B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-6350/2011 U r t e i l v o m 9 . J u l i 2 0 1 3 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richterin Ruth Beutler, Richterin Marianne Teuscher, Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. Parteien A._______, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Martin Brauen, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Visum zu Besuchszwecken. C-6350/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1990 geborene thailändische Staatsangehörige B._______ (im Fo l- genden: Gesuchstellerin) beantragte am 17. Juni 2011 bei der Schweiz e- rischen Botschaft in Bangkok ein Schengen -Visum für einen dreimonat i- gen Besuchsaufenthalt bei A._______ (im Folgenden: Ga stgeber bzw. Beschwerdeführer) im Kanton Aargau. B. Der Gastgeber war bereits zuvor mit einem Einladungsschreiben – datiert vom 31. Mai 2011 – an die Schweizer Vertretung gelangt. Darin erläuterte er unter anderem, bei seinem Gast handle es sich um die Tochter einer langjährigen, inzwischen eingebürgerten Bekannten thailändischer Her - kunft. Er kenne sie von Reisen, die er gemeinsam mit ihrer Mutter nach Thailand unternommen habe , und wolle ihr nun ermöglichen, einmal die neue Heimat der Mutter zu sehen. C. In einer Fax-Eingabe vom 20. Juni 2011 wandten sich die Mutter und der Stiefvater an die Schweizer Vertretung in Bangkok. Darin brachten sie zum Ausdruck, sie hätten in ihrer Wohnung in X._______ zu wenig Platz für eine Unterbringung ihrer Tochter bzw. S tieftochter. Deshalb habe sich ihr Freund zur Verfügung gestellt, die Besucherin bei sich in seinem Haus im Kanton Aargau zu beherbergen. Die Gesuchstellerin werde aber einen Teil ihrer Ferien in Basel verbringen. D. Mit Formularentscheid vom 25. Juli 2011 lehnte es die Schweizer Vertre - tung in Bangkok ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihre Haltung damit, dass eine fristgerechte Wiederausreise der Gesuc h- stellerin aus dem Schengen-Raum nicht gesichert erscheine. E. Gegen diesen Entscheid erho b der Gastgeber am 4. August 2011 Ein - sprache bei der Vorinstanz. In seiner Rechtsschrift argumentierte er, d er beantragte Besuch würde wirklich nur dazu dienen, der Gesuchstellerin ein längeres, ungestörtes Zusammensein mit ihrer Mutter zu ermöglichen. Er selbst würde eine sinnvolle und befriedigende Aufgabe darin sehen, der Gesuchstellerin Sehenswürdigkeiten in der Schweiz zu zeigen. Die Gesuchstellerin stehe (altersmässig verspätet) kurz vor Ende der in Thai- land üblichen 12 -jährigen Schulzeit und beabsichtige, danach die High-C-6350/2011 Seite 3 School zu besuchen. In ihrer Freizeit verrichte sie Teilzeit -Jobs. Sie sei aber nicht nur schulisch, sondern auch familiär verwurzelt und habe ihren festen Platz in einer "mindestens" vier Generationen umfassenden Fam i- liengemeinschaft, die ein ihrer Mutter gehörendes Einfamilienhaus b e- wohne. F. Auf Ersuchen der Vorinstanz richtete die Migrationsbehörde des Kantons Aargau einen Fragekatalog an den Gastgeber , den dieser umgehend be- antwortete. Die kantonale Behörde leitete die Antworten am 29. Septem- ber 2011 an die Vorinstanz weiter und sprach sich dabei gegen die Erte i- lung des beantragten Besuchervisums aus. G. Mit Verfügung vom 14. Oktober 2011 wies die Vorinstanz die Einsprache gegen die Visumsverweigerung ab. Dabei teilte sie im Wesentlichen die Einschätzung der schweizerischen Auslandvertretung, wonach die a n- standslose und fristgerechte Wiederausreise nach einem Besuchsaufen t- halt nicht als gesichert betrachtet werden könne. Die Gesuchstellerin stamme aus einer Region, aus der als Folge d er dort insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderungsdruck festzustellen sei. Die Gesuchstellerin sei jung, ledig und kinderlos. Sie stehe noch in Ausbildung und werde finanziell von ihrer Mutter unt erstützt. Weder in familiärer noch in wirtschaftlicher Hinsicht seien daher Verpflichtungen erkennbar, welche sie von einer Emigration abhalten könnten. H. Mit Rechtsmitteleingabe vom 21. November 2011 beantragt der Gastg e- ber beim Bundesverwaltungsgericht , d ie verweigernde Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und es sei der Gesuchstellerin ein drei- oder zumindest zweimonatiges Schengen-Visum zu erteilen. Im weiteren b e- antragt er, es sei von ihm eine "Verpflichtungserklärung" einzuholen. Zur Begründung lässt der Beschwerdeführer im Wesentlichen vorbringen, die Annahme der Vorinstanz, wonach ernsthafte Zweifel an der Bereitschaft zur fristgerechten Wiederausreise bestünden, sei bei richtiger Wertung des persönlichen Umfeldes der Gesuchstel lerin nicht aufrecht zu erha l- ten. Die Gesuchstellerin lebe in einer Grossfamilie, bestehend aus ihren Grosseltern, ihrer Halbschwester , einem Onkel und einer Tante (letztere C-6350/2011 Seite 4 drei je mit Ehegatten und Kindern) . Sie sei voll integriert und trage Mi t- verantwortung bei der Erziehung von Cousinen, einem Cousin und einem Neffen. In schulischer Hinsicht habe sie die obligatorische Schulzeit e r- folgreich beendet und besuche zurzeit eine weiterführende Schule ("up- per secondary level"), die sie im Oktober 2012 abschliessen werde. Den Unterricht bestreite sie an einer von der Mutter finanzierten Privatschule grossenteils im Fernstudium. Die Mutter lege besonderen Wert auf diese Ausbildung, weil sie selbst nur über eine geringe Schulbildung verfüge. I. Mit einer weiteren Eingabe vom 28. November 2011 liess der Beschwer - deführer diverse Dokumente (u.a. zur familieneigenen Liegenschaft, zum thailändischen Schulsystem und zur Immatrikulation der Gesuchstellerin) sowie Fotos zu den Akten reichen. Auf die betreffenden Unterlagen wird, soweit entscheidserheblich, in den Erwägungen eingegangen. J. Die Vorinstanz sc hliesst in ihrer Vernehmlassung vom 2. Februar 2012 auf Abweisung der Beschwerde. K. Der Beschwerdeführer hält seinerseits mit Replik vom 14. März 2012 an seinen Anträgen und deren Begründung fest. Zusätzlich beantragt er, es sei von der Migrationsbehörde des Kantons Aargau gestützt auf den auf Beschwerdeebene nunmehr ergänzten Sachverhalt eine (aktuelle) Ste l- lungnahme zum Visum sgesuch einzuholen. Denn es sei notorisch, dass die Haltung der kantonalen Migrationsbehörde die Vorinstanz bei m Ent- scheid über einen Visumsantrag massgeblich beeinflusse. Zusammen mit der Replik wurden weitere Fotos ediert. L. In einer unaufgefordert eingereichten Eingabe vom 16. März 2012 wird nochmals auf eine enge Verwurzelung der Gesuchstellerin in ihrer He i- mat, auf bestehende Betreuungspflichten gegenüber den nunmehr zwei Kindern ihrer Halbschwester, auf die noch laufende Schulausbildung und darauf hingewiesen, dass sich die Familie in komfortablen wirtschaftli- chen Verhältnissen befinde. C-6350/2011 Seite 5 M. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit entscheidserheblich, in den E r- wägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beur teilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG au f- geführten B ehörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums zu Besuchs - zwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bundesver - waltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgeri chts- gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich - tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be - schwerde berechtigt. Auf die im Übrigen frist - und formgerecht einge - reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwa ltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abw eisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer thailändischen C-6350/2011 Seite 6 Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen dreimonatigen Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf die EU/EFTA -Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwen- dungsbereich der Schengen -Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen -Besitzstand und die dazugehörigen gemei n- schaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungs ver- ordnung gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen - Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Vo r- aussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus- setzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Caroni / Gächter / Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommen- tar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schen gen- Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsm o- natszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedokumente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines C-6350/2011 Seite 7 Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsang e- hörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gültigen Au fenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristigen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Des weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Inform a- tionssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffen t- liche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglie d- staats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsan gehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsge richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drit t- staatsangehörige Personen zu belegen, dass die Ge fahr einer rechtswid- rigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesi- cherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im C-6350/2011 Seite 8 Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervor hebung des Zusamme n- hangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufe nthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund intern a- tionaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt - staatsangehörigen Person, welche die ordentl ichen Einreisevorausset - zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk - ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Vorau s- setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Aufgrund ihrer thailändischen Staatsangehörigkeit unterliegt die Ge- suchstellerin der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einre i- sevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesiche r- ten Wiederausreise im Vordergrund. Eine solche er achtet die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Situation im Heimatland und der persönlichen Verhältnisse der Gesuchstellerin als nicht genügend gesichert. Zur Ei n- schätzung entsprechender Risiken sind sämtliche Umstände des konkr e- ten Einzelfalles zu würdigen. 5.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreis e- gesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staate n bzw. Regionen mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen können ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein - klang steht. 6. 6.1 Auch wenn die Gesuchstellerin in unmittelbarer Umgebung des touris- tisch geprägten Badeort s Pattaya (Provinz Chonburi) und damit in einer C-6350/2011 Seite 9 Region lebt, die im landesweiten Vergleich wirtschaftlich gut abschneidet (vgl. www.thaiwebsites.com > Economy and Politics in Thailand > GDP of Thai Regions and Provinces, besucht im Mai 2013), so kann dennoch nicht darüber hinweggegangen werden, dass in Thailand breite Schichten der Bevölkerung von kargen ökonomischen und sozialen Lebensbedi n- gungen betroffen sind. Der Druck zur wirtschaftlichen Existenzsicherung trifft dabei Frauen ganz besonders. Sie müssen mit ihrem Einkommen oft ganze Familien unterhalten. Auf der anderen Seite sind in Zeiten ang e- spannter wirtschaftlicher Verhältnisse gerade ihre Arbeitsplätze – je nach Sektor – besonders gefährdet. Entsprechend hat die wirtschaftlich mot i- vierte Emigration von Thailänderinnen nach 1997 zugenommen (Quelle: Schlussbericht vom 13. Mai 2002 der Kommission des Deutschen Bu n- destags zum Thema Globalisierung der Weltwirtschaft – Heraus- forderungen und Antworten, Ziff. 6.2.2.2 S. 317 f., online abrufbar als Bundesdrucksache 14/9200 unter www.bundestag.de > Dokumente > Drucksachen; zu den wirtschaftlichen Eckdaten allgemein vgl. Staatsse k- retariat für Wirtschaft > Themen > Aus senwirtschaft > Länderinformati o- nen > Asien/Ozeanien > Thailand, http://www.seco.admin.ch>, Stand: Februar 2013, besucht im Mai 2013). 6.2 Im Falle der Schweiz wird die Tendenz zur Immigration erfahrungsge- mäss dort noch begüns tigt, wo durch die Anwesenheit von Verwandten oder Freunden bereits ein minimales soziales Beziehungsnetz besteht. Angesichts der restriktiven Zulassungsregelung werden dabei nicht selten ausländerrechtliche Bestimmungen umgangen, indem versucht wird, den Aufenthalt – einmal eingereist – auf eine ganz andere rechtliche oder fak- tische Basis zu stellen und sich so der Pflicht zur Wiederausreise zu ent - ziehen. Dabei stehen nicht etwa – wie vom Beschwerdeführer angenom- men – Asylgesuche, sondern Heirat en, Ausbil dungsprojekte und Ähnli- ches im Vordergrund. Solche allgemeinen Erfahrungen können beim Ent- scheid über die Erteilung eines Visums mit berücksichtigt werden. 6.3 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur die erwähnten allge- meinen Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichts - punkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer g e- suchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine besondere b e- rufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser U m- stand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise b e- günstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine b e- sonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein ausländerrechtlich C-6350/2011 Seite 10 nicht regelkonformes Verhalten (nach bewilligter Einreise zu eine m B e- suchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer macht unter Verweis auf die sozialen, famili ä- ren und wirtschaftlichen Verhältnisse vor Ort sowie den Zweck der bea b- sichtigten Reise eine Verwurzelung der Gesuchstellerin in ihrem ang e- stammten Lebensumfeld geltend, die ernsthafte Zweifel an der Gewähr für eine Wiederausreise ausschliesse. Seine Darstellung der Verhältnisse gilt es aber – wie im Folgenden zu zeigen ist – in verschiedener Hinsicht zu relativieren. 7.2 Die Gesuchstellerin lebt in einer Grossfamilie von mehr als zehn Pe r- sonen (nebst den Grosseltern die Halbschwester, eine Tante und ein On- kel je mit eigenen Familien). Zwar wird geltend gemacht, sie sei in dieser Struktur hierarchisch verankert und nehme in Bezug auf die Kinder Betreuungsaufgaben wahr, die wegen der Berufstätigkeit der Eltern sonst nur von der Grossmutter erbracht werden könnten. Diese Darstellung kann nicht darüber hinweg täuschen, dass Kinderbetreuung in einer de r- art grossen Familiengemeinschaft auf verschieden e Art organisiert we r- den kann. Dies zeigt sich nicht zuletzt gerade im Umstand, dass der G e- suchstellerin eine dreimonatige Landesabwesenheit möglich sein soll. I r- gend welche Umstände, die auf eine eigentliche Abhängigkeit der Ang e- hörigen von der Gesuchstellerin schliessen liessen, ergeben sich aus den Akten nicht und werden vom Beschwerdeführer auch nicht behauptet. 7.3 Die Gesuchstellerin befindet sich noch in Ausbildung und muss von der Mutter zumindest teilweise unterstützt werden. Daran wird sich in nächster Zeit kaum etwas ändern. Über ihre beruflichen Ziele ist nichts Konkretes bekannt. Entsprechend lässt sich nicht abschätzen, wie ihre Chancen für eine wirtschaftliche Selbständigkeit in Thailand stehen. 7.4 Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers kann auch nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass die Mitglieder der Grossfamilie der Gesuchstellerin in besonders komfortablen wirtschaftl i- chen Verhältnissen leben. Zwar bewohnen sie das Haus der Mutter und des Stiefvaters der Gesuchstellerin, welches – aus den edierten Fotos zu schliessen – offensichtlich über einen gewissen Komfort verfügt. Anderer- seits dürften die Wohnverhältnisse angesichts der Grösse der Familie n- einheit eher beengend sein und müssen Mutter und Stiefvater aus der Schweiz immer noch für Kosten im Zusammenhang mit der Liegenschaft C-6350/2011 Seite 11 aufkommen. Das scheint umso bemerkenswerter, als mit Ausnahme der Gesuchstellerin alle erwachsenen Personen der Grossfamilie einer E r- werbstätigkeit nachgehen sollen und die Mutter selbst und ihr Partner in der Schweiz in eher bescheidenen Verhältnissen leben: Sie bewohnen in X_______ eine Zweizimmerwohnung und treten weder als Gastgeber noch als Garanten für die Gesuchstellerin auf. 7.5 Zu relativieren gilt es auch die Darstellungsweise des Beschwerd e- führers, wonach die Ausbildung der Gesuchstellerin in Thailand deren Mutter besonders am Herzen liege. Immerhin hat die Mutter offenbar in den Jahren 2007 und 2009 erfolglos versucht, ihrer Tochter zu einem Aufenthaltsrecht in der Schweiz zu verhelfen (im Familiennachzug bzw. zu Ausbildungszwecken). 7.6 Vor dem dargelegten persönlichen Hintergrund durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der Gesuchstellerin nach einem B e- suchsaufenthalt besteht. 7.7 Zur Einholung einer Verpflichtungserklärung des Gastgebers und G a- ranten (Antrag in der Beschwerde) bestand für das Bundesverwaltung s- gericht kein Anlass. Eine solche kann gemäss Art. 7 ff. VEV zum Nac h- weis ausreichender finanzieller Mittel eingefo rdert werden, was vorli e- gend auch geschah . Das Formular "Unterhaltsgarantie für Besuchsau f- enthalt" wurde vom Beschwerdeführer in seiner Eigenschaft als Gastg e- ber und Garant am 26. September 2011 ausgefüllt und unterzeichnet. Seine Garantiefähigkeit wurde anschliessend von der Wohnsitzgemeinde bestätigt. Demgegenüber kann der Beschwerdeführer nicht in einer recht- lich verbindlichen Form für das korrekte Verhalten seines Gastes einst e- hen. 7.8 Ebenfalls kein Anlass bestand für das Bundesverwaltungsgericht, g e- stützt auf die Vorbringen des Beschwerdeführers im Rechtsmittelverfa h- ren von der Migrationsbehörde an seinem Wohnsitz eine nochmalige Stellungnahme einzuverlangen. Die Vorinstanz hatte Gelegenheit, sich im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens mit den Vorbringen des B e- schwerdeführers auseinanderzusetzen. Im Übrigen trifft nicht zu, dass sie sich bei ihrem Entscheid über die Einsprache gegen eine Visumsverwe i- gerung massgeblich von der Haltung der kantonalen Migrationsbehörde am Wohnort des Gastgebers beeinflussen l ässt. Gerade wenn es um die Einschätzung des Risikos für eine nicht fristgerechte Wiederausreise C-6350/2011 Seite 12 geht, stütz t sie sich in aller Regel schwergewichtig auf die Beurteilung durch die schweizerischen Auslandvertretungen vor Ort. 7.9 Mit der fehlenden Gewähr für eine anstandslose Wiederausreise ist eine zwingende Voraussetzung zur Erteilung eines Schengen -Visums nicht erfüllt. G ründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich b e- schränkter Gültigkeit (vgl. dazu Ziffer 4.5) wurden vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht und solche sind auch nicht ersichtlich. Mutter und Tochter sehen sich nach Darstellung des Beschwerdeführers regelmässig mehrmals jährlich in Thailand. 8. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 9. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wird der unter liegende Be- schwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die K osten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dispositiv S. 13 C-6350/2011 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie sind mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss g e- deckt. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref-Nr. ZEMIS […]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Denise Kaufmann Versand: