B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2738/2014/pjn U r t e i l v o m 3 0 . O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiberin Martina Kunert. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch Urs Jehle, Caritas Schweiz, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. April 2014 / (…). D-2738/2014 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger tadsch i- kischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______, verliess eigenen A n- gaben zufolge seinen Heimatstaat am 10. September 2011 und gelangte auf dem Landweg über den Iran, die Türkei, Griechenland und einen ihm unbekannten Ort am 29. Januar 2012 illegal in die Schweiz, wo er am Folgetag im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nachsuchte. Am 30. Januar 2012 fand im EVZ Kreuzlingen die Be- fragung zur Person (BzP) statt. In der Folge wurde er für die Dauer des Verfahrens dem Kanton C._______ zugewiesen. Aufgrund seiner Minder- jährigkeit wurde ihm mit Verfügung des Amtes für Migration des Kantons C._______ vom 27 . Februar 2012 eine Vertrauensperson beigeordnet, deren Beiordnung mit Erreichung Anordnung einer Beistandschaft durch die Vormundschaftsbehörde des Bezirks D._______ vom 12. Juli 2012 ersetzt wurde und mit Erreichung seiner Volljährigkeit endete. Am 11. März 2014 wurde er in Bern -Wabern durch das BFM in Anwen dung von Art. 29 AsylG (SR 142.31) angehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er Folgendes vor: Sein Va- ter und dessen Bruder hätten gemeinsam ein Haus besessen, welches er nach dem Tod des Vaters mit den Geschwistern, der Mutter und dem On- kel väterlicherseits bewohnt habe. Der Onkel habe seinen Teil des Ha u- ses an einen einflussreichen (...) verkauft, der jedoch das gesamte Grundstück habe besitzen wollen, weshalb er die Mutter durch Ei n- schüchterungsversuche und Rufschädigungen zum Hausverkauf zu drän- gen versucht habe. Die Streitigkeiten hätten in mehreren Strafanzeigen und einem Gerichtsverfahren gemündet. Eines Tages habe der Schwager des (...) versucht, das Haus zu betreten, was er zu verhindern versucht habe. Wegen dieses Vorfalls sei en die Kontrahenten vor Gericht gega n- gen, wo der Schwager die Mutter beschimpft und auf s Sofa ge stossen habe, worauf er sich nicht habe beherrschen können und diesem einen Faustschlag ins Gesicht versetzt habe, woraus schliesslich eine Schläge- rei resultiert sei. Dieser Vorfall sei der Kriminalbehörde gemeldet worden und er sei aufgrund seiner Minderjährigkeit gegen Kaution entlassen wor- den; nach Erreichung der Volljährigkeit sei er jedoch zur Verhaftung aus- geschrieben worden. Wegen der Einflussnahme auf die Justiz durch den (...) könne nicht mit einem fairen Verfahren gerechnet werden. Zudem hätten der (...) und seine Gefolgsleute versucht, ihn als damals Minder- jährigen zu entführen, um den Ruf seiner Famil ie zu schädigen, denn in D-2738/2014 3 Afghanistan würde mit minderjährigen Knaben gleich verfahren wie mit Frauen. Zu diesem Zweck sei ihm auf dem Schulweg aufgelauert worden, er habe jedoch flüchten können. Zusätzlich habe der (...) den Dorfältesten (Kalantar) bestochen, damit er rufschädigende Aussagen über seine F a- milie mache. Der Dorfälteste habe seine Mutter geschlagen, wes halb er den Dorfältesten geschlagen habe. Daraufhin habe dieser die Polizei g e- rufen, worauf er aus dem Haus geflüchtet sei, damit sich die Situation be- ruhigen könne. Wegen der angespannten Situation – er und seine Mutter hätten zeitweise in einem Zelt gelebt – hätten sie zuweilen beim Onke l mütterlicherseits übernachtet. Dabei habe sich eine Liebesbeziehung zwischen ihm und seiner Cousine entwic kelt, welche von seiner Tante entdeckt worden sei. Sie habe ihn daraufhin übel beschimpft, aus dem Haus geworfen und gedroht, alles dem Onkel zu erzählen. Seither habe er das Haus nicht mehr betreten dürfen und bis zu seiner Flucht zirka sieben Tage später mit der Mutter im Zelt übernachtet. Die Mutter und der ältere Bruder würden inzwischen in einer Wohnung in B._______ leben, den Lebensunterhalt bestreite der Bruder mit Mathematik- und Englisch- unterricht. Nach Afghanistan könne er nicht zurück, da er d ie Rache des (...), des Dorfältesten und des Onkels fürchte und im Falle eines Strafver- fahrens eine unverhältnismässige Strafe oder gar Folter zu gewärtigen hätte. In der Schweiz gehe er zur Schule und könne eine Ausbildung m a- chen. B. Mit Verfügung vom 24. April 2014 – eröffnet am 26. April 2014 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegwei- sung und ordnete den Vollzug der Wegweisung aus der Schweiz an. C. Mit Eingabe vom 30. April 2014 stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch um Akteneinsicht, welchem mit Verfügung vom 8. Mai 2014 teilweise ent- sprochen wurde. D. D.a Mit Beschwerde vom 20. Mai 2014 an das Bundesverwaltungsgericht be- antragte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter die Aufh e- bung der angefochtenen Verfügung. Es sei ihm Asyl oder eventuell die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung e r-D-2738/2014 4 sucht. Der Besch werde lagen die angefochtene Verfügung , die Anwalt s- vollmacht und weitere Dokumente bei. D.b Am 28. Mai 2014 liess der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestät i- gung des Bezirks D._______ einreichen. E. E.a Der Instruktionsrichter stellte fest, der Beschwerdeführer könn e den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und entsprach dem Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit Zwi- schenverfügung vom 4. Juni 2014. Ferner wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, bis am 15. Juni 2014 mitzuteilen, wie er in den Besitz der in der Beschwerde erwähnten Originaldokumente gekommen sei , und die der Zwischenverfügung beiliegenden Kopien bis am 19. Juni 2014 in eine Amtssprache übersetzen zu lassen , andernfalls gestützt auf die Aktenl a- ge entschieden werde. E.b Mit Eingabe vom 18. Juni 2014 liess der Beschwerdeführer ausfü h- ren, dass er die Originaldokumente von seinem Brud er erhalten habe, welche ihm vom Kalantar ausgehändigt worden seien. Zudem liess er die Übersetzung des Dokuments des Untersuchungsausschusses der "Rechtsabteilung der Justizgewalt der Provinz B._______"(Haftbefehl) zu den Akten reichen, wonach er aufgrund der Vorkommnisse vor Gericht polizeilich gesucht werde und bei Sichtkontakt zu verhaften sei. Das zwei- te Schreiben stelle die Aufforderung an den Dorfältesten dar, ihn umge- hend festzunehmen. Eine korrigierte Version der Übersetzung wurde mit Eingabe vom 24. Juni 2014 nachgereicht. F. F.a Das BFM hielt in der Vernehmlassung vom 2 8. Juli 2014 vollumfäng- lich an seiner Verfügung fest, beantragte die Abweisung der Beschwerde und begründete dies wie folgt: Das Asylgesuch sei wegen der fehlenden Asylrelevanz abgelehnt worden und nicht mangels Glaubhaftigkeit der Aussagen. Die beiden neu eingereichten Beweismittel vermöchten nichts an der Tatsache zu ändern, dass es sich bei der Schlägerei möglicherwei- se um eine verübte Straftat handle, deren staatliche Strafverfolgung leg i- tim sei. F.b Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 28. August 2014 zur Replik gebracht. D-2738/2014 5 F.c Mit Replik vom 8. September 2014 wurde an der Asylrelevanz der Vorbringen festgehalten und Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1 Gemäss Absatz 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012 des Asylgesetzes gilt für die im Zeitpunkt des Inkraf t- tretens der Änderung vom 14. Dezember 2012 dieses Gesetzes hängigen Verfahren mit Ausnahme der Absätze 2–4 das neue Recht. 2.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-2738/2014 6 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namen tlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteili- gung als wahrscheinlich und dementspre chend die Furcht davor als re a- listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 S. 827 f., BVGE 2010 44 E. 3.4 S. 620 f.). 3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht ents prechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. Nachfolgend ist zu prüfen, ob das BFM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG zu Recht verneint hat. 4.1 Das BFM begrün dete seinen Entscheid damit, dass den Aussagen des Beschwerdeführers keine Hinweise entnommen werden können, dass die geltend gemachte Verfolgung ihn aus einem der in Art. 3 AsylG erwähnten Gründe getroffen habe. Unter Verweis auf BVGE 2011/49, E. 7.3.3. ff. führt es aus, dass in B._______ eine mit in Kabul vergleichba-D-2738/2014 7 re Sicherheitslage herrsche und die Stadt über eine funktionierende A d- ministration verfüge. Die geltend gemachten Drohungen durch den (...) stellten private Übergriffe dar, welchen mithilfe des in B._______ funktio- nierenden Gerichtssystems beizukommen sei. Sodann sei die Angst vor einer Entführung nicht mehr begründet, da der (...) vor seiner Ausreise keinen weiteren Entführungsversuch mehr unternommen habe und z u- dem sein Ziel, sich das erwähnte Grundstück zu eigen zu machen, e r- reicht habe. Es sei vom Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch seinen Heimatstaat auszugehen. Betreffend d ie Schlägerei mit dem Do r- fältesten handle es sich um eine legitime staatliche Strafverfolgung. Au ch vom Onkel mütterlicherseits drohe ihm keine Verfolgung, da er ihn wä h- rend der Woche, in welcher er im Zelt übernachtet habe, keine Kons e- quenzen wegen der Liebesbeziehung mit der Cousine habe spüren la s- sen. 4.2 4.2.1 In der Besch werde wird geltend gemacht, dass s ich das Bunde s- verwaltungsgericht in BVGE 2011/49, E. 7.3.3. ff . zur Frage der Zumut- barkeit des Wegweisungsvollzuges nach B._______ äussere. Die Vori n- stanz schliesse aus diesen Erwägungen, dass in B._______ eine funktio- nierende Administration einschliesslich eines funktionierenden und allge- mein zugänglichen Gerichtswesens vorhanden sei, was die Einleitung e i- nes Strafverfahrens gegen den (...) bestätige. In diesem Punkt sei der Vorinstanz zu widersprechen, da B._______ zwar über ein Gerichtsw e- sen verfüge, dieses jedoch keinesfalls frei von Korruption sei und keinen gleichwertigen Schutz aller Bürgerinnen und Bürger garantiere. Nicht oh- ne Grund belege Afghanistan den letzten Platz des Welt - korruptionsindexes von Transparency International und die Korruption ziehe sich bis in die obersten Regierungskreise. Das BFM habe die Rechtsprechung zum Wegweisungsvollzug jedoch auf den Asylpunkt a n- gewendet und den Umkehrschluss gezogen, dass der Beschwerdeführer ein faires Gerichtsverfahren gehabt haben müsse und staatlichen Schutz erhalten könne. Dieser Umkehrschluss ergebe sich jedoch nicht aus der zitierten Rechtsprechung. Die Lagebeurteilung beziehe sich auf die allge- meine Lage des Landes und das Bundesverwaltungsgericht stelle keines- falls fest, dass es in Einzelfällen nicht auch in afghanischen Grossstädten zu Korruption und einem mangelnden Schutz vo n Privatpersonen durch den Staat kommen könne. Dies sei vorliegend von Bedeutung, da der (...) ein reicher Mann und in B._______ sehr einflussreich sei, er sei gar die rechte Hand des umstrittenen afghanischen (…) E._______. Im Gegen-D-2738/2014 8 satz zu einer legitimen Strafverfolgung, welche der Beschwerdeführer auch in der Schweiz nach einer Schlägerei in einem Gerichtssaal zu e r- warten hätte, befürchte er aufgrund der aufgezeigten Umstände zu Recht, dass er aus dem Verkehr gezogen werde und mit Folter oder einer langen Haftstrafe zu rechnen habe. 4.2.2 Der Beschwerdeführer habe glaubwürdig dargelegt, dass seine Fa- milie seit dem Tod des Vaters nicht geschützt worden sei und es ang e- sichts der Machtverhältnisse naiv und realitätsfremd sei, davon auszug e- hen, dass Polizei und Justiz schutzwillig seien. Das Ausgeführte werde durch den Umstand belegt, dass das Grundstück der Fa milie weggenom- men und anschliessend dem (...) übergeben worden sei. 4.2.3 Der (...) schrecke nicht vor illegalen Massnahmen zurück, wie die versuchte Entführung aufzeige. Wenn der Beschwerdeführer in seinem Asylgesuch ausführe, dass "Minderjährige in Afghanistan wie Frauen be- handelt werden", bedeute das nichts anderes, als da ss Minderjährige vergewaltigt und damit entehrt würden , unter anderem um so den Wider- stand unliebsamer Personen zu brechen. Er habe dieser Prozedur nur dank seiner Flucht entkommen können. Das BFM deute an, dass die missglückte Entführung nicht bedrohlich gewesen sei, da sich der B e- schwerdeführer noch eine Woche lang in seiner Heimat aufgehalten und die Schule besucht habe. Tatsächlich sei er in der Schule a ufgrund der vielen Menschen sicher gewesen, da ein Übergriff in aller Öffentlichkeit nicht möglich gewesen sei. Zudem habe der (...) nicht damit rechnen können, dass er nach einer Woche aus dem Land fliehe n werde. Der (...) habe gedacht, eine Entführung au ch später vornehmen zu können. Zu- dem sei der Konflikt aufgrund des laufenden Stra fverfahrens noch immer aktuell. 4.2.4 Ungeachtet dessen, dass die Wegnahme des Hauses durch den (...) bereits erfolgt sei, könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Bedrohung durch denselben nicht mehr a ktuell sei. In der afghanischen Gesellschaft würden Ehrverletzungen, worunter auch eine öffentliche Schlägerei mit einem minderjährigen Jungen in einem Gerichtssaal falle, bis aufs Blut ausgefochten . Da er der Vergeltung des (...) habe entkom- men können, habe er bei einer Rückkehr die Rache der einflussreichen Familie desselben zu befürchten. 4.2.5 Abschliessend wird ausgeführt, dass der Umstand, dass der B e- schwerdeführer als (…) kurz vor seinem Schulabschluss stand und in D-2738/2014 9 dieser Pha se seine Familie und seine Heimat verlassen habe, deutlich aufzeige, dass er in Furcht um sein Leben gewesen sei. 4.3 4.3.1 Der Beschwerdeführer lässt zu Recht darauf hin weisen, dass sich die von der Vorinstanz zitierte Rechtsprechung des Bundesverwaltung s- gerichts zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach B._______ äussert und nicht den Asylpunkt zum Inhalt hat. Zutreffend ist auch, dass aus der Feststellung, dass B._______ grundsätzlich über ein funktioni e- rendes und allgemein zugängliches Gerichtswesen verfügt, nicht ohne weiteres darauf geschlossen werden kann, dass der Beschwerdeführer ein faires Verfahren gehabt haben muss beziehungsweise eine gerechte Bestrafung zu gewärtigen haben wird. E benso wenig kann jedoch aus dem Umstand, dass Afghanistan den letzten Platz des Weltkorruptionsin- dexes belegt, abgeleitet werden, dass auf das Strafverfahren durch Ko r- ruption eingewirkt wurde beziehungsweise eingewirkt werden wird. Die Asylrelevanz des Vorbringens ist vielmehr einzelfallbezogen und gestützt auf die Aktenlage zu prüfen. Aus dem zu den Akten gereichten Haftbefehl geht Folgendes hervor: Der Beschwerdeführer sei in einen Streit mit "zwei Vertretern der Rechtsabtei- lung wegen einer Angelegenheit mit seinem Familienhaus" verwickelt g e- wesen. Da er zum Zeitpunkt des Vorfalls minderjährig gewesen sei, sei er gegen Kaution freigelassen worden. Jetzt, wo er 18 Jahre alt sei, werde sein Haftbefehl formell erteilt. Er sei zu verhaften und so schnell wie mög- lich vorzuladen. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers sp richt der U m- stand, dass er aufgrund seiner Minderjährigkeit gegen Kaution freigela s- sen und der Haftbefehl erst nach Erreichen der Volljährigkeit ausgestellt wurde, für die Durchführung eines fairen Verfahren. Wären der (...) und seine Gefolgsleute so einfl ussreich und das zuständige Gericht bezi e- hungsweise der zuständige Haftrichter so korrupt, wie vom Beschwerd e- führer vorgebracht, ist nicht nachvollziehbar, weshalb er wegen seines Al- ters gegen Kaution hätte aus der Haft entlassen werden sollen. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass der (...) und seine Gefolgsleute derge- stalt auf das Verfahren eingewirkt hätten, dass er minderjährig inhaftiert geblieben wäre, um ihr angebliches Ansinnen, der Familienehre zu sch a- den, voranzutreiben. Das Ausgeführte erlaubt den Rückschluss, dass der (...) und seine Gefolgsleute nicht über dem Gesetz stehen dürften, wes- halb die Furcht vor einem willkürlichen Strafverfahren und einer unve r-D-2738/2014 10 hältnismässigen Strafe als unbegründet erscheint. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz kom mt das Gericht somit zum Schluss, dass es sich beim Verfahren gegen den Beschwerdeführer um ein legitimes Strafve r- fahren handelt und keine Anzeichen für eine unverhältnismässig lange Haftdauer oder Folter erkennbar sind, weshalb die dargelegte Furcht nicht als asylrelevant im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zu qualifizieren ist. Davon unbenommen ist vollständigkeitshalber festzuhalten, dass General E._______ im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung nicht Vizepräsident Afghanistans war, ein angebliches Arbeits - beziehungsweise Freun d- schaftsverhältnis zwischen ihm und dem (...) durch nichts belegt wird und Internetrecherchen des Gerichts in Bezug auf E._______ ergebnisreich ausfielen, hingegen kein einziger Beitrag den (...) betreffend erhältlich gemacht werden ko nnte, obwohl dieser angeblic h Chef des (…) B._______s gewesen sein soll. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass er, wenn überhaupt, weniger einflussreich ist als vom Beschwerdeführer befürchtet. 4.3.2 Den Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach die Familie seit dem Tod des Vaters nicht geschützt worden sei, ist entgegenzuhalten, dass letzterer 1994 oder 1995 gestorben ist und bis auf die Eigentum s- streitigkeit mit dem (...), welche im Jahr 2011 ihren Ursprung nahm und durch dessen Besitznahme des Haus es ihr Ende fand , keine weiteren Vorfälle geltend gemacht werden, aus denen hervorgeht, dass die Familie "seit dem Tod des Vaters nicht geschützt wurde und dass ihnen keine Hil- fe zur Seite stand". Vielmehr kann festgehalten werden, dass die Familie während rund 16 Jahren unbehelligt gelebt hat und auch seit der Ausreise des Beschwerdeführers im Jahr 2012 keine Schwierigkeiten mit den Be- hörden oder Privatpersonen bekannt sind. Vor diesem Hintergrund kann der Behauptung, wonach es angesichts der Machtverhältnisse naiv und realitätsfern wäre, davon auszugehen, dass Polizei und Justiz schutzwillig wären, nicht zugestimmt werden. 4.3.3 Auch was die Einschätzung eines erneuten Entführungsversuchs durch den (...) und seine Gefolgsleute betrifft, teilt das G ericht die Auffas- sung der Vorinstanz. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann auf die zutreffenden Erwägungen in der vorinstanzlichen Verfügung ve r- wiesen werden. Zusätzlich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in der Woche vor seiner Ausreise mit seiner Mutter in einem Zelt übernac h- tet hat, was die Behauptung, dass eine erneute Entführung lediglich auf- grund der Tatsache, dass es in der Schule viele Leute gehabt habe und D-2738/2014 11 ein Übergriff in aller Öffentlichkeit nicht möglich gewesen sei, entkräftet. Zudem soll der (...) mit der Entführung des damals minderjährigen B e- schwerdeführers die Entehrung seiner Familie bezweckt haben, weil er sich davon bessere Karten im Streit um das Haus erhoffte. Da der B e- schwerdeführer inzwischen volljährig ist und das Haus im Eigentum des (...) steht, ist nicht ersichtlich, welchen Interessen eine allfällige Entfü h- rung dienen könnte. 4.3.4 Schliesslich vermag auch die Feststellung, in Afghanistan seien Blutfehden in gewissen Regionen üblich und solche würden nicht mittels Streitbeilegung durch formelle Justizmechanismen beendet, nichts z u- gunsten des Beschwerdeführers zu bewirken. Den Akten lassen sich kei- ne Hinweise entnehmen, wonach der Beschwerdeführer oder seine Fami- lie in eine Blutfehde involviert wären. Der Umstand, da ss eine Eige n- tumsstreitigkeit, eine Schlägerei, ein Entführungsversuch und allfällige Verleumdungen durch den (...) und seine Gefolgsleute stattgefunden h a- ben, reicht als Indiz für das Vorliegen einer Blutfehde jedenfalls nicht aus. Dagegen spricht auch di e Tatsache, dass die Familie des Beschwerd e- führers offenbar keinen Belästigungen durch den (...) und seine Gefolgs- leute mehr ausgesetzt war. 4.3.5 In Bezug auf die Umarmung zwischen dem Besc hwerdeführer und seiner Cousine und damit zusammenhängenden allfälligen Konsequen- zen wird auf einen Bericht des Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation , abrufbar unter: <http://www.ecoi.net/local_link/249861/375947_de.html> verwiesen. Di e- sem zufolge stelle eine vor- bzw. aussereheliche Beziehung zwischen ei- nem jungen Mann und einer jungen Frau eine ernste Verletzung der F a- milienehre, und insbesondere der Ehre der Familie der Frau dar. Die F a- milie der Frau könne damit drohen, s owohl die eigene Tochter als auch den Mann und seine Familie zu töten. Unbestrittenermassen ist in der afghanischen Gesellschaft eine konserva- tive Moralvorstellung verankert, welche schlimmstenfalls in Steinigungen oder anderen Formen der Barbarbei Ausdru ck finde n kann . Allerdings kann aus diesem Umstand nicht geschlossen werden, dass die Beteili g- ten einer ausserehelichen Beziehung zwangsläufig solchen Konsequen- zen ausgesetzt werden. Im vorliegenden Fall wird geltend gemacht, dass der Beschwerdeführer des Hauses verwiesen worden ist und ein Haus- verbot erhalten hat, nachdem seine Tante ihrem Ehemann von der U m- armung zwischen de r Tochter und dem Beschwerdeführer erzählt hat. D-2738/2014 12 Weitere Konsequenzen , namentlich auch gegenüber der Cousine, sind nicht bekannt. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass es der Onkel beim Hausverbot hat bewenden lassen woll en. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der Onkel, nachdem er über den Vorfall informiert wurde, gesagt haben soll, dass er den Beschwerdeführer oder sei ne Tochter getötet hätte, wenn er früher davon erfahren hätte. Da die Cousi- ne bis heute keine ernsthaften Konsequenzen wegen der Umar mung er- fahren musste, ist der Äusserung des Onkels – welche in eine m aufge- brachten Gemütszustand vorgebracht worden sein dürfte – nicht allzu viel Gewicht beizumessen. 4.4 In Würdigung der gesamten Umstände und der Vorbringen des B e- schwerdeführers ist zusammenfassend festzustellen, dass er keine Grün- de nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen kann, weshalb die Voraussetzung en für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt sind. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde im Einzelnen einzugehen, da sie an der Würdigung des vo r- liegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie D-2738/2014 13 bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entg egenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausr eise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder e r- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da r- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefäh r- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Afghanistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Afghanistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, D-2738/2014 14 §§ 124–127 m.w.H.). Ein solcher Nachweis ist ihm unter Verweis auf die Erwägungen zum Asylpunkt nicht gelungen. Die allgemeine Menschenrechtssituation in Afghanistan lässt den We g- weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt für sich allein nicht als unzulä s- sig erscheinen. Nach dem Gesagten i st der Vollzug der Wegweisung s o- wohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu- lässig. 6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.4.1 Betreffend die allgemeine Lage in Afghanistan ist auf die vom Bu n- desverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung im Grundsatzurteil BVGE 2011/7 zu verweisen, welche nach wie vor als zutreffend zu erach- ten ist. Nach eingehender Lageanalyse stellte das Bundesverwaltungsge- richt dar in fest, dass die Sicherheitslage sowie die humanitären Bedi n- gungen in weiten Teilen Afghanistans – ausser allenfalls in den Gros s- städten – äusserst schlecht seien. Es kam deshalb zum Schluss, dass die Situation in Afghanistan praktisch flächendeckend als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Von dieser allgemei- nen Feststellung sei die Situation in der Hauptstadt Kabul zu untersche i- den. Angesichts dessen, dass sich dort die Sicherheitslage im Verlauf des vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die humanitäre Situation im Vergleich zu den übrigen Gebieten etwas weniger dramatisch sei, könne der Vollzug der Wegweisung nach Kabul unter bestimmten, im Einzelfall sorgfältig zu prüfenden Umständen als zumutbar qual ifiziert werden. Solche Umstände könnten grundsätzlich namentlich dann geg e- ben sein, wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, gesunden Mann handle. Sodann sei in erster Linie ein soziales Netz unabdingbar, welches sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehrers als tragfähig erweise; denn ohne Unterstützung durch Fam i- lie oder Bekannte würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul unweigerlich in eine existenzielle beziehungsweise lebensbedr o- hende Situation führen. Fü r einen Rückkehrer aus Europa bestehe nach der Ankunft in Kabul ein erhöhtes Risiko, entführt oder überfallen zu we r- den, da vermutet werde, er trage Devisen auf sich. Verfüge er über keine D-2738/2014 15 genügenden finanziellen Mittel, hätte er ohne soziale Vernetzung ka um Aussicht auf eine zumutbare – das heisst winterfeste und mit minimaler sanitärer Einrichtung ausgestattete – Unterkunft. Auch für die Arbeitss u- che seien persönliche Beziehungen unerlässlich, da eine Einstellung (s o- gar von unqualifizierten Arbeitskräften) regelmässig nur aufgrund persö n- licher Empfehlungen erfolge. Eine auch nur einigermassen gesunde E r- nährung wäre ohne die Hilfe von nahestehenden Personen ebenfalls kaum möglich, der Zugang zu sauberem Trinkwasser schwierig; Unte r- stützungsmassnahmen der Re gierung oder internationaler Organisati o- nen könnten laut zuverlässigen Quellen daran nichts ändern. Ohne eine soziale Vernetzung würde daher auch ein junger und grundsätzlich g e- sunder Mann unweigerlich innert absehbarer Zeit in eine existenzbedr o- hende Situation geraten (vgl. a.a.O. E. 9.3 ff.). Das Bundesverwaltung s- gericht kam in der Folge in zwei weiteren publizierten Entscheiden zum Schluss, dass unter Voraussetzung der genannten begünstigenden U m- stände ein Vollzug der Wegweisung auch in die Städte Herat (vgl. BVGE 2011/38) und Mazar-e Sharif (vgl. BVGE 2011/49) zumutbar sein könne. 6.4.2 Beim Beschwerdeführer handelt es sich den Akten zufolge um ei - nen heute (…) alleinstehenden Mann ohne aktenkundige gesund - heitliche Probleme , der vor seiner Ausreise sein ganze s Leben in B._______ verbrachte. Er besuchte die Schule bis zur zehnten Klasse, verfügt wegen seiner Ausreise im laufenden Schuljahr jedoch über keinen Schulabschluss. Er arbeitete gemäss eigenen Angaben viel, unter and e- rem als (…) und als (…) bei einem ihm bekannten Mechaniker, wo er e i- niges lernen konnte. Er verfügt somit nicht über eine Berufsausbildung im westeuropäischen Sinn, jedoch ist es im afghanischen Kontext durchaus üblich, dass Jugendliche auf diese Art und Weise in die Erwerbstätigkeit einsteigen. Die erworbene Arbeitserfahrung ist daher im Hinblick auf eine Wiedereingliederung in den afghanischen Arbeitsmarkt als nützlich zu e r- achten. Die Mutter und der Bruder d es Beschwerdeführers teilen sich e i- ne Wohnung in B._______, womit der Beschwerdeführer in B._______ über ein Beziehungsnetz und eine Wohnmöglichkeit verfügt. Aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen, dass die Mutter und der jüngere Bruder des Beschwerdeführers in Afghanistan in bescheidenen Verhältnissen l e- ben; möglicherweise werden sie von den Familien der beiden Schwestern des Beschwerdeführers und seinen beiden Onkeln väterlicherseits, die Geschäftsmänner sind, unterstützt. Zudem verfügt die Familie auch über Ackerland in F._______ und G._______, welches gelegentlich Reis und Weizen einbringt (A29, S. 3f.). Da er in B._______ aufgewachsen und zur D-2738/2014 16 Schule gegangen ist, erscheint es überdies als wahrscheinlich, dass er dort abgesehen von seinen Familienangehörigen auch noch über Freu n- de und Bekannte verfügt, die ihm insbesondere bei der Arbeitssuche be- hilflich sein könnten. Es steht ihm im Übrigen auch offen, beim BFM einen Antrag auf individuelle Rückkehrhilfe zu stellen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 73 ff. der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2; SR 142.312]). 6.4.3 Damit liegen im vorliegenden Fall begünstigende Umstände im Sin - ne der vorerwähnten Rechtsprechung vor, und es ist nach dem Gesagten nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach B._______ in eine existenzielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers ist daher als zumutbar zu erachten. 6.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be - schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zw i- schenverfügung vom 4. Juni 2014 die unentgeltliche Rechtspflege g e- währt wurde und sich an den diesbezüglichen Voraussetzungen nichts geändert hat, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 8.2 Mit Zwischenverfügung vom 4. Juni 2014 wurde das Gesuch um Be i- ordnung des Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand gutgehei s- sen. Mit der Eingabe vom 20. Mai 2014 wurde ein Aufwand von sieben D-2738/2014 17 Stunden (Stundenansatz: Fr. 194. –) und eine einmalige Nebenkoste n- pauschale von Fr. 50. – geltend gemacht. Eine Erhöhung des Aufwandes auf Stufe Vernehmlassung blieb vorbehalten. Das Bundesve rwaltungsge- richt erachtet aufgrund der weiteren Eingaben auf Stufe Vernehmlassung einen zeitlichen Auf wand von acht Stunden und die veranschlagte Sp e- senpauschale von Fr. 50. – als angemessen. Demnach ist das durch das Bundesverwaltungsgericht auszurichtende amtliche Honorar auf Fr. 1'602.– festzulegen (Aufwand inkl. MWST Fr. 1552.–, Spesenpa u- schale Fr. 50.–). (Dispositiv nächste Seite) D-2738/2014 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das Bundesverwaltungsgericht entrichtet dem als amtliche r Rechtsbei- stand eingesetzten Urs Jehle ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'602. – (inkl. Auslagen und MWST). 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Martina Kunert Versand: