Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 18. April 2012 (810 11 331) ___________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Bruno Gutzwiller, Ka ntonsrichter Beat Walther, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin i.V. Eleonor Gyr Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, Advo- kat gegen Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung (RRB Nr. 1245 vom 06. September 2011) A. Der 1973 geborene mazedonische Staatsangehörige A. ____ stellte am 17. Mai 2005 in der Schweiz einen Asylantrag, auf den mit Verfügung des Bundesamtes für Migration (BFM) vom 1. Juli 2005 nicht eingetreten wurde. A.____ wurd e per 1. Juli 2005 aus der Schweiz weg- gewiesen. Daraufhin tauchte er unter und hielt sich illegal in der Schweiz auf. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 13. Dezember 2005 wurde A.____ wegen Verursachens e ines Verkehrsunfalls durch das Untersuchungsrichteramt B.____ zu einer Busse von CHF 280.00 verurteilt. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 10. Ma i 2006 wurde A.____ der qualifizierten Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Betäubu ngsmittel und psychotropen Stoffe (Betäubungsmittelgesetz, BetmG) vom 3. Oktober 1951 und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassu ng der Ausländer (ANAG) vom 26. März 1931 zu einer bedingt vollziehbaren Gefängnisstr afe von 18 Monaten (Probezeit 2 Jahre) sowie einem bedingt vollziehbaren Verweis aus de m Gebiet der Schweiz für die Dauer von 8 Jahren verurteilt. A.____ heiratete am 30. März 2006 während der Untersu chungshaft die Schweizerin C.____, geboren 1978, die einen minderjährigen Sohn mit in die Ehe brachte. Am 11. Dezember 2006 erhielt A.____ durch das Amt für Migration (AfM) eine Aufenthaltsbewil- ligung zum Verbleib bei der Ehefrau. Gleichentags wurde er durch das AfM verwarnt und darauf hingewiesen, dass er mit dem Widerruf oder der Nichtver längerung seiner Aufenthaltsbewilli- gung rechnen müsse, sollte er erneut verurteilt werden oder nicht gewillt sein, sich in die hier geltende Ordnung einzufügen. Die Aufenthaltsbewillig ung von A.____ wurde letztmals am 30. März 2010 bis zum 29. März 2011 verlängert. Im April 2007 machte die Mutter von C.____ das AfM da rauf aufmerksam, dass die Ehe zwi- schen A.____ und ihrer Tochter eine Scheinehe sei. Darau fhin veranlasste das AfM Abklärun- gen über die mögliche Scheinehe. Mit Schreiben vom 21. Juni 2007 gewährte das AfM dem E hepaar das rechtliche Gehör betref- fend des Vorwurfs der Scheinehe sowie einer allfälligen Wegweisung. Nach weiteren Hinweisen von der Mutter der Ehefrau wurden erneut Abklärungen bezüglich der Ernsthaftigkeit der Bezie- hung zwischen A.____ und C.____ durchgeführt. Der Vorwurf der Scheinehe habe jedoch nicht erhärtet werden können. A.____ wurde mit Urteil des Untersuchungsrichteramts B._ ___ vom 1. September 2009 wegen einer groben Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Ziff . 2 Strassenverkehrsgesetz (SVG) vom 19. Dezember 1958 zu einer bedingten Geldstrafe vo n 10 Tagessätzen zu CHF 90.00 (Probezeit 3 Jahre) sowie einer Busse von CHF 700.00 verurteilt. Mit Strafbefehl vom 28. Januar 2010 verurteilte das Bezirksamt D.____ A.____ wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Ziff. 2 SVG (Überschreiten der signalisierten Höchstgeschwindigkeit um 38 km/h) zu einer unbedingten G eldstrafe von CHF 1'500.00 und einer Busse von CHF 100.00. Zudem widerrief das Bezir ksamt D.____ die aufgeschobene Geldstrafe des Untersuchungsrichteramts B.____, wodurch d iese Geldstrafe zur Zahlung fällig wurde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 29. April 2010 teilte C.____ dem AfM telefonisch m it, dass sie und A.____ ab sofort ge- trennt seien und er aus der gemeinsamen Wohnung ausgezo gen sei. Mit Schreiben vom Juli 2010 teilte die Mutter von C.____ dem AfM mit, dass A. ____ vor zwei bis drei Monaten aus der gemeinsamen Wohnung mit ihrer Tochter ausgezogen sei. In der Folge wurde am 30. November 2010 C.____ bezüg lich der Trennung von A.____ das rechtliche Gehör gewährt und durch das AfM angehört. A .____, vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, Advokat, dieser substituiert durch Ahmad Sharif, nahm mit Schreiben vom 2. März 2011 Stellung zum beabsichtigten Widerruf der Aufenthaltsbew illigung und der damit drohenden Wegweisung. Mit Verfügung des AfM vom 19. April 2011 wurde A.____ die Verlängerung seiner Aufenthalts- bewilligung verweigert und er wurde angewiesen, die S chweiz bis spätestens 20. Mai 2011 zu verlassen. Begründet wurde dies im Wesentlichen damit, da ss ein Widerrufsgrund vorliege, da A.____ von seiner Ehefrau getrennt lebe, erneut straffällig geworden und nicht erfolgreich integ- riert sei. Es sei zudem rechtsmissbräuchlich, wenn A.____ si ch kurze Zeit nach letztmaliger Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung von seiner Ehefrau trenne und dann behaupte, es würden noch reelle Chancen einer Wiederaufnahme des Zusammenlebens bestehen. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Dr. Nicolas Roulet, dieser sub- stituiert durch Nora Bertschi, mit Eingabe vom 28. Apri l 2011 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat). Beantragt wurde, es sei die Verfügung des AfM vollumfänglich aufzuheben, dementsprechend sei A.____ weiterhin der Aufenthalt im Kanton Basel-Landschaft zu bewilligen und eventualiter sei die Angelegenheit zur neuen Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Alles unter o/e-Kostenfolge. In der Beschwerdebegründung vom 31. Mai 2011 wurde im Wese ntlichen geltend gemacht, dass entgegen der Meinung der Vorinstanz kein Widerrufsgrund vorliegen würde, da die begangenen Delikte gegen die Strassenverkehrsordnung keine erhebli chen Verstösse gegen die öffentliche Ordnung im Sinne des Gesetzes darstellen würden. Es seie n Bagatellfälle und auch schon im Strafregister verzeichnet gewesen, als A.____ das letzte M al die Aufenthaltsbewilligung verlän- gert wurde. Dass diesen Vorfällen nun ein derartiges G ewicht zukomme und A.____ deswegen eine fehlende Integration attestiert werde, sei wider sprüchlich. Ausserdem seien die Vorausset- zungen für einen Aufenthalt in der Schweiz nach Art. 50 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 gegeben, da A.____ eine mehr als dreijährige Ehe geführt habe, in der Schwei z gut integriert sei, gut Deutsch spreche und sich wirtschaftlich integriert habe. Zudem habe A.__ __ seine offenen Betreibungen redu- ziert und sein Bruder sowie weitere Verwandte würden in der Schweiz leben. Demnach sei ihm eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu gewähren. Mit Regierungsratsbeschluss Nr. 1245 vom 6. September 201 1 wies der Regierungsrat die Be- schwerde ab. Im Wesentlichen wurde ausgeführt, dass mit d er Trennung von der Ehefrau und der Auflösung der Familiengemeinschaft eine Bedingung seiner Aufenthaltsbewilligung wegge- fallen sei und somit kein Anspruch mehr auf Verlängerung bestehe. Durch die Verurteilungen zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten sowie zwei groben Verkehrsregelverstössen nach Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 90 Ziff. 2 SVG seien die Widerrufsgründe der lä ngerfristigen Freiheitsstrafe und des wie- derholten und erheblichen Verstosses gegen die öffentl iche Sicherheit und Ordnung gegeben. Die Nichtverlängerung sei zudem verhältnismässig, da die persönlichen Interessen von A.____ die öffentlichen Interessen an der Durchsetzung einer re striktiven Politik gegenüber dem Auf- enthalt und der Einwanderung von Ausländern nicht zu ü berwiegen vermögen. Er habe 33 Jah- re seines Lebens in seinem Heimatland verbracht und dort würden zudem seine drei Kinder, seine Exfrau, sein Vater sowie eine Schwester leben. A usserdem liege keine persönliche Not- lage vor, die einen Härtefall rechtfertigen würde. D ies sei von ihm auch nicht geltend gemacht worden. C. Mit Beschwerde vom 19. September 2011 an das Kantons gericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsge richt), beantragte A.____, vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, dieser substituiert durch Andr eas Keller, der Entscheid des Regie- rungsrates sei vollumfänglich aufzuheben und dementsprechen d dem Beschwerdeführer eine Aufenthaltsbewilligung im Kanton Basel-Landschaft zu er teilen. Eventualiter sei die Angelegen- heit im Sinne der Erwägungen zur neuen Entscheidung a n die Vorinstanz zurückzuweisen. Al- les unter o/e-Kostenfolge. In der Beschwerdebegründung vom 21. November 2011 wurde aus- geführt, dass der Beschwerdeführer nach wie vor eine in tensive und freundschaftliche Bezie- hung zu C.____ pflege und zu deren Sohn ein Vater-Soh n-Verhältnis entstanden sei. Laufende Betreibungen seien zwischenzeitlich gelöscht worden und die Verlustscheine hätten reduziert werden können. Entgegen der Annahme des Regierungsra tes liege kein Widerrufsgrund vor. Die beiden Delikte gegen die Strassenverkehrsordnung kön ne man nicht als erhebliche Ver- stösse gegen die öffentliche Ordnung bezeichnen und wür den nicht für sich alleine gegen eine grundsätzliche Integration des Beschwerdeführers sprechen. Der Beschwerdeführer sei gut integriert, er verstehe und spreche die Deutsche Sprache sehr gut und arbeite seit über drei Jahren. Bezüglich der Freiheitsstrafe liege beim Kriter ium der langjährigen Freiheitsstrafe die Grenze im Minimum bei einem Jahr; das stelle aber keine n festen Wert dar. Bei der 1., resp. 2. Jahresgrenze handle es sich nicht um fixe Werte, es müssten alle Umstände mit in Betracht gezogen werden. Das Delikt liege ausserdem sechs Jahre zur ück und der Beschwerdeführer habe früheren kriminellen Tätigkeiten den Rücken gekehr t. Zudem sei die Nichtverlängerung gestützt auf einen Widerrufsgrund nach Art. 62 AuG u nverhältnismässig. Das AfM habe in der Vergangenheit trotz Wissen um die Verstösse gegen die re chtsstaatliche Ordnung, die entwe- der schon lange her oder in ihrer Schwere nicht erhebl ich seien, die Aufenthaltsbewilligung ver- längert. Mit Vernehmlassung vom 14. Dezember 2011 beantragte der Regierungsrat die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Es wurde an den Au sführungen des angefochtenen Ent- scheids festgehalten und zusätzlich ausgeführt, dass das AfM in der Vergangenheit trotz der 18-monatigen Freiheitsstrafe sowie den Verkehrsdelikten dem Beschwerdeführer eine Aufent- haltsbewilligung erteilt habe, weil dieser zu diesem Zeitpunkt noch mit seiner Ehefrau zusam- men gewohnt habe. Durch die Trennung sei dieser Grund für den Aufenthalt in der Schweiz weggefallen. Zudem sei der Begriff der längerfristige n Freiheitsstrafe nach Art. 62 lit. b AuG nicht vom Einzelfall abhängig, sondern liege immer dann vor, wenn ein Ausländer oder eine Ausländerin zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Ja hr verurteilt wurde. Dies sei vorlie- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gend der Fall. Zudem seien die Verstösse gegen die Str assenverkehrsordnung keineswegs Bagatelldelikte. Der Beschwerdeführer habe wiederholt und erheblich gegen das Strassenver- kehrsgesetz verstossen und damit gegen die öffentliche Sich erheit und Ordnung in der Schweiz. Zusätzlich würden gegen den Beschwerdeführer V erlustscheine vorliegen, was auch ein Widerrufsgrund darstelle. Ein eventueller Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilli- gung nach der Härtefallregelung sei damit ebenfalls erloschen. D. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung nehmen d er Beschwerdeführer mit seinem Rechtsvertreter sowie ein Vertreter des Regierungsrates t eil. Die Parteien halten an ihren Rechtsbegehren fest. Auf die Aussagen der Auskunftsperson en und die Vorbringen der Partei- en wird - soweit erforderlich - in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand gemäss § 44 VPO noch ein spezialg esetzlicher Ausschlusstatbe- stand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgericht s zur Beurteilung der vorliegenden An- gelegenheit gegeben. Als Adressat ist der Beschwerdeführ er sodann vom angefochtenen Ent- scheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an desse n Aufhebung oder Abänderung. Da im Übrigen auch die weiteren formellen Voraussetzu ngen erfüllt sind, kann auf die Be- schwerde eingetreten werden. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO, e contrario). 3. § 16 Abs. 2 VPO statuiert den Grundsatz der richterl ichen Rechtsanwendung von Am- tes wegen. Das Gericht ist somit verpflichtet, auf den fe stgestellten Sachverhalt von sich aus den richtigen Rechtssatz anzuwenden. Dies bedeutet, dass es einerseits überprüfen muss, ob es zu Verfahrensfehlern gekommen ist und andererseits, ob das richtige Recht inhaltlich richtig angewendet worden ist, d.h. die an sich gültigen, zutre ffenden Rechtssätze richtig ausgelegt, konkretisiert und auf den Sachverhalt bezogen worden si nd (vgl. R ENÉ RHINOW /H EIN - RICH KOLLER /C HRISTINA KISS , Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bun- des, Basel und Frankfurt am Main 1996, Rz. 1034 ff.). Gemäss § 12 Abs. 1 VPO hat das Ge- richt sodann von Amtes wegen die für den Entscheid wesen tlichen Tatsachen festzustellen. Es ist jedoch nicht verpflichtet, von sich aus über die tat sächlichen Vorbringen der Parteien hinaus den Sachverhalt vollständig neu zu erforschen. Es kann si ch somit in der Regel damit begnü- gen, die Stichhaltigkeit der Vorbringen zu überprüfe n. Der Untersuchungsgrundsatz bringt es Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht daher mit sich, dass das Gericht den ihm vorgelegten Sach verhalt berichtigen oder ergänzen kann. Es muss ihn aber nicht weiter erforschen, wenn keine besonderen Umstände dies nahe legen (RHINOW /K OLLER /KISS , a.a.O., Rz. 1300; A LFRED KÖLZ /I SABELLE HÄNER , Verwaltungsver- fahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, Rz. 268 ff.). 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (vgl. Art. 10 und 11 AuG). Die zuständige kantonale Be hörde entscheidet gemäss Art. 18 ff. AuG – im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und Verträ ge mit dem Ausland – über die Zu- lassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigk eit. Einen Rechtsanspruch auf die Er- teilung einer Aufenthaltsbewilligung hat die ausländi sche Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (vgl. BGE 133 I 189 E. 2.3; M ARC SPESCHA in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migra tionsrecht, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 3 AuG, N 1 ff.; PETER UEBERSAX in: U EBERSAX /R UDIN /H UGI YAR /G EISER [Hrsg,], Ausländerrecht, Eine umfassende Darstellung der Rechtsstellung von Aus- länderinnen und Ausländern in der Schweiz, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 4.2 Ein gesetzlicher Anspruch einer ausländischen Person au f Anwesenheit in der Schweiz liegt gemäss Art. 42 Abs. 1 AuG insbesondere dann vor, wenn diese mit einer Schweizerin oder einem Schweizer verheiratet ist und mit dieser Person zu sammenwohnt. Das Erfordernis des Zusammenwohnens besteht nicht, wenn für getrennte Woh norte wichtige Gründe geltend ge- macht werden und die Familiengemeinschaft weiter beste ht (vgl. Art. 49 AuG). Als wichtige Gründe gelten gemäss Art. 76 der Verordnung über Zula ssung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 berufliche Verpflichtunge n oder eine vorübergehende Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme. Bei anhalten dem Getrenntleben, das heisst über eine Dauer von sechs bis zwölf Monaten hinaus, ist aufgrund d er Aussagen der Ehegatten, der ehe- lichen Kontakte und der weiteren Umstände zu eruieren, ob die Trennung definitiv und die Fa- miliengemeinschaft als aufgelöst zu betrachten ist (vgl. SPESCHA , a.a.O., Art. 49 AuG, N 3). 4.3 Nach Auflösung der Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des Ehegatten auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligun g nach Art. 50 Abs. 1 AuG allerdings wei- ter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre besta nden hat und eine erfolgreiche In- tegration vorliegt (lit. a) oder wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). Art. 50 AuG kommt erst zur Anwendung, wenn mindestens faktisch von einer definitiven Auflösung der Familienge meinschaft auszugehen ist. Diese ist im Regelfall dann gegeben, wenn sich die Eheleute defin itiv getrennt haben und keine ernsthafte Aussicht mehr besteht, dass sie sich wieder vereinigen könn ten, wobei zusätzlich der Ehewille erloschen erscheinen muss. Für die Annahme einer Auflösung der Ehegemeinschaft ist somit weder eine eheschutzrichterliche oder gerichtliche Trennu ng noch eine Scheidung der Ehegat- ten erforderlich (vgl. S PESCHA , a.a.O., Art. 50 AuG, N 1). Ausschlaggebendes Kriter ium ist der Zeitpunkt, ab dem der Ehewille entfällt und nicht di e Aufgabe der Haushaltsgemeinschaft. Es kann aufgrund moderner Lebensformen, beruflichen Übe rlegungen oder ehelichen Schwierig- keiten vorübergehend oder dauernd auf ein Zusammenle ben verzichtet werden (vgl. C ARONI Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht MARTINA , in C ARONI /G ÄCHTER /T URNHERR [Hrsg.], Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG), Bern 2010, Art. 50 AuG, N 16). 5.1 Im vorliegenden Fall ist zunächst festzuhalten, dass zw ischen der Schweiz und Maze- donien keine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, wel che dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumen würde. 5.2 Der Beschwerdeführer heiratete am 30. März 2006 di e Schweizerin C.____. Gemäss übereinstimmenden Aussagen der Ehegatten trennten sie si ch am 29. April 2010, worauf der Beschwerdeführer aus der gemeinsamen Wohnung auszog. D as eheliche Zusammenleben dauerte demzufolge ca. vier Jahre und einen Monat. Nach Aussagen des Ehepaares fand im September 2010 ein Eheschutzverfahren statt. Mit unadre ssiertem Schreiben vom 28. Februar 2011 betonte C.____, dass ein erneutes Zusammenkommen und Zusammenwohnen nicht aus- geschlossen sei. Sie schrieb, dass sie seit Ende August, Anfang September wieder sehr engen, regelmässigen Kontakt mit dem Beschwerdeführer habe und sie sich wieder näher gekommen seien. In Rücksicht auf ihren Sohn, der den Beschwerdefü hrer als seinen Vater betrachte und für den die Trennung alles andere als einfach gewesen sei, möchten sie jedoch nichts überstür- zen. Sie betrachte ihren Mann als ihre Familie und de r Gedanke, dass er zurück nach Mazedo- nien gehen müsste, sei für sie unerträglich. 5.3 Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung haben de r Beschwerdeführer und C.____ übereinstimmend ausgesagt, dass sie sich mehrmals die Woche treffen würden und glaubwür- dig dargetan, dass sie nach wie vor an ein erneutes Zus ammenkommen glauben würden. C.____ merkte an, dass sie sich mit einem erneuten Zusamm enziehen Zeit lassen wollen, aus Rücksicht auf ihren Sohn. Dieser habe unter der letzten Trennung sehr gelitten und sie würde ihm gerne eine allfällige Wiederholung ersparen. Ausse rdem haben sie und der Beschwerde- führer das Scheidungsverfahren bereits zurückziehen wollen , haben dies aber nicht getan, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, dies geschehe nur weg en dem laufenden ausländerrecht- lichen Verfahren. Beide haben bestritten, in einer ne ue Beziehung zu leben. Der Rechtsvertre- ter des Beschwerdeführers führte aus, dass vom Gesetzgeber zwar kein "living apart together" angedacht worden sei, diese Form der Ehe dennoch ber ücksichtigt werden müsse, wenn sie wie im hier vorliegenden Fall die bessere Lösung für d ie Familiengemeinschaft darstelle. Man dürfe nicht stur davon ausgehen, dass eine Ehe nicht meh r gelebt werde, nur weil das Ehepaar räumlich getrennt wohne. Der Beschwerdeführer und C.____ würden sich mehrmals die Woche treffen und es herrsche reger Kontakt. 6. Aufgrund der obgenannten Aussagen des Beschwerdefüh rers und seiner Ehefrau so- wie der diesbezüglich unklaren Aktenlage konnte das Kanto nsgericht anlässlich der heutigen Parteiverhandlung nicht abschliessend feststellen, ob di e Ehe als definitiv gescheitert und die Familiengemeinschaft als aufgelöst zu betrachten ist, zumal die Parteien übereinstimmend aus- gesagt haben, dass ein erneutes Zusammenkommen möglich s ei und wieder reger Kontakt herrsche, resp. der Ehewille noch vorhanden sei. Von dem Erfordernis des Zusammenwohnens gemäss Art. 42 Abs. 1 AuG kann nach Art. 49 AuG abgese hen werden, wenn wichtige Gründe geltend gemacht werden und die Familiengemeinschaft no ch besteht (vgl. E.4.2 hiervor). Bei Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht anhaltendem Getrenntleben, das heisst über sechs bis zwölf Monate hinaus, ist zu eruieren ob die Trennung definitiv und die Familiengemeinschaft a ls aufgelöst zu betrachten ist. Der Be- schwerdeführer und seine Ehefrau wohnen seit April 201 0 nicht mehr in einem gemeinsamen Haushalt. Hierzu führen sie jedoch aus, dass getrenntes W ohnen zur Zeit die geeignete Form für ihre Familiengemeinschaft sei, ein erneutes Zusam menwohnen wolle nicht überstürzt wer- den, vor allem in Rücksicht auf den Sohn der Ehefrau, d em ein hin und her erspart werden sol- le. Dies beeinträchtige jedoch die Beziehung zwischen den Eheleuten nicht, da sie sich trotz räumlicher Trennung häufig treffen und den regelmässigen Kontakt zueinander suchen würden. Das Kantonsgericht hat zu entscheiden, ob eine Anspruchsgrundlage für eine Aufenthaltsbewil- ligung vorhanden ist. Aufgrund des Ausgeführten ist ein solcher Entscheid zum heutigen Zeit- punkt nicht möglich, da unklar ist, ob die Familiengeme inschaft, resp. der Ehewille weiterhin besteht. Demzufolge wird das Amt für Migration angewi esen, den Sachverhalt dahingehend abzuklären. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungs- gerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenp flichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden gemäss § 20 Abs. 3 VPO in der Re- gel der unterliegenden Partei auferlegt, wobei den Vorinstanzen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmen – keine Verfahrenskosten auferle gt werden. Demzufolge werden im vorliegenden Verfahren keine Kosten erhoben. 7.2 Dem obsiegenden Beschwerdeführer wird für den Beizu g des Anwalts eine Parteient- schädigung entsprechend einem Stundenaufwand des Rechtsvert reters von 8 Stunden zu dem in der Honorarnote ausgewiesenen Stundenansatz von CH F 250.00 und einem Stundenauf- wand des Volontärs von 11.5 Stunden à CHF 150.00 sowi e Auslagen in der Höhe von CHF 356.30 von insgesamt CHF 4'357.50 (inkl. 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten des Regierungs- rates zugesprochen (vgl. § 21 Abs. 1 VPO). 7.3 Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Ver fahrens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat zurückgewiesen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Angeleg enheit im Sinne der Erwägungen an das Amt für Migration Basel-Landschaft zu rückgewie- sen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Kost en des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von CHF 2'100 wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat dem Beschwer- deführer für das Verfahren vor Kantonsgericht eine P arteientschädi- gung in der Höhe von CHF 4'357.50 (inkl. Auslagen und 8 % Mehr- wertsteuer) auszurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.