116 Parteien und der ausführenden Behörde“ die Rede ist. Zum anderen spricht auch die Natur des Rechtshilfeverfahrens als schweizerisches Verwaltungsverfahren (s. BGE 120 Ib 112 E. 4 S. 119; 112 Ib 576 E. 2 S. 583 ff.) dagegen, dass Rechtserklärungen gegenüber anderen als der verfahrens-führenden Behörde abgegeben werden können. Schliesslich spricht ebenfalls dagegen, dass die Frage einer allfälligen Behaftung mit Willensmängeln bei Erklärungen in ausländischen Verfahren gegenüber (interessierten) ausländischen Behörden durch die zuständigen schweizerischen Behörden nur schwer überprüft werden können. Daraus folgt, dass im vorliegenden Fall keine rechtsgültige Zustimmung zur vereinfachten Ausführung vorliegt und deshalb in diesem Punkt kein Eintretenshindernis besteht. TPF 2009 116 27. Auszug aus dem Entscheid der I. Beschwerdekammer in Sachen A. gegen Bundesanwaltschaft vom 14. Juli 2009 (BA.2009.4) Aufsichtsbeschwerde; Beschwerdelegitimation. Art. 28 Abs. 2 SGG, Art. 3 lit. c, 71 VwVG Die Aufsicht der I. Beschwerdekammer erstreckt sich grundsätzlich auch auf die sogenannten Vorabklärungen. Das Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren findet zwar grundsätzlich keine Anwendung, doch können die durch die Rechtsprechung zu Art. 71 VwVG festgelegten Grundsätze analog herangezogen werden (E. 1.1.1). Mittels Aufsichtsbeschwerden können in einem umfassenden Sinne Rechts- und Pflichtverletzungen von Justizfunktionären gerügt werden. Der allgemeinen Aufsichtsbeschwerde kommt subsidiärer Charakter zu. Eine Frist zum Vorbringen aufsichtsrechtlich relevanter Rügen besteht, rechtsmissbräuchliches Verhalten vorbehalten, nicht (E. 1.1.2). Die Einreichung einer Aufsichtsbeschwerde verleiht keine Parteirechte. Trotzdem sollten dem Anzeigesteller namentlich dann, wenn auf eine Anzeige nicht eingetreten wird, die Gründe dafür zumindest in groben Zügen erläutert werden. Die Antwort, welche einzig der Orientierung dient, kann in diesem Sinne sehr kurz gefasst sein und sich auf die Information beschränken, wie mit der Anzeige verfahren wurde (E. 1.1.3). 117 Dénonciation; qualité pour recourir. Art. 28 al. 2 LTPF, art. 3 let. c, 71 PA En principe, la surveillance exercée par la Ire Cour des plaintes s'étend également aux enquêtes dites préliminaires. La loi fédérale sur la procédure administrative n'est en principe pas applicable. En revanche, les principes dégagés par la jurisprudence au sujet de l'art. 71 PA peuvent être appliqués en l'espèce par analogie (consid. 1.1.1). Au moyen de dénonciations, il est possible de se plaindre, au sens large, de violations du droit et de violations de leurs obligations par les fonctionnaires de la justice. La dénonciation générale revêt un caractère subsidiaire. Sous réserve de l'abus de droit, il n'y a pas de délai pour présenter des griefs relevant de la surveillance (consid. 1.1.2). Le dépôt d'une dénonciation ne confère aucun des droits propres à la qualité de partie. Malgré cela, en particulier lorsqu'il n'est pas entré en matière sur la dénonciation, il sied d'expliquer au dénonciateur les motifs de ce refus, du moins sommairement. La réponse qui n'intervient qu'à titre informatif, peut être très succincte et limitée aux informations quant à la manière dont la dénonciation a été traitée (consid. 1.1.3). Reclamo in materia di vigilanza; legittimazione a ricorrere. Art. 28 cpv. 2 LTPF, Art. 3 lit. c, 71 PA La vigilanza della I Corte dei reclami penali si estende in linea di principio già ai primi chiarimenti in vista di un’eventuale indagine. La legge federale sulla procedura amministrativa non trova di massima applicazione, tuttavia i principi stabiliti dalla giurisprudenza all’art. 71 PA possono essere presi in considerazione per analogia (consid. 1.1.1). Mediante i reclami all’autorità di vigilanza possono essere fatte valere, in senso ampio, violazioni del diritto e degli obblighi di funzionari di giustizia. Il reclamo generale in materia di vigilanza ha carattere sussidiario. Non esiste un termine entro il quale devono essere mosse le censure rilevanti secondo il diritto in materia di vigilanza, fatto salvo un comportamento abusivo (consid. 1.1.2). La presentazione di un reclamo all’autorità di vigilanza non conferisce i diritti di parte. Tuttavia, in particolare quando non si entra nel merito di una denuncia, dovrebbero essere spiegati al denunciante i motivi almeno a grandi linee. La risposta che ha unicamente carattere informativo può in questo senso essere molto breve e limitarsi a descrivere come si è proceduto con la denuncia (consid. 1.1.3). 118 Zusammenfassung des Sachverhalts: Am 23. Januar 2009 reichte die Demokratische Republik Kongo bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige ein. Diese richtete sich gegen Mitglieder des Regimes des verstorbenen zairischen Präsidenten Mobutu sowie Angehörige seiner Familie, denen vorgeworfen wurde, an einer kriminellen Organisation beteiligt gewesen zu sein. Gleichzeitig wurde die gerichtliche Sperrung jener Vermögenswerte in der Höhe von ca. 7,7 Millionen Franken gefordert, die seit 1997 in der Schweiz blockiert worden waren. Am 21. April 2009 orientierte die Bundesanwaltschaft mittels einer Medienmitteilung über ihren Entscheid, der Strafanzeige aufgrund der eingetretenen Verjährung keine Folge zu geben. Mit Eingabe vom 27. April 2009 reichte A. gegen die „Nichtanhandnahme des selbständigen Einziehungsverfahrens“ eine Aufsichtsbeschwerde ein. Darin beantragte er, die Bundesanwaltschaft sei anzuweisen, das selbständige Einziehungsverfahren bezüglich der in der Schweiz blockierten Werte an die Hand zu nehmen und alles in ihrer Macht Stehende vorzukehren, dass die Werte bis zum Ablauf des Verfahrens blockiert bleiben. Die I. Beschwerdekammer leistete der Aufsichtsbeschwerde keine Folge. Aus den Erwägungen: 1. 1.1 1.1.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 SGG i.V.m. Art. 9 Abs. 2 des Reglements vom 20. Juni 2006 für das Bundesstrafgericht (SR 173.710) führt die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts die Aufsicht über die Ermittlungen der gerichtlichen Polizei und die Voruntersuchung in Bundesstrafsachen. Die Aufsicht erstreckt sich dabei grundsätzlich auch auf die so genannten Vorabklärungen, die dem Entscheid über die Frage dienen, ob ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren zu eröffnen ist oder nicht (früher auch als „Vorermittlungen“ oder „gerichtspolizeiliches Vorverfahren“ bezeichnet; vgl. Botschaft des Bundesrates vom 28. Januar 1998 über die Änderung des Strafgesetzbuches, der Bundesstrafrechtspflege und des Verwaltungsstrafrechtsgesetzes [Massnahmen zur Verbesserung der Effizienz und der Rechtsstaatlichkeit in der Strafverfolgung], BBl 1998 1529 ff., 1557, sowie P ETER BÖSCH, Die Anklagekammer des Schweizerischen Bundesgerichts [Aufgaben und Verfahren], Diss. Zürich 119 1978, S. 44; zur Zulässigkeit derartiger Vorabklärungen siehe BGE 129 IV 197 E. 1.5 S. 200 [= Pra 92 (2003) Nr. 201 = JdT 2005 IV 131] und F ELIX BÄNZIGER/LUC LEIMGRUBER, Das neue Engagement des Bundes in der Strafverfolgung – Kurzkommentar zur „Effizienzvorlage“, Bern 2001, N. 241 in fine). Mit der Regelung in Art. 28 Abs. 2 SGG statuiert der Gesetzgeber eine allgemeine Aufsicht, die es der I. Beschwerdekammer insbesondere erlaubt, sich jederzeit etwelche Akten zustellen zu lassen und auf diese Weise über die Untersuchungsmethoden zu wachen. Stellt sie Mängel fest, nimmt sie die nötigen Abklärungen vor und ordnet alle erforderlichen Massnahmen von Amtes wegen an (vgl. Botschaft des Bundesrates vom 28. Februar 2001 zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4202 ff., 4365; siehe auch Entscheid des Bundesstrafgerichts AU.2007.1 vom 18. Dezember 2007 [auszugsweise veröffentlicht in TPF 2007 186] E. 3.3.2; Bericht der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates vom 5. September 2007, Überprüfung der Funktion der Strafverfolgungsbehörden des Bundes, BBl 2008 1979 ff., 2073; Stellungnahme des Bundesrates vom 28. November 2007 zum Bericht vom 5. September 2007 der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates, BBl 2008 2081 ff., 2086). Das Strafgerichtsgesetz regelt die Aufsicht bzw. gestützt darauf eingereichte Aufsichtsbeschwerden in verfahrensmässiger und materieller Hinsicht nicht weiter. Das Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021) und namentlich dessen Art. 71 (Marginalie „Aufsichtsbeschwerde“) findet zwar grundsätzlich keine Anwendung, nachdem Art. 3 lit. c VwVG das gerichtspolizeiliche Ermittlungsverfahren (und damit auch die ihm vorgelagerten Vorabklärungen) ausdrücklich vom Anwendungsbereich des Gesetzes ausnimmt (Entscheid des Bundesstrafgerichts BA.2004.11 vom 17. Januar 2005, E. 1; N ADINE MAYHALL, in: Bernhard Waldmann / Philippe Weissenberger [Hrsg.], VwVG: Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich 2009, Art. 3 N. 15). Das schliesst allerdings nicht aus, dass die durch die Rechtsprechung zu Art. 71 VwVG festgelegten Grundsätze auch für das Aufsichtsverfahren vor der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts analog herangezogen werden (vgl. den Entscheid des Bundesstrafgerichts BA.2004.11 vom 17. Januar 2005, E. 2; MAYHALL, a.a.O., Art. 3 N. 15). 1.1.2 Mittels Aufsichtsbeschwerden können in einem umfassenden Sinne Rechts- und Pflichtverletzungen von Justizfunktionären, wie fehlerhafte 120 (vor allem willkürliche und klar rechtswidrige) Anordnungen, aber auch unbotmässiges Verhalten gerügt werden (Entscheid des Bundesstrafgerichts BA.2006.2 vom 2. Februar 2007, E. 1; siehe auch S CHMID, Strafprozessrecht, 4. Aufl., Zürich 2004, N. 1018; HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, S. 464 N. 6). Obwohl die allgemeine Aufsichtsbeschwerde damit über das durch Art. 105 bis Abs. 2 und Art. 214 BStP statuierte Beschwerdeverfahren gegen Amtshandlungen und Säumnis des Bundesanwaltes bzw. des Eidgenössischen Untersuchungsrichters hinausgeht (vgl. Entscheide des Bundesstrafgerichts BA.2006.2 vom 2. Februar 2007, E. 1, und BA.2004.11 vom 17. Januar 2005, E. 2), kommt ihr lediglich subsidiärer Charakter zu. Sie kann nur dann ergriffen werden, wenn kein anderes ordentliches oder ausserordentliches Rechtsmittel, namentlich die vorerwähnte Beschwerde gemäss Art. 105bis Abs. 2 bzw. Art. 214 BStP, zur Verfügung steht (TPF 2005 190 E. 2; siehe auch die Entscheide des Bundesstrafgerichts BA.2007.4 vom 19. Juli 2007, E. 1.1; BA.2005.1 vom 23. Mai 2005, E. 2.2; für das Verwaltungsrecht etwa VPB 68 [2004] Nr. 46 E. 2.1; 60 [1996] Nr. 20 E. 7.1; 59 [1995] Nr. 22 E. 2). Eine Frist zum Vorbringen aufsichtsrechtlich relevanter Rügen besteht, rechtsmissbräuchliches Verhalten vorbehalten, nicht (Entscheid des Bundesstrafgerichts BA.2006.2 vom 2. Februar 2007, E. 1). 1.1.3 Die Einreichung einer Aufsichtsbeschwerde verleiht keine Parteirechte. Entsprechend hat der Anzeiger weder das Recht, Beweisanträge zu stellen, noch geniesst er ein Recht auf Akteneinsicht (so in Bezug auf Art. 71 VwVG O LIVER ZIBUNG in: Bernhard Waldmann / Philippe Weissenberger [Hrsg.], a.a.O., Art. 71 N. 33); Letzteres gilt insbesondere auch für die Vernehmlassung der Behörde, deren Verhalten gerügt wurde (S TEFAN VOGEL in: Christoph Auer / Markus Müller / Benjamin Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), Zürich 2008, Art. 71 N. 38). Ebenso wenig besteht ein Anspruch auf justizmässige Behandlung und gegebenenfalls Erledigung (siehe TPF 2005 190 E. 2; vgl. auch die Entscheide des Bundesstrafgerichts BA.2007.4 vom 19. Juli 2007, E. 1.1 in fine; BA.2005.1 vom 23. Mai 2005, E. 2; BK_A 210/04 vom 21. Januar 2005, E. 1.2; BA.2004.11 vom 17. Januar 2005, E. 2). Bei Anzeigen bzw. Beschwerden im Bereich der Aufsicht gemäss Art. 28 Abs. 2 SGG entscheidet die I. Beschwerdekammer vielmehr frei, ob sie auf diese eintreten und welche Folge sie ihnen geben will (Entscheid des Bundesstrafgerichts BA.2005.1 vom 23. Mai 2005, E. 2). In ständiger Rechtsprechung leistet die I. Beschwerdekammer dabei nur solchen 121 Anzeigen bzw. Beschwerden Folge, welche einen offensichtlichen Verstoss gegen klare Bestimmungen oder wesentliche Verfahrensvorschriften zum Gegenstand haben, oder wenn eine wiederholte oder mutmasslich wiederholte Verletzung klarer materieller oder formeller Vorschriften vorliegt (Entscheid des Bundesstrafgerichts AU.2007.1 vom 18. Dezember 2007 [auszugsweise veröffentlicht in TPF 2007 186] E. 2; siehe auch TPF 2005 190 E. 2 sowie die Entscheide des Bundesstrafgerichts BA.2007.4 vom 19. Juli 2007, E. 1.2; BA.2005.1 vom 23. Mai 2005, E. 3; für das Verwaltungsrecht etwa VPB 68 [2004] Nr. 46 E. 2.1; 60 [1996] Nr. 20 E. 7.1; 59 [1995] Nr. 22 E. 2). Mit Blick auf die fehlenden Parteirechte ist die I. Beschwerdekammer grundsätzlich nicht gehalten, dem Anzeiger über die Erledigung der Anzeige Rechenschaft abzulegen, noch ist sie verpflichtet, ihm in die Untersuchungsergebnisse Einblick zu gewähren und ihre Folgerungen aus der Untersuchung zu begründen (ZIBUNG, a.a.O., Art. 71 N. 33 mit Hinweis auf VPB 34 [1968-1969] Nr. 92; siehe auch V OGEL, a.a.O., Art. 71 N. 38). Schon der guten Ordnung halber sollte sie dem Anzeigesteller jedoch in der Regel vom Erfolg seiner Anzeige bzw. dem Ausgang des Aufsichtsverfahrens Mitteilung machen (Entscheid des Bundesstrafgerichts BA.2004.11 vom 17. Januar 2005, E. 4; R HINOW/KRÄHENMANN, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel 1990, Nr. 145 B.II.c; Z IBUNG, a.a.O., Art. 71 N. 34). Dabei braucht sie sich nicht auf die Zustellung des Dispositivs zu beschränken (zu eng in diesem Sinne der Entscheid des Bundesstrafgerichts BA.2004.11 vom 17. Januar 2005, E. 7). Vielmehr sollten dem Anzeigesteller namentlich dann, wenn auf eine Anzeige nicht eingetreten wird, die Gründe dafür zumindest in groben Zügen erläutert werden (Z IBUNG, a.a.O., Art. 71 N. 34). Die Antwort, welche einzig der Orientierung dient, kann in diesem Sinne sehr kurz gefasst sein und sich auf die Information beschränken, wie mit der Anzeige verfahren wurde (VOGEL, a.a.O., Art. 71 N. 38).