Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Mai 2022 (720 21 97 / 117) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Elisabeth Maier, Advo- katin, Hauptstrasse 104, Postfach, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1976 geborene A.____ meldete sich am 3. August 2012 unter Hinweis auf "HWS- Beeinträchtigungen" bei der Eidgenössischen Invalidenver sicherung (IV) zum Bezug von Leis- tungen an . Die IV-Stelle Basel-Landschaft klärte die gesundheitli chen und erwerblichen Ver- hältnisse der Versicherten ab, insbesondere holte sie be i den Dres. med. B.____, Innere Medi- zin und Rheumatologie FMH, und C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, das rheumato- logisch-psychiatrische Gutachten vom 16. Februar 2016 ein. Im Laufe des weiteren Abklä- rungsverfahrens reichte die Versicherte der Verwaltung w iederholt neue Berichte von Ärztinnen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Ärzten aus diversen Fachrichtungen ein. Diesen medizi nischen Unterlagen sei zu entneh- men, dass sich ihr Gesundheitszustand in verschiedener Hin sicht verschlechtert habe. Die IV- Stelle liess diese Berichte jeweils durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) beider Basel beurteilen und gelangte in der Folge - in Würdigung des bidisziplinären Gutachtens der Dres. B.____ und C.____ und dieser RAD-Stellungnahmen - zu m Ergebnis, dass A.____ aus versi- cherungsmedizinischer Sicht ab dem Zeitpunkt des frühestmög lichen Rentenbeginns ihren an- gestammten Beruf als Büroangestellte im Umfang von 80 % und eine leidensadaptierte Tätig- keit im Umfang von 100 % ausüben könne. Es sei weder d as gesetzliche Wartejahr erfüllt noch liege eine daran anschliessende, mindestens 40 %-ige E rwerbsunfähigkeit vor. Die IV-Stelle lehnte deshalb - nach durchgeführtem Vorbescheidverfah ren - mit Verfügung vom 11. Februar 2021 einen Rentenanspruch von A.____ ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Elisabeth Maier, am 12. März 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilu ng Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Eventualite r sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen; unter o/e -Kostenfolge. Ferner ersuchte die Be- schwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Proze ssführung und der unentgeltlichen Verbeiständung mit ihrer Rechtsvertreterin. C. Mit Verfügung vom 23. April 2021 bewilligte das Ka ntonsgericht A.____ gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozess- führung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Adv okatin Elisabeth Maier als Rechtsvertre- terin. D. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 5. Mai 2021 die Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen eine Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. D.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsap- parates, vom 26. März 2021 bei. E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt die Beschwerdeführerin mit Replik vom 3. September 2021 an den in der Beschwerde gestel lten Rechtsbegehren und an den we- sentlichen bisherigen Vorbringen fest. Zudem reichte si e mit dieser Eingabe und zusätzlich mit einem Schreiben vom 20. September 2021 mehrere aktue lle Arztberichte ein. Die Beschwerde- gegnerin wiederum beantragte in ihrer Duplik vom 24. September 2021, der sie eine weitere Beurteilung des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 21. Septembe r 2021 beilegte, nach wie vor die Abweisung der Beschwerde. F. Am 30. November 2021 reichte die Beschwerdeführeri n zusätzliche Arztberichte ein. Die IV-Stelle teilte am 8. Dezember 2021 mit, dass sie auf Ausführungen hierzu verzichte. Am 4. Januar 2022 schliesslich liess die Beschwerdeführerin d em Kantonsgericht nochmals zwei aktuelle Arztberichte zukommen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Im Hinblick auf die Beurteilung der vorliegenden B eschwerde zog das Kantonsgericht bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) die Unfallakten und bei der E.____ Versicherung AG die Taggeldversicherungsakten der Beschwerdeführerin bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf di e Beschwerde der Versicherten vom 12. März 2021 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19 . Juni 2020 beschlossene Ände- rung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kra ft. Die vorliegend angefochtene Verfü- gung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgeme inen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmun gen des IVG und diejenigen der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (AT SG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendb ar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/202, E. 2). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wie- dergegeben, zitiert und angewendet. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die vo raussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der g esundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2, 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die ander e medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2). Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist demnach entschei- dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntn is der Vorakten (Anamnese) abge- geben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Z usammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schl ussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen wiederum kommt rechtspr echungsgemäss nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATS G eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An d ie Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherung sfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest stellungen, so sind ergänzende Ab- klärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.1). 4. Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 5.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszusta nds und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten bei den Dres. B.____ und C.____ das rheumatologisch-psychiatrische Gutach- ten vom 16. Februar 2016 ein. 5.1.1 Im rheumatologischen Fachteil erhob Dr. B.____ f olgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: (1) Chronisches spondylogenes S chmerzsyndrom beidseits, primär links, zunehmend rechts (ICD-10 M54.5) mit/bei (1.1) mu ltisegmentalen Wirbelsäuleverände- rungen mit beginnenden Osteochondrosen, Discusprotrusion en sowie rechtsbetonten beidseiti- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen teils hypertrophen Uncovertebralarthrosen C5/6 und C6/7 mit konsekutiver relativer Spinal- kanalstenose sowie ossär betonter Foraminalstenose C6 be idseits, C7 rechts und C5 rechts (mehrfache MRI HWS von 06/13, 03/15 und 06/15), (1.2) muskulärer Dysbalance vom Schulter- /Nacken-gürteltyp, (1.3) aktuell keinen Hinweisen auf a kute cervicoradikuläre Reizsymptomatik oder spe-zifische sensomotorische Ausfälle, keine Patholog ie in EMG von 03/15, (1.4) einem Status nach Unfall mit Sturz und Schmerzexazerbation ana mnestisch 09/14 und 03/15, sowie (1.5) einer Chronifizierungsproblematik mit Schmerzauswe itung und Schmerzfehlverarbeitung; (2) Chronisches lumbosacralbetontes Schmerzsyndrom mit spon dylogener Komponente (ICD- 10 M54.5) mit/bei (2.1) Chondrosen mit breitbasigen D iscusprotrusionen L4/L5 und L5/S1, Hy- pertrophie Ligamenta flava betont L4/L5, hypertrophe Spondylarthrosen L4-S1 mit sekundär relativer Spinalkanalstenose L4/L5, entzündlichen Verände rungen im Sinne einer möglichen ISG-Arthritis beidseits (MRI LWS und ISG 02/15), (2.2) einem Status nach lumbaler epiduraler Steroidinfiltration (03/15) und einem Status nach son ographisch gesteuerter ISG-Infiltration (links 05/15, rechts 07/15), (2.3) aktuell keinen Hinweisen auf lumboradikuläre Reizsymptomatik und/oder sensomotorische Ausfälle sowie (2.4) chronische r Schmerzproblematik mit Schmer- zausweitung und Schmerzfehlverarbeitung. 5.1.2 Dr. C.____ gelangte im psychiatrischen Fachteil des Gutachtens zur Auffassung, dass sich aus psychiatrischer Sicht keine Krankheit mit Auswirkun g auf die Arbeitsfähigkeit diagnos- tizieren lasse. Als gesundheitliche Beeinträchtigung oh ne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhob er eine mögliche unspezifische Schmerzfehlentwicklung (ICD-10 F68.0). 5.1.3 Im Rahmen ihrer bidisziplinären Konsensbesprechun g wiesen die Dres. B.____ und C.____ darauf hin, dass die Explorandin seit 2011 unte r einer zunehmenden Körperschmerz- problematik leide, die man allerdings durch organisch fassbare Befunde nicht hinreichend habe erklären können. In der aktuellen Begutachtung könne aus psychiatrischer Sicht keine psychiat- rische Störung mit Behinderungswert ausgewiesen werden. Aus rheumatologischer Sicht wür- den sich relevante degenerative und auch statische Wirbe lsäulenveränderungen im HWS- wie auch im LWS-Bereich finden, zusätzlich auch mit möglich en entzündlichen Veränderungen in den Illiosacralgelenken. Dies würde eine Einschränkung vo r allem für schwerere und mittel- schwere körperliche Belastungen und auch für in Zwangshal tungen durchgeführte Tätigkeiten erklären, jedoch nicht im subjektiven Ausmass, wie dies di e Explorandin angebe. Zur Arbeitsfä- higkeit der Versicherten äusserten sich die Dres. B.____ u nd C.____ wie folgt: Während aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigk eit ausgewiesen werden könne, bestehe in der angestammten Tätigkeit als Sachbearbeiterin und Büroangestellte eine 20 %-ige Einschränkung, vorwiegend bedingt durch die hierbei überwiegend einzunehmende Zwangshal- tung bei Ausüben der PC-Tätigkeit. Der Beginn dieser 20 %-igen Einschränkung könne nach erfolgtem stationärem Aufenthalt im Spital F.____ ab Februar 2014 angenommen werden. Für eine körperlich leicht belastende Tätigkeit, durchgefü hrt in genügender Wechselbelastung, las- se sich keine Einschränkung ausweisen. 5.2 Im Laufe des weiteren Abklärungsverfahrens reichte d ie Versicherte der Verwaltung zahlreiche Berichte von Ärztinnen und Ärzten aus unterschiedlichen Fachrichtungen ein. Diesen medizinischen Unterlagen sei zu entnehmen, dass sich ihr Gesundheitszustand in verschiede- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ner Hinsicht verschlechtert habe. Nach Eingang dieser Berichte liess die IV-Stelle die erweiterte Aktenlage jeweils durch die RAD-Ärztin pract. med. G.____ beurteilen. 5.2.1 Am 12. Januar 2017 nahm die genannte RAD-Ärztin zu den Ausführungen des Spitals F.____ vom 17. November 2016 Stellung. Pract. med. G. ____ wies dabei darauf hin, dass sich hinsichtlich der subjektiven Beschwerden und der objektive n Befunde in den Bereichen der HWS und der LWS keine neuen Aspekte gegenüber dem rheu matologischen Teilgutachten ergeben würden und sich keine sensomotorische Reiz- oder Ausfallsymptomatik habe objekti- vieren lassen. Die im Spitalbericht aufgeführte Verdach tsdiagnose der Fibromyalgie sei wohl auf die Tendenz zur Schmerzausweitung und die Behinderu ngsüberzeugung der Versicherten zurückzuführen und die neu geklagten Schmerzen in den Be reichen des Sacrums und der Fer- se resp. der Achillessehne habe man keinem organischen Korrelat zuordnen können. 5.2.2 Am 22. Februar 2018 äusserte sich pract. med. G._ ___ zu den medizinischen Berich- ten, welche die Versicherte im Nachgang zu einem am 25. März 2017 erlittenen Unfall einge- reicht hatte. Auch aus diesen Unterlagen lasse sich keine relevante Verschlechterung des me- dizinischen Sachverhalts ableiten. Es sei vielmehr so, dass au ch das Spital F.____ der Versi- cherten am 6. Juni 2017 eine 100 %-ige Arbeitsfähigke it in einer angepassten Tätigkeit attes- tiert habe, was der Einschätzung im Gutachten vom 16. Februar 2016 entspreche. 5.2.3 Im Februar 2019 gab die Beschwerdeführerin eine n Bericht des Spitals H.____ sowie zwei weitere Berichts des Spitals F.____ zu den Akten. Pr act. med. G.____ hielt hierzu fest, dass in der aktuellen MRT vom Januar 2019 auf allen Ebe nen ein unveränderter, eher sogar leicht verbesserter Befund gegenüber der MRT vom März 20 17 beschrieben werde. Nach wie vor könnten die Beschwerden keinem organischen Korrelat z ugeordnet werden, eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik könne aktuell weiterhin a usgeschlossen werden. Entsprechend gehe auch der behandelnde Arzt des Spitals F.____ von einer deutlichen Restarbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus. Im Übrigen lasse sich auch mit dem Bericht des Spitals H.____ (Urologie) keine Verschlechterung des Gesundheitsz ustands begründen. Auch in die- sem Bereich könnten die geklagten Schmerzen der Versicherten keiner organischen Grundlage zugeordnet werden. 5.2.4 In der Folge gingen bei der IV-Stelle Berichte der Dres. med. I.____, Neurochirurgie FMH, J.____, Gastroenterologie und Innere Medizin FMH, und K.____, Innere Medizin FMH, ein. Pract. med. G.____ nahm am 14. November 2020 h ierzu Stellung. Mittels eines Vergleichs sämtlicher Akten gelangte sie zum Ergebnis, dass aus urolog ischer, gastroenterologischer, en- dokrinologischer, pneumologischer, dermatologischer, angi ologischer, hämatologischer, gynä- kologischer und neurologischer Sicht keine langdauernde gesundheitliche Beeinträchtigung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt worden sei. In Bezug auf den Bewegungsapparat sei anhand der vorhandenen Akten eine objektivierbare Verschlechterung des Gesundheitszu- stands nicht ersichtlich. Dr. I.____ habe die bereits bek annte Diskushernie zwar neu als breit- basig grössenprogredient beurteilt, da die Versicherte seither aber keine der vorgeschlagenen Behandlungsoptionen in Anspruch genommen habe, könn e ihr Leidensdruck als nicht stärker ausgeprägt bewertet werden, als er im Zeitpunkt der Ende Januar 2016 erfolgten Untersuchung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch den rheumatologischen Gutachter Dr. B.____ gewese n sei. Zudem seien in der neurolo- gischen Untersuchung des Spitals F.____ vom 3. Juni 2020 Zeichen einer Nervenreizung oder -schädigung ausgeschlossen worden. Im Weiteren liessen sich auch keine langdauernden psy- chischen Gesundheitsbeeinträchtigungen mit Einfluss auf d ie Arbeitsfähigkeit feststellen. Die Versicherte habe psychotherapeutische und psychopharmakologsi che Optionen zur Behand- lung der chronischen Schmerzstörung, der Schlafstörungen oder anderer Beschwerden entwe- der nur kurz oder gar nicht versucht. So könne ihr Leid ensdruck nicht ausgeprägter sein, als er im Zeitpunkt der Erstellung des psychiatrischen Teilgutachtens durch Dr. C.____ gewesen sei. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 11. Februar 2021 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsf ähigkeit der Versicherten zum einen auf die Ergebnisse, zu denen die Dres. B.____ und C.___ _ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 16. Februar 2016 gelangt waren, und zum andern auf die verschiedenen, im Zeitraum zwi- schen der Erstellung dieses Gutachtens und dem Erlass der angefochtenen Verfügung erfolg- ten Beurteilungen der RAD-Ärztin pract. med. G.____. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Versicherte in ihrer angestammten Tätigkeit als Büronagestellte zu 80 % und in einer angepass- ten Verweistätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hierv or), ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, die aufgrund ein- gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach E insicht in die Akten Bericht erstat- ten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Gut- achten der Dres. B.____ und C.____ vom 16. Februar 201 6 weist weder formale noch inhaltli- che Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verla ngt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beu rteilung der aktuellen medizini- schen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen ab weichenden ärztlichen Einschätzun- gen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen übe rzeugend. Nicht zu beanstanden ist sodann, dass die IV-Stelle auch den Beurteilungen der RAD-Ärztin pract. med. G.____ vollen Beweiswert beigemessen hat. Wie weiter oben festgehalt en (vgl. E. 3.3 hiervor), kommt zwar Berichten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte rechtsp rechungsgemäss nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 AT SG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten, ein solcher Bericht ist aber soweit zu berücksichtigen, als keine - auch nur geringe - Zweifel a n der Richtigkeit seiner Schlussfolge- rungen bestehen (vgl. BGE 145 V 97 E. 8.1). Vorliegend besteht kein Anlass, an der Richtigkeit der Feststellungen von pract. med. G.____ zu zweifeln. Diese nimmt in ihren Stellungnahmen in sorgfältiger Prüfung und Würdigung der zahlreichen, erst nach Erstellung des rheumatologisch- psychiatrischen Gutachtens der Dres. B.____ und C.____ vom 1 6. Februar 2016 bei der IV- Stelle eingegangenen medizinischen Berichte jeweils ei ne schlüssige Beurteilung des Gesund- heitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor. Diesbezüglich kann auf die ent- sprechenden Ausführungen in den verschiedenen, vorstehen d (vgl. E. 5.2 hiervor) erwähnten Stellungnahmen verwiesen werden, denen vollumfänglich beigepflichtet werden kann. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, vermag die vorinstanzliche Beurteilung des medizinischen Sachverhalts nicht in Frage zu stellen. 6.2.1 Die Versicherte erachtet das Gutachten der Dres. B .____ und C.____ vom 16. Februar 2016 als veraltet, da seit dessen Erstellung bis zum massg ebenden Verfügungszeitpunkt fünf Jahre vergangen seien. Mit diesem Einwand kann die Be schwerdeführerin vorliegend nichts zu ihren Gunsten ableiten. Ist seit der Begutachtung einige Zeit verstrichen, vermag nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung das Alter des Gutachtens - als formelles Kriterium - keinen Zweifel an dessen Beweiswert zu begründen. Massgebend ist vielmehr die materielle Frage, ob Gewähr dafür besteht, dass sich die Ausgangslage seit der Erstellung des Gutachtens nicht gewandelt hat (Urteil des Bundesgerichts vom 9. August 2 021, 8C_295/2021, E. 6.2.1). Die Rechtsprechung hat es denn auch abgelehnt, eine Art "Verfallsdatum" für ein Gutachten zu de- finieren (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Februar 2022 , 8C_663/2021, E. 5.6.6). Unabdingbar sind neue Abklärungen hingegen, soweit ein früheres Gutachten mit Ablauf der Zeit und zufolge veränderter Verhältnisse an Aktualität eingebüsst hat ( BGE 134 IV 246 E. 4.3). Eine solche Konstellation liegt hier nicht vor, hat doch pract. me d. G.____ in ihren Stellungnahmen aufge- zeigt, dass sich aus den seit der Begutachtung neu einge reichten Berichten keine relevante Veränderung der medizinischen Befundlage ableiten lässt. 6.2.2 Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, d ass es der RAD-Ärztin pract. med. G.____ an der nötigen Objektivität bei der Beurteilu ng des medizinischen Sachverhalts fehle, weshalb auf ihre Einschätzungen nicht angestellt werden könne. Sie leitet diese Auffassung aus einer Formulierung der genannten Ärztin in deren Ste llungnahme vom 14. November 2020 ab, wonach es verwundere, dass die Versicherte im Jahr 2018 mi t über 40 Jahren trotz ihrer Be- schwerden die körperlichen Strapazen einer Schwangerscha ft und Geburt habe in Kauf neh- men wollen und trotz des Gefühls der Überforderung e in viertes Kind erwartet habe. Diese - sich letztlich mit den bei der Beschwerdeführerin vorhand enen Ressourcen befassende - Aus- sage kann zwar als etwas unglücklich formuliert bezeichne t werden, allein daraus kann aber nicht auf eine fehlende Objektivität der Verfasserin ge schlossen werden, zumal sich den weite- ren - zahlreichen - Stellungnahmen der RAD-Ärztin über haupt nichts entnehmen lässt, woraus auf eine allfällige Voreingenommenheit der Versicher ten gegenüber geschlossen werden könn- te. 6.2.3 Nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwe rdeführerin aus dem Bericht des Neurochirurgen Dr. I.____ vom 14. August 2019, in w elchem dieser die bereits bekannte Dis- kushernie neu als breitbasig grössenprogredient beurteil t. Die IV-Stelle weist diesbezüglich zu Recht darauf hin, dass die Versicherte seither keine d er von Dr. I.____ vorgeschlagenen Be- handlungsoptionen in Anspruch genommen hat, was klar daf ür spricht, dass ihr Leidensdruck im Zeitpunkt der Untersuchungen durch Dr. I.____ nich t ausgeprägter als im Zeitpunkt der Er- stellung des rheumatologischen Teilgutachtens durch Dr. B .____ war. In diesem Zusammen- hang ist ausserdem zu berücksichtigen, dass die im Sommer 2 019 fachärztlich untersuchten Rückenbeschwerden bei der Versicherten offenbar schon bald wieder etwas in den Hintergrund traten, klagte sie in der Folge doch einerseits neu schwer gewichtig über erhebliche Kopf- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schmerzen (vgl. den Bericht von Dr. med. L.____, Neurolo gie FMH, vom 11. März 2021) und standen andererseits nunmehr - zur Abklärung weiterer möglicher Leiden - gastroenterologi- sche, nephrologische und genetische Abklärungen im Zentrum (vgl. die verschiedenen, von der Beschwerdeführerin am 3. September 2021, 30. November 2021 und 4. Januar 2022 einge- reichten Arztberichte). 6.2.4 Zu keiner anderen Beurteilung des medizinischen Sachverhalts führen die neuen, im Laufe des Beschwerdeverfahrens eingereichten Unterlagen . Diesen lässt sich, wie der RAD- Arzt Dr. D.____ in seiner Stellungnahme vom 21. Septe mber 2021 schlüssig aufzeigt, keine richtungsweisende Verschlechterung des Gesundheitszustands der Versicherten entnehmen. Was schliesslich die zuletzt eingegangenen Berichte des Spitals M.____, Medizinische Genetik, von Ende Dezember 2021 betrifft, so halten diese fest , dass die dort erfolgte genetische Unter- suchung zwar das Vorliegen eines "X-gekoppelten Alport-Syndroms" ergab, dieses bedingt vor- derhand aber einzig regelmässige nephrologische Kontroll en; zudem wird empfohlen, die Au- genärztin über die Diagnose zu informieren. Weitergehende, sich allenfalls auf die Arbeitsfähig- keit der Versicherten auswirkende Folgen hat der erhoben e genetische Befund gemäss der fachärztlichen Beurteilung vom 29. Dezember 2021 aktuell und in absehbarer Zeit (noch) keine. 6.3 Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten e ine zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, so besteht kein Anlass, dem in der Be- schwerde vom 12. März 2021 gestellten (Eventual-) Antrag der Beschwerdeführerin zu entspre- chen, wonach zur Herstellung der Spruchreife im vorlieg enden Fall ein Gerichtsgutachten an- zuordnen sei. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rah- men dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über je ne Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sin d. Gelangt das Gericht bei pflichtgemäs- ser Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandene n Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergeben und dieser dem nach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Die damit verbundene antizipierte Beweis- würdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Recht sprechung zulässig (BGE 144 II 427 E. 3.1.3, 141 I 60 E. 3.3). 7. Nach dem Gesagten ist die IV-Stelle in der angefocht enen Verfügung zu Recht davon ausgegangen, dass der Versicherten die Ausübung ihrer a ngestammten Tätigkeit als Büroan- gestellte im Umfang von 80 % und eine angepasste Verw eistätigkeit uneingeschränkt zu 100 % zumutbar sind. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführ erin durfte sie unter diesen Um- ständen in der angefochtenen Verfügung ausnahmsweise von der Vornahme des bei erwerbs- tätigen Versicherten gemäss Art. 16 ATSG grundsätzlich er forderlichen Einkommensvergleichs (vgl. E. 2.4 hiervor) absehen und einen Rentenanspru ch der Versicherten unmittelbar unter Hinweis auf dieses eindeutige Ergebnis der medizinischen A bklärungen ablehnen. Die von der Versicherten hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen si nd. Der Beschwerdeführerin ist nun allerdings mit Verfügung vom 23. April 2021 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 8.2 Dem Prozessausgang entsprechend ist der Beschwerdefü hrerin keine Parteientschä- digung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. In der Verfügung vom 23. April 2021 ist ihr jedoch die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrer Rechtsvert reterin bewilligt worden, weshalb diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarif- ordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO) vom 17 . November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stu nde. Die Rechtsvertreterin der Beschwer- deführerin hat in ihrer Honorarnote vom 10. Dezembe r 2021 für das vorliegende Verfahren ei- nen Zeitaufwand von 14 Stunden geltend gemacht, was si ch in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 234.70. Der Rechtsvertreterin ist des- halb ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘268.40 (14 St unden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 234.70 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 8.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘268.40 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht