Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. April 2018 (720 17 298 / 105) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Gegenüberstellung von zwei versicherungsinternen medizinischen Beurteilungen sowie deren Würdigung in beweisrechtlicher Hinsicht; Berechnung des Validen- sowie des In- valideneinkommens; leidensbedingter Abzug aufgrund des Beschäftigungsgrads bei Männern Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Nikolaus Tamm , Advokat , Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ arbeitet seit dem 1. Februar 2002 bei der B.____ und ist aufgrund dieses Ar- beitsverhältnisses bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Im Jahr 2004 stürzte er bei der Ausübung sei- nes Hobbys ab und zog sich eine Fraktur des 1. Lend enwirbelkörpers zu. Seither leidet er unter Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht einem Konus-Syndrom mit sensomotorisch inkompletter Para plegie unterhalb des 12. Brustwir- bels. Die Suva erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen, kam namentlich für die Heil- kosten auf und richtete Taggelder aus. Am 25. April 20 05 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Mit Ve rfügung vom 9. August 2005 lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) den Anspruch auf eine Invalidenrente ab. In der Be- gründung wurde ausgeführt, dass der Versicherte seine a ngestammte Tätigkeit ab dem 7. Juli 2005 wieder zu 100 % aufgenommen habe. Da nach Ablauf des Wartejahres am 16. Juli 2005 keine Arbeitsunfähigkeit mehr vorgelegen habe, bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Mit Gesuch vom 8. Dezember 2015 meldete sich A.____ unter Hinweis auf die inkomplette Pa- raplegie erneut zum Leistungsbezug bei der IV an. Mit Verfügung vom 5. Januar 2017 sprach ihm die Suva ab dem 1. Januar 2017 eine 53 %-ige Inva lidenrente zu. Die IV-Stelle ihrerseits ermittelte namentlich gestützt auf die medizinischen Un terlagen der Suva mit Verfügung vom 4. August 2017 einen Invaliditätsgrad von 35 % und verne inte den Rentenanspruch. Zur Be- gründung wurde im Wesentlichen angeführt, dass die Ar beit als Linienbusfahrer keine optimal angepasste Tätigkeit sei. In einer optimal angepassten Tätigkeit sei der Versicherte noch zu 80 % arbeitsfähig, so dass ein Invaliditätsgrad von 35 % resultiere. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durc h Advokat Nikolaus Tamm, mit Eingabe vom 14. September 2017 Beschwerde beim Kanton sgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) und liess u nter o/e-Kostenfolge beantragen, es sei ihm in Aufhebung der angefochtenen Verfügung min destens eine halbe Invalidenrente zu- zusprechen. Zur Begründung liess er im Wesentlichen vorbr ingen, dass die Beschwerdegegne- rin das Valideneinkommen falsch berechnet habe. Anders a ls die Suva habe die Beschwerde- gegnerin die Zulagen für Schicht-, Nacht- und Sonntag sarbeit sowie den 13. Monatslohn nicht berücksichtigt. Er würde ohne Gesundheitsschaden weiterh in als Tram- und Buschauffeur ar- beiten und wäre daher noch eine Lohnklasse höher eingest uft, weshalb von einem Validenein- kommen von jährlich Fr. 92‘726.25 auszugehen sei. Was di e Restarbeitsfähigkeit angehe, so sei der Suva-Kreisarzt zum Schluss gekommen, dass er noch in einem Umfang von 50 % als Buschauffeur arbeiten könne. Der Regionale ärztliche D ienst der Beschwerdegegnerin (RAD) stelle sich hingegen auf den Standpunkt, dass die Tätigke it als Chauffeur nicht optimal ange- passt sei und dass in einer entsprechend angepassten Tätigke it eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bestehe. Obwohl der RAD-Arzt die abweichende Einschätzung der Suva erwähne, setze er sich damit nicht in qualifizierter Weise auseinander. Den umfassenden Abklärungen der Suva kom- me ein höherer Beweiswert zu als der blossen Aktenbeurte ilung des RAD. Die von der Suva anerkannte notwendige zeitliche Reduktion des Arbeitspensums auf 50 % sei aus paraplegiolo- gischen Gründen erforderlich und betreffe auch jede Ver weistätigkeit. Das Invalideneinkommen belaufe sich gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) daher auf Fr. 31‘660.--, womit sogar ein Invaliditätsgrad von 66 % resultiere. Auf alle Fäl- le gäbe es keinen nachvollziehbaren Grund, von der Zum utbarkeitsbeurteilung und vom Ein- kommensvergleich der Suva abzuweichen, so dass zumindest ein e halbe Invalidenrente zuzu- sprechen sei. C. Mit Vernehmlassung vom 30. November 2017 beantragt e die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. In der Folge zog das Kantonsgericht die Verfahrensa kten der Suva bei. Die Parteien verzichteten auf eine weitere Stellungnahme. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 14. September 2017 ist demna ch einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegner in das Leistungsbegehren des Be- schwerdeführers zu Recht ablehnte. Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf die med izinischen Unterlagen der Suva. Wäh- rend die Suva in ihrer inzwischen rechtskräftigen Verfü gung für die Invaliditätsbemessung von der Restarbeitsfähigkeit als Buschauffeur ausging und a usgehend von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % einen Invaliditätsgrad von 52.5 % ermittelte, ging die Beschwerdegegnerin von einer Restarbeitsfähigkeit von 80 % in einer Verweistätigkeit aus und gelangte so zu einem Invalidi- tätsgrad von unter 40 %. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der ge sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arb eitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.3 Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass Art. 43 A bs. 1 ATSG die Sachverhaltsab- klärung von Amtes wegen statuiert, wobei es im Ermessen de s Versicherungsträgers liegt, dar- über zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolge n hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmäs- sigkeit von medizinischen Erhebungen zu. Es obliegt aber ihm, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla ge. Gestützt auf den Untersu- chungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zu- mindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 138 V 218 E. 6) entschieden werden kann. 5.1 Zwischen den Parteien ist die Höhe der Restarbeits fähigkeit des Beschwerdeführers umstritten. Zur Beurteilung dieser Frage liegen die folgenden wesentlichen medizinischen Be- richte bei den Akten: 5.2 Die Ärzte der Klinik C.____, Klinik für Neurorehab ilitation und Paraplegiologie, halten im Arztbericht über die ambulante paraplegiologische S tandortbestimmung und Jahreskontrolle nach ICF vom 15. März 2016 fest, dass bei verschlechtertem Gesundheitszustand aktuell im Rahmen der bisherigen Arbeitstätigkeit ein Maximalpensum von 50 % zumutbar sei. 5.3 Dr. med. D.____, Innere Medizin FMH und Hausarzt des Beschwerdeführers, führt im Arztbericht vom 19. Mai 2016 aus, dass der Patient an ein er inkompletten Paraplegie unterhalb des Brustwirbels Th 11, an einer neurogenen Blasenstörung mit Selbstkatheterisieren und einer depressiven Reaktion leide. In den Jahren 2014 und 2015 seien aufgrund von Harnwegsinfekti- onen mit polysensiblen E. coli Bakterien multiple Hospit alisationen erfolgt. Zwischen 26. November 2015 bis 28. Februar 2016 habe als Buscha uffeur eine 100 %-ige Arbeitsunfä- higkeit bestanden, seit 29. Februar 2016 könne eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert wer- den. Die bisherige Tätigkeit sei noch zumutbar, allerdings in einem 50 %-igen Pensum. 5.4 Dr. med. E.____, Facharzt für Chirurgie FMH und Kreisarzt der Suva, untersuchte den Beschwerdeführer am 4. Oktober 2016 persönlich. Im gle ichentags erstellten Bericht diagnosti- ziert er einen Status nach LWK 1-Trümmerfraktur infolge eines Gleitschirmabsturzes am 16. Juli 2004, einen Status nach operativer Stabilisierung der LWS am 16. Juli 2004, einen Status nach Revisionsoperation am 21. Juli 2004, einen Status nach Implantation eines Rückenmarkstimula- tors am 20. August 2012 sowie einen Status nach Entfer nung des Rückenmarkstimulators bei Funktionsverlust und Neueinlage eines Hochfrequenzstimulators am 14. September 2015. Post- traumatisch bestehe eine inkomplette Paraplegie ASIA D oberhalb des Niveaus L2. Das Gang- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht bild sei unauffällig, auch komplizierte Gangarten seien problemlos möglich, die Wirbelsäulen- funktion sei aber in allen Ebenen leicht bis mässig ei ngeschränkt. Es bestünden Sensibilitäts- störungen am linken Bein, dorsal vom Gesäss her bis zum Fu ss im Rahmen der inkompletten Paraplegie. Ferner bestünden unveränderte Blasen-, Da rm- und Sexualfunktionsstörungen ebenfalls aufgrund der inkompletten Paraplegie. Anamn estisch würden in letzter Zeit gehäufte schwere Blasenentzündungen auftreten. Nach der Rehabil itation habe der Versicherte seine Tätigkeit als Tramfahrer wieder zu 100 % aufgenommen. Wegen der neuropathischen Schmer- zen im linken Fuss sei anfänglich eine Akupunkturbehandlung als Schmerztherapie erfolgt, wel- che dann nach einer gewissen Zeit sistiert worden sei. Mi t der Zeit habe der Versicherte von seiner Tätigkeit als Tramchauffeur zu einer Tätigkeit al s Buschauffeur gewechselt; dies sei durch eine bessere Einstellbarkeit der Führersitze im B us und einem besseren Platzangebot begründet gewesen. In den Führerkabinen des Trams habe der Versicherte vermehrte Rücken- beschwerden wegen schlechter Sitzposition bekommen. Im Jahr 2015 sei es dann zu rezidivie- renden schweren Blasenentzündungen gekommen. Aufgrund der Verschlechterung der Bla- sensituation wie auch der Zunahme der neuropathischen S chmerzen im linken Fuss sei eine Reduktion der Arbeitstätigkeit auf 50 % erfolgt. Durch diese Massnahme habe der Versicherte nun die Möglichkeit, die Katheterisierung zu Hause ohne zeitlichen Druck durchzuführen. Damit könne auch das Risiko einer erneuten Blasenentzündung deutlich vermindert werden. Aufgrund der unfallbedingten Restfolgen, das heisst aufgrund de r inkompletten Paraplegie oberhalb L2 mit konsekutiver Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstör ung sowie aufgrund der neuropathi- schen Schmerzen im linken Fuss sei dem Versicherten die Arbe itstätigkeit als Buschauffeur in einem zeitlichen Rahmen von 50 % zumutbar. Die Tätigkeit als Tramchauffeur sei ihm aufgrund der ungünstigen Sitzposition, die einerseits zu vermehrt en Rückenschmerzen führe und ande- rerseits die neuropathischen Schmerzen im linken Fuss verstä rke, nicht mehr zuzumuten. Die zeitliche Reduktion auf 50 % sei aus paraplegiologischen Gründen notwendig (Blasenkatheteri- sierung möglichst nur zu Hause, Stuhlmanagement und Ent lastung des linken Fusses wegen der neuropathischen Schmerzen). 5.5 Am 6. Oktober 2016 hält RAD-Arzt Dr. med. F.____ , Facharzt für Orthopädische Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, in einer internen Stellungnahme fest, dass die aktuelle Tätigkeit als Linienbusfahrer nicht me hr als die optimal angepasste Tätigkeit erscheine. Dies lasse sich aus diversen medizinisch-ergonomisch durchaus plausiblen Gründen (Katheterisieren, Rückenbelastung etc.) nachvollziehen. Letztlich verrichte der Versicherte ge- nau betrachtet auch nicht das betrieblich übliche Vollzei tpensum von 42 Wochenstunden, son- dern davon 95 %. Mitbeteiligt seien allerdings auch iv -fremde Faktoren wie eine minderaktivi- tätsbedingte Gewichtszunahme und die psychische Situation , die sich aber nach einer Pen- sumsreduktion in der angestammten Tätigkeit und der psych ologischen Behandlung bereits nach vier Sitzungen objektiv habe verbessern lassen. Davon unberührt bleibe jedoch aus versi- cherungsmedizinischer Sicht die zumutbare Möglichkeit, in ei ner besser angepassten Tätigkeit eine zumindest 80 %-ige Arbeitsfähigkeit zu leisten, u nter Berücksichtigung mehr als betriebs- üblicher Pausen, um entsprechende Erholungspausen und i nsbesondere auch die Eigenkathe- terisierung oder das digitale Stuhlmanagement auch in der zeitlich gebotenen Weise zu ermög- lichen. Eine solche Tätigkeit müsste schwerpunktmässig sitzend zu verrichten sein, mit der Möglichkeit zu spontanen Positionswechseln und gut erreich barer sanitärer Einrichtungen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht (WC). Aus den Angaben zur psychischen Situation des Versiche rten würden sich vorderhand keine massgeblich und dauerhaft die Arbeitsfähigkeit li mitierenden Einschränkungen erschlies- sen, denn es würden letztlich behandelbare psychische Gemü tszustände vorliegen, ohne dau- erhaften Krankheitswert, wofür unter anderem auch die relativ geringe Therapiefrequenz spre- che. Genau betrachtet seien vielmehr nachvollziehbare S orgen und Ängste des Versicherten bezüglich einer Antibiotikaresistenz führend und ab Febr uar 2016 sei von der behandelnden Psychologin eine konkrete Besserung des psychischen Zustands genannt, wofür auch das sub- jektiv und de facto gut zu bewältigende 50 %-ige Pensum als Buschauffeur spreche, eine Tätig- keit, die intakte kognitive Leistungen erfordere. Als Fa zit hält Dr. F.____ fest, dass eine ge- sundheitliche Verschlechterung mit limitierender Auswir kung auf die bisherige Tätigkeit im Rahmen von 50 %, entsprechend dem noch leistbaren Restp ensum, naheliegend und plausibel sei. Dagegen könne in einer entsprechend angepassten Tätigkeit ein 80 %-iges Pensum zuge- mutet werden. 5.6 Mit Stellungnahme vom 14. Dezember 2016 hält Dr. E.____ ergänzend zu seiner kreisärztlichen Beurteilung vom 4. Oktober 2016 fest, dass si ch seine Zumutbarkeitsbeurteilung auf die angestammte Tätigkeit bei der B.____ beziehe. Bezogen auf den allgemeinen Arbeits- markt seien dem Versicherten körperlich leichte wechselbel astende Tätigkeiten während 2x3 Stunden täglich zumutbar, wobei die sitzenden Intervall e gegenüber den ebenerdig gehenden und stehenden Intervallen überwiegen sollten. Nicht zum utbar seien Tätigkeiten auf Leitern, Gerüsten oder anderen absturzgefährdenden Positionen so wie Tätigkeiten in Zwangshaltung wie vorn übergeneigter Arbeitsposition und kauernder oder kniender Arbeitsposition. Die zeitli- che Reduktion sei auf die paraplegiologische Situatio n (Blasenkatheterisierung möglichst nur zuhause zum Vermeiden von weiteren Blaseninfekten sowie Stuhlmanagement und Entlastung des linken Fusses wegen der neuropathischen Schmerzen) zurückzuführen. 5.7 Nachdem die Suva dem Beschwerdeführer mit Verfügu ng vom 5. Januar 2017 eine 53 %-ige Invalidenrente zugesprochen hatte, äusserte si ch Dr. F.____ zu dieser Verfügung. In seiner Stellungnahme vom 11. Januar 2017 stellt er fest, dass die Suva offenbar bei der Ren- tenbemessung davon ausgegangen sei, dass die zuletzt ausge übte Tätigkeit als Buschauffeur optimal angepasst sei. Sie nehme keinen weiteren Einkom mensvergleich vor. Aus seiner Sicht wäre in einer optimal angepassten Tätigkeit zwar eine höhere Restarbeitsfähigkeit zumutbar, dabei sei aber ein vergleichbar hohes Einkommensniveau wi e in der angestammten Tätigkeit als Buschauffeur fraglich. 5.8 Schliesslich führt Dr. F.____ in seiner Aktenbeurte ilung vom 23. März 2017 ergänzend zu seinen bisherigen Stellungnahmen aus, dass die Täti gkeit als Buschauffeur keine optimal angepasste Tätigkeit sei, denn allein die spontan kurz fristige und wenig Zeit in Anspruch neh- mende Erreichbarkeit von Toiletten sei im üblichen Fa hrbetrieb (Streckenlänge der Buslinie, Erreichbarkeit sanitärer Anlagen) eher nicht zu gewährleisten. Eine besser angepasste Tätigkeit sei somit vorstellbar und beinhalte bei gleichzeitig red uziertem Pensum bereits die Möglichkeit mehr als betriebsüblicher Pausen, denn dem Versicherten stünden damit täglich mehr als 1.5 Stunden Zeit zusätzlich zu den betriebsüblichen Pausen (vormittags und nachmittags je 15 Mi- nuten, Mittags 30 Minuten) zu, die zum Zweck der Eigenk atheterisierung und der digitalen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stuhlausräumung genutzt werden könne, womit dem nachvollziehbaren erhöhten Pausenbedarf entsprechend Rechnung getragen worden sei. Wenn man die übliche Stuhlfrequenz einmal täglich voraussetze, so könne für die digitale Ausräumung bei entsprechender Routine maximal eine halbe Stunde Zeitaufwand nachvollzogen werden. Für die mehrmals täglich durchzufüh- rende Eigenkatheterisierung der Blase könne bei ents prechender Routine und kurzfristig er- reichbarer Toilette jeweils 10-15 Minuten veranschlagt w erden, so dass der Versicherte im Rahmen eines 80 %-igen Pensums im Zeitrahmen von 8 Stun den 4-6 Mal die Blase entleeren könnte, was bei entsprechender Flüssigkeitsaufnahme ausreichend erscheine. 6.1 Die Würdigung dieser Berichte zeigt, dass die invo lvierten Ärzte – insbesondere Dr. E.____ und Dr. F.____ – in Bezug auf die Diagnos en und die Gesundheitsleiden des Be- schwerdeführers einer Meinung sind. Auch bei der Beurte ilung der Arbeitsfähigkeit in der ange- stammten Tätigkeit als Buschauffeur besteht Einigkeit darü ber, dass dem Beschwerdeführer nur noch ein halbes Pensum zugemutet werden kann. In B ezug auf die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit jedoch vertreten Dr. E.____ und Dr. F.____ unterschiedliche Auffassungen. Während Dr. F.____ eine Restarbeitsfähigkeit von 80 % in einer Verweistätigkeit mit der Be- gründung postuliert, dass für das Stuhlmanagement und die Selbstkatheterisierung Pausen im Umfang von 20 % eines Vollpensums ausreichend seien, kommt Dr. E.____ in einer angepass- ten Tätigkeit auf eine Arbeitsfähigkeit von 2x3 Stun den täglich, also auf ein wöchentliches Pen- sum von 30 Stunden, was bei einer 42-Stunden-Woche ein em Pensum von etwas mehr als 70 % entspricht. Dr. E.____ begründet die Einschränkung mit dem Pausenbedarf für das Stuhlmanagement, die Selbstkatheterisierung und die En tlastung des linken Fusses aufgrund der neuropathischen Schmerzen. Dr. E.____ schätzt die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätig- keit somit rund 10 % tiefer ein als Dr. F.____. 6.2 Die Beschwerdegegnerin stellte auf die Beurteilung ihres RAD-Arztes ab. Wie bereits in Erwägung 4.2 hiervor dargelegt, darf das Gericht b ei einander widersprechenden medizini- schen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das ge samte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische The- se abstellt. Dabei hat es von den in Erwägung 4.2 darg elegten Beweisgrundsätzen auszuge- hen. 6.3 Dr. E.____ untersuchte den Beschwerdeführer persön lich. Die Beurteilung von Dr. F.____ dagegen beruht einzig auf einer Würdigung der medizinischen Unterlagen der Suva; eine persönliche Untersuchung des Beschwerdeführers nahm er nicht vor. Der Vergleich zeigt weiter auf, dass Dr. E.____ alle vom Beschwerdeführer g eklagten Beschwerden – so auch die neuropathischen Schmerzen im linken Fuss – berücksichtigt, w ährenddessen den Stellung- nahmen von Dr. F.____ keine Würdigung dieser Schmerze n entnommen werden kann. Bei der Beurteilung der zeitlichen Einschränkung des Arbeitspens ums addiert Dr. F.____ sodann seine Schätzungen für den zeitlichen Aufwand der Katheterisie rung (4-6 Mal innert 8 Stunden bei je- weils 10-15 Minuten) und gelangt so zu einer zeitlichen Einschränkung von zwischen 40 und 90 Minuten pro achtstündigem Arbeitstag. Ein Pausenbedar f für die Entlastung des Fusses ist da- rin nicht enthalten. Damit ist unklar, ob Dr. F.____ d iesem Beschwerdebild keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zuspricht oder ob er dieses fäl schlicherweise unberücksichtigt lässt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Seine Beurteilung ist in diesem Punkt daher nicht gänzl ich überzeugend. Aus den ärztlichen Unterlagen geht weiter hervor, dass die Selbstkatheter isierung zur Vermeidung von Blasenin- fekten aus hygienischer Sicht im besten Fall zu Hause und ohne zeitlichen Druck durchzuführen ist – ein Umstand, den Dr. E.____ bei einem Pensum von 2x3 Stunden mitberücksichtigt. Dr. F.____ dagegen äussert sich nicht dazu. Soweit Dr. F .____ feststellt, dass auch iv-fremde Faktoren wie eine minderaktivitätsbedingte Gewichtszunahme und die psychische Situation zur Reduktion des Arbeitspensums geführt hätten, kann dieser Auffassung nicht gefolgt werden, denn zur Reduktion des Arbeitspensums haben letztlich die wiederkehrenden Blaseninfekte und die Zunahme der neuropathischen Schmerzen im linken F uss geführt. Im Lichte der in Erwä- gung 4.2 hiervor dargelegten Kriterien bezüglich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist damit zum Schluss zu kommen, dass der Beweiswert der Zumutbarkeits beurteilung von Dr. E.____ klarerweise höher zu gewichten ist. Dr. F.____ weicht be i der Beurteilung der Restarbeitsfähig- keit in einer angepassten Tätigkeit ohne eigene Untersu chung des Beschwerdeführers und oh- ne überzeugende Begründung von der Einschätzung von Dr. E.____ ab. 6.4 Damit ist gestützt auf die Beurteilung von Dr. E._ ___ davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Bu schauffeur ein 50 %-iges Arbeits- pensum und in einer Verweistätigkeit ein Arbeitspensum von 30 Stunden pro Woche zugemutet werden kann. 7.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 3.5 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstä- tigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dabei ist in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V 222, 128 V 174). Dr. D.____ attestierte d em Beschwerdeführer ab 26. November 2015 bis 28. Februar 2016 eine 100 %-ige Arbeitsunfäh igkeit und danach eine Arbeitsunfähig- keit von 50 %. Das Wartejahr begann damit am 26. Novemb er 2015 und endete am 25. No- vember 2016, weshalb der Rentenbeginn vorliegend auf den 1. November 2016 zu liegen kommt (vgl. Art. 29 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 IVG). Für den nachfolgend durchzuführenden Ein- kommensvergleich sind demnach die zu diesem Zeitpunkt gegebenen Einkommensverhältnisse massgebend. 7.2.1 Bei der Ermittlung des ohne Invalidität erzielba ren Einkommens (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgeben den Zeitpunkt nach dem Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tat sächlich verdienen würde. Die Ein- kommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Massgebend ist, was die versicher- te Person aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände unter Berücksich- tigung ihrer beruflichen Weiterentwicklung, soweit hier für hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen, zu erwarten gehabt hätte (BGE 139 V 28 E. 3 .3.3.2, 96 V 29; ZAK 1985 S. 635 E. 3a sowie RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 f. E. 3b). Da im Ge sundheitsfall erfahrungsgemäss die bis- herige Tätigkeit in der Regel weitergeführt worden w äre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestim- mung des Valideneinkommens häufig der zuletzt erzielte, der Teuerung sowie der realen Ein- kommensentwicklung angepasste Verdienst (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 101 E. 3b; vgl. auch ZAK 1990 S. 519 E. 3c). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.2 Die Beschwerdegegnerin ermittelte in der angef ochtenen Verfügung ein Jahresein- kommen von Fr. 78‘429.--. Dieser Wert kann aber für das Valideneinkommen nicht massge- bend sein, weil die Beschwerdegegnerin von einem erst nach dem Unfall erzielten Verdienst als Buschauffeur ausgeht. Aufgrund der Akten hat aber als erstellt zu gelten, dass der Beschwerde- führer heute als Wagenführer tätig wäre. Diese Tätigk eit musste er aufgrund der gesundheitli- chen Folgen des Unfalles aufgeben. Die Suva holte dire kt bei der Arbeitgeberin konkrete Aus- künfte zum Einkommen ein, das der Beschwerdeführer heut e ohne den Unfall vom 16. Juli 2004 als Wagenführer mutmasslich erzielen würde. Die Ang aben im Dokument 199 der Suva- Akten enthalten auch die üblichen Zulagen sowie den 13 . Monatslohn und stellen – entgegen der beschwerdeweise vertretenen Auffassung – nicht auf d as Einkommen eines Buschauffeurs, sondern auf das Einkommen als Wagenführer ab. Ebenfalls kann der Argumentation des Be- schwerdeführers nicht gefolgt werden, soweit er zur Er mittlung des Valideneinkommens auf die abstrakte Lohntabelle des Kantons Z.____ abstellen will. Der Hinweis auf die Lohntabelle ver- mag die konkreten Angaben der Arbeitgeberin nicht zu en tkräften. Ein Grund, um an der Kor- rektheit dieser Angaben zu zweifeln, liegt nicht vor, so dass auch für das vorliegende Verfahren auf diese Angaben und Berechnungen abzustellen ist. Ausz ugehen ist damit von einem Vali- deneinkommen im Jahr 2016 von jährlich Fr. 91‘764.--. 7.3.1 Bei der Ermittlung des trotz Gesundheitsschadens zumu tbarerweise erzielbaren Ein- kommens (Invalideneinkommen) ist zu prüfen, ob dieses au fgrund des Verdienstes bei der zu- letzt ausgeübten Tätigkeit oder aber unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) zu bestimmen ist, da eine versi cherte Person, die eine Rente be- ansprucht, kraft Schadenminderungspflicht gehalten ist, die Restarbeitsfähigkeit so gut als mög- lich zu verwerten (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Januar 2009, 9C_733/2008, E. 4.2). Ein Abstellen bei der Ermittlung des Invalideneinkommens auf den tatsächlich erzielten Verdienst setzt voraus, dass die versicherte Person ihre verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise ausschöpft. Dies ist dann nicht der Fall, wenn sie auf de m hypothetischen ausgeglichenen Ar- beitsmarkt einen höheren als den tatsächlich erhaltenen Lohn erzielen könnte. Auf diesem hy- pothetischen Arbeitsmarkt ist ein Stellenwechsel auch dan n zumutbar, wenn es für die versi- cherte Person auf Grund der wirtschaftlichen Gegebenhei ten auf dem tatsächlichen Arbeits- markt sehr schwierig oder gar unmöglich ist, eine entsp rechende Stelle zu finden (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2017, 8C_13/2017, E. 3.3). 7.3.2 Zu prüfen ist deshalb, ob der Beschwerdeführer in einer angepassten Verweistätigkeit und einem Pensum von 70 % ein höheres Invalideneinkomm en erzielen könnte als in seiner angestammten Tätigkeit in einem Pensum von 50 %. Die Be schwerdegegnerin ging von einem Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 50‘656.-- aus. Wie bereits in Erwägung 6.4 hiervor ausgeführt, ist jedoch nicht von einem Pensum von 80 %, sondern von einem zumutbaren Pen- sum von 30 Stunden pro Woche – was einem Pensum von 70 % entspricht – in einer ange- passten Tätigkeit auszugehen. Damit kann für den Verglei ch der beiden Einkommen nicht auf das von der Beschwerdegegnerin ermittelte Invalideneinkommen abgestellt werden. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.3 Ausgehend von der LSE 2014, Tabelle TA1_tirag e_skill_level, Sektor Total, Kompe- tenzniveau 1, Spalte Männer, monatlich Fr. 5‘312.--, und unter Berücksichtigung der durch- schnittlichen Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden im Jahr 20 16 und einer Nominallohnentwick- lung von 0.3 % im Jahr 2015 und 0.6 % im Jahr 2016 (vgl . BFS T1.1.10) resultiert im Jahr 2016 ein hypothetisch erzielbares Jahreseinkommen von Fr. 67‘05 2.--. Von diesem anhand der Ta- bellenlöhne der LSE erhobenen Invalideneinkommen sind praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das damalige EVG seine Rechtsprechung zu den Abzü- gen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterentwickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, vo n sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles abhängt (leidensbedingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität/Aufenth altskategorie und Beschäftigungsgrad), welche nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätze n sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung aller jeweil s in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (BGE 126 V 75 E. 5b). Vorliegend stellt sich die Frage, ob in Anbetracht des Beschäftigungsgrads des Beschwerdefüh- rers von 70 % ein Abzug zu machen ist. Gemäss den Daten des Bundesamtes für Statistik im Jahr 2014 (vgl. dazu Tabelle „Monatlicher Bruttolohn [ Zentralwert] nach Beschäftigungsgrad, beruflicher Stellung und Geschlecht, Privater und öffen tlicher Sektor [Bund, Kantone, Bezirke, Gemeinen, Körperschaften] zusammen“) zeigt sich, dass Männ er ohne Kaderfunktion und ei- nem 70 %-igen Pensum gegenüber Männern ohne Kaderfu nktion und einem Pensum von zwi- schen 90 % und 100 % eine Lohneinbusse von Fr. 355.-- b zw. von 5.8 % pro Monat erleiden. Damit erscheint ein Abzug von 5 % als angemessen. Die Kri terien leidensbedingte Einschrän- kung, Lebensalter, Dienstjahre und Nationalität/Aufe nthaltskategorie rechtfertigen darüber hin- aus keinen weiteren Abzug, weshalb von einem leidensbe dingten Abzug von insgesamt 5 % auszugehen ist. Demnach beträgt das massgebende Invaliden einkommen unter Berücksichti- gung eines 5 %-igen Abzugs und einem Pensum von 70 % Fr. 44‘590.--. 7.4 Aus der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 91‘764.-- und des hypo- thetisch erzielbaren Invalideneinkommens von Fr. 44‘590.- - resultiert ein Invaliditätsgrad von 51 %. Die Suva ermittelte gestützt auf ein 50 %-iges Pensum in der angestammten Tätigkeit als Buschauffeur (Fr. 43‘591.--) einen Invaliditätsgrad vo n 53 %. Somit kann die Frage, ob die Ar- beit als Buschauffeur in einem Pensum von 50 % oder ei ne Verweistätigkeit von 30 Stunden pro Woche die optimal angepasste Tätigkeit ist, offen bleiben, denn so oder anders resultiert ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Die Verwertun g der Restarbeitsfähigkeit in einer Ver- weistätigkeit führt damit letztlich nicht zu einem gering eren Invaliditätsgrad und nicht zu einer geringeren Leistungspflicht der Invalidenversicherung. 8. Die Beschwerde erweist sich damit als begründet, wesh alb sie gutzuheissen ist. Die angefochtene Verfügung vom 4. August 2017, mit der di e Beschwerdegegnerin das Leistungs- begehren abwies, wird aufgehoben. Gestützt auf die ü berzeugenden medizinischen Beurteilun- gen von Dr. E.____ zeigt sich nach Durchführung des Einkom mensvergleichs, dass der Be- schwerdeführer ab dem 1. November 2016 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinde n. 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der R egel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Die Beschwerdegegnerin ist vorliegend unterliegende Partei. In casu hätte deshalb die Beschwerdegegnerin grundsätzlich d ie Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass lau t § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vo- rinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessieren den § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrens- kosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für d en vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. Dem Beschwerdeführer ist der g eleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückzuerstatten. 9.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung zu Las- ten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 13. März 2018 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Zeitaufwand von insgesamt 15 Stunden und 30 Minu- ten erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachver halts- und Rechtsfragen als ange- messen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsp rozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stund enansatz von Fr. 250.-- zu entschä- digen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Hon orarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 45.70. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädi- gung in der Höhe von insgesamt Fr. 4‘232.80 (13.5 Std . à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 29.80 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer sowie 2 Std. à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 15.90 zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 4. August 2017 aufgehoben und dem Beschwerdeführer wir d ab dem 1. November 2016 eine halbe Invalidenrente zugesprochen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der gele istete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 800.-- wird dem Beschwerdefüh rer zurück- erstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 4‘232.80 (inkl. Auslagen und 8 % bzw. 7.7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht