B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6145/2013/plo U r t e i l v o m 3 0 . A p r i l 2 0 1 4 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A.________ geboren (…), Somalia, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, LL.M., Advokatur Kanonengasse (…) Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 15. Oktober 2013 / N___________. D-6145/2013 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin am 15. April 2007 B.________ nach soma- lischem Brauch heiratete und am 15. Mai 2008 der gemeinsame Sohn C.________ geboren wurde, dass B.________ am 3. Oktober 2008 in die Schweiz einreiste und mit Entscheid des BFM vom 22. Februar 2010 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen wurde, dass die zu diesem Zeitpunkt in Somalia lebende Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer damaligen Rechtsvertreterin vom 25. Mai 2011 ein Asylge- such einreichte , um zusammen mit dem gemeinsamen Kind zu B.________ in die Schweiz reisen zu können, dass das BFM mit Entscheid vom 18. Oktober 2012 der Beschwerdefü h- rerin und dem gemein samen Kind C._________ die Einreise in die Schweiz verweigerte und das Gesuch um Familiennachzug ablehnte, dass die Beschwerdeführerin am 25. August 2013 in die Schweiz einreis- te und tags darauf ein erneutes Asylgesuch stellte, dass – worauf das BFM im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfah- rens in seiner Vernehmlassung hinwies – der gemeinsa me Sohn C.________ im D.________ fälschlicherweise als in der Schweiz woh n- haft aufgeführt wurde, obwohl er weiterhin in Somalia lebt, dass demnach an dieser Stelle richtigzustellen ist, dass entgegen den Angaben in der angefochtenen Verfügung und der Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. November 2013 die Beschwerde- führerin ohne C.________ in die Schweiz einreiste und daher die einzige Verfügungsadressatin ist, dass ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit Eurodac e r- gab, dass die Beschwerdeführerin am 23. Oktober 2012 in Italien um Asyl nachgesucht hatte, dass die Beschwerdeführerin, der im Rahmen der summarischen Be fra- gung vom 19 . September 2013 das rechtliche Gehör zur Wegweisung nach Italien gewährt wurde, angab, sie habe in Italien, wo sie als erstes europäisches Land angekommen sei, um Asyl nachgesucht, weil sie nicht D-6145/2013 Seite 3 gewusst habe, dass ihr Ehemann in der Schweiz lebe, und wolle nun mit ihm in der Schweiz zusammenleben (vgl. BFM-Protokoll C6 S. S. 9), dass die italienischen Behörden dem Ersuchen des BFM vom 7. Oktober 2013 um Übernahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung EG Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitglied- staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in ei- nem Mitgliedstaat gestellten Asylantrages zuständig ist (Dublin -II-VO) mit Schreiben vom 11. Oktober 2013 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin- II-VO zustimmten, dass das BFM mit Verfügung vom 15. Oktober 2013 – eröffnet am 24. Oktober 2013 – in Anwendung von alt Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asyl- gesetzes (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche [recte: das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ] nicht ein trat, deren Wegweisung aus der Schweiz nach Italien sowie deren sofortigen Vollzug anordnete und fes t- stellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, dass die Beschwerdeführerin mit vorab per Telefax eingereichter Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 30. Oktober 2013 beim Bundesverwaltung s- gericht gegen di ese Verfügung Beschwerde erhob und beantragte , die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anz u- weisen, auf das Asylgesuch einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen, dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht unter anderem darum ersucht wur- de, es sei im Sinne vorsorglicher Massnahmen der Beschwerde die au f- schiebende Wirkung zu erteilen und unter Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG zu gewähren, dass das Bundesverwaltungsgericht am 31. Oktober 2013 den Eingang der Beschwerde bestätigte, dass der zuständige Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung vom 5. November 2013 der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zue r- kannte, auf die Erhebung eine s Kostenvorschusses verzichtete mit dem Hinweis, über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Recht s- pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwV G werde zu einem späteren Zei t-D-6145/2013 Seite 4 punkt entschieden, und das weitere Gesuch um unentgeltliche Ve r- beiständung nach Art. 65 Abs. 2 VwVG mangels Notwendigkeit abwies, dass er das BFM dazu ein lud, sich bis zum 20 . November 2013 zur ein- gereichten Beschwerde vernehmen zu lassen, dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 25. November 2013 die Abweisung der Beschwerde beantragte, dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in s einer Replik vom 15. Januar 2014 zu den vorinstanzlichen Argumenten Stellung bezog, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entschei- det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berühr t ist , ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ä n- derung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht sowie die unricht i- ge und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass mit der Änderung des Asylgesetze s vom 14. Dezember 2013, we l- che – unter Vorbehalt gewisser Bestimmungen (vgl. Verordnung über ei- ne Teilinkraftsetzung der Änderung vom 14. Dezember 2012 des Asylg e- setzes, AS 2013 5357) – am 1. Februar 2014 in Kraft getreten ist, die D-6145/2013 Seite 5 Nichteintretenstatbestände von alt Art. 32-35a AsylG aufgehoben wurden, und neu Art. 31a AsylG die Nichteintretenskonstellationen regelt, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b bzw. alt Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass die Dublin-II-VO durch die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Euro- päischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zustä n- dig ist (Dublin -III-VO), abge löst worden ist, welche ab dem 1. Januar 2014 in allen Staaten der Europäischen Union anwendbar ist, dass im Notenaustausch vom 14. August 2013 zwischen der Schweiz und der Europäischen Union betreffend die Übernahme der Dublin -III-VO (Weiterentwicklung des Dublin/Eurodac-Besitzstands) der Bundesrat der Europäischen Union mitteilte, dass die Schweiz den Inhalt dieses Rechts- akts akzeptiere und in ihre innerstaatliche Rechtsordnung umsetzen we r- de, dass mit Bundesratsbeschluss vom 18. Dezember 2013 festgehalten wurde, die Dublin-III-VO werde – unter Hinweis auf Ausnahmen – ab dem 1. Januar 2014 vorläufig angewendet, dass die übergangsrechtliche Bestimmung von Art. 49 Dublin-III-VO fest- hält, die Verordnung sei nicht anwendbar, wenn sowohl der Antrag auf in- ternationalen Schutz als auch das Gesuch um Aufnahme oder Wiede r- aufnahme vor dem 1. Januar 2014 gestellt wurden, dass die Beschwerdeführerin am 26. August 2013 um Asyl nachsuch te und das Ersuchen des Bundesamtes an die italienischen Behörden um Übernahme der Beschwerdeführerin am 7. Oktober 2013 erfolgte, wes- halb vorliegend die Dublin-II-VO anwendbar und der für die Prüfung ihres Asylgesuchs zuständige Staat nach den dortigen Kriterien zu ermitteln is t (vgl. Art. 49 Dublin-III-VO), dass Art. 31a Abs. 1 Bst. b beziehungsweise alt Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG im Weiter en voraussetzt, dass der staats vertraglich zuständige Staat einer Übernahme der asylsuchenden Person (mindestens implizit) D-6145/2013 Seite 6 zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]), dass ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit Eurodac e r- gab, dass die Beschwerdeführerin am 23. Oktober 2013 in Italien um Asyl nachgesucht hat, dass die italienischen Behörden dem Übernahmeersuchen des BFM mit Schreiben vom 11. Oktober 2013 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dub- lin II-VO zugestimmt haben, dass das BFM somit zu Recht von der grundsätz lichen Zuständigkeit Ita- liens zur Durch- beziehungsweise Weiterführung des vorliegenden Asyl - und Wegweisungsverfahrens ausging, dass in Abweichung von den Zuständigkeitsbestimmungen nach Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO die Schweiz ein Asylgesuch materiell prüfen kann, auch wenn nach den Kriterien ein anderer Staat zuständig ist (sog. Selbsteintrittsrecht), wobei diese Bestimmung nicht direkt anwendbar ist, sondern nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen werden kann (vgl. BVGE 2010/45 E. 5), dass das BFM im angefochtenen Entscheid im Zusammenhang mit der Prüfung von Art. 2 Bst. i Dublin -II-VO feststellte, die Beschwerdeführerin könne nicht als Familienangehörige im Sinne der Dublin -II-VO gelten, da sie zum heutigen Zeitpunkt weder zivilrechtlich verheiratet noch in einer dauerhaft gelebten Partnerschaft seien, dass sich aus den Akten mehrere Anhaltspunkte für das Fehlen einer dauerhaft gelebten Partnerschaft ergäben, dass die Beschwerdeführerin nämlich erst vier Jahre nach Ausreise von B._________Somalia verlassen habe und erst nach einem Jahr Aufen t- halt in Ital ien in die Schweiz gereist sei , wobei die Beschwerdeführerin ausgesagt habe, nichts davon gewusst zu haben, dass sich B.________ in der S chweiz aufhalte, obwohl sich aus dem Schreiben der damaligen Rechtsvertreterin im Rahmen des Aus landsverfahrens vom 6. August 2012 ergebe, dass die Beschwerdeführerin kurz vor ihrer Ausreise aus Somalia gewusst habe, dass sich B._________ in der Schweiz au fhalte (vgl. B11), D-6145/2013 Seite 7 dass während der Zeit der Trennung kein Kontakt zwischen der B e- schwerdeführerin und B._________ bestanden habe, dass im Weiteren B.________in der Schweiz über kein gefestigtes Anwe- senheitsrecht verfüge, dass schliesslich keine Hinweise darauf bestünden, dass zwischen der Beschwerdeführerin und B.________ ein besonders intensives Abhä n- gigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 15 Dublin-II-VO bestehe, weshalb ein Selbsteintritt nicht angezeigt sei, dass in der Beschwerde geltend gemacht wurde, die Beschwerdeführerin habe nach der Flucht ihres Ehemannes lange Zeit keine Kenntnis vom Aufenthaltsort ihres Ehemannes gehabt, dass sie, nachdem sie dessen Aufenthaltsort erfahren habe, alles unte r- nommen habe, zu ihm zu gelangen und in stetem Kontakt mit ihm gew e- sen sei, dass die Aussage der Beschwerdeführerin anlässlich der Befragung, w o- nach sie lange nichts mehr von ihrem Ehemann gehört habe (vgl. S. 8) nicht bedeute, dass der Kontakt nicht mehr bestanden habe, dass sie nach Ablehnung des Familiennachzugsgesuches und des Asy l- gesuches aus dem Ausland schliesslich nach Italien gereist sei mit dem Ziel, ihren Ehemann in der Schweiz zu finden, dass sie den genauen Aufenthaltsort ihres Ehemannes i n der Schweiz nicht gekannt und deswegen in Italien ein Asylgesuch gestellt habe, dass ihr Ehemann sie schliesslich in Italien gefunden habe und mit ihr in die Schweiz gereist sei, dass zwar die religiöse Eheschliessung von den Schweizer Behörden nicht anerkannt werde, indessen zu berücksichtigen sei, dass im Jahre 2007 wegen des Bürgerkrieges und des Zusammenbruchs der Behö r- denorganisation faktisch nur die Möglichkeit der religiösen Heirat existiert habe, dass im Weiteren seit der Schwangerschaft der Beschwerdeführerin o h- nehin ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 15 Abs. 2 Dublin-II-D-6145/2013 Seite 8 VO bestehe und die Schweiz aus humanitären Gründen verpflichtet sei, ihr Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO auszuüben, dass zunächst festzuhalten ist, dass die Dublin -II-VO im Bestreben erlas- sen wurde, die Einheit der Familie zu wahren, soweit dies mit den sonst i- gen Zielen vereinbar ist (vgl. Ziff. 6 der Erwägungsgründe zur Dublin -II- VO), dass die Dublin -II-VO denn auch verschiedene Normen – wie Art. 7, 8 oder 14 Dublin-II-VO – enthält, welche etwa im Rahmen eines Aufnahme- verfahrens respektive zwingenden Zuständigkeitsprüfungsverfahrens der Familieneinheit explizit Beachtung schenken, wobei sich der darin jeweils enthaltene Begriff der Familienangehörigen an der Definition vo n Art. 2 Bst. i Dublin-II-VO orientiert (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER, ANDREA SPRUNG, Dublin-II-Verordnung, Das Europäische Asylzuständigkeitssystem, 3. Aufl., Wien-Graz 2010, Art. 2 lit. i K 22 S. 68), dass sich unter Art. 2 Bst. i (i) und (ii) Dublin -II-VO – ebenso wie beim Familienbegriff von Art. 8 EMRK – unter bestimmten Voraussetzungen auch unverheiratete Paare und deren minderjährige, ledige und unte r- haltsberechtigte Kinder subsumieren lassen, dass nach Art. 2 Bst. i Dublin -II-VO unter den Begriff "Fam ilienangehöri- ge" lediglich Ehegatten, nicht verheiratete Partner, die eine dauerhafte Beziehung führen, und minderjährige Kinder fallen, dass indessen Art. 8 EMRK unter dem Aspekt von Art. 3 Abs. 2 Dublin -II- VO berücksichtigt werden kann, soweit eine tatsächlich gelebte Bezi e- hung besteht, wobei diesbezüglich als wesentliche Faktoren das gemei n- same Wohnen beziehungsweise der gemeinsame Haushalt, die finanziel- le Verflochtenheit, die Länge und Stabilität der Beziehung sowie das Int e- resse und die Bindung d er Partner aneinander zu berücksichtigen sind (vgl. CHRISTOPH GRABENWARTER, Europäische Menschenrechtskonvent i- on, 4. Aufl., München/Basel/Wien 2009, S. 204; MARK E. VILLIGER, Hand- buch der Europäischen Menschenrechtskonvention, 2. Aufl., Zürich 1999, S. 365; LUZIUS WILDHABER in: Internationaler Kommentar zur Europä i- schen Menschenrechtskonvention, Hrsg.: Wolfram Karl, 12. Lfg., Köln/Berlin/München 2009, Art. 8 EMRK, S. 137; EGMR, K. und T. gegen Finnland [Grosse Kammer], Urteil vom 12. Juli 2001, Beschwerde Nr. 25702/94, § 150), D-6145/2013 Seite 9 dass sich gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung jemand auf den Schutz des Familienlebens nach Art. 8 EMRK berufen kann, wenn er sich auf eine Beziehung zu einer Person mit gefestigtem Anw e- senheitsrecht (Bürgerrecht oder N iederlassungsbewilligung) in der Schweiz bezieht, und eine blosse Aufenthaltsbewilligung hierzu nur g e- nügt, soweit sie ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht (Aufenthaltsbewilligung mit Anspruch auf Verlängerung; vgl. statt vieler BGE 139 I 330 E.1.2, 137 I 284, 130 II 281, 135 I 143, je m.w.H.), dass sich das Bundesverwaltungsgericht dieser Praxis angeschlossen hat (vgl. BVGE 2012/4 E. 4.3, BVGE 2013/24 E. 5.2), dass diese Voraussetzung vorliegend nicht erfüllt ist, da A.M.M. seit dem 22. Februar 2010 lediglich über eine Au fenthaltsbewilligung und daher nicht über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt, dass es indessen gleichzeitig festzuhalten gilt, dass das Asylgesetz unter anderem in Art. 44 AsylG auf die Fa milieneinheit Bezug nimmt und bei der Anordnung der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs die Pflicht zur Berücksichtigung des Grundsatzes der Einheit der Familie st a- tuiert, dass sich die Tragweite der Berücksichtigung der Einheit der Familie nicht auf jene Fälle beschränkt, in denen gemäss bundesgerichtlicher Rech t- sprechung auch ein eigentlicher Anspruch auf Anwesen heitsrecht b e- stünde ( Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylr e- kurskommission [EMARK] 1995 Nr. 24), dass nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts der Be - griff "Einheit der Familie" im Asylgesetz einheitlich verwendet wird und dem Schutzbereich von Art. 8 EMRK entspricht, wonach Ehegatten, Kon- kubinatspartner und deren minderjährige Kinder sowie nahe Angehörige, soweit besonde re Gründe vorliegen, mithin ein Abhängigkeitsver hältnis gegeben ist, in diesen Schutzbereich fallen, dass aufgrund der nicht bestrittenen Tatsachen, dass die Beschwerdefüh- rerin und B._______ am 15. April 2007 nach somalischem Brauch heir a- teten, am 15. Mai 2008 der gemeinsame Sohn C._______ geboren wurde und nach der erfolgten unfreiwilligen Trennung im September 2008 der in der Zwischenzeit in der Schwei z vorläufig aufgenommene B._______ ein Gesuch um Familiennachzug stellte und die Beschwerdeführerin am 25. Mai 2011 ihrerseits ein Asylgesuch einreichte, um zusammen m it dem D-6145/2013 Seite 10 gemeinsamen Kind zu B.________ in die Schweiz reisen zu können , von einer langen und stabilen Beziehung im Sinne der Rechtsprechung au s- gegangen werden kann, auch wenn die konkrete Ausgestaltung der Fernbeziehung nicht in all ihren Details zu eruieren ist, dass sich folglich d ie Beschwerdeführerin und B._______ trotz nicht von den schweizerischen Behörden anerkannter Eheschliessung auf den Grundsatz der Einheit der Familie berufen können, zumal dieser beei n- haltet, dass die vorläufige Aufnahme des einen Familienmitglieds in der Regel zur vorläufigen Aufnahme der übrigen in der Schweiz anwesenden Familienmitglieder führt, dass das BFM somit unter Beachtung des Grundsatzes der Einheit der Familie gehalten gewesen wäre, die Souveränitätsklausel anzuwenden, dass im Übrigen der Vollständigkeit halber auf die neue Zuständigkeitsre- gelung von Art. 9 Dublin -III-VO hinzuweisen ist – welche zwar auf vorlie- genden Fall fo rmell noch nicht anwendbar ist –, wonach nunmehr nicht nur die Anwesenheit von Familienangehörig en, welchen aufgrund ihrer Flüchtlingseigenschaft das Recht auf Aufenthalt zugesprochen wurde, die Zuständigkeit dieses Landes begründet – wie bisher in Art. 7 Dublin-II-VO festgelegt –, sondern dieses Kriterium auf "Begünstigte Internationalen Schutzes" (worunter ein humanitärer Status zu verstehen sein dürfte) e r- weitert wurde, dass bei dieser Sachlage die weitere Frage, ob das BFM auch in Anwen- dung von Art. 15 Abs. 2 Dublin -II-VO gehalten gewesen wäre, den Selbsteintritt zu beschliessen, keiner näheren Prüfung bedarf, dass die Beschwerde vom 30. Oktober 2013 nach dem Gesagten gutz u- heissen und die Vorinstanz anzuweisen ist, den Selbsteintritt der Schweiz zu erklären und danach das Asylverfahren der Beschwerdeführerin in der der Schweiz durchzuführen, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten aufz u- erlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), weshalb das mit der B e- schwerde eingereichte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstandslos wird, dass der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin keine Kostennote ei n- gereicht hat, der entstandene Vertretungsaufwand indessen aufgrund der Akten zuverlässig abgeschätzt werden kann ( Art. 2 und 3 des Regl e-D-6145/2013 Seite 11 ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) , weshalb auf das Nachfordern einer solchen verzichtet wird, dass der Beschwerdeführerin zu Lasten des BFM unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 - 13 VGKE) und der Ent- schädigungspraxis in vergleichbaren Fällen eine Parteientschädigung für den Aufwand ihres Rechtsvertreters von insgesamt Fr. 800.– (inkl. Ausla- gen und allfällige MWSt) zuzusprechen ist. (Dispositiv nächste Seite) D-6145/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Vorinstanz wird angewiesen, den Selbsteintritt in der Schweiz g e- mäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO auszusprechen und das ordentliche Asyl- verfahren der Beschwerdeführerin in der Schweiz durchzuführen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine P arteientschädigung von Fr. 800. – auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: