Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Dezember 2016 (720 16 157 / 328) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision aufgrund einer Verbesserung des Gesu ndheitszustandes / Beurteilung des aktuellen Rentenanspruchs Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1975 geborene, zuletzt bei der B.____ AG als Betriebsarbeiterin tätig gewesene A.____ hatte sich im April 1999 bei der Eidgenössis chen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen angemeldet. Nach Vornahme erwerblich er und gesundheitlicher Abklärungen ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft bei der V ersicherten in Anwendung der allgemeinen Bemessungsmethode einen IV-Grad von 44 %. Gestützt auf dieses Ergebnis und bei gleichzei- tigem Vorliegen eines wirtschaftlichen Härtefalles sprach sie A.____ mit Verfügung vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 16. Januar 2002 rückwirkend ab 1. August 1999 eine halbe Rente zu. Nach einem ersten Ren- tenrevisionsverfahren, in welchem unveränderte Verhältn isse festgestellt worden waren (Mittei- lung vom 17. November 2004), leitete die IV-Stelle i m Dezember 2007 ein weiteres Revisions- verfahren ein. In dessen Rahmen holte sie bei der Begu tachtungsstelle C.____ ein polydiszipli- näres Gutachten über die Versicherte ein, das am 26. August 2008 erstattet wurde. Gestützt auf die Ergebnisse dieses Gutachtes ermittelte die IV-Stell e neu einen IV-Grad von 41 %, worauf sie der Versicherten am 7. Oktober 2008 mitteilte, dass sie weiterhin Anspruch auf die bisherige halbe (Härtefall-)Rente habe. Nachdem in einem drit ten Rentenrevisionsverfahren wiederum unveränderte Verhältnisse festgestellt worden waren ( Mitteilung vom 21. Januar 2010) leitete die IV-Stelle im November 2013 von Amtes wegen eine weitere Überprüfung des laufenden Rentenanspruchs der Versicherten ein. Gestützt auf die E rgebnisse ihrer Abklärungen hob die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 14. April 2016 die A.____ bisher ausgerichtete halbe Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung fol- genden Monats auf. Zur Begründung machte sie im Wesent lichen geltend, dass sich der Ge- sundheitszustand der Versicherten in psychiatrischer Hinsicht relevant verbessert habe, so dass in Anwendung der allgemeinen Bemessungsmethode des Einkommensvergleichs nun- mehr neu ein IV-Grad von 0 % resultiere. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, am 16. Mai 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefoc htene Verfügung aufzuheben und es sei festzustellen, dass die sie weiterhin Anspruch auf eine halbe Rente der IV habe; unter o/e- Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 8. August 2016 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Da die IV-Stelle ihren Ausführungen einen Berich t von Dr. med. D.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dien st (RAD) beider Basel, vom 4. Juli 2016 beigelegt hatte, räumte das Kantonsgericht der Be schwerdeführerin Gelegenheit zur Ein- reichung einer Replik ein. In der Folge beschränkte sich diese in ihrer Eingabe vom 10. Oktober 2016 auf die Mitteilung, dass sie an ihren Rechtsbegeh ren und Ausführungen gemäss der Be- schwerdeschrift vollumfänglich festhalte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 16. Mai 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind d ie ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 4.2.1 Zu beachten ist sodann, dass das Bundesgericht im Lei turteil BGE 141 V 281 ff. seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatof ormen Schmerzstörungen (BGE 130 V 352) und damit vergleichbaren psychosomatischen Lei den (vgl. BGE 140 V 13 f. E. 2.2.1.3) revidiert hat. Eine Einschränkung der Leist ungsfähigkeit kann danach weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Ge- sundheitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig wird der Ren tenanspruch - in Nachachtung der ver- fassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 de r Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Rech tsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) - anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht eine medizinische Evidenz, dass die Erwerbs unfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bundesgericht der seit längerem namentlich aus medizini- scher, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusserten Kritik Rechnung und hält an der Überwindbarkeitsvermutun g nicht weiter fest. Anstelle des bis- herigen Regel/Ausnahme-Modells tritt ein strukturiertes, normatives Prüfraster. In dessen Rah- men wird im Regelfall anhand von auf den funktionelle n Schweregrad bezogenen Standardindi- katoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen erg ebnisoffen und symmetrisch beur- teilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfakto ren wie den vorhandenen Ressour- cen Rechnung getragen wird (Urteil A. des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 4.2.2 Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei den genannten Gesundheitsschäden beachtlichen Standardindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert: Der erste Indi- katoren-Komplex steht unter dem Titel “Gesundheitsschädigung“. Darunter sind die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, der Gesichtspunkt Behand lungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz und die Komorbiditäten zu würdigen. Im zweiten, die “Persönlichkeit“ betreffen- den Indikatoren-Komplex wird nach der Persönlichkeitsent wicklung und der Persönlichkeits- struktur gefragt, und es sind die persönlichen Ressourcen des Versicherten zu eruieren. Im drit- ten Indikatoren-Komplex schliesslich ist unter dem Titel “Sozialer Kontext“ eine Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds vorzunehmen. Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich die “Konsistenz“ zu prüfen. Darunter fallen ver haltensbezogene Kategorien wie die Indikatoren einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivität sniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und eines behandlungs- und eingliederun gsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks (BGE 141 V 296 ff. E. 4). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.3 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Ste llungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und - in der Folge - Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einsc hränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und damit ve rgleichbare Leiden können somit eine Invalidität nur begründen, wenn die funktionelle n Auswirkungen der medizinisch festge- stellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfal l anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit zumindest überwiegende r Wahrscheinlichkeit in einem an- spruchserheblichen Ausmass nachgewiesen sind. Fehlt es daran , hat die Folgen der Beweislo- sigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 308 E. 6). 5. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle die der Versicherten seit 1. August 1999 aus- gerichtete halbe Rente zu Recht per Ende Mai 2016 aufgehoben hat. 5.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 5.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu e iner materiellen Revision. Bloss auf ei- ner anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhe bliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugr enzen. Eine ärztliche Schlussfol- gerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (Ur teil J. des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E . 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 16. Januar 2002 rückw irkend ab 1. August 1999 bei einem Invaliditätsgrad von 44 % und gleichzeitigem Vorliegen eines wirtschaftlichen Härtefalles eine halbe Rente zu. Im Laufe des nachfolgenden Rentenbezug s der Versicherten führte die IV- Stelle von Amtes wegen mehrere Rentenrevisionsverfahren durch. Eine einlässliche materielle Prüfung des Rentenanspruchs mit einer vertieften Abkläru ng des medizinischen Sachverhalts erfolgte dabei letztmals im Rahmen des im Dezember 2007 eingeleiteten Revisionsverfahrens, holte die IV-Stelle doch damals ein polydisziplinäres Gut achten bei der Begutachtungsstelle C.____ ein. Gestützt auf dessen Ergebnisse eröffnete di e IV-Stelle der Versicherten in der Mit- teilung vom 7. Oktober 2008, dass sie keine Änderung fest gestellt habe, die sich auf die Rente auswirke (Invaliditätsgrad: 41 %), weshalb weiterhin Anspruch auf die bisherige halbe (Härtefall- )Rente bestehe. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurte ilung der Frage, ob bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 14. April 2016 allenfalls eine Änderung in den tat- sächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisi onsweise Aufhebung der bis anhin aus- gerichteten IV-Rente rechtfertigt, bildet demnach die Situation, wie sie gemäss der Mitteilung vom 7. Oktober 2008 bestand; denn laut Art. 74 ter lit. f der Verordnung über die Invalidenversi- cherung (IVV) vom 17. Januar 1961 bedarf es keiner Ver fügung, wenn die Invalidenrente nach einer von Amtes wegen durchgeführten Revision weiter au sgerichtet wird, sofern keine leis- tungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgeste llt wird, was hier der Fall war. Eine solche Mitteilung ist, wenn keine Verfügung verlangt w orden ist (Art. 74 quater IVV), in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteil K. des Bundes- gerichts vom 29. Januar 2010, 8C_1005/2009, E. 3.2 mit Hinweis). 6. Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob sich der Gesundh eitszustand und - damit einher- gehend - der Grad der Arbeitsfähigkeit der Versichert en tatsächlich, wie von der IV-Stelle gel- tend gemacht, seit Oktober 2008 in einer anspruchserheblichen Weise verbessert haben. 6.1 Im Rahmen des im Dezember 2007 eingeleiteten Rent enrevisionsverfahrens, in wel- chem sie die laufende halbe (Härtefall-)Rente der Ver sicherten bestätigte (Mitteilung vom 7. Oktober 2008), stützte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts - wie vorstehend erwähnt - auf das von ihr eingeholte p olydisziplinäre Gutachten der Begutach- tungsstelle C.____ vom 26. August 2008. Darin wurden folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: (1) eine depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelschwere Epi- sode mit somatischem Syndrom und ausgeprägten Somatisier ungstendenzen, Differenzialdiag- nose: anhaltende somatoforme Schmerzstörung; (2) ein lu mbospondylogenes Schmerzsyn- drom links bei angedeuteter linkskonvexer Lumbalskoliose u nd angedeuteten ISG-Arthrosen vorwiegend links sowie einer ISG-Dysfunktion links; (3) e in Schmerzsyndrom am rechten Knie mit Verdacht auf Patellachondropathie bei Dysplasie sowi e bei degenerativen Veränderungen am medialen Meniskushinterhorn rechts (MRT vom 21.01.2008 ). In orthopädischer Hinsicht seien die Befunde im Vergleich zur Begutachtung im Jah r 2001 annähernd unverändert geblie- ben. Neu hinzugekommen seien eine Chondropathia pate llae und eine beginnende degenerati- ve Diskopathie. Die orthopädische Untersuchung habe nur g eringe objektive Befunde gezeigt. So seien eine gewisse Fehlhaltung der Lendenwirbelsäule, eine insuffiziente Rückenmuskulatur und eine Blockierung des linken Illiosakralgelenks festzuste llen gewesen. In den bildgebenden Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahren würden sich geringe degenerative Veränderung en der Illiosakralgelenke zeigen, vor allem links. Weiter fänden sich lediglich geringe dege nerative Veränderungen der präsakralen Intervertebralgelenke bei einwandfreiem Alignement de r Wirbelkörper und unauffälligen Zwi- schenwirbelräumen. Die Befunde würden die Schmerzangab en am lumbosakralen Übergang und über dem linken Illiosakralgelenk erklären. Dennoch bestehe - wie bereits im Vorgutachten aus dem Jahr 2001 festgehalten - eine deutliche Diskre panz zwischen den objektivierbaren so- matischen Befunden und dem Ausmass der subjektiv geklagten Schmerzen. In psychiatrischer Hinsicht sei festzustellen, dass die Versicherte heute im V ergleich zur Begutachtung im Jahr 2001 eine deutlich depressive Symptomatik zeige, welche das Ausmass einer leichten bis mit- telschweren depressiven Störung annehme. Nach wie vor ma che sie Schmerzen geltend, für welche sich kein ausreichendes somatisches Korrelat finden lasse. Folglich sei von einem vor- wiegend funktionellen Schmerzgeschehen auszugehen, welches als Somatisierungstendenz im Rahmen der depressiven Störung zu verstehen sei. Ob man das funktionelle Schmerzsyndrom im Rahmen der depressiven Störung verstehe oder dieses als eigenständiges Krankheitsbild im Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung wer te, sei letztendlich eine Ermes- sensfrage. Es sei aber dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die depressive Symptomatik zu ausgeprägt sei, als dass sie zwangslos unter der Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung subsumiert werden könne. Als erschwerend u nd die depressive Störung un- terhaltend kämen schwere familiäre Probleme wie Eheschw ierigkeiten hinzu. Vor allem durch das funktionelle Schmerzsyndrom sei die Versicherte in i hrer psychophysischen Belastbarkeit, Kraftentfaltung und Ausdauer deutlich eingeschränkt. In die gleiche Richtung wirke sich die An- triebslosigkeit im Rahmen der depressiven Störung aus. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei auf 40 % zu schätzen, so dass von einer Restarbeitsfähigkeit von 60 % auszugehen sei. 6.2 Medizinische Grundlage der im vorliegenden Verfahre n angefochtenen Verfügung vom 14. April 2016 bildet das von der IV-Stelle in Auftra g gegebene bidisziplinäre (rheumatologi- sche/psychiatrische) Gutachten der Begutachtungsstelle E.___ _ vom 18. August 2014. Darin wurden folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeit sfähigkeit festgehalten: (1) eine anhal- tende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.0); (2) e ine Dysthymie (ICD-10 F34.1); (3) eine Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1); (4) e ine rezidivierende depressive Störung, derzeit remittiert (ICD-10 F33.4); (5) ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom seit 1997 mit Schmerzausstrahlung ins linke Bein bis zur Grossze he links, wobei eine intermittie- rende, leichte, tieflumbale radikuläre Wurzelreizsymptomatik links klinisch nicht auszuschliessen sei, klinisch aber nur eine minime Beweglichkeitseinschr änkung der LWS ohne spinale Hyper- mobilitätszeichen bestehe, dies bei konventionell-radio logisch unauffälligen LWS-Verhältnissen (Röntgen 25.06.2014), wobei eine chronische ISG-Dysfun ktion links gemäss früheren manual- medizinischen Beurteilungen möglich sei; (6) ein Verda cht auf rezidivierende rotatorenman- schetten-tendopathische, differenzialdiagnostisch bursitische Schulterbeschwerdeepisoden beidseits anamnestisch, erstmals gemäss Akten 1994 links, bei klinisch zur Zeit freier schmerz- loser Beweglichkeit beider Schultern und radiologisch r echts unauffälligen Verhältnissen ohne Weichteilverkalkungen (Röntgen 25.06.2014). Massgebend für die Einschränkung die Arbeits- fähigkeit sei weiterhin die psychiatrische Beurteilung. Zu sammenfassend sei aus rein psychiat- rischer Sicht keine Veränderung des Gesundheitszustandes mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu attestieren. Nach wie vor bestehe eine somatoforme Schmerzstörung, die sich auf dem Bo- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht den einer Persönlichkeitsakzentuierung entwickelt habe. Die neu erwähnte Dysthymie be- schreibe den durchschimmernden depressiven Affekt, sobald ko nflikthafte Situationen oder emotional kränkende Beziehungskonstellationen zur Sprache kämen. Diese subdepressive Verstimmung habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkei t. Gegenwärtig bestehe, auch sechs Monate nach Absetzen des Antidepressivums, keine affektive Verstimmung im Sinne einer mindestens leichtgradig depressiven Verstimmung. Aus rheumatologischer Sicht könne ein ent- zündlich-rheumatisches Gelenkleiden verneint werden. Ande rerseits fänden sich auch jetzt kei- ne Äquivalente einer peripheren generalisierten Hyper mobilität mehr. Das schon lange in glei- cher Form beklagte Beschwerdebild sei in seinem invalidi sierenden und leistungslimitierenden Ausmass nur begrenzt erklärbar. Insgesamt sei der Explora ndin sicherlich muskuloskelettär eine gewisse verminderte Belastbarkeit zuzuerkennen, ei ne höhergradige Einschränkung in angepasster Tätigkeit bestehe aber nicht. Der Gesundhei tszustand sei aus somatischer Sicht weitgehend mit den früheren gutachterlichen Einschätzungen vergleichbar. Somatisch bestünde ein volles, uneingeschränktes Reintegrationspotential aus muskuloskelettärer Sicht für körper- lich sehr leichte und leichte Tätigkeiten ohne Heben, Stossen oder Ziehen von Lasten mit mehr als 5-7 kg, ohne gebückt, kniend oder kauernd sowie ohne gehäuft über Kopf zu verrichtenden Tätigkeiten ohne monotone Körperhaltungen und mit d er Möglichkeit zum Einnehmen wech- selnder Körperpositionen. Aus psychiatrischer Sicht könne die s aber nur zu 60 % umgesetzt werden. 6.3 Vergleicht man das im Referenzzeitpunkt erstellte G utachten der Begutachtungsstelle C.____ vom 26. August 2008 mit dem aktuellen Gutachten der Begutachtungsstelle E.____ vom 18. August 2014 so fällt auf, dass die jeweiligen psychiatrischen Diagnosen erheblich diffe- rieren. So wird die depressive Störung, welche 2008 im Vordergrund stand, im aktuellen Gut- achten der Begutachtungsstelle E.____ als remittiert bezeichnet und es wird lediglich noch eine Dysthymie diagnostiziert. Dafür steht im aktuellen Gutacht en eine somatoforme Schmerzstö- rung im Vordergrund, welche 2008 zwar differenzialdi agnostisch auch erwogen, dann aber ver- neint wurde, da damals die diagnostizierte Depression zu stark ausgeprägt war. Aufgrund die- ser unterschiedlichen psychiatrischen Krankheitsbilder i st die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 14. April 2016 bei der Beurteilung des aktuellen medizinischen Sachverhalts davon ausgegangen, dass sich der psychische Gesundheitszustand der Versicherten wesent- lich verändert habe. Namentlich in Bezug die depressive E rkrankung habe sich aufgrund der vollständigen Remission eine wesentliche Verbesserung des Ge sundheitszustandes manifes- tiert. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Somit hat die IV-Stelle das Vorliegen der Revisionsvoraussetzungen des Art. 17 ATSG aber zu Recht bejaht. 7.1 Gestützt auf dieses Zwischenergebnis ist in einem nächs ten Schritt zu prüfen, wie sich die geschilderte Entwicklung auf den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin auswirkt. Zur Beantwortung dieser Frage sind die Anspruchsberechtigun g und allenfalls der Umfang des An- spruchs pro futuro zu prüfen. Es gilt mit anderen Worten , auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts den Invaliditäts grad bei Erlass der streitigen Revisions- verfügung zu ermitteln, woraus sich die Anspruchsberechti gung und allenfalls der Umfang des Anspruchs ergeben (Urteile S. des Bundesgerichts vom 14. A pril 2009, 9C_1014/2008, E. 3.3, und C. vom 3. November 2008, 9C_562/2008, E. 2.3, je mit Hinweisen). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Ausgangspunkt der Beurteilung des (heutigen) Ren tenanspruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die Versicherte aufgrund ihrer gesundheitl ichen Beeinträchtigungen arbeits- unfähig ist. Das Gutachten der Begutachtungsstelle E.__ __ vom 18. August 2014 hält diesbe- züglich fest, dass der Versicherten aus rheumatologischer Sicht in einer körperlich leichten, angepassten Tätigkeit nach wie vor ein volles Arbeitspen sum zumutbar sei. Die attestierte Ar- beitsunfähigkeit von 40 % führen die Gutachter der Beg utachtungsstelle E.____ ausschliesslich auf die erhobenen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung en zurück. In psychiatrischer Hin- sicht liegen nach dem oben Gesagten (vgl. E. 6.2 hier vor) die Diagnosen einer somatoformen Schmerzstörung, einer Dysthymie, einer Persönlichkeitsakzen tuierung sowie einer remittierten Depression vor, wobei die letzteren drei Diagnosen - d ie Dysthymie, die Persönlichkeitsakzen- tuierung und die remittierte Depression - unstreitig k eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bewirken können. Als Leiden, welches allenfalls die Arbeitsfähigkeit einschränkt, verbleibt somit einzig die von den Gutachtern der Begutachtungsstelle E.____ diagnostizierte anhaltende so- matoforme Schmerzstörung. Ob diese vorliegend die Arbeit sfähigkeit beeinträchtigt, ist im Fol- genden näher zu prüfen. 7.3 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.2 hiervor), hat da s Bundesgericht im Juni 2015 mit dem Entscheid 141 V 281 ff. seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatoformen Schmerzstörungen und damit vergleichbaren psychosomatisch en Leiden revidiert. Da das bi- disziplinäre Gutachten der Begutachtungsstelle E.____ im August 2014 und somit noch vor dieser Rechtsprechungsänderung erstellt wurde, nimmt es selbstredend nicht explizit zu den für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei den genann ten Gesundheitsschäden neu zu beachten- den Standardindikatoren Stellung. Dies bedeutet nun a llerdings nicht, dass dieses nach altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten per se den Be weiswert verlöre. Vielmehr ist unter Berücksichtigung der erhobenen Rügen zu prüfen, ob das G utachten auch im Lichte der neuen Rechtsprechung - gegebenenfalls im Kontext mit weitere n fachärztlichen Berichten - eine schlüssige Beurteilung erlaubt oder nicht (BGE 141 V 309 E. 8 mit Hinweis). 7.4 Nach dem bereits weiter oben Gesagten (vgl. E: 4.2 hiervor) hat das Bundesgericht die massgeblichen Abklärungen in zwei Bereiche geteilt: In einen ersten Teil, in welchem unter dem Stichwort des funktionellen Schweregrades drei Indikator en-Komplexe geklärt werden, und in einen zweiten Teil, in dem die Folgerungen aus dem er sten Teil einer Konsistenzprüfung unter- zogen werden. 7.4.1 Der erste Indikatorenkomplex unter dem Titel "Gesu ndheitsschädigung" stellt zunächst die Frage nach der Ausprägung der diagnoserelevanten B efunde. In diesem Zusammenhang gilt es die Schwere des Krankheitsgeschehens zu würdigen un d es ist zu prüfen, wie stark die- ses die Alltagsfunktionen beeinträchtigt und ob es Hinw eise auf Aggravation oder Simulation gibt. Vorliegend geht aus dem Gutachten der Begutachtungsstelle E.____ hervor, dass die Ver- sicherte zusammen mit ihrem Mann, ihren beiden Töchtern und ihrer Schwiegermutter wohnt, wobei die Arbeiten im Haushalt vor allem von ihren T öchtern und der Schwiegermutter erledigt werden und die Versicherte in erster Linie die Einkäufe besorgt. Am Morgen geht sie in der Re- gel spazieren, erledigt kleinere Einkäufe und trifft sich mit Kolleginnen. Das Mittagessen nimmt Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sie regelmässig mit der Tochter zu Hause ein, wobei das K ochen meist die Schwiegermutter übernimmt. An den Nachmittagen beschäftigt sie sich mit dem Porzellan-Malen, geht ins Pilates oder macht Einkäufe, ausserdem liest sie gerne. Abends g eht sie einer ausserhäuslichen Er- werbstätigkeit bei F.____ nach, die hauptsächlich im Erstellen von Inventarlisten besteht. Das Arbeitspensum beläuft sich dabei gemäss ihren Angaben auf rund 20 %. Insgesamt erscheint damit der Alltag der Versicherten aktiv und strukturiert. Hinweise auf mögliche Aggravation oder Simulation liegen keine vor. Als nächsten Indikator nenn t das Bundesgericht den Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz. In diesem Zus ammenhang sind der Verlauf und der Ausgang der bisher durchgeführten Therapien und Eingliederungsversuche zu würdigen und es ist zu prüfen, ob die therapeutischen Möglichkeiten ausge schöpft wurden. Die Versicherte ist seit anfangs 2010 bei der F.____ in einem Pensum von rund 20 % erwerbstätig, ausserdem hat sie bis Februar 2014 für einen weiteren Betrieb admin istrative Arbeiten erledigt. Gemäss ihren eigenen Aussagen erachtet sie sich als bis zu vier Stunden täglich arbeitsfähig. Sie hat wäh- rend gewissen Zeitphasen unter psychopharmakologischer Behandlung gestanden, eine eigent- liche Psychotherapie hat sie aber nie gemacht. Als weiterer Indikator sind die Komorbiditäten zu würdigen. Dabei ist der psychischen Komorbidität nach de r neuen Praxis keine vorrangige Be- deutung mehr einzuräumen, vielmehr sind auch körperliche Begleiterkrankungen zu würdigen. In psychiatrischer Hinsicht bestehen lediglich die oben er wähnten Diagnosen (Dysthymie, Per- sönlichkeitsakzentuierung, remittierte Depression) ohne E influss auf die Arbeitsfähigkeit. We- sentliche körperliche Begleiterkrankungen sind ebenfalls zu verneinen, rheumatologisch beste- hen nur geringfügige objektive Befunde. Insgesamt sin d die Komorbiditäten daher als eher ge- ring einzuschätzen. 7.4.2 Im zweiten Indikatorenkomplex der “Persönlichkeit “ wird nach der Persönlichkeitsent- wicklung und der Persönlichkeitsstruktur gefragt. Gestützt d arauf sind die persönlichen Res- sourcen zu eruieren. Aus den gutachterlichen Ausführungen geht hervor, dass die Versicherte in ihrer Urteilsbildung nicht beeinträchtigt ist. Sie pflegt regelmässige Kontakte, die Beziehungs- fähigkeit ist erhalten, es besteht ein guter affektiver Kontakt und das Denken ist nicht eingeengt. Ebenso hat die Versicherte einen klaren und guten Bezug zur Realität und zu ihrer Person. Ins- gesamt sind damit die persönlichen Ressourcen weitgehend erhalten. 7.4.3 Im dritten Indikatorenkomplex ist unter dem Tit el "sozialer Kontext" zunächst die Ab- grenzung der psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vo rzunehmen. Diese Faktoren blei- ben als sogenannte invaliditätsfremde Aspekte nach wi e vor unbeachtlich. Im vorliegenden Fall ist in diesem Zusammenhang allenfalls die eher konfliktt rächtige Beziehung zur Schwiegermut- ter zu erwähnen. Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht die Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds. Beachtlich sind dabei die Verankerung und Vernetzung im sozia- len Umfeld und die daraus mobilisierbaren Ressourcen. D ie Versicherte lebt - wie bereits er- wähnt - zusammen mit dem Ehemann, ihren zwei Töchtern u nd der Schwiegermutter. Sie hat aber auch regelmässigen Kontakt zu Kolleginnen, sie bes ucht Kurse wie Pilates und Porzellan- Malen und sie geht seit Längerem einer regelmässigen Te ilzeittätigkeit nach. In ihrem sozialen Umfeld ist sie zweifellos gut eingebettet. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4.4 Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliessli ch die "Konsistenzprüfung" vorzuneh- men. Dabei ist zu prüfen, ob die Auswirkungen der fest gestellten Gesundheitsbeeinträchtigun- gen auf die Leistungsfähigkeit anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Ein wic htiger Indikator ist dabei die Frage, ob die diskutierte Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit gleich ausgeprägt ist wie die Einschrän- kungen in den sonstigen Lebensbereichen. Ferner ist zu beachten, ob die versicherte Person Therapieangebote wahrnimmt oder mögliche Behandlunge n auslässt. Die Versicherte konsu- miert einzig Schmerzmittel, ansonsten beansprucht sie ke ine weiteren therapeutischen Hilfen. Aufgrund der Indikatoren ist insgesamt eine wesentlich e Einschränkung der Leistungsfähigkeit nicht plausibel, vielmehr sind noch erhebliche Ressourcen erkennbar, welche auch im Rahmen des Erwerbslebens verwertbar erscheinen. Im Ergebnis i st deshalb nicht nachvollziehbar, dass die Gutachter der Begutachtungsstelle E.____ die Versich erte in einer angepassten Tätigkeit lediglich als zu 60 % arbeitsfähig erachten. Diese Einschätzung ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Gutachter der Begutachtungsstelle E.____ bei de r Beurteilung der Frage, ob sich der Gesundheitszustand der Versicherten verändert hat, als Re ferenzgutachten fälschlicherweise das Gutachten der Begutachtungsstelle G.____ vom 5. April 2001 beigezogen haben, in wel- chem ebenfalls eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden war. Nur so lässt sich erklären, dass die Gutachter der Begutachtungsstelle E.__ __ von einem gleich gebliebenen Gesundheitszustand und damit von einer unveränderten Bee inträchtigung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen sind. Dies vermag, wie ausgeführt, nicht zu überzeugen. Als Ergebnis ist vielmehr festzuhalten, dass die Zumutbarkeitsbeurteilung der Gut achter der Begutachtungsstelle E.____ nicht im Einklang steht mit den sichtbaren Ressourcen, üb er welche die Versicherte im Alltag verfügt. Auf die gutachterliche Beurteilung der aktuell en Arbeitsfähigkeit der Versicherten durch die Ärzte der Begutachtungsstelle E.____ kann deshalb n icht abgestellt werden, stattdessen ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass die Versicherte zurzeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit (wieder) vollständig arbeitsfähig ist. 8.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimme n. Die IV-Stelle hat in ihrer Verfügung vom 14. April 2016 den erforderlichen Einko mmensvergleich vorgenommen. Dabei hat sie anhand der Gegenüberstellung von Validen- und zumutbarem Invalideneinkommen ei- nen IV-Grad von 0 % ermittelt. Die konkrete Berechnung, die von der Versicherten in der vorlie- genden Beschwerde nicht beanstandet worden ist, erweist sich als rechtens, weshalb diesbe- züglich auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 14. April 2016 verwiesen werden kann. Da der aktuell ermittelte Invali ditätsgrad der Beschwerdeführerin unter 40 % liegt, hat diese grundsätzlich keinen Anspruch (mehr) auf eine IV-Rente. 8.2 Nun gilt es allerdings zu beachten, dass die Beschwe rdeführerin ihre Rente seit 1. Au- gust 1999 und somit seit mehr als 15 Jahren bezogen hat und dass die Wiedereingliederung von Versicherten nach invaliditätsbedingt langjährigem Fernbleiben von der Arbeitswelt oftmals schwierig ist. Laut ständiger Rechtsprechung ist zwar im Reg elfall eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung zu ver- werten. Nach langjährigem Rentenbezug können jedoch a usnahmsweise Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhanden en Leistungsfähigkeit und medizi- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht nisch möglichen Leistungsentfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervor- geht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspoten zials ohne vorgängige Durchfüh- rung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigenanst rengung der versicherten Person nicht möglich ist (Urteil G. des Bundesgerichts vom 17. N ovember 2011, 9C_376/2011, E. 6.1 mit Hinweis auf Urteil P. vom 10. September 2010, 9C_163/2009, E. 4.1 und 4.2.2). Eine solche Konstellation ist hier jedoch nicht gegeben. Die Versich erte geht - parallel zum Bezug der hal- ben (Härtefall-)Rente - seit anfangs 2010 wieder eine r teilzeitlichen Erwerbstätigkeit bei der F.____ nach. Zudem hat sie während einiger Zeit zusätzlich eine zweite Teilzeitstelle ausgeübt. Die IV-Stelle ist deshalb der Auffassung, dass der Versi cherten auch die Verwertung der wie- dererlangten vollen Arbeitsfähigkeit auf dem Wege der Selbsteingliederung zumutbar sei. Die- ser vorinstanzlichen Einschätzung ist unter den geschilder ten Umständen durchaus zuzustim- men. Somit war die IV-Stelle aber nicht verpflichte t, der Versicherten vor der Anordnung der Rentenaufhebung berufliche (Wieder-)Eingliederungsmassnahmen zu gewähren. 8.3 Aus dem Gesagten folgt als Ergebnis, dass die IV-St elle die der Versicherten bisher ausgerichtete halbe Rente zu Recht aufgehoben hat, wobei die Aufhebung gestützt auf Art. 88 bis Abs. 2 lit. a IVV korrekterweise vom ersten Tag des zweit en der Zustellung der Verfügung fol- genden Monats an erfolgte. Die angefochtene Verfügun g der IV-Stelle vom 14. April 2016 ist demnach nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschw erde erweist sich als unbe- gründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist , setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht