<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 22 S.103</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">103</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>22</b></span> <span class="ft1"><b>Steuerstrafrecht; Funktionale Zuständigkeit im Strafbefehlsverfahren.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Die Ausübung der Funktion als Strafbefehlsrichter durch Sachbear-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>beiter im kantonalen Steueramt erfordert eine formelle Ermächti-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gung.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Über die Unterschriftsberechtigung ist eine Liste zu führen, die von</b></span><br/> <span class="ft1"><b>den Rechtsunterworfenen eingesehen werden kann.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 7. April 2008 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">Kantonales Steueramt gegen B. (WBE.2007.195).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1.</span><br/> <span class="ft6">1.1.</span><br/> <span class="ft6">Wer trotz Mahnung einer Verfahrenspflicht nach StG vorsätz-</span><br/> <span class="ft6">lich oder fahrlässig nicht nachkommt, namentlich die Steuererklä-</span><br/> <span class="ft6">rung oder die dazu verlangten Beilagen nicht einreicht, wird mit</span><br/> <span class="ft6">Busse bis zu Fr. 1'000.--, in schweren Fällen oder bei Rückfall bis zu</span><br/> <span class="ft6">Fr. 10'000.-- bestraft (§ 235 Abs. 1 StG; übereinstimmend mit Art. 55</span><br/> <span class="ft6">StHG).</span><br/> <span class="ft6">Die Steuerpflichtigen müssen die Steuererklärung wahrheitsge-</span><br/> <span class="ft6">mäss und vollständig ausfüllen, persönlich unterzeichnen und samt</span><br/> <span class="ft6">den vorgeschriebenen Beilagen fristgemäss der zuständigen Behörde</span><br/> <span class="ft6">einreichen. Wird die Steuererklärung nicht oder mangelhaft einge-</span><br/> <span class="ft6">reicht, erfolgt die Aufforderung, das Versäumte innert angemessener</span><br/> <span class="ft6">Frist nachzuholen (§ 180 Abs. 2 und 3 StG). Bleibt der Steuerpflich-</span><br/> <span class="ft6">tige säumig, erfolgt eine eingeschriebene Mahnung und wenn auch</span><br/> <span class="ft6">diese nichts nützt, wird das Bussenverfahren nach § 235 StG durch-</span><br/> <span class="ft6">geführt.</span><br/> <span class="ft6">1.2.</span><br/> <span class="ft6">Die Regelung des Bussenverfahrens erfolgte in enger Anleh-</span><br/> <span class="ft6">nung an diejenige der StPO, insbesondere an das dort in den</span><br/> <span class="ft6">§§ 194 ff. vorgesehene Strafbefehlsverfahren. Das KStA ist zur Er-</span><br/> <span class="ft6">mittlung und Untersuchung des Sachverhalts zuständig (§§ 242 und</span><br/> <span class="ft6">244 Abs. 1 StG). Nach Abschluss der Untersuchung erlässt es einen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">104</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Strafbefehl oder stellt das Strafverfahren ein (§ 245 Abs. 1 StG). Er-</span><br/> <span class="ft6">heben die angeschuldigte Person oder der Gemeinderat innert Frist</span><br/> <span class="ft6">Einsprache, wird der Strafbefehl aufgehoben und fällt dahin (§ 247</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 StG). Ist Einsprache erhoben worden, so kann das KStA wei-</span><br/> <span class="ft6">tere Untersuchungen durchführen und bei veränderter Sach- oder</span><br/> <span class="ft6">Rechtslage einen neuen Strafbefehl erlassen (§ 247 Abs. 2 StG). Hält</span><br/> <span class="ft6">das KStA nach wie vor eine Bestrafung für richtig, erhebt es Anklage</span><br/> <span class="ft6">beim Steuerrekursgericht, wobei der Strafbefehl als Anklageschrift</span><br/> <span class="ft6">gilt (§ 247 Abs. 3 und 4 StG).</span><br/> <span class="ft6">2.</span><br/> <span class="ft6">2.1.</span><br/> <span class="ft6">In ihrer ursprünglichen Fassung sah die Verfassung des Kantons</span><br/> <span class="ft6">Aargau vom 25. Juni 1980 (KV) vor, dass durch Gesetz kantonale</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsstellen und Gemeindebehörden ermächtigt werden kön-</span><br/> <span class="ft6">nen, geringfügige Bussen auszufällen (§ 99 Abs. 2 KV). Im Zusam-</span><br/> <span class="ft6">menhang mit der Schaffung des StG wurde § 99 KV durch einen</span><br/> <span class="ft6">neuen Abs. 3 ergänzt (Änderung vom 22. Dezember 1998, in Kraft</span><br/> <span class="ft6">seit 1. Januar 2001). Danach kann die Strafkompetenz für die vom</span><br/> <span class="ft6">Bundesrecht vorgesehenen Bussen des Steuerstrafrechts wegen Ver-</span><br/> <span class="ft6">letzung von Verfahrenspflichten und Steuerhinterziehung durch das</span><br/> <span class="ft6">Gesetz den Steuerbehörden und den Verwaltungsgerichten zugewie-</span><br/> <span class="ft6">sen werden. Dass nach der zuvor beschriebenen Regelung des Bus-</span><br/> <span class="ft6">senverfahrens das KStA zuständig ist, Strafbefehle zu erlassen und</span><br/> <span class="ft6">auch Bussen auszufällen (vorne Erw. 1), die zweifellos nicht mehr</span><br/> <span class="ft6">geringfügig im Sinne von § 99 Abs. 2 KV sind, ist durch § 99 Abs. 3</span><br/> <span class="ft6">KV gedeckt.</span><br/> <span class="ft6">2.2.</span><br/> <span class="ft6">Strafen wegen Verletzung von Verfahrenspflichten stellen echte</span><br/> <span class="ft6">kriminalrechtliche Strafen dar, weshalb sich das Steuerstrafverfahren</span><br/> <span class="ft6">nach strafprozessualen Grundsätzen auszurichten hat (Markus Kühni,</span><br/> <span class="ft6">in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, Bd. 2, 2. Aufl., Muri/</span><br/> <span class="ft6">Bern 2004, Vorbem. zu §§ 242-254 N 1 mit Hinweisen). Beim Aus-</span><br/> <span class="ft6">fällen von Strafen handelt es sich um eine richterliche Funktion, die</span><br/> <span class="ft6">grundsätzlich dem Straf<i>richter</i> vorbehalten bleibt (§ 99 Abs. 1 KV).</span><br/> <span class="ft6">Die Ansicht, der Strafbefehl sei als blosser Einigungsvorschlag</span><br/> <span class="ft6">anzusehen, der keine (richterlichen) Tatsachen- oder Schuldfeststel-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">105</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">lungen enthalte (Kühni, a.a.O., Vorbem. zu §§ 242-254 N 10), ist mit</span><br/> <span class="ft6">der gesetzlichen Regelung nicht in Einklang zu bringen. Im schrift-</span><br/> <span class="ft6">lich zu erlassenden Strafbefehl sind u.a. die angeschuldigte Person,</span><br/> <span class="ft6">die Tat und das Verschulden festzuhalten (§ 246 Abs. 1 lit. a, b, d</span><br/> <span class="ft6">StG). Erfolgt keine Einsprache oder wird sie zurückgezogen, wird</span><br/> <span class="ft6">der Strafbefehl rechtskräftig und gilt als <i>Urteil</i> (§ 248 Abs. 1 StG),</span><br/> <span class="ft6">und die ausgefällte Busse ist vollstreckbar. Der in Rechtskraft er-</span><br/> <span class="ft6">wachsene Strafbefehl ist ohne Wenn und Aber ein Strafurteil, was</span><br/> <span class="ft6">eine Qualifikation als "angenommener Einigungsvorschlag" von</span><br/> <span class="ft6">vornherein ausschliesst. Zutreffend ist lediglich, dass der Steuer-</span><br/> <span class="ft6">pflichtige, der sich dem Strafbefehl unterzieht, auf bestimmte Verfah-</span><br/> <span class="ft6">rensgarantien verzichtet (Kühni, a.a.O.). Der in der Strafrechtslehre</span><br/> <span class="ft6">verwendete Begriff "Urteilsvorschlag" (siehe etwa Stefan Trechsel,</span><br/> <span class="ft6">Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. Aufl., Zürich</span><br/> <span class="ft6">1997, Art. 345 N 2) bringt demgegenüber richtig zum Ausdruck, dass</span><br/> <span class="ft6">es sich beim Strafbefehl nicht um eine Einigung über den dem</span><br/> <span class="ft6">Beschuldigten zur Last gelegten Sachverhalt samt rechtlicher Würdi-</span><br/> <span class="ft6">gung, sondern um ein autoritativ ausgefälltes Urteil handelt, sofern</span><br/> <span class="ft6">keine Einsprache erfolgt.</span><br/> <span class="ft6">Zwar lassen sich die verfassungsmässigen Anforderungen an</span><br/> <span class="ft6">Gerichte und gerichtliche Verfahren (vgl. namentlich Art. 30 und 32</span><br/> <span class="ft6">BV) nicht uneingeschränkt auf Strafverfahren vor Verwaltungsbe-</span><br/> <span class="ft6">hörden übertragen; doch sind die dahinter stehenden Grundsätze bei</span><br/> <span class="ft6">der Ausgestaltung des Verfahrens zu beachten, und es sollte nicht</span><br/> <span class="ft6">ohne gute Gründe davon abgewichen werden.</span><br/> <span class="ft6">2.3.</span><br/> <span class="ft6">2.3.1.</span><br/> <span class="ft6">Wird eine Behörde mit einer Vielzahl von Mitarbeitern als zu-</span><br/> <span class="ft6">ständig bezeichnet, Verfügungen zu erlassen, so bedarf es zusätzlich</span><br/> <span class="ft6">einer Regelung, wer innerhalb der Behörde verfügen darf. Dies gilt</span><br/> <span class="ft6">ganz besonders, wenn es um eine (straf-)richterliche Funktion geht.</span><br/> <span class="ft6">Aus dem in Art. 30 BV statuierten Anspruch auf (u.a.) ein "zuständi-</span><br/> <span class="ft6">ges, unabhängiges" Gericht erwächst das Erfordernis, dass das Ge-</span><br/> <span class="ft6">richt - und im Falle des Einzelrichters der Richter bzw. der mit rich-</span><br/> <span class="ft6">terlicher Funktion ausgestattete Mitarbeiter der Behörde - im Voraus</span><br/> <span class="ft6">bestimmt ist und nicht einzelfallweise eingesetzt werden kann (vgl.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">106</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">BGE 123 I 53 ff.; 105 Ia 170 ff.; Reinhold Hotz, in: [St. Galler]</span><br/> <span class="ft6">Kommentar zur schweizerischen Bundesverfassung, Zürich/Basel/</span><br/> <span class="ft6">Genf 2002, Art. 30 N 10).</span><br/> <span class="ft6">Dementsprechend definiert § 5 Abs. 1 StPO im Rahmen der</span><br/> <span class="ft6">Aufzählung der richterlichen Behörden, dass der Bezirksamtmann</span><br/> <span class="ft6">Strafbefehlsrichter ist. Nur dieser (und funktionsbedingt sein Stell-</span><br/> <span class="ft6">vertreter) ist berechtigt, Strafbefehle zu erlassen, nicht aber die wei-</span><br/> <span class="ft6">teren Mitarbeiter des Bezirksamtes, also auch nicht die Untersu-</span><br/> <span class="ft6">chungsrichter, deren Zuständigkeiten auf die Strafuntersuchung be-</span><br/> <span class="ft6">schränkt sind (siehe dazu § 2 Abs. 2 StPO [Fassung vom 2. Juli</span><br/> <span class="ft6">2002] sowie § 3 Organisationsdekrets zur Strafprozessordnung vom</span><br/> <span class="ft6">11. Juni 1974 [SAR 251.110] in der Fassung vom 27. März 2001),</span><br/> <span class="ft6">geschweige denn andere Sachbearbeiter. Dadurch, dass einzig dem</span><br/> <span class="ft6">Bezirksamtmann und seinem Stellvertreter, nicht aber den ihnen un-</span><br/> <span class="ft6">tergeordneten Mitarbeitern die Funktion als Strafbefehlsrichter zu-</span><br/> <span class="ft6">kommt, wird gleichzeitig sichergestellt, dass kein Vorgesetzter mit-</span><br/> <span class="ft6">tels Weisungsbefugnis Einfluss auf die Tätigkeit des Strafbefehlsrich-</span><br/> <span class="ft6">ters im Einzelfall nehmen kann (was darauf hinausliefe, dass der Ent-</span><br/> <span class="ft6">scheid nicht durch den gesetzlich vorgesehenen [Strafbefehls-]</span><br/> <span class="ft6">Richter, sondern durch eine ihm übergeordnete Person gefällt wird).</span><br/> <span class="ft6">2.3.2.</span><br/> <span class="ft6">Weder das StG noch die StGV bestimmen, wem (innerhalb des</span><br/> <span class="ft6">KStA) die Funktion des Strafbefehlsrichters zukommt, was ange-</span><br/> <span class="ft6">sichts der Bedeutung dieser Funktion einen Mangel darstellt. Es ist</span><br/> <span class="ft6">zu prüfen, ob sich in anderen Erlassen eine ausreichende Regelung</span><br/> <span class="ft6">findet.</span><br/> <span class="ft6">2.3.3.</span><br/> <span class="ft6">2.3.3.1.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss § 31 OrgG unterzeichnen der Vorsteher des Departe-</span><br/> <span class="ft6">ments oder der Generalsekretär die Verfügungen und Entscheide des</span><br/> <span class="ft6">Departements (Abs. 1), wobei die Departemente weitere Personen</span><br/> <span class="ft6">für deren Aufgabenkreise zur Unterzeichnung ermächtigen können</span><br/> <span class="ft6">(Abs. 2; Fassung vom 11. Januar 2005). Die Ämter, zu deren Schaf-</span><br/> <span class="ft6">fung der Regierungsrat zuständig ist (§ 32 Abs. 1 OrgG), handeln in</span><br/> <span class="ft6">dem ihnen übertragenen Bereich in eigenem Namen, unter Aufsicht</span><br/> <span class="ft6">des Departements, dem sie zugeteilt sind (§ 32 Abs. 2 OrgG). Dies</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">107</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">bedeutet, dass in diesem Bereich der Amtsvorsteher zur Unterzeich-</span><br/> <span class="ft6">nung berechtigt ist, dazu in Analogie zu § 31 Abs. 2 OrgG die weite-</span><br/> <span class="ft6">ren, zur Unterzeichnung in ihrem Aufgabenkreis ermächtigten Per-</span><br/> <span class="ft6">sonen (wobei hier offen bleiben kann, ob die Ermächtigung auch hier</span><br/> <span class="ft6">ausschliesslich durch den Departementsvorsteher und seinen Gene-</span><br/> <span class="ft6">ralsekretär erteilt werden kann oder - näherliegend - ebenfalls durch</span><br/> <span class="ft6">den Amtsvorsteher). Über die Unterzeichnungsberechtigung ist eine</span><br/> <span class="ft6">Liste zu führen, die von den Rechtsunterworfenen eingesehen wer-</span><br/> <span class="ft6">den kann, da diese nur so klären können, ob eine sie betreffende Ver-</span><br/> <span class="ft6">fügung in Beachtung der geltenden Verfügungs- bzw. Unterzeich-</span><br/> <span class="ft6">nungsbefugnisse erlassen wurde.</span><br/> <span class="ft6">2.3.3.2.</span><br/> <span class="ft6">S., die Sachbearbeiterin bei der Sektion Bezug des KStA, wel-</span><br/> <span class="ft6">che den Strafbefehl vom 2. November 2006 unterzeichnete, ist in der</span><br/> <span class="ft6">dem Verwaltungsgericht vom Rechtsdienst des DFR eingereichten</span><br/> <span class="ft6">Liste mit den unterschriftsberechtigten Personen des KStA nicht ver-</span><br/> <span class="ft6">zeichnet. Es scheinen auch Zweifel darüber zu bestehen, welche Be-</span><br/> <span class="ft6">deutung der genannten Liste zukommt. Das KStA macht in seiner</span><br/> <span class="ft6">Stellungnahme vom 17. Dezember 2007 geltend, der Departements-</span><br/> <span class="ft6">vorsteher habe bislang - nicht nur im Bereich des Steuerwesens -</span><br/> <span class="ft6">darauf verzichtet, den Kreis der unterschriftsberechtigten Personen</span><br/> <span class="ft6">mittels einer formellen schriftlichen Ermächtigung zu bestimmen.</span><br/> <span class="ft6">Die Unterzeichnung von Verfügungen durch die Mitarbeitenden des</span><br/> <span class="ft6">KStA innerhalb ihres jeweiligen Aufgabenkreises stelle aber einen</span><br/> <span class="ft6">jahrzehntelangen Usus dar, der die zumindest stillschweigende Dul-</span><br/> <span class="ft6">dung des zuständigen Departementsvorstehers geniesse. In einem</span><br/> <span class="ft6">persönlichen Schreiben vom 12. Dezember 2007 bestätigt der De-</span><br/> <span class="ft6">partementsvorsteher diese Darstellung; selbstverständlich sei die Un-</span><br/> <span class="ft6">terzeichnung derartiger Verfügungen und Entscheide mit seinem</span><br/> <span class="ft6">Wissen und seiner Duldung erfolgt.</span><br/> <span class="ft6">Dies ist klarerweise unzureichend. In Anbetracht des Umstands,</span><br/> <span class="ft6">dass interne Versetzungen (auch vorübergehende, beispielsweise zum</span><br/> <span class="ft6">Ausgleich der Arbeitsbelastung) praktisch uneingeschränkt möglich</span><br/> <span class="ft6">sind, würde dies nämlich bedeuten, dass potentiell sämtlichen Mitar-</span><br/> <span class="ft6">beitern des KStA strafrichterliche Funktionen zugeteilt werden könn-</span><br/> <span class="ft6">ten, selbst ohne Wissen des Departementsvorstehers, aber mit seiner</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">108</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">"stillschweigenden Duldung". Der bisherige Usus führte denn auch</span><br/> <span class="ft6">dazu, dass, anders als im Strafbefehlsverfahren gemäss StPO, die</span><br/> <span class="ft6">Funktion des Strafbefehlsrichters des KStA auf Sachbearbeiterebene</span><br/> <span class="ft6">angesiedelt wurde, was (wie im Hinblick auf die in Aussicht</span><br/> <span class="ft6">genommene Regelung festzuhalten ist) überaus fragwürdig erscheint,</span><br/> <span class="ft6">muss der Strafbefehlsrichter des KStA doch u.a. das Verschulden</span><br/> <span class="ft6">feststellen und gewichten (§ 246 Abs. 1 lit. d StG) und bei der Straf-</span><br/> <span class="ft6">zumessung die allgemeinen Bestimmungen des StGB anwenden</span><br/> <span class="ft6">(§ 246 Abs. 2 StG).</span><br/></div> </div> </body> </html>