<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">H 265/99 Vr </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>IV. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Borella, Rüedi und Bundesrichterin Leuzinger; </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Hadorn </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 3. April 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Dr. med. S.________, 1948, Beschwerdeführer, vertreten </div> <div class="para">durch die Treuhand X.________, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Ausgleichskasse der Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte, Oberer </div> <div class="para">Graben 37, St. Gallen, Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, Winterthur </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Mit Verfügung vom 30. April 1999 setzte die Aus- </div> <div class="para">gleichskasse der Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte die persön- </div> <div class="para">lichen Beiträge des selbstständig Erwerbstätigen Dr. med. </div> <div class="para">S.________ für die Beitragsperiode 1998/99 im ordentlichen </div> <div class="para">Verfahren auf Fr. 103'939.20 zuzüglich Fr. 571.65 </div> <div class="para">Verwaltungskosten pro Jahr fest. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Die dagegen erhobene Beschwerde, mit welcher </div> <div class="para">S.________ eine Gegenwartsbemessung ab 1. Januar 1998 ver- </div> <div class="para">langte, wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons </div> <div class="para">Zürich mit Entscheid vom 22. Juni 1999 ab. </div> <div class="para"> C.- S.________ lässt Verwaltungsgerichtsbeschwerde </div> <div class="para">führen und erneut beantragen, es sei ab 1. Januar 1998 eine </div> <div class="para">Zwischentaxation vorzunehmen. </div> <div class="para"> Die Ausgleichskasse verzichtet auf eine Stellungnahme. </div> <div class="para">Das Bundesamt für Sozialversicherung lässt sich nicht ver- </div> <div class="para">nehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Da keine Versicherungsleistungen streitig sind, </div> <div class="para">hat das Eidgenössische Versicherungsgericht nur zu prüfen, </div> <div class="para">ob der vorinstanzliche Entscheid Bundesrecht verletzt, ein- </div> <div class="para">schliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, </div> <div class="para">oder ob der rechtserhebliche Sachverhalt offensichtlich </div> <div class="para">unrichtig, unvollständig oder unter Verletzung wesentlicher </div> <div class="para">Verfahrensbestimmungen festgestellt worden ist (Art. 132 in </div> <div class="para">Verbindung mit Art. 104 lit. a und b sowie <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 </span></div> <div class="para">OG). </div> <div class="para"> Ferner ist <span class="artref">Art. 114 Abs. 1 OG</span> zu beachten, wonach das </div> <div class="para">Eidgenössische Versicherungsgericht in Abgabestreitigkeiten </div> <div class="para">an die Parteibegehren nicht gebunden ist, wenn es im Pro- </div> <div class="para">zess um die Verletzung von Bundesrecht oder um die unrich- </div> <div class="para">tige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts </div> <div class="para">geht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- a) Streitig ist, ob die persönlichen Beiträge für </div> <div class="para">die Periode 1998/99 im ordentlichen (Vergangenheitsbemes- </div> <div class="para">sung) oder im ausserordentlichen Verfahren (Gegenwartsbe- </div> <div class="para">messung) festzusetzen sind. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Das kantonale Gericht hat die massgebenden Rechts- </div> <div class="para">grundlagen zum ordentlichen und ausserordentlichen Verfah- </div> <div class="para">ren der Beitragsfestsetzung (<span class="artref">Art. 22 und <artref id="CH/831.101/25/1" type="start"></artref>Art. 25 Abs. 1 </span></div> <div class="para">AHVV<artref id="CH/831.101/22" type="end"></artref>) sowie die dazu ergangene Rechtsprechung (BGE 120 V </div> <div class="para">161; ZAK 1992 S. 474) richtig dargelegt. Darauf wird ver- </div> <div class="para">wiesen. Zu ergänzen ist, dass <span class="artref">Art. 25 Abs. 1 AHVV</span> nach der </div> <div class="para">Praxis eine Ausnahmebestimmung darstellt, welche nicht ex- </div> <div class="para">tensiv ausgelegt werden darf (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F98-V-245%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page247">BGE 98 V 247</a>, 96 V 64; ZAK </div> <div class="para">1981 S. 256 Erw. 3c). Dies bedeutet indessen nicht, dass </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 25 AHVV</span> die Anwendung zu versagen ist, wenn seine Vo- </div> <div class="para">raussetzungen erfüllt sind (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F113-V-174%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page178">BGE 113 V 178</a>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- a) Der Beschwerdeführer ist seit längerer Zeit als </div> <div class="para">selbstständig erwerbstätiger Spezialarzt an der privaten </div> <div class="para">Klinik Y.________ tätig. Mit dem Inkrafttreten des neuen </div> <div class="para">KVG, namentlich dessen Art. 41, erlitt er unbestrit- </div> <div class="para">tenermassen erhebliche Einkommensverluste. Denn nach der </div> <div class="para">erwähnten Bestimmung besteht die Ausgleichspflicht des </div> <div class="para">Wohnkantons bei teilstationärer und stationärer Behandlung </div> <div class="para">von Kantonseinwohnern in einem ausserkantonalen Spital aus </div> <div class="para">medizinischen Gründen nur bei Inanspruchnahme eines öffent- </div> <div class="para">lichen oder öffentlich subventionierten Spitals, nicht aber </div> <div class="para">bei Behandlung in einer privaten, nicht öffentlichen oder </div> <div class="para">nicht öffentlich subventionierten Klinik. Vor allem die </div> <div class="para">Kantone St. Gallen und Graubünden haben ihre Verträge mit </div> <div class="para">der Klinik Y.________ gekündigt und überweisen seither ihre </div> <div class="para">Herzpatienten nicht mehr dorthin, sondern an das öffent- </div> <div class="para">liche Spital Z.________. Dadurch verzeichnete die Klinik </div> <div class="para">Y.________ einen Rückgang an Patienten, was für den </div> <div class="para">Beschwerdeführer den erwähnten Einkommensverlust zur Folge </div> <div class="para">hatte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Die Vorinstanz anerkannte einen Erwerbsrückgang von </div> <div class="para">mehr als 25 %, erwog jedoch, dass der Beschwerdeführer nach </div> <div class="para">wie vor als selbstständiger Arzt an der erwähnten Klinik </div> <div class="para">auf dem Gebiet der Herzchirurgie tätig sei. Die Kosten- </div> <div class="para">struktur seiner Praxis und die Lohnkosten für seine Ange- </div> <div class="para">stellten hätten sich nicht verändert. Daher seien die </div> <div class="para">Grundlagen der wirtschaftlichen Betätigung gleich geblie- </div> <div class="para">ben. Der Verlust eines Vertragspartners sei im Wirtschafts- </div> <div class="para">leben ein gewöhnlicher Vorgang, und die Abnahme der Patien- </div> <div class="para">tenzahlen sei vergleichbar mit dem Rückgang von Kunden </div> <div class="para">wegen schlechter Wirtschaftslage. Dies rechtfertige keine </div> <div class="para">Gegenwartsbemessung im Sinne von <span class="artref">Art. 25 Abs. 1 AHVV</span>. </div> <div class="para"> Hiegegen wendet der Beschwerdeführer im Wesentlichen </div> <div class="para">ein, der Vergleich mit der verschlechterten Konjunkturlage </div> <div class="para">sei falsch, da vorliegend gesetzliche Bestimmungen und po- </div> <div class="para">litische Entscheide, welche nicht beeinflussbar seien, zum </div> <div class="para">Einkommensverlust geführt hätten. Dieser Verlust sei </div> <div class="para">dauernd; ein Ausweichen auf ein anderes medizinisches Ge- </div> <div class="para">biet sei ihm als Herzspezialisten nicht möglich. Zwar be- </div> <div class="para">schäftige er weiterhin eine Sekretärin und eine technische </div> <div class="para">Operations-Assistentin. Dieses Personal lasse sich jedoch </div> <div class="para">nicht reduzieren, und zwar unabhängig von seiner Auslas- </div> <div class="para">tung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Der Einkommensverlust des Beschwerdeführers ist </div> <div class="para">unbestritten. Er ist auf die geänderte Rechtslage im Be- </div> <div class="para">reich der Krankenversicherung zurückzuführen. Insofern ist </div> <div class="para">der Vergleich mit der verschlechterten Konjunktur nicht </div> <div class="para">ohne weiteres schlüssig. Indessen braucht dieser Punkt </div> <div class="para">nicht abschliessend geprüft zu werden. Im nicht veröffent- </div> <div class="para">lichten Urteil K. vom 3. Juli 1998 (H 109/97) hatte das </div> <div class="para">Eidgenössische Versicherungsgericht ebenfalls über das Ge- </div> <div class="para">such eines Arztes um Umstellung auf Gegenwartsbemessung zu </div> <div class="para">befinden. Dieser erlitt einen Einnahmenverlust von mehr als </div> <div class="para">40 %, weil er auf Grund einer Gesetzesänderung die Selbst- </div> <div class="para">dispensation von Medikamenten nicht mehr ausüben durfte, </div> <div class="para">somit seine Privatapotheke aufgeben und auf die entspre- </div> <div class="para">chenden Einkünfte verzichten musste. Dabei verwies das Ge- </div> <div class="para">richt auf die bisherige Praxis (ZAK 1952 S. 50; nicht ver- </div> <div class="para">öffentlichte Urteile M. vom 24. Oktober 1988, H 134/87, und </div> <div class="para">K. vom 17. September 1982, H 112/81), wonach auch bei Ein- </div> <div class="para">kommenseinbussen auf Grund von Rechtsänderungen das Vorlie- </div> <div class="para">gen einer strukturellen Änderung mit strengem Massstab ge- </div> <div class="para">prüft wird. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) Gemäss dieser Rechtsprechung, von welcher abzuwei- </div> <div class="para">chen kein Anlass besteht, muss auch hier ungeachtet der </div> <div class="para">klar erwiesenen Einkommensverluste geprüft werden, ob die </div> <div class="para">Tätigkeit des Beschwerdeführers eine strukturelle Änderung </div> <div class="para">erfahren hat. Dies ist nicht der Fall. Der Beschwerdeführer </div> <div class="para">weist denn auch nicht nach, inwiefern sich die Struktur </div> <div class="para">seiner Praxis geändert hätte. Er beschäftigt noch die sel- </div> <div class="para">ben Personen wie bisher und führt seine Tätigkeit weiterhin </div> <div class="para">in der selben Weise aus. Dass sein Personal möglicherweise </div> <div class="para">nicht mehr voll ausgelastet ist, ändert nichts daran, dass </div> <div class="para">keine strukturelle Änderung eingetreten ist. Damit liegt </div> <div class="para">trotz der Einkommenseinbusse kein Grund für eine Gegen- </div> <div class="para">wartsbemessung vor. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Die Gerichtskosten von total Fr. 5500.- werden dem </div> <div class="para"> Beschwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten </div> <div class="para"> Kostenvorschuss verrechnet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversiche- </div> <div class="para"> rungsgericht des Kantons Zürich und dem Bundesamt für </div> <div class="para"> Sozialversicherung zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 3. April 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der IV. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>