<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">63</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Strassenverkehrsrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>8</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 15d Abs. 1 lit. e SVG</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Ein Arztbericht, der sich nicht abschliessend zur Fahreignung oder Fahr-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kompetenz der untersuchten Person äussert, sondern zusätzliche medizi-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nische Abklärungen (einer anderen Fachrichtung) empfiehlt, stellt für</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sich genommen noch keine Meldung dar, derentwegen die betroffene Per-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>son einer Fahreignungsuntersuchung unterzogen werden darf. Erst an-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>hand der empfohlenen zusätzlichen medizinischen Abklärungen kann im</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Rahmen einer Gesamtwürdigung zuverlässig beurteilt werden, ob die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>vom Erstarzt geweckten Zweifel an der Fahreignung oder Fahrkompe-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>tenz einer Person für die Anordnung einer Fahreignungsuntersuchung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ausreichen. Der Bericht des Zweitarztes muss nicht den Beweiswert eines</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nach anerkannten Methoden durchgeführten medizinischen Gutachtens</b></span><br/> <span class="ft3"><b>aufweisen und die Verdachtsdiagnose des Erstarztes zweifelsfrei bestäti-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gen oder widerlegen. Wird vom Zweitarzt schlüssig aufgezeigt, dass kein</b></span><br/> <span class="ft3"><b>genügender Anfangsverdacht auf das Vorliegen einer die Fahrfähigkeit</b></span><br/> <span class="ft3"><b>beeinträchtigenden Krankheit besteht, ist in Ermangelung einer ärztli-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>chen Meldung, die eine Fahreignungsuntersuchung als notwendig er-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>scheinen lässt, von der Anordnung einer solchen Massnahme abzusehen.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 18. März</span><br/> <span class="ft4">2015, i.S. A. gegen das Departement Volkswirtschaft und Inneres</span><br/> <span class="ft4">(WBE.2014.363).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft8">II.</span><br/> <span class="ft8">4.3.3.</span><br/> <span class="ft8">Aktueller Anlass für die vom Strassenverkehrsamt erlassene</span><br/> <span class="ft8">Verfügung ist ein Geschehen ausserhalb des Strassenverkehrs, wel-</span><br/> <span class="ft8">ches die Beschwerdeführerin nicht bestreitet: Es erging vor bald zwei</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">64</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Jahren ein Bericht der Klinik, Z., Dr. med. B., Oberarzt Neurologie,</span><br/> <span class="ft8">vom 2. April 2013, welcher bei der Beschwerdeführerin wegen eines</span><br/> <span class="ft8">diagnostizierten phobischen Schwankschwindels eine psychiatrische</span><br/> <span class="ft8">Stellungnahme zur Einschätzung der Fahreignung bei phobischem</span><br/> <span class="ft8">Schwankschwindel empfohlen hatte. Auch Dr. med. C., Amtsarzt,</span><br/> <span class="ft8">unterstützte diese Empfehlung mit Schreiben vom 11. April 2013.</span><br/> <span class="ft8">Die Vorinstanz ist der Auffassung, dass sich die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft8">mit den psychiatrischen Abklärungen bei Dr. med. D. der Aufforde-</span><br/> <span class="ft8">rung des Strassenverkehrsamts in der Verfügung vom 1. November</span><br/> <span class="ft8">2013 zur verkehrspsychiatrischen bzw. -psychologischen Begutach-</span><br/> <span class="ft8">tung (teilweise) unterzogen hat. Nicht bekannt ist und es wird weder</span><br/> <span class="ft8">von der Vorinstanz noch vom Strassenverkehrsamt behauptet ge-</span><br/> <span class="ft8">schweige denn substantiiert dargelegt, dass die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft8">seither und ebenso wenig im Vorfeld jenes Berichts im Strassenver-</span><br/> <span class="ft8">kehr auffällig geworden oder negativ in Erscheinung getreten wäre.</span><br/> <span class="ft8">Auch sind für die Beschwerdeführerin keine Warnungsentzüge oder</span><br/> <span class="ft8">andere Administrativmassnahmen aktenkundig. Es gibt damit keine</span><br/> <span class="ft8">Hinweise dafür, dass die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit</span><br/> <span class="ft8">SVG-Widerhandlungen mit Administrativmassnahmen begangen</span><br/> <span class="ft8">hätte, dies auch nicht als Folge einer allfällig bestehenden fehlenden</span><br/> <span class="ft8">Fahreignung aus psychiatrischen Gründen. Die ärztliche Empfehlung</span><br/> <span class="ft8">der Abklärung der Fahreignung der Beschwerdeführerin erscheint im</span><br/> <span class="ft8">Verlauf der Zeit als Ereignis ohne direkten Bezug zu Implikationen</span><br/> <span class="ft8">im Strassenverkehr, das als solches allein unter den vorliegenden</span><br/> <span class="ft8">Umständen sowie nach den bereits getätigten aktenkundigen Abklä-</span><br/> <span class="ft8">rungen nicht (mehr) geeignet ist, die Fahrfähigkeit der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführerin ernsthaft in Frage zu stellen.</span><br/> <span class="ft8">4.3.4.</span><br/> <span class="ft8">Der automobilistische Leumund der Beschwerdeführerin ist -</span><br/> <span class="ft8">ausweislich der Akten - ungetrübt. Die Beschwerdeführerin gewär-</span><br/> <span class="ft8">tigte bislang keinen Führerausweisentzug. Ebenso wenig wurde ihr</span><br/> <span class="ft8">bisher der Führerausweis vorsorglich entzogen und es erfolgten bis-</span><br/> <span class="ft8">her auch noch keine gutachterlichen Abklärungen. Es ist davon</span><br/> <span class="ft8">auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin im Strassenverkehr</span><br/> <span class="ft8">bisher nichts zuschulden kommen lassen hat.</span><br/> <span class="ft8">4.3.5.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">65</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Mit Blick auf den ärztlichen Bericht von Dr. med. B. vom</span><br/> <span class="ft8">2. April 2013 gilt es Folgendes zu beachten: Dr. med. B. hielt im be-</span><br/> <span class="ft8">sagten Bericht zusammenfassend fest, der neurologische Untersu-</span><br/> <span class="ft8">chungsbefund zeige keine relevanten Auffälligkeiten. Anamnestisch</span><br/> <span class="ft8">fänden sich keine Hinweise für Stürze, Synkopen oder Anfälle in den</span><br/> <span class="ft8">letzten Monaten. Die festgestellte multifaktorielle Gangstörung</span><br/> <span class="ft8">schrieb Dr. med. B. neben einer degenerativen HWS-Veränderung</span><br/> <span class="ft8">und einer leichten unspezifischen vestibulären Funktionseinschrän-</span><br/> <span class="ft8">kung einem phobischen Schwankschwindel zu. Aus neurologischer</span><br/> <span class="ft8">Sicht sei die Beschwerdeführerin aber geeignet, ein Fahrzeug zu füh-</span><br/> <span class="ft8">ren. Zur Beurteilung der Fahreignung bei phobischem Schwank-</span><br/> <span class="ft8">schwindel sollte laut Einschätzung von Dr. med. B. eine psychiatri-</span><br/> <span class="ft8">sche Stellungnahme erfolgen, da aus neurologischer Sicht nicht aus-</span><br/> <span class="ft8">geschlossen werden könne, dass während der Fahrt plötzlich ausbre-</span><br/> <span class="ft8">chende Angst oder Panik vom Verkehr ablenken könnte oder unbere-</span><br/> <span class="ft8">chenbare Fahrmanöver veranlasst würden.</span><br/> <span class="ft8">Mit anderen Worten konnte sich Dr. med. B., der Neurologe ist,</span><br/> <span class="ft8">nicht oder zumindest nicht abschliessend zu einer allfälligen</span><br/> <span class="ft8">psychiatrisch bedingten Einschränkung der Fahreignung der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführerin äussern.</span><br/> <span class="ft8">Damit kann der ärztliche Bericht vom 2. April 2013 für sich ge-</span><br/> <span class="ft8">nommen - ohne die vom Neurologen empfohlene psychiatrische Ab-</span><br/> <span class="ft8">klärung der Auswirkungen des diagnostizierten phobischen</span><br/> <span class="ft8">Schwankschwindels auf die Fahreignung der Beschwerdeführerin -</span><br/> <span class="ft8">nicht als Meldung im Sinne von Art. 15d Abs. 1 lit. e SVG verstan-</span><br/> <span class="ft8">den werden, dass eine Person wegen einer körperlichen oder psychi-</span><br/> <span class="ft8">schen Krankheit oder eines Gebrechens Motorfahrzeuge nicht sicher</span><br/> <span class="ft8">führen kann. Als Grundlage für die direkte Anordnung einer ver-</span><br/> <span class="ft8">kehrsmedizinischen Begutachtung kann eine ärztliche Meldung nur</span><br/> <span class="ft8">dann dienen, wenn daraus ein genügender Anfangsverdacht für eine</span><br/> <span class="ft8">verkehrsmedizinisch relevante Problematik hervorgeht. Ein solcher</span><br/> <span class="ft8">bestand mit dem ärztlichen Bericht vom 2. April 2013 gerade noch</span><br/> <span class="ft8">nicht. Dr. med. B. hat nur, aber immerhin in den Raum gestellt, dass</span><br/> <span class="ft8">der von ihm diagnostizierte phobische Schwankschwindel einen Ein-</span><br/> <span class="ft8">fluss auf die Fahreignung der Beschwerdeführerin haben könnte. Die</span><br/> <span class="ft8">vorläufige Beurteilung dessen, ob eine Beeinträchtigung der Fahreig-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">66</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">nung in psychiatrischer Hinsicht vorliegt, wollte er jedoch erklärter-</span><br/> <span class="ft8">massen einem Psychiater überlassen.</span><br/> <span class="ft8">Das Strassenverkehrsamt hätte somit den ärztlichen Bericht</span><br/> <span class="ft8">vom 2. April 2013 nicht ohne weitere vorgängige Abklärungen zum</span><br/> <span class="ft8">Anlass nehmen dürfen, eine verkehrspsychiatrische bzw. -psycholo-</span><br/> <span class="ft8">gische Begutachtung anzuordnen. Vielmehr wäre es gehalten gewe-</span><br/> <span class="ft8">sen, entweder selbst die von Dr. med. B. empfohlene psychiatrische</span><br/> <span class="ft8">Stellungnahme einzuholen oder die von der Beschwerdeführerin im</span><br/> <span class="ft8">Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs angebotenen Arztbe-</span><br/> <span class="ft8">richte abzuwarten, um anschliessend anhand einer vollständigen Ak-</span><br/> <span class="ft8">tenlage zu prüfen, ob sich der Anfangsverdacht auf eine verkehrs-</span><br/> <span class="ft8">medizinisch relevante Problematik erhärtet. Wenn aus Gründen der</span><br/> <span class="ft8">Verkehrssicherheit nicht länger mit der Anordnung einer Fahreig-</span><br/> <span class="ft8">nungsabklärung hätte zugewartet werden dürfen, wie das Strassen-</span><br/> <span class="ft8">verkehrsamt in der Stellungnahme im vorinstanzlichen Verfahren</span><br/> <span class="ft8">vom 20. Dezember 2013 vorbrachte, hätte der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft8">der Führerausweis vorsorglich entzogen werden müssen, was nicht</span><br/> <span class="ft8">geschehen ist. Das Strassenverkehrsamt hat der Beschwerde gegen</span><br/> <span class="ft8">die Anordnung der Fahreignungsabklärung nicht einmal die aufschie-</span><br/> <span class="ft8">bende Wirkung entzogen.</span><br/> <span class="ft8">In unzutreffender Interpretation der Ausgangslage hat die Vorin-</span><br/> <span class="ft8">stanz angenommen, die Beschwerdeführerin habe sich im Laufe des</span><br/> <span class="ft8">vorinstanzlichen Verfahrens mit den psychiatrischen Abklärungen bei</span><br/> <span class="ft8">Dr. med. D. der vom Strassenverkehrsamt angeordneten verkehrspsy-</span><br/> <span class="ft8">chiatrischen bzw. -psychologischen Begutachtung unterzogen. Dem</span><br/> <span class="ft8">ist nicht so. Das Strassenverkehrsamt hat eine Begutachtung bei den</span><br/> <span class="ft8">Psychiatrischen Diensten Aargau AG, Klinik Königsfelden / Foren-</span><br/> <span class="ft8">sik, angeordnet. Mit dem Hinweis in der Beschwerdeantwort im vo-</span><br/> <span class="ft8">rinstanzlichen Verfahren, es werde einen ärztlichen Bericht von Dr.</span><br/> <span class="ft8">med. D. zur Fahreignung der Beschwerdeführerin prüfen und allen-</span><br/> <span class="ft8">falls gestützt darauf seine Verfügung vom 1. November 2013 in Wie-</span><br/> <span class="ft8">dererwägung ziehen, ist das Strassenverkehrsamt dem Anliegen der</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführerin entgegengekommen, die Durchführung der</span><br/> <span class="ft8">angeordneten verkehrspsychiatrischen bzw. -psychologischen Begut-</span><br/> <span class="ft8">achtung doch noch zu vermeiden. Es wird denn in diesem Zusam-</span><br/> <span class="ft8">menhang auch ausdrücklich von einem <i>Bericht</i>, und nicht etwa von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">67</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">einem Fahreignungsgutachten gesprochen. An einen solchen Arztbe-</span><br/> <span class="ft8">richt dürfen nicht die gleichen formellen und inhaltlichen Anforde-</span><br/> <span class="ft8">rungen geknüpft werden wie an ein Fahreignungsgutachten, was mit</span><br/> <span class="ft8">der unterschiedlichen Funktion der beiden Instrumente zu erklären</span><br/> <span class="ft8">ist. Anhand eines Arztberichts zu einer allfälligen psychischen Fahr-</span><br/> <span class="ft8">eignungseinschränkung der Beschwerdeführerin, wie er bis zum</span><br/> <span class="ft8">Arztbericht von Dr. med. D. vom 10. April 2014 (in dieser Form)</span><br/> <span class="ft8">nicht vorgelegen hat, kann erst zuverlässig beurteilt werden, ob es</span><br/> <span class="ft8">überhaupt</span> <span class="ft8">ein</span> <span class="ft8">verkehrsmedizinisches</span> <span class="ft8">Fahreignungsgutachten</span><br/> <span class="ft8">braucht. Entsprechend hat die Vorinstanz die Messlatte für die Quali-</span><br/> <span class="ft8">tät des Arztberichts zu hoch angesetzt. Der Bericht muss - zwecks</span><br/> <span class="ft8">Vervollständigung des ärztlichen Berichts von Dr. med. B. vom</span><br/> <span class="ft8">2. April 2013 - nicht mehr, aber auch nicht weniger beinhalten als</span><br/> <span class="ft8">eine ärztliche Meldung im Sinne von Art. 15d Abs. 1 lit. e SVG und</span><br/> <span class="ft8">folglich darauf Antwort geben, ob ein genügender Verdacht auf das</span><br/> <span class="ft8">Vorliegen einer die Fahrfähigkeit der Beschwerdeführerin beein-</span><br/> <span class="ft8">trächtigenden psychischen Krankheit besteht. Hingegen muss er eine</span><br/> <span class="ft8">entsprechende psychische Erkrankung nicht (mit vollem Beweiswert)</span><br/> <span class="ft8">ausschliessen. Wie im Folgenden zu zeigen sein wird, genügt die</span><br/> <span class="ft8">"Gutachterliche Stellungnahme" von Dr. med. D. vom 10. April 2014</span><br/> <span class="ft8">diesen Anforderungen allemal.</span><br/> <span class="ft8">4.3.6.</span><br/> <span class="ft8">Für den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens ist gemäss</span><br/> <span class="ft8">den insoweit korrekten Ausführungen der Vorinstanz u.a. entschei-</span><br/> <span class="ft8">dend, ob es für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen</span><br/> <span class="ft8">Untersuchungen beruht, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden</span><br/> <span class="ft8">ist, in der Beurteilung der Zusammenhänge und in der Beurteilung</span><br/> <span class="ft8">der Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Gutach-</span><br/> <span class="ft8">ters begründet sind. Die Beweiskraft eines von der Verwaltung einge-</span><br/> <span class="ft8">holten medizinischen Gutachtens oder ärztlichen Berichtes richtet</span><br/> <span class="ft8">sich nach den drei generellen Kriterien der Vollständigkeit, Nachvoll-</span><br/> <span class="ft8">ziehbarkeit und Schlüssigkeit (vgl. AGVE 2010, S. 85 ff. mit weite-</span><br/> <span class="ft8">ren Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung; vgl.</span><br/> <span class="ft8">BGE 133 II 384, Erw. 4.2.3). Wie gesehen (Erw. 4.3.5 hiervor), dür-</span><br/> <span class="ft8">fen diese Kriterien nicht unbesehen auf eine ärztliche Meldung im</span><br/> <span class="ft8">Sinne von Art. 15d Abs. 1 lit. e SVG angewandt werden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">68</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Aus den Akten ergibt sich, dass Dr. med. D. in seiner Stellung-</span><br/> <span class="ft8">nahme vom 10. April 2014 samt Ergänzungen vom 9. Juli und vom</span><br/> <span class="ft8">4. August 2014 aus ähnlichen Überlegungen, wie sie andere Fachper-</span><br/> <span class="ft8">sonen zuvor auch angestellt haben (...), zum gleichen Schluss ge-</span><br/> <span class="ft8">langte wie in seiner früheren Einschätzung gemäss Schreiben vom</span><br/> <span class="ft8">5. November 2013, nämlich, dass die Fahreignung der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft8">führerin gegeben sei. Die vorinstanzliche Kritik an der Stellungnah-</span><br/> <span class="ft8">me vom 10. April 2014 fällt grösstenteils zu generell und pauschal</span><br/> <span class="ft8">aus und orientiert sich zu Unrecht am strengeren Beurteilungsmass-</span><br/> <span class="ft8">stab für ein verkehrsmedizinisches Fahreignungsgutachten, welches</span><br/> <span class="ft8">Zweifel an der Fahreignung bestätigen oder beseitigen und - anders</span><br/> <span class="ft8">als die ärztliche Meldung gemäss Art. 15d Abs. 1 lit. e SVG - nicht</span><br/> <span class="ft8">bloss solche Zweifel im Hinblick auf eine allfällige Fahreignungsab-</span><br/> <span class="ft8">klärung begründen muss.</span><br/> <span class="ft8">Zutreffend ist, dass Dr. med. D. bloss sehr knapp darlegte, wo-</span><br/> <span class="ft8">rauf er seine ärztliche Beurteilung stützte. Ebenso trifft zu, dass er</span><br/> <span class="ft8">auf die Durchführung von Testverfahren (neuropsychologische</span><br/> <span class="ft8">Screeningverfahren) verzichtete und sich nicht vertieft mit der ak-</span><br/> <span class="ft8">tuellen Medikation der Beschwerdeführerin sowie der Einnahme</span><br/> <span class="ft8">anderer Substanzen auseinandersetzte. Es gilt jedoch zu berücksichti-</span><br/> <span class="ft8">gen, dass es sich bei Dr. med. D. um den behandelnden Arzt der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführerin handelt, der ihre Krankengeschichte kennt und der</span><br/> <span class="ft8">zur Frage der Fahreignung bereits am 5. November 2013 einen Be-</span><br/> <span class="ft8">richt verfasst und darin klar festgehalten hatte, es bestehe aus</span><br/> <span class="ft8">psychiatrischer Sicht kein Hinweis auf klinisch relevante Beein-</span><br/> <span class="ft8">trächtigungen in Bezug auf ihre "Fahrtüchtigkeit". Diese Ein-</span><br/> <span class="ft8">schätzung deckt sich, wie erwähnt, mit derjenigen anderer Fach-</span><br/> <span class="ft8">personen, weshalb sich keine andere Schlussfolgerung aufdrängte.</span><br/> <span class="ft8">Im Weiteren beruht die Stellungnahme vom 10. April 2014 auf einer</span><br/> <span class="ft8">eingehenden Exploration der Beschwerdeführerin unter Würdigung</span><br/> <span class="ft8">ihrer Vorgeschichte und des Behandlungsverlaufs. Der Vorwurf der</span><br/> <span class="ft8">Unvollständigkeit ist mit Blick auf die Funktion des Arztberichts</span><br/> <span class="ft8">(Abklärung, ob Zweifel an der psychischen Fahreignung der</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführerin gerechtfertigt sind) unberechtigt. Ebenso ist das</span><br/> <span class="ft8">Resultat der Stellungnahme vom 10. April 2014 entgegen der Auf-</span><br/> <span class="ft8">fassung der Vorinstanz nachvollziehbar und schlüssig. Wenn der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">69</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Gutachter ausführt, weitere prognostische und gutachterliche Fragen</span><br/> <span class="ft8">seien über eine verkehrsmedizinische Gutachterstelle abzuwickeln,</span><br/> <span class="ft8">so ist verständlich, dass eine solche Aussage im vorliegenden Kon-</span><br/> <span class="ft8">text auffällt. Indes heisst dies noch nicht, dass die Fahreignung der</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführerin schon deswegen zu bezweifeln oder die</span><br/> <span class="ft8">Stellungnahme vom 10. April 2014 "wertlos" wäre, denn es resultiert</span><br/> <span class="ft8">daraus keineswegs eine Relativierung der eigenen Befunde. Als</span><br/> <span class="ft8">Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH ist Dr. med. D.</span><br/> <span class="ft8">ohne weiteres in der Lage zu beurteilen, ob Anhaltspunkte für eine</span><br/> <span class="ft8">psychiatrisch bedingte Fahreignungseinschränkung (durch einen kli-</span><br/> <span class="ft8">nisch relevanten phobischen Schwankschwindel) bestehen, was er</span><br/> <span class="ft8">einleuchtend verneint hat. Erneut ist zu betonen, dass es nicht seine</span><br/> <span class="ft8">Aufgabe war, eine verkehrsmedizinische Fahreigungsbegutachtung</span><br/> <span class="ft8">mit allen dazugehörigen Testverfahren durchzuführen. Es ist kein</span><br/> <span class="ft8">Grund ersichtlich, weshalb zur Beantwortung der Frage nach Zwei-</span><br/> <span class="ft8">feln an der Fahreignung der Beschwerdeführerin nicht auf die</span><br/> <span class="ft8">Stellungnahme von Dr. med. D. abgestellt werden könnte. Es können</span><br/> <span class="ft8">keine (ins Gewicht fallende) Unzulänglichkeiten erkannt werden.</span><br/> <span class="ft8">Weil sich den Arztberichten von Dr. med. B. vom 2. April 2013</span><br/> <span class="ft8">und von Dr. med. D. vom 10. April 2014 in der gebotenen Gesamtbe-</span><br/> <span class="ft8">trachtung unter Einbezug der Fachrichtungen Neurologie und Psy-</span><br/> <span class="ft8">chiatrie nichts mehr entnehmen lässt, was ernsthafte Zweifel an der</span><br/> <span class="ft8">Fahreignung der Beschwerdeführerin aufkommen liesse, braucht es</span><br/> <span class="ft8">auch kein verkehrsmedizinisches Fahreignungsgutachten, um derarti-</span><br/> <span class="ft8">ge Zweifel zu entkräften. Insofern erweist sich der Entscheid der</span><br/> <span class="ft8">Vorinstanz, wonach es mit Bezug auf die Beurteilung der Fahreig-</span><br/> <span class="ft8">nung der Beschwerdeführerin wegen mangelhaften Gutachtens</span><br/> <span class="ft8">weitergehender Abklärungen bedürfe, als rechtsfehlerhaft.</span><br/> <span class="ft8">4.3.7. (...)</span><br/> <span class="ft8">4.3.8.</span><br/> <span class="ft8">Alsdann hat das Bundesgericht in seiner jüngsten Rechtspre-</span><br/> <span class="ft8">chung klargestellt, dass für Fahreignungsabklärungen grundsätzlich</span><br/> <span class="ft8">die gleichen Anforderungen gelten wie für den vorsorglichen Siche-</span><br/> <span class="ft8">rungsentzug des Führerausweises, und im Falle der Anordnung einer</span><br/> <span class="ft8">Fahreignungsabklärung in der Regel auch der Führerausweis vor-</span><br/> <span class="ft8">sorglich zu entziehen ist (Urteile des Bundesgerichts vom 27. Mai</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">70</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">2014 [1C_70/2014], Erw. 2.2, und vom 16. Januar 2014</span><br/> <span class="ft8">[1C_748/2013], Erw. 3.3; vgl. auch P</span><span class="ft4">HILIPPE</span> <span class="ft8">W</span><span class="ft4">EISSENBERGER</span><span class="ft8">,</span><br/> <span class="ft8">Kommentar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz,</span><br/> <span class="ft8">2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2015, Art. 15d N 12 f.; J</span><span class="ft4">ÜRG</span> <span class="ft8">B</span><span class="ft4">ICKEL</span><span class="ft8">,</span><br/> <span class="ft8">in: M</span><span class="ft4">ARCEL</span> <span class="ft8">A</span><span class="ft4">LEXANDER</span> <span class="ft8">N</span><span class="ft4">IGGLI</span><span class="ft8">/T</span><span class="ft4">HOMAS</span> <span class="ft8">P</span><span class="ft4">ROBST</span><span class="ft8">/B</span><span class="ft4">ERNHARD</span><br/> <span class="ft8">W</span><span class="ft4">ALDMANN</span><span class="ft8">, [H</span><span class="ft4">RSG</span><span class="ft8">.], Basler Kommentar, Strassenverkehrsgesetz,</span><br/> <span class="ft8">Basel 2014, Art. 15d N 12). Das Strassenverkehrsamt hat auf einen</span><br/> <span class="ft8">vorsorglichen Entzug des Führerausweises der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft8">(ursprünglich) verzichtet und - soweit aus den Akten ersichtlich -</span><br/> <span class="ft8">auch in der Zwischenzeit keinen solchen angeordnet, was darauf</span><br/> <span class="ft8">hindeutet, dass es die Verkehrssicherheit nicht akut gefährdet sieht.</span><br/> <span class="ft8">Für die Annahme einer Ausnahmesituation, in welcher die Bedenken</span><br/> <span class="ft8">an der Fahreignung der Betroffenen (knapp) ausreichen für die</span><br/> <span class="ft8">Anordnung einer Fahreignungsabklärung, nicht jedoch für den sich</span><br/> <span class="ft8">als schwerwiegenderen Eingriff zu qualifizierenden vorsorglichen</span><br/> <span class="ft8">Sicherungsentzug (vgl. zu dieser Ausnahmekonstellation auch</span><br/> <span class="ft8">W</span><span class="ft4">EISSENBERGER</span><span class="ft8">, a.a.O., Art. 15d N 13), besteht im vorliegenden</span><br/> <span class="ft8">Fall kein Raum, zumal auch weder die Vorinstanz noch das</span><br/> <span class="ft8">Strassenverkehrsamt entsprechende Überlegungen thematisieren.</span><br/> <span class="ft8">Dementsprechend drängt sich auch unter diesem Aspekt keine</span><br/> <span class="ft8">verkehrsmedizinische Begutachtung auf (vgl. auch W</span><span class="ft4">EISSENBERGER</span><span class="ft8">,</span><br/> <span class="ft8">a.a.O., Art. 15d N 96).</span><br/></div> </div> </body> </html>