B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5717/2018 U r t e i l v o m 1 4 . D e z e m b e r 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiberin Nina Klaus. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch MLaw Vanessa Koenig, Freiplatzaktion Zürich, Rechtshilfe Asyl und Migration, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 22. August 2018 / N (…). E-5717/2018 Seite 2 Sachverhalt: I. A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 8. Juli 2015 in der Schweiz um Asyl und am 17. Juli 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. B. Mit Verfügung vom 21. August 2015 trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein. Die dagegen erhobene Beschwerde vom 1. September 2015 wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Juni 2017 gutgeheissen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu- rückgewiesen. II. C. Die Anhörung zu den Asylgründen erfolgte am 24. Januar 2018 sowie er- gänzend am 15. Mai 2018. D. Anlässlich der BzP und den Anhörungen führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes aus: Er sei eritreischer Staatsangehöriger, der Ethnie der Tigre angehörend, sei in Asmara geboren und in B._______ aufgewachsen, wo er bis zu seiner Ausreise mit seiner Mutter gewohnt habe. Diese und seine Ehefrau lebten nach wie vor dort. Seine Eltern seien geschieden, weshalb er nicht vi el Kontakt zu seinem Vater, der Militärdienst leiste, habe. Im Jahr 20(…) habe er die Schule nach der (…) Klasse abgebrochen, um seine Mutter zu un- terstützen, und weil er nicht in Sawa habe einrücken wollen. Er habe so- dann einen sechsmonatigen Computerkurs absolviert und anschliessend in einem (…) und danach als (…) gearbeitet. Nach dem Schulabbruch habe er durch Bestechung erlangt, dass der Schuldirektor seinen Schülerpas- sierschein um ein Jahr verlängert habe, weswegen er sich frei habe bewe- gen können. Danach habe er sich jeweils versteckt aufgehalten, als er von Razzien erfahren habe. Am 27. oder 28. Dezembe r 2014, respektive am 3. Januar 2015 habe seine Mutter für ihn die schriftliche Vorladung für den Militärdienst entgegen genommen und ihn am Mittag, als er von der Arbeit nach Hause gekommen sei, darüber informiert. Er hätte sich am nächsten Tag um sieben respektive acht Uhr bei der Verwaltung melden müssen. Am E-5717/2018 Seite 3 Nachmittag sei er nicht mehr zur Arbeit zurückgekehrt, sondern zu seiner Tante gelaufen, wo er sich bis zu seiner Ausreise versteckt habe. Gemäss anderer Aussage habe er am Nachmittag noch gea rbeitet, seinen Arbeit- geber über die Vorladung informiert und sei erst danach zu seiner Tante gegangen. Schliesslich sei er am 12. Januar 2015 mit seinem Nachbarn und einer weiteren Person illegal in den Sudan gereist und von dort mittels Visum und einem gefälschtem eritreischen Pass in die Türkei geflogen. An- schliessend sei er über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich am 8. Juli 2015 in die Schweiz gelangt. Etwa eine Woche, respektive 20 Tage nach seiner Ausreise sei seine Mut- ter für einen, beziehungsweise zwei Tage festgenommen worden, da die Behörden seinen Aufenthaltsort in Erfahrung hätten bringen woll en. Sie habe ihnen diesen jedoch nicht mitgeteilt. In der Schweiz habe er einmal an einer Demonstration gegen die eritrei- sche Regierung teilgenommen; in seiner Heimat sei er nie politisch aktiv gewesen. Als Beweismittel reichte er Kopien seines Schulzeugnisses sowie der ID - Karte seiner Mutter ein. E. Mit Verfügung vom 2 2. August 2018 – eröffnet am 6. September 2018 – stellte das SEM f est, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. F. Der Beschwerdeführer liess mit Beschwerde vom 5. Oktober 2018 an das Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung von Asyl beantragen. Eventualiter sei die Sache zur hinreichenden Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vo rinstanz zurückzuweisen und subeventualiter sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs festzustellen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht sowie um Beiordnung seiner Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. E-5717/2018 Seite 4 G. Mit Zwischenverfügung vom 23. Oktober 201 8 wies das Bundesverwal- tungsgericht die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung und um Beiordnung einer amtlichen Rechtsve rbeiständung ab und forderte den Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss zu leisten. Die- ser wurde fristgerecht bezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden ( Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der E-5717/2018 Seite 5 Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Ob- wohl er anlässlich der Zweitanhörung die Widersprüche erklärt habe, seien diese durch das SEM in der angefochtenen Verfügung nicht berücksichtigt worden. Dieses Vorbringen ist nicht geeignet, eine Gehörsverletzung darzutun, zu- mal die Vorinstanz sich mit den wesentlichen Vorbringen des Beschwerde- führers im Entscheid auseinandersetzte und im Übrigen ergänzend auf die Anhörungsprotokolle verwies. Dadurch ermöglichte sie dem Beschwerde- führer eine sachgerechte Anfechtung . Der Eventualantrag auf Rückwei- sung ist somit abzuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, s olchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegen- satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Be -E-5717/2018 Seite 6 schwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es jedoch nicht aus, wenn der Inhalt der Vorb ringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 6. 6.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheides qualifizierte die Vorinstanz die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen des Beschwer - deführers weder den Anforderungen an die Glaubhaftmachung eines Asyl begründenden Sachverhalts noch an die Asylrelevanz als genügend. Der Beschwerdeführer habe widersprüchliche Angaben zu seinen Asylgründen in der Anhörung und der ergänzenden Anhörung gemacht. So habe er in der ersten Anhörung angegeben, am 3. Januar 2015 eine militärische Vorladung erhalten zu haben, wogegen e r in der Zweitanhörung vom 27. oder 28. Dezember 2014 gesprochen habe. Weiter habe er in der Anhörung erklärt, er hätte sich gemäss Vorladung am nächsten Tag morgens um sieben Uhr bei den Behörden melden müssen. In der ergänzenden Anhörung habe er jedoch v orgebracht, der Meldetermin sei um acht Uhr gewesen. Sodann habe er zunächst gesagt, er sei nicht mehr zur Arbeit zurückgekehrt, nachdem er das Aufgebot für den Militärdienst erhalten habe, sondern direkt zu seiner Tante gegangen. Später habe er allerdings ausgeführt, er sei nach Kenntnisnahme der Vorladung nochmals an seine Arbeitsstelle zurückgekehrt. Schliesslich hab e der Beschwer - deführer in der Erstanhörung zu Protokoll gegeben, seine Mutter sei 20 Tage nach seiner Ausreise von den Behörden für zwei Ta ge lang festgehalten worden. Hingegen habe er in der Zweitanhörung erläutert, seine Mutter sei etwa eine Woche nach seiner Ausreise zur Verwaltung bestellt und dort den ganzen Tag befragt worden. Folglich müsse aufgrund dieser Widersprüche davon ausgegange n werden, dass der Beschwer - deführer nicht für den Militärdienst gesucht worden sei. Ferner sei aufgrund der einmaligen Teilnahme an einer Demonstration in der Schweiz gegen die Regierung Eritreas zusammen mit 3000 anderen Personen nicht davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer in einem relevanten Ausmass exponiert habe, u nd die Aufmerksamkeit der eritreischen Behörden auf sich gezogen habe. Die blosse Tatsache, si ch als Regimegegner zu bezeichnen, sei nicht asylrelevant. Auch die geltend gemachte illegale Ausreise erfülle die Anforderungen an die Flüchtlings - eigenschaft nicht. Der Beschwerdeführer sei weder für den Militärdienst aufgeboten noch bei einer Razzia festgenommen worden, weshalb nebst E-5717/2018 Seite 7 der illegalen Ausreise keine anderen Anknüpfungspunkt e, welche ihn in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten, ersichtlich seien. 6.2 In seiner Rechtsmitteleingabe führt der Beschwerdeführer bezüglich des Empfangsdatums der militärischen Vorladung insbe sondere aus, die von ihm genannten Daten lägen nur einige Tage auseinander und er habe bei der ergänzenden Anhörung erklärt, sich nicht mehr an das exakte Datum erinnern zu können. Auf den Widerspruch angesprochen habe er vorgebracht, nur ungefähr e Angaben gemacht zu ha ben und es seien zwischen Ausreise und Befragungen drei Jahre vergangen. Hinsichtlich der unterschiedlichen Angaben zum Meldetermin bei der Verwaltung bringt der Beschwerdeführer vor, er habe den genauen Inhalt der Vorladung nicht selber zur Kenntnis genom men, da er kein Tigrinya lesen könne. Zudem wichen seine Zeitangaben lediglich um eine Stunde ab, weshalb dies nicht als Widerspruch zu bezeichnen sei. Im Weiteren gesteht der Beschwer- deführer ein, in der Erstanhörung angegeben zu haben, er sei nach Erhalt der Vorladung nicht mehr zu seiner Arbeitsstelle zurückgekehrt. Allerdings spreche es für seine Glaubwürdigkeit, dass er offen gelegt habe, nochmals zu seiner Arbeitsstelle zurückgekehrt zu sein, obwohl er diese Tatsache hätte verschweigen können . Er hab e weder versucht, sich aus dem Wiederspruch herauszureden , noch habe er sich in widersprüchliche Erklärungen verstrickt, als er an der ergänzenden Anhörung mit den Unstimmigkeiten konfrontiert worden sei. Zu den vorgehaltenen Widersprüchen bezüglich de s Zeitpunkts und der Dauer der Befragung seiner Mutter hält er fest, dass er bereits im Sudan gewesen sei, als seine Mutter befragt worden sei, und dieses Ereignis über dreieinhalb Jahre zurückläge. Zudem habe er – auf den Widerspruch angesprochen – nachvollziehbar erklären können, weshalb die eine Aussage zutreffe und die andere nicht. Schliesslich habe er in sämtlichen Befragungen äusserst detailliert, erlebnisnah, mit vielen Realkennzeichen und stringent über seine Fluchtgeschichte berichtet und habe sämtliche Widersprüche in der erweiterten Anhörung plausibel erklärt, ohne sich in Ung ereimtheiten zu verstricken. Die von der Vorinstanz angebrachten angeblichen Wider - sprüche bezögen sich auf grösstenteils für den Sachverhalt unwesentliche Punkte und überspannten das Mass der Anforderungen an die Glaubhaftigkeit massiv. E-5717/2018 Seite 8 Folglich sei aufg rund seiner glaubhaften Aussagen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er im Falle einer Rückkehr nach Eritrea begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu rechnen habe. 6.3 In der Zwischenverfügung vom 23. O ktober 2018 erwog die Instruktionsrichterin im Zusammenhang mit der festgestellten Aussichts - losigkeit der Beschwerde, […] „ dass die Argumentation der Vorinstanz hinsichtlich der Unglaubhaftigkeit sowie der fehlenden Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers im Wesentlichen überzeugend erscheint, dass auf die Erwägungen des SEM verwiesen werden kann und der Be - schwerdeführer diesen Argumenten nichts Stichhaltiges entgegen - zusetzen scheint, dass es dem Beschwerdeführer insbesondere nicht gelingen dürfte, die wi- dersprüchlichen Angaben zwischen der Anhörung und der ergänzenden Anhörung aufzulösen, dass der Beschwerdeführer zwar einerseits gewisse Details nannte, die sich vor seiner Flucht ereignet hätten (beispielsweise, dass er am 5. Mai 2014 geheiratet habe [vgl. SEM -Akten A30, F25], sowie den Namen der Beamtin, welche ihm im Jahr 2013 eine ID-Karte ausgestellt habe [vgl. A33 F63 ff.]), andererseits in den geltend gemachten Kern-Asylvorbringen, die als einschneidend zu betrachten sein dürften, kein Detailreichtum er - kennbar sein dürfte, weshalb das pauschale Argument des Beschwerde - führers, er habe in sämtlichen Befragungen äusserst detailliert, erlebnis - nah, mit vielen Realkennzeichen und stringenten Ausführungen über seine Fluchtgeschichte berichtet, nicht zutreffen dürfte, dass die Argumentation des Eventualantrags auf Rückweisung an die Vorinstanz zur Sachverhaltsabklärung nicht überzeugend scheint, dass das SEM bei dieser Aktenlage zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und das Asylgesuch abgewiesen haben dürfte, dass die Vorinstanz auch mit zutreffenden Erwägungen den Wegwei - sungsvollzug als zulässig, zumutbar und möglich erachten dürfte“ […]. 7. 7.1 In ihrer Verfügung ist die Vorinstanz zur zutreffenden Erkenntnis ge- langt, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgungsvorbrin- gen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit und an die Asylre- levanz nicht genügen, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfü lle. Auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz gemäss angefochtener E-5717/2018 Seite 9 Verfügung und Zusammenfassung in E. 6.1 kann zur Vermeidung von Wie- derholungen verwiesen werden . Wie in der Zwischenverfügung vom 23. Oktober 2018 ausgeführt, erachtet das Bundesverwaltungsgericht die Be- schwerde als aussichtslos. Auf die zitierten Erwägungen dieser Zwischen- verfügung kann ebenfalls verwiesen werden. Zwar ist dem Beschwerde- führer zuzustimmen, dass die Anhörungen zu den Asylgründen erst rund drei Jahre nach seinem Asylant rag erfolgten und gewisse Widersprüche nicht sehr gewichtig sind. Trotzdem vermochte er die Unstimmigkeiten nicht aufzulösen. Daran vermag auch sein Argument, er habe weder ver- sucht, sich aus den Widersprüchen herauszureden, noch habe er sich in widersprüchliche Erklärungen verstrickt, als ihm an der Zweitanhörung die Unstimmigkeiten vorgehalten worden seien, nichts zu ändern. Abgesehen von den grösstenteils nicht sehr gewichtigen Widersprüchen ist wesentlich, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers offensichtlich von einer generellen Substanzlosigkeit durchzogen sind, weshalb seine Aussagen zu Recht als unglaubhaft zu erachten sind. 7.2 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge- lehnt. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfüg t weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 9.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard E-5717/2018 Seite 10 wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigste ns glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10. 10.1 Die Vorinstanz ging in der angefochtenen Verfügung von der Zuläs- sigkeit, Zumutbarkeit sowie technisch möglichen und praktischen Durch- führbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus. 10.2 Aufgrund des Alters des Beschwerdeführers – bei seiner Ausreise aus Eritrea und im heutigen Zeitpunkt – ist sein Einzug in den Nationaldienst bei einer Rückkehr plausibel (vgl. zur eritreischen Musterungspraxis auch das Referenzurteil D-2311/2016 vom 17. August 2017, E. 13.2 – 13.4). 11. 11.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich kürzlich in einem Koordina- tionsentscheid mit der Frage befasst, ob der Vollzug der Wegweisung auch angesichts einer drohenden Einziehung in den eritreischen Nationaldienst als zulässig (Art. 83 Abs. 3 AuG) und zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AuG) quali- fiziert werden könne (Urteil E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 [zur Publikation als Referenzurteil vorgesehen]). Beides hat das Gericht nach einer aus- führlichen Auswertung der zur Verfügung stehenden Länderinformationen mit den folgenden Erwägungen bejaht: 11.2 11.2.1 Die Verpflichtung eritreischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, Nationaldienst zu leisten, kann nach Auffassung des Gerichts nicht als Aus- übung quasi-eigentumsrechtlicher Befugnisse gegenüber der betreffenden Person durc h den eritreischen Staat bezeichnet werden. Zudem kann, auch wenn der Nationaldienst formal nicht befristet ist und sich teilweise über Jahre erstreckt, nicht von jenem dauerhaften Zustand ausgegangen werden, der für die Annahme von Leibeigenschaft vorausg esetzt wäre. Beim eritreischen Nationaldienst handelt es sich demnach weder um Skla- verei noch um Leibeigenschaft im Sinn von Art. 4 Abs. 1 EMRK (vgl. Urteil E-5022/2017 E. 6.1 insbes. 6.1.4). 11.2.2 In seiner heutigen Ausgestaltung (namentlich angesichts der Zweckentfremdung als Mittel zur Arbeitskraftbeschaffung für das gesamte Wirtschaftssystem und der unabsehbaren Dauer) kann der eritreische Na- tionaldienst nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts zwar nicht als "übliche Bürgerpflicht" gemäss Art. 4 Abs. 3 Bst. d EMRK verstanden E-5717/2018 Seite 11 werden. Die Bedingungen im Nationaldienst sind folglich grundsätzlich als Zwangsarbeit im Sinn e von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs reicht diese Ein- schätzung jedoch nicht aus. Vielmehr wäre hierfür erforderlich, dass durch die Einziehung das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mithin diese Bestim- mung ihres essenziellen Inhalts berauben würde. Eine s olche Situation liegt indessen – auch unter Berücksichtigung der Dienstdauer, der niedri- gen Besoldung und der Berichte über Misshandlungen und Übergriffe wäh- rend der Dienstzeit – nach Auffassung des Gerichts nicht vor (vgl. a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.5). 11.2.3 In der Folge befasste sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem Koordinationsentscheid mit der Frage, ob bei einer Rückkehr nach Eritrea aufgrund der Verhältnisse im Nationaldienst oder im Zusammenhang mit einer allfälligen Inhaftierung – beispielsweise aufgrund einer illegalen Aus- reise – eine Verletzung des konventionsrechtlichen Verbots von Folter oder unmenschlicher Behandlung (Art. 3 EMRK) drohen könnte. Auch in diesem Zusammenhang ging das Gericht davon aus, dass in Eritrea Misshandlun- gen und sexuelle Übergriffe während der Dienstzeit oder im Fall einer In- haftierung nicht derart flächendeckend sind, dass jede nach Eritrea zurück- kehrende dienstpflichtige Person dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher auch insoweit kein ernsthaftes Risiko von Folter oder einer unmenschlichen Behandlung (vgl. a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.6 und E. 6.1.8). 11.3 Anschliessend stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die drohende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst mangels einer hin- reichend konkreten Gefährdung auch nicht generell zur Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG führt (vgl. a.a.O. E. 6.2). 12. 12.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 12.1.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, E-5717/2018 Seite 12 zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri - gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Art. 4 EMRK beinhaltet die Verbote der Sklaverei und Leibeigenschaft (Abs. 1) sowie der Zwangs - oder Pflichtarbeit (Abs. 2 und 3). 12.1.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 12.2 12.2.1 Nach dem oben Ausgeführten stehen das Verbot der Sklaverei und der Leibeigenschaft (Art. 4 Abs. 1 EMRK) dem Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers selbst bei einer anstehenden Einziehung in den Nationaldienst nicht entgegen. Aufgrund der verfügbaren Quellen ist nicht davon auszugehen, es bestehe generell das ernsthafte Risiko einer kras- sen Verletzung des Verbots der Zwangs - und Pflichtarbeit während des Nationaldiensts (Art. 4 Abs. 2 EMRK). 12.2.2 Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, der Beschwerdeführer müsste bei einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotene Strafe oder Behandlung befürchten. Auch die problematische allgemeine Menschenrechtssituation in Eritrea lässt den Wegweisungsvoll- zug zum heutigen Zeitpunkt praxisgemäss nicht als unzulässig erscheinen. 12.3 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich da- mit – sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun- gen – als zulässig. E-5717/2018 Seite 13 13. 13.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 13.2 Wie oben dargelegt, vermag die bevorstehende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst allein nicht zur Annahme einer existenzie llen Gefährdung zu führen. 13.3 13.3.1 Im Urteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 (als Referenzurteil pu- bliziert) hatte sich das Bundesverwaltungsgericht ausführlich mit der Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea beschäftigt. Dabei kam es nach Auswertung der zur Verfügung stehenden Quellen zum Schluss, angesichts der dokumentierten Verbesserungen in der Nahrungsmittel - und Wasserversorgung, im Bildungswesen sowie im Gesundheitssystem Eritreas sei die frühere Praxis, wonach eine Rückkehr nur bei begünstigen- den individuellen Umständen zumutbar sei (vgl. Entscheidungen und Mit- teilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 12), nicht länger berechtigt. Angesichts der schwierigen allgemeinen – und insbesondere wir tschaftlichen – Lage des Landes müsse bei Vorliegen besonderer individueller Umstände aber nach wie vor von einer Existenzbedrohung ausgegangen werden. Die Frage der Zumut- barkeit bleibe daher im Einzelfall zu beurteilen (vgl. Referenzurteil D-2311/2016 E. 17.2). 13.3.2 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen (…)-jährigen und gemäss eigenen Aussagen – abgesehen von dem (…) – gesunden Mann (vgl. A4 Ziff. 8.02), der über Schulbildung und Arbeitserfahrung verfügt (vgl. A30 F9 und F 19) sowie in seinem Heimatla nd ein ausreichendes Bezie- hungsnetz (vgl. A4 Ziff. 3.01) hat, das ihn bei einer Rückkehr unterstützen kann. Besondere individuelle Umstände, aufgrund derer bei einem Zurück- kommen nach Eritrea von einer existenziellen Bedrohung ausgegangen werden müsste, sind den Akten nicht zu entnehmen. Auch in der Rechts- mitteleingabe werden keine Umstände geltend gemacht, die im vorliegen- den Einzelfall zur Annahme einer existenziellen Gefährdung in seinem Hei- matland führen könnten. E-5717/2018 Seite 14 13.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 14. Die zwangsweise Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach Eritrea ist zurzeit generell nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Weg - weisungsvollzugs entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist deshalb auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AuG). 15. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint sowie den Wegweisungsvollzug als zuläs- sig, zumutbar und möglich qualifiziert hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 16. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 17. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in dieser Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Be- zahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) E-5717/2018 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in derselben Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezah- lung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Nina Klaus