Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. August 2015 (720 14 74 / 189) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bemessung der Einschränkungen im Aufgabenbereich bei psychischen Beschwerden, Notwendigkeit einer gutachterlichen Stellungnahme Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Marco Chevalier , Rechtsanwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1969 geborene A.____ meldete sich mit Gesuch vom 12. April 2002 unter Hinweis auf Schmerzen der Lendenwirbelsäule (LWS) mit Ausst rahlung und Zittern ins Bein und Steiss- bein, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, hohen Blutdruck und Schlafstörungen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leis tungsbezug an und beantragte eine Be- rufsberatung und Arbeitsvermittlung sowie die Ausri chtung einer Rente. Die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge den medizinischen, erwerblichen und haushalterischen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt ab und sprach der Versicherten nach Durchfü hrung eines Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 1. Juli 2003 gestützt auf einen nach der allgemeinen Bemessungsmethode des Einkommensvergleichs errechneten Invaliditätsgrad von 46% mit Wirkung ab 1. April 2002 eine Viertelsrente bzw. – nach Prüfung der wirtschaftl ichen Verhältnisse – eine halbe Härtefall- rente zu. Die hiergegen erhobene Einsprache wurde am 22. Januar 2004 abgewiesen. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. Nachdem A.____ mit Gesuch vom 8. November 2005 geltend machte, ein Arbeitsversuch habe ergeben, dass sie nicht mehr als 40% arbeitstätig sein kö nne, ermittelte die IV-Stelle nach Durchführung medizinischer Abklärungen in Anwendung der allgemeinen Methode einen IV- Grad von 57% und sprach der Versicherten mit Verfügung vom 10. Oktober 2006 ab 1. November 2005 eine halbe Rente zu. Diese Verfügung erwuchs ebenfalls in Rechtskraft. Mit Schreiben vom 5. Mai 2011 leitete die IV-Stelle e ine Revision der Rente ein. Nachdem sie die gesundheitlichen, erwerblichen und haushalterischen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte sie bei A.____ – nunmehr in Anwendung der spezifischen Methode des Betätigungsvergleichs – einen Invaliditätsgrad von 10.5%, worauf sie die laufen de halbe Rente der Versicherten nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 11. Februar 2013 per 31. März 2013 aufhob. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Marco Chevalier, am 4. März 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte sinngemäss, es sei die angefochtene Verfü gung aufzuheben und ihr weiterhin eine halbe Invalidenrente auszurichten. Mit Entscheid vo m 18. Juli 2013 wies das Kantonsge- richt die Angelegenheit zur ergänzenden Abklärung der Einschränkungen im Haushaltsbereich an die Beschwerdegegnerin zurück. C. Die IV-Stelle holte in der Folge Stellungnahmen bei den bereits im Jahr 2012 beauftrag- ten Gutachtern der B.____ AG (Begutachtungsinstitut B.____) und bei ihrem Regionalen Ärztli- chen Dienst (RAD) ein. Mit Verfügung vom 3. Februar 2014 hielt die IV-Stelle an der Aufhebung der Rente fest. D. A.____, weiterhin vertreten durch Advokat Dr. Che valier, reichte gegen diese Verfügung mit Eingabe vom 28. Februar 2014 beim Kantonsgericht erneut Beschwerde ein und beantrag- te, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei di e Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr weiterhin eine halbe Invalidenrente auszurichten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege beantragt ; alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Be- gründung liess sie im Wesentlichen ausführen, dass die Besc hwerdegegnerin entgegen den Anordnungen im Kantonsgerichtsurteil vom 18. Juli 2013 die eingeholte Stellungnahme der be- gutachtenden Ärzte ignoriert und stattdessen erneut nur auf die Beurteilung ihres Abklärungs- dienstes abgestellt habe. Die Stellungnahme des RAD, wonach die im Abklärungsbericht fest- gehaltenen Einschränkungen nachvollziehbar seien, sei nicht beweistauglich. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Mit Verfügung vom 3. März 2014 wurde der Beschwerdef ührerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advo- kat Dr. Chevalier als Rechtsvertreter bewilligt. F. In ihrer Vernehmlassung vom 1. April 2014 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Aufgrund der bloss eingeschränkten Gültigkeit der Einschätzung der psychiatrischen Gutachterin habe sich eine Würdigung durch den RAD auf gedrängt. Die Einschränkung der Beschwerdeführerin im Haushaltsbereich sei sowohl vom Ab klärungsdienst wie auch in medizi- nischer Hinsicht genügend begründet. G. Anlässlich der Urteilsberatung vom 26. Juni 2014 gel angte das Kantonsgericht zur Auf- fassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Zwar erscheine die vom RAD-A rzt angeführte Kritik an der gut- achterlichen Stellungnahme begründet und grundsätzlich n achvollziehbar. Dies bedeute jedoch nicht, dass ohne weiteres auf den Haushaltsbericht abgestellt werden könne, da dieser die psy- chischen Einschränkungen augenscheinlich zu wenig berücksichti gt habe. Die Stellungnahme des RAD genüge für die geforderte medizinische Einschätz ung der Einschränkungen im Aufga- benbereich nicht. Das Kantonsgericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und ein psychi- atrisches Gerichtsgutachten einzuholen. Den Parteien wu rde Gelegenheit gegeben, sich auf eine Gutachterperson zu einigen. Gleichzeitig unterbrei tete das Gericht den Parteien den vor- gesehenen Fragekatalog. H. Mit Eingabe vom 4. Juli 2014 regte die Beschwerdegeg nerin an, die Beschwerdeführerin nicht bloss aus psychiatrischer, sondern aufgrund der Diagno sen eines lumbospondylogenen Schmerzsyndroms auch aus rheumatologischer Sicht begutachten zu lassen. Diesem Vorgehen und den vorgeschlagenen Gutachtern schloss sich die Beschwe rdeführerin mit Eingabe vom 13. August 2014 an. Mit Schreiben vom 19. August 2014 w urden Dr. med. C.____, FMH Rheu- matologie, und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psych otherapie, mit der bidisziplinären Begutachtung der Beschwerdeführerin beauftragt. I. Am 17. Dezember 2014 ging das in Auftrag gegebene Gerichtsgutachten ein. Die Par- teien erhielten in der Folge Gelegenheit, sich zum In halt des Gutachtens und zur Frage, wie sich die Ergebnisse der Begutachtung auf den Leistungsans pruch auswirken würden, zu äus- sern. Mit Eingabe vom 11. Februar 2015 hielt die Besc hwerdegegnerin fest, dass das eingehol- te Gutachten die Rentenaufhebung vollumfänglich bestä tige. Die Beschwerdeführerin hielt mit Eingabe vom 24. Februar 2015 an ihrem Rechtsbegehren fest. J. Auf schriftliche Nachfrage des Kantonsgerichts hin führt e Dr. D.____ mit Schreiben vom 9. März 2015 unter anderem aus, dass neben der aktuell ausgeübten Tätigkeit der Beschwer- deführerin im Haushalt und in der Kinderbetreuung kei ne weitere verwertbare Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehe. Mit Eingaben vom 1 9. März 2015 und 7. April 2015 äus- serten sich die Beschwerdeführerin respektive die Beschwerdeg egnerin zu den ergänzenden Ausführungen des psychiatrischen Gutachters. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 28. Februar 2014 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist im vorliegenden Verfahre n, ob die Beschwerdegegnerin die halbe Rente der Beschwerdeführerin zu Recht aufgehoben hat oder ob die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine Rente der IV hat. Dabei hat das Kantonsgericht mit Urteil vom 18. Juni 2013 bereits rechtskräftig festgestellt, dass der von der IV-Stelle vorgenommene Wechsel von der allgemeinen zur spezifischen Methode der Invaliditätsbemessung zu Recht erfolgte und bejahte damit das Vorliegen eines Revisio nsgrundes. Indessen hielt es fest, dass der der Invaliditätsbemessung zugrunde liegende Sachver halt ungenügend abgeklärt worden sei, da über die Einschränkung im Haushalt keine medizin ische Einschätzung vorgenommen wurde. Umstritten ist im vorliegenden Verfahren – nach entsprechenden Abklärungen durch die Beschwerdegegnerin – weiterhin die Einschränkung der Beschwerdeführerin im Aufgabenbe- reich. 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer du rch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Vo- raussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 20 08 anwendbaren Fassung) bzw. nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung) hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vier- telsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.4 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in eine m Aufgabenbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigke it nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in wel- chem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgabenb ereich zu betätigen (Betätigungs- vergleich; bzw. Art. 28a Abs. 2 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwendbaren Fassung] bzw. Art. 28 Abs. 2 bis IVG [in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung]). 4. Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Invaliditätsgr ades bildet damit die Frage, in wel- chem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundhe itlichen Beeinträchtigungen ar- beitsunfähig bzw. im Aufgabenbereich eingeschränkt ist. 4.1.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und i nsbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.1.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.1.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsp rechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung de s medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbar keit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorlie- gen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss folgerungen gelangt. Eine abwei- chende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug ersche inen, die Schlüssigkeit des Gerichts- gutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise v om Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f . E. 3b/aa mit Hinweisen). Gleicher- massen ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Ve rwaltungsverfahrens eingeholten Gut- achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.2 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsberei ch bedarf es im Regelfall einer Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Hinsichtli ch des Beweiswertes des Abklärungsbe- richts sind – analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft von A rztberichten (BGE 134 V 232) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein Haushaltsabkl ärungsbericht ist beweiskräftig, wenn er von einer qualifizierten Person verfasst wird, we lche Kenntnis der örtlichen und räumli- chen Verhältnisse sowie der Beeinträchtigungen und Beh inderungen hat, die sich aus den me- dizinischen Diagnosen ergeben. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berück- sichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteilig ten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Be- richtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angem essen detailliert bezüglich der ein- zelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. AHI-Praxis 2003 S. 218 E. 2.3.2; U rteil des Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sof ern der Bericht eine zuverlässige Ent- scheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstel lt, in das Ermessen der Abklä- rungsperson nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinsch ätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate (z.B. infolge von Widersprüchlichkeiten) vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompe tente Abklärungsperson näher am Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht konkreten Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zustän dige Gericht (Urteil des Bundes- gerichts vom 18. August 2008, 8C_107/2008, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen; BGE 128 V 93 f. E. 4). 4.3 Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Aus- masses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten. S eine grundsätzliche Massge- blichkeit ist darum praxisgemäss eingeschränkt, wenn die versich erte Person an psychischen Beschwerden leidet (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1 3. Juni 2008, 8C_671/2007, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss bedarf es hier des Beizugs einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haus haltsführung unter dem Gesichts- winkel der Zumutbarkeit zu äussern hat (Urteil des Bundesg erichts vom 13. Juni 2008, 8C_671/2007, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen). Zwar bildet die Abklärung vor Ort auch hier grundsätzlich ein geeignetes Mittel zur Invaliditätsbemessun g im Aufgabenbereich. Den ärztli- chen Stellungnahmen ist in der Regel jedoch mehr Gewich t einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung. Diese prinzipielle Gewichtung hat ihren Grund darin, dass es für die Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Lei- dens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkenn en. Für die Rechtsanwendung im konkreten Fall bedeutet dies, dass – wenn Widersprüche zwi schen den Ergebnissen der Haus- haltsabklärung und den ärztlichen Feststellungen zur Fä higkeit der versicherten Person, ihre Haushaltstätigkeiten trotz des psychischen Leidens noch verri chten zu können bestehen – der medizinischen Einschätzung prinzipiell höheres Gewicht beizumessen ist (Urteil des Bundesge- richts vom 5. September 2011, 9C_201/2011, E. 2 mit we iteren Hinweisen; Urteil des EVG vom 23. Dezember 2003, I 311/03, E. 5.3). 5.1.1 Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschw erdeführerin gab die Beschwer- degegnerin im Rahmen des im Mai 2011 eingeleiteten Revisionsverfahrens beim Begutach- tungsinstitut B.____ ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag. Im Gutachten vom 8. Mai 2012, dessen Beweiswert von den Parteien zu Recht nicht beanstandet wurde, wurden als Diagnosen mit Auswirkung auf die medizinisch-theoretische Arbeitsfäh igkeit neben einem chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndrom linksbetont bei Status n ach Treppensturz im April 2001 ohne relevante strukturelle Traumafolgen und bei ausg eprägter Fehlhaltung und allgemeiner Dekonditionierung eine rezidivierende depressive Störung , gegenwärtig mittelgradige Episode, festgestellt. Während aus rheumatologischer Sicht für e ine körperlich leichte, wechselbelasten- de und vorwiegend sitzende Tätigkeit ohne Heben von La sten über 15 kg bis Taillenhöhe oder über 5 kg bis Schulterhöhe keine Einschränkung in der Ar beitsfähigkeit bestehe, sei aus psy- chiatrischer Sicht lediglich von einer 50%igen Arbeitsf ähigkeit in allen Tätigkeitsbereichen aus- zugehen. Diese Einschränkung begründe sich durch die rasche Ermüdbarkeit, die leichten Kon- zentrations- sowie die Schlafstörungen, die allgemeine Verlangsamung und die verminderte Belastbarkeit der Versicherten. Die Arbeitsfähigkeit e ntspreche ungefähr der aktuellen Betreu- ung der Tochter, wobei die Versicherte von Bruder, Schw ägerin und Kindsvater entlastet werde und sich die Beschwerdeführerin bereits hier überforder t fühle. Die Versicherte fülle damit mo- mentan mit der Betreuung ihrer Tochter ihre 50%ige medizinisch-theoretische Restarbeitsfähig- keit bereits aus. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1.2 Die Beschwerdegegnerin liess die Einschränkung im Aufgabenbereich, namentlich im Haushalt und in der Kinderbetreuung, von ihrem inter nen Abklärungsdienst beurteilen. Der Ab- klärungsbericht vom 19. November 2012 verneinte eine Einschränkung in den Bereichen Haus- haltsführung, Einkauf und weitere Besorgungen und K inderbetreuung. Insbesondere für die Kinderbetreuung nehme sich die Versicherte viel Zeit und habe dafür auch die nötige Kraft. Be- einträchtigt sei die Versicherte jedoch im Umfang von 1 0% bei der Ernährung, im Umfang von 20% bei der Wohnungspflege und im Umfang von 30% bei der Wäsche und Kleiderpflege. In diesen Bereichen sei sie aufgrund ihrer Rücken- und Hand gelenksbeschwerden behindert, wo- bei im Rahmen der Schadensminderungspflicht die zumutba re Mithilfe des Lebenspartners be- rücksichtigt wurde. Insgesamt ergebe sich eine Einschränkung im Aufgabenbereich im Umfang von 10.5%. 5.2 Mit Urteil vom 18. Juli 2013 hielt das Kantonsgerich t fest, dass die Änderung bei der Invaliditätsbemessung von der allgemeinen Methode des E inkommensvergleichs zur spezifi- schen Methode des Betätigungsvergleichs einen Revisionsgrun d im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG darstellt. Für die Invaliditätsbemessung sei folglich die Einschränkung im Haushalt mass- geblich. Der vorliegende Abklärungsbericht berücksichtige in dessen bloss die somatischen, nicht jedoch auch die psychischen Beeinträchtigungen der B eschwerdeführerin. Eine medizini- sche Stellungnahme zu den betreffenden Einschränkungen , wie sie gemäss bundesgerichtli- cher Rechtsprechung verlangt werden, liege nicht vor. Da es der Abklärungsperson vor Ort je- doch regelmässig nur beschränkt möglich sei, das Ausmass des p sychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen im Haushaltsbereich zu erkennen, sei eine zusätzliche medizinische Abklärung unabdingbar. Die Angelegenheit wurde in der Folge zur ergänzenden Abklärung der Einschränkungen im Haushalt an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. 5.2.1 Am 29. Oktober 2013 beantwortete Dr. med. E._ ___, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, als begutachtende Psychiaterin des Begutachtungsin stituts B.____ die von der Be- schwerdegegnerin gestellte Frage nach den Einschränkungen im Haushalt. Sie führte aus, dass der mitgesandte Haushaltsbericht vom 19. November 2012 nicht berücksichtigt werden könne, da er zeitlich nach der psychiatrischen Begutachtung vom 8. Mai 2012 erstellt worden sei. Im Zeitpunkt der Begutachtung habe aus psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vorge- legen, die ungefähr der aktuellen Betreuung der Toch ter, bei der sie durch den Bruder, die Schwägerin und den Kindsvater entlastet werde, entspr ochen habe. Die bei der Begutachtung festgestellte rasche Ermüdbarkeit, die leichten Konzent rationsstörungen, die Schlafstörungen, die allgemeine Verlangsamung und die verminderte Bel astbarkeit begründeten die Arbeitsunfä- higkeit der Beschwerdeführerin. Diese Symptome hätten si e selbstverständlich auch in der Tä- tigkeit im Aufgabenbereich Haushalt inklusive Betreuun g der Tochter in gleichem Ausmass von 50% eingeschränkt. Zum weiteren Verlauf könne sie keine Stellung nehmen. 5.2.2 Dr. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, de s RAD hielt in seiner Stellungnah- me vom 26. November 2013 fest, dass aus psychiatrischer Sicht bei Menschen mit depressiver Störung ein Unterschied bezüglich der Anforderungen in der freien Wirtschaft und der Tätigkeit im Haushalt, in vertrauter Umgebung und mit der Mögli chkeit der freien Zeit- und Arbeitseintei- lung bestehe. Die bei einer Depression verminderte emotionale und soziale Belastbarkeit sowie Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die verminderte Durchhaltefähigkeit würden sich aus psychi atrischer Sicht bei einer Tätigkeit ausser Haus stärker bemerkbar machen als bei einer Tätig keit in den eigenen vier Wänden. Dass die von der begutachtenden Psychiaterin festgestellte n Beschwerden –namentlich die raschere Ermüdbarkeit, die leichten Konzentrations- und Schlafstörungen sowie die allgemeine Verlangsamung – bei der Bewältigung des Haushaltes gl eichermassen ins Gewicht fielen wie in der freien Marktwirtschaft, sei schwer respektive kaum nachvol lziehbar. Im Gegensatz zu einer Tätigkeit in der freien Wirtschaft könne die Beschwerdef ührerin sich die Zeit und die Arbeit frei einteilen, also bei Müdigkeit eine Pause einlegen un d sich bei Langsamkeit mehr Zeit lassen. Die Haushaltsabklärung sei vor Ort durchgeführt worden, w o Unterstützungsfaktoren angemes- sen hätten berücksichtigt werden können. Die Abklärung vor Ort sei zusammenfassend im Hin- blick auf die Einschränkung im Haushalt plausibler als die Einschätzung von Dr. E.____. 5.3 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der Folge zur Beurteilung der Einschränkung im Aufgabenbereich erneut auf die Ergebnisse der Haushalt sabklärung vom 19. November 2012. Sie kam dementsprechend zum Schluss, dass die bisher ausg erichtete Rente bei einem Invali- ditätsgrad von 11% einzustellen sei. Anlässlich der erst en Urteilsberatung im vorliegenden Ver- fahren kam das Kantonsgericht zum Schluss, dass dem Abkläru ngsbericht auch im aktuellen Zeitpunkt keine ausschlaggebende Beweiskraft zukommt. Die vom RAD-Arzt Dr. F.____ ange- führte Kritik an der Stellungnahme von Dr. E.____ er scheine zwar begründet und grundsätzlich nachvollziehbar. Dies bedeute allerdings nicht, dass auf den Haushaltsabklärungsbericht vom 19. November 2012 abgestellt werden könne, wie dies der RAD-Arzt anrege. Es bleibe vielmehr dabei, dass diese Abklärung die psychischen Beschwerden nich t genügend berücksichtige und eine zusätzliche medizinische Einschätzung der Einschränkung en im Haushaltsbereich not- wendig sei. Die Stellungnahme des RAD vom 26. November 2013 vermöge diese medizinische Einschätzung nicht zu ersetzen. Somit fehle es auch aktuel l an einer beweistauglichen Ein- schätzung der Einschränkungen der Beschwerdeführerin im Au fgabenbereich. Das Kantonsge- richt beschloss deshalb, den Fall auszustellen und ein psych iatrisches Gerichtsgutachten ein- zuholen. Auf Antrag der Beschwerdegegnerin wurde die gerichtliche Begutachtung um das Fachgebiet der Rheumatologie erweitert. 5.4 Im bidisziplinären Gerichtsgutachten vom 12. Dezemb er 2014 diagnostizierte Dr. C.____ aus rheumatologischer Sicht ein Widespread Pain Syndrom /Fibromyalgie, ein chronisches lum- bovertebrales Schmerzsyndrom, ein leichtes zervikales Schmerzsyndrom, ein Status nach Ope- ration eines Handgelenkganglions links im Jahr 2011, ein e Tendenz zur Hypermobilität sowie beidseitig pes planus. Die Diagnosen hätten keine Ausw irkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Medi- zinisch-theoretisch bestehe eine volle Funktionalität des M uskelskelettapparates. In einer leich- ten bis mittelschweren Tätigkeit – wie in der angestamm ten Tätigkeit – mit Wechselbelastung und freier Positionswahl bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Eine schwere Tätigkeit, bei der Gewichte über 11 kg getragen oder in Zwangspositionen (gebückt oder in Kopfreklination) oder repetitiv monoton gearbeitet werden müsse, seien aus sch merzmedizinisch-rheumatologischer Sicht ungeeignet. Aus somatisch gutachterlicher Sicht se i davon auszugehen, dass von der Beschwerdeführerin sämtliche Haushaltstätigkeiten ausführbar seien. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aus psychiatrischer Sicht diagnostizierte Dr. D.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mit telgradig (ICD-10 F33.1) sowie akzen- tuierte Persönlichkeitszüge vom ängstlichen, selbstunsicher en Typ (ICD-10 Z73.1). Als dritte Diagnose könne bei der Beschwerdeführerin gemäss ICD-10-Kriterien eine anhaltende somato- forme Schmerzstörung diagnostiziert werden. Die Schmerzpr oblematik könne mit somatischen Befunden nicht vollumfänglich erklärt werden. Die För ster-Kriterien würden zum Teil erfüllt. Oh- ne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien als Dia gnosen Probleme in Bezug auf den en- geren Familienkreis (Scheidung, alleinerziehend, ICD-10 Z63) und ein psychogener Appetitver- lust (ICD-10 F50.8) festzustellen. In Übereinstimmung m it Dr. E.____ bestehe bei der Be- schwerdeführerin eine 50%ige Beeinträchtigung der Arbe its- und Leistungsfähigkeit. Es sei da- von auszugehen, dass die 50%ige Restarbeitsfähigkeit mit der Haushaltsführung und der Kin- derbetreuung realisiert werde. Aus rein psychiatrischer Sicht könne bei dieser Arbeits- und Leis- tungsfähigkeit für jegliche Haushaltstätigkeit keine wei tere Beeinträchtigung objektiv begründet werden, da die Beschwerdeführerin in der Lage sei, über den Tag verteilt ihre Arbeiten einzutei- len und die Arbeiten schrittweise und immer wieder vo n Pausen unterbrochen durchführen. Zu- dem erhalte sie Hilfe vom Lebenspartner. Mit zunehmen dem Alter und Selbstständigkeit der Tochter müsse diese Einschätzung in Zukunft neu vorgenommen werden. In der Konsensbesprechung hielten die Gutachter fest, da ss hinsichtlich einer leichten bis mit- telschweren Belastung die aus psychiatrischer Sicht begründete Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50% Gültigkeit habe. Eine Beeinträchtigung in der Hau shaltsführung sei aus Sicht der Gutach- ter mit objektiven Befunden nicht zu begründen. 5.5 In ihren Stellungnahmen zum eingegangenen Gerich tsgutachten interpretierten die Par- teien die festgestellten Einschränkungen im Aufgabenber eich jeweils unterschiedlich. Während die Beschwerdegegnerin in ihrem Schreiben vom 11. Feb ruar 2015 betonte, dass gemäss den Gerichtsgutachtern keine Beeinträchtigung in der Haush altsführung mit objektiven Befunden begründet werden könne, stellte die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 24. Februar 2015 fest, dass Dr. D.____ die Haushaltsführung und Kinderb etreuung mit der Arbeits- und Leis- tungsfähigkeit gleichsetze. Aufgrund dieser Unklarheite n wurde an Dr. D.____ eine Rückfrage gestellt. In seiner Antwort vom 9. März 2015 machte der psychiatrische Gerichtsgutachter Aus- führungen zum Wechselspiel zwischen den Anforderungen de r freien Wirtschaft und in der Haushaltsführung und Kinderbetreuung. Aktuell bestehe neben der ausgeübten Tätigkeit der Beschwerdeführerin im Haushalt und in der Kinderbetreuung keine weitere verwertbare Arbeits- fähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. 6.1 Wie in Erwägung 4.1.3 hiervor ausgeführt, weicht das Gericht bei der Würdigung des medizinischen Sachverhalts bei Gerichtsgutachten praxisgemäss nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnis- se der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um ein en bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorliegend sind keine solchen Gründe ersichtl ich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse des bidisziplinären Gerichtsgutachtens vom 12. Dezember 2014 in Frage zu stellen oder davon abzuweichen. Das Gutachten weist weder for male noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.1. 2 hiervor) – für die streitigen Belange Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, b erücksichtigt die geklagten Beschwer- den, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, le uchtet in der Darlegung der medizini- schen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinische n Situation ein, setzt sich aus- führlich mit den bei den Akten liegenden (abweichende n) fachärztlichen Einschätzungen ausei- nander und ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Das Gerichtsgutachten vom 12. Dezember 2014 erfüllt damit die rechtsprechungsgem ässen Voraussetzungen an eine me- dizinische Beurteilungsgrundlage. Dies wird denn auch von den Parteien nicht bestritten. 6.2 Umstritten ist indessen, wie die Aussagen des psychiatri schen Gerichtsgutachters in Bezug auf die Einschränkungen im Haushalt zu verstehen si nd. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin bezieht sich die festgestellte 50%ige Einschränkung der Arbeits- und Leis- tungsfähigkeit gemäss den Ausführungen des psychiatrischen Gutachters nicht auch auf den Aufgabenbereich. Vielmehr hält Dr. D.____ bloss fest, dass die 50%ige Arbeitsfähigkeit in der 100%igen Tätigkeit im Aufgabenbereich aufgehe. Zwar erfordere die Arbeit im Aufgabenbereich von der Beschwerdeführerin eine erhöhte psychische Anstren gung bei reduzierten psychischen Ressourcen. Indessen sei der Alltag mit Hausarbeit und Kinderbetreuung von ihr zu bewältigen. Dr. D.____ begründet dies – ähnlich wie Dr. F.____ – damit, dass sich die Beschwerdeführerin die Arbeit und die Zeit frei einteilen und die Arbe iten schrittweise und mit Pausen nach Bedarf erledigen kann. Der von der Beschwerdeführerin gegenüber Dr. D.____ beschriebene Tagesab- lauf bestätigt diese Einschätzung. So führt sie aus, dass si e mit dem Haushalt tagsüber genug zu tun habe, weil sie wegen der Schmerzen und der Ersch öpfung immer wieder Pausen einle- gen müsse. Sie tanke über den Tag verteilt immer wiede r Kraft für den Haushalt und vor allem für ihre Tochter, die von ihren Schmerzen nichts merken solle. Trotz den (unbestrittenen) Ein- schränkungen beschreibt die Beschwerdeführerin, wie sie sich morgens um ihre Tochter küm- mert und sie in den Kindergarten bringe, mittags koche und den Haushalt erledige. Dass gewis- se Haushaltsarbeiten oder Aspekte der Kinderbetreuung aufgrund der psychischen Beschwer- den unmöglich seien, wird von der Beschwerdeführerin n icht vorgebracht. Im Rahmen der rheumatologischen Begutachtung gab die Beschwerdeführe rin an, aufgrund der Schmerzen schwerere Haushaltsarbeiten wie Staubsaugen nicht ausführ en zu können. Leichtere Tätigkei- ten seien jedoch durchaus möglich. Die Beschwerdeführeri n betonte im Rahmen der Explorati- onen ausserdem mehrfach, dass ihre Tätigkeit vor allem aus der Haushaltsführung und der Be- treuung der Tochter bestehe. Damit bestätigt sie, dass di e Restarbeitsfähigkeit aktuell im Auf- gabenbereich vollständig realisiert wird. Jedoch bestehen auch aufgrund der Aussagen der Be- schwerdeführerin keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass sie in der Hausarbeit und der Kinderbe- treuung erheblich – und über das im Haushaltsbericht v om 19. November 2012 aus somati- scher Sicht festgestellte Mass – beeinträchtigt wäre. 6.3 Daran ändern auch die Einwendungen der Beschwerde führerin betreffend die Mithilfe der Angehörigen, namentlich des Lebenspartners und de s Bruders, nichts. Gemäss bundesge- richtlicher Rechtsprechung ist – bezüglich der zumutbaren Mithilfe von Angehörigen bei der Erledigung des Haushalts – ein invaliditätsbedingter Ausfall bloss dann anzunehmen, wenn die Aufgaben, die nicht mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen Entlöhnung oder durch Angehörige verrichtet werden, denen dadurch nachg ewiesenermassen eine Erwerbsein- busse oder doch eine unverhältnismässige Belastung entsteht . Die im Rahmen der Invaliditäts- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht bemessung bei einer Hausfrau zu berücksichtigende Mithil fe von Familienangehörigen geht daher weiter als die ohne Gesundheitsschädigung üblicher weise zu erwartende Unterstützung. Massgebend ist, wie sich eine vernünftige Familiengemeinsch aft einrichten würde, wenn keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären. Dabei darf j edoch unter dem Titel der Schaden- minderungspflicht nicht etwa die Bewältigung der Haushalttätigkeit in einzelnen Funktionen oder insgesamt auf die übrigen Familienmitglieder überwälzt werden mit der Folge, dass gleichsam bei jeder festgestellten Einschränkung danach gefragt we rden müsste, ob sich ein Familienmit- glied finden lässt, das allenfalls für eine ersatzweise A usführung der entsprechenden Teilfunkti- on in Frage kommt (BGE 133 V 509 f. E. 4.2 mit zahlre ichen Hinweisen). Zwar kann als unbe- stritten angesehen werden, dass die Beschwerdeführerin i m Aufgabenbereich von ihrem Le- benspartner und ihrem Bruder Unterstützung benötigt. J edoch bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass ihnen Haushaltspositionen vollumfänglich üb erwälzt werden noch wird geltend ge- macht, dass ihnen eine Erwerbseinbusse entsteht. Eine über mässige Belastung wird aus der beschriebenen Mithilfe ebenfalls nicht deutlich, beschrä nkt sie sich doch hauptsächlich auf die Freizeit. Die Unterstützung des Lebenspartners und des B ruders gehen damit nicht über das Mass hinaus, das im Rahmen der Schadensminderungspflicht zu erwarten wäre. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die beweiskräftige medizinische Beurteilung im Gerichtsgutachten vom 12. Dezember 2014 keine massgeblic he Einschränkung im Haushalt ergeben hat. Aus rheumatologischer (somatischer) Sicht werden die Einschränkungen der Be- schwerdeführerin – unter Berücksichtigung zumutbarer Mithi lfe – im Haushaltsbericht vom 19. November 2012 korrekt bemessen. Aus psychiatrischer S icht ergeben sich, namentlich auf- grund der freien Zeiteinteilung und der Möglichkeit zu r Einlegung von Pausen, keine zusätzli- chen Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit. Aufgrund der Ausführungen von Dr. D.____ ist davon auszugehen, dass sowohl die Diagnosen der rezidivier enden depressiven Störung und der akzentuierten Persönlichkeitszüge wie auch die der anhaltenden somatoformen Schmerz- störung in die zumutbare Leistungsfähigkeit der Beschw erdeführerin Eingang gefunden haben. Der Vollständigkeit halber ist mit Blick auf das Urteil d es Bundesgerichts vom 3. Juni 2015 (9C_492/2014) festzuhalten, dass – selbst wenn die Nebe ndiagnose der somatoformen Schmerzstörung den gemäss neuster bundesgerichtlicher Re chtsprechung erforderlichen Schweregrad erreichen und die Prüfung der Indikatoren eine Einschränkung im Aufgabenbe- reich ergeben würde – davon ausgegangen werden muss, d ass die rentenrelevante Schwelle einer 40%igen Einschränkung im Haushalt ohnehin nicht e rreicht werden könnte. Nach dem Ausgeführten hat die Beschwerdegegnerin die halbe Invalidenrente der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 3. Februar 2014 zu Recht eingestellt. Die Beschwerde ist damit abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unter- liegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 600. – festgesetzt wer- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht den, ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist nun allerdings mit Verfügung vom 3. März 2014 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 8.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, we nn die Massnahmen für die Beurtei- lung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nach träglich zugesprochener Leistun- gen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Ver- fahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Ger icht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesger icht weiter, mit der zitierten Bestim- mung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. B GE 137 V 265 f. E. 4.4.2). In BGE 139 V 496 hat das Bundesgericht präzisierend Kriterien a ufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwal tung auferlegt werden können, zu berücksichtigen sind. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Unter- suchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigke it, eine Gerichtsexpertise anzu- ordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellatio nen der Fall: Wenn ein manifester Wider- spruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztl ichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründet e Argumente entkräftet habe; wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder wenn sie auf eine Expertise abgestellt ha be, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a). Wenn die Verwal- tung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre Auffassung auf objektive kon- vergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rech tsgenüglichen Expertise gestützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzlichen Geri chtsgutachtens an sie nicht gerecht- fertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens; zum Ganzen : BGE 139 V 502 E. 4.4 mit Hin- weisen). Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich der U rteilsberatung vom 26. Juni 2014 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf d ie damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Hintergrund bildete die ungenügend e medizinische Auseinandersetzung mit den Einschränkungen im Aufgabenbereich (vgl. E. 5.3 hi ervor). Indem das Verwaltungsverfah- ren den bereits im Urteil vom 18. Juli 2013 umschriebe nen Anforderungen an die Abklärung psychischer Beeinträchtigungen im Haushalt nicht genügte, wies es Untersuchungsmängel auf, die eine Gerichtsexpertise notwendig machten. Die Kosten des Gerichtsgutachtens, welche sich gemäss eingereichten Honorarnoten vom 12. Dezember 201 4, 19. Januar 2015 und 17. März 2015 auf insgesamt Fr. 8‘239.45 belaufen, sind unter diesen Umständen der Vorinstanz aufzu- erlegen. 8.3 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschlagen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Februar 2015, 8C _719/2014, E. 3). Da der Beschwer- deführerin in der Verfügung vom 20. Oktober 2014 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgelt licher Verbeiständung Fr. 200. – pro Stunde. Der Rechtsvertreter hat in seiner Honorarnote vo m 28. Mai 2015 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 12.5 Stunden geltend gemacht, was sich um- fangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts - und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewies enen Auslagen von Fr. 74.50. Dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist demnach ein Ho norar in der Höhe von Fr. 2‘780.45 (12.5 Stunden à Fr. 200. – zuzüglich Auslagen von Fr. 74.50 sowie 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 8.4 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.– wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 8‘239.45 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Vertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in der H öhe von Fr. 2‘780.45 (inkl. Auslagen und 8% MwSt.) aus der Ger ichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht