B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3753/2014 U r t e i l v o m 1 8 . M a i 2 0 1 5 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), Libyen, vertreten durch Christian Hoffs, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Mai 2014 / N _______. D-3753/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Hei- matstaat am 5. Januar 2010 und gelangte am folgenden Tag legal mit Vi- sum in die Schweiz. Am 15. Januar 2010 fand die Befragung zur Person (BzP) im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ statt. A.b Mit Verfügung vom 30. März 2010 trat das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh- rers nicht ein. Zudem ordnete es dessen Wegweisung nach C._______ sowie den Vollzug an und wies ihn an, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, wobei es festhielt, dass eine Beschwerde gegen diese Verfügung keine aufschiebende Wirkung habe. A.c Mit Eingabe vom 21. April 2010 seines damaligen Rechtsvertreters liess der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde erheben. A.d Das Bundesverwaltungsgericht hiess mit Urteil D-2797/2010 vom 2. Oktober 2012 diese Beschwerde gut und hob d ie Verfügung des BFM vom 30. März 2010 auf. Des Weiteren wies es das BFM an, das Selbstein- trittsrecht im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO auszuüben und das Asyl- gesuch des Beschwerdeführers im nationalen Asylverfahren in der Schweiz zu behandeln. Es wur den keine Verfahrenskosten gesprochen, dem Beschwerdeführer hingegen eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.–, zu entrichten durch das BFM, zugesprochen. B. B.a Anlässlich der BzP vom 15. Januar 2010 im EVZ B._______ sowie der Anhörung vom 24. Juli 2013 durch das BFM machte der Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, er sei liby- scher Staatsangehöriger aus D._______ und habe sich zwischen 2002 und 2007 zu S tudienzwecken in E._______ aufgehalten. In dieser Zeit sei er besuchsweise hin und wieder nach Libyen zurückgekehrt. Anlässlich sei- nes vierten Besuchs, der einen Monat hätte dauern sollen, hätten sich für ihn am 2. Juli 2007 Probleme ergeben und er habe nicht nach E._______ zurückkehren können. Bei der Einreisekontroll e am Flughafen sei er von Polizisten über den Grund seines Auslandaufenthalts und über den Zweck seines Besuchs in Libyen befragt worden. Vier bis sieben Tage später hät- ten zwei Männer aus dem Revolutionskomitee bei seiner Familie vorge- sprochen und sich als Regierungsangehörige vorgestellt. Sie hätten ihm vorgeworfen, der Opposition in F._______ anzugehören; dies habe er in D-3753/2014 Seite 3 Abrede gestellt. Nichtsdestotrotz hätten ihm die Männer mit Gefängnis ge- droht und verboten, Libyen zu verlassen. Zudem sei er von Vertretern der libyschen Volkskomitees bzw. der Muslim- bruderschaft, der auch sein älterer Bruder angehört habe, psychisch unter Druck gesetzt worden. Diese Leute hätten seine europäischen Einflüsse korrigieren und ihn für ihre Zielsetzungen gewinnen wollen. Aus Furcht vor nachteiligen Konsequenzen habe er diesen Leuten gegenüber seine Mei- nung nicht frei äussern können. Ferner sei es nach seiner Rückkehr im Jahre 2007 innerfamiliär zu Erbstreitigkeiten gekommen. Ein Teil seiner Familie habe ihn enterben wol- len. Seine Mutter habe von ihm verlangt, dass er seine Cousine mütterli- cherseits heiraten solle, was er entschieden abgelehnt habe. Er habe Li- byen verlassen, weil er in einer Gesellschaft leben wolle, die an die Freiheit glaube und die Menschenwürde akzeptiere. Bei einer Rückkehr nach Li- byen drohe ihm die Todesstrafe. B.b Der Beschwerdeführer reichte beim BFM seinen gültigen Reisepass wie auch den alten Reisepass zu den Akten. In beiden Pässen befänden sich mehrere Besuchervisa für die Schengenstaaten sowie ein Stu dienvi- sum und Aufenthaltsbewilligungen für G._______. C. Mit Verfügung vom 28. Mai 2014 – eröffnet am 5. Juni 2014 – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 12. Januar 2010 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung machte die Vorinstanz im Wesentlichen geltend, der Beschwerdeführer habe als Grund seine r Ausreise aus Libyen anlässlich der BzP geltend gemacht, er sei nach seiner Rückkehr von religiösen Leu- ten, insbesondere der Muslimbruderschaft, unter Druck gesetzt worden. Diese Kreise hätten ihn dazu bewegen wollen, seine Religion, die er in E._______ nicht mehr praktiziert habe, wieder auszuüben. Die Volkskomi- tees hätten ihn zum Militärdienst zwingen wollen und ihm Gefängnis ange- droht. Die Frage, ob es jemals zu irgendwelchen Problemen mit den hei- matlichen Behörden oder anderen Organisationen gekommen sei, habe er mit einem klaren "Nein" beantwortet. Demgegenüber habe der Beschwer- deführer sein Asylgesuch anlässlich der Direkt -anhörung vorwiegend mit einem Vorbringen begründet, das er anlässlich der BzP überhaupt nicht erwähnt habe. So habe er zu Protokoll gegeben, vier bis sieben Tage nach seiner Rückkehr aus F._______ seien zwei Männer im Auftrag der Regie- rung zu ihm gekommen und hätten ihm Fragen zu seinem Aufenthalt in H._______ gestellt. Sie hätten ihn beschuldigt, der Oppositionsbewegung D-3753/2014 Seite 4 anzugehören, und ihm ein Ausreiseverbot erteilt. Er sei sich hundertpro- zentig sicher, dass es sich bei den beiden Männern um Geheimdienstan- gehörige gehandelt habe. Aufgrund der Kurzbefragung, welche die Grenz- behörden bei seiner Einreise nach Libyen mit ihm durchgeführt hätten, sei nämlich der Geheimdienst auf ihn aufmerksam geworden. Indessen gebe es keinen nachvollziehbaren Grund, weshalb er den Besuch der beiden Geheimdienstleute oder den Vorwurf an ihn, der libyschen Opposition in H._______ anzugehören, in der BzP nicht zumindest hätte erwähnen kön- nen, dies umso mehr, als er diesen Vorfall anlässlich der Anhörung ins Zentrum seiner Asylbegründung gestellt habe. Dementsprechend erweise sich das Vorbringen, er sei in Libyen von Regierungsangehörigen bzw. Mit- gliedern des Geheimdienstes bedroht und an de r Rückreise nach E._______ gehindert worden, als nachgeschoben. Es stelle zudem einen deutlichen Widerspruch zu seiner Aussage anlässlich der BzP dar, wonach er mit den libyschen Behörden keine Probleme gehabt habe. Des Weiteren habe der Beschwerdeführer die von ihm geltend gemachte Bedrohungslage, der er durch Geheimdienste sowie durch Milizangehörige beziehungsweise Muslimbrüder ausgesetzt gewesen sei, in keiner Weise substanziiert begründen können. Seine Schilderungen seien ins gesamt sehr unkonkret, sprung- und lückenhaft ausgefallen. Es sei ihm nicht ge- lungen, ein stimmiges Bild einer asylrelevanten Bedrohungslage zu vermit- teln. So habe er beispielsweise nicht nachvollziehbar begründen können, wie er zum Schluss gekommen sei, dass es sich um zwei Geheimdienst- leute gehandelt habe. In Wirklichkeit handle es sich bei diesem Vorbringen um eine rei ne Mutmassung. Ausserdem habe er den Besuch der beiden Männer bei sich zu Hause zeitlich nicht einordnen können und sich mit der Nennung des Datums vom 2. Juli 2007 tatsachenwidrig geäussert, wie sich aus seinen Passeinträgen ergebe. Zudem ergäben sich aus dem Umstand, dass er zuvor offenbar problemlos habe ein- und wieder ausreisen können, erhebliche Zweifel an seinem Vorbringen, er sei mit einem Ausreiseverbot belegt worden. Im weiteren Verlauf der Anhörung habe sich sodann her- ausgestellt, dass er keine nachvollziehbare Erklärung dafür habe, wie es ihm gelungen sei, seinen Reisepass im Juli 2008 bei der Passbehörde i n D._______ verlängern zu lassen, obwohl er angeblich einem Ausreisever- bot unterstanden habe. Desgleichen liege keine plausible Erklärung dafür vor, wie es ihm schliesslich möglich gewesen sei, im Januar 2010 legal über den Flughafen (…) nach Europa zu reisen. Ferner habe er keine sub- stanziierten Angaben machen können zu seiner – erst in der Anhörung gel- tend gemachten – Behauptung, er habe Kontakte zur libyschen Opposition in H._______ gepflegt. Auch sei es ihm ni cht gelungen, sein Vorbringen, D-3753/2014 Seite 5 wonach er mit Angehörigen der Muslimbruderschaft grosse Probleme ge- habt habe, glaubhaft zu machen. Insgesamt hielten die Vorbringen des Be- schwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Dementsprechend müsse deren Asylrelevanz nicht ge- prüft werden. Der Vollständigkeit halber sei jedoch Folgendes festzuhalten: Die obge- nannten Vorbringen bezögen sich, zeitlich betrachtet, allesamt auf die Zeit vor dem Fall des Gaddafi-Regimes im Jahre 2011. Der Beschwerdeführer habe im Asylverfahren im Wesentlichen geltend gemacht, von Regierungs- angehörigen – des alten Regimes – bedroht und unter Druck gesetzt wor- den zu sein. Angesichts der veränderten Machtverhältnisse im heutigen Li- byen hielten seine Vorbringen auch einer Prüfung gemäss Art . 3 AsylG nicht stand. Nebst den bereits abgehandelten Vorbringen habe er einen sexuellen Missbrauch in der Kindheit, inne rfamiliäre Erbstreitigkeiten sowie den Wunsch der Mutter, er möge seine Cousine heiraten, als weitere Ausreise- gründe geltend gemacht. Diese Vorbringen hätten sich indessen nicht als asylrelevant erwiesen. Insbesondere ergäben sich keine Hinweise darauf, dass er diesbezüglich nach seiner Rückkehr nach Libyen im Jahr 2007 ei- ner ernsthaften Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen wäre. Im Übrigen sei der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und mög- lich. D. D.a Mit Eingabe vom 4. Juli 2014 liess der Beschwerdeführer die nachfol- gend aufgeführten Rechtsbegehren stellen: Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Der Beschwerdefüh rer sei als Flüchtling anzuerkennen, und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei festzuste llen, dass der Wegweisungsvollzug unzulässig und unzumutbar sei. Dem Beschwerde- führer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen, und es sei ihm in der Person des Unterzeichneten ein unentgeltlicher Rechtsbeistand beizu- geben. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwä- gungen eingegangen. D.b Mit Zwischenverfügung vom 22. August 2014 wies der Instruktionsrich- ter des Bundesverwaltungsgerichts die Gesuche um Gewährung der un- entgeltlichen Rechtspflege für die Verfahrenskosten und um Bestellung ei- nes amtlichen Rechtsbeistands ab und forderte den Beschwerdeführer auf, D-3753/2014 Seite 6 bis zum 8. September 2014 einen Kostenvorschuss von Fr. 600.─ zu Guns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. D.c Mit Eingabe vom 1. September 2014 liess der Beschwerdeführer e in Gesuch um Wiedererwägung der Zwischenverfügung vom 22. August 2014 einreichen. D.d Mit Zwischenverfügung vom 4. September 2014 teilte der Instruktions- richter dem Beschwerdeführer mit, an der Zwischenverfügung vom 22. Au- gust 2014 werde vollumfänglich festgehalten. D.e In der Folge leistete der Beschwerdeführer den einverlangten Kosten- vorschuss am 5. September 2014. E. E.a Mit Eingabe vom 24. September 2014 liess der Beschwerdeführer vier aktuelle Berichte über die Sicherheitslage in Libyen zu den Akten reichen. Mit Eingabe vom 12. November 2014 wurden zwei weitere Berichte einge- reicht. Zwei weitere Berichte gingen mit Eingabe vom 30. Dezember 2014 ein. Schliesslich reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 24. Feb- ruar 2015 einen weiteren Bericht mit Hinweisen zur akt uellen Sicherheits- lage in Libyen zu den Akten. E.b Mit Zwischenverfügung vom 9. März 2015 lud der Instruktionsrichter die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 24. März 2015 ein. E.c Mit Vernehmlassung vom 24. März 2015 hob das SEM die Ziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung auf, stellte fest, die Wegweisung werde zur Zeit wegen Unzumutbarkeit nicht vollzogen, der Vollzug zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben, die vorl äufige Auf- nahme dauere ab Datum dieser Verfügung bis zu deren Aufhebung oder Erlöschen, bei Aufhebung der vorläufigen Aufnahme habe der Beschwer- deführer die Schweiz – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlas- sungsfall – zu verlassen, und der Kanton I._______ werde mit der Umset- zung der vorläufigen Aufnahme beauftragt. E.d Auf Anfrage des Instruktionsrichters hin liess der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 9. April 2015 sinngemäss mitteilen, es werde an der Be- schwerde, soweit diese nicht durch die vorinstanzl iche Verfügung vom 24. März 2015 gegenstandslos geworden sei, vollumfänglich festgehalten. D-3753/2014 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1 Gemäss Absatz 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012 des Asylgesetzes gilt für die im Zeitpunkt des Inkrafttre- tens der Änderung vom 14. Dezember 2012 dieses Gesetzes hängigen Verfahren mit Ausnahme der Absätze 2–4 das neue Recht. 2.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unri chtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im D-3753/2014 Seite 8 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlin gseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen von Vorbringen in einem jüngeren Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2007/57 E. 2.2 und 2.3). 4. 4.1 In seiner Beschwerde vom 4. Juli 2014 macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, die Vorinstanz habe die Probleme, die nach An- gaben der Hilfswerkvertretung auf eine mangelhafte Übersetzung zurück- zuführen seien, in keiner Weise berücksichtigt. Insbesondere seien seine Ausführungen anlässlich der BzP betreffend seine Kontakte zur libyschen Opposition (in E._______) gar nicht erst protokolliert worden. Was den von der Vorinstanz erwähnten Machtwechsel in Libyen nach dem Tod von Oberst Gaddafi anbelange, so habe dieser wohl die Koordinaten der Macht im Land verschoben, indessen nicht ohne Weiteres die Gefährdu ngslage des Beschwerdeführers erleichtert. Einerseits kämpften die früheren Anhä- nger des Regimes für ihre Rückkehr an die Macht, andererseits habe der Beschwerdeführer auch seitens der Muslimbrüder Verrat und Repression zu befürchten, weshalb er gewissermassen zwischen zwei Fronten stehe. Der Vollzug der Wegweisung sei unzulässig und unzumutbar. 4.2 4.2.1 Auf dem Unterschriftenblatt vom 24. Juli 2013 der Hilfswerkvertre- tung wird festgehalten, die Dolmetscherin habe sich zwar grosse Mühe ge- geben, doch sei die Übersetzung "sehr lückenhaft und wolkig" ausgefallen. D-3753/2014 Seite 9 Daher erscheine der ganze Sachverhalt etwas wolkig. Die Hilfswerkvertre- tung erachte die Interpretation, die bei der Übersetzung durch die Dolmet- scherin entstanden sei, als problematisch. Vermutlich seien die Vorbringen des Beschwerdeführer s präziser ausgefallen als der protokollierte Text. Diese Ausführungen, die auch in der Beschwerdeschrift aufgenommen werden, vermögen nicht zu einer veränderten Betrachtungsweise zu füh- ren. Die Hilfswerkvertretung behauptet nicht, sie sei des Arabischen mäch- tig. Vielmehr ergibt sich aus ihrer Stellungnahme, dass sie sich mit dem Beschwerdeführer in der Pause auf Englisch unterhalten hat. Dementspre- chend vermag ihre Behauptung, die Übersetzung sei lückenhaft und holp- rig, die Interpretation des Gesagten durch die Dolmetscherin gar proble- matisch ausgefallen, nicht zu überzeugen, fehlen ihr doch nach dem Ge- sagten die erforderlichen Voraussetzungen für eine vertretbare Kritik an der Arbeit der Dolmetscherin. Im Übrigen stellt es einen erheblichen Unter- schied dar, ob ein Gespräch übersetzt und protokolliert werden muss oder ob zwei Personen in einer gemeinsamen Sprache kommunizieren. Dar- über hinaus ist insbesondere nicht davon auszugehen, die Dolmetscherin habe bei ihrer Ü bersetzung die Vorbringen des Beschwerdeführers inter- pretiert, auch wenn bei der Übersetzungsarbeit grundsätzlich keine natur- wissenschaftliche Genauigkeit erreichbar ist. Sprachliche Nuancen bei ei- ner Übersetzung, wie von der Hilfswerkvertretung aufgeführt , sind grund- sätzlich möglich und oftmals unvermeidlich. Da indessen sämtliche Dol- metscher vorgängig ihres Einsatzes durch das SEM bzw. das BFM sowohl auf ihre fachliche Befähigung wie auch auf ihre Integrität hin geprüft wer- den, ist davon auszugehen, die protokollierten Gesprächsaufzeichnungen auf Deutsch entsprechen bestmöglich den Vorbringen des Beschwerdefüh- rers auf Arabisch, zumal den Akten keine Hinweise auf eigentliche Ver- ständnisprobleme zwischen Dolmetscherin und Beschwerdeführer zu ent- nehmen sind. 4.2.2 Wie sich aus den Akten ergibt, konnte der Beschwerdeführer sowohl anlässlich der BzP wie auch der Direktanhörung seine Vorbringen in seiner Muttersprache (Arabisch) artikulieren, wobei er keine Verständnisschwie- rigkeiten bekundete und die Kommunikation vielmehr als "gut" bezeichnete (A1/12 Ziff. 23 S. 9, A59/26 F1 S. 1). Im Anschluss an die Befragung be- ziehungsweise Anhörung wurde dem Beschwerdeführer das Protokoll wie- der in seine Muttersprache zurückübersetzt. Bei dieser Gelegenheit hatte er die Möglichkeit, allfällige Korrekturen am protokollierten Text anzubrin- gen; wie sich aus den Akten ergibt, sah er sich indessen nicht dazu veran- lasst. Da er die Rückübersetzungen mit seiner Unterschrift jeweils bestätigt D-3753/2014 Seite 10 und die einzelnen Protokollseiten abgezeichnet h at, muss er sich bei sei- nen Erklärungen, wie sie in die Protokolle Eingang gefunden haben, behaf- ten lassen. 4.3 Wie sich aus den Akten ergibt, fielen die Vorbringen des Beschwerde- führers anlässlich der BzP und der Direktanhörung in zahlreichen und we- sentlichen Punkten widersprüchlich und unsubstanziiert aus. Zur Vermei- dung von Wiederholungen kann in diesem Zusammenhang auf die aus- führlichen und zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Angesichts der zahlreichen Unstimmigkeiten dr ängt sich der Eindruck auf, der Beschwerdeführer habe bei seinen Schilderun- gen nicht auf Erinnerungen an tatsächliche Begebenheiten zurückgreifen können und habe stattdessen eine Verfolgungssituation erfunden, um sei- nen Vorbringen Nachdruck zu verschaffen. Auch auf begründete Furcht vor politischer Verfolgung kann er sich nicht berufen, beziehen sich doch seine (unglaubhaften) Vorbringen auf die Zeit vor dem Fall des Gaddafi-Regimes im Jahre 2011, weshalb er nach der Rückkehr in den Heimatstaat nicht mit Verfolgung durch das Gaddafi -Regime rechnen muss . Da sich der Be- schwerdeführer im Übrigen dahingehend geäussert hat, er sei in politi- schen und religiösen Angelegenheiten immer sehr vorsichtig gewesen (A1/12 Ziff. 15 S. 6), gibt es auch keinen begründeten Anlass zur Annahme, das Ausmass seiner Gefährdung habe sich während seines Aufenthalts in der Schweiz durch eigenes Zutun verändert. 4.4 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die wei- teren Ausführungen in der Beschwerde und die Beweismittel einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts ändern können. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Das BFM hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). D-3753/2014 Seite 11 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländerinnen und Auslä ndern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Gemäss ständiger Rechtsprechung sind die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung alternati- ver Natur. Sobald eine davon erfüllt ist, ist der Vollzug als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit der betroffenen Person gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri- schen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.). 6.2 Nachdem das SEM im Rahmen des Schriftenwechsels mit Verfügung vom 24. März 2015 die angefochtene Verfügung vom 28. Mai 2014 teil- weise – nämlich den Wegweisungsvollzug betreffend – in Wiedererwägung gezogen und die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers wegen Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs angeordnet hat, ist das vorlie- gende Verfahren gegenstandslos geworden, soweit in der Beschwerde im Eventualbegehren beantragt wird, es sei die Unzulässigkeit beziehungs- weise Unz umutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustel len und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Die Beschwerde ist mithin insoweit zu- folge Wegfalls des Streitgegenstandes als gegenstandslos ge worden ab- zuschreiben. Damit erübrigen sich weitere Ausführungen zur Durchführbar- keit des Wegweisungsvollzugs. 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer bezüglich der Frage der Anerkennung als Flüchtling, der Gewährung von Asyl und der Anordnung der Wegweisung nicht gelungen ist darzutun, in- wiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt oder den rechts- erheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig feststellt. Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen, soweit sie nicht als gegenstandslos geworden abzuschreiben ist. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer ist i m vorliegenden Verfahren unterlegen, so- weit er im Hauptbegehren die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 28. Mai 2014 und die Asylgewährung beantragte, weshalb er grundsätzlich in reduziertem Umfang kostenpflichtig wird (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Bei D-3753/2014 Seite 12 diesem Ausgang des Verfahrens sind die praxisgemäss um die Hälfte re- duzierten Kosten im Betrage von Fr. 300.─ dem Beschwerdeführer aufzu- erlegen. Dieser Betrag ist dem Kostenvorschuss zu entnehmen. Der Rest- betrag von Fr. 300.─ ist zurückzuerstatten. 7.2 In Anwendung von Art. 15 i.V.m. Art. 5 des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Feb- ruar 2008 (VGKE, SR 173.320.2) hat das SEM dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung zu entrichten, soweit das Beschwerdeverfahren, wie vom SEM bewirkt, gegenstandslos geworden ist. Gestützt auf Art. 64 Abs. 1 VwVG ist dem Beschwerdeführer eine - praxisgemäss um die Hälfte herabgesetzte - Parteientschädigung zu entrichten. Diese ist unter Berück- sichtigung der als angemessen zu bezeichnenden Kostennote der Rechts- vertretung vom 9. April 2015 (total Fr. 2'250.─) auf insgesamt Fr. 1'125.─ (inklusive Auslagen) festzusetzen. Das SEM ist demnach anzuweisen, dem Beschwerdeführer den Betrag von Fr. 1'125.─ auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3753/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht als gegenstandslos ge- worden abgeschrieben wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 300.─ werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag wird dem Koste nvorschuss entnommen. Der Restbe- trag von Fr. 300.─ wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung von Fr. 1'125.─ zu- gesprochen, die ihm durch das SEM zu entrichten ist. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand: