<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 136 S.567</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Neuschätzung des Versicherungswertes</span> <span class="page_no">567</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Neuschätzung des Versicherungswertes</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>136</b></span> <span class="ft2"><b>Gebäudeversicherung. Neuschätzung auf Verlangen des Gebäudeeigen-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tümers (§ 24 Abs. 1 lit. b GebVG)</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Voraussetzungen für eine Neuschätzung (Erw. 3.2.2.)</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Es gibt keinen unbedingten Anspruch auf Neuschätzung (Erw. 3.3.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ff.)</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus einem Entscheid der Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span><br/> <span class="ft4">vom 23. Mai 2002 in Sachen Ehegatten B. gegen AVA.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3.2.1. Abschliessend bleibt noch zu prüfen, ob die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer auf ihr Verlangen aufgrund § 24 Abs. 1 lit. b GebVG einen</span><br/> <span class="ft6">vorbehaltlosen Anspruch auf eine Neuschätzung durch das AVA ha-</span><br/> <span class="ft6">ben, was im Ergebnis auch auf eine Wiedererwägung herauslaufen</span><br/> <span class="ft6">würde. Gemäss dieser Bestimmung könnte der Eindruck entstehen,</span><br/> <span class="ft6">dass auf blosses Verlangen des Gebäudeeigentümers jeweils eine</span><br/> <span class="ft6">Neuschätzung durchzuführen wäre. Aus dem Wortlaut ist nicht er-</span><br/> <span class="ft6">sichtlich, ob der Gebäudeeigentümer beim Stellen des Begehrens für</span><br/> <span class="ft6">eine Neuschätzung zu irgendeiner Begründung des Antrages ver-</span><br/> <span class="ft6">pflichtet ist bzw. irgendeine sonstige Voraussetzung erfüllen muss.</span><br/> <span class="ft6">(...).</span><br/> <span class="ft6">3.2.2. Auch die GebVV hilft zur Auslegung von § 24 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">lit. b GebVG nicht weiter. Immerhin wird aus § 12 Abs. 3 GebVV</span><br/> <span class="ft6">deutlich, dass als Ziel im Vordergrund steht, dass der tatsächliche</span><br/> <span class="ft6">Wert und die Schätzung nicht zu weit auseinander klaffen. Immer</span><br/> <span class="ft6">wenn ein Auseinanderklaffen des tatsächlichen und des geschätzten</span><br/> <span class="ft6">Wertes im Raum steht - z. B. durch eine Wertveränderung des</span><br/> <span class="ft6">Gebäudes, sei dies ein Umbau, eine Erweiterung oder eine</span><br/> <span class="ft6">Renovation - ist eine Neuschätzung sachlich ohne weiteres</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span> <span class="page_no">568</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">gerechtfertigt. Dies geschieht auch und am naheliegendsten auf</span><br/> <span class="ft6">Initiative des Gebäudeeigentümers.</span><br/> <span class="ft6">Ebenso klar ist der Fall, wenn seit der letzten Schätzung viel</span><br/> <span class="ft6">Zeit verstrichen ist (§ 24 Abs. 1 lit. d GebVG). Das AVA geht hierfür</span><br/> <span class="ft6">von einem Revisionsintervall von 15 Jahren aus (telefonische Aus-</span><br/> <span class="ft6">kunft A. B., Leiter der Abteilung Gebäudeversicherung, vom</span><br/> <span class="ft6">20. März 2002). Auch hier ist eine Neuschätzung ohne weiteres</span><br/> <span class="ft6">gerechtfertigt.</span><br/> <span class="ft6">Vorliegend sind diese Voraussetzungen jedoch nicht gegeben.</span><br/> <span class="ft6">3.3. Untersucht man die Regelung von § 24 Abs. 1 lit. b GebVG</span><br/> <span class="ft6">genauer, so ist ersichtlich, dass es nicht Meinung des Gesetzgebers</span><br/> <span class="ft6">sein konnte, dass jeder Gebäudeeigentümer beliebig sein Gebäude</span><br/> <span class="ft6">neu schätzen lassen kann. Denn bei einem vorbehaltlosen Anspruch</span><br/> <span class="ft6">auf Neuschätzung ergäben sich einerseits aus der Systematik des</span><br/> <span class="ft6">Gesetzes sowie andererseits aus der Praxis verschiedene Problem-</span><br/> <span class="ft6">fälle, welche allesamt dagegen sprechen.</span><br/> <span class="ft6">3.4.1. In der Systematik des GebVG würde die 20-tägige Re-</span><br/> <span class="ft6">kursfrist gemäss § 27 GebVG für eine zweite Schätzung durch die</span><br/> <span class="ft6">Oberschätzungsbehörde keinen Sinn mehr machen. Jedes verspätete</span><br/> <span class="ft6">Rechtsmittel müsste dann zumindest als Begehren für eine Neuschät-</span><br/> <span class="ft6">zung gelten, so dass der Versicherungswert unter diesen Umständen</span><br/> <span class="ft6">jedenfalls materiell geprüft werden müsste. Es fragt sich dann, zu</span><br/> <span class="ft6">welchem Zweck die Rekursfrist in § 27 GebVG überhaupt statuiert</span><br/> <span class="ft6">wurde. Auch stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob der</span><br/> <span class="ft6">Gebäudeversicherungswert überhaupt noch in formelle Rechtskraft</span><br/> <span class="ft6">erwachsen kann, wenn er jederzeit überprüft werden kann, was ange-</span><br/> <span class="ft6">sichts der zahlreichen daran anknüpfenden Folgen unhaltbar wäre</span><br/> <span class="ft6">(vgl. Erw. 3.5).</span><br/> <span class="ft6">3.4.2. Des Weiteren würde von der Systematik her auch das</span><br/> <span class="ft6">Verfahren nach § 24 Abs. 2 GebVG obsolet erklärt. Denn die Versi-</span><br/> <span class="ft6">cherungswertanpassung aufgrund der Baukostenentwicklung soll</span><br/> <span class="ft6">nach ausdrücklichem Wortlaut "ohne neue Schätzung" Platz greifen.</span><br/> <span class="ft6">Indes liesse sich ein Rechtsmittel bei einem vorbehaltlosen Anspruch</span><br/> <span class="ft6">auf eine Neuschätzung nicht mehr auf die teuerungsbedingte Wert-</span><br/> <span class="ft6">veränderung beschränken, weil die Rüge des "falschen" Versiche-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Neuschätzung des Versicherungswertes</span> <span class="page_no">569</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">rungswertes wieder zumindest als Begehren um eine Neuschätzung</span><br/> <span class="ft6">aufgefasst werden müsste.</span><br/> <span class="ft6">3.5. Neben und durch diese gesetzessystematischen Probleme</span><br/> <span class="ft6">würden sich wie angetönt auch weitere erhebliche Probleme in der</span><br/> <span class="ft6">Praxis ergeben. So würde der aus der Schätzung resultierende Ge-</span><br/> <span class="ft6">bäudeversicherungswert erheblich relativiert, d.h. er wäre eine Grös-</span><br/> <span class="ft6">se, welcher nur noch bedingt zeitliche Beständigkeit hätte und immer</span><br/> <span class="ft6">wieder in Zweifel gezogen werden könnte. Dies ergäbe erhebliche</span><br/> <span class="ft6">Folgen für weitere, davon abhängige Verfahren (vgl. auch ...). So</span><br/> <span class="ft6">werden zum Beispiel in vielen Gemeinde die Erschliessungsabgaben</span><br/> <span class="ft6">sowie der Steuerwert des Gebäudes aufgrund des Gebäudeversiche-</span><br/> <span class="ft6">rungswertes ermittelt. Dies setzt aber eben voraus, dass dem einmal</span><br/> <span class="ft6">festgestellten und in Rechtskraft erwachsenen Wert Beständigkeit in</span><br/> <span class="ft6">dem Sinn zukommt, dass nur "echte" Veränderungen zur seiner</span><br/> <span class="ft6">Überprüfung führen (vgl. Erw. 3.2.2.). Denn wenn dies nicht gege-</span><br/> <span class="ft6">ben wäre, fragt es sich auch, wie es sich verhalten würde, wenn im</span><br/> <span class="ft6">Zuge einer Neuschätzung der Gebäudeversicherungswert nach unten</span><br/> <span class="ft6">korrigiert würde, aber z.B. die Anschlussgebühren bereits aufgrund</span><br/> <span class="ft6">des alten Wertes errechnet und bezogen wurden.</span><br/></div> </div> </body> </html>