<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, verbindliche Zahlen zu erheben, wie viele Kinder und Jugendliche mit Ritalin, Concerta und ähnlichen Psychopharmaka behandelt werden, um ein gewünschtes Verhalten zu erzielen. Weiter ist die Öffentlichkeit über die schädlichen Nebenwirkungen dieser Präparate in objektiver Weise zu informieren und auch auf andere Möglichkeiten hinzuweisen.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die zunehmende Verschreibung von methylphenidathaltigen Arzneimitteln wie Ritalin, Concerta oder ähnlichen Psychopharmaka zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) führt zu kontroversen Diskussionen in Gesellschaft und Politik. Im Vordergrund steht dabei die grundsätzliche Frage, ob die Verschreibung von Psychopharmaka an Kinder und Jugendliche mit ADHS angemessen ist. In der Fachschaft dreht sich die Auseinandersetzung weniger um die Wirksamkeit und Angemessenheit der Behandlung an sich als um die Frage, wie und unter welchen Umständen ein methylphenidathaltiges Arzneimittel ein wirksames Therapeutikum darstellt. Dabei besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass eine Verschreibung von methylphenidathaltigen Arzneimitteln in der Regel in eine psychotherapeutische Behandlung eingebettet sein sollte.</p><p>Methylphenidat ist die am weitesten verbreitete Substanz für die medikamentöse Behandlung von ADHS. Die Wirksamkeit dieser Behandlung konnte in mehreren klinischen Studien nachgewiesen werden. Zur Überprüfung der Verschreibungspraxis beauftragte das Bundesamt für Gesundheit die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW), eine Analyse der Verschreibung auf der Grundlage der Daten der Kosten-Leistung-Statistik der sozialen Krankenversicherung durchzuführen. Dabei wurden Daten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung von drei Schweizer Krankenversicherungen über die Jahre 2005 bis 2008 ausgewertet.</p><p>Die Analyse der ZHAW aus dem Jahr 2012 ergibt folgendes Bild: Der Anteil an Kindern und Jugendlichen bis zu 18 Jahren, denen methylphenidathaltige Arzneimittel verschrieben wurden, ist in der Schweiz zwischen 2005 und 2008 von 0,61 Prozent auf 0,85 Prozent gestiegen. Der Anteil der Zwölfjährigen ist am höchsten, mit steigendem Alter nehmen die Verschreibungen ab. Knaben werden bedeutend häufiger als Mädchen mit methylphenidathaltigen Arzneimitteln behandelt. Bei drei Vierteln aller Bezügerinnen und Bezüger liegt die geschätzte Einnahmedauer unter einem Jahr. Konkrete Hinweise, dass methylphenidathaltige Arzneimittel nicht gemäss den Fachinformationen der Swissmedic verschrieben werden, liegen nicht vor.</p><p>Wie der Motionär ausführt, ist es im Grundsatz möglich, den Weg dieser Arzneimittel zu verfolgen. In der Praxis würde jedoch das Anliegen der Motion, "verbindliche" Zahlen zu beschaffen, eine in personeller und finanzieller Hinsicht ausgesprochen aufwendige und zeitintensive Untersuchung bei der Ärzteschaft, den Krankenversicherern und den Apotheken in der Schweiz bedingen. Ob die dafür notwendige Kooperationsbereitschaft aller involvierten Stellen angesichts des immensen Aufwandes vorhanden wäre, muss bezweifelt werden. Zudem sind die Zuständigkeiten und Kontrollprozesse in den Kantonen unterschiedlich geregelt. Aus Gründen der Verhältnismässigkeit zwischen Ressourceneinsatz und möglichem Erkenntnisgewinn hält der Bundesrat eine solche Untersuchung für nicht zielführend und beantragt die Ablehnung der Motion.</p><p>Der Bundesrat verweist in diesem Zusammenhang auf seine Bereitschaft, bis Ende 2014 einen Bericht in Erfüllung der Postulate Fehr Jacqueline 09.3665, "Studie zur Medikamentenabhängigkeit und zur Bedeutung der Medikamente als 'smart drugs'", Ingold 13.3157, "Human Enhancement. Hirndoping", und SGK-N 13.3012, "Verschreibung und Anwendung von leistungssteigernden Substanzen", zu erstellen. Dieser Bericht wird unter anderem die Verschreibung von methylphenidathaltigen Arzneimitteln zum Gegenstand haben. Dabei wird auch geprüft werden, welche Voraussetzungen geschaffen werden könnten, um die Verschreibungspraxis systematisch und langfristig sowie mit einem verhältnismässigen Ressourcenaufwand zu verfolgen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.