B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-1154/2023 U r t e i l v o m 1 7 . M a i 2 0 2 3 Besetzung Richter Basil Cupa (Vorsitz), Richter Gérald Bovier, Richter Gregor Chatton, Gerichtsschreiberin Corina Fuhrer. Parteien 1. A._______, geb. (…), alias (…), geb. (…), 2. B._______, geb. (…), alias (…), geb. (…), 3. C._______, geb. (…), alias (…), geb. (…), 4. D._______, geb. (…), alias (…), geb. (…), Iran, Beschwerdeführende, alle vertreten durch Stephanie Arévalo Menchaca, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Ostschweiz, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 13. Februar 2023 / N (…). F-1154/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden 1 und 2 ersuchten am 1. August 2022 in der Schweiz für sich und ihre beiden Kinder um Asyl. Ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-VIS) ergab, dass Italien ihnen ein vom 17. Juli 2022 bis 7. August 2022 gültiges Visum für den Schengen- raum ausgestellt hatte. B. Die Vorinstanz gewährt e dem Beschwerdeführer 1 am 22. August 2022, der Beschwerdeführerin 1 für sich und ihre Kinder am 25. Oktober 2022 das rechtliche Gehör, unter anderem zur Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid, zur Wegweisung in diesen Dublin -Mitgliedstaat sowie zu ihrem Gesundheitszustand. Der Beschwerdeführer 1 gab an, er sei mit seiner Familie mit dem Flug- zeug aus dem Iran nach Italien gereist. Mit Schleppern sei vereinbart ge- wesen, dass sie bis nach Kanada gebracht w ürden. In Italien habe man ihnen jedoch die Pässe abgenommen und nicht weitergeholfen. Dort seien sie etwa eine Woche geblieben, die erste Nacht in einem Hotel und fünf weitere Tage bei einer Schlepperbande, wo sie als Geiseln genommen worden seien; es seien wohl Menschenhändler der Mafia gewesen. Diese hätten seine Frau und eine Tochter fotografiert, woraufhin ein Streit ent- brannt sei. Ein iranisches Mitglied der Schlepperbande habe ihnen schliesslich bei der Flucht geholfen und sie zum Zug Richtung Schweiz gebracht. Er sorge sich insbesondere um seine Frau, falls sie nach Italien zurückkehren müssten. Diese sei im Iran konvertiert und habe versucht , andere zu bekehren, weshalb er befürchte, sie würden via Interpol gesucht. Sie gebe sich die Schuld an der Situation der Familie und beginne zu wei- nen, sobald das Wort Italien falle. Auch ein Suizid sei möglich. Die Be- schwerdeführerin 2 führte weiter aus, sie habe nach ihrer Ankunft in Italien über eine Gruppe des Nachrichtendienstes Telegramm versucht, jeman- den zu finden, der sie nach Kanada bringen könne. Jemand habe sich ge- meldet und Hilfe gegen Bezahlung angeboten. Ein Mann habe sie tags da- rauf abgeholt und zu einem Haus in der Nähe von Mailand gebracht, von wo aus sie hätten weiterreisen sollen. In der letzten Nacht sei es dort zu einem Übergriff auf sie gekommen. Zum medizinischen Sachverhalt befragt, gab die Beschwerdeführerin 2 an, sie sei im Iran die letzten zwei Monate in psychiatrischer Behandlung ge -F-1154/2023 Seite 3 wesen. In der Schweiz habe sie neue Medikamente erhalten, welche aber nicht mehr so gut helfen würden. Sie könne nicht richtig gut atmen und auch nicht gut schlafen. Ihre ältere Tochter sei hier in der Schweiz auch belästigt worden und möglicherweise würden diese Leute mit den Männern in Italien in Verbindung stehen. Seither isoliere sich di e Tochter und gehe alleine nirgendwo mehr hin. Der Beschwerdeführer 1 gab an, es gehe ihm aufgrund des Zustands seiner Ehefrau psychisch sehr schlecht , er habe Schlafprobleme und sei appetitlos. C. Am 23. August 2023 ersuchte die Vorinstanz die italienischen Behörden um Übernahme der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 12 Abs. 2 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be- stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An- trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Die italienischen Behörden liessen das Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz innert Frist zunächst unbeantwortet, stimmten dem Ersuchen jedoch am 17. November 2022 gestützt auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO nachträglich zu. D. Mit Verfügung vom 13. Februar 2023, eröffnet am 20. Februar 2023, trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die Asylgesuche nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien an und forderte die Beschwerdeführe nden auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleich- zeitig wies die Vorinstanz auf die einer allfälligen Beschwerde von Geset- zes wegen fehlende aufschiebende Wirkung hin und beauftragte den Kan- ton X._______ mit dem Vollzug der Wegweisung. E. Mit Beschwerde vom 27. Februar 2023 gelangten die Beschwerdeführen- den dagegen an das Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die an- gefochtene Verfügung sei vollständig aufzuheben und die Vorinstanz an- zuweisen, auf die Asylgesuche einzutreten und in der Schweiz ein materi- elles Asylverfahren durchzuführen. Eventualiter sei die Sache zur Neube- urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Sache zur Einholung einer individuellen schriftlichen Zusicherung der italieni- schen Behörden betreffend die adäquate und nahtlose psychothera -F-1154/2023 Seite 4 peutische medizinische Versorgung der Beschwerdeführerin 2 sowie die nahtlose Unterbringung in den Strukturen für vulnerable Personen ohne vorgängige Unterbringung in einem Erstaufnahmezentrum an die Vor - instanz zurückzuweisen. Ferner sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und im Sinne einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme seien die Vollzugsbehörden unverzüglich anzuweisen, von ei- ner Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Italien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der aufschiebenden Wir- kung entschieden habe. Schliesslich sei ihnen die unentgeltliche Prozess- führung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. F. Am 1. März 2023 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in elekt- ronischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter den Voll- zug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus. G. Mit Zwischenverfügung vom 6. März 2023 erteilte der Instruktionsrichter der Beschwerde die aufschiebende Wirkung, hiess das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung gut und forderte die Be- schwerdeführenden auf, bis zum 13. März 2023 die in Aussicht gestellten Arztberichte betreffend die Hospitalisierung der Beschwerdeführerin 2 ein- zureichen. H. Am 13. März 2023 reichten die Beschwerdeführenden einen Austrittsbe- richt der Psychiatrischen Klinik Y._______ vom 28. Februar 2023 betref- fend die Beschwerdeführerin 2 zu den Akten. I. Mit Verfügung vom 20. März 2023 ersuchte der Instruktionsrichter die Vorinstanz, eine Vernehmlassung einzureichen und sich insbesondere zu den in der Beschwerde geltend gemachten Anhaltspunkte für Menschen- handel zu äussern. J. Am 13. April 2023 reichten die Beschwerdeführenden einen Therapiever- laufsbericht der Psychiatrie Z._______ vom 28. März 2023 betreffend die Beschwerdeführerin 2 ein. F-1154/2023 Seite 5 K. Mit Vernehmlassung vom 13. April 2023 hielt die Vorinstanz an ihrer Verfü- gung fest. L. Die Beschwerdeführenden nahmen mit Replik vom 27. April 2023 Stellung. M. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 6 AsylG). 1.2. Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs- gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu- ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführenden 1 und 2 sind für sich und ihre Kinder zur Beschwerdeanhebung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Mit Beschwerde könne n die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. In formeller Hinsicht rügen die Beschwerdeführenden unter mehreren Gesichtspunkten eine unvollständige Abklärung des Sachverhalts und be- antragen die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. 3.2. Die unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund (A rt. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unvollstän- dig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden. Die Behörde hat von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-F-1154/2023 Seite 6 digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen ( Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG; BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). 3.3. Die Beschwerdeführenden rügen zunächst, die Vorinstanz habe trotz ihrer Vorbringen in den Dublin-Gesprächen zu Menschenhandel in Italien keine separate Anhörung durchgeführt. 3.3.1. Im Zusammenhang mit Menschenhandel ergeben sich fü r die Schweiz völkerrechtliche Verpflichtungen aus Art. 4 EMRK i.V.m. dem Zu- satzprotokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschen- handels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels vom 15. November 2000 zum Übereinkommen der vereinten Natione n gegen die grenzüber- schreitende organisierte Kriminalität (sog. Palermo -Protokoll; SR 0.311.542) und aus dem Übereinkommen zur Bekämpfung des Men- schenhandels vom 16. Mai 2005 (ÜBM; SR 0.311.543). Wenn ein glaub- hafter Verdacht auf eine Verletzung von Art. 4 EMRK besteht beziehungs- weise konkrete Anhaltspunkte für Menschenhandel vorliegen, trifft die Schweiz eine prozessuale Untersuchungspflicht. Das bedeutet, dass staat- liche Stellen, sobald sie von einem mutmasslichen Menschenhandelssach- verhalt Kenntnis erha lten, von Amtes wegen und unverzüglich wirksame Ermittlungen einzuleiten haben, ohne dass dazu eine Anzeige des Opfers erforderlich wäre (zum Ganzen BVGE 2016/27 E. 5.2, insb. E. 5.2.4). 3.3.2. Die Vorinstanz führt eine besondere Anhörung mit einer gesuchstel- lenden Person durch, wenn im Asylverfahren Anhaltspunkte für Menschen- handel festgestellt werden. Diese Anhörung dient ausschliesslich der Er- kennung und Information potentieller Opfer (s. Handbuch Asyl und Rück- kehr des SEM, D.2.2 - Menschenhandel, Ziff. 2.2.1). Die Vorinstanz äus- serte sich zu der im vorliegenden Fall unterlassenen besonderen Anhörung der Beschwerdeführenden in ihrer verspätet eingereichten Vernehmlas- sung. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass verspätete Partei- vorbringen, die ausschlaggebend erscheinen, trotz der Verspätung berück- sichtigt werden können (Art. 32 Abs. 2 VwvG). Sie verwies darauf, dass der Tatbestand des Menschenhandels drei Elemente – eine Aktivität, ein uner- laubtes Mittel sowie eine Ausbeutung – voraussetze (vgl. Art. 4 Bst. a ÜBM). Aus den Schilderungen der Beschwerdeführerin 2 sei keine Aus- beutung zu erkennen gewesen. Weder gehe es vorliegend um sexuelle Ausbeutung, noch um Ausbeutung der Arbeitskraft oder der Entnahme von Organen. Deshalb sei sie zum Schluss gekommen, dass es sich bei ihr nicht um ein potentielles Opfer von Menschenhandel im Sinne der genann- ten völkerrechtlichen Bestimmungen handle (siehe E. 3.3.1 hiervor) . Das F-1154/2023 Seite 7 Dublin-Gespräch sei überdies überdurchschnittlich umfangreich ausgefal- len, womit dem zu erstellenden Sachverhalt vorliegend adäquat Rechnung getragen worden sei. Dass die Rechtsvertretung weder während des Dub- lin-Gesprächs noch danach einen Antrag auf eine besondere Anhörung ge- stellt habe, zeige, diese habe die Einschätzung der Vorinstanz – zumindest dazumal – geteilt, wonach die Kriterien nicht erfüllt seien, um von einem potentiellen Opfer von Menschenhandel zu sprechen. 3.3.3. Die Beschwerdeführenden 1 und 2 bezeichneten in ihren Dublin-An- hörungen die Schlepperbande in Italien als «Menschenhändler». Aus den konkret geschilderten Vorkommnissen der Beschwerdeführenden kann mit der Vorinstanz jedoch nicht auf Anhaltspunkte für Menschenhandel ge- schlossen werden . Der Beschwerdeführer 1 begründete seine Aussage vorwiegend damit, dass seine Frau und seine Tochter in Italien ungefragt fotografiert worden seien und der Beschwerdeführerin 2 gesagt worden sei, es handle sich bei der Bande um Menschenhändler. Die Beschwerde- führerin 2 gab an, dass sie auf der Suche nach einer Möglichkeit zur Wei- terreise nach Kanada den Kontakt zu Schleppern in Italien aufgenommen habe. Es sei vereinbart worden, drei Mal EUR 6'000.– zu bezahlen. In der letzten Nacht sei sie von einem Mitglie d der Gruppe zu sich gerufen und gefragt worden, weshalb das Geld noch nicht bezahlt worden sei und dass sie für ihn arbeiten könne, woraufhin es zu einem körperlichen Übergriff gekommen sei. Aufgrund dieser Angaben der Beschwerdeführenden war die Vorinstanz weder verpflichtet, den Sachverhalt mittels besonderer An- hörung näher abzuklären, noch entsprechende Ermittlungen einzuleiten oder Massnahmen zu treffen (vgl. BVGE 2016/27 E. 5.2.4 ff.). Dennoch ist die Vorinstanz a ufgrund der Sachlage unter Hinweis auf BVGE 2016/27 E. 5.2.5 anzuweisen, die italienischen Behörden vor einer Überstellung in geeigneter Weise darüber zu informieren, dass die Beschwerdeführenden geltend machen, Opfer von Menschenhandel geworden zu sein. 3.4. Die Beschwerdeführenden rügen weiter, das Kindswohl habe im Wi- derspruch zu den aus Art. 3 i.V.m. Art. 12 der UNO-Kinderrechtskonvention vom 20. November 1989 (KRK; SR 0.107) fliessenden Vorgaben keinen hinreichenden Eingang ins vorinstanzliche Verfahren gefunden. Nament- lich habe es d ie Vorinstanz pflichtwidrig unterlassen, die beiden Töchter anzuhören. 3.4.1. Gemäss Art. 12 Abs. 1 KRK haben Kinder, die fähig sind, sich eine Meinung zu bilden, das Recht auf Respektierung ihrer Meinung. Zu diesem Zweck ist dem Kind insbesondere Gelegenheit zu geben, in allen das Kind berührenden Gerichts - oder Verwaltungsverfahren entweder unmittelbar F-1154/2023 Seite 8 oder durch einen Vertreter oder eine geeignete Stelle im Einklang mit den innerstaatlichen Verfahrensvorschriften gehört zu werden (Art. 12 Abs. 2 KRK). Eine gesetzliche Bestimmung zum Anhörungsrecht des Kindes im Verwaltungsverfahren findet sich im Schweizer Recht nicht. Das Bundes- gericht hat aber anerkannt, dass Art. 12 KRK im fremdenpolizeilichen Ver- fahren unmittelbar anwendbar ist (BGE 147 I 149 E. 3.2; 124 III 90 E. 3a). Das Kind ist jedoch nicht in jedem Fall persönlich anzuhören. Soweit sich die Interessenlage des Kindes mit derjenigen seiner Eltern deckt und der rechtserhebliche Sachverhal t auch ohne persönliche Anhörung rechts- genüglich festgestellt werden kann, kann auf eine gesonderte Anhörung des Kindes (bzw. dessen Vertreters) verzichtet werden ( BGE 1 44 II 1 E. 6.5; Urteil des BGer 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015 E. 5.1; Urteil des BVGer F-1518/2022 vom 5. Mai 2022 E. 4.2.2). 3.4.2. Vorliegend gelangte der Standpunkt der (…)- und (…)jährigen Kin- der durch die Ausführungen der Beschwerdeführerin 2 im Dublin-Gespräch genügend zum Ausdruck, zumal letztere explizit zu den Gründen, die aus Sicht ihrer Töchter gegen eine Wegweisung nach Italien sprechen, befragt wurde. Die Beschwerdeführerinnen verfolgen mit der Durchführung eines Asylverfahrens in der Schweiz dasselbe Ziel. Die Vorinstanz durfte dem- nach im Einklang mit Art. 12 KRK auf die Anhörung der minderjährigen Be- schwerdeführerinnen 3 und 4 verzichten. 3.5. Der rechtserhebliche Sachverhalt ist damit als ausreichend erstellt zu erachten. Eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist nicht ange- zeigt. Auf die Rüge der ungenügenden Abklärung des medizinischen Sach- verhalts wird sogleich noch zurückzukommen sein (siehe hiernach E. 7.4). 4. 4.1. Auf ein Asylgesuch wird in der Regel nicht eingetreten, wenn der oder die Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kann, der für die Durchfüh- rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt die Vorinstanz in der Regel die Wegweis ung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, s obald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind die in F-1154/2023 Seite 9 Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufge- führten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden. 4.3. Besitzt eine antragstellende Person ein gültiges Visum, so ist der Mit- gliedstaat, der das Visum erteilt hat, für die Prüfung des Antrags auf inter- nationalen Schutz zuständig (Art. 12 Abs. 2 erster Teilsatz Dublin-III-VO). Für die Prüfung dieses Kriteriums ist der Zeitpunkt massgeblich, zu dem der Antragsteller seinen Antrag auf internationalen Schutz zum ersten Mal in einem Mitgliedstaat stellt (vgl. Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). 4.4. Gemäss Abgleich mit dem CS -VIS hatte Italien den Beschwerdefüh- renden ein vom 17. Juli 2022 bis 7. August 2022 gültiges Schengen-Visum ausgestellt. Sie verfügten somit im Zeitpunkt der ersten Antragsstellung in der Schweiz am 1. August 2022 über ein gültiges Visum. Die italienischen Behörden liessen das Übernahmeersuchen der Vorinstanz innert der Frist von zwei Monaten unbeantwortet, womit sie die Zuständigkeit Italiens im- plizit anerkannten (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO). Nachträglich erteilten sie explizit ihre Zustimmung gestützt auf Art. 12 Abs. 2 Dublin -III-VO. Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens ist somit gegeben und unbestritten. 5. Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung davon aus, dass das italienische Asylsystem – trotz punktueller Schwachstellen – keine systemischen Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO auf- weist (vgl. [Referenz-] Urteile des BVGer D-4235/2021 vom 19. April 2022 E. 10.2; F -6330/2020 vom 18. Oktober 2021 E. 9.2; E -962/2019 vom 17. Dezember 2019 E. 6.3). Für eine Änderung der Rechtsprechung be- steht keine Veranlassung. Folglich besteht für die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO kein Raum. 6. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO kann jeder Mitgliedstaat be- schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten- losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbstein- trittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat F-1154/2023 Seite 10 zuständig ist. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt obligatorisch (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 7. Gegen eine Überstellung nach Italien bringen die Beschwerdeführenden vor, die Beschwerdeführerin 2 sei wegen der traumatischen Erfahrung in Italien als besonders vulnerabel einzustufen und bedürfe eines erhöhten Schutzes. Der Zugang zu medizinischer Behandlung sei in Italien nur sehr limitiert vorhanden, weshalb bei einer Rückführung dorthin eine schwer- wiegende Verschlechterung ihres Gesundheitszustands drohe. Eine Über- stellung sei daher völkerrechtlich unzulässig. Die Vorinstanz habe zudem ihr Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt, indem sie von ihrem Selbstein- trittsrecht keinen Gebrauch gemacht habe. Da sich der Sachverhalt im Hin- blick auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin 2 ohnehin als unvollständig abgeklärt erweise, sei die Sache an die Vorinstanz zurückzu- weisen. Eventualiter sei die Vorinstanz zumindest anzuweisen, von den italienischen Behörden die Garantie einzuholen, dass diese für die Be- schwerdeführerin 2 eine adäquate und nahtlose medizinische Versorgung sowie eine nahtlose Unterbringung in den Strukturen für vulnerable Perso- nen ohne vorgängige Unterbringung in einem Erstaufnahmezentrum si- cherstellen werden. 7.1. Der gesundheitliche Zustand einer asylsuchenden Person kann der Dublin-Überstellung in den zuständigen Mitgliedstaat entgegenstehen, wenn diese eine Verletzung von Art. 3 EMRK zur Folge hätte : Das ist nur ganz ausnahmsweise der Fall. Von einer Verletzung dieser Norm geht die Rechtsprechung etwa aus, wenn eine schwer kranke Person durch die Ab- schiebung mit einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, ra- schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu- stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb- lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des Ge- richtshofs für Menschenrechte [EGMR] Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 7.2. Das Bundesverwaltungsgericht analysierte in den Referenzurteilen D-4235/2021 vom 19. April 2022 und F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 die Unterbringungs- und Versorgungssituation von Asylsuchenden, insbe- sondere von vulnerablen Personen und Alleinerziehenden mit minderjähri- gen Kindern in Italien. Das Gericht kam dabei zum Schluss, seit dem Re- ferenzurteil E -962/2019 vom 17. Dezember 2019 habe die Rechts - und Sachlage in Italien wesentliche Änderungen erfahren. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzesdekretes Nr. 130/2020 am 20. Dezember 2020 sei das F-1154/2023 Seite 11 Zweitaufnahmesystem, welches neu Aufnahme - und Integrationssystem SAI (Sistema di accoglienza e integrazione) heisse, wieder allen Asylsu- chenden zugänglich gemacht worden. Familien und vulnerable Personen, darunter auch Personen mit schweren physischen oder psychischen Er- krankungen, würden bei der Überstellung in eine SAI -Unterkunft Vorrang geniessen. Das Angebot der Dienstleistungen für die Asylsuchenden im SAI sei wieder ausgebaut und auch auf die Bedürfnisse schutzbedürftiger Personen ausgerichtet worden. Selbst wenn sie vorübergehend in Erstauf- nahmeeinrichtungen untergebracht würden, könnten sie die notwendigen Dienstleistungen, insbesondere medizinische und psychologische Betreu- ung, in Anspruch nehmen (Referenzurteile D -4235/2021 E. 10.4.3; F-6330/2020 E. 10 und E. 11.2; ebenso: Urteil des EGMR M.T. gegen die Niederlande vom 23. März 2021, Nr. 46595/19, Ziff. 58–62). Asylsu- chende, die noch keinen Asylantrag in Italien g estellt hätten (sog. «take charge»-Fälle bzw. Aufnahmeverfahren, vgl. Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin - III-VO) und daher vor ihrer Ausreise nicht in einem Erst- oder Zweitaufnah- mezentrum in Italien untergebracht worden seien, hätten daher grundsätz- lich ab ihrer Ankunft in Italien Zugang zu den notwendigen Dienstleistun- gen. In einer solchen Konstellation sei es nicht länger erforderlich, vor der Überstellung von Asylsuchenden, die unter schwerwiegenden medizini- schen Problemen litten, von den italienischen Behörd en individuelle Zusi- cherungen einzuholen. Anders verhalte es sich bei Asylsuchenden, die in Italien bereits ein Asylgesuch gestellt hätten oder deren Asylgesuch abge- lehnt worden sei (sog. «take back»-Fälle bzw. Wiederaufnahmeverfahren, vgl. Art. 18 Bst. b–d Dublin-III-VO). Solche Fälle müssten (auch künftig) einzeln geprüft werden, denn es könne stets noch vorkommen, dass Asyl- suchenden mit ernsthaften medizinischen Problemen nach der Überstel- lung nach Italien die Unterbringung im Erst - und Zweitaufnahmesystem verweigert werde . In dieser Konstellation sei daher am Referenzurteil E-962/2019 festzuhalten, wonach vor der Überstellung schwer kranker Personen nach Italien Zusicherungen von den italienischen Behörden be- treffend sofortigen Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versor- gung und Unterbringung einzuholen seien (Referenzurteil D -4235/2021 E. 10.4.3.3 und E. 10.4.4; Urteile des BVGer F-4471/2021 vom 4. Mai 2022 E. 6.4; F-2431/2022 vom 14. Juni 2022 E. 11.5). 7.3. Aus den vorliegenden Medizinalakten ergibt sich, dass bei der Be- schwerdeführerin 2 eine depressive Symptomatik mit einem Suizidversuch bereits während des vorinstanzlichen Verfahrens – vom 31. Oktober 2022 bis am 7. November 2022 – zu einer stationären Aufnahme in der Psychi- atrie führte. Nach Erlass des Nichteintretensentscheids vom 13. Februar 2023 wurde die Beschwerdeführerin 2 v om 21. Februar 2023 bis am F-1154/2023 Seite 12 28. Februar 2023 erneut psychiatrisch hospitalisiert (dazu und zum Folgen- den: Austrittsbericht der Psychiatrischen Dienste des Spitals Y._______ vom 28. Februar 2023). Die behandelnde Ärzteschaft diagnostizierte der Beschwerdeführerin 2 eine schwere depressive Episode ohne psychoti- sche Symptome (Status nach Suizidversuch mittels Tablettenintoxikation am 31. Oktober 2022). Gemäss dem zuständigen Arzt stabilisierte sich ihr psychischer Zustand im Verlauf der stationären Behandlung. Beim Austritt aus der Klinik am 28. Februar 2023 hätten keine Anhaltspunkte für Selbst- und Fremdgefährdung bestanden. Nach dem Austritt aus der Psychiatrie wurde die ambulante Therapie der Beschwerdeführerin 2 weitergeführt. In einem zu den Akten gereichten Therapieverlaufsbericht vom 28. März 2023 hielt die zuständige Ärztin fest, dass am 3. März 2023 eine Krisenin- tervention stattgefunden habe, da die Patientin u nd ihr Ehemann mit der Belastungssituation überfordert gewesen seien. Es habe sich um wieder- kehrende Suizidgedanken und -handlungen der Beschwerdeführerin 2 ge- handelt. Die psychiatrisch -psychotherapeutische Behandlung werde mit zusätzlicher Medikation, der emotionsfokussierten Therapie sowie hochfre- quenten Sitzungen (bis zwei Mal pro Woche) weitergeführt. Die Beschwer- deführerin 2 gebe sich die Schuld an der Situation der Familie und dem Leben in einem Asylheim. Sie befinde sich in höchst instabilem psychi- schem Zustand geprägt von grosser Impulsivität und Hoffnungslosigkeit (Diagnose: mittelgradig depressive Episode). 7.4. Aufgrund der Aktenlage ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin 2 an ernsthaften psychischen Erkrankungen leidet und auf medizinische Be- handlung angewiesen ist. Die Beschwerdeführenden haben in Italien noch kein Asylgesuch gestellt. Sie befinden sich damit in einer "take charge"- Konstellation im Sinne der oben dargelegten Rechtsprechung (siehe E. 7.2 hiervor), die weder die Einholung entsprechender Zusicherungen noch den Selbsteintritt erfordert. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Italien den Be- schwerdeführenden die notwendige medizinische Hilfe verweigern könnte. Die italienischen Behörden gaben im Formular «nucleo familiare» vom 17. November 2022 die Zusicherung ab, dass die Beschwerdeführenden als Familie und unter Berücksichtigung des Alters der Kinder in einer Ein- richtung des Aufnahme- und Integrationssystems SAI untergebracht wür- den (vgl. dazu Referenzurteil des BVGer F -6330/2020 E. 10 und 11). Im SAI sind die Dienstleistungen auf schutzbedürftige Personen ausgerichtet und beinhalten insbesondere soziale und psychologische Betreuung sowie eine Gesundheitsversorgung. Selbst bei einer vorübergehenden Unterbrin- gung im Erstaufnahmezentrum stehe n ihnen die notwendigen Dienstleis- tungen zur Verfügung. Zudem ist Italien verpflichtet, den Antragstellenden die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Not -F-1154/2023 Seite 13 versorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Richtlinie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen [hiernach: Aufnahmerichtlinie]). Antragstellenden mit besonde- ren Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe, ein- schliesslich psychologischer Betreuung, zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Auf- nahmerichtlinie). Vor diesem Hintergrund bestand für die Vorinstanz zutref- fend kein Anlass, den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin 2 nä- her abzuklären. Sie war dazu mangels rechtlicher Relevanz des Sachver- haltes nicht verpflichtet (vgl. Urteil des BVGer F -2976/2022 vom 7. Juli 2022 E. 6.5). Es ist nach dem Gesagten nicht davon auszugehen, dass im Falle einer Rückführung nach Italien das reale Risiko einer ernsten, ra- schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu- stands im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 3 EMRK besteht, die zu inten- sivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung füh- ren würde. 7.5. Hinsichtlich der geltend gemachten Gefahr einer (fortgesetzten) Selbstgefährdung der Beschwerdeführerin 2 ist anzufügen, dass der weg- weisende Staat bei einer Überstellung gemäss Praxis des EGMR nicht ver- pflichtet ist, vom Vollzug der Wegweisung Abstand zu nehmen, falls Aus- länder oder Ausländerinnen mit Suizid drohen. Die Überstellung verstösst nicht gegen Art. 3 EMRK, wenn der wegweisende Staat Massnahmen er- greift, um die Umsetzung einer entsprechenden Suiziddrohung zu verhin- dern (vgl. den Unzulässigkeitsentscheid des EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. D. und andere gegen Deutschland, 33743/03, angeführt in EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1 [S. 212]). Es obliegt den mit der Überstellung betrauten Behörden, im Rahmen der Vorbereitung und in Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärztinnen die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, damit bei der Überstellung den konkreten Bedürfnissen Rechnung getragen wird (z.B. Medikamentenabgabe, Information an die italienischen Behörden, vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO; Urteil F-1518/2022 E. 7.8). 7.6. Schliesslich ist h insichtlich des Kindswohls der Beschwerdeführerin- nen 3 und 4 darauf hinzuweisen, dass Italien Signatarstaat der KRK ist und in diesem Zusammenhang weder dargetan noch ersichtlich ist, dass Italien sich nicht an seine völkerrechtlichen Pflichten halten würde, zumal die ita- lienischen Behörden der Familie eine kindsgerechte Unterkunft zugesi- chert haben . Das Kindswohl steht somit einer Überstellung nach Italien nicht entgegen (vgl. Art. 3 KRK). F-1154/2023 Seite 14 7.7. Im Übrigen kommt der Vorinstanz bei der Anwendung von Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 ein Ermessenspielraum zu (vgl. BVGE 2015/9 E. 7.5). Den Akten sind keine Hinweise auf eine gesetzeswidrige Ermessensausübung (Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch die Vorinstanz zu entnehmen. Es be- steht insofern kein Grund für eine Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 AsylV 1. 8. Im Ergebnis ist die Vorinstanz gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG zu Recht nicht auf d ie Asylgesuche der Beschwerdeführenden eingetreten und hat ihre Überstellung nach Italien angeordnet. Demzufolge ist die Be- schwerde abzuweisen. Mit dem vorliegenden Urteil fällt die am 6. März 2023 erteilte aufschiebende Wirkung dahin. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens würden die unterliegenden Beschwer- deführenden kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverfügung vom 6. März 2023 gab das Gericht dem Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG statt , wes- halb von der Erhebung von Verfahrenskosten abzusehen ist. (Dispositiv nächste Seite) F-1154/2023 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das SEM wird angewiesen, die italienischen Behörden vor einer Überstel- lung in geeigneter Weise darüber zu informieren, dass die Beschwerdefüh- renden geltend machen, Opfer von Menschenhandel geworden zu sein. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, die Vorinstanz und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Basil Cupa Corina Fuhrer Versand: