25. September 1995 N 1895 Postulat Gross Andreas les bildungspolitisches Thema, das mit dem fortschreitenden europäischen Integrationsprozess und der damit verbunde- nen erhöhten Mobilität von Akademikern an Bedeutung ge- winnt. Der Bundesrat hat sich in seiner Antwort auf die Inter- pellation Keller Anton (90.423) ausführlich dazu geäussert. Die Gründe für eine in gewissen Studienfächern an einigen Universitäten überdurchschnittlich lange Studiendauer sind vielfältig; der Schweizerische Wissenschaftsrat hat sie 1992 untersucht und in einer Studie erläutert. Eine der Möglichkeiten einer Studiendauerverkürzung liegt in der Tat in einer Straffung der einschlägigen Lehrpläne und Studienprogramme, wie sie in den bundeseigenen Hoch- schulen seit langem verwirklicht ist. Der Bundesrat begrüsst deshalb die entsprechenden Bemühungen der zuständigen kantonalen Behörden für den Universitätsbereich, insbeson- dere die Empfehlungen, die die Schweizerische Hochschul- konferenz (SHK) 1992 und erneut im Mehrjahresplan 1996- 1999 abgegeben hat: a. an die Rektorate der schweizerischen Universitäten und Hochschulen: - Strukturierung der Studienpläne, so dass Vollzeitstudie- rende ihren ersten Universitätsabschluss spätestens ein Jahr nach Ablauf der reglementarischen Studiendauer (8 Seme- ster) erreichen; - Festlegung der Zeitdauer von drei bis fünf Jahren bis zur Erlangung des Doktorats. b. an die zuständigen Hochschulträger: - Einführung gesetzlicher Grundlagen, falls diese noch nicht bestehen, damit Massnahmen zur Beschränkung der Studi- endauer ergriffen werden können; - bei übermässig langer Studiendauer: Aufhebung von (aus- seruniversitären) Vergünstigungen für Studierende und al- lenfalls Erhöhung der Studiengebühren. Im übrigen hat die SHK den zuständigen Behörden Ende 1993 empfohlen, propädeutische Prüfungen in allen Diszipli- nen (und insbesondere in der Psychologie) einzuführen. Es handelt sich hier nicht nur um eine frühe Selektion, sondern auch um die Rückmeldung an die Studierenden hinsichtlich ihrer Fähigkeiten; auch dieser Aspekt kann zur Verkürzung der Studienzeit beitragen. Zur Frage der Eurokompatibilität weisen wir darauf hin, dass im EG-Recht keine Bestimmungen hinsichtlich der Studien- dauer existieren. Einzig die allgemeinen Richtlinien über die gegenseitige Anerkennung von Hochschuldiplomen (89/48/ EWG) gehen von einer minimalen Studiendauer von drei Jahren aus; eine maximale Studiendauer wird nicht erwähnt. 2. Die Verkürzung der Studiendauer ist grundsätzlich im Zu- sammenhang mit anderen Anliegen der Studienreform zu be- trachten und sollte nicht auf Kosten der Ausbildungsqualität und der Horizonterweiterung der Studierenden gehen. Der Bundesrat hat wiederholt auf die Notwendigkeit einer Stu- dienverkürzung hingewiesen und begrüsst daher die ver- schiedenen von einigen Kantonen nun seit Anfang der neun- ziger Jahre ergriffenen Massnahmen. Allerdings ist es heute noch zu früh, um festzustellen, welche Wirkungen erzielt wer- den konnten; die SHK ist indessen daran, gemeinsam mit dem Bundesamt für Statistik eine diesbezügliche Erhebung durchzuführen. Als Beispiel einer wirkungsträchtigen Mass- nahme sei erwähnt, dass der Grosse Rat des Kantons Bern 1991 die Universität beauftragte, sämtliche Studien- und Prü- fungspläne (ausser der Medizin) so zu strukturieren, dass 80 Prozent der Vollzeitstudierenden ihr erstes Diplom innert fünf Jahren erhalten und die Doktorarbeiten im allgemeinen am Ende des siebenten Studienjahres eingereicht werden können; die Universität Bern hat diesem Auftrag terminge- recht entsprochen und die revidierten Pläne auf das Winter- semester 1994/95 in Kraft gesetzt. Im Kanton Zürich haben die Erhöhung der Studiengebühren seit 1994/95 und die Auf- hebung der Krankenkasse beider Hochschulen bewirkt, dass sich rund 4500 Studierende exmatrikuliert haben. Es han- delte sich dabei um Personen, die übermässig lange imma- trikuliert waren. Ferner soll der Zürcher Regierungsrat auf- grund der noch in diesem Jahr zur Abstimmung gelangenden Änderung des Unterrichtsgesetzes eine maximale Studien- zeit festlegen können, bei deren Überschreitung die Exmatri- kulation erfolgt. Zudem soll von Studierenden, die seit über 16 Semestern an einer schweizerischen Hochschule imma- trikuliert sind, eine Benutzungsgebühr von maximal 2000 Franken erhoben werden. Der ETH-Rat seinerseits hat die Dauer des Doktorats an den ETH grundsätzlich auf drei Jahre beschränkt. 3. Die zuständigen Stellen der Bundesverwaltung prüfen ge- genwärtig zusammen mit den Hochschulkantonen Möglich- keiten, um bei der Bemessung der Grundbeiträge gemäss dem Hochschulförderungsgesetz noch stärker als bisher die Leistungen der Hochschulen (Output-Orientierung) einzube- ziehen. Im Rahmen dieser Arbeiten wird auch das Anliegen der Interpellantin zu berücksichtigen sein. 4. Was die Studiengänge an den bundeseigenen Hochschu- len betrifft, sind sie schon seit langem straff organisiert und klar strukturiert. Hinsichtlich der kantonalen Universitäten un- terstützt der Bundesrat die von der SHK empfohlenen Mass- nahmen und ist bereit, die unter Ziffer 3 erwähnte Möglichkeit zu prüfen. Erklärung der Interpellantin: befriedigt Déclaration de l'interpellatrice: satisfaite #ST# 94.3412 Postulat Raggenbass Sport als Maturawahlfach Sport. Discipline à option comptant pour la maturité Diskussion - Discussion Siehe Jahrgang 1994, Seite 2474 - Voir année 1994, page 2474 Raggenbass Hansueli (C, TG): Die Maturitäts-Anerken- nungsverordnung ist zwischenzeitlich in Kraft getreten. Mei- nem Postulat wurde Rechnung getragen. Der Sport wurde als promotionswirksames Wahlfach eingeführt. Ich möchte dafür danken. Damit ziehe ich das Postulat zurück. Le président: M. Raggenbass a retiré son postulat. L'oppo- sition de Mme Sandoz devient ainsi sans objet. Zurückgezogen - Retiré #ST# 93.3465 Postulat Gross Andréas Lehrmittel gegen Rassismus für die Mittelschulen Matériel didactique pour les écoles moyennes en vue de lutter contre le racisme Wortlaut des Postulates vom 6. Oktober 1993 Offenbar sind unter Schweizer Mittelschülerinnen und Mittel- schülern überraschend häufig ausländerfeindliche Einstel- lungen und mangelndes Verständnis für unsere interkulturel- len Abhängigkeiten und Verpflichtungen festzustellen. Wir bitten deshalb den Bundesrat, die Erstellung eines geeig- neten Lehrmittels für Mittelschulen aller Stufen einschliess-Interpellation Iten Joseph 1896 N 25 septembre 1995 lieh didaktischer Begleitmaterialien für die Lehrkräfte in Auf- trag zu geben, gegebenenfalls zu unterstützen, das den Leh- rerinnen und Lehrern hilft, in der Schule Rassismus zu the- matisieren, ausländerfeindliche Einstellungen abzubauen und einen Beitrag zu leisten für das bessere interkulturelle Verständnis der Schweizer Jugendlichen. Texte du postulat du 6 octobre 1993 On est consterné de voir qu'un nombre toujours plus grand d'élèves des écoles moyennes suisses font preuve de ra- cisme et ignorent fréquemment nos liens et engagements in- terculturels. C'est pourquoi nous prions le Conseil fédéral de faire le né- cessaire, le cas échéant d'allouer une aide, pour que soient mis à la disposition des écoles moyennes de tous les degrés des ouvrages pédagogiques appropriés ainsi que du matériel didactique spécial à l'intention des enseignants. Ce matériel aura pour but d'aider les enseignants à traiter à l'école le thème du racisme et à éliminer les comportements racistes; il fournira également une contribution en vue d'améliorer la compréhension interculturelle des jeunes Suisses. Mitunterzeichner - Cosignataires: Fankhauser, Zbinden (2) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 10. November 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral du 10 novembre 1993 In den verschiedensten Lebensbereichen trifft man leider zu- nehmend auf ausländerfeindliche oder gar rassistische Ein- stellungen. Dies und vor allem auch die Talsache, dass in un- seren Schulen solche Tendenzen feststellbar sind, muss uns sehr beunruhigen. Der Bundesrat teilt die Auffassung des Urhebers, dass gegen solche Tendenzen generell und besonders in den Schulen anzukämpfen ist. Ausländerfeindlichkeit und Rassismus sind in der Tat zu thematisieren, derartige Einstellungen sind ab- zubauen, und Toleranz und Verständnis für das Anderssein sind zu fördern. Dass dies bei unserer Jugend besonders wichtig ist, braucht nicht betont zu werden. Aufklärung und Diskussion im Elternhaus und in der Schule sind sicher die wichtigsten Stützen im Kampf um ein besse- res interkulturelles Verständnis. Sie allein genügen aber wohl nicht. Geeignete Unterrichtshilfen für Lehrende und Ler- nende können hier ohne Zweifel wichtige Hilfen leisten. Ein Blick in die Kataloge der kantonalen, interkantonalen, aber auch ausländischen Lehrmittelverlage zeigt, dass zu dieser Thematik schon etliche gute Unterrichtsmittel vorhanden sind. Wichtig ist, dass sie im Schulalltag auch benützt wer- den. Mit Ausnahme des Turn- und Sportunterrichts hat sich der Bund bisher aus dem eigentlichen Lehrmittelbereich heraus- gehalten. Er überlässt somit die Sorge für die Lehrmittel - vor allem im obligatorischen Schulbereich sowie im Mittelschul- bereich - verfassungskonform den Kantonen. Mangels ent- sprechender rechtlicher und damit auch finanzieller Grundla- gen kann deshalb das vorliegende Postulat nicht angenom- men werden. Hingegen soll es auch künftig nicht ausgeschlossen sein, dass bestimmte Materialien, die für einen breiteren Adressa- tenkreis erarbeitet werden und sich gut für die Schulen eig- nen, auch diesen abgegeben werden. Der Bundesrat hat dies im übrigen auch in seiner Antwort auf die Einfache An- frage Stamm Judith vom 18. Juni 1993 betreffend die Kom- mission für Rassismusfragen festgehalten. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen. Le président: M. Gross Andreas n'est pas dans la salle. Abstimmung - Vote Für Überweisung des Postulates 31 Stimmen Dagegen 56 Stimmen #ST# 94.3530 Interpellation Iten Joseph Forum für Schweizer Geschichte in Schwyz Forum de l'histoire suisse de Schwytz Diskussion - Discussion Siehe Seite 983 hiervor - Voir page 983 ci-devant Iten Joseph (C, NW): Die Interpellation datiert vom Dezem- ber 1994. Ich habe damals den Bundesrat gebeten, die Ant- wort noch vor Einweihung des Forums der Schweizer Ge- schichte in Schwyz zu erstatten. Die schriftliche Antwort auf die Interpellation ist erfolgt. In der Zwischenzeit hat auch die Eröffnung dieses Forums stattgefunden. Ich durfte bei der Er- öffnung Gast sein und konnte feststellen, dass die Vorberei- tung und auch die Durchführung dieser Eröffnungsfeierlich- keiten einen sehr guten Eindruck hinterlassen haben. Jeden- falls haben sie den Eindruck hinterlassen, man sei bei die- sem Forum seit der Eröffnung sehr kostenbewusst. Ich habe mich von der Antwort des Bundesrates nur teilweise befriedigt erklärt, weil ich in der schriftlichen Antwort des Bun- desrates die klaren Massnahmen und die Ankündigung von Sicherheitsvorkehren vermisst habe, dass sich solche Fehl- leistungen bei neuen Projekten nicht wiederholen. Ich denke oder hoffe jedenfalls, dass das Departement aus den Vor- kommnissen beim Forum der Schweizer Geschichte in Schwyz die nötigen Konsequenzen gezogen hat oder noch ziehen wird. Vielleicht kann Frau Bundesrätin Dreifuss heute dazu noch etwas sagen. Unter dem Vorbehalt, dass wir zur Kenntnis nehmen können, dass sich diese Vorkommnisse nicht mehr wiederholen, dass Massnahmen getroffen werden in bezug auf die personellen Verflechtungen und auf die Pro- jektierung der bevorstehenden grossen Bauvorhaben aus dem EDI, könnte ich mich von der Antwort des Bundesrates gänzlich befriedigt erklären. Dreifuss Ruth, conseillère fédérale: Je réponds volontiers à M. Iten Joseph pour l'assurer que nous avons tiré les conclu- sions des difficultés que nous avons rencontrées pendant les deux ans qui ont précédé l'ouverture du «Forum de l'histoire suisse». Nous avons réagi en fait par une enquête confiée à M. Hans Durst en lui demandant d'examiner les raisons, à la fois des difficultés du projet lui-même, et de l'organisation de ce projet. Sur la base de cette enquête administrative que nous avions commandée, nous avons immédiatement tiré les conséquen- ces sous forme d'un catalogue de mesures spéciales de mise en place d'une structure de projets efficaces. Je remercie M. Iten d'avoir souligné que, grâce à ces mesures, l'inaugu- ration s'est bien passée; depuis, le musée remporte un franc succès auprès du public, et les échos dans la presse sont lar- gement positifs. Chaque projet est bien sûr un peu différent, mais, dans ce do- maine, ce sont surtout deux types de problèmes que nous avons rencontrés, et la leçon est bien comprise: 1. la difficulté d'aménager des musées dans des bâtiments qui ont été construits à d'autres fins. Nous avons eu aussi le problème à Prangins, nous l'avons eu à Schwytz. Il n'est pas facile d'utiliser des bâtiments, souvent en mauvais état ou qui ont été construits à d'autres fins, pour les besoins d'un mu-Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Gross Andreas Lehrmittel gegen Rassismus für die Mittelschulen Postulat Gross Andreas Matériel didactique pour les écoles moyennes en vue de lutter contre le racisme In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1995 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 05 Séance Seduta Geschäftsnummer 93.3465 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 25.09.1995 - 14:30 Date Data Seite 1895-1896 Page Pagina Ref. No 20 026 073 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.