<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para">{T 0/2} </div> <div class="para">5P.61/2005/blb </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 24. März 2005 </div> <div class="para">II. Zivilabteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Raselli, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichterinnen Nordmann, Escher, </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Scholl. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Parteien </div> <div class="para">X.________ AG, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Obergericht des Kantons Bern, Appellationshof, </div> <div class="para">1. Zivilkammer, Postfach 7475, 3001 Bern. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 9 BV</span> (Konkursaufschub), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Entscheid </div> <div class="para">des Obergerichts des Kantons Bern, Appellationshof, 1. Zivilkammer, vom 11. Januar 2005. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sachverhalt: </div> <div class="para">A. </div> <div class="para">Mit Eingabe vom 1. November 2004 erstattete die X.________ AG beim Gerichtspräsidenten 4 des Gerichtskreises VIII Bern-Laupen eine Überschuldungsanzeige gemäss <span class="artref">Art. 725 Abs. 2 OR</span> und stellte gleichzeitig ein Gesuch um Konkursaufschub nach <span class="artref">Art. 725a OR</span>. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Mit Entscheid vom 19. November 2004 wies der Gerichtspräsident das Gesuch ab, soweit er darauf eintrat. Er erwog im Wesentlichen, dass keine Überschuldung vorliegen würde. Dagegen gelangte die X.________ AG an das Obergericht des Kantons Bern, welches auf das Gesuch am 11. Januar 2005 nicht eintrat. </div> <div class="para">B. </div> <div class="para">Die X.________ AG führt staatsrechtliche Beschwerde an das Bundesgericht. Sie verlangt die Aufhebung des obergerichtlichen Entscheids vom 11. Januar 2005. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es sind keine Vernehmlassungen eingeholt worden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Gegen den Entscheid einer letzten kantonalen Instanz, welcher die Konkurseröffnung ausspricht oder verweigert, sowie gegen die Verweigerung des Konkursaufschubes ist nur die staatsrechtliche Beschwerde zulässig (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=16.03.2005&amp;to_date=04.04.2005&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F107-III-53%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page53">BGE 107 III 53</a> E. 1 S. 55; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=16.03.2005&amp;to_date=04.04.2005&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-III-4%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page4">118 III 4</a> E. 1 S. 5). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Rahmen einer staatsrechtlichen Beschwerde prüft das Bundesgericht die Anwendung und Auslegung von eidgenössischem Gesetzesrecht nur auf Willkür hin (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=16.03.2005&amp;to_date=04.04.2005&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F108-IA-178%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page178">BGE 108 Ia 178</a> E. 2 S. 180; Messmer/Imboden, Die eidgenössischen Rechtsmittel in Zivilsachen, 1992, N. 149). Unzulässig im vorliegenden Verfahren ist zudem das Vorbringen neuer Tatsachen und Beweismittel, welche nicht bereits im kantonalen Verfahren geltend gemacht worden sind (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=16.03.2005&amp;to_date=04.04.2005&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-IA-20%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page20">BGE 118 Ia 20</a> E. 5a S. 26<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=11&amp;from_date=16.03.2005&amp;to_date=04.04.2005&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-I-49%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page49">129 I 49</a></span> E. 3 S. 57). Nicht zu beachten ist daher die vor Bundesgericht erstmals eingereichte Begründung des Urteils des Handelsgerichts Bern vom 10. September 2004. </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin macht zunächst eine willkürliche Verletzung von <span class="artref">Art. 194 und <artref id="CH/272/195/1" type="start"></artref>Art. 195 Abs. 1 ZPO</span><artref id="CH/272/194" type="end"></artref>/BE geltend, da das Obergericht auf die Appellation nicht eingetreten sei, obwohl alle Prozessvoraussetzungen erfüllt gewesen seien. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Diese Rüge stösst ins Leere, da sich aus dem angefochtenen Entscheid ergibt, dass das Obergericht auf die Appellation eingetreten ist und diese materiell behandelt hat. Vielmehr ist es einzig auf das Gesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten. Im Ergebnis hat es damit die Appellation abgewiesen; auf Grund des vollen Devolutiveffektes der (bernischen) Appellation lautet das Dispositiv des angefochtenen Entscheids indes nicht auf Abweisung des Rechtsmittels, sondern die Rechtsfolge wird darin selbstständig ausgesprochen (Leuch/Marbach/Kellerhals/Sterchi, Die Zivilprozessordnung für den Kanton Bern, 2000, N. 2b zu <span class="artref">Art. 333 ZPO</span>/BE). </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Das Obergericht ist auf die Überschuldungsanzeige nicht eingetreten, da die Beschwerdeführerin keine von der Revisionsstelle geprüfte Zwischenbilanz eingereicht habe und auch keine anderen Anhaltspunkte bestehen würden, auf Grund derer von einer Überschuldung ausgegangen werden müsste. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Dagegen bringt die Beschwerdeführerin vor, die Konkursrichter würden in der Praxis nie revidierte Abschlüsse bzw. Zwischenabschlüsse verlangen. Sei die Überschuldung offensichtlich, sei der Umweg über die Revision nicht gefordert. Der Entscheid des Obergerichts verstosse damit gegen <span class="artref"><artref id="CH/101/8" type="start"></artref>Art. 8 und 9 BV</span><artref id="CH/101/9" type="end"></artref>. </div> <div class="para">3.1 Nach <span class="artref">Art. 725 Abs. 2 OR</span> muss eine Zwischenbilanz erstellt und diese der Revisionsstelle zur Prüfung vorgelegt werden, wenn begründete Besorgnis einer Überschuldung besteht. Ergibt sich aus der Zwischenbilanz, dass die Forderungen der Gesellschaftsgläubiger weder zu Fortführungs- noch zu Veräusserungswerten gedeckt sind, so hat der Verwaltungsrat den Richter zu benachrichtigen, sofern nicht Gesellschaftsgläubiger im Ausmass dieser Unterdeckung im Rang hinter alle anderen Gesellschaftsgläubiger zurücktreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bereits aus dem Gesetzeswortlaut ergibt sich damit, dass grundsätzlich eine von der Revisionsstelle geprüfte Zwischenbilanz vorliegen muss, wenn der Richter wegen Überschuldung benachrichtigt wird. Die vorgängige Prüfung durch die Revisionsstelle soll dem Richter Gewähr dafür bieten, dass die ihm vorgelegten Unterlagen zumindest durch Stichproben auf Grund des Revisionsplans bereits von einem von der Gesellschaft unabhängigen Organ auf die Einhaltung der buchhalterischen Grundsätze überprüft worden sind (Hans Ulrich Hardmeier, Zürcher Kommentar, N. 1306 zu <span class="artref">Art. 725a OR</span>; Alexander Brunner, Konkurseröffnungsverfahren und Konkursaufschub, in: Schriftenreihe SAV 13/1995, Das revidierte Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz, S. 103). Es hält damit dem Willkürverbot stand, wenn das Obergericht mangels revidierter Zwischenbilanz gar nicht auf die Überschuldungsanzeige eingetreten ist. </div> <div class="para">3.2 In der Literatur wird zwar teilweise die Meinung vertreten, dass im Einzelfall vom Erfordernis einer geprüften Zwischenbilanz abgesehen werden kann (Peter Böckli, Schweizer Aktienrecht, 2004, § 13 N. 819; Beat Schönenberger, Der Konkursaufschub nach <span class="artref">Art. 725a OR</span>, BlSchK 2002 S. 165; a. M. Alexander Brunner, a.a.O., S. 103). Indes hat das Obergericht im Sinne einer Eventualerwägung auf diese Lehrmeinungen Bezug genommen und erwogen, selbst wenn vom Erfordernis einer geprüften Zwischenbilanz abgesehen werde, könne auf die Überschuldungsanzeige nicht eingetreten werden, da sich die Überschuldung auf andere Weise nicht feststellen lasse: Das Obergericht verfüge nur über den Kurzbericht der Revisionsstelle (Review) und über die nicht revidierten Bilanzen. Aus letzteren gehe aber gerade hervor, dass die Gesellschaft gar nicht überschuldet sei, da die Zwischenbilanz vom 30. September 2004 zu Fortführungswerten keine Überschuldung ausweise. Auch auf Grund des Berichts der Revisionsstelle vom 1. November 2004 könne nicht geschlossen werden, dass die Gesellschaft offensichtlich überschuldet sei, spreche diese doch lediglich davon, dass "die Gefahr einer Überschuldung nach <span class="artref">Art. 725 OR</span> sehr gross" sei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Damit ist Vorwurf der Beschwerdeführerin unzutreffend, das Obergericht habe die Frage der Überschuldung gar nicht geprüft. Die Beschwerdeführerin bestreitet zudem nicht, dass die von ihr vorgelegte (ungeprüfte) Bilanz zu Fortführungswerten gerade keine Überschuldung zeigt. Weshalb trotzdem eine "offensichtliche" Überschuldung vorliegen soll, die es dem Obergericht erlauben würde, ausnahms-weise auf das Vorliegen geprüfter Bilanzen zu verzichten, legt sie nicht nachvollziehbar dar (<span class="artref">Art. 90 Abs. 1 lit. b OG</span>). Damit kann insoweit auf die Beschwerde nicht eingetreten werden. </div> <div class="para">4. </div> <div class="para">Das Obergericht hat weiter erwogen, ein Konkursaufschub setze eine formell richtige Überschuldungsanzeige durch den Verwaltungsrat voraus. Da aus formellen Gründen auf die Überschuldungsanzeige nicht eingetreten werden könne, sei konsequenterweise auch auf das Gesuch um Konkursaufschub nicht einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Auch in diesem Punkt erweist sich der angefochtene Entscheid als nicht willkürlich: Ein Konkursaufschub nach <span class="artref">Art. 725a Abs. 1 OR</span> setzt voraus, dass die Gesellschaft überschuldet ist und ihr die Konkurseröffnung nach <span class="artref">Art. 725a Abs. 1 OR</span> i.V.m. <span class="artref">Art. 192 SchKG</span> droht (Hans Ulrich Hardmeier, a.a.O., N. 1316 zu <span class="artref">Art. 725a OR</span>; Alexander Brunner, a.a.O., S. 109; Alexander Dubach, Der Konkursaufschub nach <span class="artref">Art. 725a OR</span>, SJZ 94/1998 S. 154; Beat Schönenberger, a.a.O., S. 163). Da indes im vorliegenden Fall eine Überschuldung nicht rechtsgenüglich nachgewiesen worden ist, fällt auch die Grundlage für einen Konkursaufschub dahin. Damit erübrigen sich Ausführungen zu den Sanierungsaussichten. </div> <div class="para">5. </div> <div class="para">Dementsprechend ist die staatsrechtliche Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin kostenpflichtig (<span class="artref">Art. 156 Abs. 1 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt. </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin und dem Obergericht des Kantons Bern, Appellationshof, 1. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para">Lausanne, 24. März 2005 </div> <div class="para">Im Namen der II. Zivilabteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para">Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: </div> <div class="para"> </div> </div></body></html>