B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3071/2009/wif U r t e i l v o m 2 0 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Martin Zoller; Gerichtsschreiberin Constance Leisinger. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Peter Frei, Rechtsanwalt, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. April 2009 / N (…). D-3071/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, türkischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben gemäss am 22. Oktober 2008 über den Flughafen von Istanbul und gelangte gleichentags in die Schweiz, wo er am 23. Oktober 2008 um Asyl nachsuchte. Am 30. Okto- ber 2008 wurde er im Empfangs - und Verfahrenszentrum Basel summ a- risch zu seinen Asylgründen befragt und am 8. Januar 2009 durch das BFM direkt angehört. Für die Dauer des Asylverfahrens wurde er dem Kanton Zürich zugewiesen. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei mit seinen Eltern und Geschwistern vor sechs Jahren von der Ortschaft B._______ auf einen Hof in der Nähe des Dorfes C._______ umgezogen. Dort habe er seine El tern bei der Hof - und Feldarbeit unterstützt. Im Herbst 2007 seien Mitglieder der kurdi - schen Guerilla zum elterlichen Hof gekommen und hätten ihn um Hilf s- leistungen gebeten. Er habe dazu eingewilligt und seither regelmässig in Adiyaman Lebensmittel für di e Guerilla besorgt. Das Militär habe in den Nachbardörfern oft patrouilliert und Kontrollen durchgeführt und auch den etwas abseits gelegenen Hof seiner Familie regelmässig kontrolliert. Mit der Zeit habe er Sympathien für die Guerilla empfunden und sich d aher im September 2008 für den Beitritt zu dieser entschieden, was er der ver- antwortlichen Person auch mitgeteilt habe. Ein paar Tage später habe sein Bekannter, D._______, welcher ebenfalls Mitglied dieser Guerilla sei, ihn angerufen und ihn dazu aufgefor dert, sich bereit zu halten. Am 18. September 2008 sei er gemeinsam mit D._______ nach Adiyaman und von dort mit drei weiteren Aktivisten nach Diyarbakir gereist, wo er und D._______ in einem Haus untergebracht worden seien und die Nacht hätten verbringen müssen. Zu diesem Zeitpunkt hätte er seinen En t- schluss, der Guerilla beizutreten, bereits bereut gehabt, was er am näch - sten Morgen den Anwesenden auch mitgeteilt habe. Als sie eingeseh en hätten, dass er nicht bereit gewesen sei, sich ihnen anzuschliessen, hät- ten sie ihn wieder gehen lassen, dies allerdings unter der Bedingung, dass er nicht wieder in sein Elternhaus zurückkehre, da sie Angst gehabt hätten, er werde sie und das Versteck in Diyarbakir verraten. Er sei daher am 21. September 2008 zu seinem Br uder E._______ nach Istanbul g e- fahren. Von diesem habe er erfahren, dass die Polizei ihn im Elternhaus wegen seines Engagements für die Guerilla und seinen Beitritt zu dieser gesucht habe und den Vater in diesem Zusammenhang sogar auf die D-3071/2009 Seite 3 Dienststelle der Polizei geführt und verhört habe. Aufgrund dieser Vorfälle habe sein Bruder E._______ ihn bei einem Kollegen untergebracht. Die Polizei habe in der Folge auch die Wohnung des Bruders durchsucht. Aus Angst vor einer Festnahme und einer mehrjährigen Inhaftie rung habe er sich daher zur Ausreise aus dem Heimatstaat entschlossen. Der Beschwerdeführer führte überdies aus, er sei Mitglied der kurdischen Partei der demokratischen Gesellschaft (Demokratik Toplum Partisi, DTP) und habe seit seiner frühen Jugend an v erschiedenen Kundgebungen und Kongressen teilgenommen. Im August 2008 sei er gemeinsam mit anderen Parteimitgliedern in einem Minibus unterwegs zu einem Fri e- denskongress nach Diyarbakir gewesen. Unterwegs seien sie von der Polizei angehalten worden. Ihn un d eine weitere Person habe man fes t- genommen und zum Polizeiposten gebracht, wo man ihn unter Anwe n- dung körperlicher Gewalt nach den Veranstaltern der Kundgebung b e- fragt habe. Schliesslich seien sie beide wieder freigelassen worden und hätten ihre Fahrt zum Friedenskongress fortsetzen können. Ansonsten habe er aufgrund seiner Mitgliedschaft bei der DTP keine Probleme mit den türkischen Behörden gehabt. B. Mit Verfügung vom 14. April 2009 – eröffnet am 15. April 2009 – stellte das BFM fest, dass der Beschwerdef ührer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an. C. Mit Eingabe vom 13. Mai 2009 (Poststempel) erhob der Beschwerdefü h- rer – handelnd durch seinen Recht svertreter – beim Bundesverwaltungs- gericht Beschwerde und beantragte, die Verfügung des BFM sei aufz u- heben, es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren, eventuell sei festzustellen, dass die Weg weisung unzulässig und unzumutbar sei. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverf a- hren [VwVG, SR 172.021]). Der Beschwerdeführer reichte die Bestätig ung seiner Fürsorgeabhängig- keit zu den Akten. D-3071/2009 Seite 4 D. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Mai 2009 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfl e- ge im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kost envorschusses verzichtet. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen und die Beschwerde der Vorinstanz zur Vernehmlassung überwiesen (Art. 57 Abs. 1 VwVG). E. Mit Vernehmlassung vom 6. Juni 2009 – welche dem Beschwerdeführer am 10. Juni 2009 zur Kenntnis gebracht wurde – beantragte die Vori n- stanz die Abweisung der Beschwerde. F. Am 29. Juni 2009 wurde ein Referenzschreiben in Kopie samt deutscher Übersetzung eingereicht. G. Mit Eingabe vom 23. März 2011 wurde das entsprechende Original des oben erwähnten Referenzschreibens eingereicht sowie zwei Fotos, we l- che Angehörige der Sicherheitspolizei bei einer Durchsuchung des E l- ternhauses des Beschwerdeführers zeigen sollen. H. Am 18. Juli 2011 wurde ein Bericht von lic. phil. M.K. der psychologischen Gemeinschaftspraxis "Am Central", Zürich vom 14. Juli 2011 zu den A k- ten gereicht. I. Der Rechtsvertreter reichte sodann am 30. November 2011 das Prot o- kopll eines Gespräches zwischen i hm und dem Dorfvorsteher von F._______ [Ort], G._______ [Name], sowie die Kopie dessen Führerau s- weises zu den Akten. D-3071/2009 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die besch werdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Ju- ni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt n icht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht; der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswe ise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Na chteilen ausgesetzt zu werden. Als D-3071/2009 Seite 6 ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtli ngseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig b egründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentlichen aus, die Aussagen des Beschwerdeführers seien in wesentlichen Aspe k- ten widersprüchlich und würden auch der allgemeinen Erfahrung und L o- gik des Handelns widersprechen. So habe der Beschwerdeführer z u- nächst angegeben, die Guerilla seit Herbst 2000 unterstützt zu haben, seine Angabe später jedoch auf Nachfrage hin auf den Herbst 2007 korr i- giert, was den Eindruck erwecke, dass er seine Antworten den gestellten Fragen angepasst habe. Auch habe der Beschwerdeführer zu Beginn der Anhörung geltend gemacht, die Guerilla habe anl ässlich der Übergaben der Lebensmittel keine Vorsichtmassnahmen getroffen. Hingegen habe er die spätere Frage, ob er selbst bei der Übergabe Sicherheitsvorkehru n- gen getroffen habe, verneint und erklärt, dies sei Sache der Guerilla g e- wesen, wobei er jedoch nicht gewusst habe, um was für Sicherheitsvo r- kehrungen es sich gehandelt habe. Auf diesen Widerspruch in seinen Aussagen angesprochen, habe der Beschwerdeführer auf eine Stellun g- nahme verzichtet. Auch sei nicht nachvollziehbar, warum der Beschwe r- deführer in Anbetracht der zahlreichen zum Teil mehrmals wöchentlichen Kontrollen, die bei ihm zu Hause stattgefunden haben sollen, keine pe r- sönlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen habe. Die Erklärung, dies sei Sache der Guerilla gewesen, überzeuge nicht und es widerspreche auch jeglicher Logik, dass die Guerilla selbst das Risiko auf sich geno m- men habe, die Warenübergabe an einem Ort zu organisieren, der rege l- mässig durch türkische Soldaten kontrolliert werde. Der Beschwerdefü h- rer habe überdies angegeben, dass s ein Vater nach seiner Flucht meh r- mals auf den Polizeiposten gebracht worden sei, er habe indessen nicht angeben können, in welchem Zusammenhang diese Festnahmen gestan- den hätten. Nicht nachvollziehbar sei ausserdem, dass der Beschwerd e- führer sich bei sein er Familie auch nicht nach den Hintergründen der D-3071/2009 Seite 7 Durchsuchung der Wohnung seines Bruders erkundigt habe, obwohl es ihn doch interessieren müsste, was die konkreten Anschuldigungen g e- gen ihn selbst seien. Unverständlich sei auch, dass der Beschwerdefü h- rer, obschon er nach eigenen Angaben seit seiner Ankunft in der Schweiz regelmässig mit seiner Familie telefoniert habe, sich bei dieser nie d a- nach erkundigt habe, ob sein Vater seinetwegen noch immer Probleme mit den türkischen Behörden habe. Auch würden sich die Aussagen des Beschwerdeführers zu den Umständen seiner Ausreise als realitätsfremd erweisen, insbesondere soweit der Beschwerdeführer geltend mache, er habe die Flughafenkontrolle in Istanbul und Italien passiert, ohne sich j e- mals persönlich habe auswe isen zu müssen. Die Vorbringen des B e- schwerdeführers seien überdies in wesentlichen Punkten zu wenig ko n- kret und detailliert und würden nicht den Eindruck vermitteln, dass der Beschwerdeführer das von ihm Geschilderte persönlich erlebt habe, dies obwohl der Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörung eingehend b e- fragt worden sei. Er habe oft abweichend und nur bei mehrmaliger Wi e- derholung auf die gestellte Frage geantwortet. So seien seine Ausführu n- gen zu seiner ersten Kontaktaufnahme mit der PKK, seinen persön lichen Überlegungen dieser zu helfen und sich schliesslich anzuschliessen, ebenso wie die Ausführungen zu den Hauskontrollen der türkischen So l- daten insgesamt sehr unsubstan tiiert ausgefallen. Die Aussagen des Be- schwerdeführers betreffend seinen Anschluss an die PKK sowie die a n- geblichen Hilfeleistungen an diese würden somit den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG nicht standhalten. Was die Mitglied- schaft des Beschwerdeführers bei der DTP anbelange, sei festzu stellen, dass sich die Aktivitäten des Beschwerdeführers bei dieser Partei nach dessen eigenen Aussagen einzig auf das Besuchen von Kongressen und Kundgebungen beschränkt hätten. Die DTP sei eine legale Partei in der Türkei und aus heutiger Sicht sei nicht damit zu rechnen, dass einfache Mitglieder allein wegen ihrer Mitgliedschaft verfolgt würden. Soweit der Beschwerdeführer geltend gemacht habe, aufgrund seiner Mitgliedschaft sei er am 24. August 2008 einmalig für kurze Zeit durch die türkische P o- lizei festgenommen und befragt worden, wobei man ihn ins Gesicht g e- schlagen, am Nacken gepackt und an den Ohren gezerrt habe, seien die geltend gemachten Nachteile nicht intensiv genug, um asylrechtlich rel e- vant zu sein. Die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend seine Mit- gliedschaft bei der DTP würden demnach den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. Aufgrund der offensichtlich fehlenden Asylrelevanz könne daher darauf verzichtet werden, diesbezüglich auf allfälli ge Unglaubhaftigkeitselemente einzug e- hen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, sei D-3071/2009 Seite 8 das Asylgesuch abzulehnen und in der Folge seine Wegweisung aus der Schweiz anzuordnen. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich zudem als zulässig, zumutbar und möglich. 5. 5.1 Was die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend seine Hilfsleis- tungen für die PKK sowie die damit verbundene Suche der türkischen S i- cherheitsbehörden nach ihm anbelangt, kommt das Bundesverwaltung s- gericht nach Würdigung der g esamten Akten ebenfalls zu dem Schluss, dass diese Vorbringen den Anforderungen an das Glaubhaftmachen e i- nes asylrelevanten Sachverhalts in der Tat nicht genügen. 5.1.1 Vorbringen sind grundsätzlich dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüch- lich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeso n- dere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG). An die Glaub- haftmachung dürfen nicht zu strenge An forderungen gestellt werden und die Argumentation der Behörden darf sich nicht in blossen Gegenbehaup- tungen oder allgemeinen Vermutungen erschöpfen. Angesichts des red u- zierten Beweismasses der Glaubhaftmachung besteht durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an dem Vorbringen der asylsuchenden Person. Entscheidend ist, ob eine Gesamtwürdigung aller Vorbringen e r- gibt, dass die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der asylsuchenden Person sprechen, überwiegen oder nicht ( vgl. En t- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommiss i- on [EMARK] 2004 Nr. 1 E. 5 S. 4 ff., mit weiteren Hinweisen). 5.1.2 Zutreffend stellte die Vorinstanz zunächst fest, dass der Beschwe r- deführer bereits nicht plausibel auszuführen vermochte, welche Ereignis- se oder Gründe ihn dazu bewogen haben, die PKK durch Lebensmitte l- besorgungen zu unterstützen. So führte er auf die Frage nach seiner M o- tivation aus, er habe anfänglich gar keine persönlichen Überlegungen a n- gestellt (act. A8 S. 7 F. 55). Auch auf die konkrete Frage, was für Ängste er denn gehabt habe, als er sich entschlossen habe, der Guerilla zu he l- fen und über welche Risiken er nachgedacht habe, konnte der Beschwer- deführer keine dezidierte Antwort geben , sondern er führte lediglich aus, man könne nicht nein sagen, obwohl er die Frage, ob er zum Zwecke der D-3071/2009 Seite 9 Hilfsleistungen unter Druck gesetzt worden sei, verneinte (act. A8 S. 8). Dass sich der Beschwerdeführer zu Beginn seiner Hilfsleistungen g e- danklich nicht mit der Frage seiner Motivation und den allfälligen Konse- quenzen auseinandergesetzt haben will, erscheint in mehrfacher Hinsicht unplausibel. So führte er aus, zum Teil mehrmals wöchentlich mit dem Sammeltaxi nach H._______ gefahren zu sein, um die entsprechenden Lebensmittel zu besorgen und er st am Abend des jeweiligen Tages wi e- der nach Hause zurückgekehrt zu sein (act. A8 S. 5). Angesichts des Um- standes, dass er gemeinsam mit seinen Eltern einen grossen landwir t- schaftlichen Hof führte, ist es nicht nachvollziehbar, dass er sich keine Gedanken zu seinen zukünftigen Hilfsleistungen gemacht und auch mit seinen Eltern über diese nicht gesprochen haben will (act. A8 S. 9), tan- gierten sie doch seine Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb und auch die Sicherheit der übrigen Familienmitglieder. Der Be schwerdeführer hat überdies im Laufe des Verfahrens selbst geltend gemacht, dass d ie türki- schen Sicherheitskräfte seit jeher mehrfach wöchentlich das Gebiet und auch den elterlichen Hof durchsuchten, um Hilfsleistungen für die PKK aufzudecken oder zu unterbinden und dass er deshalb Angst und perm a- nente Unsicherheit verspürt habe, was sich auch auf seine Psyche au s- gewirkt habe (act. A8 S. 7). Es liegt daher nur nahe, dass sich die Ängste des Beschwerdeführers im Falle tatsächlicher Hilfsleistungen mit der vo n ihm beschriebenen Intensität akzentuiert hätten und er sich zumindest mit den möglichen Konsequenzen seines Tuns auseinandergesetzt hätte. 5.1.3 Auch hinsichtlich der konkreten Unterstützungsleistungen und deren Ablauf blieb der Beschwerdeführer – wie die Vorinstanz zutreffend festge- stellt hat – in seinen Ausführungen zumeist sehr vage. So konnte er be i- spielsweise nicht konkret angeben, während welcher Zeitspanne er Hilfe geleistet haben will , sondern antwortete auf die entsprechende Frage, "Ich denke ich habe ein Jahr lang Hilfe geleistet, nur weiss ich nicht mehr von wann bis wann" (act. A8 S. 6 F. 41). Nachdem der Beschwerdeführer in der Befragung nochmals aufgefordert worden war, er solle versuchen, sich an das Jahr, den Monat oder die Jahreszeit des Beginns seiner Hilfe- leistungen zu erinnern, erwiderte er, er habe "irgendwann im Herbst" 2000 damit angefangen und bestätigte dies zunächst auf Nachfrage hin nochmals (act. A8 S. 6 F. 43, 44). Erst auf die Frage, wie lange er diese Hilfsleistungen denn dann getätigt habe, korrigierte er die Zeitspanne sei- ner Hilfsleistungen auf das Jahr 2007 (act. A8 S. 6 F. 45), ohne seine vor- herige widersprüchliche Aussage plausibel zu erklären oder zu entkräften. Auch auf die Aufforderung hin, die Übergabe der Ware und das Vorgehen genau zu beschreiben, blieb der Beschwerdeführer lediglich unbestimmt D-3071/2009 Seite 10 und führte aus: "Ich brachte die Ware zu uns nach Hause. Die Leute k a- men zu uns nach Hause, um diese wieder abzuholen" (act. A8 S. 6 F. 48). Die Aussage vermittelt damit in keiner Weise den Eindruck, dass der B e- schwerdeführer von einer real über einen längeren Zeitraum mehrfach wöchentlich erlebten Situation berichtet. Zutreffend führte die Vorinstanz in diesem Zusammenhang überdies aus, dass auch die Aussage des B e- schwerdeführers, wonach anlässlich der jeweiligen Lebensmittelüberg a- ben keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden sein sollen, jeglicher Logik widerspricht; dies insbesondere, als das Militär den elterlichen Hof nach Aussagen des Beschwerdeführers regelmässig durchsuc ht haben soll. Soweit in der Beschwerde diesbezüglich vorgebracht wird, der elte r- liche Bauernhof des Beschwerdeführers liege weitab und könne deshalb von den türkischen Sicherheitskräften nicht ausreichend beaufsichtigt bzw. überwacht werden, weshalb man bei der Übergabe der Lebensmittel an die Guerilla auf Sicherheitsmassnahmen habe verzichten können (act. 1 S. 7), erscheint dies nicht plausibel. Der Beschwerdeführer hat selbst ausgeführt, dass er und seine Familie auf dem elterlichen Hof r e- gelmässig, ja sogar mehrfach in der Woche von den türkischen Soldaten aufgesucht worden seien und man den Hof jeweils durchsucht habe (act. A8 S. 5, S. 8 F. 68). Zudem widerspricht diese Darstellung auch den Aussagen des Dorfvorstehers von F._______ [Ort], G._______ [Name], der anlässlich seines protokollierten Gesprächs mit dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, welches am 30. November 2011 zu den Akten gereicht wurde, ausführte, dass das elterliche Haus des Beschwerdefü h- rers unmittelbar an der Strasse nach H._______ liege und sich daher in einer ziemlich exponierten Lage befinde (act. 12/2 S. 1). Ebenfalls u n- substantiiert und ausweichend antwortete der Beschwerdeführer sodann auf die Frage, wie denn der erste Kontakt mit der Guerilla zustande g e- kommen sei. So führte er dazu zunächst aus: "Ich kannte sie nicht so gut, aber ich hatte sie auch schon gesehen" (act. A8 S. 6 F. 52); nachdem er nochmals dazu aufgefordert worden war, die erste Kontaktaufnahme e t- was genauer zu beschreiben, antwortete er: "Wie gesagt, sie wollten Brot, dann noch ein bisschen mehr und dann hat sich das ergeben" (act. A8 S. 7 F. 53). 5.1.4 Soweit in der Beschwerde geltend gemacht wird, es erscheine durchaus möglich, dass die Unstimmigkeiten und Widersprüche minde s- tens teilweise darauf zurückzuführe n seien, dass der Beschwerdeführer der türkischen Sprache nicht umfassend mächtig sei und er die gestellten Fragen nicht immer auf Anhieb verstanden habe (act. 1 S. 6), kann dem nicht gefolgt werden. Dafür, dass der Beschwerdeführer die ihm gestel l-D-3071/2009 Seite 11 ten Fragen aufgrund sprachlicher Probleme nicht richtig verstanden hat, finden sich in den Befragungsprotokollen keine Anhaltspunkte. Soweit in der Beschwerde dazu beispielhaft auf Frage 22 des Befragungsprotokolls vom 8. Januar 200 9 verwie sen wird, kann diesbezüg lich kein sprachl i- ches Problem beim Beschwerdeführer festgestellt werden. Vielmehr stel l- te die die Anhörung leitende Mitarbeiterin des BFM eine Verständnisfrage zum genauen Wohnort des Beschwerdeführers (act. A8 S. 4 F 22 ff.). Zu- dem hat der Beschwerdeführ er anlässlich der Befragung im Empfangs - und Verfahrenszentrum Basel vom 30. Oktober 2008 angegeben, die tü r- kische Sprache perfekt zu sprechen (act. A1 S. 2). Er gab überdies bei beiden Befragungen an, den anwesenden Dolmetscher beziehungsweise die anwesen de Dolmetscherin gut zu verstehen (act. A1 S. 2, act. A8 S. 2). Am Ende der in der türkischen Sprache durchgeführten Befragu n- gen bestätigte der Beschwerdeführer zudem jeweils nach Rücküberse t- zung die Korrektheit und Vollständigkeit der Vorbringen unterschr iftlich. Zudem brachte der bei der direkten Anhörung anwesende Hilfswerksve r- treter keine Bemerkungen betreffend die Sachverhaltsaufnahme oder Übersetzung der Protokollierung an (act. A8 S. 24, 26). 5.2 Was die Vorbringen des Beschwerdeführers anbelangt, welche im Zu- sammenhang mit seinem Entschluss stehen, sich der PKK anzuschlie s- sen und diesen Beitritt letztlich nicht in aller Konsequenz zu vollziehen, erweisen sich auch diese Aussagen als unglaubhaft. 5.2.1 Auch in diesem Falle konnte der Beschwerdeführer nicht k onkret und plausibel darlegen, welches Ereignis oder welche Überlegungen ihn zu dem Entschluss geführt haben, der PKK beizutreten (act. A8 S. 12). Er führte vielmehr aus, nicht zu wissen, aus welchen Überlegungen heraus er dies getan habe (act. A8 S. 12). Dies erscheint umso weniger plaus i- bel, als der Beschwerdeführer aus eigenem Entschluss einen entspr e- chenden Beitrittsgedanken den Verantwortlichen gegenüber ausgespr o- chen hat (act. A8 S. 13). Soweit der Beschwerdeführer weiter ausführt, er sei ein paar Tag e später mit PKK -Aktivisten nach Diyarbakir in ein Ve r- steck der PKK gefahren, wo er den Entschluss gefasst habe, sein Be i- trittsangebot zurückzuziehen, erscheinen auch die vom Beschwerdefü h- rer nachfolgenden Reaktionen der PKK-Aktivisten unlogisch und realitäts- fremd. So sollen diese mit Verständnis auf seine plötzliche n Skrupel rea- giert haben und ihn einzig unter der Bedingung haben gehen lassen, dass er nicht nach Hause zurückkehrt, da sie Angst gehabt hätten, der Beschwerdeführer könne ihr Versteck in Diyar bakir verraten. Gleichwohl sollen sie ihm eine Fahrkarte nach Istanbul gekauft haben, damit er bei D-3071/2009 Seite 12 seinem Bruder unterkommen könne (act. A8 S. 13). Dies ist nicht nac h- vollziehbar, hätte die PKK doch auch in diesem Falle damit rechnen mü s- sen, dass der Beschwerdeführer in die Hände der türkischen Sicherheits- behörden gerät und das Versteck preisgibt. 5.2.2 In keiner Weise nachvollziehbar scheint das Verhalten des B e- schwerdeführers im Anschluss an seine Flucht aus dem Heimatort. Der Beschwerdeführer scheint zu seine r Familie ein gutes Verhältnis zu h a- ben, flüchtete er sich doch eigenen Angaben gemäss zu seinem Bruder, welcher ihn wiederum bis zur Ausreise aus dem Heimatstaat bei einem Bekannten versteckt haben soll und will er vor und nach seiner Ausreise aus dem Heimatstaat mit den Familienangehörigen in regelmässigem t e- lefonischen Kontakt gestanden haben (act. A8 S. 16). Gleichwohl konnte der Beschwerdeführer weder im vorinstanzlichen noch im Beschwerd e- verfahren konkrete Angaben darüber machen, welchen Behelligungen seine Familie nach seiner Flucht ausgesetzt war bzw. ist. Zwar machte er geltend, sein Vater sei nach seiner Flucht mehrfach durch die Sicherheits- behörden nach seinem Verbleib befragt worden. Zum Inhalt der Befr a- gung, den genauen Umständen der Festnahmen konnte er jedoch keine Angaben machen (act. A8 S. 16 ff. ). Dass der Beschwerdeführer sich nicht bemüht herauszufinden, welche Anschuldigungen gegen ihn vorli e- gen und welchen Behelligungen seine Familie konkret ausgesetzt ist, ent- spricht in keiner Weise dem Verhalten einer Person, welche eine Verfo l- gung befürchtet. Das Vorbringen in der Beschwerde, wonach der B e- schwerdeführer allein aufgrund des Erlebten davon überzeugt sei, dass er wegen seines unangemeldeten Verschwindens und der früheren U n- terstützungstätigkeit von den türkischen Sicherheitskräften gesucht werde (act. 1 S. 8), vermag dieses unplausible Verhalten nicht zu erklären. B e- zeichnenderweise hat der Beschwerdeführer bis heute keinerlei Dok u- mente eingereicht, aus denen auf die Einleitung eines Ve rfahrens g e- schlossen werden kann. 5.3 Zutreffend hat die Vorinstanz sodann auch festgestellt, dass das Vor- bringen des Beschwerdeführers betreffend seine Mitgliedschaft bei der DTP keine Flüchtlingseigenschaft begründet und mithin nicht asylrelevant ist. 5.3.1 Die Fl üchtlingseigenschaft erfüllt eine asylsuchende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter I n- tensität erlitten hat, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfo l- gungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nich tstaatliche D-3071/2009 Seite 13 Akteure zugefügt worden sind, beziehungsweise, wenn sie mit beachtl i- cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft in begründeter Weise befürchten muss, dass ihr solche Nachteile zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37.). 5.3.2 Die Aktivitäten des Beschwerdeführers für die DTP beschränkten sich nach seinen eigenen Angaben darauf, verschiedentlich an Kundg e- bungen und Kongressen teilzunehmen. Er führte zudem selbst aus, dass er an sich kein politischer Mensch sei und bis auf einen V orfall im Jahr 2008 wegen seiner Teilnahme an Veranstaltungen der DTP – bei welcher es sich zum damaligen Zeitpunkt um eine legale Partei gehandelt hat – keine Probleme mit den Sicherheitsbehörden gehabt habe (act. A28 S. 11 f.). Einzig am 24. August 2008 soll der Beschwerdeführer auf dem Weg zu einem Friedenskongress der DTP , zu welchem er mit mehreren Personen in zwei Sammelbussen unterwegs gewesen sei, von den S i- cherheitskräften angehalten und zum Anlass und dessen Veranstaltern befragt worden sei n. Dabei soll ihn ein Polizist zwei Mal ins Gesicht g e- schlagen, ihn am Nacken gepackt und an den Ohren gezerrt haben (act. A28 S. 11). Es scheint bereits fraglich, ob diese Vorbringen als glaubhaft zu erachten sind, da der Beschwerdeführer weder konkrete A n- gaben zum Ort und dem genaueren Inhalt oder zu den Organisatoren des Kongresses machen konnte (act. A8 S. 11). Das Ereignis ist aber auch mangels Intensität nicht asylrechtlich relevant und steht auch nicht im kausalen und zeitlichen Zusammenhang mit der Ausreis e des Beschwer- deführers aus dem Heimatstaat. Insgesamt ist festzustellen, dass au f- grund des schwachen politischen Profils des Beschwerdeführers keine beachtliche Wahrscheinlichkeit besteht, dass er aufgrund seiner DTP-Mit- gliedschaft zukünftig flüchtlingsr elevante Verfolgungshandlungen zu b e- fürchten hat. An dieser Schlussfolgerung ändert auch der Umstand nichts, dass die DTP im Dezember 2009 durch das Verfassungsgericht verboten wurde, da nicht davon auszugehen ist, dass ehemalige, nicht exponierte Parteimitglieder aufgrund ihrer politischen (und vor dem Verbot legalen) Betätigung für die DTP mit einer nachträglichen strafrechtlichen Verfo l- gung oder mit sonstigen Nachteilen zu rechnen haben. Mittlerweile ist z u- dem die gegründete Nachfolgepartei Partei des Friedens und der Dem o- kratie (Barış ve Demokrasi Partisi, BDP) legal tätig. 5.4 Im Beschwerdeverfahren reichte der Rechtsvertreter das Wortprot o- koll eines zwischen ihm und dem Dorfvorsteher von F._______, G._______, am 30. November 2011 in Zürich geführten Gespräches ein. Anlässlich dieses Gesprächs führte der Dorfvorsteher aus, er sei im Se p-D-3071/2009 Seite 14 tember 2010 vom Vater des Beschwerdeführers angerufen und darüber informiert worden, dass das Haus auf der Suche nach dem Beschwerd e- führer durchsucht würde. Bei seiner A nkunft auf dem elterlichen Hof des Beschwerdeführers hätten etwa 20 Militärs das Haus nach dem B e- schwerdeführer durchsucht und alle Anwesenden seien nach dessen Verbleib befragt worden. Die Familie des Beschwerdeführers habe zwar erklärt, dass der Beschwer deführer sich im Ausland befinde, dies hätten die Militärs aber offensichtlich nicht geglaubt und vielmehr vermutet, dass der Beschwerdeführer sich der PKK angeschlossen habe. Der B e- schwerdeführer müsse daher bei seiner Rückkehr mit einer Festnahme rechnen (act. 12/2). Es scheint an sich bereits fraglich, ob G._______, wie von ihm ausg e- führt, tatsächlich in keinem näheren Verhältnis zum Beschwerdeführer und dessen Familie steht und welchem Beweiswert seine Aussagen z u- zumessen sind. Festzustellen ist nämlich, dass der Beschwerdeführer am 6. Februar 2008 in der Schweizer Botschaft in Ankara einen Antrag auf Ausstellung eines dreimonatigen Besuchsvisums für die Schweiz stellte (act. A9) und als Garant für die Kosten des Aufenthalts und die gesicherte Wiedereinreise aus der Schweiz sein hier wohnhafter "Patenonkel" Ali Doymaz fungierte (act. A9/3). Auf den abgelehnten Visumsantrag in der Empfangsstellenbefragung angesprochen, verleugnete der Beschwerd e- führer diesen zunächst (act. A1 S. 8). Anlässlich seiner direkten Anhörung vor dem BFM räumte er die gescheiterte Antragstellung hingegen ein (act. A8 S. 19) und erklärte in diesem Zusammenhang auch die Ve r- wandtschaftsverhältnisse zu verschiedenen in der Schweiz und im He i- matort in der Türkei lebenden Personen mit d em Nachnamen I._______ (act. A8 S. 21). Zwar wurde G._______ dabei nicht erwähnt. Nach eige- nen Angaben hielt sich G._______ aber zu Besuch bei seinen hier lebe n- den Geschwistern auf (act. 12/2). Weitere Abklärungen diesbezüglich können jedoch aufgrund der n achfolgenden Erwägungen unterbleiben: So lässt sich nämlich auch bei unterstelltem Wahrheitsgehalt der Aus sa- gen von G._______ die vom Beschwerdeführer geltend gemachte subjek- tive Furcht vor künftigen flüchtlingsrelevanten Verfolgungshandlungen durch die türkischen Sicherheitskräfte in objektiver Hinsicht nicht bekräft i- gen. Zwar kann nicht ausgeschlossen werden, dass die türkischen S i- cherheitsbehörden nach dem Beschwerdeführer fragen, zumal er längere Zeit abwesend war und den Militärdienst zu absolvieren haben dürfte . Dem Beschwerdeführer ist es jedoch ohne weiteres möglich, nachzuwei- sen, dass er sich während der vergangenen vier Jahr e in der Schweiz aufgehalten hat. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass ihm weiter-D-3071/2009 Seite 15 gehende schwerwiegende Behelligungen s eitens der türkischen Siche r- heitsbehörden drohen. 5.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer eine asylrelevante Verfolgung zum Zeitpunkt der Ausreise nicht glaubhaft m a- chen konnte und sich seine subjektive Furcht vor einer solchen im Fall e seiner Rückkehr in den Heimatstaat in objektiver Hinsicht ebenfalls nicht bekräftigen lässt. Dies hat die Vorinstanz zutreffend festgestellt und in der angefochtenen Verfügung die wesentlichen Unglaubhaftigkeitselemente in den Vorbringen des Beschwerdefü hrers auch ausgeführt. Eine Verle t- zung der Begründungspflicht, wie in der Beschwerde geltend gemacht (act. 1 S. 8), ist daher nicht ersichtlich. Angesichts der aufgezeigten Sach- lage erübrigt es sich, auf weitere Einwendungen in der Beschwerde ei n- zugehen, da diese nicht geeignet sind, eine anderen Einschätzung in der Frage der Glaubhaftmachung eines unter dem Blickwinkel von Art. 3 AsylG relevanten Sachverhalts herbeizuführen. Aus demselben Grund kann auf weitergehende Erörterungen zu den eingereichten Bewei smit- teln verzichtet werden. Damit ist nach Würdigung der gesamten Umstä n- de als Ergebnis festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Vorausse t- zungen der Flüchtlingseigenschaft im Sinne der Definition von Art. 3 AsylG nicht erfüllt. Das BFM hat das Asylgesuc h des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt we- der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde daher zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510 sowie EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung ni cht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 200 5 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in D-3071/2009 Seite 16 den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegens tehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Dieses flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot schützt nur Personen, di e die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG respektive Art. 1A FK er- füllen. 7.2.2 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinz ip des flüchtlingsrechtlichen Rüc k- schiebungsverbots vorliegend nicht zur Anwendung gelangen. Der Vol l- zug der Wegweisung des Beschwerdeführers in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 7.2.3 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV , SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand in einen Staat ausgeschafft werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung droht. Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe od er Behandlung ausg e- setzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Me n- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefährdung ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Falle einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist vorliegend D-3071/2009 Seite 17 nicht der Fall. Es b esteht kein konkreter Anlass zur Annahme, dem B e- schwerdeführer würde bei einer Rückkehr in sein Heimatland eine me n- schenrechtswidrige Behandlung drohen. Auch die allgemeine Mensche n- rechtssituation in der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Wegweisung ist damit sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen B e- stimmungen zulässig. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und Ausländer unzumut bar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, all- gemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748, BVGE 2009/41 E. 7.1 S. 576 f.; Botschaft zum Bundesg e- setz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.3.1 Seit der Aufkündigung des – zuvor ebenfalls nur einseitig erklärten – Waffenstillstandes durch die PKK im Frühjahr 2011 ist es in der Türkei wieder zu einzelnen Anschlägen auf Sicherheitskräfte sowie Militär - und Polizeieinrichtungen gekommen. Dennoch kann bezüglich der Türkei und insbesondere auch bezügl ich der Herkunftsprovinz des Beschwerdefü h- rers (H._______) im jetzigen Zeitpunkt klarerweise nicht von Krieg, Bü r- gerkrieg oder von einer Situation allgemeiner Gewalt, welche für den B e- schwerdeführer bei einer Rückkehr dorthin eine konkrete Gefährdung darstellen würde, gesprochen werden. 7.3.2 Auch sprechen keine individuellen Umstände gegen den Vollzug der Wegweisung. Es ist nicht davon auszugehen, dass der noch junge und le- dige Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr in die Türkei in eine konkrete, seine Existen z bedrohende Situation geraten könnte. Er verfügt über Schulbildung und Berufserfahrung in der Landwirtschaft, hat er doch nach eigenen Angaben bis zwei Monate vor der Ausreise in einem relativ gro s- sen landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern gearbeitet. In seinem He r- kunftsort leben seine Eltern und Geschwister. Es ist davon auszugehen, dass seine Familie ihm bei der wirtschaftlichen und sozialen Integration behilflich sein wird. 7.3.3 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens wurde am 18. Juli 2011 ein Bericht der psychiatrisch–psychologischen Praxis am Central, Zürich vom D-3071/2009 Seite 18 14. Juli 2011 eingereicht. Aus diesem ergibt sich, dass der Beschwerd e- führer seit April 2011 mit der Verdachtsdiagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung und mittelgradigen depressiven Episo de zur weiteren Behandlung durch das Psychiatr iezentrum Männe dorf überwiesen wo r- den sei. Im Bericht wird ausgeführt, dass sich die auf die Aussagen des Beschwerdeführers stützenden Befunde für das Vorliegen einer pos t- traumatischen Belastungsstörung sprechen würden (act. 11/1). Ungeach- tet der Frage, welche r Beweiswert diesem Bericht beizumessen ist, der sich weder zur genauen Anamnese noch zur Behandlungsindikation äu s- sert, ist festzustellen, dass die Behandlung psychischer Probleme in der Türkei sowohl stat ionär als auch ambulant möglich ist. Es existieren la n- desweit psychiatrische Einrichtungen und auch Psychopharmaka stehen zur Verfügung. Insbesondere in türkischen Gross - und Provinzhauptstäd- ten ist der Zugang zu Gesundheitsdiensten und Beratungsstellen so wie ambulanten Behandlungseinrichtungen für psychische Leiden gewährleis- tet. Es ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer, sollte er eine weitergehende psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen müssen, auch in der Türkei eine adäquate Behandlung erhalten wird. Auch unter medizinischen Gesichtspunkten erscheint die Rückkehr des Beschwerde- führers daher zumutbar. 7.3.4 Insgesamt kann der Vollzug der Wegweisung mithin auch als z u- mutbar bezeichnet werden. 7.4 Letztlich obliegt es dem Beschwerdeführer, bei der B eschaffung der für die Rückkehr benötigten Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 f.), weshalb der Vol l- zug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8. Nach dem Gesagten ist der d urch die Vorinstanz verfügte Wegwe i- sungsvollzug zu bestätigen. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist somit abzuweisen. D-3071/2009 Seite 19 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten desselben dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG und Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem mit Verfügung vom 19. Mai 2009 das Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Pr ozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde, werden indes keine Verfahrenskosten auferlegt. E i- ne Parteientschädigung ist mangels Obsiegens nicht zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-3071/2009 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständi- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Constance Leisinger Versand: