B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4494/2018 law/fes U r t e i l v o m 26 . J u n i 2 0 2 0 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Lorenz Noli, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch Dr. iur. Reza Shahrdar, Rechtsberatung & Treuhand GmbH, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 25. Juli 2018. D-4494/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, iranischer Staatsangehöriger, kurdischer Ethnie aus B._______ (Provinz Kermanshah) mit letztem Wohnsitz in C._______, verliess am 23. Oktober 2014 mit seiner Frau D._______ (N […]), den drei gemeinsamen Töchtern E._______ (N […]), F._______ (N […]) und G._______ (N […]) sowie dem Schwiegersohn H._______ (N […]) den Iran in Richtung Türkei. Von dort reisten sie via Griechenland und weitere Län- der am 7. November 2015 von Deutschland herkommend in die Schweiz ein und suchten gleichentags um Asyl nach. B. Am 24. November 2015 erhob das SEM die Personalien des Beschwerde- führers und befragte ihn zum Reiseweg und summarisch zu den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes (sog. Befragung zur Person, BzP). Am 3. Mai 2018 wurde der Beschwerdeführer einlässlich zu den Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylgesuches gab der Beschwerdeführer an, er und seine Familie würden dem traditionalistischen Zweig der religiöse n Minderheit der Ahl-e Haqq/Yarsan angehören. Er habe seine Religion zeit- lebens lediglich im Privaten ausleben können. Sein Arbeitgeber oder die Öffentlichkeit habe von seiner Religionszugehörigkeit nichts gewusst. Im Jahr 2004 sei er mit seiner Familie nach C._______ gezogen. Dies einer- seits aus wirtschaftlichen Gründen, andererseits, weil es in seiner Her- kunftsregion keine Mittelschule gegeben habe, die seine Kinder hätten be- suchen können. In C._______ habe er eine Anstellung bei der teilstaatli- chen Firma (…) beziehungsweise (…) erhalten, wo er bis zu seiner Aus- reise als (…) tätig gewesen sei. Etwa im Oktober 2014 sei er bei der tägli- chen Arbeit auf mehrere unbeschriftete Schachteln gestossen. Er habe eine der Schachteln geöffnet und archäologische Funde vorgefunden. Eine Stunde danach sei er vo m Herasat aufgerufen und verhört worden. Man habe ihm einen Bonus angeboten, wenn er über den Fund Stillschweigen bewahre. Diesen habe er abgelehnt. Nach seiner Schicht sei er nach Hause gegangen und habe sich hingelegt. Wegen lauten Schreien seiner Kinder sei er erwacht und habe sich unmittelbar darauf mit einem Sack über dem Kopf vorgefunden. Unbekannte hätten ihn an einen unbekannten Ort verbracht, wo er vom 8. Oktober 2014 bis zum 20. Oktober 2014 fest- gehalten und gefo ltert worden sei, bis er ein Geständnis unterschrieben habe, wonach er Teile der archäologischen Warenlieferung gestohlen D-4494/2018 Seite 3 habe. Nach 12 oder 14 Tagen Haft hätte er – mit einem Sicherheitsbeamten an Handschellen zusammengefesselt – in einem Taxi zu einem Gericht ge- bracht werden sollen. Unterwegs habe er den Sicherheitsbeamten überre- den können, in der Werkstatt seines Schwiegersohns zu halten. Sein Schwiegersohn habe umgehend seinen Bruder hinzugeholt. Sie hätten zu- sammen auf den Sicherheitsmann eing eredet und ihm Geld angeboten, damit er ihn freilasse. Schliesslich habe sein Schwiegersohn die Hand- schellen von ihm und dem Sicherheitsbeamten an einer Schneidema- schine auseinandergetrennt. Sie seien sofort in einem Auto zu Bekannten geflohen, wo er sich zwei oder drei Tage versteckt habe. Seine Familie sei ebenfalls hinzugekommen und gemeinsam mit seinem Bruder habe er mit Hilfe von Schleppern die Ausreise organisiert. Am 23. Oktober 2014 habe er und seine Familie den Iran mit dem Auto und zu Fuss illegal von I._______ über J._______ Richtung Türkei verlassen, wo sie sich rund ein Jahr aufgehalten hätten, bevor sie in die Schweiz weitergereist seien. Nach seiner Ausreise sei sein Bruder womöglich inhaftiert worden. Er habe bis heute nichts mehr von ihm gehört und wisse nichts über seinen Verbleib. Er reichte das Original seines ira nischen Reisepasses, seine Kart e Melli (Identitätskarte) und seine Shenasnameh (Personenstandsurkunde) zu den Akten. C. C.a Mit Verfügung vom 11. Mai 2018 gewährte das SEM dem Beschwer- deführer das rechtliche Gehör zu verschiedenen Widersprüchen zwischen dessen Aussagen und jenen seines Schwiegersohnes im Rahmen der je- weiligen Anhörungen zu den Asylgründen. C.b Am 22. Mai 2018 nahm der Beschwerdeführer dazu Stellung. D. Mit tags darauf eröffneter Verfügung vom 25. Juli 2018 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte sein Asylgesuch vom 7. November 2015 ab. Gleichzeitig verfügte es seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegwei- sung an. E. Mit Eingabe vom 6. August 2018 wurden dem Bundesverwaltungsgericht von K._______ ein Schreiben zugestellt, in welchem darum ersucht wird, D-4494/2018 Seite 4 den „Entscheid der Wegweisung aus humanitären Gründen“ nochmals zu prüfen und aufzuheben. F. Mit Verfügung vom 17. August 2018 forderte der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts den Beschwerdeführer auf, eine Beschwerde- verbesserung einzureichen und einen Kostenvorschuss einzuzahlen. G. Mit Eingabe vom 20. August 2018 reichte der Beschwerdeführer handelnd durch seinen inzwischen mandatierten Rechtsvertreter beim Bundesver- waltungsgericht eine Beschwerdeverbesserung ein und liess beantragen, es sei die Verfügung des SEM aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft fest- zustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die vorläufige Auf- nahme anzuordnen. Zudem liess er in verfahrensrechtlicher Hinsicht bean- tragen, es sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses zu v erzichten und der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren. Sinngemäss liess er beantragen, es sei ihm eine Frist anzusetzen, um Beweismittel aus dem Iran einzureichen. H. Am 21. August 2018 ging beim Bundesverwaltungsgericht eine Fürsorge- bescheinigung vom 15. August 2018 betreffend den Beschwerdeführer ein. I. K._______ teilten mit Schreiben vom 27. August 2018 dem Bundesverwal- tungsgericht mit, dass die Familie des Beschwerdeführers inzwischen von Dr. iur. Reza Shahrdar vertreten werde, weshalb sie darum bitten, ihre Ein- gabe vom 6. August 2018 als gegenstandslos zu betrachten. J. Mit Verfügung vom 3. September 2018 trat der Instruktionsrichter auf den Antrag, die aufschiebende Wirkung der Beschwerde sei wiederherzustel- len, nicht ein und stellte fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Asylverfahrens in der Schweiz abwarten. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Erlass von der Kostenvor- schussleistungspflicht hiess er gut und stellte fest, es werde in wiederer- wägungsweiser Änderung der Zwischenverfügung vom 17. August 2018 kein Kostenvorschuss erhoben. Zudem gab er dem Beschwerdeführer Ge- legenheit, weitere Beweismittel einzureichen. Der Beschwerdeführer reichte jedoch innert Frist keine weiteren Beweismittel ein. D-4494/2018 Seite 5 K. Mit Verfügung vom 17. Oktober 2018 gab der Instruktionsrichter dem SEM die Gelegenheit eine Vernehmlassung zur Beschwerdeschrift einzu- reichen. L. In der Vernehmlassung vom 24. Oktober 2018 führte das SEM aus, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be- weismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könn- ten. M. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 30. Oktober 2018 zur Kenntnisnahme zugestellt. N. Am 4. März 2019 liess der Beschwerdeführer einen Datenträger mit diver- sen Filmaufnahmen und Bildern einreichen, welche die politischen Aktivi- täten der Familie bei der Demokratischen Partei Kurdistan -Iran-Schweiz (DPK-I-Schweiz) belegen würden und machte geltend, insbesondere die kurdischen Parteien seien unter strenger Beobachtung der iranischen Si- cherheitsorgane. O. Am 8. Juli 2019 wurde ein weiterer Datenträger ein betreffend das exilpoli- tische Engagement der Familie eingereicht. P. Mit Urteil D-4569/2018 vom 19. Dezember 2019 wies das Bundesverwal- tungsgericht die Beschwerde des Schwiegersohnes H._______ vom 6. und 8. August 2018 ab. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsge richt Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundes verwaltungsgericht ist daher D-4494/2018 Seite 6 zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 1 6. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge- setzesartikel sind unverändert vom AuG ins AIG übernommen worden, weshalb nachfolgend die neue Gesetzesbezeichnung verwendet wird. 1.4 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Er ist daher zur Einr eichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form- gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist – unter Vorbehalt des in der Verfügung vom 3. September 2018 behandelten Antrags, die aufschie- bende Wirkung der Beschwerde sei wiederherzustellen – einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG; im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Die Akten des Schwiegersohnes (N […]) wurden beigezogen. 4. Das vorliegende Beschwerdeverfahren wird mit demjenigen der Ehefrau D._______ und der Tochter G._______ (D-4659/2018) sowie denjenigen der beiden Töchter E._______ und F._______ (D-4523/2018 und D - 4660/2018) koordiniert behandelt. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im D-4494/2018 Seite 7 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, d es Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu - chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat be ziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei- matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie- hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Auf- grund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Aner- kennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be- troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schu tz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Aus- gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün- deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent- scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol- gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zuguns- ten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 6. 6.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch mit der Begründ ung ab, die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers seien einerseits nicht glaubhaft und würden andererseits der Asylrelevanz entbehren. D-4494/2018 Seite 8 Im Einzelnen führte es aus, die Schilderung der angeblichen Festnahme des Beschwerdeführers falle trotz Nachfrage der Befragerin oberflächlich, pauschal, ausweichend und ohne Erlebnisprägung aus (vgl. Akte A29/17 F34, F44 ff.). Er schildere ferner keinerlei innere Vorgänge oder Überlegun- gen, wie dies erwartet werden dürfe angesichts der für ihn überraschenden und einschneidenden Situation der unerwarteten Festnahme durch Unbe- kannte. Auch seine Schilderung der 12 - respektive 14-tägigen Haft weise keinerlei Details zu den Haftbedingungen, besonderen Erlebnissen oder spezifischen Erinnerungen aus seiner Haftzeit auf, sondern sei stattdessen auf krasse Art und Weise unsubstantiiert , oberflächlich und ohne jegl iche Substanz (vgl. Akte A29/17 F34, F46 ff., F50 ff., F59 ff.). Auch auf wieder- holte Nachfrage hin habe er led iglich ausweichend geantwortet und sei nicht in der Lage gewesen, innere Vorgänge oder eine substantiierte Schil- derung der Zeit in Gefangenschaft darzulegen. Angesichts der von ihm gel- tend gemachten traumatisierenden Erlebnisse habe jedoch erwartet wer- den dürfen, dass er ausführlich und erlebnisgeprägt Auskunft zu Details wie den Haftumständen, den anwesenden Personen, den Folterereignis- sen, Ängsten, Gedanken, besonderen Erinnerungen, oder dergleichen an- geben könnte, hätte er die Situation wie geltend gemacht tatsächlich erlebt. Ferner falle auch seine Schilderung der Fluch t äusserst oberflächlich, un- substantiiert und pauschal aus (vgl. Akte A29/17 F34, F64 ff.). Auch an die- ser Stelle werde er wiederholt aufgefordert, detailliert zu erzählen. Sein Antwortverhalten bleibe jedoch einsilbig, detailarm, pauschalisierend und ohne jegliche Substanz. Schliesslich falle seine Ahnungslosigkeit zu weite- ren Details der Verfolgungsgeschichte wie etwa der Name des Gerichts, die Anklagepunkte, Verfolger, etc. auf (vgl. Akte A29/17 F83 ff., F96). Er verstricke sich in seinen eigenen Aussagen in Widersprüche. So habe er gemäss seinen Aussagen anlässlich der Anhörung den Sicherheitsbeam- ten mit Geld und Zureden bestochen. Zwar habe er zunächst Widerstand geleistet, aber Gewalt sei keine angewendet worden (vgl. Akte A29/17 F66, F74, F97 ff.). In der BzP habe er hingegen zu Protokoll gegeben, dass sein Schwiegersohn und sein Bruder den Soldaten zusammengeschlagen hät- ten (vgl. Akte A5/12 S. 9). Auch sein Schwiegersohn habe anlässlich seiner Befragungen wiederholt von Gewaltanwendungen gegen den Soldaten be- richtet (vgl. N […] Akten A5/13 S. 9 und A28/17 F42, F78, F96 ff.). Zum an- deren bestünden mehrere Widersprüche in den Kernelementen der Vor- bringen zwischen den von ihm getätigten Aussagen und den Aussagen sei- nes Schwiegersohnes anlässlich seiner BzP und Anhörung. Hierzu sei bei- den je mit Schreiben vom 11. Mai 2018 das rechtliche Gehör gewährt wor- den. So habe sein Schwiegersohn die Situation sein er Flucht dergestalt geschildert, dass er den Beschwerdeführer in seine Werkstatt genommen D-4494/2018 Seite 9 habe, um ihm die Handschellen mit der Schn eidemaschine zu durchtren- nen ( vgl. N […] Akte A28/17 F42). Dass sich an der zweiten Hälfte der Handschellen der Soldat befunden habe, mit welch em er zusammenge- bunden gewesen sei, habe sein Schwiegersohn indes mit keinem Wort er- wähnt. Im Gegenteil: Der Schwiegersohn habe die Situation dergestalt ge- schildert, dass der Bruder des Beschwerdeführers den Soldaten in einem Raum eingeschlossen gehalten habe respektive mit ihm in Handgreiflich- keiten verwickelt gewesen sei, während der Schwiegersohn ihm die Hand- schellen mit der Schneidemaschine auseinandergeschnitten habe ( vgl. N […] Akte A28/17 F79, F98). Er selber habe hingegen klarermassen zu Protokoll gegeben, dass er und der Soldat je mit einer Hand zusammen an den Handschellen gefesselt gewesen seien (vgl. Akte A29/17 F67-75). We- der seine (vgl. Akte A35/2) noch die Erklärungen seines Schwiegersohnes (vgl. N […] Akte A35/11) zu diesen Widersprüchen verm öchten diese auf- zuklären. So habe er an der von ihm geschilderten Darstellung festgehal- ten und des Weiteren darauf verwiesen, dass seine Muttersprache Kur- disch sei, während das Interview in Farsi durchgeführt worden sei. Ange- sichts der Tatsache, dass er anlässlich der Anhörung wiederholt bestätigt habe, den Dolmetscher gut zu verstehen , und in Anbetracht der von ihm unterschriebenen Rückübersetzung seien diese Ausführungen allerdings nicht geeignet, die Widersprüche plausibel aufzuklären. Auch die Stellung- nahme seines Schwiegersohnes vermöge die Widersprüche nicht zu klä- ren, so führe dieser lediglich den entstandenen Konflikt zwischen ihm und dem Beschwerdeführer infolge seiner Trennung von seiner Tochter aus und gehe nicht auf die ihm vorgehaltenen Widersprüche ein. Folglich könne ihm seine geltend gemachte Festnahme, Folter und Befreiung durch Beste- chung infolge seiner äusserst unsubstantiierten Schilderungen und auf- grund frappanter Widersprüche in den Kernvorbringen nicht geglaubt wer- den. Schliesslich werde die Vermutung, wonach er das angeblich fluchtauslö- sende Ereignis wenige Tage vor der Ausreise lediglich zur Erhöhung der Chancen auf eine Asylgewährung erfunden habe, durch den Umstand be- stärkt, dass ihre iranischen Reisepässe Anfangs September 2014, also rund sechs Wochen vor der Ausreise ausgestellt worden seien. Dies führe zum Verdacht, dass er die Ausreise längerfristig geplant habe und aus ei- nem anderen als dem von ihm geltend gemachten Beweggrund den Iran verlassen habe. Hierfür spreche auch der Umstand, dass er gemäss dem Stempel im Pass am (…) 2014 auf legalem Weg – und nicht wie von ihm und seinen Angehörigen geltend gemacht illegal – aus dem Iran aus- res-D-4494/2018 Seite 10 pektive in die Türkei eingereist sei (vgl. Akte A29/17 F116 ff., vgl. entspre- chende Stempel im Reisepass S. 7 und S. 40). Seine diesbezügliche Er- klärung, wonach der Pass mitsamt den Stempeln vom Schlepper organi- siert worden sei und einer Fälschung gleichkomme, vermö ge indes nicht zu überzeugen. So hätten Fachabklärungen zur Echtheit des Dokumentes keinerlei objektive Fälschungsmerkmale ergeben. Auch seine Aussage, wonach er innert zwei bis drei Tagen rund 50 -60 Millionen Tuman für die überstürzte Ausreise einer sechsköpfigen Familie organisiert habe , lasse eher die Vermutung aufkommen, dass er die Reise bereits viel früher ge- plant und organisiert habe und aus anderen als den von ihm geltend ge- machten Gründen den Iran verlassen habe ( vgl. Akte A29/17 F112 ff.). Seine Vorbringen würden die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge- mäss Art. 7 AsylG nicht erfüllen. Entsprechend erübrige sich die Prüfung deren Asylrelevanz. Dennoch sei bezüglich der Asylrelevanz ein ausdrück- licher Vorbehalt anzumerken. Sei doch die Unterschlagung von Wertge- genständen eine Straftat, im Rahmen deren Untersuchung eine Fest- nahme naheliegend sei und es Sache der Untersuchungs - und Justizbe- hörden sei, die Wahrheit herauszufinden und ein Urteil zu fällen. Das SEM stelle seine Herkunft aus Kermanshah und eine allfällige Zuge- hörigkeit zur Yarsan-Gemeinde nicht in Frage. Das SEM ane rkenne auch die generell schwierige Situation der Yarsan im Iran. Bei den von ihm ge- schilderten Vorfällen – sofern diese zutreffen – handle es sich jedoch nicht um ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG. Die von ihm genannten Benachteiligungen, wie die Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, mö gen zutreffen. Dennoch würden diese Probleme keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG (Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Frei- heit sowie Massnahmen, die eine n unerträglichen psychischen Druck be- wirken) darstellen. In seinen Aussagen seien keinerlei Hinweise erkennbar, wonach er innerhalb der Glaubensgemeinschaft über ein derart gerichtetes Profil verfügt habe, welches zu einem Interesse der Behörden respektive einer asylrelevanten Verfolgung hätte führen können ( vgl. Akte A29/17 F91 ff.). So schilder e er, dass er zwar seine Religion nicht gänzlich frei habe ausüben können, dass er aber keine Probleme mit Dritten oder den Behörden gehabt h abe, da er seine Religionszugehörigkeit stets für sich behalten habe (vgl. Akte A29/17 F38, F52 ff., F89 ff. und F100 ff.). Zwar würden im Allgemeinen Yarsan auf dem Arbeitsmarkt oder im Bildungsbe- reich benachteiligt, gemäss seinen eigenen Aussagen seien er und seine Familie aber hiervon nicht Opfer geworden (vgl. Akte A29/17 F100 ff.). So war es seinen Kindern gemäss seine n Aussagen möglich, in C._______ die Mittelschule zu besuchen ( vgl. Akte A29/17 F32). Er selber habe über D-4494/2018 Seite 11 eine Anstellung bei einer (…) verfügt. Den von ihm beschriebenen Ereig- nissen mangle es demnach einerseits an Intensität, um als ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu gelten. Anderseits fehle es seinen Vorbringen an hinreichenden Anhaltspunkten für eine konkrete Bedrohung, weshalb seine Furcht vor einer asylrelevanten Verfolgung als unbegründet einzustufen sei. Demnach seien seine Vorbringen, wonach er als Angehö- riger der Yarsan im Iran in einer schwierigen Lage gewesen sei, nicht asyl- relevant. Folglich erübrige sich die Prüfung der Glaubhaftigkeit dieses Vor- bringens. Gemäss konstanter Rechtsprechung entfalte die blosse Zugehörigkeit zur kurdischen Ethnie noch keine Asylrelevanz. Das SEM verkenne die teils schwierige Lage der Kurden und die in Einzelfällen überharte Bestrafung aufgrund der Zugehöri gkeit zur kurdischen Ethnie (Kurdenmalus) in Iran keineswegs. Dennoch seien in seinem individuellen Fall keinerlei Hinweise erkennbar, welche auf ein Profil hindeuten würden, welches zu einem der- artigen Malus führen könnte. So scheine der Beschwerdeführer nicht aus einem politisch aktiven Umfeld zu stammen und sei niemals politisch tätig gewesen oder in irgendeiner anderen Form besonders aufgefallen (vgl. Ak- ten A5/13 S. 9, A29/17 F94 ff.). Demnach mangle es auch diesen Schwie- rigkeiten zum einen an Intensität, um als ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu gelten. Zum andern sei auch seine Furcht, als Angehöriger der kurdischen Ethnie bei einer Rückkehr in den Iran Probleme zu bekom- men als unbegründet zu erachten. Demzufolge erfülle er die Flüchtlingsei- genschaft nicht, so dass sein Asylgesuch abzulehnen sei. 6.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, Farsi be- ziehungsweise Persisch sowie Dari seien nicht dieselben Sprachen. Kur- disch und Farsi hätten eine gemeinsame Wurzel, kein Perser verstehe aber mehr als 30% Kurdisch oder umgekehrt. Es seien deshalb (Schein-)Wider- sprüche beziehungsweise Missverständnisse, welche unvermeidbar seien, wenn Perser für Kurden, Afghanen für Perser oder Perser für Afghanen übersetzen würden. Im vorliegenden Fa ll sei die Dolmetscher -Situation derart unbefriedigend gewesen, dass es Beanstandungen vom Hilfswerks- vertreter gegeben habe. Der Dolmetscher habe beispielsweise nicht ein- mal verstanden, dass der Beschwerdeführer mit «(…)» schlicht und einfach «(…)» (Waren-Post) gemeint habe (Verfügung S. 2 Mitte). Derartige Fehler würden auf Verwirrung vom Dolmetscher hindeuten. Der Beschwerdefüh- rer sei nicht klar und präzise verstanden worden und habe seinerzeit auch dem Dolmetscher seine Probleme nicht verständlich machen können. Vor D-4494/2018 Seite 12 wenigen Wochen sei ein Derwisch hingerichtet worden und über 60 Derwi- sche seien zudem vor wenigen Tagen zu langen Haftstrafen verurteilt wor- den. Nicht-Schiiten würden immer wieder als Sündenböcke gelten und als Bürger zweiter Klasse leben. Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass dem Beschwerdeführer der Diebstahl unterstellt worden sei. Seine Schilderun- gen seien – trotz schwacher Dolmetscherarbeit – widerspruchsfrei und nachvollziehbar. Es sei sicherlich bekannt, dass alte Kunst und Kulturge- genstände seit der Revolution aus dem Iran geschmuggelt worden seien und in der Regel seien Passdaran (Revolutionsgarden) und Mullahs die Hintermänner. Für unerlaubten Handel mit Antiquitäten stehe – in qualifi- zierten Fällen – die Todesstrafe, wobei bis heute kein Mullah oder Passdar verurteilt worden sei. Es seien immer die Kleinen, die daran glauben müss- ten. Im Zusammenhang mit den Äusserungen des Schwiegersohnes und den vorgeworfenen Widersprüchen sei darauf aufmerksam zu machen, dass die älteste Toch ter (E._______) seit längerem vom Schwiegersohn getrennt lebe und deswegen psychisch angeschlagen sei. N ach der Ein- reise in die Schweiz hätten die Probleme angefangen. Sie habe ein Selbst- mordversuch unternommen. Inzwischen sei der damalige Schwiegersohn der Familie des Beschwerdeführers gegenüber feindlich gesinnt und drohe nach der Wegweisung mit Repressalien im Iran. Seine Aussagen, nicht zu- letzt seine schriftliche Stellungnahme, seien deshalb beweisrechtlich nicht verwertbar. Es sei ausserdem das Logischste, wenn der Polizeibeamte und der Beschuldigte mit den Handschellen zusammen verbunden seien. Es sei im Iran – wegen Personalmangel – üblich, dass ein Soldat mit dem Beschuldigten (wenn nicht als gewalttätig eingestuft oder wegen Gewalt- delikten inhaftiert, sonst gebe es auch Hand- und Fussfesseln zusammen) verbunden zu den Justiz-Gebäudekomplexen geschickt würden. Wenn nur der Angeschuldigte Handschellen trage, dann könne er weglaufen. Der Rekrut habe im Übrigen keinen Schlüssel und die Handschellen würden erst im Gericht – und nur, wenn überhaupt nötig, vom Gerichtsschreiber – abgenommen. Die Äusserungen vom Schwiegersohn widersprächen der iranischen Praxis und seien aus Rache gemacht worden. Eine Flucht, wie im vorliegenden Fall, komme immer wieder vor. Viele Rekruten aus ärme- ren Familien und/oder Randregionen seien bereit sich bestechen und den Gefangenen frei zulassen. Bei normalen – im Gegensatz zu politischen – Gefangenen sei die Justiz weniger empfindlich, zumal solche Aktionen auch durch Beste chung und Mithilfe von Justiz -Angestellten passieren könnten. Diverse Internet- beziehungsweise YouTube-Beiträge würden die Vorgehensweisen belegen. Der Beschwerdeführer habe im Übrigen nicht in ärmlichen Verhältnissen gelebt. Der Wechselkurs von 50 -60 Mil lion Tuman wären im Jahre 2014/15 ca. Fr. 17'000.– bis 20’000.– gewesen. D-4494/2018 Seite 13 Eine solche Summe innert wenigen Tagen zu besorgen sei weder schwie- rig, noch aussergewöhnlich. Der Beschwerdeführer habe ja auch Ver- wandte und Freunde dort, zumal sein Bruder das Auto übernommen und verkauft habe. Allein in den umliegenden Nachbarländern würden iranische Touristen jährlich ca. acht Millionen US-Dollar ausgeben. Das SEM setzte offenbar Elend und Armut voraus, was nicht stimme und tatsächlichen Ver- hältnissen im Iran widerspreche. 7. 7.1 In der Beschwerde wird zunächst geltend gemacht, es sei aufgrund un- terschiedlicher Sprachen zu Missverständnissen mit dem Dolmetscher ge- kommen, damit sei – so sinngemäss – der rechtserhebliche Sachverhalt nicht richtig festgestellt worden. 7.2 Die Asylbehörde hat den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes we- gen festzustellen (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 und Art. 29 AsylG) ergibt sich, dass Asylsuchende zu ihren Asylgründen anzu- hören sind und ihnen das Recht zur Äusserung sowie die Möglichkeit, Ein- fluss auf die Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts zu nehmen, zu gewähren ist (vgl. Art. 30 Abs. 1 VwVG). Gemäss Art. 29 Abs. 1bis AsylG zieht das SEM nötigenfalls eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher für die Anhörung zu den Asylgründen bei. Über die Anhörung wird ein Protokoll geführt. Dieses wird von den Beteiligten mit Ausnahme der Vertretung der Hilfswerke unterzeichnet (aArt. 29 Abs. 3 AsylG). Die Vertretung der Hilfs- werke beobachtet die Anhörung, hat aber keine Parteirechte. Sie bestätigt unterschriftlich ihre Mitwirkung und untersteht gegenüber Dritten der Schweigepflicht. Sie kann Fragen zur Erhellung des Sachverhalts stellen lassen, weitere Abklärungen anregen und Einwendungen zum Protokoll anbringen (aArt. 30 AsylG). 7.3 Der Beschwerdeführer gab auf dem Personalienblatt und anlässlich der BzP als Muttersprache Farsi und bei anderen Sprachen Kurdisch be- ziehungsweise Kermanshah -Kurdisch an (vgl. Akten A1/8; A5/13 S. 4 Ziff. 1.17.01 f.). Die Befragung anlässlich der BzP fand ebenso wie Anhö- rung zu den Asylgründen auf Farsi statt, was der Beschwerdeführer mit seiner Unterschrift bestätigte (vgl. Akten A5/13 S. 2 Bst. b, S. 10; A29/17 S. 16). Er gab sowohl am Anfang wie am Ende der BzP an, den Dolmet- scher gut zu verstehen beziehungsweise verstanden zu haben (vgl. Akte A5/13 S. 2 Bst. h, S. 10 Ziff. 9.02). Anlässlich der Anhörung erklärte der Beschwerdeführer, aufgrund seines persischen Wortschatzes kö nne es D-4494/2018 Seite 14 sein, dass er ab und zu eine Rückfrage stellen müsse. Er könne schon Persisch, aber es gebe das eine oder andere Wort, das er nicht verstehe (vgl. Akte A29/17 F1). Daraufhin wurde er dazu angehalten, nachzufragen, falls es soweit komme. Nach Durchsi cht des Anhörungsprotokolls wurde zwei Mal eine Rückfrage vom Dolmetscher an den Beschwerdeführer ge- stellt (vgl. Akte A29/17 F47 und F55). Ansonsten gehen aus dem Protokoll keine Missverständnisse hervor. Der Beschwerdeführer gab am Ende der Anhörung an, seine anfängliche Information habe sich auf ihn und seine Problematik bezüglich der persischen Sprache bezogen. Er habe nicht die Sprache des Dolmetschers in Frage stellen wollen. Und die Folgefrage, ob er aber das Persisch verstanden habe, bejahte er, er habe alles verstanden (vgl. Akte A29/17 F123 f.). Mit seiner Unterschrift in den ihm rückübersetz- ten Protokollen erklärte er, dass diese vollständig sind und seinen freien Äusserungen entsprechen (vgl. Akte A 5/13 S. 10; A29/17 S. 16). Die an- lässlich der Anhörung anwe sende Hilfswerksvertretung bemerkte zwar, dass das Bildungs - und Sprachniveau mitursächliche Basis für Darle- gungsschwächen bezüglich der Familienverhältnisse seien und deutlich machen würden, inwiefern der anfängliche Hinweis des Beschwerdefüh- rers zur Beherrschung der Persischen Sprache zu verstehen sei. Daraus kann jedoch nicht abgeleitet werden, der Sachverhalt sei nicht richtig oder unvollständig erstellt worden, beziehungsweise der Dolmetscher und der Beschwerdeführer hätten sich aufgrund verschiedenen Sprachen nicht ver- standen. Vielmehr erklärt die Bemerkung der Hilfswerkvertretung, dass das Sprachniveau des Beschwerdeführers nicht hoch sei, was dazu geführt hat, dass er statt Schwiegersohn, Schwager sagte, weil er die sprachliche Bezeichnung für Schwiegersohn nicht kannte. Die Bezeichnung des Ar- beitsorts «(…)» in der angefochtenen Verfügung ergeht aus der BzP , wo als Arbeitsort «(…)» protokolliert worden ist (vgl. A5/13 Ziff. 1.17.05). Dass die protokollierende Person bei einem persischen Namen die Rechtschrei- bung nicht korrekt übernommen hat, ist nicht auf eine mangelhafte Über- setzung des Dolmetschers zurückzuführen. Zudem führte dies zu keinem Missverständnis, zumal der Beschwerdeführer erklärte, er habe in der Spe- dition gearbeitet. Insgesamt ist festzustellen, dass sowohl die BzP wie auch die Anhörung zu den Asylgründen in die Muttersprache des Beschwerde- führers ohne sprachlich bedingte Verständigungsprobleme haben durch- geführt werden können und die Aussagen des Beschwerdeführers in den Protokollen korrekt wiedergegeben sind. Der rechtserhebliche Sachverhalt ist demnach vom SEM hinreichend erstellt worden. Eine Verletzung der Untersuchungspflicht durch das SEM liegt diesbezüglich nicht vor. D-4494/2018 Seite 15 8. 8.1 Der Beschwerdeführer brachte zur Asylbegründung vor, er werde von den iranischen Behörden im Zusammenhang mit einem Strafverfahren un- rechtmässig verfolgt. Zudem sei er als Kurde und Angehöriger der Yarsan asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt. Schliesslich machte er während dem Beschwerdeverfahren erstmals exilpolitische Tätigkeiten geltend. 8.2 Die geltend gemachte (strafrechtliche) Verfolgung durch die iranischen Behörden, weil er ein Paket mit archäologischen Funden geöffnet habe, und die Flucht aus der Gefan genschaft mit Hilfe seines Bruders und Schwiegersohnes sind offensichtlich unglaubhaft. Dabei ist der Einschät- zung des SEM zu folgen, die betreffenden Aussagen des Beschwerdefüh- rers würden erhebliche Widersprüche aufweisen. Zum einen ist diesbezüg- lich auf die Abweichungen zwischen den eigenen Aussagen des Beschwer- deführers zu verweisen. So gab der Beschwerdeführer anlässlich der BzP an, sein Bruder und der Schwiegersohn hätten den Soldaten, der ihn zum Gericht hätte bringen sollen, zusammengeschlagen , und ihm dann die Handschellen durchtrennt, so dass er habe fliehen können (vgl. Akte A5/13 Ziff. 7.01). Demgegenüber gab er bei der Anhörung an, er sei mit dem Sol- daten zusammengeschnallt gewesen und sein Schwiegersohn habe sie beide voneinander getrennt (vgl. Akte A29/17 F71). Anlässlich der Anhö- rung erwähnte er die Gewaltanwendun g gegen den Soldaten nicht (vgl. Akte A29/17 F34, F64 ff.). Zum anderen weichen, wie in der angefochtenen Verfügung zutreffend ausgeführt wird, auch die im vorinstanzlichen Verfah- ren g emachten Angaben des Beschwe rdeführers von denjenigen des Schwiegersohnes ab. Der Schwiegersohn gab nämlich anlässlich seiner Anhörung an, dass er seinen Schwiegervater in seine Werkstatt genom- men habe, um diesem die Handschellen mit der Schneidemaschine z u durchtrennen. Dabei erwähnte er nicht, dass der Schwiegervater und der Sicherheitsbeamte mit den Handschellen verbunden gewesen seien. Viel- mehr gab der Schwiegersohn an, dass der Bruder des Schwiegervaters den Sicherheitsbeamten in einen Raum eingeschlossen gehalten habe und mit diesem in Handgreiflichkeiten verwickelt gewesen sei, während er dem Schwiegervater die Handschellen mit der Schneidemaschine zertrennt habe (vgl. Akte N […] A28/17 F42 S. 7, F79). Im Zusammenhang mit der Gewährung des rechtlichen Gehörs betreffend die Widersprüche, ver- mochte der Beschwerdeführer keine plausible Begründung vorzubringen (vgl. Akte A35/2). Abgesehen von diesen Widersprüchen hat das SEM zu Recht festgehalten, dass die Aussagen bezüglich der Mitnahme, der Inhaf- tierung und der Flucht aus den Fängen der iranischen Behörden weder den für die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG erforderlichen Grad D-4494/2018 Seite 16 an Substantiierung und Detaillierung aufweist, noch erscheint überhaupt der gesamte Ablauf der Ereignisse in der behaupteten Weise plausibel. So hat der Beschwerdeführer beispielsweise den 12- bis 14-tätige Haftaufent- halt mit Folterungen dermassen abstrakt, ohne persönliche Empfindungen oder anderen Realkennzeichen geschildert, dass nicht davon auszugehen ist, dass er diese tatsächlich erlebt hat (vgl. Akte A29/17 F46 f.). Ferner ist auch die angebliche Inhaftierung seines Bruders nicht glaubhaft. Einerseits erwähnt der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung die Festnahme seines Bruders teilnahmslos ohne jegliche Schuldgefühle: Er wisse nicht wohin sie ihn verschleppt hätten. Diese Gleichgültigkeit ist in Anbetracht dessen, dass ihm sein Bruder zur Flucht aus der Haft geholfen haben soll, schwer nachvollziehbar (vgl. Akte A29/ 17 F21). Andererseits ist nicht lo- gisch, dass der Schwiegersohn mitausgereist war, aber sein Bruder, der ihm bei der Flucht ebenfalls behilflich gewesen sein soll, nicht auch ausge- reist ist, sondern sich weiterhin im Iran aufgehalten und sich so dem Risiko einer Festnahme ausgesetzt hat . Es ist auch nicht davon auszugehen, dass sich der Bruder des Beschwerdeführers versteckt hat, da dieser das Auto des Beschwerdeführers verkauft haben soll (vgl. Akte A29/17 F114). Zudem gab der Beschwerdeführer anlässlich der BzP an, er habe gehört, dass sein Bruder in C._______ mittlerweile geheiratet habe (vgl. Akte A5/13 Ziff. 3.01). Dies ist aber zeitlich kaum mit einer Inhaftierung wegen der Beihilfe zur Flucht des Beschwerdeführers in Einklang zu bringen. Zu- sammenfassend ist festzustellen, dass es sich bei den Vorbringen des Be- schwerdeführers aufgrund der Widersprüche und Unstimmigkeiten sowie der Unsubstantiiertheit um einen konstruierten und damit unglaubhaften Sachverhalt handelt. 8.3 Angesichts der offensichtlichen Unglaubhaftigkeit der erwähnten Vor- bringen des Beschwerdeführers erübrigt es sich, auf die Frage einzuge- hen, ob die betreffenden Vorbringen – Inhaftierung wegen eines unterstell- ten Diebstahl von antiken Gegenständen und die Flucht aus der Gefangen- schaft – überhaupt eine asylrechtliche Relevanz aufweisen. 8.4 Schliesslich ist hinsichtlich der geltend gemachten Benachteiligung aufgrund der Ethnie und der religiösen Zugehörigkeit zu den Yarsan fest- zustellen, dass diese zu wenig inte nsiv sind, als dass sie asylrechtliche Relevanz entfalten. Diesbezüglich ist auf die zutreffenden Erwägungen in der Verfügung des SEM zu verweisen. 8.5 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass das SEM zutreffend zur Einschät- zung gelangt ist, der Beschwerdeführer habe keine asylrechtlich relevante D-4494/2018 Seite 17 Gefährdung glaubhaft gemacht. Die Vorinstanz hat folglich das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 9. 9.1 Der Beschwerdeführer macht mit Eingabe n vom 4. März und 8. Juli 2019 erstmals exilpolitische Tätigkeiten in der Schweiz geltend. 9.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exil- aktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe i m Sinne von Art. 54 AsylG gel- tend. Begründeter Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung besteht dann, wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde. Da- bei muss hinreichend Anlass zur Annahme bestehen, die Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ver- wirklichen – eine bloss entfernte Möglichkeit künf tiger Verfolgung genügt nicht. Es müssen mithin konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgen- den – Benachteiligung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als rea listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nach- fluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1; 2009/28 E. 7.1; Urteil D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.2.1 [als Referenzurteil publiziert]). 9.3 Der Beschwerdeführer reichte auf zwei Datenträgern verschiedene Fo- tos und zwei Videos ein. Zudem ist er auf Fotos, welche seine Tochter E._______ in ihrem Beschwerdeverfahren eingereicht hat, zu sehen. Auf einigen Aufnahmen sieht man den Beschwerdeführer mit einem UNIA-Hut und einer Fahne der DPK-I-Schweiz inmitten von anderen Personen an einem Demonstrationsumzug. Auf einem weiteren Foto demonstriert er in M._______. Weitere Fotos wurden anlässlich Feierlichkeiten für die Partei- gründung der DPK-I-Schweiz in N._______ aufgenommen, über welche im Fernsehsender (…) berichtet worden ist. Der Fernsehsender (…) gehört der DPK-I und das Programm wird aus Europa in den Iran und nach Kur- distan übertragen. Der Beschwerdeführer ist im TV-Beitrag selbst nicht auf D-4494/2018 Seite 18 der Bühne zu sehen und auch im Fernsehbericht wird nicht ersichtlich, dass er sich in besonderem Masse exponiert hätte, tritt er doch nur einmal kurz am linken Bildschirmrand in Erscheinung. Zudem reichte er Fotos be- treffend eine Sitzung ein, worauf er aber nicht zu sehen ist. Aus den einge- reichten Beweismittel ist zwar zu schliessen, dass der Beschwerdeführer an ungefähr drei Veranstaltungen der DPK-I-Schweiz teilgenommen hat. Er selber macht jedoch in seinen Eingaben keinerlei Angaben , wann die Veranstaltungen stattgefunden haben und welches seine Funktion gewe- sen ist. Aus dem eingereichten Bildmaterial geht jedenfalls nicht hervor, dass er eine besondere Rolle in der DPK-I-Schweiz innehatte, welche ihn exponiert hätte. Seit Juli 2019 sind zudem keine weiteren politischen Tä- tigkeiten mehr geltend gemacht worden. Insgesamt liegen deshalb keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer im Iran wegen seinen Teilnahmen an zwei bis drei Veranstaltungen der DPK-I-Schweiz ins Blick- feld der iranischen Behörden geraten wäre und eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sein könnte. 9.4 Somit erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft auch nicht aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe. 10. Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylge- such hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen An spruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Be- schwerden seiner Ehefrau und seiner Töchter (vgl. E. 4) werden mit heuti- gen Urteilen ebenfalls abgewiesen, womit deren Wegweisungsvollzug ebenfalls rechtskräftig wird. Die verfügte Wegweisung steht daher im Ein- klang mit den gesetzlichen Bestimmungen und wurde von der Vorinstanz zu Recht angeordnet. 11. 11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus- länderinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). 11.2 11.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den D-4494/2018 Seite 19 Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtl inge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. 11.2.2 Der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung in den Iran ist unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig, weil der Beschwerdefüh- rer – wie zuvor dargelegt – dort keine n Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt wäre. Aus den Vorbringen des Beschwerdeführers erge- ben sich ausserdem auch keine konkreten und gewichtigen Anhaltspunkte für die Annahme, dass er im Falle einer Ausschaffung in den Iran mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. aus der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte etwa die Urteile i.S. Bensaid, Rep. 2001- I, S. 303, sowie i.S. Saadi vom 28. Februar 2008 [Grosse Kammer], Be- schwerde Nr. 37201/06, Ziff. 124 ff., jeweils m.w.N.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran bietet zum heutigen Zeitpunkt keinen kon- kreten Anlass zur Annahme, dem Beschwerdeführer drohe eine entspre- chende Gefährdung. Der Vollzug der Wegweisung ist somit sowohl im Sinne der asylgesetzlichen als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 11.3 11.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 11.3.2 Die allgemeine Lage im Iran ist weder von Bürgerkrieg noch von allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, so dass der Vollzug der Wegweisung dorthin grundsätzlich zumutbar erscheint. Es bestehen auch sonst keine D-4494/2018 Seite 20 Anhaltspunkte, die darauf schliessen liessen, der Beschwerdeführer sei bei einer Rückkehr in den Iran einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG ausgesetzt. Gemäss eigenen Angaben ist der Be- schwerdeführer gelernter (…), arbeitete im Iran bei einem (…), hatte eine eigene Wohnung und ein Auto und zählte sich zum iranischen Durchschnitt (vgl. Akte A29/17 F24 ff.). Bei der Aussage, die Wohnung sei inzwischen beschlagnahmt worden, handelt es sich um unbelegte Behauptung. Zudem lebt im Iran ein verheirateter Bruder, dessen angebliche Inhaftierung nicht glaubhaft ist (vgl. E. 8.2). Zwei weitere Geschwister leben in den USA und in Finnland (vgl. Akte A29/17 F20). In der Beschwerde werden sodann wei- tere Verwandte und Freunde erwähnt, womit er über ein Beziehungsnetz verfügt, welches ihm bei der Rückkehr behilflich sein kann. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Iran in wirtschaftlicher Hinsicht in eine existenzbedrohende Situation geraten wird. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach nicht als unzumutbar. 11.4 Schliesslich ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung mangels aktenkundiger objektiver Hindernisse im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG auch möglich ist. 11.5 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug ste- hen somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmungen und sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufi- gen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 12. Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver- fügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt rich- tig und vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – an- gemessen ist (Art. 106 AsylG; Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist. 13. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten an sich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Indessen wurde das mit der Beschwerdeschrift gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von A rt. 65 Abs. 1 V wVG mit V erfügung vom 3. September 2018 gutgeheissen. Von einer Veränderung in den finanziel- len Verhältnissen ist nicht auszugehen. Somit hat der Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten zu tragen. D-4494/2018 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Sarah Ferreyra Versand: