<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para">{T 0/2} </div> <div class="para">1B_221/2011 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 19. August 2011 </div> <div class="para">I. öffentlich-rechtliche Abteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Fonjallaz, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Raselli, Merkli, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Härri. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">X.________, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Michel de Palma, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. Y.________, </div> <div class="para">2. Z.________, </div> <div class="para">Beschwerdegegner, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, </div> <div class="para">Amt der Region Oberwallis, Kantonsstrasse 6, </div> <div class="para">Postfach 540, 3930 Visp. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Ausweitung der Strafuntersuchung, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Entscheid vom 17. März 2011 des Kantonsgerichts Wallis, Richter der Beschwerdebehörde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sachverhalt: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A. </div> <div class="para">Am 31. August 2006 vor Feierabend beluden Y.________ und Z.________ auf einer Baustelle einen Lieferwagen unter anderem mit 22 sog. Schalungsträgern. Diese wiesen eine Länge von je mehreren Metern und ein Gewicht von je ca. 30 kg auf. Die beiden zurrten die Schalungsträger für die Fahrt auf den Dachlastträgern des Lieferwagens fest. Noch am selben Abend fuhr ein anderer auf der Baustelle tätiger Arbeiter, A.________, mit dem Lieferwagen auf den Werkhof der Bauunternehmung zurück. Er liess ihn dort stehen, damit er am nächsten Morgen abgeladen werden konnte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Am Morgen des 1. September 2006 lud B.________ die Schalungsträger vom Lieferwagen ab. Dabei verlor er das Gleichgewicht und fiel von der Ladebrücke. Die Schalungsträger, welche nicht mehr festgezurrt waren, stürzten zu Boden. Etwa sechs davon trafen B.________ am Kopf. Er verstarb noch auf der Unfallstelle. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B. </div> <div class="para">Am 24. Juni 2008 verfügte der Untersuchungsrichter des Untersuchungsrichteramts Oberwallis, es werde keine Strafuntersuchung eröffnet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die von der Staatsanwaltschaft Oberwallis und der Ehefrau des Verstorbenen, X.________ dagegen erhobenen Beschwerden hiess das Kantonsgericht Wallis am 16. September 2008 im Wesentlichen gut. Es hob die Verfügung des Untersuchungsrichters auf und wies die Sache zur weiteren Ermittlung an diesen zurück. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Mit Verfügung vom 30. April 2009 eröffnete der Untersuchungsrichter eine Strafuntersuchung gegen C.________ und A.________ wegen fahrlässiger Tötung (<span class="artref">Art. 117 StGB</span>); gegen A.________ überdies wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln (<span class="artref">Art. 90 Ziff. 2 SVG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Mit Verfügung vom 5. Mai 2009 beschuldigte der Untersuchungsrichter C.________ und A.________ der genannten Straftaten. Der Untersuchungsrichter führte aus, A.________ habe sich vor der Abfahrt nicht vergewissert, ob die Ladung den Vorschriften entsprochen habe. Der Wagen sei nicht korrekt beladen worden. Zudem sei dessen Dachträger viel zu stark belastet worden. Die Schalungsträger seien nur zwei- statt dreireihig aufgeladen worden. Durch diese falsche Ladung sei der Unfall letztlich verursacht worden. C.________, Geschäftsführer der Bauunternehmung, habe den Lieferwagen am 1. September 2006 gesehen. Er habe die falsche Ladung nicht bemängelt und keinerlei Vorsichtsmassnahmen angeordnet. Überdies habe zum Unfallzeitpunkt auf dem Werkareal keiner der Arbeiter einen Helm getragen. Als Geschäftsführer hätte C.________ dafür sorgen müssen, dass die notwendigen Schutzmassnahmen getroffen und eingehalten würden. Zudem hätte er für den Ablad des Lieferwagens B.________ die notwendigen Weisungen erteilen und für deren Durchsetzung sorgen müssen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">C. </div> <div class="para">Am 1. Oktober 2010 gab der Untersuchungsrichter dem Antrag von X.________, das Strafverfahren auf Z.________, Y.________ und D.________ auszudehnen, keine Folge. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">D. </div> <div class="para">Die von X.________ dagegen erhobene Beschwerde wies der Richter der Beschwerdebehörde des Kantonsgerichts Wallis am 17. März 2011 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Er erwog im Wesentlichen, aus dem Bericht der SUVA und dem Gutachten der Stadtpolizei Zürich ergebe sich, dass die Art und Weise der Ladung unkorrekt gewesen sei. Dadurch hätten die Belader, Z.________ und Y.________, eine besondere Gefahr geschaffen, die Sorgfaltspflichten begründet habe. Es bestehe der Verdacht, dass sie diese verletzt hätten (E. 4c). Z.________ und Y.________ hätten voraussehen können, dass die Beladungsart ungeeignet gewesen sei und die Ladung bei der Entsicherung der Spanngurte im Depot sowie bei weiteren Tätigkeiten gefährlich ins Schwanken geraten könnte. Dies sei auch für einen unbeteiligten Aussenstehenden erkennbar gewesen. Für Z.________ und Y.________ sei es aber nicht das erste Mal gewesen, dass sie einen Lieferwagen mit Schalungsträgern und anderem sperrigem Baumaterial beladen hätten. Als Bauarbeiter, die täglich mit solchem Material umzugehen gehabt hätten, wäre ihnen zuzumuten gewesen, die Ladung gleichmässig auf den Dachträgern zu verteilen (E. 5b). Die Belader könnten sich nicht mit dem Vertrauensgrundsatz entlasten. Sie hätten sich nicht darauf verlassen dürfen, dass die gefährliche Ladung beim Abladen mit den Kranstruppen schon richtig stabilisiert werde. Eine unförmige und instabile Ladung berge offensichtlich unkontrollierbare Gefahren, die zu einem Unfall wie dem vorliegenden führen könnten (E. 5c). Es stelle sich die Frage der Unterbrechung des Kausalzusammenhangs. Die Normen des Strassenverkehrsgesetzes nähmen den Fahrzeugführer in die Pflicht. Dadurch, dass A.________ als Fahrzeugführer die Ladung entgegengenommen und somit als "fahrtauglich" eingestuft habe, sei der Beladungsvorgang als adäquat kausale Ursache zum Unfall in den Hintergrund gedrängt worden. Aus diesem Grund sei gegen Y.________ und Z.________ nicht weiter zu ermitteln (E. 5d). D.________ habe beim Beladen nicht geholfen. Sein Verhalten gebe somit von vornherein zu keinerlei Tatverdacht Anlass (E. 6). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">E. </div> <div class="para">X.________ führt Beschwerde in Strafsachen mit dem Antrag, das Urteil des Richters der Beschwerdebehörde sei aufzuheben und die Sache an das Untersuchungsrichteramt zurückzuweisen, damit es die Strafuntersuchung fortführe und nebst C.________ und A.________ zusätzlich Z.________ und Y.________ beschuldige. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">F. </div> <div class="para">Der Richter der Beschwerdebehörde hat auf Gegenbemerkungen verzichtet. Die übrigen Verfahrensbeteiligten haben sich nicht vernehmen lassen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Erwägungen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin hat die Beschwerde in französischer Sprache eingereicht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gemäss <span class="artref">Art. 54 Abs. 1 BGG</span> wird das bundesgerichtliche Verfahren in einer der Amtssprachen geführt, in der Regel in der Sprache des angefochtenen Entscheids. Von dieser Regel abzuweichen besteht hier kein Grund. Das vorliegende Urteil ergeht deshalb in deutscher Sprache. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">2.1 Gegen den angefochtenen Entscheid ist gemäss <span class="artref">Art. 78 Abs. 1 BGG</span> die Beschwerde in Strafsachen gegeben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.2 Ein kantonales Rechtsmittel steht nicht zur Verfügung. Die Beschwerde ist nach <span class="artref">Art. 80 BGG</span> zulässig. </div> <div class="para">2.3 </div> <div class="para">2.3.1 Gemäss <span class="artref">Art. 81 Abs. 1 BGG</span> ist zur Beschwerde in Strafsachen berechtigt, wer a) vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen (...) und b) ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids hat. Dazu zählt lit. b Ziff. 5 in der seit dem 1. Januar 2011 in Kraft stehenden neuen Fassung die Privatklägerschaft, wenn der angefochtene Entscheid sich auf die Beurteilung ihrer Zivilansprüche auswirken kann. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der angefochtene Entscheid erging nach dem 1. Januar 2011. Gemäss <span class="artref">Art. 132 Abs. 1 BGG</span> ist daher die neue Fassung von Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG massgebend (Urteile 6B_90/2011 vom 24. Mai 2011 E. 1.1; 1B_119/2011 vom 20. April 2011 E. 1.2). </div> <div class="para">2.3.2 Gemäss Art. 116 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (StPO; SR 312.0) gilt als Opfer die geschädigte Person, die durch die Straftat in ihrer körperlichen (...) Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Abs. 1). Als Angehöriger des Opfers gilt unter anderem seine Ehegattin (Abs. 2). Die Beschwerdeführerin ist somit Angehörige des Opfers. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Machen die Angehörigen des Opfers Zivilansprüche geltend, so stehen ihnen gemäss <span class="artref">Art. 117 Abs. 3 StPO</span> die gleichen Rechte zu wie dem Opfer. Diese Bestimmung wurde aus dem OHG (SR 312.5) übernommen. Sie bedeutet insbesondere, dass den Angehörigen nach erfolgter Konstituierung die Rechte der Privatklägerschaft nach <span class="artref">Art. 118 ff. StPO</span> zustehen (NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2009, N. 4 zu <span class="artref">Art. 117 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gemäss <span class="artref">Art. 118 Abs. 1 StPO</span> gilt als Privatklägerschaft die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin zu beteiligen. Dies hat die Beschwerdeführerin getan. Sie hat sich insbesondere als Zivilklägerin konstituiert und die Bezifferung ihrer Forderung für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht gestellt (Schreiben vom 9. Mai 2008 S. 2, act. 43). Letzteres schadet ihr beim jetzigen Verfahrensstand nicht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=12.08.2011&amp;to_date=31.08.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-IV-195%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page195">BGE 131 IV 195</a> E. 1.1.1 S. 196 mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es liegt auf der Hand, dass die Beschwerdeführerin mit ihrer Forderung einen Versorgerschaden nach <span class="artref">Art. 45 Abs. 3 OR</span> geltend zu machen beabsichtigt. Damit wirkt es sich nicht zu ihrem Nachteil aus, wenn sie dies in der Beschwerde nicht ausdrücklich sagt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=12.08.2011&amp;to_date=31.08.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-IV-185%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page185">BGE 127 IV 185</a> E. 1a S. 187). Bei einer Ausweitung des Strafverfahrens erhöhte sich für die Beschwerdeführerin aufgrund der solidarischen Haftung (<span class="artref">Art. 50 Abs. 1 OR</span>) die Aussicht, dass der Versorgerschaden auch vollständig gedeckt würde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Beschwerdelegitimation nach Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG ist deshalb zu bejahen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.4 Die Vorinstanz lehnt die Ausweitung des Strafverfahrens auf Z.________, Y.________ und D.________ ab. Es geht in Bezug auf diese Personen um eine Nichteröffnung des Strafverfahrens, die als Endentscheid nach <span class="artref">Art. 90 BGG</span> zu betrachten ist. Die Beschwerde ist auch insoweit zulässig. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.5 Die weiteren Sachurteilsvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die Beschwerde ist einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.6 Die Nichtausweitung des Strafverfahrens auf D.________ ficht die Beschwerdeführerin nicht an. Das Bundesgericht hat sich daher dazu nicht zu äussern. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">3.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, wenn die Vorinstanz annehme, durch die Übernahme des Lieferwagens durch den Fahrer A.________ sei der Kausalzusammenhang unterbrochen worden, verfalle sie in Willkür (Beschwerde S. 18). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In der Sache rügt die Beschwerdeführerin damit eine Verletzung einfachen Bundesrechts, nämlich von Art. 117 i.V.m. <span class="artref">Art. 12 Abs. 3 StGB</span>. Danach ist strafbar, wer fahrlässig den Tod eines Menschen verursacht. Bei der Frage des Kausalzusammenhangs bzw. seiner Unterbrechung geht es um diese Verursachung. Das Bundesgericht prüft deshalb das Vorbringen mit freier Kognition (<span class="artref">Art. 95 lit. a BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Zu berücksichtigen ist dabei, dass - wie die Vorinstanz (angefochtener Entscheid S. 6 f. E. 2) unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zum hier nach <span class="artref">Art. 453 Abs. 1 StPO</span> in der Sache noch massgeblichen alten Recht selber darlegt - das Strafverfahren nur dann nicht eröffnet werden darf, wenn die Strafklage offensichtlich grundlos ist, es also klarerweise an einem strafbaren Tatbestand fehlt (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=12.08.2011&amp;to_date=31.08.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F97-I-107%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page107">BGE 97 I 107</a> E. 3b S. 111; nach neuem Recht ebenso <span class="artref">Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO</span>). Zu prüfen ist also, ob der Kausalzusammenhang offensichtlich unterbrochen worden ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.2 Die Fahrlässigkeitshaftung setzt die Vorhersehbarkeit des Erfolgs voraus. Der zum Erfolg führende Geschehensablauf muss für den konkreten Täter mindestens in den wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Es stellt sich daher die Frage, ob der Täter eine Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte voraussehen bzw. erkennen können und müssen. Für ihre Beantwortung gilt der Massstab der Adäquanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden eines Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren - namentlich das Verhalten des Angeschuldigten - in den Hintergrund drängen ("Unterbrechung des Kausalzusammenhangs"; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=12.08.2011&amp;to_date=31.08.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-IV-56%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page56">BGE 135 IV 56</a> E. 2.1 S. 64 f.; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=12.08.2011&amp;to_date=31.08.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-IV-145%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page145">131 IV 145</a> E. 5.2 S. 148; je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Vorinstanz führt aus, zu prüfen sei, ob der Fahrer (A.________), welcher das Fahrzeug mitsamt unkorrekter Ladung übernommen habe, dadurch seine Verantwortung vor diejenige der anderen gestellt und somit das Fehlverhalten seiner Kollegen in den Hintergrund gedrängt habe (angefochtener Entscheid S. 12 E. 5d). Sie geht damit von einem zu weiten Begriff der Unterbrechung des Kausalzusammenhangs aus. Entscheidend ist nach dem Gesagten, ob ganz aussergewöhnliche Umstände, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste, als Mitursache hinzugetreten sind. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Unterbrechung des Kausalzusammenhanges wird nur ausnahmsweise angenommen. (STEFAN TRECHSEL/MARC JEAN-RICHARD-DIT-BRESSEL, in: Trechsel und andere, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2008, N. 27 zu <span class="artref">Art. 12 StGB</span>). Das tat das Bundesgericht beispielsweise in einem Fall, in dem ein völlig aussergewöhnliches, unsinniges und daher schlechthin nicht voraussehbares Verhalten eines Drittlenkers zu einem Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang geführt hatte (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=12.08.2011&amp;to_date=31.08.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F115-IV-100%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page100">BGE 115 IV 100</a>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Ein solches Verhalten ist hier keineswegs offensichtlich. A.________ fuhr den Lieferwagen von der Baustelle zum Werkhof, ohne die Ladung beanstandet zu haben. Dies stellt nicht klarerweise ein ganz aussergewöhnliches Verhalten dar, mit dem die Beschwerdegegner schlechthin nicht rechnen mussten. Dass Fahrzeuge mit unsachgemässer oder zu starker Beladung in den Verkehr gebracht werden, ist keine Seltenheit und führt regelmässig zu Sanktionen wegen Widerhandlung gegen <span class="artref">Art. 30 Abs. 2 SVG</span>. Mit solchen Fällen hat sich auch das Bundesgericht immer wieder zu befassen (vgl. aus der jüngeren Rechtsprechung etwa Urteile 6B_727/2009 vom 23. November 2009; 1C_223/2008 vom 8. Januar 2009 mit Hinweisen). Entsprechend ist nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdegegner mit dem Verhalten von A.________ eindeutig schlechthin nicht hätten rechnen müssen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Wenn die Vorinstanz annimmt, der Kausalzusammenhang sei offensichtlich unterbrochen worden, verletzt das daher Bundesrecht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4. </div> <div class="para">4.1 Die Vorinstanz hat, wie die Beschwerdeführerin (Beschwerde S. 17) zutreffend darlegt, die Ausweitung des Strafverfahrens auf die Beschwerdegegner einzig deshalb abgelehnt, weil der Kausalzusammenhang unterbrochen worden sei (vgl. angefochtener Entscheid S. 13 E. 5d: "Aus diesem Grund ..."). Dass es an anderen Voraussetzungen für die Strafbarkeit der Beschwerdegegner wegen fahrlässiger Tötung offensichtlich fehlen könnte, legt die Vorinstanz nicht dar und ist nicht ersichtlich. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Sache wird deshalb in Anwendung von <span class="artref">Art. 107 Abs. 2 Satz 2 BGG</span> und <span class="artref">Art. 453 Abs. 2 Satz 2 StPO</span> an die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, Amt der Region Oberwallis, überwiesen, damit dieses die Strafuntersuchung auf die Beschwerdegegner ausdehne. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Klarzustellen ist dabei, dass den Beschwerdegegnern kein Unterlassen zur Last gelegt wird, sondern ein aktives Tun durch unsachgemässe Beladung des Lieferwagens (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=12.08.2011&amp;to_date=31.08.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-IV-119%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page119">BGE 129 IV 119</a> E. 2.2 S. 122 mit Hinweisen). Die von der Vorinstanz angesprochene Frage der Garantenstellung (angefochtener Entscheid S. 9 E. 4b) ist insoweit daher belanglos. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.2 Die Beschwerdegegner haben die Bundesrechtsverletzung der Vorinstanz nicht zu vertreten und sich weder vor der Vorinstanz noch vor dem Bundesgericht geäussert. Es werden ihnen daher keine Kosten auferlegt (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Kanton trägt ebenso wenig Kosten (<span class="artref">Art. 66 Abs. 4 BGG</span>). Hingegen hat er der Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche Verfahren eine Entschädigung zu bezahlen (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/68/2" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/68/1" type="start"></artref>Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG</span><artref id="CH/173.110/68/2" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/2" type="end"></artref>). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung ist damit gegenstandslos. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Die Beschwerde wird gutgeheissen, der Entscheid des Richters der Beschwerdebehörde des Kantonsgerichts Wallis vom 17. März 2011 aufgehoben und die Sache an die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, Amt der Region Oberwallis, zur Ausweitung der Strafuntersuchung auf die Beschwerdegegner überwiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Es werden keine Kosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Der Kanton Wallis hat dem Vertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Michel de Palma, eine Entschädigung von Fr. 2'500.-- zu bezahlen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4. </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien, der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, Amt der Region Oberwallis, und dem Kantonsgericht Wallis, Richter der Beschwerdebehörde, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 19. August 2011 </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Fonjallaz </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Härri </div> <div class="para"> </div> </div></body></html>