Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Juni 2016 (725 16 81) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Die Behauptung eines ungeeigneten biomechanischen U nfallvorgangs genügt alleine nicht, um die Versicherungsleistungen einzustellen. Vorliegend bestehen erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der kreisärztlichen Eins chätzung, weshalb die Unfallversiche- rung in Bezug auf die Unfallkausalität der geklagte n Schulterbeschwerden ein externes fachärztliches orthopädisches Gutachten einzuholen hat. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber i.V. Robin Eschbach Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A.1 A.____ war als Chauffeur bei der B.____ AG ange stellt und aufgrund dieses Arbeitsver- hältnisses bei der Schweizerischen Unfallversicheru ngsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 29. Juli 2015 stürzte der Versicherte von einem kippenden Küchenstuhl, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht wobei er sich gemäss Schadenmeldung UVG vom 16. Septembe r 2015 einen Riss im rechten Handgelenk zuzog. Die SUVA erbrachte in der Folge die gesetzlichen Versicherungsleistungen. A.2 Mit Verfügung vom 30. November 2015 stellte die SUVA ihre Leistungen ein. In der Be- gründung wurde ausgeführt, die verbleibenden Beschwerde n des Versicherten seien ab 27. November 2015 nicht mehr unfallbedingt. Eine hi ergegen erhobene Einsprache des Versi- cherten, wurde mit Entscheid vom 29. Februar 2015 abgewiesen. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 14. März 2016 Beschwerde beim Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht ( Kantonsgericht). Darin beantragte er, der Einspracheentscheid vom 29. Februar 2015 sei aufzuheben und es sei die Beschwerde- gegnerin zu verpflichten, rückwirkend per 27. November 2015 und bis auf Weiteres die gesetzli- chen Leistungen auszurichten. Eventualiter sei der Einspr acheentscheid vom 29. Februar 2016 aufzuheben und die Sache zwecks Neuverfügung an die SUV A zurückzuweisen; alles unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 18. April 2016 schloss di e SUVA, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer-Münch, auf Abweisung der Beschwerde, s oweit darauf einzutreten sei. Aus- serdem sei der Einspracheentscheid vom 29. Februar 2016 , womit die Verfügung der SUVA vom 30. November 2015 geschützt wird, zu bestätigen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die form- und fristgerecht beim örtlich wie sa chlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde des Versicherten ist einzutreten. 2. Mit Verfügung vom 30. November 2015 bzw. Einsprachee ntscheid vom 29. Februar 2016 stellte die Beschwerdegegnerin ihre Versicherungsl eistungen betreffend das Unfallereig- nis vom 29. Juli 2015 per 26. November 2015 (Heilkosten/ Taggeld) ein. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer über diesen Zeitpunkt hina us weiterhin Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung hat. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfa llversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligato rischen Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Per- son Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die ver- sicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Ans pruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – zunächst voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und de m eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integrit ätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusam- menhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Si nne des natürlichen Kausalzusam- menhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. n icht zur gleichen Zeit eingetreten ge- dacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall di e alleinige oder unmittelbare Ursa- che gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige In tegrität der versicherten Person beein- trächtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht w eggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (B GE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitl ichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zus ammenhangs genügt für die Begrün- dung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversiche rers erst, wenn der Unfall nicht die na- türliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darst ellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich n ach dem schicksalsmässigen Verlauf ei- nes krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (Kranken- und Unfallversicherung – R echtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 326, U 180/93 E. 3b mit Hi nweisen). Ebenso wie der leistungsbe- gründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfall en jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungs- recht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfal- les genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsau fhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsb egründender natürlicher Kausalzu- sammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person , sondern beim Unfallversicherer (Sozialversicherungsrecht – Rechtsprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2). Der Beweis des Wegfalls des natürlichen Kausalzusammenhangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorli ege oder die versicherte Per- son nun bei voller Gesundheit sei. Entscheidend ist alle in, ob unfallbedingte Ursachen des Ge- sundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, a lso dahingefallen sind (Urteil des Bundesgericht vom 10. März 2010, 8C_963/2009, E. 2.1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Zur Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge i m Bereich der Medizin ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen a ngewiesen, die ihr vorab von Ärztin- nen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterla gen nach dem für den Sozialversiche- rungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigu ng (vgl. Art. 61 lit. c des Bundesge- setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bi ndung an förmliche Beweisregeln, sowie um- fassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass d as Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel unabhängig von wem sie stammen objekti v zu prüfen und danach zu ent- scheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlä ssige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einan der widersprechenden medizini- schen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das ge samte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, weshalb es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberi chtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf a llseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussf olgerungen der Expertin oder des Ex- perten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a; 122 V 160 E. 1c). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 E. 4.4 und 4.5). So wird zur Fra ge der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach alleine ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum V ersicherungsträger nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5. Für die Beurteilung der Frage, ob zwischen dem Unfa ll vom 29. Juli 2015 und den nach wie vor geklagten Beschwerden die natürliche Kausalität zu bejahen ist, sind im Wesentlichen folgende medizinische Berichte von Relevanz: 5.1 In der Schadenmeldung UVG vom 16. September 2015 wurde festgehalten, der Be- schwerdeführer habe am 29. Juli 2015 einen Unfall erlitten und sich dabei einen Riss im rechten Handgelenk zugezogen. 5.2 Der erstbehandelnde Arzt Dr. med. C.____, FMH Rad iologie, stellt im Bericht vom 1. September 2015 folgende Diagnosen: Eine transtendi nöse Ruptur der Subscapularissehne nahe am Ansatz am Tuberculum minus sowie eine Ruptur der Kapselstrukturen im vorderen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Intervall. Eine fortgeschrittene, subtotale Partialruptur der ventralen Supraspinatussehne mit nur noch dünnem Sehnenrest. Eine AC-Gelenkarthrose ohne re levante subakromiale Osteophyten. Es liege keine Muskelatrophie vor. 5.3 Im Bericht von Dr. med. D.____, FMH Orthopädische C hirurgie, vom 28. September 2015 stellt dieser fest, klinisch würden eindeutig Hinwe ise für eine Supraspinatus- und Subsca- pularisruptur bestehen. Aufgrund der therapieresistent en Beschwerden sowie Kraftminderung sei die Indikation zur Schulterarthroskopie mit Supraspi natusrefixation sowie kranialer Subsca- pularisrefixation gegeben. 5.4 In der ärztlichen Beurteilung vom 25. November 20 15 führt der Kreisarzt Dr. med. E.____, FMH Chirurgie, aus, der Unfallmechanismus mit einer direkten Kontusion der Schulter sei nicht geeignet, eine traumatische Rotatorenmansche ttenruptur herbeizuführen. Es sei viel- mehr von einer degenerativen Rotatorenmanschettenruptu r auszugehen. Dafür würden auch die MR-tomographisch darstellbare AC-Gelenksarthrose sowie die erosiven Veränderungen der Tuberculum majus-Kopfkontur sprechen. Auch die fortgesch rittene, subtotale Partialruptur der ventralen Supraspinatussehne weise auf ein degenerative s Geschehen hin. Die Folgen der Schulterkontusion seien in der Regel nach sechs Wochen, sp ätestens nach zwei Monaten ab- geheilt, die Rotatorenmanschettenruptur sei nicht unf allbedingt. Somit sei davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt Unfallfolgen im Beschwerdebild d es Versicherten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Rolle mehr spielen würden. 5.5 Dr. D.____ stellt im Operationsbericht vom 27. Novem ber 2015 folgende Diagnosen: Eine traumatisch bedingte kraniale Subscapularisruptur, eine Supraspinatusruptur in der rech- ten Schulter und ein Impingement-Syndrom. Der Versich erte sei am 29. Juli 2015 von einem Stuhl heruntergestürzt und direkt auf die rechte domin ante Schulter geprallt. Seither klage er über therapieresistente Schmerzen, vor allem auch nach ts. Klinisch sowie im Arthro-MRI zeige sich eine grosse 2-Sehnen-Rotatorenmanschettenruptur (S ubscapularissehne sowie Supraspi- natussehne). Aufgrund der therapieresistenten Beschwerden sei nun die Indikation zur Schul- terarthroskopie mit Rotatorenmanschettenrekonstruktion rechts gegeben. 5.6 Mit Bericht vom 7. Dezember 2015 stellt Dr. D.____ fest, dass die grosse Rotatoren- manschettenruptur des Versicherten seiner Ansicht nach auf den Unfall vom 29. Juli 2015 zu- rückzuführen sei. Typischerweise würden sich traumatische Rot atorenmanschettenrupturen nach Sturz auf die Schulter ereignen. Initial habe de r Versicherte den Arm unmittelbar nach dem Unfall nicht anheben können, was auch für eine traumatische Rotatorenmanschettenruptur spreche. Im Arthro-MRI vom 1. September 2015 zeige sich keine Atrophie und keine Verfettung der Muskulatur, was gegen eine degenerative Rotatorenm anschettenruptur spreche. In der Arthroskopie habe sich auch gezeigt, dass die Sehnenqual ität sehr gut sei und sich die Sehne wieder gut ans Tuberculum majus habe fixieren lassen. 5.7 In der ärztlichen Beurteilung von Dr. E.____ vom 11. Dezember 2015 hält dieser an seiner bisherigen Einschätzung fest, das Ereignis vom 29. Juli 2015 sei vom Unfallmechanis- mus und der Biomechanik her nicht geeignet, eine trauma tische Rotatorenmanschettenverlet- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zung hervorzurufen. Bei einem Unfallmechanismus komme es nicht zu einer ruckartigen Bewe- gung des Armes im Sinne eines Subluxationsereignisses, w elche die Sehnen durchtrennen könnte. Auch anlässlich der arthroskopischen Operation wü rden ausgefranste Sehnen be- schrieben und bei der Subscapularissehne eine eingeschränk te Elastizität, was ebenfalls auf ein degeneratives Geschehen hinweise. 6.1 Der Beschwerdeführer rügt im Wesentlichen, die Beu rteilungen des Kreisarztes Dr. E.____ vom 25. November 2015 und 11. Dezember 2015, welche Grundlage des angefoch- tenen Einspracheentscheides bilden würden, seien nicht beweiskräftig. Der Einspracheent- scheid vom 29. Februar 2016 sei diesbezüglich gestützt auf e inen falschen Sachverhalt, in Ver- letzung der Regeln zur Beweiswürdigung sowie eventualit er in unvollständiger Feststellung des Sachverhaltes ergangen. 6.2 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in ihrem Einsprach eentscheid vom 29. Februar 2016 auf die Ausführungen von Dr. E.____ vom 25. Nove mber 2015 und 11. Dezember 2015. Sie kommt dabei zum Schluss, dass eine Kontusion der Sch ulter vom Unfallmechanismus und der Biomechanik nicht geeignet sei, eine traumatische R otatorenmanschettenruptur entstehen zu lassen. Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davo n auszugehen, dass die vom Ver- sicherten über den 26. November 2015 hinaus noch beklagt en Schulterschmerzen nicht mehr auf das Unfallereignis vom 29. Juli 2015 zurückzuführen seien. Der Kreisarzt begründe unter Hinweis auf die bildgebenden Unterlagen der MR-Arthographie vom 1. September 2015 und die intraoperativen Befunde vom 27. November 2015 in überzeugender Weise, dass der Status quo sine vel ante nach spätestens zwei Monaten erreicht worden sei. Die erhobenen strukturellen Schädigungen seien degenerativer Natur. Für die nach der Leistungseinstellung am 26. No- vember 2015 beklagten Beschwerden bestehe gegenüber der SUVA kein Anspruch mehr auf Versicherungsleistungen. 7. Dieser Auffassung kann aus nachfolgenden Gründen nich t gefolgt werden. Da Dr. E.____ als Kreisarzt ein verwaltungsinterner Arzt ist, sind bei der Würdigung seiner Beurtei- lungen strenge Anforderungen zu stellen. Wenn auch nu r geringe Zweifel an deren Zuverläs- sigkeit und Schlüssigkeit bestehen, sind ergänzende Abkläru ngen vorzunehmen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2, 135 V 465 E. 4.4). Solche Zweifel sind vorliegend nicht von der Hand zu weisen. Dr. E.____ führt aus, dass der Unfallmechani smus mit einer direkten Kontusion der Schulter nicht geeignet sei, eine Rotatorenmanschettenr uptur zu verursachen. Es sei vielmehr von einer degenerativen Rotatorenmanschettenruptur auszug ehen. Er widerspricht damit der Einschätzung von Dr. D.____, der – insbesondere in se inem Bericht vom 7. Dezember 2015 – ausführt, dass nach seinem Dafürhalten die grosse Rotat orenmanschettenruptur auf den Unfall vom 29. Juli 2015 zurückzuführen sei. In seinem zweiten Be richt vom 14. Dezember 2015 geht Dr. E.____ nicht auf die Argumente von Dr. D.____ e in (vgl. E. 5.6), welche für eine traumati- sche Ruptur sprechen. Er weist lediglich nochmals auf de generative Gelenkschäden hin und stellt fest, dass ein Sturz direkt auf die Schulter eine Ruptur der Rotatorenmanschette biome- chanisch nicht bewirken könnte. Diesbezüglich ist jedoch zu beachten, dass im ursprünglichen Unfallbericht vom 16. September 2015 der Unfallherga ng derart beschrieben wird, dass der Beschwerdeführer beim Sturz von einem Küchenstuhl mit d er Hand auf einem Tisch aufge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlagen sei; der Unfallvorgang wird in den Akten somit n icht einheitlich dargestellt. Des Weite- ren ist zu berücksichtigen, dass Dr. D.____ die Schädigung d es Schultergelenks anlässlich der Operation vom 27. November 2015 mit eigenen Augen gese hen hat, wogegen die Einschät- zung von Dr. E.____ ausschliesslich auf Akten beruht. Insg esamt bestehen deshalb Zweifel an der Richtigkeit der kreisärztlichen Einschätzung. Die Be richte des behandelnden Arztes Dr. D.____ andererseits genügen – auch wenn sie Zweif el an der Einschätzung von Dr. E.____ hervorrufen – wegen einer zu knappen Begründung allein e nicht, um die Kausalität der Schul- terbeschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu be weisen. Es ist deshalb festzustel- len, dass die Frage der Unfallkausalität zwischen dem Er eignis vom 29. Juli 2015 und den ge- klagten Schulterbeschwerden des Beschwerdeführers gestützt auf die vorhandene medizini- sche Aktenlage nicht abschliessend beurteilt werden kann. 8. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, die Ang elegenheit an die Beschwerde- gegnerin zurückzuweisen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre chung können die Sozialver- sicherungsgerichte zwar nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsache an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst die nötigen Abklärungen vorzunehmen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren and erweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in ei- nem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist (vgl. BGE 137 V 263 E. 4.4.1 ff.). Da die Beschwerdegegnerin vorliegend nicht alle notwendigen Abklärungen betreffend die Unfallkau- salität vorgenommen hat und es nicht die Aufgabe der ka ntonalen Gerichte ist, im Verwaltungs- verfahren versäumte Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Beschwerde- gegnerin auch unter Berücksichtigung der zitierten Recht sprechung des Bundesgerichts nichts entgegen. Demzufolge ist die Angelegenheit in Aufhebu ng des angefochtenen Einspracheent- scheids vom 29. Februar 2015 an die Beschwerdegegnerin zu rückzuweisen. Diese hat weitere medizinische Abklärungen in Bezug auf die Unfallkausalität der geklagten Schulterbeschwerden in Form eines externen fachärztlichen orthopädischen Gutachtens vorzunehmen. 9. Zusammenfassend ist aufgrund der vorstehenden Ausführu ngen festzustellen, dass die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen ist, als der Ei nspracheentscheid der SUVA vom 29. Februar 2015 aufzuheben und die Angelegenheit zu r Vornahme weiterer medizinischer Ab- klärungen im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. 10. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. 11. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiell- rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Ein- spracheentscheid der SUVA vom 29. Februar 2016 aufgehob en und die Angelegenheit zur Vornahme weiterer medizinischer A bklärungen im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht