Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Januar 2020 (725 19 176 / 09) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Würdigung der Arztberichte Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dor- nach gegen Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG, Rechts- dienst Personenversicherung, Wuhrmattstrasse 19 - 23, 4103 Bott- mingen, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1968 geborene A.____ arbeitet seit dem 1. Okt ober 2015 bei der B.____ und ist dadurch obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen un d Berufskrankheiten bei der Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG (Helvetia) versiche rt. Mit Schadenmeldung vom 25. September 2018 liess die Versicherte durch ihre Arb eitgeberin bei der Helvetia ein Ereignis vom 17. September 2018 melden. Das Ereignis wurde wie folgt umschrieben: "Auf dem Rückweg der Wanderung mit dem Wanderstock hängengeblieben, dabei ausgerutscht, zu Boden gefallen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht und mit der Schulter auf einem Stein aufgeschlagen." Die Art der Verletzung wurde mit "Prellung" bezeichnet, betroffen sei die linke Schulter. Als Unfallort wurde der Wanderweg C.____ angege- ben. In der Folge erbrachte die Helvetia die gesetzlichen Leistungen. Mit Schreiben vom 30. Ok- tober 2018 stellte die Helvetia die Leistungen für die Schulterbeschwerden links per 1. November 2018 ein. Nachdem A.____ eine anfechtbare Verfügung v erlangt hatte, erliess die Helvetia am 16. November 2018 die entsprechende Verfügung. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Helvetia mit Entscheid vom 15. April 2019 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Da niel Altermatt, am 27. Mai 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte sie, es sei der Einsp racheentscheid vom 15. April 2019 aufzuhe- ben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr aus dem Ereignis vom 17. September 2018 über den 31. Oktober 2018 hinaus die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 16. Juli 2019 schloss di e Helvetia auf Abweisung der Be- schwerde. D. Mit Replik vom 24. September 2019 beantragte die B eschwerdeführerin vorweg, es sei eine öffentliche Verhandlung durchzuführen, an welcher sie zum Unfallhergang zu befragen sei. Im Übrigen hielt sie an ihrem Begehren fest, die Besc hwerdegegnerin sei zur Ausrichtung der gesetzlichen Versicherungsleistungen zu verpflichten. E. Mit Duplik vom 18. Oktober 2019 hielt die Helvetia an ihren Anträgen und Begründung in ihrer Vernehmlassung fest. F. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung wird die Beschwerdeführerin insbesondere zum Unfallereignis befragt. Auf ihre Ausführungen wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen eingegangen. Im Übrigen halten die Parteien an ihren Anträgen und Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in D.____, weshalb die örtliche Zu ständigkeit des Kantonsgerichts Basel- Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versi- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kant ons Beschwerden gegen Einsprache- entscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. E s ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 27. Mai 201 9 ist demnach einzutreten. 2. Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin ih re Leistungspflicht für den Unfall vom 17. September 2018 grundsätzlich anerkannt. Strittig ist jedoch, ob die gesetzlichen Leistun- gen durch den Unfallversicherer zu Recht per 1. November 2018 eingestellt wurden. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Zu dieser vom Unfallversicherer zu übernehmenden Heilbehandlung gehören unter ande- rem die ärztlich verordneten Nach- und Badekuren (Art. 10 Abs. 1 lit. d UVG). 2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt unter anderem voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetret enen Schaden (Krankheit, Arbeits- unfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ur- sachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind a lle Umstände, ohne deren Vor- handensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs ni cht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi- gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht wer- den kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliege nden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforder lichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des U nfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundhei tsschadens darstellt, wenn also Letz- terer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursac hen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Nach der strengen bundesgerichtlichen Rechtsprechung betreffend die Unfall- kausalität von operativen Eingriffen ist diese selbst dann gegeben, wenn der betreffende Schaden Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch ohne das Unfallereignis früher oder später einge treten wäre und der Unfall somit nur hin- sichtlich des Zeitpunkts des Schadenseintritts eine unerlässli che Bedingung ("conditio sine qua non") darstellte. Anders verhält es sich lediglich dann, wenn der Unfall nur Gelegenheits- oder Zufallsursache ist, welche ein gegenwärtiges Risiko, mi t dessen Realisierung jederzeit zu rech- nen gewesen wäre, manifest werden lässt, ohne im Rahmen des Verhältnisses von Ursache und Wirkung eigenständige Bedeutung anzunehmen (Urteil d es Bundesgerichts vom 7. Juli 2016, 8C_337/2016, E. 4.1.1). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfal lbedingten Ursachen eines Gesund- heitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlen- der ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchs- aufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenha ng gegeben ist - nicht bei der versi- cherten Person, sondern beim Unfallversicherer. Diese Bewe isgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massge- bend (Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2014, 8C_419/2014, E. 3.2 mit Hinweisen). 3.1 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweism ittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurtei- lung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesonder e darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es a uf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Hin sichtlich des Beweiswertes eines Arzt- berichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die str eitigen Belange umfassend ist, auf all- seitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispielsweis e Berichten und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ver sicherungsinternen ärztlichen Feststel- lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 3.3 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5). Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und um- fassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behan- delnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behan- delnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustu- fen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfa ssende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutach- tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Exp erten anderseits nicht zu, ein Admi- nistrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslauten den Einschätzungen gelangen. Vor- behalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichend e Beurteilung aufdrängt, weil die behan- delnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver är ztlicher Interpretation entspringende – As- pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkan nt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Oktober 2014, 8C_677/2014, E. 7.2). 4. Der strittigen Angelegenheit liegen im Wesentlichen die nachfolgend aufgeführten ärzt- lichen Unterlagen zu Grunde. 4.1 Im Konsultationsbericht von Dr. med. E.____, FM H Orthopädische Chirurgie und Trau- matologie des Bewegungsapparates, wird festgehalten, d ass die Patientin am 17. September 2018 beim Wandern mit Stöcken zuerst mit der linken Se ite hängen geblieben und dann direkt auf die linke Seite gestürzt sei. Es liege eine Verletzung im Bereich des Intervalls bzw. der Sub- scapularissehne vor. 4.2 Nach Durchführung einer Arthro-MRI bestätigt Dr. E .____ am 10. Oktober 2018 die Ver- letzung des Intervalls und diagnostiziert zusätzlich eine mögliche Partialruptur der Supraspinatus- sehne. Aufgrund der zunehmenden Beschwerdesymptomatik plane er eine Schulterarthroskopie mit Tenodese der langen Bizepssehne und gegebenenfalls e ine Rotatorenmanschettenrekon- struktion per Mitte Oktober 2018. 4.3 Mit E-Mail vom 15. November 2018 an die Helvetia hält Dr. E.____ fest, der Sturzme- chanismus, die sofort einsetzenden Schmerzen und Funktion seinschränkung sowie die an- schliessende Arthro-MRI-Untersuchung würden eindeutig für ein traumatisches Geschehen spre- chen. 4.4 Dr. med. F.____, FMH Chirurgie, nimmt mit Beric hten vom 10. und 22. November 2018 Stellung. Er geht davon aus, dass der Unfallhergang p er se nicht geeignet gewesen sei, eine Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Supraspinatussehne zu zerreissen. Nur Bewegungen im Schu ltergelenk mit Zugbelastung der Rotatorenmanschette seien geeignet, zu einem Zerreissen zu führen, in erster Linie Rotations-, aber auch Abspreizbewegungen. Die Rissmorphologie müsse zum Unfallmechanismus passen. Ein geeigneter Unfallmechanismus sei zum Beispiel das massive plötzliche Rückwärtsreissen oder Heranführen des Arms, zum Beispiel bei einem Absturz beim Fensterputzen mit Festhalten der Hand oder eine starke Zugbelastung bei gewaltsamer Rotation des Arms. Die Versicherte habe lediglich eine Prellung der Schulter erlitten, die nicht besonders heftig gewesen sein könne, weil im Erstbefund keine Hämatome, Hautabschürfungen od er Ähnliches beschrieben worden seien und im MRI kein adäquates Knochenmarksignal zu erkennen sei. Es sei somit aus trauma- tologischer Sicht gerechtfertigt, den Status quo sine zwei Wochen nach dem Unfallereignis fest- zulegen, weil die darüber hinaus anhaltenden Beschwerde n nicht mit dem geforderten Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Unfal lereignis zurückzuführen seien. Viel- mehr würden unfallfremde Beschwerden den Heilverlauf beeinträchtigen. So werde im Röntgen- bild der linken Schulter vom 26. September 2018 eine V erkalkung im Ansatzbereich der Supra- spinatussehne direkt am Tuberculum majus als Zeichen für eine Tendinitis calcarea beschrieben. Ausserdem bestehe eine mittelgradige AC-Gelenksarthrose. Im MRI zeige sich eine schwere Tendinose der Supraspinatussehne als Zeichen einer Degeneration. Es werde zwar eine Verlet- zung des vorderen Rotatorenmanschetten-Intervalls beschrieb en, ein Zusammenhang zum Er- eignis vom 17. September 2018 könne aber aus den erwähnten Gründen nicht gesehen werden. Bei einer frischen Läsion würde der untersuchende Orth opäde sicher keine freie Beweglichkeit mit lediglich endgradigen Schmerzen feststellen. Der Eingriff vom 30. November 2018 stehe nicht mit dem geforderten Beweisgrad der überwiegenden Wa hrscheinlichkeit im Kausalzusammen- hang zum Ereignis vom 17. September 2018. Beim Ereign is müsse es sich um ein absolutes Bagatelltrauma gehandelt haben, weil sich weder äusser liche Verletzungen noch adäquate Be- gleitverletzungen im MRI gezeigt hätten. Letztlich seie n deutliche degenerative Veränderungen für die Beschwerden ursächlich. 4.5 Dr. E.____ stellt anlässlich der Schulterarthroskopi e mit subacromialer Dekompression und Mini-open-Tenodese der langen Bizepssehne links vom 30 . November 2018 eine traumati- sche Intervallläsion links fest, die er auf das Ereignis vom 17. November 2018 zurückführt. Er geht davon aus, dass es anlässlich des Unfalls zu einer trau matischen Zerreissung der Sehne gekommen sei. 4.6 Dr. F.____ hält auch nach Kenntnisnahme des Oper ationsberichts mit Schreiben vom 24. März 2019 daran fest, dass kein Kausalzusammenhang zu m Ereignis vom 17. September 2018 bestehe. Ein direktes Anpralltrauma sei nicht geeignet, eine lange Bizepssehne zu luxieren. Durch Verdrehtraumen des Armes oder chronische Überlastung – z.B. bei Kraftsportlern – könne der Halteapparat der langen Bizepssehne am Eintritt i n das Schultergelenk einreissen und zum immer wieder auftretenden Herausrutschen im Sinne einer Luxation der langen Bizepssehne aus ihrem Kanal mit entsprechender Schmerzsymptomatik führen. Als Ursache würden ein geeigne- ter Unfallhergang oder degenerative Veränderungen in Betracht kommen. Vorliegend zeige sich im MRI ein korrekter Verlauf der Bizepssehne im Sulcus, dies werde ebenso bei der Arthroskopie unterstrichen. Der Bizepssehnenanker werde als stabil beschrieben. Erst nach der Bursektomie Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe die Sehne aus dem Sulcus luxiert werden können. Dr. E.____ berichte zwar von einer trau- matischen Zerreissung des Intervalls. Dies erscheine aber aufgrund des geschilderten Unfaller- eignisses als äusserst unwahrscheinlich. Zusammenfassend sei keine Unfallkausalität gegeben. Das Ereignis sei nicht geeignet gewesen, eine Intervallläsion zu verursachen. 4.7 Dr. E.____ hält auch in seinem Schreiben an den R echtsanwalt der Beschwerdeführerin vom 28. Mai 2019 an seiner bisherigen Auffassung fest. Er schliesst darin in Zusammenschau sämtlicher Befunde, gestützt auf MRI, Anamnese und inte roperative Situation auf eine unfallbe- dingte Verletzung. Auffällig sei für ihn auch die ausg eprägte Synovialitis im Gelenk als Hinweis auf einen Reparaturmechanismus des Körpers auf eine akute Verletzung. 5. Die Parteien sind sich einig, dass der Sturz der Besch werdeführerin vom 17. September 2018 ein Unfallereignis darstellt. Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht grundsätzlich bejaht und anfänglich auch Versicherungsleistungen erbr acht. Sie lehnt jedoch eine über den 31. Oktober 2018 hinausgehende Leistungspflicht gestützt auf die Beurteilung von Dr. F.____ ab. 5.1 Will die Beschwerdegegnerin bei dieser Ausgangsla ge ihre Leistungen einstellen, so liegt die Beweislast für den Wegfall des Kausalzusammenhangs bei ihr (vgl. oben Ziff. 2.3). Auch wenn die Schulterbeschwerden teilweise auf eine Degene ration zurückzuführen wären, müsste berücksichtigt werden, dass es für die Frage der Kostenpfl icht bezüglich Heilbehandlung und Taggeld-Leistungen genügt, wenn der Unfall eine Teil ursache darstellt: Art. 36 Abs. 1 UVG be- stimmt in diesem Sinn, dass die Pflegeleistungen und K ostenvergütungen sowie die Taggelder und Hilflosenentschädigungen nicht gekürzt werden, wen n die Gesundheitsschädigung nur teil- weise Folge eines Unfalles ist. Art. 36 UVG setzt vorau s, dass der Unfall und der Vorzustand derart zusammenwirken, dass von einer gemeinsamen Verursachung auszugehen ist. Beide Ur- sachen sind somit für den gleichen Schaden kausal. Keine gemeinsame Verursachung liegt vor und die Bestimmung ist daher nicht anwendbar, wenn di e beiden Einwirkungen einander nicht beeinflussende Schäden verursacht haben, so z.B. wenn der Unfall und der Vorzustand verschie- dene Körperteile betreffen und sich damit die Krankheitsbilder nicht überschneiden (BGE 126 V 116). Dies ist hier zweifellos nicht der Fall, da einzig eine Schulterproblematik vorliegt. 5.2 Mit Blick auf diese Vorgaben bezüglich Teilkausalitä t reicht es zur Begründung des Weg- falls des Kausalzusammenhangs nicht aus, wenn Dr. F.____ auf das Vorliegen von degenerati- ven Veränderungen verweist. Weiter ist zu berücksichtigen, dass er ein Anschlagen der Schulter vermutet und kein Verdrehen. Bereits in der Unfallmel dung ist allerdings davon die Rede, dass die Beschwerdeführerin mit dem Wanderstock hängengeblieben, ausgerutscht und mit der Schul- ter auf einem Stein aufgeschlagen ist. Auch gegenüber Dr. E.____ hat die Versicherte angege- ben, dass sie beim Wandern mit Stöcken zuerst mit der linken Seite hängen geblieben und dann auf die linke Seite gestürzt sei. Dies hat die Beschwer deführerin heute anlässlich der Parteibe- fragung bestätigt und glaubhaft angegeben, dass ihr Arm dabei nach hinten zurückgerissen wor- den sei. Dr. F.____ hat das Hängenbleiben mit dem Stock nicht in seine Beurteilung einbezogen. Er geht lediglich von einem Anschlagen der Schulter bei am Körper angelegter Armhaltung aus. Aufgrund der Schilderung des Vorgangs in der Unfallmel dung und auch anlässlich der heutigen Parteiverhandlung ist jedoch zusätzlich von einer Zugverletzung infolge Hängenbleibens mit dem Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wanderstock auszugehen. Ein solcher Ablauf – im Sinne e ines plötzlichen Rückwärtsreissens des Arms mit starker Zugbelastung bei rotiertem Arm – würde der von Dr. F.____ vorgenomme- nen Beschreibung eines Vorgangs, der einen Riss der Supra spinatussehne bewirken könnte, ziemlich genau entsprechen. 5.3 Die Einschätzungen von Dr. F.____ als beratender A rzt der Beschwerdegegnerin sind zweifellos als versicherungsinterne ärztliche Feststellungen zu qualifizieren. Gestützt auf die obi- gen Ausführungen bestehen berechtigte Zweifel an sei ner Beurteilung. Einerseits, weil er von einem banalen Anschlagen der Schulter ausgeht und nich t in Betracht gezogen hat, welchen Einwirkungen die Schulter durch das Hängenbleiben mit dem Stock unmittelbar vor dem Auf- schlagen ausgesetzt gewesen ist. Dass keine Hämatome festgestellt werden konnten, sagt noch nichts darüber aus, ob der Bizepssehnenriss in einem Zusa mmenhang mit dem Unfallereignis steht, weil ein solcher Riss auch ohne Hämatome, namentlich durch Zerren oder Verdrehen der Schulter ausgelöst werden kann. Dazu kommt, dass schon ei ne Teilkausalität für die weitere Leistungspflicht des Unfallversicherers genügt. Damit kann auf die die Beurteilung von Dr. F.____ nicht abgestellt werden. Vorliegend verhält es sich aber so, dass gestützt auf die vorliegenden Unterlage n mit überwiegender Wahrscheinlich- keit davon ausgegangen werden kann, dass der status sin e quo vel ante am 31. Oktober 2018, aber auch zum Zeitpunkt der Operation am 30. November 2018 noch nicht eingetreten ist. Die Ausführungen von Dr. E.____ zeigen, dass beim vorliegend zu beachtenden Geschehensablauf die von ihm festgehaltenen Verletzungen auf das Unfall ereignis zurückzuführen sind. Dies wird aber auch durch die Ausführungen von Dr. F.____ bestät igt. Dr. F.____ ist bei seiner Einschät- zung in Bezug auf den Kausalzusammenhang von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Er hat nämlich – wie bereits ausgeführt – nur ein Anschlagen der Schulter berücksichtigt und gestützt auf diese Annahme den Kausalzusammenhang verneint. E r hat aber selbst dargelegt, dass die diagnostizierten Verletzungen bei einem Rückwärtsreissen d es Armes entstehen könnten. Ge- stützt auf die Unfallmeldung, den von Dr. E.____ angeg ebenen Geschehensablauf sowie die Ausführungen der Beschwerdeführerin anlässlich der heutigen Parteiverhandlung ist aber genau davon auszugehen, dass der Arm beim Sturz und dem Hängenbleiben mit dem Stock zurückge- rissen wurde. Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die diag- nostizierten Verletzungen auf das Unfallereignis zurückzuführen sind und diese weder am 31. Ok- tober noch am 30. November 2018 abgeklungen waren. Selbst wenn davon auszugehen wäre, dass tatsächlich erhebliche degenerative Veränderungen vorliegen, die früher oder später auch ohne Unfall ei nen operativen Eingriff notwendig gemacht hätten, so würde dies für die Verneinung des Kausalzusa mmenhangs nach anfänglicher Leis- tungspflicht nicht ausreichen. Denn auch wenn mit dem Un fall lediglich ein Schmerzschub aus- gelöst worden wäre, so müsste für die Einstellung der Leistungspflicht überwiegend wahrschein- lich feststehen, dass die Operation ohne Unfall ebenfal ls bereits im November 2018 notwendig geworden wäre. 5.4 Gestützt auf die obigen Ausführungen ist der Nachw eis, dass die Schulterarthroskopie vom 30. November 2018 zur gleichen Zeit notwendig geworden wäre, wenn sich der Unfall nicht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ereignet hätte, mit den Beurteilungen von Dr. F.____ nicht erbracht. Er liefert keine nachvollzieh- bare Erklärung für seine Einschätzung, dass die Kausalität bereits zwei Wochen nach dem Sturz weggefallen sein soll. Eine Teilursächlichkeit des Unfall ereignisses lässt sich gestützt auf seine Ausführungen jedenfalls nicht von der Hand weisen. Das Kantonsgericht kommt folglich zum Schluss, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu früh eingestellt und ihre Versiche- rungsleistungen über den 31. Oktober 2018 hinaus zu erbr ingen hat. Die vorliegende Be- schwerde ist demzufolge gutzuheissen. 6.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für den vorliegenden Prozess keine Verfahrens- kosten zu erheben. 6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens en tsprechend ist der Versicherten eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Ihr Rechtsvertreter wies in seiner Honorarnote vom 5. November 2019 einen Zeitaufwand von insgesamt 8,9 Stun- den aus, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfra- gen als angemessen erweist. Unter Hinzurechnung von 3 ½ S tunden für die Parteiverhandlung resultiert ein Aufwand von insgesamt 12,4 Stunden. Die Bemühungen sind zum geltend gemach- ten Stundenansatz von Fr. 220.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 86.--. Der Versicherten ist somit eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3'030.70 (12,4 Stunden à Fr. 220.-- + Auslagen von Fr. 86.-- zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einsprac heentscheid der Hel- vetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG vom 15. April 2019 aufgehoben und festgestellt, dass die Helvetia ihre Versi cherungsleis- tungen über den 31. Oktober 2018 hinaus zu erbringen hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3'030.70 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht