B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-1184/2012 U r t e i l v o m 3 1 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Markus Metz, Richter Daniel Riedo, Gerichtsschreiber Stefano Bernasconi. Parteien 1. A._______ SA, …, 2. B._______, …, 3. C._______, …, 4. D._______ AG, …, alle vertreten durch ..., Beschwerdeführende, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Mehrwertsteuer (Steuerperioden 1.1.2005-31.12.2009 und 1.1.2010-31.12.2010); Sprungbeschwerde. A-1184/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die A._______ SA, B._______, C._______ und die D._______ AG (je einzeln: Steuerpflichtige bzw. Steuerpflichtiger ; zusammen: die Steue r- pflichtigen) sind bzw. waren gemäss eigenen Angaben in unterschiedl i- chen Bereichen des […] tätig. B. Im August und im November 2011 führte die Eidgenössische Steuerver- waltung (ESTV) bei den Steuerpflichtigen MWST-Kontrollen durch. Unter- sucht wurden die Steuerperioden 1. Quartal 2005 bis 4. Quartal 2009 (Zeit vom 1. Januar 2005 bis zum 31. Dezember 2009) sowie 1. Quartal 2010 bis 4. Quartal 2010 (Zeit vom 1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2010). Die ESTV erliess daraufhin am 15. Dezember 2011 für die Steuer- perioden 1. Quartal 2005 bis 4. Quartal 2009 eine "Einschätzungsmitte i- lung Nr. […] / Verfügung" (nachfolgend: EM 1). Darin hielt sie fest, dass (i) die B._______ rückwirkend auf den 1. Januar 2005, die C._______ rück- wirkend auf den 1. Juni 2006 und die D._______ AG rückwirkend auf den 1. Juni 2007 aus dem Register der Mehrwertsteuerpflich tigen gelöscht würden (Ziffern 1-3), dass (ii) die in den vorstehenden Ziffern genannten Steuerpflichtigen und die A._______ SA als wirtschaftliche Einheit gelten und damit als Gesamtheit die steuerpflichtige Person A._______ SA bil- den würden (Ziffer 4), dass (iii) die A._______ SA aufgrund der dadurch notwendigen Steuerkorrektur Mehrwertsteuern in der Höhe von Fr. 1'434'477.-- (zuzüglich Verzugszins) schulde (Ziffer 5) und dass die "Verfügung" allen Steuerpflichtigen schriftlich eröffnet werde (Ziffer 6). Mit einer zweiten "Einschätzungsmitteilung Nr. […] / Verfügung" (nachfol- gend: EM 2), ebenfalls vom 15. Dezember 2011 , forderte die ESTV so- dann für die Steuerperiode 1. Quartal 2010 bis 4. Quartal 2010 von der A._______ SA Mehrwertsteuern in der Höhe von Fr. 234'018.-- (zuzüglich Verzugszins) (Ziffer 5). Die übrigen Ziffern der EM 2 lauten gleich wie jene in der EM 1. Beide EM enthielten eine Rechtsmittelbelehrung des Inhalts, die Verfügung könne gemäss Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzs vom 12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer (MWSTG, SR 641.20) innert 30 Tagen nach ihrer Eröffnung mit Einsprache angefochten werden. Auf entsprechendes Gesuch der Steuerpf lichtigen liess ihnen die ESTV am 25. Januar 2012 je eine Erläuterung der Ziffer 5 der EM 1 und der EM 2 zukommen. Die beiden Ziffern wurden ergänzt und es wurde fest- gehalten, die Einsprachefrist beginne neu zu laufen. Beide Erläuterungen A-1184/2012 Seite 3 enthielten eine R echtsmittelbelehrung des Inhalts, die Verfügung könne gemäss Art. 83 Abs. 1 MWSTG innert 30 Tagen nach ihrer Eröffnung mit Einsprache angefochten werden. C. Gegen diese beiden Einschätzungsmitteilungen gelangten die Steue r- pflichtigen (nachfolgend auch: die Beschwerdeführenden) am 31. Januar 2012 mit einer als "Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Sprungbeschwerde)" bezeichneten Eingabe an die ESTV . Sie beantra- gen, die Beschwerde sei als Sprungbeschwerde gemäss Art. 8 3 Abs. 4 MWSTG entgegenzunehmen. Eventualiter und für den Fall, dass die Rechtsschrift nicht als Sprungbeschwerde entgegengenommen werden sollte, sei sie als Einsprache zu behandeln und an die ESTV zu überwe i- sen. Sodann seien die beiden Verfahren "betreffend die beiden Verfügun- gen vom 15. Dezember 2011" zu vereinigen. Materiell beantragen die Be- schwerdeführenden, Ziffer 1 bis Ziffer 4, sowie Ziffer 6 der "beiden Verfü- gungen vom 15. Dezember 2011" (in der am 25. Januar 2012 erläuterten Fassung) seien vollständig aufzuheben. Die Ziffern 5 seien mit Ausnahme der unbestrittenen Steuerforderungen gemäss Bst. A Ziff . 1, 3 und 4 der "beiden Verfügungen" (unbestrittene Steuerbeträge von Fr. 49'051.-- und Fr. 1'255.45) vollumfänglich aufzuheben. Eventualiter sei die Sache an die ESTV zur Neuberechnung der Steuerforderung zurückzuweisen – al- les unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ESTV. D. Mit Schreiben vom 29. Februar 2012, mittels welchem die Sprungb e- schwerde an das Bundesverwaltungsgericht weitergeleite t wurde, bean- tragt die ESTV, auf die Sprungbeschwerde sei nicht einzutreten, da die Voraussetzungen nicht erfüllt seien. Eine Sprungbeschwerde sei nur g e- gen einlässlich begründete Verfügunge n der ESTV möglich und solche lägen in den vorliegenden Fällen nicht vor. E. Mit Eingabe vom 8. März 2012 reichten die Beschwerdeführenden eine Stellungnahme zu den Ausführungen der ESTV betreffend Zulässigkeit einer Sprungbeschwerde ein. Die Beschwerdeführenden sind der Ansicht, dass die beiden Einschätzungsmitteilungen der Vorinstanz einlässlich be- gründet und somit die Voraussetzungen einer Sprungbeschwerde erfüllt seien. A-1184/2012 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Bun - desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) Beschwerden gegen Ve r- fügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche Ausnahme liegt hier nicht vor, und die Vorinstanz ist eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG. Das Bu n- desverwaltungsgericht ist demnach für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde sachlich zuständig. 1.2. 1.2.1. Grundsätzlich bildet jeder vorinstanzliche Entscheid bzw. jede Ver- fügung ein selbständiges Anfechtungsobjekt und ist deshalb einzeln a n- zufechten. Es ist gerechtfertigt, von diesem Grundsatz abzuweichen und die Anfechtung in einer gemeinsamen Beschwerdeschrift und in einem gemeinsamen Verfahren mit einem einzigen Urteil zuzulassen, wenn die einzelnen Sachverhalte in einem engen inhaltlichen Zusammenhang st e- hen und sich in allen Fällen gleiche oder ähnliche Rechtsfragen stellen (vgl. BGE 123 V 214 E. 1; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1527/2006 vom 6. März 2008 E. 1.3, A-1435/2006 vom 8. Februar 2007 E. 1.2 und A-1536/2006 vom 16. Juni 2008 E. 1.3). Unter den gleichen Voraussetzungen können auch getrennt eingereichte Beschwerden in e i- nem Verfahren vereinigt werden. Die Frage der Vereinigung von Verfa h- ren steht im Ermessen des Geri chtes und hängt mit dem Grundsatz der Prozessökonomie zusammen, wonach ein Verfahren möglichst einfach, rasch und zweckmässig zum Abschluss gebracht wer den soll, was wi e- derum im Interesse aller Beteiligten liegt. Die Zusammenlegung der Ve r- fahren braucht da bei nicht in einer selbständig anfechtbaren Zwische n- verfügung angeordnet zu werden (BGE 131 V 222 E. 1, 128 V 124 E. 1; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltung s- rechtspflege des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, Nr. 155 S . 54 f.; zum Ganzen ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Proze s- sieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.17). 1.2.2. Die Beschwerdeführenden haben gegen die EM 1 und die EM 2 mit einer einzigen Beschwerdeschrift Sprungbeschwerde an das Bundesver- waltungsgericht geführt und ersuchen darin um Vereinigung der Verfah-A-1184/2012 Seite 5 ren. Die ESTV hat sich in ihre r Stellungnahme zur Sprungbeschwerde nicht gegen eine Verfahrensvereinigung ausgesprochen. Da die vorliegenden Sachverhalte in einem engen inhaltlichen Zusam- menhang stehen und sich gleiche oder gleichartige Rechtsfragen stellen, ist es aus prozessökonomischen Gründen geboten und im Interesse der Beteiligten, die Verfahren zu vereinigen. Folglich wurde betreffend die Sprungbeschwerde gegen die EM 1 und die EM 2 antragsgemäss nur ein einziges – das vorliegende – Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht er- öffnet, womit die Verfahren als vereinigt gelten können und ein entspr e- chender ausdrücklicher Beschluss unterbleiben kann. 2. 2.1. Am 1. Januar 2010 ist das MWSTG in Kraft getreten. Soweit sich der zu beurteilende Sachverhalt nach diesem Datum zugetragen hat, ist demnach das neue MWSTG anzuwenden. Der relevante Sachverhalt hat sich aber auch in den Jahren 2005 bis 2009 ereignet, also vor Inkrafttr e- ten des neuen Gesetzes. Gemäss Art. 112 Abs. 1 MWSTG bleiben die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen sowie die darauf gestützt erla s- senen Vorschriften grundsä tzlich weiterhin auf alle während ihrer Ge l- tungsdauer eingetretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnis- se anwendbar. Jener Teil des Verfahrens untersteht deshalb in materieller Hinsicht dem bisherigen Recht , somit dem Bundesgesetz vom 2. Se p- tember 1999 über die Mehrwertsteuer (aMWSTG, AS 2000 1300). Unter Vorbehalt der – hier nicht relevanten – Bestimmungen betreffend die Bezugsverjährung ist dagegen das neue Verfahrensrecht im Sinn e von Art. 113 Abs. 3 MWSTG auf sämtliche im Zeitpunkt des Inkrafttretens hängigen Verfahren anzuwenden. Art. 113 Abs. 3 MWSTG ist allerdings insofern restriktiv zu handhaben , als gemäss höchstrichterlicher Rech t- sprechung nur eigentliche Verfahrensnormen so fort auf hängige Verfa h- ren anzuwenden sind, und es dabei nicht zu einer Anwendung von ne u- em materiellen Recht auf altrechtliche Sachverhalte kommen darf (au s- führlich: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1113/2009 vom 23. Februar 2010 E. 1.3). 2.2. Wie eben dargelegt, ist auch auf Sa chverhalte, die sich vor dem 1. Januar 2010 zugetragen haben, das Verfahrensrecht des MWSTG an- zuwenden. Damit sind vorliegend in erster Linie die Voraussetzungen ei- ner Sprungbeschwerde gemäss Art. 83 Abs. 4 MWSTG zu prüfen. Dabei handelt es sich um Verfahrensrecht im engeren Sinn, weshalb auch bei A-1184/2012 Seite 6 restriktiver Handhabung von Art. 113 Abs. 3 MWSTG für die ganze im vor- liegenden Fall relevante Zeitperiode das neue Recht anzuwenden ist. Zu- dem geht nach Art. 4 VwVG die Regelung der Sprungbeschwerde g e- mäss MWSTG als lex specialis derjenigen nach Art. 47 Abs. 2 VwVG vor. 2.3. Verfügungen der ESTV müssen eine Rechtsmittelbelehrung sowie eine angemessene Begründung enthalten (Art. 82 Abs. 2 MWSTG). Ge- mäss Art. 83 Abs. 1 MWSTG können Verfügungen innert 30 Tagen nach Eröffnung mit Einsprache angefochten werden. Richtet sich die Einspr a- che hingegen gegen eine einlässlich begründete Verfügung der ESTV, ist sie auf Antrag oder mit Zustimmun g des Einsprechers oder der Einspr e- cherin als Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht weiterzuleiten (sog. Sprungbeschwerde, Art. 83 Abs. 4 MWSTG; vgl. [noch zum aMWSTG] Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5113/2009 vom 16. Dezember 2009 E. 1.2). Die Zulässigkeit einer Sprungbeschwerde setzt nach dem klaren Gese t- zestext voraus, dass kumulativ (i) eine Verfügung der ESTV ergangen ist und (ii) diese einlässlich begründet wurde. Im Gegensatz zum aMW STG keine Voraussetzung mehr ist hingegen eine Zustimmung der ESTV zur Sprungbeschwerde (vgl. Botschaft des Bundesrats vom 25. Juni 2008 zur Vereinfachung der Mehrwertsteuer [nachfolgend: Botschaft Meh r- wertsteuer], BBl 2008 7006). 3. 3.1. Vorliegend fechten die B eschwerdeführenden die beiden als "Ei n- schätzungsmitteilung / Verfügung" bezeichneten und mit einer Rechtsmi t- telbelehrung versehenen Dokumente der ESTV vom 15. Dezember 2011, die EM 1 und die EM 2, an. Die Vorinstanz ist diesbezüglich der Auffa s- sung, es handle sich um Verfügungen im Sinn von Art. 5 VwVG. 3.2. Das Gesetz selbst gebraucht den Begriff der EM im Zusammenhang mit der Rechtskraft der Steuerforderung (Art. 43 Abs. 1 Bst. b MWSTG), dem Abschluss von Kontrollen durch die ESTV bei der steuerpfl ichtigen Person (Art. 78 Abs. 5 MWSTG) , der Ermessenseinschätzung (Art. 79 Abs. 2 MWSTG) und der Revision (Art. 85 MWSTG), nicht aber in Art. 82 MWSTG, der d as Marginale "Verfügungen der ESTV" trägt. Bei Art. 85 MWSTG fällt sodann auf, dass der Begriff der EM als erster in einer Au f- zählung erscheint, an deren zweiter Stelle sich der Begriff "Verfügung" und an deren dritter Stelle sich der Begriff "Einspracheentscheid" (sämtli- che Begriffe sind im Gesetz im Plural gesetzt) findet. In der Lehre wird die A-1184/2012 Seite 7 Auffassung, die EM stelle eine Verfügung dar, wiederholt als unzutreffend kritisiert (vgl. IVO P. BAUMGARTNER/DIEGO CLAVADETSCHER/MARTIN KO- CHER, Vom alten zum neuen Mehrwertsteuergesetz, Einführung in die neue Mehrwertsteuerordnung, Langenthal 2010, § 8 N. 39, § 10 N. 83 ff., die Autoren bezeichnen die EM als "Verfügungssurrogat"; MICHAEL BEUSCH, in: MWSTG Kommentar, Schweizerisches Mehrwertsteuerg e- setz mit den Ausführungserlassen sowie Erlasse zum Zollwesen, Regine Schluckebier/Felix Geiger [Hrsg.], Zürich 2012 [nachfolgend: MWSTG Kommentar], N. 18 zu Art. 42; DERSELBE, Der Untergang der Steuerforde- rung, Zürich etc. 2012, 122, 306 f.; BEATRICE BLUM, Auswirkungen des neuen Verfahrensrechts für die steuerpflichtigen Personen, in: Schweizer Treuhänder [ST] 2010, S. 289, 291 f.; DIESELBE, in: zsis) 2010 Best Case Nr. 7, Ziff. 3.3; DIESELBE, in: MWSTG Kommentar, N. 35 zu Art. 78; FELIX GEIGER, in: MWSTG Kommentar, N. 5 zu Art. 82). Wie es sich damit ve r- hält, ob es sich mithin bei der EM 1 und bei der EM 2 um Verfügungen im Sinn von Art. 5 VwVG handelt oder nicht, braucht vorliegend – ebenso wie in den Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts A -4506/2011 vom 30. April 2012 (E. 1.2.3) sowie A-5798/2011 vom 29. Mai 2012 (E. 1.3) – auf- grund der nachfolgenden Ausführungen jedoch nicht abschliessend beur- teilt zu werden. 3.3. Zweite zwingend erforderliche Voraussetzung für die Zulässigkeit der Sprungbeschwerde ist gemäss Art. 83 Abs. 4 MWSTG nämlich, dass die von der ESTV erlassene Verfügung "einlässlich begründet" ist. Was dar- unter zu verstehen ist, was eine solche Begründung genau enthalten muss, um "einlässlich" im Sinn des Gesetzes zu sein, wird in diesem nicht näher festgelegt. 3.3.1. In diesem Kontext ist v orab Sinn und Zweck der Begründung einer Verfügung bzw. eines Entscheides darzulegen. Diese hat verschiedene Funktionen. An erster Stelle steht regelmässig das Interesse der betroff e- nen Person auf Kenntnis der Urteilsgründe, um den Entscheid allenfalls sachgerecht anfechten zu können. Zudem soll auch die Rechtsmi t- telinstanz der Begründung die Überlegungen entnehmen können, von denen sich die verfügende bzw. urteilende Behörde leiten liess und auf welche sich die Verfügung stützt (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER, Die Begrü n- dungspflicht, Bern/Stuttgart/Wien 1998, S. 26 f.; FELIX UHL- MANN/ALEXANDRA SCHWANK, in: Praxiskommentar VwVG, Wal d- mann/Weissenberger [ Hrsg.], Zürich 2009 [nachfolgend: Kommentar VwVG], Art. 35 N. 10 ff.). Damit eine Begründung diese Funktionen erfü l- len kann, ist es notwendig, dass ihr neben dem Entscheiddispositiv der A-1184/2012 Seite 8 rechtserhebliche Sachverhalt, die angewandten Rechtsnormen sowie die Subsumtion des Sachverhalts unter diese Normen entnommen werden können. Des Weiteren muss auch eine Auseinandersetzung mit allfälligen Argumenten und Vorbringen der betroffenen Person erfolg en. Wie au s- führlich und in welcher Anordnung die einzelnen Elemente in der Verf ü- gung enthalten sein müssen, hängt stark von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab. So sind die Anforderungen bei einfachen Sachverhal- ten oder Rechtsfragen tiefer anzusetz en, als bei komplexen Fragen. In jedem Fall muss aber aus der Verfügung klar hervorgehen, was die B e- hörde anordnet und wie sie diese Anordnung begründet ( UHL- MANN/SCHWANK, Kommentar VwVG, Art. 35 N.12). Das Erfordernis der Begründung ist dergestalt ein wichtiger Bestandteil des Rechts auf ein fai- res Verfahren im Sinne von Art. 29 der Bundesverfassung der Schweize- rischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), insbesonde- re des Anspruchs auf rechtliches Gehör (LORENZ KNEUBÜHLER, in: Chris- toph Auer /Markus Müller/Benjamin Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungs verfahren [VwVG], Zürich 2008 [nachfolgend: VwVG-Kommentar] N 4 f. zu Art. 35 VwVG). 3.3.2. Sodann ist zur Klärung der Bedeutung des Begriffs der "einlässl i- chen Begründung" nach der Tragweite der für Verfügungen der ESTV im Bereich der Mehrwertsteuer geltenden "normalen Begründung" zu fragen. Grundsätzlich müssen Verfügungen der ESTV g emäss Art. 82 Abs. 2 MWSTG eine "angemessene Begründung" enthalten. Diesbezüglich lässt sich der Botschaft Mehrwertsteuer entnehmen, dass eine Begründung über die blosse Bestätigung des Ko ntrollergebnisses hinausgehen mü s- se. Nur so könne der Rechtsweg von Anfang an effizient beschritten wer- den und dies erlaube der steuerpflichtigen Pe rson auch, eine Sprungb e- schwerde einzureichen (vgl. Botschaft Mehrwertsteuer , BBl 2008 7006 ). Art. 82 Abs. 2 MWSTG ist somit eine Bestätigung des Mindeststandards, welcher sich bereits aus der Bundesverfassung und dem einschlägigen Verfahrensrecht ergibt ( vgl. BAUMGARTNER/CLAVADETSCHER/KOCHER, a.a.O, § 10 N. 120; GEIGER, in: MWSTG Kommentar, N. 12 zu Art. 82). 3.3.3. Demgegenüber verlangt die Sprungbeschwerde nach einer einläss- lich begründe ten Verfügung. Schon aus dieser terminologischen Unte r- scheidung ergibt sich zwangslos, dass der Gesetzgeber betreffend die Begründungsdichte ein qualifizierendes Merkmal für die Verfügungen festgelegt hat, welche Gegenstand einer Sprungbeschwerde sein können sollen. Daran ändert nichts, dass in der Botschaft festgehalten wird, Art. 82 Abs. 2 MWSTG erlaube es der steuerpflichtigen Person, eine A-1184/2012 Seite 9 Sprungbeschwerde einzureichen. Der Stellenwert der terminologischen Unterscheidung, welche der Gesetzgeber getroffen hat, zeigt sich im Üb- rigen noch deutlicher – als in der deutschen – in der französischen und italienischen Fassung der Gesetzestexte, welche gleichwertig heranz u- ziehen sind (Art. 14 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 18. Juni 2004 über die Sammlungen des Bundesrechts und das Bundesblatt [ PublG, SR 170.512]). Art. 83 Abs. 4 MWSTG spricht in diesen nämlich davon, um Gegenstand einer Sprungbeschwerde darstellen zu können , müsse die Verfügung "motivée en détail" (detailliert begründet) bzw. "già esaustiv a- mente motivata" (bereits erschöpfend begründet) sein. 3.3.4. Wo die Grenze genau zu ziehen ist, wann eine Begründung als a n- gemessen im Sinn von Art. 82 Abs. 2 MWSTG gelten kann und wann eine in diesem Licht angemessene Begründung zur einlässlichen im Sinn von Art. 83 Abs. 4 MWSTG wird, lässt sich abstrakt nur umreissen. So ist etwa bei einfachen Sachverhalten oder klaren Rechtsfragen nicht von Vornherein ausgeschlossen, dass sich die Anforderungen an eine ang e- messene und an eine einlässliche Begründung wenig unterscheiden und die Ausführungen der verfügenden Behörde durchaus kurz ausfallen kön- nen. Andererseits ist es bei komplizierten Sachverhalten dem Verf ü- gungsadressaten und bei Weiterzug der Rechtsmittelinstanz nur möglich, die Motive und Gründe der Vorinstanz, welche zum Entscheid geführt h a- ben, nachzuvollziehen, wenn di e Begründung eine gewisse Dichte au f- weist und insbesondere der rechtserhebliche Sachverhalt und die Su b- sumtion genügend dargelegt und dabei auch die Argumente des Betro f- fenen mit ein bezogen worden sind. Je umfangreicher und komplexer ein Fall ist, desto m ehr ist eine verwaltungsexterne Rechtsmittelinstanz auf einen einlässlich begründeten Entscheid (bzw. Verfügung) der Vorinstanz angewiesen. Wenn eine Begründung mithin nur sehr kurz und wenig di f- ferenziert ausfällt, kann bei komplexen Fällen nicht von eine r einlässlich, erschöpfend begründeten Verfügung gesproche n werden und ist eine Sprungbeschwerde aus den oben genannten Gründen nicht möglich. 3.4. Die vorliegend zu beurteilenden EM 1 und EM 2 sind je zwei Seiten lang. Die ersten Seiten bestehen aus dem "Dispositiv" mit jeweils sechs Ziffern, die zweiten Seiten je aus der "Begründung" und den Rechtsmit- telbelehrungen. Die erwähnte "Begründung" enthält neben dem nachst e- hend in der Klammer wiedergegebenen Text ("Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass allfälli ge seit der Aushändigung des Kontrollergebni s- ses unter Vorbehalt gemachte Zahlungen bereits Teil dieser Verfügung sind. Sollten Sie an Ihren Einwänden festhalten wollen und damit mit der A-1184/2012 Seite 10 vorliegenden Verfügung nicht einverstanden sein, weisen wir Sie auf d as in der Rechtsmittelbelehrung beschriebene Vorgehen hin.") folgenden Hinweis: "Zur Begründung verweisen wir auf die Beiblätter". Diese wie- derum bestehen bei der EM 1 aus sechs Seiten und vier weiteren Beil a- gen und bei der EM 2 aus drei Seiten und zwei Be ilagen. Die erwähnten Beiblätter ihrerseits bestehen zu einem grossen Teil aus einer tabellar i- schen Aufstellung der von der ESTV vorgenommenen Korrekturen bei der Umsatz- und Bezugssteuer sowie beim Vorsteuerabzug. Den einzelnen Korrekturposten sind jeweil s einige Anmerkungen beigefügt . Rechtsnor- men sind keine angeführt. Die in der Folge von den Beschwerdeführe n- den bei der ESTV verlangten Erläuterungen enthalten sodann keine all- gemeine Begründung zum Fall, sondern nur eine Klarstel lung der Ziffer 5 des "Dispositivs". 3.5. Angesichts dieser Sachlage kann keine Rede davon sein, es liege eine "einlässlich begründete Verfügung" vor. Obwohl die mehrwertsteuer- liche Behandlung des vorliegenden Sachverhalts sich als von einer g e- wissen Komplexität erweist , es geht materiell um einige – umfangreich bestrittene – Fragen, etwa um solche im Zusammenhang mit der sog. Einheit des Unternehmens , enthalten die EM 1 und die EM 2 gar keine und die Beiblätter nur einige sehr kurze meist stichwortartige Erwägungen der Vorinstanz. Eine (vertiefte) Auseinandersetzung mit dem Sachverhalt, den anwendbaren Rechtsnormen oder auch den allfälligen Vorbringen der Beschwerdeführenden ist nicht zu sehen. Die Ausführungen der Vor- instanz unterscheiden sich denn auch nicht erkennbar von denjenigen in normalen Kontrollberichten bzw. in den früheren altrechtlichen Ergä n- zungsabrechnungen, worauf auch die Vorinstanz in ihrem Schreiben vom 29. Februar 2012 zu Recht hinweist und welcher Befund letztlich wohl auch von den Beschwerdeführenden geteilt wird, wenn diese die Begrün- dungen der EM 1 und der EM 2 als "nicht sehr umfangreich" bezeichnen ([…]). Unter diesen Umständen ist es jedenfalls dem Bundesverwa l- tungsgericht nicht möglich, sich aus den Einschätzungsmitteilungen hin- reichend ein Bild des Falles und der Überlegungen der Vorinstanz zu ma- chen. Die Voraussetzungen für eine Sprungbeschwerde gemäss Art. 83 Abs. 4 MWSTG sind somit nicht erfüllt. An diesem Ergebnis vermögen auch die übrigen Vorbringen der B e- schwerdeführenden, etwa dasjenige hinsichtlic h des Wunsches an einer schnellen Verfahrenserledigung, nichts zu ändern. Nicht im vorliegenden Verfahren zu befinden ist schliesslich über die Frage, ob die EM 1 und 2 den Anforderungen an eine angemessene Begründung gemäss Art. 82 A-1184/2012 Seite 11 Abs. 2 MWSTG genügen oder ob – wie dies die Beschwerdeführenden geltend machen - die "Vereinigung von Einschätzungsmitteilung und Leis- tungsverfügung" eine "Verletzung des klaren gesetzgeberischen Willens" darstellt ([…]). 3.6. Das Bundesverwaltungsgericht ist demnach für die Beurt eilung der vorliegenden Sprungbeschwerde funktional nicht zuständig . Auf die B e- schwerde ist nicht einzutreten (Art. 9 Abs. 2 VwVG) . Sie wird zuständi g- keitshalber an die Vorinstanz überwiesen (Art. 8 Abs. 1 VwVG). Dabei ist es grundsätzlich nicht Aufgabe de s Bundesverwaltungsgerichts, der ESTV vorzuschreiben, wie sie in dieser Angelegenheit weiter vorzugehen hat. Die ESTV wird sich im weiteren Verfahren und bei dessen Abschluss freilich an die gesetzlichen Vorgaben des geltenden Rechts zu halten und insbesondere dem in Art. 29 Abs. 1 BV enthaltenen Beschleunigungsg e- bot Rechnung zu tragen haben. 4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die Kosten den Beschwe r- deführenden auferlegt und im entsprechenden Umfang mit dem geleist e- ten Kostenvorschuss verrechnet (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] ). Eine Parte i- entschädigung steht den Beschwerdeführenden nicht zu (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Die Beschwerde wird zuständigkeitshalber an die Vorinstanz überwiesen. 3. Die Verfahrenskosten werden auf Fr. 1'000.-- festgesetzt und den B e- schwerdeführenden auferlegt. Sie werden im entsprechenden Umfang mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 20'000.-- verrechnet. Der Über- schuss von Fr. 19'000. -- wird den Beschwerdeführenden nach Recht s- kraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. A-1184/2012 Seite 12 Diese werden ersucht, dem Bundesverwaltungsgericht eine Auszah- lungsstelle bekannt zu geben. 4. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 5. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführenden (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. … und …; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Michael Beusch Stefano Bernasconi Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Bewei smittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: