<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">275</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>XII. Verwaltungsrechtspflege</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>50 Begründungspflicht</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Nichteintreten auf eine Beschwerde, die keine Begründung enthält.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ein blosser Hinweis auf den Umstand, dass die Vorinstanz lediglich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einen Mehrheits-/Minderheitsentscheid gefällt habe, stellt keine den</b></span><br/> <span class="ft2"><b>minimalen Begründungsanforderungen entsprechende Begründung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dar.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 15. Juli 2009 in Sachen M.</span><br/> <span class="ft5">(WBE.2008.339).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">3.</span><br/> <span class="ft7">3.1</span><br/> <span class="ft7">Gemäss § 39 Abs. 2 aVRPG muss die Beschwerdeschrift einen</span><br/> <span class="ft7">Antrag und eine Begründung enthalten (ebenso: § 151 Abs. 2 aStG</span><br/> <span class="ft7">i.V.m. § 149 Abs. 2 aStG). Auch nach der ständigen Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft7">des Verwaltungsgerichts ist die Begründung Gültigkeitsvoraus-</span><br/> <span class="ft7">setzung. Sind Antrag oder Begründung auch nicht ansatzweise vor-</span><br/> <span class="ft7">handen, so wird, ohne dass eine Nachfrist anzusetzen wäre, auf die</span><br/> <span class="ft7">Beschwerde nicht eingetreten; Voraussetzung ist, dass die angefoch-</span><br/> <span class="ft7">tene Verfügung mit einer umfassenden Rechtsmittelbelehrung</span><br/> <span class="ft7">versehen war, die auf diese Folge hinweist (vgl. AGVE 1975, S. 288</span><br/> <span class="ft7">ff.; 1984, S. 447 f.; 1998, S. 597 ff.). Das Bundesgericht hat diese</span><br/> <span class="ft7">Praxis geschützt und darin keinen überspitzten Formalismus erblickt</span><br/> <span class="ft7">(AGVE 1996, S. 389 ff.).</span><br/> <span class="ft7">Mit der Begründung ist darzulegen, in welchen Punkten nach</span><br/> <span class="ft7">Auffassung der Beschwerdeführer der angefochtene Entscheid</span><br/> <span class="ft7">Mängel aufweist. Eine stereotype Wiederholung der bereits gegen</span><br/> <span class="ft7">die vorvorinstanzliche Verfügung vorgebrachten Rügen ohne Bezug-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">276</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">nahme auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid reicht nicht</span><br/> <span class="ft7">aus; in derartigen Fällen ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.</span><br/> <span class="ft7">Dasselbe gilt, wenn pauschal auf vorangegangene Rechtsschriften</span><br/> <span class="ft7">verwiesen wird (vgl. AGVE</span> <span class="ft7">2001, S.</span> <span class="ft7">375, Erw.</span> <span class="ft7">2.a.; M</span><span class="ft5">ICHAEL</span><br/> <span class="ft7">M</span><span class="ft5">ERKER</span><span class="ft7">, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach</span><br/> <span class="ft7">dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege [Kom-</span><br/> <span class="ft7">mentar zu den §§ 38-72 aVRPG], Zürich 1998, § 39 N 39, m.w.H.).</span><br/> <span class="ft7">Sind Antrag oder Begründung unklar oder widersprüchlich, ist dem</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführer eine angemessene Nachfrist zur Verdeutlichung</span><br/> <span class="ft7">anzusetzen (§ 39 Abs. 3 aVRPG). Bei Laienbeschwerden werden an</span><br/> <span class="ft7">die Begründung keine allzu hohen Anforderungen gestellt; wobei</span><br/> <span class="ft7">immerhin verlangt werden darf, dass der Beschwerdeführer darlegt,</span><br/> <span class="ft7">weshalb er mit dem vorinstanzlichen Entscheid nicht einverstanden</span><br/> <span class="ft7">ist und welche Erwägungen des angefochtenen Entscheids aus</span><br/> <span class="ft7">welchen Gründen nicht zutreffen sollen.</span><br/> <span class="ft7">An dieser Rechtsprechung zum Begründungserfordernis ist</span><br/> <span class="ft7">festzuhalten.</span><br/> <span class="ft7">3.2</span><br/> <span class="ft7">Im vorinstanzlichen Entscheid wurden die Beschwerdeführer in</span><br/> <span class="ft7">der Rechtsmittelbelehrung ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht,</span><br/> <span class="ft7">dass die fristgerecht einzureichende Beschwerdeschrift neben einem</span><br/> <span class="ft7">Antrag auch eine Begründung enthalten muss, d.h. dass sie</span><br/> <span class="ft7">darzulegen haben, aus welchen Gründen sie eine andere Entschei-</span><br/> <span class="ft7">dung verlangen. Zudem wurden sie darin ausdrücklich auf die Folge</span><br/> <span class="ft7">des Nichteintretens hingewiesen, sofern die Beschwerde diesen</span><br/> <span class="ft7">Anforderungen nicht entspricht.</span><br/> <span class="ft7">3.3</span><br/> <span class="ft7">3.3.1</span><br/> <span class="ft7">Mit Schreiben vom 27. Oktober 2008 (Postaufgabe) und somit</span><br/> <span class="ft7">am letzten Tag der Beschwerdefrist erhob der Beschwerdeführer 1</span><br/> <span class="ft7">persönlich Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Darin setzt er sich mit</span><br/> <span class="ft7">keinem Wort mit der Argumentation im angefochtenen Entscheid</span><br/> <span class="ft7">auseinander, sondern er verweist lediglich auf die bisher ins Recht</span><br/> <span class="ft7">gelegten Rechtsschriften seines Vertreters und darauf, dass die Vorin-</span><br/> <span class="ft7">stanz lediglich einen Mehrheitsentscheid gefällt habe, was belege,</span><br/> <span class="ft7">dass sich die Vorinstanz in seiner Argumentation nicht sicher gewe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">277</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">sen sei. Der Verweis auf die bisher ins Recht gelegten Rechtsschrif-</span><br/> <span class="ft7">ten genügt den Begründungsanforderungen offensichtlich nicht.</span><br/> <span class="ft7">3.3.2.</span><br/> <span class="ft7">Zu prüfen ist, ob im blossen Hinweis, dass die Vorinstanz le-</span><br/> <span class="ft7">diglich einen Mehrheitsentscheid fällte, eine den minimalen Begrün-</span><br/> <span class="ft7">dungsanforderungen entsprechende Begründung zu entdecken ist.</span><br/> <span class="ft7">Die Mehrheit des Verwaltungsgerichts vermag auch im Hinweis</span><br/> <span class="ft7">auf den vorinstanzlichen Mehrheitsentscheid keinerlei Begründung</span><br/> <span class="ft7">zu erkennen. Die Beschwerdeführer machen damit lediglich eine</span><br/> <span class="ft7">Tatsachenfeststellung und legen diesbezüglich nicht einmal an-</span><br/> <span class="ft7">satzweise dar, dass und weshalb die Minderheitsmeinung zutreffend</span><br/> <span class="ft7">bzw. die Mehrheitsmeinung falsch sein soll (vgl. zur Minder-</span><br/> <span class="ft7">heitsmeinung: § 276 lit. e ZPO).</span><br/> <span class="ft7">3.3.3.</span><br/> <span class="ft7">Mit diesem Hinweis ist daher nicht ansatzweise begründet,</span><br/> <span class="ft7">weshalb der angefochtene Entscheid materiell falsch sein soll. Selbst</span><br/> <span class="ft7">die Beschwerdeführer sehen darin nur eine Unsicherheit der</span><br/> <span class="ft7">Vorinstanz. Die Beschwerdebegründung setzt sich nicht einmal kurz</span><br/> <span class="ft7">mit dem angefochtenen Entscheid auseinander, weshalb sie auch</span><br/> <span class="ft7">nicht als unklar bezeichnet werden kann und eine Nachfristansetzung</span><br/> <span class="ft7">zur Verbesserung kann nicht in Frage kommen (siehe vorne Erw.</span><br/> <span class="ft7">3.1).</span><br/> <span class="ft7">Dies gilt umso mehr, als die Beschwerdeführer im Rekursver-</span><br/> <span class="ft7">fahren anwaltlich vertreten waren. So erhob der Rechtsvertreter für</span><br/> <span class="ft7">die Rekurrenten innert der Rekursfrist einen begründeten Rekurs.</span><br/> <span class="ft7">Der abweisende Entscheid der Vorinstanz wurde dem Vertreter der</span><br/> <span class="ft7">Rekurrenten zudem unbestrittenermassen am 25. September 2008</span><br/> <span class="ft7">korrekt eröffnet. Der Beschwerdeführer 1 verweist schliesslich in der</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeschrift vom 27. Oktober 2008 auf die Eingaben seines</span><br/> <span class="ft7">Vertreters Dr._____ und ersucht darum, es sei ihm oder seinem</span><br/> <span class="ft7">Rechtsvertreter gegebenenfalls Gelegenheit zu geben, die vorlie-</span><br/> <span class="ft7">gende Beschwerde zu ergänzen. Damit zeigt er unmissverständlich</span><br/> <span class="ft7">an, dass die Beschwerdeführer weiterhin durch den bereits im</span><br/> <span class="ft7">Rekursverfahren mandatierten Rechtsvertreter vertreten sind. Ihnen</span><br/> <span class="ft7">musste unter diesen Umständen klar sein, dass sie bzw. ihr Vertreter</span><br/> <span class="ft7">innert der Beschwerdefrist eine begründete Beschwerde einreichen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">278</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">müssen, damit überhaupt auf die Beschwerde eingetreten werden</span><br/> <span class="ft7">kann. Im Übrigen bringen die Beschwerdeführer keinerlei Argu-</span><br/> <span class="ft7">mente vor, weshalb es ihnen bzw. ihrem Rechtsvertreter nicht</span><br/> <span class="ft7">möglich gewesen sei, innert Frist eine begründete Beschwerde ein-</span><br/> <span class="ft7">zureichen.</span><br/> <span class="ft7">Auf die Beschwerde ist damit mangels Begründung nicht ein-</span><br/> <span class="ft7">zutreten.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>