<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 97 S.487</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">487</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>97 Dachgeschoss</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Fläche unter einem Mansardendach, dessen unterer Dachteil die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>für ein Dachgeschoss zulässige Neigung von 45° überschreitet, zählt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>als Vollgeschoss.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 25. Juli 2006</span><br/> <span class="ft5">i.S. F. und Mitb. gegen B. und den Gemeinderat Meisterschwanden</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. Die Beschwerdeführenden machen geltend, dass das oberste</span><br/> <span class="ft1">Geschoss des projektierten Einfamilienhauses nicht als Dachge-</span><br/> <span class="ft1">schoss qualifiziert werden könne. Die Definition des Dachgeschosses</span><br/> <span class="ft1">ergebe sich abschliessend aus § 16 ABauV. Das oberste Geschoss des</span><br/> <span class="ft1">geplanten Gebäudes mit dem darauf aufgesetzten Mansardendach</span><br/> <span class="ft1">weise diese Eigenschaften nicht auf, zumal die Dachneigung bedeu-</span><br/> <span class="ft1">tend mehr als 45° betrage. Deshalb sei das oberste Geschoss hier als</span><br/> <span class="ft1">Vollgeschoss zu zählen, mit der Folge, dass dessen Fläche in die</span><br/> <span class="ft1">Ausnützungsziffer eingerechnet werden müsse. (...) Da das oberste</span><br/> <span class="ft1">Geschoss hier als Vollgeschoss zähle und dessen Fläche in die</span><br/> <span class="ft1">Ausnützungsziffer eingerechnet werden müsse, ergebe sich eine</span><br/> <span class="ft1">massive Überschreitung der zulässigen Ausnützungsziffer von 0.45;</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">488</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zugleich resultiere ein dreigeschossiges Gebäude, d.h. auch die</span><br/> <span class="ft1">zulässige Geschosszahl (2 Vollgeschosse) werde nicht eingehalten.</span><br/> <span class="ft1">Das Baugesuch könne schon aus diesen Gründen nicht bewilligt wer-</span><br/> <span class="ft1">den, und die angefochtene Baubewilligung sei daher aufzuheben.</span><br/> <span class="ft1">a) § 16 ABauV hat einzig zum Ziel, zwecks Beurteilung der</span><br/> <span class="ft1">Geschossigkeit eines Gebäudes den Begriff des Dachgeschosses zu</span><br/> <span class="ft1">definieren; diese kantonale Definition ist abschliessend (vgl. Hand-</span><br/> <span class="ft1">buch zum Bau- und Nutzungsrecht [BNR], Vollzugshilfe des Baude-</span><br/> <span class="ft1">partements, herausgegeben von der Staatskanzlei, 2. Auflage Dezem-</span><br/> <span class="ft1">ber 2003, S. 48). Danach gelten als Dachgeschoss Flächen unter</span><br/> <span class="ft1">zulässigen Schrägdächern, sofern die Dachfläche - ausgenommen</span><br/> <span class="ft1">bestimmte Dachflächenfenster - nur auf einem Geschoss und höchs-</span><br/> <span class="ft1">tens auf einem Drittel der Fassadenlänge durchbrochen wird (§ 16</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 ABauV). Als zulässige Schrägdächer gelten, soweit die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinden nichts anderes festlegen, Dächer mit einer Dachneigung bis</span><br/> <span class="ft1">45° und einer Kniestockhöhe bis 1,20 m (§ 16 Abs. 1</span><span class="ft7"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">ABauV).</span><br/> <span class="ft1">Mangels einer davon abweichenden Regelung der Gemeinde sind in</span><br/> <span class="ft1">Meisterschwanden eine Dachneigung bis 45° und eine Kniestock-</span><br/> <span class="ft1">höhe bis 1,20 m massgeblich für die Beurteilung der Geschossigkeit.</span><br/> <span class="ft1">aa) (Ausführungen zur Kniestockhöhe)</span><br/> <span class="ft1">bb) Das oberste Geschoss des geplanten Einfamilienhauses gilt</span><br/> <span class="ft1">jedoch deshalb nicht als Dachgeschoss, weil der untere Teil des pro-</span><br/> <span class="ft1">jektierten Mansardendachs steiler als der obere verläuft und eine</span><br/> <span class="ft1">Dachneigung von erheblich mehr als 45° aufweist; die Neigung der</span><br/> <span class="ft1">unteren Dachebene beträgt 65°. Dadurch wird der in § 16 Abs. 1</span><span class="ft7"><sup>bis</sup></span><br/> <span class="ft1">ABauV geregelte zulässige Dachquerschnitt überschritten, was zur</span><br/> <span class="ft1">Folge hat, dass das oberste Geschoss als Vollgeschoss zählt (so auch</span><br/> <span class="ft1">die entsprechende Skizze in Ziff. 4.3.6 BNR, S. 49 unten rechts). Das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht hat in einem kürzlich beurteilten Fall ebenfalls</span><br/> <span class="ft1">bestätigt, dass § 16 ABauV in erster Linie Sattel- und Pultdächer,</span><br/> <span class="ft1">allenfalls auch Walm- und Zeltdächer anvisiert, nicht dagegen Man-</span><br/> <span class="ft1">sardendächer, die dadurch gekennzeichnet sind, dass die Dachfläche</span><br/> <span class="ft1">geknickt ist und deren unterer Teil steiler als der obere verläuft, mit</span><br/> <span class="ft1">einer Dachneigung von regelmässig erheblich mehr als 45° (vgl. Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid des Verwaltungsgerichts III/109 vom 17. Dezember 2004 in</span><br/> <span class="ft1">Sachen C.-W., S. 9). Mit anderen Worten: Mansardendächer mit ei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">489</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ner Neigung der unteren Dachebene von mehr als 45° entsprechen</span><br/> <span class="ft1">nicht dem in § 16 ABauV definierten Begriff des Dachgeschosses.</span><br/> <span class="ft1">Der Umstand, dass die Dachneigung von Mansardendächern durch-</span><br/> <span class="ft1">schnittlich betrachtet unter 45° liegt, weil die Neigung der oberen</span><br/> <span class="ft1">Dachebene regelmässig erheblich geringer als 45° ist (hier: 13°),</span><br/> <span class="ft1">ändert nichts. Flächen unter Mansardendächern, deren unterer Dach-</span><br/> <span class="ft1">teil eine Neigung von mehr als 45° aufweist, zählen deshalb in jedem</span><br/> <span class="ft1">Fall als Vollgeschoss.</span><br/></div> </div> </body> </html>