B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3019/2013 U r t e i l v o m 14 . O k t o b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. Parteien A._______, geboren (…), und deren Kinder B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), Eritrea, c/o schweizerische Vertretung in Khartum, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 11. März 2013 / N (…). D-3019/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 24. Januar 2010 (Eingangsstempel) ersuchte die Beschwerdeführerin für sich und ihre beiden Kinder schriftlich bei der Schweizer ischen Bot- schaft in Khartum um Asyl und beantragte eine Einreisebewilligung in die Schweiz. B. B.a Am 5. Juli 2010 stellte das BFM der Be schwerdeführerin ein Informa- tionsschreiben zu ihren Chancen im Asylverfahren in englischer Sprache zu und forderte sie auf, innert Frist ihr Interesse an der Fortführung des Asylverfahrens kundzutun. B.b Mit Schreiben vom 8. August 2010 (Eingangsstempel der Schweizeri- schen Botschaft in Khartum) teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie am Asylgesuch für sich und ihre Kinder festhalte. C. C.a Mit Schreiben vom 3. September 2012 teilte das BFM der Beschwe r- deführerin mit, im vorliegenden Verfahren könne aufgrund des be- grenzten Personalbestandes sowie fehlender Voraussetzungen im sicher- heitstechnischen und räumlichen Bereich keine Befragung durch die Schweizerische Botschaft durchgeführt werden. Gleichzeitig unterbreitete ihr das BFM eine Reihe von konkreten Fragen z ur Abklärung des Sac h- verhaltes. C.b Mit Schreiben vom 23. Januar 2013 (Eingangsstempel der Schweize- rischen Botschaft in Khartum) nahm die Beschwerdeführerin fristgerecht zu den ihr unterbreiteten Fragen Stellung. D. D.a Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die B eschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie sei im Jahr (…) in D._______ geboren und gehöre der Ethnie der Tigrinya an. In den Jahren 2004 und 2007 seien ih- re beiden Kinder zur Welt gekommen. Als ihr Ehemann nach mehreren Gefängnisaufenthalten in den Sudan geflohen sei, habe sie Probleme mit den Behörden bekommen. Diese hätten sie wegen der Flucht ihres Eh e- mannes dreimal auf dem Polizeiposten festgehalten. Schliesslich sei sie vor die Wahl gestellt worden, ihren Ehemann zurückzubringen oder ein Bussgeld von 50 000 Nakfa zu bezahlen , andernfalls sie inhaftiert werde. Daraufhin sei sie am 1. April 2008 mit ihren Kindern in den Sudan gefl o-D-3019/2013 Seite 3 hen. Vom 14. April 2008 bis 10. Oktober 2008 habe sie im Flüchtlingsla- ger E._______ des Flüchtlingskommissariat s der Vereinten Nationen (UNHCR) gelebt. Danach habe sie sich zu ihrem Ehemann nach Khartum begeben. Sie habe das Lager verlassen, weil sie dort nicht sicher gew e- sen sei und nicht genügend Nahrung erhalten habe. Auch in Karthum fürchte sie sich, da die sudanesischen Behörden immer wieder Razzien durchführten und Flüchtlinge verhafte ten. Sie sei bereits mehr mals ve r- haftet worden, habe aber ihre Freilassung mit Geld wiedererlan gen kön- nen. Sie sei auch schon geschlagen worden, weil sie illegal Tee verkauft habe. Sie habe verschiedene Arbeitsstellen gehabt, zuletzt in einem Hotel als Serviceangestellte. Diese Stelle habe sie verloren, nach dem sie (…) bei einem Autounfall verschiedene Verletzungen erlitten habe. Im Mai 2011 habe ihr Ehemann sie und die beiden Kinder verlassen. Seither wohne sie bei Bekannten aus Eritrea, werde von diesen unterstützt und könne aufgrund der Schmerzen kaum mehr arbeiten. Sie könne nicht mehr im Sudan leben, da sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten kö n- ne und sie sich vor der sudanesischen Polizei fürchte. D.b Zur Untermauerung ihres Asylgesuches reichte sie Kopien ihrer He i- ratsurkunde, der Taufscheine ihrer Kinder sowie ihrer Flüchtlingsausweise zu den Akten. E. Mit Verfügung vom 11. März 2013, welche der Beschwerdeführerin am 16. April 2013 ausgehändigt wurde, verweigerte das BFM der Beschwe r- deführerin und ihren Kindern die Einreise in die Schweiz und lehnte die Asylgesuche ab. F. Mit in englischer Sprache verfasster Eingabe vom 2. Mai 2013 (Eingangs- stempel der Schweizerischen Botschaft in Karthum) erhob die Beschwer- deführerin Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Bewil- ligung der Einreise in die Schweiz für sich und ihre Kinder. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden D-3019/2013 Seite 4 gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgeric ht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so auch vorliegend, endgültig, (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg erichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann indes - sen verzichtet werden, da der in Englisch verfassten Beschwerdeeingabe genügend klare, sinngemäss Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne Weiteres darüber befunden werden kann. 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und ha- ben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.5 Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG ergeht der vo r- liegende Entscheid in deutscher Sprache. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gemäss der Übergangsbestimmung zur Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (in Kraft getreten am 29. September 2012) gelten für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom D-3019/2013 Seite 5 28. September 2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 aAsylG in der bisherigen Fassung. 4. 4.1 Ein Asylgesuch kann gemäss Art. 19 Abs. 1 aAsylG im Ausland bei ei- ner Schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 aAsylG). 4.2 Gemäss Art. 20 Abs. 2 aAsylG bewilligt das Bundesamt Asylsuchen - den die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zu - gemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Nach Absatz 3 der Bestimmung kann das Eidgenössische Justiz - und Polizeidepartement (EJPD) Schweizeri - sche Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilli- gen, die glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG be- stehe. 4.3 Hinsichtlich des Verfahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht Art. 10 der Asylv erordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asyls u- chenden Person in der Regel eine Befragung durchführt (Art. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sac h- verhaltsabklärung kann sich erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits au f- grund des eingereichten Asylgesuchs als entsch eidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Person ist aber in diesem Fall im Sinne des rechtl i- chen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu äussern (BVGE 2007/30 E. 5.7 S. 367). 4.4 Im vorliegenden Fall wurde die Beschwerdeführerin von der Botschaft in Khartum zu ihrem Asylgesuch vom 24. Januar 2010 nicht befragt. In - des wurde sie im Rahmen des rechtlichen Gehörs mittels Schreiben vom 3. September 2012 zur weiteren Konkretisierung ihrer Asylgrün de aufge- fordert (vgl. Bst. C.a hiervor). In Verbindung mit den bereits vorgängig enthaltenen Fragestellungen sowie den entsprechenden Antworten der Beschwerdeführerin dazu (vgl. Bstn. B.a und B.b hiervor) konnte das BFM letztlich davon ausgehen, dass sämtliche für die Beurteilung des Asylgesuches aus dem Ausland notwendigen Aspekte abgedeckt waren, D-3019/2013 Seite 6 namentlich die genauen Personalien der asylsuchen den Person, die d e- taillierten Asylvorbringen, die unternommenen Massnahmen zur Schut z- suche oder die Möglichkeit einer innerstaatlichen Fluchtalternative. Dabei ist festzustellen, dass sich die Beschwerdeführe rin in allen ihren Eing a- ben grundsätzlich auf den gleichen Sachverhalt be rief. Aufgrund der Schilderungen der Beschwerdeführerin durfte das BFM davon ausgehen, dass sämtliche für die Beurteilung des Asylgesuchs aus dem Ausland notwendigen Sachverhaltsaspekte vorgebracht wurden. Das BFM ist z u- dem der Begründungspflicht des Anhörungsverzichts nachgekommen, so dass im vorliegenden Verfahren dem Anspruch der Beschwerdeführerin auf Gewährung des rechtlichen Gehörs Rechnung getragen und der en t- scheidwesentliche Sachverhalt in genügender Weise und umfassend a b- geklärt wurde. 5. 5.1 Beim Entscheid für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten r e- striktive Voraussetzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessens - spielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Mö g- lichkeit der Schu tzgewährung durch einen anderen Staat, die Bezie - hungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu zie hen (vgl. statt vieler Urteil des Bundesverwaltungsgericht E -5509/2011 vom 22. November 2011 E. 4.4). 5.2 Nach Art. 52 Abs. 2 aAsylG kann einer Person, die sich im Ausland befindet, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. 5.3 Im Rahmen einer Gesamtschau ist dabei zu prüfen, ob es aufgrund der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die den angesichts der bestehenden Gefährdung erforderlichen Schutz gewähren soll. Dabei sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die B e- ziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und obje k- tive Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche sowie die vorau s- sichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126 und E. 5.1 S. 128; vgl. auch die Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D -2018/2011 vom 14. September 2011 E. 7.1). D-3019/2013 Seite 7 6. 6.1 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung fest, aus den Schilderungen der Beschwerdeführerin in ihrem Asylgesuch vom 24. Ja- nuar 2010 sowie in ihren Stellungnahmen vom 8. August 2010 sowie vom 23. Januar 2013 lasse sich schliessen, dass sie ern stzunehmende Schwierigkeiten mit den eritrei schen Behörden gehabt habe. Es sei zu prüfen, ob einer allfälligen Asylgewährung durch die Schweiz der Asylaus- schlussgrund von Art. 52 Abs. 2 AsylG (alt) entgegenstehe. Danach kö n- ne einer Person das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet we r- den könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Die Beschwerdeführerin habe sich ihren Aussagen zufolge beim UNHCR registrieren lassen und sich vom 14. April 2008 bis 10. Oktober 2008 in einem Flüchtlingslager des UNHCR in E._______ aufgehalten. In ihrem Schreiben vom 23. Januar 2013 habe sie festgehalten, im Sudan könne sie als alleinerziehende Mutter den Lebensunterhalt für sich und ihre bei - den Kinder nicht selbständig aufbringen. Ausserdem fürchte sie sich vor der sudanesischen Polizei. Laut Berichten des UNHCR würden sich zahlreiche eritreische Flüchtlinge und Asylsuchende im Sudan aufhalten. Vor diesem Hintergrund sei nicht zu verkennen, dass die Lage vor Ort für diese Menschen wie auch für die Beschwerdeführerin und ihre Kinder nicht einfach sei. Den noch bestün- den keine konkreten Anhaltspunkte zur Annahme, wonach ein weiterer Verbleib im Sudan nicht zumutbar oder nicht möglich wäre. Flüchtlinge im Sudan, welche vom UNHCR registriert worden seien und einem Flüchtlingslager zugeteilt würden, bekämen dort die nötige Versor - gung. Die Beschwerdeführerin verfüge im Sudan nicht über ein freies Auf- enthaltsrecht für das ganze Land. Daher sei ihr zuzumuten, beim UNHCR um Schutz zu ersuchen, sollte ihre Situation tatsächlich kritisch sein. Unbestrittenermassen sei für eritreische Flüchtlinge das Leben in Khar - tum nicht einfach. Aus den Angaben der Beschwerdeführerin gehe hervor, dass sie sich seit Oktober 2008 dort aufhalte und verschiedenen Tätigkei- ten nachgegangen sei. Angesichts ihres mehrjährigen Aufenthalts sei da - von auszugehen, dass die Hürden für eine zumutbare Existenz in Khar - tum in ihrem Fall jedoch nicht unüberwindbar seien, auch wenn sie auf die Hilfe anderer angewiesen sei. Allgemeine Nachteil e und insofern h u- manitäre Überlegungen zu den von ihr geltend gemachten gesundheitl i-D-3019/2013 Seite 8 chen und finanziellen Problemen stellten keinen Grund für die Erteilung einer Einreisebewilligung dar. Überdies lebe im Sudan eine grosse eritrei- sche Diaspora, die für in N ot geratene Landsleute bereitstehe und wei t- gehend Unterstützung biete. Sie habe sich wegen ihrer Verletzungen infolge eines Autounfalles in ärzt- liche Behandlung begeben. Den Akten seien keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass die Behandlung nicht adä quat wäre, respektive eine weitere ärztliche Behandlung erforderlich sei, die im Sudan nicht gewäh r- leistet werden könne. Die Beschwerdeführerin habe die Möglichkeit , beim UNHCR um Schutz und Unterstützung zu ersuchen, falls dies notwendig sein sollte. Das UNHCR stelle zusammen mit dem sudanesischen Flüchtlingskommissa- riat ( COR) in den Flüchtlingslagern die medizinische Versorgung sicher und sämtliche Flüchtlinge hätten Zugang zu unentgeltlichen medizin i- schen Leistungen. Flüchtlinge, die über ein Einkommen verfügten und sich nicht in einem Lager aufhalten würden, müssten medizinische Lei s- tungen selber bezahlen. Erwerbslose Flüchtlinge, die sich ausserhalb des Lagers aufhalten würden, würden vom UNCHR auf Anfrage hin einen Überweisungsschein für eine unentgeltliche Behandlung erhalten. Solche Überweisungsscheine würden auch für in den Lagern nicht behandelbare Krankheiten ausgestellt. Viele eritreische Flüchtlinge würden sich nicht lange in den Flüchtlingslagern aufhalten, sondern nach Erhalt des Flüch t- lingsausweises nach Khartum weiterziehen. Falls sie dort kostenfreie medizinische Behandlung benötigen würden, müssten sie sich mit dem UNHCR oder COR in Verbindung setzen. Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin, habe sie daher durchaus Zugang zu kostenlo ser medizinischer Versorgung. Sie müsse sich dazu allerdings beim UNHCR oder COR in Khartum melden. Bei der Anwendung von Art. 52 Abs. 2 AsylG (alt) sei zudem in einer Ge - samtschau die Beziehungsnähe zur Schweiz und die Beziehungsnähe zu anderen Staaten z u prüfen. Den Angaben der Beschwerdeführerin zu - folge würden keine nahen Verwandten oder Bezugspersonen in der Schweiz leben. Auch sonst seien in den Akten keine Hinweise auf allfäl li- ge Anknüpfungspunkte zur Schweiz ersichtlich. Aufgrund dessen sei ke i- ne besondere Beziehungsnähe zur Schweiz gegeben, welche die vora n- gegangenen Feststellungen umstossen könnte. D-3019/2013 Seite 9 6.2 Wie die Vorinstanz anerkennt auch das Gericht, dass die Lage für eri- treische Flüchtlinge nicht einfach ist. Das UNHCR unterstützt die sudane- sische R egierung beim Schutz der Flüchtlinge und finanziert den ge - samten Unterhalt der Flüchtlingslager. Da die Hürden für Aktivitäten west- licher Non-Governmental Organisations (NGOs) im Ostsudan sehr hoch sind, arbeitet das UNHCR dabei hauptsächlich mit sudanes ischen und arabischen NGOs als Umsetzungspartner zusammen. Seine wichtigsten Umsetzungspartner sind dabei neben dem COR (Sudanese Commission for Refu gees) unter anderem das "Human Appeal International ", eine NGO aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (vgl. www.unhcr.org>No turning back> A review of UNHCR’s response to the protracted refugee si- tuation in eastern Sudan> S. 12, aufgerufen am 1. Oktober 2013 ). Diese NGO ist g emäss gesicherten Erkenntnissen des Gerichts i n den E._______-Lagern für die medizinisc he Versorgung zuständig. Im Lager E._______ II gibt es ein Spital , welches über 48 Betten verfügt, und in welchem zwei Ärzte, fünf Assistenten, acht Krankenschwestern und drei Hebammen tätig sind. Ausserdem verfügt das Lager über drei Gesun d- heitsstationen für ambulante Patienten. Diese Kapazität reicht für alle drei Lager aus. Zudem verfügen alle Spitäler und Gesundheitsposten über e i- ne Apotheke. Darüber hinaus bestehen in allen Flüchtlingslagern von ver- schiedenen Umsetzungspartnern betreute Spitäler und Ge sundheitspos- ten, die primäre Gesundheitsversorgung anbieten. Alle Dienstleistungen und Medikamente sind dort kostenlos. Für sekundäre Gesundheitsve r- sorgung werden die Patienten an Klinken in Kassala oder Girba überwi e- sen, für tertiäre Behandlungen nach Kha rtum. Die Rückerstattung der Ausgaben für Medikamente sowie die Finanzierung der Behandlungen in Kassala und Khartum hängt von den Mitteln der Umsetzungspartner ab , weshalb nicht alles finanziert werden kann. Ausserdem ist in Khartum mit langen Wartezeiten für die Behandlungen zu rechnen. Dennoch ist vor diesem Hintergrund und e ntgegen den anderslautenden Ausführungen auf Beschwerdeebene eine Grundversorgung sowie eine medizinische Versorgung in den Flüchtlingslagern de s UNHCR gewährleistet, und die Beschwerdeführerin ist somit nicht gezwungen, sich in Khartum aufzuha l- ten. 6.3 Bezüglich der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Gefahr entführt, beziehungsweise gekidnappt zu werden, ist Folgendes festz u- halten: Tatsächlich werden durch die sudanesischen Behörden teilweise eritreische Asylsuchende und Flüchtlinge nach Eritrea deportiert. Dies e Rückführungen erfolgen indessen nicht flächendeckend. Die Beschwe r- deführerin wurde im Sudan einem Flüchtlingscamp zugewiesen, hat es D-3019/2013 Seite 10 jedoch vorgezogen, sich in Khartum aufzuhalten, wo sie die Sicherheit für eritreische Flüchtlinge für besser , aber gleichwohl nicht sicher genug e r- achtet. Sollte sie eine Deportation ernsthaft befürchten, wäre es ihr z u- zumuten, in das ihr zugewiesene F lüchtlingscamp zurückzukehren. G e- mäss Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts ist das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt sind, gering (vgl. statt vieler Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts E-4471/2011 vom 9. Februar 2012 E. 6.5.3). Dem Bericht der Schweizer Flüchtlingshilfe (SFH) vom 5. Juli 2012 zufolge, der die Gefahr von Deportationen, Entführungen und Lösegelderpressungen von eritreischen Flüchtlingen im Sudan thematisiert und auf die schwieri- ge Situation hinweist, kann ausserdem entnommen werden, dass insb e- sondere das UNHCR, die International Organisation für Migration (IOM) und die sudanesische n Behörden bestrebt sind, die Situation zu verbe s- sern. Auch gilt es in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2008 im Sudan lebt und eine gewisse Selbständigkeit zu entfalten vermochte. Gemäss ihren Angaben wird sie in Khartum von Bekannten unterstützt, da sie aus gesundheitlichen Grü n- den keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen kann. Demnach ist sie im Sudan nicht gänzlich auf sich alleine gestellt. In diesem Zusammenhang ist auch auf die grosse eritreische Gemeinschaft in Khartum zu verwei- sen, die eine weitere Eingliederung der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder ebenfalls erleichtern kann. 6.4 Wie vorstehend dargelegt, halten sich die Beschwerdeführenden in einem Drittstaat, dem Sudan auf. Wie unter 6.2 bereits kurz ausgeführt wurde, anerkennt die Vorinstanz und das Gericht, dass die Umstände im Sudan schwierig und teilweise unbefriedigend sind. Dennoch sind sie nicht dergestalt, dass auch ohne Bezug zur Schweiz eine Einreise in die Schweiz bewilligt werden müsste (vgl. EMARK 2005/19). 6.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführerin und ihren Kindern ein weiterer Verbleib im Sudan zumutbar ist und sie auf den Schutz der Schweiz nicht angewiesen sind. Die Vorinstanz hat dem - nach den Beschwerdeführenden zu Recht die Einreise in die Schweiz nicht bewilligt und die Asylgesuche abgelehnt. 6.6 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verf ü- gung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. D-3019/2013 Seite 11 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerd e- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG, Art. 1 -3 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Aus verwa l- tungsökonomischen Gründen wird indessen auf deren Erhebung verzich- tet (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i. V. m. Art. 6 Bst. b VGKE). (Dispositiv nächste Seite) D-3019/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführe nden, das BFM und die schweizerische Vertretung in Khartum. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Ulrike Raemy Versand: