneten Symptomen (ICD-10 F43.28) und akzen tuierte Persönlichkeitszüge. In der Beurteilung führt er aus, dass sich die Symptome wie die vorübergehenden Sprachstörungen, das damit verbundene Gefühl der Wehrlosigkeit sowie die fortgesetzte Sorge um sein Auge und die daraus resultierende Einengung auf diese Problematik nach ICD-10 als Anpassungsstörung klassifizieren lassen würden. Für die Diagnose einer rein en Angst- oder einer depressiven Stö- rung seien zu wenige Merkmale vorhanden. Die Phase der Sprachstörung sei differentialdiag- nostisch auch vereinbar mit einer dissoziativen Bewegungsst örung. Wenn vor der Episode die sozialen Verhältnisse intakt und das Individuum gut angepa sst gewesen seien, sei diese Diag- nose allerdings nur sehr zurückhaltend zu stellen. Daher habe er eine Anpassungsstörung di- agnostiziert. Da schwierige biographische Verhältnisse zu nachhaltigen Persönlichkeitsverände- rungen führen könnten, sei differentialdiagnostisch weiter zu prüfen, ob eine Persönlichkeitsstö- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung vorliege. Für die Diagnose der spezifischen Persönlichkeitsstörung seien die psychopatho- logischen Ausprägungen nicht ausreichend genug. Die diag nostischen Grundkriterien seien nicht im geforderten Ausmass gezeigt worden. Psychiatrisch f assbar sei aber die funktional- mechanische, emotional auch zum Ergebnis eher distanzierte, auf die Augen-Beschwerden und deren Beseitigung fixierte und damit verbundene Wiederherstellung der Körperfunktion bedach- te Persönlichkeitsart verbunden mit dem Gefühl, selbst dadurch als Persönlichkeit entwertet zu sein. Am ehesten sei dies als akzentuierte Persönlichkeitszü ge (ICD-10 Z73.1) zu diagnostizie- ren. Die Auslenkungen dieser Persönlichkeitszüge seien zwar auffällig, zum jetzigen Zeitpunkt lasse sich jedoch keine schwerwiegende psychiatrische Störung im Sinne einer Persönlich- keitsstörung diagnostizieren. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hält Dr. D.____ fest , dass die Arbeitsunfähigkeit aus psychiat- rischer Sicht die augenärztlicherseits festgestellte 50 %-ige Einschränkung übersteige. Die We- gefähigkeit des Versicherten sei durch die Sehbeeinträch tigung ebenfalls eingeschränkt. Er könne nicht über weite Distanzen Auto fahren und sei f ür den Arbeitsweg auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Unter Berücksichtigung des Arbe itsweges sei aus psychiatrischer Sicht zu prüfen, ob er eine ganze Woche mit einer Lei stung von 50 % bei vollzeitlicher Anwe- senheit arbeiten könne, im Wechsel mit einer arbeitsfr eien Woche. Zu berücksichtigen sei bei einem Arbeitsversuch, dass sich der Versicherte voll einsetzen wolle, um bei den Kollegen nicht schlecht dazustehen. Eine Prognose sei nicht sicher zu stel len, denn die Verarbeitung hänge unter anderem davon ab, ob der zugrunde liegende Sch aden dauerhaft bleibe und der Versi- cherte im Verlauf die Flexibilität erlangen könne, da mit einen Umgang zu finden und sein „Ma- chen“ auf eine andere Art wiederzufinden. 5.2.2 In der Folge gelang dem Beschwerdeführer die I ntegration im bisherigen Betrieb in einem 80 % Pensum, bis ihm seitens der Arbeitgeberin am 28. Oktober 2013 auf Ende Dezem- ber 2013 gekündigt wurde. 5.3.1 Nach der erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug a m 16. Dezember 2014 holte die Beschwerdegegnerin unter anderem den Bericht von Dr. med. E.____, Allgemeinmedizin, Hausarzt des Beschwerdeführers, ein. Dieser diagnostizie rt in seinem Bericht vom 6. Februar 2015 den Zustand nach traumatischer Bulbusverletzung de s rechten Auges, einen posttrauma- tischen Kopfschmerz, ein posttraumatisches chronifiziertes d epressives Syndrom sowie post- traumatische Konzentrationsstörungen. Eine Tätigkeit sei nicht möglich. 5.3.2 Dr. med. F.____, Facharzt für Neurologie und P sychiatrie/Psychotherapie, hält in sei- nem Bericht vom 13. März 2015 fest, dass sich der Patient seit dem 17. Februar 2014 in seiner Behandlung befinde. Zur Augenverletzung seien ein neu ralgisches periorbitales Schmerzsyn- drom und ein Spannungskopfschmerz hinzugekommen. Im Wei teren habe sich doch eine tief- greifende depressive Symptomatik mit innerer Unruhe, Ant riebsstörungen, Erschöpfung und auch latenten suizidalen Gedankeninhalten entwickelt. De r Patient werde psychiat- risch/psychotherapeutisch betreut und auch medikamentös beha ndelt (antineuralgisch und an- tidepressiv). Unter der Therapie habe sich der quälende Kopfschmerz gebessert; der Patient sei aber in seiner psychischen Belastbarkeit weiterhin einge schränkt. Es bestehe eine hochgradig Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht reduzierte Stressresistenz und Frustrationstoleranz, die An passungs- und Umstellungsfähigkeit sei in hohem Masse beeinträchtigt. Es sei undenkbar, dass der Patient beruflich wieder inte- griert werde. Es käme innerhalb kürzester Zeit zur psychisc hen Dekompensation. Die Kriterien der Erwerbsunfähigkeit seien gegeben. Die seelischen S törungen seien primär bedingt durch das Unfallereignis. Es habe sich auf niedrigem Niveau ei ne Stabilisierung eingestellt mit noch deutlicher Einschränkung der psychomentalen Belastbarkeit. 5.3.3 Dr. med. G.____, Neurologie FMH, hält mit Ber icht vom 23. Juni 2014 zuhanden der SUVA fest, dass nach dem Unfall mit schwerer Contusio bu lbi rechts und milder traumatischer Hirnverletzung posttraumatische Kopfschmerzen persistiere n würden. Es bestehe eine psychi- sche Verarbeitungsproblematik, weshalb er zusätzlich ein e interdisziplinäre Beurteilung emp- fehle. Eine körperlich leichte Tätigkeit ohne Anforde rungen ans Stereosehen könne ausgeführt werden, vielleicht mit einem etwas verminderten Rendement. 5.3.4 Dr. med. D.____ wurde von der SUVA mit der Dur chführung einer Verlaufsbegutach- tung beauftragt. Mit Bericht vom 17. Juni 2015 diagnostiziert er nach persönlicher Untersuchung des Beschwerdeführers eine leichte depressive Episode (IC D-10 F32.0) sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit vorwiegend narzisstischen Anteilen (ICD-10 Z73.1). Die in der Vergan- genheit geschilderte mittelgradige depressive Phase sei g emildert. Von Oktober 2010 bis Ende 2013 habe der Versicherte wieder in einem Pensum von 80 % im Betrieb in leidensangepasster Tätigkeit gearbeitet. Die Pensumsreduktion auf 80 % s ei dem Arbeitsweg von mehreren Stun- den geschuldet gewesen und nicht der Arbeit selbst. Die Arbeit sei gut zu bewältigen gewesen. Die Schwierigkeiten seien wegen der negativen, zum Te il destruktiven sozialen Interaktionen am Arbeitsplatz, welche in der Untersuchung einen deutlichen Raum eingenommen hätten, und der später zusätzlich erfolgten Kränkungssituation durch die Kündigung entstanden. Der Versi- cherte könne aus psychiatrischer Sicht in einer leidensang epassten Tätigkeit wie vorher ganz- tags über fünf Tage pro Arbeitswoche erwerbstätig sein. Die Anpassung an Regeln und Routi- nen sowie die Planung und Strukturierung von Aufgaben sei nicht relevant eingeschränkt. Fle- xibilität und Umstellungsfähigkeit, die Anwendung fachl icher Kompetenzen und die Entschei- dungs- und Urteilsfähigkeit seien erhalten. Verglichen mit der Situation im Jahr 2009 gibt med. Dr. med. D.____ an, dass das Gesamtbild aktuell ähnlich, aber insgesamt ruhiger wirke. Für eine posttraumatische Belastungsstörung würden sich, wie schon im Jahr 2009, keine Hinweise finden lassen. Im Zentrum der Beschwerden würden die Kopfschmerzen, eine Reizbarkeit und eine gewisse Impulsivität stehen. Der Versicherte bericht e von Einschlafstörungen und ängstli- chen Denkinhalten. Zudem habe die negative Interaktion am Arbeitsplatz mit anschliessender Kündigung reaktiv zur Entwicklung einer depressiven Störu ng mit Phase von Suizidalität ge- führt. 5.3.5 Bezüglich der Augenschädigung liegen insbesonder e die Berichte der Augenklinik H.____ vor (Bericht vom 19. Juli 2016). Aufgrund der Augenverletzung rechts kann der Versi- cherte Tätigkeiten, bei denen das räumliche Sehen eine wichtige Rolle spielt, auch künftig nicht mehr ausüben. Daran änderte auch die Operation vom 18. Mai 2016 nichts. Die Beschwerden am linken Auge sind als Altersveränderungen erkannt word en, die behandelbar sind und die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.6 Dr. med. I.____, Facharzt für Psychiatrie und Ps ychotherapie, RAD, hält in seiner Stel- lungnahme vom 29. August 2016 fest, dass die von Dr. F .____ festgestellte depressive Anpas- sungsstörung weniger ausgeprägt sei als eine depressive Episo de. Zudem sei eine Anpas- sungsstörung eine zeitlich limitierte Störung, die das K riterium der Dauerhaftigkeit nicht erfülle. In der Regel begründe eine solche Störung keine wesen tliche Arbeitsunfähigkeit. Die altersbe- dingten Veränderungen am linken gesunden Auge hätten gemäss Arztbericht der Augenklinik H.____ keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Diese Einschätzung sei plausibel und zu über- nehmen. 6.1 Das Gericht ist bezüglich Veränderungen des Gesundheit szustands und der Arbeitsfä- higkeit auf umfassende und schlüssige ärztliche Grundlagen angewiesen (vgl. Erwägung 4.2 hiervor). Bezüglich der Augenproblematik ist gestützt auf die beweistauglichen ärztlichen Ein- schätzungen festzustellen, dass sich seit der ersten Verfü gung aus dem Jahr 2011 keine we- sentliche Veränderung eingestellt hat. Der Beschwerdef ührer ist auf dem rechten Auge prak- tisch blind und kann keine Tätigkeiten mehr ausüben, die ein Stereosehen erfordern. 6.2 Fraglich ist aber, ob in psychischer Hinsicht eine Verä nderung eingetreten ist. Dr. D.____ diagnostizierte im Jahr 2009 eine Anpassungsstörun g mit sonstigen näher bezeichne- ten Symptomen und akzentuierte Persönlichkeitszüge. Die akzentuierten Persönlichkeitszüge haben keinen Krankheitswert. Die Anpassungsstörung, die p er definitionem vorübergehender Natur ist, wird von Dr. D.____ konsequenterweise nicht mehr angegeben. Er stellte aber in sei- ner Verlaufsuntersuchung neu eine leichte depressive Epi sode fest. Dass er daraus keine er- hebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ableitete, deckt sich mit den bekannten medizini- schen Erfahrungswerten. Der behandelnde Psychiater Dr. F.____ seinerseits gibt e ine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit an. Er beschreibt in seinem Bericht allerdings keine weiter gehenden Symptome, die diese Ein- schränkung begründen könnten. Er hält fest, dass der Beschwerdeführer deutlich irritiert, affekt- labil und depressiv sei, mit Stimmungsschwankungen und St örung der Affektkontrolle. Im Zwi- schenbericht vom 12. April 2016 gibt er an, dass eine d epressive Anpassungsstörung gegeben sei. Der Versicherte sei erschöpft, ausgelaugt, im Antrie b reduziert. Es handle sich um eine komplexe Schmerzproblematik. Dazu ist einerseits festzustellen, dass eine Anpassungsstörung schon im Jahr 2009 von Dr. D.____ angegeben wurde. Aktue ll geht Dr. D.____ nur noch von einer leichten depressiven Episode aus. Allein aus den A ngaben von Dr. D.____ lässt sich kei- ne schwerwiegendere psychiatrische Diagnose ableiten. Aus schliessen kann man dies aber andererseits ebenfalls nicht. 6.3 Zu berücksichtigen ist, dass mit dem zentralen Bericht von Dr. D.____ ein sogenannter „interner Untersuchungsbericht“ vorliegt. Der Beweiswe rt ist mit solchen von externen medizini- schen Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) gen ügen und die Arztperson über die not- wendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Auf das Ergebnis versi- cherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die SU VA Facharztberichte gehören – Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht kann allerdings nicht abgestellt werden und sind ergänze nde Abklärungen vorzunehmen, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2, vgl. dazu auch Erwägung 4.4.4 hiervor). 6.4 Vorliegend stellt sich daher die Frage, ob auch nu r geringe Zweifel an der Zuverlässig- keit der Beurteilung von Dr. D.____ bestehen. Dafür spricht die Tatsache, dass kein interdiszip- linärer Bericht über das Zusammenwirken von Augenverlet zung und psychischer Beeinträchti- gung vorliegt. Insbesondere steht nicht mit letzter Sicherheit fest, ob aufgrund der schweren Sehbeeinträchtigung die psychischen Aspekte akzentuiert wer den und ob damit auch eine hö- here Einschränkung der Arbeitsfähigkeit verbunden ist. Auch der erfahrene Neurologe Dr. G.____ erachtete in seinem Bericht vom 23. Juni 2014 eine interdisziplinäre Begutachtung als erforderlich. Somit bleiben zumindest geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit der psychiatrischen Einschätzung von Dr. D.____. Auf die Einschätzung von Dr. F.____ betreffend der 100 %-igen Einschränkung der Arbeitsunfähigkeit kann mangels Nachvo llziehbarkeit nicht abgestellt wer- den. Es handelt sich bei Dr. F.____ um den behandelnde n Psychiater und es ist von ihm bisher keine eingehende Auseinandersetzung mit der Frage na ch den gesundheitlichen Einschrän- kungen auf die Arbeitsfähigkeit gefordert worden, sond ern lediglich eine Stellungnahme zum aktuellen Gesundheitszustand. 7. Nach dem Gesagten steht fest, dass die angefochtene V erfügung vom 3. Mai 2016 auf unzureichenden medizinischen Abklärungsergebnissen beruht und demzufolge aufzuheben ist. Die Vorinstanz wird angehalten, den Beschwerdeführer d urch externe Fachärzte polydisziplinär (psychiatrisch, augenärztlich und neurologisch) gutachterlich untersuchen zu lassen. Demzufol- ge ist die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Gestützt auf die Ergebnisse der polydisziplinären Untersuchung und d ie Konsensbeurteilung der Arbeitsfä- higkeit wird sie über den Rentenanspruch des Beschwerdefüh rers neu zu verfügen haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8. Es bleibt, über die Kosten zu entscheiden. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli gung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht koste npflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unte rliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterl iegende Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusamme nhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden gemäss Ver- waltungsverfahrensgesetz vom 13. Juni 1988 keine Verfah renskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle trotz Unte rliegens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen. Es werden deshalb keine Verfahrenskosten er hoben. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtliche n Angelegenheiten an das Bundesge- richt zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschli essen. Selbständig eröffnete Zwi- schenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit B eschwerde in öffentlich-rechtlichen An- gelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gut heissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 A bs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesge- richtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versiche- rungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuver fügung nicht um einen Endent- scheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Ar t. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materiell e Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung vom 3. Mai 2016 aufgehoben und die Angeleg enheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum E rlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zur ückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht