Obergericht des Kantons Bern Kindes- und Erwachsenen- schutzgericht Cour suprême du canton de Berne Tribunal de la protection de l'enfant et de l'adulte Entscheid KES 18 680 Hochschulstrasse 17 Postfach 3001 Bern Telefon +41 31 635 48 06 Fax +41 31 634 50 53 Obergericht-Zivil.Bern@justice.be.ch www.justice.be.ch/obergericht Bern, 29. Oktober 2018 Besetzung Oberrichterin Grütter (Referentin i.V.), Oberrichter Hurni und Oberrichter Schlup Gerichtsschreiberin Hostettler Verfahrensbeteiligte A.________ vertreten durch Rechtsanwältin B.________ Beschwerdeführer gegen C.________ vertreten durch Fürsprecher D.________ Beschwerdegegnerin Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Mittelland Süd, Tägermattstrasse 1, Postfach 1224, 3110 Münsingen Vorinstanz E.________ Betroffene Gegenstand Zustimmung zum Wechsel des Aufenthaltsortes des Kindes gemäss Art. 301a Abs. 2 ZGB Beschwerde gegen den Entscheid der Kindes- und Erwachsenen- schutzbehörde (KESB) Mittelland Süd vom 14. August 2018 (11349056/2016-3372) 2 Regeste: Aufenthaltsbestimmungsrecht, Wechsel des Aufenthaltsortes des Kindes, Zuständigkeit bzgl. Änderung der Obhutsregelung; Niederlassungs- und Bewegungsfreiheit. Stellt der nicht obhutsberechtigte geschiedene Elternteil in einem Beschwerdeverfahren vor dem Kindes- und Erwachsenenschutzgericht (KESGer) den Antrag, die Zustimmung des Wechsels des Aufenthaltsortes des Kindes sei zu verweigern bzw. das Kind sei bei ihm/ihr zu belassen, hätte dies die Umteilung der Obhut zur Folge. Über die Umteilung der Obhut entscheidet bei Uneinigkeit geschiedener Eltern aber das für die Abänderung des Scheidungsurteils zuständige Gericht (Art. 134 Abs. 3 ZGB; E. 20.2). Kann der nicht obhutsberechtigte Elternteil keine bessere Alternative anbieten und führt der Umzug nicht zu einer Kindeswohlgefährdung, ist der Wunsch des umzugswilligen hauptbetreuenden Elternteils aufgrund der zu respektierenden Niederlassungs- und Be- wegungsfreiheit zu respektieren. Aufgrund mangelnder Kompetenz für die Zuteilung der Obhut an den derzeit nicht obhutsberechtigten Elternteil und mangelnder Alternative bei Gutheissung der Beschwerde, ist diese ohne materiellrechtliche Prüfung abzuweisen (E. 21.2). Erwägungen: I. 1. E.________ ist die gemeinsame Tochter der geschiedenen Eltern A.________ (nachfolgend: Beschwerdeführer) und C.________ (nachfolgend: Beschwerdegeg- nerin). Die Eltern haben die gemeinsame elterliche Sorge für ihre Tochter, wobei die Obhut und der Wohnsitz bei der Beschwerdegegnerin liegen. 2. Mit Gesuch vom 6. Juli 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin bei der KESB Mittelland Süd (nachfolgend: Vorinstanz) die Zustimmung zum Wechsel des Auf- enthaltsortes für E.________ nach F.______[Ort], Deutschland. 3. Mit Kammerentscheid vom 14. August 2018 erteilte die Vorinstanz der Beschwer- degegnerin die Zustimmung zum Wechsel des Aufenthaltsortes von E.________ von G._____[Ort], Schweiz, nach F._____[Ort], Deutschland, und entzog einer all- fälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung. 4. Gegen diesen Entscheid reichte der Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsan- wältin B.________, am 17. September 2018 (Postaufgabe am gleichen Tag) Be- schwerde beim Kindes- und Erwachsenenschutzgericht der Zivilabteilung des Obergerichts des Kantons Bern (nachfolgend: KESGer) ein und stellte die folgen- den Rechtsbegehren: 1. Der Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Mittelland Süd vom 14. August 2018 sei aufzuheben bzw. insofern abzuändern, als dem Wechsel des Aufenthaltsortes von 3 E.________ von G._____[Ort], Schweiz, nach F.______[Ort], Deutschland, nicht zugestimmt und die Obhut über E.________ bis zum Abschluss des aktuellen Schuljahres ihrem Vater zugeteilt wird. Der definitive Entscheid über die Zustimmung zum Wechsel des Aufenthaltsortes sei nach Abschluss des laufenden Schuljahres im Sommer 2019 und erneuter Anhörung von E.________ neu zu beurteilen. 2. Eventualtier sei die Zustimmung zum Wechsel des Aufenthaltsortes von E.________ von G._____[Ort], Schweiz, nach F.______[Ort], Deutschland, frühestens per Sommer 2019 zu erteilen. Die Obhut über E.________ sei bis im Sommer 2019 ihrem Vater zuzuteilen. 3. Gestützt auf Art. 450c ZGB sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. 4. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen 5. Mit Verfügung vom 21. September 2018 wurde der Antrag um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde durch den Instruktionsrichter super- provisorisch gutgeheissen. 6. Mit Eingabe vom 26. September 2017 (recte: 26. September 2018) passte der Be- schwerdeführer seine Rechtsbegehren insofern an, als dass aufgrund mangelnder Zuständigkeit des KESGer auf einen Entscheid bezüglich Zuteilung der elterlichen Obhut verzichtet werde. Die angepassten Rechtsbegehren lauten wie folgt: 1. Der Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Mittelland Süd vom 14. August 2018 sei aufzuheben bzw. insofern abzuändern, als dem Wechsel des Aufenthaltsortes von E.________ von G._____[Ort], Schweiz, nach F.______[Ort], Deutschland, nicht zugestimmt wird. Der definitive Entscheid über die Zustimmung zum Wechsel des Aufenthaltsortes sei nach Abschluss des laufenden Schuljahres im Sommer 2019 und erneuter Anhörung von E.________ neu zu beurteilen. 2. Eventualtier sei die Zustimmung zum Wechsel des Aufenthaltsortes von E.________ von G._____[Ort], Schweiz, nach F.______[Ort], Deutschland, frühestens per Sommer 2019 zu erteilen. 3. Gestützt auf Art. 450c ZGB sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. 4. Subeventualtier sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 7. Mit ihrer Eingabe vom 22. Oktober 2018 (pag. 39 ff.) beantragte die Beschwerde- gegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen und superprovisorisch sei der Be- schwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen. 8. Mit Verfügung vom 23. Oktober 2018 (pag. 51 ff.) wies das KESGer den Antrag der Beschwerdegegnerin auf superprovisorischen Entzug der aufschiebenden Wirkung ab. 9. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Oktober 2018 (pag. 55 ff.) beantragte die Vor- instanz den Entzug der aufschiebenden Wirkung des Entscheids vom 14. August 2018 sei wiederherzustellen und die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschwerdeführers.4 II. 10. Für Beschwerden gegen Entscheide der KESB ist das KESGer zuständig (Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB, SR 210] i.V.m. Art. 65 des Gesetzes über den Kindes- und Erwachsenenschutz [KESG; BSG 213.316]). 11. Das Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz richtet sich nach den Be- stimmungen gemäss Art. 450 ff. ZGB. Subsidiär gelangt kantonales Verfahrens- recht, nämlich Art. 65 ff. KESG, zur Anwendung (vgl. Art. 1 Abs. 1 Bst. d KESG). Dieses verweist seinerseits in Art. 72 KESG auf die Bestimmungen des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, BSG 155.21). 12. Der Beschwerdeführer ist als am vorinstanzlichen Verfahren beteiligte und in sei- nen rechtlich geschützten Interessen betroffene Person gemäss Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB zur Beschwerde legitimiert. 13. Auf die frist- (Art. Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 450b Abs. 1 ZGB und Art. 42 Abs. 2 VRPG) und formgerecht (Art. 450 Abs. 3 ZGB) eingereichte Beschwerde ist einzu- treten. 14. Da sich keine fachspezifischen Fragen des Kindesschutzes stellen, erfolgt die Be- urteilung der vorliegenden Beschwerde durch drei hauptamtliche Richterinnen und Richter (Art. 45 Abs. 3 Satz 1 und Bst. b des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]). III. 15. Vorliegend ficht der Beschwerdeführer die erteilte Zustimmung der Vorinstanz zum Wechsel des Aufenthaltsortes von E.________ von G._____[Ort], Schweiz, nach F.______[Ort], Deutschland, an. 16. Die Vorinstanz begründet die Zustimmung des Aufenthaltsortswechsels von E.________ zusammengefasst wie folgt: Die Niederlassungs- bzw. Bewegungsfreiheit der Mutter und ihr Wunsch, nach F.________ zu ziehen, sei von der KESB Mittelland Süd unbesehen ihrer diesbe- züglichen Motive zu respektieren, zumal keine rechtsmissbräuchlichen Beweg- gründe ersichtlich seien; namentlich sei nicht davon auszugehen, dass die Mutter nur deshalb ins Ausland gehe, um das Kind dem zurückbleibenden Elternteil zu entfremden. Es sei daher einzig zu prüfen, ob das Wohl von E.________ besser gewahrt sei, wenn sie mit ihrer Mutter nach F.________ ziehe, als wenn sie sich beim zurückbleibenden Vater in H._____[Ort] aufhalten würde. Dem widerspreche der Umstand, dass nach dem bisher tatsächlich gelebten Betreuungskonzept die Mutter überwiegend die Bezugsperson für E.________ gewesen sei. Auch bei ei- nem Verbleib in der Schweiz bei ihrem Vater würde sich das Umfeld für E.________ ändern, da sie von G._____[Ort] nach H._____[Ort] würde umziehen müssen. E.________ ziehe es vor, mit der Mutter nach F._____[Ort] zu ziehen und die I.________ Schule zu besuchen. Sie erkenne die Tatsache, dass ihre in der 5 Schweiz aufgebauten Freundschaften nicht mehr so spontan gepflegt werden kön- nen wie bis anhin. Sie komme jedoch zum Schluss, dass dies kein Hindernis für die Aufrechterhaltung der Beziehungen zu ihrem aktuellen Umfeld sei. Es sei nicht damit zu rechnen, dass sich E.________ in F._____[Ort] nicht einleben könnte oder sich mit dem Umzug nach Deutschland nicht wiedergutzumachende Nachteile ergeben könnten. Die KESB Mittelland Süd kommt demnach zum Schluss, dass das Wohl von E.________ unter der neuen Situation besser gewahrt ist, wenn sie bei ihrer Mutter verbleibt und folglich mit ihr nach F._____[Ort] zieht. Die KESB Mittelland Süd er- teilte somit dem Wechsel des Aufenthaltsortes von E.________ nach F._____[Ort] die Zustimmung. 17. In seiner Beschwerde vom 17. September 2018 bringt der Beschwerdeführer zu- sammengefasst Folgendes vor: Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung, insbesondere BGE 142 III 481, sei die Niederlassungs- und Bewegungsfreiheit der Elternteile zu respektieren und die Motive des wegziehenden Elternteils stünden, ausser bei Rechtsmissbrauch, grundsätzlich nicht zur Debatte. Bei Wegzug des betreuenden Elternteils sei des- halb einzig zu entscheiden, ob das Wohl des Kindes unter der neuen Situation besser gewahrt sei, wenn es mit dem auswanderungswilligen Elternteil wegziehe oder wenn es beim zurückbleibenden Elternteil verbleibe. Die Vorinstanz sei in ih- rem Entscheid zum Schluss gekommen, dass das Wohl von E.________ unter der neuen Situation besser gewahrt sei, wenn sie bei ihrer Mutter verbleibe und folglich mit ihr nach F.______[Ort] ziehe. Dies sei unter anderem damit begründet worden, dass auch bei einem Verbleib in der Schweiz bei ihrem Vater das Umfeld von E.________ ändern würde, da sie von G._____[Ort] nach H._____[Ort] würde um- ziehen müssen. Dies sei nicht korrekt, da der Beschwerdeführer sehr wohl zu ei- nem Umzug nach G._____[Ort] bereit sei, damit E.________ in ihrer gewohnten Umgebung das laufende Schuljahr beenden könne. E.________ habe im Rahmen der persönlichen Anhörung unmissverständlich den Wunsch geäussert, das lau- fende Schuljahr in der Schweiz beenden zu können. Von diesem Wunsch habe er erst im Rahmen des vorinstanzlichen Entscheids erfahren, da ihm das Protokoll der Anhörung seiner Tochter nicht vorgelegen sei. Insofern werde der Vorinstanz eine unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts vorgeworfen. Es sei korrekt, dass nach bisher tatsächlich gelebtem Betreuungs- konzept die Mutter überwiegend die Bezugsperson für E.________ gewesen sei und der Beschwerdeführer etwas mehr arbeite als die Beschwerdegegnerin. Der Beschwerdeführer könne sich seine Arbeitszeit jedoch sehr frei einteilen und pro- blemlos auch von Zuhause aus arbeiten. Die Beschwerdegegnerin ihrerseits sei ebenfalls aufgrund ihres Arbeitspensums auf Drittbetreuung angewiesen, weshalb dies nicht der ausschlaggebende Punkt sein könne. Die Umzugsabsichten seien recht unerwartet gekommen, so sei der Antrag auf Zu- stimmung zum Wohnsitzwechsel ins Ausland nur einen knappen Monat nach Rechtskraft des Scheidungsurteils gestellt worden. Es müsse deshalb davon aus- gegangen werden, dass die Beschwerdegegnerin bereits während des Schei-6 dungsverfahrens über ihre unmittelbaren Umzugspläne Bescheid gewusst habe und dies absichtlich vor dem Beschwerdeführer geheim gehalten habe, bis das rechtskräftige Scheidungsurteil vorgelegen sei. Bei einem solchen Vorgehen könne sich durchaus die Frage eines rechtsmissbräuchlichen Verhaltens stellen. Es scheine das Kindswohl deutlich besser gewahrt, wenn E.________ zumindest das laufende Schuljahr in G._____[Ort] beenden könne, als wenn sie unter Druck und mitten im Schuljahr mit ihrer Mutter nach F.______[Ort] ziehen müsse. 18. In ihrer Stellungnahme vom 22. Oktober 2018 nahm die Beschwerdegegnerin zu den Vorbringen des Beschwerdeführers zusammengefasst wie folgt Stellung: Es sei festzuhalten, dass E.________ mit ihren Eltern bis zu ihrem achten Lebens- jahr in F._____[Ort] gelebt habe und auch die I.________ Schule besucht habe. Aus beruflichen Gründen sei der Beschwerdeführer in die Schweiz übergesiedelt, wohin ihm die Beschwerdegegnerin und die gemeinsame Tochter ca. eineinhalb Jahre später gefolgt seien. Ein Umzug würde somit für E.________ eine Rückkehr zu ihren Wurzeln bedeuten und in der näheren Umgebung lebten auch die Grossel- tern mütterlicherseits und weitere Verwandte. Aufgrund der Arbeitszeiten des Beschwerdeführers erscheine es völlig unrealis- tisch, dass es ihm unter den gegebenen Umständen möglich sein würde, E.________ als alleinerziehenden Vater betreuen zu können. Der Beschwerde- gegnerin sei es mit ihrem Arbeitspensum demgegenüber durchaus möglich, E.________ neben der Schule vollständig selbst zu betreuen, soweit sie dies über- haupt noch brauche. Die Umstellung der hauptsächlichen Betreuung auf den Vater sei für E.________ eine weitaus grössere Umstellung, als der Wohnsitz- und Schulwechsel zurück nach F._____[Ort]. Die Umzugspläne seien auch bereits während der Verhandlungen im Hinblick auf die Ehescheidung Thema gewesen und in der Scheidungsvereinbarung (Vernehmlassungsbeilage [VB] 4) sei denn auch ein entsprechender Passus unter Ziff. 3.5. aufgenommen worden. Der Um- fang des Besuchs- und Ferienrechts des Beschwerdeführers werde sich durch den Umzug nicht verändern. Die neue Arbeitssituation der Beschwerdegegnerin habe sich insofern geklärt, als sie eine Arbeitsstelle mit Beginn per 2. Januar 2019 antreten werde. Damit sie die- sen Vertrag eingehen könne, müsse die Kündigung ihrer jetzigen Arbeitsstelle bis spätestens Ende Oktober 2018 beim Arbeitgeber eingegangen sein. Zudem müsse sie auch ihre Wohnung kündigen, wofür eine Frist von drei Monaten zu beachten sei. 19. Die Vorinstanz nahm in ihrer Vernehmlassung vom 23. Oktober 2018 zusammen- gefasst wie folgt Stellung: Der vorinstanzliche Entscheid stütze sich hauptsächlich auf die Äusserungen und den Willen von E.________ während der Anhörung vom 30. Juli 2018. Sie habe ih- re persönliche Sicht der Vor- und Nachteile eines Verbleibs in der Schweiz bzw. ei- nes Umzugs nach F._____[Ort] aufgezeigt und habe sich in der Folge eindeutig für einen Umzug nach F._____[Ort] ausgesprochen. Trotz der erkannten Nachteile für sich selber, habe sich E.________ schliesslich aufgrund für sie überwiegender Vor-7 teile positiv zum geplanten Umzug nach F._____[Ort] geäussert. Folglich missach- te der Beschwerdeführer mit der eingebrachten Beschwerde den Willen von E.________ gemeinsam mit ihrer Mutter nach F._____[Ort] ziehen zu wollen. Von der Möglichkeit, dass der Vater zu E.________ nach G._____[Ort] ziehen würde, damit sie mindestens das laufende Schuljahr in G._____[Ort] beenden könnte, habe die KESB Mittelland Süd erst mit der Eingabe des Beschwerdeführers erfahren. Ein entsprechender Wunsch von E.________ liege der KESB Mittelland Süd bis anhin nicht vor. Aufgrund der Reife von E.________ und ihrem positiven Umgang mit der momentanen Situation sei beim Entscheid über ihren Aufenthalts- ort auf ihren geäusserten Willen abzustützen. Im Übrigen sei darauf hinzuweisen, dass E.________ momentan weniger Mühe mit allfälligen Umfelds- und Aufenthaltsortwechseln habe, als mit der herrschenden Unsicherheit bezüglich ihrer Zukunft in der Schule und in ihrem sozialen Umfeld. Aus diesem Grund sei die aufschiebende Wirkung des Entscheids der KESB Mittel- land Süd vom 14. August 2018 wieder herzustellen, da davon auszugehen sei, dass E.________ nach wir vor mit ihrer Mutter nach F._____[Ort] ziehen möchte. Dem Kindeswohl sei am meisten gedient, wenn möglichst zeitnah ein Entscheid mit Berücksichtigung von E.________ Willen betreffend ihren zukünftigen Wohnort ge- fällt werde. 20. 20.1 Sind sich die Eltern einig, so ist die Kindesschutzbehörde für die Neuregelung der elterlichen Sorge, der Obhut und die Genehmigung eines Unterhaltsvertrags zu- ständig (Art. 134 Abs. 3 ZGB). Sind sich die Eltern hingegen nicht einig, dann ent- scheidet das für die Abänderung des Scheidungsurteils zuständige Gericht auf An- trag eines Elternteils, des Kindes oder der Kindesschutzbehörde (Art. 134 Abs. 1 und 3 ZGB). 20.2 In Bezug auf die sachliche Zuständigkeit ist zunächst festzuhalten, dass in der Scheidungsvereinbarung (gerichtlich genehmigt am 25. Mai 2018 durch das Regio- nalgericht Bern-Mittelland, VB 4) der Parteien vereinbart wurde, dass Tochter E.________ unter der gemeinsamen elterlichen Sorge belassen wird und die Obhut sowie der Wohnsitz bei der Beschwerdegegnerin liegt. Das Begehren des Beschwerdeführers, wonach E.________ bei ihm in der Schweiz bleiben solle, würde die Umteilung der Obhut an ihn bedingen. Die KESB bzw. das KESGer ist aber an die gerichtlich genehmigte Scheidungsvereinbarung grundsätzlich gebunden, d.h. das KESGer darf die rechtskräftige Sorge- und Ob- hutszuteilung nicht abändern. Im vorliegenden Verfahren darf somit nicht über eine neue Obhutszuteilung entschieden werden, denn für die Obhutszuteilung an den Beschwerdeführer ist das Gericht zuständig (Art. 134 Abs. 3 ZGB). In einem sol- chen Fall entscheidet das Gericht auch über die Frage des Wechsels des Aufent- haltsortes des Kindes (Art. 301a Abs. 2 ZGB). Der Beschwerdeführer hat denn auch den entsprechenden Antrag im Beschwerdeverfahren zurückgezogen. 20.3 Zu Recht hat die KESB aber über die Zustimmung des Wechsels des Aufenthalts- ortes von E.________ befunden, denn dieser Antrag wurde durch die Beschwerde-8 gegnerin gestellt, welche gemäss Scheidungsvereinbarung Inhaberin der Obhut ist. Die Gutheissung dieses Antrags zog somit keine Änderung der Scheidungsverein- barung nach sich und die KESB war damit zur Erteilung der Zustimmung legitimiert. 21. 21.1 Üben die Eltern die elterliche Sorge gemeinsam aus und will ein Elternteil den Auf- enthaltsort des Kindes wechseln, so bedarf dies der Zustimmung des andern El- ternteils oder der Entscheidung des Gerichts oder der Kindesschutzbehörde, wenn der neue Aufenthaltsort im Ausland liegt (Art. 301a Abs. 2 Bst. a ZGB). 21.2 Die Gesetzesbestimmung von Art. 301a ZGB räumt dem ebenfalls sorgeberechtig- ten, aber nicht hauptbetreuenden Elternteil kein Vetorecht gegen eine Übersiedlung des hauptbetreuenden Elternteils mit dem Kind ins Ausland ein. Abzuwägen sind im Licht des Kindeswohls die Übersiedlung mit dem hauptbetreuenden Elternteil ins Ausland und der Verbleib beim bisher nicht hauptbetreuenden Elternteil in der Schweiz, was voraussetzt, dass dieser eine Alternative anbietet. Der Wunsch des umzugswilligen hauptbetreuenden Elternteils ist zu respektieren – unter Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs – wenn der andere Elternteil keine bessere Alternative an- bieten kann und der Umzug nicht zu einer Kindesgefährdung führt. Dem umzugs- willigen hauptbetreuenden Elternteil kann hingegen nicht vorgeschrieben werden, mit dem Kind in der Schweiz zu verbleiben, selbst wenn dies die für das Kind beste Lösung wäre. Damit würde das Selbstbestimmungsrecht des umzugswilligen El- ternteils übermässig beeinträchtigt (vgl. Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern vom 24. Mai 2016, in: FamPra.ch 2015 S. 249 und BGE 142 III 481 E. 2.5). 21.3 Die Beschwerdegegnerin ist der hauptbetreuende Elternteil von E.________ und sie hat den Wunsch, gemeinsam mit E.________ nach F.______[Ort], Deutschland zu ziehen. Aufgrund der zu respektierenden Niederlassungs- bzw. Bewegungsfrei- heit der Beschwerdegegnerin als hauptbetreuender Elternteil lautet gemäss bun- desgerichtlicher Rechtsprechung die vom Gericht oder der Kindesschutzbehörde zu beantwortende Frage damit nicht, ob es für das Kind vorteilhafter wäre, wenn beide Elternteile im Inland verbleiben würden. Die entscheidende Fragestellung ist vielmehr, ob das Kindeswohl besser gewahrt ist, wenn es mit dem auswande- rungswilligen Elternteil wegzieht oder wenn es sich beim zurückbleibenden Eltern- teil aufhält. Wie bereits in Ziff. 26 ff. erläutert, fehlt es im vorliegenden Fall dem KESGer aufgrund mangelnder Zuständigkeit an der Entscheidmöglichkeit des Ver- bleibs von E.________ beim Beschwerdeführer in der Schweiz. Damit gibt es keine Alternative zum Wegzug von E.________ mit der Beschwerdegegnerin, über die das KESGer befinden könnte. 21.4 Im von der Beschwerdegegnerin geplanten Wegzug ins Ausland kann kein rechts- missbräuchliches Verhalten gesehen werden. Wie aus der Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin hervorgeht, lebte die Familie früher gemeinsam in F._____[Ort]. Auch leben dort die Eltern und weitere Verwandte der Familien der Beschwerdegegnerin. Dem Entwurf des Arbeitsvertrags der Beschwerdegegnerin (VB 3) ist zudem zu entnehmen, dass sie dort eine Anstellung per Anfang 2019 ge- funden hat. Es bestehen somit keine Anhaltspunkte dafür, dass mit dem Wegzug nach F.______[Ort] ein Kontaktabbruch zwischen E.________ und dem Beschwer-9 deführer bezweckt wird. Zumal das Ferien- und Besuchsrecht des Beschwerde- gegners durch den Umzug nicht tangiert wird. 21.5 Da vorliegend keine Alternative zum Umzug von E.________ nach Deutschland besteht und bei einem Umzug weder eine Kindesgefährdung noch rechtsmiss- bräuchliches Verhalten ersichtlich ist, ist der Umzugswunsch der Beschwerdegeg- nerin zu respektieren. 22. Aufgrund mangelnder Zuständigkeit für die Zuteilung der Obhut an den Beschwer- deführer und mangelnder Alternative bei Gutheissung der Beschwerde, ist die Be- schwerde ohne materiellrechtliche Prüfung der für die Wegzugsfrage relevanten Kriterien abzuweisen. IV. 23. Bei diesem Ausgang des Verfahrens werde die Kosten des oberinstanzlichen Ver- fahrens dem unterliegenden Beschwerdeführer auferlegt (Art. 70 Abs. 1 KESG i.V.m. Art. 108 Abs. 1 VRPG). Verfahren betreffend Anordnung von Kindesschutz- massnahmen sind kostenbefreit, solche zwischen den Eltern – wie vorliegend Art. 301a ZGB – jedoch nicht (Art. 70 Abs. 3 Bst. d KESG). Die Verfahrenskosten, bestimmt auf CHF 1‘200.00 (Art. 46 Abs. 1 i.V.m. Art. 51 lit. a des Dekrets betref- fend die Verfahrenskosten und die Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [VKD; BSG 161.12]), werden daher dem Beschwerde- führer zur Bezahlung auferlegt und mit dem von ihm in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 24. Der Beschwerdeführer hat als unterliegende Partei der Gegenpartei sodann die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Fürsprecher D.________, als Vertretung der Beschwerdegegnerin, wird aufgefordert, seine Kostennote für das vorliegende Beschwerdeverfahren einzureichen. Nach Eingang dieser Kostennote wird die Höhe der Parteientschädigung mit separater Verfügung bestimmt werden. 25. Die Vorinstanz hat keinen Anspruch auf einen Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 3 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 VRPG).10 Das Gericht entscheidet: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten für das Beschwerdeverfahren, festgesetzt auf CHF 1‘200.00, werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und mit dem von ihm in glei- cher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. Der Beschwerdeführer hat der Beschwerdegegnerin einen Parteikostenersatz zu be- zahlen. Fürsprecher D.________ wird aufgefordert, seine Kostennote für das Be- schwerdeverfahren einzureichen. Nach Eingang der Kostennote wird mit separater Verfügung die Höhe des Parteikostenersatzes bestimmt. 4. Der Vorinstanz wird kein Parteikostenersatz zugesprochen. 5. Zu eröffnen: - dem Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwältin B.________ (vorab per Fax) - der Beschwerdegegnerin, vertreten durch Fürsprecher D.________ (vorab per Fax) - der Vorinstanz (vorab per Fax) - der Betroffenen Mitzuteilen: - dem Kantonalen Jugendamt, Gerechtigkeitsgasse 81, 3011 Bern Bern, 29. Oktober 2019 Im Namen des Kindes- und Erwachsenenschutzgerichts Die Referentin i.V.: Oberrichterin Grütter Die Gerichtsschreiberin: Hostettler Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung dieser Entscheidbegründung beim Bundesge- richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Zivilsachen gemäss Art. 39 ff., 72 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforde- rungen von Art. 42 BGG entsprechen. Hinweis: Der Entscheid ist rechtskräftig.