<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 42 S.141</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">141</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>42</b></span> <span class="ft2"><b>Anstaltseinweisung; Notfall; Zwangsmassnahmen; Isolation.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Ein medizinischer Notfall gemäss § 15 Abs. 3 PD in einer Psychiatri-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schen Klinik ist eine akute Gefährdungssituation, in welcher der Pa-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tient nicht ansprechbar ist und in der auf Grund zeitlicher Dringlich-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>keit sofort und ohne Formalien gehandelt werden darf (Erw. 4/a/aa).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Eine Zwangsbehandlung darf nur zur Besserung oder Heilung des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Krankheitszustands eingesetzt werden, nicht jedoch als reines Diszi-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>plinierungsmittel zur Durchsetzung der Anstaltsordnung (Erw. 5/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Isolation ist nur dann verhältnismässig, wenn ohne diese Mass-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nahme in kurzer Zeit mit einer akuten Fremd- oder Selbstgefährdung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>oder einem für die Mitpatienten krass unzumutbar belastenden Ver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>halten auf der Abteilung zu rechnen wäre (Erw. 5/c/bb).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Isolation ist unverhältnismässig, wenn damit beim Patienten eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Verhaltensänderung bewirkt werden soll, damit er bessere Chancen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auf einen Übertritt in eine andere Anstalt hat bzw. künftig nicht wie-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der entweicht (Erw. 5/c/cc/aaa/bbb).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Solange eine konkrete Gefährdung von Mitpatienten und Personal</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sowie von Gegenständen ausgeschlossen werden kann und die Belas-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tung auf der Abteilung nicht absolut unzumutbar ist, hat die Klinik -</b></span><br/> <span class="ft2"><b>trotz Personalmangel - belastendes Verhalten der Patienten wie</b></span><br/> <span class="ft2"><b>übermässiges Schreien, Toben, Lachen, längeres monotones Klopfen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>an die Türe etc. zu dulden (Erw. 5/c/cc/aaa).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 8. April 2003 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen R.F. gegen Entscheid der Klinik Königsfelden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">142</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4. a) aa) Ein medizinischer Notfall gemäss § 15 Abs. 3 PD liegt</span><br/> <span class="ft1">in der Psychiatrischen Klinik Königsfelden dann vor, wenn sich ein</span><br/> <span class="ft1">Patient in einem psychischen Ausnahmezustand befindet und jedes</span><br/> <span class="ft1">Zögern in der Anwendung von medizinischen Handlungen schweren</span><br/> <span class="ft1">Schaden für den Patienten, die Umgebung oder auch an Gegen-</span><br/> <span class="ft1">ständen zur Folge hätte und der Patient auf der Basis der Vernunft</span><br/> <span class="ft1">nicht ansprechbar ist. Daher darf die Zustimmung des Patienten ver-</span><br/> <span class="ft1">mutet werden (§ 15 Abs. 3 PD). Es handelt sich um eine akute Ge-</span><br/> <span class="ft1">fährdungssituation, in welcher auf Grund der zeitlichen Dringlichkeit</span><br/> <span class="ft1">sofort gehandelt werden darf, unter Umständen auch ohne dass ein</span><br/> <span class="ft1">Arzt beigezogen wird. In diesen Fällen bleibt keine Zeit für Forma-</span><br/> <span class="ft1">lien wie Anhören des Patienten oder schriftliches Eröffnen der</span><br/> <span class="ft1">Massnahme in einem formellen Zwangsmassnahmen-Entscheid mit</span><br/> <span class="ft1">Begründung und Rechtsmittelbelehrung.</span><br/> <span class="ft1">bb) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Isolation sei an-</span><br/> <span class="ft1">geordnet worden, weil er Regeln missachtet habe. So sei er nicht in</span><br/> <span class="ft1">die Therapie mitgelaufen oder habe Alkohol getrunken. Er sei auch</span><br/> <span class="ft1">weggelaufen, um seine Freundin zu besuchen. Deswegen isoliert zu</span><br/> <span class="ft1">werden, erachtet er jedoch als unrechtmässig.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Der Sozialarbeiter der PKK erklärte an der Verhandlung,</span><br/> <span class="ft1">dass der Beschwerdeführer sich nicht einmal an die einfachsten Re-</span><br/> <span class="ft1">geln halte. So würde er bei Spaziergängen oder auf dem Weg zur</span><br/> <span class="ft1">Therapie weglaufen und eine Mitpatientin belästigen, indem er sie</span><br/> <span class="ft1">anrufe oder sie besuche. Die Voraussetzungen für eine Umplatzie-</span><br/> <span class="ft1">rung selbst ins Hospice "Le Pré-aux-Boeufs" seien unter diesen Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen nicht gegeben. Erforderlich sei, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">gewisse Verhaltensweisen einübe.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die zuständige Assistenzärztin erklärte, um den Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer an eine Tagesstruktur zu gewöhnen, habe man die geschlos-</span><br/> <span class="ft1">sene Therapie angeordnet. Der Grund für die Isolation sei gewesen,</span><br/> <span class="ft1">dass der Beschwerdeführer auf dem Weg zur Therapie immer wieder</span><br/> <span class="ft1">versucht habe, wegzulaufen und auf der Abteilung ständig an die</span><br/> <span class="ft1">Türe geklopft habe, um sie zu ärgern. Eine Notfallsituation habe</span><br/> <span class="ft1">jedoch nicht vorgelegen. Eine Alternative zur Isolation wäre, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">143</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer keinen Ausgang mehr hätte und die Therapie</span><br/> <span class="ft1">gestrichen würde.</span><br/> <span class="ft1">cc) Der zuständige Oberarzt äusserte an der Verhandlung, dass</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer auch vom Hospice "Le Pré-aux-Boeufs" aus</span><br/> <span class="ft1">die Mitpatientin anrufen oder vom Wohnheim weglaufen könnte,</span><br/> <span class="ft1">weshalb vor der Verlegung eine Verhaltenstherapie angezeigt sei.</span><br/> <span class="ft1">Eine weitere Alternative zur Isolation wäre, dass man den Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer stark sediere, um ihn ruhig zu stellen.</span><br/> <span class="ft1">c) aa) Der Krankengeschichte und dem Pflegebericht ist zu ent-</span><br/> <span class="ft1">nehmen, dass der Beschwerdeführer immer wieder versucht hat, auf</span><br/> <span class="ft1">dem Weg zur Therapie oder beim Gruppenspaziergang wegzulaufen,</span><br/> <span class="ft1">hauptsächlich um eine Mitpatientin, die er seine Freundin nennt, zu</span><br/> <span class="ft1">besuchen oder um in der Stadt Alkohol zu konsumieren. Er konnte</span><br/> <span class="ft1">teilweise nur mit Hilfe einer zweiten Pflegeperson in die Abteilung</span><br/> <span class="ft1">zurückgebracht werden. Die Klinik strich ihm jeweils für eine Zeit</span><br/> <span class="ft1">lang den Spaziergang. Dies hielt den Beschwerdeführer jedoch nicht</span><br/> <span class="ft1">davon ab, bei späteren Gelegenheiten wieder wegzulaufen. Er klopfte</span><br/> <span class="ft1">auch immer wieder an die Abteilungstüre und versuchte, seine</span><br/> <span class="ft1">"Freundin" anzurufen.</span><br/> <span class="ft1">bb) Am 10. März 2003 beschloss die Klinik, in Zukunft den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer in solchen Fällen zu isolieren. Am 12. März 2003</span><br/> <span class="ft1">wehrte sich der Beschwerdeführer wieder einmal, vom Spaziergang</span><br/> <span class="ft1">in die Abteilung zurückzukehren. Auch auf dem Rückweg von der</span><br/> <span class="ft1">Therapie versuchte er zu flüchten. Zurück auf der Abteilung klopfte</span><br/> <span class="ft1">er an die Abteilungstüre. Nach ca. einer Stunde Dauerklopfen und</span><br/> <span class="ft1">auf Grund der Entweichungsversuche, wurde er am 12. und 13. März</span><br/> <span class="ft1">2003 notfallmässig isoliert und zwangsmediziert. Der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer versuchte in der Folge erneut, von den Spaziergängen zu ent-</span><br/> <span class="ft1">weichen. Am 26. März 2003 wurde er daher wieder isoliert. Die</span><br/> <span class="ft1">Klinik nannte als Ziel der Massnahme Reizabschirmung und Beruhi-</span><br/> <span class="ft1">gung. Obwohl der Beschwerdeführer auch in der Folge versucht</span><br/> <span class="ft1">hatte wegzulaufen, wurden danach bis zur Verhandlung keine weite-</span><br/> <span class="ft1">ren Zwangsmassnahmen durchgeführt.</span><br/> <span class="ft1">d) Wie den obigen Ausführungen zu entnehmen ist und auch</span><br/> <span class="ft1">von den zuständigen Klinikärzten selber ausgeführt wurde, lag weder</span><br/> <span class="ft1">am 12. und 13. März 2003 noch am vorliegend zu beurteilenden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">144</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">26. März 2003 eine Notfallsituation im Sinne von § 15 Abs. 3 PD</span><br/> <span class="ft1">vor. Weder befand sich der Beschwerdeführer in einer psychischen</span><br/> <span class="ft1">Ausnahmesituation noch bestand zeitliche Dringlichkeit, die ein so-</span><br/> <span class="ft1">fortiges Aktivwerden gerechtfertigt hätten. Im Zwangsmassnahmen-</span><br/> <span class="ft1">Protokoll vom 26. März 2003 wurden denn auch keine der als Be-</span><br/> <span class="ft1">gründung aufgeführten Rubriken "Vitalgefährdung", "fremdgefähr-</span><br/> <span class="ft1">lich" und "selbstgefährlich" angekreuzt. Es wäre der Klinik durchaus</span><br/> <span class="ft1">möglich gewesen, die Isolation erst nach deren Anordnung durch den</span><br/> <span class="ft1">zuständigen Oberarzt und der Gewährung des rechtlichen Gehörs in</span><br/> <span class="ft1">Form eines Zwangsmassnahmen-Entscheids durchzuführen. Unver-</span><br/> <span class="ft1">ständlich ist in diesem Zusammenhang auch, weshalb die Klinik als</span><br/> <span class="ft1">Ziel der Isolation "Reizabschirmung" und "Beruhigung" nannte. Die</span><br/> <span class="ft1">"notfallmässige" Isolation vom 26. März 2003 erfolgte somit ohne</span><br/> <span class="ft1">dass eine Notsituation vorlag und war dementsprechend nicht recht-</span><br/> <span class="ft1">mässig. Die Beschwerde ist deshalb bereits aus formellen Gründen</span><br/> <span class="ft1">gutzuheissen.</span><br/> <span class="ft1">5. a) Obwohl die Beschwerde bereits wegen formeller Unzu-</span><br/> <span class="ft1">länglichkeit gutzuheissen ist, ist der Vollständigkeit halber zu prüfen,</span><br/> <span class="ft1">ob materiell die Voraussetzungen für eine Isolation im Sinne einer</span><br/> <span class="ft1">Zwangsmassnahme gemäss § 67e</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">EGZGB erfüllt waren, d.h. ob</span><br/> <span class="ft1">die Isolation in einem sachlichen Zusammenhang mit dem Ein-</span><br/> <span class="ft1">weisungsgrund der Geisteskrankheit des Beschwerdeführers stand,</span><br/> <span class="ft1">medizinisch indiziert und verhältnismässig war. Dieses Vorgehen</span><br/> <span class="ft1">rechtfertigt sich insbesondere deshalb, weil der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">sinngemäss die Feststellung der Rechtswidrigkeit der erfolgten Iso-</span><br/> <span class="ft1">lation beantragte, um weitere Isolationen zu verhindern.</span><br/> <span class="ft1">b) Der Beschwerdeführer leidet an einer chronischen paranoi-</span><br/> <span class="ft1">den Schizophrenie bei fortschreitendem hirnorganischen Abbau.</span><br/> <span class="ft1">Trotz medikamentöser Behandlung bestehen keine Aussichten auf</span><br/> <span class="ft1">eine wesentliche Verbesserung oder gar Heilung der Erkrankung.</span><br/> <span class="ft1">Äusserlich fällt der Beschwerdeführer durch seinen Liebeswahn zu</span><br/> <span class="ft1">einer Mitpatientin und seinen Drang zu Alkoholkonsum auf. Die ihm</span><br/> <span class="ft1">angelasteten Regelverletzungen, wie Weglaufen, Telefonieren oder</span><br/> <span class="ft1">an die Türe Klopfen stehen denn auch hauptsächlich in diesem</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang. Den Angaben der Klinik zufolge wurde mit der</span><br/> <span class="ft1">Isolation nebst einer Disziplinierung auch ein verhaltenstherapeuti-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">145</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sches Ziel verfolgt, um beim Beschwerdeführer Verhaltensänderun-</span><br/> <span class="ft1">gen zu bewirken und damit bessere Voraussetzungen für einen</span><br/> <span class="ft1">Übertritt in ein betreutes Wohnheim zu schaffen. Die Zwangsmass-</span><br/> <span class="ft1">nahme der Isolation steht im vorliegenden Fall somit im Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang mit der Erkrankung des Beschwerdeführers und ist im weites-</span><br/> <span class="ft1">ten Sinne medizinisch indiziert, allerdings nur soweit nicht der diszi-</span><br/> <span class="ft1">plinarische Aspekt im Vordergrund steht.</span><br/> <span class="ft1">Die beanstandeten Verhaltensweisen des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">stellen insbesondere für das Klinikpersonal auf der Abteilung zwei-</span><br/> <span class="ft1">fellos eine Belastung dar. Sollte die Klinik die Isolation als Reaktion</span><br/> <span class="ft1">auf diese als Belästigung empfundenen Verhaltensweisen des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers verfügt haben, um ihn auf diese Weise zur Einhal-</span><br/> <span class="ft1">tung der Anstaltsregeln zu bewegen, so ist festzuhalten, dass eine</span><br/> <span class="ft1">medizinische Zwangsbehandlung nie bloss zur Durchsetzung der An-</span><br/> <span class="ft1">staltsordnung bzw. als Disziplinierungsmittel eingesetzt werden darf.</span><br/> <span class="ft1">Eine Zwangsbehandlung darf nur zur Besserung oder Heilung des</span><br/> <span class="ft1">Krankheitszustands angewendet werden, der die Anordnung der für-</span><br/> <span class="ft1">sorgerischen Freiheitsentziehung nötig gemacht hat. So ist ein medi-</span><br/> <span class="ft1">kamentöses Ruhigstellen oder die Isolation als reines Disziplinie-</span><br/> <span class="ft1">rungsmittel zur Erleichterung der Durchsetzung der Anstaltsordnung</span><br/> <span class="ft1">nicht erlaubt.</span><br/> <span class="ft1">c) aa) Das verfassungsmässige Gebot der Verhältnismässigkeit</span><br/> <span class="ft1">verlangt, dass staatliche Hoheitsakte für das Erreichen eines im über-</span><br/> <span class="ft1">geordneten öffentlichen Interesse liegenden Zieles geeignet, notwen-</span><br/> <span class="ft1">dig und dem Betroffenen zumutbar sein müssen. Eine Zwangsmass-</span><br/> <span class="ft1">nahme ist namentlich dann unverhältnismässig, wenn eine ebenso</span><br/> <span class="ft1">geeignete mildere Anordnung für den angestrebten Erfolg ausreicht.</span><br/> <span class="ft1">Der Eingriff darf in sachlicher, räumlicher, zeitlicher und personeller</span><br/> <span class="ft1">Hinsicht nicht einschränkender sein als notwendig (BGE 126 I 199 f.</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweisen). Je schwerer ein Eingriff wiegt, desto sorgfältiger ist</span><br/> <span class="ft1">er folglich zu begründen (BGE 124 I 304). In der Lehre wird über-</span><br/> <span class="ft1">dies die Meinung vertreten, dass das Verhältnismässigkeitsprinzip für</span><br/> <span class="ft1">eine Zwangsmassnahme voraussetzt, dass die Vorteile der Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahme die Nachteile eindeutig überwiegen (Thomas Geiser, Die</span><br/> <span class="ft1">fürsorgerische Freiheitsentziehung als Rechtsgrundlage für eine</span><br/> <span class="ft1">Zwangsbehandlung?, in: Familie und Recht, Festgabe der Rechtswis-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">146</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">senschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg für Bernhard</span><br/> <span class="ft1">Schnyder, Freiburg 1995, S. 311).</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Isolation stellt einen tiefgreifenden Eingriff in die per-</span><br/> <span class="ft1">sönliche Freiheit des Beschwerdeführers dar und kann daher nur</span><br/> <span class="ft1">verhältnismässig sein, wenn ohne diese Massnahme in kurzer Zeit</span><br/> <span class="ft1">mit einer akuten Fremd- oder Selbstgefährdung oder einem für die</span><br/> <span class="ft1">Mitpatienten krass unzumutbar belastenden Verhalten auf der Abtei-</span><br/> <span class="ft1">lung zu rechnen wäre. Im vorliegenden Fall ist der Eingriff in die</span><br/> <span class="ft1">persönliche Freiheit des Beschwerdeführers besonders schwer, weil</span><br/> <span class="ft1">bei ihm trotz medikamentöser Behandlung keine Aussicht auf eine</span><br/> <span class="ft1">wesentliche Verbesserung oder gar Heilung seiner Erkrankung be-</span><br/> <span class="ft1">steht.</span><br/> <span class="ft1">cc) Auf Grund der Akten und gestützt auf die Ausführungen an</span><br/> <span class="ft1">der Verhandlung ist erstellt, dass der Beschwerdeführer nie akut</span><br/> <span class="ft1">selbst- oder fremdgefährlich war, auch wenn er offensichtlich eine</span><br/> <span class="ft1">Belastung für den Klinikalltag darstellte und durch Alkoholkonsum</span><br/> <span class="ft1">bei Entweichungen seiner Gesundheit längerfristig schadet. Zum</span><br/> <span class="ft1">aktuellen Schutz von Leib und Leben oder von Gegenständen war</span><br/> <span class="ft1">die Isolation zweifellos nicht erforderlich.</span><br/> <span class="ft1">aaa) Das Ziel, den Beschwerdeführer mittels Isolation zu einer</span><br/> <span class="ft1">Verhaltensänderung zu bewegen, damit er bessere Chancen für den</span><br/> <span class="ft1">Übertritt in ein betreutes Wohnheim hat, rechtfertigt im vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">Fall die Isolation nicht. Vorweg bleibt dahin gestellt, ob das Hospice</span><br/> <span class="ft1">"Le Pré-aux-boeufs" den Beschwerdeführer im aktuellen Zustand</span><br/> <span class="ft1">wirklich nicht aufnehmen würde, sofern ein Platz frei wäre, da noch</span><br/> <span class="ft1">kein Vorstellungsgespräch stattgefunden hat und die Anforderungen</span><br/> <span class="ft1">nicht hoch sind. Zudem stehen diese durch die Isolation erhofften</span><br/> <span class="ft1">Vorteile in keinem Verhältnis zur tiefgreifenden Verletzung der</span><br/> <span class="ft1">persönlichen Freiheit des Beschwerdeführers, dies insbesondere auch</span><br/> <span class="ft1">auf Grund dessen Alters und des chronifizierten Zustandsbildes. In</span><br/> <span class="ft1">diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass das Klopfen an</span><br/> <span class="ft1">die Türe oder das ständige Telefonieren zwar für das Klinikpersonal</span><br/> <span class="ft1">und die "Freundin" des Beschwerdeführers lästig sind. In Psychia-</span><br/> <span class="ft1">trischen Kliniken und vergleichbaren Institutionen kommt es aber</span><br/> <span class="ft1">immer wieder vor, dass Patienten übermässig schreien, toben,</span><br/> <span class="ft1">weinen, lachen oder sonst für die übrigen Anwesenden ein Ärgernis</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">147</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">darstellen. Die PKK ist einer der wenigen Orte, an denen solcherart</span><br/> <span class="ft1">kranken Menschen ein Platz angeboten werden kann. Solange eine</span><br/> <span class="ft1">konkrete Gefährdung von Mitpatienten und Personal sowie von Ge-</span><br/> <span class="ft1">genständen ausgeschlossen werden kann und die Belastung auf der</span><br/> <span class="ft1">Abteilung nicht absolut unzumutbar ist, hat die Klinik auch ein län-</span><br/> <span class="ft1">geres monotones Klopfen an die Türe zu dulden. Es ist sodann be-</span><br/> <span class="ft1">kannt, dass an die Zumutbarkeit der Belastung des Personals einer</span><br/> <span class="ft1">Psychiatrischen Klinik hohe Anforderungen gestellt werden. Dies gilt</span><br/> <span class="ft1">trotz der gerichtsnotorischen Tatsache, wonach in der Psychia-</span><br/> <span class="ft1">trischen Klinik Königsfelden im schweizerischen Vergleich sehr</span><br/> <span class="ft1">wenig medizinisches Personal pro Patient zur Verfügung steht. Spar-</span><br/> <span class="ft1">bemühungen des Staates dürfen nicht auf Kosten elementarer Frei-</span><br/> <span class="ft1">heitsrechte von psychisch kranken Menschen gehen.</span><br/> <span class="ft1">bbb) Der andere Zweck der Isolation bestand darin, den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer zu einer Verhaltensänderung zu bewegen, damit er</span><br/> <span class="ft1">zusätzliche Freiheiten wie Spaziergang oder Therapiebesuch nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr ausnützt, um von der Klinik zu entweichen. Um dieses Ziel zu</span><br/> <span class="ft1">erreichen, gibt es aber mildere Massnahmen. Als solche nannte die</span><br/> <span class="ft1">Klinik zum Beispiel die Streichung von Ausgang und Therapie.</span><br/> <span class="ft1">Diese Einschränkungen der persönlichen Freiheit wirken weniger</span><br/> <span class="ft1">einschneidend als die Isolation, sofern sie sich zeitlich in einem an-</span><br/> <span class="ft1">gemessenen Rahmen bewegen. Es ist zu berücksichtigen, dass der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer zu Recht mittels fürsorgerischer Freiheitsentzie-</span><br/> <span class="ft1">hung in die Klinik als geschlossene Anstalt eingewiesen worden war.</span><br/> <span class="ft1">Die Gewährung von Ausgang stellt daher grundsätzlich eine Locke-</span><br/> <span class="ft1">rung dar und liegt als solche im Ermessen der behandelnden Klinik-</span><br/> <span class="ft1">ärzte. Als weitere prüfenswerte Alternative käme auch eine Verset-</span><br/> <span class="ft1">zung ins Haus P 7 in Frage, von wo aus gemäss fachrichterlicher</span><br/> <span class="ft1">Darstellung ein direkter Zugang zur Therapie und zum Spazierhof</span><br/> <span class="ft1">möglich ist, so dass Patienten schlechter entweichen können. Insge-</span><br/> <span class="ft1">samt ist daran zu erinnern, dass es beim Klinikaufenthalt des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers heute einzig noch darum geht, diesen konsequent</span><br/> <span class="ft1">medikamentös zu behandeln und ihn möglichst schnell in eine be-</span><br/> <span class="ft1">treute Wohnsituation zu überführen.</span><br/> <span class="ft1">d) Zusammenfassend ist festzustellen, dass es sich bei der Iso-</span><br/> <span class="ft1">lation vom 26. März 2003 nicht um einen Notfall handelte und dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">148</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">selbst eine formell korrekt verfügte Isolation unter den gegebenen</span><br/> <span class="ft1">Umständen nicht verhältnismässig gewesen wäre. In diesem Sinne ist</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerde gutzuheissen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>