Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Januar 2021 (710 20 99 / 10) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Aufgrund der grossen wirtschaftlichen und auch betriebsorganisatorischen Abhängig- keit des Beigeladenen von der Beschwerdeführerin sowie aufgrund des geringen unter- nehmerischen Risikos des Beigeladenen hat die Ausgleichskasse zu Recht dessen Tä- tigkeit ab 1. November 2013 als unselbständige Erwerbstätigkeit qualifiziert und die ent- sprechende Beitragspflicht der Beschwerdeführerin bejaht. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ AG , Beschwerdeführerin gegen Ausgleichskasse Arbeitgeber Basel , Viaduktstrasse 42, Postfach , 4002 Basel, Beschwerdegegnerin Beigeladener B.____ Betreff Beiträge Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 10. April 2019 führte der Revisor der Ausgleichska sse Arbeitgeber Basel (Aus- gleichskasse) bei der A.____ AG eine Arbeitgeberkontrol le für die Jahre 2014 bis 2018 durch. Dabei wurde festgestellt, dass in dieser Zeit jährliche Zahlungen im Betrag von jeweils rund Fr. 34'000.-- bis knapp Fr. 90'000.--, insgesamt rund Fr. 297'000.--, an den früheren Mitarbeiter, geboren 1948 und wohnhaft in C.____, Frankreich, erfo lgt sind. In der Folge erhob die Aus- gleichskasse mit Verfügung vom 21. Juni 2019 Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge inklusive Zinsen in der Höhe von Fr. 30'212.20 für die entspre chenden Bezüge der Jahre 2014 bis 2018, da sie davon ausging, dass B.____ seine Einnahmen durch Ausübung einer unselbständigen Erwerbstätigkeit erzielt habe. Eine von der A.____ AG dagegen erhobene Einsprache wies die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 3. Februar 2020 ab. Im Wesentlichen begründete die Aus- gleichskasse ihren Entscheid damit, dass die von B.____ au sgeübte Tätigkeit alle Elemente einer unselbständigen Erwerbstätigkeit erfüllen würde. B. Hiergegen erhob die A.____ AG, vertreten durch Rech tsanwalt X.____, Y.____ AG, mit Schreiben vom 3. März 2020 Beschwerde am Kantonsgericht B asel-Landschaft, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Nachdem das Kantonsgericht dem Rechtsvertreter der A.____ AG Gelegenheit eingeräumt hatte, darzulegen, dass er im Anwaltsregister eingetragen sei oder dass die Vertretung nicht gegen Entgelt erfolg e, reichte die A.____ AG mit wiederum vom 3. März 2020 datiertem Schreiben (Eingang am Kanto nsgericht am 17. April 2020) eine Beschwerde in eigenem Namen ein. Darin wurde beantra gt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei von der Nachforderung von AHV-Be iträgen in Höhe von Fr. 30'212.20 abzusehen, eventualiter sei die Streitsache zur Kläru ng des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. Rechtsanwalt X.__ __ bestätigte mit E-Mail vom 21. April 2020, dass er die A.____ AG vor dem Kantonsgericht nicht vertrete. C. Mit Verfügung vom 21. April 2021 wurde die von d er Y.____ AG eingereichte Be- schwerde aus dem Recht gewiesen. D. In ihrer Vernehmlassung vom 2. Juni 2020 beantragt e die Ausgleichskasse, die Be- schwerde sei abzuweisen. E. Mit Verfügung vom 9. Juni 2020 wurde B.____ zum Ve rfahren beigeladen und ihm Ge- legenheit zur Stellungnahme eingeräumt. Mit Schreiben vom 6. Juli 2020 reichte der Beigelade- ne seine Stellungnahme ein. Mit Eingaben vom 23. Juli bzw. 24. August 2020 hielten sowohl die Beschwerdegegnerin als auch die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in V erbindung mit Art. 1 des Bundes- gesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (A HVG) vom 20. Dezember 1946 kann gegen Einspracheentscheide in jedem Kanton bei ei nem Versicherungsgericht als einzige Instanz Beschwerde erhoben werden. Soweit sich die Beschwerde – wie im vorliegenden Fall – Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht gegen einen Einspracheentscheid einer kantonalen Ausgleichskasse richtet, ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in Z.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kanton sgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Im Kanton Basel-Landschaft ist gemäss § 54 Abs. 1 li t. c des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezem ber 1993 das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht, als einzige gerichtlic he Instanz für Beschwerden gegen Verfügungen einer Ausgleichskasse gemäss den Artikeln 84 un d 91 AHVG zuständig. Nach- dem die Beschwerdeführerin die von der Y.____ AG einge reichte Beschwerde nochmals selbst in eigenem Namen eingereicht hatte, hat die instruie rende Abteilungspräsidentin die Beschwer- de der Y.____ AG aus dem Recht gewiesen. Diese verfügte Unbeachtlichkeit der Rechtsschrift hat aber keine Auswirkung auf die Einhaltung der Recht smittelfrist. Dass die Beschwerdeführe- rin ihre Beschwerde in eigenem Namen erst nach Ablauf der Rechtsmittelfrist eingereicht hat, ändert nichts daran, dass die Beschwerde rechtzeitig erho ben wurde. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Kantonsgericht und im Übrigen auch fo rmgerecht eingereichte Beschwer- de ist einzutreten. 2. Die Beschwerdeführerin erhebt vorab die prozessuale Rüge, die Ausgleichskasse habe ihre Begründungspflicht verletzt, indem sie auf die in der Einsprache vorgebrachten Einwände im Einspracheentscheid nicht eingegangen sei. Die Begr ündungspflicht als Teil des Anspruchs auf rechtliches Gehör verleiht der beschwerdeführenden Partei keinen Anspruch darauf, dass in der Begründung eines Entscheids auf jedes einzelne Vorb ringen im Detail eingegangen wird. Die Begründung des Entscheids muss lediglich soweit detailliert sein, dass die betroffene Partei in der Lage ist, den Entscheid substantiiert anzufechte n (BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 134 I 83 E. 4.1, 133 III 439 E. 3.3, je mit Hinweisen). Sie so ll wissen, in welche Richtung sie überhaupt zielen muss (BGE 124 V 180 E. 1a; Urteil des Bundesger ichts vom 18. März 2010, 9C_363/2009, E. 3.2). Die Begründung muss kurz die we sentlichen Überlegungen nennen, von denen sich das Gericht (bzw. die Behörde) hat leiten lass en und auf die es seinen Entscheid stützt (zum Ganzen: BGE 142 II 49 E. 9.2, 142 III 433 E. 4.3.2 mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall genügt der Einspracheentscheid diesen minimalen Anforderungen, was sich schon daraus ergibt, dass die eingereichte Beschwerdebegründung über die erforderliche Substantiierung verfügt. Ausserdem hat die Beschwerdeführerin nicht dar gelegt, auf welche Rügen die Vo- rinstanz im angefochtenen Entscheid nicht eingegangen sei . Der entsprechende Einwand der Beschwerdeführerin erweist sich somit als unbegründet. 3. Materiell streitig und zu prüfen ist, ob das vom Be igeladenen in den Jahren 2014 bis 2018 bei der A.____ AG erzielte Einkommen aus unselbst ständiger oder aus selbstständiger Erwerbstätigkeit stammt. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass des angefochtenen Einspracheentscheides vom 3. Februar 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Da der Beigeladene in Frankreich wohnt und die Be schwerdeführerin ihren Sitz in der Schweiz hat – so dass der wirtschaftliche Erfolg der Tät igkeit des Beigeladenen für die Be- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführerin in der Schweiz eingetreten ist – liegt ein länderübergreifender Sachverhalt vor. Folglich stellt sich vorweg die Frage des anwendbare n Rechts. Zu klären ist die Frage, ob der in Frankreich wohnhafte Beigeladene überhaupt un ter die nach schweizerischem Recht zu bestimmende Abgabepflicht von Sozialversicherungsbeiträgen gemäss Art. 1 Abs. 1 AHVG fällt. Nach Art. 1 Abs. 1 des auf der Grundlage von Art 8 des Abkommens vom 21. Juni 1999 zwi- schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und d er Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten anderseits über die Freizügigkeit (FZA) ausgearbeiteten und Bestand- teil des Abkommens bildenden (vgl. Art. 15 FZA) Anhang s II FZA sind insbesondere die folgen- den Verordnungen (Vo) zu beachten: ab 1. April 2012 d ie Vo Nr. 883/2004 und Nr. 987/2009 und ab 1. Januar 2015 die EU Vo Nr. 465/2012. Art. 1 1 Abs. 1 VO Nr. 883/2004 legt als kollisi- onsrechtlichen Grundsatz fest, dass für eine betroffene Person die Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats massgebend sind. Grundsätzlich ist auf abhä ngig Beschäftigte wie auf selbst- ständig tätige Personen die lex loci laboris anwendbar. Demnach unterstehen Personen grund- sätzlich dem Sozialversicherungsrecht desjenigen Staats, au f dessen Territorium sie ihre Er- werbstätigkeit ausüben. Diese Anknüpfung gilt unabhä ngig vom Wohnort (Art. 11 Abs. 3 lit. a und b Vo Nr. 883/2004 [Beschäftigungsland-, Tätigkeitsl and-, Erwerbsortprinzip]; BGE 144 V 210 E. 5.2.1; BGE 132 V 53 E. 4.1). Das Erwerb sortprinzip besagt, dass die Rechtsvor- schriften desjenigen Mitgliedstaats gelten, in dem die Tätigkeit ausgeübt wird, wobei einerlei ist, ob die Tätigkeit physisch am Erwerbsort erbracht wird. Massgeblich ist der Ort, an dem der wirt- schaftliche Wert der Tätigkeit eintritt (BGE 119 V 65 E . 3b). Für den vorliegenden Fall heisst dies, dass Erwerbsort der Tätigkeit des Beigeladenen fü r die Beschwerdeführerin die Schweiz ist, unabhängig davon, ob der Beigeladene seine Tätig keit für die Beschwerdeführerin tatsäch- lich physisch im Betrieb in der Schweiz erbracht hat. Als A usnahme vom Erwerbsortprinzip sind gemäss Art. 13 Abs. 2 lit. a Vo Nr. 883/2004 die Rech tsvorschriften des Wohnmitgliedstaates anwendbar, wenn eine selbständig erwerbende Person i hre Tätigkeit in zwei oder mehr Mit- gliedstaaten ausübt und einen wesentlichen Teil der Tätigkeit in ihrem Wohn sitzstaat ausübt. Wesentlich ist der Anteil gemäss Art. 14 Abs. 8 lit. b VO Nr. 987/2009 wenn Umsatz, Arbeitszeit und Anzahl Dienstleistungen im Wohnsitzstaat einen Anteil von mehr als 25 % ausmachen. 3.2 Die Ausgleichskasse geht davon aus, dass der Beigela dene ab 1. November 2013 ausschliesslich für die Beschwerdeführerin gearbeitet und kein weiteres Einkommen durch Drittaufträge generiert hat. Dem widerspricht die Be schwerdeführerin, sie unterlässt aber eine nähere Spezifikation, welche weiteren Aufträge für we lche Auftraggeber mit welchem Honorar- volumen vom Beigeladenen erbracht worden seien. Der B eigeladene selbst gibt in seiner Stel- lungnahme vom 6. Juli 2020 nicht an, er habe für wei tere Auftraggeber gearbeitet. Er führt le- diglich aus, dass er der Beschwerdeführerin seine Dienste als eigenständiger Unternehmer zur Verfügung gestellt habe. Um den rechtlichen Vorgaben sowohl in der Schweiz wie auch in Frankreich gerecht zu werden, habe er in Frankreich sein eigenes Unternehmen gegründet. Auch habe er für sein Unternehmen eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen. 3.3 Im Folgenden ist zu prüfen, ob sich an Hand der ein gereichten Unterlagen Anhalts- punkte dafür ergeben, dass der Beigeladene neben seiner Tätigkeit für die Beschwerdeführerin Arbeiten für eine Drittfirma ausgeführt hat und gegebenenfalls in welchem Umfang. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorweg ist festzuhalten, dass die eingereichten Unterla gen, insbesondere die Geschäftsab- schlüsse des Beigeladenen, nicht sehr detailliert und au fschlussreich sind. Es lässt sich Ihnen jedoch im Wesentlichen folgendes entnehmen: Im Jahr 201 4 hat der Beschwerdeführer kein über die Zahlungen der Beschwerdeführerin hinausgehen des Einkommen erzielt. Für das Jahr 2015 weist der Beigeladene in seiner Jahresrechnung ein Honorareinkommen von brutto EUR 59'378.--, was rund Fr. 65'500.-- entspricht. Das von d er Beschwerdeführerin bezahlte Honorar betrug im Jahr 2015 Fr. 54'697.50. Ein Honorarvolumen von nahezu Fr. 11'000.-- hat der Beige- ladene somit möglicherweise durch Drittaufträge erzielt. Allerdings beträgt dieser Anteil weniger als 25 % des Gesamthonorars, so dass noch nicht von eine m wesentlichen Anteil der Tätigkeit auszugehen ist, den der Beigeladene allenfalls im Wohn sitzstaat geleistet hat. Es kann damit offenbleiben, wo der Beigeladene die zusätzlichen Auft räge erbracht hat. Im Jahr 2016 betrug das angegebene Einkommen des Beigeladenen brutto EUR 51'480.--, was in etwa dem von der Beschwerdeführerin bezogenen Entgelt von Fr. 56'423.25 entspricht, so dass für das Jahr 2016 von keinen namhaften Drittaufträgen auszugehen ist. Für das Jahr 2017 weist der Beigeladene in seiner Jahresrechnung ein Einkommen von brutto EUR 53'235.-- aus, was rund Fr. 58'500.-- entspricht. Die von der Beschwerdeführerin im Jahr 201 7 an den Beigeladenen ausgerichteten Leistungen betrugen Fr. 54'697.50. Der Beigeladene h at somit im Jahr 2017 allenfalls durch Drittaufträge rund Fr. 4'000.-- eingenommen. Da abe r auch dieser Betrag weit unter 25 % des Gesamteinkommens liegt, kann offenbleiben, ob diese mög lichen Drittaufträge in der Schweiz oder im Wohnsitzstaat des Beigeladenen erbracht wurde n. Was schliesslich das Einkommen des Beigeladenen im Jahr 2018 angeht, so hat die Besch werdeführerin dem Beigeladenen ei- nen Betrag von Fr. 34'259.38 ausbezahlt, deklariert hat der Beigeladene in seiner Jahresrech- nung ein Honorar von brutto EUR 29'893.--, was in et wa dem von der Beschwerdeführerin er- brachten Entgelt entspricht. Insgesamt ist somit festzustellen, dass keine konkreten Hin weise darauf bestehen, dass der Beigeladene in der fraglichen Zeitspanne von 2014 bis 2018 neben der Tätigkeit für die Be- schwerdeführerin noch Drittaufträge ausgeführt hat. Jed enfalls haben solche möglichen Drittaufträge nie einen Anteil von 25 % der Gesamttät igkeit erreicht. Damit sind auch die Voraussetzungen für die gemäss Vo Nr. 465/2012 seit 1. Januar 2015 geltende zusätzliche Ausnahme vom Erwerbsortprinzip zu Gunsten des Wohnortpr inzips (vgl. E. 3.1 hiervor) nicht erfüllt. Folglich ist für die Frage, ob die Tätigkeit des Beigeladenen ab November 2013 als selb- ständige oder unselbständige Tätigkeit zu qualifizieren ist, Schweizer Recht anwendbar. 4.1 Vom Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit bzw. vom massgebenden Lohn werden paritätische Arbeitnehmer- und Arbeitgeb erbeiträge erhoben (Art. 5 Abs. 1 und Art. 13 AHVG). Als massgebender Lohn gilt jedes Entgel t für in unselbstständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit, mit Einschluss von Teuerungs- und anderen Lohnzulagen, Provisionen, Gratifikationen, Naturalleist ungen, Ferien- und Feiertagsentschädi- gungen und ähnlichen Bezügen, sowie Trinkgeldern, so weit diese einen wesentlichen Bestand- teil des Arbeitsentgeltes darstellen (Art. 5 Abs. 2 AH VG). Vom Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit wird demgegenüber ein Beitrag des Se lbstständigerwerbenden erhoben (Art. 8 AHVG). Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit ist jedes Erwerbseinkommen, das nicht Entgelt für in unselbstständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt (Art. 9 Abs. 1 AHVG). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder uns elbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, beurteilt sich praxisgemäss nicht aufgrund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftli chen Gegebenheiten. Die zivilrechtli- chen Verhältnisse vermögen dabei allenfalls gewisse Anhal tspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein (BGE 144 V 111 E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2020, 9C_79/2020, E. 6.2.1). Als unselbständig erwerbstä- tig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Ar beitgeber in betriebswirtschaftlicher be- ziehungsweise arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kein spezifisches Unterneh- merrisiko trägt (BGE 123 V 161 E. 1, Urteil des Bundesg erichts vom 17. Januar 2020, 2C_929/2019, E. 2.2). 4.3 Merkmale für das Bestehen eines Unternehmerrisikos si nd namentlich das Tätigen bedeutender Investitionen, das Tragen des Inkasso- und Del kredererisikos, die Unkostentra- gung, das Handeln in eigenem Namen und auf eigene Re chnung, das Beschaffen von Aufträ- gen, die Beschäftigung von Personal und eigene Geschäf tsräumlichkeiten (Wegleitung über den massgebenden Lohn, gültig ab 1. Januar 2019, Stan d 1. Januar 2021, [WML] Rz 1019). Das spezifische Unternehmerrisiko besteht im Weiteren dari n, dass bei einer selbständigen Erwerbstätigkeit unabhängig vom Arbeitserfolg Kosten anfallen, die der Versicherte selber zu tragen hat (P ETER FORSTER , AHV Beitragsrecht: Materiell- und verfahrensrechtlich e Grundla- gen; Abgrenzung zwischen selbständig und unselbständig er werbstätigen Personen, Zü- rich/Basel/Genf 2007, S. 85 Rz 65 mit Hinweisen). Das Unternehmerrisiko zeigt sich schliesslich auch darin, dass das Inkasso- und Delkredererisiko (beispi elsweise das Einstehen müssen für Verluste aus der Insolvenz von Kunden) sowie Verluste aus mangelhafter Lieferung zu tragen sind und für die Mangelhaftigkeit eines Werks sowie ung etreue und unsorgfältige Ausführung eines Geschäfts einzustehen ist (FORSTER , a.a.O., S. 84 Rz 62 mit Hinweisen). 4.4 Die arbeitsorganisatorische beziehungsweise wirtschaft liche Abhängigkeit äussert sich namentlich in der Weisungsgebundenheit des Erwerbstätig en, seiner Rechenschaftspflicht, sei- ner Eingliederung in eine fremde Arbeitsorganisatio n, der Pflicht zur persönlichen Aufgabener- füllung, einer Präsenzpflicht und in einem Konkurrenzv erbot (WML, Rz 1020). Selbständige Erwerbstätigkeit liegt indessen im Regelfall dann vor, wenn die beitragspflichtige Person durch Einsatz von Arbeit und Kapital in frei bestimmter Selb storganisation und nach aussen sichtbar am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt mit dem Ziel, D ienstleistungen zu erbringen oder Produk- te zu schaffen, deren Inanspruchnahme oder Erwerb dur ch finanzielle oder geldwerte Leistun- gen abgegolten wird (BGE 115 V 170 E. 9a). Zudem um fasst die unabhängige Stellung, dass die Arbeitszeit und die Arbeitsorganisation frei gesta ltet werden können. Auch Selbstständiger- werbende haben sich jedoch an sogenannte sachliche Weisungen zu halten. Hierbei handelt es sich um Weisungen des Bestellers oder Auftraggebers, die si ch auf den Arbeitserfolg beziehen (FORSTER , a.a.O., S. 84 f. Rz 63 mit Hinweisen). 4.5 Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen no ch keine einheitlichen, schema- tisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellu ng einer erwerbstätigen Person jeweils Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (WM L, Rz 1016; BGE 123 V 162 f. E. 1, 122 V 171 E. 3a, 119 V 162 E. 2 mit Hinweisen). Den Elementen Unternehmerrisiko und Ab- hängigkeitsverhältnis sowie ihren einzelnen Ausprägun gen kann je nach Art der zu beurteilen- den Umstände unterschiedliches Gewicht zukommen (WML, Rz 1017). So hat das Eidgenössi- sche Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007: Bu ndesgericht, sozialrechtliche Abteilun- gen) festgestellt, dass gewisse Tätigkeiten ihrer Natur nach nicht notwendigerweise bedeutende Investitionen erfordern. Dies könne etwa im Bereich der Dienstleistungen gelten. Der arbeitsor- ganisatorischen Abhängigkeit sei in solchen Fällen gegenüber einem Investitionsrisiko erhöhtes Gewicht beizumessen (Urteil des EVG vom 14. August 2000, H 30/99, E. 6b mit Hinweisen). 4.6 Bei versicherten Personen, die weiterhin in bedeu tendem Umfang für den bisherigen Arbeitgeber tätig sind, sind an die Anerkennung des Sta tus als Selbstständigerwerbende in Be- zug auf diese Tätigkeit insofern erhöhte Anforderunge n zu stellen, als die hierfür sprechenden Merkmale diejenigen unselbstständiger Erwerbstätigkeit kl ar überwiegen müssen. Wenn und soweit sich an Art und Inhalt der Tätigkeit nichts Wese ntliches im Vergleich zu früher geändert hat und es sich dabei um Arbeiten handelt, die aus Sich t des Betriebes typischerweise durch Arbeitnehmende ausgeführt werden, spricht eine natürl iche Vermutung für deren unselbständi- gen Charakter. Umgekehrt schliesst der Umstand, (auch) f ür den früheren Arbeitgeber tätig zu sein, für sich allein genommen die Annahme einer selbs tständigen Tätigkeit nicht a priori aus (Urteile des Bundesgerichts vom 20. August 2020, 9C_79 /2020, E. 5.1; vom 23. Juni 2005, H 83/04, E. 3.2 und vom 17. Mai 2002, H 30/01, E. 5a; WML, Rz. 1027). 5.1 Gestützt auf die vorliegenden Unterlagen und Anga ben der Parteien stellt sich der rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Der bis Ende Oktober 2013 bei der Beschwerdeführerin an gestellte Beigeladene hat von 2014 bis 2018 wenn nicht ausschliesslich so doch überwiegend für die Beschwerdeführerin gearbei- tet. Gestützt auf die vorliegenden Unterlagen hat d er Beigeladene höchstens etwa Fr. 15'000.-- der in dieser Zeit erwirtschafteten rund Fr. 297'000.- - möglicherweise im Rahmen von Drittauf- trägen erwirtschaftet. Der Beigeladene war damit in d iesem Zeitraum wirtschaftlich abhängig von der Beschwerdeführerin, was klar für eine unselbständ ige Erwerbstätigkeit spricht. Ferner hat der Beigeladene ab November 2013 bei der Beschwe rdeführerin seinen Nachfolger als Verantwortlichen im Bereich der Qualitätssicherung ein gearbeitet, ansonsten aber unbestritte- nermassen dieselben Aufgaben ausgeführt, die er bis da hin bereits als Arbeitnehmer wahrge- nommen hatte, womit zweifellos auch eine grosse arbeitsorganisatorische Abhängigkeit von der Beschwerdeführerin bestand. Schliesslich gibt es auch kein erlei Hinweise für ein unternehmeri- sches Risiko des Beigeladenen. So hatte er zwar offensichtl ich eine eigene Firma gegründet, die Firmenadresse befand sich aber an der Privatadresse des Beigeladenen, so dass anzu- nehmen ist, dass er keine separaten Geschäftsräumlichkeite n gemietet hat. Auch wesentliche Investitionen in weitere Infrastrukturen der Firma sind nicht ersichtlich, ebenso wenig hat der Beigeladene je weitere Mitarbeitende angestellt. Dass der Beigeladene eine Betriebshaftpflicht- versicherung abgeschlossen und in Frankreich Sozialversicherungsabgaben geleistet hat, reicht Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht aus, seine Tätigkeit zwischen 2014 und 2018 als se lbständige Erwerbstätigkeit zu qualifi- zieren. Zu berücksichtigen ist ausserdem, dass an die Anerke nnung des Status als Selbststän- digerwerbende für Personen, die weiterhin in bedeute ndem Umfang für den bisherigen Arbeit- geber tätig sind, in Bezug auf diese Tätigkeit insofe rn erhöhte Anforderungen zu stellen sind, als die hierfür sprechenden Merkmale diejenigen unselbstst ändiger Erwerbstätigkeit klar über- wiegen müssen (vgl. oben E. 4.6). Davon kann vorliegend keine Rede sein. 5.2 Aufgrund der grossen wirtschaftlichen und auch betri ebsorganisatorischen Abhängig- keit des Beigeladenen von der Beschwerdeführerin sowie aufgrund des geringen unternehmeri- schen Risikos des Beigeladenen hat die Ausgleichskasse zu Rech t dessen Tätigkeit ab 1. November 2013 als unselbständige Erwerbstätigkeit qu alifiziert und die entsprechende Bei- tragspflicht der Beschwerdeführerin bejaht. Zu Recht nicht beanstandet hat die Beschwerdefüh- rerin die Höhe der eingeforderten Beiträge inkl. Zin sen im Umfang von Fr. 30'212.20. Der Ein- spracheentscheid ist folglich nicht zu beanstanden und die vorliegende Beschwerde ist abzu- weisen. 6. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gü ltig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 1. Januar 2021) hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sei n. Es sind demnach für das vorliegen- de Verfahren keine Kosten zu erheben. Bei diesem Ausg ang des Verfahrens wird keine Partei- entschädigung zugesprochen (Art. 61 lit. g ATSG). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht