Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. November 2015 (720 12 344) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Gestützt auf das Gerichtsgutachten kein Anspruch auf eine Invalidenrente Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Markus Schmid, Rechtsanwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Land schaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1976 geborene A.____ rutschte am 9. Septembe r 1996 beim Stapeln von Paletten aus und zog sich dabei eine Kontusion des Gesässes und des Iliosakralgelenkes (ISG) zu. Beim Verkehrsunfall vom 18. Juni 1997 wurde er als Fussgänger vom Aussenspiegel eines Au- tos gestreift. Er erlitt an der rechten Beckenseite eine Kontusion lumbal. Für die Folgen beider Unfälle erbrachte die Schweizerische Unfallversiche rungsanstalt (SUVA) die gesetzlichen Leis- tungen (Heilungskosten, Taggelder). Mit Verfügung v om 6. April 1999 sprach sie A.____ eine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Invalidenrente nach Massgabe einer Invalidität von 10 % mit Wirkung ab 1. Februar 1999 und eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 5 % zu. B. Am 20. Februar 2001 stürzte der Versicherte von ein em Gerüst, am 5. April 2001 eine Treppe und am 4. September 2001 von einer Leiter he rab. Er zog sich beim ersten Sturz eine Kontusion des rechten Oberarmes und des Unterschenkels, bei m zweiten eine Distorsion des rechten Fusses und beim dritten eine laterale Patellafraktur rechts zu. Die SUVA richtete für die jeweiligen Unfallfolgen die gesetzlichen Leistungen au s. Ab dem 10. Dezember 2001 bestand wieder eine Arbeitsfähigkeit im Rahmen der zugesprochenen Rente. C. Vom 1. Februar 2009 bis 15. Februar 2010 arbeitet e A.____ als Gipser bei der Firma B.____ in X.____. Am 6. März 2009 fiel der Versicherte von der Leiter und erlitt dabei eine lum- bosakrale Kontusion mit prolongierten Schmerzen. Die zu ständige SUVA erbrachte vorerst die gesetzlichen Leistungen bis sie diese mit Verfügung vom 7. Juli 2009 per 20. Juli 2009 einstellte mit der Begründung, der Status quo ante sei erreicht. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die SUVA mit Entscheid vom 28. Juli 2010 ab. D. Bereits am 8. März 2003 meldete sich A.____ unter Hi nweis auf Schmerzen im Gesäss und am Bein bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung ( IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblich en Verhältnisse lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft am 4. Juni 2004 einen Leistungsansp ruch des Versicherten ab. Nach Ein- gang einer weiteren Anmeldung vom 23. Juni 2010 prüft e die IV-Stelle erneut die berufliche, erwerbliche und gesundheitliche Situation des Versichert en. Dabei ermittelte sie einen Invalidi- tätsgrad von 6 %. In der Folge verneinte sie mit Verf ügung vom 8. Oktober 2012 einen An- spruch auf Leistungen der IV. E. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durc h Advokat Markus Schmid, am 8. November 2012 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilu ng Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die IV-Stelle zu verpflichten, ihm eine seiner tatsächlichen Invalidität entsprechende Invalidenrente, mindestens eine halbe, auszurichten. Des Weiteren sei ein gerichtli ches medizinisches Gutachten einzuho- len, welches über den Gesundheitszustand des Versicherten zutreffend Auskunft gebe; unter o/e Kostenfolge. F. In ihrer Vernehmlassung vom 13. November 2012 bean tragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. G. Anlässlich der Urteilsberatung vom 11. April 2013 g elangte das Kantonsgericht zum Schluss, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegen heit aufgrund der vorhandenen medizinischen Aktenlage nicht möglich sei. Es stellte desha lb den Fall aus und ordnete ein po- lydisziplinäres Gerichtsgutachten bei der C.____ an. H. Nachdem die C.____ ihr Gutachten vom 24. Dezember 2 013 dem Gericht zugestellt hatte, erhielten die Parteien mit Verfügung vom 9. Januar 2014 Gelegenheit zur Stellungnahme. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die IV-Stelle äusserte sich am 3. Februar 2014 und der Beschwerdeführer am 7. März 2014 zum Gerichtsgutachten. Während sich die IV-Stelle mit Verweis auf die Aktennotiz von Dr. med. D.____, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD), vom 29. Januar 2014 und die Stel- lungnahme von pract. med. E.____, RAD, vom 30. Januar 2014 der gutachterlichen Beurteilung anschloss, kritisierte der Beschwerdeführer das Gutachten in mehreren Punkten. I. Am 15. April 2014 reichte der Rechtsvertreter des Ve rsicherten dem Gericht den Ra- diologiebericht des F.____ vom 30. Januar 2014 ein. Er machte geltend, dass die Befunde an der Lendenwirbelsäule (LWS) und am ISG mit den geklag ten Beschwerden vereinbar seien. Er beantragte, den Gutachtern den Bericht zu unterbreite n und sie danach zu fragen, ob die Be- schwerden aufgrund der Befunde nun erklärbar seien. Der begutachtende Rheumatologe der C.____ hielt in seinem Ergänzungsgutachten vom 26. Jun i 2014 an den Ausführungen in sei- nem Fachgutachten vom 15. August 2013 fest. J. Mit Verfügung vom 3. Juli 2014 gab das Kantonsgericht den Parteien Gelegenheit, zum Ergänzungsgutachten sowie zu allfälligen Auswirkungen der medizinischen Beurteilung auf den Leistungsanspruch Stellung zu nehmen. Die IV-Stelle hiel t in ihrer Eingabe vom 31. Juli 2014 gestützt auf die Stellungnahme von Dr. med. G.____, FMH Orthopädie und Physikalische und Rehabilitative Medizin, RAD, vom 23. Juli 2014 an ihre m Antrag auf Abweisung der Beschwer- de fest. Der Beschwerdeführer führte am 25. August 20 14 aus, dass das Ergänzungsgutachten vom 26. Juni 2014 widersprüchlich und nicht nachvollzieh bar sei. Er beantragte zudem, es sei beim behandelnden Rheumatologen eine Beurteilung zu m neuen Radiologiebericht vom 28. Januar 2014 einzuholen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Versicherte Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 1.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Inva- lidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959). Unter Erwer bsunfähigkeit ist der durch Beeinträch- tigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesun dheit verursachte und nach zumut- barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs- möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemein en Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 2.1 Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruch s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbe sondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem U mfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der So- zialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.1 Vorliegend stellte das Kantonsgericht anlässlich der U rteilsberatung vom 11. April 2013 fest, dass die medizinische Aktenlage, insbesondere das Guta chten der H.____ vom 9. Mai 2011, keine verlässliche Entscheidgrundlage für die Beurteilung des Rentenanspruchs des Ver- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sicherten bilde. Es beauftragte deshalb die C.____ mit einer polydisziplinären Begutachtung des Versicherten. Das entsprechende Gutachten wurde am 24. Dezember 2013 erstattet. Darin wurde im Rahmen einer möglichen Schmerzfehlverarbeitu ng ein chronisches lumbogluteales Schmerzsyndrom rechts bei Status nach früheren Traumatisi erungen mit Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit diagnostiziert. Aktuell stehe ein chronif iziertes Schmerzsyndrom am medialen Beckenkamm rechts im Vordergrund, bei bekannter Übergan gsanomalie mit lumbalisiertem erstem Sakralwirbel und kleiner posterolateraler Diskusher nie am L5/6 rechts bei Status nach glutealer Kontusion rechts am 18. Juni 1997 bei Verkehrsu nfall mit persistierendem Schmerzsyndrom und bei Status nach Leitersturz im März 200 9 mit erneuter Kontusion der rechten Körperseite. In der Konsiliarbeurteilung hielten die Experten fest, dass sich - wie bereits in den Vorberichten mehrfach geäussert - auffällige Di skrepanzen zwischen den geäusserten Beschwerden und den Untersuchungsbefunden zeigten. So habe der Versicherte von der War- tezone bis ins Untersuchungszimmer ohne erkennbare Einsch ränkungen gehen können, wäh- rend bei der klinischen Untersuchung eine starke Gehunsicherheit mit Hinken und Abstützen an der Wand aufgefallen sei. Nicht erklärbar sei die seite ngleiche, stark ausgeprägte Handbe- schwielung und Verschmutzung sowie der angegebene Nichtg ebrauch der rechten Hand seit zwei Jahren. Es fehle an einer entsprechenden Abnahme der Muskulatur im Bereich des rech- ten Armes. Der muskuläre Befund und die Handbeschwielun g sprächen vielmehr für einen re- gelmässigen Einsatz des rechten Armes. Ebenso wenig lasse si ch eine Erklärung für die funkti- onellen Bewegungseinschränkungen im Bereich der recht en Körperseite und der gesamten Wirbelsäule finden. In rheumatologischer Hinsicht seien keine organischen Befunde vorhanden, welche das Schmerzsyndrom erklären könnten. Die bekannte po sterolaterale Diskushernie sei für die geklagten Beschwerden nicht ursächlich. Eine relevante psychiatrische Erkrankung liege nicht vor. Aufgrund der morphologischen Veränderung der LWS seien dem Versicherten körper- liche Schwerarbeiten nicht mehr zumutbar. Sofern Gipser und Bauhilfsarbeiter körperlich anhal- tend schwere Arbeiten ausführten, sei ihm die Ausübun g der angestammten Tätigkeit nicht mehr möglich. Hingegen sei der Versicherte ohne Einschränkungen in jeglicher körperlich leich- ten und mittelschweren bis selten auch schweren Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig. Den Beginn der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit setzten die Gutachter per Juli 2009 fest. 3.2 Die begutachtende Psychiaterin Dr. med. I.____, F MH Psychiatrie und Psychotherapie, konnte in ihren Fachgutachten vom 15. Oktober 2013 kein e Diagnosen mit Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit stellen. In der Beurteilung führte sie aus, dass der Versicherte wach, bewusst- seinsklar und allseits orientiert sei. Der Versicherte hab e über Gedächtnis- und Konzentrations- problemen im Alltag geklagt. Im Gespräch seien aber Auf merksamkeit, Auffassung, Gedächtnis und Konzentration unbeeinträchtigt gewesen. Die Testung der kognitiven Leistungsfähigkeit habe keine Hinweise auf relevante Defizite ergeben. Da s formale Denken sei geordnet und flüssig. Es gebe keine Anhaltspunkte für Störungen des in haltlichen Denkens, der Wahrneh- mung oder des Ich-Erlebens. Bei der Beschreibung der g esundheitlichen Beschwerden sei er manchmal affektiv ernst, emotional berührt und depressiv ve rstimmt gewesen; dann habe er aber wieder bei erhaltener Schwingungsfähigkeit ausgeg lichen gewirkt. Das Selbstwertgefühl sei teils etwas brüchig, aber im Kern erhalten gewesen. Er könne eigene Stärken und Leistun- gen durchaus stolz darstellen. Gemäss seinen Angaben grü ble und weine er gelegentlich. Ein Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Lebensüberdruss und passive Todesgedanken lägen nicht vo r und er sei klar distanziert von Suizidgedanken. Dagegen beständen eine Libidominderung , Durchschlafstörungen infolge der Schmerzen und ein dysfunktonales Schlafverhalten. Nach de n Angaben des Versicherten habe er auf die veränderte soziale Situation ab 2009 (anhal tende Arbeitsunfähigkeit, Kündigung, Trennungssituation von seiner Ehefrau und Kindern) mit depressiven Symptomen reagiert. Die- se Reaktionsweise überrasche nicht, da der Versicherte schon bei einem Rehabilitationsaufent- halt nach dem Autounfall im Jahr 1998 eine ausgepräg te Neigung zu psychischer Destabilisie- rung durch belastende Lebensereignisse gezeigt habe. Im Untersuchungszeitpunkt habe nur noch eine milde depressive Symptomatik im Sinne einer te ilremittierten depressiven Anpas- sungsstörung vorgelegen. Es sei eine Verdeutlichungs- und Aggravationsneigung aufgefallen, die auch bei früheren Untersuchungen dokumentiert wor den sei. Der Versicherte habe bei der psychiatrischen Untersuchung eine vollständige Bewegungsunfä higkeit des rechten Armes an- gegeben. Gleichzeitig habe er betont, dass er Schmerzen nur im Bereich der LWS bzw. im Kopfbereich wahrnehme. Die 2010 geäusserten psychiatrische n Verdachtsdiagnosen könnten in Übereinstimmung mit der Vorbegutachtung nicht bestät igt werden. Die damals vermutete posttraumatische Belastungsstörung, welche aufgrund der v om Versicherten beschriebenen aber bereits abgeklungenen Flashbacks, Angstattacken und Sch reckhaftigkeit in den Raum gestellt worden sei, könne nicht verifiziert werden. Heute werde nur noch eine leichte Irritation durch Autogeräusche angegeben. Es sei zudem davon auszuge hen, dass bei Vorliegen des Vollbildes einer posttraumatischen Belastungsstörung d er Leidensdruck derart gross gewesen wäre, dass der Versicherte ärztliche Hilfe benötigt hätte . Die diagnostischen Kriterien für eine somatoforme Schmerzstörung seien ebenfalls nicht erfüllt, da die Schmerzschilderungen am Kreuz und am Kopf nicht im Vordergrund gestanden hätte n. Für die rechte Körperseite sei so- gar eine Schmerzsymptomatik verneint worden. In Bezug auf die dissoziative Bewegungs- und Empfindungsstörung sei darauf hinzuweisen, dass solche Stör ungen aus nicht bewältigten in- nerpsychischen Konflikten entständen, die sich über unbewu sste Mechanismen in verschiede- nen psychischen und körperlichen Symptomen manifestierten. Beim Versicherten seien psychi- sche und psychosoziale Probleme und Konflikte (Arbeitsstellenverlust, zeitweise familiäre Tren- nungssituation, finanzielle Sorgen, Kampf um Versicherun gsleistungen) festzustellen, die je- doch von ihm bewusst wahrgenommen und genannt würden. Zudem hätten sie einen Leidens- druck ausgelöst und zu einer depressiven Reaktion geführt. Es sei ergebnislos nach Umstän- den und Situationen in der Lebens- und Krankheitsgeschi chte des Versicherten gesucht wor- den, die den Schluss nahelegen würden, dass innere Kon flikte auf die körperliche Ebene ver- schoben worden seien. Um eine dissoziative Störung diagn ostizieren zu können, müsste aus- serdem ein überzeugender zeitlicher Zusammenhang zwische n den dissoziativen Symptomen und den belastenden Ereignissen oder Probleme bestehen. Vorliegend habe sich die fragliche dissoziative Bewegungsstörung des rechten Armes über Jahre h inweg langsam progredient entwickelt, ohne dass sich ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen dieser Störung und den belastenden Ereignissen oder Problemen herstellen lie sse. Die Bewegungsunfähigkeit des rechten Armes könne deshalb nicht auf ein psychiatrisches K rankheitsbild zurückgeführt wer- den. Aus psychiatrischer Sicht bestehe somit weder in der an gestammten noch in einer lei- densangepassten Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Dr. I.____ wies ausserdem darauf hin, dass sich bei der Untersuchung kein ausreichend er Wirkspiegel des verordneten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Antidepressivums gezeigt habe, was auf eine ungenügende Medikamentencompliance des Versicherten hindeute. 3.3 Dr. med. J.____, FMH Rheumatologie sowie Physikalisch e Medizin und Rehabilitation, diagnostizierte in seinem Fachgutachten vom 15. August 2013 mit Einfluss auf die Arbeitsfähig- keit ein chronisches lumbogluteales Schmerzsyndrom rechts i m Rahmen einer möglichen Schmerzfehlverarbeitung. Daneben beständen somatisch nicht begründbare funktionelle Defizi- te im Sinne einer Hemisymptomatik rechts. Die stärksten Sch merzen würden im Bereich des medialen Beckenkamms rechts angegeben. Palpatorisch und i nspektorisch liessen sich dort keine relevanten Pathologien finden; es liege einzig e ine starke Druckdolenz vor. Die geklagten Beschwerden würden sich nicht durch die bekannte foram inale kleine Diskushernie L5/6 erklä- ren lassen. Andere bildgebende Befunde in diesem Ber eich lägen nicht vor. Die mehrfach be- schriebenen Diskrepanzen seien zu bestätigen. So zeige sich keine relevante Muskelatrophie, obwohl seit Jahren muskuläre Defizite am rechten Arm u nd Bein auffallen würden. Die Be- schwielung der Handinnenflächen sei zudem seitengleich. B eim rechten Bein bestehe eine ge- wisse Schonung, da die Umfangmessungen eine leichtgradi ge Verminderung gegenüber links dokumentierten. Auch die Schuhsohle links sei etwas me hr abgewetzt als rechts. Die Differenz sei jedoch gering, was aufgrund der ausgeprägten fehlen den Innervation in liegender und sit- zender Untersuchung doch speziell sei. Beim Gehen werde klar, dass der Versicherte das rech- te Bein gut innervieren könne, obwohl er es steif halte . Verglichen mit der Untersuchung in der H.____ seien heute stärkere funktionelle Defizite in de r Beweglichkeit zu finden. Es sei jedoch zu beachten, dass die Spontanbewegungen - abgesehen vo n denjenigen des rechten Armes und rechten Beines - praktisch normal seien, so dass nur eine scheinbare Verschlechterung vorhanden sei. Insgesamt ständen Beschwerden im Vorderg rund, für welche eine somatische Ursache fehle und deshalb keinem rheumatologischen Krankheitsbild zugeordnet werden könn- ten. Es bestehe daher nur für ständige körperliche Schwerarbeiten eine Arbeitsunfähigkeit. 3.4 Am 28. Januar 2014 fertigte das F.____ ein MRI d er LWS und des ISG sowie ein CT des ISG des Versicherten an. Im Bericht vom 30. Januar 2 014 wurde eine lumbosakrale Über- gangsanomalie mit Neoarthrosen zwischen dem Übergangswirbel und dem Sakrum mit Hinwei- sen für eine Instabilität rechts mit aktivierter Arthrose zum Sakrum beschrieben. Ferner liege eine Neoarthrose zwischen Übergangswirbel und dem Os ile um rechts mit grossen Osteophy- ten und geringer Entzündung um die Osteophyten vor. Z udem liessen sich Hinweise für alte Frakturen der Osteophyten finden. Der umschriebene Ent zündungsprozess befinde sich im su- perioren ISG rechts; wahrscheinlich entspreche er einer a ktivierten Arthrose. Ausserdem zeig- ten sich eine erosive Osteochondrose und eine kleine Disk ushernie L5/S1 mit Kompression der Wurzel L5 rechts sowie eine leichtgradige Spondylarthrose mit Hinweisen auf eine Aktivierung. 3.5 Dr. J.____ führte in seinem Ergänzungsgutachten vo m 26. Juni 2014 aus, dass die im Radiologiebericht vom 30. Januar 2014 beschriebenen degenerativen Veränderungen der LWS und die Übergangsanomalie beim Versicherten seit Jahre n dokumentiert seien. Diese seien auch in seinem Fachgutachten aufgeführt. Dazu käme, dass die Feststellung von degenerativen Veränderungen an den Wirbelgelenken, an Bandscheiben , Reizzeichen wie Knochen- marksödeme oder Ergussbildungen in den Wirbelgelenken a uf Bildern nicht bedeute, dass die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht untersuchende Person auch Schmerzen habe. Für die Beur teilung von Beschwerden am Be- wegungsapparat seien deshalb die klinische Untersuchung un d die Anamnese ausschlagge- bend. Die Bildgebung diene in erster Linie dazu, die in klinischen Untersuchungen festgestellten Verdachtsdiagnosen zu bestätigen. Anlässlich seiner Untersuchung vom 14. August 2013 habe der Versicherte seine Hauptbeschwerden weder über dem ISG noch über der LWS angegeben, sondern im Bereich des Beckenkamms. Die neuen bildgeben den Abklärungen hätten aber am Beckenkamm keine pathologischen Befunde ergeben. Auch wenn die neuen Bilder eine radiku- läre Symptomatik auf der Höhe L/5 aufzeigten, habe es bei der klinischen Untersuchung durch die C.____ am 14. August 2013 keine Hinweise auf ein e radikuläre L5-Symptomatik, Instabilitä- ten oder irritierte Arthrosen gegeben. Da keiner der klinischen Befunde ein entsprechendes or- ganisches Korrelat gehabt habe, seien auch keine Zusatzunt ersuchungen notwendig gewesen. Aufgrund der klinischen Untersuchungsergebnisse sei klar ge wesen, dass eine erneute Bildge- bung zu keiner Erklärung der aktuellen Beschwerden führ e, weshalb auch keine solche veran- lasst worden sei. Die neue radiologische Abklärung habe d ies schliesslich auch bestätigt. Aus diesen Gründen habe sein rheumatologisches Fachgutachten vom 15. August 2013 unverän- dert Gültigkeit. 4.1 Wie alle Beweismittel unterliegen auch Gerichtsgut achten der freien richterlichen Be- weiswürdigung. Kriterien der Beweiswürdigung bilden d ie Vollständigkeit, die Nachvollziehbar- keit und die Schlüssigkeit des Gutachtens. Das Gericht hat zu prüfen, ob das Gutachten alle Fragen beantwortet, sich auf den zutreffenden Sachverh alt stützt und den Befund ausreichend begründet. In Sachfragen weicht das Gericht jedoch "nich t ohne zwingende Gründe" von einer gerichtlichen Expertise ab (vgl. BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingehol- tes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Sch lussfolgerungen gelangt. Eine ab- weichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusse- rungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig gen ug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch einen Oberex- perten für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexper tise vom Ergebnis des Gerichtsgut- achtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinwei- sen). 4.2 Das Gericht sieht keine zwingenden Gründe, von den S chlussfolgerungen der Gutach- ter der C.____ abzuweichen. Ihr Gutachten vom 24. Dez ember 2013 und das Ergänzungsgut- achten vom 26. Juni 2014 sind für die streitigen Belange umfassend, sie beruhen auf allseitigen Untersuchungen, sie berücksichtigen die geklagten Beschwer den, sie sind in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und sie leuchten in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation grundsätzlich ein. Zudem enthalten sie eine ausführliche und eingehende Würdigung der medizinischen Aktenlage. Die Gutachter setz- ten sich in ihrem Gutachten mit den divergierenden medi zinischen Beurteilungen eingehend auseinander. So führte Dr. J.____ in seinem Fachgutach ten zu den abweichenden Berichten der K.____ vom 3. Mai 2010 und vom 2. Dezember 2010 aus, dass die behandelnden Ärzte bei ihrer Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, wonach der Versicherte in seinem angestammten Beruf als Gipser 100 % und in einer leidensangepassten Tätigke it zu 50 % arbeitsunfähig sei, auf die Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht subjektiven Angaben des Versicherten abgestellt hätten. D iese Annahme erweist sich als zu- treffend. Die behandelnden Ärzte der K.____ hielten in ihren Berichten vom 3. Mai 2010 und 2. Dezember 2010 fest, dass der Versicherte an persisitiere nden rechtsglutealen und lumbalen Schmerzen, brennende Knieschmerzen, Schlafstörungen, Ged ächtnis- und Konzentrations- problemen und häufigen Kopfschmerzen leide. Zur Objek tivierung dieser Beeinträchtigungen veranlassten sie mehrere Abklärungen (vgl. Berichte neurologisches und psychiatrisches Konsil vom 16. und 19. Februar 2010, neuropsychologische Testung vom 13. April 2010 und MRI- Bilder Schädel und Halswirbelsäule vom 10. März 2010). Dabei konnten die geklagten gesund- heitlichen Beschwerden nicht objektiviert werden. Anlässli ch der Schmerzkonferenz vom 28. April 2010 kamen die Fachpersonen der K.____ desh alb zum Schluss, dass die geklagten Beeinträchtigungen mangels Objektivierbarkeit im Rahme n einer dissoziativen Störung, diffe- rentialdiagnostisch auch im Rahmen einer somatoformen S törung und einer weitgehend abge- klungenen posttraumatischen Belastungsstörung mit Restsym ptomen, zu beurteilen seien (vgl. Bericht vom 3. Mai 2010). Im nachfolgenden Bericht vom 2. Dezember 2010 wurden wiederum die vom Versicherten geklagten Beeinträchtigungen als Befunde aufgeführt und mit Verweis auf die durchgeführten Abklärungen festgehalten, dass diese o bjektiv nicht erklärbar seien. Trotz der nicht nachweisbaren Beschwerden beurteilte die Ärzt eschaft der K.____ den Versicherten in seiner angestammten Tätigkeit zu 100 % bzw. in eine r Verweistätigkeit zu 50 % arbeitsunfä- hig. Daraus kann nur gefolgert werden, dass ihre Einsch ätzung auf den subjektiven Angaben des Versicherten beruht, weshalb darauf nicht abgestell t werden kann. Aus psychiatrischer Sicht setzte sich Dr. I.____ mit den Verdachtsdiagnosen der K.____ eingehend auseinander und erklärte einleuchtend, weshalb diese nicht bestätigt werden könnten (vgl. Erwägung 3.2 und Seite 12 des Fachgutachtens vom 15. Oktober 2013). Dieser Ansicht schloss sich auch die RAD-Ärztin, Dr. D.____ in ihrer Stellungnahme vom 29 . Januar 2014 an. Ergänzend führte sie zu Recht an, dass die behandelnden Ärzte der K.____ led iglich Verdachtsdiagnosen geäussert hätten und somit ihre Diagnosen nicht abschliessend fe stgelegt hätten. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass bereits die begutachtende Psychiaterin d er H.____ anlässlich ihrer Untersu- chung vom 21. März 2011 den psychiatrischen Verdachtsdiagnosen der Ärzteschaft der K.____ nicht zustimmen konnte. 4.3 Was die vom Versicherten vorgetragenen Rügen zur von Dr. I.____ festgestellte Ver- deutlichungs- und Aggravationsneigung anbelangt, ist d arauf hinzuweisen, dass die Aufgabe der Gutachterin primär darin bestand, den Gesundheit szustand des Versicherten und die ihm zumutbare Arbeitsfähigkeit zu beurteilen. Diese Aufgab e erledigte Dr. I.____ sorgfältig, indem sie in ihrer Beurteilung überzeugend darlegte, dass sich eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten des Versicherten gezeigt habe und die demonstrativ vorgetragenen Klagen auf sie unglaubw ürdig gewirkt hätten. Sie kam daher zum überzeugenden Schluss, dass die Leistungseinschränkung des Versicherten auf einer Ag- gravation oder ähnlichem beruhe. Entgegen den Angaben des Versicherten konkretisierte und belegte die Psychiaterin die Verdeutlichungs- und Aggrava tionsneigung durchaus an verschie- denen Stellen in ihrem Fachgutachten. Auf Seite 16 w ird beispielsweise beschrieben, dass der Versicherte den Weg ins Untersuchungszimmer ohne erkennba re Einschränkung zurückgelegt habe, bei der klinischen Untersuchung dann aber eine sta rke Gehunsicherheit mit Hinken und Abstützen an der Wand demonstriert habe. Sodann wird auf Seite 12 erwähnt, dass der Versi- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherte beim Gehen das Bein zwar steif halte, es dennoch aber gut innervieren könne. Für die Verdeutlichung sprächen auch die symmetrische Beschwielun g der Hände und die fehlende Atrophie der Muskeln des rechten Armes. Dazu kommt, dass bereits im Gutachten der H.____ vom 9. Mai 2011 ein klarer Verdacht auf bewusstseinsnah e Täuschung und Aggravation ge- äussert und im Bericht der K.____ vom 3. Mai 2010 auf eine seit dem Leitersturz im März 2009 bestehende Aggravation der Beschwerden hingewiesen wurd e. Damit ist nachvollziehbar, dass die Gutachterin von einer Aggravations- und Verdeutlichungsneigung des Versicherten ausging. Unter diesen Umständen war sie auch nicht gehalten, Gr ünde für einen sekundären Krank- heitsgewinn darzulegen. 4.4 Desgleichen zielt der Einwand des Versicherten, won ach Dr. J.____ den rechten Arm und das rechte Bein des Versicherten nur oberflächlich untersucht habe, ins Leere. Auf Seiten 7 und 8 des rheumatologischen Fachgutachtens führte Dr. J. ____ die Untersuchungswerte aller Extremitäten und deren Neurostatus auf. In der Beurte ilung auf S. 9 setzte er sich mit seinen Untersuchungsergebnissen auseinander und begründete sein e daraus gezogenen Schlussfol- gerungen einleuchtend. Es gibt daher keine Anhaltspunkt e, dass er seine Untersuchungen un- sorgfältig bzw. oberflächlich vornahm. Es trifft zu, dass D r. J.____ einerseits von seit Jahren bestehenden muskulären Defiziten am rechten Arm und am rechten Bein berichtet und ande- rerseits keine relevanten Muskelatrophien feststellen konn te. Der Versicherte übersieht jedoch, dass Dr. J.____ damit die in den Vorakten immer wieder beschriebenen Diskrepanzen bestäti- gen wollte. Denn in Anbetracht der festgestellten Muskel defizite wären erhebliche Muskelatro- phien zu erwarten gewesen. Da die Muskelumfänge der Ext remitäten jedoch nicht oder nur un- wesentlich voneinander abwichen, ist davon auszugehen, da ss der Versicherte die Bewegun- gen im Alltag ausführt, diese aber in Untersuchungssitua tionen aus irgendeinem Grund unbe- wusst oder bewusst nicht vorzeigt. 4.5 Das Vorbringen des Versicherten, wonach die Experten der C.____ voreingenommen seien, ist nicht stichhaltig. Allein die Tatsache, dass si e in ihren Fachgutachten immer wieder auf die Beurteilung der H.____ hinwiesen und im Wese ntlichen zu den gleichen Ergebnissen gelangten, stellt noch kein Indiz für eine Voreingenom menheit dar. Fest steht, dass die Exper- ten der C.____ ihre Einschätzungen gestützt auf ihre e igenen Untersuchungen abgaben. Na- mentlich begründeten sie, weshalb sie der abweichenden ä rztlichen Beurteilung der K.____ nicht folgten, ohne sich dabei auf die Ergebnisse der Gutachter der H.____ zu berufen. 4.6 Schliesslich sieht der Versicherte im Gutachten der C. ____ einen weiteren Wider- spruch, indem die Gutachter dem Versicherten die Ausübun g einer mittelschweren Tätigkeit zumuteten, die Ausführung der angestammten Arbeit al s Gipser und Bauhilfsarbeiter, welche mittelschwer sei, aber nicht mehr als möglich erachteten. Hierzu ist festzustellen, dass im Gut- achten der C.____ ausdrücklich festgehalten wurde, dass der Versicherte nur unter der Voraus- setzung, er habe als Gipser und Bauhilfsarbeiter körper lich anhaltend schwere Arbeiten ausge- führt, seine angestammte Tätigkeit nicht mehr ausüben k önne. Daraus folgt implizit, dass die Gutachter der C.____ dem Versicherten die Ausübung der angestammten Arbeit zumuten, wenn es sich bei den Tätigkeiten als Gipser und Bauhilfsa rbeiter um eine mittelschwere han- delt. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.7 Der Versicherte beantragt weiter, es sei ein Beri cht des behandelnden Rheumatologen Dr. med. L.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine I nnere Medizin, K.____, zum Radiolo- giebericht vom 30. Januar 2014 einzuholen. Dieser Ant rag ist auf die von Dr. J.____ in seinem Ergänzungsgutachten vom 26. Juni 2014 aufgeworfene F rage zurückzuführen, weshalb kein solcher Bericht eingeholt worden sei. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass Dr. J.____ die- se Frage an den Versicherten richtete. Er stellte die Ve rmutung in den Raum, dass der Versi- cherte nur deswegen keinen neuen Bericht des behandelnde n Rheumatologen eingeholt habe, weil dessen Beurteilung, wonach die Beschwerden des Versi cherten im Rahmen der Differenti- aldiagnose der somatoformen Schmerzstörung zu betrachten seien, mit seiner übereinstimme. Wie Dr. J.____ überzeugend darlegte, führten die neuen bildgebenden Befunde zu keiner ande- ren Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Einschätz ung der Arbeitsfähigkeit. Aus die- sem Grund sind von einer erneuten Beurteilung durch den behandelnden Rheumatologen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf verzichtet wird (sog. antizipierte Beweiswürdi- gung; vgl. dazu BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 4.8 Aufgrund dieser Ausführungen ist festzustellen, da ss das Gutachten der C.____ vom 24. Dezember 2013 und das Ergänzungsgutachten vom 26. Ju ni 2014 die nach der Rechtspre- chung für den Beweiswert medizinischer Gutachten geltend en Anforderungen erfüllt (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis) und in den Schlussfolgerunge n zu überzeugen vermag. Es ist dem- gemäss davon auszugehen, dass es dem Versicherten zumutbar ist, ab Juli 2009 einer leichten oder mittelschweren bis selten auch schweren Tätigkeit zu 100 % nachzugehen. 5.1 Der Invaliditätsgrad ist bei erwerbstätigen Versich erten aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen (Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindu ng mit Art. 16 ATSG). Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 5.2 Das von der IV-Stelle gestützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin festge- stellte Valideneinkommen von Fr. 65'530.-- sowie das u nter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) ermittelte In valideneinkommen von Fr. 61'386.-- beanstandete der Versicherte zu Recht nicht. Nachdem sich aus den Akten keine weiteren Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung v on Amtes wegen durch das Ge- richt eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre, erübri gt sich eine detaillierte Auseinander- setzung mit den von der IV-Stelle ermittelten Vergleic hseinkommen. Setzt man im Einkom- mensvergleich das Invalideneinkommen von Fr. 61'386.-- dem Valideneinkommen von Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 65'530.-- gegenüber, so resultiert daraus eine Erw erbseinbusse von Fr. 4'144.--. was einen Invaliditätsgrad von 6 % ergibt. Bei einem Invaliditä tsgrad unter 40 % besteht kein Rentenan- spruch, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 6. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden. 6.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Danach wäre vorlie gend der Versicherte eigentlich unterliegende und die IV-Stelle obsiegende Partei. I n diesem Zusammenhang gilt es nun aller- dings folgende Besonderheit zu berücksichtigen: Hebt das K antonsgericht eine bei ihm ange- fochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zu ergänzender Abklärung und neuer Beurteilung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle a ls unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinwei sen). Hält man sich diese Rechtsprechung vor Augen, so erscheint es richtig, die Beschwerde führend e Partei bei der Verlegung der Pro- zesskosten - unabhängig vom effektiven Verfahrensausgang - auch dann als obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei zu behandeln, wenn zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage gekommen wäre, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfallen ist. Eine solche Konstellation liegt hier vor. Bei der nachfolgenden Verlegung der Verfahrens- und der Partei- kosten ist deshalb der Versicherte grundsätzlich als obsiegen de und die IV-Stelle als unterlie- gende Partei zu behandeln. 6.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. 6.3 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträg er die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV- Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht wei ter, mit der zitierten Bestimmung von Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend gelangte das Kantonsgericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 11. April 2013 zum Ergebnis, dass ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Aus Gründen der Verfahrensfairness erachtete das K antonsgericht damals eine Rückwei- sung der Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die I V-Stelle als nicht opportun, sondern es entschied sich stattdessen, die erforderliche zusätzliche Abklärung des medizinischen Sachver- haltes im Rahmen eines Gerichtsgutachtens vornehmen zu lassen. Wie sich anlässlich der heu- tigen Urteilsberatung gezeigt hat, war das in der Fol ge eingeholte Gerichtsgutachten der C.____ vom 24. Dezember 2013 im Hinblick auf eine absc hliessende Beurteilung des Renten- anspruchs des Versicherten unerlässlich. Im Lichte der gesch ilderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind demnach die Kosten dieses Gutachte ns, welche sich gemäss den einge- reichten Honorarrechnungen vom 3. Januar 2014 und 22. Dezember 2014 auf insgesamt Fr. 10'733.60 belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. 6.4 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers machte in seiner Honorarnote vom 14. Oktober 2014 für d as vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von insgesamt 7,8 Stunden geltend, was sich umf angmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 240.--. Die B emühungen sind zu dem in Sozial- versicherungsprozessen praxisgemäss zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'365.20 (7,8 Stunden à Fr. 250.-- + Au slagen von Fr. 240.-- zuzüglich 8 % Mehr- wertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in d er Höhe von Fr. 10'733.60 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdef ührer eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2'365.20 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht