<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 72 S.286</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">286</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>72</b></span> <span class="ft2"><b>Tausch eines landwirtschaftlichen Grundstückes.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Rechtsmittel gegen die nachträgliche Konkretisierung einer Neben-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bestimmung; Legitimation (Erw. I/3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid der Landwirtschaftlichen Rekurskommission vom</span><br/> <span class="ft5">15. November 2007 in Sachen M und Mitbeteiligte gegen P., P. und H.</span><br/> <span class="ft5">(5-BB.2005.50005).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.2. Die Beschwerdegegnerinnen 1 und 2 haben 2003 (zusam-</span><br/> <span class="ft1">men mit anderen Parzellen) von der Beschwerdegegnerin 3 diverse</span><br/> <span class="ft1">Grundstücke käuflich erworben. In der (seinerzeit nicht angefochte-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bäuerliches Bodenrecht</span> <span class="page_no">287</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nen) Erwerbsbewilligung vom 13. Mai 2003 findet sich folgende Re-</span><br/> <span class="ft1">gelung:</span><br/> <span class="ft7">"(...), dass diese Grundstücke innerhalb von längstens zwei Jahren</span><br/> <span class="ft7">seit Rechtskraft dieses Entscheides gegen die Parzellen 362 und 225 in der</span><br/> <span class="ft7">Gemeinde R. der T. AG abgetauscht werden. Kommt der Abtausch nicht zu</span><br/> <span class="ft7">Stande und liegen auch keine objektiven Gründe für eine Fristverlängerung</span><br/> <span class="ft7">vor, müssen die Käuferinnen die (...) Grundstücke unter Beachtung der</span><br/> <span class="ft7">geltenden Bestimmungen des BGBB verkaufen."</span><br/> <span class="ft1">3.3. Enthält eine Verfügung eine Nebenbestimmung, die unklar</span><br/> <span class="ft1">ist oder mehr als eine vertretbare Auffassung über ihren Sinngehalt</span><br/> <span class="ft1">zulässt, so kann diese nicht ohne Konkretisierung vollzogen werden.</span><br/> <span class="ft1">Die Konkretisierung hat jedoch nicht im Vollzugsverfahren zu ge-</span><br/> <span class="ft1">schehen, sondern in einem dem Entscheidverfahren nachgebildeten</span><br/> <span class="ft1">Verfahren, in dem die gleichen Rechtsmittel zur Verfügung stehen</span><br/> <span class="ft1">müssen wie im ursprünglichen Verfahren. Entsprechendes gilt, wenn</span><br/> <span class="ft1">streitig ist, ob eine Nebenbestimmung eingehalten bzw. erfüllt wurde</span><br/> <span class="ft1">(Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2.</span> <span class="ft1">Auflage, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1999, Vorbemerkungen zu §§ 29 - 31, N 5, mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Die zitierte Nebenbestimmung ist insofern offen formuliert, als</span><br/> <span class="ft1">ein Verkauf nur erfolgen muss, falls innert zwei Jahren kein Tausch</span><br/> <span class="ft1">zu Stande kommt und auch "keine objektiven Gründe" für eine Frist-</span><br/> <span class="ft1">verlängerung vorliegen. Daraus lässt sich Folgendes ableiten: Falls</span><br/> <span class="ft1">die Abteilung Landwirtschaft die Voraussetzungen, aufgrund derer</span><br/> <span class="ft1">ein Verkauf zu erfolgen hat, als erfüllt erachtet, hat sie hierüber einen</span><br/> <span class="ft1">separaten Entscheid zu treffen. Hiergegen steht derselbe Rechtsmit-</span><br/> <span class="ft1">telweg offen wie gegen die seinerzeitige Erwerbsbewilligung. Erst</span><br/> <span class="ft1">nachfolgend an den erwähnten Entscheid ist eine Vollzugsanordnung</span><br/> <span class="ft1">zulässig.</span><br/> <span class="ft1">3.4. Indirekt ergibt sich aus der Verfügung vom 22. August</span><br/> <span class="ft1">2005, dass die Abteilung Landwirtschaft trotz Ablauf der ursprüngli-</span><br/> <span class="ft1">chen 2-Jahres-Frist darauf verzichtete, den Verkauf der umstrittenen</span><br/> <span class="ft1">Grundstücke anzuordnen. Darin liegt ein Entscheid betreffend Ein-</span><br/> <span class="ft1">haltung bzw. Nichteinhaltung der Auflage vom 13. Mai 2003. Ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend den obigen Ausführungen müssen dagegen dieselben</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittel zur Verfügung stehen wie im ursprünglichen Verfahren.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">288</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Dabei sind nur jene Personen beschwerdelegitimiert, welche auch</span><br/> <span class="ft1">gegen die Verfügung vom 13. Mai 2003 hätten Beschwerde erheben</span><br/> <span class="ft1">können.</span><br/> <span class="ft1">3.5. Gemäss Art. 83 Abs. 3 BGBB kann gegen die Erwerbsbe-</span><br/> <span class="ft1">willigung von der kantonalen Aufsichtsbehörde, dem Pächter sowie</span><br/> <span class="ft1">dem Kaufs-, Vorkaufs- oder Zuweisungsberechtigten Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">erhoben werden. Diese Regelung geht auf die Entstehungsgeschichte</span><br/> <span class="ft1">zurück, wonach der Gesetzgeber weitere Interessierte wie Nachbarn,</span><br/> <span class="ft1">Umwelt- und Naturschutzorganisationen sowie landwirtschaftliche</span><br/> <span class="ft1">Berufsorganisationen als Beschwerdelegitimierte ausschliessen</span><br/> <span class="ft1">wollte. Mit dieser Bestimmung sollte jedoch nicht die allgemeine</span><br/> <span class="ft1">Legitimationsvoraussetzung von Art. 89 Abs. 1 BGG respektive</span><br/> <span class="ft1">Art. 103 lit. a OG (aufgehoben per 1. Januar 2007 durch Art. 131</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 BGG) ausser Kraft gesetzt werden, wonach in jedem Fall Pri-</span><br/> <span class="ft1">vatpersonen nur dann zur Beschwerde berechtigt sind, wenn sie</span><br/> <span class="ft1">durch die angefochtene Verfügung besonders berührt sind und ein</span><br/> <span class="ft1">schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung haben. Somit bedarf es</span><br/> <span class="ft1">bezüglich der Legitimation neben den Voraussetzungen von Art. 83</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 BGBB eines besondern Interesses gemäss Art. 89 Abs. 1 BGG</span><br/> <span class="ft1">beziehungsweise Art. 103 lit. a OG.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer K. und S. sind und waren bereits im Jahr</span><br/> <span class="ft1">2003 Pächter der durch die Beschwerdegegnerinnen 1 und 2 erwor-</span><br/> <span class="ft1">benen Parzellen; die übrigen Grundstücke wurden pachtfrei übertra-</span><br/> <span class="ft1">gen.</span><br/> <span class="ft1">Die beiden erwähnten Pächter hatten seinerzeit ein evidentes</span><br/> <span class="ft1">Interesse an der Rüge, die Erwerbsbewilligung sei zu Unrecht er-</span><br/> <span class="ft1">folgt, denn es drohte ihnen sowohl beim Zustandekommen als auch</span><br/> <span class="ft1">beim Nichtzustandekommen des späteren Tauschgeschäftes eine</span><br/> <span class="ft1">Auflösung des Pachtvertrages (im ersten Fall infolge Bau des Golf-</span><br/> <span class="ft1">platzes, im zweiten Fall primär infolge Selbstbewirtschaftung durch</span><br/> <span class="ft1">den neuen Erwerber; vgl. Art. 15 Abs. 1 LPG). Entsprechend waren</span><br/> <span class="ft1">K. und S. seinerzeit zur Beschwerdeführung legitimiert. Demzufolge</span><br/> <span class="ft1">ist K. auch berechtigt, den in der Verfügung vom 13. Mai 2003 ent-</span><br/> <span class="ft1">haltenen Entscheid der Abteilung Landwirtschaft betreffend Einhal-</span><br/> <span class="ft1">tung bzw. Nichteinhaltung der Auflage anzufechten; S. hat keine Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde eingereicht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bäuerliches Bodenrecht</span> <span class="page_no">289</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.6. In Bezug auf die übrigen Beschwerdeführer ist nicht er-</span><br/> <span class="ft1">kennbar und wird in keiner Art und Weise dargetan, inwiefern sie be-</span><br/> <span class="ft1">rechtigt wären, gegen die Erwerbsbewilligung vom 13. Mai 2003 Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde zu erheben. Das blosse Interesse, im Falle eines Grund-</span><br/> <span class="ft1">stückverkaufs als potenzielle Käufer auftreten zu können, vermag</span><br/> <span class="ft1">den Legitimationsanforderungen gemäss Art. 83 Abs. 3 BGBB (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3.5. hiervor) offensichtlich nicht zu genügen. Entsprechend sind</span><br/> <span class="ft1">die Betroffenen auch nicht legitimiert, gegen den Entscheid betref-</span><br/> <span class="ft1">fend (Nicht-)Einhaltung der Auflage Beschwerde zu führen. In Be-</span><br/> <span class="ft1">zug auf diese fünf Beschwerdeführer darf folglich auf die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde nicht eingetreten werden.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>