<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 38 S.230</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">230</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>38</b></span> <span class="ft2"><b>Betriebskosten eines Motorfahrzeugs (§ 10 Abs. 5 lit. c SPV).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Wird ein Motorfahrzeug von einem Dritten zur Verfügung gestellt,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>so muss dessen Benützung durch den Sozialhilfeempfänger eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gewisse Intensität aufweisen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 9. April 2008 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">R.R. gegen das Bezirksamt Baden (WBE.2007.395).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1. (...)</span><br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">Vom Bedarf der Hilfe suchenden Person werden die Betriebs-</span><br/> <span class="ft1">kosten eines Motorfahrzeugs in Abzug gebracht, sofern dessen Be-</span><br/> <span class="ft1">nützung nicht beruflich oder krankheitsbedingt zwingend erforder-</span><br/> <span class="ft1">lich ist (§ 10 Abs. 5 lit. c Satz 1 SPV). Ein durch Dritte zur Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung gestelltes Motorfahrzeug gilt als Naturalleistung, die ohne Vor-</span><br/> <span class="ft1">liegen der erwähnten zwingenden Gründe als eigene Mittel ange-</span><br/> <span class="ft1">rechnet wird (§ 10 Abs. 5 lit. c Satz 3 SPV).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">231</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Das Bezirksamt führte im Entscheid vom 17. Dezember 2007</span><br/> <span class="ft1">aus, am 14. Februar 2007 habe der Beschwerdeführer sein Fahrzeug</span><br/> <span class="ft1">verkauft, wobei er das Auto weiterhin nutzen dürfe. Vor dem Hinter-</span><br/> <span class="ft1">grund, dass die Miete eine Autos der unteren Mittelklasse pro Tag ca.</span><br/> <span class="ft1">Fr. 225.-- koste, erscheine die Aufrechnung einer monatlichen Zu-</span><br/> <span class="ft1">wendung in der Höhe von Fr. 200.-- durchaus vertretbar. Es dürfe je-</span><br/> <span class="ft1">doch auch für den Monat Februar 2007 nur eine Aufrechnung auf der</span><br/> <span class="ft1">Basis von Fr. 200.-- erfolgen. Da der Verkauf des Wagens am</span><br/> <span class="ft1">14. Februar 2007 erfolgt sei, dürfe für den Monat Februar 2007 zu-</span><br/> <span class="ft1">dem nur ein halber Monat, d.h. Fr. 100.--, angerechnet werden.</span><br/> <span class="ft1">2.2. (...)</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer sein Fahrzeug an</span><br/> <span class="ft1">einen Dritten verkauft hat und die Fahrzeugkosten vom neuen Halter</span><br/> <span class="ft1">bezahlt werden. Ein Abzug der Betriebskosten in Anwendung von</span><br/> <span class="ft1">§ 10 Abs. 5 lit. c Satz 1 SPV ist daher nicht zulässig. Sodann wird</span><br/> <span class="ft1">vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht, dass er berufs- oder</span><br/> <span class="ft1">krankheitsbedingt zwingend auf das Auto angewiesen sei. Zu prüfen</span><br/> <span class="ft1">ist jedoch, ob die Vorinstanz § 10 Abs. 5 lit. c Satz 3 SPV richtig an-</span><br/> <span class="ft1">gewandt hat bzw. ob diese Bestimmung im vorliegenden Fall über-</span><br/> <span class="ft1">haupt zur Anwendung gelangt.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">In § 10 Abs. 5 lit. c SPV werden zwei Arten der Fahrzeugbe-</span><br/> <span class="ft1">nützung unterschieden: einerseits die Benützung des eigenen Fahr-</span><br/> <span class="ft1">zeugs, andererseits das zur Verfügung Stellen des Fahrzeugs durch</span><br/> <span class="ft1">einem Dritten. Das Benützen des eigenen Fahrzeugs führt dazu, dass</span><br/> <span class="ft1">die Betriebskosten in Abzug gebracht werden (Satz 1). Grundge-</span><br/> <span class="ft1">danke dieser Bestimmung ist das Subsidiaritätsprinzip in der Sozial-</span><br/> <span class="ft1">hilfe, wonach der Anspruch auf Sozialhilfe nur besteht, sofern die ei-</span><br/> <span class="ft1">genen Mittel nicht genügen (vgl. § 5 Abs. 1 SPG). Besitzt der So-</span><br/> <span class="ft1">zialhilfeempfänger ein eigenes Fahrzeug, so verwendet er die Unter-</span><br/> <span class="ft1">stützungsleistung nicht nach ihrem ursprünglichen Zweck (Grundbe-</span><br/> <span class="ft1">darf, Wohnkosten, medizinische Grundversorgung, usw.; siehe dazu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">232</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">VGE IV/26 vom 29. März 2007 [WBE.2007.12], S. 6; VGE IV/37</span><br/> <span class="ft1">vom 6. Juli 2006 [WBE.2006.142], S. 7). Auflagen und Weisungen</span><br/> <span class="ft1">(so eben der Verkauf des Fahrzeugs) sichern die richtige Verwendung</span><br/> <span class="ft1">der materiellen Hilfe (§ 14 SPV). Der Beschwerdeführer ist nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr Halter und Eigentümer des Fahrzeugs. Eine Kürzung wegen</span><br/> <span class="ft1">Verletzung der Auflage, das Fahrzeug zu verkaufen, ist daher unzu-</span><br/> <span class="ft1">lässig.</span><br/> <span class="ft1">Satz 3 will die Umgehung von Satz 1 verhindern. An der</span><br/> <span class="ft1">Grundaussage, dass der Sozialhilfeempfänger aus beruflichen oder</span><br/> <span class="ft1">gesundheitlichen Gründen kein Fahrzeug benötigt, ändert sich näm-</span><br/> <span class="ft1">lich nichts. Wird das Fahrzeug von einem Dritten zur Verfügung ge-</span><br/> <span class="ft1">stellt, so muss dessen Benützung durch den Sozialhilfeempfänger je-</span><br/> <span class="ft1">doch eine gewisse Intensität aufweisen; gelegentliches Benützen darf</span><br/> <span class="ft1">nicht umgehend einen Abzug bzw. eine Aufrechnung nach sich zie-</span><br/> <span class="ft1">hen (vgl. VGE IV/21 vom 26. April 2006 [WBE.2005.412], S. 12).</span><br/> <span class="ft1">§ 10 Abs. 5 lit. c SPV gibt aber keine Grundlage für eine Aufrech-</span><br/> <span class="ft1">nung eines allfälligen zu tiefen Verkaufserlös.</span><br/> <span class="ft1">Den Akten sind keine Anhaltspunkte zu entnehmen, wonach das</span><br/> <span class="ft1">Fahrzeug dem Beschwerdeführer ab Februar 2007 längerfristig oder</span><br/> <span class="ft1">wiederholt zur Verfügung gestellt wird. Auch die Gemeinde A. bringt</span><br/> <span class="ft1">nicht vor, dass der Beschwerdeführer das Fahrzeug mehr als nur</span><br/> <span class="ft1">gelegentlich benutzt. Entsprechende Ausführungen können sodann</span><br/> <span class="ft1">auch dem Entscheid der Vorinstanz nicht entnommen werden. Es ist</span><br/> <span class="ft1">somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer das verkaufte</span><br/> <span class="ft1">Fahrzeug nur gelegentlich benutzt. Die Aufrechnung eigener Mittel</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf § 10 Abs. 5 lit. c Satz 3 SPV ab 14. Februar 2007 ist</span><br/> <span class="ft1">daher nicht rechtmässig. Sollte der Beschwerdeführer das Fahrzeug</span><br/> <span class="ft1">in Zukunft mehr als nur gelegentlich benutzen, ist eine Anrechnung</span><br/> <span class="ft1">eigener Mittel zulässig, jedoch nur insoweit, als der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer durch die Fahrzeugbenützung finanziell begünstigt ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>