<h2>SubmittedText<h2><p>Seitens des Bundes wurde eine Bildungsoffensive gestartet. Ich gestatte mir folgende Fragen:</p><p>1. Welche Hauptmassnahmen wurden schon getroffen bzw. sind in Vorbereitung?</p><p>2. Welche finanziellen Mittel wurden für die jeweiligen Bildungsakzente gesprochen bzw. sind für diese vorgesehen?</p><p>3. Welche Projekte und Mittel will der Bund selbst einsetzen, welche in Zusammenarbeit mit den Kantonen?</p><p>4. Welcher Zeitraum zur Umsetzung wurde gesetzt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Gemäss Bundesverfassung liegt der grösste Teil des Bildungswesens im Kompetenzbereich der Kantone. Eine wesentliche Ausnahme stellt die Berufsbildung dar, die in einem Bundesgesetz geregelt ist.</p><p>Nebst der Erfüllung der ihm im Bundesgesetz über die Berufsbildung übertragenen Aufgaben führte der Bund in den letzten Jahren wiederholt Sondermassnahmen durch:</p><p>Für die Jahre 1990 bis 1996 standen dem Bund gemäss Bundesbeschluss vom 23. März 1990 über Sondermassnahmen zugunsten der beruflichen Weiterbildung ursprünglich 162 Millionen Franken zur Verfügung. Im Vordergrund standen dabei Massnahmen zugunsten der Modernisierung der höheren berufsbildenden Schulen, der Weiterbildung gelernter Berufsleute und nicht gelernter Erwerbstätiger, des beruflichen Wiedereinstiegs sowie der Motivierung von Unternehmen und Erwerbstätigen zur beruflichen Weiterbildung. Noch während das Programm lief, kürzte das Parlament diesen Betrag um 61 Millionen Franken.</p><p>Gemäss Bundesbeschluss vom 30. April 1997 über Massnahmen zur Verbesserung des Lehrstellenangebotes für die Ausbildungsjahre 1997, 1998 und 1999 (Lehrstellenbeschluss) leistete der Bund Beiträge in der Höhe von 60 Millionen Franken an Massnahmen, die der Verbesserung des Lehrstellenangebotes in den 1997, 1998 und 1999 beginnenden Ausbildungsjahren dienten.</p><p>Gegenwärtig stehen dem Bund gemäss Bundesbeschluss vom 18. Juni 1999 über Massnahmen zur Verbesserung des Lehrstellenangebotes und zur Entwicklung der Berufsbildung (Lehrstellenbeschluss II) für die Jahre 2000 bis 2004 bzw. bis zum Inkrafttreten des neuen Berufsbildungsgesetzes 100 Millionen Franken zur Verfügung; er soll diese Mittel für Massnahmen einsetzen, welche das Lehrstellenangebot erhöhen und strukturelle Probleme auf dem Lehrstellenmarkt lindern, die tatsächliche Gleichstellung von Frau und Mann in der Berufsbildung fördern, neue Formen der Zusammenarbeit in der Berufsbildung erproben und Reformen im Übergang zum revidierten Berufsbildungsgesetz vorbereiten.</p><p>Der Vollzug dieser Sondermassnahmen erfolgte bzw. erfolgt in enger Zusammenarbeit mit:</p><p>- den Kantonen, welche in der Regel auch namhafte Beiträge an die entsprechenden Projekte leisten;</p><p>- in der Berufsbildung engagierten Berufsverbänden; und</p><p>- anderen an der Berufsbildung beteiligten Partnern (z. B. Berufsberatung).</p><p>Um dem Mangel an qualifizierten Leuten in der Informatikwirtschaft zu begegnen, hat der Bund in den letzten Jahren viele Anstrengungen unternommen:</p><p>- Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) hat ein Gesamtkonzept zur Neuordnung der Informatikberufe (I-CH) in Auftrag gegeben. Im Schlussbericht wird eine flexiblere Neuregelung der Grundbildung im Sinne einer Modularisierung unter dem Einbezug einer neu zusammengestellten Trägerschaft vorgeschlagen, die alle massgebenden Fachverbände der Informatikwirtschaft zusammenfasst. Mit diesen Neuerungen kann das Angebot an Ausbildungsplätzen für Informatik markant erhöht werden. Als flankierende Massnahme wird gemeinsam mit der Wirtschaft noch für dieses Jahr eine entsprechende Kampagne zur Verbesserung des Lehrstellenangebotes im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien gestartet. Die Reaktionszeit des Berufsbildungssystems auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes kann damit verkürzt werden.</p><p>- Das Projekt "Basislehrjahr Informatik" wurde unter dem Lehrstellenbeschluss I lanciert. Es sieht einen einjährigen Block am Anfang der Ausbildung vor, der vorwiegend schulische Elemente enthält. Zurzeit laufen sieben Pilotversuche mit rund 200 Teilnehmern. Ähnlich gelagert ist das eben angelaufene Projekt "Informatikmittelschulen", das - in Anlehnung an die Struktur der herkömmlichen Handelsmittelschulen - eine dreijährige schulische Ausbildung ergänzt und ein einjähriges Praktikum in einem Betrieb anbietet. Abgeschlossen wird mit dem Fähigkeitszeugnis als Informatikerin bzw. Informatiker und mit einer kaufmännischen Berufsmatur. Beide Projekte werden mit den Mitteln des Lehrstellenbeschlusses II auf eine wesentlich breitere Basis gestellt.</p><p>- Berufslehren im Informatikbereich existieren erst seit 1994 (Informatiker, Geräteinformatiker und Mediamatiker). Die Zuwachsraten sind enorm. Allein von 1998 auf 1999 haben die Lehrstellen um 66 Prozent zugenommen. Rund 1600 Personen haben 1999 eine Lehre in diesem Bereich angefangen. Der oben erwähnte Schlussbericht zur Neuordnung der Informatikberufe prognostiziert, dass 3000 bis 5000 Jugendliche im Jahre 2003 eine Ausbildung im Informatikbereich aufnehmen werden. Die Zunahme hat sich ohne jeden Zweifel aus der engen Zusammenarbeit zwischen dem zuständigen Bundesamt und den interessierten Wirtschaftskreisen ergeben. </p><p>- Bei den eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen, die von den Berufsverbänden in Zusammenarbeit mit dem Bund organisiert werden, konnte die Absolventenzahl wegen der Flexibilisierung der Zulassungsbedingungen und wegen einer neuen Reglementierung für die IC-Berater stark erhöht werden. Rund 700 Absolventinnen und Absolventen bestehen jährlich diese Prüfungen und sind als qualifizierte Praktiker auf dem Arbeitsmarkt sehr gesucht.</p><p>- Die Entwicklung der Fachhochschulen wurde vom Bund und den Kantonen in den letzten Jahren energisch vorangetrieben. Während die Zahlen der Abschlüsse in den letzten Jahren bei Fachhochschulen und höheren Fachschulen noch konstant waren, hat sich die Zahl der Studienanfänger in den Informatik-, den Wirtschaftsinformatik- und Telekommunikationslehrgängen der Fachhochschulen zwischen 1997 (374 Studierende) und 1999 (1092 Studierende) verdreifacht.</p><p>- Mit einem auf drei Jahre befristeten Aktionsprogramm für Praxislehrgänge, die Inhaberinnen und Inhaber gymnasialer Maturitäten auf Fachhochschulstudien in Informatik und in den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien vorbereiten, wird der Mangel an Praktikumsplätzen in diesen Bereichen gelindert und die Rekrutierungsbasis der Fachhochschulen verbreitert. Angebote zur Durchführung ab Herbst 2000 können dem BBT bis Ende März unterbreitet werden.</p><p>Vor allem von den ersten beiden Vorhaben erwartet das BBT eine Erhöhung des Frauenanteils in den Informatikberufen. Während 1998 nur 4 Prozent Frauen eine Informatiklehre begannen, waren es 1999 schon 12 Prozent. Ein erklärtes Ziel des Lehrstellenbeschlusses II ist denn auch die Förderung von Frauen im Hightech-Bereich.</p><p>- Auf Beginn des Schuljahres 2000/01 ermöglicht das BBT drei Informatikmittelschulen, in Pilotversuchen eine neue Ausbildung anzubieten. Diese dauert vier Jahre, wovon eines in Form von Betriebspraktika zu absolvieren ist; die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen erwerben das eidgenössische Fähigkeitszeugnis für Informatiker und die Berufsmaturität kaufmännischer Richtung.</p><p>- Im Rahmen von "Soft(net)" finden Massnahmen zur Ausweitung des quantitativen und qualitativen Angebotes von Arbeitskräften mit Informatikkenntnissen statt. Im Mittelpunkt stehen soziale und methodische Kompetenzen, die ebenso wichtig geworden sind wie die rein technologischen Kenntnisse.</p><p>Nicht zu vergessen sind zudem die Anstrengungen in den privaten und öffentlichen Betrieben. Zunächst ist an die unzähligen innerbetrieblichen Massnahmen zu erinnern, die den Erhalt und die Erweiterung von Qualifikationen im Umgang mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien zum Ziel haben. Hinzu kommt z. B. das Projekt von Swissmem, das zweijährige Kurzlehren für Maturandinnen und Maturanden anbietet. Diese erhalten das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Informatikerin bzw. Informatiker und haben damit - zusammen mit ihrer Maturität - den Zugang zur Fachhochschule.</p><p>Alle diese Massnahmen können aber nur zum Tragen kommen, wenn auch die Wirtschaft bereit ist, ihre Verantwortung wahrzunehmen, liegt es doch in einem auf dem Markt beruhenden Wirtschaftssystem in erster Linie an ihr, für den beruflichen Nachwuchs zu sorgen, während der Staat dafür besorgt ist, die dazu erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen und den Jugendlichen zu ermöglichen, den Einstieg in die Arbeitswelt zu finden.</p><p>Der Nationalrat wird demnächst drei Parlamentarische Initiativen (Simoneschi Chiara, 00.409; Strahm, 00.410; Theiler, 00.411) behandeln, welche Sondermassnahmen für die Ausbildung und Umschulung zu Informatikfachleuten zum Gegenstand haben. Um zur Entscheidungsfindung beizutragen, lässt das BBT zurzeit im Rahmen von I-CH das vorhandene Zahlenmaterial zum Bedarf an Informatikfachleuten zusammentragen.</p>  Antwort des Bundesrates.