Kantonsgericht Schwyz Urteil vom 7. Juni 2021 STK 2020 23 Mitwirkend Kantonsgerichtspräsident Dr. Urs Tschümperlin, Kantonsrichter lic. iur. Walter Züger, Reto Fedrizzi, Bettina Krienbühl und Dr. Stephan Zurfluh, Gerichtsschreiber lic. iur. Claude Brüesch. In Sachen A.________, Beschuldigter und Berufungsführer, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________, gegen 1. Staatsanwaltschaft, 2. Abteilung, Postfach 1201, Schmiedgasse 21, 6431 Schwyz, Anklagebehörde und Berufungsgegnerin, vertreten durch Staatsanwältin C.________, 2. D.________, Privatkläger und Berufungsgegner, vertreten durch Rechtsanwalt E.________, betreffend einfache Körperverletzung, SVG (Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Schwyz vom 19. Februar 2020, SGO 2019 15);- hat die Strafkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben: A. Die vormalige Staatsanwaltschaft Innerschwyz klagte den Beschuldigten wegen Körperverletzung, pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Verkehrsun- fall mit Personenschaden, Nichtbeherrschens des Fahrzeuges und Nichtbe- rechtigten Parkierens auf einem Gehbehinderten-Parkfeld wie folgt an (Vi-act. 1): Am 24.01.2018, ca. 15.40 Uhr, lenkte A.________ den Personenwagen der Marke Volvo S60 2.4 T mit den Kennzeichen UR xx von Lauerz her- kommend zum Bahnhof Schwyz an der Bahnhofstrasse 133 in Seewen. Dort stellte er sein Fahrzeug gegen vorne gerichtet ungefähr in der Mitte auf dem Gehbehinderten-Parkfeld ab, obschon er nicht über eine Park- karte für Gehbehinderte verfügte. D.________ (Rollstuhlfahrer und Inha- ber einer Gehbehinderten-Parkkarte) fuhr ebenfalls auf den Parkplatz am Bahnhof und forderte A.________ auf, das Gehbehinderten-Parkfeld un- verzüglich zu verlassen. A.________ weigerte sich, das Gehbehinderten- Parkfeld zu verlassen und begab sich stattdessen zum Bankomat. Zwi- schenzeitlich stellte D.________ sein Fahrzeug teilweise auf dem Geh- behinderten-Parkfeld und teilweise auf der Strasse so quer hinter den Personenwagen von A.________, dass dieses mit dem Hinterreifen auf der Höhe des rechtsseitigen Parkplatzrandes des Gehbehinderten- Parkfeldes stand und zwischen der rechten Fahrzeugfront dieses Fahr- zeuges und dem rechten Heck eines weiteren, links neben dem Gehbe- hinderten-Parkfeld auf dem Parkfeld Nr. 10 abgestellten Fahrzeuges ein Abstand von ca. 4.1 Metern bestand. D.________ verliess das Fahrzeug und begab sich mit dem Rollstuhl zum Bahnhof. A.________ konnte folg- lich das Gehbehinderten-Parkfeld nicht mehr normal in einem Rück- wärtsmanöver verlassen. Um das Parkfeld zu verlassen, bedurfte es mehrere Vor- und Rückmanöver. A.________ entschied sich, sein Fahr- zeug auf dem Parkfeld zu wenden, um schliesslich vorwärts aus der ca. 4.1 Meter breiten Parklücke zwischen einem neben ihm parkierten Fahrzeug auf dem Parkfeld Nr. 10 und dem hinter ihm quer abgestellten Fahrzeug von D.________ herauszufahren. Beim Wendemanöver tou- chierte A.________ vorerst das Fahrzeug von D.________ auf der rech- ten vorderen Fahrzeugseite und in der Folge das auf dem Parkplatz Nr. 10 abgestellte Fahrzeug auf der rechten hinteren Fahrzeugseite, wodurch es zu Schäden an allen beteiligten Fahrzeugen kam. D.________ ver- nahm, dass A.________ mit den Fahrzeugen kollidiert war, kehrte zum Fahrzeug zurück und wollte mittels Handykamera festhalten, was vorge- fallen war. Er begab sich hierzu mit dem Rollstuhl zwischen die Parklücke seines Fahrzeuges und des auf dem Parkplatz Nr. 10 abgestellten Fahr- zeuges und machte von dort aus Fotos mit seiner Handykamera. Derwei- len wollte A.________ den Gehbehinderten-Parkplatz verlassen und fuhr hierzu vorwärts durch die Parklücke auf D.________ zu. Da sich Kantonsgericht Schwyz 3 D.________ weigerte, den Weg frei zu machen, fuhr A.________ unver- mittelt auf D.________ zu. Hierbei kollidierte das Fahrzeug von A.________ frontal mit der linken Rollstuhlseite von D.________, wo- durch dieser mit dem Rollstuhl nach rechts kippte und mit der rechten Körperseite zu Boden fiel. Durch den Sturz erlitt D.________ eine zu- nehmende und bleibende Verschlimmerung der Spastizität mit deutlich angespannter Bauchdecke, lokalen Druckschmerzen im Blasenbereich und einem ausgeprägten Druck- und Klopfschmerz neben der Wirbelsäu- le im Bereich des Übergangs von der Brustwirbelsäule zur Lendenwir- belsäule sowie unterhalb des Brustkorbs. Nach dem Unfall hatte D.________ bei jeglichen Bewegungen im Bereich der Lendenwirbelsäu- le beziehungsweise im Bereich beider Beine stärkste Schmerzen. Die Schmerzen im Bereich der rechten Hüfte verschlechterten sich durch den Unfall massiv. Vor dem Unfall konnten die Schmerzen gemäss visueller analoger Skala mit 2-3 und nach dem Unfall mit 8-10 eingestuft werden. Der Rollstuhl wurde beschädigt. A.________ stieg in der Folge aus dem Fahrzeug und zog D.________ zur Seite, kümmerte sich jedoch nicht weiter um ihn. Stattdessen stieg A.________ in sein Fahrzeug und fuhr davon. A.________ entfernte sich von der Unfallstelle, ohne sich um den Verletzten D.________ sowie den verursachten Sachschaden am Roll- stuhl sowie an den beiden Fahrzeugen zu kümmern. A.________ wusste, dass er nicht über eine Parkkarte für Gehbehinderte verfügt und folglich nicht dazu berechtigt war, sein Fahrzeug auf einem Gehbehinderten-Parkfeld abzustellen. Er wurde zudem vom Rollstuhlfah- rer D.________ darauf aufmerksam gemacht und aufgefordert, das Park- feld zu verlassen. Dennoch stellte A.________ sein Fahrzeug auf einem Gehbehinderten-Parkfeld ab und liess es dort stehen. Beim Wende- manöver kollidierte A.________ aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit zunächst mit dem Fahrzeug von D.________ und in der Folge mit dem daneben stehenden Fahrzeug. Bei Aufbringen der im Strassenverkehr nötigen Sorgfalt hätte er die beiden Kollisionen verhindern können, indem er das Fahrzeug frühzeitig abgebremst hätte. A.________ hatte bemerkt, dass D.________ sich vor seinem Fahrzeug befand und keine Anstalten machte, den Platz zu räumen, um ihm die Wegfahrt zu ermöglichen. A.________ war auch bewusst, dass D.________ als Rollstuhlfahrer nur beschränkt mobil ist und nicht einfach zur Seite springen kann. Dennoch fuhr er unvermittelt auf den Rollstuhlfahrer D.________ zu und kollidierte mit diesem. A.________ hatte bemerkt, dass er den Rollstuhl von D.________ mit dem Fahrzeug touchiert, hierdurch zu Fall gebracht und beschädigt hatte und an den beiden Fahrzeugen einen Sachschaden verursacht hatte. Aufgrund der augenscheinlich starken Beschädigungen am Rollstuhl, den klagenden Schmerzrufen von D.________ sowie dem Umstand, dass D.________ als Paraplegiker in seiner Mobilität be- schränkt ist und einen Sturz mit dem Rollstuhl nur beschränkt auffangen kann, war A.________ bewusst, dass er D.________ bei der Kollision verletzt hatte bzw. musste er zumindest damit rechnen, dass er diesen verletzt hatte. Ohne sich um den Verletzten sowie den verursachten Sachschaden zu kümmern, verliess er wissentlich und willentlich die Un-Kantonsgericht Schwyz 4 fallstelle. Er wusste, dass er als Fahrzeugführer bei einem Verkehrsunfall mit Personenschaden für Hilfe zu Sorgen und die Polizei zu benachrichti- gen hat und ohne Zustimmung der Polizei die Unfallstelle nicht verlassen darf. A.________ wusste auch, dass er als Schädiger sofort die Geschä- digten zu benachrichtigen und Name und Adresse anzugeben hat und wo nicht möglich, unverzüglich die Polizei zu verständigen hat. Eventualiter: A.________ fuhr gegen den Rollstuhl von D.________ in der Meinung, dass D.________ die Parklücke mit dem Rollstuhl verlassen würde, um ihm die Ausfahrt zu ermöglich. Entgegen seiner Vorstellung verliess D.________ die Parklücke jedoch nicht und es kam zu einer Kollision zwischen dem Fahrzeug von A.________ und dem Rollstuhl von D.________, wodurch D.________ zu Boden fiel und sich verletzte. Bei Aufbringen der im Strassenverkehr nötigen Sorgfalt hätte A.________ bemerkt, dass D.________ sich nicht von der Stelle bewegt und hätte frühzeitig sein Fahrzeug abgebremst bzw. hätte zugewartet, bis D.________ ihm den Weg frei gibt, so dass es nicht zu einer Kollision mit dem Rollstuhl und den verursachten Verletzungen an D.________ ge- kommen wäre. Die Staatsanwaltschaft beantragte, der Beschuldigte sei mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu Fr. 40.00, total Fr. 4‘000.00, und mit einer Busse von Fr. 1‘420.00 zu bestrafen, wobei der Vollzug der Geldstrafe bei einer Probe- zeit von zwei Jahren aufzuschieben und die Ersatzfreiheitsstrafe für das schuldhafte Nichtbezahlen der Busse auf 30 Tage festzulegen sei sowie die Verfahrenskosten dem Beschuldigten aufzuerlegen seien (Vi-act. 1). An der Hauptverhandlung vom 19. Februar 2020 vor dem Bezirksgericht Schwyz stellte der Privatkläger die Rechtsbegehren, der Beschuldigte sei zu einer gerichtlich zu bestimmenden Strafe, zu den gesamten Verfahrenskosten und zur Bezahlung einer Parteientschädigung an D.________ gestützt auf die eingereichte Honorarnote zu verurteilen und die Zivilklage sei auf den Zivilweg zu verweisen (Vi-act. 22). Die Verteidigung beantragte, der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staates (Vi-act. 23).Kantonsgericht Schwyz 5 Mit Urteil vom 19. Februar 2020 erkannte das Bezirksgericht Schwyz: 1. Der Beschuldigte wird schuldig gesprochen a) der einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB; b) des vorsätzlichen pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Verkehrs- unfall mit Personenschaden i.S.v. Art. 92 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 51 Abs. 2 SVG und Art. 55 VRV; c) der fahrlässigen Verletzung von Verkehrsregeln durch Nichtbe- herrschen des Fahrzeugs i.S.v. Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV; d) der vorsätzlichen Verletzung von Verkehrsregeln durch Parkieren eines nichtberechtigten Fahrzeugs auf einem Gehbehinderten- parkplatz i.S.v. Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 65 Abs. 5 SSV, Art. 79 Abs. 4 SSV. 2. a) Für die Vergehen gemäss Ziff. 1 lit. a und b [und] wird der Be- schuldigte bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu Fr. 40.00 und einer Verbindungsbusse von Fr. 1'000.00. b) Für die Übertretungen gemäss Ziff. 1 lit. c und d wird der Beschul- digte bestraft mit einer Busse von Fr. 320.00. 3. a) Der Vollzug der Geldstrafe wird gestützt auf Art. 42 Abs. 1 StGB aufgeschoben. Die Probezeit wird auf 2 Jahre bestimmt (Art. 44 Abs. 1 StGB). b) Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung der Bus- se wird auf 33 Tage festgesetzt (Art. 106 StGB). 4. Die Zivilforderung des Privatklägers wird gestützt auf Art. 126 Abs. 2 StPO auf den Zivilweg verwiesen. 5. Die Verfahrenskosten, bestehend aus: a) den Untersuchungs- und Anklagekosten von Fr. 3'195.00; b) den Gerichtskosten von Fr. 3'000.00 (inkl. Kosten, Gebühren und Auslagen für Redaktion, Ausfertigung und Versand des begründe- ten Entscheids); trägt der Beschuldigte (Art. 426 Abs. 1 StPO). Rechnung und Inkasso erfolgen durch die Bezirksgerichtskasse Schwyz nach Eintritt der Rechtskraft. 6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatkläger für seine notwen- digen Aufwendungen im Verfahren mit Fr. 2'500.00 zu entschädigen (Art. 433 Abs. 1 StPO).Kantonsgericht Schwyz 6 B. Gegen dieses Urteil erklärte die Verteidigung rechtzeitig mit Eingabe vom 7. Mai 2020 die per 2. März 2020 angemeldete Berufung (KG-act. 2) mit den Rechtsbegehren, in Gutheissung der Berufung sei das angefochtene Ur- teil aufzuheben und der Berufungsführer von Schuld und Strafe freizuspre- chen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates für beide Instanzen (KG-act. 3). Die Staatsanwaltschaft beantragte kein Nichtein- treten auf die Berufung und verzichtete auf eine Anschlussberufung (KG-act. 5). Am 8. September 2020 teilte die Verteidigung mit, dass sie den Beschuldigten nicht mehr vertrete (KG-act. 8). Mit Verfügung vom 29. Oktober 2020 wurde Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Vertreter des Beschuldigten einge- setzt (KG-act. 15). Zudem wurden die Beweisanträge der Parteien (vgl. KG-act. 11 und 14) einstweilen sowie die weiteren Anträge des Beschul- digten (vgl. KG-act. 14) abgewiesen, soweit darauf einzutreten war (KG-act. 15). Mit Verfügung vom 9. November 2020 wurde die auf den 10. November 2020 angesetzte Berufungsverhandlung auf Gesuch des Be- schuldigten wegen der Covid-19-Gefahr abgesagt und das schriftliche Verfah- ren angeordnet (KG-act. 20). Am 4. Dezember 2020 reichte die amtliche Verteidigung (nachfolgend: Vertei- digung) die Berufungsbegründung ein und beantragte, in Gutheissung der Berufung sei das angefochtene Urteil des Bezirksgerichts Schwyz vom 19. Februar 2020 aufzuheben und der Beschuldigte von Schuld und Strafe freizusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates für beide Instanzen (KG-act. 23). Mit Eingabe vom 18. Dezember 2020 ver- zichtete die Staatsanwaltschaft auf das Einreichen einer Berufungsantwort (KG-act. 26). Am 27. Januar 2021 reichte der Privatkläger die Berufungsant- wort ein mit den Rechtsbegehren, in Abweisung der Berufung sei das ange- fochtene Urteil des Bezirksgerichts Schwyz vom 19. Februar 2020 vollumfäng- lich zu bestätigen (KG-act. 28). Mit Berufungsreplik vom 12. März 2021 hielt Kantonsgericht Schwyz 7 die Verteidigung an ihren Anträgen fest (KG-act. 32). Am 17. März 2021 bzw. 30. März 2021 verzichteten die Staatsanwaltschaft und der Privatkläger auf das Einreichen einer Berufungsduplik (KG-act. 34 und 35);- und in Erwägung: 1. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass der Beschuldigte den objek- tiven und subjektiven Tatbestand der vorsätzlichen Verletzung von Verkehrs- regeln durch Parkieren eines nichtberechtigten Fahrzeuges auf einem Gehbe- hinderten-Parkplatz (Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 65 Abs. 5 SSV) i.S.v. Art. 90 SVG erfüllte (angef. Urteil, E. 3.1.1 S. 15 f.). a) Die Verteidigung bestreitet nicht, dass der Beschuldigte sein Fahrzeug beim Bahnhof Schwyz in Seewen auf dem Gehbehinderten-Parkfeld abstellte, obwohl er über keine "Parkkarte für behinderte Personen" verfügte. Indessen stellt sie in Abrede, dass der Beschuldigte durch das kurzzeitige Parkieren auf dem Gehbehinderten-Parkfeld den Privatkläger i.S.v. Art. 79 Abs. 4 SSV be- hindert habe. Diesem wäre es wegen der Breite des Gehbehinderten- Parkplatzes von 6.4 m ohne Weiteres möglich gewesen, sein Fahrzeug auf demselben Parkfeld abzustellen und auszusteigen. Ausserdem habe der Be- schuldigte nur wegen seinen eigenen gesundheitlichen Einschränkungen kurzzeitig den Gehbehinderten-Parkplatz benutzt. Er sei davon ausgegangen, dass unter diesen Umständen das Abstellen seines Fahrzeuges auf dem Gehbehinderten-Parkfeld rechtens gewesen sei. Es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass er hierfür nur mit der entsprechenden Parkkarte für gehbehin- derte Personen berechtigt gewesen wäre und sei daher einem Verbotsirrtum i.S.v. Art. 21 StGB unterlegen, weshalb er nicht schuldhaft gehandelt habe (KG-act. 23, S. 12 f. N 3.1). Kantonsgericht Schwyz 8 b) Auf signalisierten Parkfeldern für gehbehinderte Personen ist nur be- rechtigt zum Parkieren, wer gehbehindert ist oder eine gehbehinderte Person begleitet. Die "Parkkarte für behinderte Personen" ist gut sichtbar hinter der Frontscheibe anzubringen (Art. 65 Abs. 5 Satz 1 SSV). Auf Parkverbotsfel- dern, die eine Aufschrift tragen, sind Ein- und Aussteigenlassen von Personen und Güterumschlag nur zulässig, wenn die berechtigten Fahrzeuge nicht be- hindert werden (Art. 79 Abs. 4 aSSV; ähnlich die seit 1. Januar 2021 geltende neue Fassung gemäss Art. 79 Abs. 4 lit. c und Abs. 6 sowie Art. 79a Abs. 1 SSV). Weil der Beschuldigte weder über eine "Parkkarte für behinderte Personen" verfügte noch eine gehbehinderte Person begleitete, war er grundsätzlich nicht berechtigt, sein Fahrzeug auf dem signalisierten Gehbehinderten- Parkfeld abzustellen, selbst wenn er aufgrund seiner behaupteten gesundheit- lichen Einschränkungen Anspruch auf eine "Parkkarte für behinderte Perso- nen" hätte (vgl. Art. 20a VRV). Das Abstellen des Fahrzeuges ist nur aus- nahmsweise erlaubt für das Ein- und Aussteigenlassen von Personen und den Güterumschlag, falls dabei die berechtigten Fahrzeuge nicht behindert wer- den. Dass eine solche Ausnahme vorliegt, ist weder behauptet noch ersicht- lich. Denn der Beschuldigte parkierte sein Fahrzeug auf dem Gehbehinderten- Parkfeld, um beim Bankomaten Geld zu beziehen. Dies kann nicht als "Güter- umschlag" qualifiziert werden, weil darunter nur das Verladen oder Ausladen von Sachen fallen, die nach Grösse, Gewicht oder Menge die Beförderung durch ein Fahrzeug nötig machen (BGE 136 IV 133 E. 2.3.1 S. 135). Liess der Beschuldigte keine Person aus- oder einsteigen und nahm er ebenso wenig einen Güterumschlag vor, spielt keine Rolle, ob er den Privatkläger tatsächlich behinderte oder nicht bzw. ob der Privatkläger sein Auto auch auf dem glei- chen Parkfeld neben demjenigen des Beschuldigten hätte abstellen sowie ohne Probleme aus dem Auto hätte steigen und später wieder einsteigen kön- nen. So oder anders erfüllt der Beschuldigte den objektiven Tatbestand von Kantonsgericht Schwyz 9 Art. 90 Abs. 1 SVG, zumal auch die Regeln über das Abstellen eines Fahr- zeuges auf einem Parkplatz als Verkehrsregel zu qualifizieren sind, welche ein abstraktes Gefährdungsdelikt darstellen (Fiolka, in: Niggli/Probst/Waldmann, Basler Kommentar, Strassenverkehrsgesetz, 2014, N 23 und 29 zu Art. 90 SVG). Darüber hinaus gab G.________ als Zeuge zu Protokoll, dass der Be- schuldigte sein Fahrzeug so auf dem Gehbehinderten-Parkfeld parkierte, dass kein weiteres Fahrzeug Platz gehabt habe (U-act. 10.0.01, Frage 10), was dafürspricht, dass der Privatkläger tatsächlich behindert wurde. c) Der Beschuldigte wusste, dass er nicht über eine "Parkkarte für behin- derte Personen" verfügte (U-act. 8.1.02, Frage 17; Vi-act. 18, Frage 104). Vor Kantonspolizei führte er aus, er habe die Gelegenheit genutzt, unüblicherwei- se das freie Gehbehinderten-Parkfeld zu benutzen, weil alle anderen Parkfel- der besetzt gewesen seien (U-act. 8.1.02, Frage 5). Gemäss den polizeili- chen, untersuchungsrichterlichen und vorinstanzlichen Akten forderte der Pri- vatkläger den Beschuldigten auf, das Gehbehinderten-Parkfeld freizugeben bzw. mit dem Auto wegzufahren (U-act. 8.1.02, Frage 5 und 15 f.; U-act. 8.1.03, Frage 7; U-act. 10.0.01, Frage 10; U-act. 10.0.02, Frage 8; Vi-act. 18, Frage 104). Daher erweist sich die erstmals im Berufungsverfahren von der Verteidigung vorgebrachte Behauptung als unglaubhaft, wonach es dem Beschuldigten nicht bewusst gewesen sei, er tue etwas Verbotenes, als er sein Fahrzeug auf dem Gehbehinderten-Parkfeld abgestellt habe ohne im Besitz einer "Parkkarte für behinderte Personen" gewesen zu sein. Somit er- füllt der Beschuldigte ebenfalls den subjektiven Tatbestand von Art. 90 Abs. 1 SVG und ist ein Verbotsirrtum i.S.v. Art. 21 StGB zu verneinen, wonach nicht schuldhaft handelt, wer bei Begehung der Tat nicht weiss und nicht wissen kann, dass er sich rechtswidrig verhält. War es dem Beschuldigten bewusst, gegen das Recht zu verstossen (Niggli/Maeder, in: Niggli/Wiprächtiger, Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. A. 2019, N 13 zu Art. 21 StGB) resp. wusste er, dass sein Verhalten der Rechtsordnung widerspricht bzw. hatte er das unbe-Kantonsgericht Schwyz 10 stimmte Empfinden, etwas Unrechtes zu tun (BGer, Urteil 6B_311/2020 vom 12. Oktober 2020 E. 3.4.1), so handelte er schuldhaft. Folglich ist der Be- schuldigte der vorsätzlichen Verletzung von Verkehrsregeln durch Parkieren eines nichtberechtigten Fahrzeugs auf einem Gehbehindertenparkplatz i.S.v. Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 65 Abs. 5 SSV und Art. 79 Abs. 4 SSV schuldig zu sprechen. 2. Die Vorinstanz hielt dafür, dass der Beschuldigte den objektiven und subjektiven Tatbestand der fahrlässigen Verletzung von Verkehrsregeln durch Nichtbeherrschen des Fahrzeuges (Art. 31 Abs. 1 SVG) i.S.v. Art. 90 SVG erfüllte (angef. Urteil, E. 3.1.2 S. 16 f.). a) Es ist erstellt, dass der Beschuldigte auf dem Gehbehinderten-Parkfeld ein Wendemanöver durchführte, während welchem er beim Vor- bzw. Rück- wärtsfahren auch den Randstein und die Rabatte befuhr sowie mit zwei par- kierten Fahrzeugen (Smart von I.________ und Toyota des Privatklägers) kollidierte, sodass alle drei Fahrzeuge leicht beschädigt wurden. Der Sach- schaden am eigenen Auto des Beschuldigten betrug ca. Fr. 1'500.00 (angef. Urteil, E. 2.3 S. 9 Abs. 2; KG-act. 23, S. 13 f. N 3.2). b) Die Verteidigung bringt vor, der Beschuldigte habe mit seinem Fahrzeug die beiden anderen nur minim berührt. Bei den vorliegend eingeengten Raum- verhältnissen könne es zwischen parkierten und wegfahrenden Fahrzeugen immer zu geringen Berührungen kommen, ohne dass dabei der Tatbestand des Nichtbeherrschen des Fahrzeugs bereits erfüllt wäre (KG-act. 23, S. 14 N 3.2). aa) Der Führer muss das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann (Art. 31 Abs. 1 SVG). Dies bedeutet, dass er jederzeit in der Lage sein muss, in der jeweils erforderlichen Weise Kantonsgericht Schwyz 11 auf das Fahrzeug einzuwirken und auf jede Gefahr ohne Zeitverlust zweckmässig zu reagieren (BGer, Urteil 6B_1125/2020 vom 4. März 2021 E. 4.3; BGE 120 IV 63 E. 2a). Der Fahrzeugführer muss somit jederzeit die volle Kontrolle über sein Fahrzeug ausüben können (Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. A. 2015, N 1 zu Art. 31 SVG) bzw. ständig "Herr der Maschine" bleiben, damit er das Fahrzeug dorthin fahren kann, wo er will und muss (Roth, in: Niggli/Probst/Waldmann, a.a.O., N 1 zu Art. 31 SVG). Konkretisiert wird Art. 31 Abs. 1 SVG durch Art. 3 VRV, nach dessen Absatz 1 Satz 1 der Fahrzeugführer seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuwenden muss. bb) Wer beim Hinausmanövrieren zwei Autos touchiert sowie diese und sein eigenes Fahrzeug beschädigt, war nicht ständig "Herr der Maschine", weil er sein Fahrzeug nicht dorthin fahren konnte, wo er wollte und musste. Er war nicht jederzeit in der Lage, in der jeweils erforderlichen Weise auf das Auto einzuwirken resp. konnte nicht jederzeit die volle Kontrolle über sein Fahrzeug ausüben. Der Beschuldigte hätte noch weitere Male vor- und rückwärtsfahren, selber aussteigen und schauen gehen oder eine Hilfsperson beiziehen müs- sen, um die auch nur leichten Kollisionen mit den beiden anderen Fahrzeugen zu verhindern. Beherrschte der Beschuldigte somit sein Fahrzeug nicht, ver- letzte er Art. 31 Abs. 1 SVG. Dass der Beschuldigte fahrlässig handelte, legte bereits die Vorinstanz dar (vgl. angef. Urteil, E. 3.1.2.3 S. 17), weshalb auf deren zutreffende Ausführungen verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO, § 45 Abs. 5 JG). Der Beschuldigte erfüllte somit den objektiven und subjekti- ven Tatbestand der fahrlässigen Verletzung von Verkehrsregeln durch Nicht- beherrschen des Fahrzeuges i.S.v. Art. 90 Abs. 1 SVG. 3. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass der Beschuldigte den objektiven und subjektiven Tatbestand der einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfüllte (angef. Urteil, E. 3.1.3 S. 17-20).Kantonsgericht Schwyz 12 a) Es ist erstellt, dass sich der Privatkläger nach dem Wendemanöver des Beschuldigten mit dem Rollstuhl in die Parklücke zwischen seinem Fahrzeug und dem Parkplatz Nr. 10 abgestellten Smart begab, worauf der Beschuldigte das Gehbehinderten-Parkfeld vorwärts durch diese Parklücke verlassen woll- te, und, obwohl der Privatkläger den Weg nicht freigab, auf ihn zufuhr und dabei mit seiner Fahrzeugfront mit dem Privatkläger kollidierte bzw. – nach den Worten des Beschuldigten – ihn touchierte (angef. Urteil, E. 2.4.1.1 S. 9 f.; KG-act. 23, S. 5 f. N 2.4). Aus welchem Grund sich der Privatkläger mit dem Rollstuhl in die Parklücke zwischen seinem Fahrzeug und dem Parkplatz Nr. 10 abgestellten Smart begab, ist umstritten, aber für die Beurteilung nicht entscheidend, ob sich der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig machte oder nicht. Allerdings steht fest, dass der Privatkläger sich deshalb mit dem Rollstuhl in die erwähnte Parklü- cke begab, um Fotoaufnahmen zu machen bzw. nicht, um dem Beschuldigten den Weg zu versperren resp. ihn am Wegfahren zu hindern. Dafür sprechen nicht nur die Aussagen des Privatklägers, sondern auch jene des Zeugen G.________ (U-act. 8.1.03, Fragen 7 und 16 f.; U-act. 10.0.01, Frage 10; U-act. 10.0.04, Fragen 7 und 11; Vi-act. 18, S. 5 Fragen 25-27), wogegen die diesbezüglichen Aussagen des Beschuldigten widersprüchlich sind (U-act. 8.1.02, Frage 12; U-act. 10.0.03, Fragen 7, 16 und 36; Vi-act. 18, Fra- gen 104 und 106). b) aa) Die Vorinstanz führte aus, der Privatkläger und der Zeuge G.________ hätten übereinstimmend und konstant ausgesagt, dass der Roll- stuhl des Ersteren aufgrund der Kollision mit dem Fahrzeug des Beschuldig- ten seitlich gekippt und der Privatkläger seitlich zu Boden gefallen sei (angef. Urteil, E. 2.4.1.2 S. 10). Dies trifft insoweit zu, als der Privatkläger wegen der Kollision mit dem Fahrzeug des Beschuldigten mit dem Rollstuhl zu Boden fiel.Kantonsgericht Schwyz 13 Im Weiteren legte die Vorinstanz dar, dass der Beschuldigte zur gleichen Handlung uneinheitlich und sogar widersprüchlich ausgesagt habe (angef. Urteil, E. 2.4.1.2 S. 10). Deren Ausführungen treffen grundsätzlich zu, weshalb darauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO, § 45 Abs. 5 JG). Indessen ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte bei der polizeilichen Einvernahme gerade nicht geltend machte, der Privatkläger habe sich auf den Boden fallen lassen. Der Beschuldigte gab damals lediglich zu Protokoll, den Rollstuhlfahrer wahrscheinlich minim mit der Fahrzeugfront touchiert zu ha- ben. Für ihn habe es so ausgesehen, als hätte der Rollstuhlfahrer bloss darauf gewartet, dass ihm dies passiere. Es habe wie ein Theater ausgesehen (U-act. 8.1.02, Frage 5). Auf die Frage, ob er sich um den Privatkläger gekümmert habe, als dieser zu Boden gefallen sei, entgegnete der Beschul- digte nicht, der Rollstuhlfahrer habe sich zu Boden fallen lassen, sondern ant- wortete, nein, er sei aber ausgestiegen und habe nach ihm gesehen (U- act. 8.1.02, Frage 13). Die Vorinstanz schloss aus den uneinheitlichen und sogar teilweise widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten zutreffend, dass diese zumindest auch Zugeständnisse enthielten, weshalb der letztlich eingenommene Standpunkt des Beschuldigten, der Privatkläger habe sich selber fallenlassen, als weniger glaubhaft erscheine als die gegenteilige Dar- stellung des Privatklägers und des Zeugen G.________. Dazu ist zu bemer- ken, dass sich die Verteidigung im Berufungsverfahren mit dieser vorinstanzli- chen Begründung nicht auseinandersetzt (vgl. KG-act. 23, S. 6). bb) Die Vorinstanz hielt es für unwahrscheinlich, dass sich der Privatkläger, ein Paraplegiker, in der Durchfahrtsstrasse (parallel zur Hauptstrasse) seitlich aus dem Rollstuhl auf den Boden fallenliesse, wo er sich einer akuten Gefahr aussetzen würde, vom wegfahrenden Fahrzeug des Beschuldigten oder von einem anderen, die Durchfahrtsstrasse benützenden Fahrzeug angefahren zu werden (angef. Urteil, E 2.4.1.2 S. 10).Kantonsgericht Schwyz 14 Ob es sich, wie die Verteidigung vorbringt, bei der betreffenden Strasse nicht um eine Durchgangsstrasse i.S. der einschlägigen strassenverkehrsrechtli- chen Bestimmungen handelt (KG-act. 23, S. 6 Abs. 2), ist vorliegend nicht entscheidend. Ebenso wenig, wo genau der Privatkläger lag, auf der Strasse, auf welche von der vielbefahrenen Hauptstrasse abgezweigt werden kann und welche zum Bahnhofparkplatz führt, oder auf dem Parkfeld beim Bahnhof (ge- nau lässt sich dies aufgrund der verschiedenen Aussagen nicht feststellen; vgl. U-act. 8.1.03, Frage 15; U-act. 8.1.09; U-act. 10.0.01, Fragen 16-18; U-act. 10.0.03, Frage 7; U-act. 10.0.04, Frage 7; Vi-act. 18, Fragen 19, 48, 65, 104, 110, 116, 118 und 120). Denn in beiden Fällen bestand die Gefahr, dass der Privatkläger vom Auto des Beschuldigten oder einem anderen Fahrzeug hätte überfahren werden können, selbst wenn der Privatkläger von seinem auf dem Zubringer abgestellten Auto abgeschirmt gewesen wäre und auf dieser Strasse nur langsam gefahren würde, wie die Verteidigung behauptet (KG-act. 32, S. 6), bzw. in der Regel langsam eingeparkt wird. Der Beschul- digte sagte aus, er habe den Privatkläger aus dem Gefahrenbereich gezogen (U-act. 10.0.03, Frage 7; Vi-act. 18, Frage 104 und 110). Zwar trifft dies nicht zu (vgl. E. 4b/cc hinten). Aber offenbar glaubte (auch) der Beschuldigte, dass sich der Privatkläger nach dem Sturz in einem Gefahrenbereich befand. Über- dies sagte der Zeuge G.________ aus, dass der Beschuldigte haarscharf am Kopf des immer noch am Boden liegenden Privatklägers vorbeigefahren sei (U-act. 10.0.01, Frage 10; Vi-act. 18, Frage 29). cc) Nach dem Gesagten bestehen für die Strafkammer des Kantonsgerichts bei objektiver Betrachtung keine erheblichen und nicht zu unterdrückenden Zweifel, dass zufolge der Kollision mit dem Fahrzeug des Beschuldigten der Privatkläger mit dem Rollstuhl zu Boden fiel resp. er sich nicht absichtlich aus dem Rollstuhl fallenliess. Bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht Kantonsgericht Schwyz 15 verlangt werden kann (BGer, Urteil 6B_135/2020 vom 16. Juni 2020 E. 2.1; BGE 138 V 74 E. 7). c) Die Vorinstanz sah es als erwiesen an, dass der Privatkläger nach dem Sturz aus dem Rollstuhl am 24. Januar 2018 bei jeglichen Bewegungen im Bereich der Lendenwirbelsäule bzw. beider Beine stärkste Schmerzen gehabt habe und bei ihm eine langandauernde Verschlimmerung der Spastizität mit deutlich angespannter Bauchdecke, lokalen Druckschmerzen im Blasenbe- reich und einem ausgeprägten Druck- und Klopfschmerz neben der Wir- belsäule im Bereich des Übergangs von der Brustwirbelsäule zur Lendenwir- belsäule sowie unterhalb des Brustkorbs eingetreten sei (angef. Urteil, E. 2.4.2.1-2.4.2.3 S. 10-12). aa) Die Verteidigung bringt vor, dass die im Recht liegenden ärztlichen Be- richte die angeblichen Schmerzen des Privatklägers nicht hinreichend bestäti- gen würden. Es sei nicht abwegig, dass der Privatkläger simuliere (KG-act. 23, S. 6 unten bis S. 11; KG-act. 32, S. 6 f.). bb) aaa) Der Privatkläger gab anlässlich der polizeilichen Befragung am 8. März 2018 an, er habe ca. einen Tag nach dem Unfallereignis starke Schmerzen an der Wirbelsäule sowie am Halswirbel inkl. den entsprechenden Ausstrahlungen gehabt (U-act. 8.1.03, Frage 7). Bei der untersuchungsrichter- lichen Befragung am 25. Juli 2018 sagte der Privatkläger aus, er habe sich unmittelbar nach dem Unfallereignis über Schmerzen beklagt. Er habe im Fahrzeug kaum mehr sitzen können. Tags darauf habe er sich kaum mehr bewegen können und habe grosse Schmerzen gehabt. Als er sich habe leicht bewegen können, sei er notfallmässig nach Nottwil gefahren (U-act. 10.0.04, Fragen 7, 14 und 20). Der Privatkläger antwortete auf die Frage, weshalb er nicht bereits am Unfalltag, sondern erst am darauf folgenden Tag zum Arzt gegangen sei, er habe gedacht, dass es vielleicht nicht so schlimm sei und er Kantonsgericht Schwyz 16 vielleicht wegen des Aufpralls Schmerzen gehabt habe. Er habe abwarten wollen, ob die Schmerzen bis am nächsten Tag abgeklungen seien (U-act. 10.0.04, Frage 21). Der Privatkläger führte bei der Hauptverhandlung vom 19. Februar 2020 aus, nach dem Ereignis vom 24. Januar 2018 Schmer- zen in der Wirbelsäule und Spastik gehabt zu haben, welche tags darauf nicht abgeklungen seien. Er habe nicht mehr schlafen können (Vi-act. 18, Fragen 77 und 90). Nach dem Gesagten gab der Privatkläger durchwegs an, nach dem Sturz Schmerzen gehabt zu haben. Entgegen dem Einwand der Verteidi- gung (KG-act. 23, S. 6 unten und S. 7 oben) mutet es nicht seltsam an, son- dern ist vielmehr nachvollziehbar, dass der Privatkläger mit Schmerzen nach Nottwil fuhr, zumal nie die Rede davon war, dass er nicht fahrfähig gewesen sein soll. Dessen Aussagen sind nicht widersprüchlich. An den glaubhaften Aussagen des Privatklägers vermag nichts zu ändern, dass er anlässlich der Hauptverhandlung vom 19. Februar 2020 zu Protokoll gab, auch die Hüfte gebrochen zu haben, was Dr. J.________ bestätigt habe (Vi-act. 18, Fragen 77 f.), wozu die Vorinstanz aber ausführte, gestützt auf die Akten lasse sich nicht erstellen, dass der Privatkläger nach dem Sturz am 24. Januar 2018 auch Schmerzen im Bereich der rechten Hüfte verspürt habe (angef. Urteil, E. 2.4.2.4 S. 12 f.). Auch wenn etwas nicht erstellt ist, muss es nicht unwahr sein. Ausserdem erklärte G.________ als Zeuge, der Privatkläger habe vor Schmerzen geschrien (Vi-act. 18, Frage 15) bzw. starke Schmerzen gehabt und sich nicht mehr bewegen können (Vi-act. 18, Frage 31). Er glaube nicht, dass der Privatkläger die Schmerzen nur vorgetäuscht habe (Vi-act. 18, Frage 32). Der Privatkläger gab in der untersuchungsrichterlichen Befragung vom 25. Juli 2018 an, wegen des Vorfalls vom 24. Januar 2018 immer noch in medizini- scher Behandlung zu sein. Er müsse zweimal pro Woche nach Nottwil. Am 6. August 2018 erhalte er dort wieder eine Spritze. Diese müssten in bestimm-Kantonsgericht Schwyz 17 ten Abständen erfolgen, um seine Muskeln und Bänder zu betäuben und sei- ne Schmerzen zu lindern (U-act. 10.0.04, Frage 40). bbb) Bereits am 25. Januar 2018 erklärte der Privatkläger dem Schweizer Paraplegiker Zentrum, seit dem Sturz aus dem Rollstuhl vom Vortag Schmer- zen in der Hals- und Lendenwirbelsäule zu haben. Im betreffenden Bericht "Verläufe ambulante Behandlungen" wird ebenfalls festgehalten, dass der initiale klinische Untersuchungsbefund eine Progredienz der Spastizität mit deutlich angespannter Bauchdecke, lokalen Druckschmerzen im Blasenbe- reich gezeigt habe, wobei zwischen einer akuten Blasenproblematik, eines akuten Geschehens intraabdominal und der progredienten Spastizität sicher habe differenziert werden können. Ausserdem wird ein ausgeprägter paraver- tebraler (= neben der Wirbelsäule [Reuter: Springer Lexikon Medizin, 2004, S. 1629]) Druck- und Klopfschmerz im Bereich des thorakolumbalen Überg- anges sowie subthorakal (= unterhalb des Brustkorbs [Reuter, a.a.O., S. 2114; de Gruyter, Pschyrembel, klinisches Wörterbuch, 263. A., 2012, S. 2078]) er- wähnt. Der Privatkläger gebe bei jeglichen Bewegungen im Bereich der Len- denwirbelsäule bzw. beider Beine stärkste Schmerzen an. Daher sei die Indi- kation zur notfallmässigen Hospitalisation in ihr Zentrum gestellt worden (U- act. 11.2.07). Im Bericht vom 11. Mai 2018 bestätigten Dr. med. R.________ und Dr. med. S.________ des Schweizer Paraplegiker Zentrums in Nottwil die am 25. Januar 2018 festgestellten Untersuchungsergebnisse (U-act. 11.2.05, Fragen 4 und 7). Die vormalige Staatsanwaltschaft Inner- schwyz hielt in ihrer Aktennotiz vom 17. Juli 2018 fest, Dr. med. S.________ habe telefonisch mitgeteilt, dass der Privatkläger anlässlich der Behandlung vom 25. Januar 2018 unter starken Schmerzen (Krämpfen) gelitten habe. Die Schmerzen seien objektivierbar sehr stark gewesen, zumal der Patient starke Schmerzen geschildert hätte, in der Nacht nicht habe schlafen können und starke Schmerzmittel habe einnehmen müssen. Man habe den Patienten schliesslich mit einer Infiltration behandelt, was sich krampflösend ausgewirkt Kantonsgericht Schwyz 18 habe. Hämatome und Läsionen seien keine festgestellt worden, was aber nicht ausschliesse, dass der Patient durch einen Sturz starke Schmerzen er- leide. Bereits kleine Stürze könnten bei Paraplegikern zu grossen Traumas führen, zumal die bestehenden posttraumatischen Verletzungen weiter irritiert würden. Der Privatkläger sei aufgrund der Schmerztherapie vom 25. Januar 2018 bis 16. Februar 2018 im Schweizer Paraplegiker Zentrum stationär be- handelt und in der Folge noch ambulant nachbehandelt worden (U-act. 11.2.11). Ebenfalls die Berichte vom 15. Februar 2018 und 11. Mai 2018 erwähnten den stationären Aufenthalt (U-act. 11.2.05, Fragen 3 und 9; U-act. 11.2.06, S. 1). Diese Objektivierung der Schmerzen beim Privatkläger wird – entgegen dem Vorbringen der Verteidigung (vgl. KG-act. 23, S. 7) – durch den Austrittsbe- richt von Dr. med. S.________ vom 15. Februar 2018 nicht in Frage gestellt. Denn die darin erwähnte fehlende Objektivierung betrifft die aufsteigende Spastik in den Oberkörper, Kribbelparästhesien im Mittelgesicht rechts sowie Nackenschmerzen, welche in den Kopf ausstrahlen bzw. nicht die Schmerzen der Lendenwirbelsäule (U-act. 11.2.06, S. 3). Ebenso wenig ändert die ge- nannte ältere Schenkelhalsfraktur (U-act. 11.2.06, S. 3; vgl. dazu auch E. 3d/bb hinten) etwas an den im Bericht vom 25. Januar 2018 festgestellten Schmerzen. Der von der Verteidigung ins Felde geführte (vgl. KG-act. 23, S. 7) Interventionsbericht von Dr. med. T.________ vom Schweizer Paraple- giker Zentrum vom 6. Februar 2018 bezieht sich auf die Hüftinfiltration rechts vom 2. Februar 2018 betreffend die Diagnose "unklare rechtsseitige diffuse Schmerzen mit/bei subakuter Schenkelhalsfraktur rechts bei St. n. Marknage- losteosynthese vor Jahren" (U-act. 11.2.09) und ist somit grundsätzlich nicht geeignet, die im Bericht vom 25. Januar 2018 objektivierten Schmerzen aus- zuschliessen. Der von der Verteidigung angesprochene (KG-act. 23, S. 8 oben) und nicht unterzeichnete Bericht von L.________ vom 8. Februar 2018 nannte erhebliche Schmerzen im Bereich der Leiste und des rechten Ober-Kantonsgericht Schwyz 19 schenkels (U-act. 11.2.08) und ist daher nicht massgebend hinsichtlich der im Bericht vom 25. Januar 2018 aufgeführten Schmerzen. Gleiches gilt für den Bericht bezüglich des Untersuchungsbefundes von Dr. med. U.________ vom Schweizer Paraplegiker Zentrum vom 30. März 2018. Zwar wurde darin aus- geführt, seit Monaten sei beim Patienten ein schwächerer Harnstrahl und eine deutlich verlängerte Miktionszeit bemerkt worden (U-act. 11.2.10, S. 1). Im Bericht vom 25. Januar 2018 wurde indessen eine akute Blasenproblematik festgestellt. Gemäss dem Bericht "Verläufe ambulante Behandlungen" des Schweizer Pa- raplegiker Zentrum vom 16. April 2018 bestanden subjektiv immer noch Schmerzen und Spastik im rechten Bein. Objektiv habe ein Grundtonus von Ashworth mod 1+ sowie ein auslösbarer Hypertonus in der UE mit Ashworth mod 4 vorgelegen. Es sei eine Infiltration mit Bupivacain 0.5 % unter EMG Kontrolle bei Hypertonus und Schmerzen erforderlich. Am 26. April 2018 nannte der Bericht subjektiv Spastik und Schmerzen am rechten Bein, ausstrahlend in den Rücken. Objektiv sei der Tonus normal – Ashworth 1. Aufgrund der Untersuchungen bestünden Zeichen einer muskulären Dysba- lance, was ebenfalls Infiltrationen zur Folge gehabt habe (U-act. 11.2.07). Dr. med. R.________ und Dr. med. S.________ bestätigten dies im Bericht vom 11. Mai 2018 (U-act. 11.2.05, Frage 9). "Tonus normal – Ashworth 1" ent- spricht gemäss der Verteidigung in der Ashworth-Skala einer leichten Er- höhung des Tonus (KG-act. 23, S. 7 unten). Der Tonus des Privatklägers war somit noch am 16. April 2018 mehr als nur leicht erhöht und am 26. April 2018 noch leicht erhöht. Dr. med. R.________ führte in seinem Bericht vom 4. Sep- tember 2018 zwar aus, eine Objektivierung der Schmerzintensität sei extrem kompliziert. Indessen hielt er weiter nicht nur fest, gemäss den Angaben des Patienten habe die Schmerzintensität, "basierend auf die visuelle Analogskala 8-10 von 10" betragen, sondern auch, dass die Spastizität, gemessen mit der Ashworth Modified Scale, sich auf 3 belaufen habe, was eine deutliche Er-Kantonsgericht Schwyz 20 höhung der Muskelspannung während der gesamten Bewegung bedeute bis die Extremität erstarre und nicht gebeugt werden könne (U-act. 11.2.17, Frage 2). Überdies ergänzte Dr. med. R.________, dass er den Privatkläger regel- mässig resp. durchschnittlich ca. alle 14 Tage untersucht habe, erstmals am 16. April 2018 (U-act. 11.2.17, Fragen 10 und 12 f.). Der Privatkläger leide immer noch an einer Zunahme der Spastizität und der Schmerzen bzw. im Verlaufe der Zeit sei es nicht zu einer Minderung der erwähnten Symptome gekommen (U-act. 11.2.17, Frage 9). An anderer Stelle hielt der Arzt indessen abweichend fest, nach der am 6. August 2018 erfolgten partiellen Chemoden- ervation der Schmerzen (Triggerpoints) habe die Nachkontrolle am 13. August 2018 eine Verringerung der Spastizität, aber keine eindeutige Verbesserung der Schmerzsymptomatik ergeben (U-act. 11.2.17, Fragen 13 f.). Die Angaben zur Höhe der Spastizität ist zwar nicht einheitlich bzw. sie differenzierte je nach Zeitpunkt der Messung. Dies ändert aber nichts daran, dass gemäss den Ärzten am Schweizer Paraplegiker Zentrum der Privatkläger auch noch im August/September 2018 an einer Spastizität und an Schmerzen litt. Die im betreffenden Bericht aufgeführten zeitlich nicht zuordnungsbaren Frakturen (U-act. 11.2.17, Fragen 3, 5 und 6) sind vorliegend nicht relevant, weil der Privatkläger gar nicht behauptet, am 24. Januar 2018 Brüche erlitten zu ha- ben. Nach dem Gesagten lassen sich aus den genannten ärztliche Berichten – entgegen den Vorbringen der Verteidigung – die subjektiven Schmerzen des Privatklägers hinreichend objektivieren. ccc) Aufgrund der bisherigen Erwägungen ist nicht zu schliessen, dass der Privatkläger seine Schmerzen und die langandauernde Verschlimmerung der Spastizität (vgl. E. 3c Ingress und 3c/bb/bbb vorne) simuliert haben soll. Eine Vortäuschung ist umso weniger anzunehmen, weil es, wie bereits die Vor- instanz zutreffend ausführte (angef. Urteil, E. 2.4.2.3 S. 12), lebensfremd wä-Kantonsgericht Schwyz 21 re, dass der Privatkläger so weit gegangen wäre und im Schweizer Paraplegi- ker Zentrum in Nottwil die Spezialisten aufgesucht hätte, sich über drei Wo- chen hätte hospitalisieren lassen, starke Schmerzmittel eingenommen hätte und sich gar mit einer Infiltration hätte behandeln lassen, wenn er die genann- ten Beschwerden nicht gehabt hätte. Es ist insbesondere nicht davon auszu- gehen, dass der Privatkläger sich noch über ein halbes Jahr später einer The- rapie zur partiellen Muskellähmung unterzogen hätte, nur um weiterhin starke Schmerzen vorzutäuschen. Stattdessen bestehen für die Strafkammer des Kantonsgerichts bei objektiver Betrachtung keine erheblichen und nicht zu unterdrückenden Zweifel daran, dass der Privatkläger nach dem Sturz aus dem Rollstuhl am 24. Januar 2018 bei jeglichen Bewegungen im Bereich der Lendenwirbelsäule bzw. beider Beine stärkste Schmerzen hatte und bei ihm eine langandauernde Verschlimmerung der Spastizität mit deutlich ange- spannter Bauchdecke, lokalen Druckschmerzen im Blasenbereich und einem ausgeprägten Druck- und Klopfschmerz neben der Wirbelsäule im Bereich des Übergangs von der Brustwirbelsäule zur Lendenwirbelsäule sowie unter- halb des Brustkorbs eintrat. Die dagegensprechenden Zweifel sind höchstens bloss abstrakter und theoretischer Natur und daher nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann (BGer, Urteil 6B_135/2020 vom 16. Juni 2020 E. 2.1; BGE 138 V 74 E. 7). d) Die Vorinstanz qualifizierte die am 25. Januar 2018 ärztliche festgestell- ten Schmerzen und die langandauernde Verschlimmerung der Spastizität beim Privatkläger (vgl. E. 3c/bb/bbb vorne) als krankhaften Zustand und als Schädigung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB. Im Weiteren gelangte sie zur Über- zeugung, dass diese Schmerzen und die langandauernde Verschlimmerung der Spastizität beim Privatkläger auf das durch den Sturz vom 24. Januar 2018 erfolgte stumpfe Trauma zurückzuführen sei. Die Vorinstanz bejahte den natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der Kollision des Kantonsgericht Schwyz 22 Fahrzeugs des Beschuldigten mit dem Rollstuhl des Privatklägers einerseits und den Gesundheitsschädigungen des Privatklägers andererseits. Daher betrachtete sie den objektiven Tatbestand der einfachen Körperverletzung als erfüllt. Ausserdem bestanden für die Vorinstanz keine Zweifel daran, dass der Beschuldigte in subjektiver Hinsicht eventualvorsätzlich gehandelt habe (an- gef. Urteil, E. 2.4.3 S. 13 und E. 3.1.3 S. 17-20). aa) Die Verteidigung entgegnet, der Privatkläger sei innerhalb weniger Wo- chen zweimal von einem Auto angefahren worden. Er habe bereits kurze Zeit vor dem Unfall vom 24. Januar 2018, nämlich im November 2017, bereits ei- nen Sturz mit seinem Rollstuhl gehabt und leide seit Ende 2017 an diffusen rechtsseitigen Schmerzen im Bein und der rechtsseitigen unteren Rumpfge- gend bis zur Wirbelsäule. Der Privatkläger habe sich bereits einen Tag vor dem Unfallereignis wegen Schmerzen bei der Orthopädie zur ambulanten Kontrolle begeben. Die Kollision zwischen dem Fahrzeug des Beschuldigten und dem Rollstuhl des Privatklägers sei im Schritttempo sowie für Letzteren nicht unvorbereitet erfolgt. Der Privatkläger sei aus geringer Sitzhöhe aus dem Rollstuhl gefallen. Weder Ärzte noch das Gericht könnten zweifelsfrei beurtei- len, ob unter diesen Bedingungen der Unfall geeignet gewesen sei, beim Pri- vatkläger die von ihm geäusserten Beschwerden herbeizuführen. In der Regel könne lediglich eine entsprechend ausgebildete Fachperson die Kausalität zwischen den ermittelten Belastungen beim Kollisionsereignis und den festge- haltenen ärztlichen Attesten über die Beschwerden und Befunde beurteilen. Es sei daher sehr zweifelhaft, dass die von der Vorinstanz festgehaltene(n) Schmerzen und Verschlimmerung der Spastizität auf den Sturz des Privatklä- gers aus dem Rollstuhl zurückzuführen sei. Der betreffende Kausalzusam- menhang sei nicht hinreichend belegt (KG-act. 23, S. 7-11 N 2.4 und S. 15 f.; KG-act. 32, S. 6-9).Kantonsgericht Schwyz 23 Der Privatkläger erachtet die vorinstanzlichen Ausführungen zum Kausalzu- sammenhang als zutreffend. Beim Eintrag im Interventionsbericht vom 6. Fe- bruar 2018 müsse es sich um ein Missverständnis handeln. Er sei nicht zwei- mal innert kurzer Zeit von einem Auto angefahren worden, sondern im No- vember 2017 mit dem Rollstuhl gestürzt, als er auf das Trottoir habe fahren wollen. In keinem anderen Bericht sei die Rede von einer zweiten Kollision mit einem Auto (KG-act. 28, S. 6, 7 ad Ziff. 2.6 sowie S. 8 f. ad Ziff. 3.3). bb) Der Privatkläger hatte nach dem Sturz aus dem Rollstuhl am 24. Januar 2018 bei jeglichen Bewegungen im Bereich der Lendenwirbelsäule bzw. bei- der Beine stärkste Schmerzen und bei ihm trat eine langandauernde Ver- schlimmerung der Spastizität ein. Er wurde während drei Wochen im Schwei- zer Paraplegiker Zentrum stationär behandelt und in der Folge noch während Monaten ambulant nachbehandelt (vgl. E. 3c/bb/aaa und bbb vorne). Dass diese Schmerzen und die langandauernde Verschlimmerung der Spastizität als krankhafter Zustand und als Schädigung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB zu qualifizieren sind, legte bereits die Vorinstanz dar, weshalb auf deren zutref- fende Ausführungen (vgl. angef. Urteil, E. 3.1.3.1 S. 17 und E. 3.1.3.3 S. 18) verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO, § 45 Abs. 5 JG), umso mehr die Verteidigung diesbezüglich keine Einwendungen vorträgt. cc) Der objektive Tatbestand der einfachen Körperverletzung erfordert einen Kausalzusammenhang zwischen der Handlung des Täters und der Körperver- letzung i.S. einer natürlichen und adäquaten Kausalität. Ein (pflichtwidriges) Verhalten ist im natürlichen Sinne kausal, wenn es nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch der eingetretene Erfolg entfiele; es braucht nicht alleini- ge oder unmittelbare Ursache des Erfolgs zu sein. Ein solchermassen vermu- teter natürlicher Kausalverlauf lässt sich nicht mit Gewissheit beweisen, wes- halb es genügt, wenn das Verhalten des Täters mindestens mit einem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit oder mit an Sicherheit grenzender Wahrschein-Kantonsgericht Schwyz 24 lichkeit die Ursache des Erfolgs bildete (BGE 125 IV 195 E. 2b). Ein adäquater Kausalzusammenhang setzt voraus, dass das Verhalten geeignet ist, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Eine solche Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers bzw. eines Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren - namentlich das Verhalten des Angeschuldigten - in den Hintergrund drängen (BGE 135 IV 56 E. 2.1; BGE 131 IV 145 E. 5.1 und 5.2 = Pra 95, 2006, Nr. 70; BGE 130 IV 7 E. 3.2). aaa) Es ist erstellt, dass die Kollision zwischen dem Fahrzeug des Beschul- digten und dem Rollstuhl des Privatklägers so stark war, dass der Rollstuhl samt dem Privatkläger kippte und der Privatkläger zu Boden fiel (vgl. E. 3b vorne) sowie ein Rad des Rollstuhls beschädigt wurde (U-act. 8.1.3, Frage 18; U-act. 10.0.01, Fragen 10 und 21; U-act. 10.0.02, Frage 12; U-act. 8.1.10, S. 6; U-act. 8.1.14, Dateien DSCN001, DSCN003 und DSCN004). Der Privat- kläger hatte unmittelbar nach dem Sturz Schmerzen. Nach den Aussagen des Zeugen G.________ habe der Privatkläger vor Schmerzen geschrien re- sp. starke Schmerzen gehabt und sich nicht mehr bewegen können. Weil der Privatkläger am 25. Januar 2018, also einen Tag nach dem Unfall, immer noch grosse Schmerzen hatte, fuhr er notfallmässig in das Schweizer Para- plegiker Zentrum nach Nottwil. Dort wurde festgestellt, dass der Privatkläger bei jeglichen Bewegungen im Bereich der Lendenwirbelsäule bzw. beider Bei- ne stärkste Schmerzen hatte und bei ihm eine langandauernde Verschlimme- rung der Spastizität eintrat. Er wurde vom 25. Januar 2018 bis am 16. Februar Kantonsgericht Schwyz 25 2018 im Schweizer Paraplegiker Zentrum stationär und in der Folge noch während Monaten ambulant nachbehandelt (vgl. E. 3c/bb/aaa und bbb vorne). bbb) Dr. med. S.________ äusserte gegenüber der vormaligen Staatsanwalt- schaft Innerschwyz, aus dem Umstand, dass weder Hämatome noch Läsio- nen hätten festgestellt werden können, könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Privatkläger durch einen Sturz starke Schmerzen erleide. Bereits kleine Stürze könnten bei Paraplegikern zu grossen Traumas führen, zumal die bestehenden posttraumatischen Verletzungen weiter irritiert würden (vgl. E. 3b/bb/bbb vorne). Dr. med. R.________ berichtete am 4. September 2018, ein stumpfes Trauma ohne grosse Krafteinwirkung könne zur festge- stellten Verschlimmerung der Spastik und der damit verbundenen Schmerzen führen (11.2.17, Fragen 3 f.). Auf die Frage, ob die Möglichkeit bestehe, dass die festgestellten Verletzungen nicht im Zusammenhang mit der Kollision vom 24. Januar 2018 stünden, sondern anderen Ursprungs seien, antworteten Dr. med. R.________ und Dr. med. S.________, die Schenkelhalsfraktur Hüfte rechts könne bereits in einem älteren Bild vom 13. November 2017 festgestellt werden, in welcher Zeit der Patient im Spital Schwyz behandelt worden sei (U-act. 11.2.05, Frage 10). Daraus ist zu schliessen, dass nach Auffassung der beiden Ärzte nicht gesagt werden kann, die Schmerzen und die langan- dauernde Verschlimmerung der Spastizität beim Privatkläger (vgl. E. 3c/bb/bbb vorne) könnten nicht auf das durch den Sturz vom 24. Ja- nuar 2018 erfolgte stumpfe Trauma zurückgeführt werden. Zudem muss die Schenkelhalsfraktur von einem anderen Vorfall herrühren, möglicherweise von einer Kollision mit einem Fahrzeug, wie die Verteidigung vorbringt, oder von einem Sturz mit dem Rollstuhl, als der Privatkläger auf das Trottoir fahren wollte, wie er behauptet. Darin wäre ein Grund zu erblicken, dass sich der Privatkläger schon am 23. Januar 2018 wegen Schmerzen in ambulanter ärzt- lichen Kontrolle war. So oder anders waren die am 25. Januar 2018 beim Pri-Kantonsgericht Schwyz 26 vatkläger ärztlich festgestellten starken Schmerzen (Krämpfe) differenzierbar stärker, als die üblichen Schmerzen, unter welchen er litt (U-act. 11.2.11). Aufgrund dieser Ausführungen folgert die Strafkammer des Kantonsgerichts, dass der Sturz des Privatklägers aus dem Rollstuhl am 24. Januar 2018 die tags darauf ärztlich festgestellten Schmerzen und die langandauernde Ver- schlimmerung der Spastizität beim Privatkläger (vgl. E. 3c/bb/bbb vorne) zu- mindest mitverursachte. Daran vermag der Interventionsbericht von Dr. med. T.________ vom Schweizer Paraplegiker Zentrum vom 6. Februar 2018 nichts zu ändern, wonach der Privatkläger seit Ende 2017 an diffusen rechtsseitigen Schmerzen im Bein und der rechtsseitigen unteren Rumpfgegend bis zur Wir- belsäule leide, nachdem er innerhalb weniger Wochen zweimal von einem Auto angefahren worden sei (U-act. 11.2.09, S. 1). Denn die am 25. Januar 2018 ärztlich festgestellten Befunde zeigten ein umfassenderes Beschwerde- bild, nämlich eine Progredienz der Spastizität mit deutlich angespannter Bauchdecke, lokalen Druckschmerzen im Blasenbereich, wobei zwischen ei- ner akuten Blasenproblematik, eines akuten Geschehens intraabdominal und der progredienten Spastizität sicher habe differenziert werden können, sowie einen ausgeprägten paravertebralen Druck- und Klopfschmerz im Bereich des thorakolumbalen Überganges sowie subthorakal (vgl. E. 3b/bb/bbb vorne). Daher kann zum einen der vom Beschuldigten verursachte Sturz des Privat- klägers aus dem Rollstuhl mindestens mit einem hohen Grad der Wahrschein- lichkeit nicht hinweggedacht werden, ohne dass auch der eingetretene Erfolg (stärkste Schmerzen, langandauernde Verschlimmerung der Spastizität, drei- wöchiger stationärer Aufenthalt im Schweizer Paraplegiker Zentrum sowie ambulante Nachbehandlung während Monaten) entfiele. Zum anderen war dieser Sturz durchaus geeignet, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung den eingetretenen und erwähnten Erfolg zumindest zu begünstigen. Eine allfällige Mitursache (vorbestehende Schmerzen zufolge eines Sturzes aus dem Rollstuhl im November 2017) Kantonsgericht Schwyz 27 wiegt nicht derart schwer, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheint und das mitverursachende Verhalten des Beschuldigten in den Hintergrund drängt. Die natürliche und adäquate Kausa- lität ist zu bejahen. dd) Nach dem Gesagten ist der objektive Tatbestand der einfachen Körper- verletzung erfüllt. ee) Eine einfache Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB setzt in subjektiver Hinsicht Vorsatz voraus. Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Letzteres bzw. Eventualvorsatz ist gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs resp. die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 und 131 IV 1 E. 2.2; BGer, Urteil 6B_135/2020 vom 16. Juni 2020 E. 4.1). Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in diesem Sinne in Kauf nahm, ist bei Fehlen eines Geständnisses des Beschuldigten aufgrund der Umstände zu entscheiden. "Dazu gehören die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die Rechtsgutsverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen" (BGer, Urteil 6B_135/2020 vom 16. Juni 2020 E. 4.1). Vom Wissen des Täters auf den Willen darf geschlossen werden, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Kantonsgericht Schwyz 28 Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 und 131 IV 1 E. 2.2; BGer, Urteil 6B_135/2020 vom 16. Juni 2020 E. 4.1). Die Vorinstanz begründete ausführlich und zutreffend, weshalb der Beschuldigte die Kollision mit dem Rollstuhl des Privatklägers sowie den Sturz des Privatklägers und dessen erhebliche Verletzungsgefahr in Kauf nahm, weshalb im Grundsatz darauf verwiesen werden kann (vgl. angef. Urteil, E. 3.1.3.4 S. 19 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO, § 45 Abs. 5 JG). Zur Verdeutlichung ist an dieser Stelle gleichwohl (nochmals) festzuhalten, dass der Beschuldigte im Zusammenhang mit der Kollision mit dem Rollstuhl des Privatklägers aussag- te, der Privatkläger habe sich total verschätzt, weil er gemeint habe, er könne mit seinem Rollstuhl das Fahrzeug aufhalten (U-act. 10.0.03, Frage 17). Wäre der Privatkläger intelligent gewesen, wäre er doch noch weggegangen, wenn er (der Beschuldigte) mit dem Fahrzeug auf ihn zufahre (U-act. 10.0.03, Frage 19). Auf die Frage, ob ihm bewusst gewesen sei, dass der Privatkläger mit dem Rollstuhl nicht einfach wegspringen könne, antwortete der Beschuldigte mit "ja", führte aber weiter aus, der Privatkläger hätte nicht auf ihn zukommen müssen, er habe ihm mehrmals gesagt, in Eile zu sein, der Privatkläger habe ihn nur "plagen" wollen, da sei der Schuss eben nach hinten rausgegangen (U-act. 10.0.03, Frage 26). Der Privatkläger habe ihm mit dem Rollstuhl nochmals den Weg versperren wollen und habe sich damit selbst ein Ei gelegt (U-act. 10.0.03, Frage 36). Er habe nicht herausfahren können, weil der Pri- vatkläger schon wieder dagestanden sei. Daher habe er ihn irgendwie zur Seite stellen müssen bzw. er habe ihn seitwärts weggeschoben (Vi-act. 18, Frage 118). Entgegen dem Vorbringen der Verteidigung im Berufungsverfah- ren (vgl. KG-act. 23, S 16 Abs. 2) trifft somit nicht zu, dass der Beschuldigte sein Fahrzeug in langsamem Tempo am Privatkläger habe vorbeisteuern wol- len, es aber zur Kollision gekommen sei. Daran vermag nichts zu ändern, falls der Privatkläger mit seinem Rollstuhl dem Beschuldigten bewusst den Weg hätte versperren resp. nicht lediglich Fotos hätte machen wollen (vgl. E. 3a Kantonsgericht Schwyz 29 vorne). Daher ist ebenfalls der subjektive Tatbestand der einfachen Körperver- letzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfüllt. 4. Die Vorinstanz bejahte, dass der Beschuldigte den objektiven und sub- jektiven Tatbestand des vorsätzlichen pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Verkehrsunfall mit Personenschaden erfüllte (angef. Urteil, E. 3.1.4 S. 20-22). a) Die Verteidigung bestreitet nicht, dass der Beschuldigte sich nach dem Unfall von der Unfallstelle entfernte, ohne die Polizei zu verständigen. Indes- sen bringt sie vor, dass der Beschuldigte hierfür nicht verpflichtet gewesen sei, weil für ihn zufolge fehlender wahrnehmbarer Verletzungen keine Anhalts- punkte für einen Personenschaden bestanden hätten und an den beteiligten Fahrzeugen kein relevanter Sachschaden entstanden sei. Der Privatkläger sei denn auch gar nicht verletzt worden, zumal die von der Vorinstanz aufgeführ- ten Beschwerden nicht hätten objektiviert werden können. Ausserdem habe der Beschuldigte den Privatkläger nach der Kollision aus der Gefahrenzone bzw. etwas zur Seite gezogen und sich vergewissern können, dass sich der Privatkläger keine sichtbaren Verletzungen zugezogen habe. Es fehle deshalb am objektiven Tatbestandsmerkmal der Verletzung i.S.v. Art. 51 Abs. 2 SVG. Gleiches gelte für den subjektiven Tatbestand, weil der Beschuldigte aufgrund der sehr geringen Intensität des Zusammenstosses bei langsamem Tempo nicht mit der Möglichkeit von Verletzungen des Privatklägers habe rechnen müssen (KG-act. 23, S. 11 N 2.5 und S. 17 N 3.4). b) aa) Ereignet sich ein Unfall und sind Personen verletzt, so haben alle Beteiligten für Hilfe zu sorgen, die Polizei zu benachrichtigen und bei der Feststellung des Tatbestandes mitzuwirken. Ohne Zustimmung der Polizei dürfen sie die Unfallstelle nur verlassen, soweit sie selbst Hilfe benötigen, oder um Hilfe oder die Polizei herbeizurufen (Art. 51 Abs. 2 SVG). Bei Unfäl- len mit Personenschäden ist sofort die Polizei zu benachrichtigen, wenn je-Kantonsgericht Schwyz 30 mand äussere Verletzungen aufweist oder wenn mit inneren Verletzungen zu rechnen ist. Die Meldung an die Polizei ist nicht erforderlich bei kleinen Schür- fungen oder Prellungen; der Schädiger muss aber dem Verletzten Namen und Adresse angeben (Art. 55 Abs. 2 VRV). Wer als Fahrzeugführer bei einem Verkehrsunfall einen Menschen tötet oder verletzt und die Flucht ergreift, wird mit Freiheitstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 92 Abs. 2 SVG). Bereits bei leichten Schürfungen oder Prellungen ist ein Personenschaden in diesem Sinne gegeben. Dem steht auch Art. 55 Abs. 2 Satz 1 VRV nicht entgegen, welcher "bei kleinen Schürfungen oder Prellungen" eine Benachrichtigung der Polizei nicht vorschreibt. Denn der Verursacher muss ebenso bei solch geringfügigen Verletzungen seinen Namen und seine Adresse angeben bzw. es kann nicht angenommen werden, dass solche kleinen Verletzungen keinerlei Hilfe erforderlich machen und eine Führerflucht verunmöglichen. Nicht unter Art. 92 Abs. 2 SVG fällt eine Person, wenn sie nur absolut geringfügige, praktisch bedeutungslose Schäden erlitten hat, denen kaum Beachtung geschenkt werden muss (BGer, Urteil 6B_575/2018 vom 22. November 2018 E. 2.2.1 und 2.2.2; BGer, Urteil 6B_528/2015 vom 6. Oktober 2015 E. 3.3). Dies gilt etwa für bloss vorübergehende Rötungen (Unseld, in: Niggli/Probst/Waldmann, a.a.O., N 36 zu Art. 51 SVG). Als "Flucht" ist gemeint, dass sich der Fahrzeugführer vom Unfallplatz entfernt bzw. seine Verfügbarkeit am Unfallplatz vereitelt, ohne seiner gesetzlichen Pflicht nachgekommen zu sein, für Hilfe zu sorgen und bei der Feststellung des Tatbestandes mitzuwirken (BGE 103 Ib 101 E. 3). Es ist unerheblich, ob der Fahrzeugführer vorher anhielt oder nicht resp. zwar Hilfe leistet, sich aber in der Folge von der Unfallstelle wegbegibt, ohne die Polizei verständigt zu haben. Die Flucht setzt immer voraus, dass das Entfernen vom Unfallort pflichtwidrig im Sinne von Art. 51 SVG ist. Ohne Zustimmung der Polizei darf die Unfallstelle grundsätzlich nicht verlassen werden (BGer, Urteil 6B_575/2018 vom 22. November 2018 E. 2.5).Kantonsgericht Schwyz 31 bb) Der Beschuldigte bemerkte nach eigenen Angaben, dass er mit seinem Fahrzeug den Rollstuhl des Privatklägers touchierte, worauf der Privatkläger zu Boden fiel (vgl. E. 3a sowie 3b/aa und cc vorne). Es liegt deshalb unbestrit- tenermassen ein Unfall vor. cc) Feststeht weiter, dass der Beschuldigte sich nach dem Unfall von der Unfallstelle entfernte, ohne die Polizei zu verständigen. Entgegen dem Vor- bringen der Verteidigung zog der Beschuldigte den Privatkläger nach der Kol- lision nicht aus der Gefahrenzone bzw. etwas zur Seite. Vielmehr fuhr der Be- schuldigte weiter, ohne aus dem Auto zu steigen. Es kann diesbezüglich auf die überzeugende Begründung der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. an- gef. Urteil, E. 2.5.2 S. 14 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO, § 45 Abs. 5 JG). dd) Der Einwand der Verteidigung, wonach die von der Vorinstanz aufge- führten Schmerzen usw. beim Privatkläger nicht hätten objektiviert werden können (KG-act. 23, S 17 N 3.4), trifft nicht zu. Es steht fest, dass der Privat- kläger nach dem Sturz aus dem Rollstuhl bei jeglichen Bewegungen im Be- reich der Lendenwirbelsäule bzw. beider Beine stärkste Schmerzen hatte und bei ihm eine langandauernde Verschlimmerung der Spastizität eintrat (vgl. E. 3c/bb/bbb vorne). Daher ist ein Personenschaden i.S.v. Art. 51 Abs. 2 SVG zu bejahen bzw. es kann nicht mehr von bloss absolut geringfügigen, praktisch bedeutungslosen Schäden gesprochen werden. Die Vorinstanz begründete umfassend, weshalb der Beschuldigte aufgrund der konkreten Situation nicht habe davon ausgehen können, der Privatkläger habe nur absolut geringfügige, praktisch bedeutungslose Schäden erlitten, denen kaum Beachtung geschenkt werden müsse (vgl. angef. Urteil, E. 3.1.4.3 S. 21). Es kann daher auch auf diese zutreffende Erwägung verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO, § 45 Abs. 5 JG), umso mehr sich die Verteidigung damit nicht substanziiert auseinandersetzt.Kantonsgericht Schwyz 32 ee) Nach dem Gesagten sind die objektiven Tatbestandsmerkmale hinsicht- lich des vorsätzlichen pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Verkehrsunfall mit Personenschaden erfüllt. c) Die Vorinstanz legte dar, weshalb aufgrund der konkreten Umstände für den Beschuldigten eine Verletzung des Privatklägers habe wahrscheinlich sein müssen resp. ausserhalb einer vernünftigen Betrachtungsweise liege, dass der Beschuldigte eine Verletzung weder erkannt haben soll noch erkannt haben könne (vgl. angef. Urteil, E. 3.1.4.4 S. 22). Darauf kann verwiesen wer- den (Art. 82 Abs. 4 StPO, § 45 Abs. 5 JG). Daher ist dem Beschuldigten vor- zuwerfen, dass er wissentlich und willentlich bzw. vorsätzlich die Unfallstelle verliess, ohne sofort die Polizei zu benachrichtigen, womit auch der subjektive Tatbestand von Art. 92 Abs. 2 SVG erfüllt ist. 5. Die Vorinstanz begründete ausführlich, dass sich der Beschuldigte we- gen des Umstandes, dass er einer Bekannten (M.________) in Zürich Medi- kamente habe bringen müssen, nicht in einer Notstandssituation i.S. von Art. 17 StGB befunden habe. Zum einen habe es an einer unmittelbaren Ge- fahr gefehlt. Die Dringlichkeit der Medikamentenlieferung durch den Beschul- digten habe nicht darin bestanden, dass M.________ keine Medikamente mehr gehabt habe, sondern weil sie später anderweitig verpflichtet gewesen sei und sich nicht mehr mit dem Beschuldigten habe treffen können, um die Medikamente entgegenzunehmen. Ausserdem sei nicht plausibel, weshalb die Bekannte des Beschuldigten die Medikamente nicht selber in Zürich hätte be- sorgen können, da ein Arztrezept vorhanden gewesen sei. Zum anderen hätte sich M.________ in Zürich auf einen Notfall begeben oder es hätte für sie eine Ambulanz aufgeboten werden können. Es fehle somit am Erfordernis der Subsidiarität für eine Notstandssituation nach Art. 17 StGB. Darüber hinaus sei der Beschuldigte nicht darauf angewiesen gewesen, sein Auto beim Geh- behinderten-Parkfeld des Bahnhofs Schwyz zu parkieren, um Geld zu bezie-Kantonsgericht Schwyz 33 hen. Er hätte vielmehr an einem der zahlreichen Bankomaten, welche sich in unmittelbarer Nähe der Arztpraxis von Dr. med. N.________ (dort holte der Beschuldigte die Medikamente) befänden, Geld beziehen können (angef. Ur- teil, E. 3.2 S. 22-25). a) Die Verteidigung bringt vor, massgebend sei nicht, wie die Notstandssi- tuation aus gerichtlicher Sicht hinter dem Schreibpult unter Abwägung aller Umstände zu beurteilen sei. Vielmehr sei entscheidend, wie die Gefahrenlage für M.________ nach der Vorstellung des Beschuldigten gewesen sei, welcher unter Zeitdruck kurzfristig mehrere Entscheidungen habe treffen müssen. Er habe nicht wissen können, ob Frau M.________ noch genügend Medikamen- te gehabt habe, sondern sei davon ausgegangen, dass sie diese dringend benötige. Für den Beschuldigten habe aus dessen Sicht in der damaligen Si- tuation einzig die Möglichkeit bestanden, die Gefahr für seine Bekannte da- durch abzuwenden, die Medikamente so schnell wie möglich in Schwyz abzu- holen und nach Zürich zu bringen (KG-act. 23, S. 17 f. N 3.5). b) Der Notstand legitimiert sich dadurch, dass ein Rechtsgut einer unmit- telbaren Gefahr ausgesetzt ist und sich die Gefahr nur durch den Eingriff in ein Rechtsgut eines Dritten abwenden lässt. Es ist ex ante hypothetisch zu beurteilen, ob sich nach Auffassung eines verständigen Dritten in der Lage des Täters die Gefahr in einer Rechtsgutsverletzung manifestieren könnte. Es ist somit nicht massgebend, wie der Täter die Lage subjektiv einschätzt (Nigg- li/Göhlich, in: Niggli/Wiprächtiger, a.a.O., N 11 zu Art. 17 StGB). Die Unmittel- barkeit der Gefahr verlangt, dass die Gefahr gegenwärtig sein muss oder die erst zu einem späteren Zeitpunkt drohende Gefahr nur gegenwärtig sicher abgewehrt werden kann. Dem Handelnden darf zur Abwendung des Scha- dens keine andere Möglichkeit verbleiben, als einzugreifen (Niggli/Göhlich, a.a.O., N 14 zu Art. 17 StGB). Notstand verlangt neben einer Interessenab- wägung absolute Subsidiärität, d.h. in Rechte Dritter darf nur eingegriffen wer-Kantonsgericht Schwyz 34 den, wenn keine andere Möglichkeit zur Rettung besteht (Trechsel/Geth, in: Trechsel/Pieth, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. A. 2018, N 7 zu Art. 17 StGB; Niggli/Göhlich, a.a.O. N 16 zu Art. 17 StGB). In- dessen sind im Besonderen bei Zeitdruck keine allzu hohen Anforderungen an die Prüfung von Alternativen zu stellen. Bevor jemand mit übersetzter Ge- schwindigkeit ins Spital fährt, muss er nicht prüfen, ob eine Rettungsmöglich- keit in der Nähe zur Verfügung steht oder eine Ambulanz rechtzeitig Hilfe brächte (Trechsel/Geth, a.a.O., N 7 zu Art. 17 StGB). Die Notstandshandlung muss subjektiv vom Willen zur Rettung des Rechtsguts getragen sein (Nigg- li/Göhlich, a.a.O. N 24 zu Art. 17 StGB). c) Vorliegend ist zu beurteilen, wie sich die Gefahrenlage für M.________ nach der Vorstellung eines verständigen Dritten in der Lage des Beschuldig- ten manifestierte. Auf die Frage, wie dringend es gewesen sei resp. ob ihm mitgeteilt worden sei, dass die Medikamente sofort innert rund 30 Minuten verfügbar sein müss- ten, antwortete der Beschuldigte, "so schnell als möglich", "sie hat es bestellt, sie hatte noch Medikamente, aber naheliegend…" (Vi-act. 18, Frage 126). Somit wusste der Beschuldigte bereits im Zeitpunkt seiner Handlungen vom 24. Januar 2018, dass M.________ noch Medikamente hatte. Daher musste es für einen verständigen Dritten in der Lage des Beschuldigten klar sein, dass die Gesundheit seiner Bekannten nicht unmittelbar gefährdet war bzw. es kann nicht gesagt werden, dass ihm zur Abwendung gesundheitlicher Schäden bei M.________ keine andere Möglichkeit verblieb, als sein Auto am Bahnhof Schwyz auf dem Gehbehinderten-Parkfeld abzustellen, beim Heraus- fahren aus der Parklücke mit zwei anderen Autos und mit dem Privatkläger zu kollidieren und sich von der Unfallstelle zu entfernen, ohne die Polizei zu be- nachrichtigen und sich um den verletzten Privatkläger zu kümmern. Selbst wenn die Gesundheit von M.________ unmittelbar gefährdet gewesen wäre, Kantonsgericht Schwyz 35 wäre es für einen verständigen Dritten in der Lage des Beschuldigten klar ge- wesen, dass diese Gefahr auch dadurch hätte abgewendet werden können, indem sich M.________ in Zürich auf einen Notfall begeben hätte oder es hät- te für sie (auch durch den Beschuldigten) eine Ambulanz aufgeboten werden können. Auf diese Weise hätte eine unmittelbare Gefahr für deren Gesundheit zweifellos innert kürzerer Zeit abgewendet werden können. Somit fehlt es ebenfalls am Erfordernis der Subsidiarität für eine Notstandssituation nach Art. 17 StGB. 6. Zusammenfassend ist der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB, des vorsätzlichen pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Verkehrsunfall mit Personenschaden i.S.v. Art. 92 Abs. 2 SVG, der fahrlässigen Verletzung von Verkehrsregeln durch Nichtbeherrschen des Fahrzeugs i.S.v. Art. 90 Abs. 1 SVG sowie der vorsätzlichen Verletzung von Verkehrsregeln durch Parkieren eines nichtberechtigten Fahrzeugs auf einem Gehbehinderten-Parkplatz i.S.v. Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen. 7. Für den vorliegenden Fall, dass der Beschuldigte sämtlicher Delikte schuldig zu sprechen ist, macht die Verteidigung keine Ausführungen zu den Erwägungen der Vorinstanz bezüglich der Strafzumessung, des Strafvollzugs und der Verbindungsbusse (angef. Urteil, E. II S. 25-29), weshalb grundsätz- lich auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO, § 45 Abs. 5 JG), aber unter Vorbehalt der nachfol- genden Ausführungen. a) Die Vorinstanz legte die Busse für Nichtbeherrschen des Fahrzeugs auf Fr. 200.00 fest (Anger. Urteil, E. 1.7 S. 27). b) Die Verteidigung bringt vor, falls der Tatbestand des Nichtbeherrschen des Fahrzeugs erfüllt wäre, was vorliegend zutrifft (vgl. E. 2 vorne), könnte Kantonsgericht Schwyz 36 das Gericht gestützt auf Art. 100 Ziff. 1 Abs. 2 SVG von einer Strafe Umgang nehmen, weil beim Verhalten des Beschuldigten unter den gegebenen Um- ständen von einem besonders leichten Fall auszugehen wäre (KG-act. 23, S. 14 N 3.2). Der Privatkläger verweist auf die vorinstanzlichen Ausführungen (KG-act. 28, S. 8 ad Ziff. 3.2). c) Bestimmt es dieses Gesetz nicht ausdrücklich anders, so ist auch die fahrlässige Handlung strafbar. In besonders leichten Fällen wird von der Stra- fe Umgang genommen (Art. 100 Ziff. 1 SVG). Ob ein besonders leichter Fall vorliegt, hängt von den gesamten objektiven und subjektiven Umständen ab, die bei der Abwägung des Verschuldens zu berücksichtigen sind (BGer, Urteil 6S.123/2007 vom 23. Juli 2007 E. 4.3; BGE 124 IV 184 E. 3a; BGE 95 IV 22 E. 1c; Weissenberger, a.a.O., N 10 zu Art. 100 StGB), und beurteilt sich primär nach den Wertungen, welche dem SVG zugrunde liegen. Widerhandlungen gegen Verkehrsvorschriften sind vor allem wegen der Gefahren, denen andere Verkehrsteilnehmer dadurch aus- gesetzt sind, mit Strenge zu ahnden. Ein besonders leichter Fall ist lediglich dann anzunehmen, wenn die gesamten Umstände des Falles wie Geschwin- digkeit, Strassen- und Verkehrsverhältnisse, Beweggründe des Täters etc. das Verschulden des Fehlbaren nach den Wertungen des Gesetzes als be- sonders leicht erscheinen lassen (BGE 95 IV 22 E. 1c; Weissenberger, a.a.O., N 10 zu Art. 100 StGB). Nach dem Gesagten kommt die Bestimmung nur zur Anwendung, wenn selbst eine noch so geringe Strafe, weil dem Verschulden in keiner Weise angemessen, geradezu als stossend erschiene (BGer, Urteil 6S.123/2007 vom 23. Juli 2007 E. 4.3; BGE 105 IV 208 und 94 IV 81 E. 2) resp. wenn das Verhalten des Täters nach den besonderen Umständen nicht strafwürdig erscheint, obwohl der gesetzliche Straftatbestand an sich erfüllt ist (BGE 94 IV 81 E. 2). Dies dürfte gemäss Weissenberger (a.a.O., N 10 zu Art. 100 StGB) kaum je der Fall sein. Ein besonders leichter Fall wurde etwa Kantonsgericht Schwyz 37 verneint beim falschen Ablesen der Nummer auf dem Parkfeld und dem an- schliessenden korrekten Eintippen dieser falschen Nummer an der Parkuhr, weil das falsche Ablesen der Parkfeldnummer bei pflichtgemässer Vorsicht ohne Weiteres vermeidbar gewesen wäre (BGer, Urteil 6S.123/2007 vom 23. Juli 2007 E. 4.4 f.). Beim Fahren ohne die vorgeschriebene Haftpflichtver- sicherung gemäss Art. 96 Abs. 2 SVG erscheint ein besonders leichter Fall möglich, wenn das Fahrzeug nur rund 100 m auf einer Seitenstrasse im Schritttempo und in Begleitung eines Fussgängers fortbewegt wurde, und der Führer deshalb und angesichts der Verkehrslage Gewissheit haben konnte, eine Gefährdung Dritter sei ausgeschlossen (95 IV 22 E. 2; Weissenberger, a.a.O. N 11 zu Art. 100 StGB). d) Der Beschuldigte führte auf dem Gehbehinderten-Park Feld ein Wen- demanöver durch, während welchem er beim Vor- bzw. Rückwärtsfahren auch den Randstein und die Rabatte befuhr sowie mit zwei parkierten Fahrzeugen (Smart von I.________ und Toyota des Privatklägers) kollidierte, sodass alle drei Fahrzeuge leicht beschädigt wurden. Der Sachschaden am eigenen Auto des Beschuldigten betrug ca. Fr. 1'500.00 (vgl. E. 2a vorne). Der Beschuldigte hätte diese Schäden verhindern können, wenn er noch weitere Male vor- und rückwärtsgefahren, selber ausgestiegen und schauen gegangen wäre oder eine Hilfsperson beigezogen hätte (vgl. E. 2b/bb vorne). Der Beweggrund des Beschuldigten für dieses unkontrollierte Wendemanöver lag darin, dass er beim Bankomat am Bahnhof in Seewen Geld beziehen wollte, um für eine Bekannte in der Arztpraxis von Dr. med. N.________ in Schwyz Medikamente zu kaufen, wobei es für einen verständigen Dritten in der Lage des Beschul- digten hätte klar sein müssen, dass keine zeitliche Dringlichkeit bestand (vgl. E. 5c vorne). Vor dem Hintergrund dieser konkreten Verhältnisse kann nicht gesagt werden, selbst eine noch so geringe Strafe sei dem Verschulden des Beschuldigten in keiner Weise angemessen bzw. erscheine geradezu als stossend. Daher ist vorliegend ein besonders leichter Fall i.S.v. Art. 100 Ziff. 1 Kantonsgericht Schwyz 38 SVG zu verneinen. Ebenso wenig drängt sich eine Milderung der Busse auf (vgl. Weissenberger, a.a.O., N 8 zu Art. 100 SVG). 8. Zusammenfassend ist die Berufung abzuweisen und das angefochtene Urteil des Bezirksgerichts Schwyz vom 19. Februar 2020 zu bestätigen. a) Die Kosten- und Entschädigungsfolgen gehen zu Lasten des unterlie- genden Beschuldigten (Art. 428 Abs. 1, Art. 436 Abs. 1 und Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). b) Die Kosten des Berufungsverfahrens sind auf Fr. 4'000.00 festzusetzen mit dem Hinweis, dass die Anklagevertretung zufolge Verzichts auf eine An- schlussberufung sowie auf die Einreichung einer Berufungsantwort und Beru- fungsduplik kein Honorar geltend machte (KG-act. 5, 26 und 34). Der amtliche Verteidiger ist gemäss der eingereichten Kostennote in der Höhe von insgesamt Fr. 5'534.05 (inkl. Auslagen und MWST; Zeitaufwand von 28.14 Stunden zu Fr. 180.00; KG-act. 32/1) zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO; § 6 GebTRA), zumal er erst im Verlaufe des Berufungsverfahrens das Mandat übernahm und sich in den Fall einlesen musste. Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung zu verpflichten (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Der Beschuldigte hat den Rechtsvertreter des Privatklägers angemessen zu entschädigen. Letzterer reichte am 30. März 2021 seine Honorarnote ein, worin er einen Betrag von Fr. 5'076.45 (inkl. Auslagen und MWST) geltend machte (17 Stunden und 10 Minuten zu Fr. 270.00; KG-act. 35/1). Darauf kann nicht abgestellt werden, weil sie aus verschiedenen Gründen unange- messen hoch ist: Die Honorarnote enthält auch den Aufwand für die Durch- sicht des erstinstanzlichen Urteils, welcher praxisgemäss nicht im Berufungs- verfahren, sondern noch vor Vorinstanz hätte einbezogen werden müssen. Kantonsgericht Schwyz 39 Der Zeitaufwand für die Verfassung der zehnseitigen Berufungsantwort von fünf Stunden erscheint massiv zu hoch, nachdem bereits für die Vorbereitung der Berufungsverhandlung, welche nicht stattfand, ein Zeitaufwand von sechs Stunden veranschlagt wurde. Ausserdem liegt die Honorarnote einem Stun- denansatz von Fr. 270.00 zugrunde (Fr. 4'635.00 für einen Zeitaufwand von 17 Stunden und 10 Minuten) und entspricht nicht dem ortsüblichen Ansatz. Deshalb ist die Entschädigung nach pflichtgemässem Ermessen auf Fr. 3'000.00 festzusetzen (vgl. §§ 2, 6 und 13 GebTRA);- erkannt: 1. Die Berufung wird abgewiesen und das angefochtene Urteil des Be- zirksgerichts Schwyz vom 19. Februar 2020 bestätigt. 2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 4'000.00 werden dem Be- schuldigten auferlegt. 3. Der amtliche Verteidiger wird für das Berufungsverfahren mit Fr. 5'534.05 (inkl. Auslagen und MWST) entschädigt. Vorbehalten bleibt die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten (Art. 135 Abs. 4 StPO). 4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatkläger für das Berufungs- verfahren mit Fr. 3'000.00 (inkl. Auslagen und MWST) zu entschädigen. 5. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsa- chen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Be- schwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.Kantonsgericht Schwyz 40Kantonsgericht Schwyz 41 6. Zufertigung an den amtlichen Verteidiger (2/R), die Staatsanwaltschaft (1/A an die 2. Abteilung und 1/R an die Amtsleitung/Zentraler Dienst), Rechtsanwalt E.________ (2/R) und die Vorinstanz (1/A) sowie nach de- finitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, mit den Akten), das Amt für Justizvollzug (1/R, zum Inkasso und Vollzug), die KOST (mit Formular) und die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der Strafkammer Der Kantonsgerichtspräsident Der Gerichtsschreiber Versand 15. Juni 2021 kau