<h2>SubmittedText<h2><p>Eine Studie von Wyman besagt, dass in Schweizer Finanzunternehmen nur 5 Prozent aller Geschäftsleitungsmitglieder Frauen sind. Viel weniger als in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Russland, Nigeria, Polen oder Indien. Damit liegt die Schweiz deutlich hinter dem internationalen Durchschnitt (Platz 30 von 32 untersuchten Ländern). Eine Studie von Swissuniversities zeigt zudem, dass Frauen in den Wirtschaftswissenschaften unterrepräsentiert sind und dass Master-Absolventinnen der Wirtschaftswissenschaften seltener qualifizierte Stellen finden als ihre männlichen Kollegen. Doch laut der Beratungsfirma McKinsey wie auch dem Credit Suisse Research Institute führt eine höhere Diversität in Firmen zu höherer langfristiger Wertgenerierung. Die Studie des Credit Suisse Research Institute zeigt, dass Unternehmen mit einem Frauenanteil in Führungspositionen von 50 Prozent und mehr u. a. ein höheres Umsatzwachstum aufweisen. Mit Gender Lens Investing gibt es nun einen wenig erstaunlichen Trend. Das Schweizer Start-up "Think Yellow" ist aktuell daran, ein Anlagevehikel aufzusetzen, welches auf Gleichberechtigung setzt. Umso irritierender, dass die beiden involvierten Finanzakteure (Baloise und Julius Bär) im Durchschnitt lediglich etwa 15 Prozent Frauen in Geschäftsleitung und Verwaltungsrat haben. Wie wäre es mit "walk the talk"?</p><p>Ich bitte um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Wie viele Frauen sind im Finanzsektor tätig, welche Studienrichtungen haben sie studiert und welche berufliche Langzeitentwicklung haben sie innerhalb des Finanzsektors?</p><p>2. Welche Anreize gedenkt der Bundesrat umzusetzen, um mehr jungen Frauen den Zugang zu den Studien zu ermöglichen, deren Absolventinnen oft im Finanzsektor arbeiten (z. B. Banking and Finance, Wirtschaftswissenschaften, BWL, VWL u. a.)? Wie könnte analog zu den Mint-Fächern auch eine Förderung von Diversität in den Wirtschaftswissenschaften schlussendlich eine Diversität im Finanzbereich auslösen?</p><p>3. Welche Massnahmen gedenkt der Bundesrat umzusetzen, um die Diversität im Finanzsektor (Karrierelaufbahn, Vereinbarkeit Familie und Beruf usw.) zu erhöhen?</p><p>4. Wie gedenkt der Bundesrat Gender-Lens-Investitionsvehikel vermehrt zu fördern - ein Zukunftsmarkt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen in der Schweiz bieten Arbeit für gut 5 Prozent der Erwerbstätigen. Frauen machen knapp 40 Prozent der Beschäftigten aus (BFS Schweizerische Arbeitskräfteerhebung 2018: rund 98 000 Frauen). 45 Prozent der beschäftigten Frauen verfügen über einen Tertiärabschluss (18 Prozent höhere Berufsbildung, HBB; 27 Prozent Hochschulabschluss, HS). Davon kommt mit 85 Prozent der HBB- bzw. 54 Prozent der HS-Abschlüsse die Mehrheit aus dem Bildungsfeld Betriebswirtschaft und Verwaltung; bei den Männern sind es 78 Prozent der HBB-Abschlüsse und 46 Prozent der HS-Abschlüsse. </p><p>Gemäss der Hochschulabsolventenbefragung finden beinahe alle Absolventen und Absolventinnen des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften innerhalb eines Jahres nach Abschluss eine Stelle. Sie sind häufiger als in anderen Fachbereichen bereits in einer Führungsfunktion tätig: Von den Master-Absolventen und -Absolventinnen einer universitären Hochschule (UH) sind es 17,2 Prozent der Frauen und 19,6 Prozent der Männer. Von den Bachelor-Absolventen und -Absolventinnen einer Fachhochschule (FH) des Fachbereichs Wirtschaft und Dienstleistungen sind es 24 Prozent der Frauen und 34,5 Prozent der Männer. Die Anteile in Führungsfunktionen steigen dann innerhalb von fünf Jahren nach Abschluss für Männer und Frauen deutlich an: Von den Master-Absolventen und -Absolventinnen UH finden sich 51,8 Prozent der Frauen und 54,2 Prozent der Männer in einer Führungsposition, von den Bachelor-Absolventen und -Absolventinnen FH 43,4 Prozent der Frauen und 57,3 Prozent der Männer. Festzustellen ist, dass Frauen mit den Jahren anteilmässig aufholen und Karriere machen.</p><p>2. Rund 35 Prozent der UH-Master-Abschlüsse in den Wirtschaftswissenschaften und 46,8 Prozent der FH-Bachelor-Abschlüsse im Fachbereich Wirtschaft und Dienstleistungen - prozentual deutlich mehr als im Bereich Informatik und Technik - werden von Frauen erworben. Die von Bund und Kantonen mittels projektgebundener Beiträge unterstützten Chancengleichheits- und Diversitätsmassnahmen der Hochschulen ermöglichen weitere Verbesserungen. So bietet z. B. die wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Bern Mentoring und flexible Beschäftigungsmodelle zur Entlastung für Forscherinnen mit Care-Aufgaben an. Ebenso stützt der SNF mit seinen Instrumenten die gezielte Förderung von Frauen in ihrer Laufbahn (z. B. Prima zur Förderung von exzellenten Forscherinnen). Diese Massnahmen zielen auch auf den Abbau von Gender-Stereotypen im Finanz- und Wirtschaftsbereich.</p><p>3. Ein zentrales Handlungsfeld der Fachkräfte- und Gleichstellungspolitik des Bundes ist die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in allen Branchen, mit Fokus auf dem Abbau negativer Erwerbsanreize sowie der Förderung von familienergänzenden Betreuungsplätzen für Kinder im Vorschul- und Schulalter. Das Impulsprogramm des Bundes zur Schaffung von neuen familienergänzenden Betreuungsplätzen wurde bis 2023 verlängert. Zusätzliche Finanzhilfen im Umfang von 100 Millionen Franken fokussieren seit 2018 auf die Reduktion der Drittbetreuungskosten der Eltern und die Verbesserung des Betreuungsangebots für erwerbstätige Eltern. Gestützt auf das Gleichstellungsgesetz werden zudem Programme mit dem Ziel der Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie finanziert. Zurzeit behandelt das Parlament die Reform der Ehepaar- und Familienbesteuerung sowie die Erhöhung der steuerlichen Abzüge der Kinderdrittbetreuungskosten. </p><p>Zu erwähnen ist auch die laufende Revision des Aktienrechts, die Geschlechterrichtwerte für Verwaltungsräte (mind. 30 Prozent jedes Geschlechts) und für Geschäftsleitungen (mind. 20 Prozent jedes Geschlechts) in börsenkotierten Unternehmen vorsieht.</p><p>4. Die Grundsätze des Bundesrates orientieren sich hinsichtlich Gender-Lens-Investitionsvehikel am Primat marktwirtschaftlicher Lösungen und an der Subsidiarität staatlichen Handelns. Es wird auf Subventionen und Nischenförderung verzichtet. Gender Lens Investing ist bereits heute in der Schweiz möglich. Der Bundesrat hat seine Finanzmarktpolitik darauf ausgerichtet, Rahmenbedingungen zu verbessern und Innovationen zu ermöglichen, insbesondere auch im Bereich Sustainable Finance (nachhaltige Kapitalanlagen), zu dem Gender Lens Investing gezählt wird. Die Initiative für diese Produkte soll indessen von der Branche ausgehen. </p>  Antwort des Bundesrates.