Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 28. Februar 2018 (810 17 169) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret, Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Ozan Polatli , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung u nd Wegweisung (RRB Nr. 0857 vom 20. Juni 2017) A. Am 5. Januar 2012 erteilte der Kanton Zürich dem deutschen Staatsbürger A.____, ge- boren am XX.XX.1983, eine Grenzgängerbewilligung EU /EFTA gültig für die Schweiz für die Zeit vom 19. Dezember 2011 bis 18. Dezember 2016. A ufenthaltszweck war seine Erwerbstä- tigkeit als Lüftungsmonteur bei der B.____ AG in C. ____ bei D.____. A.____ hielt sich im De- zember 2011 und im Jahr 2012 in E.____ (Kanton Zürich) auf. Mit Strafbefehl der Staatsanwalt- schaft F.____ vom 21. September 2012 wurde A.____ w egen Fahrens in fahrunfähigem Zu- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht stand (Motorfahrzeug, qualifizierte Blutalkoholkonzentrat ion) und grober Verletzung der Ver- kehrsregeln schuldig erklärt sowie zu einer Geldstrafe von 1 20 Tagessätzen zu Fr. 70.--, be- dingt vollziehbar mit einer Probezeit von zwei Jahren, und zu einer Busse von Fr. 2‘000.-- verur- teilt. Der Kanton Zürich erteilte A.____ am 18. Februar 201 4 für die Zeit vom 18. Februar 2014 bis 10. Februar 2019 eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFT A gültig für die ganze Schweiz. Als Ein- reisedatum wurde der 11. Februar 2014 genannt. Ab 12 . Februar 2014 arbeitete er als Lüf- tungsmonteur bei der G.____ AG und hielt sich in H.___ _ (Kanton Zürich) auf. Gemäss den Angaben von A.____ in seiner Mutationsmeldung an die G emeinde H.____ vom 18. April 2016 reiste er am 1. April 2014 aus familiären Gründen aus der Schweiz aus und kehrte nach Deutschland zurück, ohne sich in der Schweiz abzumelden . Das Bezirksgericht I.____ erkannte A.____ mit Urteil vom 3. Juli 2015 schuldig des Führens eines Motorfahrzeugs in angetrunke- nem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 2 lit. a des Strassenverkeh rsgesetzes (SVG) vom 19. De- zember 1958 und der Widerhandlung gegen das Bundesgeset z über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe (Betäubungsmittelgesetz, BetmG) v om 3. Oktober 1951 gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG und verurteilte ihn zu 150 Tag essätzen Geldstrafe zu Fr. 90.--, davon bedingt vollziehbar 75 Tage bei einer Probezeit von vie r Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 100.--. Mit Schreiben vom 6. April 2016 verwarnte ihn das Migrationsamt des Kantons Zürich aufgrund der zwei Verurteilungen. B. Gemäss ausländerrechtlicher Anmeldung in der Gemeind e J.____ (Basel-Landschaft) vom 18. Februar 2018 reiste A.____ am 9. Februar 2016 erneut zum Zweck der Erwerbstätig- keit von K.____ in Deutschland in die Schweiz ein. Am 10 . Februar 2016 schloss er mit der L.____ GmbH (Basel-Landschaft) für die er bereits frü her schon tätig gewesen war, einen neu- en unbefristeten Einzelarbeitsvertrag auf Abruf und i m Stundenlohn als Hilfsmonteur ab. Ge- mäss Schreiben der Arbeitgeberin vom 22. März 2016 bet rug die durchschnittliche Arbeitszeit mindestens 20 Stunden pro Woche. Nachdem A.____ der G emeinde H.____ im April 2016 mit- geteilt hatte, bereits am 1. April 2014 die Schweiz ve rlassen zu haben und wieder nach Deutschland gezogen zu sein, erklärte die Gemeinde H._ ___ am 18. April 2016 seine Abmel- dung entgegengenommen und den Wegzug in ihrem Register eingetragen zu haben. In der Folge prüfte das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM), ob A.____ eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA erteilt werden könne. Nachdem das AfM Kenntnis von insge- samt neun in Deutschland ausgefällten strafrechtlichen Verurteilungen im Zeitraum von 2002 bis 2014 erlangt hatte und nach verschiedener Korrespon denz und rechtlichen Schritten, ver- weigerte das AfM A.____ mit Verfügung vom 20. Septemb er 2016 die Erteilung einer Aufent- haltsbewilligung und wies diesen an, bis am 20. Oktober 2016 aus der Schweiz auszureisen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen sein strafrechtlich relevantes Verhalten genannt. C. Gegen diese Verfügung erhob A.____, nachfolgend im mer vertreten durch Ozan Polatli, Advokat, mit Eingabe vom 3. Oktober 2016 beim Regierun gsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) Beschwerde und beantragte, es sei die a ngefochtene Verfügung aufzuheben und ihm die Aufenthaltsbewilligung zu belassen bzw. zu e rteilen. Eventualiter sei die Sache zur Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Neubeurteilung an das AfM zurückzuweisen; unter o/e-Kost enfolge. Eventualiter sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu gew ähren. Im Wesentlichen führte A.____ aus, dass er bereits im Jahr 2014 im Kanton Basel -Landschaft Wohnsitz genommen habe, auch wenn er über eine Aufenthaltsbewilligung des Kantons Zürich verfügt habe. Er sei sich bewusst, dass er schon damals das Gesuch um Kantonswechsel hätte stellen müssen. Unter dem Gesichtspunkt von Treu und Glauben sei es nic ht zulässig, dass der Kanton Basel- Landschaft heute den Bestand von vor Jahren gesetzten W iderrufsgründen annehme, obwohl ihm in der jüngeren Vergangenheit bereits zwei Mal Au fenthaltsbewilligungen zur Erwerbstätig- keit in der Schweiz erteilt worden und in der Zwischenze it keine neuen Freiheitsstrafen mehr dazu gekommen seien. Zudem sei er grossmehrheitlich wegen abstrakter Gefährdungsdelikte im Strassenverkehrsbereich verurteilt worden. Diese reich ten nicht aus, um eine hinreichende Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung i m Sinne der schweizerischen Ausländer- gesetzgebung anzunehmen. Die einzige Verurteilung weg en Körperverletzung liege siebenein- halb Jahre zurück, die einzige Verurteilung wegen eine s Betäubungsmitteldelikts gar 14 Jahre. Diese Delikte stünden im Zusammenhang mit seinem Alkoho l- und Betäubungsmittelkonsum, den er mittlerweile überwunden habe. Im Weiteren dü rfe der ihm durch das Freizügigkeitsab- kommen gewährte Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz n ur unter qualifizierten Vorausset- zungen verweigert werden. Von ihm gehe nicht eine hin reichend schwere und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung aus. Am 1. Febru ar 2017 reichte A.____ diverse ihn be- treffende verkehrsmedizinische Berichte ein, aus denen hervorgehe, dass er seit über zwei Jah- ren vollständig drogen- und alkoholabstinent lebe. D. Mit Beschluss Nr. 0857 vom 20. Juni 2017 wies der Regie rungsrat die Beschwerde ab und verfügte, A.____ habe die Schweiz spätestens 30 Tag e nach Eintritt der Rechtskraft des Beschlusses zu verlassen. Das Gesuch um Gewährung der un entgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung wurde abgelehnt. Im Wesentlichen erklär te der Regierungsrat, dass die Ertei- lung von Aufenthaltsbewilligungen in die Zuständigkei t des jeweiligen Wohnsitzkantons falle. A.____ habe aufgrund der verschiedenen strafrechtlichen Verurteilungen den Bewilligungswi- derrufsgrund gemäss Art. 62 Abs. c des Bundesgesetzes übe r die Ausländerinnen und Auslän- der (Ausländergesetz, AuG) vom 16. Dezember 2005 erfüll t. Es bestehe kein Grund für eine ermessensweise Erteilung der Aufenthaltsbewilligung. Aufgrund der zahlreichen strafrechtlichen Verurteilungen in den vergangenen Jahren gehe von A. ____ eine latente Gefahr für die hiesige Sicherheit und Ordnung aus, welche die Nichterteilung d er Aufenthaltsbewilligung auch unter dem Aspekt des Freizügigkeitsabkommens als gerechtfertigt erscheinen lasse. Da A.____ nicht über eine vom Kanton Basel-Landschaft oder von anderer Seite bereits eingeräumte Rechtspo- sition verfüge, in die im Rahmen des Verwaltungsverfahr ens eingegriffen werden könne, sei überdies die Anordnung einer ausländerrechtlichen Verwa rnung nicht adäquat. Die Verfügung des AfM sei auch unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit nicht zu beanstanden. E. Gegen diesen Regierungsratsbeschluss erhob A.____ mi t Eingabe vom 3. Juli 2017 beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwal tungsrecht (Kantonsgericht), Be- schwerde. Er beantragte, es sei der Regierungsratsbeschlu ss aufzuheben und ihm die Aufent- haltsbewilligung zu belassen bzw. zu erteilen. Eventualiter sei ihm die Aufenthaltsbewilligung zu belassen bzw. zu erteilen mit einer ausländerrechtlichen Verwarnung oder der Auflage, in den Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nächsten drei Jahren strafrechtlich nicht in Erscheinung zu treten. Subeventualiter sei der Re- gierungsratsbeschluss aufzuheben und die Sache zur Neubeu rteilung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen; alles unter o/e-Kostenfolge. Es sei dem Besch werdeführer für das Beschwerde- verfahren vor dem Kantonsgericht die unentgeltliche Pro zessführung und Rechtsverbeistän- dung zu gewähren. Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, vom ihm gehe kei- ne gegenwärtige, tatsächliche und hinreichende Gefährdung aus, so dass er gemäss Freizügig- keitsabkommen einen Aufenthaltsanspruch habe. Ausserdem kö nne es nicht sein, dass zwei Kantone die Rückfallgefahr eines EU-Bürgers derart unt erschiedlich einschätzen würden. Des Weiteren gehe es tatsächlich nicht um eine erstmalige Erteilung der Aufenthaltsbewilligung, sondern um einen Kantonswechsel vom Kanton Zürich in de n Kanton Basel-Landschaft. Im Übrigen erweise sich auch bei Vorliegen eines allfällig en Widerrufsgrunds die Nichtverlänge- rung der Aufenthaltsbewilligung als nicht verhältnismässi g. Ausserdem hätte das Verhältnis- mässigkeitsprinzip bei der hier vorliegenden Situation von Verurteilungen im unteren Bereich des Strafrahmens zumindest geboten, den Beschwerdeführer ausländerrechtlich zu verwarnen, statt ihn wegzuweisen. F. Mit Eingabe vom 3. August 2017 zog der Beschwerdefü hrer sein Gesuch um Bewilli- gung der unentgeltlichen Rechtspflege zurück. Innert Frist zur Einreichung der ergänzenden Beschwerdebegründung ersuchte der Beschwerdeführer das G ericht um Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Des Weiteren führte der Besch werdeführer aus, obwohl ihm bewusst sei, dass es vorliegendenfalls nicht entscheidend sei, wie d ie Zürcher Behörden entschieden hätten, sei der Entscheid aus einem anderen Kanton d ennoch mit zu berücksichtigen. Das AfM behandle das vorliegende Verfahren aus formellen Grün den als erstmalige Erteilung der Auf- enthaltsbewilligung. Tatsächlich gehe es aber um eine n Kantonswechsel vom Kanton Zürich in den Kanton Basel-Landschaft, der nicht korrekt abgewicke lt worden sei. Unter anderem reichte der Beschwerdeführer ein Zwischenzeugnis der L.____ GmbH vom 5. Juli 2017 ein, gemäss welchem der Beschwerdeführer seit dem 2. Juli 2014 bei ihr als Monteur angestellt sei. Der Regierungsrat beantragte in seiner Vernehmlassung v om 11. September 2017 die kosten- fällige Abweisung der Beschwerde und die Abweisung des Antrags auf Durchführung einer Par- teiverhandlung. G. Mit Verfügung vom 27. Oktober 2017 überwies das G erichtspräsidium den Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandl ung und ordnete den Beizug der den Beschwerdeführer betreffenden Akten des Migrationsamts des Kantons Zürich an. H. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen der Besch werdeführer und sein Rechtsver- treter sowie die Vertreterin des AfM als Vertreterin d es Regierungsrates teil. Der Beschwerde- führer erklärt, unterdessen die Arbeitsstelle gewechselt zu haben und reicht den neuen Arbeits- vertrag mit der M.____ AG vom 30. November 2017 ein. Die Parteien halten an ihren bereits gestellten Rechtsbegehren fest. Auf die Ausführungen d er Parteien wird, soweit erforderlich, in den Urteilserwägungen eingegangen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zulässig. Demnach ist das Kantonsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Besch werde örtlich und sachlich zustän- dig. Der Beschwerdeführer ist vom angefochtenen Entsche id berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren f ormellen Voraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können n ach § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Verweig erung der Erteilung einer Aufent- haltsbewilligung an den Beschwerdeführer und dessen We gweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 4.1. Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und Art. 1 AuG; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zuständige kantonale Behörde entscheidet in den Fällen nach Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahm en der gesetzlichen Vorschriften und Ver- träge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilli- gung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht , es sei denn, das AuG oder völker- rechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 135 II 1 E. 1.1; PETER UEBERSAX , in: Uebersax/ Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). 4.2. Die Erteilung bzw. Verlängerung von Aufenthaltsb ewilligungen richtet sich grundsätz- lich nach dem Ausländergesetz. Für Staatsangehörige der Mitgliedstaaten der Europäischen Union hat das Ausländergesetz allerdings nur insoweit Ge ltung, als das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft ei nerseits und der Europäi- schen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA) keine abweichende Bestimmung enthält oder das Ausländergese tz eine für den Ausländer vorteilhaf- tere Regelung enthält (Art. 2 Abs. 2 AuG). 4.3. Der Widerruf bzw. die Nichterteilung von Bewillig ungen ist im FZA nicht geregelt, so dass Entfernungs- und Fernhaltemassnahmen gegenüber Angehörigen von Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft gestützt auf Art. 60-68 AuG a ngeordnet werden. Dasselbe ergibt sich aus Art. 24 der Verordnung über die schrittweise Ein führung des freien Personenverkehrs zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europä ischen Union und deren Mit- gliedstaaten sowie unter den Mitgliedstaaten der Euro päischen Freihandelsassoziation (Ver- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ordnung über die Einführung des freien Personenverkehrs, VEP) vom 22. Mai 2002 (vgl. auch Art. 23 VEP). Die Prüfung, ob dem Beschwerdeführer ei ne Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA verweigert werden darf, erfolgt in zwei Etappen: Ist e iner der in Art. 62 AuG niedergelegten Wi- derrufsgründe erfüllt und ist die Massnahme verhältnism ässig im Sinn von Art. 96 Abs. 1 AuG und (gegebenenfalls) Art. 8 Ziff. 2 der Konvention zu m Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950, ist in ei nem nächsten Schritt zu prüfen, inwie- fern das FZA zusätzliche Schranken auferlegt, damit die Bewilligung widerrufen bzw. die Ertei- lung verweigert werden kann (Urteile des Bundesgerichts 2C_793/2015 vom 29. März 2016 E. 4; 2C_159/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.3; 2C_236 /2013 vom 19. August 2013 E. 4; 2C_221/2012 vom 19. Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 130 II 176 E. 3.2 S. 181). 4.4. Als deutscher Staatsangehöriger kann sich der Beschwe rdeführer auf das FZA beru- fen. Gemäss Art. 4 FZA i.V.m. Art. 6 Abs. 1 Anh. I F ZA erhält ein Arbeitnehmer, der Staatsan- gehöriger einer Vertragspartei ist und mit einem Arbeitgeber des Aufenthaltsstaates ein Arbeits- verhältnis mit einer Gültigkeitsdauer von mindestens ein em Jahr eingegangen ist, eine Aufent- haltsbewilligung von mindestens fünf Jahren gerechnet ab dem Zeitpunkt der Erteilung der Er- laubnis. Der heute dem Gericht eingereichte Arbeitsvert rag zwischen der M.____ AG und dem Beschwerdeführer datiert vom 30. November 2017. Es handelt sich um eine unbefristete Anstel- lung des Beschwerdeführers im Stundenlohn als Lüftungsmo nteur. Der Beschwerdeführer er- klärt anlässlich der heutigen Verhandlung de facto 100 % zu arbeiten. Ein Anspruch auf Ertei- lung einer Aufenthaltserlaubnis in der Schweiz aufgrund von Erwerbstätigkeit liegt demnach vor. Auf den Beschwerdeführer sind somit die Bestimmungen be treffend erwerbstätige Personen anwendbar. Der Beschwerdeführer hat damit gestützt auf Art. 6 Abs. 1 Anh. I FZA einen An- spruch auf Aufenthalt in der Schweiz. 5.1. Auch ein auf das FZA gestützter Anspruch auf Aufen thalt in der Schweiz gilt jedoch nicht absolut. Gemäss Art. 5 Abs. 1 Anh. I FZA dürfen d ie vom FZA gewährten Rechtsansprü- che durch Massnahmen, die aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigt sind, eingeschränkt werden. Nach den ge mäss Art. 5 Anh. I FZA anwendbaren Grundsätzen wird bei Entfernungs- oder Fernhaltemassnah men eine hinreichend schwere und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung, Si cherheit oder Gesundheit durch den be- treffenden Ausländer vorausgesetzt. Nach Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 64/221/EWG – auf welche Art. 5 Abs. 2 Anh. I FZA verweist – darf bei Massnahme n der öffentlichen Ordnung oder Sicher- heit ausschliesslich das persönliche Verhalten der betreffen den Person ausschlaggebend sein, und nach Abs. 2 dieses Artikels können strafrechtliche Verur teilungen allein nicht ohne Weite- res diese Massnahmen begründen. Nach der gemäss Art. 16 Abs. 2 FZA zu berücksichtigen- den Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH ) und derjenigen des Bundesge- richts darf daher eine strafrechtliche Verurteilung nur insoweit als Anlass für eine Massnahme herangezogen werden, als die ihr zugrunde liegenden U mstände ein persönliches Verhalten erkennen lassen, das eine gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung darstellt. Eine Massnahme ist somit nur gerechtfertigt, wenn eine hinr eichend schwere und gegenwärtige Ge- fährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vorl iegt. Art. 5 Anh. I FZA steht somit Mass- nahmen entgegen, die (allein) aus generalpräventiven Gründen verfügt werden (Urteil des Bun- desgerichts 2C_784/2014 vom 24. April 2015 E. 3.1). Wä hrend die Prognose über das künftige Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wohlverhalten im Rahmen der Interessenabwägung nach Au G zwar mit zu berücksichtigen, jedoch nicht ausschlaggebend ist, kommt es bei Art. 5 Anh . I FZA entscheidend auf das Rück- fallrisiko an (BGE 130 II 176 E. 4.1). Verlangt wird eine nach Art und Ausmass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu differenzierende, hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass der Auslän- der auch künftig die öffentliche Ordnung stören wird. Je schwerer die möglichen Rechtsgüter- verletzungen wiegen, desto niedriger sind die Anforder ungen, welche an die hinzunehmende Rückfallgefahr zu stellen sind (Urteile des Bundesgericht s 2C_903/2010 vom 6. Juni 2011 E. 4.3 und 2C_485/2014 vom 22. Januar 2015 E. 2.2; B GE 136 II 5 E. 4.2, je mit Hinweisen). Eine einzige strafrechtliche Verurteilung kann diese An forderungen erfüllen, wenn die betref- fende Person mit der begangenen Tat ein persönliches Verhalten zeigt, das eine künftige Ge- fährdung der öffentlichen Ordnung als wahrscheinlich erscheinen lässt. Ob die betreffende Per- son mit hinreichender Wahrscheinlichkeit künftige Rechtsver letzungen begehen wird und damit eine hinreichend schwere und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicher- heit vorliegt, ist im Einzelfall anhand einer Gesamtbetrachtung sämtlicher Aspekte zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 2C_741/2013 vom 8. April 2014 E. 2.3). Massgeblich für die Beurtei- lung der Rückfallgefahr ist grundsätzlich der Zeitpunkt der Verfügung der aufenthaltsbeenden- den Massnahme, es sei denn, dass zwischen ihrem Erlass und de r Überprüfung ihrer Rechts- mässigkeit in einem Gerichtsverfahren ein längerer Zeitr aum liegt (Urteil des Bundesgerichts 2C_784/2014 vom 24. April 2015 E. 3.2). Als schwerwiege nde Rechtsgüterverletzungen gelten Beeinträchtigungen der physischen, psychischen und sexuellen Integrität, organisierte Krimina- lität und namentlich Terrorismus, Menschenhandel und Dr ogenhandel (BGE 139 II 121 E. 6.3, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung zu Art. 5 Anh. I FZA), wobei Zuwiderhandlungen, welche in engem Zusammenhang mit einer Betäubungsmittelabh ängigkeit stehen, diese Grundsatzpo- sition mildern können (BGE 139 II 121 E. 5.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_741/2013 vom 8. April 2014 E. 2.3). Die Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 5 Anh. I FZA muss ferner verhältnismässig sein (M ARC SPESCHA , in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 4. Aufl., Zürich 2015, Rz. 1 zu Art. 5 Abs. 1 Anh. I FZA; Urteile des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV ], vom 28. September 2016 [810 16 108] E. 5.1 und vom 23. März 2016 [810 15 152] E. 4.6; Urteil des Bundesgerichts 2C_122/2017 vom 20. Juni 2017 E. 3.3). 5.2. Die Vorinstanzen machen geltend, vom Beschwerdefüh rer ginge eine hinreichend schwere und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen S icherheit und Ordnung aus, welche die Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung rechtfe rtige. Der Beschwerdeführer vertritt die ge- genteilige Meinung. 5.3. Die Frage, ob eine Verweigerung der Bewilligun g den Voraussetzungen nach AuG entspräche, kann vorerst offen bleiben (siehe vorne E. 4.3). Sollte sich nämlich ergeben, dass die Verweigerung der Bewilligung vor Art. 5 Anh. I F ZA nicht standhielte, so fiele die Überprü- fung der Voraussetzungen nach AuG dahin, da Art. 5 Anh. I FZA für die Verweigerung der Ertei- lung einer Bewilligung grundsätzlich höhere Hürden vorsieht als das AuG. 6.1. Bevor auf die Frage der Gefährdung eingegangen wird, soll vorab geklärt werden, ob es sich, wie von den Vorinstanzen vertreten, um eine Er teilung der Bewilligung oder, wie vom Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer behauptet, um einen vom AfM fälschliche rweise nicht als Kantonswechsel abgewickelten Wechsel vom Kanton Zürich in den Kanton Ba sel-Landschaft handelt. Des Wei- teren ist abzuklären, ob, wie vom Beschwerdeführer gelte nd gemacht, der Kanton Basel- Landschaft die Bewilligungserteilung durch den Kanton Zürich zu berücksichtigen hat. 6.2. Am 5. Januar 2012 erteilte der Kanton Zürich de m Beschwerdeführer eine Grenzgän- gerbewilligung EU/EFTA gültig für die Schweiz für die Zeit vom 19. Dezember 2011 bis 18. De- zember 2016. Der Beschwerdeführer hielt sich im Dezemb er 2011 und im Jahr 2012 in E.____ auf. Der Kanton Zürich erteilte dem Beschwerdeführer am 18. Februar 2014 für die Zeit vom 18. Februar 2014 bis 10. Februar 2019 eine Aufenthal tsbewilligung EU/EFTA gültig für die gan- ze Schweiz. Gemäss den eigenen Angaben des Beschwerdefü hrers in seiner Mutationsmel- dung an die Gemeinde H.____ vom 18. April 2016 reiste er am 1. April 2014 aus familiären Gründen wieder aus der Schweiz aus und kehrte nach Deut schland zurück, ohne sich in der Schweiz abzumelden. Gleichentags registrierte die Gemei nde H.____ den Wegzug des Be- schwerdeführers aus ihrer Gemeinde. Am 9. Februar 2016 reiste der Beschwerdeführer ge- mäss eigenen Angaben in der ausländerrechtlichen Anmeldu ng vom 18. Februar 2016 erneut zum Zweck der Erwerbstätigkeit von K.____ in Deutschland in die Schweiz ein, worauf er sich in der Gemeinde J.____ im Kanton Basel-Landschaft anm eldete. Auch in der ausländerrechtli- chen Anmeldung vom 18. Februar 2016 hat der Beschwerde führer geschrieben, sich von 2011 bis 2012 in E.____ und von “2014 bis 2014“ in H.____ aufgehalten zu haben. 6.3. Der Beschwerdeführer hat sich aufgrund eigner An gaben in der Abmeldung von H.____ bzw. Anmeldung in J.____ rückwirkend per 1. April 2014 nach Deutschland abgemel- det. Wie der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdebegr ündung ausführt und auch heute an der Parteiverhandlung erklärt, hat er jedoch vermutung sweise mit kürzeren Unterbrüchen von Dezember 2011 bis heute in der Schweiz, zuerst in E.____ und anschliessend in H.____ und seit 2012 in J.____ im Kanton Basel-Landschaft, gewohn t. Auf Frage führt er aus, er habe die falschen Angaben in der Abmeldung in der Gemeinde H._ ___ und in der ausländerrechtlichen Anmeldung in der Gemeinde J.____ gemacht, weil er An gst vor Sanktionen gehabt habe. Nach Art. 61 Abs. 1 lit. a AuG erlischt eine Bewilligung mit der Abmeldung ins Ausland (vgl. dazu aber Urteil des Bundesgerichts 2A.357/2000 vom 22. Januar 2001 E. 2.a). Das Kantonsgericht kommt zum Schluss, dass der Beschwerdeführer bei seinen Aus führungen in der offiziellen Abmeldung und Anmeldung zu behaften ist und keine allfällige Vorteile daraus ziehen soll, dass er Falschangaben gemacht und es unterlassen hat, den Kant onswechsel gemäss Art. 15 AuG zu melden. Damit ist nicht zu beanstanden, dass die Vori nstanzen das Gesuch des Beschwer- deführers nicht als Antrag auf Kantonswechsel behandelt haben. 6.4. Das Kantonsgericht hat in einem Urteil vom 26. No vember 2014 (KGE VV 810 14 164 E. 4.5, mit weiteren Hinweisen) entschieden, dass eine Migrationsbehörde eine Aufenthaltsbe- willigung EU/EFTA nicht aus Gründen widerrufen bzw. n icht verlängern darf, welche der Migra- tionsbehörde eines anderen Kantons, die als erste die Aufenthaltsbewilligung erteilt hat, im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung bekannt waren. Der B eschwerdeführer hat im Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Kanton Zü rich vom 12. Februar 2014 die Frage, ob er in der Schweiz und/oder im Ausland vorbestraft sei, ver neint. In der Anmeldung für den Kanton Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Basel-Landschaft hat er die gleiche Frage hingegen b ejaht. Damit steht fest, dass dem Kanton Zürich bei der Gesuchseinreichung und der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA die Verurteilungen des Beschwerdeführers aufgrund seiner Fa lschangaben nicht bekannt waren. Demzufolge ist der Kanton Basel-Landschaft bei der Ert eilung der Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA keinesfalls an den Entscheid der Migrationsbehörde des Kantons Zürich gebunden. 7.1. Zu prüfen ist nun, ob vom Beschwerdeführer eine h inreichend schwere und gegenwär- tige Gefährdung der öffentlichen Ordnung, Sicherhei t oder Gesundheit gemäss Art. 5 Anh. I FZA ausgeht, welche eine Einschränkung des Anspruchs nach FZA rechtfertigt. 7.2. Der Beschwerdeführer wurde gemäss deutschem Zentra lregister und schweizerischem Strafregister zu folgenden Straftaten verurteilt: 1. Urteil des Amtsgerichts N.____ vom 3. Juli 2003: Verur teilung zu 3 Monaten Freiheitsstrafe wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in 2 Fällen. 2. Urteil des Amtsgerichts O.____ vom 19. Dezember 200 6: Verurteilung zu 60 Tagessätzen zu je Euro 10.-- wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrer laubnis und Sperre für die Fahr- erlaubnis bis 27. Dezember 2017. 3. Urteil des Amtsgerichts P.____ vom 22. März 2007: Ve rurteilung zu 10 Monaten Freiheits- strafe wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in Ta teinheit mit Fahren ohne Fahrerlaubnis. 4. Urteil des Amtsgerichts O.____ vom 5. Mai 2009: Ver urteilung zu 1 Jahr Freiheitsstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung in 6 tateinheitlichen Fällen. 5. Urteil des Amtsgerichts P.____ vom 21. Juni 2011: Veru rteilung zu 30 Tagessätzen zu je Euro 10.-- wegen Betrugs. 6. Urteil des Amtsgerichts Q.____ vom 27. September 2011 : Verurteilung zu 40 Tagessätzen zu je Euro 40.-- wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln. 7. Urteil der Staatsanwaltschaft F.____, Schweiz, vom 2 1. September 2012: Verurteilung zu 120 Tagessätzen zu je Fr. 70.-- und Busse von Fr. 2000. -- wegen Fahrens in fahrunfähi- gem Zustand (Motorfahrzeug, qualifizierte Blutalkoholko nzentration von 2.29 Alkoholge- wichtspromille); grobe Verletzung der Verkehrsregeln. 8. Urteil des Amtsgerichts P.____ /O.____ vom 29. August 2013: Verurteilung zu 120 Ta- gessätzen zu je Euro 40.--, Sperre für Fahrerlaubnis bis 5. September 2014 wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in 2 Fällen. 9. Urteil des Amtsgerichts P.____/O.____ vom 29. Janua r 2014: Verurteilung zu 100 Tagess- ätzen zu je Euro 40.--. Aufrechterhaltene Sperrfrist für die Fahrerlaubnis bis 5. September 2014 nach Gesamtstrafenbildung. Nachträglich durch Besch luss gebildete Gesamtstrafe. Einbezogen wurden die Entscheidungen vom 27. Septembe r 2011 und vom 29. August 2013. 10. Urteil des Gerichtspräsidiums I.____, Schweiz, vom 3. Juli 2015: Verurteilung zu 150 Ta- gessätzen zu je Fr. 90.-- wegen Fahrens in fahrunfähig em Zustand (Motorfahrzeug, qualifi- zierter Atemalkohol oder qualifizierte Blutalkoholkonzen tration, Alkoholgewichtspromille 1.56) und Übertretung nach Art. 19a BetmG und Busse von Fr. 100.--. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3. Wie die Auflistung zeigt, hat der Beschwerdeführe r immer wieder delinquiert. Am 22. März 2007 wurde er zu zehn Monaten Freiheitsstrafe w egen Widerstands gegen Vollstre- ckungsbeamte in Tateinheit mit Fahren ohne Fahrerlaubn is, am 5. Mai 2009 zu einem Jahr Freiheitsstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung in sechs tateinheitlichen Fällen und am 21. Juni 2011 zu 30 Tagessätzen zu je Euro 10.-- wegen B etrugs verurteilt. Diese Delikte wur- den in den Jahren 2006, 2008 und 2011 begangen. All e anderen Delikte standen in direktem Zusammenhang mit Drogen- und Alkoholkonsum und mit Fah ren in fahrunfähigem Zustand oder ohne Fahrerlaubnis. Die Delikte wegen Körperverl etzung und jene wegen Fahrens in fahr- unfähigem Zustand stellen eine Gefahr für Leib und L eben anderer dar und damit eine Gefähr- dung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Fraglich ist jedoch, ob eine gegenwärtige Ge- fährdung dieser Rechtsgüter vorliegt. 7.4. Aufgrund der begangenen Delikte, der Akten und d er Ausführungen des Beschwerde- führers in den Rechtsschriften und anlässlich der heutige n Verhandlung ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer lange Zeit und immer wieder Probleme mit Drogen und Alkohol hatte und die von ihm begangenen Delikte damit im Zusammenhang st anden. Ihm sei deswegen gemäss seinen Aussagen auch schon drei Mal der Führerausweis entzogen worden. Der Beschwerdeführer reichte mit der Eingabe vom 1. Fe bruar 2017 das verkehrsmedizinische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Basel (IRM) vom 2. April 2015, die im Auftrag des IRM vorgenommenen Verlaufskontrollen vom 22. September 2015, vom 9. März 2016 und vom 8. September 2016 sowie die Befundberich te der Begutachtungsstelle für Fahr- eignung des Service-Centers R.____ vom 13. Mai 2016 und vom 18. November 2016 ein. Auf- grund dieser Befunde kann davon ausgegangen werden, da ss der Beschwerdeführer von Ok- tober/November 2014 bis November 2016 keinen Alkohol bzw. keine Drogen konsumiert hat. Gemäss Aktennotiz des Rechtsdiensts des Regierungsrates vom 2 . Juni 2017 ist der Be- schwerdeführer seit März 2017 wieder ohne Auflagen als Führer von Motorfahrzeugen zugelas- sen, nachdem eine letzte Verlaufskontrolle keine Befun de hinsichtlich Alkohol und Drogen er- geben hatte. Damit ist mittels Kontrollen belegt, dass der Beschwerdeführer von ca. Oktober 2014 bis März 2017 und damit über einen Zeitraum von zw eieinhalb Jahren keinen Alkohol und keine Drogen konsumiert hat. Der Beschwerdeführer führt an der heutigen Verhandlun g aus, seit Oktober 2014 keine Drogen und keinen Alkohol mehr zu sich genommen zu haben. Der B eschwerdeführer ist an der Ver- handlung nach dem Grund der nun von ihm erklärten dr eieinhalbjährigen und davon mittels Be- funde belegten zweieinhalbjährigen Drogen- und Alkoho labstinenz gefragt worden. Er antwor- tet, vor 2010 und der Einreise in die Schweiz “massiv dro genabhängig“ gewesen zu sein. Dadurch, dass er in der Schweiz eine gute Arbeit gefu nden habe, habe sich sein Leben sehr verbessert. Daraufhin habe sich der Drogenkonsum auf A lkoholkonsum verlagert. Im 2012 sei sein Bruder verstorben, worauf sich sein Alkoholkonsum versch limmert habe. Auf Frage, was ihn dazu bewegt habe, mit dem Alkoholkonsum aufzuhöre n, erklärt der Beschwerdeführer, sein Denken habe angefangen, sich zu verändern. Er habe ein gesehen, dass es nicht sein könne, dass er das Geld, welches er hier verdiene, aufbrauche, um seine Geldstrafen und Bussen zu bezahlen. Er kenne nun die positiven Konsequenzen des N ichttrinkens. Dadurch, dass er nicht Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht trinke, fühle er, wie es ihm besser gehe und wie er klar denken könne. Er wisse jetzt, wie schön das Leben ohne Drogen und Alkohol sei. Er sei auch in der Arbeit “gut angesehen“. Dies seien die Gründe gewesen, weshalb er beschlossen habe, nicht mehr zu trinken und keine Drogen mehr zu nehmen. Er habe keine Therapie gemacht und kei ne Beratung in Anspruch genom- men. Auf Frage bezüglich seiner Fahrten in fahrunfähi gem Zustand antwortet er, Glück gehabt zu haben, dass nie etwas Schlimmeres passiert sei. 7.5. Der Begehungszeitpunkt der Delikte, welche zu de n Verurteilungen wegen Wider- stands gegen Vollstreckungsbeamte und wegen Körperverletzu ng geführt haben, liegt schon elfeinhalb bzw. knapp zehn Jahre zurück. Der Beschwerdefü hrer war im Zeitpunkt der Bege- hung jener Delikte 23 bzw. 25 Jahre alt. Es liegen kein e Anhaltspunkte dafür vor, dass vom Be- schwerdeführer eine aktuelle Gefährdung in Bezug auf di e Wiederholung derartiger Delikte ausgeht. Durch die Gutachten und Kontrollen für die Zeitspanne von zweieinhalb Jahren, näm- lich von Oktober 2014 bis März 2017, hat der Beschwerdefüh rer belegt, in der genannten Zeit alkohol- und drogenabstinent gelebt zu haben. Der Beschw erdeführer führt anlässlich der heu- tigen Verhandlung glaubwürdig aus, dass er auch seit Mä rz 2017 drogen- und alkoholabstinent lebe. Die Aussagen des Beschwerdeführers stimmen auch mit der Tatsache überein, dass die- ser letztmals wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand am 3. August 2014 (Verurteilung vom 3. Juli 2015) verurteilt wurde. Seit März 2017 verfü gt der Beschwerdeführer wieder über einen Führerausweis. Gemäss heutigen Aussagen besitzt der Beschwerdeführer ein Auto und benutzt es sowohl aus privaten als auch aus beruflichen Gründen. Der Beschwerdeführer ist seit der Verurteilung vom 3. Juli 2015 wegen des Vorfalls vom 3 . August 2014 straffrei geblieben. Des Weiteren hat der Beschwerdeführer anlässlich der heutige n Verhandlung in nachvollziehbarer Weise erklärt, eingesehen zu haben, welche Steigerung an Lebensqualität die Suchtmittelabsti- nenz hat und dass er dadurch auch sein Einkommen sinnvoll einsetzen kann. Zudem hat er keinerlei Tendenzen gezeigt, seine ehemalige Sucht bzw. seine Taten zu bagatellisieren, hat er doch selber ausgesagt, vor 2010 massiv drogenabhängig ge wesen zu sein und dass sich die Sucht anschliessend auf den Konsum von Alkohol verlagert habe. Zudem schreibt er die Tatsa- che, dass im Strassenverkehr nichts Schlimmeres passiert ist, dem Glück zu. Durch die zwei- einhalbjährige belegte Drogen- und Alkoholabstinenz kö nnen seine Aussagen auch keinesfalls als Lippenbekenntnisse abgetan werden. Wie die Vertre terin des Regierungsrates anlässlich der heutigen Verhandlung richtig festgestellt hat, ha t der Beschwerdeführer bei der Darlegung seiner Motivation von der Sucht wegzukommen, nicht auch d ie potenziellen Opfer seiner Fahr- ten in fahrunfähigem Zustand erwähnt. Dies ist zwar bedauerlich, führt aber nicht dazu, dass die Motivation und der Wille des Beschwerdeführers drogen- und alkoholabstinent zu leben, als weniger glaubwürdig zu qualifizieren sind. Der Beschwerd eführer hat durch Kontrollen über die Zeitspanne von zweieinhalb Jahren gezeigt, den Willen in die Tat umgesetzt zu haben, so dass ihm auch der Führerausweis wieder erteilt wurde. 7.6. Da vom Beschwerdeführer eine Gefährdung der öffe ntlichen Ordnung und Sicherheit dann ausgeht, wenn er Suchtmittel konsumiert bzw. einen allfälligen Alkohol- und Drogenkon- sum nicht im Griff hat, fällt die Gefährdung mit der Abstinenz bzw. der Fähigkeit den Konsum von Suchtmitteln vom Führen eines Personenwagens zu tre nnen, dahin. Fest steht, dass bei ehemaligem Suchtverhalten immer eine Rückfallgefahr b esteht, jedoch kann zur Zeit aufgrund Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der belegten längeren Suchtmittelabstinenz eine hinrei chend schwere und gegenwärtige Ge- fährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im S inne des Art. 4 Anh. I FZA nicht bejaht werden. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen und da s AfM anzuweisen, dem Be- schwerdeführer eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. 7.7. Sollte der Beschwerdeführer jedoch wieder in re levanter Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen, so wäre äusserst frag würdig, ob eine hinreichend schwere und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung noch zu verneinen wäre und damit, ob dem Beschwerdeführer die Aufenthaltsbewilligung nicht zu entziehen wäre. 8.1. Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Gest ützt auf § 20 Abs. 1 VPO in Ver- bindung mit § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskoste n in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Wobei den Vorinstanzen gemäss § 20 Abs. 3 und 4 VPO nur Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn sie das Kantonsgericht in Anspruch nehmen. Demzufolge werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer ist folglich der bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- zurückzuerstatten. 8.2. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann f ür den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung z u Lasten der Gegenpartei zugespro- chen werden (§ 21 Abs. 1 VPO). Es handelt sich dabei um eine Kann-Vorschrift. Dem Gericht steht bei der Festlegung der Parteientschädigung ein gewisses Ermessen zu. Der Rechtsvertre- ter des Beschwerdeführers macht in seiner Honorarnote vo m 27. November 2017 inklusive ei- nen Aufwand von zwei Stunden für die voraussichtliche D auer zur Vorbereitung der Verhand- lung und von einer Stunde für die voraussichtliche Dauer der Besprechung mit dem Beschwer- deführer zwecks Vorbereitung der Verhandlung einen Aufw and von 8 Stunden à Fr. 250.-- und Spesen in der Höhe von Fr. 61.70 geltend, was nicht zu b eanstanden ist und einen Betrag von Fr. 2‘301.35 ergibt (8 Stunden à Fr. 250.-- zuzügli ch Spesen von Fr. 61.70 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer). Für die heutige Verhandlung werden 3 Stunden dazugerechnet, was zu einem Betrag von Fr. 807.75 führt (3 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer [Mehrwert- steuer bis 31. Dezember 2017 8 %, ab 1. Januar 2018 7 .7 %]). Damit resultiert ein Betrag von Fr. 3‘109.10. Das Kantonsgericht erachtet im vorliegende n Fall eine Festlegung der Parteient- schädigung auf die Hälfte des Betrages als angemessen. De r Regierungsrat hat dem Be- schwerdeführer damit Fr. 1‘554.55 zu bezahlen. Im Übrig en werden die Parteikosten wettge- schlagen. 8.3. Auf eine Rückweisung der Angelegenheit zur Neuve rlegung der Kosten des vor- instanzlichen Verfahrens an den Regierungsrat wird verzicht et, da nicht zu beanstanden ist, dass der Regierungsrat im Zeitpunkt der Entscheidfällung die Beschwerde abgewiesen hat, da für das Kantonsgericht für die Gutheissung der Beschwer de die anlässlich der heutigen Ver- handlung gemachten Ausführungen des Beschwerdeführers en tscheidend waren (vgl. die §§ 20a Abs. 2 und 22 Abs. 2 lit. a des Verwaltungsver fahrensgesetzes Basel-Landschaft vom 13. Juni 1988). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Regieru ngsratsbeschluss Nr. 0857 vom 20. Juni 2017 aufgehoben und das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft angewiesen, dem Beschwerdeführe r eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400 .-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwer- deführer für das kantonsgerichtliche Verfahren eine Pa rteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 1‘554.55 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin