Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 7. August 2013 (810 13 19) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Einreisebewilligung zur erwerbslosen Wohnsitznahme; Voraussetzung der notwendigen finanziellen Mittel Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Niklaus Ruckstuhl, Beat Walther, Edgar Schürmann, Kantonsrichterin Regina Schaub , Gerichtsschreiber i.V. Michael Blattner Parteien A.____ und B.____ , Beschwerd eführer , vertreten durch Guido Ehrler , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Einreisebewilligung zu Gunsten von C.____ und D.____ (RRB Nr. 2125 vom 18. Dezember 2012) A. Am 24. Mai 2011 stellten die ägyptischen Staatsangeh örigen C.____ (geboren 1940) und D.____ (geboren 1949) bei der schweizerischen Auslandvertretung in Kairo ein Gesuch um Einreisebewilligung zur erwerbslosen Wohnsitznahme in der Schweiz. Vorgängig hatten bereits ihre Tochter B.____ (geboren 1976) und deren Ehemann A.____ (geboren 1972) beim Amt für Migration (AfM) ein Gesuch um Übersiedlung von Rentne rinnen und Rentnern zu Gunsten der Vorgenannten gestellt. Das Gesuch wurde dahingehend be gründet, dass die hier ansässige Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Familie den Wunsch habe, mit den Eltern bzw. Schwiegere ltern näher beieinander zu leben. Dieser Wunsch habe sich seit der Geburt der Tochter bzw. Enkelin noch mehr verstärkt. Zudem diene der Zuzug der Grosseltern auch der Unterstützung bei der Erziehung des Kleinkinds. B.____ und ihr Ehemann A.____ unterzeichneten in der Folge eine Verpflichtungserklärung, wonach sie für den Lebensunterhalt der Eltern bzw. Sch wiegereltern während deren Anwesen- heit in der Schweiz aufkommen würden. Die Gemeinde E .____ bestätigte auf dem Gesuchs- formular, dass die Gesuchsteller über genügend finanziel le Mittel und eine angemessene Woh- nung verfügten und die Gemeinde mit der Einreise einverstanden sei. B. Mit Verfügung vom 18. Januar 2012 verweigerte das AfM die beantragte Einreisebewilli- gung. Zur Begründung wurde angeführt, dass die monatl ichen Einkünfte und das angegebene Vermögen von C.____ und D.____ zu gering seien. Zudem liege weder ein Nachweis für die Grundstücke noch für das Barvermögen vor, da letzteres off enbar aufgrund der politischen La- ge in Ägypten nicht auf einer Bank deponiert worden sei. Die abgegebene schriftliche Garantie- rerklärung der Tochter und deren Ehemann vermöge das Risiko einer sozialen Bedürftigkeit nicht zu schmälern, da solche Garantieerklärungen aufgrun d ihrer mangelnden Durchsetzbar- keit in der Regel keine Sicherheit vermitteln könnten . Die Verfügbarkeit von finanziellen Mitteln von Drittpersonen müsse in vergleichbarem Masse wie eigene Mittel, beispielsweise durch eine Bankgarantie, sichergestellt werden. Im Weiteren liege kein Härtefall vor, da C.____ und D.____ keiner Betreuung bedürften und sich in keiner Notsituation befänden. C. Gegen diese Verfügung erhoben B.____ und A.____, vertreten durch Guido Ehrler, Ad- vokat, am 2. Februar 2012 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat). Sie beantragten die Aufhebung der V erfügung vom 18. Januar 2012 und die Erteilung einer Einreisebewilligung zu Gunsten von C. ____ und D.____. Zur Begründung führ- ten sie an, dass diese über beträchtliche Barmittel sowie Grundeigentum verfügten und von ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn angesichts deren üb erdurchschnittlichen Einkommens ohne Weiteres unterstützt werden könnten. Bei einer Umw andlung des Vermögens von C.____ und D.____ in eine Rente resultiere noch eine jährlich e Unterdeckung in der Höhe von Fr. 16'000.--. Die Durchsetzbarkeit einer Verpflichtung serklärung stelle im Weiteren aus rechtli- cher Sicht keine Probleme dar. Zudem habe das AfM sein Ermessen missbraucht, indem es die instabile politische Lage in Ägypten nicht berücksichtigt habe. D. Nach erfolgter Vernehmlassung durch das AfM wies der Regierungsrat die Beschwerde mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 2125 vom 18. Deze mber 2012 ab. Zur Begründung führte der Regierungsrat zunächst aus, dass die Schweiz mit Ägypten keine staatsvertragliche Vereinbarung getroffen habe, welche C.____ und D.__ __ einen Rechtsanspruch auf eine Ein- reisebewilligung in die Schweiz einräumen würde. Aus Ar t. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schut- ze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 könne ebenfalls kein Anspruch auf eine Einreisebewilligung abgeleite t werden, da die Beziehung zwischen den Beschwerdeführern und den Eltern nicht zur Kernfamilie zähle und die ausserhalb der Kernfa- milie erforderliche Abhängigkeit zwischen den um die Be willigung ersuchenden ausländischen Personen und den hier Anwesenheitsberechtigten nicht vorliege. Demnach könne sich ein allfäl- liger Anspruch auf eine Einreisebewilligung nur noch aufgrund der nationalen Gesetzgebung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ergeben. Kein Anspruch bestehe nach Art. 28 des Bundes gesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005, da das Kriterium der ausreichenden finanziellen Mittel nach lit. c nicht erfüllt sei. In der Regel r eichten Versprechen oder schriftliche Garantieer- klärungen von in der Schweiz wohnhaften Verwandten auf grund der mangelnden Durchsetz- barkeit nicht, um das Risiko einer Fürsorgeabhängigkeit als vernachlässigbar klein einzustufen. Es rechfertige sich, den vorliegenden Sachverhalt anders zu behandeln als die Anforderungen an Studierende, bei welchen es nach Art. 23 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 ausrei che, wenn die finanziellen Mittel von dritter Seite mittels einer Verpflichtungserklärung sich ergestellt würden. Gemäss der vom Re- gierungsrat angefertigten Bedarfsrechnung resultiere au ch unter Berücksichtigung der einge- brachten Bankgarantie im Umfang von Fr. 16'000.-- ei ne monatliche Unterdeckung in der Höhe von Fr. 2'036.--. Eine über diese Bankgarantie hinausg ehende Verpflichtungserklärung der hier Anwesenheitsberechtigten sei aufgrund der unzulässigen Bindung zumindest teilweise nichtig. Angesichts der nicht gesicherten Durchsetzbarkeit von – im Übrigen jederzeit widerrufbaren – Verpflichtungserklärungen erscheine das Risiko einer künftigen Sozialhilfeabhängigkeit nicht als vernachlässigbar klein. Im Weiteren liege kein Härtefall nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG bzw. nach Art. 31 Abs. 1 VZAE vor. E. Gegen diesen Entscheid erhoben B.____ und A.____, w iederum vertreten durch Advo- kat Ehrler, am 7. Januar 2013 Beschwerde beim Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht) und b eantragten die Aufhebung des RRB vom 18. Dezember 2012 sowie der Verfügung des AfM vom 1 8. Januar 2012. Das AfM sei an- zuweisen, C.____ und D.____ die erwerbslose Wohnsitznahm e bei den Beschwerdeführern zu gestatten und eventualiter eine Härtefallbewilligung auszustellen. Subeventualiter sei festzustel- len, dass die Einreise und erwerbslose Wohnsitznahme gege n Vorlage einer in betraglicher Hinsicht gerichtlich festzustellenden Bankgarantie gestatte t werden müssten. Zur Begründung führten die Beschwerdeführer aus, dass das Fürsorgerisiko der Gesuchsteller aufgrund der ein- gebrachten Bankgarantie sowie der Verpflichtungserklärung als vernachlässigbar klein erschei- ne. Im Weiteren habe die Vorinstanz den Vertrauensgrundsatz verletzt, indem der Rechtsdienst des Regierungsrats von den Beschwerdeführern unaufgeford ert eine Bankgarantie im Umfang von Fr. 16'000.-- verlangt habe und die Einreisebewil ligung von der Vorinstanz trotz Leistung dieser Bankgarantie verweigert worden sei. Zudem falle der vorliegende Sachverhalt entgegen der Ansicht der Vorinstanz gemäss Praxis des Europäischen Ge richtshofs für Menschenrechte (EGMR) unter den Anwendungsbereich von Art. 8 Abs. 1 EM RK. Schliesslich sei das Gesuch um Einreisebewilligung auch in analoger Anwendung von Art. 42 Abs. 2 lit. b AuG gutzuheis- sen, da eine Verweigerung der Einreisebewilligung and ernfalls zu einer Inländerdiskriminierung führe. F. In seiner Vernehmlassung vom 27. März 2013 beantragt e der Regierungsrat die Abwei- sung der Beschwerde. Auf die Begründung wird – soweit e rforderlich – in den nachstehenden Erwägungen eingegangen. G. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen die Besch werdeführer, deren Rechtsver- treter Guido Ehrler sowie Michael Schermbach als Vertre ter des Beschwerdegegners teil. Die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Parteien halten an ihren Rechtsbegehren fest. Auf i hre Vorbringen wird – soweit notwendig – in den nachstehenden Ausführungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Ver fassungs- und Verwaltungs- prozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist die verw altungsgerichtliche Beschwerde zulässig gegen Verfügungen und Entscheide des Regierung srates, sofern dem Kantonsgericht die Zuständigkeit nicht durch dieses oder andere Gesetze entzogen ist. Zur Beschwerde ist gemäss § 47 Abs. 1 lit. a VPO befugt, wer durch den a ngefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufh ebung hat. Drittbetroffenen, wel- che nicht selber Adressaten der in Frage stehenden Verf ügung sind, kommt eine Beschwerde- legitimation nur dann zu, wenn sie eine besondere, beachtenswerte Beziehungsnähe zur Streit- sache aufweisen. Das schutzwürdige Interesse besteht im pra ktischen Nutzen, den die Be- schwerde dem erfolgreichen Beschwerdeführer einbringen würde, d.h. in der Abwendung eines materiellen oder ideellen Nachteils, den der angefochtene Entscheid für ihn zur Folge hätte. Ob die besondere Beziehungsnähe gegeben ist, muss jeweils u nter Berücksichtigung der Umstän- de des Einzelfalls entschieden werden (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 2. Auflage, Basel 2010, N 1560 mit Hinweisen). 1.2 Vorliegend wurden sowohl die Verfügung des AfM vom 18. Januar 2012 wie auch der RRB Nr. 2125 vom 18. Dezember 2012 direkt den Beschwer deführern eröffnet. In materieller Hinsicht wird damit den Eltern bzw. Schwiegereltern der Beschwerdeführer die erwerbslose Wohnsitznahme verweigert. Die Ablehnung der Einreisebe willigung berührt jedoch auch die Beschwerdeführer in eigener Person, da dadurch das gewü nschte Zusammenleben mit den Eltern bzw. den Schwiegereltern vereitelt wird. Im Wei teren haben sich die Beschwerdeführer zur Übernahme der Lebensunterhaltskosten der Eltern bzw. Schwiegereltern verpflichtet. Zu- dem kann – unter Offenlassung eines allfälligen Anspr uchs – zumindest B.____ Art. 8 Abs. 1 EMRK anrufen. Eine besondere Beziehungsnähe der Beschw erdeführer zur Streitsache ist mit- hin gegeben. Da die genannten Voraussetzungen vorliege nd erfüllt sind, ist auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können na ch § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung oder Missb rauch des Ermessens sowie un- richtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalt s gerügt werden. Die blosse Unange- messenheit von Entscheiden kann dagegen gemäss § 45 Abs. 1 lit. c VPO bloss ausnahmswei- se, nämlich bei Entscheiden über Nachbetreuung und ambu lante Massnahmen sowie von Dis- ziplinarmassnahmen gegenüber auf Amtsperiode Gewählten geltend gemacht werden. Eine solche Ausnahme ist vorliegend nicht ersichtlich. Unbesti mmte Rechtsbegriffe sind der Ausle- gung zugänglich, wobei sich das Kantonsgericht in Überei nstimmung mit der Praxis des Bun- desgerichts eine gewisse Zurückhaltung auferlegt und den Verwaltungsbehörden einen Beurtei- lungsspielraum zuerkennt, wenn der Entscheid besondere Kenntnisse oder Vertrautheit mit den Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tatsächlichen Verhältnissen voraussetzt (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2010, N 446c; KGE VV vom 18. Oktober 2006 [810 06 154] E. 2.3). 3.1 Im vorliegenden Verfahren ist strittig, ob der Reg ierungsrat mit RRB Nr. 2125 vom 18. Dezember 2012 die Nichterteilung einer Einreisebe willigung zu Gunsten von C.____ und D.____ zu Recht bestätigt hat. 3.2 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 AuG). Die zuständige kantonale Behör de entscheidet gemäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften u nd Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbew illigung hat die ausländische Person so- mit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerr echtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 189 E. 2.3; PETER UEBERSAX in: Uebersax/Rudin/ Hugi Yar/ Geiser [Hrsg.], Aus- länderrecht, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). Im Folgenden sind zunächst die anspruchsbe- gründenden Rechtsgrundlagen zum Erwerb einer ausländerrechtlichen Bewilligung zu prüfen. 3.3 In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass zwischen der Schweiz und Ägypten keine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, welche den Gesuchstellern einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumen würde. 3.4.1 Als weitere Anspruchsgrundlage einer ausländerrech tlichen Bewilligung sind die Vo- raussetzungen von Art. 8 Ziff. 1 EMRK zu prüfen. Aus die ser Bestimmung sowie dem inhaltlich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 geschützten Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens können ausländische Staatsangehörige in besonderen Fällen ei nen Anspruch auf Aufenthalt oder Ver- bleib in einem andern Staat ableiten, wenn eine staa tliche Entfernungsmassnahme zur Tren- nung von Familienmitgliedern führt (vgl. A NDREAS ZÜND /T HOMAS HUGI YAR , Aufenthaltsbeen- dende Massnahmen im schweizerischen Ausländerrecht, insbesonde re unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, EuGRZ 2013, S. 10 ff.; BG E 135 I 153 E. 2.1). Diese Garantien können somit dann verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren Familienangehörige in der Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das gemeinsame Familienleben vereitelt wird. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Recht sprechung zu Art. 8 EMRK müssen die sich hierzulande aufhaltenden Angehörigen über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfü- gen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sie das Schweize r Bürgerrecht oder eine Niederlas- sungsbewilligung besitzen oder über eine Aufenthaltsbew illigung verfügen, die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht. Zudem müssen dies e Personen zur Kernfamilie (Ehegatte oder im gleichen Haushalt lebende, minderjährige Kinder) gehören und es muss eine enge, tatsächliche und intakte Beziehung zu ihnen bestehen (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1, 130 II 281 E. 3.1, 127 II 60 E. 1d/aa). Geht es um P ersonen, die nicht der eigentlichen Kernfa- milie zuzurechnen sind, setzt eine schützenswerte familiäre Beziehung voraus, dass der um die ausländerrechtliche Bewilligung Ersuchende vom hier Anw esenheitsberechtigten abhängig ist. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Abhängigkeit kann sich namentlich aus besonderen Pfl ege- oder Betreuungsbedürfnissen wie bei körperlichen oder geistigen Behinderungen oder schwerwiegenden Krankheiten erge- ben (BGE 120 Ib 257 E. 1d, 115 Ib 1 E. 2). 3.4.2 Ein solches Abhängigkeitsverhältnis zwischen den Beschw erdeführern und ihren Eltern bzw. Schwiegereltern ist vorliegend nicht auszumachen und wird im Übrigen auch nicht geltend gemacht. Die Beschwerdeführer wenden nun gestützt auf einen Entscheid des EGMR (EGMR- Urteil 29681/08 Mallah gg. Frankreich vom 10. November 2011) ein, dass dessen jüngere Rechtsprechung ausserhalb der eigentlichen Kernfamilie kein besonderes Abhängigkeitsver- hältnis mehr voraussetze. Dem ist entgegenzuhalten, dass d ie im zitierten Entscheid aus- serhalb der Kernfamilie bestehende familiäre Verbind ung lediglich im konkreten Fall und insbe- sondere aufgrund des bereits seit mehreren Jahren rech tlich und tatsächlich bestehenden Zu- sammenlebens unter den Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK fällt. Es ist jedenfalls weder dem zitierten Entscheid des EGMR noch der jüngeren Recht sprechung des Bundesgerichts zu entnehmen, dass ausserhalb der eigentlichen Kernfamilie auf das zusätzlich erforderliche Krite- rium des besonderen Abhängigkeitsverhältnis verzichtet würd e (vgl. BGE 137 I 154 E. 3.4.2). Demzufolge verletzt die Nichtgewährung der Einreisebe willigung vorliegend nicht die in Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV enthaltenen Garantien auf Achtung des Familienlebens. 3.5 Die Beschwerdeführer erblicken in der angefochtenen Verfügung im Weiteren eine Ver- letzung von Art. 42 Abs. 2 lit. b AuG. Diese Bestimmu ng verleiht ausländischen Familienange- hörigen von Schweizerinnen und Schweizern einen Anspruch auf Erteilung und Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung, wenn sie im Besitz einer dauerhaften Aufenthaltsbewilligung eines Staates sind, mit dem ein Freizügigkeitsabkommen abge schlossen wurde. Dieser Anspruch kommt Ausländern, deren Heimatstaaten nicht einem Freiz ügigkeitsabkommen angeschlossen sind, e contrario nicht zu, weshalb deren Schweizerische Angehörige gegenüber jenen mit Ver- wandten in einem EU-/EFTA-Staates nach Ansicht der Beschw erdeführer schlechter gestellt würden. Das Bundesgericht hat festgestellt, dass es zweifel haft erscheine, inwiefern ein sachli- cher Grund bestehen soll, Schweizer Bürger bezüglich d es Nachzugs ihrer ausländischen Fa- milienangehörigen schlechter zu stellen als EU- bzw. EFTA -Angehörige (Urteil des Bundesge- richts 2C_135/2009 vom 22. Januar 2010 E. 3.4.1). Im H inblick auf Art. 190 BV erachtete es jedoch den Gesetzgeber als zuständig für die Bereinigun g allfälliger unsachlicher Differenzie- rungen (E. 3.5.1) und erblickte keinen zwingenden sachlich en Grund, vor einem Entscheid des Gesetzgebers die Praxis zum bisherigen Recht zu ändern (E. 3.5.2). Es hat diese Rechtspre- chung sodann in einem neuen Entscheid ausdrücklich bestät igt (Urteil des Bundesgerichts 2C_354/2011 vom 13. Juli 2012 E. 2.7). Aus Art. 42 Ab s. 2 lit. b AuG lässt sich demnach nach geltender Rechtslage kein Rechtsanspruch auf Erteilun g einer Einreisebewilligung zu Gunsten der Eltern bzw. Schwiegereltern der Beschwerdeführer ableiten. 3.6.1 Die Beschwerdeführer machen im Weiteren eine Ve rletzung des Vertrauensgrundsatzes geltend. Eine solche sehen die Beschwerdeführer im Um stand, dass der Rechtsdienst des Re- gierungsrats mit Schreiben vom 24. September 2012 von ihnen unaufgefordert eine Bankgaran- tie im Umfang von Fr. 16'000.-- verlangt habe und di e Einreisebewilligung trotz Leistung dieser Bankgarantie verweigert worden sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.6.2 Der Grundsatz des Vertrauensschutzes nach Art. 9 BV bedeutet, dass Private einen Anspruch darauf haben, in ihrem berechtigten Vertraue n in behördliche Zusicherungen oder in anderes, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalte n der Behörden geschützt zu werden (vgl. BGE 130 I 60 E. 8.1). Entscheidend ist mithin der Bestimmtheitsgrad der Vertrauensgrund- lage. Dieser muss so gross sein, dass der Private daraus die f ür seine Dispositionen massge- benden Informationen entnehmen kann (H ÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., N 631). Ein prak- tisch besonders wichtiger Anwendungsfall des Vertrauensschutzes stellt sodann der Schutz der privaten Person bei unrichtigen Auskünften der Behörde d ar. Das Gesetzmässigkeitsprinzip verlangt zwar, dass die Verwaltungsbehörde grundsätzlich nach Massgabe des Gesetzes und nicht nach Massgabe der vom Gesetz abweichenden Auskunft entscheidet. Trotzdem kann eine unrichtige behördliche Auskunft eine Vertrauensgrundla ge bilden und bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen Rechtswirkungen haben. So setzt die Berufun g auf den Vertrauensgrundsatz voraus, dass die behördliche Auskunft zur Begründung von Vertrauen geeignet war, diese von der zuständigen Behörde vorbehaltlos erteilt worden w ar, die allfällige Fehlerhaftigkeit weder erkennbar war noch erkannt werden musste, aufgrund de r Auskunft eine Disposition getätigt wurde, die ohne Nachteil nicht wieder rückgängig gema cht werden kann und keine Änderung des Sachverhaltes oder der Rechtslage eingetreten ist. Sch liesslich muss noch ein überwie- gendes Interesses am Schutz des Vertrauens in die unrich tige Auskunft gegenüber dem Inte- resse an der richtigen Rechtsanwendung vorliegen (H ÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., N 668 ff. mit Hinweisen). 3.6.3 Vorliegend bleibt den Beschwerdeführern die Ber ufung auf den Grundsatz des Vertrau- ensschutzes bereits aufgrund der fehlenden Vorbehaltlo sigkeit der allenfalls in Frage kommen- den Vertrauensgrundlage verwehrt. Gemäss Schreiben des R echtsdiensts des Regierungsrats vom 24. September 2012 habe eine telefonischen Rücksprache mit dem AfM ergeben, dass die angefochtene Verfügung "möglicherweise in Wiedererwägu ng gezogen werden könnte", wenn die Beschwerdeführer eine Bankgarantie zur Sicherstellung der finanziellen Mittel vorlegten. Die von der Behörde gewählte Formulierung lässt nicht den Schluss zu, dass die begehrten Bewilli- gungen unmittelbar nach Leistung einer Bankgarantie erteilt würden. Vielmehr wurde ausdrück- lich darauf hingewiesen, dass die Vorlage einer Bankgar antie höchstens dazu führen könnte, dass über die angefochtene Verfügung (vom zuständigen A fM) möglicherweise wiedererwä- gungsweise neu entschieden werde. Aufgrund dieses klaren Vorbehalts vermag die behördliche Auskunft keine Rechtswirkungen zu entfalten. Die Berufung der Beschwerdeführer auf den Ver- trauensgrundsatz scheitert daher in Ermangelung einer geeigneten Vertrauensgrundlage. Die in diesem Zusammenhang erhobene Willkürrüge erweist sich demzufolge als unbegründet. 4.1 Die zuständige Behörde hat anlässlich der Prüfung e ines Gesuchs um Einreisebewilli- gung zur erwerbslosen Wohnsitznahme die im Weiteren be stehenden bundesrechtlichen Vor- gaben zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang ist ins besondere das AuG zu beachten, welches die bundesrechtlichen Mindestvoraussetzungen für ei ne Bewilligungserteilung an Rentnerinnen und Rentner aufstellt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der vorliegend massgebende Art. 28 AuG lautet wie folgt: Ausländerinnen und Ausländer, die nicht mehr erwerbs tätig sind, können zugelassen werden, wenn sie: a. ein vom Bundesrat festgelegtes Mindestalter erreicht haben; b. besondere persönliche Beziehungen zur Schweiz besitz en; und c. über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen . Die genannten Voraussetzungen sind kumulativ zu erfüllen. Aus diesem im Sinne einer reinen Kann-Vorschrift ausgestalteten Gesetzestext ergibt sich, dass der Gesetzgeber der zuständigen Behörde ein erhebliches Ermessen beim Entscheid über di e Erteilung oder Verweigerung einer Einreisebewilligung einräumt. Dies bedeutet, dass es au ch bei Vorliegen der an die Erteilung gestellten normativen Voraussetzungen grundsätzlich im E rmessen der urteilenden Instanz liegt, ein entsprechendes Begehren gutzuheissen oder a bzuweisen. Die zuständige Behörde hat ihr Ermessen nach Art. 96 Abs. 1 AuG unter Berücksic htigung der öffentlichen Interessen, der persönlichen Verhältnisse und dem Grad der Integra tion der gesuchstellenden Personen auszuüben (vgl. MARTINA CARONI /L ISA OTT in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 6 zu Art. 28). 4.2 Zwischen den Parteien ist vorliegend unbestritten ge blieben, dass die Eltern bzw. Schwiegereltern der Beschwerdeführer die in Art. 25 Ab s. 1 VZAE vorgesehene Altersgrenze von 55 Jahren erreicht haben und besondere persönliche B eziehungen zur Schweiz besitzen. Streitig und zu prüfen ist einzig das Vorliegen des Kriteriums der notwendigen finanziellen Mittel nach Art. 28 lit. c AuG. 4.3 Der Begriff der notwendigen finanziellen Mittel nach Art. 28 lit. c AuG stellt einen unbe- stimmten Rechtsbegriff dar, welcher der Auslegung und damit grundsätzlich auch der Rechts- kontrolle durch das Kantonsgericht zugänglich ist (vgl. E . 2 hiervor). Da weder die Auslegung nach dem Wortlaut noch der Historie oder der Systemat ik zu einer Klärung führen, steht im vor- liegenden Fall die teleologische Auslegungsmethode im Vordergrund. Nachfolgend ist daher der Sinn und Zweck von Art. 28 lit. c AuG näher zu beleuchten. 4.4.1 Mit der Zulassungsvoraussetzung der notwendigen f inanziellen Mittel soll das Risiko einer Fürsorgeabhängigkeit der übersiedelnden Rentnerinnen und Rentner als vernachlässigbar gering eingestuft werden können. Ein vernachlässigbar g eringes Risiko einer Fürsorgeabhän- gigkeit ist dann anzunehmen, wenn die erforderlichen Mi ttel den Rentnerinnen und Rentnern mit grosser Sicherheit bis an ihr Lebensende zufliessen ( MARTINA CARONI /L ISA OTT , a.a.O., N 14 zu Art. 28; VPB 65.67 E. 10.1) bzw. wenn die übersiedlungswilligen Rentner in absehbarer Zeit voraussichtlich nicht auf Sozialhilfe angewiesen sein werden (M ARC SPESCHA in: Spe- scha/Thür/Zünd/Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht , 3. Auflage, Zürich 2012, N 4 zu Art. 28 AuG). Die Berechnung der erforderlichen finan ziellen Mittel erfolgt dabei praxisgemäss in Anwendung einer Bedarfsrechnung nach den Richtlinie n der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS, Richtlinien für die Ausgestaltung un d Bemessung der Sozialhilfe, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Ausgabe, Bern 2005, Kapitel B.2; vgl. VGE vom 30. Januar 2002 [810 01 227] E. 6.a; Ent- scheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht des Kantons Aarg au vom 30. August 2002, in: AGVE 2002, Nr. 131, E. 7.b, S. 529). Die einreisewillige Person muss dementsprechend monat- lich den nach den SKOS-Richtlinien für sie berechneten B edarf decken können. Für die Ab- schätzung des Risikos, ob ein Gesuchsteller der öffentlichen Hand zur Last fällt, ist nach bun- desgerichtlicher Rechtsprechung auf die aktuellen Verhäl tnisse im Zeitpunkt des Urteils abzu- stellen und es ist die wahrscheinliche finanzielle Entwickl ung auf längere Sicht zu berücksichti- gen (BGE 119 Ib 1 E. 3b). 4.4.2 In diesem Zusammenhang ist über die Frage zu bef inden, ob neben den eigenen finan- ziellen Mitteln der Gesuchsteller auch solche von Drittp ersonen zu berücksichtigen sind. In der Lehre und Rechtsprechung ist anerkannt, dass die Unter scheidung von Eigen- und Drittmitteln für sich alleine genommen nicht als ausschlaggebendes Kr iterium zu betrachten ist. Der Zweck der Voraussetzung der notwendigen finanziellen Mittel l iegt in der Vermeidung der Fürsorgeab- hängigkeit der Gesuchsteller. Dieser Zweck ist als erfüll t zu betrachten, sofern die finanziellen Mittel den einreisewilligen Ausländern für die Bestrei tung ihres Lebensunterhalts in genügen- dem Masse zur Verfügung stehen, ohne dass es auf die Herkun ft dieser Mittel ankommen darf (vgl. BGE 135 II 265 E. 3.3 [ergangen in Anwendung vo n Art. 24 des Anhangs I zum Abkom- men zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einersei ts und der Europäischen Ge- meinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits vom 21. Juni 1999]; VGE vom 30. Januar 2002 [810 01 227] E. 6.a; Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht des Kan- tons Aargau vom 30. August 2002, in: AGVE 2002, Nr. 131, E. 7.c, S. 531; M ARTINA CARONI /L ISA OTT , a.a.O., N 16 f. zu Art. 28, MARC SPESCHA , a.a.O., N 4 zu Art. 28 AuG). 4.4.3 Vorhandene Drittmittel sind demnach zu berücksichtig en und es ist im Einzelfall zu ent- scheiden, ob diese genügend Sicherheit für die Vermeidu ng des Fürsorgerisikos bieten. Bei Drittmitteln muss namentlich gewährleistet werden, dass die Leistungsfähigkeit der Drittperso- nen auch in Zukunft erhalten bleibt. Die erforderlich e Sicherheit kann sich dabei auf verschie- dene Arten ergeben, wobei die Anforderungen an die Art und Ausgestaltung der Sicherstellung der eingebrachten Drittmittel jeweils im Einzelfall festzulegen sind. Allgemein rechtfertigt sich, je grösser die Sicherheit bezüglich des Eingangs der laufen den Mittel und je grösser das Vermö- gen der Betroffenen oder der leistenden Drittpersonen ist, umso geringere Anforderungen an eine Sicherstellung durch eine Bankgarantie, die Errich tung eines Sperrkontos oder eine ähnli- che Sicherheitsleistung zu stellen. Dass die Sicherstellung mittels einer Bankgarantie im Einzel- fall zweckmässig sein kann, wurde verschiedentlich entschieden. Nach der Rechtsprechung des Kantonsgerichts sind Garantieerklärungen von Drittpersonen für den normalen Unterhalt zu berücksichtigen und zuzulassen, sofern die zugesicherten Mit tel der nach SKOS-Richtlinien ermittelten Unterdeckung entsprechen. Als Sicherheit fü r diesen Betrag ist eine entsprechende Bankgarantie zu leisten. Zwecks Schutz des Garanten vor e iner übermässigen Bindung muss die Bankgarantie eine zeitliche Einschränkung erfahren (vgl. VGE vom 30. Januar 2002 [810 01 227] E. 9a, wo die zu leistende Bankgarantie konkret auf vier Jahre beschränkt wurde; zur allgemeinen Zulässigkeit einer Bankgarantie vgl. auc h Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht des Kantons Aargau vom 30. August 2002, in: AGVE 2002, Nr. 131, S. 522 ff.). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5.1 Vorliegend besteht zwischen den Parteien zunächst U neinigkeit in Bezug auf die konkre- te Höhe des monatlichen finanziellen Bedarfs der einrei sewilligen Eltern bzw. Schwiegereltern. Der Regierungsrat berechnete nach den SKOS-Richtlinien einen monatlichen Bedarf in der Hö- he von Fr. 4'166.-- (Grundbedarf für Ehegatten: Fr. 1'650.--, Wohnkosten: Fr. 1'200.--, Neben- kosten: Fr. 150.--, Krankenkasse: Fr. 766.--, Sonstiges : Fr. 200.--, Steuern: Fr. 200.--). Hierge- gen wenden die Beschwerdeführer anlässlich der heutige n Parteiverhandlung insbesondere ein, dass die in der Bedarfsrechnung eingesetzten Wohnko sten unzutreffend seien, da zu- nächst beabsichtigt sei, mit den Eltern gemeinsam in de r Wohnung der Beschwerdeführer zu- sammenzuleben und alsdann der Erwerb eines Eigenheims im Sinne eines Zwei-Generationen- Hauses angestrebt werde. Aus diesem Grund seien praxisgem äss keine Wohnkosten einzuset- zen, wodurch sich der monatliche Bedarf der Gesuchsteller auf Fr. 2'966.-- reduziere. 4.5.2 Den Beschwerdeführern kann insoweit gefolgt werd en, als sich die Bedarfsrechnung an den konkreten Ausgaben zu orientieren hat. Ebenfalls beizupflichten ist der von den Beschwer- deführern angerufenen Praxis, wonach bei der Bedarfsr echnung keine Wohnkosten einzuset- zen sind, sofern die Gesuchsteller unentgeltlich Wohnsitz in den Wohnräumen der hier anwe- senheitsberechtigten Personen nehmen (so auch Entscheid des Rekursgerichts im Ausländer- recht des Kantons Aargau vom 30. August 2002, in: AGVE 2002, Nr. 131, E. 7.b, S. 529). Handkehrum ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass sich die vorliegend beabsichtigte Wohnsituation jederzeit verändern kann. Zu denken ist e inerseits an familiären Zuwachs, ande- rerseits aber auch an ein allfälliges Auseinanderfallen der Familie. Nicht ausser Acht gelassen werden kann sodann die Möglichkeit einer erfahrungsgemäss kostenintensiven Pflegebedürftig- keit der Gesuchsteller. Mithin bieten die Angaben der Beschwerdeführer über das mittel- bis langfristig geplante Zusammenleben nicht die erforde rliche Sicherheit, die es zulassen würde, für die Bedarfsrechnung der Gesuchsteller keinerlei W ohnkosten einzusetzen. Da für die Ab- schätzung des Fürsorgerisikos die wahrscheinliche finanzielle E ntwicklung auf längere Sicht zu berücksichtigen ist (vgl. E. 4.4.1 hiervor), erscheint es vorliegend gerechtfertigt, bei Zweifeln am konkreten Bedarf vom höheren der möglichen Beträge auszugehen. Gestützt darauf ist die vom Regierungsrat angefertigte Bedarfsrechnung nicht zu bea nstanden, zumal die weiteren Positio- nen – mit Ausnahme der Wohnkosten – von den Beschwerdef ührern nicht substantiiert in Frage gestellt werden. 4.5.3 Auf der Seite der vorhandenen finanziellen Mitt el sind zunächst die Eigenmittel der Ge- suchsteller zu berücksichtigen. Aus den Akten sowie der heuti gen Parteiverhandlung ergibt sich, dass die Gesuchsteller an regelmässigem Einkommen über eine monatliche Altersrente aus Ägypten in der Höhe von Fr. 797.-- verfügen. Dane ben steht den Gesuchstellern ein unbe- strittenes Barvermögen in der Höhe von Fr. 110'000.-- zu r Verfügung. Streitig sind zwischen den Parteien der Wert und die Realisierbarkeit des Gru ndbesitzes der Gesuchsteller. Dieser besteht in einer Eigentumswohnung in Kairo sowie zwei u nüberbauten Grundstücken am Mit- telmeer zu einem Schätzwert von gesamthaft etwa Fr. 285 '000.--. Bis dato wurde keine dieser Liegenschaften veräussert. Bezüglich der Veräusserbarkeit ist mit der Vorinstanz davon auszu- gehen, dass die Kapitalisierung der Immobilien aufgrun d des bloss geschätzten Wertes sowie der aktuellen politischen Lage in Ägypten mit erheblich en Unsicherheiten verbunden ist (vgl. Reisehinweise Ägypten des Eidgenössischen Departements f ür auswärtige Angelegenheiten Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht [EDA], abrufbar unter www.eda.admin.ch). Es ist durchaus möglich, dass diese unsicheren Fak- toren letztlich zu einem deutlich unter dem Schätzwert liegenden Verkaufserlös führen würden. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz rechtfertigen dies e Umstände jedoch nicht, das diesbe- zügliche Vermögen der Gesuchsteller gänzlich ausser Acht zu lassen. Es ist vielmehr von dem- jenigen Wert auszugehen, welcher unter Berücksichtigung der konkreten Umstände mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit erzielt werden kann. Zusa mmenfassend ist bezüglich der eige- nen Mittel der Gesuchsteller mit der Vorinstanz davon au szugehen, dass diese im vorliegenden Fall gesamthaft nicht als ausreichend zu betrachten sind, da auch eine Kapitalisierung zum vol- len Schätzpreis die bestehende Unterdeckung nur für wenige Jahre aufwiegen könnte. 4.5.4 Bezüglich der im konkreten Fall in Frage kommend en Drittmittel ist dem Regierungsrat vorab beizupflichten, wenn er anlässlich der heutigen Parteiverhandlung darauf hinweist, dass aufgrund der per 1. Januar 2014 in Kraft tretenden Änderung des kantonalen Gesetzes über die Sozial-, die Jugend und die Behindertenhilfe (SHG) vo m 21. Juni 2001 keine Berücksichtigung der Verwandtenunterstützungspflicht nach Art. 328 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbu- ches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 mehr möglich sein wir d. Die Gesetzesänderung hat unter anderem zum Inhalt, dass die Subsidiarität der Sozialhi lfe gegenüber der Verwandtenunterstüt- zungspflicht aufgehoben wird (vgl. § 5 Abs. 2 der geänd erten Fassung). Bedürftige Personen erhalten demnach auch dann Unterstützungsleistungen dur ch die Sozialhilfe, wenn ihre Ver- wandten in auf- oder absteigender Linie in günstigen Verhältnissen leben. Demzufolge erübrigt sich vorliegend eine Prüfung der Voraussetzungen der Ve rwandtenunterstützungspflicht als Sicherstellung der notwendigen finanziellen Mittel. 4.5.5 Als in Frage kommende Drittmittel verpflichteten sich die Beschwerdeführer vorliegend schriftlich, für den Lebensunterhalt ihrer Eltern bzw. S chwiegereltern aufzukommen. Daneben reichten sie eine auf ein Jahr befristete Bankgarantie im Unfang von Fr. 16'000.-- ein. Die Be- schwerdeführer verfügen nach Aktenlage gemeinsam über Ne ttojahreseinkommen in der Höhe von rund Fr. 250'000.-- sowie Vermögen in der Höhe von knapp Fr. 500'000.--. Währenddem die schriftliche Verpflichtungserklärung durch die Vorinst anz mit der Begründung der nach Art. 27 ZGB übermässigen Bindung nicht Beachtung fan d, erachtete sie die eingereichte Bank- garantie sowohl bezüglich Umfang als auch bezüglich Da uer als zu gering. Der Regierungsrat führt hierzu aus, dass die im vorliegenden Fall abgeg ebenen Verpflichtungs- oder Garantieer- klärung der Beschwerdeführer kaum rechtlich bindend ausge staltet werden könne, da sie die Verpflichtung enthalten müsse, bis zum Lebensende der Eltern bzw. Schwiegereltern vollum- fänglich für deren Lebensunterhalt aufzukommen. Eine s olche Verpflichtung enthielte eine un- zulässige Bindung der Verwandten und wäre deshalb zumin dest teilweise nichtig. In seiner Vernehmlassung führt der Regierungsrat aus, dass eine Ba nkgarantie wohl bei mindestens Fr. 40'000.-- liegen müsste, um den errechneten Fehlbe trag decken zu können. Eine Garantie der Beschwerdeführer für eine solche, jährlich auf unb estimmte Zeit fällige Summe übersteige wohl die zulässige Grenze von Art. 27 ZGB. 4.5.6 Gestützt auf diese Ausführungen des Regierungsrat s ist nicht hinreichend erstellt, ob und wie im vorliegenden Fall die notwendigen finanzie llen Mittel im Sinne von Art. 28 lit. c AuG durch eine Bankgarantie oder eine ähnliche Sicherstellu ng gewährleistet werden können. So- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht weit sich der Regierungsrat in seiner Vernehmlassung auf den Standpunkt stellt, dass eine Bankgarantie in der erforderlichen Höhe wohl kaum recht lich bindend ausgestaltet werden kön- ne, vermag er seine Position nicht hinreichend zu bele gen. Die Anforderungen an den Nach- weis der notwendigen finanziellen Mittel dürfen jeden falls nicht derart eng verstanden werden, dass dessen Erbringung faktisch unmöglich wird. Eine sol ch enge Auslegung des unbestimm- ten Rechtsbegriffs der notwendigen finanziellen Mittel führte dazu, dass die entsprechende Be- stimmung kaum mehr zur Anwendung gelangte und ist dahe r mit dem Gesetzeszweck nicht vereinbar. Es wurde bereits ausgeführt, dass eine Bankga rantie nach der Rechtsprechung des Kantonsgerichts genügende Sicherheit bieten und durchaus rechtskonform ausgestaltet werden kann (E. 4.4.3). Mit Blick auf die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Beschwerdefüh- rer ist jedenfalls nicht ersichtlich, dass eine geeignete Sicherstellung der notwendigen finanziel- len Mittel im vorliegenden Fall nicht erbracht werde n könnte. Hinzuweisen ist in diesem Zu- sammenhang auf die Möglichkeit bzw. Pflicht der zuständig en Behörde, die Zulassungsvoraus- setzungen regelmässig auf deren Fortbestehen zu überprüf en. Dabei ist insbesondere der Er- haltung der Leistungsfähigkeit der Drittmittel sowie d er Möglichkeit des sich verändernden Be- darfs gebührend Rechnung zu tragen. Es ist der zuständigen Behörde zu überlassen, die Ertei- lung einer Aufenthaltsbewilligung an eine Bedingung bzw. Auflage zu knüpfen (Art. 33 AuG) und die Aufenthaltsbewilligung bei Nichteinhaltung de r Bedingung bzw. der Auflage zu widerru- fen bzw. nicht zu verlängern (Art. 62 lit. d AuG). 5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Regierungsra t das Vorliegen der notwen- digen finanziellen Mittel im Sinne von Art. 28 lit. c AuG nicht hinreichend abgeklärt und diese Voraussetzung somit zu Unrecht verneint hat. Die Beschwer de ist demnach gutzuheissen und die Sache an das AfM zum neuen Entscheid im Sinne der Erwägungen zurückzuweisen. 6.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umf assen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Au smass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei, nicht jedoch der Vorinstanz, auferlegt (§ 20 Abs. 3 Satz 2 VPO). Demzu- folge werden vorliegend keine Verfahrenskosten erhoben. Der Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'100.-- wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 6.2 Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Ver fahrens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat zurückgewiesen. 6.3 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann gest ützt auf § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemesse ne Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Ausgang des Ve rfahrens entsprechend ist den Beschwerdeführern deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten des Regierungsrats zuzuspre- chen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer hat in seinen Honorarnoten vom 8. Mai 2013 und vom 7. August 2013 einen Zeitaufwand von 21 Stun den geltend gemacht, wobei für die heutige Parteiverhandlung zwei Stunden eingesetzt wurd en. Aufgrund der bloss einstündigen Verhandlungsdauer reduzieren sich die anwaltlichen Bem ühungen auf 20 Stunden. Im Übrigen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht erweist sich der Zeitaufwand in Anbetracht der sich stel lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in d en Honorarnoten ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von Fr. 88.30. Den obsiegenden Be schwerdeführern wird demnach für den Beizug des Anwalts eine Parteientschädigung in de r Höhe von Fr. 5'495.45 (20 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen in der Höhe von Fr. 88.3 0 sowie 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten des Regierungsrates zugesprochen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Sache wird zur Neubeurtei- lung im Sinne der Erwägungen an das Amt für Migratio n zurückgewie- sen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'100.- - wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d en Beschwerde- führern für das Verfahren vor Kantonsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'495.45 (inkl. Auslagen und 8 % Mehr wertsteuer) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiber i.V.