B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-996/2013/sps U r t e i l v o m 2 3 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (…), Russland, vertreten durch Stefan Hery, HEKS Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Februar 2013 / N (…). D-996/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein russischer Staatsangehöriger tschetschen i- scher Herkunft, reichte in der Schweiz am 2 8. Mai 2011 ein erstes Asy l- gesuch ein, welches mit Verfügung des BFM vom 24. Februar 2012 abge- lehnt wurde. Gleichzeitig verfügte das BFM die Wegweisung des B e- schwerdeführers aus der Schweiz und deren Vollzug. Mit Urteil vom 8. Mai 2012 trat das Bundesverwaltungsgericht auf die dagegen erhob e- ne Beschwerde mangels Bezahlung des dafür verlangten Kostenvo r- schusses nicht ein. Betreffend dieses Asylverfahrens ist auf die entspr e- chenden Akten zu verweisen. B. Am 5. November 2012 reichte der Beschwerdeführer ein zweites Asylg e- such in der Schweiz ein und machte gelt end, er habe die Schweiz am 22. Juni 2012 unkontrol liert verlassen, sei nach B._______ in Russland zurückgekehrt und habe bei seiner Mutter gelebt. Dort sei er am 9. Juli 2012 von der Polizei festgenommen, auf den Polizeiposten gebracht, misshandelt und (…) vergewaltigt worden, nachdem er sich gewe igert habe, ein schriftliches Geständnis darüber abzugeben, dass er die Auf- ständischen zwischen 2002 und 2006 unterstützt habe. Dabei sei er b e- wusstlos geworden und erst wieder im Spital erwacht, wo man ihn gen ö- tigt habe zu unterschreiben, dass er auf der Strasse von einem aufg e- brachten Mob in diese r Weise zugerichtet worden sei, und dass er über das Vorgefallene nicht sprechen dürfe. Am 13. Juli 2012 habe er sich u n- bemerkt aus dem Spital entfernt, sei zu einem Freund auf einer nahe se i- ner Heimatstadt gelegenen Far m gegangen und habe sich dort bis zur Ausreise aufgehalten. Am folgenden Tag habe man ihn an seinem Wohn- ort und auf der Farm gesucht, jedoch nicht gefunden. Anschliessend sei er offiziell ausgeschrieben und steckbrieflich gesucht worden. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer die Kopie eines Steckbriefes, Fotos des Aushangs des gleichen Steckbriefes und einen Arztbericht zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 15. Februar 2012 – eröffnet am 19. Februar 2013 – trat das BFM auf das zweite Asylgesuch de s Beschwerdeführers nicht ein. Es verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug. Es verpflichtete die zuständigen kantonalen Behörden, die Wegwe i- sungsverfügung zu vollziehen und händigte de m Beschwerdeführer die D-996/2013 Seite 3 editionspflichtigen Akten aus. Zur Begründung wurde dargelegt, dass der Beschwerdeführer – wie bereits anlässlich des ersten, in der Schweiz durchlaufenen Asylverfahrens – nicht bereit sei, seine Identität und seinen Reiseweg offenzulegen, da er keine heimatlichen Reise - und Identitäts- papiere zu den Akten gegeben habe, obwohl ihm deren Bedeutung au f- grund des bereits einmal in der Schweiz durchlaufenen Asylverfahrens bekannt sei. Sein Einwand, er habe den Pass dem Schlepper abgeg e- ben, weil er angenommen habe, diesen nicht m ehr zu benötigen, könne unter diesen Umständen nicht gehört werden. Aufgrund der offensichtlich fehlenden Bereitschaft des Beschwerdeführers, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken, müsse die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen grundsätzlich in Fra ge gestellt werden. Dies sei umso mehr der Fall, als auch seine weiteren Ausführungen realitätsfremd, widersprüchlich und substanzlos ausgefallen seien. So könne nicht nachvollzogen werden, warum er aus der Schweiz freiwillig in sein Heimatdorf in B._______ zu- rückgekehrt sei, wo er gemäss seinen Angaben verfolgt sei und den Tod befürchten müsse, obwohl ihm zumindest vorübergehend eine zumutbare Niederlassungsmöglichkeit, beispielsweise an seinem früheren Studien - und Wohnort C._______, offengestanden hätte. Aus der sofortigen Rück- kehr an den Heimatort müsse der Schluss gezogen werden, dass er dort nichts zu befürchten gehabt habe. Ferner sei seine Angabe, er hätte ein schriftliches Geständnis über die Unterstützung der Aufständischen zw i- schen 2002 und 2006 a bgeben sollen, nicht nachvollziehbar, da es nicht glaubhaft erscheine, dass sich die russischen Behörden erst sechs Jahre später für seine Aktivitäten in diesen Jahren interessieren würden und er sich seit dem Jahr 2006 nicht mehr in Tschetschenien aufgeha lten habe. Seine Erklärung, die russischen Behörden bräuchten Sündenböcke, ve r- möge nicht zu überzeugen, da für diese Rolle ein besser geeigneter Ka n- didat, beispielsweise einer der in B._______ lebenden Brüder, ausg e- wählt würde und nicht der seit Jahren aus serhalb Tschetscheniens leben- de Beschwerdeführer. Ferner habe er betreffend Unterstützung der Au f- ständischen durch seinen Vater unterschiedliche Angaben zu Protokoll gegeben, indem dieser einerseits Lebensmittel gegeben und andererseits Kühe gebracht haben soll. Auch sei es nicht verständlich, weshalb der Eingang zur Vorratskammer, in welcher sich der Beschwerdeführer ve r- steckt haben solle, unter dem Linoleumboden versteckt gewesen sei, zumal Vorratskammern mit Sicherheit häuf ig frequentiert würden. Des Weiteren ergäben sich aus dem Text des eingereichten Arztzeugnisses Ungereimtheiten, da dieses am (…) ausgestellt worden sei, sich aber auf den (…) beziehe. Aus dem Erscheinungsbild dieses Beweismittels müsse zudem auf ein Gefälligke itsdokument geschlossen werden, zumal dieses D-996/2013 Seite 4 nicht auf einem sonst dafür üblichen Formular ausgestellt und mit drei verschiedenen Stempeln versehen worden sei, was ein Spitalarzt nicht getan hätte. Zudem sei aus dem Dokument zwar eine Verletzung des Be- schwerdeführers ersichtlich; über deren Ursachen werde hingegen nichts preisgegeben. Realitätsfremd se i zudem die Länge der geltend gemac h- ten Ohnmacht angesichts der angegebenen Gründe, nämlich Schmerzen. Nicht mit der Realität zu vereinbaren sei schliesslich die Angabe, die Poli- zei habe ihn nach den Misshandlungen in ein Spital einliefern lassen, und die Aussagen über die Flucht aus dem Spital. Insgesamt seien die Vo r- bringen des Beschwerdeführers nicht glaubhaft und würden den Eindruck einer erfundenen Verfolg ungsgeschichte hinterlassen. Die eingereichten Fotografien und die Kopie eines Steckbriefes vermöchten an dieser Ei n- schätzung nichts zu ändern, da der Steckbrief in der vorliegenden Form problemlos von jedermann hergestellt werden könne und der Beschwe r- deführer über die Herkunft der Fotografien widersprüchliche Aussagen zu Protokoll gegeben habe, indem diese einerseits von seinem Freund und andererseits von seinem Bruder angefertigt worden seien. Zusammen- fassend sei festzuhalten, dass keine Hinweise vorlägen, gestützt auf wel- che nach dem Abschluss des ersten Asylverfahrens Ereignisse eingetr e- ten seien, welche geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft zu begrü n- den, oder die für die Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant seien. Den Wegweisungsvollzug era chtete die Vorinstanz als zulässig, zumutbar und möglich. Insbesondere hielt das BFM fest, dass weder die allgemeine Situation in Tschetschenien noch individuellen Gründe gegen den Vollzug der Wegweisung sprächen. Aufgrund der unglaubhaften A n- gaben sei da von auszugehen, dass der Beschwerdeführer sein Heima t- land aus andern als den angegebenen Gründen verlassen habe. Gestützt auf die bestehende Aktenlage sei er jung, gesund und verfüge im Heimat- land über ein Beziehungsnetz sowie eine abgeschlossene Ausbildun g. Unter diesen Umständen sei nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr ins Heimatland in eine existenzielle Notlage gerate. D. Mit Eingabe vom 26. Februar 2013 reichte der Beschwerdeführer B e- schwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung vom 15. Februar 2013 ein. Dabei beantragte er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Rückweisung der Sache zur materiellen Überprüfung durch die Vori n- stanz sowie in verfahrensrechtlicher Hinsicht die Gewährung der unen t- geltlichen Prozessführung und den Verz icht auf die Erhebung eines Ko s- tenvorschusses. Zur Begründung wurde vorgebracht, dass sich aus den Anhörungsprotokollen Hinweise auf in der Zwischenzeit eingetretene E r-D-996/2013 Seite 5 eignisse ergäben, welche geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen oder di e für die Gewährung vorübergehenden Schutzes rel e- vant seien. Die Vorbringen des Beschwerdeführers seien substanziiert, in sich schlüssig und plausibel. Ausserdem würden sie zahlreiche Rea l- kennzeichen aufweisen. Die geschilderte Vergewaltigung sei ein Beisp iel dafür (vgl. Akte B5/15 S. 9). Während ihm dafür in der Erstbefragung Zeit gelassen worden sei, habe sich die befragende Person anlässlich der Bundesanhörung immer wieder mit Fragen dazwischen gestellt, weshalb der Beschwerdeführer dort keine ausführlic he Schilderung habe zu Pr o- tokoll geben können. Dennoch würden die im Protokoll und auch von der Hilfswerksvertretung festgehaltenen emotionalen Regungen die Glau b- haftigkeit der Aussagen unterstreichen. In der angefochtenen Verfügung sei die Vergewaltigung kein Thema und die Ohnmacht in diesem Zusa m- menhang sei in einem Satz als realitätsfremd qualifiziert worden. Damit habe das BFM die Begründungspflicht und folglich den Grundsatz des rechtlichen Gehörs verletzt. Die Voreingenommenheit der befragenden Person anlässlich der Bundesanhörung komme auch in zahlreichen a n- deren Fragestellungen zum Ausdruck, so beispielsweise im Satz: "Und das soll ich jetzt glauben, nach all dem, was Sie mir jetzt gesagt haben?". Mit Fragen dieser Art könne die nötige Basis, welche bei geschlechtsspe- zifischen Vorbringen als minimale Vertrauensgrundlage nötig sei, nicht geschaffen werden, was es für den Beschwerdeführer schwierig gemacht habe darüber zu sprechen. Das BFM habe in der angefochtenen Verf ü- gung bloss einzelne Vorbringen he rausgepickt und diese als realität s- fremd, widersprüchlich oder unsubstanziiert qualifiziert. Der bezüglich der Unterstützungsleistungen des Vaters erwähnte Widerspruch sei aus den Protokollen nicht ersichtlich. Das BFM werfe dem Beschwerdeführer z u- dem vor, er hätte den Reisepass, welchen er gemäss den Anweisungen des Schleppers habe nach Hause schicken müssen, den Asylbehörden abgeben müssen. Da indessen seine Identität bereits aus dem ersten Asylverfahren bekannt sei, weil er eine russische Identitätskarte zu den Akten gegeben und nicht zurück erhalten habe, könne keine Tä u- schungsabsicht vorliegen, weshalb die Glaubwürdigkeit des Beschwerde- führers nicht als Ganzes in Frage zu stellen sei. Auch die Argumentation des BFM, wonach es nicht plausibel sei, dass d er Beschwerdeführer in sein Heimatdorf zurückgekehrt sei, vermöge nicht zu überzeugen, zumal man ihm anlässlich der Rückkehrberatung erklärt habe, er müsse in sein Heimatland zurückkehren, weshalb er die Rückreise selber organisiert habe, um unerkannt in sein Heimatland einreisen zu können. Da er keine andere Wahl gehabt habe, sei er in sein Heimatdorf heimgekehrt. Um an seinem früheren Studienort leben zu können, hätte er sich dort anmelden D-996/2013 Seite 6 müssen und wäre damit erkannt worden, was er aber habe verhindern wollen. Das BFM habe auch keine Erklärung abgegeben, warum es das Interesse der Behörden für die Aktivitäten des Beschwerdeführers in den Jahren 2002 bis 2006 als unglaubhaft erachte, obwohl er in den Befr a- gungen ausführlich dazu Stellung genommen habe. Auch die Argumenta- tion des BFM rund um das Versteck des Beschwerdeführers bei der Vo r- ratskammer könne nicht überzeugen. Einerseits habe sich der Beschwer- deführer entgegen den Ausführungen des BFM nicht in der Vorratska m- mer selber, sondern im Keller darunter versteckt; andererseits stelle das Argument, die Vorratskammer werde sicher häufig frequentiert, eine blos- se Behauptung dar. Darüber hinaus sei es nicht ersichtlich, warum die Falltüre zum Keller unter der Vorratskammer nicht mit einem Linoleum zugedeckt gewesen sein solle. Vielmehr sei die diesbezügliche Schild e- rung des Beschwerdeführers detailreich und in sich schlüssig ausgefa l- len, während die Einwände des BFM aus der Luft gegriffen und nicht g e- rechtfertigt erscheinen würden. Das vom Beschwerdeführer ei ngereichte Arztzeugnis enthalte zwar einen Datumsfehler, weil es nicht – wie dort festgehalten – am (…), sondern am (…) ausgestellt worden sei. Dabei handle es sich um ein Versehen der Person, welche das Dokument au s- gestellt habe. Zudem sei es in Russland üblich, dass jeder Arzt einen e i- genen Stempel habe, was mit den verschiedenen auf dem Dokument vorhandenen Stempel vereinbar sei . Auch wenn der Beschwerdeführer nicht wisse, warum er von der Polizei ins Spital eingeliefert worden sei, lasse sich der Spitalaufenthalt erklären, so beispielsweise damit, dass die Polizisten nach den Folterungen über den Zustand des Beschwerdefü h- rers erschrocken gewesen seien und sich nicht hätten vorwerfen lassen wollen, jemanden zu Tode gefoltert zu haben, oder dass sie ihn mi t der Einlieferung ins Spital weiterhin hätten beobachten und von ihm Inform a- tionen gewinnen wollen. Ferner habe das BFM auch bezüglich der Arg u- mentation im Zusammenhang mit dem Steckbrief – abgesehen von der vom Beschwerdeführer unterschiedlich angegebene n Urheberschaft der Fotos – keine Begründung angeführt. Die Ursache dieses Fehlers sei entweder auf eine versehentlich falsche Angabe des Beschwerdeführers oder auf eine falsche Protokollierung zurückzuführen . Immerhin würden sich auch in andern Sätzen des Protokolls nur unvollständige Sätze fi n- den lassen. Insgesamt sei festzuhalten, dass sich aus den protokollierten Aussagen des Beschwerdeführers offensichtlich Hinweise dafür ergäben, dass nach seiner Rückkehr in sein Heimatland Ereignisse eingetreten seien, die geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Selbst im Fall von gewissen Zweifeln oder Einwänden könnten die g e- samten Vorbringen nicht als von vorneherein haltlos bezeichnet werden, D-996/2013 Seite 7 weshalb das BFM zu Unrecht auf das zweite Asylgesuch de s Beschwer- deführers nicht eingetreten sei und damit Bundesrecht verletzt habe. Fe r- ner sei zu erwähnen, dass sich der Beschwerdeführer als Folge der erlit- tenen Misshandlungen und der damit eingetretenen Flashbacks in ärztl i- cher Behandlung befinde. Ein Arztb ericht werde so bald wie möglich nachgereicht. E. Mit Eingabe vom 28. Februar 2013 wurde die Bestätigung über die Fü r- sorgeabhängigkeit des Beschwerdeführers zu den Akten gegeben und nochmals betont, dass der bereits in Aussicht gestellte Arztbericht nac h- gereicht werde. F. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 4. März 2013 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten könne und dass die G e- suche um Gewährung der unentgeltlichen Re chtspflege und Erlass des Kostenvorschusses zu einem späteren Zeitpunkt entschieden würden. Der Beschwerdeführer wurde aufgefordert, innert Frist einen Arztbericht nachzureichen und das BFM wurde zur Vernehmlassung eingeladen. G. Mit Eingabe vom 18. März 201 3 reichte der Beschwerdeführer die En t- bindung von der ärztlichen Schweigepflicht und einen Therapiebericht vom 8. März 2013 zu den Akten. H. In seiner Vernehmlassung vom 19. März 2013 hielt das BFM an seinen Erwägungen fest und teilte mit, dass die Beschwerd eschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, welche eine Änderung des Standpunktes rechtfertigen könne. I. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 20. März 2013 ohne Replikrecht zur Kenntnis gebracht. J. Mit Eingabe vom 22. März 2012 wurde die Kopie eines Arztberichtes vom 20. März 2013 und eine Kostennote zu den Akten gegeben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: D-996/2013 Seite 8 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundes verwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das S achgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichu ng der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Auf ein Asylgesuch wird nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in der Schweiz bereits ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen haben oder wä h- rend des hängigen Asylverfahrens in den Heimat- oder Herkunftsstaat zu- rückgekehrt sind. Diese Bestimmung findet jedoch keine An wendung, wenn es Hinweise auf zwischenzeitlich einge tretene Ereignisse gibt, die geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die f ür die D-996/2013 Seite 9 Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG). 3.2 Bei der Prüfung, ob Hinweise auf eine Verfolgung vorliegen, wel che geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, ist vom engen Verfolgungsbegriff im Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen. Zudem kommt ein gegenüber der Glaubhaftmachung reduzier ter Beweismassstab zur Anwendung: Auf ein Asylgesuch muss einge treten werden, wenn sich Hinweise auf eine relevante Verfolgung erge ben, die nicht zum Vornhe r- ein haltlos sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3 S. 17 und BVGE 2009/53 E.4.2). 3.3 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprü fen (Art. 32 - 35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer - deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vor instanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Die Be schwerdeinstanz enthält sich – sofern sie den Nichteintretens entscheid als unrecht mässig erachtet – einer selbständigen materiellen Prüfung, hebt die angefocht e- ne Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vor- instanz zurück (vgl. Ent scheidungen und Mitteilungen der Schweizer i- schen Asylrekurs kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.). Demgegenüber hat die Vorinstanz die Frage der Wegweisung sowie d e- ren Vollzugs materiell geprüft, wes halb dem Bundesver waltungsgericht einzig diesbezüglich volle Kognition zukommt. 3.4 Vorliegend steht unbestrittenermassen fest, dass der Beschwerdefüh- rer ein vorangegangenes Asylverfahren erfolglos durchlaufen hat, wobei auf das Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht man- gels Bezahlung des verlangten Kostenvorschusses nicht eingetreten wurde. 3.5 Ergeben sich aufgrund des Gesuchs Hinweise auf in der Zwischenzeit eingetretene Ereignisse, welche geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen (oder die für die Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant sind), fällt die Möglichkeit, in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG einen Nichteintretensentscheid zu treffen, ausser Betracht. Allein der Umstand, dass in einem weiteren Asylgesuch neue Asylgründe d ar- gelegt und allenfalls mit Beweismitteln dokumentiert w erden, bedeutet je- doch nicht, dass auf das Asylgesuch im Sinne eines Automatismus einzu- treten ist. Vielmehr ist im Hinblick auf die Frage, ob das ordentliche Ve r-D-996/2013 Seite 10 fahren durchzuführen oder ein Nichteintretensentscheid gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu fällen ist, unter Berücksichtigung des länderspez i- fischen und personenbezogenen Kontextes im konkreten Fall zu prüfen, ob sich aufgrund der geltend gemachten Vorbringen Hinweise ergeben, welche geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Ist dies der Fall, muss das BFM auf das weitere Asylgesuch eintreten und im Rahmen des ordentlichen Asylverfahrens eine förmliche Anhörung zu den Asylgründen nach Art. 29 und 30 AsylG durchführen (vgl. EMARK 2006 Nr. 20 E. 23.1 S. 214 f.). 4. 4.1 Vorliegend ist das BFM auf das zweite Asylgesuch des Beschwerde- führers, das mit erneuten Verfolgungsmassnahmen, welche sich nach der Rückkehr ins Heimatland ereignet hätten, begründet wurde, gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG nicht eingetreten. Da der Beschwerdeführer geltend machte, er sei in sein Heimatland zurückgekehrt, führte das BFM zu Recht ei ne Anhörung im Sinne von Art. 29 und 30 AsylG durch (vgl. Art. 36 Abs. 1 Bst. b AsylG). 4.2 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung damit, dass die vom B e- schwerdeführer geltend gemachten Asylgründe offensichtlich nicht zutr ä- fen beziehungsweise für die Flüchtlingseig enschaft nicht relevant seien, da sie nicht geglaubt werden könnten , sondern vielmehr eine erfundene Geschichte darstellten , weshalb keine Hinweise vorlägen, gestützt auf welche von Ereignissen auszugehen seien, die geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die Gewährung vor ü- bergehenden Schutzes relevant seien. 4.3 Der Beschwerdeführer legte demgegenüber dar, die Vorinstanz hätte seine Vorbringen in einer materiellen Entscheidung prüfen müssen, da vorliegend Hinweise auf Ereignisse , welche zur Fest stellung der Flüch t- lingseigenschaft geeignet seien, vorlägen. Selbst wenn gewisse Zweifel an den Vorbringen bestehen sollten, würden diese nicht ein Ausmass e r- reichen, gestützt auf welches insgesamt von der offensichtlichen Haltl o- sigkeit der Vorbringen auszugehen sei. 5. 5.1 Das BFM wirft dem Beschwerdeführer vor, er sei – wie damals im ers- ten Asylverfahren – nicht bereit, seine Reisepapiere den schweizerischen Asylbehörden gegenüber offenzulegen und seine tatsächliche Reiseroute D-996/2013 Seite 11 beziehungsweise seinen wirklichen Aufenthaltsort vor seiner Einreise in die Schweiz bekanntzugeben. Mit dieser offensichtlich fehlenden Berei t- schaft bei der Herstellung des Sachverhalts sei seine Glaubwürdigkeit grundsätzlich in Frage gestellt. Da er bereits ein Asylver fahren in der Schweiz durchlaufen habe, sei ihm die Bedeutung der Reisepapiere b e- kannt gewesen, weshalb seine Aussage, er habe den Reisepass nach seiner Ankunft in der Schweiz dem Schlepper ausgehändigt, weil er a n- genommen habe, er benötige ihn nicht mehr, nicht gehört werden könne. Zwar vermag der Einwand des Beschwerdeführers, weshalb er den Re i- sepass dem Schlepper ausgehändigt haben will, tatsächlich nicht zu überzeugen, da es jeder Person, welche in einem fremden Land um Schutz nachsucht, bewusst sein m uss, dass sie sich den Behörden g e- genüber auszuweisen hat. Insofern ist der Argumentation des BFM be i- zupflichten, während die Einwände in der Beschwerde unbehelflich sind. Auch wenn sich bereits heimatliche Ausweisschriften aus dem ersten Asylverfahren in den Akten befinden, sind Asylsuchende verpflichtet, den schweizerischen Asylbehörden diejenigen Identitäts - und Reisepapiere abzugeben, mit welchen sie die erneute Reise angetreten haben. Zudem wurde der Beschwerdeführer bereits anlässlich des ersten Asylverfahrens auf die ihm obliegende Wahrheits- und Mitwirkungspflicht bezüglich der Abgabe von Identitätspapieren hingewiesen (vgl. Akte A3/12 S. 4). Da sich aus den Akten des ersten Asylverfahrens ergibt, dass der Beschwe r- deführer schon damals offensichtlich nicht bereit war, seinen Reisepass abzugeben, liegt der Schluss nahe, dass er auch beim zweiten Asylve r- fahren den Behörden gegenüber seinen Reisepass vorenthält, was Aus- wirkungen auf seine persönliche Glaubwürdigkeit hat. Indessen kann ihm allein aus diesem Verhalten nicht zum vorneherein jegliche Glaubwürdi g- keit abgesprochen werden, wie dies das BFM in der nunmehr angefoc h- tenen Verfügung tut, wobei das BFM zudem nicht bei den Tatsachen bleibt, wenn es dem Beschwerdeführer vorwirft, er sei bereits im erste n Asylverfahren nicht bereit gewesen, seine Reisepapiere auszuhändigen, was seine offensichtlich fehlende Bereitschaft bei der Herstellung des Sachverhalts zeige, da dieser damals seinen Inlandpass und seinen Fü h- rerschein abgab und sich der Inlandpass nach wie vor in den Akten befin- det (vgl. Akte A3/12 S. 4 f.). Von einer gänzlichen Verweigerung bei der Mitwirkung des Sachverhalts kann unter diesen Umstän den nicht gespro- chen werden, und es erscheint unangemessen, die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers gr undsätzlich – und damit pauschal – in Frage zu stellen, weil er im zweiten Asylverfahren seinen Reisepass nicht zu den Akten gab, auch wenn ihm – in Übereinstimmung mit dem BFM – nicht geglaubt werden kann, er habe diesen dem Schlepper abgegeben, weil D-996/2013 Seite 12 er gedacht habe, ihn nicht mehr zu benötigen. Die persönliche Glaubwür- digkeit des Beschwerdeführers mag zwar mit diesem Verhalten ang e- schlagen sein; indessen sind seine Asylgründe trotzdem mit der nötigen Sorgfalt, Unvoreingenommenheit und Ernsthaftigkeit zu p rüfen, was sich aus dem für die Asylbehörden geltenden Untersuchungsgrundsatz für die Feststellung des erheblichen Sachverhalts und für die Beurteilung des Asylgesuchs ergibt. Dabei haben die Asylbehörden nicht nur das gegen den Beschwerdeführer sprechende Aktenmaterial zu berücksichtigen. Vielmehr sind im Sinne einer gesamthaften Betrachtungsweise auch di e- jenigen Akten, welche für die Darstellung seiner Ausreisegründe spr e- chen, in die Entscheidung mit einzubeziehen. 5.2 Ob die Vorbringen des Beschwerdeführers in seinem zweiten Asylver- fahren offensichtlich nicht geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, weshalb auf sein zweites Asylverfahren nicht eingetreten werden muss, kann sich nicht in erster Linie daraus ergeben, ob die Gründe, warum er kei ne Identitäts - und Reisepapiere abgab, geglaubt werden können, zumal es sich dabei um zwei gänzlich verschiedene Sachverhaltsteile handelt, welche unabhängig voneinander zu beurteilen sind, auch wenn Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen bezüglich Letzterem dazu verleiten mögen, grundsätzlich an allen Aussagen zu zweifeln. Trotz dieser Zweifel sind die Asylbehördene verpflichtet, unvor- eingenommen zu prüfen, ob Hinweise auf das Bestehen der Flüchtling s- eigenschaft vorhanden sind oder nicht. Ergeben sich bei dieser Prüfung solche Hinweise, muss auf das Asylgesuch eingetreten werden, was die Prüfung der Asylgründe in einem materiellen Verfahren nach sich zieht. 5.3 Vorliegend äusserte sich das BFM zu den Vorbringen des Beschwe r- deführers dichtgedrängt auf insgesamt eineinhalb Seiten, wobei es zah l- reiche Elemente des Sachverhaltes zwar kurz erwähnte, die Begründung indessen nicht immer in sich schlüssig und damit nicht überzeugend aus- gefallen ist. Teilweise wurde der vom Beschwerdeführer geltend gemach- te Sachverhalt als ungereimt und deshalb als unglaubhaft qualifiziert, ob- wohl es sich bei einer genaueren Betrachtung um keine oder um ve r- nachlässigbare beziehungsweise erklärbare Ungereimtheiten handelt. In- dessen ist aus der angefochtenen Verfügung ersichtlich, dass die geltend gemachten Asylgründe im vorliegenden Verfahren komplexer und vie l- schichtiger sind, als auf den ersten Blick mit der angefochtenen Verf ü- gung der Eindruck erweckt wird. Zudem hat das BFM die Beurteilung der Glaubhaftigkeit einseitig zu Lasten des Beschwerdeführers vorgeno m- men, indem es zentrale Sachverhaltselemente wie die geltend gemac h-D-996/2013 Seite 13 ten Misshandlungen und die damit im Zusammenhang stehende ärztliche Behandlung des Beschwerdeführers in der Schweiz , welche seine Vo r- bringen untermauert hätten, in seinen Erwägungen gänzlich unerwähnt und damit ungeprüft liess, obwohl der Beschwerdeführer darüber bereits anlässlich der Befragung und der Anhörung gesprochen hatte. Im Einzel- nen ist nachfolgend auf einige Argumente des BFM näher einzugehen: 5.3.1 Beispielsweise stellt sich der vermeintliche Widerspruch, wonach der Vater des Beschwerdeführers einmal die Aufständischen mit Leben s- mitteln und einmal mit Vieh unterstützt habe, als unbehelflich heraus, da an den beiden in der angefochtenen Verfügung erwähnten Pr otokollstel- len von der Versorgung der Aufständischen mit Lebensmitteln bezi e- hungsweise mit Fleisch, das ja auch ein Lebensmittel ist, die Rede ist. Ob zuvor das Vieh von einem zu einem andern Ort gebracht wurde, ist dabei unerheblich, da es in beiden Varia nten um die Versorgung der Aufständ i- schen geht, was vom BFM offensichtlich verkannt wird. 5.3.2 Auch die dem Beschwerdeführer vorgeworfene fehlende Nachvol l- ziehbarkeit hinsichtlich seines Verstecks bei seinem Freund kann nicht als schlagendes Argument gegen die Glaubhaftigkeit betrachtet werden, zumal der Beschwerdeführer an beiden zitierten Protokollstellen von e i- nem Kellerraum unt er einem Lin oleumboden spricht und dabei erwähnt, es hätten sich dort Vorräte für das Allernötigste befunden, was nicht für die vom B FM erwähnte häufige Frequentierung der Vorratskammer und somit nicht gegen die Nachvollziehbarkeit spricht. 5.3.3 Des Weiteren legte das BFM in der angefochtenen Verfügung dar, die Behauptung des Beschwerdeführers, er hätte nach seiner Festnahme im Juli 2012 ein schriftliches Geständnis über die Unterstützung der Au f- ständischen in den Jahren 2002 bis 2006 abgeben sollen, sei kaum nachvollziehbar, weil nicht geglaubt werden könne, die russischen Behör- den würden sich erst sechs Jahre später für seine Aktivitäten in den Jah- ren 2002 bis 2006 interessieren, zumal er sich ja nicht mehr in Tsch e- tschenien aufgehalten habe , während seine Brüder immer noch im He i- matdorf seien. Diese Begründung ist indessen nicht in sich schlüssig, weil sie nicht zu Ende gedacht ist und weil zudem allgemein bekannt ist, dass auch heute noch nach ehemaligen Unterstützern der tschetschenischen Widerstandskämpfern gesucht wird. Unter diesem Blickwinkel erscheint der Einwand des Beschwerdeführers, man suche Sündenböcke, entg e- gen der vom BFM vertretenen Meinung nicht ganz abwegig, wobei jedoch vorliegend der Sachverhalt in diesem Punkt unvollständig abgeklärt wo r-D-996/2013 Seite 14 den zu sein scheint, da vom Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung nicht mit der nötigen Beharrlichkeit Erklärungen darüber verlangt wur den, warum ausgerechnet er als Sündenbock dienen sollte. Damit vermag auch dieses Argument des BFM nicht zu überzeugen. 5.3.4 Das BFM wirft dem Beschwerdeführer ferner vor, er sei freiwillig in sein Heimatdorf zurückgekehrt, obwohl er geltend gemacht habe, dort verfolgt zu werden, was nicht nachvollziehbar und somit nicht glaubhaft sei. Vielmehr hätte er sich in seiner ehemaligen Studienstadt niederla s- sen können. Demgegenüber legt der Beschwerdeführer dar, anlässlich der Rückkehrberatung habe man ihm gesagt, dass er aufgrund der A b- lehnung seines ersten Asylgesuches in sein Heimatland gehen müsse, weshalb er zu seinen Angehörigen zurückgekehrt sei, da er sonst nie- manden habe und sich an einem andern Ort hätte offiziell anmelden müs- sen, was dann den Behörden bekannt geworden wäre und Verfolgung s- massnahmen hätte auslösen können. B ei seinen Angehörigen habe er sich aus Angst vor weiteren Behelligungen versteckt aufhalten können , und zudem habe er dort auf die Ausstellung eines gefälschten Reisepa s- ses gehofft, damit er anschliessend unter falscher Identität und damit für die Behörden unerkannt hätte leben können. Auch wenn das BFM die Rückkehr des Beschwerdeführers an den Ort, an welchem er Verfo l- gungsmassnahmen befürchtet, zu Recht nicht als nachvollziehbar b e- trachtet, vermag diese Sichtweise mangels genauerer Klärung des Sac h- verhalts vorliegend nicht zu überzeugen. Aus dem Anhörungsprotokoll kommt im Zusammenhang mit den Fragen zu seiner Rückkehr und der Ausstellung des erwähnten gefälschten Reisepasses die Ungeduld und Voreingenommenheit der befragenden Person zum Ausdruck, so be i- spielsweise mit der Frage, die eher als Wertung denn als Frage gilt, "Das war aber eine seltsame Hoffnung?" (vgl. Akte B12/17 S. 6), während Fr a- gen, welche den diesbezüglichen Sachverhalt hätte n klären können, wie beispielsweise die Frage, was er denn unternommen habe, um zu einem gefälschten Reisepass zu kommen, oder warum er gehofft habe, einen solchen zu erhalten, oder wo beziehungsweise bei wem er diesen in Au f- trag gegeben habe, nicht gestellt wurden und somit den Sachverhalt offen lassen. Aus dem Protokoll geht schliesslich nicht klar hervor, mit welchem Reisepass der Beschwerdeführer schliesslich sein Heimatland zum zwe i- ten Mal verlassen haben will – mit dem echten, den er den Asylbehörden in der Schweiz anlässlich des ersten Asylgesuchs vorenthalten haben will oder mit einem gefälschten. Mangels Klärung des Sachverhalts über- zeugt auch diese Argumentation des BFM nicht, obwohl Zweifel an der D-996/2013 Seite 15 Darstellung der diesbezüglichen Vorbringen des Bes chwerdeführers durchaus angebracht erscheinen mögen. 5.3.5 Aus dieser und mehreren anderen Protokollstellen des Anhörung s- protokolls ist ausserdem ersichtlich, dass der Bef rager seiner Rolle als neutrale und den Sachverhalt erhebende Person nicht immer gerecht geworden ist, indem er dem Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung mehrmals zu verstehen gab, dass er seinen Ausführungen offensichtlich nicht glaubt, und indem er mehrmals fragwürdige Wertungen äussert e oder Fragen, welche mit Wer tungen verbunden waren, st ellte (so be i- spielsweise die Fragen 48, 49, 53, 63, 94, 126 in Akte B12/17) , was auf das Klima in der Anhörung Auswirkungen gehabt haben muss. Zu Recht wurde denn auch in der Beschwerde gerügt, dass eine gewisse Vorei n- genommenheit des Befragers zum Ausdruck gekommen sei, welche nicht als geeignete Basis habe dienen können. Auch wenn der Befrager von Anfang an Zweifel an den Aussagen des Beschwerdeführers hatte, ist es insbesondere dann für die Klärung des Sachverhalts ungünstig und auch unangebracht, diese Zweifel schon anlässlich der Anhörung selber zum Ausdruck zu bringen, wenn auch Themen im Raum stehen, welche für die betroffene asylsuchende Person als schwierig zu qualifizieren sind, wie dies beispielsweise bei geltend gemachten Misshandlungen der Fall ist. Selbst im Fall von Zweifeln kann solchen Themen nicht beliebig aus dem Weg gegangen werden in der Annahme, wenn die Geschichte mehrhei t- lich nicht geglaubt werden kann, muss auch den in diesem Zusamme n- hang geltend gemachten Misshandlungen kein Glaube g eschenkt we r- den, weshalb sich Fragen darüber erübrigen. Diese Sichtweise greift in s- besondere dann zu kurz, wenn – wie vorliegend – aus dem Erstprotokoll diesbezügliche Informationen vorliegen, die nicht auf den ersten Blick als unglaubhaft zu qualifizieren sind und folglich einer genaueren Überpr ü- fung bedürfen. Der Beschwerdeführer indessen wurde über seinen Au f- enthalt bei der Polizei und die in diesem Zusammenhang vorgebrachten Misshandlungen auf weniger als einer Seite mit insgesamt bloss acht Fragen angehört (vgl. Akte B12/17 S. 7 unten und 8 bis Mitte), obwohl es sich dabei – wie in der Beschwerde ebenfalls zu Recht gerügt wurde – um ein zentrales Vorbringen handelt, dessen Klärung mehr erfordert hä t- te. Im Gegensatz dazu erstrecken sich die Fragen zu den Reisepapieren und zur Rückreise über mehrere Seiten (vgl. Akte B12/17 S. 1 bis 6 Mi t- te). In der angefochtenen Verfügung wurden zudem die geltend gemac h- ten Misshandlungen durch die Polizei im Teil der Erwägungen auch nicht ansatzweise erwähnt und beurteilt, womit ein wesentlicher Teil des Sach- verhalts nicht in die Entscheidung des BFM einfloss. Damit hat das BFM D-996/2013 Seite 16 auch seine Begründungspflicht verletzt. Selbst für den Fall, dass sich die Vorbringen des Beschwerdeführers insgesamt als unglaubhaft herau s- stellen sollten, wäre im Teil der Erwägungen der Schluss zu ziehen, dass unter diesen Umständen auch den in diesem Zusammenhang geltend gemachten Nachteilen durch die Polizei und insbesondere den vorg e- brachten Misshandlungen kein Glaube geschenkt werden kann. Von einer "sinngemässen", weil unerwähnt gelassenen Beurteilung dieser Vorbri n- gen durch das BFM ist aufgrund ihrer Bedeutung für den Beschwerdefüh- rer unter den gegebenen Umständen nicht auszugehen. 5.4 Insgesamt erscheint die in der Beschwerde erhobene Kritik am Vo r- gehen des BFM und an seiner Argumentation somit teilweise gerechtfer- tigt, weshalb dem BFM die Möglichkeit zu einer Stellungnahme gewährt worden ist. Das BFM nahm indessen in seiner Ver nehmlassung vom 19. März 2013 nicht dazu Stellung. 5.5 Folglich sind aus den bestehenden Akten – soweit der Sachverhalt geklärt wurde – Hinweise ersichtlich für in der Zeit zwischen dem A b- schluss des ersten und der Einreichung des zweiten Asylverfahrens ei n- getretenen Ereignis se, welche geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen und welche nicht als haltlos zu betrachten sind. Es würde indessen den Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens spre n- gen und dem Beschwerdeführer zudem eine Instanz wegnehmen, die Glaubhaftigkeit seiner nunmehr geltend gemachten Asylgründe näher zu überprüfen. Vorliegend hat sich das BFM zudem auch gründlicher mit den Vorbringen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt als dies in Nich t- eintretensentscheiden üblich ist. Von einer offensich tlichen Haltlosigkeit der Vorbringen kann schon deshalb keine Rede sein. 5.6 Das BFM ist folglich zu Unrecht in An wendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat damit einerseits Bundesrecht verletzt und andere r- seits den rechtserheblichen Sachverhalt nur teilweise festgestellt, was aus den vorangehenden Erwägungen hervorgeht. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und die Sache zur materiellen Beurteilung im Sinne der Erwägungen an das BFM zurü ckzuweisen. Demzufolge sind die Zi f- fern eins bis vier des Dispositivs der angefochtenen Verfügung aufzuh e- ben. D-996/2013 Seite 17 6. 6.1 Angesichts des Ausgangs des Verfahrens sind keine Verfahrensko s- ten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewä h- rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird somit gegenstandslos. 6.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädi gung für die ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten (Art. 64 VwVG, Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführer hat mit Eingabe vom 22. März 2013 eine Kostennote zu den Akten gereicht, gestützt auf welche bei ein em Stundenansatz von Fr. 200. - insgesamt 9,25 Stunden und Barauslagen in der Höhe von Fr. 123.75 in Rechnung gestellt wurden, was einem Totalbetrag von Fr. 1'973.75 entspricht. Ange- sichts des geringen Umfangs des Dossiers, der verhältnismässig kurzen Beschwerde von wenig mehr als fünf Seiten und der zwei sehr kurzen zusätzlichen Eingaben von weniger als einer Seite erscheint dieser Au f- wand als zu hoch, zumal nicht ersichtlich ist, warum für Letztere eine hal- be beziehungsweise eine Stunde notwendig gewesen w äre. Insgesamt erscheint es somit gerechtfertigt, den in der Honorarnote ausgewiesenen Aufwand um Fr. 500. - zu reduzieren, was einer Entschädigung von Fr. 1'473.75 entspricht. Die von der Vorinstanz zu entrichtende Parteien t- schädigung ist demnach in dieser Höhe festzusetzen (Art. 14 VGKE). (Dispositiv nächste Seite) D-996/2013 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 2. Die Sache wird zur Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen. Das BFM wird angewiesen, das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers materiell zu behandeln und noch offene Sachverhaltsteile zu klären. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 1'473.75 auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: