A. Verwaltungsentscheide 1472 40 einen Teil der Depotanlagen zu veräussern. Diese An weisung stützt sich auf einen Bericht des Leiters der Finanzabteil ung der Gemeinde. Seiner Meinung nach sind die explizit aufgeführten Anlagen nicht mündelsicher, weshalb sie zu verkaufen sind. Auch d ie Bank hält in ihrem Schreiben vom 22. Oktober 2007 fest, dass die Anlageform nicht mündelsicher sei, verweist aber auf P., welch er zu einem früheren Zeitpunkt diese Risikostrategie bestimmt u nd festgesetzt habe. Gründe, an den Aussagen der Finanzexperten zu zweifeln, sind keine ersichtlich. Der Leiter der Finanzabteilung d er Gemeinde hat sogar eine umfassende Einzelfallbeurteilung vorgeno mmen, indem jede Anlage des Depots separat geprüft wurde. Aus d iesem Grund ist festzuhalten, dass, auch gestützt auf die herrschen de Lehre, die Anlagen von P. im Depot als mehrheitlich nicht münd elsicher zu qualifizieren sind und der Beschwerdeführer diese i m von der Vormundschaftskommission Z. festgesetzten Zeitraum zu veräussern hat. In diesem Sinne ist die Beschwerde abzuweisen. e) Zu bemerken bleibt, dass es hierbei keine Rolle spi elt, was P. zu einem Zeitpunkt, als er selber noch urteilsfähig wa r, in Bezug auf seine Vermögensverwaltung festhielt. Mit der Anordn ung der vor - mundschaftlichen Massnahmen gelten die vormundschaf tlichen Schutzmassnahmen, wozu eben auch die mündelsichere Anlage nach Art. 401 ZGB gehört. Das Gleiche gilt in Bezug auf den W illen der erbberechtigten Töchter. Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden, 12.02.200 8 1472 Pflegeplatzbewilligung . Abgrenzung zwischen Mietverhältnis und einer bewilligungspflichtigen Unterbringung in eine r Pflegefamilie. Es ist im Einzelfall zu prüfen, ob eine Einzelpflegebe willigung oder eine Heimbewilligung nötig ist. Sachverhalt: E.G. und ihr Sohn F.G., geb. 26. Oktober 2006, wurd en vom Beistand von E.G. bei der Pflegefamilie M.O. und N. O. untergebracht. Die Vormundschaftsbehörde Z. verfügte, dass sowohl der Aufenthalt von E.G. als auch derjenige ihres Sohnes bewilligun gspflichtig seien. 40A. Verwaltungsentscheide 1472 41 Die Pflegefamilie O. würde über keine pädagogische Ausbildung verfügen und infolge der bereits hohen Belastung du rch fünf andere Pflegekinder könne die Bewilligung nicht erteilt we rden. In einer Beschwerde gegen diesen Entscheid machte der Beista nd geltend, dass im vorliegenden Fall kein Pflegekinderverhältn is, sondern eher ein Mietverhältnis vorliege; eine Bewilligung sei d aher nicht nötig. Aus den Erwägungen: 5. a) Zunächst ist zu prüfen, ob die Wohnsituation von E. G. und F.G., wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht wurd e, ein normales Mietverhältnis darstellt oder ob, wie von der Vorinstanz vorgebracht wurde, eine Betreuung durch die Familie O. erfolgt. […] b) […] c) E.G. und F.G. nehmen sämtliche Mahlzeiten zusammen mit den Pflegefamilie O. sowie den anderen Pflegekinder n in den Räum - lichkeiten der Familie O. ein. Sonst verbringt E.G. die meiste Zeit in ihren Räumlichkeiten. Am Nachmittag ist sie o f t m i t F . G . i m F r e i e n . Machen M.O. und N.O. mit den anderen Pflegekindern einen Ausflug, nehmen E.G. und F.G. auch meist teil. d) Die im Rahmen des Augenscheins gewonnenen Eindrücke erlauben den Schluss, dass vorliegend nicht von ein em üblichen Mietverhältnis auszugehen ist und E.G. und F.G. in die Fami lien- strukturen der Familie O. eingebunden sind. Die Bet eiligten wissen über den Tagesablauf voneinander Bescheid, und F.G. scheint an M.O. und N.O. gewöhnt zu sein. Aus den Akten geht a usserdem her - vor, dass insbesondere M.O. E.G. in der Erziehung von F.G . tatkräftig unterstützt und F.G. z.B. während der Zeit, in der E.G. den Haushalt erledigt, hütet. 6. a) Nachfolgend wird geprüft, ob für die Betreuung von E.G. durch die Familie O. eine Bewilligung notwendig ist oder nicht. b) Die Verordnung vom 9. September 1996 über die Heima ufsicht (Heimverordnung; bGS 811.113) beinhaltet Bestimmung en für private und öffentliche Einrichtungen, welche berufsmässig erwachsene Per - sonen zur Pflege, Betreuung, Beobachtung oder Resoz ialisierung aufnehmen und ihnen Unterkunft und Verpflegung anbi eten (vgl. Art. 1 Abs. 1 Heimverordnung). c) M.O. und N.O. stehen E.G. zwar mit Rat zur Seite un d geben ihr eine gewisse Stabilität. Die Unterbringung von E.G. erfolgte aber in erster Linie wegen ihres Kindes und nicht wegen ihr selbst. Sie lebt 41A. Verwaltungsentscheide 1472 42 deshalb in einer Institution, die ein betreutes Woh nen anbietet, damit im Bedarfsfall Begleitung und Betreuung von F.G. ge währleistet sind. In Bezug auf E.G. liegt kein Pflege - resp. Betr euungsverhältnis im Sinne der Heimverordnung vor. Aus diesem Grund ist für E.G. keine Bewilligung notwendig. 7. a) Nachfolgend wird geprüft, ob für die Betreuung von F.G. durch die Familie O. eine Bewilligung notwendig ist oder nicht. b) Weiter oben wurde bereits ausgeführt, dass die B eteiligten voneinander Bescheid wissen über den Tagesablauf, F .G. an M.O. und N.O. gewöhnt ist und M.O. F.G. teilweise allein e betreut. Hin - weise auf die Betreuungssituation von F.G. finden s ich auch im Bericht über die entwicklungspädiatrische Kontrolle von F.G. […]. Die Kontrolle fand in Anwesenheit von E.G. und M.O. sta tt. Aus dem Bericht geht u.a. hervor, dass E.G. in Bezug auf F. G. sehr unsicher wirke. Fragen betreffend F.G. würden meist von M.O. beantwortet. Ausserdem bestehe der Eindruck, dass E.G. gerne das Eine oder Andere ohne M.O. unternehmen würde. Aus diesen Fest stellungen folgt, dass insbesondere M.O. einen Teil der täglic hen Betreuung von F.G. übernimmt. Dies deckt sich mit den Erkenntniss en aus dem Augenschein. c) Es stellt sich die Frage, ob in einer solchen Konst ellation die Bestimmungen über die Familienpflege (Art. 4 ff. der Verordnung vom 19. Oktober 1977 über die Aufnahme von Kindern zur Pflege und Adoption, PAVO; SR 211.222.338) oder jene über die Heimpflege (Art. 13 ff. PAVO) Anwendung finden. Nach Art. 4 Abs. 1 PAVO benötigt eine Bewilligung, wer ein Kind, das noch s chulpflichtig oder noch nicht 15 Jahre alt ist, für mehr als drei Mona te oder für unbestimmte Zeit entgeltlich oder unentgeltlich zur Pflege und Erziehung in seinen Haushalt aufnehmen will. Nach A bs. 2 lit. a der genannten Bestimmung besteht die Bewilligungspflich t auch dann, wenn das Kind von einer Behörde untergebracht wird. Nach Art. 13 Abs. 1 lit. a PAVO benötigen Einrichtungen eine Bew illigung, welche mehrere Unmündige zur Erziehung, Betreuung, Ausbild ung, Beo - bachtung oder Behandlung tags - und nachtsüber aufnehmen. Eine Bewilligung nach Art. 4 PAVO ist mit anderen Worten dann not - wendig, wenn einzelne Kinder aufgenommen werden. We nn hingegen mehrere Kinder aufgenommen werden, benötigt die Ein richtung eine Bewilligung als Heim. 42A. Verwaltungsentscheide 1472 43 d) M.O. und N.O. haben bereits fünf Pflegekinder bei s ich auf - genommen und für jedes dieser Kinder eine eigene Fa milienpflege- bewilligung erhalten. Im Zeitpunkt des Erlasses der vorinstanzlichen Verfügung (3. August 2007) waren drei dieser Kinder noch nicht 15 Jahre alt. Ob eine Bewilligung für die Heimpflege n otwendig ist oder nicht, muss im Einzelfall unter Würdigung der gesam ten Umstände geprüft werden. Kriterien bilden etwa die Zahl der aufgenommenen Kinder, die Zahl der eigenen unmündigen Kinder, die Zahl der Mitarbeitenden, die wirtschaftliche Grundlage und d as Vorhandensein besonderer baulicher Einrichtungen (Entscheid des R egierungsrates vom 16. August 1994, in: AR GVP 6/1994, Nr. 1258). In der Gesetzgebung vieler Kantone muss ab einer be stimmten Anzahl an Pflegekindern eine Heimbewilligung vorlie gen. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden hat keine entsprechende Best immung er - lassen. Der Regierungsrat verwies in seinem oben er wähnten Ent - scheid vom 16. August 1994 auf die Regelung von and eren Kantonen, verzichtete aber darauf, das Erfordernis einer Heim bewilligung an eine konkrete Anzahl Pflegekinder zu knüpfen. Die Prüfung der Abgrenzungskriterien gemäss der Pra xis des Re - gierungsrates ergibt das folgende Ergebnis: In wirt schaftlicher Hinsicht steht die Pflege und Betreuung von Unmündi gen im Vordergrund. M.O. und N.O. gehen keiner auswärtigen Tätigkeit nach. Sie führen zwar noch das sich im Haus befindliche R estaurant, aber dieses scheint nicht stark frequentiert zu sein. Ne bst allfälligen Einkünften aus der Altersvorsorge werden die mit de r Pflege von Unmündigen verbundenen Einnahmen ein wesentlicher T eil der wirtschaftlichen Grundlage der Familie O. sein. Die Familie O. be - treute im Zeitpunkt des Erlasses der vorinstanzlich en Verfügung fünf unmündige Pflegekinder, davon waren drei jünger als 15 Jahre. Für die Erledigung der Hausarbeit steht der Familie O. eine Teilzeit - angestellte zur Verfügung. In Würdigung dieser Tats achen muss die Pflegesituation der Familie O. als heimähnliche Ein richtung qualifiziert werden. Die Vorinstanz hat demnach zu Recht keine Einzelpfl ege- bewilligung nach Art. 4 ff. PAVO erteilt. Dies steht im Einklang mit dem genannten Entscheid des Regierungsrates vom 16. August 1994. Jener Entscheid betraf eine Pflegefamilie, welche z u drei eigenen Kindern drei Pflegekinder aufnehmen wollte. Der Reg ierungsrat entschied damals, dass eine heimähnliche Einrichtun g vorliegt und die 43A. Verwaltungsentscheide 1472 44 Bestimmungen über die Heimpflege (Art. 13 ff. PAVO) anwendbar sind. Solange die Familie O. drei Kinder unter 15 J ahren und darüber hinaus zwei weitere Jungendliche über 15 Jahre betr eut, können ohne eine Heimbewilligung keine weiteren Pflegekinder au fgenommen werden. 8. a) Die Vorinstanz stützt die Verweigerung der Aufnahme von E.G. und F.G. in ihrer Feststellungsverfügung vom 3 . August 2007 u.a. auf die Bestimmungen zur Heimpflege (Art. 13 ff. PAVO). Der Entscheid hinsichtlich einer Heimbewilligung setzt indes eine umfas - sende Prüfung sämtlicher relevanter Bewilligungskri terien nach Art. 15 Abs. 1 PAVO voraus. Grundlage ist ein Gesuch, welches mi ndestens Angaben über den Zweck, die rechtliche Form und die finanzielle Grundlage des Heims (lit. a), die Anzahl, das Alter und die Art der aufzunehmenden Unmündigen und das therapeutische An gebot (lit. b), die Personalien und die Ausbildung des Leiters, die Anzahl und die Ausbildung der Mitarbeitenden (lit. c) und die Anordnung und Einrichtung der Wohn -, Unterrichts - und Freizeitr äume (lit. b) enthält. Ist der Träger des Heims eine juristische Person, s o müssen nach Art. 14 Abs. 2 die Statuten beigelegt und die Organe bekannt geb en werden. Es ist nicht ersichtlich, dass den zuständi gen Behörden bisher ein solches Gesuch eingereicht worden wäre. Die Feststel - lungsverfügung der Vorinstanz vom 3. August 2007 st ellt keinen rechtsgenüglichen Entscheid hinsichtlich der Erteil ung einer allfälligen Heimbewilligung dar. Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden, 12.08.200 8 44