Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. November 2019 (715 19 246 / 285) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen Nichtbefolgens einer telefonisch über- mittelten Weisung des Dienstleistungszentrums RAVplus zu Unrecht erfolgt. Weder ist er- stellt, dass der Beschwerdeführer angewiesen worden ist, sich beim RAV zurückzumel- den, noch dass er rechtsgenügend über die ihm oblie gende Rückmeldung auf elektroni- sche Anfrage im Vorfeld informiert worden ist. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei ber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen KIGA Baselland , Abteilung Arbeitsvermittlung, Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln 1, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Am 12. Dezember 2018 meldete sich A.____ während de r dritten Leistungsrahmenfrist zur Arbeitsvermittlung und per 17. Dezember 2018 erneu t zum Bezug von Leistungen der Ar- beitslosenversicherung an. Am 4. Februar 2019 versuchte da s zuständige Dienstleistungszent- rum RAVplus erfolglos, den Versicherten für eine Bespre chung betreffend eine für ihn in Frage Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommende, dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) meldepflichtige Stelle unter der von ihm angegebenen Telefonnummer zu erreichen. Tags darauf versandte das RAVplus eine SMS an den Versicherten und bat um telefonischen Rückruf . Am 8. Februar 2019 meldete das RAVplus dem RAV zurück, dass man den Versicherten erfolglo s zu erreichen versucht habe. Eine Aufforderung des Versicherten vom 8. Februar 201 9 zur Einreichung einer Stellungnahme blieb in der Folge unbeantwortet. B. Mit Verfügung vom 21. Februar 2019 stellte das zustä ndige RAV den Versicherten mit Wirkung ab 6. Februar 2019 für die Dauer von 10 Tagen wegen Nichtbefolgens einer Weisung in der Anspruchsberechtigung ein. Zur Begründung brachte das RAV vor, dass sich der Versicherte entgegen der ihm obliegenden Verpflichtung nicht innert 24 Stunden beim RAV zurückgemeldet habe. C. Am 26. Februar 2019 erhob der Versicherte Einsprach e gegen diese Verfügung. Er machte im Wesentlichen geltend, es sei nicht wahr, dass man ihn am 4. Februar 2019 angerufen habe. Ebenfalls habe er vom RAV keine SMS erhalten. Schliesslich sei er anlässlich eines nach- folgenden Beratungsgesprächs von seiner Personalberaterin weder angehalten worden, sich ir- gendwo zu melden, noch sei er informiert worden, dass er einen Anruf oder eine SMS des RAV verpasst habe. Die Aufforderung zur Stellungnahme vom 8. Februar 2019 habe er nicht verstan- den. Am 13. März 2019 legte er erneut dar, dass weder ein Anruf noch eine SMS auf seinem Telefon angezeigt worden seien. Er habe beides nicht erhalten. D. Mit Einspracheentscheid vom 17. Juni 2019 lehnte das Kantonale Amt für Industrie, Ge- werbe und Arbeit Baselland (KIGA) die Einsprache des Versicherten ab. E. Hiergegen erhob der Versicherte am 16. Juli 2019 B eschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Unter Hinweis auf seine bereits in der Einsprache vorgebrachten Argume nte ersuchte er sinngemäss um Auf- hebung des angefochtenen Einspracheentscheids. F. Das KIGA schloss mit Vernehmlassung vom 22. August 201 9 auf Abweisung der Be- schwerde. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art . 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 kann der Bundesrat die ört- liche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 des Bun- desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicher ungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 regeln. Gemäss Art. 128 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31 . August 1983 richtet sich die Beurteilung der Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts nach Art. 119 AVIV. Laut Art. 128 Abs. 2 AVIV ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das Versicherungsgericht desselben Kantons zuständig. Anfechtungsob- jekt des vorliegenden Verfahrens bildet ein Einsprach eentscheid, den das KIGA als kantonale Amtsstelle im Sinne von Art . 85 AVIG erlassen hat, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs . 1 lit. a des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezem ber 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig . Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 16. Juli 2019 ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Pe rson der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000 .-- durch Präsidialentscheid. Vorliegend beträgt der Streitwert bei einer Einstelldauer von 10 Tagen Fr. 1'896.-- (10 Tage x Taggeld à Fr. 189.60). Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2.1 Art. 17 Abs . 1 Satz 1 AVIG enthält die Schadenminderungspflicht, wonach die versi- cherte Person mit Unterstützung des Arbeitsamtes alles Zumutbare zu unternehmen hat, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (BGE 124 V 225 E. 2a) . Im Rahmen dieser Schadenminderungspflicht ist die versicherte Person insbesondere verpflichtet, Arbeit (wenn nö- tig auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes) zu suchen und ihre diesbezüglichen Bemühungen nachzuweisen (Art. 17 Abs. 1 Satz 2 AVIG und Art. 26 A bs. 2 bis AVIV; T HOMAS NUSSBAUMER , Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicherung, in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Basel 2016, Rz. 828). Die persönlichen Arbeitsbemü- hungen der versicherten Person werden in der Regel streng beurteilt (BGE 133 V 89 E. 6.1.1). 2.2 In Ergänzung zu Art. 17 AVIG schreibt Art. 21 Abs. 1 AVIV vor, dass sich der Versi- cherte nach der Anmeldung zur Arbeitsvermittlung ents prechend den Anordnungen der zustän- digen kantonalen Behörden zu Beratungs- und Kontrollg esprächen persönlich bei der zuständi- gen Amtsstelle zu melden hat (Satz 1). Dabei muss er sicher stellen, dass er in der Regel innert Tagesfrist von der zuständigen Amtsstelle erreicht werden kann (Satz 2). Gemäss Art. 21 Abs. 2 AVIV legt die zuständige Amtsstelle die Termine für di e Beratungs- und Kontrollgespräche fest. Gemäss Art. 22 Abs. 4 AVIV legt die zuständige Amtsstelle mit dem Versicherten ausserdem fest, wie er in der Regel innert Tagesfrist erreicht werden kann. 2.3 Kommt die versicherte Person der Verpflichtung, sich persönlich genügend um zumut- bare Arbeit zu bemühen, nicht nach, kann die kantonale Amtsstelle gemäss Art . 30 Abs. 1 lit. c AVlG eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung verfügen. Dies e Bestimmung sanktioniert die Verletzung der in Art. 17 Abs. 1 AVIG statuierten und bereits erwähnten Schadenminderungs- pflicht. Auf den Erfolg der Bemühungen kommt es dabei nicht an, sondern nur auf deren Intensi- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tät. Die Sanktion soll arbeitslose Versicherte zur Stellensuche anspornen und vor allem eine miss- bräuchliche Beanspruchung der Arbeitslosenversicherung verhindern. Die Einstellung in der An- spruchsberechtigung bezweckt demnach eine angemessene Mitbeteiligung der versicherten Per- son an jenem Schaden, den sie durch ihr pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosenversicherung natürlich und adäquat kausal zugefügt hat (BGE 124 V 227 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juni 2011, 8C_271/2011, E. 2.2). Die Einstellung hat folglich die Funktion einer Haftungsbe- grenzung der Versicherung für Schäden, welche die ver sicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässig- keits- und Verschuldensprinzip beherrscht (NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 828). 2.4 Gemäss Art. 27 Abs. 1 ATSG sind der Versicherungstr äger und die Durchführungsor- gane der einzelnen Sozialversicherungen verpflichtet, i m Rahmen ihrer Zuständigkeitsbereiche die interessierten Personen über ihre Rechte und Pflich ten aufzuklären. Mit dieser Aufklärungs- pflicht soll der versicherten Person Klarheit über ihre Rechte und Pflichten verschafft werden. Es muss dabei vor allem über jene Rechtsfolgen informiert werden, die noch nicht bekannt oder welche nicht zu erwarten sind. Dies wiederum setzt auch e in Mitverfolgen des Kenntnisstands der in Betracht kommenden Personen voraus. Mit Art. 27 ATSG hat der Gesetzgeber zum Aus- druck gebracht, dass der Umfang der Informationspflicht weit gefasst ist. Was die Tiefe der Auf- klärung betrifft, muss sichergestellt sein, dass die versicher te Person in die Lage versetzt wird, die für sie im konkreten Einzelfall in Betracht fallende n Schritte einzuleiten und Konsequenzen abzuschätzen. Dies bedeutet insbesondere, dass die Aufklärung durch den Sozialversicherungs- träger und dessen Durchführungsorgane auch das einzuschlagende Verfahren zu erläutern und damit verbundene Handlungsinformationen zu vermitteln hat. Die in Art. 27 Abs. 1 ATSG festge- legte Informationspflicht kann etwa dadurch erfüllt we rden, dass Informationsbroschüren oder Merkblätter abgegeben werden (BGE 131 V 476). Diese a llgemeine Aufklärungspflicht wird er- gänzt durch die persönliche Beratungspflicht gemäss Art. 27 Abs. 2 ATSG. Diese bezieht sich auf die Rechte und Pflichten im konkreten Einzelfall. Die versicherte Person ist dabei über die massgebenden Umstände rechtlicher oder tatsächlicher Natur zu informieren (BGE 133 V 256). Im Ergebnis bedeutet die in Art. 27 Abs. 2 ATSG statuierte Beratungspflicht, dass sich der Versi- cherungsträger nicht darauf berufen kann, die betreffende Person hätte sich bei entsprechender Kenntnis zutreffend verhalten können. Der Versicherungs träger hat sich deshalb in einem be- stimmten Mass aktiv zu verhalten und die versicherte Person i nsbesondere über relevante Ein- zelaspekte besonders zu informieren (zum Ganzen: U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Bern / St. Gallen / Zürich, Art. 27, Rz. 3 ff.). Wird die Beratungspflicht nicht oder nur ungenügend wahrgenommen, kommt dies einer falsch erteilten Auskunft des Versicherungsträgers gleich, und es hat dafür in Nachachtung des Vertrauensprinzips der Versicherungsträger einzustehen (BGE 131 V 480). 2.5 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwerdef all das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wen n sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1978, S. 135). Im Sozialver- sicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem Be weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (HANS -ULRICH STAUFFER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligator ische Arbeitslosenversicherung und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Insolvenzentschädigung, Zürich 1998, S. 77). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachver- haltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vi elmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensa bläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). In verfahrens- rechtlicher Hinsicht ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass den Parteien in dem vom Untersu- chungsgrundsatz beherrschten Sozialversicherungsprozess eine Beweislast nur insofern obliegt , als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunst en jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst dann Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwiegende Wahr- scheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen ( Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 8C_662/2015, E. 3.2.). 3. Es gilt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer vom KIGA zu Recht wegen Nichtbefolgens einer telefonisch übermittelten Weisung, gemäss welcher er sich zwecks Besprechung einer für ihn in Frage kommenden Stelle innert Tagesfrist beim RAV hätte zurückmelden sollen, in der Anspruchsberechtigung eingestellt worden ist. 3.1 Seit Juli 2018 haben Arbeitgeber den RAV im Rahm en der ihnen obliegenden Stellen- meldepflicht alle offenen Stellen in den Berufsarten mit einer statistischen Arbeitslosenquote von 8% oder mehr zu melden (Art. 53a Absatz 3 und Art. 63 a der Arbeitsvermittlungsverordnung [AVV] vom 16. Januar 1991 in Verbindung mit Art. 1 und 2 der Verordnung über die Unterstellung von Berufsarten unter die Stellenmeldepflicht in den Jahren 2018 und 2019 vom 23. Mai 2018). Die Arbeitgeber dürfen die entsprechenden Stellen in der Folge frühestens nach Ablauf von fünf Arbeitstagen seit Erhalt der Bestätigung durch die öffentliche Arbeitsvermittlung anderweitig aus- schreiben (Art. 53b Abs. 4 und 5 AVV). Gleichzeitig erh alten sie von den RAV innert drei Tagen Vermittlungsvorschläge über die bei der Arbeitslosenversicherung angemeldeten Personen. Die Arbeitgeber haben geeignete Kandidaten zu einem Bewe rbungsgespräch oder zu einer Eig- nungsabklärung einzuladen. Schliesslich melden sie den zus tändigen RAV zurück, ob eine An- stellung erfolgt ist (Art. 53c AVV). Hintergrund dieser Bestimmungen ist es, den Stellensuchenden auf dem hiesigen Stellenmarkt einen zeitlichen Vorsprung einzuräumen. Für die Umsetzung die- ser Bestimmungen hat das zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) die elektronische Stellenplattform («Job-Room») lanciert. Offene Stellen, welche der Meldepflicht unterliegen, wer- den auf dieser Plattform durch die zuständigen Dienstleistungszentren der RAV («RAVplus») er- fasst und bearbeitet. Innert der gemäss Art. 53c AVV vor geschriebenen Dreitagesfrist suchen diese Dienstleistungszentren bei der Arbeitslosenversicherung zur Arbeitsvermittlung angemel- deten Kandidaten, kontaktieren diese und klären die Eignung der arbeitslosen Personen für eine gemeldete Arbeitsstelle ab. Falls die stellensuchende Person telefonisch nicht erreicht werden kann, wird eine automatisierte SMS an die stellensuchende Person mit der Aufforderung zur Kon- taktaufnahme mit dem «RAVplus»-Dienstleistungszentrum innert 24 Stunden versandt (vgl. zum Ganzen: https: //www.arbeit.swiss / secoalv / de / home / menue / unternehmen / stellenmelde- pflicht.html; zuletzt besucht am 6. November 2019). D ie Kontaktaufnahme der Dienstleistungs- zentren RAVplus mit stellensuchenden Personen via Telefon und SMS wurde im Hinblick auf die vorgeschriebenen, kurzen Fristen dem postalischen Briefverkehr vorgezogen. Die automatisierte Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Doppelinformation via SMS soll dabei Zustellschwierigkei ten entgegenwirken, indem die be- troffene Person auf unterschiedlichen Kanälen zu erreich en versucht wird. Darüber hinaus wer- den stellensuchende Personen, für welche eine Meldepflicht für Arbeitgebende besteht, generell darauf hingewiesen, dass sie durch das Dienstleistungszentrum des RAVplus kontaktiert werden könnten und sich umgehend zurückzumelden haben (Kreisschreiben seco, AVG-Praxis öAV A1, April 2019). Dabei handelt es sich um eine Konkretisierung der in Art. 22 Abs. 4 AVIV in Verbin- dung mit Art. 17 AVIG geregelten Weisung, sich als stel lensuchende Person zur Verfügung der RAV halten zu müssen (oben, Erwägung 2.2). 3.2 Im Zusammenhang mit dem Nachweis elektronisch überm ittelter Nachrichten hat das Bundesgericht erkannt, dass eine Korrespondenz mittels E-Mail zwar weit verbreitet, eine zuver- lässige Übermittlung aber nicht gewährleistet ist. So sei allgemein bekannt, dass der Verkehr mittels E-Mail gefahrenbehaftet und nur beschränkt verlässlich sei. Insbesondere sei zu berück- sichtigen, dass der Nachweis des Zugangs elektronischer Nachrichten aufgrund technischer Ge- gebenheiten anerkanntermassen Schwierigkeiten bereite. Wer sicherstellen wolle, dass eine E- Mail den Empfänger auch tatsächlich erreiche, müsse sich die Übermittlung über ein anderes Kommunikationsmittel bestätigen lassen. Der Absender dür fe sich insbesondere nicht auf eine automatische Zustellbestätigung verlassen oder bei nic ht erfolgter Übermittlung eine automati- sche Fehlermeldung zu erhalten. Auch der mit dem E-Mail -Versand beauftragte Provider sei grundsätzlich nicht für eine erfolgreiche Übermittlung v erantwortlich (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Oktober 2012, 2C_699/2012, E. 4.2). Im Zusammenhang mit elektronisch übermittelten Arbeitsbemühungen versicherter Personen im Besonderen h at das Bundesgericht sodann erst kürzlich festgehalten, dass im Streitfall der Absender nich t nur zu beweisen habe, dass seine elektronische Nachricht eingetroffen, sondern auch in den Machtbereich des Adressaten gelangt sei (BGE 145 V 90). 4.1 Die Vorinstanz hat die von ihr verfügte Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen Nichtbefolgens einer Weisung des RAV damit begründet, dass dem Versicherten aufgrund der ausgiebig erfolgten Informationen betreffend das Di enstleistungszentrum RAVplus und seinen allgemeinen versicherungsrechtlichen Pflichten hätte bewu sst sein müssen, dass er unter Um- ständen vom Dienstleistungszentrum RAVplus wegen einer passendenden Stellenausschreibung kontaktiert würde und daher verpflichtet sei, für solche Kontaktversuche erreichbar zu sein. We- der habe er jedoch auf den gemäss Log-Dateien des Info rmatiksystems des RAVplus mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit erstellten Anruf am 4. Februar 2019 noch auf das in der Folge an ihn versandte SMS reagiert. Dadurch habe er die generelle Weisung zur Kontaktaufnahme innert Tagesfrist und damit seine Schadenminderungspflicht verletzt, weshalb die verfügte Sanktion zu Recht erfolgt sei. Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber wie zuvor schon in seiner Ein- sprache auf den Standpunkt, weder den fraglichen Anruf noch das entsprechende SMS erhalten zu haben. 4.2 Was zunächst das vom Dienstleistungszentrum RAVplus am 5. Februar 2019 im Nach- gang zu der tags zuvor erfolglosen telefonischen Kontak taufnahme versandte SMS betrifft (Se- paratbeilagen des KIGA zur Vernehmlassung, Dok 10), geh t aus den Akten hervor, dass eine Überprüfung der SMS-Zustellung technisch nicht möglich sei, weil die fragliche SMS über eine Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht fremde Gateway versandt worden sei (Separatbeilagen d es KIGA zur Vernehmlassung, Dok 5, S. 4). Zumal aus dieser Bestätigung hervorgeht, dass di e SMS-Zustellung durch den Provider ohnehin nicht garantiert werden könne, vermag die Kasse in Anlehnung an die oben dargelegte Rechtsprechung des Bundesgerichts deshalb nicht zu belegen, dass der Versicherte tatsächlich eine SMS mit der Aufforderung erhalten hat, sich beim RAV zurückzumelden (oben, Erwägung 3.2 a. E.). Eine Sanktion wegen Nichtbefolgens einer Weisung fällt in diesem Zusammenhang ausser Betracht. 4.3.1 Nicht anders verhält es sich mit dem Versuch des RAV , den Versicherten am 4. Februar 2019 noch vor seiner Ferienabwesenheit ab dem 6. Febru ar 2019 (Akten RAV, Dok 30) telefo- nisch zu erreichen. Aus den Akten ergibt sich, dass die Log-Dateien einen Anruf des RAV auf die mobile Telefonnummer des Versicherten bestätigen würden (Separatbeilagen des KIGA zur Ver- nehmlassung, Dok 5, S. 4). Ein eigentliches Gespräch habe jedoch nicht aufgebaut werden kön- nen. Dass der fragliche Anruf zum Versicherten durchgedrungen ist, mag allenfalls zutreffen, ist aber letztlich unklar geblieben (a.a.O., Dok 5, S. 1). Aus der im Nachgang eingeholten techni- schen Analyse geht ausserdem hervor, dass nicht abschliessend beurteilt werden könne, was effektiv auf dem Endgerät des Versicherten sicht- oder h örbar gewesen sei. Ob überhaupt und wie lange das Telefon des Empfängers geklingelt hat, ist deshalb ebenfalls nicht erstellt. Unklar geblieben ist in diesem Zusammenhang auch, ob beim Versicherten tatsächlich ein Anruf in Ab- wesenheit angezeigt worden ist (a.a.O., Dok 5, S. 2). D amit bleibt ebenfalls ungeklärt, ob dem Versicherten das RAV als Absender überhaupt angezeigt worden ist. 4.3.2 Mithin kann nicht angenommen werden, der Versiche rte hätte erkennen müssen, das RAV zurückrufen zu müssen. Entgegen einer beispielsweise zwar simplen, indes zeitechten Pro- tokollnotiz des zuständigen RAV-Mitarbeiters, den Versich erten telefonisch mehrfach zu errei- chen versucht zu haben, können die vorliegenden Interpretationen technischer Natur (so explizit einleitend Dok 5, S. 1) den rechtsprechungsgemäss erforderlichen Nachweis einer telefonischen Kontaktaufnahme letztlich nicht erbringen. Wie es sich damit im Detail verhält, und ob eine ent- sprechende Aktennotiz (Art. 46 ATSG) den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an einen Zustellnachweis gerecht werden kann (oben, Erwägung 3.2), kann im hier vorliegenden Fall letzt- lich offenbleiben. Der hier zur Diskussion stehende Nachwe is des Verbindungsaufbaus alleine vermag der dargelegten Aktenlage zufolge jedenfalls nicht zu belegen, dass der Versicherte ge- halten gewesen wäre, das RAV zurückzurufen. Daran verm ag auch nichts zu ändern, dass im Sozialversicherungsrecht kein strikter Beweis zu erbringen ist. Für eine Annahme auch nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, wonach der Versicherte Anlass gehabt hätte, das RAV zu kontaktieren, sind die in den Akten dargelegten Erkenntnisse technischer Natur letzt- lich zu vage. 4.4 Im Zusammenhang mit den vorliegend strittigen Beso nderheiten des RAVplus-Prozede- res bleibt entgegen der von der Vorinstanz vertretenen Auffassung ausserdem unklar, ob der Versicherte rechtsgenügend aufgeklärt worden ist. Mit Bli ck auf Art. 27 ATSG ist daran zu erin- nern, dass die Informations- und Beratungspflicht des Versicherungsträgers und seiner Durch- führungsorgane ein Mitverfolgen des Kenntnisstands der Betroffenen vorau ssetzen. Die versi- cherte Person ist von der zuständigen Behörde deshalb besonders dann über Einzelaspekte zu Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht informieren, sobald Neuerungen zur Diskussion stehen, über welche die versicherte Person bei objektiver Betrachtung nicht ohne Weiteres selbst Besc heid wissen konnte. So verhält es sich auch hier. Bei der im Juli 2018 eingeführten Stellenmeldepflicht (oben, Erwägung 3.1) handelt es sich um eine relativ neue Obliegenheit, welche sich ausschliesslich an die Arbeitgeber, nicht aber an die Arbeitnehmer richtet. Dies zeigt sich daran, dass die massgebenden gesetzlichen Bestim- mungen im Zusammenhang mit der öffentlichen Arbeitsvermittlung in der AVV keine Vorschriften enthalten, welche sich direkt an versicherte Personen richten. Dem KIGA ist zwar zuzustimmen, dass der Versicherte anlässlich des Erstgesprächs vom 14. Dezember 2018 nebst der ihm oblie- genden Meldepflicht generell über seine Mitwirkungspflicht und auch über eine mögliche Stellen- zuweisung informiert worden ist (Separatbeilagen des KIGA zur Vernehmlassung, Dok 11., S. 2, unten). Ebenfalls trifft es zu, dass der Versicherte am 20. Dezember 2018 einen direkten Kontakt mit Arbeitsvermittlern und Temporärbüros abgelehnt un d die Kontaktaufnahme ausschliesslich durch das RAV bevorzugt hatte (a.a.O., Dok 12). Ob der Beschwerdeführer in diesem Rahmen allerdings konkret darauf hingewiesen worden war, dass er eventuell vom Dienstleistungszentrum RAVplus bezüglich einer geeigneten Stellenausschreibung auch telefonisch oder per SMS kon- taktiert würde, geht entgegen der von der Vorinstanz vertretenen Auffassung (angefochtener Ein- spracheentscheid, Ziffer 17) weder aus den Akten hervor, noch lässt sich eine solche Annahme aufgrund der Tatsache ableiten, dass sein Tätigkeitsfe ld seit Juli 2018 einer Stellenmeldepflicht durch die Arbeitgeber unterliegt. Daran ändert auch nichts, dass sich der Versicherte mittels des elektronischen Informationstools des RAV (e-Tool) selbst hä tte informieren können. Im Zusam- menhang mit der Informationspflicht des Versicherten geht nämlich zum einen aus dem Protokoll über das Erstgespräch vom 14. Dezember 2018 hervor, dass die Information des Versicherten noch pendent sei (a.a.O., Dok 11, ad Ziffer 1.1). Zum anderen lassen sich in den im Internet allgemein zugänglichen Tools des RAV (abrufbar unter www.rav.bl.ch ) gerade keine konkreten Verhaltensweisen im Zusammenhang mit dem hier strittig en Verhalten des Beschwerdeführers finden. Unter dem Kapitel «Erreichbar sein und Änder ungen melden» geht mit Blick auf die Er- reichbarkeit innert Tagesfrist (Art. 21 Abs. 2 AVIV; A rt. 22 Abs. 4 AVIV; oben, Erwägung 2.2) lediglich hervor, dass hierfür die E-Mails täglich kontr olliert werden müssten und es wichtig sei, keine Post vom RAV zu verpassen. Eine weitergehende Verpflichtung bzw. Information im Rah- men der hier zur Diskussion stehenden Kontaktaufnahme mit tels Telefon oder SMS fehlt. Dies gilt auch für die unter dem Titel «RAVplus» generel l einsehbaren Informationen. Mit Blick auf diese letztlich eher vage gehaltenen Informationen muss e ine rechtsgenügende Aufklärung und Information des Beschwerdeführers hinsichtlich der hier im Zentrum stehende Frage der soforti- gen Rückmeldung bei erfolglosen Kontaktversuchen des RAV insgesamt somit verneint werden. Wie es sich damit in genereller Hinsicht verhält, brau cht an dieser Stelle nicht abschliessend geklärt zu werden. Letztlich aber wäre es wohl hilfreich, die Versicherten im Rahmen der Erstge- spräche explizit darauf hinzuweisen, dass sie auch telefon isch und per SMS kontaktiert werden und sie sich bei erfolglosen Kontaktversuchen innert nützlicher Frist zurückzumelden haben. 4.5 Zusammenfassend ist weder erstellt, dass der Beschwerde führer angewiesen worden ist, sich beim RAV zurückzumelden, noch dass er rechtsgenügend über die ihm obliegende Rück- meldung auf elektronische Anfrage im Vorfeld informiert worden ist. Damit erübrigen sich weitere Abklärungen zu seinem allfälligen Fehlverhalten. Kann ihm kein Weisungsverstoss zur Last ge- legt werden, ist von einer Einstellung in der Anspruchsb erechtigung abzusehen. Dies führt zur Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids und zur Gutheissung vorliegenden der Be- schwerde. 5. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid des KIGA, Abteilung Arbeitsvermittlung, vom 17. Juni 2019 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.