<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 72 S.354</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">354</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>B. Steuergesetz (StG) vom 15. Dezember 1998</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>72</b></span> <span class="ft2"><b>Steuerausscheidung; Gewinnungskostenüberschuss einer ausländischen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Liegenschaft (§ 18 Abs. 3 StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Der Gewinnungskostenüberschuss einer in Deutschland gelegenen Lie-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>genschaft ist bei der Festsetzung des steuerbaren Einkommens des in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Schweiz wohnhaften Eigentümers zu übernehmen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">17. Februar 2005 in Sachen J.H., RV.2003.50420/K 8341</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">3. Der Rekurrent ist Eigentümer der von seinen Eltern bewohn-</span><br/> <span class="ft5">ten Liegenschaft an der H.-strasse in G. (D), bei welcher ein Gewin-</span><br/> <span class="ft5">nungskostenüberschuss von Fr. 5'004.-- resultierte. Die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft5">hat diesen Gewinnungskostenüberschuss bei der Veranlagung 2001</span><br/> <span class="ft5">satzbestimmend berücksichtigt. Die Vertreterin des Rekurrenten</span><br/> <span class="ft5">beantragt, der Gewinnungskostenüberschuss sei vom Wohnsitzkan-</span><br/> <span class="ft5">ton zu übernehmen und das steuerbare Einkommen dementsprechend</span><br/> <span class="ft5">um (abgerundet) Fr. 5'000.-- zu reduzieren.</span><br/> <span class="ft5">4. Die Vorinstanz stützt ihre Auffassung, dass der Gewinnungs-</span><br/> <span class="ft5">kostenüberschuss nur satzbestimmend zu berücksichtigen sei, auf</span><br/> <span class="ft5">den RGE vom 9. April 1997 in Sachen H.R. ab, welcher seinerseits</span><br/> <span class="ft5">auf den AGVE 1977 S. 291 ff. verweist. Diese Rechtsprechung kann</span><br/> <span class="ft5">jedoch nicht unbesehen übernommen werden, weil die gesetzlichen</span><br/> <span class="ft5">Grundlagen mit dem am 1. Januar 2001 in Kraft getretenen StG</span><br/> <span class="ft5">geändert haben.</span><br/> <span class="ft5">5. a) Besitzt ein Steuerpflichtiger mit steuerrechtlichem Wohn-</span><br/> <span class="ft5">sitz im Kanton Aargau im Ausland eine Liegenschaft, so untersteht er</span><br/> <span class="ft5">sowohl der aargauischen als auch der ausländischen Steuerhoheit.</span><br/> <span class="ft5">Damit keine Doppelbesteuerung entsteht, müssen die konkurrieren-</span><br/> <span class="ft5">den Steuerhoheiten voneinander abgegrenzt werden. Dies geschieht</span><br/> <span class="ft5">auf internationaler Ebene vor allem auf dem Weg der Doppelbesteue-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">355</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">rungsabkommen (DBA), doch enthalten regelmässig auch die inner-</span><br/> <span class="ft5">staatlichen Rechtsordnungen Bestimmungen, welche entsprechende</span><br/> <span class="ft5">Abgrenzungen vornehmen. Im Verhältnis zueinander gehen die DBA</span><br/> <span class="ft5">dem innerstaatlichen Recht vor. Enthält das anwendbare DBA für ei-</span><br/> <span class="ft5">nen bestimmten Sachverhalt keine Regelung, ist ausschliesslich auf</span><br/> <span class="ft5">das innerstaatliche Recht abzustellen.</span><br/> <span class="ft5">b) Vorliegend ist der Grundsatz unbestritten, dass die Einkünfte</span><br/> <span class="ft5">aus unbeweglichem Vermögen abzüglich mit diesen Einkünften in</span><br/> <span class="ft5">Zusammenhang stehende Gewinnungskosten der ausländischen Steu-</span><br/> <span class="ft5">erhoheit zur ausschliesslichen Besteuerung zugewiesen werden (vgl.</span><br/> <span class="ft5">Art. 6 Abs. 1 des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidge-</span><br/> <span class="ft5">nossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland zur Vermeidung</span><br/> <span class="ft5">der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen</span><br/> <span class="ft5">und vom Vermögen vom 11. August 1971 [DBA-D]). Streitig ist die</span><br/> <span class="ft5">steuerliche Behandlung des Überschusses der Gewinnungskosten</span><br/> <span class="ft5">über die Einkünfte. Es entspricht der allgemeinen Struktur der DBA,</span><br/> <span class="ft5">dass sie darüber keine Regeln enthalten, denn die Zuteilungsnormen</span><br/> <span class="ft5">bestimmen nur die Steuerhoheit eines Vertragsstaates, besagen aber</span><br/> <span class="ft5">in der Regel nichts darüber, wie das in einem Vertragsstaat steuerbare</span><br/> <span class="ft5">Einkommen oder Vermögen zu ermitteln und zu besteuern ist. Die</span><br/> <span class="ft5">Antwort auf die Frage, ob ein Gewinnungskostenüberschuss aus dem</span><br/> <span class="ft5">in der Schweiz steuerbaren Einkommen auszuscheiden ist, kann nur</span><br/> <span class="ft5">das interne Recht geben (P. Locher, Einführung in das internationale</span><br/> <span class="ft5">Steuerrecht der Schweiz, 2. Auflage, Bern 2000, S. 292).</span><br/> <span class="ft5">c) § 18 Abs. 3 StG regelt die Steuerausscheidung für Steuer-</span><br/> <span class="ft5">pflichtige, welche im Kanton Aargau unbeschränkt und in weiteren</span><br/> <span class="ft5">Kantonen oder im Ausland beschränkt steuerpflichtig sind. Er lautete</span><br/> <span class="ft5">in seiner ursprünglichen Fassung wie folgt (vgl. Vorentwurf I BK</span><br/> <span class="ft5">vom 2. Dezember 1994):</span><br/> <span class="ft6">"Die Steuerausscheidung für Geschäftsbetriebe, Betriebsstätten und</span><br/> <span class="ft6">Grundstücke erfolgt im Verhältnis zu anderen Kantonen und zum Aus-</span><br/> <span class="ft6">land nach den Grundsätzen des Bundesrechts über das Verbot der</span><br/> <span class="ft6">interkantonalen Doppelbesteuerung. Wenn ein aargauisches Unterneh-</span><br/> <span class="ft6">men Verluste aus einer ausländischen Betriebsstätte mit inländischen</span><br/> <span class="ft6">Gewinnen verrechnet hat, innert der folgenden sieben Jahre aber aus</span><br/> <span class="ft6">dieser Betriebsstätte Gewinne verzeichnet, so ist im Ausmass der im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">356</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Betriebsstättestaat verrechenbaren Gewinne eine Revision der</span><br/> <span class="ft6">ursprünglichen Veranlagung vorzunehmen; die Verluste aus dieser Be-</span><br/> <span class="ft6">triebsstätte werden in diesem Fall in der Schweiz nachträglich nur</span><br/> <span class="ft6">satzbestimmend berücksichtigt. In allen übrigen Fällen sind Auslands-</span><br/> <span class="ft6">verluste ausschliesslich satzbestimmend zu berücksichtigen."</span><br/> <span class="ft5">Diese Bestimmung deckte sich nicht Wort für Wort, aber inhalt-</span><br/> <span class="ft5">lich mit dem geltenden Art. 6 Abs. 3 DBG. Daraus geht hervor, dass</span><br/> <span class="ft5">ein Gewinnungskostenüberschuss aus einer Liegenschaft im Ausland</span><br/> <span class="ft5">in der Schweiz lediglich satzbestimmend berücksichtigt wird, also</span><br/> <span class="ft5">nicht von der schweizerischen Bemessungsgrundlage in Abzug ge-</span><br/> <span class="ft5">bracht werden kann (vgl. F. Richner/W. Frei/S. Kaufmann,</span><br/> <span class="ft5">Handkommentar zum DBG, Zürich 2003, Art. 6 DBG N 60; Kom-</span><br/> <span class="ft5">mentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/2a, Basel 2000, Art. 6</span><br/> <span class="ft5">DBG N 89).</span><br/> <span class="ft5">§ 18 Abs. 3 wurde jedoch nicht in dieser ursprünglichen Version</span><br/> <span class="ft5">ins neue Steuergesetz übernommen. Der Gesetzgeber hat vielmehr</span><br/> <span class="ft5">entschieden, sich inhaltlich an den § 5 des Zürcher Steuergesetzes</span><br/> <span class="ft5">vom 8. Juni 1997 anzulehnen und von Art. 6 Abs. 3 DBG (zum</span><br/> <span class="ft5">Erstaunen von Prof. P. Locher [vgl. Protokoll der 7. Sitzung der</span><br/> <span class="ft5">Begleitkommission vom 28. Februar 1994]) nur den ersten Satz zu</span><br/> <span class="ft5">übernehmen. Der geltende § 18 Abs. 3 StG lautet daher wie folgt:</span><br/> <span class="ft6">"Die Steuerausscheidung für Geschäftsbetriebe, Betriebsstätten und</span><br/> <span class="ft6">Grundstücke erfolgt im Verhältnis zu andern Kantonen und zum Aus-</span><br/> <span class="ft6">land nach den Grundsätzen des Bundesrechts über das Verbot der</span><br/> <span class="ft6">interkantonalen Doppelbesteuerung. Bei Begründung, Veränderung</span><br/> <span class="ft6">oder Aufhebung dieser wirtschaftlichen Zugehörigkeit während der</span><br/> <span class="ft6">Steuerperiode wird der Wert der Vermögensobjekte im Verhältnis zur</span><br/> <span class="ft6">Dauer der Zugehörigkeit im betreffenden Kalenderjahr vermindert.</span><br/> <span class="ft6">Vorbehalten bleibt Absatz 4."</span><br/> <span class="ft5">Es wird also betreffend Abgrenzung der Steuerpflicht für</span><br/> <span class="ft5">Grundstücke im Verhältnis zum Ausland auf die Grundsätze des</span><br/> <span class="ft5">interkantonalen Doppelbesteuerungsrechts verwiesen (soweit nicht</span><br/> <span class="ft5">ein DBA abweichende Ausscheidungen nötig macht). Danach ist ein</span><br/> <span class="ft5">Überschuss der Gewinnungskosten über die Bruttoerträge aus</span><br/> <span class="ft5">Liegenschaften, der in einem Liegenschaftskanton entsteht, vom</span><br/> <span class="ft5">Hauptsteuerdomizil zu Lasten des dort steuerbaren Einkommens zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">357</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">übernehmen (E. Höhn/P. Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, 4. Auf-</span><br/> <span class="ft5">lage, Bern 2000, § 21 Rz 8; P. Locher, Einführung in das interkanto-</span><br/> <span class="ft5">nale Steuerrecht, Bern 1999, S. 100 f.; RGE vom 20. Oktober 1993</span><br/> <span class="ft5">in Sachen H.A.). Daran vermag auch der auf Locher/Meier/von Sie-</span><br/> <span class="ft5">benthal/Kolb, Doppelbesteuerungsabkommen Schweiz - Deutsch-</span><br/> <span class="ft5">land, B 7.2 Nr. 22, basierende Hinweis des KStA, wonach betreffend</span><br/> <span class="ft5">internationale Besteuerung die Verlustübernahme für ausländische</span><br/> <span class="ft5">Grundstücke im inländischen Steuerrecht abgelehnt würde, nichts zu</span><br/> <span class="ft5">ändern, denn diese Auffassung bezieht sich (ohne dass dies allerdings</span><br/> <span class="ft5">ausdrücklich erwähnt würde) auf die (wie oben dargelegt anderslau-</span><br/> <span class="ft5">tende) Regelung in Art. 6 Abs. 3 DBG (und Art. 52 Abs. 3 DBG; vgl.</span><br/> <span class="ft5">E. Höhn/P. Athanas, Das neue Bundesrecht über die direkten Steuern,</span><br/> <span class="ft5">Bern 1993, Ziff. 3.24, S. 432 f.).</span><br/> <span class="ft5">d)</span> <span class="ft5">In Gutheissung des Rekurses ist somit der</span><br/> <span class="ft5">Gewinnungskostenüberschuss der in Deutschland gelegenen Liegen-</span><br/> <span class="ft5">schaft des Rekurrenten in der (unbestrittenen) Höhe von Fr. 5'004.--</span><br/> <span class="ft5">zu übernehmen und das steuerbare Einkommen von Fr. 92'221.-- auf</span><br/> <span class="ft5">Fr. 87'217.-- herabzusetzen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>