Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Februar 2013 (720 12 178) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anordnung eines polydisziplinären Gutachtens durch die IV-Stelle Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Diet er Freiburghaus, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D r. Dorrit Freund, Advo- katin, Spalenring 150, Postfach 150, 4009 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Gutachten A. Der 1968 geborene A.____ ist gelernter Maschinenmec haniker. Während seiner Ausbil- dung bei der B.____ erlitt er am 14. Oktober 1988 als Mitfahrer in einem Auto bei einem Schleu- derunfall eine Kompression des 11. Brustwirbels. Die S chweizerische Unfallversicherungsan- stalt (SUVA) anerkannte ihre Leistungspflicht für die F olgen im Zusammenhang mit diesem Un- fall. Am 9. November 1995 kollidierte der Versicherte als Autolenker mit einem anderen Perso- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nenwagen und zog sich dabei eine Commotio cerebri, ein e Kniekontusion links und ein leichtes Schleudertrauma zu. Die SUVA erbrachte auch für diese U nfallfolgen die gesetzlichen Leistun- gen. Während eines Ferienaufenthaltes auf der Insel Ma llorca wurde der Versicherte am 9. Au- gust 2006 zusammengeschlagen. Er erlitt ein Schädel-Hirntrauma mit Fraktur des Os occipitale, eine subarachnoidale Blutung frontal, Prellmarken tem poral, ein Brillenhämatom sowie eine Nasenfraktur. Für diesen Schadenfall war der Versicherte bei der SWICA unfallversichert. B. Mit Verfügung vom 8. Mai 2009, bestätigt mit Einspr acheentscheid vom 16. September 2011, sprach die SUVA dem Versicherten für die Beeint rächtigung aus dem Unfall vom 9. No- vember 1995 mit Wirkung ab 1. Mai 2009 eine Invaliden rente basierend auf einem Erwerbsun- fähigkeitsgrad von 50 % zu. Eine Integritätsentschädigung gewährte sie ihm dagegen nicht. Die gegen diesen Entscheid beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge- richt), erhobene Beschwerde zog der Versicherte, vertreten durch Advokatin Dr. Dorrit Freund, am 25. Juli 2012 zurück. Mit Beschluss vom 3. August 2012 schrieb das Kantonsgericht das Verfahren ab. C. Der Versicherte meldete sich am 20. Februar 2003 unt er Hinweis auf eine leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörung, eine sekundäre Verhaltensänderung, eine reaktive depressive Störung und einen am 9. November 1995 erlit tenen Verkehrunfall mit Commotio cerebri, Tinnitus und Distorsion der Halswirbelsäule (HW S) bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle zog die Unfallakten der SUVA bei und leitete in der Folge am 31. März 2006 berufliche Massnahmen ein. Aufgrund de s Unfallereignisses vom 9. August 2006 mussten diese jedoch abgebrochen werden (vgl. Mitteilung vom 27. September 2006). Auf Empfehlung von Dr. med. C.____, FMH Hämatologie und Allgemeine Innere Medizin, Regiona- ler ärztlicher Dienst (RAD), beauftragte die IV-Stelle am 3. Juli 2007 die D.____, den Versicher- ten polidisziplinär zu begutachten. Gestützt auf das Guta chten der D.____ vom 20. Mai 2008 teilte die IV-Stelle A.____ mit Vorbescheid vom 9. Ju li 2008 mit, dass vorgesehen sei, ihm ab 1. Juli 2003 bei einem Invaliditätsgrad von 58 % eine halbe Invalidenrente und ab 1. November 2006 bei einem Invaliditätsgrad von 82 % eine ganze Invalidenrente auszurichten. D. Gegen diesen Vorbescheid liess der Versicherte durch seine Rechtsvertreterin am 28. August 2008 Einwand erheben. Er beantragte die A usrichtung einer ganzen Invalidenrente ab 1. Juli 2003. Eventualiter sei die Rentenfestsetzung für den Zeitraum mit Anspruchsbeginn 1. Juli 2003 und bis 31. Oktober 2006 unter Vorbehalt der Rentenerhöhung nach Vorliegen des rechtskräftigen Entscheids der SUVA nur provisorisch vorzunehm en. Die IV-Stelle holte in der Folge aktuelle medizinische Unterlagen ein und unterb reitete diese Dr. med. E.____, Facharzt für Psychiatrie, RAD, zur Stellungnahme. Dieser riet au fgrund der widersprüchlichen Aktenlage am 31. August 2011 die Einholung eines bidisziplinären Gutachtens bei Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. G.____, FMH Neurologie. Mit einer neuen Be- gutachtung konnte sich der Versicherte nicht einverstanden erklären. Mit Zwischenverfügung vom 16. Mai 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass der rechtsrelevante Sachver- halt nicht erstellt und deshalb eine neue Begutachtun g notwendig sei. Zudem verlangte sie von ihm das verkehrspsychiatrische/verkehrpsychologische Gutachten von Dr. med. H.____, FMH Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Psychiatrie und Psychotherapie, vom 24. August 2010 zusam men mit den übrigen Akten Dres. F.____ und G.____ zur Verfügung zu stellen. E. Mit Eingabe vom 30. Mai 2012 erhob der Versicherte durch seine Rechtsvertreterin Be- schwerde ans Kantonsgericht. Er beantragte, es sei die ang efochtene Zwischenverfügung auf- zuheben und von der vorgesehenen bidisziplinären Begutac htung abzusehen. Die IV-Stelle sei sodann zu verpflichten, den Einwand des Beschwerdeführer s vom 28. August 2008 umgehend zu behandeln und bezüglich der Zusprechung einer Inval idenrente aufgrund der Akten zu ver- fügen. Zur Begründung führte der Beschwerdeführer an, dass mit dem Gutachten der D.____ vom 20. Mai 2008 ein umfassendes polidisziplinäres Gutacht en vorliege. Es sei nicht nachvoll- ziehbar, aus welchem Grund jetzt noch ein weiteres und anstelle eines polidisziplinären ledig- lich ein bidisziplinäres Gutachten in Auftrag gegeben w erden sollte. Die Tatsache, dass er aus verkehrspsychologischer Sicht in der Lage sei, ein Motorfah rzeug zu führen, rechtfertige eine neue Begutachtung nicht und stelle einen Ermessensmissb rauch der IV-Stelle dar. Ausserdem machte er eine Rechtverzögerung geltend, da der gegen den Vorbescheid vom 9. Juli 2008 erhobene Einwand vom 28. August 2008 bis heute nicht behandelt worden sei. F. In ihrer Vernehmlassung vom 7. September 2012 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. G. Auf Aufforderung des Kantonsgerichts hin reichte der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin am 25. September 2012 das Gutachten von Dr. H.____ vom 24. August 2010 sowie das im Auftrag der Polizei Basel-Landschaft einge holte neuropsychologische Gutachten von lic. phil. I.____ vom 10. August 2012 ein. H. Mit Eingabe vom 5. Oktober 2012 verzichtete die IV-St elle auf eine weitere Stellung- nahme und hielt am Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Zwischenverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bej ahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Bei der Rüge des Beschwerdefüh- rers, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht notwendig, weil der medizinische Sachverhalt bereits umfassend abgeklärt sei, handelt es si ch um eine materielle Einwendung, wie sie den kantonalen Gerichten nunmehr beschwerdeweis e unterbreitet werden kann Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Auf die im Übrigen form - und fristgerecht erhobene Beschwerde vom 28. Oktober 2011 ist einzutreten. 2. Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemei nen Teil des Sozial- versicherungsrechts (ATSG) statuiert die Sachverhaltsabkläru ng von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt i hm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me dizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla ge. Gestützt auf den Untersu- chungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zu- mindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amt es wegen durchzuführenden Abklärun- gen im Sinne von Art. 43 ATSG beinhalten indessen rech tsprechungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine „second opinion“ zum bere its in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt (Urt eil des Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_957/2010, E. 6.1). 3. Zu prüfen ist, ob es sich bei der vorgesehenen Begutach tung durch die Dres. F.____ und G.____ um das Einholen einer unzulässigen "second opinion" handelt und damit eine unzu- lässige Verfahrensverzögerung darstellt. Um diese Frage beantworten zu können, müsste die vorliegende medizinische Aktenlage auf ihre Vollständigkeit und Schlüssigkeit hin überprüft wer- den. Eine eingehende Überprüfung der medizinischen Aktenlage würde aber dazu führen, dass die Endverfügung im Hinblick auf die Beurteilung der m edizinischen Sachlage weitgehend prä- judiziert würde. Unter Berücksichtigung, dass die Verfahr enshoheit bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens bei der IV-Stelle liegt und ihr deshalb im Rahmen der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Um fang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zukommt, muss im vorliegenden V erfahren die richterliche Prüfung bei einer knappen Beurteilung der Aktenlage im Sinne einer Plausibilitäts- resp. Missbrauchs- kontrolle ihr Bewenden haben. Entscheidend ist, ob die Gründe, die die IV-Stelle für die Not- wendigkeit weiterer medizinischer Abklärungen anführt, p lausibel erscheinen. Demnach greift das Gericht bei der Frage der Notwendigkeit einer weit eren Begutachtung in das Ermessen der mit der Abklärung betrauten Verwaltung nur dann ein, wenn klar erkennbare Fehleinschätzun- gen vorliegen, eine Begutachtung von vornherein untaug lich angelegt wäre oder Anhaltspunkte bestehen, dass sich die IV-Stelle bei ihrem Entscheid von sachfremden Motiven leiten liess. 4.1 Aus der medizinischen Aktenlage geht hervor, dass sich die IV-Stelle im Vorbescheid vom 9. Juli 2008 bei der vorgesehenen Zusprechung einer halben bzw. ganzen Invalidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 58 % bzw. 82 % in medizinischer Hinsicht insbeson- dere auf das Gutachten der D.____ vom 20. Mai 2008 st ützte. Darin wurden als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine organische Persön lichkeitsstörung und ein Verdacht auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung aufgeführt. Sowo hl in der psychiatrischen als auch in der neurologischen/neuropsychologischen Untersuchung hätte n wesentliche Folgen aus dem Unfall vom 9. August 2006, bei welchem er ein schweres Sch ädelhirntrauma mit bifrontalen Hirnkontusionen erlitten habe, festgestellt werden könne n. Es bestehe ein hirnorganischer Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schaden mit einer Persönlichkeitsstörung und neuropsychologischen Defiziten. In seiner bishe- rigen Tätigkeit als Maschinenmechaniker sei der Versichert e zu 100 % arbeitsunfähig. Für eine intellektuell anspruchslose Tätigkeit sei er aus psychiatri scher Sicht zu 50 % in seiner Arbeits- fähigkeit eingeschränkt. Aufgrund der neuropsychologische n Defizite reduziere sich diese Ar- beitsfähigkeit auf 30 %. Durch den beidseitigen Tinni tus bestände in qualitativer Hinsicht eine zusätzliche Einschränkung. Die Gutachter der D.____ ginge n davon aus, dass die Restarbeits- fähigkeit nicht mehr in der freien Marktwirtschaft umsetzbar sei. 4.2 Dr. C.____ erachtete in seiner Stellungnahme vom 13. Juni 2008 das Gutachten der D.____ vom 20. Mai 2008 als schlüssig und umfassend, beme rkte aber, es sei aufgrund der neuropsychologischen Defizite nicht nachvollziehbar, dass d er Beschwerdeführer ein Fahrzeug im Strassenverkehr problemlos lenken könne. Gleicher Ansicht war Dr. med. J.____, FMH All- gemeine Innere Medizin, der am 25. November 2008 dem Kantonsarzt und am 25. Februar 2009 der Kantonspolizei Basel-Landschaft meldete, dass er die Fahrtauglichkeit des Beschwer- deführers in Frage stelle. Zur Begründung führte er a n, dass in der neuropsychologischen Tes- tung massive Einschränkungen (namentlich im Bereich der A ufmerksamkeit, der kognitiven In- terferenz-Stabilität, des planmässigen Vorgehens und de r Merkfähigkeit für Gegenstände und Wege auf einem Stadtplan) festgehalten worden seien. Demgegenüber sei bekannt, dass der Versicherte regelmässig selbstständig einen Personenwagen fahre. Dr. J.____ zog daraus zwei Schlüsse: Entweder beständen die im Gutachten der D.__ __ festgestellten Defizite tatsächlich. Diesfalls sei die Fahrtauglichkeit zu prüfen und gegebenenfalls abzusprechen. Es sei aber auch denkbar, dass in der Untersuchung nicht die volle mögli che Leistung des Versicherten erfasst worden sei und dieser weiterhin in der Lage sei, gefa hrlos Auto zu fahren. In diesem Fall stelle sich die Frage, ob bei Vorliegen von durchschnittlichen T estergebnissen nicht auch ein berufli- ches Eingliederungspotential vorhanden sei. 4.3 Mit Verfügung vom 16. April 2009 ordnete die Kan tonspolizei Basel-Landschaft bei Dr. H.____, eine verkehrpsychiatrische und -psychologische B egutachtung an. In seiner Exper- tise vom 24. August 2010 kam Dr. H.____ zum Schluss, dass die Fahreignung des Versicherten derzeit gegeben und dass eine Nachuntersuchung nach Ablau f von 2 Jahren erforderlich sei. Anlässlich der verkehrspsychologischen Testung habe der Ver sicherte in verschiedenen kogni- tiven Bereichen (Wahrnehmungsleistung, Auffassungs- und B ewegungsgeschwindigkeit, reakti- ve Belastbarkeit, Aufmerksamkeit und Reaktionsgeschwindigkei t, optische Orientierung und Konzentration) der Norm entsprechende und zum Teil sog ar überdurchschnittliche Ergebnisse gezeigt. In der neuropsychologischen Abklärung habe er in fast allen untersuchten Funktionen (geteilte Aufmerksamkeit, Konzentration, Flexibilität, Interferenzanfälligkeit, Umstellfähigkeit und Impulskontrolle) normale Werte erreicht. Einzig im Bereich des sprachlichen Gedächtnisses und der Alertness hätten leichte bis mittelschwere Beeinträc htigungen festgestellt werden können. Die Schwierigkeiten im sprachlichen Gedächtnis hätten ke inen Einfluss auf die Fahrfähigkeit des Versicherten. Die leichten Beeinträchtigungen in d er Alertness könnten mit den anderen unauffälligen bis überdurchschnittlichen Aufmerksamkeitsf unktionen als kompensiert angese- hen werden. Es beständen somit keine Hinweise für psychop hysische Beeinträchtigungen, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeugs aus testpsychologischer Sicht in Frage stellen würden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Im geforderten Zweijahresabstand holte die Kanto nspolizei Basel-Landschaft ein neuro- psychologisches Gutachten bei lic. phil. I.____ ein. Dieses Gutachten vom 10. August 2012 datiert nach der vorliegend angefochtenen Zwischenverfü gung vom 16. Mai 2012 und konnte daher für den Entscheid der IV-Stelle, eine weitere Begutachtung durchzuführen, nicht berück- sichtigt worden sein. Dieses Gutachten ist deshalb im vor liegenden Verfahren grundsätzlich nicht zu beachten. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass der Fachpsychologe I.____ im We- sentlichen zum gleichen Ergebnis wie Dr. H.____ gelang te. Die Fahreignung des Versicherten ist somit auch zwei Jahre nach der neuropsychologischen Un tersuchung von Dr. H.____ unein- geschränkt gegeben. 4.5 Im Auftrag des Haftpflichtversicherers wurde der Versi cherte in den Jahren 2007 bis 2009 observiert. Zur Auswertung des Observationsmaterials wurden Prof. Dr. med. K.____, FMH Neurologie, und Dr. med. L.____, FMH Psychiatrie u nd Psychotherapie, von der Rehakli- nik Bellikon bestimmt. In ihrem Aktengutachten vom 18. Mai 2010 stellten die beiden Experten fest, dass die Observationsergebnisse keine wesentlich neue n Befunde für die medizinische Situation des Versicherten ergeben würden. Allenfalls w ürden sich leichte Inkonsistenzen erge- ben. Allerdings würden die Ergebnisse auch belegen, d ass der Versicherte eine gewisse Leis- tungsfähigkeit aufweise, die auch in beruflicher Hinsich t verwertbar sei. Der Versicherte sei zu- mindest in der Lage, leichte kognitive Tätigkeiten ausz uüben. In körperlicher Hinsicht gäbe es auch keine Hinweise auf relevante Beeinträchtigungen. 5.1 Die IV-Stelle stützt sich zur Begründung der Notwe ndigkeit weiterer medizinischer Abklä- rungen auf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. E.____ vom 31. August 2011, wonach die medizinische Aktenlage mit dem Gutachten der Rehaklinik Bellikon vom 18. Mai 2010 wider- sprüchlich geworden sei. Es sei deshalb eine bidisziplin äre Begutachtung (psychiatrisch und neurologisch) erforderlich. Dieser Begründung ist zu fo lgen. Das Gutachten von Dr. H.____ steht in einem eklatanten Widerspruch zu den Ergebnissen der Beurteilung der D.____ vom 20. Mai 2008. Dieser Widerspruch lässt sich weder durch d en Zeitablauf noch durch den unter- schiedlichen Zweck der Begutachtungen erklären. Entgegen der Ansicht des Versicherten kön- nen aus der verkehrspsychiatrischen und -psychologischen Beurt eilung gewisse Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit gemacht werden. Immerhin testete eine Fachperson den Versicherten in neuropsychologischer und psychiatrischer Hinsicht. Die Erge bnisse solcher Untersuchungen bilden auch eine Grundlage für die Beurteilung der A rbeitsfähigkeit. Allerdings ist dem Versi- cherten zuzustimmen, dass sich die Einschätzung des Verkehr spsychologen nicht uneinge- schränkt auf die berufliche Leistungsfähigkeit des Versich erten übertragen lässt. Für eine sorg- fältige Beurteilung der Auswirkungen von gesundheitliche n Beeinträchtigungen auf die Arbeits- fähigkeit ist es notwendig, dass eine medizinische Fachperson die Untersuchungsergebnisse im Hinblick auf die berufliche Leistungsfähigkeit auswerte t. Da sich das Gutachten von Dr. H.____ auf die Abklärung der Fahrtauglichkeit beschränkt, ist d ieses für den vorliegenden Fall nicht beweiskräftig genug, um darauf abstellen zu können. Dem zufolge ist festzustellen, dass zwar die Schlussfolgerungen von Dr. H.____ im Zusammenhang mit der Fahrtauglichkeit für den vor- liegenden Fall nicht massgebend sind, seine Testergebn isse jedoch für die Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit eine wesentliche Rolle spielen. Da sich di ese stark von denjenigen der Gutachter der D.____ unterscheiden, ist es nicht zulässig, auf das Gutachten der D.____ abzustellen, zu- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht mal auch Prof. K.____ und Dr. L.____ einen Abklärung sbedarf hinsichtlich der nicht verwertba- ren Arbeitsfähigkeit im freien Arbeitsmarkt bejahten. Es ist daher folgerichtig, dass die IV-Stelle zusätzliche medizinische Abklärungen vornehmen lassen will. Damit ist auch keine von der IV- Stelle verursachte unzulässige Verfahrensverzögerung festzustellen. 5.2 Daran ändert auch der Einwand des Beschwerdeführe rs nichts, wonach nicht einzuse- hen sei, weshalb anstelle einer polidisziplinären lediglich eine bidisziplinäre Abklärung durchge- führt werde. In dieser Hinsicht wies die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung zutreffend darauf hin, dass mit der beabsichtigten psychiatrischen und neurologi schen Begutachtung diejenigen Fachdiszipline berücksichtigt werden, in welchen die gesundh eitlichen Beeinträchtigungen des Versicherten gemäss den medizinischen Akten und somit auch gemäss Gutachten der D.____ zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen. D a der Versicherte keine neuen Beschwer- den geltend macht, welche eine Untersuchung in einer anderen Fachrichtung erfordern würde, drängt sich eine polidisziplinäre Begutachtung nicht auf. 6. Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzustellen, da ss die von der Vorinstanz angeführten Gründe für eine Neubegutachtung plausibe l erscheinen und bei dieser Sachlage weder Grund zur Annahme besteht, dass die Einholung ei nes bidisziplinären Gutachtens unnö- tig ist noch dass sich die IV-Stelle bei der Anordnung desselben von sachfremden Motiven lei- ten liess. Es ist demzufolge nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle die Notwendigkeit einer medizinischen Begutachtung des Versicherten bejahte. Form elle Ausstands- oder Ablehnungs- gründe, die gegen die Begutachtung durch Dr. F.____ und Dr. G.____ sprechen würden, sind aufgrund der vorliegenden Akten keine ersichtlich. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 7. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah renskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist der Beschwerdeführer un- terliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 600.-- werden mit dem geleisteten Ko stenvorschuss verrechnet. Die ausseror- dentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. 8. Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um eine n selbstständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn e ine Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unt er den in Art. 93 Abs. 1 BGG ge- nannten Voraussetzungen zulässig. Wie das Bundesgericht nunm ehr im Grundsatzurteil vom 9. Mai 2012, 9C_950/2011, feststellte, sind kantonale Entscheide über Beschwerden gegen Verfügungen der IV-Stellen betreffend die Einholung von medizinischen Gutachten nicht an das Bundesgericht weiterziehbar, sofern nicht Ausstandsgründ e beurteilt worden sind. Es ist daher fraglich, ob die Voraussetzungen für eine Beschwerde im vorliegenden Fall erfüllt sind. Der Ent- scheid darüber obliegt dem Bundesgericht. Die nachstehend e Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht