B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-5036/2015 U r t e i l v o m 1 . D e z e m b e r 2 0 1 5 Besetzung Richter Daniel Riedo (Vorsitz), Richter Jürg Steiger, Richter Pascal Mollard, Gerichtsschreiber Beat König. Parteien A._______, Beschwerdeführerin, gegen Eidgenössische Erlasskommission für die direkte Bun- dessteuer (EEK), Vorinstanz. Gegenstand Erlass direkte Bundessteuer. A-5036/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Das Steueramt des Kantons B._______ auferlegte A._______ (im Folgen- den: die Steuerpflichtige bzw. die Beschwerdeführerin) mit Verfügung vom 4. Oktober 2011 in Bezug auf die direkte Bundessteuer der Steuerperioden 1995 bis 2002 Nachsteuern in der Höhe von Fr. 91'312.70 (samt Zins) und eine Busse von Fr. 41'338.90. Eine hiergegen erhobene Einsprache wurde mit rechtskräftig gewordenem Einspracheentscheid vom 7. November 2012 abgewiesen. Mit Gesuch vom 4. März 2014 beantragte die Steuerpflichte beim Steuer- amt des Kantons B._______ den vollständigen Erlass der erwähnten Nachsteuern und der genannten Busse. B. Die für das Gesuch zuständige Eidgenössische Erlasskommission für die direkte Bundessteuer (EEK ; nachfolgend auch: Vorinstanz ) verfügte mit Entscheid vom 30. Juni 2015, dass das Gesuch der Steuerpflichtigen "um einen vollumfänglichen Erlass der direkten Bundessteuer des Jahres 2010 [recte: der Nachsteuern und der Busse für die Steuerperiod en 1995 bis 2002] von insgesamt Fr. 132'651.60 (Nachsteuer und Busse; zuzüglich des Verzugszinses)" abgewiesen werde (Dispositiv-Ziff. 1 des Entscheids). C. Mit Eingabe vom 18. August 2015 erhob die Steuerpflichtige Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt sinngemäss, unter Aufhe- bung des vorinstanzlichen Entscheids sei ihrem Erlassbegehren stattzuge- ben. D. Das Bundesverwaltungsgericht forderte die Beschwerdeführerin mit Zwi- schenverfügung vom 8. September 2015 und Schreiben vom 28. Septem- ber 2015 dazu auf, auszuführen und zu belegen, inwieweit ihre wirtschaft- lichen Verhältnisse im angefochtenen Entscheid der Vo rinstanz vom 30. Juni 2015 unrichtig dargestellt worden seien. Zudem forderte das Ge- richt die Beschwerdeführerin auf, Fragen im Zusammenhang mit (allfälli- gen) Schulden gegenüber ihrem Bruder zu beantworten und die Antworten zu belegen. Auf diese Aufforderung hin reichte die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 1. und 10. Oktober 2015 zwei Stellungnahmen ein. A-5036/2015 Seite 3 E. Das Bundesgericht leitete dem Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 23. und 28. September 2015 verschiedene, von der Beschwerdefüh- rerin irrtümlich beim höchsten Gericht eingereichte Unterlagen betreffend das vorliegende Beschwerdeverfahren A-5036/2015 weiter. F. In ihrer Vernehmlassung vom 1 2. November 2015 beantragt die EEK die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. G. Soweit entscheidrelevant, wird auf die Eingaben der Verfahrensbeteiligten und die vorliegenden Akten im Rahmen der Erwägungen näher eingegan- gen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 An seiner Sitzung vom 5. November 2014 hat der Bundesrat das Bun- desgesetz vom 20. Juni 2014 über eine Neuregelung des Steuererlasses (Steuererlassgesetz; BBl 2014 5169 ff.) auf den 1. Januar 2016 in Kraft gesetzt (vgl. Medienmitteilung des Bundesrates vom 5. November 2014, "Neuregelung beim Steuererlass gilt ab 2016", abrufbar auf www.news.ad- min.ch > Dokumentation > Medienmitteilungen, abgerufen am 12. Novem- ber 2015). Da dieses Bundesgesetz zur Zeit noch nicht in Kraft ist, kommen die darin vorgesehenen Änd erungen des geltenden Steuererlassrechts vorliegend nicht zur Anwendung (vgl. BVGE 2015/7 E. 1.1). Auch die Ver- ordnung des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) vom 12. Juni 2015 über die Behandlung von Gesuchen um Erlass der direkten Bundes- steuer (AS 2015 1895 ff.) wird erst am 1. Januar 2016 in Kraft treten und ist damit vorliegend nicht anwendbar. 1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung von Beschwer - den gegen Entscheide der EEK zuständig (Art. 31 VGG, Art. 32 e contrario und Art. 33 Bst. f VGG). Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, richtet sich das Verfahren gemäss dessen Art. 37 nach dem VwVG. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.3 Die subjektive Beweislast besteht in der Verpflichtung einer Partei, e i- ne Tatsache zu beweisen. Die in Betracht fallende Prozesspartei hat die A-5036/2015 Seite 4 zur Beweisführung geeigneten Beweismittel zu nennen und allenfalls zu beschaffen (sog. Beweisführungslast; ERNST BLUMENSTEIN/PETER LO- CHER, System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl. 2002, S. 453 f.). Dementsprechend muss das Erlassgesuch mit den nötigen Beweismitteln schriftlich begründet eingereicht werden (Art. 167 Abs. 2 des Bundesge- setzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG ; SR 642.11]). Überdies obliegt dem Gesuchsteller im Rahmen seiner Ver- fahrenspflichten, den Erlassbehörden Auskunft über seine wirtschaftlichen Verhältnisse zu erteilen (Art. 18 der Verordnung des EFD vom 19. Dezem- ber 1994 über die Behandlung von Erlassgesuchen für die direkte Bundes- steuer [ SR 642.121 ; nachfolgend: Steuererlassverordnung ]; vgl. Urteile des BVGer A-3888/2013 vom 18. November 2013 E. 1.2, A-430/2012 vom 27. Juli 2012 E. 1.2). 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid grundsätzlich in vollem Umfang über prüfen. Der Beschwerdeführer kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der un- richtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der Unangemessenheit er - heben (Art. 49 Bst. c VwVG). 2. 2.1 Der steuerpflichtigen Person, für die infolge einer Notlage die Bezah- lung der Steuer, eines Zinses oder einer Busse wegen Übertretung eine grosse Härte bedeuten würde, können die geschuldeten Beträge ganz oder teilweise erlassen werden (Art. 167 Abs. 1 DBG). Diese Bestimmung wird in der Steuererlassverordnung konkretisiert. 2.2 Gegenstand eines Erlassgesuches können Steuern (inkl. Nachsteuern) sein sowie Zinsen oder Bussen wegen Verfahrensverletzungen oder Über- tretungen (Art. 7 Abs. 1 Bst. a-c Steuererlassverordnung). Die Aufzählung ist abschliessend (vgl. MICHAEL BEUSCH, in: Martin Zweifel/Peter Atha- nas [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/2b, 2. Aufl. 2008 [Komm. DBG], N. 10 zu Art. 167 DBG). 2.3 Ein Erlass kann nur erfolgen, wenn die Veranlagung abgeschlossen ist und eine rechtskräftig festgesetzte Steuer vorliegt, die noch nicht bezahlt ist (vgl. Art. 7 Abs. 2 Steuererlassverordnung; objektive Voraussetzungen; PIERRE CURCHOD, in: Danielle Yersin/Yves Noël [Hrsg.], Impôt fédé ral di- rect - Commentaire de la loi sur l'impôt fédéral direct, 2008, N. 1 und 15 zu Art. 167 DBG). Im Erlassverfahren ist demnach ausschliesslich zu prüfen, A-5036/2015 Seite 5 ob die gesetzlich statuierten Erlassvoraussetzungen erfüllt sind. In einem solchen Verfahren kann es nicht um die Revision der Veranlagung und um die Begründetheit der Steuerforderung gehen (Art. 1 Abs. 2 Steuererlass- verordnung). Die Erlassbehörde ist denn auch nicht befugt, Letztere nach- zuprüfen (BVGE 2009/45 E. 2.3; Urteile des BVGer A -1428/2013 vom 14. Januar 2014 E. 2.3, A -7164/2007 vom 3. Juni 2010 E. 2.3; vgl. FELIX RICHNER et al., Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N. 3 zu Art. 167 DBG; BEUSCH, Komm. DBG, N. 7 und 12 f. zu Art. 167 DBG). 2.4 Ziel und Zweck des Steuererlasses ist es, zu einer langfr istigen und dauernden Sanierung der wirtschaftlichen Lage der steuerpflichtigen Per- son beizutragen. Bestimmungsgemäss hat er demzufolge der steuerpflich- tigen Person selbst und nicht ihren Gläubigern zugute zu kommen (Art. 1 Abs. 1 Steuererlassverordnung). Dies bedeutet, dass auch bei Vor liegen einer Notlage (vgl. E. 2.1) von einem Erlass abgesehen werden muss, wenn die Mittel der steuerpflichtigen Person in absehbarer Zeit nicht zur Befriedigung der Gläubiger ausreichen werden. Bei einem Verzicht der Steuerbehörden würde in so einem Fall nämlich nicht sie selbst profitieren, sondern primär ihre übrigen Gläubiger, welche beim Zugriff auf das pfänd- bare Einkommen und Vermögen einen Konkurrenten verlieren würden. Dies widerspräche Ziel und Zweck des Steuererlasses (statt vieler: Urteile des BVGer A-1428/2013 vom 14. Januar 2014 E. 2.2.2, A-3888/2013 vom 18. November 2013 E. 2.2.2, A -430/2012 vom 27. Juli 2012 E. 2.2.2, A-3232/2011 vom 23. April 2012 E. 2.2.2; vgl. MARTIN ZWEIFEL/HUGO CA- SANOVA, Schweizerisches Ste uerverfahrensrecht, Direkte Steuern, 2008, § 31 N. 16). 2.5 Das Gesetz nennt zwei subjektive Voraussetzungen, die einen Erlass der geschuldeten Abgaben zu rechtfertigen vermögen. Es sind dies das Vorliegen einer Notlage und die grosse Härte (vgl. Art. 167 Abs. 1 DBG, vorn E. 2.1). 2.5.1 Die erste im Gesetz genannte Voraussetzung – das Vorliegen einer Notlage – wird in Art. 9 Abs. 1 Steuererlassverordnung konkretisiert (BVGE 2009/45 E. 2.6, auch zum Folgenden). Demnach liegt eine solche vor, wenn der ganze geschuldete Betrag in einem Missverhältnis zur finan- ziellen Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen Person steht. Bei natürli- chen Personen ist ein Missverhältnis dann gegeben, wenn die Steuer- schuld trotz Einschränkung der Lebenshaltungskosten auf das Existenzmi- nimum in absehbarer Zeit nicht vollumfänglich beg lichen werden kann (Art. 9 Abs. 1 Steuererlassverordnung). A-5036/2015 Seite 6 Unter Vorbehalt von Art. 10 Abs. 2 Steuererlassverordnung ist es unerheb- lich, aus welchem Grund die steuerpflichtige Person in die geltend ge- machte Notlage geraten ist (Art. 2 Abs. 2 Steuererlassverordnung; entge- gen seinem Wortlaut bezieht sich der in letzterer Vorschrift statuierte Vor- behalt nicht auf Art. 10 Steuererlassverordnung, so ndern lediglich auf Art. 10 Abs. 2 Steuererlassverordnung; vgl. dazu Ur teil des BVGer A-1428/2013 vom 14. Januar 2014 E. 2.6.2, mit Hinweis). Mögliche Ursa- chen für eine derartige Notlage werden beispielhaft in Art. 10 Abs. 1 Steu- ererlassverordnung genannt. Dazu gehört unter anderem eine wesentliche Verschlechterung der wirtsc haftlichen Verhältnisse der steuerpflichtigen Person seit der Veranlagung, auf die sich das Erlassgesuch bezieht, zu- folge längerer Arbeitslosigkeit, drückender Familienlasten oder Unterhalts- pflichten (Art. 10 Abs. 1 Bst. a Steuererlassverordnung). Weiter wird auch eine starke Überschuldung als Folge von ausserordentlichen Aufwendun- gen, die in den persönlichen Verhältnissen begründet sind und für die die steuerpflichtige Person nicht einzustehen hat, als Ursache genannt (Art. 10 Abs. 1 Bst. b Steuererlassverordnung). Eine einschränkende Ausnahme vom Grundsatz, wonach es auf die Ursa- che der Notlage nicht ankommt, enthält Art. 10 Abs. 2 Steuererlassverord- nung. Liegen nämlich für die Überschuldung andere Gründe vor, als die in Art. 10 Abs. 1 Steuererlassverordnu ng genannten – insbesondere ge- schäftliche Misserfolge, hohe Grundpfandschulden, Kleinkreditschulden als Folge eines überhöhten Lebensstandards –, ist ein Erlass der Steuer- schuld zugunsten anderer Gläubiger in jedem Fall ausgeschlossen bzw. nur in demselben prozentualen Umfang möglich, wie andere Gläubiger ganz oder teilweise auf ihre Forderungen verzichten (Art. 10 Abs. 2 Steu- ererlassverordnung; vgl. auch BEUSCH, Komm. DBG, N. 15 f. zu Art. 167 DBG). Durch das Erfordernis eines gleichwertigen Verzichts der übrigen Gläubiger wird dem Grundsatz von Art. 1 Abs. 1 Steuererlassverordnung, wonach ein Steuererlass nicht den anderen Gläubigern zugutekommen darf, Rechnung getragen (vgl. E. 2.4). 2.5.2 Die zweite in Art. 167 Abs. 1 DBG statuierte Voraussetzung verlangt, dass die Notlage zu einer grossen Härte für die steuerpflichtige Person führt. Während das Kriterium der Notlage ausschliesslich die wirtschaftli- che Lage des Schuldners bzw. der Schuldnerin berücksichtigt, können un- ter dem Aspekt der grossen Härte auch andere Umstände massgebend sein, namentlich Billigkeitserwägungen (BVGE 2009/45 E. 2.7; ZWEI- FEL/CASANOVA, a.a.O., § 31 N. 13 und 19). A-5036/2015 Seite 7 Gemäss Art. 12 Abs. 2 Steuererlassverordnung wird ein Einkommens- oder Vermögensrückgang bei der Beurteilung des Erlassgesuchs nicht berück- sichtigt, falls sich die s teuerpflichtige Person freiwillig ihrer Einkommens- quellen oder Vermögenswerte entäussert hat. Ist dies der Fall, ist die Not- lage (im Sinne von Art. 167 Abs. 1 DBG und Art. 9 f. Steuererlassverord- nung) selbstverschuldet und nicht erlasswürdig (vgl. Urteile des BVGer A-1910/2011 vom 5. April 2012 E. 2.8, A -1758/2011 vom 26. März 2012 E. 2.7, A-7668/2010 vom 22. September 2011 E. 2.7.1). Das Vorliegen ei- ner grossen Härte muss in einer solchen Konstellation verneint werden (vgl. Urteil des BVGer A-7668/2010 vom 22. September 2011 E. 2.7.1). Die Bestimmung von Art. 12 Abs. 2 Steuererlassverordnung ist durch den dem Anwendungsgebot im Sinne von Art. 190 BV unterliegenden Art. 167 DBG abgedeckt (BVGE 2015/7 E. 2.3, mit Hinweisen). 2.6 Aus Gründen der rechtsgleichen Be handlung der Steuerpflichtigen (Art. 8 BV) muss der Steuererlass seltene Ausnahme bleiben (vgl. BEUSCH, Komm. DBG, N. 6 zu Art. 167 DBG). Ein Erlass ist ausnahmslos nur dann zulässig, wenn er gesetzlich vorgesehen ist. Undenkbar ist deshalb insbe- sondere ein «gnadenweiser» Erlass über den gesetzlich geregelten hinaus (vgl. BVGE 2015/7 E. 2.4; MICHAEL BEUSCH, Der Untergang der Steuerfor- derung, 2012, S. 188, mit weiteren Hinweisen). 3. 3.1 Vorliegend wurde der nach Auffassung der Beschwerdeführerin zu er- lassende Betrag, der sich aus einer Nachsteuer und einer Busse zuzüglich des Verzugszinses zusammensetzt und sich auf insgesamt Fr. 132'651.60 beläuft, rechtskräftig festgesetzt. Soweit die Beschwerdeführerin sinnge- mäss geltend macht, dieser Betrag sei falsch bestimmt worden, ist ihr vorab entgegenzuhalten, dass es dem Bundesverwaltungsgericht im an- stehenden Beschwerdeverfahren ebenso wie der Erlassbehörde im Erlass- verfahren verwehrt ist, die rechtskräftige Fe stsetzung von Nachsteuern, Zinsen oder Bussen wegen Verfahrensverletzungen oder Übertretungen zu überprüfen (vgl. vorn E. 2.2 f.). Immerhin ist zur Klarstellung darauf hin- zuweisen, dass die Beschwerdeführerin – ohne dass sich daraus etwas zu ihren Gunsten ableiten liesse – zutreffend geltend macht, dass es im hier zu beurteilenden Fall e ntgegen den insoweit irreführenden Ausführungen der Vorinstanz nicht um Steuernachforderungen und eine Busse betreffend die Steuerperiode 2010, sondern um Forderungen betref fend die Steuer- perioden 1995 bis 2002 geht. A-5036/2015 Seite 8 3.2 Es ist unter den Verfahrensbeteiligten zu Recht unbestritten, dass eine Notlage im Sinne des Erlassrechts grundsätzlich gegeben ist. Wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid ausführlich dargelegt hat, dürft e bei der Beschwerdeführerin ein Ausgabenüberschuss vorliegen und ist of- fensichtlich, dass sie nicht in der Lage ist, die hohen Steuerausstände in- nert absehbarer Zeit zu begleichen (vgl. E. 3 ff. des angefochtenen Ent- scheids). 3.3 Es stellt sich die Frage, ob sich die Beschwerdeführerin freiwillig ihrer Einkommensquellen oder Vermögenswerte entäussert hat und die beste- hende Notlage vor diesem Hintergrund im Sinne der Rechtsprechung als selbstverschuldet und damit nicht erlasswürdig zu qualifizieren ist (vgl. E. 2.5.2). 3.3.1 3.3.1.1 Gemäss einer aktenkundigen Handänderungsanzeige des Grund- buchamtes G._______ vom 11. Januar 2013 hat die Beschw erdeführerin im Rahmen einer gemischten Schenkung Stockwerkeigentum und ge- wöhnliches Miteigentum an Liegenschaften in C._______ an die beiden in England wohnhaften Personen E._______ und F._______ übertragen, und zwar gegen Einräumung einer lebenslangen Nutzniessung. Unter der Rubrik "Preis" ist in dieser Handänderungsanzeige für das übertragene Grundeigentum ein Betrag von Fr. 700'000.- aufgeführt (Akten Vorinstanz, act. 17). 3.3.1.2 Zur erwähnten gemischten Schenkung hat das Steueramt des Kan- tons B._______ vorliegend in einer Verfügung vom 17. Dezember 2013, mit welcher es ein Gesuch der Beschwerdeführerin um Erlass von Staats- und Gemeindesteuern (Nachsteuern [samt Zinsen], Bussen und Verfah- renskosten gemäss einer Nachsteuerverfügung und einem Strafbescheid für die Steuerperioden 1995 bis 2002) ab wies, insbesondere Folgendes ausgeführt (Akten Vorinstanz, act. 20 Bst. g E. 3b): "Mit Bezug auf ihre Vermögensverhältnisse ist […] festzuhalten, dass die Ge- suchstellerin die […] ihr nunmehr zur lebenslänglichen Nutzniessung überlas- sene Eigentumswohnung an der D._______-strasse […] in C._______ Mitte Januar 2013 in einer gemischten Schenkung an ihre beiden in England leben- den Töchter übertragen hat. Damit hat sie sich aber freiwillig eines bedeuten- den Teils ihrer Vermögenswerte entäussert bzw. dafür keinen adäquaten Ge- genwert erhalten, obwohl ihr zu diesem Zeitpunkt (Januar 2013) bekannt war, dass sie die vorliegende Nachsteuer - und Bussenforderung von insge- samt rund CHF 189'000 zu begleichen hat. Ein solch freiwillig herbeigeführ- ter Vermögensrückgang ist bei der Beurteilung des Erlassgesuches nicht zu A-5036/2015 Seite 9 berücksichtigen. Entsprechend ist für die Prüfu ng des Erlassgesuchs der (Netto-)Wert der Eigentumswohnung an der D._______-strasse […] zum Ver- mögen der Gesuchstellerin wieder hinzuzurechnen. Dieser ist – ausgehend vom Steuerwert (CHF 500'000) und abzüglich der darauf lastenden Hypothek (CHF 234'000) – auf mindestens CHF 266'000 anzusetzen. Mit einem Verkauf der Liegenschaft wäre die Bezahlung der Nachsteuer - und Bussenforderung ohne Weiteres ganz bzw. zumindest zu einem Teil möglich gewesen." 3.3.1.3 Im vorinstanzlichen Verfahren wurde die Beschwerdeführeri n mit Schreiben vom 11. Februar 2015 insbesondere dazu aufgefordert, zu er- klären, weshalb die erwähnte Übertragung von Eigentum an ihre beiden Töchter E._______ und F._______ erfolgte. Zugleich wurde die Beschwer- deführerin darum ersucht, der Vorinstanz eine Kopie des Schenkungsver- trages zuzustellen und den Verkehrswert des übertragenen Grundeigen- tums unter Beilage einer Kopie einer allfälligen Verkehrswertschätzung an- zugeben. Die Vorinstanz führte im entsprechenden Schreiben ferner aus, dass das Vorliegen einer Notlage insbesondere mit Blick auf den Umstand nicht ersichtlich sei, dass die Beschwerdeführerin im Januar 2013 die Ei- gentumswohnung an der D._______-strasse […] in C._______ mittels ei- ner gemischten Schenkun g an i hre Töchter übertragen habe . Dabei ver- wies die Vorinstanz auf die hiervor erwähnte Erlassverfügung des Steuer- amtes des Kantons B._______ vom 17. Dezember 2013, wobei sie die Be- schwerdeführerin dazu aufforderte, die von ihr behauptete Notlage darzu- legen (vgl. Akten Vorinstanz, act. 18). 3.3.1.4 Die Beschwerdeführerin gab nach Erhalt des hiervor (E. 3.3.3) er- wähnten Schreibens der Vorinstanz vom 11. Februar 2015 in einem Frage- bogen zum Gesuch betreffend Erlass der direkte n Bundessteuer für eine angeblich ihr gehörende Eigentumswohnung einen Verkehrswert von Fr. 700'000.- an (Akten Vorinstanz, act. 14, Beilage zum Schreiben der Be- schwerdeführerin vom 5. Mai 2015). Augenscheinlich meinte sie damit die ihren Töchter übertragene Eigentumswohnung. Einen Schenkungsvertrag und eine Verkehrswertschätzung hat die Beschwerdeführerin nicht vorge- legt. 3.3.2 Aus den vorstehend in E. 3.3.1 erwähnten Sachumständen leitet die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid ab, dass sich die Beschwerdefüh- rerin durch Übertragung ihrer Eigentumswohnung auf ihre Töchter in er- heblichem Masse freiwillig ihrer Vermögenswerte entäussert hat und der entsprechende Vermögensrückgang folglich nach Art. 12 Abs. 2 der Steu- ererlassverordnung nicht zu Gunsten der Beschwerdeführerin berücksich- tigt werden k önne. Die Vorinstanz g eht dabei davon aus, dass der Be-A-5036/2015 Seite 10 schwerdeführerin bei einem Verkauf der Wohnung entsprechend der Wür- digung durch das Steueramt des Kantons B._______ ein Nettoerlös von mindestens Fr. 266'000. - (bzw. bei Annahme eines Verkehrswertes von Fr. 700'000.- ein noch höherer Betrag) zur Zahlung der Steuerschulden zur Verfügung gestanden hätte (E. 6 des angefochtenen Entscheids). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (und der Beurteilung des Steuer- amts des Kant ons B._______ in seiner Verfügung vom 17. Dezember 2013) lässt sich der Beschwerdeführerin nicht mit Recht unterstellen, sie habe sich im Rahmen der gemischten Schenkung ihrer Wohnung an ihre Töchter im Umfang der Differenz zwischen dem Verkehrs- bzw. Steuerwert der Wohnung und der darauf lastenden Hypothek freiwillig ihrer Vermö- genswerte entäussert. Denn damit würde zu Ungunsten der Beschwerde- führerin nicht berücksichtigt , dass sie sich im Rahmen der gemischten Schenkung eine lebenslange Nutzniessung einräumen liess. Es kann hier dahingestellt bleiben, welchen Wert die erwähnte lebenslange Nutzniessung aufweist und in welchem Umfang sich die Beschwerdefüh- rerin unter Berücksichtigung dieses Wertes allein mit der fraglichen Grund- stückstransaktion (Übertragun g von Grundeigentum gegen Einräumung der Nutzniessung) freiwillig ihrer Vermögenswerte entäusserte. Denn wie im Folgenden aufgezeigt wird, hat sich die Beschwerdeführerin unabhän- gig davon in einer den Steuererlass ausschliessenden Weise ihrer Vermö- genswerte entäussert. 3.3.3 Die hiervor ( in E. 3.3.1.1) erwähnte Handänderungsanzeige des Grundbuchamtes G._______ vom 11. Januar 2013 enthält neben der ge- nannten Rubrik "Preis" mit dem Betrag von Fr. 700'000. - den Vermerk "Fahrhabe: mit (zusätzlich Fr. 300'000.00)" (Akten Vorinstanz, act. 17). Die- ser Vermerk lässt sich nach Treu und Glauben nur so verstehen, dass die Beschwerdeführerin ihren beiden Töchtern nebst der Übertragung des Grundeigentums auch Fahrhabe im Wert von Fr. 300'000.- übertragen hat und sie sich als Gegenleistung für die Übertragung des Grundeigentums und der Fahrhabe einzig die lebenslange Nutzniessung einräumen liess. Ein Grund, weshalb die Fahrhabe mitübertragen werden musste, ist weder aus den Akten ersichtlich noch substantiiert dargetan. Vor diesem Hintergrund ist erstellt, dass sich die Beschwerdeführerin min- destens im Betrag von Fr. 300'000.-, also in einem erheblichen Umfang , freiwillig ihrer Vermögenswerte entäussert hat. Dieser Schluss rechtfertigt A-5036/2015 Seite 11 sich umso mehr, als die Beschwerdeführerin trotz der sie treffenden Oblie- genheit, ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse darzulegen (vgl. E. 1.3), auf zweimalige entsprechende schriftliche Aufforderung hin die Frage der Vorinstanz, ob die erwähnte Fahrhabe im Wert von Fr. 300'000.- "zusätzlich zum Stockwerkeigentum mit einem Wert von Fr. 700'000.00 den Töchtern verschenkt" wurde, unbeantwortet liess (vgl. Akten Vorinstanz, act. 13 und 15). 3.3.4 Angesichts des Umstandes, dass sich die Beschwerdeführerin nach dem Gesagten mittels Übertragung von Fahrhabe auf ihre Töchter mindes- tens im Betrag von Fr. 300'000.-, also in namhaftem Umfang, freiwillig ihrer Vermögenswerte entäussert hat, ist d ie entstandene Notlage rechtswe- sentlich selbstverschuldet. Die Notlage geht damit nicht mit einer grossen Härte im Sinne des Erlassrechts einher und ist demnach nicht erlasswürdig (E. 2.5.2). Schon aus diesem Grund kann kein Steuererlass gewährt wer- den. 3.4 Nach dem Gesagten braucht hier insbesondere nicht geklärt zu wer- den, ob ein Steuererlass – wie die Vorinstanz annimmt – vorliegend auch mit Blick auf eine (allfällige) Schuld der Beschwerdeführerin gegenüber ih- rem Bruder ausgeschlossen ist. Insbesondere braucht hier nicht eruiert zu werden, ob der Bruder (entsprechend der Darstellung der Beschwerdefüh- rerin in ihrer St ellungnahme vom 10. Oktober 2015) zwischenzeitlich auf die Durchsetzung der entsprechenden Forderung verzichtet hat. Auch er- übrigt es sich, hier auf die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin einzugehen. Immerhin ist festzuhalten, dass ein «gnadenweiser», über den vorliegend nicht greifenden gesetzlich geregelten Erlass hinausgehender Verzicht des Gemeinwesens auf den ihm zustehenden Anspruch auf die hier streitbet roffenen Nachsteuern - und Buss beträge, wie ihn die Be- schwerdeführerin – unter anderem mit einem Hinweis auf ihre Erkrankung – sinngemäss beantragt, entsprechend den vorstehenden Ausführun- gen (E. 2.6) ausgeschlossen ist. 4. Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde abzuweisen. Der unterliegen- den Beschwerdeführer in sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'000.- aufzuerlegen (vgl. Art. 63 VwVG). Der in gleicher Höhe einbe- zahlte Kostenvorschuss ist für die Bezahlung der Verfahrenskosten zu ver- wenden. A-5036/2015 Seite 12 5. Dieser Entscheid kann nicht mit Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen werden (Art. 83 Bst. m BGG; das Steuererlassgesetz, mit welchem diese Vorschrift geändert wer- den wird [vgl. Ziff . I.1 Steuererlassgesetz], ist – wie ausgeführt [E. 1.1] – noch nicht in Kraft). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.- werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfah- renskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben); – die Vorinstanz (Ref.-Nr. […]; Einschreiben). Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Riedo Beat König Versand: