Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 8. Januar 2019 (460 18 207) ____________________________________________________________________ Strafrecht Fahrlässige schwere Körperverletzung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Dominique Steiner (Ref.), Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiber Dominik Haffter Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde A.____, vertreten durch Advokat Dr. Daniel Riner, Steinentorstrasse 13, Postfach 204, 4010 Basel, Privatklägerin und Berufungsklägerin gegen B.____, vertreten durch Advokat Alexander Sami, Oberwilerstrasse 3, Postfach 82, 4123 Allschwil, Beschuldigter Gegenstand Fahrlässige schwere Körperverletzung etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 17. Oktober 2017 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil vom 17. Oktober 2017 sprach der Strafgerichtspräsident Basel -Landschaft B.____ von der Anklage der fahrlässigen schweren Körperverletzung frei (Ziffer 1 des vor - instanzlichen Urteilsdispositivs) und verwies die Schadenersatz - sowie die Genugtuun gsforde- rungen von A.____ auf den Zivilweg (Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs). Ferner auferlegte der Vorderrichter die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 2'488.50 dem Staat (Zi f- fer 3 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs) und legte fest, d ass die Kosten des Wahlverteid i- gers von B.____ von insgesamt Fr. 6'501.80 durch den Staat zu tragen seien (Ziffer 4 des vor- instanzlichen Urteilsdispositivs). Schliesslich wies die Vorinstanz den Antrag von B.____ auf Genugtuung ab (Ziffer 5 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs). Auf die Begründung dieses vorinstanzlichen Entscheids sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Urteils eing e- gangen. B. Gegen obgenanntes Urteil meldet e A.____, vertreten durch Advokat Dr. Daniel Riner, mit Eingabe von 18. Oktober 2017 Berufung an. In ihrer Berufungserklärung vom 21. Juni 2018 beantragte die Privatklägerin, der Beschuldigte sei der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig zu sprechen und zu einer angemessenen Strafe zu verurteilen. Ferner seien die Sch a- denersatz- und die Genugtuungsforderungen der Privatklägerin dem Grundsatz nach – bei ei- ner Haftungsquote von 100% – gutzuheissen und im Übrigen auf den Zivilweg zu verweisen. Schliesslich sei der Privatklägerin eine Parteientschädigung sowohl für das Verfahren vor dem Strafgericht als auch für jenes vor dem Kantonsgericht zuzusprechend und die ordentlichen Kosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen. C. Die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft teilte mit Eingabe vom 26. Juni 2018 mit, dass sie weder einen Antrag auf Nichteintreten stelle noch die Anschlussberufung erkläre. Des Weiteren verzichte sie auf die Teilnahme an einer allfälligen Verhandlung vor dem Kantonsg e- richt. D. Der P räsident der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts Basel -Landschaft stellte mit Verfügung vom 18. Juli 2018 fest, dass die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft so- wie der Beschuldigte weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben haben. E. Mit Ber ufungsbegründung vom 5. September 2018 beantragte die Privatklägerin in teilweiser Abänderung ihrer mit Berufungserklärung vom 21. Juni 2018 gestellten Rechtsbegeh- ren, der Beschuldigte sei der fahrlässigen schweren Körperverletzung, eventualiter der Verle t- zung von Verkehrsregeln, schuldig zu sprechen und zu einer angemessenen Strafe zu verurte i- len. Im Übrigen wiederholte die Privatklägerin ihre mit Berufungserklärung vom 21. Juni 2018 gestellten Anträge. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft nahm mit Berufungsantwort vom 10. Se p- tember 2018 Stellung zur Berufungsbegründung der Privatklägerin vom 5. September 2018. G. Mit Berufungsantwort vom 12. November 2018 begehrte der Beschuldigte, vertreten durch Advokat Alexander Sami, es sei die Berufung der Privatklägerin abzuweisen und das Ur- teil des Strafgerichtspräsidenten zu bestätigen. Demzufolge sei er von Schuld und Strafe freizu- sprechen und die unbezifferten Schadenersatz - und Genugtuungsforderungen seien abzuwe i- sen, eventualiter auf den Zivilweg zu v erweisen, unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Privatkl ä- gerin. Im Weiteren sei ihm eine angemessene Parteientschädigung für das Berufungsverfahren zuzusprechen. H. Die Privatklägerin teilte mit Eingabe vom 20. November 2018 mit, dass sie mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens anstelle einer mündlichen Berufungsverhandlung einverstanden sei. I. Mit Eingabe vom 26. November 2018 teilte der Beschuldigte sein Einverständnis zur Durchführung des schriftlichen Verfahrens anstelle einer mündlichen Be rufungsverhandlung mit. J. Der Präsident der Abteilung Strafrecht des Kantonsgerichts Basel -Landschaft stellte mit Verfügung vom 29. November 2018 fest, dass innert mit Verfügung vom 14. November 2018 angesetzter nicht erstreckbarer Frist keine Partei di e Durchführung einer mündlichen B e- rufungsverhandlung beantragt hat. Ferner verfügte er, dass die Berufung gestützt auf Art. 406 Abs. 2 lit. a und b StPO im schriftlichen Verfahren behandelt und das Urteil des Berufungsg e- richts den Parteien schriftlich eröffnet wird. K. Der Rechtsvertreter der Privatklägerin reichte mit Eingabe vom 12. Dezember 2018 seine Honorarnote ein. L. Mit Eingabe vom 17. Dezember 2018 legte der Verteidiger des Beschuldigten seine Honorarnote für den Zeitraum vom 19. Oktober 2017 bis zum 23. Oktober 2017 sowie jene für den Zeitraum vom 1. Juni 2018 bis zum 17. Dezember 2018 ins Recht. Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Es können Rechtsverletzunge n, die unvollstän- dige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zuste l- lung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. 2. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichtspräsidenten Basel -Landschaft vom 17. Oktober 2017 angefochten, welches ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Mit Eing a- ben vom 18. Oktober 2017 (Berufungsanmeld ung) respektive vom 21. Juni 2018 (Berufungser- klärung) hat die Privatklägerin die Rechtsmittelfrist gewahrt und ist ihrer Erklärungspflicht nac h- gekommen. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel -Landschaft, Abtei- lung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a des Einführungsgesetzes zur Schweizer i- schen Strafprozessordnung (EG StPO, SGS 250). 3. Mit Berufungsantwort vom 12. November 2 018 macht der Beschuldigte geltend, auf das Eventualbegehren der Privatklägerin, wonach er der einfachen Verletzung von Verkehrsr e- geln schuldig zu sprechen sei, sei nicht einzutreten. Zur Begründung führt der Beschuldigte aus, die Berufungsklägerin sei in Bezug auf den Vorwurf der einfachen Verletzung der Ve r- kehrsregeln nicht zur Berufung legitimiert. 4. Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, zur Berufung legitimiert. Die Privatkläger- schaft kann einen Entscheid hinsichtlich der ausgesprochenen Sanktion nicht anfechten (Art. 382 Abs. 2 StPO). Im Übrigen kann die Privatklägerschaft in allen Punkten Berufung erh e- ben, soweit sie in ihren rechtlich geschützten In teressen betroffen ist. Voraussetzung für die Legitimation zur Anfechtung des Schuldpunktes ist, dass sich die Privatklägerschaft nach Art. 119 Abs. 2 lit. a StPO im Strafpunkt konstituiert hat (NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, Pra- xiskommentar StPO, 3. Aufl. 2018, Art. 382 N 5; VIKTOR LIEBER, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 382 N 15). Im Weiteren ergibt sich das erforderliche rechtlich geschützte Inte- resse daraus, dass die betreffende Person durch den angefochtenen Entscheid selbst und u n- mittelbar in ihren Rechten betroffen, das heisst beschwert ist ( VIKTOR LIEBER, a.a.O., Art. 382 N 7; NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, a.a.O., Art. 382 N 2). 5. In casu ist fraglich und daher nachfolgend zu prüfen, ob die Berufungsklägerin in B e- zug auf den Vorwurf der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln unmittelbar in ihren Rechten betroffen ist resp. ob ihr in dieser Hinsicht überhaupt die Stellung als Privatklägerin zukommt. Gemäss Art. 118 Abs. 1 StPO gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, si ch am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin oder -kläger zu beteiligen, als Privatklägerschaft. Als geschädigte Person gilt die Person, die durch die Straftat in ihren Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). Demzufolge ist als Geschädigter anzusehen, wer Träger des Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsgutes ist, das durch die fragliche Strafbestimmung vor Verletzungen oder Gefährdungen geschützt werden soll. Im Zusammenhang mit denjenigen Strafnormen, die nicht primär Indiv i- dualrechtsgüter schützen, gelten praxisgemäss nur diejenigen Personen als Geschädigte, die durch die darin umschriebenen Tatbestände in ihren Rechten beeinträchtigt werden, sofern di e- se Beeinträchtigung unmittelbare Folge der tatbestandsmässigen Handlung ist. Werden durch Delikte, die nur öffentliche Interessen verletzen, private Interessen auch, aber bloss mittelbar beeinträchtigt, so ist der Betroffene nicht Geschädigter im Sinne von Art. 115 Abs. 1 StPO (BGE 138 IV 258, E. 2.3; GORAN MAZZUCCHELLI/MARIO POSTIZZI, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 115 N 88). Nachfolgend zu prüfen ist demnach, ob die Berufungsklägerin durch die dem Beschuldigten vorgeworfene einfache Verkehrsregelverletzung unmittelbar in ihren Rechten verletzt wurde. Mithin stellt sich die Frage nach dem durch Art. 90 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG, SR 741.01) geschützten Rechtsgut. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts handelt es sich bei Art. 90 Abs. 1 SVG um ein abstraktes Gefährdungsdelikt, das eine Handlung wegen ihrer typischen Gefährlichkeit al l- gemein mit Strafe bedroh t, unabhängig davon, ob im konkreten Fall ein Rechtsgut in Gefahr gerät. Art. 90 Abs. 1 SVG schützt den reibungslosen Ablauf der Fortbewegung auf öffentlichen Strassen, mithin allgemeine Interessen. Demgegenüber werden Individualrechtsgüter wie Leib und Leben oder das Eigentum durch die Verkehrsregeln nur mittelbar geschützt. Folglich ist der bei einer Verkehrsregelverletzung allenfalls eintretende Schaden nicht die unmittelbare, so n- dern bloss eine mittelbare Folge der tatbestandsmässigen Handlung, zumal In dividualrechtsgü- ter durch die Verkehrsregelverletzung nicht notwendigerweise (mit)beeinträchtigt werden (BGE 138 IV 258, E. 3.1 ff.; GORAN MAZZUCCHELLI/MARIO POSTIZZI, a.a.O., Art. 115 N 88). Das Bundesgericht erachtet in seiner bisherigen Rechtsprechung b ei Verkehrsunfällen mit Tötung oder Körperverletzung den durch einen anderen Verkehrsteilnehmer verwirklichten Tatbestand des Strafgesetzbuchs als massgebend für die Geschädigtenstellung, nicht aber (auch) die vom anderen Verkehrsteilnehmer begangene Straf tat der Verkehrsregelverletzung. Daraus ergibt sich, dass die als Folge einer Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 1 SVG an einer Koll i- sion beteiligte Person im Hinblick auf die Widerhandlung gegen das SVG nicht in ihren eigenen Interessen unmittelbar verletzt und demzufolge nicht geschädigte Person im Sinne von Art. 115 Abs. 1 StPO ist. Vielmehr besteht einzig in Bezug auf die unfallbedingte fahrlässige Körperve r- letzung (Art. 125 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs, StGB, SR 311.0) eine Geschädigten- stellung. Folgerichtig kann sich die betroffene Person hinsichtlich der Widerhandlung gegen das SVG nicht als Privatklägerin gemäss Art. 118 Abs. 1 StPO konstituieren und demzufolge auch nicht am Strafverfahren beteiligen. Mithin ist die bei einem Verkehrsunfall verletzte Person allein in Bezug auf die Straftat der fahrlässigen Körperverletzung unmittelbar beeinträchtigt, nicht j e- doch hinsichtlich der vom anderen Verkehrsteilnehmer allenfalls zusätzlich begangenen Straftat der Verletzung von Verkehrsregeln ( BGer 6B_399/2012 vom 12. November 2012, E. 2; BGE 138 IV 258, E.3.1.3). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinsichtlich des vorliegenden Falls zeigt sich daher, dass der Berufungsklägerin einzig in Bezug auf die dem Beschuldigten vorgeworfene fahrlässige schwere Körperverletzung die Gesch ä- digtenstellung zukommt, hingegen nicht bezüglich einer allfälligen einfachen Verletzung der Verkehrsregeln. Mit Eingabe vom 7. April 2016 (act. 99) hat sich die Berufungsklägerin daher einzig in Bezug auf die fahrlässige Körperverletzung im Strafpunkt als Privatklägerin konstitu- iert. Mangels rechtlich geschützten Interesses ist die Berufungsklägerin somit hinsichtlich einer allfälligen einfachen Verletzung der Verkehrsregeln nicht zur Berufung legitimiert, weshalb auf das Begehren, der Beschuldigte sei eve ntualiter der Verletzung der Verkehrsregeln schuldig zu sprechen, nicht einzutreten ist. 6. Im Übrigen erfüllt die Berufung der Privatklägerin – soweit sie die dem Beschuldigten vorgeworfene fahrlässige schwere Körperverletzung betrifft – sämtliche Forma lien, weshalb insoweit auf die Berufung einzutreten ist. II. Materielles 1. Allgemeines 1.1 Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche U r- teil nur in den angefochtenen Punkten. Gegen das Urteil des Strafgerichtspräside nten Basel- Landschaft vom 17. Oktober 2017 hat einzig die Privatklägerin ein Rechtsmittel ergriffen. Kon k- ret richtet sich die Berufung aufgrund der Anträge der Privatklägerin in ihrer Berufungserklärung vom 21. Juni 2018 gegen den Freispruch des Beschuldig ten von der Anklage der fahrlässigen schweren Körperverletzung, die Verweisung der Schadenersatz - und Genugtuungsforderungen der Privatklägerin auf den Zivilweg, die Verlegung der vorinstanzlichen Verfahrenskosten sowie die Auferlegung der Kosten der Wahlv erteidigung des Beschuldigten zu Lasten der Staatska s- se. Gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO bilden im vorliegenden Berufungsverfahren nur noch die vorgängig genannten Punkte Gegenstand der richterlichen Überprüfung. 1.2 Nach dem Grundsatz der freie n Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) hat das urte i- lende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewon- nenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Gericht trifft sein Urteil unabhängig von der Anzahl der Beweismittel, welche für eine bestimmte Tatsache sprechen, und ohne Rücksicht auf die Art des Beweismittels. Auch besteht keine Rangfolge der Beweise. Massgebend ist allein deren Stichhaltigkeit (CHRISTOF RIEDO/GERHARD FIOLKA/MARCEL ALEXANDER NIGGLI, Strafprozes s- recht, 2011, Rz. 234; THOMAS HOFER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 41 ff.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsp rechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 101) fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht SR 0.101) verankerten Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist. Als Beweis- würdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären da rf, wenn bei objektiver B e- trachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Beweiswürdigungs- regel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer mög- lich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der obje ktiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 87, E. 2a; mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Eine Verurteilung darf nur ergehen, wenn das Gericht über jeden vernünftigen Zweifel hinaus überzeugt ist, dass sämtliche Strafbarkeitsvoraussetzungen in tatsächlicher Hinsicht vorliegen. Eine überwieg ende Wahrscheinlichkeit reicht hierfür nicht. Vielmehr ist ein sehr hoher Grad an Wahrscheinlichkeit gefordert. Demnach hat ein Freispruch zu ergehen, wenn nach erfolgter Beweiswürdigung A n- klagesachverhalt und Täterschaft nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erstellt sind ( ESTHER TOPHINKE, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 83 und Fn 268 zu N 83; BGer 6B_850/2018 vom 1. November 2018, E. 1.1.2 und 1.3.1). Dem Sachgericht steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher Erme ssensspielraum zu (BGE 134 IV 132 , E. 4.2; BGE 129 IV 6, E. 6.1). 1.3 Im Rahmen der Beweiswürdigung sind Aussagen auf Glaubhaftigkeitsmerkmale bzw. Lügensignale hin zu analysieren. Aussage n sind gestützt auf eine Vielzahl von inhaltlichen R e- alkennzeichen zu beurteilen, wobei zwischen inhaltlichen Merkmalen (Aussage details, Individu- alität, Verflechtung), strukturellen Merkmalen (Strukturgleichheit, Nichtsteuerung, Widerspruchs- freiheit bzw. Homogenität) sowie Wiederholungs merkmalen (Konstanz, Erweiterung) unte r- schieden wird. Das Vorliegen von Realitätskriterien bedeutet, dass die betreffende Person mit hoher Wahrscheinlichkeit über erlebnisfundierte Geschehnisse berichtet. Zwar besitzt jedes Realitätskriterium für sich allein betrac htet meist nur eine geringe Validität, die Gesamtschau aller Indikatoren kann jedoch einen wesentlich höheren Indizwert für die Glaubhaftigkeit der Aussage haben, wobei sie in der Regel in solchen mit realem Erlebnishintergrund signifikanter und ausgeprägter vorkommen als in solchen ohne ( MARTIN HUSSELS, Von Wahrheiten und L ü- gen – Eine Darstellung der Glaubhaftigkeitskriterien anhand der Rechtsprechung, forumpoenale 6/2012, S. 369 f.; ANDREAS DONATSCH, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 162 N 15). 2. Ausgangslage und Standpunkte der Parteien 2.1 Der Strafgerichtspräsident Basel -Landschaft erwog in seinem Urteil vom 17. Oktober 2017, dem Beschuldigten werde seitens der Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft vorgeworfen, am 21. Oktober 2014 mit seinem Personenwagen in den Kreisverkehr am Kronenplatz in Bi n- ningen von der Oberwilerstrasse herkommend eingefahren zu sein und dabei die Privatklägerin, welche sich mit ihrem Fahrrad bereits im vortrittsberechtigten Kreisel befunden habe, übers e- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht hen zu haben. Au fgrund der Unfallfotos, der Depositionen des Zeugen C.____ sowie der Pa r- teiaussagen sei es durchaus möglich, dass die Privatklägerin zu schnell in den Kreisverkehr eingefahren sei, den Kreisel geschnitten habe und deshalb in das Auto des Beschuldigten g e- fahren sei. Diese Annahme sei nicht unwahrscheinlicher als die Annahme, dass der Beschuldig- te die Privatklägerin übersehen habe, weil er ihr zu wenig Beachtung geschenkt habe. Folglich sei dem Beschuldigten nicht zweifelsfrei nachzuweisen, dass er die Privat klägerin pflichtwidrig übersehen habe. Entsprechend dem Grundsatz "in dubio pro reo" sei der Sachverhalt daher nicht erstellt und der Beschuldigte freizusprechen. Selbst wenn der Beschuldigte indes die Pr i- vatklägerin übersehen hätte, wäre dieser dennoch vo n der Anklage der fahrlässigen schweren Körperverletzung freizusprechen, da lediglich eine einfache Körperverletzung erstellt und in der Anklageschrift geschildert sei. Eine Verurteilung wegen fahrlässiger einfacher Körperverletzung setze einen Strafantrag voraus, welcher vorliegend fehle. 2.2 In ihrer Berufungsbegründung vom 5. September 2018 bringt die Privatklägerin de m- gegenüber vor, entscheidend sei einzig, ob der vortrittsbelastete Autolenker die Verzeigungsflä- che vor der Fahrradlenkerin habe befahre n können, ohne diese zu behindern. Dies sei vorli e- gend nicht der Fall gewesen, weshalb es zu einer Kollision gekommen sei. Hinzu komme, dass die Aussagen der Parteien in den entscheidrelevanten Punkten – entgegen den Darlegungen der Vorinstanz – übereinstimmen würden. Entsprechend würden eine zu hohe Geschwindigkeit oder ein krasser Fahrfehler der Privatklägerin nur dann eine Rolle spielen, wenn dadurch dem Beschuldigten die Möglichkeit genommen worden wäre, sich regelkonform zu verhalten. Ohn e- hin würden ke ine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten der Privatklägerin vorliegen. Vielmehr hätte der Beschuldigte die Privatklägerin bei gehöriger Aufmerksamkeit bemerken müssen. Somit sei der Beschuldigte in den Kreisverkehr eingefahren, als sich die Privatklägerin von links genähert habe, womit er dieser das Vortrittsrecht genommen habe und es zu einer Kollision gekommen sei. Des Weiteren sei in Bezug auf die von der Privatklägerin erlittenen Verletzu n- gen anzumerken, dass Beckenringfrakturen einen langwierigen Heilun gsverlauf aufweisen wür- den und ausserordentlichen schmerzhaft seien. Zudem sei während langer Zeit eine erholsame Nachtruhe nicht möglich. Hinzu komme, dass gemäss dem Arztbericht vom 24. Mai 2016 bei solchen Verletzungen lebenswichtige Strukturen in unmit telbarer Nähe seien. Auch sei die Pr i- vatklägerin mehrere Monate arbeitsunfähig gewesen. Dementsprechend würden Beckenrin g- frakturen in Kombination mit anderen Verletzungen praxisgemäss als schwere Körperverletzun- gen qualifiziert, weshalb in casu der objektive Tatbestand der fahrlässigen schweren Körperver- letzung erfüllt sei. 2.3 Die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft ihrerseits macht mit Berufungsantwort vom 10. September 2018 geltend, dem Beschuldigten könne aufgrund der Aktenlage kein pflichtwi d- riges Tatverhalten nachgewiesen werden. Dessen ungeachtet vertrete die Staatsanwaltschaft die Meinung, dass es sich bei einer Beckenringfraktur um eine schwere Körperverletzung hand- le. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Der Beschuldigte legt mit Berufungsantwort vom 12. November 2018 dar, die Aussa- gen der Privatklägerin würden seinen eigenen Depositionen widersprechen. Hingegen würden die Darlegungen des Zeugen C.____, wonach die Privatklägerin mit hoher Geschwindigkeit ungebremst in den Kreisverkehr eingefahren sei, so dass der Beschuldigte k eine Möglichkeit gehabt habe, die Privatklägerin rechtzeitig zu sehen, seine eigenen Aussagen stützen. Folglich könne ihm nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass er die Privatklägerin pflichtwidrig übersehen habe. Ferner sei aufgrund der Akten ersicht lich, dass keine schwere Körperverle t- zung gegeben sei, zumal sich die Privatklägerin nie in unmittelbarer Lebensgefahr befunden habe, die Knochenbrüche vollständig verheilt seien und die Privatklägerin ausserdem wieder zu 100% arbeitsfähig sei. Im Übrigen sei eine schwere Körperverletzung gar nicht angeklagt, da einzig die Fraktur genannt werde, hingegen keine Ausführungen zum Heilungsverlauf getätigt würden. 3. Fahrlässige schwere Körperverletzung 3.1 In tatsächlicher Hinsicht ist zunächst auf den Beric ht der Polizei Basel -Landschaft, Hauptposten Therwil, vom 4. November 2014 (act. 117 ff.) sowie die Fotodokumentation vom 27. August 2015 (act. 67 ff., 139 ff.) zu verweisen. Aufgrund des Berichts der Polizei Basel - Landschaft, Hauptposten Therwil, vom 4. N ovember 2014 ist – vorbehältlich der im besagten Bericht wiedergegebenen Depositionen der Parteien, auf welche nachstehend einzugehen sein wird (Erwägungen 3.2 ff.) – lediglich ersichtlich, dass keine unfallrelevanten Spuren festgestellt wurden (act. 123), und sich die Strasse im nassen Zustand befunden hat (act. 119, 123). Ferner war die Fahrertür des Personenwagens des Beschuldigten zerkratzt und eingedrückt, was laut dem Bericht offenbar auf den Unfall zurückzuführen sei (act. 129; vgl. die diesbezüglich en Fo- tos: act. 77 ff., 141). Weitergehende unfallrelevante Feststellungen der Polizei Basel-Landschaft sind dem nämlichen Bericht hingegen nicht zu entnehmen. Des Weiteren ist auf den Bericht der Unfallgruppe der Polizei Basel -Landschaft vom 5. August 2016 hinzuweisen. Diesem ist zu entnehmen, dass aufgrund der vorhandenen Spurenbilder nicht eindeutig gesagt werden könne, welches der beiden Fahrzeuge als erstes in den Krei s- verkehr eingefahren sei. Jedoch erscheine es wahrscheinlicher, dass das Fahrrad vor dem Per- sonenwagen im Kreisel gewesen sei. Für die Bestimmung der Einfahrreihenfolge der beiden Fahrzeuge sei allerdings deren jeweilige Einfahrgeschwindigkeit massgebend. Da diese Daten nicht bekannt seien, könne eine solche Berechnung nicht durchgeführt werden. Aufgrund der Fotodokumentation sei im Weiteren ersichtlich, dass der Dynamo des Fahrrads der Privatkläge- rin den Reifen nicht berührt habe. Dies bedeute, dass der Dynamo keinen Strom für die Lichtbe- treibung habe erzeugen können. Es bestehe allerding s die Möglichkeit, dass sich der Dynamo durch die Kollisionsenergie selbständig vom Vorderreifen gelöst habe. Demzufolge könne nicht abschliessend gesagt werden, ob das Licht des Fahrrads eingeschalten gewesen sei oder nicht. Im Übrigen würden die Beschädi gungen am Personenwagen darauf hindeuten, dass das Fahrrad mit grösster Wahrscheinlichkeit als erstes mit dem linken Kotflügel des Personenw a- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gens kollidiert sei. Ferner sei es aufgrund der Fahrdynamik während der Kollisionsphase nah e- liegend, dass der linke Aussenspiegel durch das Fahrrad oder dessen Lenkerin während des Anpralls eingeklappt worden sei. Ausserdem sei die Qualität der Fotoaufnahmen ungenügend, und die erstellten Schadenfotos seien nicht planparallel zum Fahrzeug erstellt worden. Auch würde sich auf keiner Aufnahme ein Referenzmass befinden. Dies habe zur Folge, dass die Spuren auf den Fotografien nur schwer erkennbar seien, und ein Spurenvergleich der beiden Fahrzeuge nur sehr bedingt möglich sei. Angesichts der Gegebenheit, dass sich das Fahr zeug des Beschuldigten nicht mehr in dessen Besitz befinde, habe keine nachträgliche Spurensich e- rung am Fahrzeug durchgeführt werden können. Schliesslich sei zwar eine Unfallskizze ang e- fertigt worden. Da diese jedoch nicht korrekt in das System eingefügt w orden sei, sei nunmehr keine Skizze vorhanden (act. 107 ff.). 3.2 Der Beschuldigte legte unmittelbar nach dem Unfallereignis vom 21. Oktober 2014 gegenüber der Polizei Basel -Landschaft dar, er sei von der Oberwilerstrasse in den Kreisve r- kehr am Kronenplatz gefahren, wobei er beabsichtigt habe, bei der Paradiesstrasse den Krei s- verkehr zu verlassen. Vor der Einfahrt in den Kreisel habe er nach links gesehen und niema n- den erblickt, weshalb er in den Kreisverkehr gefahren sei. Kurz vor der Höhe der Ausfahrt i n Richtung Hauptstrasse sei die Fahrradfahrerin mit seiner Fahrertür kollidiert. Er habe diese erst kurz vor dem Aufprall gesehen, weshalb er keine Chance zur Verhinderung der Kollision gehabt habe (Bericht der Polizei Basel -Landschaft, Hauptposten Therwil , vom 4. November 2014, act. 131). Sodann verwies der Beschuldigte anlässlich der Einvernahme vom 5. Oktober 2015 auf seine im Bericht der Polizei Basel -Landschaft vom 4. November 2014 wiedergegebenen Aussagen und gab ergänzend zu Protokoll, er sei vom S chloss Binningen herkommend auf den Kreisve r- kehr zugefahren und habe sich vor der Einfahrt mit einem Blick nach links vergewissert, dass er keinen Verkehrsteilnehmer behindere. Er habe zwar ein anderes Fahrzeug gesehen, dies sei jedoch noch ausreichend weit entfernt gewesen, weshalb er in den Kreisel gefahren sei. Er h a- be nicht stark beschleunigt, sondern langsam Gas gegeben. In der Folge sei es zur Kollision gekommen. Zwar habe er vor der Einfahrt in den Kreisverkehr nicht vollständig angehalten, a l- lerdings sei die Strasse an dieser Stelle leicht ansteigend. Er habe die Beschleunigung red u- ziert, worauf er – aufgrund der Steigung – bloss noch gerollt sei. Im Weiteren habe das Fah r- zeug, welches er bei der Einfahrt in den Kreisel in ausreichender Entfernung erblickt habe, über grosse Scheinwerfer verfügt, welche nicht von einem Fahrrad stammen könnten. Er habe bloss einen Scheinwerfer des Fahrzeugs gesehen. Der zweite Scheinwerfer müsse durch etwas ve r- deckt worden sein. Aufgrund der Grösse des Scheinwerfers habe es sich jedoch um denjenigen eines Personenwagens handeln müssen (act. 207 ff.). Vor den Schranken des Strafgerichts Basel -Landschaft wiederholte der Beschuldigte seine bi s- herigen Depositionen erneut und legte überdies dar, vor dem Kreisel könne man nu r Schritt- tempo fahren, zumal eine Vielzahl von Fussgängern die Strassenseite wechsle. Bevor er in den Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kreisel gefahren sei, habe er nach links gesehen, wobei er keinen Verkehrsteilnehmer in der Benkenstrasse erblickt habe. An das Licht, welches er gesehen haben soll, könne er sich nicht mehr erinnern (act. S 49 ff.). 3.3 Die Privatklägerin legte am Tag des Unfalls, mithin am 21. Oktober 2014, gegenüber der Polizei Basel-Landschaft als Beschuldigte dar, sie sei mit ihrem Fahrrad von ihrem Zuhause auf der Be nkenstrasse in Richtung Kronenplatz gefahren. Vor dem Kreisverkehr habe sie ihre Geschwindigkeit reduziert und nach links gesehen. Da sich auf der linken Seite kein Verkehr s- teilnehmer befunden habe, sei sie in den Kreisverkehr gefahren, wobei sie diesen in Richtung Hauptstrasse habe verlassen wollen. Auf der Höhe der Ausfahrt Hauptstrasse habe sie b e- merkt, wie ihr von rechts ein Personenwagen den Weg abgeschnitten habe. In der Folge habe sie eine Kollision mit der linken Fahrzeugseite nicht mehr verhindern können. Im Übrigen wisse sie nicht, mit welcher Geschwindigkeit sie unterwegs gewesen sei, und ob sie vor der Kollision noch habe bremsen können. Hingegen sei sie sicher, dass sie das Fahrradlicht eingeschaltet habe (Bericht der Polizei Basel -Landschaft, H auptposten Therwil, vom 4. November 2014, act. 127). Anlässlich ihrer Einvernahme als beschuldigte Person vom 27. August 2015 wiederholte die Privatklägerin im Wesentlichen ihre am 21. Oktober 2014 getätigten Aussagen und gab ergä n- zend zu Protokoll, als sie in den Kreisverkehr gefahren sei, habe sie den Beschuldigten wah r- genommen. Sie habe jedoch gedacht, sie könne zufahren, zumal sie Vortritt habe. In der Folge sei der Beschuldigte unvermittelt aus der Oberwilerstrasse in den Kreisverkehr "herausg e- schossen." Sie habe angenommen, dass der Beschuldigte anhalten würde, was dieser alle r- dings nicht getan habe, weshalb es zur Kollision gekommen sei. Sie habe keine Möglichkeit gehabt, um rechtzeitig zu bremsen. Ferner könne sie die von ihr gefahrene Geschwindigk eit mangels Tachometer an ihrem Fahrrad nicht exakt angeben. Jedoch habe sie ihre Hände j e- weils durchgehend an den Bremshebeln, wobei sie vor der Einfahrt in den Kreisel mit Sicherheit abgebremst habe. Ferner seien die Strassen nass und voller Laub gewesen , weshalb sie nicht schnell habe fahren können, da sie andernfalls gestürzt wäre. Mithin habe sie ihre Geschwi n- digkeit den Strassenverhältnissen angepasst. Im Übrigen könne sie über die Geschwindigkeit des Fahrzeugs des Beschuldigten keine Aussage tätigen (act. 199 ff.). 3.4 C.____ legte am 21. Oktober 2014 als Auskunftsperson dar, er habe den Unfall von seinem Wohnungsbalkon aus beobachtet. Die Fahrradfahrerin sei mit hoher Geschwindigkeit von der Benkenstrasse herkommend in Richtung Kreisverkehr gefahre n, wobei sie vor dem Kreisel nicht abgebremst habe. Er habe den Eindruck gehabt, dass die Privatklägerin in Ric h- tung Hauptstrasse habe fahren wollen. Ferner sei der Personenwagen von der Oberwilerstra s- se herkommend in den Kreisel gefahren, wobei er sich be reits im Kreisverkehr befunden habe, als es zum Unfall gekommen sei. Der Beschuldigte habe keine Möglichkeit gehabt, das Fahrrad zu sehen (Bericht der Polizei Basel -Landschaft, Hauptposten Therwil, vom 4. November 2014, act. 133). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sodann führte C.____ in seiner Befragung vom 27. August 2015 als Zeuge aus, er könne seine Depositionen vom 21. Oktober 2014 grundsätzlich bestätigen. Einzig in Bezug auf seine dam a- lige Aussage, wonach der Personenwagenlenker keine Möglichkeit gehabt habe, das Fahrrad zu sehen, sei er sich nicht mehr sicher, zumal er sich heute nicht mehr genau an das damalige Geschehen erinnere. Er nehme an, dass der Beschuldigte die Privatklägerin nicht habe sehen können, da er bereits im Kreisverkehr abgebogen sei. Im Weiteren verneinte der Ze uge explizit die Frage, ob die Lenkerin des Fahrrads ihre Geschwindigkeit vor der Einfahrt in den Kreisel verringert habe. C.____ gab ferner zu Protokoll, die Fahrradfahrerin sei im Vergleich zum Pe r- sonenwagen schneller gefahren, wobei er den Geschwindigke itsunterschied nicht genauer b e- schreiben könne. Er gehe davon aus, dass die Privatklägerin angenommen habe, der Beschu l- digte würde nach rechts in die Hauptstrasse abbiegen wollen, weshalb sie versucht habe, links an diesem vorbeizufahren. Da der Personenwa gen jedoch nicht die Ausfahrt in Richtung Hauptstrasse genommen habe, sondern weiter in Richtung Paradiesstrasse gefahren sei, sei die Privatklägerin hinten links mit dem Auto des Beschuldigten kollidiert (act. 181 ff.). 3.5 In Anbetracht der vorstehenden Darlegungen ist zunächst festzustellen, dass dem B e- richt der Unfallgruppe der Polizei Basel -Landschaft vom 5. August 2016 keine Anhaltspunkte in Bezug auf das dem Unfallereignis vorhergehende Verhalten des Beschuldigten und der Priva t- klägerin sowie den U nfallhergang zu entnehmen sind. Vielmehr legt der nämliche Bericht dar, dass aufgrund der mangelhaften Spurensicherung keine unfallrelevanten sowie nachvollziehba- ren Erkenntnisse gezogen und einzig etwaige Vermutungen aufgestellt werden könnten. De m- nach ist diesbezüglich in erster Linie auf die Aussagen der Parteien sowie des Zeugen C.____ abzustellen. In Beachtung der vorstehend dargelegten Depositionen der Parteien zeigt sich, dass der Beschuldigte und die Privatklägerin in Bezug auf die zur Prüfung des a ngeklagten Sachverhalts ausschlaggebenden Punkte diametral auseinander gehen. Demgemäss legte die Privatklägerin dar, sie habe die Geschwindigkeit vor der Einfahrt in den Kreisel reduziert und sei in den Kreisverkehr eingefahren. Der Beschuldigte sei hinge gen unvermittelt aus der Oberw i- lerstrasse in den Kreisverkehr "herausgeschossen" und habe ihr somit den Vortritt genommen. Im Widerspruch zu den Depositionen der Privatklägerin führte der Beschuldigte wiederholt aus, er habe die Geschwindigkeit vor der Ein fahrt in den Kreisel reduziert und nach links gesehen, wobei er – ausser einem ausreichend weit entfernten Fahrzeug – keine anderen Verkehrstei l- nehmer gesehen habe, namentlich auch nicht in der Benkenstrasse. Die Fahrradfahrerin habe er erst kurz vor dem A ufprall wahrgenommen. Diese Darlegungen des Beschuldigten werden durch die vom Zeugen C.____ zu Protokoll gegebenen Aussagen untermauert, wonach die Fahrradfahrerin mit hoher Geschwindigkeit von der Benkenstrasse herkommend ohne abz u- bremsen in den Kreisverkehr gefahren sei. Der Beschuldigte sei im Vergleich zur Fahrradfahr e- rin langsamer unterwegs gewesen und habe sich bereits im Kreisel befunden, als die Privatkl ä- gerin ohne Geschwindigkeitsreduktion in den Kreisverkehr gefahren sei, weshalb dieser keine Möglichkeit gehabt habe, die Fahrradfahrerin wahrzunehmen. Es sei der Eindruck entstanden, Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass die Fahrradfahrerin links am Personenwagen vorbei auf die Hauptstrasse habe fahren wollen. Angesichts dieser Ausgangslage erhellt, dass die Depositionen des Besc huldigten, wonach er sich pflichtgemäss vergewissert habe, dass von links keine Verkehrsteilnehmer in den Kreisel fahren würden, keineswegs als unwahrscheinliche Schutzbehauptung zu qualifizieren sind. Vielmehr stehen diese im Einklang mit den wiederholt z u Protokoll gegebenen Aussagen des Zeugen, wonach die Privatklägerin – nachdem sich der Beschuldigte bereits im Kreisel befu n- den habe – mit übersetzter Geschwindigkeit und ohne abzubremsen in den Kreisverkehr gefah- ren sei, weshalb der Beschuldigte diese ni cht habe wahrnehmen können. In diesem Zusa m- menhang ist namentlich darauf hinzuweisen, dass der in den Kreisel einfahrende Verkehrstei l- nehmer nicht zu gewärtigen hat, dass zu seiner Linken unerwartet ein Fahrzeug mit übersetzter Geschwindigkeit auftaucht. Vielmehr muss er damit rechnen können, dass sich von links ko m- mende Verkehrsteilnehmer regelkonform verhalten, das heisst, vor der Einfahrt in den Kreisel ihre Fahrt verlangsamen (BGE 124 IV 81, E. 2b; Pra 1998 Nr. 111, S. 630 ff.). Somit erhellt, dass aufgrund der Aussagen des Beschuldigten sowie des Zeugen C.____ ein Fehlverhalten der Privatklägerin keineswegs ausgeschlossen ist. Ein derartiges pflichtwidriges Verhalten der Fahrradfahrerin würde im Übrigen erklären, weshalb der Beschuldigte die Privatkläge rin vor der Einfahrt in den Kreisel nicht gesehen hat. Ein pflichtwidriges Verhalten der Privatklägerin e r- weist sich bei objektiver Betrachtung daher nicht als unwahrscheinlich. Jedenfalls handelt es sich dabei nicht um eine bloss abstrakte und theoretisch e Möglichkeit. Vielmehr ist festzuste l- len, dass für ein regelwidriges Verhalten des Beschuldigten aufgrund der Aktenlage keine Hi n- weise bestehen. Mithin liegen erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel vor, dass der Beschuldigte bei der Einfahrt in de n Kreisel pflichtwidrig das Signal "Kein Vortritt" missachtet hat. Angesichts des Umstands, dass in casu bei objektiver Betrachtung massgebliche und u n- überwindliche Zweifel am pflichtwidrigen Verhalten des Beschuldigten bestehen, darf sich das Berufungsgericht nicht von der Existenz des für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären. Daher ist in Anwendung von Art. 10 Abs. 3 StPO auf die für die beschuldig- te Person günstigere Sachlage abzustellen. Folgerichtig kann nicht mit an Sicherheit grenzen- der Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte pflichtwidrig den Vortritt der Privatklägerin missachtet hat, weshalb keine der angeklagten Sachverhaltsvarianten als erstellt zu erachten ist. Demzufolge ist der Beschuldigte v on der Anklage der fahrlässigen schweren Körperverletzung in Anwendung der Maxime "in dubio pro reo" freizusprechen, und die Berufung der Privatklägerin in diesem Punkt abzuweisen. 3.6 Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass das Kantonsgericht – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – bezüglich der rechtlichen Würdigung eine schwere Körperverletzung als nicht erstellt erachtet. Gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer fahrlässig einen Me n- schen am Körper oder an der Gesundheit schädigt. Ist die Schädigung schwer, so wird der T ä- ter gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB von Amtes wegen verfolgt. Die fahrlässige Körperverletzung knüpft im objektiven Tatbestand somit an dieselben Voraussetzungen an wie die vorsätzliche Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Art. 122 und 123 StGB), nur dass kein Vo rsatz gefordert ist, sondern Fahrlässigkeit genügt. Eine Körperverletzung ist folglich schwer im Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB, wenn sie die Qua- lifikationsmerkmale der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB erfüllt (ANDREAS ROTH/TORNIKE KESHELAVA, Basler Kommentar StGB, 4. Aufl. 2019, Art. 125 N 1, 4 f.; STEFAN TRECHSEL/CHRISTOPHER GETH, Praxiskommentar StGB, 3. Aufl. 2018, Art. 125 N 3). Gemäss Art. 122 StGB liegt eine schwere Körperverletzung vor, wenn ein Mensch lebensg e- fährlich verletzt (Abs. 1), der Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstü m- melt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar gemacht, ein Mensch bleibend arbeit s- unfähig, gebrechlich oder geisteskrank gemacht (Abs. 2) oder eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht wird (Abs. 3). 3.7 In casu ist angesichts der Akten offenkundig, dass sich die Privatklägerin nicht in u n- mittelbarer Lebensgefahr befunden hat, zumal im Versicherungsbericht von PD Dr. med. D.____ und E.____ vom 24. Mai 2016 explizit festgehalten wurde, dass aufgrund der erlittenen Verletzungen zu keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Lebensgefahr bestand (act. 169). Die Tat- bestandsvariante von Art. 125 Abs. 2 i.V.m. Art. 122 Abs. 1 StGB ist demnach klarerweise nicht gegeben. 3.8 Des Weiteren setzt die Tatbestandsvariante von Art. 125 Abs. 2 i.V.m. Art. 122 Abs. 2 StGB ausdrücklich die Verstümmelung oder das Unb rauchbarmachen des Körpers oder eines wichtigen Organs oder Glieds voraus. Im vorliegenden Fall hat die Privatklägerin eine Becke n- ringfraktur mit bilateraler Sakrumfraktur, eine rechtsseitige, obere und untere Schambeinastfrak- tur, eine rechtsseitige proxim ale intraartikuläre Ulnafraktur, eine beidseitige Fusskontusion s o- wie eine rechtsseitige Kniekontusion erlitten. Insgesamt ist gemäss dem Bericht von PD Dr. med. D.____ und Dr. med. F.____ vom 2. Dezember 2014 mit einer "restitutio ad integrum" zu rechnen (act. 153 ff.). Demzufolge ist eine vollständige Heilung der Verletzungen zu erwarten, weshalb sowohl eine Verstümmelung als auch ein Unbrauchbarmachen des Körpers, eines wichtigen Organs oder Glieds von Vornherein ausgeschlossen sind und diese Tatbestands vari- ante somit ebenfalls nicht gegeben ist. 3.9 Eine schwere Körperverletzung liegt nach der zweiten Fallgruppe von Art. 125 Abs. 2 i.V.m. Art. 122 Abs. 2 StGB des Weiteren dann vor, wenn der Täter einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht. Gemeint ist eine dauernde und irreversi b- le Beeinträchtigung der Gesundheit (ANDREAS ROTH/ANNE BERKEMEIER, Basler Kommentar StGB, 4. Aufl. 2019, Art. 122 N 16). In casu ist die Privatklägerin gemäss dem Versicherungsbe- richt von PD Dr. m ed. D.____ und E.____ vom 24. Mai 2016 seit dem 4. Mai 2015 zu 100% arbeitsfähig (act. 169), weshalb eine dauernde und irreversible Beeinträchtigung der Gesun d- heit offensichtlich nicht vorliegt. Diese Tatbestandsvariante ist somit ebenfalls nicht erfüllt. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.10 Gemäss der Generalklausel von Art. 125 Abs. 2 i.V.m. Art. 122 Abs. 3 StGB liegt eine schwere Körperverletzung schliesslich vor, wenn eine andere schwere Schädigung des Kö r- pers, der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht wur de. Mit dieser Generalklausel sollen Fälle erfasst werden, welche den unter Art. 122 Abs. 2 StGB beispielhaft aufgezählten Beeinträchtigungen hinsichtlich ihrer Qualität und ihrer Auswirkungen ähnlich sind. Zu berücksichtigen sind unter dieser Generalklausel namentlich eine lange Dauer des Spitala u- fenthalts und der (vollen oder teilweisen) Arbeitsunfähigkeit, der Grad und die Dauer der Inval i- dität sowie die erlittenen Schmerzen. So kann, wenn zwar nicht direkt eine bleibende Arbeitsun- fähigkeit oder eine irr eversible gesundheitliche Beeinträchtigung vorliegt, dann auf schwere Körperverletzung erkannt werden, wenn der Grad der Beeinträchtigung doch erheblich ist, die wenigstens teilweise Heilung lange Zeit dauerte und überdies grosse Schmerzen verursachte. Insbesondere kann eine Kombination verschiedener Beeinträchtigungen, die für sich allein noch nicht als schwere Körperverletzung gelten könnten, diese Qualifikation in der gesamtheitlichen Würdigung rechtfertigen (ANDREAS ROTH/ANNE BERKEMEIER, a.a.O., Art. 122 N 20 f.; STEFAN TRECHSEL/CHRISTOPHER GETH, a.a.O., Art. 122 N 9). Bei der Annahme einer schweren Körpe r- verletzung im Sinne der Generalklausel ist Zurückhaltung geboten. Der Tatbestand soll mithin auf schwerste Eingriffe in die physische und psychische In tegrität begrenzt bleiben ( ANDREAS ROTH/ANNE BERKEMEIER, a.a.O., Art. 122 N 24). Im vorliegenden Fall ist aufgrund der Akten ersichtlich, dass der Spitalaufenthalt der Privatkl ä- gerin vom 21. Oktober 2014 bis zum 8. November 2014 dauerte. Ferner war sie v om 21. Oktober 2014 bis zum 28. Februar 2015 zu 100%, vom 1. März 2015 bis zum 29. März 2015 zu 50% und vom 30. März 2015 bis zum 3. Mai 2015 zu 25% arbeitsunfähig. Seit dem 4. Mai 2015 ist die Privatklägerin wieder vollumfänglich arbeitsfähig (Versicherun gsbericht von PD Dr. med. D.____ und E.____ vom 24. Mai 2016, act. 169). Es zeigt sich somit, dass der Spi- talaufenthalt der Privatklägerin rund 2.5 Wochen dauerte. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass praxisgemäss ein Spitalaufenthalt erst ab einer D auer von mehreren Monaten als für die Beurteilung der Generalklausel relevant erachtet wird (vgl. die Beispiele in ANDREAS ROTH/ANNE BERKEMEIER, a.a.O., Art. 122 N 21). Entsprechend erweist sich die Dauer des Spitalaufenthalts der Privatklägerin von rund 2.5 Wochen klarerweise nicht als lang im Sinne der Generalklausel. Dasselbe gilt auch in Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit der Privatklägerin. Diese war während rund 4 Monaten vollumfänglich und während 2.5 weiteren Monaten teilweise arbeitsunfähig. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit erweist sich mithin nicht als derart lang, dass von einem schwer s- ten Eingriff in die physische und psychische Integrität gesprochen werden kann. Ausserdem ist dem Bericht von PD Dr. med. D.____ und Dr. med. F.____ vom 2. Dezember 2014 zu entneh- men, dass von einer "restitutio ad integrum" und einer komplikationslosen Heilung auszugehen ist (act. 155 ff.). Schliesslich ist aufgrund des Versicherungsberichts von PD Dr. med. D.____ und E.____ vom 24. Mai 2016 ersichtlich, dass der Heilu ngsprozess regelrecht verläuft. N a- mentlich entsprechen die im November 2015 beschriebenen Beschwerden dem ordentlichen Verlauf (act. 169). Somit zeigt sich, dass von einem üblichen Heilungsverlauf auszugehen ist und die Beeinträchtigungen, welche die Privatklägerin in casu erlitten hat, weder bezüglich ihrer Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Qualität noch ihrer Auswirkungen das Ausmass der in Art. 122 Abs. 2 StGB aufgezählten B e- einträchtigungen erreichen. In Beachtung des Umstands, dass bei der Annahme einer schw e- ren Körperverletzung im Sin ne der Generalklausel Zurückhaltung geboten ist, ist zu konstati e- ren, dass die Verletzungen der Privatklägerin offensichtlich nicht die geforderte Schwere erre i- chen. Das Vorliegen einer schweren Körperverletzung ist daher seitens der Vorinstanz zu Recht verneint worden. 3.11 Im Ergebnis ist somit festzustellen, dass nur eine einfache Körperverletzung gegeben ist. Der Straftatbestand der fahrlässigen einfachen Körperverletzung setzt gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB einen Strafantrag der geschädigten Person vora us. Der Strafantrag ist innert drei Monaten ab dem Zeitpunkt, in welchem der antragsberechtigten Person der Täter bekannt ist, zu stellen (Art. 31 StGB). In casu hat die Privatklägerin die Personalien des Beschuldigten seit dem 21. Oktober 2014 gekannt. Gl eichwohl hat sie innert drei Monaten keinen Strafantrag g e- stellt, weshalb es an der entsprechenden Prozessvoraussetzung fehlt und ein Schuldspruch wegen fahrlässiger einfacher Körperverletzung von Vornherein ausgeschlossen ist. Die Darl e- gungen der Vorinstanz sind daher auch in diesem Punkt nicht zu beanstanden. 4. Soweit die Berufung der Privatklägerin ihre Schadenersatz - und Genugtuungsford e- rungen, die Verlegung der vorinstanzlichen Verfahrenskosten sowie die Kosten der Wahlverte i- digung des Beschuldigten betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass diese Rügen einzig auf den Fall der Verurteilung des Beschuldigten beschränkt sind. Im vorliegenden Berufungsverfahren wu r- de das Urteil des Strafgerichtspräsidenten Basel-Landschaft jedoch hinsichtlich des Freispruchs des Beschuldigten bestätigt, weshalb sich Ausführungen betreffend die Zivilforderungen sowie die erstinstanzlichen Kosten - und Entschädigungsfolgen erübrigen. In Beachtung der vorst e- henden Erwägungen erhellt daher, dass die Berufung der Privatklägerin vo llumfänglich abzu- weisen ist. III. Kosten 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfa h- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht einget reten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht. Entspr e- chend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens gehen die Verfahrenskosten des Kantonsge- richts in der Höhe von Fr. 1'600.--, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- (§ 12 Abs. 1 der Verordn ung über die Gebühren der Gerichte, GebT, SGS 170.31) sowie Auslagen von Fr. 100.--, zu Lasten der Privatklägerin. 2. Ferner ist zu prüfen, ob die Privatklägerin Anspruch auf eine Parteientschädigung für das Berufungsverfahren hat . Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO richten sich Ansprüche auf En t- schädigung und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren nach den Art. 429 ff. StPO. Diesen Best- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht immungen ist zwar keine Regelung im Sinne von Art. 428 Abs. 1 StPO zu entnehmen, dessen ungeachtet hat sich indes auch der Anspruch auf Entschädigung im Rechtsmittelverfahren nach Massgabe des Obsiegens oder Unterliegens zu richten ( PATRICK GUIDON, Die Beschwerde g e- mäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, Rz. 578; NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, 3 . Aufl. 2 018, Art. 436 N 1; STEFAN WEHRENBERG/FRIEDRICH FRANK, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 436 N 4). Angesichts des vorliegenden Verfahrens- ausgangs kommt der Privatklägerin kein Anspruch auf Entschädigung im Rechtsmittelverfahren zu, weshalb sie ihre eigenen Parteikosten selbst zu tragen hat. 3. Schliesslich begehrt der Beschuldigte eine Entschädigung für das Berufungsverfahren. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder das Verfahren gegen sie eingestellt, hat sie gemäss der Bestimmung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO, welche zufolge des Verweises von Art. 436 Abs. 1 StPO auch auf das Berufungsverfahren anwendbar ist, Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte. Art. 432 StPO sieht vor, dass die obsiegende beschuldigte Person gegenüber der Privatkläge r- schaft Anspruch auf angemessene Entschädigung für die durch die Anträge zum Zivilpunkt ve r- ursachten Aufwendungen hat (Abs. 1). Wenn die beschuldigte Person im Schuldpunkt obs iegt und es sich um ein Antragsdelikt handelt, so können die antragstellende Partei oder die Priva t- klägerschaft, sofern sie mutwillig oder grob fahrlässig vorgegangen sind und dadurch den A b- lauf des Verfahrens behindert oder dessen Durchführung erschwert h aben, dazu verpflichtet werden, der beschuldigten Person die Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte zu ersetzen (Abs. 2). Der Gesetzgeber hat somit eine Regelung entworfen, welche die Möglichkeit vorsieht, den freigesprochenen Bes chuldigten zu entschädigen, wobei die Verteidigungskosten betreffend den Strafpunkt grundsätzlich zu Lasten des Staates gehen. Es handelt sich um eine Folge des Prinzips, wonach die Verantwortung für die Strafverfolgung dem Staat obliegt. Aus diesem Grund bestimmte der Gesetzgeber Korrekturen für Situationen, in denen das Verfahren mehr im Interesse der Privatklägerschaft geführt wird oder wenn Letzte- re dessen Durchführung absichtlich erschwert hat (vgl. Art. 432 StPO). Handelt es sich um eine Entschädigung, welche anlässlich eines Berufungsverfahrens gewährt wurde, müssen die kraft des Verweises von Art. 436 Abs. 1 StPO anwendbaren Bestimmungen angesichts dieser spezi- ellen Situation ausgelegt werden. Wurde die Berufung nur durch die einzige Privatklägerscha ft erhoben, darf die Tatsache nicht übersehen werden, dass es in diesem Fall keinen staatlichen Eingriff hinsichtlich der Fortsetzung des Verfahrens vor der Berufungsinstanz gibt. Folglich b e- findet man sich in einer vergleichbaren Situation, wie sie in Art . 432 StPO umschrieben ist, i n- soweit die Fortsetzung des Verfahrens ausschliesslich vom Willen der Privatklägerschaft a b- hängt. Es entspricht daher dem vom Gesetzgeber geschaffenen System, dass in einem solchen Fall die Privatklägerschaft die Verteidigungskosten des Beschuldigten vor der Berufungsinstanz trägt (BGE 139 IV 45, E. 1.2; Pra 2013 Nr. 60, S. 462 f.; STEFAN WEHRENBERG/ FRIEDRICH FRANK, a.a.O., Art. 436 N 6; NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, a.a.O., Art. 428 N 3). Entspre- chend diesen Erwägungen sowie angesichts der Gegebenheit, dass in casu die einzig von der Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Privatklägerin erhobene Berufung abgewiesen wurde, erhellt, dass die Verteidigungskosten des Beschuldigten für das Berufungsverfahren von der Privatklägerin zu tragen sind. Mit Eingabe vom 17. Dezember 2018 reichte der Verteidiger des Beschuldigten, Advokat Al e- xander Sami, die Honorarnote für den Zeitraum vom 19. Oktober 2017 bis zum 23. Oktober 2017 sowie jene für den Zeitraum vom 1. Juni 2018 bis zum 17. Dezember 2018 ein. Insgesamt weist er einen Aufwand von 15.5 Stunden à Fr. 280.-- aus. In Bezug auf die Höhe des Stunden- ansatzes ist zu konstatieren, dass dieser ausgesprochen hoch ausfällt. Gemäss § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte des Kantons Basel -Landschaft (Tarifor dnung, SGS 178.112) beträgt das Honorar Fr. 200.-- bis Fr. 350.-- pro Stunde, je nach Schwierigkeit und Bedeutung der Sache, der damit verbundenen Verantwortung und der persönlichen und finanziellen Verhältnisse der zahlungspflichtigen oder der auftraggebe nden Person. Praxisg e- mäss legt das Kantonsgericht in mittleren Fällen den Stundenansatz auf Fr. 250.-- fest, wäh- rend in leichten Fällen ein geringerer Honoraransatz pro Stunde zur Anwendung gelangt. In komplexen Fällen wird ausnahmsweise ein höherer Stundenansatz bestimmt, wobei hinsichtlich der Annahme von komplexen Fällen Zurückhaltung geübt wird. Sowohl die Komplexität des Sachverhalts als auch die Schwierigkeit der Rechtsfragen bewegen sich vorliegend im mittleren Bereich. Sodann ist der Fall hinsichtli ch der Bedeutung der Sache weder als gering noch als besonders ausgeprägt zu qualifizieren. Folgerichtig erachtet das Kantonsgericht den vorliege n- den Fall als im mittleren Bereich liegend, weshalb in Beachtung der vorstehenden Erwägungen der Stundenansatz des Verteidigers des Beschuldigten auf Fr. 250.-- festzusetzen ist. Demzufolge sind die beiden Honorarnoten des Verteidigers des Beschuldigten, beide datierend vom 17. Dezember 2018, wie folgt anzupassen: Honorarnote betreffend den Zeitraum vom 19.10.2017 bis zum 23.10.2017 Aufwand von 1.0833 h à Fr. 250.-- Fr. 270.85 Auslagen: Kopien Fr. 12.00 Auslagen: Porto Fr. 2.00 Auslagen: Telefon Fr. 8.00 Zwischentotal Fr. 292.85 8% Mehrwertsteuer Fr. 23.45 Total Fr. 316.30 Honorarnote betreffend den Zeitraum vom 01.06.2018 bis zum 17.12.2018 Aufwand von 14.4167 h à Fr. 250.-- Fr. 3'604.20 Auslagen: Kopien Fr. 174.00 Auslagen: Porto Fr. 39.00 Auslagen: Telefon Fr. 14.00 Zwischentotal Fr. 3'831.20 Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.7% Mehrwertsteuer Fr. 295.00 Total Fr. 4'126.20 Somit erhellt, dass die Privatklägerin dem Verteidiger des Beschuldigten, Advokat Alexander Sami, für das Berufungsverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'442.50 zu bezahlen hat. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel -Landschaft vom 17. Oktober 2017, auszugsweise lautend: "1. B.____ wird von der Anklage der fahrlässigen schweren Körperverletzung freigesprochen. 2. Die Schadenersatz- und die Genugtuungsforderungen von A.____ werden auf den Zivilweg verwiesen. 3. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vo r- verfahrens von Fr. 1'488.50 und der Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- gehen zu Lasten des Staates. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründetes Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtliche Gebühr auf Fr. 500.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). 4. Die Kosten des Wahlverteidigers von B.____ in Höhe von Honorar (21.66 h zu je Fr. 230.--) Fr. 4'981.80 (4.9167 h zu je Fr. 115.--) Fr. 565.40 Porto Fr. 73.00 Fahrspesen (35 km zu je Fr. 0.70) Fr. 24.50 Kopiaturen (151 zu je Fr. 2.--) Fr. 302.00 Telefon Fr. 73.50 8 % MWST (auf Fr. 6'020.20) Fr. 481.60 Total Fr. 6'501.80 gehen in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zu Las- ten des Staates. 5. Der Antrag von B.____ auf Genugtuung wird abgewiesen." wird in Abweisung der Berufung der Privatklägerin – soweit auf diese einzutreten ist – vollumfänglich bestätigt. II. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'600.--, beinhaltend eine Gebühr von Fr. 1'500.-- sowie Auslagen von Fr. 100.--, gehen zu Lasten der Privatklägerin. Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht III. Die Privatklägerin hat dem Verteidiger des Beschuldigten, Advokat Alexander Sami, für das Berufungsverfahren eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 4'442.50 zu bezahlen. IV. Der Privatklägerin wird für das Berufungsverfahren keine Parteien t- schädigung ausgerichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Dominik Haffter