Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. April 2016 (710 14 235 / 83) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Die Voraussetzungen für die Leistung von Schadenersatz nach Art. 52 AHVG sind erfüllt; Rechtfertigungs- oder Exkulpationsgründe liegen keine vor, weshalb die Beschwerde abgewiesen wird Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Donald Stückelbe r- ger, Rechtsanwalt, Gerbergasse 26, Postfach 644, 4001 Basel gegen Ausgleichskasse Arbeitgeber Basel , Viaduktstrasse 42, Postfach , 4002 Basel, Beschwerdegegnerin Beigeladene B.____ , vertreten durch Dr. Carlo Bertossa , Advokat , Stadthaus gasse 10, Postfach 1228, 4001 Basel C.____ , vertreten durch Dr. Donald Stückelberger, Rechtsanwalt, Gerbergasse 26, Postfach 644, 4001 Basel Betreff Schadenersatz Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die D.____ GmbH mit Sitz in X.____ war mit Wirkung ab 1. Januar 2009 als beitrags- pflichtige Arbeitgeberin der Ausgleichskasse Arbeitgeber Basel (Ausgleichskasse) angeschlos- sen. Am 6. Februar 2013 wurde über die D.____ GmbH d er Konkurs eröffnet. Das Konkursver- fahren wurde am 13. Februar 2014 mit Verfügung des K onkursrichters des Bezirksgerichts Y.____ als geschlossen erklärt und die Gesellschaft von A mtes wegen gelöscht. Am 14. Febru- ar 2014 stellte das Konkursamt der Ausgleichskasse zwei Verl ustscheine über insgesamt Fr. 456‘081.60 aus. Die Forderungen wurden von der D.____ GmbH, nachfolgend auch Konkursitin genannt, nicht bestritten. Mit Verfügung vom 7. April 2014 forderte die Ausgleichskasse von A.____ als Geschäftsführerin Schadenersatz in der Höhe von Fr. 456‘081.60 für entga ngene Sozialversicherungsbeiträge einschliesslich Verwaltungskosten, Mahngebühren, Betreibu ngskosten und Verzugszinsen. In der Begründung wurde festgehalten, dass A.____ Geschäfts führerin der konkursiten Firma ge- wesen sei. Deshalb gehöre sie zum Personenkreis, der für den der AHV entstandenen Schaden haftbar gemacht werden könne. Daran hielt die Ausgleichskasse auf Einsprache von A.____ hin mit Entscheid vom 9. Juli 2014 fest. In der Begründung führte sie aus, dass die von der Konkur- sitin geschuldeten Beiträge gemäss Jahresabrechnung 2009 und sämtliche von August 2010 bis zur Konkurseröffnung geschuldeten Beiträge in Betrei bung hätten gesetzt werden müssen bzw. offen geblieben seien. Während knapp zwei Jahren seien damit keine Beiträge bezahlt worden. Die finanzielle Lage des Unternehmens sei off enbar bereits seit Anfang August 2010 schlecht gewesen. Daher sei eine nicht überlebensfähige Firma während längerer Zeit bewusst zu Lasten der Sozialversicherung fortgeführt worden, ohne dass irgendwelche Aussichten be- standen hätten, die ausstehenden Beiträge innert nützlicher Frist zu begleichen. Es könne nicht von einem vorübergehenden Liquiditätsengpass die Rede se in, wenn ein Unternehmen seit längerer Zeit die Beiträge eher schleppend bezahle bzw. gar nicht mehr bezahle und wenn es überschuldet sei. Vor diesem Hintergrund habe nicht in g uten Treuen angenommen werden dürfen, dass die Beitragsrückstände innert Kürze beglichen werden könnten. Eine vage Hoff- nung auf Besserung berechtige nicht dazu, einen unrentablen Betrieb auf Kosten der Sozialver- sicherung weiterzuführen. Fehlende finanzielle Mittel se ien für sich allein kein Grund, die Bei- träge nicht zu bezahlen. Ein Arbeitgeber dürfe im Zweifelsfall nur so viel Lohn entrichten, als die darauf geschuldeten Beiträge gedeckt seien. Es treffe n icht zu, dass sie nur Gesellschafterin ohne Zeichnungsberechtigung gewesen sei. Gemäss Handelsr egisterauszug sei sie vom 18. August 2000 bis 24. Januar 2013 kollektivzeichnungsberech tigte Geschäftsführerin gewesen. Aufgrund der nachträglichen Rückerstattung aus der CO2 -Abgabe über Fr. 992.10 reduziere sich der Schaden um diesen Betrag. Die Einsprache werde im Umfang von Fr. 455‘089.50 ab- gewiesen. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit Eingabe vom 19. August 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialve rsicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei auf den Schadenersatz von Fr. 456‘081.60 vollumfänglich und/oder teilweise zu verzichten; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. In der Be- gründung führte sie aus, dass sie zwar Gesellschafterin der D.____ GmbH gewesen sei, ihr allerdings keine Entscheidungsabläufe, die die buchhalte rischen Gegebenheiten des Unter- nehmens beeinflusst hätten, obliegen hätten. Sie hab e keine Unterschriftsberechtigung beses- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen. Sie habe zwar an der jährlichen Abschlussbesprechung von Ausständen gegenüber den Sozialversicherern Kenntnis genommen, allerdings sei sie d avon ausgegangen, dass mit der Einlage von C.____ diese Pendenz erledigt werde. Es könn e ihr somit nicht der Vorwurf ge- macht werden, allfällige Sorgfaltspflichten verletzt zu haben oder absichtlich oder grobfahrlässig dazu beigetragen zu haben, dass Ausstände entstanden seien. C. In ihrer Vernehmlassung vom 1. Oktober 2014 beantra gte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Eingabe vom 12. November 2014 teilte Rechtsan walt Dr. Donald Stückelberger dem Gericht mit, dass er die Interessensvertretung der Beschwerdeführerin übernommen habe. Mit Replik vom 19. Januar 2015 liess die Beschwerdeführerin die Gutheissung der Beschwerde, die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Feststellung, dass die Beschwerdeführe- rin keinen Schadenersatz zu zahlen habe, beantragen; al les unter o/e-Kostenfolge. In verfah- rensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Durchführun g einer Parteiverhandlung. In der Be- gründung wurde ausgeführt, dass die Voraussetzungen von A rt. 52 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 nicht gegeben seien. Es bedürfe eines qualifizierten Verschuldens. Der Schaden sei nicht durch Absicht oder Grobfahrlässigkeit der Beschwerdeführerin entstanden. Es sei richtig, dass die Beschwerdefüh- rerin von Beginn weg Geschäftsführerin der Konkursitin gewesen sei, aber sie habe nur Kollek- tivunterschrift zu zweien gehabt. Sie sei für die Finanzen nicht zuständig gewesen. Das sei von C.____ geregelt worden. Sie habe keine Sorgfaltspflich ten verletzt, weshalb sie für die Aus- stände nicht verantwortlich gemacht werden könne. Die G eschäftsleitung und die Gesellschaf- ter hätten alles unternommen, um die Gesellschaft am L eben zu erhalten mit dem Ziel, die Schulden zu begleichen. So hätten sie Darlehen in grosse r Höhe in die Gesellschaft einge- schossen, wie dies die Jahresrechnungen 2009 bis 2012 aufzei gen würden. Aufgrund des Ein- schusses von C.____ im Umfang von Fr. 193‘000.-- habe die Beschwerdeführerin in guten Treuen davon ausgehen dürfen, dass die Ausstände begli chen werden könnten. Weiter sei mit dem Betreibungsamt im Jahre 2010 vereinbart worden, monatliche Teilzahlungen zu leisten, um die in Betreibung stehenden Schulden abzutragen. Es se i wohl von der Geschäftsführung im Nachhinein ungeschickt und etwas naiv gewesen, bei der Sch uldentilgung nicht Prioritäten ge- setzt zu haben und das Augenmerk vormerklich auf die Abtrag ung der Ausstände der Sozial- versicherungsbeiträge gerichtet zu haben. Doch daraus kö nne nicht der Schluss gezogen wer- den, dass die Beschwerdeführerin grobfahrlässig gehandel t habe. Die Lohnmeldungen seien korrekt erfolgt, und es sei nie versucht worden, etwas zu ka schieren. Es sei zudem ein Schul- densanierer beigezogen worden, um die Gesellschaft zu re tten und um die Schulden zu beglei- chen. Trotzdem sei der Konkurs der D._____ GmbH unumgäng lich gewesen. Aufgrund ihrer Untätigkeit trage die Beschwerdegegnerin zudem ein gew isses Mitverschulden am entstande- nen Schaden, was zu einer Herabsetzung des Schadenersatzes führen müsse. Hätte sie früher den Konkursantrag eingereicht, wäre der Schaden nicht ins Unermessliche gestiegen. Schliess- lich sei die Schadenersatzforderung verwirkt, allenfalls teilweise verjährt. E. Die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 4. Febr uar 2015 am Abweisungsantrag fest. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Mit Verfügung vom 6. Mai 2015 wurden C.____, ebe nfalls vertreten durch Rechtsan- walt Dr. Donald Stückelberger, und B.____, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Carlo Bertossa, zum Beschwerdeverfahren beigeladen und es wurde ihnen d as rechtliche Gehör gewährt. Mit Eingabe vom 4. Juni 2015 verzichtete die Beigeladene B .____ auf eine inhaltliche Stellung- nahme und hielt fest, dass die Vorbringen der andere n Beschwerdeführer ihre Auffassung voll- umfänglich bestätigen würden. Mit Eingabe vom 8. Juli 2015 verzichtete der Beigeladene C.____ auf eine Stellungnahme. G. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 7. April 2016, an welcher E.____, F.____ und G.____ als Auskunftspersonen befragt wurden, hielten di e Parteien an ihren Anträgen fest. Auf die Aussagen wird – soweit erforderlich – in den Erwäg ungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechtes (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Ein spracheentscheide der Versi- cherungsträger Beschwerde erhoben werden. Jeder Kanton bestellt ein Versicherungsgericht als einzige Instanz zur Beurteilung von Beschwerden aus de m Bereich der Sozialversicherung (Art. 57 ATSG). Laut § 54 Abs. 1 lit. a des kantonal en Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Kantonsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons zur Beurteilung von Beschw erden gegen Einspracheentschei- de der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG sachlich zuständig. 1.2 Nach Art. 52 Abs. 5 AHVG ist in Abweichung von Art. 58 Abs. 1 ATSG für Beschwer- den betreffend Schadenersatzansprüche der Ausgleichskass en das Versicherungsgericht des- jenigen Kantons zuständig, in dem der Arbeitgeber sei nen Wohnsitz hat, beziehungsweise die als Arbeitgeberin auftretende juristische Person ihr stat utarisches Domizil hat, ungeachtet des jeweiligen Wohnsitzes der in Anspruch genommenen Orga ne. Da die D.____ GmbH ihren sta- tutarischen Sitz in X.____ hatte, ist auch die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gege- ben. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführer in gemäss Art. 52 AHVG für den bei der Ausgleichskasse entstandenen Schaden haften muss. 3.1 Nach Art. 52 Abs. 1 AHVG hat ein Arbeitgeber, wel cher der Versicherung durch ab- sichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine jur istische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäfts führung oder Liquidation befassten Perso- nen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden ve rantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 2 AHVG). Die Ha ftung nach Art. 52 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben sein, d .h. es muss ein Schaden einge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht treten sein, der auf widerrechtliches und schuldhaftes Ve rhalten der Arbeitgeberin und – sub- sidiär – des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. 3.2 Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwi- ckelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invaliden- versicherung vom 19. Juni 1959), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft vo m 25. September 1952) und Arbeits- losenversicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen- versicherung und die Insolvenzentschädigung vom 25. Juni 19 82) sowie auf jene an die Famili- enausgleichskassen gemäss dem Bundesgesetz über die Famili enzulagen vom 24. März 2006 (Art. 25 lit. c). 3.3 Bevor die einzelnen Haftungsvoraussetzungen geprüft werden, ist zunächst darauf hinzuweisen, dass sich das Kantonsgericht regelmässig mit Schadenersatzansprüchen aus Art. 52 AHVG zu befassen hat. Vorliegend wurden von der D.____ GmbH ab November 2010 keine ordentlichen Zahlungen mehr geleistet. Gemäss Kontokorr entauszug, den die Beschwerdegeg- nerin mit der Vernehmlassung vom 1. Oktober 2014 einrei chte (vgl. Beilage 2), wurden erst wieder ab August 2012 – über das Betreibungsamt – gewi sse Zahlungen geleistet. Damals war der Ausstand bei der Beschwerdegegnerin bereits auf ca. Fr. 460‘000.-- angewachsen. Wäh- rend zwei Jahren wurden somit keine Zahlungen mehr an die AHV geleistet, obwohl die D.____ GmbH gemäss den eingereichten Erfolgsrechnungen im Jahre 2010 Löhne im Umfang von ca. 1.5 Millionen Franken, im Jahre 2011 von ca. 1.67 Millionen Franken und im Jahre 2012 von ca. 1.7 Millionen Franken an ihre Mitarbeitenden ausgerich tet hatte. Damit liegt zweifellos ein Sachverhalt vor, der sich deutlich von den durchschnittliche n Fällen mit kürzeren Zeiten von Beitragsausständen abhebt. Aussergewöhnlich ist daher auch die Schadenersatzforderung in der Höhe von ca. einer halben Million Franken. 4.1 Die Schadenersatzpflicht der Arbeitgeberin bzw. d es verantwortlichen Organs setzt zunächst den Eintritt eines Schadens bei der Ausgleichskasse voraus. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter Beitrag ent geht. Die Höhe des Schadens ent- spricht dabei dem Betrag, den die Kasse nicht erhältlich machen kann (THOMAS NUSSBAUMER , Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess na ch Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskos ten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Ab rechnungspflicht des Arbeitgebers gehö- ren auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5). 4.2 Die Beschwerdegegnerin macht aufgrund der ungedeckt gebliebenen Forderung einen Schaden im Umfang Fr. 455‘089.50 geltend. Die Höhe d es Schadens und der Schadenersatz- forderung werden berechnungsmässig von der Beschwerdeführerin nicht bestritten, sodass das Kantonsgericht keine Veranlassung hat, diese von der Be rechnung her zu überprüfen. Der Verwaltungsprozess ist zwar vom Untersuchungsgrundsatz behe rrscht, dieser entbindet jedoch Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die rechtsuchende Partei nicht davon, selber die Beansta ndungen vorzubringen und ihrerseits zur Feststellung des Sachverhaltes beizutragen (vgl. dazu U rteil des Eidgenössischen Versi- cherungsgerichts [EVG, heute: Schweizerisches Bundesgeri cht, Sozialrechtliche Abteilungen] vom 19. Juli 1996, H 313/95, E. 4). Mangels offenkundi ger Anhaltspunkte für Berechnungsfeh- ler ist die Schadensberechnung der Beschwerdegegnerin daher zu bestätigen und von einem vorliegend relevanten Schadensbetrag von Fr. 455‘089.50 auszugehen. 5.1 Weitere Haftungsvoraussetzung für die vorliegend massgebliche Schadenersatzforde- rung ist die Widerrechtlichkeit. Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) vo m 31. Oktober 1947 schreibt vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeit nehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit seinen eigenen Beiträgen der Ausgleichskasse periodisch zu entrichten hat. Diese werden von der Ausgleichskasse aufgrund der voraussic htlichen Lohnsumme festge- setzt, wobei die Arbeitgeber wesentliche Änderungen de r Lohnsumme während des Jahres zu melden haben. Nach Ablauf einer Abrechnungsperiode, w elche jeweils das Kalenderjahr um- fasst, nimmt die Ausgleichskasse aufgrund der Abrechnung d er Arbeitgeber den Ausgleich zwi- schen den geleisteten Akontobeiträgen und den tatsächli ch geschuldeten Beiträgen vor, wobei ausstehende Beiträge innert 30 Tagen ab Rechnungsstellun g zu bezahlen sind (Art. 36 Abs. 3 und 4 AHVV). Diese Beitragszahlungs- und Abrechnungspf licht des Arbeitgebers ist eine ge- setzlich vorgeschriebene öffentlich-rechtliche Aufgabe. Da zu erklärte das Bundesgericht wie- derholt, dass die Nichterfüllung dieser öffentlich-rechtlichen Aufgabe eine Missachtung von Vor- schriften im Sinne von Art. 52 AHVG bedeute und die vol le Schadensdeckung nach sich ziehe (BGE 111 V 173 E. 2; Urteil des EVG vom 10. April 200 6, H 26/06, E. 4.1 mit weiteren Hinwei- sen; vgl. auch M ARCO REICHMUTH , Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG, Diss. Freiburg 2008, Rz. 504). 5.2 Im vorliegenden Fall muss der D.____ GmbH insofern eine Missachtung von Vorschrif- ten vorgeworfen werden, als sie in den Jahren 2009 bis 2012 den ihr obliegenden Zahlungsver- pflichtungen nur unvollständig nachkam. Die Beiträge wurden unregelmässig bezahlt und muss- ten immer wieder gemahnt werden. Die Beschwerdegegner in sah sich daher veranlasst, diver- se Schuldbetreibungsverfahren einzuleiten. Schliesslich bli eben Sozialversicherungsbeiträge (inkl. Nebenkosten) in der Höhe von Fr. 455‘089.50 offe n. Damit ist die Konkursitin ihren Pflich- ten als Arbeitgeberin nicht nachgekommen und hat öffentlich-rechtliche Vorschriften verletzt. 6. Zwischen dem bei der Ausgleichskasse eingetretenen Sch aden und dem pflichtwidri- gen Verhalten des Arbeitgebers bzw. seiner Organe muss so dann ein adäquater Kausalzu- sammenhang bestehen (BGE 119 V 406 E. 4a; so auch Urte il des Kantonsgerichts vom 10. Dezember 2015, 710 14 283/326, E. 3.4). Vorliegend i st offensichtlich, dass die Nichterfüllung der der D.____ GmbH als Arbeitgeberin obliegenden Pf licht zur vollständigen Begleichung der paritätischen Sozialversicherungsbeiträge für den bei de r Beschwerdegegnerin entstandenen Schaden kausal ist und dass ein derartiges Verhalten nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, den eingetretenen Erfolg zu bewirken. Der adäquate Kausalzusammenhang ist somit gegeben. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpfli cht besteht nach dem Wort- laut des Art. 52 Abs. 1 AHVG darin, dass die Missachtung von Vorschriften in absichtlicher oder grobfahrlässiger Weise erfolgt ist. Sowohl die Arbeitge berin als auch das allfällige Arbeitgeber- organ muss ein Verschulden treffen. Verlangt wird damit ein doppeltes oder zweistufiges Ver- schulden (vgl. MARCO REICHMUTH , a.a.O., Rz. 535). 8.1 Zu prüfen ist in einem ersten Schritt, ob und inwi eweit der entstandene Schaden auf ein qualifiziert schuldhaftes Verhalten der D.____ GmbH zurückzuführen ist. Das Bundesgericht geht davon aus, dass bei Verletzung der Beitragszahlung s- und Abrechnungspflicht ein Ver- schulden der Arbeitgeberin grundsätzlich gegeben ist. Lediglich wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erla ubt oder nicht schuldhaft erscheinen las- sen, entfällt eine Haftung (vgl. M ARCO REICHMUTH , a.a.O., Rz. 536; T HOMAS NUSSBAUMER , Die Haftung des Verwaltungsrates nach Art. 52 AHVG [Haftun g des Verwaltungsrates], in: Aktuelle Juristische Praxis [AJP] 1996 S. 1077 f. mit Hinweisen auf BGE 108 V 183 E. 1b und ZAK 1985 S. 576 E. 2). Zu diesen besonderen Umständen gehört etwa, wenn es einer Arbeitgeberin, die sich in schwieriger finanzieller Lage befindet, durch das (absichtliche) Nichtbezahlen der Beiträ- ge gelingt, das Überleben des Unternehmens zu sichern. Es muss aber feststehen, dass die Arbeitgeberin im Zeitpunkt, in welchem sie diese Entsch eidung trifft, aufgrund der objektiven Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage dami t rechnen durfte, die Forderung der Ausgleichskasse innert nützlicher Frist befriedigen zu können (BGE 108 V 183). Die höchstrich- terliche Rechtsprechung geht diesbezüglich davon aus, dass ein konkretes Sanierungskonzept detailliert aufgezeigt werden muss. Zudem ist nachzuweisen , in welchem Zeitraum die zurück- gestellten Gläubigerforderungen, insbesondere die ge schuldeten Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden können (Urteil des EVG vom 19. November 2003, H 397/01, E. 6.2.3 mit Hin- weis auf BGE 108 V 183 E. 2, bestätigt in BGE 121 V 2 43; vgl. auch T HOMAS NUSSBAUMER , [Haftung des Verwaltungsrates], S. 1078). Auch eine relativ kurze Dauer eines Beitragsausstands kann rechtsprechungsgemäss gegen die Annahme eines groben Verschuldens sprechen. Das Kan tonsgericht ist unlängst in einem Entscheid davon ausgegangen, dass ein Beitragsausstand, der sich über sieben Monate er- streckte, nicht mehr als kurz und damit als exkulpierend angesehen werden könne und dass ein Schadensbetrag von ca. Fr. 129‘000.-- kein geringer Betrag darstelle (vgl. Urteil des Kantonsge- richts vom 14. Januar 2016, 710 14 161/11, E. 6.4). In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass fehlende finanzielle Mittel der Gesellschaft für sich allein selbstverständlich keinen Recht- fertigungs- oder Entschuldigungsgrund darstellen, da a nsonsten die Haftungsvorschrift von Art. 52 Abs. 1 AHVG weitgehend ihres Gehaltes entleert würde (so auch Urteil des Kantonsge- richts vom 10. Dezember 2015, 710 14 283/326, E. 3.3 mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Doktrin). Weiter ist darauf hinzuweisen, dass ein Unte rnehmen bei finanziellen Schwierigkeiten grundsätzlich nur so viel Lohn ausbezahlen darf, als die d arauf unmittelbar entstehenden Bei- tragsforderungen gedeckt werden können (Urteil des Bu ndesgerichts vom 9. Juli 2015, 9C_311/2015, E. 4.2.2, Urteil des EVG vom 18. November 2003, H 397/01, E. 6.2.3). 8.2 Wie in Erwägung 5.2 hiervor dargelegt, hat die D .____ GmbH die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht verletzt, weshalb grundsätzlich von ihrem Verschulden auszugehen ist. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Beschwerdeführerin bringt als Rechtfertigungsgrund vor, dass das Unternehmen einen Schuldensanierer beigezogen habe. 8.3 Der Beizug eines Schuldensanierers alleine reicht ni cht aus, um von einem schuldhaf- ten Verhalten der Arbeitgeberin abzusehen. Ein Sanie rungskonzept, das detailliert aufzeigen würde, dass und in welchem Zeitraum die zurückgestellten Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden können und das die Rettung der Firma aus objektiver Sicht als realistisch hätte erschei- nen lassen, wurde von der Beschwerdeführerin nicht ein gereicht. Zudem gab der beigezogene Schuldensanierer G.____ anlässlich der heutigen Partei verhandlung zu Protokoll, dass er von der Konkursitin erst im Jahr 2012 beigezogen worden sei . Nach einer Analyse der Geschäfts- bücher habe er feststellen müssen, dass die liquiden Mi ttel des Unternehmens eine Sanierung nicht mehr zugelassen hätten. Er habe deshalb den Org anen zu einem gerichtlichen Nachlass- verfahren geraten. Es sind somit keine Anhaltspunkte ersi chtlich, die das fehlerhafte Verhalten der Konkursitin als gerechtfertigt erscheinen lassen würden. Sie trifft im Zusammenhang mit der Verletzung der Beitragszahlungspflicht ein Verschulden im Umfang grober Fahrlässigkeit. 9.1 Zu prüfen ist das Verschulden der Beschwerdeführeri n, denn nicht jedes einer Firma anzulastende Verschulden muss auch ein solches ihrer sämt lichen Organe sein. Vielmehr ist abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Arbei tgeberin einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung inne rhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach ent scheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person ü bertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). 9.2 Bei der der Prüfung der Organhaftung bei einer GmbH ist zu beachten, dass die GmbH grundsätzlich eine dreiteilige Organisation aufweist. Vo n Gesetzes wegen sind als Organe die Gesellschafterversammlung (Art. 804 ff. des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligatio nenrecht, OR] vom 30. März 1911), die Geschäftsführung und Vertretung (Art. 809 ff. OR ) sowie die Revisionsstelle (Art. 818 OR) vorgesehen. Grundsätzlich ist in Art. 809 Abs. 1 OR die sogenannte Selbstorganschaft statuiert, was bedeutet, dass die Geschäftsführung und Vertretung d urch alle Gesellschafter erfolgt. In dieser Konstellation ist dann auch jeder Gesellschafter zugleich Organ der Gesellschaft (vgl. Urteil des Kantonsgerichts vom 10. Dezember 2015, 710 14 283/326, E. 6.2 mit weiteren Hin- weisen). Gemäss Art. 827 OR gelten für die Verantwortl ichkeit der bei der Gesellschaftsgrün- dung beteiligten und der mit der Geschäftsführung un d der Kontrolle einer GmbH betrauten Personen sowie der Liquidatoren die Bestimmungen über die Aktiengesellschaft analog. Die Kriterien, welche die Rechtsprechung für die Organhaft ung bei der Aktiengesellschaft gebildet hat, lassen sich daher auf die Organe einer GmbH übert ragen (vgl. THOMAS NUSSBAUMER , Das Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG, in: Schaffhau ser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 10 4). Ist demnach eine GmbH als Selbst- organschaft organisiert, herrscht in Bezug auf Art. 52 AHVG Klarheit über die haftbaren Organe. Alle Gesellschafter sind in analoger Anwendung von Art. 754 OR in Verbindung mit Art. 759 Abs. 1 OR sowohl der Gesellschaft als auch den Gesellschaf tsgläubigern für den Schaden ver- antwortlich, den sie durch absichtliche oder fahrlässige Ve rletzung der ihnen obliegenden Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Pflichten verursachen, wobei sie solidarisch dafür haft en, wenn sie für den gleichen Schaden verantwortlich sind (BGE 114 V 214 E. 3). 9.3.1 Gemäss Handelsregisterauszug war die Beschwerdeführ erin seit dem 18. August 2000 Gesellschafterin der Konkursitin, zwischenzeitlich sogar Geschäftsführerin. Die Beschwerdefüh- rerin stellt ihre formelle Organstellung nicht in Fra ge. Sie bringt aber vor, dass der Beigeladene C.____ für die Buchhaltung zuständig gewesen sei und si e darauf keinen Einfluss habe neh- men können. Sie habe zwar Kenntnis der Ausstände gehabt, habe aber geglaubt, dass mit der Einlage die Pendenzen erledigt würden. Die Konkursitin ist als mittelgrosses Unternehmen zu bezei chnen, welches über eine einfache Verwaltungsstruktur verfügte. Entsprechend darf von den O rganen der Überblick über alle Be- lange verlangt werden und es sind an deren Sorgfaltsp flicht grundsätzlich strengere Anforde- rungen zu stellen (vgl. Urteil des EVG vom 18. Januar 2005, H 77/2003, E. 6.4; BGE 108 V 202 E. 3a). In ihrer Eigenschaft als geschäftsführende Gesell schafterin hatte die Beschwerdeführe- rin deshalb darauf zu achten, dass keine Beitragsausst ände entstehen und massgebender Lohn nur in dem Umfang ausgerichtet wird, als die dara uf geschuldeten, unmittelbar mit der Lohnauszahlung anfallenden Beitragsverbindlichkeiten bezahlt oder doch wenigstens sicherge- stellt werden können (Urteil des EVG vom 25. Oktober 2004, H 239/03, E. 3.4; SVR 1995 AHV Nr. 70 S. 214 E. 5). Die Beschwerdeführerin kann sich auch nicht unter Hinwei s auf den Beigeladenen C.____ ent- lasten. Gemäss Rechtsprechung und Doktrin bildet die De legation von Geschäftsführungskom- petenzen kein Exkulpationsgrund. Im Urteil vom 3. Febru ar 2010, 710 09 59/30, hielt das Kan- tonsgericht fest, dass die Überwachungspflicht des Organ s dann nicht ausreiche, wenn zwar geeignetes Personal ausgewählt werde, dieses dann aber nicht genügend überwacht werde. In diesem vom Kantonsgericht zu beurteilenden Sachverhalt war zwar an sich unbestritten, dass die Organe gegenüber dem Geschäftsführer zum Ausdruck brachten, dass die Beitragsverbind- lichkeiten prioritär abzugelten waren, was der Geschäfts führer in der Folge jedoch unterlassen hatte. Da die Organe diese Kontrollfunktion nicht wah rnahmen, bejahte das Gericht ihre Haf- tung. Im Urteil vom 29. April 2015, 710 14 396, E. 4 .2, hielt das Kantonsgericht sodann fest, dass gerade in finanziell schwierigen Zeiten besonders auf die regelmässige Entrichtung der Sozialversicherungsbeiträge zu achten sei, was eine ständige Überwachung der Abrechnungen und Zahlungen bedinge. Die Beschwerdeführerin gab he ute zur Auskunft, dass sie an den Sit- zungen teilgenommen habe, an denen die Ausstände bei d en Sozialversicherern sowie die Fi- nanzlage des Unternehmens besprochen worden seien. Selbst wenn somit im vorliegenden Fall die Kompetenzen an den Beigeladenen delegiert worden wären, so hätte die Beschwerdeführe- rin ihre Überwachungspflicht stärker wahrnehmen müssen, zumal sie Kenntnis der Beitrags- schulden hatte. Ihr Verschulden ist daher grundsätzlich zu bejahen. 9.3.2 Die Beschwerdeführerin bringt als Entlastungsgr und vor, dass sie und ihr Ehemann eigene finanzielle Mittel eingeschossen hätten, um das Unternehmen zu retten. Diese hätten sie schliesslich verloren, weshalb kein haftungsbegründendes V erschulden angenommen werden könne. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung stellen das Einschi essen von eigenen Mitteln oder der Verlust von eigenen Mitteln keine Rechtfertigungsg ründe dar, die für sich allein zur Vernei- nung einer Haftung führen könnten (Urteil des EVG vom 19. Juli 2004, H 26/04, E. 3.2.2). Vor- liegend kommt hinzu, dass die eingeschossenen Mittel von den Organen als Darlehen gewährt wurden. Diese stellten somit kein frisches Kapital für die D.____ GmbH dar; vielmehr führten sie zu einer Erhöhung der Passiven, worauf die Beschwerdegegnerin zu Recht hinweist. Nicht aus- gewiesen ist weiter, dass mit den von der Beschwerdeführ erin eingeschossenen Mitteln tat- sächlich auch Sozialversicherungsbeiträge bezahlt wurden. Aus der in der Replik unter Ziffer 8.2 festgehaltenen Aufstellung ist darüber hinaus ersicht lich, dass das Total der KK und Darle- hen im Jahre 2010 am höchsten war, es betrug nämlich ca. Fr. 134‘000.--. In den darauffolgen- den Jahren konnte das Total kontinuierlich abgebaut we rden: im Jahre 2011 auf ca. Fr. 100‘000.-- und dann nochmals auf ca. Fr. 73‘000.-- im Jahre 2012. Die Einschüsse wurden also gerade in einer Zeitspanne reduziert, in der die Bei tragsschulden grösser wurden. Die Erfolgs- rechnungen sodann weisen unter Konto 6811 für das Jahr 2010 Darlehenszinse im Umfang von Fr. 3‘630.-- aus; für das Jahr 2011 haben die Zinsen dann aber bereits Fr. 36‘842.-- und für das Jahr 2010 Fr. 37‘444.-- betragen. Das gewährte Darlehen stellt damit keinen Exkulpationsgrund dar. 9.3.3 Die Beschwerdeführerin moniert weiter, dass die Beschwerdegegnerin ein Mitver- schulden an der Höhe des eingetretenen Schadens treffe , was zu einer Herabsetzung des Schadenersatzanspruches führen müsse. Die Beschwerdegegne rin habe zu wenig gegen die Anhäufung des Schadens getan. Spätestens ab Mitte Februar 2010 hätte sie erkennen müssen, dass ein uneinbringlicher Schaden entstanden sei und hät te mittels Konkurseröffnung die Reissleine ziehen müssen, um weiteren Schaden zu vermeiden. Es ist der Beschwerdeführerin dahingehend beizupflicht en, dass eine grobe Pflichtverletzung seitens der Ausgleichskasse rechtsprechungsgemäss dazu führe n kann, dass die Ersatzpflicht in sinngemässer Anwendung von Art. 44 Abs. 1 OR ermesse nsweise herabgesetzt wird (BGE 122 V 185 E. 3c). Dies ist namentlich der Fall, wenn d ie Ausgleichskasse elementare Vorschrif- ten der Beitragsveranlagung und des Beitragsbezugs missach tet hat und wenn zwischen dem rechtswidrigen Verhalten und dem Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (Ur- teil des EVG vom 2. März 2004, H 235/03, E. 7 mit Hinweis). Unter Umständen kann die Ausgleichskasse, welche nach Art. 43 Ziff. 1 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs (SchkG) vom 11. April 1889 fällige Beiträge grundsätzlich nicht auf dem Wege der Konkursbetreibung erhältlich ma chen kann, gestützt auf Art. Art. 190 Abs. 1 Ziff. 2 SchKG allenfalls sogar ohne vorgängige Betreibung auf Pfändung direkt beim zu- ständigen Gericht die Konkurseröffnung verlangen. Dies k ann etwa der Fall sein, wenn die Ar- beitgeberin über längere Zeit ausschliesslich ihre privat en Gläubiger befriedigt und den öffent- lich-rechtlichen Verpflichtungen, insbesondere Bezahlung der Steuern und Sozialversiche- rungsbeiträge trotz wiederholter Mahnungen und Betre ibungen nicht nachkommt (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 2010, 9C_48/2010, E. 2.2). So weit sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt stellt, dass sie nur die Pfandbetreib ung habe einleiten können, kann ihr Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht deshalb nicht gefolgt werden. Dennoch ist die Rechtspre chung sehr zurückhaltend und sieht in dieser Konstellation noch keinen Grund, die Schadenersa tzforderung zu reduzieren und ein Mitverschulden der Ausgleichskassen anzunehmen (vgl. dazu En tscheid des Sozialversiche- rungsgerichts Zürich vom 30. Oktober 2015, AK 2014.00004, Urteil des Bundesgerichts vom 26. November 2007, H 18/07). Diese Auffassung verdient Zusti mmung, denn letztlich kann es nicht angehen, dass die Beschwerdegegnerin geschäftsführende Kompetenzen übernehmen muss und diejenigen Schritte einzuleiten hat, welche die viel näher an der Sache tätigen Organe längst hätten tätigen sollen. 9.3.4 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, die Ge schäftsführung sei der Meinung gewe- sen, dass der mit dem Betreibungsamt vereinbarte Abzahl ungsmodus die finanzielle Situation der Arbeitgeberin entlaste, ändert das nichts an ihrem Verschulden. Diese Abzahlungsvereinba- rung betraf das Betreibungsamt und nicht die Beschwerde gegnerin. Selbst wenn Teilzahlungs- vereinbarungen mit der Beschwerdegegnerin abgeschlossen worden wären, so wären diese letztlich nicht ausschlaggebend gewesen, da mit überwiege nder Wahrscheinlichkeit davon aus- gegangen werden muss, dass die Vereinbarungen wohl nicht eingehalten worden wären. 9.4 Ausser den vorstehend genannten Einwänden bringt d ie Beschwerdeführerin keine anderen Gründe vor, die geeignet wären, die Missachtun g der Beitragszahlungspflicht als ge- rechtfertigt oder zumindest als entschuldbar erscheinen zu lassen. Die Akten enthalten eben- falls keine zusätzlichen Anhaltspunkte, die gegen eine Sc hadenersatzpflicht der Beschwerde- führerin sprechen würden. Somit ist ihre Haftung nach Art. 52 AHVG zu bejahen. 10.1 Zu prüfen bleibt, ob die Forderung der Beschwer degegnerin verwirkt oder allenfalls teilweise verjährt ist. Nach Art. 52 Abs. 3 AHVG verj ährt der Schadenersatzanspruch zwei Jah- re, nachdem die zuständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenn tnis erhalten hat, jedenfalls aber fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Wird die Fo rderung aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für die das Strafrecht eine längere Verj ährungsfrist vorschreibt, so galt bzw. gilt nach altem wie nach neuem Recht diese Frist (Art. 82 Abs. 2 aAHVV bzw. Art. 52 Abs. 4 AHVG). 10.2 Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpun kt, dass sämtliche Verantwortlich- keitsansprüche gegenüber den Organen der Konkursitin verw irkt seien, da der Konkurs per 13. Februar 2014 als geschlossen erklärt worden sei und die Beschwerdegegnerin es verpasst ha- be, sich vorher die Rechtsansprüche gegen die Beschwer deführerin gemäss Art. 260 SchKG abtreten zu lassen. Art. 52 AHVG gebe keinen selbständi gen Anspruch der Beschwerdegegne- rin, gegen sie vorzugehen. 10.3 Die Beschwerdegegnerin weist zu Recht darauf hin, dass eine derartige Abtretung nicht erforderlich ist, da sich die Haftungsgrundlage direkt und originär aus Art. 52 AHVG ergibt. Eine Verwirkung des Schadenersatzanspruches liegt nicht vor. 11.1 Die Beschwerdeführerin macht zudem geltend, dass de r Schadenersatzanspruch zu- mindest teilweise verjährt sei. Die Beschwerdegegnerin hätte spätestens seit dem 10. Februar Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2010, als die Ausstände von Fr. 30‘000.-- auf Fr. 100‘000.-- hochgeschnellt seien, Kenntnis des Schadens habe können. Ab diesem Zeitpunkt hätte sie davon ausgehen müssen, dass die Aus- stände nicht beglichen werden können. Sie hätte also ni cht die Ausstellung der Konkursverlust- scheine abwarten dürfen. Daher laufe die zweijährige V erjährungsfrist ab dem 10. Februar 2010. 11.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist Kenn tnis des Schadens gemäss Art. 52 Abs. 3 AHVG von dem Zeitpunkt an gegeben, in welchem die Ausgleichskasse unter Beach- tung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit und unter Berücksi chtigung der Praxis erkennen muss, dass die tatsächlichen Gegebenheiten nicht mehr er lauben, die Beiträge einzufordern, wohl aber eine Schadenersatzpflicht begründen können ( BGE 131 V 427 E. 3.1, 119 V 92 E. 3; vgl. auch U ELI KIESER , a.a.O., Art. 52 AHVG, Rz. 104). Bei Einstellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven gilt der Schaden als mit dem entsprechend en Beschluss eingetreten, der den Konkurs amtlich für fruchtlos erklärt, woraus der Verlust der Beitragsforderung der Ausgleichs- kasse resultiert. Die Frist von zwei Jahren für die Geltendmachung der Schadenersatzforderung seit Kenntnis des Schadens beginnt demnach vom Zeitpunkt d er Fruchtloserklärung bezie- hungsweise von deren Veröffentlichung im Schweizerischen Ha ndelsamtsblatt (SHAB) an zu laufen (BGE 129 V 193 E. 2.3, 128 V 10 E. 5a, 126 V 443 E. 3c). 11.3 Der Konkurs über die D.____ GmbH wurde am 6. Feb ruar 2013 eröffnet. Mit Verfügung vom 13. Februar 2014 wurde das Konkursverfahren als geschl ossen erklärt. Dieser Beschluss wurde am 17. Februar 2014 im SHAB veröffentlicht. Am 14. Februar 2014 stellte das Kon- kursamt der Beschwerdegegnerin die Verlustscheine 1816 un d 1817 zu. Indem die Ausgleichs- kasse am 7. April 2014 gegenüber der Beschwerdeführerin die Schadenersatzverfügung er- liess, hat sie die zweijährige Frist des hier anwendbaren Art. 52 Abs. 3 AHVG gewahrt. Die streitgegenständliche Forderung ist somit nicht verjährt. 12. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ergibt sich zusammenfassend, dass die Voraussetzungen für die Leistung von Schadenersatz erfüllt sind. Rechtfertigungs- oder Exkul- pationsgründe liegen keine vor. Die Beschwerdegegnerin hat demnach die Beschwerdeführerin zu Recht verpflichtet, Schadenersatz für entgangene bunde srechtliche Beiträge im Umfang von Fr. 455‘089.50 zu bezahlen. Die gegen den Einspracheen tscheid vom 9. Juli 2014 erhobene Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 13. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten des Prozesses können wettgeschlagen werden. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht