<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">227</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>37</b></span> <span class="ft2"><b>Sozialhilfe; Anspruch auf Notfallhilfe</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Bei fehlendem Unterstützungswohnsitz ist die Aufenthaltsgemeinde</b></span><br/> <span class="ft2"><b>für Notfallhilfeleistungen zuständig; diese umfassen insbesondere die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kurzfristige Zurverfügungstellung einer menschenwürdigen Unter-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kunft und die unverzügliche Sicherstellung der Mittel zur Deckung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Grundbedürfnisse.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Pflicht der Gemeinde zur aktiven Unterstützung bei der Wohnungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>suche im Falle länger dauernder Wohnungslosigkeit mit vergeblichen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bemühungen der bedürftigen Person</b></span><br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 16. August 2016 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen A. gegen Gemeinderat B. und Departement Gesundheit und Soziales</span><br/> <span class="ft4">(WBE.2016.126).</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft6">1.</span><br/> <span class="ft6">Der Gemeinderat B. hat seine Zuständigkeit im Entscheid vom</span><br/> <span class="ft6">1. Februar 2016 verneint und ist auf das Gesuch um materielle Hilfe</span><br/> <span class="ft6">nicht eingetreten. Zur Begründung wurde auf den rechtskräftigen Be-</span><br/> <span class="ft6">schluss vom 23. November 2015 verwiesen. Die Beschwerdestelle</span><br/> <span class="ft6">SPG hat dieses Vorgehen nicht beanstandet, da sich aus den Einga-</span><br/> <span class="ft6">ben der Beschwerdeführerin nicht ergebe, dass sich ihre persönlichen</span><br/> <span class="ft6">Verhältnisse erheblich verändert hätten. Die Adresse der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführerin sei unbekannt und sie habe nicht widerlegt, dass</span><br/> <span class="ft6">sie sich seit dem 30. September 2014 vorwiegend bei ihrer Mutter in</span><br/> <span class="ft6">Deutschland aufhalte. Im Ergebnis wurden nebst dem Unterstüt-</span><br/> <span class="ft6">zungswohnsitz auch der unterstützungsrechtliche Aufenthalt der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführerin in B. und damit die Zuständigkeit für Nothilfe-</span><br/> <span class="ft6">leistungen verneint. In der Sache mache die Beschwerdeführerin zum</span><br/> <span class="ft6">Notfall keinerlei Angaben. Nachdem sie in jüngster Vergangenheit</span><br/> <span class="ft6">nicht "mit Sack und Pack" auf der Gemeindeverwaltung erschienen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">228</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">sei, könne der Sozialbehörde auch kein Versäumnis bezüglich der</span><br/> <span class="ft6">Unterstützung bei der Wohnungssuche vorgeworfen werden.</span><br/> <span class="ft6">2.</span><br/> <span class="ft6">Zuständig und zur Hilfeleistung verpflichtet ist die Gemeinde</span><br/> <span class="ft6">am Unterstützungswohnsitz, bei Personen ohne Unterstützungswohn-</span><br/> <span class="ft6">sitz und im Notfall die Gemeinde am Aufenthaltsort der Hilfe</span><br/> <span class="ft6">suchenden Person (§ 6 Abs. 1 SPG). Für die Bestimmung des Unter-</span><br/> <span class="ft6">stützungswohnsitzes und des Aufenthaltsortes gelten im inner-</span><br/> <span class="ft6">kantonalen Verhältnis unter den Gemeinden aufgrund von § 6 Abs. 3</span><br/> <span class="ft6">SPG die Bestimmungen des ZUG.</span><br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1.</span><br/> <span class="ft6">Der unterstützungsrechtliche Wohnsitz gemäss Art. 4 ZUG ist</span><br/> <span class="ft6">dem zivilrechtlichen (vgl. Art. 23 Abs. 1 ZGB) angeglichen. Für die</span><br/> <span class="ft6">Beurteilung, ob ein Unterstützungswohnsitz begründet worden ist,</span><br/> <span class="ft6">kann daher grundsätzlich auf die Lehre und Rechtsprechung zum</span><br/> <span class="ft6">zivilrechtlichen Wohnsitzbegriff abgestellt werden (W</span><span class="ft4">ERNER</span><br/> <span class="ft6">T</span><span class="ft4">HOMET</span><span class="ft6">, Kommentar zum ZUG, Zürich 1994, Rz. 95). Der einmal</span><br/> <span class="ft6">begründete zivilrechtliche Wohnsitz bleibt bis zum Erwerb eines</span><br/> <span class="ft6">neuen Wohnsitzes bestehen. Im Gegensatz dazu gibt es aufgrund der</span><br/> <span class="ft6">abweichenden Regelung in Art. 9 Abs. 1 ZUG keinen fiktiven Unter-</span><br/> <span class="ft6">stützungswohnsitz im Sinne von Art. 24 Abs. 1 ZGB. Die Beendi-</span><br/> <span class="ft6">gung eines Unterstützungswohnsitzes ist daher ohne die Begründung</span><br/> <span class="ft6">eines neuen möglich (T</span><span class="ft4">HOMET</span><span class="ft6">, a.a.O., Rz. 89; Botschaft zur Ände-</span><br/> <span class="ft6">rung des Bundesgesetzes über die Zuständigkeit für die Unter-</span><br/> <span class="ft6">stützung Bedürftiger vom 22. November 1989, 89.077, in: BBl 1990</span><br/> <span class="ft6">I 63).</span><br/> <span class="ft6">3.2.</span><br/> <span class="ft6">Bis zum 30. September 2014 wohnte die Beschwerdeführerin in</span><br/> <span class="ft6">der Mietwohnung ihrer Schwiegermutter in B.. Da diese in ein</span><br/> <span class="ft6">Altersheim umzog, hatte die Beiständin der Schwiegermutter den</span><br/> <span class="ft6">Mietvertrag gekündigt. Die Ausführungen in den vorinstanzlichen</span><br/> <span class="ft6">Entscheiden, wonach die Beschwerdeführerin den Mietvertrag für</span><br/> <span class="ft6">ihre Wohnung gekündigt hat, treffen nicht zu. Nach dem Verlust der</span><br/> <span class="ft6">Wohngelegenheit hielt sich die Beschwerdeführerin gemäss eigenen</span><br/> <span class="ft6">Angaben bei ihrer Mutter in Laufenburg (Deutschland) sowie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">229</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">vorwiegend bei Freunden und Kollegen in B. auf. Gelegentlich habe</span><br/> <span class="ft6">sie auch im Auto übernachtet. Nach eigener Darstellung besorgt die</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerin für ihre Mutter die Wundpflege und kann in de-</span><br/> <span class="ft6">ren Wohnung duschen und waschen. Schlafen könne sie auf dem</span><br/> <span class="ft6">Sofa, jedoch könne sie dort nicht wohnen bleiben. Eine Anmeldung</span><br/> <span class="ft6">bei der Gemeinde Laufenburg/Deutschland sei zudem nicht möglich.</span><br/> <span class="ft6">Das Gesuch um Mietkostenbeitrag betraf nach den Angaben der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerin die Miete eines Kellers in Laufenburg</span><br/> <span class="ft6">(Schweiz), damit sie ihre Möbel einstellen konnte. Diese hatte sie ge-</span><br/> <span class="ft6">mäss eigener Darstellung zunächst in der Wohnung ihrer Mutter in</span><br/> <span class="ft6">Laufenburg (Deutschland) untergebracht, wo jedoch der Platz nicht</span><br/> <span class="ft6">ausreichte. Im Gesuch habe sie die Adresse der Mutter genannt.</span><br/> <span class="ft6">3.3.</span><br/> <span class="ft6">Es ist glaubhaft, dass sich die Beschwerdeführerin nach dem</span><br/> <span class="ft6">Verlust der Wohngelegenheit am 30. September 2014 sowohl in Lau-</span><br/> <span class="ft6">fenburg (Deutschland) als auch bei Freunden und Kollegen in B. auf-</span><br/> <span class="ft6">hielt und jeweils an unterschiedlichen Orten übernachten konnte.</span><br/> <span class="ft6">Weiter ist plausibel, dass die Beschwerdeführerin teilweise bei ihrer</span><br/> <span class="ft6">Mutter unterkommen konnte, dass aber die Infrastruktur und Grösse</span><br/> <span class="ft6">der Wohnung für eine längerfristige Bleibe nicht ausreichen. Damit</span><br/> <span class="ft6">hält sich die Beschwerdeführerin seit der Wohnungskündigung wech-</span><br/> <span class="ft6">selnd an unterschiedlichen Orten auf, ohne sich an einem Ort mit der</span><br/> <span class="ft6">Absicht dauernden Verbleibens niederzulassen. Mit dem Verlust der</span><br/> <span class="ft6">Wohngelegenheit, dem Transport der Möbel und dem wechselnden</span><br/> <span class="ft6">Nachtlager liegt zuständigkeitsrechtlich ein Wegzug vor und ging der</span><br/> <span class="ft6">bisherige Unterstützungswohnsitz unter (vgl. T</span><span class="ft4">HOMET</span><span class="ft6">, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">Rz. 148).</span><br/> <span class="ft6">Es ist somit festzuhalten, dass der unterstützungsrechtliche</span><br/> <span class="ft6">Wohnsitz der Beschwerdeführerin untergegangen war. Einen neuen</span><br/> <span class="ft6">Unterstützungswohnsitz konnte die Beschwerdeführerin in B. auf-</span><br/> <span class="ft6">grund der fehlenden Wohngelegenheit bisher nicht begründen. Dafür</span><br/> <span class="ft6">nicht ausreichend ist das gelegentliche oder regelmässige Übernach-</span><br/> <span class="ft6">ten bei Freunden und Kollegen, welche dort wohnen. Für die Wohn-</span><br/> <span class="ft6">sitzbegründung erforderlich ist der physische Aufenthalt, d.h. der</span><br/> <span class="ft6">Aufenthalt im Sinne des Wohnens; der blosse Wille genügt nicht</span><br/> <span class="ft6">(vgl. VGE IV/84 vom 13. Dezember 2012 [WBE.2012.261],</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">230</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Erw. II/3.1; D</span><span class="ft4">ANIEL</span> <span class="ft6">S</span><span class="ft4">TAEHELIN</span><span class="ft6">, in: Basler Kommentar, Zivilgesetz-</span><br/> <span class="ft6">buch I, Art. 1 - 456 ZGB, 5. Auflage, 2014, Art. 23 N 5).</span><br/> <span class="ft6">4.</span><br/> <span class="ft6">4.1.</span><br/> <span class="ft6">Bei Personen ohne Unterstützungswohnsitz und im Notfall ist</span><br/> <span class="ft6">die Gemeinde am Aufenthaltsort der Hilfe suchenden Person zur</span><br/> <span class="ft6">wirksamen Hilfeleistung zuständig und verpflichtet (vgl. § 6 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">SPG). Die Notfallhilfe umfasst gemäss § 5 Abs. 1 Satz 1 SPV die so-</span><br/> <span class="ft6">fortige Hilfe in Notfallsituationen, insbesondere bei Erkrankung,</span><br/> <span class="ft6">Unfall und plötzlicher Mittellosigkeit (vgl. F</span><span class="ft4">ELIX</span> <span class="ft6">W</span><span class="ft4">OLFFERS</span><span class="ft6">, Grund-</span><br/> <span class="ft6">riss des Sozialhilferechts, 2. Auflage, Bern 1999, S. 54). Der Aufent-</span><br/> <span class="ft6">haltsort leistet situationsgerechte Notfallhilfe (§ 5 Abs. 1 Satz 2</span><br/> <span class="ft6">SPV). Als Aufenthalt gilt die tatsächliche Anwesenheit in einer Ge-</span><br/> <span class="ft6">meinde (§ 6 Abs. 3 SPG i.V.m. Art. 11 Abs. 1 ZUG). Der unter-</span><br/> <span class="ft6">stützungsrechtliche Aufenthaltsort einer Person dient zur Bestim-</span><br/> <span class="ft6">mung des fürsorgepflichtigen Gemeinwesens, wenn kein Unter-</span><br/> <span class="ft6">stützungswohnsitz vorliegt (vgl. T</span><span class="ft4">HOMET</span><span class="ft6">, a.a.O., Rz. 168).</span><br/> <span class="ft6">4.2.</span><br/> <span class="ft6">Nach eigener Darstellung hält sich die Beschwerdeführerin re-</span><br/> <span class="ft6">gelmässig in B. auf, wo sie Kollegen und Freundinnen hat, zu wel-</span><br/> <span class="ft6">chen Kontakt besteht. Bei diesen will sie mehrfach übernachtet ha-</span><br/> <span class="ft6">ben. Auch um dem Sohn bei den Hausaufgaben zu helfen, sei sie</span><br/> <span class="ft6">öfters in B.. Seitens der Gemeinde wurde darauf hingewiesen, dass</span><br/> <span class="ft6">die Beschwerdeführerin lediglich ihre Korrespondenz postlagernd in</span><br/> <span class="ft6">B. habe. Dass sich die Beschwerdeführerin nur um die aufwändige</span><br/> <span class="ft6">Wundpflege der Mutter kümmere, aber nicht hauptsächlich bei ihr,</span><br/> <span class="ft6">sondern bei Kollegen oder im Auto unterkomme, sei nicht plausibel.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss eigenen Angaben suchte die Beschwerdeführerin seit</span><br/> <span class="ft6">September 2014 erfolglos eine Wohnung, unter anderem in B. sowie</span><br/> <span class="ft6">in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Bei der Woh-</span><br/> <span class="ft6">nungssuche sei sie durch Caritas unterstützt worden. Die Vertreter</span><br/> <span class="ft6">der Gemeinde führten diesbezüglich aus, dass ihre Sozialbehörde</span><br/> <span class="ft6">grundsätzlich keine Wohnungen für unterstützte Personen suche.</span><br/> <span class="ft6">Dies liege in erster Linie in deren eigenen Verantwortung. Auch im</span><br/> <span class="ft6">Falle der Beschwerdeführerin sei auf Möglichkeiten hingewiesen</span><br/> <span class="ft6">und auf Inserate aufmerksam gemacht worden. Der Beschwerde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">231</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">führerin sei mitgeteilt worden, dass sie materielle Hilfe beanspruchen</span><br/> <span class="ft6">könne, wenn sie eine Wohnung in B. gefunden habe.</span><br/> <span class="ft6">4.3.</span><br/> <span class="ft6">Entgegen der Auffassung der Vorinstanz war für die Annahme</span><br/> <span class="ft6">des unterstützungsrechtlichen Aufenthalts in B. oder einer Notlage</span><br/> <span class="ft6">nicht erforderlich, dass die Beschwerdeführerin auf der Gemeinde-</span><br/> <span class="ft6">verwaltung gewissermassen "mit Sack und Pack" bzw. "mit dem</span><br/> <span class="ft6">Koffer" vorsprach. Die Grundlage für eine derartige Behauptung ist</span><br/> <span class="ft6">unerfindlich.</span><br/> <span class="ft6">Seit ungefähr zwei Jahren bemüht sich die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">vergeblich um eine Mietwohnung. Eigenen Angaben zufolge muss</span><br/> <span class="ft6">sie nach wie vor abwechslungsweise an verschiedenen Orten, d.h. bei</span><br/> <span class="ft6">der Mutter oder bei Kollegen und Bekannten, übernachten, auf deren</span><br/> <span class="ft6">Wohlwollen sie angewiesen ist. Dass sie nicht dauerhaft bei der</span><br/> <span class="ft6">Mutter in Laufenburg (Deutschland) bleiben kann, ist glaubhaft (vgl.</span><br/> <span class="ft6">vorne Erw. 3.3). Abgesehen davon kann von der bedürftigen Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführerin kaum erwartet werden, dass sie sich im Ausland</span><br/> <span class="ft6">niederlässt. Zutreffend ist zwar, dass die Beschwerdeführerin von der</span><br/> <span class="ft6">Einwohnerkontrolle mehrfach vergeblich aufgefordert wurde, sich zu</span><br/> <span class="ft6">melden, und dass mehrere Gespräche bei den Sozialen Diensten statt-</span><br/> <span class="ft6">fanden. Es gab indessen nie Anlass zur Annahme, dass sich die</span><br/> <span class="ft6">persönliche Situation der Beschwerdeführerin verbessert oder gar</span><br/> <span class="ft6">normalisiert hatte. Mit dem erneuten Gesuch um materielle Hilfe</span><br/> <span class="ft6">vom 20. Januar 2016 gab die Beschwerdeführerin klar zu verstehen,</span><br/> <span class="ft6">dass sie unverzüglich Hilfeleistungen benötigte. Zu diesem Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft6">war insbesondere zu prüfen, ob gegenüber dem Entscheid vom</span><br/> <span class="ft6">23. November 2015 veränderte Verhältnisse vorlagen und/oder ob</span><br/> <span class="ft6">ein unterstützungsrechtlicher Aufenthalt gegeben war. Nach eigener</span><br/> <span class="ft6">Darstellung hatte die Beschwerdeführerin niemals die Absicht, einen</span><br/> <span class="ft6">Wohnkostenbeitrag für die Wohnung der Mutter in Laufenburg</span><br/> <span class="ft6">(Deutschland) erhältlich zu machen. Der Betrag hätte der Miete eines</span><br/> <span class="ft6">Kellerabteils auf Schweizer Seite dienen sollen, um Möbel einzustel-</span><br/> <span class="ft6">len. Unabhängig davon, wie es sich im Einzelnen verhält, konnte un-</span><br/> <span class="ft6">ter diesen Umständen nicht ausreichen, ohne weitere Abklärungen</span><br/> <span class="ft6">und Begründung pauschal auf den Nichteintretensentscheid vom</span><br/> <span class="ft6">23. November 2015 zu verweisen. Mithin bestand keine Gewissheit,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">232</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">ob die Beschwerdeführerin bei der Mutter unterkommen konnte.</span><br/> <span class="ft6">Nach den Angaben der Beschwerdeführerin haben sich ihre persönli-</span><br/> <span class="ft6">chen Verhältnisse auch nach dem achtwöchigen stationären Aufent-</span><br/> <span class="ft6">halt in der psychiatrischen Klinik in E. (Eintritt am 12. Februar 2016)</span><br/> <span class="ft6">nicht verändert.</span><br/> <span class="ft6">Angesichts des Zuzugs der Beschwerdeführerin im Juli 2013</span><br/> <span class="ft6">sowie der Kontakte zum Sohn sowie zu Freunden und Bekannten in</span><br/> <span class="ft6">B. ist davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin nach wie</span><br/> <span class="ft6">vor regelmässig in der Gemeinde aufhält. In Laufenburg (Schweiz)</span><br/> <span class="ft6">befindet sich nach den Angaben der Beschwerdeführerin lediglich</span><br/> <span class="ft6">das Möbellager. Bei der Mutter in Laufenburg (Deutschland) kann</span><br/> <span class="ft6">sie nicht dauerhaft bleiben, wobei die Annahme eines grenzüber-</span><br/> <span class="ft6">schreitenden Wegzugs aufgrund der Bedürftigkeit und des Gesund-</span><br/> <span class="ft6">heitszustands der Beschwerdeführerin ohnehin problematisch wäre.</span><br/> <span class="ft6">Unter Würdigung dieser Umstände und mangels Alternativen (d.h.</span><br/> <span class="ft6">anderer Gemeinden, zu denen die Beschwerdeführerin aktuell einen</span><br/> <span class="ft6">zumindest ebenso engen Bezug hätte) hat sie daher unterstützungs-</span><br/> <span class="ft6">rechtlichen Aufenthalt in der Gemeinde B.. Damit ist diese zur</span><br/> <span class="ft6">Notfallhilfe zuständig.</span><br/> <span class="ft6">5.</span><br/> <span class="ft6">5.1.</span><br/> <span class="ft6">Die Notfallhilfe umfasst die sofortige Hilfe in Notfallsituatio-</span><br/> <span class="ft6">nen, insbesondere bei Erkrankung und plötzlicher Mittellosigkeit</span><br/> <span class="ft6">(§ 5 Abs. 1 Satz 1 SPV). Im Rahmen des verfassungsmässigen</span><br/> <span class="ft6">Rechts auf Hilfe in Notlagen gemäss Art. 12 BV besteht Anspruch</span><br/> <span class="ft6">auf ein menschenwürdiges Obdach. Eine Notunterkunft kann kurz-</span><br/> <span class="ft6">fristig insbesondere in einem Hotelzimmer bestehen. Bei Bedarf ist</span><br/> <span class="ft6">die Wohnungssuche aktiv durch die Gemeinde zu unterstützen (vgl.</span><br/> <span class="ft6">§ 8 SPG; VGE III/20 vom 26. Februar 2016 [WBE.2015.367],</span><br/> <span class="ft6">Erw. II/2.5). Mit zunehmender Dauer der materiellen Notlage</span><br/> <span class="ft6">verdichtet sich der Anspruch auf Obdach zu einem Recht auf Zutei-</span><br/> <span class="ft6">lung bzw. Vermittlung von Wohnraum, in welchem eine selbständige</span><br/> <span class="ft6">Haushaltsführung möglich ist (K</span><span class="ft4">ATHRIN</span> <span class="ft6">A</span><span class="ft4">MSTUTZ</span><span class="ft6">, Das Grundrecht</span><br/> <span class="ft6">auf Existenzsicherung, Bern 2002, S. 236).</span><br/> <span class="ft6">5.2.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">233</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführerin verfügt nach glaubhafter Darstellung</span><br/> <span class="ft6">über keine dauerhafte Bleibe und ist für die Übernachtungen auf das</span><br/> <span class="ft6">Entgegenkommen ihrer Mutter sowie von Freunden und Bekannten</span><br/> <span class="ft6">angewiesen. Damit besteht Anspruch, dass ihr kurzfristig eine men-</span><br/> <span class="ft6">schenwürdige Unterkunft zur Verfügung gestellt wird. Aufgrund der</span><br/> <span class="ft6">langen Dauer des flottanzähnlichen Zustands sowie des kürzlichen</span><br/> <span class="ft6">stationären Aufenthalts in einer psychiatrischen Klinik dürfte sich na-</span><br/> <span class="ft6">mentlich die vorübergehende Einquartierung in einer Zivilschutz-</span><br/> <span class="ft6">anlage oder dergleichen als unzumutbar erweisen.</span><br/> <span class="ft6">Nach den Angaben der Beschwerdeführerin erhält sie - abge-</span><br/> <span class="ft6">sehen von Beiträgen für ihr Mobiltelefon, die Kellermiete und die</span><br/> <span class="ft6">Haftpflichtversicherung - gegenwärtig keine Unterstützung. Soweit</span><br/> <span class="ft6">die Beschwerdeführerin mittellos ist, ist mit der Notfallhilfe sicher-</span><br/> <span class="ft6">zustellen, dass sie unverzüglich über die erforderlichen Mittel zur</span><br/> <span class="ft6">Deckung ihrer Grundbedürfnisse, d.h. insbesondere für Nahrung,</span><br/> <span class="ft6">Kleidung und medizinische Grundversorgung, verfügt.</span><br/> <span class="ft6">Nachdem sich die Beschwerdeführerin seit rund zwei Jahren</span><br/> <span class="ft6">vergeblich um eine Mietwohnung bemühte und wiederholt Gesprä-</span><br/> <span class="ft6">che bei den Sozialen Diensten stattfanden, kann nicht mehr ausrei-</span><br/> <span class="ft6">chen, ihr generelle Ratschläge zu erteilen und sie beispielsweise auf</span><br/> <span class="ft6">Wohnungsinserate hinzuweisen. Vielmehr haben die Sozialen</span><br/> <span class="ft6">Dienste die Beschwerdeführerin zu betreuen und bei der Wohnungs-</span><br/> <span class="ft6">suche aktiv zu unterstützen (vgl. § 8 SPG). Diese Unterstützung kann</span><br/> <span class="ft6">insbesondere bei der Kontaktnahme mit Vermietern, in Form von Si-</span><br/> <span class="ft6">cherheitsleistungen oder mit der Zusicherung des Mietzinses erfol-</span><br/> <span class="ft6">gen. Gegebenenfalls können für einen Umzug situationsbedingte</span><br/> <span class="ft6">Leistungen gewährt werden.</span><br/></div> </div> </body> </html>