Abteilung V E-8348/2008/ame {T 0/2} U r t e i l v o m 1 7 . F e b r u a r 2 0 0 9 Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn; Gerichtsschreiber Jan Feichtinger. A._______, geboren (...), Sri Lanka, vertreten durch Barbara Frei-Koller, (...), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. November 2008 / N (...). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandE-8348/2008 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin stellte am 10. Dezember 2007 in der Schweiz ein Asylgesuch. Am 13. Dezember 2007 wurde sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel summarisch zum Reiseweg und zu ih- ren Asylgründen befragt. Am 11. August 2008 erfolgte die direkte An- hörung zu den Asylgründen durch das BFM. Die Beschwerdeführerin machte im Wesentlichen geltend, sie sei tami- lischer Ethnie und stamme aus dem Distrikt B._______. Seit (...) habe sie zusammen mit ihrer Tochter in Colombo gelebt. Ihr Ehemann sei schon im Jahre (...) verstorben. Im Februar 2007 sei sie mit einem Vi- sum für zwei Monate in die Schweiz gekommen, um ihren inzwischen eingebürgerten Sohn zu besuchen. Dieser habe ihr in den letzten Jah- ren immer Geld für ihren Lebensunterhalt geschickt. Nach ihrer Rück- kehr nach Colombo sei ihre Tochter mit ihrem Partner ins Ausland gegangen. Sie (die Beschwerdeführerin) habe sich deshalb entschlos- sen, sich fortan bei einer Bekannten in Colombo aufzuhalten. Wieder- holt sei sie aufgefordert worden, einer Gruppe unbekannter Personen Geld zu geben. Diese hätten offensichtlich gewusst, dass sie in der Schweiz gewesen sei, und daher angenommen, dass sie viel Geld be- sässe. Die Unbekannten hätten ihr mit dem Tode gedroht, wenn sie sich weigere, ihnen Geld zu geben. Mit Hilfe einer in Deutschland wohnhaften (...) habe sie ein Schengenvisum erhalten und sei am 12. September 2007 nach Deutschland gereist. Nach einem mehrwöchi- gen Aufenthalt dort habe sie sich zu einer (...) nach Frankreich bege- ben, welche Anfang Dezember 2007 ihre Weiterreise in die Schweiz organisiert habe. Mit Schreiben vom 30. September 2008 wurde die Beschwerdeführerin aufgefordert, einen medizinischen Bericht einzureichen. Mit Eingabe vom 24. November 2008 wurde der geforderte Bericht von Dr. med. C._______, Arzt für allgemeine Medizin FMH, D._______, datierend vom 10. November 2008, nachgereicht. B. Mit Verfügung vom 26. November 2008 stellte das BFM fest, die Be- schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Seite 2E-8348/2008 C. Mit Beschwerdeeingabe vom 29. Dezember 2008 liess die Beschwer- deführerin beantragen, die Verfügung des BFM sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei ihr zuzuerkennen, und ihr sei Asyl zu ge- währen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Un- möglichkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu ver- zichten. Es sei von allfälligen Vollzugshandlungen abzusehen und eine neue Frist bis zum 31. Januar 2009 zur Einreichung einer materiellen Beschwerdebegründung anzusetzen. D. Mit Zwischenverfügung vom 12. Januar 2009 stellte die zuständige Instruktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts fest, die Be- schwerdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wurden die Gesuche um Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses abgewiesen und der Beschwerdeführerin Frist zur Leistung eines solchen in der Höhe von Fr. 600.-- gesetzt. Das Gesuch um Ansetzung einer Frist zur Einreichung einer Beschwerdebegrün- dung wurde abgewiesen. E. Der erhobene Kostenvorschuss wurde am 20. Januar 2009 einbezahlt. F. Mit Eingabe vom 23. Januar 2009 liess die Beschwerdeführerin eine Arbeitsbestätigung bezüglich des in der Schweiz lebenden Sohnes sowie ein ärztliches Zeugnis vom 27. Dezember 2008, ebenfalls den Sohn betreffend, nachreichen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsge- richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgeset- zes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, Seite 3E-8348/2008 SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Die Be- schwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung besonders be- rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie- hungsweise Änderung. Die Beschwerdeführerin ist daher zur Einrei- chung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli- cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters bezie- hungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch- führung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner- kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei- ner bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An- schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Seite 4E-8348/2008 Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei- sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein- lichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider- sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das BFM lehnte das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab, da ihre Vorbringen weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge- mäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchlingseigenschaft ge- mäss Art. 3 AsylG zu genügen vermöchten. So habe sie die angebli- chen Erpresser nur vage beschrieben und auch die Aussagen zu den angeblichen Bedrohungen seien sehr unsubstanziiert ausgefallen. Ausweichend seien zudem die Antworten auf die Fragen nach der ers- ten Behelligung oder der Anzahl der Begegnungen mit den Erpressern ausgefallen. Die Beschwerdeführerin habe sodann auch nicht plausi- bel darlegen können, woher diese von ihren Verwandten in der Schweiz gewusst haben sollen, welche sie zur Annahme veranlasst hätten, dass sie über viel Geld verfüge. Unglaubhaft sei zudem, dass die Erpresser den jeweiligen Aufenthaltsort der Beschwerdeführerin gekannt hätten. Schliesslich sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Be- schwerdeführerin nach ihrer Ausreise aus Sri Lanka am 12. Septem- ber 2008 so lange zugewartet habe, um ein Asylgesuch zu stellen. Die geltend gemachte (...) sei im Übrigen als nicht asylrelevant zu werten. 5.2 Aus der Rechtsmitteleingabe ergibt sich als Rüge die Verletzung von Bundesrecht, indem zu Unrecht von der Unglaubhaftigkeit der Vor- bringen ausgegangen und ihr zu Unrecht kein Asyl gewährt worden sei. Wie bereits in der Zwischenverfügung vom 12. Januar 2009 festge- halten, ergibt jedoch auch eine genaue Prüfung der Akten, dass die Vorbringen in Übereinstimmung mit der Vorinstanz als unglaubhaft res- pektive als asylrechtlich nicht von Belang gewertet werden müssen. Die Ausführungen in der Beschwerde vermögen an dieser Einschät- zung nichts zu ändern, zumal darin im Wesentlichen auf die allgemein Seite 5E-8348/2008 schwierige Situation in ganz Sri Lanka und auch in Colombo hingewiesen wird, die anlässlich der Befragungen geltend gemachten Vorbringen wiederholt werden und auf deren Wahrheitsgehalt beharrt wird. Insbesondere ist die Erklärung in der Rechtsmitteleingabe für die von der Vorinstanz zu Recht als substanzlos bezeichneten Ausführungen im Zusammenhang mit den angeblichen Erpressern, wonach Erpressungen und Bedrohungen durch (Klein-)kriminelle in Sri Lanka zum Alltag gehörten, weshalb einem solchen Ereignis weniger Bedeutung beigemessen werde, als dies ein schweizerischer Durchschnittsbürger tun würde, vorliegend wenig überzeugend. Gehörten solche Vorfälle zur alltäglichen Lebensrealität, so wäre umso weniger nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin gerade deshalb und zum nämlichen Zeitpunkt ihre Heimat verlassen hätte. Der vorgenannte Einwand wie auch die dazu in einem inneren Widerspruch stehende Behauptung, sie habe die Erpresser aus Angst nicht richtig angesehen, müssen als Schutzbehauptungen gewertet werden. Eine weitere Ungereimtheit liegt – neben den von der Vorinstanz festgestellten - darin, dass die Beschwerdeführerin im Verlaufe der Kurzbefragung angegeben hat, die Erpresser hätten sowohl gebrochenes tamilisch als auch gutes tamilisch gesprochen (A2 S. 7), um bei der direkten Anhörung durch das BFM zu Protokoll zu geben, sie hätten einmal tamilisch und einmal singhalesisch mit ihr gesprochen (A21 S. 6). Dass sodann der Entschluss, ein Asylgesuch zu stellen, erst gefallen sei, nachdem sie Sir Lanka schon längst wieder verlassen und ihr Sohn Beratungsgespräche geführt habe, wie dies in der Beschwerde dargelegt wird, bestätigt die Schlussfolgerung, dass sich die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Sri Lanka offensichtlich nicht in einer asylrechtlich relevanten Gefähr- dungssituation befunden hat, zumal verfolgte Personen nach der Aus- reise aus ihrem Heimatland erfahrungsgemäss bei der ersten sich bie- tenden Gelegenheit um Asyl nachsuchen und damit nicht Monate zuwarten. Aufgrund der unglaubhaft gebliebenen Verfolgungsgründe bestehen auch keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit grosser Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft Verfolgungshandlungen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt wäre. Mit Verweis auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ist die erhobene Rüge der Verletzung von Bundesrecht nach dem Gesagten als unbegründet zu bezeichnen. 6. Seite 6E-8348/2008 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver- hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun- desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun- gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän- ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über- einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No - vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Seite 7E-8348/2008 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. M ARIO G ATTIKER , Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich er- hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non- Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Heimatstaat ist dem- nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführe- rin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei- ner Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi- schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine kon- krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinwei- sen; EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die all- gemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegwei- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung so- wohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts- staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.4.1Das Bundesverwaltungsgericht nahm im Urteil BVGE 2008/2 zur Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs abgewiesener Asyl- suchender tamilischer Ethnie eine aktuelle Lageanalyse vor. Gemäss Seite 8E-8348/2008 dieser setzt die Anerkennung einer innerstaatlichen Aufenthaltsalter- native im Süden des Landes und damit die Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs in den Grossraum Colombo für srilankische Asylsu- chende tamilischer Ethnie, welche aus der Nord- oder Ostprovinz stammen, das Vorliegen besonders begünstigender Faktoren wie die Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie die Aussicht auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituati- on voraus (a.a.O., E. 7.6.2). Für srilankische Asylsuchende tamilischer Ethnie, welche aus dem Grossraum Colombo oder dessen Umgebung stammen und dort über ein tragfähiges Familien- oder Beziehungsnetz verfügen und mit einer konkreten Unterkunftsmöglichkeit rechnen kön- nen, ist grundsätzlich von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in diese Gebiete auszugehen, wobei die Dauer der Landesabwesen- heit mitzuberücksichtigen ist; je kürzer der Aufenthalt in Colombo dau- erte und je weiter er zeitlich zurückliegt, desto höhere Anforderungen sind an das Vorliegen eines tatsächlichen familiären oder sozialen Be- ziehungsnetzes zu stellen (a.a.O., E.7.6.1). 7.4.2Das BFM führte aus, es sprächen keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Die Beschwerde- führerin sei in Colombo registriert und habe dort während mehr als (...) Jahren gelebt. Es sei daher davon auszugehen, dass sie in dieser Zeit ein tragfähiges Beziehungsnetz habe aufbauen können. Zudem zeige der eingereichte Artzbericht, dass sich die Beschwerdeführerin in ei- nem guten gesundheitlichen Allgemeinzustand befinde. Ausserdem werde sie weiterhin auf die finanzielle Unterstützung von den im Aus- land lebenden Verwandten zählen können, namentlich von ihrem Sohn, der sie seit längerem unterstütze. Somit sei auch ihre wirtschaft- liche Lebensgrundlage als gesichert einzustufen. 7.4.3Die Beschwerdeführerin stammt zwar aus E._______, B._______ Distrikt, und ist deshalb im Sinne der zitierten Rechtspre- chung als Tamilin, die aus der Nord- oder der Ostprovinz stammt, an- zusehen. Sofern die Beschwerdeführerin also auf ein tragfähiges fami- liäres oder soziales Beziehungsnetz zurückgreifen kann sowie die Aussicht auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation besteht, kommt der Süden des Landes, mithin der Grossraum Colombo, als in- nerstaatliche Aufenthaltsalternative in Frage und der Vollzug der Wegweisung in ihre Heimat ist für sie zumutbar. Seite 9E-8348/2008 7.4.4Die Beschwerdeführerin lebte eigenen Angaben zufolge seit (...) Jahren respektive (...) Jahren in Colombo (A2 S. 1, A21 S. 3). Aufgrund ihres langjährigen dortigen Aufenthalts und entgegen den Behauptun- gen der Beschwerdeführerin ist davon auszugehen, dass sie in Colom- bo über ein soziales Beziehungsnetz verfügt, zumal sie auch anläss- lich der kantonalen Anhörung von Bekannten und Freunden sprach (A21 S. 4), und sie darüber hinaus anfänglich auch angab, sie glaube, in Colombo Verwandte zu haben (A2 S. 3). Sodann ist ihre Behaup- tung, ihre Tochter lebe nicht mehr dort mit Zweifeln behaftet. So han- delt es sich dabei um eine blosse Behauptung, welche durch nichts belegt ist. Darüber hinaus ist - nicht zuletzt vor dem Hintergrund der traditionell starken Familienbande, welche die Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsmitteleingabe selbst betont - nicht nachvollziehbar, dass ihre Tochter einfach aus Colombo verschwunden wäre und ihre Mutter im Ungewissen zurückgelassen hätte, ohne diese mindestens vorgän- gig zu informieren. Dies ist umso weniger verständlich, als die Be- schwerdeführerin einerseits anlässlich der Kurzbefragung angab, ihre Tochter habe alles für sie gemacht (A2 S. 8) und sie andererseits mit ihrem Sohn in der Schweiz, ihrer (...) in Deutschland sowie weiteren, im Ausland wohnhaften Verwandten in Kontakt steht. Ebenso wenig wird die Behauptung, dass die Bekannte, mit der sie zuletzt zusam- men unter einem Dach gelebt und welche sie bei der Ausreise unter- stützt habe, nach Indien gegangen sei, durch irgendein Dokument ge- stützt. Mit der Vorinstanz ist sodann darauf hinzuweisen, dass der Sohn der Beschwerdeführerin sie nach einer Rückkehr nach Colombo mit Sicherheit auch weiterhin finanziell unterstützen wird. Die auf Be- schwerdeebene dargelegte schwierige Lebenssituation des Sohnes vermag an der diesbezüglichen Einschätzung nichts zu ändern, zumal es bei der Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs um die Prüfung einer allfälligen konkreten Gefährdung der Beschwerde- führerin in ihrem Heimatland geht. Schliesslich lassen - wie vom BFM zu Recht festgehalten - auch keine gesundheitlichen Gründe einen Wegweisungsvollzug der Beschwerdeführerin nach Colombo als unzu- mutbar erscheinen. 7.5 Insgesamt ist somit in Übereinstimmung der geltenden Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und mit Verweis auf die zutreffenden Er- wägungen der Vorinstanz nicht von einer konkreten Gefährdung der Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in den Grossraum Colombo auszugehen, weshalb der Wegweisungsvollzug als zumutbar zu be- zeichnen ist. Seite 10E-8348/2008 7.6 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zu- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen- digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG), auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge- richt [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 20. Januar 2009 in glei- cher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) Seite 11E-8348/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt und mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: - die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (Einschreiben) - das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak- ten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie) - (...) (in Kopie) Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Jan Feichtinger Versand: Seite 12