B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2764/2012/was U r t e i l v o m 1 0 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter Robert Galliker; Gerichtsschreiberin Corinne Krüger. Parteien A._______, geboren (…), alias B._______, geboren 31. Mai 1969, Sierra Leone, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. April 2012 / (…). D-2764/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein sierra-leonischer Staatsangehöriger mit let z- tem Wohnsitz in C._______ (Guinea), reiste eigenen Angaben zufolge Mitte Mai 2010 von Guinea über Senegal und die Türkei nach Griechen- land. Am 23. Juli 2011 reiste er via Italien illegal in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nach suchte. Am 5. August 2011 wurde der B e- schwerdeführer im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ zu seinen Personalien und summarisch zu seinen Ausreisegründen sowie zu seinem Reiseweg befr agt. Am 16. April 2012 hörte ihn das BFM ei n- lässlich zu seinen Asylgründen an. B. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer gel- tend, er stamme aus E._______. Im Zuge des Bürgerkriegs hätten die Rebellen am 6. Januar 1999 E._______ eingenommen. In der Nacht sei ihr Haus von einer Bombe getroffen und zerstört worden. Seine Familie und er – damals 12 Jahre alt – seien sofort geflüchtet. Am Hafen sei er zusammen mit anderen Leuten auf ein Fischerboot gestiegen und so nach Guinea gelangt. Auf d er Flucht sei er von seinen Eltern getrennt worden. In Guinea habe er zuerst ein Jahr lang in der Botschaft (in der Halle) gelebt. Dann habe er einen alten Mann getroffen, d er ihn in sein Haus nach F._______ mitgenommen habe, wo er etwa zehn Jahre geblieben sei. Weil der Mann aus geschäftlichen Gründen zwischen Gui- nea und Sier ra Leone gependelt sei, habe er ihn gebeten, seine Familie in Sierra Leone zu suchen. Er habe sie aber nicht ausfindig machen kö n- nen. Der Beschwerdeführer gab weiter an, in Guinea während sieben bis acht Jahren eine Erwachsenenschule besucht und eine Ausbild ung als Elektriker gemacht zu haben. Als sein "Familienfreund" beschlossen h a- be, nach Amerika zu reisen, wäre er allein und ohne Zuhause in Guinea zurückgeblieben. Der Mann habe deshalb in Sierra Leone einen Pass für ihn besorgt. Dann sei er Mitte Mai 2010 via Senegal und die Türkei nach Griechenland gereist. Dort habe er allerdings keine guten Lebe nsbedin- gungen gehabt und Magenprobleme bekommen. Deshalb habe er b e- schlossen, Griechenland wieder zu verlassen und nach Schweden zu g e- hen. C. Mit Verfügung vom 17. April 2012 stellte das BFM fest, der Beschwerde- führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch D-2764/2012 Seite 3 ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Als Begrü n- dung für die Nichtzuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Ablehnung des Asylgesuchs führte das BFM zusamme nfassend aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anfor derungen an die Flüchtlingsei- genschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand. Den Vollzug der Wegweisung erachtete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. D. Mit Eingabe vom 21. Mai 2012 liess der Beschwerdeführe r durch seinen Rechtsvertreter gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, die Punkte 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung der Vorinstanz seien aufzuheben und wegen Unzumutba r- keit des Wegweisungsvollzugs sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er beantragen, es sei ihm die u n- entgeltliche Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Ko s- tenvorschusses zu verzichten. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer einen ärztlichen Bericht vom 15. Mai 2012 ein. E. Mit Zwischenverfügung vom 24. Mai 2012 bestätigte der Instruktionsric h- ter das dem Beschwerdeführer von Gesetzes wegen zustehende Recht auf Aufenthalt in der Schweiz bis zum Abschluss des Verfahrens. Gle ich- zeitig wies er das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Recht s- pflege nach summarischer Prüfung der Prozesschancen aufgrund der Aussichtslosigkeit der Beschwerdebegehren ab und forderte den Be- schwerdeführer auf, bis am 8. Juni 2012 einen Kostenvorschusses in Hö- he von Fr. 600.- zu bezahlen. F. Der Kostenvorschuss wurde am 7. Juni 2012 fristgerecht geleistet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e-D-2764/2012 Seite 4 hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nic hts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimi ert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli- cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehung s- weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG) . Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, wes- halb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch- führung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Die Verfügung des BFM vom 17. April 2012 ist, soweit sie die Frage der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung betrifft (Ziff. 1 und 2 des D-2764/2012 Seite 5 Dispositivs der angefochtenen Verfügung), in Rechtskraft erwachsen und auch die Anordnung der Wegweisung als solche (Ziff. 3 des Dispositivs) ist nicht mehr zu prüfen. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit ausschliesslich die Prüfung der Frage, ob das Bundesamt den Vol l- zug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erk lärt hat. 5. 5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 A bs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu bew eisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 5.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solche s Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, D-2764/2012 Seite 6 SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da e s dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefäh r- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rü ckkehr des Beschwerdeführers nach Sierra Leone ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmä s- sig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Sierra Leone dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtsho- fes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN-Anti-Folteraus- schusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschi e- bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Be- schwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Sierra Leone lässt den Wegwe i- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 5.4.1 Das BFM führte in seiner Verfügung vom 17. April 2012 aus, dass im Lichte der positiven Lageentwicklung in Sierra Leone – eine ausführli- chere Lageanalyse hatte es bei der Prüfung der Asylvorbringen gemacht – nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder kriegerischer Erei g- nisse gesprochen werden könne, welche den Beschwerdeführer bei einer D-2764/2012 Seite 7 Rückkehr konkret im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG gefährden würden. Zudem ergäben sich aus den Akten auch kein e individuellen Gründe, die gegen eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seine Heimat sprächen. Er habe jahrelang als Techniker in Guinea gearbeitet, weshalb es ihm zumutbar und möglich sei, in seinem Heimatland eine neue wirtschaftl i- che Existenz aufzubauen, auch ohne dass er noch auf Familienmitglieder zurückgreifen könne. Somit sei der Wegweisungsvollzug als zumutbar zu erachten. 5.4.2 5.4.2.1 In der Beschwerde vom 21. Mai 2012 brachte der Rechtsvertreter vor, der Beschwerdeführer leide seit September 2011 an Magenprobl e- men, weshalb er verschiedene Medikamente einnehmen müsse. In Sierra Leone sei die medizinische Versorgung verheerend schlecht. Diesbezü g- lich könne auf einen Bericht des UNHCR vom 12. Februar 2010 verwi e- sen werden. Demnach seien Medikamente nur sehr schwer erhältlich, wenn überhaupt v orhanden. Bei Verschlimmerung der Magenschmerzen könnte möglicherweise eine Operation nötig werden. Aufgrund der unz u- reichenden Medikamentenversorgung in Sierra Leone bestehe eine gro s- se Gefahr, dass sich eine solche Operation in Zukunft aufdrängen werde. Der Beschwerdeführer verfüge in seinem Heimatstaat aber über kein s o- ziales Netz, auf welches er bei einer allfälligen Pflegeabhängigkeit z u- rückgreifen könnte. Auch wenn die Medikamente in seinem Fall vorha n- den wären, Verwandte oder Bekannte für die nachträ gliche Pflege habe er nicht. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer ei- nen ärztlichen Bericht von Dr. med. U.V. vom 15. Mai 2012 zu den Akten. 5.4.2.2 Darüber hinaus wiederholte der Rechtsvertreter in der Beschwe r- de die Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er 1999 als Zwölfjäh- riger alleine nach C._______ geflüchtet sei, wo er bis 2010 gelebt habe. Seit er zwölf Jahre alt sei, habe er keinen Kontakt mehr zu seiner Familie in Sierra Leone. Seit seiner Kindheit sei er weder mit den Sitten noch mit den Bräuchen seines Landes vertraut. Bei einer allfälligen Rückführung nach Sierra Leone wäre er dort völlig auf sich alleine gestellt. Er könnte auf kein tragfähiges soziales Umfeld zurückgreifen. Gerade bei der Suche nach einer Arbeitsstelle oder ein er Wohnmöglichkeit sei ein solches j e- doch von fundamentaler Bedeutung. Bei einer Rückführung wäre zu b e- fürchten, dass der Beschwerdeführer durch alle Maschen fiele. Der Vol l- zug der Wegweisung nach Sierra Leone sei demnach unzumutbar und dem Beschwerdeführer sei die vorläufige Aufnahme zu gewähren. D-2764/2012 Seite 8 5.4.3 5.4.3.1 In Bezug auf die gegenwärtige allgemeine Menschenrechtslage in Sierra Leone ist festzuhalten, dass sich seit Ende der Bürgerkrieges im Jahre 2002 die politische Lage deutlich stabilisiert hat und hinsichtlich der allgemeinen Sicherheits- und Menschenrechtslage eine stetige Verbesse- rung festzustellen ist. Das Land erholt sich von den Kriegswirren und ist, unter Mithilfe von ausländischen Regierungen und internationalen Org a- nisationen daran, seine Infrastruktur wied er auf- und auszubauen. Insge- samt ist festzustellen, dass in Sierra Leone keine Kriegs - oder Bürge r- kriegssituation und auch keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht. Die derzeitige allgemeine Situation in der Heimat des Beschwerdeführers spricht demnach nicht gegen die Zumutbarkeit eines Wegweisungsvoll- zugs. 5.4.3.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts erweist sich eine Rückkehr nach Sierra Leone in individueller Hinsicht als z umutbar, wenn es sich um allein stehende Männer in jungem und mittleren Alter ha ndelt und um Familien ohne kleine Kinder. Für kranke Personen ist die Rüc k- kehr nur dann zumutbar, wenn die notwendige medizinische Versorgung in Sierra Leone grundsätzlich verfügbar ist und individuelle begünstige n- de Umstände vorliegen, welche der betroffe nen Person den Zugang zu dieser Versorgung effektiv ermöglichen (vgl. EMARK 2006/16). 5.4.3.3 Der 25-jährige Beschwerdeführer stammt eigenen Angaben zufol- ge aus E._______. Er lebte dort zusammen mit seinen Eltern, zwe i Brü- dern und zwei Schwestern. Ausserdem erklär te er zu glauben , dass in E._______ eine Tante von ihm lebe (vgl. A6/10, S. 3). Der Beschwerde- führer gab jedoch an, 1999 durch die Flucht nach Guinea den Kontakt zu seinen Eltern und Geschwistern verloren zu haben. Auch wenn die Situa- tion nicht einfach ist, erweist sich eine Rückkehr in seine Heimat trotz feh- lendem Beziehungsnetz nicht als unzumutbar, zumal es nicht ausg e- schlossen ist, dass es dem Beschwerdeführer vor Ort gelingen kann, den Kontakt zu seinen Verwandten wieder herzustellen. Ausserdem arbe itete er in Guinea mehrere Jahre lang als Elektriker. Es ist davon auszugehen, dass er deshalb in Sierra Leone auch wieder einem Erwerbsleben nac h- gehen und sich so eine wirtschaftliche Existenz aufbauen kann. 5.4.3.4 Gründe ausschliesslich medizinischer Natur lass en den Wegwe i- sungsvollzug im Allgemeinen nicht als unzumutbar erscheinen, es sei denn, die erforderliche Behandlung sei wesentlich und im Heimatland nicht erhältlich (vgl. BVGE 2009/2 E.9.3.2, EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b D-2764/2012 Seite 9 S. 157 f.). Entsprechen die Behandlungs möglichkeiten im Herkunftsland nicht dem medizinischen Standard in der Schweiz, so bewirkt dies allein noch nicht die Unzumutbarkeit des Vollzugs. Von einer solchen Unzumut- barkeit ist erst dann auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit der Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedrohende Verschlecht e- rung des Gesundheitszustandes nach sich zieht (vgl. EMARK 2004 Nr. 7 E. 5d S. 50 ff., 2003 Nr. 24 E. 5b S. 157 f.). Vorliegend sind, entgegen der auf Beschwerdeebene vorgebrachten Ansicht, unter diesen R ahmenbe- dingungen den Akten keine stichhaltigen Anhaltspunkte für das Vorliegen einer medizinischen Notlage im Heimatstaat im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu entnehmen. 5.4.3.5 Gemäss ärztlichem Bericht von Dr. med. U.V. vom 15. Mai 2012 leidet der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seit etwa August 2010 un ter Magenproblemen . Die se zeigten sich mit brennenden Schmerzen im rechten Mittelbauch, vor allem mit Nüchternschmerz oder Schmerzen nach Genuss von Fruchtsäften, Coca Cola, salzigen ode r fet- ten Speisen. Erbrechen oder Durchfälle bestünden keine. Ausser einem vorübergehend leicht erhöhten Calprotactinwert seien sämtliche Untersu- chungen normal ausgefallen (Blutwerte mit normalen Entzündungspar a- metern, Blutbild, Nierenfunktion, Leber - und B auchspeicheldrüsentests, Urinbefund, kein Nachweis von Stuhlparasiten, Magenspiegelung, Dic k- darmspiegelung, Computertomographie des Abdomens mit unauffälligen Befunden). Der Beschwerdeführer sei in einem guten Allgemein - und Er- nährungszustand. Die behandelnde Ärztin diagnostizierte unklare recht s- seitige Bauchschmerzen, schloss aber eine Meckel-Divertikel-Erkrankung nicht aus. Dabei handle es sich um eine Ausstülpung des Dünndarms, die Magenschleimhaut enthalten und sich entzünden könne. Bei Behandlung mit m agensäureblockierenden Medikamenten (Antazida und Protone n- pumpenhemmer) besserten die Bauchschmerzen, gelegentlich n ehme der Beschwerdeführer auch Paracetamol gegen die Schmerzen ein. Wei- ter wurde im Arztbericht erwähnt, dass sich eine Meckel -Divertikel gele- gentlich wie eine Blinddarmentzündung entzünden könne, was dann eine Operation nötig mache . Eine erneute Kontrolle des Beschwerdeführers sei nicht vorgesehen. 5.4.3.6 Die medizinische Versorgungslage in Sierra Leone hat sich in den letzten Jahren verbessert. Die Bemühungen der sierra-leonischen Regie- rung, von UNICEF und Nichtregierungsorganisationen, die Infrastruktur für die medizinische Erst - und Grundversorgung wieder aufzubauen, ze i- tigen Erfolge. Medizinisches Wissen konzentriert sich jedoch stark auf die D-2764/2012 Seite 10 Städte. Nach den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts besteht in der Hauptstadt Freetown eine nennenswerte medizinische Infrastruk- tur; so existieren dort mehrere private Spitäler und private Arztpraxen, welche Patienten, die über genügend finanziell e Mittel verfügen, behan- deln. Gemäss Arztbericht leidet der Beschwerdeführer nicht an einer le- bensbedrohlichen Erkrankung. Durch Einnahme von magensäureblocki e- renden Medikamenten und Paracetamol verspricht die behandelnde Är z- tin auch in Zukunft Schmerzfreiheit. Die medizinische Versorgung in Sier- ra Leone ist zwar problematisch und mit der in Europa nicht zu vergle i- chen. Bei den vom Beschwerdeführer benötigten Medikamenten (Antaz i- da, Protonenpumpenhemmer und Paracetamol) handelt es sich jedoch um rezeptfreie Grundarztneimittel, die auch in Sierra Leone – und insbe- sondere in Freetown – erhältlich sind. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Beschwerdeführer irgendwann eine Operati on benötigen könnte , momentan besteht diesbezüglich aber keine Indikation. Für die Finanzie- rung seiner Behandlung ist darauf hinzuweisen, dass aufgrund der med i- zinischen Beurteilung des Gesundheitszustandes und der dadurch nicht beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit davon ausgegangen werden kann, er könne bei einer Rückkehr auch in Berücksi chtigung der zweifellos schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Situation eine Erwerbstätigkeit aufnehmen und in Verbindung mit der Möglichkeit des Erhalts einer medi- zinischen Rückkehrhilfe aus der Schweiz die Kosten für seine Behan d- lung selber übernehmen. So ist vorliegend nicht ersichtlich, inwiefern es dem Beschwerdeführer nicht möglich sein sollte, während der Dauer der Ausrichtung der medizinischen Rückkehrhilfe (gemäss Art. 75 der Asyl- verordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfrage n [AsylV 2, SR 142.312] ist die medizinische Rückkehrhilfe auf sechs Monate befris- tet) entsprechende Kontakte zu knüpfen und sich ein soziales und wirt- schaftliches Netz aufzubauen, um seine medizinische Versorgung auch nach Ablauf der Beitragszahlungen dur ch die schweizerischen Behörden weiter sicherzustellen. 5.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung s o- mit insgesamt als zumutbar. 5.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). D-2764/2012 Seite 11 5.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (A rt. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600. - dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und mit dem am 7. Juni 2012 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen (Art. 1 – 3 des Reglements vo m 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-2764/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt und mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrec h- net. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Corinne Krüger Versand: