<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 18 S.67</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">67</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>B. Anwaltsrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>18</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 8 Abs. 1 lit. d BGFA, Registereintrag und Unabhängigkeit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Eine zusätzliche Erwerbstätigkeit im Angestelltenverhältnis neben der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Anwaltstätigkeit und sogar die Vertretung der Klientschaft des Arbeitge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bers ist grundsätzlich zulässig, solange keine Interessenkollision zwischen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Arbeitgeber und Klientschaft möglich ist. Die Vorschrift gemäss Art. 8</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abs. 1 lit. d BGFA, wonach angestellte Anwälte im Register nur eingetra-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gen werden können, wenn auch der Arbeitgeber im Register eingetragen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ist, gilt nur dann, wenn ein Anstellungsverhältnis als Anwalt besteht,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht dagegen, wenn die Anwaltstätigkeit neben einem Angestelltenver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hältnis (und unabhängig davon) ausgeübt wird.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 22. April 2003 i.S. R. S.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">3. d) Aufgrund der dargestellten bundesgerichtlichen Rechtspre-</span><br/> <span class="ft5">chung und der Materialien zum BGFA kann festgehalten werden,</span><br/> <span class="ft5">dass im Falle eines in einem Anstellungsverhältnis stehenden An-</span><br/> <span class="ft5">waltes für die Beantwortung der Frage nach der Unabhängigkeit</span><br/> <span class="ft5">primär entscheidend ist, ob er die Kundschaft bzw. Klientschaft sei-</span><br/> <span class="ft5">nes Arbeitgebers zu vertreten beabsichtigt, oder ob es vielmehr um</span><br/> <span class="ft5">Mandate ausserhalb des Anstellungsverhältnisses geht, welche mit</span><br/> <span class="ft5">der Anstellung an sich nichts zu tun haben. Letztlich steht nämlich</span><br/> <span class="ft5">die Frage nach der Unabhängigkeit des Anwaltes im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft5">mit der Möglichkeit bzw. Wahrscheinlichkeit von Interessenkollisio-</span><br/> <span class="ft5">nen. Darauf wies beispielsweise auch Hansruedi Stadler in der De-</span><br/> <span class="ft5">batte im Ständerat hin, als er ausführte, ein Anwalt müsse frei sein</span><br/> <span class="ft5">von jeglicher vertraglicher oder nichtvertraglicher Treue- bzw. Ge-</span><br/> <span class="ft5">horsamspflicht, die seine Unabhängigkeit gefährden könnte (Amt.</span><br/> <span class="ft5">Bull. [AB] SR 2000, S. 234).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">68</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Eine zusätzliche Erwerbstätigkeit im Angestelltenverhältnis ne-</span><br/> <span class="ft5">ben der Anwaltstätigkeit ist demnach grundsätzlich zulässig. Sogar</span><br/> <span class="ft5">die Vertretung der Klientschaft des Arbeitgebers ist grundsätzlich</span><br/> <span class="ft5">zulässig, allerdings nur, solange keine Interessenkollision zwischen</span><br/> <span class="ft5">Arbeitgeber und Klientschaft möglich ist (Botschaft des Bundesrates</span><br/> <span class="ft5">zum BGFA vom 28. April 1999 [Botschaft], Ziff. 172.16 / 3.). Das</span><br/> <span class="ft5">BGFA hält diesbezüglich in Art. 8 Abs. 1 lit. d nun ausdrücklich fest,</span><br/> <span class="ft5">dass angestellte Anwälte im Register nur eingetragen werden kön-</span><br/> <span class="ft5">nen, wenn auch der Arbeitgeber im Register eingetragen ist. Auf-</span><br/> <span class="ft5">grund der obigen Ausführungen zur Entstehungsgeschichte der Be-</span><br/> <span class="ft5">stimmung gilt diese allerdings nur in jenen Fällen, wo ein Anstel-</span><br/> <span class="ft5">lungsverhältnis als Anwalt besteht, nicht dagegen, wenn neben einem</span><br/> <span class="ft5">Angestelltenverhältnis (und unabhängig davon) die Anwaltstätigkeit</span><br/> <span class="ft5">ausgeübt wird.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>