A bteilung IV D -4408/2007 spn/w er {T 0/2} U rteil vom 19. Septem ber 2007 M itw irkung: R ichterin Spälti G iannakitsas, R ichter G ysi, R ichterin H irsig-Vouilloz G erichtsschreiber W eber X._______, geboren _______, Irak, vertreten durch Peter Frei, R echtsanw alt, _______, Beschw erdeführerin gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 29. M ai 2007 i.S. A berkennung der Flüchtlingseigenschaft und A sylw iderruf / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D ie Beschw erdeführerin verliess ihren H eim atstaat nach eigenen Angaben am 5. Septem ber 1998 und gelangte zusam m en m it ihrer Fam ilie am 28. Septem ber 1998 von der Türkei und ihr unbekannten Ländern her kom m end in die Schw eiz, w o sie am 29. Septem ber 1998 um Asyl nachsuchte. Am 2. O ktober 1998 fand im Em pfangszentrum _______ die sum m arische Befragung statt. Am 18. N ovem ber 1998 führte die kantonale Behörde eine Anhörung durch. B. Anlässlich der Befragungen m achte die Beschw erdeführerin - eine Kurdin aus _______ - im W esentlichen geltend, w egen der Problem e ihres M annes beziehungsw eise ihrer Fam ilie den Irak verlassen zu haben. Ihr M ann respektive dessen Vater habe für eine am erikanische O rganisation m it seiner Baufirm a ein W asserbauprojekt durchgeführt. D abei sei es zu gew altsam en Auseinandersetzungen m it D orfbew ohnern, w elche eine W asserquelle nicht hätten preisgeben w ollen, gekom m en. Am 5. N ovem ber 1997 sei ein Attentat auf das Auto der Fam ilie der Beschw erdeführerin verübt w orden. Eine Anzeige bei der zuständigen KD P-Behörde sei unbeachtet geblieben, da die m utm asslichen Attentäter aus dem besagten D orf gute Beziehungen zu dieser Partei unterhalten hätten. Aus Angst vor w eiteren Anschlägen sei die Fam ilie nach _______ zu Verw andten geflohen. N achdem auch dort ein Attentat auf sie verübt w orden sei, hätten sie sich zur Ausreise entschlossen. C . M it Entscheid vom 31. Juli 2001 anerkannte die Vorinstanz die Beschw erdeführe- rin und ihre ebenfalls in die Schw eiz geflohenen Angehörigen als Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 Abs. 1 und 2 beziehungsw eise Art. 51 Abs. 1 des dam als in Kraft stehenden Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) und gew ährte ih- nen Asyl. D . M it Schreiben vom 10. April 2007 teilte das Bundesam t der Beschw erdeführerin und ihrem Ehem ann m it, es beabsichtige, ihnen gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG die Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen und das Asyl zu w iderrufen. Zur Begründung w urde angeführt, gem äss Aktenlage beziehungsw eise der abgelaufe- nen R eisepässe für Flüchtlinge m üsse davon ausgegangen w erden, dass sie sich zum indest einm al und m utm asslich sogar w iederholt im Irak aufgehalten hätten. H insichtlich des Ehem annes der Beschw erdeführerin bestünden w eitere Anhalts- punkte für regelm ässige dortige Aufenthalte. D am it hätten sie sich freiw illig w ieder unter den Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit sie besässen, gestellt. E. Im R ahm en der eingeräum ten Frist zur Stellungnahm e zeigte der Vertreter der Be- schw erdeführerin und ihres G atten m it Eingabe vom 18. April 2007 seine M andats- übernahm e an. G leichzeitig ersuchte er um Fristerstreckung. Ferner beantragte er die O ffenlegung der entscheidw esentlichen Akten. D ies betreffe zum einen alle Er- kenntnisse, aufgrund derer die Vorinstanz auf eine R ückkehr der M andanten in den Irak schliesse. Zum anderen seien Kopien der R eisedokum ente der M andanten offenzulegen. F. M it Zw ischenverfügung vom 30. April 2007 entsprach das BFM dem Fristerstre- ckungsgesuch. D as G esuch um Einsicht in Verfahrensakten w urde abgelehnt. D ie Vorinstanz begründete ihren diesebezüglichen Entscheid dam it, dass die Instrukti-3 on im aktuellen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen sei, und verw ies auf Art. 27 Abs. 1 Bst. c des Bundesgesetzes über das Verw altungsverfahren vom 20. D e- zem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021). N ach Abschluss des U ntersuchungsverfahren w erde das Akteneinsichtsgesuch behandelt. Im W eiteren bezeichnete die Vorins- tanz ihren Entscheid als Zw ischenverfügung, w elche gem äss Art. 107 Abs. 1 AsylG m it dem Endentscheid anfechtbar sei. G . In der Stellungnahm e vom 7. M ai 2007 erneuerte der Vertreter der Beschw erde- führerin sein Ersuchen um O ffenlegung der Erkenntnisse, aufgrund derer die Vor- instanz auf eine R ückkehr seiner M andanten in den Irak schliesse, sow ie um Ein- sicht in w eitere Verfahrensakten des Ehem annes der Beschw erdeführerin. D ie Verw eigerung der O ffenlegung dieser U nterlagen w iderspreche nicht der bisheri- gen Praxis des Bundesam tes in W iderrufsverfahren und w äre begründungspflichtig gew esen. Zudem könne der H inw eis auf eine noch laufende U ntersuchung nicht nachvollzogen w erden, da dieser von der Vorinstanz nicht konkretisiert w erde. Schliesslich verw ies der Vertreter der Beschw erdeführerin hinsichtlich der rechtli- chen G rundlagen zur O ffenlegung auf die Bestim m ungen des D atenschutzgeset- zes. H . M it Eingabe vom 14. M ai 2007 stellte der Vertreter der Beschw erdeführerin fest, dass seine Eingabe vom 7. M ai 2007 seitens der Vorinstanz unbeantw ortet geblie- ben sei, und ersuchte um Erstreckung der am 30. April 2007 gew ährten Frist. Im W eiteren legte er dar, dass sein M andant bestreite, sich seit der Einreise in die Schw eiz je im Irak aufgehalten zu haben. I. M it Zw ischenverfügung vom 25. M ai 2007 gew ährte das Bundesam t dem Vertreter der Beschw erdeführerin Akteneinsicht. G leichzeitig hielt das Bundesam t fest, dass m it der Akteneinsicht keine Frist zur Stellungnahm e verbunden sei, w eil nach Ab- schluss der am tlichen U ntersuchung grundsätzlich kein Anspruch auf D urchfüh- rung eines Schriftenw echsels bestehe. Verspätete Parteivorbringen, w elche als ausschlaggebend erscheinen und vor dem Endentscheid eingehen w ürden, könn- ten indes im R ahm en von Art. 32 Abs. 2 Vw VG Berücksichtigung finden. M it Zw i- schenverfügung gleichen D atum s gew ährte das BFM dem Vertreter der Beschw er- deführerin ferner Einsicht in die Akten des Asylverfahrens ihres G atten (Kopie des Aktenverzeichnis des Asylverfahrens und Kopien der Akten des Asylverfahrens ge- m äss Verzeichnis). J. M it Verfügung vom 29. M ai 2007 w iderrief die Vorinstanz das der Beschw erdefüh- rerin am 31. Juli 2001 gew ährte Asyl und erkannte ihr die Flüchtlingseigenschaft ab. Sie stützte sich dabei auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m . Art. 1 C Ziff. 1 des internationalen Abkom m ens vom 28. Juli 1951 über die R echtsstellung der Flücht- linge (FK; SR 0.142.30). Zur Begründung w urde vorgebracht, dem Flüchtlingspass der Beschw erdeführerin sei zu entnehm en, dass sie sich m it den drei Kindern von der Türkei aus am 25. Juli 2004 nach Syrien begeben habe. Von dort aus sei sie am 26. Juli 2004 in den Irak w eitergereist. Aufgrund der irakischen Stem pel sei da- von auszugehen, das sie sich bis zum 12. August 2004 dort aufgehalten habe. Au- sserdem bestünden H inw eise in den Akten, dass sich der Ehem ann der Beschw er- deführerin regelm ässig in den Irak begebe. Aufgrund des R eisedokum ents der Be- schw erdeführerin stehe jedenfalls fest, dass sie sich entgegen ihren Angaben im erw ähnten Zeitraum dort aufgehalten habe. Es sei davon auszugehen, dass die 4 Beschw erdeführerin diese R eise ohne äusseren Zw ang unternom m en, sich in den Schutzbereich des H eim atstaates begeben und den Schutz auch erhalten habe. H insichtlich des Ehem annes der Beschw erdeführerin verzichtete die Vorinstanz in Anbetracht der Aktenlage auf den Asylw iderruf und die Aberkennung der Flücht- lingseigenschaft. K. M it Eingabe vom 28. Juni 2007 beantragte die Beschw erdeführerin durch ihre Ver- tretung beim Bundesverw altungsgericht die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung. Von der Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und vom Asylw iderruf sei abzusehen. Es sei die unentgeltliche Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 und 2 des des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren [Vw VG ; SR 172.021]) zu gew ähren. Zur Begründung w urde ausgeführt, dass bis- her keine Stellungnahm e zum Vorhalt des BFM , die Beschw erdeführerin sei in ihr H eim atland zurückgekehrt, habe erfolgen können. D ies sei auf die verw eigerte Ak- teneinsicht der Vorinstanz zurückzuführen. Zum erw ähnten Vorhalt sei nun festzu- halten, dass die Beschw erdeführerin w egen ihrer M utter, w elche in _______ einen H erzinfarkt erlitten habe, allein nach Syrien gereist sei und die syrische G renze in der Folge bei _______ R ichtung Irak überschritten habe. Anschliessend habe sie sich zw ischen der syrischen und irakischen D em arkationslinie in der freien Zone _______ aufgehalten. D ort habe sie sich m it ihrem Vater, nicht aber m it ihrer M utter, w elche w egen des akuten H erzleidens in _______ in Behandlung gestanden sei, getroffen. D er irakische Stem pel im R eisedokum ent sei erfolgt, w eil die syrischen Behörden ihr vorerst w egen dessen Fehlens die W iedereinreise verw eigert hätten, w orauf sie zw ecks Erlangung eines irakischen Ausrei- sestem pels einen irakischen Beam ten bestochen habe. D em nach habe sich die Beschw erdeführerin entgegen der vorinstanzlichen Sichtw eise nie auf irakischem H oheitsgebiet aufgehalten. Sie sei m ithin w eder freiw illig in den Irak zurückgekehrt noch in der Absicht, dort Schutz zu erlangen, und habe effektiven Schutz offensichtlich nicht erhalten, zum al sich die Frage stelle, ob der irakische Staat als solcher überhaupt schutzfähig sei. D ie vorinstanzliche Argum entation verkenne im Ü brigen die relevanten Kriterien der durch die Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) diesbezüglich publizierten R echtsprechung. D er Eingabe lag ein Arztzeugnis aus _______ - die M utter der Beschw erdeführerin betreffend - vom 24. April 2007 bei. D ie N achreichung einer Bestätigung für die Bedürftigkeit w urde in Aussicht gestellt. L. M it Zw ischenverfügung vom 3. Juli 2007 stellte das Bundesverw altungsgericht die aufschiebende W irkung der Beschw erde fest. D ie Beschw erdeführerin w urde auf- gefordert, innert Frist den in Aussicht gestellten Beleg für ihre Bedürftigkeit nach- zureichen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses w urde verzichtet. D as G e- such um unentgeltliche R echtsverbeiständung (Art. 65 Abs. 2 Vw VG ) w urde abge- w iesen. G leichentags reichte die Beschw erdeführerin die erw ähnte Bestätigung für ihre Bedürftigkeit nach. M . M it Vernehm lassung vom 11. Juli 2007 hielt das Bundesam t an seiner Verfügung vollum fänglich fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. Im erstins- tanzlichen Verfahren sei keine G ehörsverletzung erfolgt. D er w esentliche Inhalt der relevanten Akten sei im R ahm en des rechtlichen G ehörs w ährend des Instruk- tionsverfahrens offen gelegt w orden. Im W eiteren sei die Behauptung der Be- schw erdeführerin, sich w ährend drei W ochen lediglich in der erw ähnten w üsten-5 ähnlichen Zone aufgehalten zu haben, kaum nachvollziehbar, habe sie doch ange- geben, w egen ihrer in _______ schw er erkrankten M utter hingereist zu sein. Ausserdem sei gem äss Erkenntnissen des Bundesam tes ein irakischer Stem pel im R eisedokum ent für die R ückreise nach Syrien nicht erforderlich. Schliesslich w ies das BFM darauf hin, dass ihm das auf Beschw erdeebene eingereichte Arztzeugnis im R ahm en des Vernehm lassungsverfahrens nicht überm ittelt w orden sei, w eshalb eine diesbezügliche Stellungnahm e entfalle. N . M it R eplik vom 30. Juli 2007 hielt die Beschw erdeführerin an ihren bisherigen Vor- bringen fest. D as BFM verkenne die Bedeutung des Akteneinsichtsrechts für die W ahrnehm ung des rechtlichen G ehörs. Ferner habe die Beschw erdeführerin in der besagten Zone lediglich deshalb ausharren m üssen, w eil ihr die am erikani- schen M ilitärbehörden die Einreise in den Irak verw eigert hätten. Es m öge sodann zutreffen, dass für die R ückreise nach Syrien grundsätzlich kein irakischer Ausrei- sestem pel erforderlich sei; in Anbetracht der grassierenden Korruption vor O rt sei indes m it entsprechenden Aufforderungen der G renzbehörden gleichw ohl zu rech- nen. Schliesslich sei das eingereichte Arztzeugnis aus _______ der Vorinstanz zw ecks Stellungnahm e noch zu unterbreiten. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 Vw VG , sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügun- gen des BFM gestützt auf das AsylG ; das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; die Beschw erdeführerin ist legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m ithin einzutreten. 3. D ie Beschw erdeführerin rügt, die Vorinstanz habe ihr nicht hinreichend Aktenein- sicht gew ährt und dadurch das rechtliche G ehör verletzt. Ausserdem gehe das BFM zu U nrecht davon aus, die Voraussetzungen der Aberkennung der Flücht- lingseigenschaft und des Asylw iderrufs seien vorliegend erfüllt. 4. 4.1 G em äss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG w ird die Flüchtlingseigenschaft aberkannt und das Asyl w iderrufen, w enn G ründe nach Art. 1 C Ziff. 1 - 6 FK vorliegen. Art. 1 C FK beinhaltet die Beendigungsklauseln betreffend den Flüchtlingsstatus. N am ent- lich fällt eine Person unter anderem nicht m ehr unter die Bestim m ungen der FK 6 und ihr Flüchtlingsstatus endet, w enn sie sich freiw illig w ieder unter den Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, gestellt hat (Art. 1 C Ziff. 1 FK). D ie Frage, ob bei der Beschw erdeführerin diese Voraussetzungen als erfüllt zu erachten sind, kann indes aufgrund nachfolgender Erw ägungen offen gelassen w erden. 4.2 D as Prinzip von Treu und G lauben, das gem äss Art. 5 Abs. 3 der Bundesverfas- sung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) als allgem einer G rundsatz rechtsstaatlichen H andelns gilt und dem darüber hinaus nach Art. 9 BV G rundrechtscharakter zukom m t, gebietet ein loyales und vertrau- ensw ürdiges Verhalten im R echtsverkehr (vgl. AN D R EA S AU ER /G IO R G IO M ALIN VER - N I/M IC H EL H O TTELIER , D roit constitutionnel suisse, Bd. II, 2. Aufl., Bern 2006, N 1159 ff.; YVO H AN G AR TN E R , in: Ehrenzeller/M astronardi/Schw eizer/Vallender [H rsg.], D ie schw eizerische Bundesverfassung, Kom m entar, Zürich u.a. 2002, N 39 zu Art. 5 BV; U LR IC H H ÄFELIN /G EO R G M Ü LLE R /FELIX U H LM AN N , Allgem eines Verw altungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, N 622; ELISABE TH C H IAR IELLO , Treu und G lauben als G rundrecht nach Art. 9 der schw eizerischen Bundesverfassung, Bern 2004, S. 224 ff.; R EN É R H IN O W , G rundzüge des Schw eizerischen Verfassungsrechts, Basel u.a. 2003, N 1788 ff. u. 2397 ff.). In Konkretisierung dieses allgem einen Verhaltensgebots um - fasst der Anspruch auf rechtliches G ehör, w elcher auch im Asylverfahren Anw en- dung findet (vgl. Art. 6 AsylG ), im w eiten Sinn das R echt einer Person, in einem verw altungsrechtlichen Verfahren m it seinen Begehren angehört zu w erden, Ak- teneinsicht zu erhalten und zu den für den Entscheid w esentlichen Punkten (vor- gängig) Stellung nehm en zu können (vgl. Art. 18 und Art. 26-33 Vw VG ). G em äss dem in Art. 26 ff. Vw VG geregelten Akteneinsichtsrecht ist den Parteien grundsätzlich Einsicht in säm tliche Aktenstücke zu gew ähren, w elche geeignet sind, in einem konkreten Verfahren als Bew eism ittel zu dienen (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission/EM AR K 1994 N r. 1 S. 8 E. 3a). D ie Einsichtnahm e darf verw eigert w erden, w enn w esentliche öffentliche Interessen des Bundes oder der Kantone, private Interessen oder das Interesse einer noch nicht abgeschlossenen am tlichen U ntersuchung es erfordert (vgl. Art. 27 Abs. 1 Vw VG ). N ach Absatz 2 dieser Bestim m ung darf sich die Verw eigerung der Einsichtnahm e nur auf Aktenstücke erstrecken, für die G eheim haltungsgründe bestehen. N ach ständiger R echtsprechung ist dabei in jedem Fall eine konkrete, sorgfältige und um fassende Abw ägung der entgegenstehenden Interessen nach pflichtgem ässem Erm essen vorzunehm en, w obei der G rundsatz der Verhältnism ässigkeit zu beachten ist (vgl. etw a BG E 115 V 302; 113 Ia 4; EM AR K 1994 N r. 1 S. 12 f.). W ird einer Partei die Einsicht in ein Aktenstück verw eigert, m uss ihr die Behörde nach Art. 28 Vw VG von seinem w esentlichen Inhalt m ündlich oder schriftlich Kenntnis, sow ie G elegenheit geben, sich zu äussern und G egenbew eism ittel zu bezeichnen. 4.3 D as BFM hat es im R ahm en des rechtlichen G ehörs zum beabsichtigten Asylw i- derruf und zur beabsichtigten Aufhebung der Flüchtlingseigenschaft der Beschw er- deführerin m it Zw ischenverfügung vom 30. April 2007 abgelehnt, dem R echtsver- treter die am 18. April 2007 unter anderem beantragte Edition einer Kopie des R ei- seausw eises seiner M andantin zu gew ähren. D azu ist vorab festzuhalten, dass dieses D okum ent und nam entlich die darin vorhandenen Stem pelungen als klar entscheidw esentliche Akte zw ingend dem Einsichtsrecht im oben erw ähnten Sinne 7 untersteht respektive unterstand. N ur bei Zusendung dieses D okum ents bezie- hungsw eise einer gleichw ertige Kopie w äre der R echtsvertreter in der Lage gew e- sen, zu den Stem pelungen detailliert Stellung zu nehm en und zu allfälligen U nge- reim theiten (Q ualität der Stem pel, datum sm ässige Einordnung etc.) aus seiner Sicht Erklärungen anzubringen. D ie vom BFM bereits m it Zw ischenverfügung vom 10. April 2007 gem achten Angaben zu den Stem pelungen m üssen entsprechend als nicht rechtsgenüglich qualifiziert w erden, zum al auch keine G eheim hal- tungsinteressen als R echtfertigung für diese Vorgehensw eise ersichtlich sind. Zw ar beruft sich die Vorinstanz in der am 30. April 2007 ergangenen Verfügung auf Art. 27 Abs. 1 Bst. c Vw VG . Inw iefern das Interesse einer noch nicht abge- schlossenen am tlichen U ntersuchung den Entscheid des BFM legitim ieren w ürde, kann aber den vorliegenden Akten nicht entnom m en w erden. Selbst w enn ein sol- ches Interesse im dam aligen Zeitpunkt bestanden haben sollte, w äre das Bundes- am t jedenfalls gehalten gew esen, nach Abschluss der geltend gem achten am tli- chen U ntersuchung das D okum ent dem Vertreter der Beschw erdeführerin unter Ansetzung einer angem essen Frist zw ecks Stellungnahm e zu überm itteln, nach- dem die N icht-O ffenlegung von Stem pelungen im R ahm en von Verfahren, bei de- nen das BFM das Asyl zu w iderrufen beabsichtigt, offensichtlich nicht den unter Ziff. 4.2. vorstehend aufgelisteten Kriterien entspricht. Im Ergebnis m uss die Zw i- schenverfügung vom 30. April 2007, w elche vom Bundesam t überdies als erst m it dem Endentscheid anfechtbar erklärt w urde, dem nach als rechtsw idrig bezeichnet w erden. Anzufügen ist, dass die vom Bundesam t dem R echtsvertreter am 25. M ai 2007 gew ährte Akteneinsicht den erw ähnten M angel nicht zu beseitigen verm ag. Abgesehen davon, dass aufgrund der Aktenlage nicht eruriert w erden kann, ob dem R echtsvertreter nachträglich Kopien der Stem pelungen tatsächlich überm ittelt w urden (da sich das BFM in der erw ähnten Verfügung auf G eheim haltungsinteressen beruft, dürfte dies nicht der Fall gew esen sein), ist festzuhalten, dass in besagter Verfügung keine Frist zur Stellungnahm e eingeräum t w urde und der Endentscheid bereits am 29. M ai 2007 erging. D er H inw eis der Vorinstanz auf Art. 32 Abs. 2 Vw VG (Berücksichtigung verspäteter Parteivorbringen, w elche entscheidrelevant erscheinen) ist dem zufolge als blosse Form alität zu qualifizieren, da in zeitlicher H insicht zw ischen Verfügung und Endentscheid lediglich das Pfingstw ochenende und m ithin kein einziger Arbeitstag zur allfälligen W ahrung von zu bejahenden G ehörsansprüchen lag. Es bleibt som it zu prüfen, ob eine H eilung des Verfahrensm angels in Betracht kom m t. 4.4 Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches G ehör führt grundsätzlich zur Auf- hebung des angefochtenen H oheitsakts ohne R ücksicht darauf, ob Letzterer bei korrekter G ew ährung des rechtlichen G ehörs anders ausgefallen w äre, zum al eine solche Betrachtungsw eise dem form ellen C harakter des G ehörsanspruchs w ider- spräche (vgl. EM AR K 1999 N r. 20 S. 131; 1998 N r. 34 S. 292). G em äss Praxis des Bundesgerichts besteht indes die M öglichkeit, dass die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches G ehör durch die untere Instanz im Beschw erdeverfahren geheilt w ird, w enn die R ekursinstanz m it gleicher Kognition entscheidet und den Betroffe- nen die gleichen M itw irkungsrechte zustehen (vgl. BG E 116 Ia 95 f.; 110 Ia 82 E. d). D abei können insbesondere prozessökonom ische Ü berlegungen eine R olle spielen. In der Lehre w ird die uneingeschränkte H eilung einer G ehörsverletzung indes kritisiert, zum al den Betroffenen dadurch eine Instanz verloren geht und zur 8 Verw irklichung des Anspruchs ein R echtsm ittel ergriffen w erden m uss. Auf eine Kassation des fehlerhaft zustande gekom m enen Entscheids sollte deshalb nur dann verzichtet w erden, w enn die G ehörsverletzung für die Betroffenen keinen schw eren N achteil bedeutet respektive sie nicht in schw erer W eise trifft. Selbst w enn eine H eilung nach den erw ähnten Anforderungen m öglich w äre, kann sich unter U m ständen gleichw ohl eine Kassation rechtfertigen. Sie kann beispielsw eise dann in Betracht gezogen w erden, w enn die G ehörsverletzung durch die Vorins- tanz kein Versehen im Einzelfall darstellt, sondern R esultat gehäufter unsorgfälti- ger Verfahrensführung ist, kann es doch nicht Sinn der bundesgerichtlichen R echt- sprechung sein, die Vorinstanz durch system atische H eilung erstinstanzlicher Ver- fahrensfehler von sorgfältiger Verfahrensführung zu entbinden und auf diese W ei- se zur Verschlechterung der Position von Betroffenen beizutragen. Eine Kassation rechtfertigt sich diesfalls, um die Vorinstanz auf diese W eise auf ihre verfahrens- rechtlichen Pflichten aufm erksam zu m achen (vgl. EM AR K 1998 N r. 34 S. 293). 4.5 Vorliegend erscheint eine Kassation gestützt auf die eben erw ähnten Ausführun- gen als gerechtfertigt. Zum einen ist die G ehörsverletzung als gravierend zu qualifizieren. Zum anderen hat es das Bundesam t auch auf Vernehm lassungsebene abgelehnt, im erforderlichen Ausm ass Akteneinsicht zu gew ähren. Vielm ehr lassen die dortigen Ausführungen darauf schliessen, dass sich die Vorinstanz keines Verfahrensfehlers bew usst ist und erneute G ehörsverletzungen in anderen Asylw iderrufsverfahren dem nach nicht als ausgeschlossen erscheinen. Es droht m ithin eine system atische G ehörsverletzung von Asylsuchenden in vergleichbaren Fallkonstellationen. D ie angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache im Sinne der Erw ägungen an die Vorinstanz zurückzuw eisen. 5. Zusam m enfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz im angefochtenen Ent- scheid das rechtliche G ehör der Beschw erdeführerin in gravierender W eise ver- letzt hat. Eine H eilung erscheint vorliegend als ausgeschlossen. D ie Sache ist im Sinne der Erw ägungen an die Vorinstanz zur vorgängigen G ew ährung der erfor- derlichen Akteneinsicht zurückzuw eisen. Bei dieser Sachlage kann davon abgese- hen w erden, auf die Beschw erdevorbringen detaillierter einzugehen. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 Vw VG ). 6.2 O bsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erw achsenen notw endigen Kosten (Art. 7 Abs. 1 des R eglem ents vom 11. D ezem - ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsge- richt [VG KE, SR 173.320.2]). Seitens der R echtsvertretung w urde keine Kostenno- te eingereicht. Auf die N achforderung einer solchen kann indes verzichtet w erden, da im vorliegenden Verfahren der Aufw and für die Beschw erdeführerin zuverlässig abgeschätzt w erden kann und die von der Vorinstanz zu entrichtende Parteient- schädigung von Am tes w egen und in Berücksichtigung der m assgeblichen Bem es- sungsfaktoren auf Fr. 1'600.-- (inkl. allfällige Spesen und M ehrw ertsteuer) festzu- setzen ist. (D ispositiv nächste Seite)9 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D er angefochtene Entscheid w ird aufgehoben und die Sache zur N eubeurteilung im Sinne der Erw ägungen an die Vorinstanz zurückgew iesen. 3. Es w erden keine Kosten erhoben. 4. D as BFM hat der Beschw erdeführerin für das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht eine Parteientschädigungr in der H öhe von Fr. 1'600.-- zu entrichten. 5. D ieses U rteil geht an: - die Beschw erdeführerin durch Verm ittlung ihrer Vertretung (eingeschrieben) - das Bundesam t, Abteilung Asylverfahren, m it den vorinstanzlichen Akten und dem Beschw erdedossier (Kopie zu den Akten; R ef.-N r. N _______) - _______ D ie R ichterin: D er G erichtsschreiber: N ina Spälti G iannakitsas Patrick W eber Versand am :