Asyl 2009/40 LANDESRECHT — DROIT NATIONAL — DIRITTO NAZIONALE 1 Staat – Volk – Behörden Etat – Peuple – Autorités Stato – Popolo – Autorità 40 Auszug aus dem Urteil der Abteilung III i. S. A. gegen Bundesamt für Migration C-6883/2007 vom 3. September 2009 Asyl und Aufenthaltsverfahren. Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung bei Vorliegen eines schwerwiegenden persön- lichen Härtefalls. Grundsatzurteil. Art. 14 Abs. 2 AsylG. 1. Trotz ähnlicher Terminologie ist das Zustimmungsverfahren zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG vom Zustimmungsverfahren des Ausländerrechts gemäss Art. 40 Abs. 1 und Art. 99 AuG zu unterscheiden: Ersteres hat nur die Frage der Ermächtigung des Kantons zur Durch führung eines Aufenthaltsverfahrens zum Inhalt und vermittelt der be - troffenen Person erst im entsprechenden Zustimmungs verfahren Parteistellung (Art. 14 Abs. 4 AsylG); demgegenüber hat Letzte - res die Zu stimmung zu einer vom Kanton erteilten Kurz aufent- halts-, Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung zum Gegen - stand (E. 3.4). 2. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme im Rahmen eines Asylverfahrens unterstellt die betroffene Person dem Auslän der- recht. Nach Aufhebung der vorläufigen Aufnahme ist die Weg - weisung vollziehbar und der Ausländer wieder als abge wiesener Asylsuchender zu behandeln (E. 4.2). 3. Der Gesetzgeber wollte mit Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG keinen von der bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 13 Bst. f der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der BVGE / ATAF / DTAF 5592009/40 Asyl Ausländer vom 6. Oktober 1986 und der darauf abgestützten Rechtsprechung der Schweizerischen Asylrekurskommission zu aArt. 44 Abs. 3 AsylG abweichenden Begriff des schwerwiegen - den persönlichen Härtefalls schaffen (E. 5). Asile et procédure d'autorisation de séjour. Approbation à l'octroi d'une autorisation de séjour en présence d'un cas de rigueur grave. Arrêt de principe. Art. 14 al. 2 LAsi. 1. Malgré l'usage de termes similaires, la procédure d'approba tion à l'octroi d'une autorisation de séjour fondée sur l'art. 14 al. 2 LAsi doit être distinguée de celle régie par l'art. 40 al. 1 et l'art. 99 LEtr: la première ne porte que sur la question de l'habi - litation du canton à engager une procédure d'autorisation de séjour et confère, pour la première fois, la qualité de partie à la personne concernée (art. 14 al. 4 LAsi); la seconde, en re vanche, a pour objet l'approbation à l'octroi d'une auto risation de courte durée, de séjour ou d'établissement proposée par le canton (consid. 3.4). 2. L'admission provisoire ordonnée dans le cadre d'une procédure d'asile soumet la personne concernée au droit des étrangers. Ce - pendant, après la levée de l'admission provisoire, le renvoi de - vient exécutable et la personne concernée doit à nouveau être traitée comme un requérant d'asile débouté (consid. 4.2). 3. En édictant l'art. 14 al. 2 let. c LAsi, le législateur n'a pas voulu créer une notion de cas de rigueur grave s'écartant de celle défi- nie par la jurisprudence du Tribunal fédéral relative à l'art. 13 let. f de l'ordonnance limitant le nombre des étrangers du 6 octo- bre 1986 et reprise par la jurisprudence de la Commis sion suisse de recours en matière d'asile relative à l'ancien art. 44 al. 3 LAsi (consid. 5). Asilo e procedura di rilascio di un permesso di dimora. Benestare al rilascio di un permesso di dimora in presenza di un grave caso di rigore personale. Sentenza di principio. Art. 14 cpv. 2 LAsi. 1. Malgrado l'uso di termini simili, la procedura di benestare al ri - lascio di un permesso di dimora secondo l'art. 14 cpv. 2 LAsi va 560 BVGE / ATAF / DTAFAsyl 2009/40 distinta dalla procedura d'approvazione del diritto in ma teria di stranieri prevista dall'art. 40 cpv. 1 e dall'art. 99 LStr: la prima riguarda unicamente la questione dell'autorizza zione del Canto - ne a condurre una procedura di rilascio di un per messo di dimo- ra e conferisce all'interessato, per la prima volta, qualità di parte nella procedura di benestare (art. 14 cpv. 4 LAsi); per contro la seconda ha per oggetto l'approvazione al rilascio di un permesso di soggiorno di breve durata, di dimora o di domicilio da parte del Cantone (consid. 3.4). 2. Una decisione di ammissione provvisoria nell'ambito di una pro - cedura d'asilo sottopone le persone interessate alla legisla zione sugli stranieri. Tuttavia, una volta revocata l'ammissione prov vi- soria, l'allontanamento può essere eseguito e gli inte ressati vanno nuovamente trattati come richiedenti l'asilo respinti (consid. 4.2). 3. Mediante l'art. 14 cpv. 2 lett. c LAsi il legislatore non intendeva introdurre una definizione di grave caso di rigore personale di - versa da quella prevista dalla giurisprudenza del Tribunale fe de- rale sull'art. 13 lett. f dell'ordinanza che limita l'effettivo degli stranieri del 6 ottobre 1986 e dalla conseguente giurisprudenza della Commissione svizzera di ricorso in materia d'asilo sul vecchio art. 44 cpv. 3 LAsi (consid. 5). Das Asylgesuch des Beschwerdeführers wurde am 22. Mai 2002 vom Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; heute: Bundesamt für Migration [BFM]) abgewiesen und die Wegweisung angeordnet. Nachdem der Be - schwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde erhoben hatte, kam das BFF im Jahre 2003 insofern auf den Entscheid zurück, als es den Be - schwerdeführer vorläufig aufnahm. Daraufhin zog der Beschwerde führer seine Beschwerde zurück. Per 4. Juli 2006 wurde die vorläufige Aufnahme rechtskräftig aufgeho - ben und der V ollzug der Wegweisung angeordnet, die Ausreisefrist aber mehrmals erstreckt. Am 16. August 2007 ersuchte die kantonale Migrationsbehörde das BFM um Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31). Mit Verfügung vom 14. September 2007 wies das BFM das Gesuch ab. Das Bundesverwaltungsgericht (BVGer) weist die dagegen erhobene Beschwerde ab. BVGE / ATAF / DTAF 5612009/40 Asyl Aus den Erwägungen: 3. 3.1 Mit der Einführung von Art. 14 Abs. 2 AsylG auf den 1. Januar 2007 wurden die Abs. 3–5 von Art. 44 AsylG aufgehoben (Änderung vom 16. Dezember 2005, AS 2006 4745, 4767). Abs. 3 sah die Möglich- keit vor, in Fällen einer schwer wiegenden persönlichen Notlage die vor - läufige Auf nahme an zuordnen, sofern vier Jahre seit Einrei chung des Asylgesuches noch kein rechtskräftiger Entscheid ergangen war (AS 1999 2273). In Abs. 4 wurden Kriterien genannt, die bei der Beurteilung zu berücksichtigen waren. Der Entwurf des Bundes rates zur Teilrevision des Asylgesetzes (BBl 2002 6938, hier 6942) hatte in Art. 44 Abs. 3 vor- gesehen, dass bei V orliegen einer schwerwie genden persönlichen Not - lage die humani täre Aufnahme gewährt werden könne, sofern vier Jahre nach Einreichung des Asylgesuches noch kein rechtskräftiger Entscheid ergangen sei. Diese Re gelung wurde jedoch vom Parlament nicht über - nommen. Es entschied sich für den Wortlaut des heutigen Art. 14 Abs. 2 AsylG, welcher erst durch die vorberatende Kom mission des Ständerates als Art. 14 Abs. 1bis AsylG in die Debatte eingebracht worden war (Amtliches Bulletin der Bundes versammlung [AB] 2005 S 339). Neben grundsätzlichen Bedenken gegenüber dem Konzept des Bundesrates (BR), welches neben der humanitären auch eine sogenannte proviso - rische Aufnahme vorgesehen hatte (vgl. Botschaft des Bun desrates zur Änderung des Asylge setzes, zur Änderung des Bun desgesetzes über die Krankenversicherung sowie zur Änderung des Bun desgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung vom 4. September 2002, BBl 2002 6845, hier 6855, nachfolgend: Botschaft des BR zum AsylG/KVG/AHVG), war es dem Parla ment insbesondere ein An liegen, den Kantonen die Mög lichkeit zu geben, nicht nur wäh rend des Asyl - verfahrens, sondern auch nach dessen rechtskräftigem Abschluss unter bestimmten V oraussetzungen eine Aufenthaltsbewilligung erteilen zu können (vgl. AB 2005 S 339 ff. und AB 2005 N 1163 f. zu Art. 14 Abs. 1bis AsylG). Neben der Aus weitung des Anwen dungsbereiches auf rechtskräftig abgewiesene Asylsuchende stellt die Rege lung von Art. 14 Abs. 2 AsylG gegen über dem auf gehobenen aArt. 44 Abs. 3 AsylG eine Verbesserung der Rechts stellung der betrof fenen Person dar, indem ihr eine Aufenthalts bewilligung erteilt und nicht mehr nur die vorläufige Aufnahme gewährt werden kann. 3.2 Mit dem Inkrafttreten von Art. 14 AsylG in seiner heutigen Form am 1. Januar 2007 wurde aArt. 33 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, AS 2006 4739) geändert, der 562 BVGE / ATAF / DTAFAsyl 2009/40 Kriterien zur Beurteilung des schwerwiegenden persönlichen Härte falles aufführte. Dieser Kriterienkatalog hatte bis zum Inkrafttreten des Auslän- dergesetzes und seiner Verordnungen am 1. Januar 2008 Bestand. Neu finden sich die Kriterien, welche bei der Beurteilung eines schwer wie- genden per sönlichen Härtefalles zu berücksichtigen sind, in Art. 31 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufent halt und Er - werbstätigkeit (VZAE, SR 142.201). 3.3 Art. 14 AsylG regelt das Verhältnis zwischen ausländerrecht- lichem Verfahren und Asylverfahren. Als Grundsatz hält Abs. 1 fest, dass ab Einreichung des Asylgesuches bis zur Ausreise nach einer rechts kräf- tig ange ordneten Wegweisung, nach einem Rück zug des Asylgesuches oder bis zur Anordnung einer Ersatz massnahme bei nicht durchführ ba- rem V ollzug kein Verfahren um Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung eingeleitet werden kann. Hän gige Verfahren um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung werden mit dem Einreichen eines Asylgesuches gegen standslos (Art. 14 Abs. 5 AsylG). Das Gesetz kennt jedoch auch Ausnahmen vom Grundsatz der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens, von denen vorliegend nur Abs. 2 von Art. 14 AsylG inte- ressiert. Dieser ermöglicht es den Kantonen, einer ihnen nach Asylgesetz zugewiesenen Person, unter bestimmten Umständen und mit Zustim- mung des BFM, eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. 3.4 3.4.1 Art. 14 Abs. 2 AsylG beinhaltet ein Zustimmungsverfahren zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung aufgrund eines schwerwiegen den persönlichen Härtefalles. In der allgemeinen Ausländergesetzgebung sind gemäss Art. 40 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) die Kantone zu - ständig für die Erteilung von Aufenthalts bewilligungen. Diese Zustän - digkeit steht gemäss dieser Bestimmung unter dem V orbehalt der Zuständigkeit des Bundesamtes unter anderem bezüglich des Zustim- mungsverfahrens (Art. 99 AuG) und der Ab weichungen von den Zu las- sungsvoraussetzungen (Art. 30 AuG). Gemäss Art. 99 AuG legt der BR fest, in welchen Fällen Kurzaufenthalts-, Aufenthalts- und Niederlas- sungsbewilligungen dem BFM zur Zustimmung zu unterbreiten sind (vgl. Art. 85 VZAE). V oraussetzung für die Durchführung eines solchen Zustimmungsverfahrens ist die Bereitschaft des Kantons, die Bewil- ligung zu erteilen. Der betroffene Aus länder hat sowohl im kantonalen Verfahren als auch im Zustimmungs verfahren vor dem BFM Parteistel - lung. BVGE / ATAF / DTAF 5632009/40 Asyl 3.4.2 Art. 14 Abs. 2 AsylG unterscheidet sich vom geschilderten aus - länderrechtlichen Verfahren hauptsächlich durch die Stellung der be trof- fenen Person im Verfahren und der Ausgestaltung ihrer Parteirechte. Eine dem allgemeinen Ausländerrecht unterstellte Person kann sowohl ein or - dentliches Aufenthaltsverfahren als auch ein Verfahren gemäss Art. 30 Abs. 1 AuG (Ausnahme von den Zulassungsvorausset zungen) durch Ge - such einleiten und geniesst alle Rechte in diesen Verfahren. Im Verfahren gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG hingegen kommt der aus ländischen Person erst im Zustimmungsverfahren Partei stellung zu (Art. 14 Abs. 4 AsylG). Dieses Konzept steht im Ein klang mit der in Art. 14 Abs. 1 AsylG statu- ierten Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens (vgl. aber die mit Blick auf die Rechtsweggarantie gemäss Art. 29a der Bundes verfassung der Schweizerischen Eidgenos senschaft vom 18. April 1999 [BV , SR 101] geäusserte Kritik, so bspw. PETER NIDERÖST , Sans-papiers in der Schweiz, in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Handbücher für die Anwaltspraxis Bd. VIII, 2. Aufl., Basel 2009 [nachfolgend: Ausländerrecht], Rz. 9.43 ff. und THOMAS B AUR , Die Härtefallregelung im Asylbereich – kritische Analyse der kantonalen Praxis, in: ASYL 2/09 S. 11 ff., 13 f.). Gemäss der bundesge- richtlichen Recht sprechung, die sich mit Art. 14 Abs. 2 AsylG befasst, ergibt sich daraus, dass es den Kantonen von Bun desrechts wegen unter- sagt ist, der betroffenen Person Parteirechte ein zuräumen. Gegenstand des Zu stimmungsverfahrens ge mäss Art. 14 Abs. 2 AsylG bildet dem - nach die Frage, ob der Kanton ermächtigt wird, eine Aufenthaltsbe- willigung zu erteilen bzw. ein Aufent haltsverfahren durch zuführen (vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts [BGer] 2C_853/2008 vom 28. Januar 2009 E. 3.1 und das Urteil des BGer 2D_90/2008 vom 9. September 2008 E. 2.1, je mit Hinweisen). 3.4.3 Das Verfahren gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG weist somit zwar eine ähnliche Terminologie auf wie sie sich im Ausländer gesetz findet. Allerdings zeigen sich in verfahrens rechtlicher Hinsicht deutliche Unter- schiede, die zum Schluss führen, es handle sich beim Zustimmungs- verfahren im Asylgesetz um ein Verfahren besonderer Natur. 3.5 Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des Asylgesetzes vom 16. Dezember 2005 gilt für die im Zeitpunkt des In - krafttretens dieser Gesetzesänderung hängigen Verfahren das neue Recht. Für das vorliegende Verfahren hat dies zur Folge, dass die zum Zeitpunkt des Urteils geltenden Kriterien für die Beurteilung, ob die V oraussetzun- gen für das V orliegen eines schwerwiegenden persön lichen Härtefalles gegeben sind, beizuziehen sind (Art. 14 Abs. 2 AsylG i. V . m. Art. 31 VZAE). Allerdings gilt es darauf hinzuweisen, dass zum Zeitpunkt der 564 BVGE / ATAF / DTAFAsyl 2009/40 Beurteilung durch die V orinstanz Art. 31 VZAE noch nicht in Kraft getreten war, wes halb die Kriterien von aArt. 33 AsylV 1 in seiner Fas - sung vom 8. November 2006 (AS 2006 4739) anzuwenden waren. Wie noch zu zeigen ist, wirkt sich diese Änderung der Ausführungs bestim- mungen materiell jedoch nicht aus (vgl. E. 5). 4. 4.1 Gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG kann der Kanton mit Zustimmung des BFM einer ihm nach dem Asylgesetz zugewiesenen Person eine Aufenthaltsbewilligung erteilen, wenn die betroffene Person sich seit Einreichung des Asylgesuches mindestens fünf Jahre in der Schweiz aufhält (Bst. a), der Aufenthaltsort der betroffenen Person den Behörden immer bekannt war (Bst. b) und wegen der fortgeschrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt (Bst. c). 4.2 V orliegend hat der Kanton Bern, gestützt auf Art. 14 Abs. 2 AsylG, dem BFM einen Antrag auf eine Härtefallregelung gestellt. In ihrer Verfügung äusserte die V orinstanz Zweifel daran, dass eine Zustim- mung nach Art. 14 AsylG in Frage steht, da diese für Per sonen aus dem Asylbereich gelte. Dies sei bei Personen mit rechts kräftig aufgehobener vorläufiger Aufnahme nicht der Fall, da diese Ersatz massnahme für den nicht durch führbaren V ollzug einer Wegweisung im Aus länderrecht ge - regelt sei. Die V orinstanz lässt diese Frage allerdings mit der Begründung offen, die Kriterien zur Beurteilung eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles ge mäss Art. 13 Bst. f der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Aus länder vom 6. Oktober 1986 (BVO, AS 1986 1791) seien die gleichen wie bei der Beur teilung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG. Die V orinstanz äussert jedoch Zweifel am Willen des Gesetz gebers, aus- ländischen Personen, welche zunächst für ein Asylverfahren in die Schweiz gekommen waren und deren Anwesenheit später vorübergehend nach den Bestimmungen des Ausländerrechts geregelt war, anschliessend die Möglichkeit zu geben, sich wieder auf das Asylgesetz zu berufen. 4.2.1 Bei der vorläufigen Aufnahme handelt es sich um eine Ersatz - massnahme für eine nicht vollziehbare Weg- oder Ausweisung (aArt. 44 Abs. 2 AsylG, Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer vom 26. März 1931 [ANAG, BS 1 121] bzw. heute Art. 83 Abs. 1 AuG; A NDREAS ZÜND /LADINA ARQUINT HILL, Be- endigung der Anwesenheit, Entfernung und Fernhaltung, in: Auslän- derrecht, Rz. 8.98; M ARC SPESCHA /HANSPETER THÜR /ANDREAS ZÜND /PETER B OLZLI , Migrations recht, 2. Aufl., Zürich 2009, Rz. 3 zu Art. 83 AuG; N ICOLAS W ISARD , Les renvois et leur exécution en droit des étrangers et en droit d'asile, Basel/Frankfurt am Main 1997, S. 349). Wird diese Ersatz - BVGE / ATAF / DTAF 5652009/40 Asyl massnahme nach Wegfall des V ollzugshindernisses aufgehoben, so kann die ursprüngliche Wegweisung vollzogen werden. 4.2.2 Der Auffassung der V orinstanz, wonach es zweifelhaft sei, dass der Gesetzgeber Art. 14 Abs. 2 AsylG auf Personen angewendet sehen wollte, deren vorläufige Aufnahme aufgehoben wurde, kann nicht ge - folgt wer den. Zwar handelt es sich bei der vorläufigen Auf nahme um einen (faktischen) fremdenpolizeilichen Status. Aufgrund ihrer Eigen- schaft als Ersatzmassnahme muss jedoch nach ihrer Aufhebung der Zu - stand, wie er vor der Anordnung bestanden hat, wieder aufle ben. Würde der Auffassung der V orinstanz gefolgt, so hätte dies eine Privilegierung derjenigen ausländischen Personen im Asylbereich zur Folge, die zu irgendeinem Zeitpunkt während des Asylverfahrens vorläufig aufgenom - men waren. Denn sie könnten nach der Aufhebung der vorläufigen Auf - nahme jederzeit, gestützt auf das Ausländergesetz, ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung, ins besondere auch um eine Ausnahme von den Zulassungsbedingungen gemäss Art. 30 Abs. 1 AuG, stellen. Diese Konsequenz der Unterstellung unter das Ausländergesetz würde dem Grundgedanken der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens für diese Per- sonen (Art. 14 Abs. 1 AsylG) widersprechen. Der Wechsel ins allgemeine Ausländerrecht ist somit auf die Dauer der Er satzmassnahme beschränkt. Durch die Aufhebung der vorläufigen Auf nahme wird die aufgrund des Asylrechtes verfügte Weg weisung vollziehbar, der Betroffene ist somit wieder als abgewie sener Asylsuchender anzusehen. Dies ent spricht auch dem Konzept des Asylver fahrens als ein im Verhältnis zum Aus länder- recht umfassendes Spezialverfahren, welches bis zur Ausreise dauert (vgl. Art. 14 Abs. 1 und 5 AsylG, siehe oben E. 3.3). Für diese Auf fas- sung spricht zudem, dass die Aufhe bung einer vorläu figen Auf nahme, welche im Rahmen eines Asylverfahrens verfügt wurde, durch die Asyl - behörden erfolgt (vgl. insbes. aArt. 105 Abs. 1 Bst. e AsylG in der bis zum 31. Dezember 2006 geltenden Fassung [AS 1999 2262], laut der die Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) für Beschwerden zu stän- dig war, welche gegen die Aufhebung der nach aArt. 44 Abs. 2 und 3 AsylG angeordneten vor läufigen Aufnahme erhoben wurden; eine ent - sprechende Regelung findet sich auch heute in Ziffer 4 des Anhangs zum Geschäftsreglement vom 17. April 2008 für das Bundes verwaltungsge- richt [VGR, SR 173.320.1]). Auch der Wortlaut von Art. 14 Abs. 2 AsylG, welcher von « einer ihm [dem Kanton] nach diesem Gesetz zu ge- wiesenen Person » spricht, deutet auf diese Interpretation hin (vgl. dazu W ALTER STÖCKLI , Asyl, in: Ausländerrecht, Rz. 11.88), nicht zuletzt dann, wenn man mit früheren Formu lierungen vergleicht, wo von « Gesuch- stellern » (vgl. die Rechts lage, wie sie dem Entscheid in der Verwal - 566 BVGE / ATAF / DTAFAsyl 2009/40 tungspraxis der Bundesbehörden 59.29 zu grunde lag) bzw. « sofern (...) noch kein rechtskräftiger Entscheid ergangen ist » (aArt. 44 Abs. 3 AsylG; vgl. AS 1999 2262) die Rede war. Aus den Beratungen des Parla- mentes geht denn auch ohne Weite res her vor, dass mit Art. 14 Abs. 2 AsylG (da mals noch als Art. 14 Abs. 1bis be zeichnet) den Kanto nen die Möglichkeit eingeräumt werden sollte, auch für abgewiesene Asyl such- ende eine Härtefallregelung zu beantragen (vgl. AB 2005 N 1163 f.). Für die Auffassung der V orinstanz, wonach abgewiesene Asylsuchende, welche vorübergehend vorläufig aufgenom men waren, nicht von Art. 14 Abs. 2 AsylG er fasst sein sollten, finden sich in den parlamen tarischen Debatten keine Hinweise. Auch das BGer ging im erwähnten Urteil 2D_90/2008 vom 9. September 2008 E. 2.1 davon aus, dass ein früher vorläufig aufgenommener Asylsuchender von einer Regelung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG nicht ausgeschlossen ist (...). 4.2.3 Die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers wurde im Jahre 2003 aufgrund von aArt. 44 AsylG angeordnet. Der Beschwerde - führer ist nach Aufhebung der vorläufigen Aufnahme somit wieder als abgewiesener Asylsuchender anzusehen, der noch nicht ausgereist ist. Damit fällt er grund sätzlich unter die Ausschliesslichkeitsregelung von Art. 14 Abs. 1 AsylG, weshalb der Anwendung der Ausnahmebestim- mung von Art. 14 Abs. 2 AsylG nichts entgegensteht. Damit steht dem Kanton, entgegen der von der V orinstanz geäusserten Zweifel, die Mög - lichkeit offen, in Bezug auf den Beschwerdeführer gemäss Art. 14 Abs. 2 und Abs. 3 AsylG vorzugehen. 4.3 Die Anforderungen von Art. 14 Abs. 2 Einleitungssatz und Abs. 3 AsylG sind vorliegend ebenso erfüllt, wie diejenigen von Art. 14 Abs. 2 Bst. a und b AsylG. Zu prüfen bleibt deshalb, ob aufgrund der fort ge- schrittenen Integration des Beschwer deführers ein schwerwiegender per- sönlicher Härtefall vorliegt (Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG i. V . m. Art. 31 VZAE). 5. Zu klären ist zunächst, inwiefern bei der Beurteilung von Härtefällen gemäss Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG auf die Praxis der ARK zu den damals geltenden Bestimmungen von aArt. 44 Abs. 3 AsylG und aArt. 33 AsylV 1 abgestellt werden kann. 5.1 Bereits unter der Herrschaft des bis zum 31. Juli 2001 geltenden Wortlauts des aArt. 33 AsylV 1 (AS 1999 2302) hatte die ARK in einem Grundsatzentscheid (Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2001 Nr. 10 E. 6c) festgehalten, dass mit der am 1. Oktober 1999 in Kraft getretenen Regelung, welche von einer « schwerwiegenden persönlichen Notlage » sprach, die bisherige bundes gerichtliche Praxis BVGE / ATAF / DTAF 5672009/40 Asyl zur Frage des V orliegens eines schwerwie genden persönlichen Härte fal- les im Sinne von Art. 13 Bst. f BVO übernommen und fort geführt wer- den sollte. Diese Rechtspre chung bestätigte die ARK auch für den vom 1. August 2001 bis 31. Dezember 2006 geltenden Wortlaut von aArt. 33 Abs. 1 AsylV 1 (AS 2001 1750; EMARK 2001 Nr. 25 E. 6c). Nach dem Willen des BR sollte auch die Teilrevision des Asylgesetzes am einheit li- chen Begriff des Härtefalles, welcher sich auf die Recht sprechung des BGer zu Art. 13 Bst. f BVO stützte, nichts ändern (vgl. Botschaft des BR zum AsylG/KVG/AHVG, BBl 2002 6845, hier 6856 und 6888 f.). Erst nachdem der Natio nalrat der V orlage des BR als Erstrat bereits gefolgt war, brachte die vorberatende Kommission des als Zweitrat fungierenden Ständerates den heutigen Wortlaut von Art. 14 Abs. 2 AsylG in die Debatte ein. Deshalb kann bei der Anwendung nicht unbesehen auf die Botschaft des BR abgestellt werden, welche in Bezug auf aArt. 44 Abs. 3 des Entwurfs zur Änderung des Asyl gesetzes eine Weiter führung des Härtefallbegriffes vorsah. Dies insbesondere, weil der Wortlaut selbst eine Gewich tung der Kriterien ent hält, die auf den ersten Blick vom Härtefallbegriff, wie er in der bisheri gen Rechtsprechung entwickelt und auch vom BR in seiner Botschaft vertreten wurde, abzuweichen scheint. 5.2 Ausgangspunkt jeder Gesetzesauslegung ist der Wortlaut einer Bestimmung (vgl. für diesen auch im Verwaltungsrecht geltenden Grundsatz Art. 1 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 [ZGB, SR 210]). Ist der Text nicht ohne Weiteres klar und sind ver schiedene Interpretationen möglich, so muss unter Be - rücksichtigung aller Auslegungsmethoden (grammatikalische, syste ma- tische, historische, teleologische, zeitgemässe Methode) nach seiner wahren Tragweite ge sucht werden; dabei kommt es namentlich auf den Zweck der Regelung, die dem Text zu Grunde liegenden Wertungen sowie auf den Sinnzu sammenhang an, in dem die Norm steht. Im Sinne eines pragmatischen Methodenpluralismus ist es abzulehnen, einzelne Auslegungsmethoden einer hierarchischen Prioritätsordnung zu unter- stellen (vgl. BGE 135 V 153 E. 4.1 und BGE 135 II 78 E. 2.2; BVGE 2007/7 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 5.2.1 Die grammatikalische Auslegung stellt auf Wortlaut, Wortsinn und Sprachgebrauch ab. Aus dem deutschen Wortlaut geht eine Art Zweistufigkeit hervor: Die fortgeschrittene Integration soll kausal für das V orliegen eines Härtefalles bei der ausländischen Person sein (Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG). Daraus ergibt sich, dass die fortge schrittene Inte- gration not wendige, aber nicht hinreichende V oraussetzung für die Zu - stimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG dar stellt. Keine andere Deutung ergibt sich aus der fran - 568 BVGE / ATAF / DTAFAsyl 2009/40 zösischen Formulierung des Buchstabens c: « il s'agit d'un cas de rigueur grave en raison de l'intégration poussée de la personne concernée ». Der italienische Text hin gegen lautet: « si è in presenza di un grave caso di rigore personale in consi derazione del grado di integrazione dell'in teres- sato ». Daraus geht nicht hervor, dass eine fortgeschrittene Integration Ausgangspunkt für eine Härtefallprüfung ist; vielmehr soll bei der Härte - fallprüfung der Grad der Integration als ein Kriterium unter anderen be - rücksichtigt werden. Aufgrund der Ent stehungsgeschichte – den eidge - nössischen Räten lagen die deutsche und die französische Version vor (AB 2005 S 339, AB 2005 N 1163) – ist davon auszugehen, dass sich die Abweichung im Zuge der Über setzung ins Italienische ergeben hat. Im deutschen und im französischen Text spiegelt sich ein Aspekt der bundesgerichtlichen Praxis zu Art. 13 Bst. f BVO wider: Das BGer hat festgehalten, dass es für die An nahme eines schwer wiegenden persön - lichen Härtefalles nicht ge nügt, dass die aus ländische Person sich wäh - rend längerer Zeit in der Schweiz aufgehalten, sich in sozialer und beruflicher Hinsicht gut integriert hat, und sie sich nichts hat zu schul den kommen lassen. Vielmehr bedarf es zu sätzlich einer so engen Bezie hung zur Schweiz, dass es der Person nicht zuge mutet werden kann, im Aus - land, insbesondere in ihrem Heimat land, zu leben (BGE 130 II 39 E. 3; BVGE 2007/45 E. 4.2). V or diesem Hintergrund und mit Blick auf den italienischen Wortlaut besteht kein Anlass zur Annahme, der Gesetzgeber habe von der bisherigen Praxis zur Beurteilung des schwerwie genden persönlichen Härtefalles abweichen wollen. 5.2.2 Bei der systematischen Betrachtung wird der Sinn der Rechts - norm bestimmt durch ihr Verhältnis zu anderen Rechtsnormen und durch den systematischen und logischen Zusammenhang. Art. 14 AsylG befasst sich mit dem Verhältnis zwischen Asylrecht und dem allgemeinen Aus - länderrecht. Art. 14 Abs. 2 AsylG stellt eine Ausnahme zum Grundsatz der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens dar (vgl. Art. 14 Abs. 1 AsylG sowie oben E. 3.3) und ermöglicht eine Regelung des Auf enthaltsstatus gemäss Ausländergesetz. Zudem gehört Art. 14 Abs. 2 AsylG aufgrund seines Inhaltes zu einer Gruppe von Bestim mungen, die sich im Aus län- dergesetz findet und die für mehrere Kategorien von aus ländischen Per- sonen Regelungen vorsieht, die auf die besonders schwierige Lage Einzelner abstellen (vgl. z. B. Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 84 Abs. 5 AuG). Die Erwähnung des Härtefalles legt insbesondere nahe, dass ein Zusammenhang zu Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG besteht, welcher eine Ab weichung von den Zulassungsvoraus set- zungen bei V orliegen schwerwiegender persön licher Härtefälle vorsieht. V on seiner Stellung und Aufgabe her soll Art. 14 Abs. 2 AsylG die Härte- BVGE / ATAF / DTAF 5692009/40 Asyl fallregelung im Auslän derrecht ergänzen (so auch B AUR , a. a. O., S. 11), von der ausländische Per sonen im Asylverfahren aufgrund von Art. 14 Abs. 1 AsylG generell aus geschlossen sind. Auch dieser Aspekt spricht dafür, dass eine Weiterführung der bishe rigen Praxis zur Beurteilung, ob ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt, gewollt war. 5.2.3 Die historische Auslegung stellt auf den Sinn und Zweck ab, den man einer Norm zur Zeit ihrer Entstehung gab. Insbesondere bei jungen Erlassen, wie dem vorliegenden, muss dem Willen des Gesetz - gebers gros ses Gewicht beigemessen werden, wobei eine Abgren zung zur teleologischen Auslegung, die auf den Regelungszweck abstellt, we - gen des erst vor kurzer Zeit in Kraft getretenen Ausländer gesetzes vor- liegend kaum möglich ist. Es gilt somit insgesamt, die mit der Norm ver - bundene Zweckvorstellung (die sogenannte ratio legis) zu ermitteln. Die Entstehungsgeschichte von Art. 14 Abs. 2 AsylG zeigt, dass die Un zu- friedenheit von manchen Kantonen und dem Nationalrat mit der vom BR vorgeschlagenen Lösung dazu führte, den heute geltenden Wortlaut in die Beratungen der staatspolitischen Kommission des Ständerates, der als Zweitrat fungierte, einzubringen (vgl. E. 3.1). Aus den Diskussionen in der Kom mission geht hervor, dass es nicht als sinnvoll erachtet wurde, im Ausländerrecht und im Asylrecht zwei verschiedene Härtefallbegriffe zu haben. Es müssten die gleichen V oraussetzungen gelten. Entscheidend müsse der Grad der er folgten beruflichen und sozialen Integration sein. Ferner wurde auf die vom BGer aufgestellten, einheitlichen Kriterien für Personen, die unter das Aus länderrecht und solche, die unter das Asyl - recht fallen, hin gewiesen. Bemerkenswert ist, dass die Parlamentarier in den Kom missionen davon ausgegangen sind, dass es sich bei den aus - ländischen Per sonen, für die eine Härtefallregelung in Frage kommen sollte, immer um sehr gut integrierte handle (Staats politische Kommis - sion des Ständerats, Protokoll der Sitzung vom 3. Februar 2005 S. 18 ff.; Staatspolitische Kommission des Nationalrats, Protokoll der Sitzung vom 23./24. Juni 2005 S. 1 ff.). Auch aus den V oten in den parlamentarischen Debatten ergibt sich kein anderes Bild (AB 2005 S 339 ff., AB 2005 N 1164). Auch aus diesem Blickwinkel wird deutlich, dass der Wortlaut von Art. 14 Abs. 2 AsylG nicht zu einem neuen Härte fallbegriff führen sollte. 5.2.4 Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass sowohl aufgrund der grammatikalischen und der syste matischen als auch der histori schen bzw. teleologischen Methode davon auszugehen ist, dass mit der Formu - lierung von Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG kein vom Ausländer bereich ab- weichender Härtefallbegriff geschaffen werden sollte. Der Wort laut des deutschen und des französischen Geset zestextes ist zum einen aus der 570 BVGE / ATAF / DTAFAsyl 2009/40 bundesgerichtlichen Rechtsprechung heraus zu verste hen (vgl. E. 5.2.1); zum anderen wird er nach vollziehbar, betrachtet man die Diskussionen in den parla mentarischen Kom missionen: Ausgehend von Einzelfällen, die Beachtung in den Medien fanden, weil sich die Gemeinden, Nach - barn und Schulka meraden gegen den V ollzug der Wegweisung gut in - tegrierter Familien wehrten, wur de es als stossend bezeichnet, dass es keine Möglichkeit gebe, diesen Perso nen ein Bleiberecht zu verschaffen. Gleichzeitig wurde aber immer wieder auf die Regelung verwiesen, die sich bereits im Aus länderbereich findet. Es ist daher davon auszugehen, dass die Aufnah me einer Härtefall regelung ins Asylgesetz eine Lücke schliessen sollte, welche durch die Ausschliesslichkeit des Asyl verfah- rens entstanden ist; dabei sollte aber die Regelung des Ausländerrechts als V orbild dienen. Diesem Gedanken ist der Verordnungsgeber gefolgt, indem er im Untertitel von Art. 31 VZAE festhielt, dieser solle auch auf Art. 14 AsylG angewendet werden. 5.3 Somit ergibt sich, dass es keine Hin weise darauf gibt, wonach das Parlament beabsichtigt hätte, im Asyl recht eine von dem im Kontext des Ausländerrechts entwickelten Härte fallbegriff abweichende Rege lung zu treffen. 6. 6.1 Im Zusammenhang mit der Begrenzungsverordnung ging die Pra - xis davon aus, dass sich aus dem Verordnungstext sowie auf grund des Ausnahmecharakters der Bestimmung ergebe, dass die V oraussetzungen zur Anerkennung eines Härtefalles restriktiv zu handhaben seien (BGE 130 II 39 E. 3, BGE 124 II 110 E. 2, BGE 119 Ib 33 E. 3c; BVGE 2007/45 E. 4.2). Der Wortlaut von Art. 14 Abs. 2 AsylG und seine Stel - lung (Aus schliesslichkeit des Asylverfahrens, vgl. oben E. 3.3) machen deutlich, dass auch dieser Bestimmung Aus nahmecharakter zukom men soll. 6.2 Gemäss der bisherigen Praxis zum Härtefallbegriff, die vornehm - lich im Zusammen hang mit Art. 13 Bst. f BVO entwickelt wur de, muss der Betroffene sich in einer persönlichen Notlage befinden. Das bedeutet, dass seine Lebens- und Existenzbedingungen, gemessen am durch- schnittlichen Schicksal von auslän dischen Personen in einer ver gleich- baren Situation , in gesteigertem Masse in Frage gestellt sind bzw. die Verweigerung einer Ausnahme von den Zulassungsvorausset zungen für ihn schwere Nachteile zur Folge hätte. Dabei ist jeder Fall indi viduell, aufgrund der Gesamt umstände im Hinblick darauf zu prüfen, ob eine Rückkehr des Betroffenen in sein Heimatland seine Existenz in gestei - gertem Masse in Frage stellen und insofern eine besondere Härte BVGE / ATAF / DTAF 5712009/40 Asyl darstellen würde (vgl. BGE 130 II 39 E. 3, BGE 124 II 110 E. 2; BVGE 2007/45 E. 4.2, BVGE 2007/16 E. 5.2 mit Hin weisen; EMARK 2001 Nr. 10 E. 6d mit Hinweisen). Aus der Pflicht zur Einzel fallprüfung folgt, dass die vom BGer benannten und heute in Art. 31 Abs. 1 VZAE auf - geführten Kriterien weder einen ab schliessenden Katalog darstellen noch sämtliche Kriterien kumulativ erfüllt sein müssen (vgl. in diesem Sinne auch EMARK 2001 Nr. 10 E. 7c). Insbesondere ist der speziellen Si tua- tion von Personen, wel che sich im Asylverfahren befinden oder befan - den, Rechnung zu tragen (vgl. BGE 123 II 125 E. 3). Allerdings ist nur dann von einem Härtefall auszugehen, wenn die Beziehungen zur Schweiz derart eng sind, dass von der ausländi schen Person nicht ver - langt werden kann, ihr Leben in einem anderen Land, ins besondere in ih- rem Heimatland, weiterzuführen (vgl. BGE 130 II 39 E. 3, BGE 124 II 110 E. 2). Eine langdauernde Anwesenheit und eine gute Integration so- wie ein klaglo ses Verhalten begründen für sich allein be trachtet keinen persönlichen Härtefall. Ebensowenig genügt es für die Annahme eines persönlichen Härtefalles, wenn die während des Aufenthaltes in der Schweiz geknüpften beruflichen, freundschaftlichen und nachbarschaftli- chen Beziehungen aufgegeben werden müssen (BGE 130 II 39 E. 3 mit Hinweisen). 7. 7.1 Der Beschwerdeführer stammt aus Serbien und reiste im Alter von 23 Jahren in die Schweiz ein, wo er am 21. Juni 2000 ein Asyl ge- such einreichte. Nach Auskunft der kantonalen Behörde hat der Be- schwerdeführer sich « bestens integriert ». Er spreche gut Deutsch, treibe in ver schiedenen Vereinen Sport, verkehre mit Schweizern, habe sich einen stabilen Freundeskreis aufgebaut und verdiene sich seinen Lebens - unterhalt seit dem 1. März 2005 selbst. Der Beschwerdeführer genies se einen einwandfreien Leumund und habe nie Anlass zu Klagen gegeben. In beruflicher Hinsicht wird dem Beschwerdeführer von seinem Arbeit - geber ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Gemäss dessen Angaben könnten die Kenntnisse, welche für die Arbeit (...) benötigt würden, nur in der Pra xis erworben werden. Der Beschwer deführer habe sich inner - halb kurzer Zeit die für seine Arbeit notwen digen Kenntnisse angeeignet und sei für seinen Arbeit geber zu einer wichtigen Stütze geworden. Aus diesem Grund könne die Firma auf den Beschwerdeführer nicht ver - zichten, nicht zuletzt auch, weil der Geschäftsführer selbst aufgrund von gesundheitlichen Prob lemen (u. a. mit dem Rücken) seit Anfang 2007 nur beschränkt einsatzfähig sei. In dieser Zeit habe der Beschwer de- führer die Stellvertretung für den Geschäftsführer wahrgenommen. 572 BVGE / ATAF / DTAFAsyl 2009/40 7.2 In der Beschwerdeschrift wird einerseits auf die gute Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz hingewiesen. Andererseits wird geltend gemacht, die Wegweisung führe zu einem schwerwiegenden per - sönlichen Härtefall gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG, weil der Arbeitgeber auf den Beschwerdeführer nicht verzichten könne. 7.3 Der Beschwerdeführer hat sich in den gut neun Jahren seiner An - wesenheit in der Schweiz offenbar in sozialer und, seit seiner Arbeits auf- nahme im Jahre 2005, auch in wirtschaftlicher Hinsicht gut in der Schweiz eingegliedert (vgl. Art. 31 Abs. 1 Bst. a und d VZAE). Dies weist zwar auf eine gute Integration hin, vermag jedoch allein, wie oben in E. 6.2 ausgeführt, noch keinen Härtefall zu begründen. Auch aus der geltend gemachten Abhängigkeit des Arbeitgebers vom Beschwerde füh- rer kann nicht auf einen schwer wiegenden persönlichen Härtefall gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG geschlossen werden. Die schwer wiegende persön - liche Härte muss in der Regel bei der betrof fenen ausländischen Person entstehen, falls sie die Schweiz verlassen müsste. Dass der schwer wie- gende persönliche Härtefall bei einer Drittperson eintreten würde, ist nur in seltenen Ausnahmen überhaupt denkbar. In analoger Anwendung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei- heiten (EMRK, SR 0.101) wird von dieser Regel praxisgemäss nur dann abgewichen, wenn ein in der Schweiz lebender Angehöriger ein ge festig- tes Anwesenheitsrecht hat und in einem besonderen Abhängigkeits ver- hältnis zur gesuch stellenden Person steht bzw. eine besonders enge per - sönliche und affektive Beziehung zu dieser unterhält (vgl. Urteil des BVGer C-377/2006 vom 11. Dezember 2008 E. 5.3 mit Hinweisen). Eine solche Beziehung ist vorliegend nicht er kennbar, nicht zuletzt auch deshalb, weil der Beschwerdeführer bei einer juristi schen Person an ge- stellt ist. Die Frage, ob der Beschwer deführer tatsächlich eine derart spe- zialisierte Tätigkeit ausübt, die ihn objektiv für den Arbeit geber un er- setzlich macht, kann im vorliegenden Ver fahren nicht beur teilt werden. Vielmehr müsste sie im Rahmen eines ordentlichen Be willigungsverfah- rens durch die kantonale Arbeitsmarkt behörde geprüft werden (Art. 40 Abs. 2 AuG i. V . m. Art. 83 und Art. 88 VZAE; vgl. auch das Urteil des BVGer C-590/2006 vom 17. Juli 2008 E. 8.5). 7.4 Was die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz anbelangt, so ist diese nicht als besonders lang einzuschätzen. Der Beschwer deführer ist vor etwa neun Jahren als 23jähriger junger Erwachsener in die Schweiz gekommen. Er hat somit den grössten Teil seines Lebens, welcher für die Sozialisierung wichtige Phasen umfasst, in seiner Heimat Serbien ver - bracht. Die Rückkehr in seinen Herkunftsstaat erscheint von diesem BVGE / ATAF / DTAF 5732009/40 Asyl Aspekt her nicht mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Dass dem Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr Repressionen wegen seiner Desertion und seiner Tätigkeit als Boxer drohen könnten, wurde bereits im Rahmen des Verfahrens betreffend die Aufhebung der vor läufigen Aufnahme verneint. Bei dieser Gelegenheit wurde auch das V orliegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles verneint (Entscheid der ARK vom 4. Juli 2006 E. 5.4). Das BVGer sieht keinen Grund, auf diese Beurteilung zurückzu kommen, da nicht ersichtlich ist, dass sich an der Situation seit der Auf hebung der vorläufigen Aufnahme etwas geändert hätte. Zudem wurde dem Beschwerdeführer am 8. Dezember 2006 eine finan - zielle Rückkehrhilfe für das am 27. November 2006 eingereichte Projekt (Taxi-Fahrer in seiner serbischen Heimatstadt) zugesichert. Zu diesem Zeitpunkt war er offenbar willens, in seine Heimat zurückzu kehren. Die Rückreise sollte schliesslich am 9. August 2007 erfolgen, wurde jedoch nach dem kantonalen Entscheid, beim BFM ein Härtefallgesuch einzu - reichen, ausgesetzt. 7.5 Schliesslich ergibt sich aus den Akten nichts, das auf derart enge Beziehungen zur Schweiz schliessen liesse, dass vom Beschwerde führer nicht verlangt werden könnte, sein Leben in einem anderen Land, ins be- sondere in seinem Heimatland, weiterzuführen (E. 6.2). Dass eine Schwester des Beschwerdeführers in der Schweiz lebt (vgl. den Sachver - halt im Urteil der ARK vom 4. Juli 2006 Bst. D), wird auf Beschwerde - ebene zu Recht nicht als Grund für das V orliegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles geltend gemacht. Ebensowenig spricht die vom Beschwerdeführer und seinem Arbeit geber geltend gemachte Tatsache, dass der Beschwerdeführer eine im Jahre 2007 geborene Tochter habe, welche mit ihrer Mutter, einer Kroatin, im Ausland lebe, für einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall, sollte der Beschwerdeführer die Schweiz verlassen müssen. 7.6 Aus diesen Erwägungen geht hervor, dass beim Beschwerdeführer kein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt, wenn er die Schweiz verlassen muss. Dass der Arbeitgeber, verliert er den Beschwer - deführer, möglicherweise in eine schwierige Situation gerät, kann im vorliegenden Verfahren nicht berücksichtigt werden. 574 BVGE / ATAF / DTAF