<h2>SubmittedText<h2><p>Im Bericht "Schweizer Medikamentenmarkt im internationalen Vergleich - Handlungsbedarf im patentfreien Bereich" versucht der Preisüberwacher Marktversagen am Beispiel des Cholesterinsenkers Sortis nachzuweisen. In diesem Zusammenhang stellen sich Fragen:</p><p>1. Der Umsatz von Sortis ist innert zwei Monaten nach Patentablauf auf weniger als die Hälfte eingebrochen und schrumpft weiter. Statt 108 Millionen in den zwölf Monaten vor dem Markteintritt des ersten Generikums hat Sortis in den letzten zwölf Monaten noch rund 20 Millionen Franken Umsatz erzielt. Heute macht das Originalpräparat Sortis nur noch ein Drittel aller Atorvastatin-Umsätze aus, wobei die Tendenz weiter schrumpfend ist. Sechs von sieben verkauften Packungen sind günstigere Generika - mit steigender Tendenz. Wie beurteilt der Bundesrat in Anbetracht dieser Faktenlage des Preisüberwachers These vom nichtfunktionierenden Markt?</p><p>2. Wie stellt er sich zur These vom nichtfunktionierenden Markt im patentfreien Medikamentenbereich angesichts des Umstands, dass Sortis kein Einzelfall ist, sondern bei den anderen Cholesterinsenkern, deren Patent früher abgelaufen ist, der Generikaanteil über 90 Prozent beträgt?</p><p>3. Wie beurteilt er die Qualität dieser Untersuchung des Preisüberwachers?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>In der Studie des Preisüberwachers (PÜ) vom August 2013 geht es grundsätzlich um zwei Probleme des patentabgelaufenen Schweizer Medikamentenmarkts: die hohen Preise der Generika gegenüber dem europäischen Ausland sowie deren tiefen Anteil. Beides lässt sich im Vergleich zum Ausland zeigen. </p><p>1. Die Wirksubstanz Atorvastatin bzw. dessen Originalpräparat Sortis wurde als Beispiel gewählt, da es sich dabei um den umsatzstärksten patentabgelaufenen Wirkstoff handelt, dessen Patent Ende Mai 2012 auslief, wobei ab März 2012 bereits Generika erhältlich waren. Der PÜ arbeitete mit den damals aktuellsten verfügbaren Zahlen des ganzen Jahres 2012. Dass sich die Daten 2013 ändern würden, war vorhersehbar. Nach Patentablauf sind immer Umsatzeinbussen zu erwarten. </p><p>Der Preis von Sortis ist auch heute noch rund doppelt so hoch im Vergleich zu dessen Generika. Insbesondere gibt es mit den Ko-Marketing-Produkten Atorvastatin Pfizer bzw. Atorva Pfizer gleich zwei absolut identische Kopien von Sortis. Es ist deshalb erstaunlich, dass trotzdem noch jede fünfte Person das Originalprodukt Sortis verlangt. Diese Resultate deuten darauf hin, dass die Preis- und Verhaltensanpassungen in diesem Markt nur verzögert erfolgen. Das hängt mutmasslich damit zusammen, dass heute den Grossteil der Preisdifferenz die Krankenversicherer bezahlen und der Patient nur einen kleinen Teil übernehmen muss (20 Prozent statt 10 Prozent Selbstbehalt).</p><p>Am Beispiel von Sortis sieht man zudem, dass die Generikapreise in der Schweiz sehr hoch sind. Nach den Berechnungen des PÜ bezahlt man aktuell (März 2014) in der Schweiz für ein günstiges Generikum von Sortis rund 2,5-mal so viel wie im Durchschnitt der Vergleichsländer (DE, AT, FR, DK, NL und GB). Über den gesamten Markt betrachtet sind die Generika in der Schweiz knapp doppelt so teuer. Dies hat auch die Mitte Februar 2014 von Santésuisse, Interpharma und Vips publizierte Preisvergleichsstudie bestätigt.</p><p>2. Bei den Cholesterinsenkern ist der Generikaanteil tatsächlich relativ hoch. Betrachtet man jedoch den gesamten Medikamentenmarkt, sieht man, dass der volumenbezogene Generikaanteil in der Schweiz sehr tief ist. Er beträgt etwa 20 Prozent gegenüber mehr als 50 Prozent in der Hälfte der Vergleichsländer. </p><p>3. Der Bundesrat äussert sich grundsätzlich nicht zur Qualität von Studien des Preisüberwachers, da dieser unabhängig agiert. Vorerwähnte Studie von Santésuisse, Interpharma und Vips kam jedoch zu sehr ähnlichen Resultaten bezüglich Preisdifferenzen zum Ausland und des Schweizer Marktanteils von Generika.</p><p>Die Ergebnisse der Studie des Preisüberwachers bestätigen den vom Bundesrat eingeschlagenen Weg. Wie der Bundesrat in seiner Antwort vom 6. Dezember 2013 auf die Interpellation 13.3955 festgehalten hatte, wurden bereits für die Jahre 2011 und 2012 verschiedene Massnahmen im patentabgelaufenen Bereich beschlossen, um die Preise zu senken. Diese Massnahmen werden mit einem Monitoring begleitet. In seinen gesundheitspolitischen Prioritäten "Gesundheit 2020" hat der Bundesrat denn auch vorgesehen, dass im Bereich der Medikamente das System der Preisfestsetzung weiterentwickelt wird. Generika sollen gefördert und das Kostenwachstum im Medikamentenbereich soll stabilisiert werden. In den vergangenen Monaten haben diesbezüglich drei runde Tische mit Vertretern der Pharmaindustrie, der Versicherer, der Konsumentenschutzorganisationen sowie mit dem Preisüberwacher stattgefunden. Das EDI ist nun daran, die eingegangenen Vorschläge auszuwerten, und wird dabei auch unter Berücksichtigung der Ergebnisse des erwähnten Monitorings prüfen, ob weitere Massnahmen für den patentabgelaufenen Bereich der Arzneimittel, insbesondere die Einführung eines Festbetragssystems, vorzuschlagen sind. </p>  Antwort des Bundesrates.