<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 2 S.24</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">24</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>2</b></span> <span class="ft1"><b>Art. 163 und 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Eine zwischen den Ehegatten getroffene Trennungsvereinbarung über</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Unterhaltsbeiträge gilt nur solange, als das Einvernehmen der Ehegatten</b></span><br/> <span class="ft1"><b>hinsichtlich des Getrenntlebens und seiner Regelung andauert. Während</b></span><br/> <span class="ft1"><b>dieser Zeit sind solche Trennungsvereinbarungen für die Ehegatten ver-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>bindlich. Sind sich die Ehegatten über die beidseitigen Beiträge an den</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Familienunterhalt nicht mehr einig, kann das Eheschutzgericht angeru-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>fen werden, welches die geschuldeten Unterhaltsbeiträge gerichtlich fest-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gesetzt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 5. Zivilkammer, vom 30. Juni 2003,</span><br/> <span class="ft2">i.S. U.S. gegen H.S.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">2. Die Beklagte macht wie bereits vor Vorinstanz geltend, dass</span><br/> <span class="ft4">die Parteien am 20. September 2001 eine vorbehalt- und bedin-</span><br/> <span class="ft4">gungslose Vereinbarung abgeschlossen hätten, wonach sich der Klä-</span><br/> <span class="ft4">ger zur Zahlung von monatlichen Unterhaltsbeiträgen in der Höhe</span><br/> <span class="ft4">von Fr. 2'000.-- verpflichtet habe. Da der Kläger keine relevanten</span><br/> <span class="ft4">Abänderungsgründe dargelegt habe, sei die genannte Vereinbarung</span><br/> <span class="ft4">nach wie vor gültig, weshalb der Beklagten Unterhaltsbeiträge von</span><br/> <span class="ft4">Fr. 2'000.-- pro Monat zuzusprechen seien.</span><br/> <span class="ft4">a) Nach Art. 163 ZGB hat jeder Ehegatte nach seinen Kräften</span><br/> <span class="ft4">an den gebührenden Unterhalt der Familie beizutragen (Abs. 1), wo-</span><br/> <span class="ft4">bei sie sich über den Beitrag, den jeder von ihnen leistet, verständi-</span><br/> <span class="ft4">gen (Abs. 2) und hierbei die Bedürfnisse der ehelichen Gemeinschaft</span><br/> <span class="ft4">sowie ihre persönlichen Umstände zu berücksichtigen haben (Abs.</span><br/> <span class="ft4">3). Die Vereinbarung über die Art und den Umfang der Unterhaltslei-</span><br/> <span class="ft4">stungen ist an keine Form gebunden und kann konkludent erfolgen</span><br/> <span class="ft4">(vgl. Hausheer/Spycher/Kocher/Brunner, Handbuch des Unterhalts-</span><br/> <span class="ft4">rechts, Bern 1997, Rz 03.171 ff.; Bräm/Hasenböhler, Zürcher Kom-</span><br/> <span class="ft4">mentar, Zürich 1998, N 121 zu Art.</span> <span class="ft4">163 ZGB; Hegnauer/</span><br/> <span class="ft4">Breitschmid, Grundriss des Eherechts, 4. Auflage, Bern 2000, Rz</span><br/> <span class="ft4">16.22 ff.). Dies gilt auch für den Fall, in welchem die Ehegatten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">25</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">übereinkommen, den gemeinsamen Haushalt aufzuheben, und ein-</span><br/> <span class="ft4">vernehmlich die Folgen des Getrenntlebens regeln; unter Vorbehalt</span><br/> <span class="ft4">der elterlichen Sorge bedarf eine solche Trennungsvereinbarung kei-</span><br/> <span class="ft4">ner richterlichen oder anderen behördlichen Genehmigung (vgl.</span><br/> <span class="ft4">Hausheer/Reusser/Geiser, Berner Kommentar, Bern 1999, N 6b zu</span><br/> <span class="ft4">Art. 175 ZGB und N 5b zu Art. 176 ZGB; Bräm/Hasenböhler, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft4">N 2 zu Art. 176 ZGB).</span><br/> <span class="ft4">b) Bei Trennungsvereinbarungen handelt es sich nicht um</span><br/> <span class="ft4">schuldrechtliche Verträge, die auf dem Prinzip von Leistung und Ge-</span><br/> <span class="ft4">genleistung beruhen, sondern um Abkommen aufgrund der ehelichen</span><br/> <span class="ft4">Unterstützungspflicht. Grundsätze des Vertragsrechts sind somit</span><br/> <span class="ft4">höchstens sinngemäss anwendbar (vgl. Bräm/Hasenböhler, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft4">N 10 zu Art. 176 ZGB). Eine zwischen Ehegatten getroffene Tren-</span><br/> <span class="ft4">nungsvereinbarung über Unterhaltsbeiträge muss jederzeit den ver-</span><br/> <span class="ft4">änderten Verhältnissen, d.h. den neuen Bedürfnissen, Anforderungen</span><br/> <span class="ft4">und Lebensumständen der Ehegatten und allenfalls der Kinder ange-</span><br/> <span class="ft4">passt werden können. Deshalb gelten solche Vereinbarungen nur auf</span><br/> <span class="ft4">Zusehen hin, nämlich solange das Einvernehmen der Ehegatten hin-</span><br/> <span class="ft4">sichtlich des Getrenntlebens und seiner Regelung andauert (vgl.</span><br/> <span class="ft4">Hausheer/Reusser/Geiser, a.a.O., N 5b zu Art. 176 ZGB). Nach</span><br/> <span class="ft4">Massgabe des Eherechts muss die Vereinbarung jederzeit anpas-</span><br/> <span class="ft4">sungsfähig sein, unabhängig davon, ob sie schriftlich fixiert wurde</span><br/> <span class="ft4">oder konkludent erfolgte (vgl. Bräm/Hasenböhler, a.a.O., N 10 zu</span><br/> <span class="ft4">Art. 176 ZGB). Sind sich die Ehegatten über die beidseitigen Beiträ-</span><br/> <span class="ft4">ge an den Familienunterhalt nicht mehr einig, kann das Eheschutzge-</span><br/> <span class="ft4">richt angerufen werden, falls eine einvernehmliche Regelung nicht</span><br/> <span class="ft4">mehr in Betracht kommt.</span><br/> <span class="ft4">c) Vorliegendenfalls haben die Parteien am 20. September 2001</span><br/> <span class="ft4">unter anderem vereinbart, dass sich der Kläger während der Tren-</span><br/> <span class="ft4">nung zur Zahlung eines monatlichen Unterhaltsbeitrags in der Höhe</span><br/> <span class="ft4">von Fr. 2'000.-- verpflichtet, wobei der Kläger eine diesbezügliche</span><br/> <span class="ft4">Einverständniserklärung unterzeichnete. Damit haben die Parteien</span><br/> <span class="ft4">nach dem Gesagten eine gültige Trennungsvereinbarung abgeschlos-</span><br/> <span class="ft4">sen, welche - solange das gegenseitige Einvernehmen bezüglich der</span><br/> <span class="ft4">getroffenen Regelung anhielt - für beide Parteien verbindlich war.</span><br/> <span class="ft4">Mit Einleitung des vorliegenden Eheschutzverfahrens gab der Kläger</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">26</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">erstmals am 25. November 2002 gegenüber der Beklagten seinen</span><br/> <span class="ft4">Willen, sich nicht mehr an die Vereinbarung halten zu wollen, kund.</span><br/> <span class="ft4">Dies bedeutet einerseits, dass die Parteien bis und mit November</span><br/> <span class="ft4">2002 den Unterhaltspunkt verbindlich geregelt haben und dass ande-</span><br/> <span class="ft4">rerseits die Bindungswirkung der Trennungsvereinbarung der Partei-</span><br/> <span class="ft4">en vom 20. September 2001 Ende November 2002 endet und für die</span><br/> <span class="ft4">Zeit ab Dezember 2002 die Höhe des vom Kläger geschuldeten Bei-</span><br/> <span class="ft4">trags an den persönlichen Unterhalt der Beklagten erstmals gericht-</span><br/> <span class="ft4">lich festzusetzen und nicht etwa unter Zugrundelegung der Voraus-</span><br/> <span class="ft4">setzungen für die Abänderung eines Eheschutzurteils (Art. 179 Abs.</span><br/> <span class="ft4">1 ZGB) lediglich anzupassen ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>