Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 13. Februar 2013 (810 12 206) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Baugesuch für Balkon- und Dachanbau Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Bruno Gutzwiller, Ka ntonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Beat Walther, Kantonsrichterin Regina Schaub , Gerichtsschreiber Markus Pachlatko Parteien A.____ und B.____ , vertreten durch Ro man Zeller , Advokat , gegen Baurekurskommission des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstra s- se 29, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Beigeladene Einwohnergemeinde C.____ Betreff Baugesuch für Balkon- und Dachanbau, Parz. 3175 , D.____strasse 19, C.____ (Entscheid der Baurekurskommission vom 20. März 2012) A. Im Jahre 1979 erwarben A.____ und B.____ die Lieg enschaft D.____strasse 19, C.____, Parzelle Nr. 3175, Grundbuch C.____, welche in der Bauzone W 2a liegt. Im Jahre 2003 bauten A.____ und B.____ den Dachstock ihrer Lieg enschaft ohne Baubewilligung aus. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf Aufforderung des Bauinspektorates des Kantons Basel-La ndschaft (Bauinspektorat) hin reichte A.____ am 24. September 2003 das Baugesuch Nr. 2098/2003 ein. Dieses wurde in der Folge vom Bauinspektorat mit Entscheid vom 23. März 2004 abgewiesen. Das Bauinspektorat verfügte zudem die vollständige Entfernung des ohne Baub ewilligung erstellten Dachaufbaus auf der Ostfassade und die Wiederherstellung des ursprün glichen Zustands bis zum 31. Mai 2004, dies unter Hinweis auf die Strafbestimmungen von Art. 292 StGB im Weigerungsfalle und unter Androhung kostenpflichtiger Ersatzvornahme. Die gegen diese Verfügung des Bauinspektorats erhobene B eschwerde wurde von der Baure- kurskommission des Kantons Basel-Landschaft (Baurekurskommission) mit Entscheid vom 8. September 2005 abgewiesen. Der Entscheid wurde am 5. März 2008 eröffnet und eine Rückbaufrist bis 28. Februar 2011 gesetzt. Der Entscheid e rwuchs in Rechtskraft. In Erwägung 8 des Entscheides wurde A.____ auf Wunsch der Gemeinde e mpfohlen, sich vor Inangriffnah- me des verfügten Rückbaus mit der Gemeinde C.____ und dem Bauinspektorat zu besprechen, um allenfalls vorhandene Möglichkeiten nicht zu verpassen. Am 30. März 2011 führte das Bauinspektorat eine Baukont rolle durch. Es stellte fest, dass die angeordneten Rückbaumassnahmen nicht durchgeführt wurden und setzte mit Schreiben vom 1. April 2011 für die Vornahme der angeordneten Rückb aumassnahmen Frist bis 31. Juli 2011, dies mit dem Hinweis, dass danach das Zwangsvollzugsverfahr en ohne Vorankündigung eröff- net werde. A.____ und B.____, vertreten durch Roman Zeller, Ad vokat, beantragten beim Bauinspektorat mit E-Mail vom 25. Juli 2011 einen Besichtigungstermin mit der Einwohnergemeinde C.____ und dem Bauinspektorat, um ein neues, bewilligungsfäh iges Projekt vor der Ausarbeitung zu besprechen. Begründet wurde dieses Begehren zum einen damit, dass aus den Akten nicht klar hervorgehe, wie der Altbestand gewesen sei. Zum anderen wurde angeführt, die Baurekurs- kommission habe empfohlen, die Änderung vorher mit der Gemeinde zu besprechen. Dieses Begehren lehnte das Bauinspektorat mit Schreiben vom 17. August 2011 unter Hinweis auf den rechtskräftigen Entscheid der Baurekurskommission ab . Es wies zudem darauf hin, dass sich der Umfang des verfügten Rückbaus aus dem Plan vom 21. August 1946 ergebe. Für die Umsetzung des Rückbaus seien kein erneutes Baugesuchsver fahren und auch kein erneu- ter Augenschein notwendig. Die nochmalige Aufschiebung des Vollzugsverfahrens sei nicht angemessen. In der Folge leitete das Bauinspektorat d as Dossier an die Vollzugsbehörde mit dem Auftrag auf Eröffnung des Zwangsvollzugsverfahrens weiter. B. Am 28. September 2011 reichten A.____ und B.____ beim Bauinspektorat das Bauge- such Nr. P.0085/2011 für einen Balkon- und einen Dach anbau samt Bauplänen, datierend vom 22. September 2011 ein und mit Schreiben vom 23. Okto ber 2011 beantragten sie bei der Ein- wohnergemeinde C.____ die Erteilung einer Ausnahmeb ewilligung für den bestehenden Dach- aufbau. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.____ und B.____, vertreten durch Roman Zeller, Advo kat, verlangten mit Schreiben vom 5. Dezember 2011 vom Bauinspektorat die ordentliche P ublikation des bisher nicht publizierten Baugesuchs und legten den von ihnen am 23. Oktober 201 1 verfassten und an die Einwohner- gemeinde C.____ gerichteten Ausnahmeantrag betreffend den Dachaufbau bei. Sie wiesen zudem darauf hin, dass sie mit dem Balkonanbau unter and erem, aber nicht nur, beabsichtig- ten, die Problematik um den Dachaufbau zu lösen. Der D achaufbau sei jedoch nicht nur im Zu- sammenhang mit dem Balkonanbau zu sehen. Vielmehr brin ge der zusätzliche Balkon - unab- hängig vom Dachaufbau - beim Zimmer im Dachgeschoss eine überdeckte Aufenthaltsmöglich- keit im Sommer im Freien. Gleichentags wies das Bauinspektorat das Baugesuch Nr. P.0085/2011 zufolge offensichtlichen Verstosses gegen zwingende öffentlichrechtliche Vorschriften gemäss § 124 Abs. 4 des Raum- planungs- und Baugesetzes (RBG) vom 8. Januar 1998 ohn e Publikation und Auflage ab. Zur Begründung brachte das Bauinspektorat im Wesentlichen vor, dass die geplante Dachverlänge- rung und die Terrasse an der Nordfassade keine Auswirkun g auf die Rechtswidrigkeit des Dachaufbaus hätten. Bezüglich Ausnahmebewilligung sei in Erwägung 5 des rechtskräftigen Entscheides der Baurekurskommission festgehalten, dass die Einwohnergemeinde C.____ eine solche ablehne. Mit Verfügung vom 9. Dezember 2011 sistierte die Vollzugsinstanz das Vollzugsverfahren. C. Gegen die Verfügung des Bauinspektorats vom 5. Dezemb er 2011 erhoben A.____ und B.____, vertreten durch Roman Zeller, Advokat, am 19. Dezember 2011 Beschwerde bei der Baurekurskommission. Sie beantragten, es sei der Entscheid des Bauinspektorats aufzuhe- ben und dieses anzuweisen, das Baugesuch zu publizieren und das Baugesuchsverfahren durchzuführen, dies unter o/e-Kostenfolge. Mit Entscheid vom 20. März 2012 wies die Baure- kurskommission die Beschwerde ab. D. Gegen diesen Entscheid der Baurekurskommission reicht en A.____ und B.____ (Be- schwerdeführer), vertreten durch Roman Zeller, Advokat , am 2. Juli 2012 beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde ein. Sie beantrag- ten, es sei der Entscheid der Baurekurskommission vom 20. März 2012 aufzuheben (Ziffer 1). Es sei zudem das Bauinspektorat anzuweisen, das Baugesuch für einen Balkon- und Dachan- bau an der Liegenschaft D.____strasse 19 in C.____ zu publizieren und das Baugesuchsver- fahren durchzuführen, alles unter o/e-Kostenfolge. E. Am 25. Oktober 2012 reichte die Einwohnergemeinde C.____ ihre Vernehmlassung ein. Sie beantragte sinngemäss die Gutheissung der Beschwerde. F. Mit Eingabe vom 7. November 2012 liess sich das Bauin spektorat vernehmen. Es be- antragte die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. G. Mit präsidialer Verfügung vom 20. November 2012 wu rde der Fall der Kammer zur Be- urteilung überwiesen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Pa rteien an ihren Anträgen und Be- gründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 134 Abs. 5 RBG in Verbindung mit § 43 Ab s. 2 des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können Entscheide der Baurekurskommission durch die Betroffenen und die G emeinden beim Kantonsgericht an- gefochten werden. Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde ist somit gegeben. Die Beschwerdeführer sind durch den angefochtenen Entscheid in schutzwürdigen Interessen betroffen und demnach zur Beschwe rde legitimiert. Die weiteren formellen Voraussetzungen sind ebenfalls erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Die Kognition des Kantonsgerichts ist gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO grundsätz- lich auf Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts beschränkt. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kantonsger icht dagegen - abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen - untersagt (§ 45 A bs. 1 lit. c VPO). Gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG) vom 22. Juni 1979 wird in Fällen wie dem vorliegenden die volle Überprüfung einschliesslich d er Kontrolle der Angemessenheit durch wenigstens eine Beschwerdebehörde verlangt. Die Bau rekurskommission erfüllt diese Voraussetzungen ohne weiteres, weshalb die in der VPO vo rgesehene Kognition des Kantons- gerichts den Anforderungen des RPG genügt. 3.1 Streitgegenstand bildet die Frage, ob das von den Beschwerdeführern eingereichte Baugesuch vom 28. September 2011 offensichtlich gegen zwi ngende öffentlichrechtliche Vor- schriften verstösst und deshalb zu Recht vom Bauinspektorat ohne Publikation und Auflage abgewiesen wurde. 3.2 Die Vorinstanz machte hierzu im Wesentlichen geltend , dass der widerrechtliche Dachaufbau in den eingereichten Plänen fälschlicherwei se grau markiert worden sei. Grau be- deute "bestehend", was nicht einer widerrechtlichen Baute entspreche. Den Beschwerdeführern stehe zwar frei, ein neues Baugesuch für einen Balkon- und Dachanbau einzureichen, dabei sei aber auf den Bauplänen die Illegalität des bestehende n Dachaufbaus eindeutig farblich zu kennzeichnen oder der erforderliche Rückbau einzuzeichnen. 3.3 Die Beschwerdeführer wenden dagegen ein, dass sie keine andere Wahl gehabt hät- ten als den Dachaufbau als bestehend zu deklarieren und damit grau einzuzeichnen, denn gelb seien nur Bauteile zu kennzeichnen, die im Rahmen des n euen Bauprojektes abgebrochen würden. Ob der Dachaufbau später durch irgendwelche Än derungen eine Bewilligung erlangen könne oder nicht, sei nicht Gegenstand des vorliegenden Gesuches. Da ein allfälliges Ände- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsgesuch oder ein Baugesuch für den Dachaufbau gar nicht vorliege, stelle sich die Frage zum heutigen Zeitpunkt nicht. 3.4 Das Bauinspektorat führte hierzu in seiner Vernehml assung aus, es sei zu beachten, dass dem strittigen Baugesuch ein Ausnahmeantrag für d en Dachaufbau beigelegt worden sei. Es sei deshalb widersprüchlich, wenn die Beschwerdeführer vorbringen würden, dass es sich beim strittigen Baugesuch um ein separates, vom Dachauf bau getrenntes Baugesuch handle. Das strittige Baugesuch solle ja offenkundig für die Be schwerdeführer positive Auswirkungen auf das hängige Zwangsvollzugsverfahren bezüglich Rückbau des Dachaufbaus haben. 3.5 Die Einwohnergemeinde C.____ brachte hierzu im W esentlichen vor, die eingereichte Projektänderung stelle keine Verzögerungsmassnahme dar, sondern ziele auf eine Heilung des unrechtmässigen Zustands hin, weshalb § 124 Abs. 4 RBG nicht anwendbar sei. 3.6.1 § 87 Abs. 5 der Verordnung zum Raumplanungs- und Baugesetz (RBV) vom 27. Okto- ber 1998 bestimmt, dass Umbauten und Zweckänderungen far blich zu kennzeichnen sind, in- dem Altes grau, Neues rot und Abzubrechendes gelb ein zutragen sind. Zudem sind gemäss Abs. 6 dieser Bestimmung Ausnahmen, die beantragt werden, klar erkennbar auszuweisen und zu begründen. 3.6.2 Aus den dem Baugesuch beigelegten Plänen ist zu entnehmen, dass der nicht bewillig- te Dachaufbau grau und damit als bestehend markiert ist. Dem Schreiben der Beschwerdefüh- rer vom 5. Dezember 2011, mit welchem diese vom Bauin spektorat die ordentliche Publikation des strittigen Baugesuchs verlangten, ist weiter zu entneh men, dass sie mit dem strittigen Bau- gesuch unter anderem beabsichtigen, "die Problematik u m den Dachaufbau zu lösen". Diesem Schreiben legten sie ausserdem einen von den Beschwerdef ührern am 23. Oktober 2011 ver- fassten und an die Einwohnergemeinde C.____ gerichtete n Ausnahmeantrag betreffend den Dachaufbau bei. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass für die Bewilligung von Ausnahmegesuchen das Bauinspektorat zuständig ist, wobei der Gemeinderat betreffend Aus- nahmen von kommunalen Zonenvorschriften der Baubewilligungsbehörde in Abwägung öffentli- cher und privater Interessen sowie in Würdigung der beso nderen Umstände des Einzelfalles schriftlich begründet Ausnahmen beantragen kann, sofern dies in den Zonenvorschriften vorge- sehen ist (§ 20 Abs. 2 lit. a der Dienstordnung der Bau - und Umweltschutzdirektion vom 17. November 2009 in Verbindung mit § 87 Abs. 6 und § 7 Abs. 1 RBV). Das Ausnahmebewilli- gungsgesuch hätten die Beschwerdeführer folglich an das Bauinspektorat richten müssen. Zum einen aber hat eine unzuständige Behörde gemäss § 6 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensge- setzes des Kantons Basel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 19 88 die Eingabe von Amtes wegen an die zuständige Behörde weiterzuleiten, zum an deren wurde das Ausnahmegesuch mit Eingabe der Beschwerdeführer vom 5. Dezember 2011 beim Bauinspektorat eingereicht. Dass das Ausnahmegesuch an die falsche Behörde adressiert war, steht seiner Behandlung durch das Bauinspektorat nicht entgegen (vgl. Urteil de s Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] vom 24. August 2012 [C-1126/2012] E. 1.3). Entgegen d er Ansicht der Beschwerdeführer hatte das Bauinspektorat das Ausnahmegesuch folglich im Rahmen der Beurteilung des strittigen Baugesuches mit zu berücksichtigen. Die Fragen, ob das Bauinspektorat das Ausnahmegesuch Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht als Wiedererwägungsbegehren im Sinne von § 39 f. VwVG BL hätte verstehen müssen - über die Baurechtswidrigkeit des Dachaufbaus wurde mit Entsch eid der Baurekurskommission vom 8. September 2005 bereits rechtskräftig entschieden - und ob es allenfalls auf ein solches hätte eintreten müssen, sind nicht Gegenstand dieses Verfahrens und können folglich an dieser Stel- le offen gelassen werden. Entscheidend ist, dass die Besc hwerdeführer in ihrem Ausnahmege- such unter anderem festhielten, dass der fragliche Dachau fbau den seitlichen Abstand zur Gie- belfassade nicht einhalte, was mit einem Dachanbau beh oben werden könne. Daraus ergibt sich, entsprechend den Ansichten der Vorinstanzen und en tgegen der Darstellung der Be- schwerdeführer, dass das strittige Baugesuch in direktem Zusammenhang mit dem Ausnahme- gesuch steht und zumindest auch die Legalisierung des widerrechtlichen Dachaufbaus zum Ziel hat. 3.6.3 § 87 Abs. 5 RBV bezweckt, die Baubehörde - ferne r auch allfällige betroffene Nach- barn - darüber zu informieren, welche bauliche Massnahm en Gegenstand der behördlichen Prüfung bilden. Gleiches gilt gemäss § 87 Abs. 6 RBV au ch für die Ausweisungspflicht des Ge- suchstellers betreffend beantragte Ausnahmen. Dabei is t es Sache eines Gesuchstellers, den Prüfungsgegenstand so klar und eindeutig zu definieren , dass ein Irrtum der Behörde vernünf- tigerweise ausgeschlossen werden kann (vgl. auch Urteil de s Verwaltungsgerichts Zürich vom 5. April 2006 [VB.2005.00458] E. 2.3). Daraus ergib t sich einerseits, dass - entgegen der An- sichten der Vorinstanzen - nur jene bestehenden Bauteil e gelb zu markieren sind, deren Ab- bruch im Rahmen der vom Baugesuch erfassten baulichen Ma ssnahmen geplant ist. Bau- rechtswidrige Bauteile, zu deren Rückbau der Gesuchsteller rechtskräftig verpflichtet wurde, deren Abbruch im Rahmen der vom Baugesuch umfassten ba ulichen Massnahmen aber nicht geplant ist, sind demgegenüber, da sie nicht Gegenstand der behördlichen Prüfung bilden, nicht gelb zu markieren. Dies ist sachgerecht, denn eine Baub ewilligung darf nicht bereits deshalb verweigert werden, weil vom Baugesuch nicht betroffene Bauteile widerrechtlich erstellt wurden und abzubrechen sind. Eine Verweigerung der Baubewilli gung hätte diesfalls die unzulässige Vermischung der Frage der Zulässigkeit eines Bauprojekts mit der Frage der rechtlichen Folgen baurechtswidriger Zustände zur Folge (BGE 127 II 225 E . 5.b). Darf unter den genannten Um- ständen ein Baugesuch nicht verweigert werden, bedarf es seitens der Baubewilligungsbehörde auch keiner Überprüfung, ob vom Baugesuch nicht betro ffene Bauteile widerrechtlich erstellt wurden und damit ebenso keine entsprechende farbliche Markierung der vom Baugesuch nicht betroffenen, widerrechtlich erstellten Bauteile. 3.6.4 Aus dem Zweck von § 87 Abs. 5 RBV ergibt sich ande rerseits, dass die verlangte Mar- kierung mit roter Farbe nicht nur dann erforderlich ist , wenn ein Projekt neu realisiert, sondern auch, wenn mit demselben neuen Projekt gleichzeitig ein zwar bestehender, aber nicht bewillig- ter Zustand nachträglich legalisiert werden soll. Dies gilt gemäss § 87 Abs. 6 RBV insbesondere auch dann, wenn für die Bewilligung einer bestehende n, aber nicht bewilligten Baute eine Aus- nahmebewilligung Voraussetzung ist. Da das strittige Baugesuch zumindest auch die Legalisie- rung des nicht bewilligten Dachaufbaus bezweckt, hätte der Dachaufbau folglich - entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer - nicht grau, sondern rot m arkiert werden müssen. Die in den Plänen vom 22. September 2011 vorgenommene farbliche Markierung entspricht demnach of- fensichtlich nicht den Vorgaben von § 87 Abs. 5 und 6 RBV. Die Ansicht der Vorinstanzen, dass Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht das strittige Baugesuch mit der bestehenden Markierung offensichtlich gegen zwingende öffent- lichrechtliche Vorschriften verstösst, ist im Ergebnis folglich nicht zu beanstanden. 3.7 Gemäss § 124 Abs. 4 RBG werden Baugesuche, welche of fensichtlich gegen zwin- gende öffentlichrechtliche Vorschriften verstossen, ohne Publikation und Auflage abgewiesen. Sind die Voraussetzungen von § 124 Abs. 4 RBG erfüllt, so erfolgt die entsprechende Abwei- sung des Baugesuchs nach dem klaren Normwortlaut - entgeg en der Ansicht der Einwohner- gemeinde C.____ - unabhängig davon, ob das zu beurtei lende Baugesuch eine Verzögerungs- massnahme darstellt oder auf eine Heilung eines unrechtmässigen Zustands hinzielt. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass die Baubewilligun gspflicht der Behörde die Mög- lichkeit verschaffen soll, das Bauprojekt vor seiner Ausführung auf die Übereinstimmung mit der Nutzungsordnung und der übrigen einschlägigen Gesetzgeb ung zu überprüfen (BGE 114 Ib 314 E. 2a) und dass dabei der klaren und präzisen farbli chen Darstellung in den Baugesuchs- plänen grösste Bedeutung zukommt (C HRISTOPH FRITZSCHE /P ETER BÖSCH , Zürcher Planungs- und Baurecht, Zürich 2006, 20-27). Die farbliche Darste llung dient letztlich dazu, sowohl die Baubehörde als auch allfällige betroffene Nachbarn da rüber zu informieren, welche bauliche Massnahmen Gegenstand der behördlichen Prüfung bilden (vgl. E. 3.6.3). Die Abweisung eines gegen § 87 Abs. 5 bzw. 6 RBV verstossenden Baugesuchs ohne Publikation und Auflage ist deshalb sachlich gerechtfertigt und - entgegen der An sicht der Beschwerdeführer - nicht über- spitzt formalistisch. 3.8 Die Verweigerung der Publikation und Auflage de s strittigen Baugesuchs ist zudem - entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer - auch ver hältnismässig. So ermöglicht nur die Einreichung eines neuen Baugesuchs, mit neuen, korrekt ein gefärbten Plänen die korrekte In- formation der Baubewilligungsbehörde und damit die umfassende Prüfung des Baugesuchs auf seine Gesetzmässigkeit. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer wäre eine Publikation des Gesuchs mit der Auflage, wonach die Baubewilligung den Dachaufbau nicht umfasse und der verfügte Rückbau von der neuen Bewilligung nicht tangi ert werde, zu diesem Zweck nicht ge- eignet. Denn zum einen änderte eine solche Auflage n ichts an der Pflicht der Beschwerdefüh- rer, vor der Prüfung des Baugesuchs durch die Baubewill igungsbehörde diese mittels korrekter Pläne über den Prüfungsgegenstand zu informieren. Zum anderen würde eine entsprechende Auflage nicht den Tatsachen entsprechen, ist doch davo n auszugehen, wie bereits festgestellt werden konnte, dass das strittige Baugesuch zumindest auch d ie Legalisierung des widerrecht- lichen Zustandes zum Ziel hat (vgl. E. 3.6.2). Aufgrund des Angeführten kann festgehalten wer- den, dass die Verweigerung der Publikation des strittige n Baugesuchs sowohl geeignet als auch erforderlich ist, die korrekte Information der Baubewilligungsbehörde und damit die umfas- sende Prüfung des Baugesuchs auf seine Gesetzmässigkeit sich erzustellen. Hinzu kommt, dass auf Seiten der Beschwerdeführer kein Interesse ersicht lich ist, weshalb sie neben dem Dachanbau nicht auch die mit diesem bezweckte Legalisierun g des Dachaufbaus hätten farb- lich kennzeichnen sollen. Auch bewirkt eine Neueinreichu ng eines korrekten Gesuches für die Beschwerdeführer - wie die Vorinstanz richtig festgehal ten hat - lediglich einen Nachteil im Sin- ne einer zeitlichen Verzögerung der Behandlung des Bau gesuchs. Demgegenüber sind die In- teressen der Öffentlichkeit und der Nachbarn an einer korrekten Baugesuchseingabe, wie ge- sehen, erheblich. Die Verweigerung der Publikation des strittigen Baugesuchs ist mithin auch Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht verhältnismässig im engeren Sinne. Das strittige Baugesuch wurde deshalb zu Recht vom Bau- inspektorat gemäss § 124 Abs. 4 RBG ohne Publikation und Auflage abgewiesen. Die Be- schwerde ist demzufolge abzuweisen. 4.1 Es bleibt über die Verteilung der Kosten zu entsch eiden. Dem Verfahrensausgang ent- sprechend werden die Verfahrenskosten gemäss § 20 Abs. 1 VPO in Verbindung mit § 20 Abs. 3 VPO der unterliegenden Partei auferlegt. Für die heutige Parteiverhandlung ist eine Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 1‘800.-- zu entricht en. Diese sind den Beschwerdeführern aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in d er Höhe von Fr. 2'200.-- zu ver- rechnen. Der zu viel bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 400.-- wird den Beschwer- deführern zurückerstattet. 4.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann gem äss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessen e Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Gemäss § 21 Abs. 2 VPO wird dem Kanton keine Par- teientschädigung zugesprochen, während die Gemeinden u nd andere Träger öffentlicher Auf- gaben Anspruch auf eine Parteientschädigung haben, sof ern der Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin gerechtfertigt war. Die Gemeinde hat keinen Anwalt bzw. keine Anwältin beige- zogen. Die Parteikosten werden dementsprechend wettgeschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- werden den Be- schwerdeführern in solidarischer Verpflichtung auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'200.-- verrechnet. Der zu viel bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 400.-- wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber