B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4884/2024 U r t e i l v o m 1 2 . A u g u s t 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Daniela Brüschweiler, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Lara Hoeft, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat); Verfügung des SEM vom 25. Juli 2024 / N (…). D-4884/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 2. Juli 2024 in der Schweiz ein Asylge- such ein. Dabei führte er unter anderem eine griechische Aufenthaltsbewil- ligung und einen ebenfalls von Griechenland ausgestellten Reiseausweis mit sich. B. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der "Eurodac" -Datenbank ergab, dass er am 21. Februar 2024 illegal nach Griechenland eingereist war und dort am 23. sowie am 27. Februar 2024 um Asyl nachgesucht hatte. C. C.a Gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsam e Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Dritt- staatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungs-Richtlinie) und auf das Ab- kommen zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Hellenischen Republik über die Rückübernahme von Personen mit ir- regulärem Aufenthalt (SR 0.142.113.729) ersuchte das SEM die griechi- schen Behörden am 5. Juli 2024 um Rückübernahme des Beschwerdefüh- rers. C.b Die griechischen Behörden stimmten dem Ersuchen um Rücküber- nahme des Beschwerdeführers noch gleichentags zu. D. D.a Im Rahmen eines persönlichen Gesprächs wurde dem Beschwerde- führer am 16. Juli 2024 das rechtliche Gehör zu einem Nichteintretensent- scheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) und zur Wegwei- sung nach Griechenland sowie auch zum medizinischen Sachverhalt ge- währt. D.b Dabei brachte er vor, er habe sich vor seiner Reise in die Schweiz un- gefähr vier Monate lang in Griechenland aufgehalten und dabei in einem Camp in B._______ gelebt. Die Lebensbedingungen dort seien sehr schwierig gewesen. Die Unterkünfte seien alt und verrottet gewesen. Zu- dem sei es immer sehr heiss und das Essen nicht ausreichend beziehungs- weise ungeniessbar gewesen. Während der ganzen Zeit habe er nur 150 Euro Unterstützung erhalten, von welchem Betrag er sich auch habe Essen kaufen müssen. Er habe nie einen Rechtsvertreter gesehen, der ihm hätte D-4884/2024 Seite 3 helfen können, und im Camp habe es vor all em Dari-Dolmetscher gege- ben. Da er selber aber nur Usbekisch verstehe, habe für die beiden ersten Interviews eine andere Gesuchstellerin, welche sowohl Usbekisch als auch Dari spreche, seine usbekischen Antworten für den Dari-Griechisch-Dol- metscher überset zen müssen; erst beim dritten Interview sei ein Usbe- kisch-Dolmetscher zur Verfügung gestanden. Im Weiteren erklärte der Beschwerdeführer, er habe ohnehin nicht dauer- haft in Griechenland bleiben wollen. Im Camp habe es viele seltsame Men- schen gehabt; es sei viel Alkohol getrunken worden und es habe Schläge- reien gegeben. Nachdem er als Flüchtling anerkannt worden sei und Pa- piere erhalten habe, sei er aufgefordert worden, das Camp zu verlassen. Er habe in Griechenland aber niemanden gekannt und nicht gewusst, was er nun machen solle, weshalb er sich entschlossen habe, das Land zu ver- lassen und in die Schweiz zu kommen. Wegen der schlechten Verhältnisse im Camp auf B._______ habe er unter (…) sowie unter einem (…) und (…) gelitten. Ein Arzt habe ihm kleine Tab- letten gegen (…) gegeben, welche aber nicht geholfen hätten, und die ver- abreichte Creme habe zwar gegen das (…) gewirkt, den (…) aber nicht beseitigt. Er verspüre auch einen (…), den er der Pflege gegenüber zuvor noch nicht erwähnt habe, und könne (…). Nach Griechenland könne er nicht zurückkehren, weil er in Afghanistan le- diglich eine Koranschule besucht habe und somit über fast keine Bildung verfüge. Auch wegen der fehlenden Sprachkenntnisse wäre es für ihn kaum möglich, in Griechenland Arbeit zu finden. Er würde gerne zur Schule gehen, eine Ausbildung machen und die Sprache lernen, damit er sich eine Zukunft aufbauen und – da sein Vater verstorben sei – seine Familie in Afghanistan unterstützen könne, was jedoch in Griechenland nicht möglich wäre. E. Eine Anfrage des SEM an (…) im Bundesasylzentrum (BAZ) C._______ vom 17. Juli 2024 wurde gleichentags beantwortet. Danach habe sich der Beschwerdeführer dort lediglich einmal wegen des (…) gemeldet. Ansons- ten seien keine Beschwerden bekannt und der Beschwerdeführer benötige auch keine Medikamente. D-4884/2024 Seite 4 F. F.a Das SEM händigte dem Beschwerdeführer beziehungsweise der zu- gewiesenen Rechtvertretung am 23. Juli 2024 die entscheidrelevanten Ak- ten sowie den Entscheidentwurf zur Stellungnahme aus. F.b Der Beschwerdeführer liess sich mit Eingabe vom gleichen Tag ver- nehmen. Er führte aus, er würde sich in Griechenland unwohl fühlen, und verwies auf die bereits im Rahmen des persönlichen Gesprächs vorge- brachten Probleme im Camp. Im Übrigen habe er den Asylantrag in Grie- chenland nicht freiwillig gestellt. Weiter machte er geltend, gemäss der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) bestehe im Fall einer Rücküber- stellung nach Griechenland aufgrund des überlasteten Asylsystems sowie aufgrund der mangelnden staatlichen Unterstützung im Fall einer Status - anerkennung ein überwiegendes Risiko einer Verletzung von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101). Die Regelvermutung der Z ulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs von schutzberechtigten Per- sonen nach Griechenland sei deshalb nicht haltbar. G. Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 25. Juli 2024 trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Be- schwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz weg und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft zu verlassen, an- sonsten er in Haft genommen und unter Zwang nach Griechenland zurück- geführt werden könnte. Ferner beauftragte das SEM den zuständigen Kan- ton (D._______) mit dem Vollzug der Wegweisung und ordnete die Aus- händigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwerdeführer an. H. Am 26. Juli 2024 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung d em SEM die Niederlegung ihres Mandates mit. I. Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 31. Juli 2024 beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde und beantragte dabei, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei ihm d ie vorläufige Auf- nahme zu gewähren, subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, sub -subeventualiter seien spezifische D-4884/2024 Seite 5 Garantien der griechischen Behörden zur Unterbri ngungs- und Versor- gungssituation einzuholen. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der aufschiebenden Wirkung und die superprovisorische Aussetzung des Vollzugs der Wegwei- sung. Der Kanton D._______ sei über die Aussetzung des Wegweisungs- vollzuges in Kenntnis zu setzen. Weiter ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Einsetzung der unterzeichnenden Rechts- vertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. J. Am 5. August 2024 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist daher – vorbehältlich E. 2 – einzutreten. 2. Auf die Anträge auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung sowie auf An- ordnung superprovisorischer Massnahmen ist mangels Rechtsschutz - interesses nicht einzutreten, da der Beschwerde von Gesetzes wegen auf- schiebende Wirkung zukommt (Art. 55 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 42 AsylG), und diese von der Vorinstanz nicht entzogen wurde. D-4884/2024 Seite 6 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensicht- lich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständig- keit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zwei- ten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriften- wechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 5. 5.1 In der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe weder den medizini- schen Sachverhalt des Beschwerdeführers vollständig erstellt und einge- hende Abklärungen zu dessen Vulnerabilität vorgenommen noch die kon- krete Situation des Beschwerdeführers in Griechenland rechtsgenüglich analysiert und seine diesbezüglichen Aussagen gewürdigt. Hierbei handelt es sich um formelle Rügen, welche vorab zu prüfen sind, da sie gegebe- nenfalls geeignet sind, eine Kass ation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2). 5.2 Das Asylverfahren wird vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachver- haltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu be- schaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsge- mäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12). Die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung erweist sich als un- begründet. So hat sich das SEM am 17. Juli 2024 bei (…) nach dem ge- sundheitlichen Zustand des Beschwerdeführers erkundigt und der Be- schwerdeführer konnte sich sowohl im persönlichen Gespräch vom 16. Juli 2024 als auch in seiner Stellungnahme vom 23. Juli 2024 umfassend zu allfälligen Wegweisungshindernissen – auch gesundheitlicher Art – äussern. D-4884/2024 Seite 7 Das SEM hat den erheblichen Sachverhalt zu Recht als ausreichend er- stellt erachtet. In Bezug auf den Vorwurf, das SEM habe die konkrete Situ- ation des Beschwerdeführers vor Ort in Griechenland nicht berücksichtigt, handelt es sich um ein blosses pauschales Vorbingen und im Kern um eine Uneinigkeit in Bezug auf die materielle Würdigung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. 5.3 Bei dieser Sachlage ist das subeventualiter gestellte Begehren um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks vertiefter Abklärung des Sachverhalts und Neubeurteilung abzuweisen. 6. 6.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über- prüfen (Art. 31 a Abs.1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 6.2 Bezüglich der Frage de r Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt. 7. 7.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher aufgehalten hat. 7.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun- gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). 7.3 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest, dass es sich bei Griechenland als Mitgliedstaat der EU um einen sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Mit Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Länder der EU und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) als sichere Dritt- staaten bezeichnet. Den vorinstanzlichen Akten ist sodann zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer in Griechenland internationaler Schutz gewährt D-4884/2024 Seite 8 worden ist und die griechischen Behörden am 5. Juli 2024 seiner Rück- übernahme ausdrücklich zugestimmt haben. 7.4 Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten. Der Vollständigkeit hal- ber ist darauf hinzuweisen, dass die sehr hohe Schwelle für die Fes tstel- lung einer Unzulässigkeit, die der EuGH in den in der Beschwerde zitierten Urteilen definiert hat, vorliegend nicht erreicht wird, wobei dies gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts unter dem Aspekt des Wegwei- sungsvollzuges zu behandeln ist (nachfolgend E. 9.4.2; vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-3427/2021, E-3431/2021 E. 10 und 11). 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt in der Schweiz weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Griechenland entgegenstehen. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach den ge- setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (im Sinne von Art. 44 [zweiter Satz] AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2-4 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom- mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen D-4884/2024 Seite 9 Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in d en Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 9.2.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers erweist sich der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland in Beachtung der oben ge- nannten völker- und landesrechtlichen Bestimmung als zulässig. Es han- delt sich bei Griechenland um einen sicheren Drittstaat, in welchem der Beschwerdeführer Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG findet. Griechenland ist sodann Signatarstaat der EMRK, der FoK und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen grundsätzlich nach. Zwar erkennt das Bundesverwaltungsge- richt an, dass die Lebensbedingungen in Griechenland für dort anerkannte Schutzberechtigte in fast allen Bereichen des täglichen Lebens äusserst schwierig sind und sich die Alltagsbewältigung beschwerlich gestaltet. Es ist aber nicht von einer Situation auszugehen, in der jeder Person mit Schutzstatus eine unangemessene und erni edrigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde (vgl. das Referenz- urteil des BVGer E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022, E. 11.2). Ferner lassen auch die in der Schweiz noch vorhandenen medizinischen Probleme des Beschwer deführers ([…] und – nur im persönlichen Ge- spräch erwähnt – eine […], den er manchmal verspüre [vgl. SEM -Akten {…} S. 2]) nicht befürchten, dass er bei einer Überstellung nach Griechen- land eine ernsthafte, rapide und irreversible Verschlechterung seiner Lage, verbunden mit übermässigem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung der Lebenserwartung, zu erwarten hätte (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 183 ff.; bestätigt durch Urteil des EGMR Savran gegen Dänemark vom 7. Dezember 2021, Grosse Kammer, Nr. 57467, §§ 124 ff). 9.3 9.3.1 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (vgl. BVGer-Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.3). Die Legal- vermutung der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung gilt bezüglich Griechenland grundsätzlich auch für vulnerable Personen, wie zum Bei- spiel Personen, die an gesundheitlichen Problemen lei den, die nicht als schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind (vgl. a.a.O. E. 11.5.1). D-4884/2024 Seite 10 Es obliegt der betroffenen Person, diese Legalvermutungen umzustossen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen, dass die Behör- den im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aus- setzen würden respektive, dass sie in Griechenland aufgrund von individu- ellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. BVGer-Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.4). 9.3.2 Nach Durchsicht der Akten und unter Berücksichtigung der Be- schwerdevorbringen liegen keine Hinweise für die Annahme vor, der Be- schwerdeführer wäre nach ei ner Rückkehr einer existenziellen Notlage ausgesetzt. Aufgrund seines Schutzstatus hat er grundsätzlich Zugang zu Sozialleistungen, zum griechischen Arbeitsmarkt und zur Gesundheitsver- sorgung. Er kann sich als anerkannter Flüchtling auf die Qualifikationsricht- linie berufen. Es wird ihm möglich sein, sich an die entsprechenden Stellen zu wenden und im Bedarfsfall seine Rechte einzufordern sowie nötigenfalls die unentgeltliche Hilfe von Nichtregierungsorganisationen zu beanspru- chen. Seiner Behauptung, er habe in Griechenland nur unzureichende me- dizinische Versorgung erhalten und hätte bei einer Rückkehr keine Aus- sicht auf eine Arbeitsstelle und eine Unterkunft, ist entgegenzuhalten, dass er gemäss seinen Angaben ohnehin nicht dauerhaft dort hätte bleiben wol- len und sich wenige Wochen nach Erhalt des griechischen Flüchtlingsaus- weises ausser Land begeben hat. Demnach ist bereits angesichts der sehr kurzen vor Ort verbachten Zeit nicht davon auszugehen, er habe alles ihm Zumutbare unternommen, um die benötigte Unterstützung zu erhalten. Entgegen der Auffassung in der Beschwerde gilt der Beschwerdeführer auch nicht als äusserst vulnerable Person. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer bereits in Griechenland mit dem Geburtsdatum (…) erfasst worden war und im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens dieses Datum nie in Frage stellte. Die in der Beschwerdeschrift (vgl. S. 4 Ziff. 10) angebrachte Behauptung, der Beschwerdeführer sei am (…) zur Welt gekommen und somit noch minderjährig, doch se i auf der Reise nach Griechenland sein Rucksack mit seiner Tazkira verloren gegan- gen, erscheint nachgeschoben. Sodann gehört der Beschwerdeführer mit den geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden (vgl. E. 9.2.2 vor- stehend) nicht zu den äusserst vulnerablen Personen, die an schweren Krankheiten im Sinne des erwähnten Referenzurteils leiden, bei denen der Vollzug der Wegweisung nur bei Vorliegen besonders günstiger Umstände D-4884/2024 Seite 11 zumutbar ist. Eine allfällige notwendige medizinische Versorgung steht ihm grundsätzlich auch in Griechenland zur Verfügung. 9.3.3 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit auch als zumutbar , wobei zur Vermeidung von Wiederholungen auf die sehr eingehenden und zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden kann. 9.4 Bei dieser Sachlage besteht auch kein Anlass zur Einholung individu- eller Zusicherungen seitens der griechischen Behörden (vgl. u.a. Urteil des BVGer D-2910/2024 vom 16. Mai 2024 E. 7.5). Das entsprechende Sub - Subeventualbegehren ist demnach ebenfalls abzuweisen. 9.5 Es ist schliesslich auch ohne Weiteres von der Möglichkeit des Weg- weisungsvollzugs auszugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), da die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zu- gestimmt haben und er über eine bis zum 2 3. April 2027 gültige Aufent- haltsbewilligung verfügt. 9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen , so- weit darauf einzutreten ist. 11. 11.1 Mit dem vorliegenden Urteil ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. Die mit der Beschwerdeschrift gestellten Gesuche um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeistän- dung sind abzuweisen, da sich die Begehren entsprechend den vorstehen- den Erwägungen von vornherein als aussichtlos im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG erwiesen haben. Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). D-4884/2024 Seite 12 (Dispositiv nächste Seite) D-4884/2024 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um amtliche Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Daniela Brüschweiler Kathrin Mangold Horni