B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5847/2011/mel U r t e i l v o m 2 6 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Felice Grella, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Aufhebung der vorläufigen Aufnahme (Asyl); Verfügung des BFM vom 21. September 2011 / N (…). D-5847/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein Tamile aus B._______, verliess sein Hei- matland gemäss eigenen Angaben am (…). Februar 2009 und ge langte über (…) am 23. Februar 2009 in die Schweiz, wo er glei chentags um Asyl nachsuchte. A.b Zur Begründung des Gesu chs machte er im Wesentlichen geltend, seine bereits vor ihm in die Schweiz geflohene Schwester , welche bei ei - nem Geldinstitut angestellt gewesen sei, habe Probleme mit militanten Gruppen gehabt. Man habe von ihr mutmasslich die Bekanntgabe der Namen von reichen Bankkunden verlangt. Nach ihrer Flucht sei einer sei - ner Brüder Opfer von Verfolgung geworden und untergetaucht. In der Fol- ge sei er selber in den Fokus der Unbekannten geraten. Im Juli 2008 hä t- ten ihn diese mitgenommen, gefoltert und aufgeforde rt, ihnen seine Schwester vorzuführen. Nach der Freilassung sei er nach C._______ und von dort ins Ausland geflohen. A.c Die Vorinstanz wies das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Ver- fügung vom 2 9. März 20 10 ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz an, wobei sie den Vollzug der Wegweisung zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob. Den Entscheid begründete das BFM hauptsächlich damit, dass die Vorbringen de s Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asy lge- setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhielten. Er sei politisch nicht aktiv gewesen und habe keine Probleme mit den Behör den gehabt. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb er sich im vorge brachten Zusammenhang nicht an die Behörden gewandt habe, da die geltend ge - machten Nachteile offensichtlich eine Verfolgung krimineller Art darstel l- ten, welche mit einer Anzeige hätte unterbunden werden können. Den Vollzug der Wegweisung erachtete das BFM als unzumutbar. Der Ent - scheid der Vorinstanz erwuchs unangefochten in Rechtskraft. A.d Für die weiteren Einzelheiten ist auf die Akten zu verweisen. B. B.a Mit Schreiben vom 3. August 2011 teilte das BFM dem Beschwerd e- führer mit, es erwäge, die vorläufige Aufnahme aufzuheben, und gab ihm Gelegenheit, sich schriftlich dazu zu äussern. Zur Begründung führte das BFM unter anderem aus, die allgemeine Sicherheitslage in Sri Lanka h a- be sich seit Mai 2009 deutlich entspannt. Die Lebensbedingungen hätten D-5847/2011 Seite 3 sich soweit verbessert, dass eine Rückkehr auch in den Norde n und Os- ten Sri Lankas grundsätzlich wieder zumutbar sei. (…). Den vorliegenden Akten seien auch keine individuellen Gründe, welche gegen eine Aufhe - bung der vorläufigen Aufnahme und den Vollzug der Wegweisung spre - chen würden, zu entnehmen. Im Weiteren w urde der Beschwerdeführer auf die Möglichkeit der Rückkehrhilfe aufmerksam gemacht. B.b Der Beschwerdeführer nahm mit Schreiben vom 16. August 2011 Stellung und brachte vor, die srilankischen Behörden hätten es nicht ge - schafft, Recht und Ordnung für die ta milische Bevölkerung (…) wie- derherzustellen. Es gebe nach wie vor kriminelle Banden, welche die Be - völkerung unter Druck setzten und Geld erpressten. Er sei in diesem Zu - sammenhang besonders exponiert, da ein Grossteil seiner Familie im Ausland lebe und aus der Sicht dieser Banden als lohnendes Opfer er - scheine. Polizeilicher Schutz sei illusorisch. Eine Wohnsitznahme in C._______ komme nicht in Betracht. Ausserdem habe er sich in der Schweiz gut integriert. C. Mit Verfügung vom 21. September 2011 hob das BFM die vorläufige Auf- nahme des Beschwerdeführers auf und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Zur Begründung führt e das BFM aus, bezüglich der in der Stellungnahme vom 16. August 2011 vo r- gebrachten Gefährdung sei – soweit diese bereits im damaligen Verfah - ren vorgebracht worden sei – auf den Entscheid vom 29. März 2010 zu verweisen. Der Beschwerdeführer könne sich an die Behörden wenden, um Schutz zu erlangen. Im Sinne seiner Erwägungen im Schrei ben vom 3. August 2011 erwäh nte das BFM sodann die verbesserte Sicher - heitslage vor Ort. Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers sei in seinem Herkunftsgebiet ein weitgehend normales Alltagsleben möglich. Die vorgebrachte gute Integration in der Schweiz sei im vorliegenden Ver- fahren unbeachtlich. Er sei ein junger und gesunder Mann , der bereits in verschiedenen Branchen beruflich tätig gewesen sei. In D._______ be- stehe ein tragfähiges Beziehungsnetz. Zudem könnten ihn im Ausland l e- bende Verwandte dort unterstützen. Im Weiteren verwies das BFM erneut auf die Möglichkeit der Rückkehrhilfe. D. Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 24. Oktober 2011 beantragte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhe bung des vor instanzlichen Ent scheids, die Beibehaltung der vo rläufigen Auf -D-5847/2011 Seite 4 nahme, die Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie die Gewährung der un entgeltlichen Rechtspfle ge (Art. 65 Abs. 1 und 2 des Ver waltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) samt Entbindung von der Vor schusspflicht bezie hungs- weise die Ausrichtung einer Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG) . Er machte geltend, gemäss verschiedenen Quellen sei die Sicherheits - lage in seinem Herkunftsgebiet prekär. Es komme zu Entführungen, Miss- handlungen und Tötungen. Die EPDP und die TMVP übten die absolute Kontrolle aus und begingen straffrei erhebliche Menschenrechtsverletzun- gen. Die pauschale Behauptung der Vorinstanz, ihm drohe bei der Rück - kehr keine Gefahr, basiere auf ungenügenden Abklärungen , verletze die Begründungspflicht und rechtfertige die Rückweisung der Sache an das BFM. Der Beschwerdeführer habe detailliert darlegen können, dass er wegen der vormals in einer Bank tätigen Schwester von ihm unbekannten Personen, welche mit hoher Wahrscheinl ichkeit der EPDP zugeordnet werden müssten, entführt, bedroht und gefoltert worden sei. Diese Perso- nen bedrängten seine Familie nach wie vor. Zudem leide er unter gesund- heitlichen Beschwerden. Polizeilicher Schutz sei illusorisch. Eine Wohn- sitznahme in C._______ komme nicht in Betracht. Im Falle der Rück kehr müsse er aufgrund seines Persönlichkeitsprofils ohnehin bereits bei der Einreise als vormaliger Asylsuchender mit Haft und Folter rechnen. Der Eingabe lagen zwei Berichte (aus dem Internet) bei; eine Bestätigung als weiteres Beweismittel sowie Unterlagen im Zusammenhang mit der gel - tend gemachten Bedürftigkeit wurden in Aussicht gestellt. E. Mit Zwischenverfügung vom 31. Oktober 2011 stellte das Bundesverwal - tungsgericht die aufschiebende Wirkung der Beschwerde fest und ve r- zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch ge - mäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen und betreffend Entscheid über dasjenige im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen. Bezüglich Nachreichung eines weiteren Beweismit - tels wurde Art. 32 Abs. 2 VwVG zitiert. F. Mit Vernehmlassung vom 16. November 2011 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer verfüge in D._______ über eine gesicherte Wohnsituation und habe Zugang zu f i- nanziellen Mit teln der im Ausland lebenden Verwandten. Seine psych i- schen Probleme seien in der Stellungnahme vom 16. August 2011 une r- wähnt geblieben; auch habe er keinen aktualisierten Arztbericht eing e-D-5847/2011 Seite 5 reicht, welcher ein andauerndes Leiden b eziehungsweise eine andauern- de Behandlung bestätigen würde. Überdies bestünden ohnehin auch Therapiemöglichkeiten vor Ort. Im Weiteren habe er erst in seiner Ste l- lungnahme vom 16. Au gust 2011 geltend gemacht, dass es sich bei den ihn bedrohenden Unbe kannten um Mitglieder der EPDP handle. Zuvor habe er keine Angaben zu den Verfolgern machen können. Es müsse deshalb von einem kon struierten Vorbringen ausgegangen werden, we l- ches sein persönli ches Risikoprofil entgegen der tatsächlichen Lage e r- höhen würde. Den Akten seien keine Hinweise zu entnehmen, wonach er tatsächlich durch eine militante Gruppierung bedroht werde beziehung s- weise worden sei. Er könne sich daher an die heimatlichen Behörden wenden, um Schutz vor Verfolgung Dritter zu erlangen. Schliesslich be- stehe gemäss BVGE 2011/24 für Rückkehrer bei der Einreise unter b e- stimmten Voraussetzungen eine konkrete Gefährdung. Das Persönlic h- keitsprofil des Beschwerde führers spreche indes gegen eine solche, z u- mal er nie poli tisch aktiv gewesen sei oder ihm Kontakte zur LTTE ange- lastet worden seien. G. Nach gewährter Fristerstreckung hielt der Beschwerdeführer mit Replik vom 15. Dezember 2011 (Poststempel) an seinen bisherigen Vorbringen fest. Der Landwirtschaftsbetrieb der Eltern sei in den letzten Wochen de s Bürgerkriegs stark verwüstet worden. Sein Vater und der 19 -jährige Bru- der würden ih ren Lebensunterhalt ausschliesslich mit Gelegenheitsarbe i- ten bestreiten. Eine rudimentäre Wohnmöglichkeit sei vorhanden. Fina n- zielle Zuschüsse von Verwandten aus dem Ausl and kämen indes nicht in Betracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichtes. Es ist keine Ausnahme betreffend das Sach gebiet gegeben (Art. 32 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist da her zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ent scheidet auf dem G e- biet des Ausländerrechts betreffend die vorläufige Aufnahme endgültig D-5847/2011 Seite 6 (Art. 83 Bst. c Ziff. 3 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer ist durch die angefochtenen Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 112 Abs. 1 des Bundesg esetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20] i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1, Art. 50 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be - schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, d ie unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 49 VwVG). 3. Nachdem die Verfügung des BFM vom 29. März 20 10 unangefochten in Rechtskraft erwuchs, steht fest, dass die Überprüfung der vom Beschwer- deführer geltend gemachten Asylgründe nicht mehr Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens bildet. Hingegen fliesst die Feststellung des BFM in der erwähnten Verfügung, die vom der Beschwerdeführer geltend ge - machten Vorbringen hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen - schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand, in die nachfolgenden Erwägun - gen hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs – insbesondere mit Bezug auf die Frage der Unzulässigkeit – mit ein. 4. Die gerügten Gehörsverletzungen können den Akten nicht entnommen werden. Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung entgegen den Be- schwerdevorbringen nicht erwogen, dem Beschwerdeführer stehe offen, sich auch in C._______ niederzulassen. Demnach erübrigte sich auch ei- ne entsprechende Begründung. Im Weiteren hat das BFM im Hinblick auf die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs diese mit nachvollziehbaren und grundsätzlich zutreffenden Erwägungen bejaht (vgl. dazu untenst e- hend E. 5). Die Behauptung des Beschwerdeführers, das BFM habe den Sachverhalt ungenügend respektive falsch festgestellt und überdies die Begründungspflicht verletzt, erweist sich mithin als unzutreffend, weshalb der Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzuweisen ist. D-5847/2011 Seite 7 5. Die vorläufige Aufnahme ist eine Ersatzmassnahme für den nicht durc h- führbaren Vollzug der Wegweisung. Gemäss Art. 83 Abs. 1 AuG ist die vorläufige Aufnahme zu verfügen, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist. 5.1 Gemäss Art. 84 Abs. 1 AuG überprüft das BFM periodisch, ob die Vor- aussetzungen für die vorläufige Aufnahme noch gegeben sind. Sind die Voraussetzungen nicht mehr gegeben, hebt es die vorläufige Aufnahme auf und ordnet den Vollzug der Wegweisung an (Art. 84 Abs. 2 AuG). Die Voraussetzungen für die vorläufige Aufnahme sind nicht mehr gegeben, wenn der Vollzug der rechtskräftig angeordneten Wegweisung zulässig ist und es der ausländischen Person zumutbar und möglich ist, sich re cht- mässig in ihren Heimat-, in den Herkunftsstaat oder in einen Dritt staat zu begeben (Art. 83 Abs. 2 - 4 AuG). 5.2 5.2.1 Mit Verfügung vom 29. März 2010 stellte das BFM rechtskräftig fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Daher findet das in Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG veran- kerte flüchtlingsrechtliche Refoulementverbot im vorliegenden Verfahren keine Anwendung. 5.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf ni e- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. Gemäss Rechtsprechung des Europäi - schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) muss aufgrund der Gefahr einer Kettenabschiebung in Verletzung des Refoulement-Verbotes dann von d er Abschiebung einer Person in einen Drittstaat abgesehen werden, wenn gewichtige Gründe dafür vorliegen, dass eine tatsächliche Gefahr ("real risk") einer Verletzung von Art. 3 EMRK besteht (EGMR, Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwe rde- Nr. 37201/06, § 125). In diesen Fällen ist der Vollzug der Wegweisung un- zulässig. D-5847/2011 Seite 8 5.2.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, vor der Ausreise durch ihm unbekannte Personen verfolgt und misshandelt worden zu sein. Abgese - hen davon, dass seine Vorbringen anlässlich der Anhörung kaum als hin- reichend substanziiert gewertet werden können (das BFM unterliess eine entsprechende Prüfung im Hinblick auf die Glaubhaftigkeit ), stellte die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 29. März 2010 fest, die Asylvorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Flüchtlingsei - genschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand , da er sich schutzsu chend an die Behörden wenden könne. Diese Qualifikation blieb unangefochten . Soweit der Beschwerdeführer in der Stellungahme vom 16. August 2011 und in der Rechtsmittelschrift vorbringt, bei den Verfolgern handle es sich mutmasslich um Angehörige der EPDP , ist auf die zutreffende vorinstanz- liche Vernehmlassung hinzuwei sen. Das BFM hält fest, er habe im vor- maligen Verfahren keine Angaben zu den Verfolgern machen können. Zudem fehlten Belege für die angebliche Zugehörigkeit der Angreifer zur EPDP; auch mach e er keine Gründe geltend, welche seine Annahme, dass es sich tatsächlich um EPDP -Mitglieder gehandelt habe, stützen würden. Es sei deshalb von einem konstruierten Vorbringen auszugehen, welches sein persönliches Ri sikoprofil entgegen der tatsächlichen Lage erhöhen würde. Den Akten seien keine Hinweise zu entnehmen, wonach er tatsächlich durch eine mili tante Gruppierung bedro ht werde bezi e- hungsweise worden sei. Er könne sich daher an die heimatlichen Behö r- den wenden, um Schutz vor Verfolgung Dritter zu erlangen. Diese vor- instanzliche Sichtweise wird durch die nicht stichhaltigen Beschwerd e- vorbringen beziehungsweise die nicht überzeugende Replik nicht wide r- legt. Entsprechend bestehen keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dem Beschwerdeführer drohe in Sri Lanka deswegen aktuell eine men- schenrechtswidrige Behandlung. 5.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht nahm in BVGE 2011/24 zur Frage der Gefährdung von Beschwerdeführenden aus Sri Lanka eine Lageana - lyse vor. Es gebe Personenkreise, die immer noch einer erhöhten Verfol - gungsgefahr ausgesetzt sein könnten. Dazu gehörten unter anderem Per- sonen, die auch nach Be endigung des Bürgerkriegs verdächtigt wür den, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex -Generals Sarath Fonseka, Journalisten und an dere in der Medienbranche tätige Personen, international und lokal tätige Vertre - ter von NGOs, die sich für die Menschenrechte einsetzten oder Verstösse kritisierten, Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen so wie Personen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigten, abgewie -D-5847/2011 Seite 9 sene Asylbewerber mit Verdacht zu Kontakten zum LTTE-Kader oder Per- sonen, die über beträchtliche finanzielle Mittel verfügten (E. 8). 5.2.5 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf e i- ne EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem e u- ropäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt be - fasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Ent - scheid vom 20. Januar 2 011; E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011; vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). Der Gerichtshof unterstreicht, dass nicht in genereller Weise davon auszu gehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behandlung; e ine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Be- fragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühere Registrierung als ve r- dächtigtes oder tatsächliches LTTE -Mitglied, das Bestehen einer Vor - strafe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses oder ähnli - cher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE-Finanzmittelbeschaffungs- zentrum gilt, das Fehlen von ID -Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Verwandtschaft mit einem LTTE- Mitglied. Gleichzeitig hält der EGMR fest, dass dem Umstand gebüh - rende Beachtung geschenkt werden müsse, dass diese einzelnen Fakto - ren, für sich alleine betrachtet, möglicherweise kein "real risk" darstellen, jedoch bei einer kumulativen Würdigung diese Schwelle erreicht sein könnte, namentlich unter der weiteren Berüc ksichtigung der aktuellen, gegebenenfalls erhöhten, Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der im La n- de herrschenden allgemeinen Lage (vgl. T.N. v. Denmark, a.a.O., § 93,° S. 28). 5.2.6 Eine entsprechende konkrete Gefahr, die dem Beschwerdeführer drohen könnte, ergibt sich vorliegend jedoch nicht. So macht er weder ein politisches Engagement noch Schwierigkeiten mit den Behörden geltend. Das Heimatland hat er offenbar legal verlassen. Im Zusammenhang mit allfälligen Drohungen krimineller Dritter wurde bereits auf di e Möglichkeit D-5847/2011 Seite 10 staatlichen Schutzes hingewiesen. Dass bei abgewiesenen Asylsuchen - den bei der Wiedereinreise eine gewisse Gefährdung im Sinne der Be - schwerdevorbringen besteht, ist aufgrund der skizzierten Rechtsprechung des EGMR und anderer Quellen zwar nicht von der Hand zu weisen. Hin- reichend konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdefüh rer auf- grund seines Persönlichkeitsprofils bei der Wiedereinreise eine unzu - lässige Behandlung gewärtigen muss, be stehen nach dem Gesagten i n- des nicht. So leben auch Familienangehörige weiterhin in Sri Lanka, ohne dass der Beschwerdeführer geltend macht, diese würden polizeilich b e- helligt. 5.2.7 Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka respektive im Norden des Landes und die diesbezüglich eingereichten Beweismittel las- sen den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt entgegen den we - nig stichhaltigen Beschwerdevorbringen ebenfalls nicht als unzulässig er - scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg weisung im Sinne der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung nicht zumut- bar, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Diese Bestim - mung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen angewendet, die wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können, obwohl ihre Rückschaf - fung völkerrechtlich zulässig wäre. Im Weiteren findet die Bestimmung auf Personen Anwendung, die nach ihrer Rückkehr einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versor - gung nicht erhalten könnten oder wegen der im Heimatstaat herrschen - den Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkei t in völliger Armut leben müssten und damit dem Hunger und einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgelie - fert wären (BVGE 2009/52 E. 10.1, BVGE 2009/51 E. 5.5). 5.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht nahm in BVGE 2011/24 eine umfas- sende Analyse der Situation in Sri Lanka vor. Danach hat sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 die Menschenrechts - und Sicherheitslage in Sri Lanka wesentlich verbessert (BVGE 2011/24 E. 12). Die Lage präsen- tiert sich allerdings nicht in allen Landesteilen gleich. Unterschieden wer - den muss zwischen der Ostprovinz, in die der Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar ist, und zwei verschiedenen Gebieten innerhalb D-5847/2011 Seite 11 der Nordprovinz, in die der Wegweisungsvollzug nicht oder nur unter be - stimmten Voraussetzungen zumutbar ist: Der Wegweisungsvollzug ins sogenannte Vanni-Gebiet ist unzumutbar, während der Vollzug in die übri- gen Gebiete der Nordprovinz nicht als generell unzumutbar eingestuft wird, sondern im Einzelfall eine zurückhaltende Beurteilung der individuel- len Zumutbarkeitskriterien vorgenommen werden muss. Die Rückkehr in alle anderen Landesteile, insbesondere in den Grossraum C._______, ist grundsätzlich zumutbar (BVGE 2011/24 E. 13). 5.3.2 Der Beschwerdeführer stammt aus B._______, einem Ort, der aus- serhalb des Vanni-Gebietes liegt. Er verbrachte sein ganzes Le ben dort, und seine Eltern sowie ein Bruder wohnen heute noch dort. Auch wenn man im Sinne der Replikvorbr ingen von einer Beeinträchti gung des land- wirtschaftlichen Betriebs der Familie ausgeht, bestehen offenbar nach wie vor gewisse Einkünfte und eine Wohnmöglichkeit. Der Be schwerdeführer verfügt über eine Schulbildung und Arbeitserfahrung in verschiedenen Bereichen. Wegen medizinischer Beschwerden nahm er den Akten zufol- ge vor der Ausreise ärztliche Hilfe in Anspruch (vgl. A 10/15 Antworten 123 ff.). Dass er nach wie vor auf eine solche angewie sen ist, muss inso- fern verneint werden, als er nicht vorbringt, in der Schweiz aktuell in B e- handlung zu stehen. Abgesehen davon verweist das BFM in der Ve r- nehmlassung zu Recht auf Behandlungsmöglichkeiten vor Ort . Entgegen den Beschwerdevorbringen kommt sodann auch eine Unter stützung durch Verwandte aus der Schweiz in Betracht (vgl. A 3/5). Schliesslich ist auf die Möglichkeit der Rückkehrhilfe hinzuweisen. Insgesamt ist mithin nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer könnte vor Ort in eine existenzgefährdende Situation geraten. Damit ist der Weg wei- sungsvollzug zumutbar. 5.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi - gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen, womit der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutb ar und möglich erachtet und die vorläufigen Aufnahme aufgehoben. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und D-5847/2011 Seite 12 vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwer - de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da er keine Bestätigung für die Bedürftigkeit beigebracht hat und offenbar über eine Ar beitsstelle verfügt, ist das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen. (Dispositiv nächste Seite) D-5847/2011 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zustän - dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: