<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird ersucht, folgende Fragen zu beantworten: </p><p>1. Welches sind die Ziele der jüngsten Teilrevision der gymnasialen Ausbildung? Welches waren die Gründe dafür?</p><p>2. Welche Kreise haben auf diese Revision gedrängt?</p><p>3. Besteht nicht die Gefahr, dass die Aufwertung der naturwissenschaftlichen Fächer die Selektion während der gymnasialen Ausbildung verstärkt und die Demokratisierung der Hochschulbildung darunter leidet?</p><p>4. Ist die stärkere Gewichtung der Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern wirklich der richtige Weg, um bei Jugendlichen, vor allem bei weiblichen Jugendlichen, Freude an den Naturwissenschaften zu wecken?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), die beiden Träger der gymnasialen Maturitätsanerkennung, haben in den letzten Jahren bei verschiedenen Gelegenheiten betont, dass sich die Maturitätsreform von 1995 insgesamt bewährt habe. Als positiv hat sich insbesondere das neue Wahlfachsystem mit Grundlagen-, Schwerpunkt- und Ergänzungsfächern erwiesen, das das etwas starre Maturitätstypensystem abgelöst hat. Gut aufgenommen wurden auch die Einführung neuer Fächer und die Maturaarbeit. Gewisse Punkte der Reform von 1995 wurden allerdings auch kritisiert, so insbesondere die Zusammenfassung der Fächer Biologie, Chemie und Physik zum Fachbereich Naturwissenschaften. War diese Zusammenlegung mit Blick auf das fächerübergreifende Lehren und Lernen zweifellos richtig, so war der gleichzeitige Entscheid, diesen Bereich künftig mit einer einzigen Note zu versehen und zu zählen, eher fragwürdig. Die drei erwähnten Fächer zählten noch je zu einem Drittel, damit also deutlich weniger als die meisten übrigen Fächer. Der Ruf nach Aufwertung der Naturwissenschaften wurde verständlicherweise immer stärker. Der Bundesrat und die EDK wollten deshalb mit einer Änderung nicht bis zum Vorliegen der Gesamtresultate der Maturitäts-Evaluation (Herbst 2008) zuwarten, sondern die dringlichsten Anliegen sofort an die Hand nehmen.</p><p>Im Lichte dieser Ausführungen können die Fragen wie folgt beantwortet werden:</p><p>1. Bei der Teilrevision von 2007 ging es nicht um eine grundsätzliche Neuorientierung oder gar um eine Rücknahme der Reform 95, sondern um die Korrektur in einzelnen Punkten, dies insbesondere im Bereich der Naturwissenschaften. Bundesrat und EDK haben mehrfach dargelegt, dass sie die Frage einer allfälligen Neuausrichtung erst im Lichte der Ergebnisse der Evaluation der Maturitätsreform prüfen werden. Mit der erfolgten Teilrevision haben sie rasch auf berechtigte Kritik in Einzelpunkten reagiert.</p><p>2. Die Teilrevision wurde vor allem von den Naturwissenschaftskreisen an den Gymnasien und an den universitären Hochschulen, aber auch von entsprechenden Organisationen im weiteren Umfeld (etwa wissenschaftliche Akademien, Verbände usw.) verlangt. Verschiedene andere Kreise nahmen diese Forderung in der Folge ebenfalls auf. Sie wurde insbesondere vom Verein schweizerischer Gymnasiallehrkräfte und von der Konferenz schweizerischer Gymnasialrektoren aktiv unterstützt.</p><p>3. Die Aufwertung der Naturwissenschaften wird die Selektion während der gymnasialen Ausbildung nicht verstärken und damit nicht etwa zulasten der Demokratisierung der Studien gehen. Die Einzelbenotung und die Einzelzählung der drei naturwissenschaftlichen Fächer stellen in diesem Punkt lediglich den Zustand wieder her, wie er vor der Reform 95 bestand.</p><p>4. Die Frage der stärkeren Notengewichtung mag auf den ersten Blick in der Tat als sekundär erscheinen. Sie ist aber doch auch ein äusseres Zeichen dafür, welche Wertschätzung einem Fach entgegengebracht wird. Die Teilrevision von 2007 hat im Übrigen bei den Naturwissenschaften nicht nur im Bereich der Noten Änderungen gebracht, es wurde der Anteil für Mathematik und Naturwissenschaften an der gesamten Unterrichtszeit erhöht und das Fach Informatik in den Katalog der Ergänzungsfächer aufgenommen. Um die Attraktivität der naturwissenschaftlichen Fächer noch deutlicher zu erhöhen und die jungen Leute noch stärker für entsprechende Ausbildungen zu begeistern, braucht es Elemente und Anstrengungen im weiteren Umfeld, die allerdings von der Maturitätsanerkennungsregelung nicht direkt zu beeinflussen sind: begeisternde Lehrkräfte, eine verbesserte Fachdidaktik, attraktivere Lehrmittel, eine wissenschaftsfreundliche Studieninformation, motivierender Naturwissenschaftsunterricht auf der gymnasialen Unterstufe usw.</p>  Antwort des Bundesrates.