B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7115/2014 U r t e i l v o m 2 . M ä r z 2 0 1 7 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richterin Muriel Beck Kadima, Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch Peter Huber, Fürsprecher, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM vormals: Bundesamt für Migration; BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des BFM vom 31. Oktober 2014 / N (…). E-7115/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge seinen Heimat- staat Syrien am 8. April 2013. Er sei auf dem Landweg in die Türkei gereist, wo er sich bis zum 26./27 . Mai 2013 in Istanbul aufgehalten habe . An- schliessend sei er unter Verwendung eines ge fälschten Reisepasses auf dem Luftweg am 27. Mai 2013 in die Schweiz gelangt, wo er am 29. Mai 2013 ein Asylgesuch stellte. Am 3. Juni 2013 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel summarisch befragt (Befragung zur Per- son [BzP]). Dabei führte er zu seinem persönlichen Hintergrund aus, er sei ethnischer Kurde und stamme aus B._______, Provinz Al Hasaka . Er habe dort als [Beruf] gearbeitet. Die PKK habe seine Heimatgegend kontrolliert; die syrische Regierung habe mit der Kontrolle der Region nichts mehr zu tun gehabt. (…). Er habe seinen herzkranken Vater im November/Dezember 2012 zunächst zum Arzt nach C._______ und anschliessend auf dem Luftweg nach Da- maskus begleitet. Nach ihrer Ankunft in Damaskus sei der Beschwerdefüh- rer festgenommen worden. Er hätte in den Reservedienst eingezogen wer- den sollen, obwohl er seine Militärdienstpflicht am (…) 2010 beendet habe. Er sei zu r (…) in (…)/Damaskus verbracht worden, wo er bereits früher stationiert gewesen sei. Von dort habe er seinen Bruder kontaktiert. Sein Vater sei am folgenden Tag operiert worden. Der Beschwerdeführer habe den Reservedienst nicht leisten wollen, weil er dort entweder umgebracht oder gezwungen worden wäre, auf seine Landsleute zu schiessen. Sein Bruder habe den zuständigen Militäroffizier mit einem Geldbetrag zwischen 175‘000 und 200‘000 syrische Lira bestochen, damit der Beschwerdeführer 24 Stunden Urlaub erhalte, um seinen Vater zu besuchen. Der Offizier habe aber wohl gewusst, dass der Beschwerdeführer nicht in den Reservedienst zurückkehren werde. Nachdem er das Militärareal verlassen habe, habe er sich zehn Tage lang bei einem Onkel in (...)/Damaskus versteckt. Er habe dann erfahren, dass ein Regimeangehöriger aus seiner Heimatgegend gestorben sei. Der Bru- der des Beschwerdeführers habe ihm einen gefälschten Registerauszug besorgt, womit sich der Beschwerdeführer als Angehöriger des Verstorbe- nen h abe ausgeben und mit d essen Angehörigen (und dem Leichnam) nach C._______ habe fahren können. E-7115/2014 Seite 3 Er habe sich noch vier Monate lang in Syrien aufgehalten und in B._______ wieder als [Beruf] gearbeitet. Die PKK habe erfahren, dass er in Damaskus verhaftet worden sei und ihn dann unter Druck gesetzt . Zudem habe der Beschwerdeführer – wie alle anderen Leute – immer wieder an Demonst- rationen teilgenommen; er sei auch ein paar Mal auf der Bühne gestanden. Die PKK habe versucht, alle jungen Männer für ihre Sache zu gewinnen. Er habe nach den Vorfällen in Damaskus weitere vier Monate in Syrien verbracht, weil sein Vater eine Herzoperation habe durchführen müssen und nicht gewollt habe, dass der Beschwerdeführer ihn verlasse. Während dieses viermonatigen Aufenthalts in Syrien habe er versucht, in den Nord- irak zu gelangen. Weil die Grenzen kontrolliert worden seien, sei ihm dies jedoch nicht gelungen (vgl. zum Ganzen: Akte A5, insbesondere Ziffern 7.01 bis 7.03); er sei schliesslich über die Türkei ausgereist. B. Am 8. Oktober 2014 fand die einlässliche Anhörung des Beschwerdefüh- rers durch das BFM statt. Dabei gab dieser im Wesentlichen zu Protokoll, er habe am 3. Mai 2011 an einer friedlichen Demonstration in seiner Heimatregion B._______ teilge- nommen. Im Anschluss an diese Kundgebung sei er – mit weiteren 12 Per- sonen – vom politischen Sicherheitsdienst verhaftet, von einem Offizier na- mens (...) verhört und zwei Tage lang festgehalten worden. Weil er zusam- men mit den weiteren Verhafteten eine Zusammenarbeitserklärung unter- zeichnet habe, sei er wieder freigelassen worden. Diese Zusammenar- beitserklärung habe darin bestanden, die Unterzeichner davon abzuhalten, an der Revolution teilzunehmen. Die „Partiya Yekîtiya Demokrat“ ( PYD) habe versucht, die ausgebrochene Revolution in den kurdischen Gebieten zu unterbrechen (vgl. Akte A16, Antworten 15 und 58 ff.) Der Beschwerdeführer habe an weiteren Kundgebungen in Syrien teilge- nommen (am 15. März 2012, 31. Oktober 2012 und 23. Februar 2013) und dabei auch Video-Aufnahmen gemacht; drei solche Filme habe er auf Fa- cebook veröffentlicht (vgl. A16, Antworten 6 und 10). Er habe im November/Dezember 2012 seinen Vater nach C._______ be- gleitet, weil dieser habe am Herzen operiert werden müssen. Weil die Ope- ration dort nicht möglich gewesen sei, sei der Vater notfallmässig nach Da- maskus weitergeleitet worden. Als der Beschwerdeführer in Begleitung sei- nes Vaters und Bruders am Flughafen von Damaskus angekommen sei, E-7115/2014 Seite 4 sei der Beschwerdeführer von Sicherheitsdienstleuten und Polizisten an- gehalten und anschiessend zur Division (...) in (...) verbracht worden. Un- ruhen und Chaos hätten überall geherrscht. Daher habe der Offizier die vom Bruder des Beschwerdeführers angebotene Bestechungssumme an- genommen, habe aber gewusst, dass der Beschwerdeführer nicht zurück- kehren werde. Der Beschwerdeführer habe am nächsten Morgen das Mili- tärareal verlassen können. Er sei anschliessend zum Onkel nach (...) ge- gangen und habe sich dort etwa zehn Tage versteckt gehalten, bis eine Person aus C._______ im syrischen Militärdienst gefallen sei. Unter Ver- wendung eines gefälschten Registerauszugs sei der Beschwerdeführer mit dem Leichnam nach C._______ gereist. Dort habe er die Angehörigen des Gefallenen verlassen und sei nach B._______ gegangen, wo er sich an- schliessend rund vier Monate lang zu Hause aufgehalten habe. Sein Her- kunftsgebiet sei von der PKK kontrolliert worden. Nach diesen Gescheh- nissen habe er versucht, in den Nordirak zu gelangen (vgl. A16, Antworten 16-40). Nach seiner Rückkehr nach B._______ habe die PKK erfahren, dass er in Damaskus verhaftet worden sei und ihn in der Folge nicht mehr in Ruhe gelassen. Die PKK habe ihn jedoch bereits früher aufgefordert, in ihren Reihen zu kämpfen. Die PKK respektive die PYD -Partei habe ihn unter Druck gesetzt und ihm im Februar/März 2013 eine undatierte Reservisten- karte und ein Reservistenaufgebot des syrischen Regimes ausgehändigt. Der Beschwerdeführer habe beim Erhalt dieser Dokumente bemerkt, dass das Datum der Einrückung in den Militärdienst bereits abgelaufen sei. So- wohl die Reservistenkarte als auch das Reservistenaufgebot sei vom Aus- hebungsamt in B._______ ausgestellt worden (vgl. A16, Antworten 42-56). Im April/Mai 2013 – als er sich nach seiner Ausreise aus Syrien bereits in der Türkei aufgehalten und auch dort an Kundgebungen teilgenommen habe – seien Vertreter der PYD bei seiner Familie erschienen und hätten den Beschwerdeführer des Verrats (Vorzeigen der Flagge der freisyrischen Armee) bezichtigt. Weil die PYD auch in der Türkei gute Kontakte habe, habe der Beschwerdeführer die Türkei verlassen (vgl. A16, Fragen 66 und 67). Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer bei der An- hörung vom 8. Oktober 2014 zwei fremdsprachige Do kumente (gemäss eigenen Angaben eine Reservistenkarte sowie ein Reservistenaufgebot) sowie mehrere Farbfotoaufnahmen betreffend seine Teilnahme an Kund- gebungen in Syrien und der Türkei zu den Akten. E-7115/2014 Seite 5 C. Mit Verfügung vom 31. Oktober 2014 – eröffnet am 5. November 2014 – stellte das BFM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen- schaft nicht erfülle. Sein Asylgesuch wurde abgewiesen und die Wegwei- sung aus der Schweiz angeordnet. Die Wegweisung wurde wegen Unzu- mutbarkeit des Vollzuges aufgeschoben und eine vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet. Im Weiteren wurden die eingereichten militärischen Dokumente (Reservistenkarte und Reservis- tenaufgebot) eingezogen. Zur Begründung führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, die Vorbrin- gen vermöchten den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen. So seien die Schilderungen des Beschwerdeführers zu seiner Freilassung aus der syrischen Armee unlogisch ausgefallen. Es sei nicht nachvollzieh- bar, dass sein Bruder einen hochrangigen Offizier mit einem verhältnismäs- sig tiefen Bestechungsgeld habe bestechen und der Beschwerdeführer dadurch habe aus der syrischen Armee fliehen können. Es sei ferner unlo- gisch, dass der Beschwerdeführer nach seiner angeblichen Flucht aus dem Militärdienst weitere vier Monate zugewartet und sich zudem bei Nächst- verwandten respektive an seinem Herkunftsort aufgehalten habe, bevor er Syrien verlassen habe. Erfahrungsgemäss würden Personen in der vorge- brachten Situation so schnell wie möglich ausreisen und sich im eigenen Interesse um Schutz bemühen. Im Weiteren wären vom Beschwerdeführer substantiierte und konkrete Auskünfte zur vorgetragenen Festnahme in Damaskus zu erwarten gewe- sen. Das Vorbringen, wonach Angehörige der PKK ihm Aufgebote der sy- rischen Armee gebracht hätten, nachdem er aus dem Militärdienst geflohen sei, habe er in der BzP nicht erwähnt, sondern erst in der einlässlichen Anhörung vorgetragen. Dasselbe gelte auch für die geltend gemachte Teil- nahme an Demonstrationen gegen die syrische Regierung und die angeb- lich daran anschliessende zweitägige Festnahme. Diese Vorbringen seien daher als nachgeschoben und somit unglaubhaft zu werten. Im Weiteren widerspreche das vom Beschwerdeführer geschilderte Vorgehen, wie ihm die Reservistenkarte und das Reservistenaufgebot der syrischen Armee überbracht worden sei, den gesicherten Erkenntnissen des BFM. Zudem habe er sich zum Erhalt dieser Dokumente widersprochen, indem er einer-E-7115/2014 Seite 6 seits angegeben habe, die PKK habe sei ner Familie die besagten Doku- mente abgegeben, und andererseits vorgetragen habe, diese Dokumente habe er direkt von PKK-Angehörigen erhalten. Auch der Umstand, dass er ein Aufgebot erhalten haben soll e, dessen Einrücktermin bereits längere Zeit zurückgelegen habe, sei nicht nachvollziehbar, zumal es dem behörd- lichen Vorgehen entspreche, solche Aufgebote rechtzeitig zuzustellen, da- mit der Einberufung entsprechend Folge geleistet werden könne. Die Zu- stellung der militärischen Dokumente könne aufgrund dieser U nstimmig- keiten nicht geglaubt werden. Dem BFM sei bekannt, dass Dokumente die- ser Art leicht käuflich erwerbbar seien ; die betreffenden militärischen Do- kumente würden daher eingezogen. Der Wegweisungsvollzug wurde als unzumutbar qualifiziert und die vorläu- fige Aufnahme des Beschwerdeführers angeordnet. D. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 5. Dezember 2014 liess der Be- schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragte die Aufhebung der Ziffern 1 bis 3 (Verneinung der Flüchtli ngs- eigenschaft, Abweisung des Asylgesuchs und Anordnung der Wegwei- sung) der BFM-Verfügung vom 31. Oktober 2014 und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer als Flücht- ling vorläufig aufzunehmen sei; subeventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung völkerrechtlich unzulässig sei. Zur Begründung wurde insbesondere vorgetragen, der Beschwerdeführer habe vom Juli 2008 bis April 2010 den Militärdienst in Syrien absolviert. Dabei sei er als [Beruf] viel zum Einsatz gekommen, insbesondere sei ihm die (...) auferlegt worden. Nach Leistung des Militärdienstes habe er eine eigene [Betrieb] eröffnet. Mit dem Ausbruch der syrischen Revolution im Jahr 2011 habe er seine politischen Aktivitäten begonnen. Erstmals h abe er am 3. Mai 2011 an einer von Jugendlichen organisierten Demonstration gegen die syrische Regierung teilgenommen. In der Folge sei er festge- nommen und zwei Tage lang festgehalten worden . Nachdem sein Vater sich um seine Freilassung bemüht habe und der Beschwerdeführer ein Schriftstück unterzeichnet habe, in welchem er sich verpflichtet habe, sol- che Aktivitäten gegen die Regierung zu unterlassen , sei er freigelassen worden. Nachdem die (syrisch-) kurdischen Organisationen, insbesondere die der PKK entsprechende PYD in B._______ immer mehr an Macht gewonnen E-7115/2014 Seite 7 hätten, habe der Beschwerdeführer nach zwei Monaten seine politischen Aktivitäten wieder aufgenommen. Er sei der Partei „(...)“ beigetreten und habe als Mitglied an deren Demonstrationen teilgenommen und bei der Rekrutierung neuer Mitglieder mitgewirkt. Die sich in den Akten befinden- den Fotoaufnahmen würden diese politischen Tätigkei ten dokumentieren (Teilnahmen an einer überparteilichen Protestkundgebung in B._______ vom 31. Oktober 2012 gegen die Entführung eines Mitglieds des Komitees „(...)“; an einer Versammlung der „(...)“ in B._______ vom 15. März 2012 zum Jahrestag der syrischen Revolution ; an einer Grosskundgebung der (...) in B._______ anfangs 2013 gegen die Regierung; an einem Demonst- rationszug der (...) in B._______ am 23. Februar 2013 gegen den Macht- anspruch der PYD sowie an der Newroz -Kundgebung der (...) in B._______ vom März 2013). Der Beschwerdeführer und dessen Bruder (...) hätten am 16. November 2012 ihren Vater, (...), der unter akuten Herzproblemen gelitten habe, ins Spital B._______ begleitet. Nach Abschluss der dort vorgenommenen Un- tersuchungen seien sie ans Spital von C._______ verwiesen worden. Dort habe man weitere Untersuchungen sowie eine [medizinische Behandlung] vorgenommen und den Vater zwecks Vornahme einer [medizinische Be- handlung]operation unverzüglich nach Damaskus weiterverwiesen. Glei- chentags sei der Beschwerdeführer mit seinem Vater und Bruder (...) nach Damaskus geflogen. Beim Passieren des Kontrollpostens am Flughafen in Damaskus sei der Beschwerdeführer nach Vorweisung seines Identitäts- ausweises angehalten worden. Ihm sei gesagt worden, dass ein Zufüh- rungsbefehl der syrischen Armee (militärisches Reservistenaufgebot) ge- gen ihn vorliege. Kurze Zeit später seien drei Personen in Zivil erschienen und hätten den Beschwerdeführer abgeführt und in die Militärkaserne in (...) gebracht. Der Beschwerdeführer habe dem zuständigen Offizier immer wieder erklärt, dass er den obligatorischen Militärdienst bereit s absolviert habe. Durch die Zahlung einer Geldsumme , welche ursprünglich für die bevorstehende Operation des Vaters vorgesehen gewesen sei, habe er die Kaserne 24 Stunden lang verlassen dürfen. Er sei zum Onkel (...) nach (...), einem Vorort von Damaskus, gegangen. Nachdem ein gefälschter Regis- terauszug beschafft worden sei, habe er d en Leichnam eines gefallenen Soldaten nach C._______ zurückbegleiten können. Zum Zeitpunkt dieser Rückkehr anfangs Dezember 2012 habe die PYD die Territorialverwaltung über B._______ von der syrischen Zentralregierung übernommen, welche sich aus dem Gebiet zurückgezogen habe . Somit E-7115/2014 Seite 8 habe der Beschwerdeführer unter der PYD-Verwaltung wieder seinem Er- werbsleben nachgehen können. Nach rund zwei Monaten sei ein Mann in der [Betrieb] des Beschwerdeführers erschienen, habe diesem zu verste- hen gegeben, dass er von dessen Desertion Kenntnisse habe und habe dem Beschwerdeführer die Originale der Reservistenkarte und eines Re- servisten-Marschbefehls der syrischen Armee vom 15. Juli 2012 üb erge- ben. Gleichzeitig sei der Beschwerdeführer aufgefordert worden, sich zu den Streitkräften der PYD zu begeben . Solche Druckversuche seitens je- weils anderer Personen hätten sich etwa alle fünf Tage wiederholt. Weil sich die Druckversuche immer intensivie rt hätten, habe der Beschwerde- führer beschlossen, Syrien zu verlassen, um der Zwangsrekrutierung bei den PYD-Truppen und dem Risiko der Überstellung an die syrische Armee zu entkommen. Im Weiteren wurde vorgebracht, die angefochtene Verfügung verletze die Verpflichtung zur vollständigen Abklärung und fehlerfreien Würdigung des rechtserheblichen Sachverhalts. Zudem sei der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden, indem die Vorinstanz ohne genügende Begründung die ab gegebenen Beweismittel als gekaufte „non -valeurs“ abqualifiziert habe. Schliesslich überdehne die Vorinstanz die Anforderungen an die Glaubhaftmachung der Flüchtlingseigenschaft und verletze die völker- rechtlichen Refoulmentverbote. Der Beschwerdeführer habe seine Vorbringen ohne relevante Widersprü- che und in lebensnaher, detailreicher Weise glaubhaft dargelegt. Das BFM habe die Schmiergeldzahlungen an den Offizier der Kaserne als unglaub- haft gewertet. Dabei habe es ausser Acht gelassen, dass die geleistete Geldsumme etwa einem sechsmonatigen Gehalt eines syrischen Beamten entsprochen habe. Zudem seien die militärischen Kräfte des Bataillons zur fraglichen Zeit auf dem Feld gestanden und die Kaserne sei von iranischen Hilfskräften bewacht worden. Daher habe dem bestochenen Offizier genü- gend Spielraum zur Verfügung gestanden, um die Flucht des Beschwerde- führers schuldlos erklären zu können. Es sei daher glaubhaft, dass der Be- schwerdeführer am 17. November 2012 in Damaskus festgehalten, als Re- servist zum Militärdienst im Bürgerkrieg eingezogen worden sei und durch eine Schmiergeldzahlung habe freikommen können. Soweit die Vorinstanz dem Beschwerdeführer unsubstantiierte Angaben vorhalte, sei festzustellen, dass dieser bei beiden Befragungen nicht zu detaillierteren Angaben aufgefordert worden sei. Seine Angaben seien E-7115/2014 Seite 9 durchaus kohärent und klar ausgefallen. Es scheine, dass sich der Befra- ger in der Bundesanhörung ohne ersichtlichen Grund durch den Beschwer- deführer in Frage gestellt gefühlt habe, was eine gewisse Befangenheit in der Beurteilung der Aussagen erklären könne. Im Weiteren sei es entgegen der vom BFM vertretenen Ansicht sehr wohl mit den damals in B._______ herrschenden Verhältnissen vereinbar, dass die Reservistenkarte und der Reservistenmarschbefehl vom 15. Juli 2012 nicht zugestellt respektive von den damit beauftragten Beamten als unzu- stellbar zurückgebracht worden seien. Die syrische Regierung habe sich im Dezember 2012 aus B._______ zurückgezogen und die Verwaltung der kurdischen PYD überlassen. Dass die PYD die Reservisten karte und das Aufgebot vom 15. Juli 2012 in den übernommenen Büros der Aushebungs- stelle B._______ vorgefunden habe, sei nicht unglaubhaft. Nachdem die PYD ein hohes Interesse am Beschwerdeführer als [Beruf] gehabt habe, sei es ebenfalls glaubhaft, dass die PYD den Beschwerde- führer für die eigenen Truppen habe rekrutieren wollen und dabei das Wis- sen um dessen Desertion als Druckmittel gegen ihn eingesetzt habe. Der Beschwerdeführer sei unter massiven Druck gestanden, sich entweder den Truppen der PYD an der Front anzuschliessen oder im Falle einer Weige- rung von der PYD an die syrische Armee ausgeliefert zu werden. Er erfülle daher die Flüchtlingseigenschaft. An der Echtheit des Reservistenaufge- bots und der Reservistenkarte gebe es keine Zweifel. Die nicht weiter be- gründete Behauptung des BFM, solche Dokumente seien käuflich erwerb- bar, sei völlig unsubstantiiert und unhaltbar. Zur Stützung seiner Vorbringen liess der Beschwerdeführer drei Beweis- mittel betreffend die Herzerkrankung und -operation seines Vaters sowie eine angeblich von (...) verfasste Kurzinformation mit Abdruck eines Mili- tärbüchleins inklusive Kopie von „Fluchtpunkt“ der Schweizerischen Flücht- lingshilfe Nr. 60 vom März 2013 zu den Akten reichen. Im Weiteren stellte er in Aussicht, eine Bestätigung der „(...)“ in der Schweiz nachzureichen. In der Kurzinformation bestätigt der Verfasser, dass die kurdische Selbst- verwaltung der PYD ihrerseits militärisch rekrutiere und jede Familie zwinge, mindestens eine wehrfähige Person für den Militärdienst zu stel- len. Zudem wird festgehalten, dass sich die syrische Regierung im Jahr 2012 aus B._______ zurückgezogen und das Gebiet auf der Grundlage einer Vereinbarung der PYD zur Verwaltung überlassen habe. E-7115/2014 Seite 10 E. Mit Zwischenverfügung vom 10. Dezember 2014 wurde ein Kostenvor- schuss erhoben und dem Beschwerdeführer gleichzeitig Gelegenheit ein- geräumt, das in der Rechtsmitteleingabe in Aussicht gestellte Dokument oder weitere Beweismittel zur Stützung der vorgetragenen politischen Ak- tivitäten in der Schweiz nachzureichen. F. Mit Eingabe vom 17. Dezember 2014 liess der Beschwerdeführer eine Für- sorgebestätigung der Heilsarmee, Regionalstelle (...) vom 15. Dezember 2014 nachreichen und ersuchte um Befreiung von der Kostenvorschuss- pflicht. Gleichzeitig reichte er zwei Originale der im Rahmen der Beschwer- deeingabe in Kopie eingereichten Beweismittel (medizinische Unter lagen betreffend die Herzerkrankung und -operation seines Vaters) nach. G. Mit Instruktionsverfügung vom 19. Dezember 2014 wurde in Wiedererwä- gung der Zwischenverfügung vom 10. Dezember 2014 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. H. Mit Eingabe vom 15. Januar 2015 reichte der Beschwerdeführer folgende Beweismittel nach: - Mailübermittlung einer Bestätigung der [Partei] inklusive Übersetzung und Foto; - Fotoaufnahme mit der Kennzeichnung: „12. März 2012; Jahrestag des Beginns der syrischen Revolution“; - Bestätigung der [Partei], vom 12. Dezember 2014; - Fotoaufnahmen der Versammlung der [Partei] vom 25. Mai 2014 und vom 21. Dezember 2014 in (…); - Fünf Fotoaufnahmen einer von der [Partei]-Schweizer Sektion mit der (...) Schweiz am 3. Januar 2015 in (...) durchgeführten Protestkundge- bung gegen die Zwangsrekrutierung von Minderjährigen durch die PYD/PKK in Syrien. E-7115/2014 Seite 11 Zu diesen nachgereichten Beweismitteln wurde ergänzend ausgeführt, die Regionalorganisation der „[Partei]“ von B._______ habe durch ihren Vor- sitzenden (...) die dortige Parteimitgliedschaft des Beschwerdeführers in Syrien bestätigt. Diese Mitgliedschaft werde ferner durch die Fotoaufnah- men dokumentiert . Die diesbezügliche Fotoaufnahme zeige den Be- schwerdeführer an der Seite des vormaligen [Partei]-Vorsitzenden (...) an einer Parteiversammlung vom 15. März 2012. In der Schweiz habe sich der Beschwerdeführer der „[Partei]“, Schweizer-Sektion, angeschlossen. Diese Sektion bestätige, dass der Beschwerdeführer im September 2011 in Syrien der [Partei] als Mitgliedschaftskandidat beigetreten sei und in der Schweiz an den Parteisitzungen und Kundgebungen teilnehme; dem Be- schwerdeführer stehe demnächst die Vollmitgliedschaft offen. Auf den Fotoaufnahmen sei der Beschwerdeführer zusammen mit weiteren Parteifunktionären während einer Sitzung der [Partei] vom 25. Mai 2014 in (...) abgebildet respektive anlässlich der Parteiversammlung vom 21. De- zember 2014 in (...). Schliesslich habe der Beschwerdeführer am 3. Januar 2015 an einer Pro- testkundgebung in (...) gegen die Zwangsrekrutierung Minderjähriger durch die PYD/PKK teilgenommen. I. In seiner Vernehmlassung vom 9. Juli 2015 beantragte das SEM ohne er- gänzende Ausführungen die Abweisung der Beschwerde. J. Mit Begleitschreiben vom 17. Februar 2016 reichte der Beschwerdeführer (im eigenen Namen) zwei weitere Farbfotos nach. Ergänzend wurde aus- führt, diese Fotoaufnahmen seien anlässlich der Konferenz der kurdischen [Partei]-Partei vom 27. Dezember 2015 in (...) respektive anlässlich einer Aktion der Hilfsorganisation „ (...)“ entstanden und würden seine aktive exil- politische Tätigkeiten in der Schweiz aufzeigen. Am 31. Mai 2016 stellte das Bundesverwaltungsgericht diese Eingabe vom 17. Februar 2016 inklusive Beilagen dem Rechtsvertreter zu. K. Mit Eingabe vom 7. Oktober 2016 reichte der Beschwerdeführer (wiederum im eigenen Namen) eine weitere Farbfotokopie sowie eine Mitgliederbe- stätigung der [ParteiI] (im Original) nach. Ergänzend trug er vor, er sei auf E-7115/2014 Seite 12 der Fotoaufnahme anlässlich eines Treffens mit (...), dem Präsidenten des Kurdischen (...) und Parteivorsitzenden der Kurdischen [Partei] abgebildet. L. Die Ehefrau des Beschwerdeführers, (...), ist ihrem Ehemann – dem Be- schwerdeführer – in die Schweiz nachgereist. Das SEM nahm das von der Ehefrau gestellte Asylgesuch unter der gleichen Verfahrensnummer ( [..]) wie beim Beschwerdeführer auf. Am 31. Oktober 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) statt; das erstinstanzliche Verfahren ist derzeit noch hän- gig. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss A rt. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM respektive SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vor - instanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal- tungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zu- ständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 1.4 Die vom Beschwerdeführer im eigenen Namen nachgereichte Eingabe vom 7. Oktober 2016 inklusive Beilagen ist seinem rechtsgültig mandatier- ten Rechtsvertreter bisher nicht zur Kenntnis gebracht worden. Angesichts des Ausgangs des Verfahrens kann darauf verzichtet werden, diese Ein-E-7115/2014 Seite 13 gabe dem Rechtsvertreter zur Stellungnahme und Ergänzung zu unterbrei- ten. Dem Rechtsvertreter wird die Eingabe vom 7. Oktober 2016 mit dem vorliegenden Urteil zur Kenntnis gebracht. 1.5 Angesichts des Ausgangs des Verfahrens kann ebenfalls darauf ver- zichtet werden, den Abschluss des Verfahrens mit demjenigen der Ehefrau zu koordinieren. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Im Nachfolgenden ist in einem ersten Schritt der Frage nachzugehen, ob die vom Beschwerdeführer deponierten formellen Anträge und Rü gen stichhaltig sind. 3.1 In der Rechtsmitteleingabe (Artikel 3, S. 8, zweiter Textabschnitt) wird vorgebracht, der Befrager bei der einlässlichen Anhörung habe sich durch den Beschwerdeführer „ohne ersichtlichen Grund persönlich in Frage ge- stellt“ gefühlt, was eine „gewisse Befangenheit in der Beurteilung der Aus- sagen erklären“ möge. Dazu wurde auf das Anhörungsprotokoll vom 8. Ok- tober 2014, Frage 12, S. 3 verwiesen. Hierzu ist das Folgende festzuhalten: In der Anhörung vom 8. Oktober 2014 wurden zunächst die an der Anhö- rung teilnehmenden Personen dem Beschwerdeführer vorgestellt und die- ser auf seine Rechte und Pflichten im Verfahren hingewiesen (vgl. Akte A16, Seiten 1 bis 2 [Fragen 1 -4]). Anschliessend wurden dem Beschwer- deführer einleitende Fragen zu den vo n ihm eingereichten Beweismitteln inklusive den von ihm auf Facebook veröffentlichten Videos gestellt (Fra- gen 5-11). Die anschliessende Frage 12 lautete: „Warum schauen Sie mich an?“, worauf der Beschwerdeführer antwortete „das ist normal, dass ich Sie anschaue“. Danach wurde dem Beschwerdeführer die Frage gestellt „Warum ist es normal?“, worauf der Beschwerdeführer antwortete: „Sie sprechen mit mir, entweder muss ich Sie, den Herrn (Hilfswerksvertreter), oder den Dolmetscher anschauen. Sie wollen etwas von mir, deshalb schaue ich Sie an oder den Dolmetscher, aber den Herrn oder die Sekre- tärin schaue ich nicht so oft an“ (vgl. Frage 13). Anschliessend führte der Befrager weiter aus, der Beschwerdeführer müsse während der Anhörung E-7115/2014 Seite 14 immer mit dem Befrager sprechen und nicht mit dem Dolmetscher; ein Zwiegespräch zwischen dem Dolmetscher und dem Beschwerdeführer als Befragten sei zu vermeiden, denn dies sei gesetzlich verboten. Im Weite- ren müsse portionenweise gesprochen und immer abgewartet werden, „bis wir nichts mehr hören“. Das Gespräch finde zwischen dem Beschwerde- führer und dem Befrager (nicht dem Dolmetscher) statt; der Dolmetscher sei unparteiisch und nehme auf den Inhalt des Gesprächs keinen Einfluss. Nach diesen Hinweisen wurde die Befragung des Beschwerdeführers mit Fragen zu den vorgetragenen Problemen mit den PKK fortgesetzt (vgl. Fra- gen 14 ff.). Tatsächlich mutet die Frage „Weshalb schauen Sie mich an?“ seltsam an. Weshalb es aber an dieser Stelle der Befragung zum zitierten Wortwechsel kam, bleibt unklar; möglicherweise bestanden Unsicherheiten über die ge- naue Rolle des Dolmetschers, was den Befrager zu den entsprechenden Erläuterungen veranlasste. Jedenfalls aber weist das Protokoll vom 8. Ok- tober 2014 weder vorgängig dieser Klarstellung in den Fragen 12-14 noch danach (ab Frage 15) irgendwelche Aufzeichnungen von Unstimmigkeiten auf, die darauf schliessen liessen, dass es zu einer für den Beschwerde- führer unangenehmen Befragungssituation gekommen sein könnte. Es gibt auch keinerlei Anhaltspunkte dafür , dass der anwesende Befrager des BFM in irgendeiner Weise befangen gewesen sein könnte. Die dem Be- schwerdeführer unterbreiteten Fragen wurden aufgrund der Aufzeichnun- gen im Protokoll sachlich gestellt und der Beschwerdeführer hat diese in- haltlich ohne emotionale Zwischentöne beantwortet. Es wurde ihm im An- schluss an die eigentliche Befragung Gelegenheit eingeräumt, weitere als die bisher dargelegten Gründe für sein Asyl - und Wegweisungsverfahren darzutun (vgl. Fragen 67-70). Die anwesende Hilfswerksvertretung hat in ihrer Bestätigung auch keinerlei besondere Beobachtungen, Anregungen oder Einwände zum Protokoll angebracht. Nach dem Gesagten gibt es keine konkrete Veranlassung, das Befra- gungsprotokoll vom 8. Oktober 2014 nicht oder nur beschränkt für die Be- urteilung des vorliegenden Asylbeschwerdeverfahrens heranzuziehen. Für eine Kassation wegen angeblichen , während der einlässlichen Anhörung zu den Asylgründen begangenen, Verfahrensfehlern besteht daher keiner- lei Veranlassung. 3.2 In der Beschwerdeeingabe wird weiter vorgetragen, das BFM habe die Verpflichtung zur vollständigen Abklärung und fehlerfreien Würdigung des E-7115/2014 Seite 15 rechtserheblichen Sachverhalts verletzt. Der Anspruch des Beschwerde- führers auf rechtliches Gehör sei verletzt worden, indem die Vorinstanz ohne genügende Begründung die abgegebenen Beweismittel (Reservis- tenkarte und Reservistenaufgebot) als gekaufte „non-valeurs“ abqualifiziert habe (vgl. Beschwerde, Artikel 2, S. 6, letzter Textabschnitt). 3.2.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbrin- gen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaf t prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Ent- scheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheides ist so abzufassen, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfe chten kann, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Trag- weite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das VwVG 2008, N. 6 ff. zu Art. 35; BVGE 2007/30 E. 5.6). Dabei muss sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behaup- tung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen. Die Behörde hat allerdings wenigstens die Überlegungen kurz anzuführen, von denen sie sich leiten liess und auf welche sie ihren Entscheid stützt, wobei sie sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken kann. Die Begrün- dungsdichte richtet sich nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfah- rensumständen und den Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwie- genden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen des Betroffenen - und um solche geht es bei den Fragen von Flüchtlingseigenschaft und Asyl - eine sorgfältige Begründung verlangt wird (BVGE 2008/47 E. 3.2, mit weiterem Verweis). Die entscheidende Behörde darf sich praxisgemäss auf die für den Ent- scheid wesentlichen Argumente beschränken. Die Begründung genügt den verfassungsrechtlichen Ansprüchen, wenn sich der Betroffene über die Gründe und die Tragweite des Entscheides Rechenschaft ablegen und die- sen in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1 S. 188; RENÉ RHINOW/ HEINRICH KOLLER/ CHRISTINA KISS/ DANIELA THURNHERR/ DENISE BRÜHL-MOSER, Öffentliches Prozessrecht, Grundlagen und Bundesrechtspflege, 2. Aufl., Basel 2010, Rz. 345). E-7115/2014 Seite 16 3.2.2 Vorliegend hat das SEM eine konkrete Würdigung der vom Be- schwerdeführer eingereichten Militärdokumente (Reservistenkarte und Re- servistenaufgebot) vorgenommen und sich mit den d iesbezüglichen Vor- bringen des Beschwerdeführers genügend differenziert auseinanderge- setzt. Der Inhalt der beiden Dokumente wurde zwar sehr kurz, aber konkret gewürdigt (vgl. vorinstanzliche Verfügung Ziffer II, Punkt 4 -6, S. 3 und 4). Dem Beschwerdeführer war es in der Rechtsmitteleingabe möglich, sich mit der diesbezüglichen sachlichen Einschätzung und Begründung der Vo- rinstanz inhaltlich auseinanderzusetzen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörsanspruches ist in diesem Zusammenhang daher zu verneinen, weshalb sich eine Kassation aus formellen Gründen nicht aufdrängt. 3.2.3 Ob das SEM die Vorbringen inhaltlich zu Recht als unglaubhaft ge- würdigt hat, ist demgegenüber eine Frage der materiellen Prüfung, auf die nachfolgend einzugehen ist. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen i hrer politischen Anschauung ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, d ie einen unerträglichen psy- chischen Druck bewirken. Personen, die erst wegen ihrer Ausreise oder ihrem Verhalten danach sol- chen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind respektive begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, sind nach Art. 54 AsylG zwar als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen, indes wegen sogenannter subjektiver Nachfluchtgründe von der Asylgewährung auszuschliessen. Anspruch auf Asyl nach schweizerischem Recht hat demnach nur, wer im Zeitpunkt der Ausreise ernsthaften Nac hteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war (Vorfluchtgründe) oder aufgrund von äusseren nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die er keinen Einfluss nehmen konnte, bei einer Rückkehr ins Heimatland solche ernsthaften Nachteile befürchten müsste (sogenannte objektive Nachfluchtgründe). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die E-7115/2014 Seite 17 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. Zu prüfen ist vorab, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war und mithin Vorfluchtgründe vorliegen, und ob die entsprechenden Vor- bringen glaubhaft gemacht worden sind. 5.1 Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuches geltend, er habe in Syrien den obligatorischen Militärdienst absolviert und sei Reservist in der syrischen Armee gewesen. Im Rahmen seiner einläss- lichen Anhörung trug er vor, er sei zum Reservedienst einberufen worden. Im Weiteren sei er im Nachgang zu seiner am 3. Mai 2011 erfolgten Teil- nahme an Kundgebungen vom politischen Sicherheitsdienst verhaftet und nach zwei Tagen wieder freigelassen worden , nachdem er eine Zusam- menarbeitserklärung abgegeben habe (vgl. Akte A16, Antworten 7, 15 und 58 ff., Seiten 2, 3 und 8 ff.). Zudem sei er Ende 2012 anlässlich der Beglei- tung seines herzkranken Vaters zum Spital in Damaskus am Flughafen festgenommen und zum Militärdienst eingezogen worden. Mittel s Beste- chungsgeld sei es ihm gelungen, die Militärkaserne zu verlassen. In der Folge habe er in B._______ als [Beruf] gearbeitet und sei seitens der PYD respektive der PKK unter Druck gesetzt worden. Im Februar/März 2013 seien ihm eine Reservistenkarte und ein Reservistenaufgebot übergeben worden, welche von den syrischen Behörden ausgestellt worden seien. Er sei aufgefordert worden, für die PYD/PKK zu arbeiten, ansonsten er den syrischen Behörden verraten und übergeben werde (vgl. Akte A16, Antwor- ten 42 ff., S. 7). 5.2 Die Vorinstanz verneinte das Vorliegen von Vorfluchtgründen mit der Begründung, die Vorbringen bezüglich der Festnahme und Einweisung in die syrische Armee enthielten Widersprüche und Ungereimtheiten. Die Schilderungen der Bestechung eines syrischen Offiziers seien unglaubhaft ausgefallen. Zudem sei nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer nach seiner Flucht aus der Kaserne weitere vier Monate zugewartet habe und sich noch bei Nächstverwandten oder am Herkunftsort aufgehalten habe, bevor er das Land verlassen habe. Ferner seien die Ausführungen E-7115/2014 Seite 18 des Beschwerdeführers in wesentlichen Punkten zu wenig konkret, detail- liert und differenziert. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer ohne zwin- genden Grund an der BzP nicht erwähnt, dass er von Angeh örigen der PYD/PKK Aufgebote der syrischen Armee erhalten habe. Zudem erfolge die Überbringung der Reservistenkarte und des Reservistenaufgebotes nicht auf die vom Beschwerdeführer geschilderte Art, weshalb diese Vor- bringen realitätsfremd und unglaubhaft seien. Der Beschwerdeführer habe sich auch widersprochen, was die Übergabe dieser beiden Dokumente an- belange. Es sei weiter nicht plausibel, dass der Beschwerdeführer ein Mi- litäraufgebot erhalten haben solle, dessen angebrachter Einrücktermin be- reits längere Zeit zurückgelegen habe. Entsprechende Schriftstücke seien leicht käuflich und ihr Beweiswert entsprechend (tief), weshalb die militäri- schen Dokumente vom BFM eingezogen würden. 5.3 Wie nachfolgend aufgezeigt, hält die vorinstanzliche Argumentation in der angefochtenen Verfügung in mehrfacher Hinsicht einer rechtlichen Prü- fung nicht stand, und die vorinstanzliche Glaubhaftigkeitsprüfung vermag nicht zu überzeugen. 5.3.1 Zunächst hat die Vorinstanz die geltend gemachten politischen Akti- vitäten des Beschwerdeführers zu Unrecht als nachgeschoben und damit nicht glaubhaft eingeschätzt. Die Vorinstanz zog in Erwägung, der Be- schwerdeführer habe von den Teilnahmen an Demonstrationen (und einer deswegen erfolgten zweitägigen Festnahme) erst in der Anhörung gespro- chen. Dies trifft indessen nicht zu. Entgegen den vorinstanzlichen Erwä- gungen hat der Beschwerdeführer im Rahmen der BzP vorgetragen, er habe wiederholt „wie alle anderen Leute“ an Demonstrationen teilgenom- men. Die weitere Angabe de s Beschwerdeführers, er sei „ein paar Mal auch auf der Bühne“ gestanden, wurde ebenfalls im Protokoll aufgenom- men. Vertiefende Nachfragen, die die politische n Tätigkeiten des Be- schwerdeführers in Syrien weiter beleuchtet hätten, wurden demgegen- über nicht g estellt (vgl. Akte A5, Ziffer 7.01, S. 7). Im Weiteren übersieht die Vorinstanz in ihren Erwägungen zum politischen Engagement des Be- schwerdeführers in Syrien, dass dieser sein Asylgesuch ursprünglich nicht primär mit den in Syrien entfalteten politischen Tätigkeiten begründete. Er hielt in der BzP auch explizit fest, er habe „eigentlich“ keine weiteren Asyl- gründe; sein „Hauptproblem“ sei die PKK gewesen (vgl. Akte A5, Antwort 7.03). Er gab auch (in der einlässlichen Anhörung) an, die Demonstrati o- nen, an denen er teilgenommen habe, seien friedlich verlaufen. Abgesehen von der kurzweiligen Festnahme seien ihm – im damaligen Zeitpunkt Ende 2012 – keine weitergehenden (behördlichen) Konsequenzen aus dieser E-7115/2014 Seite 19 politischen Tätigkeiten erwachsen. Bei der Schilderung der Demonstratio- nen anlässlich der Anhörung vom 8. Oktober 2014 wurde der Beschwerde- führer auch vom Befrager des SEM unterbrochen und dazu angehalten, seine Schwierigkeiten mit der PKK darzulegen (vgl. Akte 16, Antwort 15 und Frage 16, S. 3 und 4). Erst im weiteren Verlauf derselben Anhörung konnte der Beschwerdeführer auf seine politischen Tätigkeiten in Syrien zurückkommen (vgl. Frage 58, S. 8). Im Verlaufe des vorinstanzlichen Verfahrens legte der Beschwerdeführer sodann mehrere Beweismittel vor, um die geltend gemachte, mehrfache Teilnahme an politischen Kundgebungen in Syrien (und in der Türkei ) zu stützen (insbesondere diverse Fotografien und ein Video auf einem USB - Stick). Auch im Rahmen seiner Beschwerdeeingabe wies er auf diese Ent- faltung von – aus der Sicht des syrischen Regimes – missliebigen Tätig- keiten hin; die im Beschwerdeverfahren eingereichte Bestätigung der [Par- tei] Schweiz vom 26. September 2016 (Beilage zur Eingabe vom 7. Okto- ber 2016) hält fest, nach Erhalt der Akten aus der Parteizentrale in Syrien könne festgestellt werden, dass der Beschwerdeführer bereits im Heimat- land in der Partei aktiv gewesen sei. Die Vorinstanz hat sich im Rahmen der angefochtenen Verfügung mit diesen Vorbringen inhaltlich nicht ausei- nandersetzt; auch in der Vernehmlassung hat sich das SEM mit keinerlei ergänzenden Ausführungen zu den – in Syrien, der Türkei und der Schweiz entfalteten – Polittätigkeiten geäussert. Entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen, die politischen Aktivitäten (Teilnahme an Demonstratio nen) seien nachgeschoben, sind diese Vor- bringen übereinstimmend und in ihrem zentralen Kern bereits in der BzP vorgetragen und mit diversen aussagekräftigen Beweisunterlagen unter- mauert worden. Das Gericht hält die Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe sich im Heimatland ab 2011, und nach seiner Ausreise in die Türkei auch dort, an Demonstrationen beteiligt und politisch in diesem Rahmen engagiert, für glaubhaft gemacht. 5.3.2 Was die Schilderungen des Beschwerdeführers zur Festnahme am Flughafen in Damaskus und die Zuführung zur syrischen Militärkaserne anbelangt, ist das Folgende festzuhalten: Das Monatssalär eines syrischen Regierungs- respektive Staatsangestel- len betrug im Jahr 2010 rund 260 US $. Die syrische Regierung erhöhte diese Gehälter im Jahr 2011 auf rund 340 US $ nach Ausbruch der Pro- testkundgebungen im Land (vgl. dazu: The Damascus Bureau, Syrian E-7115/2014 Seite 20 Government Employees Struggle to Make Ends Meet, 31.01.2014, http://www.damascusbureau.org/?p=6342, abgerufen am 31.1.2017). Auf den Zeitpunkt der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Bestechung (Ende 2012) zurückgerechnet, entspricht der Betrag von 175'000 bis 200'000 syrische Lira in etwa einem mehrmonatigen Gehalt eines syri- schen Staatsangestellten (www.oanda.com/lang/de/currency/converter, abgerufen am 31.2.2017). Die Erwägung des SEM, wonach es sich bei der Geldzahlung des Be- schwerdeführers respektive dessen Bruders an einen syrischen Offizier um ein "verhältnismässig tiefes Bestechungsgeld" handelt, trifft daher nicht zu und kann nicht als Argument gegen die Plausibilität der Vorbringen des Be- schwerdeführers verwendet werden; dass aufgrund derartiger Überlegun- gen die Schilderungen des Beschwerdeführers, wie ihm die Flucht aus der Kaserne gelungen sei, unglaubhaft seien, überzeugt somit nicht. 5.3.3 Das SEM hält dem Beschwerdeführer im Sinne eines Unglaubhaftig- keitsarguments vor, seine Ausführungen seien in wesentlichen Punkten zu wenig konkret, detailliert und differenziert ausgefallen. Dabei verweist das SEM auf bloss zwei Angaben, die der Beschwerdeführ er zu Protokoll ge- geben hat: seine ungefähren Angaben im Zusammenhang mit dem Beste- chungsgeld („175‘000 bis 200‘000“) respektive zur Festnahme am Flugha- fen Damaskus („zwischen November und Dezember 2012“). Hierzu ist einerseits festzuhalten, dass nicht der Beschwerdeführer, son- dern sein Bruder dem syrischen Gefängnisoffizier dieses „Lösegeld“ über- geben haben soll (vgl. Akte A5, Antwort 7.01, S. 6). Daher erscheint es für das Bundesverwaltungsgericht plausibel, dass der Beschwerdeführer dies- bezüglich nur eine ungefähre Geldsumme hat nennen können. In diesem Zusammenhang wird sodann in der Beschwerdeschrift plausibel dargelegt, dass diese Geldsumme ursprünglich für die Finanzierung der Herzoper a- tion des Vaters vorgesehen war, was als Realkennzeichen für die Gl aub- haftigkeit des zugrundeliegenden Vorbringens zu qualifizieren ist. Andererseits trifft es zu, dass der Beschwerdeführer nur ungefähre Zeitan- gaben zur Festnahme am Flughafen Damaskus gemacht hat, indem er an- gab, seine Festnahme sei zwischen November und Dezember 2012 er- folgt. Der Beschwerdeführer gab an, sich nicht mehr an ein präzises Datum erinnern zu können (vgl. A5, Ziffer 7.01, 2. Frage, S. 6 ) in seinem freien Bericht im Rahmen der Anhörung (vgl. A16, Antwort 16) nannte er überein- stimmend denselben Zeitrahmen “November oder Dezember 2012“. Diese E-7115/2014 Seite 21 unpräzise Datierung stellt sich nach Auffassung des Gerichts nicht als aus- schlaggebendes Unglaubhaftigkeitsmerkmal dar. Es kann betreffend die Schilderungen der Ereignisse am Flughafen Da maskus festgehalten wer- den, dass der Beschwerdeführer hierzu mehrere detaillierte und präzise Angaben gemacht hat; es finden sich in seinen Aussagen auch keine Wi- dersprüche; die Angaben in der BzP und in der Anhörung stimmen überein und beinhalten mehrere für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen sprechende Realkennzeichen. Dies betrifft beispielsweise die Aussagen des Beschwer- deführers, die Sicherheitsbeamten hätten am Flughafen Damaskus seinen Namen im Computer eingegeben; es sei zu Gesprächen zwischen ihm und seinem Vater gekommen, in welchen er – der Beschwerdeführer – seinen Vater im Hinblick auf die bevorstehende Einziehung in den Militärdienst zu beruhigen versucht habe; die Personen, die ihn aufs Revier geführt hätten, seien in Zivilkleidern angezogen gewesen (vgl. Akte A16, Antworten 19 ff., S. 4 ff.). Die Schilderungen zu der Anhaltung am Flughafen stimmen ferner logisch überein mit den an ganz anderer Stelle des Protokolls vorgetrage- nen Aussagen, der Beschwerdeführer sei bereits seit Juli 2012 als Reser- vist aufgeboten gewesen, habe aber die entsprechenden Einberufungsun- terlagen erst viel später von der PKK ausgehändigt erhalten (A16 F ragen 47 ff S. 7 f.); bei der Anhaltung am Flughafen wusste er dies demnach noch nicht. Ebenfalls präzise, detailliert und konkret schilderte er, dass er abends um 23.00 Uhr im Bataillon eingetroffen sei und sein Bruder frühmorgens am nächsten Tag beim Offizier vorgesprochen und diesen bestochen habe (vgl. Akte A16, Antwort 24 bis 29, S. 5). Der Beschwerdeführer machte kon- krete und übereinstimmende Angaben zum Bataillon in (...)/Damaskus und gab an, er sei der Division zugeführt worden, wo er früher Dienst geleistet habe (Akte A5, Ziffer 7.01, S. 6). Weiter führte er aus, es seien nicht viele Leute in diesem Bataillon gewe- sen; die dort Anwesende n hätten nicht Arabisch gesprochen und hätten lange Bärte getragen, was – so der Beschwerdeführer – im syrischen Mili- tär verboten sei. Er beschrieb auch ihre weitere Kleidung (Turnschuhe und enge T-Shirts, teilweise Militärhosen, teilweise schwarze Hosen) ; a ls er wieder in B._______ gewesen sei, habe er erfahren, dass die Hizbullah und die Iraner sich in die syrische Revolution eingemischt hätten. Diese Angabe zu den Iranern stimmt mit den Erkenntnissen des Gerichts grund- sätzlich überein, und die Darstellungen des Beschwerdeführers erweisen sich vor dem Hintergrund der syrischen Verhältnisse als nicht unplausibel: Medienberichten zufolge ist es in der Zeitspanne von 2012 bis zum Oktober 2015 zum Einsatz von Offizieren der iranischen Revolutionsgarden (auch Pasderan, oder Iranian Revoultionary Guard Corps [IRGC]) gekommen, E-7115/2014 Seite 22 welche schiitische Truppen auf Seiten Assads anführten ( vgl. dazu: Al Jazeera, Members of Iran's elite force killed in Syria clashes , 07.05.2016, http://www.aljazeera.com/news/2016/05/members-iran- elite-force-killed-syria-clashes-160507162338065.html, abgerufen am 30.01.2017; Reuters, Iranian Revolutionary Guards general, six Basij volunteers killed in Syria: media , 05.02.2016, http://www.reu- ters.com/article/us-mideast-crisis-syriairan-idUSKCN0VE19Z, abge- rufen am 09.08.2016 ). Im Weiteren hat auch „The National“ davon berichtet, dass in Syrien überall iranische Einheiten stationiert wor- den seien; die Hauptzentrale („central headquarters“) sei in der Nähe des Internationalen Flughafens in Damaskus stationiert gewesen (vgl. The National, Iran sends in regular troops to bolster Assad’s fight for Aleppo, 30.05.2016, http://www.thenational.ae/opinion/com- ment/iran-sends-in-regular-troops-to-bolster-assads-fight-foraleppo, abgerufen am 30.01.2016; Reuters: Iranian casualties rise in Syria as Revolutionary Guards ramp up role , 22.12.2015, http://uk.reu- ters.com/article/mideast-crisis-syria-iran-guards-idUKKBN0U50MB20151 222; The Telegraph, http://www.telegraph.co.uk/news/2016/05/10/almost- 700-iranian-troops-killed-in-syria-to-preserve-bashar-al/, beide abgerufen am 31.1.2017). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auch die dargelegten Angaben des Beschwerdeführers betreffend seine Festnahme am Flughafen Da- maskus, die Verbringung in eine Militärkaserne und die damit zusammen- hängenden Begebenheiten als insgesamt glaubhaft gemacht zu qualifizie- ren sind. 5.4 Ebenfalls nicht zu überzeugen vermögen die vorinstanzlichen Erwä- gungen, wonach die Aussagen zu m Erhalt der Reservistenkarte und des Reservistenaufgebots nicht glaubhaft seien, und wonach es unplausibel erscheine, dass sich der Beschwerdeführer nach der Flucht aus der Mili- tärkaserne von Damaskus anschliessend noch mehrere Monate an seinem Herkunftsort aufgehalten habe. 5.4.1 In diesem Zusammenhang gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, zum fraglichen Zeitpunkt (Ende 2012) hätten sich die syrischen Behörden aus seinem Heimatgebiet zurückgezogen gehabt und die PKK respektive die PYD hätten das betreffende Gebiet unter ihrer Kontrolle gehalten (vgl. Akte A5, Punkt 7.01, S. 7 oben sowie Akte A16, Antwort 40, S. 6). In der Rechtsmitteleingabe wird zutreffenderweise darauf hingewiesen, dass im E-7115/2014 Seite 23 Zeitpunkt der Rückkehr des Beschwerdeführers nach B._______ im De- zember 2012 die PYD die Territorialverwaltung von der syrischen Zentral- regierung, welche sich gleichzeitig aus dem Gebiet zurück gezogen habe, übernommen habe. Diese Darstellung entspricht den vorliegenden Lageberichten. In der Pro- vinz al-Hasaka haben sich die Machtverhältnisse im Verlauf des Jahres 2012 tatsächlich grundlegend verändert. Ab Juli 2012 zogen sich die Re- gierungstruppen der Syrischen Arabischen Armee (SAA) weitgehend aus dem Nordosten des Landes zurück, um ihre zunehmend unter Druck gera- tenen militärischen Positionen in Aleppo und Damaskus zu konsolidieren. Kurdische Milizen übernahmen in der Folge die Kontrolle über Teile dieser Gebiete in einem weitgehend gewaltlosen Übergang (vgl. Kurd Watch (Ber- lin), What does the Syrian -Kurdish opposition want ?, 09.2013, http://www.kurd-watch.org/?aid=2935&z=en&cure=1009; The New York Times, Kurdish Struggle Blurs Syria's Battle Lines, 01.08.2013, http://www.nytimes.com/2013/08/02/world/middleeast/syria.html?adxnnl= 1&adxnnlx=1381910565-UxTdwj5UYfVAjOxFlZrbqA; Aljazeera, Kurds in Syria triumph over al -Assad's regime , 20.11.2012, http://www.aljaze- era.com/indepth/inpictures/2012/11/20121119132652603960.html, alle ab- gerufen am 30.01.2017). Dementsprechend wurde im Verlauf des Jahres 2012 und später wieder- holt davon berichtet, wie Regierungstruppen ganze Städte oder Gebäude von strategischer Bedeutung in der Provinz al-Hasaka geräumt hätten. Im August 2012 berichtete Kurdwatch von der Übernahme mehrerer Polizei- stationen im Bezirk al-Malikiya durch kurdische Einheiten und über die fast vollständig durch bewaffnete Mitglieder der PYD kontrollierte gleichnamige Bezirkshauptstadt al-Malikiya/Derik (vgl. Kurdwatch [Berlin], Al-Malikiyah: Regime cedes service offices and rural areas t o the PYD-intelligence ser- vice headquarters reclaimed , 05.08.2012, http://kurdwatch.org/?aid= 2602&z=en, abgerufen am 30.01.2017). 5.4.2 Dass sich bei dieser Sachlage der Beschwerdeführer einige Monate in B._______ aufhalten konnte, ohne in unmittelbarer Gefahr zu sein, we- gen seiner Flucht gesucht zu werden, erweist sich demnach – entgegen der Einschätzung der Vorinstanz, dies entspreche nicht dem von einer ver- folgten Person zu erwartenden Verhalten – nicht als unplausibel; ein un- mittelbarer Zugriff der syrischen Behörden drohte damals nicht. E-7115/2014 Seite 24 Während der BzP wurde der Beschwerdeführer auf sein diesbezügliches Verhalten angesprochen, worauf er zu Protokoll gab, sein Vater habe eine Herzoperation hinter sich gehabt; d er Vater habe nicht gewollt, dass er – sein Sohn – ihn verlasse, weshalb der Beschwerdeführer weitere vier Mo- nate bis zur Ausreise in Syrien verblieben sei. In der Anhörung vom 8. Ok- tober 2014 führte der Beschwerdeführer diesbezüglich aus, er habe wäh- rend seines Verbleibs in B._______ versucht, nach Kurdistan zu gelangen, was ihm aber nicht gelungen sei (vgl. A1 6, Antwort 40, S. 6). Nachfragen zu den Gründen, weshalb der Beschwerdeführer weitere vier Monate in Syrien geblieben ist, wurden ihm nicht gestellt. Nach Einschätzung des Gerichts ist nachvollziehbar, dass der Beschwer- deführer mit der Ausreise aus Syrien angesichts der konkreten politischen Situation in seiner Heimatregion und aufgrund der Gesundheitssituation seines Vaters zugewartet hat. Zudem kann aufgrund der zu Protokoll ge- gebenen Angaben nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden, wann und wie oft der Beschwerdeführer während dieser vier Monate versucht hat, Syrien Richtung Türkei zu verlassen. 5.4.3 In der Rechtsmitteleingabe wird ausgeführt, der B eschwerdeführer habe aufgrund dieses Machtwechsels in seiner Heimatgegend seiner früheren Erwerbstätigkeit als [Beruf] wieder nachgehen können. Seine er- neuten Probleme seien erst dadurch entstanden, dass er von den örtlich das Gebiet dominierenden PYD resp ektive PKK unter Druck gesetzt und mit den von den syrischen Behörden zu einem früheren Zeitpunkt erlasse- nen Reservistendokumenten erpresst worden sei. Auch diese Darstellungen – dass eine von früher datierende Einberufung des Beschwerdeführers in den Res ervistendienst, die damals nicht zuge- stellt worden war, nun in die Hände der PYD habe gelangen können und ihm dann von den neuen kurdischen Machthabern übergeben worden sei – sind nicht unplausibel. Entgegen der vom SEM vertretenen Ansicht ist es angesichts der damals herrschenden Machtverhältnisse nicht unlogisch, dass die PYD/PKK dem Beschwerdeführer von den syrischen Militärbehör- den ausgestellte Militärdokumente präsentiert habe, um ihn für ihre eige- nen Reihen zu rekrutieren. Medienberichten von Kurd Wat ch zufolge soll es immer wieder zu Druckversuchen gekommen sein, um Personen zur Militärdienstleistung zu zwingen (vgl. dazu: Kurdwatch [Berlin], Al - Qamishli: Heavy fighting between PYD and regime , 28.04.2016, http://kurdwatch.org/?e3811 sowie Kurdwatch, Al-Qamishli: PYD forcibly E-7115/2014 Seite 25 recruits one hundred fifty young men, 10.02.2015, http://www.kurd- watch.org/index.php?aid=3354&z=en&cure=1029; Kurd Watch: Tall Tamr: PYD will Bevölkerung in Dienst der YPG zwingen, 31.07.2014, http://kurd- watch.org/?aid=3191&z=de, Kurd Watch, Tall Tamr: PYD terrorisiert Dorf- bewohner, die sich Rekrutierung widersetzen , 28.08.2014, http://kurd- watch.org/?aid=3221&z=de, Kurd Watch, Al-Qamischli: PYD entführt junge Männer, 16.10.2014, http://kurdwatch.org/?aid=3273&z=de, alle abgerufen am 30.01.2017). Auch das Argument des SEM, es sei unlogisch, dass dem Beschwerde- führer ein Militärdokument präsentiert worden sei, welches ein bereits ab- gelaufenes Einrückungsdatum aufgewiesen habe, überzeugt angesichts des oben Dargelegten zu den Machtverh ältnissen im Gebiet B._______ Ende 2012 nicht: Der Beschwerdeführer gab selbst zu Protokoll, dass das ihm übergebene Militärdokument ein Datum aufgewiesen habe, welches „von früher“ gewesen sei; er habe die Überbringer des Reservistenaufge- botes denn auch gefragt, weshalb ihm diese Dokumente „nicht schon vor- her abgegeben“ worden sei (vgl. Akte A16, Antwort 44, S. 7). Er gab auf nachvollziehbare Weise an, angesichts seines Berufes als [Beruf] sei er für die PYD/PKK von Interesse geworden. Die von den syrische n Behörden zu einem früheren Zeitpunkt ausgestellten Reservedienst-Dokumente hät- ten den kurdischen Organisationen als sinngemässes Erpressungsmate- rial gedient. Zu keinem Zeitpunkt seiner Befragungen behauptete er, er sei von den syrischen Behörden oder den PYD/PKK aufgefordert worden, an dem – aus dem Reservistenaufgebot hervorgehenden früheren – Einrü- ckungsdatum in den Reservedienst einzutreten. Der Vorinstanz ist zwar beizupflichten, soweit sie eine Unstimmigkeit inner- halb der Angaben des Beschwerdeführers zum Erhalt der Reservedienst- dokumente erkannte. Anlässlich der BzP gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, er sei seitens der PKK unter Druck gesetzt worden; sie hätten ihn provoziert (vgl. A5, Ziffer 7.01, S. 7 oben). Während seiner Anhörung vom 8. Oktober 2014 gab er dann einerseits an, die PKK-Angehörigen hät- ten diese beiden Dokumente „bei seiner Familie“ abgegeben (vgl. A16 Ant- wort 7), um andererseits zu Protokoll zu geben, er sei von den PKK-Leuten selbst aufgesucht worden; diese hätten gesagt, sie w ürden „morgen ein Beweismittel bringen“ und die PKK-Leute hätten ihm persönlich die betref- fenden Dokumente übergeben (vgl. Antworten 45-47 und 54). Im weiteren Verlauf derselben Befragung wurde der Beschwerdeführer nicht auf diese Unstimmigkeit innerhalb seiner Angaben angesprochen, so dass er auch keine Gelegenheit hatte, während der Anhörung selbst diesen Widerspruch E-7115/2014 Seite 26 auszuräumen; im Beschwerdeverfahren wird lediglich ausgeführt, die Do- kumente seien dem Beschwerdeführer persönlich übergeben worden (Be- schwerde S. 5). Immerhin ist festzuhalten, dass die vorliegende Ungereimt- heit nicht derart gravierend ist, dass sich daraus die Unglaubhaftigkeit der im Übrigen widerspruchsfrei und plausibel dargelegten Vorbringen ergäbe. 5.4.4 Schliesslich vermag es auch nicht zu ü berzeugen, wenn die Vorinstanz der eingereichten Reservistenkarte und dem Reservistenaufge- bot, jeden Beweiswert abgesprochen und die Dokumente eingezogen hat. Auf welcher Gesetzesgrundlage der Einzug dieser Militärdokumente erfolgt ist, geht aus der vorinstanzlichen Verfügung nicht hervor. Konkrete Fäl- schungs- oder Manipulierungsmerkmale hat die Vorinstanz weder in der angefochtenen Verfügung noch in der Vernehmlassung auf gezeigt. Die blosse Erwägung, derartige Dokumente seien leicht käuflich erwerbbar, vermag für sich allein nicht zu genügen, um die Dokumente als Fälschun- gen zu behandeln und einzuziehen. Aufgrund der obigen Erwägungen kommt das Gericht zum Schluss, dass auch die Vorbringen des Beschwer- deführers im Zusammenhang mit dem Erhalt und den Konsequenzen der militärischen Dokumente glaubhaft gemacht worden sind. Die Vorinstanz hat zu Unrecht mit der fehlenden Glaubhaftigkeit argumentiert und in der Folge zu Unrecht die besagten Beweismittel eingezogen. 5.4.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die zentralen Vorbringen des Beschwerdeführers, d.h. die für seine Ausreise aus Syrien massgeblichen Ereignisse und Umstände ohne wesentliche Widersprüche dargelegt wur- den und eine Vielzahl von Glaubhaftigkeitselementen aufweis en. Soweit eine einzelne Unstimmigkeit besteht, die während der Anhörung nicht aus- geräumt wurde, vermag dies, wie dargelegt, nicht zu genügen, um die Vor- bringen als insgesamt nicht glaubhaft zu qualifizieren. Im Sinne eines Zwi- schenergebnisses und nach einer Würdigung der oben dargelegten Glaub- haftigkeitsindizien ist festzustellen, dass die vom Beschwerdeführer gel- tend gemachte Verfolgungssituation somit überwiegend glaubhaft darge- tan wurde. 6. 6.1 Es ist somit vom folgenden, glaubhaft vorgetragenen Sachverhalt aus- zugehen: Der Beschwerdeführer hat vor seiner Einreise in die Schweiz in Syrien (und später auch in der Türkei) an regimekritischen, aber friedlichen Demonstrationen teilgenommen und wurde in diesem Zusammenhang E-7115/2014 Seite 27 durch die syrischen Sicherheitskräfte verhaftet und zwei Tage lang festge- halten. Weitere Konsequenzen aus dieser Festnahme trug der Beschwer- deführer nicht vor. Ende 2012 wurde er anlässlich einer Reise mit seinem Vater nach Damaskus am dortigen Flughafen angehalten und zum Reser- vedienst in Damaskus einer Militärkaserne zugeführt. Von dort gelang ihm anschliessend durch die Leistung eines namhaften Bestechungsgeldes die Flucht. In der Folge begab er sich zunächst zu einem Onkel und anschlies- send zurück in seine Heimatgegend B._______. Dort wurde er seitens der PYD/PKK unter Druck gesetzt; insbesondere wurde ihm angedroht, er müsse zwangsweise in den Reihen der kurdischen Milizen kämpfen res- pektive für diese als [Beruf] arbeiten oder er werde – aufgrund der ihm vor- gelegten Reservistendokumente – den syrischen Behörden als Deserteur oder Refraktär verraten und übergeben. 6.2 Da die Vorinstanz die Glaubhaftigkeit der Vorbringen verneinte, ver- zichtete sie auf eine Prüfung der Asylrelevanz. 6.3 Das Gericht geht nach dem oben Gesagten aufgrund des glaubhaft ge- machten Sachverhalts mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatland ernsthafte Nachteile im Sinne des AsylG erlitten hat respektive solche zu befürchten hatte und nach wie vor hat. 6.3.1 Gemäss Rechtsprechung ist davon auszugehen, dass die syrischen Sicherheitskräfte seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 gegen tat- sächliche oder vermeintliche Regimegegner mit grösster Brutalität und Rücksichtslosigkeit vorgehen. Das syrische Militärstrafrecht sieht nach den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts für verschiedene Abstufun- gen der Entziehung von der militär ischen Dienstpflicht unterschiedliche Strafmasse vor, welche zwischen kürzere n Freiheitsstrafen, über lange Haft bis zur Todesstrafe variieren. Abgesehen von diesem gesetzlichen Strafrahmen geht allerdings aus zahlreichen Berichten hervor, dass Perso- nen, die sich dem Dienst in der staatlichen syrischen Armee entzogen ha- ben – etwa weil sie sich den Aufständischen anschliessen wollten oder in der gegebenen Bürgerkriegssituation als Staatsfeinde und als potenzielle gegnerische Kombattanten aufgefasst werden – seit dem Jahr 2011 in grosser Zahl nicht nur von Inhaftierung, sondern auch von Folter und aus- sergerichtlicher Hinrichtung betroffen sind (vgl. zum Ganzen: BVGE 2005/3 E. 6.7.2 mit weiteren Verweisen auf die Literatur). E-7115/2014 Seite 28 6.4 Der Beschwerdeführer gehört der kurdischen Ethnie an (vgl. A5, Ziffer 1.08, S. 3) und hat glaubhaft dargetan, dass er bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der syrischen Behörden auf sich gezogen hat, indem er an regimekritischen Demonstrationen teilnahm und dabei festgenom- men wurde. Aufgrund seiner glaubhaft vorgetragenen Asylgründe wurde der Beschwerdefü hrer zum Reservedienst eingezogen, konnte von dort dank eines Bestechungsgelds aber entkommen. Angesichts dieses persönlichen Hintergrundes und der dargelegten notori- schen Vorgehensweise des syrischen Regimes ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Militärdienst - respektive Reservedienstverweigerung des Beschwerdeführers durch die syrischen Behörden als Ausdruck der Regimefeindlichkeit ausgelegt wird . Es muss davon ausgegangen werden, dass die dem Beschwerdeführer drohende Strafe nicht allein der Sicherstellung der syrischen Wehrpflicht dienen würde, was praxisgemäss – unter der Voraussetzung rechtsstaatlicher und völkerrechtskonformer Rahmenbedingungen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.7.3 mit weiterem Verweis auf E. 5, insb. 5.7.1 f. und 5.9) – grundsätzlich als legitim zu erachten wäre. Vielmehr muss damit gerechnet werden, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Dienstverweigerung als politischer Gegner qualifiziert und als solcher unverhältnismässig schwer bestraft würde. Sollte das s yrische Regime seiner habhaft werden, hätte der Be- schwerdeführer eine gezielte, politisch motivierte Bestrafung und eine Be- handlung zu erwarten, die eine flüchtlingsrelevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen würde. 6.5 Es stellt sich im Folge nden die Frage, ob sich die festgestellte, dem Beschwerdeführer drohende asylbeachtliche Gefährdung auf das gesamte Gebiet von Syrien erstreckt oder ob ihm vor einem allfälligen Zugriff der staatlichen syrischen Behörden eine innerstaatliche Fluchtalternat ive zur Verfügung steht. 6.5.1 Der Beschwerdeführer ist Angehöriger der kurdischen Ethnie und stammt aus dem Distrikt B._______ (respektive B._______) in der syri- schen Provinz Al-Hasaka. Diese Region wird zum heutigen Zeitpunkt zu einem bedeutenden Teil von der syrisch-kurdischen PYD und deren be- waffneten Organisation YPG (Yekîneyên Parastina Gel; Volksverteidi- gungseinheiten) dominiert und kontrolliert, während sich die Truppen des syrischen Regimes in gewissen Ausmass zurückgezogen haben (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.7 .5.1 sowie: Carnegie Endowment for International Peace, Bombers over Hasakah: Assad Clashes With the Kurds , E-7115/2014 Seite 29 22.08.2016, http://carnegie-mec.org/diwan/64375?lang=en, abgerufen am 30.01.2017; vgl. auch oben, E. 5.4.1). 6.5.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwalt ungsgerichts übt die PYD und deren militärische Organisation YPG keine derart gefestigte ter- ritoriale Kontrolle in der Herkunftsregion des Beschwerdeführers aus, dass von der Möglichkeit eines adäquaten Schutzes vor Verfolgungsmassnah- men seitens des syrisc hen Regimes gesprochen werden könnte. Vorlie- gend kommt hinzu, dass gemäss seinen glaubhaften Vorbringen die PYD selbst dem Beschwerdeführer angedroht hat, ihn dem syrischen Regime gegenüber als Deserteur respektive Refraktär zu verraten. Schliesslich ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die PYD seit 2014 selbst alle im autonomen, selbst-verwalteten kurdischen Gebiet im Norden Syriens le- benden Männer im Alter zwischen 18 und 40 zum obligatorischen Militär- dienst einberuft (vgl. Syria: direct [Amman], 07.11.2016: YPG draft evaders on the run after amnesty „Why would I fight to defend Arab lands“, http://sy- riadirect.org/news/ypg-draft-evaders-on-the-run-after-amnesty-‘why-would -i-fight-to-defend-arab-lands’/, abgerufen am 30.01.2017). Die Lage in und um die kurdisch kontrollierten Teilgebiete („Kantone“) Nordsyriens muss als ausgesprochen volatil bezeichnet werden. Die weitere Entwicklung der mi- litärischen und politischen Situation muss auch für diese Teile Syriens als ungewiss eingestuft werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.7.5.3). Nach dem Gesagten steht dem Beschwerdeführer eine valable innerstaat- liche Fluchtalternative nicht zur Verfügung. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Hinweise auf Asyl- ausschlussgründe im Sinne von Art. 53 AsylG finden sich in den Akten nicht. Nachdem die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers aufgrund sei- ner Fluchtgründe, die zur Ausreise aus Syrien geführt haben, zu bejahen ist, stellt sich die Frage nach allfälligen Nachfluchtgründen nicht mehr. Es kann daher auf eine einlässliche Würdigung des exilpolitischen Engage- ments des Beschwerdeführers und der entsprechenden Ausführungen im Rahmen des Beschwerdeverfahrens verzichtet werden. E-7115/2014 Seite 30 8. 8.1 Nach dem Gesagten verletzt die angefochtene Verfügung Bundes- recht. Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen, soweit die Aufhebung der BFM-Verfügung vom 31. Oktober 2014 hinsichtlich der Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, der Ablehnung des Asylgesuches und der Anord- nung der Wegweisung beantragt wurde. Die Verfügung der Vorinstanz vom 31. Oktober 2014 ist aufzuheben und das SEM ist anzuweisen, den Be- schwerdeführer gestützt auf Art. 3 AsylG als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 8.2 Die Frage, ob die dem Beschwerdeführer nachgereiste Ehefrau des Beschwerdeführers ([...], geb. […]) die originäre Flüchtlingseigenschaft er- füllt oder gegebenenfalls gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flücht- lingseigenschaft und Asylgewährung ihres Ehemannes einzubeziehen ist, ist nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. Die Verfahrensakten sind dem SEM zur weiteren Prüfung des Asylverfah- rens der Ehefrau zu überweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind keine Verfah- renskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). 9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der in der Kostennote vom 25. Februar 2017 (nicht nach Arbeitsschritten zeitlich differenziert) ausgewiesene Aufwand von 16,5 Stunden erscheint nicht vollumfänglich angemessen für die Einreichung der 10 -seitigen Be- schwerdeschrift sowie der beiden Beweismitteleingaben vom 17. Dezem- ber 2014 und 15. Januar 2015, zumal das Dossier nicht übermässig kom- plex erscheint. Das Gericht erachtet eine Parteientschädigung zu Lasten der Vorinstanz von insgesamt Fr. 2‘500.- (inkl. Auslagen und Mehrwert- steuer) als angemessen. (Dispositiv nächste Seite) E-7115/2014 Seite 31 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung der Vorinstanz vom 31. Oktober 2014 wird aufgehoben. 3. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘500.- auszurichten. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sandra Bodenmann Versand: