Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Mai 2019 (725 19 7 / 123) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Einstellung der Taggelder und Heilbehandlungskosten bei Vorliegen einer Benett-Fraktur des Daumens (Art. 19 Abs. 1 UVG); Abstellen auf die kreisärztliche Beurteilung in Bezug auf das Zumutbarkeitsprofil und der Schätzung des Integritätsschadens Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Gisela Warten- weiler Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Burim Imeri , Rechtsan- walt, Schaffhauserstrasse 57, Postfach, 4332 Stein AG gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, Postfach 109, 4018 Basel Betreff Leistungen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1991 geborene A.____ arbeitete vom 1. Mai 20 16 bis 30. September 2016 bei der B.____ GmbH in X.____. Durch die Arbeitgeberin war er bei der Schweizerischen Unfallversiche- rungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen v on Unfällen und Berufskrankheiten versi- chert. Mit undatierter Schadenmeldung liess A.____ der Suva einen Unfall melden. Danach sei ihm am 23. Februar 2017 beim Kontrollieren des Kühlwassers die Motorhaube des Autos auf die rechte Hand gefallen. Dabei erlitt er eine interfrag mentäre Basisfraktur des Os Metacarpale I rechts, welche am 3. März 2017 einen operativen Eingrif f erforderte. Für die Folgen dieses Er- eignisses erbrachte die Suva die gesetzlichen Leistungen. Nach der kreisärztlichen Abschluss- untersuchung vom 28. Februar 2018 teilte sie dem Versi cherten am 5. März 2018 und 12. Juni 2018 mit, dass die Heilkosten- und Taggeldleistungen per 30. April 2018 eingestellt würden. So- dann verfügte die Suva am 11. Juli 2018 die Ablehnung eines Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung. Die dagegen erhobene Einsprache des Versicherten wies die Suva mit Entscheid vom 20. November 2018 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertr eten durch Rechtsanwalt Burim Imeri, am 7. Januar 2019 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheides und die rückwirkende Zusprechung von Taggeldern ab 1. Mai 2 018; eventualiter sei ihm eine Invali- denrente und eine Integritätsentschädigung auszurichten. Subeventualiter seien weitere medizi- nische Abklärungen, insbesondere ein Gerichtsgutachten, anzuordnen; alles unter o/e-Kosten- folge, wobei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu be willigen sei. In der Begründung führte er aus, dass die Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung mangels Vorliegens eines Endzustandes verfrüht erfolgt sei . Auf die kreisärztliche Beurteilung von Dr. med. C.____, FMH Chirurgie, vom 1. Juni 2018 könne nicht abgestellt werden, weil die Berichte der behandelnden Ärzte nicht bzw. nur unzureich end berücksichtigt worden seien. So habe die Verdachtsdiagnose eines CRPS ( Complex Regional Pain Syndrome) Typ II keinen Ein- gang in die kreisärztliche Beurteilung gefunden. Des Weiteren bestätigten Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates sowie Handchirurgie, und Dr. med. E.____, FMH Chirurgie und Handchirurgie, d ass der Versicherte ein funktioneller Ein- händer und dadurch erheblich in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. C. Mit Verfügung vom 10. Januar 2019 bewilligte das Ka ntonsgericht dem Versicherten die unentgeltliche Verbeiständung. D. In ihrer Vernehmlassung vom 1. März 2019 beantragte die Suva, vertreten durch Advo- kat Andrea Tarnutzer-Münch, die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in Y.____, weshalb die örtliche Z uständigkeit des Kantonsgerichts Basel- Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a de s Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versi- cherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kant ons Beschwerden gegen Einsprache- entscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. E s ist damit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht ein- gereichte Beschwerde vom 7. Januar 2019 ist einzutreten. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Versicherungsleistungen , soweit dieses Gesetz nichts anderes bestimmt bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf di e zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Ar- beitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid ist und sich der U nfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustand es der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleis- tungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versi cherte Person durch den Unfall eine dau- ernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Ren tenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 2.2 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leist ungsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismi ttel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen . Dies bedeutet, dass das So- zialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig da von, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Be- urteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es a uf die eine und nicht auf die andere Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach ent- scheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurtei- lung der medizinischen Situation einleuchtet und ob di e Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.1 In seiner Beschwerde macht der Versicherte vorab ge ltend, dass der medizinische End- zustand – entgegen der Mitteilungen der Suva vom 5. Mär z 2018 und 12. Juni 2018 – per Ende April 2018 noch nicht erreicht gewesen sei. Die Suva h abe deshalb die Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen nicht einstellen dürfen und habe zu U nrecht den Anspruch des Versicherten auf eine unfallversicherungsrechtliche Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung beurteilt. Es ist somit zu prüfen, ob die Einstellung der Heilbeha ndlungs- und Taggeldleistungen per 30. April 2018 zu Recht erfolgt ist. 3.2 Im Entscheid 134 V 109 ff. hat sich das Bundesgeri cht einlässlich mit der Thematik be- fasst, in welchem Zeitpunkt der Unfallversicherer einen Fall abzuschliessen und - gegebenenfalls - den Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integr itätsentschädigung zu prüfen habe (BGE 134 V 113 E. 3.2). Dies habe, so das Bundesgericht, gestü tzt auf Art. 19 Abs. 1 UVG in dem Zeitpunkt zu geschehen, in welchem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine nam- hafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten P erson mehr erwartet werden könne und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen seien (BGE 134 V 113 ff. E. 4). Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes zu verstehen sei, umschreibe das Gesetz nicht näher. Mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversi- cherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstätigen P ersonen ausgerichtet sei (vgl. etwa Art. 1a und Art. 4 UVG), werde sich dies namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt, bestimmen. Die Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber verdeutliche dabei, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen müsse. Unbedeutende Ver- besserungen genügten nicht (BGE 134 V 115 E. 4.3 mit Hinweisen). 3.3 In seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 1. März 2018 diagnostizierte der Kreisarzt Dr. C.____ gestützt auf seine persönlichen Untersuchungen vom 28. Februar 2018 ei- nen Status nach Metallentfernung rechts am 27. November 2017 bei Status nach Plattenosteo- synthese vom 2. März 2017 bei mehrfragmentärer und impa ktierter Benett-Fraktur des rechten Daumes nach Unfall vom 23. Februar 2017. In seiner Beurteilung hielt er fest, dass beim Versi- cherten eine leicht eingeschränkte Beweglichkeit des rechten Daumens im Grundgelenk und im Inter-Phalangeal(IP)-Gelenk, eine leichte Hypästhesie über der palmaren Seite des rechten Dau- mes, Druckdolenzen im Bereich des 1. Strahls sowie eine minimale Schwellung des rechten Thenars (= ein an der daumenseitigen Handfläche gelegener Muskelwulst der Mittelhand, online: www.wissen.de/medizin/thenar, [8. August 2019]) bestände. Es lägen keine Hinweise auf einen Infekt oder ein CRPS vor. Aus versicherungsmedizinischer und unfallchirurgischer Sicht handle es sich um einen stabilen Zustand. Von weiteren Behandlu ngen sei keine namhafte Verbesse- rung des Gesundheitszustandes zu erwarten. Die bisher ausgeübte Tätigkeit als Fassadenbauer Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht könne der Versicherte wegen der sehr schweren, handbelastenden Arbeit nicht mehr ausführen. Die Verrichtung einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit sei ihm ab 1. Mai 2018 zu 100 % zu- mutbar, sofern die Arbeiten kein kraftvolles Zupacken mit der rechten, dominanten Hand erfor- derten. Nach Einsicht in die Berichte von Dr. E.____ vom 4., 20., 27. April 2018, 8. Mai 2018, 4. Juni 2018, 23. August 2018, 17. September 2018 und 12. Oktober 2018, des Institutes für Radi- ologie und Nuklearmedizin, Spital F.____, vom 6. April 2018 und 17. September 2018 sowie von Dr. D.____ vom 6. September 2018, nahm Dr. C.____ am 1. Juni 2018 und am 5. November 2018 erneut Stellung zur medizinischen Aktenlage. Er gelangte zum Schluss, dass keine neuen oder veränderten Befunde vorlägen, weshalb er an seine r Beurteilung vom 1. März 2018 fest- halte. 3.4 Gestützt auf die kreisärztlichen Beurteilungen stellt e sich die Suva im angefochtenen Entscheid vom 20. November 2018 bzw. in der ihm zu Grunde liegenden Verfügung vom 11. Juli 2018 auf den Standpunkt, dass beim Versicherten der medizinische Endzustand hinsichtlich der Unfallfolgen im Bereich des rechten Daumens am 30. Apri l 2018 erreicht gewesen sei. Diese Einschätzung ist nicht zu beanstanden. Nach der bundesg erichtlichen Rechtsprechung haben zwar Berichte versicherungsinterner Ärzte nicht denselben Beweiswert wie ein im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholtes Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie ein Gerichtsgutachten. Ihnen kommt aber Beweiswert zu, sofern sie schlüssig erschei nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Oktober 2009, 8C_620/2009, E . 4.2; BGE 125 V 351 E. 3b/ee mit Hinweis). Vorliegend sind keine Anhaltspunkte - etwa i n Form abweichender fachärztlicher Ein- schätzungen - ersichtlich, die Anlass geben könnten, an der Richtigkeit der Feststellungen von Dr. C.____ zu zweifeln. Sowohl der Kreisarzt als auch die behandelnden Ärzte, Dr. E.____ und Dr. D.____, gehen davon aus, dass der Versicherte seine angestammte Tätigkeit nicht mehr aus- üben könne. Desgleichen sind sämtliche Ärzte zuletzt der Ansicht, dass der Versicherte eine sei- nem Leiden angepasste Verweistätigkeit ausführen könne. Abweichungen bestehen einzig im formulierten Zumutbarkeitsprofil. Während der Kreisarzt der Ansicht ist, dass der Versicherte eine solche zu 100 % ausführen könne, solange kein kraftvolles Z upacken mit der rechten Hand er- forderlich sei, bezeichnen Dr. E.____ und Dr. D.____ den Versicherten als funktionellen Einhän- der, der die rechte Hand höchstens als Hilfshand (so Dr. E.____ in seinem Bericht vom 23. August 2018) oder gar nicht mehr (so Dr. D.____ in seinem Be richt vom 6. September 2018) einsetzen könne. Dass der Versicherte aufgrund seiner Beeinträchtigungen an der rechten Hand nicht ein Vollpensum leisten könne, geht aus den Berichten von Dr. E.____ und Dr. D.____ nicht hervor. Aufgrund der Akten lässt sich eine Einschränkung des Arbe itspensums auch nicht medizinisch begründen. Besteht aber eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Verweistätigkeit, ist mit einer allfälligen Weiterführung der Heilbehandlung keine (namhafte) Steigerung der unfall- bedingt beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit mehr möglich. Die von Dr. E.____ und Dr. D.____ vor- geschlagenen medizinischen Massnahmen wie Revision des Daumensattelgelenks oder die sta- tionäre Behandlung in der Klinik G.____ ändern desha lb nichts daran. Der per 30. April 2018 erfolgte Fallabschluss erweist sich demnach als rechtens. 3.5 Entgegen der Ansicht des Versicherten lässt der Beri cht vom 27. April 2018, in welchem Dr. E.____ erstmals einen Verdacht auf ein inkomplette s CRPS äusserte, keinen anderen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schluss zu, handelt es sich dabei doch um keine gesicherte Diagnose (vgl. Berichte vom 17. Sep- tember 2018 und 12. Oktober 2018). Auch Dr. D.____ k onnte anlässlich seiner Untersuchung vom 6. September 2018 keine Hinweise auf ein CRPS finden. Stattdessen sprach er von einem posttraumatischen Knorpelschaden am Daumensattelgelenk r echts mit chronifiziertem Schmerzsyndrom bei Status nach mehrfragmentärer, intraartikulärer Bennett-Fraktur am 23. Feb- ruar 2017. Gleichzeitig räumte er aber ein, dass eine CT-Untersuchung mehr Aufschluss darüber geben könnte. Wie die CT-Untersuchung vom 17. September 2018 schliesslich zeigte, konnte ein Knorpelschaden als Ursache für die Beschwerden des Versicherten am Daumen ausgeschlossen werden (vgl. Bericht von Dr. E.____ vom 12. Oktober 2018). 3.6 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die Suva berechtigt war, die für die Folgen des Unfallereignisses vom 23. Februar 2017 erbra chten vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung, Taggelder) per 30. April 2018 einzustellen. 4.1 Mit dem in Bezug auf die vorübergehenden Leistung en erfolgten Fallabschluss stellt sich die weitere Frage, ob ein Anspruch auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung besteht (vgl. die in BGE 137 V 199 ff. nicht publiziert e E. 3 des Urteils vom 1. Juni 2011, 8C_100/2011, und BGE 134 V 113 E. 3.2 in fine). 4.2 Bei der Beurteilung des Rentenanspruchs ist jeweil s als Erstes zu prüfen, in welchem Ausmass die versicherte Person unfallbedingt arbeitsunfähig ist. Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 4.3 Die Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. C.____ vom 1 . März 2018, wonach dem Versi- cherten körperlich leichte bis mittelschwere Arbeiten ohne kraftvolles Zupacken mit der rechten, dominanten Hand zu 100 % zumutbar seien, überzeugt. Sie beruht auf seinen persönlichen und den bildgebenden Untersuchungen. Sodann befasst sich der Kreisarzt hinreichend mit den me- dizinischen Akten und er geht auf sämtliche vom Versicherten geklagten Beschwerden ein. Ent- gegen der Auffassung des Beschwerdeführers sind vorliegen d keine Anhaltspunkte ersichtlich, die geeignet wären, auch nur geringe Zweifel an der Richtigkeit der kreisärztlichen Beurteilung zu erwecken. 4.4 Soweit der Versicherte vorbringt, er sei nicht mehr in der Lage, eine Arbeitstätigkeit aus- zuüben, ist dem entgegenzuhalten, dass die rein subjektive Einschätzung der versicherten Per- son betreffend ihre Arbeitsfähigkeit nicht relevant i st. Vielmehr ist es primär ärztliche Aufgabe, anhand der objektiven Befunderhebung die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Leis- tungsfähigkeit zu bestimmen (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Juli 2014, 8C_7/2014, E. 4.1.2 und 4.2.2). Er verweist zur Begründung seines Standpunk tes auf die Berichte von Dr. E.____ vom 23. August 2018 und Dr. D.____ vom 6. September 2 018. Aufgrund dieser Berichte kann jedoch keine Arbeitsunfähigkeit begründet werden. Denn sowohl Dr. E.____ als auch Dr. D.____ Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gehen davon aus, dass der Versicherte als funktioneller Einhänder einer leidensangepassten Tä- tigkeit nachgehen könne. Daran ändert auch nichts, dass di e beiden Ärzte von einer faktischen Einhändigkeit und Dr. D.____ zudem die Vermittelbarkeit als sehr gering betrachtet. Denn nach gefestigter bundesgerichtlicher Rechtsprechung bestehen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten für Perso nen, die funktionell als Einarmige zu betrachten sind (Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2017, 8C_31/2017, 6.2). Zu denken ist etwa an einfache Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltä tigkeiten sowie an die Bedienung und Überwachung von (halb-) automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten sowie die Arbeit als Museums- oder Parkplatzwärter (Urteile des Bundesgeri chts vom 21. Dezember 2016, 8C_622/2016, E. 5.2.2, vom 23. November 2016, 8C_477/2016, E. 4.3, vom 1. September 2016, 8C_345/2016 ,E. 5 und vom 8. Juli 2016, 8C_37/2016, E. 5.1.2). Dazu kommt, dass Dr. E.____ und Dr. D.____ nicht nachvollziehbar begründen, wesha lb beim Versicherten eine funktionelle Einhändigkeit vorliegt. Damit sind die Berichte dieser beiden Ärzte nicht geeignet, Zweifel an der Zuverlässigkeit der kreisärztlichen Zumutbarkeitsbeurteilung zu erwecken. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Suva auf die Zumutbarkeitsbeurt eilung von Dr. C.____ vom 1. März 2018 abgestellt hat. 5.1 Weiter beanstandet der Versicherte im Zusammenhang mit dem Einkommensvergleich gemäss Art. 16 ATSG die Bemessung des Invalideneinkommens. Für die Festsetzung des Inva- lideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besond ers stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbei tsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, na mentlich weil die versicherte Per- son nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jede nfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung entweder die Ta- bellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik o- der die von der Suva geschaffene Dokumentation von Arb eitsplätzen (DAP-Zahlen) herangezo- gen werden (BGE 139 V 592 E. 4.2.1 mit Hinweisen). 5.2 Der Versicherte erachtet die von der Suva herangezo genen DAP für die Ermittlung des Invaliditätseinkommens nicht als tauglich, weil er als Einhänder diese Tätigkeiten nicht ausführen könne. Er unterlässt es jedoch, seine Rüge näher zu begründen. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die von der Suva gewählten DAP-Arbeitsplätze nicht dem kreisärztlichen Zumutbarkeitspro- fil Rechnung tragen, sind weder ersichtlich noch vom Ver sicherten substantiiert dargetan. Es kann deshalb auf eine weitere diesbezügliche Auseinandersetzung verzichtet werden. 5.3 Aus der Gegenüberstellung des gestützt auf die DAP’s ermittelten Invalideneinkommens von Fr. 59'984.-- und des – unbestrittenen – Validene inkommens von Fr. 58'500.-- resultiert kein rentenbegründender Invaliditätsgrad. Somit hat die S uva einen Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente im angefochtenen Einspracheentscheid zu Recht abgelehnt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Abschliessend ist zu prüfen, ob der Versicherte Ansp ruch auf eine Integritätsentschädi- gung hat. Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte P erson Anspruch auf eine angemes- sene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde und erhebliche Schädi- gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrit ät erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. De zember 1982 gilt ein Integritätsscha- den als dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganze n Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integri- tät, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2). 6.2 Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsentsch ädigung in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie wird entsprechend der Schwere des Inte gritätsschadens abgestuft, wobei sie den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen darf. Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Beme ssung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der Bundesrat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden S kala häufig vorkommende und ty- pische Schäden prozentual gewichtet (BGE 113 V 219 E. 2a; RKUV 1988 Nr. U 48 S. 236 E. 2a mit Hinweisen). 6.3 Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integrität sschäden entspricht die Entschädi- gung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höc hstbetrages des versicherten Ver- dienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgelei tet (Ziff. 1 Abs. 2 Satz 1). In diesem Zusammenhang hat die Suva in Weiterentwicklung der bund esrätlichen Skala zusätzliche Be- messungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet. Diese in den Mitteilungen der Medizi-ni- schen Abteilung der Suva Nr. 57 bis 59 herausgegebenen Tabellen (teilweise geändert und er- gänzt in den Mitteilungen Nr. 60, 62 und 66) sind, so weit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32 E. 1c, 116 V 157 E. 3a mit Hinweis). 6.4 Bei der Bestimmung des Schweregrades einer gesundh eitlichen Beeinträchtigung han- delt es sich um eine Tatfrage, für deren Beantwortung Verwaltung und Gerichte auf fachärztliche Mithilfe angewiesen sind. Dem Gericht ist es nicht möglic h, die Beurteilung aufgrund der akten- kundigen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfung des in den Tabellen offen gelas- senen Bemessungsspielraums entsprechende Fachkenntnisse vora ussetzt und von einem me- dizinischen Laien eine zuverlässige Zuordnung nicht erwartet werden kann. Die Beurteilung der einzelnen Integritätseinbussen obliegt somit den ärztl ichen Sachverständigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 6.5 Die Suva stützte sich auch in Bezug auf die Integri tätseinbusse auf den kreisärztlichen Bericht von Dr. C.____ vom 5. November 2018. Dieser führte als Befund eine leichte beginnende Rhizarthrose rechts bei Status nach Metallentfernung rec hts am 27. November 2017 und einen Status nach Plattenosteosynthese am 2. März 2017 bei mehrfragmentärer und impaktierter Ben- nett-Fraktur des rechten Daumes an. Der Kreisarzt schätzte den Integritätsschaden auf 0 %. In Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Begründung legte er dar, dass eine leichte beginn ende Rhizarthrose rechts gemäss Suva- Tabelle 5.2 (Integritätsschaden bei Arthrosen) nicht entschädigungspflichtig sei. Diese kreisärzt- liche Einschätzung der Integritätseinbusse ist schlüssig, nachvollziehbar und stimmt mit den me- dizinischen Akten überein. Der Versicherte zeigt nicht auf, weshalb er einen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung haben soll. Damit erübrigt sich eine entsprechende weitergehende Aus- einandersetzung. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind entsprechend dem Verfahrensausgang wettzuschla- gen. Dem Versicherten wurde mit Verfügung vom 10. Januar 2019 die unentgeltliche Verbeistän- dung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt. Dieser macht in seiner Honorarnote vom 11. April 2019 einen Zeitaufwand von 5,5833 Stunden geltend, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sach- verhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die geltend gemachten Aussagen von ins- gesamt Fr. 47.60 sind ebenfalls nicht zu beanstanden. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 b eträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Dem Rechtsvertreter des Versicherten ist deshalb für seine Bemühungen ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'253.90 (5,5833 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 47.60 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 7.3 Der Versicherte wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gema cht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'253.90 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet.