Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 10. August 2016 (810 15 346) ____________________________________________________________________ Datenschutz / Öffentlichkeitsprinzip Gesuch um Einsicht in Bericht zu Altlastenuntersuchung Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Kantonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Jgnaz Jermann, Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Chiara Piras Beteiligte A.____, Beschwerdeführer B.____, Beschwerdeführer C.____, Beschwerdeführer D.____, Beschwerdeführer E.____, Beschwerdeführer F.____ AG, Beschwerdeführerin alle vertreten durch Dr. Nicolas Mosimann, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft, 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Einwohnergemeinde G.____, Beigeladene H.____ AG, Beigeladene I.____, Beigeladener Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Betreff Gesuch um Einsicht in Bericht zu Altlastenuntersuchung (RRB Nr. 1753 vom 10. November 2015) A. Mit Landratsbeschluss vom 8. Mai 2003 wurde für den Hochwasserschutz Dorf und den Amphibienschutz in G.____ ein Verpflichtungskredit von Fr. 7‘090‘000. -- bewilligt. Damit sollte unter anderem ein Hochwasserrückhaltebecken (HWRB) für den ‟X.____bach” finanziert werden. Als Standort für das HWRB stand die im Gebiet Y.____weg/Z.____weg liegende natür- liche Geländemulde (Standort ‟Z.____”) im Gespräch. B. Im Zusammenhang mit der Prüfung des Standortes ‟Z.____” für das HWRB ‟X.____bach” wurden im Jahr 2004 eine historische Untersuchung der Altlastensituation und im Jahre 2008 eine ergänzende Baugrunduntersuchung vorgenommen (Berichte ‟Deponien X.____bächli, G.____ - Historische Untersuchung ” vom 23. Dezember 2004 und ‟Hochwasserschutz G.____: Deponien X.____bächli – technische Altlastenvoruntersuchung, ergänzende Baugrunduntersuchung” vom 17. Januar 2008). Die Berichte kamen zum Schluss, dass der Standort durch Altlasten belastet ist. C. Im Jahr 2010 wurde das Projekt zur Erstellung des HWRB weitergeführt: Am 13. Oktober 2010 entschied der Gemeinderat G.____, die Standortfrage durch eine Arbeit s- gruppe aus Vertretern der Parteien, der Bürgergemeinde sowie der unmittelbar betroffenen Grundeigentümer beraten zu lassen. Die Standortvariante ‟Z.____” wurde von der Arbeitsgrup- pe am 27. Juni 2011 ausgeschlossen. In ihrem Schlussbericht vom 16. November 2011 em p- fahl die Arbeitsgruppe dem Gemeinderat den Standort ‟J.____”. Der Gemeinderat G.____ schloss sich mit Beschluss vom 7. Dezember 2011 der Empfehlung der Arbeitsgruppe an. D. Im Hinblick auf die Durchführung geologischer und geotechnischer Abklärungen am Standort ‟J.____” fanden ab 2013 diverse Besprechungen und Schriftenwechsel zwischen der Bau- und Umweltdirektion (BUD), der Gemeinde G.____ und den am Stando rt ‟J.____” be- troffenen Grundeigentümern A.____, B.____, C.____ und D.____ statt. Letztere zeigten sich mit der Vornahme von Probebohrungen auf ihren Grundstücken nur einverstanden, wenn sämtliche Standorte und Varianten für das HWRB gleich dokumentiert un d sie Einsicht in die Altlastenu n- tersuchungen betreffend den Standort ‟Z.____” erhalten würden. Entsprechende Gesuche um Einsicht in die Altlastenuntersuchungen wurden am 10. Juni 2014 und am 6. August 2014 bei der BUD eingereicht. E. Am 29. September 2014 kündigte die BUD an, die Gesuche um Einsicht in die Altla s- tenuntersuchungen abzuweisen. Grund dafür sei, dass sich die Grundeigentümer am Standort ‟Z.____” gegen eine Offenlegung ausgesprochen hätten und die Altlastensituation für die En t- scheidfindung der Arbeitsgruppe in Bezug auf den Standort des HWRB nicht von Bedeutung gewesen sei. F. Mit Schreiben vom 15. Oktober 2014 und 13. November 2014 ersuchten A.____, B.____, C.____, D.____, E.____ und die F.____ AG, alle vertreten durch Dr. Nicolas Mos i- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht mann, Advokat, die BUD um Erlass einer anfechtbaren Verfügung betreffend die Ablehnung des Gesuches um Einsicht in die Altlastenuntersuchungen. G. Mit Entscheid Nr. 39 vom 5. Februar 2015 lehnte die BUD das Gesuch um Einsich t- nahme in die Altlastenuntersuch ungen ab. Gegen diesen Entscheid erhoben A.____, B.____, C.____, D.____, E.____ und die F.____ AG, stets vertreten durch Dr. Nicolas Mosimann, Advo- kat, mit Eingabe vom 19. Februar 2015 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel - Landschaft (Regierungsrat). Im Rahmen dieses Verfahrens stellte die BUD den Antrag auf Ei n- holung einer Stellungnahme der Kantonalen Aufsichtsstelle Datenschutz (ASD). Die Stellun g- nahme wurde dem Regierungsrat am 30. Juli 2015 vorgelegt. Diese beurteilte die fehlende Einwilligung der betroffenen Grundeigentümer in die Bekanntgabe der Altlastenberichte nicht als hinreichende Begründung für eine Ablehnung des Gesuches. Vielmehr sei mittels einer Inte- ressenabwägung zu ermitteln, ob das private Interesse der betroffenen Grundeigentüm er oder das öffentliche Interesse an der Offenlegung der Berichte über die Altlastenuntersuchu ngen überwiege. H. Mit Beschluss Nr. 1753 vom 10. November 2015 (RRB) wies der Regierungsrat die Beschwerde mit der Begründung ab, der Herausgabe der Berichte s tünden überwiegende pr i- vate Interessen der Grundeigentümer der untersuchten Parzellen entgegen. Zudem sei das öffentliche Interesse durch allgemeine Informationen abgedeckt, welche im öffentlichen Altla s- tenkataster einsehbar seien. I. Mit Eingabe vom 23. November 2015 erhoben A.____, B.____, C.____, D.____, E.____ und die F.____ AG, alle vertreten durch Dr. Nicolas Mosimann, Advokat, beim Kantons- gericht, Abteilung Verfassungs - und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde gegen den Regierungsratsbeschluss Nr. 1753 vom 10. November 2015. Sie stellen das Begehren, der Regierungsratsbeschluss sei aufzuheben und es sei das Gesuch um Einsicht in den Bericht über die historische Untersuchung vom 23. Dezember 2004 sowie in den Bericht zur techn i- schen Altlaste nvoruntersuchung und ergänzenden Baugrunduntersuchung vom 17. Januar 2008 am Standort der ehemaligen Deponien ‟X.____bächli” in G.____ gutzuheissen (Ziff. 1); dies unter o/e -Kostenfolge (Ziff. 2). Die Beschwerdebegründung erfolgte mit Eingabe vom 28. Januar 2016. J. Der Regierungsrat beantragt in seiner Stellungnahme vom 2. März 2016 die kostenfä l- lige Abweisung der Beschwerde. K. Mit Präsidialverfügung vom 9. März 2016 wurde die Beschwerde der Kammer zur B e- urteilung überwiesen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügungen und Entscheide des Regi e- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantons gericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichtes zur Beurteilung der vorliegenden Angel e- genheit gegeben. 1.2 Zur Beschwerde befugt ist, wer durch den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat (vgl. § 47 Abs. 1 VPO). Die Beschwerdeführer sind vom Entscheid des Regierungsrates betroffen und machen vorliegend einen auf das Öffen tlichkeitsprinzip gestützten Anspruch auf Zugang zu Informationen geltend, die sich bei einem öffentlichen Organ befinden. Ein besonderes Interesse muss dabei nicht nachgewiesen werden, weshalb sie zur Beschwerde legitimiert sind (sog. ‟Jedermanns-Recht”; BGE 136 II 399 E. 2.1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes A-1200/2012 vom 27. November 2012 E. 3.1; URS STEIMEN, in: Maurer -Lambrou/Blechta [Hrsg.], Datenschutzgesetz Öffentlic h- keitsgesetz, Basler Kommentar, 3. Aufl., 2014, N 11 zu Art. 6 des Bundesge setzes über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung [BGÖ] vom 17. Dezember 2004). Da auch die weiteren formellen Voraussetzungen erfüllt und sowohl die örtliche als auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichtes gegeben sind, ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können nach § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige F eststellung des Sachverhaltes gerügt werden. Die Überprüfung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht dagegen verwehrt (vgl. § 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Beschwerdegegner zu Recht den Entscheid der BUD geschützt hat, mit dem das Gesuch der Beschwerdeführer um Einsicht in die Berichte über die Altlastenuntersuchungen am Standort ‟Z.____” abgelehnt wur- de. 3.2 Der Beschwerdegegner führt in seinem Entscheid aus, dass die Altlastenb erichte In- formationen enthielten, die sich auf die Grundstücke und somit auch auf die Grundstückeige n- tümer beziehen würden. Die Berichte über die Altlastenuntersuchungen enthielten insbesond e- re Informationen über die auf den Grundstücken gefundenen Materia lien und den ermittelten Schadstoffkonzentrationen, welche den Grundstückeigentümern (aber auch früheren Eigent ü- mern oder Dritten) Verpflichtungen auftragen und die Grundstückwerte beträchtlich beeinflu s- sen könnten. In diesem Zusammenhang bedürfe insbesond ere der Wert der Grundstücke des Schutzes der Vertraulichkeit. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass mögliche Kaufint e- ressenten nach Einsicht in die detaillierten Berichte keine Übernahmeverhandlungen aufne h- men würden. Es müsse aber in der Entscheidge walt der Grundstückeigentümer liegen, ob die Berichte über die Altlastenuntersuchungen im Fall von Kaufangeboten von Anfang an offeng e- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht legt würden. Die privaten Interessen der Grundstückeigentümer an der Geheimhaltung der aus den Berichten hervorgehenden Detailinformationen seien deshalb hoch zu gewichten (vgl. E. 4b des RRB). Schliesslich stellt sich der Beschwerdegegner auf den Standpunkt, dass den öffentli- chen Interessen an einer Offenlegung der Altlastensituation bereits durch die öffentlich zugän g- lichen Informationen im kantonalen Altlastenkataster Genüge getan werde. So sei der Bereich als belastet ohne Überwachungs- und Sanierungsbedarf vermerkt worden. Die privaten Interes- sen der Grundstückeigentümer gingen den öffentlichen Interessen an der Einsichtn ahme in die Dokumente somit vor. 3.3 Die Beschwerdeführer rügen, dass der Beschwerdegegner weder eine Interessena b- wägung vorgenommen noch eine Verhältnismässigkeitsprüfung im engeren Sinne durchgeführt habe (vgl. Ziff. 26 der Beschwerde). Sie machen insbesondere geltend, die Argumentation des Beschwerdegegners sei widersprüchlich: Es obliege nämlich den Behörden von Amtes wegen zu prüfen, ob Massnahmen bei einem belasteten Standort notwendig seien. Es sei deshalb nicht ersichtlich, inwiefern mit der O ffenlegung der Berichte über die Altlastenuntersuchungen für die Grundstückeigentümer Sanierungsverpflichtungen drohen könnten. Ferner sei unbestri t- ten, dass gemäss dem öffentlichen Altlastenkataster auf den betroffenen Grundstücken gar ke i- ne Sanierungspflicht bestehe (vgl. Ziff. 32 der Beschwerde). Die Beschwerdeführer stellen sich zudem auf den Standpunkt, dass keinerlei Anzeichen vorlägen, dass eine Offenlegung der B e- richte über die Altlastenuntersuchungen die finanziellen Interessen der Grundstückeigent ümer tangieren könnte. Im Übrigen sei die Verheimlichung einer Grundstückbelastung vor potentie l- len Käufern nicht schutzwürdig (vgl. Ziff. 34 der Beschwerde). Das öffentliche Interesse am I n- halt der Berichte über die Altlastenuntersuchungen sei schliesslich gewichtiger als das Geheim- haltungsinteresse der betroffenen Grundstückeigentümer (vgl. Ziff. 36 der Beschwerde). 4.1 Vorliegend ist der Öffentlichkeitsgrundsatz tangiert. Dieser dient der Transparenz der Verwaltung und soll das Vertrauen der Bürger in die staatlichen Institutionen und ihr Funktionie- ren fördern. Er bildet zudem eine wesentliche Voraussetzung für eine sinnvolle demokratische Mitwirkung am politischen Entscheidfindungsprozess und für eine wirksame Kontrolle der staa t- lichen Behörden (vgl. Ar t. 1 BGÖ; BGE 133 II 209 E. 2.3.1; Urteile des Bundesgerichtes 1C_296/2015 vom 18. Mai 2016 E. 3.1 und 1C_122/2015 vom 18. Mai 2016 E. 2.1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes A -6313/2015 vom 27. April 2016 E. 4; GABOR P. BLECHTA, in: Maurer-Lambrou/Blechta [Hrsg.], a.a.O., N 4 ff. zu Art. 1 BGÖ). 4.2 Dem Öffentlichkeitsprinzip kommen zwei charakteristische Merkmale zu: Zum einen sollen die Behörden zu einer aktiven Informationspolitik verpflichtet werden, indem sie von sich aus Informationen über ihre Tätigkeit der Öffentlichkeit zugänglich machen. Zum anderen sollen Interessierte, ohne den Nachweis eines schutzwürdigen Interesses, um Information nachs u- chen können. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fliesst aus dem Öffentlichkeit s- prinzip für jede Person, die amtliche Dokumente einsehen möchte, ein subjektiver, individueller, gerichtlich durchsetzbarer Anspruch (vgl. BGE 133 II 209 E. 2.1; BGE 136 II 399 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichtes 1C_50/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 2.1). Es ist somit ni cht vom Gu t- dünken oder vom guten Willen der Verwaltung allein abhängig, ob und über was die Verwaltung informieren will, sondern es sind die Gesuchsteller, die bestimmen, welche Informationen sie Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht einsehen wollen. Das Öffentlichkeitsprinzip ist somit nicht bereits verwirklicht, wenn die Behö r- den aktiv informieren, sondern erst, wenn sie dies auch passiv – auf Ersuchen der interessie r- ten Personen hin – tun. Diese Unterscheidung in ‟aktive” und ‟passive” Information nimmt auch das im Verfahren vor Bundesbehörd en anwendbare, am 1. Juli 2006 in Kraft getretene, Öffen t- lichkeitsgesetz des Bundes auf (vgl. Art. 2 und 6 Abs. 1 BGÖ; BGE 133 II 209 E. 2.1 m.w.H.; Urteil des Verwaltungsgerichtes des Kantons St. Gallen [B 2010/123] vom 16. Dezember 2010 E. 2.3). 4.3 Im vorliegend interessierenden Umweltbereich ist das Übereinkommen über den Z u- gang zu Informationen, die Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren und den Z u- gang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten (Aarhus -Konvention) vom 25. Juni 1998 zu b e- achten, das für die Schweiz am 1. Juni 2014 in Kraft getreten ist (vgl. BGE 141 II 233 E. 4.3; BGE 140 II 315 E. 4.9). Das Übereinkommen verpflichtet die Vertragsstaaten grundsätzlich s i- cherzustellen, dass die Behörden der Öffentlichkeit Informationen über die Umwelt auf Antrag zur Verfügung stellen, ohne dass ein spezifisches Interesse geltend gemacht werden muss (vgl. Art. 4 Abs. 1 Aarhus -Konvention; vgl. Botschaft zur Genehmigung und Umsetzung der Aarhus-Konvention und von deren Änderung vom 28. März 2012 [B otschaft Aarhus - Konvention], Bundesblatt [BBl] 2012 4324, 4329; BGE 141 II 233 E. 4.3; Urteil des Bundesve r- waltungsgerichtes A-4186/2015 vom 28. Januar 2016 E. 7.5.2.1 m.w.H.). Das passive Inform a- tionszugangsrecht ist in der Konvention nicht absolut ausgestaltet und Anträge können nament- lich abgelehnt werden, wenn die Bekanntgabe negative Auswirkungen auf die Vertraulichkeit personenbezogener Daten hätte (Art. 4 Abs. 4 Bst. f Aarhus-Konvention). Die in der Konvention abschliessend aufgezählten Ablehnungsgründe sind dabei eng auszulegen (vgl. Art. 4 Abs. 4 in fine Aarhus-Konvention; Botschaft Aarhus-Konvention, 4336; ASTRID EPINEY/TOBIAS FASNACHT/ BENEDIKT PIRKER/STEFAN REITEMEYER, Aktive behördliche Information in Umweltangelegenhe i- ten, Zu Reichweite und Schranken des Rechts und der Pflicht staatlicher Behörden zur Verbre i- tung oder Weitergabe von Umweltinformationen unter besonderer Berücksichtigung wisse n- schaftlicher Untersuchungen, Rechtsgutachten im Auftrag des Bundesamts für Umwelt [BAFU], Januar 2014, S. 17). 4.4 Mit Inkrafttreten der Aarhus -Konvention wurde das Öffentlichkeitsprinzip im Umwel t- recht auf Bundesebene neu in Art. 10g des Bundesgesetzes über den Umweltschutz (USG) vom 7. Oktober 1983 verankert. Danach haben Bürgerinnen und Bürger einen Anspruch auf Zugang zu Dokumenten, die Umweltinformationen enthalten. Diese Bestimmung gilt für Bund und Kantone. Bei den kantonalen Behörden richtet sich der Anspruch auf Zugang zu Umwelti n- formationen jedoch nach dem kantonalen Recht, wobei jene Kantone, die noch keine entspr e- chenden Vorschriften erlassen haben, das Bundesrecht sinngemäss anwenden können (Art. 10g Abs. 4 USG). 5.1 Auf kantonaler Ebene gebietet das in § 56 der Verfassung des Kantons Basel - Landschaft (KV) vom 17. Mai 1984 verankerte Öffentl ichkeitsprinzip, dass die kantonalen B e- hörden die Öffentlichkeit über ihre Tätigkeit informieren (aktive Information; § 56 Abs. 1 KV) und jede Person Anspruch auf Zugang zu den bei den Behörden vorhandenen Informationen hat Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht (passive Information; § 56 Abs. 2 KV). Das Nähere, insbesondere den Schutz öffentlicher und privater Interessen, regelt das Gesetz (§ 56 Abs. 3 KV). 5.2 Zur Umsetzung des Gesetzgebungsauftrages von § 56 Abs. 3 KV besteht im Kanton Basel-Landschaft einerseits das vorliegend interessiere nde kantonale Umweltschutzgesetz (USG) vom 27. Februar 1991. Dieses enthält in § 40 das aktive Informationszugangsrecht, w o- nach die Behörden regelmässig über Fragen des Umweltschutzes informieren. Andererseits ist in Bezug auf das passive Informationszugan gsrecht das Gesetz über die Information und den Datenschutz (IDG) vom 10. Februar 2011, welches am 1. Januar 2013 in Kraft getreten ist, a n- wendbar. Das Öffentlichkeitsprinzip für die kantonale Verwaltung bedeutet in diesem Zusa m- menhang, dass die bei einem öffentlichen Organ vorhandenen Informationen grundsätzlich öf- fentlich zugänglich sind (§ 23 Abs. 1 IDG). Die Bekanntgabe von oder de r Zugang zu Informati- onen kann nur verweigert werden, wenn eine besondere gesetzliche Geheimhaltungspflicht oder ein überwiegendes öffentliches oder privates Interesse entgegenstehen (§ 27 Abs. 1 IDG). Ein überwiegendes privates Interesse (§ 27 Abs. 3 IDG) steht einer Information beispielsweise dann entgegen, wenn die Bekanntgabe der Information oder der Zugang zur Information die Privatsphäre Dritter beeinträchtigt (§ 27 Abs. 3 lit. a IDG). 6.1 Der Beschwerdegegner rechtfertigt die Verweigerung des Einsichtsrechtes in die B e- richte über die Altlastenuntersuchungen mit den überwiegenden privaten Interessen der Grun d- stückeigentümer an der Geheimhaltung der aus den Berichten hervorgehenden Detailinformat i- onen (vgl. Erwägung 3.2; Rz. 45 ff. der Vernehmlassung). 6.2 Unbestritten ist vorliegend, dass es sich bei den vom Gesuch der Beschwerdeführer betroffenen Dokumenten um Informat ionen im Sinne von § 23 Abs. 1 IDG, also um bei einem öffentlichen Organ vorhandene Informationen, handelt. Es ist demnach zu prüfen, ob das passi- ve Informationszugangsrecht in Anwendung von § 27 Abs. 3 IDG den Beschwerdeführern zu Recht wegen entgegensteh ender, überwiegender privater Interessen verweigert wurde. Übe r- wiegende öffentliche Interessen an einer Geheimhaltung im Sinne von § 27 Abs. 2 IDG sind vorliegend nicht ersichtlich. 6.3 Die Parteien bestreiten zu Recht nicht, dass die vom Gesuch betroffen en Dokumente Personendaten der Grundstückeigentümer enthalten bzw. sich auf die Grundstückeigentümer beziehen oder mit diesen in Verbindung gebracht werden können (vgl. E. 4a des RRB; sinng e- mäss Ziff. 31 ff. der Beschwerde). Die Interessen der Grundeigentü mer der betroffenen Parzel- len wären bei der Gewährung des Zugangs zu den Berichten damit unbestrittenermassen ta n- giert. 6.4 Der Beschwerdegegner stellt sich auf den Standpunkt, die privaten Interessen der b e- troffenen Grundstückeigentümer würden vorliegen d überwiegen und somit einer Offenlegung der Dokumente entgegenstehen. Insbesondere könnten die sich aus den Untersuchungsberich- ten ergebenden Informationen über die gefundenen Materialien und die ermittelten Schadstof f- konzentrationen Aufschluss über mögli che Umweltgefährdungen geben. Dies habe Auswirku n- gen auf die Grundstückeigentümer, denen unter Umständen beträchtliche (Entsorgungs -) Ver- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflichtungen drohen könnten und die Einbussen in die Grundstückwerte und ihre Verhan d- lungsposition gegenüber allfälligen Kaufinteressenten hinnehmen müssten (vgl. auch Urteilse r- wägung 3.2). In Bezug auf die Informationsansprüche der Beschwerdeführer beschränkt sich der Beschwerdegegner darauf hinzuweisen, dass die öffentlichen Interessen durch allgemeine Informationen abge deckt würden, welche im öffentlichen Altlastenkataster verfügbar seien (vgl. E. 4b des RRB). Aus diesem Grund seien die Interessen der Grundstückeigentümer an der Geheimhaltung der aus den Berichten über die Altlastenuntersuchungen hervorgehenden I n- formationen höher zu gewichten als die Interessen der Öffentlichkeit an der Einsichtnahme in die Berichte (vgl. E. 4b des RRB; Rz. 49 der Vernehmlassung). 7.1 Diese Einwände vermögen nicht zu überzeugen. Die vorliegend betroffenen Parzellen befinden sich in einer Landwirtschaftszone bzw. in einem Waldareal. Sie wurden im kantonalen Kataster als belastete, aber weder überwachungs - noch sanierungsbedürftige Standorte kla s- siert. Die vom Beschwerdegegner aufgezeigte, aufgrund der Offenlegung der Berichte drohe n- de Beeinträchtigung der privaten Interessen der Grundstückeigentümer basiert auf der Anna h- me, die Informationen in den Berichten über die Altlastenuntersuchungen würden von potentie l- len, zukünftigen Kaufinteressenten negativ wahrgenommen und könnten eine Entwer tung der Grundstücke zur Folge haben. Es erscheint jedoch wenig plausibel, dass interessierte Käufer Übernahmeverhandlungen mit den Grundstückeigentümern alleine aufgrund der Informationen in den Berichten über die Altlastenuntersuchungen aufgeben bzw. gar nicht aufnehmen würden. Wie vom Beschwerdegegner selbst vorgebracht (vgl. E. 4b des RRB), ist bereits aus dem ka n- tonalen Kataster ersichtlich, dass die Standorte belastet sind. Ein Kaufinteressent wird deshalb bereits aufgrund dieser Information zusätzlic he Dokumente über die Bodenverhältnisse eins e- hen wollen. Dabei ist ausserdem zu beachten, dass ein belastetes Grundstück ohnehin, wenn überhaupt, nur mit Werteinbussen verkauft werden kann. Ein allfälliger, sich aus den Detaili n- formationen der Berichte ergebender Wertunterschied wäre somit unbedeutend und die finanzi- ellen Konsequenzen für die Grundstückeigentümer eher gering. Im Übrigen konnte für die b e- troffenen Parzellen keine Sanierungs - und Überwachungsbedürftigkeit festgestellt werden, weshalb auch die Vermutung, aufgrund der Ergebnisse der Untersuchungen könnten den Grundstückeigentümern ‟beträchtliche” Verpflichtungen drohen (vgl. E. 4b des RRB) nicht über- zeugend ist. Dem Beschwerdegegner ist es vorliegend nicht gelungen, glaubhaft darzulegen inwiefern die privaten Interessen der Grundstückeigentümer überwiegen sollen. Die im vorli e- genden Verfahren beigeladenen Grundeigentümer liessen sich zudem nicht vernehmen und verzichteten damit, ihre privaten Interessen an der Geheimhaltung der streitgegenständli chen Berichte darzulegen. Weitere private Interessen sind vorliegend auch nicht ersichtlich. Schliess- lich ist die hier zu beurteilende Frage, ob die Interessen der Grundeigentümer als hinreichender Ablehnungsgrund für die Verweigerung des Informationsrecht es der Beschwerdeführer gen ü- gen, im Lichte der Aarhus -Konvention zu beurteilen. Diese sieht ausdrücklich vor, dass die A b- lehnungsgründe eines Antrages auf Information eng auszulegen sind (vgl. Art. 4 Abs. 1 Aarhus - Konvention). Die privaten Interessen der G rundstückeigentümer sind somit aufgrund der vom Beschwerdegegner eingebrachten Argumente zu relativieren. Demgegenüber spricht das öffentliche Interesse an der Transparenz der Verwaltungstätigkeit für die Offenlegung der umstrittenen Berichte. Objektiv b etrachtet stellen die Berichte über die Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Altlastenuntersuchungen Unterlagen dar, welche die Resultate einer im Auftrag der Behörden durchgeführten Untersuchung der Altlastensituation der betroffenen Parzellen festhalten. Die Erkundung der Baugrundverhältnisse wurde im Hinblick auf die Errichtung des HWRB durchg e- führt. Unabhängig davon, ob die Ergebnisse der Untersuchungen für den Entscheid über den Standort des HWRB ausschlaggebend waren, besteht ein berechtigtes öffentliches Interesse darauf zu erfahren, zu welchen Ergebnissen die Untersuchungen gelangt sind. Es ist in diesem Zusammenhang auch zu berücksichtigen, dass die Informationen über Altlasten dem Schutz der Gesundheit und der Umwelt dienen. Das öffentliche Interesse an der Bekanntgabe ist umso stärker zu gewichten, wenn die Informationen einen Bezug zu Emissionen in die Umwelt au f- weisen (STEPHAN C. BRUNNER, Persönlichkeitsschutz bei der behördlichen Information der Ö f- fentlichkeit von Amtes wegen: Ein Leitfaden, in: Schweizerisches Zentralblatt für Sta ats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 111/2010, S. 595-636, S. 616). Mithin vermag ein allfälliges Interesse der Eigentümer am Werterhalt der betroffenen Grundstücke das öffentliche Interesse und die Unsicherheiten der Bevölkerung im Zusammenhang mit belasteten Standorten nicht leichthin aufzuwiegen. Das öffentliche Interesse an der Transparenz der Verwaltung im Zusammenhang mit dem Standort des HWRB und das Recht auf Zugang zu Umweltinformationen stellen ein besonderes Informationsinteresse der Öffentlichkeit da r (vgl. Art. 74 BV) und sind deshalb im Zweifel höher zu gewichten (vgl. DANIELA THURNHERR, Öffentlichkeit und Geheimhaltung von Umweltinformationen – Weiterentwicklung des Umweltvölkerrechts durch die Aarhus - Konvention und deren Bedeutung für das schweize rische Recht, Zürcher Studien zum öffentl i- chen Recht [ZStöR], Band/Nr. 159, 2003, S. 257). Schliesslich ist den Beschwerdeführern d a- hingehend beizupflichten, dass die vorinstanzliche Begründung zu kurz greift, den privaten, namentlich finanziellen, Interessen der Grundstückeigentümer zu viel und den entgegenstehen- den öffentlichen Interessen zu wenig Gewicht beigemessen wurde. Obschon dem Beschwerd e- gegner darin zuzustimmen ist, dass sich gewisse Informationen über den untersuchten Bereich (Belastung ohne Übe rwachungs- und Sanierungsbedarf) bereits aus dem kantonalen Kataster ergeben, kann ihm nicht gefolgt werden, wenn er vorbringt, dass einem weiteren Information s- zugang überwiegende Interessen der Grundstückeigentümer entgegenstehen. Der Beschwe r- degegner ver kennt dabei die Tragweite der öffentlichen Interessen der Bevölkerung an der Kenntnis über die Belastung des Bodens auf den betroffenen Parzellen und an der Nachvol l- ziehbarkeit des Standortentscheides für das HWRB. Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass überwiegende private Interessen an einer Gehei m- haltung im Sinn von § 27 Abs. 3 IDG vorliegend nicht ersichtlich sind. Die öffentlichen Intere s- sen an der Nachvollziehbarkeit des Standortentscheides für das HWRB und der detaillierten Kenntnis über die B elastung des Bodens auf den betroffenen Parzellen überwiegen die vom Beschwerdegegner ins Feld geführten finanziellen Interessen der Grundstückeigentümer. 7.2 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die zuständige Behörde nicht berechtigt war, den Beschwerdeführern die Einsicht in die historische Untersuchung der Altla s- tensituation und die ergänzende Baugrunduntersuchung zu verweigern, da im vorliegenden Einzelfall weder überwiegende private noch öffentliche Interessen eine Geheimhaltung erfo r- dern. Die Beschwerdeführer haben gestützt auf § 23 i.V.m. § 27 IDG einen Anspruch auf Ei n- sicht in den Bericht über die historische Untersuchung und den Bericht zur technischen Altla s- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht tenvoruntersuchung und ergänzenden Baugrunduntersuchung. Die Beschwerde ist somit gut- zuheissen. 8.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Unterli e- gen kantonale Behörden, so werden nur Verfahrenskosten erho ben und den Behörden aufe r- legt, wenn sie das Kantonsgericht in Anspruch genommen haben (vgl. § 20 Abs. 4 VPO). Vo r- liegend sind entsprechend dem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten zu erheben. Der erhobene Kostenvorschuss von Fr. 1‘400.-- ist den Beschwerdeführern zurückzuzahlen. 8.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei für den Beizug eines Anwaltes bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zug e- sprochen werden. Der Rechtsvertreter der Beschwerde führer hat in seiner am 8. April 2016 eingereichten Honorarnote für das Verfahren vor dem Kantonsgericht für seine Bemühungen vom 12. November 2015 bis zum 4. April 2016 einen Aufwand von Fr. 9‘566.60 (insgesamt 36.85 Stunden und Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 934.--) geltend gemacht. 8.3 Das geforderte Honorar erweist sich als nicht angemessen. Aus der Honorarnote ist insbesondere ersichtlich, dass bis zu fünf Personen am Fall gearbeitet und sich deshalb R e- dundanzen ergeben haben. Zudem erscheine n die Auslagen für die Anzahl geltend gemachter Massenkopien, welche gemäss § 15 Abs. 2 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte (TO) vom 17. November 2003 mit nur Fr. 0.50 pro Seite vergütet werden, zu hoch. Die Parteien t- schädigung wird dementsprechend auf 19.15 Std. bei einem Ansatz von der Angelegenheit a n- gemessenen Fr. 250. -- für den Aufwand des Anwaltes bzw. der Anwältin und 7.2 Stunden à Fr. 125.-- für den Aufwand der Volontäre herabgesetzt. Die Auslagen werden auf Fr. 346.-- re- duziert. Demnach ist dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführer – unter Berücksichtigung der Kürzung der geltend gemachten Aufwände und Auslagen – ein Honorar in der Höhe von Fr. 6‘516.20 (inkl. Auslagen und 8% MwSt) zu entrichten. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzl i- chen Verfahrens an den Regierungsrat zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvo r- schuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- wird den Beschwerdeführern zurück- erstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft hat den Beschwerd e- führern eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6‘516.20 (inkl. Auslagen und 8% MwSt) auszurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiberin