Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Juni 2018 (720 17 389 / 144) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Im Verwaltungsgutachten wird bei der Beurteilung de s Gesundheitszustandes und der Einschätzung der Leistungsfähigkeit nicht hinreichend zwischen Drogensucht und versi- chertem Gesundheitsschaden differenziert. Daher ble ibt fraglich, ob die festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zumindest teilw eise auf eine versicherte Gesund- heitsschädigung zurückzuführen sind. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Markus Schmid , Recht s- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1984 geborene A.____ war vom 1. Januar 2003 bis 11. August 2007 bei der B.____GmbH als Hilfsgärtner angestellt. Am 16. Febr uar 2007 meldete er sich unter Hinweis Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf Rückenschmerzen bei der Eidgenössischen Invalidenversi cherung (IV) zum Bezug von Leistungen an, wobei er eine Umschulung beantragte. Di e IV-Stelle entsprach diesem Gesuch. In der Folge begann A.____ eine Umschulung zum Hochbauze ichner. Am 13. November 2010 erlitt A.____ einen Autounfall. Zufolge multipler B eschwerden kam es zu einem Wechsel des Ausbildungsbetriebs und zur Wiederholung des vierten Lehrjahrs. Nach einer kurzen Tätigkeit als Hochbauzeichner bei der C.____AG und einem IV-unte rstützten Praktikum als Bauzeichner war A.____ vom 1. März 2016 bis 31. Dezember 2017 in e inem Pensum von 50 % und einem Rendement von 25 % bei der D.____AG angestellt. Mit Mitteilung vom 8. März 2016 schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab und leitete da s Dossier zur Prüfung der Rentenfrage an die entsprechende Sachbearbeitung weiter. In der Folge liess sie den Versicherten durch das Medizinische Zentrum Römerhof (MZR) begutachten (Ex pertise 22. Februar 2017). Ge- stützt auf die daraus gewonnenen Erkenntnisse ermittelte sie einen IV-Grad von 0 %. In der Folge wies sie einen Anspruch von A.____ auf eine Rente nach durchgeführtem Vorbescheid- verfahren mit Verfügung vom 17. Oktober 2017 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Mar kus Schmid, am 20. November 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die V erfügung vom 17. Oktober 2017 aufzu- heben und die Beschwerdegegnerin unter o/e-Kostenfolg e zu verpflichten, ihm mit Wirkung ab dem 1. März 2016 eine ganze Rente auszurichten. In verfa hrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Durchführung einer öffentlichen Parteiverhandlung. Zur Begründung führte er im Wesent- lichen aus, dass die Verfügung auf unzureichenden medizi nischen Unterlagen beruhe und zu- dem der Einkommensvergleich nicht zutreffend durchgeführt worden sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Januar 2018 schloss d ie Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. D. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 7. Juni 2018, an welcher der Beschwerdeführer befragt wurde, hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Zudem reichte der Beschwerdeführer zwei Berichte des behandelnden Arztes Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 13. Juni 2017 und 14. September 2017 sowie die Kranke ntaggeld-Kontrolle der F.____, Kran- ken- und Unfallversicherungen AG, zu den Akten. Auf die Ausführungen der Parteien wird – soweit notwendig – im Rahmen der Erwägungen eingegan gen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 20. November 2017 ist einzutreten. 2. Streitig ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügu ng vom 17. Oktober 2017 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 5.1 Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Invaliditätsgr ades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen b eruht, auch die geklagten Beschwer den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Di ese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsv erfahren sinngemäss Anwendung (Ur- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht teil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 9. August 2000, I 437/99, E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Re chnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach- )Arztes einerseits und von Begutach- tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschät zungen gelangen. Vorbehalten blei- ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpr etation entspringende – Aspekte benen- nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un gewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5.5 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternati- ve Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 5.6.1 Nach der Rechtsprechung führt Medikamentenmissbrau ch (wie auch Alkoholismus und Drogensucht) als solcher nicht zu einer Invalidität im Si nne des Gesetzes. Dagegen wird er im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Ge- sundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 268 E. 3c). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkungen eines Substanzm issbrauchs, der seinerseits auf ei- nen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründ end sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle Einschrän kungen nur anspruchsbegrün- dend sein können, wenn sie sich als Folgen selbstständig er Gesundheitsschädigungen darstel- len. Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwischen psychosozialen oder soziokultu- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rellen Umständen und fachärztlich festgestellten psychische n Störungen von Krankheitswert (vgl. BGE 127 V 299 E. 5a): Wo die Gutachter im Wes entlichen nur Befunde erheben, welche im Medikamentenmissbrauch ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gege ben. Dies trifft zu, wenn davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zusta ndsbild bei einer (angenomme- nen) positiven Veränderung der suchtbedingten psychosozialen Problematik wesentlich verbes- sern (und die damit verbundene Beeinträchtigung des Le istungsvermögens sich entsprechend verringern) würde (Urteile des Bundesgerichts vom 19. A ugust 2013, 9C_856/2012, E. 2.2.1 und vom 11. März 2015, 8C_ 580/2014, E. 2.2.1). 5.6.2 Angesichts der finalen Natur der Invalidenversiche rung (vgl. BGE 120 V 102 f E. 4c; ULRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], Re cht- sprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl., Zürich 2014, Rz. 51 zu Art. 4) ist nicht entscheidend, ob der Medikamentenmiss brauch Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob der Substanzmissb rauch ausserhalb eines Kausal- zusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen invalidenversicherungsrechtlich ir relevant, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen invalidenversicherungsrechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit ei nem eigenständigen Gesundheits- schaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn der Medikam entenmissbrauch – einem Symp- tom gleich –Teil eines Gesundheitsschadens bildet (BGE 99 V 30 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folge n des Medikamentenkonsums, son- dern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeitsunfähigkeit führt. Sodann kön- nen selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wen n daneben ein Gesundheitsschaden be- steht, welcher die Medikamentenabhängigkeit aufrecht erhält oder deren Folgen massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen des Medikamen tenkonsums (unabhängig von ihrer Genese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Gesund heitsschadens beeinflussen (Urteile des Bundesgerichts vom 19. August 2013, 9C_856/2012, E . 2.2.2 mit Hinweisen und vom 11. März 2015, 8C_580/2014, E. 2.2.2). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7.1 Zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerde führers liegen zahlreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht allesamt g ewürdigt wurden. Im Folgenden wer- den indessen lediglich diejenigen Gutachten und Berichte wiedergegeben, welche sich für den vorliegenden Entscheid als zentral erweisen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Die IV-Stelle beauftragte das MZR mit einem pol ydisziplinären Gutachten, welches am 22. Februar 2017 erstattet wurde. Demnach wurden beim Versicherten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein rezidivierendes pseudoradikuläres l umbales Schmerzsyndrom beidseits bei einliegender Bandscheiben-Prothese LWK5/SWK1, eine Oli goepilepsie unklarer Ätiologie mit primär generalisierten Anfällen sowie eine psychische Ver haltensstörung durch psychotrope Substanzen, Störungen durch Sedativa oder Hypnotika, Abh ängigkeitssyndrom, ständiger Sub- stanzgebrauch (ICD-10 F11.25) im Sinne einer Opioid-A bhängigkeit diagnostiziert. Ohne Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein Senk-Sp reiz-Platt-Knickfuss beidseits, rezidivie- rende episodische Spannungskopfschmerzen, eine chronische S chmerzstörung mit somati- schen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), eine Präa dipositas und anamnestisch ein leichtes obstruktives Schlafapnoesyndrom. In internistischer Hinsicht sei die klinische Untersu- chung altersentsprechend normal, ohne Hinweise auf ein e Herzinsuffizienz oder eine Lun- generkrankung. Auch im Abdominal- und Neurostatus liessen sich keine pathologischen Befun- de erheben. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit best ünde nicht. In chirurgisch- orthopädischer Hinsicht zeige sich eine frei bewegliche Lendenwirbelsäule (LWS) mit harmoni- sierender Lordose. Es gebe keine Anzeichen für das Vorli egen einer Reizung lumbaler Ner- venwurzeln. Die aktuellen Röntgenaufnahmen der LWS wür den eine reizlos einliegende Band- scheiben-Prothese LWK5/SWK1 sowie eine Facettenarthros e LWK5/SWK1 beidseits zeigen. Es bestünden Anhaltspunkte auf einige nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeein- trächtigungen. Die gemessenen Medikamentenspiegel würd en nicht zu dem vom Versicherten angegebenen Medikamentenkonsum passen. Es bestünde der Verdacht auf eine mangelnde Leistungsbereitschaft und Selbstlimitierung, da der klinische und radiologische Befund nicht das Ausmass der angegebenen körperlichen Einschränkungen er kläre. Die bisherige Tätigkeit als Landschaftsbauzeichner sowie vergleichbare Verweistätigkei ten seien dem Versicherten zu 100 % zumutbar. Retrospektiv sei davon auszugehen, dass drei Monate postoperativ, d.h. ab September 2015 eine Arbeitsfähigkeit im Umfang von 5 0 % bestanden habe. Nach weiteren drei Monaten habe die Arbeitsfähigkeit 100 % betrag en. In neurologischer Hinsicht würden sich keine Hinweise auf eine Kompression der lumbosakralen Ne rvenwurzeln ergeben. Die anhal- tenden chronischen Lumbalgien könnten neurologisch nicht erklärt werden. Die geklagten Kopf- schmerzen seien medikamentös behandelbar. Anhaltspunkte für eine relevante neuropsycholo- gische Störung bestünden nicht. Ob die Müdigkeit und di e Erschöpfung durch ein relevantes Schlafapnoesyndrom verursacht werde, sollte durch eine sch lafmedizinische Untersuchung geklärt werden. Die aktuelle neurologische Untersuchung s ei unauffällig. Da trotz einer suffi- zienten antikonvulsiven Einstellung zukünftige Anfälle ni cht auszuschliessen seien, bestünde eine qualitative Einschränkung er Arbeitsfähigkeit. So seien dem Versicherten Tätigkeiten mit Gefahrenpotential nicht zumutbar. In der bisherigen Tätigkeit als Landschafts-Bauzeichner be- stünde eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Die Testerge bnisse der neuropsychologischen Beur- teilung würden auf ein Aggravationsverhalten schliessen lassen und seien nicht verwertbar. Daher könne aus neuropsychologischer Sicht keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vorge- nommen werden. Es bestehe aber das Risiko, dass tatsächliche und spezifische kognitive Defi- zite differentialdiagnostisch nicht hätten festgestellt w erden können. Aus psychiatrischer Sicht bestünden Auffälligkeiten im Bereich der Aufmerksamkei t, der Konzentration und des Gedächt- nisses. Hier bestehe eine Diskrepanz zum neurologischen Gu tachten. Zudem seien die Flexibi- lität/Umstellfähigkeit und die Durchhaltefähigkeit lei cht reduziert. Die Konsistenzprüfung ergebe Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht aber Anzeichen auf eine nicht im geklagten Umfang vor handene Funktionsbeeinträchtigung. Die Opiatabhängigkeit sei als primäres Suchtgeschehen zu bezeichnen. Aufgrund der vom Ver- sicherten angegebenen körperlichen Schmerzen und der ni cht ausreichenden Erklärbarkeit durch ein somatisches Korrelat sei die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somati- schen und psychischen Faktoren zu stellen. Die Ausprägung d ieser Störung sei als leicht ein- zustufen. Für Berufe, die eine erhöhte Konzentration und Aufmerksamkeit erfordern, bestünde eine Arbeitsunfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht bestünde für die Tätigkeit als Hochbauzeich- ner aktuell eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50 %. Aus gesamtmedizini- scher Sicht sei der Versicherte sowohl in seiner bisheri gen Tätigkeit als Hochbauzeichner als auch in einer angepassten Verweistätigkeit zu 50 % ar beitsfähig. Eine Opiat- Entzugsbehandlung sowie eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung seien zu emp- fehlen. 7.3 In seiner Stellungnahme vom 28. Februar 2017 zum G utachten des MZR vom 22. Februar 2017 hielt Dr. med. G.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, fest, dass unter somatischen G esichtspunkten keine dauerhafte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vorliege. 7.4 Am 26. Juni 2017 nahm der RAD-Arzt Dr. med. H.__ __, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, zum MZR-Gutachten vom 22. Februar 2017 Ste llung. Er hielt fest, dass zwar eine pri- märe Opiatabhängigkeit vorliege. Diese sei aber weder F olge eines invalidisierenden Gesund- heitsschadens noch würden irreversibel sekundäre Folgeschäden im Sinne der Präzedenzurtei- le zu Sucht und Abhängigkeit vorliegen. Nach einem zumut baren Opiat-Entzug sei dem Versi- cherten ein volles Arbeitspensum zumutbar. Ressourcen seien vorhanden. So lebe der Be- schwerdeführer in einer Partnerschaft, pflege Kontakte mit Freunden und unternehme Reisen. Ein sozialer Rückzug liege daher nicht vor. Zudem erscheine der Versicherte vereinbarungs- gemäss zu Terminen. Er kommuniziere und präsentiere sich g ut. Weiter arbeite er in einem Teilpensum von 50 % und er sei zudem in der Lage, Auto zu fahren. Insgesamt bestünden ein recht gut erhaltenes Aktivitätsniveau und Funktionsprofil im Alltag und mehrheitlich nicht ausge- prägte medizinische Befunde. Eine krankheitsbedingte Un fähigkeit zur Therapieadheränz resp. zur Reduktion der Opiate sei zu verneinen. Eine dauerha fte Arbeitsunfähigkeit im angestamm- ten Beruf als Hochbauzeichner sei invalidenversicherungsrechtlich zu verneinen. 7.5 Im Bericht vom 16. Juni 2016 diagnostizierte Dr. E._ ___ einen viralen Infekt der oberen Luftwege, eine Depression, eine Epilepsie und ein chro nisches Lumbovertebralsyndrom. Es bestünde seit dem 25. April 2017 eine vollständige Arbe itsunfähigkeit. Mit einer raschen Wie- deraufnahme sei nicht zu rechnen. Der Versicherte arbeite bereits in einem reduzierten Pensum von 50 % und einem Rendement von 25 %. Eine weitere Anpassung des Arbeitspensums oder des Arbeitsplatzes sei nicht realistisch. 7.6 Am 14. September 2017 hielt Dr. E.____ fest, dass der Versicherte an Müdigkeit, Schlafstörungen, Gedankenkreisen, Stimmungsschwankungen, l umbalen Schmerzen und Ängsten leide. Die Arbeitsfähigkeit sei langfristig eingeschränkt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Die IV-Stelle ging gestützt auf die Beurteilung im Gutachten der MZR vom 22. Februar 2017 und die Beurteilung der RAD-Ärzte Dres. G.____ u nd H.____ vom 28. Februar 2017 und 26. Juni 2017 davon aus, dass der Beschwerdeführer aus ve rsicherungsmedizinischer Sicht keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit aufweise. Wi e in Erwägung 5.4 hiervor ausgeführt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztin- nen und Spezialärzten volle Beweiskraft zuzuerkennen, we nn diese aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, und solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen . Solche Indizien sind vorliegend je- doch nicht von der Hand zu weisen, wie die nachstehenden Erläuterungen aufzeigen. 8.2 Es trifft zu, dass ein Medikamentenmissbrauch als solche r nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes führt. Indes wirft die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. H.____ vom 26. Juni 2017, wonach aufgrund der Erkenntnisse aus dem Gutachten des MZR vom 22. Februar 2017 und nach einem Opiat-Entzug von einer vollständigen A rbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im angestammten Beruf als Hochbauzeichner auszugehen sei , Fragen auf. Zunächst geht aus dem Gutachten nicht deutlich hervor, ob die festgestel lten gesundheitlichen Beeinträchtigungen und die anlässlich der Exploration festgestellten Auffäl ligkeiten des Beschwerdeführers allein auf die Folgen des Medikamentenmissbrauchs bzw. auf eine mangelnde Mitarbeit bei der Be- gutachtung zurückzuführen sind. Dies gilt vorliegend umso mehr, als beim Beschwerdeführer neben dem Medikamentenmissbrauch in somatischer Hinsicht e in rezidivierendes pseudoradi- kuläres lumbales Schmerzsyndrom beidseits bei einliegend er Bandscheiben-Prothese LWK5/SWK1 und in psychiatrischer Hinsicht eine chronische Sch merzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie Auffälligkeiten im Bere ich der Aufmerksamkeit, Konzentration und des Gedächtnisses festgestellt wurden. Zudem schliesst die neuropsychologische Gutach- terin nicht aus, dass spezifische kognitive Defizite bestehen könnten, wenngleich sie die auffäl- ligen neuropsychologischen Testergebnisse auf eine mangelnd e Mitarbeit des Versicherten zurückzuführt. Sie beschreibt zwar, aus welchen Gründen sie von einer nicht-authentischen neuropsychologischen Störung ausgeht. Inwiefern in die sem Zusammenhang allfällige Auswir- kungen des Medikamentenmissbrauchs eine Rolle spielen könnte n, wird aber nicht nachvoll- ziehbar dargelegt, weshalb in diesem Zusammenhang kein e gesicherten Schlüsse gezogen werden können. Dazu kommt, dass keine weiteren Abklärungen in Bezug auf das im neurologi- schen Gutachten festgestellte Schlafapnoesyndrom vorgenommen wurden. Damit ist unklar, ob die Müdigkeit und die Erschöpfung des Beschwerdeführers gegebenenfalls (auch) auf eine Atmungsstörung zurückzuführen sind. Da im Gutachten der MZ R bei der Beurteilung des Ge- sundheitszustandes und der Einschätzung der Leistungsfähigk eit nicht hinreichend zwischen Drogensucht und versichertem Gesundheitsschaden differen ziert wird, bleibt fraglich, ob die festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zum indest teilweise auf eine versicherte Gesundheitsschädigung zurückzuführen sind und ob die Gutach ter vor einer Opiat- Entzugsbehandlung überhaupt in der Lage waren, eine aussagekräftige Einschätzung der Leis- tungsfähigkeit vorzunehmen. Somit bestehen erhebliche Z weifel an der Vollständigkeit und Richtigkeit der Ausführungen im Gutachten des MZR vom 2 2. Februar 2017, weshalb es keine geeignete Entscheidgrundlage für eine abschliessende Beurteilung der medizinischen Sachlage bildet. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Vor diesen Hintergrund ist auch die Beurteilung d es RAD vom 26. Juni 2017 zu wenig aussagekräftig. Dr. H.____ leitet aus den vorhandenen Ressourcen, namentlich aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer in einer Partnerscha ft lebt und Kontakte mit Freunden pflegt, Reisen unternimmt, sich gut präsentiert und kommuniziert, in einem Teilpensum beschäf- tigt ist und in der Lage ist, Auto zu fahren, eine voll ständig erhaltene Arbeitsfähigkeit ab. Diese Beurteilung ist nicht überzeugend und steht zudem in off ensichtlicher und erheblicher Diskre- panz zu der Leistung, wie sie der Beschwerdeführer im Ra hmen der beruflichen Abklärung und Praxis tatsächlich realisieren konnte. So wurde im Abschlu ssbericht der Eingliederungsmass- nahmen vom 29. Februar 2016 festgestellt, dass der V ersicherte beschwerdebedingt nicht in der Lage gewesen sei, das Pensum über 50 % zu steigern und die maximale Leistung von 25 % betrage. Weitere Eingliederungsversuche mit Unter stützung der IV wurden als nicht er- folgsversprechend beurteilt. Diese Beurteilung stimmt a uch mit den Angaben des Geschäftslei- ters der D.____AG vom 27. September 2017 überein, wo nach die Leistungsfähigkeit des Be- schwerdeführers infolge der wiederkehrenden Schmerzen un d der zeitweisen „mentalen schwachen Verfassung“ weit unter 50 % liege. Bei dieser Sachlage hätte sich der RAD-Arzt vertieft mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie die se grossen Unterschiede zu erklären sind und weshalb er trotz der abweichenden Einschätzungen der Berufsfachleute – unter Be- rücksichtigung sämtlicher Beschwerden des Beschwerdeführers – zur Auffassung gelangte, dass ihm die bisherige Tätigkeit als Landschaftsbauzeichn er im Umfang von 100 % zumutbar sei. Mangels Kohärenz erweist sich seine Beurteilung aug enscheinlich nicht als geeignet, die bestehenden Widersprüche aufzulösen. So wie sich die med izinische Aktenlage präsentiert kann jedenfalls nicht ausgeschlossen werden, dass beim Ve rsicherten eine schwerwiegendere Leistungseinschränkung vorliegen könnte, als der RAD-Arzt Dr. H.____ angenommen hat. 8.4 Indem die Vorinstanz es unterlassen hat, weitere A bklärungen zu veranlassen, um die erheblichen Zweifel in Bezug auf die Leistungsfähigkei t auszuräumen, hat sie den Sachverhalt auf unvollständiger Beweisgrundlage, mithin rechtsfehlerhaft festgestellt. So wie sich die Akten- lage präsentiert, ist der massgebende medizinische Sach verhalt nicht ausreichend abgeklärt, weshalb die Auswirkungen der gesundheitlichen Beschwerde n auf die Arbeitsfähigkeit des Be- schwerdeführers nicht abschliessend beurteilt werden kön nen. Folglich ist der rechtserhebliche Sachverhalt durch geeignete weitere medizinische Abklärungen zu vervollständigen. Von weite- ren Abklärungen kann nicht abgesehen werden, da nicht vo n vornherein angenommen werden kann, eine ergänzende Begutachtung vermöge zu keinen be sseren Erkenntnissen führen. Da- mit steht fest, dass die angefochtene Verfügung vom 17. Oktober 2017 auf unzureichenden medizinischen Abklärungsergebnissen beruhen und deshalb aufzuheben ist. 9.1 Gemäss neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung könn en die Sozialversicherungs- gerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Strei tsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielme hr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräfti g ist. Eine Rückweisung an die IV- Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in de r notwendigen Erhebung einer bisher voll- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn ledi glich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210, E. 4.4.1 ff.). 9.2 Im vorliegenden Verfahren war das der Verfügung zu grunde gelegte Gutachten des MZR vom 22. Februar 2017 nicht in allen Teilen nachvo llziehbar. Zudem hat es die Vorinstanz unterlassen, weitere Abklärungen zu veranlassen, um die e rhebliche Diskrepanz zwischen den medizinischen und den beruflichen Berichten nachvollziehb ar erklären zu können. Da es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwaltu ngsverfahren versäumte medizinische Ab- klärungen nachzuholen, steht demnach einer Rückweisung an die Vorinstanz nichts entgegen. Die Vorinstanz wird angehalten, die medizinische Sachlage umfassend abklären zu lassen. Ge- stützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung wird die I V-Stelle über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu zu verfügen haben. Demzufolge ist die Beschwerde in dem Sinne gut- zuheissen, dass die Verfügungen vom 17. Oktober 2017 aufgehoben und die Angelegenheit zur erneuten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufe rlegt. Bei diesem Ausgang des Ver- fahrens ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wesha lb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nic ht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund diese r Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfahrenskost en aufzukommen. Es werden deshalb keine Verfahrenskosten erhoben und der vom Beschwerdeführe r geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘000.-- ist zurückzuerstatten. 10.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die Beschwerde f ührende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt un d ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schw ierigkeit des Prozesses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts genügt für den bundesrechtlichen Anspruch auf eine Parteientschädigung auch ein formelles Obsiegen in dem S inne, dass der Beschwerde führen- den Person durch die Aufhebung der angefochtenen Verf ügung und der Rückweisung der Sa- che an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neue n Beurteilung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewahrt bleiben (BGE 1 32 V 215 E. 6.2). Nachdem die Be- schwerde gutzuheissen und die Sache zur erneuten Abklärun g im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, hat diese dem Beschwerdefü hrer eine Parteientschädigung auszurichten. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ha t in seiner Honorarnote vom 7. Juni 2018 einen Zeitaufwand von 15 Stunden gelten d gemacht, was in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanst anden ist. Zusätzlich gewährt das Gericht zwei Stunden für die Parteiverhandlung mit Vor besprechung. Dieser Aufwand ist mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Stundenansatz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Nicht zu bean- standen sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesene n Auslagen von Fr. 115.30. Dem Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer ist demnach eine Parteientschädigung i n der Höhe von Fr. 4‘710.40 ([17 Stunden x Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 115.30]; inkl. 8 % Mehrwertsteuer auf Fr. 2‘990.30 [Fr. 239.20] und 7,7 % Mehrwertsteuer auf Fr. 1‘375.-- [Fr. 105.90]) zu Lasten der Beschwerde- gegnerin zuzusprechen. 11.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesg ericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 11.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 17. Oktober 2017 auf gehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel- Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘000.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 4‘710.40 (inkl. Au slagen und 8 % bzw. 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht