B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5121/2019 U r t e i l v o m 1 6 . M ä r z 2 0 2 1 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Constance Leisinger, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am (…), alias A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 29. August 2019 / N (…). E-5121/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin − eine aus B._______, stammende, der Ethnie der Saho angehörende eritreische Staatsangehörige − reiste am 10. Septem- ber 2015 in die Schweiz ein und stellte am gleichen Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ ein Asylgesuch. Am 24. September 2015 fand ihre summarische Befragung zur Person (BzP) im EVZ statt. B. In der BzP brachte die Beschwerdef ührerin vor, sie habe ab 2002 bis zu ihrer Ausreise in D._______, gelebt. Sie habe die Schule nach der (…) Klasse abgebrochen, um ihre Eltern zu unterstützen, und von 2010 bis im Juli 2014 als Bedienstete in einem (…) gearbeitet. Sie habe sich zur Aus- reise entschlossen, weil sie befürchtet habe, bei einer Razzia zwangsweise aufgegriffen und für den Militärdienst rekrutiert zu werden . Sie habe kein entsprechendes Aufgebot der Behörden erhalten und habe nie mit diesen in Kontakt gestanden. Jedoch habe im Juli 2014 der "Verwalter" mit ihrem Vater gesprochen und ihm gesagt, dass sie wieder zur Schule gehen sollte, andernfalls sie den Militärdienst antreten müsste. Sie habe das Haus ihrer Familie am (…) Juli 2014 verlassen und sei nach E._______ gegangen, von wo aus sie die Grenze zum Sudan überquert habe. Nach Aufenthalten von fünf Monaten im Sudan und acht Monaten in Libyen habe sie am 6. September 2015 das Mittelmeer mit einem Schiff des (…) überquert. Im Dezember 2014 habe sie im Sudan ihren sich ebenfalls in der Schweiz aufhaltenden Lebenspartner, F._______ ([…]), re- ligiös geheiratet. C. Mit Schreiben ihrer damaligen Rechtsvertretung vom 29. Juli 2016 liess die Beschwerdeführerin mitteilen, dass sie bei der BzP teilweise falsche Anga- ben in Bezug auf ihre Beziehung zu ihrem früheren Partner gemacht habe, weil dieser sie erheblich unter Druck gesetzt habe. Sie seien nie verheiratet gewesen und hätten sich nicht im Sudan, sondern erst im Libyen kennen- gelernt. Ausserdem stimme ihr registriertes Geburtsdatum ([…]), welches auf einer willkürlichen Festlegung im UN HCR-Flüchtlingslager Shegerab beruhe, nicht. Tatsächlich sei sie im Jahr (…), mutmasslich am (…), gebo- ren. Zudem wurden diverse Dokumente eingereicht (zwei UNHCR-Aus- weise, zwei Schülerausweise, laminierte Kopien von Identitätsdokumenten der Eltern). E-5121/2019 Seite 3 D. Am 10. Mai 2017 und 29. Juni 2017 fanden polizeiliche Akten betreffend eine von der Beschwerdeführerin gegen F._______ eingereichten Strafan- zeige wegen Tätlichkeiten, Drohung, Nötigung und Missbrauch einer Fernmeldeanlage Eingang in die vorinstanzlichen Akten. E. Am 12. Dezember 2017 fand eine Anhörung der Beschwerdeführerin zu ihren Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) statt. In dieser Befragung gab die Beschwerdeführerin zu Protokoll, sie habe ab 2002 zusammen mit ihrer Familie in D._______ gelebt. Sie habe die Schule im Sommer des Jahres 2013 nach der (…) Klasse im Alter von (…) Jahren abgebrochen. Danach habe sie zu Hause geholfen, für Nachbarn Feld- und Hausarbeiten verrichtet und im Jahr 2014 während fünf Monaten in einer (…) gearbeitet. Sie habe ihren Heimatstaat verlassen, weil ihr , nachdem sie (…) Jahre alt geworden sei, gesagt worden sei, dass sie nach Sawa in den Militärdienst gehen müsse. Der Zoba-Verwalter habe ihren Eltern zwei entsprechende Aufgebote für sie ausgehändigt, das erste Ende Juni 2014, das zweite zwei Wochen später im Juli 2014. Sie habe nach dem ersten Militärdienstaufgebot die Rückkehr ihres Vaters abgewartet. Er sei am Tag nach dem Erhalt des zweiten Aufgebots nach Hause gekommen. Nachdem er die beiden Dokumente gelesen habe, habe er ihr gesagt, dass sie zwei Möglichkeiten habe: entweder zu heiraten oder wieder in die Schule zu ge- hen (F103), respektive entweder wieder in die Schule zu gehen oder in den Militärdienst in Sawa einzurücken (F109) . Es se i ihr bewusst g ewesen, dass ihr Vater sie nicht habe schützen können, und sie habe weder in den Militärdienst gehen noch heiraten wollen. Aus diesem Grund sei sie zu- nächst zu ihrer Tante in G._______ gegangen. Zwei Wochen darauf habe ihr Vater sie dort aufgesucht. Es sei ihr klar gewesen, dass er sie zu einer Heirat zwingen würde. Sie habe mit ihm aber nicht darüber gesprochen, sondern kurz nach seiner Ankunft das Haus ihrer Tante verlassen, um aus- zureisen. Sie habe sich einer Gruppe anderer Ausreisewilliger angeschlos- sen, zu denen sie mithilfe ihrer Cousine Kontakt aufgenommen gehabt habe. F. Am 30. August 2018 wurde eine ergänzende Anhörung der Beschwerde- führerin durchgeführt. E-5121/2019 Seite 4 In dieser Befragung führte sie in Bezug auf ihre Asylgründe namentlich aus, das zweite Aufgebot für den Militärdienst sei ihrer Familie etwa drei Monate nach dem ersten zugestellt worden. Ihre Mutter habe sie von diesen Auf- geboten erst in Kenntnis gesetzt, nachdem sie das zweite erhalten habe, und habe ihr gesagt, sie solle entweder in den Militärdienst einrücken oder heiraten. Eine Heirat sei für sie aber zu jenem Zeitpunkt nicht in Frage ge- kommen und sie habe auch nicht in den Militärdienst gehen wollen. Zunächst habe sie die Rückkehr ihres Vaters abwarten wollen; sie sei dann aber, als der Zoba-Verwalter sie erneut angesprochen habe, eine Woche nach Erhalt der zweiten Vorladung zu ihrer Tante gegangen. Sie habe den Vater erst wiedergesehen, als er sie dort aufgesucht habe. Sie habe aber dann das Haus ihrer Tante verlassen und sei ausgereist, ohne dass es zu einem Gespräch mit ihm gekommen sei. G. Mit Schreiben vom 30. August 2018 forderte die Vorinstanz die Beschwer- deführerin zur Einreichung eines ärztlichen Berichts betreffend die von ihr gelten gemachten gesundheitlichen Probleme auf. H. Mit Eingabe ihre r damaligen Rechtsvertretung vom 17. September 2018 reichte die Beschwerdeführerin ärztliche Berichte von Dr. med. H._______, vom 12. September 2018 respektive von Dr. med. I._______, vom 13. Sep- tember 2018 inklusive Anhänge (Austrittsbericht Kantonsspital J._______, vom 3. Dezember 2015, Laborblatt Kantonsspital J._______ vom 25. No- vember 2015) zu den Akten. I. Mit Verfügung vom 2 9. August 2019 (eröffnet am 2. September 2019) stellte das SEM fes t die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, wies ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. J. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 2. Oktober 2019 erhob die Be- schwerdeführerin Beschwerde gegen die Verfügung der Vorinstanz und beantragte, diese sei aufzuheben und die Sache sei zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei ihr Einsicht in die Aktenstücke A3/2, A6/1, A19/31, A20/48, A27 S. 19, E-5121/2019 Seite 5 A35/16, A38/1 und A39/1 und das rechtliche Gehör zu diesen Akten zu ge- währen sowie eine Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung ein- zuräumen. In weiteren Eventualbegehren beantragte sie, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren, respektive es sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und sie sei vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin die Gewährung der unentgelt- lichen Prozessführung sowie den Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. K. Mit Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2019 forderte der Instruktions- richter das SEM auf, die Gesuche um Einsicht in die Ak tenstücke A3/2, A19/31, A20/48, A27 (S. 19) und A35/16 im Sinne der Erwägungen zu be- handeln und der Beschwerdeführerin gegebenenfalls in geeigneter Weise Akteneinsicht zu gewähren. Die übrigen Anträge auf Akteneinsicht wurden abgewiesen. Der Beschwerdeführerin wurde Gelegenheit gegeben, innert 7 Tagen ab allfälligem Erhalt der erwähnten Akten eine Beschwerdeergän- zung einzureichen. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessf ührung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde gutgeheissen, und es wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. L. Mit Schreiben vom 15. Oktober 2019 stellte die Vorinstanz der Beschwer- deführerin Kopien der gewünschten Akten zu. M. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 22. Oktober 2019 machte die Be- schwerdeführerin ergänzende Ausführungen betreffend die nachträglich offengelegten Aktenstücke. N. Mit Instruktionsverfügung vom 30. Oktober 2019 wurde das SEM zur Ein- reichung einer Vernehmlassung eingeladen. O. Mit Eingabe vom 31. Oktober 2019 reichte die Beschwe rdeführerin ein Schreiben der Psychiatrischen Dienste K._______, Klink L._______, vom 25. Oktober 2019 in Kopie zu den Akten. E-5121/2019 Seite 6 P. Die Vorinstanz hob mit Verfügung vom 14. November 2019 die Dispositiv- Ziffern 4 und 5 ihrer Verfügung vom 29. August 2019 auf, und gewährte der Beschwerdeführerin in teilweiser Wiedererwägung dieses Entscheids die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Q. Mit Instruktionsverfügung vom 27. November 2019 gab der Instruktions- richter der Beschwerdeführerin Gelegenheit, sich dazu zu äussern, ob sie an ihrer Beschwerde, soweit diese nicht gegenstandslos geworden sei, festhalten oder diese zurückziehen wolle. R. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 11. Dezember 2019 teilte die Be- schwerdeführerin mit, an ihrer Beschwerde im Asylpunkt festhalten zu wol- len. S. Auf ein entsprechendes Gesuch der Beschwerdeführerin vom 13. Januar 2020 hin änderte das SEM mit Mutationsformular für Personendaten im Zentralen Migrationssystem (ZEMIS) am 14. Februar 2020 ihre registrierte Hauptidentität, indem als Geburtsdatum neu der (…) erfasst wurde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde u nd entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-5121/2019 Seite 7 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereich t worden. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Nachdem die Beschwerdeführer in mit Verfügung des SEM vom 14. No- vember 2019 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges wieder- erwägungsweise vorläufig in der Schweiz aufgenommen wurde, ist die vor- liegende Beschwerde bezüglich der Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der an- gefochtenen Verfügung gegenstandslos geworden. Beschwerdegegen - stand bildet mithin nur die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht die Flücht- lingseigenschaft der Beschwerdeführerin ve rneint, ihr Asylgesuch abge- wiesen und ihre Wegweisung aus der Schweiz angeordnet hat. 4. 4.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, die Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend das angeblich erhaltene Aufgebot zum Militärdienst seien als unglaubhaft zu qualifizieren. Anlässlich der BzP habe sie zu Protokoll gegeben, sie habe kein militärisches Aufgebot erhalten. Ihre Aussage im Rahmen beider Befragungen, sie habe zwei entspre- chende Aufgebote erhalten, sei daher nachg eschoben. Zudem habe die Beschwerdeführerin widersprüchliche Angaben zum zeitlichen Abstand zwischen den angeblichen Militärdienstaufgeboten sowie zum Zeitpunkt und zu den Umständen ihrer Kenntnisnahme gemacht. Schliesslich seien ihre übrigen diesbezüglichen Aussagen, namentlich dem Inhalt der Aufge-E-5121/2019 Seite 8 bote und ihrer Reaktion darauf, oberflächlich und substanzlos. Bei der gel- tend gemachten Vergewaltigung durch ihren früheren Partner (F._______) in Libyen handle es sich um einen Übergriff, der sich in einem Drittstaat ereignet habe und d aher flüchtlingsrechtlich nicht relevant sei. In Bezug auf die von der Beschwerdeführerin behauptete illegale Ausreise sei festzustellen, dass gemäss einem Koordinationsurteil des Bundesver- waltungsgerichts (D-7898/2015) nicht mit überwiegender Wahrscheinlich- keit davon auszugehen sei, dass eritreische Staatsangehörige alleine auf- grund einer illegalen Ausreise mit Sanktionen ihres Heimatstaates zu rech- nen hätten, die bezüglich ihrer Intensität und der politischen Motivation ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsyIG darstellen würden. Andere Anknüpfungspunkte, welche die Beschwerdeführerin in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten, seien nicht ersichtlich, weil ihre Angaben zu den militärischen Vorladungen unglaubhaft seien. 4.2 4.2.1 Die Beschwerdeführerin beanstandete in ihrer Beschw erdeeingabe zunächst eine Verletzung des Akteneinsichtsrechts sowie der Aktenfüh- rungspflicht. Die Vorinstanz habe es unterlassen, ihr Einsicht in mehrere Aktenstücke (A35/16, A3/2, A6/1, S. 19 des Aktenstücks A27, A19/31, A20/48, A38/1, A39/1) zu gewähren. Zudem enthalte das Aktenverzeichnis nur ein Aktenstück, welches ärztliche Berichte betreffe (A37/14), obw ohl offenbar mehrere derartige Berichte eingereicht worden seien. Diese Be- richte hätten in einem Beweismittelumschlag erfasst oder zumindest als separate Aktenstücke ins Aktenverzeichnis aufgenommen werden müs- sen. Das SEM habe, mutmasslich wegen mangelhafter Paginierung, ledig- lich die Arztberichte vom 13. September 2018 sowie 25. November 2015 erwähnt, nicht aber diejenigen von Dr. med. H._______ vom 12. Septem- ber 2018 sowie des Spitals K._______ vom 3. Dezember 2015. Im Weite- ren würden im Bericht von Dr. med. H._______ mindestens fünf weitere Berichte erwähnt. Dass das SEM es unterlassen habe , diese einzuholen und zu würdigen, sei willkürlich und stelle eine Verletzung der Abklärungs- pflicht dar. Eine schwerwiegende Verletzung der Abklärungspflicht sowie des rechtlichen Gehörs sei auch darin zu erblicken, dass das SEM die ihr drohende Zwangsheirat nicht gewürdigt habe. Wegen dieser sowie der in Libyen erlittenen Vergewaltigung wäre eine (nicht verzichtbare) Befragung in einer Fr auenrunde erforderlich gewesen. Zu berücksichtigen sei auch, dass sie unter erheblichem Druck ihres damaligen Partners gestanden sei. Im Weiteren sei es bei den Befragungen zu Verständigungsproblemen ge-E-5121/2019 Seite 9 kommen. Ihre Muttersprache sei Saho. Die BzP habe aber in Tigrinya statt- gefunden, wobei die Dolmetscherin zum Teil auch Amharisch gesprochen habe. Ihre Tigrinya-Kenntnisse seien, entgegen dem Vermerk im Protokoll der BzP, nicht genügend für eine Befragung, und sie hab e ausdrücklich ausgesagt, dass sie die Dolmetscherin bei der BzP , die zwischendurch auch amharische Begriffe verwendet habe, nicht richtig verstanden habe. Bei der Anhörung vom 12. Dezember 2017 sei die Übersetzung zwar in ihre Muttersprache Saho erfolgt, jedoch durch einen männlichen Dolmet- scher. Dadurch habe die Vorinstanz ihre sich aus Art. 6 Abs. 1 der Asylver- ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) ergebende Pflicht zu einer Anhörung in einer Frauenrunde verletzt. Bei der Anhörung vom 20. August 2018 sei eine weibliche Dolmetscherin eingesetzt worden, wel- che aber Tigrinya und nicht ihre Muttersprache gesprochen habe. Es wiege schwer, dass die Vorinstanz sich nicht zu den Verständigungsschwierigkei- ten in den Befragungen geäussert und sich in ihren Erwägungen auf Aus- sagen abgestützt habe, die von diesen Problemen betroffen gewesen seien. Insbesondere sei die Verwendung des Protokolls der mit Mängeln behafteten ersten Anhörung treuwidrig. Schliesslich habe das SEM sich nicht dazu geäussert, wieso ihr Geburtsjahr auf (…) festgelegt worden sei, obwohl sie mehrmal s geäussert habe, im Jahr (…) geboren zu sein . Es falle üb erdies auf, dass das SEM im August 2018 Arztberichte ein - gefordert, danach das Verfahren aber während eines Jahres nicht weiter- bearbeitet habe. In diesem Zeitraum hätten weitere Abklärungen betreffend ihren Gesundheitszustand getroffen werden müssen, welcher sich zwischenzeitlich erheblich verschlechtert habe. Eine Verletzung der Abklärungspflicht sei auch darin zu erblicken, dass ihr in der ersten Anhörung unverhältnismässig ausführliche Fragen zum Rei- seweg gestellt worden seien, obwohl dies für ihr Asylbegehren nicht rele- vant sei, sowie darin, dass in der BzP ihre Asylgründe nicht erfragt worden seien. Der Vorwurf, sie habe bestimmte Sachverhaltselemente im Rahmen dieser Befragung nicht vorgebracht, sei demnach haltlos , willkürlich und verletze den Grundsatz von Treu und Glauben. Ebenfalls eine Verletzung der Abklärungspflicht stelle dar, dass ihr Verfahren jahrelang verschleppt worden sei. Unter diesen Umständen sei der Vorhalt der Unsubstanziiert- heit ihrer Vorbringen treuwidrig und verstosse gegen den Grundsatz eines fairen Verfahrens. Diese Verfahrensmängel stellten eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, weshalb die vorinstanzliche Verfügung aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung und zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurück- gewiesen werden müsse. E-5121/2019 Seite 10 4.2.2 Die Einschätzung der Vorinstanz, ihre Vorbringen seien unglaubhaft, stelle eine Verletzung von Art. 7 AsylG dar. Es müsse berücksichtigt wer- den, dass die BzP nicht in ihrer Muttersprache erfolgt sei und die Deutsch- kenntnisse des Dolmetschers bei der ersten Anhörung man gelhaft gewe- sen seien. Die Hilfswerkvertretung habe angeführt, es könne nicht ausge- schlossen werden , dass die unzureichenden Übe rsetzungen zu Wider- sprüchen geführt hätten. Unter diesen Umständen hätte das SEM sich bei seinem Entscheid nicht auf das Anhörungsprotokoll abstützen dürfen. Es sei treuwidrig, dass das SEM sich in seiner Argumentation zur Unglaub- haftigkeit ihrer Vorbringen auf Aussagen abgestützt habe, die sie in der BzP nicht im Rahmen der Erfragung der Asylgründe, sondern in Beantwortung von Fragen betreffend ihren Schulbesuch und ihre berufliche Erfahrung ge- macht habe. Ihre Angaben betreffend die Militärdienstaufgebote würden keine en tscheidrelevanten Widerspr üche enthalten, welche sich nicht durch die genannten Verständigungsprobleme erklären liessen. Die Fra- gen 109 ff. der ersten Anhörung, auf welche die Vorin stanz in ihrer Argu- mentation verwiesen habe, sei en grösstenteils keine offenen Fragen ge- wesen. Die einzige offene Frage (F110) habe sie, ebenso wie die Fragen 114 und 115, so ausführlich beantwortet, wie es unter den gegebenen Um- ständen zu erwarten gewesen sei. Ihre Aussagen seien so detailliert und substanziiert, wie es angesichts des grossen zeitlichen Abstandes zwi- schen den Befragungen und den berichteten Ereignissen, den gesamten Umständen der Befragungen (insbesondere der Tatsache, dass die Befra- gung betreffend die ihr drohende Zwangsverheiratung nicht in einer reinen Frauenrunde stattgefunden habe ) sowie ihrer schwerw iegenden psychi- schen Probleme habe erwartet werd en können. Zudem würden ihre Aus- sagen viele Realkennzeichen enthalten. 4.2.3 Eine begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung sei zu bejahen. Im Fall einer Rückkehr nach Eritrea würde sie umgehend verhaftet, inhaf- tiert, misshand elt sowie allenfalls gar getötet oder zum Verschwinden gebracht. Da sie sich den erhaltenen Au fgeboten zum Militärdienst ent - zogen habe und ill egal ausger eist sei, wer de sie vo n den eritreischen Behörden als Dienstverweigerin und Staatsfeindin erachtet und müsse mit gezielter Verfolgung rechnen. Ein zusätzlicher Malus ergebe sich daraus, dass sie der Ethnie der Saho angehöre und Muslimin sei. Aus diesen Grün- den sei ihr Asyl zu gewähren. Zumindest müsse ihr aufgrund ihrer illegalen Ausreise die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt werden. E-5121/2019 Seite 11 4.2.4 Falls diesbezüglich nicht von einer asylrelevanten Verfolgung ausge- gangen werden sollte, müsste zwingend die Gefahr einer unmenschlichen Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK und somit die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt werden, aufgrund der drohenden Miss- handlungen wegen der Militärdienstverweigerung. Zudem würde der dro- hende Nationaldienst Art. 4 EMRK verletzen. 4.3 In ihrer ergänzenden Eingabe vom 22. Oktober 2019 hielt die Be- schwerdeführerin namentlich daran fest, dass aufgrund der schwerwiegen- den Verle tzung ihre s Akteneinsichtsrechts die angefo chtene Verfügung "zwingend" aufgehoben werden müsse. Aus den Akten betreffend die ge- gen ihren früheren Lebenspart ner eingeleitete Strafuntersuchung ergebe sich, dass sie schwere Misshandlungen erlitten habe. Die Vorinstanz habe ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie diese Dokumente nicht gewürdigt habe. Das SEM habe es auch unterlassen, den Sachver- halt in Bezug auf ihre gesundheitlichen Probleme richtig und vollständig abzuklären. In der ergänzenden Anhörung habe sie konkret und detailliert geschildert, dass ihr in Eritrea eine Zwan gsheirat drohe, falls sie nicht in den Militärdienst einrücken würde. Sie habe übereinstimmend die zentrale Rolle des Dorf -Verwalters geschildert sowie dessen Gespräch mit ihrem Vater über den ihr drohenden Militärdienst. Zudem habe sie glaubhaft dar- gelegt, dass sie vom ersten Aufgebot erst nach dem Erhalt des zweiten erfahren habe. Die Frage nach dem zeitlichen Abstand zwischen den bei- den Aufgeboten sei demnach absurd gewesen und habe die Abklärungs- pflicht sowie das Willkürverbot verletzt. Ihre Angaben betreffend den Erhalt der beiden Aufgebote seien nicht widersprüchlich. I m Rahmen der ersten Anhörung sei sie nicht konkret danach gefragt worden, wann sie das erste Aufgebot zum ersten Mal gesehen habe. Aus ihren Aussagen in dieser Be- fragung gehe eindeutig hervor, dass sie die Bedeutung der Vorladungen in der Retrospektive geschildert habe. Massgeblich sei jedenfalls, dass ihre Mutter sie nicht habe in den Militärdienst schicken wollen, bevor ihr Vater nach Hause zurückgekehrt sei und das zweite Aufgebot zu jener Zeit ein- getroffen sei, als er zurü ckgekommen sei. Sie habe ihre Kernvorbringen durchwegs übereinstimmend geschildert. E-5121/2019 Seite 12 5. In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die vorab zu beurteilen sind. 5.1 Auf Aufforderung des Instruktionsrichters mit Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2019 hin gewährte das SEM der Beschwerdeführerin mit Ver- fügung vom 15. Oktober 2019 Einsicht in die Aktenstücke A3/2, A19/31, A20/48, A27 (S. 19) und A35/16. Die Beschwerdeführerin äusserte sich in der Eingabe vom 22. Oktober 2019 zu diesen Aktenstücken. Eine allfällige Verletzung des Akteneinsichtsrechts durch die unterlassene Offenlegung dieser Dokumente seitens der Vorinstanz kann demnach als geheilt erach- tet werden. Die Rüge, das SEM habe das Akteneinsichtsrecht verletzt, in- dem es die Aktenstücke A6/1, A38/1 und A39/1 nicht offengelegt habe, ist unbegründet; es kann hierzu auf die Ausführungen in der Zwischenverfü- gung vom 10. Oktober 2019 verwiesen werden. Der Antrag der Beschwer- deführerin, die vorinstanzliche Verfügung sei wegen Verletzung des Akten- einsichtsrechts aufzuheben, ist demnach abzuweisen. 5.2 5.2.1 Im Verwaltungsverfahren und insbesondere im Asylverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz, das heisst die Behörde stellt den rechtserhebli - chen Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG; vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Für das erstinstanzliche Asylverfahren bedeutet dies, dass das SEM zur richtigen und vollständigen Ermittlung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts verpflich tet ist und auch nach allen Elementen zu forschen hat, die zugunsten der asylsuchen- den Person sprechen. Der Untersuchungsgrundsatz gilt nicht uneinge- schränkt, zumal er sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchen- den findet (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG; vgl. CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2008, Art. 12 Rz. 8; BVGE 2012/21 E. 5.1). Die entscheidende Behörde darf sich trotz des Untersuchungsgrundsatzes in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen einer asylsuchenden Per- son zu würdigen und die von ihr angebotenen Beweise abzunehmen, ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen. Nach Lehre und Praxis be- steht eine Notwendigkeit für über die Befragung hinausgehende Abklärun- gen insbesondere dann, wenn aufgrund der Vorbringen der asylsuchenden Person und der von ihr eingereichten oder angebotenen Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbestehen, die voraus- sichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1 S. 734 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 23 E. 5a). E-5121/2019 Seite 13 5.2.2 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niedersc hlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheids muss so abgefasst sein, dass der Be- troffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der von der Verfügung Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. Die verfügende Behörde kann sich auf die wesentlichen Gesichts- punkte beschränken, hat aber wenigstens kurz die Überlegungen anzufüh- ren, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ih ren Entscheid ab- stützte. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungs- gegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffe- nen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In- teressen des Betroffenen eine sorgfältige Begründung verlangt wird. Indes- sen ist nicht erforderlich, dass die Behörde sich in der Begründung mit je- der tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand einläss- lich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wider- legt (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER / RAMONA PEDRETTI, in: Auer/Müller/Schind- ler [Hrsg.], a.a.O., Art. 35 Rz. 7 ff.; BGE 136 I 184 E. 2.2.1, BVGE 2013/34 E. 4.1, 2008/47 E. 3.2 und 2007/30 E. 5.6). 5.2.3 Der Grundsatz von Treu und Glauben in Art. 9 BV gebietet ein ver- trauenswürdiges, widerspruchsfreies Verhalten der Behörden gegenüber den Einzelnen im Rechtsverkehr (vgl. HÄFELIN/HALLER/KELLER/THURNHERR, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 9. Aufl., 2016, N 818 f.). Das eben- falls in Art. 9 BV verankerte Willkürverbot ist n ur dann verletzt, wenn ein Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in kla- rem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechts- grundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsge- danken zuwiderläuft (vgl. a.a.O. N 811 f.; BGE 133 I 149 E. 3.1, m.w.H.). 5.3 Nach Auffassung des Gerichts hat die Vorinstanz diesen Anforderun- gen im vorliegenden Verfahren Genüge getan. 5.3.1 Das SEM hat sich in der angefochtenen Verfügung mit den wesentli- chen Vorbringen de r Beschwerdeführerin und den von ih r eingereichten Beweismitteln in erforderlichem Umfang und genügender Differenziertheit auseinandergesetzt und in nachvollziehbarer Weise die Überlegungen ge- nannt, welche seinem Entscheid zugrunde lagen. Im Umstand, dass die E-5121/2019 Seite 14 Vorinstanz nicht sämtliche Elemente der Sachverhaltsvorbringen der Be- schwerdeführerin ausdrücklich würdigte, ist keine Gehörsverletzung zu er- blicken. 5.3.2 Soweit beanstandet wird, die BzP und die ergänzende Anhörung der Beschwerdeführerin hätten nicht in ihrer Muttersprache stattgefunden, so- wie dass bei der ersten Anhörung ein männlicher Dolmetscher mit mangel- haften Deutschkenntnissen eingesetzt worden sei, ist Folgendes festzu- stellen: 5.3.2.1 Die Beschwerdeführerin gab bei der BzP zu Protokoll, sie beherr- sche Tigrinya genügend für eine Anhörung ( vgl. Akten SEM A4 S. 4). Zu- dem gab sie zu Beginn und am Ende dieser Befragung ausdrücklich an, die Dolmetscherin sehr gut zu verstehen und bestätigte unte rschriftlich, dass das Befragungsprotokoll ihr in die ihr verständliche Sprache Tigrinya rückübersetzt worden sei (a.a.O. S. 2 und 8). Die von ihr in der Folge er- hobene Behauptung, die Dolmetscherin habe bei der BzP zum Teil respek- tive mei stens a mharisch gesprochen , muss demnach als offensichtlich haltlos zurückgewiesen werden. Die erste Anhöru ng vom 12. Dezember 2017 fand in der Muttersprache der Beschw erdeführerin statt (Saho). Angesichts dessen, dass sie in der BzP explizit erklärt hatte, sie habe keine Asylvorbringen, die sie nur in einer Frauenrunde vorbringen möchte (vgl. Akten SEM A4 S. 7), ist nicht zu beanstanden, d ass ein männlicher Dol- metscher eingesetzt wurde . Ausserdem fand die ergänzende Anhörung vom 30. August 2018 in einer reinen Frauenrunde statt, so dass die Beschwerdeführerin Gelegenheit hatte, allfällige wei tere geschlechts - spezifische Nachteile darzutun. Die Hilfswerkvertretung bei der ersten Anhörung wies in ihren Bemerkungen darauf hin, die Übersetzungen des Dolmetschers seien wegen dessen mangelhaften Deutschkenntnissen teils schwer verständlich gewesen , und es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es dadurch zu Widersprüchen gekommen sei. Dem Protokoll sind indessen keine konkreten Anhaltspunkte für erhebliche Verständi- gungsschwierigkeiten zu entnehmen, weshalb es sich nicht rechtfertigt, dieses integral aus dem Recht zu weisen. Von einer unvollständigen Sach- verhaltsabklärung ist auch deshalb nicht auszugehen, weil in der Folge am 30. August 2018 eine weitere Anhörung der Beschwerdeführerin durchge- führt wurde, in welcher sie erneut zu ihren Asylgründen befragt wurde. Die Frage, ob die Vorinstanz bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit der Asyl- vorbringen mögliche Ungenauigkeiten der Übersetzungen durch den bei der ersten Anhörung eingesetzten Dolmetscher gebührend berücksichtigt E-5121/2019 Seite 15 hat, betrifft nicht das rech tliche Gehör oder die Erstellung des Sachver- halts, sondern ist eine Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, bei welcher es um die materielle Entscheidung über die vorgebrachten Asyl- gründe geht. Dass die Befragung vom 30. August 2018 in der Sprache Tigrinya stattfand, ist nicht zu beanstanden . Die Beschwerdeführerin be- stätigte bei dieser Gelegenheit erneut, dass sie diese Sprache spreche, sowie dass ihr das Anhörungsprotokoll in eine ihr verständliche Sprache übersetzt worden sei (vgl. Akten SEM A35 F2 und S. 15). Überdies sind dem Anhörungsprotokoll keinerlei Hinweise auf sprachliche Verständnis- schwierigkeiten zu entnehmen; die Hilfswerksvertretung vermerkte eben- falls keine entsprechenden Beobachtungen. 5.3.2.2 Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass der Beschwer- deführerin im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahren in rechtsgenüglicher Weise die Möglichkeit gewährt wurde, ihre Asylgründe vollständig vorzu- bringen. 5.3.3 Der Umstand, dass in der BzP auf eine explizite Erfragung der Asyl- gründe verzichtet wurde, stellt keinen grundsätzlichen Mangel dieser Be- fragung dar. Eine Verletzung der Abklärungspflicht ist in diesem Zusam- menhang schon deshalb zu verneinen, weil der Beschwerdeführerin in den folgenden beid en Anhörungen hinreichend Gelegenheit geboten wurde , die Gründe für ihr Asylgesuch darzulegen. Im Übrigen machte sie im Rahmen der betreffend ihre Schul- und Berufsbildung gestellten Fragen Angaben zu den Gründen für ihre Ausreise aus dem Heimatstaat (vgl. Ak- ten SEM A4 S. 4 Ziff. 1.17.04). Angesichts dessen, dass sie die Richtigkeit dieser Aussagen unterschriftlich bestätigt hat, widerspricht es weder dem Grundsatz von Treu und Glauben noch dem Willkürverbot, diese bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Asylvorbringen mitzuberücksichtigen. Die diesbezüglichen Rügen der Beschwerdeführerin erweisen sich als un- begründet. 5.3.4 Die Frage einer allfälligen Verletzung des rechtlichen Gehörs respek- tive des Willkürverbots dadurch, dass in der angef ochtenen Verfügung nicht alle zu den Akten gereichten Arztberichte ausdrücklich erwähnt und im erstinstanzlichen Verfahren keine weiter en Abklärungen in Bezug a uf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin vorgenommen – insbe- sondere die im Arztzeugnis von Dr. med. H._______ vom 12. September 2018 erwähnten weiteren Arztberichte nicht eingeholt und gewürdigt – wur- den, stellt sich nicht mehr, weil das SEM der Beschwerdeführerin wieder- erwägungsweise die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des E-5121/2019 Seite 16 Wegweisungsvollzugs gewährte. Den gesundheitlichen Problemen kommt im Rahm en der vorli egend zu prüfenden Frage der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft sowie der Asylgewährung keine Relevanz zu. 5.3.5 Der Vorwurf, die Vorinstanz habe die von der Beschwerdeführerin ge- äusserte Befürchtung einer Zwangsheirat nicht gewürdigt, erweist sich als unberechtigt. Die entsprechenden Vorbringen wurden in der angefochte- nen Verfügung sowohl im Sachverhalt als auch im Rahmen der Entscheid- begründung erwähnt und gewürdigt (vgl. Entscheid des SEM vom 29. Au- gust 2019 S. 3 f.). 5.3.6 Darin, dass die Vorinstanz sich in der angefochtenen Verfügung nicht ausdrücklich mit der Behaup tung der Besch werdeführerin, ihr Alter sei falsch aufgenommen worden, auseinandersetzte, ist keine Verletzung von Verfahrensrechten zu erblicken. Auch die Frage ob ihr Alter korrekt erfasst wurde, ist für den Ausgang des vorliegenden Verfahrens nicht relevant, zumal unbestritten ist, dass sie im Zeitpunkt der Einreichung ihres Asyl - gesuchs volljährig war. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Vor - instanz das im ZEMIS erfasste Geburtsdatum der Beschwerdeführerin ent- sprechend ihren Angaben angepasst hat. 5.3.7 Unbegründet ist auch der Vorwurf der Verletzung des rechtlichen Ge- hörs durch die unterlassene Würdigung der Akten der gegen den früheren Lebenspartner der Beschwerdeführerin eingeleiteten Strafuntersuchungen wegen Misshandlungen, da allfällige in einem Drittstaat erlittene Nachteile keine Asylrelevanz entfalten (vgl. Art. 3 AsylG). 5.3.8 Soweit die Beschwerdeführerin eine "Verschleppung" ihres Verfah- rens rüg t, namentlich unter Hinweis auf den grossen zeitlichen Abstand zwischen der BzP und den Anhörungen , ist festzustellen, dass es keine zwingende, mit Rechtsfolgen versehene gesetzliche Verpflichtung des SEM gibt, die Anhörung zu den Asylgründen innerhalb eines gewissen Zeit- raums nach der BzP durchzuführen. Eine Dauer von zwei Jahren zwischen der Einreichung des Asylgesuchs und der Anhörung stellt praxisgemäss keine Verletzung der Abklärungspflicht dar (vgl. Urteil BVGer D-7000/2018 vom 11. August 2020 E. 3.6 mit weiteren Hinweisen). 5.3.9 Schliesslich ist auch eine Verletzung der Abklärungspflicht durch den Umfang der zum Reiseweg gestellten Fragen nicht erkennbar. E-5121/2019 Seite 17 5.3.10 Ebenso unbegründet ist der Vorwurf einer Verletzung der Abklä- rungspflicht sowie des Willkürverbots durch die der Beschwerdeführerin in der ergänzenden Anhörung gestellten Frage nach dem zeitlichen Abstand zwischen den beiden Militärdienstaufgeboten , zumal sie schon in der ersten Anhörung Angaben zum Zeitpunkt des Erhalts dieser Dokumente gemacht hatte. Ob es gerechtfertigt ist, der Beschwerdeführerin die Wider- sprüche in ihren diesbezüglichen Angaben vorzuhalten, ist wiederum keine verfahrensrechtliche Frage, sondern betrifft die materielle Prüfung ihrer Asylvorbringen. 5.3.11 Das Gleiche trifft auch auf die Frage zu, ob es angesichts der Ver- fahrensdauer legitim ist, der Beschwerdeführerin eine mangelnde Substan- ziiertheit ihrer Asylvorbringen vorzuwerfen. 5.3.12 5.3.12.1 Die Aktenführungspflicht – sie beinhaltet insbesondere die über- sichtlich geordnete Ablage, Paginierung und Registrierun g der vollständi- gen Akten im Aktenverzeichnis – ergibt sich aus dem Akteneinsichtsrecht der Beschwerdeführe rin (vgl. dazu ausführlich BVGE 2011/37 E. 5.4.1). Der Anspruch auf Akteneinsicht setzt eine geordnete, übersichtliche und vollständige Aktenführung voraus (vgl. GEROLD STEINMANN, in: St. Galler Kommentar zur BV, 3. Aufl. 2014, Art. 29 N. 42 ff. m.w.H.; BGE 137 II 266 E. 3.2, 136 I 229 E. 5.2, 135 I 279 E. 2.3, 135 II 286 E. 5.1; Urteil des BGer 8C_319/2010 vom 15. Dezember 2010 E. 2.2; BVGE 2012/24 E. 3.2 und 2011/37 E. 5.4.1, je m.w.H.). 5.3.12.2 Dass die Vorinstanz die im erstinstanzlichen Verfahren einge- reichten Arztberichte nicht in einem Beweismittelumschlag in die Akten auf- nahm und diese nicht einzeln aufführte, entspricht zwar nicht dem Gebot einer transparenten Aktenführung. Dieses formelle Versäumnis ist aber als geringfügig zu erachten , zumal der Beschwerdeführerin hieraus kein Rechtsnachteil erwuchs; es vermag eine Kassation der vorins tanzlichen Verfügung nicht zu rechtfertigen. 5.4 Nach dem Gesagten ist der Hauptantrag de r Beschwerdeführerin, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, abzuweisen. E-5121/2019 Seite 18 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). Ebenfalls keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei der Gesetzgeber auch hier die Einhaltung der FK vorbehält (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 7. 7.1 Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea unverhältnismäs- sig streng bestraft. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweige- rung oder Desertion ist praxisgemäss dann begründet, wenn die betroffene Person in einem konkreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein sol- cher Kontakt ist regelmässig anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven Dienst stand und desertierte. Darüber hinaus ist jeglicher Kontakt zu den Behörden relevant, aus dem erkennbar w ird, dass die betroffene Person rekrutiert werden sollte (z.B. Erhalt eines Marschbefehls). In diesen E-5121/2019 Seite 19 Fällen droht grundsätzlich nicht allein eine Haftstrafe, sondern eine Inhaf- tierung unter unmenschlichen Bedingungen und Folter, wobei Deserteure regelmässig der Willkür ihrer Vorgesetzten ausgesetzt sind. Die Desertion wird von den eritreischen Behörden als Ausdruck der Regimefeindlichkeit aufgefasst. Demzufolge sind Personen, die begründete Furcht haben einer solchen Bestrafung ausgesetzt zu werden, als Fl üchtlinge im Sinn von Art. 1A Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 3 Abs. 1–3 AsylG anzuerkennen (vgl. zum Ganzen EMARK 2006 Nr. 3; bestätigt im Urteil des BVGer E-1740/2016 vom 9. Februar 2018 E. 5.1). 7.2 7.2.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, nicht der inneren Logik entbehren und nicht den Tat- sachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind substanziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilde- rungen stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer Anhörung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Wider- sprüche sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in die Gesamtbetrachtung einfl iessen, jedoch nicht die alleinige Be- gründung für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hin- aus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen un- terdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mit- wirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.; ANNE KNEER und LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundes - verwaltungsgerichts, in: ASYL 2015/2 S. 5). E-5121/2019 Seite 20 7.2.2 Aussagewidersprüche zwischen den Protokollen der summarischen ersten Befragung und der einlässlichen Anhörung dürfen für die Beurtei- lung der Glaubhaftigkeit herangezogen werden, wenn klare Angaben bei der Befragung zur Person in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von späteren Aussagen in der Anhörung zu den Asylgründen diametral ab- weichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits in der Emp- fangsstelle zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. EMARK 1993 Nr. 3). 7.3 Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze der Glaubhaftigkeitsprüfung gelangt das Gericht zum Schluss, dass die Vorinstanz zu Recht und mit zutreffender Begründung den von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Vorfluchtgründen die Glaubhaftigkeit abgesprochen hat. 7.3.1 In der BzP gab sie ausdrücklich zu Protokoll, sie habe kein Aufgebot für den Militärdienst erhalten, und es habe abgesehen von einem Gespräch zwischen ihrem Vater und dem Verwalter keine Kontakte zu den Behörden gegeben (vgl. Akten SEM A4 S. 4). Ihre Ausführungen im Rahmen der bei- den Anhörungen, wonach sie zwei schriftliche Aufgebote für den Militär- dienst erhalten habe, stehen dazu in klarem Widerspruch, was als erhebli- ches Indiz für deren Unglaubhaftigkeit zu bewerten ist. 7.3.2 Diese Zweifel werden durch weitere Divergenzen in den Aussagen der Beschwerdeführerin verstärkt: In der ersten Anhörung gab sie an, die Militärdienstaufgebote im Juni beziehungsweise Juli 2014 im Abstand von zwei Wochen erhalten zu haben (vgl. Akten SEM A27 S. 10 F94 ff.), wäh- rend sie in der zweiten Anhörung aussagte, die beiden Aufgebote seien ihr im Abstand von drei Monaten zugestellt worden (vgl. Akten SEM A35 S. 10 F64). Ihre Erklärung auf Vorhalt dieses Widerspruchs, sie habe nicht ge- wusst, wann das erste Aufgebot eingetroffen sei, weil ihre Mutter sie von diesem erst nach dem Eintreffen des zweiten in Kenntnis gesetzt habe (vgl. Akten SEM A35 S. 11 F77) ist als unbehelfliche Schutzbehauptung zu be- werten: In der ersten Anhörung nannte sie den Zeitpunkt des Erhalts des ersten Aufgebots; zudem lassen ihre damaligen Aussagen darauf schlies- sen, dass sie vom ersten Aufgebot bereits vor Eintreffen des zweiten Kenntnis hatte (vgl. Akten SEM A27 S. 10 F94 ff.). Zudem erscheint das angebliche Verschweigen des ersten Aufgebots durch die Mutter ange- sichts der möglichen Konsequenzen einer Nichtbefolgung für die Tochter nicht plausibel. E-5121/2019 Seite 21 7.3.3 Widersprüchliche Angaben machte die Beschwerdeführerin im Wei- teren auch zur Abfolge der Ereign isse nach dem angeblichen Erhalt der beiden Militärdienstaufgebote. Ihre Schilderungen in der ersten Anhörung lassen darauf schliessen, dass sie nach Erhalt des zweiten Aufgebots und der Rückke hr ihres Vaters ein Gespräch mit diesem betreffend die ihr offenstehenden Möglichkeiten führte und sich danach zu ihrer Tante begab (vgl. Akten SEM A27 S. 10 f. F103 ff.). Im Gegensatz dazu gab sie bei der ergänzenden Anhörung an, sie sei zu ihrer Tante gegangen, bevor ihr Vater nach Hause gekommen sei. Er habe sie bei der Tante aufgesucht, jedoch habe kein Gespräch zwischen ihnen stattgefunden (vgl. Akten SEM A35 S. 11 F73 ff.). 7.3.4 Es handelt sich hierbei um erhebliche Divergenzen in der Darstellung wesentlicher Sachverhaltselemente, die sich weder durch allfällige Unge- nauigkeiten der Übersetzung en in der ersten An hörung noch durch den zeitlichen Abstand zwischen den geschilderten Ereignissen und den Befra- gungen erklären lassen. Bei dieser Ausgangslage kann offenbleiben, ob der weitere Vorwurf der Vorinstanz, die Schilderungen der Beschwerdefüh- rerin betreffend die Militärdienstaufgebote seien oberflächlich und unsub- stanziiert, gerechtfertigt ist. 7.4 Nach dem Gesagten ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, ei- nen konkreten Kontakt zu den eritreischen Militärbehörden glaubhaft zu machen. 7.5 Die in der Beschwerde erhobene Behauptung, der Beschwerdeführerin habe in ihrer Hei mat eine Zwang sheirat gedroht, wird durch ihre wider- sprüchlichen und vagen Angaben zu den diesbezüglichen Gesprächen mit ihren Eltern stark relativiert. Jed enfalls ergeben sich aus den Akten keine stichhaltigen Anhaltspunkte dafür, dass je eine konkrete Absicht bestand, sie zwangsweise zu verheiraten. 7.6 Zusammenfassend liegen keine glaubhaften Anhaltspunkte für eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung der Beschwerdeführerin im Zeit- punkt ihrer Ausreise aus Eritrea vor. 8. 8.1 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin we- gen ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea – mithin wegen subjektiver Nach- fluchtgründe – bei einer Rückkehr dorthin befürchten müsste, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. E-5121/2019 Seite 22 8.2 Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden aber als Flüchtlinge vorläufig aufgenom- men (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H.). Als subjektive Nach- fluchtgründe gelten insbesondere das illegale Verlassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht), das Einreichen eines Asylg esuchs im Ausland oder exilpolitische Betätigungen, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfol- gung begründen. Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer wegen illegaler Ausreise Sanktionen des Heimatstaates befürchten muss, die bezüglich ihrer Inten sität ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen (vgl. BVGE 2009/29). 8.3 8.3.1 Gemäss langjähriger früherer Praxis der schweizerischen Asylbehör- den begründete bereits eine (glaubhaft gemachte) illegale Ausreise aus Eritrea ohne Weiteres die Flüchtlingseigenschaft. 8.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht befasste sich im Rahmen des Refe- renzurteils D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 mit der Frage, ob Eritreer - innen und Eritreer, die ihr Land illegal verlassen h aben, allein deswegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben. Das Gericht kam da- bei zum Schluss, dass sich die bisherige Praxis nicht mehr aufrechterhal- ten lasse und vom SEM zwischenzeitlich zu Recht angepasst worden sei. Für die Entscheidfindung des Gerichts war auch die Tatsache von Bedeu- tung, dass damals Personen aus der eritreischen Diaspora für kurze Auf- enthalte in ihren Heimatstaat zurückkehrten und sich unter ihnen auch Per- sonen befanden, die Eritrea zuvor illegal verlassen hatten. Es ist mithin nicht mehr davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer un- erlaubten Ausreise aus Eritrea eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfol- gung droht. Von der begründeten Furcht vor intensiven und flüchtlings- rechtlich begründeten Nachteilen ist nur dann auszugehen, wenn zur ille- galen Ausreise weitere Faktoren hinzukommen, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person er- scheinen lassen (vgl. a.a.O., E. 5). 8.4 Vorliegend gehen aus den Akten keine solchen Gefährdungsfaktoren hervor. Es wurden – wie vorstehend ausgeführt – keine asylrechtlich rele- vanten Vorfluchtgründe glaubhaft gemacht. Zudem sind auch keine ande- ren Anknüpfungspunkte ersichtlich, welche die Beschwerdeführerin in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten. Namentlich besteht kein Grund zur Annahme, dass sich für sie E-5121/2019 Seite 23 ein relevanter Malus aus ihrer Zugehörigkeit zur Ethnie der Saho respek- tive ihrer muslimischen Glaubenszugehörigkeit ergeben könnte. Aus die- sen Gründen ist der von der Beschwerdeführerin vorgebrachten illegalen Ausreise aus ihrem Heimatstaat praxisgemäss keine flüchtlingsrechtliche Relevanz beizumessen. 8.5 Gemäss dem zitierten Referenzurteil ebenfalls nicht asylrelevant ist die Möglichkeit einer Einziehung in den Nationaldienst nach der Rückkehr ei- nes Asylsuchenden nach Eritrea, da es sich dabei nicht um eine Mass- nahme handelt, die aus asylrechtlich relevanten Motiven erfolgt. Ob eine drohende Einziehung in den Nationaldienst unter dem Aspekt von Art. 3 EMRK oder des Verbots der Sklaverei und der Zwangsarbeit gemäss Art. 4 EMRK relevant sein könnte, betrifft die Frage der Zulässigkeit beziehungs- weise Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. das Referenzurteil D-7898/2015, a.a.O., E. 5.1); di ese stellt sich vorliegend angesichts der vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführerin nicht mehr. 9. Zusammenfassend ist es der Beschwerdeführerin somit nicht gelungen, eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinn von Art. 3 AsylG beziehungs- weise Art. 54 AsylG darzutun. Das SEM hat folglich zu Recht ihre Flücht- lingseigenschaft verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt. 10. 10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 10.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine aus- länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er- teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10.3 Da das SEM in seiner Verfügung vom 14. November 2019 widererwä- gungsweise die vorläufige Auf nahme der Beschwerdeführerin in der Schweiz angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. E-5121/2019 Seite 24 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist. 12. Die Hauptbegehren der Beschwerdeführerin auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz waren unbegründet. Sie ist auch bezüglich ihrer Eventu- alanträge auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, der Asylgewährung und der Aufhebung der Wegweisung unterlegen. Bezüglich der Anordnung des Wegweisungsvollzugs hat sich die Vorinstanz ihrem subeventualiter gestellten Rechts-begehren hingegen wiedererwägungsweise unterzogen. Praxisgemäss ist bei dieser Ausgangslage von einem hälftigen (faktischen) Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen. 13. Beim geschilderten Ausgang des Verfahrens wären der Beschwerde - führerin demnach die hälftigen Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2019 ihr Gesuch um unentgeltliche Pro zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich ihre finanzielle Lage seither entscheidrelevant verändert hätte, ist auf die Auflage von Verfahrenskosten zu verzichten. 14. 14.1 Im Umfang des Obsiegens ist der Beschwerdeführerin eine angemes- sene Parteientschädigung gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG für die ihr aus der Beschwerdeführung erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen (Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 14.2 Der Rechtsbeistand des Beschwerdeführers hat keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die reduzierte Parteientschädigung von Amtes wegen aufgrund der Akten festzulegen ist (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In Würdi- gung der gesamten Aktenlage ist die reduzierte Parteientschädigung – unter Berücksichtigung des geringen notwendigen Vertretungsaufwands im Zusammenhang mit der Akteneinsicht – auf insgesamt Fr. 1000.– (inkl. anteilmässige Auslagen und Mehrwertsteueranteil) festzusetzen. E-5121/2019 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht gegenstandslos gewor- den ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine anteilmässige Parteientschädigung von Fr. 1000.– auszurichten 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: