<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 70 S.295</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">295</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>70</b></span> <span class="ft3"><b>Schulden trotz laufender Sozialhilfe.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Vorgehen, wenn der Sozialhilfeempfänger Rechnungen für Ausgaben</b></span><br/> <span class="ft3"><b>des Grundbedarfs nicht zahlt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 15. Januar 2003 in Sa-</span><br/> <span class="ft4">chen K.P. gegen Entscheid des Regierungsrats.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. b) Ziel der Sozialhilfe ist es, über die blosse Existenzsiche-</span><br/> <span class="ft1">rung hinaus mittels individueller materieller und persönlicher Hil-</span><br/> <span class="ft1">feleistungen die Eigenverantwortung und Selbstständigkeit bedürfti-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">296</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ger Personen zu stärken und damit deren soziale Integration zu ge-</span><br/> <span class="ft1">währleisten (§ 1 Abs. 2 SHG; Richtlinien der Schweizerischen Kon-</span><br/> <span class="ft1">ferenz für Sozialhilfe vom 18. September 1997 [SKOS-Richtlinien]</span><br/> <span class="ft1">Ziff. A.1; Felix Wolffers, Grundriss des Sozialversicherungsrechts,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage, Bern u.a. 1999, S. 91). Dem dient die Ausrichtung von</span><br/> <span class="ft1">Pauschalen für den Lebensunterhalt (SKOS-Richtlinien Ziff. B.2.2:</span><br/> <span class="ft1">Grundbedarf I), was der unterstützten Person ermöglicht, die verfüg-</span><br/> <span class="ft1">baren Mittel selbst einzuteilen und die Verantwortung dafür zu tra-</span><br/> <span class="ft1">gen. Es wird ihr somit eine gewisse Dispositionsfreiheit in der Ver-</span><br/> <span class="ft1">wendung der Mittel zugestanden.</span><br/> <span class="ft1">2. a) Der Elektrizitätsbezug und die Telefonkosten gehören zum</span><br/> <span class="ft1">Grundbedarf. Ein entsprechender Betrag ist in der Pauschale enthal-</span><br/> <span class="ft1">ten.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Wie sich aus den Akten ergibt und vom Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer nicht bestritten wird, geriet dieser ab 1999 mit der Bezahlung</span><br/> <span class="ft1">seiner Elektrizitätsrechnungen in Verzug. Am 20. April 2000 wurde</span><br/> <span class="ft1">eine Abzahlungsvereinbarung geschlossen, die der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">aber nicht einhielt, worauf ihm mit Schreiben der Regionalwerke AG</span><br/> <span class="ft1">Baden vom 8.</span> <span class="ft1">Dezember 2000 eine letzte kurze Zahlungsfrist</span><br/> <span class="ft1">eingeräumt wurde, ansonsten ein Cash-Card-Zähler installiert werde.</span><br/> <span class="ft1">Einen Tag vor Ablauf der gesetzten Frist kam es zum Einbau dieses</span><br/> <span class="ft1">Zählers.</span><br/> <span class="ft1">bb) Ähnlich verhält es sich mit dem Telefon. Die Angaben der</span><br/> <span class="ft1">Swisscom AG sind unbestritten. Danach beglich der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer die Telefonrechnung für den Monat Juli 2000 auch nach Mah-</span><br/> <span class="ft1">nung und Ansetzung einer letzten Frist nicht, was zur Kündigung des</span><br/> <span class="ft1">Anschlusses per 30. November 2000 führte. In der Folge machte die</span><br/> <span class="ft1">Swisscom AG die Wiederinbetriebnahme des Festanschlusses von</span><br/> <span class="ft1">einer Sicherheitsleistung in Höhe von Fr. 850.-- abhängig.</span><br/> <span class="ft1">cc) Es ist ein völlig übliches Geschäftsgebaren, wenn Firmen</span><br/> <span class="ft1">versuchen, künftigen Schaden, wenn Forderungen nicht eingetrieben</span><br/> <span class="ft1">werden können, zu vermeiden. Im angefochtenen Entscheid ist dar-</span><br/> <span class="ft1">gelegt, dass die Regionalwerke AG und die Swisscom AG sich an die</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Vorgaben hielten. Es zeugt von einem seltsamen</span><br/> <span class="ft1">Rechtsverständnis, wenn der Beschwerdeführer sich hier als Opfer</span><br/> <span class="ft1">von Schikanen darstellt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">297</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">c) In beiden Fällen geht es um die Frage, ob die Sozialhilfe für</span><br/> <span class="ft1">Mehrkosten aufkommen muss, welche entstanden sind, weil der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer seine Aufwendungen für Grundbedürfnisse, die</span><br/> <span class="ft1">durch den Grundbetrag der Sozialhilfe abgedeckt sind, nicht im Griff</span><br/> <span class="ft1">hatte (die Telefonkosten für die Monate Juli bis Oktober 2000 betru-</span><br/> <span class="ft1">gen zusammen mehr als Fr. 1'070.--) und die Zahlungen erst leistete,</span><br/> <span class="ft1">nachdem bereits Konsequenzen mit Mehrkosten eingetreten waren.</span><br/> <span class="ft1">Offensichtlich geht es nicht an, dass eine mit Barbeträgen unter-</span><br/> <span class="ft1">stützte Person (vgl. § 16 SHV) die auflaufenden Rechnungen für</span><br/> <span class="ft1">Grundbedürfnisse nicht bezahlt, sondern das Geld anderswie ver-</span><br/> <span class="ft1">wendet und nachher zusätzliche Sozialhilfe zur Bezahlung der Schul-</span><br/> <span class="ft1">den verlangt (vgl. § 13 Abs. 1 und 3 SHV, wonach materielle Hilfe in</span><br/> <span class="ft1">der Regel nur für laufende Verpflichtungen und nicht zur Schulden-</span><br/> <span class="ft1">tilgung gewährt wird).</span><br/> <span class="ft1">Welches die angemessene Reaktion des unterstützenden Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinwesens ist, hängt vom Einzelfall ab. In erster Linie werden Di-</span><br/> <span class="ft1">rektzahlungen in Frage kommen (§ 16 SHV). Im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft1">bedarf es dazu keiner eingehenderen Ausführungen. Es hätte am Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer gelegen, sich rechtzeitig an den Sozialdienst der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde zu wenden, als er bemerkte, dass er ausserstande war, der</span><br/> <span class="ft1">(letzten) Zahlungsaufforderung rechtzeitig nachzukommen. Dann</span><br/> <span class="ft1">wäre es noch möglich gewesen, dass der Sozialdienst die offenen</span><br/> <span class="ft1">Rechnungen beglichen hätte (selbstverständlich unter entsprechender</span><br/> <span class="ft1">Kürzung bei den Leistungen der folgenden Monate). Der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer hat es sich selber zuzuschreiben, dass er sich erst an</span><br/> <span class="ft1">die Sozialbehörde wandte, als die Konsequenzen seines Verhaltens</span><br/> <span class="ft1">(Cash-Card-Zähler; Aufhebung des Telefonanschlusses) nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">zu verhindern waren.</span><br/> <span class="ft1">d) Die Sozialhilfe ist nicht gehalten, über zusätzliche Leistun-</span><br/> <span class="ft1">gen (sog. situationsbedingte Mehrleistungen) die Schulden zu beglei-</span><br/> <span class="ft1">chen, welche der Beschwerdeführer verursacht hat, indem er für</span><br/> <span class="ft1">Leistungen, die mit der Grundbedarfspauschale abgedeckt werden,</span><br/> <span class="ft1">nicht bezahlte. Das Gleiche gilt für die, als Folge des Verhaltens des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers, entstandenen (relativ geringen) Mehrkosten des</span><br/> <span class="ft1">Elektrizitätsbezugs. Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass die Ver-</span><br/> <span class="ft1">weigerung der verlangten zusätzlichen Sozialhilfe den Beschwerde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">298</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">führer nicht in eine nicht zu verantwortende und mit Art. 12 BV nicht</span><br/> <span class="ft1">zu vereinbarende Notlage stürzt. Diesbezüglich ist die Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">abzuweisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>