B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-8570/2010 law/joc/wif U r t e i l v o m 25 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Pietro Angeli-Busi; Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren […], Pakistan, vertreten durch lic. iur. Benedikt Schneider-Koch, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügungen des BFM vom 3. Dezember 2010 / N […]. D-8570/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer gelangte eigenen Angaben zufolge am 27. Juli 2010 zusammen mit seiner Ehefrau B._______ (Verfahrensnummer BFM: N […]) in die Schweiz, wo er und seine Ehefrau am gleichen Tag im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nachsuchte n. Dort erhob das BFM am 5. August 2010 die Personalien des Be schwer- deführers und befragte ihn summarisch zum Reiseweg und zu den Grü n- den für das Verlassen des Heimatlandes. Am 19. August 2010 wurde er durch das BFM einlässlich zu den Asylgründen angehört. Im Rahmen dieser Anhörungen erklärte d er Beschwerdeführer, er sei in C._______, Provinz Punjab, Pakistan, geboren und habe dort bis am 15. Oktober 2007 gelebt. An jenem Tag seien um 22.00 Uhr in C._______ zwei Personen , ein Mann namens D._______ und dessen Sohn E._______, getötet worden. Sein Vater habe ihm eine halbe Stunde sp ä- ter mitgeteilt, dass er der Tötung dieser Personen beschuldigt und mittels FIR (First Investigation Report; polizeilicher Untersuchungsbericht ) g e- sucht werde. Es habe sich um eine falsche Anschuldigung seitens eines politischen Gegners seines Va ters gehandelt. Dieser habe früher mehr- mals seine Familie bedroht. Noch am gleichen Tag sei er mit seiner Ehe- frau nach R._______ geflohen. Dort hätten sie sich bei einem Freund seines Vaters aufgehalten. Aus Angst seien sie nur nachts aus dem Haus gegangen. Am 26. Juli 2010 nachmittags sei er mit seiner Ehefrau von R._______ nach Dubai und von dort nach Rom geflogen . Danach seien sie illegal in die Schweiz gereist. Den Schlep per für diese Reise habe sein Vater organi siert. Sein Vater sei auch für die Reisek osten aufg e- kommen. Auf seiner Reise habe er einen pakistanischen Reisepass ver- wendet, der ihm jeweils bei den Kontrollen vom Schlepper übergeben worden sei. B. B.a Mit Verfügung vom 3. Dezember 2010 trat das BFM auf das Asylge- such des Beschwerdeführers vom 27. Juli 2010 in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht ein. Gleichzeiti g verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und forderte den Beschwerdeführer – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz bis am Tag nach Eintritt der Rechts- kraft der Verfügung zu verlassen. D-8570/2010 Seite 3 B.b Mit am 3. Dezember 2010 separat erlassener Verfügung trat das BFM auf das Asylgesuch der Ehefrau des Beschwerdeführers nicht ein. C. C.a Gegen die Verfügung vom 3. Dezember 2010 liess der Beschwerde- führer mit Eingabe des rubrizierten Rechtsvertreters vom 14. Dezember 2010 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantra- gen, der Entscheid des BFM sei aufzuheben, auf das Asylgesuch sei ein- zutreten und es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen. Eve n- tualiter sei d ie Sache zwecks Prüfung der materiellen Flüchtlingseige n- schaft und Verhinderung der Verkürzung des Instanzenzugs an das BFM zurückzuweisen. In jedem Fall sei von einer Wegweisung abzusehen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er beantragen, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und ihm die unentgeltliche Rechts- pflege zu gewähren. Der Beschwerde lagen – nebst einer Vertretungsvollmacht und der ange- fochtenen Verfügung im Original – eine pakistanische Identitätskarte des Beschwerdeführers im Original , ausgestellt am 26. Juli 2005 und gültig bis am 30. Juni 2017, ein Heiratszertifikat , ausgestellt am 9. Dezember 2010, eine polizeiliche Anzeige vom 15. Oktober 2007 (inkl. eines unda- tierten englischen Begleitschreibens von F._______, Advocate High Court, G._______, einer beglaubigten Kopie des FIR in Englisch sowie eine Kopie des FIR) und ein Zustellungsbeleg in Kopie von DHL bei. C.b Die Ehefrau des Beschwerdeführers liess gegen die sie betreffende Verfügung vom 3. Dezember 2010 mit Eingabe des nämlichen Rechtsver- treters vom 14. Dezember 2010 ebenfalls Beschwerde beim Bundesve r- waltungsgericht (Verfahren […]) einreichen. D. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2010 stellte der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts fest, aufgrund des sach lichen und persönli- chen Zusammenhangs sowie der Tatsache, dass die Beschwerdeeing a- ben vom 14. Dezember 2010 jeweils identische Begehren und Begrü n- dungen enthalten würden, seien die Beschwerdeverfahren […] und […] koordiniert zu behandeln . Auf den Antrag, der Beschwerde sei die au f- schiebende Wirkung zu erteilen, trat er nicht ein, da dieser von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukomme und die Vorinstanz einer allfälli- gen Beschwerde die aufschiebende Wir kung nicht ent zogen habe. Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau könnten daher den Ausgang des D-8570/2010 Seite 4 Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Rechtspflege hiess er unter dem Vorbehalt der nachträgl i- chen Veränderung der finan ziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers und dessen Ehefrau gut und verzichtete auf die Erhebung eines Koste n- vorschusses. Gleichzeitig l ud er das BFM zur Vernehmlassung zu den Beschwerdeschriften vom 14. Dezember 2010 ein. E. Mit separaten Vernehmlassungen vom 3. Januar 2011 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerden vom 14. Dezember 2010. F. Am 27. Januar 2011 replizierte der Rechtsvertreter namens des B e- schwerdeführers und dessen Ehefrau. Der Replik lagen drei undatierte englischsprachige Schreiben von H._______, "Advocate High Court", Ge- neralsekretär der Pakistan Peoples Party (PPP) I._______, J._______, ein fremdsprachiges Schreiben des Richters K._______ in L._______, ein in Englisch verfasster, undatierter, "warrant of arrest" (Haftbefehl) desse l- ben Richters und eine undatierte "proclamation against the accused" (Vorladung) desselben Gerichts in Englisch bei. G. Das BFM hielt mit Duplik vom 9. Februar 2011 an seinem Antrag auf A b- weisung der Beschwerde fest. H. Der Rechtsvertreter reichte am 4. März 2011 eine weitere Stellungnahme zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s-D-8570/2010 Seite 5 nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs- gericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegende n B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun- desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz - würdiges Interesse an d eren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der in der verfahrensleitenden Verfügung vom 21. De- zember 2010 getroffenen Disposition betreffend den Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung – einzutreten. 1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32 – 35a AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätz- lich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylge- such nicht eingetreten ist. Die Beschwerdeinstanz enthält sich somit – so- fern sie den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen materiellen Prü fung, hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE E -6496/2009 vom 16. November 2011 E. 3, Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.). Die Vorinstanz prüft die Frage der Wegwe i- sung und des Vollzugs materiell, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt. 2.2 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn die asylsuchende Person den Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise - oder Identitätspa- piere abgibt. Diese Bestimmung findet indes keine Anwendung, wenn Asylsuchende glaubhaft machen können, sie seien dazu aus entschul d-D-8570/2010 Seite 6 baren Gründen nicht in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), auf Grund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseige n- schaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG) oder sich auf Grund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abk lärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses n ö- tig sind (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG). 2.3 Vorliegend ist unbestritten, dass es der Beschwerdeführer unterliess, im Moment der Einreichung des Asylgesuches im E VZ beziehungsweise in den 48 Stunden nach der diesbezüglichen Aufklärung durch Vorhalt ei- nes Infor mationsblattes ein Dokument zu seiner Identifizierung abzuge- ben. Damit ist die in Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG statuierte Grundvorau s- setzung für ein Nichteintreten wegen fehlender Papiere vorliegend erfüllt. Strittig ist hingegen, ob für das Nichtbeibringen von rechtsgenüglichen Identitätspapieren entschuldbare Gründe im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG vorliegen. 2.4 2.4.1 Sinn und Zweck des Art. 32 Abs. 2 Bst. a i. V. m. Abs. 3 Bst. a AsylG ist, das Verhalten von Personen zu sanktionieren, die den Behör den ihre Reise- oder Identitätspapiere bewusst vorenthalten, um ihren Aufenthalt in der Schweiz unrechtmässig zu verlängern. Entschuldbare Gründe im Sinne v on Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG liegen unter anderem dann vor, wenn die asylsuchende Person glaubhaft macht, dass sie ohne ihre im Heimatland zurückgelassenen Papiere in die Schweiz gereist ist, und sie sich umgehend und ernsthaft darum bemüht, die im Heima tland zurück- gelassenen Papiere innert angemessener Frist zu beschaffen ( vgl. BVGE 2010/2 E. 5 und 6 S. 27 ff.). 2.4.2 Der Beschwerdeführer gibt im Rahmen der Summarbefragung zum Verbleib seiner Papiere an, nie einen Reisepass besessen oder beantragt zu haben. Se ine Identitätskarte, ausgestellt im Jahre 2007 und gültig bis im Jahre 2012, habe er nach seiner Flucht zu Hause gelassen. Er wisse derzeit nicht, wo diese sei. Er habe bis anhin keinen Kontakt gehabt. S o- bald er aber Kontakt habe, werde er Identitätspapier e beschaffen (vgl. act. A1/10 S. 4 f.). Die Reise von Pakistan in die Schweiz habe er mit einem pakistanischen Reisepass, den ihm der Schlepper gegeben habe, unternommen. Er wisse nicht, auf wessen Namen und Geburtsdatum die- ser ausgestellt worden sei (vgl . act. A1/10 S. 6). In R._______ sei alles für ihn und seine Ehefrau organisiert gewesen, auch bei der Grenzko n- trolle. Den Pass habe er kurz vor der Grenzkontrolle vom Schlepper e r-D-8570/2010 Seite 7 halten und diesen dann vorgewiesen. Sein Vater habe alles bezahlt (vgl. act. A1/10 S. 7). Während der einlässlichen Befragung vom 19. August 2010 macht er zudem geltend, er habe vor vier Tagen seinen Vater ange- rufen. Wegen der Überschwemmungen seien die Strassen unbrauchbar und man könne nicht nach Hause gehen. Er brauche daher zu r Beschaf- fung von Identitätsdokumenten noch etwas Zeit. Seine Identitätskarte h a- be er nicht mitnehmen können, da er di ese zu Hause gelassen habe. Er habe sich nach seiner Flucht nicht mehr dorthin begeben können (vgl. act. A9/10 S. 2). Die Ausreise habe se in Vater organisiert. Dieser habe den Schlepper beauftragt und bezahlt. Ein Freund habe ihm dabei geho l- fen. Der Schlepper habe seinen Reisepass organisiert. Er habe nicht g e- nau darauf geachtet, nur den Namen gelesen, der Muhammad lautete. Mehr wisse er nicht. Während der Reise habe er keine Probleme gehabt. (vgl. act. A9/10 S. 7). 2.4.3 Diese Darlegungen des Beschwerdeführers erachtet das BFM in der angefochtenen Verfügung als nicht glaubhaft. Der Behauptung, nicht zu wissen, auf welche Personalien der von ihm verwendete Reisepass ausgestellt worden sei, könne nicht gefolgt werden. Es sei davon auszu- gehen, dass er den Pass mehrmals habe vorweisen müssen. Unglau b- haft sei auch, dass er ohne eigene und echte Ide ntitätsdokumente eine solche Interkontinentalflugreise habe zurücklegen können. Er habe me h- rere Passkontrollen passieren müssen. Da er sich mehre re Jahre in R._______ aufgehalten habe, überzeuge seine Erklärung, seine Ident i- tätskarte zu Hause gelassen zu h aben, nicht. Er habe genügend Zeit ge- habt, sich um seine Identitätspapiere zu kümmern. Es sei davon ausz u- gehen, dass er den Asylbehörden seine Identitätsdokumente absichtlich vorenthalte, um seine Identität zu verschleiern respektive eine Rückfü h- rung in de n Heimatstaat zu verhindern o der zu erschweren. Es würden daher keine entschuldbaren Gründe vorliegen , die es dem Beschwerd e- führer verunmöglicht hätten, Reise- oder Identitätspapiere einzureichen. 2.4.4 In der Beschwerde wird demgegenüber eingewendet, es komme re- gelmässig vor, dass Schlepper Pässe abnehmen oder aber auf der Reise gefälschte Pässe verwendet würden. Der Beschwerdeführer habe seine Identitätskarte tatsächlich zu Hause gelassen und seine Identitätsdok u- mente nicht vorenthalten. In Pakistan habe info lge der Überschwemmun- gen ein Chaos geherrscht. Seine und die Familie seiner Ehefrau seien auf der Flucht oder in ständiger Gefahr, ebenfalls verhaftet zu werden. Es sei ihm daher nicht möglich gewesen, sofort Papiere zu beschaffen. Dies D-8570/2010 Seite 8 sei ihm inzwischen gelungen. In der Beilage reiche er seine und die Iden- titätskarte seiner Ehefrau zu den Akten. 2.4.5 Das BFM stellt sich in seiner Vernehmlassung vom 3. Januar 2011 auf den Standpunkt, die nachträglich eingereichte Identitätskarte des B e- schwerdeführers sei nicht geeignet, die Korrektheit seiner bisherigen E r- wägungen zu widerlegen. 2.4.6 Demgegenüber wird in der Replik vom 27. Januar 2011 argume n- tiert, nachdem nun gültige Papiere vorliegen würden, sei auf das Gesuch einzutreten. 2.4.7 2.4.7.1 Entgegen der Auffassung des BFM ist es nicht realitätsfremd, dass eine Person eine – wie vom Beschwerdeführer beschriebene – Flugreise nicht mit echten, sondern mittels eines gefälschten Reisepa s- ses unternimmt. Es kommt durchaus vor, dass eine asylsuchende Person auf einer Flugreise einen ge fälschten Reisepass verwendet, den sie für teures Geld von Schleppern erhalten hat. Dem BFM dürfte dies aus eige- ner Erfahrung be kannt sein. Auch entspricht es einer Tatsache, dass Schlepper, die die Reise von Ausländern organisieren, diese nicht nur mit gefälschten Reisepapieren ausstatten, sondern ihnen manchmal auch i h- re authentischen Reisepässe und andere Ausweispapiere abnehmen. Oftmals bestehen sie auf der Rückgabe beziehungsweise Aushändigung von Pass und Reiseunterlagen und weisen die Betreffenden an , die im Pass eingetragenen Personalien nicht preiszugeben. Die Schlepper neh- men die angefertigten Reisepässe manchmal wieder an sich, um Reis e- dokumente mit hoher Fälschungsqualität mehrfach für Schleusungen zu benutzen. Hätte ein Schlepper den Beschwerdeführer und seine Ehefrau, wie von ihm dargelegt, tatsächlich begleitet, so erschiene es möglich, dass er den Reisepass jeweils erst kurz vor der Grenzkontrolle vom Schlepper erhalten und diesen dann vorgewiesen hätte. Die Aussagen des Beschwerdeführers zu den Umständen der Flugreise und zum Ver - bleib seiner Identität spapiere erweisen sich dennoch insgesamt als nicht glaubhaft. So fällt einerseits auf, dass er anlässlich der Erstbefragung be- hauptet (vgl. act. A1/10 S. 6): "Ich weiss nicht, auf wessen Namen und Geburtsdatum dieser Pass ausgestellt war." Im Rahmen der einlässlichen Befragung beantwortet er hingegen die Frage, was er über die Ausste l- lung des von ihm verwendeten Reisepasses wisse, mit (vgl. act. A9/10 S. 7): "Ich habe nicht genau da rauf geachtet, nur den Namen gelesen, Muhammad. Mehr weiss ich nicht." Insbesondere steht aber seine Schi l-D-8570/2010 Seite 9 derung, den gefälschten Pass jeweils vom Schlepper vor den Grenzkon- trollen erhalten und persönlich vorgezeigt zu haben, in diametralem W i- derspruch zu den Angaben seiner Ehefrau. Diese erklärt, der Schlepper sei im Besitz aller Pässe gewesen und habe diese vorgewiesen. Sie und ihr Ehemann hätten hinter dem Schlepper gestanden (vgl. N […] act. A8/7 S. 4). Die Vorweisung sämtlicher Reisepässe durch den Sch lepper ist nicht realistisch. Insbesondere bei Passkontrollen an europäischen Flu g- häfen, wie etwa dem von ihm erwähnten in Rom, ist es üblich, dass die Kontrolle einzeln er folgt. E ine Vorweisung mehrerer Pässe durch eine Drittperson ist in aller Regel nich t möglich. Die Darlegungen der Ehefrau erweisen sich zudem als u nsubstanziiert, ausweichend, realitätsfremd und in sich nicht schlüssig. So behauptet sie zunächst, sie wisse nicht, ob sie illegal oder legal aus ihrem Heimatland ausgereist sei, sie wisse nur, dass sie mit Hilfe eines Schleppers ausgereist seien (vgl. N […] act. A1/10 S. 6). Auch vor dem Hintergrund, dass es sich beim Beschwer- deführer um eine polizeilich gesuchte Person handeln soll, erscheint eine solche Antwort nicht plausibel. Angesichts der Flugreise von R._______ via Dubai nach Rom und der damit verbundenen Passkontrollen, ist ihre anfängliche Darstellung an der Summarbefragung, sie wisse nicht , wie sie die Kontrollen an den Flughäfen passiert habe, als tatsachenwidrig zu werten. Zugleich lässt sich diese Erklärung nicht mit ihrer weiteren Aussa- ge, in R._______ und in Italien seien sie kontrolliert worden, vereinbaren (vgl. N […] act. A1/10 S. 6 f.). Ihr angebliches Unwissen über die jeweil i- gen Passkontrollen steht ausserdem nicht mit erwähnter Schilderung während der einlässlichen Befragung in Einklang, wonach der Schlepper alle Pässe bei sich gehabt und diese vorgewiesen habe (vgl. N […] act. A8/7 S. 4). 2.4.7.2 Der Beschwerdeführer legt im Weiteren dar, infolge seiner Flucht habe er seine Identitätskarte zu Hause in C._______ gelassen. Diese sei im Jahre 2007 in M._______ ausgestellt worden und bis im Jahre 2012 gültig (vgl. act. A1/10 S. 1 und 4). Die von ihm auf Beschwerdeebene nachgereichte Identitätskarte wurde jedoch bereits am 26. Juli 2005 aus- gestellt und ist bis am 30. Juni 2017 gültig. Seine Ehefrau gibt bezüglich ihrer Identitätskarte an, diese sei im Jahre 2007 ausgestellt worden. Sie habe die Identitätskarte erhalten, als sie 18 Jahre alt geworden sei. Die Karte habe sie selber und legal in M._______ beantragt und erhalten. Bis wann diese Gültigkeit besitze, wisse sie nicht (vgl. […] act. A1/10 S. 4). Demzufolge hätte die Ehefrau des Besc hwerdeführers die Identitätskarte im April 2007 in M._______ erhalten und zuvor dort beantragt. Die zu den Akten gereichte Identitätskarte der Beschwerdeführerin trägt jedoch den D-8570/2010 Seite 10 27. November 2007 als Ausstellungsdatum . Ihren Aussagen zufolge müsste sie si ch zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits in R._______ auf- gehalten haben . Sowohl der Beschwerdeführer als auch seine Ehefrau bestätigten nämlich, nach der erfolgten Schlägerei vom 15. Oktober 2007 nach R._______geflohen zu sein (vgl. act. A1/10 S. 2 und 6, act . A9/10 S. 2 ff., vgl. N […] act. A1/10 S. 5, act. A8/7 S. 2). Somit wäre die Ehefrau entweder – trotz vermeintlicher Verfolgungsgefahr – zwecks Beantragung und Ausstellung der Identitätskarte von R._______ aus in ihren Heimatort zurückgekehrt oder aber sie hätte die Identitätskarte während ihres a n- geblichen Aufenthaltes in R._______ erhalten. So oder anders erscheint damit das Vorbringen der Ehefrau, ihre Identitätskarte zu Hause in ihrem Heimatort gelassen zu haben (vgl. N […] act. A1/10 S. 4), nicht glaubhaft. Ebenso kann nicht geglaubt werden, dass der Beschwerdeführer seine Identitätskarte in seinem Heimatort zurückgelassen hat. Denn abgesehen von den erwähnten Unstimmigkeiten betreffend die Ausstellung der einge- reichten Identitätskarten, legt der Be schwerdeführer dar, er habe nach seiner Flucht nach R._______ von seinem Vater erfahren, dass nicht nur er, sondern auch sein Schwiegervater und sein Schwager wegen der T ö- tung der erwähnten Personen beschuldigt worden seien , und sein Vater habe die ganze A usreise organisiert (vgl. act. A9/10 S. 7). Diesen Anga- ben zufolge stand der Beschwerdeführer während seines Aufenthaltes in R._______ in Kontakt mit seinem Vater. Der Einwand des BFM, der B e- schwerdeführer hätte bereits während seines dreijährigen Aufentha ltes in R._______ über die Möglichkeit verfügt, seine Identitätskarte zu bescha f- fen, erscheint damit berechtigt. 2.4.7.3 Aufgrund der aufgezeigten Unstimmigkeiten in den Aussagen des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau ist festzustellen, dass die von ihm geschilderten Umstände seiner Ausreise aus dem Heimatland und die Darstellungen zum Verbleib seiner Identitätspapiere insgesamt nicht glaubhaft sind. Es kann nicht davon ausgegangen werden, er und seine Ehefrau seien illegal und mittels gefälsc hten Reisepässen ausgereist und sie hätten ihre Identitätskarten in ihrem Heimatdorf zurückgelassen. Die Darstellung, wegen der Flut sei eine frühere Zustellung des auf B e- schwerdeebene nachgereichten Identitätsausweises nicht möglich gew e- sen, überzeugt nicht. Auch der vom Beschwerdeführer eingereichte DHL- Beleg vermag nicht zu ei nem anderen Ergebnis zu führen. Dieser liegt einzig in Kopie vor und bestätigt lediglich die Übermittlung einer Briefsen- dung an den Beschwerdeführer und seine Ehefrau, welche am 12. Sep- tember 2010 in Pakistan abgesandt wurde. Der Nachweis für deren Inhalt respektive dafür, dass das Identitätsdokument zusammen mit den and e-D-8570/2010 Seite 11 ren angeblich darin befindlichen Dokumenten (vgl. vorstehend Bst. C.a) dem Beschwerdeführer in die Schweiz zugesandt wurde, wird damit nicht erbracht. In diesem Zusam menhang ist anzufügen , dass das gemäss dem Beschwerdeführer ebenfalls in erwähnter DHL -Sendung enthaltene Heiratszertifikat, welches als solches zum Nachweis seiner Identität nicht geeignet ist, als Ausstellungsdatum den 9. Dezember 2010 trägt. Damit hätte es sich indes nicht in der DHL -Sendung vom 12. September 2010 befinden können. Angesichts der mehr als drei Jahre zuvor erfolgten He i- rat des Beschwerdeführers am […] (vgl. act. A1/10 S. 2) ist eine solch späte Ausstellung des Dokuments auch nicht plausibel . Angesichts der gegen den Beschwerdeführer angeblich erstatteten Mordanzeige ist zu- dem nicht ersichtlich, wie es ihm respektive seinen Verwandten gelungen sein soll, bei den zuständigen Behörden se ines Heimatdistrikts ein so l- ches Dokument ausstellen zu lassen. 2.4.8 Dem Beschwerdeführer gelingt es somit nicht , glaubhaft zu m a- chen, dass er seine Reise- respektive Identitätspapiere im Heimatland zu- rückgelassen beziehungsweise diese nicht mitgenommen hat. Es liegen mithin keine entschuldbaren Gründe für die Nichtabgabe von Reise - oder Identitätspapieren innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des G e- suchs im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG vor. 2.5 2.5.1 Art. 32 Abs. Bst. a AsylG findet ausserdem keine Anwendung, wenn bereits aufgrund einer summarischen Prüfung festgestellt wird, dass die asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne der Definition von Art. 3 AsylG offensichtlich erfüllt (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG). Der Ge- setzgeber hat mit diese r Regelung ein Summarverfahren geschaffen, in welchem über das Bestehen beziehungsweise das Nichtbestehen der Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell befunden wird, soweit dies im Rahmen einer summarischen Prüfung möglich ist (vgl. BVGE 2010/2 E. 5.4. S. 26 f., BVGE 2007/8 E. 5.6.3 – 5.6.6 S. 89 ff. und E. 7 S. 93 f.). Einzutreten ist auf das Asylgesuch, wenn bereits aufgrund einer summari- schen Prüfung festgestellt werden kann, dass die asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne der Def inition von Art. 3 AsylG offen- sichtlich erfüllt (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG). Nicht einzutreten ist demg e- genüber auf das Asylgesuch, wenn bereits aufgrund einer summarischen Prüfung festgestellt werden kann, dass die asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht erfüllt. Die Offensichtlichkeit der fehlenden Flüchtlingseigenschaft kann sich dabei aus der Unglaubhafti g- keit der Vorbringen, aber auch aus der fehlenden Asylrelevanz ergeben D-8570/2010 Seite 12 (vgl. BVGE 2007/8 E. 5 S. 76 ff.). Kann aufgrund e iner summarischen Prüfung nicht abschliessend festge stellt werden, ob die asylsuchende Person offensichtlich Flüchtling ist oder offensichtlich nicht Flüchtling ist, ist auf das Asylgesuch zwecks weiterer im ordentlichen Verfahren vorz u- nehmender Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft ei n- zutreten, wobei auch der Bedarf weiterer Abklärungen zu Wegweisung s- vollzugshindernissen zu einem ordentlichen Verfahren führt (vgl. BVGE 2007/8 E. 5.6.6 und 5.7 S. 91 f.). 2.5.2 Das BFM vertritt in der angefochtenen Verfügung vom 3. Dezember 2010 die Auffassung, die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach er von einem politischen Gegner zu Unrecht der Tötung zweier Personen beschuldigt worden sei, seien ohne Substanz und würden der allgeme i- nen Lebenserfahrung widersprechen. Weder könne er zu se inem Wider- sacher nähere Angaben machen, noch vermöge er dessen Motiv, das zur Falschanzeige führte, aufzuzeigen. Realitätsfremd sei seine Darlegung, er habe erst nach der einlässlichen Befragung vom 5. August 2010 erfah- ren, dass nicht nur er, sondern auch sein Schwiegervater und zwei Schwager der Mordtat vom Oktober 2007 beschuldigt worden seien. Er widerspreche in dieser Hinsicht seiner Ehe frau. Nicht plausibel erscheine auch, dass er nichts unternommen habe, um seine U nschuld zu bewe i- sen. 2.5.3 Dem wird i n der Beschwerde vom 14. Dezember 2010 unter Hi n- weis auf einen beigelegten Polizeirapport entgegengehalten, angesichts der Praxis in Pakistan hätte der Beschwerdeführer seine Rechte nur unter Todesgefahr verteidigen können. Die Aussagen der Ehepartner würden sich nicht widersprechen. Unbeliebte Personen würden in Pakistan mi t- tels Strafanzeigen vertrieben oder unschuldig verurteilt. Insbesondere die unteren Gerichte seien stark durch die Parteien geprägt, und es gebe kei- ne hi nreichende Möglichkeit, sich juristisch wirksam gegen eine Falsc h- beschuldigung zur Wehr zu setzen. Der Durchschnittsbürger könne es sich nicht leisten, das oberste Gericht anzurufen. Das Risiko , noch vor der Verurteilung gefoltert oder getötet zu werden , sei gross. Daher bleibe nur die Flucht im Lande selbst oder die Flucht ins Ausland. 2.5.4 Das BFM erachtet in seiner Vernehmlassung vom 3. Januar 2011 den Polizeirapport respektive die beglaubigte Kopie davon als nicht zum Beweis geeignet. Dieser sei manipulierbar und in Pakistan leicht käuflich. D-8570/2010 Seite 13 2.5.5 In der Replik vom 27. Januar 2011 wird erneut die Echtheit der b e- glaubigten Kopie des Polizeirapports beteuert und eine Authentizitätsprü- fung derselben sowie entsprechende Abklärungen durch die s chweizeri- sche Botschaft in Pakistan beantragt. 2.5.6 In seiner Stellungnah me vom 9. Februar 2011 erachtet das BFM das mit Replik zu den Akten gereichte Begleitschreiben zum Polizeira p- port von F._______, Advocate High Court, G._______, als Gefälligkeits- schreiben. Die anderen mit der Replik eingereichten Dokumente bezeich- net es als leicht käuflich. 2.5.7 2.5.7.1 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich der Meinung des BFM an. Die vom Beschwer deführer geltend gemachten Fluchtgründe sind aus den nachfolgenden Gründen als offensichtlich nicht glaubhaft zu erachten. 2.5.7.2 Obwohl der Beschwerdeführer an der Erstbefragung erklärt, er habe von seinem Vater erfahren, dass er gemäss einem Polizeirapport der Tötung zweier Personen beschuldigt worden sei, vermag er weder die vollständigen Namen der Opfer zu nen nen, noch zu sagen, von wem er beschuldigt wurde (vgl. act. A1/10 S. 5 f.). Seine Antwort, alles stehe im Polizeirapport (FIR), den er nicht gelesen habe, ist als ausweichend zu erachten. Im Gegensatz dazu kann er an der einlässlichen Befragung den vermeintlichen Anzeiger namentlich benennen (vgl. act. A9/10 S. 2). Zu- gleich bezeichnet er als weitere zu Unrecht angeklagte Personen seinen Schwiegervater und seine beiden Schwager (vgl. act. A9/10 S. 4). Ange- sichts der Tragweite einer falschen Anschuldigung wegen Mordes ist nicht nachvollziehbar, weshalb weder der Beschwerdeführer noch seine Eh e- frau nicht bereits an der Erstbefragung diese Verwandten als Mitbeschul- digte genannt haben. Seine Erklärung, erst nach der Summarbefragung davon erfahren zu haben (vgl. act. A9/10 S. 4), überzeugt angesichts des zuvor von ihm unterhaltenen Kontaktes mit seinem Vater nicht, will er doch zugleich bereits während seines Aufenthaltes in R._______ von sei- nem Vater erfahren haben, dass seine bei den Schwager flüch tig seien (vgl. act. A9/10 S. 7). Die Erklärung der Ehefrau, sie habe an der Erstb e- fragung ihren Vater und ihre beiden Brüder nicht erwähnt, da ihr gesagt worden sei, sie solle nur die Fragen beantworten, nicht mehr und nicht weniger (vgl. N […] act. A8/7 S. 3), vermag ebenfalls nicht zu überzeu- gen. Zudem müsste die Ehefrau angesichts dieser Behauptung bereits im Zeitpunkt der Erstbefragung gewusst haben, dass ihre Brüder und der Va-D-8570/2010 Seite 14 ter mitangeklagt worden seien . Der Beschwerdeführer macht während der Erstanhörung zudem geltend, in seiner Heimat weder politisch tätig, noch inhaftiert, noch je vor Gericht gewesen zu sein (vgl. act. A9/10 S. 4). Als Motiv für die falsche Anschuldigung nennt er im Rahmen der eing e- henden Anhörung jedoch eine politische Streitigkeit mit einer Person, die schon lange ein politischer Gegner gewesen sei. Es habe sich dabei um N._______ gehandelt. Dieser habe seinen Namen bei der Anzeige ange- geben. Dieser sei "MPA" der "KAF-League" gewesen und die Getöteten hätten zu seiner Partei gehört. Er hingegen sei ein "Peoples-Partei-Wor- ker" gewesen respektive habe für diese Partei (Paki stan Peoples Party; PPP) gearbeitet (vgl. act. A9/10 S. 2 f.). Abgesehen davon, dass er an der Erstbefragung nichts von ei nem politischen Gegner erwähnt und auch nicht weiss, wer ihn angezeigt hat, vermag er auch keine näheren, detail- reichen und klaren Auskünfte über diese Streitigkeit zu geben. So erklärt er im Verlauf der weiteren Anhörung etwa, sein Vater habe für die PPP gearbeitet. Er habe persönlich nie Kontakt mit der erwähnten Person ge- habt. Bei der Streitigkeit gehe es einzig um Wahlstim men, die man von ihm verlangt habe. Er habe nichts damit zu tun, sein Vater wisse alles, da man von diesem verlangt habe, dass er (der Beschwerdeführer) für die "KAF" arbeite. Wie N._______ dabei vorgegangen sei, wisse er nicht (vgl. act. A9/10 S. 3). Offen bleibt auch, für welche Partei der vermeintliche An- zeiger tätig gewesen sein soll, denn die Abkürzung "MPA" steht nicht e t- wa für eine offizielle Partei in Pakistan, sondern bedeutet "Member Pr o- vincial Assembly". Unklar ist zudem, welche Partei in Pakistan mit dem Kürzel "KAF" bezeichnet werden soll. Schliesslich erweisen sich auch die Schilderungen des Beschwerdeführers hinsichtlich der begangenen T ö- tungen als substanzlos und undurchsichtig, da er einerseits von Schläge- reien, die sich am 1 5. Oktober 2007 ereignet hätten, andererseits von Schüssen auf das Haus seines Vaters spricht und erzählt, auf das Haus seines respektive de s Gegners seines Vaters sei geschossen und dabei seien zwei Pe rsonen getötet worden (vgl. act. A9/10 S. 4). Sein Erkl ä- rungsversuch, nichts N äheres darüber in Erfahrung gebracht zu haben, da er nicht zu Hause gewesen sei und alles nur vom Hörensagen respek- tive von seinem Vater erfahren habe, überzeugt nicht, zumal sein Vater seinen Angaben zufolge über die polizeiliche Anzeige verfügte (vgl. act. A9/10 S. 5). 2.5.7.3 Der vom Beschwerdeführer eingereichte Polizeirapport (FIR) Nr. 543/07 vom 15. Oktober 2007 ist ebenfalls nicht geeignet, den Nac h- weis für die von ihm vorgetragene falsche Anschuldigung zu erbringen. Der angeblich beglaubigten, in Englisch verfassten Kopie lässt sich nicht D-8570/2010 Seite 15 entnehmen, dass die Anzeige von N._______ ausgegangen sein soll, und insbesondere wird darin der Name des Beschwerdeführers als Beschu l- digter mit keinem Wort erwähnt. Als Täter werden – nebst weiteren Perso- nen – lediglich O._______, P ._______ und Q._______ genannt. Ob es sich bei Ersterem allenfalls um einen Verwandten des Beschwerdeführers und bei Letzteren um einen Schwager (vgl. act. A9/10 S. 6) handelt, kann dahingestellt bleiben. Ebenso kann die Frage, weshalb der Schwiegerva- ter – obwohl dieser gemäss Darstellung des Beschwerdeführers ebenfalls angezeigt worden sein soll – im FIR nicht aufgeführt wird, offengelassen werden. Da sich die Anzeige offenbar nicht gegen den Beschwerdeführer richtet, entbehren die von ihm damit verbundenen Fluchtgründe ihrer Grundlage. Der Antrag auf Überprüfung der Echtheit dieses Polizeira p- ports respektive deren beglaubigten Kopie sowie das Gesuch um Vornah- me einer entsprechenden Abklärung durch die schweizerische Vertretung in Pakistan sind daher abzu weisen. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich auch, auf den "warrant of arrest " (Haftbefehl), die "proclamation against the accused " (Vorladung) sowie die drei Referenzschreiben von H._______ näher ein zugehen. Diese nennen zwar allesamt den B e- schwerdeführer als angezeig te respektive der Tötung beschuldigte und daher strafrechtlich gesuchte Person. Sie tragen jedoch kein Ausste l- lungsdatum und in einem Schreiben wird der Beschwerdeführer gar vom Verfasser als dessen Sohn bezeichnet. Zudem beziehen sie sich auf den FIR Nr. 543/07. Dieser lautet jedoch – wie erwähnt – nicht auf den B e- schwerdeführer, sondern auf andere Personen. Die Referenzschreiben sind demnach nicht geeignet, die vom Beschwerdeführer dargelegte strafrechtliche Suche nach ihm zu belegen und sind mithin als Gefälli g- keitsschreiben zu bezeichnen. 2.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass d ie Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a i.V.m. Art. 32 Abs. 3 AsylG erfüllt sind, zumal – wie sich aus der nachstehenden Erw ä- gung 3.5 ergibt – auch keine zusätzlichen Abklärungen zur Feststellung eines Wegwe isungsvollzugshindernisses vorzunehmen sind (vgl. dazu BVGE 2009/50 E. 6-8 S. 725 ff.). Das BFM ist demnach auf das Asylg e- such des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten. 3. 3.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). D-8570/2010 Seite 16 3.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegweisung wurde demnach vom BFM zu Recht angeo rdnet (Art. 44 Abs. 1 Asyl; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, mit weiteren Hinwei- sen; EMARK 2001 Nr. 21). 3.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 3.4 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshinder nissen gilt gemäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht - lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebers ax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 3.5 3.5.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder ei nen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkom- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u n- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konventi on vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigen der Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 3.5.2 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwer-D-8570/2010 Seite 17 deführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu m achen, kann der in Art. 5 AsylG veran- kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den He i- matstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 3.5.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall e i- ner Ausschaffung in den Heimatsta at dort mit beachtlicher Wahrschei n- lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen G e- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folter- ausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rüc k- schiebung Folter oder unmenschliche Behand lung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihm nach den vorstehenden Erwägungen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechts situation in Pakistan lässt den Wegwe i- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 3.6 3.6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 3.6.2 In Pakistan herrscht zurzeit weder Krieg, Bürge rkrieg, noch liegt – entgegen der dahingehenden Äusserung in der Replik vom 4. März 2011 – eine Situation allgemeiner Gewalt vor, aufgrund derer die Zivilb e- völkerung generell als konkret gefährdet bezeichnet werden müsste, wes- halb mit Blick auf die allgemeine Lage in konstanter Praxis von der gene- rellen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen wird. D-8570/2010 Seite 18 3.6.3 In den Akten finden sich auch keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Pakistan aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten würde. Es handelt sich bei ihm um einen jungen Mann ohne aktenkundige gesundheitliche Probleme. In sei- nem Geburts- und Herkunftsort C._______ im Distrikt G._______ leben seine Eltern sowie seine beiden Geschwister (vgl. act. A1/10 S. 1 ff., act. A9/10 S. 2, 5 und 7 ). Die Beschwerde der Ehefrau des Beschwerde- führers wird mit Urteil […] heutigen Datums abgewiesen. Er wird zusam- men mit seiner Ehefrau nach Pakist an zurückkehren können und dort ein tragfähiges familiäres Familiennetz vorfinden. Ausserdem hat der B e- schwerdeführer eine Schulbildung abgeschlossen und ein Studium b e- gonnen. Sein Vater hat ihn beim Studium finanziell unterstützt (vgl. act. A1/10 S. 3, act. A9/10 S. 3). Es kann daher davon ausgegangen wer- den, dass der Vater ihm und seiner Ehefrau bei allfälligen anfänglichen fi- nanziellen Schwierigkeiten behilflich sein wird . Überdies würde es dem Beschwerdeführer freistehen, sich in R._______, wo er und seine Eh e- frau mehrere Jahre im Haus eines Freundes ihres Vaters gelebt ha ben, niederzulassen (vgl. act. A1/10 S. 2, act. A9/10 S. 5), zumal aufgrund der nicht glaubhaften Angaben zu seinen Fluchtgründen davon auszugehen ist, sie hätten sich dort nicht vers tecken müssen und über ein soziales Netz verfügt. 3.6.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch nicht als unzumutbar. 3.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen, gültigen, Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl. dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der We g- weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 3.8 Die Vorinstanz hat demzufolge den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-D-8570/2010 Seite 19 schwerde ist demnach abzuweisen , soweit auf dies e einzutreten ist. 5. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens wäre n dem Beschwer- deführer grundsätzlich die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Verfügung vom 21. Dezember 2010 wurden ihm und seiner Ehefrau die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt. Nach Kenntnis des Gerichts gehen der Beschwerdefüh- rer und seine Ehefrau nach wie vor keiner Erwerbstätigkeit nach, weshalb weiterhin von deren Bedürftigkeit auszugehen ist. Von der Auferlegung von Verfahrenskosten ist daher abzusehen. (Dispositiv nächste Seite) D-8570/2010 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand: