<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">261</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>42</b></span> <span class="ft2"><b>Teilsatzbesteuerung (§ 45a StG)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Teilsatzbesteuerung ist auch für verdeckte Gewinnausschüttungen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>möglich. Das gilt selbst dann, wenn aufgrund eines Verlustvortrages keine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>aktuelle Vorbelastung besteht.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Steuerrekursgerichtes vom 20. September 2012 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen H. + N.E. (3-RV.2011.198).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Es ist unbestritten, dass die Rekurrenten eine im Jahr 2007 steu-</span><br/> <span class="ft1">erbare verdeckte Gewinnausschüttung nicht deklariert haben. Die</span><br/> <span class="ft1">von den Steuerbehörden gestützt auf einen Vermögensvergleich fest-</span><br/> <span class="ft1">gestellte Finanzierungslücke wurde von den Rekurrenten erst auf</span><br/> <span class="ft1">wiederholte Nachfrage erklärt. Danach hat der Rekurrent der von</span><br/> <span class="ft1">ihm beherrschten N. SA WIR-Stammanteile mit einem Verkehrswert</span><br/> <span class="ft1">von CHF 117'160.00 zum Buchwert von CHF 26'950.00 entnommen.</span><br/> <span class="ft1">Dass es sich im Differenzbetrag von CHF 90'210.00 um eine als</span><br/> <span class="ft1">Vermögensertrag steuerbare geldwerte Leistung handelt, wird von</span><br/> <span class="ft1">den Rekurrenten zu Recht anerkannt.</span><br/> <span class="ft1">Umstritten ist hingegen, ob die in § 45a StG vorgesehene Teil-</span><br/> <span class="ft1">satzbesteuerung für die verdeckte Gewinnausschüttung beansprucht</span><br/> <span class="ft1">werden kann. Es steht fest, dass die N. SA für die Steuerperiode 2007</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">262</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(Geschäftsjahr 1. Januar bis 31. Dezember 2007) mit einem steuerba-</span><br/> <span class="ft1">ren Gewinn von CHF 0.00 veranlagt worden ist und eine Korrektur</span><br/> <span class="ft1">in Bezug auf die geldwerte Leistung aufgrund von massgeblichen</span><br/> <span class="ft1">Verlustvorträgen unterblieb.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">4.4.4.</span><br/> <span class="ft1">Nach den Intentionen des Bundesgesetzgebers ist die tatsächli-</span><br/> <span class="ft1">che zweifache Besteuerung der ausgeschütteten Beteiligungserträge</span><br/> <span class="ft1">(volle Gewinnbesteuerung bei der leistenden Gesellschaft und Ein-</span><br/> <span class="ft1">kommensbesteuerung des Vermögensertrages bei den beteiligten</span><br/> <span class="ft1">Personen) für die Dividendenentlastung nicht zwingend erforderlich,</span><br/> <span class="ft1">jedoch erwünscht. Insofern kann auch die tatsächliche Gewinnauf-</span><br/> <span class="ft1">rechnung bei der leistenden Gesellschaft für die Inanspruchnahme</span><br/> <span class="ft1">der Dividendenentlastung nicht Voraussetzung sein. Die Ausführun-</span><br/> <span class="ft1">gen im Kreisschreiben der Eidgenössischen Steuerverwaltung (EStV)</span><br/> <span class="ft1">Nr. 22 vom 16. Dezember 2008 "Teilbesteuerung der Einkünfte aus</span><br/> <span class="ft1">Beteiligungen im Privatvermögen und Beschränkung des Schuldzin-</span><br/> <span class="ft1">senabzuges", wonach bei verdeckten Gewinnausschüttungen an die</span><br/> <span class="ft1">Inhaber von Beteiligungen die Entlastung zu gewähren ist, sofern die</span><br/> <span class="ft1">leistende Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft eine ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechende Gewinnaufrechnung erfahren hat, ist daher durch die</span><br/> <span class="ft1">Materialien nicht gestützt. Da es sich beim genannten Kreisschreiben</span><br/> <span class="ft1">um eine Verwaltungsanweisung handelt, ist die dort vertretene Auf-</span><br/> <span class="ft1">fassung für das Steuerrekursgericht nicht verbindlich.</span><br/> <span class="ft1">4.4.5.</span><br/> <span class="ft1">Ebensowenig lässt sich aus den Materialien zur Unternehmens-</span><br/> <span class="ft1">steuerreform II ableiten, dass für eine Dividendenentlastung eine</span><br/> <span class="ft1">Deklarationspflicht Voraussetzung ist.</span><br/> <span class="ft1">4.4.6.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass eine Dividen-</span><br/> <span class="ft1">denentlastung nach den bundesgesetzlichen Vorgaben im Einkom-</span><br/> <span class="ft1">menssteuerrecht (wohl aber bei der Verrechnungssteuer) nicht mit</span><br/> <span class="ft1">einer fehlenden Aufrechnung bzw. einer fehlenden Besteuerung bei</span><br/> <span class="ft1">der leistenden Gesellschaft oder einer fehlenden Deklaration ver-</span><br/> <span class="ft1">weigert werden kann.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">263</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Es ist nachfolgend zu prüfen, ob auch der aargauische Gesetz-</span><br/> <span class="ft1">geber in diesem Rahmen legiferiert hat.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">4.5.4.</span><br/> <span class="ft1">Es ist somit festzuhalten, dass die Dividendenentlastung auch</span><br/> <span class="ft1">nach der Auffassung des kantonalen Gesetzgebers unabhängig von</span><br/> <span class="ft1">der (vollumfänglichen) Besteuerung ausgeschütteter Gewinne bei der</span><br/> <span class="ft1">leistenden Gesellschaft gewährt werden sollte. Mit der Streichung</span><br/> <span class="ft1">des Zusatzes "die Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft die</span><br/> <span class="ft1">ausgeschütteten Gewinnanteile bereits als Gewinn versteuert hat"</span><br/> <span class="ft1">wurde vom Erfordernis der tatsächlichen wirtschaftlichen Doppel-</span><br/> <span class="ft1">belastung und damit auch von einer von der steuerpflichtigen Person</span><br/> <span class="ft1">nachzuweisenden effektiven Vorbelastung abgesehen.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">7.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurs müsste aber auch dann gutgeheissen werden, wenn</span><br/> <span class="ft1">eine Vorbelastung bzw. eine Aufrechnung der verdeckten Gewinn-</span><br/> <span class="ft1">ausschüttung Voraussetzung für die Anwendung von § 45a StG wäre.</span><br/> <span class="ft1">Bei Kapitalgesellschaften oder Genossenschaften, bei denen wie bei</span><br/> <span class="ft1">der N. SA die Berücksichtigung des Verlustvortrages trotz aufzu-</span><br/> <span class="ft1">rechnender geldwerter Leistung zu einer Besteuerung eines Gewin-</span><br/> <span class="ft1">nes von CHF 0.00 führt, kann nicht gesagt werden, es sei keine Auf-</span><br/> <span class="ft1">rechnung im Zeitpunkt der Ausrichtung der verdeckten Gewinnaus-</span><br/> <span class="ft1">schüttung erfolgt. Wie die Rekurrenten zutreffend ausführen lassen,</span><br/> <span class="ft1">kann die verdeckte Gewinnausschüttung bei einem Verlust im Ge-</span><br/> <span class="ft1">schäftsjahr oder einem den Gewinn des Geschäftsjahres übersteigen-</span><br/> <span class="ft1">den Verlustvortrag nicht verbindlich festgestellt werden. Erst im</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt der tatsächlichen Verrechnung von Vorjahresverlusten mit</span><br/> <span class="ft1">einem diese übersteigenden Gewinn wird der Verlustvortrag - zeit-</span><br/> <span class="ft1">verschoben - bestimmt. Das ergibt sich jedoch ausdrücklich aus der</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit, einen Verlust vorzutragen (§ 74 StG). Die Möglichkeit</span><br/> <span class="ft1">zum Verlustvortrag stellt somit eine gesetzliche Ausnahme zum Peri-</span><br/> <span class="ft1">odizitätsprinzip dar. Dessen ungeachtet ist die verdeckte Gewinnaus-</span><br/> <span class="ft1">schüttung im Zeitpunkt der Ausrichtung der Leistung angefallen. Die</span><br/> <span class="ft1">entsprechende Veranlagung ist insofern formell, jedoch nicht mate-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">264</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">riell in Rechtskraft erwachsen. Auch deshalb ist der Rekurs gutzu-</span><br/> <span class="ft1">heissen.</span><br/> <span class="ft1">7.3.</span><br/> <span class="ft1">Dementsprechend ist die verdeckte Gewinnausschüttung im</span><br/> <span class="ft1">Betrag von CHF 90'210.00 gemäss § 45a StG zu 40 % des Satzes des</span><br/> <span class="ft1">gesamten (steuerbaren) Einkommens zu erfassen.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>