Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Juni 2016 (720 16 93) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Eine massgebende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit , welche einen früheren Renten- beginn als verfügt zulassen würde, lässt sich mit d en echtzeitlichen medizinischen Un- terlagen nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachweisen. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Tschopp, Advokat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.3780.0148.63) A. Der 1974 geborene A.____ stürzte am 1. Februar 2 001 bei der Verrichtung seiner Arbeit als Betontrennfachmann von einem ca. 2 Meter hohen Gerüst auf den Rücken. Am 28. November 2004 meldete er sich mit Hinweis auf e ine seit diesem Unfall bestehende Dis- kushernie zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung (IV) an. Nachdem feststand, dass A.____ seine Tätigkeit gesundheitsbedingt nicht meh r ausüben konnte, kündigte die Arbeitge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht berin das Arbeitsverhältnis per 31. Mai 2005. Vom 27. September 2005 bis 26. März 2006 er- folgte eine berufliche Abklärung in der B.____ (vgl. Bericht vom 31. März 2006). Es wurden wei- tere medizinische Abklärungen der Rückenschmerzen und zur V erbesserung der psychischen Stabilität die Betreuung durch eine psychologische Fach person vorgeschlagen. Über die Ar- beitslosenversicherung wurde ab 3. Juli 2006 ein erneute r Wiedereingliederungsversuch in der Werkstatt der Stiftung C.____ unternommen. Eine Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt wurde als erschwert erachtet (vgl. Bericht vom 13. September 2006). Im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren beauftragte die SUVA Dr. med. D.____, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie, mit der Begutachtung von A.____. In seinem Gutachten vom 3. Juni 2008 kam er zum Schluss, dass A.____ an einer sch weren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.3) leide und attestie rte ihm eine volle Arbeitsunfähig- keit. Daraufhin liess die IV-Stelle A.____ durch die E .____ in orthopädischer und psychiatri- scher Hinsicht begutachten. Das psychiatrische Gutachten von Dr. med. F.____ vom 6. Juli 2009, wonach keine psychiatrische Diagnose mit Einfluss a uf die Arbeitsfähigkeit vorliege, wur- de auf Beschwerde hin als mangelhaft erkannt (vgl. Urt eil vom 14. April 2011 [720 10 341]), woraufhin ein Gutachten bei Dr. med. G.____, FMH Psychi atrie und Psychotherapie, eingeholt wurde. Gemäss seinem Gutachten vom 4. April 2012 ist A .____ zu mindestens 80% arbeitsun- fähig aufgrund einer anhaltend mittel- bis schwergrad ig ausgeprägten, ängstlich-depressiven Episode im Rahmen einer depressiven Entwicklung, im Verl auf unterschiedlichen Schweregra- des, sowie einer generalisierten Angststörung. Die IV-Stelle erachtete eine weitere psychiatrische Be gutachtung als notwendig. Das Gericht stellte dagegen mit Urteil vom 10. April 2014 (720 14 25) fest, dass die Einschätzung von Dr. G.____ voll beweistauglich und eine weitere psychiat rische Beurteilung unnötig und unan- gemessen sei. In der Folge sprach die IV-Stelle A.___ _ gestützt auf das Gutachten von G.____ nach durchgeführtem Vorbescheidsverfahren mit Verfügun g vom 11. Februar 2016 eine ganze IV-Rente ab 1. Mai 2008 zu, basierend auf einen IV-Gr ad von zunächst 100% und ab Novem- ber 2009 von 85%. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Danie l Tschopp, Beschwerde ans Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Er bea ntragte die teilweise Aufhebung der an- gefochtenen Verfügung und die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente ab Juni 2005. Zur Begrün- dung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass aufgrund de r echtzeitlichen medizinischen Do- kumentation wie auch aus den Berichten über die durchge führten beruflichen Abklärungen klar hervorgehe, dass der Beschwerdeführer aus physischen wie auc h aus psychischen Gründen bereits seit Juni 2004 erheblich in seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit eingeschränkt und dass seine Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Ar beitsmarkt beim attestierten Tätig- keitsprofil nicht mehr verwertbar gewesen sei. Folglich sei bereits ab Juni 2005 eine ganze IV- Rente geschuldet. C. Mit Vernehmlassung vom 4. April 2016 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Be- schwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die form- und fristgerecht beim sachlich wie ö rtlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende od er längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Di e Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 2.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2 , 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad bei erwerbstätigen Versicherten auf- grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird da s Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Eink ommensdifferenz der IV-Grad bestim- men lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136). 3.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arb eitsunfähigkeit die durch eine Be- einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundh eit bedingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 3.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht s vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 4. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführe r bereits ab Juni 2005 einen Anspruch auf eine IV-Rente hat. Unbestritten ist der Anspruch auf eine ganze IV-Rente ab 1. Mai 2008. 4.1 Dieser Anspruch beruht auf dem psychiatrischen Guta chten von Dr. G.____ vom 4. April 2012. Er diagnostizierte mit Auswirkung auf d ie Arbeitsfähigkeit eine anhaltende mittel- bis schwergradig ausgeprägte, ängstlich depressive Episode im Rahmen einer depressiven Entwicklung, im Verlauf mit unterschiedlichem Schweregr ad (ICD-10 F32.11/F32.21), sowie eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD F45.41). Aufgrund der im Untersuchungszeitpunkt mittel- bis schwe rgradig ausgeprägten depressiven Störung und der Angststörung sei von einer Arbeitsunfäh igkeit von 80% in jeder Arbeitstätigkeit in der freien Wirtschaft auszugehen. Die Störung besteh e schon seit langem. Rückwirkend sei spätestens seit November 2009 die aktuell attestierte Ar beitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht als ausgewiesen zu betrachten. Dies aufgrund des B erichts des behandelnden Psychia- ters Dr. med. H.____ vom 9. November 2009. Eine weite r zurück liegende Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit sei deutlich schwieriger. Sicher sei aber im Zeitpunkt der psychiatrischen Unter- suchung durch Dr. D.____, das heisst am 27. Mai 2008, ei ne Arbeitsunfähigkeit von 100% aus psychiatrischer Sicht ausgewiesen. Die psychiatrische Beurteilung durch die E.____ vom 6. Juli 2009 stehe singulär da und könne angesichts des vorliege nden Befundes weder in diagnosti- scher Hinsicht noch in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nachvollzogen werden. 4.2 Die Leistungszusprache ab 1. Mai 2008 ist wie erwähn t unbestritten. Auf die schlüssige und nachvollziehbare Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. G.____ kann ohne weiteres abgestellt werden. Auch soweit Dr. G.____ eine rückwirkende Beurt eilung abgibt, ist seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit begründet und überzeugend. Dr. G.____ hält aber klar fest, dass eine wei- ter zurückliegende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit schwierig sei. Er bringt damit zum Ausdruck, dass ihm eine verlässliche Einschätzung der Arbeitsfähigk eit vor dem 27. Mai 2008 nicht mög- lich ist. 4.3 Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, dass anha nd der echtzeitlich vorliegenden medizinischen Unterlagen nachweisbar sei, dass er seit spät estens Juni 2004 in einem renten- relevanten Ausmass arbeitsunfähig sei. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aus somatischen Gründen ist – wie nachfolgend aufgezeig t wird - dem Beschwerdeführer ge- mäss den medizinischen Akten aufgrund eines chronischen lum bovertebralen Schmerzsyn- droms ohne radikuläre Symptomatik eine angepasste körperlich leichte bis mittelschwere Tätig- keit mit zusätzlicher Pause spätestens ab 1. Oktober 2005 zu 100% zumutbar (vgl. Berichte des Kreisarztes vom 1. September 2004, vom 18. Januar 2005 u nd vom 26. September 2007, Schreiben der SUVA vom 22. September 2005, orthopädisc hes Gutachten von Dr. med. I.____ vom 18. Mai 2009). Es ist daher in erster Linie zu prüf en, ob anhand der echtzeitlichen Unterla- gen eine wesentliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen schon vor dem 27. Mai 2008 überwiegend wahrscheinlich vorlag. 4.4 Der Beschwerdeführer beruft sich zunächst auf das ärztl iche Zeugnis der Hausärztin Dr. med. J.____, FMH Innere Medizin, vom 12. Juli 2004, welche eine 100%ige Arbeitsunfähig- keit seit 7. Juni 2004 attestierte. Die Arbeitsunfähigkeit wird rein somatisch mit den persistieren- den Rückenschmerzen und einer radikulären Reizung begründet. Hinweise auf eine psychische Beeinträchtigung sind dem Bericht nicht zu entnehmen. Der Kreisarzt Dr. med. K.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegun gsapparates, bestätigte in seinem Bericht vom 1. September 2004 die radikuläre Reizung, ging aber bereits wieder von einer Ar- beitsfähigkeit von 50% aus. Von einer psychischen Beeintr ächtigung ist auch in diesem Bericht keine Rede. Mit Bericht vom 22. September 2005 attesti erte die SUVA dem Versicherten aus somatischen Gründen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für eine körperlich leichte Tätigkeit ab Ok- tober 2005. Erstmals im Abschlussbericht der GAW vom 31. M ärz 2006 über die berufliche Massnahme vom 29. September 2005 bis 26. März 2006 wird in Bezug auf die psychische Be- findlichkeit des Beschwerdeführers erwähnt, dass der psych ische Zustand schwankend sei. Dr. med. L.____, FMH Anästhesiologie und psychosomatische und psychosoziale Medizin, infor- mierte am 28. Mai 2006 (recte 2007), dass eine delegi erte Psychotherapie in der Klinik Anfang 2006 nach wenigen Sitzungen gescheitert sei. In der Fol ge wurde eine Therapie bei lic. phil. M.____, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, eingeleit et. Sie berichtete mit Schreiben vom 29. Juni 2007, dass der Versicherte seit August 2006 bei ihr in Behandlung sei. Als Diag- nosen stellte sie eine chronische Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), eine dysthyme Störung (ICD- 10 F34.1) sowie einen Verdacht auf eine posttraumatisc he Belastungsstörung (ICD-10 F43.1). Erstmals im Juni 2007 wird somit echtzeitlich eine psychi atrische Diagnose gestellt. Was die Verdachtsdiagnose einer posttraumatischen Belastungsstöru ng angeht, erklärte Dr. G.____ überzeugend, weshalb diese Diagnose nicht zutreffend sei. Insbesondere fehlten die für diese Diagnose charakteristischen Symptome wie Intrusionen, Trauma assoziierte Vermeidung sowie ein katastrophenartiges Erlebnis. Die chronische Schmer zstörung stellte Dr. G.____ nicht in Frage, diese schränke jedoch die Arbeitsfähigkeit nich t ein. Damit bleibt einzig die Dysthymie als psychiatrische Diagnose, welche rechtsprechungsgemäss k eine Invalidität zu begründen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Februar 2014, 8C_33/2014, E. 3.2.3). In der Folge attestierte der Kreisarzt Dr. med. N.___ _, FMH Allgemeine Innere Medizin, dem Beschwerdeführer am 26. September 2007 aus rein somati scher Sicht weiterhin eine Arbeitsfä- higkeit von 100% in einer wechselbelastenden körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit. Er hielt aber fest, dass der Beschwerdeführer einen ausgesprochenen dysphorisch depressiven Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eindruck mache, der Leidensdruck sehr hoch sei und der Ver sicherte auch suizidale Gedanken geäussert habe. Diesbezüglich sei nun die Psychiatrie gef ragt. Die Diskrepanz zwischen der Einschätzung der Zumutbarkeit und der Effizienz währen d der beruflichen Massnahme in der B.____ erkläre sich zweifellos durch die gestörte Schmerzw ahrnehmung und die übrigen psy- chiatrischen Diagnosen. In seiner jetzigen Verfassung könne der Versicherte beim besten Wil- len nicht mehr leisten. Gestützt auf diese Beurteilung beauftragte die SUVA Dr. D.____ den Versicherten gutachterlich abzuklären. Die Untersuchung e rfolgte am 27. Mai 2008. Dr. D.____ stellte eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen fest (ICD-10 F32.3; vgl. Gutachten vom 3. Juni 2008). Ab dem Zeitpunkt dieser Un tersuchung nahm die IV-Stelle denn auch eine volle Arbeitsunfähigkeit an. Ohne Zweifel ve rschlechterte sich der psychische Ge- sundheitszustand des Versicherten innerhalb des Jahres zwischen der Beurteilung der Psycho- login M.____ vom Juni 2007 und der Untersuchung von Dr . D.____ im Mai 2008. Ob aber in- nerhalb dieser Zeitspanne eine rentenrelevante Beei nträchtigung der Arbeitsfähigkeit eingetre- ten ist und – wenn ja – wann, lässt sich anhand der echtze itlichen Unterlagen nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinl ichkeit eruieren. Innerhalb dieser Zeitspanne liegt einzig die Beurteilung von Dr. N.___ _ vor, welche zwar eine relevante psychi- sche Beeinträchtigung als möglich oder sogar wahrscheinlich nahelegt. Dr. N.____ ist aber kein Facharzt für Psychiatrie und hat deshalb auch keine Quan tifizierung der psychiatrischen Beein- trächtigung vorgenommen (vgl. auch Urteile des Bundesger ichts vom 31. März 2015, 8C_420/2010, E. 4.3 mit Hinweis und vom 8. Juli 2009, 8C_294/2009, E. 4). Darum kann auf- grund der Beurteilung von Dr. N.____ auch keine rente nrelevante Beeinträchtigung der Arbeits- fähigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenomm en werden. Beweismässig ausrei- chend erhärtet ist somit eine massgebende Arbeitsunfähigk eit des Versicherten erst ab Begut- achtung durch Dr. D.____, d.h. ab Mai 2008. Zu diesem Schluss kam auch Dr. G.____, der alle erwähnten und vom Beschwerdeführer angerufenen medizi nischen Unterlagen ebenfalls ge- würdigt hat. Weitere Beweiserhebungen sind nicht zielführend. 4.5 Etwas anderes ergibt sich auch nicht in Berücksichti gung der Aussage von Dr. D.____, dass die festgestellte Leistungseinbusse von 60% im Rahmen der Massnahme der B.____ vom 27. September 2005 bis 26. März 2006 nachvollziehbar sei . Zwar kann beruflichen Abklärungs- berichten rechtsprechungsgemäss nicht ohne weiteres jegl iche Aussagekraft abgesprochen werden. Die abschliessende Beurteilung der sich aus einem Gesundheitsschaden ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit obliegt jedoch grund sätzlich dem Facharzt oder der Fachärztin (Urteile des Bundesgerichts vom 6. Januar 2015, 8C_516/2 014, E. 9.2 mit Hinweis und vom 31. März 2015, 9C_619/2014, E. 5.1). Die Abklärungsper son erachtete denn auch eine weitere medizinische Untersuchung als notwendig, um genau feststellen zu können, woher die Rücken- schmerzen kämen. Zudem erachtete sie eine psychologische B etreuung durch eine Fachper- son für die Verbesserung der psychischen Stabilität wicht ig. In somatischer Hinsicht bestätigte sodann Dr. N.____ die attestierte Arbeitsfähigkeit von 100% in einer angepassten Tätigkeit. In psychiatrischer Hinsicht wurde der Versicherte durch die Fa chpsychologin M.____ betreut, wel- che jedoch (noch) keine die Arbeitsfähigkeit einschränke nde Diagnose stellen konnte. Eine sol- che ergab sich erstmals aus dem Gutachten von Dr. D.____. Somit kann die während der Ab- klärung in der B.____ festgestellte Leistungseinbusse ret rospektiv nicht mit zeitnahen Arztbe- richten bestätigt werden. Das Gleiche gilt bezüglich der Abklärung in der Stiftung C.____. Es Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bleibt deshalb dabei, dass in beweisrechtlicher Hinsicht eine rentenrelevante Arbeitsunfähigkeit erst ab Untersuchungszeitpunkt von Dr. D.____ im Mai 2008 als ausgewiesen gilt. Demgemäss ist die Beschwerde abzuweisen. 5. Nach Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kos- tenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Ver fassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfah renskosten in der Regel der unter- liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vor liegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Gemäss Ausgang des Verfahrens werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 16. November 2016 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_758/2016 ) erhoben.