<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 30 S.95</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Opferhilfegesetz</span> <span class="page_no">95</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VII. Opferhilfegesetz</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>30</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 8 Abs. 2 OHG , Information des Opfers durch die Behörden.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Die Zivilkläger, welche zugleich Opfer im Sinne des Opferhilfegesetzes</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sind, sind im Gerichtsverfahren darauf hinzuweisen, dass die Anfech-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>tung des Strafurteils die Geltendmachung von Zivilansprüchen vor-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>aussetzt.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Wenn die Zivilkläger die Verweisung der Zivilansprüche auf den Zi-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>vilweg verlangen, geben sie ihre Parteistellung im hängigen Strafver-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>fahren auf. Allein weil das Verschulden im Strafverfahren erst festge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>stellt werden muss, kann nicht davon gesprochen werden, dass die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Stellung von Genugtuungsansprüchen im Voraus unzumutbar ist.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Das Bundesrecht sieht keine ausdrückliche Sanktion für die Verlet-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zung der Informationspflicht durch die Behörden vor. Die fehlende</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Rechtsmittelbelehrung zeitigt nur dann Rechtsfolgen, wenn die Partei</b></span><br/> <span class="ft3"><b>auch bei gebührender Aufmerksamkeit die Anfechtungsmöglichkeit</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nicht richtig erkennen konnte. Von einem Anwalt wird bei einer un-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>richtigen Rechtsmittelbelehrung nur die Konsultation des Gesetzes-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>textes, nicht jedoch der Rechtsprechung und Literatur verlangt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Obergerichts, 2. Strafkammer, vom 26. Oktober 2001 i.S.</span><br/> <span class="ft4">M.K.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. Die Zivilkläger machen mit ihrer Berufung geltend, die Auf-</span><br/> <span class="ft6">fassung der Vorinstanz, ohne adhäsionsweise Stellung einer Zivilfor-</span><br/> <span class="ft6">derung seien sie nicht Partei und damit nicht zur Stellung des Begeh-</span><br/> <span class="ft6">rens um Motivierung des gefällten Urteils berechtigt, hätte in einer</span><br/> <span class="ft6">Rechtsbelehrung formuliert werden müssen.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss Art. 8 Abs. 2 1. Satz OHG informieren die Behörden</span><br/> <span class="ft6">das Opfer in allen Verfahrensabschnitten über seine Rechte. Mit die-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">96</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">ser Bestimmung wird die Vermutung der Kenntnis des Gesetzes um-</span><br/> <span class="ft6">gestossen (BGE 123 II 244 = Pra 86 Nr. 148). Die Pflicht der Behör-</span><br/> <span class="ft6">de zur Information besteht von Amtes wegen und setzt keinen Antrag</span><br/> <span class="ft6">des Opfers voraus. Zur Information verpflichtet sind alle mit der</span><br/> <span class="ft6">Strafverfolgung befassten Behörden, d.h. die Polizei-, Untersu-</span><br/> <span class="ft6">chungs- und Gerichtsbehörden (Eva Weishaupt, Die verfahrensrecht-</span><br/> <span class="ft6">lichen Bestimmungen des Opferhilfegesetzes, Zürich 1998, S. 69).</span><br/> <span class="ft6">Sie haben das Opfer auch auf seine Rechte gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. a</span><br/> <span class="ft6">bis c OHG sowie die Voraussetzungen zu deren Wahrung hinzuwei-</span><br/> <span class="ft6">sen und es somit u.a. darüber zu informieren, dass das Recht zur</span><br/> <span class="ft6">Anfechtung eines Gerichtsentscheides gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. c</span><br/> <span class="ft6">OHG grundsätzlich - nämlich soweit zumutbar - die adhäsionsweise</span><br/> <span class="ft6">Geltendmachung der Zivilansprüche voraussetzt (BGE 120 IV 54;</span><br/> <span class="ft6">120 Ia 106; Pra 84 Nr. 131, S. 422; Weishaupt a.a.O., S. 70).</span><br/> <span class="ft6">Den Zivilklägern wurde im Ermittlungsverfahren vom so ge-</span><br/> <span class="ft6">nannten "Opferhilfe Informationsblatt" Kenntnis gegeben, welches</span><br/> <span class="ft6">keine Angaben über die Geltendmachung der Zivilansprüche enthält.</span><br/> <span class="ft6">Im Gerichtsverfahren wurden sie einzig darauf hingewiesen, das sie</span><br/> <span class="ft6">allfällige Ansprüche vor oder in der Verhandlung geltend machen</span><br/> <span class="ft6">könnten und die dafür nötigen Beweismittel vorzulegen hätten. Eine</span><br/> <span class="ft6">ausreichende Information über die Rechte gemäss Art. 8 Abs. 1 OHG</span><br/> <span class="ft6">erfolgte somit nicht. Insbesondere wurden sie nicht darauf hingewie-</span><br/> <span class="ft6">sen, dass die Anfechtung des Strafurteils die Geltendmachung der</span><br/> <span class="ft6">Zivilansprüche voraussetzt. Die sinngemäss behauptete Verletzung</span><br/> <span class="ft6">der behördlichen Informationspflicht liegt demnach vor.</span><br/> <span class="ft6">2. Die Opfer bringen im Weiteren vor, auch ohne Erhebung von</span><br/> <span class="ft6">Zivilansprüchen stehe ihnen aufgrund des Opferhilfegesetzes das</span><br/> <span class="ft6">Recht zur Anfechtung des vorinstanzlichen Urteils zu, da sich dieses</span><br/> <span class="ft6">auf die Beurteilung ihrer Ansprüche auswirken könne.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss Art. 8 Abs. 1 OHG kann sich das Opfer am Strafver-</span><br/> <span class="ft6">fahren beteiligen. Es kann insbesondere seine Zivilansprüche geltend</span><br/> <span class="ft6">machen (lit. a), den Entscheid eines Gerichts verlangen, wenn das</span><br/> <span class="ft6">Verfahren nicht eingeleitet oder wenn es eingestellt wurde (lit. b),</span><br/> <span class="ft6">und den Gerichtsentscheid mit den gleichen Rechtsmitteln anfechten</span><br/> <span class="ft6">wie der Beschuldigte, wenn es sich bereits vorher am Verfahren be-</span><br/> <span class="ft6">teiligt hat und soweit der Entscheid seine Zivilansprüche betrifft oder</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Opferhilfegesetz</span> <span class="page_no">97</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">sich auf deren Beurteilung auswirken kann (lit. c). Gegen das Straf-</span><br/> <span class="ft6">urteil, durch das der Angeschuldigte beispielsweise freigesprochen</span><br/> <span class="ft6">wird, kann das Opfer Rechtsmittel im Strafpunkt also nur dann erhe-</span><br/> <span class="ft6">ben, wenn es, soweit zumutbar, seine Zivilansprüche aus strafbarer</span><br/> <span class="ft6">Handlung im Strafverfahren geltend gemacht hat. Das Strafverfahren</span><br/> <span class="ft6">darf nicht nur ein Vehikel zur Durchsetzung von Zivilforderungen in</span><br/> <span class="ft6">einem Zivilprozess sein, den das Opfer erst nach Abschluss des</span><br/> <span class="ft6">Strafprozesses, je nach dessen Ausgang anzustrengen gedenkt. Das</span><br/> <span class="ft6">Opfer soll nach der Konzeption des Opferhilfegesetzes nicht sozusa-</span><br/> <span class="ft6">gen mit Hilfe eines von ihm allenfalls erst im Rechtsmittelverfahren</span><br/> <span class="ft6">erstrittenen günstigen Strafurteils erstmals in einem gesonderten</span><br/> <span class="ft6">Zivilprozess Zivilansprüche einbringen, sondern es soll, soweit zu-</span><br/> <span class="ft6">mutbar, seine Zivilansprüche aus strafbarer Handlung im Strafver-</span><br/> <span class="ft6">fahren geltend machen (BGE 120 IV 53 f.; Gomm/ Stein/Zehntner,</span><br/> <span class="ft6">Kommentar zum Operhilfegesetz, Bern 1995, N. 14 zu Art. 8).</span><br/> <span class="ft6">Die Zumutbarkeit der Geltendmachung von Zivilansprüchen im</span><br/> <span class="ft6">Strafprozess hängt von den Umständen des konkreten Falles ab.</span><br/> <span class="ft6">Steht beispielsweise während des Strafprozesses, und zwar auch</span><br/> <span class="ft6">noch im Hauptverfahren, noch nicht fest, ob infolge des Gegenstand</span><br/> <span class="ft6">des Verfahrens bildenden Verhaltens des Angeschuldigten überhaupt</span><br/> <span class="ft6">ein Schaden entstanden ist, oder lässt sich die Höhe des Schadens</span><br/> <span class="ft6">noch nicht zuverlässig abschätzen, kann die Legitimation des Opfers</span><br/> <span class="ft6">zur Ergreifung von Rechtsmitteln im Strafpunkt nicht davon abhän-</span><br/> <span class="ft6">gen, ob es im Strafverfahren adhäsionsweise Zivilansprüche geltend</span><br/> <span class="ft6">gemacht hat (BGE 120 IV 53 ff.; 120 Ia 106 f.; Gomm/Stein/ Zehnt-</span><br/> <span class="ft6">ner a.a.O.).</span><br/> <span class="ft6">Die Zivilkläger haben an der vorinstanzlichen Hauptverhand-</span><br/> <span class="ft6">lung die Verweisung der Zivilansprüche auf den Zivilweg beantragt.</span><br/> <span class="ft6">Sie verlangten folglich sinngemäss, dass sich das Bezirksgericht im</span><br/> <span class="ft6">Rahmen des Strafverfahrens mit ihren Ansprüchen nicht befassen</span><br/> <span class="ft6">sollte. Damit gaben sie ihre Parteistellung im hängigen Strafverfah-</span><br/> <span class="ft6">ren auf, setzt diese doch grundsätzlich voraus, dass die Geschädigten</span><br/> <span class="ft6">im Strafverfahren einen Zivilanspruch geltend machen (Beat Brühl-</span><br/> <span class="ft6">meier, Aargauische Strafprozessordnung, 2.A., Aarau 1980, Ziff. 3 zu</span><br/> <span class="ft6">§ 164 Abs. 4), es sei denn, die Stellung solcher Anträge wäre ihnen</span><br/> <span class="ft6">nicht zumutbar. Die Zivilkläger haben zwar sinngemäss behauptet,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">98</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">dies sei der Fall gewesen, weil ihre Genugtuungsansprüche ver-</span><br/> <span class="ft6">schuldensabhängig seien und das Verschulden im Strafverfahren erst</span><br/> <span class="ft6">festgestellt werden müsse. Dass das Verschulden des Angeklagten</span><br/> <span class="ft6">anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung noch ungeklärt war,</span><br/> <span class="ft6">stellt aber keine Besonderheit des vorliegenden Falles dar. Die Gel-</span><br/> <span class="ft6">tendmachung von Zivilansprüchen ist den Zivilklägern nicht erst</span><br/> <span class="ft6">dann zuzumuten, wenn sämtliche Voraussetzungen dieser Ansprüche</span><br/> <span class="ft6">gerichtlich festgestellt sind. Inwiefern ihnen im vorliegenden Fall die</span><br/> <span class="ft6">Stellung von Zivilansprüchen nicht hätte zugemutet werden können,</span><br/> <span class="ft6">ist deshalb nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="ft6">3. Es steht somit einerseits fest, dass sich die Zivilkläger nicht</span><br/> <span class="ft6">in der vom Gesetz geforderten Art und Weise am Strafverfahren</span><br/> <span class="ft6">beteiligt haben und sie damit an sich ihre Legitimation zur Anfech-</span><br/> <span class="ft6">tung des ergangenen Strafurteils verloren haben. Andererseits haben</span><br/> <span class="ft6">die Behörden ihre in Art. 8 Abs. 2 OHG statuierte Informations-</span><br/> <span class="ft6">pflicht dadurch verletzt, dass sie die Zivilkläger nur unzureichend</span><br/> <span class="ft6">über ihre Rechte informiert haben.</span><br/> <span class="ft6">Das Bundesrecht sieht keine ausdrücklichen Sanktionen für die</span><br/> <span class="ft6">Verletzung der Informationspflicht durch die Behörden vor (BGE</span><br/> <span class="ft6">123 II 244 = Pra 86 Nr. 148, S. 797; Corboz Les droits procéduraux</span><br/> <span class="ft6">découlant de la LAVI, in: SJ 1996, S. 84; Gérard Piquerez, La nou-</span><br/> <span class="ft6">velle loi sur l'aide au victimes d'infractions: quels effets sur la RC et</span><br/> <span class="ft6">la procédure pénale?, in: Revue Jurassienne de Jurisprudence 1996</span><br/> <span class="ft6">S. 31). Die Folgen hängen nach Meinung des Bundesgerichts von der</span><br/> <span class="ft6">Art des Rechts ab, über welches das Opfer nicht informiert wurde</span><br/> <span class="ft6">(BGE 122 IV 78). Nach Auffassung der Lehre kann dem Opfer im</span><br/> <span class="ft6">Falle mangelnder Information der Behörden die Befugnis zur An-</span><br/> <span class="ft6">fechtung des Gerichtsentscheides gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. a OHG</span><br/> <span class="ft6">nicht mit der Begründung abgesprochen werden, es habe die dafür</span><br/> <span class="ft6">erforderliche Geltendmachung der Zivilansprüche unterlassen. Sie</span><br/> <span class="ft6">betrachtet deshalb in solchen Fällen die Voraussetzung der vorgängi-</span><br/> <span class="ft6">gen Beteiligung ohne weiteres als entbehrlich (Gomm/Stein/Zehntner</span><br/> <span class="ft6">a.a.O., N. 21 zu Art. 8; Gilbert Kolly, Zu den Verfahrensrechten der</span><br/> <span class="ft6">Opfer von Straftaten [Art. 8 OHG] im freiburgischen Strafprozess,</span><br/> <span class="ft6">in: FZR/RFJ 1994 S. 48; Bernard Corboz a.a.O., S. 79, Weishaupt</span><br/> <span class="ft6">a.a.O., S. 78, 299 und 304 mit Hinweisen). Das Bundesgericht hat im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Opferhilfegesetz</span> <span class="page_no">99</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Falle einer fehlenden Information über die Frist zur Stellung eines</span><br/> <span class="ft6">Gesuchs um Entschädigung und Genugtuung nach Art. 16 Abs. 3</span><br/> <span class="ft6">OHG hingegen entschieden, es sei auf die im Bereich der Sozial-</span><br/> <span class="ft6">versicherung entwickelte Rechtsprechung abzustellen, gemäss wel-</span><br/> <span class="ft6">cher die Wiederherstellung von Verwirkungsfristen zugelassen</span><br/> <span class="ft6">werde, wenn der Gläubiger ohne Verschulden nicht in der Lage ge-</span><br/> <span class="ft6">wesen sei, rechtzeitig zu handeln (BGE 123 II 245 = Pra 86 Nr. 148,</span><br/> <span class="ft6">S. 798). Der Fall einer fehlenden Information über die Verfahrens-</span><br/> <span class="ft6">rechte des Opfers weist nun aber weniger Ähnlichkeiten mit demje-</span><br/> <span class="ft6">nigen der Wiederherstellung einer Verwirkungsfrist als mit dem einer</span><br/> <span class="ft6">fehlenden oder unrichtigen Rechtsmittelbelehrung auf. Allerdings</span><br/> <span class="ft6">stützt sich die dazu bestehende Praxis in beiden Fällen im Wesentli-</span><br/> <span class="ft6">chen auf den Grundsatz von Treu und Glauben, welcher den Bürger</span><br/> <span class="ft6">in seinem berechtigten Vertrauen auf behördliches Verhalten schützt</span><br/> <span class="ft6">(BGE 112 V 119 = Pra 76 Nr. 13, S. 36; Bühler/Edelmann/Killer,</span><br/> <span class="ft6">Kommentar zur aargauischen Zivilprozessordnung, 2.A.,</span><br/> <span class="ft6">Aarau/Frankfurt a.M./ Salzburg 1998, N. 6 zu</span> <span class="ft6">§ 279). Die fehlende</span><br/> <span class="ft6">Rechtsmittelbelehrung zeitigt dementsprechend nur dann Rechtsfol-</span><br/> <span class="ft6">gen, wenn die Partei auch bei gebührender Aufmerksamkeit die An-</span><br/> <span class="ft6">fechtungsmöglichkeit nicht (richtig) erkennen konnte. Von einem</span><br/> <span class="ft6">Anwalt wird wie bei einer unrichtigen Rechtsmittelbelehrung in die-</span><br/> <span class="ft6">sem Zusammenhang nur die Konsultation des Gesetzestextes, nicht</span><br/> <span class="ft6">jedoch der Rechtsprechung und Literatur verlangt werden können</span><br/> <span class="ft6">(vgl. Frank/Sträuli/Messmer, Kommentar zur zürcherischen Zivil-</span><br/> <span class="ft6">prozessordnung, 3.A., Zürich 1997, N. 20 f. zu GVG § 158). Das</span><br/> <span class="ft6">Bundesgericht hat selbst ausgeführt, dass sich aus Art. 8 Abs. 1 lit. c</span><br/> <span class="ft6">OHG nicht deutlich ergebe, dass das Opfer im Strafpunkt nur ein</span><br/> <span class="ft6">Rechtsmittel erheben kann, wenn es seine Zivilansprüche im Straf-</span><br/> <span class="ft6">verfahren geltend gemacht hat. Es hat diesen Schluss denn auch nur</span><br/> <span class="ft6">aus Sinn und Zweck von Art. 8 und 9 OHG gezogen, wie diese im</span><br/> <span class="ft6">Schlussbericht der Studienkommission und der bundesrätlichen Bot-</span><br/> <span class="ft6">schaft beschrieben werden (BGE 120 IV 53).</span><br/> <span class="ft6">Wie unter Ziffer 2 hievor festgestellt, haben die Zivilkläger trotz</span><br/> <span class="ft6">anwaltlicher Vertretung darauf verzichtet, die adhäsionsweise Beur-</span><br/> <span class="ft6">teilung ihrer Zivilansprüche zu verlangen. Da sie jedoch seitens des</span><br/> <span class="ft6">Bezirksgerichts nicht rechtzeitig darüber belehrt worden sind, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">100</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">ihre Parteistellung im weiteren Verfahren von der Geltendmachung</span><br/> <span class="ft6">solcher Ansprüche abhängt und dies auch nicht ohne weiteres dem</span><br/> <span class="ft6">Gesetzestext zu entnehmen ist, muss ihnen die Möglichkeit zur An-</span><br/> <span class="ft6">fechtung des ergangenen, freisprechenden Strafurteils eingeräumt</span><br/> <span class="ft6">werden. Gelegenheit zur nachträglichen Stellung von Zivilansprü-</span><br/> <span class="ft6">chen wird ihnen hingegen nicht zu geben sein. Eine Anfechtung des</span><br/> <span class="ft6">Strafurteils setzt voraus, dass das ergangene Urteil vorab begründet</span><br/> <span class="ft6">wird. Das Motivierungsbegehren der Zivilkläger ist demnach gutzu-</span><br/> <span class="ft6">heissen.</span><br/></div> </div> </body> </html>