<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 59 S.245</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">245</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>XI. Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>59</b></span> <span class="ft3"><b>Negativer Kompetenzkonflikt; Zuständigkeit für Beschwerden betreffend</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Parkplatzersatzabgaben und die Gesuche um vorzeitigen Baubeginn.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Der Entscheid über die Parkplatzersatzabgabe ist keine "andere</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Abgabeverfügung" im Sinne von § 35 Abs. 2 Satz 1 BauG (Erw. 3 a</b></span><br/> <span class="ft3"><b>und b)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Für die Beurteilung der Parkplatzersatzabgaben im Beschwerdever-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>fahren ist auch nach der Revision des BauG vom 31. August 1999 der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Regierungsrat bzw. das Baudepartement zuständig (Erw. 4)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Das Baudepartement bzw. der Regierungsrat entscheiden über Ge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>suche um vorzeitigen Baubeginn (§ 65 Abs. 2 BauG) auch in den Fäl-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>len, in welchen gegen Entscheide über Grundeigentümerbeiträge oder</b></span><br/> <span class="ft3"><b>-gebühren Beschwerde bei der Schätzungskommission erhoben wird.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Der Schätzungskommission steht das Recht zum Entzug der auf-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schiebenden Wirkung zu (Erw. 6 und 7).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 15. März 2001 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen Schätzungskommission nach Baugesetz und Regierungsrat des Kan-</span><br/> <span class="ft4">tons Aargau</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2. a) Der vorliegende negative Kompetenzkonflikt zwischen der</span><br/> <span class="ft6">Schätzungskommission und dem Baudepartement entstand aus der</span><br/> <span class="ft6">Revision der §§ 34 und 35 BauG vom 31. August 1999. Zu prüfen ist</span><br/> <span class="ft6">daher, ob mit dieser Revision (in Kraft seit 1. Januar 2000 [AGS</span><br/> <span class="ft6">1999, S. 387]) die Rechtsmittelzuständigkeit zur Beurteilung der</span><br/> <span class="ft6">Parkplatzersatzabgaben geändert hat, bzw. wie der Rechtsmittelweg</span><br/> <span class="ft6">nach dieser Revision ausgestaltet ist. Unter dem Aspekt der Rechts-</span><br/> <span class="ft6">kraft der Baubewilligung und der Festsetzung der Erschliessungsab-</span><br/> <span class="ft6">gaben und -gebühren ist andererseits antragsgemäss zu beurteilen,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">246</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">welche Instanz für die Erteilung der vorzeitigen Baubewilligung</span><br/> <span class="ft6">gemäss § 65 Abs. 2 BauG zuständig ist in jenen Fällen, in welchen</span><br/> <span class="ft6">die Baubewilligung auch die Erschliessungsabgaben im Sinne von</span><br/> <span class="ft6">§§ 34 f. BauG und die Parkplatzersatzabgaben festsetzt, und nur</span><br/> <span class="ft6">diese Auflagen und Bedingungen, oder diese zusammen mit andern</span><br/> <span class="ft6">Bestimmungen der Baubewilligung angefochten werden.</span><br/> <span class="ft6">b) Die Schätzungskommission ist der Auffassung, dass die</span><br/> <span class="ft6">kantonale Baugesetzgebung den Rechtsschutz gegen Parkplatzer-</span><br/> <span class="ft6">satzabgaben nicht regle. Die Schätzungskommission sei seit Inkraft-</span><br/> <span class="ft6">treten des neuen Baugesetzes nie beschwerdeweise angerufen wor-</span><br/> <span class="ft6">den, obschon § 148 Abs. 3, 2. Satzteil BauG ihr eine subsidiäre Ge-</span><br/> <span class="ft6">neralzuständigkeit zuweise. Der Widerspruch zwischen dieser Be-</span><br/> <span class="ft6">stimmung und § 41 Abs. 1 ABauV habe sich aufgrund der faktischen</span><br/> <span class="ft6">Vorrangstellung des Baudepartements als erstem Ansprechpartner der</span><br/> <span class="ft6">Gemeinden in Baugesetzfragen bis heute nicht aktualisiert. Soweit</span><br/> <span class="ft6">die Parkplatzerstellungspflicht als Teil der Baureife beziehungsweise</span><br/> <span class="ft6">der Erschliessung zu werten sei, könne sich die Zuständigkeit der</span><br/> <span class="ft6">Schätzungskommission allenfalls auf den neuen § 35 Abs. 2 BauG</span><br/> <span class="ft6">stützen.</span><br/> <span class="ft6">c) Die gegenteilige Auffassung begründet das Baudepartement</span><br/> <span class="ft6">einerseits unter Hinweis auf § 148 Abs. 3 BauG, anderseits mit dem</span><br/> <span class="ft6">Argument, wonach Bauten nur auf baureifen Grundstücken im Sinne</span><br/> <span class="ft6">von § 32 Abs. 1 BauG erstellt werden dürfen. Die Erschliessungsan-</span><br/> <span class="ft6">lagen müssten nicht nur bis zur Bauparzelle genügen, sondern auch</span><br/> <span class="ft6">eine genügende parzelleninterne Erschliessung aufweisen. § 55</span><br/> <span class="ft6">BauG statuiere die Pflicht zur Erstellung von Abstellplätzen ein-</span><br/> <span class="ft6">schliesslich der erforderlichen Verkehrsflächen für den Zubringer-</span><br/> <span class="ft6">dienst. Daraus ergebe sich, dass für eine genügende Erschliessung im</span><br/> <span class="ft6">Sinne von § 32 Abs. 1 lit. b BauG auch eine genügende Anzahl Ab-</span><br/> <span class="ft6">stellplätze vorhanden sein müsse. Systematisch gehörten die Abstell-</span><br/> <span class="ft6">plätze deshalb zu den Erschliessungsanlagen und deren Vorhanden-</span><br/> <span class="ft6">sein in genügender Anzahl zu den Voraussetzungen der Baureife.</span><br/> <span class="ft6">Folgerichtig erscheine deshalb, eine Ersatzabgabe im Rahmen der</span><br/> <span class="ft6">Pflicht zur Erstellung von Abstellplätzen im gleichen Verfahren zu</span><br/> <span class="ft6">beurteilen wie die andern Erschliessungsabgaben. Zwischen den</span><br/> <span class="ft6">Abgaben bestehe ein sachlicher Zusammenhang und es sei zweck-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">247</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">mässig alle Erschliessungsabgaben im gleichen Verfahren zu behan-</span><br/> <span class="ft6">deln. Den Erschliessungsabgaben für die öffentliche Kanalisation</span><br/> <span class="ft6">oder für die Erstellung der Zufahrt bis zum Grundstück würden die</span><br/> <span class="ft6">gleichen Grundsätze zugrunde liegen wie den Parkplatzersatzabga-</span><br/> <span class="ft6">ben. Beide Abgaben knüpften an eine zurechenbare Leistung des</span><br/> <span class="ft6">Gemeinwesens an und es handle sich um Kausal- beziehungsweise</span><br/> <span class="ft6">Ersatzabgaben, die sich nach dem Verursacherprinzip richteten.</span><br/> <span class="ft6">3. a) Nach dem Gesetzeswortlaut von § 35 Abs. 2 BauG in der</span><br/> <span class="ft6">revidierten Fassung kann gegen den Beitragsplan während der Auf-</span><br/> <span class="ft6">lagefrist und gegen andere Abgabeverfügungen innert 20 Tagen seit</span><br/> <span class="ft6">Zustellung beim verfügenden Organ Einsprache erhoben werden</span><br/> <span class="ft6">(§ 35 Abs. 2 Satz 1). Einspracheentscheide können mit Beschwerde</span><br/> <span class="ft6">bei der Schätzungskommission, deren Entscheide beim Verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsgericht angefochten werden können (§ 35 Abs. 2 Satz 2 BauG).</span><br/> <span class="ft6">Der Begriff <i>"andere Abgabeverfügungen"</i> bezieht sich nach dem</span><br/> <span class="ft6">systematischen und sachlichen Zusammenhang auf die Einzelverfü-</span><br/> <span class="ft6">gungen gemäss § 35 Abs. 1 Satz 3 BauG, wonach der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft6">(beziehungsweise bei Gemeindeverbänden der Vorstand) die Bei-</span><br/> <span class="ft6">tragspflichtigen und deren Beiträge an die Grob- und Feinerschlies-</span><br/> <span class="ft6">sung anstelle eines Beitragsplanes in Einzelverfügungen bestimmen</span><br/> <span class="ft6">kann. Soweit keine kantonalen Vorschriften bestehen, beziehungs-</span><br/> <span class="ft6">weise der Grosse Rat keine präzisierenden und ergänzenden Vor-</span><br/> <span class="ft6">schriften erlassen hat, können die Gemeinden die Erhebung der Ge-</span><br/> <span class="ft6">bühren regeln (§ 34 Abs. 3 und 4 BauG). Die Beiträge und Gebüh-</span><br/> <span class="ft6">ren, die sachlich unter diese Bestimmungen fallen, umschreiben § 34</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 und 2 BauG. Die Grundeigentümer können zu Beiträgen an</span><br/> <span class="ft6">die Kosten der Erstellung und Änderung von Strassen (§ 34 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">BauG) und die Erstellung, Änderung und Erneuerung von Anlagen</span><br/> <span class="ft6">der Versorgung mit Wasser und elektrischer Energie sowie der Ab-</span><br/> <span class="ft6">wasserbeseitigung (§ 34 Abs. 2 BauG) verpflichtet werden. Überdies</span><br/> <span class="ft6">verpflichtet § 34 Abs. 2 Satz 2 BauG in der Fassung vom 19. August</span><br/> <span class="ft6">1999 die Gemeinden, Gebühren für den Betrieb und den ungedeckten</span><br/> <span class="ft6">Teil der Kosten zu erheben. Aus dem Wortlaut und dem systema-</span><br/> <span class="ft6">tischen und sachlichen Zusammenhang der Bestimmungen in den</span><br/> <span class="ft6">§§ 34 f. BauG lässt sich daher nichts entnehmen, wonach unter dem</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">248</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Begriff "andere Abgabeverfügungen" auch die Parkplatzersatzabga-</span><br/> <span class="ft6">ben zu verstehen sind.</span><br/> <span class="ft6">b) aa) Für die Auffassung des Baudepartements finden sich</span><br/> <span class="ft6">auch keine Hinweise in den Materialien zur Revision der §§ 34 f.</span><br/> <span class="ft6">BauG. In der Botschaft des Regierungsrats vom 16. Dezember 1998</span><br/> <span class="ft6">"Baugesetz; Änderung der §§ 34, 35, 88, 166 und 169 (Erschlies-</span><br/> <span class="ft6">sungsfinanzierung)" (im Folgenden: Botschaft 1998) wird zum</span><br/> <span class="ft6">Rechtsschutz ausgeführt, dass die Zuständigkeit der Schätzungskom-</span><br/> <span class="ft6">mission neu für Beschwerden gegen die Elektroabgaben begründet</span><br/> <span class="ft6">werden soll. Rechtsmittelinstanz für Abgaben und Beiträge an die</span><br/> <span class="ft6">Elektrischen Anlagen war nach dem bisherigen Recht das Departe-</span><br/> <span class="ft6">ment des Innern (§§ 105 und 109 GG i.V.m. § 2 Abs. 1 lit. a der Ver-</span><br/> <span class="ft6">ordnung über die Delegation von Kompetenzen des Regierungsrats</span><br/> <span class="ft6">[DelV, SAR 153.111] vom 8. November 1982). Eine Ausdehnung der</span><br/> <span class="ft6">sachlichen und funktionalen Zuständigkeit der Schätzungskommis-</span><br/> <span class="ft6">sion auf Parkplatzersatzabgaben war nicht vorgesehen (vgl. Vorlage</span><br/> <span class="ft6">zur Volksabstimmung vom 28. November 1999, S. 2 und Anhang 3).</span><br/> <span class="ft6">In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass die</span><br/> <span class="ft6">Zuständigkeit der Schätzungskommission bereits in § 35 Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">BauG in der ursprünglichen, nicht in Kraft gesetzten Fassung vom</span><br/> <span class="ft6">19. Januar 1993, für Beschwerden gegen den Beitragsplan vorgese-</span><br/> <span class="ft6">hen war. Diese Zuständigkeit war auf Beschwerden gegen den Bei-</span><br/> <span class="ft6">tragsplan beschränkt, wollte man doch mit dem neuen Baugesetz</span><br/> <span class="ft6">1993 die im alten Baugesetz 1971 (§ 32 aBauG) vorgesehene Ver-</span><br/> <span class="ft6">waltungsbeschwerde durch die Beschwerde an ein unabhängiges</span><br/> <span class="ft6">(Spezial-)Verwaltungsgericht ersetzen (Botschaft 1 zum Baugesetz</span><br/> <span class="ft6">1993, S. 24). Den negativen Kompetenzkonflikt schaffte somit nicht</span><br/> <span class="ft6">die Zuständigkeitsvorschrift, sondern die Einführung der Einzelver-</span><br/> <span class="ft6">fügungen, die mit der Revision 1999 ebenfalls dem Rechtsmittelver-</span><br/> <span class="ft6">fahren (Einsprache- beziehungsweise Beschwerdeverfahren) vor der</span><br/> <span class="ft6">Schätzungskommission zugewiesen wurden.</span><br/> <span class="ft6">bb) Die Botschaft 1998 führte zum sachlichen Geltungsbereich</span><br/> <span class="ft6">der Revision und der Verfügungskompetenz der Gemeinde aus, diese</span><br/> <span class="ft6">sei bewusst auf Anlagen beschränkt worden, die für die Baureife</span><br/> <span class="ft6">erforderlich seien (S. 10). Nach der Botschaft sind dies "Strassen,</span><br/> <span class="ft6">Anlagen der Versorgung mit Wasser und elektrischer Energie sowie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">249</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Abwasseranlagen"; weiter führt die Botschaft aus, dass "Vorschriften</span><br/> <span class="ft6">über die Finanzierung anderer Einrichtungen wie Gas, Fernwärme,</span><br/> <span class="ft6">TV, Telefon <i>usw.</i>" in den §§ 34 und 35 nicht enthalten seien, und die</span><br/> <span class="ft6">neuen Vorschriften des Baugesetzes kommunale Regelungen nicht</span><br/> <span class="ft6">verhinderten. Die Parkplatzersatzabgaben betreffen Einrichtungen,</span><br/> <span class="ft6">die das kommunale Recht regelt.</span><br/> <span class="ft6">cc) Der Begriff "andere Abgabeverfügungen" wird in der Bot-</span><br/> <span class="ft6">schaft des Regierungsrats vom 9. Juni 1999 (Bericht und Entwurf zur</span><br/> <span class="ft6">2. Beratung der Baugesetzänderung [im Folgenden: Botschaft 1999],</span><br/> <span class="ft6">S. 5) als Stilbruch qualifiziert. Diese Umschreibung sei aber bewusst</span><br/> <span class="ft6">deshalb gewählt worden, um sicher zu gehen, dass im Falle der Ab-</span><br/> <span class="ft6">lösung der (altrechtlichen) Anschlussgebühren auch diese Abgaben</span><br/> <span class="ft6">übergangsrechtlich abgedeckt seien. Ausserdem wolle man der Ge-</span><br/> <span class="ft6">fahr vorbeugen, dass das Verwaltungsgericht bei der Verwendung des</span><br/> <span class="ft6">Begriffes "Gebühren" zum Schlusse kommen könnte, die Erhebung</span><br/> <span class="ft6">von Anschlussgebühren seien nicht geregelt. Überdies seien Bei-</span><br/> <span class="ft6">träge, welche durch Einzelverfügungen auferlegt werden, keine Ge-</span><br/> <span class="ft6">bühren (Botschaft 1999, S. 5 f.). Die Begriffsbildung stammt aus</span><br/> <span class="ft6">dem Mitbericht des Rechtsdienstes des Regierungsrats vom</span><br/> <span class="ft6">3. Dezember 1998. Der Rechtsdienst schlug zum Vorentwurf vor,</span><br/> <span class="ft6">dass der ursprüngliche verwendete Begriff "andere Erschliessungs-</span><br/> <span class="ft6">abgaben" sprachlogisch durch "gegen andere Verfügungen betreffend</span><br/> <span class="ft6">Erschliessungsabgaben", oder wörtlich: "da schon aus dem Zusam-</span><br/> <span class="ft6">menhang hervorgeht, dass die Verfügungen Erschliessungsabgaben</span><br/> <span class="ft6">betreffen, kürzer, gegen andere Abgabeverfügungen" ersetzt werde</span><br/> <span class="ft6">(Mitbericht, S. 3). Im Gesetzesentwurf vom 11. Dezember 1998</span><br/> <span class="ft6">wurde diese gekürzte Version aufgenommen.</span><br/> <span class="ft6">Jedenfalls steht fest, dass ein Bezug zu den Parkplatzersatzab-</span><br/> <span class="ft6">gaben bei der Begriffsbildung nicht erkannt wurde, und deren Einbe-</span><br/> <span class="ft6">zug in die Revision vom Gesetzgeber nicht gewollt war. In der bera-</span><br/> <span class="ft6">tenden Kommission und im Grossen Rat wurde die geltende Formu-</span><br/> <span class="ft6">lierung einstimmig gutgeheissen und ohne Diskussion genehmigt</span><br/> <span class="ft6">(Protokoll der nicht ständigen Kommission Nr. 16 "Baugesetz", Än-</span><br/> <span class="ft6">derungen der §§ 34, 35, 88, 166 und 169 [Erschliessungsfinanzie-</span><br/> <span class="ft6">rung], 3. Sitzung vom 10. August 1999, S. 13; Protokoll des Grossen</span><br/> <span class="ft6">Rats vom 31. August 1999 [Art. 1371], S. 2062).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">250</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">dd) Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Ge-</span><br/> <span class="ft6">setzgeber unter dem Begriff "andere Abgabeverfügungen" nicht an</span><br/> <span class="ft6">die Parkplatzersatzabgaben dachte, was insofern verständlich er-</span><br/> <span class="ft6">scheint, als die Revision der §§ 34 f. BauG nur die Anlagen der</span><br/> <span class="ft6">Grob- und Feinerschliessung einschliesslich der Basiserschliessung</span><br/> <span class="ft6">zum Gegenstand hatte (Botschaft 1998, S. 13; Botschaft 1999, S. 3).</span><br/> <span class="ft6">c) Die Begriffe Grob- und Feinerschliessung sind bundesrecht-</span><br/> <span class="ft6">liche Umschreibungen der Erschliessungsanlagen. Gemäss Art. 19</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 RPG ist Land erschlossen, wenn die für die betreffende Nut-</span><br/> <span class="ft6">zung hinreichende Zufahrt besteht und die erforderlichen Wasser-,</span><br/> <span class="ft6">Energie- sowie Abwasserleitungen so nahe heranführen, dass ein</span><br/> <span class="ft6">Anschluss ohne erheblichen Aufwand möglich ist. Der Begriff der</span><br/> <span class="ft6">Erschliessung ist vom Bundesrecht abschliessend definiert; die</span><br/> <span class="ft6">Kantone dürfen den Begriff nicht verschieden definieren (André</span><br/> <span class="ft6">Jomini in: Heinz Aemisegger/Alfred Kuttler/Pierre Moor/Alexander</span><br/> <span class="ft6">Ruch [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung,</span><br/> <span class="ft6">Zürich 1999, Art. 19 N 10). Art. 4 Abs. 1 WEG definiert den Begriff</span><br/> <span class="ft6">der Groberschliessung als "Versorgung eines zu überbauenden Ge-</span><br/> <span class="ft6">biets mit den Hauptsträngen der Erschliessungsanlagen, namentlich</span><br/> <span class="ft6">Wasser-, Energieversorgungs- und Abwasserleitungen sowie Strassen</span><br/> <span class="ft6">und Wege, die unmittelbar dem zu erschliessenden Gebiet dienen".</span><br/> <span class="ft6">Art. 4 Abs. 2 WEG definiert die Feinerschliessung als den Anschluss</span><br/> <span class="ft6">der einzelnen Grundstücke an die Hauptstränge. Beide Gesetze er-</span><br/> <span class="ft6">wähnen die Parkplätze nicht als Bestandteile einer Erschliessung</span><br/> <span class="ft6">(vgl. auch Walter Haller/Peter Karlen, Raumplanungs-, Bau- und</span><br/> <span class="ft6">Umweltrecht, Band I, 3. Auflage, Zürich 1999, Rz. 576 ff.; Erich</span><br/> <span class="ft6">Zimmerlin; Baugesetz des Kantons Aargau, Kommentar, 2. Auflage,</span><br/> <span class="ft6">Aarau 1985, § 156 N 8a). Damit bestehen auch aus dem Wortlaut</span><br/> <span class="ft6">"Grob- und Feinerschliessung" keine Anhaltspunkte für einen Mit-</span><br/> <span class="ft6">einbezug der Parkplatzersatzabgabe unter die Beitragspflicht gemäss</span><br/> <span class="ft6">§ 35 BauG. Abstellplätze gehören nach dem Sinn und Wortlaut dieser</span><br/> <span class="ft6">Definitionen klar nicht zu den Erschliessungsanlagen.</span><br/> <span class="ft6">d) Weder aus dem Wortlaut, noch aus der gesetzlichen Syste-</span><br/> <span class="ft6">matik und Entstehungsgeschichte ergeben sich Anhaltspunkte dafür,</span><br/> <span class="ft6">dass mit der Revision des Baugesetzes von 1999 die Zuständigkeit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">251</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">für das erstinstanzliche Rechtsmittelverfahren bei Streitigkeiten über</span><br/> <span class="ft6">die Parkplatzersatzabgaben geändert wurde.</span><br/> <span class="ft6">4. a) Baureif ist ein Grundstück, wenn es nach Lage, Form und</span><br/> <span class="ft6">Beschaffenheit für die Überbauung geeignet und erschlossen ist (vgl.</span><br/> <span class="ft6">den dritten Teil des Baugesetzes "Baureife und Erschliessung"; § 32</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 BauG). Erschlossen ist ein Grundstück, wenn eine Zufahrt</span><br/> <span class="ft6">oder ein Zugang, die dem Zweck der Baute genügen, und die nötigen</span><br/> <span class="ft6">Anlagen für Trinkwasser, Löschwasser- sowie Energieversorgung</span><br/> <span class="ft6">und für die Abwasserbeseitigung vorhanden sind oder mit dem Ge-</span><br/> <span class="ft6">bäude erstellt werden (Art. 32 Abs. 1 lit. b BauG und Art. 19 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">RPG). Das Erfordernis der genügenden strassenmässigen Erschlies-</span><br/> <span class="ft6">sung soll den Anschluss an das öffentliche Strassennetz unter ver-</span><br/> <span class="ft6">kehrs-, feuer-, sicherheits- und gesundheitspolizeilichen sowie raum-</span><br/> <span class="ft6">planerischen Gesichtspunkten sicherstellen und bezieht sich auf die</span><br/> <span class="ft6">gesamte Wegstrecke mit Feinerschliessungsfunktion (Erläuterungen</span><br/> <span class="ft6">zum Bundesgesetz über die Raumplanung, Bern 1981, Art. 19 N 12;</span><br/> <span class="ft6">Erich Zimmerlin, a.a.O., § 156 N 8a, AGVE 1990, S. 249 ff. mit</span><br/> <span class="ft6">Hinweisen). Die Erschliessung der Bauzonen obliegt den Gemeinden</span><br/> <span class="ft6">(§ 33 BauG) und kann von den Grundeigentümern vorfinanziert und</span><br/> <span class="ft6">durchgeführt werden, wenn ein Sondernutzungsplan vorliegt. Private</span><br/> <span class="ft6">Erschliessungsanlagen sind von der Gemeinde grundsätzlich zu</span><br/> <span class="ft6">übernehmen (§ 37 BauG). Die Baureife knüpft sachlich an ein</span><br/> <span class="ft6">Grundstück (§ 32 Abs. 1 Satz BauG; Art. 4 Abs. 2 WEG), das "Land"</span><br/> <span class="ft6">(vgl. Art. 19 Abs. 1 RPG) oder das "Gebiet" (vgl. Art. 4 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">WEG) an. Die Erschliessung ist - nebst den Voraussetzungen in § 32</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 lit. a BauG - eine Voraussetzung der Überbaubarkeit von</span><br/> <span class="ft6">Bauland, aber keine Voraussetzung an ein konkretes Bauvorhaben.</span><br/> <span class="ft6">Unter Zufahrt ist die Strassenverbindung zwischen dem Bau-</span><br/> <span class="ft6">grundstück und dem öffentlichen Strassennetz zu verstehen (vgl. zum</span><br/> <span class="ft6">bundesrechtlichen Begriff der Zufahrt in Art. 19 RPG: Erläuterungen</span><br/> <span class="ft6">zum RPG, herausgegeben vom eidg. Justiz- und Polizeidepartement,</span><br/> <span class="ft6">Abteilung Raumplanung, Bern 1981, Art. 19 N 12 - 14; und die Ver-</span><br/> <span class="ft6">wendung dieses Begriffs in § 113 BauG; AGVE 1990, S. 248 mit</span><br/> <span class="ft6">Hinweisen), weitere parzelleninterne Anlagen, insbesondere Park-</span><br/> <span class="ft6">plätze, fallen nicht darunter. Dass die Parkplatzerstellungspflicht</span><br/> <span class="ft6">auch nicht Teil der ausnahmsweise ausreichenden Erschliessung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">252</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">durch einen "Zugang" ist, bedarf keiner eingehenden Begründung</span><br/> <span class="ft6">(vgl. Erich Zimmerlin, a.a.O., § 156 N 8c). Die Revision von 1999</span><br/> <span class="ft6">beschränkte sich - wie oben ausgeführt (vgl. vorne Erw. 3) - auf die</span><br/> <span class="ft6">Regelung der Erschliessung der Bauzonen im öffentlichen Aufga-</span><br/> <span class="ft6">benbereich. § 32 BauG und der Rechtsgehalt der Baureife blieben in</span><br/> <span class="ft6">der Revision von 1999 unverändert.</span><br/> <span class="ft6">b) Die Parkplatzerstellungspflicht und die Pflicht zur Schaffung</span><br/> <span class="ft6">der erforderlichen Verkehrsflächen für den Zubringerdienst gemäss</span><br/> <span class="ft6">§ 55 BauG sind demgegenüber Grundanforderungen an Bauvor-</span><br/> <span class="ft6">haben. Sie sind systematisch im vierten Teil "Nutzungs- , Bau- und</span><br/> <span class="ft6">Schutzvorschriften" des Baugesetzes eingeordnet. Die Beschaffen-</span><br/> <span class="ft6">heit der Bauvorhaben, nicht des Grundstücks, ist Gegenstand dieser</span><br/> <span class="ft6">Regelungen. Die Erfüllung der Parkplatzerstellungspflicht ist eine</span><br/> <span class="ft6">Voraussetzung für die Erteilung einer Baubewilligung. Grundlage für</span><br/> <span class="ft6">die Bestimmung der erforderlichen Anzahl Parkplätze sind die pro-</span><br/> <span class="ft6">jektierten Bauten und Anlagen, beziehungsweise die Umgestaltung,</span><br/> <span class="ft6">Erweiterung oder Zweckänderung bestehender Bauten, nicht die</span><br/> <span class="ft6">rechtliche und tatsächliche Qualität des Baugrundstückes (§ 56</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 Satz 2 BauG und §§ 25 f. ABauV). Vorrang bei der Parkplatz-</span><br/> <span class="ft6">erstellungspflicht hat die Realerfüllung. Lediglich in Ausnahmefällen</span><br/> <span class="ft6">kann oder muss die Pflicht durch Leistung von Ersatzabgaben abge-</span><br/> <span class="ft6">löst werden. Die Ersatzabgabe für Parkplätze ist damit eine Folge-</span><br/> <span class="ft6">koste eines Bauvorhabens, die anfällt, weil der Bauwillige die von</span><br/> <span class="ft6">seinem Bauvorhaben ausgelöste Parkplatzerstellungspflicht aus</span><br/> <span class="ft6">irgend einem Grund nicht real erfüllt. Die Abgeltung von Leistungen</span><br/> <span class="ft6">des Gemeinwesens ist sodann nicht Voraussetzung der Ersatzabgabe,</span><br/> <span class="ft6">und sie verhindert auch keine polizeiwidrigen Verhältnisse. Dies</span><br/> <span class="ft6">folgt schon daraus, dass die Abgabepflicht entfällt, wenn die Erstel-</span><br/> <span class="ft6">lung von Parkplätzen untersagt ist, und keine öffentlichen Parkie-</span><br/> <span class="ft6">rungsanlagen in nützlicher Distanz vorhanden sind (§ 58 Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">BauG).</span><br/> <span class="ft6">Diese Ersatzabgaben sind demgemäss weder nach dem Geset-</span><br/> <span class="ft6">zeswortlaut, noch der gesetzlichen Systematik, noch der Sache nach</span><br/> <span class="ft6">ein Teilgehalt der Baureife im Sinne von § 32 Abs. 1 BauG.</span><br/> <span class="ft6">c) Die Parkplatzersatzabgaben sind Folge der Nichterfüllung</span><br/> <span class="ft6">der Parkplatzerstellungspflicht, weshalb ihre Beurteilung und Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">253</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">messung regelmässig vorfrageweise die Erstellungspflicht zu beur-</span><br/> <span class="ft6">teilen hat. Unbestrittenermassen wird die reale Erfüllung der Park-</span><br/> <span class="ft6">platzerstellungspflicht im Rechtsmittelverfahren durch das Baude-</span><br/> <span class="ft6">partement beurteilt. Dass in den Ersatzabgabefällen die Schätzungs-</span><br/> <span class="ft6">kommission vorfrageweise die Pflicht und die Anspruchsgrundlagen</span><br/> <span class="ft6">selbstständig beurteilt, ist einer einheitlichen Rechtsanwendung von</span><br/> <span class="ft6">§ 55 ff. BauG weniger dienlich als allfällige Abweichungen bei der</span><br/> <span class="ft6">Anwendung allgemeiner Grundsätze. In der Hauptsache ist daher für</span><br/> <span class="ft6">die Beurteilung der Parkplatzersatzabgaben die Zuständigkeit des</span><br/> <span class="ft6">Baudepartements im Beschwerdeverfahren nach § 46 VRPG und</span><br/> <span class="ft6">§ 41 ABauV auch nach der Revision des BauG 1999 gegeben.</span><br/> <span class="ft6">d) § 148 Abs. 3 BauG sieht eine subsidiäre Zuständigkeit der</span><br/> <span class="ft6">Schätzungskommission in den Verfahren nach Baugesetz vor. Diese</span><br/> <span class="ft6">Zuständigkeitsnorm anerkennt andere Zuständigkeiten unabhängig</span><br/> <span class="ft6">davon, auf welcher Stufe die Regelung erfolgt. Es kann daher offen</span><br/> <span class="ft6">bleiben, ob sich diese Zuständigkeitsregel auf Grund der Gesetzessy-</span><br/> <span class="ft6">stematik nur auf den 9. Teil (Enteignung) des Baugesetzes bezieht,</span><br/> <span class="ft6">oder weitere "Streitigkeiten" erfasst.</span><br/> <span class="ft6">5. Die gesetzliche Zuständigkeitsordnung hat für die Abgaben</span><br/> <span class="ft6">und Gebühren gemäss § 34 ff. BauG, welche als Auflagen oder Be-</span><br/> <span class="ft6">dingungen einer Baubewilligung verfügt werden, zur Folge, dass die</span><br/> <span class="ft6">Schätzungskommission nach dem Einspracheverfahren Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deinstanz ist. Die Rechtsmittelbelehrung in der Baubewilligung hat</span><br/> <span class="ft6">für diese Auflagen und Bedingungen auf die Einsprache gemäss § 35</span><br/> <span class="ft6">Abs. 2 BauG und für die übrigen Bestimmungen auf die Beschwerde</span><br/> <span class="ft6">an das Baudepartement gemäss § 41 ABauV hinzuweisen.</span><br/> <span class="ft6">6. a) Nach § 65 Abs. 2 BauG kann die Beschwerdebehörde <i>im</i></span><br/> <span class="ft5"><i>Baubewilligungsverfahren</i> den Baubeginn ganz oder teilweise be-</span><br/> <span class="ft6">willigen, sofern dadurch ihre Entscheidungsfreiheit nicht beeinträch-</span><br/> <span class="ft6">tigt wird. Die Bestimmung entspricht im Wesentlichen dem Grund-</span><br/> <span class="ft6">satz der aufschiebenden Wirkung von Beschwerden (§ 44 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">VRPG) und dem in § 44 Abs. 2 Satz 2 VRPG der Beschwerdeinstanz</span><br/> <span class="ft6">zustehenden Möglichkeit, die aufschiebende Wirkung einer Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerde zu entziehen (vgl. AGVE 1996, S. 396 f. mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft6">b) Der Schätzungskommission steht das Recht zum Entzug der</span><br/> <span class="ft6">aufschiebenden Wirkung gemäss § 44 Abs. 2 VRPG zu. Sie ist keine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">254</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Beschwerdeinstanz im Baubewilligungsverfahren, weshalb sie keine</span><br/> <span class="ft6">Bewilligungen nach § 65 Abs. 2 BauG erteilen kann.</span><br/> <span class="ft6">c) Mit der Revision vom 31. August 1999 wurde die Einspra-</span><br/> <span class="ft6">chemöglichkeit gegen den Beitragsplan und die Verfügungen über</span><br/> <span class="ft6">Erschliessungsabgaben als neues Element in das Rechtsschutzverfah-</span><br/> <span class="ft6">ren nach Baugesetz eingeführt (§ 35 Abs. 2 Satz 1 BauG). Dies auf-</span><br/> <span class="ft6">grund der Erfahrungen mit dem Einspracheverfahren in andern</span><br/> <span class="ft6">Sachbereichen, wie z.B. im Landumlegungsverfahren (Botschaft</span><br/> <span class="ft6">1998, S. 12). Diese Einsprache ist ein Rechtsmittel, welches von der</span><br/> <span class="ft6">anordnenden Behörde entschieden wird (§ 4 Abs. 2 BauG). Andere</span><br/> <span class="ft6">oder ergänzende Verfahrensvorschriften finden sich weder in der</span><br/> <span class="ft6">ABauV noch im VRPG. Aus den gesetzlichen Bestimmungen folgt,</span><br/> <span class="ft6">dass der Gemeinderat als Einspracheinstanz keinen vorzeitigen Bau-</span><br/> <span class="ft6">beginn im Sinne von § 65 Abs. 2 BauG bewilligen kann. Auch ein</span><br/> <span class="ft6">nachträglicher Entzug der aufschiebenden Wirkung liegt nicht in</span><br/> <span class="ft6">seiner Kompetenz (§ 44 Abs. 2 VRPG). Eine solche Bestimmung</span><br/> <span class="ft6">oder die analoge Anwendung dieser Bestimmungen auf das Einspra-</span><br/> <span class="ft6">cheverfahren vor dem Gemeinderat ist indessen nicht erforderlich.</span><br/> <span class="ft6">Die Einsprache verschafft dem Rechtssuchenden einen Anspruch auf</span><br/> <span class="ft6">Überprüfung der Verfügung. Die angefochtene Verfügung fällt dahin</span><br/> <span class="ft6">und der Gemeinderat hat über die Erschliessungsabgaben neu zu ent-</span><br/> <span class="ft6">scheiden. Der Rechtsschutz ist sichergestellt und die Kognition des</span><br/> <span class="ft6">Gemeinderats als Einspracheinstanz ist umfassend. Letztere schliesst</span><br/> <span class="ft6">sämtliche Anordnungen und Auflagen, die materiell (sachlich), funk-</span><br/> <span class="ft6">tional, oder verfahrensrechtlich zum Beitragsplan und den "andern</span><br/> <span class="ft6">Abgabeverfügungen" gehören, ein. In dieser Überprüfungsbefugnis</span><br/> <span class="ft6">eingeschlossen sind die Anordnungen über die Fälligkeit der Er-</span><br/> <span class="ft6">schliessungsabgaben entsprechend den kommunalen oder kantonalen</span><br/> <span class="ft6">Reglementen. Will der Gemeinderat die Zahlung oder die Sicherstel-</span><br/> <span class="ft6">lung der Erschliessungsabgaben oder -gebühren an den Baubeginn</span><br/> <span class="ft6">knüpfen, beziehungsweise aus der Sicht des betroffenen Bauge-</span><br/> <span class="ft6">suchsstellers, den Baubeginn von der Bezahlung der Abgaben und</span><br/> <span class="ft6">Gebühren abhängig machen, kann und muss er dies im Einspra-</span><br/> <span class="ft6">cheentscheid neu verfügen. Ausgeschlossen sind der vorsorgliche</span><br/> <span class="ft6">Entzug der aufschiebenden Wirkung der Einsprache (§ 44 Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">VRPG) oder andere vorsorgliche Massnahmen. Der Entscheid über</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">255</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">die Fälligkeit der Abgaben hat im Einspracheentscheid zu ergehen,</span><br/> <span class="ft6">wobei im Einspracheentscheid die aufschiebende Wirkung einer</span><br/> <span class="ft6">Beschwerde an die Schätzungskommission entzogen werden kann,</span><br/> <span class="ft6">sofern wichtige Gründe vorliegen (§ 44 Abs. 1 VRPG).</span><br/> <span class="ft6">d) Die Spaltung der Rechtmittelverfahren schafft auch mit Be-</span><br/> <span class="ft6">zug auf die Möglichkeit des vorzeitigen Baubeginns unterschiedliche</span><br/> <span class="ft6">Zuständigkeiten je nach den erhobenen Rechtsmitteln und Anord-</span><br/> <span class="ft6">nungen mit Bezug auf die Rechtskraft der Baubewilligung, Baube-</span><br/> <span class="ft6">ginn und Fälligkeit der Abgaben. Einerseits kann die Erhebung von</span><br/> <span class="ft6">Abgaben in der Baubewilligung als Nebenbestimmungen enthalten</span><br/> <span class="ft6">sein. Anderseits ist es möglich, dass separate Verfügungen erlassen</span><br/> <span class="ft6">werden, die entsprechende Nebenbestimmungen enthalten. Es lassen</span><br/> <span class="ft6">sich für die Praxis allgemein folgende Fälle unterscheiden:</span><br/> <span class="ft6">aa) Die Baubewilligung wird nur mit Bezug auf die mit ihr ver-</span><br/> <span class="ft6">fügten Erschliessungsabgaben im Sinne von §§ 34 ff. BauG ange-</span><br/> <span class="ft6">fochten: Zuständig ist vorerst der Gemeinderat im Einspracheverfah-</span><br/> <span class="ft6">ren. Ein vorzeitiger Baubeginn oder ein vorsorglicher Entzug der</span><br/> <span class="ft6">aufschiebenden Wirkung während des Einspracheverfahrens sind</span><br/> <span class="ft6">ausgeschlossen (vgl. vorne Erw. c). Der Gemeinderat kann im Ein-</span><br/> <span class="ft6">spracheentscheid entweder die Fälligkeitsbestimmung für die Abga-</span><br/> <span class="ft6">ben ändern, oder deren Sicherstellung verlangen, wenn das kommu-</span><br/> <span class="ft6">nale Erschliessungsreglement diese Möglichkeit vorsieht (vgl. § 6</span><br/> <span class="ft6">des Ersatzabgabereglements Baden; AGVE 1996, S. 398). Wird der</span><br/> <span class="ft6">Einspracheentscheid bei der Schätzungskommission angefochten,</span><br/> <span class="ft6">kann diese der Beschwerde die aufschiebende Wirkung entziehen,</span><br/> <span class="ft6">bzw. eine im Einspracheentscheid entzogene Suspensivwirkung wie-</span><br/> <span class="ft6">der erteilen (§ 44 Abs. 2 VRPG).</span><br/> <span class="ft6">bb) Die Anfechtung einer Baubewilligung umfasst die verfügten</span><br/> <span class="ft6">Abgaben und Gebühren nicht, sondern nur andere Teile ein-</span><br/> <span class="ft6">schliesslich der Parkplatzerstellungsersatzabgabe: Zuständige Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeinstanz ist das Baudepartement, welches nach § 65 Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">BauG den vorzeitigen Baubeginn bewilligen kann.</span><br/> <span class="ft6">cc) Gegen die Baubewilligung wird eine Einsprache gemäss</span><br/> <span class="ft6">§ 35 Abs. 2 BauG und eine Beschwerde gemäss § 41 ABauV einge-</span><br/> <span class="ft6">reicht: Für den vorzeitigen Baubeginn gemäss § 65 Abs. 2 BauG ist</span><br/> <span class="ft6">das Baudepartement ausschliesslich zuständig. Der vorzeitige Bau-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">256</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">beginn setzt sowohl die Rechtskraft der Verfügungsteile über die</span><br/> <span class="ft6">Erschliessungsabgaben, als auch die Bewilligung des Baudeparte-</span><br/> <span class="ft6">ments gemäss § 65 Abs. 2 BauG voraus. Wird eine solche Bewilli-</span><br/> <span class="ft6">gung erteilt, bevor der Gemeinderat über die Einsprache entschieden</span><br/> <span class="ft6">hat, ist die Baubewilligung nicht rechtskräftig und mit dem Bauvor-</span><br/> <span class="ft6">haben darf vor der Rechtskraft des Einspracheentscheids nicht be-</span><br/> <span class="ft6">gonnen werden. Wurde oder wird im Zeitpunkt, in welchem der vor-</span><br/> <span class="ft6">zeitige Baubeginn vom Baudepartement bewilligt wurde, eine</span><br/> <span class="ft6">Beschwerde gegen den Einspracheentscheid des Gemeinderats be-</span><br/> <span class="ft6">treffend Erschliessungsabgaben eingereicht, hat die Schätzungskom-</span><br/> <span class="ft6">mission auf Gesuch über die aufschiebende Wirkung der ("Erschlies-</span><br/> <span class="ft6">sungs-")Beschwerde zu entscheiden. Eine Koordination dieser Ent-</span><br/> <span class="ft6">scheide (zum Beispiel durch entsprechende Vorbehalte) und Abspra-</span><br/> <span class="ft6">che zwischen Schätzungskommission und Gemeinderat sowie Bau-</span><br/> <span class="ft6">departement ist nicht nur zweckmässig, sondern im Interesse der</span><br/> <span class="ft6">Verfahrensbeteiligten geboten.</span><br/> <span class="ft6">dd) Die theoretisch möglichen, in der Praxis aber kaum auftre-</span><br/> <span class="ft6">tenden Fälle, in welchen die Erschliessungsabgaben und -gebühren</span><br/> <span class="ft6">in der Baubewilligung verfügt werden, deren Fälligkeit und/oder</span><br/> <span class="ft6">Rechtskraft aber nicht mit dem Baubeginn oder der Rechtskraft der</span><br/> <span class="ft6">Baubewilligung gekoppelt sind, oder die Baubewilligung besondere</span><br/> <span class="ft6">Rechtskraftbestimmungen enthält, sind für den Zuständigkeitskon-</span><br/> <span class="ft6">flikt beim vorzeitigen Baubeginn ohne praktische Bedeutung und</span><br/> <span class="ft6">können nach den dargestellten Grundsätzen gelöst werden.</span><br/> <span class="ft6">ee) Werden Erschliessungsabgaben in einer separaten Verfü-</span><br/> <span class="ft6">gung festgesetzt gelten für das Rechtsmittelverfahren die Zuständig-</span><br/> <span class="ft6">keitsregeln von § 35 BauG (vgl. vorne Erw. c).</span><br/> <span class="ft6">7. Der Schätzungskommission und dem Baudepartement ist zu-</span><br/> <span class="ft6">zustimmen, dass diese Rechtswegspaltung - und die im Ergebnis</span><br/> <span class="ft6">doppelte Zuständigkeit für einen sofortigen Baubeginn - nicht pro-</span><br/> <span class="ft6">zessökonomisch ist und auch nicht als besonders bürgerfreundlich</span><br/> <span class="ft6">bezeichnet werden kann. Sie ist aber in Kauf zu nehmen, wenn mit</span><br/> <span class="ft6">einer behördlich angeordneten Koppelung die Zahlung oder Sicher-</span><br/> <span class="ft6">stellung von Erschliessungsabgaben und -gebühren mit dem Baube-</span><br/> <span class="ft6">ginn bewirkt werden und der Rechtsschutz nach dem Baugesetz ge-</span><br/> <span class="ft6">wahrt bleiben soll. Der Rechtschutzanspruch des Bürgers bei Abga-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">257</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">ben- und Gebührenverfügungen und beim Beitragsplan ist vom Ge-</span><br/> <span class="ft6">setz der Schätzungskommission, einer richterlichen Instanz, anver-</span><br/> <span class="ft6">traut. Sie ist mit umfassender Kognition zur Beurteilung aller Rechts-</span><br/> <span class="ft6">und Tatfragen in diesem Sachzusammenhang zuständig. Damit fallen</span><br/> <span class="ft6">auch Vorfragen, Verfahrensfragen, Zwischenentscheide, vorsorgliche</span><br/> <span class="ft6">Massnahmen und die Anordnungen über die aufschiebende Wirkung</span><br/> <span class="ft6">in ihre alleinige Zuständigkeit, soweit diese in der Hauptsache reicht.</span><br/> <span class="ft6">Anderseits sind nach dem Baugesetz alle kommunalen Baubewilli-</span><br/> <span class="ft6">gungen, die in Anwendung von Vorschriften des Baugesetzes erge-</span><br/> <span class="ft6">hen und nicht einer besonderen Instanz zugewiesen sind, vorerst</span><br/> <span class="ft6">einer Rechts- und Ermessenskontrolle im Verwaltungsverfahren un-</span><br/> <span class="ft6">terstellt.</span><br/> <span class="ft6">Die Verschiebung der Rechtsmittelkompetenzen und Zustän-</span><br/> <span class="ft6">digkeiten je nach dem, ob eine Verfügung Anordnungen aus ver-</span><br/> <span class="ft6">schiedenen Sachgebieten verbindet, oder die Betroffenen eine Verfü-</span><br/> <span class="ft6">gung in einzelnen oder mehreren Punkte aus unterschiedlichen sach-</span><br/> <span class="ft6">lichen Zuständigkeitsbereichen anfechten, ist mit dem Rechtsschutz-</span><br/> <span class="ft6">anspruch und dem Interesse an einer einheitlichen Rechtsanwendung</span><br/> <span class="ft6">nicht vereinbar. Zu erwähnen sind z.B. die Möglichkeiten, dass eine</span><br/> <span class="ft6">Baueinsprache und die anschliessende Beschwerde eines Einspre-</span><br/> <span class="ft6">chers statt den Parkplatzersatzabgaben die reale Erstellung beantragt</span><br/> <span class="ft6">oder umgekehrt. Die Zuständigkeit einer Rechtsmittelinstanz von</span><br/> <span class="ft6">Zufälligkeiten oder vom Willen der Verfahrensbeteiligten und Be-</span><br/> <span class="ft6">hörden abhängig zu machen, ist mit dem Baugesetz schwer verträg-</span><br/> <span class="ft6">lich und widerspricht vor allem dem Grundsatz der Rechtssicherheit,</span><br/> <span class="ft6">dem besonders im Verfahrensrecht ein hoher Stellenwert zukommt.</span><br/> <span class="ft6">Abschliessend sei erwähnt, dass es auch sachlich Sinn macht, wenn</span><br/> <span class="ft6">die Schätzungskommission die Entscheide im Sachzusammenhang</span><br/> <span class="ft6">mit den Erschliessungsabgaben und -gebühren gemäss § 34 BauG</span><br/> <span class="ft6">fällt, während das Baudepartement über die Parkplatzerstellungs-</span><br/> <span class="ft6">pflicht inklusive den entsprechenden Ersatzabgaben und den vorzei-</span><br/> <span class="ft6">tigen Baubeginn entscheidet.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>