A bteilung III C -765/2006 {T 0/2} U rteil vom 5. M ärz 2007 M itw irkung: R ichterin Beutler; R ichter Vaudan; R ichter Vuille; G erichtsschreiberin H aake. X._______ Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung in B ezug auf Y._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er serbische Staatsangehörige Y._______ (nachfolgend G esuchsteller) beantragte am 4. April 2006 beim schw eizerischen Verbindungsbüro bei der M ission der Vereinten N ationen im Kosovo (U N M IK) in Prishtina (nach- folgend Verbindungsbüro) ein Visum für einen einm onatigen Besuchsauf- enthalt bei seinem Bruder X._______ in A._______ (SG ). D as Verbin- dungsbüro überw ies das G esuch vom 4. April 2006 dem Bundesam t für M igration zum Entscheid B. D as Ausländeram t des Kantons St. G allen forderte X._______ als G astgeber am 21. April 2006 schriftlich auf, bis zum 10. M ai 2006 eine G arantieerklärung abzugeben sow ie spezifische Fragen zur persönlichen Situation des G esuchstellers und zum Besuchsaufenthalt zu beantw orten. X._______ kam dieser Aufforderung nicht nach, w oraufhin das Auslän- deram t des Kantons St. G allen davon ausging, dass kein Interesse m ehr an dem Besuchsaufenthalt bestehe (vgl. das Schreiben ans Bundesam t für M igration vom 23. M ai 2006). In der Folge lehnte das Bundesam t für M igration (nachfolgend Vorinstanz) das Einreisegesuch am 29. M ai 2006 ab. Als Begründung w urde im W esentlichen vorgebracht, dass der G astge- ber X._______ auf die Anfragen nicht reagiert habe, w eshalb davon auszugehen sei, dass kein Interesse m ehr am Besuchsaufenthalt bestehe. Zudem fehle es an einer G arantieerklärung. D eshalb seien die Voraus- setzungen für die Erteilung eines Visum s nicht gegeben. C . M it Schreiben vom 3. Juni 2006 (Eingang bei der Vorinstanz: 13. Juni 2006) erhob X._______ (nachfolgend Beschw erdeführer) Beschw erde. D iese w urde zuständigkeitshalber an den Beschw erdedienst EJPD über- w iesen. D er Beschw erdeführer beantragt sinngem äss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sow ie die Erteilung einer Einreisebew illigung an den G esuchsteller. Als Begründung bringt er im W esentlichen vor, dass sein Bruder lediglich seine Fam ilie sehen w olle, da sie seit Jahren keinen Kontakt gehabt hätten. D er Beschw erdeführer erklärt zudem , für säm tliche Kosten aufzukom m en und beteuert, dass sein Bruder fristgerecht w ieder ausreisen w erde. D . D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 9. August 2006 die Abw eisung der Beschw erde. Zu den Vorbringen in der Beschw erde, w onach der Beschw erdeführer für säm tliche Kosten aufkom m e und für die rechtzeitige Ausreise aus der Schw eiz besorgt sein w erde, führt sie aus, dass die Verfügung selbst bei Vorliegen dieser G arantien nicht anders ausgefallen w äre. D ies m it der Begründung, dass die W iederausreise auf- grund der w irtschaftlichen und politischen G egebenheiten in der H erkunfts- region sow ie aufgrund fehlender zw ingender beruflicher, fam iliärer oder gesellschaftlicher Verpflichtungen nicht gesichert sei. Zuletzt w eist sie dar- auf hin, dass ein analoges Begehren bereits im Septem ber 2005 abgelehnt w orden sei. E. D as m it Schreiben vom 15. August 2006 eingeräum te R eplikrecht w urde vom Beschw erdeführer nicht w ahrgenom m en.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VG G genannten Ausnahm en Beschw erden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), w elche von einer in Art. 33 VG G aufgeführten Behörde erlassen w urden, sow ie gegen Be- schlüsse gem äss Art. 34 VG G . D arunter fallen die Verfügungen des Bundesam tes für M igration betreffend Bew illigung der Einreise (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20]) und Art. 18 Abs. 1 der Verordnung über die Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 (VEA, SR 142.211). D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig (Art. 83 Bst. a Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 1. Januar 2007 bei den Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei den Beschw erdediensten der D epartem en- te hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 D er Beschw erdeführer ist als G astgeber von der angefochtenen Verfügung berührt und hat ein schutzw ürdiges Interesse an deren Aufhebung (Art. 48 Abs. 1 Vw VG , Art. 20 Abs. 2 AN AG ). Auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist som it einzu- treten (Art. 50 und Art. 52 Abs. 1 Vw VG ). 2. Ausländer und Ausländerinnen sind zur Anw esenheit in der Schw eiz be- rechtigt, w enn sie eine Aufenthalts- oder N iederlassungsbew illigung haben oder keiner solchen bedürfen (Art. 1a AN AG ). G ew isse G ruppen von Aus- länderinnen und Ausländern benötigen für die Einreise in die Schw eiz ein Visum (vgl. Art. 3 ff. VEA). D as Bundesam t für M igration entscheidet im R ahm en der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge m it dem Ausland nach freiem Erm essen über die Bew illigung von Aufenthalt und N iederlassung (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 VEA). D ies bedeutet, dass die schw eizerische R echtsordnung w eder ein allgem eines R echt auf Einreise kennt, noch einen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visum s gew ährt (vgl. PETER U EBER SA X, Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax/Peter M ünch/Thom as G eiser/M artin Arnold [H rsg.], Ausländerrecht, H andbücher für die Anw altspraxis Bd. 8, Basel 2002, R z. 5.28). Ein Einreisevisum w ird verw eigert, w enn die in Art. 1 VEA aufgeführten Voraussetzungen nicht erfüllt sind (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). Insbesondere m üssen G esuchstellerinnen und G esuchsteller, die in die Schw eiz reisen 4 m öchten, G ew ähr bieten, dass sie fristgerecht w ieder ausreisen w erden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. D er G esuchsteller benötigt aufgrund seiner N ationalität zur Einreise in die Schw eiz neben dem Pass ein Visum . D ie Vorinstanz verw eigerte die Erteilung eines solchen Visum s zunächst m it der Begründung, dass der Beschw erdeführer nicht auf die Anfrage des Ausländeram tes St. G allen reagiert habe und deshalb davon auszugehen sei, dass kein Interesse m ehr an dem Besuch bestehe. In ihrer Vernehm lassung ergänzte sie ihre Begründung dahingehend, dass die fristgerechte W iederausreise nicht gesichert sei. D aran ändere die nachträgliche G arantieerklärung nichts. 4. G em äss Art. 6 Abs. 1 VEA kann die zuständige Bew illigungsbehörde von einer solventen natürlichen oder juristischen Person eine G arantieerklä- rung verlangen. D iese G arantieerklärung erstreckt sich über eine Sum m e von Fr. 20'000.-- (Art. 7 Abs. 3 VEA) und ist von den zuständigen kanto- nalen oder kom m unalen Behörden zu kontrollieren (Art. 8 Abs. 1 VEA). Vorliegend hat der Beschw erdeführer auf die entsprechende Aufforderung des Ausländeram tes des Kantons St. G allen vom 21. April 2006 nicht rea- giert. Erst in der Beschw erdeschrift gibt er die Erklärung ab, für säm tliche Kosten aufzukom m en, die w ährend des Besuches des G esuchstellers ent- stehen. D abei stellt sich die Frage, ob diese Erklärung den Anforderungen gem äss Art. 6 Abs. 1 VEA genügt, w elche die G arantieerklärung von einer solventen Person verlangt. D er Beschw erdeführer bringt keinerlei Belege bei, w elche seine Solvenz bestätigen w ürden. Allerdings kann diese Frage vorliegend offenbleiben, da, w ie zu zeigen ist, die Beschw erde aus ande- ren G ründen abzuw eisen ist. 5. In ihrer Vernehm lassung bringt die Vorinstanz vor, dass die fristgerechte W iederausreise des G esuchstellers gem äss Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA nicht gesichert erscheine. W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesi- cherten W iederausreise erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m achen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreise- gesuchen von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten beziehungsw eise R egionen m it politisch oder w irtschaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen von vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die per- sönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einreisebew illigung in Einklang steht. 5.1 Serbien gehört aufgrund der dort herrschenden politischen, gesellschaf- tlichen und w irtschaftlichen Verhältnisse zu denjenigen Ländern, deren Staatsangehörige in vielen Fällen versuchen, m it H ilfe eines Visum s in die Schw eiz zu gelangen, um anschliessend hier zu bleiben. Vor allem für An- gehörige der jüngeren G eneration, die, w ie der G esuchsteller, aus der Pro- vinz Kosovo stam m en, ist die Verlockung gross, sich in einem anderen Land ein neues Leben aufzubauen, da die w irtschaftliche und soziale Situ- ation in ihrem H eim atland nach w ie vor desolat ist. D ie Arbeitslosigkeit ist hoch (2005: Serbien rund 20 % , Provinz Kosovo m ehr als 40 % ) und 37 % der Bevölkerung der Provinz Kosovo lebten gem äss den Zahlen der 5 W eltbank für das Jahr 2002 unter der Arm utsgrenze (vgl. "Kosovo Poverty Assessm ent" vom 16. Juni 2005, S. 16 f., unter w w w .w orldbank.org, besucht am 14. Februar 2007). Entsprechend gross ist der Anteil jener, die versuchen, nach W esteuropa – unter anderem auch in die Schw eiz – zu gelangen, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen. D ie Tendenz zur Ausw anderung zeigt sich erfahrungsgem äss besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Personen, die bereits über ein m inim ales soziales Beziehungsnetz im Ausland (Verw andte oder Freunde) verfügen. D em zu- folge gilt es nach M öglichkeit zu verhindern, dass G esuchsteller ihre An- w esenheit in der Schw eiz, entgegen der ursprünglichen Absichtserklärung, dazu nutzen, ein Asylgesuch einzureichen oder die fristgerechte W ieder- ausreise auf andere W eise zu um gehen. D ie schw ierige Lage in Serbien spiegelt sich im Ü brigen auch in der schw eizerischen Asylstatistik w ider, in der Serbien im Jahre 2006 m it 11.6 % die grösste G ruppe von Asylsu- chenden stellte. 5.2 Bei der R isikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt dem G esuchsteller oder der G e- suchstellerin beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, so kann dieser U m stand durchaus die Prog- nose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstellern und G esuchstellerinnen, die in ihrer H eim at keine be- sonderen Verpflichtungen haben, das R isiko, dass sie sich nach einer bew illigten Einreise nicht gem äss den frem denpolizeilichen R egeln verhal- ten, als hoch eingeschätzt w erden. Beim G esuchsteller handelt es sich um einen 20-jährigen M ann. G em äss Angaben auf dem Einreisegesuch ist er von Beruf "bujk" (Bauer). G egen- über der U N M IK-Vertretung in Klina erklärte der G esuchsteller am 6. M ärz 2006, er sei ledig und lebe m it seinen Eltern zusam m en im gleichen H aushalt. Aus diesen Angaben sind keine fam iliären oder gesellschaftlichen Ver- pflichtungen ersichtlich, w elche die für den G esuchsteller nachteilige Prog- nose aufgrund der allgem einen Situation in Serbien positiv beeinflussen könnte. D en Akten der Vorinstanz ist zu entnehm en, dass der G esuch- steller bereits in den Jahren 2004 und 2005 Einreisevisa beantragt hatte, w elche ebenfalls abgew iesen w urden. Auch im Jahre 2005 trat der heutige Beschw erdeführer als G astgeber auf und erklärte im Fragebogen zuhan- den des Ausländeram tes des Kantons St. G allen, dass sein Bruder Kellner in einem Speiserestaurant in Klina sei. D ie berufliche Situation des G esuchstellers erscheint aufgrund dieser von 2005 zu 2006 variierenden Angaben nicht gefestigt, sodass auch daraus keine besondere Verpflich- tung erkennbar w ird, die ihn nachhaltig von einer Em igration abhalten könnte. Angesichts der w irtschaftlich sehr schw ierigen Situation in der ser- bischen Provinz Kosovo sow ie dem daraus entstehenden Zuw an- derungsdruck (vgl. oben Ziffer 5.1.), m uss daher das R isiko, dass der G e- suchsteller nicht fristgerecht aus der Schw eiz ausreist, als hoch eingestuft w erden.6 6. Zusam m enfassend ergibt sich, dass die fristgerechte und anstandslose W iederausreise des G esuchstellers als nicht gesichert erscheint. D abei handelt es sich nicht um eine sichere Erkenntnis, sondern um eine Prog- nose betreffend das zukünftige Verhalten des G esuchstellers im Falle seiner Einreise in die Schw eiz; doch reicht praxisgem äss eine negative Prognose aus, um den Antrag auf Erteilung einer Einreisebew illigung, w orauf w ie erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht, abzulehnen. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Ergeb- nis rechtm ässig ist (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist dem zufolge abzuw eisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschw erde- führer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- (G erichtsgebühren) w erden dem Beschw erdeführer auferlegt. Sie w erden m it dem am 30. Juni 2006 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben), Akten R ef-N r. 2 182 019 Sph/D is retour - dem Ausländeram t des Kantons St. G allen - dem schw eizerischen Verbindungsbüro in Prishtina D ie vorsitzende R ichterin: D ie G erichtsschreiberin: R uth Beutler Barbara H aake Versand am :