Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. August 2013 (720 13 102 / 182) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenanspruch gestützt auf einen IV-Grad von 38 % verneint; Würdigung der medizini- schen Unterlagen; Bemessung des Invalideneinkommens und dabei unter anderem Prü- fung der Frage, ob eine weit zurückliegende Berufsausbildung zur Einstufung ins Anfor- derungsniveau 3 der LSE Tabellenlöhne rechtfertigt Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Markus Mattle, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , ve rtreten durch Nicolai Fullin , Advokat , indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.7050.7041.71) A. Mit Gesuch vom 4. Dezember 2002 (Eingang) beantragte A.____, geboren am 30. Mai 1960, erstmals Leistungen der Schweizerischen Invalidenversi cherung (IV). Nach Einholung eines polydisziplinären Gutachtens beim Begutachtungsinstit ut Z.____ (Gutachten vom 4. Juli 2003) wies die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) das Leistungsbegehren mit Verfügung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 8. August 2003 und Einspracheentscheid vom 2. Februar 2004 ab. Mit Gesuch vom 5. De- zember 2007 beantragte A.____ erneut Versicherungsleist ungen bei der IV. Nach Abklärung der wirtschaftlichen und medizinischen (u.a. Einholung eines polydisziplinären Gutachtens beim Begutachtungsinstitut Z.____ vom 25. September 2008) V erhältnisse und nach Durchführung des Vorbescheidsverfahrens (u.a. Einholung eines weiteren Verlaufsgutachtens beim Begut- achtungsinstitut Z.____ vom 6. September 2011) lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 4. März 2013 das Rentenbegehren bei einem IV-Grad von 37 % ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Nicola i Fullin, mit Eingabe vom 12. April 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landsc haft, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht) und beantragte, es sei die angef ochtene Verfügung vom 4. März 2013 aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflicht en, ihr eine Invalidenrente nach den gesetzlichen Bestimmungen, mindestens aber eine Vie rtelsrente, auszurichten. Eventuali- ter seien weitere medizinische Abklärungen zur Frage der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh- rerin durchzuführen; alles unter o/e-Kostenfolge. C. Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Beschwer deantwort vom 14. Mai 2013 die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Eingabe vom 8. August 2013 reichte die Beschwer deführerin weitere medizinische Unterlagen ein. Auf die Ausführungen der Parteien in den Schriften u nd die eingereichten Unterlagen wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 12. April 2013 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bemessung der I nvalidität von erwerbstätigen Versi- cherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IV G). Danach ist der Invaliditätsgrad auf- grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (allgemein e Methode des Einkommensver- gleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperli- chen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder tei lweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Sa tz 1). Bei langer Dauer wird auch die zu- mutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufga benbereich berücksichtigt (Satz 2). Die ärztlichen Stellungnahmen bilden in diesem Zusammenha ng eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialver si- cherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Str eitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verf ügung zu stellen sind. Im Weiteren ist es Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes, dazu Stellung zu ne hmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbe itsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). 3.3.1 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, au ch die geklagten Beschwerden be- rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung de r medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des E xperten begründet sind. Ausschlagge- bend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag ge gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Den noch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesgerichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Ri chtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellunge n dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). In Bezug auf bereits im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, ist laut den Richtlinien des Bundesg erichts bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 3.3.2 Bei versicherungsexternen Verwaltungsgutachten, die vor der MEDAS-Recht- sprechung (vgl. BGE 137 V 210) und damit vor der Einfü hrung der Vergabe-Plattform Suisse- MED@P in Auftrag gegeben worden sind, hat das Bundesge richt folgendes festgehalten: Ein nach altem Standard (das heisst noch ohne Gewährung d er in BGE 137 V 210 statuierten Be- teiligungsrechte) in Auftrag gegebenes Gutachten bildet grundsätzlich eine massgebende Ent- scheidungsgrundlage. Bei der Beweiswürdigung ist aber zu berücksichtigen, dass – ähnlich wie bei versicherungsinternen medizinischen Entscheidungsgrund lagen – bereits schon relativ ge- ringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen genügen, um eine (neue) Begutachtung anzuordnen (BGE 139 V 99 E. 2.3.2; Urteile des Bundesgerichts vom 12. Juni 2013, 9C_734/2012, E. 3.2, vom 4. Oktober 2012, 9C_495/2012, E. 2.2 und 2.3 sowie vom 17. September 2012, 9C_148/2012, E. 1.3 und 1.4; ferner SVR 2012 IV Nr. 32 S. 127, 9C_776/2010 E. 3.3 in fine). 3.3.3 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten d arf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweis- würdigung dürfen allerdings auch die potentiellen St ärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Medi- ziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornher ein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite l ässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Ar ztes einerseits und Begutachtungsauf- trag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten an derseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnde n Ärzte zu anderslautenden Einschät- zungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurtei lung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher I nterpretation entspringende – Aspekte be- nennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1). 3.4 Ausserdem ist darauf hinzuweisen, dass im Sozialversich erungsrecht der übliche Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gilt (BGE 125 V 150 E. 2c, 117 V 194 E. 3b, je mit Hinweisen; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute Schweizerisches Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Nove mber 2002, I 58/02, E. 1.2). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensab- läufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 115 V 14 2 E. 8b mit zahlreichen weiteren Hin- weisen; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 451 f.). 4.1 Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus, dass der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht die Ausübung d er angestammten Tätigkeit als Ayurveda-Therapeutin zu 50 % zugemutet werden könne. In einer körperlich leichten, wechsel- belastenden Tätigkeit bestehe eine 75 %-ige Arbeits- u nd Leistungsfähigkeit. Dabei stützte sie sich auf die von ihr beim Begutachtungsinstitut Z.____ in Auftrag gegebenen polydisziplinären Gutachten vom 25. September 2008 und vom 4. September 2011. 4.2.1 Das Begutachtungsinstitut Z.____ hatte die Beschw erdeführerin bereits im Jahre 2003 begutachtet und gelangte damals zur Auffassung, dass ihr leichte adaptierte und wechselbelas- tende berufliche Tätigkeiten noch zu 75 % zumutbar seie n (Gutachten vom 4. Juli 2003). Der Beginn der Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit la sse sich nicht genau eruieren. Die Diag- nosen, welche die Arbeitsfähigkeit wesentlich einschränken würden, seien im Jahr 2000 gestellt worden. Man gehe deshalb davon aus, dass seit dem 1. Deze mber 2000 eine 25 %-ige Ein- schränkung bestehe. 4.2.2 Im Rahmen der mit Gesuch vom 5. Dezember 2007 g etroffenen Abklärungen beauf- tragte die Beschwerdegegnerin erneut das Begutachtungsi nstitut Z.____ mit der polydisziplinä- ren (internistisch, psychiatrisch und rheumatologisch) Begut achtung der Beschwerdeführerin. Mit Gutachten vom 25. September 2008 diagnostiziert d as Gutachterteam mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive Episode (ICD-1 0 F32.0), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.5), ein generalisiertes mult ilokuläres Schmerzsyndrom (ICD-10 R52.9), eine somatoforme autonome Funktionsstörung de s unteren Gastrointestinaltraktes (ICD-10 F45.32), ein chronisch rezidivierendes Zervikalsyndrom mit Zervikozephalgien und Zer- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht vikobrachialgien beidseits (ICD-10 M53.1) mit Dysbalance n der Schultergürtelmuskulatur, kern- spintomographisch bis auf leichte Osteochondrose C5/6 una uffälliger Befund, klinisch keine Hinweise für radikuläre Symptomatik, ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom beid- seits (ICD-10 M54.5) mit myostatischer Insuffizienz mit entsp rechenden muskuloligamentären Überlastungsreaktionen, degenerativ-dehydratative Diskopath ie und Bandscheibenherniation L4/5, klinisch keine Hinweise für radikuläre Symptomatik u nd Hypermobilitätssyndrom (ICD-10 M35.7), in diesem Rahmen rezidivierende Arthralgien. Bezüglich der Einschätzung der Arbeits- fähigkeit hält das Gutachterteam fest, dass die Explora ndin für eine körperlich leichte, wechsel- belastende Tätigkeit zu 75 % arbeits- und leistungsfäh ig sei, vollschichtig realisierbar. Für die Tätigkeit im Haushalt bestehe eine Einschränkung von 20 %. Für die Tätigkeit als Ayurveda- Therapeutin mit regelmässigen Massagen bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. 4.2.3 Im polydisziplinären Gutachten vom 4. September 2 011 gelangt das Gutachterteam zu folgenden Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: Angst- und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2), chronisches panvertebrales Schme rzsyndrom ohne radikuläre Symp- tomatik (ICD-10 M54.80), anamnestisch Status nach wiederholter HWS-Distorsion, letztmals im Rahmen einer Heckauffahrkollision am 11. Mai 2011, radiologisch diskrete degenerative Verän- derungen der HWS ohne Hinweis für Neurokompression ode r Myelopathie, radiologisch im Be- reich der HWS kein Hinweis für Fraktur, ligamentäre, k apsuläre oder muskuläre Veränderung; kein Anhaltspunkt für Läsion von Bandscheiben oder Myelon , radiologisch mässige degenerati- ve Veränderungen der LWS ohne Hinweis für Neurokompressi on, Iliosakralgelenke unauffällig, Polyathralgie im Handbereich beidseits (ICD-10 M79 64) , radiologisch bis auf minime Zeichen der Rhizarthrose beidseits unauffälliger Befund. In Be zug auf die Einschätzung der Arbeitsfä- higkeit kommen die Gutachter erneut zum Schluss, dass bei d er Explorandin in der ange- stammten Tätigkeit als Ayurveda-Therapeutin eine 50 %-i ge Arbeits- und Leistungsfähigkeit bestehe. In einer körperlich leichten, adaptierten Täti gkeit bestehe eine 75 %-ige Arbeitsfähig- keit, die vollschichtig realisierbar sei. In Bezug auf di e Exploration habe sich in psychiatrischer Sicht im Vergleich mit der letztmaligen Begutachtung e ine leichte Angstsymptomatik gezeigt, weshalb neu die Diagnose ängstlich-depressive Störung g enannt werden könne. Ansonsten seien die gleichen Diagnosen zu nennen wie im Jahr 200 8 (S. 20/32). In orthopädischer Hin- sicht hätten sich keine anderen Diagnosen ergeben als i m Jahr 2008. In Bezug auf die Arbeits- fähigkeit könne das Ergebnis der Begutachtung vom Septem ber 2008 vollumfänglich bestätigt werden. 4.3.1 Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 3.3.1 hiervo r), ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzt innen und –ärzte volle Beweiskraft zuzuerkennen, wenn die Gutachter aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und b ei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen und keine konkreten Indizie n gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier nicht vor. Die polydisziplinären Gutachten vom 25. September 2008 und vom 4. September 2011 weisen weder formale noch inhaltliche Män- gel auf. Sie sind – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird – für die streitigen Belange umfas- send, beruhen auf allseitigen Untersuchungen, berücksicht igen die geklagten Beschwerden, sind in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchten in der Darlegung der medizinischen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und setzen sich mit den vorhandenen ärztlichen Einschätzungen auseinander und sind in den Schlussfolgerungen über- zeugend. 4.3.2 Die Beschwerdeführerin stellt die ausschlaggebende Beweiskraft der Gutachten unter Hinweis auf diverse abweichende ärztliche Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit in Frage. Da den Gutachten keine vorrangige Stellung zukomme, seien weitere medizinische Abklärungen angezeigt. 4.3.3 Die Beschwerdeführerin verweist einerseits auf di e Beurteilungen der Rehaklinik Y.____, wo sie mehrmals stationäre Rehabilitationen d urchgeführt hat. Im Attest vom 4. Januar 2011 diagnostiziert Dr. med. B.____, Oberarzt der Reha klinik Y.____, ein chronisch generali- siertes Schmerzsyndrom vom Fibromyalgietyp, eine rezidivieren de Lumboischialgie beidseits bei degenerativem LWS-Syndrom, Zustand nach Bandschei benvorfällen L4/5 und L5/S1, re- zidivierende Zervikalgie bei chronisch generalisiertem HW S-Syndrom, Fingerpolyarthrose beid- seits, chronische Epicondylitis humeri ulnaris und radial is bds., Depression, psychovegetative Erschöpfung und Penicillin-Allergie. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hält Dr. B.____ fest, dass die Patientin aufgrund dieser Diagnosen in der Lage s ei, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine leichte Tätigkeit überwiegend im Sitzen, zeitweise im Stehen und Gehen, möglichst im Wechselrhythmus, in Tagesschicht, keine Früh, Spät- oder Nachtschicht, ohne erhöhte psychi- sche Belastung, ohne Arbeiten in Zwangshaltungen, insb esondere erhöhte Belastung der Hän- de, ohne Heben, Tragen und Bewegen von Lasten über 5 kg und ohne erhöhte Unfallgefahren, häufige wechselnde Temperaturen oder häufig wechselnd e Arbeitszeiten im Umfang von drei bis vier Stunden täglich auszuüben. Dieses Attest von Dr. B.____ lag den Gutachtern bei ihr er Exploration vor und wurde bei der Beurteilung berücksichtigt. In nachvollziehbarer Weise le gen die Gutachter dar, weshalb sie sich der Einschätzung von Dr. B.____ nicht anschliessen können (vgl. die diesbezüglichen Aus- führungen in Ziff. 4.2.7, S. 27/32 des Gutachtens vom 6. September 2011). Wie von den Gut- achtern festgestellt, begründet Dr. B.____ insbesonder e nicht, inwiefern sich die psychiatri- schen und somatischen Diagnosen einschränkend auf die Arb eitsfähigkeit auswirken. Möglich- erweise ist die höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit darauf zurückzuführen, dass Dr. B.____ sowohl die Auswirkungen der Fibromyalgie als auch diejenigen der psychovegetativen Erschöpfung in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit miteinbezogen hat. 4.3.4 Weiter liegen zwei Austrittsberichte der Rehaklini k Y.____ vom 21. Oktober 2011 und vom 16. August 2012 bei den Akten. Als Hauptdiagnosen w erden im Bericht vom 21. Oktober 2011 eine anhaltende Zervikozephalgie und Zervikobrachi algie beidseits bei Zustand nach HWS-Distorsionstrauma am 11. Mai 2011 einhergehend mit unsystematischem Schwindel, Sehstörungen und Tinnitus genannt. Zudem werden eine rezidivierende Lumboischialgie beid- seits bei chronisch degenerativem LWS-Syndrom, eine beginnende Rhizarthrose beidseits, eine reaktive Depression, ein chronisch generalisiertes Schmer zsyndrom vom Fibromyalgietyp, eine Penicillin-Allergie, Fingerpolyarthrose beidseits sowie eine chronische Epicondylitis humeri ul- naris und radialis beidseits diagnostiziert. Seit dem 1 2. Mai 2011 bestehe durchgehend eine Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsunfähigkeit. Im Bericht vom 16. August 2012 we rden folgende Diagnosen genannt: Lum- boischialgie beidseits bei NPP L4/5 mit degenerativem L WS-Syndrom, rezidivierende Zervikal- gien und Zervikozephalgie bei Zustand nach HWS-Distorsion am 11. Mai 2011 und chroni- schem HWS-Syndrom, Fingerpolyarthrose beidseits, Restless-l egs-Syndrom, Fibromyalgie- Syndrom, reaktive depressive Verstimmung, Penicillin-Allergie, Colon irritabile, Asthma bronchi- ale und chronische Refluxkrankheit mit Ösophagitis in d er Vergangenheit. Im Zeitpunkt des Austritts sei die Patientin 20 % arbeitsfähig mit der Option einer langsamen Steigerung bis 50 % bei Linderung der beklagten Beschwerden. Als Ziel sei e ine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit anzustre- ben. In Bezug auf diese beiden Berichte führt Dr. med. C._ ___ vom regionalen ärztlichen Dienst bei- der Basel (RAD) in seiner Stellungnahme vom 20. Septe mber 2012 in nachvollziehbarer Weise aus, dass seit der Begutachtung vom 4. September 2011 kei ne wesentliche Gesundheitsverän- derung eingetreten sei. Seit Jahren liege ein in etw a gleicher Gesundheitszustand vor, der von den involvierten Personen zum Teil unterschiedlich beurte ilt werde. Zudem gehen die Ärzte der Rehaklinik Y.____ im aktuellsten Bericht übereinstimmend mit den Gutachtern davon aus, dass in der angestammten Tätigkeit eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne. 4.3.5 Die Beschwerdeführerin verweist im Weiteren auf ärztliche Zeugnisse von Dr. med. D.____, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie. Die ser stellt in seinen Zeugnissen vom 16. Mai 2011 und vom 25. Mai 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % fest. In Anbetracht des Um- stands, dass diese Zeugnisse in zeitlicher Nähe zum Auffahrun fall vom 11. Mai 2011 erstellt worden sind, ist davon auszugehen, dass die Einschätzung von Dr. D.____ sich auf die unmit- telbaren Unfallfolgen bezogen hat. Sie steht daher n icht im Gegensatz zur Einschätzung der Gutachter. Denn auch diese gehen von einer vorübergehend en 100 %-igen Arbeitsunfähigkeit von maximal zwei Monaten nach dem Unfallereignis vom 11. Mai 2011 in der angestammten Tätigkeit aus (Gutachten vom 6. September 2011, Ziff. 4.2.5, S. 26/32). In seinem Bericht vom 14. Mai 2010 (IV-Akte 82) verweist Dr. D.____ auf Besch werden und Diagnosen, die seit Jah- ren bekannt sind und auch von den Gutachtern erkannt wo rden sind. Zudem bestätigt er die Einschätzung der Gutachter, wonach in der Tätigkeit al s Ayurveda-Therapeutin eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist. Zur Frage der Ver weistätigkeit hingegen hat er sich nicht geäussert. Zusammenfassend stehen seine Einschätzungen ni cht im Widerspruch zur Beurtei- lung im Gutachten und können keine Zweifel an dessen Zuverlässigkeit zu wecken. Es ist da- rauf hinzuweisen, dass die abweichende Meinung eines Arzt es, selbst wenn er im betreffenden Gebiet ebenfalls spezialisiert ist, für sich allein genom men nicht genügt, um einen medizini- schen Bericht als nicht schlüssig erscheinen zu lassen und, w ie vorliegend beantragt, die Ein- holung weiterer medizinischer Abklärungen zu rechtfertig en. Gleiches gilt umso mehr, wenn sich ein Arzt ohne die notwendigen fachspezifischen Erheb ungen (Anamnese und Befunde) äussert. 4.3.6 Weiter verweist die Beschwerdeführerin auf die A rbeitsunfähigkeitszeugnisse von Dr. med. E.____, Rheumatologie und Allgemeinmedizin FMH, vom 19. August 2011 und vom 27. Oktober 2011. Darin hält Dr. E.____ fest, dass in der bisherigen Tätigkeit vom 1. September 2011 bis 31. Dezember 2011 eine Arbeitsfähigkeit von 0 % bestehe. Den Attesten kann ent- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht nommen werden, dass es sich um eine Arbeitsunfähigkeit ha ndelt, die auf einen Unfall zurück- zuführen ist. Aus diesem Grund ist davon auszugehen, da ss es sich hierbei ebenfalls um Ein- schätzungen handelt, bei denen eine unfallbedingte Ein schränkung bis Ende 2011 bestätigt worden ist. Da sie sich somit weder mit der Frage ausei nander setzen, welche Diagnosen zu stellen sind noch inwiefern eine Verweistätigkeit möglich ist und zudem offensichtlich eine vo- rübergehende Genesungsphase zum Inhalt haben, vermögen sie aufgrund ihrer Kürze und Un- begründetheit keine Zweifel an der Beurteilung des Begutachtungsinstituts Z.____ zu wecken. 4.3.7 Zuletzt verweist die Beschwerdeführerin auf den A ustrittsbericht von Dr. med. F.____, Psychiatrie/Psychotherapie FMH, Klinik X.____, vom 20. Juli 2009, um die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Gutachtens in Zweifel zu ziehen. Da rin werden die folgenden Diagnosen genannt: Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemisch t, Status nach Aufenthalt in einer stationären psychiatrischen Einrichtung, Colon irri tabile, Fibromyalgie, Ritzarthrose beid- seits, Tendovaginitis beider Handgelenke, adduktorenseitig, Status nach Störung durch Alkohol, schädlicher Konsum, gegenwärtig abstinent. Dr. F.____ a ttestiert der Beschwerdeführerin ab dem 22. Juni 2009 eine Arbeitsfähigkeit zu max. 50 % i m Sinne eines Arbeitsversuchs in der eigenen Praxis zur Evaluation der spezifischen Leistungsfähi gkeit. Zwischen Dr. F.____ und dem Gutachterteam besteht betreffend Arbeitsfähigkeit als Ayurveda-Therapeutin Übereinstim- mung. Zur Höhe der Verweistätigkeit nimmt der behand elnde Arzt hingegen keine Stellung. Somit vermag auch dieser Bericht die Schlussfolgerunge n der Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen. 4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die medizinische Aktenlage nicht als wider- sprüchlich anzusehen ist, sondern dass verschiedene Blickwinkel bestehen, aus denen die in- volvierten behandelnden Ärzte und das Gutachterteam ihre Beurteilung abgegeben haben. Ent- scheidend erscheint im vorliegenden Fall, dass die gesund heitlichen Beschwerden seit Jahren Bestand haben und unter den Ärzten diesbezüglich übere instimmende Diagnosen bestehen. Das Gutachterteam hat sich mit abweichenden ärztlichen Au ffassungen auseinander gesetzt und Gründe aufgeführt, welche nachvollziehbar die unt erschiedlichen Einschätzungen erklären. Die Beschwerdeführerin weist zwar zu Recht darauf hin , dass vorliegend bereits relativ geringe Zweifel an der Schlüssigkeit und Zuverlässigkeit genügen w ürden, um eine neue Begutachtung anzuordnen. Die Gutachten genügen aber selbst diesen st rengen Anforderungen an die Be- weiswürdigung. Von weiteren medizinischen Abklärungen ist daher abzusehen. Insoweit die Beschwerdeführerin auf die Richtlinie hinweist, wonach Verlaufsgutachten, die innert drei Jah- ren nach Erstellung des Erstgutachtens erfolgen, keine ne ue zufällige Auswahl der Gutachter- stelle benötigen, kann sie daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Denn selbst wenn das erste Gutachten nach BGE 137 V 210 und damit nach dem Zufa llsprinzip ausgewählt worden wäre, so wäre das Verlaufsgutachten innerhalb der drei Jahre i n Auftrag gegeben worden, weshalb auf eine neue zufällige Auslosung hätte verzichtet werden dürfen. 4.5 Es ist daher gestützt auf die Beurteilung des Guta chterteams des Begutachtungsinsti- tuts Z.____ davon auszugehen, dass in der angestammten Tätigkeit als Ayurveda-Therapeutin eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit besteht. In einer kör perlich leichten, wechselbelastenden Tätig- keit ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, ohne Einnahme von Zwangshaltungen und Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht repetitiven Überkopfarbeiten kann der Beschwerdeführer in eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 75 % zugemutet werden. Das Pensum kann vollschichtig um gesetzt werden mit einem er- höhten Pausenbedarf von 10 Minuten pro Stunde und ein em leicht reduzierten Rendement. In Bezug auf den Beginn der Arbeitsunfähigkeit in der V erweistätigkeit ist gemäss Gutachten vom 25. September 2008 und die bestätigenden Ausführunge n vom 6. September 2011 unter Hin- weis auf die Beurteilung im ersten Gutachten vom 4. Juli 2003 vom 1. Dezember 2000 auszu- gehen. 5.1 Zu klären bleibt die Höhe der Invalidität der Besch werdeführerin. Wie bereits oben ausgeführt (vgl. Erwägung 2.2 hiervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei er- werbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 104 V 136 E. 2a und b). 5.2.1 Die Beschwerdeführerin hatte sich am 4. Dezember 2002 erstmals zur Ausrichtung von IV-Leistungen angemeldet. Nach dem daraufhin ergange ne, unangefochten in Rechtskraft er- wachsene Einspracheentscheid vom 2. Februar 2004, mit dem die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf berufliche Massnahmen und eine Rente abgel ehnt hatte, meldete sie sich am 5. Dezember 2007 erneut zum Leistungsbezug an. Die angef ochtene Verfügung datiert vom 4. März 2013. Damit ist ein Sachverhalt zu beurteilen, der sich teilweise vor dem Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 verwirklicht hat ( nachfolgend: aIVG). Da eine Invaliden- rente strittig ist, über die noch nicht rechtskräftig verfü gt wurde, gilt der allgemeine übergangs- rechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiel len Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (BGE 130 V 445, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). 5.2.2 Gestützt auf diese Sachlage und die anwendbaren Bestimmungen (Art. 29 Abs. 1 aIVG, Art. 29 Abs. 2 aIVG und Art. 48 Abs. 2 aIVG) kö nnte sich eine allfällige Nachzahlung von Rentenleistungen lediglich auf die letzten der Anmeld ung vorangehenden zwölf Monate erstre- cken. Frühestmöglicher Rentenbeginn wäre daher der 1. Dezember 2006. 5.3.1 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entsch eidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad d er überwiegenden Wahrschein- lichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. D ie Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel vom letzten Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt hat, auszugehen ist (Urteil des EVG vom 26. November 2002, I 491/01, E. 2.3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.2 In Anbetracht der etwas unklaren erwerblichen Sit uation der Beschwerdeführerin in Bezug auf ihre selbständige Erwerbstätigkeit erscheint es im vorliegenden Fall als sachgerecht, zur Ermittlung des Valideneinkommens grundsätzlich auf d ie Schweizerische Lohnstrukturerhe- bung des Bundesamtes für Statistik (LSE) abzustellen. E ntgegen der Auffassung der Be- schwerdegegnerin ist aber wegen des frühestmöglichen Re ntenbeginns im Jahr 2006 die LSE 2006 heranzuziehen. In Bezug auf die anzuwendenden Parameter ist von der Tabelle TA7, Zei- le 33 (medizinische, pflegerische und soziale Tätigkeiten ), Anforderungsniveau des Arbeitsplat- zes 3, Spalte Frauen, Fr. 5‘450.-- monatlich, basierend auf 40 Wochenstunden, auszugehen. Nach Umrechnung auf die betriebsübliche wöchentliche A rbeitszeit von 41.5 Stunden im Ge- sundheits- und Sozialwesen (vgl. Die Volkswirtschaft, 11-2 013, B9.2, Gesundheits- und Sozial- wesen) resultiert ein jährliches Valideneinkommen in de r Höhe von Fr. 67‘852.50 (Fr. 5‘450.- : 40 Std. x 41.5 Std. x 12 Monate). 5.4.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nac h der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzune hmen ist, dass sie die ihr verbleiben- de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziall ohn, gilt grundsätzlich der tatsäch- lich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkom- men gegeben, namentlich weil die versicherte Person nac h Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue E rwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerheb ungen (LSE) herangezogen werden (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweisen). 5.4.2 Zwischen den Parteien ist umstritten, auf welches Anforderungsniveau der LSE Tabel- lenlöhne bei der Berechnung des Invalideneinkommens ab zustellen ist. Nicht umstritten ist da- gegen die Anwendung des Totalwerts der Tabelle TA1 de r LSE. Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass das Invalideneinkommen ausgehend vom Anfo rderungsniveau 3 ermittelt wer- den müsse, da die Beschwerdeführerin über ein grosses Fac hwissen in diversen Bereichen verfüge. Sie habe einen medizinisch-kaufmännischen Beruf sabschluss, sei geprüfte Pharmare- ferentin und habe sich ein breites Fachwissen im Bereich ayurvedischer Heil- und Kosmetikan- wendungen angeeignet. Es könne daher nicht davon ausgeg angen werden, dass sie nur noch einer Hilfsarbeitertätigkeit nachgehen könne. Die A nwendung vom Anforderungsniveau 4 sei deshalb nicht gerechtfertigt. Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass sie eine allfäl lige Arbeitssuche auf sämtliche leichten Tätigkeiten, die sie allenfalls in Teilzeit noch ausüben könnte, ausdehnen müsse. Sie könne sich somit nicht nur auf den Gesundheitsbereich beschränken. Die Ausbildung als medizinische kaufmännische Assistentin gehe ins Jahr 1981 zurück und dieje nige als Pharmareferentin ins Jahr 1987, weshalb diese Ausbildungen heute nicht mehr verwertbar seien. Anforderungsni- veau 3 setze aber Berufs- und Fachkenntnisse in einer best immten Tätigkeit voraus. Liege nun der erlernte Beruf mehr als 20 Jahre zurück, so könne nic ht mehr davon ausgegangen werden, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass die einmal erworbenen Kenntnisse und die Berufser fahrung noch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt berücksichtigt würden. Die zweifellos vorhande nen medizinischen Kenntnisse könne sie nur im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit gewinnbringend einsetzen. Müsse sie eine unselbständige Tätigkeit suchen, so müsse sie dies im Bereich der allgemeinen Hilfsarbeiten, die keine Berufs- und Fachkenntnisse vorau ssetzen würden, versuchen. Deshalb habe sich das Invalideneinkommen am Anforderungsniveau 4 zu orientieren. 5.4.3 Die Beschwerdeführerin hat Abitur gemacht und danach mehrere berufliche Ausbil- dungen absolviert, die alle als leichte angepasste Tätig keiten bezeichnet werden können (kaufmännische Ausbildung, Pharmareferentin, Kosmetikerin). Sie könnte daher ihre bisherigen erlernten Tätigkeiten, mit Ausnahme der Ayurveda-Thera peutin, weiterhin ausüben und würde über Berufs- und Fachkenntnisse verfügen. Der Beschwerde führerin steht daher nicht nur das Segment der einfachen und repetitiven Tätigkeiten zur Verfügung, auch wenn die Ausbildungen bereits vor einiger Zeit absolviert worden sind. Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass die Be- schwerdeführerin aufgrund ihrer selbständigen Tätigkeit weitere wertvolle Erfahrungen schöp- fen konnte, die sie auf dem Arbeitsmarkt verwerten kann und die ihr eine Arbeitstätigkeit auf einem höheren Niveau ermöglichen. Die Tätigkeit als Ay urveda-Therapeutin setzt breite intel- lektuelle und soziale Fähigkeiten voraus, welche die Be schwerdeführerin durchaus als elemen- tare Berufs- und Fachkenntnisse in anderen Tätigkeiten in sbesondere im Gesundheits- oder Sozialbereich einbringen kann. Im Übrigen setzt das A nforderungsniveau 3 nicht qualifiziertes und selbständiges Arbeiten voraus, wie es die bisherige Tä tigkeit als selbständige Therapeutin verlangt hat. Aus diesen Gründen erscheint ein Abstelle n auf das Anforderungsniveau 3 als sachgerecht. 5.4.4 Im frühestmöglichen Zeitpunkt des Rentenbeginns im Jahr 2006 könnte die Beschwer- deführerin somit ein jährliches Einkommen von Fr. 61‘94 9.50 erzielen. Grundlage dafür bildet die LSE 2006, Tabelle TA1, Privater Sektor, Total, A nforderungsniveau 3 des Arbeitsplatzes, Spalte Frauen, Fr. 4‘952.-- monatlich, basierend auf 40 Wochenstunden. Nach Umrechnung auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 S tunden (vgl. Die Volkswirtschaft, 11- 2013, B9.2) x 12 Monate ergibt sich ein jährliches Einkommen vo n Fr. 61‘949.50 (Fr. 4‘952.-- : 40 Std. x 41.7 Std. x 12 Mt.). 5.4.5 Von dem auf diese Weise erhobenen statistischen We rt sind praxisgemäss verschie- dene Abzüge zulässig (BGE 126 V 75 ff.). Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöh- ne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung , Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität/ Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgr ad), welche nach pflichtgemässem Er- messen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Be- rücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkma le letztlich aber auf insgesamt höchs- tens 25 % zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte d afür bestehen, dass die versicherte Per- son wegen eines oder mehrerer der genannten Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerbli- chem Erfolg verwerten kann. Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterliche Behör- de ihr Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstan z setzt. Rechtsprechungsgemäss ist ein Abzug auf dem Invalideneinkommen insbesondere dann z u gewähren, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit ein- geschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/bb S. 78). 5.4.6 Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtene n Verfügung von einem leidensbe- dingten Abzug in der Höhe von 10 % aus. Die Beschwerdef ührerin beanstandet, dass ein Ab- zug von mindestens 15 % angemessen sei. Sie habe erheblic he Leidenseinschränkungen, die sich auch in einer Teilzeiterwerbstätigkeit auswirken wü rden. Zudem habe sie lange Zeit nicht als Unselbständige gearbeitet, was einen empfindlichen N achteil auf dem Arbeitsmarkt bedeu- te. Ausserdem könne sie ihre Tätigkeit aufgrund der Leiden nicht regelmässig ausüben. 5.4.7 In Anbetracht des Umstands, dass der Beschwerdeführer in nur noch leichte Tätigkei- ten mit zusätzlichen Einschränkungen zuzumuten sind, dürf te sie im Vergleich mit gesunden Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen lohnmässig benach teiligt sein. Andere Kriterien wie Al- ter, Teilzeit, Aufenthaltsstatus, Nationalität berechtig en vorliegend jedoch nicht zu einem höhe- ren Abzug. Es ist somit nicht ersichtlich, inwiefern die Be schwerdeführerin eine weitere Lohn- einbusse erleiden könnte. Ein Abzug von 10 % erweist sich daher als angemessen. Gestützt auf das in Erwägung 5.4.4 hiervor ermittelte Jahresein kommen in der Höhe von Fr. 61‘949.50 beträgt der Abzug Fr. 6‘194.95. In einem zumutbaren P ensum von 75 % resultiert somit ein jährliches Invalideneinkommen von Fr. 41‘815.90 (Fr. 61‘949.52 – Fr. 6‘194.95 x 0.75). 5.5 Wenn nun dieses Invalideneinkommen von Fr. 41‘815 .90 dem Valideneinkommen von Fr. 67‘852.50 gegenübergestellt wird, ergibt sich ein IV-Grad von 38 %. Bei einem Invaliditäts- grad von unter 40 % hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Invalidenrente. Die angefochtene Verfügung vom 4. März 2013, mit welcher d ie Beschwerdegegnerin – wenn auch gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 37 % – das Le istungsbegehren abgewiesen hat, ist somit im Ergebnis nicht zu beanstanden. Die gegen diese Verf ügung erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 6. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli gung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht koste npflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unte rliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Entsprechend dem Ausgang dieses Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten zu tragen. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 600.-- werden mit dem von der Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschuss verre chnet. Die ausserordentlichen Kosten sind bei diesem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht