Kantonsgericht Schwyz Beschluss vom 18. Februar 2020 ZK1 2019 19 Mitwirkend Kantonsgerichtspräsident Dr. Urs Tschümperlin, Kantonsrichter Walter Christen, Hannelore Räber, Jörg Meister und Josef Reichlin, Gerichtsschreiber lic. iur. Claude Brüesch. In Sachen A.________, Beklagte und Berufungsführerin, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, gegen C.________, Klägerin und Berufungsgegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt D.________, betreffend Forderung aus Mietvertrag (Berufung gegen das Urteil des Einzelrichters am Bezirksgericht March vom 5. März 2019, ZEV 2018 20);- hat die 1. Zivilkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben: A. Am 25. März 2011 schlossen H.________, vertreten durch seinen Vater I.________, als Vermieter und die Klägerin als Mieterin einen Mietvertrag über das 5½-Zimmer-Einfamilienhaus an der E.________strasse yy in Galgenen (Vi-act. 1, KB 3). Strittig ist, ob tags darauf H.________, Eigentümer des er- wähnten Einfamilienhauses, und I.________ eine Vereinbarung betreffend das erwähnte Einfamilienhaus und Umschwung unterzeichneten (Vi-act. 1, KB 4). Dieser Vereinbarung kann entnommen werden, dass das grundbuch- lich eingetragene lebenslange Nutzniessungsrecht von I.________ gelöscht wurde als Voraussetzung der Erhöhung der auf dem Grundstück lastenden Hypothek durch die J.________ (Bank I). H.________ erklärte, den bestehen- den Mietvertrag mit der Klägerin zu respektieren und ihr nicht bzw. nur mit Zustimmung von I.________ zu kündigen. Ausserdem anerkannte H.________, dass sein Vater direkter Ansprechpartner der Klägerin sei (Vi- act. 1, KB 4). Am 1. Dezember 2012 unterzeichneten die Klägerin und I.________ (als Stellvertreter von H.________) Zusatzbestimmungen zum Mietvertrag vom 25. März 2011 (Vi-act. 1, Anhang zu KB 3), wobei strittig ist, ob I.________ dabei zur Stellvertretung von H.________ berechtigt bzw. ob die diesbezügliche Vollmacht vom 27. März 2011 (Vi-act. 1, KB 5) gültig war. Gemäss dieser Vereinbarung anerkannte I.________ nach einer Begehung vom 29. November 2012 bauliche Änderungen gemäss Aufstellung vom 19. November 2012 im Betrag von Fr. 29‘300.00 und erklärte diese Aufstel- lung zum integrierenden Bestandteil der Zusatzbestimmungen zum Mietver- trag. Die Parteien kamen überein, dass die baulichen Änderungen und Ein- richtungen bei Beendigung des Mietvertrages in das Eigentum des Vermieters übergehen würden und ausgehend von einer Lebensdauer von 20 Jahren linear abgeschrieben würden (Vi-act. 1, Anhang zu KB 3). Uneinig sind sich die Parteien darüber, ob in der Folge die Klägerin (zusammen mit ihrem Le-Kantonsgericht Schwyz 3 benspartner) Renovationsarbeiten am Einfamilienhaus in der Höhe von Fr. 29‘300.00 ausführte. Am 6. Dezember 2013 ersteigerte die Beklagte, vertreten durch ihren Rechts- anwalt B.________, die Liegenschaft an der E.________strasse yy in Galge- nen (Vi-act. 1, KB 10, 11 und 17). Mit Schreiben vom 17. Februar 2014 kün- digte die Beklagte das Mietverhältnis mit der Klägerin per 31. Mai 2014 zufol- ge Eigenbedarfs (Vi-act. 1, KB 12). Am 16. Oktober 2014 forderte die Klägerin die Beklagte auf, die von ihr in das Mietobjekt getätigten Investitionen im Be- trag von Fr. 27‘100.00 zu begleichen (Vi-act. 1, KB 13 f.). Die Beklagte leistete in der Folge den Betrag nicht, weshalb die Klägerin mit Zahlungsbefehl Nr. xx des Betreibungsamtes Baden vom 24. November 2017 von der Beklagten einen Betrag von Fr. 27‘100.00 forderte (Vi-act. 1, KB 16). B. Nach erfolgloser Schlichtungsverhandlung vom 6. Februar 2018 vor der Schlichtungsbehörde in Mietsachen des Bezirks March (Vi-act. 1, KB 2) reich- te die Klägerin mit Eingabe vom 20. März 2018 beim Einzelrichter am Be- zirksgericht March eine unbegründete Klage ein mit folgenden Rechtsbegeh- ren (Vi-act. 1): 1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin CHF 27‘100.00 nebst Zins zu 5 % seit 8.11.2014 zu bezahlen. 2. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin die Betreibungs- gebühren in der Höhe von CHF 118.30 zu bezahlen. 3. Es sei der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. xx des Betreibungsamtes Baden, Zahlungsbefehl vom 24.11.2017, im Umfange von CHF 27‘100.00 nebst Zins zu 5 % seit 8.11.2014 zu beseitigen. 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. 8 % MwSt.) zulasten der Beklagten. Nach Durchführung des Verfahrens erliess der Einzelrichter am Bezirksgericht March am 5. März 2019 folgendes Urteil: Kantonsgericht Schwyz 4 1. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin Fr. 27‘100.00 nebst Zins zu 5 % seit 08.11.2014 zu bezahlen. 2. Der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. xx des Betreibungs- amtes Baden wird im Umfang der geschützten Forderung aufgehoben und der Klägerin definitive Rechtsöffnung erteilt für Fr. 27‘100.00 nebst Zins zu 5 % seit 08.11.2014. 3. Die Gerichtskosten mit einer Entscheidgebühr von Fr. 2’800.00 werden der Beklagten überbunden. Unter dem Titel Gerichtskostenersatz hat die Beklagte der Klägerin Fr. 2’800.00 zu bezahlen. 4. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin eine Parteientschädigung von Fr. 3’500.00 (inkl. Auslagen und MwSt.) zu bezahlen. 5. [Rechtsmittel]. 6. [Mitteilung]. C. Gegen dieses Urteil erhob die Beklagte mit Eingabe vom 5. April 2019 rechtzeitig Berufung mit dem Rechtsbegehren, es sei in Aufhebung des Urteils des Einzelrichters am Bezirksgericht March vom 5. März 2019 die Klage ab- zuweisen, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädigungs- folgen zzgl. Mehrwertsteuer zulasten der Klägerin (KG-act. 1). Mit Berufungsantwort vom 28. Mai 2019 beantragte die Klägerin, es sei die Berufung abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Ent- schädigungsfolgen (inkl. MWST) zulasten der Beklagten (KG-act. 10). Am 8. Juli 2019 teilte die Beklagte der Gerichtsleitung mit, dass sie am 4. Juni 2019 gegen I.________ und die Klägerin bei der Staatsanwaltschaft March Strafanzeige wegen Urkundenfälschung, evtl. wegen Betrugs eingeleitet habe (KG-act. 12). Mit Eingabe vom 2. Dezember 2019 unterrichtete die Beklagte die Gerichtsleitung über bestimmte Aussagen von H.________, welcher die- ser als Auskunftsperson im Rahmen des Strafverfahrens gegen I.________ und die Klägerin gemacht habe (KG-act. 18). Die Klägerin nahm dazu am 7. Dezember 2019 Stellung (KG-act. 20). Kantonsgericht Schwyz 5 Auf die Vorbringen der Parteien wird – soweit erforderlich – in den Erwägun- gen eingegangen;- in Erwägung: 1. Der Mietvertrag vom 25. März 2011 samt Zusatzbestimmungen vom 1. Dezember 2012 (Vi-act. 1, KB 3) war sowohl in den Steigerungsbedingun- gen vom 23. Oktober 2013 (Vi-act. 1, KB 8, S. 6 Ziff. 17) als auch im Lasten- verzeichnis vom 23. Oktober 2013 (Vi-act. 1, KB 9, S. 3 und 12) enthalten. In Letzterem wird unbestrittenermassen ausdrücklich vermerkt, dass Investitio- nen in der Höhe von Fr. 29'300.00 getätigt worden seien, welche linear über 20 Jahre amortisiert würden (Vi-act. 1, KB 9, S. 12). Beide Dokumente lagen vom 28. Oktober 2013 bis 6. November 2013 auf (Vi-act. 1, KB 8, S. 1), wes- halb die Beklagte die Möglichkeit hatte, diese Akten vor der Versteigerung zu konsultieren. Ausserdem wurde gemäss Steigerungsprotokoll vom 6. Dezem- ber 2013, welches der beklagtische Rechtsanwalt auf jeder Seite signierte, zu Beginn der Versteigerung für die Beschreibung des Grundstücks auf das „bei- liegende besondere Blatt“ verwiesen (Vi-act. 1, KB 17, S. 2). Im Zeitpunkt der Versteigerung war die Beklagte somit über das Bestehen des Mietvertrags samt Zusatzvereinbarung vom 1. Dezember 2012 informiert. Überdies unter- zeichnete der beklagtische Rechtsvertreter im Steigerungsprotokoll eine „Be- scheinigung über den Steigerungszuschlag mit der Last, d.h. Mietlast“, worin er darauf hingewiesen wurde, dass die Last, der Mietvertrag vom 25. März 2011 und die Anpassung des Mietvertrags vom 1. Dezember 2012, überbun- den werde (Vi-act. 1, KB 17, S. 13). Insoweit ist der vorinstanzliche Sachver- halt unbestritten (vgl. angef. Urteil, E. 3.1 S. 6 und KG-act. 1). 2. Die Vorinstanz leitete aus dem erwähnten Sachverhalt (vgl. E. 1 vorne) zusammenfassend ab, die Beklagte habe sich als Ersteigerin durch ihr Mitbie-Kantonsgericht Schwyz 6 ten den am Steigerungstag geltenden Steigerungsbedingungen (stillschwei- gend) unterworfen, weshalb ihr nicht erlaubt sei, diese nach dem Zuschlag in Frage zu stellen. Ob die Vollmacht im relevanten Zeitpunkt von H.________ bereits entzogen gewesen oder eine nachträgliche Genehmigung ausgeblie- ben sei, wie die Beklagte behaupte, könne daher offenbleiben. Ebenso wenig bringe die Beklagte vor noch ergebe sich aus den Akten, dass der vormalige Eigentümer des versteigerten Grundstücks, H.________, die Aufnahme des Mietvertrags und der diesbezüglichen Zusatzbestimmungen in die am Steige- rungstag gültigen Steigerungsbedingungen angefochten habe. Aus dem Schreiben von H.________ vom 22. Oktober 2013 vermöge die Beklagte nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Daher seien die Steigerungsbedingungen vom 23. Oktober 2013 für die Beklagte ungeachtet der von ihr behaupteten Mängel verbindlich. Die Klägerin vermöge das Bestehen der Zusatzbestim- mungen vom 1. Dezember 2012 zum Mietvertrag und somit ein Recht auf die Bezahlung der Forderung von Fr. 27'100.00 nachzuweisen (angef. Urteil, E. 3.1 S. 6 unten und S. 7). 3. a) Die Beklagte bringt vor, Sinn und Zweck des Lastenverzeichnisses sei, den Teilnehmern an der Versteigerung bestehende Lasten zur Kenntnis zu bringen, sodass sich keiner darauf berufen könne, er habe davon nichts gewusst. Werde eine in Wirklichkeit nicht bestehende Last im Verzeichnis aufgeführt, könne auf den Ersteigerer auch nichts übergehen. Das Lastenver- zeichnis habe keine rechts- bzw. lastgenerierende, heilende oder novierende Wirkung, könne also nichts zum Entstehen, sondern lediglich etwas bereits Bestehendes zur Kenntnis bringen (KG-act. 1, S. 9 N 13). Daher sei entschei- dend, ob I.________ im relevanten Zeitpunkt des Abschlusses der Zusatzver- einbarung vom 1. Dezember 2012 bevollmächtigt gewesen sei, diese Verein- barung für H.________ abzuschliessen, wofür die Klägerin beweisbelastet sei, da diese Frage das Fundament ihrer Klage bilde (KG-act. 1, S. 5 N 4). Aus dem Umstand, dass weder H.________ noch jemand anders das Lastenver-Kantonsgericht Schwyz 7 zeichnis angefochten hätten, könne nichts zulasten der Beklagten abgeleitet werden, weil sie als reine Steigerungsinteressentin zu einer solchen Bestrei- tung nicht legitimiert gewesen sei (KG-act. 1, S. 8 N 12). Die Steigerungsbe- dingungen und das Lastenverzeichnis vermöchten somit nichts daran zu än- dern, dass vorliegend die angebliche Last (der Inhalt der Zusatzvereinbarung vom 1. Dezember 2012) in Wirklichkeit nicht bestehe und deswegen auch nicht auf die ersteigernde Beklagte übergehen könne (KG-act. 1, S. 9). Die Klägerin wendet ein, der Empfänger des Lastenverzeichnisses werde ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass insbesondere die bezeichne- ten Lasten sowohl nach Bestand als auch nach Fälligkeit, Umfang und Rang als von ihm anerkannt gelten, wenn und soweit sie nicht binnen zehn Tagen nach Empfang dieser Anzeige bestritten würden. H.________ habe die Last „Mietvertrag inkl. Zusatzbestimmungen“ nicht bestritten und somit die Forde- rung der Klägerin anerkannt. Wäre H.________ (immer noch) der Auffassung gewesen, dass diese Last bzw. die klägerische Forderung nicht bestehe, hätte er das Lastenverzeichnis angefochten. Eine unbestrittene Last, welche nicht im Lastenverzeichnis aufgeführt werde, gehe gegenüber einem gutgläubigen Erwerber unter. Daher könne auch eine nichtexistente Last mit Eintragung im Lastenverzeichnis als anerkannt gelten und somit bestehen (KG-act. 10, S. 11 f. N 12). Es könne deshalb offenbleiben, ob H.________ die Vollmacht vor dem relevanten Zeitpunkt bereits entzogen oder das Handeln von I.________ nachträglich nicht genehmigt habe (KG-act. 10, S. 10 N 9). b) Die Steigerungsbedingungen sind vom Betreibungsamt in ortsüblicher Weise aufzustellen und so einzurichten, dass sich ein möglichst günstiges Ergebnis erwarten lässt (Art. 134 Abs. 1 SchKG). Die Steigerungsbedingun- gen bilden (zusammen mit dem Lastenverzeichnis) die Grundlage der bevor- stehenden Steigerung von Grundstücken (BGE 128 III 339 E. 4a S. 340). Sie geben Auskunft über Ort und Datum der Versteigerung, die beteiligten Perso-Kantonsgericht Schwyz 8 nen, die auf dem Grundstück liegenden Lasten sowie über die Modalitäten des Zuschlags (Stöckli/Duc, in: Staehelin/Bauer/Staehelin, Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs I, 2. A., 2010, N 1 zu Art. 134 SchKG). Die am Verfahren Beteiligten, d.h. der Schuldner, der betrei- bende Gläubiger, alle Pfandgläubiger sowie die übrigen dinglich Berechtigten, nicht aber die potenziellen Ersteigerer, sind zur Anfechtung der Steigerungs- bedingungen legitimiert. Denn Letzterer anerkennt durch das Mietbieten an der Steigerung die Steigerungsbedingungen stillschweigend. Die Steige- rungsbedingungen sind für jeden Steigerer verbindlich; er kann sie nach dem Zuschlag nicht mehr anfechten. Wenn der Steigerer die Steigerungsbedin- gungen nicht hinnehmen will, hat er das einfache Mittel, nicht zu bieten. Bietet er, so eben aufgrund der aufgelegten Bedingungen (BGE 60 III 31 E. 2 S. 34; Stöckli/Duc, a.a.O., N 11 und 14 zu Art. 134 SchKG). Anders verhält es sich nur, wenn die Steigerungsbedingungen an sich nichtig wären. Diesfalls müss- te die Versteigerung mit neuen Bedingungen wiederholt werden (LGVE 1981 I Nr. 34 S. 57 mit Hinweis auf BGE 98 III 57 und 73 III 23). Vor der Versteigerung ermittelt der Betreibungsbeamte die auf dem Grunds- tück ruhenden Lasten anhand der Eingaben der Berechtigten und eines Aus- zugs aus dem Grundbuch (Art. 140 Abs. 1 SchKG). Das Lastenverzeichnis gibt Auskunft über die auf dem Grundstück lastenden dinglichen und realobli- gatorischen Rechte. Der Erwerber soll erfahren, mit welchen Lasten er das Grundstück übernimmt und die beteiligten Pfandgläubiger sollen im Hinblick auf die Verteilung wissen, welche Rechte ihrem Anspruch vorgehen oder die- sem gleichgestellt sind (BGE 129 III 246 E. 3.1 S. 248 f.). Der Betreibungsbe- amte stellt den Beteiligten das Verzeichnis der Lasten zu und setzt ihnen gleichzeitig eine Bestreitungsfrist von zehn Tagen (Art. 140 Abs. 2 Satz 1 SchKG). Das Betreibungsamt besitzt keinerlei Befugnis, die Berechtigung an- gemeldeter Ansprüche zu überprüfen. Erfolgt keine Bestreitung angemeldeter Ansprüche, so erwächst das Lastenverzeichnis für die laufende Betreibung Kantonsgericht Schwyz 9 (und nur für diese) in Rechtskraft, unabhängig davon, ob die aufgenommene Last zu Recht existiert oder nicht (Feuz, in: Staehelin/Bauer/Staehelin, a.a.O., N 104 zu Art. 140 SchKG). Nicht fristgerecht bestrittene Ansprüche gelten nur, aber immerhin für die laufende Betreibung als anerkannt (Feuz, a.a.O., N 117 zu Art. 140 SchKG mit Hinweis auf Art. 37 Abs. 2 Verordnung des Bundesge- richts über die Zwangsverwertung von Grundstücken [VZG], SR 281.42). Die Wirkungen des (rechtskräftigen) Lastenverzeichnisses beschränken sich na- turgemäss auf das jeweilige Betreibungsverfahren (BGE 129 III 246 E. 3.1 S. 249; Amonn/Walther: Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkurs- rechts, 9. A., 2013, S. 277 N 40; BJM 2011 S. 9). Dieses Verzeichnis entbehrt also der allgemeinen materiellen Rechtskraft (Amonn/Walther, a.a.O., S. 277 N 40). c) Es ist unbestritten, dass H.________ als Pfandeigentümer mit der am 23. Oktober 2013 erfolgten Mitteilung auch das Lastenverzeichnis erhielt, worin er ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass insbesondere die bezeichneten Lasten sowohl nach Bestand als auch nach Fälligkeit, Um- fang und Rang als von ihm anerkannt gelten, wenn und soweit er sie nicht binnen zehn Tagen nach Empfang dieser Anzeige bestreitet (Vi-act. 1, KB 9, S. 1 und 6-12), dass im Lastenverzeichnis auf das bestehende Mietverhältnis gemäss Mietvertrag vom 25. März 2011 mit den Zusatzbestimmungen vom 1. Dezember 2012 zum Mietvertrag (Vi-act. 1, KB 3) hingewiesen wurde (Vi- act. 1, KB 9, S. 3 und 12) und dass weder H.________ noch irgendeine ande- re am Steigerungsverfahren beteiligte Person die Last „Mietvertrag inkl. Zu- satzbestimmungen“ bestritt. Die Beklagte war als Ersteigerin zur Anfechtung der Steigerungsbedingungen nicht legitimiert, unterwarf sich aber durch ihr Mitbieten stillschweigend den am Steigerungstag geltenden Steigerungsbe- dingungen. Sie erfuhr somit ebenfalls von der Last „Mietvertrag inkl. Zusatz- bestimmungen“. Aus diesen Gründen erwuchs das Lastenverzeichnis in „Rechtskraft“ (vgl. auch Vi-act. 1, KB 11), unabhängig davon, ob insbesondere Kantonsgericht Schwyz 10 die aufgenommene Last „Mietvertrag inkl. Zusatzbestimmungen“ zu Recht existiert oder nicht. Jedoch gilt dies gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre- chung und herrschender Literatur nur bzw. einzig für die laufende Betreibung, weshalb diesem „rechtskräftigen“ Lastenverzeichnis keine allgemeine materi- elle Rechtskraft zukommt (vgl. E. 3b vorne). Dafür spricht ebenso Art. 37 Abs. 2 VZG, gemäss welcher Bestimmung ein im Lastenverzeichnis aufge- führter Anspruch für die betreffende Betreibung (hervorgehoben durch den Gerichtsschreiber) als anerkannt gilt, wenn er nicht fristgerecht bestritten wird. Darum ist es trotz der im Lastenverzeichnis aufgeführten Last „Mietvertrag inkl. Zusatzbestimmungen“ nicht unzulässig, sondern vielmehr erforderlich, den Inhalt der Zusatzbestimmungen im vorliegenden Forderungsprozess ma- teriell zu überprüfen. Dies hat zur Folge, dass von entscheidender Bedeutung ist, ob die Vollmacht von H.________ vom 27. März 2011 (Vi-act. 1, KB 5) im relevanten Zeitpunkt der Zusatzvereinbarung vom 1. Dezember 2012 Gültig- keit hatte bzw. das darin erwähnte Handeln seines Vaters durch die Vollmacht gedeckt war oder er dieses nachträglich genehmigte. 4. Zusammenfassend gelangte die Vorinstanz zum unzutreffenden Schluss, das Lastenverzeichnis sei in materielle Rechtskraft erwachsen, wes- halb im vorliegenden Forderungsprozess nicht geprüft werden könne, ob die aufgenommene Last „Mietvertrag inkl. Zusatzbestimmungen“ zu Recht existie- re oder nicht. Darum prüfte sie zu Unrecht nicht, ob die Vollmacht von H.________ vom 27. März 2011 und somit auch die darauf abstützenden Zu- satzbestimmungen vom 1. Dezember 2012 zum Mietvertrag gültig waren oder das in diesen Zusatzbestimmungen umschriebene Handeln seines Vaters I.________ nachträglich genehmigte. Nach dem Gesagten klärte die Erstinstanz den Sachverhalt in wesentlichen Teilen nicht ab. Es handelt sich nicht bloss um kleinere Klagelücken, welche das Kantonsgericht selbst auffüllen müsste (vgl. Sterchi, in: Hausheer/Walter, Kantonsgericht Schwyz 11 Berner Kommentar, Band II, 2012, N 10 zu Art. 318 ZPO; Spühler, in: Spüh- ler/Tenchio/Infanger, Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A., 2017, N 5 zu Art. 318 ZPO; Reetz/Hilber, in: Sutter-Somm/Hasenböh- ler/Leuenberger, Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A., 2016, N 35 zu Art. 318 ZPO). Ausserdem ist so gewährleistet, dass die Streit- sache auf kantonaler Ebene zweimal von Instanzen mit voller Kognition beur- teilt werden kann (vgl. Steininger, in: Brunner/Gasser/Schwander, ZPO, 2. A., 2016, N 5 zu Art. 318 ZPO). Daher ist das vorinstanzliche Urteil aufzuheben und die Sache zur Vervollständigung des Sachverhalts und zur Neubeurtei- lung an die Erstinstanz zurückzuweisen (vgl. Art. 318 Abs. 1 lit. c). Dabei wird die Vorinstanz (erneut [vgl. Vi-act. 9, S. 7]) zu prüfen haben, ob unter anderem die von der Beklagten bereits im vorinstanzlichen Verfahren offerierten Bewei- se – insbesondere die Befragung von H.________ als Zeugen (vgl. Vi-act. 5, S. 2; Vi-act. 8, S. 3) – und/oder die im vorliegenden Berufungsverfahren neu eingereichten oder offerierten Beweise abzunehmen sind. Aus diesen Grün- den ist namentlich auf das Vorbringen der Beklagten im Berufungsverfahren hinsichtlich einer (nicht bestehenden) Vollmacht von I.________ zum Ab- schluss der Zusatzvereinbarung vom 1. Dezember 2012 (vgl. KG-act. 1, S. 6 f. N 7; KG-act. 12, 14/1 und 18), einer (fehlenden) nachträglichen Genehmigung des Handelns von I.________ durch H.________ (KG-act. 1, S. 7 N 9) und der entsprechenden Schlussfolgerung, wonach die Zusatzvereinbarung vom 1. Dezember 2012 nichtig sei und keine Rechtsgrundlage für die klägerischen Forderungen darstelle (KG-act. 1, S. 8 N 10), der Verletzung ihres Anspruchs auf Beweisabnahme und ihres rechtlichen Gehörs sowie der Vornahme einer willkürlichen Beweiswürdigung zufolge Nichtabnahme der Zeugenofferte H.________ (KG-act. 1, S. 8 N 11), der Edition der Strafverfahrensakten und der Befragung von H.________ als Zeugen (KG-act. 18 S. 2) sowie der Be- streitung der Höhe des Forderungsbetrags (KG-act. 1, S. 10 N 15) nicht einzu- treten. Gleiches gilt für die entsprechenden Einwendungen der Klägerin (vgl. KG-act. 10, S. 8-12 N 9 f. und 14; KG-act. 20, S. 2-4 N 2) sowie deren Kantonsgericht Schwyz 12 Vorbringen, wonach auf die Berufung bezüglich Dispositiv-Ziffer 2 des ange- fochtenen Urteils nicht einzutreten sei (vgl. KG-act. 10, S. 3 N 2). 5. Zusammenfassend ist die Berufung teilweise gutzuheissen, soweit dar- auf einzutreten ist, das angefochtene Urteil des Einzelrichters am Bezirksge- richt March vom 5. März 2019 aufzuheben sowie die Sache zur Vervollständi- gung des Sachverhalts, allfälligen Ergänzung des Beweisverfahrens und neu- er Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. a) Es ist nicht ohne Weiteres absehbar, welche Partei letztlich in welchem Umfang obsiegen wird. Daher ist die Entscheidung über die Verteilung der Prozesskosten des Berufungsverfahrens ebenfalls der Vorinstanz zuzuweisen und beschränkt sich die 1. Zivilkammer des Kantonsgerichts auf die Festset- zung der Kostenhöhe (vgl. Art. 104 Abs. 4 ZPO; Rüegg/Rüegg, in: Spüh- ler/Tenchio/Infanger, a.a.O., N 7 zu Art. 104 ZPO). b) Die Gerichtskosten für das vorliegende Berufungsverfahren sind pau- schal auf Fr. 3‘000.00 festzusetzen (vgl. KG-act. 4). Beide Parteien sind berufsmässig vertreten und beantragen eine Parteien- tschädigung. Die Rechtsvertreter reichen keine Kostennoten ein, weshalb die gegebenenfalls zu entschädigenden Kosten für die berufsmässige Vertretung im Berufungsverfahren nach pflichtgemässem Ermessen festzusetzen sind (vgl. § 6 Abs. 1 GebTRA). In Anwendung von Art. 96 ZPO i.V.m. den §§ 2, 8 und 11 GebTRA und unter Beachtung, dass der Streitwert Fr. 27‘100.00 Kantonsgericht Schwyz 13 beträgt (vgl. angef. Urteil, Dispositiv-Ziff. 1; KG-act. 1, Antrag-Ziff. 1 und 2), ist von einem vollen Honorar von Fr. 2‘500.00 (inkl. Auslagen und MWST) aus- zugehen;- beschlossen: 1. Die Berufung wird teilweise gutgeheissen, soweit auf sie einzutreten ist, das Urteil des Einzelrichters am Bezirksgericht March vom 5. März 2019 vollumfänglich aufgehoben sowie die Sache im Sinne der Erwägungen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. a) Die Kosten des Berufungsverfahrens werden auf Fr. 3‘000.00 fest- gesetzt. Sie werden vom geleisteten Kostenvorschuss der Beklag- ten von Fr. 3‘000.00 bezogen. b) Die volle Parteientschädigung für das Berufungsverfahren wird auf Fr. 2‘500.00 (inkl. Auslagen und MWST) festgesetzt. c) Der Einzelrichter am Bezirksgericht March wird im Rahmen des Hauptentscheides über die Verteilung der Gerichtskosten und die Tragung der Parteientschädigung zulasten der unterliegenden Par- tei für das Berufungsverfahren zu befinden und dabei den allfälligen Gerichtskostenersatz der Klägerin an die Beklagte festzusetzen ha- ben. 3. Gegen diesen Zwischenentscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung unter den Voraussetzungen von Art. 93 des Bundesgerichtsgesetzes Kantonsgericht Schwyz 14 Beschwerde in Zivilsachen (Art. 72 ff. BGG) beim Bundesgericht in Lau- sanne eingereicht werden; die Beschwerdeschrift muss den Anforderun- gen von Art. 42 BGG entsprechen. Der Streitwert beträgt Fr. 27'100.00. 4. Zufertigung an Rechtsanwalt B.________ (2/R, unter Beilage des Dop- pels der Eingabe vom 18. Februar 2020 inkl. Beilage, welche nach dem vorliegenden Entscheid eingegangen ist), Rechtsanwalt D.________ (2/R), die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vor- instanz (1/R, unter Rückgabe der Akten) und die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der 1. Zivilkammer Der Kantonsgerichtspräsident Der Gerichtsschreiber Versand 19. Februar 2020 kau