Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Oktober 2015 (715 15 162 / 272) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Beschwerdeführerin kann nicht rechtsgenüglich darlegen, dass ein zwingender Grund zur freiwilligen Stellenaufgabe vorgelegen hat; selbstverschuldete Arbeitslosigkeit be- jaht. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei ber Pascal Acrémann Parteien A.____ Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1970 geborene A.____ war zuletzt vom 1. Juli 2014 bis 31. Dezember 2014 bei der B____AG als stellvertretende Teamleiterin Food und Pharma angestellt. Am 15. Dezember 2014 meldete sie sich beim Regionalen Arbeitsvermit tlungszentrum Liestal (RAV) zur Arbeits- vermittlung an und erhob bei der Öffentlichen Arbei tslosenkasse Baselland (Kasse) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. Januar 2015. Mi t Verfügung Nr. 199/2015 vom 2. Februar 2015 stellte die Kasse A.____ wegen selbstverschuld eter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Januar Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2015 für 31 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. D aran hielt die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit Ba sel-Landschaft (KIGA) mit Entscheid vom 7. April 2015 fest. B. Hiergegen erhob A.____ am 9. Mai 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), wobei sie die A ufhebung der Verfügung Nr. 199/2015 vom 2. Februar 2015 [recte wohl: des Ein spracheentscheids vom 7. April 2015] beantragte. Es sei festzustellen, dass der Verbleib am b isherigen Arbeitsplatz aus medizini- scher Sicht unzumutbar gewesen sei und sie deshalb die Ste lle gekündigt habe; unter o/e- Kostenfolge. C. Am 12. Mai 2015 reichte die Beschwerdeführerin dem Kantonsgericht einen Bericht des behandelnden Arztes Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 11. Mai 2015 ein. D. Die Kasse schloss in ihrer Vernehmlassung vom 27. Juli 2 015 auf Abweisung der Be- schwerde und verwies zur Begründung in erster Linie auf den angefochtenen Einspracheent- scheid. Ergänzend führte sie im Wesentlichen aus, aufgru nd der vorliegenden Arztzeugnisse sei nicht hinreichend erstellt, dass zwingende medizinische oder gesundheitliche Gründe zur Kündigung geführt hätten. Den Akten sei nicht zu ent nehmen, dass die Kündigung der Stelle auf ärztlichen Rat hin erfolgt sei. Der Beschwerdeführe rin wäre es zumutbar gewesen, solange ihre Arbeitsstelle zu behalten, bis sie eine neue Stelle gefunden hätte. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die o bligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mi t Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obl igatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 da s Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Ver fügungserlasses die Kontrollpflicht er- füllt. Vorliegend kam die Beschwerdeführerin ihren Kon trollpflichten im Kanton Basel- Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Ka ntonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ge- richtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einsprache entscheide der Versicherungs- träger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zu ständigkeit des Kantonsgerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzu- treten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist eine Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Umfang von 31 Tagen bei einem Taggeld von Fr . 293.05 und damit ein Streitwert von Fr. 9‘084.55 zu beurteilen. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2. Streitig ist, ob die Kasse die Versicherte infolge selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 31 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schw ei- zerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Basel/Genf/München 2007, Rz. 822). 3.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der E intritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den per sönlichen Umständen und den per- sönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versi cherten Person liegt (vgl. ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann der Fall, w enn die versicherte Person das Arbeitsver- hältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere St elle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zug emutet werden konnte (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Im Bereich der freiwilligen Stellenauf gabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (vgl. Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihr e Grenze grundsätzlich im Zumutbar- keitsgedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Ar beit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalar beitsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wes entlich erschwert. Das Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen (vormals Eidgenössisches Versi cherungsgericht [EVG]), hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zumu tbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzulegen ist (vgl. BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen). Wenn nicht besondere U mstände vorliegen, darf einer versi- cherten Person zugemutet werden, wenigstens so lange a m Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (vgl. ARV 1976 Nr. 18; GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechti- gung, Diss. Zürich 1998, S. 116). 3.3 Ein schlechtes Arbeitsklima und Meinungsverschiedenheit en mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen vermögen grundsätzlich keine Unzumutbark eit der Fortführung des Arbeitsver- hältnisses zu begründen (vgl. SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 3 23, C 128/96). Bei Schwierigkeiten Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und dergle ichen ist es der versicherten Person grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusicheru ng einer neuen Anschlussstelle auf- zugeben. So hat das Bundesgericht festgehalten, dass belastende Verhältnisse am Arbeitsplatz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht r echtfertigen. Sie können aber allen- falls beim Verschulden berücksichtigt werden (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstellungen der versicherten Person nicht entsprechendes Betriebsklima genügt hierzu keineswe gs (vgl. ARV 1986 Nr. 24 S. 95). Zur freiwilligen Stellenaufgabe können deshalb nur zwi ngende Gründe führen, so etwa medizi- nische oder gesundheitsgefährdende Gründe. Diese müssen durch ein eindeutiges Arztzeugnis oder Gutachten belegt sein. Die Zumutbarkeit zum Verb leiben wird diesfalls strenger beurteilt als die Zumutbarkeit, eine neue Stelle anzutreten (vgl . BGE 124 V 234 E. 4bb mit Hinweisen). Belegt die versicherte Person durch ein eindeutiges ärzt liches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel), dass ihr die Weiterarb eit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar war, ist daher grundsätzlich von einer U nzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. Mai 2010, 8C_12/2010, E. 3.1; BGE 124 V 234 E. 4b/bb S. 238; Urteile des EVG vom 6. Dezember 2006, C 161/06, E. 3.2 und vom 9. Februar 2006, C 299/05, E. 2.2; je mit Hinwei s; GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I [Art. 1-58], 1988, N. 14 zu Art. 30 AVIG; CHOPARD , a.a.O., S. 123). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichts- beschwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherr scht. Danach haben Versiche- rungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richt ige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachv erhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Verweisen). Dieser Gru ndsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspfli chten der Parteien (vgl. BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 4.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfü gende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt ( vgl. BGE 126 V 360 E. 5b; 125 V 195; 121 V 47 E. 2a; 208 E. 6b mit Hinweis). 5. Aufgrund der vorliegenden Akten stellt sich der rechts erhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Die Beschwerdeführerin war seit 1. Juli 2014 bei der B____AG als stellvertretende Team- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht leiterin Food und Pharma angestellt. Mit Schreiben vom 24. November 2014 kündigte sie ihr Arbeitsverhältnis per 31. Dezember 2014. Im Antrag au f Arbeitslosenentschädigung vom 14. Dezember 2014 führte sie aus, dass sich die unklare F unktion und Hierarchie negativ auf ihre chronisch-entzündliche Darmerkrankung ausgewirkt hät ten. In der Arbeitgeberbescheini- gung vom 16. Dezember 2014 wurde demgegenüber ausgef ührt, dass die Kündigung aus per- sönlichen Gründen erfolgt sei. Anlässlich der Gewährung d es rechtlichen Gehörs führte die Be- schwerdeführerin am 16. Januar 2015 aus, dass sie wegen ihrer Darmerkrankung seit dem 29. September 2014 bei Dr. med. D.____, FMH Gastroenterologie und Allgemeine Innere Medi- zin, in Behandlung stehe. Sie hielt erneut fest, dass i hre Funktion und die Hierarchie bei der B____AG unklar gewesen seien und der Dauerstress einen K rankheitsschub ausgelöst habe. Da sich keine Verbesserung der Arbeitssituation abgezeichnet habe, habe sie die Stelle gekün- digt. Im beigelegten Zeugnis vom 15. Dezember 2014 be stätigte Dr. D.____, dass die Be- schwerdeführerin seit dem 29. September 2014 bei ihm wegen einer Colitis ulcerosa in Abklä- rung und Behandlung sei. In ihrer Einsprache vom 4. Februar 2015 führte die Beschwerdeführe- rin aus, dass sich auch der oft respektlose Umgang unter d en Mitarbeitenden negativ auf ihre Gesundheit ausgewirkt habe. Ein Verbleib bei der B____ AG hätte ihre Gesundheit zu stark ge- schwächt und zudem eine aktive Stellensuche nicht zugelassen. Für ihre Erkrankung sowie den Umstand, dass sich das negative berufliche Umfeld ungünsti g auf ihre Gesundheit auswirke, treffe sie keine Schuld. Mit der Kündigung habe sie e ine drohende Krankschreibung abgewen- det und eigenverantwortlich gehandelt. Die Weiterführ ung des Arbeitsverhältnisses sei nicht zumutbar gewesen. Zudem habe sie sich aktiv um eine neue Stelle bemüht und per 1. April 2015 wiederum eine Anstellung gefunden. Ein Selbstverschulden sei demnach zu verneinen. Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens hielt Dr. D.____ am 14. April 2015 fest, es sei allgemein bekannt, dass ausgeprägte Stresssituatione n und psychische Belastungen den Verlauf einer chronisch-entzündliche Darmerkrankung deut lich negativ beeinflussen könnten. Bei der Versicherten habe die schlechte Situation am Ar beitsplatz einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf gehabt, weshalb der Stellenwech sel aus medizinischer Sicht sinnvoll ge- wesen sei. Weiter hielt Dr. C.____ am 11. Mai 2015 fe st, dass die Versicherte seit September 2014 bei ihm in Behandlung sei. Sie leide an einer Colitis ulcerosa mit diffusen Durchfällen. Das Zustandsbild habe sich verschlechtert. Aufgrund der Schi lderungen der Versicherten sei das Arbeitsklima unzumutbar gewesen. Die sehr gewissenhafte Patientin sei damit vollständig über- fordert gewesen. Deshalb sei die Erkrankung ausgebroche n. Zudem habe sich ein depressives Syndrom entwickelt. Hätte die Versicherte das Arbeitsverh ältnis nicht gekündigt, wäre sie zu- nehmend in eine psychische Ausnahmesituation geraten und die Arbeitsfähigkeit wäre dann auf lange Zeit in Frage gestellt gewesen. Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses hätten sich die vielfältigen Symptome nach kurzer Zeit zurückgebildet; die Versicherte sei beschwerdefrei ge- worden. Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses sei absolu t richtig gewesen. Während der Be- handlung bei ihm und Dr. D.____ sei ein Stellenwechsel nicht thematisiert worden. 6.1 Bei der Prüfung der Unterlagen fällt zunächst au f, dass kein echtzeitliches Arztzeugnis zu finden ist, dem die Unzumutbarkeit des Verbleibens a n der bisherigen Stelle zu entnehmen wäre. Der Versicherten wurde denn auch keine krankheit sbedingte Arbeitsunfähigkeit beschei- nigt. Zudem geben weder die Beschwerdeführerin im Kün digungsschreiben vom 24. November 2014 noch die Arbeitgeberin in ihrer Bescheinigung vom 16. Dezember 2014 gesundheitliche Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gründe für die Kündigung des Arbeitsverhältnisses an. Gem äss bundesgerichtlicher Recht- sprechung (vgl. E. 3.3 vorstehend) muss aber in Fällen, in welchen eine Unzumutbarkeit zum Verbleib an der bisherigen Arbeitsstelle aus gesundhe itlichen Gründen geltend gemacht wird, ein "eindeutiges Arztzeugnis oder Gutachten" vorliegen. Das Zeugnis von Dr. D.____ vom 15. Dezember 2014 – mit welchem er einzig bestätigte, dass die Versicherte wegen einer Colitis ulcerosa abgeklärt u nd behandelt werde – vermag die Un- zumutbarkeit nicht zu belegen. Die Unzumutbarkeit des Ve rbleibens an der bisherigen Stelle ist ausschliesslich durch die nachträglich erstellten Zeugnisse der behandelnden Ärzte Dr. D.____ vom 14. April 2015 und Dr. C.____ vom 11. Mai 2015 be scheinigt worden. Diese Berichte sind aber insbesondere in Bezug auf den Verlauf der gesundh eitlichen Entwicklung und die medizi- nische Begründung für die Unzumutbarkeit nicht hinreich end schlüssig. Zwar bestätigte Dr. D.____ am 14. April 2015, dass die schlechte Situa tion am Arbeitsplatz einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf gehabt habe. Indessen reicht seine Aussage, wonach ein Stellenwechsel aus medizinischer Sicht „sinnvoll“ gewesen sei – mit Blick auf die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin zu keiner Zeit eine Arbeitsun fähigkeit attestiert wurde und die strenge Rechtsprechung (vgl. E. 3.2 hiervor) – nicht au s, um zu belegen, dass es der Be- schwerdeführerin unzumutbar war, zumindest bis zur Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle am Arbeitsplatz zu bleiben. Demnach stellen die Berichte v on Dr. D.____ vom 15. Dezember 2014 und 14. April 2015 keine geeigneten Entscheidgrundlagen dar. Nichts anderes gilt für den Bericht von Dr. C.____ vom 11. Mai 2015. Zwar bestätigte er die Aussage der Versicherten, wonach die (somatische) Erkranku ng infolge des angespannten Ar- beitsklimas ausgebrochen sei. Die Zumutbarkeit zum Verble ib an der bisherigen Stelle vernein- te er indes mit der Begründung, dass sich bei der Versicherten ein depressives Syndrom einge- stellt habe. Aufgrund der vorliegenden medizinischen Be richte ist indes nicht ersichtlich, dass bei der Versicherten je eine psychiatrische Diagnose gestel lt worden wäre. Auch hat die Be- schwerdeführerin im bisherigen Verfahren nie auf eine psychische Gesundheitsbeeinträchti- gung hingewiesen. Demnach ist die Beurteilung durch d en behandelnden Arzt weder durch Di- agnosen belegt noch nimmt er Bezug auf die konkrete von der Versicherten ausgeübte Tätig- keit. Unter Berücksichtigung, dass das Gericht hinsichtlich d er Berichte von behandelnden Ärz- ten der Erfahrungstatsache Rechnung tragen darf und sol l, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc mit Hinweisen), lässt sich allein aus der vagen ärztlichen Aussage, wonach die Versicherte zunehmend in eine psychische Ausnahmesi- tuation geraten wäre, wenn sie das Arbeitsverhältnis nicht gekündigt hätte und die Arbeitsfähig- keit „auf lange Zeit in Frage gestellt“ gewesen wäre, nichts zu Gunsten der Versicherten ablei- ten. Insgesamt erweist sich das Zeugnis von Dr. C.____ als nicht eindeutig im Sinne der Recht- sprechung und seine Aussagen vermögen die Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz nicht rechtsgenüglich zu belegen. Es liegen auch keine anderen geeigneten Beweismittel b ei den Akten, die auf eine Unzumut- barkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses aus gesun dheitlichen Gründen schliessen las- sen würden. Dass die aufgegebene Stelle – wie von der Versicherten behauptet – aus gesund- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht heitlichen Gründen nicht mehr zumutbar gewesen wäre, ist demnach nicht hinreichend erstellt. Schliesslich lässt der Umstand, dass die Beschwerdeführerin sich selbst bei der Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Arbeitslosenkasse als arbeit sfähig eingeschätzt hat und zudem bereits ab 1. April 2015 eine neue Stelle antreten ko nnte, nicht auf eine gesundheitliche Belas- tung schliessen, welche einen Verbleib am bisherigen Arbeitsort zumindest bis zur Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle unzumutbar gemacht hätte. N ach dem Ausgeführten ist festzuhalten, dass es im Rahmen der Mitwirkungspflicht der Parteien (vgl. E. 4.1 hiervor) an der Beschwerde- führerin gelegen wäre, die medizinische Notwendigkeit der Aufgabe der Arbeitsstelle glaubhaft zu machen, was ihr nicht gelungen ist. Es kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass die Aufgabe der angestammten Stelle aus entschuldbaren gesund- heitlichen Gründen erfolgte. 6.2 Zusammengefasst kann die Beschwerdeführerin nicht rec htsgenüglich darlegen, dass ein zwingender Grund zur freiwilligen Stellenaufgabe vorgelegen hat. Die Einstellung in der An- spruchsberechtigung ist demnach im Grundsatz nicht zu beanstanden. 7.1 Es ist sodann zu prüfen, ob die Anzahl der Einstellt age korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung bemisst sich einzig nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Sie beträgt nach Art. 45 Abs. 2 AVIV 1 - 15 Tage bei leichtem Verschulden, 16 - 30 Tage bei mittelschwerem Verschulden und 31 - 6 0 Tage bei schwerem Verschulden. Innerhalb dieses Rahmens entscheidet die Arbeitslosenkasse nach pflichtgemässem Er- messen. Das Gericht greift nur mit Zurückhaltung in das d er Arbeitslosenkasse zustehende Er- messen ein. Es setzt nicht sein Ermessen anstelle desjenig en der Arbeitslosenkasse, solange diese von ihrem Ermessen pflichtgemäss Gebrauch gemacht h at, also allen einschlägigen Ge- sichtspunkten gebührend Rechnung getragen hat. 7.2 Vorliegend hat die Kasse das Verhalten der Versiche rten als schweres Verschulden qualifiziert, was eine Einstellungsdauer von 31-60 Tag en zur Folge hat. Innerhalb dieses Rah- mens hat sie eine Einstellung in der Anspruchsberechtig ung für die Dauer von 31 Tagen ver- fügt. Bei der Festlegung der Dauer der Einstellung ha t sie zu Recht zu Gunsten der Beschwer- deführerin berücksichtigt, dass Probleme am Arbeitsplatz bestanden haben und die Versicherte gesundheitliche Beschwerden aufwies. Insgesamt ist eine Einstellung in der Anspruchsberech- tigung im untersten Bereich des schweren Verschuldens von 31 Tagen nicht zu beanstanden. Die Arbeitslosenkasse hat ihr Ermessen in Würdigung alle r Umstände pflichtgemäss ausgeübt. Gegebenheiten, die eine abweichende Ermessensausübung a ls näher liegend erscheinen las- sen würden, sind jedenfalls nicht ersichtlich. 8. Aus dem Gesagten folgt, dass der angefochtene Einsp racheentscheid vom 7. April 2015 nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerdeführerin kon nte nicht darlegen, dass ihr aus ge- sundheitlichen Gründen ein Verbleib an der bisherigen Arbeitsstelle zumindest bis zur Zusiche- rung einer neuen Arbeitsstelle nicht zumutbar gewesen wä re. Die Beschwerdegegnerin hat so- dann ihr Ermessen bei der Festlegung der Einstelltage korrekt ausgeübt. Die Beschwerde er- weist sich folglich als unbegründet und ist abzuweisen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozess ausgang entsprechend wettzuschla- gen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht