Abteilung IV D-5290/2009 {T 0/2} U r t e i l v o m 4 . N o v e m b e r 2 0 1 0 Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Jenny De Coulon Scuntaro, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiber Martin Scheyli A._______ B._______, geboren [...], und C._______ D._______, geboren [...], sowie deren Kinder E._______ B._______, geboren [...], F._______ B._______, geboren [...], und G ._______ B._______, geboren [...], Syrien, vertreten durch Nicole Hohl, Advokatin, Advokatur Gysin und Roth, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Juli 2009 / N [...] B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-5290/2009 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden sind syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie und stammen aus H._______ (kurdische Bezeichnung) bezie- hungsweise I._______ (arabische Bezeichnung) in der Provinz Al Hasa kah. Gemäss ihren Angaben verliessen sie Syrien am [...]. Januar 2009 mit dem Flugzeug in Richtung Türkei. Über ihnen unbekannte Länder reisten sie am 5. Februar 2009 illegal in die Schweiz ein und stellten gleichentags beim Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel Asylgesuche. Am 10. Februar 2009 wurden sie durch das Bundesamt für Migration (BFM) summarisch sowie am 23. Februar 2009 eingehend zu ihren Asylgründen befragt. Anschliessend wurden sie für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Basel-Landschaft zuge- wiesen. B. B.a Die Beschwerdeführenden machten anlässlich der durchgeführten Be fragungen geltend, sie hätten Syrien aufgrund der Probleme ver- lassen müssen, die der Ehemann mit den syrischen Sicherheitsbe- hörden gehabt habe. B.b Der Ehemann (Beschwerdeführer) sei zwar nicht in einer politi- schen Partei aktiv gewesen, habe aber immer wieder an Demonstra- tionen teilgenommen. Im März 2004 sei er – wie tausende anderer Kurden – im Anschluss an die politischen Unruhen von Qamishli ver- haftet und während vier Tagen festgehalten worden. Im Juni 2008 habe er auf Wunsch von Ismaîl Amo, dem Vorsitzenden der kurdischen Ye- kiti-Partei, im Haus seiner Familie eine Veranstaltung organisiert, die von hundert bis zweihundert Menschen besucht worden sei. Einige Tage später sei er durch den syrischen Staatssicherheitsdienst (Idarat al-Amn) vorgeladen und zur Veranstaltung befragt worden. Er habe versichern müssen, dass er solcherlei Aktivitäten künftig unterlassen werde. Ansonsten habe dies für ihn keine weiteren Konsequenzen gehabt. Am 2. November 2008 habe er vor dem syrischen Parlament in Damaskus an einer Demonstration gegen den Erlass eines Geset- zes teilgenommen, das die Enteignung von Kurden vorgesehen habe. Dabei sei er in einer Gruppe von zehn Leuten an der Verbrennung einer syrischen Flagge beteiligt gewesen. Die syrischen Sicherheits- kräfte hätten die Demonstration sehr rasch aufgelöst und 195 Teil- nehmende verhaftet. Ihm selbst sei jedoch die Flucht gelungen, und in Seite 2D-5290/2009 der Folge habe er sich während zweier Monate in Damaskus, bei einem Freund namens J._______, verborgen gehalten. Durch seine Frau sei er darüber informiert worden, dass einige Tage nach der Demonstration dreimal Angehörige des Staatssicherheitsdiensts zum Haus der Familie in H._______/I._______ gekommen seien und nach ihm gefragt hätten. In der Folge habe er aus Furcht, inhaftiert zu wer- den, beschlossen ins Ausland zu fliehen, und zwischen dem 15. und dem 20. Dezember 2008 habe er J._______ zu seiner Ehefrau nach H._______/I._______ geschickt, um diese nach Damaskus zu holen. B.c Die Ehefrau (Beschwerdeführerin) gab zu den Gründen ihres Asylgesuchs an, sie habe in Syrien keine persönlichen Schwierigkei- ten gehabt, sondern sei wegen der Probleme ihres Ehemannes aus ihrem Heimatstaat ausgereist. Sie sei mit der Ausreise nicht einver- standen gewesen, habe aber mitgehen müssen. C. Mit Schreiben vom 16. März 2009 ersuchte das BFM die schweizeri- sche Botschaft in Syrien um Abklärung der Fragen, ob die Beschwer- deführenden syrische Pässe besässen, ob sie Syrien legal verlassen hätten und ob sie durch die syrischen Behörden gesucht würden. D. Mit Schreiben vom 8. April 2009 teilte die schweizerische Botschaft in Syrien dem BFM mit, Abklärungen ihres Vertrauensanwalts hätten er- geben, dass die Beschwerdeführenden Inhaber beziehungsweise In- haberin syrischer Reisepässe seien, Syrien am [...]. Januar 2009 vom Flughafen Damaskus in Richtung China verlassen hätten und durch die syrischen Behörden nicht gesucht würden. E. Mit Zwischenverfügung vom 21. April 2009 erteilte das BFM den Be- schwerdeführenden in Bezug auf die genannten Abklärungsergebnisse das rechtliche Gehör, mit Frist bis zum 1. Mai 2009. F. Mit Eingabe an das BFM vom 27. April 2009 zeigte die Rechtsvertre- terin die Übernahme des Vertretungsmandats an und ersuchte um Einsicht in die Verfahrensakten sowie Erstreckung der Frist zur Stel- lungnahme. Seite 3D-5290/2009 G. Mit Schreiben vom 30. April 2009 teilte das BFM der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden mit, auf das Gesuch um Einsicht in die Ver- fahrensakten werde zu einem späteren Zeitpunkt zurückgekommen, da die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei, und verlängerte die Frist zur Stellungnahme bis zum 14. Mai 2009. H. Mit Eingabe an das BFM vom 14. Mai 2009 nahmen die Beschwerde- führenden zu den Abklärungen der Botschaft Stellung. Dabei führten sie im Wesentlichen aus, es könne gut sein, dass sie nicht offiziell gesucht würden. Vielmehr würden sie inoffiziell durch den syrischen Geheimdienst gesucht, der aufgrund des Ausnahmezustands in Syrien mit unbegrenzter Befugnis agiere. Mit der Eingabe reichten die Beschwerdeführenden eine DVD ein, auf welcher ersichtlich sei, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise im Haus seiner Familie Versammlungen für die Yekiti-Partei durchgeführt habe. Es müsse als sicher gelten, dass diese Tätigkeit dem syrischen Geheimdienst zur Kenntnis gelangt sei und der Beschwerdeführer deshalb auf einer schwarzen Liste verzeichnet sei. Des Weiteren wurden zwei Photographien eingereicht, auf welchen der Beschwerdeführer als Teilnehmer einer am 12. März 2009 in Bern abgehaltenen Demonstra- tion gegen das syrische Regime zu erkennen sei. Diesbezüglich wurde als Beweismittel ausserdem ein anlässlich der Demonstration verteil- tes Flugblatt eingereicht. I. Mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2009 erteilte das BFM den Be- schwerdeführenden in Bezug auf folgenden Sachverhalt das rechtliche Gehör, mit Frist bis zum 22. Juni 2009: Der Beschwerdeführer habe anlässlich seiner Anhörungen angegeben, eine Woche nach der Demonstration vom 2. November 2008 habe ihm seine Frau mitgeteilt, dass die Behörden dreimal nach ihm gefragt hätten. Er wisse nicht genau, wann die Behördenbesuche stattgefunden hätten, da er in Damaskus bei einem Freund versteckt gewesen sei, und seine Frau ihn dort angerufen habe, um ihm von den Behördenbesuchen zu er- zählen. Ungefähr zwischen dem 15. und dem 20. Dezember 2008 habe er seinen Freund zu seiner Frau geschickt, um diese mit den Kindern nach Damaskus zu holen. Demgegenüber habe die Beschwerdeführe- rin anlässlich ihrer Anhörungen geltend gemacht, nach der Abreise ihres Mannes nach Damaskus habe sie erst wieder mit diesem Kon- Seite 4D-5290/2009 takt gehabt, als dessen Freund sie aufgesucht und nach Damaskus mitgenommen habe. Vor diesem Besuch des Freundes habe sie keine Möglichkeit gehabt, mit ihrem Mann Kontakt aufzunehmen. Sie wisse auch nicht, woher ihr Ehemann von den Behördenbesuchen gewusst habe. J. Mit Eingabe an das BFM vom 22. Juni 2009 ersuchten die Beschwer- deführenden durch ihre Rechtsvertreterin um Einsicht in die Befra- gungsprotokolle. K. Mit Schreiben vom 24. Juni 2009 teilte das BFM der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden mit, dem Antrag auf Einsicht in die Verfah- rensakten werde nicht stattgegeben, beziehungsweise man werde zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurückkommen. Gleichzeitig wurde die Frist zur Stellungnahme bis zum 6. Juli 2009 verlängert. L. Mit Eingabe an das BFM vom 6. Juli 2009 teilten die Beschwerdefüh- renden durch ihre Rechtsvertreterin im Wesentlichen mit, sie würden bestätigen, dass der Beschwerdeführer ungefähr eine Woche nach der Demonstration vom 2. November 2008 mit der Beschwerdeführerin te- lephoniert habe und dabei erfahren habe, dass die Geheimpolizei nach ihm gesucht habe. Im Übrigen habe auch der Vater des Be- schwerdeführeres mit diesem telephoniert und ihm von der Suche der Geheimpolizei berichtet. Kurz darauf habe der Beschwerdeführer einen Freund zu seiner Ehefrau geschickt, um sie nach Damaskus zu holen. Die Beschwerdeführerin sei Mitte November 2008 in Damaskus eingetroffen und habe sich ebenfalls Mitte November 2008 einen Pass ausstellen lassen. Die Angabe, dass der Freund die Beschwerdefüh- rerin erst zwischen dem 15. und dem 20. Dezember abgeholt habe, sei nicht korrekt; es müsse sich hierbei um ein Missverständnis handeln. M. Mit Zwischenverfügung vom 9. Juli 2009 erteilte das BFM der Rechts- vertreterin der Beschwerdeführenden Einsicht in die Verfahrensakten. N. Mit Verfügung vom 21. Juli 2009 lehnte das BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab. Zur Begründung führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, die Vorbringen der Beschwerdeführenden hielten Seite 5D-5290/2009 den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylge- setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand. Ferner hielt das Bundesamt dafür, die exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerde- führers in der Schweiz wiesen keine derartige Intensität auf, dass im Falle einer Rückkehr nach Syrien von einer konkreten Gefährdung auszugehen sei. Des Weiteren ordnete das BFM die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz an und erachtete den Vollzug als zulässig, zumutbar und möglich. O. Diese Verfügung fochten die Beschwerdeführenden mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 20. August 2009 beim Bundesverwaltungsge- richt an. Dabei beantragten sie die Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung, die Gutheissung ihrer Asylgesuche, eventualiter die Zurück- weisung der Sache zur Neubeurteilung durch das BFM sowie sub- eventualiter die Feststellung der Undurchführbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. In prozessualer Hinsicht beantragten die Beschwerdefüh- renden, es seien ihnen die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie die unentgeltli- che Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG zu gewähren. Mit der Eingabe wurden als Beweismittel in Bezug auf die exilpoliti- schen Aktivitäten des Beschwerdeführers eine Photographie einer Versammlung vom Mai 2009, eine Photographie einer Demonstration vom 20. Juni 2009 sowie ein Flugblatt eingereicht. Auf die Begründung der Beschwerde wie auch den Inhalt der eingereichten Beweismittel wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen einge- gangen. P. Mit Zwischenverfügung vom 26. August 2009 forderte der zuständige Instruktionsrichter die Beschwerdeführenden unter Androhung des Nichteintretens auf, bis zum 10. September 2009 eine Fürsorgebestä- tigung einzureichen oder einen Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zu leisten. Q. Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 9. September 2009 reichten die Beschwerdeführenden eine Fürsorgebestätigung sowie ein vom 2. September 2009 datierendes Bestätigungsschreiben der „Human Seite 6D-5290/2009 Rights Organization in Syria“, ausgestellt durch K._______ L._______, M._______, in Bezug auf den Beschwerdeführer ein. R. Mit Zwischenverfügung vom 11. September 2009 hiess der zuständige Instruktionsrichter das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Demgegenüber wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG abgelehnt. S. Mit Vernehmlassung vom 24. September 2009 hielt das BFM vollum- fänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be schwerde. Auf die dabei gemachten Ausführungen wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. T. Mit Zwischenverfügung vom 24. September 2009 wurde den Be- schwerdeführenden in Bezug auf die Vernehmlassung die Gelegenheit zur Replik erteilt. U. Mit Replik ihrer Rechtsvertreterin vom 13. Oktober 2009 äusserten sich die Beschwerdeführenden zur Vernehmlassung des Bundesamts. Auf die betreffenden Vorbringen wird, soweit für den Entscheid we- sentlich, in den Erwägungen eingegangen. V. Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 9. Dezember 2009 übermit- telten die Beschwerdeführenden als Beweismittel zwei Compact Discs, ein Flugblatt sowie die Kopie einer Photographie. Dabei führten sie aus, auf der einen CD befinde sich eine Filmaufnahme einer im August 2008 in Derek (Syrien) abgehaltenen Kundgebung, bei welcher der Beschwerdeführer teilgenommen habe. Auf der zweiten CD befinde sich eine Sendung des kurdischen Fernsehsenders „Roj TV“ vom 18. November 2009, in welcher über eine gleichentags in Genf abge- haltene Demonstration berichtet werde. Dabei habe der Beschwerde- führer vor dem Gebäude der Vereinten Nationen einen Hungerstreik durchgeführt und Flugblätter verteilt. Auf den Flugblättern sei zur So- lidarität mit den politischen Gefangenen in Syrien aufgerufen worden. Des Weiteren habe der Beschwerdeführer mit anderen Demonstrie- renden vor der syrischen Botschaft in Genf protestiert. Der Be- Seite 7D-5290/2009 schwerdeführer sei im Bericht von „Roj TV“ wie auch auf im Internet veröffentlichten Photographien der Demonstration gut als Teilnehmer zu erkennen. Nach der Ausstrahlung der Fernsehsendung sei der Va- ter des Beschwerdeführers von Mitgliedern des syrischen Geheim- diensts aufgesucht worden, und man habe diesen dazu aufgefordert, seinen Sohn dazu anzuhalten, inskünftig regimekritische Handlungen zu unterlassen. W. Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 23. März 2010 teilten die Be- schwerdeführenden im Wesentlichen mit, der Beschwerdeführer habe am 11. März 2010 an einem Protestmarsch der PYD (Partiya Yekitîya Demo krat; Democratic Union Party) vom Gebäude der Vereinten Na- tionen zur syrischen Vertretung in Genf teilgenommen, bei welcher der Ermordung zahlreicher Kurden im März 2004 in Qamishli gedacht worden sei. Die Kundgebungsteilnehmer seien dabei von Mitarbeitern der syrischen Botschaft gefilmt worden. Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden einen Auszug aus dem Internet ein, wobei auf einer darin enthaltenen Photographie der Beschwerdeführer zu er- kennen sei. Des Weiteren reichten die Beschwerdeführenden eine CD ein, auf welcher Filmaufnahmen enthalten seien, die der Bruder des Beschwerdeführers in Syrien angefertigt habe. Die syrischen Sicher- heitsdienste würden – wie bereits geltend gemacht – immer wieder die Familie des Beschwerdeführers aufsuchen und nach dessen Verbleib fragen. Es sei dem Bruder des Beschwerdeführers gelungen, mit dem Mobiltelephon zu filmen, wie Mitglieder des Sicherheitsdiensts nach dem Beschwerdeführer fragen würden. Ein anderer Bruder des Be- schwerdeführers habe sich verbal gegen die Sicherheitsbeamten ge- wehrt und sei deswegen mitgenommen und während einer Woche im Polizeigefängnis in Haft gehalten worden. Ferner reichten die Be- schwerdeführenden als Beweismittel ein Flugblatt der Kundgebung vom 11. März 2010 sowie Kopien der syrischen Identitätskarte des Vaters des Beschwerdeführers ein. X. Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 7. Oktober 2010 teilten die Be schwerdeführenden zum einen mit, der Beschwerdeführer habe am 7. August 2010 in Zürich an einer Veranstaltung der PYD teilgenom- men, wobei unter anderem getöteter Kurden gedacht worden sei. Der Beschwerdeführer sei bei diesem Anlass in der vordersten Reihe ge- sessen; der Fernsehsender „Roj TV“ habe über die Veranstaltung be- Seite 8D-5290/2009 richtet. Zum anderen führten die Beschwerdeführenden aus, ein syri- scher Asylgesuchsteller namens N._______ O._______, der an der Demonstration vom 2. November 2008 in Damaskus teilgenommen habe und deswegen vom syrischen Geheimdienst gesucht worden sei, sei in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden. Der Genannte habe den Beschwerdeführer anlässlich der erwähnten Demonstration getroffen und sei bereit, dies zu bezeugen. Des Weiteren wiesen die Be schwerdeführenden auf einen Bericht der Schweizerischen Flücht- lingshilfe (SFH) vom September 2010 hin, welcher sich zur Zuverläs- sigkeit der Botschaftsabklärungen in Syrien äussere. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass auch in Syrien gesuchte Personen das Land über den Flughafen Damaskus verlassen könnten, indem Beamte der Grenzkontrollbehörde bestochen würden. Mit der Eingabe wurden als Beweismittel eine CD, Kopien aus den Asylverfahrensakten von N._______ O._______ sowie der erwähnte Bericht der SFH eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG . Über Beschwerden gegen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das BFM er- lassen worden sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht end- gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Über- schreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststel- lung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. Die Beschwerdeführenden sind legitimiert; auf ihre frist- und formge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 6 AsylG und Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). Seite 9D-5290/2009 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten so- zialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nach- teilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten nament- lich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei- sen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind ins- besondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begrün- det oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abge- stützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM lehnte die Asylgesuche der Beschwerdeführenden im Wesentlichen mit der Begründung ab, die betreffenden Vorbringen seien entweder asylrechtlich nicht relevant oder nicht glaubhaft. Wie sich erweist, ist das BFM im Ergebnis zutreffenderweise zu diesem Schluss gelangt. 4.2 Zunächst ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzuhalten, dass das Vorbringen, der Beschwerdeführer sei im März 2004 im An- schluss an die politischen Unruhen von Qamishli verhaftet und wäh- rend vier Tagen festgehalten worden, ungeachtet der Frage, ob es glaubhaft ist, als nicht asylrelevant einzustufen ist. Im Hinblick auf die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft aufgrund bereits im Heimatland erlittener Verfolgungsmassnahmen stellt sich die Frage, ob die Be- schwerdeführenden im Zeitraum unmittelbar vor der Ausreise aus Sy- rien ernsthaften Nachteilen im Sinne des Art. 3 AsylG ausgesetzt wa- ren oder begründete Furcht hatten, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Aus den Aussagen des Beschwerdeführers geht hervor, dass er zwischen der kurzzeitigen Inhaftierung im März 2004 und den spä- teren geltend gemachten Schwierigkeiten mit den syrischen Behörden, die im Juni 2008 begonnen haben sollen, keinerlei Behelligungen er- Seite 10D-5290/2009 lebte. Ein spezifischer Zusammenhang zwischen den Ereignissen vom März 2004 – zumal es ihm dabei nach eigenen Aussagen wie tausen- den anderer Kurden auch ergangen sei – und der Frage einer allfälli- gen asylrelevanten Gefährdung im Zeitraum vor der Ausreise aus dem Heimatstaat ist angesichts der nachfolgenden Erwägungen nicht er- sichtlich. 4.3 Des Weiteren ist festzustellen, dass nicht glaubhaft erscheint, der Beschwerdeführer sei vor der Ausreise aus Syrien in der geltend ge- machten Weise von den syrischen Sicherheitskräften gesucht worden. 4.3.1Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vor- bringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung spre- chen, überwiegen oder nicht (so die ständige Praxis der ehemaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK], welche für die Recht- sprechung des Bundesverwaltungsgerichts einen nach wie vor gülti- gen Massstab bildet; vgl. etwa Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 27 E. 3c/aa). Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine we sentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfol- gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substan- tiierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Kor- rektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstim- mung. Un glaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbeson- dere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachge- schobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachver- haltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a). Seite 11D-5290/2009 4.3.2In diesem Zusammenhang ist zunächst festzuhalten, dass auf- grund der Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der durchge- führten Befragungen für die Zeit vor der Ausreise aus Syrien keine besonders aktive politische Tätigkeit glaubhaft ist. So will der Be- schwerdeführer zwar wiederholt an Demonstrationen teilgenommen haben, war indessen gemäss eigenem Bekunden in keiner Partei en- gagiert. Die mit der Beschwerdeschrift und mit der Replik vom 13. Ok - tober 2009 gemachte Angabe, der Beschwerdeführer selbst wie auch seine Familie seien in Syrien politisch stark engagiert gewesen, wird durch die Aussagen anlässlich der durchgeführten Befragungen nicht bestätigt. Auch das Vorbringen in der Beschwerdeschrift, der Gross- vater des Beschwerdeführers sei wegen seines Widerstands gegen die Wegnahme von Land während eines halben Jahres im Gefängnis ge- wesen, vermag eine spezifisch wahrnehmbare politische Rolle der Familie nicht hinreichend zu begründen. Insbesondere steht die Be- hauptung in der Replik vom 13. Oktober 2009, der Beschwerdeführer habe in Syrien regelmässig an Sitzungen der Yekiti-Partei teilgenom- men, in klarem Widerspruch zur ausdrücklichen Aussage anlässlich der eingehenden Befragung (entsprechendes Protokoll, S. 7), er sei bei keiner Partei aktiv gewesen. Es darf davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer bereits während seiner mündlichen Anhö- rungen von einem spezifischen – über die blosse gelegentliche Betei- ligung an prokurdischen Demonstrationen hinausgehenden – politi- schen Engagement in seinem Heimatland berichtet hätte, hätte ein solches tatsächlich bestanden. 4.3.3In Bezug auf das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe im Juni 2008 im Haus seiner Familie auf Veranlassung des Vorsitzenden der Yekiti-Partei eine politische Veranstaltung organisiert, geht aus seinen Aussagen ausserdem hervor, dass er selbst unter der Annah- me, das Vorbringen sei glaubhaft, deswegen keine spezifischen Ver- folgungsmassnahmen auf sich zog. Vielmehr gab er zu Protokoll, er sei zwar einige Tage später durch den syrischen Staatssicherheitsdienst vorgeladen und befragt worden. Indessen sei er nur dazu befragt worden, ob die Veranstaltung stattgefunden habe, und er habe ledig- lich versichern müssen, derartige Aktivitäten künftig zu unterlassen. Ansonsten habe er keine weiteren Konsequenzen zu tragen gehabt (Protokoll der summarischen Befragung des Beschwerdeführers, S. 6; Protokoll der eingehenden Befragung, S. 8). Es erweist sich somit, dass der Beschwerdeführer zu jenem Zeitpunkt gerade nicht einer Behandlung unterworfen wurde, wie gemäss der Beschwerdeschrift Seite 12D-5290/2009 (S. 8) für unliebsame politische Aktivisten in Syrien üblich (Verhaftung, Verhängung eines Ausreiseverbots, Einschüchterung und Belästigung von Familienangehörigen). Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang schliesslich, dass die Beschwerdeführenden gemäss den Abklärungen der schweizerischen Botschaft in Syrien im Besitz syrischer Reise- pässe sind, legal aus dem Land ausreisten und durch die syrischen Behörden nicht gesucht wurden. 4.3.4In Bezug auf das mit der Eingabe vom 9. Dezember 2009 ge- machte Vorbringen, der Beschwerdeführer habe im August 2008 in Derek (Syrien) an einer Demonstration gegen die damalige militäri- sche Intervention der Türkei im Nordirak teilgenommen, wobei um die kurdischen Opfer des türkischen Angriffs getrauert worden sei, ist festzuhalten, dass nicht ersichtlich ist, inwiefern die Beteiligung an diesem Anlass ein konkretes Verfolgungsinteresse der syrischen Be- hörden begründet haben könnte. Das diesbezüglich mit der genannten Eingabe eingereichte Beweismittel – eine Videoaufnahme, die eine grössere Versammlung von Demonstrierenden zeigt, wobei mutmass- lich der Beschwerdeführer als passiver Teilnehmer zu erkennen ist – erweist sich vor diesem Hintergrund von vornherein als für die Frage der Glaubhaftigkeit der behaupteten Verfolgungsmassnahmen nicht erheblich. 4.3.5Bezüglich der geltend gemachten Teilnahme an einer Demonst- ration am 2. November 2008 vor dem syrischen Parlament in Damas- kus erscheint zunächst nicht nachvollziehbar, wie die syrischen Si- cherheitskräfte den Beschwerdeführer als Teilnehmer hätten identifi- zieren sollen. So gab er zu Protokoll, er habe die Leute jener Gruppe, welche eine Fahne verbrannt hätten, nicht näher gekannt, sondern habe diese zufällig bei der Demonstration getroffen; ausserdem sei ihm im Verlauf der Demonstration ohne weiteres die Flucht vor den Sicherheitskräften gelungen (Protokoll der eingehenden Befragung des Beschwerdeführers, S. 11). Eine plausible Erklärung dafür, wie er von den Sicherheitskräften in der Masse der Demonstrierenden den- noch als Teilnehmer hätte erkannt werden können, ist nicht ersichtlich. Ferner gab der Beschwerdeführer an, er habe gehört, dass sämtliche der anlässlich der Demonstration Verhafteten wieder freigelassen worden seien (a.a.O., S. 12). Angesichts dessen ist auch nicht nach- vollziehbar, weshalb die syrischen Sicherheitskräfte ausgerechnet gegenüber dem Beschwerdeführer, der kein besonders ausgeprägtes Profil als Regimegegner aufwies, ein anhaltendes Verfolgungsinteres- Seite 13D-5290/2009 se hätten haben sollen. Die in der Beschwerdeschrift gemachten Aus- führungen über allgemeine Menschenrechtsprobleme in Syrien ver- mögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. 4.3.6Des Weiteren ist festzustellen, dass ebensowenig etwas zu- gunsten der Glaubhaftigkeit des Beschwerdeführers aus dem mit der Eingabe vom 7. Oktober 2010 gemachten Vorbringen abgeleitet wer- den kann, ein Landsmann namens N._______ O._______ habe eben- falls an der Demonstration vor dem syrischen Parlament in Damaskus vom 2. No vember 2008 teilgenommen, wobei dieser in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden sei. Aus den Asylverfahrensakten des genannten N._______ O._______ (N [...]) geht nämlich hervor, dass dessen Asylvorbringen zwar eine Gemeinsamkeit aufweisen – die be- hauptete Teilnahme an der Demonstration vom 2. November 2008 –, sich ansonsten aber deutlich von jenen des Beschwerdeführers unter- scheiden. Zum einen ist festzuhalten, dass die Vorbringen N._______ O._______S im Gegensatz zu jenen des Beschwerdeführers gemäss den massgeblichen Kriterien (vgl. E. 4.3.1) von anderer Qualität in Bezug auf die Glaubhaftigkeit sind. Zum anderen vermochte N._______ O._______ im Unterschied zum Beschwerdeführer eine erhebliche Gefährdungssituation glaubhaft zu machen. Eine solche – die in der Tat zur Gewährung des Asyls durch das BFM führte – ergab sich im Wesentlichen daraus, dass der Genannte Mitglied einer kurdi- schen Menschenrechtsorganisation war und anlässlich der erwähnten Demonstration durch die syrische Polizei unter erheblicher Gewaltan- wendung festgenommen wurde, nachdem er eine Fahne der Baath- Partei angezündet hatte. Zwar gelang es ihm in der Folge, dem Ge- wahrsam der Polizei zu entfliehen. Indessen war den Beamten sein Portemonnaie mit Ausweisschriften in die Hände gefallen, womit er jederzeit mit seiner erneuten Verhaftung zu rechnen hatte. Es erweist sich somit, dass sich die Asylvorbringen des Beschwerdeführers von jenen N._______ O._______S wesentlich unterscheiden, weshalb aus letzteren für den vorliegenden Fall keine konkreten Schlüsse gezogen werden können. 4.3.7Zu erwähnen ist weiter im Zusammenhang mit der behaupteten Suche der Sicherheitskräfte nach der Person des Beschwerdeführers im Anschluss an die erwähnte Demonstration, dass die entsprechen- den Aussagen der Beschwerdeführenden erhebliche Widersprüche und Ungereimtheiten aufweisen. So gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, seine Ehefrau habe ihn eine Woche nach der Demonstration Seite 14D-5290/2009 in Damaskus angerufen und ihm mitgeteilt, dass er dreimal zuhause gesucht worden sei (Protokoll der summarischen Befragung des Be- schwerdeführers, S. 5; Protokoll der eingehenden Befragung des Be- schwerdeführers, S. 9). Demgegenüber führte die Beschwerdeführerin aus, sie wisse nicht, wie ihr Mann davon erfahren habe, dass er zu- hause gesucht worden sei; vielleicht hätten dessen Eltern es ihm mit- geteilt (Protokoll der eingehenden Befragung der Beschwerdeführerin, S. 8). Zu diesem Widerspruch wurde den Beschwerdeführenden durch die Vorinstanz mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2009 das rechtli- che Gehör erteilt. Die mit anschliessender Eingabe an das BFM vom 6. Juli 2009 durch die Beschwerdeführenden diesbezüglich vorge- brachte Erläuterung, es handle sich um ein Missverständnis, vermag den Widerspruch nicht auszuräumen. Des Weiteren führte der Be- schwerdeführer zunächst aus, er habe um den 15. November 2008 herum in H._______/I._______ seine Identitätskarte und Passbilder dem Schlepper übergeben, der die Ausreise organisiert habe; dabei sei der Schlepper zu ihm nach Hause gekommen (Protokoll der eingehenden Befragung des Beschwerdeführers, S. 3 f.). Im weiteren Verlauf der Anhörung führte er jedoch aus, er habe sich nach der Demonstration während zweier Monate bei seinem Freund J._______ in Damaskus verborgen gehalten, wobei er dessen Haus nie verlassen habe (a.a.O., S. 9 und 11 f.). Es sei sein Vater gewesen, der die Identitätskarte und die Passbilder dem Schlepper übergeben habe, nicht er selbst; er sei zu jenem Zeitpunkt nicht in H._______/I._______ gewesen (a.a.O., S. 12). Angesichts dieser offensichtlichen Widersprüche ist weder als glaubhaft zu erachten, dass der Beschwerdeführer nach der erwähnten Demonstration durch die syrischen Sicherheitskräfte in seinem Heimatdorf gesucht wurde, noch dass er sich bis zur Ausreise in Damaskus verborgen hielt. Es ist ferner festzustellen, dass an der Einschätzung, die erwähnten Widersprüche liessen die Aussagen der Beschwerdeführenden als unglaubhaft erscheinen, auch die diesbezüglichen Ausführungen in der Beschwerdeschrift nichts zu ändern vermögen, wonach die inhaltlichen Ungereimtheiten auf Missverständnisse und die Nervosität anlässlich der Befragungen zurückzuführen seien. 4.4 Aus dem Gesagten ergibt sich zusammenfassend, dass die Vor- bringen der Beschwerdeführenden zu ihren Fluchtgründen entweder asylrechtlich nicht relevant oder nicht glaubhaft sind. Folglich hat das Bun desamt die Asylgesuche zu Recht abgelehnt. Seite 15D-5290/2009 5. 5.1 In einem nächsten Schritt ist auf die subjektiven Nachfluchtgründe einzugehen, welche die Beschwerdeführenden im vorliegenden Ver- fahren mit dem Vorbringen geltend machen, der Beschwerdeführer beteilige sich in der Schweiz seit seiner Ankunft an Demonstrationen kurdischer Organisationen gegen das syrische Regime und sei des- halb im Falle einer Rückkehr nach Syrien gefährdet. 5.2 Subjektive Nachfluchtgründe sind dann anzunehmen, wenn eine asylsuchende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat- oder Her- kunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfol- gung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit sub- jektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 sowie EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a mit weiteren Hinweisen). 5.3 Vorliegend erweist sich, dass die geltend gemachte exilpolitische Betätigung keinen subjektiven Nachfluchtgrund setzt. 5.3.1Gemäss Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts trifft es zwar zu, dass sich die syrischen Behörden für die exilpolitischen Akti- vitäten ihrer Staatsangehörigen interessieren. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich die syrischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die über niedrigprofilierte Erscheinungs- formen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen wahrgenommen und/oder Aktivitäten entwickelt haben, welche die betreffende Person aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausheben und als ernsthaften und potentiell gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen. Massgebend ist dabei nicht primär das Hervortreten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit und Individualisierbarkeit, sondern eine öffentliche Exponierung, die aufgrund der Persönlichkeit des Asylsu- chenden, der Form des Auftritts und aufgrund des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklärungen den Eindruck erweckt, dass der Asylsuchende aus Sicht des syrischen Regimes als potentielle Bedrohung wahrgenommen wird. 5.3.2Bezüglich der konkreten Vorbringen der Beschwerdeführenden ist festzustellen, dass weder geltend gemacht noch durch Beweismittel belegt wird, der Beschwerdeführer habe bei seinen exilpolitischen Ak- tivitäten eine besonders prominente Funktion ausgeübt. Aus den Vor- bringen und den diesbezüglichen Beweismitteln geht lediglich hervor, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz gelegentlich an von kur- Seite 16D-5290/2009 disch-syrischen Exilgruppierungen durchgeführten Versammlungen und Demonstrationen teilgenommen hat. Dagegen bestehen auch unter Berücksichtigung der eingereichten Beweismittel keinerlei kon- krete Hinweise darauf, dass sich der Beschwerdeführer unter der grossen Zahl von Personen, die in der Schweiz mit gewisser Regelmässigkeit gegen das syrische Regime protestieren, besonders hervorgetan hätte. 5.3.3So geht aus dem mit Eingabe vom 9. September 2009 einge- reichten Bestätigungsschreiben der „Human Rights Organization in Syria“ lediglich hervor, dass der Beschwerdeführer an verschiedenen Aktivitäten teilgenommen habe, die gegen das syrische Regime ge- richtet gewesen seien; indessen werden keine spezifischen Aufgaben des Beschwerdeführers genannt. Hinsichtlich des Berichts des kurdi- schen Fernsehsenders „Roj TV“ vom 18. November 2009, von wel- chem mit Eingabe vom 9. Dezember 2009 eine digitale Kopie einge- reicht wurde, ist ferner Folgendes festzuhalten: Es handelt sich dabei um den Beitrag einer Nachrichtensendung in Bezug auf eine Kundge- bung mit einer grösseren Zahl von Teilnehmern, wobei mutmasslich der Beschwerdeführer zweimal während einer kurzen Sequenz als Mitmarschierender in einem Demonstrationszug zu erkennen ist. In- dessen ist aufgrund der Aufnahmen in Bezug auf den Beschwerde- führer keinerlei aus der Masse der Demonstrierenden herausragende Funktion zu erkennen. Insofern resultiert aus diesem Bericht des Senders „Roj TV“ ein ähnlicher Erkenntniswert wie aus den ebenfalls eingereichten, dem Internet entnommenen Photographien, auf wel- chen der Beschwerdeführer ebenfalls als einzelner Teilnehmer von Demonstrationen mit zahlreichen Beteiligten zu erkennen ist. Die glei- che Einschätzung gilt schliesslich auch für die mit der Eingabe vom 7. Ok tober 2010 auf CD eingereichten Aufnahmen einer Veranstaltung der PYD vom 7. August 2010 mitsamt Bericht des Senders „Roj TV“, bei welcher der Beschwerdeführer in der vordersten Reihe gesessen sei. Auch hier wird weder geltend gemacht noch ist zu erkennen, dass der Beschwerdeführer über die blosse Beteiligung an der Veranstal- tung hinaus eine tragende Rolle eingenommen hätte, die ihn in spezi- fischer Weise aus der Zahl der Teilnehmenden hervorheben würde. 5.3.4Es ist festzustellen, dass weder die Ausdrucke aus dem Internet noch die erwähnten Fernsehbilder eine schlüssige Beurteilung der massgeblichen Frage zulassen, in welcher Weise der Beschwerdefüh- rer selbst individuell gegen das syrische Regime Stellung bezogen und Seite 17D-5290/2009 in welchem Ausmass er sich folglich politisch exponiert hat, so dass effektiv davon auszugehen wäre, er habe als kurdischer Exil-Op- positioneller die Aufmerksamkeit der syrischen Behörden derart auf sich gezogen, dass er nunmehr eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Allerdings wird durch den Beschwerdeführer auch gar nicht geltend gemacht, er habe sich bei seinen politischen Aktivitäten in der Schweiz durch eigene individuelle Beiträge in er- kennbarer Weise als Gegner des syrischen Regimes profiliert. Das blosse Tragen eines Spruchbands und das Verteilen von Flugblättern anlässlich einzelner Manifestationen oder das blosse Sitzen in der vor- dersten Reihe bei einer Veranstaltung sind entgegen der Argumenta- tion der Beschwerdeführenden nicht als eine besonders ausgeprägte Exponierung zu werten, die als solche mit erheblicher Wahrschein- lichkeit zu einer Gefährdung im zuvor erwähnten Sinn führen würde. Auch wenn davon ausgegangen werden muss, dass die syrischen Geheim dienste die exilpolitischen Aktivitäten im Ausland beobachten, so ist mangels erkennbarer spezifischer Beiträge des Beschwerdefüh- rers gleichwohl nicht anzunehmen, dass er zur Kategorie jener ex- ponierten Aktivisten gehört, auf die sich tatsächlich die konkrete Auf- merksamkeit der syrischen Behörden richtet. 5.3.5In diesem Zusammenhang ist schliesslich noch auf die mit der Eingabe vom 23. März 2010 auf einer CD eingereichte digitale Film- aufnahme einzugehen, die gemäss Ausführungen in der Eingabe am Wohnort der Familie des Beschwerdeführers in Syrien angefertigt worden sein soll. Dabei wird geltend gemacht, auf den betreffenden Aufnahmen, die der Bruder des Beschwerdeführers gemacht habe, sei zu erkennen, wie dessen Vater durch Mitglieder des Sicherheitsdiensts nach dem Beschwerdeführer befragt werde. Auf der Filmaufnahme ist durch das Innere eines Fahrzeugs hindurch zu erkennen, wie drei Männer ausserhalb des Wagens miteinander diskutieren, wobei die eine Person über den Autositz gebeugt Notizen macht. Danach ver- sieht die befragte Person ein Schriftstück mit ihrem Fingerabdruck. Anschliessend sind mehrere weitere Personen erkennbar, die um das Fahrzeug – einen Geländewagen, dessen Beschaffenheit möglicher- weise auf eine behördliche Funktion schliessen lässt – herumgehen und miteinander sprechen. Bezüglich dieser Aufnahmen ist zunächst festzustellen, dass diese offensichtlich nicht, wie in der Eingabe vom 23. März 2010 behauptet, aus einem Haus heraus anfertigt worden sind. Sondern aus der Perspektive der Aufnahmen lässt sich schlies- sen, dass sich die Position der Kamera in der ersten Filmsequenz – Seite 18D-5290/2009 welche die Befragung jener Person zeigt, bei welcher es sich um den Vater des Beschwerdeführers handeln soll – zunächst an der Tür zum Beifahrersitz des Fahrzeugs befand, durch dessen Inneres gefilmt wurde. Dabei bewegte sich die Kamera ausserdem auf Kopfhöhe eines der angeblichen syrischen Sicherheitsbeamten, der zudem einmal kurz in die Kamera blickte. Hierzu ist festzuhalten, dass grundsätzlich nicht nachvollziehbar ist, weshalb sich zwei Angehörige der syrischen Sicherheitsdienste bei der angeblichen Befragung des Vaters des Be- schwerdeführers nach dessen regimekritischer Haltung von einem Familienmitglied der gesuchten Person hätten filmen lassen sollen. Indessen erübrigt es sich, auf die Echtheit des Filmdokuments bezie- hungsweise den Wahrheitsgehalt der Aufnahmen weiter einzugehen. Ungeachtet der Echtheit der Aufnahmen ist nämlich festzustellen, dass ihnen keine ausreichende Beweistauglichkeit für den geltend gemach- ten zentralen Sachverhalt zukommt. Dies, indem die gefilmten Szenen keinerlei Aussagekraft in Bezug auf die Frage enthalten, ob der Be- schwerdeführer wegen seiner exilpolitischen Betätigung tatsächlich ein spezifisches Interesse der syrischen Behörden auf sich gezogen hat und unter diesem Aspekt von einer Gefährdung der Beschwerdefüh- renden aufgrund eines entsprechenden Verfolgungsinteresses des sy- rischen Staats ausgegangen werden muss. 5.4 Zusammenfassend liegen somit keine ausreichenden Anhalts- punkte dafür vor, dass die Beschwerdeführenden aufgrund der Betei- ligung des Beschwerdeführers an exilpolitischen Aktivitäten in ihrem Heimatland Syrien einer spezifischen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sein könnten. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein- heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländer- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange- ordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. auch EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver- Seite 19D-5290/2009 hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun- desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 7.2.1Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun- gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän- ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land ge- zwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht- linge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfas- sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Be- handlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterwor- fen werden. 7.2.2Der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung nach Syrien ist unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig, weil die Be- schwerdeführenden – wie zuvor dargelegt – dort keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt wären. Aus den Vorbringen der Beschwerdeführenden ergeben sich ausserdem auch – dies selbst unter Berücksichtigung ihrer Zugehörigkeit zur kurdischen Minderheit – keine konkreten und gewichtigen Anhaltspunkte für die Annahme, dass sie im Falle einer Ausschaffung nach Syrien mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Be- handlung ausgesetzt wären (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, 2001 Nr. 17 S. 130 f.; aus der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte etwa die Urteile i.S. Bensaid, Rep. 2001-I, S. 303, sowie i.S. Saadi vom 28. Februar 2008 [Grosse Kammer], Beschwerde Nr. 37201/06, Para. 124 ff., jeweils mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Syrien bietet zum heutigen Zeitpunkt keinen konkreten Anlass zur Annahme, den Beschwerde- Seite 20D-5290/2009 führenden drohe eine entsprechende Gefährdung. Der Vollzug der Wegweisung ist somit sowohl im Sinne der asylgesetzlichen als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3 7.3.1Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts- staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.3.2Die allgemeine Lage in Syrien ist weder von Bürgerkrieg noch von allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, so dass der Vollzug der Wegweisung dorthin grundsätzlich zumutbar erscheint. Es bestehen ferner auch sonst keine Anhaltspunkte, die darauf schliessen liessen, die Beschwerdeführenden seien bei einer Rückkehr nach Syrien einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt. Insbesondere ist auch davon auszugehen, dass es den jungen und soweit aktenkundig gesunden Beschwerdeführenden möglich sein wird, sich in Syrien wieder eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen: Nach eigenen Angaben besitzt die Familie des Beschwerdeführers in ihrem Heimatdorf H._______/I._______ eigene Ländereien; sie hätten von der Landwirtschaft gelebt, wobei die Einkünfte gut gewesen seien. Das familiäre Netz in ihrem Heimatland (Eltern und elf Geschwister seitens des Beschwerdeführers, Vater und fünf Geschwister seitens der Be schwerdeführerin) wird ihnen ausserdem nötigenfalls entsprechende Unterstützung leisten können. 7.3.3Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so ist im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung ausserdem dem Kindes- wohl Rechnung zu tragen. Dabei sind unter dem Aspekt des Kindes- wohls sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen (vgl. EMARK 1998 Nr. 13 E. 5e/aa, in Bezug auf Art. 14a Abs. 4 des ehemaligen Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlas- sung der Ausländer [ANAG]; die entsprechenden Erwägungen sind im Wesentlichen auch unter der heutigen gesetzlichen Grundlage des AuG nach wie vor gültig). Somit ist der Persönlichkeit des Kindes und Seite 21D-5290/2009 seinen Lebensumständen umfassend Rechnung zu tragen. Dabei kön- nen bei dieser gesamtheitlichen Beurteilung namentlich folgende Kri- terien von Bedeutung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, In- tensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Be- zugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereitschaft und -fähig- keit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, Grad der erfolgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz usw. Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Re- integration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal vertrau- ten Umfeld wieder herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus ent- wicklungspsychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, son- dern auch dessen übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz vermag sich auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs insofern auszuwirken, als eine starke Assimilierung eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. dazu EMARK 1998 Nr. 31 E. 8c/ff/ccc S. 260, 2005 Nr. 6 E. 6.2 S. 57 f.). 7.3.4Die Beschwerdeführenden haben drei minderjährige Kinder im Alter von sechs Jahren (E._______), fünf Jahren (F._______) und einem Jahr (G._______). Da bei ergibt sich hinsichtlich der erwähnten Kriterien des Kindeswohls Folgendes: Nachdem die Familie am 5. Februar 2009 in die Schweiz gelangte, kann zum heutigen Zeit- punkt, nach Ablauf von nicht einmal zwei Jahren und zumal angesichts des geringen Alters der Kinder, offensichtlich nicht von einer fortge- schrittenen Sozialisation und Integration in der Schweiz ausgegangen werden. Sonstige Gründe, die eine Rückkehr der Beschwerdeführen- den nach Syrien unter dem Blickwinkel des Kindeswohls als unzu- mutbar erscheinen lassen würden, sind nicht ersichtlich. Insbesondere ist aufgrund des zuvor (E. 7.3.2) Gesagten auch nicht davon auszu- gehen, dass die wirtschaftlichen Existenzbedingungen der Familie in Syrien zu einer Gefährdung des Kindeswohls führen werden. 7.3.5Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der Vollzug der Weg- weisung auch als zumutbar zu bezeichnen ist. Seite 22D-5290/2009 7.4 Schliesslich ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung mangels aktenkundiger objektiver Hindernisse auch möglich im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG ist. 7.5 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug stehen somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmun- gen und sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachver- halt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten an sich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). In- dessen wurde der mit der Beschwerdeschrift gestellte Antrag auf un- entgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 11. September 2009 gutgeheissen. Somit haben die Beschwerdeführenden keine Verfahrenskosten zu tragen. (Dispositiv nächste Seite) Seite 23D-5290/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an: - die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden (Einschreiben; Beilage: eine Original-Photographie) - das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N [...] (in Kopie) - das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft, Ref.-Nr. [...], zur Kenntnisnahme (in Kopie) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand: Seite 24