00/01 8 Strafprozessordnung. Art. 64 Abs. 1 Ziff. 1, Art. 229 Abs. 1 StPO. Die StPO/UR bekennt sich zu einer vollen Üb erprüfung des vorinstanzlichen Urteils, al- so auch in seinen unangefochtenen Teilen. Der Richter wird damit nicht zur voll- ständigen Überprüfung aller ihm nicht unt erbreiteten Fragen gezwungen. Er darf sich mit einer mehr summarischen Beur teilung begnügen, wird aber korrigierend eingreifen müssen, wenn sich ihm offensic htliche Mängel im vorinstanzlichen Ver- fahren oder Urteil zeigen. Vorbehalten bleibt das Verbot der reformatio in peius. Zur Tragung der erstinstanzlichen Verfahren skosten, wenn gegenüber dem Strafbefehl eine weniger strenge Strafe ausgefällt wird: Der Berufungskläger kann allein aus der Tatsache der Herabsetzung der Strafe (vorliegend Reduktion der Busse) gegenüber dem Strafbefehl keinen unbedingten Anspru ch auf eine teilweise Kostenübernahme durch den Staat ableiten. Im Rahmen d es richterlichen Ermessens bei der Kosten- auferlegung ist diese Tatsache aber neben weiteren Gerichtspunkten entsprechend zu berücksichtigen. Obergericht, 16. November 2001, OG S 01 7 Aus den Erwägungen: 3. Das Obergericht hat ein neues Urteil zu erlassen, das gemäss Art. 192 StPO abzufassen ist (Art. 229 Abs. 1 StPO). Die StPO/UR bekennt sich zu einer vollen Überprüfung des vorinstanzli- chen Urteils, also auch in seinen unangefochtenen Teilen (Hauser/ Schweri, Schweizerisches Strafprozessrecht, 4. Aufl., Basel 1999, § 99 N. 21). Der Richter wird damit nicht zur vollständigen Überprüfung aller ihm nicht unterbreiteten Fragen gezwungen. Er darf sich mit einer mehr summa- rischen Beurteilung begnügen, wird aber korrigierend eingreifen müssen, wenn sich ihm offen- sichtliche Mängel im vorinstanzlichen Verfahren oder Urteil zeigen. Vorbehalten bleibt das Verbot der reformatio in peius (Hauser/Schweri, a.a.O., § 99 N. 22; Bänziger/Stolz/Kobler, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Appenzell A.Rh., 2. Aufl., Herisau 1992, N. 2 zu Art. 221). Die summarische Prüfung des vorinstanzlichen Verfahrens und Urteils offenbart keine offen- sichtlichen Mängel. Bereits in der Einsprache vom 4. April 2001 gegen den Strafbefehl anerkannte der Berufungskläger den Sachverhalt und dessen rechtliche Würdigung als grobe Verkehrsregel- verletzung. Mit der Einsprache wurde allein die Abänderung des Strafbefehls betreffend Strafzu- messung verlangt. Die vorliegende Berufungserklärung wiederum bezieht sich einzig auf den vo- rinstanzlichen Kostenentscheid. Betreffend Schuldspruch und Strafzumessung wird auf die Aus- führungen der Vorinstanz im angefochtenen Urteil (E. 3 bis 6) verwiesen. 4. Wird Einsprache gegen den Strafbefehl erhoben, so erfolgt die Beurteilung im ordentli- chen Verfahren (Art. 164 Abs. 1 StPO). Der Staatsanwalt erhebt Anklage. Damit versetzt er den Angeklagten in den Anklagezustand (Art. 167 Abs. 1 StPO). Die Anklage kann in tatbeständlicher Hinsicht und in Bezug auf das Strafmass weiter oder weniger weit gehen als der Strafbefehl. Der Sachverhalt kann anders gewichtet bzw. auch richtiggestellt werden. Gegenstand des richterlichen Urteils ist die in der Anklageschrift bezeichnete Tat (Art. 189 StPO). Der Strafrichter im ordentli- chen Verfahren kann eine strengere oder weniger strenge Strafe ausfällen als der Strafbefehls- richter. Das Verbot der reformatio in peius gilt nicht (Hauser/Schweri, a.a.O., § 86 N. 9). Der Beru- fungskläger kann betreffend die Verfahrenskosten allein aus der Tatsache der Herabsetzung der Strafe (vorliegend Reduktion der Busse) gegenüber dem Strafbefehl keinen unbedingten Anspruch auf eine teilweise Kostenübernahme durch den Staat ableiten. Im Rahmen des richterlichen Er- messens bei der Kostenauferlegung ist diese Tatsache aber neben weiteren Gesichtspunkten ent- sprechend zu berücksichtigen. Der Beschuldigte hat die Prozesskosten ganz oder teilweise zu tragen, wenn er einer strafbaren Handlung schuldig erklärt wird (Art. 64 Abs. 1 Ziff. 1 StPO). Damit ist die Pflicht des Beschuldigten festgehalten (s. auch die Marginalie zu Art. 64 StPO), die ihm im Falle der Schuldigerklärung auferlegten ganzen oder teilweisen Kosten zu tragen. Ob Kosten auf- erlegt werden, steht im pflichtgemässen Ermessen des Richters (vgl. auch Art. 65 und Art. 67 Abs. 2 StPO). Dabei können auch im Falle eines Freispruches Kosten auferlegt werden (vgl. Art. 64 Abs. 1 Ziff. 2 StPO) (Entscheid Obergericht des Kantons Uri vom 14.11.1997, OG S 97 10, E. 7).