Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. August 2021 (720 21 94 / 227) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rückweisung der Angelegenheit aufgrund der Notwendigkeit weiterer Abklärungen bezüg- lich dem Verlauf der Arbeitsfähigkeit ab Juli 2018 sowie den aktuellen Einschränkungen bzw. dem Ausmass der aktuellen Beschwerden. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiberin Jeannine Gass Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch N icolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1976 geborene A.____ erlitt am 20. Januar 201 4 einen Unfall, als er auf einem Ge- rüst stehend von Baumaterial getroffen wurde und daraufhin aus einer Höhe von rund drei Metern auf den Boden fiel, wobei er sich gemäss Austrittsberic ht des Spitals B.____ vom 29. Januar 2014 eine mehrfragmentäre dislozierte distale Humerusschaftfraktur links sowie eine Rippenprel- lung zuzog. In der Folge erbrachte die Suva die gesetzlichen Leistungen. Mit Schreiben vom 13. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Juli 2016 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass sie die vorübergehenden Leistungen per 31. August 2016 einstelle. Mit Verfügung vom 28. Juli 2016 sprach sie dem Versicherten für die ver- bliebenen Beeinträchtigungen aus dem Unfall vom 20. Januar 2014 eine Invalidenrente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 14 % zu. Eine dagege n erhobene Einsprache wurde mit Ent- scheid vom 14. September 2016 abgewiesen. Dieser Einsp racheentscheid wurde sodann vom Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht), mit Ur- teil vom 18. Mai 2017 bestätigt. Am 3. Oktober 2014 meldete sich A.____ unter Hinweis au f eine Fraktur des linken Oberarms, einer Schulterbeeinträchtigung, ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Rückenverletzung zum Leis- tungsbezug bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Mit Vorbescheid vom 22. Ap- ril 2020 lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) den Leistungsanspruch des Versicherten bei einem Invaliditätsgrad (IV-Grad) von 32 % ab. In Folge Einwands des Beschwerdeführers vom 25. Mai 2020, vertreten durch Advokat Nicolai Fullin , bestätigte die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. Februar 2021 die Ablehnung des Leistungsanspruchs. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, erneut vertret en durch Advokat Nicolai Fullin, mit Schreiben vom 10. März 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin beantragte er, es sei die IV-Stelle unter Aufhebung der Verfügung vom 5. Februar 2021 zu verpflichten, ihm eine IV-Rente nach den gesetzlichen Bestimmungen, mindestens aber eine Viertelsrente zuzusprechen. Even- tualiter seien weitere medizinische Abklärungen zum Ges undheitszustand und der Arbeitsunfä- higkeit des Beschwerdeführers sowie deren Verlauf zu tät igen und gestützt darauf der Renten- anspruch neu zu bestimmen; unter o/e-Kostenfolge. Als Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ohne Be rücksichtigung der Berichte des langjähri- gen Psychiaters, gemäss welchen eine erhebliche Einschränku ng der Arbeitsfähigkeit aus psy- chiatrischer Sicht gegeben sei, erfolgt sei. Dieser psychische Gesundheitsschaden müsse zudem zusätzlich zu den körperlichen Beeinträchtigungen bei der Ermittlung des Invalideneinkommens als Leidensabzug berücksichtigt werden. C. In ihrer Vernehmlassung vom 17. März 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen fo rm- und fristgerecht eingereichte Be- schwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine IV-Rente zu Recht verneint hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem n ur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen k önnte, in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in valid geworden wäre. Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (BGE 141 V 20 E. 3.2) mit den Untervarianten des Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 114 V 313 E. 3a) und der ausserordentlichen Me- thode (BGE 128 V 29). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d des Versicherten nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs bemessen, was vom Beschwerdeführer – zu Recht – nicht bestritten wird. 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträch- tigungen arbeitsunfähig ist. Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbesondere auch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die recht sanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterlagen angew iesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zu- mutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufs- arbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persön- lichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaff- hauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweis-würdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2 001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfah- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt- nisse hervor. Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen , zu welchen Berichte des RAD gehören, kommt nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG ein- geholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Be- weiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zwei- fel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 4 70 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). Der Beweiswert von RAD- Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit dem Beweiswert von externen medizinischen Sachver- ständigengutachten (BGE 125 V 351 E. 3b/bb) vergleic hbar, wenn sie den von der Rechtspre- chung umschriebenen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten genügen (SVR 2009 IV Nr. 56 S. 174, 9C_323/2009 E. 4.3.2). Die IV-Stellen werde n aber stets externe Gutachten einholen, wenn der ausgeprägt interdisziplinäre Charakter einer medizinischen Problemlage dies gebietet sowie wenn der RAD nicht über die fachlichen Ressourcen verfügt, um eine sich stellende Frage beantworten zu können. Dasselbe gilt, wenn zwischen RAD- Bericht und allgemeinem Tenor im medizinischen Dossier eine Differenz besteht, welche nicht offensichtlich auf unterschiedlichen versicherungsmedizinischen Prämissen (vgl. SVR 2007 IV Nr. 33 S. 117, I 738/05 E. 5.2) beruht (BGE 137 V 210, E. 1.2.1). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerd eführers liegen seit dem im Jahre 2014 erlittenen Unfall zahlreiche medizinische Unterlagen vor, welche vom Gericht gewür- digt wurden. Nachfolgend werden nur die wesentlichsten Arztberichte aufgeführt. 5.1 Gemäss Austrittsbericht des Spitals B.____ vom 29. J anuar 2014 erlitt der Beschwerde- führer im Rahmen eines Arbeitsunfalls am 20. Januar 20 14 eine mehrfragmentäre dislozierte distale Oberarmschaftfraktur links sowie eine Rippenpre llung links, woraufhin am 22. Januar 2014 eine Reposition des Humerus mit Plattenosteosynth ese vorgenommen wurde. Der intra- und postoperative Verlauf habe sich komplikationslos gestaltet. Postoperativ habe sich ein regel- rechter Befund mit reizlosen Wundverhältnissen gezeigt. 5.2 Der behandelnde Hausarzt Dr. med. C.____, FMH Al lgemeine Innere Medizin, stellte im Zwischenbericht der Suva vom 12. April 2014 fest, dass der Versicherte weiterhin über Schmer- zen und eine eingeschränkte Beweglichkeit im linken Ellbogen und in der linken Schulter geklagt habe. Zudem kämen auch Schmerzen im Nackenbereich links u nd im Bereich der Brust- und Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Lendenwirbelsäule hinzu, welche am ehesten muskulär bedin gt auf eine Fehlhaltung zurückzu- führen seien. 5.3 Im Austrittsbericht der Rehaklinik D.____ vom 21. J uli 2014 diagnostizierten die invol- vierten Ärzte sodann einen Verdacht auf ein zervikales/lum bales Schmerzsyndrom, bildgebend ohne Anhalt für posttraumatische Veränderungen der Hals- oder Lendenwirbelsäule (HWS/LWS) sowie degenerative Veränderungen ohne Hinweis auf eine Neurokompression. Des Weiteren sei eine Anpassungsstörung mit psychotraumatologischer Angstsympt omatik und differenzialdiag- nostisch eine posttraumatische Belastungsstörung festgestellt worden. 5.4 Am 4. Februar 2015 wurde sodann im Spital B.____ beim Beschwerdeführer die bei der Reposition des Humerus mit Plattenosteosynthese eingesetzt e Metallplatte wieder vollständig entfernt und eine Neurolyse des Nervus radialis durchgeführt. Auch hier sei der intra- und posto- perative Verlauf komplikationslos ausgefallen. 5.5 Nach Durchsicht aller vorliegenden Akten diagnostizi erte Dr. med. E.____, FMH Ortho- pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, anlässlich einer kreisärztlichen Untersuchung vom 28. Mai 2015 einen Status nach Arbeitsu nfall am 20. Januar 2014 mit Ober- armschaftfraktur links, ein Status nach offener Repositio n und Plattenosteosynthese am linken Oberarm am 20. Januar 2014 (recte: 22. Januar 2014), ein Status nach Metallentfernung am lin- ken Oberarm am 4. Februar 2015 sowie aktuell invalidisi erende Beschwerden im Bereich des Kopfes, des Nackens, der linken Schulter und des gesamten linken Armes sowie des linken Brust- korbs, wobei sich die Beurteilung der Beschwerden als schwi erig erwiesen habe. Unstrittig sei, dass die Fraktur des linken distalen Oberarmschaftes üb erwiegend wahrscheinlich auf das Un- fallereignis vom 20. Januar 2014 zurückzuführen sei. Die se sei allerdings in praktisch anatomi- scher Stellung verheilt und das Metall entfernt. Darü ber hinausgehende relevante Verletzungen an Weichteilstrukturen des Oberarms seien nicht nachgewiesen. Die Wiederherstellung der vol- len Funktionalität des linken Armes sowie der Schulter und des Ellbogengelenks sei zu erwarten, wobei erfahrungsgemäss endgradige funktionelle Einschränkungen im Ellbogengelenk in einigen Fällen möglich seien. Befunde, welche zumindest überwiegend wahrscheinlich dem Unfallereig- nis zugeordnet werden könnten, hätten bei wiederholter magnetresonanztomographischer Abklä- rung der HWS und LWS nicht festgestellt werden können. Die Aufnahmen des Kopfes und der Wirbelsäule würden die Beschwerdesymptomatik des Versicherten nicht erklären, seien sie auch von den unfallunabhängigen, diskreten degenerativen Ver änderungen her typisch für das Le- bensalter des Versicherten. Zusammenfassend seien die Beschwerden von der Wirbelsäule aus- gehend sowie im Kopfbereich bei nicht nachgewiesenen str ukturellen Läsionen überwiegend wahrscheinlich unfallfremd. 5.6 Mit Bericht vom 14. August 2015 beurteilte Dr. E. ____ die Beschwerden an der linken Schulter im Bereich der LWS und HWS erneut – unter Hinweis auf seine kreisärztliche Beurteilung vom 28. Mai 2015 – als nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in kausalem Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 20. Januar 2014 stehend, weil diese Region nicht in das primäre Unfallgeschehen involviert gewesen sei. Eine gewisse Restsymptomatik am Ellbogen komme bei Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer distalen Oberarmschaftfraktur gelegentlich im Sinne von endgradigen Funktionseinschrän- kungen und Restbeschwerden vor, jedoch keinesfalls so, wie sie vom Versicherten im Rahmen der Kreisarztuntersuchung demonstriert worden seien. Die gezeigte Symptomatik lasse sich an- hand der vorhandenen objektiven Befunde nicht erkläre n. Für den linken Arm seien dem Versi- cherten leichte und mittelschwere Arbeiten ganztags zum utbar, für die übrigen Körperregionen gebe es keine unfallbedingten Einschränkungen der Zumutbarkeit. Ein entschädigungspflichtiger Integritätsschaden liege nicht vor. Von einer weiteren B ehandlung sei aus unfallchirurgisch-or- thopädischer Sicht kein namhaftes Besserungspotenzial ersichtlich. Am 24. November 2015 kor- rigierte er sodann – aufgrund der neuen Kenntnis des Polizeirapports und der MRT vom 29. Ok- tober 2015 – seine ursprüngliche Aussage. Er stellte fest, dass sich hinsichtlich der medizinischen Befunde prinzipiell nichts geändert habe. Allerdings ste lle sich der Unfallhergang im Polizeirap- port anders dar, als ursprünglich im Dossier dokumentier t. Dadurch seien die Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule offensichtlich natürlich kausal zum Unfallereignis. Strukturale, unfallbe- dingte Läsionen seien in der Wirbelsäule allerdings n icht nachgewiesen worden. Knapp zwei Jahre nach dem Unfall lägen damit aktuell keine Unfallfolgen mehr vor. Die minimalen differenten Befunde zwischen den beiden MRT der Schulter würden zudem eine erhebliche Einschränkung nicht erklären. 5.7 Im Rahmen von weiteren Untersuchungen stellte Dr . med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, am 16. Oktober 2016 fest, dass offen- sichtlich wiederholt diverse und fassbare Inkonsistenzen vorliegen würden, die sich aus der Dis- krepanz der subjektiven Beschwerden sowohl somatischer als a uch psychischer Art ergeben würden, was auch von den medizinischen Institutionen des U nfallversicherers wie mehrheitlich auch von involvierten Behandlern bestätigt worden sei. Versicherungsmedizinisch könne deshalb weder unfallkausal noch unfallfremd zumindest in einer angepassten Tätigkeit eine massgebliche Limitierung der Arbeitsfähigkeit begründet werden. Bei genauerer versicherungsmedizinischer Auslegung sei auch in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit keine massgebliche Funktionseinschrän- kung begründet. 5.8 Nachdem das Kantonsgericht mit Entscheid vom 18. Ma i 2017 (725 16 373) die medizi- nische Sachlage als genügend abgeklärt erachtete, holte die IV-Stelle mit Schreiben vom 7. Feb- ruar 2018 einen Bericht von Dr. med. G.____, FMH Psychia trie und Psychotherapie, ein. Darin hielt Dr. G.____ als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwergradige depres- sive Episode mit psychotischen Symptomen seit Februar 2017 fest. Differenzialdiagnostisch sei zudem eine paranoide Schizophrenie festzustellen, deren Verlauf aufgrund des kurzen Beobach- tungszeitraums nicht beurteilt werden könne. Dr. G.____ stellte im Weiteren fest, dass der Versi- cherte sich aufgrund seiner Erkrankung weder konzentrieren noch irgendwelche kognitiven Leis- tungen erbringen könne. Er sei so eingeschränkt, dass er weder die bisherige Tätigkeit noch eine behinderungsangepasste Tätigkeit ausführen könne. 5.9 Infolge des Berichts von Dr. G.____ bat die IV-Ste lle den RAD um eine kurze Stellung- nahme. Mit Stellungnahme vom 12. April 2018 schätzte Dr. F.____ die gerichtlich als inadäquat unfallkausal eingestuften somatischen (persistierende Schmerzen am gesamten linken Arm, der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht linken Schulter sowie der HWS und LWS) und psychischen Beschwerden (psychische Überlage- rung bzw. Symptomausweitung, zuletzt schwere depressive Epi sode) unter anderem aufgrund des Berichts von Dr. G.____ vom 19. Februar 2018 als abklärungswürdig ein. 5.10 Daraufhin wurde eine Begutachtung durch Dr. med . H.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, angeordnet. Dieser hielt in seinem psychiat rischen Gutachten vom 20. Juni 2018 fest, dass keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak- toren zu diagnostizieren. Das Ausmass der geklagten Schmerzen und die subjektive Krankheits- überzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, könnten durch die somatischen Befunde nicht hin- reichend objektiviert werden, sodass eine psychische Überlag erung angenommen werden müsse. Der Versicherte gab an, sich seit Januar 2017 in ambulanter psychiatrischer Behandlung zu befinden und mit Olanzapin (einem Neuroleptikum) behandelt zu werden. Er leide an angster- regenden Träumen und habe an Gewicht verloren. Eine Blutuntersuchung zur Medikamenten- compliance sei verweigert worden. Die Beziehung des Ve rsicherten zu seinen Familienangehö- rigen sei gut, er unternehme regelmässig Spaziergänge, treffe sich mit Verwandten seiner Ehe- frau und sei im Januar 2018 alleine nach X.____ gereist. 5.11 In Ergänzung zur psychiatrischen Begutachtung von Dr. H.____ wurde der Versicherte am 20. Juni 2018 und am 24. August 2018 durch Dr. med. I.____, FMH Innere Medizin und FMH Rheumatologie, rheumatologisch Untersucht. Das bidiszi plinäre Gutachten von Dr. H.____ und Dr. I.____ wurde sodann am 15. Januar 2019 fertiggestellt. Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde einerseits ein akutes lumboradikuläres Schmerzsyndrom mit sensomoto- rischem Ausfall S1 rechtsseitig seit Juli 2018 bei kernspi ntomographischer Osteochondrose LWK5/SWK1, grösserer nach kaudal luxierter Diskushernie postolateral rechts mit einem Sequ- ester dorsal, klinischer Parese des Fusssenkers M4+ und Hypästhesie im Dermatom S1 rechts- seitig, neu progredient seit Juli 2018, einem anamnes tisch chronischen lumbovertebralen Schmerzsyndrom sowie andererseits ein chronifiziertes Nacken -/Schulter-/Armsyndrom links mit/bei Status nach Humerusschaftfraktur links, bei Zustand nach Plattenosteosynthese und Me- tallentfernung und Neurolyse der Nervus radialis, ohne Anhaltspunkte für ein organisches Sub- strat im linken Arm, bei kernspintomographisch leichtgradiger Tendinopathie der Supraspinatus- sehne, ohne sichtbaren Einriss, diagnostiziert. Aus psychiat rischer Sicht könnten keine Diagno- sen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Aus rheumatologischer Sicht handle es sich um zweierlei Problematik: Zum einen diejenige eine r chronifizierten Schmerzsymptomatik nach erlittenem Arbeitsunfall, ohne organische posttraumatische Läsionen, vor dem Hintergrund einer Schmerzverarbeitungsstörung und zum anderen diejenige einer akuten radikulären Symp- tomatik S1 rechtsseitig auf dem Grund einer massiven Bandscheibenherniation mit Luxatbildung auf Höhe LWK5/SWK1 mit Kompression der Wurzel S1 und S2 rechtsseitig seit Ende Juli 2018. Der klinische Zustand des Exploranden sei indes nicht genügend stabil, um definitiv die Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht d urchzuführen. Aufgrund der dekompen- sierten radikulären sensomotorischen Ausfall-Symptomati k der Wurzel S1 rechtsseitig sei von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Eine erneute Beurteilung könne frühestens innerhalb von sechs bis neun Monaten diskutiert werden. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.12 Der Beschwerdeführer wurde sodann am 30. und 31. Oktober 2019 sowie am 13. No- vember 2019 von der medexperts AG in den Fachgebieten Orthopädie, Allgemeine Innere Medi- zin, Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie und Neuropsychologie begutachtet. Als Diagno- sen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden im Gutachten vom 11. Dezember 2019 ein Kreuz- beinschmerz rechts bei einem Bandscheibenvorfall und einer Abnützung L5/S1 mit Bedrängung der Nervenwurzel S1 rechts, Schmerzen an der HSW linksseitig, ein Zustand nach einem Ober- armschaftbruch links im Rahmen eines Arbeitsunfalls am 20. Januar 2014, ein Schulteranpas- sungssyndrom links sowie eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leichtgradiger depressiver Episode festgestellt. Ohne Einfluss auf die Ar beitsfähigkeit wurde eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren diagnostiziert. 5.13 Mit Schreiben vom 30. Januar 2020 nahm die mede xperts AG zu den mit Schreiben vom 19. Dezember 2019 gestellten Rückfragen zum Gutachten vom 11. Dezember 2019 bezüglich des retrospektiven Verlaufs der Arbeitsfähigkeit Stellun g. Med. prakt. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, führte diesbezüglich aus, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht im Zeitraum vom 20. Januar 2014 bis 15. Januar 2019 n icht eingeschränkt gewesen sei. Weiter bestünden keine Hinweise dafür, dass die Arbeitsfähigkeit vom 16. Januar 2019 bis zur Untersu- chung am 31. Oktober 2019 eingeschränkt gewesen sei. Dr. med. univ. K.____, FMH Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, hielt fest, dass der Beschwerdefüh- rer seit dem 20. Januar 2014 in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Mitarbeiter im Baugewerbe zu 100 % in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Hi ngegen würde in einer adaptierten Tä- tigkeit seit dem 31. Oktober 2019 eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bestehen. Retrospektiv gesehen habe zwischen dem 20. Januar 2014 bis zum 30. Oktober 2019 keine Einschränkung der Arbeits- fähigkeit bestanden. 5.14 Im Rahmen des Einwandverfahrens wurde der RAD a ufgefordert, zu den im Einwand vom 5. Mai 2020 vorgebrachten Punkten Stellung zu nehmen. Mit Stellungnahme vom 17. August 2020 wurde festgehalten, dass die Arbeitsunfähigkeit f ür die Vergangenheit im Zweifel anhand echtzeitlicher Beurteilungen vorzunehmen sei, weshalb der Beschwerdeführer in der Zeit vom 1. April 2015 bis mindestens Ende November 2016 Anspruch a uf eine ganze Invalidenrente habe. Die ergänzenden Ausführungen der medexperts-Gutachter vom 30. Januar 2020 würden diesbe- züglich nicht überzeugen, weil sie die Taggeldzahlungen und die echtzeitlichen Abklärungen der SUVA ausblenden würden. Im Sinne einer justiziablen Klärung sei mit den bezeichneten Gutach- ten der medexperts AG, nämlich bei med. prakt. J.____ und bei Dr. K.____ erneut Rücksprache zu halten. 5.15 Am 9. November 2020 wurde sodann aufgrund von S chmerzen an der HWS und an der Schulter rechts eine MRT der HWS durchgeführt. Dabei stellte Dr. med. L.____, FMH Radiologie, eine grössenprogrediente, bekannte mediolateral rechts gelegene Hernierung HWK 5/6 mit deut- licher Hernierung in den Recessus C7 rechts mit gut möglicher Tangierung C7 rechts sowie eine Chondrose HWK 5/6 mit grössenprogredienter, flacher, mediolateral rechts gelegener Hernierung mit möglicher Tangierung am Beginn des Foramens mit beginnender Forminalstenose C6 rechts fest. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.16 Mit Schreiben vom 2. Dezember 2020 wurde die med experts AG erneut aufgefordert, im Rahmen des Einwandsverfahrens zu den Fragen des RAD und des Rechtsvertreters des Be- schwerdeführers Stellung zu nehmen. In der Folge hielt Dr. K.____ mit Schreiben vom 8. Januar 2021 fest, dass im Zeitpunkt des Gutachtens (Dezember 2019) noch kein klinisches Korrelat für eine rechtsseitige Nervenwurzel-Bedrängung bestanden habe. Ausschliesslich auf Basis des re- zenten MRT Befundes vom 19. November 2020, wo bei der Indikation ein Nackenarmschmerz rechts mit Ausstrahlung bis in den Unterarm angeführt sei, könne keine valide Einschätzung über etwaige Einschränkungen bzw. das aktuelle Ausmass der Beschwerden vorgenommen werden. Diesbezüglich seien fachärztliche Untersuchungsbefunde (neurologisch und orthopädisch) not- wendig und gegebenenfalls auch eine erneute gutachterliche Untersuchung. 5.17 Infolge erneuter Anfrage an den RAD vom 12. Jan uar 2021 hielt Dr. F.____ mit Schrei- ben vom 25. Januar 2021 fest, dass im Zeitraum vom 20. Januar 2014 bis 17. Juli 2014 und vom 4. Februar 2015 bis 27. Mai 2015 eine volle Arbeitsun fähigkeit vorlag. Im Zeitraum vom 28. Mai 2015 bis 30. Oktober 2019 sei der Versicherte zu 100 % ar beitsfähig gewesen. Ab dem 31. Ok- tober 2019 sei von einer 80%-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Auf das polydisziplinäre Gutach- ten vom 12. Dezember 2019 könne weiterhin abgestellt werden. Gestützt auf diese Ausführungen verfügte die IV-Stelle am 5. Februar 2021 die Ablehnung des Leistungsanspruchs. 5.18 Mit der Replik wurde sodann eine Stellungnahme von Dr. G.____ vom 29. März 2021 zum Gesundheitszustand und der Leistungsfähigkeit des Besc hwerdeführers eingereicht. Darin wurde festgehalten, dass sich der Beschwerdeführer seit dem 13. Oktober 2014 mit kleinem Un- terbruch und ab dem 3. Februar 2017 aufgrund von mittel- bis schwergradigen depressiven Epi- soden mit psychotischen Symptomen in ambulanter psychiatrisch er, psychotherapeutischer so- wie medikamentöser Behandlung befinde. Durch eine Chr onifizierung der Depression sei auch eine paranoide psychotische Symptomatik beim Versicherten festgestellt worden, wodurch eine neuroleptische Medikation mit Olanzapin, Aripiprazol und Risperidon verordnet und gegeben wor- den sei. Es sei erstaunlich, dass, obwohl in den den Guta chtern zur Verfügung stehenden Be- richten Befunde wie eine formale Denkstörung, Denkhemm ung, Denkverlangsamung sowie in- haltliche Denkstörungen wie kommentierende Stimmen besch rieben worden seien, Dr. H.____ und med. prakt. J.____ dieser Befunderhebung keine Relevanz zugeordnet hätten. An der fach- psychiatrischen Begutachtung durch med. prakt. J.____ im G utachten der medexperts AG vom 12. Dezember 2019 sei zu bemängeln, dass der Versichert e als deutschsprachiger Explorand beschrieben werde, obwohl dieser überhaupt kein Deutsch verstehe. Auch sei nicht nachvollzieh- bar, dass med. prakt. J.____ im Gutachten schreibe, dass keine Halluzinationen oder Wahnvor- stellungen vorhanden seien, obwohl in den der IV-vorliegenden Berichten von Dr. G.____ explizit erwähnt werde, dass der Patient imperative Stimmen höre und an Gedankenentzug und Gedan- keneingebungen leide. Die psychotische Symptomatik werde auch durch den Nachweis von O- lanzapin im Blut des Versicherten bestätigt. Insgesamt en tstehe der Eindruck, dass med. prakt. J.____ versuche, den Exploranden gesünder darzustellen als er ist. Fraglich und nicht nachvoll- ziehbar sei im Weiteren, dass eine leichte depressive Episode neuropsychologische Defizite ver- ursachen könne. Dies sei nicht möglich. Auch könnten d ie neuropsychologischen Defizite nicht Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die Einnahme von Olanzapin und Temesta Expidet zurückgeführt werden, da es widersprüch- lich sei, dass Medikamente, die im Blutspiegel lediglich unterhalb des Normbereichs nachgewie- sen worden seien, neuropsychologische Defizite verursachten könnten. 5.19 Mit Stellungnahme vom 14. April 2021 hielt Dr. M.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, fest, dass Dr. G.____ in seinem Bericht vom 2 9. März 2021 nicht berücksichtige, dass beim Beschwerdeführer in erheblichem Masse maladaptives Verhalten ohne Krankheitswert eine Rolle spiele. Da die Symptomvalidierung gemäss psychiatrischem Teilgutachten von Dr. H.____ auffällig gewesen sei, habe die kognitive Leistungsfäh igkeit nicht anhand der neuropsychologi- schen Untersuchung beurteilt werden können. Daher sei de r psychiatrische Gutachter auf den psychopathologischen Befund angewiesen gewesen, bei welchem lediglich aufgefallen sei, dass die Konzentration und Aufmerksamkeit am Ende des Gesprä ches etwas abgenommen hätten. Eine leichtgradige Ausprägung der neuropsychologischen De fizite sei daher nachvollziehbar. Entgegen der Darstellung von Dr. G.____ könne es zudem durchaus sein, dass die Medikamente Olanzapin und Temesta die kognitiven Funktionen leicht gradig beeinträchtigen würden, auch wenn sie – wie im vorliegenden Fall – deutlich unterhalb des therapeutischen Wirkspiegels liegen. Auch der Nachweis von Olanzapin im Blut des Versicherte n bedeute nicht automatisch, dass jemals eine psychotische Symptomatik vorgelegen habe, denn obwohl das Antipsychotikum nicht im therapeutischen Wirkspiegelbereich lag, seien keine psychotischen Symptome im objektiven Befund festzustellen gewesen. Die Gutachten von Dr. H .____ vom 20. Juni 2018 und von med. prakt. J.____ vom 11. Dezember 2019 seien zudem kompatib el. Weiter hätten Dr. O.____, Dr. H.____ und med. prakt. J.____ entgegen den Ausführunge n von Dr. G.____ festgestellt, dass der Beschwerdeführer über gute Deutschkenntnis verfüge und die Kommunikationsfähigkeit auf Deutsch ausreichend gegeben sei. Letztlich sei die von Dr. G.____ geäusserte Diagnose einer schwergradigen depressiven Episode mit psychotischen Symptomen nicht kompatibel mit dem von ihm verordneten Therapieumfang und der verordneten Medikation, erhalte der Versicherte doch keine Antidepressiva. Auch die Befunde von Dr. H._ ___ und med. prakt. J.____ entsprä- chen nicht einer schwergradigen depressiven Episode. Auffä llig sei zudem, dass Dr. G.____ in keinem seiner Berichte eine Schmerzsymptomatik erwähne und auch keine Schmerzstörung di- agnostiziere. Zudem bestehe auch kein Widerspruch der gestellten Diagnosen zu der Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit. Zusammenfassend könne aus psychiatrischer Sicht auf das Gutachten von med. prakt. J.____ abgestellt und am bisherigen Entscheid festgehalten werden. 6.1 Bei der Durchsicht der vorliegenden medizinischen Be richte und Gutachten fällt auf, dass im Gutachten vom 15. Januar 2019 aus rheumatologisc her Sicht seit Juli 2018 eine voll- ständige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit festgestellt wurde, wodurch der gesundheitliche Zustan d als instabil zu beurteilen sei und eine erneute Begutachtung frühestens innerhalb von sechs bis ne un Monaten diskutiert werden könne. Eine erneute Begutachtung erfolgte sodann erst Ende Oktober 2019. Daraus resultiert ein Zeitraum von fünfzehn Monaten, in dem die Arbeitsfähigkeit bzw. die Arbeitsunfähigkeit des Be- schwerdeführers aus rheumatologischer Sicht nicht restlich geklärt ist. Auch wurde mit Schreiben von Dr. K.____ vom 8. Januar 2021 darauf hingewiesen, dass aktuell keine Einschätzung über etwaige Einschränkungen bzw. das aktuelle Ausmass der Besc hwerden vorgenommen werden könne. Diesbezüglich seien weitere neurologische und ort hopädische Untersuchungsbefunde Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht und gegebenenfalls eine erneute gutachterliche Unters uchung notwendig. Gemäss der vorlie- genden Aktenlage wurden allerdings keine weiteren Unt ersuchungen durchgeführt und auf Grundlage der unvollständigen Aktenlage verfügt. Es wi rd nicht erklärt und es ist deshalb auch nicht nachvollziehbar, warum der Beschwerdeführer im Zeitraum vom 28. Mai 2015 bis 30. Okto- ber 2019 zu 100 % arbeitsfähig und ab dem 31. Oktober 2019 zu 80 % arbeitsfähig sei, obwohl ab Ende Juli 2018 bis mindestens dem 15. Januar 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vor- lag und die aktuelle Arbeitsfähigkeit nicht restlos geklärt ist. Anzumerken bleibt, dass der Beschwerdeführer aus der Ste llungnahme von Dr. G.____ vom 29. März 2021 nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag. Wie Dr. M.____ mit Stellungnahme vom 14. April 2021 zu Recht ausführt, wurden beim Be schwerdeführer mehrfach maladaptives Verhalten ohne Krankheitswert und aggravatorisches Ve rhalten diagnostiziert, was die Diagno- seerhebung erheblich erschwerte. Auch konnte sie glaubh aft darlegen, dass eine schwere de- pressive Episode nicht mit der Medikamentenverordnung übereinstimmt. Das Vorliegen psycho- tischer Symptome scheint ebenso für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht relevant, lag die Konzentration von Olanzapin im Blut des Versicherten de utlich unterhalb des therapeutischen Wirkspiegels. Zudem wurden in den Berichten von Dr. H. ____ wie auch von med. prakt. J.____ keine psychotischen Symptome mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt. Weiter wurde in mehreren ärztlichen Berichten festgehalten, dass der B eschwerdeführer über ausreichende Deutschkenntnisse verfügt, um die Fragen bei der Untersuchung adäquat und genau beantwor- ten zu können. Insgesamt kann bezüglich der psychischen Gesundheitseinschränkung die medi- zinische Sachlage aufgrund der fehlenden Widersprüchlich keit der ärztlichen Berichte als voll- ständig abgeklärt angesehen werden. Diesbezüglich sind kei ne weiteren gutachterlichen Unter- suchungen durchzuführen und es kann unter ausschliesslicher Berücksichtigung der psychischen Beschwerden von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit ab dem 20. Januar 2014 bzw. 80%-igen Ar- beitsfähigkeit ab dem 31. Oktober 2019 ausgegangen werden. 6.2 Kann auf die vorhandenen Abklärungsberichte nicht abgestellt werden, so lässt sich die strittige Frage, in welchem Ausmass der Beschwerdeführer in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträch- tigt ist bzw. war, gestützt auf die vorhandene Aktenlage nicht beurteilen. Der Sachverhalt bedarf diesbezüglich weiterer Abklärung, wobei diese durch die Einholung eines neurologischen, ortho- pädischen sowie rheumatologischen Gutachtens zu erfolgen haben wird. 7. Weiter wird die Bemessung des Valideneinkommens und d ie Höhe des leidensbedingten Abzugs beanstandet. 7.1 Nach Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Inva liditätsgrades das Erwerbseinkom- men, das die versicherte Person nach Eintritt der Inval idität und nach Durchführung der medizi- nischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätig- keit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei- nander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdi fferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 7.2.1 Bei der Bemessung des hypothetischen Einkommens oh ne Gesundheitsschädigung (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem im Sozialversicherungsrecht anzuwendenden Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit (BGE 115 V 142 E. 8b mit weiteren Hinwei sen) als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel vom letzten Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielt hat, auszugehen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Januar 2010, 8C_647/2009, E. 4.3; vgl. auch: BGE 134 V 325 E. 4.1). 7.2.2 Der Beschwerdeführer bringt erneut vor, dass sich die Beschwerdegegnerin bei er Be- messung des Valideneinkommens zu Unrecht auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohn- strukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik und nicht auf den letzten, bei dem ehema- ligen Arbeitgeber erzielten Lohn, stützt. Wie die Beschw erdegegnerin zu Recht ausführt, ist der letzte Arbeitgeber des Beschwerdeführers indessen zwischenzeitlich in Konkurs gefallen, so dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass der Beschwerd eführer ohne Gesundheitsschädi- gung noch bei ihm arbeiten würde (vgl. Urteil des Kantonsgerichts vom 18. Mai 2017, 725 16 373 / 133, E. 7.2.2 mit Verweis auf Urteile des Bundesg erichts vom 10. November 2014, 8C_526/2014, E. 6.2 und vom 5. Juni 2012, 8C_183/201 2, E. 8.3; vgl. auch: Urteil des Bundes- gerichts vom 4. November 2016, 8C_586/2016, E. 6.1). An gesichts der im Übrigen schwanken- den Einkommen des Beschwerdeführers im Jahr vor dem Unfa ll ist daher – wie bereits im Ver- fahren 725 16 373 / 133 rechtskräftig entschieden – nich t zu beanstanden, dass die Beschwer- degegnerin auf das Valideneinkommen gestützt auf die LSE-Tabellenlöhne ermittelt hat. 7.3.1 Das Invalideneinkommen wurde von der IV-Stelle g estützt auf die Lohnstrukturerhebung der LSE (2014) festgelegt. Sie hat dabei auf die Tabelle TA 1, Privater Sektor, Total, Kompetenz- niveau der Tätigkeit 1, Spalte Männer, Fr. 5'312.-- abgestellt und unter Berücksichtigung der No- minallohnentwicklung sowie der bertriebsüblichen Arbe itszeit einen Jahresverdienst von Fr. 67'052.-- bzw. ab 31. Oktober 2019 bei einer Arbeitsfähigkeit von 80 % gemäss LSE (2016) einen Jahresverdienst von Fr. 53'803.-- ermittelt. Der Besonderheit von Tabellenwerten wird rechtspre- chungsgemäss dadurch Rechnung getragen, dass bei statistisch ausgewiesenen Zentralwerten bestimmte Korrekturen vorgenommen werden. Das anhand von Tabellenwerten ermittelte Invali- deneinkommen kann nach Ermessen des Rechtsanwenders bzw . der Rechtsanwenderin dann reduziert werden, wenn anzunehmen ist, dass eine versicherte Person nach Eintritt des Gesund- heitsschadens die ihr verbliebene Restarbeitsfähigkeit nur noch mit unterdurchschnittlichem Er- folg verwerten kann. Für die Festlegung dieser behinderungebedingten Reduktion (sog. leidens- bedingter Abzug) sind sämtliche Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen. Gemäss bundes- gerichtlicher Rechtsprechung wird der maximale Abzug vom Tabellenlohn auf 25 % festgelegt. Diese Obergrenze wurde bis anhin beibehalten (B ITTEL THOMAS , Festlegung des IV-Grades in Haftpflicht und Sozialversicherung / I. - II., in: Weber Stephan/Schmid Markus (Hrsg.), Personen- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schaden-Forum 2020, Zürich/Basel/Genf 2020, S. 183). Vorliegend wurde vom ermittelten Inva- lideneinkommen ein leidensbedingter Abzug von 5 % vorgenommen, womit sich ab dem 20. Ja- nuar 2014 ein Invalideneinkommen in Höhe von Fr. 63'7 00.-- und ab 31. Oktober 2019 in Höhe von Fr. 51'113.-- ergibt. Der Beschwerdeführer beantragt in Bezug auf das Invali deneinkommen, es sei entgegen der Auffassung der IV-Stelle nicht nur ein leidensbedingter Abzug von 5 %, sondern ein höherer Ab- zug unter Berücksichtigung seiner psychischen Beschwerden vorzunehmen. 7.3.2 Da sich der leidensbedingte Abzug anhand sämtliche r Umstände des Einzelfalls be- misst, der medizinische Sachverhalt allerdings im vorliegenden Fall nicht abschliessend abgeklärt ist, kann die Frage, ob der leidensbedingte Abzug in Höhe von 5 % hier angemessen ist, bis zur vollständigen Abklärung des medizinischen Sachverhalts offengelassen werden. 8. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die ang efochtene Verfügung der IV- Stelle vom 5. Februar 2021 aufgrund der Notwendigke it weiterer Abklärungen bezüglich dem Verlauf der Arbeitsfähigkeit ab Juli 2018 sowie den aktuellen Einschränkungen bzw. dem Aus- mass der aktuellen Beschwerden aufzuheben und die Ange legenheit an die IV-Stelle zurückzu- weisen ist. Diese hat zur Ermittlung der Beeinträchtig ung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerde- führers ab Juli 2018 weitere Abklärungen vorzunehmen un d darüber hinaus im Sinne der Aus- führungen von Dr. K.____ im Schreiben vom 8. Januar 2 021 (vgl. hierzu E. 5.16 und 6.1) die etwaigen Einschränkungen bzw. das aktuelle Ausmass der Beschwerden zu ermitteln. Anschlies- send hat sie den Rentenanspruch des Versicherten gestützt auf die weitergehenden Abklärungen neu zu bemessen und zu verfügen. 9. Abschliessend bleibt über die Kosten zu befinden. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens ei nheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwa ltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in an- gemessenem Ausmass auferlegt. Die ordentlichen Kosten sind neuerdings auch den unterliegen- den Vorinstanzen zu auferlegen. Vorliegend ist die IV -Stelle mehrheitlich unterliegende Partei. Die ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- werden somit ihr auferlegt und dem Beschwerdeführer der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 26. April 2021 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufwand von 7 Stunden und 20 Minuten sowie Auslagen in Höhe von Fr. 47.90 zuzüglich Mehr- wertsteuer geltend gemacht. Diese Kostennote ist in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungs- prozessen praxisgemäss zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschä- digen. Dem Beschwerdeführer ist folglich für den Aufw and von Rechtsanwalt Nicolai Fullin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'026.10 (7 Stunden und 20 Minuten à Fr. 250.-- + Aus- lagen von Fr. 47.90 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 10.1 Des Weiteren beantragt der Beschwerdeführer, es se ien die Kosten für den eingeholten medizinischen Bericht bei Dr. G.____ in Höhe von Fr. 700.-- von der IV-Stelle zu erstatten. 10.2 Der Versicherungsträger hat die Kosten der Abkläru ng zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat (vgl. Art. 45 Abs. 1 ATSG). Erfolgte keine Anordnung von Mass- nahmen, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2020, N 30 zu Art. 45). Im vorliegenden Beschwerdeverfahren wäre das Kantonsgericht auch ohne den Bericht von Dr. G.____ zum gleichen Schluss gekommen, zumal die Angelegenheit aufgrund der unvollständigen neurologischen sowie orthopädischen fachärztlichen Untersuchungsbefunde an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. Die psychiatrische Beu rteilung durch die medexperts wird indessen nicht beanstandet. Mit anderen Worten war der Bericht von Dr. G.____ zum Gutachten der medexperts für den Entscheid des Gerichts nicht unerl ässlich, weshalb von einer Überbin- dung der Kosten an die IV-Stelle abzusehen ist. 11. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbststän dig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausgangsbegeh- ren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E.4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesg ericht. Die nachstehende Rechtsmittel- belehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 5. Februa r 2021 aufge- hoben und die Angelegenheit zur erneuten Abklärung i m Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zu- rückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Der Antrag des Versicherten, die Kosten für das Par teigutachten von Dr. G.____ vom 29. März 2021 in Höhe von Fr. 700.-- seien der IV-Stelle Basel-Landschaft aufzuerlegen, wird abgelehnt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2'026.10 (inkl. Ausla gen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.