Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 3. September 2014 (810 14 59 / 810 14 65) ____________________________________________________________________ Umweltschutz, Wasser und Energie Konzessionsverfahren, Koordination von Bewilligungsverfahren Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Christian Haidlauf , Gerichtsschreiber Martin Michel Parteien A.A.____ und B.A.____, Beschwerdeführer, B.____, Beschwerdeführerin, WWF Schweiz , vertreten durch WWF Region Basel, Beschwerdefüh- rerin WWF Region Basel , Beschwerdeführerin, alle vertreten durch Prof. Dr. Isabelle Romy, Rechtsanwältin, gegen Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft , Beschwerdegegner, Elektra Baselland EBL , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. David Jenny, Advokat, Beigeladene Einwohnergemeinde Zwingen , Betreff Laufwasserkraftwerk Grossmatt, Zwingen / Ko nzessionsgesuch (RRB Nr. 0233 vom 11. Februar 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Im Januar 2007 reichte die Elektra Baselland (EBL) b eim Bauinspektorat (BIT) ein Bau- und Konzessionsgesuch für die Erstellung eines neuen Wa sserkraftwerks in Zwingen (Was- serkraftwerk Grossmatt) ein, welches anschliessend öffentlich aufgelegt wurde. In der Auflage- frist wurden dagegen mehrere Einsprachen erhoben. In d er Folge wurde das Projekt mehrfach überarbeitet und die angepassten Konzessions- und Bauge suche wurden im Juni 2008, im März 2011 sowie zuletzt im Juli 2013 jeweils erneut öffentlich aufgelegt. B. Gegen das im Juli 2013 aufgelegte Konzessions- und Ba ugesuch erhoben A.A.____ und B.A.____, der WWF Schweiz und der WWF Region Base l, B.____, C.____ und D.____ Einsprachen. C. Mit Entscheid vom 11. Februar 2014 wies der Regieru ngsrat die Einsprachen gegen das Konzessionsgesuch ab, soweit er darauf eintrat und d ie Einsprachen nicht gegenstandslos wurden. D. Ebenfalls am 11. Februar 2014 wies das BIT die Einsp rachen gegen das Baugesuch ab, soweit es darauf eintrat. Des Weiteren entschied d as BIT, dass die in den Erwägungen auf- geführten Auflagen verbindlicher Bestandteil der Baub ewilligung seien und die nicht aufrecht- erhaltenen und verspätet eingereichten Einsprachen abgeschrieben würden. E. Gegen den Entscheid des Regierungsrats über das Konzessi onsgesuch erhoben ei- nerseits A.A.____ und B.A.____ sowie B.____ (Verfahren snummer 810 14 59), und anderer- seits der WWF Schweiz sowie der WWF Region Basel (Verfah rensnummer 810 14 65), alle vertreten durch Prof. Isabelle Romy, Rechtsanwältin in Z ürich, Beschwerde beim Kantons- gericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (K antonsgericht), mit den Rechtsbegeh- ren, es sei der Entscheid des Regierungsrats vom 11. Febr uar 2014 betreffend die Einsprache- Abweisung und bedingte Konzessionserteilung für den Bau des Wasserkraftwerks Grossmatt in Zwingen für nichtig zu erklären, eventualiter sei der Entscheid des Regierungsrats vom 11. Februar 2014 aufzuheben und die Erteilung der K onzession zu verweigern, subeventualiter sei der Entscheid des Regierungsrats vom 11. Februar 201 4 aufzuheben und zur Neubeurtei- lung der Ersatzmassnahmen und Sicherstellung der Koordin ation an die Vorinstanz zurückzu- weisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MWSt) zulasten der Beschwerdegegner. F. Die gleichen Beschwerdeführer, ebenso vertreten durc h Prof. Isabelle Romy, Rechts- anwältin in Zürich, erhoben parallel dazu Beschwerde bei der Baurekurskommission gegen den Entscheid des BIT vom 11. Februar 2014 betreffend Eins prache-Abweisung und Erteilung der Baubewilligung für den Bau des Wasserkraftwerks Grossmatt in Zwingen. G. Am 15. April 2014 vereinigte das Kantonsgericht d ie beiden Beschwerdeverfahren 810 14 59 und 810 14 65. H. Mit Vernehmlassung vom 14. Mai 2014 teilte der Geme inderat Zwingen mit, er habe keine Einwände zum geplanten Wasserkraftwerk. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Die EBL schloss in ihrer Vernehmlassung vom 13. Juni 2014 auf Abweisung der Be- schwerde, soweit darauf einzutreten sei, unter o/e-Kost enfolge zu Lasten der Beschwerde- führer. J. Der Regierungsrat stellte in seiner Vernehmlassung vo m 13. Juni 2014 die Rechts- begehren, die Beschwerde sei, soweit darauf eingetret en werde, vollumfänglich abzuweisen, unter o/e-Kostenfolge. Weiter erachtete es der Regieru ngsrat als sinnvoll, das Beschwerdever- fahren zu sistieren bis allfällige Beschwerden gegen den Entscheid der Baurekurskommission gegen die Abweisung der Einsprachen zum Baugesuch beim Kantonsgericht vorliegen würden. K. Die Beschwerdeführer nahmen am 8. Juli 2014 zur Frag e der Verfahrenssistierung Stellung. L. Am 17. Juli 2014 entschied das Kantonsgericht, dass sich eine Sistierung des kantons- gerichtlichen Verfahrens aus verfahrensökonomischen Gründen nicht rechtfertigt. Zugleich wur- de das Verfahren der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. M. Die Beschwerdeführer reichten mit Eingabe vom 30. Juli 2014 weitere Unterlagen und am 14. August 2014 ihre Honorarnote ein. N. Die Beschwerdegegner nahmen am 21. bzw. 22. August 2 014 zur Eingabe der Be- schwerdeführer vom 30. Juli 2014 Stellung und reichten ebenfalls zusätzliche Unterlagen ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1. Das Kantonsgericht beurteilt verwaltungsgerichtlich e Beschwerden gegen Verfügungen und Entscheide des Regierungsrats betreffend Konzessionen (§ 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993 i.V.m. § 29 Abs. 1 des Gesetzes über den Wasserbau und die Nutzung de r Gewässer [WBauG] vom 1. April 2004). Es ist somit zur Behandlung des Fall s zuständig und überprüft den angefochte- nen Entscheid im Rahmen der Beschwerdeanträge auf Rech tsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des Sachverhalts (§ 45 Abs. 1 lit. a und b VPO). 1.2. Die Beschwerdegegner bestreiten in ihren Verneh mlassungen die Beschwerdeberech- tigung der Beschwerdeführer A.A.____ und B.A.____ un d der Beschwerdeführerin B.____. Be- züglich der Beschwerdeführer A.A.____ und B.A.____ wird vorgebracht, es seien keine Einwir- kungen des Kraftwerks auf sie und damit keine besonders in tensive Betroffenheit zu erkennen, weshalb sie nicht zur Beschwerdeerhebung legitimiert seie n. In Bezug auf die Legitimation der B.____ sei § 47 Abs. 1 lit. b VPO massgebend. Die B.__ __ müsse als Organisation durch eine besondere Vorschrift zur Beschwerde ermächtigt sein, dami t ihr eine Beschwerdebefugnis zu- komme, was vorliegend nicht gegeben sei. Eine Legitimat ion lasse sich auch nicht gestützt auf Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht § 31 Abs. 2 lit. b des Raumplanungs- und Baugesetzes (RBG ) vom 8. Januar 1998 begründen. Beim Konzessionsverfahren handle es sich weder um ein Ve rfahren gemäss § 31 RBG, noch sei die B.____ eine kantonale Vereinigung in Form ei ner juristischen Person, weshalb die Be- schwerdebefugnis der B.____ zu verneinen sei. Die Beschwerd elegitimation der Beschwer- deführer beschränke sich folglich lediglich auf den WWF S chweiz und den WWF Region Basel, weil diesen Organisationen gemäss der Verordnung über d ie Bezeichnung der im Bereich des Umweltschutzes sowie des Natur- und Heimatschutzes beschwer deberechtigten Organisatio- nen (VBO) vom 27. Juni 1990 das Beschwerderecht zukomme. 1.3. Gemäss § 47 Abs. 1 VPO sind zur Beschwerde befugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat (lit. a), jede ande re Person, Organisation oder Behörde, die durch besondere Vorschrift zur Beschwerde ermächtigt ist ( lit. b) und die vollziehende Behörde der Gemeinde bei Verfügungen und Entscheiden letztinsta nzlicher Verwaltungsbehörden des Kantons (lit. c). 1.4. Das umstrittene Kraftwerkprojekt untersteht nicht der Umweltverträglichkeitsprüfung, da der Schwellenwert von 3 MW nicht erreicht wird (Art. 10a des Bundesgesetzes über den Umweltschutz [USG] vom 7. Oktober 1983; Art. 1 und 5 der Verordnung über die Umwelt- verträglichkeitsprüfung [UVPV] vom 19. Oktober 1988 i.V.m. Ziff. 21.3 Anhang UVPV). Die Legi- timation des Beschwerdeführers WWF Schweiz ergibt sich da her nicht aus Art. 55 USG. Der Konzessionsentscheid des Regierungsrats vom 11. Februar 2014 stützt sich aber – ebenso wie die gleichentags erlassene Konzession – unter anderem au f das Bundesgesetz über die Nutz- barmachung der Wasserkräfte (WRG) vom 22. Dezember 1916, das Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (GSchG) vom 24. Januar 1991, das Bun desgesetz über die Fischerei (BGF) vom 21. Juni 1991 sowie das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) vom 1. Juli 1966. Damit stützt sich der angefochtene En tscheid auf öffentliches Recht des Bun- des und die Legitimation des Beschwerdeführers WWF Schw eiz ergibt sich aus Art. 12 NHG, da die Erteilung der kantonalen Wassernutzungskonzession sowie der gewässerschutzrechtli- chen Bewilligung eine Bundesaufgabe im Sinne von Art. 2 lit. b NHG darstellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts [1A.151/2002] vom 22. Januar 2003, E. 1.2. mit Hinweisen). Der WWF Schweiz ist somit gemäss Art. 12 Abs. 1 NHG i.V.m. Art. 1 und Anhang Ziff. 3 VBO zur Beschwerde legi- timiert, weshalb auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist. 1.5. Nachdem – wie dargelegt – auf die Beschwerde des Beschwerdeführers WWF Schweiz einzutreten ist und die in der Beschwerdeschrift e rhobenen Rügen somit ohnehin ma- teriell zu beurteilen sind, kann offen bleiben, ob auc h die weiteren Beschwerdeführer zur Be- schwerdeerhebung legitimiert sind. 2.1. Der Regierungsrat führte im angefochtenen Entsch eid aus, es bedürfe für die Erstel- lung und den Betrieb des Kraftwerks Grossmatt ausser der Konzession einer Baubewilligung. Die beiden Verfahren seien aufgrund des Koordinationsgebots aufeinander abzustimmen. § 119 Abs. 2 RBG regle in dieser Hinsicht, dass das Baubewilligungsverfahren das Leitverfahren bilde und die Baubewilligungsbehörde für die Verfahrenskoo rdination zuständig sei. Entsprechend Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht würden das Baubewilligungs- und das Konzessionsverfahren im vorliegenden Fall koordiniert. Zudem seien Konzessions- und Baugesuchsunterlagen zusammen aufgelegt worden. Zustän- dig für die Konzessionserteilung im Fall der Nutzung d er Wasserkraft sei gemäss § 29 Abs. 1 lit. a WBauG der Regierungsrat, während die Baubewil ligung durch das BIT erteilt werde. Das BIT sei auch zuständig, Einsprachen, die gegen das Bauge such erhoben wurden, zu behan- deln. Über Einsprachen gegen das Konzessionsgesuch habe hingegen der Regierungsrat zu entscheiden. Diese Differenzierung ergebe sich aus der un terschiedlichen Zuständigkeit für die Erteilung der Baubewilligung und der Konzession. Mit d em vorliegenden Entscheid würden die Einsprachen betreffend das Konzessionsverfahren beurteilt. Der Einspracheentscheid des BIT und der vorliegende Entscheid betreffend die Einsprache n gegen das Konzessionsgesuch wür- den gleichzeitig eröffnet, so dass die Verfahrenskoordina tion gewährleistet sei. Weiter führte der Regierungsrat zum Verfahren aus, nach dem rechtskräf tigen Abschluss der Einsprachever- fahren würden die Baubewilligung und die Konzession e rteilt. In der Konzession würden die erforderlichen Auflagen und Bedingungen im Zusammenhang mit der Wasserkraftnutzung bzw. dem Kraftwerksbetrieb und den damit einhergehenden A uswirkungen auf die Birs, gestützt auf die massgebenden Gesetze des Kantons und des Bundes verfü gt. So würden, soweit eine Re- levanz zum Betrieb des Kraftwerks bestehe, u.a. fischerei- , gewässerschutz-, natur- und um- weltschutzrechtliche Aspekte in der Konzession geregelt. 2.2. Die Beschwerdeführer rügen zunächst eine Missachtung der Koordinationspflicht (so- wohl in materieller als auch formeller Hinsicht). Die gleichzeitige Eröffnung der Verfügungen entspreche nur teilweise den Anforderungen gemäss Art. 25a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG) vom 22. Juni 1979 und § 119 Ab s. 1 RBG, weil die materielle Koordi- nation dadurch nicht ausreichend gewährleistet werde. Dies werde insbesondere aus einer Passage der Einsprache-Abweisung des BIT vom 11. Februar 2014 ersichtlich, worin ausge- führt werde, dass das BIT auf die (insbesondere auch um weltrechtlichen) Einsprachen, welche das Konzessionsverfahren und die Konzessionserteilung betreffen, mangels Zuständigkeit nicht eintreten könne; diese Einsprachen würden im separate n Verfahren vom Regierungsrat beur- teilt. Tatsächlich nehme das BIT aber Stellung zu de n vom NHG geforderten Ersatzmassnah- men. Der Regierungsrat wiederum äussere sich zu den gefä hrdeten Fischpopulationen, zu den Fischaufstiegs- und Fischabstiegshilfen und zu einer mögl ichen Umgehungsrinne. Die Bestim- mungen der Lärmschutz-Verordnung (LSV) vom 15. Dezembe r 1986 seien weder vom Regie- rungsrat noch vom BIT thematisiert worden. Sowohl der Regierungsrat wie auch das BIT hätten sich also zu einzelnen Einsprachepunkten, die eine Verl etzung des Umweltrechts monierten, geäussert. Der dem Umweltrecht zugrundeliegende Grun dsatz der ganzheitlichen Betrach- tungsweise würde dabei nicht respektiert. Zudem hätten weder der Regierungsrat noch das BIT eine vollumfängliche Interessenabwägung vorgenommen. Ne ben der materiellen Koordination sei auch die formelle Koordination nicht gewährleistet . Die Einsprache-Abweisungen des BIT und des Regierungsrats seien nämlich mit unterschiedliche n Rechtsmittelbelehrungen verse- hen. Gegen die Einsprache-Abweisung des BIT könne bei der Baurekurskommission Be- schwerde geführt werden, während eine allfällige Beschw erde gegen den Konzessions- entscheid beim Kantonsgericht eingereicht werden müsse. Gemäss Art. 33 Abs. 4 RPG seien für die Anfechtung von Verfügungen kantonaler Behörden, auf welche Art. 25a Abs. 1 RPG An- wendung finde, einheitliche Rechtsmittelinstanzen vorzuse hen. Das vorliegend zur Diskussion Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht stehende Konzessions- und Baubewilligungsverfahren stelle in geradezu prototypischer Weise einen Anwendungsfall von Art. 25a RPG dar. Indem der Entscheid des BIT an die Baurekurs- kommission weitergezogen werden müsse und der Konzessionsen tscheid des Regierungsrats mit Beschwerde beim Kantonsgericht gerügt werden solle , würden die Art. 25a und 33 Abs. 4 RPG sowie § 119 RBG verletzt. Die Missachtung der Koordin ationspflicht beschränke die Par- teirechte der Verfahrensbeteiligten, lasse den Grundsat z der ganzheitlichen Betrachtungsweise unbeachtet und sei mit der derogatorischen Kraft des Bundesrechts nicht zu vereinbaren. 3.1. Zum Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen B oden, Luft und Wasser ist der Gesetzgeber in der Vergangenheit in vielfacher Weise t ätig geworden und hat zahlreiche Nor- men und Vorschriften erlassen. Der Gesetzgeber hat das Um weltrecht jedoch nicht in einem einzigen Erlass kodifiziert, sondern während verhältnism ässig langer Zeit mit sektoriellen Ge- setzgebungen auf bestimmte Bedrohungslagen reagiert (P ETER HÄNNI , Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 5. Auflage, Bern 2008, S. 451). Daran hat sich auch mit dem Erlass des USG nichts geändert, zumal die anderen Gesetze (wie z.B. das NHG, das Bundes- gesetz über den Wald [WaG] vom 4. Oktober 1991, das GSch G) in Kraft geblieben sind. Dazu kommt, dass aufgrund der föderalistischen Struktur die R echtssetzungs- und Rechtsanwen- dungskompetenzen auf Bund, Kantone und Gemeinden verte ilt sind, womit nicht nur Bundes- normen, sondern auch kantonale und kommunale Bestimmungen zu beachten sind (vgl. HÄNNI , a.a.O., S. 452). Die zahlreichen Spezialerlasse unterscheiden sich nicht nur in ihrem materiellen Gehalt, sondern auch in verfahrensmässiger Hinsicht. Demzufolge ist es möglich, dass mehrere Amtsstellen für ein und dasselbe (Bau-)Projekt zuständi g sind und jede von ihnen das Projekt unter einem anderen Gesichtspunkt zu beurteilen hat. E ine vollständige Separation der Verfah- ren in dem Sinne, dass jedes Bewilligungsverfahren abgeschottet vom anderen verläuft, ist aber kaum möglich, da die Regelungsbereiche der einzelnen Sp ezialerlasse teilweise ineinander übergreifen und die Erlasse selber oft eine umfassende Interessenabwägung vorschreiben (vgl. z.B. Art. 24 lit. b RPG). Aufgrund der Problematik de r komplexen und unkoordinierten Bewilli- gungsverfahren, welche die Gefahr widersprüchlicher Ent scheide in sich barg, erkannte das Bundesgericht in diesem Bereich Handlungsbedarf und en twickelte in seiner Rechtsprechung Grundsätze betreffend Koordination sachlich zusammenhänge nder Bewilligungsentscheide (vgl. ausführlich zur Entwicklung des Koordinationsgebot s in der bundesgerichtlichen Recht- sprechung: ALFRED KÖLZ /H ELEN KELLER , Koordination umweltrelevanter Bewilligungsverfahren als Rechtsproblem, in: Umweltrecht in der Praxis [URP] 1990, S. 388 ff.). 3.2. Mit seinem Leitentscheid vom 14. März 1990 (BGE 11 6 Ib 50) begründete das Bundes- gericht eine Rechtsprechung, woraus sich Verfahrenskoordina tionsregeln mit entsprechenden Detailanweisungen ergaben. Danach musste die Rechtsanwend ung materiell koordiniert erfol- gen, sofern für die Verwirklichung eines Projekts verschie dene materiellrechtliche Vorschriften anzuwenden waren und zwischen diesen Vorschriften ein der art enger Sachzusammenhang bestand, dass sie nicht getrennt und unabhängig voneinan der angewendet werden durften. Nach dieser bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird dies a m besten erreicht, wenn dafür eine einzige erste Instanz zuständig ist. Seien zur Beu rteilung einzelner der materiellen Koordi- nation bedürftiger Rechtsfragen hingegen verschiedene erstinstanzliche Behörden zuständig, so müssten diese die Rechtsanwendung in einer Weise ab stimmen, dass qualitativ ein gleich- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht wertiges Koordinationsergebnis erzielt werde. Die koor dinierte Anwendung des materiellen Rechts könne durch die Kantone somit auf verschiedene Weis e sichergestellt werden. Die in der Regel wohl zweckmässigste Möglichkeit bestehe darin, di e verschiedenen anwendbaren bundes- und kantonalrechtlichen Vorschriften durch eine Instanz erstinstanzlich beurteilen zu lassen. Werde dies nicht gemacht, so müssten die verschiedenen zuständigen kantonalen und gegebenenfalls auch kommunalen Behörden die Rechtsanwe ndung im erstinstanzlichen Ver- fahren zunächst materiell koordinieren und anschliessend verfahrensmässig so vorgehen, dass die verschiedenen getrennt erlassenen Entscheide in einem einheitlichen Rechtsmittelverfahren angefochten werden können. Das könne etwa so geschehen, dass mehrere getrennt zu tref- fende Entscheide, in denen materielle Rechtsfragen mi t engem Sachzusammenhang beurteilt werden, gleichzeitig eröffnet würden, am besten gesamt haft und zusammengefasst durch die erstinstanzliche Behörde, die für dasjenige Verfahren z uständig sei, das eine frühzeitige und umfassende Prüfung ermögliche (Leitverfahren, massgebli ches Verfahren). Bei einer solchen einheitlichen und gleichzeitigen Eröffnung verschiedener getrennt getroffener kantonaler bzw. kommunaler erstinstanzlicher Entscheide durch eine Behörde sei, aus Gründen des Sach- zusammenhangs, ein gegen alle Entscheide zulässiges Rechtsm ittel vorzusehen. In Rechts- mittelbelehrungen sei auf dasjenige Rechtsmittel hinzuw eisen, das für das Leitverfahren gege- ben ist. Würden die getrennt zu treffenden Entscheide zwar zeitlich und inhaltlich koordiniert, aber getrennt eröffnet – was sich in der Regel als un zweckmässig erweise – so sei trotz dieses Vorgehens ebenfalls dasjenige Rechtsmittel offenzuhalten , welches gegen den Entscheid be- stehe, der im Leitverfahren getroffen werde. Nur so kö nne bei bestehendem engem Sach- zusammenhang die sachgerechte Anwendung des materiellen Rechts gewährleistet werden (zum Ganzen: BGE 116 Ib 50 E. 4b). 3.3. Ein Teil der Lehre erachtete diese Intervention d es Bundesgerichts als problematisch, weil mit der Statuierung einer eigentlichen Rechtspfli cht zur formellen Koordination nicht nur in unzulässiger Weise in die kantonale Kompetenz eingegriff en, sondern auch der Grundsatz der Gesetzmässigkeit des Verfahrensrechts verletzt worden sei. An gesichts der Schwere des Ein- griffs in die kantonale Verfahrens- und Organisationsh oheit wurde daher gefordert, dass sich der Bundesgesetzgeber der verfahrensmässigen Koordination annehme (KÖLZ / KELLER , a.a.O., S. 406). 3.4. Art. 75 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei dgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (bzw. vor dessen Inkrafttreten Art. 22 quater der alten BV) räumt(e) dem Bund die Kompetenz ein, im Bereich der Raumplanung in einem gewissen Ausmass Bestimmungen über die kantonale Organisation und das kantonale Verfahr en zu erlassen (vgl. Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement [EJPD]/Bundesamt für Raumplanung [BRP], Erläuterungen zum Bundesgesetz über die Raumplanung, Bern 1981, Art. 33 N 1 f.). Auf diese Kompetenz stützte sich die Revision des RPG vom 6. Oktober 1995, welche verfah rensrechtliche Neuerungen, insbesondere zur Koordination enthielt (Art. 25a und Art. 33 Abs. 4 RPG). Gemäss Art. 25a Abs. 1 RPG ist eine Behörde zu bezeichnen, die für ausreichende Koordination sorgt, sofern die Errichtung oder die Änderung einer Baute oder Anlage Verfügungen mehrerer Behörden erfor- dert. Nach Art. 25a Abs. 2 RPG kann die für die Koordination verantwortliche Behörde die erfor- derlichen verfahrensleitenden Anordnungen treffen (lit . a); zudem sorgt sie für eine gemeinsa- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht me öffentliche Auflage aller Gesuchsunterlagen (lit . b) und holt von allen beteiligten kantonalen und eidgenössischen Behörden umfassende Stellungnahmen z um Vorhaben ein (lit. c). Die für die Koordination verantwortliche Behörde sorgt für eine inhaltliche Abstimmung sowie möglichst für eine gemeinsame oder gleichzeitige Eröffnung der Verfügungen (Art. 25a Abs. 2 lit. d RPG). Die Verfügungen dürfen zudem keine Widersprüche enthal ten (Art. 25a Abs. 3 RPG). Art. 33 Abs. 4 RPG bestimmt hinsichtlich des kantonalen Rechtsschutzes, dass für die Anfechtung von Verfügungen kantonaler Behörden, auf welche Art. 25a Abs. 1 RPG Anwendung findet, einheit- liche Rechtsmittelinstanzen vorzusehen sind. Diese Regelung geht einerseits über die erwähnte Praxis des Bundesgerichts (siehe vorne E. 3.2.) hinaus, ind em alle für die Errichtung oder Än- derung einer Baute oder Anlage erforderlichen Verfüg ungen erfasst worden sind und damit auf das Kriterium des engen Sachzusammenhangs bezüglich der a nwendbaren Vorschriften ver- zichtet worden ist. Dies hat den Vorteil, dass schwierige Abklärungen, ob ein solcher Sachzu- sammenhang besteht, entfallen. Andererseits wurde für das Rechtsmittelverfahren das soge- nannte "Konzentrationsmodell" vorgeschrieben (vgl. ausfü hrlich dazu A RNOLD MARTI , Bewilli- gung von Bauten und Anlagen – Koordination oder Konz entration der Verfahren?, publ. in: Ak- tuelle Juristische Praxis [AJP] 1994, S. 1539 ff.). Damit wurde gesetzlich klargestellt, was sich praktisch ohnehin bereits aus der Koordinationspflicht ergab, weil eine materielle Koordination im Rechtsmittelverfahren als kaum praktikabel erachtet wurde (Botschaft zur Revision des RPG vom 30. Mai 1994, 94.054, Bundesblatt [BBl] 1994, S. 1084). Das "Konzentrationsmodell" ver- langt auf Stufe Rechtsmittelverfahren, dass ein einhei tliches Rechtsmittel zur Verfügung steht, weil auf der Stufe von Rechtsmittelinstanzen ein Abstim mungsverfahren zwischen verschiede- nen Behörden wie vor erster Instanz schon aufgrund der einzuhaltenden prozessualen Formen aber auch aufgrund der fehlenden Sachnähe und Fachkund e der Rechtsmittelbehörden kaum mehr möglich und sinnvoll ist. Eine Gabelung des Rechtswe gs in ein und derselben Sache ist zu vermeiden (vgl. M ARTI , a.a.O., S. 1541 f.). Der Bundesgesetzgeber griff m it Art. 33 RPG so- mit in kantonales Organisations- und Verfahrensrecht ein , auch wenn die Ordnung von Zustän- digkeit von Verfahren nach Art. 25 Abs. 1 RPG grundsätzl ich im Bereich der Raumplanung Sa- che der Kantone blieb. Art. 33 RPG stellt direkt und selbständig anwendbares Recht dar. Die Kantone sollten aber das nötige Organisations- und Ver fahrensrecht erlassen; zudem steht es den Kantonen frei, weitergehende Rechtsschutzbestimmung en zu erlassen (vgl. EJPD/BRP, Erläuterungen zum Bundesgesetz über die Raumplanung, B ern 1981, Art. 33 N 3; B ERNHARD WALDMANN /P ETER HÄNNI , Handkommentar Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 33 N 3; HEINZ AEMISEGGER /S TEPHAN HAAG , Praxiskommentar zum Rechtsschutz in der Raumplanung, Zürich Basel Genf 2010, Art. 33 N 6). 3.5. Neben den Änderungen im RPG sind auf Bundeseben e durch das Bundesgesetz über die Koordination und Vereinfachung von Entscheidverfahr en (Amtliche Sammlung [AS] 1999, S. 3071 ff.) eine Anzahl weiterer Verfahren als konzen trierte Verfahren mit einem Leitverfahren ausgestaltet worden. Dieses Bundesgesetz ist kein selbständiger Erlass, sondern damit wurden einzig Änderungen in den jeweiligen Bundesgesetzen (z. B. NHG, WRG, USG, GSchG, WaG, BGF, etc.) vorgenommen, wodurch die entsprechende, koo rdinierte Verfahrensordnung ge- schaffen wurde. Danach übt die mit dem Entscheid betrau te Behörde ihre angestammten Be- fugnisse aus; sie befindet zugleich aber auch über die e nteignungsrechtliche Plangenehmigung und erteilt alle weiteren nach Bundesrecht erforderli chen Bewilligungen, und zwar unabhängig Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht davon, ob diese sonst in den Zuständigkeitsbereich d es Bundes oder der Kantone fallen (vgl. zum Ganzen R ICCARDO JAGMETTI , Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band VII, Ener- gierecht, Basel 2005, Rz. 1533 f.). 4.1. Auch viele Kantone haben ihrerseits Massnahmen zur V erfahrenskoordination in ihrem Entscheidungsbereich getroffen. Der Kanton Bern hat b eispielsweise das Koordinationsgesetz (KoG BE) vom 21. März 1994 erlassen, worin die Leitver fahren in folgender Prioritätenordnung festgelegt werden: das Verfahren nach USG (wenn eine Umweltverträglichkeitsprüfung durch- zuführen ist), das Konzessionsverfahren (sofern der Hauptzwe ck des Vorhabens die Erteilung einer Konzession bedingt), das Nutzungsplanungsverfahren, das Baubewilligungsverfahren und subsidiär jenes Verfahren, welches am frühesten eine umf assende Prüfung ermöglicht (Art. 5 KoG BE). Gemäss Art. 11 Abs. 1 KoG BE können der Gesamtentscheid und die weiteren Verfü- gungen kantonaler Behörden unabhängig von den gelten d gemachten Einwänden einzig mit dem für das Leitverfahren massgeblichen Rechtsmittel ang efochten werden. Ist nach der Ge- setzgebung gegen einen Teil des Gesamtentscheids der nach Absatz 1 zuständigen Verwal- tungsjustizbehörde die Verwaltungsgerichtsbeschwerde zul ässig, so kann gegen den Be- schwerdeentscheid Verwaltungsgerichtsbeschwerde geführt werden, selbst wenn sie für das Leitverfahren nicht vorgesehen ist (Art. 11 Abs. 2 KoG BE). 4.2. Der Kanton Basel-Landschaft hat die bundesgerich tliche Rechtsprechung zur Ver- fahrenskoordination im Rahmen der Schaffung des RBG be rücksichtigt, indem § 119 RBG die Verfahrenskoordination regelt. Sind für Bauvorhaben ne ben der Baubewilligung noch andere Bewilligungen erforderlich, sind die verschiedenen Verfa hren bei gleichzeitiger Durchführung inhaltlich aufeinander abzustimmen (§ 119 Abs. 1 RBG) . Gemäss § 119 Abs. 2 RBG bildet das Baubewilligungsverfahren das Leitverfahren, wobei die Baubewilligungsbehörde für die Koordi- nation zuständig ist. Erweist sich ein anderes Verfahren a ls Leitverfahren, hat die dafür zustän- dige Behörde die Verfahrenskoordination zu übernehme n (§ 119 Abs. 3 RBG). Ein Blick in die Materialien des RBG zeigt, dass der Gesetzgeber darum be müht war, mit dem Erlass des RBG der Koordinationspflicht nachzukommen. Den Erläuterunge n zum Vernehmlassungsentwurf für das RBG vom Februar 1992 lässt sich entnehmen, dass die Ver fahrenskoordination neu gere- gelt werden musste. Im Einzelnen wurde darin Folgendes ausgeführt (Erläuterungen zum Ver- nehmlassungsentwurf vom RBG, Februar 1992, S. 44 f.): "Das Bundesgericht hat im Jahre 1990 einen vielbeachteten, wegweisenden Entscheid zur Koor- dinationspflicht bei raum- und umweltrelevanten Bewi lligungen gefällt (BGE 116 Ib 50 ff.). Dieser Entscheid richtet sich auch an den kantonalen Gesetzgeber, im Rahmen seiner Raumplanungs-, Bau- und Umweltschutzgesetzgebung die zur Koordination notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Mit der vorliegenden Bestimmung wird diese m Anliegen – soweit es notwendig ist – Rechnung getragen. Nach der vorgeschlagenen Lösung hat die mit dem Leitve rfahren betraute Behörde – in der Re- gel die Baubewilligungsbehörde – dafür zu sorgen, da ss die verschiedenen Verfahren gleichzeitig durchgeführt und inhaltlich aufeinander abgestimmt werden. Mit dem "System der gleichzeitig ko- ordinierten Verfahren" wird genügend sichergestellt, dass Bundesrecht – nota bene auch kanto- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nales Recht – von verschiedenen Behörden widerspruchsf rei angewendet wird. Zudem wird mit dieser Regelung angestrebt, die Verfahren auch in zei tlicher Hinsicht zügig und ökonomisch durchzuführen. Eine weitergehende Koordination der Ve rfahren erscheint nicht zweckmässig. Insbesondere der Auffassung des Bundesgerichtes, für die verschiedenen, getrennt erlassenen Entscheide ein gemeinsames Rechtsmittelverfahren vorzu sehen, kann in Anbetracht der kanto- nalen Organisations- und Verfahrenshoheit nicht gefo lgt werden. Hinzu kommt, dass im Kanton Basel-Landschaft die Rechtsmittelverfahren sehr unter schiedlich ausgebaut sind. Dies schliesst allerdings nicht aus, dass im Rahmen der Verordnungs arbeiten auf die Problematik der Verein- heitlichung der Rechtsmittelverfahren zurückgekommen werden kann." 5. Zu klären bleibt, ob die vom Kanton Basel-Landscha ft geschaffene Verfahrenskoordi- nation im hier umstrittenen Fall den bundesrechtlichen Anforderungen an die Verfahrenskoor- dination entspricht. 5.1. Die Errichtung von Energieanlagen unterliegt au sser den spezifischen Vorschriften für die Anlageart einer Vielzahl von weiteren materielle n Regeln des Bundesrechts und zum Teil auch des kantonalen Rechts (vgl. vorne E. 3.1.). Entsprech end komplex sind die Zulas- sungsverfahren, was nach einer Koordination der Entscheide und auch nach einer Straffung der Verfahren ruft. Für das Energierecht ist die Koordina tion von grosser Bedeutung, weil die Kan- tone insbesondere über die Ressourcen (wie z.B. Gewässer ) verfügen und auch raumplaneri- sche Entscheide treffen (vgl. JAGMETTI , a.a.O., Rz. 1532 ff.). 5.2. Streitgegenstand ist hier die (Neu-)Vergabe eine r kantonalen Wassernutzungskonzes- sion. Die Erteilung von Wasserkraftkonzessionen hat zwar au ch eine politische Komponente, der angefochtene Konzessionsentscheid umfasst jedoch nicht e inzig den blossen Verlei- hungsakt; vielmehr werden neben den Rechten insbesondere auch die Pflichten der Konzes- sionärin detailliert geregelt. Diese Aspekte sind justizi abel und weisen keinen vorwiegend politi- schen Charakter auf, weshalb sichergestellt sein muss, dass in einem gerichtlichen Verfahren geprüft wird, ob das Vorhaben der einschlägigen Gese tzgebung, insbesondere den Vorgaben des Bau-, Planungs- und Umweltrechts entspricht (vgl. dazu BGE 136 II 436 E. 1.3.) Die Nut- zung des natürlichen Gefälles des Wassers durch Wasserkraftwer ke stellt eine ausgeprägte Form der Sondernutzung einer öffentlichen Sache im Gem eingebrauch dar, da sie die gleichar- tige Inanspruchnahme derselben Gewässerstrecke durch ande re Interessenten ausschliesst. Sie unterliegt damit der Konzessionspflicht (Art. 3 Abs. 1 und Art. 38 ff. WRG; JAGMETTI , a.a.O., Rz. 4201). Die Verleihung von Wasserrechten zur Wasserkra ftnutzung wird im WRG in den Grundzügen geregelt, während die Detailregelungen in den kantonalen Wasserrechtsgesetzen (d.h. im WBauG) enthalten sind. Art. 54 WRG enthält einen Katalog über den obligatorischen Inhalt von Konzessionen. Danach sollen alle Konzessionen di e Person des Konzessionärs (lit. a), den Umfang des verliehenen Nutzungsrechts mit der Angabe der nutzbaren Wasser- menge und der Dotierwassermenge pro Sekunde sowie die Art der Nutzung (lit. b), bei Ablei- tungen und Speicherungen die einzuhaltende Restwasserme nge pro Sekunde sowie Art und Ort der Registrierung (lit. c), weitere Bedingungen u nd Auflagen, die gestützt auf andere Bun- desgesetze festgelegt werden (lit. d), die Dauer der Konzession (lit. e), die dem Konzessionär auferlegten wirtschaftlichen Leistungen wie Wasserzins, Pumpwerkabgabe, Abgabe von Was-Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ser oder elektrischer Energie und andere Leistungen, die sich nach Massgabe besonderer Vor- schriften aus der Nutzung der Wasserkraft ergeben (lit. f ), die Beteiligung des Konzessionärs am Unterhalt und an der Korrektion des Gewässers (lit . g), die Fristen für den Beginn der Bau- arbeiten und die Eröffnung des Betriebes (lit. h), di e allfälligen Rechte auf Beanspruchung des Heimfalls und auf Rückkauf des Werkes (lit. i), das Schicksal der Anlagen beim Ende der Kon- zession (lit. k) und das Schicksal allfälliger Ersatzleistung en an andere Konzessionäre beim Ende von deren Konzessionen (lit. l) bestimmen. 5.3. Kantonalrechtlich werden die wasserbaulichen Eing riffe und die Nutzung der Gewässer im WBauG geregelt. Gemäss § 29 Abs. 1 WBauG bedürfen Nutzungen, die den Gemeingeb- rauch übersteigen, einer Konzession durch den Regierungsr at. Dies gilt insbesondere für: die Nutzung der Wasserkraft (lit. a), die Wasserentnahme aus Gewässern (lit. b), die Entnahme von Steinen, Kies und Sand aus einem Gewässer (lit. c) und die Errichtung und den Betrieb von Anlagen jeder Art an und in Gewässern (lit. d). Für g eringfügige Nutzungen ist eine Bewilligung der Bau- und Umweltschutzdirektion erforderlich (§ 29 A bs. 2 WBauG). Gemäss § 29 Abs. 3 WBauG regelt der Regierungsrat in der Verordnung die Einzelheiten über das Verfahren, den Inhalt und die Dauer von Konzessionen. 5.4. Die in § 29 Abs. 3 WBauG vorgesehene regierungsrä tliche Verordnung, welche die Einzelheiten über das Verfahren, den Inhalt und die Dauer von Konzessionen regeln soll, wurde bislang noch nicht erlassen. Für den hier vorliegenden Fall, in welchem nach kantonalem Recht sowohl eine Baubewilligung und als auch ein Konzessionsgesuch erforderlich sind, fehlen dem- zufolge Sonderbestimmungen zum Organisations- und Verfa hrensrecht. Demgemäss gelangte im Baubewilligungsverfahren § 133 RBG zur Anwendung, welcher eine Beschwerde an die Baurekurskommission vorsieht. Im parallel laufenden Konz essionsverfahren sah § 43 Abs. 1 VPO hingegen die direkte Beschwerde an das Kantonsgeri cht vor. Beim zu überprüfenden Konzessionsentscheid und dem gleichzeitig erlassenen Einspr ache-Entscheid des BIT (im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens) handelt es sich abe r – wie der Regierungsrat im an- gefochtenen Entscheid (S. 3) anerkennt – um Entscheide, die koordiniert werden müssen. 5.5. Unbestritten ist, dass, nachdem das Bau- und Konzessio nsgesuch gleichzeitig öffent- lich aufgelegt und die Entscheide des BIT und des Regi erungsrats gleichzeitig eröffnet wurden, im erstinstanzlichen Verfahren die Koordinationspflicht n icht verletzt wurde. Gemäss Art. 33 Abs. 4 RPG, welcher – wie erwähnt (siehe vorne E. 3.4. ) – direkt und selbständig anwendbares Recht darstellt, sind in solchen Fällen indes auch einhei tliche Rechtsmittelinstanzen vorzu- sehen. Somit ist zu gewährleisten, dass die verschiedenen koordinationspflichtigen Entscheide in einem einheitlichen Rechtsmittelverfahren angefocht en werden können. Nebst der inhaltli- chen Abstimmung verfolgt das Koordinationsgebot den Zw eck, eine Staffelung der Verfahren und damit die Wiederholung von Einsprache- und Rechts mittelverfahren zu inhaltlich gleichen oder gleichartigen Streitpunkten zu vermeiden. Der I nstanzenzug soll nicht mehrmals durchlau- fen werden müssen. Gleichzeitig ist erforderlich, dass di e Parteirechte der Einsprache- und Rechtsmittelbefugten und sonstigen Verfahrensbeteiligte n nicht beschränkt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts [1C_236/2013] vom 4. Februar 2014 E. 3.1). Aufgrund dieser Vorgaben müssen die Behörden im Konzessions- und Bauverfahren dafü r sorgen, dass die Entscheide Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht widerspruchsfrei getroffen und mit einheitlicher Recht smittelbelehrung versehen werden. Daran fehlte es aber, weil gegen den baurechtlichen Entscheid des BIT die Beschwerde an die Baure- kurskommission vorgesehen ist, bei welcher zurzeit ebenfall s ein Beschwerdeverfahren hängig ist, und der Konzessionsentscheid direkt beim Kantonsgeric ht angefochten werden kann. Die kantonale Rechtsmittelordnung sieht demgemäss eine Gabe lung des Rechtswegs vor, welche dazu führt, dass die betroffenen Parteien insgesamt drei Rechtsmittel (eine Beschwerde an das Kantonsgericht im Konzessionsverfahren, eine Beschwerde a n die Baurekurskommission im Baubewilligungsverfahren und in der Folge eine Beschw erde an das Kantonsgericht im Baube- willigungsverfahren) ergreifen müssen, um einen Rechtm ittelentscheid zu erhalten, in welchem erstmals eine umfassende Prüfung stattfinden könnte. Di es widerspricht Art. 33 Abs. 4 RPG. Die Koordinationspflicht wurde im vorliegenden Fall folglich verletzt, weil die beiden zu koordi- nierenden Entscheide die Beschwerdeberechtigten – der gesetzlichen Rechtmittelordnung fol- gend – in der Rechtsmittelbelehrung nicht an eine ei nheitliche Rechtsmittelinstanz verwiesen haben. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und der Ent scheid des Regierungsrats aufzuhe- ben. Der Kanton Basel-Landschaft wird in der Folge ein den Anforderungen von Art. 25a und Art. 33 Abs. 4 RPG genügendes Verfahren zu schaffen h aben. Bei diesem Ausgang des Ver- fahrens erübrigt sich eine Prüfung der weiteren von de n Beschwerdeführern erhobenen ma- teriellen Rügen gegen die Konzessionserteilung (inkl. d er Prüfung, ob der angefochtene Ent- scheid darüber hinaus nichtig war, vgl. zur Nichtigkeit: BGE 132 II 21 E. 3.1, mit Hinweisen). 6.1. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO werden im verwaltungsgerichtl ichen Verfahren Verfah- renskosten erhoben. Sie werden in der Regel der unterl iegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Allerdings besteht aufgrund der offenen Formulierung "in der Regel" ein gewisser Ermessensspielraum, was in Ausna hmefällen dazu führen kann, dass die Verfahrenskosten nach dem Verursacherprinzip verlegt werden. Nachdem die kantonale Rechtsordnung – wie aufgezeigt – in diesem Einzelfall den bundesrechtlichen Anforderungen an die Koordinationspflicht nicht genügt hat, rechtfertigt es sich unter Berücksichtigung des Ver- ursacherprinzips nicht, der aus diesem Grund unterlegenen Beschwerdegegnerin Verfahrens- kosten aufzuerlegen. Dem Beschwerdegegner werden gemäss § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO keine Verfahrenskosten auferlegt. Demgemäss werden keine Verfahrenskosten erhoben. 6.2 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Danach hat die unter liegende die obsiegende Partei nach Massgabe deren Obsiegens für sämtliche notwendigen Part eikosten zu entschädigen (M ARTIN BERNET , Die Parteientschädigung in der schweizerischen Verwaltun gsrechtspflege, Zürich 1986, S. 132 ff.). Von diesem Grundsatz kann das Gericht abweichen und die Parteikosten nach dem Verursacherprinzip verlegen, sofern ihm das Ges etz einen entsprechenden Ermes- sensspielraum einräumt und es die Umstände rechtfertigen (vgl. BERNET , a.a.O., S. 132 ff.). Die Kann-Formulierung in § 21 Abs. 1 VPO räumt dem Kanto nsgericht einen entsprechenden Er- messensspielraum ein. Die Parteikosten der Beschwerdeführer werden daher nach dem Verur- sacherprinzip ausschliesslich dem Regierungsrat auferlegt. D ie Beschwerdeführer beantragen in ihrer Honorarnote vom 14. August 2014 eine Parte ientschädigung in der Höhe von Fr. 16'837.70 (inkl. Auslagen und MWSt). Aus der eing ereichten Honorarnote ergibt sich, dass Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht zwei Anwältinnen insgesamt 17,8 und zwei Substituten insgesamt 34,2 Arbeitsstunden erfasst haben, wobei für die Anwältinnen ein Stundenansatz i n der Höhe von Fr. 550.-- bzw. Fr. 420.-- und für die Substituten ein Ansatz in der Höhe von Fr. 180.-- geltend gemacht wird. Gemäss § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwä lte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar Fr. 200.-- bis Fr. 350.-- pro Stunde, je nach Schwierigkeit und Bedeutung der Sache, der damit verbundenen Verantwortung und der persönli chen und finanziellen Verhältnisse der zahlungspflichtigen oder der auftraggebenden Person. Für die Bemühungen von Substitutinnen und Substituten gemäss § 6 des Anwaltsgesetzes Basel-Landschaft sind 1/3 bis 2/3 des für den konkreten Fall massgebenden Stundenansatzes einer Anwältin oder eines Anwaltes zu berech- nen (§ 3 Abs. 3 Tarifordnung). Vorliegend erscheint e in Stundenansatz in der Höhe von Fr. 250.-- (Anwältinnen) und Fr. 120.-- (Substitute n) angemessen. Bei diesen Ansätzen ergäbe sich ein Honorar in der Höhe von Fr. 8'554.--. Der Hon orarnote lässt sich indes entnehmen, dass diverse interne Besprechungen unter den Mitarbeiter n der Kanzlei von den einzelnen Mit- arbeitern erfasst wurden, was nicht zu entschädigen ist. D emgemäss rechtfertigt sich eine ent- sprechende Reduktion des Honorars auf pauschal Fr. 7'500.- - (inkl. MWSt und Auslagen), wel- ches durch den Regierungsrat zu bezahlen ist. Im Übrigen sind die Parteikosten wettzuschla- gen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Entscheid des Regierungsrats RRB Nr. 233 vom 11. Februar 2014 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Die in de n Verfahren 810 14 59 und 810 14 65 dem Kantonsgericht geleistet en Kostenvor- schüsse in der Höhe von insgesamt Fr. 4‘400.-- werden den Beschwer- deführern zurückerstattet. 3. Der Regierungsrat hat den Beschwerdeführern eine reduzierte Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 7'500.-- (inkl. Auslagen und MWSt) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber