Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. Februar 2015 (720 14 313 / 35) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Festsetzung der Rente ab Begutachtungsdatum ex nunc und pro futuro Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber i.V. Michael Ruch Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advoka- tin, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1966 geborene A.____ war zuletzt vom Februar 2011 bis November 2011 als Chauffeur der B.____ GmbH tätig. Unter Hinweis auf eine Krankheit meldete er sich am 1. Juni 2012 bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse und nach durchgeführtem Vorbescheidver- fahren sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Ve rfügung vom 11. September 2014 in An- wendung der allgemeinen Bemessungsmethode vom 1. Fe bruar 2013 bis 30. Juni 2014 eine ganze IV-Rente und ab dem 1. Juli 2014 eine halbe IV-Rente zu. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 4. Oktober 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Er be- antragte die Aufhebung der Verfügung der IV-Stelle und die Neubeurteilung seiner gesundheit- lichen Situation. Zur Begründung brachte er im Wesent lichen vor, dass sich sein Gesundheits- zustand in den letzten Monaten deutlich verschlechtert h abe und er deshalb nicht mehr arbeits- fähig sei. C. Mit Schreiben vom 28. Oktober 2014 teilte die Advoka tin Raffaella Biaggi dem Kantons- gericht mit, dass sie mit der Wahrung der Interessen des Beschwerdeführers beauftragt worden sei. Gleichzeitig beantragte die Vertreterin die unen tgeltliche Verbeiständung und ersuchte um die Gewährung des Replikrechts, um allfällige ergänzende Ausführungen einbringen zu können. D. Mit Verfügung vom 29. Oktober 2014 gewährte das Ka ntonsgericht dem Beschwerde- führer die unentgeltliche Prozessführung und die unent geltliche Verbeiständung mit Advokatin Raffaella Biaggi als Rechtsvertreterin. E. Die IV-Stelle hielt mit Stellungnahme vom 7. Novem ber 2014 an ihrer Verfügung fest und beantragte die Ablehnung der Beschwerde. Sie führt dazu aus, dass aufgrund der durchge- führten Untersuchungen aus physischer Sicht keine relevanten Einschränkungen hätten festge- stellt werden können. Aus psychiatrischer Sicht bestehe auf grund der depressiven Störung mit- telgradigen Ausmasses eine Arbeitsunfähigkeit von 50%, da der Beschwerdeführer vermindert belastbar sei. Eine dauerhafte volle Arbeitsunfähigkei t, wie sie der Versicherte beschreibe, las- se sich jedoch nicht nachvollziehen. F. In der Replik vom 4. Dezember 2014 bestritt der Be schwerdeführer die Verbesserung seines Gesundheitszustands und führte aus, dass diese durch den Gutachter denn auch nicht beschrieben worden sei. Weiter machte der Beschwerdeführer geltend, dass er sehr wohl unter einer schweren depressiven Episode leide, wie dies auch d er behandelnde Hausarzt, Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, bereits diag nostiziert habe. Schliesslich wird gerügt, das psychiatrische Gutachten, auf welches sich die I V-Stelle stützte, sei beweisuntaug- lich. G. In der Dupilk vom 9. Dezember 2014 hält die IV-Stel le sinngemäss am Antrag auf Ab- weisung der Beschwerde fest, da keine neuen medizinisch st ichhaltigen Argumente aufgeführt würden, die einen Zweifel begründen könnten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV- Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtli- che Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu be jahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsg ericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vo m 4. Oktober 2014 ist demnach einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vor aussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigke it. Sie kann im Bereich der Invaliden- versicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung un d Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten au f dem in Betracht kommenden allge- meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelrente, w enn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine V iertelrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 104 V 136 f. E. 2a und b). Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin gestützt auf diese allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs berechnet. 3.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zu m 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts (EVG; seit 1. Januar 2007 Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilu ngen) bleibt folglich weitestgehend an- wendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 131 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 f. E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (Ulrich Meyer-Bl aser, Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen - wie a lle anderen Beweismittel - nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel - unabhängig von wem sie stammen - objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4. Zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung der IV-Stel le am 11. September 2014 lagen zur Beurteilung des medizinischen Sachverhalts folgende ärztliche Berichte vor: Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die Berichte der behandelnden Ärzte der Klinik D. ____ vom 18. November 2009, vom 15. Dezember 2011 und vom 10. Mai 2012 zuhanden von D r. med. E.____, FMH Allgemeine Medizin, hielten eine links lateral betonte Bandscheibe nprotrusion L3/L4 mit Einriss im Anulus Fibrosus im Sinne einer kleinen intraforaminalen Diskushernie, eine leichte Spondylarthrose auf den Niveaus zwischen L3 und L5, eine aktivierte Osteochondro se HWK 5/6 mit breitbasiger links betonter Bandscheibenprotrusion, relative foramin ale Enge links mit möglicher kurz- streckiger Affektion C6 links, eine regelrechte Darstellun g der übrigen Bandscheibenfächer, eine Impingement Konfiguration bei Stufenbildung im AC-Gelenk sowie subacromialer Sporn- bildung und leichter Bursitis subacromialis/subdeltoidea, eine leichte Tendopathie der distalen Supraspinatussehne ohne Ruptur oder Partialruptur des Sehnenverlaufs im Sinne von Verände- rungen bei subakromialem Impingement sowie eine inta kte übrige Rotatorenmanschette und regelrechte übrige Schulterbinnenstrukturen fest. Aufg rund dieser Berichte wies Dr. E.____ in seinem am 25. Juli 2012 der IV-Stelle zugekommenen A rztbericht dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 30. November 2011 bi s auf weiteres aus. Er stellte dem Versicherten weiter eine schlechte Prognose, da eine Ch ronifizierung der Beschwerden bereits begonnen habe und alle Therapieansätze bislang erfol glos gewesen seien. Eventuell sei aber eine leichte Tätigkeit, die den Belastungen des Bewegu ngsapparates angepasst ist, in wech- selnden Positionen und mit genügend Pausenmöglichkeiten zumutbar. Er verweist hierbei da- rauf, dass eine weitere Abklärung sinnvoll sei. 4.2 Im Gutachten vom 12. November 2012 stellte Dr. med. F.____, FMH Rheumatologie, physikalische Medizin und Rehabilitation, folgende Diagn osen: tendomyotisches Zervikalsyn- drom mit/bei Osteochondrose C5/C6 und linksbetonte Band scheibenprotrusion mit/bei guter Beweglichkeit der Halswirbelsäule, relativ verspannte pa ravertebrale Muskulatur mit begleiten- dem Spannungskopfweh und mögliche Kettendiagnose im lin ken Arm, eine unspezifische Peri- arthropathia humeroscapularis links mit leichter Tendino pathie der distalen Supraspinatusseh- ne, ein unspezifisches Lumbovertebralsyndrom bei radiologisch unauffälliger LWS und schwere psychosoziale Belastungen infolge geschäftlicher Missstände. D ie gestellten Diagnosen haben gemäss Dr. F.____ keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. 4.3 Am 8. Juli 2013 nahm die behandelnde Psychologin G. ____ im von der IV-Stelle einge- forderten Fragebogen Stellung zum Gesundheitszustand d es Beschwerdeführers. Sie diagnos- tiziert darin eine rezidivierende depressive Störung, ge genwärtig schwere Episode, ohne psy- chotische Symptome seit dem Jahr 2009 und eine anhaltend e somatoforme Schmerzstörung seit dem Jahr 2000. Aufgrund der Beschwerden stellt di e Psychologin dem Versicherten eine ungünstige Prognose und verordnet weitere therapeutische Gespräche und eine medikamentö- se Therapie. Die Arbeitsfähigkeit wird als verunmögli cht betrachtet, da der Versicherte durch seine Beschwerden nicht belastbar sei. 4.4 Am 26. März 2014 verfasste Dr. I.____ ein psychiatri sches Gutachten, in welchem er die Diagnose einer depressiven Störung mittelgradigen Ausmasses (ICD-12 F32.1) stellt. Zu diesem Schluss kommt der Gutachter, nachdem er den Versicher ten am 21. März 2014 unter- sucht hat und den Exploranden als depressiv verstimmten Men schen erlebt hat, dem es nie Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht richtig gelungen sei, in der Schweiz Fuss zu fassen und d eshalb schlecht integriert sei. So wie sich der Explorand während der Untersuchung präsentiert habe, sei wohl eine verminderte Be- lastbarkeit zu begründen, aber nicht eine dauerhafte Ar beitsunfähigkeit nachzuvollziehen. Seit dem Bericht von Frau G.____ vom 8. Juli 2013, gemäss welchem seinerzeit eine schwergradige depressive Störung vorgelegen habe, sei wohl eine Verbesse rung eingetreten, da dieser Schweregrad nicht mehr zutreffe. Allerdings sei aus dem Arztbericht vom 8. Juli 2013 nicht er- sichtlich, weshalb damals eine schwergradige depressive Stö rung vorgelegen haben sollte, da die Angaben zu knapp gewesen seien. Durch die verminderte Belastbarkeit, die auch Dr. I.____ dem Beschwerdeführer attestiert, sei der Beschwerdeführ er ab Untersuchungsdatum in einer Arbeit ohne Zeitdruck und Übernahme von Verantwortung im Umfang von 50% einsatzfähig. 4.5 Am 17. Mai 2014 erhob Dr. E.____ Einwand gegen den Vorbescheid der IV-Stelle vom 30. April 2014 und machte eine Verschlechterung des Ges undheitszustands trotz Ausschöp- fung aller Therapiemöglichkeiten geltend, der keine Arbeitsfähigkeit zulasse. 4.6 Am 8. August 2014 verfasste Dr. med. H.____, Fachä rztin für Psychiatrie und Neurolo- gie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), eine Stellung nahme zum erwähnten Einwand von Dr. E.____ vom 17. Mai 2014. Sie erläutert dabei, d ass neue medizinische Sachverhalte nicht vorgebracht worden seien. Deshalb sei auf die Einschätzung von Dr. I.____ vom 26. März 2014 abzustellen, der die Berichte von Dr. E.____ und Frau G.____ in seine Beurteilung mit einbezo- gen habe. Dass Dr. C.____, bzw. die behandelnde Psycholog in G.____, bereits im Juli 2013 von einer schweren depressiven Episode ausgegangen seien, zeige, dass den verschiedenen Beurteilungen der Dres. C.____ und F.____ derselbe S achverhalt zugrunde liege, der aber von den Ärzten verschieden eingeschätzt werde. Somit sei kein erneuter Bericht bei Dr. C.____ ein- zuholen. 5.1 Der Beschwerdeführer stellt sich in seiner Beschwerde vom 4. Oktober 2014 auf den Standpunkt, sein Gesundheitszustand habe sich in den letzten Monaten deutlich verschlechtert. Insbesondere seien psychische Probleme dazu gekommen, die ihn im Alltag und in der Berufs- ausübung zusätzlich zu den körperlichen Beschwerden sehr sta rk beeinträchtigen würden. Auf diese psychischen Probleme gehe die IV-Stelle in ihrer Beurteilung überhaupt nicht ein. So sei weder eine Beurteilung der seit Längerem betreuende n Psychotherapeutin eingefordert, noch sei er von einer anderen psychotherapeutischen Fachperson im Auftrag der IV-Stelle begutach- tet worden. Dies habe zur Folge, dass der Gesundheitszus tand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht umfassend und richtig gewürdigt würden. Er würde gerne so rasch wie möglich wieder arbeiten, so wie er das früher über viel e Jahre hinweg getan habe, aber sein Gesundheitszustand lasse dies – auch teilweise bis 50% - ni cht zu. Der Beschwerdeführer reicht seiner Beschwerde einen Arztbericht der Psychologin G.____ nach, worin diese dem Be- schwerdeführer wiederum eine rezidivierende depressive St örung mit gegenwärtig schwerer Episode, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und den Verdacht einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung attestiert. Als Ursache der psychischen Erkrankung des Beschwerdefüh- rers wird die berufliche Situation genannt: Der Beschwe rdeführer habe nach der Gründung ei- nes eigenen Unternehmens mit einem Freund sein ganzes Erspartes verloren. Der Beschwer- deführer fühle sich deshalb nutzlos und verraten, wesha lb die Arbeitsfähigkeit erneut als un- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht möglich angesehen wird. In der Replik vom 4. Dezember 2 014 rügt der Beschwerdeführer wei- ter, die Reduktion der IV-Rente von 100% auf 50% sei g eschehen, ohne dass eine Verbesse- rung des Gesundheitszustands eingetreten sei. Eine solche Verbesserung werde denn auch im Gutachten von Dr. I.____ vom 26. März 2014 nicht beschrieb en. Trotzdem stütze sich die IV- Stelle beim Erlass der Verfügung vom 11. September 20 14 auf dieses Gutachten. Dr. I.____ könne in seinem Gutachten die Diagnose einer rezidiviere nden depressiven Störung nicht stel- len, da es keine Anhaltspunkte in den Akten dazu gebe, d ass der Beschwerdeführer bereits früher depressive Episoden durchgemacht habe. Dabei übersehe der Gutachter aber, dass eine solche Diagnose bereits früher durch Dr. C.____ gestell t worden sei. Es wäre demnach ein Leichtes gewesen, sich bei Dr. C.____ zu erkundigen, au fgrund welcher Erkenntnisse er die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gestel lt habe. Dr. C.____, der den Be- schwerdeführer schon seit längerem behandle, könne den Gesundheitszustand des Beschwer- deführers aufgrund des in dieser Zeit erworbenen Mehrw issens und der direkten Kommunikati- on in der Muttersprache des Beschwerdeführers besser beur teilen. Deshalb sei das Gutachten von Dr. I.____ nicht beweistauglich. 5.2 Die IV-Stelle stützt sich bei der Beurteilung des G esundheitszustandes und der Ar- beitsfähigkeit des Beschwerdeführers für die Zeit ab de m 21. März 2014 - dem Datum der Be- gutachtung durch Dr. I.____ - auf die medizinischen Gut achten der Dres. I.____ und F.____. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beansta nden. Den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie n ach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssi gen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (siehe oben: E. 3.4 ). Im vorliegenden Fall liegen keine solchen Indizien vor. Der Beschwerdeführer wurde von Dr. F.____ am 12. November 2011 und von Dr. I.____ am 21. März 2014 eingehend untersucht, i n den umfangreichen Berichten wird auf dessen Beschwerden eingegangen und die Gutachter set zten sich mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen und Informationen a useinander. So wird ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ver mittelt. Zudem nehmen die Gut- achter eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit d es Versicherten vor, wobei diesbezüg- lich festzuhalten ist, dass Dr. I.____ in seinem Gutachte n explizit nur zum Ausmass der Ar- beits(un-)fähigkeit ab dem Zeitpunkt seiner Untersuchung (21. März 2014) Stellung nahm. Da er gleichzeitig zum Ausdruck brachte, dass rückwirkende Aussagen zum Gesundheitszustand und zu dessen Verlauf in der Zeit vor seiner Untersuchung sch wierig seien, stellte die IV-Stelle für die betreffende Periode bei der Beurteilung der psychi sch bedingten Arbeitsunfähigkeit auf die echtzeitliche Einschätzung von Dr. C.____ ab. Dieses Vo rgehen der IV-Stelle ist unter den ge- schilderten Umständen nicht zu beanstanden: Die IV-Stel le ging demnach zutreffend davon aus, dass beim Versicherten in der Zeit zwischen dem Abla uf des Wartejahres (Februar 2013) und der Begutachtung durch Dr. I.____ (21. März 2014) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen hatte. 5.3 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.3 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimme n. Da der Beschwerdeführer Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht laut dem vorstehend Gesagten ab Februar 2013 (Ablauf des Wartejahres) bis zum 21. März 2014 in sämtlichen beruflichen Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig war, kann ohne weitere Erörterungen festgehalten werden, dass der Invaliditäts grad im genannten Zeitraum 100% be- trug. Für die Zeit danach, d.h. ab 21. März 2014, fü r welche der Versicherte als 50% arbeitsfä- hig eingeschätzt wird, hat die IV-Stelle in ihrer Ver fügung vom 11. September 2014 den zur Er- mittlung des Invaliditätsgrades erforderlichen Einkommen svergleich vorgenommen. Dabei hat sie anhand der Gegenüberstellung von Validen- und zumut barem Invalideneinkommen ab 21. März 2014 – dem Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. I.____ - einen IV-Grad von 58% ermittelt. Die konkreten Berechnungen werden vom Versich erten in der vorliegenden Be- schwerde zu Recht nicht beanstandet, weshalb auf die Ausf ührungen der Verfügung zu verwei- sen ist. So ist der festgestellte IV-Grad von 58% in Anbe tracht des aufgrund der LSE 2010, Ta- belle A1, Anforderungsniveau 4, Spalte Männer, ermit telten Invalidenlohnes inklusive eines Ab- zuges von 15% für invaliditätsbedingte Beeinträchtigunge n, angepasst auf ein 50% Pensum, nachvollziehbar. 5.4 Nach Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Inval idenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist eine Verbesserung der Erwerbsfähig keit oder der Fähigkeit, sich im Aufga- benbereich zu betätigen, für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, n achdem sie ohne wesentliche Unterbre- chung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weite rhin andauern wird. In Berücksichti- gung der genannten Bestimmung besteht der Anspruch au f die ganze Rente noch während dreier Monate ab Begutachtungsdatum (21. März 2014), also bis Ende Juni 2014. Für den Zeit- raum danach besteht in Anbetracht des ermittelten Invaliditätsgrades von 58% ein Anspruch auf eine halbe IV-Rente. 6.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Verfügung d er IV-Stelle vom 11. Februar 2014 nicht zu beanstanden ist. Somit ist die Beschwerde a bzuweisen und es bleibt über die Kosten zu befinden. 6.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahr en bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Verfügung vom 29. Oktober 2014 die une ntgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse ge- nommen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer in der Verfügung vom 29. Oktober 2014 die unentgeltliche Ver- beiständung mit seiner Rechtsvertreterin bewilligt worden ist, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honora r bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin des Besc hwerdeführers hat in ihrer Honorarnote vom 19. Dezember 2014 für das vorliegende Verfahren ein en Zeitaufwand von 11 Stunden so- wie Auslagen von Fr. 135.-- geltend gemacht. Dieser A ufwand erweist sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfr agen als angemessen. Der Rechts- vertreterin ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘521.80 (11 Stunden à Fr. 200.-- zuzüg- lich Auslagen von Fr. 135.-- + 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 6.4 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird Rechts- anwältin Raffaella Biaggi ein Honorar von Fr. 2‘521. 80 inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer aus der Gerichtskasse ausgerichtet.