A bteilung IV D -3673/2006 spn/w er {T 0/2} U rteil vom 20. Juli 2007 M itw irkung: R ichterin Spälti G iannakitsas, R ichter G alliker, R ichter Zoller G erichtsschreiber W eber X._______, geboren _______, Türkei, vertreten durch lic. iur. U rsina G eisser, _______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 10. M ai 2004 i.S. A syl und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D er Beschw erdeführer verliess seinen H eim atstaat nach eigenen Angaben am 25. Septem ber 2003 und gelangte am 29. Septem ber 2003 von Italien her kom m end in die Schw eiz, w o er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 1. O ktober 2003 fand im Em pfangszentrum _______ die sum m arische Befragung statt. Am 31. O ktober 2003 w urde der Beschw erdeführer durch die kantonale Behörde angehört. B. Anlässlich der Befragungen m achte der Beschw erdeführer - ein Kurde aus _______ - im W esentlichen geltend, sein Vater sei (G ründungs)m itglied der Türkiye Kürdistan Sosyalisti Partisi (TKSP) gew esen. W egen des politischen Engagem ents des Vaters sei die Fam ilie des Beschw erdeführers bereits im dam aligen Zeitpunkt durch die Behörden behelligt w orden. D er Vater sei von 1983 bis zum April 1987 in H aft gew esen. N ach der H aftentlassung sei er einem Krebsleiden erlegen. D er Beschw erdeführer sei w egen seines Vaters im Jahre 1985 für vier Tage inhaftiert und m it Strom stössen und Schlägen auf die Fusssohlen gefoltert w orden. D urch Verm ittlung des dam aligen Arbeitgebers sei er w ieder freigekom m en. Ein Verfahren sei nicht eingeleitet w orden. Er habe Sym pathien für die TKSP em pfunden, sei der Partei aber nicht beigetreten. Am 1. M ärz 1994 habe der Beschw erdeführer eine Staatsstelle angetreten. Ein Jahr später sei er der Tüm belsen-G ew erkschaft beigetreten und später als O rganisationssekretär in den Vorstand der besagten G ew erkschaft gew ählt w orden. Seine Aufgaben hätten darin bestanden, neue M itglieder anzuw erben und ihnen die Statuten der G ew erkschaft zu erläutern. Infolge seiner gew erkschaftlichen Aktivitäten sei er seit M ärz 1997 m it den Behörden in Konflikt geraten. M an habe ihn - nam entlich vor geplanten Anlässen - im m er w ieder für kurze Zeit inhaftiert, ihn an seinen Aktivitäten gehindert, eingeschüchtert und ge- schlagen. Einm al sei an einem abgelegenen O rt auch m it der W affe auf ihn gezielt w orden. Er sei w iederholt aufgefordert w orden, entw eder m it den G ew erkschafts- aktivitäten aufzuhören oder zum indest als Inform ant für die türkischen Behörden tätig zu w erden. Er habe diese Aufforderung indes nicht befolgt. Im Jahre 1999 habe er beim Arbeitgeber sein Personaldossier eingesehen und darin ein Schrei- ben der Sicherheitsdirektion von _______ gefunden. G em äss diesem Schreiben gehe die Sicherheitsdirektion aufgrund von Inform ationen des G eheim dienstes da- von aus, dass er für die TKSP tätig sei. Am 12. Juni 2002 sei die Schw ester des Beschw erdeführers w egen angeblicher U nterstützung der TKSP für vier Tage in- haftiert w orden. Im Som m er 2002 sei dem Beschw erdeführer bei der R ückkehr aus dem N ordirak der R eisepass durch die türkischen Behörden beschlagnahm t w or- den. M an habe ihn als Terrorist beschim pft. D as D okum ent befinde sich seither bei der Sicherheitsdirektion in _______. Er habe sich zw eim al erfolglos um die R ück- gabe bem üht. Seit 1996 beziehungsw eise 1997 sei er insgesam t ungefähr acht- bis zehnm al auf den Posten m itgenom m en und vier- bis fünfm al in einem Auto ver- schleppt w orden. D ie längste H aft habe drei Tage gedauert. Er sei beschuldigt w orden, unter dem D eckm antel gew erkschaftlicher Aktivitäten illegale kurdische O rganisationen zu unterstützen. Im Zusam m enhang m it dem Irak-Krieg habe er an verschiedenen O rten in _______ gegen diesen Krieg gerichtete Plakate geklebt. W egen dieser Propagandaaktion sei im M ärz 2003 ein Verfahren gegen ihn und die sechs w eiteren Vorstandsm itglieder der Tüm belsen in _______ eingeleitet 3 w orden, obw ohl der stellvertretende G ouverneur in _______ die Aktion zuvor für rechtens erklärt habe. D as Verfahren sei noch hängig. D ie Anklageschrift datiere vom 11. April 2003. N achdem der Beschw erdeführer am 1. M ai 2003 tagsüber ein w eiteres M al in H aft gew esen sei, habe er sich im R ahm en eines vom Arbeitgeber gew ährten U rlaubs Ende Juli 2003 nach Istanbul begeben. Von dort aus habe er die Türkei aus den genannten G ründen verlassen. Von der Schw eiz aus habe er erfahren, dass die Behörden seinetw egen zuhause vorgesprochen hätten. Als Bew eism ittel gab der Beschw erdeführer seine türkische ID -Karte, einen Lohn- ausw eis, eine Bestätigung des türkischen Arbeitgebers für den gew ährten unbe- zahlten U rlaub, U nterlagen der G ew erkschaft (Ausw eise, G ew erkschaftsbüchlein, Sitzungsprotokoll, Beschluss), ein Schreiben der Sicherheitsdirektion _______ vom 11. Februar 1994, eine Verlustbestätigung (D iplom e) aus dem Jahre 1993, seinen M ilitärentlassungsschein vom 11. M ai 2000, eine Anklageschrift des Frie- dens- und Strafgerichts _______ vom 11. April 2003 und ein seinen Vater betref- fendes G erichtsurteil vom 19. April 1984 zu den Akten. C . M it Zw ischenverfügung vom 10. N ovem ber 2003 forderte das Bundesam t den Be- schw erdeführer auf, eingereichte frem dsprachige Bew eism ittel in eine Am tsspra- che zu übersetzen. D . G em äss einer am tsinternen D okum entenprüfung ergaben sich aus den eingereichten Bew eism itteln und D okum enten keine Fälschungsm erkm ale. E. Am 29. Januar 2004 führte das Bundesam t eine ergänzende Anhörung durch. D a- bei sagte der Beschw erdeführer aus, das gegen seine Schw ester eingeleitete Ver- fahren sei m angels Bew eisen im Juni 2002 eingestellt w orden. Sein Bruder habe keine Problem e m it den Behörden, m üsse aber in den M ilitärdienst einrücken. Sei- ne eigenen Problem e hätten sich nach dem Jahr 2000 aktzentuiert, zum al er er im Februar 2002 in den Vorstand der G ew erkschaft gew ählt w orden sei. Zuvor sei er D elegierter in seiner G em einde gew esen. F. M it Zw ischenverfügung vom 2. Februar 2004 forderte die Vorinstanz den Be- schw erdeführer auf, innert Frist U nterlagen bezüglich des geltend gem achten Strafverfahrens vor dem Friedensstrafgericht in _______ beizubringen. G . M it Schreiben vom 9. Februar 2004 zeigte die R echtsvertretung des Beschw erde- führers dem Bundesam t ihre M andatsübernahm e an. G leichzeitig ersuchte sie um Akteneinsicht nach Abschluss des Instruktionsverfahrens und um Fristverlänge- rung zw ecks Beibringung der angeforderten D okum ente. H . Am 8. M ärz 2004 hiess die Vorinstanz das Fristerstreckungsgesuch gut. I. M it Eingabe vom 31. M ärz 2004 gab der Beschw erdeführers ein U rteil des Frie- densstrafgerichts _______ vom 16. Februar 2004 zu den Akten. G em äss besag- tem U rteil seien er und die M itangeklagten von den erhobenen Anschuldigungen freigesprochen w orden. J. M it Zw ischenverfügung vom 5. M ai 2004 gew ährte das Bundesam t der Vertretung des Beschw erdeführers die am 9. Februar 2004 beantragte Akteneinsicht vor Entscheidfällung. K. M it Verfügung vom 10. M ai 2004 - eröffnet am 12. M ai 2004 - stellte das Bundes-4 am t fest, der Beschw erdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. G leichzeitig verfügte es die W egw eisung des Beschw erdefüh- rers aus der Schw eiz. D ie Vorinstanz begründete ihren Entscheid im W esentlichen dam it, dass gew isse Vorbringen des Beschw erdeführers unglaubhaft seien. D as von ihm eingereichte Schreiben der Polizeidirektion aus _______ aus dem Jahre 1994, w elches bescheinige, dass gegen den Beschw erdeführer keine Verfahren eingeleitet w orden seien, habe für ihn offensichtlich keine Konsequenzen gehabt. So habe er gleichw ohl eine Stelle beim Staat erhalten, und die geltend gem achten Festnahm en hätten sich erst von 1997 an aufgrund der gew erkschaftlichen Aktivitäten ereignet. Im W eiteren sei bekannt, dass die türkischen Sicherheitskräfte im m er w ieder D ruck auf G ew erkschaftsm itglieder ausübten. D ie vom Beschw erdeführer geltend gem achten M assnahm en seien laut seinen Aussagen indes im m er im Zusam m enhang m it besonderen Anlässen - N ew roz- oder 1. M ai-Feier - erfolgt. Es gäbe aufgrund der Akten keine H inw eise darauf, dass der Beschw erdeführer je einm al gezielt zu H ause oder an seinem Arbeitsplatz fest- oder m itgenom m en w orden w äre. Im Ü brigen habe er das Ausm ass der behördlichen Verfolgung anlässlich der Befragungen unterschiedlich dargelegt; seine Aussagen, er sei im m er w ieder verhaftet und regelm ässig bedroht und gefoltert w orden, w ürden durch anderslautende Angaben zur tatsächlichen Bedrohungssituation relativiert. W äre der Beschw erdeführer im Ü brigen tatsächlich w egen des Verdachts, die PKK oder die TKSP zu unterstützen, ins Visier der Behörden geraten, hätten ihn diese nicht jew eils w ieder schnell freigelassen, sondern ein strafrechtliches Erm ittlungsverfahren eingeleitet. H inzu kom m e, dass der Beschw erdeführer auf Fragen hinsichtlich der erlittenen und befürchteten N achteile w egen G ew erkschaftsaktivitäten in seinen Äusserungen vage und unverbindlich geblieben sei. Es entspreche ausserdem nicht dem Verhalten einer Person, w elche ernsthafte N achteile seitens der heim atlichen Behörden befürchte, sich vor der Ausreise noch um einen U rlaub beim Arbeitgeber zu bem ühen. Zudem sei es seit dem 1. M ai 2003 offensichtlich zu keinen w eiteren Vorfällen m ehr gekom m en. D ass der Beschw erdeführer nach der Ausreise von einer angeblich ihn betreffenden behördlichen Suche erfahren habe, w irke konstruiert. D ie von ihm geltend gem achte G efährdungslage sei sodann auch insofern unw ahrscheinlich, als bei tatsächlich vorhandener Verfolgungsm otivation auch die Angehörigen in die Erm ittlungen einbezogen w orden w ären. D ies sei aber im vorliegenden Fall offensichtlich nicht geschehen. Schliesslich gehe aus den Akten nicht hervor, ob der R eisepass des Beschw erdeführers im Som m er 2002 tatsächlich beschlagnahm t w orden sei. Zudem habe er im Jahr darauf einen neuen N üfus erhalten. D en Akten sei sodann zu entnehm en, dass die angebliche Beschlagnahm ung des D okum ents für den Beschw erdeführer keine w eiteren Folgen gehabt habe. Im W eiteren bezeichnete die Vorinstanz die vom Beschw erdeführer w egen seines Vaters erlittene H aft des Jahres 1985 als nicht kausal für die Ausreise. D as vor dem Friedensstrafgericht in _______ geführte Verfahren, w elches m it einem Freispruch geendet habe, sei rechtsstaatlich legitim und nicht ethnisch oder politisch m otiviert gew esen. D en Vollzug der W egw eisung erachtete das Bundesam t für zulässig, zum utbar und m öglich. L. M it Beschw erde vom 1. Juni 2004 beantragte der Beschw erdeführer bei der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) durch seine Vertretung die Aufhe-5 bung der angefochtenen Verfügung, die Asylgew ährung respektive die Anordnung der vorläufigen Aufnahm e und die G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege (Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw al- tungsverfahren [Vw VG ; SR 172.021]). Zur Begründung w urde vorgebracht, das beigebrachte Schreiben der Sicherheitsdirektion aus dem Jahre 1994 belege ent- gegen den vorinstanzlichen Erw ägungen, dass die Behörden beabsichtigt hätten, im gegebenen Zeitpunkt gegen den Beschw erdeführer vorzugehen. Bereits durch die w iederholten Festnahm en sei er unter erheblichem D ruck gestanden. Anläss- lich der H aft des Jahres 1985 sei er gefoltert w orden. D ie später erlittenen Schläge und D em ütigungen seien ebenfalls als Folter zu bezeichnen. D er Vorhalt des BFM , die Schilderungen des Beschw erdeführers seien zu w enig substanziiert, könne nicht nachvollzogen w erden. D as Bundesam t habe bei der Prüfung der G laubhaf- tigkeit der Vorbringen einen falschen M assstab angew endet. D er Beschw erdefüh- rer entstam m e einer politisch engagierten Fam ilie. In der Türkei m üsse er deshalb überdies m it R eflexverfolgung rechnen, zum al auch seine Schw ester im Juni 2002 inhaftiert w orden sei. D er Beschw erdeführer habe ferner N am en von G ew erkschaftsm itgliedern, die erm ordet w orden seien, genannt. Er habe begründete Furcht, dasselbe Schicksal zu erleiden. D er am 16. Februar 2004 erfolgte Freispruch ändere nichts an der Tatsache, dass der Beschw erdeführer im Falle seiner R ückkehr nach w ie vor unter D ruck gesetzt w ürde. Vielm ehr sei er aufgrund des durchgeführten Verfahrens noch m ehr gefährdet und stehe unter unerträglichem psychischem D ruck. Schliesslich w ürde nach dem G esagten ein allfälliger Vollzug der W egw eisung gegen die relevanten gesetzlichen Bestim m ungen verstossen. M . M it Zw ischenverfügung vom 8. Juni 2004 verzichtete die AR K auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses. Bezüglich des G esuchs um Erlass allfälliger Verfahrenskosten w urde auf den U rteilszeitpunkt verw iesen. N . M it Vernehm lassung vom 15. Juni 2004 hielt das Bundesam t an seiner Verfügung vollum fänglich fest und beantragte m it sum m arischen Erw ägungen die Abw eisung der Beschw erde. D ie Stellungnahm e der Vorinstanz w urde dem Beschw erdeführer am 18. Juni 2004 zur Kenntnis gebracht. O . M it Eingabe vom 21. Juli 2004 gab der Beschw erdeführer Bew eism ittel zu den Ak- ten. Es handelte sich hierbei um drei Bestätigungsschreiben von Anw älten aus der Türkei im O riginal sam t Ü bersetzung, ein Schreiben des Vereins für M enschen- rechte (_______) vom 23. Juni 2004 im O riginal sam t Ü bersetzung und O riginal- briefum schläge. P. Am 20. O ktober 2004 reichte der Beschw erdeführer ein Schreiben der Tüm belsen- G ew erkschaft im O riginal sam t Ü bersetzung und O riginalbriefum schlag nach. Q . M it Eingabe vom 15. N ovem ber 2004 gab der Beschw erdeführer ein w eiteres Be- w eism ittel für seine Vorbringen - ein Schreiben eines türkischen Staatsbürgers, w elchem in der Schw eiz Asyl erteilt w urde - zu den Akten. R . M it Eingabe vom 30. M ärz 2005 (Poststem pel) verw ies der Beschw erdeführer auf das beiliegende Schreiben eines nach D eutschland geflohenen türkischen Staatsbürgers vom 9. M ärz 2005 sam t Ü bersetzung. D ieses Bew eism ittel belege seine G efährdung im Falle der R ückkehr in die Türkei. 6 S. M it Eingabe vom 9. Juni 2006 zeigte die neue R echtsvertreterin des Beschw erde- führers ihre M andatsübernahm e an. G leichzeitig m achte sie geltend, dass die Be- hörden zw ei G ew erkschaftskollegen des Beschw erdeführers, w elche gem äss dem bereits eingereichtem U rteil des Friedensstrafgerichts _______ vom 16. Februar 2004 seinerzeit freigesprochen w orden seien, inhaftiert hätten. Angesichts der aktuell äusserst angespannten Situation im Südosten der Türkei sei die Furcht ihres M andanten, dasselbe Schicksal zu erleiden, nachvollziehbar. D er Eingabe lagen ein Schreiben des Beschw erdeführers und zw ei Verhörprotokolle der Staatsanw altschaft _______ vom 4. M ai 2006 hinsichtlich der geltend gem achten Festnahm e der beiden G ew erkschaftskollegen bei. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 Vw VG , sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorins- tanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Ver- fügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der ehem aligen AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m ithin einzutreten. 3. 3.1 G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling w ird eine ausländische Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim at- staat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gel- ten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M assnahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken (Art. 3 AsylG ). 3.2 W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zum in- dest glaubhaft m achen. D iese ist glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vor- handensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. U nglaubhaft 7 sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begründet oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeb- lich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (Art. 7 AsylG ). 4. 4.1 Vorbringen sind dann glaubhaft, w enn sie genügend substanziiert, in sich schlüs- sig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in w esentlichen Punkten nicht w idersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgem einen Erfahrung w idersprechen. D arüber hinaus m uss die asylsuchende Person persönlich glaubw ürdig erschei- nen, w as insbesondere dann nicht der Fall ist, w enn sie ihre Vorbringen auf ge- fälschte oder verfälschte Bew eism ittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG ), aber auch dann, w enn sie w ichtige Tatsachen unterdrückt oder bew usst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen ausw echselt oder unbegründet nachschiebt, m angelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige M itw irkung verw eigert. G laubhaftm achung bedeutet ferner - im G egensatz zum strikten Bew eis - ein redu- ziertes Bew eism ass und lässt durchaus R aum für gew isse Einw ände und Zw eifel an den Vorbringen des Beschw erdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaub- haft gem acht, w enn der R ichter von ihrer W ahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überw iegend für w ahr hält, obw ohl nicht alle Zw eifel beseitigt sind. Für die G laubhaftm achung reicht es dem gegenüber nicht aus, w enn der Inhalt der Vorbrin- gen zw ar m öglich ist, aber in W ürdigung der gesam ten Aspekte w esentliche und überw iegende U m stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre- chen. Entscheidend ist im Sinne einer G esam tw ürdigung, ob die G ründe, die für die R ichtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überw iegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtw eise abzustellen (vgl. Entscheide und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 1994 N r. 5 E. 3c S. 43 f.; 1996 N r. 28 E. 3a S. 270; 2005 N r. 21 E. 6.1. S. 190 f.). An den genannten Kriteri- en ist nach w ie vor festzuhalten, zum al die R echtslage diesbezüglich keine Ände- rung erfahren hat. 4.2 D as BFM hat im angefochtenen Entscheid das gew erkschaftliche Engagem ent des Beschw erdeführers grundsätzlich für glaubhaft erachtet, kam aber zum Schluss, dass die vom Beschw erdeführer desw egen sow ie w egen des fam iliären H inter- grunds beziehungsw eise der Akte der Polizeidirektion aus dem Jahre 1994 in sei- nem Personaldossier des Arbeitgebers geltend gem achten N achteile nicht den Voraussetzungen an die G ezieltheit, Intensität und vor allem Aktualität entsprächen. D iese Erw ägungen, w elchen entgegen den Beschw erdevorbringen kein falscher M assstab bei der G laubhaftigkeitsprüfung zugrunde gelegt w urde, verm ögen nur bedingt zu überzeugen. 4.2.1 G em äss Aktenlage m uss als erstellt betrachtet w erden, dass der Beschw erdeführer über lange Jahre in einem gew issen Ausm ass O pfer behördlicher Verfolgung in seinem H erkunftsgebiet gew orden ist. So liegt nahe, dass er und seine Fam ilienangehörigen w egen des seinerzeitigen Engagem ents seines Vaters tatsächlich m it den Behörden in Konflikt gerieten. D ie von ihm geltend gem achte H aft sam t Folter des Jahres 1985 lag aber im Zeitpunkt der Ausreise klarerw eise zu w eit zurück, als dass sie in sachlicher und zeitlicher 8 H insicht als kausal für die Flucht angesehen w erden könnte. D as dam als Erlebte ist aber im R ahm en der subjektiven Furcht des Beschw erdeführers vor ernsthaften N achteilen im Zeitpunkt der Ausreise zu berücksichtigen. D ie laut seinen Schilderungen nach 1995 erlittenen Schikanen, Festnahm en, Schläge und D rohungen sind sodann von der Intensität her im Sinne der vorinstanzlichen Erw ägungen insofern zu relativieren, als sie je für sich besehen kein asylrelevantes Ausm ass aufw iesen. G leichzeitig ist aber festzuhalten, dass sie als Einschüchterung des gew erkschaftlich aktiven und aus einer politisch einschlägig bekannten Fam ilie stam m enden Beschw erdeführers durchaus zielgerichtet erscheinen. Vor diesem H intergrund dürfte die Beschlagnahm ung des R eisepasses des Beschw erdeführer nach dessen R ückkehr aus dem N ordirak als w eitere Einschüchterung seine Furcht vor asylrelevanten N achteilen in objektiv nachvollziehbarer W eise erhöht haben. D ie pauschale Feststellung des Bundes- am tes, es gehe aus den Akten nicht hervor, ob der R eisepass des Beschw erdefüh- rers im Som m er 2002 tatsächlich beschlagnahm t w orden sei, verm ag jedenfalls die U nglaubhaftigkeit dieses Vorbringens ebenso w enig zu begründen w ie die vor- instanzliche Erw ägung, die geltend gem achte Suche nach der Ausreise w irke konstruiert, zum al behördliche Erkundigungen in Anbetracht des Persönlich- keitsprofils des Beschw erdeführers nach dessen plötzlichem Verschw inden nicht realitätsfrem d anm uten. Anzufügen ist ausserdem , dass der Beschw erdeführer ge- m äss eingereichter Bestätigung M itglied des Vereins für M enschenrechte (_______) gew orden ist, w as sein Profil als O ppositioneller zusätzlich akzentuiert. D em Bundesam t ist gleichzeitig insofern zu w idersprechen, als das w iederum pauschale Argum ent, die Behörden hätten bei tatsächlich vorhandenem Verdacht, der Beschw erdeführer unterstütze die PKK oder die TKSP, ein eingehendes strafrechtliches Erm ittlungsverfahren eingeleitet, gem äss verschiedenen Q uellen m it der R ealität vor O rt nicht in allen Fällen übereinstim m t. So sollen denn auch - w ie die Vorinstanz dem gegenüber in anderem Zusam m enhang zu R echt erw og - dem Beschw erdeführer aus dem Schreiben der Polizeidirektion aus dem Jahre 1994 keine konkreten N achteile (im Sinne eines Strafverfahrens m it U ntersu- chungshaft) erw achsen sein. 4.2.2 G rundsätzlich unbestritten ist sodann, dass sich der Beschw erdeführer bei der G ew erkschaft Tüm belsen in _______ engagierte und im Februar 2002 in deren Vorstand gew ählt w urde (vgl. A 11/11, S. 5). Auch die von ihm m it Eingaben vom 21. Juli 2004, 20. O ktober 2004, 15. N ovem ber 2004 sow ie 29. M ärz 2005 eingereichten Bew eism ittel sprechen für seine diesbezüglichen Aktivitäten. Ebenfalls glaubhaft gem acht ist, dass im M ärz 2003 ein Verfahren gegen den Beschw erdeführer und sechs G ew erkschaftskollegen eingeleitet w urde. Aus dem U m stand, dass dieses Verfahren - w ohlbem erkt lange nach der Ausreise des Beschw erdeführers - m it einem Freispruch endete, leitet die Vorinstanz sodann ab, dass es sich dabei um ein aus rechtsstaatlich unbedenklichen M otiven durch- geführtes Strafverfahren handelte. D em entsprechend folgerte die Vorinstanz auf das Fehlen einer aktuellen Verfolgungslage beziehungsw eise einer entsprechend begründeten Furcht vor Verfolgung. D ieser Schlussfolgerung kann jedoch nicht gefolgt w erden, entspricht es doch einer nach w ie vor verbreiteten Praxis gew isser türkischer Kreise und Behörden, aus ihrer Sicht staatsfeindliche Personen durch Einleitung von Strafverfahren beispielsw eise bei der Ausübung gew erkschaftlicher 9 R echte zu behindern. D ass das erw ähnte Verfahren am 16. Februar 2004 m it ei- nem Freispruch endete, spricht zw ar für eine gew isse U nabhängigkeit der invol- vierten Justizbehörde; im Zeitpunkt der Flucht aus dem H eim atland hatte der Beschw erdeführer jedoch angesichts seiner politischen Aktivitäten, der allgem einen bestehenden G efahr, im R ahm en einer Strafverfolgung Folter oder zum indest einem Politm alus ausgesetzt zu sein, der in dieser H insicht bereits gem achten negativen Erfahrungen und seiner Fam ilie begründete Furcht vor gezielten und ernsthaften N achteilen im Sinne des Art. 3 AsylG . Angesichts des hängigen Strafverfahrens fiel im Zeitpunkt der Ausreise auch die Inanspruchnahm e einer innerstaatlichen Fluchtalternative ausser Betracht. 4.2.3 Es stellt sich w eiter die Frage, ob diese Furcht gerade im H inblick auf den im Jahre 2004 gefällten Freispruch zum heutigen Zeitpunkt nicht m ehr aktuell erscheint. Ist näm lich die Verfolgungsgefahr, die im Zeitpunkt der Ausreise noch bestanden hat, im Zeitpunkt des Entscheides über die Flüchtlingseigenschaft w eggefallen, fehlt es an deren Aktualität (vgl. W alter Stöckli, Asyl, in: H andbücher für die Anw altspraxis, Band VIII, Ausländerrecht, H elbling & Lichtenhahn, Basel 2002, S. 331). Beachtlich ist dabei jedoch, dass frühere Verfolgung die Verm utung einer W iederholungsgefahr im Fall der R ückkehr in den H eim atstaat schaffen kann und eine Abw eisung des Asylgesuchs deshalb in der R egel nur in Frage kom m t, w enn m it hinreichender W ahrscheinlichkeit eine erneute Verfolgung ausgeschlossen w erden kann (vgl. W alter Kälin, G rundriss des Asylverfahrens, H elbling & Lichtenhahn, Basel 1990, S. 127). 4.3 4.3.1 D ie Türkei hat seit 2001 eine R eihe von R eform en durchgeführt, die dem Ziel die- nen sollen, die Voraussetzungen für eine Aufnahm e in die Europäische U nion (EU ) zu erfüllen. Insgesam t stellen die eingeleiteten um fassenden R echtsreform en in rechtsstaatlicher H insicht einen Fortschritt dar. Entscheidend ist jedoch, dass im heutigen Zeitpunkt nach w ie vor nicht absehbar ist, inw iefern diese Verbesserung der R echtslage auch einen m assgeblichen Einfluss auf die Praxis der das R echt anw endenden Behörden haben w ird. Auf einen allgem ein noch nicht stattgefunde- nen behördlichen Bew usstseinsw andel lässt jedoch vor allem auch die Tatsache schliessen, dass die türkischen Sicherheitskräfte w eiterhin m it grosser H ärte ge- gen M itglieder kurdischer Parteien und O rganisationen respektive linksextrem e G ruppierungen vorgehen, die w ie die PKK und ihre N achfolgeorganisationen als staatsgefährdend eingestuft w erden. G anz allgem ein lässt sich feststellen, dass Funktionäre und aktive M itglieder entsprechender O rganisationen nach w ie vor in besonderer W eise gefährdet sind, in das Blickfeld der Sicherheitskräfte zu geraten und in deren G ew ahrsam m isshandelt und gefoltert zu w erden, w enn sie sich für die Belange der kurdischen Bevölkerung respektive ihrer O rganisationen einset- zen. Folter ist w eiterhin so verbreitet, dass von einer eigentlichen behördlichen Praxis gesprochen w erden m uss, w obei sich in letzter Zeit die Berichte darüber m ehren, dass zunehm end ausserhalb von Polizeiposten gefoltert w ird und ver- stärkt Folterm ethoden angew andt w erden, die keine körperlichen Spuren hinterlas- sen (vgl. dazu EM AR K 2005 N r. 21 E. 10.2.1. f. S. 195 ff.). 4.3.2 D ass sich die Situation im Südosten des Landes seit dieser Lageeinschätzung w eiter zuspitzte, kann verschiedenen Presseberichten entnom m en w erden. So 10 w eckten kurdischen Extrem isten zugeschriebene Bom benanschläge in der Türkei verm ehrt Terrorangst. In diesem Zusam m enhang drohte der türkische G eneralstabschef Büyükanit bereits M itte Februar 2007 m it einem M ilitärschlag. Im W eiteren ist bem erkensw ert, dass die Vorfälle vom 9. N ovem ber 2005 in der Stadt Sem dinli, bei w elchen es zu einem - m utm asslich durch den sogenannten "tiefen Staat" iniziierten oder m itverschuldeten - Bom benanschlag auf einen Buchladen gekom m en w ar, bezüglich Täterschaft und nachfolgender juristischer Aufarbeitung aktuell kaum das Bild eines gefestigten R echtsstaates zu erw ecken verm ögen. So w urde der vorerst zuständige Staatsanw alt, w elcher Erm ittlungen gegen Büyükanit hatte einleiten w ollen, vom Fall abgezogen und m it einem Berufsverbot belegt. Ausserdem hob das Appellationsgericht einen gegen zw ei Arm eeoffiziere bereits ergangenen Schuldspruch w ieder auf und regte an, das Verfahren vor einem M ilitärtribunal w eiterzuführen. 4.3.3 N achdem im vergangenen Jahr am 29. Juni 2006 die Anti-Terrorism us-G esetze w ieder verschärft w orden w aren, m ussten sich seit dem 26. Septem ber 2006 56 kurdische Bürgerm eister aus dem Südosten des Landes in D iyarbakir vor G ericht w egen angeblicher U nterstützung der PKK verantw orten. D ie Staatsanw altschaft forderte für fast alle Angeklagten H aftstrafen bis zu 15 Jahren. D ie zuständige EU - Kom m ission stellte entsprechend in ihrem am 8. N ovem ber 2006 publik gem achten Bericht w eiterhin D efizite bei den G rundrechten in der Türkei fest. Problem atisch sei beispielsw eise die Anw endung des Paragrafen 301 des türkischen Strafgesetz- buchs, der für die Beleidigung des Türkentum s H aftstrafen von bis zu drei Jahren vorsieht. Am 21. Septem ber 2006 w ar zw ar die türkische Autorin Elif Shafak in die- sem Zusam m enhang durch ein Istanbuler G ericht freigesprochen w orden. Prom i- nentes und vorerst "nur" juristisches O pfer dieses Paragrafen w ar aber w enig spä- ter der arm enische Journalist H rant D ink. G elegentlich ist von einer eigentlichen G esinnungsjustiz in der Türkei, w elche sich gegen Journalisten, Schriftsteller und Künstler richtet, die R ede. D er Staat habe M ühe, m it dieser Tradition aus undem o- kratischen Zeiten zu brechen. Auch gegen den N obelpreisträger O rhan Pam uk w urde gestützt auf die erw ähnte G esetzgebung erm ittelt. Am 19. Januar 2007 w ur- de der Journalist H rant D ink in Istanbul erm ordet. D er m utm assliche M örder w ar zw ar schnell gefasst, und die Tat löste in w eiten Kreisen in der Türkei Betroffenheit und Abscheu aus. Ein nationalistischer Extrem ist gestand w enig später, den ju- gendlichen M örder angestiftet zu haben. D er Vorw urf w urde laut, die R egierung w ürde rechtsradikale G ew altakte nicht m it genügend klaren W orten verurteilen. D ass sich Teile der R echt anw endenden Behörden respektive der Polizeiorgane in der Türkei den in gew issen Bereichen aufgrund der R eform en an sich vorgegebe- nen rechtstaatlichen W erten nach w ie vor nur bedingt verpflichtet fühlen, verdeut- lichte schliesslich ein Vorfall im Zusam m enhang m it der Festnahm e des m utm ass- lichen M örders von H rant D ink. So liessen sich gem äss einem im türkischen Fern- sehen ausgestrahlten Videofilm Polizeibeam te zusam m en m it dem Inhaftierten vor einer türkischen Fahne und einer nationalistisch anm utenden Inschrift film en. D ie- ses "H eldenvideo" löste in der türkischen Ö ffentlichkeit zw ar w iederum Em pörung aus, und vier beteiligte Polizisten w urden offenbar suspendiert. D ie Frage nach dem aktuellen Selbstverständnis der türkischen Polizei und Justizorgane stellt sich indes nach w ie vor (vgl. N ZZ vom 20. April, 6./7. M ai, 9. M ai, 6. Juni, 21. Juni, 26. Juni, 1./2. Juli, 27. Septem ber, 2. O ktober, 30. D ezem ber 2006 sow ie 16. Januar, 11 20./21. Januar, 22. Januar, 23. Januar, 24. Januar, 2. Februar, 15. Februar, 20. Februar, 4. April, 4. M ai und 24. M ai 2007; N ZZ am Sonntag vom 9. April und 3. Septem ber 2006 sow ie 4. Februar 2007; W O Z vom 1. Juni 2006 und 25. Januar 2007; Sonntags-Zeitung vom 4. Februar 2007). 4.3.4 Andererseits haben die türkischen Behörden bereits m it dem G esetz 5233 vom Juli 2004 ("G esetz zur Kom pensierung der Schäden, die w egen des Terrors oder der Anti-Terror-Bekäm pfung entstanden sind") für die aus ihren H erkunftsgebieten Vertriebenen eine Anspruchsgrundlage für Entschädigungen geschaffen, w as von einem Anw alt in D iyarbakir als W endepunkt in der Kurdenpolitik Ankaras bezeichnet w urde. Allerdings sollen die Verfahren nur sehr schleppend vorankom m en und im Ergebnis zu sehr bescheidenen Entschädigungen führen. Zudem w ird das staatliche Eingeständnis, w onach es aufgrund von gew altsam en Auseinandersetzungen tatsächlich Binnenflüchtlinge gibt, durch die aktuellen G ew alteskalationen w ieder überschattet. In diesem Zusam m enhang w ird eine zunehm ende Einschüchterung der ethnischen M inderheiten im R ahm en einer eigentlichen "nationalistischen W elle" rapportiert. D ie N ew roz-Feiern des 21. M ärz 2007 sind zw ar landesw eit friedlich verlaufen; andererseits soll aber beispielsw eise der G ouverneur von D iyarbakir dem Staatspersonal verboten haben, an den Feierlichkeiten teilzunehm en. Laut türkischen Presseberichten sind im Ü brigen die Sicherheitskräfte im türkisch-irakischen G renzgebiet in Alarm bereitschaft versetzt w orden. D ass staatliche Em pfindlichkeiten in der Kurdenfrage w ieder zunehm en, lässt sich auch aus dem U m stand schliessen, w onach gem äss Angaben des türkischen M enschenrechtsvereins IH D über hundert kurdische Politiker verurteilt oder in H aft genom m en w orden sind, w eil sie bezüglich des inhaftierten PKK-C hefs die Anrede "sayin Ö calan" ("geehrter H err Ö calan") verw endet haben. Am O sterw ochenende 2007 kam en im Südosten des Landes bei G efechten zw ischen den Sicherheitskräften und der PKK 25 Personen um s Leben. D ie Käm pfe w erden als Auftakt einer eigentlichen Frühlingsoffensive der Sicherheitskräfte gegen die PKK gew ertet. G leichzeitig zem entierte die erneute Präsidentschaftskandidatur des gem ässigten Islam isten R ecep Tayyip Erdogan die Spaltung der türkischen G esellschaft in Säkularisten und Islam isten. Anlässlich einer M edienkonferenz vom 12. April 2007 kritisierte der türkische G eneralstabschef Büyükanit erneut die U SA und die EU , w elche aus seiner Sicht den kurdischen N ationalism us unterstützten. D er Zw ist führte innerhalb des Landes zu einem offenen Konfrontationskurs der R egierung einerseits und der Arm eeführung andererseits. D ie drohende Staatskrise beziehungsw eise ein M ilitärputsch w urde durch den Entscheid des türkischen Verfassungserichts vom 1. M ai 2007, w elcher die bereits erfolgte erste R unde bei der Präsidentschaftsw ahl für ungültig erklärte und den W eg für N euw ahlen ebnete, vorerst abgew endet. D as türkische Parlam ent beschloss sodann am 10. M ai 2007 die Volksw ahl des Staatspräsidenten, w obei darüber noch im R ahm en eines R eferendum s zu befinden sein w ird. Am 22. M ai 2007 ereignete sich in Ankara ein Selbstm ordanschlag, w elchem sechs Personen zum O pfer fielen. D er G eneralstabschef m achte die PKK für den Anschlag verantw ortlich und verw ies erneut auf die N otw endigkeit eines M ilitärschlags gegen diese kurdische Bew egung im N ordirak. Ferner forderte ein Anschlag in Istanbul am 10. Juni 2007 14 Verletzte, w obei das Attentat w iederum kurdischen Extrem isten zugeschrieben 12 w urde. D ass die Spannungen in der Türkei aktuell w eiter zugenom m en haben, ergibt sich aus der rapportierten Verhaftungsw elle in den Städten Südostanatoliens, w elche sich insbesondere gegen M itglieder der Partei der dem okratischen G esellschaft (D TP), der N achfolgeorganisation der inzw ischen verbotenen H EP, richtet. In den letzten M onaten sollen fast 700 M itglieder dieser Partei festgenom m en w orden sein. Aber auch zahlreiche w eitere kurdische Politiker und Intellektuelle w erden juristisch verfolgt. Zudem gehen die bew affneten Auseinandersetzungen w eiter. Bei einem Einsatz gegen die PKK fuhr am 24. M ai 2007 ein Arm eefahrzeug auf eine M ine auf, w obei sechs Soldaten um s Leben kam en. Innerhalb von drei W ochen sollen m indestens 24 M itglieder der türkischen Sicherheitskräfte getötet w orden sein. Auch w enn in jüngster Zeit die U SA, der Irak und die EU die Türkei vor einer grenzüberschreitenden M ilitäraktion im N ordirak erneut gew arnt haben, erscheint ein solches Szenarium m it unabsehbaren Folgen für die Betroffenen als nach w ie vor nicht ausgeschlossen. D ies nicht zuletzt auch deshalb, w eil die türkische Arm ee die drei Provinzen an der G renze zum Irak zum Ausnahm ezustand erklärt haben soll, von dort aus auf verm utete Stellungen der PKK im N ordirak feuert und G eneralstabschef Büyükanit die R egierung um politische R ichtlinien für einen bevorstehenden Einsatz ersucht hat (N ZZ vom 22. Februar, 28. Februar, 22. M ärz, 27. M ärz, 10. April, 11. April, 14./15. April, 16. April, 30. April, 2. M ai, 4. M ai, 11. M ai, 24. M ai, 25. M ai, 6. Juni, 8. Juni, 11. Juni, 14. Juni, 15. Juni, 21. Juni, 23/24. Juni, 28. Juni, 29. Juni und 6. Juli 2007; W O Z vom 19. April, 10. M ai und 14. Juni 2007; Le M onde diplom atique vom M ai 2007). 4.4 D er Beschw erdeführer hat glaubhaft gem acht, aus einer politisch sehr aktiven Fa- m ilie zu stam m en und als 19jähriger w egen verbotener politischer Aktivitäten sei- nes Vaters gefoltert w orden zu sein. Er ist selbst politisch engagiert und w ar aktiv in der G ew erkschaft. In diesem Zusam m enhang ist er erneut ins Visier der Behör- den geraten. Im Zeitpunkt der Ausreise w ar ein politisch m otiviertes Verfahren ge- gen ihn hängig. D ie ihm im dam aligen Zeitpunkt drohenden N achteile m üssen dem nach als ernsthaft im Sinne des Asylgesetzes qualifiziert w erden. Er ist aus begründeter Furcht vor gezielten, intensiven und landesw eiten N achteilen aus der Türkei geflohen, zum al sich die Verfolgungshandlungen gegen seine Person als regim ekritischen G ew erkschafter richteten. D er Beschw erdeführer m usste im Zeitpunkt der Ausreise befürchten, im R ahm en dieses Verfahrens O pfer von Folter oder zum indest eines Politm alus zu w erden. Eine innerstaatliche Fluchtalternative stand jedenfalls zu diesem Zeitpunkt nicht zur Verfügung. D ie Voraussetzung der w eiterhin bestehenden Aktualität der begründeten Furcht vor Verfolgung ist sodann als erfüllt zu betrachten. Zw ar erfolgte im erw ähnten Strafverfahren am 16. Februar 2004 ein Freispruch. D er Beschw erdeführer w eist aber nach w ie vor ein politisches Profil auf, w eshalb gerade angesichts der erneuten Verschärfung der Lage w eitere ernsthafte N achteile nicht m it hinreichender W ahrscheinlichkeit ausgeschlossen w erden können. In diesem Zusam m enhang ist denn auch darauf hinzuw eisen, dass offenbar zw ei ehem alige G ew erkschaftskollegen des Beschw er- deführers gem äss den eingereichten Verhörprotokollen der Staatsanw altschaft _______ bei einer Trauerfeier nach der Ausreise des Beschw erdeführers festge- nom m en und unter der Beschuldigung, die PKK zu unterstützen, inhaftiert w urden. Insgesam t erscheint dam it die Furcht des Beschw erdeführers, in der Türkei aktuell 13 unter einem Vorw and erneut festgenom m en, m isshandelt und - sei es im R ahm en eines Strafverfahrens oder auch ohne form elle Einleitung eines solchen - w iederum staatsfeindlicher Aktivitäten w ie insbesondere der U nterstützung der PKK beschuldigt zu w erden, angesichts der unter der vorstehenden Ziffer geschilderten aktuellen Situation vor O rt subjektiv verständlich und objektiv nachvollziehbar (vgl. dazu auch EM AR K 1994 N r. 24, w onach einer Person, w elche bereits O pfer staatlicher Verfolgung w ar, objektive G ründe für eine ausgeprägtere subjektive Furcht zu attestieren sind). In W ürdigung der G esam tum - stände erachtet das Bundesverw altungsgericht die Furcht des Beschw erdeführers vor künftiger Verfolgung im Falle einer R ückkehr in die Türkei som it als nach w ie vor begründet. Aufgrund der Staatlichkeit der (Vor)verfolgung (landesw eiter Kam pf der türkischen Behörden gegen kurdische O rganisationen), seinem politischen Profil und der Verschärfung der Lage kann zudem nicht vom Bestehen einer innerstaatlichen Fluchtalternative für den Beschw erdeführer ausgegangen w erden (zu den hier nicht gegebenen und praxisgem äss hohen Voraussetzungen an die Effektivität des am Zufluchtsort erforderlichen Schutzes vgl. u.a. EM AR K 1996 N r. 1). 4.5 G em äss obenstehenden Erw ägungen ist festzuhalten, dass der Beschw erdeführer im Zeitpunkt der Ausreise begründete Furcht vor asylrechtlich relevanter Verfol- gung hatte, und es ist davon auszugehen, dass er bei einer R ückkehr in die Türkei m it erheblicher W ahrscheinlichkeit nach w ie vor begründete Furcht vor ernsthaften N achteilen im Sinne von Art. 3 AsylG seitens des Staates hätte. Er erfüllt dam it die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft. Asylausschlussgründe gem äss Art. 54 AsylG sind nicht ersichtlich. D ie Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschw er- deführers zu U nrecht abgew iesen; die Beschw erde ist daher gutzuheissen. Es er- übrigt sich som it, auf w eitere Beschw erdevorbringen sow ie die Beilagen detaillier- ter einzugehen. 4.6 Zusam m enfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 3 und 7 AsylG erfüllt sind. D ie Verfügung der Vorinstanz ist aufzuheben und dem Beschw erdefüh- rer Asyl zu gew ähren. 5. 5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 Vw VG ), w eshalb das G esuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG gegenstandslos w ird. 5.2 O bsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erw achsenen notw endigen Kosten (Art. 7 Abs. 1 des R eglem ents vom 11. D ezem - ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsge- richt [VG KE, SR 173.320.2]). Seitens der R echtsvertretung w urde keine Kostenno- te eingereicht. Auf die N achforderung einer solchen kann indes verzichtet w erden, da im vorliegenden Verfahren der Aufw and für den Beschw erdeführer zuverlässig abgeschätzt w erden kann und die von der Vorinstanz zu entrichtende Parteient- schädigung von Am tes w egen und in Berücksichtigung der m assgeblichen Bem es- sungsfaktoren auf Fr. 1'200.-- (inkl. allfällige Spesen und M ehrw ertsteuer) festzu- setzen ist. (D ispositiv nächste Seite)14 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D as BFM w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer Asyl zu erteilen. 3. Es w erden keine Kosten erhoben. 4. D as BFM hat dem Beschw erdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht eine Parteientschädigung in der H öhe von Fr. 1'200.-- zu entrichten. 5. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer durch Verm ittlung seiner Vertretung, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (Kopie; R ef.-N r. N _______) - _______ D ie R ichterin: D er G erichtsschreiber: N ina Spälti G iannakitsas Patrick W eber Versand am :