<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 131 S.562</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">562</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>131 Erschliessungsanlagen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Eigentumsverhältnisse an einer Wasserleitung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Auswirkungen auf bestehende Leitungen, wenn die Revision des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Wasserreglements für bestimmte Leitungstypen das Eigentum neu</b></span><br/> <span class="ft2"><b>regelt; im Interesse der Rechtssicherheit ist eine ausdrückliche</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(übergangsrechtliche) Regelung im Reglement zu empfehlen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Baudepartements vom 05. Januar 2000 in Sachen Z.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Die Wasserleitung, die die Liegenschaft von Z. erschliesst,</span><br/> <span class="ft1">stand nach bisherigem Recht im Eigentum der Gemeinde O; Kosten</span><br/> <span class="ft1">für eine Reparatur der Leitung gingen daher zu ihren Lasten. Ge-</span><br/> <span class="ft1">stützt auf ein neues Wasserreglement verfügte der Gemeinderat, dass</span><br/> <span class="ft1">die Leitung ins Eigentum von Z. übergehe, soweit sie über privaten</span><br/> <span class="ft1">Grund führe. Dagegen erhob Z. Beschwerde beim Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Im Jahre 1963 erstellte Z. auf der Parzelle 467 ein Einfamili-</span><br/> <span class="ft1">enhaus. Mit Protokollauszug vom 24. Dezember 1962 hatte ihm der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat O. die Bewilligung erteilt, beim letzten Hydrant im</span><br/> <span class="ft1">Gebiet Talrai an das Leitungsnetz der Wasserversorgung anzu-</span><br/> <span class="ft1">schliessen. Die Zuleitung verläuft zunächst in der Talraistrasse, von</span><br/> <span class="ft1">dort führt sie über ein privates Grundstück (Parzelle 768) rund 45 m</span><br/> <span class="ft1">den Hang hinauf zur Parzelle 467. Für die Kosten musste Z. auf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">563</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">kommen. Nach dem damaligen Wasserreglement ging die Leitung</span><br/> <span class="ft1">ins Eigentum der Wasserversorgung über. Gegenwärtig sind an der</span><br/> <span class="ft1">Leitung in der Talraistrasse ausser der Liegenschaft Z. zwei weitere</span><br/> <span class="ft1">Gebäude angeschlossen.</span><br/> <span class="ft1">3. Am 8. Januar 1971 erliess die Gemeinde O. ein neues Was-</span><br/> <span class="ft1">serreglement. Nach diesem galten Leitungen von der Art, wie sie hier</span><br/> <span class="ft1">zur Diskussion steht, als Privatleitungen (Art. 10 WR71). Das Re-</span><br/> <span class="ft1">glement von 1971 ist inzwischen abgelöst worden durch dasjenige</span><br/> <span class="ft1">vom 28. Juni 1991, das am 8. August 1991 vom Baudepartement</span><br/> <span class="ft1">genehmigt wurde und damit in Kraft trat. Dieses sieht wiederum eine</span><br/> <span class="ft1">andere Lösung vor: Leitungen sind Bestandteil des öffentlichen Net-</span><br/> <span class="ft1">zes, wenn sie nach Dimension und Anlage für den Anschluss mehre-</span><br/> <span class="ft1">rer Gebäude und Hydranten bestimmt sind (§ 14 Abs. 1 WR). Dem-</span><br/> <span class="ft1">gegenüber gilt die Verbindung von der öffentlichen Leitung bis zum</span><br/> <span class="ft1">Hauptabstellhahn im Innern des Gebäudes oder bis zu einem Zähler-</span><br/> <span class="ft1">schacht als Hausanschluss (§ 19 Abs. 1 WR). Allerdings geht der</span><br/> <span class="ft1">Hausanschluss ins Eigentum der Wasserversorgung über, soweit er in</span><br/> <span class="ft1">öffentlichem Grund liegt (§ 20 WR). Würde die Leitung jetzt erstellt,</span><br/> <span class="ft1">würde sie Eigentum der Wasserversorgung, soweit sie in der Talrai-</span><br/> <span class="ft1">strasse liegt; hingegen würde das Leitungsstück zwischen der Strasse</span><br/> <span class="ft1">und der Liegenschaft Z. als Hausanschluss im Sinne von § 19 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">WR gelten.</span><br/> <span class="ft1">4. Die Frage stellt sich nun, wie sich die Eigentumsregelun-</span><br/> <span class="ft1">gen in den verschiedenen Reglementen, die sich abgelöst haben, auf</span><br/> <span class="ft1">bestehende Leitungen auswirkten. Soweit die Leitung in der Talrai-</span><br/> <span class="ft1">strasse verläuft, gilt sie sowohl nach dem Reglement, das 1963 in</span><br/> <span class="ft1">Kraft stand, als auch nach dem aktuellen als öffentliche Leitung, die</span><br/> <span class="ft1">Eigentum der Wasserversorgung ist. Der Streit dreht sich um das</span><br/> <span class="ft1">Leitungsstück von der Talraistrasse bis zur Liegenschaft des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers. Für diesen ist die Eigentumsfrage deshalb von er-</span><br/> <span class="ft1">heblicher Bedeutung, weil die Leitung im Falle der Überbauung der</span><br/> <span class="ft1">Parzelle 768, welche sie durchquert, möglicherweise verlegt werden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">564</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">muss, wofür der Leitungseigentümer aufzukommen hat (Art. 693</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 ZGB).</span><br/> <span class="ft1">a) In zeitlicher Hinsicht erfassen Rechtssätze Tatbestände, die</span><br/> <span class="ft1">sich während ihrer Geltungsdauer verwirklichen. Neues Recht wirkt</span><br/> <span class="ft1">somit grundsätzlich weder zurück noch voraus. Allerdings schliesst</span><br/> <span class="ft1">die Praxis die Rückwirkung von neuen Vorschriften nicht kategorisch</span><br/> <span class="ft1">aus. Dabei wird unterschieden zwischen der sogenannten echten</span><br/> <span class="ft1">Rückwirkung, welche nur ausnahmsweise, unter eng begrenzten</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen zulässig ist, und der unechten Rückwirkung, die</span><br/> <span class="ft1">allgemein als statthaft gilt (Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grundriss</span><br/> <span class="ft1">des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. Auflage, Rz. 266 ff.; AGVE</span><br/> <span class="ft1">1992, S. 162 ff.). Unechte Rückwirkung liegt u.a. dann vor, wenn bei</span><br/> <span class="ft1">der Anwendung neuen Rechts auf Verhältnisse abgestellt wird, die</span><br/> <span class="ft1">schon unter der Herrschaft des alten Rechts entstanden sind und beim</span><br/> <span class="ft1">Inkrafttreten der neuen Vorschriften noch andauern (Häfelin/Müller,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., Rz. 273). Um eine solche unechte Rückwirkung handelt es</span><br/> <span class="ft1">sich im vorliegenden Fall. Klare Verhältnisse ergeben sich dann,</span><br/> <span class="ft1">wenn das neue Recht diesbezüglich eine ausdrückliche Regelung</span><br/> <span class="ft1">enthält, etwa in den Übergangsbestimmungen.</span><br/> <span class="ft1">b) Die Übergangsbestimmungen im Wasserreglement legen</span><br/> <span class="ft1">fest, dass dieses die unter früherem Recht entstandenen Tatbestände,</span><br/> <span class="ft1">welche eine Zahlungspflicht auslösen, nicht berührt (§ 57). Offen-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich zielt diese Regelung auf die Erhebung von Abgaben. Ob sie</span><br/> <span class="ft1">darüber hinaus andere Sachverhalte regeln wollte, ist unwahrschein-</span><br/> <span class="ft1">lich. Weder im jetzigen noch in den früheren Reglementen finden</span><br/> <span class="ft1">sich Vorschriften darüber, was für bestehende Leitungen gilt, die mit</span><br/> <span class="ft1">den wechselnden Vorschriften ihren rechtlichen Status ändern. Dies</span><br/> <span class="ft1">könnte darauf hindeuten, dass der Gesetzgeber ganz selbstverständ-</span><br/> <span class="ft1">lich davon ausgegangen ist, dass das aktuelle Reglement auch beste-</span><br/> <span class="ft1">hende Leitungen umfasst und das Eigentum mit Inkrafttreten der</span><br/> <span class="ft1">betreffenden Bestimmungen ändert. Von der Sache her wäre ein sol-</span><br/> <span class="ft1">ches Verständnis der Regelung durchaus zweckmässig, weil so ver-</span><br/> <span class="ft1">hindert wird, dass Leitungen vom gleichen Typus ein unterschiedli-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">565</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ches rechtliches Schicksal haben, abhängig davon, ob sie bereits</span><br/> <span class="ft1">bestanden oder neu erstellt werden. Dafür spricht, dass - soweit er-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich - auch die Reglemente anderer Gemeinden diesbezüglich</span><br/> <span class="ft1">keine Bestimmungen enthalten.</span><br/> <span class="ft1">c) (...)</span><br/> <span class="ft1">d) Ob das Eigentum allein schon kraft der erlassenen Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmungen ändert, kann letztlich aber offen bleiben: Mit der ange-</span><br/> <span class="ft1">fochtenen Verfügung hat der Gemeinderat nun diesbezüglich für die</span><br/> <span class="ft1">Leitung zur Liegenschaft des Beschwerdeführers Klarheit geschaf-</span><br/> <span class="ft1">fen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>