BRKE IV Nr. 108/1992 vom 10. September 1992 in BEZ 1993 Nr. 17 3. a) W egen der Anpassung des Gebäudegrundrisses an die besondere Form des Baugrundstücks weist das Bauvorhaben insgesamt neun abgewinkelte Ausse n- wandflächen auf. Diese Strukturierung des Baukörpers findet auch in der Dachform ihren N iederschlag. Nur bei den insgesamt drei gegen Nordwesten und Südosten gerichteten Fassaden ist eine eigentliche Traufse ite, d.h. eine horizontale Begre n- zung der Dachu nterseite erkennbar, und es stellen nur die Nordost - und die Sü d- westseite des Gebäudes eig entliche Giebelseiten dar, bei welchen die Fassade rechtwinklig zum Dachfirst ve rläuft. Bei den übrigen Aussenwänden bilden die U n- terseiten der Dachflächen und die Fassaden schräg ansteigende Schnittlinien. b) Die zulässige Gebäudehöhe wird durch die erlau bte Vollgeschosszahl b e- stimmt (§ 278 Abs. 1 PBG). Dabei ist von einer Bruttogeschosshöhe von 3,3 m und zusätzlich von 1,5 m für die Erhebung des Erdgescho sses auszugehen (§ 279 Abs. 1 PBG). Die Gebäudehöhe ist von der jeweiligen Schnittlinie zw ischen Fassade und Dachfläche auf den darunterliegenden gewachsenen Boden zu messen; durch ei n- zelne, bis 1,5 m tiefe Rücksprünge bewirkte Mehrhöhen sind unbeachtlich (§ 280 Abs. 1 PBG). In der W ohnzone W 2 sind zwei Vollgeschosse und zusätzlich ein Dachg e- schoss erlaubt (Art. 21 BauO). Für das Bauvorhaben resultiert somit eine m aximale Gebäudehöhe von 8,1 m. Die Schnittlinie zwischen Fassade und Dachfläche ist j e- doch nicht nur als obere Determinante der Gebäudehöhe, sondern auch für die Qu a- lifizierung der hor izontalen Gebäudeabschnitte als Voll - oder Dachgeschosse mass- gebend (vgl. § 275 Abs. 1 und 2 PBG). Die enge Verknüpfung zwischen Gebäud e- höhe und Vollgeschosszahl lässt es zu, dass die Rechtsmittelbehörde b esonders bei einem Bauvorhaben, welches einen derart speziellen Verlauf der besagten Schnittl i- nien aufweist, vor der Übe rprüfung der Gebäudehöhe abklärt, ob das Projekt nicht die das Höhenmass bestimmende Anzahl erlaubter Vollgeschosse überschreite. c) Vollgeschosse sind gemäss § 275 Abs. 1 PBG horizontale Gebäude - abschnitte, die über dem gewachsenen Boden und unter der Schnittlinie zwischen Fassade und Dachfläche liegen. Dachgeschosse sind horizontale Gebäudeabschni t- te, die über der Schnittlinie zwischen Fassade und Dachfläche liegen. Gebäudea b- schnitte mit einer Knies tockhöhe von höchstens 0,9 m, gemessen 0,4 m hinter der - 2 - Fassade, gelten als Dachgeschosse (§ 275 Abs. 2 PBG). An die Geschosszahl a n- rechenbar sind Voll - und Dachgeschosse, wenn sie W ohn-, Schlaf - oder Arbeit s- räume enthalten (§ 276 Abs. 1 PBG). Vorliegend machen die eindeutig traufseitigen Fassaden lediglich rund 20% des an dieser Stelle gemessenen Gebäudeumfanges aus. Auch die G esamtlänge der eindeutigen Giebelseiten bewegt sich etwa im gleichen Ra hmen. Der übrige Teil der Gebäudeseiten findet ihren oberen Abschluss in den schräg ansteigenden Unterka n- ten der Dachflächen, was eine markante Vergrösserung der dem Dachgeschoss z u- zuordnenden Fassadenflächen ermöglicht. Dies hat wiederum zur Folge, dass de s- sen Kubatur zu weiten Teilen unter die Schnittlinie zwisch en Fassade und Dachfl ä- che zu liegen kommt. Für die Qualifizierung eines horizontalen Gebäudeabschnittes als Dachgeschoss genügt es jedoch nicht, dass sich der Rauminhalt nur an wenigen Stellen über dieser Schnittlinie befindet. Andernfalls wären der Umgehu ng der Vo r- schriften über die Geschosszahl Tür und Tor geöffnet, und es würde die rechtlich bedeutsame Unterscheidung zwischen Voll - und Dachgeschossen verwischt. Die aus der hier gewählten Dachform resultierende Vergrösserung der Fassade nflächen auf Kosten der Dachfläche lässt denn auch das Dachgeschoss selbst äusserlich nicht als solches in Erscheinung treten. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Vol l- geschoss. Zum gleichen Ergebnis führt die Betrachtung der Kniestockhöhen. Die Möglichkeit der Vergrösserun g des Dachgeschossra umes mittels Verlängerung der Gebäudeaussenwände über die Decke des obersten Vollgeschosses hinaus muss jedoch auf ein bestimmtes Mass beschränkt bleiben, damit eine deutliche Abgre n- zung zu den Vollgeschossen bestehen bleibt. Die im Ber eich der schräg verlaufe n- den Dachflächenunterkanten über die Decke des obersten Vollgeschosses hinau s- ragenden Teile der Umfassungsmauern haben als Kniestock zu gelten. In diesem Bereich wird vorliegend die Maximalhöhe gemäss § 275 Abs. 2 PBG, welche den Gebäudeabschnitt noch als Dachgeschoss gelten liesse, bei weitem überschritten. Das in den Plänen als "Erdgeschoss" bezeichnete Geschoss gilt, da tei lweise in den gewachsenen Boden hineinragend (vgl. § 275 Abs. 3 PBG), als Untergeschoss, ist jedoch mangels Z ulässigkeit solcher Geschosse in den W ohnzonen der Gemein- de X. zu Recht als Vollgeschoss angerechnet worden. Daneben verfügt das Baupr o- jekt noch über ein eigentliches Vollgeschoss (in den Plänen als "Obergeschoss" b e- zeichnet). Die Qualifizierung des Dachge schosses als weiteres Vollgeschoss führt daher zur Ueberschreitung der Anzahl erlaubter Vollgeschosse. Da nur die Erse t- zung von Vollgeschossen durch Dachgeschosse erlaubt ist, jedoch nicht umgekehrt (vgl. § 276 Abs. 3 PBG), erweist sich das geplante Mehrfa milienhaus mithin als ba u- rechtswidrig. d) Die zur Ueberschreitung der erlaubten Vollgeschosszahl führenden Gründe zwingen zu einer völligen Neukonzipierung der Dachform. Die Dachflächen sind im Bereich der heute schräg verlaufenden Unterseiten so weit nach unten auszude h- nen, bis die unmittelbar darunterliegenden Räume zu wesentlichen Teilen in den B e- reich der Dachkonstruktion zu liegen kommen. Die erforderliche Neugestaltung der Dachform wird sich insoweit auch auf die gerügte Gebäudehöhe auswirken, als die massgebenden Schnittlinien zwischen Fassaden und Dachflächen in weiten Bere i- chen des Gebäudes ebenfalls tiefer zu liegen kommen. Durch die Schaffung von mehr klar erkennbaren Traufseiten dürfte sich dannzumal auch die Frage erübrigen, ob die Gebäudehöhe a uch im Bereich der schräg verlaufenden Dachflächenunte r- seiten zu messen sei.- 3 - e) Durch die Statuierung einer Nebenbestimmung lässt sich der Mangel nicht beheben, so dass der Rekurs in diesem Punkte gutzuheissen und der angefochtene Beschluss demgemäss als Ganzes aufzuheben ist.