<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 38 S.195</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">195</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>38</b></span> <span class="ft2"><b>Varianten (§ 16 SubmD).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Anforderungen an Varianten (Erw. 2.1).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Indem die Vergabebehörde vorliegend die Unternehmervariante be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rücksichtigt hat, hat sie nicht gegen das ihr zustehende Ermessen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>verstossen (Erw. 2.2).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Es ist Sache des Anbieters, seine Unternehmervariante so detailliert</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auszuarbeiten und ausgereift zu formulieren, dass allfällige Kosten-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vorteile bzw. entstehende Mehrkosten für die Vergabestelle klar er-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sichtlich sind. Dies schliesst es jedoch nicht aus, dass die Vergabebe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hörde ihrerseits im Rahmen der Bereinigung der Angebote die (zu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lässigen) Unternehmervarianten einer vertieften Prüfung unterzieht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2.3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 6. Juli 2006 in Sachen J.</span><br/> <span class="ft5">gegen das Departement Bau, Verkehr und Umwelt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">196</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Den Anbietenden steht es frei, Offerten für Varianten und Teil-</span><br/> <span class="ft1">angebote einzureichen (§ 16 Abs. 1 SubmD). Die Vergabestelle be-</span><br/> <span class="ft1">zeichnet in den Ausschreibungsunterlagen die Mindestanforderungen</span><br/> <span class="ft1">an Varianten und Teilangebote (§ 16 Abs. 2 SubmD). Das Angebot</span><br/> <span class="ft1">einer Variante ist ungültig, wenn damit nicht eine Offerte für das</span><br/> <span class="ft1">Grundangebot eingereicht wird (§ 16 Abs. 3 SubmD in der hier an-</span><br/> <span class="ft1">wendbaren bis zum 31. Dezember 2005 geltenden Fassung [siehe</span><br/> <span class="ft1">§ 42 lit. a SubmD]).</span><br/> <span class="ft1">2.1.1.</span><br/> <span class="ft1">In der Baubranche wird als Variante üblicherweise jeder Offert-</span><br/> <span class="ft1">vorschlag bezeichnet, der inhaltlich von der ausgeschriebenen Bau-</span><br/> <span class="ft1">leistung abweicht. Bei der Projektvariante offeriert ein Unternehmer</span><br/> <span class="ft1">die Werkausführung mit einer Projektierung, die von den ausge-</span><br/> <span class="ft1">schriebenen Planunterlagen ganz oder teilweise abweicht. Bei einer</span><br/> <span class="ft1">Ausführungsvariante bietet ein Unternehmer die Ausführung in einer</span><br/> <span class="ft1">Art und Weise an, die sich von den Ausschreibungsunterlagen (z.B.</span><br/> <span class="ft1">bezüglich Baumethode, Konstruktionsart, Reihenfolge der Arbeiten)</span><br/> <span class="ft1">unterscheidet (siehe Roland Hürlimannn, Unternehmervarianten</span><br/> <span class="ft1">- Risiken und Problembereiche, in: BR 1996, S. 3 f.; AGVE 2001,</span><br/> <span class="ft1">S. 337 mit Hinweisen). Beim Entscheid, ob sie einer Variante den</span><br/> <span class="ft1">Zuschlag erteilen oder auf der von ihr erarbeiteten Amtslösung be-</span><br/> <span class="ft1">harren will, kommt der Vergabestelle ein grosser Ermessensspiel-</span><br/> <span class="ft1">raum zu, und sie ist nicht verpflichtet, irgendwelche mit der Variante</span><br/> <span class="ft1">verbundenen Risiken in Kauf zu nehmen (AGVE 2001, S. 339 mit</span><br/> <span class="ft1">Hinweis).</span><br/> <span class="ft1">2.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Nicht unproblematisch ist im Einzelfall die Abgrenzung, ob</span><br/> <span class="ft1">überhaupt noch eine Variante (des Grundangebots) oder etwas völlig</span><br/> <span class="ft1">anderes angeboten wird. Auch wird die Vergleichbarkeit der Ange-</span><br/> <span class="ft1">bote zunehmend erschwert, je weiter sich eine Variante vom</span><br/> <span class="ft1">Grundangebot bzw. vom Leistungsverzeichnis entfernt. Aus § 15</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 IVöB ergibt sich, dass die Variante dem Amtsvorschlag be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">197</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">züglich der technischen Spezifikationen gleichwertig sein sollte, wo-</span><br/> <span class="ft1">bei die Gleichwertigkeit von der Anbieterin oder vom Anbieter zu</span><br/> <span class="ft1">beweisen ist (Entscheid des Verwaltungsgerichts Zug vom</span><br/> <span class="ft1">24. September 1998, in: BR 2000, S. 62; AGVE 2001, S. 338 f.).</span><br/> <span class="ft1">Ein Sonderfall sind Varianten, die nicht der Erbringung der aus-</span><br/> <span class="ft1">geschriebenen Leistung dienen bzw. eine andere technische Lösung</span><br/> <span class="ft1">vorschlagen, sondern einzig eine Reduktion des ausgeschriebenen</span><br/> <span class="ft1">Leistungsinhalts in quantitativer oder qualitativer Hinsicht zum Ge-</span><br/> <span class="ft1">genstand haben (z.B. Reduktion einer Wandstärke). Solche Varianten</span><br/> <span class="ft1">sind nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts des Kantons</span><br/> <span class="ft1">Zürich grundsätzlich ebenfalls zulässig, da sie der Vergabebehörde</span><br/> <span class="ft1">Gelegenheit geben, eine allenfalls diskutable Vorgabe nochmals zu</span><br/> <span class="ft1">überprüfen. Gelangt die Behörde jedoch zum Schluss, dass die An-</span><br/> <span class="ft1">forderungen entsprechend der Variante zu reduzieren sind, muss auch</span><br/> <span class="ft1">den andern Anbietern Gelegenheit gegeben werden, ihre Offerten im</span><br/> <span class="ft1">Blick auf die neue Umschreibung des Leistungsinhalts zu ergänzen</span><br/> <span class="ft1">(Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom</span><br/> <span class="ft1">17. Februar 2000 [VB.1999.00015], Erw. 8c; Entscheid des Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichts des Kantons Zürich vom 20.</span> <span class="ft1">Juli 2004</span><br/> <span class="ft1">[VB.2004.00006], Erw. 2.2.2). Mit der Gelegenheit zur Anpassung</span><br/> <span class="ft1">der Konkurrenzofferten soll gewährleistet werden, dass die als Vari-</span><br/> <span class="ft1">ante offerierte Minderleistung nicht zu einem Kostenvorteil gegen-</span><br/> <span class="ft1">über den Mitbewerbern ausgenützt werden kann. Diese Gefahr be-</span><br/> <span class="ft1">steht allerdings dann nicht, wenn das Angebot, welches die Minder-</span><br/> <span class="ft1">leistung enthält, so weit vor den Angeboten der Mitbewerber liegt,</span><br/> <span class="ft1">dass es selbst unter Aufrechnung der Preisdifferenz, die für eine volle</span><br/> <span class="ft1">Leistung zu veranschlagen wäre, noch seinen Vorsprung behält.</span><br/> <span class="ft1">Denn bei dieser Sachlage werden die Mitbewerber durch die Zulas-</span><br/> <span class="ft1">sung des Angebots mit der Minderleistung nicht benachteiligt (er-</span><br/> <span class="ft1">wähnter Entscheid vom 20. Juli 2004, Erw. 2.2.2).</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">2.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Ausschreibungsunterlagen enthalten unter dem Titel ,,Ein-</span><br/> <span class="ft1">gabe des Angebots" folgende Vorschriften:</span><br/> <span class="ft1">,,Auf Verlangen der Bauherrschaft gelten folgende Bestimmun-</span><br/> <span class="ft1">gen:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">198</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">- Die Leistungsverzeichnisse sind unverändert auszufüllen. Es wer-</span><br/> <span class="ft1">den keinerlei Abänderungen in Bezug auf vorgegebene Masse und</span><br/> <span class="ft1">Materialien akzeptiert. Unbegründete Abänderungen der Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibung führen zum Ausschluss des Wettbewerbes.</span><br/> <span class="ft1">- Unternehmervarianten sind mit ausführlichem Beschrieb (unter</span><br/> <span class="ft1">Verwendung derselben Positionsnummern wie in der Vorgabe) und</span><br/> <span class="ft1">mit Planunterlagen (Grundriss und Ansichten) einzureichen. Es ge-</span><br/> <span class="ft1">nügt nicht auf einem beigelegten Katalog und eine darin enthaltene</span><br/> <span class="ft1">Produktebenennung hinzuweisen!"</span><br/> <span class="ft1">Im Sinne von § 16 Abs. 2 SubmD hat die Vergabebehörde somit</span><br/> <span class="ft1">in den Ausschreibungsunterlagen in der zweitgenannten Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">ihre Mindestanforderungen an die Varianten näher umschrieben.</span><br/> <span class="ft1">Hingegen bezieht sich die erste Bestimmung, wonach die Leistungs-</span><br/> <span class="ft1">verzeichnisse unverändert auszufüllen seien und keinerlei Abände-</span><br/> <span class="ft1">rungen in Bezug auf vorgegebene Masse und Materialien akzeptiert</span><br/> <span class="ft1">würden, klarerweise nur auf die Amtslösung. Dem von der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin vertretenen Standpunkt, sämtliche Vorgaben von</span><br/> <span class="ft1">Materialien und Massen seien auch von den Unternehmervarianten</span><br/> <span class="ft1">zwingend einzuhalten gewesen, kann nicht gefolgt werden. Die Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibungsunterlagen enthalten keine Anhaltspunkte für eine derar-</span><br/> <span class="ft1">tige einschränkende Interpretation. Eine solche Auslegung stünde im</span><br/> <span class="ft1">Übrigen auch im Widerspruch zu Sinn und Zweck von Varianten, mit</span><br/> <span class="ft1">denen der Anbieter gerade bewusst von den Vorgaben des Leistungs-</span><br/> <span class="ft1">verzeichnisses abweicht und der Vergabestelle einen Alternativvor-</span><br/> <span class="ft1">schlag unterbreitet. Anders verhält es sich bei Rahmenbedingungen</span><br/> <span class="ft1">für Varianten, welche die Vergabebehörde ausdrücklich als zwingend</span><br/> <span class="ft1">einzuhalten vorgibt (z.B. Vorgabe oder Ausschluss bestimmter Mate-</span><br/> <span class="ft1">rialien auch für Varianten).</span><br/> <span class="ft1">Der in den Ausschreibungsunterlagen enthaltene Ausführungs-</span><br/> <span class="ft1">beschrieb hält in Ziff. 15 fest, dass die Leistungsverzeichnisse unver-</span><br/> <span class="ft1">ändert auszufüllen seien. Allfällige Bemerkungen, Vorbehalte, kon-</span><br/> <span class="ft1">struktive Änderungen und Ergänzungen seien vom Bewerber in be-</span><br/> <span class="ft1">sonderer Beilage anzubringen. Auch der Ausführungsbeschrieb ent-</span><br/> <span class="ft1">hält keine Vorgaben, die auch von Varianten zwingend erfüllt sein</span><br/> <span class="ft1">müssen bzw. einzuhalten sind.</span><br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">199</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Zuschlagsempfängerin hat ihre Variante (Angebot II) zu-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich zum vollständig und korrekt ausgefüllten Leistungsverzeich-</span><br/> <span class="ft1">nis für das Grundangebot eingereicht. Die Variante erweist sich im</span><br/> <span class="ft1">Hinblick auf § 16 Abs. 3 SubmD somit als gültig. Ebenfalls erfüllt</span><br/> <span class="ft1">sind die von der Vergabestelle in den Ausschreibungsunterlagen an</span><br/> <span class="ft1">die Varianten gestellten Anforderungen.</span><br/> <span class="ft1">2.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Als Unternehmervariante (Angebot II) bietet die Y. AG ein</span><br/> <span class="ft1">Standardprodukt des deutschen Laborherstellers Z. an. Dieses Ange-</span><br/> <span class="ft1">bot weicht unbestrittenermassen in verschiedenen Punkten von den</span><br/> <span class="ft1">Vorgaben des Leistungsverzeichnisses ab. So trifft etwa die Vermu-</span><br/> <span class="ft1">tung der Beschwerdeführerin zu, dass teilweise die Lieferung von be-</span><br/> <span class="ft1">schichteten (und nicht von belegten) Möbeln (Schrankfronten, Sicht-</span><br/> <span class="ft1">seiten) vorgesehen ist. Ebenfalls werden für die Tablare 19 mm (statt</span><br/> <span class="ft1">22 mm) starke, mit Aluminiumkanten verstärkte Spanplatten gelie-</span><br/> <span class="ft1">fert. An Stelle einer VE-Glas Blattabdeckung ist die Lieferung einer</span><br/> <span class="ft1">mit Ceradur beschichteten Abdeckung vorgesehen. Bei den Unter-</span><br/> <span class="ft1">bauten und Schränken bestehen Abweichungen bei der Farbgebung</span><br/> <span class="ft1">der Fronten und Sichtseiten sowie des Sockels, bei der Stärke der</span><br/> <span class="ft1">Tablare und bei der Materialisation der Tablare, der Griffleisten und</span><br/> <span class="ft1">des Sockels. Weitere Abweichungen ergeben sich hinsichtlich des</span><br/> <span class="ft1">(Unter-)Lieferanten der Glasschiebefronten, in Bezug auf die Stärke</span><br/> <span class="ft1">der Blattabdeckung aus Kunstharz und Polypropylen sowie hinsicht-</span><br/> <span class="ft1">lich der Materialisation der Blattabdeckung aus VE-Glas (siehe obige</span><br/> <span class="ft1">Ausführungen) und der Korpusseiten. Die Variante weicht bei der</span><br/> <span class="ft1">Beleuchtung, hinsichtlich der Metallteile und der Becken und bei der</span><br/> <span class="ft1">Materialisation und der Lage des Armaturenbands von der Amtsvari-</span><br/> <span class="ft1">ante ab.</span><br/> <span class="ft1">Derartige Abweichungen von der Amtslösung sind indessen ty-</span><br/> <span class="ft1">pisch für eine Variante und erscheinen als durchaus zulässig. Insge-</span><br/> <span class="ft1">samt ist die vorliegende Unternehmervariante als eigenständiger Lö-</span><br/> <span class="ft1">sungsvorschlag der Y. AG für die von der Vergabebehörde ausge-</span><br/> <span class="ft1">schriebene Laboreinrichtung zu beurteilen und nicht als eine blosse</span><br/> <span class="ft1">Reduktion des ausgeschriebenen Leistungsinhalts in quantitativer</span><br/> <span class="ft1">oder qualitativer Hinsicht. Es lässt sich auch nicht sagen, die Zu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">200</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schlagsempfängerin habe mit der Variante in Bezug auf Umfang und</span><br/> <span class="ft1">Qualität etwas völlig anderes offeriert, als die Vergabestelle ausge-</span><br/> <span class="ft1">schrieben hat, weshalb die Variante hätte als submissionswidrig aus-</span><br/> <span class="ft1">geschlossen werden müssen. Wie bereits festgehalten, enthalten die</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibungsunterlagen entgegen der Auffassung der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin keine auch von Varianten zwingend zu erfüllende Anfor-</span><br/> <span class="ft1">derungen. Im Übrigen ist festzuhalten, dass es auch der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin offen stand, mit einer Variante ihre Chancen im Wettbewerb</span><br/> <span class="ft1">zu erhöhen.</span><br/> <span class="ft1">2.2.4.</span><br/> <span class="ft1">Die Vergabebehörde hat im vorliegenden Fall vom Fachplaner</span><br/> <span class="ft1">eine Stellungnahme zur Variante der Y. AG eingeholt. Darin werden</span><br/> <span class="ft1">zwar gewisse Vorbehalte (Farbgebung; Fragezeichen bezüglich Voll-</span><br/> <span class="ft1">auszug und Einzugdämpfung) angebracht; insbesondere wird darauf-</span><br/> <span class="ft1">hin gewiesen, dass es sich um ein Standardprodukt handle. In Bezug</span><br/> <span class="ft1">auf den markanten Preisunterschied wird festgehalten, dieser gehe</span><br/> <span class="ft1">darauf zurück, dass die Firma Z. zum Teil andere Produkte einsetze</span><br/> <span class="ft1">oder diese in grösseren Mengen zu besseren Konditionen einkaufen</span><br/> <span class="ft1">könne, wobei diese durchwegs dem heutigen Laboreinrichtungsstan-</span><br/> <span class="ft1">dard entsprechen und die nötigen Normen erfüllen würden. Seitens</span><br/> <span class="ft1">des Fachplaners ist als Referenzobjekt das von der Firma Z. im</span><br/> <span class="ft1">Sommer 2004 eingerichtete Labor der Kantonsschule S. besichtigt</span><br/> <span class="ft1">worden. Dabei zeigte sich eine saubere Verarbeitung der Materialien,</span><br/> <span class="ft1">die eingesetzten Armaturen (Produkt Ila) erschienen einwandfrei und</span><br/> <span class="ft1">die Qualität in Ordnung. Die befragte Kontaktperson zeigte sich sehr</span><br/> <span class="ft1">zufrieden mit der Einrichtung. Am 28. Oktober 2005 besichtigte auch</span><br/> <span class="ft1">eine Delegation der Kantonsschule X. zusammen mit Vertretern der</span><br/> <span class="ft1">Vergabebehörde und dem Generalplaner das Referenzobjekt in</span><br/> <span class="ft1">S. und kam - in Kenntnis der Differenzen der Unternehmervariante</span><br/> <span class="ft1">zur ausgeschriebenen Amtslösung - zum Schluss, dass das Labor den</span><br/> <span class="ft1">Ansprüchen voll und ganz entspreche. Schliesslich wurden von der</span><br/> <span class="ft1">Y. AG im Rahmen der Bereinigung der Angebote für die Variante</span><br/> <span class="ft1">nachträglich Materialmuster und der Nachweis verlangt, dass keine</span><br/> <span class="ft1">toxischen Stoffe (in den Spanplatten und in anderen Materialien) aus-</span><br/> <span class="ft1">dünsten oder sich verflüchtigen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">201</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Wie bereits ausgeführt, steht der Vergabestelle bei der Frage, ob</span><br/> <span class="ft1">sie eine Unternehmervariante berücksichtigen will oder nicht, ein</span><br/> <span class="ft1">grosser Ermessensspielraum zu (siehe vorne Erw. 2.1.1). Dies gilt</span><br/> <span class="ft1">namentlich in auch in Bezug auf die Frage der Gleichwertigkeit</span><br/> <span class="ft1">(nicht Gleichheit oder Identität) der vorgeschlagenen Variante mit</span><br/> <span class="ft1">der ausgeschriebenen Amtslösung. Im vorliegenden Fall hat sich die</span><br/> <span class="ft1">Vergabestelle bzw. der von ihr beigezogene Fachplaner mit der Un-</span><br/> <span class="ft1">ternehmervariante der Y. AG und deren Vor- und Nachteilen im Ver-</span><br/> <span class="ft1">gleich zum Hauptangebot eingehend auseinandergesetzt und die da-</span><br/> <span class="ft1">mit verbundenen Risiken überprüft. Sie ist aufgrund der Prüfung zum</span><br/> <span class="ft1">Schluss gelangt, dass auch die Variante die gestellten Anforderungen</span><br/> <span class="ft1">in Bezug auf die Qualität und Gebrauchstauglichkeit der zu beschaf-</span><br/> <span class="ft1">fenden Laboreinrichtung in durchaus ausreichendem Mass erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht hat sich insbesondere bei der Überprüfung</span><br/> <span class="ft1">technischer und betrieblicher Aspekte, welche die Vergabebehörde</span><br/> <span class="ft1">aufgrund ihres Fachwissens besser beurteilen kann, Zurückhaltung</span><br/> <span class="ft1">aufzuerlegen. Es kann nicht Sache des Verwaltungsgerichts, dem</span><br/> <span class="ft1">keine Ermessenskontrolle zusteht, sein, diesbezüglich an Stelle der</span><br/> <span class="ft1">Vergabebehörde eine eigene Beurteilung vorzunehmen. Die Abwei-</span><br/> <span class="ft1">chungen in der Unternehmervariante begründen jedenfalls keine der-</span><br/> <span class="ft1">artigen Differenzen zu den Leistungsanforderungen, wie sie das</span><br/> <span class="ft1">Grundangebot umschreibt, dass die Gleichwertigkeit zu verneinen</span><br/> <span class="ft1">und eine Berücksichtigung der Variante daher ausgeschlossen ist. Es</span><br/> <span class="ft1">trifft zwar zu, dass die Unternehmervariante in erheblichem Mass</span><br/> <span class="ft1">kostengünstiger ist als die eingereichten Hauptangebote. Dies hat</span><br/> <span class="ft1">seine Ursache indessen nicht einer ungenügenden Qualität der offe-</span><br/> <span class="ft1">rierten Einrichtung, sondern vor allem im Umstand, dass es sich</span><br/> <span class="ft1">weitgehend um ein Standard- bzw. Serienprodukt handelt.</span><br/> <span class="ft1">Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Verga-</span><br/> <span class="ft1">bebehörde als massgebende Zuschlagskriterien einzig den Preis (mit</span><br/> <span class="ft1">einem Gewicht von 95 %) und die Lehrlingsausbildung (mit einem</span><br/> <span class="ft1">Gewicht von 5 %) festgelegt hat. Die Qualität ist hingegen kein Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlagskriterium. Aufgrund der hohen Gewichtung des Preises ist</span><br/> <span class="ft1">davon auszugehen, dass der Kostenfaktor der vorliegenden Beschaf-</span><br/> <span class="ft1">fung für die Vergabestelle von erheblicher Bedeutung ist. Dies war</span><br/> <span class="ft1">aufgrund der Bekanntgabe der Zuschlagskriterien in den Ausschrei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">202</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bungsunterlagen auch für die Anbietenden erkennbar (und wird im</span><br/> <span class="ft1">Übrigen auch von der Beschwerdeführerin anerkannt). Aus dem Um-</span><br/> <span class="ft1">stand, dass die Beschwerdeführerin möglicherweise eine qualitativ</span><br/> <span class="ft1">hochwertigere Lösung (siehe Beilagen 1 bis 4 zu den Bemerkungen)</span><br/> <span class="ft1">angeboten hat als die Zuschlagsempfängerin in ihrem berücksichtig-</span><br/> <span class="ft1">ten Angebot, kann die Beschwerdeführerin daher letztlich nichts zu</span><br/> <span class="ft1">ihren Gunsten herleiten.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">2.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin vertritt den Standpunkt, dass die Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlagsempfängerin den Nachweis für die Gleichwertigkeit der Vari-</span><br/> <span class="ft1">ante spätestens bis zum Zeitpunkt des Eingabetermins hätte erbrin-</span><br/> <span class="ft1">gen müssen. Dies sei nicht der Fall gewesen. Vielmehr habe die Ver-</span><br/> <span class="ft1">gabebehörde die Gleichwertigkeit erst aufgrund des von ihr einge-</span><br/> <span class="ft1">holten Gutachten bejaht; dies stelle eine unzulässige Begünstigung</span><br/> <span class="ft1">der Zuschlagsempfängerin dar. Eine unzulässige Begünstigung sei</span><br/> <span class="ft1">auch darin zu sehen, dass es die Vergabestelle der Zuschlags-</span><br/> <span class="ft1">empfängerin ermöglicht habe, den Nachweis zu erbringen, dass keine</span><br/> <span class="ft1">toxischen Stoffe ausdünsteten oder sich verflüchtigten. Eine unzuläs-</span><br/> <span class="ft1">sige Bevorzugung der Zuschlagsempfängerin bedeute auch die Be-</span><br/> <span class="ft1">sichtigung der Laboreinrichtung in der Kantonsschule S. durch Ver-</span><br/> <span class="ft1">treter der Vergabestelle und der Kantonsschule X.</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts ist es Sache</span><br/> <span class="ft1">des Anbieters, seine Unternehmervariante so detailliert auszuarbeiten</span><br/> <span class="ft1">und ausgereift zu formulieren, dass allfällige Kostenvorteile bzw.</span><br/> <span class="ft1">entstehende Mehrkosten für die Vergabestelle klar ersichtlich sind.</span><br/> <span class="ft1">Es kann nicht ihre Aufgabe sein, unvollständig eingereichte Unter-</span><br/> <span class="ft1">nehmervarianten selbst so weit entwickeln zu müssen, bis die Ko-</span><br/> <span class="ft1">stenvorteile bzw. -nachteile in Zahlenform zum Ausdruck kommen</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 2001, S. 339 mit Hinweis). Es ist auch Sache des Anbieters,</span><br/> <span class="ft1">die Gleichwertigkeit der Variante mit der Amtslösung nachzuweisen.</span><br/> <span class="ft1">Die Folgen der Nichtbeweisbarkeit von Tatsachen bzw. der nicht</span><br/> <span class="ft1">ohne übermässigen Aufwand zu führenden Beweise hat zu tragen,</span><br/> <span class="ft1">wer eine Variante einreicht (AGVE 2001, S. 338). Dies schliesst es</span><br/> <span class="ft1">selbstverständlich nicht aus, dass die Vergabebehörde ihrerseits im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">203</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Rahmen der Bereinigung der Angebote (§ 17 SubmD) die (zulässi-</span><br/> <span class="ft1">gen) Unternehmervarianten - auch im Hinblick auf das Herstellen der</span><br/> <span class="ft1">Vergleichbarkeit sowie auf das mit der Berücksichtigung einer Vari-</span><br/> <span class="ft1">ante möglicherweise verbundene erhöhte Risiko - einer vertieften</span><br/> <span class="ft1">Prüfung unterzieht. Grundsätzlich erscheint es auch zulässig, dass</span><br/> <span class="ft1">sich die Vergabebehörde die Unternehmervariante vom betreffenden</span><br/> <span class="ft1">Anbieter noch näher erläutern lässt und allfällige Unklarheiten und</span><br/> <span class="ft1">offene Fragen klärt. Auch die Besichtigung eines entsprechenden Re-</span><br/> <span class="ft1">ferenzobjekts kann sich hier aufdrängen. Ebenso kann sich der Bei-</span><br/> <span class="ft1">zug einer Fachinstanz zur Beurteilung der Variante als zweckmässig</span><br/> <span class="ft1">erweisen.</span><br/> <span class="ft1">2.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Zuschlagsempfängerin hat - wie von der Vergabestelle in</span><br/> <span class="ft1">den Ausschreibungsunterlagen verlangt - eine auf den Positionen des</span><br/> <span class="ft1">Leistungsverzeichnisses basierende, vollständig ausgearbeitete Un-</span><br/> <span class="ft1">ternehmervariante (mit entsprechender Dokumentation) eingereicht.</span><br/> <span class="ft1">Damit hat sie den an eine Variante gestellten Anforderungen Genüge</span><br/> <span class="ft1">getan. Die Vergabestelle hat die gültige und für den Zuschlag grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich in Betracht kommende Variante in der Folge von einem un-</span><br/> <span class="ft1">abhängigen externen Fachplaner (A. AG) fachlich prüfen und mit</span><br/> <span class="ft1">dem Angebot der Beschwerdeführerin (der preisgünstigsten Amtslö-</span><br/> <span class="ft1">sung) vergleichen lassen. Besichtigt wurde mit der Kantonsschule</span><br/> <span class="ft1">S. sodann eine der Variante entsprechende Referenzeinrichtung.</span><br/> <span class="ft1">Schliesslich wurde von der Beschwerdeführerin noch der Nachweis</span><br/> <span class="ft1">verlangt, dass das verwendete Material keine toxischen Stoffe aus-</span><br/> <span class="ft1">dünstet. In den Ausschreibungsunterlagen waren derartige Nach-</span><br/> <span class="ft1">weise weder für das Hauptangebot noch für allfällige Unternehmer-</span><br/> <span class="ft1">varianten verlangt worden. Die Zuschlagsempfängerin hatte daher</span><br/> <span class="ft1">keine Veranlassung, entsprechende Bestätigungen ihrer Lieferanten-</span><br/> <span class="ft1">firmen bereits ihren beiden Angeboten beizulegen. Es ist durchaus</span><br/> <span class="ft1">nachvollziehbar, dass die Vergabestelle die entsprechenden Belege</span><br/> <span class="ft1">im Rahmen der Bereinigung von der Zuschlagsempfängerin für das</span><br/> <span class="ft1">günstigere Variantenangebot einforderte. Um eine nachträgliche Än-</span><br/> <span class="ft1">derung des Angebots handelt es sich hierbei entgegen der Auffassung</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin nicht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">204</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die im Vergleich zu den Amtslösungen vertieften Abklärungen</span><br/> <span class="ft1">bezüglich der Variante (Qualität der Einrichtung, Schadstoffe) waren</span><br/> <span class="ft1">angesichts der Tatsache, dass die Berücksichtigung einer Variante für</span><br/> <span class="ft1">die Vergabestelle regelmässig, namentlich wenn es sich um ein deut-</span><br/> <span class="ft1">lich preisgünstigeres Alternativangebot handelt, mit einem erhöhten</span><br/> <span class="ft1">Risiko bezüglich vorhandener Qualität der Materialien und der Ver-</span><br/> <span class="ft1">arbeitung verbunden ist, durchaus sachlich gerechtfertigt und gebo-</span><br/> <span class="ft1">ten. Es handelt sich hierbei um eine verschärfte sachliche Überprü-</span><br/> <span class="ft1">fung und entgegen der Beschwerdeführerin nicht um eine unzuläs-</span><br/> <span class="ft1">sige Bevorzugung der Zuschlagsempfängerin gegenüber den Offer-</span><br/> <span class="ft1">ten der Amtslösung. Das Vorgehen der Vergabebehörde ist daher</span><br/> <span class="ft1">sachgerecht und nicht zu beanstanden.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>