<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 49</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Jugendstrafrecht</span> <span class="page_no">49</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>V. Jugendstrafrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>12</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG, Art. 156 Ziff. 3 i.V.m. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Der erhöhte Strafrahmen von Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG findet aufgrund</b></span><br/> <span class="ft2"><b>des Verweises in Art. 156 Ziff. 3 StGB auf die Bestrafung nach Art. 140</b></span><br/> <span class="ft2"><b>StGB auch auf die räuberische Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 3 i.V.m.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Art. 140 Ziff. 3 StGB Anwendung, sofern der Jugendliche zur Zeit der Tat</b></span><br/> <span class="ft2"><b>das 16. Altersjahr vollendet hat und die Tat mit besonderer Skrupel-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>losigkeit begangen hat.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Jugendstrafkammer, vom 28. April</span><br/> <span class="ft3">2011 i.S. Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau gegen M.H. (SJU.2010.1).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">5.3.</span><br/> <span class="ft5">5.3.1.</span><br/> <span class="ft5">Der Strafrahmen eines Freiheitsentzuges reicht bei Jugendlichen</span><br/> <span class="ft5">über 15 Jahren von einem Tag bis zu einem Jahr (Art. 25 Abs. 1</span><br/> <span class="ft5">JStG), gemäss Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG jedoch bis zu vier Jahren, so-</span><br/> <span class="ft5">fern der Jugendliche zum Zeitpunkt der Tat über 16 Jahre alt war,</span><br/> <span class="ft5">besonders skrupellos gehandelt hat und sich unter anderem des Rau-</span><br/> <span class="ft5">bes gemäss Art. 140 Ziff. 3 StGB strafbar gemacht hat.</span><br/> <span class="ft5">Nach dem Gesagten ist der Angeklagte nicht wegen Raubes,</span><br/> <span class="ft5">sondern wegen räuberischer Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 3</span><br/> <span class="ft5">StGB schuldig zu sprechen. Die Strafe für räuberische Erpressung</span><br/> <span class="ft5">gemäss Art. 156 Ziff. 3 StGB richtet sich nach jener des Raubes ge-</span><br/> <span class="ft5">mäss Art. 140 StGB, was auch die Qualifikationen von Art. 140</span><br/> <span class="ft5">Ziff. 2 und 3 StGB miteinschliesst. Der Gesetzgeber wollte mit die-</span><br/> <span class="ft5">ser Gleichsetzung der Strafen bei beiden Tatbeständen erreichen,</span><br/> <span class="ft5">dass räuberische Erpressung aufgrund ihres gleichen Unrechtsgehalts</span><br/> <span class="ft5">mit der gleichen Härte bestraft wird wie Raub. Begeht somit ein dem</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">50</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Erwachsenenstrafrecht unterstellter Angeklagter eine räuberische</span><br/> <span class="ft5">Erpressung und erfüllt er eine Qualifikationen von Art. 140 Ziff. 2-4</span><br/> <span class="ft5">StGB, gilt für ihn der erweiterte Strafrahmen, wie wenn er einen</span><br/> <span class="ft5">Raub begangen hätte. Im Jugendstrafrecht kann nichts anderes gel-</span><br/> <span class="ft5">ten: Aufgrund des Verweises von Art. 156 Ziff. 3 StGB auf die Be-</span><br/> <span class="ft5">strafung nach Art. 140 StGB inklusive der erhöhten Strafrahmen für</span><br/> <span class="ft5">die qualifizierte Begehung ist der auf vier Jahre erhöhte Strafrahmen</span><br/> <span class="ft5">von Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG auch auf eine räuberische Erpressung</span><br/> <span class="ft5">anzuwenden, sofern der Täter die Tat in qualifizierter Weise begeht.</span><br/> <span class="ft5">Es wäre nicht einzusehen und würde dem Willen des Gesetzgebers,</span><br/> <span class="ft5">Taten nach den beiden Tatbeständen aufgrund ihres gleichen Un-</span><br/> <span class="ft5">rechtsgehalts mit der gleichen Härte zu bestrafen, widersprechen,</span><br/> <span class="ft5">wenn für dieselbe Tat aufgrund der rechtlichen Qualifikation als räu-</span><br/> <span class="ft5">berische Erpressung anstatt als Raub ein Strafrahmen von einem Tag</span><br/> <span class="ft5">bis zu einem Jahr anstatt bis zu vier Jahren gelten würde. Daran än-</span><br/> <span class="ft5">dert auch der Umstand nichts, dass die Liste der in Art. 25 Abs. 2</span><br/> <span class="ft5">lit. b JStG genannten Tatbestände eine abschliessende ist und die Be-</span><br/> <span class="ft5">stimmung restriktiv gehandhabt werden soll. Die Anwendung von</span><br/> <span class="ft5">Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG wird hierdurch nicht um den Tatbestand der</span><br/> <span class="ft5">Erpressung gemäss Art. 156 StGB ergänzt, sondern er findet auf-</span><br/> <span class="ft5">grund des Verweises in Art. 156 Ziff. 3 auf die Bestrafung nach</span><br/> <span class="ft5">Art. 140 Ziff. 3 StGB Anwendung.</span><br/> <span class="ft5">Der erhöhte Strafrahmen von Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG ist somit</span><br/> <span class="ft5">auch auf die mit besonderer Skrupellosigkeit begangene besonders</span><br/> <span class="ft5">gefährliche räuberische Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 3 i.V.m.</span><br/> <span class="ft5">Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB anwendbar.</span><br/></div> </div> </body> </html>