Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. Oktober 2013 (720 13 11 / 234) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Beitragspflichtiger Lohn; Nachweis von geltend gemachten Unkosten Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ sa , Beschwerdefü hrerin gegen Ausgleichskasse Arbeitgeber Basel , Viaduktstrasse 42, Postfach , 4002 Basel, Beschwerdegegnerin Beigeladener B.____ , vertreten durch Dr. Hans Münch , Rechtsanwalt , Fal k- nerstrasse 36, Postfach 175, 4001 Basel Betreff Beiträge (1'118'223/781.50) A. Die A.____ sa rechnet ihre AHV/IV/EO/ALV-Beiträge über die Ausgleichskasse Arbeit- geber Basel (Ausgleichskasse) ab. Die Ausgleichskasse liess im September 2008 eine Arbeit- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht geberkontrolle bei der genannten Firma durchführen un d verpflichtete diese mit Verfügung vom 10. Oktober 2008 zur Nachzahlung von Fr. 13‘449.65 für ausstehende AHV/IV/EO/ALV/FAK- Beiträge und Verwaltungskosten für den Zeitraum vom 16 . September 2004 bis zum 31. Dezember 2007. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Im Oktober 2012 liess die Ausgleichskasse erneut eine Arbeitgeberkontrolle durchführen. Gestützt auf den Be- richt ihrer Revisionsstelle vom 22. Oktober 2012 verpflic htete die Ausgleichskasse die A.____ sa mit Verfügung vom 25. Oktober 2012 zur nachträgliche n Zahlung von Fr. 27'273.25, wobei sich diese Forderung aus AHV/IV/EO/ALV/FAK-Beiträgen u nd Verwaltungskosten für den Zeit- raum vom 1. Januar 2008 bis 31. Dezember 2011 in der Höhe von Fr. 23'341.45 sowie Ver- zugszinsen in der Höhe von Fr. 3'931.80 zusammensetzte. Ein e dagegen von der A.____ sa erhobene Einsprache vom 19. November 2012 wies die Ausgl eichskasse mit Entscheid vom 7. Dezember 2012 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob B.____ namens der A.____ sa am 16. Januar 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte sinngemäss die Aufhebung oder Reduktion der verfügten Beitragsnachzahlung. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, da ss die an B.____ gerichteten Geldbe- träge keinen massgeblichen Lohn darstellten, sondern viel mehr zum allergrössten Teil für die Geschäftstätigkeit der Firma C.____ in Thailand verwen det worden seien. Die Beschwerdefüh- rerin bat um die Gelegenheit, die entsprechenden Belege in Thailand erhältlich zu machen. C. Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Verneh mlassung vom 11. Februar 2013 die Abweisung der Beschwerde. Die vorliegend interessierend en Honorarbezüge seien ab Oktober 2009 als massgebender Lohn abgerechnet worden, im Zeit raum vom Januar 2008 bis Septem- ber 2009 jedoch nicht. Die Beschwerdeführerin könne fe rner mit keinem Dokument belegen, dass die Bezüge Unkostenersatz dargestellt hätten. Vielmeh r seien die regelmässigen monatli- chen Zahlungen in der Buchhaltung als "Beratungshonora r" bezeichnet worden. In formeller Hinsicht brachte sie ausserdem vor, dass B.____ seit dem 10 . Januar 2013 nicht mehr als Ver- waltungsrat der Beschwerdeführerin im Handelregister eingetragen und somit nicht mehr für die Beschwerdeführerin zeichnungsberechtigt sei. Als Beschwe rde des direkt Betroffenen könne die Eingabe jedoch entgegengenommen werden. D. Mit Replik vom 25. Februar 2013 bekräftigte B.____ unter Hinweis auf die Vereinbarun- gen im Kaufvertrag betreffend die A.____ sa seine Le gitimation zur Beschwerdeerhebung für die Beschwerdeführerin. Der Eingabe wurde ferner eine Bestätigung der Zahlung von Miete inklusive Telefonanschluss sowie einer Mietzinskaution für eine thailändische Liegenschaft vom 28. Juni 2006 eingereicht. Mit Eingabe vom 11. März 20 13 reichte B.____ weitere Unterlagen ein, namentlich einen Mietvertrag für eine Liegenschaft in Bangkok, Quittungen betreffend die Zahlungen für Büroeinrichtungen und –material sowie ve rschiedene Projektunterlagen betref- fend die Tätigkeit der A.____ sa und der Firma C.____. E. In ihrer Duplik vom 22. März 2013 hielt die Beschwe rdegegnerin an ihren Ausführungen vollumfänglich fest. Dem eingereichten Kaufvertrag bet reffend die A.____ sa könne nicht ent- nommen werden, dass B.____ zur Vertretung der Firma vor Gericht befugt sei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Mit Schreiben vom 8. Mai 2013 erteilte D.____ als ze ichnungsberechtigter Verwaltungs- rat der A.____ sa B.____ eine Prozessvollmacht für den vorliegenden Rechtsstreit. G. Mit Verfügung vom 14. Mai 2013 stellte das Kanton sgericht die nachträgliche Bevoll- mächtigung von B.____ durch die Beschwerdeführerin fes t und lud ihn, nunmehr vertreten durch Dr. Hans Münch, Rechtsanwalt, als Privatperson und p otentiell betroffenen Arbeitnehmer dem Verfahren bei. H. Mit Eingabe vom 2. Juli 2013 nahm der Beigeladene zur vorliegend strittigen Angele- genheit Stellung und beantragte, es seien die der Be itragspflicht unterliegenden Nettobezüge von B.____ für das Jahr 2008 auf Fr. 48'208.– und für das Jahr 2009 (Januar bis September) auf Fr. 60'156.– zu reduzieren sowie die Beiträge dur ch die Ausgleichskasse neu zu berechnen. Ausserdem sei dem Beigeladenen eine (allenfalls reduzi erte) Parteientschädigung zuzuspre- chen. Da der Beigeladene selbst als Vertreter der Beschwe rdeführerin auftrete, schliesse sich diese den geänderten Anträgen an. Zur Begründung wurde vorgebracht, dass die Bezüge durch den Beigeladenen zwar allesamt den Ersatz für Auslagen darstellten, welche die Firma betra- fen. Diese Auslagen könnten nachträglich jedoch nicht me hr vollumfänglich rekonstruiert wer- den. Belegt seien indessen die Mietkosten für die Bürolokalität und für ein Wohnappartement. I. Die Beschwerdegegnerin nahm mit Eingabe vom 9. Juli 2013 zur beantragten Reduktion der beitragspflichtigen Bezüge Stellung und hielt we iterhin vollumfänglich am angefochtenen Entscheid fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über das Allgemeine Sozialversiche- rungsrecht (ATSG) vom 1. Oktober 2000, dessen Bestimmungen laut Art. 2 ATSG in Verbin- dung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alt ers- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember auf die Alters- und Hinterlass enenversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Ausgleichskassen beim zuständigen kantonalen Versi- cherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Örtlich zustän dig ist, soweit es sich nicht um einen Einspracheentscheid einer kantonalen Ausgleichskasse handelt, grundsätzlich nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. In Fr agen der Beitragspflicht sind jedoch Arbeitnehmende und Arbeitgeber gleichermassen zur Beschwerde legitimiert. Bei beitragsrecht- lichen Streitigkeiten im Bereich der paritätischen AHV -Beiträge fällt deshalb rechtsprechungs- gemäss bei der Beurteilung der örtlichen Zuständigkei t nicht nur der Wohnsitzgerichtsstand, sondern auch der Sitz der Arbeitgeberin in Betracht (v gl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 58 Rz. 13). Vorliegend befindet sich der Sitz der Beschwerdeführe- rin in Therwil, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu be- jahen ist. Im Kanton Basel-Landschaft ist gemäss § 54 Ab s. 1 lit. a des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezem ber 1993 das Kantonsge- richt, Abteilung Sozialversicherungsrecht, als einzige geri chtliche Instanz für Beschwerden ge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen Verfügungen einer Ausgleichskasse zuständig. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übri gen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist demzufolge einzutreten. 2. Erlässt eine Ausgleichskasse auf dem Gebiet der paritä tischen Beiträge eine Verfügung, so stellt sie eine Beitragsschuld sowohl des Arbeitsgebers als auch des Arbeitnehmers fest (Art. 4 und 5 sowie Art. 12 und 13 AHVG). Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind in gleicher Weise betroffen, weshalb die Verfügung im Hinblick auf die W ahrung des rechtlichen Gehörs grund- sätzlich beiden zu eröffnen ist. Nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts (EVG, seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozia lrechtliche Abteilungen) gilt dieser Grundsatz nicht nur, wenn das Beitragsstatut oder die Na tur einzelner Zahlungen streitig ist, sondern auch bei nachträglichen Lohnerfassungen, wenn umst ritten ist, ob bestimmte Vergü- tungen zum massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG gehören (BGE 113 V 4 E 3a; Urteil des EVG vom 4. Juni 2002, H 50/02, E. 2a). Hat die Ausgleichskasse die Beitragsver- fügung nur dem Arbeitgeber eröffnet und hat dieser Beschwerde erhoben, so hat das kantonale Versicherungsgericht entweder den Arbeitnehmer beizuladen oder die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen, damit diese durch Zustellung der Beitragsve rfügung an den oder die betroffe- nen Arbeitnehmer deren Verfahrensrechte wahrt (BGE 113 V 5 E. 4a). Anhand der dem Gericht vorliegenden Akten ist davon auszugehen, dass die Ausgleich skasse die Beitragsverfügung vom 25. Oktober 2012 einzig der heutigen Beschwerdefüh rerin als Arbeitgeberin zugestellt und von einer zusätzlichen Eröffnung an den mitbetroffenen B.____ abgesehen hat. Da B.____ in- dessen zum Zeitpunkt der Verfügungseröffnung (einziger) Verwaltungsrat und Geschäftsführer der betroffenen AG war, hatte er frühzeitig und ausr eichend Kenntnis von der strittigen Bei- tragsverfügung. So hat er namens der A.____ sa die entsprechenden Rechtsmittel ergriffen. Da B.____ als betroffener Arbeitnehmer ausserdem zum vorli egenden Verfahren beigeladen wur- de, sind seine Beteiligungsrechte genügend gewahrt. 3. Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Besch werdegegnerin die an den Beigelade- nen ausbezahlten monatlichen Beträge zu Recht als massgeb lichen Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG qualifiziert und der paritätischen Beitrags pflicht unterstellt hat bzw. ob von diesen Beträgen ein Abzug für die Kosten einer Geschäfts- und Wohnungsmiete vorgenommen wer- den muss. Zu Recht ist unter den Parteien nicht umstritt en, dass die Beschwerdeführerin und der Beigeladene grundsätzlich in der Schweiz beitragspflichtig sind. Selbst wenn der zivilrechtli- che Wohnsitz des Beigeladenen als Arbeitnehmer in der Sc hweiz nicht gegeben wäre (Art. 1 Abs. 1 lit. a AHVG) – was aufgrund der Beibehaltung einer Wohnung in Basel nicht ohne Weite- res zu verneinen ist –, ist der Beigeladene jedenfalls al s in der Schweiz erwerbstätig anzusehen (Art. 1 Abs. 1 lit. b AHVG). Aufgrund der Tätigkeit d es Beigeladenen als (einziger) Verwaltungs- rat und Geschäftsführer der Beschwerdeführerin sowie aufgrund der regelmässigen Aufenthalte in der Schweiz in den vorliegend interessierenden Jahre n ist der Mittelpunkt des wirtschaftli- chen Sachverhalts, welcher der Tätigkeit des Beigeladen en erwerblichen Charakter verleiht, im Inland zu sehen (vgl. H ANSPETER KÄSER , Unterstellung und Beitragswesen in der obligatori- schen AHV, 2. Auflage, Bern 1996, Rz. 1.34 ff.; vgl. au ch: AHI-Praxis 1999, S. 20 ff.; E. 5b und 6). Dafür spricht insbesondere auch, dass die Lohnzahlun gen des Beigeladenen durch die Be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführerin erfolgten, die ihren Sitz in der Schwe iz hat (vgl. KÄSER , a.a.O., Rz. 1.32; AHI- Praxis 1999, S. 21, E. 5b). 3.1 Gemäss Art. 5 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 14 Ab s. 1 AHVG werden vom Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit Beiträge erhobe n. Als für die Beitragserhebung mass- gebender Lohn gilt dabei nach Art. 5 Abs. 2 AHVG jede s Entgelt für in unselbstständiger Stel- lung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit. Zum massgebenden Lohn gehören begrifflich sämtliche Bezüge der Arbeitnehmerin und des Arbeitnehmers, die wirtschaftlich mit dem Arbeitsverhältnis zusammenhängen, gleichgültig, ob dieses Verhältnis fortbesteht oder gelöst worden ist und ob die Leistungen geschuldet we rden oder freiwillig erfolgen. Als bei- tragspflichtiges Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit gilt somit nicht nur unmittel- bares Entgelt für geleistete Arbeit, sondern grundsätzlich jede Entschädigung oder Zuwendung, die sonst wie aus dem Arbeitsverhältnis bezogen wird, sowe it sie nicht kraft ausdrücklicher ge- setzlicher Vorschrift von der Beitragspflicht ausgenommen ist (BGE 133 V 558 E. 4, 126 V 222 E. 4a; je mit Hinweisen). Gemäss Art. 5 Abs. 2 Satz 2 AH VG umfasst der massgebende Lohn auch Teuerungs- und andere Lohnzulagen, Provisionen, G ratifikationen, Naturalleistungen, Fe- rien- und Feiertagsentschädigungen und ähnliche Bezüge , ferner Trinkgelder, soweit diese ei- nen wesentlichen Bestandteil des Arbeitsentgeltes darste llen. Art. 7 lit. h der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 bestimmt sodann, dass Tantiemen, feste Entschädigungen und Sitzungsgelder an Mitglieder der Verwaltung (juris- tischer Personen) und der geschäftsführenden Organe als massgebender Lohn zu betrachten sind. Daher gilt bei Leistungen, die die Aktiengesell schaft einem Verwaltungsratsmitglied aus- bezahlt, die Vermutung, dass sie diesem als Organ zukomme n und daher als Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit zu betrachten sind (Urt eil des EVG vom 6. November 2003, H 138/03, E. 5.3; vgl. U ELI KIESER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversiche- rungsrecht, Alters- und Hinterlassenenversicherung, 3. Auf lage, Zürich 2012, S. 80). Die Quali- fikation der Entschädigung hängt davon ab, ob die Täti gkeit, für welche die Entschädigung aus- gerichtet wird, mit der Stellung als Organ verbunden i st, oder ob sie ebensogut losgelöst davon erfolgen kann (BGE 105 V 115 E. 3). 3.2 Als Unkosten, die nicht zum massgebenden Lohn gehören , bezeichnet Art. 9 Abs. 1 AHVV jene Auslagen, die dem Arbeitnehmer bei der Ausführung seiner Arbeiten entstehen. Für die Bejahung des Unkostencharakters von Aufwendungen ist g emäss Rechtsprechung nebst dem Kausalzusammenhang mit der Berufstätigkeit einersei ts eine strikte objektive Notwendig- keit für die Lohnerzielung erforderlich und anderseits, dass die Auslagen nicht Lohnverwendung zur Deckung allgemeiner Lebenshaltungskosten darstellen (AHI-Praxis 2001, S. 222, E. 5a). So werden als Unkosten gemäss der Wegleitung zum massgebende n Lohn (WML) in der AHV, IV und EO vom 1. Januar 2008 (gültig ab 1. Januar 2013) namentlich Reisekosten (sofern sie nicht die Auslagen für den Arbeitsweg zum gewöhnlichen Arbeit sort darstellen), Repräsentationskos- te und Auslagen für die Kundinnen- und Kundenbetreuu ng, Auslagen für Arbeitsmaterial und Berufskleider inklusive Uniformen, Kosten für die Benützu ng der Erwerbstätigkeit dienenden Räumlichkeiten, Umzugsentschädigungen bei beruflich bed ingtem Wohnungswechsel sowie berufliche Aus- und Weiterbildungskosten, die eng mit der beruflichen Tätigkeit verbunden sind, anerkannt (WML Rz. 3003). Bezüglich der Rechtsverbindlichk eit dieser Bestimmungen ist da- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rauf hinzuweisen, dass die WML eine Verwaltungsweisung d es Bundesamtes für Sozialversi- cherung (BSV) darstellt, welche für die dem BSV unterst ellte Ausgleichskasse generell verbind- lich ist und den gleichmässigen Vollzug des Sozialversicher ungsrechts sicher stellen soll. Sie hat damit keinen Rechtssatzcharakter und ist für das Ka ntonsgericht nicht verbindlich (vgl. THOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, § 4 N 49 ff.). Das Gericht soll sie jedoch bei seiner Entsche idung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Au slegung der anwendbaren gesetzli- chen Bestimmungen zulassen. Es weicht andererseits insoweit vo n den Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 129 V 427 f. E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 3.3 Unkosten sind grundsätzlich in ihrer tatsächlichen Höhe zu berücksichtigen. Nach stän- diger Rechtsprechung und Verwaltungspraxis hat der Arbe itgeber oder Arbeitnehmer nachzu- weisen oder zumindest glaubhaft zu machen, dass die behaup teten Unkosten tatsächlich ent- standen sind (Urteil des EVG vom 2. August 2004, H 27 4/03, E. 4.1; vgl. ZAK 1990 S. 38 E. 4). Die Anerkennung von Unkosten durch die Steuerbehörden ist für die Ausgleichskassen grund- sätzlich nicht verbindlich (AHI-Praxis 1996 S. 249 E. 3b m it Hinweisen). Die von den Steuerbe- hörden ermittelten Unkosten können von den Ausgleichskass en jedoch unter Umständen über- nommen werden, wenn ein von der Steuerbehörde genehm igtes Spesenreglement oder ein im Lohnausweis angegebener Pauschalbetrag vorliegt (WML Rz. 3012 f.). Wenn gewisse Unkos- ten mit Sicherheit entstanden sind, ein genauer ziffer nmässiger Nachweis aber wegen der be- sonderen Verhältnisse des einzelnen Falles nicht möglich i st, so sind sie – unter Berücksichti- gung der glaubhaften Angaben von Arbeitgeber oder Ar beitnehmer – zu schätzen (Urteil des EVG vom 2. August 2004, H 274/03, E. 4.1). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren und der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten de r Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist j edoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriff snotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherun gsgerichts ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 4.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO i.V.m. Art. 61 Satz 1 und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Ge- richt dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bewiese n annehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht se inen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich- keit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sa chverhalts genügt den Beweisanfor- derungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverh altsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, je mit Hinweisen). 5.1 Aus den vorliegenden Akten ist ersichtlich, dass sich d er Beigeladene ab Herbst 2006 in Bangkok in Thailand aufhielt, wo er augenscheinlich im Auftrag der Beschwerdeführerin die Tätigkeit der Firma C.____ aufbaute. Dem Beigeladen en wurde von der Beschwerdeführerin monatlich ein fixes „Beratungshonorar“ in der Höhe von Fr. 6‘000.– bzw. ab Oktober 2008 in der Höhe von Fr. 8‘000.– ausbezahlt, welches bis Oktober 20 09 nicht als massgebender Lohn ab- gerechnet wurde. Bereits im Rahmen der ersten Arbeitg eberkontrolle im Jahr 2008 wurden die- se Beträge als massgebender Lohn aufgerechnet und die N achzahlung der entsprechenden Beiträge verfügt. Die Beschwerdeführerin und der Bei geladene bestreiten zu Recht nicht, dass die Zahlungen an den Beigeladenen in seiner Funktion als Organ der Aktiengesellschaft erfolgt sind. Indessen bringen sie vor, dass diese Zahlungen den Ersatz von Unkosten für die Ge- schäftstätigkeit in Thailand darstellten und somit nicht zum massgebenden Verdienst gehörten. In seiner Stellungnahme vom 2. Juli 2013 führt der Beigeladene für sich selbst und als Vertreter der Beschwerdeführerin aus, dass eine vollständige Auflistung sämtlicher Auslagen und Unkos- ten im massgeblichen Zeitraum im Nachhinein nicht mehr möglich sei. Nicht mehr geltend ge- macht werden deshalb behauptete Geschäftsauslagen für L ohnzahlungen, Reisen und Ge- schäftsessen und damit die Qualifikation der gesamten mon atlichen Beträge als Unkostener- satz. Abzuziehen vom massgebenden Lohn seien jedoch die b elegten Mietkosten für die Büro- lokalitäten und für ein Wohnappartement in Bangkok. 5.2 Die Kosten für eine Geschäftsliegenschaft gehören pr axisgemäss zu den anerkannten Unkosten, stehen sie doch in einem engen kausalen Zusammen hang mit der Erwerbstätigkeit (vgl. Rz. 3003 WML, Erwägung 3.2 hiervor). Die Beschwe rdeführerin bzw. der Beigeladene ha- ben diesbezüglich Unterlagen, namentlich Quittungen be treffend die Hinterlegung einer Miet- zinskaution vom 28. August 2006 sowie betreffend Miet- u nd Nebenkosten einer Geschäftslie- genschaft der Firma E.____ AG vom 5. Januar 2007 einge reicht. Aus letzterer wird ersichtlich, dass die Firma C.____ im Dezember 2006 bzw. Januar 2007 für die Miete der Büroräumlichkei- ten und diverse Nebenkosten Ausgaben in der Höhe von TH B 39‘485.08 tätigte. Wie die Be- schwerdegegnerin zutreffend ausführt, ist damit indessen kein Nachweis für allfällig entstande- ne Unkosten erbracht. Die eingereichten Quittungen fü r die Mietzinshinterlegung im August 2006 und für den Monat Dezember 2006 betreffen augen scheinlich nicht den vorliegend inte- ressierenden Zeitraum vom Januar 2008 bis Oktober 2009. S elbst wenn, was zweifelhaft ist, eine Hochrechnung der Mietkosten für den massgeblichen Zeitraum in Frage käme, bleibt völlig offen, ob diese behaupteten Ausgaben mit den als „Be ratungshonorar“ bezeichneten Bezügen des Beigeladenen beglichen worden sind. Ebenso denkbar ist beispielsweise, dass die Büro- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht miet- und Nebenkosten von der Firma C.____ getragen wurden. Auffallend ist in diesem Zu- sammenhang, dass in den Kontoblättern der A.____ sa der Jahre 2008 und 2009 andere Un- kosten, die im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Beige ladenen in Asien entstanden sind (Visumgebühren, Übersetzungskosten, etc.), separat auf gelistet und ausgeschieden wurden. Die Beschwerdeführerin begründet diese Diskrepanz nicht. Unklar ist auch, weshalb die Be- schwerdeführerin die weiterhin als „Beratungshonorar“ bezeichneten Bezüge des Beigeladenen ab Oktober 2009 und damit noch während des Aufenthalt s des Beigeladenen in Thailand als Lohn deklarierte. Unterlagen der Steuerbehörden oder ein genehmigtes Spesenreglement lie- gen in den eingereichten Unterlagen nicht vor. Damit d ie Ausgleichskasse verpflichtet werden kann, Unkosten zu schätzen, muss bloss, aber immerhin klar sein, dass solche entstanden sind (vgl. Erwägung 3.3 hiervor). Ebendies kann jedoch vorli egend aufgrund der Unklarheit darüber, wie die Mietkosten beglichen wurden, nicht mit überw iegender Wahrscheinlichkeit angenom- men werden. Weitere Unterlagen zur Klärung dieser Fra ge können nicht erhältlich gemacht werden, da gemäss Angaben der Beschwerdeführerin und d es Beigeladenen in Thailand vor allem Transaktionen mit Bargeld üblich und viele Geschäftsunterlagen bei einem Hochwasser in Bangkok im Jahr 2011 vernichtet worden seien. Nach dem so eben Ausgeführten ist festzuhal- ten, dass der Beschwerdeführerin und dem Beigeladenen d er Nachweis der Unkosten nicht gelungen ist und diesbezüglich von einer Beweislosigkeit auszugehen ist. Diese Beweislosigkeit geht zulasten der Beschwerdeführerin (vgl. Erwägung 4.1 hiervor). 5.3 Auch die geltend gemachten Auslagen für eine Priva twohnung sind im Sinne des soeben Ausgeführten nicht nachgewiesen. Im Übrigen stell en Wohnkosten in der Regel ohne- hin allgemeine Lebenshaltungskosten und damit keine Un kosten dar (vgl. Erwägung 3.2 hier- vor). Wie der Beigeladene bzw. die Beschwerdeführerin z u Recht vorbringen, können im Sinne einer Ausnahme gemäss Rz. 3008 WML Entschädigungen des Arbeitsgebers für angemessene Wohnkosten von Expatriates bei nachgewiesener Beibehalt ung einer ständigen Wohnung im Ausland bzw. in der Schweiz während längstens einem Ja hr als Unkosten anerkannt werden. Der von der Beschwerdeführerin und dem Beigeladenen ei ngereichte Mietvertrag datiert vom 26. Oktober 2006; Mietbeginn war danach 1. November 2006. Der Abzug der Wohnkosten von Expatriates als Unkosten ist jedoch während längstens eines Jahres ab Einzug bzw. ab Wohn- sitznahme im Ausland möglich. Vorliegend wäre dieser Abzu g folglich für den Zeitraum vom 1. November 2006 bis 1. November 2007 vorzunehmen gewe sen. Dass die Mietkosten in die- sem Zeitraum nicht geltend gemacht wurden und die entsp rechende Nachforderungsverfügung der Beschwerdegegnerin vom 10. Oktober 2008 unangefocht en in Rechtskraft erwuchs, ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Der Beigeladene weilte indessen im vorliegend interessierenden Zeitraum vom Januar 2008 bis September 2009 seit gut über einem Jahr in Thailand, weshalb die Bestimmung der WML vorliegend n icht zur Anwendung gelangen kann und die Mietkosten der Wohnung in Bangkok zum Vornhere in nicht (mehr) als Unkosten zählen können. Ohnehin ist jedoch die Begleichung der Unkosten mit den an den Beigeladenen monat- lich überwiesenen Geldbeträgen nicht genügend nachgewiesen. 5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nicht mit überwi egender Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann, dass die als "Beratungshonorar" bezeichneten Geldüberweisungen an den Beigeladenen Unkostenersatz darstellten. Die Beschwerdeführerin und der Beigeladene Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht haben insbesondere nicht nachweisen können, dass die von ihnen angeführten Kosten mit die- sen Beträgen beglichen wurden oder werden sollten. Fe rner stellen namentlich die Mietkosten der Wohnung des Beigeladenen Lebenshaltungskosten und ke ine Unkosten dar. Vielmehr muss nach dem Ausgeführten davon ausgegangen werden, dass es sich bei den monatlichen Entschädigungen – wie in der Buchhaltung der Beschwerde führerin qualifiziert – um ein Hono- rar und damit um massgebenden Lohn handelt. Damit sind diese Lohnanteile mit Beiträgen zu belegen. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin ist folgl ich nicht zu beanstanden. Die Be- schwerde wird abgewiesen. 6. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 28. Februar 2014 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahrens-Nr. 9C_176/2014 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht