Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Januar 2016 (720 15 252 / 31) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision gestützt auf Art. 17 ATSG; Anwendung der neuen Schmerzrechtspre- chung gemäss BGE 141 V 281; Prüfung der massgebenden Indikatoren gestützt auf das noch unter altem Verfahrensstandard eingeholten externen Verwaltungsgutachten vor- liegend möglich; Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der Rentenaufhebung Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1971, arbeitete zuletzt vom 16. Oktober 2003 bis 15. Januar 2004 zuerst in einem 100 % Pensum und anschliessend in e inem 50 % Pensum als Mitarbeiterin im Spital B.____. Im Rahmen einer Nebenbeschäftigung e rledigte sie vom 15. Oktober 2003 bis 15. Januar 2004 Reinigungsarbeiten. Am 4. Oktober 2 005 meldete sie sich unter Hinweis auf Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rückenschmerzen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 4. Juni 2007 sprach ihr die IV-Stell e des Kantons Basel-Landschaft (IV- Stelle) ab 1. Oktober 2005 eine halbe Invalidenrente basierend auf einem IV-Grad von 50 % zu. In der Folge wurde die halbe Rente mit Mitteilung vo m 16. November 2010 bestätigt. Im Rah- men einer weiteren Revision von Amtes wegen stellte die IV-Stelle nach Abklärung der gesund- heitlichen und erwerblichen Verhältnisse sowie nach Durchf ührung des Vorbescheidverfahrens die halbe IV-Rente mit Verfügung vom 8. Juni 2015 p er 31. Juli 2015 ein. Der berechnete IV- Grad betrug 8 %. Zur Begründung der Verfügung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass auf- grund des eingeholten Gutachtens der Versicherten die A usübung einer leichten bis gelegent- lich mittelschweren Tätigkeit im Umfang von 100 % zugem utet werden und sie deshalb ein ren- tenausschliessendes Einkommen generieren könne. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Eingabe vo m 29. Juni 2015 Beschwerde bei der IV-Stelle. Zuständigkeitshalber wurde die Eingabe von der IV-Stelle zur Eröffnung eines Beschwerdeverfahrens an das Kantonsgericht Basel-Landscha ft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht) überwiesen. Sinngemäss beantr agte die Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Weite rausrichtung der bisherigen Rente. In der Beschwerde führte sie im Wesentlichen an, dass die Ärzt e, bei denen sie seit Jahren in Be- handlung sei, übereinstimmend eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestieren würden. Da diese Ärzte sie besser kennen würden als die Gutachter, die sie nur eine Stunde gesehen hätten, habe die Einschätzung der behandelnden Ärzte auch grösseres Gewicht. C. Mit Vernehmlassung vom 15. Oktober 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 16. November 2015 bewilligte de r instruierende Präsident der Ab- teilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts der Be schwerdeführerin für das Be- schwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 29. Juni 2015 ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die Beschwerd eführerin weiterhin Anspruch auf eine halbe IV-Rente hat. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine I nvalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Die Anna hme einer allenfalls invalidisierenden psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 E. 5.3 und E. 6). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, au ch die geklagten Beschwerden be- rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung de r medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 5.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Unter dieser Voraussetzung gilt dies auch für eine blosse Mitteilung, mit welcher die V erwaltung feststellt, es sei keine leis- tungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse eingetreten; denn laut Art. 74 ter lit. f IVV bedarf es keiner Verfügung, wenn die Invalidenrente nach eine r von Amtes wegen durchgeführten Re- vision weiter ausgerichtet wird (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2010, 9C_586/2010, E. 2.2). 5.3 Der Beschwerdeführerin wurde mit Verfügung vom 4. Juni 2007 eine halbe IV-Rente zugesprochen. Diese Verfügung trat unangefochten in Rech tskraft. Die Frage, ob eine Ände- rung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten i st, die eine revisionsweise Einstellung der bis anhin ausgerichteten halben Rente rechtfertigen wü rde, beurteilt sich daher durch den Ver- gleich des Sachverhalts, wie er im Juni 2007 bestand, mit demjenigen im Zeitpunkt der nun an- gefochtenen Verfügung vom 8. Juni 2015. Die Mitteilung vom 16. November 2010 bildet nicht Vergleichsbasis, da es damals keine Anhaltspunkte für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigung gab und somit kein Anlass bestand, den Invaliditätsgrad neu zu ermitteln. 6.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob sich der Gesundheitszust and und – damit einhergehend – der Grad der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführeri n tatsächlich, wie von der Beschwerde- gegnerin geltend gemacht, seit der Rentenzusprechung i m Jahre 2007 in einer anspruchser- heblichen Weise verbessert hat. 6.2 Anlässlich der Rentenzusprache im Jahr 2007 stützte sic h die Beschwerdegegnerin auf das psychiatrische Gutachten von Dr. med. C.____, Facha rzt für Psychiatrie und Psychothera- pie, vom 7. August 2006. Darin diagnostiziert Dr. C.__ __ eine anhaltend somatoforme Schmerzstörung. Die Diagnose ergebe sich einerseits aus ei ner andauernden schweren und quälenden Schmerzwahrnehmung, die durch einen physiologi schen Prozess oder durch eine körperliche Störung nicht vollständig erklärt werden könne . Der Schmerz drücke sich oft in Ver- bindung mit emotionalen oder psychosozialen Problemen au s. Der Krankheitsverlauf sei ge- kennzeichnet durch eine deutliche Diskrepanz zwischen den soma tisch objektivierbaren Symp- tomen und der von der Explorandin beschriebenen subj ektiven Symptomatik. Auffallend sei neben der Symptomausweitung eine erkennbare Vermeidung s- und Regressionstendenz, die sich im Alltagsverhalten der Explorandin widerspiegle, in dem der Alltag durch den empfunde- nen Schmerz mitbestimmt werde. Komorbid habe im Rahme n der Untersuchung eine erhebli- che affektive Komponente im Sinne eines depressiven Syndr oms, derzeitig mittelgradig ausge- prägt, festgestellt werden können. Die Stimmung sei de utlich gedrückt gewesen und habe we- nig Modulation gezeigt. Auch die kognitiven Funktionen seien leicht eingeschränkt gewesen, namentlich die konzentrative Leistungsfähigkeit. Im Hinbl ick auf den langjährigen und weitge- hend therapieresistenten Verlauf weise die Störung ber eits deutliche Zeichen einer Chronifizie- rung und Fixierung der Beschwerden auf. In prognostische r Hinsicht sei von einem weiteren mindestens mehrmonatigen Behandlungs- und Heilverlauf auszugehen. Aus psychiatrischer Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sicht bestehe angesichts der komplexen psychischen Störun g im angestammten Beruf oder in vergleichbaren Verweistätigkeiten eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit. Für eine leichte den körper- lichen Beschwerden optimal angepasste Tätigkeit sollte ein e 60 – 80 %-ige Arbeitsfähigkeit un- ter Fortführung und Intensivierung der psychiatrisch-psych otherapeutischen Behandlung in den nächsten vier bis sechs Monaten realisierbar sein. 6.3.1 Anlässlich des aktuellen Revisionsverfahrens holte d ie Beschwerdegegnerin bei den behandelnden Ärzten neue Berichte ein. Dr. med. D.__ __, Facharzt FMH für Allgemeine Medi- zin, schlägt mit Bericht vom 14. Mai 2012 eine Weiterbe rentung der Patientin im bisherigen Rahmen vor. Diese Auffassung bekräftigte er im ärztlichen Zeugnis vom 17. Juni 2015. Dr. med. E.____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapi e, diagnostiziert mit Bericht vom 7. September 2012 eine rezidivierende depressive Störung mi t somatischem Syndrom und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Es bestünden weit erhin ein chronifizierter Zustand und eine syndromale Entwicklung. Die Arbeitsfähigkeit betrage bis auf weiteres 50 %. 6.3.2 In der Folge beauftragte die Beschwerdegegneri n Dr. med. F.____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. G.____, Facharzt FMH Rheumatologie und FMH Innere Medizin, mit der psychiatrisch-rheumatologischen B egutachtung der Beschwerdeführe- rin. Dr. F.____ kommt im psychiatrischen Teilgutachten vom 18. Dezember 2014 zum Ergebnis, dass keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne. Ohne Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine chronisc he Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remit- tiert. Das Ausmass der geklagten Schmerzen und die subjek tive Krankheitsüberzeugung, nur noch 50 % arbeiten zu können, seien nicht hinreichend objektivierbar, so dass eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Der Ehemann de r Explorandin gehe seit Jahren keiner beruflichen Tätigkeit mehr nach. Dies könne dazu beitragen, dass sie ihren Beschwerden mehr Gewicht zumesse, als es den objektivierbaren Befunden entspreche. Die Explorandin be- finde sich seit Jahren in ambulanter psychiatrischer Behandlung und werde auch niedrig dosiert antidepressiv behandelt. Sie habe gelegentlich das Gefü hl, weinen zu müssen und schlafe schlecht. Ferner habe sie Angst vor schlechten Nachrichten. Diese Symptomatik reiche aber nicht aus, eine depressive Störung zu diagnostizieren. Die Schlafstörungen seien wesentlich darauf zurückzuführen, dass sich die Explorandin tagsüber teils mehrmals hinlegen und schla- fen würde. Die depressive Störung sei seit mindestens Feb ruar 2013 vollständig remittiert. Die Explorandin unternehme täglich Spaziergänge mit ihrem Ehemann und führe mit ihm zusam- men den Haushalt. Die Beziehung zu ihm, den beiden Kindern und dem Schwiegersohn sei gut. Sie pflege auch regelmässigen Kontakt zu Nachbarinnen. Ferner sei sie ohne weiteres in der Lage, einmal pro Jahr nach Z.____ zu reisen. Ausser der chronischen Schmerzstörung könne keine weitere psychiatrische Diagnose gestellt werden. Aufg rund der Remission der depressi- ven Störung liege keine ausgeprägte Komorbidität vor, ebenso wenig liege eine schwere chro- nische körperliche Begleiterkrankung vor. Dass alle therapeu tischen Bemühungen gescheitert seien, hänge wesentlich damit zusammen, dass die Explorandin aufgrund ihrer Krankheitsüber- zeugung wenig Motivation zeige, sich aktiv um ihre Genesung zu bemühen und sich den Belas- tungen der Arbeitswelt wieder auszusetzen. Hinweise au f unbewusste Konflikte würden fehlen und ein primärer Krankheitsgewinn sei nicht vorhanden. Aus psychiatrischer Sicht könne ihr Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zugemutet werden, trotz der geklagten Schmerzen die nötige Willensanstrengung aufzubringen, ganztags einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Seit dem 28. Februar 2013 bestehe aus psychiatrischer Sicht in jeder Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Dr. G.____ hält in seinem rheumatologischen Teilgutacht en vom 26. Januar 2015 als Diagno- sen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein Panvertebralsyndrom, zervikal und vor allem lumbal betont mit lumbospondylogener Ausstrahlung beidseits mi t/bei beginnender Osteochondrose L4/5 fest. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sei ein mögliches beidseitiges Carpaltun- nelsyndrom. Im Zentrum der Abklärung habe die Frage g estanden, ob ein entzündliches Wir- belsäulenproblem vorliege oder nicht, nachdem ein MRI der Iliosakralgelenke vom Oktober 2013 als fraglich entzündet befundet worden sei. Aus d iesem Grund sei ein erneutes MRI der LWS und der Iliosakralgelenke angefertigt worden. Diese s habe nun keinen Hinweis auf eine entzündliche Erkrankung ergeben. Im Bereich der Iliosakra lgelenke lägen geringgradige dege- nerative Veränderungen vor, welche im Hinblick auf das A lter der Explorandin und ihre beiden Geburten normal seien. Auch die mässigen degenerativen V eränderungen an der Lendenwir- belsäule seien ihrem Ausmass nach durchaus altersentsprechen d. In ihrer bisherigen Tätigkeit als Reinigungsfrau bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 1 00 %, ebenso wie in jeder leichten bis mittelschweren Frauenarbeit. Ein Teil der Beschwerden sei durchaus mit den degenerativen Veränderungen erklärbar. Sie seien aber nicht geeigne t, das subjektive Beschwerdeausmass zu erklären. Es bestünden also deutliche Diskrepanzen in e rheblichem Ausmass. Es handle sich zusammenfassend um ein subjektiv stark empfundenes Schmerzsyndrom. In der Konsens- findung mit Dr. F.____ sei festgestellt worden, dass au s psychiatrischer Sicht keine Arbeitsun- fähigkeit bestehe. Aus diesem Grund sei die rheumatolo gische Zumutbarkeitsbeurteilung aus gesamtmedizinischer Sicht massgeblich. Aus bidisziplinärer Sicht bestehe volle Arbeitsfähigkeit. 6.4.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurtei lung des aktuellen medizinischen Sachverhaltes und bei ihrem Entscheid über die Frage, o b seit der ursprünglichen Rentenzu- sprechung eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszust andes der Beschwerdeführerin eingetreten ist, auf die bidisziplinäre Begutachtung du rch Dr. F.____ und Dr. G.____. Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 4.4 hiervor), ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtun- gen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte- rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Be- weiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien g egen die Zuverlässigkeit der Experti- sen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. D ie Gutachten weisen weder formale noch inhaltliche Mängel auf. Sie sind für die streitigen B elange umfassend, beruhen auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigen die geklagten Beschwerden , sind in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchten in der Darlegung der med izinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und setzen si ch mit den vorhandenen anderslau- tenden ärztlichen Einschätzungen auseinander (vgl. Dr. G.____, Ziff. 5.7; Dr. F.____, Ziff. 8.6) und sind in den Schlussfolgerungen überzeugend. 6.4.2 Aus dem rheumatologischen Teilgutachten ergibt sich keine Verbesserung der rheu- matologischen Symptomatik seit der Rentenzusprache im Juni 2007, allerdings ist in rheumato- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht logischer Hinsicht auch keine namhafte Verschlechterung sei t damals objektivierbar. Die Be- schwerdegegnerin stützte die Rentenaufhebung aber nicht auf die rheumatologische Beurtei- lung durch Dr. G.____, sondern ausschliesslich auf das Teil gutachten von Dr. F.____. Zu prü- fen ist daher, ob das psychiatrische Teilgutachten eine we sentliche Verbesserung des Gesund- heitszustands der Beschwerdeführerin schlüssig nachweist. Dr . F.____ äussert sich zwar nicht explizit zur Frage, ob und inwiefern sich der Gesundheit szustand seit der Rentenzusprache verbessert hat. Bereits beim Vergleich der Diagnosen wir d aber klar, dass eine Verbesserung der Befindlichkeit der Beschwerdeführerin eingetreten ist. Während nämlich Dr. C.____ neben der somatoformen Schmerzstörung noch eine mittelgradige depressive Episode diagnostizierte, hält Dr. F.____ fest, dass die Depression aktuell remitt iert sei. Vor dem Hintergrund der Anam- nese des Gutachters, namentlich der Beschreibung des Alltagsablaufs der Beschwerdeführerin, erscheint diese Einschätzung durchaus nachvollziehbar und schlüssig. Im Hinblick darauf, dass aber als Hauptdiagnose eine somatoforme Schmerzstörung b zw. eine chronische Schmerzstö- rung mit somatischen und psychischen Faktoren im Zentrum steht, ist zu prüfen, ob das Gut- achten auch über die Indikatoren, die gemäss neuester bun desgerichtlicher Rechtsprechung bei der Frage der Überwindbarkeit zu würdigen sind, Auskunft gibt (BGE 141 V 281). 7.1 Mit Leitentscheid BGE 141 V 281 hat das Bundesgeri cht seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatoformen Schmerzstörunge n und vergleichbaren psycho- somatischen Leiden revidiert und sich von der bisherigen Überwindbarkeitsvermutung verab- schiedet. Die Rechtsprechungsänderung findet grundsätzl ich auf laufende Verfahren wie das vorliegende Anwendung. Eine Einschränkung der Leistungs fähigkeit kann weiterhin nur an- spruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich e inwandfrei diagnostizierten Gesund- heitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig wird der Rente nanspruch – in Nachachtung der verfas- sungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 der Bundesverfassung der Schweize- rischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Rech tsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) – anhand eine s normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht medizinische Evidenz, dass die Erwerbsunfähigkeit a us objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes hält das Bundesgericht – der seit längerem na mentlich aus medizinischer, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprech ung geäusserten Kritik Rechnung tragend – an der Überwindbarkeitsvermutung nicht weite r fest. Anstelle des bisherigen Re- gel/Ausnahme-Modells tritt ein strukturiertes, normatives Prüfraster. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregr ad bezogenen Standardindikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen u nd symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 281 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 7.2 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Stell ungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargeta n werden kann, trägt weiterhin die ma- teriell beweisbelastete versicherte Person die Folgen. E ine anhaltende somatoforme Schmerz- störung und vergleichbare Leiden können somit eine Inval idität begründen, sofern funktionelle Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlich en Anspruchsgrundlage im Einzel- fall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider spruchsfrei mit zumindest überwiegen- der Wahrscheinlichkeit in einem anspruchserheblichen Ausm ass nachgewiesen sind (BGE 141 V 281 E. 6). 7.3 Geht es darum, den medizinischen Sachverhalt im Licht e dieser neuen höchstrichterli- chen Schmerzrechtsprechung zu würdigen, so bleibt in i ntertemporalrechtlicher Hinsicht auf Folgendes hinzuweisen: Laut Bundesgericht verlieren die gemäss altem Verfahrensstandard eingeholten Gutachten – wie das hier vorliegende Gutac hten von Dr. F.____ – nicht per se ih- ren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaf ten Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ent scheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bund esrecht standhält. In sinngemässer Anwendung auf die nunmehr materiell-beweisrechtlich g eänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administ rativen und/oder gerichtlichen Sachver- ständigengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit we iteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikat oren erlauben oder nicht (BGE 141 V 281 E. 8 mit Hinweis). Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob anhand des vorliegenden Gutach- tens von Dr. F.____ die massgeblichen Indikatoren genügend transparent sind, um abwägen zu können, ob seine Zumutbarkeitsbeurteilung auch den Anf orderungen der neuen Rechtspre- chung standhält. 7.4.1 Das Bundesgericht hat die massgeblichen Abklärunge n in zwei Bereiche eingeteilt. In einem ersten Teil sind unter dem Stichwort des funktion ellen Schweregrades drei Indikatoren- Komplexe zu klären, welche wiederum in weitere Indikato ren unterteilt sind. In einem zweiten Teil sind die Ergebnisse aus dem ersten Teil einer Konsistenzprüfung zu unterziehen. 7.4.2 Der erste Indikatoren-Komplex steht unter dem Ti tel „Gesundheitsschädigung“. Dabei stellt sich zunächst die Frage nach der Ausprägung der d iagnoserelevanten Befunde. Zu würdi- gen ist die Schwere des Krankheitsgeschehens, wie stark d ie Alltagsfunktionen beeinträchtigt sind und ob Hinweise auf Aggravation oder Simulation e rsichtlich sind. Im vorliegenden Fall geht aus dem Gutachten von Dr. F.____ hervor, dass die Beschwerdeführerin zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn wohnt. Sie teilt sich die Haushaltsarbeit mit dem Ehemann, der ebenfalls eine halbe IV-Rente bezieht. Der Ehemann ist ihr beim Putzen behilflich. Die Wäsche bügelt die Tochter. Die Einkäufe erledigt die Beschwer deführerin zusammen mit ihrem Ehe- mann. Sie bereitet das Frühstück und das Abendessen zusamm en mit dem Ehemann zu. Sie macht zweimal am Tag regelmässig ihre gymnastischen Übunge n und geht auch zweimal mit ihrem Ehemann auf einen Spaziergang. An den Wochenen den kommen regelmässig die Toch- ter und der Schwiegersohn zu Besuch, mit denen sie dan n gemeinsam etwas kocht. Die Be- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführerin pflegt auch regelmässigen Kontakt zu Nac hbarinnen aus X.____ und aus Z.____, mit denen sie sich zum Kaffee trinken trifft. Einmal im Jahr fährt sie in der Regel nach Z.____ in die Ferien. Insgesamt erscheinen ihre Alltag sfunktionen nicht wesentlich beeinträch- tigt. Einziger Hinweis auf schmerzbedingtes Verhalten im Alltag ist der Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin regelmässig am Nachmittag hinlegt und manchmal auch eine halbe Stunde schläft. Die Frage der Aggravation wird vom Gutachter n icht direkt beantwortet. Er stellt aber fest, dass bei der Beschwerdeführerin eine ausgeprägte s ubjektive Krankheitsüberzeugung besteht. 7.4.3 Als nächsten Indikator nennt das Bundesgericht den Behandlungs- und Eingliede- rungserfolg oder -resistenz. Dabei sind Verlauf und Au sgang der bisher durchgeführten Thera- pien und Eingliederungsversuche zu würdigen und zu prüf en, ob die therapeutischen Möglich- keiten ausgeschöpft wurden. Seit dem Jahr 2009 ist die Beschwerdeführerin nicht mehr arbeits- tätig. Sie war aber bis zu diesem Zeitpunkt, also bereits während ihrer Berentung, noch zu 50 % im Spital B.____ tätig. Gemäss ihren eigenen Aussagen e rachtet sie sich immer noch zu 50 % arbeitsunfähig und sie sucht auch eine entsprechende Arbeitsstelle. Sie ist in regelmässiger aber eher niedrigfrequentierter psychiatrischer Behandl ung verbunden mit niedrigdosierter anti- depressiver Medikation. Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass je eine stationäre Therapie oder ein Eingliederungsversuch unternommen wurden. Vo n Dr. F.____ werden aufgrund der subjektiven Krankheitsüberzeugung weder berufliche noch medizinische Massnahmen empfoh- len. Insgesamt erscheinen die therapeutischen Möglichkeiten weitgehend ausgeschöpft zu sein. 7.4.4 Als weiterer Indikator sind die Komorbiditäten zu würdigen. Der psychischen Komorbi- dität ist nach der neuen Praxis keine vorrangige Bedeut ung mehr einzuräumen, vielmehr sind auch körperliche Begleiterkrankungen zu würdigen. Als p sychiatrische Diagnose besteht einzig eine remittierte depressive Störung, also keine eigent liche Diagnose. Als körperliche Begleiter- krankungen liegen lediglich altersentsprechende degener ative Veränderungen an der Lenden- wirbelsäule und an den Iliosakralgelenken vor. Insgesamt sind die Komorbiditäten wohl eher als gering einzuschätzen. 7.4.5 Im zweiten die Persönlichkeit betreffenden Indika toren-Komplex wird nach der Persön- lichkeitsentwicklung und der Persönlichkeitsstruktur gefragt . Gestützt darauf sind die persönli- chen Ressourcen zu eruieren. Aus dem Gutachten von Dr. F._ ___ geht hervor, dass die Be- schwerdeführerin in ihrer Urteilsbildung nicht gestört ist. Die Beschwerdeführerin hat auch aus- serhalb des engen Personenkreises der Familie regelmässige Kontakte. Die Beziehungsfähig- keit ist erhalten. Es besteht ein guter affektiver Konta kt. Das Denken ist nicht eingeengt. Die Beschwerdeführerin hat einen klaren und guten Bezug z ur Realität und zu ihrer Person. Sie kann sich auch klar gegenüber ihrer Umgebung abgrenzen. Gedankenausbreitung oder Fremd- beeinflussungsergebnisse sind nicht vorhanden. Insgesamt sch einen damit die persönlichen Ressourcen zumindest in einem gewissen Masse noch gut erhalten zu sein. 7.4.6 Im dritten Indikatoren-Komplex ist unter dem Ti tel „sozialer Kontext“ zunächst die Ab- grenzung der psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vo rzunehmen. Diese Faktoren blei- ben als invaliditätsfremd nach wie vor unbeachtlich. Im vorliegenden Fall wird im Zusammen- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht hang mit der Schmerzerkrankung die Herzkrankheit der Tocht er sowie die Arbeitslosigkeit bzw. die Arbeitsunfähigkeit ihres Ehemannes erwähnt. Insgesa mt bestehen somit gewisse psycho- soziale Einflüsse auf das Krankheitsgeschehen. 7.4.7 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht a uch in diesem Indikatoren-Komplex – wie im Indikatoren-Komplex der Persönlichkeit – die E ruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds. Beachtlich sind dabei die Verankerung u nd Vernetzung im sozialen Umfeld und die daraus mobilisierbaren Ressourcen. Die Beschwerdeführerin lebt – wie bereits erwähnt – zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn. Sie hat aber auch regelmässigen Kontakt zu ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn, ferner zu ihren Nachbarinnen. Von ihrem sozialen Um- feld geht somit zweifellos eine starke Stütze aus. 7.5.1 Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslic h die „Konsistenzprüfung“ vorzuneh- men. Dabei ist zu prüfen, ob die vom Gutachter festgest ellten Auswirkungen auf die Leistungs- fähigkeit aufgrund des medizinisch festgestellten Gesundheitsschadens anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrschein lichkeit nachgewiesen sind. Ein wichtiger Indikator ist dabei die Frage, ob die diskuti erte Einschränkung in der Erwerbsfähigkeit gleich ausgeprägt ist wie die Einschränkungen in den sonstigen Lebensbereichen. Ferner ist zu beachten, ob die versicherte Person Therapieangebote w ahrnimmt oder mögliche Behandlun- gen auslässt. 7.5.2 Die Beschwerdeführerin verfolgt eine regelmässige Psychotherapie in Kombination mit einer psychopharmakologischen Medikation. Gegen die Schme rzsymptomatik beansprucht die Beschwerdeführerin ausser Schmerzmitteln und ihrer tägli chen Gymnastik keine spezifische Therapie, was als Indiz dafür gelesen werden kann, dass der geschilderte Schmerz etwas grös- ser ist als der tatsächlich erlebte. In diese Richtung we ist auch die Tatsache, dass sie noch sämtliche Reinigungsarbeiten zu Hause selbst vornehmen k ann und sich selbst als noch zu 50 % arbeitsfähig betrachtet. Aufgrund der Indikator en ist eine wesentliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit nicht plausibel, vielmehr sind noch erhebliche Ressourcen erkennbar, welche auch im Rahmen des Erwerbslebens verwertbar erscheinen. Insgesamt erscheint damit die gutachterliche Zumutbarkeitsbeurteilung, wonach die Be schwerdeführerin in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit noch vollschichtig arbeitsfähig i st, durchaus in Übereinstimmung mit den sichtbaren Ressourcen der Beschwerdeführerin im Alltag. 8. Gestützt auf die obigen Erwägungen ergibt sich, dass das Gutachten von Dr. F.____ genügend Aufschluss über die massgeblichen Indikatoren, di e gemäss der neuen Schmerz- rechtsprechung zu berücksichtigen sind, gibt. Des Weitere n erscheint die von Dr. F.____ vor- genommene Zumutbarkeitsbeurteilung auch in Würdigung der nach neuer Rechtsprechung zu berücksichtigenden Indikatoren überzeugend, so dass vollum fänglich darauf abgestellt werden kann. Nach dem Gesagten lässt das vorliegende Gutachten von Dr. F.____ eine zuverlässige Beurteilung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu. 9. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die Beschwe rdeführerin im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung keine relevante Leistungsbe einträchtigung mehr aufweist. Damit Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass di e Revisionsvoraussetzung der we- sentlichen Verbesserung des Gesundheitszustands nach Art. 17 ATSG erfüllt ist. 10. Die Beschwerdegegnerin hat in der Verfügung vom 8 . Juni 2015 einen Einkommens- vergleich vorgenommen und dabei einen IV-Grad von 8 % ermittelt. Das von der Beschwerde- gegnerin anhand des letzten vom Arbeitgeber gemeldete n Jahreseinkommens ermittelte Vali- deneinkommen sowie das anhand lohnstatistischer Angaben berechnete Invalideneinkommen wurden von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet. Na chdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung v on Amtes wegen durch das Ge- richt eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre, erübri gt sich eine detaillierte Auseinander- setzung mit den durch die Beschwerdegegnerin ermittelte n Vergleichseinkommen sowie der Berechnung des IV-Grads. Es kann diesbezüglich vollumfängl ich auf die entsprechenden Aus- führungen der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Dem- nach hat die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen V erfügung die laufende halbe Invali- denrente zu Recht per 31. Juli 2015 eingestellt. Di e hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 11. Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden . Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewi lligung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten i n Berücksichtigung des bundesrechtli- chen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nac h § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah- renskosten in der Regel der unterliegenden Partei in a ngemessenem Ausmass auferlegt. Vor- liegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Part ei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist nun allerd ings mit Verfügung vom 16. Dezember 2015 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wor den. Aus diesem Grund werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. D ie Beschwerdeführerin wird aus- drücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisati on der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Die ausseror- dentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht