<h2>SubmittedText<h2><p>Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt präsentiert sich uneinheitlich. Pressemeldungen zeichnen zum Teil ein dramatisches Bild. Die Unsicherheit bei den betroffenen Jugendlichen und ihren Eltern ist gross und muss ernst genommen werden. Wir bitten deshalb den Bundesrat, zu den folgenden Fragen Stellung zu nehmen:</p><p>1. Wie ist die Lage auf dem Lehrstellenmarkt zurzeit zu beurteilen?</p><p>2. Können wir davon ausgehen, dass alle Lehrstellensuchenden in diesem Jahr eine geeignete Lehrstelle finden werden?</p><p>3. Können in Zukunft zu einem früheren Zeitpunkt Erhebungen über das Angebot an Lehrstellen gemacht werden, damit sich solche Unsicherheiten vermeiden lassen?</p><p>4. Was gedenkt der Bundesrat zu tun, um das Angebot bei Bedarf zu vergrössern?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Besorgnis weiter Kreise über eine Entwicklung des Lehrstellenangebotes, die in einzelnen Regionen zu Problemen bei der schulentlassenen Jugend führt. Das Biga verfolgt die Entwicklung aufmerksam und steht auch in Verbindung zu den Kantonen und den Verbänden der Wirtschaft.</p><p>Der Bundesrat nimmt zu den einzelnen Fragen wie folgt Stellung:</p><p>1. Der Lehrstellenmarkt ist ein freier Markt, der eng mit dem Arbeitsmarkt verknüpft ist und der ebenso wie dieser von der technologischen und konjunkturellen Entwicklung abhängt. Gemäss einer vorliegenden Untersuchung der Schweizerischen Dokumentationsstelle für Schul- und Bildungsfragen (Cesdoc) wird bis ins Jahr 2000 die Zahl der potentiellen Lehrlinge leicht ansteigen und sich sodann stabilisieren. Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt hängt stark davon ab, wie sich die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen und die Konjunktur entwickeln werden.</p><p>Der Bundesrat beurteilt die Lage 1996 auf dem Lehrstellenmarkt als angespannt, aber nicht dramatisch. Die Anzahl der Lehrstellen ist wie im vergangenen Jahr ausreichend. Engpässe bestehen in bestimmten Branchen (z. B. Informatik, kaufmännischer Bereich) und in "Wunschberufen", wobei neben den sprachregionalen Unterschieden auch solche zwischen Stadt und Land feststellbar sind. Erfahrungsgemäss treten im Längsvergleich keine sprunghaften Änderungen von Jahr zu Jahr auf. Wir rechnen deshalb auch für 1997 mit einer im wesentlichen unveränderten Situation.</p><p>2. Der Bundesrat erwartet, dass wie in den Vorjahren praktisch alle Jugendlichen eine geregelte Ausbildung finden werden. Eine verständnisvolle Beratung durch Lehrer, Berufsberater und Praktiker wird helfen, bei Nichterfüllung des ersten Berufswunsches andere Möglichkeiten zu entdecken, die den persönlichen Eignungen und Neigungen ebenso entsprechen.</p><p>3. Das Lehrstellenangebot richtet sich nach den Bedürfnissen der Unternehmen. Die Unternehmen sind frei in ihrer Entscheidung, ob sie sich um eine Ausbildungsbewilligung für die betriebliche Berufslehre bemühen wollen. Sie sind auch nicht verpflichtet, die offenen Lehrstellen der zuständigen kantonalen Stelle zu melden. Die Erfahrung zeigt, dass bis zu einem Drittel der Lehrstellen ohne vorgängige Anzeige vergeben werden.</p><p>Andererseits besetzen Jugendliche oft provisorisch eine Lehrstelle, die sie nach bestandener Prüfung zur Aufnahme in eine allgemeinbildende Schule wieder freigeben. Dieser Vorgang wiederholt sich jährlich, so dass nur bedingt aussagekräftige Daten über die jeweils aktuelle Angebotslage an Lehrstellen erhoben werden können.</p><p>Für kurzfristige Analysen über die Lage auf dem Lehrstellenmarkt wird zurzeit ein System von Trendabfragen entwickelt, das ab 1997 eingesetzt werden soll. Möglichkeiten einer Koordination der heute sehr unterschiedlichen Erhebungsmethoden in den Kantonen sollen an einer nationalen Konferenz der beteiligten Instanzen im Herbst 1996 abgeklärt werden.</p><p>4. Bund und Spitzenverbände der Arbeitgeber sind gemeinsam mit einem Aufruf an die Unternehmen gelangt, wenn immer möglich das Angebot an Lehrstellen zu halten oder auszubauen. Mit den Kantonen ist der Bundesrat der Ansicht, dass ausbildungswillige Betriebe unbürokratisch dabei unterstützt werden sollen, Lehrtöchter und Lehrlinge zu rekrutieren, sofern eine qualitativ hochstehende Ausbildung gewährleistet ist. Eine telefonische Hotline des Biga hat Interessierten in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ämtern der Kantone entsprechende Auskünfte erteilt. Damit hat sich die Bereitschaft bei einigen Unternehmen gesteigert, in die Ausbildungsverantwortung einzutreten.</p><p>Der Bundesrat ist im weiteren der Ansicht, dass in der öffentlichen Verwaltung noch Ausbildungskapazitäten genutzt werden können. Ein entsprechender Aufruf erging an alle Ämter und Betriebe des Bundes. Hier gilt - wie übrigens auch in allen Bereichen der Privatwirtschaft -, dass die abgeschlossene Lehre keinen Anspruch auf Weiterbeschäftigung einräumt. Dennoch ist es unabdingbar, den Jugendlichen eine geregelte Ausbildung zu vermitteln.</p><p>Grundsätzlich sollten die Jugendlichen am Ende der obligatorischen Schulzeit die Voraussetzungen zum Lehreintritt erfüllen. Für diejenigen, bei denen dies nicht der Fall ist, sollten aber Angebote in Form eines Zwischenjahres bestehen, das die Chancen bei der Berufswahl erhöht. Der Bundesrat ist bereit, solche Lösungen an der Schnittstelle zwischen Schule und Lehre gemeinsam mit den Kantonen und, wenn möglich, der Wirtschaft weiter auszubauen.</p><p>Wir lehnen es aber ab, einen Mangel an Lehrstellen durch ein staatliches Angebot zu kompensieren. Die Sorge um den Nachwuchs gehört zu den Verantwortlichkeiten einer nicht nur auf den kurzfristigen Gewinn ausgerichteten Wirtschaft. Im allgemeinen ist sich unsere Wirtschaft dieser Verantwortung bewusst. Bund und Kantone erachten es als ihre Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen die Betriebe ihrer Ausbildungsverpflichtung ohne übermässige Belastung nachkommen können. Dies ist auch die Absicht des bundesrätlichen Berichtes über die Berufsbildung, den das Parlament noch im Sommer 1996 erhält.</p>  Antwort des Bundesrates.