Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 10. Oktober 2017 (460 17 9) ____________________________________________________________________ Strafrecht Mehrfache qualifizierte Veruntreuung Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Stephan Gass (Ref.), Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiber Dominik Haffter Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung WK, Rheinstrasse 27, 4410 Liestal, Anklagebehörde A.____, gesetzlich vertreten durch Beiständin B.____, Privatklägerin Einwohnergemeinde C.____, Privatklägerin D.____, vertreten durch Rechtsanwalt Nihat Tektas, Vordergasse 80, 8201 Schaffhausen, Privatkläger gegen E.____, vertreten durch Advokat Silvio Bürgi, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Mehrfache qualifizierte Veruntreuung etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 1. November 2016 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil vom 1. November 2016 erklärte das Strafgericht Basel -Landschaft E.____ der mehrfachen qualifizierten Veruntreuung schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingt vol l- ziehbaren Freiheitsstrafe von 6 Monaten, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme vom 3. bis zum 5. Dezember 2014 von 3 Tagen (Ziffer 1a des vor instanzlichen Urteilsdispositivs). Ferner sprach die Vorinstanz E.____ von der Anklage des gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen Geldwäscherei sowie der qualifizierten V eruntreuung im Betrag von Fr. 600.--, be- gangen am 11. April 2008, frei (Ziffer 1b des vor instanzlichen Urteilsdispositivs). Im Weiteren ordnete das Strafgericht für die Dauer der Probezeit Bewährungshilfe an und erteilte darüber hinaus E.____ folgende Weisungen: E.____ hat sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben, solange es die zuständige Fachperson als notwendig erachtet. E.____ wird untersagt, in der Angelegenheit F.____ Geldtransfers jeglicher Art – sei es per- sönlich, sei es durch Dritte – vorzunehmen oder vornehmen zu lassen. E.____ wird angewiesen, seine E-Mail-Adressen und Telefonnummern zu wechseln und jeg- liche Kontaktaufnahme mit F.____ und G.____ sowie anderen Personen aus deren Umfeld zu unterlassen. Hinsichtlich der beschlagnahmten Gegenstände, der forensisch gesicherten Daten, der Zivilfo r- derungen, der Verlegung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten sowie der Entschädigung der amtlichen Verteidigung ist auf die Ziffern 3, 4 und 5 des vorinstanzlichen Urteils zu verweisen. Auf die Begründung dieses vorinstanzlichen Entscheids sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Urteils eing e- gangen. B. Gegen obgenanntes Urteil meldete E.____, vertreten durch Advokat Silvio Bürgi, mit Eingabe vom 14. November 2016 Berufung an. In seiner Berufungserklärung vom 2. Februar 2017 beantragte der Beschuldigte, das erstinstanzliche Urteil vom 1. November 2016 sei ins o- fern abzuändern, als er von der Anklage der mehrfachen qualifizierten Veruntreuung freizuspre- chen sei. Ferner richte sich die Berufung gegen die Bemessung der Strafe, die Anordnung von Bewährungshilfe sowie die ihm erteilten Weisungen. C. Die Staatsanwaltschaft teilte mit Eingabe vom 13. Februar 2017 mit, dass sie keine Anschlussberufung erkläre und keinen Antrag auf Nichteintreten stelle. D. Mit Verfügung vom 2. März 2017 stellte der Präsident der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts Basel -Landschaft fest, dass die übrigen Parteien weder einen Antrag auf Nichteintreten noch Anschlussberufung erklärt haben. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Der Beschuldigte begehrte mit Berufungsbegründung vom 3. Mai 2017, es sei Ziffer 1a des Urteils des Strafgerichts aufzuheben und er sei vom Vorwurf der mehrfachen qua lifizierten Veruntreuung kostenlos freizusprechen. Im Falle der Bestätigung des Schuldspruchs gemäss Ziffer 1a des vorinstanzlichen Urteils sei er zur Bezahlung einer angemessenen Geldstrafe, eventualiter zur bedingt vollziehbaren Verrichtung von gemeinnüt ziger Arbeit, bei einer Prob e- zeit von 2 Jahren, zu verurteilen. Ferner seien die Ziffern 2a und 2b des angefochtenen Urteils aufzuheben, unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Staates, wobei ihm für das zweitinstanzliche Verfahren die amtliche Verteidigung mit Advokat Silvio Bürgi zu bewilligen sei. F. Die Staatsanwaltschaft stellte mit Berufungsantwort vom 13. Juni 2017 den Antrag, die Berufung des Beschuldigten sei unter Bestätigung des Urteils des Strafgerichts abzuweisen. G. Mit Verfügung vom 19. Juni 2017 setzte der Präsident des Berufungsgerichts Advokat Silvio Bürgi als amtlichen Verteidiger des Beschuldigten ein. H. Anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung erschienen der Beschuldigte, E.____, mit seinem Verteidiger, Advokat Silvio Bürg i, sowie die Vertreterin der Staatsanwal t- schaft. Die Parteien wiederholten ihre Anträge gemäss ihren Rechtsschriften. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eing e- gangen. Erwägungen I. Formelles […] II. Materielles 1. Allgemeines 1.1 Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft d as Berufungsgericht das erstinstanzliche U r- teil nur in den angefochtenen Punkten. Aufgrund der Tatsache, wonach im vorliegenden Fall nur der Beschuldigte Berufung erklärt ha t, darf das Kantonsgericht Basel -Landschaft in Anb e- tracht des Verbots der "reformatio in peius“ das vorinstanzliche Urteil nur entweder bestätigen oder zu Gunsten des Beschuldigten mildern, hingegen nicht verschärfen (Art. 391 Abs. 2 StPO). Konkret richtet sich die Berufung aufgrund der Anträge des Beschuldigten in seiner Berufung s- erklärung gegen den Schuldspruch wegen mehrfacher qualifizierter Veruntreuung, die Strafz u- messung, die Anordnung von Bewährungshilfe sowie die dem Beschuldigten erteilten Weisu n- gen. Nicht mehr zu beurteilen sind somit die Freisprüche von der Anklage des gewerbsmäss i- gen Betrugs, der mehrfachen Geldwäscherei und der qualifizierten Veruntreuung im Betrag von Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 600.--, begangen am 11. April 2018, die Beschlagnahme, die Zivilforderung en sowie das Honorar der amtlichen Verteidigung in Bezug auf das erstinstanzliche Verfahren. 1.2 Nach dem Grundsatz der freie n Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) hat das urte i- lende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewon- nenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Gericht trifft sein Urteil unabhängig von der Anzahl der Beweismittel, welche für eine bestimmte Tatsache sprec hen, und ohne Rücksicht auf die Art des Beweismittels. Auch besteht keine Rangfolge der Beweise. Massgebend ist allein deren Stichhaltigkeit (CHRISTOF RIEDO/GERHARD FIOLKA/MARCEL ALEXANDER NIGGLI, Strafprozes s- recht, 2011, Rz. 234; THOMAS HOFER, Basler Komm entar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 41 ff.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsp rechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 101) fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verankerten Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist. Als Beweis- würdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver B e- trachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Beweiswürdigungs- regel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer mög- lich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sic h um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der obje ktiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 87, E. 2a; mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Dem Sachgericht steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher Ermessensspielraum zu (BGE 134 IV 132, E. 4.2; BGE 129 IV 6, E. 6.1). 1.3 Im Rahmen der Beweiswürdigung sind Aussagen auf Glaubhaftigkeitsmerkmale bzw. Lügensignale hin zu analysieren. Aussage n sind gestützt auf eine Vielzahl von inhaltlichen R e- alkennzeichen zu beurteilen, wobei zwischen inhaltlichen Merkmalen (Aussagedetails, Individ u- alität, Verflechtung), strukturellen Merkmalen (Strukturgleichheit, Nichtsteuerung, Widerspruchs- freiheit bzw. Homogenität) sowie Wiederholungs merkmalen (Konstanz, Erweiteru ng) unte r- schieden wird. Das Vorliegen von Realitätskriterien bedeutet, dass die betreffende Person mit hoher Wahrscheinlichkeit über erlebnisfundierte Geschehnisse berichtet. Zwar besitzt jedes Realitätskriterium für sich allein betrachtet meist nur eine g eringe Validität, die Gesamtschau aller Indikatoren kann jedoch einen wesentlich höheren Indizwert für die Glaubhaftigkeit der Aussage haben, wobei sie in der Regel in solchen mit realem Erlebnishintergrund signifikanter und ausgeprägter vorkommen als in s olchen ohne (MARTIN HUSSELS, Von Wahrheiten und L ü- gen – Eine Darstellung der Glaubhaftigkeitskriterien anhand der Rechtsprechung, forumpoenale 6/2012, S. 369 f.; ANDREAS DONATSCH, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 162 N 15). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Mehrfache qualifizierte Veruntreuung 2.1 Das Strafgericht legt in seinem Urteil vom 1. November 2016 im Wesentlichen dar, im Frühjahr 2007 habe sich eine in Ghana lebende Person mit dem angeblichen Namen F.____ per Email an den Beschuldigten gewandt und angegeben, e r habe von seinem verstorbenen Vater den Betrag von GBP 29.5 Mio. geerbt. Da die Regierung korrupt sei, sei das Vermögen bei der H.____ Bank in London hinterlegt. F.____ habe den Beschuldigten sodann darum gebe- ten, ihm dabei behilflich zu sein, an das geerbte Vermögen zu gelangen. Für die Hilfeleistungen habe F.____ dem Beschuldigten den investierten Geldbetrag sowie 30% des ererbten Geldes versprochen. Seither habe der Beschuldigte dem vermeintlichen F.____ geholfen, an das a n- gebliche Geld zu kommen, wobei er immer wieder Vorschusszahlungen unterschiedlicher Art geleistet habe. In Erschöpfung seiner eigenen finanziellen Möglichkeiten habe der Beschuldigte seit dem Jahr 2009 Gelder bei Dritten erhältlich gemacht, um diese in der Folge an die Bezug s- personen von F.____ zu senden. Es sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte ursprünglich selbst ein Opfer der sogenannten I.____ geworden sei und finanzielle Mittel in unbekannter Hö- he nach Ghana überwiesen habe. Der Beschuldigte seinerseits habe von mindestens fü nf Per- sonen Darlehen im Gesamtbetrag von mindestens Fr. 167'893.72 sowie Euro 4'312.-- erhältlich gemacht, die er für angebliche Gebühren, Steuern und Zertifikate internationaler Behörden nach Ghana oder London weitergeleitet habe. Im Weiteren führt das Strafgericht hinsichtlich des konkreten Vorwurfs aus, der Beschuldigte sei über mehrere Jahre als Vormund von A.____ eingesetzt gewesen. Entgegen seinen Pflichten als Vormund habe der Beschuldigte Vermögenswerte aus dem Mündelvermögen für seine e i- genen Zwecke entnommen, nämlich für Vorschüsse in der Angelegenheit F.____ und im Hi n- blick auf einen in Aussicht gestellten Lotteriegewinn, welcher sich als Betrug erwiesen habe, sowie zur Begleichung einer Forderung seiner Krankenversicherung. Dies habe zu einem V er- mögensschaden bei A.____ geführt. Ausserdem habe der Beschuldigte einen Darlehensvertrag zwischen sich selbst und A.____ in pflichtwidriger Weise ohne behördliche Zustimmung abg e- schlossen. Zwar verschaffe der Vertrag A.____ eine Forderung gegenüber dem B eschuldigten, jedoch sei diese angesichts seiner wirtschaftlichen Verhältnisse faktisch wertlos. In subjektiver Hinsicht habe der Beschuldigte allenfalls an die Wahrhaftigkeit der kurzfristigen Gewinnve r- sprechungen geglaubt, so dass er diese Vermögenswerte in naher Zukunft wieder hätte z u- rückzahlen können. Dies entspreche jedoch keiner Ersatzbereitschaft, welche die unrechtmä s- sige Bereicherungsabsicht ausschliessen würde. Die Ersatzbereitschaft hätte in der vorliege n- den Konstellation jederzeit bestehen müssen, was nicht der Fall gewesen sei. 2.2 Demgegenüber macht der Beschuldigte geltend, er sei sich seiner grundsätzlichen Verfehlung als altrechtlicher Vormund von A.____ bewusst. Fraglich sei vorliegend jedoch die Bereicherungsabsicht, zumal er das Geld von A.____ in deren Interesse überwiesen habe. Mi t- hin habe er an das Gewinnversprechen geglaubt und sei im Zeitpunkt der Transaktion davon ausgegangen, dass kein Risiko bestehe. Er habe das Vermögen von A.____ vermehren und sich nicht selbst bereichern woll en. Folglich habe er die Investitionsmöglichkeiten zu Gunsten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht von A.____ nutzen wollen und somit als deren Stellvertreter gehandelt. Entsprechend stelle sich die Frage der Ersatzbereitschaft nicht. Dessen ungeachtet sei die Ersatzbereitschaft vorgel e- gen, da er von einem "Zug um Zug" -Geschäft ausgegangen sei. Er sei daher vom Vorwurf der mehrfachen qualifizierten Veruntreuung freizusprechen. Einzige Ausnahme stelle der Betrag von Fr. 306.40 dar, welchen er zur Bezahlung seiner eigenen Krankenkasse verwendet habe. 2.3 Die Staatsanwaltschaft bringt ihrerseits vor, dem Beschuldigten seien die Vermögen s- werte von A.____ aufgrund seiner Ernennung zu ihrem Vormund anvertraut gewesen. Er hätte das Vermögen in guten Treuen verwalten und jederzeit zu Gunsten von A.__ __ zur Verfügung halten müssen. Spekulative Anlagen oder Geschäfte seien klarerweise nicht erlaubt gewesen. Vorliegend gebe es keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte davon hätte ausgehen dürfen, die angeklagten Vermögensverschiebungen seien i m Rahmen einer erlaubten Verwe n- dung des ihm anvertrauten Mündelvermögens gelegen. Er habe seine Bereicherungsabsicht durch die unrechtmässige Verwendung (ausschliesslich zu seinem Nutzen) des Vermögens von A.____ manifestiert. Die Ersatzbereitschaft sei au fgrund der finanziellen Verhältnisse des B e- schuldigten im Tatzeitpunkt nicht vorhanden gewesen. Utopische Hoffnungen auf Geldeingänge würden für die Ersatzbereitschaft nicht ausreichen. 2.4 Vorliegend ist in tatsächlicher Hinsicht der äussere Geschehensa blauf unbestritten. Demnach ist erstellt, dass der Beschuldigte als Vormund von A.____ Vermögenswerte des Mündelvermögens für Geldgeschäfte in Sachen F.____, für einen in Aussicht gestellten Lott e- riegewinn und zur Begleichung einer Forderung seiner Kranken versicherung verwendet hat. Das Verhalten des Beschuldigten führte bei A.____ zu einem Vermögensschaden in der Höhe von insgesamt Fr. 40'038.40. 2.5 Der Beschuldigte macht in Bezug auf die weiteren tatsächlichen Ausführungen des Strafgerichts geltend, er habe die Vermögenswerte von A.____ investiert, um damit deren Ve r- mögen zu vermehren. Dabei habe er bloss als Stellvertreter von A.____ und somit nicht im e i- genen Namen gehandelt. Diesem Vorbringen kann nicht gefolgt werden. Der Beschuldigte gab anlässlich seiner Einvernahme vom 28. April 2010 zu Protokoll, er habe die Vermögenswerte von A.____ zum Abschluss eines Finanzgeschäftes eingesetzt. Mit dem Geld, welches er durch Investitionen im Geschäftsmodell F.____ erhältlich machen wollte, habe er eine Stiftu ng aufbauen wollen, um afrikanische Flüchtlinge zu unterstützen (act. SD Mündel 10.01.001 ff.). Ausserdem beteuerte der Beschuldigte in einem Schreiben an die Vormundschaftsbehörde C.____ vom 16. November 2008, er werde in den nächsten Tagen sehr viel Geld , welches ihm gehöre, erhalten. Er werde derart viel Geld bekommen, dass er A.____ freiwillig finanziell unterstützen könne (act. SD Mündel 01.01.061). Es ist daher festz u- stellen, dass der Beschuldigte keineswegs als Stellvertreter von A.____ handelte, son dern vielmehr im eigenen Namen. Der Umstand, dass der Beschuldigte (möglicherweise) einen Teil seines Gewinns an A.____ abgetreten hätte, ändert daran nichts. Dasselbe Bild ergibt sich fe r- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ner in Bezug auf den angeblichen Gewinn aus einer Lotterie. Der Besc huldigte investierte Ver- mögenswerte von A.____, um damit den ihm seitens Unbekannt in Aussicht gestellten Gewinn für sich zu beanspruchen. Es ging ihm nicht darum, den (erhofften) Gewinn vollständig an A.____ auszuzahlen. So führte er in seiner Einvernahme vom 18. Dezember 2012 aus, er hätte A.____ am Gewinn lediglich beteiligt (act. SD Mündel 10.01.013). Mithin wollte er den erhofften Ertrag aus der Angelegenheit F.____ sowie den in Aussicht gestellten Gewinn in einer Lotterie nach eigenem Gutdünken aufteilen. Von einem rein altruistischen Handeln, wie es der Beschu l- digte geltend machen will, kann daher keine Rede sein. Ergänzend ist auch darauf hinzuwe i- sen, dass er durchwegs zu Protokoll gab, F.____ helfen haben zu wollen (act. SD Mündel 10.01.001 ff., 10. 01.007 ff.; act. 283 ff.). Dass er hierfür allerdings die Vermögenswerte von A.____ verwendete, zeigt mit aller Deutlichkeit, dass es dem Beschuldigten keineswegs einzig um die finanzielle Zukunft seines Mündels ging. 2.6 Ferner bringt der Beschuldigte im Berufungsverfahren vor, er sei von einem "Zug um Zug"-Geschäft ausgegangen und habe deshalb damit gerechnet, die Vermögenswerte jederzeit ersetzen zu können. Im Widerspruch zu diesem Vorbringen führte der Beschuldigte anlässlich der Befragung vom 18. Dezember 2012 aus, er habe die Vermögenswerte von A.____ für zwei bis drei Monate investieren und dadurch vermehren wollen (act. SD Mündel 10.01.006). Ferner gab er vor Strafgericht zu Protokoll, er habe bemerkt, dass sich ein allfälliger Profit in der Ang e- legenheit F.____ immer mehr verzögert habe. Gleichwohl habe er die Vorstellung gehabt, dass das Geschäft dennoch funktionieren könnte (act. 285). Angesichts dieser Darlegungen ist somit festzustellen, dass der Beschuldigte – entgegen seinen im Berufungsverfah ren getätigten B e- teuerungen – keineswegs davon ausging, es handle sich um ein "Zug um Zug" -Geschäft, wel- ches unmittelbar einen Gewinn einbringt. Im Gegenteil war ihm sehr wohl bewusst, dass sich ein allfälliger Profit erst mehrere Monate nach der Investiti on verwirklichen könnte. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte bereits vor der Investition der Vermögenswerte von A.____ grössere Summen seines eigenen Vermögens sowie auch Beträge von weiteren Personen in das Projekt F.____ investierte, ohne jemals eine einzige Auszahlung zu erhalten (act. 293). Mithin musste er sich zweifellos im Klaren sein, dass seine Investitionen mit keinerlei Sicherheiten in Bezug auf irgendeinen Gewinn verbunden waren. 2.7 Angesichts der vorstehenden Ausführungen zeigt sich somit, dass der Sachverhalt im Sinne der Erwägungen des Strafgerichts erstellt ist. Zu prüfen ist nachfolgend, ob der erstellte Sachverhalt den Tatbestand der qualifizierten Veruntreuung erfüllt. 2.8 Gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 des Schweiz erischen Strafgesetzbuches (StGB, SR 311.0) macht sich der Veruntreuung strafbar, wer ihm anvertraute Vermögenswerte u n- rechtmässig in seinem oder eines anderen Nutzen verwendet. Der qualifizierten Veruntreuung macht sich strafbar, wer die Tat als Mitglied einer Behörde, als Beamter, Vormund, Beistand, berufsmässiger Vermögensverwalter oder bei Ausübung eines Berufes, Gewerbes oder Ha n- delsgeschäftes, zu der er durch eine Behörde ermächtigt ist, begeht (Art. 138 Ziff. 2 StGB). Als Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht anvertraut gilt, was jemand mit der Verpflichtung empfängt, es in bestimmter Weise im Interesse des Treugebers zu verwenden, insbesondere es zu verwahren, zu verwalten oder einem and e- ren abzuliefern. Dabei genügt, dass der Täter ohne Mitwirkung des Treugebers über die Werte verfügen kann, ihm mithin Zugriff auf das fremde Vermögen eingeräumt worden ist. Die tatb e- standsmässige Handlung besteht bei der Veruntreuung von Vermögenswerten in einem Verhal- ten, durch das der Täter eindeutig seinen Willen bekundet, den obligatorischen Anspruch des Treugebers zu vereiteln (BGer 6B_93/2010 vom 12. April 2010, E. 2.3.1 f.). 2.9 Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz und ein Handeln in unrechtmässiger B e- reicherungsabsicht. Nach der Rechtsprechung bereichert sich bei der Veruntreuung von Ve r- mögenswerten unrechtmässig, wer die Vermögenswerte, die er dem Berechtigten jederzeit zur Verfügung zu halten hat, in seinem Nutzen verwendet, ohne fähig und gewillt zu sein, sie jede r- zeit sofort zu ersetzen (BGer 6B_93/2010 vom 12. April 2010, E. 2.3.1). Folglich kann es an der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern, dann fehlen, wenn der Täter willens und faktisch in der Lage ist, seiner Treuepflicht jederzeit aus eigenen Mitteln nachz u- kommen. Ersatzbereitschaft liegt somit vor, wenn s ubjektiv der Ersatzwille und objektiv die E r- satzfähigkeit vorhanden sind. Der Ersatzwillen ist zu verneinen, wenn der Täter trotz Ersatzwi l- lens aufgrund seiner wirtschaftlichen Lage nicht überzeugt sein kann, rechtzeitig Ersatz leisten zu können. Mithin ka nn das Bestehen des Ersatzwillens – trotz gegenteiliger Behauptung des Täters – nicht angenommen werden, wenn objektiv betrachtet dieser Wille angesichts der F i- nanzlage des Täters nicht hat bestehen können. Die Ersatzbereitschaft erfordert sodann die Fähigkeit, auf den massgeblichen Zeitpunkt hin aus eigenen Mitteln Ersatz leisten zu können. Es genügt mithin nicht, dass der Täter subjektiv sicher ist, Ersatz leisten zu können, oder Dritte für ihn leisten könnten ( MARCEL ALEXANDER NIGGLI/CHRISTOF RIEDO, Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 138 N 116 ff.; GÜNTER STRATENWERTH/WOLFGANG WOHLERS, Handkommen- tar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 138 N 6). 2.10 Der objektive Tatbestand wird in casu seitens der Parteien nicht bestritten, weshalb auf die Erwägungen des Strafgerichts verwiesen werden kann (S. 44 f. des angefochtenen Urteils), zumal diese sich als sachlich zutreffend erweisen. Demgegenüber ist der subjektive Tatbestand nachfolgend zu prüfen. In Anbetracht des erstellten Sachverhalts zeigt sich, dass der Be schul- digte zweifellos vorsätzlich gehandelt hat. Er wusste um seine Stellung als Vormund sowie um die Fremdheit der ihm anvertrauten Vermögenswerte. Es war ihm bewusst, dass die vorges e- hene Verwendung der ihm anvertrauten Vermögenswerte unrechtmässig war, d.h. den A n- spruch des Mündels mindestens möglicherweise vereiteln konnte. Er handelte mit dem Willen, das Geld (primär) im eigenen Nutzen zu verwenden. 2.11 Der Beschuldigte verfolgte mit seinem Verhalten zweifellos das Ziel, primär sich selbst und allenfalls Drittpersonen zu bereichern. Seine Beteuerung, er habe einzig im Interesse von A.____ gehandelt, erweist sich angesichts des erstellten Sachverhalts als nicht haltbar. So hat der Beschuldigte Teile des erhofften Gewinns in der Sache F.____ weiteren Personen verspro- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen, um diese zu motivieren, ebenfalls Geld in das angeblich lukrative Geschäft zu investieren (vgl. die Akten betreffend Anlagebetrug). 2.12 Der Beschuldigte macht geltend, die unrechtmässige Bereicherungsabsicht sei zufolge Ersatzbereitschaft ausgeschlossen. Diesbezüglich zeigt sich angesichts des erstellten Sachver- halts allerdings, dass der Beschuldigte gemäss seinen eigenen Depositionen von einer Invest i- tion über einen längeren Zeitraum ausging und keineswegs mit einem zeit nahen Profit rechne- te. Eine sofortige Gewinnerzielung war somit auch aus seiner Sicht nicht realistisch. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte selbst in keiner Weise liquide war. Im Gegenteil gab er vor Stra f- gericht zu Protokoll, er sei praktisch immer pleite gewesen und habe weder seinen Mietzins noch die Prämien der Krankenkasse bezahlen können (act. 293). Angesichts dieser finanziellen Situation war eine Ersatzfähigkeit in Bezug auf die investierten Vermögenswerte von A.____ klarerweise ausgeschlossen. Auss erdem konnte der Beschuldigte aufgrund seiner illiquiden wirtschaftlichen Lage auch keineswegs überzeugt davon sein, rechtzeitig Ersatz leisten zu kö n- nen. Demzufolge ist entsprechend den vorstehenden rechtlichen Ausführungen auch der E r- satzwille nicht gege ben. Die Ersatzbereitschaft lag daher offenkundig nicht vor, zumal weder der Ersatzwille noch die Ersatzfähigkeit vorhanden waren. 2.13 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erhellt, dass sowohl das Erfordernis des Vo r- satzes als auch jenes der unrechtmäss igen Bereicherungsabsicht vorliegend erfüllt sind. Der Beschuldigte hat sich daher der mehrfachen qualifizierten Veruntreuung schuldig gemacht, weshalb seine Berufung in diesem Punkt abzuweisen ist. 3. Bemessung der Strafe 3.1 In Bezug auf die Strafzumessung bringt der Beschuldigte vor, die vom Gericht gewäh l- te Einsatzstrafe von 20 Monaten sei angesichts der objektiven Tatkomponenten, insbesondere des Deliktsbetrags von rund Fr. 40'000.--, unangemessen hoch. Die Vor instanz begründe die Höhe der Strafe allerdings nicht weiter, weshalb eine Verletzung der Begründungspflicht vorli e- ge. Im Vergleich zu anderen qualifizierten Veruntreuungen müsse sein Verschulden als leicht eingestuft werden, zumal er nicht mit grosser krimineller Energie gehandelt ha be, sondern l e- diglich A.____ ein sorgenfreies Leben habe ermöglichen wollen, indem er ihr Vermögen habe vervielfachen wollen. Unter Berücksichtigung der weiteren vom Strafgericht festgestellten Punk- te, namentlich betreffend die Schuldfähigkeit sowie die Verletzung des Beschleunigungsgebots, resultiere eine Freiheitsstrafe von unter 6 Monaten. Im Weiteren sei die Verhängung einer Fre i- heitsstrafe als übertrieben hart und nicht vereinbar mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip. Zu beachten sei, dass für leichtere bis mittlere Kriminalität die Geldstrafe die Regelsanktion da r- stelle und der Beschuldigte sich überdies zur Verrichtung von gemeinnütziger Arbeit explizit bereit erklärt habe. Schliesslich rechtfertige sich eine Freiheitsstrafe auch aus spezialpräve n- tiven Gesichtspunkten nicht, erweise sich die Legalprognose doch als positiv. Entsprechend Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestehe auch keine Veranlassung, die Probezeit auf drei Jahre festzusetzen, zumal die vorli e- gend zu beurteilenden Delikte über 10 Jahre zurückliegen. 3.2 Demgegenüber macht die Staatsanwaltschaft geltend, die vom Strafgericht ausgespro- chene Strafe erweise sich weder als aussergewöhnlich hoch noch als auffallend mild, weshalb an die Begründung der Strafzumessung keine besonders hohen Anforderungen zu stellen se i- en. Ohnehi n setze sich die Vorinstanz mit den wesentlichen schuldrelevanten Komponenten auseinander und würdige diese zutreffend. Ferner seien die Beweggründe des Beschuldigten keineswegs derart selbstlos gewesen, wie dieser vorgebe. Im Gegenteil hätte er nicht den Totalverlust eines grossen Anteils des Vermögens seines Mündels riskiert, wenn das finanziell sorgenfreie Leben von A.____ tatsächlich seine Hauptmotivation gewesen wäre. Der Beschu l- digte habe fremdes Geld auf fremdes Risiko in eigenem Nutzen eingesetzt. Gleichwohl habe die Vorinstanz altruistische Beweggründe als leicht überwiegend betrachtet und die Strafe in diesem Zusammenhang vermindert. Ferner werde dem Beschuldigten eine mittelgradig vermi n- derte Steuerungsfähigkeit attestiert und in der Gesamtschau eine mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit, was das Strafgericht ausreichend berücksichtigt habe. Entsprechend sei die Persönlichkeitsstörung des Beschuldigten allerdings auch im Rahmen der Legalprognose zu berücksichtigen. Allgemeines 3.3 Gemäss Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verle t- zung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den i n- neren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermei- den (Abs. 2). Demgegenüber ist das Verschulden für die Wahl der Sanktions art nicht von Rele- vanz. Massgebliche Kriterien bilden die Zweckmässigkeit, die Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie die präventive Effizienz (BGE 134 IV 97 , E. 4.2; BGE 134 IV 82, E. 4.1). 3.4 Praxisgemäss hat das Gericht ausgehend von der objektiven Tatschwere das Ve r- schulden zu bewerten. Es hat gestützt auf Art. 50 StGB – wonach das Gericht die für die Z u- messung der Strafe erheblichen Umstände und deren G ewichtung festzuhalten hat – im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernde und welche verschuldenserhöhende Gründe im ko n- kreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gela n- gen (BGE 136 IV 55 E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht auf Umstände ausdrück- lich eingehen, die es – ohne dass dies ermessensverletzend wäre – bei der Strafzumessung als nicht massgebend oder nur von geringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007 E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 136 IV 55 E. 5.6). Allerdings hat das Gericht das Gesamtverschulden zu qualifizieren und die Gesamteinschätzung des Tatve r- schuldens im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist (leicht, mittelschwer, schwer, sehr schwer). In einem zweiten Schritt ist die (hypothetische) Strafe, die diesem Verschulden entspricht, innerhalb des zur Ve r- fügung stehenden Strafrahmens zu bestimmen. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebene n- falls in einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher Täterkompon enten verändert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7). Die tat - und täter angemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des o r- dentlichen Strafrahmens der schwersten anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Di e- ser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen ko n- kreten Umständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer auch in der Praxis verbreiteten Auffa s- sung wird der ordentliche Strafrahmen durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den übl i- chen Zumessungskriterien festzusetzen wäre. Der ordentliche Rahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall z u hart oder zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Im Übrigen drängt das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung vermehrt darauf, dass die Formulierung des Ve r- schuldens und die Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen (BGer 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011, E. 4.2; BGer 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014, E. 4.2 f.). 3.5 Die Berufungsinstanz fällt ein neues Urteil (Art. 408 StPO) und hat die Strafe nach i h- rem eigenen Ermessen festzusetzen. Unter dem Vorbehalt des Verbots der "reformatio in pei- us" muss sie sich nicht daran orientieren, wie die erste Instanz die einzelnen Strafzumessung s- faktoren gewichtet hat (vgl. BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014, E. 6.2). Strafrahmen 3.6 Vorliegend wurde der Beschuldigte der mehrfachen qualifiziert en Veruntreuung schu l- dig gesprochen. Massgebend ist demzufolge der Strafrahmen der qualifizierten Veruntreuung von Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe (Art. 138 Ziff. 2 StGB). Objektive Tatkomponenten 3.7 In Bezug auf die objektiven Tatkomponenten ist im vorliegenden Fall in erster Linie das Ausmass der Verletzung des Rechtsgutes ein wesentlicher Anhaltspunkt zur Bestimmung der objektiven Tatschwere. Mithin ist der veruntreute Deliktsbetrag bzw. der entstandene Schaden in der Höhe von Fr. 40'038.40 von Bedeutung. Dabei sind auch die Folgen für die Geschädigte zu beachten, weshalb der Deliktsbetrag namentlich in Relation zum Vermögen von A.____ zu setzen ist, welches per 1. Januar 2007 Fr. 43'065.25 betrug (act. SD Mündel 01.01.094 f.). Es ist daher festzustellen, dass der Beschuldigte einen wesentlichen Anteil der Vermögenswerte von A.____ veruntreute. Dies hat bedeutend verschuldenserhöhend ins Gewicht zu fallen. In s- gesamt erweist sich die objektive Tatschwere als mittelschwer (im unteren Bereich). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Subjektive Tatkomponenten 3.8 In Bezug auf die subjektive Tatschwere ist zu konstatieren, dass der Beschuldigte mit direktem Vorsatz gehandelt hat. Ausserdem ist dem Beschuldigten die an den Tag gelegte kr i- minelle Energie anzulasten, auch weil er wiederholt und unverfroren die bei der Vormun d- schaftsbehörde aufkommenden Zweifel zu zerstreuen versuchte. Insgesamt ist das Vorgehen des Beschuldigten als hemmungslos und egoistisch zu werten, was zu seinen Lasten zu b e- rücksichtigen ist. Die Gegebenheit, wonach der Beschuldigte mit dem Mündelvermögen gar seine eigene Krankenkassenrechnung bezahlte, ist die wohl augenfälligste Ausprägung dieses hemmungslosen und egoistischen Verhaltens. Soweit der Beschuldigte sich darauf beruft, dass er das Vermögen von A.____ mit den aus seiner Sicht lukrativen Investitionen habe vergrössern wollen, ist festzuhalten, dass er seinem Mündel offenbar (bloss) einen Gewinn in der Höhe von rund Fr. 40'000.-- ausbezahlen wollte (act. SD Mündel 01.01.100), während er für sich sel bst einen Gewinn in der Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages erhoffte. Die vom Beschuldi g- ten verfolgten Motive vermögen daher das objektive Tatverschulden gesamthaft keineswegs zu reduzieren, aber im Ergebnis auch nicht in ausgeprägtem Umfang zu erhöhen. 3.9 Ist der Täter zur Zeit der Tat vermindert schuldfähig, so ist die Strafe zu mildern (Art. 19 Abs. 2 StGB). Entgegen dem Wortlaut des Gesetzes geht es dabei nicht um die Hera b- setzung der Strafe, sondern um die Reduktion des Verschuldens. Der Schuldvorwurf, der einem nur vermindert schuldfähigen Täter gemacht werden kann, ist verglichen mit einem voll schul d- fähigen Täter geringer. Das Schuldprinzip verlangt deshalb, dass die Strafe für eine in vermi n- derter Schuldfähigkeit begangene Tat niedriger se in muss, als wenn der Täter – unter sonst gleichen Umständen – voll schuldfähig gewesen wäre. Die mildere Strafe ergibt sich aus dem leichteren Verschulden. Wenn das Gesetz in einem verschuldensrelevanten Zusammenhang von Strafmilderung bzw. Strafminderung spricht, so bedeutet dies, dass die Strafe aufgrund des geringeren Verschuldens tiefer auszufallen hat, als wenn keiner dieser Gründe vorläge. Bei der Frage, in welchem Umfang die Einschränkung der Schuldfähigkeit die Verschuldensbewertung beeinflusst, gi lt es vor Augen zu halten, dass die verminderte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB eines von mehreren Kriterien sein kann, wenn auch – je nach Grad der Verminderung – von wesentlichem Gewicht. Mithin sind Umstände denkbar, welche das Tatver- schulden erhöhen und namentlich die wegen der reduzierten Einsichts - bzw. Steuerungsfähig- keit des Täters geringere Schuld wieder auszugleichen vermögen. Zu erwähnen ist beispiel s- weise ein verwerfliches Motiv. Es liegt im Ermessen des Sachrichters, in welchem Umfang er die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Das Gericht ist nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksic h- tigt. Bereits von daher ist es abzulehnen, bei der Verminderung der Schuldfähigkeit einen g e- nauen Raster etwa von 75%, 50% und 25% oder eine lineare Abstufung zu verlangen. Der Nachweis und die Einstufung der verminderten Schuldfähigkeit lassen sich nicht mit exakten naturwissenschaftlichen Methoden objektivieren. Eine rein mathematische Reduktion einer (h y- pothetischen) Einsatzstrafe ist systemwidrig. Sie schränkt die Ermessensfreiheit des Gerichts in unzulässiger Weise ein und ist abzulehnen (BGE 136 IV 55, E. 5.4 ff.). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.10 In casu stellt der Sachverständige mit forensisch-psychiatrischem Gutachten vom 27. August 2015 betreffend den Beschuldigten die Diagnose einer narzisstischen Persönlic h- keitsstörung, wobei zusätzlich histrionische Persönlichkeitszüge gegeben seien. Das quantitat i- ve Ausmass des Störungsbildes sei als schwergradig zu beurteilen (act. PD E.____ 01.25.129). Sowohl das innere Erleben des Beschuldigten wie auch sein Handeln seien tatzeitaktuell krankheitsbedingt deutlich gestört gewesen. Es bestehe ein enger Zusammenhang zwischen der bei ihm bestehend en Persönlichkeitsstörungen und dem ihm vorgehaltenen deliktischen Handeln. Aus gutachterlicher Sicht könne hinsichtlich des Tatzeitpunkts nicht von einer aufg e- hobenen Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten in das Unrecht seines Tuns ausgegangen we r- den. Seine Steuerungsfähigkeit sei im Vergleich zu entsprechenden Tatgenossen gesamthaft jedoch deutlich eingeschränkt. Hierfür spreche etwa sein seit Jahren bestehender fester Glaube an die Realität seiner vermeintlichen Geschäftspartner in der Angelegenheit F.____ und in die- sem Zusammenhang auch sein völliger Verzicht auf Verdeckungshandlungen. Eine völlig au f- gehobene Steuerungsfähigkeit liege hingegen nicht vor. Auch sei zu beachten, dass der B e- schuldigte die Überweisungen nach Ghana – wenn auch unter ganz erhebl ichem Druck der Justizbehörde – in den letzten Monaten eingestellt habe. Aus gutachterlicher Sicht sei von einer mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit auszugehen (act. PD E.____ 01.25.124). In Anb e- tracht des gutachterlichen Befunds ist zu konstatieren, dass der Beschuldigte zur Tatzeit nur teilweise fähig war, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu ha n- deln. Mithin liegt eine verminderte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB vor. Geht man von den nachvollziehbaren und unbestrittenen Feststellungen des psychiatrischen Expe r- ten aus, so ist dem Beschuldigten eine Verminderung der Schuldfähigkeit im mittleren Masse zuzubilligen, was eine spürbare Verminderung des Verschuldens zur Folge hat. Im Ergebnis wirkt sich die subje ktive Tatschwere derart verschuldensmindernd aus, dass das Tatverschu l- den als leicht bis mittelschwer dasteht. 3.11 In einem zweiten Schritt ist nunmehr innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafra h- mens die (hypothetische) Strafe zu bestimmen, die diesem Verschulden entspricht (BGE 136 IV 55, E. 5.7). Vorliegend massgebend ist unter Hinweis auf Ziffer 3.6 hievor der Strafrahmen der qualifizierten Veruntreuung von Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe (Art. 138 Ziff. 2 StGB). Das Kantonsgericht erachtet angesichts (auch) der Rechtsprechung des Bunde s- gerichts, wonach die Formulierung des Verschuldens und die Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen müssen, sowie in Beachtung des leicht bis mittelschweren Verschuldens des Beschuldigten und des vorgenannten Strafrahmens eine (hypothetische) Strafe von 18 Monaten als dem Verschulden angemessen. In der Folge ist die ermittelte (hyp o- thetische) Strafe gegebenenfalls in einem weiteren Schritt aufgrund allfälliger wesentlicher T ä- terkomponenten zu verändern. Täterkomponenten 3.12 Betreffend die Täterkomponenten hat das Strafgericht das Vorleben sowie die persö n- lichen Verhältnisse des Beschuldigten im angefochtenen Urteil (S. 55 f.) grundsätzlich korrekt Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht dargelegt, worauf an dieser Stelle zu verweisen ist. Anlässlich der kantonsgerichtlichen Ber u- fungsverhandlung führte der Beschuldigte in Bezug auf seine persönlichen Verhältnisse ergä n- zend aus, er habe nun eine Wohnung beziehen können und werde einen Antrag auf Ergä n- zungsleistungen stellen. Im Übrigen habe er seine Finanzen im Griff. Er erhalte eine AHV-Rente von Fr. 2'160.-- pro Monat und habe Schulden in der Höhe von rund Fr. 1.5 Millionen (Protokoll der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung [Protokoll KGer], S. 5). 3.13 In Übereinstimmung mit dem Strafgericht ist festzustellen, dass sich der Beschuldigte kooperativ zeigte und eine Selbstanzeige einreichte, auch wenn erst aufgrund des Drucks der Vormundschaftsbehörde. Ferner ist in einem gewissen Mass aufrichtige Reue ersichtlich. Diese Umstände sind leicht strafmindernd zu berücksichtigen. Entsprechend ist die Strafe aufgrund der Kooperationsbereitschaft und der Reue um zwei Monate auf 16 Monate zu reduzieren. 3.14 Im Weiteren ist unbestritten, dass sich in Anbetracht der Gesamtheit der konkreten Umstände des vorliegenden Einzelfalles die Verfahrensdauer als überlange erweist. Mithin ist zu Gunsten des Beschuldigten eine Verletzung des Beschleunigungsgebots festzustellen, z u- mal das Strafverfahren bereits am 12. Januar 2010 durch das damalige Bezirksstatthalteramt Sissach eröffnet wurde (act. AA 90.01.001). Es ist zu berücksichtigen, wie schwer der Beschu l- digte durch die Verfahrensverzögerung getroffen wurde, wie gravierend die ihm vorgeworfenen Straftaten sind und welche Str afe ausgesprochen werden müsste, wenn keine Verletzung des Beschleunigungsgebots vorläge. Zudem ist auch den Interessen der Geschädigten Rechnung zu tragen. Das Gericht ist verpflichtet, die Verletzung des Beschleunigungsgebots in seinem Urteil festzuhalten und gegebenenfalls darzulegen, in welchem Ausmass es diesen Umstand berücksichtigt hat ( HANS WIPRÄCHTIGER/ STEFAN KELLER, Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 47 N 181). Unter Berücksichtigung sämtlicher konkreter Umstände des vorliegenden Falles erachtet die Berufungsinstanz eine Reduktion der Strafe um 4 Monate auf 12 Monate als angemessen. 3.15 In Beachtung der vorstehenden Erwägungen erhellt, dass die vom Strafgericht ausg e- sprochene Freiheitsstrafe von 6 Monaten offenkundig zu tief ausgefallen ist. Die von der Vor - instanz ausgesprochene Strafe wird den hier festgestellten Strafzumessungskriterien nicht g e- recht. Diesbezüglich ist allerdings auf das Verbot der "reformatio in peius" gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO zu verweisen, wonach die Rechtsmittel instanz Entscheide nicht zum Nachteil der beschuldigten oder verurteilten Person abändern darf, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen worden ist. Vorbehalten bleibt eine strengere Bestrafung aufgrund von Tats a- chen, die dem erstinstanzlichen Gericht nicht bekannt sein konnten. Da im vorliegenden Fall die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 13. Februar 2017 auf die Erhebung einer Anschlussber u- fung verzichtet hat, wurde lediglich zu Gunsten des Beschuldigten Berufung ergriffen, weshalb das erstinstanzliche Urteil nicht zu dessen Nachteil abgeändert werden darf. Folglich ist die vom Strafgericht ausgesprochene Freiheitsstrafe von 6 Monaten zu bestätigen und die Berufung des Beschuldigten in diesem Punkt abzuweisen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sanktionsart 3.16 Bei der Wahl d er Sanktionsart ist als wichtigstes Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen. Als Regelsanktion sieht das Gesetz für den Bereich der leichten Kriminalität die Geldstrafe (Art. 34 StGB) und die gemeinnützige Arbeit (Art. 37 StGB), für den Bereich der mittleren Kriminalität die Geldstrafe und die Freiheitsstrafe (Art. 40 StGB) vor. Nach der Konzeption des Strafgesetzbuches stellt die Gel dstrafe die Hauptsanktion dar. Freiheitsstrafen sollen nur verhängt werden, wenn der Staat keine anderen Mittel hat, die öffent- liche Sicherheit zu gewährleisten. Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Verfügung stehenden und hins ichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroff e- nen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft. Geldstrafe und gemeinnützige Arbeit sind gegenüber der Freiheitsstrafe weniger eingriffsintensive Sanktionen und gelten somit als mild e- re Strafen (BGE 134 IV 97, E. 4.2 ff.; ANNETTE DOLGE, Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 34 N 24 ff.). 3.17 Aufgrund der Strafhöhe von 6 Monaten kommen in casu sowo hl die Freiheitsstrafe als auch die Geldstrafe oder die gemeinnützige Arbeit als Sanktion in Frage (Art. 34 Abs. 1 StGB, Art. 37 Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB). Angesichts dieser Ausgangslage hat das Gericht zuerst zu prüfen, ob eine Geldstrafe verhängt werden kann. Diese soll auch für einkommensschwache Personen zur Anwendung kommen und nicht in erster Linie auf dem Betreibungsweg vollzogen werden, sondern durch freiwillige Bezahlung. Mithin ist der Vollzug der Geldstrafe nicht schon deshalb unmöglich, weil sie in der Zwangsvollstreckung voraussichtlich nicht erhältlich gemacht werden kann. Die gemeinnützige Arbeit tritt mit Zustimmung des Täters in aller Regel an die Stelle einer Geldstrafe. Allerdings mag es seltene Ausnahmefälle geben, in denen die Verurte i- lung zu einer Geldstrafe dennoch ausser Betracht fällt aus Gründen, die in der Person des T ä- ters liegen (z.B. bei offensichtlich fehlender Zahlungsbereitschaft). Die Unmöglichkeit, eine Geldstrafe zu vollziehen, darf jedoch nicht leichthin angenommen werden , weil das Gesetz ver- langt, dass bei ihrer Bemessung den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen ist (Art. 34 Abs. 2 StGB; BGE 134 IV 97, E. 6.3.3.2). 3.18 In casu sind keine Gründe ersichtlich, welche gegen die Sanktionsart de r Geldstrafe sprechen. Zwar erweist sich der Beschuldigte als einkommensschwache Person, gleichwohl sind keine Hinweise auf eine offensichtlich fehlende Zahlungsbereitschaft ersichtlich. Vielmehr ist den wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten bei der Bemessung des Tagessatzes Rechnung zu tragen. Soweit das Strafgericht die Sanktionsart der Freiheitsstrafe mit deren a b- schreckenden Wirkung begründet, ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte über keine Vorstrafen verfügt (Auszug aus dem Schweize rischen Strafregister vom 29. September 2017) und somit auch keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, wonach der Beschuldigte durch eine dr o- hende Geldstrafe bzw. drohende gemeinnützige Arbeit nicht ausreichend abgeschreckt werden könnte. Der Gefahr der Rückfälligkeit des Täters ist angesichts (auch) der gutachterlichen Fest- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellungen in erster Linie mit einer Verlängerung der Probezeit zu begegnen (vgl. nachfolgend Ziffer 3.22). Dementsprechend ist in casu die Regelsanktion der Geldstrafe zu wählen. Gemäss Art. 34. Abs. 2 StGB beträgt ein Tagessatz höchstens Fr. 3'000.--. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwan d, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum. Unter Berücksicht i- gung der monatlichen AHV -Rente des Beschuldigten von Fr. 2'160.-- (Protokoll KGer, S. 5), dem nicht vorhandenen Vermögen sowie den konkreten Umständen des vorliegenden Einzelfal- les ist die Höhe des Tagessatzes auf Fr. 50.-- festzulegen. 3.19 Gemäss Art. 37 Abs. 1 StGB kann das Gericht mit Zustimmung des Täters an Stelle einer Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen gemeinnützige Arbeit von höchstens 720 Stunden an- ordnen. In casu gab der Beschuldigte anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung sein Einverständnis betreffend die Leistung von gemeinnütziger Arbeit zu Protokoll (Protokoll KGer, S. 5). Das Zustimmungserfordernis hat allerdings nicht die Bed eutung, dass dem Veru r- teilten ein Wahlrecht bezüglich der strafrechtlichen Sanktion zustünde, auch nicht zu Gunsten der Geldstrafe. Denn die Wahl der Sanktionsart erfolgt allein durch das Gericht. Als massg e- bendes Kriterium gilt die Zweckmässigkeit einer b estimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz (vgl. vorstehend Ziffer 3.17). Neben der Bereitschaft hat das Gericht deshalb auch die Fähigkeit und Eignung des Verurtei l- ten zur gemeinnützigen Ar beit zu prüfen. Das Gericht soll dem Verurteilten die Möglichkeit g e- meinnütziger Arbeit eröffnen, wenn er arbeitsfähig und prinzipiell bereit ist, sie zu leisten (BGE 134 IV 97, E. 6.3.3.3). 3.20 Der Beschuldigte erweckte anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung trotz seines hohen Alters (Jahrgang 1944) einen körperlich gesunden und vitalen Eindruck. Ebenso wenig steht die geistige Verfassung des Beschuldigten seiner Eignung und Fähigkeit zur Lei s- tung von gemeinnütziger Arbeit im Weg. Mithin is t der Beschuldigte nicht nur arbeitsfähig, so n- dern überdies auch bereit, seine Strafe in der Form von gemeinnütziger Arbeit zu leisten. Ang e- sichts dieser Gegebenheiten erscheint es zweckmässig, an Stelle der Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je Fr. 50.-- den Beschuldigten zur Leistung von gemeinnütziger Arbeit von 720 Stunden zu verurteilen. Aufschub des Vollzugs 3.21 Erkennt das Gericht auf gemeinnützige Arbeit, hat es im Anschluss daran über deren Vollzug zu befinden. Wie alle anderen Sanktionen auch k ann die Arbeitsstrafe bedingt (Art. 42 StGB), teilbedingt (Art. 43 StGB) oder unbedingt ausgesprochen werden. Im vorliegenden Fall darf die Berufungsinstanz angesichts des Verbots der "reformatio in peius" (vgl. vorstehend Ziffer 3.16) den erstinstanzlich gewährten bedingten Strafvollzug nicht überprüfen. Hingegen ist aufgrund der diesbezüglichen Rüge des Beschuldigten die Dauer der Probezeit zu prüfen. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so bestimmt es dem Ve r- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht urteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB). Die konkrete Beme s- sung der Probezeit innerhalb des gesetzlichen Rahmens richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls, insbesondere nach der Persönlichkeit und dem Charakter des Verurteilten sowie der Gefahr seiner Rückfälligkeit. Je grösser diese Gefahr, desto länger muss die Bewährungsprobe mit ihrem Zwang zum Wohlverhalten sein (ROLAND M. SCHNEIDER/ROY GARRÉ, Basler Kommen- tar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 44 N 4). Vorliegend wurde der Vollzug der Strafe ganz aufgescho- ben. Hinsichtlich der Bemessung der Probezeit ist – in Übereinstimmung mit dem Strafgericht – festzustellen, dass der Beschuldigte nach wie vor hilfsbedürftige Personen pflegt und mit Rat und Tat unterstützen will (Protokoll KGer, S. 2 f.). Zugleich leidet er nach wie vor an einer unbe- handelten narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit ergänzenden histrionischen Persönlic h- keitszügen. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass der Sachverständige die (Wieder-) Aufnahme einer (neu en) "Geschäftsbeziehung" nach dem Muster der Angelegenheit F.____ durchaus für möglich hält (act. PD E.____ 01.25.127). Die Gefahr der Rückfälligkeit ist somit beachtlich. Entsprechend ist die Probezeit nicht auf das gesetzliche Minimum von zwei Jahren festzulegen, sondern die von der Vorinstanz ausgesprochene Probezeit von drei Jahren zu bestätigen. Fazit 3.22 In Anbetracht der vorstehenden Erwägungen ist der Beschuldigte an Stelle einer b e- dingt vollziehbaren Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je Fr. 50.-- zur Leistung von gemeinnüt- ziger Arbeit von 720 Stunden, mit bedingtem Vollzug, bei einer Probezeit von 3 Jahren, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme vom 3. bis zum 5. Dezember 2014 von 3 Tagen, zu verurteilen. 4. Anordnung der Bewährungshilfe 4.1 Der Beschuldigte rügt hinsichtlich der erstinstanzlich angeordneten Bewährungshilfe, diese stünde in erster Linie im Zusammenhang mit der Anklage des gewerbsmässigen Betrugs. Von dieser sei er allerdings freigesprochen worden, weshalb sich die Anordnun g der Bewä h- rungshilfe nicht rechtfertige. 4.2 Die Staatsanwaltschaft verzichtet ihrerseits auf eine Stellungnahme betreffend die A n- ordnung der Bewährungshilfe und verweist auf die Ausführungen des Strafgerichts. 4.3 Gemäss Art. 44 Abs. 2 StGB kann das Gericht für die Dauer der Probezeit Bewä h- rungshilfe anordnen und Weisungen erteilen. Mit der Bewährungshilfe sollen die betreuten Pe r- sonen vor Rückfälligkeit bewahrt und sozial integriert werden. Die für die Bewährungshilfe z u- ständige Behörde leistet und v ermittelt die hierfür erforderliche Fachhilfe (Art. 93 Abs. 1 StGB). Die Hilfeleistung für den Betroffenen steht im Vordergrund. Ihre Anordnung ist daher nicht an Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht enge Voraussetzungen gebunden ( ROLAND M. SCHNEIDER/ROY GARRÉ, Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 44 N 24). 4.4 Das Kantonsgericht erachtet die Bewährungshilfe für die Dauer der gesamten Prob e- zeit von drei Jahren in casu für angezeigt. Namentlich ist darauf hinzuweisen, dass Bewä h- rungshilfe insbesondere in Fällen angeordnet werden sollte, in welchen Schwierigkeiten in der Bewährung vorausgesehen werden, welche beispielsweise im Charakter des Verurteilten oder in äusseren Umständen liegen (vgl. ROLAND M. SCHNEIDER/ROY GARRÉ, a.a.O., Art. 44 N 25). Vorliegend bestehen insbesondere aufgrund d er Diagnose einer narzisstischen Persönlic h- keitsstörung mit ergänzenden histrionischen Persönlichkeitszügen sowie den Umständen, dass der Beschuldigte nach wie vor in Kontakt mit hilfs - und ratbedürftigen Personen steht (Protokoll KGer, S. 2 f.) und die Au fnahme von neuen "Geschäftsbeziehung" (auch) aufgrund seiner u n- behandelten psychischen Störung nicht ausgeschlossen werden kann (act. PD E.____ 01.25.127), Bedenken in Bezug auf eine hinreichende legalprognostische Stabilisierung. Es darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Ursache für den vorliegenden Schuldspruch unter anderem in der diagnostizierten Störung liegt. Die Bewährungshilfe soll den Beschuldigten d a- her unterstützen und ihn namentlich auch in wirtschaftlicher Hinsicht beraten. Demzufolge ist für die Dauer der Probezeit die Bewährungshilfe im Sinne von Art. 93 StGB anzuordnen. 5. Weisungen 5.1 In Bezug auf die seitens der Vorinstanz angeordneten Weisungen bringt der Beschu l- digte vor, das Strafgericht stütze sich dabei auf das forensisch -psychiatrische Gutachten, wel- ches sich nahezu ausschliesslich auf die Betrugsdelikte beziehe. Von der Anklage des g e- werbsmässigen Betrugs sei er allerdings freigesprochen worden. Folglich seien Weisungen einzig im Zusammenhang mit der mehrfachen qualifizierten Veruntreuung zulässig. Diese Delik- te würden jedoch 10 Jahre zurückliegen, weshalb eine psychotherapeutische Behandlung nicht indiziert sei. Auch stünden die Delikte im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Vormund von A.____. Weder habe er ein Intere sse daran, als Beistand fremde Vermögenswerte zu verwa l- ten, noch würden ihm – angesichts seiner Vorgeschichte – zukünftig derartige Aufgaben übe r- tragen. Ohnehin habe er sich davon losgesagt, Transaktionen im Zusammenhang mit F.____ zu tätigen. 5.2 Demgegenüber führt die Staatsanwaltschaft aus, die Persönlichkeitsstörung, welche für die Überzeugungen des Beschuldigten insbesondere bezüglich der Angelegenheit F.____ relevant sei, bestehe nach wie vor. Demzufolge seien die Weisungen gerechtfertigt. 5.3 Gemäss Art. 44 Abs. 2 StGB kann das Gericht für die Dauer der Probezeit Bewä h- rungshilfe anordnen und Weisungen erteilen. Die Weisungen, welche das Gericht oder die Strafvollzugsbehörde dem Verurteilten für die Probezeit erteilen kann, betreffen insbesondere die Berufsausübung, den Aufenthalt, das Führen eines Motorfahrzeuges, den Schadenersatz Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie die ärztliche und psychologische Betreuung (Art. 94 StGB). Das Gesetz gibt dem Gericht die Freiheit, jede denkbare Weisung zu erteilen, die geeignet ist, der Resozialisierung zu dienen und vom Betroffenen nicht mehr als eine zumutbare, verhältnismässige Anstrengung verlangt. Die Weisungen sollen mithelfen, die Bewährungschancen während der Probezeit zu verbe s- sern. Dementsprechend sind sie nur zulässig, wenn sie in e rster Linie im Interesse des Veru r- teilten liegen und voraussichtlich befolgt werden können. Das ist der Fall, wenn sie dazu b e- stimmt und geeignet sind, erzieherisch auf den Verurteilten einzuwirken und damit der Gefahr neuer Verfehlungen vorzubeugen ( ROLAND M. SCHNEIDER/ROY GARRÉ, Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 44 N 26 ff.). Entsprechend ihrem spezialpräventiven Zweck müssen sie in einem Sinnzusammenhang mit der Tat bzw. den künftigen Kriminalitätsrisiken stehen. Nicht zulässig sind Weisungen, d enen ausschliesslich oder überwiegend generalpräventive Überl e- gungen zugrunde liegen oder bei denen erkennbar das Anliegen im Vordergrund steht, die (aufgeschobene) Strafe durch eine andere Belastung des Betroffenen zu ersetzen ( MARTINO IMPERATORI, Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 94 N 9). Weisungen zielen auf ein Verhalten der von ihr betroffenen Person. Erwünschtes Verhalten ordnet die Weisung an, ve r- pöntes Verhalten verbietet sie. Der Rückfallgefährdete soll dabei unterstützt werden, Risikosit u- ationen zu vermeiden (MARTINO IMPERATORI, a.a.O., Art. 94 N 6). 5.4 Der Beschuldigte rügt die Weisung, wonach er sich in psychotherapeutische Behan d- lung zu begeben hat, solange es die zuständige Fachperson als notwendig erachtet . Hinsicht- lich seines diesbezüglichen Vorbringens, das Gutachten beziehe sich nahezu ausschliesslich auf diejenigen Anklagepunkte, von welchen er freigesprochen worden sei, kann ihm nicht g e- folgt werden. Vielmehr steht auch der Schuldspruch wegen mehrfacher qualifizierter Verun treu- ung in einem massgebenden Konnex zur Sache F.____ sowie der Diagnose einer narzisst i- schen Persönlichkeitsstörung mit ergänzenden histrionischen Persönlichkeitszügen. Entspr e- chend erweisen sich die Ausführungen des Sachverständigen betreffend diesen Sac hverhalt nach wie vor als ausschlaggebend und es ist (wie bei der Strafzumessung) auch hier auf das forensisch-psychiatrische Gutachten vom 27. August 2015 abzustellen. Daran vermag der U m- stand, dass sich der Beschuldigte in den letzten Jahren nichts zu Schulden hat kommen lassen, nichts zu ändern. Angesichts der Tatsache, dass der Beschuldigte weiterhin in Kontakt mit hilfs- und ratbedürftigen Personen steht und stehen will (Protokoll KGer, S. 2 f.), bestehen durchaus Bedenken in Bezug auf eine hinreichend e legalprognostische Stabilisierung. Angesichts dieser Ausgangslage ist gestützt auch auf die Darlegungen des Sachverständigen festzustellen, dass die vorinstanzliche Weisung, psychologische Betreuung in Anspruch zu nehmen, da auch ve r- hältnismässig, nicht zu beanstanden ist. 5.5 Ferner stellt sich der Beschuldigte gegen die Weisung, wonach ihm untersagt wird, in der Angelegenheit F.____ Geldtransfers jeglicher Art – sei es persönlich, sei es durch Dritte – vorzunehmen oder vornehmen zu lassen . Ebenso krit isiert er die Anweisung, wonach er seine E-Mail-Adressen und Telefonnummern zu wechseln und jegliche Kontaktaufnahme mit F.____ und G.____ sowie anderen Personen aus deren Umfeld zu unterlassen hat. Entgegen dem Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorbringen des Beschuldigten ist diesbezügli ch festzuhalten, dass die beiden Weisungen ke i- neswegs einzig im Zusammenhang mit denjenigen Vorwürfen stehen, von welchen er freig e- sprochen wurde. Im Gegenteil war die Angelegenheit F.____ einer der Hauptgründe, weshalb der Beschuldigte die Vermögenswerte von A.____ veruntreute. Mithin stehen beide Weisungen klarerweise in einem Sinnzusammenhang mit der Tat bzw. den künftigen Kriminalitätsrisiken. Schliesslich ist auch die Verhältnismässigkeit der beiden Weisungen gegeben, weshalb diese beiden Weisungen zu bestätigen sind. 6. Soweit die Berufung des Beschuldigten die Kosten - und Entschädigungsfolgen betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass er diese Rügen explizit auf den Fall des Freispruchs beschränkt hat (vgl. Berufungserklärung vom 2. Februar 2017). Im vorliegenden Berufungsverfahren wurde das Urteil des Strafgerichts hinsichtlich des Schuldspruchs wegen mehrfacher qualifizierter Veruntreuung bestätigt, weshalb sich Ausführungen betreffend die erstinstanzlichen Kosten - und Entschädigungsfolgen erübrigen. Z udem ist festzustellen, dass die Kosten des Vorverfa h- rens, die Expertisekosten des gerichtlichen Verfahrens, die Spesenentschädigung für die Au s- kunftspersonen sowie die Gerichtsgebühr mit angefochtenem Urteil ohnehin zufolge Unei n- bringlichkeit dem Staat auferlegt wurden. III. Kosten […] Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel -Landschaft vom 1. November 2016, auszugsweise lautend: „1. a) E.____ wird der mehrfachen qualifizierten Veruntreuung schuldig erklärt und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 6 Mona- ten, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme vom 3. bis zum 5. Dezember 2014 von 3 Tagen, bei einer Probezeit von 3 Jahren, in Anwendung von Art. 138 Ziff. 2 StGB, Art. 19 Abs. 2 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK. b) E.____ wird von der Anklage des gewerbsmässigen B e- trugs, der mehrfachen Geldwäscherei sowie der qualif i- zierten Veruntreuung im Betrag von Fr. 600.--, begangen am 11. April 2008, freigesprochen. 2. a) Gemäss Art. 44 Abs. 2 StGB und Art. 93 StGB wird für die Dauer der Probezeit Bewährungshilfe angeordnet. b) Darüber hinaus werden E.____ in Anwendung von Art. 44 Abs. 2 StGB und Art. 94 StGB folgende Weisungen erteilt: E.____ hat sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben, solange es die zuständige Fachperson als no t- wendig erachtet. E.____ wird untersagt, in der Angelegenheit F.____ Geld- transfers jeglicher Art – sei es persönlich, sei es durch Dritte – vorzunehmen oder vornehmen zu lassen. E.____ wird angewiesen, seine E -Mail-Adressen und T e- lefonnummern zu wechseln und jegliche Kontaktaufnahme mit F.____ und G.____ sowie anderen Personen aus d e- ren Umfeld zu unterlassen. Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. a) Die beschlagnahmten Dokumente mitsamt zwei Akte n- ordnern sowie eine beschlagnahmte VISA -Card verblei- ben als Aktenbestandteil bei den Akten. b) Die im vorliegenden Verfahren forensisch gesicherten D a- ten, welche sich unter den GK -Nummern 12‘253 und 14‘444 bei der Polizei Basel -Landschaft, IT-Forensik, be- finden, werden einstweilen nicht gelöscht. Der Entscheid über die Löschung hat mit Abschluss der noch hängigen Verfahren zu ergehen. 4. a) E.____ wird bei seiner Erklärung behaftet, A.____ Fr. 40‘038.40 zu beza hlen. Die Mehrforderung wird auf den Zivilweg verwiesen. b) Auf die Schadenersatzforderung der Gemeinde C.____ von Fr. 42‘179.60 wird nicht eingetreten. c) Die Schadenersatzforderung von D.____ in Höhe von Fr. 108’853.50 wird auf den Zivilweg verwiesen. 5. a) Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 65‘706.10, den Expertisekosten des gerichtlichen Verfahrens von Fr. 2‘398.--, der Spesenen t- schädigung für Auskunftspersonen von Fr. 45.70 und der Gerichtsgebühr von Fr. 10‘000.--, gehen zufolge Teilfre i- spruchs und im Übrigen in Anwendung von Art. 425 StPO sowie § 4 Abs. 3 GebT zufolge Uneinbringlichkeit zu La s- ten des Staates. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründetes U r- teil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtli- che Gebühr auf Fr. 5‘000.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). b) Die Kosten des amtlichen Verteidigers Advokat S. Bürgi in Höhe von 16.92 Std. à Fr. 180.-- Fr. 3‘045.60 38.84 Std. à Fr. 90.-- Fr. 3‘495.60 75.59 Std. à Fr. 200.-- Fr. 15‘118.00 3.92 Std. à Fr. 100.-- Fr. 392.00 Honorar HV und Nachbearbeitung: 15.25 Std. à Fr. 200.-- Fr. 3‘050.00 Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auslagen Fr. 1‘995.50 8 % MwSt. auf Fr. 27‘096.70 Fr. 2‘167.75 Total Fr. 29‘264.45 werden aus der Gerichtskasse entrichtet. c) Der Antrag von D.____ auf Ausrichtung einer Parteien t- schädigung nach Art. 433 StPO wird abgewiesen." wird in teilweiser Gutheissung der Berufung des Beschuldigten in Ziffer 1a wie folgt abgeändert: 1. a) E.____ wird der mehrfachen qualifizierten Veruntreuung schuldig erklärt und verurteilt an Stelle einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je Fr. 50.-- zur Leistung von g e- meinnütziger Arbeit von 720 Stunden, mit bedingtem Vollzug, bei einer Probezeit von 3 Jahren, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme vom 3. bis zum 5. Dezember 2014 von 3 Tagen, in Anwendung von Art. 138 Ziff. 2 StGB, Art. 19 Abs. 2 StGB, Art. 34 StGB, Art. 37 Abs. 1 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts Basel -Landschaft vom 1. November 2016 bestätigt. II. Von den Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 8'300.--, beinhal- tend eine Gebühr von Fr. 8'250.-- sowie Auslagen von Fr. 50.--, gehen Fr. 830.-- zu Lasten des Staates und Fr. 7'470.-- zu Lasten des Beschuldigten. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung für das Rechtsmi t- telverfahren wird dem Rechtsvertreter des Beschuldigten, Advokat Silvio Bürgi, ein Honorar von Fr. 2'581.40 (inklusive Auslagen) z u- züglich 8% Mehrwertsteuer von Fr. 206.50, insgesamt somit Fr. 2'787.90, aus der Gerichtskasse entrichtet. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Kanton im Umfang seines Unterliegens die Entsch ädigung für die amtliche Verteidigung z u- Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht rückzuzahlen, somit Fr. 2'509.10, und der amtlichen Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Dominik Haffter