Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. August 2013 (720 13 144) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yves Thom men, Kantonsrich- ter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D aniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, 4143 Dornach 1 gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1960 geborene A.____ meldete sich am 26. Augu st 2010 unter Hinweis auf eine Rückenproblematik bei der Eidgenössischen Invalidenversicher ung (IV) zum Bezug von Leis- tungen an. Nach Abklärung der erwerblichen, berufliche n und gesundheitlichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 9. April 2013 nach durchgeführtem Vorbescheidsverfah- ren den Anspruch von A.____ auf eine Invalidenrente ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, am 13. Mai 2013 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilu ng Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei die IV- Stelle zu verpflichten, medizinische Abklärungen betreff end Arbeitsfähigkeit des Beschwerde- führers vorzunehmen. Zudem sei ihm die unentgeltliche R echtspflege zu bewilligen; unter o/e Kostenfolge. In der Begründung wurde insbesondere die Zuverlässigkeit der Beurteilungen der von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen Fachgutachten von Dr. med. B.____, FMH Rheumato- logie und Innere Medizin, vom 8. September 2011 und vo n Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 11. Februar 2012 in Frage gestellt. C. In ihrer Vernehmlassung vom 31. Mai 2013 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 25. Juni 2013 bewilligte das Kan tonsgericht dem Versicherten die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung. E. Am 27. Juli 2013 liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 24. Juli 2013 einreichen. Gemäss dessen Ausführungen sei eine psychiatrische Untersuchung a nzuordnen; eventualiter sei die Angelegenheit zu diesem Zweck an die Vorinstanz zurückzuweisen. F. Die IV-Stelle hielt in ihrer Eingabe vom 7. August 2013 unter Hinweis auf den Bericht des Regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom 5. August 201 3 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Versicherte Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 1.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 1. Juni 1959 Versicherte, d ie ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursacht e und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähig keit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG aus- schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus ob jektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 1.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 1.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invalidit ätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 2. Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der So- zialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 2.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfal lversicherung entwickelten Grundsätze fin- den für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Ver- sicherungsgerichts [EVG] vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 3.1.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des Rentenanspruchs des Versicherten auf die Gutachten der Dres. B.____ und C.____. Dr. B. ____ führte in seiner Beurteilung vom 8. September 2011 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebralsyndrom bei Status nach Fenestration L4/5 linksseitig bei sequestriertem Band- scheibenvorfall links mit Neuralgie L5 und Fallfuss linksseit ig, einen Status nach Re- Fenestration L4/5 links, einen Status nach Hemilamine ktomie L5 links, Epiduralabszess- Entlastung, Duranaht bei intraoperativem Liquorleck sow ie Spüldrainagen-Einlage, eine schwe- re Osteochondrose L4/5 und eine deutliche Osteochondrose L5/S1 sowie persistierende moto- rische Ausfälle M5 im Sinne einer ausgeprägten Zehen- und Fussheberparese links fest. Die klinische Untersuchung zeige eine leichte Steifhaltung des Rückens. Das Achsenorgan weise einen Hohlrundrücken mit Hyperkyphose der Brustwirbelsäu le und eine Hyperlordose der Len- denwirbelsäule (LWS) auf. Es lägen keine akuten radikul ären Zeichen vor. Im linken Bein be- ständen deutliche Paresen, so eine Fuss- und vor allem ein e Zehenheberparese und eine Fusseversionsparese. Es lasse sich eine deutliche Atrophie d er Unterschenkelmuskulatur links finden. Es sei sehr gut nachvollziehbar, dass der Versicherte Mühe habe, auf unebenem Boden zu gehen. Bei geringer Belastung beständen zwar wenige Beschwerden, jedoch lägen deutliche Paresen im linken Bein vor. Sobald die Belastung anste ige, verspüre der Versicherte Rücken- schmerzen. Die Ausübung einer Tätigkeit in den angestamm ten Bereichen als Betriebs- und Hilfsarbeiter sei ihm aufgrund der hierfür notwendigen Belastbarkeit nicht mehr möglich. Körper- lich leichte Tätigkeiten mit Arbeiten, bei welcher er nicht über 7,5 kg heben, stossen oder ziehen müsse, vorwiegend sitzend arbeiten könne und die Möglichke it habe, nach einer Stunde die Position zu wechseln, seien ihm ab 21. Oktober 2010 zu 50 % und ab 21. Oktober 2010 (recte: 21. Dezember 2010) zu 100 % zumutbar. Aufgrund der d eutlichen Fussparesen links könne er maximal 15 Minuten gehen. Danach sei eine längere Pau se erforderlich. Da Hinweise auf eine depressive Störung beständen, welche die Arbeitsfähigke it des Versicherten einschränken könnte, empfehle er eine psychiatrische Untersuchung. 3.1.2 In seinem psychiatrischen Fachgutachten vom 11. Feb ruar 2012 konnte Dr. C.____ keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkei t feststellen. Der Versicherte sei durch eine schwierige psychosoziale Situation belastet. Seit lä ngerem liege er mit seiner Ehefrau in einem distanzierten, oftmals wortlosen Konflikt, so dass er einen grossen Teil seines Alltags ausser Haus verbringe. Auch beim Umgang mit seinen Kindern beständen die gleichen Schwie- rigkeiten. Dazu kämen die Probleme mit seinem Bruder, welchem er für ein Immobilienunter- nehmen in der Türkei Geld gegeben habe. Gemäss den Ang aben des Versicherten habe der Bruder ihn entgegen den mündlichen Vereinbarungen n icht korrekt behandelt. Die Ansicht des Versicherten, dass diese Problematik mit einem Auszug aus d er Wohnung gelöst werden kön- ne, deute darauf hin, dass die familiäre psychosoziale Be lastungssituation überwindbar sei und nicht zu einer relevanten, schwerwiegenden psychischen Fehl entwicklung geführt habe. Die objektiven Untersuchungsergebnisse ergäben, dass die Grundst immung nicht depressiv, son- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht dern subdepressiv bzw. dysthym zu beurteilen sei. In diesem R ahmen bestehe auch eine ge- wisse reduzierte affektive Schwingungsfähigkeit. Der Umsta nd, dass sich der Versicherte trotz Empfehlung nicht in eine psychotherapeutische Behandlung begeben habe, spreche ebenfalls gegen eine schwerwiegende affektive Störung. Mit der D ysthymie liege zwar eine gewisse leichte Störung der Affektlage vor. Insgesamt seien ab er gewichtige psychosoziale Belastungs- faktoren für die aus psychiatrischer Sicht relevanten Beschwerden verantwortlich. 3.2 Zum psychischen Gesundheitszustand des Versicherten äusser te sich Dr. D.____ in seinem Bericht vom 24. Juli 2013 zu Handen des Rechtsvert reters des Versicherten. Beim Ver- sicherten habe sich im Anschluss an die dritte Rückenoperatio n eine depressive Störung entwi- ckelt. Er sei psychisch zusammengebrochen und habe eine Kraf tlosigkeit sowie Erschöpfung erlebt, die sich auf die Grundstimmung nachhaltig ausg ewirkt habe. Anlässlich seiner Explora- tion hätten eine traurig-resignierte Grundstimmung, ein Freudeverlust, ein Gefühl der Wertlosig- keit, eine rasche Erschöpfung, Schlafstörungen, eine v ermehrte Reizbarkeit, ein sozialer Rück- zug, eine Vergesslichkeit, eine Zukunftsangst, negatives Denken, ein Grübelzwang und eine emotionale Labilisierung festgestellt werden können. Er bemühe sich, sein inneres Leiden nach aussen zu verbergen. Diagnostisch handle es sich um eine de pressive Entwicklung in zeitli- chem Zusammenhang mit den wiederholten neurochirurgischen Eingriffen. 3.3 In den Akten liegen etwas ältere Berichte des E.__ __ und des F.____ vor. Dem Bericht des E.____ vom 19. August 2010 kann eine Zusammenfassun g der Krankheitsgeschichte des Versicherten entnommen werden. Danach leide der Versich erte seit Jahren an Rückenschmer- zen. Ende Juni 2010 habe er zum ersten Mal ein Reiz- und ein sensomotorisches radikuläres Ausfallsyndrom L5 links verspürt. Wegen Zunahme der Beschw erden habe er am 7. Juli 2010 notfallmässig das E.____ aufgesucht. Es sei eine kaudal l uxierte Diskushernie L4/5 mit Tangie- rung der abgehenden Wurzel L5 links festgestellt worde n. Aufgrund der eindeutigen Klinik und den neuroradiologischen Befunden sei er zur Operation ins F.____ verlegt worden. Dort unter- zog er sich am 13. Juli 2010 einer ersten Fenestration a uf der Höhe des L4/5. Unmittelbar da- nach habe er über radikuläre Schmerzen bei Persistenz ei ner schweren Parese geklagt. Am 26. Juli 2010 seien die Fenestration erweitert und ein e Sequestrektomie sowie eine Mikrodis- kektomie durchgeführt worden. Danach seien die radikulä ren Schmerzen verschwunden, die schweren motorischen Ausfälle hätten sich dagegen nur di skret zurückgebildet. Zur postopera- tiven Rehabilitation sei der Versicherte ins E.____ zurü ckverlegt worden (vgl. auch Bericht des E.____ vom 17. März 2011 [Eingang]). Aufgrund einer E xazerbation der Rückenschmerzen sei am 12. August 2010 ein MRI der LWS durchgeführt worden. Danach habe sich ein Verdacht auf ein erneutes Rezidiv L4/5 links ergeben. Als Differential diagnose sei ein postoperativer Infekt in Betracht gezogen worden. In der Folge wurde am 13. A ugust 2010 eine Hemilaminektomie L5 links durchgeführt. Gemäss Bericht des F.____ vom 7. Sept ember 2010 habe der Versicherte an einer Spondylodiszitis L4/5 mit Epiduralabszess ventral auf Höhe L5 links und entzündlicher Beteiligung der paravertebralen Weichteile gelitten (vgl. Bericht von Dr. med. G.____, FMH Neurochirurgie, F.____, vom 7. September 2010 [Eing ang]). Am 7. September 2010 erfolgte eine Rückverlegung ins E.____ (vgl. Bericht des E.____ v om 14. Oktober 2010). Bei Spitalaus- tritt sei der Versicherte aus funktioneller Sicht selbstständig und sicher mobil gewesen. Es habe aber eine Parese der distalen Muskulatur am linken Be in vorgelegen. In seiner bisherigen Tä- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tigkeit als Betriebsarbeiter sei er zu 50 % (4 Stunden t äglich) arbeitsfähig. Es beständen eine verminderte körperliche Belastbarkeit und Ausdauer sowie eine Gehbehinderung infolge radiku- lärer C5-Paresen (recte wohl: L5-Paresen) links. Er kön ne keine schweren Gegenstände he- ben, schieben oder tragen. Leichte rückenergonomische Tät igkeiten seien ihm zumutbar. Aus- serdem sollte er die Möglichkeit haben, alternierend zu stehen, zu sitzen oder kürzere Strecken zu gehen (Bericht des E.____ vom 17. März 2011 [Eingang] ). Am 21. Oktober 2010 stellte Dr. G.____ fest, dass der Fallfuss linksseitig persistiere. Aufgrund des MRI vom 19. Oktober 2010 könne der Epiduralabszess nicht mehr nachgewiesen werden. Beschrieben würden dage- gen noch entzündliche Veränderungen im Sinne von Phleg monen. Nach wie vor bestehe eine chronische Depression. Aus neurochirurgischer Sicht sei der Versicherte für administrative Tä- tigkeiten zu 50 % arbeitsfähig. Dabei müsste die Arbeit wechselnd gehend, stehend und sitzend durchgeführt werden können. 4.1 Nach Würdigung der vorhandenen medizinischen Aktenl age ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle auf die Ergebnisse abstel lte, zu denen die Dres. B.____ und C.____ in ihren Fachgutachten vom 8. September 2010 und 11. Februar 2011 gelangten. Einzig in Bezug auf den Beginn der 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit kann den Schlussfolgerungen von Dr. B.____ nicht gefolgt werd en, worauf in der Erwägung 5.1 näher eingegangen wird. Was die Beurteilung des Gesundheitszu standes und der zumutbaren Ar- beitsfähigkeit des Versicherten angeht, ist den beiden Gutachten volle Beweiskraft zuzuerken- nen. Sie weisen weder formale noch inhaltliche Mängel auf, sie sind - wie dies vom Bundesge- richt verlangt wird (vgl. E. 2.3 hiervor) - für die str eitigen Belange umfassend, sie beruhen auf allseitigen Untersuchungen, sie berücksichtigen die geklag ten Beschwerden, sie sind in Kennt- nis der Vorakten abgegeben worden, sie leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusam- menhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situat ion ein und sie enthalten überzeugen- de Schlussfolgerungen. 4.2 Was der Versicherte dagegen vorbringt, ist nicht ge eignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft der Gutachten der Dres. B.____ und C.____ in Frage zu stellen. In der Beschwerde wies der Versicherte auf die von Dr. B.____ abweichenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte des F.____ und des E.____ hin. Er machte geltend, dass Dr. B.____ lediglich eine Ver- besserung des Gesundheitszustandes hinsichtlich des Lähmun gsgrades einzelner Muskeln feststelle. Er berücksichtige aber nicht die von den Ärzt en des E.____ festgestellte verminderte körperliche Belastbarkeit und Ausdauer aufgrund der ein geschränkten Beweglichkeit der LWS sowie die belastungs- und bewegungsabhängigen Schmerzen im Lumbalbereich. Hierzu ist festzustellen, dass Dr. B.____ in seiner Beurteilung du rchaus auf die Einschränkungen und Be- schwerden an der LWS einging. So stellte er fest, das s der Versicherte an deutlichen Osteo- chondrosen auf den Höhen L4/5 und L 5/S1 leide, die die LWS um rund einen Drittel mit End- phasenschmerzen einschränke. Er nahm zudem Bezug auf die vom Versicherten mitgebrach- ten MRI-Bilder und erklärte, dass wegen den dehydrierten Bandscheiben und der ausgeprägten Spangenbildung L4/5 von einer Mehretagenpathologie auszugehen sei. Aus seinen Ausführun- gen geht weiter hervor, dass die Fussheberparesen auf die lumboradikuläre Schmerzproblema- tik zurückzuführen seien. Indem er anlässlich seiner Untersu chung nun feststellte, dass die Paresen sich deutlich verbessert hätten, ist gleichzeitig davon auszugehen, dass die Be- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerden an der LWS auch geringfügiger wurden. Nicht s anderes ergibt sich aus dem Ein- wand, Dr. B.____ interpretiere die von Dr. G.____ vor genommene Arbeitsfähigkeit von 50 % nicht richtig. Den Ausführungen von Dr. G.____ ist zu entnehmen, dass sich das Beschwerde- bild am Rücken seit der letzten Operation im August 2 010 stark verbessert habe. Es seien kei- ne radikulären Zeichen oder ein Epiduralabszess mehr fe ststellbar gewesen, die Wunde sei reizlos und die Trendelenburg'sche Zeichen hätten sich zu rückgebildet. Lediglich der Fallfuss linksseitig persistiere und es lägen Phlegmone vor, welche aber im Rahmen von narbigen Um- bauten anzusehen seien. Indem er ausführte, dass eine "leichte Teilerholung der L5-Parese bei rückläufigem Trendelenburg-Zeichen" vorhanden sei, gab er zum Ausdruck, dass eine weiter- gehende Verbesserung durchaus möglich sei. Es ist deshalb n icht zu beanstanden, dass Dr. B.____ annahm, die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von D r. G.____ gelte nicht für die Zukunft. Weiter ist nicht ganz nachvollziehbar, was der Versicherte aus seinem Einwand, wonach sich Dr. G.____ bei seiner Einschätzung nicht nur auf das "Tr endelenburghinken" stütze, sondern sich auf die Gesamtheit der Beschwerden beziehe, zu sein en Gunsten ableiten möchte. Dr. B.____ begründete die Verbesserung des Gesundheitszustandes des Versicherten nicht nur mit dem vollständigen Verschwinden der Trendelenburg'schen Zeichen. Er stellte auch fest, dass sich die Paresen seit der Untersuchung durch Dr. G.____ verbessert hätten. Weitere somati- sche Einschränkungen führte Dr. G.____ nicht auf, so dass keine Anhaltspunkte bestehen, dass Dr. B.____ seine Beurteilung auf einer unvollständ igen Würdigung derjenigen von Dr. G.____ vornahm. Inwiefern zur Beurteilung der Ar beitsfähigkeit des Versicherten eine neu- rologische, neurochirurgische und gegebenenfalls eine orthopädische Beurteilung notwendig ist, begründet der Versicherte nicht. Aus den Akten erge ben sich keine Hinweise, dass solche fachärztliche Begutachtungen für eine rechtsgenügliche Sachverhaltsabklärung erforderlich sind. 4.3 Der Versicherte bemängelt weiter, dass Dr. C.____ se in Gutachten nicht in allen Teilen selbst verfasst habe, übernehme er doch die Auflistung der Akten wortwörtlich aus dem Gutach- ten von Dr. B.____. Damit sei erstellt, dass Dr. C.___ _ die Akten nicht selber gelesen habe. Dieser Schlussfolgerung kann nicht beigepflichtet werde n. Wie die IV-Stelle in ihrer Vernehm- lassung zutreffend ausführte, kann allein aus dem Umstan d, dass Dr. C.____ die Aktenauflis- tung von Dr. B.____ kopiert habe, nicht geschlossen werde n, dass er keine Einsicht in die Vorakten nahm. Zwar ist ein solches Vorgehen nicht unbedingt als vorbildlich zu bezeichnen, es sagt jedoch nichts über die Vollständigkeit und Zuverlässig keit seines Gutachtens aus. Unter dem Buchstaben D seines Gutachtens setzte er sich mit den V orakten detailliert auseinander, was ohne inhaltliche Kenntnis der vorangegangenen Berich te nicht möglich gewesen wäre. Auch das Vorbringen, aufgrund des vollständigen sozialen Rückzugs des Versicherten und die medikamentöse Behandlung sei von einer gravierenden d epressiven Störung auszugehen, kann nicht gefolgt werden. Dr. C.____ führte in seiner Beurteilung klar und nachvollziehbar aus, dass keine depressive Erkrankung vorliege, welche seine Ar beitsfähigkeit beeinflussen würde. Aufgrund seiner objektiven Untersuchungsbefunde könne er zwar eine belastende psychosozia- le Situa-tion feststellen, welche jedoch nicht zu einer relevanten, schwerwiegenden psychischen Fehlentwicklung geführt habe und zudem überwindbar sei . Hinweise für eine depressive Er- krankung lägen nicht vor, denn sowohl die Angaben des Ve rsicherten als auch die psychischen Befunde ergäben, dass keine eigentlich depressive, sondern lediglich eine subdepressive bzw. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dysthyme Grundstimmung vorliege. Es ist deshalb folgerichtig, dass Dr. C.____ eine Dysthymie ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizie rte. Der Bericht von Dr. D.____ vom 24. Juli 2013 ist nicht geeignet, an der Zuverlässigkeit des Gutachtens von Dr. C.____ zu zwei- feln. Einerseits fehlt es an einer Diagnose nach eine m gängigen Klassifikationssystem und an- dererseits geht aus seiner Beurteilung nicht hervor, we lchen Schweregrad die von ihm festge- stellte depressive Entwicklung aufweist und ob diese die A rbeitsfähigkeit des Versicherten be- einflusst. Da zudem die Erfahrungstatsache zum Tragen kom mt, dass behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Stellung in Zweife lsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc), kann auf seine Beurteilung nicht abgestellt werden. 4.4 Lässt die vorliegende medizinische Aktenlage nach dem Gesagten eine zuverlässige Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes und der Ar beitsfähigkeit des Versicherten zu, so kann auf die beantragte Anordnung von weiteren medizinischen Abklärungen verzichtet wer- den (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. dazu BGE 13 1 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 5.1 Während die von den Dres. B.____ und C.____ vorge nommenen Beurteilungen des Gesundheitszustandes und des Ausmasses der zumutbaren Arbei tsfähigkeit schlüssig sind, ist der von Dr. B.____ festgelegte Zeitpunkt, ab wann dem Versicherten eine 100%ige leidensan- gepasste Tätigkeit zumutbar sei, nicht überzeugend und i st deshalb einer näheren Prüfung zu unterziehen. Im Gutachten vom 8. September 2011 ging D r. B.____ davon aus, dass der Versi- cherte eine leichte angepasste Tätigkeit ab 21. Oktober 2010 zu 50 % und ab 21. Dezember 2010 zu 100 % hätte ausüben können. Zur Begründung fü hrte er aus, dass der Versicherte ge- mäss der hausärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit seit 20. Dezember 2009 zu 100 % arbeits- unfähig gewesen sei. Gestützt auf die Beurteilung von Dr. G.____ vom 21. Oktober 2010 neh- me er an, dass ihm ab 21. Oktober 2010 eine Tätigkeit gemäss seinem Verweisprofil zu 50 % habe zugemutet werden können. Zwei Monate später sei di e Ausführung einer leidensange- passten Arbeit zu 100 % möglich gewesen. Die Steigerung der Arbeitsfähigkeit von 50 % auf 100 % ab 21. Dezember 2010 begründete er jedoch nicht . Es ist daher nicht nachvollziehbar, weshalb bereits nach 2 Monaten die Arbeitsfähigkeit vo n 50 % auf 100 % gesteigert werden konnte. Den Akten sind keine Anhaltspunkte zu entnehmen, dass zwischen Oktober und De- zember 2010 eine derart erhebliche Verbesserung des G esundheitszustandes eintrat. So be- stätigte auch keiner der behandelnden Ärzte während dieser Zeit eine volle Arbeitsfähigkeit. Der retrospektiven Beurteilung des Beginns der 100%igen Ar beitsfähigkeit von Dr. B.____ kann deshalb nicht gefolgt werden. Da Dr. G.____ zuletzt echtzeitlich per 21. Oktober 2010 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigte, erscheint es sachger echt, den Beginn der 100%igen Ar- beitsfähigkeit ab Untersuchungszeitpunkt bei Dr. B.____, d.h. ab 29. August 2011, festzulegen. Für die Zeit davor ist gemäss der medizinischen Aktenlage davon auszugehen, dass der Versi- cherte vom 20. Dezember 2009 bis 20. Oktober 2010 zu 100 %, vom 21. Oktober 2010 bis 28. August 2011 zu 50 % arbeitsunfähig war und ab 29. August 2011 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit besteht. 5.2 Der Rentenanspruch setzt unter anderem voraus, dass die versicherte Person wäh- rend mindestens eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruc h mindestens 40 % arbeitsunfähig Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewesen ist (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Vorliegen d ist der Versicherte in der angestammten Tätigkeit seit 20. Dezember 2009 vollständig bzw. vom 2 1. Oktober 2010 bis 28. August 2011 zu 50 % arbeitsunfähig. Das gesetzlich vorgesehene Wartejahr begann damit am 20. Dezember 2009 zu laufen und endete am 19. Dezember 2010. Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Ren- tenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten na ch Geltendmachung des Leistungs- anspruchs. Der Versicherte meldete sich im August 2010 zum Leistungsbezug an, womit - nach Erfüllung der einjährigen Wartezeit - ein Rentenansp ruch frühestens ab Februar 2011 besteht. Damit hat er gestützt auf Art. 29 Abs. 3 IVG Anspruch auf eine Invalidenrente ab 1. Februar 2011. 6.1 Der Invaliditätsgrad ist bei erwerbstätigen Versiche rten aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Die IV-Stelle nah m in der angefochtenen Verfügung vom 9. April 2013 zur Ermittlung der Einschränkung des Versi cherten im Erwerbsbereich den erfor- derlichen Einkommensvergleich vor. Dabei ermittelte sie anhand der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamte s für Statistik (BSF) ein Vali- deneinkommen von Fr. 61'164.-- und unter Berücksichtigung eines leidenbedingtes Abzugs von 10 % ein Invalideneinkommen von Fr. 55'048.--. Die Be messungsgrundlagen für die Ermittlung des Invaliditätsgrades erweisen sich grundsätzlich als recht ens und werden vom Versicherten nicht beanstandet. Die Berechnung der IV-Stelle ist jedoch gemäss den in Erwägungen 5.1 und 5.2 dargelegten Ausführungen wie folgt zu korrigieren: 6.2 Laut Tabelle TA1 der LSE 2010, Total, belief sich der monatliche Bruttolohn für die im privaten Sektor mit einfachen und repetitiven Aufgabe n (Anforderungsniveau 4) beschäftigten Männer auf Fr. 4'901.--. Umgerechnet auf eine Wochen arbeitszeit von 41,7 Stunden (vgl. Die Volkswirtschaft, 7/8/2013, S. 94, Tabelle 9.2.) beträgt das Jahreseinkommen Fr. 61'311.50. Un- ter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung im Jahr 2011 von 1 % (vgl. BSF, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Real löhne, 1976 - 2011, Männer) resultiert ein Valideneinkommen von Fr. 61'925.--. 6.3 Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung zu mutbarerweise noch realisier- baren Einkommens (Invalideneinkommen) sind ebenfalls d ie Tabellenlöhne heranzuziehen. Ausgehend vom für das Jahr 2011 massgebenden Validenei nkommen von Fr. 61'925.-- ergibt sich bei einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50 % ab R entenbeginn (= 1. Februar 2011) ein jährliches Einkommen von Fr. 30'962.50 (Fr. 61'925.-- : 2) und bei einer ab 29. August 2011 zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 100 % ein solches von Fr . 61'925.--. Unter Berücksichtigung eines leidenbedingten Abzugs von 10 % beträgt das hier massgebende Invalideneinkommen Fr. 27'866.-- (bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 %) bzw. Fr. 55'732.50 (bei einer Arbeitsfähigkeit von 100 %). 6.4 Stellt man im Einkommensvergleich das für die Zeit vom 1. Februar 2011 bis 28. August 2011 massgebende Invalideneinkommen von Fr. 27'866.-- dem Valideneinkommen von Fr. 61'925.-- gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 34'059.--, was einen Invaliditätsgrad von rund 55 % ergibt (zur Rundungspr axis des Bundesgerichts vgl. BGE 130 V 121 ff.). Der für die Zeit ab 29. August 2011 vorzune hmende Einkommensvergleich ergibt bei Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht einem Valideneinkommen von Fr. 61'925.-- und einem In valideneinkommen von Fr. 55'732.50 einen Invaliditätsgrad von 10 %. 6.5 Demgemäss hat der Versicherte bei einem Invalidengr ad von 55 % für die Zeit vom 1. Februar 2011 bis 28. August 2011 Anspruch auf ein e halbe Invalidenrente. In diesem Zu- sammenhang gilt es allerdings die Bestimmung von Art. 88 a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 zu beachten, wonach bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit die Anspruch beeinflussende Änderung für die Herabsetzung der Leistung von dem Zeitpunkt zu berücksichtigen ist, in welchem ange nommen werden kann, dass sie vo- raussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall von Belang, nachdem sie ohne we- sentlichen Unterbruch drei Monate angedauert hat und voraussichtlich länger andauern wird. Bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit ab 29. August 2011, hat der Versi- cherte gestützt auf Art. 88a Abs. 1 IVV bis Ende November 2011 Anspruch auf eine halbe Inva- lidenrente. Die angefochtene Verfügung vom 9. April 2 013, mit welcher die Zusprechung einer Rente abgelehnt wurde, ist somit aufzuheben und es ist dem Versicherten rückwirkend ab 1. Februar 2011 eine bis 30. November 2011 befristete halbe Invalidenrente auszurichten. Demgemäss ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeit en um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes übe r die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahrenskosten in der Re- gel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt; gegenüber den Vorinstan- zen bzw. den kantonalen Behörden werden indessen grunds ätzlich keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend die Vorinstanz unterlegen ist, ist auf die Erhebung von Verfahrenskos- ten zu verzichten. 7.2 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens ent sprechend ist dem Beschwerdefüh- rer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Sein Rechtsvertre- ter wies in seiner Honorarnote vom 27. Juli 2013 einen Zeitaufwand von insgesamt 9,25 Stun- den sowie Auslagen von Fr. 40.-- aus, was umfangmässig nicht zu beanstanden ist. Seine Be- mühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anwen- dung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entsch ädigen. Damit ist dem Beschwerde- führer für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'573.65 (9,25 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 40.-- zuzüglich 8 % Mehrwert- steuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird f estgestellt, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf eine vom 1. Februar 2011 bis 30. November 2011 befristete halbe Invalidenrente hat; im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle hat dem Beschwerdeführer eine Part eientschädigung in Höhe von Fr. 2'573.65 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) auszu- richten. http://www.bl.ch/kantonsgericht