Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. März 2018 (720 17 308 / 68) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des verwaltungsexternen Gutachtens und Prüfung der Rentenfrage Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Jan Herrmann , Recht s- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1963, absolvierte in ihrer Heima t Z.____ eine Ausbildung zur Winze- rin, die Berufsmatura und die Hotelfachschule. Nach ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 1992 arbeitete sie bis ins Jahr 2000 als Verkäuferin in der B.____ und danach noch während drei Monaten als Verkäuferin im Geschäft C.____. Seit dem 1. Dezember 2000 ist sie stellenlos. Am 3. Februar 2005 meldete sie sich erstmals unter Hinweis auf Schmerzen im Gesicht, im Nacken, in den Schultern, in den Armen und Händen bei der E idgenössischen Invalidenversicherung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht (IV) zum Leistungsbezug an und beantragte die Umschulung auf eine neue Tätigkeit. Nach Ein- holung eines rheumatologisch-psychiatrischen Gutachtens bei D r. med. D.____, FMH für Rheumatologie (rheumatologisches Teilgutachten vom 17. Mai 2005), und bei Dr. med. E.____, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (psychiatrisches Tei lgutachten vom 11. November 2005), sowie einer Abklärung bei der Institution F.____, teilte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) der Versicherten am 12. Juli 2006 den Abschluss der beruflichen Massnahmen mit. Mit Verfügung vom 3. Januar 2007 lehnte die IV-Stelle den Anspruch auf eine Invalidenrente ab, da keine ärztlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit gegeben sei. Am 26. März 2008 meldete sich A.____ unter Hinweis auf eine starke Beeinträchtigung der Hände/Fingertätigkeit/Kraft und der Augen/Sehfähigkei t erneut zum Bezug von IV-Leistungen an und beantragte die Ausrichtung einer Invalidenrente . Die Symptome hätten sich seit dem Jahr 2006 arg verschlimmert. Die IV-Stelle beauftragte in der Folge die Academy of Swiss Insu- rance Medicine (asim) mit der polydisziplinären Begutacht ung der Versicherten. Mit Gutachten vom 22. Juni 2009 diagnostizierten die Fachärzte der asim mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit eine Dysthymie und hielten in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit fest, dass eine körperlich leich- te Tätigkeit mit Wechselbelastung und ohne überhöhte Anforderungen an das visuelle System möglich sei. Diese könne in einem 80 %-igen Pensum mit e ntsprechender Freizeitkompensati- on oder in einem zeitlich vollen Pensum mit vermehrten Pausen absolviert werden. Gestützt auf die Beurteilung der asim-Gutachter lehnte die IV-Ste lle den Rentenanspruch der Versicherten mit Verfügung vom 19. November 2009 bei einem Invaliditätsgrad von 20 % erneut ab. Mit Gesuch von 11. Dezember 2009 meldete sich A.____ be i der IV zur Stellenvermittlung an. Die Arbeitsvermittlung wurde mit Verfügung vom 14. Juni 2010 beendet. Da sich die Versicherte nicht oder nur in ganz reduziertem Pensum arbeitsfähig e rachte, sei eine Arbeitsvermittlung zur Zeit nicht möglich. Am 9. Mai 2012 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine Poly- arthritis in den Händen und auf vernarbte Augen wieder bei der Invalidenversicherung an. Nach einer beruflichen Abklärung bei der Institution G.____ erfolgte mit Verfügung vom 13. Mai 2013 ein weiteres Mal der Abschluss der Arbeitsvermittlung. Schliesslich meldete sich die Versicherte am 3. Oktober 2013 unter Hinweis auf gesundheitliche Einschränkungen „mit beiden Augen“ und „mit beiden Hä nden“ erneut bei der IV zum Leis- tungsbezug an. In der Begründung wurde ausgeführt, dass sich die Beschwerden in den letzten Monaten verschlimmert hätten. Da eine Verschlechterung g eltend gemacht wurde, entschied der regionale ärztliche Dienst der IV-Stelle (RAD), ein polydisziplinäres Verlaufsgutachten in die Wege zu leiten. Das ABI, Ärztliches Begutachtungs-Institut GmbH, erstattete sein polydiszipli- näres Gutachten am 18. Mai 2015 und attestierte der Ve rsicherten in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Nachdem b eim ABI diverse Rückfragen getätigt wur- den, lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 14. Augu st 2017 das Leistungsbegehren bei einem Invaliditätsgrad von 20 % wiederum ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Jan Herrmann, mit Eingabe vom 18. September 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin wurde unter o/e- Kostenfolge beantragt, es sei die angefochtene Verfügu ng vom 14. August 2017 aufzuheben Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und es sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Ren- tenleistungen zuzusprechen und auszurichten; eventualiter sei eine gerichtliche polydisziplinäre Begutachtung zur Abklärung und Beurteilung des Leistung sanspruchs der Beschwerdeführerin einzuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Be willigung der unentgeltlichen Pro- zessführung und der unentgeltlichen Verbeiständung mit Rechtsanwalt Jan Herrmann ersucht. C. Mit Verfügung der instruierenden Präsidentin der A bteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts vom 19. September 2017 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltli- che Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Rechtsanwalt Jan Herrmann als Rechtsvertreter bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Dezember 2017 beantr agte die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf die Stellungnahme des RAD vom 16. O ktober 2017 die Abweisung der Be- schwerde. E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (Replik vom 12. Dezember 2017 und Duplik vom 9. Januar 2018). Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die Akt en wird – soweit für die Beurteilung not- wendig – in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegner in die angefochtene Verfügung auf einen rechtsgenüglich abgeklärten medizinischen Sachverhalt abstützte und damit den Renten- anspruch der Beschwerdeführerin zu Recht ablehnte. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlic h mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsp rechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsa- che Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens- stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pat ientinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und u mfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Be richte behandelnder Ärzte nicht verges- sen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein un beachtlich einzustufen; die einen län- geren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung dur ch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite l ässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Ar ztes einerseits und Begutachtungsauf- trag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten a nderseits nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu neh- men, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Ei nschätzungen gelangen. Vorbehal- ten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher I nterpretation entspringende – Aspekte be- nennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 4.5 Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabklär ung von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt i hm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me dizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla ge. Gestützt auf den Untersu- chungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zu- mindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 138 V 218 E. 6) entschieden werden kann. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Die Beschwerdegegnerin gab im Hinblick auf die Beu rteilung des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin beim ABI ein polydisziplinäres Gutacht en in Auftrag, welches am 18. Mai 2015 erstattet wurde. Im Rahmen der Gesamtbeurteilun g diagnostizierten Dr. med. H.____, FMH für Innere Medizin, Dr. med. I.____, FMH für Neu rologie, Dr. med. J.____, Fachärztin für Rheumatologie, Dr. med. K.____, FMH für Psychiatrie u nd Psychotherapie, und Dr. med. L.____, Fachärztin für Augenheilkunde, mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches zervikospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.0) sowie ein e stark eingeschränkte Seh- fähigkeit links und eine mässiggradig eingeschränkte Sehfäh igkeit rechts. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie den Verdacht auf eine Somatisierungsstörung (ICD- 10 F45.0), Schmerzen in den Händen (ICD-10 M79.63), handschuhförmige Missempfindungen beidseits unklarer Ursache (ICD-10 R20.3), Asthma bronch iale anamnestisch (ICD-10 J45.9), Polyallergien (ICD-10 I23.8), eine gastroösophageale Refluxkrankheit anamnestisch (ICD-10 K21.9) sowie den Status nach Plattenosteosynthese bei R adiusfraktur links 9/09 (ICD-10 Z98.8). Bezüglich der Arbeitsfähigkeit gelangten die Gutachter zum Schluss, dass bei der Ex- plorandin für körperlich mittelschwer bis schwer belastend e berufliche Tätigkeiten keine zumut- bare Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Für körperlich le ichte, angepasste Tätigkeiten ohne über- durchschnittliche Anforderungen an das Sehvermögen beste he eine Arbeits- und Leistungsfä- higkeit von 80 %. Das Pensum könne vollschichtig umgesetzt w erden mit leicht erhöhtem Pau- sen- und Erholungsbedarf. Faktisch ergebe sich daher im Vergleich zum asim-Gutachten keine wesentliche Änderung. Die dort festgestellte leichte Ein schränkung aufgrund der Dysthymie könne nicht mehr bestätigt werden, dafür aber eine l eichte Einschränkung aus ophthalmologi- scher Sicht. 5.2 Mit ergänzender Stellungnahme vom 15. Juni 2015 h ielt Dr. med. M.____, FMH für Innere Medizin, auf Nachfrage von RAD-Ärztin N.____ f est, dass nicht alle Diagnosen, die in der medizinischen Anamnese erwähnt worden seien, Einga ng in die Schlussdiagnosen finden müssten. Der Status nach durchgeführten Operationen mit heute nicht mehr relevantem, seit Jahren abgeheiltem Zustand müsse nicht im Schlussabschnitt e ingefügt werden. Das Gutach- ten sei daher nicht formal unvollständig. 5.3 Mit weiterer Stellungnahme vom 30. November 2015 führte das ABI auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin aus, dass – abgesehen von schon früher dokumentierten, geringen para- zentralen Netzhautnarben im rechten Auge – keine gravi erenden pathologischen Befunde mor- phologisch festzustellen seien. Demgegenüber sei die Fu nktionsprüfung der Sehschärfe, also die Visusprüfung, nicht allein auf objektive Befunde abstützbar, sondern hänge von der Koope- ration der zu untersuchenden Person ab, da die Lese- u nd Sehfähigkeit von bestimmten Zei- chen oder Buchstaben durch die Person signalisiert werden müsse. Wenn die zu untersuchen- de Person angebe, eine Sehreihe nicht sehen oder nich t lesen zu können, müsse dies zur Kenntnis genommen werden. Vorliegend zeige sich objekti v gegenüber der letzten ophthalmo- logischen Untersuchung im Jahr 2009 kein veränderter Befu nd am rechten Auge. Der Visus habe jedoch massiv abgenommen, was nicht erklärbar sei, sod ass eine erhebliche funktionelle Einschränkung postuliert werden müsse. Mit anderen Wort en sei nicht erklärbar, weshalb der Visus nicht gleich wie im Jahr 2009 ausfalle, nämlich rechts 0.8. Im Vergleich zur Untersuchung im Spital O.____ vom Oktober 2013 sei interessanterwei se festzustellen, dass nun bei der Ge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichtsfeldprüfung, welche ebenfalls von der Mitwirkung de r zu untersuchenden Person abhän- gig sei, nur noch eine geringe Einschränkung der Ausse ngrenzen angegeben werde, was wie- derum den Verdacht auf eine Aggravation nahelege. Es s ei bereits im Jahr 2009 eine gewisse Unsicherheit im ophthalmologischen Bereich gesehen word en. So sei einerseits ophthalmolo- gisch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit angegeben worden, andererseits sei bei der Zumutbarkeitsbeurteilung erwähnt worden, dass leichte Tä tigkeiten nur ohne überhöhte Anfor- derungen an das visuelle System zu 80 % möglich seien. B ei zwischenzeitlich subjektiv geltend gemachter Verschlechterung sei diesem Unsicherheitsfaktor u nter Einbezug einer leichten Ein- schränkung von 20 % Rechnung getragen worden, da bei e iner möglicherweise leicht ver- schlechterten Sehfähigkeit ein gewisser Erholungs- und Pausenbedarf zugestanden werden müsse. In psychiatrischer Hinsicht führten die Gutachter aus, dass sich seit dem Jahr 2005 nur punktuelle Nuancen bzw. Interpretationsänderungen des Z ustandsbildes der Explorandin erge- ben hätten. Zunehmend sei die somatoforme Komponent e in den Vordergrund gerückt, was allerdings bereits von Dr. E.____ im Jahr 2005 festgeste llt worden sei. Die vom asim im Jahr 2009 diagnostizierte Dysthymie sei offensichtlich remittier t und ohnehin nicht als gravierend einzustufen. Somit habe sich in psychiatrischer Hinsicht in den letzten Jahren keine wesentliche Veränderung ergeben. 5.4 Dr. K.____ und Dr. M.____ hielten auf weitere R ückfrage von RAD-Ärztin N.____ in der Stellungnahme vom 29. Februar 2016 fest, dass aufgrun d der Diskrepanz zwischen den objek- tiven ophthalmologischen Befunden und der subjektiv empfu ndenen Sehfähigkeit ohne genü- gend erklärbares somatisches Korrelat die Diagnose einer dissoziativen Sehstörung durchaus vorstellbar sei. Dr. E.____ habe im Jahr 2005 auf eine ausgeprägte narzisstisch-neurotische Persönlichkeitsstruktur hingewiesen, was die Hypothese ei ner dissoziativen Störung stütze. Anlässlich der vorliegenden Exploration hätten sich abe r keine Hinweise für eine von der Norm abweichende Persönlichkeit ergeben. Das asim habe im Jah r 2009 ebenfalls keine Persönlich- keitsstörung feststellen können. Eine Persönlichkeitsstörung könne zwar nicht ausgeschlossen werden, doch bestünden eher wenige Anhaltspunkte, um sie mit Sicherheit stellen zu können. Es würden sich daher zu wenig sichere Hinweise für eine insgesamt erhebliche psychische Stö- rung ergeben. Insofern sei auch die Bewusstseinsferne de r Symptomatik nicht klar nachzuwei- sen. Selbst bei der Diagnose einer dissoziativen Störung fiele aber die psychiatrisch attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht relevant höher aus als die be reits von ophthalmologischer Seite her bescheinigte 20 %-ige Arbeitsunfähigkeit. 5.5 Nachdem von der Beschwerdeführerin im Rahmen des Ein wandverfahrens weitere Arztberichte eingereicht wurden, nahmen Dr. L.____, Dr. H.____, Dr. I.____ und Dr. M.____ mit Schreiben vom 9. Januar 2017ein letztes Mal Stellung. Darin hielten sie fest, dass sie zur Small Fibre Neuropathie und zu den handschuhförmigen Missempf indungen bereits im Gutachten ausführlich Stellung bezogen hätten. Es sei dargelegt worden, dass die Arbeitsfähigkeit dadurch nicht eingeschränkt sei. Zu den Untersuchungsergebnissen des Spitals O.____ im Bericht vom 5. August 2016 nahmen die Gutachter aus ophthalmologi scher Sicht ausführlich Stellung. Zu- sammenfassend wurde festgehalten, dass die Untersuchung i m Spital O.____ keine objektiv nachvollziehbaren Ergebnisse für eine signifikante Sehschä rfeminderung oder eine konzentri- sche Gesichtsfeldeinschränkung des rechten Auges geliefert habe. Die Elektroretinographie Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe rechts – bis auf parazentrale Veränderungen, die auch morphologisch und im Optical Co- herence Tomography (OCT) bestünden und die bereits beschr ieben und gutachterlich berück- sichtigt worden seien –, keinen pathologischen Befund gezeigt. Es habe sich im multifokalen Elektroretinogramm (ERG) eine hervorragende foveale An twort gezeigt. Objektive Methoden zur Sehschärfeprüfung hätten ihre deutlichen Grenzen u nd dürften nicht unabhängig vom übri- gen Befund bewertet werden. Es bestehe keine wesentliche Befundveränderung im Vergleich zum asim-Gutachten aus dem Jahr 2009, wo eine Sehschärfe rechts von 0.8 und links 0.1 ge- messen worden sei. Es könne daher keine Veränderung zur i m Gutachten vorgenommenen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit festgestellt werden. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des Gesundheitszustands und der Frage, in welchem Ausmass und bezüglicher welcher Tätigkeiten die Beschwerdeführe- rin noch arbeitsfähig ist, vollumfänglich auf das polyd isziplinäre ABI-Gutachten vom 15. Mai 2015 sowie die ergänzenden Stellungnahmen des ABI vom 1 5. Juni 2015, vom 30. November 2015, vom 29. Februar 2016 und vom 9. Januar 2017. Gest ützt auf diese ärztliche Beurteilung ging sie davon aus, dass der Beschwerdeführerin aus medi zinischer Sicht eine körperlich leich- te, wechselbelastende Tätigkeit ohne Arbeiten über K opf, ohne erhöhte Anforderungen an das Sehvermögen und ohne Tätigkeiten an potentiell gefäh rlichen Arbeitsplätzen im Umfang von 80 % (vollschichtig umsetzbar) zumutbar sei. 6.2 Die Beschwerdeführerin rügt die Verletzung der Ab klärungspflicht nach Art. 43 ATSG durch die Beschwerdegegnerin, weshalb zur Beurteilung des Rentenanspruchs nicht auf die Expertise des ABI abgestellt werden könne. Zum Einen se ien die Sachverhaltsabklärungen un- ter unheilbarer und schwerer Verletzung ihres rechtliche n Gehörs zustande gekommen. Hinzu komme, dass das ABI für versicherte Personen, die von der K anzlei des Rechtsvertreters ver- treten würden, als Gutachterstelle in den Ausstand zu tre ten habe, da eine unabhängige und unvoreingenommene Begutachtung nicht mehr erwartet w erden könne. Und letztlich sei das ABI-Gutachten weder aktuell noch in beweisrechtlicher Hi nsicht verlässlich, weshalb weitere medizinische Abklärungen notwendig seien. 7.1 Zuerst ist die Rüge der Beschwerdeführerin zu prüfe n, ihr rechtliches Gehör sei schwer und unheilbar verletzt worden, da die Beschwerdegegnerin nach Vorliegen des ABI-Gutachtens den Gutachtern Rückfragen gestellt habe, ohne sie darüber in Kenntnis zu setzen – selbst dann nicht, als der Beschwerdegegnerin die Rechtsvertretung mitgeteilt worden sei. 7.2 In BGE 136 V 113 kam das Bundesgericht zum Schluss, d ass der Versicherungsträger dann, wenn er der Gutachtensperson Erläuterungs- oder Ergänzungsfragen zu stellen gedenke, die versicherte Person darüber zu informieren und ihr eine Kopie des Gutachtens zuzustellen habe. Damit erhalte die versicherte Person im Rahmen i hres Anspruches auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerisch en Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 und Art. 42 ATSG die Gelegenheit, au ch ihrerseits solche Fragen zu stellen. Der Versicherungsträger habe anschliessend die allfälligen erg änzenden Fragen der versicherten Person zusammen mit seinen eigenen an den Gutachter zur Beantwortung weiter zu leiten. Eine einseitige Vorgehensweise durch den Versicherungst räger, dem Gutachter Erläuterungs- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht fragen zu stellen, noch ehe er der versicherten Person ein e Kopie des Gutachtens zugestellt habe, sei unzulässig. 7.3 Vorliegend stellte die Beschwerdegegnerin dem ABI nach Eingang des Gutachtens vom 18. Mai 2015 mehrfach Rückfragen, ohne die Beschwe rdeführerin darüber zu informieren oder ihr das Gutachten zuzustellen. Diese Vorgehensweise st ellt einen Verfahrensmangel dar und verletzt den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör. Fraglich ist, ob dieser Verfahrensmangel in der Zwischenzeit geheilt wurde. Im Urteil vom 28. März 2013 kam das Bundesgericht in Anwendung von BGE 136 V 113 zum Schluss, dass – wie vorliegend auch – ein Verfahrensmangel gegeben sei, dieser aber als gehei lt betrachtet werden könne, weil die anwaltlich vertretene versicherte Person die Gelegenhei t gehabt habe, zum Vorbescheid Stel- lung zu nehmen, wovon sie Gebrauch gemacht habe, ohne Ergänzungsfragen zu stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. März 2013, 8C_904/2012, E. 4.2). Der Vorbescheid vom 25. Mai 2016 wurde der damals noc h unvertretenen Beschwerdeführerin direkt zugestellt. Nachdem ihre Hausärztin dagegen Einwand erhoben hatte, reichte ihr Rechts- vertreter mit Eingabe vom 28. Juli 2016 die Einwandbeg ründung nach. Dort wäre es ihm mög- lich gewesen, Ergänzungsfragen zu stellen, was er aber in der Folge unterlassen hat. Unter diesen Umständen kann der Verfahrensmangel als geheilt b etrachtet werden (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 10. Februar 2017, 8C_785/2016, E. 4.3). 8.1 Weiter ist die Rüge zu prüfen, dass das ABI als Instit ution für versicherte Personen, die durch die Kanzlei des Rechtsvertreters vertreten werden, als Gutachterstelle in den Ausstand zu treten habe. Die Beschwerdeführerin führt aus, es se i offensichtlich, dass die Auseinander- setzung zwischen Dr. M.____ und Rechtsanwalt P.____ eine aussergewöhnliche Intensität er- reicht habe. Daher sei es naheliegend, dass sich die nich t unerhebliche Abneigung von Dr. M.____ nicht nur gegen Rechtsanwalt P.____, sondern ge gen das ganze Büro des Rechtsver- treters richte. Die in einer Bürogemeinschaft zusammeng efassten Anwälte seien wie ein und derselbe Anwalt zu behandeln. Unter diesen Umständen s ei es offenkundig, dass in Fällen, in welchen die zu begutachtende Person vom Büro des Recht svertreters vertreten werde, eine unabhängige und unvoreingenommene Begutachtung durch das ABI nicht mehr erwartet wer- den könne. Daher habe das ABI bei versicherten Personen, die durch die Kanzlei des Rechts- vertreters vertreten würden, als Gutachterstelle in den Ausstand zu treten, weshalb zumindest die Stellungnahme vom 9. Januar 2017, die von Dr. M._ ___ mit unterzeichnet worden sei, nicht berücksichtigt werden könne. 8.2 Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhal ts ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gi bt er der versicherten Person deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann die Gutachterin bzw. den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge machen (Art. 4 4 ATSG). Für Sachverständige gelten grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnung sgründe, wie sie für Richterinnen und Richter vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit an zunehmen, wenn Umstände vorlie- gen, die in objektiver Weise und nicht bloss aufgrund d es subjektiven Empfindens der Partei geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit und U nvoreingenommenheit der sachverstän- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht digen Person zu erwecken (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Dezember 2009, 9C_893/2009, E. 1.1; BGE 132 V 93 E. 7.1 mit Hinweis). Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche medizinischen Gutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt , ist an die Unparteilichkeit der begutachtenden Ärztinnen und Ärzte ein strenger Massstab a nzulegen (BGE 132 V 93 E. 7.1, 120 V 357 E. 3b in fine mit Hinweisen). Rechtsprechun gsgemäss kann sich ein Ausstandsbe- gehren immer nur gegen Personen und nicht gegen Behö rden richten; nur die für eine Behörde tätigen Personen, nicht die Behörde an sich, können bef angen sein (BGE 137 V 210 E. 1.3.3). Ausstandsgründe betreffen in erster Linie das Verhältni s zwischen Sachverständigem und Par- tei. Der Parteivertreter vertritt im Prozess nicht seine eigenen Interessen, sondern diejenigen seiner Mandantin bzw. seines Mandanten, so dass ein Sachve rständiger in aller Regel nicht schon deswegen befangen erscheint, weil er ersterem gegen über angeblich feindschaftlich ge- sinnt ist. In einer solchen Situation kann Voreingeno mmenheit nur bei Vorliegen besonderer Gegebenheiten im Verhältnis zwischen der sachverständigen Person und dem Rechtsvertreter der Partei und nur mit Zurückhaltung angenommen werd en (Urteile des Bundesgerichts vom 24. Juni 2009, 9C_500/2009, E. 2.2.2, vom 4. Februa r 2009, 8C_509/2008, E. 7; U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich 2015, N 39 zu Art. 44). 8.3.1 Vorliegend sind keine Umstände gegeben, die gest ützt auf eine objektive Betrachtung den Anschein der Befangenheit des ABI bzw. von Dr. M. ____ wecken würden. Rechtsanwalt Herrmann teilte der Beschwerdegegnerin am 20. Juni 20 16 seine Rechtsvertretung mit (iv-act. 179). Zu diesem Zeitpunkt lag das Gutachten bereits seit über einem Jahr bei den Akten. In Anbetracht dieses zeitlichen Aspekts stellt sich höchstens be i der Stellungnahme des ABI vom 9. Januar 2017, in welcher die Gutachter sich ausführli ch zu den Untersuchungsergebnissen des Spitals O.____ vom 5. August 2016 geäussert haben, di e Frage des Anscheins der Befan- genheit. 8.3.2 Ein schweres persönliches Zerwürfnis oder eine persö nliche Feindschaft zwischen dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin und Dr. M. ____, welches bei objektiver Betrach- tung als konkreter Befangenheitsgrund oder zumindest als Anschein einer Voreingenommen- heit der Gutachter zu werten wäre, ist mit dem zweife llos äusserst belasteten Verhältnis zwi- schen Dr. M.____ und Rechtsanwalt P.____ nicht dargetan. Der Rechtsvertreter der Beschwer- deführerin verweist sodann auf das Urteil des Kantonsger ichts vom 8. August 2013 (720 13 121/178). In diesem Fall ging es aber um einen ganz a nderen Sachverhalt. Rund 25 Gutachter des ABI solidarisierten sich schriftlich mit Dr. M.____ ge genüber dem behandelnden Arzt und distanzierten sich somit von dessen Person und seinem Verhalten. Gleichzeitig distanzierte sich auch der behandelnde Arzt gegenüber dem ABI und den beim ABI tätigen Gutachter. Das Kan- tonsgericht ging in diesem Fall von besonders qualifi zierten Umständen aus, die den Ausstand des ABI als Institution rechtfertigten. Es betonte abe r gleichzeitig, dass ein Ausstand gegen die ganze Institution die Ausnahme bleiben müsse. 8.3.3 Spezifische Ausstandsgründe gegen die einzelnen mit der Begutachtung betrauten Sachverständigen Dr. H.____, Dr. K.____, Dr. J.____, D r. I.____ und Dr. L.____ werden in der Beschwerde keine genannt. Ebenfalls werden keine sachlich en Gründe vorgebracht, welche den Anschein der Befangenheit dieser Personen und die Gefahr der Voreingenommenheit ob- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht jektiv zu begründen vermögen. Es gibt somit keinen Anlass, an ihrer Unabhängigkeit zu zwei- feln. Damit ist die durch das ABI vorgenommene Begutach tung aus formeller Sicht ohne weite- res zulässig. Andere abweichende medizinische Beurteilung en allein vermögen die Objektivität der Experten und Expertinnen nicht in Frage zu stellen . So gehört es unter anderem zu deren Pflichten, sich kritisch mit den Beurteilungen der andere n Ärzte auseinander zu setzen und ei- genständige Beurteilungen abzugeben. Auf welche Einschä tzung letztlich abgestellt werden kann, ist eine Frage der Beweiswürdigung. 9.1 Zu prüfen bleibt, ob das ABI-Gutachten den in den Erwägungen 4.2 – 4.4 hiervor dar- gelegten beweisrechtlichen Grundsätzen genügt oder ob weitere medizinische Abklärungen notwendig sind, um den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin rechtsgenüglich beurteilen zu können. 9.2.1 Die Beschwerdeführerin stellt die Beweistauglich keit des Gutachtens in Frage, weil das psychiatrische Teilgutachten von Dr. K.____ noch unter der Geltung der alten Überwindbar- keitsrechtsprechung erstellt worden sei. Das Gutachten wür de zwar nicht per se seinen Be- weiswert verlieren, es würden aber bereits geringe Zwei fel an der Schlüssigkeit und Zuverläs- sigkeit genügen, um eine neue Begutachtung anzuordnen. 9.2.2 Die von Dr. K.____ lege artis vorgenommene psychi atrische Exploration äussert sich zu allen psychiatrisch relevanten Parametern, auch bezügl ich der vom asim im Jahr 2009 fest- gestellten Dysthymie, und setzt sich einlässlich mit der Vor geschichte und der persönlichen, beruflich-erwerblichen sowie sozialen Situation auseinander. Anhaltspunkte für eine depressive Störung fand Dr. K.____ im Psychostatus nicht. Er erhob lediglich den Verdacht auf eine Soma- tisierungsstörung, dem er aber zu Recht keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zusprach. Auf Rückfrage von RAD-Ärztin N.____, ob nicht eine di ssoziative Sehstörung vorliegen könnte, legte Dr. K.____ mit Stellungnahme vom 29. Februar 2016 in nachvollziehbarer Weise dar, weshalb er die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nich t mit Sicherheit stellen könne. Dr. K.____ fand insgesamt zu wenig sichere Hinweise für eine erhebliche psychische Störung und diagnostizierte lediglich den Verdacht auf eine So matisierungsstörung. Es ist nicht ersicht- lich, was in solchen Verhältnissen einer insgesamt nicht sc hweren psychischen Beeinträchti- gung ein strukturiertes Beweisverfahren an zusätzlichen Er kenntnissen an den Tag bringen könnte. Damit trägt das ABI-Gutachten, obwohl noch un ter der Geltung der alten Rechtspre- chung zu den Förster-Kriterien erstellt, dem mit BGE 1 41 V 281 in den Vordergrund gerückten Aspekt der funktionellen Auswirkungen der diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung ge- bührend Rechnung. Psychische Beschwerden stehen bei der Be schwerdeführerin nicht im Vor- dergrund, was auch dadurch verdeutlicht wird, dass sie weder heute noch in der Vergangenheit eine psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen hat. 9.3.1 In der Beschwerde wird weiter geltend gemacht, dass bei der Beschwerdeführerin seit der Erstellung des Gutachtens eine erhebliche Verschlechte rung des Gesundheitszustands eingetreten sei. Neu habe die Beschwerdeführerin eine n Hörverlust rechts von 49 % und links von 77 % zu beklagen. Prof. Dr. med. Q.____, FMH für O hren-, Nasen-, Halskrankheiten, Hals- u. Gesichtschirurgie, stelle in seinem Bericht vom 17. Juni 2016 eine starke Progredienz fest. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.3.2 Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdegeg nerin der Beschwerdeführerin am 13. Juli 2016 (iv-act. 189) mitteilte, dass sie die P auschale für eine beidseitige Hörgeräte- versorgung mit zwei Hörgeräten im Betrag von Fr. 1‘650. -- vergüten werde. Da die Beschwer- deführerin damit ihren Hörverlust mit Hilfsmitteln de r IV ausgleichen kann und ihr der Gebrauch der Hörgeräte im Rahmen der Schadenminderungspflicht zugemutet werden kann, ist nicht mehr von erheblichen Auswirkungen desselben auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen. Insoweit Dr. med. R.____, FMH Innere Medi zin und Hausärztin der Beschwerde- führerin, aufgrund der von Prof. Q.____ festgestellt en erheblichen Hörminderung von einer ein- geschränkten Arbeitsfähigkeit in einer lauten Umgebun g sowie bei einer Tätigkeit, bei der viele Telefonate erforderlich seien, ausgeht, kann ihr nicht gefolgt werden (Schreiben vom 6. Juli 2016). 9.4.1 Die Beschwerdeführerin vertritt zudem die Auffassun g, dass der ophthalmologischen Beurteilung des ABI kein Beweiswert zukomme. Der Bericht von Dr. med. S.____, Augenarzt FMH, Spital O.____, vom 5. August 2016 widerspreche d er Beurteilung des ABI in Bezug auf die Beurteilung der subjektiven und objektiven Sehfähig keit. Es sei nicht akzeptabel, dass die objektiven Befunde des Sehtests ignoriert worden seien. Zudem bestünden gestützt auf das psychiatrische Gutachten von Dr. K.____ keine Anhaltspunk te, dass die Beschwerdeführerin nicht kooperiert hätte. 9.4.2 Unbestrittenermassen besteht am linken Auge seit Jah ren ein stark verminderter Visus und damit einhergehend der Verlust des Stereosehens. D arüber sind sich die involvierten oph- thalmologischen Fachärzte einig. Soweit Dr. R.____ gel tend macht, dass die stark einge- schränkte Sehfähigkeit des linken Auges von den ABI-Gutach tern nicht genügend berücksich- tigt worden sei, kann ihr nicht beigepflichtet werde n. Massgebend ist die gesamte Sehfähigkeit. Dazu gehört auch, dass die stark verminderte Sehkraft links durch die bessere Sehfähigkeit mit dem rechten Auge teilweise aufgefangen werden kann. Es bleibt allerdings die Einschränkung in der Tiefenwahrnehmung, wie bereits festgestellt. Kl ar ist auch, dass sich die Alterssichtigkeit (Presbyopathie), die leichte Hornhautverkrümmung (Astig matismus) und die Weitsichtigkeit (Hyperopie) der Beschwerdeführerin bei entsprechender Anpassung der Brillenversorgung aus invalidenversicherungsrechtlicher Hinsicht nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Uneinigkeit besteht aber hinsichtlich des für die Sehfähi gkeit führenden rechten Auges und den möglichen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Dr. S .____ stellt in seinem Bericht vom 5. August 2016 fest, dass bezüglich Sehschärfentest nicht von e iner Aggravation auszugehen sei, da die Resultate des zentralen Octopus-Gesichtsfelds, des älteren Fluoreszenzangiogramms, des zentralen multifokalen ERG und teilweise auch des pa ramakulären OCT auf eine Schädi- gung der äusseren Netzhautschicht und des Pigmentepithels hinweisen würden, welche mit den von der Patientin angegebenen Visusstörungen rechts komp atibel sei. Er geht damit von einer Konsistenz der Befunde aus. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit äussert sich Dr. S.____ nicht. Dr. L.____ ihrerseits hält im Schreiben vom 9. Januar 2017 auch nach Würdigung des Berichts von Dr. S.____ vom 5. August 2016 an ihrer Auffassung fest, dass keine objektiv nachvollziehbaren Ergebnisse für eine signifikante Sehschärfeminderung ode r konzentrische Gesichtsfeldein- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht schränkung des rechten Auges vorliegen würden. Konzentrisch e Gesichtsfeldeinschränkungen seien die Folge peripherer Netzhautdegenerationen, d ie bei der Beschwerdeführerin nicht vor- liegen würden. Trotzdem sei der Tunnelblick ein Hauptsymptom, das sie immer wieder äussere. Während der gutachterlichen Untersuchung im April 2015 habe sie horizontale Gesichtsfeld- aussengrenzen von 90° angegeben. Da die normalen Aussengrenzen bei ca. 120° liegen wür- den, bedeute diese Angabe zwar eine Reduktion der Auss engrenzen, aber nicht in derartigem Ausmass, dass ein Blindenstock erforderlich wäre. Ein Blind enstock würde bei Patienten mit tapetoretinaler Netzhautdegeneration und hochgradig konzentrischer Gesichtsfeldeinschrän- kung von unter 10° zur Anwendung gelangen. Da keine wesentliche Veränderung des morpho- logischen Befundes und eine hervorragende foveale Antwor t im multifokalen Elektroretino- gramm vorliegen würden, könne von einer ähnlich guten Sehschärfe wie bei der asim- Begutachtung ausgegangen werden. 9.4.3 Dr. S.____ bringt keine Aspekte vor, die im Rahm en der ABI-Begutachtung von Dr. L.____ nicht erkannt oder von der Expertin nicht gen ügend gewürdigt worden wären. Aus die- sem Grund reicht die anderslautende Beurteilung von Dr. S.____ nicht aus, um die Schlussfol- gerungen von Dr. L.____ in Frage zu stellen. Dr. L.__ __ postuliert aufgrund der seit der Begut- achtung durch die asim eingetretenen möglichen Verschlecht erung der Sehfähigkeit des rech- ten Auges vermehrte Ruhe- und Erholungspausen im Umfa ng von 20 %. Diese Einschätzung erscheint plausibel. Denn unabhängig der Frage der kon kreten ophthalmologischen Messme- thoden und des Umstands, dass sowohl von den asim- als auch von den ABI-Gutachtern wäh- rend der jeweiligen klinischen Untersuchungen ein inkon sistentes Verhalten der Beschwerde- führerin beobachtet wurde, erscheint es als nachvollzie hbar, dass Personen, die den Verlust des räumlichen Sehens zu beklagen haben, für die meisten Tätigkeiten mehr Zeit brauchen und eine erhöhte Aufmerksamkeit an den Tag legen müssen, was wiederum zu einer schnelleren allgemeinen Ermüdung führen kann. Bezüglich der Diskussi on einer Aggravation ergibt sich für das invalidenversicherungsrechtliche Verfahren keine verwer tbare Erkenntnis. Die Messmetho- den basieren auf der subjektiven Einschätzung der Beschwer deführerin. Ob sie bei der Unter- suchung bewusst übertrieb, lässt sich damit nicht feststell en. Entgegen der Ansicht der Be- schwerdegegnerin lässt sich jedenfalls aus der Subjektivität der Messmethoden nicht schon eine Aggravation ableiten. Die Einschränkung der Sehkr aft ist bei der Beurteilung der Restar- beitsfähigkeit aber zweifellos zu berücksichtigen, wie dies von Dr. L.____ gemacht wurde. 9.5 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass das ABI-G utachten vom 18. Mai 2015 sowie die ergänzenden Stellungnahmen in sämtlichen Pu nkten den praxisgemässen Anforde- rungen an den Beweiswert einer Expertise entsprechen. So ist es für die Beantwortung der ge- stellten Fragen umfassend, gibt es doch detailliert Ausk unft über die verbleibende Arbeitsfähig- keit. Das Gutachten basiert auf den notwendigen allseit igen Untersuchungen, namentlich in internistischer, neurologischer, rheumatologischer, ophthalmologischer und psychiatrischer Hin- sicht. Den Gutachtern lagen die Akten der Beschwerdegegne rin zur Verfügung, worin die rele- vanten medizinischen Berichte enthalten waren. Spätere medizinische Berichte wurden von den Experten ebenfalls umfassend gewürdigt. Die Gutachter be rücksichtigten die geklagten Be- schwerden und setzten sich mit diesen auseinander. Der v on Dr. R.____ im Einwandschreiben vom 6. Juli 2016 geschilderte Eindruck, es seien bei der Begutachtung gewisse Diagnosen un- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht tergegangen und es seien nicht alle gesundheitlichen Einschränkungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit beachtet worden, kann nicht geteilt werden. Das Gutachten leuchtet ferner in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein. Angesichts der Befunde, insbesondere der klinischen Untersuchung und einer im Zeit punkt der Begutachtung fehlenden krankheitswertigen psychischen Störung ist das Ergebnis nachvo llziehbar. Auch die Einschrän- kungen an den Händen im Sinne von handschuhförmigen Missempfindungen wurden bereits im Vorfeld verschiedentlich abgeklärt und in den Akten – so auch im ABI-Gutachten, S. 23 ff. – ausführlich diskutiert. In Anbetracht des Umstands, dass in Bezug auf die erhobenen Befunde, die Beurteilung der Funktionseinschränkungen sowie der E inschätzung der Arbeitsfähigkeit zwischen Dr. I.____ und dem asim-Gutachter Dr. med. T._ ___, Neurologie FMH, keine wesent- lichen Differenzen auszumachen sind, können für das invalid enversicherungsrechtliche Verfah- ren zusätzliche Abklärungen unterbleiben. Demgemäss sind denn auch die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet, da ss die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann. Die Gutachter begründet en die verbleibende Arbeitsfähigkeit ein- lässlich unter dem Hinweis auf eine Beurteilung aufgrun d objektivierbarer Kriterien. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin fiel die Umschreibung der Restarbeitsfähigkeit klar aus: für körperlich leichte, angepasste Tätigkeiten ohne überdurchschnittliche Anforderungen an das Sehvermögen besteht eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80 %. Auf S. 30 des Gutachtens wird erläutert, dass die Beschwerdeführerin das Pensum vollschichtig umsetzen könne mit leicht erhöhtem Pausen- und Erholungsbedarf (vgl. auc h S. 28 des Gutachtens, Ziffer 4.4.5). Damit wird klar, dass die Leistungsfähigkeit aufgrund de s Erholungsbedarfs um 20 % reduziert ist. Indizien, die gegen die Zuverlässigkeit des Gutacht ens sprechen würden, liegen keine vor, weshalb die Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (vgl. dazu Erwägung 4.5 hiervor) ver- neint und auf die beantragte Einholung weiterer med izinischer Berichte verzichtet werden kann (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. dazu BGE 124 V 90 E. 4b). 9.6 Es ist damit mit der Beschwerdegegnerin davon auszug ehen, dass bei der Beschwer- deführerin in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten und ohne überdurchschnittliche Anforderungen an das Sehvermögen eine Arbeits- und Leistungsfä- higkeit von 80 % besteht und dass dieses Pensum vollschichti g mit leicht erhöhtem Pausen- und Erholungsbedarf umgesetzt werden kann. 10.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des IV-Grades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt wer- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht den können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekan nten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte sind miteinander zu vergleichen. 10.2 Gegen die Ermittlung des Valideneinkommens und d es Invalideneinkommens gestützt auf die LSE Tabellenlöhne 2014 erhob die Beschwerdefü hrerin keinen Einwand. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Kantonsgericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre, erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Ermittlun g des Validen- und des Invalideneinkom- mens sowie mit der Berechnung des Invaliditätsgrads. E s kann diesbezüglich grundsätzlich vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der angefoch- tenen Verfügung verwiesen werden. Damit bleibt es bei einem Invaliditätsgrad von 20 %, der die anspruchsbegründenden Höhe von mindestens 40 % (Art. 28 IVG) nicht erreicht. 10.3 Anzumerken bleibt, dass auch eine Berücksichtigung der Einschränkungen an den Händen im Sinne einer qualitativen Einbusse der Arbei tsfähigkeit an diesem Ergebnis nichts ändern würde. Denn würde für die Beeinträchtigungen an den Händen ein (maximal) 10 %-iger leidensbedingter Abzug vom Invalideneinkommen vorgenomm en, ergäbe sich ebenfalls ledig- lich ein Invaliditätsgrad von 28 %. 11. Zusammenfassend folgt aus dem Gesagten, dass die Besc hwerdegegnerin den Ren- tenanspruch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 14. August 2017 zu Recht ablehnte. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 12.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sin d. Der Beschwerdeführerin ist nun aller- dings mit Verfügung vom 19. September 2017 die unent geltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorlä ufig auf die Gerichtskasse genom- men. 12.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin in der Verfügung vom 19 . September 2017 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wo rden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Hono rar bei unentgeltlicher Verbeistän- dung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorar- note vom 12. Dezember 2017 für das vorliegende Verfahre n einen Zeitaufwand von insgesamt 13,25 Stunden geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 90.60. Dem Rechtsvertreter ist deshal b ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘959.85 (13,25 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 90.60 zuzüglich 8 % Mehrwertsteu- er) aus der Gerichtskasse auszurichten. 12.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2‘959.85 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht