B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4022/2013 U r t e i l v o m 1 3 . M ä r z 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Walter Stöckli, mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Juni 2013 / N (…). E-4022/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland am 31. Mai 2008 und reiste am 5. Juni 2008 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. An der summarischen Befragung vom 10. Juni 2008 wurde er zu den Personalien und den Ausreisegründen be- fragt. Am 6. November 2008 fand die Anhörung zu den Asylgründen statt. Während des vorinstanzlichen Verfahrens reichte er eine sri-lankische Identitätskarte, zwei Bestätigungen von sri -lankischen nichtstaatlichen Organisation und vier Fotos ein. B. Mit Verfügung vom 10. Juni 2013 – eröffnet am 11. Juni 2013 – wies das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, verfügte seine Wegwei- sung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. C. Mit Beschwerde vom 11. Juli 2013 beantragte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht, die Verfügung des BFM sei aufzuheben und die Angelegenheit zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts und Neubeurteilung ans BFM zurückzuweisen . Eventualiter sei die ang e- fochtene Verfügung aufzuheben , die Flüchtlingseigenschaft anzuerke n- nen und Asyl zu gewähren oder es sei die vorläufige Aufnahme anzuor d- nen. Ferner äusserte er den Wunsch, die Namen des Spruchgremiums und des Gerichtsschreibers zu erfahren und beantragte, es sei ihm eine Frist zur Beib ringung weiterer Ergänzungen respektive Beweismittel a n- zusetzen. Der Beschwerde wurden 69 Beweismittel beigelegt. D. Mit Zwischenverfügung vom 11. Juli 2013 teilte das Bundesverwaltungs- gericht wunschgemäss die Namen des voraussichtlichen Spruchgremi- ums und des Gerichtsschreibers mit, wies die Anträge auf Ansetzung ei- ner Frist zur allfälligen Beschwerdeergänzung respektive zur Einreichung weiterer Beweismittel ab, verlegte die Behandlung der weiteren Anträge auf einen späteren Termin und erhob einen Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 800.– ein, welcher fristgerecht geleistet wurde. E. Seinen Schreiben vom 2. und 7. August 2013 legte der Beschwerdeführer zehn weitere Unterlagen bei. Die Honorarnote des Rechtsvertreters d a- tiert vom 22. November 2013. E-4022/2013 Seite 3 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme i.S. von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetz es vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bez iehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters zu behandeln, weil sie sich im Ergeb- nis als offensichtlich begründet erweist (Art. 111 Bst. e AsylG). 2. 2.1 Die Vorinstanz ist in Verfahren, die Staatsangehörige Sri Lankas tami- lischer Ethnie betreffen, systematisch dazu übergegangen, keine Ausre i- sefristen mehr zu verhängen und bereits angeordnete Ausreisefristen aufzuheben. Faktisch zieht sie damit sämtliche Verfahren (auch solche im Vollzugsstadium) in Wiedererwägung, und zwar unbesehen der konkreten Umstände im Einzelfall. Das vorinstanzliche Vorgehen geht auf zwei im August 2013 bekannt gewordene Vorfälle sri -lankischer Rückkehrer z u- rück, welche in der Schweiz je weils erfolglos ein Asylverfahren durchla u- fen haben und weggewiesen wurden. Die sri -lankischen Behörden haben die tamilischen Rückkehrer bei der Wiedereinreise in Haft genommen. E-4022/2013 Seite 4 Daraufhin stellte die Vorinstanz in Aussicht, die beiden Vorfälle und eine allfällige Veränderung der allgemeinen Situation und insbesondere die Lage der Rückkehrenden in Sri Lanka vertieft abzuklären. Hierfür ersuch- te sie das Uno -Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR), die beiden Fälle einer Qualitätsprüfung zu unterziehen sowie anschliessend die Dossiers jener Personen zu überprüfen, deren Gesuche rechtskräftig a b- gelehnt worden sind und die mit der Rückführung nach Sri Lanka hätten rechnen müssen. Die Vorinstanz geht damit davon aus, dass der Sachverhalt, wie er der Verfügung vom 12. April 2013 zugrunde liegt, offensichtlich nicht vollstän- dig festgestellt ist. Denn es besteht kein Zweifel, dass eine neue Lageb e- urteilung vor Ort sich im Wegweisungsvollzugspunkt auf die konkrete Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts auswirken kann. 2.2 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindl i- chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückwe i- sung an die Vorinstanz ist insbesondere angeze igt, wenn weitere Tats a- chen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die Beschwerdeinstanz kann die in diesen Fällen fe h- lende Entscheidungsreife zwar grundsätzlich selbst herstellen, wenn dies im Einzelfall aus proz essökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). Vorliegend liegt der Mangel in einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung, wobei die u n- terbliebenen notwendigen Abklärungen eine relativ aufwändige und u m- fangreiche Beweiserhebung darstellen, weshalb sich eine Kassation der angefochtenen Verfügung rechtfertigt. Im Übrigen bleibt auf diese Weise der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als das Bundesve r- waltungsgericht letztinstanzlich entscheidet. 3. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung sowie zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die vor- instanzlichen Akten sowie das Beschwerdedossie r, das ebenfalls Pr o- zessstoff des vorinstanzlichen Verfahrens bilden wird, werden dem BFM zugestellt. Auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe ist auf- grund der vorliegenden Kassation zum heutigen Zeitpunkt nicht näher einzugehen. E-4022/2013 Seite 5 4. 4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der am 2. August 2013 geleistete Koste n- vorschuss in der Höhe von Fr. 800.- ist zurückzuerstatten. 4.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements v om 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Das Bundesverwaltungsgericht erachtet den in der eingereichten Koste n- note ausgewiesenen zeitlichen Vertretungsaufwand von über 26 Stunden als überrissen, zumal die weitaus meisten Beweismittel keinen individuel- len Bezug zum Beschwerdeführer aufweisen und daher nur mittelbar für das vorliegende Beschwerdeverfahren aussagekräftig sind , die Be- schwerdebegründung sich über weite Strecken – und deckungsgleich mit den Rechtsschriften in anderen Beschwerdeverfahren – mit der allgemei- nen Lage in Sri Lanka befasst und teilweise redundante Ausführungen enthält. Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 ff. VGKE) und der Entschädig ungspraxis in vergleichbaren Fällen hat das BFM dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 1800.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) E-4022/2013 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 10. Juni 2013 wird aufgehoben und die S a- che im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz z u- rückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der am 2. August 2013 ge- leistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– wird zurückerstattet. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung v on Fr. 1800.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand: