B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4069/2017 U r t e i l v o m 1 5 . O k t o b e r 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichterin Contessina Theis, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn; Gerichtsschreiberin Anne Kneer. Parteien A._______, geboren am (…), Albanien, vertreten durch Eva Gammenthaler, Solidaritätsnetz Bern, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist); Verfügung des SEM vom 10. Juli 2017 / N (…). D-4069/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge seinen Hei- matstaat Albanien am 27. Januar 2015 auf dem Luftweg und gelangte nach einem rund dreiwöchigen Aufenthalt in Griechenland am 20. Februar 2015 wiederum auf dem Luftweg in die Schweiz, wo er am folgenden Tag um Asyl nachsuchte. Zur Begründung dieses Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er stamme aus B._______ (Albanien). Am (…) 2000 sei seine Schwest er barbarisch ermordet worden. Vor ihrer Ermordung habe sie die Zuhälter ihrer anderen Schwester angezeigt, welche dannzu- mal zur Prostitution gezwungen und nach Italien mitgenommen worden sei. Einer der Mörder sei verurteilt worden, über weitere Täter sei aber offiziell nichts bekannt. Trotz mehrerer Rekurse der Familie sei die Tat nie richtig abgeklärt worden. Die Kriminellen hätten die Familie auch oft über Drittper- sonen bedroht, damit sie die Anklage zurückziehe. Er könne nicht mehr länger in Albanien leben, da er in der gleichen Stadt wie die Mörder wohne. Leute in der Stadt würden ihn zudem provozieren, dass er nicht im Stande sei, sich zu rächen, was in seinem Kulturkreis erforderlich sei. Er persönlich habe keine Rachegefühle und wolle ein neues Leben beginnen. Sein Bru- der sei wegen dieser Angelegenheit psychisch erkrankt und werde seither medikamentös behandelt. Im Jahre 2013 habe sein Bruder beabsichtigt, ein Familienmitglied der gegnerischen Familie umzubringen. Er (der Be- schwerdeführer) habe ihn abhalten können. Er habe sich nie an die Polizei gewandt, weil er von dieser keine Hilfe erhofft habe. Vor diesem Hinter- grund sei er ausgereist. Als Beweismittel reichte er eine Todesurkunde seiner Schwester sowie Ko- pien von zwei Zeitungsartikeln im Zusammenhang mit ihrer Tötung zu den Akten. A.b Das SEM stellte mit Verfügung vom 12. März 2015 fest, der Beschwer- deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylge- such ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung wurde im Wesentlichen aus geführt, die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen- schaft gemäss Art. 3 AsylG (SR 142.31) nicht. Zum einen würden die gel-D-4069/2017 Seite 3 tend gemachten Übergriffe auch in Albanien strafbare Handlungen darstel- len, die von den Strafverfolgungsbehörden verfolgt und geahndet würden. Ferner habe sich der Beschwerdeführer nie an die Behörden gewandt und um Schutz nachgesucht. Es sei ihm zumutbar un d möglich, sich an die albanischen Behörden zu wenden. Zudem habe er ausdrücklich verneint, persönlich jemals bedroht worden zu sein. Er habe weder einen speziellen Auslöser für seine Ausreise bezeichnet, noch habe er Substanzielles über konkrete Bedrohungen berichten können. Eine aktuelle asylrelevante Ver- folgung sei nicht realistisch. Überdies stehe dem Beschwerdeführer auch die Möglichkeit einer innerstaatlichen Wohnsitzalternative offen. Das Vor- bringen im Zusammenhang mit der Ermordung der Schwester stelle keine asylbeachtliche Verfolgung dar. Auch seien seine Aussagen hierzu höchst vage und würden ausschliesslich auf Hörensagen beruhen. Die eingereich- ten Beweismittel vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu ändern . Dem geltend gemachten Druck könne er sich durch Wegzug an einen an- deren Wohnort in Albanien entziehen. Der Vollzug der Wegweisung sei zu- lässig, zumutbar und möglich. Ferner habe der Bundesrat Albanien ange- sichts der innenpolitischen Situation als verfolgungssicheren Staat (safe country) im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet. A.c Die am 18. März 2015 gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-1754/2015 vom 26. Mai 2015 abgewiesen. B. Mit Schreiben vom 11. August 2015 reichte der Beschwerdeführer ein als Wiedererwägung betiteltes Gesuch beim SEM ein. Dabei beantragte er sinngemäss die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh- rung von Asyl, eventualiter die die Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit oder Unzulässigkeit. Zur Begründung machte er im Wesentlichen dieselben Asylvorbringen wie in seinem ersten Asylverfahren geltend und verwies auf seinen verschlech- terten Gesundheitszustand. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er ei- nen ärztlichen Bericht vom 10. Juli 2015 der (…) zu den Akten, in welchem ihm eine (…) sowie eine (…) diagnostiziert wurden. C. Das SEM bat den zuständigen Kanton mit Schreiben vom 19. August 2015 vom Vollzug der Wegweisung einstweilen abzusehen und Vorbe reitungs- handlungen zu sistieren, da ein Mehrfachgesuch eingereicht worden sei. D-4069/2017 Seite 4 D. Am 3. März 2016 reiste der Bruder des Beschwerdeführers (N […]) in die Schweiz ein und ersuchte um Asyl. E. Mit Schreiben vom 30. November 2016 sowie vom 23. Juni 2017 reichte der Beschwerdeführer einen Brief seines Bruders für dessen Asylverfahren zu den Akten, wobei er darum bat, die Ausführungen des Bruders auch für sein Asylverfahren zu berücksichtigen. F. Das SEM stellte mit Verfügung vom 10. Juli 2017 fest, der Beschwerdefüh- rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. G. Der Beschwerdeführer – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – erhob mit Eingabe vom 19. Juli 2017 (Poststempel) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte zur Hauptsache die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sa- che an die Vorinstanz, eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigen- schaft, subeventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit oder Unzulässigkeit. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung sowie um Koordination des Verfahrens mit demjenigen seines Bruders. Zu- dem wurde um Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeergänzung ersucht. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer einen Zei- tungsartikel vom 20. Juni 2001 bezüglich Frauenhandel (in Kopie) sowie eine Fürsorgebestätigung vom 19. Juli 2017 zu den Akten. H. Mit Zwischenverfügung vom 26. Juli 2017 stellte die Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und wies die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG sowie um Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeergänzung – wird unter Hinweis D-4069/2017 Seite 5 auf Art. 32 Abs. 2 VwVG – ab. Zudem wurde festgestellt, dass das Be- schwerdeverfahren aufgrund des engen persönlichen und sachlichen Zu- sammenhangs mit demjenigen des Bruders koordiniert behandelt werde. I. Der B ruder des Beschwerdeführers zog mit schriftlicher Erklärung vom 26. Juli 2017 seine Beschwerde zurück, da er zu seinem kranken Vater nach Albanien zurückkehren wolle. Dessen Rechtsvertreterin bestätigte dies mit Schreiben vom 7. August 2017 und teilte mit, dass der Bruder die Schweiz bereits verlassen habe. Das Beschwerdeverfahren des Bruders wurde mit Entscheid D-4072/2017 vom 10. August 2017 als gegenstands- los geworden abgeschrieben. J. Am 7. August 2017 wurde eine Beschwerdeergänzung zu den Akten ge- reicht. Im beigelegten ärztlichen Bericht von C._______ wurde dem Beschwerde- führer eine (…) sowie eine (…) diagnostiziert. Daneben wurden zwei Zei- tungsartikel bezüglich der Geschehnisse rund um seine Schwester sowie eine Arbeitsbestätigung zu den Akten gereicht. K. Am 20.September 2017 reichte das SEM – nach entsprechender Aufforde- rung durch das Bundesverwaltungsgericht – eine Vernehmlassung zu den Akten. L. Mit Schreiben vom 30. September 2017 (Eingang SEM: 9. Oktober 2017) richtete sich der Beschwerdeführer in ei nem handschriftlichen Schreiben abermals ans SEM. M. Am 9. Oktober 2017 reichte der Beschwerdeführer – nach entsprechender Aufforderung durch das Bundesverwaltungsgericht – eine Replik zu den Akten. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er ein Schreiben b ezüglich einge- holter Abklärungen von Amnesty International Schweiz und einen Zeitungs- artikel vom 4. Dezember 2002 (inkl. Übersetzung) zu den Akten. D-4069/2017 Seite 6 N. Mit Eingabe vom 29. November 2017 legte der Beschwerdeführer einen Arztbericht von C._______ vom 28. November 2017, ein Schreiben der in Italien lebenden Schwester vom 5. November 2017 (inkl. Briefumschlag im Original und Ausweiskopie) , in welchem diese die Vorbringen des Be- schwerdeführers bestätigte, ein persönliches Schreiben des Beschwerde- führers sowie zwei Arbeitsbestätigungen ins Recht. O. Am 12. Februar 2018 reichte der Beschwerdeführer einen Brief seines Va- ters (inkl. Übersetzung und Briefumschlag), einen Auszug aus dem Bericht „Child Trafficking in Albania“ sowie Auszüge aus dem Werk „Kanu n“ von Lekë Dukagjini zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen D-4069/2017 Seite 7 richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend han- delt es sich im Urteilszeitpunkt um eine solche, insbesondere da der psy- chisch schwer kranke Bruder des Beschwerdeführers seine Beschwerde am 26. Juli 2017 zurückzog und die Schweiz bereits verlassen hat. Ein all- fälliges Abhängigkeitsverhältnis zwischen den beiden ist dem nach nicht mehr zu prüfen. Der B eschwerdeentscheid kann daher lediglich summa- risch begründet werden (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, d es Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung der Verfügung vom 10. Juli 2017 führte das SEM im Wesentlichen aus, es zeige sich im Gegensatz zur V erfügung vom 12. März 2015 nun, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers nicht geglaubt werden könnten. So treffe es zwar zu, dass im Jahr 2000 in sei- nem Heimatdorf eine Frau aus den von ihm dargelegten Gründen umge- bracht worden sei. Diese r Fall betreffe aber nicht seine Familie. Gemäss D-4069/2017 Seite 8 einem Zeitungsartikel habe sich ein ähnlicher Fall tatsächlich zugetragen. Jedoch würden die Namen des Opfers und der Familie nicht übereinstim- men. Es sei offensichtlich, dass er seine Asylvorbringen unmittelbar von dieser Geschichte ableite und seine diesbezüglichen Asylvorbringen nicht zutreffen würden. Es könne aber mit an Sicherheit grenzender Wahrschein- lichkeit ausgeschlossen werden, dass am gleichen Ort und zur gleichen Zeit zwei praktisch identische Ereignisse stattgefunden hätten. Alleine der Hinweis auf das Vorhandensein von Blut - respektive Ehrenrache in Alba- nien sei nicht geeignet, die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Vorbrin- gen in einem neuen Licht zu zeigen. Auch der Umstand einer vorgefallenen Bluttat vermöge nicht automatisch zu begründen, dass ein männlicher An- gehöriger der Täterfamilie durch die Opferfamilie bedroht sei. Insofern wi- derspreche die pauschale Behauptung den Tatsachen. Auch die einge- reichten Beweismittel vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu än- dern, zumal sie nicht geeignet seien, die Glaubhaftigkeit der Vorbringen nachzuweisen. Albanien gelte als verfolgungssicherer Staat (safe country) im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG, weshalb die gesetzliche Regel- vermutung gelte, dass die albanischen Behörden grundsätzlich schutzwillig und schutzfähig seien. Zudem würden keine individuellen Gründe vorlie- gen, welche gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen würden. Vor Ort würden verschiedene Verwandte leben, die ihm der Rück- kehr behilflich sein könnten, weshalb er wirtschaftlich und sozial abgesi- chert sei. Das Gesundheitswesen sei in Albanien grösstenteils staatlich und die staatlichen Spitäler können grundsätzlich alle gängigen Behand- lungen vornehmen, wobei die Behandlung psychischer Probleme spitalba- siert sei. Eine psychiatrische Behandlung sei in Albanien vorhanden. Der Wegweisungsvollzug sei ferner zulässig und möglich. 5.2 In seiner Beschwerde machte der Beschwerdeführer – nach einer aus- führlichen Darstellung des bereits geltend gemachten Sachverhalts – im Wesentlichen geltend, er werde aufgrund seiner sozialen Zugehörigkeit als Bruder von Menschenhandels- und Mordopfern auf eine Weise verfolgt, die einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne des Asylgesetz bewirk- ten. Dagegen könne und wolle ihn der Staat nicht schützen. Aufgrund der latenten Gewalt zwischen ihm und den Täterfamilien könne er nicht zurück- kehren. Er leide zudem an psychischen Problemen, welche bei einer Rück- kehr erheblich verstärkt würden. Ein neues Leben auf zubauen wäre nicht möglich und er könnte früher oder später eine Handlung wie Selbstmord, Rachemord oder Ähnliches begehen. Das SEM stütze sich in der ange- fochtenen Verfügung in erster Linie auf einen Zeitungsartikel. Er und sein Bruder hätten die Vorkommnisse aber mit diversen Beweismitteln belegen D-4069/2017 Seite 9 können. Die im Artikel genannte Familie gebe es nicht und die Geschichte habe sich nicht wie im Artikel beschrieben ereignet. Es sei durchaus denk- bar, dass sich der Autor von verschiedenen recherchierten Schicks alen habe inspirieren lassen. Dies wisse er aber nicht. Weshalb das SEM einen Zeitungsartikel als gesicherte Erkenntnis ansehe, aber keine weiteren Un- tersuchungen anstelle, sei nicht nachvollziehbar. 5.3 In seiner Vernehmlassung machte das SEM im Wesentlichen geltend, der erste Entscheid des SEM habe die Vorbringen nicht unhinterfragt ge- glaubt, sondern bloss auf eine mangelnde Asylrelevanz der Vorbringen hin- gewiesen. Aufgrund der neuen Elemente seien die Vorbringen nun eindeu- tig als unglaubhaft beurteilt worden. Weiter könnten weitere Unglaubhaftig- keitselemente angeführt werden, insbesondere würden die Vorbringen der Substanz entbehren. Zudem wisse der Beschwerdeführer in zentralen Punkten einiges nicht, was er eigentlich wissen müsste, beispielsweise hin- sichtlich der Gründe für die Tat an der Schwester, die Bedrohung der Eltern sowie der Überfälle. Darüber hinaus seien der Ausreisezeitpunkt sowie der Umstand des Verbleibs der Eltern in Albanien nicht nachvollziehbar. Weiter mache er zum einen geltend, es sei die Hölle gewesen, neben der gegne- rischen Familie zu wohnen, andererseits könne er keinen einzigen Über- griff schildern. Auch das Verhalten seines Bruders zeige, dass für den Be- schwerdeführer in Albanien keine Gefahr bestehe, zumal der Bruder die Rückreise nach Albanien beabsichtige. Eine Botschaftsabklärung erübrige sich deshalb. Die psychische Erkrankung des Beschwerdeführers sei be- reits im ersten Verfahren bekannt gewesen, weshalb auf diese Ausführun- gen verwiesen würde. 5.4 In seinem handschriftlichen Schrei ben vom 30. September 2017 machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen sinngemäss geltend, er werde in Albanien unter Druck gesetzt Rache am Mord seiner Schwester zu üben. Er befürchte deshalb wie sein Bruder psychisch zu erkranken. Sein Bruder verunmögliche auch, die Geschichte ruhen zu lassen. Er bitte um eine Chance für ein Leben in der Schweiz. 5.5 In seiner Replik machte der Beschwerdeführer zur Hauptsache gel- tend, da die Geschehnisse rund um seine Schwester einige Zeit zurücklie- gen würden, sei es schwierig, entsprechendes Beweismaterial aufzutrei- ben. In einem Artikel einer Journalistin würden die Geschehnisse aber be- stätigt, wobei darauf hingewiesen werde, dass die wahren Verantwortli- chen für den Tod der Schwester straflos geblieben seien. Bei V erbrechen im Zusammenhang mit Menschenhandel und organisiertem Verbrechen D-4069/2017 Seite 10 würde der Kanun auch keine Lösung ausser Rache vorsehen. Beim Tod seiner Schwester sei er (…) Jahre alt gewesen, weshalb er sehr wenig über die Gründe und Hintergründe der Tat mitbekommen habe. Nach der Rück- kehr des Bruders habe dieser die Sache nicht ruhen lassen können, wes- halb das Leben schwierig geworden sei. Auch ein von der Kirche unter- stützter Umzug nach C.______ habe aus finanziellen Gründen sowie we- gen seines Bruders rückgäng ig gemacht werden müssen. Dies habe ins- gesamt einen unerträglichen psychischen Druck bewirkt. Er habe sich zur Ausreise entschieden, da er befürchtet habe, immer kränker zu werden. Die Anwesenheit des Bruders in Albanien verschärfe seine Situation zu- sätzlich. Er benötige eine psychotherapeutische Betreuung. Für ihn, der aus sehr ärmlichen Verhältnissen stamme und auf keine Unterstützung sei- ner Angehörigen zählen könne, sei eine Rückkehr nicht zumutbar. 5.6 In seinem Schreiben vom 25. November 2017 (eingereicht mit der Ein- gabe vom 29. November 2017) machte der Beschwerdeführer in ergän- zender Weise im Wesentlichen geltend, seine Schwester lebe in Italien im- mer noch in Angst vor den Leuten, welche sie zur Prostitution hätten zwin- gen wollen. Seit der Rückkehr sein es Bruders im Jahr 2010 lebe er in Angst, was dieser wohl unternehmen werde. Auch in C._______ hätten viele Leute aus B._______ gelebt, weshalb auch dort die Geschichte be- kannt gewesen sei. 5.7 In der Eingabe vom 12. Februar 2016 wurde mit Hinweis auf die ent- sprechenden Beweismittel im Wesentlichen geltend gemacht, sein Bruder in Albanien sei nach wie vor von der Geschichte besessen und mache der Familie das Leben unerträglich. Aus dem eingereichten Bericht gehe zu- dem hervor, dass es sich um seine Familiengeschichte handle, wobei auch in diesem Bericht Ungenauigkeiten enthalten seien. Spätestens mit diesem Bericht sei der Argumentation der Vorinstanz, wonach er die Geschichte einer anderen Familie geltend mache, die Grundlage entzogen. Seine Fa- milie habe laut K anun aus traditioneller, albanischer Sicht die Ehre verlo- ren, welche nur mit Blutrache an allen Tätern wiederhergestellt werden könne. Dieser immense und unerträgliche psychische Druck sei bei der Urteilsfindung zu berücksichtigen. 6. 6.1 Aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts ist es nicht ersichtlich, wes- halb die Vorinstanz die durch diverse Beweismittel belegte und bereits als glaubhaft erachteten Asylvorbringen des Beschwerdeführers in der Verfü-D-4069/2017 Seite 11 gung vom 10. Juli 2017 zur Hauptsache auf Basis eines einzigen Zeitungs- artikels ohne weitere Abklärungen, ob es sich dabei nicht um die Ge- schichte der Familie des Beschwerdeführers handelt könnte, als nicht glaubhaft erachtete. So ist es durchaus denkbar und im Beschwerdever- fahren durch den Beschwerdeführer auch in glaubhafter Weise aufgezeigt, dass der Journalist die Namen und einige Details in seiner Reportage bei- spielsweise zum Quellenschutz abgeändert hat. Die diesbezüglichen Er- wägungen des SEM überzeugen auch unter Berücksichtig einer lediglich summarischen Begründung nicht. Auch der Verweis auf die gesicherten Kenntnisse des SEM bezüglich des traditionellen Rechts Kanun – unter Verweis auf einen Zeitungsartikel – vermögen die Beurteilung der Vorbrin- gen als unglaubhaft nicht hinreichend darzulegen, zumal sie sich kaum mit dem Einzelfall befassen. Überdies ist anzumerken, dass die Ausreise des Bruders vorliegend nicht in Zusammenhang zur Glaubhaftigkeit der Vor- bringen des Beschwerdeführers zu stellen ist, begründet sich die Ausreise des Bruders in nicht unwesentlicher Weise durch dessen schwierige ge- sundheitliche Situation. Im Sinne der nachfolgenden Erwägungen kann aber auf eine abschliessende Beurteilung der Glaubhaftigkeit verzichtet werden. 6.2 Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit von im Rahmen des Asylverfahrens gemachten Vorbringen stellt gemäss langjähriger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts und der vormaligen Asylrekurskommission eine Frage der Beweiswürdigung dar. Somit ist diese Beurteilung (der Glaubhaftigkeit) grundsätzlich als rechtliche Würdigung und nicht als Fest- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu qualifizieren (vgl. Entschei- dungen und Mitte ilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [E- MARK] 1994 Nr. 13 mit weiteren Hinweisen). Ein Verfahrensfehler ist des- halb entgegen der entsprechenden Rüge in der Beschwerde nicht festzu- stellen, auch wenn die Argumentation des SEM, wie oben ausgeführt, schwer nachvollziehbar ist. 6.3 Die Asylvorbringen des Beschwerdeführers sind – selbst bei Wahrun- terstellung – wie bereits in seinem ersten Asylverfahren als nicht asylrele- vant zu bezeichnen. So wurde bereits im Urteil des Bundesverwaltungsge- richts D-1754/2015 vom 26. Mai 2016 – in welchem die Glaubhaftigkeit der Vorbringen explizit nicht in Zweifel gezogen wu rden – festgestellt, dass eine Verfolgung im Sinne allfälliger Racheakte seitens der verfeindeten Fa- milie im Heimatland nicht unter Art. 3 AsylG fällt, da es einer privaten Fehde am Erfordernis der flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmotivation mangelt (vgl. EMARK 2006 Nr. 25 E. 7 S. 276 f. m.w.H.). Es ist somit im D-4069/2017 Seite 12 Wesentlichen auf die Begründung in diesem Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts sowie auf die Begründung in der ersten Verfügung des SEM vom 12. März 2015 zu verweisen. In ergänzender Weise kann angefügt werden, dass der Beschwerdeführer die Vermutung, wonach Albanien als verfolgungssicherer Staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG zu qua- lifizieren und somit schutzwillig und schutzfähig ist, auch in diesem Verfah- ren nicht umzustossen vermochte, zumal die Ermordung seiner Schwester über mehrere Instanzen durch das albanische Justizsystem hinweg ver- folgt und auch geahndet wurde. Über die Frage der Strafzumessung und der Qualität des Verfahrens kann vorliegend nicht befunden werden. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass sich die geltend gemachten Vor- fälle zur Hauptsache im Jahr 2000 ereigneten und der Beschwerdeführer seither keine Vorfälle nennen konnte, welche die Intensität einer asylrele- vanten Verfolgung zu erreichen vermögen , wobei zu unterstreichen ist, dass nicht die Familie des Beschwerdeführers von einer Blutrache bedroht wird, sondern diese sich unter Druck gesetzt sehen, Rache an einer ande- ren Familie zu verüben. Ein unerträglicher psychischer Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ist aufgrund dieses Umstandes und aufgrund der krank- heitsbedingten unvorhersehbaren Handlungen des Bruders nicht zu erken- nen, zumal auch kein Abhängigkeitsverhältnis des volljährigen Beschwer- deführers zum ebenfalls volljährigen Bruder ersichtlich ist und sich auch noch weitere Familienangehörige in Albanien befinden. 6.4 Aufgrund des Gesagten erübrigt es sich, auf die eingereichten Beweis- mittel in vertiefter Weise einzugehen, da diese im Wesentlichen die Glaub- haftigkeit der Vorbringen darlegen wolle n respektive die geltende Recht- sprechung des Bundesverwaltungsgericht bezüglich Blutrache in Albanien nicht umzustossen vermögen. 6.5 Im Ergebnis hat das SEM somit vorliegend zu Recht die Flüchtlingsei- genschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). D-4069/2017 Seite 13 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzu g der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenst ehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren D-4069/2017 Seite 14 keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Al- banien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung nach Albanien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Al- banien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1 In seinem zweiten Asylgesuch machte der Beschwerdeführer neu ge- sundheitliche Probleme geltend. In den eingereichten ärztlichen Berichten werden ihm insbesondere eine komplexe Trauma-Folgestörung sowie eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert. Darüber hinaus bestehe eine familiäre Veranlagung für psychische Erkrankungen , wobei das Ri- siko, dass beim Beschwerdeführer unter gewissen Bedingungen derselbe Krankheitsverlauf eintrete, als hoch einzustufen sei. Die Vorstellung nach Albanien zurückkehren zu müssen, stelle einen erheblichen Druck dar, der mit einer schubhaften gravierenden Veränderung des psychiatrischen Krankheitsbildes einhergehe. Ein abrupter Abbruch der Behandlung und eine mangelhafte Weiterbehandlung berge das Risiko der Entwicklung ei- ner schwerwiegenden psychischen Störung. 8.4.2 Aus medizinischen Gründen kann sich der Wegweisungsvollzug nur dann als unzumutbar erweisen, wenn für eine betroffene Person bei einer D-4069/2017 Seite 15 Rückkehr in ihre Heimat eine wesentliche medizinische Behandlung nicht erhältlich wäre und dies eine existenzielle Gefährdung zur Folge hätte. Al- leine der Umstand, dass die medizinische Infrastruktur im Heimatstaat ein tieferes Niveau aufweist, führt demgegenüber praxisgemäss nicht zur Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2 S. 21). Zudem ist darauf zu verweisen, dass in den ärztlichen Berichten ledigli ch das Risiko einer Entwicklung einer schwerwiegenden psychischen Störung genannt wird, diese aber nicht eingetreten ist. Der Beschwerdeführer ver- mochte seinen Gesundheitszustand in der Schweiz zu verbessern , wobei er zuweilen auch Arbeitseinsätze hat leis ten können. Einer abermaligen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes kann mit entsprechender medizinischen Rückkehrhilfe entgegengewirkt werden. Dies gilt ebenso für die temporäre Sicherstellung der finanziellen Tragbarkeit der Behandlung in Albanien. Die Behandlungsmöglichkeiten von psychischen Problemen in Albanien ist grundsätzlich gegeben, wobei auf die sorgfältigen Erwägun- gen in der angefochtenen Verfügung zu verweisen ist. 8.4.3 Darüber hinaus verfügt der junge und ledige Beschwerdeführer über eine solide Schulbildung (zwölf Jahre mit Abschluss einer allgemeinen Dip- lommittelschule) und lebte im Wesentlichen bei seinen Eltern in deren ei- genen Haus in B._______. Ferner geht aus den Akten hervor, dass er in Albanien auf ein relativ umfangreiches verwandt schaftliches Beziehungs- netz zurückgreifen kann, was die Reintegration sowie die Pflege des kran- ken Bruders erleichtert. Auch steht die allgemeine Situation in Albanien ei- nem Wegweisungsvollzug klarerweise nicht entgegen. 8.4.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach als zumutbar. 8.5 Der Beschwerdeführer ist im Besitz eines albanischen Reisepasses und einer Identitätskarte, welche gemäss Art. 10 AsylG zu Handen des SEM sichergestellt wurden. Der Vollzug der Wegweisung ist demnach auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung D-4069/2017 Seite 16 Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege mit Verfügung vom 26. Juli 2017 gutgeheissen wurde, werden keine Verfahrenskosten auferlegt. (Dispositiv nächste Seite) D-4069/2017 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Anne Kneer Versand: