Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. September 2016 (720 16 47 / 720 16 68) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Abweisung der beiden Beschwerden. Würdigung der medizinischen Aktenlage: Die IV- Stelle hat sich zu Recht auf die Berichte des behandelnden Orthopäden sowie auf die Stellungnahmen der RAD-Ärztin gestützt. Dass die IV-Stelle dem Versicherten demzufol- ge eine befristete Dreiviertelsrente ausgerichtet hat, ist nicht zu beanstanden. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Michael Kull, Advokat, Marktplatz 18, 4001 Basel ATISA Personalvorsorgestiftung der Tschümperlin- Unternehmungen , Oberneuhofstrasse 5, 6340 Baar, Beschwerde- führerin, vertreten durch Andreas Gnädinger, Rechtsanwalt, Hubatka Müller Vetter, Seestrasse 6, Postfach 1544, 8027 Zürich gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1976 geborene A.____ war zuletzt bis 31. Juli 2 013 bei der B.____ AG als Bauiso- leur tätig. Bereits am 11. März 2013 (Eingang) meldet e er sich unter Hinweis auf eine Arthrose der rechten Schulter nach einem Unfall vor 18 Jahren bei der Eidgenössischen Invalidenversi- cherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte zunächst die gesundheitlichen und erwerblichen Ver hältnisse des Versicherten ab und nahm erfolglos berufliche Massnahmen vor. Nach durchgeführ tem Vorbescheidverfahren sprach sie A.____ sodann mit Verfügung vom 12. Januar 20 16 gestützt auf einen Invaliditäts- grad von 67% eine vom 1. Januar 2014 bis 31. Dezember 2014 befristete Dreiviertelsrente zu. B.1 Hiergegen erhob die damalige berufsvorsorgerechtli che Versicherung von A.____, die ATISA Personalvorsorgestiftung der Tschümperlin-Unterne hmungen (ATISA), vertreten durch Andreas Gnädinger, Rechtsanwalt, am 11. Februar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Ba- sel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanto nsgericht). Darin beantragte sie, es sei die Verfügung der Vorinstanz vom 12. Januar 2016 au fzuheben und die Rentenberechti- gung des Beschwerdegegners zu verneinen; unter Kosten- u nd Entschädigungsfolgen zulasten der Vorinstanz. Zur Begründung brachte sie im Wesentli chen vor, dass es sich bei den Schul- terbeschwerden links nicht um invalidisierende Gesundheitsbe schwerden handle, beim Versi- cherten nach dem Wartejahr kein zu einer Rente gereiche nder Invaliditätsgrad bestehe und die IV-Stelle einen zu hohen behinderungsbedingten Abzug vorgenommen habe. B.2 Am 25. Februar 2016 erhob auch A.____, vertrete n durch Dr. Michael Kull, Advokat, Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 12. Januar 2016. Er beantragte darin, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihm ein e Invalidenrente zuzusprechen. Even- tualiter sei die Verfügung aufzuheben und zur Neubeur teilung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei ihm Frist zur Nachbesserung der Beschwerdebegründung anzusetzen und ihm die unentgelt liche Rechtspflege mit dem Unter- zeichneten als Rechtsbeistand zu bewilligen; unter o/e- Kostenfolge zuzüglich Spesen und Mehrwertsteuer zu Lasten der Beschwerdegegnerin. In seine r ergänzenden Beschwerdebe- gründung vom 16. März 2016 brachte er im Wesentlichen vor, dass die Behandlung der linken Schulter noch nicht abgeschlossen sei und dass die Kombina tion seiner Gesundheitsbe- schwerden zu einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% – selbst für leichte Belastungen – führe. C. Mit Verfügung vom 26. Februar 2016 legte das Kanto nsgericht die beiden Beschwerde- verfahren 720 16 47 und 720 16 68 aus prozessökonomischen Gründen zusammen. D. Mit Verfügung vom 19. April 2016 bewilligte das K antonsgericht dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltli che Verbeiständung mit Dr. Kull als Rechtsvertreter. E. In ihrer Vernehmlassung vom 22. April 2016 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der beiden Beschwerden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die ATIS A mit Replik vom 14. Juni 2016, der Beschwerdeführer mit Replik vom 23. Juni 2016 und die IV-Stelle mit Duplik vom 6. Juli 2016 an ihren Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. 1.2 Bevor die Rechtsmittelinstanz eine materielle Beur teilung der Streitsache vornimmt, hat sie von Amtes wegen zu prüfen, ob die Sachurteilsvorausset zungen erfüllt sind. Zu diesen ge- hört nebst anderem auch die Frage der Aktivlegitimation der Beschwerde führenden Partei. Vor- liegend hat nicht nur die versicherte Person, sondern au ch deren berufsvorsorgerechtliche Ver- sicherung, die ATISA, Beschwerde gegen die Verfügung de r IV-Stelle vom 12. Januar 2016 eingereicht. Gemäss Art. 49 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial- versicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 hat ein V ersicherungsträger eine Verfügung, welche die Leistungspflicht eines anderen Trägers berüh rt, diesem ebenfalls zu eröffnen. Der betroffene Versicherungsträger kann dieselben Rechtsmitt el ergreifen wie die versicherte Per- son. Vorliegend umstritten ist die Verfügung vom 12. Jan uar 2016, mit welcher die IV-Stelle dem Versicherten eine befristete Dreiviertelsrente zugesprochen hat. Erwächst diese Verfügung in Rechtskraft, hat der berufsvorsorgerechtliche Versicherer ebenfalls Invalidenleistungen aus- zurichten. Die ATISA ist demnach durch die Verfügung der IV-Stelle ohne weiteres im Sinne von Art. 49 Abs. 4 ATSG berührt und im vorliegenden Ve rfahren aktivlegitimiert. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der ATISA ist einzutreten. 1.3 Was die Beschwerde des Versicherten anbelangt, ist fe stzuhalten, dass diesem die an- gefochtene Verfügung nicht eingeschrieben zugestellt wu rde. Deshalb ist aus den Akten nicht ersichtlich, wann die Verfügung bei ihm genau eingegan gen ist. Die Tatsache, dass die Verfü- gung nicht per Einschreiben versendet wurde, hat zu Last en der IV-Stelle zu gehen. Zumal auch von keiner der Parteien gerügt wird, dass der Ver sicherte die Frist zur Einreichung der Beschwerde nicht eingehalten habe, ist auf die ansonsten formgerecht erhobene Beschwerde des Versicherten ebenfalls einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Be schwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 12. Januar 2016 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlich en Beeinträchtigungen arbeitsfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So erkennt die Recht sprechung auch Berichten versiche- rungsinterner medizinischer Fachpersonen und (Akten-) Be richten von Sachverständigen, die nicht im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt werde n, Beweiswert zu. Sie sind soweit zu be- rücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Rich tigkeit ihrer Schlussfolgerungen beste- hen (BGE 135 V 471 E. 4.7). Des Weiteren darf und so ll das Gericht in Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin- nen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). 6. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arb eitsfähigkeit des Beschwerde- führers liegen folgende (ärztliche) Unterlagen vor: 6.1 Im März 2013 berichtete der Hausarzt des Versicherten , Dr. med. C.____, FMH Allge- meine Innere Medizin, dass der Versicherte aufgrund eine s Motorradunfalles 1995 an einer posttraumatischen Omarthrose rechts leide. Unmittelbar nach dem Unfall sei die rechte Schulter nach hinten verschoben gewesen. Der Patient habe sie se lbst zurückgerückt und dabei ein schnappendes Geräusch gehört. Von den Ärzten sei eine Ver letzung des Handgelenks rechts festgestellt worden, weswegen er einen Gips erhalten h abe. Erst sechs Monate später sei an der rechten Schulter wegen dauernden Schmerzen in diesem Gelenk die Verletzung festgestellt worden. Der Beschwerdeführer habe daraufhin eine Schra ube in der rechten Schulter erhalten. Unter dem Abschnitt „ärztlicher Befund“ hielt Dr. C.___ _ fest, dass an der rechten Schulter eine Atrophie des Musculus deltoideus rechts bestehe. Es zeige sich eine Operationsnarbe anterior. Phasenweise liege eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit (je nach Schmerzen) vor. Radio- logisch bestehe eine deutliche Omarthrose. Des Weiteren f ührte Dr. C.____ aus, dass am 28. Februar 2013 eine Operation stattgefunden habe, bei der eine Schulterprothese eingesetzt worden sei. Der Hausarzt schrieb den Versicherten in sein em angestammten Beruf als Flach- dachisoleur ab dem 21. Januar 2013 bis zum aktuellen Ze itpunkt als 100% arbeitsunfähig. Schwere körperliche Arbeit sei ihm nicht mehr möglich. 6.2 Am 16. April 2013 berichtete Dr. med. D.____, FM H Orthopädische Chirurgie und Trau- matologie des Bewegungsapparates, von seiner ambulanten Konsultation vom 15. April 2013. Als Diagnosen stellte er einen Status nach Implantatio n einer Kurzschaftprothese der rechten Schulter am 28. Februar 2013 bei posttraumatischer Oma rthrose rechts bei Status nach Gleno- idverschraubung der rechten Schulter vor circa 17 Jahren mi t noch einliegender Schraube und vorbestehender Deltoideus Atrophie und iatrogener Axi llarisläsion fest. Dr. D.____ hielt unter anderem fest, dass er die IV-Bestrebungen der Umschulun g unterstütze. Längerfristig sei bei einer Schultertotalprothese und vorbestehender Axillarisparese eine schwere körperliche Tätig- keit auf Dächern medizinisch nicht sinnvoll. Ab dem 1. Febr uar 2013 bis auf weiteres sei der Versicherte zu 100% arbeitsunfähig. 6.3 Am 18. Juli 2013 hielt Dr. C.____ fest, dass der Ve rsicherte als Bauisoleur definitiv zu 100% arbeitsunfähig sei. Körperliche Schwerarbeit mit Belastung des Schultergürtels sei nicht Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht mehr möglich. Leichte Arbeit, den Schultergürtel nicht repetitiv belastend, sei nach Abschluss der Rehabilitation denkbar. Durch prothetischen Gelenker satz sei die Voraussetzung geschaf- fen worden, dass der Patient an einem neuen Arbeitspl atz mit weniger Belastung des Schulter- gürtels wieder eingesetzt werden könne. Die Belastbarkei t des rechten Schultergelenks könne erst nach definitivem Abschluss der orthopädischen Behandlu ng festgelegt werden. Es sei ein- mal mehr darauf hinzuweisen, dass neben der Omarthrose a uch eine posttraumatische Atro- phie des Musculus deltoideus rechts bestehe, welche trotz Gelenksersatz weiter bestehen wer- de. Obwohl der Versicherte über keinen Berufsabschluss verf üge, habe er sich bei seiner lang- jährigen Tätigkeit als Isoleur Kenntnisse erworben, die der Berufsbildung ebenbürtig seien. Für die Langzeitprognose bezüglich beruflicher Tätigkeit halte er es für wichtig, dass dem Patienten die Möglichkeit gegeben werde, wieder eine ähnliche S tellung in einem anderen Beruf zu fin- den, das heisse, ihm eine Ausbildung zu vermitteln. Der Zusatzfragebogen am Schluss des Berichts sei erst nach Abschluss der Behandlung beantwortbar. Für leichte Arbeiten ohne repe- titive Belastung im rechten Schultergelenk sei der Versicherte bereits jetzt ganztags einsetzbar. 6.4 Dr. D.____ berichtete am 27. August 2013 von seine r Sprechstunde vom 26. August 2013. Unter Berücksichtigung der Gesamtsituation bestehe aus seiner Sicht dennoch ein er- staunlich guter funktioneller Zustand. Die Einschätzung der Concordia Versicherung, dass der Versicherte nun zu 100% arbeits- und vermittlungsfähig sei (z.B. als LKW-Chauffeur), sei aber absolut unrealistisch. Eine kurzfristige Belastung von 5kg sei zwar möglich, eine repetitive Dau- erbelastung sei zurzeit aber nur ca. eine Stunde durchfüh rbar. Danach seien Erholungspausen notwendig. Entsprechend sei das von der IV durchgeführte Belastungstraining mit Steigerung in kleinen Schritten absolut notwendig. 6.5 Dr. D.____ beurteilte die Arbeitsfähigkeit am 1 6. Dezember 2013 wie folgt: Vom 1. Januar 2014 bis 28. Februar 2014 sei der Versicherte zu 50% arbeitsfähig für Tätigkeiten ohne starken Krafteinsatz der Arme, idealerweise z.B. Lastwagenfahren mit Servo-Lenkung. Ab dem 1. März 2014 sei er zu 100% arbeitsfähig. Die körpe rliche Krafteinschränkung bleibe be- stehend. Eine Wiederaufnahme der Arbeit als Flachdachi solierer sei nicht mehr möglich und aus medizinischer Sicht auch nicht sinnvoll. 6.6 Am 31. März 2014 hielt Dr. D.____ als Diagnosen e inen Status nach Implantation einer Kurzschaft-Schultertotalprothese rechts am 28. Februar 201 3, eine vorbestehende vollständige Axillarisparese rechts nach Stabilisierungsoperation vor 17 Jahren sowie ein mässiggradiges subacromiales Impingement links (nichttransmurale Partial läsion der Supraspinatussehne nicht ausgeschlossen) fest. Der Versicherte melde sich zur Ver laufskontrolle nach der Schultertotal- prothesenoperation rechts. Da bestehe ein stabiler Zu stand. Aufgrund der vorbestehenden be- kannten Deltamuskelparese sei eine Steigerung der Arbe itsfähigkeit auf 70% (Verpackungsar- beit) nicht realisierbar gewesen. Mit der Reduktion a uf die jetzigen 50% mit anschliessendem Training für Bewerbungsschreiben sei es für ihn tolerie rbar. Neu beklage der Patient seit circa zwei Monaten zunehmende Beschwerden im Bereich der linke n Schulter. Dr. D.____ führte aus, auf der rechten Seite bestehe unter Berücksichtigung der vollständigen Axillarisparese nach wie vor ein durchaus guter Zustand. Dass die rechte Seite nicht stärker körperlich belastet werden könne, sei anatomisch durchaus erklärbar und ersch eine ihm adäquat. Im Bereich der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht linken Schulter interpretiere er die Beschwerden im Si nne eines beginnenden Impingements. Als erste Massnahme habe er ein Physiotherapierezept zur Kräftigung der Aussenrotatoren und Scapulaführung ausgestellt. Wenn sich bei einer klinischen Verlaufskontrolle in zwei Monaten keine Besserung zeigen sollte, müsste mittels MRI eine al lfällige nicht-transmurale Partialläsion der Supraspinatussehne ausgeschlossen werden. Aufgrund des Alters des Versicherten wäre er mit einem operativen Vorgehen tendenziell zurückhaltend. 6.7 Im Schlussbericht „Arbeitstraining im Rahmen der IV -Integrationsmassnahmen“ der Stif- tung Jugend Sozialwerk wurde festgehalten, dass die Ein gliederungsmassnahme vom 19. Au- gust 2013 bis zum 30. Juni 2014 gedauert habe. Der Versi cherte sei mit einem Pensum von 50% jeweils am Vormittag gestartet. Danach sei eine su kzessive Steigerung des Pensums bis 100% (im Juni 2014) erreicht worden. Während seines gesamten Einsatzes habe der Versicher- te an 56 Tagen wegen Krankheit und starken Schulterschmerzen gefehlt. Seine Arbeitsfähigkeit habe zu Beginn etwas unter 50% gelegen. Am Ende des A rbeitstrainings habe er jeweils vor- mittags gearbeitet und am Nachmittag intensiv nach eine r geeigneten Stelle gesucht. Er habe dadurch eine „Arbeitsfähigkeit“ von 100% erzielt. Im Ar beitstraining habe der Versicherte eine leichte und einfache Tätigkeit ausgeübt. Der Versichert e könne nur leichte Arbeiten ausführen. Schliesslich wurde als Fazit festgehalten, dass der Versiche rte nicht arbeitsmarktfähig und so- mit auch nicht vermittelbar sei. Mit seinen Schmerzen und seiner geringen Arbeitsfähigkeit wer- de er kaum eine geeignete Stelle finden. Es stelle sich aber die Frage, wie der Versicherte es geschafft habe, von 2005 bis 2013 als Flachdachisolierer zu arbeiten, wenn er den Motorradun- fall 1995 erlitten habe. 6.8 Am 21. November 2014 nahm Dr. med. E.____, FMH Physikalische und Rehabilitative Medizin, Regionaler ärztlicher Dienst beider Basel (RAD), Stellung zur medizinischen Aktenlage und hielt fest, dass der Versicherte in seiner angestamm ten Tätigkeit ab 21. März 2013 dauer- haft bleibend zu 100% arbeitsunfähig sei. Eine leide nsangepasste Verweistätigkeit müsste fol- gendes Belastungsprofil aufweisen: „Eine leichte Tätigk eit ohne Heben und Tragen von Ge- wichten rechts und ohne repetitiven Einsatz des rechten Ar mes über Schulter-Niveau. Linkssei- tig ohne repetitiven Krafteinsatz über Schulter-/Kopfni veau. Keine Tätigkeiten auf Baustel- len/Gerüsten/Leitern, keine Vibrations- und Schlagbelastungen an den oberen Extremitäten.“ In einer diesem Profil angepassten Verweistätigkeit besteh e eine Arbeitsfähigkeit von 100%. Zum Beginn und Verlauf hielt Dr. E.____ fest, dass ab dem 21. Januar 2013 bis 17. Juli 2013 wegen der Schulteroperation rechts vom 28. Februar 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit gegeben sei. Ab 18. Juli 2013 bis 25. August 2013 sei der Versich erte hingegen zu 100% arbeitsfähig. Vom 26. August 2013 bis 28. Februar 2014 sei der Patie nt 50% arbeitsfähig; diesbezüglich verwies Dr. E.____ auf das Belastbarkeitstraining der IV. Ab 1. März 2014 bis 27. März 2014 sei der Versicherte 100% arbeitsfähig. Vom 28. März 2014 bis 11. September 2014 sei der Versi- cherte sodann wiederum 50% arbeitsunfähig wegen des int erkurrenten Schulterimpingements links ab März 2014. Schliesslich sei der Versicherte ab 12. September 2014 bis auf weiteres zu 100% arbeitsfähig. Dr. E.____ führte dazu aus, dass bei komplikationslosem Heilverlauf nach Einbau der Schulterprothese rechts und guter post-OP Sch ulterfunktion rechts trotz Axillaris- parese (wie vom Hausarzt Dr. C.____ attestiert) ab 18. Juli 2013 in einer angepassten Ver- weistätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit wieder ge geben gewesen wäre. Dr. D.____ sei am Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 26. August 2013 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit ausgegangen, welche aus seiner Sicht ab 1. März 2014 auf 100% habe g esteigert werden können. Ab März 2014 habe der Versicherte neu über ein Schulterimping ement links geklagt, weswegen die Ar- beitsfähigkeit ab Ende März 2014 wieder auf 50% reduzi ert worden sei. Das Schulterimpinge- ment links habe konservativ behandelt werden können; am 1 2. September 2014 sei klinisch kein Impingement links mehr objektivierbar gewesen, so dass die Behandlung durch Dr. D.____ habe abgeschlossen werden können. 6.9 Im Rahmen des Einwandverfahrens holte die IV-Ste lle weitere medizinische Berichte ein: 6.9.1 Am 24. März 2015 berichtete Dr. D.____ von seiner Untersuchung vom 25. Juli 2014. Im MRI-Befund zeige sich nicht wie befürchtet eine Partial läsion der Supraspinatussehne, es zeig- ten sich in diesem Bereich lediglich leicht unregelmässige ödematöse Veränderungen. Passend dazu läge ein relativ scharfkantiges anterolaterales Acro mion mit Sklerose im Bereich des An- satzes des Lig. Coracoacromiale, prädisponierend zum Impin gement vor. Dr. D.____ hielt fest, dass er eine subacromiale Infiltration mit Bupivacain u nd Kenacort durchgeführt habe. Am 24. März 2015 führte Dr. D.____ aus, dass er den Beschw erdeführer am 12. September 2014 gesehen habe und dieser auf die zuletzt durchgeführte Infiltration sehr positiv angesprochen habe. Nach etwa vier Wochen seien die Schmerzen teilwei se wieder zurückgekommen. Den- noch bestünden aber deutlich weniger Schmerzen im Ver gleich zum Vorzustand. Insbesondere könne der Versicherte nun auch weitgehend schmerzfrei auf der linken Seite schlafen. Dr. D.____ befand, dass links nun praktisch eine volle ak tive Beweglichkeit bestehe. Er könne aktuell kein Impingementzeichen auslösen. Auch palpatorisch lägen keine Druckdolenzen vor. 6.9.2 Am 28. August 2015 berichtete Dr. D.____ von sein er Sprechstunde vom 24. März 2015. Er hielt unter anderem fest, dass er dem Patien ten erneut erklärt habe, dass im Bereich der rechten Schulter bei vollständigem Deltamuskelverlust eine schwierige Situation vorliege. Die Kräftigung müsse sehr sorgfältig mit kleinen Gewichten erfolgen. Ansonsten komme es sehr rasch zur Dekompensation der überforderten Rotatorenma nschettenmuskeln. Bei fehlendem Muskel gebe es dennoch keine Alternativen, die Situation relevant zu verbessern. Bei jüngeren Patienten sei eine glenohumerale Arthrodese ebenso ei ne sehr schlechte Alternative mit häufig chronischer Schmerzhaftigkeit der periskapulären Muskulatur . Auf der linken Seite dränge der Patient auf eine operative Behandlung. Bei absolut blandem MRI Befund und klinisch diskretem Befund sehe er dies nur als allerletzte Option bei hoh em Leidensdruck. Die Gefahr der definiti- ven „Invalidisierung“ sehe er dann als zu gross an. Entsprech end werde der Patient versuchen, dieses Problem der linksseitigen Überlastung mit entsprec hender Kräftigung der posterioren Schultergürtelmuskulatur zu kompensieren. 6.10 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte der Versich erte einen weiteren medizini- schen Bericht ein. Dr. med. F.____, FMH Chirurgie, Ort hopädische Chirurgie und Traumatolo- gie des Bewegungsapparates, führte im Bericht bezüglich seiner Sprechstunde vom 17. Juni 2015 die folgenden Diagnosen auf: Eine segmentale Dysf unktion der mittleren und oberen BWS, Myogelosen im Infraspinatus und Teres minor links, eine Impingementproblematik der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht linken Schulter bei Protraktion sowie einen Status nac h Schulterprothese rechts 2013 bei O- marthrose und vorbestehender Axillarisparese. Dr. F.____ hielt fest, dass er sich Dr. D.____ anschliesse, der von einer Arthroskopie der linken Schu lter Abstand nehme. Im Vordergrund stehe seiner Meinung nach die segmentale Dysfunktion de r BWS mit Protraktion der linken Schulter, sowie den Myogelosen. Eine Verordnung an di e Physiotherapie zur Manualmedizini- schen Behandlung, Mobilisation der BWS und einem postur alen Training sei mitgegeben wor- den. Zusätzlich empfehle er Triggerung und Dryneedli ng. Eine operative Intervention sehe er nicht. 6.11 Schliesslich nahm Dr. E.____ am 28. September 201 5 erneut Stellung zur medizini- schen Aktenlage und hielt an ihrer Beurteilung vom 21 . November 2014 fest. Der Versicherte sei zuletzt am 24. März 2015 von Dr. D.____ untersucht wor den, weitere Kontrollen seien nicht mehr vereinbart worden. Der Gesundheitszustand des Pati enten sei seit dem Vorbescheid wei- terhin stabil und verändert (recte: unverändert), wie die objektiven klinischen und radiologischen Befunde seither zeigen würden. Eine OP-Indikation an der linken Schulter bestehe nicht, trotz dem Wunsch des Versicherten nach einer Schulter-OP auch linksseitig. Es resultiere somit kei- ne Veränderung in Bezug auf die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit gemäss abschlies- sender RAD Stellungnahme vom 21. November 2014. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung d es Gesundheitszustandes und der Arbeits- fähigkeit des Versicherten auf die Berichte der behandel nden Ärzte sowie auf die Stellungnah- men der RAD-Ärztin. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Versicherten nach Ablauf des Wartejahres im Januar 2014 die Ausübung einer leichte ren Tätigkeit im Umfang von 50% zu- mutbar sei. Ab dem 12. September 2014 seien solche ada ptierten Verweistätigkeiten ganztags zumutbar. 7.2 Die ATISA macht hingegen geltend, dass die IV-Ste lle bei ihrer Invaliditätsbemessung fälschlicherweise nicht invalidisierende Gesundheitsbeschwe rden – namentlich die Beschwer- den an der linken Schulter – miteinbezogen habe. Die ATISA geht weiter davon aus, dass spä- testens bei Ablauf des Wartejahrs eine volle Arbeitsfähig keit in einer angepassten Tätigkeit an- zunehmen sei. Ausserdem sei der leidensbedingte Abzug von 20% bzw. 15% nicht gerechtfer- tigt; damit würden die Gesundheitsbeschwerden des Versi cherten in doppelter Hinsicht berück- sichtigt. Zusammengefasst hätte die Vorinstanz feststellen müssen, dass kein zu einer Rente berechtigender Invaliditätsgrad vorliege. 7.3 Der Versicherte stellt sich demgegenüber auf den Sta ndpunkt, dass nicht von einem erfolgreich abgeschlossenen Therapieverlauf ausgegangen werden könne, auch wenn eine kurzzeitige Linderung habe erreicht werden können. Dass es sich beim linksseitigen Leiden um einen objektivierbaren Befund handle, ergebe sich aus d iversen Arztberichten sowie den MRI- Daten. Die Schmerzsituation der linken Schulter hindere ihn daran, die bestehende Belastungs- einschränkung der rechten Schulter durch kompensatorisch e Mehrbelastung des linken Arms auszugleichen. Hieraus ergebe sich eine Teilarbeitsunfäh igkeit von mindestens 50% selbst für leichte Belastungen. Er sei aus der Kombination seiner Gesundheitsbeschwerden nicht arbeits- fähig und habe Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4 In ihrer Stellungnahme zu den medizinischen Einwänd en der ATISA hielt Dr. E.____ am 29. Februar 2016 unter anderem fest, dass es durch die Interaktion der dauerhaft bleibenden Belastungseinschränkung der rechten Schulter nach Proth esenimplantation rechts im Februar 2013 und der ab Januar 2014 zunehmenden akuten Schme rzproblematik der linken Schulter aus medizinischer Sicht nachvollziehbar erscheine, dass es dem Versicherten nicht gelungen sei, die bis Januar 2014 von Dr. D.____ attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit ab Januar 2014 wei- ter zu steigern. Die bestehenden Belastungseinschränkung en der rechten Schulter hätten auf- grund der akuten Schmerzsituation an der linken Schulter nicht durch eine kompensatorische Mehrbelastung des linken Armes aufgefangen werden könn en. Die Argumente, es sei in der MRT kein objektivierbarer Befund festzustellen gewesen, und dass sich der Verdacht auf ein Impingement an der linken Schulter nicht bestätigt h ätte, seien nicht korrekt. Korrekt sei, dass nach Abschluss der Schulterbehandlung links im Septembe r 2014 keine relevanten Funktions- einschränkungen der linken Schulter mehr vorhanden gew esen seien und somit von Seiten der linken Schulter ab diesem Zeitpunkt auch keine Einschränk ung der Arbeitsfähigkeit mehr habe attestiert werden können. Des Weiteren führte Dr. E._ ___ aus, dass seitens der linken Schulter im Zeitraum vom 28. März 2014 bis 12. September 2014 von einem instabilen Gesundheitszu- stand auszugehen sei, da die medizinischen Massnahmen (Diagnostik und Therapie) in diesem Zeitraum noch nicht abgeschlossen und der medizinische En dzustand noch nicht erreicht ge- wesen seien. Ausserdem könne auf die Beurteilung von Dr. C.____ vom 18. Juli 2013 nicht ab- schliessend abgestellt werden, da diese zu einem Zeitpunk t erfolgt sei, als noch kein medizini- scher Endzustand erreicht gewesen sei. Seine Beurteilu ng der medizinisch-theoretischen Ar- beitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit sei eine rei n prognostische Einschätzung für die Zeit nach Abschluss der Rekonvaleszenz/Rehabilitation. Diese Einschätzung gelte erst, wenn ein stabiler Endzustand erreicht sein würde, was im retrospektiven Verlauf erst ab September 2014 der Fall gewesen sei. Zusammenfassend hielt Dr. E.____ fest, dass auch die Schulterproblema- tik links bezüglich der Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigen sei. Aufgrund der dauerhaft bleiben- den Einschränkung seitens der rechten Schulter im Hinbli ck auf manuelle Tätigkeiten während der Dauer der akuten Impingementsymptomatik links result iere eine relevante Funktionsein- schränkung. Eine kompensatorische Mehrbelastung des linken Armes im Zeitraum von Januar 2014 bis September 2014 sei bis zum Abklingen des schmerzha ften Impingements links nicht möglich gewesen. Rein formal handle es sich zwar bei dem akut aufgetretenen subacromialen Impingement links nicht um ein invalidisierendes Leiden, da es nur vorübergehend aufgetreten sei. Allerdings spiele hier die dauerhaft bleibende Ei nschränkung der Schulterbelastbarkeit rechts eine derart grosse Rolle, dass die vorübergehende zusätzliche Belastungseinschränkung der linken Schulter den Versicherten in seiner Funktion alität bezüglich manueller Tätigkeiten über Schulterniveau relevant beeinträchtige. Es erscheine medizinisch nachvollziehbar, dass er seine Arbeitsfähigkeit ab Januar 2014 nicht über 50% h abe steigern können. Ab dem 12. September 2014 hingegen sei von einer 100%igen A rbeitsfähigkeit in einer der rechten Schulter angepassten Tätigkeit auszugehen. 7.5 Am 21. April 2016 nahm Dr. E.____ Stellung zu d en medizinischen Einwänden des Ver- sicherten. Sie hielt insbesondere fest, dass eine IV-rele vante, das heisse dauerhafte, Ein- schränkung der linken Schulterbelastbarkeit in einer leicht en Verweistätigkeit ohne Überkopfar- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht beiten bis dato weiterhin nicht ausgewiesen sei. Für di e Dauer der akuten Impingementsymp- tomatik linksseitig zwischen März 2014 und September 2014 könne eine zusätzliche funktionel- le Einschränkung der linken Schulter, aufgrund kompensa torischer Mehrbelastung dieser wäh- rend der Rekonvaleszenz bzw. dem muskulären Wieder-Aufb au der rechten Schulter, bei Sta- tus nach Schulterprothesenimplantation rechts im Febru ar 2013, anerkannt werden. Daraus resultiere, dass von März 2014 bis 12. September 2014 ei ne Arbeitsfähigkeit von 50% in einer Verweistätigkeit plausibel erscheine. Nach der Konsulta tion vom 12. September 2014 spreche der dokumentierte klinische Verlauf hingegen gegen eine relevante Funktionseinschränkung der linken Schulter. So seien klinische Zeichen einer Schulter schonung links bei subjektiv seit März 2014 weiterhin geklagten Beschwerden nicht objektivierba r. Dies lasse darauf schliessen, dass der Versicherte den linken Arm bzw. die linke Schulter i m Alltag nicht schone. Nach Abklingen der lokalen Reizung an der linken Schulter könne anha nd der im weiteren Verlauf dokumentier- ten objektiven Befunde von Dr. D.____ vom 10. Februar 2015 und 24. März 2015 sowie von Dr. F.____ vom 17. Juni 2015 eine anhaltende quantit ative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer leichten Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten nicht mehr medizinisch begründet werden. 8.1 In pflichtgemässer Würdigung der medizinischen Aktenl age ist – entgegen den Auffas- sungen der beiden Beschwerdeführenden – festzuhalten, dass sich die IV-Stelle für die Beurtei- lung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu Recht auf die Be- richte der behandelnden Ärzte – insbesondere auf Dr. D .____ – sowie auf die Stellungnahmen der RAD-Ärztin stützte. Die vorinstanzliche Beweiswürdigun g ist nicht zu beanstanden. Nach der Rechtsprechung kommt zwar dem Bericht eines versicheru ngsinternen Arztes nicht dersel- be Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 A TSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. Ein solcher Bericht ist aber, wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), soweit zu berücksichtigen, als keine – auch nur geringe – Zwei- fel an der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen bestehen (vgl. BGE 135 V 471 E. 4.7). Wie nachfolgend aufgezeigt wird, besteht vorliegend kein A nlass, an der Richtigkeit der Feststellun- gen von Dr. E.____ zu zweifeln. 8.2 Zunächst ist mit der IV-Stelle und dem Beschwerdefü hrer festzustellen, dass für die Be- urteilung der Beschwerden des Versicherten der Schultergürtel als Ganzes zu betrachten ist. Es erscheint im vorliegenden Fall wesentlich, dass die rechte und die linke Schulter interagieren; offensichtlich hat das zunächst vorgelegene Problem an d er rechten Schulter mit der Zeit auch zu Beschwerden an der linken Schulter geführt. Insofern können die beiden Schultern jeweils nicht isoliert angeschaut werden. Es sind sämtliche Beei nträchtigungen sowie deren Wechsel- wirkungen zu berücksichtigen. Dies bringt auch Dr. E.____ insbesondere in ihrer Stellungnah- me vom 29. Februar 2016 nachvollziehbar zum Ausdruck (vgl. E. 7.4 hiervor). Darauf kann ab- gestellt werden. 8.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er noch im mer an Beschwerden der linken Schulter leide und daher höchstens zu 50% in einer leicht en Tätigkeit arbeiten könne. Diesbe- züglich ist festzuhalten, dass ab dem 12. September 2014 in Bezug auf die linke Schulter keine Beschwerden mehr bestanden haben, die zu einer rentenrelevanten Einschränkung der Arbeits- fähigkeit geführt hätten. Insofern waren die Beschwerd en ab jenem Zeitpunkt nicht mehr invali- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht disierend. Entgegen dem Vorbringen des Versicherten ist den medizinischen Akten auch nicht zu entnehmen, dass eine Operation der linken Schulter indiziert wäre bzw. gewesen wäre. Eine operative Behandlung wurde nicht wegen des Alters des Be schwerdeführers zugunsten kon- servativer Behandlungsmethoden durch Physiotherapie aufge schoben. Vielmehr geht aus den Akten hervor, dass der Beschwerdeführer selber auf einen operativen Eingriff drängte, obwohl der behandelnde Dr. D.____ davon Abstand nahm (vgl. E. 6.9.2 hiervor). Zudem ist festzuhal- ten, dass sich Dr. F.____ – im vorliegend aktuellsten A rztbericht vom 17. Juni 2015 – der Mei- nung von Dr. D.____ anschliesst und von einer Operatio n abrät. Eine Verordnung an die Physi- otherapie zur Manualmedizinischen Behandlung, Mobilisat ion der BWS und einem posturalen Training sei mitgegeben worden. Zusätzlich empfehle er Triggerung und Dryneedling. Eine ope- rative Intervention sehe er nicht (vgl. E. 6.10 hiervor) . Zudem bleibt anzumerken, dass Dr. F.____ den Versicherten in seinem Bericht nicht arb eitsunfähig geschrieben hat. Ebenso wenig liegen andere, aktuellere ärztliche Unterlagen vo r, welche eine immer noch bestehende Erwerbsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigen würden. 8.4 Dr. E.____ hielt ausserdem fest, dass ab dem 12. Se ptember 2014 eine freie Beweg- lichkeit und Kraft der linken Schulter und nach der Therapie kein Impingement mehr vorgelegen habe. Ab diesem Zeitpunkt ist dem Versicherten eine lei densangepasste Verweistätigkeit durchaus ganztags zumutbar. Der Beschwerdeführer bringt vor, dass nicht von einem erfolg- reich abgeschlossenen Therapieverlauf ausgegangen werden könne, auch wenn eine kurzzeiti- ge Linderung habe erreicht werden können. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass es durchaus denkbar ist, dass der Versicherte aktuell immer noch konserva tive Therapien in Anspruch neh- men muss; sei es hinsichtlich der linken oder der rechten Schulter. Dies allein vermag jedoch keine rentenrelevante Arbeitsunfähigkeit in einer leich ten, adaptierten Tätigkeit zu begründen. Gestützt auf die vorliegenden ärztlichen Unterlagen ist e ine über den 12. September 2014 hin- aus bestehende invalidisierende Einschränkung in einer l eidensangepassten Verweistätigkeit nicht mehr nachvollziehbar. Das Belastungsprofil für eine zumutbare Verweistätigkeit wurde den noch bestehenden Beschwerden entsprechend auch ausformul iert und berücksichtigt die blei- bende Kraft- bzw. Belastungseinschränkung angemessen. W orauf sich der Beschwerdeführer stützt, wenn er geltend macht, dass er bereits bei leicht en Tätigkeiten mindestens zu 50% ein- geschränkt ist, ist nicht nachvollziehbar. 8.5 Sofern die ATISA auf der anderen Seite vorbringt , dass an der linken Schulter keine Ge- sundheitsbeschwerden hätten objektiviert werden können, ka nn ihr auch nicht gefolgt werden. Ihr muss diesbezüglich entgegengehalten werden, dass Dr. D.____ am 31. März 2014 als Di- agnosen unter anderem ein mässiggradiges subacromiales I mpingement links (nichttransmura- le Partialläsion der Supraspinatussehne nicht ausgeschl ossen) festhielt. Neu beklage der Pati- ent seit circa zwei Monaten zunehmende Beschwerden im Bereich der linken Schulter. Insofern ist dem Beschwerdeführer Recht zu geben, wenn er geltend macht, dass die Beschwerden in der linken Schulter bereits im Januar 2014 vorhanden g ewesen seien. Am 24. März 2015 be- richtete Dr. D.____ von seiner Untersuchung vom 25. Juli 2014. Als Diagnose hielt er wiederum ein mässiggradiges subacromiales Impingement links (nichttr ansmurale Partialläsion der Sup- raspinatussehne nicht ausgeschlossen) fest. Im MRI-Befund zeige sich nicht wie befürchtet eine Partialläsion der Supraspinatussehne, es hätten sich in diesem Bereich lediglich leicht unregel- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht mässige ödematöse Veränderungen gezeigt. Passend dazu l äge ein relativ scharfkantiges an- terolaterales Acromion mit Sklerose im Bereich des Ansat zes des Lig. Coracoacromiale, prä- disponierend zum Impingement vor. Den Akten sind demnach sehr wohl objektivierbare Be- schwerden der linken Schulter zu entnehmen. Auch wenn di ese – isoliert betrachtet – gering erscheinen mögen, führten sie, wie bereits dargestellt, in Verbindung mit den Beschwerden der rechten Schulter von Januar 2014 bis September 2014 zu einer Arbeitsunfähigkeit von 50% für Verweistätigkeiten. 8.6 Entgegen dem Vorbringen der ATISA können Beschwerd en durchaus bloss vorüberge- hend invalidisierend sein, wie dies bei der linken Schul ter der Fall war. Durch das Zusammen- spiel mit der rechten Schulter hat sich jedenfalls eine längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit des Versicherten ergeben. Seit Ablauf des Wartejahres (Januar 2014) bis zum 11. September 2014 war der Beschwerdeführer deswegen selbst für leich te Tätigkeiten im Umfang von 50% in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Im Ergebnis führt die vorübergehende Invalidisierung auch korrekterweise zu der zeitlich befristeten Rente. R entenrelevante gesundheitliche Be- schwerden müssen nicht zwingend dauernde sein. Nach dem 1 2. September 2014 konnte in Bezug auf die linke Schulter kein invalidisierendes Lei den mehr festgestellt werden (vgl. E. 8.3 hiervor). Die bleibenden Einschränkungen in Bezug auf d ie rechte Schulter wurden ab dem 12. September 2014 sodann bei der Umschreibung des zumu tbaren Belastungsprofils berück- sichtigt. Eine leidensangepasste Tätigkeit ist dem Versiche rten aber ab diesem Zeitpunkt zu 100% zuzumuten. Der genaue Verlauf der Arbeits(un)fäh igkeit des Versicherten wird von Dr. E.____ in ihrem Bericht vom 21. November 2014 (vgl. E. 6.8 hiervor) nachvollziehbar und sehr sorgfältig aufgeführt. Die IV-Stelle hat korrekterweise darauf abgestellt. 8.7 Die ATISA stützte sich in ihrer Replik insbesondere au f den Bericht von Dr. C.____ vom 18. Juli 2013, wonach bereits per 18. Juli 2013 eine volle Arbeitsfähigkeit anzunehmen sei. Beim Bericht von Dr. D.____ handle es sich hingegen um ein Gefälligkeitszeugnis eines behan- delnden Arztes. Dem ist entgegenzuhalten, dass der Berich t von Dr. C.____ in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit widersprüchlich ist. Denn einerseits hä lt er fest, dass leichte Arbeit, den Schul- tergürtel nicht repetitiv belastend, erst nach Abschlus s der Rehabilitation denkbar sei. Anderer- seits führt er auch aus, dass der Versicherte für leichte Arbeiten ohne repetitive Belastung im rechten Schultergelenk bereits aktuell ganztags einsetzba r sei. Ausserdem verweist Dr. C.____ für eine abschliessende bzw. definitive Aussage zweimal a uf den Abschluss der (orthopädi- schen) Behandlung (vgl. E. 6.3 hiervor). Diesbezüglich ist auch auf die Stellungnahme von Dr. E.____ vom 29. Februar 2016 (vgl. E. 7.4 hiervor) hinzuweisen, in der sie ausführt, dass auf die Beurteilung von Dr. C.____ vom 18. Juli 2013 nich t abschliessend abgestellt werden könne, da diese zu einem Zeitpunkt erfolgt sei, als noch kein medizinischer Endzustand erreicht gewe- sen sei. Es kommt hinzu, dass Dr. C.____ als Hausarzt des Ve rsicherten und Facharzt für All- gemeine Innere Medizin weniger kompetent ist, die Sch ulterbeschwerden zu beurteilen, als Dr. D.____ als behandelnder Orthopäde. 8.8 Schliesslich ist anzumerken, dass der Versicherte erst im Beschwerdeverfahren vorge- bracht hat, dass er aufgrund der Schmerzen in den Schulte rn unter Schlafstörungen leide. Die- se sind jedoch in den Akten nicht dokumentiert. Einzig im Bericht von Dr. D.____ vom 24. März Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2015 (vgl. E. 6.9.1 hiervor) wurde festgehalten, dass de r Versicherte wieder weitgehend schmerzfrei schlafen könne. Ein aktueller ärztlicher Beri cht, welcher sich mit einer allfälligen Schlafproblematik befasst, ist den Akten nicht zu entneh men. Deshalb ist davon auszugehen, dass der Versicherte wegen der angeblichen Schlafstörungen nicht in Behandlung ist. Vor die- sem Hintergrund stellt dieses Vorbringen des Beschwerdefü hrers lediglich eine Parteibehaup- tung dar. 8.9 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die IV-Stel le zu Recht auf die Berichte des behandelnden Orthopäden sowie auf die verschiedenen, se hr ausführlich und nachvollziehbar begründeten Stellungnahmen von Dr. E.____ gestützt h at. Unter diesen Umständen sind keine weiteren medizinischen Abklärungen notwendig. Demnach i st davon auszugehen, dass der Versicherte nach Ablauf des Wartejahres bis zum 11. Septe mber 2014 in einer leidensange- passten Tätigkeit zu 50% eingeschränkt ist. Ab dem 12. Se ptember 2014 hingegen ist ihm eine solche Tätigkeit im Umfang von 100% zumutbar. 9.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.2 hiervor), ist ge mäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommen svergleichs zu bestimmen. Die IV- Stelle ging in der angefochtenen Verfügung vom 12. Ja nuar 2016 – auf der Basis einer 100%- igen Erwerbstätigkeit – von einem Valideneinkommen v on Fr. 80‘789.-- und ab 26. August 2013 bzw. nach Ablauf der einjährigen Wartefrist (23. Januar 2014) – unter Annahme eines zumutba- ren Pensums in einer leidensangepassten Tätigkeit von 50 % – von einem Invalideneinkommen von Fr. 26‘712.-- aus. Anhand einer Gegenüberstellung dieser Zahlen errechnete sie einen In- validitätsgrad des Versicherten von 67 %. Ab dem 12. September 2014 ging die IV-Stelle sodann von einem zumutbaren Pensum von 100% in einer leidensangepassten Verweistätigkeit und e inem jährlichen Invalideneinkommen von Fr. 56‘235.-- aus. Aus dem Vergleich mit dem obgena nnten Valideneinkommen von Fr. 80‘789.-- resultierte ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 30%. 9.2 Die ATISA beanstandet im Zusammenhang mit der ko nkreten Berechnung, dass der von der IV-Stelle vorgenommene leidensbedingte Abzug von 20% bzw. 15% nicht gerechtfertigt sei; damit würden die Gesundheitsbeschwerden des Versiche rten in doppelter Hinsicht berück- sichtigt. Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer a uf den Standpunkt, dass ein leidens- bedingter Abzug in voller Höhe von 25% hätte vorgenommen werden müssen. 9.2.1 Gesundheitlich beeinträchtigte Versicherte, die ni cht mehr voll leistungsfähig sind, ha- ben erfahrungsgemäss eine Reduktion des üblichen Lohna nsatzes hinzunehmen. Von einem anhand der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) erhobenen Invalideneinkommen sind d eshalb praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das damal ige EVG seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterent wickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persön- lichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalle s abhängt (leidensbedingte Ein- schränkung, Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität /Aufenthaltskategorie und Beschäfti- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht gungsgrad), welche nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaf t zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung al ler jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). 9.2.2 Vorliegend hat die IV-Stelle in der angefochte nen Verfügung für die Zeit ab dem 26. August 2013 bzw. nach Ablauf der einjährigen Wart efrist (23. Januar 2014) einen Abzug vom Tabellenlohn von insgesamt 20% (bestehend aus 15% fü r die invaliditätsbedingte Beein- trächtigung und 5% Teilzeitabzug) vorgenommen. Für die Zeit ab dem 12. September 2014 hat die IV-Stelle einen 15%igen Abzug aufgrund der inval iditätsbedingten Beeinträchtigung vorge- nommen. Entgegen der Auffassung der ATISA lässt sich im vorliegend en Fall ein Abzug im vorgenom- menen Umfang rechtfertigen, obwohl er doch relativ hoch angesetzt erscheint. Wie es sich da- mit verhält, kann letztlich aber offen bleiben. Denn mit der IV-Stelle ist festzuhalten, dass im Ergebnis auch bei einem Abzug von lediglich 5% (Teilze itabzug Männer) – wenn man also kei- nen Abzug für die invaliditätsbedingte Beeinträchtigung vornehmen würde – ein Invaliditätsgrad von 61% und somit ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente resultieren würde. Für den Zeitraum ab dem 12. September 2014 ergibt sich ohnehin kein ren tenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40 %. 9.3 Die vorinstanzliche Bemessung des massgebenden Validen- und des zumutbaren In- valideneinkommens erweist sich in den übrigen Punkten als korrekt. Die von der IV-Stelle ermit- telten Zahlen sind denn auch – abgesehen vom vorstehen d erörterten Einwand – in den vorlie- genden Beschwerden nicht weiter beanstandet worden. Unter diesen Umständen kann hier von weiteren Ausführungen zum Einkommensvergleich abgesehe n und stattdessen vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 12. Januar 2016 ver- wiesen werden. 10. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene V erfügung vom 12. Januar 2016 nicht zu beanstanden und somit zu bestätigen ist. Im Erg ebnis sind daher sowohl die Be- schwerde der ATISA als auch diejenige des Versicherten abzuweisen. 11.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen, in denen ein durchschnittli- cher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichti- gung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Da es sich im vorlie- genden Fall jedoch um zwei Beschwerdeverfahren handelt , welche aus prozessökonomischen Gründen zusammengelegt worden sind, rechtfertigen sich Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.--. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend sind der Beschwerdeführer sowie auch die ATISA unterliegende Partei, weshalb ihnen die V erfahrenskosten je hälftig aufzuerlegen sind. Da dem Versicherten mit Verfügung vom 19. April 2016 die unentgeltliche Prozessführung Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht bewilligt wurde, gehen seine Verfahrenskosten in der H öhe von Fr. 400.-- vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. Die Verfahrenskosten der Beschwerdeführ erin in der Höhe von Fr. 400.-- werden mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- verrechnet. Der zu viel ge- leistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 200.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstat- tet. 11.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer ebenfalls mit Verfügung vom 19. April 2016 die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt w urde, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Hono rar bei unentgeltlicher Verbeistän- dung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des B eschwerdeführers hat in seiner Honorar- note vom 9. August 2016 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 24 Stunden und 55 Minuten sowie Auslagen von Fr. 152.-- geltend gemac ht. Dem beigelegten Deservitenblatt ist zu entnehmen, dass sich darunter diverse kleinere Bemü hungen befinden, welche auf den Kontakt des Rechtsvertreters mit der Rechtsschutzversicherung des Versicherten zurückzufüh- ren sind. Diese Bemühungen im Umfang von einer Stunde und 30 Minuten sowie Spesen von Fr. 9.50 würden im Falle einer nicht rechtsschutzversiche rten Person nicht anfallen. Damit aber wird dieser Aufwand zu Unrecht geltend gemacht. Die entsprechenden Bemühungen, welche mithin auf die Instruktion des Rechtsschutzversicherers zurückzu führen sind und nicht im Zu- sammenhang mit dem Versicherten selbst stehen, sind von de r Rechtsschutzversicherung zu übernehmen. Demnach sind die erwähnten Bemühungen in Abzug zu bringen. Es verbleibt ein Zeitaufwand von 23 Stunden und 25 Minuten für die anwaltliche Tätigkeit sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 142.50. Dies erscheint insgesamt in Anbetr acht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen immer noch zu hoch angesetzt. Es ist in sbesondere darauf hinzuweisen, dass bereits der Zeitaufwand für die Bemühungen in Sa chen Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mit mehr als drei Stunden relativ hoch ersc heint. Zudem hat die ATISA für ihre Bemühungen im vorliegenden Fall in ihrer Honorarnote einen Zeitaufwand von lediglich 18 Stunden ausgewiesen. Unter diesen Umständen ist der geltend gemachte Zeitaufwand des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers auf ebenfalls 18 St unden herabzusetzen. Daraus ergibt sich, dass dem Rechtsvertreter des Versicherten ein reduziertes Honorar in der Höhe von Fr. 4‘041.90 (18 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslag en von Fr. 142.50 plus 8% Mehrwert- steuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet wird. 11.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufme rksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerden werden abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden den beiden Beschwerdeführenden je hälftig auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten des Beschwerdeführers in der Höhe von Fr . 400.-- vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. Die Verfahrenskosten der Beschwerdeführerin in der Höhe von Fr. 400.-- werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. Der zu viel geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 200.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein reduziertes Hon orar in der Höhe von Fr. 4‘041.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwer tsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet.