Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. April 2012 (720 11 408 / 98) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Leidensbedingter Abzug Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin Elisabe th Berger Götz, Kan- tonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, vertreten durch Elisabeth Maier, Adv okatin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1960 geborene A.____ absolvierte von 1975 bis 1 978 die Berufsschule als Gipser. 1983 schloss er in Deutschland die Meisterschule mit Diplom ab. Bis 1993 führte er einen eige- nen Betrieb mit 20 Mitarbeitenden. Von 1993 bis 1997 betätigte er sich als Lehrer. Von 1997 bis 1999 führte er wiederum einen eigenen Betrieb mit se chs Mitarbeitenden. Ab 1999 arbeite er während zwei Jahren bei der Firma B.____. Ab 2002 wa r er erneut selbständiger Gipsermeis- ter. Am 15. Juni 2007 erlitt A.____ eine die Arbeitsf ähigkeit dauerhaft einschränkende Kniever- letzung. Von Mai 2008 bis Dezember 2009 arbeitete er mit einer Leistung von 50% ganztags als selbstständiger Gipser. Am 30. Mai 2008 meldete er sich unter Hinweis auf unfallbedingte ge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sundheitliche Beeinträchtigungen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Be- zug von Leistungen an. Nachdem die IV-Stelle Basel-Land schaft (IV-Stelle) die erforderlichen Abklärungen durchgeführt hatte, ermittelte sie beim Ve rsicherten seit Beginn des Wartejahres am 15. Juni 2007 bis 15. Juni 2008 einen IV-Grad von 10 0%, ab 16. Juni 2008 einen solchen von 50% und ab 15. Dezember 2009 einen IV-Grad von 59%. Gestützt auf dieses Ergebnis und nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens sprach sie A.__ __ mit Verfügung vom 4. Oktober 2011 ab 1. Juni 2008 eine ganze Rente und ab 1. September 2008 eine halbe Rente zu. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin E lisabeth Maier, am 7. November 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Aufhebung der Verfügung vom 4. Ok tober 2011 seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. In der B egründung führte er im Wesentlichen an, dass die IV-Stelle ab Mitte Dezember 2009 den Ein kommensvergleich nicht korrekt durch- geführt habe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 18. Januar 2012 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. D. Am 14. Februar 2012 zog das Kantonsgericht bei der Schweizerischen Unfallversiche- rungsanstalt (SUVA) die Akten des Versicherten bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versi- cherungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 7. November 2011 ist einzutreten. 2. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person An spruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 d ie voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstäti gen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfal lversicherung entwickelten Grundsätze fin- den für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendun g (Urteil des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 5.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeits- fähigkeit des Versicherten auf die Abklärungen der SUVA und ging davon aus, dass der Be- schwerdeführer bis 30. April 2008 zu 100% arbeitsunfähig war. Für den Zeitraum vom 1. Mai 2008 bis 14. Dezember 2009 erachtete die IV-Stelle die Ausführungen im Untersuchungsbericht des SUVA-Kreisarztes Dr. med. C.____, FMH Chirurgie, vo m 15. Dezember 2009, als massge- bend. Demnach wurde beim Versicherten ein Status nach K niedistorsion links mit medialer Me- niscusläsion und Ruptur des hinteren Kreuzbandes am 15. Ju ni 2007 und nach Arthroskopie des linken Kniegelenkes mit medialer Teilmeniscektomie u nd Débridement am 12. Oktober 2007, eine fortgeschrittene mediale und laterale Gon arthrose links und als Nebendiagnosen eine Psoriasis, eine psoriatische Arthropathie, ein Diab etes mellitus, einen Status nach einer Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) und nach einem Que tschtrauma der rechten Hand diag- nostiziert. Die ärztliche Behandlung sei zwischenzeitlich abg eschlossen. Es verbleibe eine Min- derbelastbarkeit des linken Kniegelenkes. Die Tätigkeit als Gipser sei nicht mehr vollschichtig zumutbar . Der Versicherte habe in letzter Zeit mit einer Leistung von 50% ganztags als Gipser gearbeitet. Längerfristig sei eine berufliche Umschulung in die Wege zu leiten. Zumutbar wären mittelschwere Tätigkeiten ohne kniebelastende Arbeiten ganztags. Demgegenüber seien Tätig- keiten in Zwangshaltung in kniender oder kauernder Stel lung nicht zumutbar. Auch andauern- des Arbeiten in unebenem Gelände sei zu vermeiden. Für die Zeit ab 15. Dezember 2009 stütz- te sich die IV-Stelle auf den Bericht des Spitals D. ____ vom 9. Dezember 2010. Demnach wur- den beim Versicherten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Psoriasisarthritis, ein radiku- läres Schmerz- und sensomotorisches Ausfallsyndrom L5 links, Arthralgien im linken Knie multi- faktorieller Ätiologie, ein Diabetes mellitus, ein Sta tus nach einem Distorstionstrauma der HWS und der Brustwirbelsäule (BWS) und linksseitige Thoraxschmerzen diagnostiziert. Die ursprüng- liche Arbeit als Gipser sei dem Versicherten aktuell un d bis auf Weiteres nicht mehr zumutbar. Für leichte bis maximal mittelschwere Tätigkeiten mit re gelmässigem Positionswechsel und Vermeiden von längerer Zwangshaltung bestünde eine Arbeitsfähigkeit von 50%. 5.2 Die IV-Stelle ging demzufolge davon aus, dass der Versicherte bis 30. April 2008 voll- ständig arbeitsunfähig war und ab 14. Dezember 2009 gestützt auf die Beurteilung des SUVA- Kreisarztes Dr. C.____ vom 15. Dezember 2009 eine Einschr änkung der Arbeitsfähigkeit von 50% aufwies. Für die Zeit ab 15. Dezember 2010 wurde dem Versicherten gestützt auf den Be- richt des Spitals D.____ vom 9. Dezember 2010 auch für a ngepasste Tätigkeiten eine Arbeits- fähigkeit von 50% attestiert. Nach dem oben Gesagten ( vgl. E. 4.4 hiervor) ist den im Rahmen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externe r Spezialärztinnen und -ärzte, wel- che aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Ak- ten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien ge- gen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche I ndizien liegen keine vor. Die Berichte des SUVA-Kreisarztes Dr. C.____ vom 15. Dezember 2009 und des Spitals D.____ vom 9. Dezember 2010 erweisen sich sowohl in der Darlegun g der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen als überzeugend. Der Be- schwerdeführer hat zu Recht nicht beanstandet, dass die IV-Stelle darauf abgestellt hat. 6. Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist in zeitli cher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des Rentenbeginns abzust ellen (BGE 129 V 222, 128 V 174), welcher auf Juni 2008 zu liegen kommt (vgl. Art. 29 A bs. 1 lit. b und Abs. 2 IVG). Für den nach- folgend durchzuführenden Einkommensvergleich sind demna ch die zu diesem Zeitpunkt gege- benen Einkommensverhältnisse massgebend. 6.1 Bei der Ermittlung des ohne Invalidität erzielbar en Einkommens (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Z eitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) als Gesunde tatsächlich verdie- nen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Massgebend ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen Fä higkeiten und persönlichen Umstände unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Weiterentwicklung , soweit hiefür hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen, zu erwarten gehabt hätte (BGE 96 V 29; ZAK 1985 S. 635 E. 3a sowie RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 f. E. 3b). Da im Gesundhe itsfall erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit in der Regel weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens häufig der zuletzt erzielte, der Teue rung sowie der realen Einkommens- entwicklung angepasste Verdienst (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 101 E. 3b am Ende; vgl. auch ZAK 1990 S. 519 E. 3c). 6.2 Die IV-Stelle ermittelte das Valideneinkommen des Beschwerdeführers gestützt auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (LSE 2008, Tabelle TA1, Baugewerbe, Anforderungsnive au des Arbeitsplatzes 1 + 2, Spalte Männer, Fr. 6'381.-- monatlich, basierend auf 40 Woc henstunden und Umrechnung auf die be- triebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden [vgl. die "Volkswirtschaft", 4/2011 S. 90, Tabelle B 9.2] x 12 Monate) und ermittelte e inen Wert von Fr. 79'635.--. Da der Be- schwerdeführer im massgebenden Zeitpunkt in seiner Täti gkeit als selbständiger Gipser unfall- bedingt eine um 50% reduzierte Leistungsfähigkeit aufwies, lässt sich das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung realisierbare Einkommen nicht hinrei chend genau beziffern, weshalb die IV- Stelle für die Berechnung des Valideneinkommens zu Rech t auf die Erfahrungs- und Durch- schnittswerte gemäss den Tabellenlöhnen abstellte. 6.3.1 Bei der Ermittlung des trotz Gesundheitsschadens zumu tbarerweise erzielbaren Ein- kommens (Invalideneinkommen) ist zu Recht unbestritten, da ss dieses für die Zeit ab Mitte De- zember 2009 unter Beizug der LSE-Tabellenlöhne zu bestimmen ist. Streitig ist aber das Anfor- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht derungsniveau. Während die Vorinstanz in der angefoch tenen Verfügung davon ausgeht, dass das Invalideneinkommen aufgrund des Anforderungsniveaus 3 der LSE 2008 zu bestimmen ist, stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, das massgebende Einkommen sei richti- gerweise auf der Basis des Anforderungsniveaus 4 zu erm itteln. Er könne die bisherige Tätig- keit gesundheitsbedingt nicht mehr ausüben und müsse sich b ei der Stellensuche neu orientie- ren. In Bezug auf den allgemeinen Arbeitsmarkt im pri vaten Sektor bringe er keine Fähigkeiten mit, die als 'Berufs- und Fachkenntnisse' gemäss LSE Anfo rderungsniveau 3 bezeichnet wer- den könnten. 6.3.2 Zu prüfen ist das massgebende Anforderungsniveau. In die Kategorie der Betätigun- gen mit Anforderungsniveau 2 fällt gemäss LSE das 'Verr ichten selbstständiger und qualifizier- ter Arbeiten', während für das Anforderungsniveau 3 ' Berufs- und Fachkenntnisse vorausge- setzt' sind und zum Anforderungsniveau 4 'einfache und re petitive Tätigkeiten' zählen (LSE 2008, S. 26). Bei der Bestimmung des Anforderung sniveaus fällt zunächst die schulische und berufliche Ausbildung einer versicherten Person in s Gewicht. Hinsichtlich der Ausbildung des Beschwerdeführers ist festzustellen, dass er einen Leh rabschluss als Gipser aufweist und in Deutschland die Meisterschule mit Diplom abschloss. Nach der Berufsumschreibung gemäss der Bundesagentur für Arbeit übernehmen Gipsermeiste r (auch: "Stuckateurmeister" genannt) Fach- und Führungsaufgaben vor allem in handwerkliche n Stuckateur- und Baubetrieben (vgl. http://berufenet.arbeitsagentur.de). Nach der - etwas ausführlicheren - Umschreibung unter http://www.berufsberatung.ch leiten Stuckateurmeister einen Gipserbetrieb. Sie betreuen die gesamte Auftragsabwicklung von der Projektierung bis zur Fertigstellung und Abrechnung. Sie akquirieren Kunden und erstellen Offerten. Ferner ber echnen sie das benötigte Material, erstel- len Terminpläne, teilen die Mitarbeitenden ein, disp onieren Geräte und Hilfsmittel, steuern die Arbeitsabläufe und instruieren die Mitarbeitenden. A usserdem befassen sie sich mit dem Fi- nanz- und Rechnungswesen, führen die Buchhaltung, erstellen Jahresabschlüsse und erledigen die Lohnabrechnungen. In Kleinbetrieben arbeiten Stuckateurmeister zum Teil auf der Baustelle praktisch mit. Der grösste Teil ihrer Tätigkeit wird jed och durch die Unternehmensführung und durch kaufmännische, administrative sowie Führungsaufgaben in Anspruch genommen. Zu be- rücksichtigen ist auch die Erfahrung des Versicherten. So fü hrte er über Jahre einen eigenen Betrieb mit bis zu 20 Mitarbeitenden. Zudem betätigte er sich während mehreren Jahren als Lehrer. Zutreffend mag sein, dass sich der Versicherte in seiner bisherigen Tätigkeit Fähigkei- ten angeeignet hat, die untrennbar mit der Struktur der eigenen Unternehmung zusammenhän- gen. Indes bietet der ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) durchaus auch anspruchsvolle Stellen für einen langjährigen und in der Unternehm ensführung, der Personalführung sowie kaufmännischen und administrativen Aufgaben erfahrenen Gipsermeister. Mit diesem Ausbil- dungs- und Erfahrungshintergrund kann er sich über einsch lägige Berufs- und Fachkenntnisse ausweisen und es stehen ihm nicht nur Hilfsarbeiten der Rubrik 'einfache und repetitive Tätig- keiten' offen. Aufgrund der beruflichen Qualifikation und der langjährigen Berufserfahrung und Betriebsführung ist der Vorinstanz darin beizupflichte n, dass vorliegend bei der Bestimmung des Invalideneinkommens der Zentralwert des Anforderun gsniveaus 3 zu Grunde zu legen ist. Laut Tabelle TA 1, belief sich der Zentralwert für di e im Anforderungsniveau 3 beschäftigten Männer im Jahr 2008 auf Fr. 5'789.--. Unter Berücksichti gung der durchschnittlichen Wochen- arbeitszeit von 41,6 Stunden und dem Umstand, dass dem Versicherten angepasste Tätigkei- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten im Umfang von 50% zumutbar sind, resultiert ein I nvalideneinkommen von Fr. 36'123.-- (Fr. 5'789.-- : 40 x 41,6 x 12 x 80%). 6.4.1 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswer- ten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale einer ver- sicherten Person, wie Art und Ausmass der Behinderung, L ebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir kungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 323 E. 3b/aa). Der Abzug hat nicht automatisch, sondern dann zu erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedi ngte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn sodann ist nicht in der Weise vor- zugehen, dass für jedes in Betracht fallende Merkmal sepa rat eine Reduktion vorgenommen wird, weil damit Wechselwirkungen ausgeblendet würden . Vielmehr ist der Einfluss aller Merk- male auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der U mstände im Einzelfall nach pflichtge- mässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Dabei ist der Abzug auf höchstens 25% zu be- grenzen (BGE 126 V 79 f. E. 5b/aa-cc). 6.4.2 Vorliegend hat die IV-Stelle einen Abzug vom Ta bellenlohn von 10% für eine invalidi- tätsbedingte Beeinträchtigung vorgenommen. Der Beschw erdeführer rügt, die Vorinstanz habe nicht berücksichtigt, dass ihm nur noch eine Teilzeitarbeit zumutbar sei, was zu einer weiteren Einkommenseinbusse führe und sich deshalb ein Abzug von insgesamt 20% rechtfertige. 6.4.3 Die Bestimmung der Höhe eines leidensbedingten Abzugs ist weitgehend eine Ermes- sensfrage. Bei der Überprüfung der Angemessenheit geht es um die Frage, ob der Entscheid, den die IV-Stelle nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Das Sozialversicherungsgericht darf sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es mu ss sich auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als nah eliegender erscheinen lassen (BGE 126 V 75 E. 6 mit Hinweis). 6.4.4 Dem Versicherten ist beizupflichten, dass die Vor instanz in der Begründung zum Ta- bellenlohnabzug den Umstand, dass er nur noch teilzeitl ich zu 50% arbeiten kann, nicht er- wähnte. Bei Männern, die gesundheitsbedingt nur noc h teilzeitlich arbeiten können, wird ein Abzug anerkannt, da bei ihnen statistisch gesehen Teil zeitarbeit in der Regel vergleichsweise weniger gut entlöhnt wird als eine Vollzeittätigkeit (vgl. LSE-Tabelle "Monatlicher Bruttolohn, Privater Sektor und öffentlicher Sektor, Schweiz 2008, Zentralwert", abrufbar unter dem Titel "Lohnniveau nach Geschlecht" von der mit der LSE 200 8 ausgelieferten CD-ROM; Urteil vom 23. Dezember 2010, 8C_548/2010, E. 5.2.1). Hieraus ka nn er indessen nichts zu seinen Gunsten ableiten. Zu berücksichtigen ist, dass die leidensbedingten Einschränkungen des Leis- tungsvermögens in erster Linie bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu beachten sind, was vorliegend zur Annahme einer Restarbeitsfähigkeit von 50% geführt hat (vgl. E. 5.1 hiervor). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wird den Einschränkungen des Beschwerdeführers wie vorli egend bereits durch die Annahme eines reduzierten Arbeitspensums Rechnung getragen, ka nn ein leidensbedingter Abzug nur noch in geringem Masse erfolgen (Urteil des Eidgenössische n Versicherungsgerichts (EVG) vom 9. Dezember 2002, U 200/01, E. 4.2.3). Die Bedeu tung der Dienstjahre nimmt im privaten Sektor ab (vgl. BGE 126 V 79 E. 5a/cc mit Hinweisen). N ationalität und Aufenthaltskategorie fallen vorliegend als Lohn mindernde Kriterien von Vo rnherein ausser Betracht. Schliesslich spricht auch das Alter des Versicherten (51 Jahre bei Ver fügungserlass) nicht für ein reduzier- tes Einkommen. In Anbetracht der persönlichen und beru flichen Situation des Versicherten und anhand eines Quervergleichs mit ähnlich gelagerten Fä llen erweist sich der gesamthaft zu schätzende Abzug von 10% als angemessen. Umstände welche für einen Abzug von 15% oder mehr sprechen würden, liegen nicht vor. Demzufolge bel äuft sich das massgebende Invaliden- einkommen nach Berücksichtigung des leidensbedingten Abzu ges von 10% auf Fr. 32'511.-- (Fr. 36'123.-- x 90%). 6.5 Stellt man im Einkommensvergleich dieses Invalidene inkommen von Fr. 32'511.-- dem Valideneinkommen von Fr. 79'635.-- gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 47'124.--, was einen IV-Grad von rund 59% ergib t (zur Rundungspraxis des Bundesgerichts vgl. BGE 130 V 121 ff.). Bei einem IV-Grad von 59% h at der Beschwerdeführer Anspruch auf eine halbe IV-Rente. Die angefochtene Verfügung vom 4. Oktober 2011, mit welcher dem Ver- sicherten ab 1. Juni 2008 eine ganze Rente und ab 1. S eptember 2008 eine halbe Rente zuge- sprochen wurde, ist nicht zu beanstanden und die Beschwerde deshalb abzuweisen. 7. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah renskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist der Beschwerdeführer un- terliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 600.-- werden mit dem geleisteten Ko stenvorschuss verrechnet. Die ausseror- dentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.