<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">FürsorgerischeFreiheitsentziehung</span> <span class="page_no">195</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VI. Fürsorgerische Freiheitsentziehung</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>35 Probeweise</b></span> <span class="ft2"><b>Entlassung</b></span> <span class="ft2"><b>mit</b></span> <span class="ft2"><b>Auflagen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Unzulässigkeit einer probeweisen Entlassung mit Weisungen, wenn sich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bei einer Einweisung zur Untersuchung herausstellt, dass die Vorausset-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zungen für eine definitive fürsorgerische Freiheitsentziehung nie erfüllt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>waren.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 9. November 2010 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen M.H. gegen den Entscheid des Bezirksamtes X. (WBE.2010.305).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Kurzbegründung</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1.</span><br/> <span class="ft5">1.1</span><br/> <span class="ft5">Mit Verfügung vom 10. September 2010 wies das Bezirksamt</span><br/> <span class="ft5">X. den Beschwerdeführer zur Untersuchung gemäss § 67d EG ZGB</span><br/> <span class="ft5">in die Klinik Y. ein.</span><br/> <span class="ft5">1.2</span><br/> <span class="ft5">Eine Anstaltseinweisung zur Untersuchung ist dann angezeigt</span><br/> <span class="ft5">und zulässig, wenn die Einweisungsbehörde ernsthaften Anlass hat,</span><br/> <span class="ft5">eine definitive fürsorgerische Freiheitsentziehung (zur Behandlung)</span><br/> <span class="ft5">für angezeigt zu halten, über einzelne Einweisungsvoraussetzungen</span><br/> <span class="ft5">aber noch Ungewissheit besteht, die sie weder durch eigene Abklä-</span><br/> <span class="ft5">rung noch durch Anordnung einer ambulanten Untersuchung behe-</span><br/> <span class="ft5">ben kann. Der Abklärungsauftrag ist genau zu benennen und die</span><br/> <span class="ft5">Einweisung zur Untersuchung ist zu befristen. Die stationäre Unter-</span><br/> <span class="ft5">suchung ist so schnell wie möglich abzuschliessen (§ 67d Abs. 3</span><br/> <span class="ft5">EG ZGB). Die Klinik hat die gestellten Fragen (z.B. nach dem</span><br/> <span class="ft5">Vorliegen einer Geisteskrankheit) der Einweisungsbehörde zu beant-</span><br/> <span class="ft5">worten, worauf diese entscheiden muss, ob eine definitive Ein-</span><br/> <span class="ft5">weisung zur Behandlung (in diesem Fall ist eine neue Verfügung zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">196</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">erlassen) oder eine Entlassung erfolgt (§ 67d Abs. 1 und 2 EG ZGB;</span><br/> <span class="ft5">zu den Voraussetzungen einer Einweisung zur Untersuchung vgl.</span><br/> <span class="ft5">AGVE 2003, S. 138 m.H. [Erw. 1b]).</span><br/> <span class="ft5">1.3</span><br/> <span class="ft5">An der rechtlichen Qualifikation "Einweisung zur Unter-</span><br/> <span class="ft5">suchung" ändert auch nichts, dass das Bezirksamt X. in Ziffer 1 der</span><br/> <span class="ft5">erwähnten Verfügung vom 10. September 2010 schrieb, der Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführer werde ''zur Behandlung und Abklärung" in die Kli-</span><br/> <span class="ft5">nik Y. eingewiesen. Aus der Begründung und insbesondere aus dem</span><br/> <span class="ft5">Fragenkatalog gemäss Ziffer 2 der Verfügung ergibt sich eindeutig,</span><br/> <span class="ft5">dass unklar war, ob die Voraussetzungen für eine fürsorgerische</span><br/> <span class="ft5">Freiheitsentziehung erfüllt waren, insbesondere, ob beim Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführer überhaupt eine behandlungsbedürftige Geisteskrankheit</span><br/> <span class="ft5">oder Geistesschwäche vorlag.</span><br/> <span class="ft5">1.4</span><br/> <span class="ft5">Mit Bericht vom 21. September 2010 beantwortete die Klinik Y.</span><br/> <span class="ft5">dem Bezirksamt X. die gestellten Fragen. Daraus ergab sich eindeu-</span><br/> <span class="ft5">tig, dass kein Grund für eine medikamentöse Behandlung und schon</span><br/> <span class="ft5">gar nicht für eine stationäre psychiatrische Behandlung des Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführers bestand, weshalb dieser am 24. September 2010 aus</span><br/> <span class="ft5">der Klinik entlassen wurde. Empfohlen wurde durch die Klinik eine</span><br/> <span class="ft5">ambulante Gesprächstherapie.</span><br/> <span class="ft5">2.</span><br/> <span class="ft5">2.1</span><br/> <span class="ft5">Am 28. September 2010 verfügte das Bezirksamt X., der Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführer werde per fürsorgerischer Freiheitsentziehung ver-</span><br/> <span class="ft5">pflichtet, für die Dauer von drei Monaten stützende Gespräche beim</span><br/> <span class="ft5">Externen Psychiatrischen Dienst (EPD) Z. zu besuchen.</span><br/> <span class="ft5">2.2</span><br/> <span class="ft5">Mittels fürsorgerischer Freiheitsentziehung wird eine psychisch</span><br/> <span class="ft5">kranke Person zur Behandlung in eine geeignete Anstalt eingewie-</span><br/> <span class="ft5">sen. Es geht nicht an, jemanden per "fürsorgerischer Freiheitsentzie-</span><br/> <span class="ft5">hung" zu einer ambulanten Therapie zu verpflichten. Rechtlich kann</span><br/> <span class="ft5">die Verfügung des Bezirksamts X. höchstens als eine Entlassung mit</span><br/> <span class="ft5">Weisungen interpretiert werden. Gemäss § 67h EG ZGB kann die</span><br/> <span class="ft5">probeweise Entlassung, nötigenfalls mit Weisungen, erfolgen, sofern</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">FürsorgerischeFreiheitsentziehung</span> <span class="page_no">197</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">die Voraussetzunge für eine Entlassung nicht in allen Teilen erfüllt</span><br/> <span class="ft5">sind.</span><br/> <span class="ft5">2.3.</span><br/> <span class="ft5">Im vorliegenden Fall erfolgte lediglich eine Klinikeinweisung</span><br/> <span class="ft5">zur Klärung der Frage, ob die Voraussetzungen für eine fürsorgeri-</span><br/> <span class="ft5">sche Freiheitsentziehung überhaupt erfüllt seien. In der Klinik zeigte</span><br/> <span class="ft5">sich, dass dies gerade nicht der Fall war, worauf der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft5">rer entlassen wurde. Bei dieser Ausgangslage sind die Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft5">gen für eine Entlassung mit Weisungen nicht erfüllt, da bereits die</span><br/> <span class="ft5">Voraussetzungen für eine definitive fürsorgerische Freiheitsentzie-</span><br/> <span class="ft5">hung nie erfüllt waren, und daher auch nicht davon gesprochen wer-</span><br/> <span class="ft5">den kann, die Voraussetzungen für eine Entlassung seien am 24. bzw.</span><br/> <span class="ft5">am 28. September 2010 nicht in allen Teilen erfüllt gewesen.</span><br/> <span class="ft5">2.4</span><br/> <span class="ft5">Die angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben und es bleibt</span><br/> <span class="ft5">bei der Empfehlung an den Beschwerdeführer, die Gesprächstherapie</span><br/> <span class="ft5">freiwillig durchzuführen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>