B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2538/2021 U r t e i l v o m 2 1 . J u n i 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichterin Constance Leisinger, mit Zustimmung von Richter Lorenz Noli; Gerichtsschreiberin Kinza Brunner. Parteien A._______, geboren am (…), Staat unbekannt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 26. April 2021 / N (…). E-2538/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 14. April 2013 erstmals in der Schweiz um Asyl. lm Rahmen dieses Asylverfahrens machte er geltend, mauretani- scher Staatsangehöriger und am (…) geboren zu sein. Die Angaben zur Minderjährigkeit wurden vom SEM als unglaubhaft erachtet und das Ge- burtsdatum im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) auf den (…) festgesetzt. Im ZEMIS wurde er als mauretanischer Staatsangehöriger geführt. B. Mit Verfügung vom 18. Juli 2013 trat das SEM auf das Asylgesuch gestützt auf aArt. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG (aufgehoben durch Ziff. I des BG vom 14. Dezember 2012 mit Wirkung seit 1. Febr uar 2014) nicht ein und ord- nete die Wegweisung sowie den Vollzug der Wegweisung an. lm Zusam- menhang mit dem Vollzug der Wegweisung wurde festgestellt, dass der Beschwerdeführer vermutlich nicht aus Mauretanien, sondern aus Guinea stamme. Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Weitere Bemühungen zur Herkunftsabklärung blieben ergebnislos, da der Be- schwerdeführer diesbezüglich nicht mit den Behörden kooperierte. C. Am 7. Januar 2021 ersuchte der Beschwerdeführer erneut um Asyl in der Schweiz. Am 12. Januar 2021 erfolgte die Aufnahme der Personalien; am 16. Februar 2021 wurde er einlässlich zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, er sei in B._______ (Mauretanien) geboren und habe dort zusammen mit seiner Familie gelebt. Ungefähr in den Jahren 2009 oder 2010 sei er nach C._______ umgezogen und habe dort bis 2011 als fliegender Händler ge- arbeitet. Zwischen 2011 und 2013 sei er zwischen den beiden Orten C._______ und B._______ gependelt. Ein Freund seines Vaters und des- sen Sohn würden von der Elfenbeinküste stammen und seien Katholiken. Er habe sich unter dem Einfluss dieser beiden dem Christentum zugewandt und sei im Jahr 2012 vom Islam zum Christentum beziehungsweise zum Katholizismus übergetreten. I m Jahr 2013 habe sein Vater von diesem Glaubenswechsel Kenntnis erlangt und ihn daraufhin bedroht und einge- sperrt. Ihm sei die Flucht gelungen. Am (…) 2013 habe er den Heimatstaat verlassen und sei über Frankreich am 13. April 2013 in die S chweiz ge- langt. Sodann sei er bisexuell. Er habe bereits im Heimatstaat intime Kon- takte mit Männern gehabt. Im Falle seiner Rückkehr in d en Heimatstaat E-2538/2021 Seite 3 könne er seine Bisexualität nicht frei ausleben; Homosexualität stehe unter Strafe. Zu seinem vorangegangenen Aufenthalt erklärte der Beschwerdeführer, er habe sich nach Abschluss des ersten Asylverfahrens ununterbrochen in der Schweiz aufgehalten. Zuletzt habe er mit einer Frau zusammengelebt, die er namentlich nicht nennen könne. Die Be ziehung sei auseinanderge- gangen. Im Rahmen der Anhörung vom 16. Februar 2021 wurde dem Beschwerde- führer das rechtliche Gehör bezüglich einer vermuteten Iden titätstäu- schung gewährt (Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG). Die Personalien wurden da- raufhin im ZEMIS von «Mauretanien» zu «Staat unbekannt» geändert. Der Eintrag wurde mit einem Bestreitungsvermerk versehen. D. Am 19. Februar 2021 wurde der Beschwerdeführer dem erweiterten Ver- fahren zugewiesen, am 26. Februar 2021 erfolgte die Zuteilung auf den Kanton D._______. Gleichentags wurden der Rechtsvertretung die rele- vanten Akten aus dem Rückkehrdossier des vorangegangenen Asylverfah- rens (Reiseorganisation und Papierbeschaffung) zur Einsicht gebracht. Die Rechtsvertretung erklärte gleichentags die Beendigung des Mandatsver- hältnisses. E. Mit Verfügung vom 26. April 2021 stellte das SEM fest, der Beschwerde- führer erfülle die Flüchtlingseigens chaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Weg- weisung an. Das Gesuch um Erfassung der mauretanischen Staatsange- hörigkeit im ZEMIS wurde abgewiesen und in Bezug auf die Staatsange- hörigkeit festgestellt, es bleibe im System weiterhin «Staat unbekannt» ein- getragen. F. Mit Eingabe vom 27. Mai 2021 gelangte der Beschwerdeführer an das Bun- desverwaltungsgericht. Er beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Rückweisung der Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz; eventualiter die Zuerkennung als Flüchtling und die Gewäh- rung von Asyl, subeventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. Der Beschwerdeführer beantragte sodann die Änderung des ZEMIS Ein- trags dahingehend, dass er mit der Nationalität Mauretanien zu führen sei. E-2538/2021 Seite 4 Der Bestreitungsvermerk sei entsprechend zu löschen. In formeller Hin- sicht wurde um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. G. Mit Verfügung vom 9. Juni 2021 teilte die zuständige Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer mit, dass betreffend die Anträge zur Datenände- rung ZEMIS ein separates Verfahren eröffnet worden sei und dieses unter der Geschäftsnummer E-2548/2021 geführt werde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Asyl - und Wegweisungsverfügungen des SEM; dabei entscheidet das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Das Verfahren richtet sich dabei nach dem VwVG, dem VGG, dem BGG und dem AsylG (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschw erde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 AsylG Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3 Soweit den Antrag auf Aufhebung der Dispositivziffern 6 und 7 betref- fend (Datenänderung ZEMIS), ist festzuhalten, dass dieses Begehren nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet. Diese s Rechtsbegehren wird separat im Beschwerdeverfahren E -2548/2021 be- handelt. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-2538/2021 Seite 5 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa- risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Das SEM kam im angefochtenen Entscheid zum Schluss, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Herkunft aus Mauretanien unglaub- haft sei. Es sei davon auszugehen, dass er versuche, seine Identität und Herkunft zu verheimlichen beziehungsweise zu verschleiern. Der Be- schwerdeführer habe bisher keine Identitätspapiere zu den Akten gegeben, welche seine Angaben zur Herkunft bestätigen würden, obwohl er bereits am 14. April 2013 ein erstes Asylgesuch gestellt und genügend Zeit gehabt habe, entsprechende Dokumente zu beschaffen. Zudem sei im Rahmen der Organisation des Wegweisungsvollzugs bei einer Herkunftsabklärung vom 29. November 2013 festgestellt worden, dass er vermutlich nicht aus Mauretanien, sondern aus Guinea stamme. Weitere Herkunftsabklärungen seien ergebnislos geblieben, da der Beschwerdeführer mit den entspre- chenden Behördenstellen nicht kooperiert habe. Die Angaben im Rahmen der Anhörung vom 16. Februar 2021 in Bezug auf seine Herkunft seien sodann oberflächlich aus gefallen, obwohl er geltend gemacht habe, in B._______ geboren worden zu sein und bis im Alter von ungefähr (…) Jah- ren dort gelebt zu haben . Er habe keine genaueren Angaben zur Grösse oder Einwohnerzahl der Stadt oder zu Entfernungen machen können. Ebenso habe er die Strasse, in welcher er gewohnt habe, nicht angeben können. Der Beschwerdeführer habe damit seine Mitwirkungspflicht ge- mäss Art. 8 Abs. 1 AsylG in grober Weise verletzt. Auch seine Vorbringen zu den Asylgründen seien unglaubhaft. Seine An- gaben zu r Konversion und zum Katholizismus seien detailarm, auswei- chend und oberflächlich ausgefallen. Betreffend die geltend gemachte se- xuelle Orientierung falle auf, dass er diese Problematik im Rahmen des ersten Asylverfahrens nicht erwähnt habe; schliesslich seien auch seine Angaben im Rahmen der Anhörung und des ersten Asylverfahrens in wei- teren zentralen Punkten widersprüchlich aus gefallen. Seine Vorbringen E-2538/2021 Seite 6 seien insgesamt als unglaubhaft zu erachten, weswegen diese den Anfor- derungen von Art. 7 AsylG nicht standh ielten und das Asylgesuch abzu- lehnen sei. 4.2 Der Beschwerdeführer rügt in der Beschwerde zunächst eine Verlet- zung des Akteneinsichtsrechts und die Verletzung des Anspruchs auf voll- ständige Feststellung des Sac hverhalts. Die Sachverhaltsfeststellung sei in Bezug auf seine geltend gemachte Herkunft Mauretanien ungenügend erfolgt. Hierzu hätten weitere Abklärungen getroffen werden, insbesondere eine Lingua-Analyse durchgeführt werden müssen. Auch bezüglich seiner sexuellen Orientierung seien weitere Abklärungen nötig gewesen. Es sei sodann das Recht auf Akteneinsicht dahingehend verletzt worden, als ihm keine und seiner Rechtsvertreterin lediglich teilweise Einsicht in die Asylak- ten gewährt worden sei, aus denen das SEM geschlossen habe, dass er vermutlich aus Guinea stamme. In materieller Hinsicht führt er aus, er sei mauretanischer Herkunft. In sei- nem Heimat staat würden sowohl eine Konversion zum Christentum als auch homosexuelle Handlungen mit dem Tod bestraft. Seine diesbezügli- chen Vorbringen seien glaubhaft gemacht. Er habe seine Bisexualität nicht bereits früher geltend gemacht, weil dieses Thema in seiner Heimat tabui- siert werde. 5. 5.1 Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungsgrund- satz beherrscht (Art.12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Be- hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen und die Tatsachen und Ergebnisse in den Akten festzuhalten. Die Sachverhaltsfeststellung ist unvollständig, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachum- stände berücksichtigt wurden. Die Verfahrenspflichten der Behörde korrelieren mit den umfassenden Mit- wirkungspflichten der gesuchstellenden Person (vgl. Art. 13 VwVG als ver- waltungsverfahrensrechtlicher Grundsatz und Art. 8 AsylG in asylspezifi- scher Hinsicht). Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person die Pflicht (und unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV auch das Recht), an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken. Sofern die gesetzlichen Mitwirkungspflichten E-2538/2021 Seite 7 durch die asylsuchende Person nicht verletzt worden sind, muss die Be- hörde insbesondere dann weitere Abklärungen ins Auge fassen, wenn auf- grund der Vorbringen d er asylsuchenden Person und der von ihr einge- reichten oder angebotenen Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbestehen, die voraussichtlich mit Ermittlungen von Am- tes wegen beseitigt werden können (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2; 2008/24 E. 7.2; 2007/21 E. 11.1). 5.2 Sofern der Beschwerdeführer moniert, seine Herkunft hätte mittels ei- ner Lingua-Analyse weiter abgeklärt werden müssen, erweist sich diese Rüge als unbegründet. Die Erstellung sogenannter Lingua-Analysen oder der später etablierten Alltagswissenstests können der vollständigen Sach- verhaltsermittlung unter Umständen durchaus dienlich sein (vgl. zum Be- weiswert und zu den Anforderungen an diese BVGE 2014/12 E. 5.2 ff., 5.9; BVGE 2012/21 E. 5.1; BVGE 2015/10 E. 5.2 ff.). Keiner weiteren fachlichen Abklärung im Rahmen solcher Lingua - und Alltagswissenstests bedarf es jedoch, wenn die Vorbringen der asylsuchenden Person aufgrund massge- blicher Unplausibilität, Substanzarmut oder Widersprüchlichkeit im Vorbrin- gen zur Identität und Herkunft offensichtlich unzulänglich und somit derart haltlos sind, dass deren Beurteilung keiner weiteren fachlichen Abklärun- gen mehr bedarf (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.3.1 m.H.). Dies ist vorliegend der Fall. Der Beschwerdeführer hat in beiden bisherigen Asylverfahren keine substanziierten Angaben zu seiner Staatsangehörig- keit und zur Herkunft gemacht. Er hat keine Identitätspapiere oder sonstige Beweismittel im Zusammenhang mit seiner Identität eingereicht (vgl. act. […]-11/8 Ziff. 4, act. […]-17/17 F11-F17). Eine Herkunftsabklärung durch das SEM am 29.November 2013 ergab, dass der Beschwerdeführer die lokalen Sprachen von Mauretanien nicht kenne und mit einem Akzent von Guinea-Conakry spreche ( vgl. act. […]-25/13). Überdies hat er im An- schluss an das im Jahr 2013 durchlaufene Asylverfahren bei der Beschaf- fung von Rückkehrpapieren nicht kooperiert, insbesondere jegliche Anga- ben vor der guineischen Delegation am (…) 2015 und (…) 2019 verwei- gert (vgl. act. […]-25/13). Im vorliegenden Verfahren sind die Angaben des Beschwerdeführers zu den geographischen und lokalen Verhältnissen in seinem angeblichen Heimatstaat in den wesentlichen Aspekten offenkun- dig unsubstanziiert ausgefallen und der Beschwerdeführer wies kein Lo- kalwissen zu der von ihm angegebenen Herkunftsregion beziehungsweise zum Heimatort auf (vgl. act. […]-17/17 F18-F30). Das SEM hat daher zu E-2538/2021 Seite 8 Recht auf weitere Abklärungen verzichtet. Eine unvollständige Sachver- haltsabklärung ist nicht ersichtlich, ebenso wenig eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. 5.3 Eine Verletzung des Akteneinsichtsrechts ist in diesem Zusammen- hang auch nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer war im Verfahren durch eine Rechtsvertreterin vertreten (vgl. act. […]-10/1). Das SEM hat der Rechtsvertreterin bereits im Rahmen der einlässl ichen Anhörung Ein- sicht in verschiedene Aktenstücke des vorangegangenen Verfahrens ge- währt (vgl. act. […]-17/17 F17). Es hat sodann am 26. Februar 2021 die relevanten Rückkehrakten an die Rechtsvertreterin zugestellt, auch dieje- nige betreffend Rückreise un d Herkunftsabklärung vom 29. November 2013 (vgl. act. […]-25/13). Damit wurde den verfahrensrechtlichen Ver- pflichtungen Genüge getan. 5.4 Ebenfalls lässt sich nicht darauf schliessen, dass die Vorinstanz seiner Sachverhaltserstellungspflicht in Bezug auf die geltend gemachte Bisexu- alität des Beschwerdeführers ungenügend nachgekommen ist. Dieses Vor- bringen wurde im Rahmen der einlässlichen Anhörung aufgenommen. Der Beschwerdeführer hatte sodann die Möglichkeit, diesen Aspekt weiter zu konkretisieren (vgl. act. […]-17/17 F78, F105 ff.) . Er führt denn auf Be- schwerdeebene auch nic ht weiter aus, woraus sich die Unvollständigkeit des Sachverhalts begründen sollte. 5.5 Der Antrag auf Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und Rück- weisung an die Vorinstanz ist daher abzuweisen 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die E-2538/2021 Seite 9 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massg eblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf k ann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 7. 7.1 Die vorinstanzlichen Erwägungen zur Frage der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls sind zu bestätigen, auf diese ist zu verweisen (vgl. act. […]- 27/8 Ziff. II). Der Beschwerdeführer hat seine mauretanische Staatsange- hörigkeit nicht glaubhaft gemacht (vgl. E. 5.2) . Den Vorbringen in Bezug auf seinen angeblichen Herkunftsstaat ist daher von vornherein die Grund- lage entzogen. Sie sind aber auch für sich betrachtet als unglaubhaft zu erachten. Seine angebliche Konversion zum Christentum vermochte er nicht zu konkretisieren, zumal er weder zur Religion an sich noch zu sei- nem eigenen Glaubensbekenntnis substanziierte Angaben machen konnte (vgl. act. […]-17/17 F41, F50 f., F84-F101). Seine Bisexualität, die er auch im Heimatstaat bereits heimlich ausgelebt haben will, hat er – wie das SEM zutreffend festgehalten hat – im ersten Asylverfahren nicht erwähnt, wes- halb diesbezüglich vom SEM zu Recht ein Nachschub angenommen wurde. Sein Vorbringen auf Beschwerd eebene, die Bisexualität habe er nicht früher geltend machen können, da dies in seinem Heimatstaat ein Tabu sein, überzeugt nicht, zumal festzustellen ist, dass das Vorbringen insgesamt nicht näher konkretisiert wurde (vgl. act. […]-17/17 F78, F105- F107). 7.2 Das SEM hat mithin zutreffend die Flüchtlingseigenschaft des Be- schwerdeführers verneint und das Asylgesuch abgewiesen. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet de n Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). E-2538/2021 Seite 10 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht möglich, wenn die ausländische Person weder in den Herkunfts- oder in den Heimatstaat noch in einen Drittstaat verbracht wer- den kann. Er ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der ausländischen Person in ihren Heimat-, Her- kunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen. Der Vollzug kann insbeson- dere nicht zumutbar sein, wenn er für die ausländische Person eine kon- krete Gefährdung darstellt (Art. 83 Abs. 2–4 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Das SEM führte zur Frage des Vollzugs der Wegweisung im Wesentli- chen aus, zwar sei die Zulässigkeit des Vollzugs grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen , i ndessen finde diese Untersuchungspflicht nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substantiierungslast trage (Art. 7 AsylG). Es sei praxisgemäss nicht Sache der Asylbehörden, bei feh- lenden Hinweisen seitens der asylsuchenden Person nach etwaigen Weg- weisungshindernissen zu forschen. Deswegen könne der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewandt werden. Ferner würden sich aus den Akten auch kei ne Anhaltspunkte dafür erge- ben, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Heimat- staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbo- tene Strafe oder Behandlung drohe. Aus der Verheimlichung der Identität sei auch zu schliessen, dass weder die im tatsächlichen Heimatstaat herr- schende politische Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit der Rückkehr dorthin sprechen würden. Der Beschwerdeführer sei zudem E-2538/2021 Seite 11 jung, gesund und verfüge über Arbeitserfahrung im Bereich Verkauf. Somit würden auch keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit der Weg- weisung sprechen. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch durchführbar. 9.3 Die vorinstanzlichen Erwägungen zum Wegweisungsvollzug sind zu bestätigen. Der Beschwerdeführer konnte seine Herkunft aus dem von ihm angegebenen Herkunftsstaat a uch nach Auffassung des Gerichts nicht glaubhaft machen. Das SEM ist sodann hinsichtlich der Angaben zu seiner Herkunft und Identität zutreffend von einer relevanten Mitwirkungspflicht- verletzung ausgegangen. Auf Beschwerdeebene wurde dem nichts entge- gengehalten, was zu einer anderen Beurteilung führen könnte. 9.4 Vor dem Hintergrund der vorangegangen Erwägungen hat das SEM in der angefochtenen Verfolgung zutreffend festgehalten, dass es nicht mög- lich ist, sich in voller Kenntnis des tatsächlichen Herkunftsortes und der Herkunftsregion sowie der persönlichen und familiären Situation de s Be- schwerdeführers zur Frage der Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs zu äussern. Da der Beschwerdeführer seine Mitwir- kungs- und Wahrheitspflicht im Rahmen der Sachverhaltsermittlung nicht nachgekommen ist und seine Herkunft offensichtlich zu verschleiern ver- sucht, verwies die Vorinstanz zu Recht auf die Rechtsprechung, wonach es nicht Aufgabe der Asylbehörden ist, bei fehlenden Hinweisen seitens der gesuchstellenden Person nach allfälligen Wegweisungshindern issen hypothetisch zu forschen. Zudem steht dem Wegweisungsvollzug auch nicht die individuelle Situation des Beschwerdefü hrers entgegen, insbe- sondere ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass sich ein Vollzug der Wegweisung wegen gesundheitlicher Aspekte von vornherein als unzulässig oder unzumutbar erweisen könnte. 9.5 Schliesslich obliegt es de m Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). E-2538/2021 Seite 12 10. Aus den vorstehende n Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit dies- bezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwer- debegehren bereits bei Einreichung des Rechtsmittels als aussichtslos zu gelten hatten. Damit ist – ungeachtet der Frage der prozessualen Bedürf- tigkeit – eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen für die Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht er- füllt. Das entsprechende Gesuch ist abzuweisen. Das Gesuch um Verzicht auf die Kostenvorschusserhebung ist mit dem vorliegenden Entscheid ge- genstandslos geworden. 11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-2538/2021 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Kinza Brunner Versand: