A bteilung II B -7411/2006 {T 0/2} U rteil vom 22. M ai 2007 M itw irkung: R ichter H ans U rech (vorsitzender R ichter); R ichterin M aria Am gw erd; R ichter D avid Aschm ann; G erichtsschreiber M arc H unziker S._______, vertreten durch Schneider Feldm ann AG , Beschw erdeführerin gegen Eidgenössisches Institut für G eistiges Eigentum , Vorinstanz betreffend Schutzverw eigerung gegenüber der internationalen R egistrierung IR 819'223 B ELLA G IO B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie Beschw erdeführerin ist Inhaberin der am 9. Januar 2004 aufgrund ei- ner in den Benelux-Staaten eingetragenen Basism arke registrierten inter- nationalen M arke IR 819'223 BELLAG IO . Sie beansprucht für dieses Zei- chen auch Schutz in der Schw eiz, und zw ar für die folgenden W aren: Klasse 29: Fruits et légum es conservés, séchés, cuits et congelés. Klasse 31: Produits agricoles, horticoles et forestiers, ainsi que graines (non com pris dans d'autres clas- ses); fruits et légum es frais; sem ences, plantes vivantes, plants, boutures, jeunes plantes et autres parties de plantes ou de jeunes plantes et pouvant servir à la m ultiplication. D ie R egistrierung der M arke w urde den Behörden der bezeichneten Be- stim m ungsländer am 11. M ärz 2004 m itgeteilt. B. D ie Vorinstanz erliess am 2. M ärz 2005 gegen den Schutz dieser M arke in der Schw eiz eine provisorische Schutzverw eigerung m it der Begründung, dass es sich beim Zeichen um eine H erkunftsangabe handle, es freihalte- bedürftig und in Bezug auf die H erkunft der W aren täuschend sei. C . In ihrer Stellungnahm e vom 19. Juli 2005 bestritt die Beschw erdeführerin die Auffassung der Vorinstanz und m achte geltend, dass die M arke BEL- LAG IO unterscheidungskräftig sow ie w eder freihaltebedürftig noch täu- schend sei. D . M it Schreiben vom 12. O ktober 2005 hielt die Vorinstanz an ihrer Zurück- w eisung fest. E. Am 1. N ovem ber 2005 verzichtete die Beschw erdeführerin auf eine w eitere Stellungnahm e und bat um Erlass einer beschw erdefähigen Verfügung. F. M it Verfügung vom 1. Februar 2006 verw eigerte die Vorinstanz der inter- nationalen R egistrierung für alle beanspruchten W aren der Klassen 29 und 31 die Eintragung. 3 G . H iergegen richtete sich die Beschw erde vom 6. M ärz 2006 der Beschw er- deführerin m it dem Antrag, die Verfügung der Vorinstanz aufzuheben und das Zeichen BELLAG IO vollum fänglich in das Schw eizerische M arkenre- gister einzutragen. Zur Begründung m achte die Beschw erdeführerin im W esentlichen geltend, dass die M arke vom m assgeblichen Verkehrskreis nicht als H inw eis auf die geografische H erkunft der beanspruchten W are vom O rt Bellagio sondern als fantasievoller Produktnam e verstanden w er- de, w eshalb keine G efahr der Irreführung bestehe. Einerseits sei das Städtchen zu unbekannt, anderseits w üssten diejenigen Verkehrsteilneh- m er, w elche es kennen, dass es nicht U rsprung der beanspruchten W aren in solch nam haftem U m fang sein könne. D arüber hinaus könnte die Be- zeichnung genauso gut m it dem gleichnam igen berühm ten H otel in Las Vegas, dem gleich klingenden N achnam en oder dem Ausdruck "un bel agio" (ein schöner G ew inn) in Verbindung gebracht w erden. Im Ü brigen geniesse das Zeichen als EU G em einschaftsm arke selbst in Italien, als Staat auf dessen Territorium der O rt Bellagio liege, Schutz. H . Auf Ersuchen der Vorinstanz w urde das Verfahren m it Verfügung vom 12. Juni 2006 sistiert, bis das Bundesgericht über die bei ihm hängige Be- schw erde gegen die Zurückw eisung des M arkeneintragungsgesuches N r. 25566/2004 C O LO R AD O (fig.) entschieden habe. I. Am 24. N ovem ber 2006 teilte die R ekurskom m ission für geistiges Eigen- tum den Parteien m it, dass die Akten des Beschw erdeverfahrens per 1. Ja- nuar 2007 an das Bundesverw altungsgericht als neu zuständige Be- schw erdebehörde überw iesen w ürden. M it Schreiben vom 22. Januar 2007 bestätigte das Bundesverw altungsgericht die Ü bernahm e der hängigen Beschw erde. J. M it Schreiben vom 16. Februar 2007 liess sich die Beschw erdeführerin zum Entscheid des Bundesgerichts vom 8. Septem ber 2006 (BG E 132 III 770 C olorado) vernehm en. Sie führte aus, dass sie an ihren Anträgen in der Beschw erdeschrift sow ie an ihrer Begründung, w onach es sich beim Zeichen BELLAG IO nicht um eine geografische H erkunfts- sondern um eine Fantasieangabe handle, vollum fänglich festhalte. Vorliegend gehe es um eine andere Situation als den vom Bundesgericht beurteilten Sachver- halt, w onach die Verkehrskreise das Zeichen C O LO R AD O zutreffend als N am e des gleichnam igen Bundesstaates auffassen w ürden. D as Zeichen BELLAG IO sei vielm ehr vergleichbar m it M arken w ie G IM EL (BG E 79 II 101 Solis; BG er in SM I 1986 II 253 C arrera; R KG E in sic! 2005, 743 G i- m el). Falls w ider Erw arten von einer m it C O LO R AD O vergleichbaren Situation ausgegangen w ürde, so sei darauf hingew iesen, dass sich der Bundesgerichtsentscheid nur auf die M arkeneintragung und daher aus- schliesslich auf die abstrakte Täuschungsgefahr der M arke beziehe. D age- gen m ache er keinerlei Aussagen zur W irkung der Beschränkung von W a-4 renlisten und som it zur konkreten Täuschungsgefahr der M arke in ihrem nachfolgenden R echtsleben. K. M it Vernehm lassung vom 28. M ärz 2007 beantragte die Vorinstanz, die Beschw erde unter Kostenfolge abzuw eisen. Zur Begründung brachte sie im W esentlichen vor, dass es sich bei Bellagio um eine beliebte Touristen- destination am C om ersee handle, w elche einem grossen Teil der Schw ei- zer Bevölkerung bekannt sei. Aus dem U m stand, dass der O rt lediglich knapp 3'000 Einw ohner zähle, könne nicht geschlossen w erden, dass er unbedeutend und unbekannt sei. Auch stehe bei der Bezeichnung BELLA - G IO kein Fantasiecharakter im Vordergrund, lasse sich doch der geografi- schen Angabe kein klar erkennbarer Sym bolgehalt beim essen, w eshalb die M arke zu einer Ideenverbindung m it dem betreffenden Land führe. D es W eiteren sei nicht nachvollziehbar, w eshalb die Schw eizer Konsum enten in Zusam m enhang m it den beanspruchten W aren eher an ein H otel in Las Vegas als an einen bekannten O rt in unm ittelbarer geografischer N achbar- schaft denken sollten. Auch seien die Vergleiche m it den Zeichen C LAR O und G IM EL nicht stichhaltig, handle es sich doch um w eit w eniger bekann- te O rtschaften. Ebenfalls sei aufgrund der geografischen Lage von Bella- gio und des dort herrschenden m ilden Klim as naheliegend, dass in dieser U m gebung landw irtschaftliche Produkte angebaut w erden können. In Ver- bindung m it den beantragten W aren stelle der Begriff BELLAG IO eine di- rekte H erkunftsangabe dar. Aufgrund seiner fehlenden U nterscheidungs- kraft gehöre er som it dem G em eingut an und sei er vom M arkenschutz ausgeschlossen. Bereits heute w ürden in der U m gebung von Bellagio zu- m indest O liven angebaut, w eshalb ein aktuelles Freihaltebedürfnis am Zei- chen bestehe. D a der Schw eizer Konsum ent im Begriff BELLAG IO im Zu- sam m enhang m it den beanspruchten W aren ohne G edankenarbeit und Fantasieaufw and einen H inw eis auf deren H erkunft aus Italien erkenne, w erde er getäuscht, sobald die Produkte von andersw o stam m en. D iese Täuschungsgefahr könne lediglich m it einer Einschränkung der W arenliste auf Produkte italienischer H erkunft beseitigt w erden. D abei sei darauf hin- zuw eisen, dass selbst die R ekurskom m ission für geistiges Eigentum ge- m äss Entscheid des Bundesgericht vom 8. Septem ber 2006 (BG E 132 III 770 C olorado) bei Bodenprodukten zufolge Vorliegens eines qualifizierten Schutzbedürfnisses nach w ie vor an der Einschränkungspraxis festhalte. Im Ü brigen sei die Kritik am Bundesgerichtsurteil unsubstantiiert und unbe- gründet. Auf die Argum ente der Parteien w ird, sow eit sie für den Entscheid erheb- lich erscheinen, in den nachfolgenden Erw ägungen eingegangen.5 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. D er Entscheid der Vorinstanz vom 1. Februar 2006 stellt eine Verfügung im Sinne des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw al- tungsverfahren dar (Vw VG , SR 172.021; Art. 5 Abs. 1 Bst. c). D iese Verfü- gung kann im R ahm en der allgem einen Bestim m ungen der Bundesverw al- tungsrechtspflege beim Bundesverw altungsgericht angefochten w erden (Art. 44 ff. Vw VG i.V.m . Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005, VG G , SR 173.32). G em äss Art. 53 Abs. 2 VG G übernim m t das Bundesverw altungsgericht bei Zuständigkeit die Beurteilung der beim Inkrafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eid- genössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel, w obei die Beurteilung nach neuem Verfahrensrecht erfolgt. 2. D ie Beschw erdeführerin ist als Adressatin der angefochtenen Verfügung durch diese beschw ert und hat ein schutzw ürdiges Interesse an ihrer Auf- hebung oder Änderung. Sie ist daher zur Beschw erdeführung legitim iert (Art. 48 Abs. 1 Vw VG ). Eingabefrist und -form sind gew ahrt (Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 Vw VG ), der Kostenvorschuss w urde fristgerecht bezahlt (Art. 63 Abs. 4 Vw VG ), und die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 48 ff. Vw VG ). Auf die Verw altungsbeschw erde ist daher einzutreten. 3. N ach der Legaldefinition von Art. 1 Abs. 1 des M arkenschutzgesetzes vom 28. August 1992 (M SchG , SR 232.11) ist die M arke ein Zeichen, das ge- eignet ist, W aren oder D ienstleistungen eines U nternehm ens von solchen anderer U nternehm en zu unterscheiden. Art. 1 Abs. 2 M SchG zählt Bei- spiele von M arkenform en auf. D anach können M arken aus W örtern, Buch- staben, Zahlen, bildlichen D arstellungen, dreidim ensionale Form en oder Verbindungen solcher Elem ente untereinander oder m it Farben bestehen. 4. Zw ischen den Benelux-Staaten und der Schw eiz gelten das M adrider Ab- kom m en über die internationale R egistrierung von M arken (M M A) sow ie die Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutz des gew erblichen Eigen- tum s (PVÜ ) gem äss den am 14. Juli 1967 in Stockholm revidierten Fas- sungen (SR 0.232.112.3 und 0.232.04). D ie Beurteilung internationaler M arkenregistrierungen m it G esuch um Schutzausdehnung auf das G ebiet der Schw eiz richtet sich nach Art. 6quinquies lit. B Ziff. 2 und 3 PVÜ . D em ge- m äss können M arken, die der U nterscheidungskraft entbehren und folglich als G em eingut zu qualifizieren sind oder die gegen die guten Sitten ver- stossen, w eil sie geeignet sind, das Publikum zu täuschen, vom M arken- schutz ausgeschlossen w erden. D ieser zw ischenstaatlichen R egelung ent- sprechen die in Art. 2 M SchG vorgesehenen Ablehnungsgründe, nach de- nen nam entlich Zeichen, die G em eingut sind (lit. a), sow ie irreführende 6 Zeichen (lit. c) vom M arkenschutz ausgeschlossen sind (BG E 128 III 454 E. 2 Yukon; 117 II 327 E. 1a M ontparnasse). 5. Vom M arkenschutz ausgeschlossen sind nach Art. 2 Bst. a M SchG Zei- chen, die G em eingut sind, da ihnen die erforderliche U nterscheidungskraft fehlt oder an ihnen ein Freihaltebedürfnis besteht. Als G em eingut im Sinne dieser Bestim m ungen gelten unter anderem H inw eise auf Eigenschaften oder die Beschaffenheit der Erzeugnisse, für w elche das Zeichen bestim m t ist (so genannte beschreibende Angaben; BG E 114 II 171 E. 2a Eile m it W eile m it H inw eisen). H ierzu gehören auch Zeichen, die nach der allge- m einen Verkehrsauffassung frei verfügbar bleiben m üssen und daher nicht von einem einzelnen Anbieter m onopolisiert w erden dürfen, w ie etw a die direkten, unm ittelbaren H erkunftsangaben (z.B. N am en von Ländern, Städ- ten etc.). G eografische Bezeichnungen stellen jedoch nicht in allen Fällen H erkunftsangaben m it G em eingutcharakter dar. D as Bundesgericht unter- schied in BG E 128 III 454 E. 2.1.1 ff. Yukon sechs Kategorien von geogra- fischen N am en und Zeichen, die von den m assgeblichen Verkehrskreisen nicht als H inw eis auf eine bestim m te H erkunft der W aren oder D ienstleis- tungen verstanden w erden. D arunter fallen insbesondere die N am en von Städten, O rtschaften, Talschaften, R egionen und Ländern, die den rele- vanten Kreisen nicht bekannt sind und dem zufolge als Fantasiezeichen und nicht als H erkunftsangabe verstanden w erden, aber auch bekannte geografische Angaben, w enn der O rt oder die G egend aus deren Sicht of- fensichtlich nicht als Produktions-, Fabrikations- oder H andelsort der dam it gekennzeichneten Erzeugnisse oder entsprechend bezeichneter D ienst- leistungen in Frage kom m t. 6. Bellagio ist eine am Lago di C om o in der Lom bardei, Italien gelegene G e- m einde m it 3'008 Einw ohnern (Stand 31. Juli 2006). D as Städtchen Bella- gio befindet sich an der Spitze der H albinsel, die die beiden südlichen Arm e des Sees trennt. Trotz seiner m alerischen Lage m it Blick auf die Al- pen sow ie des m ilden Klim as und der m editerranen Vegetation entw ickelte sich Bellagio nie zu einer Tourism ushochburg. Stattdessen gelang es den ursprünglichen C harakter eines kleinen aber gehobenen Kurortes m it ei- nem Luxus- und m ehreren M ittelklassehotels aufrechtzuerhalten. Von der R egion rund um Bellagio liess sich auch das gleichnam ige, im Zentrum von Las Vegas, im Bundesstaate N evada der Vereinigten Staaten von Am erika gelegene Luxushotel inspirieren. Zu der H otelanlage, w elche über rund 4'000 Zim m er und Suiten verfügt, gehört eine grosse, der Lom bardei nachem pfundene, künstliche Seelandschaft. Im Ü brigen stellt das m it zw ei "G " geschriebene, aber phonetisch identische W ort "Bellaggio" einen italie- nischen N achnam en dar. 7. Auch w enn es sich bei der Lom bardei insgesam t um eine beliebte Touris- m usdestination handelt, so ist die O rtschaft Bellagio entgegen der Ansicht 7 der Vorinstanz bei der Schw eizer Bevölkerung kaum bekannt. D ies dürfte daher rühren, dass es sich um ein sehr kleines Städtchen handelt, w elches w eder dem M assentourism us ausgesetzt noch – trotz seiner Exklusivität – Ziel des internationalen Jetsets und G egenstand der dam it verbundenen M edienpräsenz ist. D agegen geniesst das H otel Bellagio einen w eit höhe- ren Bekanntheitsgrad. Es dürfte w egen seiner G rösse und Luxuriosität so- w ie seines im posanten W asserspiels den m eisten Besuchern von Las Ve- gas, aber auch den Betrachtern von R eisesendungen sow ie infolge des hohen G lam ourfaktors den Lesern von Klatschm agazinen und dam it insge- sam t einem nicht unerheblichen Teil der Schw eizer Bevölkerung ein Be- griff sein. Es ist deshalb obendrein zu verm uten, dass das G ros des Ken- nerkreises, dem die O rtschaft bekannt ist, ebenfalls das gleichnam ige H o- tel kennt, w eshalb es im Begriff BELLAG IO keinen H erkunftshinw eis auf das lom bardische Städtchen bzw . Italien sondern eine Anspielung auf Lu- xus und Eleganz erblickt. D aher ist davon auszugehen, dass das Zeichen beim überw iegenden Teil der m assgeblichen Verkehrskreise als Fantasie- bezeichnung verstanden w ird und som it U nterscheidungskraft geniesst. 8. Es ist w eiter zu prüfen, ob am als unterscheidungskräftig befundenen Zei- chen BELLAG IO allenfalls ein Freihaltebedürfnis zugunsten ortsansässiger U nternehm en besteht. G rundsätzlich m uss es ja jedem Anbieter m öglich sein, auf die H erkunft seiner W aren oder D ienstleistungen hinzuw eisen. In diesem Zusam m enhang w ird nicht nur darauf abgestellt, ob gegenw ärtig am betreffenden O rt die beanspruchten W aren hergestellt w erden können, sondern auch darauf, ob dort in Zukunft – unter Berücksichtigung der künf- tigen w irtschaftlichen Entw icklung – m it der H erstellung der beanspruchten W aren ernsthaft gerechnet w erden m uss (R KG E in sic! 2005, 744 E. 5 G i- m el, BG E 128 III 454 E. 3 Yukon). D ie R egion von C om o ist bekannt für ihre Seidenverarbeitungstradition und traditionelles H andw erk w ie H olz- schnitzerei, G lasbläserei und -m alerei sow ie die Bearbeitung von Lederw a- ren, insbesondere die H erstellung handgefertigter Schuhe. Ebenfalls eig- net sich das m ilde lom bardische Klim a gut für den landw irtschaftlichen An- bau. D ie G em einde Bellagio befindet sich jedoch auf einem alpinen Aus- läufer, w elcher den Lago di C om o in seinem südlichen Bereich in zw ei Arm e teilt. D as G em eindegebiet ist sehr hügelig und ziem lich dicht bew al- det, w as eine Agrikultur im grösseren Stile verunm öglicht. D a unter diesen Voraussetzungen auch in Zukunft nicht m it einer bedeutenden landw irt- schaftlichen N utzung des G ebietes gerechnet w erden m uss, kann ein ernsthaftes Bedürfnis, das Zeichen BELLAG IO für W aren der Klassen 29 und 31 zugunsten von Produzenten der G em einde Bellagio freizuhalten, nicht ausgem acht w erden. D em entsprechend ist festzustellen, dass kein Schutzausschlussgrund im Sinne von Art. 2 Bst. a M SchG vorliegt. 9. Es ist letztlich noch zu prüfen, ob das nicht zum G em eingut gehörende Zeichen BELLAG IO allenfalls irreführend im Sinne von Art. 2 Bst. c M SchG und som it vom M arkenschutz ausgeschlossen ist. Irreführend ist jedes Zei-8 chen, das w egen seines Sinngehalts einen falschen R ückschluss auf die Art oder Beschaffenheit der dam it versehenen W are zulässt (L. D AVID , Bas- ler Kom m entar, N 50 zu Art. 2), oder das beim Publikum Erw artungen w eckt, die m it dem effektiven Angebot nicht übereinstim m en (E. M AR BAC H , M arkenrecht, SIW R III, 68). Betreffend H erkunftsangaben w ill das Verbot der Irreführung sicherstellen, dass die Abnehm er der m it einer H erkunfts- angabe versehenen W are darauf vertrauen können, dass die verw endeten Angaben der W irklichkeit entsprechen und die Erw artungen des Publikum s nicht enttäuscht w erden. Eine Täuschungsgefahr ist aber nur dort relevant, w o die M arktteilnehm er den H erkunftscharakter des Zeichens überhaupt erkennen. Im W esentlichen unbekannte N am en von Ö rtlichkeiten können deshalb die Verbraucher nicht über die H erkunft irreführen. D a die G e- m einde Bellagio dem G rossteil der schw eizerischen Bevölkerung nicht be- kannt ist, m uss nicht ernsthaft befürchtet w erden, dass sie annim m t, die unter der M arke BELLAG IO vertriebenen W aren seien italienischen U r- sprungs. 10. Im Ü brigen kann es, geniesst das Zeichen als eingetragene EU G em ein- schaftsm arke doch selbst in Italien Schutz, nicht die Aufgabe der schw ei- zerischen Behörden sein, ein Freihaltebedürfnis zugunsten ausländischer U nternehm en zu berücksichtigen, w enn dies nicht einm al der H eim atstaat tut (vgl. R KG E in sic! 2004, 774 Volterra; BG E 117 II 327 E. 2b M ontpar- nasse). 11. Es lässt sich dem nach festhalten, dass das Zeichen BELLAG IO für W aren der Klassen 29 und 31 w eder täuschend noch freihaltebedürftig ist, w es- halb die Beschw erde gutzuheissen und die Vorinstanz anzuw eisen ist, der internationalen M arke für alle angem eldeten W aren in der Schw eiz definitiv Schutz zu gew ähren. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kos- ten zu erheben (Art. 63 Abs. 2 Vw VG ), und es ist der Beschw erdeführerin der geleistete Kostenvorschuss zurück zu erstatten. 12. D er obsiegenden Beschw erdeführerin ist eine Parteientschädigung "für ihr erw achsene notw endige und verhältnism ässig hohe Kosten" des Be- schw erdeverfahrens zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 Vw VG ). D ie Entschädi- gung w ird auf G rund der von der Beschw erdeführerin eingereichten Kos- tennote für das Beschw erdeverfahren auf total Fr. 3'200.-- festgesetzt (Art. 14 Abs. 2 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht, VG KE, SR 173.320.2, Art. 8 der Verordnung vom 10. Septem ber 1969 über Kos- ten und Entschädigungen im Verw altungsverfahren, SR 172.041.0). Be- steht keine unterliegende G egenpartei, ist die Parteientschädigung derjeni- gen Körperschaft oder autonom en Anstalt aufzuerlegen, in deren N am en die Vorinstanz verfügt hat (Art. 64 Abs. 2 Vw VG ). N ach Art. 1 des Bundes- gesetzes vom 24. M ärz 1995 über Statut und Aufgaben des Eidgenössi-9 schen Instituts für G eistiges Eigentum (IG EG , SR 172.010.31) handelt die Vorinstanz als autonom e Anstalt m it eigener R echtspersönlichkeit. Sie ist in eigenem N am en m it dem Vollzug des M arkenschutzgesetzes, nam ent- lich der Führung des M arkenregisters beauftragt (Art. 2 Abs. 1 Bst. a und b IG EG ). G estützt darauf erliess sie die angefochtene Verfügung in eige- nem N am en und kassierte sie auch in eigenem N am en die dafür vorgese- hene G ebühr. D ie Vorinstanz ist darum zur Zahlung der Parteientschädi- gung zu verpflichten. D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen, die Verfügung des Eidgenössischen Instituts für G eistiges Eigentum vom 1. Februar 2006 w ird aufgehoben und das Institut w ird angew iesen, der internationalen M arke IR 819'223 BEL- LAG IO für alle angem eldeten W aren in der Schw eiz definitiv Schutz zu ge- w ähren. 2. D er geleistete Kostenvorschuss von Fr. 2'500.-- w ird der Beschw erdefüh- rerin zurückerstattet. 3. D er Beschw erdeführerin w ird zulasten des Eidgenössischen Instituts für G eistiges Eigentum eine Parteientschädigung von Fr. 3'200.-- (inkl. M W ST) zugesprochen. 4. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (m it G erichtsurkunde) - der Vorinstanz (R ef-N r. IR 819'223; m it G erichtsurkunde) - dem Eidg. Justiz- und Polizeidepartem ent (m it G erichtsurkunde) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: H ans U rech M arc H unziker R echtsm ittelbelehrung D ieses U rteil kann innert dreissig Tagen seit Eröffnung beim Schw eizerischen Bundes- gericht in Lausanne angefochten w erden. Versand am : 24. M ai 2007