A bteilung III C -907/2006 {T 0/2} U rteil vom 22. Juni 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichterinnen Beutler und Avenati-C arpani; G erichtsschreiber M äder. M ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung für C ._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er 1966 geborene dom inikanische Staatsangehörige C ._______ (nachfol- gend: G esuchsteller) beantragte bei der Schw eizerischen Auslandvertre- tung in Santa D om ingo am 7. Juni 2006 ein Visum für einen zw eiw öchigen Besuchsaufenthalt bei seiner Schw ester und ihrem Ehem ann (nachfol- gend: G astgeber bzw . Beschw erdeführer) in O ekingen (SO ). N ach form lo- ser Verw eigerung leitete die Schw eizerische Vertretung das G esuch an das BFM (nachfolgend: Vorinstanz) zur Prüfung und zum form ellen Ent- scheid w eiter. B. N achdem das Am t für öffentliche Sicherheit des Kantons Solothurn, Abtei- lung Ausländerfragen, bei den G astgebern w eitere Abklärungen getroffen hatte, w ies die Vorinstanz das G esuch um Bew illigung der Einreise m it Verfügung vom 18. O ktober 2006 ab. D ies m it der Begründung, es bestehe nicht genügend G ew ähr für eine anstandslose und fristgerechte W ieder- ausreise nach einem Besuchsaufenthalt, w eil dem G esuchsteller keine persönlichen oder fam iliären Verpflichtungen im H eim atstaat obliegen w ür- den und seine Angaben bezüglich der beruflichen Tätigkeit nicht m it den eingeholten Inform ationen übereinstim m ten. C . M it Eingabe vom 17. N ovem ber 2006 reichte der G astgeber Beschw erde beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) ein und be- antragte, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und das Visum für einen Besuchsaufenthalt sei zu erteilen. Zur Begründung rügt er sinnge- m äss, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die W iederausreise nach dem Besuchsaufenthalt w äre nicht gew ährleistet. In der Schw eiz hät- ten sich schon die Eltern und zw ei G eschw ister seiner Ehefrau zu Besuch aufgehalten, ohne dass es dabei Problem e gegeben hätte. D ie Tatsache, dass sich Landsleute m issbräuchlich verhielten, könne dem G esuchsteller nicht entgegengehalten w erden; dies sage nichts aus über seine persönli- che Situation oder sein Verhalten. D . D ie Vorinstanz schliesst m it Vernehm lassung vom 12. D ezem ber 2006 auf Abw eisung der Beschw erde. E. D er Beschw erdeführer verzichtete auf eine R eplik. F. Auf den w eiteren Akteninhalt und die Vorbringen der Parteien w ird, sow eit rechtserheblich, in den Erw ägungen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illi- gung unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und Art. 33 Bst. d des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]).3 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die Beurteilung der beim In- krafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidge- nössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Verw altungsge- richtsgesetz nichts anderes bestim m t. 2. D er Beschw erdeführer ist zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 20 Abs. 2 AN AG , Art. 48 ff. Vw VG ). 3. 3.1 D ie Schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist - vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe - von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 14. Janu- ar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern [VEA, SR 142.211]; PETER U EBER SA X, Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax / Peter M ünch / Thom as G eiser / M artin Arnold (H rsg.), Auslän- derrecht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M . 1990, S. 29, m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La pro- tection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel/ G enf/M ünchen 2000, S. 24). 3.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (vgl. Art. 1 bis 5 VEA). D er Be- schw erdeführer kann sich auf keine Ausnahm eregelung berufen; er ist auf- grund seiner Staatsangehörigkeit visum spflichtig. 3.3 U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Art. 1 Abs. 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. G em äss Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA haben sie unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten. D ie Vorinstanz verw eigerte dem Beschw erde- führer die Erteilung eines solchen Visum s m it der Begründung, seine frist- gerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.4 3.4.1 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen 4 sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen tref- fen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.4.2 N ach m ehr als zehn Jahren starken W achstum s befindet sich die D om ini- kanische R epublik seit Anfang 2003 in einer w irtschaftlich schw ierigen Si- tuation. Zur W irtschaftskrise hat unter anderem die Insolvenz einer der grössten G eschäftsbanken beigetragen, deren Verbindlichkeiten von der dom inikanischen Zentralbank übernom m en w urden. D ie W irtschaftsdaten w eisen für das Jahr 2003 eine Verdoppelung der Staatsverschuldung auf etw a 56% des Bruttoinlandproduktes aus und die Inflationsrate betrug al- lein in diesem Jahr 42.7% . D ie W irtschaftskrise hat vor allem auch die Be- völkerung em pfindlich getroffen. In diesem Zeitraum stieg der Anteil der unter der Arm utsgrenze lebenden dom inikanischen Bevölkerung um etw a 582'000 auf 5.71 M io. (bei einer G esam tbevölkerung von ca. 9.03 M io. Ein- w ohnern im Jahr 2005). D er gesetzliche M indestlohn pro M onat betrug Ende 2003 zw ischen 73 U SD (kleine U nternehm en) und 119 U SD (grosse U nternehm en) und ist dam it im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zu- rückgegangen. D ie Arbeitslosenquote ist in den letzten Jahren kontinuier- lich gestiegen und betrug im Jahre 2004 18.4% . D ie w ichtigste Einnahm e- quelle neben dem Tourism us sind die Transferzahlungen der im Ausland lebenden D om inikaner. G erade in der jungen Bevölkerung ist denn auch aufgrund der ungünstigen Lebensverhältnisse ein starker M igrationsdruck festzustellen (Q uelle: http://w w w .ausw aertiges-am t.de, Stand M ärz 2006). D abei gilt auch die Schw eiz als Zielland vieler Ausw anderer im erw erbsfä- higen Alter, w elche sich hier unter besseren Lebensbedingungen eine Existenz aufbauen m öchten. D er Trend zeigt sich erfahrungsgem äss dort besonders stark, w o durch die Anw esenheit von Verw andten oder Freun- den bereits ein m inim ales soziales Beziehungsnetz im Ausland besteht. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven Zulassungsrege- lung nicht selten zur U m gehung ausländerrechtlicher Bestim m ungen. 3.5 3.5.1 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solche allgem einen U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller bzw . einer G esuchstellerin im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünsti- gen. U m gekehrt m uss bei G esuchstellern und G esuchstellerinnen, die in ihrer H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m öglichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfah- rungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässen Ver- haltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch ein- geschätzt w erden.5 3.5.2 Beim G esuchsteller handelt es sich um einen 40-jährigen, unverheirateten M ann. G em äss den Feststellungen der Schw eizerischen Vertretung soll er Vater von fünf Kindern sein. Aus letzterem U m stand könnte auf den ersten Blick durchaus auf eine gew isse Verw urzelung geschlossen w erden. Ande- rerseits ist nicht bekannt, w er diese Kinder betreut bzw . ob der G esuch- steller m it allen oder einzelnen von ihnen in fam iliärer G em einschaft lebt. D essen unbesehen zeigt die Erfahrung, dass zurückbleibende Angehörige gerade in Situationen angespannter w irtschaftlicher Verhältnisse nicht ver- lässlich davon abhalten können, den Entscheid für eine Em igration zu fäl- len. Im G egenteil, der Entscheid kann dort gerade von der H offnung getra- gen sein, die Angehörigen aus dem Ausland effizienter unterstützen und allenfalls später nachziehen zu können. 3.5.3 G rosse Bedeutung kom m t deshalb den w irtschaftlichen Verhältnissen zu, in denen sich ein G esuchsteller befindet. D er G esuchsteller m achte gel- tend, er sei seit 2003 bei einer U nternehm ung als Verkäufer angestellt, und legte eine entsprechende schriftliche Bestätigung vor. Eine Ü berprü- fung führte die Schw eizerische Vertretung in Santa D om ingo jedoch zum Schluss, dass die Bestätigung G efälligkeitscharakter habe und nicht m it den tatsächlichen Verhältnissen übereinstim m e. D iesem Vorhalt entgegne- te der Beschw erdeführer nichts. In Bezug auf die Berufstätigkeit (und da- m it auch auf die w irtschaftlichen Verhältnisse, in denen sich der G esuch- steller befindet) bestehen dem nach w eitgehende U nklarheiten. U nter die- sen U m ständen kann jedenfalls nicht von besonders guten, stabilen beruf- lichen und w irtschaftlichen Verhältnissen ausgegangen w erden, die nach- haltig geeignet w ären, von einer Em igration abzuhalten. 3.5.4 Auf der anderen Seite besteht ganz offensichtlich ein starker sozialer Be- zug zur Schw eiz, leben doch hier nebst der einladenden Schw ester noch zw ei w eitere G eschw ister. D er Beschw erdeführer hat nichts besonderes dargetan, w as darauf schliessen liesse, dass beim G esuchsteller im G e- gensatz zu diesen drei G eschw istern keine Bereitschaft zur Em igration vorhanden ist. 3.6 Vor dem aufgezeigten H intergrund durfte die Vorinstanz zu R echt davon ausgehen, die fristgerechte W iederausreise des G esuchstellers sei nicht gew ährleistet (vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m . Art. 1 Abs. 2 lit. c VEA). Zw ar lässt sich diese Einschätzung nicht zu einer gesicherten Feststellung verdich- ten; sie reicht aber aus, um die Erteilung einer Einreisebew illigung - auf w elche w ie bereits erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht - abzu- lehnen. 3.7 D ie G astgeber haben sich dazu bereit erklärt, für die Lebensunterhalts- kosten des Beschw erdeführers w ährend seines geplanten Besuchsaufent- haltes aufzukom m en. W eiter garantieren sie für eine anstandslose und fristgerechte R ückkehr des Beschw erdeführers. D ie Integrität der G astge- ber w ird in keiner Art und W eise in Zw eifel gezogen. Indessen sind bei der Abw ägung des R isikos einer nicht fristgerechten W iederausreise nicht so sehr der W ille und die H altung eines G astgebers von Bedeutung, sondern in erster Linie das m ögliche Verhalten des G astes selbst. N ur Letzterer ist 6 in der Lage, hinreichend G ew ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise zu bieten. D er G astgeber kann zw ar für gew isse finanzielle R isiken G arantie leisten, m angels rechtlicher und faktischer D urchsetzbarkeit nicht aber für ein bestim m tes Verhalten des G astes. 3.8 Schliesslich w eist der Beschw erdeführer noch darauf hin, dass sow ohl die Eltern als auch andere G eschw ister des G esuchstellers in der Schw eiz zu Besuch gew esen seien und es nie Problem e gab. Bezüglich eines Ver- gleichs m it der Visum serteilung an nahe Verw andte des G esuchstellers in den Jahren 2003 und 2004 durch die Schw eizerische Vertretung in Santa D om ingo m uss Folgendes beachtet w erden: D ie R isikoanalyse hat - w ie der Beschw erdeführer selbst betont - jew eils aufgrund einer Beurteilung des konkreten Einzelfalls zu erfolgen. Allein aus dem U m stand, dass D ritt- personen ein Besuchervisum ausgestellt w urde und diese in der Folge auch tatsächlich die dam it verbundene Pflicht der fristgerechten und an- standslosen W iederausreise nicht verletzten, kann der Beschw erdeführer nichts zu seinen G unsten ableiten. 3.9 Aus vorstehenden Erw ägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt. D er rechtserhebliche Sachverhalt w urde richtig und vollständig festgestellt und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Er- m essen pflichtgem äss und zutreffend ausgeübt (Art. 49 Vw VG ). D ie Be- schw erde ist daher abzuw eisen. 4. D ie Kosten des Verfahrens sind dem Beschw erdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ) und in Anw endung von Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverw altungsgericht (VG KE, SR 173.320.2) auf Fr. 600.-- festzusetzen. (D ispositiv S. 7)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erde- führer auferlegt. Sie sind durch den am 30. Januar 2007 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben, Akten 2 240 588 retour) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: A. Trom m er P. M äder Versand am :