B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2820/2010 U r t e i l v o m 2 9 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richterin Jenny de Coulon; Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. Parteien A._______, geboren am (…), unbekannter Herkunft, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. März 2010 / N (…). E-2820/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer Äthiopien am 4. Mai 2005 (nach äthiopischem Kalender: 26.08. 1997) und gelangte nach Aufenthalten im B._______, in C._______ und D._______ unter Umgehung der Grenzkontrolle am 9. Dezember 2008 in die Schweiz, wo er am 11. Dezember 2008 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______ um Asyl nachsuchte. Am 17. Dezember 2008 fand in E._______ die Kurzbefragung statt und am 3. Februar 2009 erfolgte die direkte Bundesanhörung zu den Asylgründen. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, er sei in F._______ (Eritrea) geboren . Seine Eltern seien eritreische Staatsangehörige gewesen. Als er einjährig gewesen sei, seien seine E l- tern mit ihm nach Addis Abeba ausgewandert, wo er sich bis zu seiner Ausreise aufgehalten habe. Im August/September 2000 (nach äthiop i- schem Kalender: Herbst 1992) sei sein Vater in A ddis Abeba von Unbe- kannten abgeholt und verschleppt worden. S either hätten er und seine Mutter nichts mehr von ihm vernommen. Weil die Regierung in dieser Zeit ihr Haus in Addis Abeba konfisziert habe, habe er zusammen mit seiner Mutter auf der Strasse leben müssen. Seine Mutter sei psychisch sehr krank gewesen, hab e sich a ber mangels finanzieller Mittel nicht behan- deln lassen können. Bei einem Verkehrsunfall sei sie im Jahre (…) (nach äthiopischem Kalender: 1997) in Addis Abeba schliesslich ums Leben ge- kommen. Wegen Verdachts, oppositionell tätig zu sein, sei er im selben Jahr von Sicherheitskräften in Addis Abeba mehrmals für einige Tage festgenommen und geschlagen worden. Vor diesem Hintergrund und aus Angst, nach Eritrea abgeschoben zu werden, habe er Addis Abeba am 4. Mai 2005 verlassen. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Protokolle bei den A k- ten verwiesen. B. Mit Verfügung vom 23. März 2010 – eröffnet am 24. März 2010 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab . Gleichzeitig verfügte es di e Weg- weisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den We g- weisungsvollzug an. E-2820/2010 Seite 3 Bezüglich der weiteren Ausführungen wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. C. Mit Eingabe vom 21. April 2010 – Datum Poststempel – erhob der B e- schwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantrag te, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuhe- ben, ihm sei Asyl zu gewähren und seine Flüchtlingseigenschaft sei fes t- zustellen. Eventualiter sei infolge Unzu lässig u nd Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen . In verfa h- rensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D. Mit Instruktionsverfügung vom 27. April 2010 stellte die zuständige I n- struktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts fest, der Beschwerd e- führer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, ve r- wies das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege auf einen sp äteren Zeitpunkt und verzichtete antragsgemäss auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig forderte sie die Vorinstanz zur Stellungnahme auf. E. In seiner Vernehmlassung vom 29. April 2010 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. F. Mit Eing abe vom 29. April 2010 liess der Beschwerdeführer die in Au s- sicht gestellte Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung der Gemeinde G._______ zu den Akten reichen. G. Mit Schreiben vom 18. Mai 2010 legte der Beschwerdeführer eine eritrei- sche Identitätskarte seines Vat ers mit Übersetzung sowie eine Bestäti- gung des Verwaltungsbüros des Kreises H._______ in Addis Abeba, die Wegweisung seines Vaters bestätigend, mit deutscher Übersetzung ins Recht. E-2820/2010 Seite 4 H. In seiner zweiten Vernehmlassung vom 29. April 2010, welche dem B e- schwerdeführer am 16. August 2011 zur Kenntnis gebracht wurde, bea n- tragte das BFM erneut die Abweisung der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG lieg t nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführe nde Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Eine solche Ausnahme gemäss Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG ist vorli e- gend nicht geg eben, weshalb das Bundesverwaltungsgericht end gültig entscheidet. 1.3. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4. Die Beschwerde wurde sowohl frist- als auch formgerecht eing e- reicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.5. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-2820/2010 Seite 5 2. 2.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 2.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen od er massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1. Das BFM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, da se i- ne Vorbringen den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht standhielten. Im Einzelnen führte die Vorinstanz dazu aus, die Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner eritreischen He r- kunft seien vage und unglaubhaft ausgefallen. So sei er anlässlich der Befragung nicht in der Lage gewesen, genauere Angaben über seinen Geburtsort zu mac hen, sondern habe lediglich ausgeführt, er sei in F._______ geboren, wisse aber nicht, in welcher Provinz sich dieser Ort befinde. Vor dem Hintergrund, dass der Geburtsort für eritreische Staat s- bürger ein wichtiges Detail in deren persönlicher Biographie darstelle, wä- re vom Beschwerdeführer zu erwarten gewesen, dass er die Provinz, in welcher er angeblich geboren worden sei, hätte nennen können. Abgese- hen davon, habe er auch keine Ausweispapiere, seine eritreische He r- kunft belegend, eingereicht, sondern habe sich vielmehr in vage Verspre- chungen geflüchtet und geltend gemacht, der eritreische Ausweis seiner Eltern befände sich in der Wohnung einer inzwischen verstorbenen Frau im B._______, zu welcher er momentan keinen Kontakt habe. Entgegen seiner Zusage, di e Ausweisdokumente seiner Eltern ü ber den Arzt der verstorbenen Frau zu beschaffen, seien die fraglichen Dokumente bis zum heutigen Datum nicht eingetroffen. E-2820/2010 Seite 6 Gegen die eritreische Staatsangehörigkeit sprächen auch seine wenig überzeugenden Angaben zu seiner persönlichen Situation. So habe er in Bezug auf die Adresse in Addis Abeba vage Angaben gemacht, indem er in I._______ gelebt haben wolle und dort vermutlich im Quartier J._______. Die genaue Adresse kenne er aber nicht. In Berücksichtigung dieser und a ngesichts der übrigen Angaben liege die Vermutung nahe, dass er seinen genauen Aufenthaltsort in Addis Abeba verheimlichen wol- le, um Abklärungen des BFM zu verhindern. Ebenso wenig habe er a n- lässlich der Anhörung genaue und konkrete Angaben über die Verschlep- pung seines Vaters im Jahr 2000 (nach äthiopischem Kalender: 1992) und über den tödlichen Verkehrsunfall seiner Mutter zu Protokoll geben können, obwohl der Tod seiner Mutter, mit welcher er nach dem Ve r- schwinden seines Vaters alleine in Addis Abeba zu rückgeblieben sein wolle, ein einschneidendes Ereignis für den Beschwerdeführer gewesen sein müsste. Gegen die geltend gemachte eritreische Herkunft spreche auch, dass er amharisch als seine Muttersprache angegeben habe und weder Tigrinya noch Tigre beherrsche. Seine diesbezügliche Erklärung, seine Eltern hätten ihm diese Sprache nicht gelehrt, vermöge nicht zu überzeugen. Unter den gegebenen Umständen sei insgesamt anzuneh- men, der Beschwerdeführer sei nicht eritreischer, sondern äthiopisc her Staatsangehöriger. Aufgrund der unglaubhaften Angaben zu seiner Herkunft und der undiff e- renzierten Angaben zu den Festnahmen anlässlich der Wahlen in den Jahren 2004/2005 (nach äthiopischem Kalender: 1997) , weil er beschu l- digt worden sei, überall Plak ate aufgehängt zu haben , und er daher der Kontakte mit einer oppositionellen Partei verdächtigt worden sei, könne ihm auch die behauptete Verfolgungssituation in Äthiopien nicht geglaubt werden. Ferner seien auch seine Angaben zu der Anzahl und der Dauer der geltend gemachten behördlichen Schikanen sehr vage ausgefallen. So habe er anlässlich der Anhörung erklärt, die Behörden hätten ihn ei n- mal nach einem Tag, dann nach drei Tagen beziehungsweise einer W o- che wieder freigelassen. Bezüglich der Daten und der Anzahl der Fest- nahmen habe er sich jedoch nicht äussern können. Diesbezüglich wäre zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer spontane und genaue- re Angaben zu diesen Ereignissen hätte machen können, wenn er diese effektiv erlebt hätte, zumal es sich be i den geltend gemachten Massna h- men um wichtige Ereignisse in seinem Leben handeln müsste. E-2820/2010 Seite 7 3.2. 3.2.1. Vorab ist zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer im Verfahren keine ihn selbst betreffenden rechtsgenüglichen Reise- und Identitätspa- piere im Sinne von Art. 1a Bst. b und c der Asylverordnung 1 vom 11. Au- gust 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) zu den Akten reichte, womit die behauptete eritreische Staatsangehörigkeit nicht fes t- steht. 3.2.2. Nach eingehender Prüfung der Akten ist festzuhalten, dass die Vor- instanz in der angefochtenen Verfügung die Unglaubhaftigkeit der Auss a- gen des Beschwerdeführers überzeugend und rechtskonform dargelegt hat. Diese Erkenntnis vermag der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmi t- teleingabe nicht umzustossen. So kann das Bundesverwal tungsgericht der Meinung in sein er Beschwerdeschrift, wonach er – trotz der Drucksi- tuation der Befragung, der zeitlichen Distanz der Ereignisse und in Anbet- racht seines jungen Alters – zu den relevanten Fragen genau und au s- führlich geantwortet habe, nicht folgen. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise darauf, dass er anlässlich der Befragung und der Anhörung u n- ter Druck gestanden haben sollte . Ebenso wenig ergeben sich aus den Akten Hinweise darauf, dass sein Aussageverhalten auf sein junges Alter zurückzuführen gewesen wäre. Auch von einer jungen Person darf näm- lich erwartet werden, dass sie konkretere Angaben über das Verschwi n- den des eigenen Vaters und über den tödlichen Verkehrsunfall der Mutter machen kann. Die Erklärungsversuche des Beschwerdeführers in seiner Eingabe, er sei zur Zeit der Rückschaffung seines Vaters erst (…) Jahre alt gewesen und die Umstände, die zum Tod der Mutter geführt hätten, habe er nicht "mit eigenen Augen" gesehen, vermögen in Anbetracht der Auswirkung un d der Bedeutung für den Beschwerdeführer, an de r U n- glaubhaftigkeit der Aussagen nichts zu ändern. Desgleichen vermögen auch seine Ausführungen zu se inen Adressangaben und dem Geburtsort nicht zu einem anderen Schluss zu führen. Zwar ist dem Beschwerdefüh- rer diesbezüglich zuzustimmen, dass er sich aufgrund seines Kindesa l- ters – er wäre zum Zeitpunkt des angeblichen Umzugs nach Addis Abeba erst (…) gewesen – nicht an die Adresse in F._______ erinnern könnte. Dass er aufgrund dieser Angaben dennoch die eritrei sche Staatsangehö- rigkeit besitzen sollte, vermag nicht zu überzeugen. Seine Aussagen rund um die Staatsangehörigkeit der Familie und deren Status in Äthiopien fie- len so dürftig aus, dass sie – wie die Vorinstanz zu Recht feststellte – nicht als glaubhaft g elten können. So will dem Beschwerdeführer weder bekannt sein, warum seine Eltern das Heimatland verlassen haben wo l- len, als er noch ein Kind gewesen sei, noch kann er angeben, mit we l-E-2820/2010 Seite 8 chem Status die ganze Familie in Äthiopien gelebt habe. Erfahrungsg e- mäss sprechen Eltern mit ihren Kindern über die Gründe solcher wegwei- senden Entscheidungen spätestens dann, wenn diese dafür Verständnis entwickelt haben oder danach fragen. Auch wenn der Beschwerdeführer aus einfachen Verhältnissen stammen und einen niedrigen Bildungsstand haben sollte, ist davon auszugehen, dass er sich für seine Herkunft und die Gründe der Flucht sowie seinen Aufenthaltsstatus in Äthiopien int e- ressiert haben muss. Wie das BFM zu Recht ausführt, stellt die eigene Herkunft ein wichtiges Detail in der persönlichen Biografie dar , was zur Folge hat, dass sich ältere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene spätestens dann für ihre Herkunft und für die Gründe, warum die Familie das Heimatland verlassen hat, und für ihren Status im Land, in dem sie leben und das ihnen Rechte einräumt oder Pflichten aufbürdet, zu int e- ressieren beginnen, wenn sie sich auf der Suche nach ihrer eigenen Iden- tität befinden und sich mit Gleichaltrigen und deren Rechte oder Pflichten auseinanderzusetzen beginnen. Ein plausib ler Grund, weshalb sich der Beschwerdeführer anders hätte verhalten sollen, kann den Akten nicht entnommen werden. 3.2.3. 3.2.3.1 Darüber hinaus kann nicht nachvollzogen werden, weshalb der Beschwerdeführer nicht Tigrinya spricht, obwohl er tigrinischer Ethnie sein soll (vgl. Akten BFM A1/10 S. 2). Da er geltend machte, seine Eltern seien beide eritreischen Ursprungs und tigrinischer Ethnie, wäre – sollten seine Aussagen den Tatsachen entsprechen – davon auszugehen, dass im Zeitpunkt der Ausreise aus Eritrea niemand aus der Familie der amha- rischen Sprache mächtig gewesen sei, was zur Folge gehabt hätte, dass in der Familie des Beschwerdeführers auch nach der Übersiedlung nach Äthiopien – entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers – noch während längerer Zeit nur oder z umindest vorwiegend tigrinisch gespr o- chen worden wäre, weil kein Familienmitglied der amhari schen Sprache mächtig gewesen wäre . Da der Beschwerdeführer eigenen Aussagen gemäss in Äthiopien nur drei Jahre die Schule besucht haben will (vgl. A1/10 S. 3) und somit als Kind in erster Linie unter dem Einfluss seiner Eltern gewesen sein muss, lässt sich nicht erklären, wa rum er Tigrinya nicht versteht. Umgekehrt kann unter diesen Umständen nicht nachvol l- zogen werden, wie er die amharische Sprache so gut gelernt h at. Da bei Auswandererfamilien erfahrungsgemäss der Einfluss der Familie beso n- ders stark nachwirkt und der Beschwerdeführer als Kind nur sehr b e- schränkt unter dem Einfluss der amharischen Sprache stand, vermag sein Einwand, seine Eltern hätten ih n die tigr inische Sprache nicht g e-E-2820/2010 Seite 9 lehrt, nicht zu überzeugen. Mit dem BFM ist somit davon auszugehen, dass Alles darauf hindeutet, er sei äthiopischer und nicht eritreischer Staatsangehöriger. Daran vermag die vom Beschwerdeführer ins Recht gelegte eritreische Identitätskarte seines Vaters aus dem Jahr 1992 nichts zu ändern, zumal solche Dokumente im äthiopischen Kontext ohne Wei- teres unrechtmässig erworben werden können und daher nur einen g e- ringen Beweiswert aufweisen . Aber a uch unter Annahme, dass es sich bei diesem Dokument um e in authentisches Dokument handeln sollte , wird damit aus den nachfolgend dargelegten Gründen nicht die eritre i- sche Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers manifestiert. Der Staat Eritrea wu rde 1952 auf Beschluss der Vereinten Nationen föderiert. Mit der Aufhebung der Föderation 1962 und der Neudefinition Eritreas als äthiopische Provinz wurde die eritreische Nationalität nichtig. Entspre- chend galten nach äthiopischem Recht bis zur erneuten Un abhängigkeit Eritreas im Jahre 1993 alle Eritreer respektive ethnischen Tigriner als äthiopische Staatsangehörige. Vor diesem Hintergrund ist davon ausz u- gehen, dass der im Jahre (…) geborene Beschwerdeführer mit seiner Geburt als äthiopischer Staatsbürger verzeichnet wurde. Mit dem im Jah- re 1992 ausgestellten eritreische Identitätsausweis des Vaters können keine zwingenden Rückschlüsse auf die Staatsangehörigkeit des B e- schwerdeführers gezogen werden. Bezeichnenderweise unterliess es der Beschwerdeführer zudem, die anlässlich der Befragung (vgl. A1/10 S. 5, A14/14 S. 3) in Aussicht gestellte Identitätskarte seiner Mutter einzure i- chen. Es ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer – un- geachtet seines allfälligen tigrinischen Hintergrundes väterliche rseits – äthiopischer Staatsbürger ist. Ebenso ist auch die Bestätigung der Einwohnerkontrolle H._______, wo- nach der Vater des Beschwerdeführers des Landes verwiesen worden sei, nicht geeignet, um zu einem anderen Schluss zu gelangen. Auch mit diesem Dokument kann nicht auf die behauptete eritreische Staatsange- hörigkeit geschlossen werden. 3.2.4. Des Weiteren ist mit dem BFM einig zu gehen, dass die vorg e- brachten Festnahmen wegen Verdachts der Kontakte zu einer oppositi o- nellen Partei, undifferenziert und vage ausg efallen sind. Ebenso verhält es sich in Bezug auf seine Angaben zu der Anzahl und der Dauer der gel- tend gemachten behördlichen Schikanen. Daran vermag sein Einwand, er habe diesbezüglich keine konkrete Angaben machen können, zumal es mehrere jeweils kurze Verhaftungen g ewesen seien, nichts zu ändern. Darüber hinaus vermöchten diese kurzen Verhaftungen, weil er angeblich E-2820/2010 Seite 10 überall Plakate aufgehängt haben w ill, ohnehin keine asylrelevante Ver- folgungsfurcht zu begründen. 3.3. Nach dem Gesagten gelangt das Bundesver waltungsgericht somit zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anford e- rungen an Art. 7 AsylG an das Glaubhaftmachen nicht zu genügen ve r- mögen. Es erübrigt sich, auf die Ausführungen in der Beschwerde sowie die im Verlauf des Beschwerdever fahrens eingereichten Dokumente noch näher einzugehen. Das BFM hat demnach sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 3.4. Da die geltend gemachte eritreische Herkunft und Staatsangehörig- keit des Beschwerdeführers nicht glaubhaft ist, kann die Frage, ob eine il- legale Ausreise aus Eritrea zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft führen würde, offen gelassen werden. 4. 4.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 4.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E.9 S.733; BVGE 2008/34 E . 9.2 S. 510, EMARK 2001 Nr. 21). 5. 5.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bei der Prüfung der drei Kriterien ist auf die im Entschei d- zeitpunkt bestehenden Verhältnisse abzustellen ( EMARK 1997 Nr. 27 E. 4f S. 211). 5.2. Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der F lücht- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e-E-2820/2010 Seite 11 weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148). 5.3. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Üb erein- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMR K, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.4. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde - führers nach Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR ) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses E-2820/2010 Seite 12 müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandl ung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Schliesslich lässt die allgemeine Menschenrechtssituation in Äthiopien den Wegweisungs- vollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig ersche i- nen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Si n- ne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.5. 5.5.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 5.5.2. Vorweg ist festzuhalten, dass die Untersuchungspflicht der Asylb e- hörden hinsichtlich Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vol l- zugs nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Beschwerde führenden Person findet (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Vorliegend ist der B e- schwerdeführer aufgrund des unglaubhaften Sachvortrags und der fe h- lenden Identitätspapiere sowie der unklaren und nicht verifizierbaren A n- gaben seiner Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht im Rahmen der Sachver- haltsermittlung nicht in genügender Weise nachgekommen, weshalb es nicht Aufgabe der Asylbehörden sein kann, näher nach allfälligen We g- weisungshindernissen in seinem Heimatland zu forschen . Aufgrund der Akten sowie des Ausgeführten ist in Übereinstimmung mit dem BFM zu schliessen, der Beschwerdeführer sei äthiopischer Staatsangehöriger. 5.5.3. In konstanter Praxis wird von einer grundsätzlichen Zumutbar keit des Wegweisungsvollzugs nach Äthiopien ausgegangen (vgl. bereits EMARK 1998 Nr. 22 ). Der zweieinhalb Jahre dauernde Grenzkrieg zw i- schen Äthiopien und Eritrea wurde im Juni 2000 mit einem von der Org a- nisation für die Einheit Afrikas (OAU) vermittelten Waffenstillstand und e i- nem von beiden Staaten am 12. Dezember 2000 unterzeichneten Fri e- densabkommen beendet. Trotz Abzugs der UN-Friedenstruppen aus Erit- rea im März 2008 und aus Äthiopien im August 2008 is t im heutigen Zeit- punkt nicht von einem offenen Konflikt im Grenzgebiet zwischen Äthi o-E-2820/2010 Seite 13 pien und Eritrea auszugehen. Insgesamt kann jedenfalls nicht von einer rechtlich relevanten Verschlechterung der allgemeinen Lage in Äthiopien gesprochen werden. 5.5.4. Bei einer Gesamtwürdigung der aktuellen Situation in Äthiopien be- stehen keine Hinweise darauf, dass der noch junge und gemäss den Ak- ten gesunde Beschwerdeführer, welcher eigenen Angaben zufolge wä h- rend (…) die Schule besucht und erste Berufserfahrung als (…) hat (vgl. A1/10 S. 1 und S. 3, A14/14 S. 5, 6 und S. 8), in Äthiopien einer konkr e- ten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt sein könnte. Es ist ihm somit zuzumuten, sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Sodann lebte er eigenen Angaben gemäss von (…) bis zu seiner Ausrei- se im Mai 2005 in Äthiopien (vgl. A1/10 S. 2), weshalb davon ausgegan- gen werden kann, er verfüge in Äthiopien über ein soziales Beziehungs- netz. Zudem dürfte davon ausgegangen werden, er sei mit der Kultur s o- wie mit der Um gebung bestens vertraut, so dass ihm eine Reintegration leicht fallen dürfte . Der Vollzug der Wegweisung ist nach dem Gesagten auch als zumutbar zu bezeichnen. 5.6. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.7. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (A rt. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären d ie Verfahrenskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n-E-2820/2010 Seite 14 desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem die Bedürfti g- keit des Beschwerdeführers ausgewiesen ist und das Verfahren nicht als aussichtslos zu bezeichnen war, ist das Gesuch um Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege, über welches bisher nicht entschieden wo r- den ist, gutzuheissen, und es sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) E-2820/2010 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Chantal Schwizer Versand: