Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. September 2017 (730 17 113 / 265) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Leistungspflicht für Behandlungskosten für Spätfolgen und Rückfälle von Unfällen, die sich vor dem Inkrafttreten des KVG ereignet haben und für die weder ein Sozialversiche- rer noch ein Versicherer nach Art. 102 Abs. 4 letzter Satz KVG einzustehen hat. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin Gisela Warten- weiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Helsana Versicherungen AG , Recht & Compliance , Postfach , 8081 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1973 geborene A.____ ist bei der Helsana Ver sicherungen AG (Helsana) obligato- risch krankenpflegeversichert . Am 23. August 2016 übermittelte Dr. med. dent. B.__ __ der da- maligen Avanex Versicherungen AG (seit 1. Januar 20 17: Helsana Versicherungen AG) ein Zahnschadenformular inkl. Kostenvoranschläge im Ges amtbetrag von Fr. 2'166.35 für die Be- handlung des Zahnes 21 von A.____. Diese führte in ihrer Unfallmeldung vom 24. August 2016 aus, dass am 10. August 2016 ein Glas beim Trinken an ihre Zähne gestossen sei. Dabei sei Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Zahnkrone einer ihrer Frontzähne zersplittert und sie habe Schmerzen verspürt. Im Begleit- schreiben wies sie darauf hin, dass sie bereits im Oktober 1 981 als 8-Jährige beim Spielen ver- unfallte und dabei den gleichen Zahn abgebrochen habe . Damals sei sie bei den C.____ in der Einzelunfallversicherung und bei der D.____ versichert g ewesen. Im Jahr 1993 sei eine Krone für den Zahn 21 von der Klinik E.____ angefertigt wor den. Nach Abklärung des Sachverhalts teilte die Helsana A.____ mit Schreiben vom 8. Septe mber 2016 mit, dass sie für die geltend gemachte Zahnbehandlung keine Leistungen aus der obli gatorischen Krankenpflegeversiche- rung übernehme. Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Entscheid vom 2. März 2017 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 4. April 2017 Beschwerde ans Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei die Helsana in Aufhebung des angefochtenen Entschei des zu verpflichten, die Kosten für die Behandlung des Zahnes 21 (Versorgung mit einer K eramikkrone) zu übernehmen; alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte sie aus, dass das Ereignis im Oktober 1981 die gesetzlichen Voraussetzungen eines Unfalles erfülle. Der Zahnunfall vom 10. August 2016 sei eine Spätfolge davon, weshalb die Helsana leistungspflichtig sei. C. Mit Vernehmlassung vom 19. Mai 2017 beantragte die Helsana die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung wies sie darauf hin, dass k eine Unterlagen über den Zahnunfall vom Oktober 1981 vorlägen. Ein Kausalzusammenhang zwischen diesem Ereignis und der Zahnschädigung vom August 2016 könne nur mit möglicher aber nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden. Die Folgen der Beweislosigkeit habe die Versicherte zu tragen. D. Auf Anfrage des Kantonsgerichts teilte die D.____ a m 23. Juni 2017 mit, dass sie nach intensiver Suche in ihren Archiven keine Hinweise gefu nden habe, wonach sie Leistungen für Zahnbehandlungen der Versicherten übernommen habe. Di es sei auch unwahrscheinlich, da diese erst ab 1984 Zahnunfälle bei Kindern versichert habe. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 des am 1. Januar 2003 in Kr aft getretenen Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbin- dung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) vom 20. März 1981 kann gegen Einspracheentscheide der Krankenversicher er Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person Wohnsitz hat (vgl. Art. 58 ATSG). Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 1.2 Streitig ist der Anspruch der Versicherten auf Leist ungen der Helsana für den am 10. August 2016 erlittenen Schaden am Zahn 21. Gemäss § 55 des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezemb er 1993 entscheidet die präsi- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht dierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht d es Kantonsgerichts über Streitigkei- ten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.--. Im vorl iegenden Fall belaufen sich die geltend ge- machten Kosten gemäss den beiden Kostenvoranschlägen vom 23. August 2016 auf insgesamt Fr. 2'166.35, weshalb die Angelegenheit präsidial zu entscheiden ist. 2.1 Gemäss Art. 31 Abs. 2 KVG, in Kraft seit 1. Januar 1996, übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten der Behandlung vo n Schäden des Kausystems, die durch einen Unfall verursacht wurden. Vorliegend ist un bestritten, dass das Ereignis vom 10. August 2016 nicht die Voraussetzungen eines Unfall s im Sinne des Art. 4 ATSG erfüllt. Die Versicherte macht jedoch geltend, dass der strittige Zahn schaden eine Spätfolge des Unfaller- eignisses vom Oktober 1981 sei, als sie sich als 8-Jährige beim Spielen den Zahn 21 abgebro- chen habe. Die Frage, ob die Helsana für die aus einem Unfall, der sich vor Inkrafttreten des KVG ereignete, resultierenden Zahnbehandlungskosten au fzukommen hat, ist anhand des Übergangsrecht gemäss Art. 102 KVG zu prüfen. In Abs. 4 wird unter anderem bestimmt, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem In krafttreten (des KVG) ereignet haben, nach den bisherigen Verträgen zu gewähren sind (Satz 3 ). Dieser dritte Satz stellt klassisches Intertemporalrecht dar. Er enthält zwei Aussagen, näml ich erstens, dass für solche Unfälle das bestehende Versicherungsverhältnis mit Inkrafttreten des KVG nicht wegfällt ("sind jedoch nach den bisherigen Verträgen zu gewähren") und zweitens, dass der Krankenversicherer nach KVG dafür nicht einzustehen hat. Das bedeutet, dass sich der "andere" Versicherer nicht auf das neue KVG und die darin vorgesehene Leistungspflicht d es Krankenversicherers für Unfälle be- rufen kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 23. Apr il 2001, K 187/00, E. 3a und vom 16. März 2001, K 140/00, E. 2). 2.2 Im Zeitpunkt des von der Versicherten geltend gema chten Unfallereignisses im Jahr 1981 war diese gemäss ihren Ausführungen bei der D.__ __ krankenpflegeversichert und bei der Basler für stationäre Aufenthalte zusatzversichert ge wesen. Ausserdem bestand möglich- erweise für die Versicherte als Schülerin im Kanton Ba sel-Landschaft eine Schülerunfallversi- cherung bei den C.____. Anhaltspunkte für weitere Versi cherer zum Zeitpunkt des Ereignisses vom Oktober 1981 ergeben sich keine aus den Akten. Mit Schr eiben vom 17. August 2016 be- stätigten die C.____ die Angaben der Versicherten in Bezug auf die Ergänzungsversicherung zur Krankenkasse für stationäre Aufenthalte. Sie schlossen es auch nicht aus, dass die Versi- cherte über die Schülerunfallversicherung bei ihnen für Zahnunfälle versichert gewesen sei. Da eine Kostenbeteiligung für Zahnbehandlungen jedoch je nach Vertragsbedingungen auf das Alter von 22 bis 23 Jahren beschränkt gewesen sei, seien keine Akten mehr über eine Unfall- meldung der Versicherten aus dem Jahr 1981 vorhanden. Desgleichen konnte die D.____ ge- mäss ihrem Schreiben vom 23. Juni 2017 keine Akten über ei ne Zahnbehandlung der Versi- cherten im Zusammenhang mit einem Unfall aus dem Jahr 1981 finden. Sie erachtete eine Kos- tenübernahme der Krankenkasse mangels Versicherungsdeckun g für Zahnschadenunfälle vor dem Jahr 1984 als unwahrscheinlich. Es liegen somit keine Unterlagen über einen Zahnscha- denunfall aus dem Jahr 1981 vor. 2.3.1 Die Versicherte kann sich nicht mehr daran erinne rn, welcher Versicherer die Kosten für den von ihr angegebenen Unfall vom Oktober 1981 überna hm. Gemäss den Akten und den Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Angaben der D.____ ist anzunehmen, dass die Versicherte zum Zeitpunkt des Unfalls zwar bei ihr krankenpflegeversichert war, diese aber keine Leistun gen für diesen Zahnunfall ausrichtete, weil sie zum Zeitpunkt des Unfalls noch keine unfallbedi ngte Zahnschäden versicherte. Selbst wenn sich die D.____ an den Behandlungskosten für einen 1981 ereigneten Zahnunfall beteiligt hätte, wäre die D.____ aufgrund des Wechsels der Versicherten zur Helsana für Behandlungen, die nach dem Ausscheiden bei der Versicherten durchgeführ t wurden, nicht mehr leistungs- pflichtig (vgl. G EBHARD EUGSTER , Bundesgesetz über die Krankenversicherung [KVG], Zü- rich/Basel/Genf 2010, zu Art. 25 Rz. 69). Weiter steht fest, dass die Versicherte aus der bei den C.____ abgeschlossenen Ergänzungsversicherung zur Krankenversicherung aufgrund des ver- sicherten Risikos (stationäre Aufenthalte) keine Leistungsa nsprüche besass und deshalb eine Kostenbeteiligung für das Ereignis im Jahr 1981 nicht wahrscheinlich ist. Was die Schülerunfall- versicherung anbelangt, so ist nicht mehr feststellbar, o b eine Kostenübernahme für den Unfall im Jahr 1981 über die damals zuständigen C.____ erfolgt e. Auch wenn anzunehmen ist, dass die Versicherte als Schülerin im Kanton Basel-Landschaft während der obligatorischen Schul- zeit bei den C.____ unfallversichert war und diese dam als für die Kosten des geltend gemach- ten Unfalls aufkamen, kann die Versicherte gegenüber die sem Unfallversicherer keine Leis- tungsansprüche mehr geltend machen. Zwar ist es angesicht s des Geburtstagsdatums der Versicherten (21. November 1973) möglich, dass zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des KVG am 1. Januar 1996 eine Versicherungsdeckung für Unfälle üb er die Schülerunfallversicherung ge- stützt auf Art. 102 Abs. 4 Satz 3 KVG noch bestand. Da d ie Versicherungsdeckung jedoch mit einem Vorbehalt (Erreichen des 22. oder 23. Altersjahr es) versehen war, war der Versiche- rungsvertrag spätestens am 20. November 1996 abgelaufen . Da die geltend gemachte Zahn- behandlung erst nach Ablauf der Versicherungsdeckung not wendig wurde, besitzt die Versi- cherte gegenüber den C.____ keine Leistungsansprüche mehr. 2.3.2 Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass für die i n Frage stehenden Behandlungskos- ten weder die D.____ noch die C.____ leistungspflichtig sind. In einer solchen Konstellation kommt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung das Behandlu ngsprinzip zur Anwendung. Danach gehen Behandlungskosten für Spätfolgen und Rückfälle von Unfällen, die sich vor dem Inkrafttreten des KVG ereignet haben und für die wede r ein Sozialversicherer noch ein Versi- cherer nach Art. 102 Abs. 4 letzter Satz KVG einzustehen hat, zulasten des Versicherers, der im Zeitpunkt der Behandlung die Krankenpflegeversicheru ng der betroffenen versicherten Per- son führt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. März 2 001, K 140/00, E. 2, SVR 2005 KV Nr.12 S. 41; EUGSTER , a.a.O., zu Art. 25 Rz. 69). Demzufolge hat die Helsa na grundsätzlich für die Kosten der Behandlung von Spätfolgen eines Unfall ereignisses einzustehen. Dies wird von der Helsana grundsätzlich auch nicht bestritten. 3.1 Die Helsana verneint ihre Leistungspflicht, weil de r Kausalzusammenhang zwischen dem behaupteten Unfall aus dem Jahr 1981 und dem gel tend gemachten Zahnschaden vom 10. August 2016 nicht mit überwiegender Wahrscheinlic hkeit habe nachgewiesen werden kön- nen. Demgegenüber stellt sich die Versicherte auf den Standpunkt, dass es nicht angehe, ihr die Beweislast aufzuerlegen, da aus den Akten klar hervo rgehe, dass die im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 10. August 2016 stehenden Behandl ungskosten eine Spätfolge des Un- falles vom Oktober 1981 seien. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Gemäss Art. 4 ATSG gilt als Unfall die plötzliche, n icht beabsichtigte und schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zu Folge hat. Diese am 1. Januar 2003 in Kraft getretene Bestimmung ent spricht der bis zu diesem Zeitpunkt gel- tenden Begriffsumschreibung von ehemals Art. 9 Abs. 1 de r Verordnung über die Unfallversi- cherung (UVV) vom 20. Dezember 1982. Damit wurde die vo m damaligen Eidgenössischen Versicherungsgericht (EVG; heute: Bundesgericht) in stä ndiger Rechtsprechung verwendete Definition des Unfalles – wie schon dazumal in die UVV – nunmehr auch in den ATSG über- nommen (vgl. BGE 118 V 283 E. 2a). Gleichzeitig ist hi nsichtlich der Anwendung von Art. 1a Abs. 2 lit. b KVG für den Bereich der Krankenversicherung vom selben Unfallbegriff wie im Un- fallversicherungsrecht auszugehen (BGE 122 V 232 E. 1). 3.3 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt voraus , dass zwischen dem Unfaller- eignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inval idität, Tod) ein natürlicher Kausalzu- sammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Ka usalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene E rfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit ei ngetreten gedacht werden kann. Ent- sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des nat ürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Stö- rungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Pe rson beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitli- che Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1, 119 V 337 E. 1 je mit Hinweisen). 3.4 Da Rückfälle und Spätfolgen begrifflich an ein b estehendes Unfallereignis anschliessen, können sie eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den er- neut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher Kausalzusammenhang b esteht (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). Es obliegt dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge postulierten Beschwerdebild und dem Unfall nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht e ine Leistungspflicht des Unfallversiche- rers. Je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall un d dem Auftreten der gesundheitli- chen Beeinträchtigung ist, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbe- weis des natürlichen Kausalzusammenhangs zu stellen (RKUV 19 97 Nr. U 275 S. 191 E. 1c in fine). Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. Juni 2011, 8C_44/2011, E. 5.1 ; THOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, § 68 Rz. 41 f.). 3.5 Die Abklärung des für die Beurteilung von Ansprüche n versicherter Personen notwendi- gen Sachverhalts hat gemäss dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Untersuchungs- grundsatz die verfügende wie auch die eine Verfügung überprüfende Behörde bzw. das Gericht von Amtes wegen vorzunehmen. Das heisst sowohl die Helsana wie auch das Sozialversiche- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsgericht haben von sich aus, ohne Bindung an die Pa rteibegehren, für die richtige und voll- ständige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen. Recht serheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, in welcher Art über die Rechte und Pflichten einer versicherten Person zu entscheiden ist (vgl. LOCHER , a.a.O., § 68 Rz. 2 f. und 8 f. mit weiteren Hinweisen). 3.6 Die erhobenen Beweismittel sind sowohl durch die H elsana als auch durch das Gericht frei zu würdigen. Für das verwaltungsgerichtliche Besch werdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel – unabhängig davon, von wem sie stammen – objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterl agen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten (LOCHER , a.a.O., zu § 68 Rz. 38) 3.7 Schliesslich darf das Sozialversicherungsgericht eine rechtserhebliche Tatsache erst dann als bewiesen annehmen, wenn es von ihrem Bestehen ü berzeugt ist. Dabei hat es seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mögl ichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Das Gericht h at vielmehr jener Sachverhaltsdarstel- lung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensab läufen als die wahrscheinlichste wür- digt (vgl. LOCHER , a.a.O., § 74 Rz. 25 mit Verweis auf § 68 Rz. 43; BGE 121 V 47 E. 2a; ZAK 1986 S. 189 f. E. 2c). 4.1 Für die Beurteilung der Frage nach dem natürlich en Kausalzusammenhang zwischen dem geltend gemachten Unfall im Oktober 1981 und dem im Jahr 2016 eingetretenen Gesund- heitsschaden am Zahn 21 der Versicherten liegen folgende Akten vor: 4.2 Im Schreiben vom 24. August 2016 führte die Versiche rte aus, dass sie als 8-jähriges Kind im Oktober 1981 beim Spielen verunfallte und dabei den Frontzahn 21 abbrach. Dieser sei im Jahr 1993 in der E.____ mit einer Keramikkrone versor gt worden. Dabei sei festgestellt wor- den, dass die Wurzel vital und intakt gewesen sei, was auc h heute noch so sei. Aus der Unfall- meldung vom 24. August 2016 ist zu entnehmen, dass der Versicherten die Krone des Zahnes 21 beim Anstossen an ein Trinkglas am 10. August 2016 zer splitterte. Gemäss Kostenvoran- schlag von Dr. B.____ setzte der erstbehandelnde Arzt Dr. med. dent. F.____ der Versicherten am 12. August 2016 provisorisch eine Krone am beschädigte n Zahn ein. Für die definitive Ver- sorgung empfahl Dr. B.____ eine Vollkeramikkrone. Mit E -Mail vom 30. August 2016 bestätigte Dr. B.____ gegenüber der Helsana, dass der Zahn 21 vor dem Ereignis vom 10. August 2016 eine Krone besessen habe, welche vor dem 20. Geburtstag der Versicherten in der Universi- tätszahnklinik Basel angebracht worden sei. Infolge Verj ährung seien keine entsprechenden Unterlagen mehr von der E.____ erhältlich. Im E-Mail vom 23. September 2016 führte er so- dann aus, dass die benachbarten Zähne 11 und 23 altersentsprechende sagittale Risse aufwie- sen. Aus dem Frakturbild der Keramikkrone am Zahn 21 lass e sich schliessen, dass die glei- chen Risse in der Krone bestanden hätten. Diese Risse seie n für die Zersplitterung der Kera- mikkrone verantwortlich gewesen. 4.3 Aufgrund dieser Ausführungen steht fest, dass der Z ahn 21 der Versicherten vor dem Ereignis vom 10. August 2016 bereits mit einer Keramikkr one versorgt war. Dies wird von der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Helsana auch nicht bestritten. Ob die Versorgung der Ke ramikkrone auf ein Unfallereignis zu- rückzuführen ist, kann aufgrund der Akten jedoch nicht nach gewiesen werden. Es ist zwar durchaus möglich, dass die Versicherte im Oktober 1981 be im Spielen verunfallte und dabei den Zahn 21 beschädigte. Wie sich aus dem Instruktionsverfa hren ergeben hat, existieren in vorliegender Sache keinerlei Akten mehr über einen im O ktober 1981 stattgefundenen Unfall. Es ist daher nicht mehr eindeutig feststellbar, ob der Zahn 21 durch einen Unfall geschädigt wurde. Auch ein den Begriff des Unfalles erfüllender Sachverhalt lässt sich allein auf den Anga- ben der Versicherten kaum schlüssig beweisen. Wer Leistunge n beansprucht, muss aber nach ständiger Rechtsprechung die Umstände eines Unfalles gl aubhaft machen. Zur Glaubhaftma- chung eines Unfalles genügt es namentlich nicht, einen G esundheitsschaden nachzuweisen, der möglicherweise auf ein Unfallereignis zurückgehen könnte, sondern es müssen über das konkrete Geschehen schlüssige Angaben gemacht werden (R UMO -JUNGO ALEXANDRA /H OLZER ANDRÉ PIERRE , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum UVG, 4. Aufl., Zürich 2012, S. 4). Die Tatsache allein, dass der Zahn 21 seit Jahren überkront w ar und infolge des Alters Risse auf- wies, genügt nicht, um eine Leistungspflicht der Helsan a zu begründen, solange sich die der Behandlung zu Grunde liegende Zahnschädigung nicht e inem hinreichend ausgewiesenen, vom Ablauf her konkretisierten Unfallereignis zuordnen lä sst (vgl. dazu Urteil des Sozialversi- cherungsgerichts des Kantons Zürich vom 13. Oktober 2016, KV.2015.00022, E. 3.2). Zu dieser Frage würde mangels Existenz von Unfallunterlagen und a ufgrund des Zeitablaufs auch eine weitere medizinische Expertise keinen Aufschluss geben, wesh alb auf weitere Abklärungen verzichtet werden kann (sog. antizipierte Beweiswürdigu ng, vgl. BGE 132 V 393 E. 3.3, 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a). Damit ist nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstell t, dass die geltend gemachte Zahn- behandlung in einem Kausalzusammenhang zu einem Unfal lereignis im Jahr 1981 steht. Die Folgen der Beweislosigkeit hat die Versicherte zu tragen, die aus dem unbewiesenen behaupte- ten Sachverhalt Rechte ableiten möchte (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juni 2014, 9C_701/2013, E. 4.1; BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinwei sen). Demzufolge ist die vorliegende Beschwerde abzuweisen. 5. Gestützt auf Art. 61 lit. a ATSG sind für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.