Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Oktober 2015 (725 15 200) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Verneinung des Vorliegens eines unfallkausalen regionalen komplexen Schmerzsyn- droms (CRPS) zu Recht erfolgt. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin i.V. Stephanie Wirz Parteien A.___, Beschwerdeführerin, vertreten durch Gertrud Baud, Advokatin, Rümelinsplatz 14, Postfach, 4001 Basel gegen SWICA Versicherungen AG , Römerstrasse 37, Postfach , 8401 Winterthur, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen (9940/0019.50239.12.0) A. Die 1976 geborene A.___ war in der Konditorei de r B.___ in Basel angestellt und dadurch bei der SWICA Versicherungen AG (Swica) obl igatorisch für die Folgen von Unfällen versichert. Am 11. Januar 2012 glitt sie am Arbeits platz auf einem Treppenabsatz aus und schlitterte auf dem Gesäss ungefähr zehn Treppenstufen hinunter. Dabei versuchte sie sich am Treppengeländer festzuhalten und verletzte sich am Handgelenk. Am Unfalltag ergab die radio- logische Abklärung im C.____ keine ossären Läsionen im Bereich des rechten Handgelenkes. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufgrund der Anamnese wie auch der klinischen Befunde wurde die Diagnose einer Kontusion des rechten Oberschenkels sowie des Handgelenks gestellt. Nach einer 100%igen Arbeitsunfä- higkeit nahm A.___ am 28. Februar 2012 ihre Arbeit z u 50% und ab dem 19. März 2012 zu 100% wieder auf. Am 24. Oktober 2012 erfolgte eine e rneute 100%ige Arbeitsunfähigkeit, die bis am 14. November 2012 dauerte. Ab 15. November 2012 nahm A.___ sodann die Arbeitstä- tigkeit zu 100% wieder auf, worauf ab 18. Januar 2013 erneut eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestand. Zur Prüfung ihrer weiteren Leistungspflicht veranlasste die Swica eine polydisziplinäre Begutachtung bei der D.____ und lehnte, gestützt auf das Gutachten vom 13. August 2014, mit Verfügung vom 3. Dezember 2014 eine über den 1. Feb ruar 2013 hinaus gehende Leistungs- pflicht ab. Als Begründung führte sie aus, dass der natü rliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den geltend gemachten Beschwerden zu ve rneinen sei. Die dagegen erhobene Einsprache vom 19. Dezember 2014 wies die Swica mit Eins pracheentscheid vom 28. April 2015 ab. B. A.___, vertreten durch Advokatin Gertrud Baud, erh ob mit Eingabe vom 3. Juni 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Sie beantragte die Aufhebung des ange fochtenen Einspracheentscheides, die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen per 15. Septembe r 2014 und eventualiter die Durch- führung weiterer medizinischer Abklärungen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte A.___ die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung u nd Verbeiständung. Im Wesentlichen machte sie in ihrer Beschwerde geltend, dass sie immer noc h an Beschwerden leide, welche auf das Unfallereignis vom 11. Januar 2012 zurück zu führen seien, und dass das eingeholte Gutachten der D.____ nicht umfassend, auf falschen Tatsa chen basierend und widersprüchlich sei. C. Mit Vernehmlassung vom 22. Juli 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin die vollum- fängliche Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unf allversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligato rischen Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. 1.2 Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist d ie versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art . 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Tag- geld. Der Anspruch entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wieder- erlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versi- cherten Person (Art. 16 Abs. 2 UVG). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindes- tens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Rechtsprechungsgemäss hat der Unfallversicherer - sofe rn allfällige Eingliederungs- massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind - fü r die Folgen so lange Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen zu erbringen, als diese natürlich kausal durch das Unfallereig- nis verursacht worden sind und von der Fortsetzung der ä rztlichen Behandlung noch eine nam- hafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Per son erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 Satz 1 UVG; BGE 134 V 109 E. 4.1). Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes im genannten Sinne zu verstehen ist, bestimmt sich namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherst ellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt, wobei die durch weiter e Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (BGE 134 V 109 E. 4.3 mit Hinweisen). Trifft dies nicht zu, ist der Fall unte r Einstellung der vorübergehenden Leistun- gen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und auf eine Integritäts- entschädigung abzuschliessen (Adäquanzprüfung). 2.2 Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht al s eingetreten oder nicht als in gleicher Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Um- schreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzus ammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache g esundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis- tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetrete ne gesundheitliche Störung entfiele (BGE 119 V 337 E. 1, BGE 118 V 289 E. 1b, je mit Hi nweisen). Ob zwischen einem schädigen- den Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im Besch werdefall das Gericht aufgrund der medizinischen Unterlagen im Rahmen der ihm obliegende n Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befin- den hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genü gt für die Begründung eine Leis- tungsanspruches nicht (BGE 129 V 181). 2.3 In beweisrechtlicher Hinsicht entfällt die einmal a nerkannte Leistungspflicht des Unfall- versicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürl iche und adäquate Ursache des Ge- sundheitsschadens darstellt. Dies trifft dann zu, wenn en tweder der (krankhafte) Gesundheits- zustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zeitpunkt, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf e ines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausa- len Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesund heitsschadens mit dem im Sozial- versicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der üb erwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Da es sich hierbei um eine anspruchsauf hebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast nicht bei der versicherten P erson, sondern beim Unfallversiche- rer (vgl. RKUV 1994 Nr. U 206, S. 326 E. 3b). Diese Beweisregel greift aber erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrund satzes und der Beweiswürdi- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung einen Sacherverhalt zu ermitteln, der zumindest di e überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b). 3.1 Streitig ist, ob die Beschwerdeführerin über den 1 . Februar 2013 hinaus Anspruch auf Leistungen ihrer Unfallversicherung hat. 3.2 Vorliegend war die Beschwerdeführerin am 11. Jan uar 2012 auf einem Treppenabsatz ausgerutscht und versuchte sich, während sie auf dem Gesäss die Treppe hinunterglitt, am Treppengeländer aufzufangen. Dabei zog sie sich eine Ob erschenkel- und eine Handgelenk- kontusion zu. Nach einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit na hm die Beschwerdeführerin sodann ihre Arbeitstätigkeit am 28. Februar schrittweise, zuer st 50 % und dann ab dem 19. März 2012 zu 100% wieder auf. Erst im Oktober desselben Jahres erfolgte erneut eine 100%ige Arbeitsun- fähigkeit, hervorgerufen durch Handgelenkschmerzen. Die Beschwerdeführerin gibt an, wäh- rend der insgesamt ungefähr sieben Monate, die zwischen den Episoden ihrer Arbeitsunfähig- keit lagen, an Schmerzen gelitten und auch unter solche n gearbeitet zu haben. Diese Schmer- zen hielten bis heute an. Die Beschwerdegegnerin hingegen verneint eine diesbezügliche natür- liche Kausalität zwischen den aktuellen Schmerzen und dem Unfallereignis vom 11. Januar 2012 und lehnt in der Folge eine Leistungspflicht, die über den 1. Februar 2013 hinausgeht, ab. 3.3 Um beurteilen zu können, ob die geklagten Beschwerde n noch natürlich kausal zum Unfallereignis sind bzw. wenn ja, ob noch von einer nam haften Verbesserung des Gesund- heitszustandes ausgegangen werden kann oder der Endzustand erreicht ist, ist das Gericht auf medizinische Unterlagen angewiesen (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen Hinweisen). Die- se sind nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweis- würdigung (vgl. Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche- rungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) - wie alle ander en Beweismittel - frei, d.h. ohne Bin- dung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeu- tet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver- lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatt en. Insbesondere darf es bei einan- der widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Be weiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Be lange umfassend ist, auf allseitigen Un- tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 252 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachte n externer Spezialärztinnen und - ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weite- ren Hinweisen). 4.1 Strittig ist im vorliegenden Verfahren vor allem, ob die Diagnose eines komplexen regio- nalen Schmerzsyndroms (CRPS) Typ I zutreffend ist und wenn ja, ob dieses mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen ist. 4.2 Unter dem CRPS, auch Algodystrophie oder Morbus Sud eck genannt, wird in der Medi- zin ein posttraumatisches Krankheitsbild beschrieben, das sich, von einem blanden Trauma ausgelöst, schnell zu heftigen Schmerzen von brennendem und invalidisierendem Charakter wandelt, dem sich motorische, trophische und sensomotorisch e Funktionseinschränkungen zugesellen; typisch ist, dass eine ganze Extremität oder ei ne grosse Körperregion betroffen ist. Auslösende Ursachen können unter anderem Gelenksdistorsi onen sein. Die Diskrepanz zwi- schen dem eigentlichen, als Bagatelle anzusehenden auslö senden Trauma und den sich daran anschliessenden Folgen ist als dramatisch zu bezeichnen. Ät iologie und Pathogenese der CRPS sind unklar, weshalb zur Qualifikation des Beschwerdebildes als Folge eines Unfalles die folgenden drei Kriterien erfüllt sein sollten: a) N achweis eines Körperschadens nach einem Un- fall beispielsweise in Form eines Hämatoms oder einer Sc hwellung oder das Auftreten einer Algodystrophie nach einer wegen einer Unfallverletzung durchgeführten Operation; b) Aus- schluss anderer nicht traumatischer, ursächlicher Faktoren w ie zum Beispiel der Zustand nach einem Myokardinfarkt, nach einer Apoplexie, bei einer B arbiturat-Einnahme, bei Tumoren oder bei Schwangerschaften etc.; c) Kurze Latenzzeit zwischen dem Unfall und dem Auftreten der Algodystrophie. Die typischen Symptome des CRPS müssen auswe islich der echtzeitlichen medizinischen Akten innerhalb von sechs bis acht Wochen n ach einem Unfall aufgetreten sein (vgl. dazu SVR 2010 UV Nr. 18 S. 69, Urteil des Bund esgerichts 8C_384/2009 vom 5. Januar 2010, E. 4.2.1 mit Hinweisen auch auf die medizinische Literatur). 5.1 Dr. med. E.___, FMH Allgemeine Innere Medizin, h ielt in ihrem Bericht vom 29. Februar 2012 fest, dass sich die Handgelenkschmerzen der Beschwerdefü hrerin gebessert hätten und dass keine weiteren Abklärungen vorgenommen werden müsste n. In ihren beiden darauffol- genden Berichten vom 23. Oktober 2012 und vom 1. Novemb er 2012 legte sie dar, dass die Beschwerdeführerin ungefähr seit einem Monat rechts ern eute Hand- respektive Handgelenk- schmerzen verspüre, welche bis in die Schulter ausstrahlen würden. Sie diagnostizierte ein Sulcus Ulnaris Syndrom und ein Neurinom des N. radialis sowie eine Handgelenkkontusion mit prolongiertem Heilungsverlauf. 5.2 Dr. med. F.___, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa- rates, diagnostizierte in seinem Bericht vom 15. Januar 2013 zu Handen der G.____ Versiche- rungen unter anderem ein posttraumatisches CRPS am rechten Arm mit trophischen Störungen sowie eine Bewegungseinschränkung des Handgelenks und der Finger. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Dr. med. H.___, FMH Orthopädische Chirurgie und T raumatologie des Bewegungsappa- rates/Handchirurgie, diagnostizierte bei der Beschwerdef ührerin am 19. November 2012 eine eindrückliche Allodynie am rechten Handgelenk dorsal mit schmerzbedingter Bewegungsein- schränkung, eine Dysästhesie und eine Hypästhesie der Finger III und IV sowie ein dorsales Handgelenkganglion. Das neuropathische Schmerzsyndrom befand er als unklar. 5.4 PD Dr. med. I.___, Chefarzt Abteilung für Physikali sche Medizin und Rheumatologie, hielt in seinem Bericht vom 7. Oktober 2013 fest, dass bei der Beschwerdeführerin ein ausge- prägtes CRPS an der rechten Hand vorläge. 5.5 Dr. med. J.___, FMH Rheumatologie/Innere Manuell e Medizin, führte in seinem Bericht vom 30. Januar 2013 aus, dass sich eine Konvergenzstörung über C4/5 rechts mit muskulärer Störung im Levator Scapulae feststellen liesse. Ferner zeige sich am Austritt des Gefässner- venstranges eine stark gereizte Scalenuslücke und eine dysfu nktionelle 1. Rippe. Die diffuse Schwellung der Hand, insbesondere der ulnaren Seite, se i deutlich. Es müsse ein CRPS disku- tiert werden, da die Schwellungszustände, die Farbänderungen sowie die Schmerzsymptomatik mit eingeschränkter Funktionalität dafür sehr verdächtig seien. In seinem Bericht vom 1. Juni 2015 hielt Dr. J.___ zudem fest, dass es oft schwierig sei, die Diagnose eines CRPS definitiv zu bestätigen. Als objektiver Befund läge hier jedoch eine Szintigraphie vor, die ein CRPS im Sta- dium 1 zeige. Weiter führte er aus, dass es nicht richtig sei, die Diagnose eines CRPS wegen der Latenzzeit zwischen dem Unfall vom 11. Januar 2012 un d der erstmaligen Diagnose vom 30. Januar 2013 auszuschliessen. Die Beschwerdeführerin ha be schon rasch nach dem Unfall- ereignis typische Symptome für ein CRPS entwickelt, wobei die Beschwerden primär als neuro- pathisch und als Allodynie des Handgelenks interpretiert worden seien. 5.6 Im Rahmen des von der Beschwerdegegnerin am 13. Au gust 2013 eingeholten ABI- Gutachtens, stellte Dr. med. K.___, FMH Allgemeine Innere Med izin, fest, dass bei der allge- meininternistischen Untersuchung der Beschwerdeführerin kein Schonverhalten der rechten Hand hätte festgestellt werden können. Zudem bestünde n auch keine klinischen Zeichen wie Schwellung, Unterkühlung oder Artrophie der rechten H and. Dr. med. L.___, FMH Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparate s, erkannte in seinem orthopädi- schen Teilgutachten, dass sich kein eindeutiger pathologi scher Befund erheben liesse, welcher die geltend gemachten Beschwerden an der gesamten rech ten Körperhälfte ausreichend be- gründen würden. Namentlich ergäben sich keine objektivie rbaren Hinweise dafür, dass ein CRPS der rechten Hand vorliegen würde. Dies wäre sein es Erachtens auch unter dem Aspekt erstaunlich, als die Beschwerdeführerin bereits seit über einem Jahr eine Hemisymptomatik rechts geltend mache, die kaum in einen plausiblen Zusammenhang mit einem allfälligen CRPS zu bringen wäre. Dr. med. M.___, FMH Neurologie, hie lt in seinem neurologischen Teilgutach- ten fest, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung der Beschwerdeführerin mit Sicherheit kein neu- ropathisches Schmerzsyndrom habe festgestellt werden können. Ebenso würden Hinweise auf ein CRPS fehlen. Aus neurologischer Sicht könnten die angegebenen Beschwerden und somit auch die erheblichen Einschränkungen im Alltag nicht sch lüssig nachvollzogen werden. Dr. med. N.___, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem psychiatrischen Teilgutach- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten aus, dass die beklagten körperlichen Belange wie auch die subjektive Krankheitsüberzeu- gung der Beschwerdeführerin, überhaupt keiner Arbeit nachgehen zu können, durch die soma- tischen Befunde nicht hinreichend objektiviert werden könn ten, sodass eine psychische Überla- gerung angenommen werden müsse. 6.1 Die Beschwerdeführerin stützt sich in ihrer Beschwerd e unter anderem auf die Ausfüh- rungen von Dr. J.___ in seinem Bericht vom 1. Juni 201 5. Darin hielt dieser fest, dass es (aus medizinischer Sicht) falsch sei, das Vorliegen eines CRPS aufgrund der langen Latenzzeit zwi- schen Unfallereignis und Zeitpunkt der Diagnose automatisch auszuschliessen. Seiner Meinung nach seien objektive Befunde gegeben, welche ein CRPS Typ 1 zu belegen vermöchten. Selbst wenn dies zutreffen sollte, ist die Frage, die aus jurist ischer Sicht zu interessieren hat, ob ein solches CRPS als unfallkausal eingestuft werden könnte od er nicht. Die Beschwerdeführerin hatte ihre letzte medizinische Abklärung im Anschluss an i hren Treppensturz im März 2012. Damals lag kein CRPS vor. Zwischen dieser Abklärung im März 2012 und der erneuten ärztli- chen Untersuchung im Oktober 2012 vergingen sieben Monate. Während dieser sieben Monate war sie zudem zu 100% arbeitstätig. Dr. E.___ hielt i n ihren beiden Berichten vom 23. Oktober 2012 und vom 1. November 2012 fest, dass die Beschwerdef ührerin zum Zeitpunkt der Unter- suchung im Oktober 2012 erst seit einem Monat erneute H andschmerzen verspürte. Ein Kau- salzusammenhang zwischen dem geltend gemachten CRPS und dem Unfall ist daher, wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, aufgrund der von de r bundesgerichtlichen Rechtsprechung ausdrücklich vorausgesetzten kurzen Latenzzeit zwischen dem Unfall und dem Auftreten eines CRPS, die sechs bis acht Wochen nicht übersteigen darf, infolge der vorliegend effektiv gege- benen Latenzzeit von sieben Monaten nicht wahrscheinlich, beziehungsweise lässt sich mit den vorhandenen echtzeitlichen ärztlichen Berichten nicht nach weisen. Zusätzliche Abklärungen lassen keinen neuen Aufschluss für den zu beurteilenden Zei traum erwarten, weshalb davon abzusehen ist. Die Beschwerdeführerin macht neben dem CRPS auch keine anderweitige or- ganische Gesundheitsschädigung geltend, welche die geklag ten Beschwerden zu erklären vermöchte und gegebenenfalls auf den Unfall vom 11. Feb ruar 2012 zurückgeführt werden könnte. Auch vermag die Beschwerdeführerin nicht darzul egen, weshalb vorliegend von der medizinischen Erfahrungstatsache abzuweichen wäre, won ach ein unfallbedingtes CRPS nur anzunehmen sei, wenn unter anderem die dafür typischen Symptome - ausweislich der echt- zeitlichen medizinischen Akten - im genannten kurzen Laten zzeitraum aufgetreten seien (vgl. dazu vorstehende E. 5.2). 6.2 Auch bei Betrachtung einer allfällig gegebenen B rückensymptomatik in Bezug auf die am Unfalltag diagnostizierte Handgelenkkontusion, müsste dies in ärztlichen Zeugnissen darge- legt und beweisbar sein. Dr. E.___ hat in ihrem Bericht von 29. Februar 2012 festgehalten, dass sich die Handgelenkschmerzen der Beschwerdeführerin zu diese m Zeitpunkt bereits gebessert hätten und von weiteren Abklärungen abgesehen werden könne und andererseits hat sie in ihren beiden weiteren Berichten vom 23. Oktober 2012 und vom 1. November 2012 bekundet, dass die erneuten Schmerzen am Handgelenk erst seit einem Monat wieder bestünden, was die Behauptungen der Beschwerdeführerin, während des gesamten Zeitraumes von Februar 2012 bis Oktober 2012 durchgehend unter Schmerzen geli tten und auch unter Schmerzen ge- arbeitet zu haben, zu entkräften vermag. Demnach kann fest gehalten werden, dass vorliegend Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei der Beschwerdeführerin der status quo sine eingetro ffen ist. Somit sind die Vorbringen der Beschwerdeführerin bezüglich des Gutachtens vom 13. August 2013 unerheblich, da die bun- desgerichtlich festgelegte maximale Latenzzeit klar überschritten wurde. Es kann dennoch fest- gehalten werden, dass es sich beim erwähnten Gutachten um einen für die streitigen Belange umfassenden, auf allseitigen Untersuchungen beruhende n, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigenden Bericht handelt, welcher in Kenntnis d er Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und bei welchem di e Schlussfolgerungen der Ärzte genü- gend umfassend und begründet sind (vgl. dazu vorstehende E. 4.2). Demzufolge vermag auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin, dass das von der B eschwerdegegnerin eingeholte Gutachten widersprüchlich und zu wenig umfassend sei, nicht zu greifen. 6.3 Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass vorliegend offen gelassen werden kann, ob bei der Beschwerdeführerin ein CRPS T yp 1 vorliegt, da auch wenn ein sol- ches gegeben wäre, die erforderliche kurze Latenzzeit klar nicht eingehalten ist, womit die Kau- salität zwischen Unfallereignis und den geltend gemachte n Handgelenkschmerzen zu vernei- nen ist. Zudem ist eine Brückensymptomatik nicht überwiege nd wahrscheinlich. Die Beschwer- de ist deshalb abzuweisen. 7.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinde n. 7.2 Gestützt auf Art. 61 lit. a ATSG sind für das vorli egende Verfahren keine ordentlichen Kosten zu erheben. 7.3 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin im Rahmen der Urteilsb eratung vom 8. Oktober 2015 die un- entgeltliche Verbeiständung mit ihrer Rechtsvertreteri n bewilligt worden ist, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 b eträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung 200 Franken pro Stunde. Die Rechtsvertr eterin hat in ihrer Honorarnote vom 3. September 2015 für das vorliegende Verfahren eine n Zeitaufwand von 15 Stunden und 45 Minuten geltend gemacht. Dies erscheint umfangmässig i n Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Hinzu kom men die in der Honorarnote aus- gewiesenen Auslagen von Fr. 483.50 sowie 8% Mehrwertste uer. Der Rechtsvertreterin ist des- halb ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘924.20 (15 St d. und 45 Min. à Fr. 200 .-- zuzüglich Aus- lagen von Fr. 483.50 und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 7.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Ver- treterin der Beschwerdeführerin ein Honorar von Fr. 3 ‘924.20 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Gerichtska sse zu- gesprochen.