Seite 1 Entscheid vom 17. November 2017 (530 17 47) __________________________________________________ ___________________ Auto- und Fahrradkosten Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Gerich tsschreiber D. Brügger Parteien A.____, vertreten durch suro GmbH, Tecknauerstrasse 87, 4460 Ge l- terkinden bzw. Allschwilerstrasse 75, 4055 Basel Beschwerdeführer gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin betreffend direkte Bundessteuer 2016 Seite 2 Sachverhalt: 1. Mit Veranlagungsverfügung der direkten Bundessteuer 2016 vom 24. April 2017 wurden die von der Beschwerdeführerin deklarierten Fahrtkosten mit der Begründung von Fr. 3‘116.-- auf Fr. 912.-- (U-Abo) gekürzt, die öffentlichen Verkeh rsmittel seien zumutbar, da der Zeitauf- wand weniger als 2 ½ Stunden betrage. Weiter wurden die vom Beschwerdeführer deklarierten Kosten für das Fahrrad von Fr. 700.-- mit der Begründu ng gestrichen, die Entfernung zur Halte- stelle betrage weniger als 1,5 Kilometer. 2. Mit Eingabe vom 18. Mai 2017 erhoben die Beschwer deführer mit dem Antrag, die von der Beschwerdeführerin deklarierten Fahrtkosten seien z um Abzug zuzulassen, Einsprache. Zur Begründung machten sie geltend, durch die Benützu ng des Fahrzeugs werde gegenüber den öffentlichen Verkehrsmitteln mehr als eine Stunde eingespart. Gemäss Gesetz könnten die Kosten für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte, ohn e Einschränkung, abgezogen wer- den. Das zusätzliche Kriterium des Zeitaufwandes von mehr als 2 ½ Stunden sei unzulässig. 3. Mit Einspracheentscheid vom 6. Juli 2017 wies die St euerverwaltung die Einsprache ab. Zur Begründung führte sie aus, der Beschwerdeführerin würden öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung stehen, mit welchen die Limite von 2 ½ Stunden pro Tag nicht überschritten würde. 4. Mit Eingaben vom 7. und 16. August 2017 erhoben di e Beschwerdeführer mit den Be- gehren, 1. Die von der Beschwerdeführerin deklarierten Fahrtkosten seien zum Abzug zuzulas- sen, 2. Auf die Erhebung von Gerichtkosten sei zu verzicht en, 3. Die Portokosten seien zu er- setzen, Beschwerde. Zur Begründung machten sie geltend, m it dem Auto sei die Beschwerde- führerin schneller zu Hause, um die schulpflichtige Tochter zu betreuen. 5. Mit Vernehmlassung vom 20. September 2017 beantra gte die Steuerverwaltung die Ab- weisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, das Bundesgericht habe lediglich festgehalten, dass das Abstellen auf die Zeitersparnis re chtmässig sei. Dies bedeute allerdings nicht, dass die basellandschaftliche Praxis unzulässig wäre, da die Kantone frei seien, den Be- griff der Unzumutbarkeit zu konkretisieren. Seite 3 6. Mit Eingabe der Vertreterin vom 11. November 2017 beantragten die Beschwerdeführer gestützt auf einen aktuellen Bundesgerichtsentscheid, wonach nebst den Kosten für die öffentli- chen Verkehrsmittel kumulativ auch Fahrradkosten zum Abzug zuzulassen seien, dass die vom Beschwerdeführer deklarierten Kosten für das Fahrrad vo n Fr. 700.-- zum Abzug zuzulassen seien, da er aufgrund des unpraktischen Fahrplans anstell e des Busses mit dem Fahrrad zur Tramstation fahre. 7. Anlässlich der heutigen Verhandlung halten die Par teien an ihren Begehren fest. Die Vertreterin der Beschwerdeführer macht ergänzend gel tend, die Steuerverwaltung habe den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Der Präsident des Steuergerichts zieht in Erwägung: 1. Das Steuergericht ist gemäss Art. 140 des Bundesgesetz es über die direkte Bundes- steuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 zur Anhandnahme der vorliegenden Streitsache zustän- dig, wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vom 13. Dezember 1994 i.V.m. § 129 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) Beschwerden, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 2’000.-- nicht übersteigt, vom Präsidenten des Steuergerichts als Ei nzelrichter beurteilt werden. Da die in formeller Hinsicht an eine Beschwerde zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne wei- teres darauf einzutreten. 2. Zunächst rügt die Vertreterin der Beschwerdeführer die Verletzung des rechtlichen Ge- hörs. a) Im Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Ab s. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) drückt sich ein zentraler Ge- halt prozeduraler Fairness aus. Das rechtliche Gehör d ient funktional einerseits der Sachver- haltsabklärung, andererseits ist es ein persönlichkeitsbezo genes Mitwirkungsrecht. Rechtspre- chung und Lehre haben aus dem verfassungsrechtlichen Gehör sanspruch verschiedene Teil- Seite 4 gehalte abgeleitet: den Anspruch auf vorgängige Äusseru ng und Mitwirkung im Verfahren, das Recht auf Akteneinsicht, auf Entscheidbegründung und au f Rechtsbeistand (Kiener/Rütsche/ Kuhn, Öffentliches Verfahrensrecht, 2. A., N 229). Aus dem Anspruch der Parteien auf Begrün- dung erwächst den Behörden die Pflicht, die Vorbringe n tatsächlich zu hören, sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und bei der Entscheidfindung zu berü cksichtigen. Die Behörde muss jedoch nicht alle vorgebrachten Argumente würdigen, sondern d arf sich auf die Prüfung der entscheid- wesentlichen Argumente beschränken. Die Begründungsdich te genügt den verfassungsrechtli- chen Standards, wenn sich der Betroffene über die Trag weite des Entscheides Rechenschaft ablegen und diesen in voller Kenntnis der Sachlage g egebenenfalls anfechten kann (Kiener/ Rütsche/Kuhn, a.a.O., N 243 ff.). Die Konsequenz einer Verletzung des Gehörsanspruchs ist grundsätzlich die Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Aufgrund der formellen Natur gilt dies unabhängig davon, ob der Entscheid in einem korrek ten Verfahren anders oder gleich ausgefallen wäre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnheer, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, N 839). b) Die Steuerverwaltung hat der steuerpflichtigen Per son gemäss Art. 135 Abs. 2 DBG ihren begründeten Entscheid schriftlich und mit ein er Belehrung über die Rechtsmittel zu eröffnen. Während es nach gängiger Praxis genügt, beim Erlass der Veranlagung die Abwei- chungen von der Deklaration aufzuzeigen, muss der Entschei d der Steuerverwaltung eine Be- gründung enthalten. Die Begründung hat die rechtliche n und tatsächlichen Erwägungen der Behörde aufzuzeigen, aufgrund derer der Entscheid get roffen wurde. Sie muss es der steuer- pflichtigen Person ermöglichen, die Erfolgschancen und die Kostenrisiken eines weiteren Rechtsmittelverfahrens abzuschätzen (Ziegler in: Nefzger/ Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, § 123 N 10; E ntscheid des Steuergerichts [StGE] vom 21. Oktober 2016, 510 2016 41, E. 2). Die Behörde muss sich zwar wie dargetan nicht zu allen Rechtsvorbringen einer Partei äussern, sie darf sich vielmehr auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Aber je komplexer die Sach- und Rechtslage ist, desto höhere Anforderungen werden an die Begründungs pflicht gestellt (Urteil des Bundesge- richts [BGE] 129 I 232, E. 3.3). c) In ihrem Einspracheentscheid vom 6. Juli 2017 fasste d ie Steuerverwaltung den Sachverhalt kurz zusammen, führte zudem Grundlegendes zur Fragestellung aus und ging an- schliessend auf praktisch alle Argumente der Beschwerdeführer ein. Eine Verletzung des recht- lichen Gehörs ist wie bereits dargelegt nicht bereits dann anzunehmen, wenn die Ausführungen im Einspracheentscheid die Argumentation der Beschwerde führer nicht „en détail“ aufnimmt. Der Begründungspflicht ist Genüge getan, wenn klar wird, warum die Steuerverwaltung die Ein- Seite 5 sprache abweist. Die Beschwerdeführer haben in der Besch werde ihren Standpunkt eingehend darlegen können und zudem ausgeführt, weshalb sie mit d en Argumenten der Steuerverwal- tung nicht einverstanden sind. Eine Verletzung des recht lichen Gehörs ist damit nicht feststell- bar und die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen. 3. In materieller Hinsicht unterliegt zunächst der Beur teilung, ob die von den Beschwerde- führer geltend gemachten Fahrtkosten der Beschwerdeführ erin zwischen Wohn- und Arbeits- stätte von Fr. 3‘116.-- von der Steuerverwaltung zu Re cht auf Fr. 912.-- (U-Abo) reduziert wur- den. a) Gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a DBG können bei unselbstän diger Erwerbstätigkeit von den steuerbaren Einkünften als Berufsunkosten die Koste n bis zu einem Maximalbetrag von Fr. 3‘000.-- für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte abgezogen werden. b) Gemäss Art. 5 Abs. 2 der Verordnung des EFD über d en Abzug von Berufskos- ten der unselbständigen Erwerbstätigkeit bei der direkte n Bundessteuer (Berufskostenverord- nung) vom 10. Februar 1993 sind als Kosten abziehbar, die notwendigen Auslagen für die Be- nützung öffentlicher Verkehrsmittel (lit. a) oder die notwendigen Kosten pro gefahrene Kilometer für die Benützung eines privaten Fahrzeugs, sofern kein ö ffentliches Verkehrsmittel zur Verfü- gung steht oder dessen Benützung objektiv nicht zumutbar i st (lit. b). Gemäss Anhang 2 zur Berufskostenverordnung ist pro Fahrkilometer ein Abzug von Fr. 0.40 für Motorräder (mit weis- sem Kontrollschild) und von Fr. 0.70 für Autos zulässig. c) Die Zurückhaltung der Steuerbehörden bei der Gewä hrung der Fahrtkostenab- züge beruht vor allem auf der Überlegung, dass der Ve rzicht auf die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel i.d.R. nicht auf eine arbeitsbedingte N otwendigkeit zurückzuführen ist, sondern überwiegend dazu dient, die private Lebenshaltung beq uemer und die Freizeit sinnvoller zu gestalten. Aus diesem Grund haben die Autokosten in den überwiegenden Fällen den Charak- ter von Lebenshaltungskosten, für die ein Steuerabzug n icht gerechtfertigt ist (Entscheid der Steuerrekurskommission [heute Steuergericht] Nr. 121/199 1 vom 30. August 1991, publ. in: Basellandschaftliche Steuerpraxis [BlStPr], Bd. XI, S. 199 ff.). Seite 6 4. Die Beschwerdeführer machen sinngemäss geltend, die basellandschaftliche Praxis, wonach bezüglich des Kriteriums der Unzumutbarkeit auf e ine Minimalreisezeit von täglich 2 ½ Stunden abgestellt werde, sei unzulässig. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei nur die zeitliche Einsparung ein Kriterium für die Beurteilung , ob von einer Unzumutbarkeit der Benüt- zung der öffentlichen Verkehrsmittel ausgegangen werden könne oder nicht. Es sei eine Zeiter- sparnis mit dem Privatfahrzeug gegenüber den öffentlich en Verkehrsmitteln von mindestens einer Stunde zu verlangen und nicht auf die gesamte A rbeitswegzeit abzustellen. Die Steuer- verwaltung hält dafür, das Bundesgericht habe lediglich festgehalten, dass das Abstellen auf die Zeitersparnis rechtmässig sei. Dies bedeute allerdings nic ht, dass die basellandschaftliche Re- gelung unzulässig wäre, da die Kantone frei seien, den Begriff der Unzumutbarkeit zu konkreti- sieren. a) Die basellandschaftliche Praxis hat das Kriterium der Unzumutbarkeit dahinge- hend konkretisiert, dass die Benützung eines öffentliche n Verkehrsmittels dem Pflichtigen z.B. bei einem täglichen Zeitaufwand von mehr als 2 ½ Stun den nicht zugemutet werden kann. Die Fahrtdauer wird als massgebendes Kriterium verwendet, u m festzustellen, ob die Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels zumutbar ist (Schweighau ser, in: Nefzger/Simonek/Wenk, a.a.O., § 29 N 12). Dem spricht auch nicht entgegen, d ass beispielsweise der Kanton Zürich anders als der Kanton Basel-Landschaft nicht auf die ge samte Arbeitswegzeit abstellt, sondern eine Zeitersparnis mit dem Privatfahrzeug gegenüber den öffentlichen Verkehrsmitteln von min- destens einer Stunde verlangt. Dass das Kriterium des Kant ons Zürich vom Bundesgericht im Entscheid (BGer) 2C_343/2011 vom 25. Oktober 2011 als rechtmässig erachtet wurde, schliesst entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer die Praxis des Kantons Basel- Landschaft nicht aus, da die Kantone hinsichtlich der Auslegung des Begriffs der Unzumutbar- keit autonom sind. Ein täglicher Reiseaufwand von mehr als 2 ½ Stunden stellt ein sinnvolles und geeignetes Abgrenzungskriterium zwischen abzugsfähige n notwendigen Ausgaben und einer steuerlich nicht zu berücksichtigenden bequemeren Ge staltung der privaten Lebenshal- tung dar. Im Gegensatz zur mit dem Privatfahrzeug real isierten Zeitersparnis werden die öffent- lichen Verkehrsmittel nur geringfügig von äusseren Einf lüssen beeinflusst. Bei der Praxis des Kantons Basel-Landschaft handelt es sich um eine objektive , klare Regelung, welche sich an einer leicht festzustellenden Fahrtzeit orientiert u nd dadurch auch Gewähr dafür bietet, dass alle Steuerpflichtigen gleich behandelt werden (StGE vom 25. Oktober 2013, 530 13 20, E. 5c, www.bl.ch/steuergericht ). Daher sieht das Steuergericht keinen Anlass, von seine r langjährigen Praxis (StGE vom 14. Februar 2014, 510 13 74; StGE vom 14. November 2014, 510 14 65; StGE vom 19. Mai 2017, 510 17 24, publ. in: Der Steu erentscheid [StE] 2017, B 22.3 Nr. 118) Seite 7 abzuweichen und hält an der Regelung fest, wonach Unzum utbarkeit ab einer täglichen Fahrt- zeit von über 2 ½ Stunden angenommen wird. b) Vorliegend beträgt der Zeitaufwand vom Wohn- zum Arbeitsort und zurück, wie dies die Steuerverwaltung im Einspracheentscheid vom 6. Ju li 2017 richtigerweise festgehalten hat, maximal 2 Stunden und 5 Minuten, was seitens der B eschwerdeführer denn auch nicht bestritten wird. Die Benützung des Privatautos ist demna ch zur Erzielung des Erwerbseinkom- mens nicht unbedingt erforderlich, sondern dient der ef fizienten Gestaltung des Privatlebens. So führen die Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang aus, mit dem Auto sei die Be- schwerdeführerin schneller zu Hause, um die schulpflichti ge Tochter zu betreuen. Die von den Beschwerdeführern geltend gemachten Fahrtkosten von Fr. 3‘116.-- wurden von der Steuer- verwaltung damit zu Recht auf Fr. 912.-- (U-Abo) reduziert. Entsprechend ist die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen. 5. Weiter unterliegt der Beurteilung, ob die vom Besch werdeführer nebst den Kosten für die öffentlichen Verkehrsmittel deklarierten Kosten für das Fahrrad von Fr. 700.-- zu Recht ge- strichen wurden. a) Wie bereits weiter oben dargetan, können gemäss Art . 26 Abs. 1 lit. a DBG bei unselbständiger Erwerbstätigkeit von den steuerbaren E inkünften als Berufsunkosten die Kos- ten bis zu einem Maximalbetrag von Fr. 3‘000.-- für Fah rten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte abgezogen werden. b) Wie ebenfalls bereits hiervor ausgeführt, sind gemä ss Art. 5 Abs. 2 lit. b Berufs- kostenverordnung die notwendigen Kosten pro gefahrene Kilometer für die Benützung eines privaten Fahrzeugs, sofern kein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung steht oder dessen Benützung objektiv nicht zumutbar ist, abziehbar. Gemäss A nhang 2 zur Berufskostenverord- nung können Unselbständigerwerbende bei Benützung eine s Fahrrades, eines Motorfahrrades oder eines Motorrades mit gelbem Kontrollschild Fr. 70 0.-- pro Jahr als Erwerbsunkosten ab- ziehen. c) Gemäss Baselbieter Steuerbuch, Bd. 1 - Einkommen 29 Nr. 1 kann der Pauscha- labzug von Fr. 700.-- im Regelfall nicht neben dem Abzu g für das öffentliche Verkehrsmittel zu stehen kommen. Nur wenn der Fussweg bis zur nächsten Hal testelle 1,5 Kilometer übersteigt, Seite 8 ist der ausschliessliche Gebrauch des öffentlichen Verkehrsmittels als unzumutbar zu qualifizie- ren ( www.bl.ch/steuerverwaltung ). d) Auf welche Weise der Berufsweg zurückgelegt wird, lässt das Gesetz offen, zu- mal es ohnehin nicht Sache des Steuerrechts sein kann, Vor schriften zur Gestaltung des Be- rufswegs zu machen. Zwar ergibt sich insofern eine Präfe renz für den öffentlichen Verkehr, als die Kosten des Privatfahrzeugs nur subsidiär geltend gemacht werden können. Damit verfolgen Verwaltung und Gerichte eine gewisse Lenkungswirkung. B ei aller Präferenz werden aber we- der die Kosten des privaten Fahrzeugs ausgeschlossen noch ist überhaupt vorgesehen, dass der Arbeitsweg "artrein" - entweder ausschliesslich mit p rivatem oder öffentlichem Verkehrsmit- tel - zu bewältigen wäre (BGer 2C_745/2017 vom 21. September 2017, E. 2.4.1, m.w.H.). In der Praxis, die von immer längeren Berufswegen geprägt ist, dürfte es zunehmend zu einem "Sys- tembruch" oder "Split" kommen, indem hintereinander mehrere Verkehrsmittel benützt werden, um ans Ziel zu gelangen. Dieser Realität will und kann sich das Verordnungsrecht nicht ver- schliessen, zumal hierzu ohnehin keine gesetzliche Grundlag e besteht. Eine derartige Ein- schränkung der Handlungsfreiheit der steuerpflichtigen Personen bedürfte in jedem Fall einer gesetzlichen Grundlage. Daran fehlt es, zumal eine der art künstliche Vorgabe weder volkswirt- schaftlich noch steuerrechtlich wünschbar wäre. Gegenteils kann es die Produktivität nur positiv beeinflussen, wenn die Werktätigen nach dem für sie kür zesten Arbeitsweg suchen. Dies schliesst nicht aus, dass grundsätzlich nur die Kosten des öff entlichen Verkehrs abzugsfähig sind, kommt doch hier der Lenkungsgedanke ins Spiel. Di eser bedeutet aber nicht, dass zwin- gend nur alternativ Kosten des öffentlichen oder des pr ivaten Verkehrs abziehbar wären (BGer 2C_745/2017, a.a.O., E. 2.4.2). Nichts an den bisher igen Ausführungen ändert, dass die Fahr- radpauschale von Fr. 700.--, gemessen an der Kilometerpauschale für Autos von Fr. 0.70, einer jährlichen Fahrleistung von 1'000 Kilometern entsprich t. Es trifft zwar zu, dass mit dem Auto an 220 Arbeitstagen je rund 4,5 Kilometer zurückgelegt wer den könnten, sodass das Fahrrad bei einem noch kürzeren Arbeitsweg zu einem höheren Abzug f ührt als das Auto. Pauschalierun- gen und Schematisierungen sind im Abgaberecht, das ein Massenfallrecht ist, ebenso verbreitet wie zulässig. Sie sind insbesondere dann rechtsgleich und willkürfrei, wenn sie sich an einem Durchschnittssachverhalt orientieren. Dies ist hier der Fall. Der Verordnungsgeber hat sich eine bestimmte durchschnittliche Fahrleistung vor Augen gehalt en. Allein der Umstand, dass diese unterschritten oder übertroffen werden kann, schliesst di e Zulässigkeit des Abzugs im Einzelfall nicht aus (BGer 2C_745/2017, a.a.O., E. 2.4.3, m.w.H.). Seite 9 e) Fraglich kann sein, wie es sich mit dem Erforderni s der Unzumutbarkeit verhält. Unzumutbarkeit besteht, wenn die steuerpflichtige Perso n gebrechlich oder kränklich ist, wenn die nächste Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels weit von der Wohn- oder Arbeitsstätte entfernt ist, wenn Arbeitsbeginn und Arbeitsschluss zu nich t fahrplanmässigen Zeiten erfolgen oder wenn sie ganz allgemein für ihre Berufsausübung auf ein Motorfahrzeug angewiesen ist. In den Fällen, die zu dieser Praxis führten, ging es aber durchwegs darum, ob es sich rechtfertige, die Kosten des Autos (anstelle des öffentlichen Verkehrsmit tels) zum Abzug zuzulassen. Diese Grenzziehung folgt insofern eigenen Gesetzmässigkeiten, a ls wie hiervor gesehen eine Präfe- renz für das öffentliche Verkehrsmittel besteht. Soweit es um die Abgrenzung zwischen Fuss- marsch und Busfahrt einerseits und Fahrradfahrt anders eits geht, entfällt diese Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs. Entscheidend kann mit Blick auf das Gesetz nur sein, ob die Fahr- radfahrt, die gegenüber dem Fussmarsch mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, einen inneren, wirtschaftlichen Bezug zur Sphäre der Einkommenserzielung aufweist (BGer 2C_745/2017, a.a.O., E. 2.5.1, m.w.H.). Entsprechend stellt sich d ie Frage von vornherein in einem andern Licht. Wenn der Fahrradabzug selbst bei einem Arbeitsweg von zwei Kilometern (ohne mittägli- che Rückkehr) oder von lediglich einem Kilometer (wenn d ie Mittagspause zuhause verbracht wird) gewährt wird, liegt es auf der Hand, dass der Verordnungsgeber nahezu jede Fahrradfahrt zur Arbeitsstätte und zurück als "wirtschaftlich durch die Erwerbstätigkeit veranlasst" erachtet. Kein Unterschied besteht, wenn das Fahrrad (nur) dazu d ient, den öffentlichen Verkehr zu er- reichen. Eine Differenzierung anhand dessen, ob der Be rufsweg mit verschiedenartigen Ver- kehrsmitteln bewältigt wird, findet im Gesetz keine Stütze. Dies würde im Übrigen steuerpflichti- ge Personen, die nicht in Zentrumslage wohnen und durch gängig auf den öffentlichen Verkehr zurückgreifen können, erheblich benachteiligen (BGer 2C_ 745/2017, a.a.O., E. 2.5.2). Eine steuerpflichtige Person, welche den Bus meidet, trägt dazu bei, dass die öffentlichen Verkehrs- mittel in den Stosszeiten nicht weiter ausgebaut werden müssen. Auch dem pauschalen Fahr- radabzug darf eine gewisse Lenkungswirkung zugeschrieben werden. Es ist, auch mit Blick auf den verhältnismässig geringfügigen Abzug, insgesamt eine grosszügige Praxis am Platz (BGer 2C_745/2017, a.a.O., E. 2.5.4). f) Vorliegend hat die Steuerverwaltung den deklarier ten Pauschalabzug für das Fahrrad mit der Begründung, die Entfernung zur Halt estelle betrage weniger als 1,5 Kilometer, in Übereinstimmung mit der von ihr im Baselbieter Ste uerbuch festgelegten Veranlagungspra- xis, gestrichen. Die Steuerverwaltung stützt sich damit auf das Kriterium der Zumutbarkeit, wel- ches sich aus der Abgrenzung zwischen öffentlichen Verkehrsmit teln und Motorfahrzeug ablei- tet. Eine solche Einschränkung ist hinsichtlich der Fahrr adpauschale aber weder dem Wortlaut Seite 10 von Art. 26 Abs. 1 lit. a DBG i.V.m. Art. 5 Abs. 2 li t. b Berufskostenverordnung und deren An- hang 2 zu entnehmen noch ergibt sie sich aus der hiervo r zitierten Lehre und Praxis. Vielmehr entfällt bei der Abgrenzung zwischen Fussmarsch und Fahrr adfahrt die Bevorzugung des öf- fentlichen Verkehrs und ist einzig entscheidend, ob die Fahrradfahrt einen inneren, wirtschaftli- chen Bezug zur Sphäre der Einkommenserzielung aufweist. Für die Behauptung des Be- schwerdeführers, er fahre aufgrund des unpraktischen Fah rplans anstelle des Busses mit dem Fahrrad zur Tramstation, fehlt zwar ein unmittelbarer Nachweis. Einerseits hat der Beschwerde- führer dies aber bereits, unter Verweis auf die Vorjah re, unter den Bemerkungen in der Steuer- klärung angeführt. Andererseits ist nachvollziehbar, dass er vom Wohnort nicht einen längeren Fussmarsch zur nächstgelegenen Bushaltestelle absolviert, a lsdann eine kurze Strecke mit dem Bus zur Tramhaltestelle fährt, um dort auf den An schluss des Trams zu warten, wenn er dieselbe Strecke ohne Fussmarsch, Umsteigen bzw. Wartezeit u nd damit bedeutend effizienter mit dem Fahrrad bewältigen kann. In diesem Punkt ist d ie Beschwerde deshalb gutzuheissen und neben den Kosten für die öffentlichen Verkehrsmit tel (U-Abo) die Fahrradpauschale von Fr. 700.-- zum Abzug zuzulassen. Damit ist die Beschwerde insgesamt teilweise gutzuheissen. 6. Es bleibt über die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu b efinden. Da wie eingangs ge- sehen die Steuerverwaltung das rechtliche Gehör nicht ver letzt hat, sind die Kosten praxisge- mäss aufzuerlegen. a) Ausgangsgemäss sind den Beschwerdeführern gemäss Art . 144 Abs. 1 DBG reduzierte Verfahrenskosten aufzuerlegen. Entsprechend d em teilweisen Obsiegen im Umfang von rund einem Drittel haben sie Verfahrenskosten von Fr. 330.-- zu bezahlen. b) Gemäss Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 b is 3 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (Vw VG) kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eines Vertreters eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Anlässlich der heutigen Verhandlung macht die Vertreterin der Beschwerdeführer eine Parteientschädigung für die beiden Parallelverfahren betreffend Staats- und direkte Bundessteuer 2016 von Fr . 324.-- geltend, welche sich aus ei- nem Honorar von 2 Stunden à Fr. 150.-- und Mehrwertsteuer (MWST) von Fr. 24.-- zusammen- setzt. Da die Beschwerdeführer zusätzliche Portokosten gel tend gemachten haben, ergibt sich Seite 11 eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 330.--. Da mit ist den Beschwerdeführern entspre- chend ihrem teilweisen Obsiegen im Umfang von rund ein em Drittel eine reduzierte Parteient- schädigung von Fr. 110.-- (inkl. Auslagen und MWST) bzw. für das vorliegende Verfahren be- treffend direkte Bundessteuer 2016 von Fr. 55.-- (= Fr. 110.-- / 2) zulasten der Beschwerdegeg- nerin zuzusprechen. Seite 12 Demgemäss wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen t eilweise gutgeheissen. 2. Die Steuerverwaltung wird angewiesen, als Fahrkostena bzug für den Beschwerdefüh- rer neben den Kosten für die öffentlichen Verkehrsmitte l (U-Abo) den Pauschalabzug für das Fahrrad von Fr. 700.-- zu gewähren. 3. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 4. Die Beschwerdeführer haben reduzierte Verfahrenskost en von Fr. 330.-- (inkl. Ausla- gen von pauschal Fr. 50.--) zu bezahlen, welche mit dem bereits geleisteten Kosten- vorschuss verrechnet werden. Der zu viel bezahlte Kostenvorschu ss von Fr. 170.-- wird ihnen zurückerstattet. 5. Die Steuerverwaltung hat den Beschwerdeführern ei ne Parteientschädigung von Fr. 55.-- (inkl. Auslagen und MWST) zu bezahlen. 6. Mitteilung an die Vertreterin, für sich und zhd. der Beschwerdeführer (2), die Eidgenös- sische Steuerverwaltung (1) und die Beschwerdegegnerin (3).