A bteilung IV D -6110/2006 sch/bah {T 0/2} U rteil vom 27. Juli 2007 M itw irkung:R ichter H ans Schürch, R obert G alliker, Bendicht Tellenbach G erichtsschreiber C hristoph Basler A ._______, geboren _______, Arm enien, vertreten durch R ené Bussien, R echtsanw alt, _______, Beschw erdeführerin gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 26. Septem ber 2006 i.S. N ichteintreten auf A sylgesuch und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D ie Beschw erdeführerin, eigenen Angaben gem äss eine aserbaidschanische Staatsangehörige gem ischt-ethnischer Abstam m ung, verliess ihr H eim atland im April oder M ai 1989 und lebte zehn Jahre lang bei einer arm enischen Fam ilie in der Türkei. Im Jahre 1999 sei sie in die Vereinigten Arabischen Em irate (D ubai) w eitergereist, w o sie bis im Juli 2006 in einem Laden gearbeitet habe. Sie habe sich in beiden Ländern illegal aufgehalten. Von D ubai her kom m end gelangte sie am 18. Juli 2006 in die Schw eiz, w o sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Bei der Em pfangszentrenbefragung, die am 25. Juli 2006 in A._______ stattfand, sagte sie aus, ihr Ehem ann sei im Jahre 1989 um gebracht w orden. Sie sei von ihrer Schw ägerin bedroht w orden, w eil ihre M utter ethnische Arm enierin gew esen sei. Sie sei schw anger gew esen und Freunde ihres M annes hätten ihr geholfen, in die Türkei zu gelangen. Sie sei bew usstlos in ein Spital in B._______ eingeliefert w or- den; als sie zu sich gekom m en sei, habe m an ihr gesagt, ihr Kind sei tot. N achdem der H ausherr verstorben sei, habe sie dessen Sohn w eggejagt, w eshalb sie die Türkei verlassen habe. In D ubai habe sie ihre Schw ägerin im Laden, in dem sie gearbeitet habe, angetroffen. D iese habe w issen w ollen, w o ihr Kind sei; sie sei von ihr beschuldigt w orden, das Kind verkauft oder getötet zu haben. D ie Schw ä- gerin habe ihr m it Anzeige beziehungsw eise Verschleppung gedroht. Auf N achfra- ge erklärte sie, ihr Ehem ann sei von Arm eniern getötet w orden, w eil er Aserbaid- schaner sei. Sie sei von den Freunden ihres M annes bedroht w orden. Sie habe in Aserbaidschan in einem arm enischen Viertel gelebt und sei von Aserbaidschanern bedroht w orden. Am 3. August 2006 führte ein von der Vorinstanz beauftragter Experte der Fach- stelle LIN G U A ein Telefongespräch m it der Beschw erdeführerin, aufgrund dessen er am 19. August 2006 eine H erkunftsanalyse erstellte. D er Experte gelangte zum Schluss, dass die Beschw erdeführerin m it Sicherheit nicht hauptsächlich in Aser- baidschan, sondern sehr w ahrscheinlich in Arm enien sozialisiert w orden sei. D as BFM gew ährte der Beschw erdeführerin am 22. Septem ber 2006 das rechtli- che G ehör zum Ergebnis der LIN G U A-Analyse. D iese hielt an den bisher von ihr gem achten Angaben fest. B. M it Verfügung vom 26. Septem ber 2006 trat das BFM gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) auf das Asylge- such der Beschw erdeführerin nicht ein, und verfügte die W egw eisung sow ie deren Vollzug. C . M it Eingabe vom 29. Septem ber 2006 an die Schw eizerische Asylrekurskom m issi- on (AR K) beantragte die Beschw erdeführerin durch ihren Vertreter, die angefoch- tene Verfügung sei aufzuheben und die Akten seien zur Prüfung ihrer Asylw ürdig- keit an die Vorinstanz zurückzuw eisen. Von einer W egw eisung sei abzusehen und es sei ihr die unentgeltliche R echtspflege zu gew ähren. D as Verfahren sei vorder- hand zu sistieren und ihrem R echtsvertreter seien die vollständigen Akten (inkl. LIN G U A-Analyse/Bericht Länderexperte) zur Einsichtnahm e zuzustellen. D ie Frist zur einlässlichen Begründung der Beschw erde sei um 14 Tage (nach Eingang die-3 ser Akten) zu erstrecken. D . M it Zw ischenverfügung vom 5. O ktober 2006 w ies der Instruktionsrichter der AR K die G esuche um Sistierung des Verfahrens und G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021) ab. D as G esuch um G ew äh- rung der unentgeltlichen R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 Vw VG w urde gutge- heissen. D ie Akten w urden dem BFM zur Vernehm lassung überw iesen und für den Entscheid über die G ew ährung erw eiterter Akteneinsicht und Ansetzung einer Frist zur Beschw erdeergänzung w urde auf den Zeitpunkt nach Eingang der Vernehm - lassung verw iesen. E. D as BFM beantragte in seiner Vernehm lassung vom 18. O ktober 2006 die Abw ei- sung der Beschw erde. F. In der Stellungnahm e vom 17. N ovem ber 2006 hält die Beschw erdeführerin an ih- ren Anträgen fest. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 Vw VG , sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorins- tanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Ver- fügungen des BFM gestützt auf das AsylG ; das Bundesverw altungsgericht ent- scheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei der AR K hängig gew esenen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; die Beschw erdeführerin ist legitim iert (Art. 108a AsylG sow ie Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 52 Vw VG ). Auf die Beschw erde ist einzutreten. 3. Bei der Beurteilung von Beschw erden gegen N ichteintretensentscheide des BFM beschränkt sich die Beschw erdeinstanz praxisgem äss auf die Ü berprüfung der Frage, ob die Vorinstanz zu R echt auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. D ie Beurteilungskom petenz des Bundesverw altungsgerichts ist som it darauf be-4 schränkt, im Fall der Begründetheit des R echtsm ittels die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückgehen zu lassen (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurs- kom m ission [EM AR K ] 2004 N r. 34 E. 2.1. S. 240 f.). Lediglich betreffend die ver- fügte W egw eisung und deren Vollzug hat das Bundesverw altungsgericht volle Kognition, w eil diese Punkte vom BFM bereits m ateriell geprüft w urden. 4. G em äss Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG w ird auf ein Asylgesuch nicht eingetreten, w enn Asylsuchende die Behörden über ihre Identität täuschen und diese Täu- schung aufgrund der Ergebnisse einer erkennungsdienstlichen Behandlung oder anderer Bew eism ittel feststeht. G estützt auf Art. 1 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) um fasst der Begriff der Identität im R ahm en des AsylG und der AsylV 1 Vornam en, Staatsan- gehörigkeit, Ethnie, G eburtsdatum , G eburtsort und G eschlecht. 5. 5.1 D as BFM begründete seine Verfügung dam it, dass die Beschw erdeführerin ver- sucht habe, die Behörden über ihre Identität zu täuschen, indem sie falsche Anga- ben bezüglich ihrer Ethnie und N ationalität gem acht habe. Ihre Angaben seien durch den w issenschaftlichen Bew eis der LIN G U A-Analyse eindeutig w iderlegt w orden. So verfüge sie nur über geringe Kenntnisse des kulturellen, sozialen und politischen U m felds in Aserbaidschan. Insbesondere habe sich ergeben, dass sie w eit besser arm enisch spreche als sie angegeben habe; ihre Aussprache sei cha- rakteristisch für Arm enien. Ihre Kenntnisse der aserischen Sprache seien gering, gegenüber dem LIN G U A-Experten habe sie sogar behauptet, diese Sprache ver- gessen zu haben, obschon sie von 1963 bis 1989 in Aserbaidschan gelebt habe. Zum abgegebenen G eburtsschein sei festzuhalten, dass G eburtsscheine aus der sow jetischen Zeit häufig zu kaufen seien und m eistens handschriftlich ausgefüllt w ürden. Es sei europaw eit üblich, dass effektiv in Arm enien geborene und lebende Arm enier in Asylverfahren geltend m achten, in Aserbaidschan geboren w orden zu sein. D er von ihr abgegebene G eburtsschein entspreche genau diesen Kriterien. 5.2 In der Beschw erde w ird geltend gem acht, die LIN G U A-Analyse sei der Beschw er- deführerin nicht ausgehändigt w orden, es liege lediglich ein Protokoll betreffend rechtliches G ehör vor. Sie habe glaubhaft dargelegt, dass sie ihren letzten W ohn- sitz in C ._______/Aserbaidschan gehabt habe. Es könne keinem Zw eifel unterlie- gen, dass die eingereichte G eburtsurkunde echt sei. Sie habe sodann bei der Kurzbefragung eindeutig nicht unglaubhafte Angaben über ihren W erdegang, ihre Fam ilie, ihre H erkunft und ihre Asylgründe gem acht. D ie Beschw erdeführerin habe sich telefonisch m it einer Frau unterhalten, w obei R ussisch gesprochen w orden sei. Eine U nterhaltung auf aserbaidschanisch oder arm enisch habe nicht stattge- funden, w eshalb die Angaben der Expertin nicht zu unterdrückenden Zw eifeln un- terlägen. Es leuchte ein, dass sie die aserische Sprache nicht m ehr authentisch spreche, zum al ihr aserischer Vater früh verstorben und ihr aserischer Ehem ann um gebracht w orden sei. Zudem habe sie sich 20 Jahre lang im Ausland aufgehal- ten. Sie sei in ihrem H eim atland aus politisch-ethnischen G ründen verfolgt und dis-5 krim iniert w orden. Zudem seien auch frauenspezifische Fluchtgründe geltend ge- m acht w orden. In der Verfügung w ürden andere G ründe als die Identitätstäu- schung gar nicht geprüft, w eshalb sie w illkürlich erlassen w orden sei. 5.3 D as BFM führt in seiner Vernehm lassung aus, es habe m it der Erstellung der LIN - G U A-Analyse einen externen Sachverständigen beauftragt, dem die für die zu be- antw ortenden Fragen erforderliche fachliche und sprachliche Q ualifikation zw eifel- los zukäm e. D ie Beschw erdeführerin sei nicht nur in sprachlicher H insicht, sondern auch in Sachen Länder- und O rtskenntnisse geprüft w orden. D ie Erkenntnisse des Sachverständigen seien in einem um fassenden, w iderspruchsfreien und schlüssi- gen Bericht zusam m engefasst w orden. Zu den Erkenntnissen sei ihr ausführlich das rechtliche G ehör gew ährt w orden. Entgegen der Behauptungen in der Be- schw erde, sei ihr der W erdegang des Experten anlässlich der G ew ährung des rechtlichen G ehörs vom 22. Septem ber 2006 ausgehändigt w orden. D er Einsicht in den W ortlaut einer LIN G U A-Analyse stünden überw iegende öffentliche G eheim hal- tungsinteressen entgegen. Es stehe der Beschw erdeführerin beziehungsw eise de- ren R echtsvertreter jederzeit offen, in einer BFM -Stelle die C D -R om anzuhören. D ie Befragung, das rechtliche G ehör und die LIN G U A-Analyse hätten in russischer Sprache durchgeführt w erden m üssen, da die Beschw erdeführerin bei der Erstbe- fragung ausgesagt habe, dies sei ihre M uttersprache. Schliesslich gebe es keiner- lei H inw eise auf eine frauenspezifische Verfolgung. 5.4 In der Stellungnahm e w ird entgegnet, es treffe zu, dass der anonym e Kurzlebens- lauf bei den Akten liege, jedoch fehle das G esprächsprotokoll. W enn die Be- schw erdeführerin sage, sie habe sich beim Test lediglich telefonisch auf R ussisch unterhalten, könne dies m it dem Kurzlebenslauf nicht verifiziert w erden. D ie Vorinstanz gebe zu, dass sie keine Einsicht in das W ortprotokoll gebe und berufe sich auf einen alten AR K-Entscheid, der für den vorliegenden Fall nicht gelte. Es sei nicht nachvollziehbar und nicht eindeutig, aus w elchen G ründen die Vorinstanz behaupte, sie habe ihre Identität verschleiert beziehungsw eise darüber getäuscht. Sie sei seit 20 Jahren unterw egs und habe sehr viele Kenntnisse verloren. D er Test sei nicht aussagekräftig und ihre angeblich ungenügenden Angaben seien nachvollziehbar. Sei sei hochschw anger in ein Spital eingeliefert w orden und als sie w ieder zu sich gekom m en sei, habe m an erklärt, ihr Kind sei gestorben. Sie habe in der Türkei m it einem M ann w ie seine zw eite Frau zusam m engelebt und sei desw egen bedroht w orden; m an habe nach ihrem Leben getrachtet. 6. Zur in der Beschw erde erhobenen R üge, die Vorinstanz habe den Anspruch der Beschw erdeführerin auf rechtliches G ehör verletzt, w eil die LIN G U A-Analyse nicht ediert w orden sei, ist Folgendes festzuhalten: In einem in den Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 1998 N r. 34 publizierten U rteil w urde ausführlich erörtert, w elche Einschränkungen bei der O f- fenlegung von LIN G U A-Analysen zulässig sind (vgl. E. 9 dieses U rteils). Bei der in der Stellungnahm e vertretenen Auffassung, w onach dieser AR K-Entscheid für den vorliegenden Fall nicht gelte, handelt es sich um eine unbegründete und unzutref- fende Behauptung, denn das Bundesverw altungsgericht hält an den von der AR K aufgestellten Leitlinien hinsichtlich der Anw endung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG im Zusam m enhang m it LIN G U A-Analysen fest. Vorliegend w urde der Beschw erde-6 führerin der erforderliche, anonym isierte fachliche Lebenslauf des Experten unter- breitet, so dass sie sich ein Bild von dessen Q ualifikation m achen konnte. Bei der G ew ährung des rechtlichen G ehörs vom 12. Septem ber 2006 w urde ihr sodann der w esentliche Inhalt der LIN G U A-Analyse bekannt gegeben und die M öglichkeit zur Stellungnahm e angeboten. D as Bundesverw altungsgericht gelangt zum Schluss, dass das BFM vorliegend den aufgestellten Leitlinien nachgekom m en ist. D er Antrag der Beschw erdeführerin, die LIN G U A-Analyse sei ihr zur Einsichtnah- m e zuzustellen, ist aufgrund des überw iegenden öffentlichen G eheim haltungsinter- esses abzuw eisen. D em nach ist auch der Antrag auf Ansetzung einer Frist zur er- gänzenden Beschw erdebegründung abzuw eisen. 7. 7.1 G em äss der langjährigen Praxis der AR K, der sich das Bundesverw altungsgericht anschliesst, sind LIN G U A-Analysen des BFM nicht als Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e Vw VG ; Art. 57 ff. des Bundesgesetzes vom 4. D ezem ber 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP, SR 273] i.V.m . Art. 19 Vw VG ), sondern als schriftli- che Auskünfte einer D rittperson (Art. 12 Bst. c Vw VG ; Art. 49 BZP i.V.m . Art. 19 Vw VG ) zu w erten, denen indessen - sofern bestim m te Anforderungen an die fach- liche Q ualifikation, O bjektivität und N eutralität des Experten w ie auch an die inhalt- liche Schlüssigkeit und N achvollziehbarkeit der Analysen erfüllt sind - erhöhter Be- w eisw ert zugem essen w ird (vgl. EM AR K 2003 N r. 14 E. 7 S. 89, 1998 N r. 34 S. 284 ff.). LIN G U A-Analysen sind som it grundsätzlich geeignet, den N achw eis einer Identitätstäuschung im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG zu erbringen (vgl. EM AR K 1999 N r. 19 E. 3d S. 125 f.). 7.2 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass der vorliegend zu beurteilenden, ausführlich begründeten LIN G U A-Analyse nach den erw ähnten Kriterien erhöhter Bew eisw ert zukom m t, da sie einen nachvollziehbaren und überzeugenden Eindruck hinterlässt und zu keinen Beanstandungen Anlass gibt. D er U m stand, w onach der Experte sich m it der Beschw erdeführerin in russischer Sprache unterhielt, m indert sodann den Bew eisw ert der LIN G U A-Analyse in keiner W eise, bezeichnete sie doch das R ussische als ihre M uttersprache. Aufgrund der Kenntnisse der Beschw erdeführerin kann zw ar nicht ausgeschlossen w erden, dass sie sich eine gew isse Zeit lang in C ._______ aufhielt, da sie aber m ehrere w ichtige G egebenheiten in der Stadt beziehungsw eise deren U m gebung nicht benennen konnte, m uss ausgeschlossen w erden, dass sie von 1963 bis 1989 dort lebte. H ätte sie, w ie von ihr geltend gem acht, ihre Kindheit und w eitere Jahre dort verbracht, w äre sie in der Lage gew esen, die ihr gestellten Fragen korrekt zu beantw orten. Auch die von ihr geltend gem achten m ehrjährigen Auslandaufenthal- te verm ögen nicht zu erklären, dass eine in C ._______ aufgew achsene Person grundlegende G egebenheiten in dieser Stadt beziehungsw eise deren U m gebung nicht benennen kann; ihr Erklärungsversuch, sie habe vieles vergessen, ist in die- sem Zusam m enhang nicht stichhaltig. D ie vom Experten gezogene Schlussfolge- rung, die Beschw erdeführerin sei nicht hauptsächlich in Aserbaidschan, sondern sehr w ahrscheinlich in Arm enien sozialisiert w orden, w ird auch durch ihre Sprech- w eise des R ussischen gestützt.7 7.3 D en Akten sind zudem w eitere gew ichtige H inw eise dafür zu entnehm en, dass die Beschw erdeführerin die Asylbehörden nebst der Täuschung über ihr H erkunftsland über ihre w eiteren Lebensum stände zu täuschen versucht. So behauptete sie, sie sei m it ihrem russischen Inlandpass in die Türkei gereist; nachdem ihr dieser im Spital abgenom m en w orden sei, sei sie im m er ohne R eisepapiere gew esen. Sie habe sich in der Türkei und in D ubai illegal aufgehalten und sei nirgends kontrol- liert w orden. Angesichts des U m standes, dass sie in der Türkei zehn Jahre lang in einer kleineren Stadt gelebt haben w ill, erscheint es sehr unw ahrscheinlich, dass sie sich dort illegal aufhielt, zum al der Sohn des H auses ihr nicht w ohl gesinnt ge- w esen sei. Absolut unglaubhaft ist ihre Aussage, sie sei im m er ohne R eisepapiere gew esen, auch vor dem H intergrund ihrer Angabe, sie sei von Istanbul nach D ubai geflogen. D ort w ill sie sich ebenfalls sieben Jahre lang illegal aufgehalten haben. Von D ubai aus w ill sie in den Iran und von dort aus durch m ehrere Länder in die Schw eiz gereist sein. Angesichts dieser Ausführungen ist der Schluss zu ziehen, dass die Beschw erdeführerin über R eisepapiere verfügt haben m uss, die sie in- dessen nicht einreichen konnte, w eil diese nicht m it der von ihr geschilderten Le- bensgeschichte in Ü bereinstim m ung zu bringen w ären. 7.4 D ie Beschw erdeführerin reichte bei der Vorinstanz einen G eburtsschein ein, der ihre aserbaidschanische Staatsangehörigkeit bestätigen soll. D ie Vorinstanz führte diesbezüglich aus, dass solche D okum ente leicht käuflich erw orben w erden kön- nen; diese Feststellung ist zu bestätigen. D a die Beschw erdeführerin keinerlei an- dere D okum ente einreichte und zahlreiche klare H inw eise auf eine Identitätstäu- schung bestehen, kann ihre Identität trotz Einreichens dieser U rkunde nicht als ge- klärt erachtet w erden, da nicht feststeht, ob sie die an dieser U rkunde berechtigte Person ist. Sie sagte aus, die Schlepper hätten ihre D okum ente und ihren Schm uck an sich genom m en, als sie in B._______ ins Spital gebracht w orden sei. Entspräche diese Aussage dem tatsächlich G eschehenen, w äre es sehr erstaun- lich, w enn ihr ausgerechnet die G eburtsurkunde geblieben w äre. 7.5 Zusam m enfassend ist festzustellen, dass das BFM in der angefochtenen Verfü- gung unter H inw eis auf die LIN G U A-Analyse vom 19. Septem ber 2006 überzeu- gend dargelegt hat, dass die Beschw erdeführerin entgegen ihren Aussagen m it hinreichender Bestim m theit nicht aus Aserbaidschan, sondern aus Arm enien stam m t. D er gezogene Schluss, w onach sie durch ihre tatsachenw idrigen Angaben die Asylbehörden über ihre Identität im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG i.V.m . Art. 1 Bst. a AsylV 1 getäuscht habe, ist zu bestätigen, da sie dieser Ein- schätzung w eder im R ahm en des rechtlichen G ehörs zum Ergebnis der LIN G U A- Analyse noch in der Beschw erdeeingabe stichhaltige Argum ente entgegenzuhalten verm ag. Ihre Erklärungsversuche hinsichtlich die durch die Analyse eruierten W is- senslücken in Bezug auf landesspezifische G egebenheiten und die sprachlichen Besonderheiten verm ögen nicht zu überzeugen. Es erübrigt sich, auf die w eiteren Ausführungen in der Beschw erde und der Stellungnahm e einzugehen, da diese an der rechtlichen W ürdigung des Sachverhalts nichts zu ändern verm ögen. D as BFM ist auf das Asylgesuch zu R echt nicht eingetreten. 8. 8.1 Lehnt das Bundesam t das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 8 es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an; da- bei ist der G rundsatz der Einheit der Fam ilie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zu- m utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzli- chen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 8.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus- länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 8.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 8.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D e- zem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon- vention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder ernied- rigender Strafe oder Behandlung unterw orfen w erden. 9. D ie Beschw erdeführerin verfügt w eder über eine frem denpolizeiliche Aufenthalts- bew illigung noch einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie W egw eisung w urde dem nach zu R echt angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG ; EM AR K 2001 N r. 21). 10. 10.1 D ie Vorinstanz w ies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der G rundsatz der N ichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingsei- genschaft erfüllen (vgl. M AR IO G ATTIKER , D as Asyl- und W egw eisungsverfahren, Bern 1999, S. 89). D a die Beschw erdeführerin die Asylbehörden über ihre Identität täuschte, kann nicht davon ausgegangen w erden, sie erfülle die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft, w eshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen N on-refoulem ents im vorliegenden Verfahren keine Anw en- dung findet. Eine R ückkehr der Beschw erdeführerin in ihren H eim atstaat ist dem - nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtm ässig. 10.2 Sodann ergeben sich w eder aus den Aussagen der Beschw erdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in ihren H eim atstaat dort m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EM R K oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt w äre. G em äss Praxis des Europäischen G erichtshofes für M enschenrechte sow ie jener des U N -Anti-Fol-9 terausschusses m üsste die Beschw erdeführerin eine konkrete G efahr ("real risk") nachw eisen oder glaubhaft m achen, dass ihr im Fall einer R ückschiebung Folter oder unm enschliche Behandlung drohen w ürde (vgl. EM AR K 2001 N r. 16, S. 122, m it w eiteren H inw eisen), w ovon angesichts der Identitätstäuschung nicht auszugehen ist. N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung sow ohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim m ungen zulässig. 10.3 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung einer völkerrechtlichen Verpflichtung der Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung auch verzichtet, w enn die R ückkehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung dar- stellt. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herrschenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Si- tuation allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om en- te, w ie beispielsw eise einer nicht durchführbaren notw endigen m edizinischen Be- handlung, angenom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). Aufgrund der allgem einen Situation in Arm enien kann nicht davon ausgegangen w erden, dass eine R ückkehr die Beschw erdeführerin einer konkreten G efährdung aussetzen w ürde. H insichtlich ihrer persönlichen Verhältnisse kann eine vertiefte Abklärung unterbleiben, da sie die Folgen der m angelhaften M itw irkung respektive Verheim lichung ihrer w ahren Identität zu tragen hat. Im m erhin ist festzustellen, dass die Beschw erdeführerin aufgrund der Aktenlage bei guter G esundheit ist und über die nötige G ew andtheit verfügt, sich in neuen Lebenssituationen zurecht zu finden. N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung som it auch als zum ut- bar zu bezeichnen. 10.4 Schliesslich obliegt es der Beschw erdeführerin, sich bei der zuständigen Vertre- tung ihres H eim atstaates die für eine R ückkehr allenfalls notw endigen R eisedoku- m ente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG ), w eshalb der Vollzug der W egw eisung auch als m öglich zu bezeichnen ist. 10.5 Insgesam t ist der durch die Vorinstanz verfügte W egw eisungsvollzug zu bestäti- gen. D ie Vorinstanz hat diesen zu R echt als zulässig, zum utbar und m öglich er- achtet. N ach dem G esagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahm e ausser Betracht (Art. 14a Abs. 1 - 4 AN AG ). 10.6 D a der Beschw erdeführerin ihre aserbaidschanische H erkunft nicht geglaubt w ird und die von ihr geltend gem achte G efährdung in diesem Land nicht geprüft w urde, ist ein Vollzug der W egw eisung nach Aserbaidschan auszuschliessen (Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG ). 11. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig fest- stellt und angem essen ist (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist nach dem G esag- ten abzuw eisen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens w ären die Kosten der Beschw erdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D a ihr m it Zw ischenverfügung der AR K vom 10 5. O ktober 2006 die unentgeltliche R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 Vw VG ge- w ährt w urde und sich an den Voraussetzungen dazu nichts geändert hat - die Be- schw erdeführerin ist nicht arbeitstätig -, ist auf die Auferlegung von Verfahrenskos- ten zu verzichten. (D ispositiv nächste Seite)11 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. Ein Vollzug der W egw eisung nach Aserbaidschan w ird ausgeschlossen. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. D ieses U rteil geht an: - den Vertreter der Beschw erdeführerin, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it deren Akten (Kopie; R ef.-N r. N _______) - (kantonale Behörde) D er R ichter: D er G erichtsschreiber: H ans Schürch C hristoph Basler Versand am :