Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 25. September 2019 (810 19 86) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Zustimmung zum Verkauf der Liegenschaft und zur Auflösung des Haushalts Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin i.V. Alessia Jeker Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Désirée Stutz, Rechtsanwältin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz Betreff Prüfung eines zustimmungsbedürftigen Rechtsgeschäf ts (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 26. Februar 2019) A. Mit Entscheid vom 17. März 2014 errichtete die Kindes - und Erwachsenenschutzbe- hörde B.____ (KESB) für A.____ (geb. 1954) eine Ver tretungsbeistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung nach Art. 394 i.V.m. Art. 39 5 ZGB zur Verwaltung des Einkommens und des Vermögens sowie zur Vertretung in administrativen Belangen. Diese Vertretungsbei- standschaft wurde mit Entscheid vom 23. November 2015 wieder aufgehoben. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Entscheid vom 18. September 2018 errichtete die KESB erneut eine Vertretungs- beistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung für A.____. Als Beiständin wurde C.____, Beistandschaften D.____ GmbH, ernannt. Die Beiständin wurde beauftragt, A.____ bei der Erledigung ihrer administrativen Angelegenheiten zu vertreten. Ausserdem wurde ihr die Aufgabe übertragen, für eine geeignete Wohnsituation der Verbeiständeten besorgt zu sein und diese bei allen in diesem Zusammenhang erforderlichen Handlungen zu vertreten. C. Am 22. Dezember 2018 ersuchte C.____ bei der KESB um Zustimmung zur Haus- haltsauflösung und zum Verkauf der Liegenschaft von A.__ __. Zur Begründung führte sie aus, die Verbeiständete könne aufgrund ihres Gesundheitszust ands nicht mehr in ihr Haus zurück- kehren, um alleine darin zu leben, und es seien kein e liquiden Mittel vorhanden, um das Alters- und Pflegeheim E.____, in welches A.____ nach ihrem Spitalaufenthalt eintreten sollte, zu fi- nanzieren. Mit Schreiben vom 7. Januar 2019 teilte d ie Beiständin der KESB mit, A.____ sei urteilsfähig, möchte ihr Haus jedoch nicht verkaufen. D. Am 19. Februar 2019 wurde A.____ hinsichtlich des An trags auf Verkauf ihrer Liegen- schaft und Auflösung des Haushalts das rechtliche Gehör gewährt. Gemäss Gesprächsprotokoll der KESB sei sie schweren Herzens mit dem Verkauf ihres Hauses und der Haushaltsauflösung einverstanden gewesen. E. Mit Entscheid vom 26. Februar 2019 erteilte die KES B die Zustimmung zum Verkauf der Liegenschaft und zur Auflösung des Haushalts von A.___ _. Dabei stützte sie sich auf den Bericht des Alters- und Pflegeheims E.____ vom 4. Febru ar 2019 sowie das Arztzeugnis von Dr. med. F.____ vom 31. Januar 2019, wonach A.____ a ufgrund ihres Gesundheitszustands nicht mehr in der Lage sei, in ihr Haus zurückzukehren und die Vor- und Nachteile eines Ver- kaufs ihrer Liegenschaft abzuwägen. Des Weiteren ermögliche der Hausverkauf die längerfristi- ge Finanzierung ihres Lebensbedarfs; da sie aus gesundhei tlichen Gründen nicht mehr alleine wohnen könne, würden Pflegekosten entstehen, die mit liquiden Mitteln aus dem Liegen- schaftsverkauf zu finanzieren seien. F. Mit Eingabe vom 1. April 2019 erhob A.____, vertr eten durch Désirée Stutz, Advokatin in Liestal, gegen den Entscheid der KESB vom 26. Februar 2019 Beschwerde beim Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwal tungsrecht (Kantonsgericht). Sie stellt das Begehren, der Entscheid der KESB vom 26. Febr uar 2019 sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin die Handlungsfähigkeit in Bezug au f die Haushaltsauflösung und die Ver- äusserung ihrer Liegenschaft zu belassen (Ziff. 1); die Zustimmung zum Verkauf der Liegen- schaft zum Preis von Fr. 725'000 bis Fr. 740'000 sei aufz uheben und die Verkaufsverhandlun- gen seien zu stoppen (Ziff. 2); die Zustimmung zur Liqu idation des Haushalts sei aufzuheben (Ziff. 3); der Beiständin sei die erteilte Ermächtig ung zur Haushaltsliquidation sowie zum Lie- genschaftsverkauf zu entziehen (Ziff. 4); für den entsta ndenen Schaden aus der ohne Zustim- mung der Eigentümerin und während laufender Rechtsmit telfrist vorgenommenen Haushalts- räumungs- sowie Verkaufsbemühungen sei die Beschwerdegeg nerin zu verpflichten, Schaden- ersatz und Genugtuung zu leisten (Ziff. 5); für den Fa ll des Unterliegens sei ihr die unentgeltli- che Prozessführung und Verbeiständung zu gewähren (Ziff. 6). In verfahrensrechtlicher Hinsicht Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht beantragte die Beschwerdeführerin die Erteilung der aufschiebenden Wirkung und die Anwei- sung an die Beiständin, keine weiteren Schritte in Be zug auf die Haushaltsauflösung und den Liegenschaftsverkauf mehr zu unternehmen. Zur Begründun g führt die Beschwerdeführerin aus, der Entscheid der KESB vom 26. Februar 2019 sei ni cht verhältnismässig. Es bestehe durchaus die Möglichkeit einer Rückkehr in ihr Haus, denn ihre Betreuung sei durch die pensio- nierte Pflegefachfrau G.____ sichergestellt, die mit i hr im Haus wohnen könne. Diese Möglich- keit sei durch die Beiständin allerdings kategorisch ab gelehnt worden, weshalb ersichtlich sei, dass seitens der Beiständin kein Wille bestehe, das Beste für sie zu erreichen. Ausserdem be- rufe sich die KESB in ihrem Entscheid auf einen Bericht des Alters- und Pflegeheims E.____ sowie auf die Einschätzung des Arztes des Alters- und Pf legeheims E.____, Dr. med. F.____. Das Heim sei jedoch nicht in der Lage, einen objektiven B ericht über ihren Gesundheitszustand zu erstellen, da dieses ein erhebliches Interesse an ihre m dortigen Verbleib habe. Dr. med. F.____ habe sie ferner nur einmal kurz gesehen, weshalb fraglich sei, auf welcher Grundlage er ihre Urteilsfähigkeit habe beurteilen können. G. In ihrer Vernehmlassung vom 2. Mai 2019 beantragt die KESB, es sei die gehörige Bevollmächtigung der Rechtsvertreterin mangels Urteilsf ähigkeit der Beschwerdeführerin zu prüfen (Ziff. 1) und die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen (Ziff. 2). Dabei stützt sie sich auf dieselben Grundlagen wie in ihrem Entscheid vom 26. Februar 2019 und ergänzt, die Idee einer Wohngemeinschaft im Haus von A.____ mit der pensionier ten Pflegefachfrau G.____ sei le- bensfremd, da für die Beschwerdeführerin aufgrund ih res stark schwankenden Gesundheitszu- stands und des über Jahre bestehenden Alkoholabusus eine du rchgehende medizinische Be- treuung durch Fachpersonen absolut notwendig sei. H. Mit Eingabe vom 29. Mai 2019 reichte die Beschwerde führerin ihre Replik ein. Darin hält sie vollumfänglich an den gestellten Rechtsbegehren fest. I. Mit Verfügung vom 12. Juni 2019 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rah- men einer Urteilsberatung überwiesen mit dem Hinweis, dass der vorliegenden Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukomme und dam it in Bezug auf den angefoch- tenen Entscheid sämtliche Vollzugshandlungen untersagt seien. Ausserdem wurde in derselben Verfügung festgehalten, über das Gesuch um unentgeltli che Prozessführung und Verbeistän- dung werde zusammen mit der Hauptsache entschieden. J. Am 26. Juni 2019 reichte die Rechtsvertreterin der Be schwerdeführerin ihre Honorar- note ein und teilte mit, dass die Beschwerdeführerin se it dem 17. Juni 2019 wieder in ihrem Haus in H.____ wohnhaft sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz buchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 kann gegen Entscheide der Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 66 Abs. 1 des kan tonalen Gesetzes über die Einfüh- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung des Zivilgesetzbuchs (EG ZGB) vom 16. November 2006 e rklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsgerich t, Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwalt ungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Ver- fahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein recht- lich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist als direkte Verfahrensbeteiligte grundsätzlich zur Beschwerdeerhebung legitimiert. 1.2.1 Die Vorinstanz bestreitet die Urteilsfähigkeit und damit die Prozessfähigkeit der Be- schwerdeführerin. Diese sei betreffend die in der Beschwerde aufgeführten Punkte nicht urteils- fähig, weshalb sie auch nicht selbständig ein Gerichtsverf ahren anstreben könne. Es ist somit vorab zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin dazu in de r Lage ist, gültig Beschwerde zu erhe- ben. 1.2.2 Die Prozessfähigkeit ist das Recht, den Prozess a ls Partei selbst oder durch selbst bestellte Vertreter zu führen. Sie ist die prozessuale Seite der Handlungsfähigkeit und leitet sich mithin aus dem materiellen Recht (Bundeszivilrecht) ab. D ie Handlungsfähigkeit ist die Fähig- keit einer Person, durch ihre eigenen Handlungen Rech te und Pflichten begründen zu können (Art. 12 ZGB). Die (volle) Handlungsfähigkeit setzt ei n objektives (die Volljährigkeit; Art. 14 ZGB) und ein subjektives Element (die Urteilsfähigkeit; Art. 16 ZGB) voraus. Der Begriff der Urteilsfähigkeit richtet sich nach den gesetzlichen Bestimmun gen von Art. 16 ZGB (e contrario) und Art. 17 ZGB und die diesbezügliche Konkretisierung d urch Lehre und Rechtsprechung (TIM STAVRO -KÖBRICH /DANIEL STECK , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zi vilge- setzbuch I, 6. Auflage, Basel 2018, N 7 zu Art. 382 ZGB). Der Begriff der Urteilsfähigkeit enthält zwei Elemente: Zum einen eine intellektuelle Kompone nte, namentlich die Fähigkeit, Sinn, Zweckmässigkeit und Wirkungen einer bestimmten Handlung zu erkennen, und zum anderen eine Willens- bzw. Charakterkomponente, namentlich die F ähigkeit, gemäss der vernünftigen Erkenntnis nach dem freien Willen zu handeln und allfä lliger fremder Willensbeeinflussung zu widerstehen (RUTH E. REUSSER , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.] Basler Kommentar, a.a .O., N 4 zu Art. 374 ZGB). Die Urteilsfähigkeit beurteilt sich immer in Bezug auf eine bestimmte Hand- lung je nach deren Schwierigkeit und Tragweite und i st damit relativ. Da es sich bei der Be- schwerdeerhebung um ein relativ höchstpersönliches Recht handelt, genügt im Beschwerdever- fahren gegen die Zustimmung zum Liegenschaftsverkauf und zur Haushaltsauflösung die Ur- teilsfähigkeit bezogen auf den Streitgegenstand (Urt eil des Bundesgerichts 5A_658/2012 vom 19. Dezember 2012 E. 2.1; R OLAND FANKHAUSER , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kom- mentar, a.a.O., N 7 zu Art. 19c ZGB). Zudem muss eine P erson auch Gelegenheit haben, sich gegen die Verneinung ihrer Prozessfähigkeit zur Wehr zu setzen (Urteil des Bundesgerichts 5A_194/2011 vom 30. Mai 2011 E. 3.2). An die Urteil sfähigkeit der von einem Liegenschafts- verkauf und einer Haushaltsauflösung direkt betroffen en Person können naturgemäss nur sehr geringe Anforderungen gestellt werden, wenn die Besch werdebefugnis in Frage steht (Urteil des Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt [VD.20 18.102] vom 2. November 2018 E. 1.3). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2.3 Allein die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin sich selbständig mit der Rechtsver- treterin in Verbindung gesetzt hat und dieser gegenüb er ihren Willen kundtat, sich gegen den Liegenschaftsverkauf und die Haushaltsauflösung zu wehren, zeigt, dass die Beschwerdeführe- rin fähig ist, sich diesbezüglich einen eigenen klaren Willen zu bilden. Dem entspricht, dass sich bereits die Beiständin in ihrem Schreiben vom 7. Janua r 2019 dahingehend äusserte, dass die Beschwerdeführerin ihr Haus nicht verkaufen wolle und urteilsfähig sei; dies zeigt weiter, dass der Wille der Beschwerdeführerin eine gewisse Stabili tät aufweist und eine Verständigung über den Prozessgegenstand möglich ist. Die Beschwerdeführerin ist folglich in Bezug auf die vorlie- gende Streitsache als urteilsfähig anzusehen. Diesbezüg lich steht einem Eintreten auf ihre Be- schwerde – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung en – nichts im Wege. 1.3.1 Die Beschwerdeführerin stellt das Begehren, die K ESB sei für den entstandenen Schaden aus der ohne ihre Zustimmung und während lauf ender Rechtsmittelfrist vorgenomme- nen Haushaltsräumung sowie den Verkaufsbemühungen für ihre Liegenschaft zu verpflichten, Schadenersatz und Genugtuung zu leisten (Ziff. 5). 1.3.2 Gemäss Art. 454 Abs. 1 ZGB hat jede Person, die im Rahmen der behördlichen Mass- nahmen des Erwachsenenschutzes durch widerrechtliches Hande ln oder Unterlassen verletzt wird, Anspruch auf Schadenersatz und, sofern die Schwe re der Verletzung es rechtfertigt, Ge- nugtuung. Haftbar ist dabei der Kanton; gegen die P erson, die den Schaden verursacht hat, steht der geschädigten Person kein Ersatzanspruch zu (Ar t. 454 Abs. 3 ZGB). Gemäss § 7 Abs. 1 bis des Gesetzes über die Haftung des Kantons und der Gemein den (Haftungsgesetz) vom 24. April 2008 ist über Forderungen geschädigter Pe rsonen, die wie im vorliegenden Fall zu einer Beschwerde in Zivilsachen an das Bundesgericht gemä ss Art. 72 Abs. 2 des Bundes- gesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht führen könnten, durch die zuständige Stel- le gemäss § 7 Abs. 3 Haftungsgesetz mittels Verfügung zu entscheiden. Diese Verfügung ist sodann mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Kantonsger icht anfechtbar. Folglich ist auf das Begehren der Beschwerdeführerin, die KESB sei zu verpflichten, ihr für den entstandenen – von der Beschwerdeführerin im Übrigen weder in der Be schwerdebegründung noch der Replik bezifferten – Schaden aus der Haushaltsräumung sowie de n Verkaufsbemühungen Schadener- satz und Genugtuung zu leisten, nicht einzutreten. Über ein allfälliges substantiiertes Begehren der Beschwerdeführerin um Schadenersatz und Genugtuung hätte erstinstanzlich die Sicher- heitsdirektion des Kantons Basel-Landschaft zu befinden, da diese die Aufsicht über die Kin- des- und Erwachsenenschutzbehörden ausübt (§ 1 Abs. 1 li t. a Ziff. 5 der Dienstordnung der Sicherheitsdirektion vom 23. Oktober 1984; Stand 1. Januar 2018). 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Strittig ist, ob die KESB zu Recht ihre Zustimmung zur Liquidation des Haushalts und zum Freihandverkauf der Parzelle Nr. XXXX, Grundbuch H.____, erteilt hat. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die KESB hält im angefochtenen Entscheid fest, da ss die Beschwerdeführerin gemäss dem Arztzeugnis von Dr. med. F.____ vom 30. Januar 201 9 aufgrund ihres Gesundheitszu- stands nicht mehr in der Lage sei, in ihr Haus zurückzuke hren oder die Vor- und Nachteile ei- nes Verkaufs des Grundstücks abzuwägen. Der Verkauf der Lieg enschaft der Beschwerdefüh- rerin liege in ihrem Interesse, da er der Finanzierung ihres Lebensunterhalts diene. Da sie nicht mehr dazu in der Lage sei, in ihrem Haus zu wohnen, würden Kosten für ihren Lebensunterhalt und ihre Pflege entstehen, welche mit liquiden Mittel n zu finanzieren seien, die ihr ohne den Liegenschaftsverkauf nicht zur Verfügung stünden. Vor de m Verkauf der Liegenschaft sei zu- dem der Haushalt zu liquidieren. Aus diesen Gründen er teile die KESB ihre Zustimmung zum Verkauf der Liegenschaft und zur Liquidation des Haushalts. 4.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, der betre ffende Entscheid in dieser Angele- genheit sei unverhältnismässig, da nicht das mildeste mögl iche Mittel gewählt worden sei. Zu- dem habe es die KESB unterlassen, den Sachverhalt vo llständig zu erheben und umfassende Abklärungen zu tätigen. Entgegen der Auffassung der KESB sei sie urteilsfähig und durchaus in der Lage, in ihr Haus in H.____ zurückzukehren. Da unbe stritten sei, dass sie ihren Alltag nicht mehr gänzlich ohne Hilfe meistern könne, habe sie mit G. ____ eine fähige Pflegekraft zur tägli- chen Unterstützung gefunden. Da G.____ bereit sei, bei ihr im Haus zu wohnen, seien auch die damit anfallenden Pflegekosten tragbar. Des Weiteren würde sie sich einer Augenoperation unterziehen, womit eine der Ursachen für ihre Pflegeb edürftigkeit behoben werden könne. Mit Schreiben vom 26. Juni 2019 ergänzte die Beschwerdeführerin, dass sie seit dem 17. Juni 2019 wieder in ihrem Haus wohnhaft sei, was die vorhergehenden Ausführungen bekräftige. 5.1 Die Geschäfte nach Art. 416 ZGB, die der Beistand oder die Beiständin in Vertretung der betroffenen Person vornimmt, sind von Gesetzes wege n der Erwachsenenschutzbehörde zur Zustimmung zu unterbreiten. Die Zustimmung der Erwa chsenenschutzbehörde ist gemäss Art. 416 Abs. 2 ZGB dann nicht erforderlich, wenn die urteilsfähige betroffene Person ihr Ein- verständnis erteilt und ihre Handlungsfähigkeit durch die Beistandschaft nicht eingeschränkt ist. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Zustimmung der KESB zu einem Rechtsgeschäft dann notwendig ist, wenn die urteilsfähige Verbeistän dete – wie im vorliegenden Fall – ihre Zu- stimmung verweigert oder die verbeiständete Person auf grund ihrer Urteilsunfähigkeit hand- lungsunfähig ist. 5.2 Die Mitwirkungshandlung der KESB setzt gemäss Art. 4 16 Abs. 1 ZGB ein von der Beiständin oder vom Beistand in Vertretung der betreut en Person gültig abgeschlossenes Rechtsgeschäft voraus, denn die lediglich formelle Zusti mmung der KESB kann das Handeln des Mandatsträgers nicht ersetzen (U RS VOGEL , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kom- mentar, a.a.O., N 2 zu Art. 416 ZGB; Urteil des Bun desgerichts 5A_980/2014 vom 27. August 2015 E. 5.2). Die Beiständin oder der Beistand hat f ür die Zustimmung einen Antrag mit allen nötigen Unterlagen für die Prüfung des Geschäfts durch die KESB einzureichen. Die Zustim- mung ist grundsätzlich nicht im Voraus zu einer vom Beistan d vorgelegten Vertragsofferte zu erklären, sondern sie hat zu dem von allen Vertragspart eien abgeschlossenen Vertrag zu erfol- gen (CLAUDIA M. MORDASINI -ROHNER /C LAUDIA STEHLI /E RNST LANGENEGGER , in: Büchler/Jakob Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht [Hrsg.], Kurzkommentar zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, 2. Aufl., Basel 2018, N 4 zu Art. 416 ZGB). Namentlich handelt die Beiständin nich t als Beauftragte oder Organ der KESB, weshalb die KESB nicht gestützt auf Art. 416 ZGB die We isung an den Mandatsträger erteilen kann, ein bestimmtes Rechtsgeschäft vorzunehmen (V OGEL , a.a.O., N 1 f. zu Art. 416/417 ZGB). Unter besonderen Umständen, insbesondere wenn ei n Schwebezustand unzumutbar wäre, kann die Ermächtigung zum Abschluss eines im Wesent lichen definierten Rechtsge- schäfts jedoch zum Voraus erteilt werden (U RS VOGEL , in: Breitschmied/Jungo [Hrsg.], Hand- kommentar zum Schweizer Privatrecht, 3. Aufl., Zürich/Base l/Genf 2016, N 2a zu Art. 416-417 ZGB). 5.3.1 Vorliegend hat die Beiständin der KESB den Ant rag für den Verkauf der Liegenschaft der Beschwerdeführerin sowie die Haushaltsauflösung am 22. Dezember 2018 eingereicht. Im betreffenden Schreiben schildert sie, dass der Verkauf de r Liegenschaft unerlässlich sei, um den Aufenthalt der Beschwerdeführerin im Alters- und Pflegeheim E.____ finanzieren zu kön- nen. Dieser sei nötig, da die Beschwerdeführerin auf intensive Betreuung angewiesen sei. Ih- rem Schreiben legte sie eine Schätzung der Liegenschaft der Beschwerdeführerin bei. Nach- dem die KESB von der Beiständin weitere Unterlagen e inverlangt hatte (unter anderem einen Auszug aus dem Grundbuch und eine Bescheinigung über die Urteilsfähigkeit der Beschwerde- führerin), reichte die Beiständin den Grundbuchauszug betreffend die Liegenschaft der Be- schwerdeführerin ein und beantwortete die Fragen der KESB, wobei sie angab, die Beschwer- deführerin sei urteilsfähig, wolle ihre Liegenschaft jedoch nicht verkaufen. 5.3.2 Aus den vorliegenden Unterlagen geht hervor, d ass der Erwachsenenschutzbehörde zu keiner Zeit ein von der Beiständin gültig abgeschloss ener Kaufvertrag über die Liegenschaft der Beschwerdeführerin vorlag. Die KESB begnügte sich im Rahmen der Zustimmung zum Verkauf der Liegenschaft vielmehr mit dem Grundbuchauszu g und einer Einschätzung des Werts der Liegenschaft und legte in ihrem Entscheid vom 26. Februar 2019 fest, dass der Ver- kauf der Liegenschaft Parzelle Nr. XXXX gemäss der Einsc hätzung zu einem Kaufpreis von Fr. 725'000.-- bis Fr. 740'000.-- zu erfolgen habe. D amit erteilte die KESB der Sache nach eine Blanko-Ermächtigung für den Verkauf der Liegenschaft der Beschwerdeführerin. Ein entspre- chendes Vorgehen setzt wie bereits aufgezeigt (E. 5.2 hi ervor) besondere Umstände bzw. die Unzumutbarkeit eines Schwebezustands voraus. Die KESB mach t jedoch keinerlei besonderen Umstände geltend, aufgrund derer im vorliegenden Fall auf das Vorliegen eines abgeschlosse- nen Rechtsgeschäfts hätte verzichtet werden können, und solche sind auch nicht ersichtlich. 5.3.3 Die zum Voraus erteilte Zustimmung zum Liegenschaf tsverkauf ebenso wie zur Liqui- dation des Haushalts erfolgte nach dem Gesagten zu Unr echt, was zur Gutheissung der Be- schwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids führt. 6. Von Beweismassnahmen ist bei diesem Ausgang abzusehen. Dies gilt auch in Bezug auf den Umstand, dass die Beschwerdeführerin nach eigene n Angaben wieder in ihrer Liegen- schaft wohnhaft ist. Ob die KESB den Sachverhalt richtig und vollständig feststellte, erscheint vor diesem Hintergrund zweifelhaft, kann jedoch offengelassen werden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr . 1'400.-- der Vorinstanz aufzuerle- gen. 7.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausg ang des vorliegenden Verfahrens ist der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung zula sten der Vorinstanz zuzusprechen. In ihrer Honorarnote vom 26. Juni 2019 macht die Rechtsve rtreterin der Beschwerdeführerin für ihre Bemühungen vom 6. März 2019 bis zum 26. Juni 2019 einen Aufwand von 16.68 Stunden à Fr. 200.-- sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 369.5 0 geltend. Die Honorarnote der Rechts- vertreterin der Beschwerdeführerin ist nicht zu beanstan den. Folglich hat die Kindes- und Er- wachsenenschutzbehörde B.____ der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Hö- he von Fr. 3'991.90 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) zu bezahlen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf einzutreten ist. Der Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.___ _ vom 26. Februar 2019 wird aufgehoben. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- w erden der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ auferlegt. 3. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ hat der Beschwer- deführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von F r. 3'991.90 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.