<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">227</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>43</b></span> <span class="ft1"><b>Befristung der Sozialhilfe; Bedarfsdeckungsprinzip; eigenes Geschäft</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Die Auflage zur Liquidation eines eigenen (defizitären) Geschäfts</b></span><br/> <span class="ft1"><b>verletzt die Wirtschaftsfreiheit nicht und ist auch nicht unverhält-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>nismässig.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Aufgrund des Bedarfsdeckungsprinzips kann die materielle Hilfe be-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>fristet werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 6. April 2009 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">C.P. und R.P. gegen das Bezirksamt Baden (WBE.2008.182).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1.</span><br/> <span class="ft6">In ihrer Beschwerde wehren sich die Beschwerdeführer zu-</span><br/> <span class="ft6">nächst gegen die Befristung der Sozialhilfe. Sie lassen geltend ma-</span><br/> <span class="ft6">chen, für diese Auflage gebe es keine gesetzliche Grundlage. Eine</span><br/> <span class="ft6">Befristung im Voraus sei für eine periodische Überprüfung der indi-</span><br/> <span class="ft6">viduellen, konkreten und aktuellen Notlage nicht erforderlich. Der</span><br/> <span class="ft6">vorinstanzliche Entscheid stelle insofern auch eine Verletzung des</span><br/> <span class="ft6">Verhältnismässigkeitsprinzips dar.</span><br/> <span class="ft6">3.2.</span><br/> <span class="ft6">Die Vorinstanz hielt fest, dass weder in den Richtlinien für die</span><br/> <span class="ft6">Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe (herausgegeben von</span><br/> <span class="ft6">der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe [SKOS-Richtlinien],</span><br/> <span class="ft6">3.</span> <span class="ft6">Auflage, Dezember 2000) noch in der aargauischen Sozial-</span><br/> <span class="ft6">hilfegesetzgebung festgelegt sei, für welchen Zeitraum materielle</span><br/> <span class="ft6">Hilfe zuzusprechen ist bzw. in welchen Intervallen die Gemeinden</span><br/> <span class="ft6">den Anspruch auf materielle Hilfe zu prüfen haben. Es gelte das Be-</span><br/> <span class="ft6">darfsdeckungsprinzip für individuelle, konkrete und aktuelle Notla-</span><br/> <span class="ft6">gen. In der Vernehmlassung vom 18. Juni 2008 bezeichnet die Vorin-</span><br/> <span class="ft6">stanz die Befristung zudem als Steuerungsinstrument.</span><br/> <span class="ft6">3.3.</span><br/> <span class="ft6">In der Tat gibt es in der Sozialhilfegesetzgebung keine Bestim-</span><br/> <span class="ft6">mung bezüglich der Dauer der zugesprochenen Hilfe. Aus dem We-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">228</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">sen der Sozialhilfe ergibt sich jedoch, dass es keiner derartigen Be-</span><br/> <span class="ft6">stimmung bedarf. Die SKOS hat das Bedarfsdeckungsprinzip in ih-</span><br/> <span class="ft6">ren Richtlinien verankert. Sozialhilfeleistungen werden nur für die</span><br/> <span class="ft6">Gegenwart und sofern die Notlage anhält für die Zukunft ausgerich-</span><br/> <span class="ft6">tet (SKOS-Richtlinien, Kapitel A.4). Damit wird bereits gesagt, dass</span><br/> <span class="ft6">Sozialhilfe nur in Notlagen ausgerichtet wird. Wenn eine Verände-</span><br/> <span class="ft6">rung der Verhältnisse - im vorliegenden Fall der Verkauf des Ge-</span><br/> <span class="ft6">schäfts (siehe hinten Erw. 4) - angeordnet wird, besteht die Möglich-</span><br/> <span class="ft6">keit, dass dadurch die Notlage vermindert oder gar beseitigt werden</span><br/> <span class="ft6">kann. Zum Zeitpunkt der Veränderung bedarf es in jedem Fall einer</span><br/> <span class="ft6">Neubeurteilung. Die Befristung ist demzufolge keinesfalls unver-</span><br/> <span class="ft6">hältnismässig. Nicht zuletzt wird damit auch der Anordnung Nach-</span><br/> <span class="ft6">druck verliehen und klargestellt, dass die Unterstützung nicht für</span><br/> <span class="ft6">eine unbeschränkte Dauer ausgerichtet wird.</span><br/> <span class="ft6">4.</span><br/> <span class="ft6">4.1.</span><br/> <span class="ft6">Weiter lassen die Beschwerdeführer rügen, die Auflage bzw.</span><br/> <span class="ft6">Anweisung, das Geschäft sei zu liquidieren, sei verfassungswidrig</span><br/> <span class="ft6">und beruhe auf unrichtiger und unvollständiger Feststellung des</span><br/> <span class="ft6">rechtserheblichen Sachverhalts. Um sich intensiv nach einer lukrati-</span><br/> <span class="ft6">ven Tätigkeit umzusehen, sei es nicht erforderlich, das Geschäft zu</span><br/> <span class="ft6">liquidieren. Der immerhin kostendeckende Betrieb könne gut parallel</span><br/> <span class="ft6">zur Jobsuche (...) weitergeführt werden. Mangels Erforderlichkeit</span><br/> <span class="ft6">liege also eine Verletzung des Verhältnismässigkeitsprinzips vor. Der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer werde in seinem Alter und mit seinem</span><br/> <span class="ft6">Gesundheitszustand kaum eine anderweitige Anstellung finden; die</span><br/> <span class="ft6">Liquidation wäre kontraproduktiv und somit unverhältnismässig. Die</span><br/> <span class="ft6">Anordnung stelle ausserdem einen unzulässigen Eingriff in die</span><br/> <span class="ft6">verfassungsmässig garantierte Wirtschaftsfreiheit dar; eine gesetzli-</span><br/> <span class="ft6">che Grundlage sei nicht ersichtlich. Das angestrebte Ziel der wirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftlichen Selbstständigkeit lasse sich nicht erreichen, womit § 1</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 SPG verletzt werde.</span><br/> <span class="ft6">Auch der angeordnete Verkauf der Einrichtungen müsse als ver-</span><br/> <span class="ft6">fassungswidrig, unverhältnismässig und rechtswidrig qualifiziert</span><br/> <span class="ft6">werden, zumal der Sachverhalt ebenfalls unrichtig und unvollständig</span><br/> <span class="ft6">ermittelt worden sei. Es sei zu bezweifeln, dass es sich bei den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">229</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Einrichtungen um "Vermögen" handle. Vielmehr wäre vom Be-</span><br/> <span class="ft6">triebskapital zu sprechen. Eine Verwertung wäre demnach unwirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftlich und unzumutbar. Was den Sachverhalt angehe, sei nicht</span><br/> <span class="ft6">einmal eine Schätzung des mutmasslichen Erlöses vorgenommen</span><br/> <span class="ft6">worden. Die Produktionsmittel entsprächen nicht mehr dem neusten</span><br/> <span class="ft6">Stand; deshalb müsse von einem minimen Erlös ausgegangen wer-</span><br/> <span class="ft6">den. Der Verkauf stünde somit in keinem Verhältnis zum Verlust der</span><br/> <span class="ft6">zum jetzigen Zeitpunkt einzigen Produktionsfaktoren des Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deführers. Nebst dem Verstoss gegen die Wirtschaftsfreiheit läge</span><br/> <span class="ft6">auch ungebührliche Härte und Unwirtschaftlichkeit im Sinne der</span><br/> <span class="ft6">SKOS-Richtlinien vor. Abgesehen davon würde ein Verkauf zur</span><br/> <span class="ft6">Wiedererlangung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit rein gar</span><br/> <span class="ft6">nichts beitragen.</span><br/> <span class="ft6">4.2.</span><br/> <span class="ft6">Die Vorinstanz hielt fest, dass es dem Gemeinderat primär</span><br/> <span class="ft6">darum gehe, dass der unrentable Betrieb geschlossen werde und die</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer ihre Arbeitskraft wirtschaftlich nutzbringender</span><br/> <span class="ft6">einsetzen. Der Gemeinderat sei verpflichtet, alles zu unternehmen,</span><br/> <span class="ft6">damit die wirtschaftliche Selbstständigkeit der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">wieder hergestellt werden könne. Somit sei am Entscheid nichts aus-</span><br/> <span class="ft6">zusetzen.</span><br/> <span class="ft6">Bezüglich der Einrichtungen sei darauf hinzuweisen, dass Ver-</span><br/> <span class="ft6">mögen bis zu einem Freibetrag von Fr. 4'500.-- pro Unterstützungs-</span><br/> <span class="ft6">einheit aufzubrauchen sei. Von einer Verwertung könne in be-</span><br/> <span class="ft6">stimmten Fällen abgesehen werden, vorliegend liege jedoch weder</span><br/> <span class="ft6">eine ungebührliche Härte noch eine unwirtschaftliche Situation oder</span><br/> <span class="ft6">ein anderer Grund vor, der die Verwertung als unzumutbar erschei-</span><br/> <span class="ft6">nen liesse.</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/> <span class="ft6">In der Vernehmlassung stellt die Vorinstanz klar, dass die Sozi-</span><br/> <span class="ft6">alhilfebehörden den Beschwerdeführer bei dessen Versuch, als</span><br/> <span class="ft6">selbstständiger Unternehmer seine wirtschaftliche Selbstständigkeit</span><br/> <span class="ft6">zurückzuerlangen, unterstützt hätten, der Versuch aber gescheitert</span><br/> <span class="ft6">sei. Es könne keinesfalls akzeptiert werden, dass jemand auf Kosten</span><br/> <span class="ft6">der Allgemeinheit mehr oder weniger ein Hobby pflege.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">230</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">4.3.</span><br/> <span class="ft6">4.3.1.</span><br/> <span class="ft6">Mit der Sozialhilfe dürfen keine selbstständigen Erwerbstätig-</span><br/> <span class="ft6">keiten mitfinanziert werden, die nicht geeignet sind, die Notlage ei-</span><br/> <span class="ft6">ner Gesuch stellenden Person in absehbarer Zeit zu mildern. Umge-</span><br/> <span class="ft6">kehrt soll aber einem Sozialhilfeempfänger - nach dem Grundsatz</span><br/> <span class="ft6">der Subsidiarität (§ 5 Abs. 1 SPG) - nicht die Möglichkeit genom-</span><br/> <span class="ft6">men werden, mit der Ausübung einer Nebenerwerbstätigkeit die</span><br/> <span class="ft6">Abhängigkeit von der materiellen Hilfe zu beschränken oder gar</span><br/> <span class="ft6">aufzuheben. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit erfordert, dass</span><br/> <span class="ft6">eine Auflage oder Weisung zur Verwirklichung des im öffentlichen</span><br/> <span class="ft6">Interesse liegenden Ziels geeignet sowie notwendig ist und dass der</span><br/> <span class="ft6">damit angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den</span><br/> <span class="ft6">Beschränkungen steht, die dem Privaten auferlegt werden (Art. 5</span><br/> <span class="ft6">Abs. 2 BV; BGE 126 I 112 Erw. 5b; AGVE 2004, S. 252).</span><br/> <span class="ft6">4.3.2.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss Jugend- und Familienberatung (jfb) des Bezirks Baden</span><br/> <span class="ft6">wurde das Schuh- und Schlüsselservicegeschäft des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rers im Oktober 2005 eröffnet. Anfangs sei das Geschäft gut gelau-</span><br/> <span class="ft6">fen, mittlerweile aber seien die Einnahmen fast so hoch wie die Aus-</span><br/> <span class="ft6">gaben (recte wohl eher: "...die Ausgaben fast so hoch wie die Ein-</span><br/> <span class="ft6">nahmen"). Somit könne nur ein kleiner Gewinn an den ehelichen</span><br/> <span class="ft6">Unterhalt beigesteuert werden. Wenn man die effektiven Ausgaben</span><br/> <span class="ft6">(inkl. Raummiete in der Höhe von Fr. 350.--, von der Gemeinde als</span><br/> <span class="ft6">"situationsbedingte Leistung" ausgerichtet) betrachte, resultiere ein</span><br/> <span class="ft6">Minus von ca. Fr. 140.-- pro Monat für das (damals laufende) Jahr</span><br/> <span class="ft6">2007. Belege bzw. weitere Unterlagen betr. Ertragslage des Ge-</span><br/> <span class="ft6">schäfts sind den Akten nicht zu entnehmen. Die schlechte Ge-</span><br/> <span class="ft6">schäftslage ist jedoch unbestritten (vgl. Beschwerde vom 10. Sep-</span><br/> <span class="ft6">tember 2007 gegen den Gemeinderatsbeschluss: "in letzter Zeit ist</span><br/> <span class="ft6">die Geschäftskasse nicht nach Wunsch gelaufen" [S. 1] bzw. man sei</span><br/> <span class="ft6">bemüht, den Laden in Schwung zu bringen und "dass ein kleiner</span><br/> <span class="ft6">Profit daraus resultieren wird" [S. 2]); die Beschwerdeführer machen</span><br/> <span class="ft6">keine Gewinne geltend. Somit ist erstellt, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">mit den Einnahmen die effektiven Kosten nicht zu decken vermag.</span><br/> <span class="ft6">Eine Änderung dieser Situation ist nicht absehbar und die Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">231</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">schwerdeführer legen auch nicht dar, wie sie die Lage zu verbessern</span><br/> <span class="ft6">gedenken. Demzufolge ist die selbstständige Erwerbstätigkeit des</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführers im vorliegenden Fall nicht geeignet, die Notlage</span><br/> <span class="ft6">der Familie in absehbarer Zeit zu mildern.</span><br/> <span class="ft6">Zum Hinweis der Beschwerdeführer, das Geschäft könne gut</span><br/> <span class="ft6">parallel zur Jobsuche weitergeführt werden, ist anzumerken, dass es</span><br/> <span class="ft6">Ziel der Jobsuche sein muss, eine lukrativere Tätigkeit zu finden. Der</span><br/> <span class="ft6">Behauptung, dies sei aufgrund des Alters und des Gesundheits-</span><br/> <span class="ft6">zustandes des Beschwerdeführers kaum möglich, steht die Eingabe</span><br/> <span class="ft6">des Vertreters der Beschwerdeführer vom 10. Juli 2008 entgegen,</span><br/> <span class="ft6">worin ausgeführt wird, es gebe bereits Vertragsverhandlungen im</span><br/> <span class="ft6">Hinblick auf eine Teilzeit-Anstellung des Beschwerdeführers bei ei-</span><br/> <span class="ft6">nem Schuh- und Schlüssel-Service. Sollte der Beschwerdeführer eine</span><br/> <span class="ft6">konkrete Anstellung erhalten, wird es kaum möglich sein, das eigene</span><br/> <span class="ft6">Geschäft parallel (mit einem Teilzeitpensum oder gar während der</span><br/> <span class="ft6">Freizeit) weiterzuführen - schon gar nicht gewinnbringend, da die</span><br/> <span class="ft6">Fixkosten (Miete etc.) gleich bleiben. Schliesslich sind die Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer daran zu erinnern, dass das Ziel einer anderen Tätig-</span><br/> <span class="ft6">keit die Reduktion der Unterstützung durch die öffentliche Hand ist -</span><br/> <span class="ft6">und nicht etwa die Finanzierung des nicht rentierenden eigenen Ge-</span><br/> <span class="ft6">schäfts.</span><br/> <span class="ft6">4.3.3.</span><br/> <span class="ft6">Die Anordnung, das Geschäft zu liquidieren, stellt grundsätzlich</span><br/> <span class="ft6">einen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit dar. Gemäss Art. 36 BV ist</span><br/> <span class="ft6">eine Einschränkung dieses Grundrechts möglich, sofern hierfür eine</span><br/> <span class="ft6">gesetzliche Grundlage besteht, der Eingriff durch das öffentliche In-</span><br/> <span class="ft6">teresse gerechtfertigt und verhältnismässig ist. Zudem muss der</span><br/> <span class="ft6">Kerngehalt des Grundrechts respektiert werden (vgl. hierzu Ulrich</span><br/> <span class="ft6">Häfelin / Walter Haller / Helen Keller, Schweizerisches Bundes-</span><br/> <span class="ft6">staatsrecht, 7. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2008, § 9 Rz. 302 ff.).</span><br/> <span class="ft6">Gemäss § 13 SPG kann die Gewährung materieller Hilfe mit</span><br/> <span class="ft6">Auflagen und Weisungen verbunden werden. Die Verwertung von</span><br/> <span class="ft6">Vermögen der Sozialhilfeempfänger ist in § 11 Abs. 3 SPG vorgese-</span><br/> <span class="ft6">hen; eine gesetzliche Grundlage für die Anordnung der Liquidation</span><br/> <span class="ft6">des Geschäfts ist folglich gegeben.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">232</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Die Auflage zur Liquidation einer defizitären selbstständigen</span><br/> <span class="ft6">Erwerbstätigkeit liegt im öffentlichen Interesse, da es nicht Aufgabe</span><br/> <span class="ft6">der Sozialhilfe ist, mit öffentlichen Geldern defizitäre Geschäfte über</span><br/> <span class="ft6">Wasser zu halten (AGVE 2004, S. 251 f.).</span><br/> <span class="ft6">Die "Liquidation" ist im vorliegenden Fall geeignet und erfor-</span><br/> <span class="ft6">derlich, um die materielle Hilfe und damit Ausgaben des Gemeinwe-</span><br/> <span class="ft6">sens (hier die Raummiete für das Geschäft) reduzieren zu können.</span><br/> <span class="ft6">Schliesslich erweist sich die "Liquidation" nicht als unverhältnis-</span><br/> <span class="ft6">mässig. Dem Beschwerdeführer stand seit Oktober 2005 ausreichend</span><br/> <span class="ft6">Zeit zur Verfügung, um die Möglichkeiten seiner selbstständigen</span><br/> <span class="ft6">Erwerbstätigkeit im Wirtschaftsleben zu erproben, und die für die</span><br/> <span class="ft6">Aufgabe eingeräumte Frist, ist ebenfalls nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft6">Der Kerngehalt der Wirtschaftsfreiheit wird durch die Auflage</span><br/> <span class="ft6">nicht tangiert; die "Liquidation" erfolgt einzig im Hinblick auf die</span><br/> <span class="ft6">Reduktion der Abhängigkeit von der Sozialhilfe. Dem Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer wird weder eine bestimmte berufliche Tätigkeit generell un-</span><br/> <span class="ft6">tersagt noch vorgeschrieben.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>