B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6222/2024 U r t e i l v o m 9. O k t o b e r 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Simon Thurnheer; Gerichtsschreiberin Irina Schulthess. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Kerstin Krüger, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat - Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG); Verfügung des SEM vom 24. September 2024 / N (…). E-6222/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 9. Juli 2024 in der Schweiz um Asyl nach und gab auf dem Personalienblatt an, am (…) geboren und damit minder- jährig zu sein. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am (…) 2024 in Griechenland aufge- griffen worden war und am (…) 2024 in Griechenland um Asyl nachgesucht hatte. Sowohl das dem SEM eingereichte griechische Reisedokument als auch die griechische Aufenthaltsbewilligung führten als Geburtsdatum den (…). B. Das SEM richtete am 16. Juli 2024 gestützt auf Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments u nd des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatangehöri- gen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter- nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), ein Informa- tionsersuchen an die griechischen Behörden. Diese teilten dem SEM mit Schreiben vom 30. Juli 2024 mit, der Beschwer- deführer sei am 10. Mai 2024 als Flüchtling anerkannt worden und verfüge über eine bis am 9. Mai 2027 gültige Aufenthaltsbewilligung. Er sei in Grie- chenland als Erwachsener registriert worden (Geburtsdatum vom […]) und es gebe keine Informationen über Familienangehörige oder Verwandte in anderen Mitgliedstaaten. C. Anlässlich der Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (EB UMA) vom 30. Juli 2024 machte der Beschwerdeführer unter anderem geltend, er sei im Jahr (…), im (…) Monat, am (…) Tag respektive nach gregorianischem Kalender am (…) geboren. Am 14. Februar 2024 sei er in Griechenland angekommen und habe angegeben, (…) Jahre alt zu sein. Die Leute, die dort gewesen seien, hätten ihm aber gesagt, dass er als Minderjähriger noch ein oder zwei Jahre im Camp bleiben müsse. Es wäre für ihn besser, sich als volljährig auszugeben. Er habe selber ein Durchei- nander gehabt, der Do lmetscher sei auch nicht gut gewesen. Man habe nicht mehr als vier oder fünf Minuten sprechen dürfen. Er habe nicht ge- wusst, was er machen solle. Er habe dann gesehen, dass er als (…)-E-6222/2024 Seite 3 jähriger erfasst worden sei. Zwar habe er noch in Afghanistan mit seinem Mobiltelefon ein Foto seiner Tazkera gemacht; dieses bei der Reise aber im Wasser verloren. In der EB UMA wurde der Beschwerdeführer darüber hinaus zur Zustän- digkeit Griechenlands betreffend sein Asylgesuch befragt. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er habe in Griechenland keinen Zugang zu Bil- dung gehabt und das griechische Volk möge Afghanen nicht. Er habe keine Unterstützung erhalten und kenne niemanden, der ihn schützen könne. Nach dem Entscheid hätten die griechischen Behörden die tägliche Nah- rung «geschnitten». Nachdem er den Pass erhalten habe, seien zwei Poli- zisten gekommen, welche ihn von beiden Seiten zwangsweise aus dem Camp gebracht hätten und ihn auf der Strasse hätten stehen lassen. In den griechischen Camps habe er zudem Haarausfall sowie verschiedene Haut- ausschläge und eitrige Wunden bekommen. Der Arzt habe ihm nichts ge- geben und er habe immer noch Narben davon. D. Im Verlaufsbericht der B._______ (nachfolgend: B._______) vom 12. Au- gust 2024 wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer sei auf eigenen Wunsch, aufgrund von Schlafproblemen bei der psychologischen Sprech- stunde angemeldet und über die Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt worden. Es wurde vereinbart, der Beschwerdeführer würde sich selbstän- dig melden, sollten sich die Symptome wieder verschlechtern. E. Im Auftrag des SEM erstattete das Institut für Rechtsmedizin der Universi- tät C._______ (nachfolgend: IRM C._______) am 13. August 2024 ein Gut- achten zur Altersschätzung des Beschwerdeführers. Dieses kam zum Schluss, in Zusammenschau aller Untersuchungsbefunde ergebe sich ein Mindestalter von (…) Jahren. Das angegebene Alter von (…) Jahren und (…) Monaten sei mit dem erhobenen Befund nicht zu vereinbaren. Das Er- reichen der Volljährigkeit lasse sich nicht mit der notwendigen Sicherheit belegen. Minderjährigkeit sei möglich. F. Mit Schreiben vom 16. August 2024 gewährte das SEM dem Beschwerde- führer das rechtliche Gehör zum durchgeführten Altersgutachten und zur beabsichtigten Anpassung seines Geburtsdatums im Zentralen Migrati- onsinformationssystem (ZEMIS) auf den (…), da aufgrund widersprüchli- cher Angaben, wiederholt ausweichenden Erklärungen, dem Vorliegen der E-6222/2024 Seite 4 Originaldokumente aus Griechenland sowie dem Ergebnis des Altersgut- achten ernsthafte Zweifel an der Minderjährigkeit bestünden. Am 20. August 2024 nahm der Beschwerdeführer zur geplanten Altersan- passung schriftlich Stellung und hielt im Wesentlichen fest, er sei mit der beabsichtigten Anpassung seines Geburtsdatums nicht einverstanden und halte an seinen bisherigen Ausführungen, er sei im Jahr (…) geboren und (…) Jahre alt, fest. Er habe anlässlich der EB UMA schlüssig beantworten können, wie er vom Geburtsdatum, (…), erfahren habe, und habe dieses von Beginn weg und konstant angegeben. Die glaubhaften Aussagen sprä- chen eindeutig für seine Minderjährigkeit. Das vorliegende Altersgutachten sei entgegen der Ansicht des SEM zudem kein Indiz für seine Volljährigkeit. G. Am 3. September 2024 ersuchte das SEM die griechischen Behörden um Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. De- zember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitglied - staaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger (EU - Rückführungsrichtlinie) sowie auf das bilaterale Abkommen vom 28. Au- gust 2006 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Hellenischen Republik über die Rückübernahme v on Personen mit ir- regulärem Aufenthalt (SR 0.142.113.729). Diese stimmten dem Ersuchen am 4. September 2024 zu und teilten mit, der Beschwerdeführer sei am 10. Mai 2024 als Flüchtling anerkannt worden und verfüge über eine vom 10. Mai 2024 bis zum 9. Mai 2027 gültige Aufenthaltsbewilligung. H. Mit Schreiben vom 9. September 2024 gewährte das SEM dem Beschwer- deführer das ergänzende rechtliche Gehör betreffend den geplanten Nicht- eintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 AsylG (SR 142.31) und der da- mit verbundenen beabsichtigten Wegweisung nach Griechenland. Der Beschwerdeführer reichte am 11. September 2024 seine schriftliche Stellungnahme ein, worin unter anderem ausgeführt wurde, dass, sollte das SEM an der Altersanpassung – welche noch nicht verfügt, aber bereits vorgenommen worden sei – festhalten, eine Wegweisung für ihn weder zu- mutbar noch zulässig sei. Er habe während dieser Zeit traumatisierende Erlebnisse durchleben müssen, weshalb er sich in C._______ in psycholo- gische Behandlung begeben habe. Trotz vieler Bemühungen habe er in Griechenland keine Hilfe durch die Behörden oder Hilfsorganisationen E-6222/2024 Seite 5 erhalten. Eine psychologische Behandlung in Griechenland sei – nebst grundlegenden menschlichen Bedürfnissen nach Essen und Wohnraum – nicht gewährleistet. Es werde zudem an der geltend und glaubhaft ge- machten Minderjährigkeit festgehalten. I. Mit E-Mail vom 17. September 2024 beantwortete Medic-Help des zustän- digen Bundesasylzentrums (BAZ) die Anfrage des SEM nach dem aktuel- len Gesundheitszustand des Beschwerdef ührers. Dabei wurde angege- ben, der aktuelle Gesundheitszustand sei soweit unauffällig; der letzte Kon- takt habe am (…) 2024 wegen (…) auf der (…) stattgefunden. Er sei aktuell nicht in ärztlicher Behandlung, auch nicht bei der B._______ und benötige keine Medikamente. J. Mit Eingabe vom 23. September 2024 nahm der Beschwerdeführer Stel- lung zum Entscheidentwurf des SEM. K. Mit Verfügung vom 24. September 2024 – gleichentags eröffnet – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein (Dispositivziffer 1), ordnete die Wegwei- sung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3) sowie den Vollzug (Dispositivziffer 4–5) an und händigte die editionspflichtigen Akten aus (Dispositivziffer 6). Gleichzeitig stellte es fest, sein Geburtsdatum sei im ZEMIS auf den (…) festgelegt und mit einem Bestreitungsvermerk versehen worden (Disposi- tivziffer 2). L. Mit Eingabe vom 1. Oktober 2024 erhob der Beschwerdeführer beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Ziffern 1 und 3 der Verfügung seien aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, seine vor- läufige Aufnahme anzuordnen. Die Ziffer 2 der Verfügung sei aufzuheben und das im ZEMIS geführte Geburtsdatum auf den (…) anzupassen. Even- tualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu- weisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die unentgeltliche Prozess- führung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Be- schwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, er sei als UMA zu E-6222/2024 Seite 6 behandeln und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihn in den Wohnstrukturen für UMA unterzubringen und von einer Überstellung nach Griechenland ab- zusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der auf- schiebenden Wirkung entschieden habe. M. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesve rwaltungsgericht am 2. Oktober 2024 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht für Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu- treten (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 1.2 Auf den in der Beschwerde gestellten prozessualen Antrag, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren, wird nicht eingetre- ten, da der vorliegenden Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (vgl. Art. 55 Abs. 1 VwVG). 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Die vorliegende Beschwerde richtet sich sowohl gegen den Nichteintreten- sentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG betreffend das Asylgesuch und die Wegweisung (inkl. Vollzug ebendieser; Dispositivziffern 1 und 3–5) als auch gegen die ZE MIS-Eintragung betreffend dessen Geburtsdatum (Dispositivziffer 2). Das Verfahren betreffend Änderung des im ZEMIS ver- merkten Geburtsdatums wird praxisgemäss vom vorliegend zu behandeln- den Verfahren getrennt und separat unter der Verfahrensnummer E- 6231/2024 geführt; bildet mithin nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Das Beschwerdeverfahren betreffend Nichteintreten auf das Asylgesuch und Überstellung in einen sicheren Drittstaat ist angesichts dessen E-6222/2024 Seite 7 Dringlichkeit (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG) vorzuziehen; d as ZEMIS -Be- schwerdeverfahren wird zu einem späteren Zeitpunkt weiterzuführen sein. Eine Koordination erfolgt insofern, als in beiden Verfahren derselbe Spruchkörper eingesetzt ist. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. 4.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 4.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung prüft. 5. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wir d in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 6. 6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn die asylsuchende Pe rson in einen gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in wel- chem sie sich vorher aufgehalten hat. 6.2 Den Akten zufolge wurde der Beschwerdeführer in Griechenland als Flüchtling anerkannt, verfügt über eine gült ige Aufenthaltsbewilligung und die griechischen Behörden haben seiner Rückübernahme am E-6222/2024 Seite 8 4. September 2024 ausdrücklich zugestimmt. Der Beschwerdeführer bringt in der Beschwerde denn auch nichts Gegenteiliges vor. 6.3 Griechenland ist ein EU -Staat und gilt gemäss einem Beschluss des Bundesrats vom 14. Dezember 2007 als sicherer Drittstaat im Sinn von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG. 6.4 Das SEM ist demnach in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Das SEM hält in der angefochtenen Verfügung fest, der Beschwerde- führer habe anlässlich der EB UMA lediglich sein Geburtsdatum aber kein konkretes Alter angegeben; selbst als er wiederholt darum gebeten worden sei, das Alter zu nennen, habe er alleinig das Geburt sdatum wiederholt. Nach einer 8 -jährigen Schulbildung, wie er dies angegeben habe, könne erwartet werden, dass er das Geburtsdatum ausrechnen könne. Zudem habe er einerseits angegeben, erst nach der Ausreise sein Alter nachge- schaut zu haben, andererseits habe er kurz darauf gesagt, dass das Alter in der Familie «schon» wichtig gewesen sei. Darüber hinaus sei er in Grie- chenland mit dem Geburtsdatum (…) registriert worden, habe aber ange- geben, dass er den griechischen Behörden mitgeteilt habe, (…) Jahre alt zu sein. Während der Ausführungen zu Griechenland habe er ohne Auffor- derung angeben können, bei der Ankunft (…) Jahre alt gewesen zu sein , während er aber an der EB UMA sein Alter nicht habe ausrechnen können. Darauf angesprochen habe er lediglich angegeben, dass er das Alter von (…) Jahren gewusst habe. Vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer von seiner Rechtsver- tretung auf die bevorstehenden Fragen und deren Bedeutung vorbereitet worden sei und er über eine mehrjährige Schulbildung verfüge, mü ssten E-6222/2024 Seite 9 korrekte Antworten auf Nachfragen vorausgesetzt werden können, was je- doch nicht der Fall gewesen sei. Zwar sei die Registrierung in Griechenland nicht aufgrund von Identitäts- dokumenten erfolgt, weshalb diese Angaben nicht als gesichert gelten könnten. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass die griechischen Be- hörden während des durchgeführten Verfahrens Zweifel an der Volljährig- keit gehabt hätten. Die Befunde des Altersgutachten s liessen zwar keine Rückschlüsse auf Minder- oder Volljährigkeit zu, würden aber die von ihm gemachte Alters- angabe ausschliessen, womit das Gutachten im Widerspruch zu seinen Aussagen stehe. In einer Gesamtwürdigung aller Elemente sei festzustellen, dass die be- hauptete Minderjährigkeit aufgrund der teilweise widersprüchlichen und ausweichenden Angaben, der in Griechenland registrierten Volljährigkeit und der die Altersangabe ausschliessenden B efunde des rechtsmedizini- schen Altersgutachtens nicht glaubwürdig sei. Die teilweise stimmigen Aus- sagen zu einzelnen Elementen seines Lebenslaufs vermöchten dies nicht aufzuheben, da diese Aussagen eine zeitlich nachvollziehbare Einordnung seines Lebensweges mit Rückschluss auf sein tatsächliches Lebensalter nicht zuliessen. Das SEM betrachte ihn daher als volljährig zum Zeitpunkt der Stellung seines Asylgesuchs in der Schweiz und für das weitere Ver- fahren. 8.2 Anlässlich der Beschwerde reichte der Beschwerdeführer eine Kopie seiner e-Tazkera ein und machte geltend, er habe diese Kopie erst jetzt von seiner Familie erhalten, da sein Vater zuerst das Geld für die Kosten der Neuausstellung seiner auf der Flucht verlorenen e -Tazkera habe auf- treiben und in die Stad t habe fahren müssen. Das Ausstellungsdatum sei nicht angepasst worden, da es sich bei der Karte lediglich um eine Neu- ausstellung handle und nicht um eine neue Erfassung. Der auf der e -Taz- kera aufgeführte Name stimme mit demjenigen überein, den er anlässli ch der EB UMA als seinen richtigen Namen genannt habe. Sein Geburtsda- tum sei auf dieser e -Tazkera ersichtlich und es gehe daraus hervor, dass er minderjährig sei. E r könne auf keinen Fall nach Griechenland zurück- kehren, weil er dort trotz Schutzstatus keine Unterstützung erhalten würde. Neben Ausführungen zum Altersgutachten und der Bestreitung, dass die- ses als Indiz für die Volljährigkeit gewertet werden könne, wird im E-6222/2024 Seite 10 Wesentlichen geltend gemacht, es sei offensichtlich, dass der Beschwer- deführer in der E B UMA die Frage nach seinem Alter nicht verstanden habe. Ein Geburtsdatum lasse sich nicht «ausrechnen», nur feststellen oder mitteilen. An anderer Stelle habe er zudem unaufgefordert gesagt, er sei mit (…) Jahren nach Griechenland gekommen. Betreffend die Schulbil- dung lasse die Vorinstanz ausser Acht, dass diese nur im Winterhalbjahr während vier oder fünf Monaten stattgefunden habe, die Schulen nicht gut seien und er bereits als (…)-jähriger habe arbeiten müssen. Er habe plau- sibel dargelegt, wie es zur Re gistrierung als Volljähriger in Griechenland gekommen sei. 9. 9.1 Soweit der Beschwerdeführer seine Minderjährigkeit geltend macht, hat er diese zu beweisen, soweit ihm ein Beweis möglich ist, und andern- falls wenigstens glaubhaft zu machen, da er die Beweislast dafür trägt, auch wenn das SEM die entscheidrelevanten Sachverhaltsmomente von Amtes wegen festzustellen hat (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.3 m.w.H., E- MARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.3). Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung aller Anhaltspunkte, die für o der gegen die Richtigkeit der be- treffenden Altersangabe sprechen, vorzunehmen (vgl. BVGE 2009/54 E. 4.1). Wurde der Sachverhalt abschliessend festgestellt und ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die behauptete Minderjährigkeit glaub- haft zu machen, hat er die Folgen zu tragen und wird als volljährig betrach- tet (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 5.4). 9.2 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es dem Beschwer- deführer nicht gelungen ist, die geltend gemachte Minderjährigkeit glaub- haft zu machen. Zum Altersgutachten bleibt festzuhalten, dass sich keine Aussage zur Min- der- respektive Volljährigkeit machen lässt, da vorliegend bei der Schlüs- selbein- respektive Skelettaltersanalyse sowie der zahnärztlichen Untersu- chung das Mindestalter unter 18 Jahren lag (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2; SEM-Akte […]-26/6). Angesichts der beschränkten Aussagekraft des Al- tersgutachtens erübrigen sich weitere Ausführungen dazu, zumal die nach- folgenden Ausführungen gegen die geltend gemachte Minderjährigkeit sprechen. Der Beschwerdeführer hat keine Identitäts papiere im Sinne von Art. 1a Bst. c AsylV 1 oder andere Dokumente zu den Akten gereicht, mit welchen E-6222/2024 Seite 11 er sein Geburtsdatum beweisen oder zumindest glaubhaft machen kann. Die auf Beschwerdeebene eingereichte Kopie (respektive das Foto) einer e-Tazkera, welche als Geburtsdatum den « (…)» festhält, weist nur einen äusserst geringen Beweiswert auf und ist wenig geeignet, das Alter zu be- weisen oder glaubhaft zu machen, zumal solche Unterlagen aus Afghanis- tan sowohl leicht fälschbar als auch käuflich erhältlich sind. Darüber hinaus bringt die eingereichte Kopie weitere Ungereimtheiten hervor. Auf dieser ist nicht – und wie vom Beschwerdeführer auf dem Personalienblatt, in der EB UMA sowie der Stellungnahme zum rechtlichen Gehör angegeben (vgl. SEM-Akten […]-2/2; […]-21/12 Rz. 1.06; […]-31/4) – der (…) als Geburts- datum aufgeführt, sondern der (…). Die Beschwerde äussert sich mit kei- nem Wort zu dieser Unstimmigkeit respektive diesem Widerspruch und hält lediglich fest, der Beschwerdeführer habe «dort» seit seiner Geburt am (…) mit seiner Familie gelebt (Beschwerde S. 4). Darüber hinaus wird der (…) in den Rechtsbegehren als Geburtsdatum genannt. Zudem bringt der Be- schwerdeführer nur unsubstantiiert und ohne Belege vor, warum es ihm erst jetzt möglich gewesen sei, eine Kopie dieser e-Tazkera einzureichen. Soweit der Beschwerdeführer darüber hinaus i n der EB UMA angegeben hatte, im Februar 2024 mit (…) Jahren in Griechenland eingereist respek- tive dieses Datum angegeben zu haben, ergeben sich weitere Widersprü- che. Zum einen wäre er, bei den von ihm geltend gemachten Geburtsdaten ([…] bzw. […]) bei der Einreise in Griechenland erst (…) Jahre alt gewesen. Zum anderen konnte er nicht schlüssig und substantiiert erklären, warum er dort als volljährig registriert wurde : In der EB UMA gab er an, in Grie- chenland gesagt zu haben, dass er (…) Jahre alt sei, später aber gesehen habe, dass er als (…)-jähriger registriert worden sei (vgl. SEM-Akte […]- 21/12 Rz. 1.06 S. 4). In der Stellungnahme zum rechtlichen Gehör wurde hingegen ausgeführt, er habe zunächst stets sein Geburtsdatum auf der Tazkera angegeben und sich erst zu einem späteren Zeitpunkt angeblich fälschlicherweise als volljährig ausgegeben (vgl. SEM-Akte […]-31/4). Auffällig ist sodann, dass der Beschwerdeführer ohne Weiteres von seiner (…) Monate alten Schwester gesprochen (vgl. SEM -Akte […]-21/12 Rz. 1.06) und mitgeteilt hat, er habe bereits als (…) -jähriges Kind arbeiten müssen (vgl. SEM-Akte […]-21/12 Rz. 1.17.06). Darüber hinaus nannte er auch das Alter, mit welchem er die Schule begonnen ([…]-jährig) und auf- gehört (mit […] Jahren) habe (vgl. SEM-Akte […]-21/12 Rz. 1.17.04). Die Vorinstanz hat die Frage nach dem Alter des Beschwerdeführers denn auch deutlich gestellt («Wie alt sind Sie demnach heute?», vgl. SEM-Akte […]-21/12 Rz. 1.06). Bei dieser Frage durfte die Vorinstanz ohne Weiteres E-6222/2024 Seite 12 erwarten, dass der Beschwerdeführer das Alter und nicht das Geburtsda- tum nennt, zumal er – eigener Aussage zufolge – auch bei der Einreise in Griechenland sein Alter (und nicht das Geburtsdatum) angegeben hatte und er das Datum der EB UMA kannte («Heute ist 30. Tag des 7. Monates nach Ihrem Kalender. Das heisst, es sind zwei oder drei Monate schon vergangen, oder?», vgl. SEM-Akte […]-21/12 Rz. 1.06). Selbst mit einer – wie vom Beschwerdeführer vorgebrachten schlechten Schulbildung – darf erwartet werden, dass dieser sein Alter «ausrechnen» kann. Dem Beschwerdeführer gelingt es somit auch auf Beschwerdeebene nicht, diese Ungereimtheiten zu klären. Nach einer Gesamtwürdigung überwie- gen diejenigen Umstände, die für das Erreichen der Volljährigkeit spre- chen. Es ist folglich nicht von einer besonderen Vulnerabilität des Be- schwerdeführers wegen Minderjährigkeit auszugehen. 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.2 Die Beschwerde hält bezüglich der Unzulässigkeit und Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs fest, der Beschwerdeführer habe keine Un- terkunft sowie nichts zu Essen gehabt. Er habe keine Unterstützung und keinen Zugang zu Bildungsangeboten erhalten. Aufgrund fehlenden Zu- gangs zu Arbeit und Sprachkursen sei es ihm nicht möglich gewesen, eine Unterkunft zu finden. Auch habe er keinen Zugang zu medizinischer oder psychologischer Behandlung gehabt. Ihm drohe der Rutsch in die existen- zielle Notlage, aus der er sich nur durch die Ausreise in die Schweiz habe retten können. Der Entscheid stütze sich darüber hinaus hauptsächlich auf Textbausteine. Im Falle einer Rückkehr würde er erneut in menschenun- würdigen Zuständen leben müssen; es drohe ihm Obdachlosigkeit ohne Zugang zu Sozialleistungen sowie nicht garantierter adäquater medizini- scher und psychologischer Behandlung. Es bestehe die konkrete Gefahr E-6222/2024 Seite 13 einer unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung gemäss Art. 3 EMRK und Art. 4 EU-Grundrechtecharta. 11. 11.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom- mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 11.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers erweist sich der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland in Beachtung der vorstehend (vgl. E. 11.1) genannten völker- und landesrechtlichen Bestimmungen als zulässig. Bei Griechenland handelt es sich um einen sicheren Drittstaat, in welchem der Beschwerdeführer Schutz vor Rückschiebung im Sinn von Art. 5 Abs. 1 AsylG findet. Das Land ist sodann Signatarstaat der EMRK, der FoK und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen grundsätzlich nach. Zwar anerkennt das Bundesverwal- tungsgericht, dass die Lebensbedingungen in Griechenland für dort aner- kannte S chutzberechtigte in fast allen Bereichen des täglichen Lebens schwierig sind und sich die Alltagsbewältigung beschwerlich gestaltet. Ge- mäss koordinierter Praxis ist aber nicht von einer Situation auszugehen, in der jeder Person mit Schutzstatus eine unangemessene und erniedrigende Behandlung im Sinn einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde (vgl. das Referenzurteil des BVGer E -3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022, E. 11.2). 11.3 Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Hinweise dafür, dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers den völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz entgegenstünde. Der Beschwerdeführer hat sich insgesamt lediglich knapp (…) Monate (nach Anerkennung als Flücht- ling lediglich 2 Monate) in Griechenland aufgehalten. Vor diesem Hinter- grund und gestützt auf seine pauschale Angabe, er habe keine Unterstüt- zung erhalten (vgl. Beschwerde S. 5, 15), ist nicht davon auszugehen, dass er alles ihm Zumutbare unternommen hätte, um Zugang zu den ihm zu- stehenden Leistungen zu erhalten. E-6222/2024 Seite 14 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Prob- lemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen (vgl. BVGE 2011/9 E. 7; Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] Paposhvili gegen Belgi en 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Eine solche Situa- tion ist vorliegend offensichtlich nicht gegeben und es kann auf die zutref- fende Einschätzung der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. SEM-Akte […]- 46/17 S. 14), zumal der Beschwerdeführer diesbezüglich auf Beschwerde- ebene nichts Gegenteiliges geltend macht. 11.4 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers ist zulässig. 11.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Gemäss Art. 83 Abs. 5 AIG ist eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA- Staat vermutungsweise zumutbar. Diese Legalvermutung gilt mit Bezug auf Griechenland grundsätzlich auch für vulnerable Personen wie bei- spielsweise Menschen, welche an gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind; hingegen erachtet das Gericht den Vollzug der Wegweisung von äussert vulnerablen schutz- berechtigten Personen grundsätzlich als unzumutbar, ausser es bestehen besonders begünstigende Umstände, aufgrund derer ausnahmsweise von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden kann (vgl. zum Ganzen das oben zitierte Referenzurteil E -3427/2021, E-3431/2021 E. 11.5.1 und E. 11.5.3). Wird im konkreten Einzelfall festge- stellt, dass die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs besteht, hat die betroffene Person die Möglichkeit, diese umzustos- sen. Dazu hat sie jedoch ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen, dass sie in Griechenland aufgrund von individ uellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage ge- raten würde (vgl. a.a.O. E. 11.4). 11.6 Nach Durchsicht der Akten gelangt das Gericht zum Schluss, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung die Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs mit zutreffender und hinreichender Begründung bejaht hat. Soweit sie zur Begründung Textbausteine heranzieht, ist dies vorliegend E-6222/2024 Seite 15 nicht zu beanstanden, zumal diese auf die Situation des Beschwerdefüh- rers zutreffen und sich keine Hinweise darauf finden lassen, dass der Be- schwerdeführer im Falle einer Rückführung nach Griechenland in eine existenzielle Notlage geraten würde. Bei ihm handelt es sich um einen voll- jährigen Mann (s. E. 9 oben). Konkrete Hinweise auf eine ausgeprägt e Hilflosigkeit im alltäglichen Leben lassen sich den Akten nicht entnehmen. Darüber hinaus ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aktiv um Unterstützung bei den griechischen Behörden nachgesucht hätte und ihm diese verweigert beziehungsweise die ihm zustehenden minima- len Lebensbedingungen vorenthalten worden wären. Mit Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft stehen dem Beschwerdeführer in Griechenland grundsätzlich die Garantien der Qualifikationsrichtlinie (insbesondere Zu- gang zu Beschäftigung, Bildung, Sozialhilfeleistungen, Wohnraum und me- dizinischer Versorgung) zu. Ihm ist es zuzumuten, sich bei Unterstützungs- bedarf an die griechischen Behörden zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Mit den pauschalen Ausfüh- rungen zur schwierigen Situation in Griechenland mit Hinweis auf einen Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vermag der Beschwerdefüh- rer die angeführte Legalvermutung nicht umzustossen. Es handelt sich bei ihm nicht um eine vulnerable Person im Sinne der zuvor zitierten Recht- sprechung. Sollte der Beschwerdeführer darüber hinaus in Zukunft auf me- dizinische Versorgung oder psychologische Behandlung angewiesen sein, ist es ihm zuzumuten, diese in Griechenland in Anspruch zu nehmen. Im Übrigen ist vollumfänglich auf die detaillierten Ausführungen in der ange- fochtenen Verfügung zu verweisen (vgl. SEM-Akte […]-46/17). Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 11.7 Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, hat die Vor - instanz den Sachverhalt vollständig und korrekt festgestellt. Das Subeven- tualbegehren um Rückweisung der Sache zur rechtsgenüglichen Sachver- haltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz ist abzuweisen. 11.8 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Griechen- land ist schliesslich möglich, zumal die griechischen Behörden am 4. Sep- tember 2024 der Rückübernahme explizit zugestimmt haben und er über eine gültige Aufenthaltsbewilligung verfügt. E-6222/2024 Seite 16 11.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 12. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung – in den hier angefochtenen und geprüften Dispositivziffern 1, 3 –5 – Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie voll- ständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich über- prüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 13. Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 14. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da das Begehren – wie sich aus den vorste- henden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen ist. Die Ver- fahrenskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-6222/2024 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Irina Schulthess Versand: