B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-605/2025 U r t e i l v o m 6 . F e b r u a r 2 0 2 5 Besetzung Richterin Susanne Genner (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Christa Preisig, Gerichtsschreiber Jan Hoefliger. Parteien A._______, geboren am (…), Somalia, vertreten durch MLaw Livia Häberli, Rechtsanwältin, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver- fahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 23. Januar 2025. F-605/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer (somalischer Staatsangehöriger) ersuchte am 20. Oktober 2024 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich seiner Fingerab- drücke mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 12. September 2024 in Polen um Asyl ersucht hatte. B. Gestützt auf den Eurodac-Treffer richtete die Vorinstanz an die polnischen Behörden ein Informationsersuchen gemäss Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit- gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio- nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin -III-VO). Gemäss Antwort der polnischen Behörden vom 29. Oktober 2024 habe der Beschwerdefüh- rer bei seiner Festhaltung an der Grenze als Geburtstag den (…) 2007 an- gegeben. Nach einer medizinischen Untersuchung sei das Geburtsdatum auf den (…) abgeändert worden. C. Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer am 30. Oktober 2024 im Rahmen einer Erstbefragung für unbegleitete Minderjährige (fortan: Erst- befragung) das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensent- scheid und der Möglichkeit der Überstellung nach Polen, dessen Zustän- digkeit für die Behandlung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. D. Das von der Vorinstanz am 4. November 2024 in Auftrag gegebene Gut- achten zur Altersschätzung wurde vom Institut für Rechtsmedizin der Uni- versität Basel (IRM Basel) am 12. November 2024 erstattet. E. Mit Schreiben vom 26. November 2024 gewährte die Vorinstanz dem Be- schwerdeführer das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Änderung seines Geburtsdatums auf den (…) (anstatt den […] 2008 ). Dieser nahm mit Schreiben vom 29. November 2024 Stellung. F. Am 5. Dezember 2024 passte die Vorinstanz das Geburtsdatum des Be- schwerdeführers im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) auf den (…) an und versah es mit einem Bestreitungsvermerk. F-605/2025 Seite 3 G. Die polnischen Behörden hiessen das Gesuch der Vorinstanz vom 6. De- zember 2024 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO (recte: Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin -III-VO) am 10. Dezember 2024 gut. H. Mit Verfügung vom 23. Januar 2025 (gleichentags eröffnet) trat die Vor - instanz auf das Asylgesuc h des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Überstellung nach Polen an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen (Dispositivziffern 1, 3 und 4). Gleichzeitig stellte sie fest, das Geburtsdatum des Beschwerde führers im ZEMIS laute auf den (…) (Dispositivziffer 2). I. Mit Rechtsmitteleingabe vom 29. Januar 2025 gelangte der Beschwerde- führer an das Bundesverwaltungsgericht mit den Anträgen, die Ziffern 1, 3, 4 und 5 der Verfügung vom 23. Januar 2025 seien aufzuheb en und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und das Asyl- verfahren in der Schweiz durchzuführen. Die Ziffer 2 der Verfügung vom 23. Januar 2025 sei aufzuheben und das im ZEMIS geführte Geburtsdatum auf den (…) 2008 anzupassen. Even tualiter sei die Verfügung der Vorinstanz vollständig aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren Sachverhaltsabklärungen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung nach Po- len abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden ha be. Es sei die Vorinstanz super- provisorisch anzuweisen, ihn während des laufenden Beschwerdeverfah- rens in der Unterkunft der Minderjährigen unterzubringen. Es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihm die unentgeltli- che Prozessführung zu gewähren. Die Akten der Vorinstanz seien beizu- ziehen. J. Am 30. Januar 2025 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori- schen Vollzugsstopp an. F-605/2025 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG [SR 142.31]). 1.2. Die Beschwerde richtet sich sowohl gegen den Nichteintretens - und Wegweisungsentscheid als auch gegen die ZEMIS -Eintragung betreffend das Geburtsdatum des Beschwerdeführers. Das Beschwerdeverfahren be- treffend ZEMIS-Datenbereinigung wird separat vom vorliegenden Asylver- fahren unter der Nummer F -638/2025 geführt und es werden zwei ge- trennte Urteile gefällt. Die Beschwerdebegehren betreffend Ziffer 2 der an- gefochtenen Verfügung sind somit nicht im Rahmen des vorliegenden Ver- fahrens zu behandeln. 1.3. Die Besch werde gegen den Nichteintretens - und Wegweisungsent- scheid ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übrigen Sachur- teilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind erfüllt . Auf die Be- schwerde ist einzutreten. Das Gericht entscheidet über diese endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 2. 2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2. Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde vorliegend ver- zichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, w enn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin -III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnah meverfahrens F-605/2025 Seite 5 (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständig- keitsprüfung nach Kapitel III Dublin -III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz gestellt wurde, ist gehalten, einen Dritt- staatsangehörigen, der während der Prüfung seines Antrags in einem an- deren Mitgliedstaat einen neuen Antrag gestellt hat, gemäss den Modalitä- ten der Dublin-III-VO wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III- VO). 3.3. Im Falle einer minderjährigen Person ohne familiäre Anknüpfungs- punkte zu einem anderen Mitgliedstaat ist gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III- VO der Staat zuständig, in welchem jene einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, sofern es dem Wohl des Minderjährigen dient. Der Ge- richtshof der Europäischen Union (EuGH) hat die Vorgängerbestimmung (Art. 6 Abs. 2 der Verordnung EG Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit- gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrages zuständig ist [Dublin -II-VO]) dahingehend ausgelegt, dass bei unbegleiteten Minderjährigen ohne fami- liäre Anknüpfungspunkte, die in mehr als ein em Mitgliedstaat einen Asyl- antrag gestellt haben, derjenige Mitgliedstaat zuständig ist, in dem sich der Minderjährige aufhält, nachdem er dort einen Asylantrag gestellt hat (Urteil des EuGH vom 6. Juni 2013 in der Rechtssache C-648/11, M.A., B.T. und D.A. vs. Vereinigtes Königreich, Rn. 66). Vorliegend besteht deshalb bei gegebener Minderjährigkeit des Beschwerdeführers eine der grundsätzli- chen Zuständigkeit Polens vorgehende Zuständigkeit der Schweiz (vgl. un- ter anderen: Urteil des BVGer F-2948/2024 vom 3. Dezember 2024 E. 4.2). 3.4. Die Beweislast für die Minderjährigkeit liegt im Asylverfahren bei der gesuchstellenden Person und diese ist zumindest glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.3). Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtig- keit der betreffenden Altersangaben sprechen, vorzunehmen. Wesentlich sind dabei als für echt befundene Identitätspapiere oder eigene Angaben der betroffenen Person (vgl. BVGE 2023 VI/4 E. 6.5 ). Dabei kommt es umso weniger auf eine Gesamtwürdigung der Beweise an, je stärker die medizinischen Abklärungen ein Indiz für das Vorliegen der Minder- respek- tive Volljährigkeit einer Person darstellen (BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2). 4. 4.1. Die Vorinstanz begründet den Umstand, dass sie von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers ausgeht, zusammenfassend damit, aufgrund des F-605/2025 Seite 6 Altersgutachtens stehe nicht zwingend fest, dass der Beschwerdeführer minderjährig sei. In Polen habe er als Geburtsdatum den (…) 2007 ange- geben und habe nicht erläutern können, weshalb er zwei unterschiedliche Angaben gemacht habe, was die Glaubhaftigkeit seiner Aussage insge- samt in Zweifel ziehe. Weiter habe er in Polen kein Rechtsmittel gegen die nach einer Altersabklärung erfolgten Anpassung seines Geburtsdatums auf den (…) ergriffen. Bezüglich des Visumsantrags (vgl. E. 5.3 hiernach) zweifelt die Vorinstanz sodann an der Echtheit des äthiopischen Reisepas- ses und den wohl gestützt auf diesen vorgenommenen Eintrag des (…) 2005 als Geburtsdatum im CS-VIS. Jedenfalls stehe damit noch ein weite- res Geburtsdatum im Raum und insgesamt sei festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer drei unterschiedliche Geburtsdaten angegeben habe und dieser damit in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Geburtsda- ten bewusst einzusetzen scheine. Die Ausführungen anlässlich der Erstbe- fragung liessen sodann aufgrund fehlender Detailliertheit und Substantiiert- heit eine Minderjährigkeit nicht als glaubhaft erscheinen. Dokumente, wel- che die Minderjährigkeit belegen würden, seien nicht eingereicht worden. 4.2. Der Beschwerdeführer hält dem im Wesentlichen entgegen, die Vorinstanz hätte konsequenterweise auch seine Staatsangehörigkeit an- passen sollen, soweit sie die Angaben im äthiopischen Pass als glaubhaft erachte. Dass er in Polen ein anderes Geburtsdatum angegeben habe, sei auf eine Stresssituation zurückzuführen. Die Ausführungen an der Erstbe- fragung zu seiner Schulbildung und der Dauer der Aufenthalte wiesen keine Widersprüche zu dem von ihm gegenüber der Vorinstanz angegebe- nen Geburtsdatum auf. 5. 5.1. Einleitend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer sein geltend gemachtes Geburtsdatum ([…] 2008 ) nicht anhand rechtsgenüglicher Identitätsdokumente zu belegen vermag, wobei er angibt, sein gefälschter äthiopischer Pass sei ihm auf dem Weg nach Polen von seinem Schlepper abgenommen worden. Auch weitere Ausweise oder Dokumente, welche die behauptete Identität nachweisen könnten (beispielsweise Schulzeug- nisse oder sonstige amtliche Dokumente aus der Heimat), hat der Be- schwerdeführer nicht eingereicht, obschon er an der Erstbefragung dazu aufgefordert wurde und er zusicherte, er werde bei seiner Familie nachfra- gen, ob solche Dokumente vorhanden seien. 5.2. Das Altersgutachten des IRM Basel vom 12. November 2024 kam zum Ergebnis, dass sich für den Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der am 8. No- vember 2024 durchgeführten Untersuchung gestützt auf die Schlüsselbein- F-605/2025 Seite 7 respektive Skelettaltersanalyse ein Mindestalter von 16.1 Jahren ergab und dass das angegebene Lebensalter von 16 Jahren und 6 Monaten vor diesem Hintergrund möglich sei. Die zahnärztliche Untersuchung ergab je nach Vergleichspopulation ein Mindestalter von 16.9 Jahren (Europa) und von 15.7 Jahren (Schwarzafrika). Vorliegend lässt sich anhand der medizi- nischen Altersabklärung keine Aussage zur Minder- beziehungsweise Voll- jährigkeit des Beschwerdeführers machen, da das Mindestalter sowohl bei der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse als auch bei der zahn- ärztlichen Untersuchung unter 18 Jahren liegt. In einem solchen Fall sind sowohl eine Voll- als auch eine Minderjährigkeit möglich, ohne dass sich eine verlässliche Aussage darüber machen lässt, was wahrscheinlicher ist. Folglich vermag das Altersgutachten auch kein Indiz für die vom Beschwer- deführer geltend gemachte Minderjährigkeit darzustellen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.1 f.). 5.3. Ein Abgleich mit dem Visa -Informationssystem (CS-VIS) ergab, dass der Beschwerdeführer auf der niederländischen Botschaft in Äthiopien ein Gesuch für ein Schengenvisum gestellt hat. Gemäss weiteren Abklärungen der Vorinstanz wurde dieses aufgrund fehlender Gewähr für eine fristge- rechte Wiederausreise am 2. März 2023 abgelehnt. Als Reisedokument ist im CS-VIS ein am 29. September 2021 ausgestellter äthiopischer Pass er- fasst und wohl gestützt auf diesen ist im CS-VIS der (…) 2005 als Geburts- datum registriert. Der Beschwerdeführer gab gegenüber der Vorinstanz in diesem Zusammenhang an, eine Schlepperin habe ihm einen gefälschten äthiopischen Reisepass besorgt, da es einfacher sei mit äthiopische r als mit somalischer Staatsangehörigkeit zu reisen, und habe damit für ihn ein Schengenvisum beantragt. Der Reisepass sei kurz vor seiner Ausreise aus Somalia, welche im Februar 2024 stattgefunden habe, ausgestellt worden. Es erschliesse sich aus der Meldu ng im CS -VIS nicht, ob im Visumsver- fahren die Echtheit des Passes überprüft worden sei. Es sei zudem durch- aus plausibel, dass bei der Ausstellung eines gefälschten Passes zwecks Reise nach Europa Volljährigkeit angegeben werde, damit man selbständig reisen könne. Mit Schreiben vom 26. November 2024 wies die Vorinstanz den Beschwerdeführer darauf hin, dass das von ihm angegebene Ausstel- lungsdatum für den Pass (Ende 2023) nicht mit dem im CS-VIS angegebe- nen Ausstellungsdatum (September 2021) übereinstimme. 5.4. Es kann offenbleiben, ob der auch nicht in Kopie in den Akten vorhan- dene äthiopische Reisepass, dessen Existenz daher nur vermutet werden kann, als echt und ob das wohl gestützt auf diesen im CS-VIS eingetragene Geburtsdatum ([…] 2005) folglich als erstellt zu betrachten ist. Insgesamt vermögen die Aussagen des Beschwerdeführers sowie seine Vorbringen F-605/2025 Seite 8 in Bezug auf seine angebliche Minderjährigkeit nämlich nicht zu überzeu- gen. Insbesondere das Vorliegen dreier unterschiedlicher von ihm angege- bener Geburtsdaten (im äthiopischen Pass wurde der […] 2005 vermerkt; den polnischen Behörden gegenüber gab er den […] 2007 an; in der Schweiz gab er auf dem Personalienblatt und im Rahmen der Erstbefra- gung den […] 2008 an) – wobei es ihm nicht gelingt, schlüssig zu erklären, weshalb er diese unterschiedlichen Angaben gemacht hat – schadet der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen bezüglich seines Geburtsdatums erheb- lich. Der Umstand, dass er gemäss seinen Angaben einen gefälschten äthi- opischen Pass auf der niederländischen Botschaft in Äthiopien zur Erlan- gung eines Schengenvisums eingereicht hat und somit offenbar nicht davor zurückschreckt, Behörden sogar über die eigene Staatsangehörigkeit zu täuschen, beeinträchtigt seine persönliche Glaubwürdigkeit in Bezug auf das von ihm behauptete Geburtsdatum zusätzlich. Die vom Beschwerde- führer angeführten Indizien für seine geltend gemachte Minderjährigkeit vermögen nicht zu überzeugen. Die Vorinstanz ist zu Recht von dessen Volljährigkeit zum Zeitpunkt der Stellung seines Asylantrags in der Schweiz ausgegangen. 5.5. Zusammenfassend vermag der Beschwerdeführer die geltend ge- machte Minderjährigkeit nicht glaubhaft zu machen. Folglich ist er nicht vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen (siehe E. 3.3 hiervor). 6. Die Vorinstanz hat korrekt erwogen, dass gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO grundsätzlich Polen für die Behandlung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständig ist, dass das polnische Asylsystem recht- sprechungsgemäss keine systemischen Mängel aufweist, aufgrund derer die Zuständigkeit gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf die Schweiz über- ginge (vgl. bspw. Urteile des BVGer F -5067/2024 vom 23. August 2024, D-3290/2024 vom 3. Juni 2024, F -6736/2023 vom 27. Februar 2024 und F-4759/2023 vom 13. September 2023), und dass vorliegend keine völker- rechtlichen Vollzugshindernisse ersichtlich sind, welche die Schweiz zu ei- nem Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflichten würden. Dabei hat sie namentl ich die Vorbringen des Beschwerdeführers im Hin- blick auf die schlechte Behandlung seitens der polnischen Behörden (Ein- sperren, keinen Zugang zu Rechtsvertretern) berücksichtigt und rechtspre- chungskonform gewürdigt. Darüber hinaus hat die Vorinstanz in rechtsfeh- lerfreier Ausübung des ihr nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zukommenden Ermessens von einem freiwilligen Selbstein- tritt der Schweiz abgesehen. Auf Beschwerdeebene werden über die Gel- tendmachung der Minderjährigkeit hinaus denn auch keine Gründe F-605/2025 Seite 9 vorgebracht, weshalb Polen für die Durchführung des Asylverfahrens nicht zuständig sein soll. 7. Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz bleibt in der Beschwerdeschrift unbegründet. Auch aus den Akten gehen keine Gründe hervor, weshalb die angefochtene Verfügung kassiert werden müsste. 8. Vor dem Hintergrund der vorstehenden Erwägungen ist die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat die Wegweisung nach Polen angeordnet. Die dagegen erhobene Be- schwerde ist abzuweisen. Mit vorliegendem Urteil fällt der am 30. Januar 2025 angeordnete Vollzugsstopp dahin und der Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung wird gegenstandslos, ebenso der Antrag, der Be- schwerdeführer sei superprovisorisch während des laufenden Beschwer- deverfahrens in der Unterkunft der Minderjährigen unterzubringen. 9. 9.1. Die Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung abzuweisen ist. 9.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-605/2025 Seite 10 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Beschwerdeverfahren betreffend Datenbereinigung im ZEMIS (Dispo- sitivziffer 2 der angefochtenen Verfügung vom 23. Januar 2025) wird vom vorliegenden Dublin-Verfahren getrennt und unter der Verfahrensnummer F-638/2025 geführt. 2. Die Beschwerde gegen den Nichteintretens - und Wegweisungsentscheid wird abgewiesen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des vorliegenden Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und die kan- tonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Susanne Genner Jan Hoefliger Versand: