Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Juni 2016 (725 16 42) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Die Einstellung der gesetzlichen Leistungen vier Wochen nach dem Unfall durch die Un- fallversicherung war nicht rechtens Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Helsana Unfall AG , Recht , Postfach , 8081 Zürich , Beschwerdege g- nerin Betreff Leistungen A.1 A.____ arbeitet seit dem 1. August 2009 als Sac hbearbeiter bei der B.____ und war aufgrund dieses Anstellungsverhältnisses bei der He lsana Unfall AG (Versicherung) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert. Gemäss Baga- tellunfallmeldung der Arbeitgeberin vom 15. Juni 2015 stürzte der Versicherte am 12. Juni 2015 auf das rechte Knie und zog sich eine Prellung dess elben zu. Der in der Folge aufgesuchte Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie , Klinik D.____, diagnostizierte am 24. Juni Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2015 eine aktivierte Gonarthrose und einen Verdacht au f eine mediale Meniskusläsion rechts. Dr. med. E.____, FMH Radiologie, hielt in seinen Ber ichten vom 24. und 25. Juni 2015 nach durchgeführtem MRI fest, dass keine Hinweise auf eine frische traumatische ossäre Läsion vor- liegen würden. Hingegen nannte er eine Läsion des lat eralen Meniskus im Vorderhorn und im lateralen Drittel, ein verkürztes Hinterhorn, ein fehle ndes mediales Drittel des medialen Menis- kus, eine Läsion des medialen Seitenbandes am Ansatz zum Femur im anterioren und mittleren Anteil und eine schwere mediale Femorotibialarthrose. Am 22. Juli 2015 nahm Dr. D.____ eine arthroskopische totale mesorektale Exzision (TME) lateral und ein Débridement am rechten Knie des Versicherten vor. A.2 Der beratende Arzt der Versicherung Prof. Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt in seiner Beurteilung vom 5. August 2015 fest, dass der Status quo sine am 10. Juli 2015 er reicht worden sei. Dementsprechend teilte die Versicherung A.____ am 14. August 2015 mit, dass sie die gesetzlichen Leistungen bis 10. Juli 2015 erbringen werde. Mit Verfügung vom 2. September 2015 lehnte sie den Leis- tungsanspruch von A.____ für die nach dem 10. Juli 201 5 entstandenen Kosten ab, weil ab diesem Zeitpunkt der Status quo sine erreicht gewesen sei. Daran hielt sie auch auf Einsprache des Versicherten hin mit Entscheid vom 12. Januar 2016 fest. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 9. Februar 2016 Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsg ericht). Er beantragte sinngemäss, dass der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 12 . Januar 2016 aufzuheben und diese zu verpflichten sei, für die Folgen der Kniever letzung vom 12. Juni 2015 die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen. C. Am 24. März 2016 ging die Beschwerdeantwort der Ver sicherung ein. Sie beantragte unter Hinweis auf die Ausführungen im Einspracheentsc heid vom 12. Januar 2016 die Abwei- sung der Beschwerde. D. Der Beschwerdeführer reichte am 27. Mai 2016 eine S tellungnahme der Klinik D.____ vom 22. März 2016 ein. Er machte sinngemäss geltend, dass das Verhalten der Versicherung willkürlich sei, weil sie erst nach erfolgter Operation e ntschieden habe, ob ein Unfall vorliege. Die Beschwerdegegnerin führte dazu am 14. Juni 2016 aus, sie habe der Klinik D.____ bereits vor der Operation mitgeteilt, dass vorläufig keine Kostengutsprache erteilt werden könne. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g 1. Auf die frist- und formgerecht beim örtlich wie sa chlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Im vorliegenden Fall hat die Unfallversicherung ihr e Leistungspflicht für den Unfall vom 12. Juni 2015 grundsätzlich anerkannt. Unbestritten steht auch fest, dass durch den Unfall die vorbestehende, degenerative Gonarthrose am rechten Kni e aktiviert und vorübergehend eine Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verschlimmerung verursacht hat. Strittig ist jedoch, ob die Beschwerdegegnerin die gesetzli- chen Leistungen zu Recht per 10. Juli 2015 eingestellt hat. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Un fallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligato rischen Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Per- son Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die ver- sicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses be trägt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80% des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähi gkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Be- ginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Per son. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindes- tens 10% invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn v on der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustand es der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederu ngsmassnahmen der Invalidenversiche- rung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fal len die Heilbehandlung und die Tag- geldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt - unter anderem - vo- raus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem einge tretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2). Ursachen im Sin ne des natürlichen Kausalzusammen- hangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge- treten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für di e Bejahung des natürlichen Kausal- zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alle inige oder unmittelbare Ursache ge- sundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werde n kann, ohne dass auch die eingetre- tene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen ei- nem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen S törung ein natürlicher Kausalzusam- menhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechts anwendende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr ob liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befin- den hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genü gt für die Begründung eines Leis- tungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinwei- sen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahin- fallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisg rad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) n achgewiesen sein. Die blosse Möglich- keit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage hand elt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürliche r Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallver sicherer (SVR 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 3 26 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Beweis des Wegfalls des Kausalzusammenhangs muss nicht durch den Nachweis unfall- fremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschad en mehr vorliege oder die versi- cherte Person nun bei voller Gesundheit sei. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursa- chen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verlo ren haben, also dahingefallen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). 3.4 Mit dem Erreichen des Status quo sine vel ante entf ällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Stat us quo sine vel ante noch nicht wie- der erreicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Ur teil des Bundesgerichts vom 11. März 2014, 8C_637/2013, E. 2.3.2 ). 4.1 Die rechtsanwendende Behörde ist zur Abklärung medizi nischer Sachverhalte - wie der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähi gkeit sowie der Feststellung natürli- cher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin - regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (vgl. E. 2.2.1 hiervor). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gül- tigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 6 1 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrecht [ATSG] vom 6. Oktober 2000) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicher ungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen un d danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung d es streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial z u würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere m edizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach alleine ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum V ersicherungsträger nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5.1 Für die Beurteilung der umstrittenen Fragen sind im Wesentlichen folgende ärztliche Berichte zu berücksichtigen: 5.2 Dr. C.____ diagnostizierte am 24. Juni 2015 eine aktivierte Gonarthrose und einen Verdacht auf eine mediale Meniskusläsion rechts. Der Versi cherte sei auf der nassen Tram- schiene gestürzt und habe sich ein Rotationstrauma des recht en Knies mit sofortigen medial betonten Schmerzen und einer leichten Schwellung zug ezogen. Seither bestünden persistie- rende belastungsabhängige Schmerzen, teilweise auch näc htliche lageabhängige Ruhe- schmerzen. Der Befund lautete dahingehend, dass sich das Kn ie reizlos mit fraglich diskretem Erguss zeige. Zudem lägen eine deutliche Druckdolenz über dem medialen Gelenkspalt und eine medial schmerzhafte flektierte Rotation vor. In d er Belastung präsentiere sich eine Varisie- rung des Kniegelenks, der Bandapparat sei jedoch stabi l. Die Röntgenaufnahmen hätten einen aufgehobenen medialen Gelenkspalt bei massiver Arthrose gezeigt. In der Beurteilung führte Dr. D.____ aus, dass eine bekannte Gonarthrose vorläge, die sicher durch den Sturz aktiviert worden sei. Dazu fänden sich auch meniskale Symptome mit belastungsabhängigen Schmer- zen und einem subjektiv blockadeähnlichen Phänomen. 5.3 Der Radiologe Dr. E.____ hielt am 24. Juni 2015 fest, dass eine schwere Femorotibial- arthrose bei fehlendem Gelenkspalt vorliege. Weiter führte er aus, dass eine wenig ausgeprägte laterale Femorotibialarthrose, deutliche Randosteophyten am medialen Tibiaplateau sowie eine mittelschwere bis schwere Femorotibialarthrose mit Rando steophyten an der Patella und am oberen Rand des femoralen Patellagleitlagers bestünden . Die Patella sei zentriert und es läge kein Nachweis frischer traumatischer ossärer Läsionen vor. 5.4 Der Beschwerdeführer unterzog sich zwecks Klärung ei ner allfälligen Meniskusläsion am 25. Juni 2016 einer MRI-Untersuchung. Dr. E.____ hielt zu den Untersuchungsergebnissen zusammenfassend fest, dass eine Läsion des lateralen Meniskus i m Vorderhorn und im latera- len Drittel, ein verkürztes Hinterhorn und ein fehlendes mediales Drittel des medialen Meniskus, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Läsion des medialen Seitenbandes am Ansatz zum Femur im anterioren und mittleren An- teil sowie eine schwere Femorotibialarthrose vorlägen. 5.5 Im Operationsbericht vom 22. Juli 2016 führte Dr. C.____ zusammengefasst aus, dass die lädierten Meniskusanteile im lateralen Vorderhorn bereich mit dem Synovial Resektor abge- tragen worden seien und der Knorpel am medialen Fem urkondylus mit dem Synovial Resektor ausgeglättet worden sei. 5.6 Der Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin Prof. D r. F.____ liess am 5. August 2016 verlauten, dass die erhobenen Befunde und die Operati on vom 22. Juli 2015 zumindest mög- licherweise in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 12. Juni 2016 stünden. Durch die gesamte Dokumentation ziehe sich aber das Thema der bekannten Arthrose, die durch das Unfallereignis akzentuiert worden sei. Die Frage der Unfallversicherung, ob unfallfremde Faktoren vorlägen, bejahte Prof. Dr. F.____ und wies auf die Gonarthrose rechts hin. Auch im lateralen Kompartiment würden erhe bliche Schäden beschrieben und der Röntgenbefund äussere das Vorliegen von Osteophyten. Die Beschwerden bezeichnete Prof. Dr. F.____ als vorübergehende Verschlimmerung u nd der Status quo sine sei zum Zeit- punkt des Kostengutsprachegesuchs der Klinik D.____ am 10. Juli 2015 erreicht worden. 5.7 Im Schreiben vom 20. August 2015 bezeichnete Dr. C .____ die Einstellung der Leis- tungen per 10. Juli 2015 als willkürlich. Durch die Ope ration sei der beschwerdefreie Zustand praktisch wieder hergestellt worden. In der Folge ersu chte die Beschwerdegegnerin erneut ih- ren beratenden Arzt Prof. Dr. F.____ um eine Stellungnahme. Dieser hielt am 28. Oktober 2015 an seinen Feststellungen vom 5. August 2015 fest. Er bet onte, dass aufgrund der Arztberichte der Schluss zu ziehen sei, dass die Gonarthrose bereits v or dem Trauma am 12. Juni 2015 be- kannt gewesen sei. Dabei sei aus der Literatur bekannt, d ass auch schwere Gonarthrosen rela- tiv lange eher symptomarm bleiben könnten, um dann plö tzlich “umzukippen“ oder, wie auch Dr. C.____ bestätige, in das aktivierte Stadium überzuge hen. Dieser Wechsel könne aber auch ohne äussere Einwirkung vonstattengehen. Im vorliegenden Fall adressiere der arthroskopische Eingriff eindrücklich die beschriebenen arthrotischen S chäden und keine eindeutigen Trauma- folgen. Das Modell der aktivierten Gonarthrose weiter verfolgend wäre im Spontanverlauf - d.h. auch ohne Operation - mit einer rückläufigen Symptoma tik der Arthrose zu rechnen gewesen. Bezüglich des zeitlichen Ablaufes nach einer Kniedistorsio n sei auf den Reintegrationsleitfaden “Unfall“ zu verweisen. In diesem werde betreffend Beha ndlungsdauer bzw. Arbeitsunfähigkeit ein Zeitraum von bis 8 Wochen bei nachgewiesenen Verlet zungen angegeben. Insofern sei am Festlegen eines Status quo sine am 10. Juli 2015 nichts Grundsätzliches auszusetzen. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in ihrem Einsprach eentscheid vom 12. Januar 2016 auf die Ausführungen von Prof. Dr. F.____ vom 5. August 2015 und 28. Oktober 2015. Sie kommt dabei zum Schluss, dass in Bezug auf die Kniebeschw erden rechts der Status quo ante am 10. Juli 2015 erreicht worden sei, weshalb sie ab d iesem Zeitpunkt keine Leistungen mehr schulde. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.1 Dieser Auffassung kann aus nachfolgenden Gründen nicht gefolgt werden. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass Prof. Dr. F.____ als berate nder Arzt ein verwaltungsinterner Arzt ist. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässi gkeit und Schlüssigkeit seines Konsili- arberichts, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen ( BGE 139 V 225 E. 5.2 und 135 V 465 E. 4.4 i.f., je mit Hinweisen). Solche Zweifel si nd vorliegend nicht von der Hand zu weisen. Prof. Dr. F.____ hat sich in seinen Stellungnahmen vom 5. August 2015 und 28. Oktober 2016 aus medizinischer Sicht einzig zur Gonarthrose geäussert , welche durch den Unfall vom 12. Juni 2015 unbestrittenermassen (vorübergehend) versc hlimmert wurde. Dabei übersah er jedoch, dass sowohl Dr. C.____ wie auch Dr. E.____ in ihren Berichten neben dieser Diagnose auch meniskale Symptome und eine Läsion des medialen Se itenbandes beschrieben haben. Dem Operationsbericht von Dr. C.____ vom 22. Juli 2016 ist denn auch zu entnehmen, dass es bei der Knieoperation in erster Linie um die Abtragung der lädierten Meniskusanteile ging. Dazu äussert sich Prof. Dr. F.____ nicht, weshalb seine Einsch ätzung lückenhaft ist. Zudem leuchtet die von ihm vorgenommene Beurteilung insofern nicht e in, als er die Einstellung der gesetzli- chen Leistungen durch die Beschwerdegegnerin per 10. Jul i 2016 - also knapp 4 Wochen nach dem Unfall - als rechtens erachtet. Andererseits verwei st er auf den Re-Integrationsleitfaden Unfall, der bei Knieverletzungen der vorliegenden Art von einer Behandlungsdauer von bis zu 8 Wochen ausgeht. Aufgrund der nicht überzeugenden B eurteilung von Prof. Dr. F.____, wel- che überdies in Widerspruch zur Auffassung der behandeln den Ärzte Dr. C.____ und Dr. E.____ steht, erweist sich der medizinische Sachverhal t als ungenügend abgeklärt. Aus nachfolgenden Gründen kann jedoch auf weitere Abklärungen verzichtet werden. 6.2.2 Der Beschwerdeführer stürzte am 12. Juni 2015 auf das rechte Knie. Im Nachgang zu diesem Ereignis manifestierten sich starke Schmerzen und Beschwerden. Ob diese nun auf die aktivierte Gonarthrose oder den Meniskusschaden oder die B andläsion zurückzuführen sind, spielt aus Sicht der Unfallversicherung letztlich keine R olle, reicht doch für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs und damit für ihre Lei stungspflicht bereits die Teilursäch- lichkeit des Unfalls aus (vgl. oben E. 3.3 f.). Dementspr echend hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für das Ereignis vom 12. Juni 201 5 anfänglich anerkannt und Leistungen erbracht. Aufgrund der vorstehenden Ausführungen obl iegt es ihr weiter nachzuweisen, dass der Status quo sine am 10. Juli 2015 erreicht war und die Kausalität weggefallen ist (vgl. oben E. 3.3). Dieser Beweis gelingt ihr jedoch nicht. Gemäss den vorliegenden medizinischen Unter- lagen kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da von ausgegangen werden, dass sich die Beschwerden im rechten Knie per 10. Juli 2015 geb essert hätten bzw. der Status quo sine eingetreten ist. Gegen diese Einschätzung spricht die Ta tsache, dass der Beschwerdeführer sich am 22. Juli 2015 einer Knieoperation unterziehen m usste. In der Folge wurde er von Dr. C.____ noch bis 1. August 2015 krankgeschrieben (Arb eitsunfähigkeitszeugnis vom 21. Juli 2015). Vor diesem Zeitpunkt kann daher entgegen der A nsicht der Beschwerdegegnerin nicht von einer Besserung des Gesundheitszustandes ausgegangen w erden, welcher zu einer Ein- stellung der Leistungen per 10. Juli 2015 berechtigen würde. 6.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeg egnerin verpflichtet ist, auch über den 10. Juli 2015 hinaus die gesetzlichen Leistun gen zu erbringen und insbesondere die Kosten für die am 22. Juli 2015 durchgeführte Arthroskopie am rechten Knie und die mit diesem Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eingriff zusammenhängen Arbeitsunfähigkeit zu tragen. Die Beschwerde ist daher gutzuheis- sen. 7. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverfa hren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid vom 12. Januar 2016 aufgehoben und es wird fe stgestellt, dass die Beschwerdegegnerin auch für die nach dem 10. J uli 2015 entstandenen Kosten für den arthroskopischen Eingriff vom 22. Juli 2015 und die anschliessende Arbeitsunfähigkeit bis zum 1. August 2015 leistungspflichtig ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht