<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">396</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>81</b></span> <span class="ft2"><b>Kommunales Dienstverhältnis. Kündigung. Anwendbares Recht. Recht-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>liches Gehör.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>§ 50 GG ist auch in Bezug auf einen Gemeindeverband anwendbar.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Da die Beklagte im vorliegenden Fall kein Dienst- und Besoldungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>reglement erlassen hat, ist das kantonale Personalrecht sinngemäss</b></span><br/> <span class="ft2"><b>anwendbar (Erw. I/2.2 und Erw. I/2.3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Anforderungen an die Begründung einer Kündigung (Erw. II/3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 26. Mai 2010 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">G. gegen Gemeindeverband A. (2-BE.2009.4).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">397</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I.</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">§ 50 des Gemeindegesetzes lautet wie folgt:</span><br/> <span class="ft5">"Die Gemeinden können ein Dienst- und Besoldungsreglement</span><br/> <span class="ft5">erlassen. Fehlt ein solches oder enthält es Lücken, gelten sinnge-</span><br/> <span class="ft5">mäss die entsprechenden Bestimmungen des kantonalen Per-</span><br/> <span class="ft5">sonalrechts."</span><br/> <span class="ft1">Der Wortlaut von § 50 des Gemeindegesetzes erfasst die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindeverbände nicht. Allerdings ist kein Grund ersichtlich, weshalb</span><br/> <span class="ft1">diese Bestimmung für die Gemeindeverbände nicht anwendbar sein</span><br/> <span class="ft1">soll. Der Beklagte ist ein Gemeindeverband und nimmt ebenso wie</span><br/> <span class="ft1">die einzelnen Gemeinden kommunale Aufgaben wahr. Zudem liegt</span><br/> <span class="ft1">der Sinn und Zweck der Bestimmung darin, dass keine gesetzliche</span><br/> <span class="ft1">Lücke im sensiblen Bereich der Anstellungsverhältnisse entsteht.</span><br/> <span class="ft1">Dies gilt für Gemeinden sowie für Gemeindeverbände gleichermas-</span><br/> <span class="ft1">sen. Schliesslich werden die Gemeindeverbände im Rechtsmit-</span><br/> <span class="ft1">telverfahren des kantonalen Personalgesetzes gleich behandelt wie</span><br/> <span class="ft1">die Gemeinden (§ 48 Abs. 1 PersG). § 50 GG ist daher grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">auch in Bezug auf den Beklagten anwendbar.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Das Schreiben vom 2. November 1996, worin die Anstellung</span><br/> <span class="ft1">des Klägers geregelt wurde, verwies auf das Dienst- und Besoldungs-</span><br/> <span class="ft1">reglement der Stadt X.. In diesem Schreiben teilte der Beklagte dem</span><br/> <span class="ft1">Kläger mit, er sei "gewählt" worden und forderte ihn auf, unter-</span><br/> <span class="ft1">schriftlich die "Wahlannahme zum K. mit Aufstiegsmöglichkeiten"</span><br/> <span class="ft1">zu bestätigen.</span><br/> <span class="ft1">Der Beklagte hat kein Personalreglement erlassen. Ebenso</span><br/> <span class="ft1">wurde weder im Organisationsstatut noch in anderen Reglementen</span><br/> <span class="ft1">des Beklagten auf das Anstellungsreglement der Stadt X. verwiesen.</span><br/> <span class="ft1">Vorab stellt sich daher die Frage, ob der Beklagte tatsächlich eine</span><br/> <span class="ft1">Anstellung mittels Verfügung vornehmen und sich dabei auf das An-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">398</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">stellungsreglement der Stadt X. stützen darf. Dies muss klar verneint</span><br/> <span class="ft1">werden. Das Vorgehen beim Fehlen eines Personalreglements wird in</span><br/> <span class="ft1">§ 50 GG geregelt. Die Bestimmung hält unzweifelhaft fest, dass dies-</span><br/> <span class="ft1">falls sinngemäss das kantonale Personalrecht anwendbar ist, und</span><br/> <span class="ft1">belässt den Gemeinden bzw. Gemeindeverbänden im Rahmen der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsanwendung keinen Spielraum. Das Abweichen von § 50 GG</span><br/> <span class="ft1">stünde dem Beklagten folglich nur offen, wenn er über ein eigenes</span><br/> <span class="ft1">Dienst- und Besoldungsreglement verfügen oder auf Erlassstufe ein</span><br/> <span class="ft1">bestimmtes Reglement eines anderen Gemeinwesens als anwendbar</span><br/> <span class="ft1">erklären würde. Dieselbe Schlussfolgerung ergibt sich auch aus der</span><br/> <span class="ft1">allgemeinen Überlegung, dass einer Behörde die Verfügungsbefugnis</span><br/> <span class="ft1">nur zur Konkretisierung einer Regelung des Gesetzgebers im</span><br/> <span class="ft1">Einzelfall zukommt (vgl. Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhl-</span><br/> <span class="ft1">mann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zürich 2006,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 857). Eine Verfügungsbefugnis besteht demnach nicht, wenn sich</span><br/> <span class="ft1">die Behörde - wie vorliegend - auf keine gesetzliche Regelung stüt-</span><br/> <span class="ft1">zen kann. Entsprechend ist das kantonale Personalrecht sinngemäss</span><br/> <span class="ft1">anwendbar. Aus § 50 GG in Verbindung mit § 48 PLV folgt, dass so-</span><br/> <span class="ft1">wohl die Anstellung als auch die Kündigung im Anwendungsbereich</span><br/> <span class="ft1">des kantonalen Personalrechts keine Verfügung, sondern eine</span><br/> <span class="ft1">vertragliche Erklärung darstellt (vgl. PRGE vom 8. Juli 2008 in</span><br/> <span class="ft1">Sachen G.B., Erw. I/2.2 mit weiteren Hinweisen). Diese Regelung ist</span><br/> <span class="ft1">auch auf Anstellungsverhältnisse anwendbar, welche bereits vor</span><br/> <span class="ft1">Inkrafttreten des Personalgesetzes bestanden (vgl.</span> <span class="ft1">§</span> <span class="ft1">51 Abs.</span> <span class="ft1">4</span><br/> <span class="ft1">PersG). Entsprechend steht dem Kläger vorliegend der Klage- und</span><br/> <span class="ft1">nicht der Beschwerdeweg offen.</span><br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Kläger bringt vor, dass ihm der Beklagte anlässlich der</span><br/> <span class="ft1">Kündigung vier Vorwürfe gemacht habe. In seiner Klageantwort</span><br/> <span class="ft1">seien es jetzt bereits über zwanzig. Dies zeige klar, dass die Kündi-</span><br/> <span class="ft1">gung vom 23. April 2009 nicht rechtsgenüglich begründet gewesen</span><br/> <span class="ft1">sei.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">399</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 10 Abs. 3 PersG erfolgt die Kündigung durch den</span><br/> <span class="ft1">Kanton mit schriftlicher Begründung. Diese Bestimmung ist vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gend sinngemäss anwendbar (vgl. Erw. I/2.3 und Erw. II/1.3). Inso-</span><br/> <span class="ft1">fern besteht grundsätzlich eine Begründungspflicht. Der Gesetzgeber</span><br/> <span class="ft1">unterliess es aber, an das Ausbleiben, die Verspätung, die Unwahrheit</span><br/> <span class="ft1">oder die Unvollständigkeit der Begründung direkte Sanktionen, bei-</span><br/> <span class="ft1">spielsweise in der Form der Ungültigkeit oder Missbräuchlichkeit der</span><br/> <span class="ft1">Kündigung, zu knüpfen. Die ausgesprochene Kündigung entfaltet</span><br/> <span class="ft1">ihre Wirkung somit unabhängig davon, ob der Pflicht zur schriftli-</span><br/> <span class="ft1">chen Begründung nachgelebt wird oder nicht (vgl. auch Ullin Streiff/</span><br/> <span class="ft1">Adrian von Kaenel, Arbeitsvertrag, 6. Auflage, Zürich/Basel/Genf</span><br/> <span class="ft1">2006, Art. 335 N 14 mit zahlreichen Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Die grundsätzliche Pflicht zur Begründung behördlicher Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheide ergibt sich im Übrigen auch aus dem verfassungsrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf rechtliches Gehör. Die Begründungspflicht soll verhin-</span><br/> <span class="ft1">dern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt,</span><br/> <span class="ft1">und es der betroffenen Person ermöglichen, den Entscheid gegebe-</span><br/> <span class="ft1">nenfalls sachgerecht anzufechten (vgl. BGE 129 I 232, Erw. 3.2;</span><br/> <span class="ft1">Streiff/von Kaenel, a.a.O., Art. 335 N 13; Kommentar zum Schwei-</span><br/> <span class="ft1">zerischen Zivilgesetzbuch, Obligationenrecht, Teilband V 2c, Der</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsvertrag, Art. 319-362 OR, Peter Gauch/Jörg Schmid [Hrsg.],</span><br/> <span class="ft1">3. Auflage, Zürich 1996, Art. 335 N 33). Die massgebenden Gründe</span><br/> <span class="ft1">müssen aber im Entscheid selbst nicht noch einmal genannt werden,</span><br/> <span class="ft1">wenn sie dem Betroffenen ohnehin bekannt sind (vgl. Lorenz</span><br/> <span class="ft1">Kneubühler, Die Begründungspflicht, Bern/Stuttgart/Wien 1998,</span><br/> <span class="ft1">S. 30; Streiff/von Kaenel, a.a.O., Art. 335 N 17; dazu kritisch: Arthur</span><br/> <span class="ft1">Haefliger, Alle Schweizer sind vor dem Gesetz gleich, Bern 1985,</span><br/> <span class="ft1">S. 148). Die Tragweite der Begründungspflicht wird zudem insofern</span><br/> <span class="ft1">relativiert, als es auch im öffentlichen Dienstrecht zulässig und ge-</span><br/> <span class="ft1">boten ist, Ereignisse zu berücksichtigen, die sich erst nach der Kün-</span><br/> <span class="ft1">digung zugetragen haben, mit denen jedoch bereits im Entlassungs-</span><br/> <span class="ft1">zeitpunkt vorhandene Kündigungsgründe untermauert und erhärtet</span><br/> <span class="ft1">werden (vgl. BVR 1999, S. 433 ff.). Diese Prinzipien haben grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich auch für Arbeitsverhältnisse zu gelten, die auf einer ver-</span><br/> <span class="ft1">traglichen Vereinbarung beruhen und nicht nur für solche, die durch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">400</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Verfügung begründet wurden (vgl.</span> <span class="ft1">zum Ganzen: PRGE vom</span><br/> <span class="ft1">23. März 2010 in Sachen B.B., Erw. II/4.2).</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Im Kündigungsschreiben vom 23. April 2009 begründete der</span><br/> <span class="ft1">Beklagte die Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit Mängeln in der</span><br/> <span class="ft1">Leistung und im Verhalten des Klägers. Konkretisiert wurden die</span><br/> <span class="ft1">Vorwürfe im Kündigungsschreiben tatsächlich nicht. Anlässlich des</span><br/> <span class="ft1">Mitarbeitergesprächs vom 9. Januar 2009 waren dem Kläger jedoch</span><br/> <span class="ft1">spezifizierte Vorwürfe gemacht worden. Insbesondere wurden die</span><br/> <span class="ft1">Überstundenkompensation, der Umgang mit dem Zeiterfassungssys-</span><br/> <span class="ft1">tem sowie den internen Weisungen und die Lagerung von Privatsa-</span><br/> <span class="ft1">chen auf der Anlage angesprochen. Der zeitliche Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">zwischen dem Mitarbeitergespräch und der Kündigung ermöglichte</span><br/> <span class="ft1">es dem Kläger nachzuvollziehen, aus welchen Gründen das Anstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsverhältnis aufgelöst wurde. Der Zielsetzung der Begründungs-</span><br/> <span class="ft1">pflicht wurde damit entsprochen (vgl. Erw. II/3.2); eine entspre-</span><br/> <span class="ft1">chende Verletzung liegt demzufolge nicht vor.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>