<h2>SubmittedText<h2><p>Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigt unerwartete Ergebnisse: Schweizer Unternehmen brauchen im Berufsalltag die Landessprachen häufiger als Englisch. In der Romandie verwenden 50 Prozent der Unternehmen mindestens einmal wöchentlich die deutsche Sprache, während dies für das Englische nur bei 36 Prozent der Unternehmen zutrifft. In der Deutschschweiz kommt in 39 Prozent der Betriebe Französisch jede Woche zum Zug; in 37 Prozent der Unternehmen gilt dies für die englische Sprache. Dementsprechend ist Französisch in der Deutschschweiz mindestens ebenso wichtig wie Englisch. In der italienischen Schweiz beläuft sich die Zahl der Unternehmen, die Deutsch gebrauchen, auf 68 Prozent - gegenüber 30 Prozent, die das Englische heranziehen.</p><p>Vor diesem Hintergrund stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Ist er nicht ebenfalls der Ansicht, dass die Ergebnisse dieser Studie Anlass sein sollten, die in der Deutschschweiz zu beobachtende Umorientierung auf das Englische als erste Fremdsprache zu überdenken? Ist es nicht an der Zeit, der gegenwärtigen Tendenz entgegenzuwirken und zusammen mit den Kantonen das Ziel anzustreben, dass eine Landessprache als erste Fremdsprache unterrichtet wird?</p><p>2. Ist er nicht auch der Ansicht, dass die Problematik des Sprachenunterrichtes eine Folge der kantonalen Zersplitterung in Bildungsfragen ist? Meint er nicht auch, dass in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren eine grössere Harmonisierung des Bildungswesens zwischen den Kantonen ins Auge gefasst werden sollte?</p><p>3. Die obengenannte Studie zeigt auch, dass über 60 Prozent der Unternehmen ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern keinerlei sprachliche Weiterbildungsmöglichkeiten bieten, obwohl 41 Prozent der Angestellten mit ihren Sprachfähigkeiten nicht zufrieden sind. Ist der Bundesrat nicht ebenfalls der Ansicht, dass Unternehmen dazu ermuntert werden sollten, ihrer Arbeitnehmerschaft vermehrt Sprachkurse zu anzubieten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Im Sprachbereich ist die Schweiz mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert: Einerseits muss sie die sprachliche und kulturelle Vielfalt erhalten, und andererseits muss sie ihren Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu den Informationen und Märkten der Welt ermöglichen. Dabei tritt das Englische in eine gewisse Konkurrenzsituation zu den Landessprachen. Etliche Kreise befürchten in diesem Zusammenhang, dass längerfristig das Englische auf Kosten der Landessprachen zunehme. Die Resultate der obenerwähnten Studie sind aus diesem Blickwinkel auch für den Bundesrat interessant.</p><p>1. Für die Beantwortung der Frage, welche Fremdsprache zuerst unterrichtet werden soll, sind verfassungsmässig die Kantone zuständig. Das von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) erarbeitete Modell überlässt es den EDK-Regionen, die Einstiegsfremdsprache festzulegen. Es sieht aber vor, dass bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit in der ersten Fremdsprache und in Englisch das gleiche Niveau erreicht werden soll. Der Bundesrat hat sich mehrfach positiv zu diesem Modell geäussert. Die erwähnten Studienresultate vermögen daran nichts zu ändern.</p><p>2. Unser föderalistisch gestaltetes Bildungssystem weist in der Tat in verschiedenen Bereichen Unterschiede auf, die bei der zunehmenden Mobilität auf immer weniger Zustimmung stossen. Zwei Entwicklungen stimmen hier indessen positiv: Zum einen sind die Kantone daran, die interkantonale Harmonisierung über verschiedene Massnahmen zu verstärken (Projekt HarmoS; Revision des Schulkoordinations-Konkordates usw.), und zum anderen werden Volk und Stände am 21. Mai 2006 über die neue Bildungsverfassung, die dem Bund in verschiedenen Bereichen eine subsidiäre Regelungskompetenz überträgt, abstimmen.</p><p>3. Auch aus der Sicht des Bundesrates ist es sehr erwünscht, wenn noch mehr Unternehmen die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fördern, dies insbesondere auch im Sprachbereich. Er kann und will ihnen in diesem Punkt aber keine Vorschriften machen.</p>  Antwort des Bundesrates.