Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 26. Januar 2022 (810 21 260) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Erteilung einer Pflegeplatzbewilligung / Anspruch auf rechtliches Gehör Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Nikla us Ruckstuhl, Markus Clausen, Hans Furer, Stefan Schulthess, Gerichtsschreiber Marius Wehren Beteiligte A.____ und B.____ , Beschwerdeführende 1 und 2 C.____ , Beschwerdeführerin 3 alle vertreten durch Joël Naef, Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde D.____ , Vorinstanz Betreff Pflegeplatzbewilligung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde D.____ vom 13. August 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Entscheid des interkommunalen Zentrums für Sozia larbeit E.____ (Nordmazedoni- en; nachfolgend: interkommunales Zentrum) vom 25. März 2 020 wurde B.____ als Vormundin von C.____ (geb. 2005) ernannt. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass der Vater von C.____ verstorben und die Mutter mit ihrem neuen Partner nach Serbien weggezo- gen sei. B. Im Sommer 2020 stellte der Ehemann von B.____, A. ____, welcher am 24. Januar 2020 in die Schweiz eingereist war und über die Aufent haltsbewilligung verfügt, beim Amt für Migration und Bürgerrecht (AfMB) des Kantons Basel-Lan dschaft das Gesuch um Familien- nachzug für seine Ehefrau und die beiden leiblichen Kinder sowie C.____. C. Mit Entscheid vom 17. Juli 2020 bewilligte das inter kommunale Zentrum den Wechsel des Wohnorts von C.____ und deren Umzug zu ihrer Vormundin in die Schweiz. D. Am 15. Oktober 2020 bewilligte das AfMB den Famili ennachzug für B.____ und die beiden leiblichen Kinder. Die Erteilung einer Aufent haltsbewilligung für C.____ wurde vom Vor- liegen einer Pflegeplatzbewilligung abhängig gemacht. E. Mit E-Mail vom 21. Oktober 2020 erkundigte sich F._ ___ als Vertreter von A.____ und B.____ bei der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde D.____ (KESB) nach dem Vorgehen im Hinblick auf die Erteilung einer Pflegepl atzbewilligung für C.____. Die KESB teilte mit E-Mail vom 22. Oktober 2020 mit, dass ein Verfahren auf Prüfung eines Pflegeverhältnisses erst eröffnet werde, wenn von den Gesuchstellern alle n otwendigen Unterlagen eingereicht worden seien, und liess den Ehegatten A.____ und B.___ _ ein Merkblatt zur Aufnahme auslän- discher Pflegekinder zukommen. F. Am 26. Mai 2021 übermittelte F.____ der KESB ver schiedene Unterlagen, darunter die beiden Entscheide des interkommunalen Zentrums vom 25. März 2020 und 17. Juli 2020. G. Am 30. Juni 2021 führte die KESB ein Gespräch mit C.____ in Anwesenheit von A.____ und B.____ durch. Das Gespräch wurde auf die Fra ge beschränkt, ob C.____ während der Dauer des Verfahrens um Erteilung einer Pflegepla tzbewilligung kindswohlgerecht bei A.____ und B.____ untergebracht ist. H. Mit Entscheid der KESB vom 13. August 2021 wurde A. ____ und B.____ die Bewilli- gung zur Aufnahme von C.____ als Pflegekind verweiger t. Zur Begründung wurde im Wesentli- chen ausgeführt, dass es im Fall von C.____ an einem wicht igen Grund mangle, welcher die Erteilung einer Pflegeplatzbewilligung rechtfertigen würde. I. Gegen diesen Entscheid erhoben A.____ und B.____ (nachfolgend: Beschwerdefüh- rende 1 und 2) sowie C.____ (nachfolgend: Beschwerdef ührerin 3), vertreten durch Joël Naef, Advokat, mit Eingabe vom 13. September 2021 Beschwerd e beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Sie stellen das Begehren, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Pflegeplatzb ewilligung für C.____ zu erteilen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eventualiter sei die Angelegenheit zur Abklärung des Sachverhalts und zu neuem Entscheid an die KESB zurückzuweisen und C.____ persönlich anzuhören, dies evtl. verbunden mit der Wei- sung, Abklärungen hinsichtlich der Eignung der Beschwerde führenden 1 und 2 als Pflegeeltern zu treffen; alles unter o/e-Kostenfolge. Zudem ersuchen die Beschwerdeführenden um unent- geltliche Rechtspflege. J. Mit Vernehmlassung vom 19. Oktober 2021 beantragt die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. K. Mit Verfügung vom 1. November 2021 wurde der Fal l der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Von Beweismassnahmen wurde abgesehen und di e entsprechenden Beweisan- träge der Beschwerdeführenden wurden abgewiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit Art. 3 14 Abs. 1 ZGB kann gegen Ent- scheide der Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständige n Gericht erhoben werden. Zu- ständiges Gericht im Sinne dieser Bestimmung ist nach § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Ein- führung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 das Kantonsgericht, Abtei- lung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Das Verfahren ri chtet sich vorab nach Art. 450 ff. ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Pe rsonen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahestehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änd erung des angefochtenen Ent- scheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführenden sind al s Verfahrensbeteiligte zur Beschwer- de legitimiert. Da auch die übrigen formellen Voraus setzungen erfüllt sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 2. Nach Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachve rhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Strittig ist, ob die Vorinstanz zu Recht das Gesuch der Beschwerdeführenden 1 und 2 um Erteilung einer Pflegeplatzbewilligung für die Beschwerdeführerin 3 abwies. 4. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, dem Entscheid des interkommunalen Zent- rums vom 25. März 2020 könne entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin 2 als Vor- mundin der Beschwerdeführerin 3 eingesetzt werde, da deren Kindsvater verstorben sei und die Kindsmutter mit ihrem neuen Ehemann nach Serbien umzie hen wolle. Die Tatsache, dass der Vater der Beschwerdeführerin 3 bereits im Jahr 2012 vers torben sei, sie jedoch erst im März 2020 bzw. vier Monate vor Erteilung der Bewilligung z ur Ausreise in die Schweiz unter die Vor- mundschaft der Beschwerdeführerin 2 gestellt worden se i, lasse ohne weiteres darauf schlies- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen, dass die Mutter die elterliche Sorge im Hinblick auf die geplante Ausreise ihrer Tochter in die Schweiz abgegeben habe. Weiter könne dem E-Mail vom 21. Oktober 2020 entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin 3 primär wegen der besseren Ausbildungsbedingungen in der Schweiz leben möchte, damit sie ihre Familie ein mal unterstützen könne, was aus Sicht der Jugendlichen durchaus verständlich sei. Zusammengefass t gehe aus den eingereichten Unterlagen in keiner Weise hervor, dass vorliegend ein wichtiger Grund im Sinne von Art. 6 der Verordnung über die Aufnahme von Pflegekindern (Pfle gekinderverordnung, PAVO) vom 19. Oktober 1977 für die Aufnahme eines ausländischen Pf legekindes gegeben sei. Dass die Vormundin und ihr Ehemann ihr Mündel ohne Abklärung der Voraussetzungen und insbesonde- re ohne das vorgängige Einholen der Pflegeplatzbewill igung gemäss Art. 8 PAVO in die Schweiz genommen und damit Tatsachen geschaffen hätten , ändere insbesondere aufgrund des Alters der Beschwerdeführerin 3 nichts an der Beur teilung des Vorliegens eines wichtigen Grundes gemäss Art. 6 Abs. 1 PAVO. 5.1 Wer Pflegekinder aufnimmt, bedarf gemäss Art. 316 Abs. 1 ZGB einer Bewilligung der Kindesschutzbehörde oder einer anderen vom kantonalen Recht bezeichneten Stelle seines Wohnsitzes und steht unter deren Aufsicht. Der Bundesrat hat die entsprechenden Ausfüh- rungsvorschriften (Art. 316 Abs. 2 ZGB) in der PAVO erl assen. Danach ist beim Entscheid über die Erteilung einer Bewilligung sowie bei der Ausübu ng der Aufsicht vorrangig das Kindeswohl zu berücksichtigen (Art. 1a Abs. 1 PAVO). Die Aufnahme ei nes ausländischen Kindes bedarf einer kindesschutzbehördlichen (Art. 316 Abs. 1 ZGB und Art. 4 ff. PAVO) sowie einer auslän- derrechtlichen Bewilligung (Art. 33 der Verordnung ü ber Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstä- tigkeit [VZAE] vom 24. Oktober 2007 i.V.m. Art. 8 Abs. 4 PAVO). Beide Bewilligungen müssen vor der Aufnahme des Kindes eingeholt werden (Art. 8 Abs. 1 PAVO; vgl. Urteil des Bundesge- richts 5A.1/2001 vom 19. April 2001 E. 3a). Eine Pfle geplatzbewilligung darf nur erteilt werden, wenn die Pflegeeltern und ihre Hausgenossen nach Persö nlichkeit, Gesundheit und erzieheri- scher Eignung sowie nach den Wohnverhältnissen für gute Pflege, Erziehung und Ausbildung des Kindes Gewähr bieten und das Wohl anderer in der Pflegefamilie lebender Kinder nicht gefährdet wird (Art. 5 Abs. 1 PAVO). Wird keine Adop tion angestrebt, so kann ein ausländi- sches Kind, das bisher im Ausland gelebt hat, in der Sch weiz nur aufgenommen werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (Art. 6 Abs. 1 PAVO). D ie Pflegeeltern müssen eine schriftliche Er- klärung des nach dem Recht des Herkunftslandes des Kindes zu ständigen gesetzlichen Vertre- ters vorlegen, in der dieser angibt, zu welchem Zweck d as Kind in der Schweiz untergebracht werden soll. Ist diese Erklärung nicht in einer schweizerischen Amtssprache abgefasst, so kann die Behörde eine Übersetzung verlangen (Art. 6 Abs. 2 PAVO). Die Pflegeeltern müssen sich zudem schriftlich verpflichten, ohne Rücksicht auf die Entwi cklung des Pflegeverhältnisses für den Unterhalt des Kindes in der Schweiz wie für den eines eigenen aufzukommen und dem Gemeinwesen die Kosten zu ersetzen, die es an ihrer St elle für den Unterhalt des Kindes ge- tragen hat (Art. 6 Abs. 3 PAVO). 5.2 Seitens der Beteiligten ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin 2 rechtsgültig als Vormundin der Beschwerdeführerin 3 eingesetzt wurde. D ie Vorinstanz macht namentlich nicht geltend, dass dem diesbezüglichen Entscheid des interkomm unalen Zentrums vom 25. März 2020 die Anerkennung zu versagen wäre. Ebenfalls wird vo n den Beteiligten nicht in Frage ge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellt, dass der Vormund bzw. die Vormundin einer Pflegeplatzbewilligung gemäss Art. 316 ZGB in Verbindung mit Art. 4 ff. PAVO bedarf, wenn er b zw. sie das Kind in die eigene Hausgemein- schaft aufnimmt (vgl. K URT AFFOLTER -FRINGELI /U RS VOGEL , Berner Kommentar: Minderjährige unter Vormundschaft, Art. 327a-327c ZGB, Bern 2016, N 50 zu Art. 327c). 6.1 Die Beschwerdeführenden rügen in formeller Hinsicht eine Verletzung des Untersu- chungsgrundsatzes (Art. 446 ZGB) sowie des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenosse nschaft [BV] vom 18. April 1999). Insbesondere habe es die Vorinstanz unterlassen, d ie Beschwerdeführerin 3 persönlich anzuhören (Art. 314a Abs. 1 ZGB und Art. 12 des Über einkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes [Kinderrechtskonvention, KRK]) . Zwar habe die Beschwerdeführe- rin 3 mit ihrem "Lebenslauf" eine schriftliche Stellun gnahme eingereicht. Dies entbinde die Vor- instanz jedoch nicht von der persönlichen Anhörung der Jug endlichen. Dem angefochtenen Entscheid fehlten zudem Ausführungen zur Verhältnismäs sigkeit der Verweigerung der Pflege- platzbewilligung. Namentlich fehle eine Auseinandersetzung damit, welchen Einfluss es auf das Kindeswohl hätte, wenn die Pflegeplatzbewilligung verw eigert und die Beschwerdeführerin 3 von den Beschwerdeführenden 1 und 2 getrennt würde. E s sei unklar, ob eine diesbezügliche Überprüfung der Massnahme überhaupt stattgefunden habe bzw. von welchen Überlegungen sich die Behörde in dieser Hinsicht habe leiten lassen. Di e Anfechtung des Entscheids werde dadurch erheblich erschwert, was den Anspruch auf rechtliches Gehör ebenfalls verletze. 6.2 Die Vorinstanz entgegnet in ihrer Vernehmlassung, sie habe im Mai/Juni 2021 zu- nächst die allfällige Anordnung von Kindesschutzmassnahmen zu prüfen gehabt. In diesem Zusammenhang seien die Beschwerdeführenden zu einem Gesp räch mit einem Spruchkörper- mitglied der KESB eingeladen worden. Aufgrund des Er gebnisses dieses Gesprächs habe die KESB keinen Grund für die vorläufige Anordnung von K indesschutzmassnahmen gesehen. Im Weiteren sei zur Klärung der Situation der Beschwerd eführerin 3 so rasch wie möglich über die Pflegeplatzbewilligung zu befinden gewesen. Aufgrund der Tatsache, dass sich die Jugendliche bereits zu einem Zeitpunkt in der Schweiz aufgehalten h abe, da der KESB noch gar kein Ge- such um Pflegeplatzbewilligung bzw. später dann ein Gesu ch mit ungenügenden Unterlagen vorgelegen habe, sei es für die KESB schlicht unmöglich g ewesen, das in solchen Fällen übli- che Verfahren ordentlich durchzuführen. Die KESB habe daher das Vorliegen des wichtigen Grundes gemäss Art. 6 Abs. 1 PAVO gestützt auf die im Au gust 2021 vorliegenden Unterlagen geprüft und befunden, dass die Voraussetzungen für das Vorliegen des wichtigen Grundes nicht erfüllt seien. Bei der üblichen Ausgangslage – da s aufzunehmende Kind befinde sich noch im Ausland – hätte die KESB die Möglichkeit gehabt und wohl auch genutzt, bei den Gesuch- stellern weitere Unterlagen einzufordern, beispielswei se einen ausführlichen Sozialbericht über die familiären Verhältnisse und Unterbringungsmöglichk eiten bei der Mutter in Serbien oder anderen Verwandten oder einer Institution in Nordma zedonien. In diesem Zusammenhang sei anzumerken, dass Abklärungen im Ausland erfahrungsgemäss s ehr aufwändig und zeitintensiv seien. Dass die Gesuchsteller in klarer Nichteinhaltung von Art. 8 Abs. 1 PAVO die Jugendliche ohne Vorliegen der Pflegeplatzbewilligung bei sich in der Schweiz aufgenommen hätten, könne nicht dazu führen, dass es dadurch Aufgabe der KESB anste lle der Gesuchsteller gewesen wäre, das Vorliegen des wichtigen Grundes darzutun bzw. die entsprechenden Abklärungen in Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht eigener Regie vorzunehmen, wie dies die Beschwerdeführ enden gestützt auf den Untersu- chungsgrundsatz forderten. Aufgrund des ausführlichen Lebenslaufs der Beschwerdeführerin 3 und der Tatsache, dass die Jugendliche im Verfahren au f Prüfung von Kindesschutzmassnah- men am 30. Juni 2021 bereits von einem Spruchkörpermitg lied angehört worden sei, habe die KESB auf eine nochmalige Anhörung verzichtet. 6.3.1 Die KESB ist in Verfahren betreffend die Pfleg ekinderaufsicht, welche als Teilgehalt die Bewilligung des Pflegekinderverhältnisses umfasst, an da s Verhältnismässigkeitsprinzip sowie den Untersuchungsgrundsatz gebunden und muss die Eltern, die Pflegeeltern und das Kind am Verfahren beteiligen (vgl. S YBILLE GASSNER , Pflegeeltern im Dreieck zwischen Eltern, Kind und KESB - Rechtliche Rahmenbedingungen für das Gelingen eines Dauerfamilienpflegeverhältnis- ses, Zürich 2018, N 522 ff. und N 537 ff.). Der Unters uchungsgrundsatz im Sinne von Art. 446 ZGB bedeutet, dass alle zur Klärung des entscheidrele vanten Sachverhalts erforderlichen Ab- klärungen und Beweiserhebungen von Amtes wegen vorzuneh men sind (vgl. Urteil des Bun- desgerichts 5A_922/2017 vom 2. August 2018 E. 5.2). Er wird durch die in Art. 448 Abs. 1 ZGB statuierte Mitwirkungspflicht der Parteien relativiert. Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Par- teien zudem Anspruch auf rechtliches Gehör. In Konkre tisierung der Ansprüche aus Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 12 KRK regelt Art. 314a Abs. 1 ZGB , dass das Kind durch die Kindes- schutzbehörde oder durch eine beauftragte Drittperson in geeigneter Weise persönlich angehört wird, soweit nicht sein Alter oder andere wichtige Grü nde dagegensprechen. Die Anhörung des Kindes ist zum einen Ausfluss seiner Persönlichkeit und dient zum anderen der Sachverhalts- feststellung (vgl. Urteile des Bundesgerichts 5A_750/20 20 und 5A_751/2020 vom 6. Mai 2021 E. 6.3; 5A_92/2020 vom 25. August 2020 E. 3.3.1; BGE 146 III 203 E. 3.3.2; BGE 131 III 553 E. 1.1). 6.3.2 Der Vorinstanz ist dahingehend beizupflichten, d ass gemäss Art. 8 Abs. 1 PAVO die künftigen Pflegeeltern verpflichtet sind, die Pflegep latzbewilligung vor Aufnahme des Kindes einzuholen. Die Bewilligung für die Aufnahme eines au sländischen Kindes wird zudem erst wirksam, wenn die kantonale Migrationsbehörde das Visu m erteilt oder die Aufenthaltsbewilli- gung zugesichert hat (Art. 8 Abs. 4 in Verbindung mit Art. 8a Abs. 2 PAVO). Aufgrund des in der Verordnung vorgesehenen Verfahrensablaufs kann das au fzunehmende Kind von den schwei- zerischen Behörden im Regelfall somit nicht angehört we rden. Dessen ungeachtet ist die Mei- nung des Kindes, wenn es wie vorliegend bereits in der S chweiz anwesend ist, im Verfahren betreffend Erteilung einer Pflegeplatzbewilligung zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesge- richts 5A.1/2001 vom 19. April 2001 E. 6b). Die Beschwerdeführerin 3, welche sich im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs bereits in der Schweiz bef and, war demnach in Bezug auf die vorliegende Streitsache anzuhören, was von der Vorinstanz zu Recht nicht bestritten wird. 6.3.3 Die Vorinstanz stellt sich in der Vernehmlassung a uf den Standpunkt, dass die Be- schwerdeführerin 3 im Verfahren auf Prüfung von Kindessc hutzmassnahmen am 30. Juni 2021 angehört worden sei, weshalb auf eine nochmalige Anh örung habe verzichtet werden können. Anlässlich der erwähnten Anhörung habe die Jugendliche namentlich auch Gelegenheit gehabt, sich über die Vorgeschichte und die Gründe für ihren Um zug in die Schweiz zu äussern. Der Argumentation der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden: Die fragliche Anhörung, welche im Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beisein des Beschwerdeführenden 1 und 2 erfolgte, wurd e ausdrücklich auf die Frage be- schränkt, ob die Beschwerdeführerin 3 während der Dauer des Verfahrens um Erteilung einer Pflegeplatzbewilligung kindswohlgerecht bei A.____ und B.____ untergebracht ist. Die Anhö- rung erfolgte somit nicht bezogen auf die Thematik de s vorliegenden Verfahrens, welches den dauerhaften Verbleib der Beschwerdeführerin 3 bei de n Beschwerdeführenden 1 und 2 im Rahmen eines Pflegeverhältnisses betrifft. Dem Protoko ll zur Anhörung vom 30. Juni 2021 las- sen sich zu dieser Frage denn auch keine substantiellen Ausführungen der Beschwerdeführerin 3 entnehmen. Der Verweis der Vorinstanz auf den einger eichten "Lebenslauf" der Beschwerde- führerin 3 genügt in diesem Zusammenhang nicht und ve rmag eine persönliche Anhörung der Beschwerdeführerin 3 nicht zu ersetzen. Eine solche wär e nicht zuletzt zur Sachverhaltsabklä- rung – namentlich zur Frage der Betreuungssituation in Nordmazedonien, welche für die Beur- teilung des Vorliegens eines wichtigen Grundes im Sin ne von Art. 6 Abs. 1 PAVO von Bedeu- tung ist – unabdingbar gewesen. 6.3.4 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass die Vorin stanz zu Unrecht von einer Anhö- rung der Beschwerdeführerin 3 zur Frage des Pflegeverh ältnisses abgesehen hat. Eine zu Un- recht unterbliebene Anhörung ist nachzuholen, wobei ei ne Heilung durch oberinstanzliche An- hörung auch bei Kindern lediglich ausnahmsweise zulässi g ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_2/2016 vom 28. April 2016 E. 2.3). Von einer Heilung des Verfahrensmangels durch gericht- liche Anhörung der Beschwerdeführerin 3 ist im vorliege nden Fall abzusehen, zumal sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufzuzeigen ist (E. 6.4.1 f. hiernach) – auch hinsichtlich der ge- rügten Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und des Anspruchs auf rechtliches Gehör der Beschwerdeführenden 1 und 2 als begründet erweist. 6.4.1 Die Vorinstanz macht wie bereits ausgeführt (E. 6 .2 hiervor) geltend, dass es ihr auf- grund des Aufenthalts der Beschwerdeführerin 3 in der S chweiz vor Erteilung der Pflegeplatz- bewilligung nicht möglich gewesen sei, das übliche Verfahren ordentlich durchzuführen. 6.4.2 Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass die Besch werdeführerin 3 das Verfahren um Erteilung einer Pflegeplatzbewilligung im Ausland hät te abwarten müssen und das Vorgehen der Beschwerdeführenden insofern nicht verordnungskonfor m war. Die unbewilligte Aufnahme der Beschwerdeführerin 3 bzw. das dadurch geschaffene " fait accompli" kann jedoch nicht zur Folge haben, dass die KESB die für das Bewilligungsverf ahren notwendigen Abklärungen nicht durchzuführen hätte. Dass sich die entsprechenden Abklärun gen aufgrund des Aufenthalts der Jugendlichen in der Schweiz allenfalls schwieriger gestalt en, ändert daran nichts. Soweit die KESB dafür auf die Mitwirkung der Beschwerdeführenden angewiesen ist, hat sie diesen die Gelegenheit zu geben, zu allfälligen Fragen Stellun g zu nehmen bzw. allfällige fehlende Unter- lagen beizubringen. Weshalb es der Vorinstanz im vorlieg enden Fall verunmöglicht gewesen sein soll, die von ihr angeführten Abklärungen – unter Mitwirkung der Beschwerdeführenden – vorzunehmen, erschliesst sich nicht. Das Vorgehen der Vori nstanz steht insofern im Wider- spruch zum Untersuchungsgrundsatz (Art. 448 Abs. 1 ZGB) sow ie zum Anspruch auf rechtli- ches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5.1 Nach dem Gesagten ist der angefochtene Entscheid in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 6.5.2 Im Rahmen der Neubeurteilung wird die Vorinsta nz nebst der Anhörung der Be- schwerdeführerin 3 die gebotenen Abklärungen vorzunehmen und im Anschluss daran neu über das Gesuch der Beschwerdeführenden 1 und 2 zu befi nden haben. Dabei wird im Zu- sammenhang mit der Voraussetzung des wichtigen Grundes im Sinne von Art. 6 Abs. 1 PAVO zu beurteilen sein, ob die Verweigerung der Pflegepla tzbewilligung im Hinblick auf die Betreu- ungssituation in der Heimat der Beschwerdeführerin 3 m it dem Kindeswohl vereinbar bzw. ver- hältnismässig ist. Ungeachtet des Umstands, dass die Beschwe rdeführenden den in der Ver- ordnung vorgesehenen Verfahrensablauf missachtet haben , wird unter dem Gesichtspunkt des Kindeswohls auch die mittlerweile erfolgte Integration der Beschwerdeführerin 3 in der Schweiz gebührend zu berücksichtigen sein. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Im vorliegenden Fall sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- der unterliegenden Vorinstanz aufzuerlegen. 7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Ausgangsgemäss ist den Beschwerdeführenden eine Par- teientschädigung zulasten der Vorinstanz zuzusprechen, wo bei sich das in der Honorarnote vom 3. November 2021 ausgewiesene Honorar in der Höhe von Fr. 3'443.85 (inkl. Auslagen) für das Verfahren vor Kantonsgericht als angemessen erweist. 7.3 Das Gesuch der Beschwerdeführenden um unentgeltlich e Rechtspflege erweist sich bei diesem Ausgang als gegenstandslos. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde D.____ vom 13. August 2021 aufg ehoben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung im Sinne d er Erwägungen an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde D.____ zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde D.____ auferlegt. 3. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde D.____ hat den Beschwer- deführenden eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'443.85 (inkl. Auslagen) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiber