<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 88 S.365</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">365</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>88</b></span> <span class="ft1"><b>Beschwerdelegitimation in Baubewilligungssachen (§ 38 Abs. 1 VRPG).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Parteientschädigung an die Gemeinwesen (§ 36 VRPG).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Kein widersprüchliches Verhalten des Gemeinderats, wenn er die</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Legitimation erst im zweitinstanzlichen Beschwerdeverfahren be-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>streitet (Erw. II/2/c).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Legitimationspraxis des Verwaltungsgerichts (Erw. II/2/d) und des</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Bundesgerichts (Erw. II/2/e), insbesondere bei Beschwerden wegen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Lärmimmissionen.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Rechtsanwendung im konkreten Einzelfall: Kein rechtserheblicher</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Nachteil aufgrund des Erscheinungsbildes des Bauvorhabens, das bei</b></span><br/> <span class="ft1"><b>beschränkter Sichtverbindung 140 m vom Grundstück des Be-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>schwerdeführers entfernt ist (Erw. II/2/f/bb), und aufgrund der zu er-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>wartenden Lärm- und anderen Immissionen (Erw. II/2/f/cc).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Die in AGVE 1985, S. 384 ff. begründete Praxis schliesst einen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Parteikostenanspruch der Gemeinde gegenüber dem unterliegenden</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Privaten generell, also unabhängig davon aus, ob die Gemeinde</b></span><br/> <span class="ft1"><b>hoheitliche Interessen wahrt oder wie eine Privatperson auftritt</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. III/3/b).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Festhalten am Grundsatz (Erw. III/3/c) und daran, dass sich Aus-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>nahmen nicht rechtfertigen, weder in Bezug auf Grösse, Organisa-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>tionsgrad usw. der Gemeinde (Erw. III/3/d, e) noch in Bezug auf die</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Rechtsstellung der Gemeinde (Erw. III/4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 12. April 2000 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen S. und Einwohnergemeinde Aarau gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. (Darstellung der Praxis [AGVE 1998, S. 326; 1997, S. 288</span><br/> <span class="ft4">ff.; 1993, S. 409 ff.; 1991, S. 363 ff.].).</span><br/> <span class="ft4">2. a) Der Beschwerdeführer 1 wohnt als Mieter im Dachge-</span><br/> <span class="ft4">schoss der Liegenschaft .... (Gebäude Nr. 4253 auf der Parzelle</span><br/> <span class="ft4">Nr. 1804). Eigentümerin der Liegenschaft ist die M. AG. Die Distanz</span><br/> <span class="ft4">zwischen der Wohnung des Beschwerdeführers 1 und dem vorgese-</span><br/> <span class="ft4">henen Standort der Markthalle beträgt ca. 140 m. Es besteht - in</span><br/> <span class="ft4">eingeschränktem Mass - Sichtverbindung zu den gemäss Bauord-</span><br/> <span class="ft4">nung (BO) und Zonenplan der Stadt Aarau vom 8. November 1981 /</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">366</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">11. September 1984 in der Altstadtzone gelegenen Bauparzellen</span><br/> <span class="ft4">Nrn. 1733, 1734, 1736, 1738, 1730, 3353 und 4030 am Färberplatz.</span><br/> <span class="ft4">b) Der Beschwerdeführer 1 begründet seine Legitimation einer-</span><br/> <span class="ft4">seits mit dem direkten Sichtkontakt auf das Bauvorhaben, weshalb er</span><br/> <span class="ft4">durch dessen Ausgestaltung und seine störende Wirkung direkt be-</span><br/> <span class="ft4">troffen sei, und anderseits damit, dass er durch die im Zusam-</span><br/> <span class="ft4">menhang mit der Nutzung des Gebäudes entstehenden Lärmimmis-</span><br/> <span class="ft4">sionen betroffen sei. Das Baudepartement hat offen gelassen, ob sich</span><br/> <span class="ft4">die Legitimation des Beschwerdeführers 1 bereits aus dem bestehen-</span><br/> <span class="ft4">den Sichtkontakt ergebe. Als entscheidend erachtete es, dass sich die</span><br/> <span class="ft4">Liegenschaft genügend nahe bei den Baugrundstücken befinde, um</span><br/> <span class="ft4">durch Lärm- oder anderweitige Immissionen beeinträchtigt zu wer-</span><br/> <span class="ft4">den. Auch der Stadtrat Aarau hat die Legitimation des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führers 1 ursprünglich bejaht. Erst im Verlauf des verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft4">richtlichen Verfahrens ist er gestützt auf den BGE vom 9. März 1999</span><br/> <span class="ft4">in Sachen H. zur gegenteiligen Auffassung gelangt.</span><br/> <span class="ft4">c) Die Beschwerdelegitimation als Sachurteilsvoraussetzung ist</span><br/> <span class="ft4">von Amtes wegen zu prüfen (Michael Merker, Rechtsmittel, Klage</span><br/> <span class="ft4">und Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über</span><br/> <span class="ft4">die Verwaltungsrechtspflege, Kommentar zu den §§ 38 - 72 VRPG,</span><br/> <span class="ft4">Zürich 1998, Vorbem. zu § 38 N 3 ff.). Die Prüfung der Sachurteils-</span><br/> <span class="ft4">voraussetzungen von Amtes wegen schliesst die Prüfung der Frage,</span><br/> <span class="ft4">ob auch im vorinstanzlichen Entscheid die Sachurteilsvoraussetzun-</span><br/> <span class="ft4">gen vorgelegen haben, ein. Stellt die Rechtsmittelinstanz fest, dass</span><br/> <span class="ft4">bereits im vorinstanzlichen Verfahren eine Sachurteilsvoraussetzung</span><br/> <span class="ft4">fehlte, kann der angefochtene Entscheid aus diesem Grund aufgeho-</span><br/> <span class="ft4">ben werden (Merker, a.a.O., Vorbem. zu § 38 N 4 mit Hinweis).</span><br/> <span class="ft4">Insofern kann der Beschwerdeführer aus dem von ihm als ,,wider-</span><br/> <span class="ft4">sprüchliches Verhalten" qualifizierten Umstand, dass die Einwohner-</span><br/> <span class="ft4">gemeinde Aarau seine Legitimation bis anhin explizit anerkannt hat</span><br/> <span class="ft4">und sie erstmals in ihrer Eingabe vom 5. Januar 2000 in Abrede</span><br/> <span class="ft4">stellt, rechtlich nichts zu seinen Gunsten ableiten.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">367</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">d) Das Verwaltungsgericht hat in einzelnen Fällen bereits die</span><br/> <span class="ft4">Sichtverbindung zwischen dem Grundstück des beschwerdeführen-</span><br/> <span class="ft4">den Nachbarn und dem Baugrundstück zur Legitimationsbegründung</span><br/> <span class="ft4">genügen lassen (AGVE 1991, S. 364; 1993, S. 414; 1997, S. 290;</span><br/> <span class="ft4">VGE III/17 vom 30. März 1983 in Sachen Gebr. B., S. 4 f.; Merker,</span><br/> <span class="ft4">a.a.O., § 38 N 150). Anderseits hat es gerade auch in jüngerer Zeit</span><br/> <span class="ft4">mehrfach betont, dass der Umstand, ob Sichtverbindung bestehe oder</span><br/> <span class="ft4">nicht, nur ein Indiz zur Beurteilung der Legitimationsfrage darstellt</span><br/> <span class="ft4">(AGVE 1997, S. 290; VGE III/72 vom 22. September 1995 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen A. AG und S., S. 8; VGE III/123 vom 16. Dezember 1996 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen W., S. 4; VGE III/27 vom 9. April 1997 in Sachen W. u. M.,</span><br/> <span class="ft4">S. 5; ferner VGE III/42 vom 29. Mai 1985 in Sachen B., S. 5; VGE</span><br/> <span class="ft4">III/43 vom 26. August 1977 in Sachen S., S. 9). Eine Entfernung von</span><br/> <span class="ft4">350 m bzw. 400 m reicht in der Regel nicht; ebenso wenig genügt es,</span><br/> <span class="ft4">wenn die Sichtverbindung höchstens vom Hausdach aus besteht</span><br/> <span class="ft4">(AGVE 1991, S. 562 f.; VGE III/26 vom 17. März 1989 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">H., S. 9). In dem in AGVE 1997, S. 289 f. publizierten Fall sodann</span><br/> <span class="ft4">hat das Verwaltungsgericht die Legitimation eines rund 90 m vom</span><br/> <span class="ft4">Planungsperimeter entfernt wohnenden Grundeigentümers zur</span><br/> <span class="ft4">Anfechtung eines Gestaltungsplans für ein Bürogebäude der</span><br/> <span class="ft4">Aargauischen Gebäudeversicherungsanstalt, der u. a. neue</span><br/> <span class="ft4">Verkehrsflächen und Wohn- und Gewerbenutzungen zum Genehmi-</span><br/> <span class="ft4">gungsinhalt hatte, mit der Begründung bejaht, die - wenn auch be-</span><br/> <span class="ft4">schränkte - Sichtverbindung führe angesichts der örtlichen Verhält-</span><br/> <span class="ft4">nisse zusammen mit der relativ geringen Entfernung dazu, dass die</span><br/> <span class="ft4">Bewohner der fraglichen Liegenschaft mehr als die Allgemeinheit</span><br/> <span class="ft4">von den im Gestaltungsplan vorgesehenen Bauvorhaben betroffen</span><br/> <span class="ft4">seien. Zudem sei es unter den gegebenen Umständen (Dimensionen</span><br/> <span class="ft4">der zulässigen Bauten, Anschluss an die gleiche Sammelstrasse)</span><br/> <span class="ft4">offensichtlich, dass die aus der Sondernutzungsplanung folgenden</span><br/> <span class="ft4">Bauvorhaben möglicherweise mit Beeinträchtigungen des Beschwer-</span><br/> <span class="ft4">deführers verbunden seien. Verneint wurde in einem andern Fall hin-</span><br/> <span class="ft4">gegen die Beschwerdelegitimation der Eigentümerin einer rund 90 m</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">368</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">vom geplanten Bauvorhaben - einer kommunalen Sportanlage, beste-</span><br/> <span class="ft4">hend aus Spielwiese, Hartplatz und dazugehörigen Nebenanlagen -</span><br/> <span class="ft4">entfernt gelegenen Wohnliegenschaft, da trotz grundsätzlich beste-</span><br/> <span class="ft4">hender Sichtverbindung insgesamt kaum von einer relevanten Be-</span><br/> <span class="ft4">einträchtigungsmöglichkeit gesprochen werden könne; dies treffe</span><br/> <span class="ft4">auch für die von der Sportanlage ausgehenden Emissionen (Lärm,</span><br/> <span class="ft4">Verkehr) zu (erwähnter VGE vom 22. September 1995, S. 8 f.). Das</span><br/> <span class="ft4">gegen diesen Entscheid angerufene Bundesgericht hat die Legitima-</span><br/> <span class="ft4">tion aufgrund der von der Beleuchtungsanlage ausgehenden Licht-</span><br/> <span class="ft4">immissionen als gegeben erachtet (BGE vom 23. April 1996 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen S., S. 10 f.).</span><br/> <span class="ft4">e) aa) Das Bundesgericht verzichtet darauf, hinsichtlich der Le-</span><br/> <span class="ft4">gitimation zur Anfechtung von Bauprojekten auf bestimmte räumli-</span><br/> <span class="ft4">che Distanzen oder andere fixe Werte abzustellen. Vielmehr ist unter</span><br/> <span class="ft4">Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls zu prüfen, ob der</span><br/> <span class="ft4">Betrieb der projektierten Anlage mit Sicherheit oder grosser Wahr-</span><br/> <span class="ft4">scheinlichkeit auf dem Grundstück des Beschwerdeführers zu Im-</span><br/> <span class="ft4">missionen führt, die aufgrund ihrer Art und Intensität deutlich wahr-</span><br/> <span class="ft4">nehmbar sind. Ein schutzwürdiges Anfechtungsinteresse setzt sodann</span><br/> <span class="ft4">voraus, dass die Auswirkungen des beanstandeten Bauvorhabens auf</span><br/> <span class="ft4">die Liegenschaft des Beschwerdeführers nach ihrer Art und Intensität</span><br/> <span class="ft4">so beschaffen sind, dass sie auch bei objektivierter Betrachtungs-</span><br/> <span class="ft4">weise als Nachteil empfunden werden müssen; eine besondere sub-</span><br/> <span class="ft4">jektive Empfindlichkeit des Betroffenen verdient keinen Rechts-</span><br/> <span class="ft4">schutz. Demnach ist zur Beschwerde wegen Lärmeinwirkungen legi-</span><br/> <span class="ft4">timiert, wer in der Nähe der lärmigen Anlage wohnt, den Lärm deut-</span><br/> <span class="ft4">lich sowie von den übrigen Immissionen abhebbar wahrnimmt und</span><br/> <span class="ft4">dadurch in seiner Ruhe gestört wird. Das Interesse an der Vermei-</span><br/> <span class="ft4">dung von Lärm ist entsprechend dem bundesrechtlich verankerten</span><br/> <span class="ft4">Vorsorgeprinzip (Art. 11 Abs. 2 USG; Art. 7 Abs. 1 lit. a und 13</span><br/> <span class="ft4">Abs. 2 lit a LSV) auch dann schutzwürdig, wenn die Immissions-</span><br/> <span class="ft4">grenzwerte nicht erreicht sind. Für die Beurteilung der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">legitimation sind der auf dem betreffenden Grundstück tatsächlich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">369</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">wahrgenommene bzw. mit Sicherheit oder grosser Wahrscheinlich-</span><br/> <span class="ft4">keit zu befürchtende Lärm sowie das allgemeine Geräuschniveau in</span><br/> <span class="ft4">der Umgebung von Bedeutung, wobei gemäss Art. 8 USG die Lärm-</span><br/> <span class="ft4">einwirkungen sowohl einzeln als auch gesamthaft und nach ihrem</span><br/> <span class="ft4">Zusammenwirken in die Beurteilung miteinzubeziehen sind (zusam-</span><br/> <span class="ft4">menfassende Darstellung im erwähnten BGE vom 9. März 1999 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen H. mit zahlreichen Hinweisen; vgl. ferner den erwähnten</span><br/> <span class="ft4">BGE vom 23. April 1996 in Sachen S., S. 9 f. mit Hinweisen; BGE</span><br/> <span class="ft4">121 II 174 mit Hinweisen; Heinz Aemisegger / Stephan Haag, in:</span><br/> <span class="ft4">Kommentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung, Zürich 1999,</span><br/> <span class="ft4">Art. 33 RPG N 40 ff. [mit umfangreicher Kasuistik]).</span><br/> <span class="ft4">Abweichungen grundsätzlicher Art zwischen dieser Rechtspre-</span><br/> <span class="ft4">chung und der vom Verwaltungsgericht in den letzten Jahren befolg-</span><br/> <span class="ft4">ten Praxis in Baubewilligungssachen sind nicht feststellbar.</span><br/> <span class="ft4">bb) In dem von der Beschwerdeführerin 2 als im vorliegenden</span><br/> <span class="ft4">Fall massgebendes Präjudiz angerufenen Entscheid vom 9. März</span><br/> <span class="ft4">1999 hat das Bundesgericht - wie schon die kantonalen Instanzen -</span><br/> <span class="ft4">einem Bewohner des unmittelbar beim Zoologischen Garten Zürich</span><br/> <span class="ft4">gelegenen Wohnquartiers ,,Klösterli" die Legitimation zur Anfech-</span><br/> <span class="ft4">tung des privaten Gestaltungsplans ,,Zoo Zürich" abgesprochen. Der</span><br/> <span class="ft4">genannte Gestaltungsplan schafft die planungsrechtlichen Grundla-</span><br/> <span class="ft4">gen für den Bau einer Ökosystemhalle, eines Informationszentrums,</span><br/> <span class="ft4">eines Restaurants, von Betriebsräumen und von Erschliessungsanla-</span><br/> <span class="ft4">gen des Zoogeländes (a.a.O., S. 12 f.). Das Haus des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führers befindet sich im Zentrum der dreieckförmigen Wohnsiedlung</span><br/> <span class="ft4">,,Klösterli" und liegt rund 100 m von der nächstgelegenen Grenze</span><br/> <span class="ft4">des Gestaltungsplanperimeters entfernt. Die Distanz zum Baubereich</span><br/> <span class="ft4">der Ökosystemhalle (mit einer Grundfläche von 118 m x 91 m und</span><br/> <span class="ft4">einer Höhe von 22 m) beträgt zwischen 120 und 200 m. Zwischen</span><br/> <span class="ft4">der geplanten Halle und dem Grundstück des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft4">befinden sich die Zürichbergstrasse sowie sechs überbaute Grund-</span><br/> <span class="ft4">stücke der Wohnsiedlung ,,Klösterli". Das Haus des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft4">rers weist eine Distanz von 120 m zur Einmündung in die Zürich-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">370</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">bergstrasse auf, die ihrerseits weitere 140 m östlich von der vor-</span><br/> <span class="ft4">gesehenen Zoozufahrt entfernt ist. Aufgrund der Zooerweiterung</span><br/> <span class="ft4">wird von einer Erhöhung der jährlichen Besucherzahl von 650'000</span><br/> <span class="ft4">auf 800'000 bis maximal 950'000 ausgegangen, wobei mit einer Zu-</span><br/> <span class="ft4">nahme des motorisierten Individualverkehrs um mehr als 10 % ge-</span><br/> <span class="ft4">rechnet wird (a.a.O., S. 14 f.). Der Beschwerdeführer hatte zur Be-</span><br/> <span class="ft4">gründung seiner Beschwerdebefugnis im Wesentlichen geltend ge-</span><br/> <span class="ft4">macht, die im Gestaltungsplan vorgesehene Zooerweiterung habe zur</span><br/> <span class="ft4">Folge, dass die Wohnsiedlung gänzlich vom Zoo umschlossen und</span><br/> <span class="ft4">damit zu einer Art ,,Menschengehege" würde. Da der Zoo verkehrs-</span><br/> <span class="ft4">mässig in einer Sackgasse liege, führe der mit der Zoovergrösserung</span><br/> <span class="ft4">verbundene zusätzliche Besucherstrom zu einer notorischen Ver-</span><br/> <span class="ft4">stopfung der Zufahrtsstrassen; dies schränke ihn, den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führer, als Anwohner in seiner Mobilität und damit in seiner per-</span><br/> <span class="ft4">sönlichen Freiheit erheblich ein. Auch werde sein Recht auf Achtung</span><br/> <span class="ft4">eines ungestörten Privat- und Familienlebens beeinträchtigt, wenn</span><br/> <span class="ft4">die Zoobesucher künftig auf dem Weg vom bestehenden zum neuen</span><br/> <span class="ft4">Zoogelände das Klösterliquartier durchquerten und direkt an seinem</span><br/> <span class="ft4">Wohnhaus vorbei gingen. Aufgrund des erweiterten Zooangebots und</span><br/> <span class="ft4">der in den neuen Bauten vorgesehenen Abendveranstaltungen</span><br/> <span class="ft4">würden die bestehenden Lärmimmissionen verstärkt und zeitlich aus-</span><br/> <span class="ft4">gedehnt (a.a.O., S. 7 f.).</span><br/> <span class="ft4">Zur Legitimationsfrage hat das Bundesgericht wörtlich Folgen-</span><br/> <span class="ft4">des ausgeführt (a.a.O., S. 17 ff.):</span><br/> <span class="ft5">,,c) Vom Zoo gehen heute schon Lärmeinwirkungen aus, die durch</span><br/> <span class="ft5">den Strassenverkehr, die Tiere, die Zoobesucher sowie die Ventila-</span><br/> <span class="ft5">tionsanlagen im Zooareal verursacht werden. Es fragt sich, ob der Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführer die zusätzlichen Lärmimmissionen, die durch die Zoo-</span><br/> <span class="ft5">vergrösserung im Erweiterungsgebiet 'Allmend Fluntern' zu erwarten</span><br/> <span class="ft5">sind, auf seinem Grundstück einzeln und in ihrer Gesamtheit wahr-</span><br/> <span class="ft5">nehmen wird. Im Gegensatz zum Erweiterungsgebiet 'Holzwiesen',</span><br/> <span class="ft5">auf dem offene Tiergehege geplant sind, ist für das hier umstrittene</span><br/> <span class="ft5">private Gestaltungsplangebiet vorgesehen, Tiere nur in der geschlosse-</span><br/> <span class="ft5">nen Ökosystemhalle zuzulassen. Aus der Distanz von rund 120 m des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">371</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Grundstücks des Beschwerdeführers zu dieser Halle ist daher nicht</span><br/> <span class="ft5">mit einem beachtlichen Tierlärm zu rechnen. Was das zusätzliche Ver-</span><br/> <span class="ft5">kehrsaufkommen betrifft, so ist aufgrund des im Plan für die Spitzen-</span><br/> <span class="ft5">tage vorgesehenen Ausbaus des öffentlichen Verkehrsangebots, der</span><br/> <span class="ft5">Bus-Verbindung zwischen dem Zoo und dem Ausweichparkplatz Dol-</span><br/> <span class="ft5">der, der Massnahmen zur besseren Nutzung des öffentlichen Verkehrs-</span><br/> <span class="ft5">angebots, des Verkehrsregelungsdiensts sowie der Verlegung der</span><br/> <span class="ft5">Hauptzufahrt weder mit einer höheren Lärmeinwirkung als bisher</span><br/> <span class="ft5">noch mit einer zunehmenden verkehrsmässigen Behinderung der Zu-</span><br/> <span class="ft5">fahrt zum Wohnhaus des Beschwerdeführers zu rechnen, so dass er</span><br/> <span class="ft5">diesbezüglich vom Gestaltungsplan nicht stärker betroffen ist als die</span><br/> <span class="ft5">Allgemeinheit. Hinsichtlich der von den Lüftungsanlagen der Öko-</span><br/> <span class="ft5">systemhalle zu erwartenden Lärmemmissionen bestehen vorderhand</span><br/> <span class="ft5">nur Schätzungen. Konkrete Anhaltspunkte, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft5">die entsprechenden Geräusche zusätzlich zu den bereits bestehenden</span><br/> <span class="ft5">sowie den vom Zooerweiterungsgebiet 'Holzwiesen' erwarteten Lärm-</span><br/> <span class="ft5">einwirkungen deutlich wahrnehmen wird, ergeben sich aus der Pla-</span><br/> <span class="ft5">nung nicht. Was schliesslich den befürchteten Stimmenlärm betrifft, so</span><br/> <span class="ft5">ist der Restaurationsbetrieb nach dem Gestaltungsplan lediglich in den</span><br/> <span class="ft5">geschlossenen Gasträumen sowie in der Ökosystemhalle, nicht hin-</span><br/> <span class="ft5">gegen im Freien vorgesehen. Der Gestaltungsplan enthält keine ge-</span><br/> <span class="ft5">naueren Angaben zu den Anforderungen an die Lärmisolierung der</span><br/> <span class="ft5">Gasträume, weshalb allein aufgrund der planerischen Festlegung ihrer</span><br/> <span class="ft5">Fläche, Höhe sowie der ungefähren Lage nicht darauf geschlossen</span><br/> <span class="ft5">werden kann, es würden dort Geräusche verursacht, die auf der Par-</span><br/> <span class="ft5">zelle des Beschwerdeführers deutlich wahrnehmbar sind. Ebenso</span><br/> <span class="ft5">wenig ist aus der Tatsache, dass die südlich des Wohnquartiers ge-</span><br/> <span class="ft5">planten Anlagen - im Verhältnis zu diesem - grossflächig sind, ohne</span><br/> <span class="ft5">weiteres zu folgern, die sich daraus ergebenden Immissionen seien</span><br/> <span class="ft5">lärmintensiv und weiträumig. Die im Gestaltungsplan vorgesehene</span><br/> <span class="ft5">Nutzung der geplanten Bauten lässt diese Annahme jedenfalls nicht</span><br/> <span class="ft5">zu. (...)</span><br/> <span class="ft5">d) Da der Gestaltungsplan flankierende Verkehrsmassnahmen</span><br/> <span class="ft5">sowie eine Verlegung der Zoo-Hauptzufahrt an die Forrenweidstrasse</span><br/> <span class="ft5">auf einer Höhe von rund 60 m südlich der Zürichbergstrasse vorsieht,</span><br/> <span class="ft5">ist mit einer spürbaren Verschlechterung der Zufahrtsbedingungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">372</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">zum Klösterliquartier, welche den Beschwerdeführer in seinen schutz-</span><br/> <span class="ft5">würdigen Interessen berühren würde, nicht zu rechnen; dies selbst</span><br/> <span class="ft5">dann nicht, wenn die Besucherzahlen massiv steigen sollten. Auch las-</span><br/> <span class="ft5">sen die planerischen Festlegungen nicht den Schluss zu, die Zoobe-</span><br/> <span class="ft5">sucher würden das Wohnquartier des Beschwerdeführers als</span><br/> <span class="ft5">Durchgangsfläche zum südlichen Zooareal benützen. (...) Zur Be-</span><br/> <span class="ft5">jahung der Beschwerdelegitimation unbehelflich ist auch der Ein-</span><br/> <span class="ft5">wand, der Beschwerdeführer werde die Madagaskarhalle von seiner</span><br/> <span class="ft5">Liegenschaft aus sehen können. Selbst wenn dies trotz der Distanz</span><br/> <span class="ft5">von über 100 m zutreffen sollte, so vermag diese Sichtverbindung</span><br/> <span class="ft5">allein noch keine besondere Beziehungsnähe zum Streitgegenstand zu</span><br/> <span class="ft5">begründen."</span><br/> <span class="ft4">Das Bundesgericht hat die Legitimation somit vor allem mit</span><br/> <span class="ft4">dem Argument verneint, dass die Zooerweiterung nicht zu zusätzli-</span><br/> <span class="ft4">chen Lärmimmissionen führen werde, welche für den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führer ins Gewicht fallen.</span><br/> <span class="ft4">f) aa) Die Beschwerdeführerin 2 plant auf dem Färberplatz die</span><br/> <span class="ft4">Errichtung einer Markthalle. Diese weist eine unregelmässige Form</span><br/> <span class="ft4">mit folgenden Fassadenlängen auf: Nordfassade 17,00 m, Westfas-</span><br/> <span class="ft4">sade 12,10 m + 12,00 m, Südfassade 14,00 m, Ostfassade 15,40 m +</span><br/> <span class="ft4">16,00 m. Die überdachte Grundfläche der Halle beträgt 420 m</span><span class="ft6"><sup>2</sup></span><span class="ft4">,</span><br/> <span class="ft4">deren Höhe 6,12 m. Vorgesehen ist eine Konstruktion mit Seiten-</span><br/> <span class="ft4">wänden aus Holzlamellen, einer Deckenkonstruktion aus Holz und</span><br/> <span class="ft4">einer Dacheindeckung aus Dachpappe (grau beschiefert). Eine Hei-</span><br/> <span class="ft4">zung ist nicht vorgesehen, ebenso wenig eine Aussenbeleuchtung.</span><br/> <span class="ft4">Das Innere der Halle ist weitgehend leer. An den beiden Stirnseiten</span><br/> <span class="ft4">weist sie je ein Schiebetor auf. Diese Tore werden von 22.00 Uhr bis</span><br/> <span class="ft4">07.00 Uhr geschlossen gehalten. Die Halle soll nicht nur zum Abhal-</span><br/> <span class="ft4">ten von Märkten dienen, sondern auch für Vorstellungen, Konzerte</span><br/> <span class="ft4">und andere Veranstaltungen benutzt werden können. Tagsüber steht</span><br/> <span class="ft4">sie auch der Bevölkerung zur freien Nutzung offen. Sie bietet Platz</span><br/> <span class="ft4">für 350 bis 400 Personen (Bankettbetrieb, Vorträge) bzw. für rund</span><br/> <span class="ft4">35 Marktstände. Strom-, Wasser- und Kanalisationsanschlüsse sind</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">373</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">vorgesehen; bei Bedarf sollen mobile WC-Anlagen ausserhalb der</span><br/> <span class="ft4">Halle aufgestellt werden.</span><br/> <span class="ft4">bb) Die Distanz vom Neubauvorhaben zur Liegenschaft mit der</span><br/> <span class="ft4">Wohnung des Beschwerdeführers 1 beträgt rund 140 m. Dazwischen</span><br/> <span class="ft4">befinden sich die mehrgeschossigen Gebäude auf den Parzellen</span><br/> <span class="ft4">Nrn. 1737, 1806 und 1805. An diesen Gebäuden vorbei, durch das</span><br/> <span class="ft4">Mühlegässli und das Färbergässli hindurch, besteht eine auf die</span><br/> <span class="ft4">Westfassade der projektierten Markthalle beschränkte Sichtverbin-</span><br/> <span class="ft4">dung. Die Fensterfront der Dachgeschosswohnung des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führers 1 öffnet sich in diese Richtung. Der grösste Teil der Halle</span><br/> <span class="ft4">wird von der Wohnung des Beschwerdeführers 1 aus allerdings nicht</span><br/> <span class="ft4">zu sehen sein, sondern insbesondere durch das Gebäude Nr. 118 auf</span><br/> <span class="ft4">der Parzelle Nr. 1737 (,,Storchen") verdeckt werden (Erw. a hievor).</span><br/> <span class="ft4">Der Beschwerdeführer 1 macht geltend, er sei durch die Ausgestal-</span><br/> <span class="ft4">tung und die störende Wirkung des Bauvorhabens direkt betroffen. In</span><br/> <span class="ft4">seiner Beschwerde bemängelt er konkret die Dachgestaltung, den</span><br/> <span class="ft4">Grundriss, die kubische Gliederung und den Fassadenaufbau. Das</span><br/> <span class="ft4">Bauprojekt mit seinem Flachdach und seiner Holzkonstruktion er-</span><br/> <span class="ft4">scheine als Fremdkörper in der Altstadt. Die Beschwerdeführerin 2</span><br/> <span class="ft4">wendet hiegegen ein, bei den Vorbringen des Beschwerdeführers 1</span><br/> <span class="ft4">handle es sich um Rügen, welche sich gegen den Baustil der Halle</span><br/> <span class="ft4">ganz generell wendeten und die jeder Einwohner der Stadt Aarau</span><br/> <span class="ft4">ebenso gut vorbringen könnte. Der Beschwerdeführer 1 sähe die</span><br/> <span class="ft4">Markthalle, könnte sie realisiert werden, allerdings im Gegensatz zu</span><br/> <span class="ft4">den meisten andern Einwohnern von Aarau ständig von seiner Woh-</span><br/> <span class="ft4">nung aus; insofern ist er stärker berührt als ein beliebiger Passant</span><br/> <span class="ft4">oder Besucher der Altstadt. Trotzdem kann er seine Legitimation</span><br/> <span class="ft4">nicht aus optischen Gegebenheiten ableiten. Werden die relativ</span><br/> <span class="ft4">grosse Distanz von 140 m und der Umstand berücksichtigt, dass der</span><br/> <span class="ft4">Blickwinkel durch die Gassen bzw. Häuser sehr stark eingeschränkt</span><br/> <span class="ft4">wird, erachtet es das Verwaltungsgericht bei objektivierter Betrach-</span><br/> <span class="ft4">tungsweise (Erw. e/aa hievor) als ausgeschlossen, dass der Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführer 1 aufgrund des Erscheinungsbildes der projektierten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">374</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Markthalle einen rechtserheblichen Nachteil erleidet. Die vom Stadt-</span><br/> <span class="ft4">bauamt eingereichte Fotodokumentation zeigt sehr deutlich, dass ein</span><br/> <span class="ft4">unbefangener Betrachter von der Wohnung des Beschwerdeführers 1</span><br/> <span class="ft4">aus in erster Linie die weiträumig sichtbare Dachlandschaft im</span><br/> <span class="ft4">Blickpunkt hat und nicht die daneben kaum in Erscheinung tretende</span><br/> <span class="ft4">Westfassade der Markthalle. Soweit der Beschwerdeführer generell</span><br/> <span class="ft4">die Gestaltung der Halle und deren Auswirkung auf die Umgebung</span><br/> <span class="ft4">beanstandet, bewegt er sich im Bereich der - unzulässigen - Popular-</span><br/> <span class="ft4">beschwerde; ihm missfällt ein Gebäude, durch das er nicht direkt</span><br/> <span class="ft4">betroffen sein kann.</span><br/> <span class="ft4">cc) Das Baudepartement hat die Legitimation weniger mit der</span><br/> <span class="ft4">Sichtverbindung als mit der möglichen Beeinträchtigung durch</span><br/> <span class="ft4">Lärm- und anderweitige Immissionen begründet. Der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führer 1 befürchtet denn auch insbesondere von der künftigen Nut-</span><br/> <span class="ft4">zung der Markthalle ausgehende Lärmimmissionen. Vom Stadtrat</span><br/> <span class="ft4">vorgesehen sei, die Halle für verschiedene Anlässe, wie insbesondere</span><br/> <span class="ft4">auch Rock- und Popkonzerte, zur Verfügung zu stellen. Solche</span><br/> <span class="ft4">Anlässe seien mit erheblichen Lärmimmissionen verbunden. Es sei</span><br/> <span class="ft4">auch damit zu rechnen, dass die Benutzer der Markthalle in der</span><br/> <span class="ft4">nähern Umgebung der Altstadt während derartigen Anlässen und</span><br/> <span class="ft4">Festivitäten - im Sinne von ,,Nachtschwärmern" und dergleichen -</span><br/> <span class="ft4">Lärm- und andere Immissionen verursachen würden. Der Stadtrat</span><br/> <span class="ft4">bestreitet in Anbetracht der Distanz, der übrigen räumlichen Verhält-</span><br/> <span class="ft4">nisse sowie der weiteren im fraglichen Altstadtbereich bestehenden</span><br/> <span class="ft4">Lärmquellen (Gaststätten, Verkehr), dass der Beschwerdeführer 1</span><br/> <span class="ft4">durch allfällige Lärmimmissionen aus der Markthalle beeinträchtigt</span><br/> <span class="ft4">wird; von einer deutlichen Wahrnehmbarkeit der behaupteten Immis-</span><br/> <span class="ft4">sionen könne keine Rede sein.</span><br/> <span class="ft4">Sowohl der Färberplatz als auch die Wohnung des Beschwer-</span><br/> <span class="ft4">deführers 1 liegen in der Altstadtzone. Angestrebt wird dort eine</span><br/> <span class="ft4">gemischte Nutzung der Gebäude mit Läden, Kleingewerbe und vor</span><br/> <span class="ft4">allem Wohnungen (§ 54 Abs. 1 BO). Massgebend ist die Empfind-</span><br/> <span class="ft4">lichkeitsstufe (ES) III (§ 38 BO [in der Fassung vom 21. März 1994 /</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">375</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">10. September 1996]). Entsprechend diesen Nutzungsbestimmungen</span><br/> <span class="ft4">sind innerhalb der Altstadt zahlreiche Immissionsquellen vorhanden,</span><br/> <span class="ft4">die von den Anwohnern zu tolerieren sind, was dem Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft4">rer 1 auch klar ist. So hat dieser auf die intensiven Lärmimmissionen</span><br/> <span class="ft4">hingewiesen, welche vom Betrieb des Restaurants Caramba mit Mu-</span><br/> <span class="ft4">sikbar an der Metzgergasse 6 herrührten. Ein weiteres Beispiel ist der</span><br/> <span class="ft4">Betrieb des Saalbaus; nach den Angaben des Beschwerdeführers 1</span><br/> <span class="ft4">entsteht störender Lärm namentlich durch die mit Theaterveranstal-</span><br/> <span class="ft4">tungen verbundenen Tätigkeiten wie die Anlieferung der Kulissen</span><br/> <span class="ft4">durch das Ochsengässli. Namhafte Einwirkungen gehen auch von der</span><br/> <span class="ft4">Laurenzentorgasse aus, die als Durchgangsstrasse - wie eine Ver-</span><br/> <span class="ft4">kehrszählung ergab - von 10'630 Fahrzeuge pro Tag befahren wird.</span><br/> <span class="ft4">Lärmberechnungen, die im Jahre 1992 im Hinblick auf die Erstellung</span><br/> <span class="ft4">eines Lärmkatasters vorgenommen wurden, ergaben beispielsweise</span><br/> <span class="ft4">auf der unmittelbar an die Laurenzentorgasse angrenzenden Parzelle</span><br/> <span class="ft4">Nr. 1806 (Gebäude Nr. 4644) Beurteilungspegel (Lr) von tagsüber</span><br/> <span class="ft4">81.0 bzw. 76.4 dB(A) und nachts 72.5 bzw. 68.0 dB(A), womit sogar</span><br/> <span class="ft4">die einschlägigen Alarmwerte (tagsüber 70 dB[A] und nachts</span><br/> <span class="ft4">65 dB[A] bei ES III) erheblich überschritten sind. Wohl trifft es zu,</span><br/> <span class="ft4">dass der Beschwerdeführer 1 nur von einem Zwischenstück der Lau-</span><br/> <span class="ft4">renzentorgasse, nämlich dort, wo das Mühlegässli in sie einmündet,</span><br/> <span class="ft4">betroffen sein kann; die Laurenzentorgasse als Lärmquelle darf</span><br/> <span class="ft4">deswegen aber gewiss nicht bagatellisiert werden. Gemessen an den</span><br/> <span class="ft4">bestehenden Einwirkungen wird der Betrieb der Markthalle, objektiv</span><br/> <span class="ft4">betrachtet, so oder so eine untergeordnete Rolle spielen. Der</span><br/> <span class="ft4">Färberplatz steht schon heute der Öffentlichkeit zur Verfügung und</span><br/> <span class="ft4">wird regelmässig auch für Veranstaltungen genutzt. Nebst dem zwi-</span><br/> <span class="ft4">schen März bis November allmonatlich stattfindenden Flohmarkt</span><br/> <span class="ft4">fallen als lärmintensiv - wenn überhaupt - folgende Nutzungen in Be-</span><br/> <span class="ft4">tracht: Im April die Liegevelofesttage und die Kult-Tour in der Alt-</span><br/> <span class="ft4">stadt, im Mai die 1. Mai-Feier, eine Musikveranstaltung und ein</span><br/> <span class="ft4">Kurztheater an fünf Tagen sowie die Kult-Tour in der Altstadt, im</span><br/> <span class="ft4">September und Oktober der Markt Aarauer Gewerbetreibender</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">376</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">(MAG). Auf konkretes Befragen hat der Beschwerdeführer 1 nicht</span><br/> <span class="ft4">behauptet, er fühle sich durch die bisherige Nutzung des Färberplat-</span><br/> <span class="ft4">zes durch die Öffentlichkeit gestört; den Hintergrund seiner Ein-</span><br/> <span class="ft4">wände bildet vielmehr die Befürchtung, der Hallenbau bewirke eine</span><br/> <span class="ft4">Intensivierung der Nutzung. Die Vertreter des Stadtrats haben eine</span><br/> <span class="ft4">derartige Absicht indessen klar in Abrede gestellt; durch die Überda-</span><br/> <span class="ft4">chung werde einzig das Wetterrisiko vermindert und allenfalls die</span><br/> <span class="ft4">Saison etwas verlängert. Diese Angaben erscheinen namentlich aus</span><br/> <span class="ft4">zwei Gründen glaubwürdig: Zum Einen hat sich der Stadtrat gegen-</span><br/> <span class="ft4">über den Anwohnern am Färberplatz darauf festgelegt, dass ,,die</span><br/> <span class="ft4">Markthalle (...) wie bis anhin als Hauptnutzung für den Marktbetrieb</span><br/> <span class="ft4">zur Verfügung stehen" soll; somit ist anzunehmen, dass die Anstösser</span><br/> <span class="ft4">eine Nutzungsintensivierung nicht ohne Weiteres hinnehmen würden.</span><br/> <span class="ft4">Zum Andern fällt die einfache bauliche Ausgestaltung der projek-</span><br/> <span class="ft4">tierten Halle ins Gewicht: Diese ist nicht heizbar und an den Seiten-</span><br/> <span class="ft4">wänden wegen der Lamellenkonstruktion teilweise offen (Erw. aa</span><br/> <span class="ft4">hievor); es ist daher davon auszugehen, dass abendliche Veranstal-</span><br/> <span class="ft4">tungen wie bis anhin vorab in den Sommermonaten stattfinden</span><br/> <span class="ft4">werden. Dann sind sie aber auch unter freiem Himmel möglich, d. h.</span><br/> <span class="ft4">die in Frage stehende Halle ermöglicht diesbezüglich nicht eine sonst</span><br/> <span class="ft4">nicht denkbare Nutzung. Nicht auszuschliessen ist, dass die Überda-</span><br/> <span class="ft4">chung lärmmässig sogar eine Verbesserung bringt. Zu berücksichti-</span><br/> <span class="ft4">gen ist ferner, dass die nächtliche Benutzung der Halle nur mit einer</span><br/> <span class="ft4">behördlichen Bewilligung, d. h. kontrolliert, möglich ist; sonst wird</span><br/> <span class="ft4">die Halle nachts geschlossen. Alles in Allem ist das Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft4">richts davon überzeugt, dass allfällige tagsüber von der projektierten</span><br/> <span class="ft4">Markthalle ausgehende Immissionen - im Vordergrund stehen durch</span><br/> <span class="ft4">menschliche Aktivitäten verursachte Geräusche, vor allem Stimmen-</span><br/> <span class="ft4">lärm - in den vom bestehenden Altstadtbetrieb (Gaststätten, Läden</span><br/> <span class="ft4">usw.) und vom Fahrzeugverkehr ausgelösten Lärmimmissionen</span><br/> <span class="ft4">untergehen und vom Beschwerdeführer 1 allein schon angesichts der</span><br/> <span class="ft4">örtlichen Distanz nicht gesondert oder als Verstärkung wahrgenom-</span><br/> <span class="ft4">men werden können. Aber auch bei den abendlichen, in der Halle</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">377</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">abgehaltenen Veranstaltungen ist nicht damit zu rechnen, dass es</span><br/> <span class="ft4">deswegen zu einer für den Beschwerdeführer 1 merklichen Zunahme</span><br/> <span class="ft4">der Lärmimmissionen kommen wird. Nimmt man den erwähnten</span><br/> <span class="ft4">BGE vom 9. März 1999 in Sachen H. betreffend Zoo Zürich als</span><br/> <span class="ft4">Massstab, so drängt sich diese Schlussfolgerung förmlich auf. Die</span><br/> <span class="ft4">Ökosystemhalle, welche dort zur Beurteilung stand, ist um ein Viel-</span><br/> <span class="ft4">faches grösser und höher als die geplante Markthalle (Erw. e/bb</span><br/> <span class="ft4">hievor), und die Lärmsituation ist im vorliegenden Fall mit Sicher-</span><br/> <span class="ft4">heit nicht prekärer.</span><br/> <span class="ft4">3. Zusammenfassend ist unter diesem Titel somit festzuhalten,</span><br/> <span class="ft4">dass der Beschwerdeführer 1 durch das Bauvorhaben nicht in einem</span><br/> <span class="ft4">seine Legitimation begründenden Ausmass betroffen ist. Auf die</span><br/> <span class="ft4">Beschwerde ist daher nicht einzutreten.</span><br/> <span class="ft4">III. 1. Die als Vorinstanz am Verfahren beteiligte Behörde kann</span><br/> <span class="ft4">gegen Entscheide der oberen Instanz nur dann Beschwerde führen,</span><br/> <span class="ft4">wenn sie ein eigenes Interesse hat, oder wenn ihr die Beschwerdebe-</span><br/> <span class="ft4">fugnis durch besondere Bestimmungen verliehen wird (§ 38 Abs. 2</span><br/> <span class="ft4">VRPG). Der Beschwerdeführerin 2, die ab dem Zeitpunkt des vorin-</span><br/> <span class="ft4">stanzlichen Augenscheins anwaltlich vertreten war, ist trotz Obsie-</span><br/> <span class="ft4">gens vom Baudepartement keine Parteientschädigung zugesprochen</span><br/> <span class="ft4">worden; sie ist somit in eigenen Interessen betroffen und zur Partei-</span><br/> <span class="ft4">kostenbeschwerde legitimiert; zumal sie - durch den für sie handeln-</span><br/> <span class="ft4">den Stadtrat Aarau - nicht nur als Baubewilligungsbehörde, sondern</span><br/> <span class="ft4">vor allem auch als Baugesuchstellerin betroffen ist.</span><br/> <span class="ft4">2. a) Die Parteientschädigung wird in § 36 VRPG geregelt. Im</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht ist dem Obsie-</span><br/> <span class="ft4">genden eine angemessene Entschädigung für die Kosten der Vertre-</span><br/> <span class="ft4">tung, Verbeiständung oder Beratung durch Anwälte und weitere</span><br/> <span class="ft4">Sachverständige zuzusprechen. Die Entschädigung ist den Umstän-</span><br/> <span class="ft4">den entsprechend dem Unterliegenden oder dem interessierten Ge-</span><br/> <span class="ft4">meinwesen oder beiden anteilsmässig aufzuerlegen (§ 36 Abs. 1</span><br/> <span class="ft4">VRPG). Diese Bestimmung kommt auch in den übrigen Beschwer-</span><br/> <span class="ft4">deverfahren zur Anwendung, sofern der Beizug eines Vertreters oder</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">378</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Sachverständigen nicht offensichtlich unbegründet war (§ 36 Abs. 2</span><br/> <span class="ft4">VRPG).</span><br/> <span class="ft4">b) (Darstellung der Praxis [vgl. AGVE 1985, S. 384 ff.].).</span><br/> <span class="ft4">c) Das Verwaltungsgericht hat die in AGVE 1985, S. 384 ff.,</span><br/> <span class="ft4">publizierte Rechtsprechung später auch auf Gemeindeverbände</span><br/> <span class="ft4">ausgedehnt. Begründet wurde dies wie folgt: Werde argumentiert, die</span><br/> <span class="ft4">Verfahrensbewältigung sei ein alltägliches Mittel, das jede Gemeinde</span><br/> <span class="ft4">zur Erfüllung ihrer Aufgaben und zur Wahrung der öffentlichen</span><br/> <span class="ft4">Interessen einsetzen müsse, und zwar grundsätzlich ohne Rücksicht</span><br/> <span class="ft4">auf den dadurch verursachten Aufwand, weshalb sich das Ge-</span><br/> <span class="ft4">meinwesen durch das Kostenrisiko nicht von einem für nötig er-</span><br/> <span class="ft4">achteten Prozess abhalten lasse, so treffe dies für einen Verband,</span><br/> <span class="ft4">welchem nur Gemeinden angeschlossen seien, erst recht zu (VGE</span><br/> <span class="ft4">III/114 vom 20. Dezember 1991 in Sachen Gemeindeverband G.,</span><br/> <span class="ft4">S. 18 f.).</span><br/> <span class="ft4">3. a) Die Beschwerdeführerin 2 vertritt die Auffassung, das in</span><br/> <span class="ft4">AGVE 1985, S. 384 ff. publizierte Präjudiz betreffe Fälle wie den</span><br/> <span class="ft4">vorliegenden, wo die Gemeinde an einem Verfahren nicht in Wahr-</span><br/> <span class="ft4">nehmung einer hoheitlichen Funktion, sondern wie ein beliebiges</span><br/> <span class="ft4">privates Rechtssubjekt als Gesuchsteller beteiligt sei, gar nicht. Die</span><br/> <span class="ft4">verwaltungsgerichtliche Praxis sei somit - ungeachtet der Frage, ob</span><br/> <span class="ft4">sie in ihrer Absolutheit angesichts der zwischenzeitlichen Ent-</span><br/> <span class="ft4">wicklungen im öffentlichen Recht noch haltbar sei - auf den vorlie-</span><br/> <span class="ft4">genden Fall nicht anwendbar. Vielmehr stünden einer Einwohner-</span><br/> <span class="ft4">und auch einer Ortsbürgergemeinde, welche zur Vertretung ihrer</span><br/> <span class="ft4">Interessen als Baugesuchstellerin im Rahmen eines Beschwerdever-</span><br/> <span class="ft4">fahrens einen Rechtsanwalt beiziehe, die in § 36 Abs. 1 und 2 VRPG</span><br/> <span class="ft4">enthaltenen Rechte ungeschmälert zu. In Anbetracht der vom Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführer aufgeworfenen heiklen Rechtsfragen habe sich der</span><br/> <span class="ft4">Stadtrat Aarau als Vertreter der Bauherrschaft gezwungen gesehen,</span><br/> <span class="ft4">im Hinblick auf die vom Baudepartement angeordnete Augen-</span><br/> <span class="ft4">scheinsverhandlung einen Rechtsvertreter beizuziehen. Das Bau-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">379</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">departement habe der obsiegenden Einwohnergemeinde zu Unrecht</span><br/> <span class="ft4">keine Parteientschädigung zugesprochen.</span><br/> <span class="ft4">b) Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin 2 schliesst</span><br/> <span class="ft4">die im zitierten Entscheid begründete Praxis einen Parteikostener-</span><br/> <span class="ft4">satzanspruch der anwaltlich vertretenen Gemeinde <i>generell</i> aus. Zum</span><br/> <span class="ft4">Einen müssen die dort gemachten grundsätzlichen Überlegungen</span><br/> <span class="ft4">bezüglich der im Vergleich zu den Privaten besonderen Befähigung</span><br/> <span class="ft4">von Gemeinden zur Prozessführung aufgrund ihrer Aufgabe und</span><br/> <span class="ft4">Organisation auch in jenen Fällen gelten, wo die Gemeinde nicht in</span><br/> <span class="ft4">erster Linie hoheitliche Interessen wahrt, sondern wie eine Privatper-</span><br/> <span class="ft4">son, z. B. als Bauherrin oder als Grundeigentümerin, betroffen ist.</span><br/> <span class="ft4">Unabhängig davon, ob die Gemeinde hoheitliche Interessen vertritt</span><br/> <span class="ft4">oder nicht, handeln für sie ihre Verwaltungsorgane und tragen letzt-</span><br/> <span class="ft4">lich die Steuerpflichtigen das Kostenrisiko. Insofern ist die Ge-</span><br/> <span class="ft4">meinde auch in diesen Fällen bezüglich Prozessführung (Vertrautheit</span><br/> <span class="ft4">mit Prozessfällen, Kostenrisiko usw.) in einer qualitativ anderen, das</span><br/> <span class="ft4">heisst vorteilhafteren, Stellung als der Private. Allein die Tatsache,</span><br/> <span class="ft4">dass eine Gemeinde nicht in hoheitlichen Interessen, sondern wie</span><br/> <span class="ft4">eine Privatperson betroffen ist, rechtfertigt es jedenfalls unter dem</span><br/> <span class="ft4">Aspekt der von AGVE 1985, S. 384 ff. zugunsten des Privaten</span><br/> <span class="ft4">angestrebten ,,Waffengleichheit" nicht, ihr deswegen einen Anspruch</span><br/> <span class="ft4">auf Parteikostenersatz zuzusprechen. Zum Andern ergibt sich dies</span><br/> <span class="ft4">aber auch ganz klar schon aus dem Wortlaut des publizierten Ent-</span><br/> <span class="ft4">scheids. Das Verwaltungsgericht hat ausdrücklich festgehalten, zu</span><br/> <span class="ft4">entscheiden sei, ob an der bisherigen (differenzierten) Regelung fest-</span><br/> <span class="ft4">zuhalten oder ,,den Gemeinden entweder generell Parteikostenersatz</span><br/> <span class="ft4">zuzusprechen ist, wenn sie obsiegen, oder ob ihnen dieser Anspruch</span><br/> <span class="ft4">ebenso allgemein aberkannt werden muss" (AGVE 1985, S. 385). Es</span><br/> <span class="ft4">hat sich dann ganz klar für die <i>ausnahmslose Aberkennung</i> ent-</span><br/> <span class="ft4">schieden (a.a.O., S. 392). Das Verwaltungsgericht hat in der Folge</span><br/> <span class="ft4">denn auch konsequenterweise in Fällen, in denen - wie hier - eine</span><br/> <span class="ft4">Gemeinde als Baugesuchstellerin beteiligt war, unter Hinweis auf</span><br/> <span class="ft4">AGVE 1985, S. 384 ff. einen Anspruch der obsiegenden Gemeinde</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">380</span></div> <div class="page" id="S16"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">auf Ersatz der Parteikosten verneint. So war etwa im VGE III/71</span><br/> <span class="ft4">vom 22. September 1995 in Sachen S. ein gemeinsames Baugesuch</span><br/> <span class="ft4">der Einwohnergemeinde Zurzach und des Kaufmännischen Vereins</span><br/> <span class="ft4">der Region Zurzach zu beurteilen; die Baugesuchsteller als Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdegegner obsiegten weitgehend. Das Verwaltungsgericht bil-</span><br/> <span class="ft4">ligte wohl dem Kaufmännischen Verein der Region Zurzach, nicht</span><br/> <span class="ft4">aber der ebenfalls anwaltlich vertretenen Einwohnergemeinde</span><br/> <span class="ft4">Zurzach einen Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu (a.a.O.,</span><br/> <span class="ft4">S. 32).</span><br/> <span class="ft4">c) Der Grundsatz, dem obsiegenden Gemeinwesen keinen An-</span><br/> <span class="ft4">spruch auf Parteientschädigung gegenüber dem unterliegenden Pri-</span><br/> <span class="ft4">vaten zuzuerkennen, ist als solcher anerkannt und auch in der jünge-</span><br/> <span class="ft4">ren Doktrin unbestritten (vgl. Alfred Kölz / Jürg Bosshart / Martin</span><br/> <span class="ft4">Röhl, VRG, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des</span><br/> <span class="ft4">Kantons Zürich, 2. Auflage, Zürich 1999, § 17 N 19 ; Alfred Kölz /</span><br/> <span class="ft4">Isabelle Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege</span><br/> <span class="ft4">des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, Rz. 1015; René Rhinow /</span><br/> <span class="ft4">Heinrich Koller / Christina Kiss, Öffentliches Prozessrecht und</span><br/> <span class="ft4">Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel / Frankfurt a. M. 1996,</span><br/> <span class="ft4">Rz. 1383; Walter Kälin, Das Verfahren der staatsrechtlichen Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerde, 2. Auflage, Bern 1994, S. 405 Anm. 401; Martin Bernet,</span><br/> <span class="ft4">Die Parteientschädigung in der schweizerischen Verwaltungsrechts-</span><br/> <span class="ft4">pflege, Zürich 1986, S. 98 ff.; Arnold Marti, Die Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft4">richtsbarkeit im Kanton Schaffhausen, Diss. Zürich 1986, S. 275;</span><br/> <span class="ft4">Attilio R. Gadola, Das verwaltungsinterne Beschwerdeverfahren,</span><br/> <span class="ft4">Zürich 1991, S. 471 [mit zahlreichen Hinweisen auf Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft4">und Literatur]; Thomas Merkli / Arthur Aeschlimann / Ruth Herzog,</span><br/> <span class="ft4">Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kan-</span><br/> <span class="ft4">ton Bern, Bern 1997, Art. 104 N. 14). Es ist denn auch nicht ersicht-</span><br/> <span class="ft4">lich, was für Gründe die Aufgabe dieses auch vom Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft4">richt seit Jahrzehnten befolgten Grundsatzes im Sinne der Bejahung</span><br/> <span class="ft4">eines generellen Anspruchs des anwaltlich vertretenen und obsiegen-</span><br/> <span class="ft4">den Gemeinwesens auf Ersatz der ihm entstandenen Parteikosten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">381</span></div> <div class="page" id="S17"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">rechtfertigen würden. Es ist nach wie vor davon auszugehen, dass die</span><br/> <span class="ft4">Gemeinwesen aufgrund ihrer Verwaltungsorganisation grundsätzlich</span><br/> <span class="ft4">in der Lage sind, ihre Rechtsstreitigkeiten selbst, d. h. ohne Zuzug</span><br/> <span class="ft4">eines Rechtsbeistandes zu führen und folglich keinen Anspruch auf</span><br/> <span class="ft4">Parteientschädigung haben. Der in einem Rechtsmittelverfahren er-</span><br/> <span class="ft4">forderliche Behördenaufwand übersteigt vielfach jenen Aufwand</span><br/> <span class="ft4">nicht wesentlich, den das betreffende Gemeinwesen im vorangehen-</span><br/> <span class="ft4">den nichtstreitigen Verfahren ohnehin zu erbringen hatte (Kölz/Boss-</span><br/> <span class="ft4">hart/Röhl, a.a.O., § 17 N 19). Dabei kann es auch keine Rolle spie-</span><br/> <span class="ft4">len, ob die Gemeinwesen selber Beschwerde führen oder lediglich</span><br/> <span class="ft4">als erstinstanzlich verfügende Behörde am Verfahren beteiligt sind.</span><br/> <span class="ft4">d) Im Folgenden ist aber zu prüfen, ob auch am generellen und</span><br/> <span class="ft4">ausnahmslosen Ausschluss eines Parteikostenersatzanspruchs zu-</span><br/> <span class="ft4">gunsten der Gemeinden, wie er in AGVE 1985, S. 384 ff. statuiert</span><br/> <span class="ft4">und seither oft kritisiert wurde, festzuhalten ist.</span><br/> <span class="ft4">Ein Teil der Praxis und Doktrin vertritt in diesem Zusammen-</span><br/> <span class="ft4">hang eine differenziertere Betrachtungsweise und lässt verschiedene</span><br/> <span class="ft4">Ausnahmen vom Grundsatz zu. So anerkennt das Bundesgericht im</span><br/> <span class="ft4">Sinne einer Ausnahme von der in Art. 159 Abs. 2 OG statuierten</span><br/> <span class="ft4">Grundregel, nach welcher den obsiegenden Behörden oder mit öf-</span><br/> <span class="ft4">fentlichrechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen keine Partei-</span><br/> <span class="ft4">entschädigung zuzusprechen ist, einen Anspruch auf Parteientschä-</span><br/> <span class="ft4">digung von kleineren und mittleren Gemeinden, die über keinen</span><br/> <span class="ft4">eigenen Rechtsdienst verfügen und sich in komplexeren Angelegen-</span><br/> <span class="ft4">heiten durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen müssen (Entscheid</span><br/> <span class="ft4">des Bundesgerichts vom 13. Mai 1997, in: ZBl 99/1998, S. 385</span><br/> <span class="ft4">[Stadt Kreuzlingen; Anspruch verneint]; nicht veröffentlichtes Urteil</span><br/> <span class="ft4">des Bundesgerichts vom 25. Februar 1998 in Sachen M., S. 11</span><br/> <span class="ft4">[Oberrohrdorf-Staretschwil; Anspruch bejaht]). Auch in der Literatur</span><br/> <span class="ft4">wird die Auffassung vertreten, namentlich den kleineren Gemeinden</span><br/> <span class="ft4">sollte zumindest dann ausnahmsweise ein Anspruch auf Zusprechung</span><br/> <span class="ft4">einer Parteientschädigung zugestanden werden, wenn sie einen Ent-</span><br/> <span class="ft4">scheid von weitreichender Tragweite zu verteidigen bzw. durchzu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">382</span></div> <div class="page" id="S18"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">fechten hätten und damit zugleich komplexe Rechtsfragen verbunden</span><br/> <span class="ft4">seien (Gadola, a.a.O., S. 472; Marti, a.a.O., S. 275; Bernet, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft4">S. 99 f.). Der Kommentar Kölz/Bosshart/Röhl äussert sich diesbe-</span><br/> <span class="ft4">züglich - unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung des Zürcher</span><br/> <span class="ft4">Verwaltungsgerichts - unmissverständlich (a.a.O., § 17 N 20 f.).</span><br/> <span class="ft4">Anderseits ist der Grosse Rat des Kanton Berns auf einen Revi-</span><br/> <span class="ft4">sionsentwurf nicht eingetreten, der den Gemeinden in Ausnahmesi-</span><br/> <span class="ft4">tuationen einen Anspruch auf Ersatz der Anwaltskosten eingeräumt</span><br/> <span class="ft4">hätte (Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 104 N 14). Die Pra-</span><br/> <span class="ft4">xis im Kanton Bern billigt aber dem Gemeinwesen in Verfahren der</span><br/> <span class="ft4">nachträglichen Verwaltungsrechtspflege den Ersatz der Parteikosten</span><br/> <span class="ft4">zu, wenn es nicht in erster Linie hoheitliche Interessen wahrt, son-</span><br/> <span class="ft4">dern wie eine Privatperson betroffen ist. Dies wird z. B. angenom-</span><br/> <span class="ft4">men, wenn eine Gemeinde als Bauherrin auftritt oder als Grund-</span><br/> <span class="ft4">eigentümerin berührt ist (Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft4">Art. 104 N 15 mit Hinweis auf den Entscheid des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft4">vom 23. März 1989, in: BVR 1989, S. 284 f.).</span><br/> <span class="ft4">e) aa) Das Verwaltungsgericht hat in AGVE 1985, S. 391 eine</span><br/> <span class="ft4">Privilegierung kleinerer (und mittlerer) Gemeinden - wie sie z. B. das</span><br/> <span class="ft4">Bundesgericht kennt - bezüglich Parteikostenersatz ausdrücklich</span><br/> <span class="ft4">abgelehnt und festgehalten, selbst diese hätten im Vergleich mit den</span><br/> <span class="ft4">Privaten aufgrund ihrer an Verfahren gewöhnten Verwaltung grund-</span><br/> <span class="ft4">sätzlich eine bessere Ausgangsposition. Es mag nun Argumente ge-</span><br/> <span class="ft4">ben, die für die Anerkennung eines Parteikostenersatzanspruchs der</span><br/> <span class="ft4">Gemeinde in bestimmten Ausnahmefällen sprechen. Kleinere und</span><br/> <span class="ft4">auch mittlere Gemeinden verfügen regelmässig nicht über juristisch</span><br/> <span class="ft4">ausgebildetes Personal. Zumindest in komplexeren Fällen können sie</span><br/> <span class="ft4">auf den Beizug eines Anwalts angewiesen sein, um ihre Interessen</span><br/> <span class="ft4">richtig wahren und dem anwaltlich vertretenen Privaten mit gleichen</span><br/> <span class="ft4">Chancen gegenübertreten zu können. Die grundsätzliche Überlegen-</span><br/> <span class="ft4">heit der Gemeinde und ihre Erfahrung, d. h. die im Vergleich zum</span><br/> <span class="ft4">Privaten vorteilhaftere Ausgangslage, ist in Fällen mit grösserer</span><br/> <span class="ft4">Schwierigkeit kaum mehr in nennenswertem Ausmass gegeben; die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">383</span></div> <div class="page" id="S19"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Durchführung solcher aufwendiger Verfahren gehört auch heute nicht</span><br/> <span class="ft4">zu den normalen, täglichen Obliegenheiten einer kleineren oder</span><br/> <span class="ft4">mittleren Gemeinde, welche sie ohne Weiteres zu bewältigen ver-</span><br/> <span class="ft4">mag. Hier kann sich die auch in AGVE 1985, S. 390 postulierte</span><br/> <span class="ft4">Gleichheit der Prozessparteien unter Umständen zugunsten der Ge-</span><br/> <span class="ft4">meinde auswirken und es im Sinne einer Ausnahmeregelung recht-</span><br/> <span class="ft4">fertigen, jedenfalls in Fällen mit aussergewöhnlichem Schwierig-</span><br/> <span class="ft4">keitsgrad, in denen zudem erhebliche kommunale Interessen auf dem</span><br/> <span class="ft4">Spiele stehen, und für Gemeinden, die nicht über entsprechend aus-</span><br/> <span class="ft4">gebildetes Personal innerhalb der Verwaltung verfügen und deshalb</span><br/> <span class="ft4">auf den Beizug eines Anwalts angewiesen sind, einen Anspruch auf</span><br/> <span class="ft4">Parteikostenersatz gegenüber der ebenfalls anwaltlich vertretenen</span><br/> <span class="ft4">privaten Gegenpartei anzuerkennen. Die generelle Verknüpfung der</span><br/> <span class="ft4">Kostenlast mit dem Prozesserfolg kann sodann auch als Instrument</span><br/> <span class="ft4">verstanden werden, um hemmungslosem, unnötigem Prozessieren</span><br/> <span class="ft4">vorzubeugen. Einer rechtsmissbräuchlichen Prozessführung setzt</span><br/> <span class="ft4">zwar bereits § 3 Abs. 2 VRPG Grenzen; doch sind die Schranken</span><br/> <span class="ft4">hier hoch angesetzt.</span><br/> <span class="ft4">bb) Trotzdem gelangt das Verwaltungsgericht zur Schlussfolge-</span><br/> <span class="ft4">rung, dass an der in AGVE 1985, S. 384 ff. begründeten Praxis fest-</span><br/> <span class="ft4">zuhalten ist. Zunächst ist das Argument, die kleineren Gemeinden</span><br/> <span class="ft4">seien unter der geltenden Praxis stark benachteiligt, zu relativieren.</span><br/> <span class="ft4">Die Gemeinden benötigen bei der Erfüllung der ihnen von Verfas-</span><br/> <span class="ft4">sung und Gesetz zugewiesenen Aufgaben immer besonderes Fach-</span><br/> <span class="ft4">wissen. Dieses zu beschaffen, ist auf verschiedene Weise möglich. Es</span><br/> <span class="ft4">kann der Verwaltungsapparat entsprechend gut dotiert und ausge-</span><br/> <span class="ft4">stattet (interne Lösung) oder im Einzelfall die Unterstützung durch</span><br/> <span class="ft4">aussenstehende Fachleute in Anspruch genommen werden (externe</span><br/> <span class="ft4">Lösung). Dies gilt auch, wenn sich die Gemeinde in einem Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeverfahren zu behaupten hat. Letztlich ist nun kaum be-</span><br/> <span class="ft4">gründbar, weshalb dem Gemeinwesen die Zusatzkosten, welche ihm</span><br/> <span class="ft4">beim internen Modell so oder so entstehen, beim externen Modell im</span><br/> <span class="ft4">Falle eines Prozesssiegs zulasten privater Beteiligter abgenommen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">384</span></div> <div class="page" id="S20"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">werden sollen. Dazu kommt, dass in vielen Fällen, gerade auch im</span><br/> <span class="ft4">Bereich des Raumplanungs-, Umweltschutz- und Baurechts, die Mit-</span><br/> <span class="ft4">wirkung des Kantons vorgeschrieben ist (vgl. etwa § 63 BauG); dies</span><br/> <span class="ft4">bedeutet stets auch Hilfestellung des Kantons in spezifischen Sach-</span><br/> <span class="ft4">fragen. Fehlendes Wissen kann auch durch entsprechende Weiter-</span><br/> <span class="ft4">bildung beschafft werden; das Angebot ist auf diesem Sektor be-</span><br/> <span class="ft4">kanntlich gross. Weiter ist zu bedenken, dass der Grundsatz der Ge-</span><br/> <span class="ft4">setzmässigkeit der Verwaltung (vgl. Art. 5 Abs. 1 BV; § 2 KV; § 2</span><br/> <span class="ft4">Abs. 1 VRPG) und der Untersuchungsgrundsatz (§ 20 Abs. 1 VRPG)</span><br/> <span class="ft4">die Gemeinde dazu verpflichten, die Sach- und Rechtslage schon im</span><br/> <span class="ft4">erstinstanzlichen Verfahren (in welchem Parteientschädigungen</span><br/> <span class="ft4">generell kein Thema sein können [vgl. AGVE 1992, S. 390 f.])</span><br/> <span class="ft4">verfassungs- und gesetzesgetreu und umfassend zu prüfen; in einem</span><br/> <span class="ft4">nachfolgenden Beschwerdeverfahren kann dann regelmässig auf</span><br/> <span class="ft4">diese ,,Vorarbeit" zurückgegriffen werden. Soweit das erhöhte</span><br/> <span class="ft4">Kostenrisiko als ,,Vehikel" dafür dienen soll, missbräuchlichem Pro-</span><br/> <span class="ft4">zessieren vorzubeugen, muss die Gegenfrage gestellt werden, ob die</span><br/> <span class="ft4">internen Mittel der Gemeinde gerade bei offensichtlich mutwillig</span><br/> <span class="ft4">erhobenen (und entsprechend einfach zu widerlegenden) Beschwer-</span><br/> <span class="ft4">den in der Regel nicht ausreichen, um im Verfahren erfolgreich</span><br/> <span class="ft4">bestehen zu können. Sodann würde - was aus rechtsstaatlicher Sicht</span><br/> <span class="ft4">fragwürdig erscheint - derjenige Bürger, der gute Gründe zur Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführung hat, wegen des höhern Kostenrisikos unter Um-</span><br/> <span class="ft4">ständen davon abgehalten; auf die damit zusammenhängende Proble-</span><br/> <span class="ft4">matik ist bereits in AGVE 1985, S. 389 hingewiesen worden.</span><br/> <span class="ft4">Schliesslich ist auf den Rechtssicherheitsaspekt Gewicht zu legen.</span><br/> <span class="ft4">Beim Entscheid, ob im Sinne der oben umschriebenen Ausnahme ein</span><br/> <span class="ft4">Parteikostenersatz zuzusprechen ist, handelt es sich letztlich um</span><br/> <span class="ft4">einen Ermessensentscheid der Rechtsmittelinstanz. Die geforderte</span><br/> <span class="ft4">Notwendigkeit der Verbeiständung hängt von verschiedenen Fakto-</span><br/> <span class="ft4">ren wie Grösse und Organisationsgrad der Gemeinde (Ausbau der</span><br/> <span class="ft4">Verwaltung, eigener Rechtsdienst), Komplexität und Schwierig-</span><br/> <span class="ft4">keitsgrad des zu führenden Prozesses, betroffene Interessen des Ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">385</span></div> <div class="page" id="S21"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">meinwesens usw., welche zu werten und zu gewichten sind, ab. Das</span><br/> <span class="ft4">Kostenrisiko würde also für den Privaten nicht nur höher, sondern</span><br/> <span class="ft4">auch wesentlich unberechenbarer. Aber auch die Gemeinde könnte</span><br/> <span class="ft4">nicht ohne Weiteres und von vornherein davon ausgehen, dass ihr im</span><br/> <span class="ft4">Falle des Obsiegens der beigezogene Anwalt entschädigt würde.</span><br/> <span class="ft4">Rechtssicherheit und - aus der Sicht der Rechtsmittelbehörden - auch</span><br/> <span class="ft4">Praktikabilität sprechen klar für eine Beibehaltung der bisherigen,</span><br/> <span class="ft4">einen Entschädigungsanspruch konsequent ausschliessenden Praxis.</span><br/> <span class="ft4">4. Zu prüfen bleibt, ob nicht in jenen Fällen eine Ausnahme zu</span><br/> <span class="ft4">machen ist, in denen weniger die sachliche Notwendigkeit des Bei-</span><br/> <span class="ft4">zugs eines Anwalts aufgrund der Besonderheiten des konkreten Falls</span><br/> <span class="ft4">im Vordergrund steht als vielmehr die Tatsache, dass die Gemeinde</span><br/> <span class="ft4">wie eine Privatperson betroffen ist, z. B. in ihrer Rechtsstellung als</span><br/> <span class="ft4">Grundeigentümerin oder als Bauherrin, und nicht hoheitlich in</span><br/> <span class="ft4">Erscheinung tritt.</span><br/> <span class="ft4">a) Vorab ist festzustellen, dass an der in AGVE 1985, S. 385 f.</span><br/> <span class="ft4">aufgegebenen Unterscheidung nach der Art der für die Gemeinde auf</span><br/> <span class="ft4">dem Spiele stehenden Interessen, jedenfalls im Grundsatz, festzu-</span><br/> <span class="ft4">halten ist. Die frühere Privilegierung des Gemeinwesens bezüglich</span><br/> <span class="ft4">der Entschädigungsfrage bei der Wahrnehmung namentlich finan-</span><br/> <span class="ft4">zieller Interessen vermag in der Tat nicht mehr recht zu überzeugen.</span><br/> <span class="ft4">b) Die Beschwerdeführerin 2 macht geltend, sie sei im vorlie-</span><br/> <span class="ft4">genden Baubewilligungsverfahren als Baugesuchstellerin in genau</span><br/> <span class="ft4">gleicher Weise betroffen wie jeder andere private Bauherr auch. Dass</span><br/> <span class="ft4">diese Auffassung bezüglich gleicher qualitativer Stellung von priva-</span><br/> <span class="ft4">tem und öffentlichrechtlich organisiertem Baugesuchsteller nicht</span><br/> <span class="ft4">überzeugt, wurde bereits ausgeführt (Erw. 3/b hievor). Die Gemeinde</span><br/> <span class="ft4">kann eben auch in solchen Fällen, in welchen sie an sich wie eine</span><br/> <span class="ft4">Privatperson betroffen ist, im Prozess auf ihre kommunale Organi-</span><br/> <span class="ft4">sation zurückgreifen, und auch hier tragen die finanziellen Konse-</span><br/> <span class="ft4">quenzen letztlich die Steuerzahler. Darin liegt der im vorliegenden</span><br/> <span class="ft4">Zusammenhang massgebliche Unterschied zum Privaten. Insofern</span><br/> <span class="ft4">kommt es auf dasselbe hinaus, ob das Gemeinwesen hoheitlich auf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">386</span></div> <div class="page" id="S22"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">tritt oder nicht. Letztlich werden auch in solchen Fällen - wie im</span><br/> <span class="ft4">Übrigen auch der vorliegende Sachverhalt ganz klar aufzeigt - ohne-</span><br/> <span class="ft4">hin immer öffentliche und nicht private Interessen gewahrt. In die-</span><br/> <span class="ft4">sem Sinne hat das Bundesgericht entschieden, den Schweizerischen</span><br/> <span class="ft4">Bundesbahnen ,,als Behörde, auch wenn sie hier als Werk- und</span><br/> <span class="ft4">Grundeigentümerin auftritt, mit Rücksicht auf die vertretenen öffent-</span><br/> <span class="ft4">lichen Interessen der Regel von Art. 159 Abs. 2 OG entsprechend</span><br/> <span class="ft4">keine Parteientschädigung zuzuerkennen" (BGE 121 II 240).</span><br/> <span class="ft4">Anderseits wird das Gemeinwesen in derartigen Fällen nach</span><br/> <span class="ft4">geltender Rechtsprechung für den Fall des Unterliegens regelmässig</span><br/> <span class="ft4">kostenpflichtig und hat es dem obsiegenden Privaten eine Parteient-</span><br/> <span class="ft4">schädigung auszurichten. Es gilt zwar der Grundsatz, dass den am</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeverfahren beteiligten Gemeinwesen keine Kosten aufer-</span><br/> <span class="ft4">legt werden (§ 35 Abs. 1 VRPG). Wenn die Behörde das Beschwer-</span><br/> <span class="ft4">deverfahren selber als Beschwerdeführerin eingeleitet hat oder wenn</span><br/> <span class="ft4">eine besondere Interessenlage gegeben ist, die jener im Klageverfah-</span><br/> <span class="ft4">ren oder Zivilprozess entspricht, wenn es also um Interessen des</span><br/> <span class="ft4">Gemeinwesens namentlich finanzieller Art geht, wird aber eine Aus-</span><br/> <span class="ft4">nahme gemacht (AGVE 1977, S. 120 f.; VGE III/31 vom 21. April</span><br/> <span class="ft4">1997 in Sachen Einwohnergemeinde B., S. 15; VGE III/16 vom</span><br/> <span class="ft4">9. März 1995 in Sachen Einwohnergemeinde S., S. 13). Dies gilt</span><br/> <span class="ft4">namentlich auch in Fällen, in denen die Gemeinde Bauherrin ist</span><br/> <span class="ft4">(VGE III/72 vom 22. September 1995 in Sachen A. AG u. M., S. 20).</span><br/> <span class="ft4">Die in AGVE 1985, S. 385 f. als überholt bezeichnete Unterschei-</span><br/> <span class="ft4">dung zwischen finanziellen und anderen, unmittelbar öffentlichen</span><br/> <span class="ft4">Interessen des Gemeinwesens hat hier also nach wie vor ihren festen</span><br/> <span class="ft4">Anwendungsbereich mit den entsprechenden kostenmässigen Kon-</span><br/> <span class="ft4">sequenzen für die Gemeinde. Insofern erleidet hier auch der vom</span><br/> <span class="ft4">Verwaltungsgericht vertretene Grundsatz der Parallelität der Verle-</span><br/> <span class="ft4">gung von Verfahrenskosten und Parteientschädigung (vgl. AGVE</span><br/> <span class="ft4">1983, S. 233 f. mit Hinweisen) einen Einbruch. Dass die Gemeinde</span><br/> <span class="ft4">im Fall des Unterliegens in vollem Umfang kosten- und entschädi-</span><br/> <span class="ft4">gungspflichtig wird, anderseits aber bei Obsiegen keinen Anspruch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">387</span></div> <div class="page" id="S23"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">auf Parteientschädigung hat, mag in gewissem Sinne widersprüchlich</span><br/> <span class="ft4">erscheinen. Diese Ungereimtheit ist aber im Gesetz selber angelegt:</span><br/> <span class="ft4">Während auf der ,,Verliererseite" klarerweise zwischen dem Unter-</span><br/> <span class="ft4">liegenden (Privaten) und dem interessierten Gemeinwesen unter-</span><br/> <span class="ft4">schieden wird (§ 36 Abs. 1 Satz 2 VRPG), findet sich diese Unter-</span><br/> <span class="ft4">scheidung bezogen auf den Obsiegenden nicht (§ 36 Abs. 1 Satz 1</span><br/> <span class="ft4">VRPG).</span><br/> <span class="ft4">c) Der Beschwerdeführer 1 weist auf die besondere Stellung der</span><br/> <span class="ft4">Gemeinden in sie selbst betreffenden Baugesuchsverfahren hin. Der</span><br/> <span class="ft4">Gemeinderat habe in solchen Fällen die Vertretung sowohl der</span><br/> <span class="ft4">Baubewilligungsbehörde als auch der Einwohnergemeinde inne. Der</span><br/> <span class="ft4">Stadtrat Aarau sei als Vorinstanz ohnehin gesetzlich verpflichtet ge-</span><br/> <span class="ft4">wesen, eine Vernehmlassung einzureichen, die Vorakten vorzulegen</span><br/> <span class="ft4">und am Beschwerdeverfahren vor Baudepartement teilzunehmen.</span><br/> <span class="ft4">Dafür stehe der Baubewilligungsbehörde keine Parteientschädigung</span><br/> <span class="ft4">zu; eine zusätzliche separate Stellungnahme in der Funktion als Bau-</span><br/> <span class="ft4">herrschaft habe der Stadtrat Aarau nicht verfasst. Diesem Hinweis</span><br/> <span class="ft4">auf die Doppelstellung des Stadtrats ist die Berechtigung nicht ab-</span><br/> <span class="ft4">zusprechen. Zwar hat der Gesetzgeber diese Besonderheit des Be-</span><br/> <span class="ft4">willigungsverfahrens bei Bauvorhaben von Einwohnergemeinden</span><br/> <span class="ft4">bewusst in Kauf genommen und auf die Zuweisung der entsprechen-</span><br/> <span class="ft4">den Bewilligungskompetenz an eine kantonale Instanz verzichtet.</span><br/> <span class="ft4">Trotzdem ist die besondere Stellung des Gemeinderats zu beachten,</span><br/> <span class="ft4">welcher bei derartigen Baugesuchen sozusagen in eigener Sache zu</span><br/> <span class="ft4">entscheiden hat. In materieller Hinsicht hat das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft4">diesbezüglich festgehalten, es drängten sich Leitplanken und Be-</span><br/> <span class="ft4">grenzungen seiner Entscheidungfreiheit geradezu auf; namentlich sei</span><br/> <span class="ft4">dem Schutz der Nachbarn generell grosse Beachtung zu schenken</span><br/> <span class="ft4">(AGVE 1992, S. 319). Die Auffassung, die Gemeinde als Bauge-</span><br/> <span class="ft4">suchstellerin befinde sich in der gleichen Situation wie der private</span><br/> <span class="ft4">Bauherr, erweist sich unter diesem Blickwinkel doch weitgehend als</span><br/> <span class="ft4">Fiktion. Der private Einsprecher erscheint gerade bei einer derartigen</span><br/> <span class="ft4">Konstellation in vermehrtem Masse schutzbedürftig, so dass es</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">388</span></div> <div class="page" id="S24"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">unbillig erschiene, ihm ausgerechnet in solchen Fällen die Beschrei-</span><br/> <span class="ft4">tung des Rechtsmittelwegs durch die Bejahung eines Parteikostenan-</span><br/> <span class="ft4">spruchs der öffentlichen Bauherrschaft und damit ein massiv erhöh-</span><br/> <span class="ft4">tes Kostenrisiko - kommunale Bauprojekte, wie z. B. Schul- und Ge-</span><br/> <span class="ft4">meindehäuser, Turnhallen, Sportanlagen usw., weisen häufig hohe</span><br/> <span class="ft4">Bausumme auf - zu erschweren.</span><br/> <span class="ft4">d) Bei gesamthafter Würdigung der Argumente drängt sich eine</span><br/> <span class="ft4">Abweichung vom Grundsatz, wonach dem Gemeinwesen kein An-</span><br/> <span class="ft4">spruch auf Parteientschädigung zusteht, auch für jene Fälle nicht auf,</span><br/> <span class="ft4">in denen die Gemeinde als Baugesuchstellerin nicht hoheitlich han-</span><br/> <span class="ft4">delt, und zwar vor allem deshalb, weil die grundsätzliche Überle-</span><br/> <span class="ft4">genheit der Gemeinde hier ebenfalls und aufgrund der besonderen</span><br/> <span class="ft4">Stellung des Gemeinderats als Vertreter der Bauherrschaft und als</span><br/> <span class="ft4">Baupolizeibehörde sogar noch in verstärktem Mass besteht. Anders</span><br/> <span class="ft4">verhält es sich - zumindest bezüglich der besonderen Stellung - allen-</span><br/> <span class="ft4">falls dort, wo eine Gemeinde als ,,private" Gesuchstellerin vor einer</span><br/> <span class="ft4">anderen Behörde auftritt, z. B. als Bauherrin oder Grundeigentü-</span><br/> <span class="ft4">merin in einer anderen Gemeinde. Hier wäre noch am ehesten eine</span><br/> <span class="ft4">Gleichstellung mit einem beliebigen Privaten zu erkennen. Dieser</span><br/> <span class="ft4">Fall liegt hier aber nicht vor.</span><br/> <span class="ft4">5. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführerin 2</span><br/> <span class="ft4">kein Anspruch auf Ersatz der ihr vor Baudepartement entstandenen</span><br/> <span class="ft4">Parteikosten zusteht. Die Beschwerde ist damit als unbegründet</span><br/> <span class="ft4">abzuweisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>