Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. August 2012 (720 11 218) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Mangelnde Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Yves T hommen, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.___ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Stefan Hofer, Rechtsan- walt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1978 geborene A.____ war zuletzt im Rahmen ei ner befristeten Anstellung von Mai 2005 bis Ende September 2006 als Assistenzärztin bei der Pathologie des Spitals X.____ be- schäftigt. Am 30. Mai 2007 meldete sie sich bei der IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Eine zunächst in die Wege geleitete b erufliche Eingliederung wurde erfolg- los beendet, da aufgrund psychischer Beeinträchtigungen keine Integrationsmassnahmen mög- lich waren. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse verfügte die IV- Stelle nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügungen vom 20. April bzw. 11. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mai 2011 aufgrund eines ermittelten IV-Grads von 56% mit Wirkung ab 1. August 2007 eine halbe IV-Rente unter Vorbehalt der Verrechnung bere its ausbezahlter Taggelder mit der Ren- tenleistung. B. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch St efan Hofer, Rechtsanwalt, am 27. Mai 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozi- alversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte die Aufhebung der Verfügungen vom 20. April und 11. Mai 2011 sowie die Zusprache einer ganzen IV-Rente ab 1. August 2007. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass die IV-Stelle auf das psychiatrische Gutachten von Dr. B.____ abgestellt habe, ohne die Beu rteilung der behandelnden Fachärztin zu berücksichtigen. Diese attestiere ihr eine volle Arbei tsunfähigkeit. Ferner wurde die Ermitt- lung des Validen- und Invalideneinkommens beanstandet. C. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 15. Aug ust 2011 auf teilweise Gutheis- sung der Beschwerde. Es sei der Beschwerdeführerin mit W irkung ab 1. August 2007 eine Dreiviertelsrente der IV auszurichten. Gestützt auf die g utachterliche Einschätzung von Dr. B.____ sei der Beschwerdeführerin die Ausübung ei ner ihren Leiden angepassten Tätigkeit im Umfang von 80% zumutbar. Zu berücksichtigen sei, dass die Beschwerdeführerin die für ihren beruflichen Werdegang gemachten Pläne näher kon kretisiert habe, weshalb entgegen den angefochtenen Verfügungen ein Valideneinkommen vo n Fr. 103'575.-- heranzuziehen sei. In Gegenüberstellung mit einem massgebenden Invalidenei nkommen ohne leidensbedingten Abzug in der Höhe von Fr. 40'826.-- resultiere ein IV-Grad von 61%. D. Mit Replik vom 6. Oktober 2011 beantragte die Beschwe rdeführerin, es sei ihr ab August 2007 eine ganze IV-Rente zu gewähren. Das massgebende V alideneinkommen belaufe sich auf Fr. 113'702.--, das Invalideneinkommen auf maximal Fr. 32'660.--. Es sei noch einmal dar- auf hinzuweisen, dass auch Dr. B.____ zum Schluss gekomm en sei, der remittierte Zustand liege lediglich bei fehlender beruflicher Belastung vor. Tatsächlich könne sie nicht mehr als Fr. 20'000.-- pro Jahr verdienen, weshalb sie auch dann Anspruch auf eine ganze IV-Rente besässe, wenn der IV-Stelle folgend von einem Validene inkommen von lediglich Fr. 103'535.-- ausgegangen würde. Die IV-Stelle hielt mit Duplik vom 19. Oktober 2011 an ihrer Vernehmlas- sung fest. Mit Eingabe vom 20. Oktober 2011 reichte die Beschwerdeführerin im Nachgang zu ihrer Replik eine Kopie ihres aktuellen Arbeitsvertrages bei der Stiftung F.____ ein. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 8. Dezember 2011 g elangte das Gericht zum Ergeb- nis, dass die der Versicherten noch verbleibende Erwerbs fähigkeit unter beruflicher Belastung näherer Prüfung bedürfe. Es beschloss daher, die Angele genheit auszustellen und forderte die Parteien auf, dem Gericht einen gemeinsamen Gerichtsgu tachter zwecks gerichtlicher Begut- achtung vorzuschlagen und zu dem vom Gericht vorgelegten Fr agenkatalog Stellung zu neh- men. Nachdem sich die Parteien auf Dr. C.____ als Gerichtsgutachter geeinigt und dem Gericht den Verzicht auf ergänzende Fragen mitgeteilt hatten, erging am 11. Januar 2012 die Auftrags- erteilung durch das Gericht. Das entsprechende Gerichtsg utachten wurde am 18. Mai 2012 erstattet. Die Beschwerdeführerin hielt mit Stellungnahme vom 25. Mai 2012 an ihrem ursprüng- lichen Rechtsbegehren fest, da eine sinnvolle Beschäftigu ng auf dem freien Arbeitsmarkt nicht Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht möglich sei. Die IV-Stelle schloss sich mit Stellungnahme vom 4. Juni 2012 unter Hinweis auf eine Stellungnahme des RAD vom 1. Juni 2012 grundsätzl ich der Beurteilung des Gerichtsgut- achters an, hielt indessen an der Abweisung der Beschwe rde fest, weil nicht ersichtlich sei, weshalb dessen aktuelle Einschätzung bereits seit 2007 gelt en solle. Die Beurteilung des Ge- richtsgutachters könne erst ab dem Datum der Begutachtung Geltung beanspruchen. Auf die übrigen Vorbringen der Parteien ist - soweit notwendig - in den nachfolgenden Erwä- gungen - einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 i.V.m. Art. 69 des Bundesgesetzes über die Inva- lidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 kann gegen Ve rfügungen der kantonalen IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versicherungsgericht am O rt der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Das Kantonsgericht ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsp rozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 örtlich und sachlich zuständig. Auf die im Ü brigen form- und fristgerecht einge- reichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Am 1. Januar 2008 ist die Änderung des IVG vom 6. O ktober 2006 (5. IV-Revision) in Kraft getreten. In intertemporalrechtlicher Hinsicht sehen deren Schlussbestimmungen eine - im vorliegenden Fall nicht weiter interessierende - Sonder regelung betreffend die Besitzstands- wahrung bei Taggeldern für laufende Eingliederungsma ssnahmen vor. In Bezug auf den Ren- tenanspruch enthalten die Schlussbestimmungen dagegen keine übergangsrechtliche Sonder- regelung. Für die Beurteilung der Frage, welches Rech t bei der Beurteilung des Rentenan- spruchs Anwendung findet, ist deshalb auf die allgemein en Kriterien des intertemporalen Rechts abzustellen (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Dana ch gilt der Grundsatz, dass diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des r echtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (vgl. BGE 130 V 253 E. 3.5 mit Hinweis). 2.2 Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat als w eisungsberechtigte Aufsichts- behörde gestützt auf Art. 64 und Art. 64a Abs. 1 lit. b IVG im Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007 Weisungen zur 5. IV-Revision und zum Intertemporalrecht erlassen. Da- nach ist grundsätzlich dasjenige Recht anwendbar, welche s bei Eintritt des Versicherungsfalles in Geltung stand. Ist der Versicherungsfall vor dem 1. Januar 2008 eingetreten, so gilt demnach altes Recht und die versicherte Person kann sich noch in nerhalb eines Jahres seit Eintritt des Versicherungsfalles ohne Einbusse an Rentenleistungen b ei der IV anmelden (vgl. Art. 48 Abs. 2 IVG [in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fass ung]). Auch wenn das Gericht an die Verwaltungsweisungen nicht gebunden ist, weicht es praxi sgemäss nicht ohne triftigen Grund davon ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Damit wird dem Bestreben einer rechtsgleichen Gesetze sanwendung Rechnung getragen (vgl. BGE 133 V 587 E. 6.1). Das trifft auf die genannte Weisung des BSV zu. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Vorliegend begann das Wartejahr für den Rentenan spruch laut den unbestritten geblie- benen und zutreffenden Feststellungen der Beschwerdegegnerin im September 2006 zu laufen und endete somit im August 2007 (vgl. auch Arztbericht für Erwachsene der Kliniken Y.____ vom 30. August 2007). Die rentenbegründende Invaliditä t (Versicherungsfall Invalidenrente nach Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000 und Art. 4 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 28 ff. IVG; vgl. dazu nunmehr a uch BGE 137 V 417 ff.) ist demnach noch vor dem 1. Januar 2008 eingetreten. Somit ist der Ren tenanspruch der Beschwerdeführerin gemäss den bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Rechtsgrundlagen zu beurteilen. 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (vgl. BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (vgl. BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme eine r durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternati- ve Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (vgl. BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis Ende 2007 gült ig gewesenen Fassung) hat die versi- cherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreivier- telsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG (in der bis 31. Dezember 2 007 gültig gewesenen Fassung) ist für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten Art. 16 ATSG anwendbar. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades d as Erwerbseinkommen, das die versi- cherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Dur chführung der medizinischen Behand- lung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegli- chener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkomme n), in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in valid geworden wäre (Validenein- kommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst gena u ermittelt und einander ge- genübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz läss t sich der Invaliditätsgrad bestim- men (BGE 104 V 136 E. 2a und b). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) bleib t folglich weitestgehend anwendbar (vgl. BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlich en Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (vgl. U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg .], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise s prechen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6.1 Die IV-Stelle gab zur Abklärung des Gesundheitszusta ndes und zur Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit der Versicherten bei Dr. B.____, FMH Psych iatrie und Psychotherapie, ein psy- chiatrisches Gutachten in Auftrag, welches am 24. August 2010 erstattet wurde. Darin diagnos- tizierte der Experte als Leiden mit Einfluss auf die Arb eitsfähigkeit eine rezidivierende depressi- ve Störung mit mittelgradig depressiver Episode, gegenwä rtig remittiert, sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und emotional inst abilen Anteilen. Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestünden keine. Die aktuelle gesundheitliche Situation sei durch wiederholt auftretende depressive Episoden unte rschiedlichen Ausmasses gekenn- zeichnet. In den vergangenen Jahren seien zwei mittelgr adig depressive Episoden dokumen- tiert. Die depressive Störung verzeichne aber auch länger e remittierte Phasen. Gegenwärtig liege bei fehlender beruflicher Belastung ein remittierter Zustand vor. Der gesundheitliche Knick in der Lebenslinie der Explorandin sei durch die rezidi vierenden depressiven Episoden jedoch nicht hinreichend zu erklären. Es fielen Symptome auf, di e über eine Depression hinausgingen. Es bestünden weitreichende Ängste und Insuffizienzgefühle, ins Erwachsenenleben einzutreten und sich einer verantwortungsvollen Berufstätigkeit zu ste llen. Hinzu kämen bisher nicht sehr ausgeprägte selbstschädigende Handlungen und ein testp sychologisch nachgewiesener, hoher Neurotizismuswert in Verbindung mit einer psychischen Labilität. Zusammenfassend zeige sich, dass sich die Problematik in einer Grauzone zwischen Akzentui erung und Störung der Persön- lichkeit bewege. Es dominiere dabei nicht so sehr das spr unghafte Beziehungschaos, sondern ein eher stiller Motivationsmangel, zumindest so lange, a ls die Explorandin nicht unter berufli- cher Belastung stehe. Die gesundheitliche Situation än dere sich bei entsprechender beruflicher Belastung, wo die Instabilität offenkundig werde, die Borderline-Symptomatik stärker hervortrete Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und ein klinisches Ausmass erreiche, wodurch dann auch die Leistungsfähigkeit betroffen sei. In der angestammten Tätigkeit als Ärztin bestehe keine p raktisch verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erscheine eine konkre t handwerkliche Tätigkeit mit ent- sprechender Führung und Dosierung der Arbeitsmenge eher auf die psychische Situation zuge- schnitten zu sein. In einer entsprechenden Verweistätigkeit könne von einer 80%igen Arbeitsfä- higkeit ausgegangen werden. Die Arbeitsfähigkeit sei s eit der Zuspitzung der Krise und der Hospitalisation in den Y.____ im Januar 2007 in diesem beschriebenen Ausmass und in der beschriebenen Art und Weise eingeschränkt. Die gesundhei tliche Basis für allfällig berufliche Massnahmen sei derzeit nicht stabil genug. 6.2 Dem gerichtlichen Gutachten von Dr. C.____, FMH Psychi atrie und Psychotherapie, vom 18. Mai 2012 zufolge sei mit Einfluss auf die Arbei tsfähigkeit eine rezidivierende depressi- ve Störung, aktuell leicht bis mittelgradig ausgeprägt , mit somatischem Syndrom vor dem Hin- tergrund einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit vorrangig narzisstischen und emotional instabilen Anteilen zu diagnostizieren. Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestün- den keine. Die im Untersuchungszeitpunkt ausgeprägte depr essive Symptomatik und die emo- tional-instabilen Persönlichkeitszüge würden die psychoph ysische und insbesondere die psy- chosoziale Leistungsfähigkeit erheblich einschränken. Ge samthaft sei der Versicherten eine entsprechende Willensanstrengung zur Beschwerdeüberwindung deutlich erschwert, gegenwär- tig gar weitgehend verunmöglicht. Als Ärztin bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit. Eine relevan- te Arbeitsfähigkeit unter den Bedingungen der freie n Wirtschaft sei auch für jedwede andere Tätigkeit aus heutiger Sicht nicht gegeben (Arbeitsunfähigkeit 80%). Invaliditätsfremde Faktoren seien dabei berücksichtigt und seien nicht in die Beurtei lung der medizinisch-theoretischen Zu- mutbarkeit mit eingeflossen. Eine relevante Arbeitsfäh igkeit unter den Bedingungen der freien Wirtschaft sei kurz- und mittelfristig nicht zu erwarten. Es bestehe eine Wechselwirkung zwi- schen den festgestellten psychischen Störungen einer rezidivierenden depressiven Störung und der kombinierten Persönlichkeitsstörung. Jedwede beruflich e Belastung führe zu einer Ver- schärfung des Konflikts zwischen den eigenen Leistungsansprüch en und der geringen Frustra- tionstoleranz und Durchhaltefähigkeit. Seit 2007 bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit als Ärztin. Aus psychiatrischer Sicht bestehe unter den Bedingungen der freien Wirtschaft für jedwede Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit. Im Hinblick auf die diskrepante Einschätzung der Ar- beitsfähigkeit gegenüber Dr. B.____ müsse nebst dem aktuell schwerwiegenderen Befund auch der Verlaufscharakter der rezidivierenden depressiven Stö rung berücksichtigt werden. Betrach- te man den Verlauf der letzten Jahre, so sei keine ei nschneidende und vor allem nachhaltige, stabile Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten, der es ermöglicht hätte, über län- gere Zeit eine relevante Leistungsfähigkeit zu erbrin gen. Vielmehr zeige sich das Bild eines instabilen, fluktuierenden Verlaufs, der durch situative Einflüsse akzentuiert werde. Mittlerweile sei von einer deutlichen Chronifizierungstendenz auszugehen, wobei sich das Störungsbild von situativen Einflüssen weitgehend entkoppelt habe. Aus p sychiatrischer Sicht sei eine relevante Arbeitsfähigkeit unter den Bedingungen der freien W irtschaft in jedweder Tätigkeit daher aus- geschlossen. Diese Arbeitsunfähigkeit für jedwede Tätig keit unter den Bedingungen der freien Wirtschaft bestehe seit spätestens Juni 2010. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Die IV-Stelle hat den angefochtenen Verfügungen die medizinischen Abklärungsergeb- nisse von Dr. B.____ vom 24. August 2010 zu Grunde gelegt. Mittlerweile gehen beide Parteien darin einig, dass die Beurteilung der medizinischen Ver hältnisse indessen gestützt auf das ge- richtliche Gutachten vom 18. Mai 2012 zu erfolgen hat. So hat sich insbesondere auch die IV- Stelle in ihrer Stellungnahme vom 1. Juni 2012 den gutachterlichen Schlussfolgerungen von Dr. C.____ grundsätzlich angeschlossen. Dieser übereinstimm enden Ansicht ist beizupflichten. Wie bereits der Stellungnahme des regionalärztlichen Di enstes RAD vom 1. Juni 2012 zu ent- nehmen ist, erfüllt das gerichtliche Gutachten von Dr. C.____ alle rechtsprechungsgemäss er- forderlichen Kriterien an eine aussagekräftige und schlü ssige Expertise (vgl. oben, Erwägung 5.3). Das gerichtliche Gutachten beruht auf umfassenden Untersuchungen, berücksichtigt de- tailliert die von der Versicherten geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis aller relevanten Vorakten abgegeben. Entgegen dem Gutachten von Dr. B .____ geht der gerichtliche Gutachter auch auf die Einschätzung der behandelnden Fachpsychiate rin ein und gibt - anders als noch Dr. B.____ in dessen Gutachten vom 24. August 2010 - i nsbesondere eine nachvollziehbare Einschätzung der der Versicherten noch zumutbaren Verwei stätigkeit unter beruflicher Belas- tung ab. Mit Blick auf eine der Beschwerdeführerin in der freien Wirtschaft nicht mehr zumutba- re Verweistätigkeit legt er nachvollziehbar dar, dass sich das Bild eines instabilen und fluktuie- renden Verlaufs chronifiziert hat und die Verschlechteru ng der psychiatrischen Verfassung auf die Wechselwirkung zwischen den diagnostizierten Störungen zurückzuführen ist. Diese Schlussfolgerung deckt sich mit den übrigen medizinischen U nterlagen, insbesondere der fach- ärztlichen Beurteilung der behandelnden Psychiaterin, w onach die Versicherte auf dem Ar- beitsmarkt wegen ihrer emotionalen Inkonstanz letztlich nicht vermittelbar sei (vgl. Arztbericht von Dr. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 25 . Juni 2010). Sie erweist sich aber ebenso kongruent mit dem Ergebnis der beruflichen Massnahmen, demzufolge eine beruf- liche Lösung an einem Arbeitsplatz selbst mit geringen Anforderungen an die Selbständigkeit undenkbar war und eine Ausbildung oder Arbeitsvermitt lung mit einem relevanten Erwerbsein- kommen deshalb ausgeschlossen blieb (vgl. Abschlussbericht der beruflichen Massnahmen vom 14. Juni 2010; BGE 107 V 20). Bereits Dr. B.____ war in seinem Gutachten vom 24. Au- gust 2010 zum Schluss gekommen, dass die Instabilität der Versicherten unter beruflicher Be- lastung offenkundig werde und dann jeweils die Leistun gsfähigkeit beeinflusse. Dass unter den Bedingungen der freien Wirtschaft keine verwertbare A rbeitsfähigkeit mehr vorhanden ist, er- weist sich somit als schlüssig und wird schliesslich auch durch die Beschäftigung der Versicher- ten in der Stiftung Weizenkorn bestätigt, wo die Versi cherte im Rahmen eines geschützten Ar- beitsplatzes im Umfang von lediglich 40% tätig ist (vgl. Bestätigung Stiftung Weizenkorn vom 7. September 2011). Den in diesem Sinne übereinstimme nden Parteivorbringen ist demnach beizupflichten. 6.4 Uneinigkeit zwischen den Parteien besteht hingegen hinsichtlich des Zeitpunkts, ab wann die Einschätzung des gerichtlichen Gutachters einer nicht mehr verwertbaren Restarbeits- fähigkeit in der freien Wirtschaft Geltung besitzt. Wä hrend die IV-Stelle unter Hinweis auf die Stellungnahme des RAD vom 1. Juni 2012 die Meinung ver tritt, die Beurteilung von Dr. C.____ könne erst ab dem Datum seiner Begutachtung Geltung be anspruchen, stellt sich die Be- schwerdeführerin auf den Standpunkt, dass der zeitlich ma ssgebende Sachverhalt im Zeitpunkt des Verfügungserlasses festzusetzen sei. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4.1 Entgegen der von der IV-Stelle vertretenen Auf fassung ist zunächst darauf hinzuweisen, dass der Gerichtsgutachter die Frage, seit wann seine E inschätzung gilt, gerade nicht dahinge- hend beantwortet hat, dass die festgestellte Einschränk ung seit 2007 bestehe. Den Ausführun- gen von Dr. C.____ ist vielmehr zu entnehmen, dass seit dem Jahre 2007 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit als Ärztin bestehe, die aktuell at testierte Arbeitsunfähigkeit für jedwede Tä- tigkeit unter den Bedingungen der freien Wirtschaft h ingegen spätestens seit Juni 2010 gültig sei (vgl. gerichtliches Gutachten von Dr. C.____ vom 18. Mai 2012, S. 24, ad Antwort 6). Ande- rerseits vermag der Hinweis der Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom 13. Juni 2012, dass der Sachverhalt im Zeitpunkt des Verfügungserlasses massgebend sei, vorliegend nicht zu beantworten, ob auch für die Zeit ab August 2007 vo n einer in der freien Wirtschaft nicht mehr verwertbaren Arbeitsfähigkeit auszugehen ist. Diese Frage ist vielmehr unter Beizug der bereits dazumal vorliegenden medizinischen Unterlagen zu beantworten. Deren genaue Be- trachtung ergibt, dass die Beschwerdeführerin bereits spä testens seit Ablauf des Wartejahres im August 2007 (vgl. obige Erwägung 2.3) nicht mehr in der Lage war, auf dem freien Arbeits- markt einer verwertbaren Erwerbstätigkeit nachzugehen. So war sie nach ihrem Studienab- schluss bereits im November 2004 wegen eines Erschöpfungszusta ndes erstmals stationär behandelt worden (vgl. Austrittsbericht der Y.____ vom 4. Dezember 2007). Nach einer rund einjährigen Berufstätigkeit in der Pathologie X.____ folgte bis Mitte Juni 2007 eine weitere stati- onäre Hospitalisation wegen depressiven Störungen vor d em Hintergrund einer akzentuierten Persönlichkeit mit emotional-instabilen und narzisstischen Zügen (vgl. Bericht der Y.____ vom 24. Oktober 2007). Betrachtet man den weiteren Verla uf, so ist seit Beginn des Jahres 2007 auch in der Folge keine einschneidende und vor allem stabile Verbesserung des Gesundheits- zustands mehr eingetreten, der es der Versicherten erlaub t hätte, über längere Zeit in einer ihr zumutbaren Verweistätigkeit eine relevante Leistungsfäh igkeit auf dem freien Arbeitsmarkt zu erbringen (vgl. gerichtliches Gutachten von Dr. C.____ vom 18. Mai 2012, S. 23). Die Tatsache, dass schon geringe berufliche Belastungen zu einer jew eils vollständigen Blockade innerpsy- chischer Kräfte und mithin zu einer vollständigen Arbeits unfähigkeit geführt haben (vgl. Abschlussbericht der beruflichen Massnahmen vom 14. Ju ni 2010), ergibt sich insbeson- dere aus dem psychologischen Gutachten der Y.____ vom 5. März 2007, wonach bereits da- zumal just von jener von Dr. C.____ auch aktuell erhobenen chronischen Überforderung auszu- gehen war, welche eine adäquate Leistungsfähigkeit unt er beruflicher Belastung aufgrund der Wechselwirkung zwischen rezidivierender depressiver Störung und akzentuierter Persönlichkeit stets verunmöglicht hatte. 6.4.2 Nach der stationären Behandlung in den Y.____ i m Jahre 2007 (vgl. Bericht der Y.____ vom 21. Juni 2007) bestätigte ein schon früh in die We ge geleitetes, erstes Belastbarkeitstrai- ning sowie ein anschliessendes Arbeitstraining in den Atel iers E.____ in X.____ ab September 2008 bis Dezember 2009, dass die Versicherte aufgrund i hrer psychischen Einschränkungen eine nur sehr geringe Belastbarkeit aufwies und auch w eiterhin nicht in der Lage war, selbst im Rahmen einer geschützten Werkstatt eine mindestens hälfti ge Arbeitsfähigkeit zu erbringen (vgl. Abschlussbericht der beruflichen Massnahmen vom 14. Juni 2010). Obschon die damali- gen Arbeitsversuche durch einfache Tätigkeiten geprägt waren, manifestierte sich im Gegenteil, dass bereits ein hälftiges Pensum alle Kräfte der Versic herten in Anspruch nahm. Sowohl aus Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht den entsprechenden Arbeitsrapporten als auch aus dem S chlussbericht ist zudem ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin selbst im geschützten Rahmen ihre im Vergleich zu einer Normal- arbeitszeit bereits stark reduzierte Sollstundenzahl aus g esundheitlichen Gründen nicht errei- chen konnte (vgl. Schlussbericht E.____ vom 7. Dezember 2009). So musste ein in der Folge in die Wege geleitetes Praktikum als wissenschaftliche Mitarbei terin am Institut G.____ krank- heitsbedingt bald abgebrochen und die Versicherte wie derum stationär in die Y.____ aufge- nommen werden (vgl. ärztliches Zeugnis von Dr. D.____ vom 15. März 2010 sowie Schreiben der Versicherten vom 18. März 2010). War bereits dazuma l von einer chronischen Überforde- rung unter beruflicher Belastung auszugehen, erhellt, dass die Versicherte bereits seit Ablauf des Wartejahres im August 2007 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage war, auf dem freien Arbeitsmarkt einer verwertbaren Verweistäti gkeit nachzugehen. Dies bestätigen auch die beiden Gutachten von Dr. B.____ und Dr. C .____. Der gerichtliche Gutachter ist in Übereinstimmung mit den übrigen medizinischen Unterlage n ebenfalls zum Ergebnis gelangt, dass die Wechselwirkungen zwischen den festgestellten psychisch en Störungen zu einer stän- digen Anspannung und immer wieder zu einer Überforde rung der Bewältigungsmöglichkeiten führen und es deshalb in den vergangenen Jahren zu kei ner nachhaltigen und stabilen Remis- sion der Symptomatik gekommen sei (vgl. gerichtliches Gutac hten von Dr. C.____ vom 18. Mai 2012, S. 21). Diese Schlussfolgerung deckt sich letztlich w iederum mit den gutachterlichen Er- hebungen von Dr. B.____, der zufolge die gesundheitlich e Situation unter beruflicher Belastung jeweils ein klinisches Ausmass mit Einfluss auf die Leistung sfähigkeit erreiche und die Arbeits- fähigkeit der Versicherten deshalb seit der Zuspitzung de r Krise im Januar 2007 einschränke (vgl. psychiatrisches Gutachten von Dr. B.____ vom 24. Aug ust 2010). Zusammenfassend ist demnach davon auszugehen, dass der Versicherten spätestens sei t Beginn des Jahres 2007 unter den Bedingungen der freien Wirtschaft keine verwe rtbare Arbeitsfähigkeit mehr zuzumu- ten ist. 6.5 Gemäss den vorstehend wiedergegebenen medizinischen V erhältnissen vermag die Beschwerdeführerin aufgrund der Wechselwirkung zwischen i hren psychischen Störungen un- ter den Bedingungen der freien Wirtschaft seit späte stens Mitte 2007 keiner Erwerbstätigkeit mehr nachzugehen. Wie die im Rahmen geschützter Arbeitsp lätze getätigten Arbeitsversuche in der Stiftung F.____ und in den Ateliers E.____ le tztlich bestätigt haben, belegt die medizi- nisch bescheinigte Unmöglichkeit, unter den Bedingungen der freien Wirtschaft einer noch zu- mutbaren Erwerbstätigkeit nachgehen zu können, dass die der Versicherten noch zumutbaren Tätigkeiten nicht Gegenstand von Angebot und Nachfrage auf dem offen stehenden, ausgegli- chenen Arbeitsmarkt sind (vgl. ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b ; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin ist in deren Ausübu ng derart eingeschränkt, dass der all- gemeine Arbeitsmarkt keine solche Stellen kennt. Eine Be schäftigung wäre deshalb nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines Arbeitgebers möglich (vgl. ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b und 1989 S. 321 f. E. 4a). Somit aber muss die Versiche rte als vollständig erwerbsunfähig be- zeichnet werden, weshalb auf Seiten des Invalideneinkomm ens keinerlei Erwerbseinkommen ausgewiesen ist. Damit kann zugleich offen bleiben, wie hoch das zwischen den Parteien nach wie vor umstrittene Valideneinkommen ausfällt. So oder anders resultiert bei fehlendem Invali- deneinkommen ein Invaliditätsgrad von 100%. Die Beschwe rdeführerin besitzt daher Anspruch auf eine ganze IV-Rente. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Zu prüfen bleibt der Rentenbeginn. Der Rentenan spruch setzt unter anderem voraus, dass die versicherte Person während mindestens eines Jahre s ohne wesentlichen Unterbruch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Den in casu über- einstimmenden Unterlagen kann entnommen werden, dass di e Versicherte in der angestamm- ten Tätigkeit als Ärztin seit spätestens Ende September 2006 vollständig arbeitsunfähig gewe- sen ist (vgl. Arztbericht für Erwachsene der Y.____ vom 3 0. August 2007). Das gesetzlich vor- gesehene Wartejahr ist damit im August 2007 abgelauf en. Gemäss Art. 29 Abs. 2 IVG (in der bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung) wird die Ren te vom Beginn des Monats an ausbe- zahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht. Vorliegen d ist der Rentenanspruch im August 2007 entstanden. Der Beschwerdeführerin ist die ganze IV-Re nte daher mit Wirkung ab 1. August 2007 zuzusprechen. 7. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die ang efochtenen Verfügungen der IV-Stelle vom 20. April bzw. 11. Mai 2011 aufzuheben sind und festzustellen ist, dass die Be- schwerdeführerin mit Wirkung ab August 2007 Anspruch au f eine ganze IV-Rente besitzt. Die vorliegende Beschwerde ist daher gutzuheissen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden d ie Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt; gegenüber den Vorinstanzen bzw. den kantonalen Behörden werden indes grundsätzlich keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend die Vorinstanz unterlegen ist, ist auf die Er hebung von Verfahrenskosten zu verzich- ten. Die Aufwendungen für die gerichtliche Begutachtung durch Dr. C.____ sind demgegenüber der IV-Stelle aufzuerlegen. So sind gemäss Art. 78 Abs. 3 IVV die Kosten von Abklärungs- massnahmen von der IV-Stelle dann zu tragen, soweit sie für die Zusprechung von Leistungen unerlässlich waren (vgl. BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Di ese Voraussetzung ist vorliegend gege- ben, nachdem das Gericht mit Beschluss vom 8. Dezember 2011 zum Schluss gekommen war, dass eine abschliessende Beurteilung gestützt auf die bis zu jenem Zeitpunkt vorgelegene Ak- tenlage nicht möglich war und insbesondere die Frage der der Versicherten noch verbleibenden Erwerbsfähigkeit unter beruflicher Belastung näherer Prüfung bedurft hat. Die Bemühungen des gerichtlichen Gutachters für das Gerichtsgutachten belä uft sich gemäss Honorarrechnung vom 21. Mai 2012 auf Fr. 3'600.--, welche die IV-Stelle somit zu tragen hat. 7.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahren s entsprechend ist der Beschwerde- führerin deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Ihr Rechtsver- treter hat in seiner Honorarnote vom 13. Juni 2012 einen Zeitaufwand von insgesamt 38,3 Stun- den sowie Auslagen von Fr. 135.30 ausgewiesen. Auch wen n der strittigen Angelegenheit ein doppelter Schriftenwechsel und ein gerichtlicher Gutac htensauftrag mit anschliessender Stel- lungnahme der Parteien zu Grunde liegt, erweist sich di eser Aufwand im Quervergleich mit gleichgelagerten Fällen indessen als deutlich zu hoch. E r ist deshalb in angemessener Weise um gut ein Drittel auf insgesamt 24 Stunden zu kürzen . Die Bemühungen sind zu dem in Sozi- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht alversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anw endung gelangenden Stundenan- satz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Damit ist der Beschwer deführerin für das vorliegende Be- schwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe vo n Fr. 6'626.10 (24 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 135.30 zuzüglich 8% M ehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden die Verfü gungen der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 20. April 2011 und 11. Mai 2011 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. August 2007 Anspruch auf eine ganze IV-Rente besitzt. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 3'600.-- werden der IV-Stelle auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 6'626.10 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht