B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1789/2013 U r t e i l v o m 3 0 . M a i 2 0 1 3 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richterin Emilia Antonioni, Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. Parteien A._______, Eritrea, c/o Schweizerische Vertretung in Khartoum/Sudan, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Ver- fügung des BFM vom 12. November 2012 / N (…). E-1789/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit englischsprachiger Eingabe vom 28. März 2011 (Eingang Botschaft) wandte sich der Beschwerdeführer an die Schweizerische Botschaft in Khartoum, Sudan, und ersuchte um Asyl in der Schweiz. Er machte dabei im Wesentlichen geltend, er habe im Jahr (…) das Militä- rische Training in Sawa absolviert und sei zwangsweise in den eritre i- schen Militärdienst eingezogen worden. Nach zehn Monaten sei er deser- tiert und in den Sudan geflohen. Er stehe im Sudan unter dem Schutz des UNHCR, fürchte jedoch eine Deportation nach Eritrea. Er sei christlichen Glaubens und habe im Sudan eine eritreische, muslimische Landsfrau geheiratet. Wegen seiner Heirat sei er von fundamentalistischen Famil i- enangehörigen seiner Ehefrau bedroht und zur Konversion aufgefordert worden. Er habe dabei physische Übergriffe erlitten. Seine Ehefrau habe nach einer achtmonatigen Schwangerschaft eine Fehlgeburt erlitten. W e- gen seiner Desertion aus dem eritreischen Militärdienst könne e r mit sei- ne Ehefrau nicht ins Heimatland zurückkehren. Der Umstand, dass die Regierung im Sudan beabsichtige, vollständig die Scharia-Gesetzgebung zu übernehmen, verunmögliche es ihm und seiner Ehefrau, sich weiterhin im Sudan aufzuhalten, weshalb er die Schweiz um Schutz ersuche. B. Mit Schreiben vom 11. Juli 2011 setzte das BFM den Beschwerdeführer darüber in Kenntnis, dass die Schweizerische Botschaft in Khartoum aus Kapazitätsgründen keine Befragung durchführen könne, weswegen ihn das Bundesamt – unter Hinweise auf seine Pflicht, bei der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 8 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]) – auffordere, sein Gesuch mit einer schriftlichen Stel- lungnahme zu ergänzen. C. Der Beschwerdeführer ergänzte seine geltend gemachten Vorbringen mit einer englischsprachiger Eingabe, welche am 11. August 2011 bei der Botschaft einging. Als Beilage reichte er ein Schreiben des UNHCR und des Commissioner for Refugees Khartoum vom (…) 2003, ein fremdspra- chiges Schreiben, einen eritreischen Identitätsausweis No. (…) seiner Ehefrau mit Foto inklusive englischer Übersetzung, zwei Flüchtlingsaus- weise (No. […] betreffend seine Ehefrau und No. […] betreffend den Be- schwerdeführer), eine Heiratsbestätigung sowie zwei Geburtsregisteraus-E-1789/2013 Seite 3 züge betreffend seine beiden Kinder inklusive englischer Übersetzung, zu den Akten. Ergänzend machte er insbesondere geltend, er habe vom März 2000 bis heute in Khartoum gelebt, wo er heute noch mit seiner Ehefrau und se i- nen beiden Kindern lebe. Er s ei im Sudan als Flüchtling anerkannt wo r- den. Er befürchte Übergriffe seitens religiöser Fundamentalisten respekt i- ve Familienangehörigen seiner Ehefrau, insbesondere wegen der Einfü h- rung der strengen Scharia -Rechtsordnung durch den Nord -Sudan nach der Abspaltung des Süd-Sudan im Juli 2011. D. Mit Verfügung vom 1 2. November 2012 verweigerte das BFM dem B e- schwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte sein Asylgesuch ab. Das Bundesamt begründete die Verweigerung der Einreise in die Schweiz und die Ablehnung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers im Wesentlichen da mit, dass aufgrund des vollständig erstellten Sachve r- halts davon ausgegangen werden könne, es liege keine unmittel bare Ge- fährdung vor, welche seine Einreise in die Schweiz notwendig erscheinen lasse. Zwar würden die Schilderungen des Beschwerdeführers darauf schliessen lassen, dass seine Schwierigkeiten mit den eritreischen B e- hörden ernstzunehmend seien. Es sei daher zu prüfen, ob einer Asylg e- währung durch die Schweiz der Asylausschlussgrund von Art. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe, wonach einer Person das Asyl verweigert werden könne, wenn ihr zugemutet werden könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Der Beschwerdeführer sei eigenen Angaben zufolge vom UNHCR als Flüchtling anerkan nt und registriert worden. Seit März 2000 sei er in Khartoum wohnhaft. Laut Berichten des UNHCR würden sich zahlreiche eritreische Flüchtlinge im Sudan aufhalten. Vor diesem Hintergrund sei nicht zu verkennen, dass die Lage vor Ort für Menschen wie de n Beschwerdeführer nicht einfach sei. Dennoch würden keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, dass ein weiterer Verbleib des Beschwerdeführers im Sudan nicht zumutbar oder möglich wäre. Flüchtlinge im Sudan, die vom UNHCR registriert worden seie n, seien einem Flüchtlingslager zugeteilt worden, wo sie sich aufhalten könnten und die nötige Versorgung erha l- ten würden. Der Beschwerdeführer verfüge nicht über ein freies Aufen t- haltsrecht für das ganze Land. Es sei ih m aber zumutbar, wieder in das E-1789/2013 Seite 4 ihm zugewiesene Flüchtlingslager zurückzukehren, sollte seine Situation tatsächlich kritisch sein. Seine Befürchtung, nach Eritrea zurückeschafft zu werden, werde als unbegründet erachtet. Gemäss gesicherten E r- kenntnissen sei das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Erit- reer, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt seien, gering. Der Beschwerdeführer verfüge gemäss den Akten nicht über ein geeigne- tes Risikoprofil, das eine Furcht vor einer Verschleppung nach Eritrea ob- jektiv begründen könnte. Das BFM schliesse nicht aus, dass er wegen seiner Religionszugehörigkeit beziehungsweise seiner interreligiösen Hei- rat im Sudan gewisse Schwierigkeiten haben könnte. Die christlichen R e- ligionsgemeinschaften seien gemäss der sudanesischen Übergangsve r- fassung von 2005 anerkannt. Die Heirat einer eritreischen Muslimin mit einem eritreischen Christen sei nach sudanesischem Recht nicht legal. Es sei aber nicht wahrscheinlich, dass der Staat aktiv gegen eine solche Heirat vorgehe, da sie keine Sudanesen betreffe. Es sei Schutz durch die sudanesischen Behörden zu erwarten, wenn es tatsächlich zu kriminellen Handlungen gekommen sei. Das Leben in Khartoum sei für eritreische Flüchtlinge nicht einfach. Angesichts seines langjährigen Aufenthalts im Sudan und aufgrund der Unterstützungsbereitschaft der grossen eritrei- schen Diaspora im Sudan könne jedoch nicht davon ausgegangen we r- den, dass die Hürden für eine zumutbare Existenz in Khartoum nicht überwindbar seien. Die schwierigen Lebensbedingungen und humanitäre Überlegungen stellten keinen Grund für eine Einreisebewilligung dar. Z u- dem weise der Beschwerdeführer keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz auf. Er bedürfe de s zusätzlichen subsidiären Schutz es der Schweiz nicht und es sei ihm zumutbar, im Sudan zu verbleiben. E. Das BFM leitete am 3. April 2013 eine undatierte, englischsprachige Ein- gabe des Beschwerdeführers (Eingang Botschaft am 24. Februar 2013 ) an das Bundesverwaltungsgericht weiter, mit welcher er gegen den BFM- Entscheid vom 12. November 2012 beim Gericht Beschwerde erhob und sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie die Be- willigung der Einreise in die Schweiz zwecks Feststellung der Flüchtling s- eigenschaft beantragte. Zur Begründung führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er befürchte nach wie vor Behelligungen seitens der Familienangehörigen seiner muslimischen Ehefrau. Er habe sich zwar einen zweiten, im Sudan und in Eritrea geläufigen Namen angeeignet , um diese n Schwierigkeiten zu entgehen. Wegen dieses zweiten Namens habe seine Tochter in der E-1789/2013 Seite 5 Schule Probleme gehabt. Die Übergriffe hätten zudem auch nicht aufg e- hört. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetze s vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver - waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so auch vorliegend, endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Es befindet sich kein Rückschein respektive keine Empfangsbestäti- gung bei den vorinstanzlich en Akten. Abklärungen des Bundesverwa l- tungsgerichts beim BFM haben ergeben, dass nicht mehr eruiert werden kann, zu welchem Zeitpunkt die angefochtene BFM -Verfügung dem B e- schwerdeführer zugestellt und ihm eröffnet worden ist. Die Beweislast für die erfolgte Zustellung und deren Zeitpunkt trägt die Behörde, welche die Zustellung veranlasst hat (vgl. FELIX UHLMANN/ALEXANDRA SCHWANK, in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 34, N 10). Angesichts d er fehlenden Empfangsbestätigung ist zu Gunsten des Beschwerdeführers davon au s- zugehen, dass seine am 24. Februar 2013 bei der Botschaft in Khartoum eingegangene Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht wurde (vgl. Art. 21 VwVG letzter Teilsatz). Der Beschwerdeführer hat ferner am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. E-1789/2013 Seite 6 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten. 1.3 Die Beschwerde ist in englischer Sprache und somit nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Anse tzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung oder auf die Einholung einer Übersetzung kann indessen aus prozessökonomischen Gründen praxisgemäss ve r- zichtet werden, da der Eingabe des Beschwerdeführers genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Be gründung zu entnehmen sind und ohne Weiteres – die zu beurteilende Sachlage ist rechtsge - nüglich erstellt – darüber befunden werden kann. 1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durc h- führung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverh alts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Vorab ist festzustellen, dass die angefochtene Verfügung des BFM vom 12. November 2012 sowohl an den Beschwerdeführer als auch an seine Ehefrau und beiden Kindern adressiert ist. Die Ehefrau und die bei- den Kinder des Beschwerdeführers werden auch im Anschluss an das Verfügungsdispositiv und die Rechtsmittelbelehrung unter dem Titel "Di e- se Verfügung bezieht sich auf" erwähnt. Diese Aufführung der betreffenden Namen genügt jedoch den Anforde- rungen einer rechtswirksamen Verfügung nicht, zumal die gesamte B e- gründung der Verfügung sich ausschliesslich auf den Beschwerdeführer bezieht (vgl. PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER, Al l- gemeines Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, § 28 ff., S. 224 ff.). 3.2 Ferner ist festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung angesichts des im Entscheidzeitpunkts vorliegenden Abklärungsstandes in Bezug auf die Ehefrau und Kinder des Beschwerdeführers ohnehin nicht hätte erg e- hen dürfen. In seinem unter BVGE 2011/39 publizierten Urteil vom E-1789/2013 Seite 7 6. Dezember 2011 hielt das Bundesverwaltungsgericht nämlich fest, dass sich zwar gemäss Art. 11 Abs. 1 VwVG eine Partei, wenn sie nicht pe r- sönlich zu handeln hat, auf jeder Stufe des Verfahrens vertreten lassen kann, als Einschränkung sind jedoch Verfahrenshandlungen von der Möglichkeit der Vertretung ausgenommen, die eine persönliche Mitwi r- kung des oder der Vertretenen erfordern, entweder weil es gesetzlich vorgeschrieben ist (namentlich die Anhörung zu den Asylg ründen nach Art. 29 AsylG) oder weil die Verfahrenshandlungen der Natur der Sache nach nur von ihm oder ihr ausgehen können. Gemäss langjähriger asy l- rechtlicher Praxis gilt die Einreichung eines Asylgesuches als sogenannt "relativ höchstpersönliches Recht" (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 5). Die Initiierung eines Asylverfahrens aus dem Ausland durch die ur- teilsfähige (mündige oder unmündige) Person setzt prinzipiell einen pe r- sönlichen Antrag derselben voraus. Fehlt ein solcher, ist eine Mangelb e- hebung indes nicht zwangsläufig ausgeschlossen. Eine Heilung kann bei- spielsweise dadurch erfolgen, dass der Inhalt eines vertretungsweise ei n- gereichten Asylgesuchs anlässlich einer mündlichen Anhörung oder durch Einreichung einer persönlich verfassten oder zumindest unterzeichneten Stellungnahme zum Fragenkatalog des BFM im Falle des Verzichts auf eine Befragung bestätigt wird (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/39, a.a.O., E. 4.3.2). 3.3 Im vorliegenden Fall sind die Ehefrau und Kinder des Beschwerdefüh- rers im ganzen bisherigen Verfahren – und insbesondere im erstinstanzli- chen Verfahren – nie in irgendeiner Weise persönlich vor einer schweiz e- rischen Asylbehörde im In- oder Ausland aufgetreten. Mithin kann die an- gefochtene Verfügung die Ehefrau und die minderjährigen Kinder des Be- schwerdeführers nicht einbeziehen. Die Ehefrau des Beschwerdeführers und die Kinder haben demzufolge bis dato kein Asylverfahren in der Schweiz durchlaufen respektive kein Asyl gesuch in der Schweiz eing e- reicht. Das vorliegende Beschwerdeurteil betrifft daher einzig den B e- schwerdeführer. 4. Mit der Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 – von der Bundesversammlung als dringlich erklärt und am 29. September 2012 in Kraft getret en – ist die Möglichkeit der Einreichung eines Asylgesuches aus dem Ausland weggefallen (vgl. AS 2012 5359). Das vorliegende U r- teil, welches ein Asylgesuch aus dem Ausland nach altem Recht zum Gegenstand hat, ergeht daher gestützt auf die Übergangsbestimmung zur E-1789/2013 Seite 8 Änderung vom 28. September 2012, wonach für Asylgesuche, die im Aus- land vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG in der bisherigen Fassung des Gesetzes gelten. Wird demnach nachfolgend auf das AsylG oder Verordnungstexte verwiesen, bezieht sich dies stets auf die bisherige Fassung der entsprechenden Bestimmungen. 5. 5.1 Gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei ei - ner schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem Be - richt an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizeri - sche Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Be- fragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asy l- gründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Die schwei - zerische Vertretung überweist dem Bundesamt da s Befragungsprotokoll oder das schriftliche Asylgesuch sowie weitere zweckdienliche Unterl a- gen und einen ergänzenden Bericht, der ihre Beurteilung des Asylg e- suchs enthält (Art. 10 Abs. 3 AsylV 1). 5.2 Vorliegend sah sich die Botschaft in Khartoum nicht in der Lage, eine persönliche Anhörung des Beschwerdeführers durchzuführen. Das BFM begründete diesen Verzicht in der Verfügung vom 12. November 2012 mit dem begrenzten Personalbestand der Botschaft sowie den fehlenden Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich. Das Bundesamt ersuchte den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 11. Juli 2011 zur Einreichung einer ergänzenden Stellungnahme zwecks Vervol l- ständigung des rechtserheblichen Sachverhaltes. Er nahm in der Folge mit Eingabe vom 11. August 2011 (Eingang bei der Botschaft in Khartum) ausführlich zu den gestellten Fragen Stellung und gab persönliche, auf ihn bezogene Antworten. Vorliegend erhielt der Beschwerdeführer somit rechtsgenügend Gelegenheit, seine Asylgründe darzulegen und bei der Erhebung und Ergänzung des massgebenden Sachverhalts mitzuwirken. Die Schweizerische Botschaft verzichtete darauf, in einem ergänzenden Bericht ihre Beurteilung des Asylgesuchs darzulegen, und überwies die Unterlagen dem BFM ohne Kommentar. E-1789/2013 Seite 9 6. Das Bundesamt ka nn ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Nach Art. 20 Abs. 2 AsylG be- willigt das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet wer- den kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein ande- res Land auszureisen (vgl. BVGE 2007/19 E . 3.2; BVGE 2011/10 E. 3). Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer Ei n- reisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den B e- hörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einre isebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130; 2004 Nr. 20 E. 3.b), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am A ufenthalts- ort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3, mit weiteren Hinweisen). Hält sich eine asylsuchende Person bereits in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, die betr effende Per- son habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch auf die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu prü - fen, ob die asylsuch ende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung g e- funden hat oder erlangen kann, was in der Regel zur Ablehnung des Asyl- gesuchs und zur Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In jedem Fall sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in die sem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit einer all - fälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Bei dieser Abwägung bildet die besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz ein zentrales, wenn auch nicht das einzi ge Kriterium (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1, mit weiteren Hinweisen). Zu berücksichtigen sind ausse r- dem die Beziehungsnähe zum Drittstaat (oder zu anderen Staaten) sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in der Schweiz beziehungsweise im Drittstaat (oder in anderen Staaten). Al- lein die Tatsache, dass die asylsuchende Person keine besondere Bezi e-E-1789/2013 Seite 10 hungsnähe zur Schweiz hat, ist deshalb für die Ablehnung des Asylges u- ches nicht ausschlaggebend (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2.f S. 131 f.). Hält sich die asylsuchende Person in einem Drittstaat auf, ist die Einreise in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen, wenn der Drittstaat keine hin- reichende Gewähr für ein ordentliches Asylverfahren bietet und eine A b- schiebung in den Heimatstaat nic ht ausgeschlossen erscheint, auch wenn eine Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz fehlt (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). Umgekehrt führt der Umstand, dass eine Beziehungsnähe zur Schweiz namentlich aufgrund von hier ansässigen nahen Familienangehörigen gegeben ist, nicht zur Erteilung einer Einreisebewilligung, wenn aufgrund einer Abwägung mit anderen Kriterien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist. 7. 7.1 Vorliegend gelangt das Bundesverwaltungsgericht nach eing ehender Prüfung der Akten in Übereinstimmung mit dem BFM zum Schluss, dass die geltend gemachten Vorbringen des Beschwerdeführers nicht a priori unglaubhaft erscheinen und darauf schliessen lassen, dass er in seinem Heimatstaat Eritrea ernstzunehmende Schw ierigkeiten mit den heimatl i- chen Behörden gehabt hat. Ob er bei einer allfälligen Rückkehr nach Eri t- rea einer flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung ausgesetzt sein könnte, kann vorliegend dennoch offengelassen werden, da er den z u- sätzlichen Schutz der Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht ben ö- tigt, weil es ihm – wie im Nachfolgenden aufzuzeigen sein wird – trotz der zugestandenermassen nicht einfachen Bedingungen für eritreische Flüchtlinge im Sudan zuzumuten ist, dort zu verbleiben. Der Beschwerdeführer hält sich eigenen Angaben zufolge seit März 2000 und somit seit mehr als 13 Jahren im Sudan auf. Aufgrund der Angaben in seinem schriftlichen Asylgesuch, seine n ergänzenden Ausführungen vom 11. August 2011 und des – zwar lediglich in qualitativ schlechter K o- pie vorliegenden – Flüchtlingsausweises respektive dem Schreiben des UNHCR und des Commissioner for Refugees Khartoum vom (…) 2003 ist davon auszugehen, dass er durch das UNHCR im Sudan als Flüchtling registriert worden ist. Folglich verfügt er über die erforderliche temporäre Bewilligung, um sich im Sudan aufhalten zu können, und geniesst wei t- gehend Schutz vor einer Abschiebung nach Eritrea. Mit diesem Schutz ist allerdings nicht ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land verbunden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Sudan Schutz gefunden und auch die Möglichkeit hat, sich in das ihm zugewi e-E-1789/2013 Seite 11 sene Flüchtlingslager respektive an den ihm zugewiesenen Aufenthaltsort zurückzubegeben, sofern er einen weiteren Verbleib an seinem jetzigen Aufenthaltsort in B._______ (Khartoum) nicht mehr in Betracht zieht. Obschon unlängst von vorkommenden Deportationen von Eritreern in den Heimatstaat berichtet wurde (vgl. Urteil des Bundesverwaltung sgerichts E-1452/2012 vom 15. Juni 2012 mit weiteren Hinweisen, sowie UNHCR, "UNHCR deeply concerned by deportation of Eritreans from Sudan", vom 26. Juli 2011), ist gleichwohl gemäss gesicherten Erkenntnissen das Risi- ko einer Verschleppung für Eritreer, d ie im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt sind, gering, da die sudanesischen Behörden zwar tatsächlich teilweise eritreische Asylsuchende sowie Flüchtlinge deporti e- ren, diese Rückführungen indessen nicht flächendeckend erfolgen (vgl. statt vieler das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -6054/2011 vom 24. April 2012). Den Akten sind denn auch keine Hinweise zu en t- nehmen, die auf ein besonderes Profil des Beschwerdeführers, nämlich das Profil einer Person, an deren Auslieferung die eritreische Regieru ng besonders interessiert wäre, schliessen liessen. Sodann ist, wenngleich nicht abzusprechen ist, dass die Lebensbedingungen in Khartoum, insbe- sondere für den Beschwerdeführer angesichts seiner interreligiösen Hei- rat, schwierig sind, anzunehmen, dass der Beschwerdeführer für sich und seine Familie den Lebensunterhalt weiterhin wird bestreiten können. D en eigenen Angaben zufolge lebt er bereits seit 200 0 im Sudan und ist seit 2001 mit seiner muslimischen Ehefrau liiert. Der Beschwerdeführer hat nicht schlüssig dargelegt, weshalb es ihm nicht möglich sein sollte, we i- terhin im bisherigen Umfang für sich und seine Familie die Lebensexi s- tenz zu bestreiten. Der geltend gemachte Umstand, er habe aufgrund seiner religiösen Zugehörigkeit Behelligungen erlitten, verm ag für sich a l- leine keine Asylrelevanz zu entfalten. Schliesslich ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer über keine in der Schweiz lebenden Angehörigen verfügt. Demnach sind die Voraussetzungen für einen Familiennachzug aufgrund fehlender in der Schw eiz lebender Familienangehörigen nicht erfüllt, weshalb Art. 51 AsylG vorliegend nicht zur Anwendung kommt. 7.2 Aufgrund dieser Erwägungen erscheint es für den Beschwerdefüh rer objektiv nicht unzumutbar, den im Sudan gegenüber einer allfälligen Ve r- folgungsgefahr in seinem Heimatstaat bestehenden Schutz weiterhin in Anspruch zu nehmen. Eine Schutzgewährung durch die Schweiz er - scheint somit unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände, wel - che mit dem Aufenthalt des Beschwerdeführers im Sudan und seinem dortigen Status als vom UNHCR registrierte r Flüchtling verbunden sind, E-1789/2013 Seite 12 nicht erforderlich. Zusammenfassend ergibt sich, dass das BFM zu Recht und mit weitgehend zutreffender Begründung feststellte, eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von Art. 52 Abs . 2 AsylG führe zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer ein Verbleib im Sudan zuzumuten ist. Unter diesen Umständen hat das Bundesamt zu Recht die Erteilung der Einreisebewilligung verweigert und das Asylgesuch abgelehnt. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich , dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die B e- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungs- ökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist indessen auf die Erhebung der Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-1789/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die schweize- rische Vertretung in Khartoum. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sandra Bodenmann Versand: