B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7882/2010 U r t e i l v o m 2 6 . S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Oktober 2010 / N (…). E-7882/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Heima t- staat am 23. Dezember 2008 und gelangte auf dem Luftweg über Katar und nach einem Aufenthalt von ungefähr zwei Wochen in Italien am 6. Januar 2009 mit dem Zug in die Schweiz, wo er gleichentags am Em p- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte. Am 12. Januar 2009 fand im EVZ B._______ die summarische Befragung und am 12. Oktober 2009 die Bundesanhörung zu den Asylgründen statt. Anlässlich der Befragung sowie der Anhörung machte der Beschwerd e- führer im Wesentlichen geltend, er sei tamilischer Ethnie und stamme aus C._______ (Nordprovinz), wo er zusammen mit seinen Eltern und seinen Geschwistern gelebt habe . In den Jahren (…) bis (…) habe er in D._______ gewohnt, wo er das Internat besucht habe. Nach seinem Schulabschluss sei er nach C._______ zurückgekehrt und habe kleine Tätigkeiten als (...) für einen Geschäftsmann ausgeführt. Im Februar 2007 sei er zusammen mit Kollegen, die den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) nahe gestanden hätten, wegen Verdachts, ebenfalls mit den LTTE zu kollaborieren, zu Hause festgenommen und zwei Monate im Camp von Kayts festgehalten und misshandelt worden. Dank der Hilfe eines Bekannten seiner Eltern (S.), der Friedensrichter gewesen sei, sei er un- ter Auflagen freigelassen, in der Folge jedoch von der SLA (Sri Lanka A r- my) beobachtet worden. Aus Angst, von der SLA erneut festgenommen zu werden, sei er zusammen mit seiner Mutter nach Colombo zu M. ge- reist, wo er gelebt und in einem (...) gearbeitet habe. Anfang J uni 2008 habe er zwei Kollegen, welche für die LTTE gearbeitet hätten, eine Unter- kunft bei einer Bekannten in Colombo vermittelt. Ende August 2008 habe er von einem der zwei Kollegen telefonisch erfahren, dass ein wei terer Freund auf dem Weg zu deren Unter kunft von der SLA verhaftet worden sei, woraufhin er (der Beschwerdeführer) aus Furcht zu P. gegangen sei. Als M. am Abend zu ihnen gekommen sei, habe er von diesem erfahren, dass die SLA seine Freunde verhaftet und bei der Wohnungsdu rchsu- chung Waffen und Sprengstoff gefunden hätten. Auch hätten die SLA die Wohnung von M. durchsucht. Am folgenden Tag sei M. in Begleitung e i- nes Schleppers zu ihm gekommen, woraufhin ihn der Schlepper zu einem Freund nach D._______ gebracht habe. Dort habe er drei Monate bei e i- nem Freund des Schleppers gelebt. Vor diesem Hintergrund und mit f i- nanzieller Hilfe von M. und P . habe er sein Heimatland am 23. Dezember 2008 über den Flughafen von Colombo verlassen. E-7882/2010 Seite 3 Für weitere Ausführungen kann auf die Protokolle bei den Akten verwi e- sen werden. Anlässlich der summarischen Befragung legte der Beschwerdeführer se i- ne Identitätskarte zu den Akten. B. Am 17. Juni 2009 reichten sein Bruder (N […]) und am 3. Mai 2009 seine Schwester (N […]) Asylgesuche in der Schweiz ein. C. Mit Schreiben vom 22. April 2010 an die Schweizerische Vertretung in Colombo ersuchte das BFM um Abklärungen zum Aufenthaltsstatus des Beschwerdeführers in Colombo, zur Dauer seines Aufenthalts in Colombo sowie zur wirtschaftlichen und familiären Situation von M. D. Eine vom BFM am 24. August 2010 beim Urkundenlabor der Kantonsp o- lizei E._______ in Auftrag gegebene Überprüfung der Echtheit der vom Beschwerdeführer eingereichten Identitätskarte ergab, dass es sich dabei um eine Totalfälschung handelt. Am 31. August 2010 wurde dem Be- schwerdeführer zum Ergebnis des Urkundenlabors das rechtliche Gehör gewährt, wozu er mit Schreiben vom 9. September 2010 Stellung nahm. E. Mit Verfügung vom 5. Oktober 2010 – eröffnet am 8. Oktober 2010 – stell- te das BFM fest, der Beschwerdeführer erfül le die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Gleichzeitig zog es die Identitäts- karte des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 10 Abs. 4 des Asylgeset- zes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ein. F. Mit Eingabe vom 8. November 2010 erhob der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde und beantragte in materieller Hi n- sicht, der Entscheid des BFM sei aufzuheben und das Verfahren sei zur Sachverhaltsergänzung sowie zum neuen Entscheid an das BFM zurüc k- zuweisen, eventualiter sei ihm Asyl zu gewähren, subeventualiter sei er infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er – unter Hinweis auf den Grundsatz der Einheit der Familie – die Vereinigung der Verfahren mit jenen seiner Geschwister. Seiner Beschwerde legte er drei E-7882/2010 Seite 4 beglaubigte fremdspr achige Geburtsurkunden in Kopie mit englischer Übersetzung sowie ein in englischer Sprache ver fasstes Schreiben von F._______, Priester der St. Francis Xavier's Church in C._______, vom 21. Oktober 2010 im Original bei. G. Mit Zwischenverfügung vom 12. November 2010 teilte die Instruktion s- richterin dem Beschwerdeführer mit, er könne den Ausgang des Verfah- rens in der Schweiz abwarten, wies das Gesuch um Vereinigung des vo r- liegenden Verfahrens mit jenen seiner Geschwister ([E-…] und [E-…]) ab und setzte Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 600.-, welchen er am 22. November 2010 einzahlte. H. Mit Eingabe vom 9. März 2011 liess der Beschwerdeführer ein in engli- scher Sprache verfasstes Bestätigungsschreiben des Friedensrichters H.G. vom 8. November 2010 im Original sowie Kopien einer ärztlichen Behandlung seines Vaters vom 3. Juni 2009 bis am 9. Juni 2009 im Spital G._______ und von vier Todesregisterauszügen von Familienangehör i- gen, die während des Bürgerkrieges umgebracht worden seien, zu den Akten reichen. I. Mit Schreiben vom 4. Mai 2011 nahm die Schweizerische Vert retung in Colombo zur Anfrage des BFM vom 22. April 2010 Stellung. Aus der Stel- lungnahme geht insbesondere hervor, dass der Beschwerdeführer am 9. Juli 2007 mit dem Flugzeug nach Indien ausgereist ist, am 20. Juli 2007 wieder zurückgekehrt ist und am 24. Oktober 2008 Sri Lanka per Flugzeug nach Kuwait definitiv verlassen hat. Seither sei er ausser La n- des. J. Mit Schreiben vom 31. Juli 2012 liess sich das BFM vernehmen. Die Ve r- nehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 17. August 2011 zur Kenntnis gebracht. K. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 23. August 2012 wurde dem B e- schwerdeführer zum Abklärungsergebnis der Schweizer Vertretung in Co- lombo das rechtliche Gehör gewährt, woraufhin er mit Eingabe vom 6. September 2012 eine Farbkopie einer eidesstattlichen Erk lärung (Affi-E-7882/2010 Seite 5 davit) seiner Eltern vom 5. September 2012 einreichen liess. Daraus geht hervor, dass diese seit dem 19. Mai 2012 in H._______ (Indien) leben, weshalb der Beschwerdeführer in Sri Lanka über kein Beziehungsnetz mehr verfüge. Zu den Erkenntnissen der Botschaftsabklärung selbst liess sich der Beschwerdeführer nicht vernehmen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nic hts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de ren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-7882/2010 Seite 6 2. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters be ziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 3. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen und sie dürfen nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vo r- bringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (Art. 7 Abs. 3 AsylG), wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung impliziert ferner – im Gege n- satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durc h- aus Raum für gewisse Einwände und Zweifel a n den Vorbringen des Be- schwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten As - pekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellers sprechen. Entscheidend is t im Sinne einer Gesamt würdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhalts darstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. die von der vormaligen Beschwerdeinstanz begründete Recht sprechung in Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f. mit wei teren Hinweisen, welche vom Bundesverwaltungsgericht weitergeführt wird). E-7882/2010 Seite 7 4. 4.1 4.1.1 Das BFM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, da seine Vorbringen den Anforderungen an die Glaubwürdigkeit (recte: Glaubhaftigkeit) gemäss Art. 7 AsylG nicht standhielten. Dazu führte es aus, da sich seine zu den Akten gereichte Identitätskarte aufgrund des Berichts des Urkundenlabors der Kantonspolizei Zürich als Fälschung erwiesen habe und er den Fälschungsergebnissen nichts Stichhaltiges habe entgegenhalten können, sei seine Glaubwürdigkeit in Frage gestellt. Dies in sbesondere auch, weil er seine Vorbringen aus seiner Herkunft aus dem Norden Sri Lankas ableite, was nicht feststehe. Des Weiteren seien seine Vorbringen zu den Örtlichkeiten seiner Fes t- nahme widersprüchlich ausgefallen, da er anlässlich der summarischen Befragung ausgesagt habe, in I._______ verhaftet worden zu sein, um im Rahmen der Anhörung zu Protokoll zu geben, er sei zu Hause festg e- nommen worden. Indem er angegeben habe, er sei nach Colombo g e- gangen, weil seine Freunde zu ihm gekommen seien und er wi eder Prob- leme befürchtet habe, um anschliessend zu deponieren, er habe erst wieder in Colombo Kontakt mit ihnen gehabt, habe er auch diesbezüglich unterschiedliche Angaben gemacht. Gleich verhalte es sich mit den A n- gaben zu der Kollaboration seiner Kollege n mit den LTTE, indem er e i- nerseits angegeben habe, seine Kollegen hätten für die LTTE gearbe itet und andererseits meinte, davon nichts zu wissen. Ferner habe er an der Anhörung zuerst gesagt, seine Kollegen seien in Colombo festgenommen worden, um sodann im Widerspruch dazu auszuführen, die Kollegen hä t- ten sich verstecken können. Zudem seien die Vorbringen in wesentlichen Punkten auch unsubstanz i- iert ausgefallen. So könne er keine Angaben über die genauen Aktivitäten seiner Kollegen für die LTTE machen und sei auch nicht in der Lage, se i- ne Haft im Jahre 2007 zu beschreiben. Vielmehr beschränke er sich d a- bei auf stereotype kurze Aussagen zu Bedi ngungen und Verhören, die nicht denjenigen einer Person entsprächen, welche tatsächlich zwei M o- nate inhaftiert gewe sen sei. Ebenso wenig sei er imstande gewesen zu erklären, wie der eine Kollege von der Verhaftung des anderen Kollegen erfahren habe und wie oft er nach seiner Flucht nach D._______ gesucht worden sei. Schliesslich widersprächen seine Aussagen zum Grund seiner Festnah- me im Jahre 2007 der allgemeinen Erfahrung . Unrealistisch sei auch, E-7882/2010 Seite 8 dass er Kollegen, die Waffen für die LTTE geschmuggelt hätten, und w e- gen derer er schon einmal grosse Probleme mit den Behörden gehabt habe, beherbergt habe. In diesem Zusammenhang sei auch nicht einsich- tig, dass M., der ihn bei sich untergebracht habe, nicht verhaftet worden sei, sollte der Beschwerdeführer tatsächlich eines schweren Delikts b e- schuldigt werden. 4.1.2 In seiner Vernehmlassung hielt das BFM an seinem Standpunkt fest und führte darüber hinaus aus, die zu den Akten gereichte Bestätigung des Friedensrichters sei als Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren, da es sich dabei nicht um ein ärztliches Gutachten handeln würde, sondern um einen Bericht, der lediglich auf Aussagen von Verwandten beruhe. Entge- gen der Behauptung in diesem Schreiben habe der Beschwerdeführer Sri Lanka nicht unmittelbar nach der Folter verlassen, sondern erst rund zwei Jahre später. 4.2 Wie das BFM geht auch das Gericht davon aus, dass die Kernvo r- bringen des Beschwerdeführers insgesamt den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten und er folglich im Zeitpunkt des Verlassens seines Heimatlandes nicht in asylrelevanter Weise verfolgt worden ist. Dabei kann vorab vollumfänglich auf die zutref- fenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. Eine eingehen- de Durchsicht der Akten ergibt insgesamt das Bild einer in wesentlichen Punkten konstruierten und unglaubhaften Schilderung seiner angeblichen Fluchtgründe. Aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer am 9. Juli 2007 nach Indien ausgereist ist (vgl. Bst. I.), ist zu den Ausführun- gen des BFM ergänzend festzuhalten, dass zumindest seine Darstellung, wonach er nach seiner Freilassung im April 2007 von der Armee während sechs Monaten beobachtet worden sei und sechs Monate die Ortschaft nicht hätte verlassen dürfen (vgl. A16/15 S. 10) , damit logisch nicht ve r- einbar ist. Darüber hinaus wird seine persönliche Unglaubwürdigkeit durch seine falschen Angaben zu dem Ausreisedatum und den -umständen zementiert, zumal er – entgegen seiner Behauptung, sein Land am 23. Dezember 2008 über Katar verlassen zu haben – Sri Lanka bereits am 24. Oktober 2008 vi a Kuwait verlassen hat . Hierzu nahm der Beschwerdeführer auf Vorhalt hin bezeichnenderweise keine Stellung. Damit ist zu schliessen, dass die Darstellungen des Beschwerdeführers insgesamt konstruiert sind und er das Geschilderte nicht selbst erlebt hat. Mangels stichhaltiger Beschwerdevor bringen drängt sich eine andere Sichtweise nicht auf. Daran vermögen auch die auf Beschwerdeebene eingereichten Bestätigungsschreiben von F._______, Priester der E-7882/2010 Seite 9 St. Francis Xavier's Church in C._______, vom 21. Oktober 2010 sowie jenes des Friedensrichters H.G. vom 8. November 2010 nichts zu ändern, werden durch Letzteres die unglaubhaften Fluchtgründe des Beschwe r- deführers geradezu untermauert, zumal die Darlegung in diesem Schrei- ben, er habe Sri Lanka unmittelbar nach seiner Freilassung (dies würde heissen im April 2007) verlassen, mit seinen eigenen Angaben, wonach er Sri Lanka im Dezember 2008 verlassen habe, nicht vereinbar ist. 4.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an von Art. 7 AsylG an das Glaubhaftmachen nicht zu genügen vermögen. Das BFM hat demnach sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. Damit besteht keine Veranlassung, das Verfahren zur Sachverhaltsabklärung an das BFM zurückzuweisen. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 6. 6.1 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweiss tandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg], Ausländerrecht, 2. Aufl. Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völke r- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Da dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigenschaft zukommt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zu-E-7882/2010 Seite 10 lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver- fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV); Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigend e Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101]. Im Lichte dieser Bestimmungen sind keine Anhaltspunkte dafür auszum a- chen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Wegweisungsvollzug ist demnach zulässig. 6.3 6.3.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.3.2 Aus der vom Bundesverwaltungsgericht im Grundsatzurteil BVGE 2011/24 vorgenommenen umfassenden Analyse der Situation in Sri La n- ka geht hervor, dass sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts zw i- schen der sri-lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 die allgeme i- ne Lage in Sri Lanka erheblich verbessert hat. Die Situation in der Os t- provinz hat sich weitgehend stabilisiert und normalisiert, so dass der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprovinz als grun d- sätzlich zumutbar zu erachten ist (vgl. Urteil a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist indes gebietsweise sehr unterschiedlich. So herrscht in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit u nter Regierungskontrolle stehen, das heisst in den Distrikten Jaffna und in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar (mit anderen Worten: die Nordprovinz u n- ter Ausschluss des sogenannten "Vanni -Gebietes") keine Situation allg e- meiner Gewalt. Z udem ist die dortige politische Lage nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eing e- stuft werden müsste. Angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich allerdings beim Wegwei- sungsvollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zurückhaltende Beurte i- lung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit ist dabei auch dem zeitlichen Element Rechnung zu tragen. Für Personen, die aus der Nordprovin z stammen und dieses Gebiet erst E-7882/2010 Seite 11 nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich z u- mutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die betreffende Person a uf die gleiche oder gleichwertige Lebens - und Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zeitpunkt der Ausreise g e- herrscht hat und dem Wegweisungsvollzug zurück dorthin nichts im Wege steht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der Nordpr o- vinz indessen längere Zeit zurück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten he r- vor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise massgeblich verä n- dert haben können, sind die aktuell vorliegenden Le bens- und Wohnver- hältnisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzuges hin zu überprüfen. In diesem Zusammenhang erscheinen namentlich die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation als massgebliche Faktoren. Falls solche begünstigenden Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit einer i n- nerstaatlichen Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. Urteil a.a.O. E. 13.2.1). 6.3.3 Als Beweismittel seines fehlenden familiären Beziehungsnetzes in C._______ (Nordprovinz) legte der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 6. September 2012 eine eidesstattliche Erklärung (Affidavit) in Farbkopie vom 5. September 2012 ins Recht. Daraus geht hervor, dass die Eltern des Beschwerdeführers seit dem 19. Mai 2012 in H._______ (Indien) le- ben. Aufgrund seiner insgesamt unglaubhaften Vorbringen, der Aussagen seiner Geschwister zum familiären Beziehungsnetz in der Nordprovinz und schliesslich aufgrund des geringen Bewei swertes von Fotokopien, deren Echtheit in casu aufgrund des Ausstellungsdatums am 5. September 2012 (nur einen Tag bevor er diese dem Gericht zustellen liess) höchst zweifelhaft erscheint, ist davon auszugehen, bei der Kopie der eidesstattlichen Erklärung handle es sich um ein Gefälligkeitsschre i- ben und er verfüge – entgegen seiner Behauptung – in C._______ nach wie vor über ein familiäres Beziehungsnetz. 6.3.4 Der Beschwerdeführer stamm t aus C._______ (Nordprovinz), wo nach wie vor Familienangehörige leben (vgl. A1/10 S. 4, A15/16 S. 3) und seine Familie auch Land b esitzt (vgl. A16/15 S. 6). In Colombo leben zu- dem (Angaben zu Verwandten) (vgl. A15/16 S. 5 f.), welche ihm zur Aus- reise verholfen hätten . Eigenen Angaben gemäss leben auch (Angaben zu Verwandten) in Kanada, in Deutschland und in der Schweiz (vgl. A1/10 E-7882/2010 Seite 12 S. 4 f., S. 10). Wie dem Befragungsprotokoll zudem entnommen werden kann, hat der Beschwerdeführer insgesamt elf Jahre die Schule in C._______ sowie in D._______ besucht und diese mit dem O -Level ab- geschlossen, so dass insgesamt davon ausgegangen werden darf, dass er bei einer Rückkehr dorthin auf ein existierendes, tragfähiges soziales Netz zurückgreifen kann und ihm der Aufbau einer wirtschaftlichen Exi s- tenz – allenfalls auch mit Hilfe seiner Familie und seiner Verwandten im Ausland – möglich sein wird. Angesichts des jungen Alters des B e- schwerdeführers, seiner soliden Schulbildung sowie seiner Berufserfa h- rung als (...) bei einem Geschäftsmann in C._______ und als (...) (vgl. A1/10 S. 3, A16/15 S. 6 ), ist davon auszugehen, dass er in Sri Lanka wieder wird Fuss fassen können. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass es ihm mit seinem Bruder ( E-…), dessen Asylgesuch mit Datum vom 24. August 2012 abgewiesen wurde, umso leichter fallen wird, sich dort wieder zu integrieren. 6.4 Der Vollzug der Wegeweisung erweist sich demnach nicht als unz u- mutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 6.5 Nach Art. 83 Abs. 2 AuG ist der Wegweisungsvollzug schliesslich auch als möglich zu bezeichnen, da es dem Beschwerdeführer obliegt, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rüc k- kehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht v erletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (vgl. Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuwei- sen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600. - dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 22. N o- vember 2010 in gleicher Höhe geleistete n Kostenvorschuss zu verrec h- nen. E-7882/2010 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt und mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrec h- net. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Chantal Schwizer Versand: