Obergericht des Kantons Zürich Der Präsident Geschäfts-Nr.: VO110058-O/U Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident, Dr. H.A. Müller, sowie die Gerichtsschreiberin, lic. iur. A. Gürber Urteil vom 6. Juli 2011 in Sachen A._____ Gesuchsteller betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege - 2 - Erwägungen: 1. Ausgangslage 1.1. Mit Eingabe vom 6. April 2011 reichte A._____ (nachfolgend: G esuchsteller) beim Bezirksgericht Bülach gegen Rechtsanwalt Dr. B._____ eine Klage ein be- treffend Löschung einer mutwilligen Betreibung (act. 2/1 S. 3). Das Bezirkg ericht Bülach ging in der Folge davon aus, dass es sich dabei um eine allgemeine Klage auf Feststellung des Nichtbestehens einer Forderung handelte und über wies die Klage - nachdem der Gesuchsteller keine Einwände gegen dieses Vor gehen er- hoben hatte - an das Friedensrichteramt C._____ (vgl. Urk. 2/4). 1.2. Am 26. Mai 2011 ersuchte der Gesuchsteller beim Friedensrichteramt C._____ um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 2/2), woraufhin er darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ein derartiges Gesuch beim Oberge- richtspräsidenten eingereicht werden müsse (Urk. 2/3 und 2/4). Mit Einga be vom 6. Juni 2011 stellte der Gesuchsteller beim Präsidenten des Obergerichts des Kantons Zürich ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1). Nachdem ihm mit Verfügung vom 14. Juni 2011 Frist zur Vervollständigung seines Ges u- ches ange setzt worden war (Urk. 3), gingen innert Frist mehrere Beilagen ein (Urk. 6/1-8 und 9/1-8). 1.3. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Partei- entschädigungen gesprochen, weshal b auch eine Sicherheit für die Parteient- schädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. B._____ ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören. 2. Anwendbares Prozessrecht Seit dem 1. Januar 2011 gilt in der Schweiz eine neue, Schweizerische Zi- vilprozessordnung (ZPO), welche die bis anhin gültigen kantonalen Zivilprozes s- ordnungen ablöst. Bei Verfahren, die bei Inkrafttreten des neuen Gesetzes rechtshängig sind, bleibt das bisherige Verfahrensrecht und damit die Zivilpr o-- 3 - zessordnung des Kantons Zürich (ZPO/ZH) sowie das Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) weiterhin bzw. bis zum Abschluss des Verfahrens vor der betroffenen I n- stanz anwendbar (Art. 404 Abs. 1 ZPO). Für die anderen Verfahren, die - wie das Vorliegende - am 1. Januar 2011 noch nicht rechtshängig waren, kommen die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO) und das kantonale Gerichtsorganis a- tionsgesetz (GOG) zur Anwendung. 3. Beurteilung des Gesuchs 3.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor Ei n- reichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichtspr äsident im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die un entgeltliche Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder Instanz neu zu beantr a- gen, weshalb der Obergerichtspräsident die unentgeltliche Rechtspflege bei Vor- liegen der Anspruchsvoraussetzungen nur bis zum Abschluss des Schlichtungs- verfahrens bewilligen kann. 3.2. Ein Gesuchsteller hat gemäss Art. 119 Abs. 2 ZPO die zur Beurteilung se i- nes Gesuchs relevanten Einkommens - und Vermögensverhältnisse umfassend darzulegen - es trifft ihn bei der Abklärung der wirtschaftlichen Verhältnisse eine umfassende Mitwirkungspflicht. Kommt ein Gesuchsteller dieser Mitwirkungs- pflicht nicht oder nur ungenügend nach und kann als Folge davon sei ne Bedürf- tigkeit nicht hinreichend beurteilt werden, ist der Anspruch um un entgeltliche Rechtspflege zu verweigern (BGE 120 Ia 179). 3.3. Gemäss Art. 117 ZPO hat eine Person Anspruch auf unentgeltliche Recht s- pflege, wenn sie einerseits nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (sog. "Mittel- losigkeit" oder "Bedürftigkeit") und andererseits ihr Rechtsbegehren nicht aus- sichtslos erscheint. Bei der Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Recht s- pflege für das Schlichtungsverfahren sind sehr strenge Massstäbe anzulegen, sind doch die in einem Schlichtungsverfahren entstehenden Kosten – anders als vor einer Gerichtsinstanz – sehr beschränkt und können deshalb bereits bei e i- nem relativ geringen Überschuss des Einkommens über den zivilprozessualen Notbedarf bestritten werden. Die Mittellosigkeit wird gemeinhin dann bejaht, wenn - 4 - der Aufwand des notwendigen Lebensunterhalts (sog. "zivilprozessualer Notbe- darf") das massgebliche Einkommen übersteigt, bzw. aus der Differenz nur ein kleiner Überschuss resultiert, welcher es dem Gesuchsteller nicht erlauben wür- de, die Prozesskosten innert nützlicher Frist zu bezahlen. 3.4. Zur Begründung seines Gesuches führte der Gesuchsteller aus, er sei über- schuldet und lebe am Existenzminimum (Urk. 1). Aus der Pfändungsurkunde vom 25. März 20 11 ergibt sich, dass der Gesuchsteller über monatliche Einnahmen von Fr. 3'457.- (AHV-Rente Fr. 2'210.-, Pensionskasse Fr. 1'247.-) verfügt. Sein Existenzminimum wird mit Fr. 3'253.- beziffert und die Differenz von Fr. 204.- un- terliegt bis 15. Februar 2012 einer Einkommenspfändung für Forderungen im B e- trag von ca. Fr. 195'000.- (Urk. 6/5a). Zudem schuldet der Gesuchsteller im Kan- ton Zürich Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 293'406.95 (Urk. 2/8 S. 2). Schliesslich hat der Gesuchsteller auch beim schweizeris chen Bundesgericht of- fene Rechnungen, welche jedoch zur Zeit nicht eingetrieben werden (Urk. 2/6 S. 2 und S. 4). Seine Mittellosigkeit ist deshalb hinreichend dokumentiert bzw. glaub- haft gemacht. 3.5. Für die Beurteilung der fehlenden Aussichtslosigkeit als zw eite Vorausset- zung der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist eine gewisse Prozes s- prognose notwendig, wobei auf den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung abzustel- len ist. Als aussichtslos sind dabei nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich ge- ringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. z.B. BGE 69 I 160). Die Prozesschancen sind in vorläufiger und summarischer Prüfung der Sac h- und Rechtslage aufgrund des jeweiligen Aktenstandes zu beurteilen (BGE 131 I 113 E. 3.7.3). Zur Vornahme der Prüfung ist damit auf die vorhande nen Akten abzustellen (vgl. auch BSK ZPO -Rüegg, Art. 117 N 20). 3.6. In der Sache selbst verlangt der Gesuchsteller die Löschung einer Betrei- bung bzw. die Feststellung des Nichtbestehens einer Forderung. Er führt dazu aus, B._____ wisse ganz genau, dass der Fall noch beim Kassationsgericht des Kantons Zürich hängig sei, und er verweist auf seine Nichtigkeitsbe schwerde vom - 5 - 30. August 2010 (Urk. 2/1 S. 3). Am 11. März 2011 sei die Betrei bung über Fr. 4'725.- unrechtmässig gewesen und diese sei in böser Absicht ei ngeleitet worden (Urk. 6/2). 3.7. Bei der gegenüber dem Gesuchsteller geltend gemachten Forderung von Fr. 4'725.- dürfte es sich um die Prozessentschädigung handeln, welche im B e- schluss der 6. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich vom 16. Oktober 2008 der durch Rechtsanwalt Dr. B._____ vertretenen beklagten Partei zugesprochen wor- den ist (Urk. 9/2 S. 4; Prozess Nr. CG070089). Zur Beantwortung der Frage, ob die vom Gesuchsteller eingeleitete Klage aussichtslos ist, ist entscheidend, ob der genannte Beschluss in Rechtskraft erwachsen ist. Die vom Gesuchsteller ange- führte Nichtigkeitsbeschwerde vom 30. August 2010 richtete s ich gegen einen Beschluss des Obergerichts des Kantons Z ürich vom 13. August 2010 (Urk. 9/6). Dieser letztgenannte Beschluss (Urk. 9/5) erging, da der Gesuchsteller gegen den Beschluss des Bezirksgerichts Zürich vom 5. Mai 2010 (Urk. 9/3; Prozess Nr. CG100074) innert Frist Rekurs erhoben hatte (Urk. 9/4). Das am Kassationsge- richt des Kantons Zürich hängige Verfahren betrifft somit entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht den im Verfahren CG070089 ergangenen B e- schluss des Bezirksgerichts Zürich vom 1 6. Oktober 2008. Den vom Gesuchstel- ler nachgereichten Unterlagen lässt sich kein Hinweis dafür ent nehmen, dass der Gesuchsteller den Beschluss der 6. Abteilung des Bezirksge richts Zürich vom 16. Oktober 2008 angefochten hat. Es ist deshalb davon auszugehen, dass dieser Beschluss in Rechtskraft erwachsen ist. Andere Gründe, weshalb die gegen den Gesuchsteller eingeleitete Betreibung unrechtmässig sei, sind nicht ersichtlich und werden auch vom Gesuchsteller nicht genannt. Zudem ist darauf hinzuwei- sen, dass der Gesuchsteller - soweit dies aufgrund der eing ereichten Unterlagen beurteilt werden kann - mit der Zivilklage gegen B._____ die falsche Partei einge- klagt hat. Die Prozessentschädigung über Fr. 4'725.- wurde nicht Dr. B._____ persönlich zugesprochen, sondern einer durch ihn vertretenen Stockwerkeigen- tümergemeinschaft (Urk. 9/2). Folgerichtig leitete Dr. B._____ nicht persönlich, sondern in seiner Funktion als Gläubiger -Vertreter die Betreibung gegen den G e- suchsteller ein (Urk. 2/1 S. 2). Die Klage des Gesuchstellers sollte sich somit g e- gen die Stockwerkeigentümergemeinschaft und nicht gegen deren Vertreter Dr. - 6 - B._____ persönlich richten. Gestützt auf die vorhandenen Akten erscheint fol glich ein Obsiegen des Gesuchstellers mit seinen Vorbringen wenig wahrscheinlich, und es muss angenommen werden, dass es sich bei der beim Friedensric hteramt C._____ eingereichten Zivilklage um ein Prozessbegehren han delt, bei welchem die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren. Das G e- such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung für das Schlichtungsver- fahren ist damit abzuweisen. 3.8. Dem Gesuchsteller ist es unbenommen, bei einem allfälligen Verfahren vor Bezirksgericht erneut um die unentgeltliche Rechtspflege zu ersuchen. 4. Kosten und Rechtsmittel 4.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Recht s- pflege kostenlos. 4.2. Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder entzogen, so kann der Gesuchsteller den Entscheid mit Beschwerde gemäss Art. 121 ZPO beim Ober gericht anfechten. Dass vorliegend der Obergerichtspr ä- sident über das Gesuch befindet, vermag daran nichts zu ändern. Der Oberge- richtspräsident fällt in diesem Verfahren einen erstinstanzlichen Entscheid i.S.v. Art. 319 lit. b ZPO und fungiert nicht als obere kantonale Instanz, gegen d eren Entscheide lediglich ein Rechtsmittel ans Bundesgericht gegeben wäre. Es wird erkannt: 1. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren wird abgewiesen. 2. Dieses obergerichtliche Verfahren ist kostenlos. 3. Schriftliche Mitteilung − an den Gesuchsteller unter Rücksendung der eingereichten Unterlagen (Urk. 9/1-8) - 7 - − an das Friedensrichteramt C._____ je gegen Empfangsschein. 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge- richt des Kantons Zürich, Zivilkammern, Postfach 2401, 8021 Zürich, einge- reicht werden. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO). Zürich, 6. Juli 2011 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Die Gerichtsschreiberin: lic. iur. A. Gürber versandt am: