Entscheid vom 10. Januar 2017 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Cornelia Cova und Patrick Robert-Nicoud, Gerichtsschreiberin Santina Pizzonia Parteien A., Beschwerdeführer gegen BUNDESANWALTSCHAFT, Beschwerdegegnerin Gegenstand Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an die Uk- raine Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: RR.2016.272 - 2 - Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: - die ukrainischen Behörden gegen A. und weitere Personen eine Strafuntersu- chung wegen Korruption führen; sie in diesem Zusammenhang mit Rechtshil- feersuchen vom 29. Februar 2016 sowie dem Ergänzungsersuchen vom 28. April 2016 an die Schweiz gelangten und namentlich um Herausgabe der Bankunterlagen betreffend Konten der B. SA ersuchten (s. act. 1.1 S. 2); - am 26. April 2016 das Bundesamt für Justiz (nachfolgend „BJ“) der Bundesan- waltschaft das ukrainische Rechtshilfeersuchen zum Vollzug übertrug; die Bundesanwaltschaft mit Eintretensverfügung vom 14. Juni 2016 darauf eintrat; - die Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 1 4. Juli 2016 den Beizug der er- suchten Bankunterlagen anordnete, welche bereits im schweizerischen Straf- erfahren gegen A. bei der Bank C. SA und bei der Bank D. SA ediert worden waren; - mit Schlussverfügung vom 19. Oktober 2016 die Bundesanwaltschaft dem uk- rainischen Rechtshilfeersuchen samt Ergänzung entsprach und die rechtshil- feweise Herausgabe der Bankunterlagen betreffend auf die B. SA lautenden Konten bei der Bank C. SA und Bank D. SA anordnete (act. 1.0); - A. durch seinen Rechtsvertreter gegen die vorgenannte Verfügung vom 19. Oktober 2016 mit Beschwerde vom 21. November 2016 an die Beschwer- dekammer des Bundesstrafgerichts gelangt ist; er zur Hauptsache den Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung stellt, unter Kosten - und Ent- schädigungsfolge zulasten der Bundesanwaltschaft (act. 1); - mit Beschwerdeantwort vom 9. Dezember 2016 die Beschwerdegegnerin be- antragte, es sei auf die Beschwerde unter Kostenfolgen zu Lasten des Be- schwerdeführers nicht einzutreten (act. 6); denselben Antrag das BJ mit Ver- nehmlassung vom gleichen Tag stellte (act. 7); nach Eingang der Akten diese Schreiben dem Beschwerdeführer zur Kenntnis zugestellt wurden (act. 10); der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 28. Dezember 2016 eine unaufgefor- derte Stellungnahme einreichte (act. 11), welche der Gegenseite zur Kenntnis zugestellt wurde (act. 12); - die Verfügung der ausführenden kantonalen Behörde oder der ausführenden Bundesbehörde, mit der das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen wird, zusam- men mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts unterliegt (Art. 80 e Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Straf-- 3 - sachen [IRSG; SR 351.1]; Art. 37 Abs. 2 lit. a StBOG; Art. 19 Abs. 1 des Orga- nisationsreglements für das Bundesstrafgericht vom 31. August 2010 [Organi- sationsreglement BStGer, BStGerOG; SR 173.713.161]); - zur Beschwerdeführung berechtigt ist, wer persönlich und direkt von einer Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an de- ren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG); Personen, gegen die sich das ausländische Strafverfahren richtet, unter denselben Bedingungen beschwerdelegitimiert sind (Art. 21 Abs. 3 IRSG); b ei der Erhebung von Kon- toinformationen als persönlich und direkt betroffen im Sinne der Art. 21 Abs. 3 und Art. 80h IRSG der Kontoinhaber gilt (Art. 9a lit. a IRSV; BGE 118 Ib 547 E. 1d; BGE 122 II 130 E. 2b; TPF 2007 79 E. 1.6); - der wirtschaftlich Berechtigte und andere bloss indirekt Betroffene nach der Rechtsprechung grundsätzlich nicht zur Beschwerde legitimiert sind (BGE 130 II 162 E. 1.1 S. 164; 123 II 153 E. 2b S. 157, je m.w.H.) ; der Ausschluss des bloss wirtschaftlich an einem Konto Berechtigten von der Rechtsmittellegitima- tion damit begründet wird, wer eine juristische Person als Kontoinhaber vor- schiebe, müsse die Nachteile dieses Vorgehens in Kauf nehmen; in diesem Falle sich die juristische Person anstelle der nur wirtsch aftlich am Konto be- rechtigten natürlichen Person gegen die Rechtshilfemassnahmen wehren kann (BGE 123 II 153 E. 2c S. 158); - wie das Bundesgericht in BGE 123 II 153 präzisiert hat, diese Begründung in- dessen nicht auf den Fall passt, in welchem die juristische Person, welche als Kontoinhaberin geführt wird, nicht mehr besteht und deshalb keine Rechtsmit- tel mehr ergreifen kann; der am Konto wirtschaftlich berechtigten Person nur dann ein genügender rechtlicher Schutz gegenüber Rechtshilfemassnahmen gewährt wird, wenn sie selbst zur Beschwerde zugelassen wird , sollte sie in den Kontounterlagen eine seit der Eröffnung des Kontos aufgelöste [nicht mehr existierende] juristische Person als einzige Inhaberin des Kontos erscheinen; - die Beweislast für die wirtschaftliche Berechtigung und die Liquidation der Ge- sellschaft dem Rechtsuchenden obliegt (Urteil des Bundesgerichts 1A.10/2000 vom 18. Mai 2000, E. 1e); der wirtschaftlich Berechtigte einer erloschenen Ge- sellschaft insbesondere beweisen muss, dass die Gesellschaft liquidiert wurde und er Begünstigter dieser Liquidation war (Urteil des Bundesgerichts 1C_183/2012 vom 12. April 2012, E. 1.5 mit weiteren Hinweisen; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2016.71-72 vom 8. Juli 2016, E. 4.1; RR.2009.151 vom 11. September 2009, E. 1.3.2 mit weiteren Hinweisen); die Auflösung der - 4 - Gesellschaft und die Berufung auf die ersatzweise Legitimation eines wirt- schaftlich Berechtigten zudem nicht bloss vorgeschoben oder rechtsmiss- bräuchlich erscheinen darf (BGE 123 II 153 E. 2d S. 157 f.); - das Vorliegen der Beschwerdelegitimation von Amtes wegen geprüft wird; die beschwerdeführende Person ihre Beschwerdelegitimation eingehend darlegen bzw. belegen muss, soweit diese nicht ohne Weiteres ersichtlich ist; s ie die Beweislast dafür trägt, dass sie beschwerdeberechtigt ist (s. MARANTELLI-SO- NANINI/HUBER, in: Waldmann/Weissenberger, Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 48 VwVG N. 5); - vorliegend der Beschwerdeführer anerkennt, dass er nicht der Inhaber der von der Rechtshilfemassnahme betroffenen Konten, sondern lediglich der wirt- schaftlich Berechtigte ist (act. 1 S. 23); er selber ausführt, dass die B. SA weder liquidiert wurde noch sich in Auflösung befindet (act. 1 S. 23); - der Beschwerdeführer als wirtschaftlich Berechtigter nach konstanter Praxis unter diesen Umständen nicht persönlich und direkt von der Herausgabe der fraglichen Kontounterlagen betroffen und damit nicht beschwerdelegitimiert ist; - der vom Beschwerdeführer angeführte Umstand, dass er Gegenstand des uk- rainischen Strafverfahrens sei, daran nichts zu ändern vermag, da, wie bereits ausgeführt, Personen, gegen die sich das ausländische Strafverfahren richtet, unter denselben Bedingungen beschwerdelegitimiert sin d (Art. 21 Abs. 3 IRSG); - dem Beschwerdeführer, soweit er seine Beschwerdelegitimation damit begrün- det, die Kontoinhaberin könne sich als juristische Person nicht auf Art. 2 IRSG berufen (act. 11 S. 2 f f.), nochmals die konstante Rechtsprechung entgegen- zuhalten ist, wonach die entsprechenden Nachteile in Kauf zu nehmen sind, wenn eine juristische Person als Kontoinhaber vorgeschoben wird (s.o.); dar- über hinaus nach der neuesten Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts sich neu auch eine juristische Person im allgemeinen auf Art. 2 IRSG berufen kann, wenn sie selbst im ausländischen Strafverfahren angeschuldigt ist, wobei sich ihre Rügemöglichkeit naturgemäss auf die Verletzung des fair trial Gebots nach Art. 6 EMRK beschränkt (Entscheid RR.2015.318 vom 1. Juni 2016, E. 4.2 f.); - weder für ein Abweichen von der konstanten Rechtsprechung noch für ein Ein- greifen von Amtes wegen Gründe ersichtlich sind; - nach dem Gesagten auf die Beschwerde mangels Legitimation nicht einzutre- ten ist; - 5 - - bei diesem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführer kostenpflichtig wird (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG); für die Berechnung der Gerichtsgebühr gemäss Art. 63 Abs. 5 VwVG das Reglement des Bun- desstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren u nd Ent- schädigungen in Bundesstrafverfahren (BStKR; SR 173.713.162) zur Anwen- dung gelangt; die Ger ichtsgebühr vorliegend auf Fr. 2'000.-- anzusetzen ist, unter Anrechnung des entsprechenden Betrages aus dem geleisteten Kosten- vorschuss in der der Höhe von Fr. 3'000.-- (Art. 63 Abs. 4bis VwVG; Art. 5 und Art. 8 Abs. 3 BStKR); die Bundesstrafgerichtskasse anzuweisen i st, dem Be- schwerdeführer den Restbetrag zurückzuerstatten. - 6 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 2‘000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt un- ter Anrechnung des entsprechenden Betrages aus dem bereits geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 3 ‘000.--. Die Bundesstrafgerichtskasse wird angewiesen, den Restbetrag in der Höhe von Fr. 1‘000.-- dem Beschwer- deführer zurückzuerstatten. Bellinzona, 10. Januar 2017 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: Zustellung an - Rechtsanwalt Reza Vafadar - Bundesanwaltschaft - Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe Rechtsmittelbelehrung Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von Gegenständen ode r Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).