B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2484/2013 U r t e i l v o m 3 0 . J u l i 2 0 1 3 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter François Badoud, Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer-Bänziger. Parteien A._______, geboren (…), und ihre Tochter B._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Barbara Frei-Koller, Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. März 2013 / N (…). E-2484/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, eine Tamilin mit letztem Wohnsitz in (…), ve r- liess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge am (…) auf dem Luftweg und gelangte nach einer Zwischenlandung und einem zweitägigen Aufenthalt in einem ihr unbekannten Land am (…) in die Schweiz. Sie suchte am 3. Juni 2010 im Empfangs - und Verfahrenszentrum Basel um Asyl nach und wurde dort gleichentags zur Person befragt (BzP); am 23. Juni 2010 wurde sie angehört. Zur Begründung ihres Gesuchs führte die Beschwerdeführerin aus, sie habe bis im Jahr e 1997 in (…) (Jaffna-Distrikt) und danach – abgesehen von einem Aufenthalt in (…) ([…] bis […]) – in (…) gelebt. Ab Februar 2008 habe sie , nachdem ihre restliche Familie in die Schweiz gezogen sei, zusammen mit ihrem Bruder C._______ bei D._______, einer Koll e- gin ihrer Mutter, gelebt. Sie sei etwa im (…) 2008 erstmals und dann wie- derholt von der Polizei mitgenommen und befragt worden, weshalb sie im September 2008 zu E._______, der Schwester von D._______, gebracht worden sei. Am (…) sei sie zusammen mit anderen Frauen, die ebenfalls bei D._______ gewohnt hätten, festgenommen worden. Während diese bereits nach wenigen Stunden freigelassen worden seien, habe man sie festgehalten und geschlagen, weil sie der Mitgliedschaft bei den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) verdächtigt worden sei. Während der Haft sei sie eines Nachts von einem Soldaten behelligt worden. Am (…) sei sie infolge einer Zahlung ihrer Schwester in der Höhe von (…) Rupien aus der Haft entlassen worden. Danach habe sie bei einer singhales i- schen Familie, deren Sohn (…) gewesen sei, gewohnt. Dank dessen Hilfe sei sie i m (…), als sie ein weiteres Mal auf den Polizeiposten mitgeno m- men worden sei, erneut freigelassen worden. Er habe für sie in der Folge einen Schlepper organisiert; sie sei mit ihrem Reisepass ausgereist. Ergänzend brachte sie in der Anhörung vor, im (…) habe ihr eine Polizis- tin auf dem P olizeiposten in (…) befohlen, sich hinzuknien ; dann sei sie gestossen worden und habe einen Zahn verloren. B. Die Beschwerdeführerin heiratete am (…) in der Schweiz einen in (…) (Italien) wohnhaften sri -lankischen Staatsangehörigen mit unbeschränkt gültiger Aufenthaltsbewilligung für Italien. Am (…) brachte sie die Tochter B._______ zur Welt. E-2484/2013 Seite 3 C. Mit am 2. April 2013 eröffneter Verfügung vom 28. März 2013 stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesu ch ab, wies sie aus der Schweiz weg und ordnete den Wegweisungsvollzug an. D. Die Beschwerdeführerin liess diesen Entscheid durch ihre Rechtsvertrete- rin mit Eingabe vom 2. Mai 2013 beim Bundesverwaltungsgericht anfech- ten. Sie beantragt in materieller Hinsicht, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und es sei ihr Asyl zu gewähren , eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs festzustellen und ihr die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren. In prozessualer Hinsicht beantragt sie die Gewährung der un- entgeltlichen Rechtspflege, insbesondere den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. E. Der Instruktionsrichter hielt mit Zwischenverfügung vom 8. Mai 2013 fest, die Beschwerd eführerin dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, verwies den Entscheid über das Gesuch um Gewä h- rung der unentgeltlichen Prozessführung auf einen späteren Zeitpunkt, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, wies das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ab und räumte dem BFM Gelegenheit zur Vernehmlassung ein ; diese ging am 10. Juni 2013 beim Gericht ein und wurde der Beschwerdeführerin am 13. Juni 2013 zur Kenntnis gebracht. F. Am 11. Juli 2013 ging beim Gericht eine Replik der Beschwerdeführerin ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verf ügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) E-2484/2013 Seite 4 zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31). 1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressat in zur Beschwer- deführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge- reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.1 Die Beschwerdeführerin rügt die unvollständige respektive unrichtige Abklärung des Sachverhaltes (vgl. Beschwerde Ziff. II 24. S. 10). Diese verfahrensrechtliche Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] S chweizerischen Asyl- rekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 und EMARK 1994 Nr. 1; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspfl e- ge des Bundes; 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, m.w.H.). 2.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die zuständige Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Sie ist jedoch nur in dem Ausmass zu dessen U n- tersuchung verpflichtet, als man dies vernünftigerweise von ihr erwarten kann. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der gesetzl i- chen Mitwirkungspflicht. Art. 13 VwVG verpflichtet die Parteien, an der Feststellung des Sachverhaltes in Verfahren mitzuwirken, die sie durch ihr Begehren eingeleitet haben. Die Mitwirkungspflicht des Gesuchstellers betrifft insbesondere Tatsachen, die seine persönliche Situation betr effen und die er besser kennt als die Behörden oder die von diesen ohne seine Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erhoben we r- den können (vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2 m.w.H.). Art. 8 AsylG konkretisiert diese Mitwirkungspflicht für das Asylverfahren. 2.3 Im vorliegenden Fall kann der Vorinstanz nicht vorgeworfen werden, sie habe den rechtserheblichen Sachverhalt nicht genügend abgeklärt beziehungsweise Art. 7 AsylG falsch und in unangemessener Weise a n- gewandt, wie das geltend gemacht wird . Sie h at die entscheidrelevanten Vorbringen geprüft, und die Erwägungen sind rechtsgenüglich sowie E-2484/2013 Seite 5 nachvollziehbar. Gegenteils muss sich die Beschwerdeführerin entg e- genhalten lassen, dass sie – wie nachstehend erwogen wird – mit auffal- lend divergierenden und vag en Aussagen ihre Glaubwürdigkeit besch ä- digte. Wenn das BFM demzufolge zum Schluss gekommen ist, die Vo r- bringen würden den Anforderungen an die Glaubwürdigkeit (recte: Glaubhaftigkeit) nicht standhalten, ist dies nicht auf eine unrichtige oder ungenügende Abklärung des Sachverhaltes zurückzuführen, sondern be- schlägt die der angefochtenen Verfügung zugrund e liegende Beweiswür- digung und die rechtliche Würdigung der Vorbringen ; es wird nachste- hend darauf eingegangen. 2.4 Es besteht kein Anlass, die angefochtene Ver fügung aus formellen Gründen aufzuheben und an das BFM zurückzuweisen. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen auf Ge- such hin Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen i hrer Rasse, Religion, Natio- nalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu we r- den. Als ernsthafte Nac hteile gelten namentlich die Gefährdung des Le i- bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen une r- träglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluch t- gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Zur Begründung des angefochtenen Entscheides führte die Vori n- stanz aus , die Beschwerdeführerin habe sich mehrfach widersprüchlich zu den geltend gemachten Festnahmen geäussert. So habe sie in der BzP vorgebracht, zirka im (…) das erste Mal auf den Polizeiposten mitge- nommen worden zu sein, um wenige Wochen später in der Anhörung ab- weichend dazu anzugeben , die Polizei habe sie im (…) ein erstes Mal mitgenommen. Gemäss BzP habe die Dauer der Festhaltungen – abge-E-2484/2013 Seite 6 sehen von der einmonatigen Haft – jeweils zwei bis drei Stunden, nie län- ger betragen. In der Anhörung führe sie indessen aus, einmal und zwar in (…) habe man sie sechs bis sieben Stunden festgehalten, sonst zwei bis drei, höchstens vier Stunden. Auf diese unterschiedlic he Darstellung a n- gesprochen habe sie erklärt , sie habe im ersten Interview kaum Zeit g e- habt zu den ken. Diese Darstellung vermöge nicht zu überzeugen, habe sich die Beschwerdeführerin anlässlich der BzP doch eingehend zu ihren Asylgründen geäussert. Auch bezüglich der einmonatigen Haft und der Freilassung würden unterschiedliche Angaben vor liegen. So habe sie in der BzP ausgeführt, sie sei zusammen mit anderen drei Frauen, welche auch bei ihrer "Tante" gewesen seien, mitgenommen worden. In der A n- hörung habe sie jedoch geltend gemacht , die Polizei habe sie und die zwei Töchter der "Tante" auf den Polizeip osten gebracht. Betreffend ihre Freilassung habe sie an der Anhörung zu Beginn vor gebracht, sie habe einem Polizisten die Telefonnummer der "Tante" gegeben, welche nach der Kontaktierung von Leuten in der Schweiz (…) Rupien für ihre Freilas- sung bezahlt habe. Später dagegen habe sie angegeben, dem Polizisten die Telefonnummer ihrer Schwester gegeben zu haben. Diese habe dann "Tante" D._______ kontaktiert. Schliesslich wolle sie aufgrund einer Geldzahlung freigekommen sein ; sie habe einem Polizisten etwa drei oder vier Tage vor ihrer Freilassung die Telefonnummer ihrer Schwester in der Schweiz b eziehungsweise ihrer "Tante" D._______ gegeben. Es sei realitätsfremd, dass innert so kurzer Zeit das Geld beschafft und die Freilassung hätte bewerkstelligt werden kön nen. Demnach könne nicht geglaubt werden, dass die Beschwerdeführerin in der dargelegten Weise bedroht und verfolgt worden sei. Die Vorbringen würden den Anforderun- gen an die Glaubwürdigkeit (recte: Glaubhaftigkeit) gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten, so dass die Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Die Beschwerdeführerin sei mit einem in (…) wohnhaften sri-lankischen Staatsangehörigen verheiratet. Aufgrund der Abklärungen durch die Schweizer Vertretung in Rom vom (…) stehe fest, dass der Ehemann über eine unbeschränkt gültige Aufenthaltsbewilligung der italienischen Behörden verfüge. Aufgrund dessen sei er berechtigt, seine Frau nach Italien nachzuziehen. Aus dem Schreiben der Schweizer Vertretung gehe zudem hervor, dass das Gesuch um Familiennachzug aus Sri Lanka ei n- gereicht werden müsse. Die Beschwerdeführerin habe demnach – wenn auch nur vorübergehend – in ihre Heimat zurückzukehren. Die Beschwerdeführerin stamme aus (…), habe aber von 1997 bis zu i h- rer Ausreise – abgesehen von ihrem Aufenthalt i n (…) – in (…) gelebt. E-2484/2013 Seite 7 Angehörige ihres Mannes, eigene entfernte Verwandte und Bekannte könnten ihr aufgrund ihrer früheren Aufenthalte in (…) während des vorü- bergehenden Aufenthaltes in Sri Lanka die allenfalls notwendige Unte r- stützung bieten. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich als zulässig, zumutbar, technisch möglich und praktisch durchführbar. 3.4 In der Rechtsmitteleingabe bringt die Beschwerdeführerin nach einer Rekapitulation des Vorgefallenen und dem Verweis auf Berichte zur aktu- ellen Sicherheits- und Menschenrechtslage in Sri Lanka vor, sie sei mehr- mals von den Behörden mitgenommen, jedoch auf dem Weg zum Pol i- zeiposten immer freigelassen worden. Erst nachdem ihr Bruder C._______ als letztes Familienmitglied am (…) Sri Lanka verlassen habe, sei sie regelmässig auf den Polizeiposten ge bracht und verhört worden, erstmals drei Tage nach dessen Ausreise und unter dem Vorwand, sie gehöre den LTTE an. Nach den Befragungen sei sie jeweils freigelassen worden. Auch während des Au fenthalts bei E._______ sei sie mehrmals von der Polizei verhaftet und auf die Polizeiposten von (…), (…) und (…) gebracht worden. Im (…) sei sie über Nacht festgehalten und verhört worden. Man habe ihr die Hände auf den Rücken gebunden, sie habe sich hin knien müssen und ein Mann in Uniform habe sie drei Mal geschlagen. Er habe sie gezwungen zuzugeben, dass sie den LTTE angehöre. Nach einem Schlag sei sie nach vorne gekippt, mit dem Gesicht auf dem Boden au f- geschlagen und habe ihre Vorderzähne beschädigt. Nach dieser Inhaftierung sei ihre Mutter nach (…) gereist und bis im (…) bei ihr geblieben. Während der en Anwesenheit habe die Polizei sie zwar aufgesucht, jedoch nicht festgenommen. Sobald jedoch die Mutter das Land verlassen gehabt habe, sei sie wieder regelmässig verhaftet und auf Polizeiposten gebracht worden. Am (…) sei sie zusammen mit zwei Töchtern von E._______ festgenom- men, auf den (…)-Polizeiposten gebracht und dort gefoltert sowie verhört worden. Man habe ihr gedroht, sie nicht mehr freizulassen, falls sie ihre LTTE-Mitgliedschaft nicht zugebe. Weiter sei versucht worden, ein schrift- liches Geständnis des Inhalts zu erlangen, dass sie von den LTTE als Selbstmordattentäterin hätte eingesetzt werden soll en. Sie sei meistens auf die Wange geschlagen wo rden, wodurch ihr Hörorgan geschädigt worden sei; auch auf den Rücken habe man sie geschlagen und ihre Ar- me mit Rasierklingen aufgeritzt. E-2484/2013 Seite 8 Im (…) habe ihr Vater für (…) Tage bei ihr in Sri Lanka geweilt. Während seines Aufenthalts habe es eine Hausdurchsuchung gegeben. Da ihr Va- ter angegeben habe, er würde sie ins Ausland bringen, hätten die Polizi s- ten auf eine Festnahme verzichtet. Sie habe die Geschehnisse in den beiden Befragungen anschaulich und ausführlich schildern und in den zeitlichen sowie räumlichen Zusammen- hang einordnen können. Speziell sei zu erwähnen, dass sie sich während der Anhörung selber korrigiert habe, was für die Glaubwürdigkeit (recte: Glaubhaftigkeit) ihrer Aussagen spreche. Auch gemäss einem Kurzbericht des an der Anhörung anwesende n Hilfswerkvertreters seien die Aussa- gen glaubhaft und plausibel gewesen. Es müsse somit geprüft werden, ob sie die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Wegen des Verdachts, den LTTE anzugehören, sei sie mehrmals verhaf- tet und im (…) einen Monat inhaftiert wor den. Die damaligen Haftbedi n- gungen hätten gegen zahlreiche Menschenrechte verstossen ; insbeson- dere sei sie ohne Anklage festgehalten worden und habe somit keine Möglichkeit gehabt, sich gegen die Inhaftierung zu wehren. Folglich gehö- re sie einer vom Gerich t anerkannten Risikogruppe an. Auch die Freila s- sung ändere nichts daran, dass die sri -lankischen Behörden sie weiterhin verdächtigen würden, den LTTE anzugehören. Gemäss der Schweizer i- schen Flüchtlin gshilfe (SFH) sei in Gefängnissen in Sri Lanka sexuelle Gewalt an Frauen durch Sicherheitspersonal verbreitet, weshalb sie bei einer Rückkehr besonders gefährdet wäre, erneut sexuellen Übergriffen ausgesetzt zu werden. Sie wäre zudem bei einer Rückkehr nach Colombo schutzlos, weil sie dort über keine Verwandte verfüge. Der Umstand, mit ihrem Neugebor e- nen in (…) auf sich allein gestellt zu sein, erhöhe ihre Schutzbedürftigkeit. Rückkehrende aus dem Ausland würden zudem oft der Verbindung zu den LTTE verdächtigt und seien besonders gefährdet. Solange sie mit i h- ren Familienangehörigen zusammengelebt habe, sei sie keiner staatl i- chen Verfolgung ausgesetzt gewesen , da ihr diese Schutz geboten hä t- ten. Alle Geschwister der Eltern, ausser drei Schwester n des Vaters, würden im Ausland leben. Auch die Familienangehörigen i hres Ehemannes wü r- den in Frankreich oder Italien leben. Sie verfüge in ihrem Herkunftsgebiet lediglich über ihre 75 -jährige Grossmutter in (…); zu den drei in (…) wohnhaften Schwestern des Vaters habe sie aufgrund eines Streites seit E-2484/2013 Seite 9 langem keinen Kontakt mehr. Eine Aufenthaltsalternative in (…) sei nicht gegeben. Es könne nach den dortigen Ereignissen ausgeschlossen wer- den, dass D._______, E._______ und die singhalesische Familie sie u n- terstützen würden. Sie müsste bei einer Rückschaffung allein mit einem Neugeborenen in (…) leben und wäre im sri -lankischen Kontext völlig wi- derstandslos. Eine Rückschaffung hätte auch eine Gefährdung ihrer pe r- sönlichen Sicherheit zur Folge ; diesbezüglich sei auf das Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts D-3432/2011 vom 22. Januar 2013 zu verweisen. Der Vollzug der Wegweisung sei unzumutbar. 3.5 Das BFM hält in seiner Vernehmlassung an seinem bisherigen Stand- punkt fest und beantragt die Abweisung der Beschwerde. Es führt an, Ab- klärungen hätten ergeben, dass das Kind B._______, dessen Geburt vom (…) im Rahmen des Beschwerdeverfahrens angezeigt worden sei, ebe n- so wie seine Mutter berechtigt sei, im Rahmen des Familiennachzugs zu seinem im schweizerischen Geburtsregister aufgeführten Vater b ezie- hungsweise Ehemann seiner Mutter nach Italien zu ziehen. 3.6 Die Beschwerdeführerin lässt in ihrer Replik vorbringen, ihr Ehemann verdiene lediglich 500 Euro im Monat, wovon er 400 Euro für die Wo h- nungsmiete abgeben müsse. Seinen Lebensunterhalt bestreite er mit E r- sparnissen. Es sei nicht ersichtlich, wie er bei dieser prekären finanziellen Situation seine Tochter und seine Ehefrau in Italien versorgen könnte. Es bestehe deshalb für ihn keine legale Möglichkeit, diese nach Italien nach- zuziehen. 4. 4.1 Die Vorinstanz hat das Beweismass des Glaubhaftmachens auf den vorliegenden Fall korrekt zur Anwendung gebracht. Das BFM begründete in der angefochtenen Verfügung einlässlich und überzeugend , weshalb die Flüchtlingseigenschaft nicht glaubhaft dargetan sei. Was die B e- schwerdeführerin vorbringt, ist – wie nachfolgend aufgezeigt – nicht ge- eignet, die Beweiswürdigung des B undesamtes in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. 4.2 Die Beschwerdeführerin begründet ihre unterschiedlichen Angaben zum Datum ihrer erst en Festnahme ("ca. im […], vgl. Akten BFM A1/13 S. 6, bzw. "im […]", vgl. A10/16 F27) damit, dass die Fragestellung unter- schiedlich gelautet habe. Bei der BzP sei sie gefragt worden, wann sie erstmals auf den Polizeiposten mitgenommen worden sei, und in der An- hörung, wann sie erstmals mitgenommen worden sei. Da sie bereits ab E-2484/2013 Seite 10 (…) von der Polizei mitgenommen, unterwegs jedoch freigelassen und erstmals drei Tage nach der Abreise ihres Bruders im (…) auf den Pol i- zeiposten gebracht worden sei, liege kein Widerspruch vor. Diese Erkl ä- rung vermag jedoch nicht zu über zeugen. Selbst wenn die Beschwerd e- führerin die Fragestellung wie angegeben verstanden haben sollte, was nicht völlig auszuschliessen ist, sind ihre Angaben sehr ungenau. Im Üb- rigen setzt sie sich mit dieser Erklärung weiteren Zweifeln an der Glau b- haftigkeit ihrer Aussagen aus. So räumt sie d er Ausreise ihres Bruders C._______ in der Rechtsmittelschrift zwar einen entscheidenden Stellen- wert ein, aber die angebliche staatliche Verfolgung wegen Zugehörigkeit zu den LTTE steht für sie in direktem Zusammenhang mit dem fehlenden Schutz ihrer Familie (vgl. Beschwerdeschrift S. 16 Ziff. 38) . Entsprechend detailliert gibt sie in der Beschwerde an, ihre erste Mitnahme auf den Po- lizeiposten sei "drei Tage nach dessen Abreise " erfolgt; damit im Wider- spruch steht jedoch ihre Aussage anlässlich der BzP , wo sie das Ausrei- sedatum ihres Bruders nur äusserst vage an zugeben vermochte ("ca. im […]oder […], ich weiss es nicht genau", vgl. A1/13 S. 3). 4.3 Die Beschwerdeführerin begründet ihre unterschiedlichen Angaben bezüglich der Dauer der Festnahmen mit dem angeblich komplexen Sachverhalt und ihrer Nervosität. Dieser Begründung kann nicht gefolgt werden. Es darf von ihr ohne weiteres erwartet werden, dass si e die Um- stände der Festnahmen übereinstimmend darzulegen vermag. Dies gilt insbesondere für die längere und sie angeblich besonders treffende Fes t- nahme vom (…), bei welcher Gelegenheit sie gestossen worden sei und einen Zahn verloren habe (vgl. Beschwerdes chrift S. 5, 11 Ziffn. 13, 26; A10/16 F44). Dass sie diese Festnahme a nlässlich der Befragung nicht einmal erwähnt hat, erachtet das Gericht übereinstimmend mit der Vori n- stanz als Zeichen für die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen, zumal die An- gaben zu jener Festnahme auch inhaltlich widersprüchlich sind, behaup- tete sie doch anlässlich der Anhörung, sie sei von einer Polizistin gesto s- sen worden (vgl. A10/16 F44), wogegen sie in der Rechtsmittelschrift vor- bringt, sie sei von einem Mann in Uniform drei Mal geschlagen worden, worauf sie nach vorne gekippt sei (Beschwerdeschrift S. 6 Ziff. 13). 4.4 Am (…) soll die Beschwerdeführerin gemäss ihren Angaben zusam- men mit zwei Töchtern von E._______ verhaftet worden. Ob in diesem Zusammenhang die Erklärung in der BzP, wo si e lediglich von "Frauen" gesprochen hat, auf Besonderheiten in der tamilischen Sprache und Probleme in der Ü bersetzung zurückzuführen ist, kann offenbleiben. Von Bedeutung und nicht nachvollziehbar ist nämlich, dass dort von "drei" E-2484/2013 Seite 11 Frauen die Rede war , welche – nebst ihrer Tante – anwesend gewesen seien (vgl. A1/13 S. 5). Dass sie sich dabei selbst mitzählte, ist aufgrund des Befragungskontextes entgegen den Beschwerdevorbringen nicht an- zunehmen und wird vom Gericht als Schutzbehauptung qualifiziert. 4.5 Die Beweiswürdigung der Vorinstanz ist auch hinsichtlich de r Um- stände der Freilassung der Beschwerdeführerin nicht zu beanstanden. Was diese dagegen vorbringt, ist nicht geeignet, die vorinstanzliche B e- weiswürdigung in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Die Vo r- bringen sind insgesamt durch auffallend viele Unstimmig keiten und W i- dersprüche gekennzeichnet, was das Gericht an der Glaubwürdigkeit ihrer Person zweifeln lässt. Auf die weiteren Ausführungen auf Beschwer- deebene ist nicht einzugehen, weil dies e an den Schlussfolgerungen des Gerichts nichts ändern könnten. Nachdem die Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge- mäss Art. 7 AsylG nicht standhalten, muss – wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat – die Aylrelevanz nicht geprüft werd en. Gleichwohl ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin gemäss den Akten mit den LTTE nie in Kontakt gekommen ist. Es ist deshalb nicht ersichtlich, we l- ches Interesse die sri-lankischen Behörden an ihr haben sollten. Dass sie ursprünglich aus (…) stammt, begründet kein besonderes Risikoprofil, zumal sie seit dem Jahr e 1997 nicht mehr dort gelebt hat . Dass die Be- hörden sie der Zugehörigkeit zu den LTTE verdächtigen würden, ist auf- grund ihrer Biografie nicht anzunehmen und darf vor dem Hintergrund des Vorbringens, Festnahmen seien nie erfolgt, wenn Familienangehörige anwesend gewesen seien, sogar ausgeschlossen werden ; es wider- spricht jeglicher Erfahrung des Gerichts aus anderen Verfahren, dass sich die sri-lankischen Behörden von einer Festnahme dur ch die blosse An- wesenheit von Familienangehörigen abhalten lassen würden , wenn sie tatsächlich einen entsprechenden Verdacht gegen eine Person hegen. Das BFM hat das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt. 5. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An- spruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). E-2484/2013 Seite 12 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenste hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Da der Beschwerdeführerin keine Flüchtlingseigenschaft zukommt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Z u- lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver- fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 ge gen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101]). Im Lichte dieser Bestimmungen sind kei ne Anhaltspunkte dafür auszum a- chen, die Beschwerdeführerin wäre im Falle einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt. Der Wegweisungsvollzug ist de m- nach zulässig. 6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine k onkrete G e- fährdung festgestellt, ist unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG die vo r- läufige Aufnahme zu gewähren. 6.3.1 In Bezug auf die allgemeine Lage in Sri Lanka kann auf die vom Bundesverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung der Situation in BVGE 2011/24 verwiesen werden, welche im Wesentlichen mit der Praxis der Vorinstanz übereinstimmt. Demnach ist seit dem Ende des bewaffn e- ten Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 von einer erheblich verbesserten Menschenrechts- und Sicherheits- lage auszugehen, wobei sich die Situation nicht in allen Landesteilen E-2484/2013 Seite 13 gleich präsentiert. Da sich die Lage in der Ostprovinz weitgehend stabil i- siert und normalisiert hat, wird der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet dieser Provinz grundsätzlich als zumutbar erachtet (vgl. a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist hingegen differenziert einz u- schätzen, da sich die Situation dort gebietsweise sehr unterschiedlich ge - staltet. In den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierung s- kontrolle stehen – namentlich die Distrikte Jaffna und die südlichen Teile der Distrikte Vavuniya und Mannar – herrscht heute weder eine Situation allgemeiner Gewalt noch ist die politische Lage dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unz umutbar eingestuft werden müsste (vgl. a.a.O. E. 13.2). Angesichts der nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber eine sorgfältige Beurteilung der individuellen Zumutba r- keitskriterien auf, wobei nebst der allgemeinen Zumutbarkeit auch dem zeitlichen Element Rechnung zu tragen ist (vgl. a.a.O. E. 13.2.1.1 und E. 13.2.1.2). In das sogenannte Vanni-Gebiet hingegen, welches die Distrik- te Kilinochchi und Mullaitivu (samt diesen beiden Städten), die nördlichen Teile der Distrikte Mannar und Vavuniya sowie einen schmalen Landstrei- fen an der Ostküste des Jaffna -Distrikts umfasst, ist eine Rückkehr au f- grund der aktuellen Lage weiterhin als unzumutbar einzustufen (vgl. a.a.O. E. 13.2.2). In das übrige Staatsgebiet Sri Lankas , namentlich in den Grossraum Colombo, ist der Wegweisungsvollzug grundsätzlich z u- mutbar (vgl. a.a.O. E. 13.3). 6.3.2 Die Beschwerdeführerin stammt aus (…). Der Ort befindet sich aus- serhalb des Vanni-Gebietes in der Nordprovinz (Jaffna-Distrikt). Der dorti- ge Aufenthalt ([…] bis […]) liegt zwar schon längere Zeit zurück, aber es leben im Jaffna-Distrikt noch mehrere Verwandte. Nebst der Grossmutter (vgl. Beschwerdeschrift S. 19 ) und drei Tanten väterlicherseits auch ein Cousin, welcher für die Beschwerdeführerin im Hinblick auf deren Eh e- schliessung am (…) ein Affidavit ausgestellt hat (vgl. A20/30). Es kann ihr nicht geglaubt werden, dass sie mit ihren Verwandten väterlicherseits keinen Kontakt mehr pflegt . Ein Vollzug der Wegweisung nach (…) scheint damit nicht ausgeschlossen. Letztlich kann die Frage der Zumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs dorthin jedoch offenbleiben , da es – wie nachfolgend dargelegt – für die Beschwerdeführerin und ihre Tochter zumutbar ist, zumindest vorübergehend nach Colombo zurückzukehren. 6.3.3 Von 1997 bis zu ihrer Ausreise lebte die B eschwerdeführerin – ab- gesehen von ihrem Aufenthalt in (…) – in Colombo, wohin der Wegwe i- sungsvollzug gemäss BVGE 2010/24 (E.13.3) grundsätzlich zumutbar ist. Sie wohnte dort bei zwei mit ihrer Mutter bekannten Schwestern, welche E-2484/2013 Seite 14 sie Tanten nennt, sowie einer singhalesischen Familie. Das Vorbringen, diese würden sie aufgrund der Ereignisse in Colombo nicht mehr unte r- stützen, ist als Schutzbehauptung zu werten, zumal sich die Ausführu n- gen der Beschwerdeführerin zur staatlichen Verfolgung in mehrfache r Hinsicht als widersprüchlich und nicht glaubhaft herausgestellt haben. Ausserdem stammt ihr Ehemann aus Colombo (vgl. dessen Reisepass vom (…), A21/9). Vor dem Hintergrund des Affidavit vom (…) der damals in Colombo lebenden Schwiegermutter (vgl. A20/30) ist trotz andersla u- tenden pauschalen und in keinerlei Hinsicht substanziierten Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe davon auszugehen, dass diese nach wie vor in Colombo leb t und die Beschwerdeführerin somit auch dort Verwandt e hat. Es kann ihr im Kontext des engen sri -lankischen Familienverständ- nisses auch nicht geglaubt werden, dass ihr der Aufenthaltsort ihres Br u- ders nach der Ablehnung dessen Asylgesuchs (vgl. Urteil des Bunde s- verwaltungsgerichts E-4959/2012 vom 23. Oktober 2012) unbekannt wä- re; es ist anzunehmen, dass ihr Bruder sie bei der Rückkehr ebenfalls un- terstützen wird. Insofern besteht für sie nicht die erhöhte Gefahr, welche sie als alleinstehende Frau mit Kind allenfalls zu gewärtigen hätte. Ge- sundheitliche Beschwerden macht die Beschwerdeführerin keine geltend. Zwar bringt sie vor (vgl. BVGer-act. 1 S. 7), ihr Hörorgan sei geschädigt worden, führt aber nicht an , dadurch i m Alltag behindert zu sein . Sie hat vor ihrer Ausreise ausschliesslich von der finanziellen Unterstützung ihrer in der Schweiz wohnenden Schwester gelebt (vgl. A10/16 S. 3). Es darf mangels gegenteiliger Hinweise in den Akten davon ausgegangen we r- den, dass dies auch künftig möglich sein wird und sie und ihr Kind bei ei- ner Rückkehr in den Heimatstaat nicht aus individu ellen Gründen wir t- schaftlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten würden . Zudem kann auch e ine allfällige schweizerische Rückkehrhilfe der B e- schwerdeführerin den Wiedereinstieg in Sri Lanka erleichtern (Art. 62 ff. der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]). Im Übrigen genügen bloss soziale und wirtschaft- liche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allg e- meinen betroffen ist, nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). 6.3.4 Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen G e- sichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletz t aus einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls E-2484/2013 Seite 15 sind demnach sämtliche Umstände einzubezieh en und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können für ein Kind namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeutung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Be- zugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade letzterer Aspekt ist im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration beziehungsweise Integration im Heima t- land bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal vertrauten U mfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes zu berücksichtigen, sondern auch dessen übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz mithin eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als unzumutbar ersche i- nen lässt (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.6, m.w.H.). Die Tochter ist erst wenige Monate alt. Das Gericht kann sich deshalb auf die Feststellung beschränken, dass die Mutter gemäss den vorstehenden Erwägungen in der Lage sein sollte, für das Wohl ihrer Tochter zu sorgen. Es besteht kein Anlass, vorliegend aus Gründen des Kindeswohls von ei- nem Wegweisungsvollzug abzusehen. Nach dem Gesagten kann der Vollzug der Wegweisung – entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen Auffassung und ungeachtet dessen, ob der Aufent halt in Sri Lanka vor dem Hintergrund eines möglichen F a- miliennachzuges zum in Italien wohnhaften Ehemann ein bloss vorübe r- gehender sein sollte – in genereller und individueller Hinsicht als zumu t- bar bezeichnet werden. 6.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mö g- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). E-2484/2013 Seite 16 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anor dnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist ( Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem aber aufgrund der eingereichten Bestätigung der Sozialhilfeabhängigkeit ([…] vom 24. April 2013 ) von deren Bedürftigkeit auszugehen ist und die B e- schwerde zumindest betreffend d ie Frage des Wegweisungsvollzugs nicht als aussichtslos bezeichnet werden konnte, ist in Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG von einer Kostenauflage abzusehen. (Dispositiv nächste Seite) E-2484/2013 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und F._______. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Jeannine Scherrer-Bänziger