<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 105 S.443</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">443</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>105 Vertrauensschutz (§ 127 Abs. 2 StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Werden Pauschalspesen während mehreren Steuerperioden unwider-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sprochen akzeptiert, darf die Veranlagungspraxis nicht geändert</b></span><br/> <span class="ft2"><b>werden, ohne dass die Steuerpflichtigen vorgängig davon in Kenntnis</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gesetzt werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">16. November 2000 in Sachen W., RV.2000.50007/K 7018</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">5. a) Die Rekurrenten haben den belegmässigen Nachweis für</span><br/> <span class="ft1">die Verwendung der Pauschalspesen nicht erbringen können. Die</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz erachtet deswegen die Aufrechnung eines nach Ermessen</span><br/> <span class="ft1">geschätzten Anteils als gerechtfertigt. Die Steuerkommission A. und</span><br/> <span class="ft1">das KStA berufen sich dabei auf die Grundsätze, wonach in früheren</span><br/> <span class="ft1">Veranlagungen anerkannte pauschale Aufwendungen die Veran-</span><br/> <span class="ft1">lagungsbehörden in späteren Perioden nicht binden, weil darin keine</span><br/> <span class="ft1">Zusicherung für künftige Veranlagungen zu sehen ist. Auch könne es</span><br/> <span class="ft1">den Behörden nicht verwehrt sein, frühere Fehlleistungen zu</span><br/> <span class="ft1">korrigieren.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">444</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">b) Ob die früheren Veranlagungen, in denen die ausbezahlten</span><br/> <span class="ft1">Pauschalspesen akzeptiert wurden, fehlerhaft waren, steht nicht fest,</span><br/> <span class="ft1">weil die Angemessenheit der Zahlungen gar nicht näher überprüft</span><br/> <span class="ft1">wurde. Es kann deshalb nicht davon ausgegangen werden, dass</span><br/> <span class="ft1">frühere Fehlleistungen korrigiert werden müssen, was zweifellos</span><br/> <span class="ft1">zulässig wäre.</span><br/> <span class="ft1">c) Zutreffend ist, dass es nach der Beweislastverteilung</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich dem Rekurrenten obliegt, den Nachweis dafür zu er-</span><br/> <span class="ft1">bringen, dass die Pauschalspesen in vollem Umfang durch seine</span><br/> <span class="ft1">Arbeitstätigkeit bedingt sind. Richtig ist auch, dass in jeder Steuerpe-</span><br/> <span class="ft1">riode eine neue, unabhängige Prüfung der Deklarationen zulässig ist.</span><br/> <span class="ft1">Dieser Grundsatz kann indessen mit dem Grundsatz von Treu und</span><br/> <span class="ft1">Glauben kollidieren, der im Steuerrecht ebenfalls zu beachten ist</span><br/> <span class="ft1">(§ 127 Abs. 2 StG). Der Steuerpflichtige hat insbesondere Anspruch</span><br/> <span class="ft1">auf Schutz berechtigten Vertrauens in eine behördliche Zusicherung</span><br/> <span class="ft1">(ein Sachverhalt, der hier nicht vorliegt) und in sonstiges, bestimmte</span><br/> <span class="ft1">Erwartungen begründendes Verhalten der Steuerbehörden (dazu aus-</span><br/> <span class="ft1">führlich B. Weber-Dürler, Vertrauensschutz im öffentlichen Recht,</span><br/> <span class="ft1">Basel 1983, insbesondere S. 234 ff.; Baur/Klöti/Koch/Meier/Ur-</span><br/> <span class="ft1">sprung, Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, Muri-Bern 1991,</span><br/> <span class="ft1">N 7 zu § 127 StG; RGE vom 29. Juni 1994 in Sachen D.).</span><br/> <span class="ft1">Anerkennen die Steuerbehörden während Jahren Pauschalspesen,</span><br/> <span class="ft1">ohne Belege dafür zu verlangen, dürfen die Steuerpflichtigen an-</span><br/> <span class="ft1">nehmen, dass auch künftig bei gleichbleibenden Verhältnissen kein</span><br/> <span class="ft1">Verwendungsnachweis gefordert wird. Wollen die Steuerbehörden</span><br/> <span class="ft1">ihre Veranlagungspraxis überprüfen, so haben sie die Steuer-</span><br/> <span class="ft1">pflichtigen so rechtzeitig darauf hinzuweisen, dass es diesen möglich</span><br/> <span class="ft1">ist, die entsprechenden Belege zu beschaffen und vorzulegen (RGE</span><br/> <span class="ft1">vom 29. Juni 1994 in Sachen D.). Andernfalls werden die</span><br/> <span class="ft1">Steuerpflichtigen in einen nicht zumutbaren Beweisnotstand versetzt</span><br/> <span class="ft1">(Baur/Klöti/Koch/Meier/Ursprung, a.a.O., N 17 zu § 24 StG), insbe-</span><br/> <span class="ft1">sondere beim geltenden System mit Vergangenheitsbemessung. So</span><br/> <span class="ft1">verhält es sich im vorliegenden Fall. Die Pauschalspesen wurden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">445</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mindestens seit den Steuerjahren 1995/96 (frühere Akten wurden</span><br/> <span class="ft1">vom StRG nicht beigezogen) in vollem Umfang als Entgelt für Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitskosten akzeptiert. Aus den entsprechenden Steuerakten geht</span><br/> <span class="ft1">nicht hervor, dass den Rekurrenten angekündigt worden wäre, dies</span><br/> <span class="ft1">werde in kommenden Steuerperioden nicht mehr der Fall sein. Die</span><br/> <span class="ft1">Rekurrenten durften sich deshalb darauf verlassen, dass die Veranla-</span><br/> <span class="ft1">gungspraxis der Steuerkommission A. nicht geändert werde, ohne</span><br/> <span class="ft1">dass sie vorgängig davon in Kenntnis gesetzt würden, um entspre-</span><br/> <span class="ft1">chende Dispositionen (Sammeln und Aufbewahren von Belegen)</span><br/> <span class="ft1">treffen zu können. Wegen der fehlenden Belege ist deshalb eine Auf-</span><br/> <span class="ft1">rechnung in den Steuerjahren 1999/2000 nicht zulässig.</span><br/></div> </div> </body> </html>