B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-15/2016 U r t e i l v o m 7 . J a n u a r 2 0 1 6 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richter François Badoud; Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren am (…), und seine Ehefrau B._______, geboren am (…), sowie die Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), Mazedonien, ehemalige jugoslawische Republik, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 22. Dezember 2015 / N (…). D-15/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden gelangten gemäss eigenen Angaben am 13. November 2015 in die Schweiz, wo sie am 22. November 2015 um Asyl ersuchten. B. Die Beschwerdeführenden A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) und B._______ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) wurden am 2. Dezem- ber 2015 zu ihrer Person und zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Eingehende An- hörungen zu den Gründen der Flucht fanden am 7. Dezember 2015 statt. Die Beschwerdeführenden begründeten ihre Asylgesuche damit, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines Militärdienstes in Afghanistan von mus- limischen Terroristen bedroht werde. C. Mit Verfügung vom 22. Dezember 2015 (Eröffnung am 28. Dezember 2015) lehnte das SEM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab und ord- nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. D. Diese Verfügung fochten die Beschwe rdeführenden mit Eingabe vom 1. Januar 2016 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht an und be- antragten die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewäh- rung von Asyl. Eventualiter sei eine vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung und amtlichen Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 110a AsylG (SR 142.31) sowie um vorsorgliche Anweisung an die Behörden, die Kontaktaufnahme mit dem Herkunftsstaat oder eine Da- tenweitergabe an diesen zu unterlassen respektive die Beschwerdeführen- den bei einer bereits erfolgten Kontaktaufnahme oder Datenweitergabe in einer separaten Verfügung darüber zu informieren. E. Die vorinstanzlichen Akten trafen am 5. Januar 2016 beim Bundesverwal- tungsgericht ein (Art. 109 Abs. 1 AsylG). D-15/2016 Seite 3 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme i m Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist f rist- und formgerecht eingereicht. Die Be - schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und, Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 97 Abs. 1 und 2 AsylG dürfen Personendaten von Asylsu- chenden, anerkannten Flüchtlingen und Schutzbedürftigen dem Heimat - D-15/2016 Seite 4 oder Herkunftsstaat nicht bekannt gegeben werden, wenn dadurch die be- troffene Person oder ihre Angehörigen gefährdet würden. Über ein Asylge- such dürfen keine Angaben gemacht werden, wobei eine allfällige Kontakt- aufnahme zur Beschaffung der notwendigen Reisepapiere nur erfolgen darf, wenn in erster Instanz das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft ver- neint wurde. Für die in der Beschwerde pauschal und ohne individuelle Begründung be- antragte Anweisung an das SEM, die Kontaktaufnahme mit dem Heimat - oder Herkunftsstaat sowie jegliche Daten weitergabe an denselben sei zu unterlassen, besteht bei der vorliegenden Aktenlage keine Veranlassung, weshalb der entsprechende Antrag abzuweisen ist. 4.2 Sodann geht aus den dem Gericht vorliegenden Akten (die erfahrungs- gemäss allerdings nicht sämtliche Vorg änge im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Wegweisungsvollzugs abbilden) keine solche Datenbe- kanntgabe hervor. Den Beschwerdeführenden steht es bei weiterem Klä- rungsbedarf frei, sich an die mit dem Vollzug beauftragte kantonale Be- hörde oder das SEM zu wenden. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nacht eilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-15/2016 Seite 5 6. 6.1 Die Beschwerdeführenden machten in ihren Asylgesuchen geltend, dass der Beschwerdeführer in den Jahren 2007/2008 und 2010 zweimal für jeweils sechs Monate als Berufssoldat in Afghanistan gewesen sei (…). Nachdem er nach seinem ersten Einsatz nach Mazedonien zurückgekehrt sei, habe er regelmässig von einer islamistischen terroristischen Gruppe telefonische Drohungen erhalten. Ihm sei vorgeworfen worden, in Afgha- nistan Muslime getötet zu haben, weswegen ihm mit dem Tode gedroht worden sei. Nachdem er im (…) 2010 von seinem zweiten Einsatz zurück- gekehrt sei, hätten die Bedrohungen wieder eingesetzt. Zudem sei er drei- mal von unbekannten Personen tätlich angegriffen worden. Die Gruppe habe überdies auch seine Geschäftskunden bedroht. Die Beschwerdefüh- renden hätten die Drohungen wie auch die Angriffe nicht bei der Polizei gemeldet, da sie von den Anrufern davor gewarnt worden seien. Der Be- schwerdeführer habe aber seinem militärischen Vorgesetzten davon be- richtet, sei aber nicht ernst genommen worden. Im August 2015 sei der Beschwerdeführer nach F._______ geflohen. Auch dort habe er Drohan- rufe erhalten und man habe ihn aufgefordert, seine Familie ausser Landes zu schaffen, da ansonsten die Kinder entführt würden. [Im] November 2015 sei er deshalb nach Mazedonien zurückgekehrt, um (…) das Land mit dem Flugzeug Richtung Schweiz zu verlassen. Bereits vor der Ausreise, aber – wie sie von ihren Angehörigen in der Heimat erfahren hätten – auch danach habe regelmässig ein Auto mit unbekannten Insassen vor dem H aus der Familie gestanden. Als die Beschwerdeführerin die Insassen einmal ange- sprochen habe, hätten diese sich nach dem Beschwerdeführer erkundigt und ihr gesagt, sie solle sich nicht weiter einmischen. C._______ (nachfol- gend: Tochter) sei aus Angst nicht mehr zur Schule gegangen. Aufgrund der Angstzustände sei die Tochter sogar in psychiatrischer Behandlung ge- wesen. Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden mazedonische Reise- pässe sowie drei militärische Bestätigungen ein. 6.2 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden nicht glaubhaft seien. Der Beschwerdeführer habe angegeben, seit knapp acht Jahren bedroht zu werden, ohne über die da- hinterstehende Gruppierung konkrete Angaben machen zu können. So sei er lediglich in der Lage gewesen zu mutmassen, dass es sich wohl um eine terroristische Gruppe handle, ohne jedoch deren Namen oder Ziele nennen zu können. Angesichts jahrelanger Drohungen wären zumindest rudimen- täre Kenntnisse zu erwarten. Die Angabe, jeden zweit en oder dritten Tag, D-15/2016 Seite 6 manchmal einmal pro Woche telefonisch mit dem Tode bedroht worden zu sein, sei realitätsfremd, da nicht nachvollziehbar sei, wieso er über Jahre hinweg mit leeren Drohungen behelligt worden sei, ohne dass die Gruppie- rung je Anstalten getroffen hätte, die Drohungen umzusetzen. Es sei auch nicht erkennbar, was die Täter mit ihren jahr elangen Bedrohungen be- zweckt hätten. Dass der Leutnant des Beschwerdeführers die Drohungen nicht ernstgenommen habe, sei ebenso wenig überzeugend, wie der Um- stand, dass er die Untätigkeit des Vorgesetzten tatenlos hingenommen habe und ein zweites Mal nach Afghanistan gegangen sei, ohne vorgän- gige Massnahmen zum Schutz seiner Familie zu treffen. Er habe auch nicht nachvollziehbar zu begründen vermocht, wieso er nie Anzeige erstat- tet habe. Ferner habe er angegeben, nicht zu wissen, ob andere (…) Sol- daten seiner Kaserne, welche ebenfalls in Kabul stationiert gewesen seien, auch bedroht worden seien, da er sicherheitshalber mit niemandem dar- über gesprochen habe. Ei n solches Verhalten sei jedoch unverständlich. Die Aussagen zu den drei tätlichen Angriffen seien trotz Aufforderung zu einer möglichst detaillierten Schilderung deckungsgleich, substanzarm und ohne jeglichen persönlichen Bezug ausgefallen und über die Ang reifer habe er keine Angaben machen können, mit der unplausiblen Begründung, es sei jeweils dunkel gewesen. Darüber hinaus sei der letzte Angriff, wel- cher schliesslich Auslöser für die Flucht nach F._______ gewesen sei, wi- dersprüchlich geschildert worden, indem er diesen einmal im Dezember 2014 und einmal im Juli 2015 verortet habe . Schliesslich habe sich auch die Beschwerdeführerin widersprüchlich zum letzten Angriff geäussert. 6.3 Die Beschwerdeführenden wendeten gegen diese Argumentation in der Beschwerde ein, dass es sich bei der terroristischen Gruppierung um die mazedonische Ushtria Çlirimtare Kombëtare (UÇK) handle. Diese ur- sprünglich albanische Organisation habe sich zum Ziel gesetzt, gegen die Unterdrückung ihrer Landsleute vorzugehen und die Christen a us Maze- donien zu vertreiben, um ein einheitliches islamisches Grossalbanien zu schaffen. Sie hätten Verbindungen zur Armee und zur Polizei, wodurch sie Zugang zu persönlichen Daten der Bürger hätten. Aufgrund dieser Verbin- dungen hätten die Beschwerdeführenden es auch unterlassen, zur Polizei zu gehen. In der angefochtenen Verfügung werde nicht darauf eingegan- gen, dass sie in einer albanisch dominierten Gegend leben würden. Die dortigen Behörden hätten gute Verbindungen zur UÇK, so dass sie nicht auf deren Hilfe zählen könnten, sondern sich im Falle einer Anzeige viel- mehr noch grösserer Gefahr aussetzten würden. Der Umstand, dass der Vorgesetzte des Beschwerdeführers nicht weiter auf seine Meldung einge- gangen sei, liesse sich dadurch erklären, dass Kommandanten viel zu tun D-15/2016 Seite 7 hätten und sich daher nicht um die Belange ihrer Untergebenen kümmern könnten. Zudem habe die persönliche Unzufriedenheit dazu beigetragen, dass jener nicht geholfen habe. 7. Das SEM hat die Asylgesuche der Beschwerdeführenden zu Recht abge- lehnt, wobei im Wesentlichen auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen werden kann. So sind insbesondere die Schilderungen der Drohungen oberflächlich erfolgt. Gleich verhält es sich mit den tätlichen Angriffen, zu- mal auch die diesbezüglichen Schilderungen keine Realkennzeichen ent- halten. Nicht überzeugend ist in diesem Zusammenhang auch die Erklä- rung, die Angreifer nicht beschreiben zu können, da es jeweils dunkel ge- wesen sei, insbesondere im Lichte der Aussage, beim zweiten Vorfall seien die Täter im Zentrum der Stadt zu ihm gestossen, hätten ihn begleitet und plötzlich angefangen, ihn zu schlagen (vgl. act. A10 F91). Das SEM wies überdies zu Recht auf die Widersprüchlichkeiten in den Aussagen hinsicht- lich des dritten Angriffs hin. Zusätzlich zu den Argumenten der Vorinstanz kann auch auf die Antworten der Beschwerdeführerin zu diesem Sachver- haltskomplex hingewiesen werden, welche den Eindruck eines Zurechtrü- ckens des Sachverhalts vermitteln (vgl. act. A11 F26 bis F30). Hinsichtlich des Autos, welches jeweils vor dem Haus der Beschwerdeführenden ge- standen habe, ist noch auf die unstimmigen Aussagen hinzuweisen, ob die Beschwerdeführerin mit den Insassen gesprochen habe (vgl. ebd. F20 und F40). Schliesslich ist es unerheblich, dass die Beschwerdeführenden in der Beschwerde nunmehr detailliertere Angaben über die Urheber der Drohun- gen machten und Gründe für die nicht erfolgte Anzeige nannten, zumal nicht nachvollzogen werden kann, wieso diese An gaben nicht bereits bei der Vorinstanz ins Verfahren hätte eingebracht werden können. Schliess- lich ist auch darauf hinzuweisen, dass diese nachträglich vorgetragene Be- hauptung, bei den Urhebern der Drohungen handle es sich um die U ÇK, die Vorbringen vollends unglaubhaft erscheinen lassen, ist doch in keiner Weise plausibel, inwiefern die U ÇK, welche mit dem Afghanistan-Konflikt nichts zu tun hat, ein Interesse an Vergeltung an ehemaligen Soldaten der ISAF-Truppen haben sollte. Die Vorbringen der Beschwerdef ührenden sind daher als unglaubhaft zu erachten, so dass die Flüchtlingseigenschaft zu verneinen ist und die Asyl- gesuche abzulehnen sind. D-15/2016 Seite 8 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. D-15/2016 Seite 9 9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen s chützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be - schwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht- mässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.5 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass weder all- gemeine noch individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs sprächen. Die Beschwerdeführenden würden ein eigenes Haus besitzen, in welchem sie bis zur Ausreise gelebt hätten. Darüber hinaus würden sie über ein soziales Beziehungsnetz verfügen. Zudem sei dem Beschwerde- führer die Wiederaufnahme seiner Erwerbstätigkeit zumutbar. Die geltend gemachten Angstzustände der Tochter könnten aufgrund der Unglaubhaf- tigkeit der Fluchtgeschichte nicht in der vorgebrachten Verfolgung gründen. Eine allenfalls nötige medizinische Behandlung der Tochter aufgrund ihrer Angstzustände sei auch im Heimatstaat gewährleistet. 9.6 Diese Ausführungen des SEM sind zu bestätigen. Der Einwand der Be- schwerdeführenden, das Geschäft des Beschwerdeführers sei aufgrund der Drohungen gegenüber seinen Kunden sowie des Umstands, dass er ins Ausland geflohen sei, praktisch wertlos geworden, so dass sie keine wirtschaftliche Lebensgrundlage mehr hätten, überzeugt nicht, zumal die D-15/2016 Seite 10 Drohungen gegenüber den Kunden des Beschwerdeführers als nicht glaubhaft zu erachten sind. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.7 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän- digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not wendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Aufgrund der obigen Erwägungen ist die Beschwerde als aussichtslos zu bezeichnen, so dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung abzuweisen ist. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Be - schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge- samt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vo m 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-15/2016 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Der Antrag, die zuständige Behörde sei vorsorglich anzuweisen, die Kon- taktaufnahme und den Datenaustausch mit dem Heimat - oder Herkunfts- staat zu unterlassen, wird abgewiesen. 2. Die Beschwerde wird abgewiesen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt- lichen Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 110a AsylG wird abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger Versand: