Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 31. August 2016 (810 14 361) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Quartierplanvorschriften / Erschliessung von verkehrsintensiven Einrichtungen für den Langsamverkehr Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Christian Haidlauf, Beat Walther, Niklaus Ruckstuhl, Edgar Schürmann , Gerichtsschreiber Marius Wehren Beteiligte VCS Verkehrs -Club der Schweiz , vertreten durch Martin Pestalozzi , Rechtsanwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Einwohnergemeinde Pratteln , Beschwerdegegnerin A.____ AG , Beigeladene , vertreten durch Roman Zeller , Advokat Betreff Gemeinde Pratteln, Quartierplanvorschriften "Einkaufszentrum Geisseler" (RRB Nr. 1749 vom 18. November 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der Einwohnerrat Pratteln beschloss am 23. April 201 2 die Quartierplanvorschriften "Einkaufszentrum Geisseler", welche die Parzellen Nr. 454 8 und Nr. 4935, Grundbuch Pratteln, umfassen. Geplant ist ein Einkaufszentrum mit einer Net toladenfläche von maximal 11'000 m 2 und maximal 310 Parkplätzen. Für das Vorhaben wurde ein e Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt. B. Die öffentliche Planauflage fand vom 2. Juli 2012 bis 31. Juli 2012 statt. Während der Auflagefrist reichte unter anderem der Verkehrs-Club de r Schweiz (VCS) Einsprache ein. Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Verständigungsverha ndlung konnte mit dem VCS keine Einigung erzielt werden. C. Am 4. Juni 2014 unterbreitete der Gemeinderat Pra tteln die Quartierplanvorschriften dem Regierungsrat zur Genehmigung und ersuchte um Abweisung der unerledigten Einsprache des mittlerweile durch Martin Pestalozzi, Rechtsanwalt, vertretenen VCS. D. Mit Entscheid des Regierungsrats vom 18. November 2014 wurde die Einsprache des VCS abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde. Die Quartierplanvorschriften "Einkaufszent- rum Geisseler" wurden im Sinne der Erwägungen genehmigt und allgemeinverbindlich erklärt. E. Gegen den Entscheid des Regierungsrats erhob der VCS , vertreten durch Martin Pestalozzi, Rechtsanwalt, mit Eingabe vom 1. Dezember 2 014 Beschwerde beim Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwa ltungsrecht. Der Beschwerdeführer stellt das Rechtsbegehren, es sei der angefochtene Entschei d aufzuheben und die Genehmi- gung der Quartierplanung "Einkaufszentrum Geisseler" zu verweigern (Ziff. 1 und 2). Eventuali- ter sei die Sache zur Änderung und Ergänzung der Quartierplanvorschriften im Sinne der Erwä- gungen bzw. der Beschwerdebegründung an die Gemeinde Pratteln zurückzuweisen (Ziff. 3). Subeventualiter seien die notwendigen – vom Beschwerdef ührer in einem nicht abschliessen- den Katalog (Ziff. 4.1 bis 4.10) definierten – Änder ungen und Ergänzungen entsprechend der Beschwerdebegründung direkt im aktuellen Rechtsmittelver fahren anzuordnen (Ziff. 4). Alles unter o/e-Kostenfolge. F. Mit Präsidialverfügung vom 23. Dezember 2014 wurde die A.____ AG, vertreten durch Roman Zeller, Advokat, entsprechend ihrem Antrag zum Verfahren beigeladen. G. Am 30. Januar 2015 reichte der Beschwerdeführer die Beschwerdebegründung ein, in welcher er unter Ergänzung des Subeventualantrags (Ziff. 4.6A) an den gestellten Rechtsbe- gehren festhält. H. Am 30. April 2015 reichten die Beschwerdegegner un d die Beigeladene ihre Vernehm- lassungen ein, in denen sie jeweils die Abweisung der Be schwerde beantragen, soweit darauf einzutreten sei. I. Am 10. Juli 2015 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein, in welcher an den ge- stellten Rechtsbegehren und den geltend gemachten Rügen festgehalten wird. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Mit Dupliken vom 16. September 2015 halten die Besch werdegegner und die Beigela- dene an den gestellten Rechtsbegehren und den wesentlichen Begründungen fest. K. Mit Präsidialverfügung vom 9. Oktober 2015 wurde de r Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen. Es wurde die Durchführung eines Augenscheins angeordnet und verfügt, dass die Verfahren 810 14 361 (Quartierplanung "Einkaufsze ntrum Geisseler") und 810 14 347 (Quartierplanung "Einkaufszentrum Grüssen 4a") unter Be izug der jeweiligen Akten zusammen behandelt werden. L. Mit Eingaben vom 21. und 22. März 2016 reichten die Beschwerdegegner auf Auffor- derung des Kantonsgerichts hin weitere, unter anderem d en Langsamverkehr betreffende Un- terlagen ein. M. Am 9. Mai 2016 reichte der Beschwerdeführer eine S tellungnahme zu den fraglichen Unterlagen ein. Mit Eingaben vom 14. Juni 2016 reichten die Beschwerdegegner und die Beige- ladene ihrerseits eine Stellungnahme ein. N. Anlässlich der heutigen Verhandlung – mit vorgängig em Augenschein vor Ort – hielten die Parteien an den gestellten Rechtsbegehren und wesentlichen Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzli cher Ausschlusstatbestand vor- liegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts, Abteil ung Verfassungs- und Verwaltungs- recht, zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gegeben. 1.2 Für die Beurteilung der strittigen Quartierplanu ng war eine Umweltverträglichkeitsprü- fung (UVP) durchzuführen. Beim VCS handelt es sich um eine gesamtschweizerische Organi- sation, welcher gemäss Art. 55 des Bundesgesetzes über den U mweltschutz (USG) vom 7. Oktober 1983 in einem solchen Fall das Beschwerderech t zusteht (Anhang Ziff. 20 der Ver- ordnung über die Bezeichnung der im Bereich des Umwel tschutzes sowie des Natur- und Hei- matschutzes beschwerdeberechtigten Organisationen [VBO] vom 27. Juni 1990). Der Be- schwerdeführer ist gestützt auf diese Bestimmung in Verbi ndung mit § 47 Abs. 1 lit. b VPO zur Beschwerde legitimiert. Da sämtliche weiteren Prozessvor aussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2.1 Die Kognition des Kantonsgerichts ist gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO grundsätz- lich auf Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sach verhalts beschränkt. Die Unange- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht messenheit kann nach § 45 Abs. 1 lit. c VPO nur in den i n dieser Bestimmung genannten Aus- nahmefällen überprüft werden. Entscheide, welche die Nutzungsplanung betreffen, fallen nicht darunter. 2.2 Nach Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über d ie Raumplanung (RPG) vom 22. Juni 1979 gewährleistet das kantonale Recht die vol le Überprüfung von Verfügungen und Nutzungsplänen durch wenigstens eine Beschwerdebehörde. V olle Überprüfung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur die freie Prüfung des Sachverhalts und der sich stellenden Rechtsfragen, sondern auch eine Ermessenskontrolle. Die Überprüfung hat sich dabei dort sachlich zurückzuhalten, wo es um lokale Angelegenheiten g eht, hingegen so weit auszugrei- fen, dass die übergeordneten, vom Kanton zu sichernden In teressen einen angemessenen Platz erhalten (vgl. BGE 127 II 238 E. 3b/aa; H EINZ AEMISEGGER /S TEPHAN HAAG , Kommentar zum Raumplanungsgesetz, Zürich 1999, Art. 33 N 56). Be i der Angemessenheitsprüfung ist jeweils auch der den Planungsträgern durch Art. 2 Abs . 3 RPG zuerkannte Gestaltungsbereich zu beachten. Nach Art. 2 Abs. 3 RPG achten die mit Pl anungsaufgaben betrauten Behörden somit darauf, den ihnen nachgeordneten Behörden den zur Erfüllung ihrer Aufgabe nötigen Er- messensspielraum zu lassen. Ein Planungsentscheid ist gestützt darauf zu schützen, wenn er sich als zweckmässig erweist, unabhängig davon, ob sich wei tere, ebenso zweckmässige Lö- sungen erkennen lassen (vgl. P ETER HÄNNI , Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutz- recht, Bern 2008, S. 529). Den obgenannten Anforderu ngen genügt es nach ständiger Recht- sprechung, wenn der Regierungsrat – wie im vorliegend en Fall – als einzige Instanz mit voller Kognition über Einsprachen und Beschwerden entscheidet (vgl. BGE 127 II 238 E. 3b/bb; 119 Ia 321 E. 5c; 114 Ia 233 E. 2b; H ÄNNI , a.a.O., S. 528; B ERNHARD WALDMANN /P ETER HÄNNI , Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 33 N 74 f.). 3.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rech tlichen Gehörs. Er erblickt eine solche unter anderem darin, dass ihm im vorinstanzlichen V erfahren diverse Unterlagen nicht zugestellt worden seien. Namentlich sei ihm der Genehmi gungsantrag der Gemeinde vom 4. Juni 2014 einschliesslich Beilagen erstmals im Rahmen d es kantonsgerichtlichen Verfahrens übermittelt worden. Die fragliche Eingabe hätte ihm jedoch vor dem Entscheid des Regierungs- rats zumindest zur Kenntnisnahme bzw. freigestellten St ellungnahme zugestellt werden müs- sen, zumal sie zahlreiche Noven enthalten habe. 3.2.1 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ergi bt sich aus dem verfassungsmässi- gen Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999) in Verfahre n vor Verwaltungs- und Gerichtsbehör- den das Recht, sich zu Eingaben der Vorinstanz oder der G egenpartei zu äussern, soweit die darin vorgebrachten Noven prozessual zulässig und materiel l geeignet sind, den Entscheid zu beeinflussen (vgl. BGE 138 I 154 E. 2.3.2). Dieses "Replikrecht im engeren Sinn", welches vom Vorliegen neuer Behauptungen (Noven) abhängt, gilt i n allen Rechtsmittelverfahren, unabhän- gig davon, ob die Rechtsmittelbehörde eine gerichtliche oder eine verwaltungsinterne ist. Dem- gegenüber besteht in Verfahren vor gerichtlichen Behör den ein unbedingtes Replikrecht ("Rep- likrecht im weiteren Sinn"), welches die Möglichkeit umf asst, zu sämtlichen Eingaben der Vo- rinstanz oder der Gegenpartei Stellung zu nehmen, und zwar unabhängig davon, ob diese neue Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und erhebliche Gesichtspunkte enthalten (vgl. BGE 138 I 154 E. 2.3.3; 133 I 100 E. 4.3 ff.; ALAIN GRIFFEL , in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar VRG, 3. Aufl. , Zürich 2014, N 36 ff. zu § 26b). 3.2.2 Mit Eingabe vom 4. Juni 2014 übermittelte der Gemeinderat Pratteln dem Regierungs- rat die Quartierplanvorschriften "Einkaufszentrum Geissel er" zur Genehmigung und ersuchte um Abweisung der unerledigten Einsprachen. Der Gemeinderat nahm in seiner Eingabe im Ein- zelnen und substantiell zu den in der Einsprache des Besc hwerdeführers vorgebrachten Rügen Stellung und reichte zahlreiche Unterlagen (Beilage n 1-19) ein, wobei der Quartierplanvertrag mit Eingabe vom 23. Oktober 2014 nachgereicht wurde. Die Stellungnahme des Gemeinderats enthält diverse neue Vorbringen und Unterlagen – unte r anderem im Zusammenhang mit der Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr, der Parkpl atzsituation und dem Quartierplanver- trag –, welche im angefochtenen Entscheid berücksichtigt wurden und daher ohne weiteres als wesentlich zu bezeichnen sind. Der Hinweis der Beschwerdege gner und der Beigeladenen, wonach das kantonale Verfahrensrecht im Bereich der Nutzungsplanung keinen zweiten Schrif- tenwechsel vorsehe, erweist sich insofern als unbehelflich, als dies nichts an der Geltung des in Art. 29 Abs. 2 BV statuierten Anspruchs auf rechtliches Gehör bzw. des daraus fliessenden Replikrechts ändert. Soweit der Regierungsrat geltend macht, dass die Stellungnahme des Gemeinderats in Bezug auf die Hauptpunkte der Einsprache den Ausführungen im Protokoll zur Einsprache- und Verständigungsverhandlung vom 26. Oktobe r 2012 entsprochen habe, mag dies zutreffen. Aus der Tatsache, dass anlässlich dieser Verh andlung nicht auf sämtliche Punk- te der Einsprache eingegangen wurde, kann jedoch entge gen der Argumentation des Regie- rungsrats nicht von einem Verzicht des Beschwerdeführers au f das rechtliche Gehör ausge- gangen werden. Nach dem Gesagten hat der Regierungsra t dadurch, dass er dem Beschwer- deführer die Eingaben des Gemeinderats vom 4. Juni 2014 sowie 23. Oktober 2014 vor seinem Entscheid nicht zur (freigestellten) Stellungnahme zustellte, dessen Replikrecht verletzt. 3.2.3 Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Nat ur. Dessen Verletzung führt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ungeachtet der materie llen Begründetheit des Rechtsmit- tels zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung de s angefochtenen Entscheides (vgl. BGE 137 I 195 E. 2.2). Eine nicht besonders schwerw iegende Verletzung des rechtlichen Gehörs kann jedoch ausnahmsweise als geheilt gelten, wen n die betroffene Person die Mög- lichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern , die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des Mangels – selbst bei einer schw erwiegenden Verletzung des An- spruchs auf rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörun g gleichgestellten) Interesse der be- troffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. BGE 137 I 195 E. 2.3.2 mit Hinweisen). 3.2.4 Wie es sich damit ebenso wie mit den weiteren fo rmellen Rügen des Beschwerdefüh- rers verhält, kann letztlich offen gelassen werden, zumal die Beschwerde – wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird – aus materiellen Gründen gutz uheissen ist. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Der Beschwerdeführer erhebt verschiedene materielle Rügen im Zusammenhang mit der strittigen Quartierplanung. Er macht unter andere m geltend, dass das von der Quartierpla- nung betroffene Gebiet in Bezug auf den Langsamverkehr nicht ausreichend erschlossen und die Genehmigung des Quartierplans dementsprechend rech tsverletzend sei. Namentlich fehle ein verbindliches Langsamverkehrskonzept, welches den Vor gaben von § 14 des Umwelt- schutzgesetzes Basel-Landschaft (USG BL) vom 27. Februar 199 1 sowie des kantonalen Richtplans entspreche. Der Richtplan schreibe ausdrücklich vor, dass verkehrsintensive Einrich- tungen gut für den Velo- und Fussverkehr zu erschliessen seien. 4.2.1 Der Quartierplan gemäss § 37 ff. RBG legt Randb edingungen fest, die im anschlies- senden Baubewilligungsverfahren verbindlich sind, da ei ne akzessorische Überprüfung des Nutzungsplans im Baubewilligungsverfahren grundsätzlich a usgeschlossen ist. Im Baubewilli- gungsverfahren findet daher keine entsprechende Prüfung mehr statt. Demnach sind bereits im Nutzungsplanverfahren alle relevanten Interessen gegen einander abzuwägen und insbesonde- re die Vorschriften über die Bodennutzung und den Umwe ltschutz in einer Gesamtschau zu prüfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1A.125/2005 vom 21. September 2005 E. 5.1 mit Hinwei- sen; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- u nd Verwaltungsrecht, vom 19. De- zember 2007 [810 06 353] E. 4.1). 4.2.2 Die Voraussetzung einer hinreichenden Erschliessung e rgibt sich aus dem Bundes- recht (Art. 19 Abs. 1 und Art. 22 Abs. 2 lit. b RPG). Der Begriff der hinreichenden Erschliessung ist insoweit ein bundesrechtlicher. Indessen enthält das Bu ndesrecht lediglich allgemeine Grundsätze, während sich die Anforderungen an die Erschli essung im Detail aus dem kantona- len Recht ergeben (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1P. 23/2001 vom 5. September 2001 E. 1d; 1A.125/2005 vom 21. September 2005 E. 9.2.2, jeweils mit Hinweisen). Namentlich verlangt das Bundesrecht weder eine Erschliessung mit öffentliche m Verkehr (BGE 123 II 337 E. 5b) noch eine solche für den Langsamverkehr. Die Kompetenz zum Erlass von Regelungen betref- fend die Erschliessung für den Langsamverkehr liegt demn ach bei den Kantonen (vgl. N IKLAUS EICHBAUM , Raumplanungs- und umweltrechtliche Problemfelder be im Bau von Einkaufszentren und Fachmärkten, Zürich 2008, S. 143 ff.). 4.3.1 Der kantonale Richtplan hält in Objektblatt S4.2 betreffend "Standorte für verkehrsin- tensive Einrichtungen" folgenden Planungsgrundsatz fest : "c) Verkehrsintensive Einrichtungen sind gut für den Velo- und Fussverkehr zu erschliessen. Wei ter sind der sichere und attraktive Zugang für Fussgängerinnen und Fussgänger ab Parkplatz wie auch ab ÖV-Haltestelle sowie genügend Veloabstellplätze zu gewährleisten." 4.3.2 Gemäss dem Planungsgrundsatz a) des Objektblatts S4 .2 des kantonalen Richtplans gelten als verkehrsintensive Einrichtungen mit grosser MIV -Erzeugung Einkaufszentren, Fach- märkte und verkehrsintensive Freizeitanlagen sowie Einzelobj ekte und Anlagen mit räumlich und erschliessungstechnisch zusammenhängenden Gebäudekomple xen, die mehr als 4'000 Fahrten (= 2'000 Hinfahrten + 2'000 Rückfahrten) pro Tag erzeugen. Dieser Wert gilt gemäss den Materialien zum kantonalen Richtplan nicht pro grösseres Einzelobjekt, sodass die Werte Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht mehrerer, nebeneinander stehender Einzelobjekte zusam men aufsummiert werden könnten, sondern für den definierten Raum (vgl. Bericht der Bau- und Planungskommission des Landrats des Kantons Basel-Landschaft vom 18. Februar 2009 zur Vorlage Nr. 2007/169 betreffend Er- lass kantonaler Richtplan [KRIP], S. 6). 4.3.3 Das vom Quartierplan "Einkaufszentrum Geisseler" e rfasste Gebiet befindet sich im Grüssenareal, welches im kantonalen Richtplan als Standor t für verkehrsintensive Einrichtun- gen festgesetzt wurde (Objektblatt S4.2). Im fraglichen Areal befinden sich bereits diverse Fachmärkte und Einkaufszentren (IKEA, Conforama, Media Markt etc.), welche zusammen die Grenze von 4'000 Fahrten pro Tag bei weitem überschrei ten. Die Quartierplanung "Einkaufs- zentrum Geisseler" und die Gegenstand des Parallelverfah rens 810 14 347 bildende Quartier- planung "Einkaufszentrum Grüssen 4a" ermöglichen zusätzl ich die Erstellung von (aneinander- gebauten) Gebäuden, welche zusammen über 4'000 Fahrte n pro Tag generieren. Die Quartier- planung "Einkaufszentrum Geisseler" ist demnach ohne w eiteres nach Massgabe des in Ob- jektblatt S4.2 des kantonalen Richtplans enthaltenen Erf ordernisses einer guten Erschliessung für den Velo- und Fussverkehr zu beurteilen. 4.3.4 Der kantonale Richtplan dient als Grundlage und Rahmen für die kommunale Richtpla- nung sowie für die Nutzungsplanung von Kanton und Ge meinden (§ 9 Abs. 2 RBG). Er ist für die Behörden verbindlich (§ 9 Abs. 3 RBG). Der im Ob jektblatt S4.2 des kantonalen Richtplans festgehaltene Planungsgrundsatz, wonach verkehrsintensive Einrichtungen gut für den Velo- und Fussverkehr zu erschliessen sind, liegt im öffentliche n Interesse, zumal er dazu beiträgt, die Zahl der Motorfahrzeugbewegungen und dadurch die Emission von Schadstoffen zu redu- zieren und damit ein bundesrechtlicher Planungsgrundsatz umgesetzt wird (Art. 3 Abs. 3 lit. c RPG). Was die örtliche Festsetzung des Grüssenareals als Standort für verkehrsintensive Ein- richtungen im Richtplan anbelangt, so bleiben die Recht swirkungen dieser Standortbezeich- nung beschränkt und kann daraus in Bezug auf die vorlie gend strittige Quartierplanung jeden- falls keine positive Präjudizwirkung abgeleitet werden (vgl. PIERRE TSCHANNEN , Umsetzung von Umweltrecht in der Raumplanung, in: URP 2005 S. 435). 4.4 Zu berücksichtigen ist im Weiteren § 14 Abs. 1 USG BL, wonach der Kanton und die Gemeinden Massnahmen treffen, um den Anteil der umwel tfreundlichen Verkehrsmittel am ge- samten Verkehrsvolumen zu erhöhen. Sie treffen Massnahmen zur Verminderung und Beruhi- gung des privaten Motorfahrzeugverkehrs (Abs. 2) und sorgen durch bauliche, betriebliche, ver- kehrslenkende oder -beschränkende Massnahmen dafür, dass Fuss gängerinnen und Fussgän- ger sowie der nichtmotorisierte und der öffentliche V erkehr gegenüber dem privaten Motorfahr- zeugverkehr bevorzugt und vor vermeidbaren Behinderunge n und Gefährdungen geschützt werden (Abs. 3). 5.1.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, der Regieru ngsrat habe bereits im Rahmen der Planung "Pratteln Mitte" bemängelt, dass nicht aufgezei gt werde, wie der Langsamverkehr im Gebiet "Grüssen" sicher und attraktiv funktionieren solle. Er habe den Gemeinderat verpflichtet, für das Gebiet "Grüssen" ein Langsamverkehrskonzept zu erst ellen und für dieses mit entspre- chenden Festlegungen im Strassennetzplan Verbindlichkeit zu schaffen. Das entsprechende Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Langsamverkehrskonzept der Gemeinde, auf welches im Planun gsbericht verwiesen werde, zeige verschiedene Varianten der Langsamverkehrserschliess ung auf. Die Gemeinde wolle jedoch offenbar nicht die Bestvariante (Netzvariante C ), sondern lediglich eine Minimalvariante (Netzvariante A) umsetzen, welche den Anforderungen des ü bergeordneten Rechts nicht ent- spreche. Hinzu komme, dass im Langsamverkehrskonzept keine re chtlich und finanziell ver- bindlichen Verpflichtungen genannt würden und das Kon zept bis anhin nicht im Strassennetz- plan gesichert worden sei. Dies ergebe sich bereits darau s, dass der Strassennetzplan im Jahr 2010 beschlossen worden sei, während das Langsamverkehrskonzept vom 22. Juni 2011 datie- re. 5.1.2 Der Regierungsrat erwog im angefochtenen Entsc heid, das Fuss- und Radwegkonzept zum Gebiet "Grüssen" vom 22. Juni 2011 zeige auf, wie der Langsamverkehr organisiert und attraktiv gestaltet werde. Das Langsamverkehrskonzept di ene als Grundlage für die Erschlies- sung der Quartierplanung für den Langsamverkehr und w erde von der Gemeinde umgesetzt. Zusammen mit den im Strassennetzplan "Pratteln Mitte" vom 22. November 2010 festgelegten Strassen- und Fusswegverbindungen sei somit ersichtlich, d ass die Quartierplanung auch für den Langsamverkehr genügend erschlossen sei. Zur Erschliess ung selbst könnten die Quar- tierplanvorschriften jedoch keine verbindlichen Aussagen m achen, da sich diese ausserhalb des Quartierplan-Perimeters befinde und die Quartierp lanvorschriften nur innerhalb des Quar- tierplan-Perimeters gelten würden. Hingegen sei es mö glich, in der Quartierplanung den Bau von Veloabstellplätzen festzulegen, was mit § 7 Abs. 10 d es Quartierplanreglements auch er- folgt sei. Im Verfahren vor Kantonsgericht führt der R egierungsrat ergänzend aus, dass das Langsamverkehrskonzept der Gemeinde rechtlich unverbindlich sei. Das Langsamverkehrskon- zept habe indes im Strassennetzplan "Pratteln Mitte", w elcher mit Beschluss des Regierungs- rats vom 3. Juli 2012 genehmigt worden sei, Niederschlag gefunden. Gemäss dem Langsam- verkehrskonzept bildeten im Gebiet "Grüssen" die Erschlies sungsstrassen die Basis für das Langsamverkehrsnetz. Als Netzergänzung sei im Strassenne tzplan zusätzlich die Ost-West- Verbindung für Fussgänger und Radfahrer vorgesehen. Die Erschliessungsstrassen und die Fuss- und Radwegverbindungen seien allesamt im Strassennetzplan der Gemeinde festgesetzt, womit die kommunale Planung auch mit dem kantonalen Richtplan übereinstimme. 5.1.3 Die Gemeinde verweist im kantonsgerichtlichen Verf ahren ebenfalls auf das bestehen- de Langsamverkehrskonzept sowie weitere im Zusammenhang mit der Erschliessung des Ge- biets "Grüssen" für den Langsamverkehr relevante Berichte aus den Jahren 2012 und 2013. Sie führt aus, dass wichtige Erkenntnisse aus diesen Arbeiten in den behördenverbindlichen Stras- sennetzplan "Pratteln Mitte" eingeflossen seien. Im Ra hmen des bestehenden Strassennetz- plans sei es jedoch nicht möglich, überall die für den Veloverkehr bestmögliche Lösung zu rea- lisieren, weshalb stets eine Interessenabwägung im Sinne einer Verhältnismässigkeitsprüfung vorgenommen werden müsse. Die vom Beschwerdeführer geforderte Netzvariante C des Lang- samverkehrskonzepts sei als Bestvariante zwar theoretisch mögli ch, aber aus ökonomischen Überlegungen heute nicht mehr realisierbar. Die Netzvar iante A sei in Berücksichtigung von Kosten und Nutzen realisierbar und bringe eine gute Ve rbesserung für den Langsamverkehr im betreffenden Gebiet. Namentlich werde damit der Krei sverkehr im Grüssenhölzliweg, Grüssen- weg und Rührbergweg neu als Kernfahrbahn mit beidseitig markiertem Radstreifen ausgebildet. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ebenfalls werde die Ost-West-Beziehung vom Grüssenweg zum G rüssenhölzliweg sowie – im Rahmen des Quartierplans Grüssenhölzli – zur Kraftwerkstr asse zukünftig realisiert. Zu erwäh- nen sei auch das Vorprojekt der Tramverlängerung der Linie 14 über das Gebiet "Grüssen" und die neue Autobahnbrücke in das Gebiet Salina Raurica. I m Weiteren sei auf die bestehende Fusswegverbindung vom Bahnhof Pratteln in das Gebiet " Grüssen" zu verweisen. Mit den ge- nannten Massnahmen werde der Langsamverkehr im Rahmen d er drei vor der Realisierung stehenden Quartierplanungen im ganzen Gebiet nachträg lich massiv gestärkt. Verschiedene Massnahmen könnten indes erst mit der Ausführung der Bauten bzw. der Umsetzung der Quar- tierplanungen erfolgen, wobei die Gemeinde über gew isse Massnahmen nicht alleine entschei- den könne. 5.1.4 Die Beigeladene macht im Wesentlichen geltend, es sei unzutreffend, dass auf die Bedürfnisse des Langsamverkehrs keine Rücksicht genommen wer de. Der Beschwerdeführer verkenne namentlich, dass die Gemeinde Pratteln über ein Langsamverkehrskonzept verfüge und unter anderem gestützt darauf einen Strassennetzpl an erarbeitet habe. Als rechtsverbindli- che Planungsgrundlage genüge der Strassennetzplan. Im W eiteren sei festzustellen, dass auf dem übergeordneten Strassennetz Trottoirs bis und mit G rüssenhölzliweg vorhanden seien. Gemäss Quartierplan sei zudem ein breiter Streifen des Areals für den Langsamverkehr zur Verfügung zu stellen. 5.2.1 Das Amt für Raumplanung des Kantons Basel-Landscha ft wies den Gemeinderat Prat- teln bereits mit Bericht vom 20. Oktober 2010 im Rahmen der kantonalen Vorprüfung auf den Planungsgrundsatz c) des Objektblatts S4.2 des kantonalen R ichtplans im Sinne einer zwin- genden Vorgabe hin. Es führte aus, dass die gute Erschliessung des Gebiets "Grüssen" für den Velo- und bedingt auch für den Fussgängerverkehr (ab o ffiziellen Haltestellen des ÖV, ohne Shuttle-Bus) fehle. Das Gebiet "Grüssen" sei an das Velo routennetz anzuschliessen. Auch in- nerhalb des Grüssenquartiers seien sichere Velowege, die zu den Veloabstellplätzen führen, zu schaffen. Diese Wege seien planerisch zu sichern und ents prechend zu signalisieren (S. 2). Im (zweiten) Vorprüfungsbericht vom 6. April 2011 wurde der Gemeinderat Pratteln unter dem Titel "Genehmigungsvoraussetzung" erneut auf das Erfordernis der guten Erschliessung des Gebiets "Grüssen" für den Velo- und Fussgängerverkehr hingewies en. Es wurde festgehalten, dass der Regierungsrat die vorliegende Quartierplanung nur gen ehmigen könne, falls der Gemeinderat die Verträglichkeit der vorgesehenen Nutzungen mit de n übergeordneten Randbedingungen darlegen könne. Unter anderem sei die gute Erschliessung des Gebiets "Grüssen" für den Velo- und Fussgängerverkehr (inkl. Anbindung an das restliche Ge meindegebiet) in einem Langsam- verkehrskonzept aufzuzeigen. Die dazu notwendigen Wege seien planerisch zu sichern und zu signalisieren (S. 4). 5.2.2 Zu berücksichtigen ist im Weiteren der Beschluss des R egierungsrats Nr. 1004 vom 19. Juni 2012 betreffend die Planung "Pratteln Mitte". Im fraglichen Beschluss erwog der Regie- rungsrat, bis zum Vorliegen einer Abstimmung von Siedlu ng und Verkehr und der Berücksichti- gung der übergeordneten Vorgaben könnten Quartierpl anungen, welche verkehrs- und publi- kumsintensive Einrichtungen oder sonstige grosse Nutzungska pazitäten mit Auswirkungen auf die Kantons- und Nationalstrassen beinhalten würden, nur genehmigt werden, wenn die Ver- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht träglichkeit der vorgesehenen Nutzungen mit den überg eordneten Randbedingungen (motori- sierter Individualverkehr, Langsamverkehr, öffentlicher Verkehr etc.) detailliert dargelegt sei (E. III. 1.3). Der Regierungsrat brachte einen entspr echenden Genehmigungsvorbehalt an und forderte den Gemeinderat Pratteln im Sinne einer Auflage unter anderem auf, innert drei Jahren a) eine grossräumige Abstimmung von Siedlung und Verkeh r vorzunehmen und die Planung Pratteln "Mitte" entsprechend zu überarbeiten (Festleg ung bzw. Beschränkung der Nutzung) sowie die notwendigen Grundlagen für die Genehmigung von Quartierplanungen verkehrs- und publikumsintensiver Einrichtungen oder anderer verkehrswir ksamer Bauten und Anlagen zu schaffen (z.B. mit der Erarbeitung eines kommunalen Richt plans), sowie e) für das Gebiet "Grüssen" ein Langsamverkehrskonzept zu erstellen und für dieses mit entsprechenden Festle- gungen im Strassennetzplan Verbindlichkeit zu schaffen. Ei ne gleichlautende Auflage enthält der Beschluss des Regierungsrats Nr. 1109 vom 3. Juli 2012 b etreffend die Strassennetzpla- nung "Pratteln Mitte". Im fraglichen Beschluss, auf wel chen der Regierungsrat in seiner Ver- nehmlassung verweist, wird auf das in Objektblatt S4.2 des kantonalen Richtplans enthaltene Erfordernis, wonach verkehrsintensive Einrichtungen gut für den Velo- und Fussverkehr zu er- schliessen sind, verwiesen und ausgeführt, dass im vorliegen den Strassennetzplan eine durch- gängige, sinnvolle, sichere und attraktive Erschliessung de s Gebiets "Grüssen" nicht erkennbar sei (E. 2.6). 5.2.3 Am 18. September 2012 übermittelte der Regier ungsrat dem Gemeinderat Pratteln eine Erläuterung im Sinne von § 44 des Verwaltungsverf ahrensgesetzes Basel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 zum Genehmigungsvorbehalt i m Beschluss Nr. 1004 vom 19. Juni 2012. Darin führte er aus, dass bezüglich der derzeit hängigen Quartierplanungen (Grüssen 4a, Geisseler, Obi) eine grossräumige Abstimmung von Siedlung und Verkehr vorlie- ge. Zudem sei ein Langsamverkehrskonzept für das Gebiet "Grüssen" erarbeitet und insoweit die Auflage e) erfüllt worden. Der Genehmigungsvorbehalt im regierungsrätlichen Entscheid zur Genehmigung der Planung Pratteln "Mitte" beziehe sich somit nicht auf die derzeit hängigen Quartierplanungen in Pratteln. Selbstredend sei in je dem Quartierplanverfahren im Rahmen eines Verkehrsgutachtens jeweils der Nachweis zu erbrin gen, dass das Projekt mit seinen Nut- zungen mit den übergeordneten Randbedingungen verkehr licher Natur (motorisierter Individu- alverkehr, öffentlicher Verkehr, Langsamverkehr) verträglich sei. 5.2.4 Im Lichte der vorstehenden Erwägungen ist nachfol gend zu prüfen, ob die Quartierpla- nung "Einkaufszentrum Geisseler" dem Erfordernis der gu ten Erschliessung für den Velo- und Fussverkehr entspricht. 5.3.1 Das Quartierplanreglement "Einkaufszentrum Geissel er" (QR) enthält in Bezug auf die Erschliessung für den Langsamverkehr im Wesentlichen folge nde Regelungen: Als Ziel wird in § 1 Abs. 2 QR die gute Erschliessung sowohl für den mo torisierten Individualverkehr, den Langsamverkehr als auch den öffentlichen Verkehr genann t. In § 6 Abs. 5 QR wird statuiert, dass die Umgebungsgestaltung und die Projektierung der Fussgängerführung längs des Rühr- berg- und des Grüssenwegs in Absprache mit der Gemei nde Pratteln bzw. abgestimmt auf das übergeordnete Fusswegkonzept zu erfolgen hätten. Mit de m Baugesuch sei ein detaillierter Umgebungsplan einzureichen, der unter anderem Angaben zu den Fussgängerbereichen und Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu den oberirdischen Parkplätzen (Velos) zu enthalten ha be (§ 6 Abs. 6 QR). Unter dem Titel "Erschliessung und Parkierung" regelt § 7 Abs. 2 QR ("Standortanforderungen") unter anderem, dass die Fusswege- und Veloverbindungen optimiert würde n. Zudem sei eine ausreichende Anzahl an überdachten Velo/Mofa-Abstellplätzen vorzusehen (§ 7 Abs. 10 QR). 5.3.2 Der Planungs- und Begleitbericht gemäss Art. 47 R PV und § 39 RBG zur Quartierpla- nung "Einkaufszentrum Geisseler" (Stand: 4. Juni 2014) e nthält im Zusammenhang mit dem Langsamverkehr im Wesentlichen folgende Aussagen: Unter dem Titel "Planungsrechtliche Voraussetzungen" wird ausgeführt, dass das Gewerbegebiet " Grüssen" im kantonalen Richt- plan als Standort für publikumsintensive Einrichtungen ausgewiesen sei (S. 4). Ausserdem wird auf den Strassennetzplan "Pratteln Mitte" sowie den e ntsprechenden Genehmigungsbeschluss des Regierungsrats Nr. 1109 vom 3. Juli 2012 verwiesen (S. 5). Im Weiteren wird festgehalten, dass die Gemeinde seit 2011 über ein Langsamverkehrskonz ept für das Gebiet "Grüssen" ver- füge. Das Konzept zeige die Machbarkeit auf und werde künftig umgesetzt. Beim Langsamver- kehrskonzept handle es sich allerdings um ein Konzept und nicht um ein behördenverbindliches Instrument. Die Ausführung der Wegnetzverbindungen sei aber konkret geplant und die Umset- zung erfolge mit dem auszubauenden Grüssenhölzliweg. Di e Wegverbindungen seien mittels Richtungspfeilen im Strassennetzplan eingezeichnet und behördenverbindlich. Sie seien aus- serdem in den Konzeptplan aufgenommen worden (S. 7). In Bezug auf die Einhaltung des Pla- nungsgrundsatzes gemäss Art. 3 Abs. 3 lit. c RPG wird aus geführt, dass mit dem geplanten Fusswegkonzept der Gemeinde Pratteln sowohl die Attraktivi tät als auch die Sicherheit der Fusswegbeziehungen im Gebiet "Grüssen" erhöht würden. D as Quartierplanprojekt halte die erforderlichen Flächen entlang des Rührbergwegs frei und gestalte diese – abgestimmt auf das Konzept – in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Prattel n (S. 13). 5.3.3 Im Bericht "Erschliessung Gebiet Grüssen für Fussgän ger und Radfahrer, Bericht zum Fuss- und Radwegkonzept" der Firma B.____ AG vom 22. Jun i 2011 (nachfolgend: Langsam- verkehrskonzept), auf welchen im Planungsbericht verwie sen wird, wird festgehalten, dass das Strassennetz innerhalb des Gebiets "Grüssen" vor allem auf die Bedürfnisse des motorisierten Individualverkehrs (MIV) ausgerichtet sei. Vom Bahnhof bzw. Ortskern her gebe es lediglich eine einzige Fusswegverbindung, welche aufgrund ihrer g eringen Breite jedoch hauptsächlich Fussgängern vorbehalten sei und für Radfahrer nur bedi ngt geeignet sei. Für Radfahrer sei die Zufahrt vom Ortskern her nur über die Salinenstrasse oder den Gallenweg und anschliessend entlang der Hohenrainstrasse möglich. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung auf der Salinen- und Hohenrainstrasse und des Fehlens entsprechender Siche rheitsmassnahmen zum Schutz der Radfahrer sei die Benutzung dieser Routen nicht g anz ungefährlich. Neben der Planung eines sicheren und attraktiven Langsamverkehrsnetzes inner halb des Gebiets "Grüssen" seien deshalb auch die Anschlüsse an das umliegende Strassennet z unbedingt einer näheren Be- trachtung zu unterziehen (S. 5). 5.3.4 Nichts anderes ergibt sich aus den weiteren Bericht en, welche die Gemeinde im kan- tonsgerichtlichen Verfahren im Zusammenhang mit der Erschliessung für den Langsamverkehr einreichte. Im Bericht "Entwicklungsschwerpunkt Grüssen, Ge samtstrategie Siedlung und Ver- kehr" der Firma C.____ AG vom 10. Oktober 2012, welche r unter der Begleitung von Vertretern Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Tiefbauamts des Kantons Basel-Landschaft und der Gemeinde Pratteln erstellt wurde, wird festgehalten, dass in Pratteln nördlich der Bahnlinie nur lückenhafte Angebote für den Rad- und Fussverkehr bestünden. Die Querungsmöglichkeiten der Bahn seien spärlich und grösstenteils unattraktiv. Auf der Kantonsstrasse würden Fussgängerstr eifen sehr sparsam eingesetzt und Massnahmen für Velos würden vollständig fehlen (S. 20). Zusammenfassend wird festgehalten, dass das Gebiet "Grüssen" für den Fuss- und Radverkehr pra ktisch nicht erschlossen sei (S. 22). Der Bericht "Langsamverkehrskonzept Pratteln" de r Firma C.____ AG vom 29. April 2013 zeigt insbesondere in Bezug auf die einzelnen Nord -Süd-Verbindungen – unter anderem die Verbindung des Gebiets "Grüssen" mit dem Bahnhof bzw. Dorfzentrum – den Handlungs- bedarf und die für den Fuss- und Radverkehr zu treffenden Massnahmen auf. 5.3.5 Im Langsamverkehrskonzept von 2011 werden vier mö gliche Varianten zur Verbesse- rung der Erschliessung des Gebiets "Grüssen" für Fussgänger u nd Radfahrer aufgezeigt (Vari- anten "Radstreifen" sowie Netzvarianten A-C). Die Variante "Radstreifen" ist beschränkt auf die Markierung von Radstreifen innerhalb des Gebiets "Grüsse n", entlang der Strassenschlaufe Grüssenhölzliweg, Rochacherweg, Grüssenweg und Rührbergweg . Die Netzvariante A sieht darüber hinaus einen Verbindungsweg für Fussgänger und Radfahrer zwischen dem Grüssen- hölzliweg und dem Grüssenweg (Ost-West-Verbindung) vor. Beide Varianten sehen keine Hauptanschlussachse vor und der Zugang bzw. die Zufahrt in das Gebiet "Grüssen" erfolgt über die bestehenden Strassen und Wege ohne spezielle Massnah men (S. 17). Demgegenüber se- hen die Netzvarianten B und C jeweils eine Verbindung für den Langsamverkehr zwischen dem Gebiet "Grüssen" und dem Bahnhof bzw. Ortszentrum vor (S . 18 ff.). Die Qualität der verschie- denen Varianten wird im Langsamverkehrskonzept in Bezug auf 10 Kriterien ("Qualitätsanforde- rungen") auf einer Skala mit 0 (ungenügend), 1 (genügend) oder 2 (gut) Punkten bewertet. Was die Verkehrssicherheit der Zufahrtswege vom Bahnhof bzw. Ortszentrum in das Gebiet "Grüs- sen" (Kriterium 1) anbelangt, so werden die beiden Va rianten "Radstreifen" und Netzvariante A jeweils als ungenügend, die Netzvarianten B und C als gut qualifiziert. Die Verkehrssicherheit innerhalb des Gebiets "Grüssen" (Kriterium 2) wird bezü glich der Varianten "Radstreifen" und Netzvariante A als genügend und in Bezug auf die Netzvar ianten B und C als gut bezeichnet. Was das Angebot einer Hauptzufahrtsachse mit entsprechen den Sicherheitsmassnahmen zwi- schen dem Ortszentrum und dem Gebiet "Grüssen" (Kriteriu m 3) anbelangt, so werden die Va- rianten "Radstreifen" und Netzvariante A als ungenügend und die Netzvarianten B und C als genügend bzw. gut qualifiziert. Bezüglich der weiteren Kriterien ergibt sich wiederum lediglich in Bezug auf die beiden Netzvarianten B und C eine (mehrheitlich) gute Bewertung (S. 21). 5.3.6 Das Langsamverkehrskonzept basiert nach dem Gesagt en auf verschiedenen Varian- ten, welche sich in Bezug auf die Qualität der Erschli essung des Gebiets "Grüssen" für den Ve- lo- und Fussverkehr wesentlich voneinander unterscheiden. Dies widerspiegelt sich nicht zuletzt auch in den geschätzten Kosten für die jeweiligen Varianten. Während die Kosten der Varianten "Radstreifen" und der Netzvariante A mit jeweils ca. Fr . 20'000.-- bzw. Fr. 275'000.-- beziffert werden, belaufen sich die Kosten der Netzvarianten B un d C auf jeweils ca. Fr. 3'500'000.-- bzw. Fr. 3'850'000.--. Der pauschale Verweis der Beschwe rdegegner auf das Langsamver- kehrskonzept der Gemeinde erweist sich vor diesem Hinterg rund insofern als unbehelflich, als damit keine konkrete Aussage über die Erschliessung des Gebiets "Grüssen" für den Langsam- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht verkehr verbunden ist. Die Gemeinde brachte im Verfahren vor Kantonsgericht unmissverständ- lich zum Ausdruck, dass sie aus ökonomischen Überlegungen und in Berücksichtigung von Kosten und Nutzen einzig die Netzvariante A für realisier bar erachte. Sie verwies in diesem Zusammenhang anlässlich der heutigen Verhandlung auf e ntsprechende Ausführungsprojekte (Kernfahrbahn mit Radstreifen) innerhalb des Gebiets " Grüssen". Dazu ist festzustellen, dass die gute Erschliessung des Gebiets "Grüssen" – und mithin des vom Quartierplan "Einkaufs- zentrum Geisseler" erfassten Areals – für den Langsamverke hr wie aufgezeigt gemäss dem Langsamverkehrskonzept der Gemeinde eine Umsetzung der Netzvariante C oder allenfalls der Netzvariante B des Konzepts voraussetzt. Die beiden Var ianten "Radstreifen" und Netzvariante A entsprechen demgegenüber unter keinem Gesichtspunkt de n Anforderungen an eine gute Erschliessung für den Fuss- und Radverkehr. Sie werden i n Bezug auf das zentrale Erfordernis einer sicheren Hauptzufahrtsachse für den Radverkehr zwische n dem Gebiet "Grüssen" und dem Bahnhof bzw. Dorfzentrum (Kriterien 1 und 3) gar als ungenügend qualifiziert. 5.4.1 Was die planerische Umsetzung bzw. Sicherung de r im Langsamverkehrskonzept vor- gesehenen Massnahmen anbelangt, so weist der Regierung srat zutreffend darauf hin, dass die strittigen Quartierplanvorschriften lediglich innerhalb des Quartierplan-Perimeters gelten und demnach in Bezug auf die übergeordnete Erschliessung des Gebiets keine verbindlichen Aus- sagen treffen können. Der Regierungsrat stellt sich jed och auf den Standpunkt, mit dem Erlass des Strassennetzplans "Pratteln Mitte" habe die Gemein de die erforderlichen Festsetzungen in Bezug auf die Quartierplanung "Einkaufszentrum Geisseler ", auf deren Grundlage die Lang- samverkehrserschliessung erfolgen könne, beschlossen. 5.4.2 Kommunale Strassennetzpläne legen in groben Züg en das öffentliche Strassennetz sowie die Fuss-, Wander- und Radwegnetze fest und halte n die zukünftigen Verkehrsflächen von Überbauungen frei. Sie bezeichnen die Funktion der Strassen und sind massgebend für die kommunalen Bau- und Strassenlinienpläne (§ 34 Abs. 1 R BG). Die kommunalen Strassennetz- pläne enthalten die bestehenden, die zu korrigierenden und die zu erstellenden Verkehrswege und Parkierungsflächen (§ 34 Abs. 2 RBG). Sie sind gle ichzeitig mit den Zonenvorschriften zu erlassen oder nötigenfalls anzupassen (§ 34 Abs. 5 RBG). 5.4.3 Vorab ist festzustellen, dass der Strassennetzplan " Pratteln Mitte" vom Einwohnerrat Pratteln am 22. November 2010 und damit vor der Ausar beitung des Langsamverkehrskon- zepts im Jahr 2011 beschlossen wurde. Eine eigentliche Umsetzung des Langsamverkehrskon- zepts bzw. der darin vorgesehenen Massnahmen im Strassennetz plan "Pratteln Mitte" fällt da- her – wie der Beschwerdeführer zu Recht geltend macht – bereits vom zeitlichen Ablauf her ausser Betracht. Der Strassennetzplan sieht denn auch i n Bezug auf das Gebiet "Grüssen" ab- gesehen von der im Langsamverkehrskonzept vorgesehenen O st-West-Verbindung, welche im Plan als "Fussweg (teilweise mit Radverkehr)" aufgeführt ist, sowie von Fusswegverbindungen innerhalb des Gebiets "Grüssen" und zum Bahnhof keine b esonderen Massnahmen für den Langsamverkehr vor. Es fehlt darin namentlich eine Anbi ndung des Gebiets "Grüssen" an das restliche Gemeindegebiet bzw. eine sichere Hauptzufahrts achse zwischen dem Gebiet "Grüs- sen" und dem Bahnhof bzw. Dorfzentrum für den Radverkeh r. Die im Strassennetzplan vorge- sehenen Verbindungen genügen damit jedoch weder den im Langsamverkehrskonzept der Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gemeinde noch den im Rahmen der kantonalen Vorprüfun g definierten Anforderungen an eine gute Erschliessung des Gebiets "Grüssen" für den Langsamve rkehr. Von einer planerisch gesi- cherten guten Erschliessung des Quartierplanareals für d en Velo- und Fussverkehr, wie sie vom Amt für Raumplanung zu Recht im Sinne einer zwing enden Vorgabe bzw. Genehmigungs- voraussetzung gefordert wurde, kann vor diesem Hinterg rund nicht gesprochen werden. Die strittige Quartierplanung entspricht damit weder den Vorgaben des kantonalen Richtplans noch trägt sie den in § 14 USG BL statuierten Grundsätzen angemessen Rechnung. 6. Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass der Regierung srat die strittige Quartierpla- nung zu Unrecht genehmigte, was zur Gutheissung der B eschwerde führt. Auf die weiteren Rü- gen des Beschwerdeführers braucht unter diesen Umständen nicht eingegangen zu werden. 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmas s auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Den Vorinstanzen werden keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens ist der Beigeladenen ein Verfahrenskostenanteil in der Höhe von Fr. 1'000.-- aufzuerlegen. 7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem obsiegenden Beschw erdeführer ist ausgangsgemäss eine Parteientschädigung zuzusprechen. Der Beschwerdefüh rer macht in seinen Honorarnoten vom 9. November 2015 und 30. August 2016 – bei hälfti ger Berücksichtigung des für die beiden Verfahren 810 14 347 und 810 14 361 gemeinsam gelte nd gemachten Aufwands – einen Auf- wand von insgesamt rund 50 Stunden geltend. Angesichts der Zahl der substantiiert vorgetra- genen Rügen des Beschwerdeführers und der Komplexität d er Angelegenheit erscheint für das vorliegende Verfahren ein Aufwand von 51 Stunden (in kl. Parteiverhandlung) à Fr. 250.-- als gerechtfertigt. Dem Beschwerdeführer ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 14'635.40 (inkl. Auslagen und 8% MWST) zuzusprechen , welche zu je einem Drittel, d.h. im Umfang von je Fr. 4'878.45, den Beschwerdegegnern und der Beigeladenen aufzuerlegen ist. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Beschluss des Regierungsrats Nr. 1749 vom 18. November 2014 aufgehoben und die Genehmigung der Quartierplanvorschriften "Einkaufszentrum Geisseler" wird verweigert. 2. Der Beigeladenen wird ein Verfahrenskostenanteil in der Höhe von Fr. 1'000.-- auferlegt. 3. Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 14'635.40 (inkl. Auslagen und 8% MWST) zugesprochen , welche zu je einem Drittel, d.h. im Umfang von je Fr. 4'878.45, den Beschwerde- gegnern und der Beigeladenen auferlegt wird. Präsidentin Gerichtsschreiber Gegen diesen Entscheid wurde am 13. März 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummern 1C_149/2017 und 1C_150/2017) erhoben.