<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 17 S.65</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">65</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>17</b></span> <span class="ft2"><b>§ 257 Abs. 1 ZPO.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Erhebungen durch den Sachverständigen. Die Aufzählung in Klammern</b></span><br/> <span class="ft2"><b>in § 257 Abs. 1 ZPO, gemäss welchem der Sachverständige mit Zustim-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mung des Richters eigene Erhebungen (Besichtigungen, Befragung der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Parteien und Dritter) machen kann, ist beispielhaft und nicht abschlies-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>send, weshalb daraus nicht geschlossen werden kann, der Beizug von Ur-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kunden durch den Experten sei unzulässig.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">66</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 14. Januar 2003</span><br/> <span class="ft3">in Sachen A. S. gegen K. Z.-M.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Gemäss § 257 Abs. 1 ZPO kann der Sachverständige mit Zu-</span><br/> <span class="ft1">stimmung des Richters eigene Erhebungen machen. Die Aufzählung</span><br/> <span class="ft1">in Klammern (Besichtigungen, Befragung der Parteien und Dritter)</span><br/> <span class="ft1">ist entgegen der Auffassung des Klägers beispielhaft und nicht ab-</span><br/> <span class="ft1">schliessend zu verstehen, andernfalls hätte der Gesetzgeber wohl ei-</span><br/> <span class="ft1">ne Formulierung wie in § 335 ZPO gewählt. Aus dem Umstand, dass</span><br/> <span class="ft1">in anderen kantonalen Zivilprozessordnungen auch Urkunden ge-</span><br/> <span class="ft1">nannt werden, kann deshalb nicht geschlossen werden, deren Beizug</span><br/> <span class="ft1">durch den Experten sei nach aargauischem Recht unzulässig.</span><br/> <span class="ft1">Es ist zwar grundsätzlich richtig, dass ein Beweisantrag auf Er-</span><br/> <span class="ft1">stattung eines Gutachtens die beweisbelastete Partei nicht von ihrer</span><br/> <span class="ft1">Obliegenheit zur Einreichung der notwendigen Urkunden entbindet,</span><br/> <span class="ft1">doch kann dies nicht dazu führen, dass sich der Gutachter strikte auf</span><br/> <span class="ft1">die im Behauptungsverfahren genannten Schriftstücke zu beschrän-</span><br/> <span class="ft1">ken hat, obwohl sein Auftrag aufgrund des ebenfalls im Behaup-</span><br/> <span class="ft1">tungsverfahren gestellten Beweisantrags umfassender ist. Der Antrag</span><br/> <span class="ft1">auf Erstattung einer Expertise ist prozessual ausreichend, ohne dass</span><br/> <span class="ft1">jedes Dokument, das der Experte für seine Arbeit kennen muss, be-</span><br/> <span class="ft1">reits im Behauptungsverfahren namentlich zu nennen bzw. bereits</span><br/> <span class="ft1">einzureichen ist. Häufig ist es den Parteien ohnehin nicht möglich,</span><br/> <span class="ft1">vorauszusehen, welche Dokumente der Experte für seine Arbeit</span><br/> <span class="ft1">überhaupt braucht (Bühler/Edelmann/Killer, Kommentar zur aargaui-</span><br/> <span class="ft1">schen Zivilprozessordnung, Aarau/Frankfurt am Main/Salzburg</span><br/> <span class="ft1">1998, N 5 zu § 257 mit Hinweisen).</span><br/></div> </div> </body> </html>