Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. April 2013 (720 12 342) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Hilflosenentschädigung bei frühkindlichem Autismus Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Hilflosenentschädigung für Sohn B.____ A. B.____ leidet seit seiner Geburt an einem Klumpfu ss (Pes equinovarus congenitus; Geburtsgebrechen Ziff. 182). Für dieses Leiden erteilt e die IV-Stelle Basel-Landschaft mehrere Kostengutsprachen für medizinische Massnahmen. Am 26. Oktober 2011 wurde er vom C.____ unter Hinweis auf das Geburtsgebrechen Ziff. 405 (frü hkindlicher Autismus) bei der Invaliden- versicherung erneut zum Leistungsbezug angemeldet. Nach Durchführung der notwendigen Abklärungen und des Vorbescheidverfahrens sprach die IV-St elle B.____ mit Verfügung vom 24. Oktober 2012 eine Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit für die Zeit vom 1. März 2012 bis 1. März 2014 zu. Die IV-Stelle anerkannte, dass der Versicherte in drei alltäglichen Lebens- verrichtungen (An-/Auskleiden; Essen; Verrichten der Notdurft) eingeschränkt sei. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhoben A.____ mit Eingabe vom 31. Oktober 2012 Be- schwerde ans Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Sie beantragten sinngemäss, es sei festzustellen , dass B.____ in mehr als nur drei alltäglichen Lebensverrichtungen beeinträchtigt sei u nd dauernder persönlicher Überwachung bedürfe. C. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 6. Dezember 2012 die Abwei- sung der Beschwerde. D. In der Replik vom 19. Dezember 2012 legten die Be schwerdeführer die Bedeutung der Diagnose "Autismus" im alltäglichen Leben einer Familie dar. So sei das Kommunikationsver- halten ihres Sohnes gestört; er könne seine Bedürfnisse verbal nicht ausdrücken. Dies führe bei ihm zu einer Unzufriedenheit, die sich in häufigem Schr eien, in Ablehnung und aggressivem Verhalten äussere. Ausserhalb der Wohnung werde stets eine Begleitperson benötigt, da B.____ auf Aufforderungen und Warnungen nicht reagi ere und stets an der Hand geführt wer- den müsse. Sie könnten deshalb nicht verstehen, weshalb der Bedarf an persönlicher Überwa- chung nicht bejaht worden sei. Sie verwiesen dabei au f den Bericht der D.____ vom 6. Dezember 2012. E. Mit Duplik vom 31. Januar 2013 hielt die IV-Stelle unter Hinweis auf die Stellungnahme der zuständigen Abklärungsperson vom 30. Januar 2013 an d er Abweisung der Beschwerde fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1. Gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Inva lidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 haben Versicherte mit Wohnsitz und gewö hnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos sind, Anspruch auf eine Hilflosene ntschädigung. Nach Art. 9 des Bundes- gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsr echts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist eine Person hilflos, die wegen der Beeinträch tigung der Gesundheit für alltägliche Le- bensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der p ersönlichen Überwachung bedarf. Als hilflos gilt ebenfalls eine Person, welche zu Hause lebt und wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 42 Abs. 3 IVG). 1.2 Das Gesetz unterscheidet zwischen schwerer, mittelschwer er und leichter Hilflosig- keit (Art. 42 Abs. 2 IVG). Die Hilflosigkeit gilt als le icht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen L ebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist ; einer dauernden persönlichen Überwa- chung bedarf; einer durch das Gebrechen bedingten ständ igen und besonders aufwändigen Pflege bedarf; wegen einer schweren Sinnesschädigung o der eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstl eistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann oder dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961 angewiesen ist (Art. 37 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 3 lit. a - e IVV). Die Hilflosigkeit gilt gemäss Ar t. 37 Abs. 2 IVV als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in d en meisten alltäglichen Lebensverrich- tungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a); sie in min- destens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden Üb erwachung bedarf (lit. b) oder in min- destens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig i n erheblicher Weise die Hilfe Drit- ter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist (lit. c). Gemäss Art. 37 Abs. 1 IVV gilt die Hilflosi gkeit als schwer, wenn die versicherte Per- son vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen täglichen Lebensverrichtungen re- gelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter a ngewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf. 1.3 Nach ständiger Gerichtspraxis sind die folgenden sechs al ltäglichen Lebensverrichtun- gen massgebend: Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen, Absitzen , Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichtung der Notdurft; Fortbewegung (im oder ausse r Haus), Kontaktaufnahme (BGE 133 V 463 E. 7.2, 127 V 97 E. 3c, 121 V 90 E. 3; Urteil des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts [EVG] vom 1. April 2004, I 815/03, E. 1). Weiter muss die Hilfe Dritter regelmässig und erheblich sein. Der Begriff der Erheblichkeit ist i n Relation zu setzen zum zeitlichen Auf- wand, den die Hilfsperson hat. Die Hilfe ist mithin insbesondere erheblich, wenn die versicherte Person mindestens die Teilfunktion einer einzelnen Leb ensverrichtung überhaupt nicht mehr, nur mit unzumutbarem Aufwand oder nur auf unübliche Art und Weise selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen Zustandes nicht vornehmen würde (Urteil des EVG vom 18. April 2002, I 660/01, E. 2b/aa mit Hinweisen; Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], herausgegeben vom Bundesamt für Sozialversicherungen, gültig ab 1. Januar 2012, Rz. 8026). Die Hilfe ist regelmässig, wenn sie die versicherte Person täglich benötigt oder eventuell täglich nötig hat (KSIH Rz. 80 25; ROBERT ETTLIN , Die Hilflosigkeit als versichertes Risiko in der Sozialversicherung, Freiburg 1998, S. 150). 1.4 Das Erfordernis der dauernden persönlichen Überwac hung als zusätzliche An- spruchsvoraussetzung gemäss Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV bezieht sich nicht auf die alltäglichen Lebensverrichtungen (ZAK 1984 S. 354 E. 2c). Hilfeleistu ngen, die bereits als direkte oder indi- rekte Hilfe in einem Bereich der alltäglichen Lebensver richtung Berücksichtigung gefunden ha- ben, können bei der Beurteilung der Überwachungsbedür ftigkeit nicht nochmals ins Gewicht fallen. Es handelt sich vielmehr um eine Art medizinisch er oder pflegerischer Hilfeleistung, wel- che infolge des physischen, geistigen oder psychischen Zustand es der versicherten Person notwendig ist (BGE 107 V 136 E. 1b S. 139 mit Hinweisen; ZAK 1990 S. 44 E. 2c). Die Notwen- digkeit der persönlichen Überwachung ist beispielsweise dan n gegeben, wenn eine versicherte Person wegen geistiger Absenzen nicht während des ganzen Tages allein gelassen werden kann (BGE 107 V 136 E. 2b S. 139, 106 V 153 E. 2a S. 158, 105 V 52 E. 4b S. 57; ZAK 1990 S. 44 E. 2c) oder wenn eine Drittperson mit kleineren Unterbrüchen bei der versicherten Person anwesend sein muss, da sie nicht allein gelassen werden kann (ZAK 1989 S. 174 E. 3b). Es ist nur eine dauernde persönliche Überwachung von einer gewissen Intensität anspruchsbegrün- dend. Eine Überwachungsbedürftigkeit darf angenommen werden, wenn die versicherte Person ohne Überwachung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sich selbst oder Drittpersonen ge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht fährden würde (KSIH Rz. 8035). Da die Voraussetzungen in Bezug auf die Dritthilfe bei Vor- nahme der Lebensverrichtungen im Zusammenhang mit der mittelschweren Hilflosigkeit weit weniger umfassend sind als bei der schweren Hilflosigkeit (Art. 37 Abs. 1 IVV), ist der dauern- den persönlichen Überwachung im Rahmen von Art. 37 Abs . 2 lit. b IVV ein grösseres Gewicht beizumessen und nicht nur ein minimales wie bei Art. 37 Abs. 1 IVV (vgl. BGE 107 V 145 E. 1d S. 150 mit Hinweisen). Bei Minderjährigen ist nur de r Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönli- cher Überwachung im Vergleich zu nicht behinderten Min derjährigen gleichen Alters zu berück- sichtigen (Art. 37 Abs. 4 IVV; SVR 2004 IV Nr. 25 S. 7 5; Urteil des EVG vom 13. Dezember 2005, I 466/05, E. 2.2.1). Eine dauernde Überwachung kann auch ein Anspruch auf einen In- tensivpflegezuschlag begründen (vgl. KSIH Rz. 8039). 1.5 Minderjährige mit einem Anspruch auf Hilflosene ntschädigung, die eine intensive Betreuung brauchen und sich nicht in einem Heim aufha lten, haben zusätzlich zur Hilflosenent- schädigung Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag nach Art. 39 IVV (Art. 36 Abs. 2 IVV). Eine intensive Betreuung liegt bei Minderjährigen vor , wenn diese im Tagesdurchschnitt infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzliche Betreuung von mindestens vier Stunden benöti- gen (Art. 39 Abs. 1 IVV). Anrechenbar als Betreuung i st gemäss Art. 39 Abs. 2 IVV der Mehr- bedarf an Behandlungs- und Grundpflege im Vergleich zu nicht behinderungsbedingten Minder- jährigen gleichen Alters. Nicht anrechenbar ist der Ze itaufwand für ärztlich verordnete medizini- sche Massnahmen, welche durch medizinische Hilfspersonen vor genommen werden, sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen. Bedarf eine minde rjährige Person infolge Beein- trächtigung der Gesundheit zusätzlich einer dauernden Ü berwachung, so kann diese nach Art. 39 Abs. 3 IVV als Betreuung von zwei Stunden angerechnet werden. Eine besonders intensive behinderungsbedingte Überwachung ist als Betreuung von vier Stunden anrechenbar. Die in KSIH Rz. 8035 festgehaltenen Ausführungen zur dauernde n persönlichen Überwachung im Sinne von Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV sind dabei analog anwendbar (KSIH Rz. 8078). 1.6.1 Nach KSIH Rz. 8079 liegt eine besonders intensive dauernde Überwachung vor, wenn von der Betreuungsperson überdurchschnittlich hohe Aufmer ksamkeit und ständige Interventi- onsbereitschaft gefordert wird. Als Beispiel wird in d ieser Bestimmung ein autistisches Kind er- wähnt. Danach hat ein solches Kind erhebliche Probleme, seine Umwelt wahrzunehmen und mit ihr zu kommunizieren. Das zeigt sich in seinem alltägli chen Umgang mit Gegenständen (z.B. Ausleeren von Behältern, Herumwerfen beliebiger Gegenstände, Beschädigung von Mö- beln etc.). Das Kind kann auch keine Gefahren erkennen: So kann es z.B. unvermittelt aus dem Fenster steigen. Es ist allenfalls auch nicht in der Lag e, auf verbale Rufe oder Warnungen ent- sprechend zu reagieren. In bestimmten Situationen kann e s beispielsweise zu selbstverletzen- dem oder fremdaggressivem Verhalten kommen. Die Betreuungsperson muss deshalb dauernd mit erhöhter Aufmerksamkeit in unmittelbarer Nähe des Kindes bleiben und jederzeit bereit sein einzugreifen. Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung kan n aber die autistische Störung eine grosse Variationsbreite aufweisen, so dass selbst be i Vorliegen einer entsprechenden Diagnose nicht automatisch von einer besonders intensiven Überwachungsbedürftigkeit im Sin- ne von Art. 39 Abs. 3 IVV ausgegangen werden kann (so da s Urteil des Bundesgerichts vom 1. Dezember 2008, 8C_562/2008, E. 2.3). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.6.2 Unter dem Titel "Bemessung des Betreuungsaufwan des bei Minderjährigen für den Intensivpflegezuschlag" wird in KSIH Rz. 8091 festgehalt en, bei der Ermittlung des täglichen Mehraufwandes ist von der Annahme auszugehen, dass sich die betreute Person dauernd zu Hause aufhält. Massgebend ist die Betreuungsbedürftigke it, welche eine objektive Grösse dar- stelle und nicht vom Aufenthaltsort der zu betreuende n Person abhängig ist. Es ist von einem Durchschnittswert auszugehen. Nicht täglich anfallende Zei taufwände wie z.B. für die Beglei- tung zu Arzt- oder Therapiebesuchen sind auf die Rechnun gsperiode zu verteilen und auf den Tag umzurechnen. 2. Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessu ng der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Arzt und Verwaltu ng erforderlich. Die Ärztin bzw. der Arzt hat anzugeben, inwiefern die versicherte Pers on in ihren körperlichen bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist (BGE 130 V 61 E. 6.1.1). Damit bei der Beurtei- lung der Hilflosigkeit einem Abklärungsbericht an Ort u nd Stelle voller Beweiswert zukommt, muss der Bericht folgenden Anforderungen genügen: Als Berichterstatterin wirkt eine qualifizier- te Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den sei- tens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Hilfsbedürf- tigkeiten hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychi sche Störungen und/oder deren Aus- wirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfra gen an die medizinischen Fachper- sonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Per- sonen, regelmässig die Eltern, zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteilig- ten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliessli ch muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Leben sverrichtungen sowie der tatbestandsmäs- sigen Erfordernisse der dauernden persönlichen Überwachung und der Pflege sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Ge- richt greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entschei dungsgrundlage im eben umschriebe- nen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Be- schwerdefall zuständige Gericht (BGE 130 V 62 f. E 6.2). 3.1 Die IV-Stelle sprach dem Versicherten mit Verfügun g vom 24. Oktober 2012 eine Hilf- losenentschädigung leichten Grades zu. Dabei stützte sie si ch auf den Abklärungsbericht der IV-Stelle vom 6. September 2012, der am 10. April 20 12 im Beisein der Mutter von B.____ vor Ort durchgeführt wurde. Im Abklärungsbericht wurde fes tgehalten, dass der Versicherte in drei alltäglichen Lebensverrichtungen (An-/Auskleiden; Essen; Verrichten der Notdurft) Hilfe von Drittpersonen bedürfe. B.____ brauche seit September 2011 beim An- und Ausziehen die Hilfe seiner Mutter. Dabei sei das Ankleiden ein täglicher K ampf, da er sich bis zu zehnmal am Tag ausziehe. Es sei deshalb ein Mehraufwand von 10 Minuten (30 Minuten minus ein altersent- sprechender Abzug von 20 Minuten) täglich zu berücksichtige n. Im Bereich des Essens müsse ihm die Nahrung zerkleinert werden, was jedoch seinem Alter entspreche. Dagegen sei B.____ seit März 2011 darauf angewiesen, dass eine Drittperson ihm die Mahlzeiten eingebe. Er könne zwar den Löffel selber zum Munde führen, doch er sei schne ll abgelenkt und laufe vom Tisch weg. Es daure deshalb lange, bis B.____ gegessen habe. Es bestehe ein zeitlicher Mehrauf- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wand für die Eltern, da auch der einjährigen Schwest er das Essen eingegeben werden müsse. Es wurde ein zusätzlicher Aufwand von insgesamt 30 Min uten anerkannt. Dieser wurde jedoch aufgrund einer altersentsprechender Reduktion von 75 Minuten auf 0 Minuten gekürzt. Weiter wurde festgehalten, dass die Mutter bis Dezember 2011 da s Essen für B.____ täglich habe pü- rieren müssen. Seit der Rückkehr aus der stationären Ther apie in den E.____ Ende Dezember 2011 könne er nun normale Nahrung zu sich nehmen. Bei der Körperpflege wurde die Erforder- lichkeit einer Dritthilfe verneint, da die Hilfe alte rsentsprechend sei. Unter der Rubrik "Waschen und Baden/Duschen" wurde präzisierend ausgeführt, dass sich B.____ beim Waschen, Ab- trocknen und Föhnen heftig wehre. Da er dabei immer davon laufe, übernehme die Mutter diese Verrichtungen. Im Bereich "Verrichten der Notdurft" wu rde der Bedarf an regelmässiger Hilfe beim Ordnen der Kleider (seit September 2011) und bei der "unüblichen Art der Verrichtung der Notdurft" (seit März 2011) bejaht. Dazu wurde vermerkt , dass B.____ Tag und Nacht Windeln trage, die von der Mutter gewechselt werden müssten. Dabei setze er sich immer zur Wehr. Er benötige beim Ordnen der Kleider Hilfe, weil er sich ansonsten nicht anziehen würde. Als zeitli- cher Mehraufwand wurde unter Berücksichtigung eines alte rsentsprechenden Abzugs von 6 Minuten ein zeitlicher Mehraufwand von 9 Minuten t äglich anerkannt. Die Fortbewegung im Freien und die Pflege der gesellschaftlichen Kontakte erforderten keine Dritthilfe, da eine solche seinem Alter entspreche. Unter dem Punkt "Pflege der ge sellschaftlichen Kontakte" wurde er- wähnt, dass sich B.____ in der Kinderspielgruppe F.____ in X.____, welche er zweimal in der Woche besuche, und im Tagesheim in X.____, in welchem er sich montags und mittwochs am Vormittag aufhalte, sehr wohl fühle. Die Mutter könne ihn jedoch z.B. bei Kindergeburtstagen nicht alleine lassen, da er zu schreien beginne, dabei d ie Ohren zuhalte und wegrenne. Der Bedarf an einer persönlichen Überwachung wurde ebenfa lls verneint. Zur Begründung wurde angeführt, dass B.____ alleine in einem Zimmer schlafe, wobei stets ein Babyphone in der Nä- he sei. Die Mutter könne ihn jedoch tagsüber nicht unb eaufsichtigt in der Wohnung lassen, da B.____ ungewollt seine Schwester gefährden könne. In K lammern wurde "dies ist altersent- sprechend nötig" angefügt. Er sei z.B. vom Tisch aufs Bett gesprungen, ohne darauf zu achten, dass seine Schwester noch auf dem Bett liege. In Klammern wurde "dies ist nicht ausserordent- lich" vermerkt. Sobald B.____ nicht die volle Aufmerksamke it seiner Mutter habe, verschaffe er sich z.B. durch das Ausleeren des Waschpulvers auf den ganzen Boden oder durch das Bema- len der Wände in seinem Zimmer Beachtung. Es wäre der Mutter jedoch zumutbar, sämtliche Reinigungsmittel wegzuschliessen. Unter dem Punkt 6 wurd e sodann ein Intensivpflegezu- schlag von insgesamt 19 Minuten berücksichtigt. 3.2 Diesem Abklärungsbericht lag in medizinischer Hinsicht der Bericht der E.____ vom 31. Januar 2012 zugrunde. Danach wurde B.____ vom 5. Dezember bis 22. Dezember 2011 im Therapiezentrum Y.____ der E.____ wegen seines frühkindlichen Autismus stationär behandelt. Im Austrittsbericht hielten die behandelnden Ärzte fest , dass aufgrund der verschiedenen The- rapien in mehreren Bereichen positive Veränderungen b eim Versicherten festzustellen seien. So habe er im Bereich der Interaktion zunehmen d ein soziales Interesse an anderen Menschen entwickelt. Gegen Ende der Behandlung habe er sogar einen verlängerten Augen- kontakt gut halten können. Er habe begonnen, Gesichter d urch intensive Beobachtung und Ab- tasten zu erkunden. Sein Spielverhalten sei flexibler geworden, indem er mehr Motivation, Initia- tive und Konzentrationsfähigkeit zeige. Im Bereich der Kommunikation sei ein besserer sprach- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht licher Ausdruck zu beobachten, dies vor allem in ruhigen und entspannten Situationen. Zudem reagiere er zunehmend auf seinen Namen und auf Auffor derungen. Im Laufe der Behandlung habe er gelernt, selbstständig zu essen und sein Hungergefühl zu regulieren. Er sei zunehmend bereit, neue Nahrungsmittel zu probieren und beim An- und Ausziehen mitzuhelfen. Er zeige erste Anzeichen von einer Harn- und Stuhlkontrolle. Die Behandlung habe auch zu einer Ver- besserung der Beziehung zu seiner Schwester geführt. E r zeige Interesse an ihr und versuche zaghaft, Kontakt mit ihr aufzunehmen. 3.3 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichten die Besc hwerdeführer den Bericht der D.____ vom 6. Dezember 2012 ein. Diesem ist zu entneh men, dass B.____ seit August 2012 das Autismuszentrum besucht. Er zeige eine grosse Ablenkbar keit und eine motorische Unru- he. Er müsse dauernd beaufsichtigt werden. Für die Umsetzung verbaler Informationen bedürfe es der Unterstützung von Bildmaterial. Die verzögerte Re aktion auf verbale Informationen führe dazu, dass er nicht über Signalworte wie "stopp" und " komm" geführt werden könne. Er benöti- ge daher eine direkte Beaufsichtigung. Dabei müsse er ste ts an der Hand geführt werden. Die Eltern seien gezwungen, jeweils zu zweit oder mit eine r Begleitperson auf den Spielplatz zu gehen, ansonsten sie ihm und der zweijährigen Schwester n icht gerecht werden könnten. Auch die Organisation von Alltagsaktivitäten wie Einkaufen, Arztbesuche, Ausflüge etc., sei mit einem erhöhten zeitlichen und persönlichen Aufwand verbund en. Die Anleitung zu Aufgaben im Alltag erfordere eine gezielte Vorbereitung. Das Umziehen und die Körperpflege beanspruchten mehr Zeit als dies bei einem gleichaltrigen Kind ohne Autismus der Fall wäre. 3.4 In der Folge holte die IV-Stelle eine Stellungn ahme beim Abklärungsdienst ein. Die zuständige Person führte am 30. Januar 2013 zu den Einw änden der Beschwerdeführer aus, dass dem Bericht der E.____ vom 31. Januar 2012 zu entnehmen sei, dass B.____ in mehreren Bereichen Fortschritte erzielt habe. Gestützt auf die Au sführungen in diesem Bericht erfordere der nun über 4 Jahre alte B.____ zurzeit eine altersent sprechende Betreuung. Die Kriterien für eine persönliche Überwachungsbedürftigkeit gemäss KSIH 8 035/8079 seien nicht erfüllt, wes- halb eine solche zu verneinen sei. 4.1 Unbestritten ist, dass B.____ nebst dem Geburtsgebre chen Ziff. 405 zusätzlich an ei- nem frühkindlichen Autismus leidet (vgl. Arztbericht für Ju gendliche von Prof. Dr. med. G.____, FMH Kinder- und Jugendmedizin, leitender Arzt der Neur opädiatrie und Entwicklungspädiatrie, E.____, vom 5. Dezember 2011 und konsiliarärztlicher Ber icht von Dr. med. H.____, FMH Kin- der- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, vom 30. Dezemb er 2011). Die Beschwerdeführer sind der Ansicht, dass B.____ mehr als in drei Lebensver richtungen auf Dritthilfe angewiesen sei und ein Bedarf an persönlicher Überwachung bestehe . Zum Zeitpunkt der Abklärung war B.____ 3 Jahre und 6 Monate alt. In diesem Alter ben ötigt jedes Kind für verschiedene alltägli- che Lebensverrichtungen noch die Hilfe von Drittpersonen. Da nur der Mehrbedarf an Hilfeleis- tung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nich t behinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen ist, ist zu prüfen, ob bei B.____ entsprechend eine erhöhte Hilfsbe- dürftigkeit besteht. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Nach KSIH Rz. 8086 dienen für die Bemessung der Hi lflosigkeit Minderjähriger die in Anhang III festgehaltenen Richtlinien. Diese Richtlinien enthalten Orientierungswerte. Darin wird festgehalten, welche alltäglichen Lebensverrichtungen ei n Kind in der Regel ab welchem Alter selbstständig bzw. mit Hilfe von Dritten erledigen kann. Wird der Abklärungsbericht mit diesen Richtlinien verglichen, bestehen Anhaltspunkte dafür, da ss B.____ im Vergleich zu einem gleichaltrigen Kind in weit mehr Verrichtungen Dritth ilfe benötigt, als dies von der zuständigen Abklärungsperson festgehalten wurde. So kann sich ein Ki nd mit 3 Jahren im Durchschnitt an- und ausziehen, wobei es für einzelne Handreichungen wie Knöpfe öffnen und schliessen auf Hilfe angewiesen ist. Die Schuhe zieht es am richtigen Fuss an und merkt sich die Vorder- und Rückseite der Kleider. Da sich B.____ mehrmals am Tag auszi eht, berücksichtigte die Abklä- rungsperson richtigerweise einen Mehraufwand von 30 Mi nuten. Demgegenüber wurde ohne jegliche Begründung ein altersentsprechender Abzug von 20 Minuten vorgenommen. In Anbet- racht der Tatsache, dass einem nicht behinderten dreij ährigen Kind nur beim Öffnen und Schliessen von Knöpfen geholfen, B.____ dagegen mehrma ls am Tag wieder angezogen wer- den muss, erscheint im Vergleich ein Abzug von 2/3 des ber ücksichtigten Mehraufwandes als viel zu hoch. Gemäss den Richtlinien braucht ein Kind im Alter von 2 1/2 Jahren beim Essen von zerkleiner- ter Nahrung nur noch selten Hilfe. Mit 5 1/2 Jahren ka nn es die Speisen selber zerkleinern. Da- bei bereitet ihm der Umgang mit Besteck keine Probleme . Entgegen diesen Orientierungswer- ten kann B.____ sein Essen nicht selbstständig zerkleiner n. Er benötigt dafür regelmässig die Hilfe seiner Mutter. Dazu kommt, dass B.____ infolge s einer schnellen Ablenkbarkeit ständig den Tisch verlässt. Damit er isst, muss die Mutter ihm die M ahlzeiten eingeben. Unter diesen Umständen ist der vom Mehraufwand von 30 Minuten vorgeno mmene altersentsprechende Ab- zug von 75 Minuten nicht gerechtfertigt. Möglicherweise handelt es sich hinsichtlich der Höhe des Abzugs um ein Versehen, da es nicht vorstellbar ist, d ass B.____ weniger Hilfe Essen be- nötigt als ein nicht behindertes gleichaltriges Kind. Nach den Richtlinien lässt sich ein Kind mit 6 Jahren bei der Körperpflege nicht mehr gerne helfen. Kontrolle ist jedoch nötig. Dagegen sind das Ha arewaschen und das Kämmen noch nicht selbstständig möglich. Auch bei dieser Lebensverrichtung ist davon auszugehen, dass der Mutter deshalb ein Mehraufwand entsteht, weil sich B.__ __ beim Waschen, Abtrocknen und Föhnen wehrt und wegrennt. Dieses Verhalten entspricht kaum demjenigen eines gleichaltrigen nicht behinderten Kindes. Es ist deshalb fraglich, ob hi er nicht ein Mehraufwand zu berücksich- tigen ist. Gestützt auf die Richtlinien ist davon auszugehen, dass ei n Kind mit 2 1/2 Jahren tagsüber kei- ne Windeln mehr trägt. Mit 4 Jahren sind nachts keine Windeln mehr erforderlich, da in der Re- gel nicht mehr genässt wird. Nebst der Tatsache, dass B .____T ag und Nacht Windeln benötigt und somit häufig gewechselt werden muss, entsteht für di e Mutter eine zusätzliche zeitliche Belastung, weil er sich beim Anlegen einer neuen Windel jedes Mal heftig wehrt. Die zuständige Abklärungsperson berücksichtigte zwar einen zeitlichen Mehraufwand von 9 Minuten, reduzierte diesen jedoch mit einem Abzug von 6 Minuten. Dabei wir d nicht begründet, inwiefern das stän- dige Tragen von Windeln und das Wechseln unter erschwer ten Bedingungen altersentspre- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht chend sind. Eine detaillierte Begründung ist umso mehr erforderlich, da gemäss Richtlinien da- von auszugehen ist, dass ein gesundes 3 1/2-jähriges Kind h öchstens – wenn überhaupt – in der Nacht Windeln benötigt. Desgleichen ist fraglich, inwieweit das Schreien und Weglaufen bei gesellschaftlichen Anlässen altersentsprechend ist. Es ist somit festzustellen, dass die Ausfüh- rungen im Abklärungsbericht zu den alltäglichen Lebensve rrichtungen, zum Bedarf an persönli- cher Überwachung und der berücksichtigte zeitliche Mehraufw and nicht in allen Belangen mit den Orientierungswerten in den Richtlinien übereinstimmen bzw. unzureichende Begründungen enthalten. 4.3 Zweifel an der Zuverlässigkeit der Feststellungen des Abklärungsdienstes bestehen insbesondere in Bezug auf die Verneinung des persönliche n Überwachungsbedarfs und des Umfangs des Mehraufwandes für die Berechnung des Intensivp flegezuschlags. Zwar ist die Notwendigkeit einer persönlichen Überwachung bei Kinder n vor 6 Jahren gemäss Richtlinien grundsätzlich zu verneinen (vgl. dazu auch das Urteil des E VG vom 19. Dezember 2006, I 684/05, E. 4.4 mit Hinweis; Urteile des Bundesgerich ts vom 15. Oktober 2008, 8C_158/2008, E. 5.2.2, und des EVG vom 10. Januar 2008, I 49/07, E. 5.2). Eine Ausnahme besteht jedoch unter anderem bei autistischen Kindern. Bei ihnen ist d ie Überwachungsbedürftigkeit aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Vor liegend verneinte die IV-Stelle die Überwachungsbedürftigkeit, da B.____ alleine in ein em Zimmer schlafen könne und kein ag- gressives Verhalten zeige. Dass die Mutter ihn mit seiner Schwester aufgrund seines Gefähr- dungspotentials nicht alleine in einem Zimmer lassen kann, bezeichnete die Abklärungsperson als „altersentsprechend nötig“. Auch der Umstand, dass B .____ sich die Aufmerksamkeit der Mutter verschaffe, wenn sie nicht gerade mit ihm beschäf tigt sei, könne keinen Bedarf an per- sönlicher Überwachung begründen. Diese Argumentation ist nicht überzeugend. Die Abklä- rungsperson setzte sich nicht mit dem autistischen Leiden von B.____ auseinander. So berück- sichtigte sie nicht, dass die sprachliche Entwicklung von B.____ stark verzögert ist und er seine Umgebung kaum wahrnimmt (vgl. Bericht der E.____ vom 31. Januar 2012). Diese Auffälligkeit war schliesslich einer der Gründe, weshalb die Beschwerde führer B.____ im Therapiezentrum der E.____ stationär behandeln liessen. B.____ zeigt a uch typische autistische Verhaltenswei- sen wie das Ausleeren von Behältern und die fehlende Re aktion auf verbale Rufe und Warnun- gen. Dazu kommt, dass er gemäss den Angaben der Beschwerdeführer aggressiv werde, wenn er sich nicht verstanden fühle, nicht die gewünschte Unterst ützung erhalte oder sich gegenüber seiner kleineren Schwester nicht durchsetzen könne. Wesha lb im Abklärungsbericht und in der Stellungnahme vom 30. Januar 2013 festgehalten wurde, dass B.____ kein aggressives Verhal- ten zeige, ist nicht erklärbar. Auf jeden Fall ist festzu stellen, dass genau die Verhaltensweisen von B.____ im Beispiel des KSIH Rz. 8079 für die Bejahu ng einer besonders intensiven dau- ernden Überwachung aufgeführt sind. Es bestehen daher A nhaltspunkte, dass die Betreuung von B.____ erheblich mehr Zeit und Aufmerksamkeit bean sprucht, als bei einem gleichaltrigen nicht behinderten Kind. Denn die Eltern von B.____ od er andere Betreuungspersonen müssen dauernd in unmittelbarer Nähe von ihm sein, damit sie jederzeit eingreifen können. 4.4 Auf den Bericht der E.____ vom 31. Januar 2012 ka nn weder in Bezug auf die Ein- schränkungen in den alltäglichen Lebensverrichtungen noch hinsichtlich des Bedarfs an persön- licher Überwachung abgestellt werden. Dieser Bericht enthält keine verwertbaren Ausführungen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht zur Frage, ob und inwiefern B.____ in den massgebende n alltäglichen Verrichtungen einge- schränkt ist. Dazu kommt, dass bei der Bemessung des Mehraufwandes für den Intensivpflege- zuschlag Minderjähriger in erster Linie die Verhältnisse zu Hause, insbesondere was die per- sönliche Überwachung betrifft, massgebend sind (vgl. Urt eil des Bundesgerichts vom 1. De- zember 2008, 8C_562/2008, E. 9). Der Aussagegehalt de r behandelnden Ärzte der E.____ be- schränkt sich im Wesentlichen auf ihre Beobachtungen während der stationären Behandlung im Therapiezentrum. Dort konnte B.____ zwar in vielen Bereichen Fortschritte erzielen. Diese kön- nen jedoch nicht ohne weiteres auf den Alltag von B.____ übertragen werden. Die IV-Stelle hät- te zur rechtsgenüglicher Bemessung des Mehraufwandes für den Intensivpflegezuschlag und des Bedarfs an persönlicher Überwachung ergänzend zur Ab klärung beim Versicherten zu Hause auch einen entsprechenden Bericht der Sprachhei lschule und der Spielgruppe einholen müssen. 4.5 Weiter ist der Abklärungsbericht dahingehend zu bem ängeln, als für die Begleitung von B.____ zu den Arzt- und Therapiebesuchen gar kein Mehr aufwand berücksichtigt wurde. Ge- mäss den Feststellungen im Abklärungsbericht geht B.____ für die Behandlung seines Klump- fusses regelmässig einmal im Monat in die kinderorthopädische Abteilung des C.____. Ab Som- mer 2012 besucht er zudem wieder die Physio-/Ergother apie. Gemäss KSIH Rz. 8091 sind re- gelmässige Arzt- und Therapiebesuche an den täglichen Mehraufwand anzurechnen. 4.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Sachverhalt nicht genü- gend abklärte. Im vorinstanzlichen Entscheid fehlen insbeso ndere rechtsgenügliche Feststel- lungen zu den alltäglichen Lebensverrichtungen, zum Beda rf der persönlichen Überwachung und zur masslichen Festsetzung des Anspruchs auf einen Int ensivpflegezuschlag. Da relevante Aspekte des Sachverhalts durch die IV-Stelle nicht abgeklär t wurden, rechtfertigt es sich, die Sache zur erneuten Abklärung an die Vorinstanz zurückzuw eisen (vgl. BGE 137 V 210 ff.). Da im vorliegenden Fall der Bedarf an persönlicher Überwa chung anspruchsbegründend bezüglich einer Hilflosenentschädigung mittleren Grades wäre, ko mmt die IV-Stelle nicht umhin, eine er- neute Beurteilung vor Ort vorzunehmen. Des Weiteren hat sie ergänzende Berichte der D.____, der Spielgruppe und allenfalls der behandelnden Ärzte einzuholen. Danach hat sie über den Anspruch auf Hilflosenentschädigung neu zu befinden. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzu- heissen ist, dass die angefochtene Verfügung der IV-Stel le vom 24. Oktober 2012 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä gungen an die IV-Stelle zurückgewie- sen wird. 5.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanton sgericht eine angefochtene Verfü- gung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren V orgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 5.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung vom 16. Dezember 1993 in der Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Infolgedessen hätte die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden ge- mäss Verwaltungsverfahrensgesetz vom 13. Juni 1988 keine V erfahrenskosten auferlegt wer- den. Aufgrund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle tr otz Unterliegens nicht für die Verfahrens- kosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrens- kosten erhoben werden. Den Beschwerdeführern ist der gel eistete Kostenvorschuss in der Hö- he von Fr. 600.-- zurückzuerstatten. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 24. Oktober 2012 aufgehoben und die Angelegenheit zur erneuten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.