Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Februar 2018 (720 17 257 / 49) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem "familiären Mittelmeerfieber"; Würdigung von RAD-Stellungnahmen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichte- rin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Prof. Dr. med. B.____ gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1967 geborene A.____ arbeitet seit 1. Juni 2 008 als Koch und Serviceangestellter im Restaurant C.____ in X.____. Am 15. Dezember 201 4 meldete er sich unter Hinweis auf ein seit der Kindheit bestehendes "familiäres Mittelmee rfieber" bei der Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft mit Verfügung v om 31. Mai 2017 einen Leistungsan- spruch mangels rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab. B. Gegen diese Verfügung reichte A.____, vertreten du rch seinen behandelnden Arzt, Prof. Dr. med. B.____, FMH Innere Medizin und FMH Rheumatologie, am 26. Juni 2017 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht, ein . Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zuspr echung einer Invalidenrente. Zur Be- gründung führte Prof. B.____ an, dass die Diagnose ein es periodischen Fiebersyndroms, Typ Mittelmeerfieber, inzwischen gesichert sei. Während eines Schubs, welcher mit typischen Ab- dominal- und/oder Thoraxschmerzen sowie Schüttelfrost/F ieber begleitet würde, sei der Versi- cherte weder physisch noch psychisch in der Lage zu arbeiten. C. Am 28. September 2017 bewilligte das Kantonsgerich t dem Versicherten die unentgeltli- che Prozessführung. D. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 6. Oktober 2017 unter Verweis auf die Stellungnahme des Regionalen ärztlichen Dienste s (RAD) vom 26. September 2017 die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 26. Juni 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussi chtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit . Die Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, der geistigen oder der p sychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.4 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der So- zialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.5 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 2.6 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gru ndsatz der freien Beweiswür- digung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen m edizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 2.7 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invali- denversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist mit jenem externer medizinischer Sachverstän- digengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemä ssen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1 S. 219). Auf das Ergebnis von RAD- Berichten kann nicht abgestellt werden, wenn auch nur g eringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2 S. 229 , 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. und E. 4.7 S. 471). 3.1 Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass der Ver sicherte in den Jahren 2004 und 2007 wegen linksseitiger Knieschmerzen und lumbosakraler Beschwerden in medizinischer Behandlung stand. Die jeweiligen Untersuchungen erga ben jedoch keine auffälligen Befunde (vgl. MRI-Untersuchungen vom 20. Februar 2004 und 5. Jul i 2007 sowie Verlaufseintrag von Dr. med. D.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilit ation, vom 9. Juli 2007). Wegen re- zidivierender Schüttelfrost- und Fieberepisoden war de r Versicherte erstmals vom 24. bis 28. September 2010 und erneut vom 12. bis 14. Septemb er 2011 im Kantonsspital Bruderholz hospitalisiert (Berichte vom 4. Oktober 2010 und 19. S eptember 2011). Dabei wurde der Ver- dacht auf ein "familiäres Mittelmeerfieber" bei rezid ivierenden Fieberattacken sowie intermittie- renden kurzzeitigen Abdominal- und Knieschmerzen geäusser t. Am 19. Juli 2012 berichtete Dr. med. E.____, FMH Rheumatologie, dass der Versichert e alle 4 Monate Fieberattacken ha- be. In seinem Bericht vom 17. September 2012 sprach er von ca. alle 4 - 5 Monate auftretenden Fieberschüben mit Anschwellung des linken Kniegelenks un d kurzzeitigen Abdominalschmer- zen. Bei der letzten Episode Anfang Juni 2012 sei nun auch eine akute Knieschwellung rechts aufgetreten, welche mit Anlauf- und Bewegungsschmerzen sowie lokal entzündlichen Verände- rungen einhergegangen sei. Aufgrund seiner Befunde kön ne er die Verdachtsdiagnose eines "familiären Mittelmeerfiebers" bestätigen. Weitere Untersuchungen der Knie ergaben nur diskre- te Befunde (MRI-Untersuchung vom 3. Juli 2012). Dr. E .____ wies in seinem Bericht vom 8. September 2014 darauf hin, dass er nicht schlüssig be urteilen könne, inwieweit die präkordialen Thorax- und Abdominalschmerzen dem "famili ären Mittelmeerfieber" zuzuordnen seien. Weiter hielt er fest, dass der Versicherte nach Ei nnahme von Cholchizin über Durchfälle klage. 3.2 Der behandelnde Arzt, Dr. med. F.____, FMH Inner e Medizin, stellte in seinem Bericht vom 6. Januar 2015 (Eingang bei der IV-Stelle) fest, dass der Versicherte während eines Schubs nur noch vermindert leistungsfähig sei. Am 1. Jul i 2015 berichtete er, dass unter Chol- chizin seit Januar 2015 ein stabiler Verlauf bestehe. Seit 3. März 2015 sei der Versicherte als Koch wieder zu maximal 50 % arbeitsfähig (vgl. auch ärztliches Zeugnis vom 3. März 2015). 3.3 Auf Anfrage der IV-Stelle führte Dr. E.____ am 10. November 2015 aus, dass er den Versicherten letztmals am 4. September 2014 gesehen habe . Damals habe dieser angegeben, dass die Schmerzschübe alle 10 - 14 Tage aufträten und j eweils 1 - 2 Tage dauerten. Während Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Schubs könne er als Koch und im Service nicht arbeiten . Ansonsten sei er in seiner an- gestammten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig. In einer körperlich leichten Tätigkeit mit der Mög- lichkeit zu Wechselpositionen und zur Einlegung von Pausen sei der Versicherte zu 100 % ar- beitsfähig, sofern er nicht repetitiv Lasten von über 5 kg tragen und heben müsse und die Toi- lette gut erreichen könne. 3.4 Dr. F.____ berichtete am 11. November 2015, dass d er Versicherte seinen letzten Schub im Oktober 2015 gehabt habe. Solche Schübe träte n alle 2 - 3 Monate auf. Dr. F.____ attestierte dem Versicherten in seiner angestammten Täti gkeit als Koch eine 50%ige Arbeitsfä- higkeit. Über die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Arbeit machte er keine Aussagen. 3.5 Pract. med. G.____, RAD schloss sich in der Stellungna hme vom 21. Januar 2016 der Beurteilung von Dr. F.____ an, wonach der Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Koch und im Service seit 3. März 2015 zu 50 % arbeitsfähig sei. Dagegen bestehe in einer körperlich leichten Verweistätigkeit, bei welcher er keine Lasten ü ber 5 kg tragen oder heben müsse, die Toilette gut erreichen könne und die Möglichkeit zu Pa usen und zu Wechselpositionen habe, eine 85%ige Arbeitsfähigkeit. 3.6 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens berichtete Prof . B.____ über seine erste Unter- suchung des Versicherten vom 27. Februar 2017. Er äussert e den dringenden Verdacht auf ein periodisches Fiebersyndrom. In der Anamnese hielt er fest , dass die rezidivierenden Fieber- schübe ca. 1- bis 2-Mal im Monat aufträten. Diese Schübe seien "gefolgt von Müdigkeit und Erschöpfung für 2 – 4 Tage". Unter den Diagnosen hiel t er "rezidivierende Fieberschübe 2 – 3 Tage seit 5. Lebensjahr" fest. 3.7 In ihrer Stellungnahme vom 23. Mai 2017 erklärte pract. med. G.____, dass sie sich bei ihrer Zumutbarkeitsbeurteilung vom 21. Januar 2016, wonach in einer Verweistätigkeit eine 85%ige Arbeitsfähigkeit bestehe, auf die Angaben von Dr. E.____ und Dr. F.____ gestützt ha- be. Gemäss diesen Beurteilungen sei grundsätzlich von ein er 100%igen Arbeitsfähigkeit in ei- ner dem Leiden des Versicherten angepassten Tätigkeit a uszugehen. Sie habe weiter berück- sichtigt, dass der Versicherte durchschnittlich einen Tag im Monat wegen eines Fieberschubs keiner Arbeit nachgehen könne; dies entspreche einer ca. 5 %igen Arbeitsunfähigkeit. Zudem sei er aufgrund der Schmerzen reduziert leistungsfähig und benötige Pausen. Diese Einschrän- kungen habe sie mit einer 10%igen Arbeitsunfähigkeit R echnung getragen. Unter Berücksichti- gung der Angaben von Prof. B.____ gehe sie nun davon aus, dass der Versicherte durch- schnittlich 4 Tage im Monat wegen eines Fieberschubes kein er Arbeit nachgehen könne. Die Leistungsfähigkeit sei durchschnittlich um “1 Stunde am T ag – mehr für 2 bis 4 Tage nach dem Schub, weniger an den anderen Tagen“ eingeschränkt. Damit sei der Versicherte ab März 2015 in einer Verweistätigkeit zu 70 % arbeitsfähig. In ihr er Stellungnahme vom 26. September 2017 führte sie präzisierend aus, dass der durch die Fieberschübe bedingte Arbeitsausfall von durch- schnittlich 4 Tagen im Monat einer 20%igen Arbeitsunfäh igkeit gleichkomme (100 % = 20 Ar- beitstage). Die durchschnittlich um 1 Stunde täglich red uzierte Leistungsfähigkeit entspreche bei einem Arbeitstag von 8,4 Stunden einer Leistungsei nschränkung von 12 %. Damit bestehe Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht in einer Verweistätigkeit ab März 2015 insgesamt eine 32%ige (= 20 % + 12 %) Arbeitsunfähig- keit. 4.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts jeweils auf die Stellungnahmen ihrer RAD-Ärztin pract. med. G.___ _ vom 21. Januar 2016, 23. Mai 2017 und 26. September 2017. Sie ging demzufolge in der angefochtenen Verfügung zuerst davon aus, dass es dem Versicherten aufgrund des Mittelmeerfiebe rs und dessen Symptomen ab März 2015 zuzumuten sei, unter Berücksichtigung von zusä tzlichen Pausen eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne repetitives He ben von Lasten über 5 kg im Umfang von 85 % auszuführen. In ihrer Vernehmlassung vom 6. Okt ober 2017 kam die IV-Stelle ge- stützt auf die Stellungnahmen der RAD-Ärztin vom 23. Ma i 2017 und vom 26. September 2017 dann zum Schluss, dass der Versicherte ab März 2015 in ei ner Verweistätigkeit lediglich 70 % bzw. 68 % arbeitsfähig sei. Dieser Auffassung kann nic ht ohne weiteres gefolgt werden. Die RAD-Ärztin nahm ihre Beurteilungen gestützt auf die Be richte der behandelnden Ärzte vor. Da- bei ging sie mit ihnen einig, dass der Versicherte bei e inem Fieberschub vollständig arbeitsun- fähig sei. Was die Häufigkeit und Dauer eines Fieberschub s anbelangt, ist demgegenüber fest- zustellen, dass die ärztlichen Angaben sehr vage und une inheitlich sind. Dr. E.____ berichtete am 10. November 2014, dass der Versicherte alle 10 bis 14 Tage einen Fieberschub habe, der jeweils 1 – 2 Tage dauere. Gemäss Bericht von Dr. F.___ _ vom 11. November 2015 erkranke der Versicherte nur alle 2 - 3 Monate am Mittelmeerf ieber. Prof. B.____ hielt sodann fest, dass aktuell ein Fieberschub 1 – 2 Mal im Monat auftrete. S eine weiteren Ausführungen zur Dauer eines Schubes sind nicht eindeutig. Die RAD-Ärztin interpretierte die Angaben von Prof. B.____ dahingehend, dass ein Fieberschub 2 - 3 Tage anhalte u nd anschliessend wegen Müdigkeit für 2 – 4 Tage eine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe . Die Formulierung von Prof. B.____ kann jedoch auch dahingehend verstanden werden, dass der Versicherte nach einem 2- bis 3tägigen Fieberschub für 2 – 4 Tage vollständig arbeitsu nfähig ist, spricht dieser doch nicht von einer blossen Leistungsverminderung. Es ist aber auch mögl ich, dass sich entweder in der Diagnosestellung oder in der Anamnese ein Schreibfehler eingeschlichen hat. Demnach könnte ein Fieberschub entweder 2 – 3 Tage oder 2 – 4 Tage d auern. In diesem Fall konnte Prof. B.____ die Frage einer verminderten Leistungsfähigkeit bewusst offen gelassen oder eine solche implizit verneint haben. Unabhängig von der Frage , welcher Interpretation zu folgen ist, ist insgesamt festzustellen, dass die monatliche Anzahl der arbeitsunfähigen Tage infolge des Mittelmeerfiebers je nach Arztbericht variiert. Um den Umfang der Arbeitsunfähigkeit mit genü- gender Sorgfalt bestimmen zu können, bedarf es aber ver lässlicher Angaben über Anzahl und Dauer der Fieberschübe während einer gewissen Zeitspan ne. Ausserdem muss klar sein, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang nach einem Schub b ei der Ausübung einer Arbeit eine verminderte Leistungsfähigkeit besteht. Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten ist je- doch eine solche Beurteilung nicht möglich, weshalb ni cht darauf abgestellt werden kann. Dies hat zur Folge, dass die Einschätzungen der RAD-Ärztin ebenfalls nicht beweistauglich sind. 4.2 Werden die Berechnungen der RAD-Ärztin einer nähe ren Prüfung unterzogen, ist fest- zustellen, dass sie unklar sind. Nach Vorliegen des Berich ts von Prof. B.____ vom 27. Februar 2017 ging sie in ihrer Stellungnahme vom 23. Mai 201 7 davon aus, der Versicherte sei durch- schnittlich 4 Tage im Monat arbeitsunfähig (= 20 %) und in seiner Leistungsfähigkeit durch- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schnittlich 1 Stunde pro Tag (= 10 %) eingeschränkt. In ihrer Stellungnahme vom 26. Septem- ber 2017 wies sie darauf hin, dass sie fälschlicherweise von einer 8-Stunden-Woche anstelle einer 8,4-Stunden-Woche ausgegangen sei. Die Leistungseinschränkung betrage richtigerweise 12 %. Für die Berechnung wies sie darauf hin, dass die "eingeschränkte Leistung von durch- schnittlich 1 Stunde am Tag – mehr für 2 bis 4 Tage nac h dem Schub, weniger an den anderen Tagen" betrage. Aufgrund dieser Formulierung kann je doch ihre Berechnung einer Leistungs- einschränkung von durchschnittlich 1 Stunde nicht nachvol lzogen werden. Es kann somit nicht beurteilt werden, ob die von der RAD-Ärztin ermittelt e Leistungseinschränkung den Tatsachen entspricht. 4.3 Aus dem Gesagten folgt, dass die vorhandene Aktenla ge keine abschliessende Beurtei- lung des Rentenanspruchs des Versicherten zulässt. Die Abklär ungsergebnisse aus dem Ver- waltungsverfahren sind mit andern Worten nicht ausreichend beweiskräftig, der relevante medi- zinische Sachverhalt bedarf vielmehr weiterer Abklärung. Demzufolge ist die angefochtene Ver- fügung vom 31. Mai 2017 aufzuheben. Die IV-Stelle, an welche die Angelegenheit zurückzu- weisen ist, hat den Gesundheitszustand und die Arbeitsf ähigkeit der Versicherten nochmals medizinisch abklären zu lassen. Zur Abklärung der Häufigke it und der Dauer der Fieberschübe empfiehlt sich eine mehrmonatige Verlaufsbeobachtung. I n dieser Hinsicht ist der Versicherte auf seine Mitwirkungspflicht gemäss Art. 43 Abs. 2 ATSG hinzuweisen, wonach er sich zumut- baren ärztlichen Untersuchungen zu unterziehen hat. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer zusätzli- chen medizinischen Abklärungen wird die IV-Stelle anschlie ssend über den Rentenanspruch des Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gut- zuheissen. 5.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Be- schwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 5.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der R egel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten aufe rlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 5.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Darunter sind die Kosten zu versteh en, die einer Beschwerde führen- den versicherten Person im gerichtlichen Verfahren für d en Beizug einer Rechtsanwältin bzw. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Rechtsanwalts entstanden sind. Da der obsiegende Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten ist, sind ihm vorliegend keine Parteikosten entstanden. Die ausserordentlichen Kosten des Verfahrens können deshalb wettgeschlagen werden. 6.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 6.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 6.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil des Bun- desgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 31. Mai 2017 aufgehob en und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erw ägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.