Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abt eilung Strafrecht vom 19. November 2012 (460 12 119) ____________________________________________________________________ Strafrecht Tätlichkeit etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Beat Schmidli (Ref.), Richter Peter Tobler; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Arlesheim, Kirchgasse 5, 4144 Arlesheim, Anklagebehörde A.____ , Privatkläger gegen B.____ , vertreten durch Advokat Guido Ehrler, Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Tätlichkeit etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtsvizepräsidiums Basel- Landschaft vom 23. Februar 2012 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Mit Urteil vom 23. Februar 2012 erklärte das Strafger ichtsvizepräsidium Basel- Landschaft B.____ in teilweiser Abänderung des Strafbe fehls der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft vom 25. Oktober 2011 der Drohung und der Tä tlichkeiten schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 10 Tag essätzen zu je CHF 20.–, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 10 0.–. Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 1 Tag ausgesprochen (Ziff. 1 des Urteilsdispositivs). Demgegenüber wurde B.____ von de r Anklage der Beschimpfung frei- gesprochen (Ziff. 2). Die Verfahrenskosten, bestehend au s den Kosten des Vorverfahrens von CHF 745.– sowie der Gerichtsgebühr von CHF 1'000.–, wur den dem Beurteilten auferlegt (Ziff. 3). Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen des vorliegenden Urteils eingegangen. B. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte nach Erö ffnung des Urteilsdispositivs anlässlich der strafgerichtlichen Hauptverhandlung Beru fung an. Sein Vertreter, Advokat Guido Ehrler, bestätigte die Berufungsanmeldung mit Eingabe vom 9. März 2012. C. Nach Erhalt der schriftlichen Begründung des vorinstanzlich en Urteils liess der Beru- fungskläger in seiner Berufungserklärung vom 14. Juni 20 12 unter o/e-Kostenfolge für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren beantragen, (1.) es sei das Urteil des Strafgerichtsvizepräsidi- ums vom 23. Februar 2012 aufzuheben, (2.) es sei der Be schuldigte vollumfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen und (3.) es sei dem Beschuldig ten Frist zur Einreichung von Beweis- anträgen anzusetzen. D. Die Staatsanwaltschaft, Hauptabteilung Arlesheim, te ilte der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts mit Eingabe vom 25. Juni 2012 mit, d ass sie weder im Sinne von Art. 400 Abs. 3 lit. a StPO einen Antrag auf Nichteintreten ste lle noch im Sinne von Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO Anschlussberufung gegen das am 23. Februar 2012 e rgangene Urteil des Strafgerichts erkläre. E. Mit Eingabe vom 23. August 2012 reichte der Berufung skläger die Berufungsbegrün- dung ein. F. In ihrer Berufungsantwort vom 24. September 2012 be antragte die Staatsanwaltschaft die vollumfängliche Abweisung der Berufung und die Bestät igung des angefochtenen Urteils sowie die Abweisung sämtlicher vom Beschuldigten gestellten Beweisanträge. G. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügungen d es Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, betrifft, wurde mit Verfügung vom 25. Sep tember 2012 festgelegt, dass es dem Pri- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht vatkläger A.____ freigestellt ist, an der mündlichen Ber ufungsverhandlung als Zuschauer bei- zuwohnen. Am Folgetag wurde die Staatsanwaltschaft, Hau ptabteilung Arlesheim, vom Er- scheinen an der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung dispensiert. H. Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Kantonsg ericht, Abteilung Strafrecht, er- scheint der Beschuldigte mit seinem Verteidiger, Advokat Guido Ehrler, welcher – abgesehen von den Beweisanträgen gemäss Ziff. 3 – an den bereits gestellten Anträgen festhält. Auf die Aussagen des zur Person und zur Sache befragten Beschuldigten sowie auf das Plä- doyer seines Vertreters wird, soweit erforderlich, nachfolgend in den Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfah- ren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (Art. 398 Abs. 1 StPO). Das Urteil des Straf- gerichtsvizepräsidiums Basel-Landschaft vom 23. Februar 20 12 ist demgemäss mit Berufung anfechtbar. Die Zuständigkeit der Dreierkammer der Ab teilung Strafrecht des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich a us Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO in Verbin- dung mit § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einführungsgesetzes vom 12. März 2009 zur Schwei- zerischen Strafprozessordnung (EG StPO; SGS 250). Die Legitimation des Beschuldigten zur Ergreifung des Re chtsmittels wird in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft d as Berufungsgericht das erstinstanzli- che Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Es kann zug unsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte überprüfen, um gesetzwid rige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 StPO). Die Kognition de s Berufungsgerichts ist gemäss Art. 398 Abs. 2 StPO weder in tatsächlicher noch in rechtlicher H insicht eingeschränkt (vgl. E UGSTER , Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 398 N 1). Gemäss Art. 398 Abs. 3 lit. a StPO können zunächst Rechtsve rletzungen, einschliesslich Über- schreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung un d Rechtsverzögerung, ge- rügt werden. Lit. b sieht die unvollständige oder unr ichtige Feststellung des Sachverhalts und lit. c schliesslich die Unangemessenheit als Berufungsgrund vor. Zunächst ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht in nert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftl iche Berufungserklärung einzureichen (Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorliegend hat der Berufungskläger am 23. Februar 201 2 bzw. sein Vertreter am 9. März 2012 fristgerecht die Berufung angemeldet. Das vorinstanzliche Urteil wurde dem Beschuldigten in der Folge am 25. Mai 2012 schriftlich begründet mitg eteilt. Der Berufungskläger reichte mittels Eingabe vom 14. Juni 2012 die Berufungserklärung beim Kantonsgericht ein. Die Berufung ist somit rechtzeitig und formgerecht erhoben worden (vgl. Art. 399 Abs. 3 StPO). Das angefochte- ne Urteil stellt ein taugliches Anfechtungsobjekt dar, d ie vom Beschuldigten erhobene Rüge ist zulässig und er ist seiner Erklärungspflicht nachgekommen, weshalb auf die Berufung einzutre- ten ist. 2. Der Beschuldigte wendet sich gegen die Schuldsprüche weg en Drohung und Tätlichkei- ten. Nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens bilden dem nach der Freispruch vom Anklage- vorwurf der Beschimpfung sowie – für den Fall der Best ätigung der Schuldsprüche – die Straf- zumessung, hinsichtlich welcher keinerlei konkrete Beanstandungen vorgebracht werden. II. Materielles 1. Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmit- telinstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigu ng des in Frage stehenden Sachver- halts auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, we nn sie dieser beipflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argu mente einzugehen, die erst im Rechts- mittelverfahren vorgetragen werden (B RÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2010, Art. 82 N 9). 2.1 Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten gemäss de r Anklageschrift vom 6. Dezember 2011 im Wesentlichen vor, er habe am 17. Ja nuar 2011, in der Zeit zwischen 17:15 Uhr und 17:20 Uhr, in X.____ im Wohnheim C.____ am D.____weg 9 im Zimmer E.____, dem Betreuer und Geschädigten A.____ einen Faustschlag erteilt, diesen aber so kontrolliert abgestoppt, dass er nur dessen Wange berührt habe. In de r Folge habe der Beschuldigte die Hand geöffnet und mit dem Finger an die Wange des Ge schädigten gedrückt, so dass derselbe mit seinem Kopf ausweichen musste bzw. dessen Kopf zur Seite gedrückt wurde. Zudem habe er ihm in aggressiver Weise mit den Worten "Soll ich di ch töten?" gedroht, so dass A.____ in Angst versetzt worden sei. 2.2 Das Strafgericht erwog in seinem Urteil zusammengefasst , der Angeklagte bestreite den vorgeworfenen Sachverhalt in den strafrechtlich relevanten Punkten. Mangels objektiver Bewei- se seien die Aussagen der (direkt und indirekt) beteiligt en Personen zentral für die Würdigung des Sachverhaltes. Dazu führte es aus, der Kerngehalt in den Aussagen von A.____ anlässlich sämtlicher Befragungen sei konstant erhalten geblieben. Somit sei die logische Konsequenz im Geschehensablauf gegeben. Gesamthaft gesehen seien zu vi ele Realkriterien erfüllt, als dass man von einer Geschichte ohne realen Erlebnishintergrund ausgehen müsste. Unstimmigkeiten in den einzelnen Aussagen seien durch den Zeitablauf seit der Tat zu erklären. Für die Glaub- würdigkeit der Aussagen von A.____ spreche ferner, dass er nicht versucht habe, den Beschul- digten in ein besonders negatives und sich selbst in ein u mso positiveres Licht zu rücken; dies Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Gegensatz zum Beschuldigten, welcher versucht habe, sic h in einem möglichst guten Licht und als Opfer einer grossen Verschwörung darzustellen. E s sei nicht ersichtlich, welchen per- sönlichen Vorteil A.____ aus einer solchen Inszenierung zi ehen könnte, zumal auch keine An- haltspunkte dafür bestünden, dass er eine persönliche A bneigung gegen den Beschuldigten habe. 2.3 Dem hält die Verteidigung in ihrer Berufungsbegrün dung vom 23. August 2012 sowie im Rahmen ihres Plädoyers vor Kantonsgericht zunächst entgegen, das Strafgericht habe wesent- liche Widersprüche, insbesondere zum Kerngeschehen, in d en Aussagen von A.____ überse- hen. Der Beschuldigte soll gemäss dem hausinternen Journal eintrag von A.____ diesem mehrmals den Finger schmerzhaft in die linke Wange gesto ssen und ihm anschliessend einen leichten Faustschlag versetzt haben. Diese Version habe A. ____ in den späteren Einvernah- men indessen nie mehr bestätigt. Entsprechend gehe sel bst die Staatsanwaltschaft in ihrer An- klageschrift von einer anderen Version aus, nämlich zuerst e inem abgebremsten Schlag und einem nachfolgenden Berühren an der Wange. 2.4 Der Privatkläger A.____ hat seine Depositionen insgesamt 4 Mal kundgetan . Dies am 17. Januar 2011, dem Tag des fraglichen Vorfalls, im h ausinternen Journal (act. 43) sowie bei den Angaben gegenüber der Polizei (act. 17 ff.), in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 21. September 2011 (act. 63) sowie schliesslich am 23 . Februar 2012 vor Strafgericht (act. 239). Naturgemäss erweisen sich diese Angaben nich t in jeder Beziehung als exakt de- ckungsgleich. Gewisse Unterschiede sind dabei namentlich im Hinblick auf die Reihenfolge der erfolgten Einwirkungen festzustellen. So schildert der Pr ivatkläger in der Einvernahme vom 21. September 2011 zuerst einen abgebremsten Faustschlag und dann das Drücken des Zeige- fingers auf die Wange, während er dies am Tage des Vor falls noch gerade in umgekehrter Rei- henfolge schilderte (vgl. act. 63 sowie act. 43). Vor Strafgericht vermochte er sich nicht mehr an die Chronologie der Einwirkungen zu erinnern (Prot. S. 4 f.; act. 237 f.). Mit der Vorinstanz ist hinsichtlich der Beweiswürdigung festzuhalten, dass sich die Aussagen von A.____ im Kernge- halt als übereinstimmend erweisen. Es werden von ihm je weils 3 Einwirkungen geschildert, nämlich ein abgebremster Faustschlag, ein schmerzhaftes Drü cken des Zeigefingers in die Wange sowie die ausgesprochene Drohung "Soll ich dich t öten?". Die erwähnten Unterschiede in der Reihenfolge der ersten zwei Einwirkungen bei de n mehr als 9 bzw. 11 Monate später erfolgten Aussagen erscheinen aufgrund des erfolgten Ze itablaufs als nachvollziehbar und sprechen nicht grundsätzlich gegen die Glaubwürdigkeit de r Aussagen des Privatklägers. Eine bis in Einzelheiten über eine Vielzahl von Einvernahm en immer gleich wiedergegebene Aussa- ge wäre umgekehrt als Indiz für eine einstudierte Dep osition zu werten. Zu beachten gilt es in diesem Zusammenhang überdies, dass sich das fragliche Ge schehen innert sehr kurzer Zeit abspielte. All dies berücksichtigend erachtet die strafr echtliche Abteilung des Kantonsgerichts die Aussagen des Privatklägers mit der Vorinstanz als glau bwürdig, authentisch und wider- spruchsfrei. Demgegenüber erscheinen die wiederholten Behauptungen des Beschuldigten, er habe A.____ lediglich gebeten, mit der Arbeit aufzuhören und als dieser seiner Bitte nicht nachgekommen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei, sei er einfach in sein Zimmer zurückgegangen (vgl. act. 83 sowie act. 235), als sehr pau- schal, einstudiert und wenig glaubhaft. Aus den Akten e rgibt sich zwar, dass der Beschuldigte das Verhalten der F.____ und die Zustände im betreffe nden Asylheim immer wieder – auch öffentlich – kritisiert hat. Dennoch entbehrt in diesem Zusammenhang das Vorbringen des Be- schuldigten, wonach die Vorgesetzten von A.____ die Gelegenheit ergriffen hätten, ihn mit dem vorliegenden Verfahren mundtot zu machen, wobei A.____ als 60-jähriger ein Opfer der F.____ sei, der für die Behörde arbeiten müsse, da er sonst en tlassen werde (act. 89 sowie Prot. S. 5), jeglicher Grundlage. In den Akten finden sich keinerle i konkrete Anhaltspunkte, welche die Auf- fassung des Berufungsklägers stützen würden. Zudem ist kein plausibler sachlicher Grund für eine Falschaussage von A.____ ersichtlich. Eine solche würd e ihm keinerlei persönlichen Vor- teil verschaffen, denn er macht dem Beschuldigten gege nüber keine Zivilforderungen geltend. Der Beschuldigte gab anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung zu Protokoll, er kenne A.____ schon seit 3 Jahren. Dieser sei ein guter Kollege von ihm gewesen (vgl. Prot. S. 8). Vor diesem Hintergrund erscheint eine falsche An schuldigung von A.____ gegenüber dem Beschuldigten als umso unwahrscheinlicher, zumal es zu beachten gilt, dass der Privat- kläger in seinen Aussagen übermässige Belastungen des Besch uldigten vermieden hat. So betonte er stets, es sei ein abgebremster und bloss leichter Faustschlag gewesen, es habe kein Schlagen im eigentlichen Sinn stattgefunden und es sei zu keinen Verletzungen gekommen. Hätte er dem Beschuldigten, entsprechend dessen Vorbrin gen, tatsächlich auf Befehl seiner Vorgesetzten schaden wollen, würde ein solches Vorgehen wenig Sinn ergeben. A.____ sagte anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlu ng als Auskunftsperson, er sei schon oft verbal bedroht worden und würde nicht gleich Anzeige erstatten, da er solche Dro- hungen gut einschätzen könne; dennoch sei es ihm in de r vorliegenden Situation nicht mehr geheuer gewesen (act. 239). Überdies gilt es zu beachte n, dass A.____ aussagte, es sei sein eigener, selbständig getroffener Entscheid gewesen, e ine Anzeige zu erstellen. Für ihn sei klar gewesen, dass er Anzeige erstatten wolle. Er habe hierf ür kein Einverständnis seiner Vorge- setzten gebraucht (vgl. act. 73). Mit den Vorgesetzen habe er sich lediglich bezüglich der Frage abgesprochen, ob zusätzlich die Polizei beizuziehen sei oder nicht (act. 73). Als dies spricht klar gegen die Darstellung des Beschuldigte n. Gesamthaft betrachtet erscheint es aufgrund dieser Umstände als höchst unwahrscheinlich, dass A.____ auf Befehl seiner Vor- gesetzen hin wiederholt eine strafbare Falschaussage abgegeben hat. 2.5 Weiter bringt der Beschuldigte vor, aufgrund ihrer ör tlichen Position im Gang bzw. im Nebenzimmer wären sowohl der Zeuge G.____ als auch die Zeugin H.____, die Ehefrau des Beschuldigten, in der Lage gewesen, dem Gespräch akustisch zu folgen. Die Beweiswürdigung des Strafgerichts, beide Zeugen hätten nichts gesehen , weshalb nicht auf ihre Aussagen abge- stellt werden könne, sei daher willkürlich. Es genüge vorl iegend, dass sie die Drohung hätten hören müssen. Gemäss den Aussagen des Privatklägers sei der Beschuldigte schon „aufbrau- send und laut, als er in das Zimmer kam" gewesen, so d ass H.____, aber auch G.____, welche bei einer derartigen Eskalation mit Sicherheit im Gang stehen geblieben wären, eine derartige Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aussage des Beschuldigten mitbekommen hätten. Es bestünde n deshalb auch bezüglich der Aussprache der Drohung nicht zu überwindende Zweifel. Auch dieser Einwand geht fehl. Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass weder G.____ noch H.____ das Kerntatgeschehen mitbekommen haben. So gab der Zeuge G.____ zu Protokoll, er sei den Gang entlang gelaufen und habe dabei mitbeko mmen, wie der Beschuldigte gebeten habe, die lärmverursachenden Arbeiten später zu vollende n. Danach sei er in sein eigenes Zimmer gegangen und habe nichts mehr gesehen oder gehört (act. 141 ff.). H.____ erklärte, sie habe keinen Vorfall zwischen dem Beschuldigten und A.__ __ mitbekommen. Was sich alles im anderen Zimmer abgespielt habe, habe sie aber nicht ge sehen, da sie zwei bis drei Minuten nach dem Beschuldigten aus dem Zimmer gegangen sei (act. 155 ff.). Sie gab an, das von ih- rem Ehemann sowie A.____ Gesprochene verstanden zu habe n. Ihr Ehemann sei zwar min- destens 5-6 Minuten bei A.____ im Nebenzimmer gewesen, habe während dieser Zeit jedoch nur einen einzigen Satz an diesen gerichtet, nämlich di e Bitte, etwas leiser zu sein, da sein krankes Kind schlafe. Diese am 22. November 2011 zu Protoko ll gegebenen Depositionen ge- ben in Anbetracht der konkreten Umstände – im Vergleich mit den Angaben des Privatklägers – einen wenig plausiblen Geschehensablauf wieder. Die A ussagen von H.____ erweisen sich überdies als widersprüchlich. So sagte sie zunächst, der Besch uldigte hätte das Zimmer nie betreten, in dem A.____ am Arbeiten gewesen sei, vie lmehr sei er am Eingang des Zimmers gestanden und hätte dort mit dem Beschuldigten gesproch en (act. 159). Später gab sie jedoch zu Protokoll, sie sei nicht sicher, dass der Beschuldigte das Zimmer nie betreten habe, denn sie sei in ihrem Zimmer gewesen und es habe nur akustisch so ge tönt (act. 161). Bei der Beurtei- lung der Aussagen von H.____ gilt es schliesslich zu berücksi chtigen, dass sie als Ehefrau des Beschuldigten mit ihm in einer engen persönlichen Bezi ehung steht, weswegen ihre Aussagen ohnehin mit einer gewissen Zurückhaltung zu würdigen sind . Aufgrund dieser Erwägungen ist sowohl aus den Zeugenaussagen von G.____ als auch denjeni gen von H.____ nichts – auch nichts gemäss dem strafprozessualen Grundsatz "in dubio pro reo" – zu Gunsten des Beschul- digten ableitbar. 2.6 Schliesslich macht der Beschuldigte geltend, A.____ ha be die behauptete Drohung of- fensichtlich nicht ernst genommen. Dies sei bereits dadurch erstellt, dass dieser nach der Aus- einandersetzung noch versucht habe, mit dem Beschuldigten zu reden. Zudem sei er gemäss den Akten erst um 20:30 Uhr nach Erledigung der Schreib arbeiten nach Hause gegangen. Eine Person, die mit einer ernstzunehmenden Todesdrohung konfrontiert sei, würde sich anders ver- halten und hätte das Asylheim sofort verlassen. Anlässlich der Hauptverhandlung vor Strafge- richt habe A.____ klar ausgesagt, er habe sich im Moment nicht bedroht gefühlt, weil der Vorfall erledigt gewesen sei. A.____ gab anlässlich der Einvernahme vom 21. September 2011 als Auskunftsperson zu Pro- tokoll, er habe sich bedroht gefühlt und gedacht, dass er seine Arbeit so nicht mehr ausüben könne. Er sei durch die Drohung in Angst und Schrecken versetzt worden und habe seine Ar- beit im betreffenden Zimmer aufgrund der Äusserung des Beschuldigten nicht beendet (act. 69). Solange er sich verhalten habe, wie der Beschuldigte d as wollte, habe er keine Angst gehabt, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass etwas vorfalle. Hätte er jedoch noch Geräusche gemach t, so wäre vermutlich etwas pas- siert (act. 245). Aufgrund dieser Aussagen steht demnach beweismässig fest, dass A.____ sich aufgrund der vom Beschuldigten ausgesprochenen Drohun g in Angst und Schrecken versetzt fühlte und sich aus diesem Grund dem Willen des Beschuldi gten beugte. Der betreffende Ein- wand des Berufungsklägers erweist sich demnach als unzutreffend. 3.1 Der Tätlichkeit nach Art. 126 StGB macht sich strafbar , wer gegen jemanden eine Tät- lichkeit verübt, die keine Schädigung des Körpers oder de r Gesundheit zur Folge hat. Als Tät- lichkeit gilt der geringfügige und folgenlose Angriff auf den Körper oder die Gesundheit eines andern Menschen (R OTH /K ESHELAVA , Basler Kommentar StGB, 2. Aufl. 2007, Art. 126 StG B N 2). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung genüg en Eingriffe, die, ohne schon eine Körperverletzung zu sein, auf andere Weise "das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass" physischer Einwirkung auf einen Menschen ü berschreiten (BGE 117 IV 14 E. 2 a/bb). Dazu gehören Ohrfeigen, Faustschläge, Fusstritte und heftige, insbesondere mit den Ellbogen und Händen geführte Stösse (BGE 117 IV 14 E . 2 a/cc; vgl. S TRATEN- WERTH /J ENNY /B OMMER , Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil II, 7. Aufl. 2010, § 3 N 50). Subjektiv ist Vorsatz gefordert, wobei Eventualvorsatz ausr eicht. Der Vorsatz muss sich auf die Tathandlung und den Erfolg beziehen (T RECHSEL /F INGERHUTH , Schweizerisches Strafgesetz- buch, Praxiskommentar, Art. 126 N 5). Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung bezüglich des Tatvor wurfs der Tätlichkeiten brachte der Vertreter des Berufungsklägers anlässlich der kantonsgericht lichen Hauptverhandlung neu vor, die Grenze des sozialadäquaten Verhaltens sei – selbst we nn man entsprechend der Anklage von einem angetäuschten Faustschlag und von einem Drücken d es Zeigefingers an der Backe ausgehen würde – noch nicht überschritten. Entgegen diesem Einwand, ausgehend von der glaubhafte n Aussage von A.____, wonach der Beschuldigte ihm mit einem Finger dermassen stark und s chmerzhaft in die Wange gedrückt habe, dass er seinen Kopf seitlich habe abdrehen müssen, erachtet das Kantonsgericht eine physische Einwirkung, welche das allgemein übliche und gese llschaftlich geduldete Mass im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 117 IV 17 E. 2a/bb) klarerweise überschritten hat, als klar erstellt. Die übrige rechtliche Würdigung der Vorinstanz bezüglich der Tätlichkeiten, welche nach Auffassung des Kantonsgerichts kor rekt ist und keiner Ergänzungen bedarf, wurde durch die Verteidigung nicht gerügt. N achdem das Kantonsgericht vom selben Beweisergebnis ausgeht wie die Vorinstanz, kann hinsich tlich der rechtlichen Würdigung des Tatbestands der Tätlichkeiten somit im Übrigen auf die zutreffenden Ausführungen der Vorin- stanz (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 12 f.; act. 277 f .) verwiesen werden. Demnach ist der Ange- klagte der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 3.2 Den Tatbestand gemäss Art. 180 StGB erfüllt, wer jem anden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. Drohung ist ein Angriff a uf die Freiheit der Willensbildung oder -betätigung durch Ankündigung eines erheblichen Übels, dessen Verwirklichung vom Willen des Täters abhängt (vgl. T RECHSEL /B ERTOSSA , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommen- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht tar, Art. 180 N 1). Die Tathandlung der schweren Dro hung des Art. 180 StGB erschöpft sich in der Ankündigung eines künftigen Übels, welches Schrecken oder Angst erzeugt. "Schrecken" ist eine heftige Erschütterung des Gemüts, die meist dur ch das plötzliche Erkennen einer Ge- fahr oder Bedrohung ausgelöst wird, während "Angst" e in beklemmendes banges Gefühl ist, bedroht zu sein. Umfasst wird also ein plötzlicher mome ntaner wie auch ein dauerhafter Zu- stand (D ELNON /R ÜDY , Basler Kommentar StGB, 2. Aufl. 2007, Art. 180 N 12). Ausgehend vom Beweisergebnis, wonach sich der Beschuld igte – entgegen den Vorbringen des Beschuldigten – sehr wohl durch das Verhalten des Be schuldigten bedroht fühlte, und er aufgrund der vom Beschuldigten ausgesprochenen Drohung die geplanten, für sehr begrenzte Zeit lärmverursachenden weiteren Arbeiten im Nachbarzi mmer des Beschuldigten nicht zu be- enden wagte (vgl. obenstehend 2.6), entfaltete die Drohung ihre Wirkung auf A.____. Indem der Beschuldigte diesem mit den Worten "Soll ich dich töte n?" gedroht hat, stellte er ihm einen schweren Nachteil in Aussicht und versetzte ihn in Angst be ziehungsweise beeinträchtigte ihn in seinem Sicherheitsgefühl erheblich. In subjektiver Hi nsicht nahm er diese Wirkung seiner drohenden Worte zumindest in Kauf. Da auch ein gülti ger Strafantrag vorliegt, ist der vorinstanzliche Schuldspruch hinsichtlich der Drohung zu bestätigen. 4. Demnach ist der Beschuldigte – in Bestätigung des vorinst anzlichen Urteils – wegen Tätlichkeiten sowie wegen Drohung schuldig zu sprechen. III. Strafzumessung 1. Zu seiner aktuellen Situation befragt gibt der Beru fungskläger anlässlich der kantonsge- richtlichen Hauptverhandlung zu Protokoll, er lebe mit seiner Ehefrau und seinen 2 Kindern in einer Wohnung an der K.____strasse 2 in M.____. Sein S ohn O.____ sei am X. Juni 2011, sei- ne Tochter P.____ am X. April 2012 zur Welt gekommen. Er verfüge über eine F-Bewilligung und arbeite immer noch bei der Q.____ in R.____, mit de r er einen Vertrag auf Abruf habe. Er mache dort ein Beschäftigungsprogramm als Maler und führe daneben auch Gipser- und Repa- raturarbeiten aus. In diesem Monat habe er etwa 2'70 0.– CHF verdient. Er versuche, eine feste Stelle als Malermeister zu finden. Daneben erhalte er nach wie vor Unterstützungsleistungen durch die Sozialhilfe. 2. Da die Verteidigung keine Rügen hinsichtlich der Straf zumessung durch das Strafgericht anbringt und die Berufung in sämtlichen Punkten abgewi esen wurde, womit es in rechtlicher Hinsicht bei den vorinstanzlich festgestellten Tatbestände n der Drohung und der Tätlichkeiten bleibt, kann auf die zutreffenden vorinstanzlichen Aus führungen zur Strafzumessung verwiesen werden (vgl. Urteil der Vorinstanz S. 13 f.; act. 2079 f.), welchen sich die strafrechtliche Abtei- lung des Kantonsgerichts anschliesst. Die Vorinstanz hat nach Ansicht des Kantonsgerichts die Strafzumessung richtig und korrekt durchgeführt. So wurd e auf sämtliche relevanten Kriterien (vgl. Art. 47 StGB) massgeblich und ausreichend eingegang en. Namentlich wurden Verschul- den, Vorleben, persönliche Verhältnisse und die Wirkun g der Strafe auf das Leben des Täters Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht berücksichtigt. Auch unter Berücksichtigung der aktuellen Verhältnisse des Beschuldigten er- scheint die vorinstanzlich ausgesprochene Strafe als ange messen. Demnach ist der Beschul- digte zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je CHF 20.–, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 1 00.– zu verurteilen. Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 1 Tag auszusprechen. Das Urteil des Strafgerichtsvizepräsidiums Basel-Landschaft vom 23. Februar 2012 ist dem- nach in Abweisung der Berufung des Beschuldigten vollumfänglich zu bestätigen. III. Kosten Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Ko sten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Entsprechend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens we rden die Verfahrenskosten des Kantonsgerichts in der Höhe von CHF 3'900.–, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 3'700.– (§ 12 Abs. 1 der Verordnung über die Geb ühren der Gerichte, GebT, SGS 170.31) sowie Auslagen von CHF 200.–, dem Beschuldigten auferle gt. Dem Berufungskläger wird zufolge vollständigen Unterlie gens keine Parteientschädigung aus- gerichtet. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Es wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtsvizepräsidiums Basel-La ndschaft vom 23. Februar 2012 wird in Abweisung der Berufung des Beschuldigten vollumfänglich bes- tätigt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 3'900.–, beinhaltend eine Urteilsgebühr von CHF 3'700.–, zuzüglich Auslagen von CHF 200.–, gehen zu Lasten des Berufungskl ägers. Dem Berufungskläger wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger