Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. August 2022 (720 21 401 / 197) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Auf das beweiskräftige Verwaltungsgutachten kann ab gestellt werden. Gestützt darauf ist zwar eine zwischenzeitliche Verschlechterung in de n gesundheitlichen Verhältnissen eingetreten, gleichwohl vermag diese keine rentenrelevante Invalidität zu begründen. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D r. Nicolas Roulet, Advo- kat, Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.a Der 1965 geborene A.____ meldete sich erstmals in d en Jahren 2000 und 2006 unter Hinweis auf Rückenschmerzen bei der Eidgenössischen Invalide nversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stel le) lehnte beide Leistungsgesuche des Versicherten ab. Die jeweils dagegen erhobenen Beschwer den wies das Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsger icht), mit Urteilen vom 24. Novem- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ber 2004 (Verfahren-Nr. 720 04 157) bzw. vom 30. Novem ber 2007 (Verfahren-Nr. 720 07 287) ab. A.b Nachdem sich der Versicherte mit Gesuch vom 28. Oktober 2011 erneut bei der IV angemeldet hatte, wies die IV-Stelle mit Verfügung v om 1. März 2013 das Leistungsbegehren ein weiteres Mal ab. Die dagegen geführte Beschwerde wurde mit Urteil des Kantonsgerichts vom 11. Juli 2013 (Verfahren-Nr. 720 13 108) wiederu m abgewiesen. Dieses Urteil blieb unan- gefochten und erwuchs in Rechtskraft. A.c Am 24. September 2015 meldete sich der Versicherte abermals bei der IV zum Leis- tungsbezug an, wobei er im entsprechenden Gesuch auf R ücken- und Schulterbeschwerden sowie eine schwere Depression hinwies. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerbli- chen Verhältnisse verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 4. April 2019 nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren erneut einen Anspruch auf eine Invalidenrente. A.d Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte Beschwe rde beim Kantonsgericht, wel- ches die Beschwerde mit Urteil vom 17. Oktober 2019 (Ve rfahren-Nr. 720 19 179 / 257) inso- weit guthiess, als es die Angelegenheit zur Durchführun g einer über SuisseMED@P zufallsba- sierten polydisziplinären Begutachtung an die IV-Stell e zurückwies. Es erwog im Wesentlichen, seit der letzten Begutachtung seien rund viereinhalb Jahre vergangen. Damit mangle es bereits am erforderlichen zeitlichen Kriterium (drei Jahre), u m eine Ausnahme von der zufallsbasierten Auftragsvergabe zu begründen. Nachdem es auch an weite ren Voraussetzungen für eine Aus- nahme vom Zufallsprinzip fehle, hätte die Auftragsvergabe zwingend nach dem Vergabesystem nach Zufallsprinzip erfolgen müssen. Indem die Beschwer degegnerin der Ärztlichen Begutach- tungsinstitut GmbH (ABI) direkt den Auftrag zur Begu tachtung des Beschwerdeführers erteilt habe, habe sie ihr Ermessen offensichtlich überschritten und damit Art. 72 bis IVV verletzt. Hier- bei handle es sich um einen schwerwiegenden Verfahrensma ngel, womit sich das Gutachten vom 26. Juni 2017 allein schon aus diesem Grund als nich t beweiskräftig erweise. Die IV-Stelle werde daher eine erneute, über SuisseMED@P zufallsgest euerte polydisziplinäre Begutach- tung zu veranlassen und anschliessend den Gesundheitszustand sowie die Arbeitsfähigkeit des Versicherten gesamtmedizinisch neu zu beurteilen haben. A.e In Nachachtung des Kantonsgerichtsurteils vergab die IV-Stelle den Gutachtensauftrag über SuisseMED@P an die Academy of Swiss Insurance Medici ne (asim). Das entsprechende Gutachten mit den Fachdisziplinen Psychiatrie, Rheumatol ogie, Neurologie und Neuropsycho- logie wurde am 8. Juli 2021 erstattet. Gestützt auf diese weiteren Abklärungen verneinte die IV- Stelle mit Verfügung vom 12. Oktober 2021 einen Rente nanspruch unter Verweis auf einen In- validitätsgrad von 32%. B. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertret en durch Dr. Nicolas Roulet, Ad- vokat, mit Eingabe vom 15. November 2021 Beschwerde bei m Kantonsgericht. Darin beantrag- te er, die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 12. O ktober 2021 sei vollumfänglich aufzu- heben und ihm ab dem 1. Februar 2016 eine halbe Ren te der Invalidenversicherung bis auf Weiteres auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenhei t zur neuen Entscheidung im Sinne Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o /e-Kostenfolge. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit Advokat Dr. Roulet als Rechtsvertreter. Zur Begründung führte er im Wesentlichen an, dass die anläss- lich der Konsensbeurteilung gezogene Schlussfolgerung , wonach bei ihm eine Arbeitsunfähig- keit von 30% bestehen soll, nicht nachvollziehbar sei. In erwerblicher Hinsicht erweise sich fer- ner die Berechnung der Vergleichseinkommen als nicht ko rrekt. Schliesslich sei ihm ein lei- densbedingter Abzug von mindestens 10% zu gewähren. C. Mit prozessleitender Verfügung vom 13. Dezember 2021 bewilligte der instruierende Präsident dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Proze ssführung mit Advokat Dr. Roulet als Rechtsbeistand. D. In ihrer Vernehmlassung vom 13. Januar 2022 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde, wobei sie dieser weitere Stellungnahmen i hres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 12. und 13. Januar 2022 beilegte. Auf die Vorbringen der Parteien ist − soweit notwend ig − in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Geri cht und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19 . Juni 2020 beschlossene Ände- rung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kra ft. Die vorliegend angefochtene Verfü- gung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgeme inen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmu ngen des IVG und diejenigen der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (AT SG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendb ar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wie- dergegeben, zitiert und angewendet. 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine I nvalidenrente. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2 , 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbs- fähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 u nd 143 V 418 hat das Bundesgericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkranku ngen einem strukturierten Be- weisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwi- ckelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, di e – unter Berücksichtigung von leis- tungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits u nd von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erre ichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrund- lage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu trag en hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 4. Die vorliegende Angelegenheit betrifft eine Neuan meldung nach rechtskräftiger Ableh- nung einer Invalidenrente. Im Falle eines Eintretens a uf eine Neuanmeldung ist nach Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV in Verbindung mit Art. 17 Abs. 1 ATSG analog zu einer Rentenrevision zu prü- fen, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse seit dem Erla ss der früheren rechtskräftigen Verfü- gung (vorliegend Verfügung vom 1. März 2013) in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert haben (SVR 2011 IV Nr. 2 E. 3.2; BGE 117 V 198 E. 4b). Vorliegend ist somit die Fra- ge zu beantworten, ob sich in der Zeit zwischen der ableh nenden Rentenverfügung vom 1. März 2013 und der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 12. Oktober 2021 eine erhebli- che Sachverhaltsveränderung ergeben hat, und ob bejahen denfalls die festgestellte Verände- rung genügt, um eine rentenrelevante Invalidität zu begründen (vgl. SVR 2008 IV Nr. 35 E. 2.1; BGE 117 V 198 E. 3a). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, s owie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So führte das Bu ndesgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zwingende Gründe" von de n Einschätzungen des medizini- schen Experten abweicht, dessen Aufgabe es ist, seine Fachke nntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen (BGE 125 V 351 E. 3b/aa). Gleichwohl wie bei Gutachte n externer Spezialärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG ei ngeholt wurden und den Anforderun- gen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht insb esondere einem von ihm eingehol- ten Gerichtsgutachten vollen Beweiswert zuerkennen, sol ange "nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit" der Expertise sprechen (BGE 135 V 46 5 E. 4.4). Schliesslich lässt es die Natur des Begutachtungsauftrags eines amtlich bestellten fachmedizinischen Experten nicht zu (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b), ein Administra- tiv- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen un d zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn andere Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundes- gerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hin weisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in de- nen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, wei l beispielsweise die behandelnden Ärzte Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wichtige − und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpr etation entspringende − Aspekte benen- nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un gewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6.1 Im Zeitpunkt der am 1. März 2013 verfügten Rentena blehnung erweist sich im Wesent- lichen das polydisziplinäre Gutachten der ABI vom 29. Augu st 2012 als von Relevanz. Darin waren aus polydisziplinärer Sicht mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit folgende Diagnosen gestellt worden: ein chronisches lumbospondylogenes Schmer zsyndrom rechts betont mit in- termittierender Ischialgie rechts sowie Verdacht auf intermittierende radikuläre Reizsymptomatik möglicherweise L5 rechts (ICD-10 M54.4/M.54.5), ein chronisches zervikales, zervikobrachiales und zervikoskapuläres Schmerzsyndrom links mit intermittiere nder möglicher radikulärer Reizsymptomatik C7 links (ICD-10 M53.0/M53.1) und brennen de Fusssohlen beidseits bei leicht verminderter Vibrationsempfindung, vereinbar mi t einer beginnenden Polyneuropathie unklarer Ätiologie G2 (ICD-10 G62.9). Mittelschwer bi s schwer belastende Tätigkeiten wurden dem Exploranden als nicht mehr zumutbar erachtet. Für körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeiten wurde hingegen − unter Berücksichtigung ge wisser Arbeitsplatzbedingungen − eine Arbeitsfähigkeit von 100% attestiert. Aus psychiatrischer Sicht hatte einzig eine "Angst und de- pressive Störung, gemischt" leichten Ausmasses objektiviert w erden können. Für die vom Hausarzt postulierte, mehrheitlich mittelschwere depre ssive Episode hatten aus fachärztlich- psychiatrischer Sicht keine Anhaltspunkte ausgemacht werden können. 6.2.1 Im Zusammenhang mit der vorliegenden Neuanmeld ung holte die IV-Stelle ein polydis- ziplinäres Verlaufsgutachten bei der ABI vom 26. Juni 20 17 ein. Gestützt darauf verneinte sie mit Verfügung vom 24. April 2019 einen Rentenanspruch . Wie eingangs dargelegt, hiess das Kantonsgericht mit Urteil vom 17. Oktober 2019 (Verfa hren-Nr. 720 19 179 / 257) die dagegen geführte Beschwerde insoweit gut, als es die Angeleg enheit zur Durchführung einer über Suis- seMED@P zufallsgesteuerten polydisziplinären Begutachtung an die IV-Stelle zurückwies. 6.2.2 Am 12. Oktober 2020 beauftragte die Beschwerdege gnerin die asim mit einem polydis- ziplinären Gutachten, welches am 8. Juli 2021 erstattet wurde. Darin diagnostizierten die betei- ligten Fachpersonen aus polydisziplinärer Sicht mit Auswi rkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbovertebrales Syndrom bei L5 Radikulopa thie links (ICD-10 M54.16), ein chro- nisches zervikozephales Schmerzsyndrom, ohne sensible/motorische Radikulopathie (ICD-10 M50.3), eine chronische Schmerzstörung mit somatischen un d psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) sowie eine leichte oder mittelgradige depre ssive Episode (ICD-10 F32.0/32.1), unter Hinweis auf nicht valide neuropsychologische Testergebnisse. Zur Herleitung der Diagnosen äusserten sich die Gutacht er im Rahmen ihrer Konsensbeurtei- lung zusammenfassend wie folgt: Im Jahr 2000 sei eine Diskushernien-Operation L4/5 aufgrund einer L4-Radikulopathie links erfolgt. Radiologisch hab e sich in Folgeuntersuchungen eine Bandscheibenherniation L4/5 mit Kompression der linken Wurzel L5 gezeigt. In der ABI- Begutachtung 2012 sei als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lum- bospondylogenes Schmerzsyndrom rechtsbetont festgehalten wor den. In der aktuellen Elekt- romyographie (EMG) hätten sich chronische, nicht jedoch akute Denervat ionszeichen im L5- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Myotom links gefunden, sodass zusammengefasst von einem chron ischen lumbovertebralen Schmerzsyndrom mit linksseitiger L5 Radikulopathie auszugeh en sei. Zudem bestehe bei ab- geschwächtem PSR eine residuelle Schädigung der L4-Wurzel links. Bei fluktuierender Innerva- tion und nicht Dermatom bezogener Sensibilitätsstörung bestehe darüber hinaus der Verdacht auf eine funktionelle Symptomausweitung. Die diffuse H ypästhesie der gesamten linken Kör- perhälfte bis zur Körpermittellinie, ohne eindeutige Akzentuierung in einem Dermatom und ohne fokale Muskelschwäche in der Einzelkraft-Testung, sei organ isch nicht zuordenbar. Bei anam- nestisch seit 10 Jahren bestehenden Nacken- und Schulter schmerzen mit Ausstrahlung in den linken Arm und bis in alle Finger sei ein chronisches zer vikozephales Schmerzsyndrom zu di- agnostizieren. Eine relevante Foraminalstenose oder Wurzelkompression zeige sich in der Bild- gebung nicht. Anamnestisch sei es in den letzten drei Jah ren zu keinen neuen sensiblen oder motorischen Ausfallerscheinungen an den oberen Extremit äten gekommen, jedoch hätten die Schmerzen etwas zugenommen. Ferner habe sich für die bes chriebenen Kopfschmerzen in einer MRT vom August 2019 keine strukturelle Ursache gef unden. Eine EMG im Februar 2020 habe keine Hinweise auf eine relevante Polyneuropathie der grosskalibrigen Nerven ergeben. Eine Epilepsie als Ursache für die im 2018 stattgehabte n Stürze habe ausgeschlossen werden können. Aktuell hätten sich keine Hinweise auf eine vestib uläre Funktionsstörung als Ursache für die diffuse Unsicherheit gefunden. In rheumatologischer Hinsicht würden sich die in den Akte n dokumentierten Diagnosen im We- sentlichen bestätigen lassen. Es fänden sich degenerative Veränderungen am Bewegungsap- parat, aufgrund welcher körperlich mittelschwere bis schw ere Tätigkeiten nicht mehr geeignet seien. Das Ausmass der subjektiv beklagten Beschwerden sei a us rheumatologischer Sicht kaum zu plausibilisieren und nachzuvollziehen. Von psychiatrischer Seite habe sich das Krankheitsbild im Vergleich zur relevanten Vorbegut- achtung von 2012 verschlechtert, mit Einfluss auf die Ar beitsfähigkeit. Es seien zentrale funkti- onelle Fähigkeiten eingeschränkt, wenn auch nur leicht bis maximal mittelgradig. Über den Ver- lauf lasse sich nur schwer eine zuverlässige Aussage treffen . Es sei plausibel, dass sich diese Verschlechterung gegenüber der Begutachtungssituation 20 12 bereits 2017 abgebildet habe. So würden im ABI-Gutachten, welches die einzige psychiatrische Beurteilung darstelle, analoge Funktionseinschränkungen beschrieben, die letztlich indessen als im somatischen Korrelat auf- gehend gewürdigt worden seien. Demgegenüber seien di e psychiatrischen Diagnosen als ei- genständige Krankheitsbilder mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einzustufen. Die neuropsychologische Untersuchung habe keine validen T estresultate ergeben. Die in der Testsituation gebotenen Aufmerksamkeits- und Konzentrati onsleistungen hätten nicht den anamnestisch geschilderten Alltagsgegebenheiten (der Explorand fahre z.B. Auto) entsprochen. Aufgrund der deutlichen Inkonsistenzen zwischen Alltagstauglichkeit und dem aktuell gezeigten testpsychologischen Profil könne eine neuropsychologische Einsch ätzung der Arbeitsfähigkeit nicht vorgenommen werden. Aus psychiatrischer Sicht entsteh en diese Inkongruenzen aus ei- ner hohen Krankheitsüberzeugung und einer hochgradige n Hilflosigkeit und Ohnmacht und nicht durch eine willentliche Verzerrung oder Aggravation. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, dass in Übereinstimmung mit den Vorbeurteilungen für die angestammte körperlich schwere Tätigkeit als Hilfsarbeiter keine Ar- beitsfähigkeit mehr bestehe. Schwere und mittelschwere T ätigkeiten seien dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Geeignet seien ausschliesslich leicht e körperliche Tätigkeiten, ohne Not- wendigkeit, Lasten über 7kg zu heben, zu tragen und zu stossen, ohne Notwendigkeit, in mono- toner Körperhaltung (vorwiegend im Sitzen, Gehen ode r Stehen) oder in ungünstigen Körper- haltungen (vorgeneigte Körperhaltung, Überkopfarbeit en oder im Kauern) arbeiten zu müssen. Aufgrund des klinischen Verdachts auf eine Polyneuropat hie mit leichten Einschränkungen des Gleichgewichts seien Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten nicht mehr empfehlenswert. Günstig seien wechselbelastende Tätigkeiten. Aus psychiatrischer Si cht brauche es ein wertschätzen- des Umfeld, damit den krankheitsbedingten funktionellen Defiziten (Einschränkung in der Pla- nungsfähigkeit, Gruppenfähigkeit und Kontaktfähigkeit zu Dritten) entsprochen werden könne. Unter Berücksichtigung dieser Limiten bestehe aus somatisc her Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 80%. Die Einschränkung ergebe sich aufgrund einer etwas verminderten Leistungsfähigkeit und eines erhöhten Pausenbedarfs. Aus psychiatrischer Sicht b estehe eine Einschränkung von 20%. In Bezug auf die Gesamtarbeitsunfähigkeit sei die n eurologische Beurteilung führend. Die psychiatrischen Einschränkungen seien als zur Hälfte additi v zu werten, sodass die aktuelle Arbeitsfähigkeit mit 70% eingeschätzt werde. Eine Versc hlechterung der gesundheitlichen Ein- schränkungen gegenüber der Begutachtung 2012 könne plausibel seit der Bildgebung im Janu- ar 2015 angenommen werden und dürfte sich seither im Ausmass der aktuell eingeschätzten Arbeitsunfähigkeit von 30% dargestellt haben. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 12. Oktober 2021 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts und der Arbeitsfähigkeit vollumfänglich auf das vorstehend zitierte Gutachten der asim. Gestützt auf die gutachterlichen Ergebnisse ging sie davon aus, dass dem Versicherten im Zeitpunkt des frühestm öglichen Rentenbeginns (März 2016) eine leidensadaptierte Tätigkeit zu 70% zumutbar sei. 7.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), ist de n im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Das G utachten ist insgesamt umfassend und die dargelegten medizinischen Zusammenhänge sowie die vorgenommenen Schlussfolge- rungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Die Gutach ter haben den Versicherten persön- lich untersucht, eine umfassende Anamnese erhoben und gehen einlässlich auf seine Angaben und Beschwerden ein. Sie setzen sich zudem fundiert mit de n bei den Akten liegenden, na- mentlich für die Verfügung vom 1. März 2013 massgebende n, medizinischen Unterlagen ausei- nander und begründen abweichende Einschätzungen in üb erzeugender Weise. Das Gutachten enthält überdies eine ausführliche Verlaufsbeurteilung, die sich hinreichend darüber ausspricht, dass und inwiefern sich der Gesundheitszustand des Versich erten seit der Verfügung im Jahr 2013 verschlechtert hat (vgl. zu den beweisrechtlichen Anforderungen eines zwecks Rentenre- vision erstellten Gutachtens Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 9C_710/2014, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 2) . Demnach ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdege gnerin dem Gutachten der asim vollen Beweiswert zuerkannte. 7.3.1 Der Beschwerdeführer stellt den Beweiswert des G utachtens denn auch einzig in Be- zug auf die darin vorgenommene Konsensbeurteilung in Frage. Hierbei macht er geltend, es sei nicht nachvollziehbar, dass die psychiatrischen Einschränkung en lediglich teiladdiert würden. Es finde sich keine Begründung für diese Schlussfolgeru ng. So werde im psychiatrischen Gut- achten u.a. festgehalten, dass sich die Verschlechterung des psychischen Gesundheitszu- stands parallel zur somatischen Verschlechterung entwickelt haben dürfte. Entgegen den gut- achterlichen Ausführungen sei daher von einer Einschränkung von 40% auszugehen. 7.3.2 Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Zwa r wäre wünschbar gewesen, wenn die Gutachter ihre Schlussfolgerungen im Kontext ihre r Feststellungen zur Teiladdition bekräf- tigt hätten. Schliesslich soll ein Gutachten so ausgestal tet sein, dass die in einen Streitfall ein- gebundenen Personen und somit zumeist medizinische Laien den medizinischen Zustand der untersuchten Personen einordnen und nachvollziehen können. Entscheidend ist indessen, dass die Gutachter ihre Einschätzung in Kenntnis der gesamt en Aktenlage und nach gut dokumen- tierter eingehender Erhebung eigener Befunde abgaben . Das Gutachten enthält überdies eine ausführliche Konsensbesprechung. Gestützt darauf sowie aus einer Gesamtsicht heraus ist die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 30% nachvollziehba r und überzeugend. Hierbei fällt ins Gewicht, dass die neurologische Beurteilung im Rahmen d er Konsensbesprechung als führend bezeichnet wird (vgl. asim-Gutachten, S. 12 und E. 6.2. 2 hiervor) und auch bei der Herleitung der Diagnosen die neurologischen Einschränkungen mit Bl ick auf die Gesamtarbeitsunfähigkeit in den Vordergrund gestellt werden. Vor diesem Hinte rgrund erscheint einleuchtend, dass die psychiatrischen Einschränkungen lediglich teiladditiv berücksic htigt wurden. Zwar werden die psychiatrischen Diagnosen als eigenständige Krankheitsbilder mit Auswirkung auf die Arbeits- unfähigkeit eingestuft, bei den funktionellen Auswirkungen wird ihnen indessen eher eine unter- geordnete Bedeutung beigemessen (vgl. asim-Gutachten, S. 10 und 12). Ferner erweist sich auch die hierzu ergangene Beurteilung von pract. med . B.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, RAD, vom 12. Januar 2022 als überzeugend, de r zu diesem Vorbringen des Be- schwerdeführers in der Beschwerde Stellung nimmt. Er fü hrt im Wesentlichen aus, es liege auf der Hand, dass die somatisch diagnostizierten Schmerzsyndrom e und die psychiatrisch diag- nostizierte chronische Schmerzstörung sich in den funktionel len Auswirkungen überschneiden würden. Bei einer additiven Berücksichtigung würde es zu einer doppelten Berücksichtigung von körperlichen und somatischen (recte: psychischen) Beschwe rden im Rahmen der Arbeits- fähigkeit kommen. Die rein psychiatrisch bedingten funktio nellen Auswirkungen (S. 7 und 8 asim-Gutachten) seien gering und würden in relevantem Ausmass nur die Gruppenfähigkeit und die Kontaktfähigkeit zu Dritten betreffen. Hierbei sei zu berücksichtigen, dass die psychiatri- schen objektiven Befunde schwach ausgeprägt seien. Der Gutachter habe sodann festgehalten, dass sich Diskrepanzen in den Angaben des Exploranden mit Bezug auf seine Tagesgestaltung ergeben würden. Gutachterlich gewürdigt würden diese Inkongruenzen überwiegend wahr- scheinlich aus einer hohen Krankheitsüberzeugung und nicht durch eine willentliche Verzerrung entstehen. Dies bedeute, dass die objektiven Einschränkungen geringer seien, als das subjekti- ve Krankheitserleben. Den Ausführungen von pract. med. B.____ kann vollumfänglich beige- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflichtet werden, womit sich die (bloss) teiladditive B erücksichtigung aus psychiatrischer Sicht sowie die veranschlagte Gesamtarbeitsunfähigkeit von 30 % auch unter diesen Aspekten als einleuchtend erweisen. 7.4 Nach dem Gesagten kann auf das vorstehend zitierte Gutachten der asim und die da- rin formulierte Einschätzung der Arbeits(un)fähigkeit abgestellt werden. 8.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Gemäss Art. 16 ATSG hat die Invaliditätsbemessung b ei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu erfolgen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdiffe renz lässt sich der Invaliditätsgrad be- stimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; B GE 128 V 30 E. 1). Dabei ist in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des frühestmöglichen Ren- tenbeginns abzustellen (BGE 129 V 222, 128 V 174). De m Gutachten der asim zufolge besteht die gesundheitliche Verschlechterung bzw. die Beeinträ chtigung der Arbeitsfähigkeit im attes- tierten Umfang seit Januar 2015. Falls dem Beschwerde führer Rentenleistungen zustehen wür- den, käme der Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG unter Berücksichtigung des auf den besagten Monat festgelegten Beginns des Wartejahres und der sechsmonatigen Karenzfrist nach Eingang der Anmeldung am 24. September 2015 auf den 1. März 2016 zu liegen. Dies hat die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung richtig er- kannt. 8.2.1 Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 12. Oktober 2021 den zur Ermitt- lung des Invaliditätsgrads erforderlichen Einkommensverg leich vorgenommen. Dabei ermittelte sie sowohl das massgebende Validen- wie auch das zumutbar e Invalideneinkommen in An- wendung der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE). Grundlage hier- für bildete jeweils die Tabelle TA1 der LSE 2018. An hand des Sektors Total, Kompetenzni- veau 1, Spalte Männer, und damit eines monatlichen Ei nkommens von Fr. 5'417.-- errechnete sie unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitsze it von 41,7 Stunden ein Validenein- kommen in der Höhe von 67’767.--. Das entsprechende I nvalideneinkommen für ein 70% Pen- sum in der Höhe von Fr. 46’065.-- bestimmte sie gestützt auf ebendiese Berechnungsgrundla- gen. Hierbei berücksichtigte sie zusätzlich einen leidensbe dingten Abzug von 5%. Aus der Ge- genüberstellung der Vergleichseinkommen resultierte ei n rentenausschliessender Invaliditäts- grad von 32%. 8.2.2 Hinsichtlich der zu ermittelnden Vergleichseinkomm en gilt es vorab zu beachten, dass mit Blick auf den Zeitpunkt des frühestmöglichen (hypothet ischen) Rentenbeginns (vgl. E. 8.1 hiervor; BGE 143 V 295 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni 2020, 8C_132/2020, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 4) in Abweichung zur angefochtenen Verfügung die T abellen der LSE 2016 herangezogen werden müssen. Gestützt auf die Tabelle TA1, Sektor "Total", Kompetenzniveau 1, Männer, der LSE 2016 ergibt sich ein monatliches Einkommen von Fr. 5 340.--. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,7 resultiert ein V alideneinkommen in der Höhe von Fr. 66'803.--. 8.3.1 Die Ermittlung des Valideneinkommens anhand de r LSE wird auch vom Beschwerde- führer im Grundsatz anerkannt. Er macht indessen geltend, das Valideneinkommen sei gestützt auf die Tabelle für den privaten Sektor nach Wirtschaft sabteilung "TA1 w" zu berücksichtigen. Als einfacher Lagermitarbeiter hätte er monatlich Fr. 5’788.-- verdienen und somit im Jahr 2021 ein Jahreseinkommen von Fr. 73'272.-- erzielen können. 8.3.2 Mit der Beschwerdegegnerin ist zunächst darauf hi nzuweisen, dass sich für den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Wert den LSE-Tabe llen keine Grundlage entnehmen lässt. Wie dargelegt, sind vorliegend ohnehin die Verh ältnisse im Jahr 2016 massgebend. Dies gilt im Übrigen auch für die zu berücksichtigende Teuer ung. Wenngleich der Beschwerdeführer ungelernter Hilfsarbeiter ist, könnte man indessen zu s einen Gunsten auf den Sektor "49-53 Verkehr und Lagerei" der praxisgemäss zum Tragen kommend en Tabelle TA1 abstellen und damit ein monatliches Einkommen von Fr. 5'456.-- veranschlagen. Anders als im Jahr 2018 fällt dieser Wert im Jahr 2016 höher aus, als der Totalwert aller Männer. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit von 42,4 Stunden resultiert e dabei ein Valideneinkommen von Fr. 69'400.--. Ein höheres Einkommen lässt sich mit Blick auf den beruflichen Werdegang sowie den erzielten Verdienst bei den vormaligen Arbeitgebern gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto (IV-act. 98) jedenfalls nicht rechtfertigen. Wie sogleich aufzuzeigen sein wird (vgl. E. 8.5 hiernach), ergäbe sich aber auch unter diesen Voraussetzungen kein rentenbegründender Inva- liditätsgrad. 8.4.1 Das Invalideneinkommen ist entsprechend gestützt auf den Wert "Total Privater Sek- tor" (Männer) der Tabelle TA1 der LSE 2016 zu ermitt eln und damit ein monatliches Einkom- men von Fr. 5340.-- heranzuziehen. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden ergibt sich bei einem zumutbaren Arbei tspensum von 70% und einem lei- densbedingten Abzug von 5% ein Invalideneinkommen von Fr. 44'424.--. 8.4.2 Die Bemessungsgrundlagen des Invalideneinkommens we rden vom Beschwerdeführer nicht beanstandet. Er stellt sich hingegen auf den Stand punkt, es sei ihm ein leidensbedingter Abzug von mindestens 10% zu gewähren. Er sei seit über 10 Jahren vollständig aus dem Er- werbsleben ausgeschieden. Überdies bestünden funktionelle Einschränkungen somatischer und psychischer Natur. Ein zusätzlicher leidensbedingter Abzug erscheint vorlie gend indessen nicht gerechtfertigt, da den massgebenden Umständen mit einem Abzug von 5% berei ts hinreichend Rechnung getra- gen wurde. Hierbei gilt es auf die restriktive Rechtsprech ung des Bundesgerichts zu verweisen, wonach unter dem Titel leidensbedingter Abzug grunds ätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Juli 2020, 8 C_151/2020, E. 6.2 mit Hinweis). Sol- che Umstände können vorliegend nicht ausgemacht werden u nd werden vom Beschwerdefüh- rer auch nicht geltend gemacht. Dessen ungeachtet resu ltierte selbst bei Vornahme des bean- tragten leidensbedingten Abzugs von 10% kein Anspruch auf eine Invalidenrente. 8.5 Aus der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 66'803.-- und des Invali- deneinkommens von Fr. 44'424.-- resultiert ein Invalid itätsgrad von gerundet 34% (vgl. zur Rundungspraxis BGE 130 V 121 ff.). Selbst unter Berücksich tigung eines Valideneinkommens von Fr. 69'400.-- (vgl. E. 8.3.2 hiervor) ergibt sich e in Invaliditätsgrad von gerundet 36% und damit kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Zu kein em anderen Ergebnis führt die zusätzliche Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 10%. Hie rbei resultierte bei einem Invali- deneinkommen von Fr. 42'086.-- ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 39%. 9. Nach dem Gesagten ist zwar eine zwischenzeitliche Versc hlechterung in den gesund- heitlichen Verhältnissen eingetreten, gleichwohl vermag diese keine rentenrelevante Invalidität zu begründen (vgl. E. 4 hiervor), weshalb ein Leistungsan spruch zu verneinen ist. Im Ergebnis ist die angefochtene Verfügung vom 12. Oktober 2021 ni cht zu beanstanden. Die dagegen er- hobene Beschwerde ist daher abzuweisen. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist de r Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihm ist allerdings mit verfahrens- leitender Verfügung vom 13. Dezember 2021 die unentge ltliche Prozessführung bewilligt wor- den, weshalb die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse gehen. 10.2 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird keine Parteientschädigung ausge- richtet. Da dem Beschwerdeführer mit prozessleitender V erfügung vom 13. Dezember 2021 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Re chtsvertreter bewilligt worden ist, hat dessen Entschädigung aus der Gerichtskasse zu erfolgen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 200 3 beträgt das Honorar bei unentgeltli- cher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Honora rnote vom 2. Februar 2022 zufolge be- läuft sich der geltend gemachte Aufwand von Advokat Dr. Roulet auf insgesamt 5 Stunden und 15 Minuten, was sich angesichts der sich stellenden Sachverh alts- und Rechtsfragen als ange- messen erweist. Ebenfalls nicht zu beanstanden sind die ge ltend gemachten Auslagen im Um- fang von insgesamt Fr. 51.40. Ihm ist deshalb ein Hon orar in der Höhe von Fr. 1'186.20 (5 Stunden und 15 Minuten à Fr. 200.-- zuzüglich Spe sen und Auslagen von Fr. 51.40 sowie 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Beschwerdeführer wird jedoch ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'186.20 (inkl. Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) ausgerichtet. Gegen diesen Entscheid wurde am 10. November 2022 Besch werde beim Bundesgericht (Ver- fahren-Nr. 9C_519/2022 ) erhoben.