A bteilung II B -7379/2006 {T 0/2} U rteil vom 17. Juli 2007 M itw irkung: R ichter M arc Steiner (Vorsitz), R ichter Bernard M aitre, R ichter D avid Aschm ann; G erichtsschreiber Thom as Zogg. H ._______, vertreten durch A. W . M etz & C o. AG , H ottingerstrasse 14, Postfach, 8024 Zürich, Beschw erdeführerin gegen Eidgenössisches Institut für G eistiges Eigentum , Stauffacherstrasse 65, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend M arkenrecht (Schutzverw eigerung der internationalen R egistrierung N r. 834'198 [Leim tube 3D ] für die Schw eiz) B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie Beschw erdeführerin ist Inhaberin der IR -M arke 834'198 (3D ) m it U r- sprungsland D eutschland, registriert am 17. August 2004. D ie M arke bean- sprucht Schutz unter anderem in der Schw eiz, und zw ar für Adhésifs (m a- tières collantes) à usage industriel (Klasse 1) und Adhésifs (m atières collantes) pour la papeterie, la m aison et le bricolage (Klasse 16). Sie sieht w ie folgt aus: Für die M arke ist zudem der Farbanspruch Silber, R ot und Schw arz regist- riert. B. Am 31. O ktober 2005 verw eigerte das Eidgenössische Institut für G eisti- ges Eigentum (IG E) der M arke in Bezug auf säm tliche beanspruchten W a- renklassen vorläufig den Schutz für die Schw eiz m it der Begründung, die Form sei gew öhnlich und banal. C . In der Stellungnahm e zur provisorischen Schutzverw eigerung vom 14. Fe- bruar 2006 m achte die Beschw erdeführerin geltend, dass das hinterlegte Zeichen von der banalen W arenform erheblich abw eiche und dass deshalb der Schutz in der Schw eiz vollum fänglich zu gew ähren sei. D . M it Schreiben vom 3. M ai 2006 hielt das IG E an der Schutzverw eigerung fest. D ie zu beurteilende Leim tube w erde vom Abnehm er als übliche Form m it funktionalen und gestalterischen bzw . rein dekorativen Elem enten auf- gefasst, w elche nicht genügend von den zahlreichen banalen Form en in diesem W arenbereich abw eicht. E. M it Schreiben vom 15. Juni 2006 ersuchte die Bescherdeführerin um Er- lass einer beschw erdefähigen Verfügung. F. M it Verfügung vom 25. August 2006 verw eigerte das IG E der IR -M arke 834'198 definitiv den Schutz in der Schw eiz für die beanspruchten W aren. G . H iergegen erhob die Beschw erdeführerin am 6. Septem ber 2006 Be- schw erde an die Eidgenössische R ekurskom m ission für geistiges Eigen- tum und stellte folgende R echtsbegehren: 3 1. Es sei die Verfügung des Eidgenössischen Instituts für G eistiges Eigentum vom 25. August 2006 aufzuheben. 2. Es sei der Internationalen R egistrierung 834'198 der Schutz in der Schw eiz zu gew ähren. 3. D as Eidgenössische Institut für G eistiges Eigentum sei anzuw eisen, seine defi- nitive Schutzverw eigerung aufzuheben und die Schutzzulassung zu verfügen. 4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Vorinstanz. H . M it Vernehm lassung vom 23. O ktober 2006 beantragte die Vorinstanz, die Beschw erde unter Kostenfolge zulasten der Beschw erdeführerin vollum - fänglich abzuw eisen. I. Am 15. N ovem ber 2006 w urde das Verfahren per 1. Januar 2007 an das Bundesverw altungsgericht überw iesen. J. M it Schreiben vom 23. M ärz 2007 stellte die Vorinstanz ein G esuch um Sistierung des Verfahrens, da ein hängiges Verfahren vor dem Bundesge- richt (G eschäftsnum m er 4A.1/2007) präjudizielle W irkung auf das vorlie- gende Verfahren haben könnte. K. N och vor dem Sistierungsantrag hatte die Beschw erdeführerin m it Schrei- ben vom 6. Februar 2007 die D urchführung einer öffentlichen Verhandlung verlangt, w elche am 29. M ärz 2007 stattfand. D ie Vorinstanz stim m te der D urchführung derselben trotz hängigem Sistierungsgesuch zu. Anlässlich der Verhandlung hielten beide Parteien an ihren Anträgen fest. Auf ihre Vorbringen ist, sow eit erforderlich, im R ahm en der nachfolgenden Erw ä- gungen einzugehen. L. Am 3. April 2007 stellte die Beschw erdeführerin den Antrag auf Abw eisung des Sistierungsgesuchs der Vorinstanz vom 23. M ärz 2007. M it Zw ischen- verfügung vom 4. April 2007 w urde das Sistierungsgesuch der Vorinstanz abgew iesen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. D as Bundesverw altungsgericht ist zur Beurteilung von Beschw erden ge- gen Eintragungsverfügungen der Vorinstanz in M arkensachen zuständig (Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). Es hat das vorliegende Verfahren am 1. Januar 2007 von der Eidgenössischen R ekurskom m ission für geistiges Eigentum übernom m en (Art. 53 Abs. 2 VG G ). D ie Beschw erde w urde in der gesetzlichen Frist ge- m äss Art. 50 Abs. 1 des Verw altungsverfahrensgesetzes vom 20. D ezem - ber 1968 (Vw VG , SR 172.021) eingereicht und der verlangte Kostenvor- schuss rechtzeitig geleistet. Als Antragstellerin betreffend Schutzausdeh- nung der IR -M arke 834'198 für die Schw eiz ist die Beschw erdeführerin durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und beschw ert 4 (Art. 48 Vw VG ). Auf die Beschw erde ist daher einzutreten. 2. Zw ischen D eutschland und der Schw eiz gelten das M adrider Abkom m en über die internationale R egistrierung von M arken (M M A) sow ie die Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutz des gew erblichen Eigentum s (PVÜ ) ge- m äss den am 14. Juli 1967 in Stockholm revidierten Fassungen (SR 0.232.112.3 und 0.232.04). N ach Art. 5 Abs. 2 M M A kann die Vorinstanz innerhalb eines Jahres ab M itteilung einer internationalen M arkenregistrie- rung erklären, dass sie dieser M arke den Schutz in der Schw eiz ver- w eigere (vgl. den Entscheid des Bundesverw altungsgerichts B-7397/2006 vom 4. Juni 2007, E. 2 G itarrenkopf). M it dem Versand der N otification de refus provisoire total am 31. O ktober 2005 aufgrund der M itteilung der R e- gistrierung der IR -M arke 834'198 am 11. N ovem ber 2004 w urde diese Jah- resfrist eingehalten. 3. G estützt auf Art. 5 Abs. 1 M M A in Verbindung m it Art. 6quinquies B Ziff. 2 PVÜ darf die Eintragung insbesondere dann verw eigert w erden, w enn die M ar- ke jeder U nterscheidungskraft entbehrt oder ausschliesslich aus beschrei- benden Zeichen oder Angaben besteht. D ieser zw ischenstaatlichen R ege- lung entspricht Art. 2 lit. a des M arkenschutzgesetzes vom 28. August 1992 (M SchG , SR 232.11), w onach die Eintragung dann zu verw eigern ist, w enn das Zeichen, für w elches der M arkenschutz verlangt w ird, G em ein- gut ist. D am it können Lehre und Praxis zu dieser N orm herangezogen w er- den (BG E 114 II 373 E. 1 Alta tensione, 128 III 457 E. 2 Yukon). 4. 4.1 Bei der Beurteilung einer Form m arke ist zu berücksichtigen, dass die Ab- nehm erkreise in einer W aren- oder Verpackungsform grundsätzlich die G estaltung der W are bzw . der Verpackung selber sehen und nicht einen betrieblichen H erkunftshinw eis (U rteil des Bundesgerichts 4A.15/2006 vom 13. D ezem ber 2006, E. 5 W ellenflasche). Es genügt deshalb nicht, dass eine angem eldete Form die W are von anderen Produkten unterscheidbar m acht, sondern sie m uss eine H erkunftsfunktion erfüllen, um als M arke eingetragen w erden zu können (M AG D A STR EU LI-YO U SSEF, Zur Schutzfähigkeit von Form m arken, in: sic! 11/2002, S. 796). N ach der Form ulierung des Bundesgerichts m üssen Form m arken "durch ihre Eigenheiten auffallen, vom G ew ohnten und Erw arteten abw eichen und dadurch im G edächtnis der Abnehm er haften bleiben", um als U nterscheidungsm erkm al zu dienen (BG E 120 II 310 E. 3a-b The O riginal; 129 III 525 E. 4.1 Lego; U rteil des Bundesgerichts 4A.1/2007 vom 20. April 2007, E. 3.1). 4.2 Ist die Form einer W are oder einer Verpackung technisch bedingt, aber nicht technisch notw endig, w ird sie in der R egel zum G em eingut nach Art. 2 lit. a M SchG gezählt, das durch Verkehrsdurchsetzung nachträglich Eintragungsfähigkeit erlangen kann (BG E 129 III 519 E. 2.4.3 Lego). Tech- nisch bloss "m itbeeinflusste" Form en gelten sodann auch ohne Verkehrs- durchsetzung als unterscheidungskräftig, falls sie sich nicht in Form en des G em einguts erschöpfen (BG E 129 III 519 E. 2.4.4 Lego). W eitere Vorga-5 ben können sich aus nicht technischen G ebrauchskonventionen oder aus anderen Bedürfnissen ergeben und ebenfalls ein Freihaltebedürfnis be- gründen. N ach Ansicht der Vorinstanz gehört die M arke der Beschw erde- führerin zum durchsetzungsfähigen G em eingut nach Art. 2 lit. a M SchG . 4.3 D er im in Frage stehenden W arensegm ent vorzufindende Form enschatz ist bei der Beurteilung einer Form m arke insofern von Bedeutung, als es bei grosser Form envielfalt schw ieriger ist, eine nicht banale Form zu schaffen, die von den Abnehm ern als betrieblicher H erkunftshinw eis und nicht als dekoratives Elem ent oder technisches Beiw erk verstanden w ird (Entscheid der R KG E vom 15. D ezem ber 2004, in: sic! 6/2005, S. 471 E. 6 W aben- struktur). M it der zunehm enden Vielfalt von Form en in einem W arenseg- m ent steigen dem nach die Anforderungen an die U nterscheidungskraft ei- ner Form (STR E U LI-YO U SSEF, a.a.O ., S. 796). Zentral ist dabei stets die Fra- ge, ob der Konsum ent in der fraglichen Form einen H inw eis zur Identifikati- on des Produktherstellers sieht. N ur solche Form elem ente, die der Konsu- m ent nicht m ehr w egen ihrer ästhetischen Attraktivität und unter dem G e- sichtspunkt des D esigns erw artet, können als H erkunftsbezeichnung U n- terscheidungskraft haben (Entscheid der R KG E vom 4. Septem ber 2003, in: sic! 2/2004, S. 99 E. 4 D iortasche; Entscheid der R KG E vom 31. O kto- ber 2006, E. 8 Verdrehte Flasche). 4.4 Eine m arkenfähige Form kann auch durch die Kom bination von zw ei- und dreidim ensionalen G estaltungsm itteln oder durch Einschränkung auf be- stim m te Farben begründet w erden (C H R ISTO PH W ILLI, Kom m entar M arken- schutzgesetz, D as schw eizerische M arkenrecht unter Berücksichtigung des europäischen und internationalen M arkenrechts, Zürich 2002, Art. 2 N . 125). M it der G eltendm achung eines Farbanspruchs bringt der H interleger zum Ausdruck, dass er den Schutz der von ihm beanspruchten M arke nur in einer bestim m ten Farbausführung beansprucht. D am it eine an sich ge- w öhnliche Form , die zusätzlich zw ei oder dreidim ensionale G estaltungs- elem ente enthält, als M arke geschützt w erden kann, m uss deren Kom bina- tion derart originell und kennzeichnungskräftig sein, dass sie im G edächt- nis der Abnehm er haften bleibt (U rteil des Bundesgerichts 4A.6/1999 vom 14. O ktober 1999, in: sic! 4/2000, S. 286 E. 3c R unde Tablette; Entscheid der R KG E vom 12. Februar 1998, in: sic! 3/1998, S. 300 f. E. 6 Blaue Fla- sche). Entscheidend ist, ob m it dem zusätzlichen Elem ent ein Bezug zur betrieblichen H erkunft der W are geschaffen w ird und die Form deshalb unterscheidungskräftig w irkt. D ies w ird insbesondere durch gut erkennbare zw eidim ensionale Elem ente – w ie den Firm enschriftzug – erreicht, da ein klarer Bezug zur betrieblichen H erkunft geschaffen w ird (vgl. dazu den Entscheid des Bundesverw altungsgerichts B-7422/2006 vom 3. M ai 2007 [zur Publikation vorgesehen], E. 5 G oldrentier). 5. 5.1 D ie im vorliegenden Fall zu beurteilende Form gleicht im G esam tbild einer auf dem Kopf stehenden Tube. D agegen fällt es schw er, in ihr einen Fla- kon – ähnlich einem Parfüm flakon – zu sehen. D ie Form ähnelt viel eher einer C rèm etube oder einer auf dem Kopf stehenden Sham pooflasche. All 6 diesen Verpackungsform en ist gem ein, dass sie für das Aufbew ahren von dickflüssigen M assen vorgesehen sind. D as Stehen auf dem Kopf m acht die dickflüssige M asse sofort verfügbar und erleichtert die Applikation der Flüssigkeit, im vorliegend zu beurteilenden Fall diejenige des Leim s. M iss- geschicke – w ie m an sie beim zu heftigen Schütteln oder D rücken einer nicht auf dem Kopf stehenden Flasche kennt – können so leicht verhindert w erden. D ie G rundkonzeption der zu beurteilenden Form (eine auf den Kopf gestellte Tube, w elche die darin befindliche M asse sofort verfügbar m acht) ist dem zufolge nicht als einzigartiger und origineller Beitrag zur W arenform zu betrachten, sondern technisch bzw . funktional bedingt. 5.2 D ie Leim tube der Beschw erdeführerin besteht aus zw ei dom inierenden Elem enten: dem schw arzen Sockel einerseits und dem silbernen Aufsatz, den m an w ohl genauer als silbergrau bezeichnen m üsste, andererseits. D er schw arze Sockel ist oval und w eitet sich gegen unten aus. Er dient ei- nerseits als D eckel, andererseits erm öglicht er den stabilen Stand der Leim tube. D er schw arze Sockel unterscheidet sich in der Form kaum von anderen D eckeln, die das senkrechte Stehen auf dem Kopf erm öglichen. Solche D eckel w eiten sich typischerw eise gegen unten aus, um die not- w endige Stabilität der Verpackung sicherzustellen. M an findet sie deshalb regelm ässig bei Tuben und Sham pooflaschen. Auch der D eckel der Leim - tube ist folglich technisch bedingt. D er silberne Aufsatz hat eine rundlich geschw ungene Form , die sich zu- nächst ausw eitet und sich gegen oben w ieder verjüngt. Sie endet abrupt durch einen schrägen Schnitt. D ie runde Form ist typisch für Behälter w ie Flaschen oder Tuben. Bei der rundlichen Ausbuchtung handelt es sich um ein verbreitetes G estaltungselem ent. Zudem passt sich die Form – insbe- sondere der Bauch – ideal an die Anatom ie der H and an. D ie geschw unge- ne G rundform des silbernen Aufsatzes hat deshalb ebenfalls eine tech- nisch bedingte Kom ponente. Einzig der abrupte schräge Schnitt w eicht leicht vom üblichen Erscheinungsbild von auf dem Kopf stehenden Fla- schen oder Tuben ab. D ieser Schnitt ist aber nicht m ehr als ein ästheti- sches und dekoratives Elem ent, das unter dem G esichtspunkt des D esigns erw artet w ird. Ästhetik und D esign sind aber nicht durch das zeitlich unbe- fristete M arkenrecht, sondern durch das D esigngesetz zu schützen. Im G e- sam teindruck bleibt der schräge Schnitt lediglich ein ästhetisches Stilm it- tel, das zu w enig auffällt, als dass es als U nterscheidungs- und Iden- tifikationsm erkm al im Sinne von Art. 1 Abs. 1 M SchG dienen könnte (vgl. dazu auch den Entscheid der R KG E vom 4. Septem ber 2003, in: sic! 2/2004, S. 99 E. 4 D iortasche). D as rote Viereck oberhalb des schw arzen Sockels ist m it längs verlau- fenden R ippen versehen. D ieses Elem ent dient dem besseren H alt der Finger bei der Applikation des Leim s. Es handelt sich um ein vorw iegend funktionales Elem ent, das - m it Ausnahm e der besonderen Farbgebung (vgl. dazu E. 5.3 hiernach) - vom Konsum enten erw artet w ird. Solche H al- tevorrichtungen findet m an deshalb auch regelm ässig bei anderen Bastel- und Büroutensilien w ie Leucht- oder Leim stiften.7 5.3 D er für die Leim tube der Beschw erdeführerin beantragte Farbanspruch lautet auf Schw arz, R ot und Silber. Schw arz und R ot sind im beanspruch- ten W arensegm ent verbreitete Farben. Insbesondere D eckel sind oft in schw arzer Farbe gehalten. D urch die rote Farbe sticht dem Konsum enten das Viereck oberhalb des scharzen Sockels als H altevorrichtung sofort ins Auge. Er erkennt, w ie er die Tube in die H and nehm en m uss, dam it er den Leim optim al auftragen kann. D ie rote Farbe ist zw ar auffällig, w ird aber zugleich als Signalfarbe regelm ässig dazu benutzt, jem anden auf etw as aufm erksam zu m achen. W ie im hier zu beurteilenden Fall hat sie insow eit eine funktionale Kom ponente. D am it kom m t dem beschriebenen Viereck unter Berücksichtigung der roten Farbe eine gew isse Bedeutung zu, die al- lerdings durch das funktionale Elem ent relativiert w ird. D er R est der Form ist in einem dem Industriestandard entsprechenden Silber bzw . Silbergrau gehalten. Im verschw om m enen Erinnerungsbild des Konsum enten hinter- lässt auch diese Farbe keinen prägenden Eindruck. 5.4 Letztlich kom m t es bei der Beurteilung einer Form m arke auf den optischen G esam teindruck an. D er G esam teindruck darf nicht durch die gem einfreien Elem ente geprägt sein (W ILLI, a.a.O ., Art. 2 N . 124). D er zu schützende G egenstand m uss sich vom gew öhnlichen Form enschatz unterscheiden und bei den m assgeblichen Abnehm erkreisen – hier vorw iegend der D e- tailhandelskäuferschaft von Leim , insbesondere auch der Kundschaft von Bau- und H obbyfachm ärkten – aufgrund der O riginalität als betriebliche H erkunftsbezeichnung aufgefasst w erden. Im beanspruchten W arenseg- m ent (Leim für gew erbliche und private Zw ecke) gibt es unbestrittenerw ei- se eine grosse Form envielfalt (vgl. E. 4.3 hiervor). Tuben, Flaschen, D o- sen, Kübel, Stifte und Töpfe sind nur einige der m öglichen W arenform en. D iese Form envielfalt führt dazu, dass es um so schw ieriger ist, eine origi- nelle und unterscheidungskräftige Form zu schaffen, die beim Konsu- m enten als betriebliche H erkunftsbezeichnung haften bleibt. N ur der U m - stand, dass eine Form neu ist, reicht nicht, um den abstrakt erw arteten Form enschatz zu sprengen. D ie Form der strittigen Leim tube ist entgegen den Ausführungen der Beschw erdeführerin (Plädoyernotizen, S. 7) durch- aus praktisch. Einerseits liegt sie bei der Applikation des Leim s ergono- m isch in der H and, andererseits erm öglicht das Stehen auf dem Kopf die sofortige Verfügbarkeit des Leim s (vgl. ausführlich E. 5.2). Einzig der schräge Schnitt w eicht leicht vom G ew ohnten ab. D en G esam teindruck verm ag er aber nicht entscheidend zu prägen. Som it verleiht das D esign der Leim tube keine genügende Kennzeichnungskraft. Zusam m enfassend lässt sich festhalten, dass sich die Leim tube der Beschw erdeführerin als dreidim ensionales G estaltungsm ittel zu w enig von den gew ohnten und er- w arteten Form en im Leim sektor abhebt und m angels O riginalität nicht im G edächtnis der Konsum enten haften bleibt. Auch die Kom bination von Form und Farbe prägt das G esam tbild nicht derart, dass es vom Erw arte- ten in kennzeichnungskräftiger W eise abw eicht. Bei Leim tuben herrscht nicht nur eine enorm e Form en-, sondern auch eine ebenso reiche Farben- vielfalt. D iese führt dazu, dass viele Farben und Farbkom binationen als ba- nal gelten. D ies ist auch bei der Leim tube der Beschw erdeführerin der Fall, zum al die dom inierende Farbe Silber bzw . Silbergrau einem verbreiteten Industriestandard entspricht (vgl. 5.3 hiervor). D ie beantragte Form ist 8 dem nach auch unter Berücksichtigung des Farbanspruchs zu w enig unter- scheidungskräftig und kann nicht als M arke geschützt w erden. 6. N ach dem verw altungsrechtlichen G leichbehandlungsgrundsatz sind juris- tische Sachverhalte nach M assgabe ihrer G leichheit gleich zu behandeln. O hne sachlichen G rund dürfen zw ei rechtlich gleiche Sachverhalte nicht unterschiedlich beurteilt w erden (W ILLI, a.a.O ., Art. 2 N . 28). Bei der An- w endung des G leichbehandlungsgrundsatzes geht es darum , ob ein kon- kretes Zeichen m it eingetragenen M arken – im H inblick auf die Schutzfä- higkeit – in Bezug auf die beanspruchten W aren und D ienstleistungen ver- gleichbar ist (Entscheid der R KG E vom 30. M ärz 2004, in: sic! 10/2004, S. 776 E. 10 R eady2Snack). G erade im M arkenrecht ist dieser G rundsatz aber m it Zurückhaltung anzuw enden, w eil bei M arken selbst geringe U nter- schiede im H inblick auf die U nterscheidungskraft von erheblicher Bedeu- tung sein können (U rteil des Bundesgerichts 4A.13/1995 vom 20. August 1996, in: sic! 2/1997, S. 161 E. 5c Elle; Entscheid der R KG E vom 4. Au- gust 2003, in: sic! 2/2004, S. 97 E. 11 Ipublish). D ie von der Beschw erdeführerin ins Feld geführten, gerichtlich beurteilten Verpackungsform en (Entscheid der R KG E vom 24. M ärz 1998, in: sic! 4/1998 399 Parfüm flasche, Entscheid der R KG E vom 18. Februar 2004, in: sic! 9/2004 674 Eiform , U rteil des Bundesgerichts 4C .57/2004 vom 26. April 2004, in: sic! 2004 676 Katalysatorträger, R KG E vom 24. April 2006, in: sic! 10/2006 671 Q uaderförm ige Flasche) sind m it dem vorlie- gend zu beurteilenden Fall nicht vergleichbar. Allen zitierten Entschieden ist gem ein, dass die jew eiligen Form en in Bezug auf die beanspruchten W aren und D ienstleistungen vom Erw arteten und G ew ohnten abw eichen und deshalb bei den Abnehm ern im G edächtnis haften bleiben. Bei der Leim tube der Beschw erdeführerin ist dies gerade nicht der Fall (vgl. aus- führlich E. 5). D ie Beschw erdeführerin w eist zw ar zu R echt darauf hin, dass die von der R ekurskom m ission m it Entscheid vom 11. N ovem ber 2005, publiziert in: sic! 4/2006, S. 264 ff., beurteilte Verpackung "Tetra- pack" trotz der Kom bination von teilw eise kom plexen geom etrischen Ele- m enten nicht auffälliger ist als die vorliegend zu beurteilende Leim tube. In- dessen ist nicht darin der entscheidende G esichtspunkt zu sehen, sondern in der Beurteilung der Form im Verhältnis zur Funktionalität der Ver- packung (vgl. dazu E. 5.2) und zur Form envielfalt im in Frage stehenden W arensegm ent. D am it kann die Beschw erdeführerin aus dem G leichbe- handlungsgrundsatz nichts zu ihren G unsten ableiten. 7. Zusam m enfassend erw eist sich die Beschw erde als unbegründet. Bei die- sem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten der Beschw erde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). Es w ird keine Parteientschä- digung ausgerichtet (Art. 7 Abs. 3 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungs- gericht [VG KE, SR 173.320.2]).9 8. D ie Spruchgebühr (G erichtsgebühr) ist nach U m fang und Schw ierigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien zu bestim m en (Art. 63 Abs. 4bis Vw VG , Art. 2 Abs. 1 VG KE). In M arkeneintra- gungsverfahren ist dafür das Interesse der beschw erdeführenden Partei am Aufw and einer neuen M arkeneintragung und an der Vorbereitung der M arkteinführung im Fall der R ückw eisung der hängigen M arkenanm eldung zu veranschlagen. Es w ürde allerdings zu w eit führen und könnte im Ver- hältnis zu den relativ geringen Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens ab- schreckend w irken, w enn dafür stets konkrete Aufw andsnachw eise im Ein- zelfall verlangt w ürden. M angels anderer streitw ertrelevanter Angaben ist der U m fang der Streitsache darum nach Erfahrungsw erten auf Fr. 25'000.-- festzulegen (JO H AN N ZÜ R C H E R , D er Streitw ert im Im m aterialgü- ter- und W ettbew erbsprozess, in: sic! 7/8 2002, S. 505; LEO N Z M EYER , D er Streitw ert in Prozessen um Im m aterialgüterrechte und Firm en, in: sic! 6/2001, S. 559 ff.; LU C AS D AVID , in: R oland von Büren / Lucas D avid [H rsg.], Schw eizerisches Im m aterialgüter- und W ettbew erbsrecht, Bd. I/2, D er R echtsschutz im Im m aterialgüterrecht, Basel 1998, S. 29 f.). D em nach ist eine Spruchgebühr von Fr. 2'500.-- zu erheben, w elche m ittels des geleis- teten Kostenvorschusses zu decken ist. D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen und die angefochtene Verfügung bestä- tigt. 2. D ie G erichtsgebühr von Fr. 2'500.-- w ird der Beschw erdeführerin auferlegt und nach R echtskraft dieses U rteils m it dem erhobenen Kostenvorschuss von Fr. 2'500.-- verrechnet. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (R echtsvertreter; m it G erichtsurkunde) - der Vorinstanz (R ef-N r. IR 834'198; m it G erichtsurkunde) - dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (m it G erichts- urkunde) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: M arc Steiner Thom as Zogg R echtsm ittelbelehrung D ieses U rteil kann innert dreissig Tagen seit Eröffnung beim Schw eizerischen Bundes- gericht in Lausanne angefochten w erden. Versand am : 20. Juli 2007