<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 58 S.284</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">284</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>58</b></span> <span class="ft3"><b>Voraussetzungen der Kürzung materieller Hilfe infolge Nichtbeachtens</b></span><br/> <span class="ft3"><b>einer Auflage oder Weisung.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Die Verwarnung mit Kürzungsandrohung kann gleichzeitig mit der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Auflage bzw. Weisung verfügt werden (Erw. 4.1).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Vertragliche Vereinbarung über Auflagen und Weisungen (Erw. 4.2</b></span><br/> <span class="ft3"><b>und 4.3.2).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">285</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>- Die Kürzungsandrohung muss nicht vor jedem Vollzug in Form einer</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Verfügung neu angedroht werden, und die Kürzung kann auch beim</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Bezug künftiger Leistungen vollzogen werden (Erw. 4.1 und 4.4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 13. Oktober 2005 in Sa-</span><br/> <span class="ft4">chen F.B. gegen das Bezirksamt Laufenburg.</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4.1. Voraussetzung für eine Kürzung der materiellen Hilfe we-</span><br/> <span class="ft1">gen Missachtung einer Auflage oder Weisung ist, dass dem Betroffe-</span><br/> <span class="ft1">nen die Auflage oder Weisung im Sinne von § 13 SPG i.V.m. § 14</span><br/> <span class="ft1">SPV in Form einer Verfügung eröffnet wurde (AGVE 1997, S. 169).</span><br/> <span class="ft1">Seit Inkrafttreten des SPG (1. Januar 2003) kann die Verwarnung mit</span><br/> <span class="ft1">Kürzungsandrohung, welche nach der Rechtsprechung zum aufge-</span><br/> <span class="ft1">hobenen Sozialhilfegesetz (SHG) vom 2. März 1982 einer zusätzli-</span><br/> <span class="ft1">chen Anordnung in Verfügungsform bedurfte (AGVE 1997, S. 176),</span><br/> <span class="ft1">gleichzeitig mit der Auflage bzw. Weisung verfügt werden (vgl. § 13</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 SPG; Botschaft des Regierungsrates des Kantons Aargau an</span><br/> <span class="ft1">den Grossen Rat vom 30. Juni 1999, S. 23).</span><br/> <span class="ft1">Auflagen und Weisungen, wie die Bestimmungen über die Auf-</span><br/> <span class="ft1">nahme einer Arbeit oder die Teilnahme an einem Beschäftigungspro-</span><br/> <span class="ft1">gramm (§ 14 lit. e SPV), werden zur Verbesserung der Lage der Hilfe</span><br/> <span class="ft1">suchenden Person angeordnet. Sie umschreiben die Anspruchsvor-</span><br/> <span class="ft1">aussetzungen in grundsätzlicher Weise und sind daher auf Dauer</span><br/> <span class="ft1">angelegt. Entsprechend ihrem Zweck und der Zielsetzung haben</span><br/> <span class="ft1">solche Weisungen Wirkung auf die gesamte Dauer der Ausrichtung</span><br/> <span class="ft1">der materiellen Hilfe an den Betroffenen (Entscheid des Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichts [VGE] IV/8 vom 14. Februar 2005 [BE.2004.00259],</span><br/> <span class="ft1">S. 13 f.). Die Auflagen oder Weisungen mit einer Kürzungsandro-</span><br/> <span class="ft1">hung müssen daher dem Betroffenen nicht vor jeder Kürzung formell</span><br/> <span class="ft1">und in Form einer Verfügung neu angedroht werden und können</span><br/> <span class="ft1">auch beim Bezug zukünftiger Leistungen durchgesetzt werden.</span><br/> <span class="ft1">4.2. Vorliegend hat unmittelbar vor Erlass der angefochtenen</span><br/> <span class="ft1">Verfügung der Gemeinderat A mit Beschluss vom 21. Februar 2005</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">286</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dem Beschwerdeführer eine Kürzung der Sozialhilfe angedroht. Die-</span><br/> <span class="ft1">ser Beschluss erfüllt die formellen Voraussetzungen einer Verfügung</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 23 Abs. 1 und 4 VRPG (Bezeichnung als Entscheid, Be-</span><br/> <span class="ft1">gründung) und wurde dem Beschwerdeführer schriftlich eröffnet</span><br/> <span class="ft1">(§ 23 Abs. 2 VRPG). (...)</span><br/> <span class="ft1">Bereits an der Besprechung vom 12. August 2004 traf die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde A mit dem Beschwerdeführer eine Vereinbarung über die</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsbemühungen. Diese Vereinbarung wurde im Schreiben vom</span><br/> <span class="ft1">26. August 2004 dem Beschwerdeführer bestätigt und die Kürzung</span><br/> <span class="ft1">der Sozialhilfe angedroht, falls zu wenige Arbeitsbemühungen nach-</span><br/> <span class="ft1">gewiesen würden (Schreiben der Gemeinde A vom 26. August 2004).</span><br/> <span class="ft1">In der Folge hat der Gemeinderat A am 4. Oktober 2004 eine</span><br/> <span class="ft1">Kürzung des Grundbedarfs I für den Monat Oktober 2004 be-</span><br/> <span class="ft1">schlossen, mit der Begründung, der Rapport über die Arbeitsbemü-</span><br/> <span class="ft1">hungen sei zu spät abgegeben und zudem seien ungenügende Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsbemühungen nachgewiesen worden. Dieser Beschluss erfüllt in</span><br/> <span class="ft1">formeller Hinsicht alle Voraussetzungen an eine gültige Verfügung</span><br/> <span class="ft1">und ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.</span><br/> <span class="ft1">4.3.1. (...)</span><br/> <span class="ft1">4.3.2. Im vorliegenden Fall wurde die Weisung zur Stellensuche</span><br/> <span class="ft1">erstmals an der Besprechung vom 12. August 2004 zwischen dem</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer und dem Gemeinderat A thematisiert. In Bestäti-</span><br/> <span class="ft1">gung dieser Besprechung hat der Gemeinderat die vereinbarte</span><br/> <span class="ft1">Stellensuche im Schreiben vom 26. August 2005 bestätigt. Gemäss</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts (AGVE 1997, S. 169) sind</span><br/> <span class="ft1">Auflagen und Weisungen in Verfügungsform zu fassen und zu eröff-</span><br/> <span class="ft1">nen. Diese Rechtsprechung betrifft den Regelfall, wo die Behörden</span><br/> <span class="ft1">die Verhaltensanweisungen an die Betroffenen <i>einseitig</i> anordnen.</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrechtliche Rechtsverhältnisse können indessen nach</span><br/> <span class="ft1">heutiger Rechtsauffassung nicht nur in Verfügungsform, sondern</span><br/> <span class="ft1">auch auf dem Weg des verwaltungsrechtlichen Vertrages geregelt</span><br/> <span class="ft1">werden (Pierre Tschannen / Ulrich Zimmerli, Allgemeines Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsrecht, 2. Auflage, Bern 2005, § 33 N 21; Ulrich Häfelin / Georg</span><br/> <span class="ft1">Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Zürich / Basel /</span><br/> <span class="ft1">Genf 2002, Rz. 1063 ff.). Im verwaltungsrechtlichen Vertrag regeln</span><br/> <span class="ft1">die Behörden und der Private mit übereinstimmender Willenserklä-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">287</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rung die gegenseitigen Rechte und Pflichten zweiseitig. Auch die</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungstätigkeit in Form eines verwaltungsrechtlichen Vertrages</span><br/> <span class="ft1">wird für den Privaten verbindlich, sofern sie dem Gesetz nicht wider-</span><br/> <span class="ft1">spricht (vgl. Häfelin / Müller, a.a.O., Rz. 1069).</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer bestreitet den Abschluss und den Inhalt</span><br/> <span class="ft1">der Vereinbarung vom 12. August 2004, wie er von der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">bestätigt wurde, nicht. Weder das SPG noch das VRPG schliessen</span><br/> <span class="ft1">den Abschluss eines verwaltungsrechtlichen Vertrages über Auflagen</span><br/> <span class="ft1">und Weisungen aus (§ 60 VRPG; § 13 SPG i.V.m. § 14 SPV). Ein</span><br/> <span class="ft1">verwaltungsrechtlicher Vertrag kann sich als zweckmässig erweisen,</span><br/> <span class="ft1">wenn nur durch Vereinbarungen mit dem Betroffenen die konkrete</span><br/> <span class="ft1">Ausgestaltung einer Auflage oder Weisung geregelt werden kann. In</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlicher Hinsicht ist aber festzuhalten, dass für hoheitliche</span><br/> <span class="ft1">Anordnungen der Sozialbehörde und mit Rücksicht auf Beweisprob-</span><br/> <span class="ft1">leme die Verfügungsform die Regel darstellt und die Möglichkeit des</span><br/> <span class="ft1">verwaltungsrechtlichen Vertrages, insbesondere durch mündliche Ab-</span><br/> <span class="ft1">machungen mit dem Betroffenen und anschliessender schriftlicher</span><br/> <span class="ft1">Bestätigung, nur in Ausnahmefällen zweckmässig erscheint. Im vor-</span><br/> <span class="ft1">liegenden Fall ist von der Wirksamkeit der vertraglichen Vereinba-</span><br/> <span class="ft1">rungen auszugehen. Dem Beschwerdeführer war jedenfalls nach dem</span><br/> <span class="ft1">Bestätigungsschreiben vom 26. August 2004 klar, dass die Sozialbe-</span><br/> <span class="ft1">hörde von ihm Bemühungen zur Stellensuche verlangte, und es war</span><br/> <span class="ft1">für ihn auch erkennbar, dass ungenügende Bemühungen zu einer</span><br/> <span class="ft1">Kürzung der materiellen Hilfe führen können. Dafür spricht nicht</span><br/> <span class="ft1">zuletzt auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer sich gegen die</span><br/> <span class="ft1">mit Verfügung vom 4. Oktober 2004 vollzogene Kürzung entspre-</span><br/> <span class="ft1">chend der vertraglichen Regelung nicht gewehrt hat.</span><br/> <span class="ft1">4.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Gemeinderat A</span><br/> <span class="ft1">die Auflage bzw. Weisung betreffend die Arbeitsbemühungen zwar</span><br/> <span class="ft1">nicht in Form einer Verfügung erliess, sondern darüber einen ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsrechtlichen Vertrag mit dem Beschwerdeführer abgeschlos-</span><br/> <span class="ft1">sen hat (siehe vorne Erw. 4.3.2.), wobei dem Beschwerdeführer die</span><br/> <span class="ft1">Kürzung der Sozialhilfe im Bestätigungsschreiben der Gemeinde A</span><br/> <span class="ft1">vom 26. August 2004 angedroht wurde. Damit bestand eine gültige</span><br/> <span class="ft1">Auflage bzw. Weisung an den Beschwerdeführer zur Stellensuche</span><br/> <span class="ft1">seit August 2004, welche die Grundlage und Voraussetzung für die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">288</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kürzung im März 2005 bildete. Die (...) relativ kurze Zeit zwischen</span><br/> <span class="ft1">dieser Verfügung und dem Vollzug der Kürzung am 7. März 2005</span><br/> <span class="ft1">sind für die Voraussetzungen der Kürzung (Rechtmässigkeit der Auf-</span><br/> <span class="ft1">lage und der Kürzungsandrohung) ohne Relevanz. Insbesondere ist</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr zu prüfen, ob die Verfügung vom 21. Februar 2005 in</span><br/> <span class="ft1">Rechtskraft erwachsen oder noch anfechtbar ist. Dieses Ergebnis</span><br/> <span class="ft1">rechtfertigt sich umso mehr, als die rechtskräftige Kürzungsverfü-</span><br/> <span class="ft1">gung vom 4. Oktober 2004, mit der die im verwaltungsrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Vertrag vereinbarte Auflage erstmals vollzogen wurde, auch die for-</span><br/> <span class="ft1">mellen und materiellen Anforderungen an eine Auflage oder Weisung</span><br/> <span class="ft1">erfüllt. Die Voraussetzungen für den Vollzug der Auflage sind unter</span><br/> <span class="ft1">den vorliegenden Umständen gegeben.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>