A bteilung IV D -4828/2007 {T 0/2} U rteil vom 17. A ugust 2007 M itw irkung: R ichter R obert G alliker, W alter Lang, Fulvio H aefeli G erichtsschreiber G regor G eisser A._______, Elfenbeinküste, alias B._______, alias C ._______, Liberia, c/o (...), Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 12. Juli 2007 i.S. N ichteintreten auf A sylgesuch und W egw eisung / (...) B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschw erdeführer seinen H eim atstaat im D ezem ber 2005 und reiste nach einem zw ischenzeitlichen, rund eineinhalbjährigen Aufenthalt im N iger am 23. M ai 2007 von Frankreich her illegal in die Schw eiz ein. O hne ein dafür rechtsgenügliches D okum ent abzugeben, stellte am 23. M ai 2007 unter den erstrubrizierten Angaben im D ._______ ein Asylgesuch. In der Folge w urde der Beschw erdeführer ins E._______ transferiert, w o er am 5. Juli 2007 sum m arisch zum R eisew eg und zu den G ründen für das Verlassen des H eim atlandes befragt w urde. B. G em äss Erkenntnissen des BFM (Fingerabdruckvergleich) trat der Beschw erde- führer bereits am 12. beziehungsw eise 19. M ai 2007 im Zuge eines illegalen G renzübertritts in C hiasso vor dem Schw eizer G renzw achtkorps (G W K) unter den zw eit- respektive drittrubrizierten Personalien in Erscheinung. C . Anlässlich der sum m arischen Befragung im E._______ hielt der Beschw erdeführer dem gegenüber an seiner erstrubrizierten Identität fest. Im R ahm en des ihm zu den Abklärungsergebnissen bezüglich seiner Identität gew ährten rechtlichen G ehörs führte er zudem an, er w isse w eder etw as von einem illegalen G renzübertritt in C hiasso noch habe er zu seiner Person jem als gesagt, aus Liberia zu stam m en. D . In der Folge trat das Bundesam t m it Verfügung vom 12. Juli 2007 - gleichentags eröffnet - gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) (Identitätstäuschung) auf das Asylgesuch des Beschw erdefüh- rers nicht ein und ordnete die W egw eisung aus der Schw eiz sow ie den Vollzug an. Auf die detaillierte Begründung w ird, sow eit entscheidw esentlich, in den nachfol- genden Erw ägungen eingegangen. E. D er Beschw erdeführer erhob dagegen in englischer Sprache m it Eingabe vom 16. Juli 2007 (Poststem pel) beim Bundesverw altungsgericht Beschw erde ("Letter of appeal") und beantragte sinngem äss, es sei der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und auf das Asylgesuch einzutreten. Auf die Begründung der Eingabe w ird – sow eit für das U rteil von Belang – in den nachfolgenden Erw ägungen eingegangen. F. M it Zw ischenverfügung vom 19. Juli 2007 stellte der zuständige Instruktionsrichter des Bundesverw altungsgerichts die Berechtigung des Beschw erdeführers zum Aufenthalt in der Schw eiz bis zum Abschluss des Verfahrens fest. Im W eiteren verzichtete er auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und überw ies die Akten der Vorinstanz zur Vernehm lassung.3 G . D ie Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehm lassung vom 7. August 2007 die Abw eisung der Beschw erde. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das AsylG ; das Bundesverw al- tungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 1.3 D ie Beschw erde ist in englischer Sprache und som it nicht in einer schw eizerischen Am tssprache abgefasst, w om it sie grundsätzlich zur Ü bersetzung zurückzuw eisen w äre. Indessen ist aus verfahrensökonom ischen G ründen darauf zu verzichten, da der Eingabe dessen Inhalt entnom m en und darüber aufgrund der Aktenlage ohne w eiteres entschieden w erden kann. 1.4 D er Beschw erdeführer ist legitim iert, w eshalb auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde, an deren Form als Laienbeschw erde keine allzu hohen Anforderungen zu stellen sind, einzutreten ist (Art. 108a AsylG sow ie Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und 52 Vw VG ). 2. D ie vorinstanzliche Vernehm lassung vom 7. August 2007 w urde dem Beschw erde- führer bis anhin nicht zur Kenntnis gebracht oder zur Stellungnahm e unterbreitet. N achdem im vorliegenden U rteil dem Prozessbegehren vollum fänglich ent- sprochen w ird, ist aus G ründen der Prozessökonom ie von einer G ew ährung des rechtlichen G ehörs in diesem Zusam m enhang abzusehen (vgl. Art. 30 Abs. 2 Bst. c Vw VG ). Im Sinne der Verfahrenstransparenz w ird die Vernehm lassung jedoch in Kopie diesem U rteil beigelegt. 3. Bei der Beurteilung von Beschw erden gegen N ichteintretensentscheide des BFM beschränkt sich die Beschw erdeinstanz nach konstanter R echtsprechung der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K), w elche auch für das Bundesver- w altungsgericht G eltung hat, auf die Ü berprüfung der Frage, ob die Vorinstanz zur R echt auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. D ie Beurteilungskom petenz des Bundesverw altungsgerichts ist som it darauf beschränkt, im Fall der Begründetheit 4 des R echtsm ittels die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zu neu- er Entscheidung an die Vorinstanz zurückgehen zu lassen (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der AR K [EM AR K] 2004 N r. 34 E. 2.1. S. 240 f.). Lediglich betreffend die verfügte W egw eisung und deren Vollzugs hat das Bundes- verw altungsgericht volle Kognition, w eil diese Punkte vom BFM bereits m ateriell geprüft w urden. 4. G em äss Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG w ird auf ein Asylgesuch nicht eingetreten, w enn aufgrund der Ergebnisse einer erkennungsdienstlichen Behandlung oder anderer Bew eism ittel feststeht, dass eine asylsuchende Person die Behörden über ihre Identität täuscht. D er N achw eis der Identitätstäuschung obliegt dabei den Behörden (vgl. EM AR K 2000 N r. 19 E. 8b S. 188). 5. 5.1 Zur Begründung ihres auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG gestützten N ichteintretens- entscheides führte die Vorinstanz im W esentlichen aus, der Beschw erdeführer sei gegenüber dem Schw eizer G renzw achtkorps und den schw eizerischen Asylbehör- den je unter verschiedenen Identitäten sow ie ohne jegliche Ausw eisdokum ente in Erscheinung getreten. D as Auftreten unter verschiedenen Identitäten bedeute zw ar nicht per se, dass im zu behandelnden Verfahren die Identität verheim licht w erde. W er aber bereits unter anderer Identität durch die Schw eizer G renzbehörden er- kennungsdienstlich erfasst w orden sei, m üsse zusätzliche Anstrengungen unter- nehm en, um seine Identität zum indest glaubhaft zu m achen, ansonsten sein unbe- gründetes U nterlassen als Verheim lichung qualifiziert w erde. D er Beschw erdefüh- rer habe es vorliegend unterlassen, seine tatsächliche Identität m it geeigneten Bew eism itteln zu bew eisen oder glaubhaft zu m achen, w om it seine Identität nicht feststehe. D iese U nterlassung w iege um so schw erer, als er im R ahm en des vorliegenden Asylverfahrens bestreite, gegenüber den schw eizerischen Behörden jem als unter einer anderen Identität aufgetreten zu sein. 5.2 Basierend auf die für den N ichteintretenstatbestand der Identitätstäuschung von der AR K entw ickelten und w eiterhin geltenden Praxis kann sich das Bundesver- w altungsgericht der Argum entation der Vorinstanz nicht anschliessen (vgl. EM AR K 2003 N r. 27, 1996 N r. 32 und 1995 N r. 4): G em äss der erw ähnten R echtsprechung setzt die Anw endung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG zunächst voraus, dass die Täuschung gegenüber den schw eizerischen Asylbehörden erfolgt (vgl. EM AR K 1996 N r. 32 E. 3 S. 303 ff. [der trotz der geringfügigen redaktionellen U m form ulierung des dam aligen Art. 16 Abs. 1 Bst. b aAsylG , w elcher noch vom Begriff des "Verheim lichens" der Identität ausging, nach w ie vor G ültigkeit hat und den zum vorliegenden Verfahren analogen Fall betraf, in dem sich der Asylsuchende zu einem früheren Zeitpunkt bei einem illegalen G renzübertritt den Schw eizer G renzbehörden gegenüber unter anderem N am en zu erkennen gab]). Im Sinne dieser und der dazu präzisierenden Praxis unter EM AR K 2003 N r. 27 genügt der N achw eis, dass eine Person bei der Kontrolle durch D rittbehörden (vorliegend G renzschutzbehörden) unter einer anderen Identität als der vor den schw eizerischen Asylbehörden angegebenen in 5 Erscheinung getreten ist, den Bew eisanforderungen von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG nur dann, w enn die betreffende Person der D rittbehörde ein authentisches Identitätspapier abgegeben hat, w elches belegt, dass die im Asylverfahren behauptete Identität falsch ist, oder w enn der Bew eis für die Täuschung der Asylbehörden auf andere W eise erbracht w erden kann (vgl. EM AR K 1996 N r. 32 E. 3c S. 304 und präzisierend 2003 N r. 27 E. 4c S. 179). D en genannten Anforderungen verm ag die Vorinstanz m it ihren vorliegenden Ab- klärungsergebnissen zur Identität des Beschw erdeführers nicht zu genügen. Zunächst lässt sich anhand der aktenkundigen erkennungsdienstlichen Behand- lung des Beschw erdeführers lediglich der N achw eis erbringen, dass dieser vor dem Schw eizer G renzw achtkorps unter einer anderen als der vor den Asylbehörden angegebenen Identität aufgetreten ist. G estützt auf die Akten hat der Beschw erdeführer jedoch w eder bei den G renzschutz- noch den Asylbehörden Identitätsdokum ente eingereicht und hält vorinstanzlich - w ie auch auf Beschw er- deebene - an der R ichtigkeit seiner gegenüber den schw eizerischen Asylbehörden angegebenen Identität fest. Im Sinne der vorerw ähnten Präjudizien und in W ürdigung der vorliegenden Akten kann es sich bei den vom BFM festgestellten Sachverhaltselem enten, w elche gegen die R ichtigkeit der Angaben des Beschw er- deführers zu seiner Person sprechen, dem nach um blosse Indizien handeln, die zw ar der persönlichen G laubw ürdigkeit des Beschw erdeführers abträglich sein können, w elche aber einen zw eifelsfreien R ückschluss auf die U nrichtigkeit seiner diesbezüglich im Asylverfahren gem achten Angaben im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG nicht zulassen (vgl. EM AR K 2003 N r. 27 E. 4b - e S. 178 f.). Angesichts der aufgezeigten Sachlage ist der N ichteintretenstatbestand der Identi- tätstäuschung vorliegend als nicht erfüllt zu betrachten. Vor diesem H intergrund ist auch das Vorbringen des BFM in der Vernehm lassung vom 7. August 2007, ihr Entscheid sei gestützt auf die vorerw ähnte EM AR K-Praxis ergangen, unbehelflich. D iesbezüglich bleibt festzuhalten, dass der W ortlaut in der R egeste von EM AR K 1995 N r. 4, w onach derjenige zusätzliche Anstrengungen unternehm en m üsse, um seine Identität zum indest glaubhaft zu m achen, der bereits ein Asylgesuch unter anderer Identität gestellt habe, keinen Interpretationsspielraum zulässt. D ie vorerw ähnte Praxis kann nam entlich nicht - w ie von der Vorinstanz in ihrer Entscheidbegründung gehandhabt - auf den Fall einer vorm aligen erkennungsdienstlichen Behandlung durch Schw eizer G renzbehörden (ohne gleichzeitige Asylgesuchsstellung) ausgedehnt w erden (vgl. dazu EM AR K 2003 N r. 27 E. 4d S. 179). 5.3 Angesichts der klaren m ateriellen Sachlage kann aus prozessökonom ischen G rün- den die Frage offen gelassen w erden, ob die Vorinstanz dem Beschw erdeführer m it Blick auf den Erlass des vorliegenden N ichteintretensentscheides das rechtliche G ehör in hinreichendem U m fang gew ährt hat, indem sie diesen m it ihren Abklärungsergebnissen bezüglich seiner Identität einzig anlässlich der Befragung im Transitzentrum konfrontierte und ihn daselbst nicht explizit auf die m öglichen Folgen eines N ichteintetrens auf sein Asylgesuch hinw ies (vgl. A 1, S. 8).6 5.4 Zusam m enfassend ergibt sich som it, dass das BFM zu U nrecht einen N ichteintretensentscheid gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG erlassen und dam it Bundesrecht verletzt hat (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist som it gutzuheissen. D ie angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die Sache zur N eubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuw eisen. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind w eder dem obsiegenden Beschw erdeführer (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG ), dem keine Verletzung von Verfahrenspflichten vorzuw erfen ist (vgl. Art. 63 Abs. 3 Vw VG ), noch der unterliegenden Vorinstanz (vgl. Art. 63 Abs. 2 Vw VG ) Kosten aufzuerlegen. 6.2 D ie Beschw erdeinstanz kann der ganz oder teilw eise obsiegenden Partei von Am tes w egen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erw achsenen not- w endigen und verhältnism ässig hohen Kosten zusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 Vw VG ). Vorliegend w eist der Beschw erdeführer keine R echtsvertretung aus und es sind auch im Ü brigen keine verhältnism ässig hohen Kosten ersichtlich, die ihm durch die W ahrnehm ung seines Beschw erderechts erw achsen sein könnten (vgl. Art. 8 und 7 Abs. 4 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). Folglich ist ihm trotz seines O bsiegens keine Parteientschädigung zuzusprechen. (D ispositiv nächste Seite)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. D ie Verfügung des BFM vom 12. Juli 2007 w ird aufgehoben. 2. D ie Sache w ird zur N eubeurteilung an das BFM zurückgew iesen. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Es w ird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer (eingeschrieben; Beilage: Kopie der vorinstanzlichen Vernehm lassung vom 7. August 2007) - das BFM , Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, zu den Vorakten (...) - das F._______ des Kantons G ._______ (Kopie) D er R ichter: D er G erichtsschreiber: R obert G alliker G regor G eisser Versand am :