<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 66 S.293</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">293</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>66 Gebäudeabstand.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Der Vorbehalt für Mehrfamilienhäuser in § 47 Abs. 2 Satz 2 BauG gilt</b></span><br/> <span class="ft1"><b>ausschliesslich für den Fall der dienstbarkeitsvertraglichen Reduktion</b></span><br/> <span class="ft1"><b>oder Aufhebung der Abstände gemäss § 47 Abs. 2 Satz 1 BauG; für</b></span><br/> <span class="ft1"><b>eine kommunale Bestimmung, welche eine Verringerung des Gebäu-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>deabstands zulässt, sofern auf einem Nachbargrundstück bereits eine</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Baute mit zu geringem Grenzabstand steht und die Einhaltung des</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Gebäudeabstands zu Härten führen würde, bleibt auch im Zusam-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>menhang mit einem Mehrfamilienhaus Raum (Erw. 2/a und b).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Rechtsanwendung: Der Gesetzgeber darf die rechtsanwendenden</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Organe ermächtigen, ausnahmsweise aus Gründen der Billigkeit von</b></span><br/> <span class="ft1"><b>der gesetzlichen Regelung abzuweichen (Erw. 2/c/aa). Dass das Bau-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>grundstück nur bei einer Herabsetzung des Gebäudeabstands optimal</b></span><br/> <span class="ft1"><b>genutzt werden kann, bildet bei Berücksichtigung der entgegenste-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>henden öffentlichen und privaten Interessen keinen ausreichenden</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Grund für die Annahme eines Härtefalls (Erw. 2/c/bb).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 19. September</span><br/> <span class="ft2">2001 in Sachen B. gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1. Die Beschwerdegegnerin 1 beabsichtigt, das Gebäude Nr. x</span><br/> <span class="ft5">auf der Parzelle Nr. y abzubrechen und ein Mehrfamilienhaus mit</span><br/> <span class="ft5">acht Wohnungen und einer Tiefgarage zu erstellen. Das Bauprojekt</span><br/> <span class="ft5">weist zwei Vollgeschosse und ein ausgebautes Dachgeschoss auf.</span><br/> <span class="ft5">Der Gebäudekubus hat eine Länge von 35 m, eine Tiefe von 10,2 m</span><br/> <span class="ft5">sowie eine Höhe ab gewachsenem Terrain von rund 12 m. Es sind im</span><br/> <span class="ft5">Untergeschoss 13 Autoabstellplätze vorgesehen, nebst drei oberirdi-</span><br/> <span class="ft5">schen Abstellplätzen. Der umbaute Raum wird mit 4'764 m³ angege-</span><br/> <span class="ft5">ben.</span><br/> <span class="ft5">2. a) In der Dorfzone (D), in welcher die Parzelle Nr. y nach</span><br/> <span class="ft5">Massgabe des Bauzonenplans der Gemeinde B. (mit den gleichen</span><br/> <span class="ft5">Beschluss- und Genehmigungsdaten wie die BNO) gelegen ist, gel-</span><br/> <span class="ft5">ten ein minimaler Grenzabstand von 4,0 m und ein grosser Grenzab-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">294</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">stand von 8,0 m (§ 40 Abs. 3 BNO). Der Gemeinderat hat im vorlie-</span><br/> <span class="ft5">genden Fall gestützt auf § 20 Abs. 2 ABauV, wonach der Gebäude-</span><br/> <span class="ft5">abstand durch die Summe der vorgeschriebenen Grenzabstände ge-</span><br/> <span class="ft5">bildet wird, einen Gebäudeabstand von 12 m ermittelt. Dieser Be-</span><br/> <span class="ft5">rechnung liegt die nach Massgabe von § 17 Abs. 2 ABauV und § 63</span><br/> <span class="ft5">BNO vertretbare Annahme zugrunde, auf der Parzelle Nr. z der Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführer sei der grosse Gebäudeabstand von 8 m massgebend</span><br/> <span class="ft5">(vgl. auch AGVE 1994, S. 379 f.; 1997, S. 316; VGE III/85 vom</span><br/> <span class="ft5">19. Juni 2000 [BE.98.00332/335] in Sachen W. u. Mitbet., S. 12).</span><br/> <span class="ft5">Den Soll-Abstand von 12 m hält das geplante Mehrfamilien-</span><br/> <span class="ft5">haus mit lediglich 10 m unbestrittenermassen nicht ein. Der Gemein-</span><br/> <span class="ft5">derat hat die Reduktion um 2 m in Anwendung von § 67 Abs. 2 BNO</span><br/> <span class="ft5">bewilligt; diese Bestimmung lautet:</span><br/> <span class="ft2">,,Wenn auf Nachbargrundstücken bereits Bauten mit zu geringem</span><br/> <span class="ft2">Grenzabstand stehen, kann der Gebäudeabstand verringert werden,</span><br/> <span class="ft2">falls seine Einhaltung zu Härten führen würde. Der Grenzabstand ist</span><br/> <span class="ft2">dabei in jedem Fall einzuhalten. Die gesundheits-, feuer- und sicher-</span><br/> <span class="ft2">heitspolizeilichen Anforderungen müssen gewahrt bleiben."</span><br/> <span class="ft5">Der Gemeinderat räumt dabei ein, dass das Neubauprojekt die</span><br/> <span class="ft5">Besonnung auf dem Grundstück der Beschwerdeführer verglichen</span><br/> <span class="ft5">mit dem aktuellen Zustand möglicherweise beeinträchtige, doch sei</span><br/> <span class="ft5">dies weniger auf den partiell unterschrittenen Gebäudeabstand als</span><br/> <span class="ft5">vielmehr auf das zusätzlich erstellte Bauvolumen zurückzuführen.</span><br/> <span class="ft5">Generell sei davon auszugehen, dass bei zonenkonformer Überbau-</span><br/> <span class="ft5">ung eines Grundstücks (Einhaltung der Grenzabstände sowie der Ge-</span><br/> <span class="ft5">bäude- und Firsthöhe) für das benachbarte Grundstück kein über-</span><br/> <span class="ft5">mässiger Schattenwurf entstehe. Eine Zurückversetzung des geplan-</span><br/> <span class="ft5">ten Gebäudes um 2 m von der nördlichen Grundstücksgrenze hätte</span><br/> <span class="ft5">eine wesentliche Verkleinerung der Baute zur Folge, ohne dass dieser</span><br/> <span class="ft5">Einschränkung ein wesentlicher Vorteil für den Nachbarn oder die</span><br/> <span class="ft5">Allgemeinheit gegenüberstünde. Die Beschwerdeführer halten dieser</span><br/> <span class="ft5">Betrachtungsweise, die auch vom Baudepartement vertreten wird,</span><br/> <span class="ft5">entgegen, dass ihre Wohnräume wie auch der Sitzplatz, der Vorgar-</span><br/> <span class="ft5">tenbereich, die Kulturen und die Wiese vom Herbst bis zum Frühling</span><br/> <span class="ft5">durch die Nordfassade des Mehrfamilienhauses mehr als zwei Stun-</span><br/> <span class="ft5">den pro Tag beschattet würden; eine besondere Härte für die Bau-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">295</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">herrschaft ergebe sich nicht, wenn sie den ordentlichen Gebäudeab-</span><br/> <span class="ft5">stand einhalten müsse.</span><br/> <span class="ft5">b) Das BauG enthält in § 47 über die Grenz- und Gebäudeab-</span><br/> <span class="ft5">stände die folgende Grundsatznorm:</span><br/> <span class="ft2">,,</span><span class="ft6"><sup>1</sup></span><span class="ft2">Die Gemeinden schreiben Grenz- und Gebäudeabstände vor.</span><br/> <span class="ft6"><sup>2</sup></span><span class="ft2">Soweit die Gemeinden nichts anderes festlegen, können die Abstände</span><br/> <span class="ft2">durch einen mit dem Baugesuch einzureichenden Dienstbarkeitsver-</span><br/> <span class="ft2">trag reduziert oder aufgehoben werden. Ausgenommen sind Abstände</span><br/> <span class="ft2">gegenüber Mehrfamilienhäusern."</span><br/> <span class="ft5">Das Verwaltungsgericht hat im Rahmen einer Vernehmlas-</span><br/> <span class="ft5">sungsrunde die - im bisherigen Verfahren nicht thematisierte - Frage</span><br/> <span class="ft5">nach dem Verhältnis zwischen § 47 BauG und § 67 Abs. 2 BNO</span><br/> <span class="ft5">aufgeworfen. Die Beschwerdeführer haben dabei die Ansicht geäus-</span><br/> <span class="ft5">sert, es bestehe in Bezug auf Mehrfamilienhäuser für kommunale</span><br/> <span class="ft5">Bestimmungen in der Art von § 67 Abs. 2 BNO kein Raum mehr,</span><br/> <span class="ft5">wogegen der Gemeinderat und das Baudepartement die Anwendbar-</span><br/> <span class="ft5">keit der erwähnten Bestimmung bejahen.</span><br/> <span class="ft5">Bereits die Gesetzessystematik lässt kaum einen andern Schluss</span><br/> <span class="ft5">zu, als dass der Vorbehalt für Mehrfamilienhäuser ausschliesslich für</span><br/> <span class="ft5">den Fall gelten soll, dass die Grundstücksnachbarn die vorgeschrie-</span><br/> <span class="ft5">benen Grenz- oder Gebäudeabstände dienstbarkeitsvertraglich redu-</span><br/> <span class="ft5">zieren oder aufheben wollen; der erste Satz von § 47 Abs. 2 BauG</span><br/> <span class="ft5">enthält den Grundsatz (Abänderbarkeit der Abstände mittels eines</span><br/> <span class="ft5">Dienstbarkeitsvertrags), der zweite Satz die Ausnahme (Ausschluss</span><br/> <span class="ft5">von Vereinbarungen in Bezug auf Mehrfamilienhäuser). Auch die</span><br/> <span class="ft5">Materialien sprechen klar dafür, dass der Gesetzgeber nur dies im</span><br/> <span class="ft5">Auge hatte und nicht auch kommunale Spezialregelungen betreffend</span><br/> <span class="ft5">Grenz- und Gebäudeabstände (unter Miteinbezug von Mehrfamilien-</span><br/> <span class="ft5">häusern) ausschliessen wollte. In der regierungsrätlichen Botschaft</span><br/> <span class="ft5">vom 21. Mai 1990 zur Totalrevision des Baugesetzes vom 2. Februar</span><br/> <span class="ft5">1971 wird diesbezüglich ausgeführt (S. 28):</span><br/> <span class="ft2">,,§ 33 Abs. 2 (heute § 47 Abs. 2) geht wesentlich weiter als das gel-</span><br/> <span class="ft2">tende Recht (§ 164 Abs. 3 BauG), indem er den Nachbarn das Recht</span><br/> <span class="ft2">einräumt, schriftlich die Reduktion oder Aufhebung der Abstände zu</span><br/> <span class="ft2">vereinbaren. Er bindet <i>diese Befugnis der Nachbarn</i> aber an zwei Vor-</span><br/> <span class="ft2">behalte:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">296</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft2">- keine Reduktion gegenüber Mehrfamilienhäusern,</span><br/> <span class="ft2">- die Gemeinde beharrt nicht auf dem zwingenden Charakter der</span><br/> <span class="ft2">Abstandsvorschriften."</span><br/> <span class="ft5">Die ratio legis, welche hinter dem erwähnten Vorbehalt steht,</span><br/> <span class="ft5">liegt auf der Hand. Offensichtlich ging es hauptsächlich um den</span><br/> <span class="ft5">Schutz der Mieter; der Ersteller eines Mehrfamilienhauses sollte</span><br/> <span class="ft5">nicht zum Nachteil der künftigen Bewohner, die sich in der Baube-</span><br/> <span class="ft5">willigungsphase ja noch nicht wehren können, auf der Ebene privat-</span><br/> <span class="ft5">rechtlicher Abmachungen Abstandsreduktionen vornehmen können.</span><br/> <span class="ft5">Abgesehen davon macht es auch durchaus Sinn, den Gemeinden</span><br/> <span class="ft5">einen Spielraum für besondere Regelungen zu belassen, denn das</span><br/> <span class="ft5">- auf Verfassungsstufe verankerte (Art. 5 Abs. 2 BV; § 2 Satz 2 KV) -</span><br/> <span class="ft5">Verhältnismässigkeitsprinzip kann durch eine Gesetzesnorm wie § 47</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2 Satz 2 BauG klarerweise nicht ausgeschaltet werden (vgl.</span><br/> <span class="ft5">AGVE 1991, S. 335; 1997, S. 314).</span><br/> <span class="ft5">c) Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob die Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft5">von § 67 Abs. 2 BNO erfüllt sind. Verlangt wird in erster Linie, dass</span><br/> <span class="ft5">die Einhaltung des Gebäudeabstands ,,zu Härten führen würde".</span><br/> <span class="ft5">aa) Der Gesetzgeber erlässt Vorschriften, die auf den Normalfall</span><br/> <span class="ft5">zugeschnitten sind. Es ist weder möglich noch sinnvoll, sämtliche</span><br/> <span class="ft5">besonders gelagerten Situationen legislatorisch zu erfassen. Um</span><br/> <span class="ft4"><i>Härtefälle</i> zu vermeiden, welche die gesetzliche Regelung mit sich</span><br/> <span class="ft5">bringen kann, darf der Gesetzgeber die rechtsanwendenden Organe</span><br/> <span class="ft5">ermächtigen, davon aus Gründen der Billigkeit (Einzelfallgerechtig-</span><br/> <span class="ft5">keit) ausnahmsweise abzuweichen. Ausnahmebewilligungen dürfen</span><br/> <span class="ft5">also nur im Einzelfall erteilt und nicht dazu missbraucht werden,</span><br/> <span class="ft5">generelle Gründe zu berücksichtigen, die sich praktisch immer an-</span><br/> <span class="ft5">führen liessen, weil auf diesem Wege das Gesetz selber abgeändert</span><br/> <span class="ft5">würde. So stellt etwa die optimale Nutzung des Baugrundstücks ein</span><br/> <span class="ft5">allgemeines (privates) Interesse dar, das für sich allein keinen ausrei-</span><br/> <span class="ft5">chenden Grund für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung bilden</span><br/> <span class="ft5">kann. Mit dieser dürfen auch keine öffentlichen Interessen verletzt</span><br/> <span class="ft5">werden; die mit der Grundregel verfolgten öffentlichen Interessen</span><br/> <span class="ft5">sind mit den entgegenstehenden privaten Interessen auf Erteilung</span><br/> <span class="ft5">einer Ausnahmebewilligung abzuwägen (Ulrich Häfelin/ Georg</span><br/> <span class="ft5">Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. Auflage,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">297</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Zürich 1998, Rz. 1970; Leo Schürmann/Peter Hänni, Planungs-,</span><br/> <span class="ft5">Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 3. Auflage, Bern 1995,</span><br/> <span class="ft5">S. 268 f.; Erich Zimmerlin, Baugesetz des Kantons Aargau, Kom-</span><br/> <span class="ft5">mentar, 2. Auflage, Aarau 1985, § 155 N 1 ff.; BGE 107 Ia 215 f.;</span><br/> <span class="ft5">AGVE 1997, S.</span> <span class="ft5">314</span> <span class="ft5">f.; VGE III/110 vom 20.</span> <span class="ft5">August</span> <span class="ft5">1998</span><br/> <span class="ft5">[BE.98.00078] in Sachen G., S. 10).</span><br/> <span class="ft5">bb) Die Beschwerdegegnerin 1 machte in ihrer Vernehmlassung</span><br/> <span class="ft5">vom 5. Oktober 1998 geltend, die Parzelle Nr. y lasse nur den Bau</span><br/> <span class="ft5">eines Mehrfamilienhauses zu; alle andern Varianten seien unwirt-</span><br/> <span class="ft5">schaftlich. Ähnlich hatte sie bereits an der vorinstanzlichen Augen-</span><br/> <span class="ft5">scheinsverhandlung vom 28. April 1998 argumentiert: Bei der Pla-</span><br/> <span class="ft5">nung der Baute hätten die Grundstückskosten berücksichtigt werden</span><br/> <span class="ft5">müssen; aus wirtschaftlichen Überlegungen habe man sich für die</span><br/> <span class="ft5">Erstellung eines Mehrfamilienhauses entschieden, weil Einfamilien-</span><br/> <span class="ft5">häuser schwieriger zu veräussern seien. An der Verhandlung vor</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsgericht ergänzte die Beschwerdegegnerin 1, in Anbe-</span><br/> <span class="ft5">tracht der ungünstigen Grundstücksform könne nur ein Längsbau</span><br/> <span class="ft5">sinnvoll sein. Der Gebäudeabstand sei schon heute unterschritten;</span><br/> <span class="ft5">das projektierte Gebäude würde ihn lediglich im Umfange eines</span><br/> <span class="ft5">Drittels verletzen. Werde keine Reduktion gewährt, könnten die Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführer, deren Wohnhaus den grossen Grenzabstand nicht</span><br/> <span class="ft5">einhalte, von einem rechtswidrigen Zustand profitieren. Ein Mehr-</span><br/> <span class="ft5">familienhaus mit einem Soll-Gebäudeabstand von 12 m wäre min-</span><br/> <span class="ft5">derwertig. Zwei kleinere Einfamilienhäuser anstelle des Mehrfami-</span><br/> <span class="ft5">lienhauses brächten weniger Rendite.</span><br/> <span class="ft5">Während des ganzen Verfahrens ist unbestritten geblieben, dass</span><br/> <span class="ft5">die Beschwerdegegnerin 1 trotz der länglichen Grundstücksform</span><br/> <span class="ft5">durchaus Überbauungsalternativen besitzt. Dabei ist namentlich von</span><br/> <span class="ft5">Bedeutung, dass das bestehende Gebäude auf der Parzelle Nr. y auf</span><br/> <span class="ft5">dem ursprünglichen Grundriss wiederaufgebaut werden könnte. Die</span><br/> <span class="ft5">Bestimmung in § 40 Abs. 3 BNO, wonach Abweichungen in Bezug</span><br/> <span class="ft5">auf Grenzabstände u.a. ,,beim Wiederaufbau eines Gebäudes auf dem</span><br/> <span class="ft5">alten Grundriss" gestattet werden können, setzt diese Möglichkeit</span><br/> <span class="ft5">voraus. Die Gemeindevertreter haben zudem vor Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft5">bestätigt, dass der Abbruch und Wiederaufbau ,,im gleichen Volu-</span><br/> <span class="ft5">men" zulässig ist. Hieraus ergeben sich verschiedene Projektvarian-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">298</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">ten. Eine davon hat der Vertreter der kantonalen Fachstelle (Baude-</span><br/> <span class="ft5">partement, Abteilung Hochbau) aufgezeigt; seine Idee geht in die</span><br/> <span class="ft5">Richtung einer ,,L-förmigen Anlage, bestehend aus wenigen Einfa-</span><br/> <span class="ft5">milienhäusern". Aber auch bei einem Wiederaufbau ohne Bindung an</span><br/> <span class="ft5">den vorgegebenen Grundriss wäre die Überbauungschance gewahrt.</span><br/> <span class="ft5">Die Beschwerdegegnerin wäre dabei aufgrund der ,,Selbst-</span><br/> <span class="ft5">schutzfunktion" des grossen Grenzabstands relativ frei in der Wahl</span><br/> <span class="ft5">der Hauptwohnseite, auf welcher der erwähnte Abstand einzuhalten</span><br/> <span class="ft5">ist (vgl. AGVE 1994, S. 379 f., und 1997, S. 316, je mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft5">Jedenfalls läuft das Ganze nicht auf die Frage der Überbaubarkeit als</span><br/> <span class="ft5">solche, sondern darauf hinaus, dass eine weniger dichte Überbauung</span><br/> <span class="ft5">auch wirtschaftlich weniger interessant ist. Dies allein aber setzt den</span><br/> <span class="ft5">Bauherrn noch nicht einer unzumutbaren Härte aus. Wie weiter oben</span><br/> <span class="ft5">dargelegt worden ist (Erw. aa hievor), besteht kein Anspruch auf</span><br/> <span class="ft5">optimale Nutzung eines Grundstücks. Hinzu kommt, dass einer Ver-</span><br/> <span class="ft5">kürzung des Gebäudeabstands öffentliche und private Interessen</span><br/> <span class="ft5">entgegenstehen. Hinter den Abstandsvorschriften stehen primär die</span><br/> <span class="ft5">Interessen des Nachbarn. Diese können sich in der unter Umständen</span><br/> <span class="ft5">eingeschränkten Überbaubarkeit sowie in der Einsehbarkeit seines</span><br/> <span class="ft5">Grundstücks, in der Besonnungssituation und dergleichen konkreti-</span><br/> <span class="ft5">sieren. Darüber hinaus dienen derartige Vorschriften öffentlichen</span><br/> <span class="ft5">Interessen, namentlich solchen der Feuerpolizei, der Wohnhygiene,</span><br/> <span class="ft5">der Siedlungsgestaltung und der Ästhetik (vgl. Zimmerlin, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft5">§ 163-65 N 3; Walter Haller/Peter Karlen, Raumplanungs-, Bau- und</span><br/> <span class="ft5">Umweltrecht, 3.</span> <span class="ft5">Auflage, Zürich 1999, Rz. 638; AGVE 1997,</span><br/> <span class="ft5">S. 305). Gerade im Hinblick auf diese Interessenskonstellation</span><br/> <span class="ft5">dürfen die Öffentlichkeit und die Nachbarn auf der Einhaltung des</span><br/> <span class="ft5">Gebäudeabstands bestehen, sofern nicht aus der Sicht des Bauherrn</span><br/> <span class="ft5">eine ausserordentliche Situation vorliegt. Dies ist wie gesagt zu ver-</span><br/> <span class="ft5">neinen. Liesse man die von der Beschwerdegegnerin 1 vorgebrachten</span><br/> <span class="ft5">Gründe genügen, so wäre eine Aufweichung des Ausnahmecharak-</span><br/> <span class="ft5">ters von § 67 Abs. 2 BNO die Konsequenz.</span><br/> <span class="ft5">d) Damit erweist sich das Bauvorhaben als nicht bewilligungs-</span><br/> <span class="ft5">fähig, ohne dass die weiteren Voraussetzungen von § 67 Abs. 2 BNO</span><br/> <span class="ft5">zu prüfen wären. Ebenso erübrigt es sich, auf die Frage der Ortsbild-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">299</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">verträglichkeit einzugehen. In Gutheissung der Beschwerde ist die</span><br/> <span class="ft5">Baubewilligung aufzuheben.</span><br/> <br/> <br/> <span class="ft8">.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>