Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Juli 2015 (720 15 79 / 165) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anfechtung einer Zwischenverfügung der IV-Stelle betreffend Anordnung eines Gutach- tens: Da es sich nicht um eine unzulässige Einholung einer „second opinion“ handelt, wird die Beschwerde abgewiesen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____, Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Gutachten A. A.____ meldete sich am 20. Mai 2010 bei der Schw eizerischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. In der Folge führte die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) Abklärungen durch und ordnete eine Begu tachtung durch das Begutachtungsinstitut B.____ an. In seinem polydisziplinären Gutachten (i nternistisch, rheumatologisch und psychiat- risch) vom 14. Februar 2011 kam das Begutachtungsinstitut B.____ zum Schluss, dass die Ver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sicherte für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, worun ter auch die angestammte Tätigkeit (Mitarbeiterin in einer Spitalküche) falle, zu 80 % arbeitsfähig sei. Gestützt darauf erliess die IV- Stelle einen Vorbescheid, mit welchem in Aussicht gestell t wurde, den Rentenanspruch auf- grund eines IV-Grads von 10 % bei Anwendung der gemisch ten Methode abzulehnen. Nach- dem sich die Versicherte zur stationären Pflege in der Kl inik C.____ aufgehalten hatte, erwog die IV-Stelle, beim Begutachtungsinstitut B.____ ein Verlaufsgutachten in Auftrag zu geben. Dagegen wehrte sich die Versicherte und focht die Zwischenverfügung vom 21. Juni 2012 beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht) an. Mit Urteil vom 29. November 2012 hiess das Kantonsgericht die Beschwerde gut und hielt fest, dass die Versicherte nicht erneut durch das Begutachtungsi nstitut B.____ begutachtet werden dürfe. In der Folge ordnete die IV-Stelle eine Begu tachtung durch das Begutachtungsinstitut D.____ an. Mit Datum vom 31. Dezember 2013 erstattete diese das polydisziplinäre Gutachten (internistische Untersuchung durch Dr. med. E.____, psych iatrische Untersuchung durch Dr. med. F.____ und rheumatologische Untersuchung durch Dr . med. G.____). Die Gutachter ge- langten zum Schluss, dass die Versicherte aus psychiatrischer Sicht auf dem ersten Arbeits- markt nicht arbeitsfähig sei. Mit Schreiben vom 24. Oktober 2014 zeigte die IV-Stelle A.____ an, dass sie sich einer neuerlichen psychiatrischen Begutachtung zu unterziehen habe. Diese sei notwendig, weil das Gutachten vom 31. Dezember 2013 ke ine Symptomvalidierung enthalte. Mit Schreiben vom 16. November 2014 und vom 21. Januar 2015 liess die Versicherte durch Rechtsanwalt Daniel Altermatt mitteilen, dass sie sich einer stationären Begutachtung durch die Klinik H.____ nicht unterziehen werde. Mit Zwischenverf ügung vom 22. Januar 2015 hielt die IV-Stelle an ihrer Auffassung fest, dass eine stationä re Begutachtung in der Klinik H.____ mit einer testpsychologischen Symptomvalidierung zu erfolgen habe. B. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, am 21. Februar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht und li ess beantragen, in Aufhebung der Zwischenverfügung vom 22. Januar 2015 sei die Beschwerdege gnerin anzuweisen, den An- spruch auf eine Invalidenrente gestützt auf das Gutachten des Begutachtungsinstituts D.____ vom 31. Dezember 2013 zu beurteilen. Eventualiter sei d ie Verfügung aufzuheben und die Be- schwerdegegnerin anzuweisen, sich mit der Beschwerdefüh rerin einvernehmlich auf die Wahl einer Gutachterstelle für eine neuerliche psychiatrische B egutachtung zu einigen; unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, dass die von der Beschwerde- gegnerin beabsichtigte Begutachtung eine unzulässige E inholung einer „second opinion“ dar- stelle. Für den Fall, dass eine neue Begutachtung durchz uführen sei, sei davon abzusehen, diese in der Klinik H.____ durchführen zu lassen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 9. April 2015 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abwei- sung der Beschwerde. Bei der vorgesehenen stationären Begutachtung handle es sich nicht um das Einholen einer unzulässigen „second opinion“. Das psyc hiatrische Teilgutachten leide an mehreren erheblichen Mängeln und liefere keine schlüssige und nachvollziehbare Beurteilung des psychiatrischen Gesundheitszustands. Der psychiatrische Teil werde in mehreren ent- scheidenden Punkten den Qualitätsrichtlinien nicht gerecht, sodass eine erneute psychiatrische Begutachtung unumgänglich erscheine. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Zwischenverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Bei der Rüge der Beschwerdeführerin, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht notwendig, we il der medizinische Sachverhalt bereits umfassend abgeklärt sei, handelt es sich um eine Einwendung, wie sie den kantonalen Gerichten beschwerdeweise unterbreitet werden kann (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Auf die im Übrigen form- und fristgerecht erhobene Beschwerde vom 21. Februar 2015 ist einzutreten. 2. Streitig ist, ob sich die Beschwerdeführerin einer sta tionären psychiatrischen Begutach- tung durch die Klinik H.____ unterziehen muss. 3.1 Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 statuiert die Sachver haltsabklärung von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitun g kommt ihm ein grosser Ermessens- spielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebun- gen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Un- tersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermit teln, dass über den Leistungsan- spruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden W ahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die für die Beurteilung des Leistungsansp ruchs von Amtes wegen durchzufüh- renden Abklärungen im Sinne von Art. 43 ATSG beinhal ten indessen rechtsprechungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine „second opini on“ zum bereits in einem Gutach- ten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm d ieser nicht passt (Urteil des Bundesge- richts vom 1. April 2011, 8C_957/2010, E. 6.1). 3.2 Zu prüfen ist somit zunächst, ob es sich bei der vorge sehenen Begutachtung um das Einholen einer unzulässigen „second opinion“ zum vom Begu tachtungsinstitut D.____ festge- stellten medizinischen Sachverhalt handelt. Um diese Fra ge beantworten zu können, müsste die vorliegende medizinische Aktenlage auf ihre Vollst ändigkeit und Schlüssigkeit hin überprüft werden. Eine eingehende Überprüfung der medizinischen Aktenlage würde aber dazu führen, dass die Endverfügung im Hinblick auf die Beurteilung de r medizinischen Sachlage weitgehend präjudiziert würde. Weil die Verfahrenshoheit bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens bei der Beschwerdegegnerin liegt und ihr deshalb im Rahm en der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zw eckmässigkeit von medizini- schen Erhebungen zukommt, muss im vorliegenden Verfahren die richterliche Prüfung bei einer Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht knappen Beurteilung der Aktenlage im Sinne einer Plau sibilitäts- resp. Missbrauchskontrolle ihr Bewenden haben. Entscheidend ist, ob die Gründe, die die Beschwerdegegnerin für die Not- wendigkeit weiterer medizinischer Abklärungen anführt, p lausibel erscheinen. Demnach greift das Gericht bei der Frage der Notwendigkeit einer weit eren Begutachtung in das Ermessen der mit der Abklärung betrauten Verwaltung nur dann ein, wenn klar erkennbare Fehleinschätzun- gen vorliegen, eine Begutachtung von vornherein untaug lich angelegt wäre oder Anhaltspunkte bestehen, dass sich die Beschwerdegegnerin bei ihrem Entsc heid von sachfremden Motiven leiten liess (vgl. die Urteile des Kantonsgerichts, Abtei lung Sozialversicherungsrecht [KGE SV], vom 10. Mai 2012, 720 11 393 E. 3; 720 11 441 E. 3). 4.1 Aus der medizinischen Aktenlage geht hervor, dass das B egutachtungsinstitut B.____ anlässlich seiner polydisziplinären Begutachtung vom 14. Februar 2011 zum Schluss kam, dass bei der Beschwerdeführerin für jegliche leichte bis mit telschwere Tätigkeiten eine 80 %-ige Ar- beits- und Leistungsfähigkeit bestehe, die vollschichtig realisiert werden könne. Dies gelte auch für die von der Beschwerdeführerin zuletzt ausgeübte Tät igkeit. Mit Einfluss auf die Arbeitsfä- higkeit bestehe eine leichte depressive Episode und eine anhaltende somatoforme Schmerzstö- rung. 4.2 Aufgrund einer Verschlechterung der chronischen de pressiven Störung und der anhal- tenden somatoformen Schmerzstörung begab sich die Beschw erdeführerin vom 2. Dezember 2011 bis zum 6. Januar 2012 stationär zur Pflege in die Klinik C.____. Als Austrittsdiagnose wurde eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode, festgehalten. 4.3 Da das Kantonsgericht in der Folge eine Verlaufsbe gutachtung durch das Begutach- tungsinstitut B.____ mit Urteil vom 29. November 2012 ablehnte, beauftragte die Beschwerde- gegnerin die Begutachtungsinstitut D.____ mit der Beg utachtung der Beschwerdeführerin. Das Gutachterteam kam im Gutachten vom 31. Dezember 2013 zum Schluss, dass mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine atypische Depression, eine son stige konversive Störung sowie eine undifferenzierte Somatisierungsstörung vorliegen würden. Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte mit 30 Jahren eine atypische Depression entwi ckelt habe, welche bis heute in wechselnder Ausprägung persistiere. In den letzten zwei Jahren sei es zunehmend zur Entwick- lung einer dissoziativen Symptomatik gekommen, wobei die affektiven und die dissoziativen Symptome das aktuelle klinische Bild dominieren würden. Hinsichtlich der möglichen Psycho- genese der Beschwerden könne nichts Abschliessendes gesagt werden. Zu vermuten sei ledig- lich eine dauerhafte Überforderung nach der Geburt d es dritten Kindes im Kontext von Schmerzbeschwerden, welche bisher als anhaltende somatoforme Schmerzstörung interpretiert worden sei. Die diversen anderen Symptome, die bereits in den Vorberichten erwähnt und die auch während der aktuellen Untersuchung beklagt worden seien, würden zu einer Diagnosekor- rektur Anlass geben, wonach bei der Versicherten moment an eine undifferenzierte Somatisie- rungsstörung vorliege. Die ausgeprägte affektive und n eurotische Komorbidität schränke die Fähigkeit der Versicherten zur Überwindung der Symptoma tik in erheblichem Masse ein. Es liessen sich in der aktuellen Untersuchung Hinweise auf ei ne mögliche bewusstseinsnahe Komponente der präsentierten Beschwerden finden. Es sei jedoch eher unwahrscheinlich, dass diese relevant ausfalle und die Ausgestaltung der Sympto matik nennenswert bestimme. Aus Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht somatischer Sicht lasse sich keine Einschränkung der Arbeit sfähigkeit feststellen. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hält das Gutachterteam fest, dass es im November 2009 zu einer deutlichen Verschlechterung der psychischen Problematik gekommen und di e Arbeitsfähigkeit seither auf- gehoben sei. 4.4 Nach Eingang des Gutachtens nahm Dr. med. I.____, F achärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH und praktische Ärztin FMH, RAD, am 15. Mai 2014 dazu Stellung. Sie führte zusammenfassend aus, dass die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation im psychiatrischen Teilgutachten nicht einleuchtend seien. Auch seien die Vorakten und die abweichenden Stellungnahmen der anderen Ärzte nicht ausreichend diskutiert worden. Es werde nicht dargelegt , welche Kriterien des jeweiligen Diag- nosesystems erfüllt seien, ob DSM oder ICD. Zudem würde n im Gutachten Aussagen zum Schweregrad der Störung fehlen. Noch wesentlicher für die Qualitätsbeurteilung des psychiatri- schen Untergutachtens sei, dass sich der Gutachter nicht au sreichend mit den diskrepanten Diagnosen der behandelnden Ärzte auseinander setze. Di e Tatsache, dass Diskrepanzen, In- konsistenzen, Demonstrativität sowie Hinweise auf Aggrava tion und Simulation vorliegen wür- den, münde zwar im Vorschlag von Dr. F.____, es sei eine Observation durchzuführen, wirke sich aber ansonsten nicht auf die diagnostischen Überle gungen oder auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus. Gemäss Gutachter habe die Versich erte grosse Schwierigkeiten gehabt, die Namen der eigenen Kinder zu nennen, obwohl nach dem Psychostatus im Gespräch keine Anhaltspunkte für kognitiv-mnestische Defizite vorgelege n hätten. Dr. F.____ gehe von einer histrionischen Pseudodemenz aus, diskutiere aber keine and eren Erklärungsvarianten, welche aufgrund der Validierungstestung, welche auf Aggrava tion und Simulation hinweise, nahelie- gend wären. Zudem gehe der Gutachter auch nicht auf die Frage einer Symptomausweitung ein, obwohl mehrere Merkmale hierfür erfüllt seien. 5.1 Wie bereits in Erwägung 3.2 hiervor dargelegt, ge ht es bei der vorliegenden Beurteilung einzig darum, gestützt auf eine summarische Würdigung de r Aktenlage zu überprüfen, ob die Aspekte, die von der Beschwerdegegnerin bzw. von Dr. I._ ___ in Bezug auf die Notwendigkeit einer stationären psychiatrischen Begutachtung geltend werden, plausibel erscheinen. Eine vertiefte Würdigung des Beweiswerts der medizinischen Akte n hat zum jetzigen Verfahrens- stand durch das kantonale Versicherungsgericht nicht zu erfolgen. 5.2 Dr. F.____ konnte die Möglichkeit einer bewussten Simulation durch die Beschwerde- führerin nicht ausschliessen (S. 9-10 seines psychiatrischen Teilgutachtens). Zudem stellte er selbst fest, dass womöglich eine Observation angebracht sei . Aus diesem Grund erscheint es weder als sachfremd noch missbräuchlich, wenn die Beschwe rdegegnerin diese Fragen unter Zuhilfenahme einer stationären Begutachtung und eine r Symptomvalidierung abklären möchte und eine Nachfrage beim Begutachtungsinstitut D.____ selbst als nicht zielführend erachtet. Auch insoweit Dr. I.____ eine fehlende Auseinanderse tzung von Dr. F.____ mit den Diagnosen früherer Arztberichte bemängelt, erscheint die Kritik a ls plausibel. Dr. F.____ erwähnt zwar die früheren Diagnosen seiner Kollegen, bringt aber weder differenzialdiagnostische Überlegungen an noch legt er in begründeter Weise dar, weshalb die Diagnosen zu ändern sind. Zudem er- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wähnt er zwar eine Symptomausweitung, geht aber nicht d azu über schlüssig darzulegen, wes- halb diese im vorliegenden Zusammenhang keine entscheidende Rolle spielt. Weiter legt die Beschwerdegegnerin in der Vernehmlassu ng in nachvollziehbarer Weise dar, dass in Anbetracht der erheblichen Diskrepanzen, Inkonsiste nzen, des demonstrierenden Ver- haltens der Beschwerdeführerin sowie der Hinweise auf A ggravation und Simulation, welche sich im Rahmen der Begutachtung durch das Begutachtungsinstitut D.____ gezeigt hätten, eine längere Beobachtungsdauer der Beschwerdeführerin sinnvo ll sei. Auch der Einsatz von Test- verfahren zur Symptomvalidierung erscheint vorliegend sinn voll, solange eine diesbezügliche Kompetenz und Erfahrung der begutachtenden Fachpersone n gewährleistet ist und bei der In- terpretation der Ergebnisse berücksichtigt wird, dass die Instrumente in der Regel für andere Indikationsbereiche entwickelt worden sind und für die psychiatrische Begutachtung nicht vali- diert sind (vgl. dazu die Qualitätsleitlinien für psychia trische Gutachten in der Eidgenössischen Invalidenversicherung, herausgegeben von der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie SGPP, Stand Februar 2012, S. 15, so wie die Stellungnahme von med. pract. J.____, Leiter RAD beider Basel, Facharzt Psychiatri e und Psychotherapie, vom 23. De- zember 2014). Soweit die Beschwerdeführerin deshalb di e Auffassung vertritt, dass Symptom- validierungstests für die psychiatrische Begutachtung nicht validiert seien, weshalb sie bei Be- gutachtungen nicht verwendet würden und von den IV-Ste llen nicht verlangt würden, kann ihr nicht gefolgt werden. 5.3 In pflichtgemässer summarischer Würdigung der medizin ischen Unterlagen erscheint die Argumentation der Beschwerdegegnerin somit plausibel. Mit Blick auf die in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierte Abklärungspflicht und den der Beschwerd egegnerin zukommenden Ermes- sensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmä ssigkeit von medizinischen Er- hebungen, ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz eine stationäre psychiatrische Begut- achtung zur Symptomvalidierung anordnete. Diese dient der für den Endentscheid notwendigen Sachverhaltsabklärung und stellt nicht nur eine „secon d opinion“ dar, wie die Beschwerdeführe- rin moniert. Weil die Verfahrenshoheit bis zum Abschlu ss des Verwaltungsverfahrens bei der Beschwerdegegnerin liegt und zudem keine Hinweise ersichtlich sind, dass der Beschwerdefüh- rerin die Begutachtung beschwerdebedingt nicht zumutbar wäre, besteht für das Kantonsgericht kein Anlass, korrigierend einzugreifen. 6.1 Da sich die angeordnete Begutachtung als zulässig er weist, ist in einem zweiten Schritt die Rüge der Beschwerdeführerin zu prüfen, wonach zuerst eine einvernehmliche Einigung zwi- schen den Parteien hätte erzielt werden müssen. 6.2 In BGE 137 V 210 formulierte das Bundesgericht Anf orderungen an die von den Versi- cherungsträgern herangezogenen medizinischen Entscheidgru ndlagen. Danach kommt insbe- sondere den Rahmenbedingungen für die Auftragserteilu ng erhebliche Bedeutung zu. Polydis- ziplinäre Gutachten, das heisst solche, an denen drei ode r mehr Fachdisziplinen beteiligt sind, sind gemäss Art. 72 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV, in der seit 1. März 2012 gültigen Fassung) nach dem Zufallsprinzip zu vergeben. Bei mo- no- und bidisziplinären Gutachten dagegen werden die Aufträge nicht nach diesem System ver- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht geben (BGE 139 V 351 E. 2.2, 137 V 242 E. 3.1.1). B ei diesen Gutachten ist in Bezug auf alle zulässigen Einwendungen konsensorientiert vorzugehen. Erst wenn eine Einigung ausbleibt, ergeht eine (einheitliche) Zwischenverfügung über die Beweisvorkehr an sich (Notwendigkeit der Begutachtung, Anzahl und Auswahl der Fachdisziplinen ) und die Gutachterperson (BGE 139 V 356 E. 5.2.2.3). Ein Rechtsanspruch auf konse nsuale Bestimmung der Gutachterstelle besteht indessen nicht (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Januar 2014, 8C_512/2013, E. 3.5). 6.3 Ein ausführliches Einigungsverfahren hat im vorlieg enden Fall tatsächlich – wie die Be- schwerdeführerin vorbringt – nicht stattgefunden. Indesse n gab die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin bereits mit Schreiben vom 18. Nove mber 2014 bekannt, dass der RAD eine stationäre Begutachtung in der Klinik H.____ als notwendig erachte. Mit Eingabe vom 16. November 2014 (sic) hielt die Beschwerdeführerin fest, da ss eine neue Begutachtung eine un- zulässige „second opinion“ darstelle. Zudem komme eine Be gutachtung in der Klinik H.____ nicht in Frage, weil sie keinen Unfall erlitten habe, sondern krankheitsbedingt arbeitsunfähig sei. Mit Schreiben vom 13. Januar 2015 kündigte die Beschwe rdegegnerin dem Rechtsvertreter an, dass sie an der Klinik H.____ festhalte, stellte ihm den Fragekatalog zu und hielt fest, dass die Abklärung eine testpsychologische Symptomvalidierung umfasse n müsse und stationär durch- geführt werde. Zudem räumte sie ihm die Möglichkeit ei n, innert 10 Tage Zusatzfragen einzu- reichen. Der Beschwerdeführerin wäre somit – auch ohne konkrete Aufforderung der Be- schwerdegegnerin – die Möglichkeit offen gestanden, Geg envorschläge zu unterbreiten. Darauf hat sie verzichtet. Da überdies kein Rechtsanspruch auf e ine konsensuale Bestimmung der Gutachterpersonen besteht, ist das Vorgehen der Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden. 7.1 In einem letzten Schritt ist der Einwand der Besch werdeführerin zu prüfen, wonach die Begutachtung nicht in der Klinik H.____ erfolgen dürf e, da diese zur Auslastung offensichtlich auf Begutachtungsaufträge angewiesen sei, weshalb sie ein finanzielles Interesse daran habe, weitere Aufträge von der IV zu erhalten. Dadurch sei die erforderliche Objektivität und Unab- hängigkeit nicht gewährleistet. Zudem sei die Klinik H.____ nicht geeignet, Begutachtung für die IV durchzuführen. 7.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung lässt selbst eine ausgedehnte Gutachter- tätigkeit eines Arztes bzw. einer Ärztegemeinschaft für d ie Sozialversicherungsträger nicht per se auf deren Befangenheit oder Voreingenommenheit sch liessen (BGE 123 V 175; 132 V 376 E. 6.2). Daran hat das Bundesgericht zuletzt in BGE 1 36 V 376 festgehalten. Es gibt somit kei- nen Anlass, an der Unabhängigkeit und Objektivität der K linik H.____ zu zweifeln. Ob sie über die fachliche Kompetenz verfügt, stationäre psychiatrische Gutachten für die IV zu erstellen, ist im vorliegenden Verfahren nicht zu prüfen. Der Beschwerd eführerin steht aber die Möglichkeit offen, nach Bekanntgabe der Namen der Sachverständige n mit jeweiligem Facharzttitel, mate- rielle oder formelle personenbezogene Einwendungen geltend zu machen (BGE 139 V 349 E. 5.2.2.3). 8. Zusammengefasst zeigt sich, dass die Anordnung der stat ionären psychiatrischen Be- gutachtung inklusive Durchführung einer testpsychologischen Symptomvalidierung in der Klinik H.____ zulässig ist. Die Beschwerde ist somit abzuweisen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeit en um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 des Gesetze s über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 we rden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Be- schwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb sie di e Verfahrenskosten zu tragen hat. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 9.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die ausseror- dentlichen Kosten wettzuschlagen. 10. Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um eine n selbständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn e ine Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur un ter den in Art. 93 Abs. 1 BGG ge- nannten Voraussetzungen zulässig. Wie das Bundesgericht n unmehr im Grundsatzurteil 138 V 271 festgestellt hat, sind kantonale Entscheide ü ber Beschwerden gegen Verfügungen der Verwaltung betreffend die Einholung von medizini schen Gutachten nicht an das Bundesge- richt weiterziehbar, sofern nicht Ausstandsgründe beurteilt worden sind. Der Entscheid darüber, ob die Voraussetzungen für eine Beschwerde im vorliegende n Fall erfüllt sind, obliegt dem Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung e rfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht