<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 102 S.383</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">383</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>102 Ausschaffungshaft; Unzulässigkeit der formlosen Wegweisung nach</b></span><br/> <span class="ft3"><b>neuem Asylgesuch.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Behauptet ein vormals abgewiesener Asylsuchender, er sei zwischenzeit-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>lich im Ausland gewesen und reicht dieser ein neues Asylgesuch ein, darf</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gestützt auf Art. 12 Abs. 1 ANAG keine formlose Wegweisung mehr aus-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gesprochen werden, da der Betroffene nach Art. 42 Abs. 1 AsylG während</b></span><br/> <span class="ft3"><b>des Asylverfahrens ein Aufenthaltsrecht hat. Das Aufenthaltsrecht ist</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nicht davon abhängig, ob das Asylverfahren förmlich eröffnet wurde.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Gelingt dem Betroffenen jedoch der Nachweis nicht, dass er zwischen-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zeitlich im Ausland war, ist der im Rahmen des ersten Asylverfahrens</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">384</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>ausgesprochene Wegweisungsentscheid nach wie vor vollstreckbar</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. II/2c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Präsidenten des Rekursgerichts im Ausländerrecht</span><br/> <span class="ft4">vom 1. Dezember 2003 in Sachen Migrationsamt des Kantons Aargau gegen</span><br/> <span class="ft4">B.S. betreffend Haftüberprüfung (HA.2003.00035).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">II. 2. c) Der Haftrichter hat sich im Rahmen der Prüfung, ob die</span><br/> <span class="ft6">Ausschaffungshaft rechtmässig ist, Gewissheit darüber zu verschaf-</span><br/> <span class="ft6">fen, ob ein kantonaler Weg- oder Ausweisungsentscheid oder ein</span><br/> <span class="ft6">Wegweisungsentscheid einer Bundesbehörde vorliegt (Pra 84 [1995]</span><br/> <span class="ft6">Nr. 218, E. 2b, S. 724).</span><br/> <span class="ft6">Das BFF wies das erste Asylgesuch des Gesuchsgegners am</span><br/> <span class="ft6">30. Januar 2003 ab und wies den Gesuchsgegner - unter Androhung</span><br/> <span class="ft6">von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall - an, die Schweiz bis zum</span><br/> <span class="ft6">27. März 2003 zu verlassen. Damit liegt grundsätzlich ein Wegwei-</span><br/> <span class="ft6">sungsentscheid vor. Der Gesuchsgegner stellte in der Folge am</span><br/> <span class="ft6">25. November 2003 an der Empfangsstelle Basel jedoch ein erneutes</span><br/> <span class="ft6">Asylgesuch und behauptete, er sei in der Zwischenzeit aus der</span><br/> <span class="ft6">Schweiz ausgereist.</span><br/> <span class="ft6">Wäre erstellt, dass der Gesuchsgegner aus der Schweiz ausge-</span><br/> <span class="ft6">reist war, müsste der Wegweisungsentscheid des BFF vom 30. Januar</span><br/> <span class="ft6">2003 als bereits vollzogen betrachtet werden (Entscheid des Bundes-</span><br/> <span class="ft6">gerichts vom 25. November 2003, 2A.538/2003, E. 1.2). Aufgrund</span><br/> <span class="ft6">des am 25. November 2003 gestellten neuen Asylgesuches hätte das</span><br/> <span class="ft6">Migrationsamt so oder so auf keinen Fall eine formlose Wegweisung</span><br/> <span class="ft6">nach Art. 12 ANAG erlassen dürfen, da der Gesuchsgegner gemäss</span><br/> <span class="ft6">Art. 42 Abs. 1 Asylgesetz berechtigt war, sich bis zum Abschluss des</span><br/> <span class="ft6">laufenden zweiten Asylverfahrens in der Schweiz aufzuhalten. Dies</span><br/> <span class="ft6">auch dann, wenn das BFF das Asylgesuch nicht entgegennehmen</span><br/> <span class="ft6">wollte und den Gesuchsgegner an die Behörden des Kantons Aargau</span><br/> <span class="ft6">verwies. Das Aufenthaltsrecht eines Asylgesuchstellers ist nicht da-</span><br/> <span class="ft6">von abhängig, dass das Asylverfahren durch das BFF bereits eröffnet</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">385</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">wurde (Entscheid des Bundesgerichts vom 26. November 2003,</span><br/> <span class="ft6">2A.548/2003, E. 2.2). Korrekterweise hätte das BFF auf jeden Fall</span><br/> <span class="ft6">einen Entscheid fällen müssen, wobei selbstverständlich auch ein</span><br/> <span class="ft6">Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 32 Abs. 2 lit. e Asylgesetz</span><br/> <span class="ft6">verbunden mit dem Erlass einer sofortigen Wegweisung in Frage ge-</span><br/> <span class="ft6">kommen wäre. Aufgrund der klaren Rechtslage ist festzuhalten, dass</span><br/> <span class="ft6">die offenbar bestehende Praxis der Empfangsstellen, einen unterge-</span><br/> <span class="ft6">tauchten, abgewiesenen Asylbewerber, der sich innert 90 Tagen wie-</span><br/> <span class="ft6">der bei einer Empfangsstelle meldet und behauptet, er sei im Ausland</span><br/> <span class="ft6">gewesen, ohne Eröffnung eines Asylverfahrens beziehungsweise</span><br/> <span class="ft6">ohne Erlass eines Nichteintretensentscheides wieder dem zuvor zu-</span><br/> <span class="ft6">ständigen Kanton zuzuweisen, klar rechtswidrig ist. Gelänge dem</span><br/> <span class="ft6">Betroffenen in einem späteren Haftüberprüfungsverfahren betreffend</span><br/> <span class="ft6">Ausschaffungshaft der Nachweis, dass er effektiv im Ausland war,</span><br/> <span class="ft6">müsste die Anordnung der Ausschaffungshaft mangels eröffnetem</span><br/> <span class="ft6">Wegweisungsentscheid verweigert werden.</span><br/> <span class="ft6">Im vorliegenden Fall ändert jedoch der formelle Fehler des</span><br/> <span class="ft6">BFF, das Asylgesuch des Gesuchsgegners gar nicht erst zu behan-</span><br/> <span class="ft6">deln, nichts an der Zulässigkeit der Anordnung der Ausschaffungs-</span><br/> <span class="ft6">haft, da - wie nachfolgend zu zeigen sein wird - die Ausreise des Ge-</span><br/> <span class="ft6">suchsgegners aus der Schweiz nicht erstellt ist und somit nach wie</span><br/> <span class="ft6">vor auf den Wegweisungsentscheid des BFF vom 30. Januar 2003</span><br/> <span class="ft6">abgestellt werden kann. Es bleibt dem Gesuchsgegner überlassen, die</span><br/> <span class="ft6">formelle Rechtsverweigerung des BFF allenfalls im Rahmen der im</span><br/> <span class="ft6">Asylverfahren vorgesehenen Rechtsmittel zu rügen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>