Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. März 2015 (725 14 275 / 53) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Unfallbegriff: Programmwidrigkeit und damit ungewöhnlicher äusserer Faktor bejaht Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Jan Herrmann , Recht s- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen (4.36523.13.0) A. Der 1967 geborene A.____ war seit dem 1. Novembe r 2011 bei der B.____ GmbH in C.____ als Heizungs- und Sanitärinstallateur tätig und durch die Arbeitgeberin bei der Schwei- zerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen d ie Folgen von Unfällen und Berufskrank- heiten versichert. Mit Bagatell-Unfallmeldung vom 3 0. Juli 2013 liess der Versicherte durch die Arbeitgeberin melden, dass er am 31. Mai 2013 beim Tragen einer neuen Badewanne in eine Wohnung gestolpert sei, ihm die Badewanne aus der H and gerutscht sei und er beim Nachfas- sen einen ziehenden Schmerz im Rücken verspürt habe . Ein am 12. Juni 2013 erstelltes MRI Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ergab als Hauptbefund eine mediolateral links liegend e, nach kranial umgeschlagene Dis- kushernie mit Einengung des Recessus und des Eintrittes des Neuroforamens mit möglicher Kompression der Nervenwurzel C7 links und wahrscheinlicher K ompression der Nervenwurzel C8 links. Ausserdem hätten sich multisegmentale degenerat ive Veränderungen der Halswirbel- säule (HWS) gezeigt. Nach einer Schmerzzunahme wurde A._ ___ am 7. August 2013 in das Spital D.____ überwiesen. In der Folge kam es zu Kompl ikationen in der Heilbehandlung. Mit Verfügung vom 21. November 2013 verneinte die SUVA ihre Leistungspflicht aus der obligatori- schen Unfallversicherung mit der Begründung, beim Ereig nis vom 31. Mai 2013 habe es sich weder um einen Unfall im Rechtssinne noch um eine unfa llähnliche Körperschädigung gehan- delt. Eine dagegen vom Versicherten erhobene Einsprache wies die SUVA mit Entscheid vom 25. Juli 2014 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanw alt Jan Hermann, mit Eingabe vom 12. September 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, die Beschwerdegegnerin sei in Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen aus dem Unfallereignis vom 31. Mai 2013 auszurichten. In verfahrensrechtlicher Hi nsicht wurde die Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung mit Rechtsanwalt Jan H ermann beantragt; alles unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausge führt, dass eine programmwidrige Störung des Bewegungsablaufs und damit ein ungewöhnli cher äusserer Faktor aufgrund des Stolperns bzw. Anhängens des Beschwerdeführers an der Tr eppe und dem reflexartigen Auf- fangen des eigenen Gewichts sowie dem Nachfassen ohne We iteres gegeben sei. Die Be- schwerdegegnerin habe den Beschwerdeführer solange befr agt, bis dieser Aussagen gemacht habe, die eine Verneinung des ungewöhnlichen äusseren Faktors erlauben würden. Die Inter- pretation der Aussagen des Beschwerdeführers und die Sch lussfolgerungen der Beschwerde- gegnerin seien indessen schlicht lebensfremd. C. In ihrer Vernehmlassung vom 7. November 2014 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Die wiederholte Befragun g des Beschwerdeführers diene der vollständigen und korrekten Sachverhaltsermittlung und sei nicht zu beanstanden. Der Be- schwerdeführer habe angegeben, beim Hinauftragen eine r Badewanne rückwärtsgehend am letzten Treppenabsatz den Fuss nicht genügend hochgezogen zu haben und mit der Ferse am Tritt angekommen zu sein, woraufhin er den Fuss reflexartig habe höherziehen müssen. Dieses Ankommen des Fusses stelle indessen kein Stolpern oder A nstossen dar. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer langsam die Tre ppe hochgetastet habe. Von Be- rufs wegen sei sich der Beschwerdeführer gewohnt, schwere Gegenstände (rückwärts) Treppen hinauf zu tragen. Das Vorgehen habe somit nichts Ungewöhnliches an sich. Eine unfallähnliche Körperschädigung liege mangels einer Listenverletzung ebenfalls nicht vor. D. Mit Eingabe vom 3. Februar 2015 beantragte der B eschwerdeführer im Hinblick auf die Vernehmlassung vom 7. November 2014 in beweisrechtli cher Hinsicht die Befragung des Beschwerdeführers und die Einvernahme von E.____ als Zeu ge zum Unfallhergang. Mit Verfü- gung vom 10. Februar 2015 hielt die instruierende Prä sidentin an der angesetzten Urteilsbera- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tung fest und verzichtete vorbehältlich eines anderslaut enden Entscheids des Dreiergerichts vorläufig auf die Befragung des Beschwerdeführers und des beantragten Zeugen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Laufen, weshalb die ört liche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 AT SG. Es ist damit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht eingereichte – Beschwerde ist folglich einzutret en. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegneri n die Übernahme von Versiche- rungsleistungen betreffend den Vorfall vom 31. Mai 201 3 zu Recht abgelehnt hat und nament- lich, ob es sich bei diesem Ereignis um einen Unfall im Rechtssinne handelt. 3. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, Leistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Per- son Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die ver- sicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise a rbeitsunfähig, hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). 3.1 Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, n icht beabsichtigte schädigende Ein- wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den me nschlichen Körper, die eine Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. 3.2 Der äussere Faktor ist das zentrale Begriffscharakte ristikum eines jeden Unfallereig- nisses; er ist Gegenstück zur – den Krankheitsbegriff konst ituierenden – inneren Ursache (BGE 134 V 76 E. 4.1.1). Der äussere Faktor ist ungewöhnli ch, wenn er den Rahmen des im jeweili- gen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreit et. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umständ e in Betracht fallen. Definitionsge- mäss bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusse- ren Faktors, sondern nur auf diesen selbst (BGE 134 V 76 E. 4.1, 129 V 404 E. 2.1, 122 V 233 E. 1, je mit Hinweisen). Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist, dass der äusse- re Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat. Ausschlagge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bend ist, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwe lteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt (BGE 134 V 80 E. 4.3.1). B ei Schädigungen, die sich auf das Kör- perinnere beschränken (wie etwa bei Muskel- und Gelenksch merzen, einer Lumbago oder Her- nien), unterliegt der Nachweis der Ungewöhnlichkeit de s äusseren Faktors besonders strengen Anforderungen. Die unmittelbare Ursache der Schädigun g muss in diesen Fällen unter beson- ders sinnfälligen Umständen gesetzt werden. Regelmässig be darf es – neben den üblichen, dem täglichen Leben zuzuschreibenden, auf den Körper e inwirkenden Kräften – eines scha- densspezifischen Zusatzgeschehens, damit ein Unfall angeno mmen werden kann. Hintergrund bildet der Umstand, dass ein Unfallereignis sich in der R egel in einer äusserlich wahrnehmba- ren Schädigung manifestiert, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (vgl. BGE 134 V 80 E. 4.3.2.1, 99 V 138 E. 1; Urteil des Bundesgerichts vom 25. März 2011, 8C_693/2010, E. 5.2). 3.3 Gemäss Lehre und Rechtsprechung kann der ungewöhnli che Faktor in einer unkoordi- nierten Bewegung oder in einer ausserordentlichen körp erlichen Anstrengung bestehen (BGE 130 V 117 E. 2.1, 116 V 136 E. 3b mit Hinweisen.; Ur teil des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG] vom 13. Februar 2006, U 144/06, E. 1, Urteil des EVG vom 13. Dezember 2002, U 65/02, E. 1.2; vgl. U ELI KIESER /H ARDY LANDOLT , Unfall-Haftung-Versicherung, Zürich/St. Gal- len 2012, N 17 ff.; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, § 7 N 13). Bei unkoordinierten Bewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erforder- nis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung g leichsam "programmwidrig" unter- bricht oder stört. Bei einer solchen unkoordinierten Be wegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich e in ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 118 E. 2.1 mit zahlreichen Hinweisen). Bei beru fsüblichen Tätigkeiten wird ausserdem darauf abgestellt, ob der berufsübliche Ablauf durch ein besonderes Element gestört wurde. (BGE 116 V 139 E. 3b; K IESER /L ANDOLT , a.a.O., N 49; ALEXANDRA RUMO -JUNGO /A NDRÉ PIERRE HOLZER , Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2012, S. 41 mit Hinweisen). 4.1 Nach der Rechtsprechung hat die versicherte Person di e Umstände des als Unfall ge- meldeten Ereignisses glaubhaft zu machen. Zur Glaubhaft machung müssen über das konkrete Geschehen genaue und möglichst detaillierte Angaben n amhaft gemacht werden, aufgrund derer der Versicherer in die Lage versetzt wird, sich übe r die Tatumstände ein klares Bild zu machen und diese in objektiver Weise abzuschätzen (vgl. BGE 114 V 305 E. 5b; Urteil des EVG vom 25. November 2004, U 209/04, E. 1.2, Urteil des EV G vom 15. September 2004, U 234/04). Unvollständige, ungenaue oder widersprüchlic he Angaben zum Geschehensablauf können die Verneinung der Leistungspflicht der Unfallve rsicherung zur Folge haben. Im Streit- fall hat das Sozialversicherungsgericht zu beurteilen, ob die einzelnen Merkmale des Unfallbe- griffs, insbesondere die Ungewöhnlichkeit des äusseren Fa ktors, gegeben sind. Hierzu hat es im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes die notwendigen Beweise zu erheben (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Spricht der rechtserhebliche Sachverhalt ni cht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen der einzelnen Begriffsmerkmale – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, ist Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein Unfall im Rechtssinne zu verneinen (Urteil des EVG vo m 23. November 2006, U 258/04, E. 3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Bei der Beurteil ung des Unfallbegriffs kommt ihm jedoch ein nicht unerheblicher Beurteilungsspielraum zu (vgl. BGE 112 V 202 E. 1; RKUV 2003 U 485 S. 259; ALFRED MAURER , Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern 1985, S. 168). 4.2 Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten P erson ist gemäss Rechtspre- chung den Angaben, die von der versicherten Person kurz n ach dem Unfall gemacht wurden, meist grösseres Gewicht beizumessen als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers. Der Grundsatz, wonach die spontanen "Aussa gen der ersten Stunde" in der Re- gel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Schil derungen, die bewusst oder unbe- wusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlich er oder anderer Art beeinflusst sein können, stellt eine im Rahmen freier Beweiswürdig ung zu berücksichtigende Entschei- dungshilfe dar. Sie kann jedoch nur zur Anwendung gel angen, wenn von zusätzlichen Abklä- rungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (Urtei l des EVG vom 23. November 2006, U 258/04, E. 3.1 mit Hinweisen; vgl. auch: Urteil de s Bundesgerichts vom 22. September 2008, 8C_827/2007, E. 5.2). 5.1.1 Gemäss Bagatellunfall-Meldung UVG des Arbeitgebe rs vom 30. Juli 2013 sei der Be- schwerdeführer am 31. Mai 2013 beim Tragen einer neue n Badewanne in eine Wohnung ge- stolpert und die Wanne sei ihm aus der Hand gerutscht. B eim Nachfassen der Badewanne ha- be ein Schmerz in den Rücken gezogen. Dabei habe der B eschwerdeführer einen Bandschei- benvorfall erlitten. 5.1.2 Am 3. Oktober 2013 schilderte der Beschwerdeführ er in einem Telefonat mit der Be- schwerdegegnerin den Unfallhergang wie folgt: Am 31. Mai 2013 habe er einen Auftrag in ei- nem Mehrfamilienhaus in F.____ gehabt, wo er und ei n Arbeitskollege eine Badewanne einzu- bauen hatten. Sie hätten die Wanne die Treppe hochge tragen, wobei der Beschwerdeführer rückwärts gegangen sei. Mit der Ferse sei er an einer Treppenstufe hängengeblieben. Dabei sei ihm die Wanne aus der Hand gerutscht, er habe sie jedoch in letzter Sekunde wieder auffangen können. In diesem Moment habe er einen plötzlich einsch iessenden Schmerz im oberen Rückenbereich verspürt. Ein am 12. Juni 2013 erstelltes MRI habe einen Bandscheibenvorfall gezeigt. Die Schmerzen seien – unter Behandlung durch eine Chiropraktikerin – zunächst aus- haltbar gewesen. Nachdem die Schmerzen Anfang August 20 13 massiv zugenommen hätten und er sich in spitalärztliche Behandlung gegeben habe, sei es zu verschiedenen schwerwie- genden Behandlungskomplikationen gekommen, die sich teilweise noch heute auswirkten. 5.1.3 Anlässlich einer Besprechung mit der Beschwerdeg egnerin am darauffolgenden 4. Oktober 2013 erklärte der Beschwerdeführer, dass er am 31. Mai 2015 mit einem Arbeitskol- legen eine Badewanne über die Treppe in den zweiten Stock eines Wohnhauses habe tragen wollen. Die Badewanne sei aus Stahl und wiege zwischen 5 0 und 55 kg bei einer Grösse von 70 cm mal 170 cm. Er habe die Badewanne an einem Ende gehalten und sei rückwärts die Treppe hochgegangen, wobei er die Wanne nachgezogen habe. Der Arbeitskollege habe die Wanne am anderen Ende gehalten, sei vorwärts die Trep pe hochgegangen und stiess die Wanne nach oben. Beim letzten Tritt vor dem Zwischenbod en habe der Beschwerdeführer den Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechten Fuss nicht genügend angehoben und sei deshalb m it der Ferse am Tritt angekommen. Reflexartig habe er den rechten Fuss höher gehoben, i hn auf den Zwischenboden abgestellt und den linken Fuss nachgezogen. Alles sei sehr schnell passi ert. Die Wanne sei ihm aus den Händen gerutscht. Er habe sich nach vorne gebückt und vor allem mit der linken Hand nachge- fasst, da die Wanne ansonsten auf den Tritt gefallen und beschädigt worden wäre. Beim Nach- fassen habe er plötzlich einen starken Schmerz im Nackenbere ich, in die linke Schulter zie- hend, verspürt. Die Wanne habe er nicht fallen gelassen. 5.1.4 Die erstbehandelnde Chiropraktikerin Dr. med. G .____, führte in ihrem Bericht zu Han- den der Beschwerdegegnerin am 23. Oktober 2013 betreffend den Unfallhergang aus, dass der Patient beim rückwärtigen Treppensteigen und Tragen e iner schweren Badewanne mit einem Fuss an der Treppe hängengeblieben sei, so dass er einen Auffangschritt habe machen müs- sen und ihm die Badewanne aus der Hand gerutscht sei. Da die Badewanne abwärts gegen seinen Kollegen gefallen sei, habe er mit einer schne llen Bewegung nachgegriffen, um diese aufzufangen. Diese Bewegung habe einen unmittelbare n massiven Schmerz in die linke Hals- wirbelsäule und den linken Arm ausgelöst. 5.2 Bezüglich des konkreten Ablaufs des Vorfalles vom 31. Mai 2013 kann auf die glaub- würdigen Ausführungen des Beschwerdeführers gegenüber der Beschwerdegegnerin vom 3. und 4. Oktober 2013 abgestellt werden. Bei diesen Schi lderungen handelt es sich um die ei- gentlichen, vom Betroffenen selbst stammenden „Aussagen der ersten Stunde“. Die verschie- denen Aussagen des Beschwerdeführers zum Unfallhergang stimmen ferner – wie auch grund- sätzlich die Schilderungen des Arbeitgebers und der erstbehandelnden Ärztin – in grössten Tei- len überein. Der Geschehensablauf ist denn auch unter d en Parteien im Wesentlichen unbe- stritten. 5.3 Strittig ist hingegen, ob der beschriebene Vorfal l das Kriterium der Ungewöhnlichkeit erfüllt. Die Beschwerdegegnerin verneint dies im Wese ntlichen mit der Begründung, dass beim Tragen der Badewanne weder ein ausserordentlicher Kra ftaufwand im Sinne einer sinnfälligen Überanstrengung noch ein sonstiges sinnfälliges Ereignis stattgefunden habe. Der Beschwer- deführer sei sich aufgrund seines Berufes gewohnt, schwere Gegenstände auch rückwärts Treppen hochzutragen. Er habe sich beim interessierende n Vorfall vorsichtig rückwärts die Treppen hochgetastet. Als er die Höhe der Treppenstufe falsch eingeschätzt habe, habe er den Fuss weiter anheben müssen, um ihn sicher abzustellen. Die se Vorgehensweise sei nichts Un- gewöhnliches, sondern bilde den natürlichen Bewegungsablauf beim Treppensteigen rückwärts und unterscheide sich folglich klar von einem Stolpern. Auch die vom Beschwerdeführer ausge- führte Nachfassbewegung sei nicht programmwidrig gestör t worden. Das Vorliegen eines rele- vanten äusseren Faktors sei nicht bereits deshalb zu bejah en, weil die Bewegung reflexartig ausgeführt worden sei. 5.4 Wie in Erwägung 3.3 hiervor ausgeführt, kann der ungewöhnliche äussere Faktor in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Er liegt in solchen Fällen darin, dass die körperliche Bewegung durch etwas „Programmwidriges“ gestört wird, w as beispielsweise dann zutrifft, wenn der Versicherte stolpert, ausgleitet oder an ein em Gegenstand anstösst, oder wenn er, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwe hrhaltung ausführt oder auszuführen versucht (Urteil des EVG vom 30. August 2001, U 277/99, E. 3c; Kranken- und Unfallversiche- rung – Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1999 Nr. U 345 S. 420 E. 2b mit weite- ren Hinweisen). Entgegen der Auffassung der Beschwerdege gnerin ist die Programmwidrigkeit des vorliegend vom Beschwerdeführer geschilderten Geschehe nsablaufs zu bejahen: Der Be- schwerdeführer ist beim Tragen einer Badewanne rückwärts eine Treppe hoch mit der Ferse unvermittelt an einer Stufe angekommen. Mit einem r eflexartigen Hochziehen des Fusses auf die Stufe hat er sein Gewicht aufgefangen. Im Rahmen dieser Bewegung ist ihm die Badewan- ne aus den Händen gerutscht und er hat unversehens nac hfassen müssen. Beim beschriebe- nen Vorfall ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem einzigen, unkoordinierten Be- wegungsablauf auszugehen (vgl. hierzu auch: Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht [KGE SV] vom 7. Februa r 2007, 725 06 155 / 37, E. 4.2). Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Zweiteilun g des Geschehens in das „Anstos- sen“ einerseits und dem reflexartigen „Nachfassen“ ander erseits vermag nicht zu überzeugen. Der Beschwerdeführer bringt vielmehr zu Recht vor, dass d as Geschehen lediglich aufgrund seiner genauen und detaillierten Schilderung eine em pfundene Langsamkeit erhält. Den Schil- derungen des Beschwerdeführers gegenüber der Beschwerdeg egnerin ist zu entnehmen, dass alles sehr schnell passiert ist. Für eine einzige, schnell ablaufende Bewegungsabfolge spricht auch, dass der Arbeitskollege des Beschwerdeführers von unt en die Badewanne weiter hoch- stiess und den Beschwerdeführer zu einer raschen und gegeb enenfalls unkontrollierten Reakti- on drängte. Das „Ankommen“ respektive „Anstossen“ der Fe rse an der Treppenstufe ist mit ei- nem Stolpern oder Hängenbleiben, das reflexartige Hoch ziehen des Fusses mit einer Auffang- bewegung gleichzustellen. In dieser Programmwidrigkeit verlor der Beschwerdeführer den Halt an der Badewanne und musste nachgreifen. Entgegen dem Verständnis der Beschwerdegeg- nerin handelt es sich beim für die Verletzung relevante n Geschehen folglich nicht bloss um ein – in der Regel keine Ungewöhnlichkeit begründend es – reflexartiges Nachfassen eines wegrutschenden Gegenstandes (vgl. Zusammenfassung der Rechtsprechung in Urteil des EVG vom 23. Mai 2006, U 144/06, E. 2.2). Vielmehr war da s Wegrutschen der Wanne vom unmittel- bar davor stattfindenden Ankommen an der Treppe und d em Auffangen des eigenen Körpers bedingt. Im Rahmen des Vorgangs des Hochtragens der Bad ewanne fand folglich eine (mehr- stufige) programmwidrige Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt statt. Damit ist das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlich en äusseren Faktors vorliegend gege- ben. Daran ändert auch das Vorbringen der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer sei im Tragen schwerer Gegenstände beruflich geübt, nichts. Auc h ein berufsüblicher Ablauf kann – wie vorliegend – durch ein besonderes Element gestört werden (vgl. E. 3.3 hiervor). 6. Beim strittigen Vorfall vom 31. Mai 2013 hat es sich nach dem Ausgeführten um einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG gehandelt. Die Besch werde ist somit gutzuheissen. Die vom Beschwerdeführer beantragte Partei- und Zeugenbefrag ungen erübrigen sich damit. Die Ange- legenheit wird zur Prüfung der weiteren Anspruchsvorau ssetzungen – zu denen sich die Be- schwerdegegnerin bisher nicht geäussert hat – an die Vor instanz zurückgewiesen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für den vo rliegenden Prozess keine Verfah- renskosten zu erheben. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusp rechen. Der Vertreter des Be- schwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 28. Janu ar 2015 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 13.0833 Stunden und Auslagen vo n Fr. 103.80 geltend gemacht. Darin enthalten sind jedoch ein Aufwand von 1.5 Stunden sowi e Fahrspesen von Fr. 23.80 für die Teilnahme an der heutigen Urteilsberatung. Da die Te ilnahme an der Urteilsberatung fakultativ ist und ein Fernbleiben keinerlei Rechtsnachteile nach sich zieht, wird der Aufwand für eine sol- che Teilnahme im Rahmen der Parteientschädigung praxisge mäss nicht entschädigt. Der be- treffende Aufwand ist deshalb auch vorliegend bei der Bemessung der Parteientschädigung nicht zu berücksichtigen. Somit verbleiben aus der Honora rnote vom 28. Januar 2015 ein ent- schädigungsberechtigter Aufwand von 11.5833 Stunden so wie anerkannte Auslagen von Fr. 80.–. Dem Beschwerdeführer ist demnach eine Parteie ntschädigung in der Höhe von Fr. 3‘213.90 (11.5833 Stunden à Fr. 250.– + Auslagen von Fr. 80.– zuzüglich 8 % Mehrwert- steuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid vom 25. Juli 2014 aufgehoben und die Sache zur Prüfung der weiteren Anspruchsvoraussetzungen an die Beschwerdegeg nerin zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3‘213.90 (inklusive Auslag en und 8% Mehrwertsteuer) auszurichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht