<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt zum 175-Jahr-Jubiläum der Bundesverfassung einen Fonds von 10 Millionen Schweizer Franken für 10 Jahre einzurichten. Mit den Mitteln des Fonds soll als ein Hauptschwerpunkt die öffentlichen Debatte zur Neutralität im Vergleich mit den offiziellen Verlautbarungen des Bundesrates und des Parlamentes an verschiedenen historischen Konfliktpunkten der Geschichte seit 1848 aufgearbeitet werden. Die Ergebnisse dieser Forschung sind der Öffentlichkeit mit geeigneten Gefässen, Anlässen, Ausstellungen, Debatten zugänglich zu machen. Darüber hinaus sollen weitere Forschungslücken z. B. der schweizerischen Verfassungsgeschichte identifiziert und geschlossen werden.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Auf der Grundlage der beiden gleichlautenden Motionen 21.3227 Motion Stöckli und 21.3373 Motion Flach "Jubiläum 175 Jahre Bundesverfassung" finden unter der Gesamtleitung der Parlamentsdienste der Bundesversammlung und unter dem Patronat des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) unter dem Motto "1848 - eine unglaubliche Geschichte" verschiedene Jubiläumsaktivitäten statt.</p><p>Der Bundesrat teilt die Meinung der Motionärin, dass ein selbstbewusstes Land und eine selbstbewusste Bevölkerung sich immer wieder mit seinen historischen Grundsätzen auseinandersetzen sollte. Ein Verständnis für Geschichte ist ein wichtiger Faktor für die politische und gesellschaftliche Kohäsion und kann helfen, heutige und zukünftige Herausforderungen in ihrer historischen Dimension zu verstehen. Die Neutralität ist ein Aspekt der historischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Schweiz.</p><p>Forschung und Lehre zur Allgemeinen Geschichte der Schweiz findet an allen Schweizer Universitäten statt, hervorzuheben sind die Abteilung Schweizer Geschichte an der Universität Bern sowie l'Unité d'histoire Suisse an der Universität Genf. 2005 hat der Schweizerische Nationalfonds (SNF) mit dem Nationalen Forschungsschwerpunkt "Demokratie. Herausforderungen an die Demokratie im 21. Jahrhundert" die Erforschung der Grundlagen der modernen Schweiz umfassend gefördert, aus dem das Zentrum für Demokratie Aarau hervorgegangen ist.</p><p>Zur Auseinandersetzung mit Neutralitätsgeschichte der Schweiz finden im Rahmen des 175-Jahr-Jubiläums der Bundesverfassung diverse Veranstaltungen statt: Neben einer Ringvorlesung "1848 - die Schweiz. Voraussetzungen und Folgen einer unwahrscheinlichen Integration" werden verschiede Lehrveranstaltungen zur Neutralitätsgeschichte angeboten, beispielsweise an den Universitäten Neuchâtel und Bern. Darüber hinaus bietet die Datenbank der Forschungsstelle Diplomatische Dokumente der Schweiz (Dodis), das Kompetenzzentrum für schweizerische Aussenpolitik und internationalen Beziehungen der Schweiz seit Gründung des Bundesstaates 1848, Zugang zu zentralen Quellen der Schweizer Geschichte und führt auch einen thematischen Schwerpunkt zur "Neutralitätspolitik". 2023 findet im Landesmuseum Zürich die Ausstellung statt "Zum Geburtstag viel Recht. 175 Jahre Bundesverfassung", die sich unter anderem auch mit der Neutralitätsgeschichte auseinandersetzt. Vom SNF wurde zudem eine digitale Publikation gefördert von Peter Lehmann "Die Umdeutung der Neutralität. Eine politische Ideengeschichte der Eidgenossenschaft vor und nach 1815" (publiziert 2019).</p><p>Ein befristetes Forschungsprogramm zur Neutralitätsgeschichte der Schweiz, finanziert über einen Fonds, und die Einsetzung einer unabhängigen Fachkommission für die Vergabe von Mitteln für Forschung, Publikationen und Ausstellungen ist sehr aufwändig, dies auch im Verhältnis zu der bereits lancierten Forschung in diesem Bereich. Das Bundesgesetz über die Förderung der Forschung und Innovation (SR 420.1 FIFG) bietet keine Grundlage dazu.</p><p>Die Forschenden haben ausreichend Möglichkeiten, über bestehende Fördergefässe Forschungsprojekte durchzuführen. Der Bundesrat sieht bezüglich der Initiierung weiterer Untersuchungen zu den Herausforderungen der Neutralität in der Schweiz keinen Handlungsbedarf.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.