Kantonsgericht Schwyz Urteil vom 30. Juni 2020 STK 2018 34 Mitwirkend Kantonsgerichtspräsident Dr. Urs Tschümperlin, Kantonsrichter lic. iur. Walter Züger, Reto Fedrizzi, Bettina Krienbühl und Dr. Stephan Zurfluh, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch. In Sachen A.________, Beschuldigter und Berufungsführer, erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt B.________, gegen Kantonale Staatsanwaltschaft, Postfach 75, SSB, 8836 Bennau, Anklagebehörde und Berufungsgegnerin, vertreten durch Staatsanwältin C.________, betreffend Freiheitsberaubung und Entführung unter erschwerenden Umständen, Raub (Berufung gegen das Urteil des kantonalen Strafgerichts vom 12. Februar 2018, SGO 2016 26);- hat die Strafkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben A. Am 2. April 2012 meldete G.________ der Polizei, durch einen „P.________“, der ihm den Kauf eines VW-Golf vermitteln sollte, in den Club „H.________“ in Altendorf geführt und dann dort von ca. zehn Männern unter Gewaltanwendung über die vergangene Nacht festgehalten worden zu sein (U-act. 8.1.01 S. 4 bzw. U-act. 10.3.01). In der zweiten, der Polizei delegierten Einvernahme vom 11. April 2012 räumte er ein, nicht nur alleine, sondern zu- sammen mit D.________ gefangen gehalten worden zu sein (U-act. 10.3.02). In der Fotowahlkonfrontation anlässlich dieser Einvernahme identifizierte er den Clubbetreiber A.________, gegen welchen zuvor am 3. April 2012 eine Strafuntersuchung eröffnet worden war (U-act. 9.0.01), als einen der Täter (U- act. 10.3.02 Nr. 42 sowie U-act. 10.3.04). Am 13. Dezember 2012 führte G.________ die Polizei zum Wohnort des mutmasslichen Verkäufers des VW- Golf (vgl. delegierte Einvernahme U-act. 10.3.05) und identifizierte in einer weiteren Fotowahlkonfrontation „P.________“ als I.________ (U-act. 10.3.08 Nr. 27 und U-act. 10.3.09), gegen welchen am 2. Juli 2013 ein Strafverfahren eröffnet wurde (U-act. 9.5.01). Erst an der letzten, ebenfalls an die Polizei de- legierten Einvernahme von G.________ am 5. August 2013 (U-act. 10.3.11) konnten die Beschuldigten teilnehmen. D.________ wurde im Oktober 2013 zweimal durch die Polizei einvernommen, wobei in der zweiten Befragung die Teilnahmerechte der Beschuldigten gewahrt wurden (U-act. 10.6.01 und 10.6.03). Bei Untersuchungsabschluss verzichteten die Beschuldigten auf wei- tere Beweisanträge (U-act. 17.2.09 und 17.3.03). B. Mit vier separaten Anklagen vom 26. Oktober 2016 klagte die kantonale Staatsanwaltschaft A.________, I.________ und zwei weitere beschuldigte Männer (J.________ und K.________) beim kantonalen Strafgericht der quali- fizierten Freiheitsberaubung und Entführung unter erschwerenden Umständen sowie des Raubes an (Vi-act. 1a-d). Die Anklage gegen A.________ stützt sich auf folgenden Sachverhalt:Kantonsgericht Schwyz 3 Am 1. April 2012, um ca. 19.30 Uhr, liess der Beschuldigte durch seinen Mittäter I.________ die beiden Opfer G.________ und D.________, wel- che am Samstag 24. März 2012 in 7302 Landquart an einem Kebabstand I.________ kennengelernt hatten und von dem sie einen VW Golf kaufen wollten, am Bahnhof in 8808 Pfäffikon abholen, um angeblich den Kauf- preis mit dem Verkäufer, einem angeblichen Onkel von I.________, zu besprechen. I.________ fuhr G.________ und D.________ mit einem Skoda, in welchem zwei weitere, derzeit unbekannte Mittäter sassen, zum Club „H.________“ an der E.________strasse zz in 8852 Altendorf und teilte den beiden mit, dass im Club „H.________“ der Verkäufer des VW Golf warten und dort die Besprechung stattfinden würde. Vor dem Gewerbehaus an der E.________strasse zz in 8852 Altendorf führte I.________ zusammen mit den zwei unbekannten Mittäter die beiden Kaufinteressenten G.________ und D.________ zu einem Lift, der zum Eingang des Clubs führte. I.________ liess G.________ und D.________ in den Lift einsteigen und fuhr mit ihnen hoch zum Eingang des Clubs. Als I.________ zusammen mit den beiden unbekannten Mittätern die beiden Opfer G.________ und D.________ aus dem Lift aussteigen liess, sprang der Beschuldigte zusammen mit seinen weiteren Mittätern K.________ und J.________ sowie mit bis zu vier namentlich nicht be- kannten weiteren Mittätern aus einer Nische hervor, wobei mindestens einer seiner Mittäter bzw. der Beschulidgte selber mit einer Pistole be- waffnet war. Der Beschuldigte und / oder mindestens einer seiner Mittäter richtete mindestens eine Pistole direkt gegen G.________, während min- destens einer seine Mittäter oder der Beschuldigte selbst auf G.________ und D.________ einschlug. Danach zog der Beschuldigte zusammen mit seinen Mittätern seine beiden Opfer G.________ und D.________ in den nächsten Raum, wo der Beschuldigte zusammen mit seinen Mittätern den beiden Opfern G.________ und D.________ die Augen verband oder Säcke über den Kopf stülpte, sodass die beiden nichts mehr sehen konnten (1). Danach schlug der Beschuldigte alleine oder zusammen mit seinen Mittätern die beiden Opfer G.________ und D.________ mit den Fäusten in den Bauch und auf die Brust, sodass zumindest G.________ zu Boden ging (1, 2). Als G.________ wehrlos am Boden lag, nahm der Beschuldigte oder ei- ner seiner Mittäter dessen Jacke, dessen Brille, dessen Portemonnaie, das Zugbillett, dessen Ausländerausweis, sowie CHF 100.00, EUR 1'250.00 und USD 100.00 und dessen Mobiltelefon weg (2). Auch nahm der Beschuldigte oder einer seiner Mittäter dem ebenfalls wehrlo- sen Opfer D.________ dessen Portemonnaie mit Bargeld im Betrag von CHF 100.00 oder 200.00 und USD 100.00, dessen Ehering, dessen Uhr und dessen Mobiltelefon weg (2). Das Bargeld im Betrag von CHF 200.00 oder CHF 300.00 sowie USD 200.00 und EUR 1'250.00 so- wie die beiden Mobiltelefone von G.________ und D.________ eignete sich der Beschuldigte alleine oder zusammen mit mindestens einem sei- ner Mittäter in widerrechtlicher Bereicherungsabsicht an und steckte die Gegenstände in eigene Taschen (2).Kantonsgericht Schwyz 4 Der Beschuldigte hob G.________ zusammen mit seinen genannten Mit- tätern vom Boden auf, stellte ihn auf die Füsse und schleppte diesen so- wie D.________ in den Discothekenraum, setzte die beiden auf eine Bank, wo der Beschuldigte erneut zusammen mit seinen Mittätern auf die beiden Opfer G.________ und D.________ einschlug, den beiden die Hosen runterzog und danach die beiden zusammen mit seinen Mittätern an den Armen und Füssen mit Kabelbindern fesselte (1). Der Beschuldigte oder einer seiner Mittäter zerrte die Halskette und den Gurt von G.________ weg und zog diesem die Schuhe aus. Während dieser Zeit des Schlagens und Fesselns bedrohte der Beschuldigte allei- ne oder zusammen mit mindestens einem seiner Mittäter die beiden Op- fer G.________ und D.________ mit mindestens einer Pistole, in dem diese Pistole direkt auf die Stirn von G.________ gerichtet wurde (1). Der Beschuldigte oder einer seiner Mittäter fragte G.________, ob er einen L.________ kenne. Als G.________ dies verneinte, schlug ihn der Be- schuldigte alleine oder zusammen mit seinen Mittätern auf den Bauch und die Brust. Der Beschuldigte forderte zusammen mit seinen Mittätern die beiden Opfer G.________ und D.________ auf, das Geld im Betrag von CHF 584'000.00, welches L.________ ihm oder einem seiner Mit- täter schulde, aufzutreiben und zu tun, was er ihnen befehle, sonst wür- den er oder einer seiner Mittäter ihnen eine Kugel in den Kopf jagen (1). Der Beschuldigte oder einer seiner Mittäter schlug G.________ mit des- sen Gurt auf dessen Hinterkopf und mit einem Eisen auf dessen nackten Fussflächen sowie mit den Fäusten in den Bauch und auf die Brust (1). Zudem drückte der Beschuldigte oder einer seiner Mittäter eine glühende Zigarette auf dem Oberschenkel von D.________ aus und schlug diesen ebenfalls mit einem Eisen auf dessen nackten Fussflächen (1). Mit die- sen Schlägen und den Drohungen brachte der Beschuldigte alleine oder zusammen mit seinen Mittätern das Opfer G.________ um ca. 22.45 Uhr dazu, einzuwilligen und das von ihm geforderte Geld im Betrag von CHF 584'000.00, welches angeblich L.________ dem Beschuldigten oder einem seiner Mittäter schulde, von einem Bekannten in Frankreich aufzutreiben. Der Beschuldigte oder einer der genannten Mittäter behän- digte das Mobiltelefon von G.________ und entlockte ihm den Entsperr- code sowie den Namen der Person, die das Geld auftreiben sollte. Der Beschuldigte oder einer seiner Mittäter rief in der Folge diese Person namens M.________" an und stellte das Gespräch auf Lautsprecher, was G.________ ermöglichte, M.________ in einem kamerunischen Dia- lekt mitzuteilen, dass dieser die Polizei informieren solle. Auf Französisch sagte G.________ in der Folge zu M.________, dass er und D.________ entführt worden seien, die Täter Lösegeld im Betrag von CHF 584'000.00 von ihm verlangen würden und er, G.________, sowie D.________ ster- ben würden, wenn das Geld nicht übergeben würde. Weiter sagte G.________ oder der Beschuldigte oder einer seiner Mittäter, dass M.________ das Geld am 2. April 2012, um 11.00 Uhr, am Bahnhof in 8000 Zürich übergeben solle (1). Der Beschuldigte oder einer seiner Mit- täter teilte M.________ eine Telefonnummer mit, auf welche dieser anru- fen könne, wenn er das Geld aufgetrieben habe. Danach trennte der Be- schuldigte oder einer der Mittäter nach ca. drei Minuten die Telefonver-Kantonsgericht Schwyz 5 bindung mit der Begründung, dass die Polizei sie sonst lokalisieren kön- ne. In der Folge hielt der Beschuldigte G.________ und D.________ zu- sammen mit seinen Mittätern die ganze Nacht gefesselt und mit verbun- denen Augen gegen deren Willen im Club „H.________“ an der E.________strasse zz in 8852 Altendorf fest (1). Mit den Schlägen auf die nackten Fusssohlen und auf den Hinterkopf, mit der Fesselung mit Kabelbindern an den Händen und Füssen, mit dem Verbinden der Au- gen, dem Ausdrücken der Zigaretten auf den Oberschenkeln sowie mit dem Festhalten über die ganze Nacht mit Todesdrohungen hat der Be- schuldigte zusammen mit seinen Mittätern die beiden Opfer äusserst grausam behandelt und diese physisch und psychisch gefoltert (1). Am 2. April 2012, zwischen 09.30 Uhr und 10.30 Uhr, nahm der Beschul- digte oder einer seiner Mittäter einen Telefonanruf auf dem Mobiltelefon von G.________ von dessen Freund F.________ aus Lausanne (welcher von M.________ informiert worden war) entgegen und forderte diesen auf, mit dem Zug von 8000 Zürich in Richtung 8808 Pfäffikon oder 7310 Bad Ragaz zu fahren, und teilte mit, dass wenn alles gut gehen würde, G.________ wieder nach Hause gehen könne. Auch sagte der Beschul- digte oder einer seiner Mittäter jenem, dass er das Geld um 14.00 Uhr am Bahnhof in 8877 Murg übergeben solle (1). Um 14.05 Uhr nahm der Beschuldigte oder einer seiner Mittäter über das Mobiltelefon von G.________ einen Anruf eines Polizisten der Kantons- polizei St. Gallen, Polizeiposten Walenstadt, entgegen, der nach G.________ fragte. Der Beschuldigte oder einer seiner Mittäter gab sich fälschlicherweise als N.________ aus und gab dem Polizisten an, dass G.________ momentan auf der Toilette sei. Um ca. 14.07 Uhr teilte der Beschuldigte oder einer seiner Mittäter den beiden Opfern G.________ und D.________ mit, dass sie nun zum Bahnhof in 8808 Pfäffikon gehen würden, um von seinem Kollegen F.________ das Geld entgegen zu nehmen. Er würde ihm und D.________ nun die Bein- und Armfesseln lösen. Er und D.________ dürften jedoch keine Zeichen geben, sonst würde er sie beide zusammen mit seinen Mittätern töten. Etwas später teilte der Beschuldigte oder einer seiner Mittäter den beiden Opfern G.________ und D.________ mit, dass der Freund F.________ zur Poli- zei gegangen sei und er sie beide deshalb frei lassen würde. Er und D.________ dürften sich jedoch nicht umdrehen und müssten nach der Freilassung einfach geradeaus gehen. Wenn sie beide dies nicht täten, werde er sie erschiessen (1). Der Beschuldigte fesselte G.________ und D.________ daraufhin zusammen mit seinen Mittätern mit Stofffesseln und brachte die beiden mit dem Lift zum Ausgang. Dort löste der Be- schuldigte zusammen mit seinen Mittätern die Stofffesseln an den Hän- den sowie die Augenbinden wieder und sagte zu G.________ und D.________, sie sollen nun gerade ausgehen und sich nicht umdrehen (1). Nach ca. 50 m trafen die beiden auf eine weitere Person, welche auf Bitten der beiden die Polizei rief.Kantonsgericht Schwyz 6 Durch die Schläge des Beschuldigten und den Mittätern erlitt G.________ diverse Prellmarken mit Thoraxkontusion rechts, Sternum- kontusion und Schädelkontusion mit Hämatom am Augenlid rechts, sowie Mikrohämaturien unklarer Genese. Zudem erlitt er Prellmarken am Au- genlid rechts, am Grosszeh links, an der Halswirbelsäule in Höhe C3/4, am Unterschenkel. Druckdolenzen an der Halswirbelsäule paravertebral C5/6, thorakal rechts sowie über dem Brustbein, am Knie rechts lateral, am Unterschenkel rechts vental und am Grosszehenendglied am Fuss links. Die Heilung der Verletzung dauerte gemäss Arztbericht einige Wo- chen und der Beschuldigte musste sich aufgrund der Verletzungen zwei Tage in Lachen und danach ein paar Tage in Lausanne in Spitalpflege begeben. Eine Arbeitsunfähigkeit wurde keine attestiert, weil G.________ zum damaligen Zeitpunkt keiner Arbeitstätigkeit nachging. Durch das Festhalten und die Schläge und Misshandlungen durch den Beschuldigten und den Mittätern erlitt D.________ neben den körperli- chen Schmerzen und Verletzungen einen psychischen Schaden. Ihm ist es nicht mehr möglich in dunkle Räume und Lifte zu gehen, ohne unter Angstzuständen zu leiden. C. Das Strafgericht lud die beiden Opfer erfolglos vor. Der öffentlich ausge- schriebene D.________ (Vi-act. 5) blieb unbekannten Aufenthalts. G.________ erklärte sein Desinteresse (Vi-act. 51), wurde durch eine Ärztin für einvernahmeunfähig erklärt (Vi-act. 76 f.) und konnte auch zwecks amts- ärztlicher Untersuchung polizeilich nicht aufgefunden werden. Er liess über- dies für den Fall einer Zwangszuführung die Aussageverweigerung in Aussicht stellen (Vi-act. 80). Das Strafgericht sprach daher die beiden anderen Be- schuldigten zufolge Unverwertbarkeit der Aussagen der mit ihnen nie konfron- tierten Opfer mangels Wahrung der Teilnahmerechte rechtskräftig frei. Das Gericht verurteilte hingegen A.________ und I.________ mit separaten Urtei- len vom 12. Februar 2018 wegen Freiheitsberaubung unter erschwerenden Umständen im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 i.V.m. Art. 184 StGB und wegen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und 2 StGB (Dispositivziff. 1). A.________ bestrafte es unter Anrechnung eines Tages Untersuchungshaft mit einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten (Ziff. 2). Ausser- dem auferlegte es ihm die Verfahrenskosten (Ziff. 6). Dagegen erklärte der Beschuldigte Berufung und beantragte, diese Urteilspunkte aufzuheben und ihn unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates von Schuld und Strafe freizusprechen. Ausserdem hielt der Beschuldigte an den Kantonsgericht Schwyz 7 erstinstanzlichen Beweisanträgen fest. Er beantragte die Einvernahme der Eigentümerin und Clubvermieterin zur Tatsache, dass der Club via Lift zugänglich sei. Eventualiter verlangte er dazu die Durchführung eines Augen- scheins im Club. Ausserdem ersuchte er um die Einholung eines Strafregis- terauszuges von G.________ sowie die Aktennahme und Zustellung der Ori- ginalauswertungen der IT-Forensik betreffend den Nachtragsbericht der Poli- zei vom 27. Oktober 2017. Schliesslich schloss er sich den Anträgen des Ver- teidigers im Verfahren gegen I.________ an, wonach G.________ D.________ nochmals zu befragen seien (KG-act. 3). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Anschlussberufung (KG-act. 6), womit die Ziffern 3-5 des erstinstanzlichen Urteils betreffend die Herausgabe von sichergestellten bzw. beschlagnahmten Gegenständen mangels Anfechtung rechtskräftig sind. D. Die Berufungsverhandlungstermine vom 25. Juni 2019, 27. August 2019 und zz. Januar 2020 mussten wegen Verteidigerwechsels und gesundheitli- chen Gründen verschoben werden (KG-act. 10 ff.). Zur Berufungsverhandlung vom 30. Juni 2020 erschien der Beschuldigte wieder mit seinem ursprüngli- chen Verteidiger (vgl. auch KG-act. 39). Anlässlich der Berufungsverhandlung räumte der Verteidiger ein, erstinstanzlich sei irrtümlich eine falsche Eigentü- merin bzw. Clubvermieterin als Zeugin offeriert worden. Er hielt jedoch an der Einvernahme einer anderen angeblich für die Clubvermieterin handelnden Person fest, weil die Vorinstanz und die Staatsanwaltschaft die Schlüsselsi- tuation nicht richtig verstanden hätten. Deshalb reichte er 19 Fotos des Be- schuldigten zu den Örtlichkeiten ein, welche zu den Akten des Berufungsver- fahrens genommen wurden. Die Staatsanwaltschaft beantragte, die Berufung unter Kostenfolge zu Lasten des Beschuldigten abzuweisen;- und in Erwägung:Kantonsgericht Schwyz 8 1. Der Beschuldigte bestreitet vorab die rechtskonforme Erhebung von Beweismitteln, macht deren Unverwertbarkeit (dazu unten lit. a) geltend und erhebt weitere formelle Einwendungen betreffend das Anklageprinzip (lit. b). a) Es gibt keine Wahrheitsermittlung um jeden Preis (Gless, ZStrR 2019 S. 6 bzw. BSK, 2. A. 2014, Art. 139 StPO N 17 m.H.). Die Folgen von Verlet- zungen der Beweiserhebungsvorschriften sind in der Strafprozessordnung nur in den Grundsätzen festgelegt, welche der Praxis den notwendigen Raum im Einzelfall lassen (BBl 2006 II S. 1183). Strafverfahren können in den vom Ge- setz vorgesehenen Formen durchgeführt und abgeschlossen werden (Art. 2 Abs. 2 StPO). Die Strafbehörden achten in allen Verfahrensstadien die Würde der vom Verfahren betroffenen Menschen, namentlich den Grundsatz von Treu und Glauben, das Verbot des Rechtsmissbrauchs, das Gebot, alle Ver- fahrensbeteiligten gleich und gerecht zu behandeln und ihnen das rechtliche Gehör zu gewähren sowie das Verbot, bei der Beweiserhebung Methoden anzuwenden, welche die Menschenwürde verletzen (Art. 3 StPO). Sie klären von Amtes wegen alle für die Beurteilung der Tat und der beschuldigten Per- son bedeutsamen Tatsachen ab (Art. 6 StPO), wobei sie zur Wahrheitsfindung alle nach dem Stand von Wissenschaft und Erfahrung geeigneten Beweismit- tel einsetzen, die rechtlich zulässig sind (Art. 139 Abs. 1 StPO). Beweismittel sind die Instrumente, die zum Beweisen eingesetzt werden, nämlich dazu, eine Person von der Wahrheit oder Unwahrheit einer Tatsache zu überzeugen (vgl. Riklin, OFK, 2. A. 2014, Art. 139 StPO N 1 m. H.). Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Beweise, welche das Gesetz als unver- wertbar bezeichnet, sind absolut nicht verwertbar (Art. 141 Abs. 1 StPO). aa) Die Parteien haben das Recht, bei Beweiserhebungen durch die Staats- anwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und einvernommenen Per- sonen Fragen zu stellen (Art. 147 Abs. 1 StPO). Die Partei oder ihr Rechtsbei- stand können die Wiederholung der Beweiserhebung verlangen, wenn sie aus Kantonsgericht Schwyz 9 zwingenden Gründen an der Teilnahme verhindert waren, auf eine Wiederho- lung kann jedoch verzichtet werden, wenn sie mit unverhältnismässigem Auf- wand verbunden wäre und dem Anspruch der Partei auf rechtliches Gehör, insbesondere dem Recht, Fragen zu stellen, auf andere Weise Rechnung ge- tragen werden kann (Art. 147 Abs. 3 StPO). Deshalb erweist sich das Verwer- tungsverbot nach Art. 147 Abs. 4 StPO, wonach Beweise, die in Verletzung der Bestimmungen dieses Artikels erhoben worden sind, nicht zulasten der nicht anwesenden Partei verwertet werden dürfen, nicht als absolut im Sinne von Art. 141 Abs. 1 StPO. Die Bestimmung greift nur, wenn im Fall der Miss- achtung der Teilnahmerechte die verlangte Wiederholung der Einvernahme zu Unrecht verweigert und dem Anspruch auf rechtliches Gehör nicht in anderer Weise Rechnung getragen worden ist (vgl. Goldschmid/Maurer/Sollberger, Kommentierte Textausgabe StPO, S. 138). Wird dem Beschuldigten das Teilnahmerecht an Beweiserhebungen erst in späteren Einvernahmen gewährt, sind die Aussagen in den früheren Befra- gungen nur verwertbar, wenn sie inhaltlich wiederholt werden, damit das Fra- gerecht tatsächlich ausgeübt werden kann (vgl. etwa BGer 6B_76/2018 vom 15. Oktober 2018 = ius.focus 11/2018 S. 27 mit Bemerkungen zu Unterschie- den zwischen Teilnahme- und Konfrontationsrecht). Dabei ist keineswegs er- forderlich, dass die befragte Person ihre Angaben wortwörtlich wiederholt. Macht sie Angaben zur Sache, so darf im Rahmen einer Gesamtwürdigung auch auf die Ergebnisse der früheren Beweiserhebung ergänzend zurückge- griffen werden. Denn die Frage, ob bei widersprüchlichen Aussagen oder späteren Erinnerungslücken auf die ersten, in Abwesenheit des Beschuldigten erfolgten Aussagen abgestellt werden kann, betrifft nicht die Verwertbarkeit, sondern die Würdigung der Beweise (BGer 6B_369/2013 vom 31. Oktober 2013 E. 2.3.3; dazu auch Schär, ZStrR 2019, S. 161 f.). Hingegen bleiben die in früheren Einvernahmen in Verletzung von Art. 147 Abs. 1 StPO gemachten Aussagen nach Art. 147 Abs. 4 StPO unverwertbar, wenn sich die befragte Person im Rahmen einer späteren Konfrontation gar nicht mehr bzw. nicht frei Kantonsgericht Schwyz 10 und unbeeinflusst zur Sache äussert (vgl. BGE 143 IV 457 E. 1.6 S. 459 ff.; Urteile 6B_76/2018 vom 15. Oktober 2018 E. 1; 6B_321/2017 vom 8. März 2018 E. 1.5.2; 6B_1035/2017 vom 20. Juni 2018 E. 1.3.3). Daher genügt es nicht, dass die befragte Person ihre früheren Aussagen auf blossen Vorhalt hin bestätigt. Werden Aussagen, welche die Befragten in Einvernahmen ohne Gewährung des Teilnahmerechts nach Art. 147 Abs. 1 StPO machten, in späteren Konfrontationseinvernahmen den Befragten wörtlich vorgehalten, so werden diese Aussagen im Sinne von Art. 147 Abs. 4 StPO unzulässigerweise verwertet (BGE 143 IV 457 E. 1.6.1 S. 459; zum Ganzen BGer 6B_1133/2019 vom 18. Dezember 2019 E. 1.3.2). Der Beschuldigte und sein Verteidiger konnten erst anlässlich der vierten an die Polizei delegierten Einvernahme von G.________ vom 5. August 2013 (U- act. 10.3.11) sowie je an der zweiten delegierten Einvernahme von D.________ vom 22. Oktober 2013 (U-act. 10.6.03) und O.________ vom zz. Oktober 2013 (U-act. 10.4.08) teilnehmen, dagegen nicht an den anderen Befragungen dieser Personen und der Fotowahlkonfrontation (U-act. 10.3.04). aaa) Sowohl G.________ (U-act. 10.3.11) als auch O.________ (U- act. 10.4.08) äusserten sich in den Einvernahmen, an welchen der Beschul- digte teilnehmen konnte, frei und unbeeinflusst zur Sache, und konnten dazu vom jeweils anwesenden Verteidiger des Beschuldigten befragt werden. Dem Anspruch des Beschuldigten auf rechtliches Gehör wurde mithin durch die Wiederholung der Befragungen unter Wahrung seines Teilnahme- und Frage- rechts Rechnung getragen. Die Aussagen von G.________ und O.________ (dazu noch näher unten lit. bbb) sind daher umfassend verwertbar, zumal die Einvernahmen von G.________ von den jeweils übersetzenden Personen jederzeit identifizierbar unterzeichnet wurden, was der Verteidiger erst zu spät beiläufig im Rechtsmittelverfahren infrage stellt. Im Übrigen erfolgte die erste Einvernahme von G.________ (U-act. 10.3.01) in der polizeilichen Ermittlung Kantonsgericht Schwyz 11 (Art. 306 StPO), auf welche sich die Teilnahmerechte von Art. 147 StPO nicht erstrecken (BGE 139 IV 25 E. 5.4.3). bbb) Insbesondere ist entgegen der Auffassung des Verteidigers folgende Bestätigung des Clubaufräumens durch O.________ verwertbar (U- act. 10.4.08 Nr. 11), Jaja, ich habe jedes Mal aufgeräumt. Höchstens ein paar Gläser sind noch herumgestanden. beliess die Zeugin es doch nicht bei einer einfachen Bestätigung eines Vor- halts einer ihrer früheren Aussagen, sondern antwortete unbeeinflusst. Später auf Nachfragen nach der Art und Weise des Wegräumens bzw. des Herum- stehenlassen von Flaschen oder Geschirr ausserhalb des Raucherraums, sagte sie zudem selbständig zur Sache wie folgt aus (ebd. Nr. 24): Ja, eigentlich schon. Ausser ich habe etwas nicht gesehen. Als Glas das irgendwo drunter gerollt ist. Aber alles was herumstand habe ich weg- geräumt. Der Verteidiger stellte keine Ergänzungsfragen (U-act. 10.4.08 Nr. 59). An der Qualität dieser glaubhaften Aussagen ändert nichts, dass O.________ sich über vier Jahre später anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung grossen- teils nicht mehr erinnern kann. Dieser Umstand ist vielmehr ein Aspekt der Beweiswürdigung. Immerhin sagte sie aus, jeweils aufgeräumt zu haben (Vi- act. 54 S. 18 Nr. 17) und sich bei ihren früheren Aussagen dementsprechend erinnert zu haben (ebd. S. 20 Nr. zz vgl. auch Nr. 32 und 36). Ihre Aussagen sind daher verwertbar ohne dass die Zeugin nochmals vor der Berufungsin- stanz befragt werden müsste. ccc) Die Aussagen von D.________ in der unter Wahrung der Teilnahme- rechte durchgeführten zweiten Einvernahme enthalten dagegen nur teilweise selbständig inhaltliche Angaben (U-act. 10.6.03 bis Nr. 30 Vorgeschichte bis und mit dem dritten Treffen am Bahnhof in Pfäffikon mit „P.________“ und Kantonsgericht Schwyz 12 Nr. 32 ff. Anzahl und Beschreibung/Identifikation der Täter usw.). Zum weite- ren Kerngeschehen äusserte er sich inhaltlich nicht mehr selbständig, sondern bestätigte nur einen entsprechenden Vorhalt (ebd. Nr. 31). Dass der Sachver- halt dieses Vorhaltes mithin unverwertbar ist, wie die Vorinstanz annahm, kann hier offengelassen werden, da weder erst- noch zweitinstanzlich auf die diesbezüglichen Aussagen abgestellt wird. Immerhin hätten die Parteien dazu Fragen stellen können und wurden an der Ausübung dieses Rechts auch in Bezug auf den Vorhalt nicht etwa durch Erklärungen des Befragten gehindert, keine Aussagen zu machen oder sich nicht erinnern zu können. Es ist mithin eine neue Einvernahme erfolgt, in welchen die Parteien die Gelegenheit er- hielten, ihr Fragerecht tatsächlich in kontradiktorischer Weise (vgl. Schleminger Mettler, BSK, 2. A. 2014, Art. 147 StPO N 31) auszuüben und die Glaubhaftigkeit der Aussagen infrage zu stellen (Schär, a.a.O., S. 152 f. m.H.). ddd) Ferner ist die während der Einvernahme vom 11. April 2012 (U- act. 10.3.02) durchgeführte Fotowahlkonfrontation eine Unterform einer Ge- genüberstellung im Sinne von Art. 146 Abs. 2 StPO (vgl. Schmid/Jositsch, PK, 3. A. 2018, Art. 146 StPO N 4 f., 8 f.). Sie dient der Personenidentifizierung und ist soweit ein sachliches (augenscheinliches) Beweismittel (Art. 192 ff. StPO; Schmid/Jositsch, a.a.O., vor Art. 192 StPO N 3; vgl. auch Donatsch in Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar, 2. A. 2014, Art. 193 StPO N 3 und 22). Die protokollierte Identifizierung des Beschuldigten anhand einer bereits am 3. April 2012 vorbereiteten Dokumentation von Fotographien verschiede- ner Gesichter (U-act. 10.3.04) bezieht sich auf die physische Übereinstim- mung, welche nicht wie Aussagen über Ereignisse im Austausch von Fragen und Antworten zustande kommt, und als Tatsache damit nicht gleichermassen interpretierbar bzw. hinterfragbar ist. Personen in der Wahlkonfrontation unter- liegen mithin insoweit nicht dem gegenüber einvernommenen Personen be- stehenden Fragerecht der Parteien nach Art. 147 Abs. 1 StPO. Ohnehin han- delte es sich vorliegend bei der Fotowahlkonfrontation um eine selbständige, Kantonsgericht Schwyz 13 nicht von der Staatsanwaltschaft im Sinne von Art. 312 StPO in Auftrag gege- bene, auch nach Eröffnung der Untersuchung zulässige, einfache polizeiliche Ermittlungshandlung (Art. 193 Abs. 1 StPO, dazu vgl. BGE 143 IV 397 E. 3.4.2 m.H.). An solchen teilzunehmen haben die Parteien bzw. die Verteidi- gung wie gesagt keinen Anspruch (vgl. oben lit. aaa; Schmid/Jositsch, a.a.O., Art. 146 StPO N 9). Das Ergebnis hielt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst zurück (U-act. 8.1.01 S. 9) und konfrontierte den Beschul- digten damit erst in Anwesenheit seines Verteidigers am 6. November 2012 (U-act. 10.1.03 Nr. 43). Die Dokumentation der Fotowahlkonfrontation sowie die zusätzliche Aufnahme der Identifizierung in das Einvernahmeprotokoll des Opfers versetzte den Beschuldigten hinreichend in die Lage, diese Beweiser- hebung in inhaltlicher und formeller Hinsicht zu prüfen sowie allenfalls deren Verwertbarkeit infrage zu stellen. Daher kann, selbst wenn im Sinne von Art. 147 Abs. 3 StPO von einem Fragerecht auszugehen wäre, auf die Wie- derholung der Fotowahlkonfrontation verzichtet werden. Überdies würde der Beweis zur Aufklärung schwerer Verbrechen nach Art. 141 Abs. 2 StPO ver- wertbar bleiben (Schmid/Jositsch, a.a.O., Art. 131 StPO N 8), soweit geltend gemacht wird, die Fotowahlkonfrontation sei ohne Verteidigung durchgeführt worden (vgl. auch noch unten lit. cc). Den Informationen zu der für die Identifikation des Beschuldigten massgebli- chen Fotowahlkonfrontation lässt sich entnehmen, dass sobald die gesuchte Person erkannt wird, die restlichen Bilder nicht mehr präsentiert werden (U- act. 10.3.04 S. 3 Ziff. 4 Punkt 4). Die Kritik der Verteidigung an einem angebli- chen Abbruch der Fotowahlkonfrontation nach der Identifikation des Beschul- digten ist daher unbegründet. Der Beschuldigte wurde durch G.________ auf dem sechsten Foto als eine von sieben Personen erkannt, die mit der Waffe auf die Opfer zukamen, nachdem sie aus dem Lift stiegen (ebd. S. 2 sowie U- act. 10.3.02 Nr. 42 f.). Die Fotowahlkonfrontation wurde nicht in Gegenwart des Beschuldigten durchgeführt, weil eine unbeeinflusste Identifikation – was die Vorinstanz zutreffend als offensichtlich befand – eine Trennung zwischen Kantonsgericht Schwyz 14 der identifizierenden Person und dem zu identifizierenden Verdächtigen vor- aussetzt. Eine Lebendwahlkonfrontation ist vom Gesetz nicht vorgeschrieben. Nachdem G.________ den Beschuldigten erkannte, war die Wiederholung des sachlichen Beweismittels der Fotokonfrontation unabhängig davon, dass dazu wie gesagt kein Anspruch bestand und der Verteidiger dies im Vorver- fahren nicht verlangte, nicht mehr zweckmässig. Das rechtliche Gehör konnte anhand der entsprechend Art. 193 Abs. 4 StPO zu den Akten genommenen Dokumentation hinreichend gewahrt werden. bb) Der Verteidiger behauptet ferner, dass der Polizei am 2. April 2012 um 14:16 Uhr eine im Sinne von Art. 307 Abs. 1 StPO unverzüglich informations- pflichtige schwere Straftat gemeldet wurde, was eine umgehende Untersu- chungseröffnung gegen den Beschuldigten und die Wahrung seiner Teilnah- merechte, insbesondere auch an der ersten Einvernahme von G.________ nach sich ziehen hätte müssen. Abgesehen davon, dass die Teilnahmerechte bei den Aussagen von G.________ gewahrt wurden, diente die erste Einver- nahme der Polizei den Ermittlungen im Zusammenhang der Meldung von G.________ gestützt auf Art. 306 StPO, weshalb die Parteien zu dieser ersten polizeilichen Einvernahme keinen Zugang hatten (vgl. oben lit. aa/aaa). Zum Vorfall befragte die Polizei den Beschuldigten, nachdem sich dieser am 2. April 2012 um 18.30 Uhr dem durch die Polizei umstellten Tatort näherte und sich als Clubbetreiber bzw. Mieter zu erkennen gab (U-act. 4.1.01 S. 2 oben bzw. U-act. 8.1.01 S. 9 oben), zunächst als Auskunftsperson parallel zur ersten Einvernahme des Opfers und einer Tatortbegehung (U-act. 10.1.01). Erst nach dieser Befragung, als seine Angaben denjenigen seiner Ehefrau widersprachen, wurde er wegen Tatverdachts inhaftiert (U-act. 4.1.01 ebd. bzw. U-act. 8.1.01 ebd.) und ihm die Festnahme um 23:59 Uhr eröffnet (U-act. 4.1.03 f.). Er wurde erkennungsdienstlich erfasst und ihm ein DNA- Wangenabstrich abgenommen (U-act. 8.0.01; dazu vgl. noch unten lit. dd). Die Staatsanwaltschaft entliess ihn jedoch am 3. April 2012 vorbehältlich neu- er tatrelevanter Erkenntnisse anlässlich der in Auftrag gegebenen ersten Be-Kantonsgericht Schwyz 15 fragung im Sinne von Art. 157 f. StPO (vgl. U-act. 9.2.01 und 10.1.02) trotz „Antrag an die Staatsanwaltschaft auf die Beantragung von Untersuchungs- haft“ (vgl. U-act. 4.1.05) aus der Haft (U-act. 4.1.06). Diese erste Befragung als Beschuldigter am Nachmittag des 3. April 2012 ohne Verteidigung war nicht verboten (Albertini/Armbruster, BSK, 2. A. 2014, Art. 219 N 7), zumal der Beschuldigte auf eine Verteidigung ausdrücklich verzichtete (U-act. 10.1.02 Nr. 3). Aufgrund dieser Umstände ist nicht ersichtlich, inwiefern die Polizei ihrer Meldepflicht gegenüber der Staatsanwaltschaft nicht nachgekommen sein soll und letztere das Verfahren gegen den Beschuldigten, wie vom Ver- teidiger geltend gemacht, früher respektive schon vor der Einvernahme von G.________ hätte eröffnen können bzw. sollen. cc) Es ist auch nicht ersichtlich, dass dem Beschuldigten sofort eine not- wendige Verteidigung hätte bestellt werden müssen. Der Beschuldigte muss unter anderem erst verteidigt werden, wenn die Untersuchungshaft einsch- liesslich einer vorläufigen Festnahme – was vorliegend nicht der Fall war – mehr als 10 Tage dauert oder ihm eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr droht (Art. 130 lit. a und b StPO). In Fällen notwendiger Verteidigung ach- tet die Verfahrensleitung darauf, dass unverzüglich eine Verteidigung bestellt wird (Art. 131 Abs. 1 StPO). Eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr musste der Staatsanwaltschaft konkret (vgl. BGE 143 I 164 E. 2.4.3) nicht sofort erkennbar gewesen sein, eröffnete sie doch die Untersuchung umge- hend noch ohne die Entführung nach Art. 183 StGB qualifizierenden erschwe- renden Umstände nach Art. 184 StGB (U-act. 9.0.01; dazu Schmid/Jositsch, a.a.O., Art. 131 StPO N 6; vgl. auch Riklin, OFK, 20. A. 2014, Art. 131 StPO N 3 Abs. 3). Zudem wurde für den Beschuldigten mangels neuer Erkenntnisse hinsichtlich eines schweren Entführungsfalles keine Untersuchungshaft bean- tragt, sondern die Haftentlassung angeordnet (U-act. 4.1.06; vgl. auch oben lit. ddd). Dass die Staatsanwaltschaft die Angaben von G.________ diesbe- züglich noch nicht als hinreichend erhärtet für die Anordnung einer notwendi- gen Verteidigung erachtete, kann ihr zu diesem frühen Stadium der Vorunter-Kantonsgericht Schwyz 16 suchung im Nachhinein nicht angelastet werden. Im Übrigen zeigt der Vertei- diger im Berufungsverfahren nicht auf, dass er rechtzeitig die Wiederholung von Beweiserhebungen verlangte, nachdem er vom Beschuldigten ab No- vember 2012 beauftragt worden war. Deshalb verwirkte insofern der Anspruch auf Wiederholung von Beweiserhebungen nicht nur im Sinne von Art. 147 Abs. 3 StPO, sondern auch nach Art. 131 Abs. 3 StPO (dazu Schmid/Jositsch, ebd. N 7), zumal der Beschuldigte in der ersten Einvernahme als Beschuldig- ter auf seine Verteidigungsrechte aufmerksam gemacht wurde und keine Ver- teidigung verlangte (U-act. 10.1.02 Nr. 3). Deswegen ist nicht ersichtlich, dass die Ergebnisse dieser Befragung nicht verwertbar wären, abgesehen davon, dass der Beschuldigte in dieser Einvernahme im Unterschied zu den vorlie- gend erheblichen und verwertbaren Aussagen von G.________ und O.________ (vgl. oben lit. aa) keine Angaben machte, die zu seiner Belastung verwendet würden. Er wird insbesondere nicht auf die Aussage behaftet, wo- nach er über den einzigen Schlüssel zum Club verfügen konnte (dazu vgl. U- act. 10.1.02 Nr. 20 sowie unten E. 2). dd) Den Befehl zur erkennungsdienstlichen Erfassung bzw. zum Wangen- schleimhautabstrich durch die Polizei (U-act. 8.0.01) empfing der Beschuldigte am 3. April 2013 um 0:40 Uhr. Mit dem Befehl erhielt er unter Einsprachebe- lehrung unterschriftlich bestätigt das „Infoblatt WSA“ und den „Auftrag für die Erstellung eines DNA-Profils“, zu welchem er sein Einverständnis erklärte. Am selben Tag eröffnete die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung gegen ihn (vgl. oben lit. A sowie lit. bb). Ein staatsanwaltschaftlicher Auftrag für die Er- stellung eines Profils ist, wie die Verteidigung zutreffend geltend macht, nicht aktenkundig. Das ist indes nicht massgeblich. Das IRM konnte laut Nach- tragsbericht unter der PCN yy (Marlboro Zigarettenstummel) ein männliches DNA-Profil erstellen. Die Überprüfung dieses Profils des biologischen Tatspu- renmaterials in der DNA-Datenbank stimmt nicht mit demjenigen des Wan- genschleimhautabstrichs vom 3. April 2013 (PCN xx vgl. dazu auch U-act. 1.1.08), sondern mit dem bereits im Informationssystem enthaltenen DNA-Kantonsgericht Schwyz 17 Profil einer dem Beschuldigten früher abgenommenen Probe (U-act. 8.1.32 PCN ww) überein. Abgesehen davon ist auf Folgendes hinzuweisen: aaa) Nach Art. 255 Abs. 1 lit. a und lit. d StPO kann zur Aufklärung eines Verbrechens oder eines Vergehens eine Probe entnommen und ein DNA- Profil von beschuldigten Personen bzw. von tatrelevantem biologischem Mate- rial erstellt werden. Die Polizei kann die nicht invasive Probenahme bei Per- sonen und die Erstellung eines DNA-Profils von tatrelevantem biologischem Material anordnen (ebd. Abs. 2 lit. a und b). Das durch den nicht invasiven Wangenabstrich gewonnene Material ist auch biologisch sowie entweder posi- tiv oder negativ tatrelevant, weshalb es von der Wortbedeutung her nicht of- fensichtlich ist, dass die Polizei die Probeentnahme nicht zur Profilerstellung in Auftrag geben könnte. Das Bundesgericht legte indes aufgrund der Materiali- en (BBl 2006 I 1241 Ziff. 2.5.5) und gestützt auf die zitierte einschlägige Lehre Art. 255 Abs. 2 StPO dahingehend aus, dass die Kompetenz zur Anordnung der Profilerstellung durch einen Wangenabstrich erlangtem biologischem Ma- terial im Einzelfall bei der Staatsanwaltschaft liegt und nicht generell angeord- net werden kann (BGE 141 IV 87 E. 1.3.2 und E. 1.4.2), was sich wohl auch in systematischer Hinsicht im Vergleich von Abs. 1 und 2 der Bestimmung be- gründen lässt. bbb) Auf die Rechtslage (vgl. oben lit. aaa) muss hier indes nicht weiter ein- gegangen werden, weil erstens die Identifikation des Beschuldigten nicht über das Profil des Wangenschleimhautabstrichs durch die Polizei vom 3. April 2012 erfolgte (vgl. vor lit. aaa) und abgesehen davon zweitens die Verwertung des erstellten Profils zur Aufklärung einer schweren Straftat ohnehin zulässig ist (Art. 141 Abs. 2 StPO). Von der durch die Verteidigung geltend gemachten Nichtigkeit des DNA-Beweises kann unter diesen Umständen daher keine Rede sein, zumal der Wortlaut von Art. 255 Abs. 2 StPO nicht offensichtlich ist. Abgesehen davon erklärte sich der Beschuldigte noch im Ermittlungsver- fahren mit der polizeilichen Verfügung über die Auftragserteilung für das aus Kantonsgericht Schwyz 18 dem Wangenabstrich gewonnene biologische Material einverstanden und er- hielt eine Kopie des Befehls (U-act. 8.0.01). b) Das Anklageprinzip wird durch die vorinstanzliche Verurteilung entgegen den Vorbringen des Verteidigers im Berufungsverfahren nicht verletzt. Zutref- fend ging die Vorinstanz davon aus, dass es im Falle von Mittäterschaft uner- heblich sei, dass die Anklageschrift offenlasse, welcher der Mittäter die ein- zelnen Handlungen beging (vgl. angef. Urteil E. II./5.3). Dass nach Ansicht der Verteidigung die Staatsanwaltschaft in der Anklage keinen Beweis für die Mit- täterschaft erbringt, ist nicht ein Problem des Anklageprinzips. Das Vorliegen dieser Form der Tatbeteiligung betrifft nicht eine Sachverhalts-, sondern eine Rechtsfrage, die das Gericht beurteilt. Die Anklage richtete den Vorwurf der einzelnen Handlungen zwar ausdrücklich und wiederholt an den Beschuldig- ten „oder einen seinen Mittätern“. Massgebend ist aber, dass sie nicht ver- schiedene Versionen des Tatgeschehens einander gegenüberstellt, sondern beschreibt, dass alle und nicht einer oder ein anderer der Beteiligten den zur Anklage gebrachten Sachverhalt erfüllt haben sollen. Selbst wenn der Be- schuldigte den Opfern keine Pistole vorgehalten und ihnen keine Schläge und Tritte verabreicht haben sollte, muss er sich im Falle des Nachweises des An- klagesachverhalts diese Handlungen anderer im Rahmen der Mittäterschaft zurechnen lassen (vgl. BGer 6B_45/2013 vom 18. Juli 2013 E. 2.3 m.H. auf BGer 6B_473/2012 vom zz. Februar 2013 E. 1.5). Ob im Zusammenhang der so angeklagten Mittäterschaft die Verwendung des Begriffs der Alternativanklage durch die Rechtsprechung dogmatisch korrekt ist, kann offengelassen werden. Mittäterschaft bedingt vorausgehend weder einer besonderen gemeinsamen Entschlussfassung noch eigentlicher Verab- redungen der Taten. Ebenfalls sind subjektive Vorbehalte der einzelnen Mit- täter nicht erheblich. Es reicht, wenn sich die auch möglicherweise nur kon- kludent zum Ausdruck gelangende Entschlussfassung der Täter auf die ge- meinsame Verwirklichung des deliktischen Vorhabens bezieht (vgl. etwa Do-Kantonsgericht Schwyz 19 natsch, OFK, 20. A. 2018, Art. 24 StGB N 9 m.H.; BGer 6B_437/2012 ebd.). Daher enthält die vorliegende Anklage, welche die tatsächliche Mitwirkung aller im Club befindlichen Männer bei der Tatausführung beschreibt, die auf ein die Gefangenhaltung, die Beraubung und die aktenkundigen Verletzungen der Opfer billigendes Zusammenwirken hinsichtlich der konkret angeklagten Handlungen einzelner schliessen lässt, die erforderlichen Elemente für die dem Beschuldigten vorgeworfene Mittäterschaft. Jeder Mittäter und mithin auch der Beschuldigte akzeptierten danach die Interventionen des jeweils an- deren mit dem Ziel einer Freiheitsberaubung, um das Geld erhältlich zu ma- chen, dass die „Kameruner“, zu deren Umfeld die Täter auch die Opfer zähl- ten, angeblich schuldeten. Im Nachfolgenden ist im Schuldpunkt zu prüfen (vgl. unten E. 3), ob dem Beschuldigten in diesem Sinne der Mittäterschaft eine Anwesenheit im Club im Zeitraum der angeklagten Taten nachzuweisen ist. 2. Weiter bleiben die im Berufungsverfahren gestellten Beweisanträge zu prüfen. a) Dem nicht näher begründeten Beweisantrag auf erneute Befragung der beiden Opfer im Berufungsverfahren kann nicht stattgegeben werden. G.________ erklärte erstinstanzlich sein Desinteresse am Strafverfahren und weigerte sich, vor Gericht auszusagen bzw. wurde ärztlich als längere Zeit nicht einvernahmefähig beurteilt. D.________ konnte trotz öffentlicher Publika- tion im Berufungsverfahren nicht erreicht werden (KG-act. 5). Unmögliche Be- fragungen können indes nicht mehr verlangt werden, was aber nicht automa- tisch bedeutet, dass die Aussagen der Opfer unverwertbar sind (Schär, a.a.O., S. 159 f.), zumal vorliegend nicht, da die Teilnahmerechte des Beschuldigten wie gesagt (vgl. oben E. 1.a/aa sowie angef. Urteil E. II./1.1 ff.) zumindest einmal gewahrt wurden. Kantonsgericht Schwyz 20 b) Ein aktueller Strafregisterauszug für G.________ wurde antragsgemäss eingeholt und enthält zwei spätere Verurteilungen wegen Ausweisfälschungen (KG-act. 9), aus denen sich jedoch in Bezug auf die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen über den hier zu beurteilenden Vorfall nichts wesentlich Negatives ableiten lässt. c) Die Durchführung eines Augenscheins und die Einvernahme der für die Vermietung des Clubs zuständigen Person zu den Schliessverhältnissen und dem Zustand des Clubs ist nicht erforderlich. Die Berufungsinstanz schliesst nicht aus, dass der Club auch via Lift zugänglich war und nahm die vom Be- schuldigten erstellten Fotos zu den Akten (KG-act. 42/Beilage 3). Im Übrigen wird die Zeugin nach all den Jahren keine verlässlichen Angaben mehr zum Clubzustand machen können, abgesehen davon, dass es einer Vermieterin grundsätzlich nicht erlaubt ist, gemietete Räumlichkeiten ohne Einverständnis des Mieters zu kontrollieren. Der Beschuldigte macht solche einvernehmlich durchgeführten Kontrollen nicht geltend. d) Auf die Teilnahme an forensischen Beweiserhebungen besteht schliess- lich kein Anspruch (Goldschmid/Maurer/Sollberger, a.a.O., S. 135; Schleimin- ger Mettler, BSK, 2. A. 2014, Art. 147 StPO N 5) und es ist nicht dargetan, inwiefern die Aktennahme der Originalauswertungen der IT Forensik erforder- lich sein soll. Soweit der Beschuldigte geltend macht, die Auswertungen reich- ten nicht aus und es hätte zwingend eine rückwirkende Teilnehmeridentifikati- on in Auftrag gegeben werden müssen, ist dies angesichts der die Personen identifizierenden SMS-Inhalte (Vi-act. 43 Bericht vom 27. Oktober 2017 S. 3 ff.) sowie den subsidiären Charakter einer solchen Zwangsmassnahme (Art. 273 i.V.m. Art. 269 StPO) nicht nachvollziehbar. Abgesehen davon hätte der Beschuldigte über die Adressierungselemente auch selber Auskunft ver- langen können (Art. 45 FMG). Nebst den Polizeiberichten befindet sich eine CD mit dem Ergebnis zur Auswertung des Mobiltelefons in den vorinstanzli- chen Akten (ebenfalls unter Vi-act. 43). Darüber hinaus haben die Parteien Kantonsgericht Schwyz 21 keinen Anspruch, am Begutachtungsvorgang mitzuwirken und darauf Einfluss zu nehmen bzw. dessen fachlich-methodischen Ablauf zu kontrollieren (vgl. zur psychiatrischen Exploration BGE 144 I 253). 3. Abgesehen von den bereits im Zusammenhang mit der Verwertbarkeit und dem Anklageprinzip (oben E. 1) behandelten Rügen erhebt der Beschul- digte im Berufungsverfahren in der Sache gegen den vorinstanzlichen Sach- verhaltsnachweis und die rechtliche Subsumtion keine wesentlichen Einwände mehr. Im Schuldpunkt kann daher auf die Erwägungen der Vorinstanz verwie- sen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; angef. Urteil E. III), wonach zusammenfas- send (ebd. S. 23 E. 9) keine Zweifel bestehen, dass der Beschuldigte an der Tat beteiligt war. Einerseits wurde er vom Opfer G.________ als einer der Täter, die ihm und D.________ am Liftausgang bewaffnet abpassten, erkannt (Fotowahlkonfrontation). Andererseits wurde seine DNA an einem Zigaretten- stummel im Club in einem neben der Brille G.________ herumstehenden Aschenbecher (U-act. 8.1.02 S. 9 neben DJ Podest und 8.1.32) gefunden. Diese Spur musste er in der Tatnacht hinterlassen haben, da O.________ nach ihren glaubhaften und verwertbaren Aussagen (vgl. oben E. 1.a/aa/bbb sowie unten lit. a/cc) zuvor aufräumte. Ausserdem fehlt ihm für die Tatnacht ein Alibi. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte damals den Club betrieb, in welchen der unter Vortäuschung eines möglichen Autoverkaufes Kontakt auf- nehmende Mitbeschuldigte I.________ die Opfer führte. Beides kann kein Zufall sein. Deshalb ist schwer nachvollziehbar, dass ohne sein Mittun die erstellte, von Sonntag, 1. April ca. 19.00 Uhr bis 2. April ca. 14.00 Uhr dau- ernde Freiheitsberaubung und der Raub hätten im Club durchgeführt werden können. Daran ändert nichts, dass die Strafkammer entgegen der Vorinstanz das Fehlen von Aufbruchspuren nicht als wesentliches Indiz für die Täter- schaft des Beschuldigten wertet, weil er nach eigenen Angaben und den Aus- sagen von O.________ über den einzigen Schlüssel zum Club verfügt haben soll (vgl. angef. Urteil S. 23 E. 8.3). Obwohl nicht auszuschliessen ist, dass der Club via Lift auch anderen Personen zugänglich gewesen sein könnte, Kantonsgericht Schwyz 22 bleibt die Entführung und Gefangenhaltung der Opfer im Club ohne den Club- betreiber dennoch höchst unwahrscheinlich. Die Anwesenheit des Beschuldig- ten in der Tatnacht ist abgesehen davon auch ohne dieses Indiz erstellt. Da- her betrachtete die Vorinstanz die Mittäterschaft des Beschuldigten zur Frei- heitsberaubung und Entführung unter erschwerenden Umständen im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 i.V.m. Art. 184 StGB sowie zum Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und 2 StGB (ebd. E. 10 ff.) zutreffend als bewiesen. In allen Befragungen bestritt der Beschuldigte seine Anwesenheit nur, ohne auch nur ansatzweise einen glaubhaften Ablauf der von den Opfern übereinstimmend geschilderten Ereignisse in seinem Club ohne seine Beteiligung zu schildern, und zu erklären, warum an einem Zigarettenstummel in einem herumstehen- den Aschenbecher seine DNA gefunden wurde und er durch G.________ er- kannt worden ist. Vielmehr belegen die Spuren der beiden Opfer am Tatort und die Meldungen des durch G.________ während der Entführung zwecks Auszahlung der Erpressungssumme kontaktierten Mannes bei der Polizei (U- act. 8.0.02 und 8.1.01 S. 7), aber auch die Verletzungsbilder (U-act. 8.1.02 S. 16 ff.) und die ärztlichen Untersuchungen (U-act. 13.1.05) die Aussagen der Opfer über die Entführung und Gefangenhaltung, insbesondere die physi- schen Misshandlungen (Faustschläge, Fusstritte und Schlagen mit einer Ei- senstange). a) In tatsächlicher Hinsicht bleiben daher noch die Erklärungen der Vertei- digung im Berufungsverfahren zu prüfen: aa) Die Verteidigung hält dafür, dass zwei, drei Indizien nicht für einen Schuldspruch ausreichten, und beklagt eine Ungleichheit zu den anderen Mit- beschuldigten, welche trotz entsprechenden DNA-Beweisen freigesprochen worden seien. Der Unterschied zu den Fällen liegt jedoch gerade darin, dass in diesen Fällen nach Ansicht des Strafgerichts die Personalbeweise zufolge Unverwertbarkeit der Aussagen der beiden Opfer und der Zeugin O.________ fehlten. Zudem wurde der Beschuldigte anders als die freigesprochenen mut-Kantonsgericht Schwyz 23 masslichen Mittäter, deren DNA ebenfalls im Club sichergestellt werden konn- te, vom Opfer G.________ in der verwertbaren Fotowahlkonfrontation (vgl. oben E. 1.a/aa/ddd und a/bb) erkannt. Ferner ergeben sich aus den IT- Auswertungen der Telefonverbindungen (vgl. dazu unten lit. dd) zusätzliche Hinweise auf seine Tatbeteiligung. Im Übrigen können diese Freisprüche in vorliegendem Berufungsverfahren nicht überprüft und als hinlänglicher Grund für einen Freispruch des Beschuldigten angeführt werden. Ob vorstehende Erwägungen namentlich hinsichtlich der Verwertbarkeit die Freisprüche der beiden anderen Beschuldigten in einem anderen Licht erscheinen lassen könnten, ist nicht relevant, weil kein gutheissender Rechtsmittelentscheid vor- liegt, der sich zu Gunsten jener auswirken könnte (Art. 392 StPO). bb) Die Vorinstanz verwertete die Aussagen des zweiten Opfers D.________ nur soweit, als sie diese als verwertbar erachtete (vgl. an- gef. Urteil E. III./4. und 8.2). In diesem Umfang stimmen sie namentlich in Be- zug auf die Vorgeschichte mit dem durch „P.________“ fingierten Autoverkauf, der Entführung und dem Raub überein, auch wenn D.________ den Beschul- digten nicht als einen der Mittäter zu identifizieren vermochte. cc) O.________ bestätigte wiederholt, dass sie im Club keinen Aschenbe- cher mit Zigarettenstummeln hätte herumstehen lassen. Dieser Umstand lässt, wie die Vorinstanz richtig erwägt, darauf schliessen, dass der Zigaret- tenstummel mit der DNA des Beschuldigten neben der Brille des Opfers G.________ im Bereich des DJ-Podests in der Tatnacht zurückgelassen wor- den sein muss (vgl. angef. Urteil E. III./8.1.2 f. sowie oben E. 1.a/aa/bbb), was mithin seine Anwesenheit im Club während den angeklagten Taten beweist. dd) Weiter ist der Vorwurf des Verteidigers, die Vorinstanz würdige die An- gaben des Chefs des Beschuldigten nicht, dass er am 2. April 2012 zur Arbeit erschien, unzutreffend. Die Anwesenheit auf dem Arbeitsplatz am Morgen des 2. April 2012 steht einer Tatbeteiligung des Beschuldigten in der Nacht vom Kantonsgericht Schwyz 24 1. auf den 2. April 2012 nicht entgegen, sagte doch auch das Opfer G.________ aus, dass am Morgen, 2. April 2012, nur noch drei Täter vor Ort waren (U-act. 10.3.01 Nr. 59 f.). Der Beweis, dass der Beschuldigte dann an der Arbeit war, entlastet ihn mithin nicht. Das Strafgericht erwog denn auch unter Berücksichtigung dieser Aussage des Chefs nur, dass der Beschuldigte in der Tatnacht nicht zuhause war (angef. Urteil E. III. 8.3), weil seine Ehefrau diesbezüglich widersprüchliche Angaben machte und gestützt auf die Telefon- verbindungen erwiesen sei, dass er mehrmals in der Nacht telefonischen Kon- takt mit seiner Ehefrau hatte. An dieser Feststellung geht die Kritik der Vertei- digung vorbei, die Ermittlung des Antennenstandortes mit einer rückwirkenden Teilnehmeridentifikation sei unterlassen worden. Die durch die IT-Auswertun- gen erstellten telefonischen Kontakte mit der Ehefrau für die Tatnacht indizie- ren, dass der Beschuldigte nicht wie behauptet zuhause war. Vielmehr forder- te die Frau ihn am Abend des 1. April 2012 nach 19.00 Uhr auf, nach Hause zu kommen bzw. zu sagen, wo er sei (Vi-act. 43 Bericht vom 27. Oktober 2017 S. 4; vgl. auch oben E. 1.c). Das geschah, als er zu einem mutmassli- chen Mittäter, mit dem er vor und nach der Tat telefonierte, keine Telefonkon- takte hatte (ebd. Bericht vom 2. November 2017 S. 3), was erklärbar ist, wenn er mit diesem zusammen war. Hingegen ist die SMS mit dem Inhalt „du bin mit all dene zemme. warum verstahsch nid“ entgegen den Vorbringen des Vertei- digers an der Berufungsverhandlung laut IT-Auswertung beim Beschuldigten am 2. April nach 10:00 Uhr eingegangen. Sie wurde demgemäss also wohl nicht von ihm geschrieben (Vi-act. 43 Bericht vom 27. Oktober 2017 S. 5). Im Übrigen wäre selbst ein Widerspruch zwischen der SMS und der Aussage seines Chefs, wonach er um diese Zeit an der Arbeit gewesen ist, in Bezug auf ein Alibi des Beschuldigten in der Tatnacht nicht erheblich, zumal nach den Angaben von G.________ wie gesagt am Morgen nicht mehr alle Täter vor Ort waren. Trotzdem würde die Telefonauswertung das Fehlen eines Ali- bis für die Tatnacht indizieren bzw. unterstreichen, dass der Beschuldigte in der Nacht vom 1. auf den 2. April 2012 sich im durch ihn gemieteten und be-Kantonsgericht Schwyz 25 triebenen Club „H.________“ aufhielt, als die beiden Opfer mit Waffen be- droht, mit Säcken über dem Kopf gefesselt und physisch misshandelt wurden. b) Rechtlich setzt sich der Beschuldigte im Berufungsverfahren nur mit dem Anklageprinzip auseinander (dazu vgl. oben E. 1.b), was die Verweisung auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zur mittäterschaftlichen Tat- bestandserfüllung erlaubt (Art. 82 Abs. 4 StPO; angef. Urteil E. III./10 ff.). 4. Ebenfalls zur Bestrafung kann auf das angefochtene Urteil verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; angef. Urteil E. IV), zumal im Berufungsverfah- ren das Strafmass für den Fall der Bestätigung des Schuldspruches in Bezug auf die Person des Beschuldigten nicht infrage gestellt wird. Immerhin erach- tet die Strafkammer die objektive Tatschwere in Bezug auf den Grundtatbe- stand der Freiheitsberaubung (Art. 183 StGB) unabhängig von den erschwe- renden Umständen (Art. 184 StGB) aufgrund der geplanten auch bei restrikti- ver Auslegung doch schwerwiegenden und zur Erreichung des Ziels auch stundenlang angelegten Einschränkungen der Opfer in ihrer Bewegungsfrei- heit nicht als vergleichsweise leicht, sondern als mittelschwer. Soweit die Ver- teidigung im Zusammenhang der Beweiswürdigung eine rechtsgleiche Be- handlung seines Mandanten als Familienvater einfordert, ist wiederholt darauf hinzuweisen, dass hier die rechtskräftigen Freisprüche von zwei Mitbeschul- digten nicht beurteilt werden können und die Vorinstanz neben der Verfah- rensdauer strafmindernd berücksichtigte, dass der Beschuldigte Kinder hat (ebd. E. IV./6).Kantonsgericht Schwyz 26 5. Zusammenfassend ist die Berufung abzuweisen und das angefochtene Urteil zu bestätigen. Ausgangsgemäss gehen die Kosten- und Entschädi- gungsfolgen des Berufungsverfahrens zu Lasten des erbeten verteidigten Be- schuldigten (Art. 428 Abs. 1 und Art. 436 Abs. 1 StPO);-Kantonsgericht Schwyz 27 erkannt: 1. Die Berufung wird abgewiesen und das angefochtene Urteil bestätigt. 2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 4‘500.00 (inkl. Kosten der Anklagevertretung von Fr. 500.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsa- chen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Be- schwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. 4. Zufertigung an den Verteidiger (2/R), die kantonale Staatsanwaltschaft (1/A), die Oberstaatsanwaltschaft (1/R) und die Vorinstanz (1/ü) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/ES, mit den Akten sowie zur Meldung an die Kantonspolizei Schwyz betr. nicht angefochtenen Ziff. 3-5), Amt für Migration (1/R), Amt für Justizvollzug (1/R, zum Inkas- so und Vollzug inkl. Formular Löschungsmeldung), die Kantonsgerichts- kasse (1/ü, im Dispositiv), und mit Formular an die KOST. Namens der Strafkammer Der Kantonsgerichtspräsident Der Gerichtsschreiber Versand 20. August 2020 kau