B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-3609/2014 und B-4557/2014 U r t e i l v o m 2 . O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Stephan Breitenmoser (Vorsitz), Maria Amgwerd und Jean-Luc Baechler; Gerichtsschreiberin Katharina Walder Salamin. Parteien X._______ Beschwerdeführer, gegen Vollzugsstelle für den Zivildienst ZIVI, Regionalzentrum X._______, Vorinstanz. Gegenstand Ablehnung Dienstverschiebung und Ablehnung Einsatzvereinbarung. B-3609/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer wurde am 30. Januar 2001 zum Zivildienst zuge- lassen und zur Leistung von 430 Tagen Zivildienst verpflichtet. Bis heute leistete er 177 Diensttage. Ende 2014 wird er zufolge Erreichens der A l- tersgrenze mit 34 Jahren aus dem Zivildienst entlassen werden. A.a Am 21. November 2013 reichte der Beschwerdeführer der Vorinstanz eine Einsatzvereinbarung über einen Zivil diensteinsatz vom 2. Juni bis 31. Dezember 2014 von 213 Diensttagen beim Einsatzbetrieb Y ._______ ein. A.b Entsprechend dieser Einsatzvereinbarung wurde der Beschwerdefüh- rer am 17. Dezember 2013 von der Vorinstanz zu einem Zivildienstei n- satz vom 2. Juni bis 31. Dezember 2014 von voraussichtlich 213 Diens t- tagen (Restdiensttagen) beim Einsatzbetrieb Y ._______ aufgeboten. A.c Am 15. Mai 2014 teilte der Beschwerde führer der Vorinstanz mit, dass er den Zivildiensteinsatz gemäss Aufgebot vom 17. Dezember 2013 nicht leisten könne, da er seit 1. Februar 2014 als Assistent und seit 15. März 2014 als Fachkoordinator an der Universität A._______ ange- stellt sei und seine Absenz wegen des Zivildienstes für ihn und seinen Ar- beitgeber eine ausserordentliche Härte bedeuten würde. Er ersuch te da- her darum, seine restlichen Diensttage durch die Wehrpflichtersatzabga- be abzugelten. B. Die Vorinstanz nahm das Gesuch des Beschwerdeführers vom 15. Mai 2014 als Dienstverschiebungsgesuch entgegen und lehnte es m it Verfü- gung vom 5. Juni 2014 (Verfügung 1) ab. Zur Begründung führte sie aus, zwar würden im Falle des Beschwerdeführers Gründe für eine Dienstver- schiebung vorliegen, angesichts der hohen Anzahl Restdiensttage und des Ausscheidens des Beschwerdeführers aus dem Zivildienst Ende 2014 sei indessen nicht gewährleistet, dass dieser seine Dienstpflicht vor seiner Entlassung aus dem Zivildienst noch erfülle. Sei nicht gewährleis- tet, dass der Zivildienstpflichtige vor seiner Entlassung aus der Zivi l- dienstpflicht die gesamten, verbleibenden Diensttage noch leiste, müsse die Vollzugsstelle das Gesuch gestützt auf Art. 46 Abs. 4 Bst. c der Zivi l- dienstverordnung vom 11. September 1 996 (ZDV, SR 824.01) ablehnen, es sei denn, der Zivildienstpflicht ige schliesse mit der Vollzugsstelle eine Vereinbarung über die spätere Entlassung aus dem Zivildienst ab (Art. 15 B-3609/2014 Seite 3 Abs. 3 bis ZDV). Darum habe der Beschwerdeführer aber nie ersucht . Vom Geset z sei hingegen nicht vor gesehen, dass die Zivildienstpflicht durch die Bezahlung von Wehrpflichtersatzabgaben abgegolten werden könne. C. Gegen diese Verfügung 1 erhob der Beschwerdeführer am 26. Juni 2014 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht (Beschwerde 1; Geschäfts- Nr. B-3609/2014). Er beantragt, er wolle seine restlichen Diensttage im Rahmen des Wehrpflichtersatzabgabegesetzes kompensieren . Zur B e- gründung bringt er vor, im angefochtenen Entscheid werde weder auf die vorgebrachte Härte für die Arbeitgeberin noch auf seine persönliche Sit u- ation eingegangen. Er riskiere, durch den Zivildiensteinsatz seine Anstel- lungen zu verlieren. Dies bringe nicht nur den Verlust seiner Existen z- grundlage, sondern auch eine grosse Erschwernis für seine akademische Karriere mit sich. D. Mit Verfügung vom 1. Juli 2014 lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz zur Vernehmlassung und zum Einreichen der Vorakten bis 2. September 2014 ein. E. Mit Schreiben vom 1. Juli 2014 forderte die Vorinstanz den Beschwerd e- führer auf, bis am 21. Juli 2014 eine neue Einsatzvereinbarung einzure i- chen, da er d en Einsatz vom 2. Juni bis 31. Dezember 2014 trotz recht s- kräftigen Aufgebots nicht angetreten habe. Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer am 17. Juli 2014 nach und reichte der Vorinstanz eine Einsatzvereinbarung mit der Universität A._______ über ein Forschungs- projekt Z._______ ein. In der Einsatzvereinbarung vom 17. Juli 2014 bes- tätigte er durch Ankreuzen der entsprechenden Formularfelder , in de n letzten zwölf Monaten beim Einsatzbetrieb nicht gegen Entgelt tätig oder in Ausbildung gewesen zu sein. F. Am 23. Juli 2014 informierte die Vorinstanz den Beschwerdeführer telefo- nisch und am 24. Juli 2014 schriftlich darüber, dass die Einsatzvereinb a- rung abgelehnt werde, da der Beschwerdeführer seit 1. Februar 2014 als Assistent bzw. seit 15. März 2014 als Fachkoordinator an der Universität A._______ angestellt sei. Ein Einsatz in einer Institution, für welche der Zivildienstpflichtige bereits ausserhalb des Zivildiensts gegen Entgelt tätig B-3609/2014 Seite 4 ist, sei gemäss Art. 4 a des Zivildienstgesetzes vom 6. Oktober 1996 (ZDG, SR 824.0) nicht erlaubt. Mit Schreiben vom 28. Juli 2014 verlangte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz eine beschwerdefähige Verf ü- gung. G. Mit Verfügung vom 30. Juli 2014 (Verfügung 2) lehnte die Vorinstanz die Einsatzvereinbarung des Beschwerdeführers vom 17. Juli 2014 mit dem Einsatzbetrieb Universität A._______ ab und ersuchte den Beschwerd e- führer, ihr bis spätestens am 18. August 2014 eine neue gültige Einsatz- vereinbarung einzureichen. Des Weiteren wies sie ihn darauf hin, dass sie ein Aufgebot von Amtes wegen über die noch maximal mögliche Einsatzdauer im Jahr 2014 erstellen werde , falls er keine neue Einsat z- vereinbarung einreiche. H. Gegen die Verfügung 2 reicht e der Beschwerdeführer am 14. August 2014 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein (Beschwerde 2; Geschäfts-Nr. B -4557/2014). Er beantragt, seinen Einsatz gemäss der Einsatzvereinbarung vom 17. Juli 2014 leisten zu können, und mac ht zur Begründung geltend, dass es der gängigen Praxis entspreche, dass Uni- versitätsangehörige Zivildiensteinsätze in einer anderen Abteilung der Universität als in ihrem angestammten Tätigkeitsfeld leisten würden. I. Mit Verfügung vom 20. August 2014 lud da s Bundesverwaltungsgericht den Beschwerdeführer und die Vorinstanz zu einer Instruktions - und Ver- gleichsverhandlung in beiden Beschwerdeverfahren für den 16. Septem- ber 2014 ein. Gleichzeitig stellte es der Vorinstanz die Beschwerde 2 zur freiwilligen Vernehmlassung bis zum 2. September 2014 zu. J. Mit Vernehmlassung vom 2. September 2014 beantragte die Vorinstanz dem Bundesverwaltungsgericht die Abweisung beider Beschwerden. K. Am 3. September 2014 stellte das Bundesverwaltungsgericht dem B e- schwerdeführer die Vernehmlassung der Vorinstanz vom 2. September 2014 zur Kenntnis zu. L. Am 16. September 2014 fand am Bundesverwaltungsgericht in Anwesen-B-3609/2014 Seite 5 heit des Beschwerdeführers und der Vorinstanz, vertreten durch die Zent- ralstelle Thun, und unter der Leitung des Instruktionsrichters und der Mi t- wirkung einer Zweitrichterin eine Instruktions- und Vergleichsverhandlung statt. Das Bundesverwaltungsgericht ergänzte mittels Fragen an den B e- schwerdeführer und die Vorinstanz den Sachverhalt und unterbreitete ih- nen einen Vergleichsvorschlag. L.a Am 23. September 2014 unterzeichnete die Vorinstanz , vertreten durch die Zentralstelle Thun, den Vergleichsvorschlag des Bundesverwal- tungsgerichts vom 16. September 2014 und stellte den Vergleich dem Beschwerdeführer zur Unterzeichnung zu. Gleichentags stellte das Regi- onalzentrum X._______ dem Beschwerdefüh rer die Vereinbarung über die spätere Entlassung aus der Zivildienstpflicht zwecks Gegenzeichnung zu. L.b Am 24. September 2014 teilte der Beschwerdeführer dem Bunde s- verwaltungsgericht telefonisch mit, dass er seit dem 19. September 2014 wisse, dass er als Kandidat in einem Berufungsverfahren an eine deu t- sche Universität aufgeführt sei und er deshalb den Vergleichsvorschlag des Bundesverwaltungsgerichts und die Vereinbarung der Vorinstanz über seine spätere Entlassung aus der Zivildienstpflicht nur unter dem Vorbehalt unterzeichnen wolle, dass er nicht in der im Vergleich vorges e- henen Zeitdauer an eine ausländische Universität berufen werde. L.c Am 25. September 2014 teilte die V orinstanz, vertreten durch die Zentralstelle Thun, dem Bundesverwaltungsgericht telefonisch mit, dass sie dem Vergleichsvorschlag und der Vereinbarung über die spätere En t- lassung aus der Zivildienstpflicht unter diesem vom Beschwerdeführer in der Zwischenz eit angebrachten Vorbehalt nicht zustimme n könne bzw. wolle. L.d Am 26. September 2014 reichte der Beschwerdeführer dem Bunde s- verwaltungsgericht je ein kopiertes Exemplar sowohl des unterzeichneten Vergleichsvorschlags inkl. des Vorbehalts einer allfälligen Berufung an ei- ne ausländische Universität als auch der am 24. September 2014 unter dem gleichen Vorbehalt unterzeichnete n Vereinbarung über die spätere Entlassung aus der Zivildienst pflicht ein. In seinem Begleitschreiben bringt er vor, dass der Vergleich wegen seines Vorbehalts und der en t- sprechenden Weigerung der Vorinstanz, den Vergleich mit diesem Vorbe- halt zu unterzeichnen, nicht zustande gekommen sei . Er werde deshalb seinerseits auch die Einsatzvereinbarung mit d em Einsatzbetrieb B-3609/2014 Seite 6 Y ._______ über einen Zivildiensteinsatz vom 6. Okto ber 2014 bis zum 13. Februar 2015 nicht unterzeichnen. L.e Am 29. September 2014 stellte das Bundesverwaltungsgericht der Vorinstanz die Ausführungen des Beschwerdeführers vom 26. September 2014 zur Kenntnis und allfälligen Stellungnahme zu. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gegen erstinstanzliche Verfügungen der Vollzugsstelle Zivildienst kann beim Bundesverwaltungsgericht Beschwer de geführt werden (Art. 63 Abs. 1 ZDG sowie Art. 31 ff. Verwaltungsgerichtsgesetz vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Damit ist das Bundesverwa ltungsgericht zur Behandlung beider Beschwerden zuständig. 1.1 Der Rechtsschutz in Zivildienstsachen richtet sich – abgesehen von den Bestimmungen zur auf schiebenden Wirkung gemäss Art. 65 Abs. 2 und 3 ZDG – nach den allgemeinen Bestimmungen über die Bunde s- rechtspflege (Art. 65 Abs. 4 ZDG). Das Verfahren vor dem Bundesverwal- tungsgericht richtet sich nach dem Verw altungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG , SR 172.021), soweit das Verwaltungsge- richtsgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat beschwerdebe- rechtigt im Sinne von Art. 48 Abs. 1 VwVG. Er hat beide Beschwerden frist- und formgerecht eingereicht (Art. 66 Bst. b ZDG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die se grundsätzlich einzutreten ist (vgl. nachfolgend E. 2 und 5). 1.3 Beschwerdeverfahren können in sinngemässer Anwendung von Art. 24 des Bundesgesetzes über den Bundeszivilprozess vom 4. D e- zember 1947 (SR 273) i.V.m. Art. 4 VwVG vereinigt werden, wenn die einzelnen Sachverhalte in einem engen inhaltlichen Zusammenhang st e- hen, die gleichen Verfahrensparteien beteiligt sind und sich in allen Fällen gleichartige oder ähnliche Rechtsfragen stellen (vgl . ANDRÉ MO- SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor Bunde s- verwaltungsgericht, 2. Aufl., Basel 2013, Ziff. 3.17). Im vorliegenden Fall bilden die zwei vorinstanzlichen Entscheide je ein selbständiges Anfec h- tungsobjekt und wurden vom Beschwerdeführer mit zwei Beschwerden angefochten. Da zusammenhängende Sachverhalte zu beurteilen sind und in beiden Verfahren Parteienidentität herrscht, liegt eine Verfahrens-B-3609/2014 Seite 7 vereinigung im Interesse aller Beteiligten ; diese dient zudem der Verfah- rensökonomie. Die Verfahren werden deshalb vereinigt und unter der Ge- schäfts-Nr. B- 3609/2014 weitergeführt. 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat dem Beschwerdeführer und der Vorinstanz im Rahmen der Instruktionsverhandlung einen Vergleichsvor- schlag unterbreitet. Da dieser zufolge des vom Beschwerdeführer ang e- brachten Vorbehalts gescheitert ist, ist vom Bundesverwaltungsgericht in einem Sachentscheid über die Anträge des Beschwerdeführers zu en t- scheiden. 2. In der Beschwerde 1 beantragt der Beschwerdeführer, er wolle seine Z i- vildienstpflicht mit der Wehrpflichtersatzabgabe abgelten . Wie die Vori n- stanz im angefochtenen Entscheid ausführt, ist im Zivildienstgesetz nicht vorgesehen, dass zum Zivildienst Zugelassene ihre Zivildienstpflicht durch Geldleistungen erbringen können. Die Zivildienstpflicht umfasst vielmehr die Pflicht zur Erbringung ordentlicher Zivildienstleistungen, bis die Gesamtdauer nach Art. 8 ZDG erreicht ist (Art. 3 Bst. d ZDG), und sie endet mit der Entlassung aus dem Zivildienst (Art. 11 Abs. 1 ZDG). 2.1 Der Beschwerdeführer untersteht bis Ende 2014 der Zivildienstpflicht und hat diese bis zu deren Ende mittels aufgebotener Zivildiensteinsätze zu erfüllen. Über einen allfälligen Wehrpflichtersatz für Männer, die ihre Zivildienstpflicht nicht oder nur teilw eise erfüllen (Art. 15 ZDG) , hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung somit zu R echt nicht en t- schieden. 2.2 Der Beschwerdeführer kann im Beschwerdeverfahren indessen nicht mehr verlangen, als die angefochtene Verfügung regelt (VGL. RENÉ RHI- NOW/HEINRICH KOLLER/CHRISTINA KISS/DANIELA THURNERR/DENISE BRÜHL- MOSER, Öffentliches Prozessrecht, 2. Aufl., Basel 2010, Rz. 988 ff.) . Sein diesbezüglicher Antrag geht daher über den Streitgegenstand hinaus, womit auf ihn nicht einzutreten ist. 3. Die Vorinstanz hat das Schreiben des Beschwerdeführers vom 15. Mai 2014 als Dienstverschiebungsgesuch entgegengenommen, da der B e- schwerdeführer darin im Wesentlichen geltend macht, seine beiden A n- stellungen an der Universität A._______ seit 1. Februar 2014 zu 50% als Post-Doktorand und seit 15. März 2014 zusätzlich dazu zu 25% als Fach-B-3609/2014 Seite 8 koordinator würden es ihm verunmöglichen, seinen Zivildiensteinsatz vom 2. Juni bis 31. Dezember 2014 gemäss dem Aufgebot vom 17. Dezember 2013 beim Einsatzbetrieb Y ._______ zu leisten. 3.1 Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerdeschrift 1 und an- lässlich der Instruktionsverhandlung geltend, dass es für die Universität A._______ und für ihn selbst einem Fall ausserordentlicher Härte gleic h- käme, wenn er seine Lehrveranstaltungen nicht halten u nd seinen Assis- tenzpflichten während dieser sechs Monate nicht nachkommen könnte. In seinem Fachbereich seien Assistentenstellen sehr rar, da diese Fächer nur an den Universitäten A._______ und B._______ in Teilzeitprofessuren angeboten würden. Er strebe eine akademische wissenschaftliche Karrie- re an, für welche das Innehaben einer dieser wenigen Assistentenstellen de fac to Bedingung und gleichzeitig Voraussetzung für eine Habilitation und das Erlangen einer Professur sei. 3.2 Die Vorinstanz führte in der Verfügung 1 und in der Vernehmlassung vom 2. September 2014 aus, dass im Fall des Beschwerdeführers zwar Dienstverschiebungsgründe im Sinne von Art. 46 Abs. 3 Bst. b ZDV vo r- liegen könnten, dass die Vollzugsstelle ein Gesuch um Dienstverschi e- bung indessen gestützt auf Art. 46 Abs. 4 Bst. c ZDV ablehnen müsse, wenn nicht gewährleistet sei, dass der Zivildienstpflichtige vor seiner Ent- lassung aus der Zivil dienstpflicht die Ges amtdauer der ordentlichen Zivi l- diensttage noch absolviere, es sei denn, der Be schwerdeführer schliesse eine Vereinbarung gemäss Art. 15 Abs. 3 bis ZDV über die spätere En t- lassung aus der Zivildienstpflicht ab. 3.3 Gemäss Art. 24 ZDG erlässt der Bundesrat Vorschriften über die B e- handlung von Gesuchen um Dienstverschiebung. Das Gesetz sie ht keine Kriterien für die Beurteilung solcher Gesuche vor und auch in der Bo t- schaft des Bundesrates vom 22. Juni 1994 (BBl 1994 III 1609) finden sich keine weiteren Ausführungen über die Behandlung von Dienstverschi e- bungsgesuchen. 3.3.1 Der Bundesrat hat die Dienstverschiebung in Art. 44 – 47 ZDV g e- regelt. In Anwendung von Art. 46 Abs. 3 ZDV kann danach die Vollzugs- stelle das Gesuch einer zivildienstpflichtigen Person um Dienstverschi e- bung gutheissen, wenn diese während des Zivildiensteinsatzes oder der diesem folgenden drei Monate eine wich tige Prüfung ablegen muss (Bst. a), oder eine schulische oder berufliche Ausbildung absolviert, deren Unterbrechung mit unzumutbaren Nachteilen verbunden ist (Bst. b), oder B-3609/2014 Seite 9 andernfalls den Arbeitsplatz verlieren würde (Bst. c). Bst. a -c gelten seit Inkrafttreten der Verordnung am 1. Oktober 1996 in ihrer ursprünglichen Fassung vom 11. September 1996. Die undatierten Erläuterungen des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartemen ts EVD zur Zivildienstver- ordnung vom 11. September 1996 äussern sich zu den Gründen für die Dienstverschiebung wie folgt: "Artikel 34 VBA wird als Richtlinie für die Beurteilung dienen, ob eine wichtige Prüfung im Sinne von Absatz 3 Buchstabe a vorliegt" (Erläuterungen, S. 19 zu Art. 49 des Entwurfs-ZDV). Die Verordnung des Bundesrates vom 24. August 1994 über das Best e- hen der Ausbildungsdienste (VBA) hat der Bundesrat im Rahmen des E r- lasses der Ausbildungsdienstverordnung vom 20. September 1999 auf den 1. Januar 2000 aufgehoben (AS 1999 2903) . Diese Ausbildung s- dienstverordnung wiederum wurde beim Erlass der Militärdienstpflich t- verordnung vom 19. November 2003 (MDV, SR 512.21) aufgehoben (AS 2003 4609). 3.3.2 Gemäss Art. 5 ZDG muss die Belastung einer zivildienstleistenden Person durch die ordentlichen Zivildiensteinsätze insgesamt derjenigen eines Soldaten in seinen Ausbildungsdiensten entsprechen (vgl. Bot- schaft des Bundesrates zum Zivildienstgesetz vom 22. Juni 1994, BBl 1994 III 1609 , 1611). Die Militärdienstpflichtverordnung kann daher als Auslegehilfe für die Beurteilung von Dienstverschiebungen herang e- zogen werden. Gestützt auf Art. 30 Abs. 1 MDV kann die zuständige Be- hörde auf Gesuch des Militärdienstpflichtigen eine Dienstverschiebung aus persön lichen Gründen bewilligen. Gesuche werden nur bewilligt, wenn das private Interesse des Militärdienstpflichtigen das öffentliche I n- teresse an der Leistung des Ausbildungsdienstes überwiegt (Abs. 2). Die Gesuche werden nicht bewilligt, wenn für die Bedürfni sse des G e- suchstellers die Gewährung eines persönlichen Urlaubs, einer Dienstu n- terbrechung oder die Absolvierung einer Teildienstleistung genügt (Abs. 3). Gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. a MDV kann der Chef der Armee in Weisungen die administrativen Einzelheiten des Verfahrens regeln. Er sorgt für eine einheitliche Entscheidpraxis und kann diesbezüglich den beteiligten kantonalen Stellen Weisungen erteilen (Abs. 4). 3.3.3 Art. 9 der Weisungen 90.069d des Chefs der Armee vom 19. N o- vember 2003 (auffindbar unter http://www.vtg.admin.ch/internet/ vtg/de/home/militaerdienst/dienstleistende/dvs/recht_grndlgn.parsys.9906 1.DownloadFile.tmp/weisungen90069.pdf, besucht am 1. Oktober 2014 ) regelt Dienstverschiebungen aus überwiegende m privatem Interesse bei Studierenden. Als Verschiebungsgründe explizit genannt werden die zeit-B-3609/2014 Seite 10 liche Überschneidung des Ausbildungsdienstes mit dem Absolvieren e i- nes Zulassungsstudiums (Assessmentjahr) oder von Probesemestern (Art. 9 Abs. 1 Bst. a) sowie die Absolvierung wichtiger Pflichtleistu ngen zum Nachweis von erreichten Qualifikationen während oder kurz nach e i- nem Ausbildungsdienst (Bst. b). Gemäss Art. 9 Abs. 2 der Weisungen gel- ten als wichtige Pflichtleistungen im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. b Auf- nahme-, Vor- und Zwischenprüfungen, von denen der Beginn oder die Weiterbildung der Ausbildung abhängen (Bst. a), Abschlussprüfungen (Bst. b) sowie Projekt-, Semester - und Schlussarbeiten, Praktika etc. (Bst. c). Art. 10 der Weisungen regelt Dienstverschiebungen aus über- wiegendem privatem Interesse bei Berufsausbildungen . Als Verschi e- bungsgründe genannt sind die zeitliche Überschneidung des Militärdien s- tes mit Lehrabschlussprüfungen (Art. 10 Ab. 1 Bst. a) oder anderen wich- tigen Prüfungen, wie Zulassungsprüfungen zu Meisterkursen (Art. 10 Abs. 2 Bst. a) oder Berufs- und höhere Fachprüfungen zur Erlangung von kantonal, eidgenössi sch oder international anerkannten Diplomen und Fachausweisen (Bst. b). 3.4 Dem Gericht erscheint es nun als allgemein bekannt und deshalb als gerichtsnotorisch, dass Assistenten- und Postdoktorandenstellen an einer Universität in erster Linie Ausbildungsstellen sind für akademische Berufe mit wissenschaftlichen Bezügen in den Bereichen von Forschung und Lehre. Dies zeigt sich insbesondere daran, dass die Löhne der Assistie- renden und Postdoktoranden trotz mitunter anspruchsvollsten Arbeiten vergleichsweise tief sind. Häufig handelt es sich dabei zudem um Teilzeit- stellen, die den Stelleninhabern neben der Arbeit für den Lehrstuhl , an dem sie tätig sind, die Möglichkeit für eigene Forschungs- oder Publikati- onsarbeit geben sollen. De facto ist denn auch davon auszugehen, dass eine Assistentenstelle notwendig ist, um eine Doktorarbeit und eine Habi- litationsschrift zu verfassen, welche Voraussetzung für eine allfällige spä- tere Professur bzw. Assistenzprofessur sind. Damit ist erwiesen, dass diese Stellen an Universität en in erster Linie Ausbildungsstellen für aka- demische Berufe mit wissenschaftlichen Bezügen und Perspektiven sind. 3.5 Im vorliegenden Fall ist darüber hinaus insbesondere zu berücksichti- gen, dass es für das Fachgebiet des Beschwerdeführers in der ganzen Schweiz nur zwei Teilzeitprofessuren an den Universitäten A._______ und B._______ gibt und entsprechend nur etwa fünf Assistentenstellen vorhanden sind, bei den en es sich ebenfalls um Teilzeitstell en handelt, die nur etwa alle 4 bis 6 Jahre neu besetzt werden. Dies bedeutet in die- sem Fachbereich ein zusätzliches Erschwernis für die Verfolgung einer B-3609/2014 Seite 11 wissenschaftlichen Karriere, was der Beschwerdeführer anlässlich der In- struktionsverhandlung glaubhaft dargelegt hat. Aus diesen Gründen e r- scheint es somit gerechtfertigt, dass die Dienstverschiebungsgesuche des Beschwerdeführers in den früheren Jahren , als seine Dienstpflicht noch lange dauerte, immer gutgeheissen worden sind. 3.6 Indessen gilt es im vorliegenden Fall zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer Ende 2014 aus der Zivildienstpflicht entlassen werden wird. Aus diesem Grund hat das Bundesverwaltungsgericht der Vori n- stanz und dem Beschwerdeführer vorgeschlagen, durch die Vereinbarung einer späteren Entlassung des Beschwerdeführers aus dem Zivildienst sicherzustellen, dass der Beschwerdeführer noch alle 213 Restdiensttage leistet, damit dem öffentlichen Interesse an der Leistung des Zivildienstes im Sinne von Art. 2 Abs. 3 und Art. 3 ZDG trotz der vorliegenden beson- deren Umstände ausreichend Rechnung getragen werden kann. 3.7 Wie das Bundesverwaltungsgericht bereits im Vergleichsvorschlag vom 16. September 2014 festgehalten hat, könnte den Anliegen des B e- schwerdeführers und insbesondere des von ihm durchgeführten Fachse- minars im Wintersemester 2014/2015 auch durch die Gewährung von Ur- laub während seiner Lehrveranstaltung entsprochen werden , womit – be- sonders durch die vorgeschlagene Verlängerung der Dienstpflicht ge- stützt auf Art. 15 Abs. 3bis ZDV – dem öffentlichen Interesse an der voll- ständigen Erfüllung der Zivildienstpflicht vor dem Ausscheiden des B e- schwerdeführers aus dem Zivildienst Rechnung getragen würde. Da der Beschwerdeführer aber in Kürze das Ende seiner Dienstpflicht erreicht und seinen Anliegen durch die Gewährung von Urlaub weitgehend en t- sprochen werden könnte (Art. 46 Abs. 4 Bst. b und c ZDV), hat die Vorin- stanz dem Dienstverschiebungsgesuch des Beschw erdeführers vom 15. Mai 2014 zu Recht nicht stattgegeben. 4. Die Abweisung des Dienstverschiebungsgesuchs hat zur Folge, dass der Beschwerdeführer nun von der Vollzugsstelle Zivildienst umgehend zur Leistung eines Zivildiensteinsatzes bis Ende 2014 aufzubiet en ist, selbst wenn festzustellen ist, dass zufolge des Scheiterns der Vereinbarung nicht mehr die gesamten Restdiensttage geleistet werden können. 4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Vergleichsvorschlag vom 16. September 2014 vorgeschlagen, dass der Beschwerdeführer und die Vollzugsstelle Zivildienst eine Vereinbarung im Sinne von Art. 15 B-3609/2014 Seite 12 Abs. 3 bis ZDV abschliessen. Eine spätere Entlassung aus der Zivi l- dienstpflicht kann gemäss den in der Verordnung genannten Vorausse t- zungen vereinbart werde n, wenn die zivil dienstpflichtige Person das 30. Altersjahr vollendet hat und glaubwürdig darlegt, dass die Leistung der restlichen Diensttage bis zu ihrer ordentlichen Entlassung aus der Z i- vildienstpflicht für sie, ihre engsten Angehörigen oder ihren Arbe itgeber eine ausserordentliche Härte bedeuten würde. 4.2 Aufgrund der dargelegten , besonderen Umstände der spezifischen wissenschaftlichen Ausbildung des Beschwerdeführers in einem seltenen Studienfach ist das Kriterium der ausserordentlichen Härte vorliegend er- füllt. Da es wegen der allgemeinen und in keiner Weise spezifizierten Mit- teilung über den Einbezug des Beschwerdeführers in ein noch laufendes, im Ausgang völlig offenes Berufungsverfahren zudem als höchst unwahr- scheinlich erscheint, dass der vom Beschw erdeführer angebrachte Vo r- behalt einer allfälligen Berufung an eine ausländische Universität vor dem Frühlings- oder Herbstsemester 2015 eintritt und somit die Leistung der Restdiensttage behindern würde, läge es weiterhin im öffentlichen Int e- resse, dass der Beschwerdeführer seine Restdiensttage vollständig lei s- tet und dafür mit dem zuständigen Regionalzentrum gestützt auf Art. 15 Abs. 3bis ZDV die Vereinbarung über eine spätere Entlassung aus der Zivildienstpflicht abschliesst. Der vom Beschwerdeführer an gebrachte Vorbehalt stünde nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts we- gen dessen gegenwärtig bloss theoretischer und deshalb rein hypotheti- scher Natur einem Abschluss der Vereinbarung nicht entgegen. 5. In der Beschwerde 2 beantragt der Beschwerdeführer, er wolle trotz Ab- lehnung der Einsatzvereinbarung durch die Vorinstanz einen Zivi l- diensteinsatz gemäss der Einsatzvereinbarung vom 21. Juli 2014 für das Forschungsprojekt Z._______ leisten. Am 24. September 2014 hat der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht mitgeteilt, dass dieses Forschungsprojekt unterdessen zwei 50% -Stellen ausgeschrieben habe und nicht mehr gewillt sei, mit dem Beschwerdeführer eine Einsatzve r- einbarung abzuschliessen. 5.1 Zur Beschwerde berechtigt ist, wer ein aktuelles, tatsächlic hes oder rechtliches Interesse an der Änderung des angefochtenen Entscheids hat. Das Interesse ist aktuell, wenn es nicht nur im Zeitpunkt der B e- schwerdeerhebung, sondern auch noch im Zeitpunkt der Urteilsfällung besteht (Art. 4 8 Abs. 1 VwVG; vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., B-3609/2014 Seite 13 Rz. 2.70 ff.). Dieses Erfordernis dient der Prozessökonomie und soll s i- cherstellen, dass das Gericht über konkrete, und nicht theoretische Fr a- gen entscheidet. 5.2 Mit dem Wegfallen des Einsatzbetriebs hat der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Urteilsfällung keinen praktischen Nutzen mehr daran, dass das Bundesverwaltungsgericht über die Frage der Zulässigkeit der dahin- gefallenen Einsatzvereinbarung entscheidet. Der Antrag des Beschwe r- deführers, er wolle einen Zivildiensteinsatz b eim Forschungsprojekt Z._______ leisten, ist damit gegenstandlos geworden. 5.3 Ausnahmsweise verzichtet das Gericht auf das Erfordernis des akt u- ellen praktischen Interesses, wenn sich diese Frage jederzeit wieder ste l- len kann und an deren Beantwortung ein hin reichendes öffentliches Inte- resse besteht ( vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.72). Di e- ses besondere öffentliche Interesse ist vorliegend zu verneinen. Die vom Beschwerdeführer angeführten Umstände können sich nicht jederzeit wieder in gleicher Weise stellen, und es liegt nun ohnehin in der Zustän- digkeit der Vorinstanz, eine Praxis zu Art. 4a Bst. a ZDG zu entwickeln, bevor diese in Beschwerdeentscheiden überprüft wird. 6. Gestützt auf Art. 65 Abs. 1 ZDG werden keine Verfahrenskosten erhoben. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerdeverfahren B -3609/2014 und B -4557/2014 werden vere i- nigt und unter der Verfahrens-Nr. B-3609/2014 weitergeführt. 2. Die Anträge des Beschwerdeführer s werden abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird und sie nicht gegenstandslos geworden sind. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilagen retour); – die Vorinstanz (Ref-Nr. [ ]; Einschreiben; Vorakten retour); B-3609/2014 Seite 14 – die Vollzugsstelle für den Zivildienst ZIVI, Zentralstelle, Thun (A-Post). Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Stephan Breitenmoser Katharina Walder Salamin Versand: 2. Oktober 2014