<h2>SubmittedText<h2><p>Die Verfütterung von antibiotikahaltigen Futtermitteln an Milchkühe ist verboten. Um Eutererkrankungen vorzubeugen, werden aber beim sogenannten Trockenstellen von (Hochleistungs-)Milchkühen Antibiotika direkt in die Zitzenkanäle appliziert. Angesichts der vermuteten Antibiotika-Resistenzübertragung auf Milchsäurebakterien ist die breite, präventive Antibiotikaanwendung äusserst problematisch.</p><p>Der Bundesrat wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Sollte der präventive Antibiotikaeinsatz bei der Euterbehandlung nicht auch untersagt werden?</p><p>2. Sollte die Antibiotikaanwendung nicht ausschliesslich durch Veterinäre erlaubt werden?</p><p>3. Wäre eine Meldepflicht eine geeignete Massnahme, die Antibiotikaanwendung zu beschränken?</p><p>4. Wie verträgt sich dieser breite, präventive Antibiotikaeinsatz mit dem geforderten ökologischen Leistungsausweis bei der Gewährung von Direktzahlungen?</p><p>5. Wie hoch schätzt der milchwirtschaftliche Inspektionsdienst die Menge der so eingesetzten Antibiotikapräparate? Wie hoch ist der Anteil der Milchkühe, die entsprechend behandelt werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Qualität der Milch darf in der Schweiz dank des hohen Standards der Vorschriften, der Sorgfalt der Tierhalterinnen und Tierhalter und dank konsequenter amtlicher Überwachung als sehr gut bezeichnet werden. Auch die Vorschriften über die Anwendung von Medikamenten und die systematischen Rückstandsuntersuchungen in der Milch tragen zum hohen Qualitätsstand bei. Indessen ist das Euter der Kuh am Ende der Melkperiode anfällig auf Infektionen; aufgrund der tierärztlichen Beratung kann es deshalb angezeigt sein, das Euter zu diesem Zeitpunkt mit einem Antibiotikum zu schützen, das selektiv auf die in Frage kommenden Infektionskeime wirkt (sog. Trockensteller).</p><p>Der Beurteilung der Resistenz von Mikroorganismen gegen Antibiotika wird besondere Bedeutung beigemessen. Aufgrund mehrerer Studien, die seit 1980 durchgeführt worden sind, kann festgestellt werden, dass sich bei den im Euter vorkommenden Mikroorganismen im Verlaufe der Zeit keine bemerkenswerte Veränderung der Resistenzlage ergeben hat.</p><p>Die Fragen können im einzelnen wie folgt beantwortet werden:</p><p>1. Der Bundesrat erachtet ein Verbot der vorbeugenden Anwendung von Antibiotika bei Kühen nicht als angezeigt. Trockensteller dienen der Bekämpfung chronischer, häufig symptomlos verlaufender Euterentzündungen, der Verhinderung akuter neuer Infektionen und damit der Erhaltung des Qualitätsstandards der Milch.</p><p>2. Antibiotika dürfen nach den Vorschriften der Interkantonalen Kontrollstelle für Heilmittel und der Verordnung über die Qualitätssicherung bei der Milchproduktion nur auf tierärztliche Anordnung hin angewendet werden. Eine Bestimmung, wonach nur Tierärztinnen und Tierärzte diese verabreichen dürfen, würde eine unverhältnismässige Einschränkung der Selbstverantwortung der Tierhalterinnen und Tierhalter darstellen.</p><p>3. Die Tierhalterinnen und Tierhalter sind verpflichtet, die Verabreichung von Medikamenten an Kühe aufzuzeichnen und die Aufzeichnungen während zwei Jahren aufzubewahren. Dieses Vorgehen ist weniger aufwendig als eine Meldepflicht und hat die gleiche Wirkung, namentlich bei Abklärungen im Anschluss an Antibiotikabefunde bei Rückstandsuntersuchungen. Eine Meldepflicht wäre kein geeignetes Mittel zur Beschränkung der Antibiotikaanwendung.</p><p>4. Bei der beschriebenen Anwendung dienen Antibiotika der Heilung und Verhütung von Euterentzündungen. Diese können namentlich in ihrer akuten Form sehr schmerzhaft sein. Massnahmen für die Tiergesundheit und zur Verhütung von Schmerz stehen in keinem Widerspruch zur Ökologie und zur Ausrichtung von Direktzahlungen.</p><p>5. Aufgrund von Schätzungen kann angenommen werden, dass pro Jahr mehr als eine Million Anwendungseinheiten von Trockenstellern abgegeben werden, was bedeutet, dass rund die Hälfte der Kühe am Ende der Laktationsperiode mit Antibiotika behandelt werden.</p>  Antwort des Bundesrates.