<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">128</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>21</b></span> <span class="ft1"><b>Ausschaffungshaft; Haftzweck; Verhältnismässigkeit</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Die Anordnung einer Ausschaffungshaft zur Vornahme weiterer</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Identitätsabklärungen ist nicht notwendig und damit unzulässig,</b></span><br/> <span class="ft1"><b>wenn sich die inhaftierte Person den Behörden in den vergangenen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>elf Jahren immer zur Verfügung gehalten hat.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Mit der Anordnung einer Ausschaffungshaft darf nicht primär be-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>zweckt werden, den Druck auf die betroffene Person zu erhöhen und</b></span><br/> <span class="ft1"><b>diese zu einer Verhaltensänderung zu bewegen, da dieser Haftzweck</b></span><br/> <span class="ft1"><b>der Durchsetzungshaft vorbehalten ist.</b></span><br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Einzelrichters des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer,</span><br/> <span class="ft3">vom 10. August 2017, i.S. Amt für Migration und Integration gegen A.</span><br/> <span class="ft3">(WPR.2017.128)</span><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft5">6.4.3.</span><br/> <span class="ft5">Mit Blick auf die Notwendigkeit der Inhaftierung führte der</span><br/> <span class="ft5">Vertreter des Gesuchsgegners anlässlich der heutigen Verhandlung</span><br/> <span class="ft5">aus, der Gesuchsgegner sei seit elf Jahren in der Schweiz und bisher</span><br/> <span class="ft5">für alle Befragungen immer in seiner Unterkunft anzutreffen gewe-</span><br/> <span class="ft5">sen. Diese Darstellung wird seitens des Gesuchstellers zwar bestätigt,</span><br/> <span class="ft5">jedoch moniert, der Gesuchsgegner habe sich sonst in keiner Weise</span><br/> <span class="ft5">um die Feststellung seiner Identität gekümmert. Die angeordnete</span><br/> <span class="ft5">Haft solle dem Gesuchsgegner deutlich machen, dass es dem MIKA</span><br/> <span class="ft5">nun ernst sei, seine Identität festzustellen und die Wegweisung zu</span><br/> <span class="ft5">vollziehen. Die Haft solle unter anderem sicherstellen, dass der Ge-</span><br/> <span class="ft5">suchsgegner anlässlich der Befragung kooperiere. Das MIKA sei</span><br/> <span class="ft5">überzeugt, dass eine Identifizierung und Ausschaffung möglich sei.</span><br/> <span class="ft5">Nachdem der Gesuchsgegner in den letzten Jahren mehrfach</span><br/> <span class="ft5">problemlos ausländischen Delegationen zwecks Befragung und Iden-</span><br/> <span class="ft5">tifizierung zugeführt werden konnte und dazu mehrfach auch kurz-</span><br/> <span class="ft5">fristige Festhaltungen verfügt wurden, ist nicht ersichtlich, weshalb</span><br/> <span class="ft5">dies bei der nächsten Befragung nicht möglich sein sollte. Eine In-</span><br/> <span class="ft5">haftierung zwecks Zuführung zur Befragung durch eine ugandische</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">129</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Delegation und spätere Ausschaffung ist damit nicht notwendig, wo-</span><br/> <span class="ft5">mit eine sechsmonatige Inhaftierung im Rahmen der Ausschaffungs-</span><br/> <span class="ft5">haft unverhältnismässig wäre. Dies auch mit Blick auf die Verhältnis-</span><br/> <span class="ft5">mässigkeit im engeren Sinne, da der Gesuchsgegner bereits einmal</span><br/> <span class="ft5">durch eine ugandische Delegation befragt und nicht anerkannt wor-</span><br/> <span class="ft5">den ist. Bei dieser Sachlage wäre eine Inhaftierung zum einen nur</span><br/> <span class="ft5">dann verhältnismässig im engeren Sinne, wenn ein Befragungstermin</span><br/> <span class="ft5">feststünde und die konkrete Gefahr bestünde, dass sich der Gesuchs-</span><br/> <span class="ft5">gegner einer Befragung entziehen wollte. Da sich der Gesuchsgegner</span><br/> <span class="ft5">jedoch bislang immer zur Verfügung gehalten hat, ist dies, wie be-</span><br/> <span class="ft5">reits ausgeführt, aktuell nicht der Fall. Anders würde sich die Situa-</span><br/> <span class="ft5">tion wohl dann präsentieren, wenn der Gesuchsgegner als ugan-</span><br/> <span class="ft5">discher Staatsangehöriger identifiziert werden würde.</span><br/> <span class="ft5">Im Kern bezweckt das MIKA mit der angeordneten Haft offen-</span><br/> <span class="ft5">sichtlich, den Druck auf den Gesuchsgegner zu erhöhen. Die Haft</span><br/> <span class="ft5">zielt damit auf eine Verhaltensänderung des Gesuchsgegners ab, wel-</span><br/> <span class="ft5">che mittels Anordnungen einer Durchsetzungshaft zu erwirken wäre.</span><br/> <span class="ft5">Abgesehen davon, dass keine Durchsetzungshaft beantragt wurde,</span><br/> <span class="ft5">könnte eine solche nicht bewilligt werden, da diese mit Bezug auf die</span><br/> <span class="ft5">Ausschaffungshaft nur subsidiär angeordnet werden darf, d.h. nur</span><br/> <span class="ft5">dann, wenn keine Ausschaffungsperspektive mehr besteht. Eine sol-</span><br/> <span class="ft5">che ist im vorliegenden Fall mit der Gesuchstellerin jedoch zu beja-</span><br/> <span class="ft5">hen, womit die Anordnung einer Durchsetzungshaft nicht zur</span><br/> <span class="ft5">Diskussion steht.</span><br/></div> </div> </body> </html>