B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2604/2012/wif U r t e i l v o m 3 1 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichterin Contessina Theis, mit Zustimmung von Richter Martin Zoller; Gerichtsschreiber Alfred Weber. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch Mustafa Ates, Advokat, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylwiderruf; Verfügung des BFM vom 10. April 2012 / N (…). D-2604/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 17. August 1990 wurde der Vater des Beschwerdeführers in der Schweiz als Flüchtling anerkannt und es wurde ihm Asyl gewährt. Im Rahmen des Familienasyls wurde am 4. Oktober 1991 der Mutter des Be- schwerdeführers sowie ihm und seinen Geschwistern die Einreise in die Schweiz bewilligt. Mit Verfügung des vormaligen Bundesamt s für Flücht- linge (BFF) vom 11. September 1992 wurde d em Beschwerdeführer Asyl gewährt. B. Mit Schreiben vom 13. Februar 2012 teilte die Stadt B._______ dem BFM mit, der Beschwerdeführer befinde sich in Deutschland in Haft. Gemäss Urteil des Amtsgerichts C._______ sei der Beschwerdeführer wegen Ver- stosses gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteil t worden. In diesem Zusa m- menhang bat die obgenannte Amtsstelle um Mitteilung, ob sich vorliegend die Aufhebung des Flüchtlingsstatus aufdränge. Dem Schreiben lage n Kopien des Urteils des Amtsgerichts C._______ vom 17. Dezember 2010, eines Auszugs aus dem schweizerischen Straf- register sowie zwei er Strafmandate bei. Aus den Unterlagen geht weiter hervor, dass der Beschwerdeführer am 17. Dezember 2010 vom C._______ in Deutschland wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubung s- mitteln in nicht geringer Menge in Tatein heit mit Beihilfe zum Handeltre i- ben zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten veru r- teilt wurde. Er wurde am 12. September 2010 von den deutschen Behö r- den, beim Versuch 632,9 Gramm Kokaingemisch in die Bundesrepublik Deutschland einzuführen, festgenommen. Das Urteil wurde in der Folge rechtskräftig. Am 29. Oktober 2010 wurde der Beschwerdeführer vom D._______ we- gen Führens eines Motorfahrzeugs unter Drogeneinfluss und Widerhan d- lung gegen das Betäubungsmittelgesetz ( Betäubungsmittelgesetzes vom 3. Oktober 1951 [BetmG, SR 812.121]) zu einer mit einer Probezeit von 5 Jahren aufgeschobenen Geldstrafe von 50 Tagessätzen von Fr. 80. –, ei- ner Verbindungsbusse von Fr. 500.– und einer Busse von Fr. 200.– verur- teilt. D-2604/2012 Seite 3 Am 29. November 2007 wurde der Beschwerdeführer vom D._______ wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Bu s- se von Fr. 500.– verurteilt. C. Mit Schreiben vom 9. März 2012 wurde dem Beschwerdeführer durch Vermittlung der Schweizer Vertretung in E._______ das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Asylwiderruf und einer Aberkennung der Flüchtling s- eigenschaft gestützt auf Art. 63 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) gewährt. Der Beschwerdeführer machte in seiner undatierten Stellungnahme (Ein- gang BFM: 26. März 2012) im Wesentlichen geltend, wegen seines V a- ters im Falle einer Rückkehr in die Türkei immer noch gefährdet zu sein. Zudem müsste er in den Militärdienst einrücken. Schliesslich würde er von seiner Familie getrennt. Der inzwischen bevollmächtigte Rechtsvertreter des Beschwerdeführers führte in seiner Eingabe vom 3. April 2012 zunächst aus, der Beschwer- deführer sei zurzeit in der Justizvollzugsanstalt (JVA) F._______ inhaftiert. Alsdann hält er unter anderem fest, der Beschwerdeführer habe in der Schweiz keine bedeutsame Delikte im Sinne des Asylgesetzes begangen. Es stelle sich zudem die Frage, ob im Ausland verübte Straftaten übe r- haupt unter den Widerrufstatbestand von Art. 63 Abs. 2 AsylG fallen kö n- nen. Der Beschwerdeführer sei "lediglich" zu einer Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Nach dem schweizerischen BetmG sei die Strafdrohung auf drei Jahre begrenzt, was für einen Asylwiderruf nicht ausreiche. Der Beschwerdeführer sei nicht als gem eingefährlich einzustufen. Schliesslich wird um eine Bestätigung der Wiedereinreise des Beschwerdeführers in die Schweiz gebeten. D. Mit Entscheid vom 10. April 2012 – eröffnet am 18. April 2012 – widerrief das BFM gestützt auf Art. 63 Abs. 2 AsylG das dem Beschwerdeführer am 11. September 1992 gewährte Asyl. Die Verfügung wurde dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers durch Vermittlung des Schweizer Generalkonsulats in G._______ zugestellt. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die "besonders verwerfliche strafbare Han d- lung" müsse qualitativ eine Stufe über der verwerflichen Handlung im Sinne von Art. 53 AsylG stehen; es werde somit eine qualifizierte Asylu n- würdigkeit vorausgesetzt. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgeric h-D-2604/2012 Seite 4 tes seien unter dem Begriff der "verwerflichen Handlung" im Sinne von Art. 53 AsylG diejenigen Taten zu verstehen, welche mit einer Freiheit s- strafe von mehr als drei Jahren bedroht seien. Vorliegend s ei der B e- schwerdeführer am 17. Dezember 2010 vom C._______ in Deutschland wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Me n- ge in Tateinheit mit Beihilfe zum Handeltreiben zu einer Frei heitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verur teilt worden. Er habe am 12. September 2010 versucht, 632,9 Gramm Kokaingemisch mit einer Wir k- stoffmenge von mindestens 210,6 Gramm Kokainhydrochlorid einzufü h- ren. Gemäss schweizerischer Praxis liege bei einer Rauschgiftmenge von 18 Gramm Kokain ein sogena nnter "schwerer Fall" vor (BGE 109 IV 144f.). Der Beschwerdeführer würde gestützt auf Art. 19 Abs. 2 BetmG verurteilt, welcher eine Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr vors e- he. Aufgrund des gesetzlichen Strafrahmens sei die begangene Tat kl a- rerweise als "besonders verwerfliche Handlung" zu qualifizieren. Dass die Tat im Ausland begangen worden sei, erweise sich als unerheblich, zumal es bei der Anwendung von Art. 63 Abs. 2 AsylG in Analogie zu Art. 53 AsylG keine Rolle spiele, ob die Tat in der Schwe iz oder im Ausland ve r- übt worden sei. Gemäss Art. 19 Abs. 4 BetmG sei auch strafbar, wer die Tat im Ausland begangen habe. Ferner habe sich der Beschwerdeführer trotz mehrerer gegen ihn ausgefällter Strafen nicht davon abhalten la s- sen, erneut massiv straffällig zu werden. Jedenfalls habe dessen wiede r- holte Delinquenz über Jahre hinweg die hiesigen und ausländischen Pol i- zei- und Justizorgane beschäftigt. Zudem sei der Grundsatz der Verhäl t- nismässigkeit gewahrt, weil der Verlust des Asylstatus keinen automat i- schen Widerruf der kantonalen Niederlassungsbewilligung des B e- schwerdeführers nach sich ziehe. Auch verfüge er weiter über die Flüch t- lingseigenschaft. Die Frage einer Rückkehr in die Türkei stelle sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt somit nicht. Dem eminenten öffentlichen Int e- resse an der Bekämpfung strafbaren Handelns und mithin an einem Asylwiderruf wegen Begehens einer besonders verwerflichen Handlung stünden demnach keine überwiegenden privaten Interessen entgegen. Schliesslich sei der Beschwerdeführer dar auf hinzuweisen, dass das BFM zum gegenwärtigen Zeitpunkt von einer Aberkennung der Flüch t- lingseigenschaft absehe, im Falle erneuter Straffälligkeit oder Nichteinhal- tung der hiesigen gesellschaftlichen Gepflogenheiten sich indes vorbehal- te, die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft erneut vertieft zu prüfen. E. Das BFM stimmte mit Schreiben vom 24. April 2012 dem wiederholten D-2604/2012 Seite 5 Ersuchen des Regierungspräsidium H._______ um Rückübernahme des Beschwerdeführers zu. F. Mit Eingabe vom 11. Mai 2012 liess der Besc hwerdeführer beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde erheben und unter Kosten- und Entschä- digungsfolge die Gutheissung der Beschwerde sowie die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 10. April 2012 beantragen. Das dem Beschwe r- deführer in der Schweiz gewährte Asyl sei ihm zu belassen. Dem B e- schwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) zu gewähren Auf die Begründung der B e- schwerde wird, soweit ents cheidwesentlich, in den Erwägungen eing e- gangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bunde sverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die D-2604/2012 Seite 6 angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vo rliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 63 Abs. 2 AsylG widerruft das BFM das Asyl, wenn ein Flüchtling die innere oder die äussere Sicherheit der Schweiz verletzt hat, gefährdet oder besonders verwerfliche strafbare Handlungen begangen hat. Ein derartiger Widerruf setzt gemäss konstanter Rechtsprechung e i- ne qualifizierte Asylunwürdigkeit (Art. 53 AsylG) voraus; mithin muss die "besonders verwerfliche Handlung" qualitativ eine Stufe über der "ve r- werflichen Handlung" im Sinne von Art. 53 AsylG stehen. Die in Frage stehende Straftat muss demnach mit einer erheblichen Strafe bedroht sein und eine gewisse Intensität aufweisen. Zudem muss bei der Würd i- gung einer strafbaren Handlung als "besonders verwerflich" im Sinne von Art. 63 Abs. 2 AsylG der Grundsatz der Verhältnismässigkeit beachtet werden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl- rekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 11). 4.2 Nach der bisherigen Rechtsprechung galten als "verwerfliche" Han d- lungen diejenig en Delikte, die dem abstrakten Verbrechensbegriff des Strafrechts entsprachen (vgl. EMARK 2003 Nr. 11; Walter Stöckli, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, B a-D-2604/2012 Seite 7 sel/Genf/München 2009, Rz. 11.51). Gemäss dem bis zum 31. Dezember 2006 geltenden Art. 9 Abs. 1 aStGB galten die mit Zuchthaus bedrohten strafbaren Handlungen als Verbrechen; im Gegensatz zu den mit G e- fängnis als Höchststrafe bedrohten Vergehen (Art. 9 Abs. 2 aStGB). Zuchthaus galt als die höchste Strafe, mit einem Strafrah men zwischen einem und zwanzig Jahren respektive, wo es das Gesetz besonders b e- stimmte, lebenslänglich (Art. 35 aStGB). 4.3 Am 1. Januar 2007 trat der neue Allgemeine Teil des StGB (AT StGB) in Kraft (vgl. AS 2006 3459; BBI 1999 1979). Seither werden als Verbr e- chen jene Taten definiert, die mit Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren bedroht sind (Art. 10 Abs. 2 StGB). Demgegenüber sind Vergehen Taten, die mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bedroht sind (Art. 10 Abs. 3 StGB). Die Höchst dauer der Freiheitsstrafe beträgt g e- mäss Art. 40 StGB zwanzig Jahre respektive, wo es das Gesetz au s- drücklich bestimmt, lebenslänglich. Da mit der gesetzlichen Neuerung die Unterscheidung zwischen Zuch t- haus und Gefängnis aufgegeben wurde, ist die Abgrenzun g zwischen Verbrechen und Vergehen nicht mehr an diesem begrifflichen Unterschied festzumachen. Neu wird bei der Abgrenzung zwischen Verbrechen und Vergehen auf die abstrakte Höchststrafandrohung abgestellt. Im Ergebnis handelt es sich jedoch um dieselbe A bgrenzung wie im alten Recht, da die Gefängnisstrafe früher – abgesehen von wenigen Ausnahmen – ge- mäss Art. 36 aStGB maximal drei Jahre betrug (vgl. Botschaft zur Revis i- on des StGB, BBI 1999 1979 ff., Kommentar zu Art. 10, S. 2000 f.). 4.4 Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Gesetzgeber mit der Neufo r- mulierung des Verbrechensbegriffs indirekt auch den in den Art. 53 und Art. 63 Abs. 2 AsylG verwendeten Begriff "verwerflich" inhaltlich neu hätte definieren wollen. Mithin besteht keine Veranlassung, die Verkn üpfung des Begriffs der "verwerflichen Handlung" mit demjenigen des "Verbr e- chens" gemäss Art. 10 StGB aufzugeben. Daraus folgt, dass unter den Begriff der "verwerflichen Handlung" im Sinne von Art. 53 AsylG (weite r- hin) diejenigen Taten zu subsumieren sind, die mit einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren bedroht sind. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer hat eine Straftat verübt, die in Anbetracht der vorstehenden Ausführungen in E. 4.2 – 4.4 als verwerflich im Sinne von Art. 53 AsylG zu erachten ist. Er wurde mit U rteil des Amtsgericht D-2604/2012 Seite 8 C._______ vom 17. Dezember 2010 in Deutschland wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Beihilfe zum Handeltreiben gemäss § 30 Abs. 1 Nr. 4 des deutschen Be- täubungsmittelgesetzes (BtMG) zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. § 30 Abs. 1 BtMG sieht eine Freiheitsstrafe von nicht unter zwei Jahren bis zu fünfzehn Jahren vor. Wie das BFM in der angefochtenen Verfügung in diesem Zusammenhang zutreffend fest- hielt, würde diese vom Beschwerdeführer in Deutschland verübte Straftat auch in der Schweiz gestützt auf Art. 19 Abs. 4 BetmG geahndet, und der Beschwerdeführer wäre nach Abs. 2 der nämlichen gesetzlichen Besti m- mung, welche eine Freiheitsstrafe von nicht un ter einem Jahr bis zu zwanzig Jahren vorsieht, verurteilt worden. D ieses Delikt ist somit als "verwerflich" im Sinne von Art. 53 AsylG zu qualifizieren. 5.2 Weiter ist zu prüfen, ob die betreffenden Straftat als "besonders" ve r- werflich im Sinne von Art. 63 Abs. 2 AsylG zu qualifizieren ist. Dies ist zu bejahen. Das vom Beschwerdeführer begangene Delikt wird in Deutsch- land wie in der Schweiz als "schwerer Fall" bezeichnet. Im Urteil des Amtsgerichts C._______ vom 17. Dezember 2010 sowie demjenigen des Landgerichts I._______ vom 25. Februar 2011, welches die vom B e- schwerdeführer gegen das erstere Urteil erhobene Berufung verworfen hat, wird unter anderem explizit ausgeführt, ein minder schwerer Fall im Sinne von § 30 Abs. 2 BtMG scheitere bereits daran, dass der Beschwer- deführer das 42fache der nicht geringen Menge an Kokainhydrochlorid in die Bundesrepublik Deutschland eingeführt habe. Hinsichtlich der in der Schweiz geltenden Qualifizierung "schwerer Fall" kann, zur Vermeidung von Wiederholungen, auf die unter H inweis auf die Rechtsprechung g e- machten Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen we r- den (vgl. Bst. E hiervor). Die in diesem Zusammenhang in der Rechtsmit- teleingabe ergangenen Ausführungen (Ziff. 10 S. 4) erweisen sich dabei als unbegründet respektive unerheblich. Zum einen lehnt sich der Begriff der "verwerflichen Handlung" – wie erwähnt – ausschliesslich an das Höchstmass der Strafe an, mit der die entsprechende Straftat bedroht ist und nicht an die Dauer der tatsächlichen Verurteilung. Zum anderen ist die Gefährdung der "inneren und äusseren Sicherheit der Schweiz " ein alternativer Anwendungsfall von Art. 63 Abs. 2 AsylG. Zudem bezieht sich dieser Begriff auf sicherheitspolitische Interessen der Schweiz als Staat und ist vorliegend – entgegen der vertretenen Ansicht in der Beschwe r- de – nicht relevant. Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer in der Schweiz begangenen Delikte ist dem Rechtsvertreter zuzustimmen, dass diese nicht als "verwerfliche Handlungen" bezeichnet werden können. Sie D-2604/2012 Seite 9 vermögen indes aber zweifelsohne eine Uneinsichtigkeit des Beschwe r- deführers gegenüber der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und gesell- schaftlicher Gepflogenheiten aufzuzeigen. Darauf näher einzugehen e r- übrigt sich in casu jedoch, weil n ach dem Gesagten die Voraussetzungen der hohen Strafandrohung wie auch der Intensität der vom Beschwerde- führer in Deutschland begangenen Straftat für die Qualifikation der Stra f- tat als besonders verwerflich klarerweise erfüllt sind. 5.3 Schliesslich ist bei der Würdigung de s betreffenden Deliktes als be- sonders verwerflich im Sinne von Art. 63 Abs. 2 AsylG das Kriterium der Verhältnismässigkeit zu berücksichtigen. Der mit einer behördlichen A n- ordnung verbundene Eingriff darf demnach für den Betroffenen im Ve r- gleich zur Bedeutung des verfolgten öffentlichen Interesses nicht una n- gemessen schwer wiegen (vgl. EMARK 2003 Nr. 11 E. 7 S.75). 5.3.1 In der Rechtsmitteleingabe wird mit Bezug auf die persönliche Situ- ation des Beschwerdeführers (Ziff. 12 S. 4 und 5) sowie hinsichtlich der vertretenen Auffassung, wonach der Entscheid über den Widerruf des Asyls zu früh ergangen sei (Ziff. 13 S. 5) , die Verhältnismässigkeit der Massnahme als ungenügend geprüft erachtet und ausgeführt, mit der Un- terlassung einer vertieften Prüfung der persönlichen Verhältnisse des Be- schwerdeführers habe die Vorinstanz dessen Anspruchs auf rechtliches Gehör verletzt (Ziff. 14 S. 5) . Diese Ausführungen sind jedoch nicht ge- eignet, an den vorstehenden Erwägungen hinsichtlich der Qualifizierung der verübten Straftat als besonders verwerflich etwas zu ändern. Der B e- schwerdeführer ist für das von ihm begangene Delikt strafrechtlich verur- teilt worden und die Strafe wurde vollzogen . Strafen und entsprechende Massnahmen werden ausschliesslich durch das Strafrecht geregelt. Der Asylwiderruf stellt indes einen verwaltungsrechtlichen Akt dar, der Resu l- tat der entsprechenden erfüllten Voraussetzungen ist. Auch kann nicht von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs die Rede sein, da die Vorin- stanz im Einklang mit der oben zitierten Rechtsprechung aufzeigt, dass der Widerruf des Asyls nicht zu einer automatischen Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft führt, womit sich der Verlust des Asylstatus nicht unmittelbar konkret nachteilig für den Beschwerdeführer aus wirkt. Er hat weiterhin ein Anwesenheitsrecht in der Schweiz . Nebst der in casu nicht widerrufenen kantonalen Niederlassungsbewilligung verfügt er als Flücht- ling weiterhin über den Non -Refoulement-Schutz gemäss Art. 33 des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG. Zudem ist er als Flüchtling besser gestellt als die übrigen vorläufig Aufgenommenen. Demnach stehen dem öffentl i-D-2604/2012 Seite 10 chen Interesse an der Bekämpfung und Prävention strafbaren Handelns (und mithin einem Asylwiderruf wegen Begehens einer besonders ve r- werflichen Straftat) keine überwiegenden privaten Interessen des B e- schwerdeführers gegenüber. Nach dem Gesagten erweist sich der Asy l- widerruf als verhältnismässig. 5.3.2 Unter diesen Umständen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausfü h- rungen in der Rechtsmitteleingabe vom 11. Mai 2012 einzugehen, da die- se am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserhebli chen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwe r- de ist somit abzuweisen. 7. Ungeachtet der nicht ausgewiesenen Bedürftigkeit des Beschwerdefü h- rers ist d as Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen. Die Vorbringen in der B e- schwerde müssen – wie in den Erwägungen dargelegt – als von vornher- ein aussichtslos qualifiziert werden. Mithin fehlt es an den kumulativ zu erfüllenden Erfordernissen (bedür ftig/nicht aussichtslos) von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Mangels Erfüllen der Voraussetzungen von Absatz 1 der nämlichen gesetzlichen Bestimmung ist das Gesuch um anwaltliche Ve r- beiständung (Art. 65 Abs. 2 VwVG) ebenfalls abzuweisen. Die Kosten des Verfahrens in der Höhe von Fr. 600.– (Art. 1-3 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] ) sind demnach dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-2604/2012 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege samt a n- waltlicher Verbeiständung wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Contessina Theis Alfred Weber Versand: