B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-8367/2015 U r t e i l v o m 1 8 . F e b r u a r 2 0 1 6 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisung); Verfügung des SEM vom 25. November 2015 / N (…). E-8367/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer am 20. Dezem- ber 2013 seinen Heimatstaat. Er reiste durch Äthiopien, Sudan und Libyen. Von Italien herkommend traf er am 27. Juni 2014 in der Schweiz ein, wo er drei Tage später ein Asylgesuch stellte. Am 28. Juli 2014 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel zur Person, zum Reiseweg und summarisch zu den Ausreisegrün- den befragt (Befragung zur Person [BzP]). Im Rahmen der BzP machte er geltend, er gehöre zur Ethnie der Tigrinya und stamme aus der eritreischen Ortschaft B._______ (…). Sein Dorf liege drei Stunden Fussmarsch von der äthiopischen Grenze entfernt. Er habe die Schule nach Erreichen sei- ner Volljährigkeit nicht mehr besuchen dürfen. Deshalb habe er mit seiner Einberufung in den Militärdienst gerechnet. Er leide seit Kindheit an ernst- haften Verletzungsfolgen: So könne er wegen falsch verheilter Rippenbrü- che kaum mehr und nicht schmerzfrei atmen. Ausserdem habe er weitere medizinische Probleme ( …). Er habe deshalb den Behörden mitgeteilt, dass er den Militärdienst nicht leisten könne. Die eritreische Armee habe ihn dennoch – am (…) 2013 – schriftlich aufgeboten. Er habe sich an- schliessend zu verstecken versucht. Im Dezember 2013 sei er aus Eritrea illegal ausgereist. Das SEM teilte ihm am 17. Februar 2015 mit, dass das zunächst eingelei- tete Dublin-Verfahren beendet und das nationale Asyl- und Wegweisungs- verfahren durchgeführt werde, und hörte ihn am 6. November 2015 zu den Asylgründen an. Im Rahmen der Anhörung behauptete er, er hätte weiterhin seine Schulen besuchen können. Er habe die Behörden orientiert, dass er der einzige Versorger seiner Geschwister sei, weil Vater und Bruder im Militärdienst seien, denn er habe als Volljähriger jederzeit mit seiner Einberufung in den Militärdienst rechnen müssen. Die eritreischen Behörden hätten ihn am (...) 2013 zu Hause aufgesucht, um ihn zum Militärdienst abzuholen. Er sei den Soldaten durch die Hintertür seines Hauses entwischt, als diese das Haus durch den Haupteingang betreten hätten. Er habe von den eritreischen Be- hörden nie ein Schriftstück zum Militärdienst erhalten, auch kein schriftli- ches Aufgebot. Nach dem (...) 2013 habe er sich d rei Monate lang mehr- heitlich in der Wildnis und bei einem Onkel versteckt, wobei er sich zu Hause noch einmal kurz habe blicken lassen. In dieser Phase hätten die Soldaten ihn immer wieder zu Hause gesucht. Einige Soldaten hätten ihn E-8367/2015 Seite 3 sogar in der Wildnis entdeckt und sich bei ihm erkundigt, weshalb er nicht zur Schule gehe. Im späteren Verlauf der Anhörung vertrat der Beschwer- deführer folgende Auffassungen: Vor dem (...) 2013 habe er kein Gesuch um Dienstbefreiung oder -verschiebung gestellt, da er nicht gewusst habe, bei welcher Behörde er diese Begehren hätte stellen können. Nach dem (...) 2013 bis zur Ausreise habe er keine Kontakte mehr zu Menschen ge- habt, weil er in der Wildnis in einem Hirtenhaus respektive einer Höhle habe hausen und sich um die Tiere kümmern müssen. Zudem machte er geltend, die Lebensmittel während dieser Zeit vom Onkel erhalten zu ha- ben – aber er habe diesem nicht gesagt, wo er sich aufhalte. Nachdem er von einem Cousin mütterlicherseits erfahren habe, dass ihn die Soldaten nach wie vor zu Hause suchen würden, habe er seinen Entschluss zur Aus- reise gefasst. Den Angehörigen habe er dies nicht mitgeteilt, weil sie ihn als einzigen Versorger ansonsten nicht hätten wegziehen lassen. Die ille- gale Ausreise aus Eritrea sei für ihn kein Problem gewesen, weil er hervor- ragende Ortskenntnisse des Grenzabschnittes besessen habe. Er habe sich für die Flucht nach Äthiopien nicht speziell vorbereiten müssen. So habe er als Hirte und Bebauer eines landwirtschaftlichen Grundstücks an der Grenze die Aufenthaltsorte, das Wachablösungsmuster und die Gepflo- genheiten der stationierten Soldaten gekannt. Der Grenzfluss Mereb habe kein Wasser geführt. Der Beschwerdeführer reichte Kopien einer Einwohnerkarte seines Vaters, einer Identitätskarte seiner Mutter, einer Taufbestätigung und eines Schul- zeugnisses des Jahres 2012/13 ein. B. Mit Verfügung vom 24. November 2015 – eröffnet am 28. November 2015 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz an. Hingegen verfügte es, dass der Vollzug der Wegwei- sung wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf- geschoben werde. C. Mit Eingabe der Rechtsvertreterin vom 23. Dezember 2015 erhob der Be- schwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde und beantragte, die Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtene Verfügung seien aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit der Wegweisung festzustellen und er sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht E-8367/2015 Seite 4 beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Mit der Beschwerde wurden eine Vollmacht, eine Fürsorgebestätigung sowie Kopien des Emp- fangsscheins und der angefochtenen Verfügung eingereicht. D. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 13. Januar 2016 den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer- deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist mit einer Ausnahme (vgl. E. 1.3 in fine) einzutreten. 1.2 Mit Beschwerde im Asylbereich kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.3 Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden einzig die Fragen Flüchtlingseigenschaft, Asyl und Anordnung der Wegweisung. Der Wegweisungsvollzug ist (vgl. dazu E. 7) nicht zu prüfen, nachdem die Vo- rinstanz die vorläufige Aufnahme zu Gunsten des Beschwerdeführers an- geordnet hat. Auf den Eventualantrag auf Feststellung der Unzulässigkeit des Vollzugs ist nicht einzutreten, da der Beschwerdeführer diesbezüglich kein schutzwürdiges Interesse geltend machen kann (Art. 25 Abs. 2 VwVG). 1.4 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin (vgl. dazu Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterungen und mit sum- marischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). E-8367/2015 Seite 5 2. Der Beschwerdeführer rügt, bei der Durchführung der BzP sei ihm das be- treffende Protokoll nie rückübersetzt worden. Der eingesetzte Dolmetscher habe ihm nach der 70-minütigen Befragung den Kugelschreiber ausgehän- digt und ihn angehalten, sämtliche Protokollblätter zu unterzeichnen. Da er sich seiner Rechte nicht bewusst gewesen sei, sei er dieser Aufforderung gefolgt. Ausserdem handle es sich bei der BzP um eine summarische Be- fragung; dies gelte es bei deren Beurteilung auch zu berücksichtigen. Da- mit wirft der Beschwerdeführer der Vorinstanz sinngemäss eine Verletzung seines Gehörsanspruchs, mithin eine unrichtige respektive unvollständige Feststellung des Sachverhalts sowie Falsch- oder Nichtbeurteilung von er- heblichen Sachverhaltselementen vor. Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen (und eventuell die Anhörung zu wiederho- len) wäre, sollte sich der sinngemässe Vorwurf der Verletzung des rechtli- chen Gehörs oder allenfalls der Willkür be i Sachverhaltsfeststellung und Entscheidfindung als begründet erweisen. Allgemein gilt im Verwaltungsverfahren der Untersuchungsgrundsatz und die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Diese behördliche Unter- suchungspflicht wird durch die den Asylsuchenden gestützt auf Art. 8 AsylG auferlegte Mitwirkungspflicht eingeschränkt, wobei die Gesuchsteller bei der vertieften Anhörung alle Gründe zu nennen haben, die für die Asylge- währung relevant sein könnten (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2 m.w.H.). Was die Anforderungen an die mündliche Anhörung gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG und den entsprechenden Anspruch auf rechtliches Gehör anbelangt, so soll die Anhörung Gewähr dafür bieten, dass die asylsuchende Person ihre Asylgründe vollständig darlegen kann und diese von der Asylbehörde korrekt erfasst werden, wobei die mündliche Befragung insbesondere auch dazu dient, gezielte Rückfragen zur Erhebung des Sachverhalts zu stellen und Missverständnisse zu klären. Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, Vorbringen nicht nur zu hören, sondern diese auch ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berück- sichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streitfrage geeignet und erfor- derlich erscheinen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der oder die Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die E-8367/2015 Seite 6 Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht er- forderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein- lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi- derlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). Diesen Anforderungen ist die Vorinstanz entgegen der Auffassung des Be- schwerdeführers einwandfrei nachgekommen. So lässt de ssen Aussage- verhalten nicht erkennen, dass er der BzP (und der Anhörung) nicht hätte folgen können. Dieser Schluss steht im Einklang mit den Angaben des Be- schwerdeführers, wonach er alle Gründe stets habe zu Protokoll geben können und keine Ergänzungen mehr habe (vgl. BzP S. 9; SEM-Akten A17 S. 14 und 15). Die vo m Beschwerdeführer angegebenen Vorkommnisse konnten jedoch in der BzP und namentlich in der Anhörung nicht immer in der wünschbaren Tiefe und Klarheit ergründet werden, was aber offensicht- lich nicht auf das Unvermögen des eingesetzten Dolmetschers, sondern offenkundig auf das vage, selektive und zugleich gravierend unstimmige Aussageverhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen ist (Es kann hierbei auf den Sachverhalt Bst. A verwiesen werden). Im BzP-Protokoll (wie übrigens auch im Anhörungsprotokoll) sind keine erhebliche Situatio- nen mit Verständnisproblemen zu erkennen. Befrager in und Dolmetscher haben ihm damit ausreichende Möglichkeiten zur vollständigen Darlegung oder Klarstellung seiner Angaben geboten. Zudem gab der Beschwerde- führer an, den Tigrinya (Muttersprache) sprechenden Dolmetscher gut zu verstehen (BzP S. 2 und 9; SEM-Akten A17 S. 1 und 17). Er hat denn auch in der Folge – im Gegensatz zu seinen Behauptungen auf S. 5 seiner Be- schwerde – die Richtigkeit und Vollständigkeit der Protokolle , namentlich auch bei der Befragung zur Person, und insbesondere nach Rücküberset- zung unterschriftlich in Anwesenheit der Befragerin des SEM und des Dol- metschers bestätigt (BzP S. 8; SEM-Akten A19 S. 15). Wäre der protokol- lierte Inhalt vom Dolmetscher nicht rückübersetzt worden, so hätte die Be- fragerin des SEM gegenüber dem Dolmetscher interveniert. Zudem hat der Beschwerdeführer in der Folge bis zum Zeitpunkt seiner Beschwerdean- hebung nie geltend gemacht, ihm sei bei der BzP das Protokoll nicht rück- übersetzt worden. Vor diesem Hintergrund erweisen sich die nachträgli- chen Einwendungen als aufgesetzt. Die für einen Entscheid wesentlichen Sachverhaltsteile sind somit rechtsgenügend von der Vorinst anz festge- stellt worden. Weiter best ünde keine Verletzung der Begründungspflicht, wenn gewisse Sachverhaltsdetails nicht erwähnt oder nicht beurteilt wer- den, weil sie für den Ausgang des Verfahrens keine Bedeutung haben. Zu- sammenfassend besteht damit kein formeller Grund für eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung oder für eine allfällige Neuanhörung. E-8367/2015 Seite 7 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt z u werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Dabei kommt es auf die Gezieltheit, Intensität und Aktualität dieser Nachteile und das Motiv ihrer Zufügung an. 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be- hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege- ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Die asylsuchende Person muss auch persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder un- begründet nachschiebt, am Verfahren mangelndes Interesse zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. 4. 4.1 Die Vorinstanz lehnt das Asylgesuch mangels Glaubhaftigkeit ab. Der Beschwerdeführer habe in zentralen Punkten der Asylbegründung wider- sprüchliche Angaben in den Bereichen Schulfortsetzung, militärisches Auf- gebot, Art des Aufgebots, Stellung des Gesuchs um Militärdienstbefreiung und bei den Gründen für eine Dienstbefreiung oder Dienstverschiebung gemacht und schiebe wesentliche Sachverhalte nach (Aufenthalt in der Wildnis; Fahndungen). Somit sei die Einberufung in die eritreische Armee nicht glaubhaft. Die Ausreisemodalitäten seien darüber hinaus unstimmig ausgefallen; sie würden nicht den Eindruck tatsächlicher Erlebnisse ver- mitteln. Da die Einberufung unglaubhaft sei, sei einem illegalen Verlassen des Landes wegen der militärischen Einberufung der Boden entzogen. Ausserdem habe er grundlegende Fragen zur Grenzregion nicht – wie von E-8367/2015 Seite 8 einem Einheimischen erwartet werden könnte – überzeugend beantworten können; namentlich Gegebenheiten geographischer, infrastruktureller und landwirtschaftlicher Art seien ihm nicht ausreichend geläufig. Zudem habe er angegeben, seine Flucht bei vollem Tageslicht durchgeführt zu haben und von Soldaten in der Wildnis angesprochen worden zu sein. Erfah- rungsgemäss würden jedoch Grenzsoldaten verdächtige Personen anhal- ten. Er verheimliche damit die wahren Umstände seiner Ausreise. Folglich sei weder von einer legalen noch illegalen Ausreise aus Eritrea auszuge- hen, weshalb das Vorliegen allfälliger subjektiver Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG zu verneinen sei. Vorab ist in Erinnerung zu rufen, dass die wesentlichen Aussagen des Be- schwerdeführers für eine Beurteilung seines Asylgesuchs in zwei Protokol- len korrekt erfasst wurden. Praxisgemäss (vgl. dazu auch EMARK 1993 Nr. 3) dienen die Protokolle als verwertbare Basis für einen Entscheid (vgl. dazu E. 2). Somit ist auf denjenigen Teil in der Beschwerde nicht weiter einzugehen, der die Verwertbarkeit der Protokolle in Frage stellt. Was der Beschwerdeführer in seiner Eingabe ansonsten einwendet, überzeugt nicht: Er versucht einleitend, seine widersprüchlichen Aussagen (vgl. dazu obigen Sachverhalt Bst. A) zu eine m einzigen Sachverhalt (vgl. Be- schwerde S. 1 und 2) zu verschmelzen. Dabei glättet er unstimmige frühere Versionen aus, indem er sich entweder für die eine oder andere Version entscheidet, bleibt dabei mehrheitlich oberflächlich, spricht Ungereimthei- ten nicht an oder spielt diese herunter. So glaubt er beispielsweise den zentralen Widerspruch einer schriftlichen oder mündlichen oder eines per- sönlich überbrachten militärischen Aufgebots im eritreischen Kontext als nicht entscheidwesentlich abtun zu können. Er geht dabei davon aus, dass allein schon seine unbestrittene Volljährigkeit und die damit einhergehende generelle Militärdienstpflicht, seine unmenschliche Behandlung zur Folge haben werde und seine Verfolgungssituation in Eritrea schlüssig aufzuzei- gen vermöge (vgl. Beschwerde S. 4). Gleichzeitig versucht er sich als pro- funder Kenner der Schul-, Wohn- und Grenzregion auszugeben, um seine Refraktion, sein anspruchsvolles mehrmonatiges Untertauchen in der Wild- nis und sein Überleben inmitten einer von Soldaten lückenlos bewachten Grenzregion (selbst noch in Kontakt mit den dortigen Soldaten) und letzt- lich den illegalen Grenzübertritt als ein für ihn kalkulierbares und vertretba- res Risiko darzustellen. Seine Angaben sind indes auf dem Hintergrund der diametral abweichenden früheren Aussagen – es kann hierbei auf den obi- gen Sachverhalt (Bst. A) verwiesen werden –, der eritreischen Einberu- fungspraxis und der örtlichen Verhältnisse nicht glaubhaft. Er bietet denn auch keine stichhaltigen Erklärungen dafür, weshalb nur diese jüngste aller E-8367/2015 Seite 9 Versionen die korrekte sein soll und weshalb er sich in den Befragungen zu vielen gegenteiligen Aussagen veranlasst gesehen hatte. Zudem sind seine Kenntnisse der örtlichen geographischen, topographischen und land- wirtschaftlichen Verhältnisse ungenügend ausgefallen, weshalb ihm nicht zu glauben ist, dass er aus eigenen Erfahrungen berichtet haben kann. Dass er beispielsweise als Hirte und Bebauer eines Landwirtschaftsgrund- stücks die Existenz der in seinem Dorf zu bewirtschaftenden terrassierten Landwirtschaftsflächen nicht kennt, deren Existenz sogar dementiert, oder im besagten Grenzabschnitt die für eine illeg ale Ausreise anzutreffenden lebensbedrohlichen örtlichen Gegebenheiten nicht anspricht, lässt nur den Schluss zu, dass er das Land im einschlägigen Grenzabschnitt nicht auf die angegebene Weise verlassen haben kann. Er kann den angeführten vorinstanzlichen Einwänden nichts Stichhaltiges entgegenhalten. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann vollum- fänglich auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Folglich sind Einberufung und illegale Ausreise in der besagten Region nicht zu glauben. Daran ändern die eingereichten Be- weismittel nichts. 4.2 Im Folgenden ist zu prüfen, ob er durch seine illegale Ausreise aus dem Heimatland, wie er dies behauptet, einen Grund für eine zukünftige Verfol- gung durch die eritreischen Behörden gesetzt hat und er infolge subjektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Subjektive Nachfluchtgründe sind anzunehmen, wenn eine asylsuchende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit subjektiven Nachfluchtgrün- den erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufge- nommen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl- rekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 16 E. 5a, m.w.H.). Der Asylaus- schlussgrund von Art. 54 AsylG ist absolut zu verstehen und mithin unab- hängig davon anzuwenden, ob Nachfluchtgründe missbräuchlich gesetzt worden sind oder nicht. Es ist nicht entscheidend, welchen mutmasslichen Zweck die asylsuchende Person durch ihr Verhalten zu erreichen versucht hat. Massgebend ist vielmehr, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den Nach- weis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG; vgl. zum E-8367/2015 Seite 10 Ganzen auch BVGE 2009/29 E. 5.1, BVGE 2009/28 E. 7.1; UNHCR, Hand- buch über Verfahren und Kriterien zur Feststellung der Flüchtlingseigen- schaft, Genf 1979, Neuauflage: UNHCR Österreich 2003, Rz. 96, S. 25). Das Staatssekretariat hat auf dem Hintergrund der nicht authentisch an- mutenden Angaben de s Beschwerdeführers überzeugend ausgeführt, weshalb die vom Beschwerdeführer angegebenen Ausreisemodalitäten weder auf eine legale noch illegale Ausreise schliessen lassen. Darüber hinaus bestehen keine Hinweise, dass er aus Sicht des eritreischen Staa- tes als potenzielle Bedrohung wahrgenommen würde oder sich in beson- derem Masse exponiert hätte . Folglich erfüllt er die Voraussetzungen für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft auch unter dem Aspekt sub- jektiver Nachfluchtgründe nicht (Art. 54 AsylG). 5. Das Bundesverwaltungsgericht stellt zusammenfassend fest, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, Verfolgungsgründe im Sinne von Art. 3 und Art. 7 AsylG glaubhaft zu machen, weshalb das Staatssekretariat die Flüchtlingseigenschaft zu Recht vernein te und das Asylgesuch ab- lehnte. 6. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegwei- sung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung ist nicht zu beanstanden. 7. Mit der angefochtenen Verfügung wurde d er Beschwerdeführer zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufge- nommen. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme, welche nicht selbstän- dig, sondern nur insofern adhäsionsweise Gegenstand des Beschwerde- verfahrens gewesen ist, als eine Gutheiss ung im Asyl- oder im Wegwei- sungspunktes deren Aufhebung zur Folge gehabt hätte, tritt mit dem heu- tigen Urteilsdatum in Kraft. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung E-8367/2015 Seite 11 Bundesrecht nicht verletzt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Das Gesuch um Befreiung von einem Kostenvorschuss ist mit dem Urteil gegenstandslos geworden. 9. Die gestellten Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Ge- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne der unent- geltlichen Prozessführung abzuweisen ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1– 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-8367/2015 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Thomas Hardegger Versand: