<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>16</b></span> <span class="ft3"><b>§ 26a-26d StG</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Steuerliche Nichtanerkennung von Mitarbeiteraktien, welche keine</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Beteiligung am Eigenkapital des Unternehmens, sondern lediglich</b></span><br/> <span class="ft3"><b>eine Gewinnbeteiligung bezwecken.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Versagen des Vertrauensprinzips bei unlauterem Auskunftsbegehren.</b></span><br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 27. Januar</span><br/> <span class="ft5">2016, i.S. A.H. gegen KStA (WBE.2015.274).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">3.1.1.</span><br/> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">103</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gemäss KS Nr. 5 sind Mitarbeiteraktien Aktien der Arbeitge-</span><br/> <span class="ft1">berin, die Mitarbeitern zu einem Vorzugspreis übertragen werden.</span><br/> <span class="ft1">Sie sind zum Zeitpunkt der Übertragung durch die Mitarbeitenden</span><br/> <span class="ft1">als Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit zu versteuern.</span><br/> <span class="ft1">Als steuerbares Einkommen gilt der Differenzbetrag zwischen dem</span><br/> <span class="ft1">reduzierten Erwerbspreis und dem Marktwert der Aktien zum Er-</span><br/> <span class="ft1">werbszeitpunkt. Bei gebundenen Mitarbeiteraktien (d.h. bei</span><br/> <span class="ft1">vereinbarter Sperrfrist) ist der Verkehrswert pro Jahr der Sperrfrist</span><br/> <span class="ft1">mit 6% zu diskontieren. Der Diskont wird dabei mit dem (subjek-</span><br/> <span class="ft1">tiven) Minderwert der gesperrten Aktien begründet, da der Mitarbei-</span><br/> <span class="ft1">tende während der Sperrfrist nicht verkaufen und damit nicht auf</span><br/> <span class="ft1">Marktschwankungen reagieren kann. Ein beim Verkauf der Aktien</span><br/> <span class="ft1">erzielter Gewinn stellt einen steuerfreien Kapitalgewinn dar; ein</span><br/> <span class="ft1">allfällig erzielter Verlust fällt steuerlich ausser Betracht.</span><br/> <span class="ft1">3.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Die geschilderten Grundsätze, welchen unter altem Recht die</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungs- und Gerichtspraxis folgte, wurden mit den bereits er-</span><br/> <span class="ft1">wähnten Gesetzesnovellen explizit in die Einkommenssteuergesetze</span><br/> <span class="ft1">von Bund und Kantonen aufgenommen (vgl. Art. 7c-f StHG sowie</span><br/> <span class="ft1">Art. 17a-d DBG; § 26a-d StG).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">3.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Abgesehen von der Verwendung der zivilrechtlichen Bezeich-</span><br/> <span class="ft1">nung "Aktien" findet sich weder im KS Nr. 5 noch in den neuen Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmungen eine Legaldefinition des Begriffs der Mitarbeiteraktien.</span><br/> <span class="ft1">Der Wortlaut der neuen Bestimmungen ist insoweit unergiebig.</span><br/> <span class="ft1">Damit ist - wie gerade der vorliegende Fall zeigt, wo es um die</span><br/> <span class="ft1">Besteuerung individuell nur einem einzigen leitenden Angestellten</span><br/> <span class="ft1">zugeteilter Aktien geht - das Problem ungelöst, wie (echte) Kapital-</span><br/> <span class="ft1">gewinne, die beim Verkauf am Markt von vom Arbeitgeber erwor-</span><br/> <span class="ft1">benen Aktien erzielt werden von solchen Einkünften abzugrenzen</span><br/> <span class="ft1">sind, die trotz der zivilrechtlichen Charakterisierung der zugrundelie-</span><br/> <span class="ft1">genden Geschäfte zumindest wirtschaftlich als Entgelt für unselbst-</span><br/> <span class="ft1">ständig erbrachte Arbeit zu charakterisieren sind.</span><br/> <span class="ft1">In der Literatur und Praxis wird die Problematik, soweit erkenn-</span><br/> <span class="ft1">bar, nirgends eingehend abgehandelt. Im Zusammenhang mit Mitar-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">104</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">beiteraktien findet sich regelmässig nur die Äusserung, bei echten</span><br/> <span class="ft1">Mitarbeiterbeteiligungen beteilige sich der Mitarbeitende im Ergeb-</span><br/> <span class="ft1">nis am Eigenkapital des Arbeitgebers, dessen Muttergesellschaft oder</span><br/> <span class="ft1">einer anderen Konzerngesellschaft. Als unechte Mitarbeiterbetei-</span><br/> <span class="ft1">ligungen werden dagegen eigenkapital- oder aktienkursbezogene</span><br/> <span class="ft1">Bargeldanreize bezeichnet, die den Mitarbeitern keine Beteili-</span><br/> <span class="ft1">gungsrechte des Arbeitgebers, dessen Muttergesellschaft oder einer</span><br/> <span class="ft1">anderen Konzerngesellschaft einräumen (vgl. etwa M</span><span class="ft5">ARTIN</span> <span class="ft1">P</span><span class="ft5">LÜSS</span><span class="ft1">,</span><br/> <span class="ft1">in: M</span><span class="ft5">ARIANNE</span> <span class="ft1">K</span><span class="ft5">LÖTI</span><span class="ft1">-W</span><span class="ft5">EBER</span><span class="ft1">/D</span><span class="ft5">AVE</span> <span class="ft1">S</span><span class="ft5">IEGRIST</span><span class="ft1">/D</span><span class="ft5">IETER</span> <span class="ft1">W</span><span class="ft5">EBER</span><br/> <span class="ft1">[Hrsg.], Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 4. Auflage,</span><br/> <span class="ft1">Muri/Bern 2015 [Kommentar StG], N 5 zu § 26a mit Hinweis auf</span><br/> <span class="ft1">das Kreisschreiben Nr. 37 Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligungen</span><br/> <span class="ft1">vom 22. Juli 2013 [zum neuen Recht]).</span><br/> <span class="ft1">Immerhin finden sich im neuen Kreisschreiben Textpassagen,</span><br/> <span class="ft1">die darauf hindeuten, dass sich die Praxis der Problematik bewusst</span><br/> <span class="ft1">ist, wird doch im Zusammenhang mit der Abgrenzung zwischen ech-</span><br/> <span class="ft1">ten und unechten Mitarbeiterbeteiligungen ausgeführt, in der Regel</span><br/> <span class="ft1">werde durch unechte Mitarbeiterbeteiligungen nur eine Geldleistung</span><br/> <span class="ft1">in Aussicht gestellt. Weil diese Instrumente dem Mitarbeitenden re-</span><br/> <span class="ft1">gelmässig keine weiteren Rechte wie Stimm- und Dividendenrechte</span><br/> <span class="ft1">einräumten, gälten sie bis zu ihrer Realisation als blosse Anwart-</span><br/> <span class="ft1">schaften (vgl. KS Nr. 37 Ziff. 2.3.2.). Darüber hinaus hat auch das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht Zürich in einem Entscheid, der Beteiligungen</span><br/> <span class="ft1">betraf, die leitenden Mitarbeitenden an einer von der Mutter-</span><br/> <span class="ft1">gesellschaft gegründeten Beteiligungsgesellschaft eingeräumt wor-</span><br/> <span class="ft1">den waren, die entsprechenden Beteiligungsrechte nicht als Mitar-</span><br/> <span class="ft1">beiteraktien anerkannt. Namentlich weil die Möglichkeit, sich an der</span><br/> <span class="ft1">Beteiligungsgesellschaft zu beteiligen, nur einem äusserst begrenzten</span><br/> <span class="ft1">Personenkreis von Konzernleitungsmitgliedern offenstand und diese</span><br/> <span class="ft1">mittels ihnen eingeräumter Put-Optionen das Verlustrisiko minimie-</span><br/> <span class="ft1">ren und die Beteiligungsrechte jederzeit wieder an ihren Arbeitgeber</span><br/> <span class="ft1">zurückgeben konnten, gelangte das Verwaltungsgericht zum Schluss,</span><br/> <span class="ft1">dass bei der Veräusserung solcher Beteiligungsrechte erzielter</span><br/> <span class="ft1">Gewinn steuerlich nicht etwa steuerfreien Kapitalgewinn, sondern</span><br/> <span class="ft1">wegen des engen Zusammenhangs mit dem Arbeitsverhältnis</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">105</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">darstelle (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich vom 27. Juni</span><br/> <span class="ft1">2012 [SB.2010.00148]).</span><br/> <span class="ft1">3.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Wortlaut und systematische Stellung der neuen Bestimmungen</span><br/> <span class="ft1">geben für die Auslegung hinsichtlich der dargelegten Problematik</span><br/> <span class="ft1">nur wenig her. Die neuen Bestimmungen erwähnen zwar Aktien, Ge-</span><br/> <span class="ft1">nussscheine, Partizipationsscheine und Genossenschaftsanteile als</span><br/> <span class="ft1">Beispiele von Mitarbeiterbeteiligungen. Allein daraus lässt sich</span><br/> <span class="ft1">indessen kaum schliessen, dass damit alle zivilrechtlich in dieser</span><br/> <span class="ft1">oder ähnlicher Weise ausgestalteten Konstrukte nach dem Willen des</span><br/> <span class="ft1">Gesetzgebers als echte Mitarbeiterbeteiligungen qualifizieren sollen.</span><br/> <span class="ft1">Das erhellt zum einen daraus, dass bereits das Gesetz zwar diese</span><br/> <span class="ft1">zivilrechtlichen Begriffe enthält, als zentralen Anknüpfungspunkt je-</span><br/> <span class="ft1">doch den im Zivilrecht nicht verwendeten Begriff der Mitarbeiter-</span><br/> <span class="ft1">beteiligung benutzt (vgl. Marginale zu § 26a StG; ebenso Marginale</span><br/> <span class="ft1">zu Art. 7c StHG und zu Art. 17a DBG; ebenso sprechen die Ge-</span><br/> <span class="ft1">setzestexte von "<i>Beteiligungen</i> anderer Art, die die Arbeitgeberin,</span><br/> <span class="ft1">deren Muttergesellschaft oder eine andere Konzerngesellschaft den</span><br/> <span class="ft1">Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abgibt"). Zentral ist somit für den</span><br/> <span class="ft1">Gesetzgeber der Begriff der Beteiligung und nicht etwa die einfache</span><br/> <span class="ft1">Anknüpfung an bestimmte zivilrechtliche Ausgestaltungen. Dies</span><br/> <span class="ft1">erhellt auch aus dem Anliegen der Revision, das darin bestand,</span><br/> <span class="ft1">Rechtssicherheit für Mitarbeiter<i>beteiligungen</i> zu schaffen (vgl. BBl</span><br/> <span class="ft1">2005 587). Durch die Revision sollte der Bedeutung, die Mitarbeiter-</span><br/> <span class="ft1">beteiligungen in den letzten Jahren gewonnen haben, Rechnung</span><br/> <span class="ft1">getragen werden. Es sollten die gesetzlichen Grundlagen dafür</span><br/> <span class="ft1">geschaffen werden, dass Unternehmen die Voraussetzungen für ein</span><br/> <span class="ft1">leistungsorientiertes, unternehmerisches Verhalten ihrer Mitarbei-</span><br/> <span class="ft1">terinnen und Mitarbeiter schaffen. Insbesondere jungen Unterneh-</span><br/> <span class="ft1">men sollte ermöglicht werden, "zu günstigen Kosten hochquali-</span><br/> <span class="ft1">fizierte Mitarbeitende einzustellen, die erst Steuern bezahlen müssen,</span><br/> <span class="ft1">wenn sich der Erfolg auch einstellt" (BBl 2005 587). Auch diese</span><br/> <span class="ft1">Passage in der bundesrätlichen Botschaft verdeutlicht, dass es in</span><br/> <span class="ft1">erster Linie darum ging, sichere steuerliche Randbedingungen für</span><br/> <span class="ft1">bestimmte Arten von Lohnanreizen zu schaffen und nicht darum, Ve-</span><br/> <span class="ft1">hikel zur Verfügung zu stellen, welche eine möglichst steuerbefreite</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">106</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Erzielung von Lohn oder wirtschaftlich lohnähnlichen Einkünften er-</span><br/> <span class="ft1">lauben.</span><br/> <span class="ft1">3.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Sinn einer echten Mitarbeiterbeteiligung ist es, den Mitarbeiten-</span><br/> <span class="ft1">den am Eigenkapital der Gesellschaft zu beteiligen. Dabei ist es</span><br/> <span class="ft1">möglich, den Mitarbeitenden von wesentlichen Aktionärsrechten aus-</span><br/> <span class="ft1">zuschliessen, so etwa dem Stimmrecht. Sowohl das alte Recht wie</span><br/> <span class="ft1">nunmehr auch § 26a Abs. 1 lit. a StG (ebenso Art. 7c Abs. 1 lit. a</span><br/> <span class="ft1">StHG und Art. 17a Abs. 1 lit. a DBG) bestimmen ausdrücklich, dass</span><br/> <span class="ft1">auch Genuss- und Partizipationsscheine als echte Mitarbeiterbetei-</span><br/> <span class="ft1">ligungen anzusehen sind. Auch bei diesen Beteiligungsformen be-</span><br/> <span class="ft1">steht indessen immerhin ein Anspruch auf Gewinnausschüttungen</span><br/> <span class="ft1">bzw. Beteiligung am Liquidationsergebnis (vgl. Art. 656f Abs. 1 so-</span><br/> <span class="ft1">wie Art. 657 OR); dass dieser durch die Gewinnausschüttungspolitik</span><br/> <span class="ft1">der Gesellschaft faktisch erheblich beschränkt werden kann, ändert</span><br/> <span class="ft1">nichts. Auch der Umstand, dass gewisse Aktien als Vorzugsaktien</span><br/> <span class="ft1">ausgestaltet sind (vgl. Art. 654 f. OR) und allfällige Mitarbeiteraktien</span><br/> <span class="ft1">nicht, lässt deren steuerliche Qualifikation unberührt. Auch Ver-</span><br/> <span class="ft1">äusserungsbeschränkungen oder die Pflicht, eine Mitarbeiteraktie im</span><br/> <span class="ft1">Falle des Verkaufs zunächst dem Arbeitgeberunternehmen anbieten</span><br/> <span class="ft1">zu müssen, lassen den Charakter der einem Mitarbeitenden zugeteil-</span><br/> <span class="ft1">ten Aktie als Mitarbeiteraktie im steuerrechtlichen Sinn unverändert.</span><br/> <span class="ft1">Der Umstand, dass eine Mitarbeiterbeteiligung in verschie-</span><br/> <span class="ft1">denster Hinsicht wie dargelegt gegenüber einer "normalen" Aktie Be-</span><br/> <span class="ft1">schränkungen unterliegen kann (Beschränkung des Gewinnrechts,</span><br/> <span class="ft1">der Veräusserbarkeit, des Stimmrechts etc.) ändert indessen nichts</span><br/> <span class="ft1">daran, dass in wirtschaftlicher Hinsicht von einer echten Mitarbeiter-</span><br/> <span class="ft1">beteiligung nur dann gesprochen werden kann, wenn als wesentlicher</span><br/> <span class="ft1">Inhalt der Begebung von Mitarbeiterbeteiligungsrechten eine Beteili-</span><br/> <span class="ft1">gung am Eigenkapital der Gesellschaft gewollt ist und - der bei einer</span><br/> <span class="ft1">Veräusserung einer allfälligen Beteiligung erzielte Gewinn qualifi-</span><br/> <span class="ft1">ziert in steuerlicher Hinsicht als steuerfreier Kapitalgewinn - nach</span><br/> <span class="ft1">Ablauf einer allfälligen Sperrfrist eine realistische Möglichkeit zur</span><br/> <span class="ft1">(echten) Veräusserung der Mitarbeiterbeteiligung besteht. Als essen-</span><br/> <span class="ft1">tialia des steuerrechtlichen Begriffs der Mitarbeiterbeteiligung</span><br/> <span class="ft1">müssen damit zum einen die echte Beteiligung am Kapital einer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">107</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gesellschaft (d.h. eben nicht wie bei der unechten Beteiligung eine</span><br/> <span class="ft1">blosse Koppelung gewisser Lohnbestandteile an die Gewinnent-</span><br/> <span class="ft1">wicklung der Gesellschaft) und damit einhergehend die dieser</span><br/> <span class="ft1">Beteiligung innewohnende Möglichkeit der echten Realisierung</span><br/> <span class="ft1">eines Kapitalgewinns am Markt angesehen werden (oder eben auch</span><br/> <span class="ft1">eines Verlusts; ein erheblicher Reiz des Instruments liegt eben auch</span><br/> <span class="ft1">in der Volatilität des Instruments; der praktische Ausschluss einer</span><br/> <span class="ft1">Verlustmöglichkeit dürfte wie der bereits angeführte Entscheid des</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich zeigt, ebenfalls die Qualität</span><br/> <span class="ft1">eines Instruments als Mitarbeiterbeteiligung im steuerrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Sinn ausschliessen).</span><br/> <span class="ft1">3.2.4.</span><br/> <span class="ft1">Die hier zu beurteilende Mitarbeiterbeteiligung stellt sich bei</span><br/> <span class="ft1">einer genaueren Analyse ihres wirtschaftlichen Gehalts gesamthaft</span><br/> <span class="ft1">betrachtet nicht als echte Mitarbeiterbeteiligung im steuerrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Sinn, sondern als Schema zur steuerbegünstigten aufgeschobenen</span><br/> <span class="ft1">Auszahlung eines quantitativ direkt mit dem Erfolg des Unterneh-</span><br/> <span class="ft1">mens gekoppelten Bonus dar: Der Beschwerdeführer hat (selbst</span><br/> <span class="ft1">wenn offenbar auch andere leitende Mitarbeitende von</span><br/> <span class="ft1">Gruppengesellschaften der X. Gruppe an Gruppengesellschaften</span><br/> <span class="ft1">beteiligt werden können) als einziger Arbeitnehmer der Y. Aktien</span><br/> <span class="ft1">dieser Gesellschaft erworben; die restlichen Aktien verblieben als</span><br/> <span class="ft1">Vorzugsaktien im Eigentum der Z. AG. Die erworbenen Aktien be-</span><br/> <span class="ft1">rechtigten nicht zum Dividendenbezug, obwohl Dividenden - an die</span><br/> <span class="ft1">Muttergesellschaft - ausgeschüttet wurden. Statt einer Dividenden-</span><br/> <span class="ft1">ausschüttung wurde der auf den Beschwerdeführer entfallende</span><br/> <span class="ft1">Gewinnanteil einer allein für ihn reservierten Spezialreserve gut-</span><br/> <span class="ft1">geschrieben. Infolge der bestehenden Sperrfrist durfte er nicht über</span><br/> <span class="ft1">die Aktien verfügen. Eine Verfügung über die Aktien war auch tat-</span><br/> <span class="ft1">sächlich ausgeschlossen, da diese gemäss Ziff. 6. des Aktionär-</span><br/> <span class="ft1">bindungsvertrags zu hinterlegen waren. Schliesslich hatte der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer die Aktien der Muttergesellschaft nach Ablauf der</span><br/> <span class="ft1">Sperrfrist anzubieten und konnte sie nicht freihändig verkaufen (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Art. 10 Aktienplan, Ziff. 7.-9. des Aktionärbindungsvertrags). Ein</span><br/> <span class="ft1">freihändiger Verkauf der Aktien wäre im Übrigen aus verschiedenen</span><br/> <span class="ft1">Gründen kein realistisches Szenario gewesen. Zum einen hätten, da</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">108</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">einem Kaufinteressenten nur die Zahlen der ordentlichen Abschlüsse</span><br/> <span class="ft1">hätten vorgelegt werden können, verlässliche Angaben über den Ver-</span><br/> <span class="ft1">kehrswert gefehlt. Zum andern handelte es sich bei den Aktien um</span><br/> <span class="ft1">solche einer im Wesentlichen personenbezogenen Gesellschaft, die</span><br/> <span class="ft1">überdies Teil der X. Gruppe und damit in ihrem Schicksal weithin</span><br/> <span class="ft1">von dieser abhängig war; die Aktien waren daher in jedem Fall, wenn</span><br/> <span class="ft1">überhaupt, im Fall eines freihändigen Verkaufs nur in einem sehr be-</span><br/> <span class="ft1">schränkten Umfang überhaupt verkehrsfähig (wobei selbst für einen</span><br/> <span class="ft1">Rückkauf realistische Bewertungskriterien gänzlich fehlten, sondern</span><br/> <span class="ft1">im Ergebnis einfach eine nachträgliche Ausschüttung der sog.</span><br/> <span class="ft1">Spezialreserve als Verkaufserlös erfolgen sollte). Insgesamt ist damit</span><br/> <span class="ft1">davon auszugehen, dass realistisch für den Beschwerdeführer als</span><br/> <span class="ft1">Erwerber der Aktien nur die Möglichkeit bestand, die Aktien an die</span><br/> <span class="ft1">X. Gruppe zurück zu verkaufen, welche ihm dann einen Preis unter</span><br/> <span class="ft1">Berücksichtigung der seit dem Erwerb geäufneten Spezialreserve ga-</span><br/> <span class="ft1">rantierte.</span><br/> <span class="ft1">Im Ergebnis liegt damit entgegen der Auffassung des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers nicht etwa eine Mitarbeiterbeteiligung, sondern die Abrede</span><br/> <span class="ft1">einer zeitlich aufgeschobenen Gewinn- und Verlustbeteiligung vor.</span><br/> <span class="ft1">Entgegen der Auffassung des Spezialverwaltungsgerichts war dabei</span><br/> <span class="ft1">zwar auch möglich, dass der Beschwerdeführer an Verlusten der Y.</span><br/> <span class="ft1">partizipiert hätte, indem Verluste im Umfang von 17% der Spezial-</span><br/> <span class="ft1">reserve belastet worden wären und damit den Gewinnanteilsanspruch</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers hätten verringern können. Ein solcher Effekt</span><br/> <span class="ft1">wurde indessen, worauf das KStA in seiner Stellungnahme zur Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde zutreffend hinweist, durch die Diskontierung hier (nur ge-</span><br/> <span class="ft1">ringe Verluste der Y. während der Haltedauer) jedenfalls voll</span><br/> <span class="ft1">kompensiert, so dass der Beschwerdeführer insoweit nur einem</span><br/> <span class="ft1">geringen Risiko unterlag. Entscheidend ist allerdings, dass zwar ein</span><br/> <span class="ft1">geringes Verlustrisiko bestand, es jedoch von vornherein klar war,</span><br/> <span class="ft1">dass es sich bei den an den Beschwerdeführern abgegebenen Titeln</span><br/> <span class="ft1">um keine (auch nach Ablauf der Sperrfrist) tatsächlich handelbaren</span><br/> <span class="ft1">Aktien handeln würde - und auch realistische Grundlagen für die</span><br/> <span class="ft1">Preisbemessung im Fall eines Rückkaufs der Aktien durch die Ge-</span><br/> <span class="ft1">sellschaft definitionsgemäss (Rückkauf zum Substanzwert zuzüglich</span><br/> <span class="ft1">Betrag der Spezialreserve) fehlen würden -, der Beschwerdeführer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">109</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und die X. Gruppe aber dennoch davon ausgingen, dass der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer nach Ablauf der Sperrfrist (oder in gegenseitigem</span><br/> <span class="ft1">Einvernehmen auch früher) von seiner Arbeitgeberin zusätzlich zu</span><br/> <span class="ft1">seinem Lohn den seiner Beteiligung entsprechenden während der</span><br/> <span class="ft1">Sperrfrist entstandenen und in der Spezialreserve thesaurierten Ge-</span><br/> <span class="ft1">winn würde beziehen können. Der Beschwerdeführer hat somit mit</span><br/> <span class="ft1">dem "Verkauf" seiner Aktien an die X. Gruppe nicht etwa einen</span><br/> <span class="ft1">Kapitalgewinn erzielt, sondern eine Einkunft bezogen, die nach dem</span><br/> <span class="ft1">wirklichen Willen der Parteien während der Sperrfrist zu thesaurieren</span><br/> <span class="ft1">war. Das entsprechende Einkommen ist daher als Einkommen aus</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätigkeit zu erfassen.</span><br/> <span class="ft1">Diese Qualifikation des hier zu behandelnden "Mitarbeiter-</span><br/> <span class="ft1">beteiligungsschemas" fusst, wie bereits dargelegt, nicht etwa auf</span><br/> <span class="ft1">einer kurzschlüssigen, nicht weiter begründeten Annahme einer</span><br/> <span class="ft1">wirtschaftlichen Anknüpfung bei der Auslegung (vgl. zum Begriff</span><br/> <span class="ft1">und zur Kritik, die Praxis nehme bisweilen ohne weiteres eine</span><br/> <span class="ft1">wirtschaftliche Anknüpfung einer Steuernorm an: S</span><span class="ft5">ILVIO</span> <span class="ft1">B</span><span class="ft5">AUM</span><span class="ft1">-</span><br/> <span class="ft5">BERGER</span><span class="ft1">, Die Grenzen des Legalitätsprinzips im Steuerrecht,</span><br/> <span class="ft1">AJP 2012, S. 911). § 26a Abs. 1 lit. a StG, der im Wesentlichen die</span><br/> <span class="ft1">bis dahin unter Herrschaft des KS Nr. 5 geltenden Grundsätze</span><br/> <span class="ft1">übernimmt, zählt wie das KS Nr. 5 (vgl. KS Nr. 5 Ziff. 2.1.) Aktien,</span><br/> <span class="ft1">Genussscheine etc., wie bereits erwähnt, nämlich nur als Beispiele</span><br/> <span class="ft1">für die Beteiligung eines Arbeitnehmers am Unternehmen des Arbeit-</span><br/> <span class="ft1">gebers auf. Daneben definiert § 26a Abs. 2 StG unechte Mitar-</span><br/> <span class="ft1">beiterbeteiligungen als Anwartschaften auf blosse Bargeldabfin-</span><br/> <span class="ft1">dungen (im KS Nr. 5 fehlen entsprechende Kriterien ganz). Diese</span><br/> <span class="ft1">Abgrenzung (hier Beteiligung, dort Bargeldabfindung) bleibt zu-</span><br/> <span class="ft1">mindest teilweise begriffsunscharf, da es letztlich - bei echter wie</span><br/> <span class="ft1">unechter Beteiligung - immer um einen geldwerten Vorteil geht,</span><br/> <span class="ft1">durch den Mitarbeitende enger ans Unternehmen gebunden werden</span><br/> <span class="ft1">sollen. Selbst aus der neuen gesetzlichen Formulierung ergibt sich</span><br/> <span class="ft1">indessen klar, dass der Gesetzgeber nur wirkliche Beteiligungen am</span><br/> <span class="ft1">Eigenkapital des Unternehmens des Arbeitgebers steuerlich als</span><br/> <span class="ft1">Mitarbeiterbeteiligungen behandelt sehen wollte und nicht etwa</span><br/> <span class="ft1">Schemen, die in erster Linie direkt auf Geldflüsse an den Arbeitneh-</span><br/> <span class="ft1">mer (wenn auch solche, die vom Erfolg des Unternehmens abhängig</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">110</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sind) zielen. Deshalb kann eben, wie dargelegt, nicht einfach an die</span><br/> <span class="ft1">zivilrechtlichen Begriffe von Aktie, Genussschein etc. angeknüpft</span><br/> <span class="ft1">werden. Vielmehr ist die wirtschaftliche Funktion eines Beteiligungs-</span><br/> <span class="ft1">plans in jedem Fall konkret zu untersuchen und sind nur solche</span><br/> <span class="ft1">Mitarbeiterbeteiligungen in steuerlicher Hinsicht als echte Mitarbei-</span><br/> <span class="ft1">terbeteiligungen zu qualifizieren, die wirklich auf eine Unter-</span><br/> <span class="ft1">nehmensbeteiligung ausgerichtet sind. Im Fall der "Beteiligung" des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers an der Y. steht klar eine zwar aufgeschobene,</span><br/> <span class="ft1">aber direkte, unmittelbar geldmässige Partizipation an den Jahres-</span><br/> <span class="ft1">ergebnissen der Y. im Vordergrund, so dass die zivilrechtlich als</span><br/> <span class="ft1">Stammaktien ausgestaltete Beteiligung in steuerlicher Hinsicht nicht</span><br/> <span class="ft1">als echte Mitarbeiterbeteiligung qualifiziert werden kann.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">Das von der X. Gruppe und dem Beschwerdeführer von der</span><br/> <span class="ft1">Überlassung der Aktien der Y. bis zu deren Rücknahme durch die X.</span><br/> <span class="ft1">Gruppe acht Jahre später gewählte Vorgehen erscheint im Übrigen,</span><br/> <span class="ft1">worauf das KStA zutreffend hinweist, als ungewöhnlich. Die von den</span><br/> <span class="ft1">Parteien gewählte Geschäftsgestaltung mittels Aktienvereinbarung,</span><br/> <span class="ft1">Aktienplan, Aktionärsbindungsvertrag und Rücknahmevertrag zielte</span><br/> <span class="ft1">wie dargelegt, in Wirklichkeit nicht auf eine mittel- oder langfristige</span><br/> <span class="ft1">Beteiligung des Beschwerdeführers an der Y. als einer der Tochterge-</span><br/> <span class="ft1">sellschaften der X. Gruppe, sondern darauf, dass dieser nach Rück-</span><br/> <span class="ft1">nahme der Aktien die bis dahin seit Begebung der Aktien aufgelaufe-</span><br/> <span class="ft1">nen, seiner Beteiligungsquote entsprechenden Gewinne vereinnah-</span><br/> <span class="ft1">men kann. Um dieses Ergebnis zu bewerkstelligen, hätte es keiner</span><br/> <span class="ft1">aktienmässigen Beteiligung des Beschwerdeführers an der Y. bedurft.</span><br/> <span class="ft1">Diese wurde nur deshalb gewählt, um auf diese Weise eine erhebli-</span><br/> <span class="ft1">che Steuerersparnis zu erzielen, indem das bei der Rücknahme der</span><br/> <span class="ft1">Aktien erzielte Einkommen als Kapitalgewinn einkommenssteuerfrei</span><br/> <span class="ft1">hätte bleiben sollen. Diese Steuerfreiheit hätte die Vermögenssteuer,</span><br/> <span class="ft1">die für die Aktien während deren Haltedauer zu entrichten war, bei</span><br/> <span class="ft1">weitem aufgewogen, d.h. die Versteuerung der Gewinnbeteiligung</span><br/> <span class="ft1">als Einkommen hätte in ganz beträchtlichem Ausmass eine höhere</span><br/> <span class="ft1">Einkommenssteuerlast ausgelöst als die kumulierte Vermögens-</span><br/> <span class="ft1">steuerlast während der Haltedauer der Aktien. Damit sind hier</span><br/> <span class="ft1">entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers auch sämtliche</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">111</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen für die Annahme einer Steuerumgehung (Unge-</span><br/> <span class="ft1">wöhnlichkeit der gewählten Rechtsgestaltung, Ausrichtung der ge-</span><br/> <span class="ft1">wählten Rechtsgestaltung auf eine erhebliche Steuerersparnis sowie</span><br/> <span class="ft1">tatsächliche Steuerersparnis, sofern die Rechtsgestaltung steuerlich</span><br/> <span class="ft1">hingenommen würde; vgl. zum Ganzen BGE 138 II 239, Erw. 4 mit</span><br/> <span class="ft1">zahlreichen Hinweisen) erfüllt, so dass auch aus diesem Grund nicht</span><br/> <span class="ft1">die vom Beschwerdeführer und der X. Gruppe gewählte Rechts-</span><br/> <span class="ft1">gestaltung hinzunehmen, sondern das Gesamtgeschäft in steuerlicher</span><br/> <span class="ft1">Hinsicht wie das Rechtsgeschäft, das eigentlich gewollt war, nämlich</span><br/> <span class="ft1">eine - aufgeschobene - Gewinnbeteiligung, deren Auszahlungs-</span><br/> <span class="ft1">zeitpunkt auf den Willen des Beschwerdeführers gestellt war, zu</span><br/> <span class="ft1">behandeln ist.</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">5.1.</span><br/> <span class="ft1">In masslicher Hinsicht ist entgegen den Vorinstanzen davon</span><br/> <span class="ft1">auszugehen, dass dem Beschwerdeführer im Umfang der Differenz</span><br/> <span class="ft1">zwischen dem 2002 bezahlten Kaufpreis, der wirtschaftlich nichts</span><br/> <span class="ft1">anderes als ein Entgelt für die vereinbarte Gewinnbeteiligung ("Ein-</span><br/> <span class="ft1">trittspreis": Fr. 71'514.75) darstellt, und dem im Jahr 2009 erhaltenen</span><br/> <span class="ft1">"Preis" für die Rücknahme der Aktien (Fr. 388'240.00) Einkommen</span><br/> <span class="ft1">zugeflossen ist (Fr. 388'240.00 abzüglich Fr. 71'514.75 =</span><br/> <span class="ft1">Fr. 316'725.25). Dabei stellt sich indessen die Frage, ob, da das Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgericht den angefochtenen Entscheid nicht zu Ungunsten</span><br/> <span class="ft1">der beschwerdeführenden Partei abändern darf (§ 199 Abs. 2 StG),</span><br/> <span class="ft1">die bisher noch nicht in die Besteuerung einbezogene Diskontierung</span><br/> <span class="ft1">der Einkommenssteuer unterworfen werden darf.</span><br/> <span class="ft1">5.2.</span><br/> <span class="ft1">Im Hinblick auf die Beantwortung dieser Frage, ist zu beachten,</span><br/> <span class="ft1">dass zu besteuerndes Einkommen die in den letzten acht Jahren</span><br/> <span class="ft1">aufgelaufene Beteiligung am Gewinn der Y. bildet. Es wäre daher zu-</span><br/> <span class="ft1">mindest denkbar, die kumulierte Gewinnauszahlung im Jahr 2009 als</span><br/> <span class="ft1">Kapitalabfindung für wiederkehrende Leistungen im Sinne von § 44</span><br/> <span class="ft1">StG zu betrachten und dementsprechend die Einkommensteuer unter</span><br/> <span class="ft1">Berücksichtigung der übrigen Einkünfte zu dem Steuersatz zu</span><br/> <span class="ft1">berechnen, der sich ergäbe, wenn an Stelle der einmaligen Leistung</span><br/> <span class="ft1">eine entsprechende jährliche Leistung ausgerichtet wurde. Nur wenn</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">112</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">die gemäss dieser Regel ermittelte Steuerlast die Steuerlast unter Zu-</span><br/> <span class="ft1">grundelegung der vom Spezialverwaltungsgericht gewählten</span><br/> <span class="ft1">Besteuerung überschritte, läge überhaupt eine von § 199 Abs. 2 StG</span><br/> <span class="ft1">verpönte reformatio in peius vor. Gegen dieses Vorgehen spricht,</span><br/> <span class="ft1">dass das Bundesgericht es abgelehnt hat, eine Steuersatzermässigung</span><br/> <span class="ft1">dann Platz greifen zu lassen, wenn die Ausrichtung einer Kapital-</span><br/> <span class="ft1">abfindung anstelle periodischer Teilleistungen und der Aus-</span><br/> <span class="ft1">zahlungszeitpunkt von der Wahl des Beteiligten abhängen, was hier</span><br/> <span class="ft1">zweifellos der Fall war (Entscheid vom 5. Oktober 2000</span><br/> <span class="ft1">[2A.68/2000]). Dieser Rechtsprechung folgt auch das Spezialverwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht und es sind keine zwingenden Gründe erkennbar, wa-</span><br/> <span class="ft1">rum das Verwaltungsgericht ihr seinerseits nicht folgen sollte (vgl.</span><br/> <span class="ft1">dazu H</span><span class="ft5">ANS</span><span class="ft1">-J</span><span class="ft5">ÖRG</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft5">ÜLLHAUPT</span><span class="ft1">, Kommentar StG, § 44 N 2 mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weis). Dementsprechend muss es mit der vom Spezialverwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">gericht gewählten Besteuerung (Erfassung der Spezialreserve im</span><br/> <span class="ft1">Umfang des diskontierten "Marktwerts" der Aktien bei Rücknahme</span><br/> <span class="ft1">[89%]) sein Bewenden haben.</span><br/> <span class="ft1">6.</span><br/> <span class="ft1">6.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer beruft sich auf den Vertrauensschutz, ge-</span><br/> <span class="ft1">nauer auf die vom Bundesgericht für das Vertrauen in behördliche</span><br/> <span class="ft1">Auskünfte und insbesondere in Auskünfte von Steuerbehörden (sog.</span><br/> <span class="ft1">Rulings) entwickelten Regeln. Mit schriftlicher Anfrage habe die X.</span><br/> <span class="ft1">Gruppe, nachdem sie schon 2001 ein Ruling vom Kantonalen Steuer-</span><br/> <span class="ft1">amt Zürich eingeholt habe, am 22. Dezember 2008 eine entspre-</span><br/> <span class="ft1">chende Anfrage beim KStA gestellt. Dieses habe der Rechtsauffas-</span><br/> <span class="ft1">sung der X. Gruppe, wonach es sich bei den an den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer zugeteilten Aktien der Y. in steuerlicher Hinsicht um eine</span><br/> <span class="ft1">echte Mitarbeiterbeteiligung und dementsprechend beim aus einer</span><br/> <span class="ft1">allfälligen Rücknahme durch die Arbeitgeberin resultierenden Ge-</span><br/> <span class="ft1">winn um einen steuerfreien Gewinn handle, am 27. Februar 2009,</span><br/> <span class="ft1">d.h. noch weit vor der Rücknahme der Aktien durch die X. Gruppe</span><br/> <span class="ft1">am 17. November 2009, zugestimmt. Damit seien die Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft1">gen für die Gewährung des Vertrauensschutzes, d.h. konkret den</span><br/> <span class="ft1">Nichteinbezug des bei der Rücknahme der Aktien erzielten Gewinns</span><br/> <span class="ft1">in die Bemessungsgrundlage der Einkommenssteuer 2009, erfüllt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">113</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Diese Rechtsauffassung des Beschwerdeführers ist in verschie-</span><br/> <span class="ft1">dener Hinsicht fehlerhaft, so dass ihm die Steuerkommission und in</span><br/> <span class="ft1">der Folge das Spezialverwaltungsgericht zu Recht die Gewährung</span><br/> <span class="ft1">des von ihm verlangten Vertrauensschutzes versagt haben.</span><br/> <span class="ft1">6.2.</span><br/> <span class="ft1">6.2.1</span><br/> <span class="ft1">Rulings bilden einen Anwendungsfall des allgemeinen</span><br/> <span class="ft1">Vertrauensschutzes. Es handelt sich um vorgängige Auskünfte der</span><br/> <span class="ft1">Steuerverwaltung, die zwar nicht Verfügungscharakter haben, aber</span><br/> <span class="ft1">nach den allgemein anerkannten Grundsätzen von Treu und Glauben</span><br/> <span class="ft1">(Art. 9 BV) Rechtsfolgen gegenüber den Behörden auslösen können.</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzung für die Bindungswirkung des "Rulings" ist, dass sich</span><br/> <span class="ft1">(a) die Auskunft der Behörde auf eine konkrete, den Rechtsuchenden</span><br/> <span class="ft1">berührende Angelegenheit bezieht; (b) dass die Behörde, welche die</span><br/> <span class="ft1">Auskunft gegeben hat, hierfür zuständig war oder der Rechtsuchende</span><br/> <span class="ft1">sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; (c)</span><br/> <span class="ft1">dass der Rechtsuchende die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne</span><br/> <span class="ft1">weiteres hat erkennen können; (d) dass er im Vertrauen hierauf nicht</span><br/> <span class="ft1">ohne Nachteil rückgängig zu machende Dispositionen getroffen hat;</span><br/> <span class="ft1">(e) und dass die Rechtslage zur Zeit der Verwirklichung noch die</span><br/> <span class="ft1">gleiche ist wie im Zeitpunkt der Auskunftserteilung (BGE 141 I 161,</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3.1 mit zahlreichen weiteren Nachweisen der bundesgericht-</span><br/> <span class="ft1">lichen Rechtsprechung).</span><br/> <span class="ft1">6.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Aus dem Umstand, dass Rulings einen Anwendungsfall des all-</span><br/> <span class="ft1">gemeinen Vertrauensschutzes darstellen, folgt, dass auch bei Rulings</span><br/> <span class="ft1">sämtliche allgemein geltenden Bedingungen für die Gewährung des</span><br/> <span class="ft1">Vertrauensschutzes erfüllt sein müssen, die - auch wenn nicht aus-</span><br/> <span class="ft1">drücklich genannt - implizit in den oben genannten Bedingungen</span><br/> <span class="ft1">enthalten sind. Dabei ist vor allem zu beachten, dass die Voraus-</span><br/> <span class="ft1">setzung, wonach der Rechtsuchende die Unrichtigkeit der Auskunft</span><br/> <span class="ft1">nicht ohne weiteres erkennen können darf, nichts anderes als den all-</span><br/> <span class="ft1">gemeinen Vorbehalt des guten Glaubens des Rechtssuchenden zum</span><br/> <span class="ft1">Ausdruck bringt. Das Fehlen des guten Glaubens des Rechtssuchen-</span><br/> <span class="ft1">den ist aber nicht nur dann zu verneinen, wenn er von der Fehlerhaf-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit einer Auskunft weiss oder wissen muss, sondern auch dann,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">114</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wenn er diese durch unlautere Mittel, wie bewusst falsche oder</span><br/> <span class="ft1">unvollständige Angaben, selbst (mit)verursacht hat (vgl. statt vieler</span><br/> <span class="ft1">B</span><span class="ft5">EATRICE</span> <span class="ft1">W</span><span class="ft5">EBER</span><span class="ft1">-D</span><span class="ft5">ÜRLER</span><span class="ft1">, Vertrauensschutz im öffentlichen Recht,</span><br/> <span class="ft1">Basel 1983, S. 92 und dort die Nachweise bei FN 20).</span><br/> <span class="ft1">6.2.3.</span><br/> <span class="ft1">6.2.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Hier ergibt sich aus den Akten zunächst, dass die infrage</span><br/> <span class="ft1">stehenden Aktien und deren Besteuerung schon im Jahr 2008 Gegen-</span><br/> <span class="ft1">stand von Gesprächen zwischen dem Steueramt W. und dem Vertre-</span><br/> <span class="ft1">ter des Beschwerdeführers waren. Dabei war das Steueramt schon</span><br/> <span class="ft1">damals nicht dazu bereit, der Betrachtungsweise des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rers zu folgen, wonach ein aus der Rücknahme der Aktien durch die</span><br/> <span class="ft1">Arbeitgeberin resultierender Gewinn als steuerfreier Kapitalgewinn</span><br/> <span class="ft1">und nicht als Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit zu</span><br/> <span class="ft1">betrachten sei. In der Folge entspann sich eine Diskussion zwischen</span><br/> <span class="ft1">Steueramt und Vertreter darüber, welche Einkommenssteuerfolgen</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer allenfalls im Zusammenhang mit einer Rück-</span><br/> <span class="ft1">nahme der Aktien zu akzeptieren bereit sein würde. Auch wenn we-</span><br/> <span class="ft1">der der Beschwerdeführer selbst noch dessen Vertreter in der Folge</span><br/> <span class="ft1">bei Einreichung der Rulinganfrage ans KStA am 22. Dezember 2008</span><br/> <span class="ft1">in Erscheinung traten, sondern allein die als Organ der X. Gruppe</span><br/> <span class="ft1">handelnden Verwaltungsräte A.B. und C.D., erhellt doch schon aus</span><br/> <span class="ft1">dem zeitlichen Ablauf, dass die Rulinganfrage offensichtlich dazu</span><br/> <span class="ft1">dienen sollte, die Schwierigkeiten, welchen die vom Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer bzw. seiner Arbeitgeberin gewünschte Besteuerung beim</span><br/> <span class="ft1">Steueramt am Wohnsitz begegnete, zu beheben.</span><br/> <span class="ft1">6.2.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Unvollständig war die Anfrage im Übrigen auch, worauf bereits</span><br/> <span class="ft1">die Vorinstanz zutreffend hingewiesen hat, hinsichtlich des Um-</span><br/> <span class="ft1">stands, dass die Zuteilung der Aktien der Y. nicht etwa bevorstand,</span><br/> <span class="ft1">sondern bereits mehrere Jahre zuvor erfolgt war. Auch dieser</span><br/> <span class="ft1">Umstand hätte das KStA mit Sicherheit zu einer eingehenderen</span><br/> <span class="ft1">Prüfung der Angelegenheit veranlasst, wäre doch dann erkennbar</span><br/> <span class="ft1">gewesen, was mit der Anfrage sicher gestellt werden sollte, nämlich</span><br/> <span class="ft1">allein die Steuerfreiheit eines aus der Rücknahme der Aktien des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">115</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers durch seine Arbeitgeberin resultierenden</span><br/> <span class="ft1">Gewinns.</span><br/> <span class="ft1">6.2.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Wiederum zutreffend macht die Vorinstanz im Übrigen auf eine</span><br/> <span class="ft1">weitere Unvollständigkeit in der Rulinganfrage aufmerksam, nämlich</span><br/> <span class="ft1">den Umstand, dass die konkreten Randbedingungen mit Bezug auf</span><br/> <span class="ft1">den Beschwerdeführer - einziger Mitarbeiter der Y., der Aktien be-</span><br/> <span class="ft1">ziehen konnte und auch bezog, namentliche Bezeichnung des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers - nicht umschrieben wurden.</span><br/> <span class="ft1">6.2.3.4.</span><br/> <span class="ft1">Insgesamt erscheint die Rulinganfrage damit als der gezielte</span><br/> <span class="ft1">Versuch, mittels einer möglichst unkonkret gehaltenen Anfrage durch</span><br/> <span class="ft1">Verschieben vom Steueramt W. auf eine höhere Hierarchiestufe die</span><br/> <span class="ft1">Schwierigkeiten, die im Hinblick auf die steuerliche Behandlung des</span><br/> <span class="ft1">Gewinns aus einer Rücknahme der Aktien durch die Arbeitgeberin</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers, aufgetaucht waren, zu "umschiffen". Es</span><br/> <span class="ft1">kann offen bleiben, ob dieses Verhalten des Beschwerdeführers bzw.</span><br/> <span class="ft1">von dessen Arbeitgeberin nicht sogar als treuwidrig zu bezeichnen</span><br/> <span class="ft1">wäre. Entscheidend ist allein, dass die in verschiedener Hinsicht un-</span><br/> <span class="ft1">vollständige Präsentation des zu beurteilenden Sachverhalts in der</span><br/> <span class="ft1">Ruling-Anfrage keinen Vertrauensschutz zu begründen vermag. In-</span><br/> <span class="ft1">dem der Beschwerdeführer bzw. dessen Arbeitgeberin es nämlich un-</span><br/> <span class="ft1">terliessen, einen vollständigen Sachverhalt zu präsentieren, verhin-</span><br/> <span class="ft1">derten sie eine in jeder Hinsicht umfassende Prüfung der sich</span><br/> <span class="ft1">stellenden Rechtsfragen durch das KStA. Damit kann der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer nicht als gutgläubig betrachtet werden, weshalb die Gewäh-</span><br/> <span class="ft1">rung von Vertrauensschutz ausser Betracht fällt.</span><br/> <span class="ft1">7.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegrün-</span><br/> <span class="ft1">det und ist abzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>