<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 118 S.545</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">545</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Gemeinderecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>118 Bestattungswesen; Gestaltung des Grabsteines; Gleichbehandlung.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Departements des Innern vom 22. März 2001 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">H.M.-C. gegen den Gemeinderat K.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer stellte dem Gemeinderat ein Gesuch um</span><br/> <span class="ft6">das Aufstellen eines Grabmals für seine Mutter, Frau H.M.-H. Mit</span><br/> <span class="ft6">Verfügung vom 7. August 2000 wies der Gemeinderat das Gesuch</span><br/> <span class="ft6">ab, da das beabsichtigte Grabmal gegen § 21 Abs. 3 des Bestattungs-</span><br/> <span class="ft6">und Friedhofreglementes der Gemeinde K. vom 22. Januar 1990</span><br/> <span class="ft6">verstosse.</span><br/> <span class="ft6">Am 4. September 2000 reichte der Beschwerdeführer beim De-</span><br/> <span class="ft6">partement des Innern Beschwerde ein mit dem Antrag, der gemein-</span><br/> <span class="ft6">derätliche Beschluss sei aufzuheben und das Grabmal zu bewilligen.</span><br/> <span class="ft6">Im Übrigen sei der Gemeinderat auf die fehlende Rechtsmittelbeleh-</span><br/> <span class="ft6">rung hinzuweisen. Die Aufhebung der angefochtenen Verfügung</span><br/> <span class="ft6">begründet der Beschwerdeführer hauptsächlich damit, dass die</span><br/> <span class="ft6">Nichtbewilligung für das Aufstellen des beabsichtigten Grabsteins</span><br/> <span class="ft6">insofern willkürlich erfolgt sei und gegen das Rechtsgleichheitsgebot</span><br/> <span class="ft6">verstosse, weil in der Vergangenheit andere in Gestalt ähnliche Grab-</span><br/> <span class="ft6">steine ohne weiteres zugelassen worden seien bzw. gegenwärtig noch</span><br/> <span class="ft6">zugelassen würden.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2. a) Die Verfassung des Kantons Aargau (KV) anerkennt in</span><br/> <span class="ft6">§ 104 Abs. 1 den Bestand der Gemeinden als selbständige Körper-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">546</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">schaften des öffentlichen Rechts und regelt in § 107 die Grundzüge</span><br/> <span class="ft6">deren Organisation. § 106 Abs. 1 KV garantiert die Gemeindeauto-</span><br/> <span class="ft6">nomie, indem die Gemeinden im Rahmen von Verfassung und Ge-</span><br/> <span class="ft6">setz befugt sind, sich selbst zu organisieren, ihre Behörden und Be-</span><br/> <span class="ft6">amten zu wählen, ihre Aufgaben nach eigenem Ermessen zu erfüllen</span><br/> <span class="ft6">und ihre öffentlichen Sachen selbständig zu wahren. Eine nähere</span><br/> <span class="ft6">Umschreibung der Autonomie der Gemeinden enthält die Kantons-</span><br/> <span class="ft6">verfassung nicht. § 106 Abs. 2 KV setzt vielmehr fest, dass die nä-</span><br/> <span class="ft6">here Organisation der Gemeinden und deren Befugnisse durch das</span><br/> <span class="ft6">Gesetz bestimmt werden. § 59 des Gesundheitsgesetzes vom 10.</span><br/> <span class="ft6">November 1987 und § 1 der Verordnung über das Bestattungswesen</span><br/> <span class="ft6">(Bestattungsverordnung) vom 22. Januar 1990 bestimmen, dass das</span><br/> <span class="ft6">Friedhofs- und Bestattungswesen Sache der Einwohnergemeinde ist.</span><br/> <span class="ft6">Die Gemeinden sind demzufolge befugt, die Benützung der Fried-</span><br/> <span class="ft6">höfe anstaltspolizeilich zu ordnen und alles vorzukehren, was sie im</span><br/> <span class="ft6">Rahmen der speziellen Zweckbestimmung der öffentlichen Anlage</span><br/> <span class="ft6">für nötig erachten (BGE 96 I 108). So können insbesondere auch</span><br/> <span class="ft6">Vorschriften erlassen werden, welche dazu dienen, dem Friedhof ein</span><br/> <span class="ft6">würdiges und harmonisches Aussehen zu geben und zu erhalten</span><br/> <span class="ft6">(Karlen, Das Grundrecht der Religionsfreiheit in der Schweiz, Zürich</span><br/> <span class="ft6">1988, S. 374).</span><br/> <span class="ft6">b) Der Gemeinderat bringt vor, die Bewilligung bzw. die Ver-</span><br/> <span class="ft6">weigerung eines Gesuches um die Aufstellung eines bestimmten</span><br/> <span class="ft6">Grabsteins gestützt auf das Bestattungs- und Friedhofreglement der</span><br/> <span class="ft6">Gemeinde K., räume ihm einen gewissen Ermessensspielraum ein.</span><br/> <span class="ft6">Die einzelfallweise und jeweils unterschiedliche Ausübung dieses</span><br/> <span class="ft6">Ermessens könne nicht als Willkür und als Verstoss gegen das</span><br/> <span class="ft6">Rechtsgleichheitsgebot angesehen werden.</span><br/> <span class="ft6">c) Im vorliegenden Fall steht dem Gemeinderat aufgrund von</span><br/> <span class="ft6">§ 21 Abs. 3 des Bestattungs- und Friedhofreglementes kein Ermessen</span><br/> <span class="ft6">zu. Die Bestimmung sieht vor, dass unbearbeitete Zementsteine,</span><br/> <span class="ft6">Blech, Eternit, Figuren, Fotografien und andere den ästhetischen</span><br/> <span class="ft6">Eindruck störende Materialien nicht erlaubt sind. Diese Bestimmung</span><br/> <span class="ft6">stellt mithin dem Gemeinderat nicht frei, welche von mehreren mög-</span><br/> <span class="ft6">lichen Rechtsfolgen oder ob überhaupt eine bestimmte davon anzu-</span><br/> <span class="ft6">ordnen ist. Insofern liegt kein Ermessen vor (vgl. Tschan-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">547</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">nen/Zimmerli/Kiener, Allgemeines Verwaltungsrecht, Bern 2000,</span><br/> <span class="ft6">S. 141). Vielmehr stellt sich hier die Frage, ob der Begriff ,,Figur"</span><br/> <span class="ft6">nicht einen unbestimmten Rechtsbegriff darstellt. Ein solcher ist</span><br/> <span class="ft6">dann gegeben, wenn der Rechtssatz die Voraussetzungen der</span><br/> <span class="ft6">Rechtsfolge oder die Rechtsfolge selbst in offener, unbestimmter</span><br/> <span class="ft6">Weise umschreibt (Häfelin/Müller, Grundriss des Allgemeinen</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsrechts, 3. Auflage, Zürich 1998, S. 88). Tatsächlich wird</span><br/> <span class="ft6">im vorliegenden Fall mit dem Begriff ,,Figur" die Frage</span><br/> <span class="ft6">aufgeworfen, was genau darunter zu verstehen ist. Zu beantworten</span><br/> <span class="ft6">ist, ob darunter lediglich eine göttlich personifizierte Ausgestaltung</span><br/> <span class="ft6">in Form einer Büste oder Statue, z.B. einer Madonna oder von Jesus</span><br/> <span class="ft6">Christus, die über eine konventionelle rechteckige Ausgestaltung des</span><br/> <span class="ft6">Grabsteins als solchem hinausgeht, einzuordnen ist, oder ob darunter</span><br/> <span class="ft6">auch irgendwelche Verzierungen und Ausschmückungen fallen.</span><br/> <span class="ft6">Insofern liegt eine Unbestimmtheit bezüglich den Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft6">der vorgesehenen Rechtsfolge (Nichtbewilligung) vor.</span><br/> <span class="ft6">d) Ob die rechtsanwendende Behörde einen unbestimmten</span><br/> <span class="ft6">Rechtsbegriff (sinngemäss auch einen allenfalls weniger auslegungs-</span><br/> <span class="ft6">bedürftigen Rechtsbegriff) richtig ausgelegt hat, kann als Rechtsfrage</span><br/> <span class="ft6">grundsätzlich in allen Rechtsschutzverfahren - mithin auch im vor-</span><br/> <span class="ft6">liegenden internen Verwaltungsbeschwerdeverfahren - überprüft</span><br/> <span class="ft6">werden (vgl. Tschannen/Zimmerli/Kiener, a.a.O., S. 146). Bei der</span><br/> <span class="ft6">Auslegung dieser Begriffe kann den Behörden unter Umständen ein</span><br/> <span class="ft6">Beurteilungsspielraum zustehen. Abgesehen von den Fällen, wo der</span><br/> <span class="ft6">vorinstanzliche Entscheid besondere Kenntnisse oder eine Vertraut-</span><br/> <span class="ft6">heit mit den tatsächlichen Verhältnissen voraussetzt, findet mitunter</span><br/> <span class="ft6">eine umfassende Überprüfung der Anwendung der fraglichen Be-</span><br/> <span class="ft6">stimmungen statt (vgl. BGE 119 Ib E. 3b S. 40 ff.).</span><br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer hat als Beurteilungsgrundlage zahlreiche</span><br/> <span class="ft6">Bildaufnahmen anderer Grabsteine auf dem nämlichen Friedhof ein-</span><br/> <span class="ft6">gereicht, so dass das Departement des Innern mit den tatsächlichen</span><br/> <span class="ft6">Verhältnissen nicht völlig unvertraut ist. Zudem werden für die Ent-</span><br/> <span class="ft6">scheidfindung spezielle fachliche Kenntnisse nicht vorausgesetzt.</span><br/> <span class="ft6">Insofern kann die angerufene Beschwerdeinstanz den Fall mit voller</span><br/> <span class="ft6">Kognition entscheiden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">548</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">3. a) Das Gleichheitsgebot, worauf sich der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">beruft, gilt sowohl in der Rechtssetzung als auch allgemein in der</span><br/> <span class="ft6">Rechtsanwendung (vgl. Häfelin/Müller, Grundriss des Allgemeinen</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsrechts, 3. Auflage, Zürich 1998, S. 100 f.). Die Rechts-</span><br/> <span class="ft6">gleichheit als Gebot sachgerechter Differenzierung verbietet in der</span><br/> <span class="ft6">Rechtsanwendung, zwei gleiche Tatbestände ohne sachlichen Grund</span><br/> <span class="ft6">unterschiedlich zu behandeln (Tschannen/Zimmerli/Kiener, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">S. 120). Dieser Grundsatz bedeutet jedoch nicht, dass die beiden</span><br/> <span class="ft6">Sachverhalte rechtlich erst dann gleich behandelt werden müssten,</span><br/> <span class="ft6">wenn sie in allen ihren tatsächlichen Elementen absolut identisch</span><br/> <span class="ft6">sind; es genügt Übereinstimmung der relevanten Sachverhalts-</span><br/> <span class="ft6">elemente (BGE 117 Ia 257 E. 3b S. 259; 112 Ia 193 E. 2b S. 196).</span><br/> <span class="ft6">Im Hinblick auf den konkret zu beurteilenden Rechtsanwen-</span><br/> <span class="ft6">dungsfall und gestützt auf die aktenkundigen Unterlagen kann auf-</span><br/> <span class="ft6">grund der Form und des Ausmasses der jeweiligen Grabsteine vor-</span><br/> <span class="ft6">liegendenfalls keine rechtserhebliche Unterscheidung ausgemacht</span><br/> <span class="ft6">werden. So spiegelt sich die Form des Grabsteins des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führers mit einem Loch im mittleren Grabsteinkörper und dem obe-</span><br/> <span class="ft6">ren einer Walflosse ähnelnden Abschluss mehr oder weniger in ande-</span><br/> <span class="ft6">ren bestehenden Grabsteinen wieder. So kann der Grabstein des Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführers als eine Art Kombination der Grabsteine von M.P.G.</span><br/> <span class="ft6">und P.R.K. angesehen werden. Jedenfalls ist der Unterschied nicht</span><br/> <span class="ft6">derart relevant, dass sich einem aufgrund der optischen Eindrücke</span><br/> <span class="ft6">eine intensivere, störend wirkende Wahrnehmung aufdrängt. Der</span><br/> <span class="ft6">Grabstein ist zwar originell, jedoch nicht ausgefallener als andere, so</span><br/> <span class="ft6">dass sich nicht sagen lässt, er falle mit seiner eigenartigen Form aus</span><br/> <span class="ft6">dem ordentlichen Rahmen. Fest steht, dass auch andere Grabsteine</span><br/> <span class="ft6">nicht bloss die herkömmliche Form eines Rechtecks einhalten, son-</span><br/> <span class="ft6">dern eine gewisse veränderte geometrische Struktur aufweisen. Im</span><br/> <span class="ft6">Übrigen wirkt die ganze Komposition zwar dynamisch, jedoch nicht</span><br/> <span class="ft6">unharmonisch. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Grab-</span><br/> <span class="ft6">stein für die verstorbene Mutter des Beschwerdeführers sich passend</span><br/> <span class="ft6">in die Friedhofanlage einfügt. Wenn man die vom Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">eingereichten Bildaufnahmen anderer, bereits bestehender Grab-</span><br/> <span class="ft6">denkmäler betrachtet, stellt sich die Frage, ob sich darunter nicht</span><br/> <span class="ft6">einige befinden, die nicht besser in die Anlage passen als das Nicht-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">549</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">bewilligte und die der Gemeinderat nach seinem strengen Massstab</span><br/> <span class="ft6">hätte ablehnen müssen. Zu denken ist etwa an das metallene Grab-</span><br/> <span class="ft6">denkmal mit den zwei ineinander gehenden fischähnlichen Gestalten,</span><br/> <span class="ft6">das beispielsweise auf einem Friedhof heftigere Emotionen wecken</span><br/> <span class="ft6">kann und unbestrittenermassen selbst wiederum eine Figur darstellt.</span><br/> <span class="ft6">Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Begrün-</span><br/> <span class="ft6">dung des Gemeinderates, der fragliche Grabstein sei deshalb nicht zu</span><br/> <span class="ft6">bewilligen, da er entgegen den reglementarischen Bestimmungen</span><br/> <span class="ft6">figürliche Elemente enthalte, keineswegs stichhaltig ist. Wie bereits</span><br/> <span class="ft6">oben ausgeführt und aus den zahlreichen Bildaufnahmen ersichtlich,</span><br/> <span class="ft6">weisen viele andere Grabdenkmäler figürliche Strukturen auf. Inso-</span><br/> <span class="ft6">fern ist im vorliegenden Fall mit der Nichtbewilligung das Rechts-</span><br/> <span class="ft6">gleichheitsgebot verletzt worden.</span><br/> <span class="ft6">b) Den Nachweis für die Behauptung, dass ähnliche Gesuche</span><br/> <span class="ft6">abgelehnt worden seien, vermag der Gemeinderat nicht rechtsgenüg-</span><br/> <span class="ft6">lich zu erbringen. Dies muss somit zu seinen Ungunsten ausgelegt</span><br/> <span class="ft6">werden. Falls angenommen wird, dass bestehende ähnliche Grab-</span><br/> <span class="ft6">steine zu Unrecht gegen die Reglementsbestimmung bewilligt wor-</span><br/> <span class="ft6">den sind, hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Gleichbehandlung</span><br/> <span class="ft6">im Unrecht, denn es liegen zahlreiche Fälle vor und es gibt kein An-</span><br/> <span class="ft6">zeichen dafür, dass die Behörde diese Praxis ändern will (Häfe-</span><br/> <span class="ft6">lin/Müller, a.a.O., S. 102). Wenn der Gemeinderat nur Büsten, Sta-</span><br/> <span class="ft6">tuen oder Verzierungen und Ausschmückungen auf konventionellen</span><br/> <span class="ft6">rechteckigen Grabsteinen erlauben will, ist allenfalls das Bestat-</span><br/> <span class="ft6">tungs- und Friedhofreglement zu konkretisieren und/oder jedenfalls</span><br/> <span class="ft6">die Praxis inskünftig mit Beständigkeit zu ändern. Aufgrund der</span><br/> <span class="ft6">gegebenen Umstände kann auf jeden Fall der Grabstein des Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführers nicht abgelehnt werden.</span><br/> <span class="ft6">4. a) Der Gemeinderat hat damals, vor dem Erlass der ange-</span><br/> <span class="ft6">fochtenen Verfügung, dem Beschwerdeführer unter anderem münd-</span><br/> <span class="ft6">lich mitgeteilt, dass es Personenkreise gewisser Konfessionszugehö-</span><br/> <span class="ft6">rigkeiten gäbe, die bezüglich Grabsteinen sehr konservativ eingestellt</span><br/> <span class="ft6">seien und beim Gemeinderat deswegen dauernd intervenieren wür-</span><br/> <span class="ft6">den. Damit wird wohl sinngemäss die mögliche Verletzung religiöser</span><br/> <span class="ft6">Gefühle der Friedhofsbesucher geltend gemacht. Die Beschwerdein-</span><br/> <span class="ft6">stanz kann diese Befürchtung nicht teilen. An die religiösen Gefühle</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">550</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">und Empfindungen der Bürgerinnen und Bürger darf heutzutage kein</span><br/> <span class="ft6">allzu strenger Massstab angelegt werden. Auch bei der Gestaltung</span><br/> <span class="ft6">eines Grabdenkmals ist den sich wandelnden Bedürfnissen und Wün-</span><br/> <span class="ft6">schen der Verstorbenen und Angehörigen gebührend Rechnung zu</span><br/> <span class="ft6">tragen. Das bedeutet, dass in einer Zeit mit eher liberalen Wertvor-</span><br/> <span class="ft6">stellungen eine Bewilligung für die Errichtung eines Grabsteins nur</span><br/> <span class="ft6">dann verweigert werden dürfte, wenn dieser die Gefühle der Mit-</span><br/> <span class="ft6">menschen in einer offensichtlichen Weise missachten oder verletzen</span><br/> <span class="ft6">würde. Das trifft hier nicht zu. Die Gefühle der Friedhofsbesucher,</span><br/> <span class="ft6">jedenfalls der durchschnittlich empfindsamen, werden aber durch die</span><br/> <span class="ft6">vorliegend harmonisch und handwerklich gut gestaltete Komposition</span><br/> <span class="ft6">nicht stärker berührt als durch ein Sujet eines anderen Grabsteins.</span><br/> <span class="ft6">Nach Angaben des Beschwerdeführers hat das Grabzeichen einen</span><br/> <span class="ft6">familiären Symbolgehalt. Es stellt das Leben der verstorbenen Mut-</span><br/> <span class="ft6">ter dar. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass nicht auf die religiö-</span><br/> <span class="ft6">sen Gefühle eines bestimmten Konfessionskreises abgestellt werden</span><br/> <span class="ft6">kann, da der Friedhof öffentlich und mithin für alle anderen Glau-</span><br/> <span class="ft6">bensangehörigen zugänglich ist.</span><br/> <span class="ft6">Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorliegend das private</span><br/> <span class="ft6">Interesse an der Errichtung des gewünschten Grabdenkmals, welches</span><br/> <span class="ft6">sich im Rahmen von § 21 ff. des Bestattungs- und Friedhofregle-</span><br/> <span class="ft6">mentes hält, ein dem entgegenstehendes öffentliches Interesse an der</span><br/> <span class="ft6">Wahrung der Gefühle einzelner Gruppen überwiegt.</span><br/> <span class="ft6">b) Weitere Gründe, welche die Verweigerung der nachgesuchten</span><br/> <span class="ft6">Bewilligung rechtfertigen würden, sind nicht ersichtlich. Der Ge-</span><br/> <span class="ft6">meinderat macht insbesondere nicht geltend, dass der verwendete</span><br/> <span class="ft6">Werkstoff und das Ausmass des Grabdenkmals nicht den geltenden</span><br/> <span class="ft6">Vorschriften entsprächen.</span><br/> <span class="ft6">5. a) Was die Rüge der fehlenden Rechtsmittelbelehrung anbe-</span><br/> <span class="ft6">langt, sind gemäss § 23 Abs. 1 VRPG Verfügungen und Entscheide</span><br/> <span class="ft6">als solche zu bezeichnen und den Beteiligten sowie allfälligen weite-</span><br/> <span class="ft6">ren in ihren schutzwürdigen Interessen Betroffenen schriftlich zu</span><br/> <span class="ft6">eröffnen. Abs. 3 derselben Bestimmung sieht vor, dass soweit den</span><br/> <span class="ft6">Begehren der Beteiligten nicht voll entsprochen wird, die Eröffnung</span><br/> <span class="ft6">eine Begründung und eine Rechtsmittelbelehrung zu enthalten hat.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">551</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Die Rechtsmittelbelehrung hat die Rechtsmittelinstanz und die</span><br/> <span class="ft6">Rechtsmittelfrist zu nennen.</span><br/> <span class="ft6">b) Verfügungen und Entscheide sind verbindliche Anordnungen</span><br/> <span class="ft6">einer Verwaltungsbehörde in Einzelfällen, die Rechte oder Pflichten</span><br/> <span class="ft6">begründen oder deren Bestand, Nichtbestand oder Umfang feststellen</span><br/> <span class="ft6">(Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren</span><br/> <span class="ft6">nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege,</span><br/> <span class="ft6">Kommentar zu den §§ 38 - 72 VRPG, Zürich 1998, N 4 zu § 38). Es</span><br/> <span class="ft6">braucht nicht weiter dargelegt zu werden, dass der nichtbewilligende</span><br/> <span class="ft6">Beschluss des Gemeinderates vom 7. August 2000 eine Verfügung</span><br/> <span class="ft6">begründet, wird doch das Recht des Beschwerdeführers, gemäss</span><br/> <span class="ft6">Bestattungs- und Friedhofreglement ein bestimmtes Grabdenkmal zu</span><br/> <span class="ft6">errichten, verneint. Folglich wäre gemäss Gesetz eine Rechtsmittel-</span><br/> <span class="ft6">belehrung unentbehrlich gewesen. Der Gemeinderat vermag den</span><br/> <span class="ft6">rechtsgenüglichen Nachweis nicht zu erbringen, dass er die Rechts-</span><br/> <span class="ft6">mittelbelehrung - wie behauptet - im Nachhinein nachgereicht hat.</span><br/> <span class="ft6">Ihn trifft diesbezüglich die Beweislast.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>