Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Juni 2012 (715 12 38 / 178) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Anspruchsvoraussetzung des Wohnsitzes in der Schweiz Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Daniel N oll, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch R oger Wirz, Advokat, Anton von Blarerweg 2, 4147 Aesch gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Der 1956 geborene A.____ arbeitete seit 1. Januar 2011 bei B.____. Diese Stelle wur- de ihm vom Arbeitgeber am 28. Juni 2011 per 31. Juli 2011 gekündigt. Am 11. Juli 2011 melde- te sich A.____ deswegen zur Arbeitsvermittlung an. Zudem beantragte er gleichentags bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (im Folgenden: “K asse“) die Ausrichtung von Arbeits- losenentschädigung ab 1. August 2011. Mit Verfügung Nr. 1754/2011 vom 15. September 2011 lehnte die Kasse einen Anspruch von A.____ auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. August 2011 mit der Begründung ab, dass der Versicherte Wohnsitz im A usland habe. Gegen die Verfügung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht erhob A.____ Einsprache bei der Kasse. In der Folge wies diese den Versicherten darauf hin, dass seine Rahmenfrist für den Leistungsbezug am 30. Sep tember 2011 ablaufen werde. A.____ meldete sich deswegen am 6. September 2011 erne ut zur Arbeitsvermittlung an. Gleichzeitig stellte er bei der Kasse ein Gesuch um Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung ab 1. Oktober 2011. Mit Verfügung Nr. 1875/2011 vom 3 0. September 2011 wies die Kasse dieses Gesuch wiederum mit der Begründung ab, dass der Versicherte Wohnsitz im Ausland habe. Auch gegen diese Verfügung erhob A.____ Einsprache bei der Kasse. Mit Einspracheentscheid vom 2. Januar 2012 wies die Kasse diese beiden Einsprachen ab. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, dass ein W ohnen in der Schweiz im Sinne des zivilrechtlichen Wohnsitzes nicht genüge. Vielmehr müss e ein tatsächlicher Aufenthalt in der Schweiz vorliegen, mit der Absicht, den Aufenthalt während einer gewissen Zeit aufrechtzu- erhalten und auch den Schwerpunkt der Lebensbeziehun g in der Schweiz zu haben. Dies sei beim Versicherten nicht der Fall. Dieser habe lediglich ein Zimmer in C.____ bei einem Kolle- gen in Untermiete, sein Lebensmittelpunkt liege aber in Frankreich bei seinen kranken Eltern. Der Versicherte habe selber eingeräumt, dass er zwei Wo chen bei seinen Eltern in Frankreich gelebt habe, um sie zu pflegen. Ausserdem sei er in sein er Freizeit an den Wochenenden in Frankreich bei seinen Eltern. Er habe sogar zur Optimie rung seiner Erreichbarkeit beim Regio- nalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) die französische Festnetztelefonnummer seiner Eltern angegeben. Dass der Versicherte in C.____ ordentlich an gemeldet und in der Schweiz kran- kenversichert sei, dass sein Auto ein Schweizer Nummernschi ld habe und dass er auch Steu- ern in der Schweiz zahle, sei noch kein Nachweis, dass sich se in Lebensmittelpunkt in der Schweiz befinde. Aufgrund der vorliegenden Beweislage, müsse davon ausgegangen werden, dass sein Lebensmittelpunkt auch unter der Woche bei seinen kranken Eltern in Frankreich sei, andernfalls hätte er dem RAV die Telefonnummer seiner Eltern nicht mitteilen müssen. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vert reten durch Advokat Roger Wirz, am 2. Februar 2012 Beschwerde beim Kantonsgeri cht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es seien de r angefochtene Einspracheentscheid vom 2. Januar 2012 sowie die Verfügungen vom 15. und 3 0. September 2011 aufzuheben und es seien dem Beschwerdeführer ab 1. August 2011 und ab 1 . Oktober 2011 die gesetzlichen Leistungen der Arbeitslosenversicherung auszurichten; unte r o/e-Kostenfolge, wobei ihm die unentgeltliche Prozessführung für die ordentlichen und die ausserordentlichen Kosten zu bewil- ligen sei. Zur Begründung machte er im Wesentlichen ge ltend, im Rahmen der Anspruchsvor- aussetzung des Wohnsitzes sei nicht ein ununterbrochener tatsächlicher Aufenthalt in der Schweiz erforderlich, es genüge, wenn trotz Unterbrüchen des Aufenthalts weiterhin eine enge Verbindung zur Arbeitswelt in der Schweiz bestehe. So se i ein vorübergehender Arbeitsaufent- halt im Ausland zulässig, wenn weiterhin in der Schweiz e ine Stelle gesucht werde und wenn die Möglichkeit und Bereitschaft bestehe, jederzeit ein e Festanstellung in der Schweiz anzu- nehmen. Im Lichte dieser Praxis könne ihm nicht angela stet werden, dass er sich vorüberge- hend wegen eines Hirnschlages seines Vaters bei seinen E ltern in Frankreich aufgehalten ha- be. Inzwischen gehe es dem Vater wieder besser und die B etreuung seiner Eltern sei durch einen Pflegedienst gewährleistet, so dass er sich wieder h auptsächlich in der Schweiz aufhalte. Die Kasse würde ihren Standpunkt, wonach er sich hauptsäc hlich in Frankreich aufhalte, auf Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ungenügende Indizien stützen. Fakt sei dagegen, dass er sich auch während seines Aufenthal- tes in Frankreich immer um eine Vollzeitstelle in der S chweiz bemüht habe und dass er jeder- zeit bereit und in der Lage gewesen wäre, eine Arbei tsstelle in der Schweiz anzunehmen. Er arbeite und lebe seit langen Jahren in der Schweiz, er verfüge über die Niederlassungsbewilli- gung C und er habe letztmals 1981 in Frankreich gearbei tet. Zudem habe er auch jetzt wieder eine Stelle im Zwischenverdienst in der Schweiz gefunde n, werde er doch ab 1. Februar 2012 in einem Pensum von 60 % als Koch in einem Restaurant in D.____ tätig sein. C. In ihrer Vernehmlassung vom 28. März 2012 beantragte die Kasse die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen Einspracheentscheides. D. Mit Eingabe vom 23. Mai 2012 nahm der Beschwerdef ührer unaufgefordert nochmals in kurzer Form zu einzelnen Vorbringen in der Vernehmlassung Stellung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligat orische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungs gericht erhoben werden. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit den Art. 128 Abs. 1 und 119 Abs. 1 lit. a der Verord- nung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung un d die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 richtet sich die örtliche Zuständigk eit des kantonalen Versicherungsge- richts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Einspra cheentscheide der Kassen, welche die Arbeitslosenentschädigung betreffen, nach dem Ort, wo die versicherte Person die Kontroll- pflicht erfüllt. Vorliegend erfüllt der Beschwerdeführ er die Kontrollpflicht im Kanton Basel- Landschaft, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kanto nsgerichts Basel-Landschaft zu beja- hen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kant onsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gege n Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auc h sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen f rist- und formgerecht erhobene - Be- schwerde des Versicherten vom 2. Februar 2012 ist deshalb einzutreten. 2.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nac h Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslo s ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schwe iz wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreich t hat noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), vermittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Im vorliegenden Fall ist strittig und zu prüfen, ob der Beschwerdeführer von den vor- stehend genannten Anspruchsvoraussetzungen diejenige de s Wohnsitzes in der Schweiz (Art. 8 Abs. 1 lit. c AVIG) erfüllt. 3.1 Der Begriff des Wohnens in der Schweiz im Sinne von Art. 8 Abs. 1 lit. c AVIG ist nicht im Sinne des zivilrechtlichen Wohnsitzes, wie er in den Ar t. 23 ff. des Schweizerischen Zivilge- setzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 definiert wird, z u verstehen, sondern er setzt den gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz voraus; verlang t werden der tatsächliche Aufenthalt in der Schweiz und die Absicht, diesen Aufenthalt während einer gewissen Zeit aufrechtzuerhalten und hier in dieser Zeit auch den Schwerpunkt der Leb ensbeziehungen zu haben (BGE 125 V 467 E. 2a, 115 V 449 E. 1b). Daran hat das auf den 1. Januar 2003 in Kraft getretene ATSG nichts geändert, weil der in Art. 13 Abs. 1 ATSG umschriebene Wohnsitzbegriff auf die Arbeitslosenversicherung nicht Anwendung findet. Mangel s eines gegenteiligen gesetzgeberi- schen Willens hat die bisherige Praxis auch im Rahmen der Anspruchsvoraussetzung von Art. 8 Abs. 1 lit. c AVIG weiterhin Geltung (Urteil M. des Bu ndesgerichts vom 7. Dezember 2007, 8C_270/2007, E. 2.1 mit Hinweisen auf T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht , Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Basel/Genf/München 2007, S. 2233 Rz. 180 ff. und UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, Rz 23 zu Art. 13). 3.2 Nach der Rechtsprechung setzt das Wohnen in der Schwei z im Sinne von Art. 8 Abs. 1 lit. c AVIG nicht einen ununterbrochenen tatsächlichen A ufenthalt im Inland voraus. Es genügt der gewöhnliche Aufenthalt in der Schweiz. Das Fortda uern des gewöhnlichen Aufenthalts in der Schweiz setzt aber unter anderem voraus, dass trotz Un terbrüchen des tatsächlichen Auf- enthalts weiterhin eine enge Verbindung mit der hie sigen Arbeitswelt besteht (Urteil M. des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2007, 8C_270/2007, E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). Im Urteil C 290/03 vom 6. März 2006 (SVR 2006 ALV Nr. 24 S. 82 ) stellte das Eidgenössische Versiche- rungsgericht (heute Bundesgericht) fest, dass die Anspruchsvoraussetzung des Wohnens in der Schweiz auch während eines durch die Ausübung einer Erw erbstätigkeit im Ausland bedingten Auslandaufenthaltes erfüllt sein kann. Im konkreten Fall ging es um eine Versicherte, welche im Rahmen eines zunächst auf zwei Monate befristeten und sp äter um wenige Wochen verlänger- ten Arbeitsverhältnisses als Schauspielerin für eine Film - und Fernsehproduktionsgesellschaft in Deutschland gearbeitet hatte. Im Hinblick darauf, d ass die Versicherte während des vorüber- gehenden Auslandaufenthaltes weiterhin auch in der Sch weiz nach einer Stelle gesucht hatte und in Ermangelung von Anhaltspunkten dafür, dass der Aufenthalt in Deutschland anderen Zwecken als der Erlangung eines Zwischenverdienstes gedien t hatte, ist das Gericht zum Schluss gelangt, dass die Versicherte den Schwerpunkt der Lebensbeziehungen während des fraglichen Zeitraums in der Schweiz hatte, zumal sie an d en Wochenenden jeweils an ihren schweizerischen Wohnort zurückgekehrt war. Das Gericht eracht ete die in Art. 8 Abs. 1 lit. c AVIG vorgesehene Voraussetzung des Wohnens in der Schweiz daher als erfüllt. 3.3 Für die Beurteilung der Frage, ob der Beschwerde führer arbeitslosenversicherungs- rechtlich massgeblichen Wohnsitz in der Schweiz hat, liegen die folgenden Unterlagen vor: Gemäss Wohnsitzbescheinigung der Gemeinde C.____ ist de r Versicherte seit dem 13. No- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vember 2008 in dieser Gemeinde angemeldet, zunächst an der Adresse E.____, seit dem 17. April 2009 an der Adresse F.____. Vor seinem Zuzug nach C.____ war der Beschwerdefüh- rer in G.____ angemeldet. Sein “Curriculum“ zeigt soda nn, dass er seit 1982 - mit Ausnahme einer Tätigkeit in den Jahren 1997-1998 - alle seine Arbeitsstellen in der Schweiz hatte. Im Wei- teren ist der Beschwerdeführer in der Schweiz krankenversic hert, wobei seinem Versiche- rungsausweis zu entnehmen ist, dass seine Police seit 1. O ktober 1999 besteht. Ein weiteres Indiz für einen hauptsächlichen Aufenthalt des Versicher ten in der Schweiz stellt die Tatsache dar, dass sein Fahrzeug in der Schweiz immatrikuliert ist . Die Kasse macht nun geltend, dass mit diesen Indizien noch keineswegs nachgewiesen sei, dass sich der Versicherte auch tat- sächlich vorwiegend in der Schweiz aufhalte und hier seine n Lebensmittelpunkt habe. Dieser Einwand ist zwar grundsätzlich richtig, die Indizien sind i n ihrer Gesamtheit aber doch derart stark, dass sehr viel dafür spricht, dass sich der Lebensmittel punkt des Beschwerdeführers in der Schweiz befindet. 3.4 Die Kasse verweist zur Begründung ihrer gegenteilig en Auffassung zunächst auf den Umstand, dass der Beschwerdeführer in C.____ nur zur Untermiete bei einem Kollegen wohne, wobei nicht einmal ein schriftlicher Mietvertrag bestehe . Diese Einwände sind nicht geeignet, die Darstellung des Versicherten, wonach sich sein Lebensmi ttelpunkt in der Schweiz befinde, ernstlich in Frage zu stellen. Einerseits gibt es kein ge setzliches Schriftlichkeitserfordernis für Mietverträge, andererseits gibt es zahlreiche Leute, di e auch tatsächlich regelmässig in Unter- miete wohnen und ein Zimmer nicht nur als gelegentlich e Übernachtungsmöglichkeit oder als Scheinwohnsitz nutzen. Die bei den Akten liegende schrif tliche Bestätigung des Untervermie- ters, dass der Beschwerdeführer regelmässig in seinem Zimm er in C.____ übernachte, ist durchaus beachtlich und kann nicht nur deshalb, weil sie vom Beschwerdeführer aufgesetzt wurde, als “wertloses Gefälligkeitsschreiben“ betrachtet werden. Den einzigen Hinweis dafür, dass der Versicherte seinen Lebensmittelpunkt vorübergehe nd nach Frankreich zu seinen El- tern verschoben hat, findet sich in den Aktennotizen des RAV. Danach hat der Versicherte sel- ber angegeben, dass er sich öfters in Frankreich bei seine n kranken Eltern aufhalte bzw. dass sich sein Lebensmittelpunkt „zur Zeit“ bei seinen kranken E ltern in Frankreich befinde. Wie oft diese Aufenthalte in Frankreich stattgefunden haben un d wie lange sie gedauert haben, ist in den Gesprächsnotizen nicht spezifiziert. Der Beschwerdeführe r selber hat dazu jedoch am 28. September 2011 ausführen lassen, dass er sich lediglich für zwei Wochen bei seinen Eltern in Frankreich aufgehalten habe, nachdem sich sein Vater einer Operation habe unterziehen müssen. Ansonsten sei er lediglich an den Wochenenden b ei seinen Eltern. Für die Annahme, dass diese Angaben nicht richtig sein könnten, liegen kei ne Hinweise vor. Der Beschwerdefüh- rer vermag im Gegenteil mit den von ihm eingereichten Rechnungen des Pflegedienstes H.____ vielmehr nachzuweisen, dass für die Betreuung sein er Eltern durch Dritte gesorgt ist. Diese Rechnungen stellen einen eindeutigen Hinweis daf ür dar, dass der Versicherte unter der Woche nicht mit der Pflege und Betreuung seiner Elte rn beschäftigt ist und dass sich der Le- bensmittelpunkt des Versicherten ausser am Wochenende in der Schweiz befindet. Was die weiteren Vorbringen der Kasse betrifft, so sind auch d iese nicht geeignet, mehr als nur einen vorübergehenden, zweiwöchigen Aufenthalt des Beschwerdeführers bei seinen Eltern in Frank- reich zu indizieren. So ist namentlich die Angabe der fr anzösischen Festnetztelefonnummer seiner Eltern kein rechtsgenüglicher Hinweis für eine Ve rschiebung des Lebensmittelpunktes. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vielmehr ist aus dieser Optimierung der Erreichbarkeit der Wille des Beschwerdeführers er- kennbar, schnellstmöglich wieder eine Arbeitsstelle zu f inden. Als gänzlich unbehelflich erweist sich schliesslich der Einwand der Kasse, der Beschwerdeführ er sei in keinem Verein in C.____ aktiv, was darauf schliessen lasse, dass sich sein Lebensmittelp unkt nicht in dieser Gemeinde, sondern eben in Frankreich befinde. Es bedarf keiner we iteren Erörterungen, dass der weitaus grössere Teil der Bevölkerung, bei welcher der Wohnsitz u nd Aufenthalt in der Schweiz ausser Frage steht, sich nicht aktiv in einem Verein betätigt , sodass aus diesem Umstand in Bezug auf die Frage, wo sich der Lebensmittelpunkt einer Person befindet, nichts abgeleitet werden kann. 3.5 Gestützt auf die geschilderte Beweislage ist mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer den Schwerpunkt seiner Lebensbeziehungen nach wie vor in der Schweiz hat. Die Tatsache, dass er sich - wie er selber angibt - im Juli 2011 während zwei Wochen bei seinen kranken Eltern in Frankreich aufgehalten hat und dass er regelmässig an den Wochenenden zu ihnen fährt, bedeutet entgegen der Auf- fassung der Kasse klarerweise nicht, dass der Beschwerdefü hrer seinen Lebensmittelpunkt nach Frankreich verschoben hat. 4.1 In Anbetracht dieses Beweisergebnisses und im Licht e der oben (vgl. E. 3.2 hiervor) geschilderten Rechtsprechung, wonach das Wohnen in der Schweiz im Sinne von Art. 8 Abs. 1 lit. c AVIG nicht einen ununterbrochenen tatsächlichen A ufenthalt im Inland voraussetzt, ist als Ergebnis festzuhalten, dass die Kasse bei der Beurteilun g des Anspruchs des Beschwerdefüh- rers auf Arbeitslosenentschädigung die Anspruchsvoraussetzun g des Wohnsitzes in der Schweiz zu Unrecht verneint hat. Die vorliegende Beschwe rde erweist sich demnach insoweit als begründet, als der angefochtene Einspracheentscheid d er Kasse vom 2. Januar 2012 auf- zuheben und gleichzeitig festzustellen ist, dass der Beschwe rdeführer ab 1. August 2011 bzw. ab 1. Oktober 2011 die Anspruchsvoraussetzung des Wohnsitzes in der Schweiz erfüllt. 4.2 Die Kasse hat zu den weiteren Anspruchsvoraussetzung en des Art. 8 AVIG (vgl. dazu E. 3.1 hiervor) bis anhin noch nicht Stellung genommen. Die Angelegenheit ist deshalb zur Prü- fung der übrigen Anspruchsvoraussetzungen ab 1. August 201 1 bzw. ab 1. Oktober 2011 und zum Erlass neuer Verfügungen an die Kasse zurückzuweisen. 5.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 5.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens ent sprechend ist dem Beschwerdefüh- rer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschw erdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honor arnote vom 23. Mai 2012 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 7,5 Stun den geltend gemacht, was sich umfang- mässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- un d Rechtsfragen als angemessen er- weist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsp rozessen praxisgemäss für durch- schnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansa tz von 250 Franken zu entschädi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honor arnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 98.80. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Partei entschädigung in der Höhe von Fr. Fr. 2'131.70 (7,5 Stunden à Fr. 250.-- + Auslage n von Fr. 98.80 zuzüglich 8 % Mehr- wertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse B aselland vom 2. Januar 2012 aufgehoben und festgestellt wird, da ss der Be- schwerdeführer ab 1. August 2011 bzw. ab 1. Oktober 2011 die An- spruchsvoraussetzung des Wohnsitzes in der Schweiz erfüllt. Die Angelegenheit wird zur Prüfung der übrigen Anspr uchsvorausset- zungen ab 1. August 2011 bzw. ab 1. Oktober 2011 und zu m Erlass neuer Verfügungen an die Öffentliche Arbeitslosenkasse B aselland zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland hat de m Beschwerdefüh- rer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'131 .70 (inkl. Ausla- gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht