<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 121 S.507</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">507</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>121 Legitimation.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Der Beschwerdeführer kann die eigene fehlende Legitimation nicht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dadurch beheben, dass er sich nachträglich (nach Ablauf der Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schwerdefrist) bevollmächtigen lässt, für eine betroffene Drittperson</b></span><br/> <span class="ft2"><b>als Vertreter aufzutreten.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Baudepartements vom 12. Dezember 2003 in Sachen Y. ge-</span><br/> <span class="ft5">gen Gemeinderat M.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Die Eheleute X., die eine neue Eigentumswohnung in einer</span><br/> <span class="ft1">Mehrfamilienhausüberbauung erworben hatten, und der Verband Y.</span><br/> <span class="ft1">rügten beim Gemeinderat, dass die Überbauung die Anforderungen</span><br/> <span class="ft1">an das behindertengerechte Bauen in diversen Punkten nicht erfülle.</span><br/> <span class="ft1">Sie verlangten, dass die Bauherrschaft zu entsprechenden Nachbesse-</span><br/> <span class="ft1">rungen zu verpflichten sei. Der Gemeinderat hiess am 10. März 2003</span><br/> <span class="ft1">die Begehren nur teilweise gut. Dagegen erhob der Verband Y. -</span><br/> <span class="ft1">ausdrücklich in eigenem Namen - Beschwerde beim Baudeparte-</span><br/> <span class="ft1">ment. Als die Legitimation des Verbandes fraglich wurde, reichte</span><br/> <span class="ft1">dieser nachträglich eine Vollmacht ein, die ihn zur Vertretung der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">508</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Eheleute X. ermächtigte. Das Baudepartement tritt auf die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde nicht ein.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a-d) [Es wird festgestellt, dass der Verband Y. nicht befugt ist,</span><br/> <span class="ft1">in eigenem Namen Beschwerde zu führen.]</span><br/> <span class="ft1">3. Im Schreiben vom 15. Oktober 2003 macht der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer geltend, er vertrete die Eheleute X. Vertretung ist zulässig (§</span><br/> <span class="ft1">18 Abs. 1 VRPG). Aus der Beschwerdeschrift geht nun aber mit kei-</span><br/> <span class="ft1">nem Wort hervor, dass der Verband Y. im Namen der Eheleute X. ge-</span><br/> <span class="ft1">handelt hat. Es trifft zwar zu, dass sich der Vertreter oder die Vertre-</span><br/> <span class="ft1">terin nur auf Verlangen der Behörde auszuweisen hat (§ 18 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">VRPG). Die Vollmacht bedarf deshalb nicht notwendigerweise der</span><br/> <span class="ft1">Schriftform; vielmehr kann sie formfrei und insbesondere auch still-</span><br/> <span class="ft1">schweigend erfolgen. Im vorliegenden Fall ergab sich weder aus der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeschrift noch aus den Umständen, dass es sich um ein</span><br/> <span class="ft1">Vertretungsverhältnis handelt. Bevollmächtigte führen regelmässig</span><br/> <span class="ft1">im Namen der Vertretenen Beschwerde. Der Verband hat in der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde nun aber gegenteils ausdrücklich ausgeführt, er sei durch</span><br/> <span class="ft1">das beanstandete Bauvorhaben direkt betroffen und somit zur</span><br/> <span class="ft1">Einsprache bzw. Beschwerde legitimiert. Nehmen nicht Anwälte die</span><br/> <span class="ft1">Vertretung wahr, werden Beschwerden häufig von den Vertretenen</span><br/> <span class="ft1">mitunterzeichnet; das war vorliegend nicht der Fall (AGVE 1996, S.</span><br/> <span class="ft1">378 ff.). Auch die nachträgliche schriftliche Bestätigung der Eheleute</span><br/> <span class="ft1">X., dass der Verband sie schon bis anhin vertreten habe (Vollmacht</span><br/> <span class="ft1">vom 14. Oktober 2003), vermag nichts zu ändern. Im Zeitpunkt der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeerhebung bzw. bei Ablauf der Rechtsmittelfrist müssen</span><br/> <span class="ft1">alle Eintretensvoraussetzungen gegeben sein; Nachbesserungen sind</span><br/> <span class="ft1">nur in beschränktem Rahmen möglich (§ 39 Abs. 3 VRPG). Es muss</span><br/> <span class="ft1">in diesem Zeitpunkt deshalb klar sein, wer Beschwerde führt und der</span><br/> <span class="ft1">oder die Beschwerdeführende muss die formellen Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft1">erfüllen. Kein anderer Schluss ist aus dem Umstand zu ziehen, dass</span><br/> <span class="ft1">der Verband anlässlich des gemeinderätlichen Augenscheins vom 3.</span><br/> <span class="ft1">Februar 2003 laut eigenen Angaben die Eheleute X., welche nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">509</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">teilnahmen, vertrat (angefochtener Beschluss vom 10. März 2003).</span><br/> <span class="ft1">Offenbar war der Gemeinderat unsicher bezüglich des Vertretungs-</span><br/> <span class="ft1">verhältnisses; jedenfalls hat er den angefochtenen Entscheid sowohl</span><br/> <span class="ft1">dem Verband als auch den Eheleuten X. förmlich eröffnet (AGVE</span><br/> <span class="ft1">1978, S, 380). Schliesslich folgt aus einer allfälligen Vertretung im</span><br/> <span class="ft1">vorinstanzlichen Verfahren nicht zwingend, dass auch im Folgever-</span><br/> <span class="ft1">fahren ein Vertretungsverhältnis besteht; vielmehr hat dies jede In-</span><br/> <span class="ft1">stanz eigenständig zu prüfen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>