<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">FürsorgerischeFreiheitsentziehung</span> <span class="page_no">197</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>36 Probeweise</b></span> <span class="ft2"><b>Entlassung</b></span> <span class="ft2"><b>mit</b></span> <span class="ft2"><b>Auflagen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Verhältnismässigkeit der Weisung zur ambulanten psychiatrischen (inkl.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>neuroleptischen) Behandlung in Anbetracht der in casu vorliegenden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>grossen Rückfallsgefahr.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 15. September 2010 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen M.K. gegen die Verfügung des Amtsarztes des Bezirks X.</span><br/> <span class="ft3">(WBE.2010.199).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Die betroffene Person muss entlassen werden, sobald ihr Zu-</span><br/> <span class="ft1">stand es erlaubt (Art. 397a Abs. 3 ZGB; § 67f EG ZGB). Es ist dem-</span><br/> <span class="ft1">nach zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im heutigen Zeitpunkt ent-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">198</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lassen werden kann (AGVE 1992, S. 276, 285; 1990, S. 224;</span><br/> <span class="ft1">Gottlieb Iberg, Aus der Praxis der fürsorgerischen Freiheitsentzie-</span><br/> <span class="ft1">hung, in: SJZ 79/1983, S. 297). Kann einer Person die nötige Für-</span><br/> <span class="ft1">sorge anders erwiesen werden, das heisst mit weniger schwerwie-</span><br/> <span class="ft1">genden Eingriffen als mit einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung,</span><br/> <span class="ft1">so muss die mildere Massnahme angeordnet werden (AGVE 1997,</span><br/> <span class="ft1">S. 241; 1992, S. 276, 285; 1990, S. 224). Bei Gefahr eines sofortigen</span><br/> <span class="ft1">Rückfalls ist die Entlassung nicht angezeigt (AGVE 1994,</span><br/> <span class="ft1">S. 352 ff.). Gemäss § 67h EG ZGB kann die probeweise Entlassung</span><br/> <span class="ft1">mit Weisungen angeordnet werden, wenn die Voraussetzungen für</span><br/> <span class="ft1">eine Entlassung nicht in allen Teilen erfüllt sind.</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">4.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer selbst verlangte in seinem Schreiben</span><br/> <span class="ft1">vom 15. September 2010 seine unverzügliche Entlassung aus der</span><br/> <span class="ft1">Klinik. Er schilderte, am 17. September 2010 habe er ein Vorstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsgespräch bei der IGWG; es sei vorgesehen, dass er zunächst</span><br/> <span class="ft1">dort schnuppern gehe und dann definitiv einziehe. Als Übergangs-</span><br/> <span class="ft1">lösung könne er in einem Hotel in Y. wohnen. Bezüglich Medikation</span><br/> <span class="ft1">schilderte er anlässlich der Verhandlung vom 27. Juli 2010, er habe</span><br/> <span class="ft1">die Medikamente im Vorfeld der Hospitalisation abgesetzt, weil er</span><br/> <span class="ft1">nicht zufrieden gewesen sei; er wisse nicht, wieso er Medikamente</span><br/> <span class="ft1">brauchen solle; er habe die Medikamente schon immer verweigert; er</span><br/> <span class="ft1">wolle grundsätzlich keine Medikamente nehmen; auf jeden Fall sei</span><br/> <span class="ft1">eine Depotmedikation überflüssig. Mit Schreiben vom 30. August</span><br/> <span class="ft1">2010 schilderte der Beschwerdeführer, durch die Medikation komme</span><br/> <span class="ft1">es zu massiven Nebenwirkungen; so ziehe es ihm die Augen nach</span><br/> <span class="ft1">hinten. Anlässlich der Verhandlung vom 7. September 2010 schil-</span><br/> <span class="ft1">derte er auf Nachfrage hin, dies geschehe ein bis zwei Mal im Mo-</span><br/> <span class="ft1">nat; in letzter Zeit sei es jedoch gerade zwei Mal hintereinander pas-</span><br/> <span class="ft1">siert.</span><br/> <span class="ft1">4.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Anlässlich der Verhandlung vom 27. Juli 2010 erklärte die zu-</span><br/> <span class="ft1">ständige Oberärztin, eine betreute Wohnform sei zur Sicherstellung</span><br/> <span class="ft1">der Compliance notwendig. Die Depotmedikation müsse fortgeführt</span><br/> <span class="ft1">werden; mit den Tabletten funktioniere es nicht; der Beschwerdefüh-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">FürsorgerischeFreiheitsentziehung</span> <span class="page_no">199</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rer habe sie nicht regelmässig genommen; es fehle an der Konstanz.</span><br/> <span class="ft1">Der Versuch mit dem vom Beschwerdeführer bevorzugten Neuro-</span><br/> <span class="ft1">leptikum Abilify habe gezeigt, dass die Compliance auch bei diesem</span><br/> <span class="ft1">Medikament nicht da sei; zum Teil habe er die Medikamente verwei-</span><br/> <span class="ft1">gert, zum Teil habe er sie geschmuggelt. Rein prognostisch sei es</span><br/> <span class="ft1">nicht möglich, dass der Beschwerdeführer jemals medikamentenfrei</span><br/> <span class="ft1">leben könne. Wenn er sich irgendwie in der Berufswelt und in der</span><br/> <span class="ft1">Gesellschaft eingliedern und eigenständig leben wolle, dann brauche</span><br/> <span class="ft1">er die Medikamente. Die Rückfallsgefahr betrage fast 100 %, wenn</span><br/> <span class="ft1">er die Medikamente nicht mehr nehme.</span><br/> <span class="ft1">In ihrem Bericht vom 23. August 2010 schilderte die zuständige</span><br/> <span class="ft1">Oberärztin, aufgrund des bisherigen Krankheitsverlaufs, der man-</span><br/> <span class="ft1">gelnden Einsicht, dem sozialen Abstieg in den letzten Jahren mit zu-</span><br/> <span class="ft1">nehmend auch finanziellen Problemen (Schulden), sei man seitens</span><br/> <span class="ft1">der Klinik der Überzeugung, dass der Beschwerdeführer einen ge-</span><br/> <span class="ft1">schützten Rahmen im Sinne einer therapeutischen WG benötigen</span><br/> <span class="ft1">würde, um einen weiteren stabilen Verlauf und das Erlangen der</span><br/> <span class="ft1">Selbstständigkeit zu gewähren. Eine Entlassung in ein Hotelzimmer</span><br/> <span class="ft1">sei in Erwägung gezogen, aber verworfen worden, da der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer in der Vergangenheit in einem solchen Rahmen sämtliche</span><br/> <span class="ft1">Therapien sofort abgesetzt habe, keine Sozialhilfe in Anspruch ge-</span><br/> <span class="ft1">nommen habe und sich massiv verschuldet habe. Eine Entlassung in</span><br/> <span class="ft1">eine nicht betreute Wohnform würde, so die Klinik, innert kürzester</span><br/> <span class="ft1">Zeit in einem Rückfall enden. Weiter bestätigte die zuständige Ober-</span><br/> <span class="ft1">ärztin in ihrem Bericht, unter der Medikation mit Risperdal zeige</span><br/> <span class="ft1">sich - trotz gewisser Residualsymptome - ein relativ stabiler Zu-</span><br/> <span class="ft1">stand.</span><br/> <span class="ft1">Anlässlich der Verhandlung vom 7. September 2010 schilderte</span><br/> <span class="ft1">die zuständige Oberärztin, das Risperdal sei objektiv gut verträglich;</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer sei "viel, viel klarer als ohne Medikamente".</span><br/> <span class="ft1">Eines der Hauptargumente für ein betreutes Wohnen sei die Sicher-</span><br/> <span class="ft1">stellung der Medikation. Der Beschwerdeführer sei bisher nicht in</span><br/> <span class="ft1">der Lage gewesen, alleine zu wohnen; er habe sich gar verschuldet.</span><br/> <span class="ft1">Die Klinik sehe in diesem Zusammenhang auch die Gefahr einer so-</span><br/> <span class="ft1">zialen Verwahrlosung. Die Krankheits- und Behandlungseinsicht</span><br/> <span class="ft1">seien gleich Null; dies mache es so schwierig. Weiter schilderte die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">200</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zuständige Oberärztin, wenn die Medikation und die finanzielle Si-</span><br/> <span class="ft1">tuation sichergestellt wären, wäre der Beschwerdeführer fähig, das</span><br/> <span class="ft1">Leben zu führen, das er möchte.</span><br/> <span class="ft1">4.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Eltern bestätigten anlässlich der verwaltungsgerichtlichen</span><br/> <span class="ft1">Verhandlungen das gute Zustandsbild des Beschwerdeführers. Auf</span><br/> <span class="ft1">Nachfrage hin, ob sie ihrem Sohn zutrauen würden, selbstständig zu</span><br/> <span class="ft1">leben, schilderten sie anlässlich der Verhandlung vom 27. Juli 2010,</span><br/> <span class="ft1">er brauche gewisse Strukturen, eine gewisse Begleitung. In ihrem</span><br/> <span class="ft1">Schreiben vom 30. Juni 2010 hielten sie fest, sie müssten aus ihrer</span><br/> <span class="ft1">Erfahrung davon ausgehen, dass ihr Sohn den Wiedereinstieg in ein</span><br/> <span class="ft1">geregeltes selbständiges Leben ohne begleitende Massnahmen nicht</span><br/> <span class="ft1">schaffen könne.</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">4.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Es ist unbestritten, dass sich das Zustandsbild des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers seit Klinikeintritt stark verbessert hat. Zweifellos ist der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer nach wie vor behandlungsbedürftig; seine psychiatri-</span><br/> <span class="ft1">sche Grunderkrankung macht eine längerfristige neuroleptische Be-</span><br/> <span class="ft1">handlung notwendig. Nachdem der Beschwerdeführer jedoch seinen</span><br/> <span class="ft1">Habitualzustand erreicht hat, besteht keine stationäre Behandlungs-</span><br/> <span class="ft1">bedürftigkeit mehr, weshalb der Beschwerdeführer grundsätzlich ent-</span><br/> <span class="ft1">lassen werden kann.</span><br/> <span class="ft1">Gegen eine sofortige, bedingungslose Entlassung spricht einer-</span><br/> <span class="ft1">seits jedoch die vorliegend bestehende Rückfallsgefahr (siehe dazu</span><br/> <span class="ft1">Erw. 4.4 hiernach) sowie die Tatsache, dass im Zeitpunkt der Urteils-</span><br/> <span class="ft1">fällung die künftige Unterkunftssituation für den Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">weitgehend ungewiss ist. Wie der Beschwerdeführer in seiner Einga-</span><br/> <span class="ft1">be vom 15. September 2010 ausführen liess, habe er (...) eine Stelle</span><br/> <span class="ft1">gefunden und könne diese am 20. September 2010 antreten. Dadurch</span><br/> <span class="ft1">habe er nun grundsätzlich die Möglichkeit, bei der IGWG einzutre-</span><br/> <span class="ft1">ten, wobei ein (Vorstellungs-)Gespräch auf den 17. September 2010</span><br/> <span class="ft1">angesetzt sei. Damit die Wohn- bzw. Unterkunftssituation für den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer abschliessend geklärt und beim Externen Psychia-</span><br/> <span class="ft1">trischen Dienst (EPD) Z. bereits ein erster Termin vereinbart werden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">FürsorgerischeFreiheitsentziehung</span> <span class="page_no">201</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">kann (vgl. Erw. 4.4 hiernach), ist der Beschwerdeführer wenige Tage</span><br/> <span class="ft1">nach dem Empfang des Urteils (...) aus der Klinik zu entlassen.</span><br/> <span class="ft1">4.4.</span><br/> <span class="ft1">4.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Bei Gefahr eines sofortigen Rückfalls ist die Entlassung nicht</span><br/> <span class="ft1">angezeigt (AGVE 1994, S. 352 ff.). Dass vorliegend eine grosse</span><br/> <span class="ft1">Rückfallsgefahr besteht, wird nachfolgend noch aufzuzeigen sein.</span><br/> <span class="ft1">Wie bereits in Erw. 4.1 hiervor festgehalten, sieht § 67h Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">EG ZGB die Möglichkeit einer probeweisen Entlassung, nötigenfalls</span><br/> <span class="ft1">mit Weisungen, vor, falls noch nicht alle Voraussetzungen für eine</span><br/> <span class="ft1">definitive Entlassung gegeben bzw. die Voraussetzungen, die zur Un-</span><br/> <span class="ft1">terbringung respektive Zurückbehaltung des Betroffenen geführt ha-</span><br/> <span class="ft1">ben, erst teilweise entfallen sind. Bei der Befugnis, dem probeweise</span><br/> <span class="ft1">Entlassenen verbindliche Weisungen aufzuerlegen, handelt es sich</span><br/> <span class="ft1">um ein bewährtes Mittel zur zweckmässigen Gestaltung der Pro-</span><br/> <span class="ft1">bezeit und Überwachung des Betroffenen (Botschaft des Regierungs-</span><br/> <span class="ft1">rates des Kantons Aargau an den Grossen Rat vom 19. Mai 1980,</span><br/> <span class="ft1">S. 14). Sinn und Zweck soll dabei sein, eine notwendige Behandlung</span><br/> <span class="ft1">im Anschluss an die Entlassung aus einer Anstalt sicherzustellen</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 1996, S. 277). Allerdings ist zu berücksichtigen, dass es sich</span><br/> <span class="ft1">hierbei nicht um eine Zwangsmassnahme im Sinne von § 67e</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">EG</span><br/> <span class="ft1">ZGB handelt (AGVE 2002, S. 191 f.).</span><br/> <span class="ft1">4.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund der bisherigen Krankengeschichte und der Diagnose</span><br/> <span class="ft1">einer paranoiden Schizophrenie ist erstellt, dass der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer als Bestandteil der notwendigen persönlichen Fürsorge auf re-</span><br/> <span class="ft1">gelmässige neuroleptische Medikation angewiesen ist. Andernfalls</span><br/> <span class="ft1">besteht die Gefahr, dass sich sein Zustand abermals verschlechtert,</span><br/> <span class="ft1">was eine erneute Zwangseinweisung nötig machen kann. Aufgrund</span><br/> <span class="ft1">der unsicheren sozialen Situation und der Tatsache, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer keinerlei Krankheits- und Behandlungseinsicht zeigt,</span><br/> <span class="ft1">muss bei einer Entlassung mit dem (erneuten) Absetzen der Medi-</span><br/> <span class="ft1">kamente und mit einer baldigen erneuten Eskalation gerechnet wer-</span><br/> <span class="ft1">den. Es liegt somit eine grosse Rückfallsgefahr vor, welcher durch</span><br/> <span class="ft1">eine Weisung zur ambulanten psychiatrischen (inkl. neuroleptischen)</span><br/> <span class="ft1">Behandlung begegnet werden kann.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">202</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Bei einer derartigen Weisung handelt es sich unbestrittener-</span><br/> <span class="ft1">massen nicht um eine dringliche und unmittelbar unerlässliche Inter-</span><br/> <span class="ft1">vention, um das Leben des Beschwerdeführers zu erhalten oder eine</span><br/> <span class="ft1">unmittelbare Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung abzu-</span><br/> <span class="ft1">wenden; die ambulante psychiatrische Behandlung und die Medika-</span><br/> <span class="ft1">tion haben vielmehr die Bedeutung einer eigentlichen und auf eine</span><br/> <span class="ft1">gewisse Dauer angelegten Therapie und Heilbehandlung des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers. Unter dem Gesichtswinkel der Verhältnismässig-</span><br/> <span class="ft1">keit der Weisung ist von Bedeutung, dass die bis anhin in stationärem</span><br/> <span class="ft1">Rahmen durchgeführte psychiatrische Behandlung mit neurolepti-</span><br/> <span class="ft1">scher Medikation unbestrittenermassen eine deutliche Besserung des</span><br/> <span class="ft1">Zustandes bewirkt hatte. Durch die Nicht-Behandlung würde eine er-</span><br/> <span class="ft1">neute Verschlechterung des Gesundheitszustandes und unter Umstän-</span><br/> <span class="ft1">den gar eine (weitere) Chronifizierung der Krankheit riskiert. Da-</span><br/> <span class="ft1">durch würde eine erfolgreiche medikamentöse Behandlung in der</span><br/> <span class="ft1">Zukunft erschwert oder gar verunmöglicht. Es liegt somit im eigenen</span><br/> <span class="ft1">Interesse des Beschwerdeführers, einer erneuten Klinikeinweisung</span><br/> <span class="ft1">vorzubeugen, indem er mittels Weisung verpflichtet wird, sich regel-</span><br/> <span class="ft1">mässig in ambulante psychiatrische Behandlung zu begeben und sich</span><br/> <span class="ft1">insbesondere die ärztlich verordnete Depot-Medikation (gegenwärtig</span><br/> <span class="ft1">Risperdal) verabreichen zu lassen.</span><br/> <span class="ft1">Eine alternative Behandlungsmethode ist nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="ft1">Nicht ausser Acht zu lassen ist zudem die mit der psychischen Er-</span><br/> <span class="ft1">krankung des Beschwerdeführers einhergehende latente Selbstge-</span><br/> <span class="ft1">fährdung bzw. die (auch soziale) Verwahrlosungsgefahr des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers. Die Klinik hat zwischenzeitlich bei dessen Wohn-</span><br/> <span class="ft1">gemeinde einen Antrag auf Prüfung vormundschaftlicher Massnah-</span><br/> <span class="ft1">men für den verschuldeten Beschwerdeführer gestellt. Es ist deshalb</span><br/> <span class="ft1">angesichts der Konsequenzen einer Nicht-Behandlung auf das Zu-</span><br/> <span class="ft1">standsbild und der damit verbundenen grossen Rückfallsgefahr und</span><br/> <span class="ft1">Selbstgefährdung gerechtfertigt und verhältnismässig, den Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer mit den erwähnten Weisungen zu entlassen, zumal es wich-</span><br/> <span class="ft1">tig ist, beim Beschwerdeführer die durch die bisherige Hospitalisa-</span><br/> <span class="ft1">tion mit medikamentöser Behandlung erreichte Stabilität aufrecht zu</span><br/> <span class="ft1">erhalten, nicht zuletzt um zu gewährleisten, dass der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer sein Ziel, eine Wohnung und einen Job zu finden und - wie er</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">FürsorgerischeFreiheitsentziehung</span> <span class="page_no">203</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">selbst formuliert - "weder etwas mit der IV noch mit der Sozialhilfe"</span><br/> <span class="ft1">zu tun zu haben, erreichen kann. Eine regelmässige psychiatrische</span><br/> <span class="ft1">Betreuung dient deshalb auch der Beobachtung einer allfälligen Ak-</span><br/> <span class="ft1">tualisierung des Selbstgefährdungspotentials. Ein Behandlungserfolg</span><br/> <span class="ft1">bzw. die Aufrechterhaltung eines stabilen Zustands durch eine am-</span><br/> <span class="ft1">bulante psychiatrische Behandlung mit neuroleptischer Medikation</span><br/> <span class="ft1">ist sowohl dem Beschwerdeführer selber wie auch seinem Umfeld</span><br/> <span class="ft1">von Nutzen, zumal der Beschwerdeführer zweifellos in unbehan-</span><br/> <span class="ft1">deltem Zustand eine Belastung für sein soziales Umfeld darstellt.</span><br/> <span class="ft1">Die aktuelle Depotmedikation mit Risperdal ist aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">Erfahrung, dass der Beschwerdeführer orale Medikamente in der</span><br/> <span class="ft1">Vergangenheit stets früher oder später wieder abgesetzt hat, sinnvoll.</span><br/> <span class="ft1">Diese Depotmedikation hat denn auch zur Verbesserung des Zu-</span><br/> <span class="ft1">standsbildes des Beschwerdeführers beigetragen. Was die vom Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer beschriebenen Nebenwirkungen anbelangt, so erhält</span><br/> <span class="ft1">er gemäss Aussage der zuständigen Oberärztin mittlerweile Akine-</span><br/> <span class="ft1">ton, welches zur Behandlung der vom Beschwerdeführer beschriebe-</span><br/> <span class="ft1">nen extrapyramidalen Nebenwirkung eingesetzt wird. Die durch das</span><br/> <span class="ft1">Risperdal beim Beschwerdeführer ausgelöste Nebenwirkung ist si-</span><br/> <span class="ft1">cherlich für die betroffene Person sehr unangenehm, jedoch aufgrund</span><br/> <span class="ft1">des Akinetons glücklicherweise lediglich vorübergehender Natur; zu-</span><br/> <span class="ft1">dem tritt sie offenbar gemäss Aussagen des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich nicht sehr häufig auf. Die Weisung betreffend medi-</span><br/> <span class="ft1">kamentöse Behandlung kann deshalb auch aus diesen Gründen nicht</span><br/> <span class="ft1">als ungeeignet bzw. unverhältnismässig betrachtet werden.</span><br/> <span class="ft1">Im Übrigen ist es nicht ausgeschlossen, dass aufgrund eines</span><br/> <span class="ft1">Vertrauensverhältnisses zwischen dem Beschwerdeführer und seinem</span><br/> <span class="ft1">zukünftigen ambulanten Psychiater eine verbesserte Krankheits- und</span><br/> <span class="ft1">Behandlungseinsicht und damit eine bessere Compliance eintritt.</span><br/> <span class="ft1">Dann könnte auf eine orale Medikation mit weniger unangenehmen</span><br/> <span class="ft1">Nebenwirkungen, z.B. Abilify, welches der Beschwerdeführer ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss eigenen Angaben bevorzugen würde, umgestellt werden.</span><br/> <span class="ft1">Eine Abwägung zwischen dem Ziel bzw. Zweck der Weisung</span><br/> <span class="ft1">gegen die Schwere des Eingriffs führt deshalb für das Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">gericht zum eindeutigen Ergebnis, dass die Entlassung mit Weisun-</span><br/> <span class="ft1">gen, sich regelmässig beim EPD Z. in ambulante psychiatrische Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">204</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">handlung zu begeben und sich insbesondere die ärztlich verordnete</span><br/> <span class="ft1">Depotmedikation (gegenwärtig Risperdal) verabreichen zu lassen, im</span><br/> <span class="ft1">eigenen Interesse des Beschwerdeführers notwendig und verhältnis-</span><br/> <span class="ft1">mässig ist. Um rechtzeitig reagieren zu können, sollte sich der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer nicht an die Auflagen halten und sich sein Zustand</span><br/> <span class="ft1">verschlechtern, wird der EPD Z. aufgefordert, diesfalls entsprechen-</span><br/> <span class="ft1">de Meldung an das Bezirksamt zu erstatten.</span><br/> <span class="ft1">4.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer selbst mit Schreiben vom 30. August 2010 ausführen</span><br/> <span class="ft1">lässt, er wäre mit einer sofortigen Entlassung in ein Hotelzimmer,</span><br/> <span class="ft1">"dies mit der gleichzeitigen Verpflichtung, Depotmedikation einzu-</span><br/> <span class="ft1">nehmen", einverstanden. Die Weisung in Bezug auf die Medikation</span><br/> <span class="ft1">entspricht im Übrigen - abgesehen von der Dosierung (deren Fest-</span><br/> <span class="ft1">setzung gehört in den Fachbereich der Ärzte [AGVE 2003, S. 152]) -</span><br/> <span class="ft1">dem Eventualantrag gemäss Schreiben des Beschwerdeführers vom</span><br/> <span class="ft1">30. August 2010. Auch anlässlich der Verhandlung vom 7. September</span><br/> <span class="ft1">2010 liess der Beschwerdeführer ausführen, er wolle entlassen wer-</span><br/> <span class="ft1">den, er erkläre sich jedoch dazu bereit, die Depotmedikation so, wie</span><br/> <span class="ft1">sie im Moment verabreicht werde, beizubehalten. Anlässlich der Ver-</span><br/> <span class="ft1">handlung vom 27. Juli 2010 äusserte sich der Beschwerdeführer aus-</span><br/> <span class="ft1">serdem auf Nachfrage seines Rechtsvertreters hin sinngemäss dahin-</span><br/> <span class="ft1">gehend, sich durchaus vorstellen zu können, regelmässig zur Ge-</span><br/> <span class="ft1">sprächstherapie zu gehen.</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend kann dem Beschwerdeführer die notwendige</span><br/> <span class="ft1">persönliche Fürsorge somit ohne Klinikaufenthalt erwiesen werden,</span><br/> <span class="ft1">und er ist mit der Weisung, sich regelmässig beim EPD Z. in ambu-</span><br/> <span class="ft1">lante psychiatrische Behandlung zu begeben und sich insbesondere</span><br/> <span class="ft1">die ärztlich verordnete Depot-Medikation (Risperdal) verabreichen</span><br/> <span class="ft1">zu lassen, (...) aus der Klinik zu entlassen.</span><br/></div> </div> </body> </html>