Baurekursgericht des Kantons Zürich 1. Abteilung G.-Nr. R1S.2015.05138 BRGE I Nr. 0056/2016 Entscheid vom 1. April 2016 Mitwirkende Abteilungspräsident Bruno Grossmann , Baurichter Walter Baumann , Bau- richter Ulrich Weiss, Gerichtsschreiber Daniel Schweikert in Sachen Rekurrierende 1. – 7. [….] gegen Rekursgegnerin 1. Bausektion der Stadt Zürich, Amtshaus IV, 8021 Zürich Mitbeteiligte 2. M. AG, [….] 3. S. Real Estate AG, [….] betreffend Bausektionsbeschluss Nr. 1426/15 vom 15. September 2015; Immission s- klage Nachtlokal _______________________________________________________ R1S.2015.05138 Seite 2 hat sich ergeben: A. Mit Bauentscheid Nr. 1426/15 vom 15. September 2015 hiess die Bause k- tion der Stadt Zürich die von [….] verschiedenen Anwohnern gemeinsam eingereichte I mmissionsklage betreffend das Nachtl okal "XY" an der G.- Strasse in Zürich [….] teilweise gut und verpflichtete die Betreiberin des Lo- kals zu e iner geri ngfügigen Intens ivierung des b etrieblichen Sicherheit s- dienstes. Im Übrigen wies die Vorinstanz die Immissionsklage ab. B. Hiergegen rekurrierten die Immissionskläger mit Eingabe vom 22. Oktober 2015 rechtzeitig an das Baurekursgericht des Kantons Zürich un d stellten folgende Anträge: "1. Es sei, unter Aufhebung der Ziffern II. und III. und unter Änderung der Ziffer I des angefochtenen Beschlusses, die Rekursgegnerin anzuwe i- sen, die seinerzeitige Umbau -, resp. Umnutzungsbewilligung für das Nachtlokal an der G.-Strasse (Club statt Läden) durch griffige Vo rsor- gemassnahmen im Sinne des USG zu ergänzen; Eventualiter sei keine Betriebsbewilligung über 22:00 Uhr (Winter) und 23:00 Uhr (Sommer) hinaus zu gewähren. 2. Unter Kosten - und Entschädigungsfolge in kl. MwSt. zulasten der R e- kursgegnerschaft." C. Vom Rekurseingang wurde mit Verfügung vom 26. Oktober 2015 Vormerk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. D. In der Vernehmlassung vom 24. November 2015 schloss die Vorinstanz auf Abweisung des Rekurses. E. Die als Mitbeteiligte in das Verfahren aufgenommene Betreiberin des Nachtlokals, die M. AG, sowie die ebenfalls als Mitbeteili gte aufgenomme- R1S.2015.05138 Seite 3 ne Eigentümerin des streitbetroffenen Grundstücks, die S. AG, verzichteten beide stillschweigend auf Rekursantwort. F. In den Replik- und Duplikschriften vom 6. Januar 2016 und vom 26. Januar 2016 hielten die Rekurrierenden und die Vorinstanz an ihren Anträgen fest. G. Auf die Ausführungen der Parteien ist nachfolgend insoweit einzugehen, als dies für die Entscheidbegründung erforderlich ist. Es kommt in Betracht: 1. Alle Rekurrierenden wohnen in der Nähe des streitbetroffenen Nachtlokals an der G.-Strasse. Als Nachbarn und Immissionskläger sind sie gemäss § 338a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) zur Erhebung des Rekurses legitimiert. 2. Das Nachtlokal an der G.-Strasse wird heute unter der Bezeic hnung "XY" betrieben [….]. Frühere Bezeichnungen l auteten [….]. Welche Betreibe r- schaft unter welcher Lokalbezeichnung für die lärmrechtlich relevante Anl a- ge verantwortlich zeichnet, ist i ndes irrelevant, da die Baubewilligung (die auch die dem Ba uen nachfolgende Nutzung einschliesst) und gleichermas- sen auch die lär mrechtliche Bewilligung einzig an das Grundstück gebu n- den sind. Die hier massgebliche Baubewilligung für einen Club mit Bar und separ a- tem Fumoir [….] wurde mit Bauentscheid Nr. 1833/11 vom 6. Dezember 2011 erteilt. Dieser Entscheid hielt fest, dass die Nutzungsänderung den für Neubauten geltenden Anforderungen unterliege, weshalb die Planungswer- te für Lärm einzuhalten seien (Art. 25 des Umweltschutzgesetzes [USG], R1S.2015.05138 Seite 4 Art. 7 der Lärmschutzverordnung [LSV]). Weil für den fraglichen Lärm keine Belastungsgrenzwerte festgelegt seien, sei die Zumutbarkeit der Lärmi m- missionen gestützt auf Art. 40 Abs. 3 LSV im Einzelfall zu beurteilen. Übe r- dies seien die Emissionen im Rahmen der Vorsorge s o weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar sei. Der Bauentscheid statuierte sodann, dass die Lärmbelästigung der Nac h- barschaft durch das Verhalten der Gäste ausserhalb des Veranstaltungsl o- kals durch die Bet reiberschaft bzw. Eige ntümerschaft verhindert werden müsse (Dispositivziffer 17 lit. c), dass die Lautstärke der Musik jederzeit so zu dosieren sei, dass die Nachbarschaft zu keiner Zeit unzumutbar belä s- tigt werde (Dispositivziffer 18) und dass im Falle be rechtigter Lärmklagen die Anordnung zusätzlicher baulicher und b etrieblicher Massnahmen vo r- behalten bleibe (Dispositivziffer 20). Zu den zulässigen Betriebs - bzw. Öff- nungszeiten des Lokals äusserte sich der Bauentscheid vom 6. Dezember 2011 nicht. Mit Immi ssionsklage vom 19. November 2013 gelangten die Rekurriere n- den an die Vorinstanz. Mit Bausektionsbeschluss Nr. 997/14 vom 24. Juni 2014 trat die Vorinstanz auf die Immissionsklage nicht ein und überwies die Akten zur weiteren Behandlung an die Stadtpolizei , Kommissariat Polize i- bewilligungen. Gegen den Nichteintretens- und Überweisungsentscheid ge- langten die Rekurrierenden fristgerecht an das Baurekursgericht. Dieses hob den Entscheid der Vorinstanz in Gutheissung des Rekurses auf und wies die Vorinstanz an, die Immission sklage zu behandeln (BRGE I Nr. 0002/2015 in BEZ 2015 Nr. 16, www.baurekursgericht -zh.ch). Dieser Aufforderung kam die Vorinstanz mit dem hier angefochtenen Bauen t- scheid Nr. 1426/15 vom 15. September 2015 nach. 3. Die Rekurrierenden monieren zusammengefasst, seit der Inbetriebnahme des Nachtlokals im Jahr 2012 gingen von diesem unzumutbare Lärmemi s- sionen in Form von sogenanntem Sekundärlärm aus. Das Lokal werde hauptsächlich an Wochenenden und in der Nacht betrieben, was zu eno r- men Störungen f ür die Anwohnerschaft [….] an der P.- und der U.-Strasse führe. Die Nachtruhe werde regelmässig durch das spät abends eintreffen- de und hernach während der ganzen Nacht ständig zirk ulierende Partyvolk unterbrochen. Dieses mache sich mit rücksichtslosen St reitereien, Vanda- lismus (Scherben, Erbrochenes und Ausscheidungen) und Zurufen b e- R1S.2015.05138 Seite 5 merkbar. Der Sekundärlärm sei klarerweise nur auf das streitbetroffene Nachtlokal zurückzuführen. Zwar habe die Vorinstanz im angefochtenen Beschluss verfügt, dass der jeweili ge Clubbetreiber den Sicherheitsdienst gemäss e inem Sicherheitskonzept vom September 2014 während der abendlichen und nächtlichen Öffnungszeiten des Clubs sowie eine halbe Stunde über die Schliessung hinaus aufrecht zu erhalten habe. Diese Massnahme genüge aber nicht. Aus den Erwägungen des angefoc htenen Beschlusses gehe hervor, dass der jeweilige Betreiber stets minde stens fünf Sicherheitsleute im Freien postiert haben müsse. Mindestens hä tte im Dispositiv des Beschlusses vom 15. September 2015 angeordnet werden müssen, von wann bis wann und wo exakt wie viele Sicherheitsle ute unun- terbrochen postiert zu sein und welche Aufgaben sie genau zu erfü llen hät- ten. Ein Sicherheitsdienst sei aber ohnehin ungenügend. Das Nach tlokal verfüge über eine maximale Belegung skapazität von immerhin 600 Pers o- nen. Die häufig aus der Agglomeration stammenden Gäste kämen sehr spät in der Nacht und regelmässig bereits recht angeheitert an. Viele der Gäste stel lten ihre Fahrzeuge an der P. -Strasse – der einzigen Parki e- rungsmöglichkeit – ab und stö rten bereits dann ein erstes Mal die Anwo h- ner. In der Fo lge verliessen die Gäste das Lokal immer wieder, um zu ra u- chen und um dem in den Fah rzeugen deponierten Alkohol zuzusprechen; dies angesichts des ständig weiter ansteigenden Alkoholpegels rufend oder auch streitend. Die Gä ste störten rücksichtslos die ganze Nacht hindurch und bis in die Mo rgenstunden. Wer nach durchzechter Nacht sich noch auf den Beinen halten könne und sich dann in der Umgebung des Clubs he r- umtreibe, der denke wohl an alles M ögliche, ausser an Rücksichtnahme gegenüber der ruhebedürftigen Nachbarschaft. Der Club wende sich ja e x- plizit an Personen, we lche nach Schliessung aller anderen Lokale noch Restenergie hätten oder sonst nichts Besseres zu tun wüssten. Insgesamt könne dem für die Nachbarschaft unzumutbaren Sekundärlärm nur mit gri f- figen Vorsorgemassnahmen im Sinne des USG respektive der eventualiter beantragten Einschränkung der Öffnungszeiten Einhalt geboten werden. 4.1. Mit Recht hielt der Bauentscheid vom 6. Dezember 2011 fest, dass die Umnutzung der vormaligen Geschäftsräume in einen Gastrobetrieb den für Neubauten geltenden Anforderungen unterliege (act. 8.1, Erwägung k), denn der Betrieb stellte bei seiner erstmaligen behördlichen Überpr üfung R1S.2015.05138 Seite 6 eine nach dem Inkrafttreten des USG am 1. Januar 1985 bewilligte, ne u- rechtliche Anlage im Sinne von Art. 7 Abs. 7 USG dar, welche somit den bundesrechtlichen Bestimmungen über den Umweltschutz unterliegt. D a- nach haben Anlagen Grenzwerte einzuhalten u nd den Vorsorgegrundsatz zu beachten (Art. 11 Abs. 1 und 2 USG). Fehlen in der LSV – wie vorlie- gend – direkt anwen dbare Belastungsgrenzwerte, haben die Vollzugsb e- hörden im Einzelfall zu beurteilen, ob eine unz umutbare Störung vorliegt (Art. 40 Abs. 3 LSV). 4.2. Das Bundesumweltschutzrecht geht von einem anlagebezogenen Lär m- begriff aus. Nach Art. 25 USG beurteilt sich, wieweit der von Benützern e i- ner Anlage verursachte Lärm als Lärm der Anlage im Sinne der Besti m- mung in Rechnung gestellt wird (Robert Wolf, in: Kommentar zum Umwel t- schutzgesetz, Zürich 2000, Art. 25 Rz. 34). Vorliegend steht daher die Frage im Vordergrund, inwiefern die von den Rekurrierenden behaupteten Verhaltensweisen von Personen wie das a n- geblich lärmintensive Parkieren von Fahrzeugen a n der P.- und der U.- Strasse, das "sich Herumtreiben" verbunden mit angeblich lautsta rken Streitereien, Vandalismus oder gar dem Hinterlassen von Erbrochenem und Ausscheidungen im Gebiet der genannten Strassen überhaupt der j e- weiligen Betreiberin des streitbetroffenen Lokals [….] zugerechnet werden können. Nur im Fa lle einer Zurechenbarkeit stellte sich als näch stes die Frage, inwiefern die Betreib erin nach Massgabe des Vorso rgegrundsatzes (Art. 11 Abs. 1 und 2 USG) bzw. gestützt Art. 40 Abs. 3 LSV zu Massnah- men zur Unte rbindung solcher Verhaltensweisen verpflichtet werden kön n- te. 4.3. Bei der Beurteilung der lärmschutzrechtlich relevanten Emissionen einer Gastwirtschaft hat sich mangels direkt anwendbarer Belastungsgrenzwerte in der LSV trotz ei niger – hier nicht relevanter – Mängel die hilfsweise H e- ranziehung der von der Vereinigung der kantonalen Lärmschutzfachleute (Cercle Bruit) publizierten Vollzugshilfe zur Ermittlung und Beurteilung der Lärmbelastung durch den Betrieb öffentlicher Lokale v om 10. März 1999 durchgesetzt. Diese Richtlinie zur Ermittlung und Beurteilung der Lärmb e- lastung durch den Betrieb öffentlicher Lokale ist gemäss der Rechtspr e- R1S.2015.05138 Seite 7 chung nicht nur auf Lärmimmissionen von Lokalen mit Musik zugeschnitten, sondern generell auf Gas tstätten, einschliesslich deren Kundenverkehr, Parkplatzlärm und den durch Verkehr erzeugten Lärm (statt vieler etwa VB.2015.00127 vom 17. Dezember 2015; www.vgr.zh.ch). Um der Vielfalt der lärmrechtlich denkbaren Emissionen eines Lokals gerecht zu werden, unterscheidet die Vollzugshilfe des Cercle Bruit insgesamt elf mögliche Schallquellen, wovon vier interne (Musikerzeugung, Kundenlärm, Rein i- gungs- und Unterhaltsarbeiten, Technische Anlagen inkl. Küchen) und si e- ben externe (Musikerzeugung auf der Terrasse , Kundenverhalten und B e- dienung auf der Terrasse, Aufräumarbeiten und Reinigung der Terrasse, Technische Anlagen – Aussenlärm, Kundenverkehr, Parkplatzlärm und Verkehrserzeugung; vgl. www.cerclebruit.ch ). Die Beurteilung der Lärmb e- lastung durch ein Lokal h at aufgrund dieser Lärmquellen und zude m g e- samthaft zu erfolgen, d.h. unter Berücksichtigung der Gesamtheit aller Lärmquellen. Die Summe der Quellen muss qualitativ beurteilt werden, um zu überprüfen, dass die Gesamtbeeinträchtigung nicht über den Vorgaben des USG liegt (Vollzugshilfe, S. 2). 4.4. In diesem Zusammenhang ist zunächst festzuhalten, dass die Rekurriere n- den weder in der Rekursschrift noch in der Replik in irgendeiner Weise substantiieren, dass eine der vier denkbaren internen Schallquellen von lärmrechtlicher Relevanz sein könnte. Angesichts der doch nicht unerhebl i- chen Distanz sämtlicher rekurrentischer Wohnadressen zum streitbetroff e- nen Lokal ist dies nicht weiter erstaunlich. Der Ein - und Ausgang des L o- kals befindet sich im fensterlosen Unter geschoss des Gebäudes auf dem Grundstück Kat. -Nr. 0000 bzw. unmittelbar auf dem Niveau des Eise n- bahnperrons des Bahnhofs X, so dass das Lokal von der B .- und der G.- Strasse her nur über die Rampe oder den Treppena bgang an der Südecke des Gebäudes zugänglich ist. Es ist denn auch kaum vorstel lbar, wie die Wohngebäude der Rekurrierenden an der U.- und der P.-Strasse von inter- nen Schallquellen aus dem reinen Innenlokal ohne Au ssenbereich im U n- tergeschoss des streitbetroffenen Gebäudes an der G.-Strasse in lär m- rechtlich relevanter Weise betroffen sein könnten. 4.5. Damit bleibt zu prüfen, ob das behauptete Verhalten von Personen zur Nachtzeit im Gebiet P.-Strasse/U.-Strasse dem Lokal im Sinne von e xter- R1S.2015.05138 Seite 8 nen Schallquellen zugerechnet werden kann . Von den sieben möglichen externen Schallquellen gemäss der Vollzugshilfe des Cercle Bruit fallen mangels eines zum Lokal gehörenden Aussenbereichs in Form einer Au s- sengastwirtschaft (in der Vollzugshilfe vereinfacht als "Terrasse" bezeic h- net) zunächst die drei Schallquellen S5 (Musikerzeugung auf der Terrasse), S6 (Kundenverhalten und Bedienung auf der Terrasse) und S7 (Aufräu m- arbeiten und Reinigung der Terrasse) ausser Betracht. Dass technische Anlagen wie beispielsweise Klimaanlagen Aussenlärm generiert en – mögli- che Schallquelle S8 – ist vorliegend auch kein Thema. Damit verbleiben zur lärmrechtlichen Prüfung einzig die denkbaren Schallquellen S9 (Kunde n- verkehr), S10 (Parkplatzlärm) sowie S11 (Verkehrserzeugung). 4.6. Mit dem Begriff Kundenverkehr sind g emäss der Vollzugshilfe Geräusche gemeint, die durch das "Kommen und Gehen" der Kundschaft entstehen. Parkplatzlärm meint sodann den durch Autos auf dem – gemeint: Lokal zu- gehörigen – Parkplatz sowie auf dessen Zufahrt verursachten Lärm. Für letztere Lärmk ategorie verweist die Vollzugshilfe mit Recht darauf, dass Anhang 6 der LSV massgebliche Belastungsgrenzwerte für Industrie - und Gewerbelärm enthält. Unter dem Stichwort Verkehrserzeugung hält die Vollzugshilfe schliesslich fest, dass die Mehrbeanspruchung von Verkehrs- anlagen nicht dazu führen darf, dass Immissionsgrenzwerte überschritten werden und dass auf einer sanierungsbedürftigen Verkehrsanlage wah r- nehmbar stärkere Lärmimmissionen erzeugt werden. Auch die Belastung s- grenzwerte für Strassenverkehrslärm werden in Anhang 3 der LSV festg e- legt. 4.7. Gemäss dem rechtskräftigen Bauentscheid Nr. 1833/11 vom 6. Dezember 2011 verfügt das streitbetroffene Gebäude auf dem Grundstück Kat. -Nr. 0000 über insgesamt 14 Abstellplätze. Der Pflichtbedarf beträgt sieben A b- stellplätze. Das Umbau- und Nutzungsänderungsvorhaben im Unterg e- schoss als solches löste die Pflicht zur Schaffung bzw. zum Nachweise von zwei Abstellplätzen für Autos aus (Erw. lit. b). Damit korrespondieren die rekurrentischen Behauptungen zumindest insoweit, als dass m otorisiert an- reisende Besucher des Lokals "XY" an der G.-Strasse mit einer Belegungs- kapazität von immerhin 600 Personen versucht sein werden, ihre Fahrze u- ge im näheren und weit eren Umfeld des Lokals bzw. irgendwo in vernünft i- R1S.2015.05138 Seite 9 ger Fussdistanz zum Bahnhof X abzustellen. Hierbei handelt es sich um e i- nen Umstand, der angesichts des notorisch knappen Par kraums wohl auf die überwiegende Mehrzahl aller Lokale und Restaurants in der Zürcher I n- nenstadt zutreffen dürfte; dafür ist jedenfalls nicht das hier strei tbetroffene Lokal ve rantwortlich. Dass von den nur gerade 14 Abstel lplätzen, welche der Li egenschaft auf dem Grundstück Kat. -Nr. 0000 zuzurechnen sind, Lärmemissionen ausgingen, welche Belastungsgrenzwerte g emäss dem Anhang 6 der LSV überschreiten könnte n, oder dass dies gar zu einer Überschreitung von Immissionsgrenzwerten nach Massgabe von A nhang 3 der LSV führen könnte, machen die Rekurrierenden nicht geltend und scheint auch höchst unwahrscheinlich. Vielmehr führen die Rekurri erenden – insoweit wie erwähnt zutreffend – aus, dass gerade mangels Abstellpark- plätzen beim Lokal regelmässig an der U.- und der P.-Strasse parkiert wer- de. Zu bemerken ist zunächst, dass dies wohl auch noch auf weitere Strassen im näheren Umfeld des Bahnhofs X [….] zutreffen dürfte. Allein, derlei Pa r- kierungsvorgänge und der allenfalls dabei entstehende Parkplatzlärm samt aller angeblichen Begleiterscheinungen kann in lärmrechtlicher Hinsicht nicht dem streitbetroffenen Lokal an der G.-Strasse zugerechnet werden. Es ha ndelt sich nicht um Emissionen, die im Sinne der Vollzugshilfe des Cercle Bruit beim Zu- und Wegfahren von Gästefahrzeugen zum Lokal v er- ursacht werden. Dasselbe gilt für die Geräusche beim "Kommen und G e- hen" der Kundschaft. Wie erwähnt befindet sich der Ein - und Ausgang des Lokals auf dem N iveau des Eisenbahnperrons des Bahnhofs X, praktisch unmittelbar bei Gleis 1. Durch diese versen kte Lage wird der unter dem Begriff Kundenve rkehr denkbare Lärm, welcher dem Lokal konkret zuge- rechnet werden kann – nämlich diejenigen Besuchergeräusche im unmi t- telbaren Umfeld vor dem Ein- und Ausgang des Lokals, bei der Rampe und allenfalls noch auf dem Treppenaufgang zur B.-Strasse hin – praktisch ab- geschirmt. Lärm, we lcher nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit e iner Anlage erzeugt wird – vergleichbar sind bspw. die in der Literatur g enann- ten, von Besuchern e ines Sportanlasses verursachten Ruhestöru ngen auf dem Weg nach Hause – lässt sich nicht eindeutig zuordnen (Robert Wolf, in: Kommentar zum Umweltschutzgesetz, Zürich 2000, Art. 25 Rz. 36). Mit der von den Rekurrierenden geforderten Betrachtungsweise würde der anlagebezogene Ansatz des USG praktis ch aufgegeben (vgl. Alain Gri f- fel/Heribert Rausch, Kommentar zum Umweltschutzgesetz, Ergänzung s- R1S.2015.05138 Seite 10 band zur 2. Auflage, Zürich 2011, Art. 7 Rz. 11) . Sie wäre, wie die Vori n- stanz mit Recht ausführt, überdies gänzlich unpraktikabel. Das hier streitbe- troffene Lokal liegt unmittelbar beim Bahnhof X und damit an einem Kn o- tenpunkt verschiedener Verkehrsmittel. Das Nachtnetz (Nachtbusse und Nacht-S-Bahnen) wird seinem Zweck entsprechend die ganze Nacht hi n- durch betrieben und führt entsprechend zu einer durchgehend hohen Per- sonenfrequenz mit sämtlichen, zuweilen unbestrittenermassen auch neg a- tiven Begleiterscheinungen. Hinzu kommt, dass diverse weitere Clubs und Bars in der Umgebung Öffnungszeiten über Mitternacht hinaus und zum Teil bis in die Morgenstunden haben [….]. Auch Besucher dieser Lokalit ä- ten zirkulieren im Gebiet um den Bahnhof X, werden sich dort gelegen tlich unordentlich verhalten oder frequentieren die spärlich vorhandenen A b- stellplätze in dessen engerem Umfeld. Dasselbe gilt für die Gäste des ve r- mutungsweise stark frequentierte n Schnellimbisslokals Z welches fre itags und samstags bis morgens um 06.00 Uhr sowie bereits ab 08.30 Uhr wi e- der geöffnet ist. 4.8. Der anlagebezogene Ansatz des USG wird auch nicht dadurch in Frage gestellt, dass das streitbetroffene Lokal offenbar über einen privaten Or d- nungsdienst mit immerhin fünf Mitarbeitern verfügt, dessen minime zeitliche Intensivierung die Vorinstanz in Teilgutheissung der Immissionsklage wie einleitend erwähnt angeordnet hat. Ein solcher privater Ordnungsdienst mag dazu beitragen, dass im Lokal sowie im bereits erwähnten unmittelb a- ren Umfeld vor dessen Ein- und Ausgang, welcher Bereich dem Lokal e f- fektiv zugerechnet werden kann, eine gewisse Ordnung herrscht, indem beispielsweise Vandalismus unterbunden oder potentiell lärmverursache n- de Streitereien zeitnah geschlichtet werden können. In diesem Si nne sieht auch die Vollzugshilfe Cercle Bruit einen privaten Ordnungsdienst als mö g- liche Vorsorgemassnahme insbesondere bei der potentiellen Lärmquelle S9 (Kundenverkehr) vor. Allein, ein solcher privater Ordnungsdienst verfügt selbstredend über keinerlei hoheitliche Befugnisse, indem er etwa Betru n- kene a n der P.-Strasse oder Falschparkierende an der U.-Strasse in i r- gendeiner Weise ins Recht zu fassen berechtigt wäre. Erstens liegt das P o- lizeimonopol ausschliesslich beim Staat, und zweitens vermag mit den Mi t- teln des Umweltschutzrechts den von den Rekurrierenden monierten Au s- prägungsformen der individuellen Kinderstube von Nachtschwärmern o h- nehin nie abschliessend zu begegnen sein. Auch aus diesen Gründen – R1S.2015.05138 Seite 11 und nicht nur wegen des anlagebezogenen Ansatzes des Umweltschutz- rechts – ist die von den Rekurrierenden geforderte Verschärfung der Aufl a- ge, wonach im Detail zu regeln sei, wo und wie der private Ordnungsdienst zu platzi eren sei oder gar welche Routen im Umfeld des Bahnhofs X er wann zu begehen und kontrollieren habe, nicht angezeigt. Immerhin scheint der private Ordnungsdienst durchaus ein geeignetes und wirksames Mittel zur Vermeidung von störenden Lärmemissionen durch Besucher im unmit- telbaren U mfeld vor dem Ein - und Ausgang des Lokals zu sein, wie das Kommissariat der Gewerbepolizei, Fachstelle Lärmbekämpfung, zuhanden der Vorinstanz bestätigte (act. 8.14). Die Rekurrierenden stellen denn auch in ihrer Replik den von der Vorinstanz vernehmlassungsweise dargelegten Umstand nicht in Frage, dass seit der Wiederinbetriebnahme des Lokals unter neuer Betreiberschaft am 10. Oktober 2015 der Stadtpolizei am 8. November 2015 eine einzige Lärmklage zugetragen wurde. Zu beachten ist ohnehin, dass der Verhältnismässigkeitsgrundsatz bei der Anordnung von Massnahmen zulasten eines Anlagebetreibers durch das Vorsorg e- prinzip sowie das Erfordernis der wirtschaftlichen Tragbarkeit nicht etwa verdrängt wird. Das Vorsorgeprinzip kann Emissionen letztlich nur begre n- zen, nicht aber gänzlich verhindern. Selbst wenn eine Beschr änkung tech- nisch möglich und wirtschaftlich tragbar ist, darf sie jedenfalls nicht in einem krassen Missverhältnis zum Nutzen für die Umwelt bzw. die Anwohner st e- hen (vgl. BGE 125 II 129 E. 9d; VB.2011.00055 vom 14. September 2011, E. 7.3). Die von der Vor instanz verlangte bzw. bestätigte Existenz eines privaten Ordnungsdienstes mit mehreren Mitarbeitern ist immerhin eine für die Betreiberin wirtschaftlich bereits massiv ins Gewicht fallende Auflage. Weitere Verschärfungen sind angesichts der doch eher paus chalen Rügen der Rekurrierenden nicht angezeigt, insbesondere nicht die von den Reku r- rierenden eventualiter beantragten Einschränkungen der Öffnungszeiten (22.00 Uhr im Winter bzw. 23.00 Uhr im Sommer). Solche Öffnungszeiten kämen faktisch einer Schliessun g des Nachtlokals gleich, was angesichts der Rechtskraft der Baubewilligung Nr. 1833/11 vom 6. Dezember 2011 of- fenkundig unverhältnismässig wäre. Selbstverständlich ist es auch nicht Aufgabe des Baurekursgerichts, sich grundsätzlich über Sinn und Zweck des Nachtlebens in der Stadt Zürich in der heute gelebten Art und Weise zu äussern. Fest steht einzig, dass sich dieses in den letzten Jahren und Jah r- zehnten – wohl gerade auch als Folge der Einführung des Nachtnetzes des Zürcherischen Verkehrsverbundes im Jahr 2002 – stark verändert hat. R1S.2015.05138 Seite 12 5. Insgesamt ist der in Beantwortung der Immissionsklage ergangene En t- scheid BE 1426/15 vom 15. September 2015 zu schützen und drängen sich keine weiteren umweltschutzrechtlichen Anordnungen auf. Dies führt zur Abweisung des Rekurses. [….]