B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6778/2013 U r t e i l v o m 11 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter Markus König; Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A._______, geboren (…), Gambia, vertreten durch lic. iur. Patricia Müller, Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende Solothurn, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. November 2013 / N (…). D-6778/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge seinen Hei - matstaat im (…) 2012 beziehungsweise im Jahr 2013 ohne Identitäts - oder Reisepapiere (…) über B._______ nach C._______, reiste von dort (…) nach D._______, von wo er (…) am (…) 2013 illegal in die Schweiz gelangte. Am 14. Juni 2013 suchte er in E._______ um Asyl nach. Am 3. Juli 2013 fand im dortigen Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) eine erste Befragung statt. A.b In der Folge kündigte das BFM dem Kanton F._______, welchem der Beschwerdeführer mit Verfügung vom (…) 2013 für den Aufenthalt wä h- rend des Asylverfahrens zugew iesen wurde, den unbegleiteten minde r- jährigen Asylsuchenden (UMA) an und ersuchte den Kanton, die ei n- schlägigen Schutzmassnahmen zu treffen. Mit Schreiben vom (…) 2013 teilte der Kanton dem BFM die Ernennung von G._______ als Vertrau- ensperson mit. A.c Mit Schreiben vom (…) 2013 lud das BFM die Vertrauensperson zur Anhörung des Beschwerdeführers ( Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.3 1) am (…) 2013 um (…) Uhr im EVZ H._______ ein. Mit Schreiben vom (…) 2013 teilte die Vertrauensperson dem BFM mit, dass sie an der Anhörung nicht anwesend sein könne, womit der Beschwerdeführer einverstanden sei. Dabei verwies sie auf ei- ne beigelegte Verzichtserklärung vom selben Tag, in welcher der B e- schwerdeführer unterschriftlich bestätigte, dass er auf die Begleitung durch die Vertrauensperson zum Anhörungstermin verzichte, sich in der Lage erklärte, selbständig nach H._______ zu reisen und zu seinen Asyl- gründen Stellung zu nehmen , und diesbezüglich keine Unterstützung zu benötigen. A.d Am (…) 2013 wurde der Beschwerdeführer im EVZ H._______ in Abwesenheit der Vertrauensperson durch das Bundesamt angehört. A.e Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er sei am (…) in I._______, J._______, Gambia, geboren. Er habe seinen Heima t- staat verlassen, um in der Schweiz (…) spielen und zur Schule gehen zu können. Er suche lediglich aus ökonomischen Gründen um Asyl nach. Er könne nicht nach Gambia zurückkehren, da seine Mutter im Jahr (…) und sein Vater (…) gestorben seien. Sein einziger Bruder befinde sich in D-6778/2013 Seite 3 D._______ und beabsichtige, sich nach K._______ zu begeben. Weitere Verwandte habe er nicht beziehungsweise kenne er nicht. Für die w eiteren Aussagen des Beschwerdeführers wird, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. Zum Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer eine Faxko- pie eines (…) zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 21. November 2013 – eröffnet am (…) 2013 an die Vertrauensperson und am (…) 2013 an den Beschwerdeführer – trat das BFM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz weg, beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung u nd händigte die editionspflichtigen Akten gemäss A k- tenverzeichnis aus. Zur Begründung fü hrte das BFM im Wesentlichen aus, die geltend g e- machten Vorbringen liessen kein Gesuch um Schutz vor Verfolgung im Sinne von Art. 18 AsylG erkennen. Der Vollzug der Wegweisung sei, auch in Berücksichtigung der Bestimmungen des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention, KRK, SR 0.107), zulässig, zumutbar und möglich. Namentlich sei au f- grund der unglaubhaften Aussagen des Besc hwerdeführers zu seiner f a- miliären Situation davon auszugehen, dass er in seiner Herkunftsregion über ein familiäres soziales Beziehungsnetz verfüge, welches ihn bei der Reintegration im Heimatstaat unterstützen könne. C. Mit Eingabe vom 2. Dezember 2013 (Datum des Poststempels) an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin unter Kosten und Entschädigungsfolge, es sei die Ver- fügung des B FM vom 21. November 2013 aufzuheben, die Unzumutba r- keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen; eventualiter sei die Verfügung des B FM vom 21. November 2013 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht wurden der Verzicht auf die E r- hebung eines Kostenvorschusses und die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege beantragt. Gleichzeitig wurde (…) in Kopie eingereicht. Darauf sowie auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesen t- lich, in den Erwägungen eingegangen. D-6778/2013 Seite 4 D. Die vorinstanzlichen Akten trafen am (…) 2013 vollständig beim Bundes- verwaltungsgericht ein (Art. 109 Abs. 2 AsylG), Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bun desverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsg e- setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 AsylG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 52 VwVG und Art. 108 Abs. 2 AsylG) ist einzutreten. 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, die unrichtige und u n- vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes sowie U n- angemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32 –35a AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdei n- stanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz auf das Asylgesuch zu Recht nicht eingetreten ist. 2.3 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und Abs. 2 AsylG). 3. 3.1 Der Beschwerdeführer rügt vorweg Verletzungen der Verfahrensrech- te von UMA. So sei fraglich, ob der Asylentscheid rechtsgenügsam eröff- net worden sei, da er nicht an die Vertrauensperson, sondern an den Be-D-6778/2013 Seite 5 schwerdeführer selbst zugestellt worden sei. Zudem sei der Beschwerde- führer nicht von einer Vertrauensperson an die Anhörung begleitet wor- den. Zwar habe er diesbezüglich eine Verzichtserklärung unterzeichnet, indes sei es ein Trugschluss anzunehmen, dass ein (…)-Jähriger, welcher alleine mit dem Zug nach L._______ (recte: H._______) fahren k önne, auch alleine seine Verfahrensrechte wahrnehmen könne (…). 3.2 Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allen- falls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 3.2.1 Die Rüge der mangelhaften Eröffnung erweist sich als unbegründet. So wurde die angefochtene Verfügung entgegen den Ausführungen in der Beschwerde sowohl der Vertrauensperson (am (…) 2013) als auch dem Beschwerdeführer (am (…) 2013) zugestellt (…). Damit ist die Doppele r- öffnung rechtmässig erfolgt (Art. 53a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). 3.2.2 Eine Überprüfung der Akten ergibt, dass der zuständige Kanton am (…) 2013 für den Beschwerdeführer G._______. als Vertrauensperson im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylV 1 ernannt und zur Anhörung eingeladen hat (vgl. Sachverhalt Bst. A.b und A.c). Gemäss Abs. 3 d ieser Bestimmung begleitet die Vertrauensperson die unbegleitete minderjährige Person im Asylverfahren. Die diesbezügliche Praxis der ehemaligen Schweizeri- schen Asylrekurskommission (ARK), welche vom Bundesverwaltungsg e- richt weitergeführt wird, statuiert indes weder eine Anwesenheitspflicht der Vertrauensperson bei der Anhörung noch deren Teilnahme an ande- ren Instruktionsmassnahmen; lediglich das Unterlassen einer Einladung der Vertrauensperson könnte das rechtliche Gehör verletzen (vgl. En t- scheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 1999 Nr. 2 E. 5 S. 11 f.); sodann kann sich die Anwesenheit des Vormunds beziehungsweise der Vertrauensperson dann als notwendig erweisen, wenn bei der Frage des Wegweisungsvollzugs nicht klargestellt werden kann, inwiefern der UMA nach seiner Rückkehr unter die Obhut eines Familienmitglieds oder einer besonderen Institution genommen werden könnte (vgl. a.a.O. E . 6b–6c S. 12 ff.). Diese Voraussetzungen sind indes in casu nicht gegeben (vgl. E. 6.3.3.2 hienach) 4. 4.1 Gemäss Art. 32 Abs. 1 AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht eingetr e- ten, wenn die Voraussetzungen von Art. 18 AsylG nicht gegeben sind. Als D-6778/2013 Seite 6 Asylgesuch gilt jede Äusserung, mit der eine Person zu erkennen gibt, dass sie die Schweiz um Schutz vor Verfolgung nachsucht (Art. 18 AsylG). Eine Person muss somit zum Ausdruck bringen, sie werde in ih- rem Heimatstaat – oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte – wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen au s- gesetzt, oder sie habe begründete Furcht, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG) ; darunter gehört auch die Befürchtung, einer mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit drohende n, nach Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt zu werden. 4.2 Nachdem der Beschwerdeführer geltend gemacht hatte, er habe se i- nen Heimatstaat lediglich verlassen, um in der Schweiz (…) spielen und zur Schule gehen zu können, und suche einzig aus ökonomischen Grün- den um Asyl nach (vgl. Sachverhalt Bst. A. e), hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zutreffend festgestellt, dass die se Vorbringen keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 3 EMRK beinhalten. Dies wird den n auch in der Beschwerde mit keinem Wort bestritten. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass die Vorau s- setzungen von Art. 18 AsylG nicht gegeben sind und kein Asylgesuch vor- liegt. Die Vorinstanz ist zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). D-6778/2013 Seite 7 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; mithin sind die Hindernisse zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän ders in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2 Der Vollzug der Wegwe isung ist in Beachtung der massgeblichen landesrechtlichen Bestimmungen zulässig, da der Beschwerdeführer ke i- ne Verfolgung oder begründete Furcht vor Nachteilen darzulegen vermag, welche geeignet wären, seine Flüchtlingseigenschaft zu begründen. 6.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall e i- ner Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrschei n- lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen G e- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti- Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr D-6778/2013 Seite 8 ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gege n Italien , Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127, mit weiteren Hinweisen). Zudem erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch unter dem Aspekt der KRK als zulässig, wobei diesbezüglich auf die zutreffe n- den Ausführungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung ve r- wiesen werden kann. Schliesslich lässt die allgemeine Menschenrechtssi- tuation im Heimatstaat den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völke r- rechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.3.2 In Gambia kann nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder kriegerischen Auseinandersetzungen ausgegangen werden, aufgrund de- rer die Bevölkerung konkret gefährdet wäre. 6.3.3 In der Beschwerde wird eingewendet, das BFM halte die Wegwei- sung des minderjährigen Beschwerdeführers für zumut bar, obwohl nicht feststehe, wer im Herkunftsland die Verantwortung für den (…)-Jährigen übernehmen werde. Das BFM verwende mehrere Textbausteine zur KRK, ohne aber auf die Schilderung des Beschwerdeführers selbst einzug e- hen. Eine tatsächliche Auseinandersetzung mit der KRK in Bezug auf den Beschwerdeführer bleibe aus. Das B FM werfe dem Beschwerdeführer vor, dass er unglaubwürdig sei, da seine Antworten unsubstanziiert seien. Das sei nicht zutreffend. Der Beschwerdeführer antworte im Gegenteil ausführlich und detailreich. Aus den Ausführungen des B FM ginge nicht hervor, ob es sich darum bemüht ha be, den Bruder des Beschwerdefüh- rers ausfindig zu machen. Im Asylverfahren gelte die Untersuchungsma- xime. Das B FM hätte mittels einer Botschaftsanfrage die familiären Ver- hältnisse des Beschwerdeführers in I._______ abklären müssen (…). D-6778/2013 Seite 9 6.3.3.1 Bei UMA ist das Kindeswohl im Rahmen der Prüfung der Zumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs mitzuberücksichtigen (vgl. EMARK 1998 Nr. 13). Mithin ist den Normen der KRK Rechnung zu tragen und es sind die spezifisch mit der Minderjährigkeit verbundenen Aspekte des Wegweisungsvollzugs abzuklären. 6.3.3.2 Die diesbezüglichen Einwände in der Beschwerde erweisen sich als nicht stichhaltig. Vielmehr wurden die Aussagen des Beschwerdefüh- rers zu seinem familiären Umfeld im Heimatstaat von der Vorinstanz in zutreffender Weise als widersprüchlich, substanzlos und realitätsfremd qualifiziert. So war er nicht in der Lage anzugeben, woran seine Eltern gestorben seien, machte widersprüchliche Aussagen b etreffend den Zeit- punkt des Todes seiner Mutter und die Umstände, wie er vom Tod seines Vaters erfahren habe ; sodann ist angesichts der soziokulturellen Geg e- benheiten in Gambia, wo Grossfamilien vorherrschen beziehungsweise die Regel darstellen, nicht nachvollziehbar, weshalb er lediglich einen (…) Jahre älteren Bruder hätte und weitere Verwandte wie Onkel und Tanten nicht kenne, zumal er auch widersprüchliche Angaben über den Aufen t- haltsort der Brüder seines Vaters machte. Unter diesen Umständen und unter Hinweis auf die Begrenzung der behördlichen Untersuchungspflicht durch die Mitwirkungs - und Wahrheitspflicht der asylsuchenden Person führte das BFM weiter zutreffend aus, dass es ihm nicht möglich sei, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönliche n und familiären Situation zur Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung vertiefter zu äussern. Dieser Meinung schliesst sich das Bundesverwaltungsgericht an: Au f- grund der mangelhaften Kooperation des Beschwerdeführers ist zudem auch eine allfällige Botscha ftsanfrage aufgrund dessen praktisch unb e- kannter persönlicher Verhältnisse nicht in Betracht zu ziehen, zumal eine solche Abklärung den Rahmen der Untersuchungsmaxime sprengen würde. Dies gilt namentlich auch in Bezug auf die im Rahmen des Ki n- deswohls spez ifisch zu berücksichtigenden Aspekte , und zwar in casu umso mehr, als der Beschwerdeführer den Asylbehörden keine Identi- tätspapiere abgegeben hat, weshalb seine Identität, sein Alter und seine genaue Herkunft nicht zweifelsfrei feststehen, was aber für die Überprü- fung von Vollzugshindernissen grundsätzlich Voraussetzung ist. Es kann nicht Sache der Asylbehörden sein, nach allfälligen Wegweisungsvol l- zugshindernissen zu forschen, wenn die asylsuchende Person durch Nichtabgabe rechtsgenüglicher Identitätspapiere eine vernünftige Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verhindert. Auch der UMA hat – unter einzelfallgerechter Berücksichtigung des jeweiligen Alters – die Pflicht, an der Feststellung des erheblichen Sachverhalts mitzuwirken. D-6778/2013 Seite 10 Bei pflichtwidriger Unterlassung hat er die Folgen der Beweislosigkeit in Bezug auf die unter dem Aspekt des Kindeswohls gegebenenfalls zu be- rücksichtigenden Tatsachen zu tragen. Angesichts der vorstehenden Aus- führungen und der Tatsache, dass der – gemäss eigenen Angaben (…)- jährige – Beschwerdeführer urteilsfähig ist und sich durch eine nicht g e- ringe Selbständigkeit auszeichnet, wie die Bewerkstelligung der weiten Reise in die Schweiz zeigt, ist davon auszugehen, er habe es pflichtwidrig unterlassen, bei der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit- zuwirken. Er hat deshalb die Folgen seiner mangelhaften Mitwirkung re- spektive der Verheimlichung seiner wahren persönlichen Verhältnisse zu tragen, indem vermutungsweise davon auszugehen ist, es würden auch keine individuellen Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr nach Gambia schliessen lassen (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2. S. 4 f.). Unter Würdigung aller Umstände ist der Wegweisung s- vollzug deshalb auch unter Berücksichtigung des Kindeswohls als zumut- bar zu erachten, zumal der Beschwerdeführer – soweit aktenkundig – ge- sund ist. 6.3.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich daher sowohl in generel- ler als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist abzuweisen. 8. 8.1 Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unen t- geltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da die B e- schwerdebegehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt D-6778/2013 Seite 11 – als aussichtlos zu bezeichnen waren, weshalb die kumulativen Vorau s- setzungen der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind. 8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be - schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Darauf ist indessen aufgrund der besonderen Umstände (Minderjährigkeit) in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu verzichten. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vor- liegenden Urteil gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) D-6778/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Es werden aufgrund der besonderen Umstände keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand: