<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 85 S.361</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Disziplinarrecht (Anwälte, Notare)</span> <span class="page_no">361</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>XI. Disziplinarrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>85</b></span> <span class="ft2"><b>Entzug des Rechts zur Berufsausübung als Anwalt.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Übergangsrecht: Verhältnis des kantonalen Anwaltsgesetzes zum</b></span><br/> <span class="ft2"><b>BGFA (Erw. 1).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Der Entzug des Rechts zur Berufsausübung ist verhältnismässig,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wenn der Anwalt nach seinem bisherigen Verhalten nicht mehr ver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>trauenswürdig ist und eine Disziplinarstrafe keine dauerhafte Besse-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rung verspricht (Erw. 2-5).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 18. September 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen Fürsprecher X. gegen Entscheid der Anwaltskommission.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">Die Anwaltskommission entzog Fürsprecher X. das Recht zur</span><br/> <span class="ft5">Berufsausübung. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsgericht abgewiesen.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1. Am 1. Juni 2002 ist das Bundesgesetz über die Freizügigkeit</span><br/> <span class="ft5">der Anwältinnen und Anwälte (BGFA; SR 935.61) vom 23. Ju-</span><br/> <span class="ft5">ni 2000 in Kraft getreten. Dieses enthält keine übergangsrechtliche</span><br/> <span class="ft5">Regelung bezüglich des anwendbaren Rechts auf hängige Diszipli-</span><br/> <span class="ft5">narverfahren. Es verwirklicht einerseits die Freizügigkeit der Anwäl-</span><br/> <span class="ft5">tinnen und Anwälte mit Hilfe von kantonalen Registern; andererseits</span><br/> <span class="ft5">vereinheitlicht es als Folge dieser Freizügigkeit gewisse Aspekte der</span><br/> <span class="ft5">Ausübung</span> <span class="ft5">des Anwaltsberufs,</span> <span class="ft5">insbesondere</span> <span class="ft5">im</span> <span class="ft5">Bereich</span> <span class="ft5">der</span><br/> <span class="ft5">Berufsregeln und Disziplinaraufsicht. Die Anwaltstätigkeit wird</span><br/> <span class="ft5">dadurch aber nicht abschliessend normiert. Den Kantonen bleibt das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">362</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Recht gewahrt, die Anforderungen an den Erwerb des Anwaltspa-</span><br/> <span class="ft5">tents festzulegen (Art. 3 Abs. 1 BGFA). Sie sind bei der Umschrei-</span><br/> <span class="ft5">bung dieser persönlichen und fachlichen Voraussetzungen an sich</span><br/> <span class="ft5">frei; das BGFA umschreibt lediglich die minimalen Voraussetzungen,</span><br/> <span class="ft5">damit ein kantonales Anwaltspatent in der ganzen Schweiz anerkannt</span><br/> <span class="ft5">werden muss (Isaak Meier, Bundesanwaltsgesetz - Probleme in der</span><br/> <span class="ft5">Praxis, in: Plädoyer 2000, S. 31 f.). Da es im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft5">letztlich um eine Disziplinar<i>massnahme</i> bzw. um die Frage geht, ob</span><br/> <span class="ft5">der Beschwerdeführer die persönlichen Voraussetzungen für eine</span><br/> <span class="ft5">einwandfreie Berufsausübung noch erfüllt, stellt sich die Frage nach</span><br/> <span class="ft5">dem intertemporalen Recht auf Grund der besagten Weitergeltung</span><br/> <span class="ft5">des grundsätzlich strengeren, kantonalen Rechts nicht. (Wie es sich</span><br/> <span class="ft5">mit dem intertemporalen Recht bei der Verhängung von Disziplinar-</span><br/> <span class="ft4"><i>strafen</i> verhält, ist hier nicht zu prüfen.)</span><br/> <span class="ft5">Zur Anwendbarkeit des kantonalen Rechts kommt man auch,</span><br/> <span class="ft5">wenn man auf die allgemeinen Grundsätze zur Anwendung neuen</span><br/> <span class="ft5">Rechts auf hängige Verfahren abstellt. Danach ist auf hängige Ver-</span><br/> <span class="ft5">fahren grundsätzlich das Recht anwendbar, welches im Zeitpunkt des</span><br/> <span class="ft5">erstinstanzlichen Entscheids in Kraft war. Eine Ausnahme ist nur</span><br/> <span class="ft5">dann zu machen, wenn sich die Anwendung des neuen Rechts aus</span><br/> <span class="ft5">zwingenden Gründen, vor allem um der öffentlichen Ordnung willen</span><br/> <span class="ft5">aufdrängt (BGE 125 II 598; AGVE 1999, S. 148 f.; Ulrich Häfe-</span><br/> <span class="ft5">lin/Georg Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts,</span><br/> <span class="ft5">3. Auflage, Zürich 1998, Rz. 263 ff. mit Hinweisen). Solche zwin-</span><br/> <span class="ft5">genden Gründe sind vorliegend nicht auszumachen, zumal das BGFA</span><br/> <span class="ft5">in erster Linie die Freizügigkeit der Anwälte und nicht den Schutz</span><br/> <span class="ft5">des Publikums bezweckt.</span><br/> <span class="ft5">2. a) Verstösse von Anwälten gegen die ihnen obliegenden</span><br/> <span class="ft5">Pflichten können durch die Anwaltskommission disziplinarisch be-</span><br/> <span class="ft5">straft werden (§ 23, § 28 AnwG), und zwar, unter Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft5">der Schwere der Verfehlung und allfälliger früherer Disziplinarstra-</span><br/> <span class="ft5">fen, mit Verweis, Busse bis Fr. 5'000.--, Einstellung im Recht zur</span><br/> <span class="ft5">Berufsausübung auf eine Dauer bis zu drei Jahren und mit dem Ent-</span><br/> <span class="ft5">zug des Rechtes zur Berufsausübung (§ 28 Abs. 2 AnwG).</span><br/> <span class="ft5">Das Recht zur Berufsausübung kann durch die Anwaltskommis-</span><br/> <span class="ft5">sion nach § 32 Abs. 1 AnwG auch im Sinne einer Massnahme entzo-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Disziplinarrecht (Anwälte, Notare)</span> <span class="page_no">363</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">gen werden, wenn die Voraussetzungen zur einwandfreien Berufs-</span><br/> <span class="ft5">ausübung nicht mehr erfüllt sind, so namentlich bei Verurteilungen</span><br/> <span class="ft5">wegen Verbrechen und Vergehen, sofern die Art und Schwere der Tat</span><br/> <span class="ft5">sowie das Verschulden den Anwalt als nicht mehr vertrauenswürdig</span><br/> <span class="ft5">erscheinen lassen (lit. a), bei verschuldeter fruchtloser Pfändung oder</span><br/> <span class="ft5">Konkurseröffnung (lit. b), bei Fehlen der vorgeschriebenen Berufs-</span><br/> <span class="ft5">haftpflichtversicherung (lit. c) sowie generell, wenn ein Anwalt of-</span><br/> <span class="ft5">fensichtlich unfähig geworden ist, den Beruf auszuüben (lit. d). Mit</span><br/> <span class="ft5">dem Kriterium der mangelnden Vertrauenswürdigkeit rückt das Ge-</span><br/> <span class="ft5">setz § 32 Abs. 1 lit. a AnwG in die Nähe der offensichtlichen</span><br/> <span class="ft5">Unfähigkeit im Sinne von lit. d dieser Bestimmung.</span><br/> <span class="ft5">b) Die Vorinstanz stützte ihren Entscheid auf § 32 Abs. 1 lit. a</span><br/> <span class="ft5">AnwG. Sie begründete dies einerseits mit konkreten Vorfällen, ande-</span><br/> <span class="ft5">rerseits mit der prekären finanziellen Situation und der Unfähigkeit,</span><br/> <span class="ft5">die Geschäftstätigkeit als selbstständiger Anwalt sinnvoll und effizi-</span><br/> <span class="ft5">ent zu organisieren, was zum Verlust der Vertrauenswürdigkeit ge-</span><br/> <span class="ft5">führt habe.</span><br/> <span class="ft5">4. a) Mit der rechtskräftigen Verurteilung wegen Betrugs ist die</span><br/> <span class="ft5">entsprechende Voraussetzung des § 32 Abs. 1 lit. a AnwG (Verurtei-</span><br/> <span class="ft5">lung wegen eines Verbrechens) unstreitig erfüllt. Der Vorfall belastet</span><br/> <span class="ft5">den Beschwerdeführer stark. Zwar bezeichnete das Obergericht sein</span><br/> <span class="ft5">Verschulden, weil er keine eigenen finanziellen Interessen verfolgte,</span><br/> <span class="ft5">sondern im (vermeintlichen) Interesse seiner Mandantin handelte,</span><br/> <span class="ft5">noch als relativ leicht. Es betonte aber gleichzeitig, er habe seine</span><br/> <span class="ft5">Vertrauensstellung als Anwalt schamlos ausgenützt. Dies ist im</span><br/> <span class="ft5">Rahmen von § 32 Abs. 1 lit. a AnwG von erheblicher Bedeutung,</span><br/> <span class="ft5">geht es doch darum, ob die Straftat den Anwalt als nicht mehr ver-</span><br/> <span class="ft5">trauenswürdig erscheinen lässt.</span><br/> <span class="ft5">b) In den Fällen M. und A. verfügte der Beschwerdeführer über</span><br/> <span class="ft5">Klientengelder. Er entging der Verurteilung (sc. wegen Veruntreu-</span><br/> <span class="ft5">ung) einzig deshalb, weil das Obergericht seine Ersatzbereitschaft</span><br/> <span class="ft5">(vgl. Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkom-</span><br/> <span class="ft5">mentar, 2. Auflage, Zürich 1997, Art. 138 N 17) bejahte. Jedenfalls</span><br/> <span class="ft5">aber verletzte der Beschwerdeführer seine Pflichten als Anwalt.</span><br/> <span class="ft5">Schon dass er die Zahlungen auf sein eigenes Postkonto leitete, war</span><br/> <span class="ft5">fragwürdig angesichts der Verpflichtung, anvertraute Klientengelder</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">364</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">besonders sorgfältig aufzubewahren, nicht für eigene Zwecke zu</span><br/> <span class="ft5">verwenden und ohne Verzug weiterzuleiten (§ 12 der Standesregeln</span><br/> <span class="ft5">des</span> <span class="ft5">Aargauischen</span> <span class="ft5">Anwaltsverbandes</span> <span class="ft5">[StaRe],</span> <span class="ft5">Fassung</span> <span class="ft5">vom</span><br/> <span class="ft5">22. Mai 1997; Giovanni Andrea Testa, Die zivil- und standesrechtli-</span><br/> <span class="ft5">chen Pflichten des Rechtsanwaltes gegenüber dem Klienten, Diss.</span><br/> <span class="ft5">Zürich 2001, S. 185). Dass er zunächst die Weiterleitung (zumindest</span><br/> <span class="ft5">soweit die erhaltenen Beträge einen angemessenen Kostenvorschuss</span><br/> <span class="ft5">überstiegen) und dann die Abrechnung (vgl. § 21 AnwG; Testa,</span><br/> <span class="ft5">a.a.O., S. 204) trotz mehrfacher Mahnungen in völlig unzumutbarer,</span><br/> <span class="ft5">pflichtvergessener Weise verschleppte, bedarf keiner weiteren Be-</span><br/> <span class="ft5">gründung...</span><br/> <span class="ft5">Besonders bedenklich wirkt der Umstand, dass der Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführer auf diese Weise Klienten "hängen liess", die sich schlecht</span><br/> <span class="ft5">zur Wehr setzen konnten, Frau M. und Frau H. wegen Unbeholfen-</span><br/> <span class="ft5">heit, Herr A. wegen seines ausländischen Wohnsitzes. Dabei wird</span><br/> <span class="ft5">nicht übersehen, dass es namentlich beim Letzteren auch dem Ein-</span><br/> <span class="ft5">satz des Beschwerdeführers zu verdanken sein dürfte, wenn er über</span><br/> <span class="ft5">die Wiederaufnahme des Strafverfahrens zu einer ansehnlichen Haft-</span><br/> <span class="ft5">entschädigung gelangte, doch gab auch dieser Umstand dem Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführer selbstverständlich nicht das Recht, das erstrittene</span><br/> <span class="ft5">Geld seinem Klienten über so lange Zeit vorzuenthalten. Ebenso</span><br/> <span class="ft5">bedenklich ist die Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer über</span><br/> <span class="ft5">Bitten und Mahnungen seiner Klienten hinwegsetzte und die Sache</span><br/> <span class="ft5">erst in Ordnung brachte, als behördliche Verfahren eingeleitet wor-</span><br/> <span class="ft5">den waren und ihm das Wasser bis zum Halse stand. Im Fall A.</span><br/> <span class="ft5">kommt erschwerend hinzu, dass der Beschwerdeführer die Auszah-</span><br/> <span class="ft5">lung davon abhängig machte, dass der Klient seine (auf Grund der</span><br/> <span class="ft5">Akten jedenfalls nicht über alle Zweifel erhabene) Honorarrechnung</span><br/> <span class="ft5">akzeptiere, was ein krass standeswidriges Verhalten darstellt.</span><br/> <span class="ft5">c) Fruchtlose Pfändung oder Konkurseröffnung ist ein eigener</span><br/> <span class="ft5">Grund zum Entzug der Berufsausübungsbewilligung, sofern der An-</span><br/> <span class="ft5">walt nicht nachweist, dass er ohne erhebliches Verschulden zah-</span><br/> <span class="ft5">lungsunfähig geworden ist (§ 32 Abs. 1 lit. b AnwG). Nachdem die</span><br/> <span class="ft5">Vorinstanz von der Existenz zweier Verlustscheine erfahren hatte,</span><br/> <span class="ft5">leitete sie ein Verfahren ein und forderte den Beschwerdeführer auf,</span><br/> <span class="ft5">mitzuteilen, aus welchen Gründen er zahlungsunfähig geworden sei,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Disziplinarrecht (Anwälte, Notare)</span> <span class="page_no">365</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">und sich über seine momentane Schuldensituation auszuweisen. Der</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführer liess die auf sein Ersuchen hin erstreckte Frist</span><br/> <span class="ft5">reaktionslos verstreichen. Bei Ablauf der neu angesetzten letzten</span><br/> <span class="ft5">Frist teilte er lediglich mit, die ausgestellten Verlustscheine seien</span><br/> <span class="ft5">durch Verrechnung mit Guthaben aus BVG getilgt worden; die neuen</span><br/> <span class="ft5">Betreibungen würden nicht zu Verlustscheinen führen; Grund für die</span><br/> <span class="ft5">momentane Illiquidität seien u.a. grössere Debitorenverluste gewesen</span><br/> <span class="ft5">(die er indessen in keiner Weise belegte), die er künftig zu vermeiden</span><br/> <span class="ft5">trachte. Er bemühte sich mit anderen Worten nicht einmal um den</span><br/> <span class="ft5">Nachweis, dass die Zahlungsunfähigkeit ohne erhebliches Verschul-</span><br/> <span class="ft5">den eingetreten sei. Im Weiteren kann keine Rede davon sein, dass er</span><br/> <span class="ft5">sich nachher mit Erfolg um eine Verbesserung seiner finanziellen</span><br/> <span class="ft5">Situation bemüht hätte. Vielmehr ergibt sich aus dem eingeholten</span><br/> <span class="ft5">Betreibungsregisterauszug, dass er es auch seither bei Steuerschulden</span><br/> <span class="ft5">und Schulden gegenüber der Sozialversicherungsanstalt jeweils bis</span><br/> <span class="ft5">zur Verdienstpfändung kommen liess.</span><br/> <span class="ft5">5. a) Eine Disziplinarstrafe im Sinne von § 28 AnwG, wie sie</span><br/> <span class="ft5">vom Beschwerdeführer beantragt wird, kann von vornherein nur in</span><br/> <span class="ft5">Betracht kommen, wenn zu erwarten ist, dass sich der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führer in Zukunft einwandfrei verhalten wird.</span><br/> <span class="ft5">(...) Das klare Resultat der während des Strafverfahrens (sc.</span><br/> <span class="ft5">durch den Verteidiger und die Berater des Beschwerdeführers) ein-</span><br/> <span class="ft5">geleiteten Abklärungen und Massnahmen war, dass der Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführer die selbstständige Berufstätigkeit aufgeben müsse. Zu dieser</span><br/> <span class="ft5">Erkenntnis sei er nun auch selber gelangt. Der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft5">bestätigte dies in der Folge auch wiederholt gegenüber der Vorins-</span><br/> <span class="ft5">tanz. Als es Ernst galt, kam er jedoch auf seine früheren Erklärungen</span><br/> <span class="ft5">zurück und führte aus, er könne sich nicht dazu durchringen, auf die</span><br/> <span class="ft5">Berufsausübungsbewilligung als Anwalt zu verzichten. Dabei wird</span><br/> <span class="ft5">sicher die Schwierigkeit, eine neue berufliche Existenz aufzubauen,</span><br/> <span class="ft5">eine Rolle gespielt haben; vor allem anderen aber wäre die Aufgabe</span><br/> <span class="ft5">der selbstständigen Anwaltstätigkeit für den Beschwerdeführer ein</span><br/> <span class="ft5">Beweis seines Scheiterns, was er letztlich nicht akzeptieren kann.</span><br/> <span class="ft5">c) Das dem Beschwerdeführer vorgeworfene standeswidrige</span><br/> <span class="ft5">Verhalten erscheint nicht primär als Ausfluss einer unehrenhaften</span><br/> <span class="ft5">Gesinnung, sondern vielmehr als persönlichkeitsadäquate Reaktion</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">366</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">auf die lange währende Überforderungssituation. Der Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführer konnte sich und seiner Umgebung die Erfolglosigkeit, auch</span><br/> <span class="ft5">in finanzieller Hinsicht, nicht eingestehen und flüchtete sich in Ver-</span><br/> <span class="ft5">drängungsmechanismen. Diese hinderten ihn erst recht an der kor-</span><br/> <span class="ft5">rekten Abwicklung der finanziellen Angelegenheiten (...).</span><br/> <span class="ft5">Wenn das standeswidrige Verhalten derart klar als persönlich-</span><br/> <span class="ft5">keitsadäquat erscheint, kann schlechterdings nicht erwartet werden,</span><br/> <span class="ft5">durch eine Disziplinarstrafe eine Besserung zu erreichen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>