TPF 2004 24 24 Aus den Erwägungen: (… ) AuchwennessichbeidiesenPersonenausdr ücklichumunver dächtige Drittpersonenhandelt,sobestehengleichwohlVerbindungenzuihnenaus demterroristischenUmfeldundVerbindungenvonihnenzuPersonenin Tunesien,derenRollenichtbeurteilbarist.DieseSituationf ührtvordem Hintergrundder – bekannten –län derübergreifendennetzwerkartigenStruk- turderAl-Quaidaundderfortlaufenden – offenenundverdeckten-Ermitt- lungengegenderenExponentenimIn-undAuslanddazu,dassdasBeste- hendieserkonkretenHinweise,derenQuellenunddiekonkretenErmitt- lungsansätzedesSchutzesderGeheimhaltung bedürfen.Die öffentlichen InteressenderSicherheitundderfortdauernden BekämpfungdesTerroris- musdr ängen deshalbvorliegendenfallsausnahmsweisedieprivatenInteres- senderbetroffenenGesellschaftenundPersonenindenHintergrund.Dies umsomehr,alssichdievorliegendeFormdesTerrorismusgeradedadurch konkretcharakterisiert,dassschwersteDeliktemiteinerVielzahlvon OpferninderFormeinesunkontrollierbarenAnschlagsver übtwordensind, dasssichdieWiederholungsgefahrseitdemAnschlaginZ.imApril2002 bekanntlichbereitsmehrfachverwirklichthatunddassimRahmendes vorliegendenVerfahrensklareHinweiseaufdie höchste Strukturebeneund ungeklärteKontakte zunoch nicht identifizierten Drittenbestehen.( … ) TPF 200424 8.AuszugausdemEntscheidderStrafkammerinSachenBundesanwalt- schaft gegen A. und B. vom 17. August 2004 (SK 001/04 und 002/04) Arglistige Täuschung bei Betrug; insbesondere Selbstverantwortung innerhalb der Bundesverwaltung. Art. 146 Abs. 1 StGB DieFragederArglististausSichtderjenigenMitarbeiterzubeurteilen,welche dieAuszahlungvornehmen. Bestätigt ein PrüfvermerkdieRichtigkeitder Rechnung,so entfällt Arglistnichtdeshalb,weilentgegeneinerDienstvor- schrift eineZweitunterschrift fehlte. TPF 2004 24 25 Tromperie astucieuse en matière d'escroquerie; en particulier responsabilité propre au sein de l'administration fédérale. Art. 146 al. 1 CP Le caractèreastucieuxdelatromperiedoit être apprécié parrapport à lasitua- tiondescollaborateursqui procèdent aupaiementlitigieux.Si l’exactitudede la factureest attestée parunvisadeco ntrôle, le caractère astucieuxnepeut être nié duseulfaitde l’absence, contraireauxprescriptionsdeservice, d’une se- conde signature. Inganno con astuzia in caso di truffa; in particolare responsabilità autonoma all’interno dell’Amministrazione federale. Art. 146 cpv. 1 CP Laquestione dell’astuziadeveesseregiudicatadalpuntodivistadeicollabora- toricheeffettuanoilpagamento.Se l’esattezzadellafattura è attestatadaun vistodicontrollo, l’astuzianonvienemenoperilfattoche,contrariamentea una prescrizione di servizio, mancava una seconda firma. Zusammenfassung des Sachverhalts: A.arbeitetebeiderEidgenossenschaftinverschiedenentechnischenFunk- tionen.Erf ührteunterderFirma „WavecomT echnik“ einScheinunterneh- men,f ürwelcheserfiktiveRechnungeninerheblichemGesamtumfangan dieeigeneoderanandereDienststellendesBundesrichtete.Mitgef älschten UnterschriftenundVisaveranlassteerselbstoderliesserveranlassen,dass derBunddieBetr äge aufeinBankkontoderFirma überwies, überwelches er verfügen konnte. DieStrafkammerverurteilteA.unteranderemwegengewerbsm ässigen Betrugs. Aus den Erwägungen: 2.2.2 Währendseiner BeschäftigungalsChefTechnikimBereich Füh- rungsanlagenbeimKommandoFestungswachtkorps(FWK),Region9, richtetederAngeklagteA.zwei „Wavecom“-RechnungenandieseStelle, zweiweitereandasBundesamtf ürm ilitärischeBauten( „BAB“)undsieben weitereandieBundeskanzlei;derGesamtbetragbel äuftsichaufTPF 2004 24 26 Fr. 114’167.15.DasFestungswachtkorpswarauf1.Januar1996,nachAuf- lösung desBundesamtesf ürGenieundFestung,verse lbständigtworden.Es hatteindessendieRegelndesBundesamtesbetreffenddasRechnungswesen übernommen.AufallenRechnungenwurdedementsprechendeinKontie- rungsstempeldesFestungswachtkorpsangebracht.DerAngeklagteunter- zeichneteallealsverantwortlicherVorgesetzteranderentsprechendenStel- le.IndessenerscheintnuraufdereinenderbeidenandasFestungswacht- korpsadressiertenRechnungeneinSachbearbeitervisum.Aufdenandie BundeskanzleigerichtetenRechnungenbrachtederAngeklagtenebender AdressehandschriftlichdenNamenszugI.an;damitwarI.,einfr üherer MitarbeiterundProjektleiterderBundeskanzleigemeint,derdavonfreilich nichts wusste. DerVerteidigerdesAngeklagtenA.bestreitetdieArglist,weilbeidiesen Rechnungen der Kontierungsstempel nicht mit dem Visum des Sachbearbei- tersversehenwordensei;dieeinzigeAusnahmemachedieRechnungvom 6.August1996.ErberuftsichaufdieZeugenaussageJ.,wonachdasRech- nungsführerhandbuchf ürdieganzeBundesverwaltunggegoltenhabe,und erachteteineOpferverantwortungdortalsverletzt,womitdenRechnungen nichtgem äss diesemHandbuchverfahrenwordensei.Erargumentiertwei- terdamit,dassderAngeklagtenicht gewisssein konnte,dassdie Täuschung Erfolg habe. DiesemEinwandkannnichtgefolgtwerden.Auchindiesen Fällen hatsich derAngeklagteA.eines Lügengebäudes bedient.DerGesichtspunktder OpferverantwortungistaufdieMitarbeiterdesFinanzdiensteszufokussie- ren,dasiedieVerm ögensverschiebung auslöstenundesdeshalbaufihre Vorstellungenankommt( „Motivationszusammenhang“: BGE122IV197 E.2cS.203)respektivedarauf,wasvorgekehrtwurde,umeinenIrrtumzu vermeiden.DabeinuntragendieandieBundeskanzleiadressiertenRech- nungeneineZweitunterschrift,wennauchnichtimKontierungsstempeldes FWK,sondernin Nähe derAnschrift. FürdenFinanzdiensterscheintdie BundeskanzleialsBez ügerderfakturiertenDienstleistungunddieUnter- schriftalsRichtigkeitsvermerkdieserAmtsstelle.Dabeiistzuber ücksichti- gen,dassdasFWKdamalsregelm ässig auchRechnungen,dieanandere Bundesstellengerichtetwaren,bezahlte.InseinenAugenwardasVier- Augen-Prinzipdahererf üllt. WodiesnichtderFallwar – beidenbeidenan dasBABundbeidereinenandasFWKgerichteten(diejenigevom 22. März1996)Fakturen –, wurdenzwardievomBAGF übernommenen Regeln überdasRechnungswesenverletzt,indemmansichmitnureinemTPF 2004 27 27 Prüfvermerk begnügte.Indessengeh örteinedoppelteKontrollevonFaktu- rennichtzudenjenigenVorsichtsmassnahmen,diealsMinimumzuverlan- gensind.DasBundesgerichterblicktimSystemderKollektivunterschrift einMittel,umMissbrauchvonVertretungsbefugniszuverhindern(BGE 118IV35E.2S.37f.).Indemesdiebetr ügerische Täuschungdeseinen Unterzeichnersdurchdenanderenf ürm öglichhält, bringteszumAus- druck,dassdemeinenUnterzeichnerdievolleVerantwortungf ürdieRich- tigkeiteinernamensdervertretenenPersonunterzeichnetenErkl ärungzu- kommenkann.AusdieserW ürdigungderDoppelunterschriftimAussen- verhältnismussf ürdasamtsinterneVer hältnisabgeleitetwerden,dassdie Kontrolleeinesf ürdieVerm ögensverfügung massgeblichenSachverhalts durcheinePerson genügt,wenndieseinderLageist,aufgrundspezifischer oderallgemeinerKenntnissediesenzupr üfen.DemFWKwarunbenom- men,strengereRegelnvorzuschreiben;ihreVerletzungmagf ürdieinterne Haftungmassgeblichsein,stehtaberderAnnahmevonArglistnichtentge- gen.Anders wäreesnur,wenndasVier-Augen-PrinzipGesetzeskraftge- habth ätte;daswaraberdamalsnochnichtderFall(Art.39Finanzhaushalt- verordnung[SR611.01]inderFassungvor1.April2003[AS1990,996]). EntsprechendvermochtedennauchderZeugeF.nichtzu bestätigen,dass die Doppelunterschriftschon vorherimBund die Regel gewe sen wäre. TPF 200427 9.AuszugausdemEntscheidderStrafkammerinSachenBundesanwalt- schaftgegenA.,B.,C.,D.undE.vom22.September2004bzw.11.M ärz 2005(SK 003-007/04) Konkurrenz gewerbsmässiger Delikte. Berichtigung. Art. 68 StGB LiegtineinerGesamtbetrachtungsowohlbeiBetrugalsauchbei betrügeri- schemMissbraucheinerDatenverarbeitungsanlageGewerbsm ässigkeitvor,so ist trotz echter GesetzeskonkurrenzArt. 68 StGB nicht anzuwenden (E. 11.2.4). DieBerichtigungvonRechenfehlernoderoffensichtlichenVerseheninUrteilen derStrafkammeristauchohneausdr ücklicheGesetzesvorschrift möglich (E.2, 2.2–2.4).