Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 1. Dezember 2021 (810 21 181) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Prüfung von Kindesschutzmassnahmen / Umplatzierung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Markus Clausen, Hans Furer, Daniel Ivanov, Niklaus Ruckstuhl , Gerichts- schreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Sandra Schmitt, Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Claudia Sigel, Advokatin D.____ , Beigeladener, vertreten durch Dr. Rita Jedelhauser, Advokatin Betreff Prüfung von Kindesschutzmassnahmen / Umplatzieru ng (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 25. Juni 2021) A. D.____, geboren 2012, ist der gemeinsame Sohn von C.____ und A.____. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Die KESB entzog mit superprovisorischer Verfügung vo m 17. Januar 2018 den Kinds- eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht und verfügte ei ne Fremdplatzierung von D.____ bei seinen Grosseltern väterlicherseits. Mit Entscheid vom 9. Februar 2018 bestätigte die KESB den Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts sowie die Pla tzierung und errichtete für D.____ eine Erziehungsbeistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB. Als Beistand ernannte sie E.____, Berufsbeistandschaft B.____. Mit Urteil des K antonsgerichts Basel-Landschaft, Abtei- lung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), vo m 4. Juli 2018 wurde eine dage- gen erhobene Beschwerde der Kindsmutter gutgeheissen. I n der Folge wurde den Kindseltern mit Entscheid der KESB vom 9. August 2018 das Aufentha ltsbestimmungsrecht superproviso- risch wiedererteilt und die Obhut über D.____ superprovisorisch der Kindsmutter zugesprochen. Zudem wurde superprovisorisch eine sozialpädagogische Fam ilienbegleitung installiert. Der superprovisorische Entscheid vom 9. August 2018 wurde mit Entscheid der KESB vom 26. Sep- tember 2018 bestätigt. Die KESB hielt in ihrem Entsche id fest, dass sowohl die Wohn- und Be- treuungssituation von D.____ als auch das dem Kindsvater g ewährte Besuchsrecht laufend überprüft würden. Die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde des Kindsvaters wurde vom Kantonsgericht mit Urteil vom 6. März 2019 abgewiesen. C. Die Kindseltern wurden mit Entscheid der KESB vom 17. Juni 2019 angewiesen, eine kindswohlorientierte Beratung wahrzunehmen. D. Mit Eingabe vom 4. Dezember 2019 reichte die Kinder - und Jugendpsychiatrie Basel- land eine Gefährdungsmeldung bei der KESB ein und ba t um Abklärung respektive Begutach- tung von D.____. Infolgedessen wurde mit Entscheid der KESB vom 19. Februar 2020 eine vertiefte Abklärung von D.____ durch die F.____ GmbH in Basel angeordnet und die sozialpä- dagogische Familienbegleitung sistiert. Der Beistand re ichte mit Eingabe vom 15. Mai 2020 seinen Zwischenbericht ein, in welchem er auf die konflik tbehaftete Beziehung zwischen den Kindseltern sowie den Grosseltern väterlicherseits hinwi es. Mit Eingabe vom 23. Juli 2020 reichte die F.____ GmbH ihren Abklärungsbericht ein un d beschrieb darin, dass die Grundbe- dürfnisse von D.____ in diversen Bereichen eingeschränkt sei en. D.____s Wohl sei gefährdet, wobei die Ursachen der Symptomatik unklar seien. Aufgr und des Loyalitätskonflikts könne nur eine entkoppelte, stationäre Abklärung Aufschluss über die Bedürfnisse, Ressourcen und Schwierigkeiten von D.____ geben. E. Mit Entscheid der KESB vom 27. August 2020 wurde ei ne neue Beiständin für D.____ eingesetzt. Mit einem weiteren Entscheid der KESB vom 7 . September 2020 wurde den Kinds- eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen und D.__ __ im Heim platziert. Das Heim wurde beauftragt, eine vertiefte Abklärung von D.____ durchzuführen. Zudem wurde für D.____ rückwirkend per 4. September 2020 eine Kindsvertretung mit Dr. Rita Jedelhauser, Advokation und Mediatorin, als Vertreterin angeordnet und die B eiständin beauftragt, die Besuchsrechts- ausgestaltung im Zusammenhang mit den Kindseltern und der Institution zu begleiten. F. Mit Eingabe vom 12. Februar 2021 reichte das Heim den Indikationsbericht KOFA-2- Monate, einen Schulbericht sowie einen pädagogischen Beo bachtungsbericht ein. Gestützt auf diese Berichte beantragte die Beiständin in ihrem Schr eiben vom 16. Februar 2021, dass den Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Empfehlungen hinsichtlich der Platzierung von D.____ in einem Schulheim sowie der weiteren therapeutischen Unterstützung zu folgen sei. Die Universi tären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) reichten mit Eingabe vom 23. April 2021 einen B ericht über die kinderpsychiatrische Ab- klärung von D.____ ein. G. D.____ wurde am 26. Mai 2021 im Beisein der Kind svertreterin von der KESB angehört und gab an, nicht in ein neues Heim eintreten, sonde rn wöchentlich alternierend bei seinen El- tern wohnen zu wollen. Die Kindseltern wurden am 2. Juni 2021 zusammen mit den jeweiligen Rechtsvertreterinnen angehört. H. Mit Entscheid der KESB vom 25. Juni 2021 wurde D.___ _ per 5. Juli 2021 im Schul- internat G.____ platziert. Das Aufenthaltsbestimmung srecht blieb den Eltern entzogen. Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkun g entzogen. Die Verfahrenskosten wur- den den Kindseltern je hälftig auferlegt und infolge Bedürftigkeit der Gemeinde H.____ in Rech- nung gestellt. I. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, nachfolgend vert reten durch Sandra Schmitt, Advokatin, mit Eingabe vom 22. Juli 2021 Beschwerde be im Kantonsgericht. Er beantragte, es sei der Entscheid der KESB vollumfänglich aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer so- wohl die Obhut über D.____ als auch das Aufenthaltsb estimmungsrecht über D.____ zu ertei- len. Alles unter o/e-Kostenfolge, wobei dem Beschwerde führer die unentgeltliche Rechtspflege mit der Unterzeichneten als unentgeltliche Rechtsvertret erin zu gewähren sei. In verfahrens- rechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei der vorlieg enden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, es seien die Akten aus dem vorinstanzlichen Verfahren beizuziehen, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und es sei Herr Dr. med. I.____ als Zeuge zu befragen. J. Mit Verfügung vom 30. Juli 2021 wurde der Verfahren santrag des Beschwerdeführers auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen. K. Mit Eingabe vom 18. August 2021 reichte der Besch werdeführer sein Gesuch um unent- geltliche Rechtspflege mitsamt den Beilagen ein. L. Die Kindsvertreterin von D.____ reichte mit Einga be vom 20. August 2021 ihre Stellung- nahme ein. Darin beschreibt sie ihren Besuch bei D.___ _ im Schulinternat G.____ und hält zu- sammengefasst fest, dass D.____ sich in einem Dilemma befinde und denke, dass er bezüglich der Obhuts- und Besuchsregelung mitentscheiden müsse. Er wolle beide Eltern abwechselnd sehen. Die Eltern müssten zum Wohl von D.____ eine koop erative Haltung einnehmen, um D.____ diesen Wunsch erfüllen zu können. Durch die mome ntane Haltung werde verunmög- licht, dass D.____ auf seine grossen Entwicklungsschritte, welche in der Platzierungszeit einge- treten seien, stolz sein könne. D.____ müsse auf seine Eltern vertrauen können. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht M. Mit Eingabe vom 31. August 2021 reichte die Beschwer degegnerin, nachfolgend vertre- ten durch Claudia Sigel, Advokatin, ihre Stellungnahm e ein. Sie beantragte sinngemäss die Abweisung der Beschwerde. N. Die KESB liess sich mit Eingabe vom 3. September 202 1 vernehmen und schloss auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde, sofern darauf eingetreten werden könne. O. Die Beschwerdegegnerin stellte mit Eingabe vom 21. September 2021 das Begehren um unentgeltliche Rechtspflege und reichte das entsprech ende Gesuch mitsamt den Beilagen ein. P. Mit Verfügung vom 17. September 2021 wurde das Gesu ch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege abgewiesen. Q. Die Ehe zwischen den Kindseltern wurde mit Urteil d es Gerichtspräsidenten des Zivil- kreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 28. September 2021 auf gemeinsames Begehren ge- schieden und die elterliche Sorge über D.____ wurde be iden Eltern gemeinsam belassen. Wei- ter wurde auf den bestehenden Obhutsentzug hingewiese n und festgehalten, dass Kinds- schutzmassnahmen weiterhin in die Zuständigkeit der KESB fallen würden. R. Mit Verfügung vom 20. Oktober 2021 wurde der Fall der Kammer überwiesen und darauf hingewiesen, dass das Urteil schriftlich eröffnet werd e. Von weiteren Beweismassnahmen wur- de abgesehen und die entsprechenden Beweisanträge wur den abgewiesen. Weiter wurde fest- gestellt, dass über das Gesuch der Beschwerdegegnerin um unentgeltliche Rechtspflege zu- sammen mit der Hauptsache entschieden werde. S. Der Beschwerdeführer beantragte mit Eingabe vom 26 . Oktober 2021, die am 17. September 2021 erlassene Verfügung in Wiedererwägung zu ziehen und dem Beschwerde- führer rückwirkend ab Gesuchseinreichung die unentgeltl iche Rechtspflege zu gewähren. Zur Begründung wurde vorgebracht, dass die Vorinstanz sowie d as Zivilkreisgericht im Schei- dungsverfahren dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt hätten. Zudem sei seine finanzielle Bedürftigkeit gegeben und seinem Fahrzeug sei Kompetenzcharakter zu- zusprechen. T. Mit Schreiben vom 29. Oktober 2021 wurde dem Beschw erdeführer mitgeteilt, dass der Fall der Kammer überwiesen worden sei und diese über se in Wiedererwägungsgesuch ent- scheiden werde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgeset zbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 in Verbindung mit Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide der Kindes- schutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Zuständiges Gericht im Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sinne dieser Regelung ist nach § 66 Abs. 1 des Gesetzes ü ber die Einführung des Zivilgesetz- buches (EG ZGB) vom 16. November 2006 das Kantonsge richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Das Verfahren richtet sich vorab nach den Art. 450 ff. ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts an wendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwe rde befugt, die am Verfahren be- teiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person n ahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich ge- schütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des a ngefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Der Beschwerdeführer ist als direkter Ver fahrensbeteiligter zur Beschwerdeerhebung legitimiert. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachv erhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Vorinsta nz zu Recht den Entzug des Aufent- haltsbestimmungsrechts über D.____ beibehalten und D.____ in das Schulinternat G.____ um- platziert hat. 2.1 Die Vorinstanz führt in ihrer Begründung zusammenf assend aus, dass es zwar begrüs- senswert sei, dass die Kindseltern gemäss beidseitiger A ussage mittlerweile ein besseres Ver- hältnis hätten, dennoch müsse im Hinblick auf die vergan genen Ereignisse und die mehrmals von Fachstellen festgestellten elterlichen Konflikte, davon ausgegangen werden, dass diese bei einer Wiedererteilung des Aufenthaltsbestimmungsrechts aufflammen und die Bedürfnisse von D.____ erneut in den Hintergrund rücken würden. Gerad e die aktuelleren Berichte sowie die während der letzten Anhörung gewonnenen Eindrücke würd en von nach wie vor bestehenden dysfunktionalen Beziehungsmustern bzw. mangelhaften Konfliktbewältigungsstrategien zeugen, welche bei voreiliger Wiedererteilung des Aufenthaltsb estimmungsrechts die erzielten Fort- schritte zunichtemachen würden. 2.2 Dagegen bringt der Beschwerdeführer vor, dass im ang efochtenen Entscheid nicht beur- teilt werde, weshalb der Beschwerdeführer nicht in der Lage sei, den Bedürfnissen von D.____ gerecht zu werden und ihn bei seiner Identitätsfindu ng zu bestärken. Der Beschwerdeführer habe mit seinem Arbeitgeber und seinen Eltern alle Op tionen geprüft und könne die Betreuung von D.____ gewährleisten. Bei ihm würde D.____ die Stabilität und Kontinuität erfahren, welche er brauche. Auch wenn nach wie vor Differenzen zwischen ihm und der Kindsmutter bestünden, sei es ein Anliegen des Beschwerdeführers, dass D.____ e inen guten Kontakt zu seiner Mutter pflegen könne. Mit der Erziehung sei die Kindsmutter hi ngegen überfordert. Zudem sei es schwierig, mit der Kindsmutter ein konfliktfreies Verhält nis zu haben. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, dass eine Fremdplatzierung angeordnet wer de. Als Eventualbegründung wurde festgehalten, dass die KESB auch die Möglichkeit gehab t hätte, dem Beschwerdeführer das alleinige Sorgerecht zuzusprechen, zumal der Konflikt zwischen den Eltern schwerwiegend und dauerhaft sei. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Die Beschwerdegegnerin macht geltend, dass der Besc hwerdeführer einsehen müsse, dass seine Mutter, d.h. die Grossmutter von D.____, den Loyalitätskonflikt, in welchem sich D.____ befinde, zu einem grossen Teil zu verantworten habe. Die Besuche zwischen D.____ und dem Beschwerdeführer würden ausschliesslich in den R äumlichkeiten der Grossmutter stattfinden. Nach einem dreiwöchigen Ferienaufenthalt mit den Grosseltern sei D.____ von die- sen stark beeinflusst worden. Die Beschwerdegegnerin hab e in die Fremdplatzierung nur ein- gewilligt, weil dies der einzige Weg sei, um eine no rmale Beziehung zu D.____ aufbauen zu können. 3.1 Ist das Wohl des Kindes gefährdet und sorgen die Elt ern nicht von sich aus für Abhilfe oder sind sie dazu ausserstande, so trifft die Kindesschutzbehörde gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kindes. Art. 307 Abs. 1 ZGB enthält die Aufforde- rung, die im Einzelfall geeigneten, vom Gesetz vorgesehenen Massnahmen (Art. 307 Abs. 3 bis Art. 312 ZGB) zu treffen (K URT AFFOLTER -FRINGELI /U RS VOGEL , in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Bern 20 16, N 13 zu Art. 307 ZGB). Alle Kindesschutzmassnahmen müssen erforderlich sein (Subsidiari tät), und es ist immer die mil- deste, einen Erfolg versprechende Massnahme anzuordnen ( Proportionalität); diese soll elterli- che Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplem entarität; vgl. BGE 136 III 353 E. 3.3; Urteile des Bundesgerichts 5A_70/2016 vom 25. April 2016 E. 3.1, 5A_548/2015 vom 15. Oktober 2015 E. 4.3, 5A_875/2013 vom 10. April 20 14 E. 3.1; Y VO BIDERBOST , in: Breit- schmid/Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatr echt, Personen- und Familien- recht, 3. Auflage, Zürich 2016, N 1 zu Art. 310 ZGB). 3.2 Die Behörde, die Kindesschutzmassnahmen anordnet, verf ügt über grosses Ermessen (Art. 4 ZGB; Urteile des Bundesgerichts 5A_156/2016 vo m 12. Mai 2017 E. 4.2 und 5A_656/2010 vom 13. Januar 2011 E. 3). Die Anordnung oder Abänderung einer Massnahme setzt in einem gewissen Ausmass die Prognose über die kün ftige Entwicklung der massgeben- den Umstände voraus. Diese wird durch das bisherige Ve rhalten der betroffenen Personen we- sentlich mitbestimmt (BGE 120 II 384 E. 4d). Es ist die sachlich richtige Massnahme nicht auf- grund bloss juristischer Klassifikation, sondern unter Würdigung der im Einzelfall bestimmenden sozialen, medizinischen und erziehungswissenschaftlichen Gesichtspunkten anzuordnen (Urteil des Bundesgerichts 5A_840/2010 vom 31. Mai 2011 E. 3.1.2 m.w.H.). Wo absehbar ist, dass mit der Anordnung von Massnahmen im Sinne von Art. 307 Abs. 3 ZGB und auch mit ihrer Kombination die gebotene Wirkung nicht erreicht werden kann, sind die schärferen Behelfe von Art. 308, 310 bzw. 311 ZGB zu ergreifen. Ob Weisung u nd/oder Überwachung genügen oder eine Beistandschaft anzuordnen ist, hängt von der Intensi tät der Gefährdung, vor allem aber auch von der Kooperationsbereitschaft der Angesprochen en ab (Urteil des Bundesgerichts 5A_156/2016 vom 12. Mai 2017 E. 4.2). 3.3 Nach Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die Kindesschutzbehörd e, wenn einer Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden kann, dieses den Elt ern wegzunehmen und in angemes- sener Weise unterzubringen. Wie jede andere Kindesschutzmassnahme setzt die Fremdplatzie- rung eine Gefährdung des Kindswohls voraus und muss als sol che geeignet sein, diese Ge- fährdung zu beseitigen. Die Massnahme hat zur Folge, da ss das Recht, den Aufenthaltsort des Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kindes zu bestimmen, den Eltern bzw. einem Elternteil entzogen und der Kindesschutzbehörde übertragen wird, die nunmehr für die Betreuung des Kindes verantwortlich ist (Urteil des Bun- desgerichts 5A_335/2012 vom 21. Juni 2012 E. 3.1; A FFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 141 zu Art. 310/314b ZGB). Die Gefährdung des Kindes, die Anlass zum Entzug des Aufenthaltsbe- stimmungsrechts gibt, muss darin liegen, dass das Kind im U mfeld der Eltern bzw. des Eltern- teils nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für s eine körperliche, geistige und sittliche Entfaltung nötig wäre (Urteile des Bundesgerichts 5A _404/2016 vom 10. November 2016 E. 3, 5A_875/2013 vom 10. April 2014 E. 3.1, 5A_729/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 4.1). Uner- heblich ist, auf welche Ursachen die Gefährdung zurückzuführen ist: sie können in den Anlagen oder in einem Fehlverhalten des Kindes, der Eltern od er der weiteren Umgebung liegen (AFFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 17 zu Art. 307 ZGB). Desgleichen spielt es keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefährdung triff t. Massgebend ist, dass die Vorkehr das richtige Mittel zur Verwirklichung des Ziels ist; d.h. die Unterbringung (z.B. in einem Heim) muss besser als jene beim bisherigen Obhutsinhaber Gewähr d afür bieten, dass das Kind in seiner Entfaltung geschützt und gefördert wird (Urteil des Bu ndesgerichts 5A_322/2014 vom 14. Juli 2014 E. 2; CYRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Auflage, Bern 1999, N 27.36). Eine Kindswohlgefährdung kann sich unter anderem bei Unfähi gkeit der Eltern ergeben, sich adä- quat um das Kind zu kümmern, weil sie durch persönliche Probleme übermässig absorbiert o- der weil sie allgemein überfordert sind (vgl. C HRISTOPH HÄFELI , Grundriss zum Kindes- und Er- wachsenenschutz, 2. Auflage, Bern 2016, S. 413). 4.1.1 In seinem Kurzbericht vom 2. April 2019 hält der damalige Therapeut von D.____ fest, dass sich der seelische Zustand von D.____ trotz verschiede nsten Bemühungen verschlechtert habe und D.____ tief verzweifelt, traurig, ohne Hoffn ung, gleichzeitig aber voller gestauter Ag- gression wirke. Die Differenzen und Spannungen zwischen de n Eltern mit gegenseitigen Vor- würfen und Vorhaltungen würden die Symptomatik und die Not von D.____ verstärken. Die Kin- der- und Jugendpsychiatrie Baselland stellte im Rahmen ihrer Therapieplanung fest, dass D.____ aktuell aufgrund eines massiven Loyalitätskonflikts un d dysfunktionalen Erziehungsver- haltens beider Eltern Gefahr laufe, in seiner sozial en und psychosexuellen Entwicklung und bezüglich seiner körperlichen Integrität stark eingeschrän kt zu sein. In der akuten Gefähr- dungsmeldung vom 28. November 2019 wurde seitens der Ki nder- und Jugendpsychiatrie Ba- selland ausgeführt, dass die Grossmutter väterlicherseits i m elterlichen Konflikt eine entschei- dende, jedoch dringend zu klärende Rolle spiele. Auf grund naiver Aussagen und des spontan gezeigten Spielverhaltens von D.____, sei der Eindru ck entstanden, dass er durch die Gross- mutter möglicherweise bewusst gegen seine Mutter aufgeb racht und instrumentalisiert werde. Darüber hinaus würden D.____s Aussagen verbunden mit ei ner dokumentierten, dissoziativen Symptomatik (sexuellen Inhalts) Anlass zur Sorge geben. Be i D.____ falle zudem eine grosse motorische Unruhe, erhöhte Vigilanz, Aufmerksamkeitsdefizit e, sprachlich frühreife Äusserun- gen, oppositionelles Verhalten gegenüber der Kindsmutt er (mit tätlicher Gewalt), deutliche Zei- chen von Vortraumatisierung (Dissoziationen) und eine de utliche Traurigkeit auf. Ferner sei D.____ übergewichtig und gehe nicht alleine auf das WC. 4.1.2 Der damalige Beistand von D.____ führt in sein em Zwischenbericht vom 14. Mai 2020 aus, dass die Beziehung zwischen den Kindseltern und jene zwischen der Beschwerdegegnerin Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht und den Grosseltern väterlicherseits konfliktbehaftet seien. Phasenweise habe D.____ ein stark auflehnendes Verhalten gegenüber der Beschwerdegegnerin sowie gegenüber dem Beschwer- deführer gezeigt, was als Ausdruck des starken Loyalitätskonflikts interpretiert werden könne. 4.1.3 Im Abklärungsbericht der F.____ GmbH vom 21. Jul i 2020 wurde auf einen vermuteten massiven Loyalitätskonflikt bei D.____ hingewiesen. Weiter wurde festgehalten, dass alle invol- vierten Therapeuten von D.____ zum Schluss gekommen sei en, eine Gefährdungsmeldung einzureichen, was auf die Deutlichkeit seines Leidens hin weisen würde. Es sei davon auszuge- hen, dass die Symptome, welche auf D.____s schlechten Zustand hindeuten würden, nicht mo- nokausal, sondern vielmehr multifaktoriell zu begründen seien. Es sei unklar, inwiefern der Ver- bleib innerhalb des gespannten innerfamiliären Setti ngs selbst zu Symptomen führe oder aber womöglich eine Symptomatik unbehandelt bleibe, da D.____ aufgrund der Dynamik und gegen- seitiger elterlicher Schuldvermutungen zu wenig Gehör finde. Während die Symptomatik der Kindswohlgefährdung relativ deutlich zum Vorschein komme , seien die Ursachen weitgehend unklar. Eine neutrale Beobachtung und Beurteilung von D.____s körperlicher und psychischer Gesamtverfassung sei nur in einem stationären Rahmen zu e rreichen. Das Wohl von D.____ sei aktuell als gefährdet zu betrachten. 4.2 Im pädagogischen Beobachtungsbericht vom 28. Janu ar 2021 wird festgestellt, dass D.____ ein lebhaftes und fröhliches Kind sei. Zu Beginn der Platzierung sei D.____ sehr un- selbständig und ungeschickt gewesen, wenn es um alltägliche Handlungen gegangen sei. Sein kleinkindliches Verhalten habe im Verlauf der Platzierun g abgenommen. Aufgrund seiner Loya- lität zu beiden Elternteilen stehe D.____ zwischen di esen und sei deren Konflikten unmittelbar ausgesetzt, was zu einer erheblichen Belastung für D.__ __ führe. Eine zeitnahe Auflösung die- ser Konflikte sei nicht anzunehmen. Beiden Elternteile n sei das Wohl von D.____ ein grosses Anliegen. Gemeinsame Absprachen zwischen den Eltern sei en jedoch herausfordernd und die Bedürfnisse von D.____ müssten hinter dem Konflikt der Eltern anstehen. D.____ habe berich- tet, dass beide Elternteile auf ihn einreden würden, damit er sich für den jeweiligen Elternteil entscheide. Den Eltern sei es ohne externe Unterstützun g mehrfach nicht gelungen, Abspra- chen und Vereinbarungen in Bezug auf D.____s Betreuung und Versorgung zu treffen. Der Konflikt der Eltern und die gegenseitigen Schuldzuweisu ngen seien im Zentrum gestanden und nicht das Wohlbefinden von D.____. 4.3 Dem Schulbericht der internen Schule im Heim vom 29. Januar 2021 ist zu entnehmen, dass D.____ ein fröhlicher und sozialer Junge sei. Jedoch zeige er Verhaltensweisen und Wahrnehmungsschwierigkeiten, die darauf hindeuten würde n, dass D.____ noch nicht so zentriert, bzw. bei sich angekommen sei, wie man es bei e inem Schüler seines Alters erwarten würde. Seine familiäre Situation belaste D.____, lenke seine Gedanken teilweise von der Schu- le ab und binde Energien, die ihm für das Lernen fe hlen würden. Aus diesem Grund werde ein Schulheim empfohlen, wo D.____ nicht nur eine kleinere Schulklasse besuchen könnte, son- dern auch im Alltag zu mehr Selbständigkeit angehalte n würde und während der Woche etwas Distanz zum Konflikt seiner Eltern hätte. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Im Indikationsbericht KOFA-2-Monate vom 3. Februar 2021 wird festgehalten, dass D.____ zwei Seiten habe. Einerseits sei er im Heim, wo er Sicherheit und Klarheit erlebe, ein fröhlicher Junge, der gerne spiele und Streiche mache. Er verhalte sich grundsätzlich wohlwol- lend, rücksichtsvoll und empathisch. Andererseits habe D.__ __ vielfältige und tiefgreifende Entwicklungsrückstände im emotionalen, feinmotorischen, vol itiven und kognitiven Bereich so- wie in seiner Selbständigkeit. Er zeige kleinkindliches V erhalten und suche oft den Kontakt zu den Erwachsenen, um Hilfe in Alltagsfertigkeiten zu e rhalten, welche er eigentlich selber ausü- ben könnte. Diese Verhaltensweisen würden auf der Bindu ngsunsicherheit von D.____ basie- ren, die er seit Kindheit entwickelt habe und bis heu te in der konflikthaften familiären Situation andauere. Im familiären Rahmen erlebe D.____ keinen sicheren Ort, wo er sich geschützt und altersadäquat entwickeln könne. In den Gesprächen mit d en Eltern hätten die Fachpersonen wiederholt darauf hinweisen müssen, dass es um die eigen e Person bzw. um D.____ gehe und nicht um den anderen Elternteil. Die Eltern seien sich in Erziehungsfragen uneinig und es sei ihnen nicht möglich, das Wohl von D.____ über den Elter nkonflikt zu stellen. Dies führe bei D.____ zu einem immensen Loyalitätskonflikt. Beide Eltern würden die Bedürfnisse von D.____ unzureichend erkennen und befriedigen. Beide Eltern se ien sehr bemüht um D.____. Aufgrund der Entwicklung, welche D.____ während seines Aufenth alts im Heim habe machen können, werde jedoch deutlich, dass bei den Eltern Kompetenzen fehlen würden, welche sie bis jetzt nicht haben aufbringen können. Beide Familiensysteme (beim Vater und bei der Mutter), in wel- chen D.____ zeitweise lebe, seien nur bedingt handlun gsfähig, um auf die Entwicklungsbedürf- nisse von D.____ einzugehen. Für eine konkrete Auseinand ersetzung mit D.____, sodass er entsprechend gefördert werde, würden wegen des Elte rnkonflikts gegenwärtig nicht ausrei- chend Ressourcen und Fähigkeiten bestehen. 4.5 Der Abklärungsbericht der UPK vom 20. April 2021 b eschreibt bei D.____ als Diagnose eine Anpassungsstörung mit einer längeren depressiven Rea ktion (ICD 10 – F43.21) und eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung ohne Hypera ktivität (ICD 10 – F90.0) sowie eine deutliche soziale Beeinträchtigung. Im Vordergru nd würden internalisierende Auffälligkei- ten (sozialer Rückzug, Niedergeschlagenheit, ängstlich/depr essive Symptome) stehen, welche als reaktiv auf die konflikthafte familiäre Situation ge deutet würden. Die Hauptmerkmale für die Diagnose eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms hätten sich bei D.____ seit dem Eintritt in die Schule gezeigt, was zeitlich mit den familiären Schwier igkeiten zusammengefallen sei. Insge- samt zeige D.____ im klinischen Eindruck keine Hinweise h insichtlich einer Bindungsstörung. D.____ weise ein sicheres Bindungsverhalten auf. 5.1 Die Eltern liegen seit Jahren im Streit. Ohne di e Unterstützung von Fachpersonen waren sie nicht in der Lage, miteinander zu kommunizieren ode r gemeinsam und einvernehmlich Ab- machungen im Sinne von D.____ zu treffen. Die Eltern können sich nicht zu einer gemeinsa- men Elternrolle zusammenfinden und entsprechende Unte rstützung annehmen und umsetzen. Die Zusammenarbeit zwischen den Eltern und Grosseltern v äterlicherseits ist von gegenseiti- gen Schuldzuweisungen geprägt, was bei D.____ zu einem stetigen Loyalitätskonflikt führt (vgl. Indikationsbericht KOFA-2-Monate vom 3. Februar 2021). Diese anhaltende elterliche Kon- fliktdynamik führt schliesslich zu einer Einschränkung der Er ziehungsfähigkeit der Eltern (vgl. Abklärungsbericht F.____ GmbH vom 21. Juli 2020), und diese sind nicht im Stande, ihren Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht massiven Konflikt von D.____ fernzuhalten und sein Wohl über ihre eigenen Probleme zu stel- len (vgl. Indikationsbericht KOFA-2-Monate vom 3. Februa r 2021). In den vorstehenden Fach- berichten wird wiederholt auf den Leidensdruck von D.__ __ hingewiesen, welchem dieser auf- grund der zwischenelterlichen Spannungen ausgesetzt ist. Der Abklärungsbericht der UPK vom 20. April 2021 hält zwar fest, dass bei D.____ keine H inweise hinsichtlich einer Bindungsstö- rung vorliegen würden, im Bericht wurde jedoch nicht be urteilt, inwiefern es den Kindseltern gelingen könne, in der anhaltenden Konfliktsituation e rziehungs- sowie beziehungsfähig zu sein. Weiter wird in besagtem Bericht auf eine Anpassun gsstörung mit längeren depressiven Reaktionen bei D.____ hingewiesen und dies als Reaktion auf die konflikthafte familiäre Situati- on interpretiert (vgl. Abklärungsbericht der UPK vom 20. April 2021). Die Auseinandersetzungen der Eltern und die damit einhergehende seelische Bel astung von D.____ sind in den aktuellen Fachberichten und im vorinstanzlichen Entscheid ein gewichtiges Argument für die Begründung der Fremdplatzierung und des Entzugs des Aufenthaltsbestim mungsrechts. Belege oder Aus- sagen der Eltern, dass sie sich ihrer Konflikte bewusst seie n und einen Weg gefunden hätten, eine gemeinsame Erziehung von D.____ zu dessen Wohl um zusetzen, ohne D.____ in elterli- che Streitereien einzubeziehen, liegen keine vor. Vielm ehr hat sich auch an der letzten Anhö- rung bei der KESB gezeigt, dass sich die Eltern nach wie vor gegenseitig Vorwürfe machen und sich kritisieren. Dabei verwenden sie Aussagen von D.____, welche die jeweilige Sichtweise untermauern sollten, was deutlich zeigt, dass sie D.____ n icht aus dem elterlichen Konflikt her- aushalten (vgl. Anhörungsprotokoll vom 2. Juni 2021) . Die Eltern sind durch ihren eigenen in- tensiven, anhaltenden Konflikt nach wie vor absorbiert . Für eine konkrete Auseinandersetzung mit D.____, damit er in seiner Entwicklung gefördert u nd unterstützt wird, bestehen somit ge- genwärtig keine ausreichenden Ressourcen und Fähigkeite n bei seinen Eltern. Die Eltern kön- nen zur Zeit keine angemessene gesunde Entwicklung von D.____ gewährleisten, weshalb ge- stützt auf die vorstehenden Erwägungen und die Akten eine Kindeswohlgefährdung von D.____ beim Aufenthalt bei seinen Eltern zu bejahen ist. 5.2 Wie vorstehend ausgeführt wurde, sind die beiden Fa milien (beim Vater und der Mutter), in welchen D.____ betreut wird, nur bedingt fähig, a uf die Entwicklungsbedürfnisse von D.____ einzugehen. Die individuellen und die seiner Entwicklung entsprechenden Bedürfnisse sollten jedoch im direkten Umfeld von D.____ befriedigt werd en können (vgl. Indikationsbericht KOFA- 2-Monate vom 3. Februar 2021). Die Fremdbetreuung i st die letzte mögliche Massnahme, um D.____s Entwicklung zu unterstützen. Durch den Aufenthalt in der G.____ und dem Schulbe- such im Schulheim erhält D.____ einen klar strukturierten Alltag sowie emotionale Sicherheit, die ihm seine Eltern gegenwärtig nicht bieten können. Bereits im geschützten Rahmen im Heim konnte D.____ zur Ruhe kommen und sich seinen Interessen, Zielen und Bedürfnissen widmen (vgl. Pädagogischer Beobachtungsbericht vom 28. Januar 2021 und Abklärungsbericht der UPK vom 20. April 2021). Eine Heimplatzierung wird für D. ____ in allen Fachberichten empfohlen und mitunter als Rückzugsort im elterlichen Konflikt besc hrieben. Aus den Akten ist zwar eine positive Entwicklung von D.____ erkennbar, jedoch nur im geschützten Rahmen im Heim und der internen Schule. Während der Platzierung in der G .____ werden die Besuche der Eltern und Ferien mit dem Beistand und dem Schulheim koordi niert, somit wechselt D.____ nicht di- rekt von einem Elternteil zum anderen. Auf diese Weise ist D.____ besser vor einem Loyalitäts- konflikt, bzw. vor seinem Bemühen, es beiden Eltern recht machen zu wollen, geschützt. Mit Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Blick auf die Fachberichte scheint dieses Bemühen ein wicht iger Punkt in der Entwicklungsge- fährdung von D.____ zu sein und diesem könnte mit einer milderen Massnahme – beispielswei- se einer ambulanten Mediation der Eltern – zur Zeit n icht genügend begegnet werden. Die be- hördliche Unterbringung ist geeignet, D.____s schulisch e und gesundheitliche Entwicklung zu verbessern und seine Fortschritte zu festigen, indem er umfassend unterstützt wird. Durch die Fremdbetreuung in der G.____ hat D.____ einen Ort für sich und seine Anliegen und muss sich nicht dem verhärteten Elternkonflikt bzw. den Interessen der Eltern unterordnen. Im Schulheim in der G.____ kann die Kindeswohlgefährdung von D.___ _ abgewendet und insbesondere eine bedürfnisgerechte Entwicklung von D.____ gesichert werden . Mildere Massnahmen kommen – nachdem solche bereits im Sinne einer Platzierung bei den Grosseltern väterlicherseits und begleitender Massnahmen für die Eltern ohne eine Verb esserung der Situation stattgefunden haben – nicht in Betracht. Die Umplatzierung in die G. ____ ist unerlässlich und verhältnismäs- sig, um die positive Entwicklung, welche seit der Platzier ung im Heim festzustellen ist, nicht zu gefährden. Die Eltern erhalten so auch die Möglichkei t und die Zeit, zum Wohl von D.____ ei- nen konfliktarmen Umgang untereinander aufzubauen. B ei der geschilderten Aktenlage ist die Vorinstanz zu Recht weiterhin von einer drohenden Ki ndswohlgefährdung durch den Be- schwerdeführer und die Kindsmutter ausgegangen. 5.3 Aufgrund der vorliegenden umfassenden Akten, der Fachberichte und der Eingaben der Beteiligten, aus welchen die jeweiligen Standpunkte deutlich hervorgingen, konnte auf eine Par- teibefragung und Zeugenbefragung von Dr. med. I.____ verzichtet werden. Von einer Befra- gung sowie einem persönlichen Eindruck waren keine neuen Erkenntnisse zu erwarten. Gegen- teiliges wird von den Beteiligten auch nicht geltend gemacht. Auf die Eventualbegründung des Beschwerdeführers, wonach ihm die alleinige elterliche Sorge zuzusprechen sei, ist nicht weiter einzugehen, da die Aufhebung der gemeinsamen elterli chen Sorge nicht Gegenstand des vor- liegenden Verfahrens ist. 6. Nach dem Gesagten erweisen sich der Entzug des Aufent haltsbestimmungsrechts und die damit verbundene Umplatzierung von D.____ ins Schul internat G.____ als sachgerecht, verhältnismässig und angemessen. Die Beschwerde ist insgesa mt unbegründet und abzuwei- sen. 7.1 Der Beschwerdeführer beantragte mit Eingabe vom 2 6. Oktober 2021, die am 17. September 2021 erlassene Verfügung in Wiedererwägung zu ziehen und dem Beschwerde- führer rückwirkend ab Gesuchseinreichung die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. 7.2 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wurde mi t Verfügung vom 17. September 2021 rechtskräftig abgewiesen. Wird nach der Abweisung eines Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege ein neues Gesuch um deren rückwirkende Gewäh rung gestellt, so ist dieses Be- gehren als Wiedererwägungsgesuch zu behandeln. Eine Ab änderung des ursprünglichen Ent- scheids zugunsten eines Gesuchstellers setzt jedoch voraus, dass der Entscheid in tatsächli- cher oder rechtlicher Hinsicht ursprünglich fehlerhaft w ar (D ANIEL WUFFLI , Die unentgeltliche Rechtspflege in der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Z ürich 2015, Rz. 835). Der Be- schwerdeführer macht in dieser Hinsicht keine zulässigen Rü ckkommensgründe geltend und Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht begründet den neuerlichen Antrag damit, dass die Vorin stanz sowie das Zivilkreisgericht dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt hätten. Diese Ausführungen wurden bereits im Gesuch vom 18. August 2021 gemacht und in d en Entscheid betreffend Gesuchsab- weisung einbezogen. Zusätzlich macht der Beschwerdeführer geltend, seinem Fahrzeug sei Kompetenzcharakter zuzusprechen, weshalb die finanzielle Bedürftigkeit gegeben sei. Das bei- gelegte Schreiben des Arbeitgebers des Beschwerdeführer s vom 12. August 2020, welches bestätigen soll, dass sein Fahrzeug Kompetenzcharakter au fweist, hätte bereits mit dem Ge- such vom 18. August 2021 vorgebracht werden können. Der Beschwerdeführer führt somit kei- ne Tatsachen und Beweismittel an, die er nicht im früh eren Gesuchsverfahren hätte vorbringen können. Er macht auch nicht geltend, dass es ihm rechtli ch oder tatsächlich nicht möglich oder zumutbar gewesen sei, diese Einwände im früheren Verf ahren vorzubringen. Auf das Wieder- erwägungsgesuch ist demzufolge nicht einzutreten. 8.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegen- den Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Demgemäss sind die Ver- fahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- dem Beschwer deführer aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.-- zu verrechnen. 8.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann f ür den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden (§ 21 Abs. 1 VPO). Gemäss dem Ausgang des Verfahrens ist der anwaltlich vertretenen Beschwerdegegnerin antragsgemäss eine Parteientschädigung zu Lasten des Beschwerdefüh- rers zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 10. Nove mber 2021 ausgewiesene Aufwand von 13.7 Stunden à Fr. 250.-- und die ausgewiesenen A uslagen von Fr. 54.20 erscheinen für das vorliegende Verfahren als angemessen. Demzufolge ha t der Beschwerdeführer der Be- schwerdegegnerin eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 3'747.60 (13.7 Stunden à Fr. 250.-- zzgl. Fr. 54.20 für Auslagen und 7.7% MWST) auszurichten. Die übrigen Parteikosten sind wettzuschlagen. Das von der Beschwerdege gnerin gestellte Gesuch um un- entgeltliche Rechtspflege erweist sich bei diesem Verfahrensausgang als gegenstandslos. 8.3 Da die Kindsvertreterin von D.____ von der KESB mi t Entscheid vom 7. September 2020 als Kindesvertreterin gemäss Art. 314a bis ZGB eingesetzt wurde, hat sie eine Mandatsent- schädigung, welche auch die Bemühungen im Rahmen des vorl iegenden Beschwerdeverfah- rens mitumfasst, bei der KESB geltend zu machen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers b etreffend unentgeltliche Rechtspflege wird nicht eingetreten. 3. Das Gesuch der Beschwerdegegnerin um unentgeltliche Rechtspflege wird als gegenstandslos abgeschrieben. 4. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.-- verrechnet. 5. Der Beschwerdeführer hat der Beschwerdegegnerin ei ne Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 3'747.60 (inkl. Auslagen u nd 7.7% MWST) auszurichten. Die übrigen Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin