A bteilung III C -712/2006 {T 0/2} U rteil vom 4. Juli 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichter Vaudan; R ichterin Beutler; G erichtsschreiber Birgelen. A._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Einreisebew illigung für S._______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie 1958 geborene m azedonische Staatsangehörige S._______ (nach- folgend: G esuchstellerin) beantragte am 14. D ezem ber 2005 bei der Schw eizerischen Vertretung in Skopje ein Visum für einen dreim onatigen Besuchsaufenthalt bei ihrem im Kanton St. G allen lebenden Sohn A._______ (nachfolgend: G astgeber bzw . Beschw erdeführer). D ie Schw ei- zerische Vertretung w eigerte sich, das Visum in eigener Kom petenz aus- zustellen und leitete das G esuch an das Bundesam t für M igration (BFM , nachfolgend: Vorinstanz) zur Prüfung und zum förm lichen Entscheid w ei- ter. B. N achdem das Ausländeram t des Kantons St. G allen beim G astgeber w ei- tere Abklärungen getroffen hatte, w ies die Vorinstanz das G esuch um Be- w illigung der Einreise m it Verfügung vom 21. Februar 2006 ab. Zur Be- gründung führte sie aus, die G esuchstellerin stam m e aus einer R egion, aus w elcher der Zuw anderungsdruck als Folge der dort herrschenden w irt- schaftlichen und soziokulturellen Verhältnisse bekannterw eise nach w ie vor stark anhalte. Viele ihrer Landsleute w ürden versuchen, ihren Aufent- halt in der Schw eiz durch Ausschöpfung säm tlicher rechtlicher M ittel zu verlängern und sich so in U m gehung der bundesrätlichen Begrenzungs- m assnahm en eine verm eintlich bessere Zukunft aufzubauen. D ie fristge- rechte und anstandslose W iederausreise könne daher vorliegend nicht als einw andfrei gesichert betrachtet w erden. Im W eiteren w ürden auch keiner- lei G ründe vorliegen, w elche eine Einreise trotzdem zw ingend notw endig m achen w ürden. C . M it Beschw erde vom 6. M ärz 2006 beantragte der G astgeber beim Eidge- nössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) sinngem äss die Aufhe- bung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung der Einreisebew illi- gung. Als Begründung m achte er geltend, die W iederausreise seiner M ut- ter w äre gew ährleistet. Er w olle sie w irklich nur für einen Besuch einladen, dam it sie seine Ehefrau und ihr gem einsam es neues Zuhause kennenler- nen könne. D ie G esuchstellerin spiele nicht m it dem G edanken und habe auch nicht den W unsch, in der Schw eiz zu bleiben. Sie habe in M azedo- nien noch zw ei Söhne, w ovon einer m inderjährig sei; es sei ihre Pflicht, sich um ihn zu küm m ern. Er w äre bereit, eine G arantieerklärung abzuge- ben, dass sie die Schw eiz w ieder rechtzeitig verlasse. D . In ihrer Vernehm lassung vom 3. April 2006 spricht sich die Vorinstanz für eine Abw eisung der Beschw erde aus. D ie G esuchstellerin stam m e aus ei- ner R egion m it starkem Zuw anderungsdruck. Zur Erteilung eines Visum s m üssten deshalb fam iliäre, berufliche oder gesellschaftliche Verpflichtun- gen im H eim atland von gew isser Intensität vorausgesetzt w erden. Von sol- chen Verpflichtungen sei bei der G esuchstellerin nicht auszugehen. G e- m äss Abklärungen der Schw eizerischen Vertretung in Skopje halte sich ihr Ehem ann angeblich in der Türkei auf. D em nach w äre die G esuchstellerin als alleinerziehende M utter und H ausfrau zu betrachten. Schliesslich seien bereits am 16. Juni 2004 und am 1. D ezem ber 2003 ähnlich lautende Vi-3 sum santräge abgew iesen w orden. An den dam aligen Beurteilungen habe sich in der Zw ischenzeit nichts geändert. E. In seiner R eplik vom 27. April 2006 hält der Beschw erdeführer im plizit an seinem R echtsbegehren fest. D ie Vorinstanz gehe von einem unzutreffen- den Sachverhalt aus: Sein Vater sei Besitzer einer Schneiderei und unter- nehm e bloss aus geschäftlichen G ründen R eisen in die Türkei und andere Länder. Entsprechend sei seine M utter nicht alleinerziehend. Er und seine Ehefrau m öchten sie w irklich nur zu einem Besuch einladen. Er garantiere für ihre rechtzeitige Ausreise und w äre bereit, die Schw eiz selber zu ver- lassen, falls die G esuchstellerin nicht rechtzeitig ausreisen sollte. D er R eplik w urde die deutsche Ü bersetzung eines H andelsregisterauszu- ges der G em einde G azi-Baba-Skopje vom 29. Juli 1991 beigelegt. F. M it Zw ischenverfügung vom 10. M ai 2007 w urde der Beschw erdeführer eingeladen, ergänzende Angaben und Belege zu den fam iliären und w irt- schaftlichen Verhältnissen der G esuchstellerin einzureichen. D er Be- schw erdeführer hat darauf innert angesetzter Frist nicht reagiert. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eige- rung der Einreisebew illigung unterliegen der Beschw erde an das Bundes- verw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und 33 lit. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw altungsgericht [Verw altungsgerichtsgesetz, VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht hat die Beurteilung der beim Inkrafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erdediensten der D e- partem ente hängigen R echtsm ittel übernom m en. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Verw altungsge- richtsgesetz nichts anderes bestim m t. D as U rteil des Bundesverw altungs- gerichts ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BG G , SR 173.110]). 1.4 D er Beschw erdeführer ist gem äss Art. 20 Abs. 2 AN AG und Art. 48 Vw VG zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Be- schw erde ist einzutreten (Art. 49 ff. Vw VG ).4 2. 2.1 D ie Schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist - vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe - von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern [VEA, SR 142.211], PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M . 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La protec- tion de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). U m ein Vi- sum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter an- derem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D ie G esuchstellerin bedarf aufgrund ihrer N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass eines Visum s. D ie Vorinstanz verw eigerte die Er- teilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.3 D ie w irtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen in M azedonien ge- stalten sich für breite Bevölkerungsschichten schw ierig. O bschon das W irt- schaftsw achstum seit dem Krisenjahr 2001 kontinuierlich gesteigert w er- den konnte, lag die Arbeitslosenquote im europäischen Vergleich m it 37,3% im Jahre 2005 w eiterhin überdurchschnittlich hoch. D as D urch- schnittsnettogehalt eines Berufstätigen betrug im D ezem ber 2006 bloss ca. EU R 230 (Q uelle: http://w w w .ausw aertiges-am t.de, Stand: M ärz 2007). G em äss W orld Bank R eport lebten im Jahre 2005 rund 22% der m azedoni- schen Bevölkerung in absoluter Arm ut (siehe auch Am nesty International 5 R eport 2006). Für einen echten Aufholprozess der sich im m er noch in der Transform ation befindlichen Volksw irtschaft m üssten die W achstum sraten nach Einschätzung von Experten deutlich höher liegen als heute (vgl. Aus- w ärtiges Am t, a.a.O .). Auf entsprechend hohem N iveau bew egt sich der Anteil derer, die sich zur Em igration entschliessen. D er W ille zur Ausw an- derung w ird erfahrungsgem äss in jenen Fällen noch begünstigt, in denen sich Verw andte, Bekannte oder Freunde dauerhaft im Ausland aufhalten bzw . sich dort etabliert haben. 4. 4.1 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine an- standslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstel- lern, die in ihrer H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m öglichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entspre- chender Erfahrungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschrifts- gem ässen Verhaltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufent- halt) hoch eingeschätzt w erden. 4.2 Bei der G esuchstellerin handelt es sich um die 49-jährige M utter des Be- schw erdeführers. Von ihren insgesam t drei Söhnen soll einer noch m inder- jährig sein (Stand: M ärz 2006). Ein w eiterer (dem nach volljähriger) Sohn lebe ebenfalls in M azedonien. Ü ber die persönlichen Verhältnisse dieser Söhne (Alter, Zivilstand, W ohnadresse usw .) ist nichts aktuelles bekannt. D er Beschw erdeführer selbst hat sich erst Ende 2004 m it einer in der Schw eiz aufenthaltsberechtigten Landsfrau verheiratet und ist danach von M azedonien hierher zugezogen. W as den Ehem ann der G esuchstellerin betrifft, so ging die Schw eizerische Vertretung davon aus, dieser lebe in der Türkei. D er Beschw erdeführer stellt das in Abrede und versucht an- hand eines H andelsregisterauszuges aus dem Jahre 1991 zu belegen, dass sein Vater an der W ohnadresse der G esuchstellerin eine Schneiderei betreibe. N ur aus geschäftlichen G ründen halte er sich zeitw eise in der Türkei und in anderen Ländern auf. 4.3 D er Beschw erdeführer hat es trotz ausdrücklicher Aufforderung versäum t, obenerw ähnte Verhältnisse um fassend offenzulegen und m it den entspre- chenden aktuellen Belegen zu versehen. Kom m t hinzu, dass der Besuch nicht etw a für w enige W ochen, sondern für m ehrere M onate geplant w ur- de. U nter diesen U m ständen konnte und kann nicht davon ausgegangen w erden, es bestünden bei der G esuchstellerin persönliche und fam iliäre Verpflichtungen, die m it grosser W ahrscheinlichkeit zur R ückkehr nach ei- nem Besuchsaufenthalt in der Schw eiz führen w ürden. 4.4 Vor dem gleichen H intergrund bleibt auch unergründlich, in w elchen w irt- schaftlichen Verhältnissen sich die G esuchstellerin befindet. Sie selbst geht erklärterm assen keiner Erw erbstätigkeit nach. D ass sie dennoch in sehr guten, geordneten Verhältnissen lebe, ist eine blosse Behauptung 6 und durch nichts belegt oder auch nur in nachvollziehbarer W eise offenge- legt. 4.5 D ie Vorinstanz durfte dem nach zu R echt davon ausgehen, die fristgerech- te W iederausreise sei nicht gew ährleistet (vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m . Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). Zw ar lässt sich diese Einschätzung nicht zu einer gesi- cherten Feststellung verdichten; sie reicht aber aus, um die Erteilung einer Einreisebew illigung - auf w elche w ie bereits erw ähnt ohnehin kein R echts- anspruch besteht - abzulehnen. 5. An der R isikoeinschätzung verm ögen auch die Zusicherungen des Be- schw erdefühers nichts zu ändern. D essen Integrität als G astgeber w ird in keiner W eise in Zw eifel gezogen. Indessen geht es bei der Abw ägung des R isikos einer nicht fristgerechten W iederausreise nicht so sehr um das Verhalten des G astgebers, sondern vielm ehr um dasjenige des G astes. N ur dieser ist in der Lage, hinreichend G ew ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise zu bieten. D er G astgeber kann zw ar für ge- w isse finanzielle R isiken G arantie leisten, nicht aber - m angels rechtlicher D urchsetzbarkeit - für ein bestim m tes Verhalten des G astes. 6. Aus vorstehenden Erw ägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist da- her abzuw eisen. 7. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens w ird der unterliegende Be- schw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R e- glem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erde- führer auferlegt. Sie sind durch den am 17. M ärz 2006 in gleicher H öhe ge- leisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten 2 056 974 zurück) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: A. Trom m er L. Birgelen Versand am :