Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. April 2017 (720 16 142 / 102) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beurteilung der Notwendigkeit und Zumutbarkeit einer psychiatrischen Begutachtung der Versicherten Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Rémy Wyssmann , Rechtsanwalt und Notar, Schachenstrasse 34b, Postfach 368, 4702 Oensingen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Begutachtung A. Die 1974 geborene A.____ war seit anfangs 1999 a ls selbstständige Coiffeuse er- werbstätig. Am 7. Mai 2002 meldete sie sich unter H inweis auf eine posttraumatische Belas- tungsstörung infolge der Komplikationen im Zusammen hang mit dem Kaiserschnitt bei der Ge- burt ihres Kindes am xx.yy bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungs- bezug an. Mit Verfügung vom 4. April 2005 sprach di e IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) A.____ gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 42 % rückwirkend ab 1. Oktober 2002 eine Vier- telsrente zu. Im Rahmen eines im Oktober 2005 von A mtes wegen eingeleiteten Revisionsver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht fahrens ermittelte die IV-Stelle bei der Versicherten neu einen Invaliditätsgrad von 54 %, worauf sie A.____ mit Verfügung vom 12. Juli 2007 ab 1. Juni 2006 eine halbe IV-Rente zusprach. Eine von der Versicherten, vertreten durch Rechtsanwalt Rémy Wyssma nn, gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht, Abteilung So zialversicherungsrecht (Kantons- gericht), mit Urteil vom 3. September 2008 (Verfahren-Nr. 720 07 362/290) ab. Im März 2013 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ei ne erneute Überprüfung des laufenden Rentenanspruchs der Versicherten ein. In deren Rahmen kündigte die IV-Stelle A.____ eine psychiatrische/neuropsychologische Begutachtung durch die Kl inik B.____ an. In der Folge liess die Versicherte der IV-Stelle durch Rechtsanwalt R émy Wyssmann mitteilen, dass sie die Notwendigkeit einer erneuten Begutachtung bestreite. Zudem sei infolge fachärztlich ausgewie- sener Begutachtungsunfähigkeit bis auf Weiteres von eine r neuen Begutachtung abzusehen. Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (R AD) beider Basel kündigte die IV- Stelle der Versicherten nunmehr eine psychiatrische Begut achtung durch Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, an. Nachdem der Recht svertreter der Versicherten mit Schreiben vom 7. März 2016 auf die nach wie vor bestehen de, fachärztlich ausgewiesene Un- zumutbarkeit einer neuen gutachterlichen Abklärung seine r Mandantin hingewiesen hatte, er- liess die IV-Stelle am 31. März 2016 eine “Zwischenverfü gung“, mit welcher sie weiterhin an einer psychiatrischen Begutachtung der Versicherten durch Dr. C.____ festhielt. B. Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Rémy Wyssman n namens und im Auftrag von A.____ am 3. Mai 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, wobei er folgende Rechtsbegeh- ren stellte: „1. Die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 31. März 2016 sei vollumfänglich aufzuheben. 2. Die Beschwerdegegnerin sei gerichtlich anzuweisen, v on einer Begutachtung bei Dr. med. C.____ infolge fehlender Notwendigkeit, infolge fachä rztlich ausgewiesener Begutachtungsunfä- higkeit der Versicherten, wegen der fachlichen Nichteign ung des vorgesehenen Gutachters und wegen des von der IV-Stelle für die Beschwerdeführer in gewählten offenkundig gesundheits- schädlichen Begutachtungssettings abzusehen. 3. Es sei festzustellen, dass der vorliegenden Beschwe rde die aufschiebende Wirkung zukommt und die Beschwerdeführerin sei von der geplanten Beg utachtung bei Dr. med. C.____ vorläufig gerichtlich zu dispensieren, weil ohne Erteilung der a ufschiebenden Wirkung die Frage der ge- sundheitlichen Schädigung des von der IV-Verwaltung v orgesehenen Begutachtungsverfahrens und die fachliche Eignung des vorgesehenen Gutachters vorgängig der Begutachtung gerichtlich nicht geklärt werden könnte und dadurch der Bürgerin e in nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil entstehen würde. 4. Der IV-Arzt pract. med. D.____ sei gerichtlich aufzu fordern, eine gültige Berufshaftpflichtversiche- rungspolice mit gültiger Deckung zu den Akten zu reichen und eine entsprechende Haftungsbe- reitschaftserklärung abzugeben, dies für den Fall, das s die von ihm empfohlene Begutachtungs- ausführung trotz Abmahnung des behandelnden Psychiate rs und des beratenden Arztes der Rechtsschutzversicherung zu einer Vergrösserung des ges undheitlichen Schadens der Versi- cherten führen wird. 5. Dr. med. C.____ sei gerichtlich aufzufordern, eine gültige Berufshaftpflichtversicherungspolice mit gültiger Deckung zu den Akten zu reichen und eine entspre chende Haftungsbereitschaftserklä- rung abzugeben, dies für den Fall, dass die bei ihm durchgeführte Begutachtung trotz Abmah- nung des behandelnden Psychiaters und des beratenden A rztes der Rechtsschutzversicherung zu einer Vergrösserung des gesundheitlichen Schadens der Versicherten führen wird. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Im Falle der gerichtlichen Bejahung der Begutachtun gsfähigkeit der Versicherten sei die Be- schwerdegegnerin anzuweisen, ein Einigungsverfahren d urchzuführen, wo der fachlichen Eig- nung des auszuwählenden Gutachters Rechnung zu tragen ist. 7. Es sei eine öffentliche Gerichtsverhandlung nach Ar t. 6 Ziff. 1 EMRK mit Publikums- und Presse- anwesenheit durchzuführen. 8. Vor der Eröffnung des materiellen Endentscheides s ei dem unterzeichneten Rechtsanwalt Gele- genheit zur Einreichung einer detaillierten Kostennot e zur Geltendmachung einer Parteientschä- digung zu geben (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV) 9. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Las ten der Beschwerdegegnerin.“ C. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Juni 2016 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Wie den Ausführungen der IV-Stelle und den von ih r eingereichten Unterlagen entnom- men werden konnte, hatte diese am 12. Mai 2016 den B egutachtungsauftrag, den sie Dr. C.____ am 4. Mai 2016 erteilte hatte, infolge d er Beschwerdeerhebung wieder zurückge- nommen. Das Kantonsgericht schrieb deshalb mit Verfügung vom 16. Juni 2016 den Antrag der Beschwerdeführerin, wonach festzustellen sei, dass der B eschwerde die aufschiebende Wir- kung zukomme und sie von der geplanten Begutachtung bei Dr. C.____ vorläufig gerichtlich zu dispensieren sei (Ziff. 3 der Rechtsbegehren), als gegenstandslos geworden ab. E. Nachdem das Kantonsgericht dem Rechtsvertreter der B eschwerdeführerin auf entspre- chenden Antrag Gelegenheit zur Replik gegeben hatte, reichten sowohl A.____ selber am 23. August 2016 als auch ihr Rechtsvertreter Rémy Wyssmann a m 30. September 2016 eine entsprechende Rechtsschrift ein. Letzterer hielt in seine r Eingabe vollumfänglich an den bishe- rigen Anträgen und Ausführungen fest. Gleichzeitig g ab er eine detaillierte Kostennote für das vorliegende Beschwerdeverfahren zu den Akten. In der Folg e teilte die IV-Stelle am 7. Novem- ber 2016 mit, dass sie auf die Einreichung einer Duplik verzichte und an ihren Vorbringen in der Vernehmlassung vom 10. Juni 2016 festhalte. F. Am 5. Januar 2017 zog Rechtsanwalt Rémy Wyssmann name ns und im Auftrag der Beschwerdeführerin den Antrag auf Durchführung einer Parteiverhandlung nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK (Ziff. 7 der Rechtsbegehren) zurück. Dem weiteren Antrag des Rechtsvertreters, es sei ihm vor der Eröffnung des materiellen Endentscheides Gelegenheit zur Einreichung einer detail- lierten Kostennote zur Geltendmachung einer Parteient schädigung zu geben (Ziff. 8 der Rechtsbegehren), ist im Rahmen des Instruktionsverfahren s entsprochen worden. Der Rechts- vertreter der Beschwerdeführerin hat denn auch am 30. September 2016 eine detaillierte Hono- rarnote vorgelegt. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Gemäss § 1 Abs. 3 lit. g VPO entscheidet die präsidi erende Person der Abteilung durch Präsidialentscheid über Beschwerden gegen selbstä ndig anfechtbare prozess- und ver- fahrensleitende Verfügungen gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bu ndesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000. Bei der vorliegend ange- fochtenen “Zwischenverfügung“ der IV-Stelle vom 31. Mär z 2016 handelt es sich um eine sol- che verfahrensleitende Verfügung im Sinne der genannte n Bestimmung. Die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde fällt somit in die Kompetenz der präsidierenden Person des Kantons- gerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht. 1.3 In der vorliegend angefochtenen “Zwischenverfügung“ vom 31. März 2016 hielt die IV- Stelle an der vorgängig angekündigten psychiatrischen Beg utachtung der Versicherten durch Dr. C.____ fest. In ihrer gegen diese Verfügung erhobenen Beschwerde vom 3. Mai 2016 bean- tragt die Versicherte nicht nur die Aufhebung dieser Verfügung, sondern darüber hinaus (unter anderem) auch, es seien der RAD-Arzt pract. med. D.____ und Dr. C.____ gerichtlich aufzufor- dern, eine gültige Berufshaftpflichtversicherungspolice m it gültiger Deckung zu den Akten zu reichen und eine entsprechende Haftungsbereitschaftser klärung abzugeben, dies für den Fall, dass die von pract. med. D.____ empfohlene Begutachtun gsausführung bzw. die von Dr. C.____ erfolgte Begutachtung trotz Abmahnung des behandelnden Psychiaters und des beratenden Arztes der Rechtsschutzversicherung zu einer Vergrösserung des gesundheitlichen Schadens der Versicherten führen werde (Ziff. 4 und 5 d er Rechtsbegehren). Allfällige künftige haftpflichtrechtliche Ansprüche der Versicherten gegen über dem RAD-Arzt pract. med. D.____ und gegenüber dem vorgesehenen Gutachter Dr. C.____ bilden nun aber klarerweise nicht Ge- genstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. In diesem ist ausschliesslich die Frage zu beurteilen, ob die IV-Stelle im Rahmen ihres von Amt es wegen eingeleiteten Rentenrevisions- verfahrens zu Recht eine psychiatrische Begutachtung der V ersicherten durch Dr. C.____ an- geordnet hat. Auf die von der Beschwerdeführerin im H inblick auf die Geltendmachung allfälli- ger haftpflichtrechtlicher Ansprüche beantragten (vorsorg lichen) gerichtlichen Anordnungen, d.h. auf die Ziffern 4 und 5 ihrer Rechtsbegehren, kann daher bereits aus diesem Grund nicht eingetreten werden. Zudem erscheint es überaus fragli ch, ob es in die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht, fallen würde, pract. med. D.____ und Dr. C.____ im Hinblick auf allfällige künftige haftpfl ichtrechtliche Ansprüche der Versicherten „gerichtlich aufzufordern“, die von der Beschwerdeführe rin genannten Unterlagen einzureichen und die von ihr verlangten “Haftungsbereitschaftserklärungen“ abzugeben. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist demnach einzi g zu prüfen, ob die IV-Stelle zu Recht an der vorgängig angekündigten psychiatrischen Beg utachtung der Versicherten durch Dr. C.____ festgehalten hat. 3.1 Laut Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG prüft der Versicher ungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und ho lt die erforderlichen Auskünfte ein. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG). 3.2 Die medizinische Abklärung der objektiven Gesundheitssch äden ist eine unabdingbare gesetzlich verankerte Voraussetzung für die Zusprache ei ner Leistung der Invalidenversiche- rung (Art. 7 Abs. 2, Art. 16, Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Versicherer befindet darüber, mit welchen Mitteln er den rechtserheblichen Sachverhalt abklärt. Im Rahmen der Verfahrensleitung hat er einen grossen Ermessensspielraum hinsichtlich Notwendigkei t, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla- ge. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz hat der Ver sicherer den Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass er über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 126 V 360 E. 5b) e ntscheiden kann. Dabei kommt Sachverständigengutachten eine massgebende Rolle zu (Ur teil F. des Bundesgerichts vom 12. März 2010, 9C_28/2010, E. 4.1 mit Hinweisen). 4.1 Die Beschwerdeführerin macht zunächst geltend, di e von der IV-Stelle angeordnete psychiatrische Begutachtung sei nicht notwendig. Aus den A kten sei nicht ersichtlich, weshalb eine neue Begutachtung angezeigt sein sollte. Die tats ächlichen Verhältnisse hätten sich nicht geändert, diese seien seit der letztmaligen Rentenüberp rüfung unverändert geblieben. Die IV- Stelle wiederum begründet die Notwendigkeit neuer A bklärungen mit verschiedenen Argumen- ten: So weist sie unter anderem darauf hin, dass die Versicherte gemäss den Unterlagen der Krankenversicherung trotz ihres Leidens in den Jahren 2012 und 2013 lediglich drei- bis viermal beim behandelnden Psychiater vorstellig geworden sei. Zudem liege, so die IV-Stelle weiter, ein instabiler Gesundheitszustand vor, was für periodische ne ue Abklärungen spreche. Diese Hin- weise und weitere Argumente der IV-Stelle, wie etwa die Schilderung, dass es der Versicherten trotz ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen gelung en sei, im Jahr 2012 ein neues Coiffeur- geschäft zu eröffnen, werden von der Beschwerdeführeri n ausdrücklich als unrichtig bezeich- net. Wie es sich mit diesen einzelnen Vorbringen verhält, braucht an dieser Stelle nun allerdings nicht weiter geprüft zu werden. Ausschlaggebend für de n Entscheid, vorliegend die Notwendig- keit einer erneuten Begutachtung zu bejahen, sind nämli ch bereits die folgenden Umstände: Der Versicherten ist mit Verfügung vom 4. April 2005 rückwirkend ab 1. Oktober 2002 eine Vier- telsrente zugesprochen worden. Diese ist mit Verfügung vom 12. Juli 2007 rückwirkend per 1. Juni 2006 auf eine halbe Rente erhöht worden. Es versteht sich von selbst, dass bei einem derartigen langjährigen Rentenbezug eine erneute (pe riodische) Überprüfung des Rentenan- spruchs grundsätzlich notwendig ist. Von Relevanz ist in die sem Zusammenhang, dass die Versicherte laut den medizinischen Akten letztmals im August 2006 psychiatrisch begutachtet worden ist. Wenn die IV-Stelle bei dieser Ausgangslage nunmehr eine neue psychiatrische Be- gutachtung für angezeigt hält, handelt sie unstreitig innerhalb des ihr zustehenden Ermessens- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht spielraums, in den das Gericht nicht einzugreifen hat. Im Übrigen ist zu bemerken, dass zwangsläufig erst nach Vorliegen des Ergebnisses der Begu tachtung beurteilt werden kann, ob die Untersuchung in dem Sinne notwendig war, als sie zu einer Neubeurteilung des Rentenan- spruchs führen könnte, oder ob die Verhältnisse tatsächlic h, wie die Beschwerdeführerin gel- tend macht, seit der letzten Begutachtung im Jahr 2006 unverändert geblieben sind. 4.2 Im Weiteren bringt die Beschwerdeführerin vor, si e sei aus gesundheitlichen Gründen nicht begutachtungsfähig. 4.2.1 Die Versicherte stützt sich dabei auf die Einschätzun g ihres behandelnden Psychiaters Dr. med. E.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH. Di eser hält in einem ersten “Arztzeug- nis“ vom 9. September 2014 fest, seine Patientin habe ihm gegenüber eine grosse Angst, er- neut zur traumatisch erlebten Geburt ihres Kindes befr agt zu werden, beschrieben. Die durch Fragen induzierte Erinnerung daran, erzeuge bei ihr a uch heute noch hohe Spannungszustän- de, innerlich ein Wiedererleben dieser Geburt und damit verbunden eine hohe innere Unruhe. In einem weiteren “Arztzeugnis“ vom 8. Dezember 2014 führ t Dr. E.____ zusätzlich aus, die Pati- entin leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung im Zusammenhang mit einer Sectio, bei welcher die Anästhesie nicht in genügendem Masse gewi rkt habe und die Patientin daher die ganze Operation voll habe miterleben müssen. Seit her sei die Patientin massiv verändert. Es bestehe ein komplettes Vermeidungsverhalten in Bezug a uf alles, was mit dieser Sectio, einer eventuellen Operation und einem Spitalaufenth alt zusammenhänge. Selbst vorsichtigstes Ansprechen führe bei der Patientin zur Dissoziation mi t tiefer Verstörung mit durchaus noch lange nachwirkenden Folgen, deren schwierigste eine aktu elle Suizidalität bei eigentlich chroni- schem Sterbewunsch seither sei. Die Patientin weigere sich aktuell aus Selbstschutz vor einer auch nur tangentialen Berührung ihres traumatischen T hemas. Es bestehe das hohe Risiko, dass es bei Ansprechen zur akuten Suizidalität komme, die a mbulant nicht mehr beherrschbar sei, auch weil sie sich nur diskret zeige. Eine stationäre Einweisung werde das traumatische Erleben verstärken und bei der Patientin das Grundgefüh l der Beschädigung derartig steigern, dass auch ein Suizid nach Klinik-Austritt leider nicht w eit weg sei. Aus diesen Gründen müsse dringendst von einer entsprechenden Begutachtung abger aten werden. Aus den genannten Gründen sei auch eine stationäre psychiatrische Begutachtun g nicht möglich. Somit verbiete sich hier aus psychiatrischen Gründen eine Begutachtung wegen der möglichen letalen Folgen. 4.2.2 Die IV-Stelle wiederum stützt ihre Auffassung, dass der Versicherten eine Begutach- tung möglich und zumutbar sei, auf die Stellungnahme ihres RAD-Arztes pract. med. D.____ vom 21. Mai 2015. Dieser führt darin aus, ein Vermei dungsverhalten bei einer posttraumati- schen Belastungsstörung sei typisch, betreffe aber ähnlic he Umstände, die das Trauma beglei- tet hätten. Die Auseinandersetzung mit dem Trauma und der Bezug zum biographischen Kon- text seien immer Gegenstand einer psychiatrischen Therapie einer posttraumatischen Belas- tungsstörung. Insofern sei eine psychiatrische Begutachtung von den Umständen und von der Natur her keine andere Situation als eine psychiatrische Therapiesitzung. Wenn die Versicherte generell ein phobisches Verhalten gegenüber jeglicher medizinischer Institution - also auch ei- ner Arztpraxis - entwickelt hätte, könnte sie gar nicht ei ne psychiatrische Therapie besuchen, was sie aber mit der Behandlung bei Dr. E.____ erwiese nermassen mache. Zu beachten sei Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sodann, dass anlässlich einer psychiatrischen Begutachtung im R ahmen einer Rentenrevision nicht das Trauma nochmals in den Details erfragt werden müsse, da sich der Gutachter bereits anhand der Akten ein Bild von den Umständen, die zum Trauma geführt hätten, habe machen können. Darüber hinaus könne den Akten entnommen werden , dass die Versicherte wegen eines weiterbestehenden Kinderwunsches bereits im Jahr 20 12 von Dr. E.____ an das Spital F.____ überwiesen worden sei. Dies zeige, dass die Versich erte bereits in der Vergangenheit bereit und willens gewesen sei, sich noch viel unmittelba rer, als es je bei einer psychiatrischen Begutachtung der Fall sein könne, mit den traumatisier enden Umständen der Geburt ihres ers- ten Kindes auseinanderzusetzen. Ein komplettes Vermeidu ngsverhalten, wie es Dr. E.____ beschreibe, liege demnach keinesfalls vor. Ebenso wenig sei unter diesen Umständen nach- vollziehbar, weshalb bei der Durchführung der Begutach tung eine letale Gefährdung oder eine akute Suizidalität drohen sollten. 4.2.3 Diese Ausführungen von pract. med. D.____ erweise n sich als nachvollziehbar. Die IV- Stelle ist deshalb gestützt auf die Einschätzung ihres RA D-Arztes zu Recht davon ausgegan- gen, dass der Versicherten eine neue psychiatrische Begutachtung weder aus gesundheitlichen Gründen unmöglich noch unzumutbar ist. Im Hinblick auf diese Begutachtung bleibt ohnehin klarzustellen, dass es in jedem Fall an der Art der Durch führung der medizinischen Untersu- chung im Einzelnen und in der Verantwortung der unter suchenden Ärzte liegt, der spezifischen gesundheitlichen Situation und den Lebensumständen de r zu begutachtenden versicherten Person Rechnung zu tragen. Zudem kann von einem psychiatri schen Gutachter erwartet wer- den, dass er bei der Abklärung eine allfällige Verschle chterung des Gesundheitszustandes er- kennt und entsprechend reagiert (Urteil A. des Bunde sgerichts vom 24. Dezember 2015, 9C_922/2015, E. 2 mit Hinweis). In diesem Zusammenhan g hat das Bundesgericht denn auch mehrfach erklärt, dass es letztlich Sache des ärztlichen Sa chverständigen ist, die Frage zu be- antworten, ob eine gutachtliche Abklärung medizinisch ve rantwortbar ist (Urteile A. des Bun- desgerichts vom 24. Dezember 2015, 9C_922/2015, E. 2, und vom 14. Juli 2014, 9C_474/2014, E. 2.2, je mit Hinweisen). 4.3 Die Beschwerdeführerin rügt sodann, dass im Hinblick a uf die Gutachterernennung kein Einigungsverfahren stattgefunden habe. Mit diesem Einwand kann die Versicherte vorlie- gend nichts zu ihren Gunsten ableiten. Es trifft zwar zu , dass bei monodisziplinären Begutach- tungen im Falle aller zulässigen Einwendungen konsensor ientiert vorzugehen ist (BGE 139 V 356 E. 5.2.2.3), vorliegend hat sich die IV-Ste lle jedoch an diesen Grundsatz gehalten. Erst nachdem eine Einigung über die Notwendigkeit ein er Begutachtung ausgeblieben ist, hat sie eine (einheitliche) Zwischenverfügung über die Bew eisvorkehr an sich (Notwendigkeit einer Begutachtung, Beschränkung auf eine Fachdisziplin, Bezeichnung der Disziplin) und die Person des Gutachters erlassen. Dieses Vorgehen erweist sich als korr ekt (vgl. BGE 139 V 356 E. 5.2.2.3). Insbesondere verhält es sich nicht so, da ss der zu beauftragende Gutachter nur noch mit dem Einverständnis der versicherten Person bezeic hnet werden darf, sobald diese personenbezogene Einwendungen vorgebracht hat. Eine so weitgehende Priorisierung der ein- vernehmlichen Gutachtenseinholung käme im Ergebnis einem Vetorecht der versicherten Per- son gleich (BGE 139 V 354 E. 5.2.1). Das Bundesgericht hat in diesem Zusammenhang denn auch klargestellt, dass kein Rechtsanspruch auf konsensual e Bestimmung der Gutachterstelle Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bzw. des Gutachters besteht (Urteil S. des Bundesgerichts vom 13. Januar 2014, 8C_512/2013, E. 3.5). 4.4 Schliesslich erhebt die Beschwerdeführerin für den Fall „der Bejahung ihrer Begutach- tungsfähigkeit“ Einwände gegen den von der IV-Stelle beauftragten Gutachter Dr. C.____. Der Gutachter, der den vorliegenden Sachverhalt beurteilen müsse, benötige ausgewiesene Fach- kompetenz im Bereich Psychotraumatologie. Dr. C.____ ver füge, so die Beschwerdeführerin, über keine entsprechende Fachkompetenz, weshalb er vo rliegend für die Begutachtung unge- eignet sei. Diesem pauschal gehaltenen und nicht näher begründeten Einwand kann nicht ge- folgt werden. Gemäss dem Ärzteverzeichnis der FMH verfügt Dr. C.____ seit 1989 über den Facharzttitel “Psychiatrie und Psychotherapie FMH“, es hande lt sich bei ihm um einen langjäh- rig praktizierenden und entsprechend erfahrenen Facharzt . Zudem ist er zertifizierter Gutachter SIM. Weshalb er fachlich nicht in der Lage sein sollte, die Versicherte lege artis zu begutachten, ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin denn auch nicht näher aufgezeigt. Die betreffende Rüge der Versicherten erweist sich demnach als unbegründet. 5. Zusammenfassend folgt aus dem Gesagten, dass die angef ochtene Zwischenverfü- gung der IV-Stelle vom 31. März 2016 nicht zu beanstande n ist. Die dagegen erhobene Be- schwerde ist deshalb, soweit darauf eingetreten werden kann (vgl. E. 1.3 hiervor), abzuweisen. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei P räsidialentscheiden wie dem vorlie- genden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwa nd entstanden ist, setzte das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens bis Ende Juni 2016 einheitlich auf 300 Franken fest. Seit dem 1. Ju li 2016 werden in diesen Fällen neu ein- heitlich Verfahrenskosten in der Höhe von 400 Franken erhoben. Vorliegend ist die Beschwerde der Versicherten am 3. Mai 2016 anhängig gemacht worde n, weshalb die Verfahrenskosten praxisgemäss noch gemäss dem damals zur Anwendung gelangenden Ansatz auf 300 Franken festzusetzen sind. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfa hrenskosten in der Regel der unter- liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorl iegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. 7. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen selbständig eröffneten Zwischenentscheid i m Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetz ungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmit telbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.-- wer den der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. Der zu viel geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 300.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht