B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-3952/2021 U r t e i l v o m 1 6 . S e p t e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichterin Susanne Genner, mit Zustimmung von Richter Lorenz Noli; Gerichtsschreiber Rudolf Grun. Parteien A._______, geboren am (…) 1992, Afghanistan, vertreten durch Paulina Salm, Rechtsschutz für Asylsu- chende Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver- fahren); Verfügung des SEM vom 30. August 2021 / N […]. F-3952/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 14. Juli 2021 in der Schweiz ein Asylge- such ein. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der Eurodac-Datenbank ergab, dass er am 25. Januar 2017 in Griechenland und am 19. April 2021 in Rumänien um Asyl ersucht hatte. Ferner wurde er von den rumänischen Behörden wegen illegaler Einreise in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten registriert. B. Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 27. Juli 2021 gab der Beschwerde- führer an, Afghanistan im November 2016 verlassen zu haben und mit ei- nem Visum in die Türkei und weiter nach Griechenland gereist zu sein. In Griechenland habe er einen negativen Asylentscheid erhalten. Mit Hilfe ei- nes Anwalts habe er Beschwerde geführt und danach nichts mehr gehört. Er habe sich dann rund sechs Monate auf dem Balkan aufgehalten, ehe er anfangs 2020 von Griechenland in die Türkei abgeschoben worden sei. Nach zwei Monaten Haft in Izmir sei er erneut über Griechenland, Nordma- zedonien – dort habe er unter schwierigen Bedingungen den letzten Winter verbracht – nach Rumänien gereist. Dabei habe er unzählige Male ver- sucht, die Grenze zu passieren , sei aber immer wieder zurückgeschickt und für zwei bis drei Tage in Haft genommen worden . In Rumänien habe man ihm die Fingerabdrü cke abgenommen und ihn in Quarantäne ge- schickt. Er habe in Rumänien kein Asylgesuch einreichen wollen und ge- sagt, dass er in die Schweiz gehen wolle. Nachdem er einen negativen Asylentscheid erhalten habe, sei ihm mit der Abschiebung nach Afghanis- tan gedroht worden. Mit Hilfe einer Anwältin habe er dagegen Beschwerde erhoben. Unter einem Vorwand habe er das Camp verlassen können und es sei ihm gelungen, nach Ungarn zu gelangen. Von dort sei er – unter einem LKW versteckt – über Österreich, Deutschland und Frankreich in die Schweiz gekommen. Die Vorinstanz gewährte ihm das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit der Überstellung nach Ru- mänien, dessen Zuständigkeit für die Behandlung des Asylgesuchs grund- sätzlich in Frage komme. Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe eine Beziehung zu einer in der Schweiz lebenden Frau, die er heiraten wolle. Er habe sie in Griechenland kennengelernt und dort mit ihr auch zu- sammengewohnt. In Afghanistan herrsche Krieg und Unsicherheit. Rumä- nien wolle keine Flüchtlinge haben. Man nehme diese nicht ernst und küm- mere sich nicht um sie. Er sei dort insgesamt 20 Tage in Haft gewesen. Bei F-3952/2021 Seite 3 seinen Einreiseversuchen aus Serbien sei er immer wieder verhaftet, ver- prügelt und zurückgeschickt worden. Auch habe er in Rumänien keinen Zugang zu medizinischer Versorgung gehabt. Seine Anwältin habe ihm fer- ner mitgeteilt, dass seine Beschwerde in Rumänien vom Gericht abgelehnt worden sei. In Bezug auf seinen Gesundheitszustand gab er an, es gehe ihm gut. Auf Nachfrage zu seinem seelischen Befinden führte er aus, dass er durch seine Erlebnisse in Afghanistan und aus seiner Reise durch Eu- ropa und den Aufenthalten psychisch belastet sei. C. Gestützt auf den Eurodac-Abgleich und die Angaben des Beschwerdefüh- rers ersuchte das SEM am 28. Juli 2021 die rumänischen Behörden um dessen Übernahme gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be stimmung des Mitglied- staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). D. Am 3. August 2021 liess der Beschwer deführer medizinische Unterlagen zu seinem Gesundheitszustand einreichen. Danach sei bei ihm eine De- pression mit Differenzialdiagnose von durch Analgetika (schmerzstillende bzw. schmerzlindernde Medikamente) hervorgerufene Kopfschmerzen so- wie ein mediales Pterygium links (Einwachsen von Gewebe auf die Binde- haut) und eine Visusminderung (Verminderung der optimalen Sehschärfe) diagnostiziert worden. Ihm seien Dafalgan, Paracetamol sowie einmal täg- lich 50mg Trittico für die Nacht verschrieben worden. Das Trittico sei in wö- chentlichen Schritten auf 150mg gesteigert und die Einnahme von Analge- tika gestoppt worden. Ferner sei er an die Ophtalmologie (Augenmedizin) sowie an die Transkulturelle Sprechstunde überwiesen worden. E. Am 6. August 2021 reichte der Beschwerdeführer ein vom 5. August 2021 datiertes Schreiben seiner rumänischen Rechtsberaterin (legal counselor) in englischer Sprache ein. Sie habe ihn während seines Asylverfahrens in Rumänien unterstützt und ihm beim Verfassen sei ner Beschwerde gegen den negativen Entscheid im beschleunigten Verfahren (accelerated proce- dure) geholfen. Da er Rumänien vor dem Gerichtstermin verlassen habe, sei sein Asylgesuch rechtskräftig (definitively) abgelehnt worden. F-3952/2021 Seite 4 F. Mit Verfügung vom 30. August 2021 (eröffnet am 30. August 2021) trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Überstellung nach Rumänien an und forderte ihn auf, die Schweiz nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aus- händigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Be- schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. G. Mit Rechtsmitteleingabe vom 6. September 2021 (Postaufgabe) gelangte der Beschwerdeführer ans Bundesverwaltungsgericht mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuwei- sen, auf das Asylgesuch einzutreten; eventualiter sei die Sache zwecks vollständiger Abklärung des Sachverhalts und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen; subeventualiter sei von der Vorinstanz bei den rumänischen Behörden Garantien in Bezug auf den Zugang des Be- schwerdeführers zu einer adäquaten Unterbringung und medizinischen Versorgung einzuholen. Der Beschwerde sei die a ufschiebende Wirkung zu gewähren und die Vollzugsbehörden im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen unverzüglich anzuweisen, bis zum Entscheid über das vor- liegende Rechtsmittel von jeglichen Vollzugshandlungen abzusehen. Fer- ner ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. H. Am 7. September 2021 ordnete die zuständige Instruktionsrichterin einen superprovisorischen Vollzugsstopp an. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs- gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu- ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). F-3952/2021 Seite 5 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO wird jede r Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi- gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin -III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). Die rumänischen Behörden stimmte n dem Übernahmeersuchen der Vorinstanz innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist zu. Die Zuständigkeit Rumäniens ist somit grundsätzlich gegeben. 3.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme- bedingungen für Antragstel ler in diesem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grundrechte- charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-F-3952/2021 Seite 6 staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu- stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit- gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 3.4 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO kann jeder Mitgliedstaat beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbst- eintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. Au- gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann be- handeln, wenn dafür gemäss Dublin -III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 4. Der Beschwerdeführer erkennt systemische Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO im rumänischen Asylverfahren. 4.1 Diesbezüglich zitiert er verschiedene Berichte und weist darauf hin, dass sehr wohl Mängel im Asylverfahren Rumäniens bestehen und die problematischen Zustände sich täglich verschlimme rn würden, weshalb dringend eine neue Evaluation der dort bestehenden Situation angezeigt sei. Es herrsche eine diskriminierende rassistische Stimmung vor. Sodann sei eine starke Zunahme von Polizeigewalt sowie von Push-Backs festge- stellt worden. Viele Gesuchsteller würden im Gefängnis festgehalten statt in normalen Asylunterkünften untergebracht. Ferner bestehe eine gravie- rende Unterbesetzung an medizinischem Pflegepersonal. Die Aufnahme- bedingungen seien ganz allgemein unzureichend. Zudem werde Rumä- nien regelmässig durch den EGMR wegen Menschrechtsverletzungen kri- tisiert. Dazu gebe es aktuell aufgrund der anhaltenden Covid-19-Pandemie einen Rückgang von medizini scher Versorgung, namentlich psychologi- sche und psychotherapeutische Dienstleistungen. Seine Erlebnisse in Ru- mänien (erlittene Push-Backs sowie damit verbundene Gewalttätigkeiten, bis zu 20-tägige Inhaftierungen und der fehlende Zugang zu medizinischer F-3952/2021 Seite 7 Unterstützung) würden die vorstehend erwähnten Erkenntnisse rund um die Situation von Asylsuchenden in Rumänien bestätigen. 4.2 Die Ausführungen des Beschwerdeführers zum durchlaufenen Asylver- fahren in Rumänien sind allgemein gehalten, detailarm und unbelegt. Die Inhaftierungen – sofern sie tatsächlich stattgefunden haben – erfolgten wohl deshalb, weil er mehrmals illegal einreiste. Es ist davon auszugehen, dass es dazu gar nicht gekommen wäre, wenn er bereits beim ersten Grenzübertritt ein Asylgesuch gestellt hätte, was er gemäss seinen eige- nen Angaben aber gar nicht wollte. Seine Angaben, die im Übrigen auc h nicht von seiner rumänischen Rechtsberaterin im Schreiben vom 5. August 2021 bestätigt werden, sind nicht geeignet, die geltende Vermutung umzu- stossen, wonach Rumänien seine völkerrechtlichen Verpflichtungen oder die Richtlinie des Europäischen Parlament s und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) ein- hält. Im Übrigen haben weder der EGMR noch der Gerichtshof der Euro- päischen Union (EuGH) b islang systemische Schwachstellen im rumäni- schen Asylsystem erkannt. Auch wenn die Situation von (abgewiesenen) Asylsuchenden sowie Migrantinnen und Migranten in Rumänien teilweise problematisch ist, erkennt das Bundesverwaltungsgericht derzeit ebenfalls keine wesentlichen Gründe für die Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für asylsuchende Personen in Rumänien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO auf (statt vieler: Urteile des BVGer F -2570/2021 vom 7. Juni 2021 E. 7.1 und F-1123/2021 vom 24. März 2021 E. 4.2 m.w.H.). 4.3 Die vom Beschwerdeführer angeführten Berichte des ACCORD vom 16. März 2020 (< https://www.ecoi.net/en/document/2026995.html >, ab- gerufen am 08.09.2021), beziehungsweise von AIDA (Country Report Ro- mania, 2019 Update [ < https://asylumineurope.org/reports/country/roma- nia/ >, abgerufen am 08.09.2021]), vermögen an der bestehenden Recht- sprechung nichts zu ändern. Insbesondere geht daraus nicht hervor, dass der Zugang zum Asylverfahren oder zur medizinischen Versorgung in Ru- mänien ungenügend oder gar eingeschränkt wären. Ebenso wenig erge- ben sich daraus Anhaltspunkte dafür, dass ein rechtskonformes Asylver- fahren mit der Möglichkeit, wirksame Rechtsmittel einzulegen, in Rumä- nien nicht gewährleistet wäre. 4.4 Der negative Ausgang des Asylverfahrens in Rumänien bildet für sich alleine kein Überstellungshindernis. In diesem Fall bleibt Rumänien auch F-3952/2021 Seite 8 für die Wegweisung des Beschwerdeführers aus dem Dublin -Raum zu- ständig. Es gilt das Prinzip, dass ein Asylgesuch lediglich von einem einzi- gen Dublin-Mitgliedstaat zu prüfen ist (Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO; BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3; Urteile des BVGer E-350/2021 vom 1. Februar 2021 E. 8.1.2; F-1517/2020 vom 15. April 2020 E. 5.3). Der Beschwerdeführer wird in Rumänien die Möglichkeit haben, ein Folgegesuch einzureichen oder allenfalls die Wiederaufnahme seines Asylverfahrens zu beantragen (vgl. Urteil E-5656/2020 E. 6.2.2). Ein konkretes und ernsthaftes Risiko da- für, dass sich die rumänischen Behörden nach seiner Rücküberstellung dorthin weigern könnten, ihn wiederaufzunehmen, oder ihm den Zu gang zum Asylverfahren zu ermöglichen, ist nicht ersichtlich. 4.5 Die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO ist somit nicht ange- zeigt. 5. Der Beschwerdeführer beruft sich weiter auf einen schlechten Gesund- heitszustand und macht insbesondere geltend, dass noch fachärztliche Ab- klärungen ausstehend seien und entsprechend die Zumutbarkeit bezie- hungsweise Zulässigkeit seiner Wegweisung zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht zuverlässig abgeklärt werden könne. Unbestritten sei aber bereits jetzt, dass er des Zugangs zu einer psychiatrischen Versorgung bedürfe und diese in Rumänien kaum erhalten dürfte. 5.1 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine erzwun- gene Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Eine vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab- schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel- staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsthaften, ra- schen und unwieder bringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu- standes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb- lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kam- mer 41738/10, §§ 180-193 m.w.H.). 5.2 Eine solche Situation liegt nicht vor. Gemäss ärztlichem Kur zbericht vom 30. Juli 2021 leidet der Beschwerdeführer an Depressionen und einer Anpassungsstörung sowie Migräne und einer Visusminderung (vgl. Sach- verhalt Bst. D). Nach seinen eigenen Angaben liegt der Grund seiner psy- chischen Leiden im Wesentlichen in seinen Erlebnissen in Afghanistan. Er F-3952/2021 Seite 9 hat diese Leiden mit Analgetika behandelt. Seit seiner Ausreise aus Afgha- nistan (2016) nahm er auf seiner Reise durch mehrere Staaten offensicht- lich keine spezielle medizinische Hilfe in Anspruch. Dass sich sein Gesund- heitszustand deswegen in schwerwiegender Weise verschlechtert hätte, wird nicht geltend gemacht und ergibt sich auch nicht aus den Akten. Zur Behandlung seiner gesundheitlichen Probleme wurden ihm Medikamente verschrieben. Gleichzeitig überwies man ihn an fachärztliche Spezialisten (Psychiatrie, Ophthalmologie). Indessen ergibt sich bereits aus den heute vorliegenden Diagnosen, dass er reisefähig ist und eine Überstellung nach Rumänien keine tatsächliche Gefahr (real risk) einer Verletzung von Art. 3 EMRK mit sich bringen würde. 5.3 Im Übrigen geht das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Recht- sprechung davon aus, dass Rumänien über eine ausreic hende medizini- sche Infrastruktur verfügt (vgl. Urteil des BVGer F -2570/2021 vom 7. Juni 2021 E. 8.7 m.w.H.). Hinweise dafür, dass Rumänien dem Beschwerdefüh- rer als Dublin -Rückkehrer ein e ausreichende medizinische Behandlung (konkret Fortführung der Medikation, allenfalls psychiatrische oder psycho- therapeutische Betreuung) verweigern würde, liegen nicht vor. Bei dieser Ausgangslage war die Vorinstanz nicht gehalten, seinen Gesundheitszu- stand näher abklären zu lassen. Ebenso wenig war sie gehalten, individu- elle Garantien betreffend Unterbringung und Zugang zum Asylverfahren sowie zu fachärztlicher Behandlung einzuholen (vgl. Urteil des BVGer F-1123/2021 vom 24. März 2021 E. 5.3 m.w.H.). Die Anträge auf Rückwei- sung zwecks vollständiger Abklärung des Sachverhalt s sowie zur Einho- lung von Garantien in Bezug auf Unterbringung und medizinische Versor- gung sind abzuweisen. Ferner gilt, dass die Schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, den me- dizinischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung des Beschwerdeführers – sofern notwendig – Rechnung tra- gen und die rumänischen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen medizinischen Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dub- lin-III-VO). Zu ergänzen ist der Vollständigkeit halber, dass die herrschende Situation im Zusammenhang mit der COVID -19-Pandemie ein bloss tem- poräres Vollzugshindernis darstellt, welches lediglich im Rahmen der Voll- zugsmodalitäten zu berücksichtigen ist (vgl. Urteil des BVGer F-6222/2020 vom 16. Dezember 2020 E. 7.9). F-3952/2021 Seite 10 6. 6.1 Im Zusammenhang mit dem Antrag auf Gewährung der aufschieben- den Wirkung macht der Beschwerdeführer geltend, er habe gewichtige per- sönliche Interessen am Verbleib in der Schweiz, zumal er mit seiner in der Schweiz lebenden Partnerin ein gemeinsames Kind erwarte. Der beabsich- tigte Eheschluss und das damit verbundene Ehevorbereitungsverfahren sei bereits eingeleitet. Soweit dieses Vorbringen den Ausgang des Verfah- rens in materieller Hinsicht (vgl. E. 3.4) beeinflussen könnte, ist es zu be- handeln. 6.2 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass sich der Beschwerdeführer im Wie- deraufnahmeverfahren befindet. In diesem Verfahren findet – vorbehältlich der in Art. 7 Abs. 3 Dublin-III-VO genannten Ausnahmen – keine neue Zu- ständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO statt (vgl. E. 3.2). Der Be- schwerdeführer kann sich demnach nicht auf einen Übergang der Zustän- digkeit auf die Schweiz nach Art. 9 i.V.m. Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO berufen. 6.3 Die Partnerin des Beschwe rdeführers lebt seit zwei Jahren in der Schweiz und ist im Besitz einer F -Bewilligung (vorläufige Aufnahme). Sie sollen sich in Griechenland kennengelernt haben. Sie haben somit kaum zusammengelebt. Entgegen den Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe ist auch das Ehevorbereitungsverfahren, welches im Übrigen im Ausland ab- gewartet werden kann, nicht weit fortgeschritten. Beim im Beschwerdever- fahren eingereichten Antwortschreiben des Kantons Waadt vom 19. August 2021 handelt es sich lediglich um eine Empfangsbestätigung der entspre- chenden Eingabe des Beschwerdeführers mit Hinweisen, welche Doku- mente für eine Eheschliessung beigebracht werden müssen. Auf jeden Fall kann beim Beschwerdeführer und seiner Verlobten nicht von einer dauer- haften, gelebten Beziehung ausgegangen werden (zur gelebten Beziehung nach Art. 8 EMRK vgl. Urteil des BVGer D -4076/2011 vom 25. Juli 2011). Eine Berufung auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK ist von vornherein ausgeschlossen. 7. Zusammenfassend liegt kein Grund für die Anwendung der Ermessens- klausel von Art. 17 Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vor. Weder ist die Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbstein- tritt nahelegen würden. Das SEM ist daher zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat zu Recht die Überstel- lung nach Rumänien angeordnet. F-3952/2021 Seite 11 8. Die Beschwerde ist somit abzuweisen, und mit dem Urteil in der Sache wird das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung gegenstandslos. Der angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Urteil dahin. 9. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuwei- sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrenskosten sind dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.- festzusetzen (Art 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 10. Das Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). (Dispositiv nächste Seite) F-3952/2021 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge- wiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Susanne Genner Rudolf Grun Versand: