B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3075/2014 U r t e i l v o m 2 . J u l i 2 0 1 4 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, und dessen Ehefrau B._______, geboren (…), Äthiopien, c/o Schweizerische Botschaft in Khartum, Sudan, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuche aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 21. Februar 2014. D-3075/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Eingabe vom (…) reichte der Beschwerdeführer bei der schweizer i- schen Botschaft in Khartum ein Asylgesuch ein und beantragte die Bewil- ligung der Einreise in die Schweiz für sich und seine Familie (Ehefrau und zwei Kinder). B. Mit Zwischenverfügung vom 8. August 2013 – eröffnet am 6. Januar 2014 – teilte das BFM dem Beschwerdeführer mit, dass asylsuchende Pers o- nen im Auslandsverfahren in der Regel durch die schweizerische Vertr e- tung vor Ort zu befragen seien, indes die Schweizer Botschaft in Khartum aufgrund des begrenzten Personalbestands und fehlender Voraussetzun- gen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich nicht in der Lage sei, sol che Befragungen durchzuführen. Fragen zum rechtserheblichen Sachverhalt, die vorliegend noch offen seien, würden ihm deshalb zur schriftlichen Beantwortung innert dreissig Tagen ab Erhalt der Zwische n- verfügung unterbreitet. C. C.a Mit Eingabe vom 16. Januar 2014 (Datum Eingang bei der Schweizer Botschaft in Khartum; Schreiben datiert vom 14. Januar 2014) reichte der Beschwerdeführer seine Stellungnahme zum Fragenkatalo g des BFM vom 8. August 2013 ein. C.b In Verbindung mit der Eingabe vom 17. März 2011 machte der B e- schwerdeführer damit im Wesentlichen geltend, dass er er itreischer Staatsbürger sei, aus C._______ stamme und der Ethnie der D._______ angehöre. Im Jahr 1995 habe er die Beschwerdeführerin, die ebenfalls in C._______ geboren, aber äthiopische Staatsangehörige sei, geheiratet. Mittlerweile hätten sie drei Kinder (Jahrgänge 1998, 2001 und 2013) . In Eritrea sei er gezwungen gewesen, ohne Bezahlung von 1996 bis 2000 Nationaldienst zu leisten. Zudem habe die eritreische Regierung fruchtba- res Ackerland von den D._______ konfisziert und an Mitglieder der Pe o- ple's Front for Democracy and Justice (PFDJ) verteilt. Ethnische D._______ seien in behelfsmässigen Lagern in der Region E._______ untergebracht worden. Aufgrund seiner Ethnie und des Zwangs zur Lei s- tung von unbezahltem Nationaldienst habe er Eritrea mit seiner Familie am 1 4. Juli 2000 illegal verlassen und sei in den Sudan geflüch tet. Sie hätten sich in das Flüchtlingslager F._______ begeben, wo sie vom UNHCR registriert worden seien. Da sie sich dort aber nicht sicher gefühlt D-3075/2014 Seite 3 hätten und ein Mangel an Nahrung, sauberem Wasser und Hygiene be- standen habe, hätten sie das Flüchtlingslager nach zwei Wochen verla s- sen und seien nach Khartum weitergereist, wo sie sich seither aufhalten würden. Ihre wirtschaftliche Situation sei sehr schwierig. Sie würden in Khartum ohne Unterstützung leben und seien von seinem Einkommen als Metallarbeiter abhängig. Seine Frau sei arbeitslos beziehungsweise Hausfrau. Die zwei älteren Kinder würden die Schule besuche n. Obwohl sie im Sudan als Flüchtlinge anerkannt seien, seien sie sozial isoliert. Am 11. November 2009 sei er von sudanesischen Polizisten festgehalten und bestohlen worden. Da Sudan und Eritrea gute Beziehungen unterhalten würden, würden sie auch im Suda n um ihre Sicherheit fürchten. Ein wei- terer Aufenthalt im Sudan sei ihnen nicht zuzu muten und e ine Rückkehr nach Eritrea sei nicht möglich. Sie hätten weder in der Schweiz noch in einem anderen Drittstaat Verwandte, wünschten sich aber , dass die Schweiz ihnen in ihrer schwierigen Situation helfe . Sie hätten gehört, dass das Land eritreischen Flüchtlingen Schutz biete. D. D.a Mit Verfügung vom 21. Februar 2014 – eröffnet am 23. April 2014 – verweigerte das BFM den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz und lehnte die Asylgesuche ab. D.b Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, Asylsuche n- den werde gemäss alt Art. 20 Abs. 2 AsylG ( SR 142.31) die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhalts bewilligt, wenn ihnen nicht zugemutet werden könne, im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gemäss alt Art. 20 Abs. 3 AsylG könne die Einreise in die Schweiz bewilligt werden, wenn glaubhaft g e- macht werde, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. Vorliegend erfordere die Sachverhaltsabklärung nicht die Anwesenheit der Beschwerdeführen- den in der Schweiz. Es könne aufgrund des vollständig erstellten Sac h- verhalts davon a usgegangen werden, dass keine unmittelbare Gefäh r- dung vorliege, die eine sofortige Einreise als notwendig erscheinen lasse. Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach alt Art. 20 Abs. 2 und 3 i.V.m. Art. 3 AsylG sei grundsätzlich an restri ktive Voraussetzungen g eknüpft. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG seien mit Blick auf den Ausschlussgrund von alt Art. 52 Abs. 2 AsylG namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Z umutbarkeit einer anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkei-D-3075/2014 Seite 4 ten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend sei die Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person, d. h. die Beantwortung der Frage, ob eine G e- fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft erscheine und der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden könne, beziehungsweise ob es ihr – ohne nähere Prüfung einer allfälligen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG – zuzumuten sei, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Halte sich die betre f- fende Person in einem Drittstaat auf, bedeute dies zwar nicht zwi ngend, dass es ihr auch zuzumuten sei, sich dort um Aufnahme zu bemühen, j e- doch sei im Sinne einer Re gelvermutung davon auszugehen, die Person habe in diesem Drittstaat bereits anderweitigen Schutz gefunden. In j e- dem Fall seien aber die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in einem Drittstaat als zumutbar erscheinen liessen, und mit einer allfäll igen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Vorliegend würden die Schilderungen des Beschwerdeführers nicht mit hinreichender Sicherheit ausschlie ssen lassen, dass er aufgrund der Flucht aus dem Nationaldienst bei einer Rückkehr nach Eritrea ernstzu- nehmende Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden hätte. Es blei- be deshalb zu prüfen, ob einer Asylgewährung der Ausschlussgrund von alt Art. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe. Demzufolge könne einer Person das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zuzumuten sei, s ich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Zwar sei nicht zu verkennen, dass die Lage eritreischer Flüchtlinge und Asylbewerber im Sudan nicht einfach sei, dennoch bestünden keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, dass ein dortiger Verbleib der Beschwerdeführenden nicht z u- mutbar oder möglich wäre. Flüchtlinge, die im Sudan vom UNHCR regist- riert und einem Flüchtlingslager zugeteilt worden seien, würden die nötige Versorgung erhalten. Den Beschwerdeführenden, die vom UNHCR regist- riert worden seien, sei es zuzumuten, sich wieder beim UNHCR zu me l- den, wenn ihre Situation kritisch sei. In Khartum sei es für eritreische Flüchtlinge gewiss nicht einfach. Indes sei aus den Ausführungen des Beschwerdeführers ersichtlich, dass sie sich dort bereits se it dem Jahr 2000 aufhalten würden und er Arbeit gefunden habe. Angesichts des vierzehnjährigen Aufenthalts in Khartum sei davon auszugehen, dass die Hürden für eine dortige zumutbare Existenz nicht unüberwindbar seien. Zudem würden Nachteile, die auf die allgemeinen politischen, wirtschaftli- chen oder sozialen Lebensbedingungen in einem Staat zurückzuführen seien, keine einreisebeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen. Hinsichtlich der geäusserten Furcht vor Benachteiligungen aufgrund der Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur Ethnie der D-3075/2014 Seite 5 D._______ und der Angst vor Übergriffen durch die sudanesische Polizei sei festzuhalten, dass es nicht genüge, eine Furcht mit Vorkommnissen oder Umständen, die sich früher oder später möglicherweise ereignen könnten, zu begründen. Vielmehr müssten hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die auf einer objektiven B e- trachtungsweise und nicht auf dem subjektiven Empfinden der Betroff e- nen fussen würden. Der Beschwerdeführer habe keinen konkreten Vorfall geltend machen kön nen, der zum jetzigen Zeitpunkt eine Verfolgung im Sudan aufgrund seiner Ethnie glaubhaft machen würde. Auch seien den Akten keine weiteren Ereignisse im Zusammenhang mit sudanesischen Sicherheitskräften zu entnehmen. Zudem lebe im Sudan eine grosse erit- reische Diaspo ra, die in Not gerate nen Landsleuten weitgehend Unte r- stützung biete. Eine Beziehungsnähe zur Schweiz, welche die vorange- gangenen Feststellungen umzustossen vermöchte, sei nicht gegeben. E. E.a Mit am 18. Mai 2014 bei der Schweizer Botschaft in Khar tum einge- gangener englischsprachiger Eingabe reich te der Beschwerdeführer Be- schwerde ein, worin er sinngemäss um Aufhebung der vo rinstanzlichen Verfügung vom 21. Februar 2014 und um Bewilligung der Einreise in die Schweiz sowie um Gewährung des Asyls für sich und seine Familie er- suchte. E.b Zur Begründung wiederholte er die im vorinstanzlichen Verfahren gel- tend gemachten Vorbringen. Er betonte erneut, eine Rückkehr nach Eri t- rea sei nicht möglich, und der weitere Verbleib im Sudan sei ihnen nicht zuzumuten. Sie wünschten sich ein Leben in einem sicheren Land wie der Schweiz. Sie reichten eine Dokumentation zur Situation der D._______ in Eritrea ein. F. Am 3. Juni 2014 übermittelte das BFM die Beschwerde vom 18. Mai 2014 zusammen mit den vorinstanzliche n Akten zuständigkeitshalber an das Bundesverwaltungsgericht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM ge hört zu D-3075/2014 Seite 6 den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der v orliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. Septem- ber 2012 (AS 2012 5359), die am 29. September 2012 in Kraft getreten sind, wurden die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asylges u- chen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsbestimmung (Ziffer III) hält jedoch fest, dass für die vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellten Auslandsgesuche die massgeblichen Arti- kel (Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fa s- sung anwendbar sind. Vorliegend kommen somit die bisherigen Besti m- mungen betreffend das Auslandsverfahren zur Anwendung. 1.3 Der Gesetzgeber hat mit den dringlichen Änderu ngen des Asylgeset- zes vom 28. September 2012 auch Art. 3 Abs. 3 AsylG neu eingeführt. Demnach sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder D e- sertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, keine Flüchtlinge. Vor- behalten bleibt das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30). Diese neue Gesetzesbestimmung fi n- det in jenen Fällen Anwendung, die – wie in casu – seit dem 29. Septem- ber 2012 vom BFM entschieden wurden beziehungsweise werden (vgl. BVGE 2013/20 E. 3.2). 1.4 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung im Sinne von Art. 52 VwVG kann jedoch aus prozessökonomi schen Gründen praxis- gemäss verzichtet werden, da die englischsprachige Beschwerdeeingabe verständlich ist, so dass ohne Weiteres darüber befunden werden kann. 1.5 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezi e- hungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde D-3075/2014 Seite 7 legitimiert. Auf die frist- und – mit Ausnahme des genannten, jedoch nicht als wesent lich erachteten Mangels hinsichtlich der Sprache der B e- schwerdeeingabe (vgl. E. 1.4) – formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Mit Bes chwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Ein Asylgesuch kann gem äss alt Art. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es an das Bundesamt überweist (alt Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfahrens sieht Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfa h- rensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass die schweizerische Vertretung mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt. Ist dies nicht möglich, sind die Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das BFM hat den Verzicht auf eine Befragung im Au s- land in der Verfügung zu begründen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8 [S. 368]). 3.2 Vorliegend begründete das BFM den Verzicht au f eine persönliche Befragung der Beschwerdeführenden bei der schweizerischen Vertretung in Khartum mit dem begrenz ten Personalbestand der Botschaft und fe h- lenden Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen B e- reich. Die Beschwerdeführenden erhielten indes die Möglichkeit, ihre Asylgründe ausführlich schriftlich darzulegen, so dass den verfahren s- rechtlichen Anforderungen von Art. 10 AsylV 1 Genüge getan wurde. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie vor der A usreise zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen A n- schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt z u werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Fre i- heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck D-3075/2014 Seite 8 bewirken (Art. 3 AsylG). Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn d ie asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, Art. 7 und alt Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss alt Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt einer asylsuchenden Pe r- son die E inreise in die Schweiz zur Asylerteilung, wenn diese die en t- sprechenden Voraussetzungen erfüllt, oder zur Abklärung des Sachve r- halts, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Aufent- haltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf alt Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische Justiz - und Polizeide- partement (EJPD) schweizerische Vertretungen ermächtigen, Asyls u- chenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass eine u n- mittelbare Gefahr für Leib und Leben od er für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 4.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum z u- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind mit Blick auf den Asylausschlussgrund von alt Art. 52 Abs. 2 AsylG namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussi chtlichen Eingliederungs- und Assimilati- onsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erte i- lung einer Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betrof- fenen Person, mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet we r- den kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3.). Hält sich die Person, die ein Asylgesuch aus dem Ausland gestellt hat, in einem Drittstaat auf, bedeutet dies zwar nicht zwingend, dass es ihr auch zuzumuten ist, sich dort um Aufnahme zu bemühen. Im Sinne einer R e- gelvermutung ist aber davon auszugehen, sie habe dort den erforderl i- chen Schutz gefunden, was in der Regel zur Ablehnung d es Asylgesuchs und der Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In jedem Fall sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat z u- mutbar erscheinen lassen, und diese mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. E ine Beziehungsnähe zur Schweiz aufgrund hier ansässiger naher Familienangehöriger begründet nicht automatisch eine Einreisebewilligung, wenn aufgrund einer Abwägung mit anderen Kriterien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist. D-3075/2014 Seite 9 Es gilt also zu prüfen, ob es aufgrund der gesamten Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die einer Person den erforde r- lichen Schutz gewähren soll (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1). 5. 5.1 Vorliegend lassen die geltend gemachte n Vorbringen, die nicht von vornherein unglaubhaft erscheinen , nicht aus schliessen, dass der B e- schwerdeführer in Eritrea aufgrund der Flucht aus dem Nationaldienst ernstzunehmende beziehungsweise in flüchtlingsrechtlicher Hinsicht rel e- vante Schwierigkeiten mit den heimatlichen B ehörden zu befürchten hat- te. An dieser Feststellung vermag auch die neue gesetzliche Bestimmung von Art. 3 Abs. 3, 1. Satz AsylG nichts zu ändern, statuiert doch der zwei- te Satz von Art. 3 Abs. 3 AsylG gleichzeitig den Vorbehalt der Flüchtlings- konvention. Ob die Beschwerdeführenden bei einer allfälligen Rückkehr nach Eritrea einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausge setzt sein könnten, kann dennoch offengelassen wer den, da sie den subsidiä- ren Schutz der Schweiz gemäss alt Art. 52 Abs. 2 AsylG – wie nachfol- gend aufzuzeigen sein wird – nicht benötigen. Wie vom BFM zutreffe nd festgestellt wurde, ist ihnen der weitere Verbleib im Sudan zuzumuten. 5.2 Die Beschwerdeführenden halten sich gemäss eigenen Angaben b e- reits seit vierzehn Jahren nicht mehr in Er itrea auf, sondern haben Z u- flucht in einem Drittstaat (Sudan) gefunden. Sie haben sich im Sudan beim UNHCR registrieren lassen und den Flüchtlingsstatus erhalten. Die Lebensbedingungen für eritreische Flüchtlinge im Sudan sind zugestan- denermassen nicht ein fach. Die Beschwerdeführenden teilen diesbezü g- lich das Leid mit einer grossen Zahl ihrer Landsleute. Die Grundversor- gung ist in den Flüchtlingslagern aber gewährleistet und der dortige Au f- enthalt ist für die vom UNHCR registrierten eritreischen Flüchtlinge grundsätzlich zumutbar. Die Beschwerdeführenden haben das Flücht- lingslager indes bereits Ende Juli 2000 aus eigenem Antrieb verlassen und leben seither in Khartum. Diesbezüglich ist festzustellen, dass sich die grosse Diaspora eritreischer Flüchtlinge in der Grossstadt Khartum re- lativ gefahrenlos aufhalten kann. Die Beschwerdeführenden vermochten in den nunmehr rund vierzehn Jahren, in denen sie bereits in Khartum le- ben, eine weitgehende Selbständigkeit zu entfalten , ist der Beschwerd e- führer doch gemäss eigenen Angaben in der Lage, einer Arbeit nach zu- gehen. Hinsichtlich der sinngemäss geäusserten Angst vor einer Rüc k- schaffung nach Eritrea ist festzustellen, dass das Risiko einer Deportation für im Sudan vom UNHCR registrierte eritreische Flüchtlinge gering ist. Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass vereinzelte Deportati o-D-3075/2014 Seite 10 nen erfolgen, indessen finden solche nicht flächendeckend statt. Eine g e- nerelle Gefahr einer Deportation besteht für die in grosser Zahl im Sudan lebenden eritreischen Flüchtlinge ni cht und es liegen keine konkreten Hinweise dafür vor, dass die vom UNHCR registrierten Beschwerdefü h- renden akut von einer Rückschaffung bedroht wären. Sollten sie eine sol- che ernsthaft befürchten, wäre es ihnen zuzumuten, sich wieder an das UNHCR zu wenden und so die Gefahr einer Deportation zu minimieren. Auch der Verweis auf einen über viereinhalb Jahre zurückliegenden Vor- fall, bei dem sudanesische Polizisten den Beschwerdeführer am 11. November 2009 festgehalten und bestohlen hätten, und die Angst vor Benachteiligungen aufgrund der Ethnie des Beschwerdeführers vermö- gen keine akute und konkrete Gefährdungssituation der Beschwerdefüh- renden im Sudan zu begründen. Die Ausführungen in der Beschwerd e- eingabe vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Auch wenn die Lebensumstände der Beschwerdeführenden im Sudan unbestritt e- nermassen schwierig sind, sind sie nicht dergestalt, dass sie einen weit e- ren Verbleib gänzlich unzumutbar machen würden. Zur Schweiz weisen die Beschwerdeführenden keinerlei Bezugs punkte auf. Die Aktenlage zeigt somit, dass die Beschwerdeführenden Zuflucht im Sudan gefunden haben und den subsidiären S chutz der Schweiz, zu der sie keine Bezie- hungsnähe aufweisen, gemäss alt Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht benötigen. Der weitere Verbleib im Sudan ist ihnen zuzumuten. 5.3 Das BFM hat damit die Einreise der Beschwerdefü hrenden in die Schweiz zutreffend verweigert und die Asylgesuche zu Recht abgelehnt. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde i st demnach abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus ver- waltungsökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend indessen auf die Erhe- bung von Verfahrenskosten zu verzichten. D-3075/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, die schweizerische Ver- tretung in Khartum und das BFM. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand: