<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 59 S.223</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">223</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>59</b></span> <span class="ft2"><b>Wiederaufbau einer durch Brand zerstörten Baute ausserhalb der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bauzonen (§ 70 Abs. 2 BauG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Fünfjahresfrist ist eine Verwirkungsfrist, die weder erstreckt noch</b></span><br/> <span class="ft2"><b>unterbrochen werden kann (Erw. 3/c/dd).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 3. November 1999 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen P. und W. gegen Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. c) dd) Im vorliegenden Falle sind seit der Zerstörung der</span><br/> <span class="ft1">Baute Ende 1988 und der Einreichung des Baugesuchs für die süd-</span><br/> <span class="ft1">ostseitigen Anbauten im September 1996 mehr als acht Jahre ver-</span><br/> <span class="ft1">gangen, weshalb die zeitliche Voraussetzung zur Geltendmachung</span><br/> <span class="ft1">des Wiederaufbaurechts nicht erfüllt ist. Die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">wendet hiegegen ein, bei der Fünfjahresfrist gemäss § 70 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">BauG handle sich um eine Netto-Frist, d. h. der Fristenlauf werde</span><br/> <span class="ft1">durch die Einreichung eines Baugesuchs unterbrochen und verlän-</span><br/> <span class="ft1">gere sich - für den Fall der Nichtbewilligung - um die Behandlungs-</span><br/> <span class="ft1">dauer des Baugesuchs; würde während dieser Zeitspanne die grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzliche Erlaubnis zum Wiederaufbau ablaufen, hätte es die Bewilli-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">224</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gungsbehörde in der Hand, nach Ablauf der Frist das Projekt abzu-</span><br/> <span class="ft1">lehnen und damit dem Bauherrn, weil die Frist abgelaufen sei, jede</span><br/> <span class="ft1">andere Baumöglichkeit zu nehmen. Die Beschwerdeführerin habe</span><br/> <span class="ft1">vorliegendenfalls mehrere Projekte geplant und entsprechende Ge-</span><br/> <span class="ft1">suche gestellt, die indessen allesamt abgelehnt worden seien. In der</span><br/> <span class="ft1">Tat hatte P., der frühere Eigentümer der Parzelle Nr. 2388, bereits</span><br/> <span class="ft1">anfangs Januar 1989 ein Baugesuch für den Wiederaufbau der zer-</span><br/> <span class="ft1">störten Büroräumlichkeiten eingereicht. Während sowohl die Bauge-</span><br/> <span class="ft1">suchszentrale als auch der Gemeinderat Villigen dem Wiederaufbau-</span><br/> <span class="ft1">gesuch zustimmten, hiess der Regierungsrat mit Entscheid vom</span><br/> <span class="ft1">14. Oktober 1991 (RRB Nr. 2573) die gegen den Wiederaufbau</span><br/> <span class="ft1">gerichtete Beschwerde eines Nachbarn teilweise gut und bewilligte</span><br/> <span class="ft1">dem Beschwerdeführer lediglich den Wiederaufbau eines ,,Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsraums mit WC" mit einer Grundfläche von 14 m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span><span class="ft1">. Zur Begrün-</span><br/> <span class="ft1">dung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass sich aus der Besitz-</span><br/> <span class="ft1">standsgarantie - damals noch gemäss § 135 des Baugesetzes des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Aargau vom 2. Februar 1971 (aBauG) - kein Anspruch auf</span><br/> <span class="ft1">den Wiederaufbau der durch einen Brand zerstörten Baute herleiten</span><br/> <span class="ft1">lasse. Das Verbot, das abgebrannte Büro als Ganzes wiederaufzu-</span><br/> <span class="ft1">bauen, stelle für P. zudem auch keine unzumutbare Härte dar. Im</span><br/> <span class="ft1">gleichen Zuge forderte der Regierungsrat P. auf, für einen ohne Be-</span><br/> <span class="ft1">willigung errichteten Zwischenboden ein Baugesuch einzureichen,</span><br/> <span class="ft1">und weiter ordnete er die Beseitigung eines ebenfalls ohne Be-</span><br/> <span class="ft1">willigung aufgestellten Bürocontainers an. Anfang 1992 reichte P.</span><br/> <span class="ft1">dem Gemeinderat dann ein Baugesuch für den Zwischenboden und</span><br/> <span class="ft1">auch das Aufstellen des Bürocontainers ein. Der Zwischenboden</span><br/> <span class="ft1">wurde - im Sinne von Unterhalt und zeitgemässer Erneuerung - teil-</span><br/> <span class="ft1">weise (zu rund zwei Dritteln) bewilligt; die Bewilligung für den</span><br/> <span class="ft1">Bürocontainer wurde dagegen nicht erteilt. Die gegen die Nicht-</span><br/> <span class="ft1">erteilung der Bewilligung erhobenen Beschwerden wies der Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat mit Entscheid vom 24. November 1993 (RRB Nr. 2821) ab.</span><br/> <span class="ft1">Das hiegegen angerufene Verwaltungsgericht stellte mit Entscheid</span><br/> <span class="ft1">vom 14. Dezember 1994 fest, der noch streitige Teil des Zwischen-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">225</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bodens sei nicht bewilligungsfähig, und wies die Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richtsbeschwerde diesbezüglich ab. Soweit die Beschwerde die Be-</span><br/> <span class="ft1">willigung des Bürocontainers zum Gegenstand hatte, wurde sie mit</span><br/> <span class="ft1">Schreiben vom 22. November 1994, d. h. während des verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">gerichtlichen Verfahrens, zurückgezogen.</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen ist im Folgenden die Rechtsnatur der Fünfjahresfrist</span><br/> <span class="ft1">von § 70 Abs. 2 BauG, nach deren Ablauf das Wiederaufbaurecht</span><br/> <span class="ft1">erlischt. In Rechtsprechung und Lehre werden dabei zwei Typen des</span><br/> <span class="ft1">Erlöschens eines Rechts wegen Zeitablaufs unterschieden: die Ver-</span><br/> <span class="ft1">wirkung und die Verjährung. Bei der Verwirkung geht ein Recht un-</span><br/> <span class="ft1">ter, wenn der Berechtigte eine Handlung, die er nach Gesetz innert</span><br/> <span class="ft1">einer bestimmten Frist zu vollziehen hat, unterlässt; Verwirkungsfris-</span><br/> <span class="ft1">ten können nicht gehemmt, unterbrochen, wiederhergestellt oder er-</span><br/> <span class="ft1">streckt werden. Die Verjährung öffentlichrechtlicher Ansprüche be-</span><br/> <span class="ft1">deutet zwar ebenfalls deren Erlöschen bzw. Untergang durch Zeitab-</span><br/> <span class="ft1">lauf, doch kann der Lauf einer Verjährungsfrist durch Handlungen</span><br/> <span class="ft1">des Anspruchsberechtigten unterbrochen oder gehemmt werden</span><br/> <span class="ft1">(Ulrich Häfelin / Georg Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsrechts, 3. Auflage, Zürich 1998, Rz. 627 ff. und 640 f.; René A.</span><br/> <span class="ft1">Rhinow / Beat Krähenmann, Schweizerische Verwaltungsrechtspre-</span><br/> <span class="ft1">chung, Ergänzungsband, Basel und Frankfurt a.M. 1990, Nr. 34 B</span><br/> <span class="ft1">VII mit Hinweisen). Ob es sich bei einer gesetzlichen Frist um eine</span><br/> <span class="ft1">Verjährungs- oder eine Verwirkungsfrist handelt, muss im Einzelfall</span><br/> <span class="ft1">geprüft werden. Dabei ist vor allem zu berücksichtigen, welche Vor-</span><br/> <span class="ft1">kehren nach dem Gesetz geeignet sind, die Folgen des Fristablaufs</span><br/> <span class="ft1">zu vermeiden. Schliesst das Gesetz ausdrücklich oder stillschwei-</span><br/> <span class="ft1">gend Unterbrechungshandlungen aus, ist auf eine Verwirkungsfrist</span><br/> <span class="ft1">zu schliessen (Max Imboden / René A. Rhinow, Schweizerische Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsrechtsprechung, Band I, 6. Auflage, Basel und Frankfurt</span><br/> <span class="ft1">a. M. 1986, Nr. 34 B VII).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 70 Abs. 2 BauG ist zur Wahrung der Fünfjahresfrist</span><br/> <span class="ft1">die Einreichung des Wiederaufbaugesuchs erforderlich. Wird das Ge-</span><br/> <span class="ft1">such bewilligt, ist der Wiederaufbau zulässig. Wird das Gesuch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">226</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">formell rechtskräftig abgewiesen, kann der Eigentümer jedenfalls</span><br/> <span class="ft1">dann ohne weiteres ein neues Baubewilligungsgesuch stellen, wenn</span><br/> <span class="ft1">die Fünfjahresfrist seit der Zerstörung noch nicht abgelaufen ist. § 70</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 BauG enthält aber keinen Hinweis darauf, dass durch die Ein-</span><br/> <span class="ft1">reichung des Baugesuchs der Fristenlauf als solcher unterbrochen, d.</span><br/> <span class="ft1">h. entweder neu zu laufen beginnen oder um die Dauer des hängigen</span><br/> <span class="ft1">Bewilligungsverfahrens verlängert würde. Anders ist die gesetzliche</span><br/> <span class="ft1">Regelung beispielsweise im Gebäudeversicherungsrecht, wo sich die</span><br/> <span class="ft1">Problematik des Wiederaufbaus unfreiwillig zerstörter Bauten eben-</span><br/> <span class="ft1">falls stellt. § 54 GebVG (in der Fassung vom 18. Juni 1996) regelt</span><br/> <span class="ft1">die Wiederherstellungsfrist im Zusammenhang mit der Entschädi-</span><br/> <span class="ft1">gung in Schadensfällen. So erfolgt für ein total beschädigtes Ge-</span><br/> <span class="ft1">bäude die Entschädigung zum Neuwert (§ 39 Abs. 1 in Verbindung</span><br/> <span class="ft1">mit § 22 Abs. 1 GebVG) grundsätzlich nur, wenn das Gebäude inner-</span><br/> <span class="ft1">halb von drei Jahren am gleichen Standort wieder aufgebaut wird;</span><br/> <span class="ft1">ansonsten entspricht die Entschädigung dem Zeitwert zur Zeit des</span><br/> <span class="ft1">Schadeneintritts (§ 54 Abs. 1 GebVG). Beim Vorliegen wichtiger</span><br/> <span class="ft1">Gründe kann die Frist zur Wiederherstellung angemessen erstreckt</span><br/> <span class="ft1">werden (§ 54 Abs. 2 GebVG). Anders als das Baugesetz regelt das</span><br/> <span class="ft1">Gebäudeversicherungsgesetz die Möglichkeit zur Fristerstreckung</span><br/> <span class="ft1">also ausdrücklich. Der fehlende Hinweis auf mögliche Unterbre-</span><br/> <span class="ft1">chungshandlungen in § 70 Abs. 2 BauG deutet demgegenüber darauf</span><br/> <span class="ft1">hin, dass es sich hier um eine nicht unterbrech- bzw. erstreckbare</span><br/> <span class="ft1">Verwirkungsfrist handelt.</span><br/> <span class="ft1">Langfristiges Ziel der Zonenordnung ist es, dass die durch den</span><br/> <span class="ft1">Fortbestand zonenfremder Bauten erfolgte Durchbrechung der plane-</span><br/> <span class="ft1">rischen Ordnung irgendwann beseitigt und der rechtmässige Zustand</span><br/> <span class="ft1">hergestellt wird (vgl. AGVE 1996, S. 338). Vor diesem Hintergrund</span><br/> <span class="ft1">haben die sich aus der Besitzstandsgarantie ergebenden Unterhalts-,</span><br/> <span class="ft1">Änderungs-, Erweiterungs- oder Wiederaufbauansprüche des Eigen-</span><br/> <span class="ft1">tümers einer zonenwidrigen Baute gemäss den §§ 69-71 BauG letzt-</span><br/> <span class="ft1">lich Ausnahmecharakter. Das frühere Baugesetz kannte bei unfrei-</span><br/> <span class="ft1">willig zerstörten zonenwidrigen Bauten wie erwähnt kein ,,Recht der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">227</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">alten Baustelle", während Art. 24 Abs. 2 RPG den Wiederaufbau von</span><br/> <span class="ft1">Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzonen gestattet, wenn dies</span><br/> <span class="ft1">mit den wichtigen Anliegen der Raumplanung vereinbar ist. Der</span><br/> <span class="ft1">kantonale Gesetzgeber wollte - in Ausschöpfung des vom Bundes-</span><br/> <span class="ft1">recht vorgegeben Spielraums (Spezialkommission Baugesetzrevi-</span><br/> <span class="ft1">sion, Protokoll der 16. Sitzung vom 19. Februar 1991 [im Folgenden:</span><br/> <span class="ft1">Protokoll Spezialkommission], S. 219 [Voten Rohr und Kocher]) -</span><br/> <span class="ft1">den Wiederaufbau plan- und vorschriftswidriger Altbauten unter be-</span><br/> <span class="ft1">stimmten Voraussetzungen gestatten; die Rechtswidrigkeit der zer-</span><br/> <span class="ft1">störten Baute sollte aber durch den Wiederaufbau nicht noch ver-</span><br/> <span class="ft1">grössert, sondern eher verringert werden (Botschaft des Regierungs-</span><br/> <span class="ft1">rats an den Grossen Rat zur Baugesetzrevision vom 21. Mai 1990,</span><br/> <span class="ft1">S. 35). Der Gesetzesentwurf vom 21. Mai 1990 sah zwischen Zerstö-</span><br/> <span class="ft1">rung der Baute und Baugesuch eine dreijährige Frist vor. In der</span><br/> <span class="ft1">Kommission wurde an einer zeitlichen Limitierung des Wiederauf-</span><br/> <span class="ft1">bauanspruchs bewusst festgehalten, ,,damit noch von einem Wieder-</span><br/> <span class="ft1">aufbau gesprochen werden kann" (Protokoll Spezialkommission,</span><br/> <span class="ft1">S. 221 [Votum Regierungsrat Siegrist]), jedoch wurde ein Antrag, die</span><br/> <span class="ft1">Frist sei von drei auf fünf Jahre zu verlängern, von der Kommis-</span><br/> <span class="ft1">sionsmehrheit deutlich gutgeheissen. Die dreijährige Frist wurde als</span><br/> <span class="ft1">knapp erachtet, falls sich planungs- und eigentumsrechtliche Pro-</span><br/> <span class="ft1">bleme stellten (Protokoll Spezialkommission, S. 222 [Votum Würg-</span><br/> <span class="ft1">ler]). Zur Frage der Unterbrechung der Frist äussern sich die Mate-</span><br/> <span class="ft1">rialien nicht. Auch dies weist darauf hin, dass der Gesetzgeber davon</span><br/> <span class="ft1">ausging, es handle sich um eine Verwirkungsfrist. Hätte er eine</span><br/> <span class="ft1">Unterbrechung der Frist zulassen wollen, hätte er sich im Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhang mit der Diskussion um die Dauer naheliegenderweise auch</span><br/> <span class="ft1">mit den diesbezüglichen Voraussetzungen auseinandersetzen müssen.</span><br/> <span class="ft1">Festzuhalten bleibt schliesslich, dass es sich bei der Fünfjahres-</span><br/> <span class="ft1">frist um eine durchaus grosszügig bemessene Zeitspanne handelt.</span><br/> <span class="ft1">Der Eigentümer der von einem Elementarereignis betroffenen Baute</span><br/> <span class="ft1">hat fünf Jahre Zeit, ein Baugesuch einzureichen. Der Wiederaufbau</span><br/> <span class="ft1">einer unfreiwillig zerstörten, bis zur Zerstörung benutzten Baute wird</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">228</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">aber in aller Regel möglichst rasch angestrebt werden, weil der</span><br/> <span class="ft1">Eigentümer auf einen Ersatzbau angewiesen ist. Ein allfälliges Ein-</span><br/> <span class="ft1">sprache- und Beschwerdeverfahren und dessen Dauer vermögen ihm</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich nicht zu schaden, ist doch die Frist bereits mit der Ein-</span><br/> <span class="ft1">reichung des Baugesuchs gewahrt. Stellt der Eigentümer sein Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligungsgesuch bald nach dem Schadensereignis, wird er norma-</span><br/> <span class="ft1">lerweise selbst dann in der Lage sein, nach rechtskräftiger Abwei-</span><br/> <span class="ft1">sung des Gesuchs ein neues Gesuch innert der Fünfjahresfrist von</span><br/> <span class="ft1">§ 70 Abs. 2 BauG einzureichen, wenn das erste Gesuch den ganzen</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelweg mit den entsprechenden Verfahrensdauern durch-</span><br/> <span class="ft1">laufen hat. Unter diesen Gesichtspunkten erweist sich auch die Argu-</span><br/> <span class="ft1">mentation der Beschwerdeführerin, die der Baubewilligungsbehörde</span><br/> <span class="ft1">unterstellt, sie habe es in der Hand, durch Verfahrensverzögerung</span><br/> <span class="ft1">den Untergang des Wiederaufbaurechts herbeizuführen, als wenig</span><br/> <span class="ft1">stichhaltig.</span><br/> <span class="ft1">Die gesamthafte Würdigung von Wortlaut, Entstehungsge-</span><br/> <span class="ft1">schichte sowie Sinn und Zweck von § 70 Abs. 2 BauG führt somit</span><br/> <span class="ft1">zum Schluss, dass es sich bei der Fünfjahresfrist um eine Verwir-</span><br/> <span class="ft1">kungsfrist handelt, die weder erstreckt noch unterbrochen werden</span><br/> <span class="ft1">kann; mit dem Ablauf von fünf Jahren seit der Zerstörung der Baute</span><br/> <span class="ft1">erlischt also der Wiederaufbauanspruch. Daraus wiederum folgt für</span><br/> <span class="ft1">den vorliegenden Fall, dass der Regierungsrat zu Recht die zeitliche</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzung zur Geltendmachung des Wiederaufbaurechts als</span><br/> <span class="ft1">nicht erfüllt erachtet hat. Das hier zu beurteilende Baugesuch datiert</span><br/> <span class="ft1">vom 17. September 1996, während sich der Brandfall Ende 1988 zu-</span><br/> <span class="ft1">getragen hat. Die Fünfjahresfrist ist somit klar nicht gewahrt. Daran</span><br/> <span class="ft1">vermögen die verschiedenen Baugesuche für den Wiederaufbau des</span><br/> <span class="ft1">Büroanbaus oder zumindest für eine Ersatzlösung, die der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer unmittelbar nach dem Brand und dann auch später einge-</span><br/> <span class="ft1">reicht hat, nichts zu ändern. Für den Fristenlauf gemäss § 70 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">BauG sind sie unbeachtlich; sie können ihn nicht unterbrechen. Für</span><br/> <span class="ft1">die Fristwahrung relevant ist einzig das erwähnte Baugesuch vom</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">229</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">17. September 1996, das erst rund acht Jahre nach dem Brandfall</span><br/> <span class="ft1">eingereicht wurde.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>