Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 4. Juni 2014 (810 14 62) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Umplatzierung / Wechsel der Mandatsperson Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Stephan Gass, Kantonsrichterin Helena Hess , Gerichtsschreiber i.V. Hannes Baader Parteien A.____ Beschwerdeführerin , vertreten durch Oliver Borer , Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B .____ , Beschwerdege g- nerin Betreff Umplatzierung / Wechsel der Mandatsperson (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 31. Januar 2014) A. C.____, geboren 1994, ist geistig schwer behinde rt und leidet an Autismus. Seine Mutter, A.____, stammt aus Bosnien und spricht nur wenig Deutsch. Da sie mit der Erledigung der administrativen und finanziellen Angelegenheite n ihres Sohnes überfordert war, errichtete die Vormundschaftsbehörde D.____ mit Entscheid vom 30. Juni 2011 eine Erziehungsbeistand- schaft für C.____. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Im Jahr 2012 wurde C.____ volljährig. Mit Entschei d der Vormundschaftsbehörde D.____ vom 19. April 2012 wurden per 14. Mai 2012 ei ne geteilte Vertretungs- und Verwal- tungsbeistandschaft für C.____ errichtet. Als Beistände wu rden seine Mutter und E.____ von der Sozialberatung D.____ ernannt. Die Mutter sollte C.____ bei der Regelung seiner persön- lichen und medizinischen Angelegenheiten vertreten und E .____ sich um die finanziellen und administrativen Angelegenheiten kümmern. C. Nach Erreichen der Volljährigkeit war C.____ zunächst im Wohnheim F.____ in G.____ untergebracht. Am 17. Januar 2014 teilte H.____ von der Institutionsleitung des Wohnheims der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) per E-Mail mit, dass C.____ aufgrund des sehr hohen Betreuungs- und Pflegeaufwands intern i n das Wohnheim I.____ umplatziert werden sollte. Dort könne seinen Bedürfnissen besser Rechn ung getragen werden. Die beiden Beistände seien von ihr am 7. Januar 2014 informiert worden, dass im Wohnheim I.____ kurz- fristig ein Platz frei geworden und die Umplatzierung bereits per 20. Januar 2014 geplant sei. A.____ sei trotz der klaren Vorteile, die das neue Wohn heim biete, mit der Umplatzierung nicht einverstanden gewesen und verweigere als Beiständin ihr e Zustimmung. Da diese Verweige- rung nicht im Interesse des Betroffenen sei, bat H.____ die KESB, die Situation von A.____ als Beiständin zu überprüfen. D. Daraufhin fand am 30. Januar 2014 ein Gespräch bei der KESB statt, an welchem neben A.____ auch E.____ und H.____ teilnahmen. Zus ätzlich waren am Gespräch auch der Psychiater von A.____, Dr. med. J.____, sowie eine bosnischsprechende Bekannte von A.____ als Dolmetscherin beteiligt. A.____ blieb dabei, dass si e dem Wohnheimwechsel nicht zustim- me. Das Gespräch wurde ohne Einigung beendet. E. Mit Entscheid vom 31. Januar 2014 stimmte die KESB d em Wechsel von C.____ in das Wohnheim I.____ per 3. Februar 2014 zu und entli ess A.____ per sofort aus dem Amt der Beiständin für persönliche und medizinische Angelegenheiten ihres Sohns. Ihre bisherigen Auf- gaben wurden ebenfalls an E.____ übertragen. F. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten dur ch Oliver Borer, Advokat, mit Schreiben vom 28. Februar 2014, Beschwerde beim Kanto nsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei der Entscheid der KESB vom 31. Januar 2014 vollumfänglich aufzuheben und sie sei dem gemäss erneut ins Amt der Bei- ständin für persönliche und medizinische Angelegenheiten ihres Sohnes einzusetzen. Dies unter o/e-Kostenfolge, wobei ihr eventualiter die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren sei. G. Mit Schreiben vom 24. März 2014 liess sich die KESB d azu vernehmen und beantrag- te, es sei die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen. H. Mit Verfügung der Präsidentin des Kantonsgerichts vom 14. April 2014 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen und der Beschw erdeführerin die unentgeltliche Pro- zessführung und Verbeiständung bewilligt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung schränkt d ie Beschwerdeführerin ihr Rechtsbegehren dahingehend ein, dass sie – in teilweiser Aufhebung des Entscheids der KESB vom 31. Januar 2014 – erneut in das Amt der Beiständin für persönliche und medizinische Angelegenheiten ihres Sohnes einzusetzen sei. Auf die Begründungen und die Vorbringen der Parteien anlässlich der heutigen Verhandlung wird – so weit erforderlich – in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbu ches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 kann gegen Entscheide der KESB Beschw erde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Zuständiges Gericht im Sinne dieser Bes timmung ist nach § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuche s (EG ZGB) vom 16. November 2006 das Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und V erwaltungsrecht. Das Verfahren richtet sich nach Art. 450 ff. ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmu ngen des kantonalen Verwaltungs- prozessrechts anwendbar (Art. 450f ZGB in Verbindung mi t § 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB in Verbindung mit § 47 Abs. 1 l it. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 199 3 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefo chtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Die Beschwerdeführerin ist vom angefochtenen Entscheid direkt betroffen und somit zu r Beschwerde legitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde kann daher eingetreten werden. 2. Nach § 40 Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (Gerichtsorganisa- tionsgesetz, GOG) vom 22. Februar 2001 finden Partei verhandlungen – unter Vorbehalt von hier nicht vorliegenden Ausnahmen – öffentlich statt. Ur teilsberatungen in Verfahren betreffend Massnahmen des Kindes- und Erwachsenenschutzes finden gestützt auf § 41 Abs. 3 lit. b GOG nicht öffentlich und unter Ausschluss der Parteien statt. Das in der Beratung gefällte Urteil wird gemäss § 19 Abs. 1 VPO mit Begründung und Rechtsmittelbelehrung versehen und den Partei- en schriftlich eröffnet. 3.1 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststell ung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Unangemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kanton sgericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. Allerdings auferlegt sich das Kantonsgericht entsprechend der Rechtsprechung des Bundesgerichts bei de r Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe und bei der Ermessenskontrolle eine gewisse Zurückhaltung. Dies insbesondere deshalb, weil die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden als Fachbehörden anzusehen sind (vgl. Art. 440 Abs. 1 ZGB). Verfügt eine Behörde über besonderes Fachwissen, so ist ihr bei der Bewertung von ausgesprochenen Fachfragen ein gewisser Beurteilungsspielraum zu belassen, soweit sie die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkt e geprüft und die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat ( vgl. DANIEL STECK , in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Basel 2 012, Art. 450a, N 17 ff; U LRICH Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, N 446c f.; Entscheid des Kantonsgerichts, Abteilung Verf assungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 8. Mai 2013 [810 13 10] E. 1.4; BGE 135 II 384 E. 2.2.2, jeweils mit weiteren Hinwei- sen). 3.2 Für die Beschwerdeverfahren nach VPO bestimmt § 6 A bs. 1 VPO, dass die Parteien die Anträge, die sie im vorinstanzlichen Verfahren zur Sache gestellt haben, zwar einschränken, nicht aber ausdehnen oder inhaltlich verändern dürfen. Die von der Beschwerdeführerin anläss- lich der heutigen Verhandlung vorgenommene Einschränkung des Rechtsbegehrens ist dem- zufolge zulässig. 4.1 Strittig ist im vorliegenden Verfahren entsprechen d dem eingeschränkten Rechts- begehren der Beschwerdeführerin lediglich, ob A.____ von der KESB zu Recht als Beiständin von C.____ entlassen wurde. 4.2 Gemäss Art. 423 Abs. 1 ZGB kann die Erwachsenenschutzb ehörde einen Beistand oder eine Beiständin entlassen, wenn die Eignung für die Aufgabe nicht mehr besteht (Ziff. 1) oder wenn ein anderer wichtiger Grund für die Entlassung vorliegt (Ziff. 2). Die Entlassung kann von Amtes wegen oder auf Antrag der betroffenen oder einer ihr nahestehenden Person erfolgen. Anstelle der Entlassung können auch andere ve rhältnismässige Massnahmen wie Beschränkung der Kompetenzen oder Entzug der Erledig ung bestimmter Aufgaben in Frage kommen, wenn dadurch die Kontinuität der persönlichen B etreuung im Interesse der ver- beiständeten Person gesichert werden kann (U RS VOGEL , in: Geiser/Reusser, a.a.O., Art. 421- 424, N 22). 4.3 Vorliegend wird im Entscheid der KESB die Eignun g der Beschwerdeführerin in Frage gestellt. Weil das Gesetz nicht im Einzelnen umschreibt, w as unter "geeignet" zu verstehen ist, verfügt die KESB bei der Beurteilung, ob ein Beistand bzw. eine Beiständin im konkreten Fall geeignet ist, über grosses Ermessen. Gleichgrosses Ermessen kommt ihr bei der Entlassung eines Beistands zu (U RS VOGEL , a.a.O., Art. 421-424, N 22; P ATRICK FASSBIND , Erwachsenen- schutz, Zürich 2012, S. 272). Bei der Entlassung eines Bei stands oder einer Beiständin nach Art. 423 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB macht es daher keinen Unt erschied, ob der Beistand bzw. die Beiständin nicht mehr geeignet ist oder gar nie geeign et war (DANIEL ROSCH , in: Büchler/Häfeli/ Leuba/Stettler [Hrsg.], FamKomm Erwachsenschutzrecht, Be rn 2013, Art. 423, N 9). Voraus- setzung für eine optimale Unterstützung der betroffene n Person ist eine auf die Aufgaben des Mandats bezogene umfassende Eignung im Sinn von Sozial-, Selbst- und Fachkompetenz (Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Änderung des Schweizer ischen Zivilgesetzbuches [Botschaft Erwachsenenschutz], BBl 2006, 7049; D ANIEL R OSCH , a.a.O., Art. 423, N 7). Die Frage der Eignung bedarf daher einer Bilanzierung der vorhande nen und fehlenden Fähigkeiten der möglichen Mandatsträger für das konkrete Mandat. Im Rah men der Eignungsbeurteilung kann zu diesem Zweck zwischen der persönlichen und der fachlichen Eignung unterschieden werden. Zusätzlich muss eine Interessensabwägung zwischen den Interessen an der Weiter- führung des Mandates und derjenigen an der Beendigu ng vorgenommen werden (D ANIEL Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ROSCH , a.a.O, Art. 423, N 7). Massgebend ist, was im Einzelfall den Interessen und dem Wohl der betroffenen Person dient (RUTH E. REUSSER , in: Geiser/Reusser, a.a.O., Art. 400, N 11). 4.4 Bei der persönlichen Eignung geht es um die grund sätzliche Eignung, ohne deren Vorhandensein eine Person zum vornherein als Beistand a usser Betracht fällt. Eine unmündige Person oder eine erwachsene Person unter Beistandschaft kann demnach nicht als Beistand gewählt werden. Weiter fallen auch Personen ausser Betr acht, die wegen schwerwiegender Delikte und insbesondere wegen Vermögensdelikten verurtei lt worden sind. Ebenfalls nicht in Frage kommen Personen, die körperlich oder psychisch nicht belastbar sind, denen die charak- terliche Reife und die Zuverlässigkeit fehlen, die all gemein kein Vertrauen verdienen, die wenig kommunikativ sind, kein sicheres Auftreten haben oder d ie nicht bereit sind, für eine andere Person zu sorgen. Falls diese Schwächen ausgeprägt und da mit offensichtlich sind, hat die Erwachsenenschutzbehörde in diesen Fällen kein Ermessen m ehr (vgl. zum Ganzen R UTH E. REUSSER , a.a.O., Art. 400, N 22). Liegen keine solchen grundsätzlichen Ausschliessungsgründe vor, ist im Rahmen der persönli- chen Eignung weiter zu prüfen, wer im konkreten Fall am besten als Beistand geeignet ist. Zumal der Beistand ein Vertrauensverhältnis zur hilfsbed ürftigen Person aufbauen muss (Art. 406 Abs. 2 ZGB), ist es wichtig, dass die hilfsbed ürftige Person und der Beistand gut zu- einanderpassen. Trotz guter persönlicher Beziehung zur hi lfsbedürftigen Person hat der Bei- stand aber auch genügend objektiv und unabhängig zu s ein und eine ausreichende emotionale Distanz einzuhalten, um die Aufgaben eines Beistandes zu b ewältigen (R UTH E. REUSSER , a.a.O., Art. 400, N 24). Ein Vorrecht für nahe Verw andte oder Ehegatten sieht das neue Erwachsenenschutzrecht deshalb im Gegensatz zu aArt. 380 ZGB nicht mehr vor (P ATRICK FASSBIND , a.a.O., S. 255). 4.5 Ist die persönliche Eignung gegeben, bleibt ferne r die fachliche Eignung zu prüfen. Dabei geht es um Fachkompetenzen des Beistands, welche für die Ausübung des konkreten Mandats nötig sind. Das Gesetz geht davon aus, dass es ein fache oder einfachere Beistand- schaften gibt, bei denen eine Privatperson ohne spezielle s Fachwissen, aber mit Lebens- erfahrung, gesundem Menschenverstand, Sozialkompetenz und g utem Willen als Beistand in Frage kommt, insbesondere wenn sie die erforderliche Unterstützung bekommt (Art. 400 Abs. 3 ZGB). Besonderes Fachwissen braucht es für komplexe Beis tandschaften in psychologischer, sozialer sowie medizinischer Hinsicht und je nach Grösse und Art des zu verwaltenden Vermö- gens, sodass in der Regel ein Berufsbeistand mit dem Mand at zu betrauen ist. Jedoch können auch die ausserhalb ihres Berufes eingesetzten Privatpersonen über ein spezielles Fachwissen verfügen, zum Beispiel wenn es sich um Ärzte, Psychologen, V ermögensverwalter, Juristen oder Sozialarbeiter handelt. Anhand der im Rahmen ei ner konkreten Beistandschaft zu erledi- genden Aufgaben erstellt die Erwachsenenschutzbehörde ein fachliches Anforderungsprofil für den Beistand (RUTH E. REUSSER , a.a.O., Art. 400, N 25 f.). 5.1 Die KESB begründete ihren Entscheid vom 31. Januar 2014 damit, dass die Beschwerdeführerin mit ihrer Verweigerungshaltung ihr em Sohn geschadet habe. Objektive Gründe, die gegen einen Wohnheimwechsel gesprochen hät ten, seien keine vorgelegen. Die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführerin habe nicht im Interesse ihres Sohnes gehandelt, sondern sich aufgrund persönlicher Befindlichkeiten gegen den Wohnheimwechsel gestellt. Zudem habe sie auch nicht versucht, eine andere Institution zu suchen. Es sei nicht das erste Mal, dass die Beschwerde- führerin so gehandelt habe. Die Beschwerdeführerin bringt anlässlich der heutigen P arteibefragung vor, dass sie einsehe, dass ihrem Sohn an seinem neuen Wohnort eine optimale Betreuung gewährt werde. Dies hänge jedoch vor allem mit dem neuen Betreuer zusammen. Bei ihrem Besuch im Wohnheim sei das Zimmer in einem schlechten Zustand gewesen, sie h abe daher eine Verschlechterung der Betreuungssituation befürchtet. Sie habe sich aber vor allem an der Art und Weise gestört wie der Entscheid zustande gekommen sei und dass sie selbst zu kurzfristig informiert worden sei. Am Treffen vom 30. Januar 2014 habe sie sich gegenü ber der KESB, der Heimleitung und des Arztes in Unterzahl und nicht ernstgenommen gefühl t – sie sei überfordert gewesen. Ihre Aufgabe als Beiständin sehe sie darin, Entscheide zu hi nterfragen und bei der kleinsten Un- sicherheit dagegen vorzugehen auch wenn dies eine Konfr ontation mit den Behörden bedeute. Daher habe es zwar in der Vergangenheit verschiedentlich Schwierigkeiten gegeben, mit Hilfe eines Dolmetschers oder einer Dolmetscherin sei sie aber sehr wohl in der Lage, die ihr zu- kommenden Aufgaben als Beiständin zu verstehen und entsprechend zu handeln. 5.2 Dem angefochtenen Entscheid der KESB sowie den vorl iegenden Akten lassen sich keine Umstände entnehmen, welche gegen eine grundsätzli che persönliche Eignung der Beschwerdeführerin als Beiständin für ihren Sohn sprech en würden. Sie sorgt sich zweifellos um ihren Sohn und hat als Mutter ein besonderes Vertr auensverhältnis zu ihm. Zu prüfen ist jedoch, ob die Beschwerdeführerin genügend objektiv un d unabhängig ist und über eine aus- reichende emotionale Distanz verfügt, um die Aufgaben e iner Beistandschaft im Interesse ihres Sohnes wahrzunehmen. Dazu kann festgehalten werden, dass sich die Beschwerdeführerin im Rahmen der heutigen Parteibefragung mit dem Wechsel von C.____ in das Wohnheim I.____ einverstanden zeigt. Sie hat sich von der KESB übergangen gefühlt und war deshalb zu keinem weiteren Besuch im Wohnheim oder Gesprächen bereit. De r Widerstand gegen den Wohn- heimwechsel richtete sich demnach vor allem gegen die Vor gehensweise des Wohnheims und der KESB. Sie wehrte sich vorwiegend aus persönlichen Mo tiven gegen den Heimwechsel und handelte nicht im Interesse ihres Sohnes. Diesbezüglich fehlte es ihr an der notwendigen emo- tionalen Distanz, um die Interessen von C.____ getrennt von ihren eigenen zu vertreten und es ist unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Eignung zumin dest fraglich, ob nicht eine Person mit einer grösseren emotionalen Distanz besser geeignet wäre, den Betroffenen in seinen per- sönlichen und medizinischen Angelegenheiten zu vertreten. 5.3 Die fachliche Eignung der Beschwerdeführerin ist an hand eines für den konkreten Fall erstellten Anforderungsprofils zu beurteilen (E. 4.5). In der Ernennungsurkunde der Vormund- schaftsbehörde vom 24. April 2012 wurden A.____ besondere Weisungen zur Führung der Bei- standschaft erteilt. Im Einzelnen habe sie die persönlic hen und medizinischen Interessen von C.____ allseitig zu wahren, ihn bei der Regelung seine r persönlichen und medizinischen Ange- legenheiten zu vertreten, stets um seine hinreichende p ersönliche und medizinische Betreuung Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht besorgt zu sein und der KESB alle zwei Jahre – erstmal s per 31.12.2013 – Bericht über die Beistandschaft zu erstatten Dementsprechend muss der Beistand bzw. die Beiständin von C.____ die notwendigen Fähig- keiten besitzen, um ihn gegenüber Behörden und Dritten zu vertreten, soweit es um persönliche und medizinische Angelegenheiten geht. Dies bedeutet au ch, dass der Beistand oder die Bei- ständin fähig sein muss, in einen offenen Dialog mit d en Behörden zu treten, die Anordnungen der Behörden zu verstehen und nachzuvollziehen und sich sel bst gegenüber den Behörden verständlich zu machen. Weiter muss die Person in der Lage sein, sich aktiv für die hin- reichende persönliche und medizinische Betreuung von C._ ___ einzusetzen. Dies beinhaltet insbesondere, dass der Beistand oder die Beiständin einsc hätzen können muss, ob die Betreu- ung hinreichend ist und wenn dies nicht der Fall ist, sich für eine Verbesserung der Situation einsetzen muss. Zuletzt muss der eingesetzte Beistand bzw. di e eingesetzte Beiständin regel- mässig Bericht über die Beistandschaft erstatten, was sich so wohl aus der Ernennungsurkunde wie auch direkt aus dem Gesetz ergibt (Art. 411 ZGB). 5.4 In der Vergangenheit gab es gemäss den Ausführunge n der KESB wiederholt Schwie- rigkeiten im Kontakt zwischen der Beschwerdeführerin und den Behörden, welche wohl nicht zuletzt auch auf die sprachlichen Barrieren zurückzuführen waren. Insbesondere bei der Koor- dination von gewissen Angelegenheiten gab es Unstimmig keiten, weil die Beschwerdeführerin eigenhändig und ohne vorgängige Absprache handelte. S o ergibt sich aus den Akten und den Aussagen anlässlich der heutigen Parteibefragung, dass di e Beschwerdeführerin im Jahr 2013 wegen eines Todesfalls kurzfristig eine Reise nach Bosnien machte, ohne das Wohnheim vor- gängig darüber zu informieren. Aus Bosnien habe sie ge meldet, dass sie wegen illegaler Ein- reise nicht mehr ausreisen könne. In der Folge war sie w ährend längerer Zeit nicht erreichbar, obwohl C.____ sich in einer schwierigen Phase befand und wichtige Entscheide bezüglich einer Erweiterung der Medikation anstanden. Auch im vorliegen den Fall zeigt sich der Kontakt zwischen der Beschwerdeführerin und der Behörde als schwie rig. Die Beschwerdeführerin begnügte sich damit, die vorgeschlagene Lösung zu verhind ern indem sie Besichtigungen und Gespräche grundsätzlich ablehnte, ohne in einen konstrukt iven Dialog zu treten oder sich aktiv um eine Alternativlösung zu kümmern, was ihre Pflicht a ls Beiständin gewesen wäre. Zuletzt hält die KESB an der heutigen Verhandlung fest, dass d ie Beschwerdeführerin, trotz klarer Anweisung in der Ernennungsurkunde und im Gesetz, keinen Bericht über ihre Beistandschaft eingereicht habe. Die Beschwerdeführerin selbst gibt an , gar nichts von dieser Pflicht gewusst zu haben. 5.5 Nach den gemachten Ausführungen kann festgehalten werden, dass die Beschwerde- führerin zwar eine enge Beziehung zu ihrem Sohn hat, si e jedoch bezüglich der spezifischen Aufgaben, die ihr als Beiständin zugekommen sind, nicht geeignet ist. Sie war in der Ver- gangenheit insbesondere nicht kooperativ bzw. lösungsorientiert im Umgang mit den Behörden, sie konnte sich aufgrund der sprachlichen Barrieren zum T eil nur ungenügend verständlich machen und verstand offensichtlich auch die Anordnungen d er Behörde nicht. Zudem fehlt ihr die notwendige emotionale Distanz, um die Interessen von C.____ getrennt von ihren eigenen zu vertreten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.6 Es bleibt zu prüfen, ob überwiegende Interessen von C.____ vorliegen, die gegen eine Entlassung der Beschwerdeführerin als Beiständin sprechen . Mit der Übertragung der Bei- standschaft auf E.____ besteht eine Kontinuität in de r persönlichen Betreuung von C.____. Neben dem Umstand, dass der Betroffene E.____ bereits k ennt und sich nicht auf eine neue Beistandsperson einstellen muss, wird zudem auch die Koor dination mit dem Heim und den Behörden vereinfacht, da von nun an eine einzige Perso n die Interessen von C.____ vertritt. Die Mutter-Sohn-Beziehung zwischen der Beschwerdeführeri n und ihrem erwachsenen Sohn wird durch diese Entlassung grundsätzlich nicht beeinträc htigt. Sie gilt auch weiterhin als eine dem Betroffenen nahestehende Person, welcher im Rahmen des Erwachsenenschutzrechts umfangreiche Mitwirkungs- und Beschwerderechte zukommen (vgl. D ANIEL STECK , a.a.O., Art. 450, N 32 f.). Es findet demzufolge weder eine V erschlechterung der familiären Beziehung statt, noch werden die Interessen von C.____ an der Kont inuität und der zuverlässigen Wahr- nehmung seiner persönlichen Betreuung beeinträchtigt. 6. Nach dem Gesagten bleibt festzustellen, dass das Inte resse von C.____, durch einen geeigneten Beistand vertreten zu werden, die Interessen an der Fortführung der bestehenden Beistandschaft überwiegt. Die Beschwerdeführerin ist nich t geeignet die Aufgaben einer Bei- ständin für ihren Sohn wahrzunehmen. Ihre Entlassung a us dem Amt der Beiständin erfolgte damit zu Recht und im Interesse des Betroffenen. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. 7.1 Es bleibt, über die Kosten zu entscheiden. Nach § 20 Abs. 1 und 3 VPO ist das Ver- fahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig und die diesbezü glichen Kosten werden in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Folglich werden die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'870.-- (bestehend aus einer Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 1'800 und Dolmetscher- kosten in der Höhe von Fr. 70.--) der Beschwerdeführer in auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrensko sten zulasten der Gerichtskasse. Die Parteikosten werden in Anwendung von § 21 Abs. 1 und 2 VPO wettgeschlagen. Zufolge Bewil- ligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird das Hon orar des Rechtsvertreters aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnun g für die Anwältinnen und Anwälte (Tarifordnung) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Für die Bemühungen von Substitutinnen oder Substituten sind 1/3 bis 2/3 des für den konkreten Fall massgebenden Stundenansatzes e iner Anwältin oder eines Anwaltes zu berechnen (§ 3 Abs. 3 Tarifordnung). Zufol ge Bewilligung der unentgeltlichen Ver- beiständung wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführ ers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'908.50.-- (6 Stunden [Volontär] à Fr. 100.--, 5.58 Stunden [Anwalt] à Fr. 200.--, inkl. Aus- lagen und 8% MWST) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 7.2 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hin gewiesen, dass sie zur Nach- zahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung d er unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 GOG). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'870.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'908.50 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) aus der Ge richtskasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.