B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2008/2023 U r t e i l v o m 2 1 . A p r i l 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler; Gerichtsschreiberin Giulia Marelli. Parteien A._______, geboren am (…), Somalia, vertreten durch MLaw Anja Kläusli, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat); Verfügung des SEM vom 4. April 2023 / N (…). E-2008/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein somalischer Staatsangehöriger – suchte am 26. September 2022 in der Schweiz um Asyl nach und gab an, er sei am 2. Mai 2005 geboren und damit minderjährig. Ein Abgleich mit der europä- ischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit EURODAC) ergab, dass er am 21. Juli 2020 bereits in Italien um Asyl ersucht hatte. B. Am 3. Oktober 2022 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm zuge- wiesene Rechtsvertretung. C. Am 21. November 2022 fand die Erstbefragung für unbegleitete Minderjäh- rige (EB UMA) statt. D. Am 29. November 2022 ersuchte das SEM die italienischen Behörden um Rückübernahme des Beschwerdeführers. Die italienischen Behörden wiesen dieses Gesuch am 12. Dezember 2022 mit der Begründung ab, der Beschwerdeführer sei als Flüchtling anerkannt worden und verfüge über eine Aufenthaltserlaubnis. Somit würde das Ver- fahren nicht mehr in den Zuständigkeitsbereich der Dublin -Einheit fallen. Eine mögliche Überstellung der Betroffenen könne nur gestützt auf andere Abkommen erfolgen, was die Einreichung eines entsprechenden Gesuchs erfordere. E. Das SEM gab am 28. November 2022 beim Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals B._______ ein Gutachten zur Altersabklärung in Auftrag. Das Gutachten vom 7. Dezember 2022 kommt zum Schluss, in Zusam- menschau aller Untersuchungsbefunde lasse sich beim Beschwerdeführer ein Mindestalter von 17.6 Jahren (17 Jahre , 7 Monate und 13 Tage) zum Untersuchungszeitpunkt ermitteln; das Durchschnittsalter liege zwi schen 18 und 21 Jahren. F. Am 19. Dezember 2022 ersuchte das SEM die italienischen Behörden um Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf die Europäische Ver- einbarung über den Übergang der Verantwortung für Flüchtlinge E-2008/2023 Seite 3 (SR 0.142.305) und das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidge- nossenschaft und der Italienischen Republik über die Rückübernahme von Personen mit unbefugtem Aufenthalt (SR 0.142.114.549). Am 27. Januar 2023 stimmten die italienischen Behörden der Anfrage zu. G. Am 16. Februar 2023 informierte das SEM den Beschwerdeführer über die Zustimmung Italiens zu seiner Rückübernahme und gewährte ihm das rechtliche Gehör zum Nichteintretensentscheid sowie zur beabsichtigten Wegweisung nach Italien. Es gewährte ihm gleichzeitig das rechtliche Ge- hör zur Altersabklärung und zum Umstand, dass es das von ihm geltend gemachte Geburtsdatum als unglaubhaft beurteile und sein Geburtsdatum deshalb im ZEMIS als 1. Januar 2004 erfassen werde. Der Beschwerdeführer nahm dazu am 23. Februar 2023 Stellung. H. Am 27. März 2023 übermittelte die Vorinstanz der zugewiesenen Rechts- vertretung den Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Der Beschwerdeführer reichte mit Schreiben vom 31. März 2023 eine Stel- lungnahme ein. I. Mit Verfügung vom 4. April 2023 (gleichentags eröffnet) trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegwei- sung aus der Schweiz nach Italien an, beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug, händigte die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver- zeichnis aus und verfügte, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im Zentralen Migrationsinformationssystem ZEMIS laute auf den 1. Ja- nuar 2004. J. Mit Beschwerdeeingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 13. Ap- ril 2023 stellt der Beschwerdeführer folgende Anträge: 1. Es sei die Verfügung des SEM vom 4. April 2023 vollständig aufzuhe- ben und das SEM sei anzuweisen, auf das Asylgesuch des Beschwer- deführers einzutreten sowie in der Schweiz ein materielles Asylverfah- ren durchzuführen. E-2008/2023 Seite 4 2. Das SEM sei anzuweisen, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS auf den 2. Mai 2005 einzutragen. 3. Eventualiter sei die Verfügung des SEM vom 4. April 2023 vollständig aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, dem Beschwerdeführer we- gen Unzulässigkeit sowie Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Italien die vorläufige Aufnahme zu erteilen. 4. Subsubeventualiter (recte: subeventualiter) sei die Verfügung des SEM vom 4. April 2023 aufzuheben, und die Sache sei zur Einholung indivi- dueller schriftlicher Zusicherungen der italienischen Behörden betref- fend den Zugang zur medizinischen Grundversorgung, zu holistischen Rehabilitationsmassnahmen, zu adäquater Unterkunft sowie Ernäh- rung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 5. Subsubeventualiter sei die Verfügung des SEM vom 4. April 2023 voll- ständig aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück- zuweisen. 6. Es sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzich- ten. 7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MwSt.) zu Lasten des Staates. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine V or- instanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal- tungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel und auch vorliegend endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-2008/2023 Seite 5 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teil genommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 s owie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Beschwerde richtet sich sowohl gegen den Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG als auch gegen die ZEMIS-Eintragung betreffend das Geburtsdatum des Beschwerdeführers. Das Verfahren be- treffend ZEMIS-Datenbereinigung wird praxisgemäss vom vorliegend zu behandelnden Verfahren getrennt und separat unter der Verfahrensnum- mer E-2088/2023 geführt. Das Begehren auf Änderung des im ZEMIS ver- merkten Geburtsdatums (Dispositivziffer 6 der angefochtenen Verfügung) bildet somit nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Das Beschwerdeverfah- ren betreffend Nichteintreten auf das Asylgesuch und Überstellung in einen sicheren Drittstaat ist angesichts dessen Dringlichkeit (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG) vorzuziehen; das ZEMIS -Beschwerdeverfahren wird zu ei- nem späteren Zeitpunkt weiterzuführen sein. 3. 3.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründeth eit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz hingegen eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht diese Punkte ohne Einschränkung prüft. 4. Über offensichtlich unbegründete Beschw erden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, E-2008/2023 Seite 6 handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu be- gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht gerügt, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt und ihre Be- gründungspflicht verletzt (Beschwerde Pt. 3.3, S. 9). 5.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein- zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/ 35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behör- den, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft z u prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei- nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 5.3 Im Rechtsmittel wird diesbezüglich im Wesentlichen geltend gemacht, die Vorinstanz stelle sich auf den Standpunkt, die Legalvermutung gemäss Art. 83 Abs. 5 AIG könne nicht umgestossen werden, ohne jedoch auf die aktuell herrschende Notlage im italienis chen Aufnahmesystem einzuge- hen. Zudem habe der Beschwerdeführer bis anhin keinen einzigen Termin bei einem Arzt wahrnehmen können, bei dem er mit eine m Dolmetscher auf Somali über seine gesundheitlichen Probleme sowie seine Foltererfah- rung habe sprechen kö nnen. Aus dem vorliegenden Arztbericht von C._______ sei der Vermerk «tel. Übersetzungsdienst nicht erreichbar» an- gebracht, womit klar ersichtlich sei, dass kein Dolmetscher beigezogen E-2008/2023 Seite 7 worden sei. Überdies stütze sich die angefochtene Verfügung insofern auf einen unrichtig festgestellten Sachverhalt, als die Vorinstanz festgestellt habe, der Beschwerdeführer habe während seines Aufenthalts im BAZ seine psychischen und physischen Beschwerden in Zusam menhang mit den erlebten Folterungen in Libyen weder beim Pflegedienst noch beim Hausarzt vorgebracht. Schliesslich habe die Vorinstanz auch die notwen- digen individuellen schriftlichen Zusicherungen der italienischen Behörden betreffend den Zugang zur medi zinischen Grundversorgung, zu holisti- schen Rehabilitationsmassnahmen im Sinne von Art. 14 des Übereinkom- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), zu adäquater kinds gerechter Unterkunft sowie Ernährung nicht eingeholt (Beschwerde Pt. 3.3 S. 9 ff.) 5.4 Entgegen den Beschwerdevorbringen hat die Vorinstanz in der ange- fochtenen Verfügung nachvollziehbar und in einem für einen Nichteintre- tensentscheid angemessenen Rahmen darge legt, weshalb sie zum Schluss kommt, es lägen keine Elemente vor, aufgrund derer sie auf das Asylgesuch hätte eintreten müssen und eine Überstellung nach Italien als zulässig und zumutbar erachtet. Ebenfalls sind die vom Beschwerdeführer anlässlich der Erstbefragung UMA vom 21. November 2022, der Stellung- nahme vom 23. Februar 2023 sowie der Stellungnahme vom 31. März 2023 gemachten Ausführungen in die angefochtene Verfügung aufgenommen worden. Soweit vorgebracht wird, die Vorinstanz habe fälschlicherweise festge- stellt, der Beschwerdeführer habe während seines Aufenthalts im BAZ seine psychischen und physischen Beschwerden in Zusammenhang mit den erlebten Folterungen in Libyen weder beim Pflegedienst noch beim Hausarzt geltend gemacht, erweist sich dies als unzutreffend. Tatsächlich hat die Vorinstanz in ihrer Verfügung festgestellt, die Foltervorbringen seien erstmals am 25. November 2022, mithin zwei Monate nach der Ein- reichung des Asylgesuchs, durch die Rechtsvertretung gemeldet worden (SEM-Akte […]). Dies entspricht der Aktenlage (vgl. Verlaufsblatt Medic - Help, SEM-Akte […]). Was den medizinischen Sachverhalt angeht, ist dieser ebenfalls als voll- ständig und richtig erstellt zu erachten. Es ergibt sich aus den Akten, dass der Beschwerdeführer hauptsächlich – nebst anderen punktuell behandel- ten Beschwerden wie Ohrenschmerzen oder Grippesymptome n – über Bauchschmerzen, namentlich am Abend und nach dem Essen, klagte und E-2008/2023 Seite 8 diesbezüglich angab, er sei in Italien operiert worden und habe vier b is sechs Monate im Spital verbracht , wobei er keine diesbezüglichen Unter- lagen besässe beziehungsweise diese verloren habe (SEM-Akte […]). Zu- dem fürchte er, ihm sei in Libyen eine Niere entnommen worden (SEM- Akte […]). Gemäss den Akten wurde am 2. Dezember 2022 in der Arztpra- xis C._______ eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes vorgenom- men, aus der sich kein krankhafter Befund ergab und die eine Nephrekto- mie ausschloss. Zudem wurde dem Beschwerdeführer ein «guter Allge- meinzustand» attribuiert. Als Therapie wurde Buscopan verschrieben (SEM-Akte […]). Alleine der Umstand, dass die zugewiesene Rechtsver- tretung bereits im vorinstanzlichen Verfahren der Ansicht war, es sei «ext- rem wichtig», dass ein Dolmetscher genutzt werde, da es «um körperliche Untersuchungen gehe » und der Beschwerdeführe r «dann stark einge- schüchtert sei» (vgl. SEM-Akte […]), bedeutet nicht, dass die Vorinstanz dem zwingend Folge leisten muss. Im Übrigen wird auch nicht näher sub- stantiiert, welche medizinischen Beschwerden nicht berücksichtigt worden wären beziehungsweise inwiefern der medizinische Sachverhalt weiter hätte abgeklärt werden müssen . Die Vorinstanz war nach dem Gesagten schliesslich auch nicht gehalten, bei den italienischen Behörden allfällige medizinische Akten des Beschwerdeführers anzufordern, die dieser verlo- ren hatte. In Bezug auf das Vorbringen, die Vorinstanz habe sich nicht zum in Italien ausgerufenen Ausnahmezustand beziehungsweise zur herrschenden Not- lage im italienischen Aufnahmesystem geäussert (Beschwerde Pt. 3.3, S. 9), ist Folgendes festzuhalten: Am 11. April 2023 wurde in Italien für sechs Monate der Ausnahmezustand («stato di emergenza») zur Bewälti- gung der aktuellen Migrationslage beschlossen. Dadurch können nament- lich Gelder und Ressourcen schneller und effizienter freigegeben werden, um beispielweise Unterkunftsplätze zu schaffen. Auf der gleichen gesetzli- chen Grundlage beruhende Ausnahmezustände wurden in der Vergangen- heit beispielsweise aufgrund der hohen Anzahl an aus der Ukraine geflüch- teten Personen oder Überschwemmungen beschlossen; aktuell ist für un- gefähr zwanzig Situationen ein solcher Ausnahmezustand in Kraft (Il Sole 24 Ore, Migranti, cosa cambia con la dichiarazione dello stato di emergenza, www.ilsole24ore.com/art/migranti-cosa-cambia-la-dichiarazi- one-stato-emergenza-AEUevGGD, abgerufen am 20.04.2023 ; ANSA [Agenzia Nazionale Stampa Associata], Stato di emergenza per i migranti, www.ansa.it/sito/notizie/politica/2023/04/11/stato-di-emergenza-sulla-mig- razione-durera-6-mesi-varra-su-tutto-il-territorio-nazionale_5a727192- c2a5-44a0-b683-da9d5278db7e.html, abgerufen am 20.04.2023 ). E-2008/2023 Seite 9 Nachdem das Asylverfahren des Beschwerdeführers in Italien indessen bereits abgeschlossen ist, er als Flüchtling anerkannt wurde und über eine bis 7. Dezember 2025 gültige Aufenthaltsbewilligung verfügt, ist nicht er- sichtlich, dass weitere diesbezügliche Instruktionsmassnahmen nötig ge- wesen wären. 5.5 Nach dem Gesagten sowie aufgrund der nachfolgenden Erwägungen (vgl. insb. E. 6 und E. 10) gibt es auch keinen Anlass, bei den italienischen Behörden individuelle Zusicherungen (etwa bezüglich des Zugangs zur medizinischen Grundversorgung, besonderen Therapiemassnahmen und adäquater Unterbringung) einzuholen. 5.6 Im Ergebnis kommt das Gericht zum Schluss, dass sich die formellen Rügen als unbegründet erweisen. Eine Rückweisung an die Vorinstanz ist dementsprechend nicht angezeigt und die entsprechenden Begehren sind abzuweisen. Im Übrigen wird bezüglich des Gesundheitszustands des Be- schwerdeführers sowie des Umstands, dass es sich bei ihm um ein poten- tielles Folteropfer handelt, auf die nachfolgenden Erwägungen (insb. E. 10) verwiesen. 6. 6.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, sei n Geburtsdatum sei der 2. Mai 2005 und er sei minderjährig. 6.2 Eine geltend gemachte Minderjährigkeit ist von der asylsuchenden Per- son zu beweisen, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und andernfalls we- nigstens glaubhaft zu machen, da sie die Beweislast dafür trägt, auch wenn das SEM die entscheidrelevanten Sac hverhaltsmomente von Amtes we- gen festzustellen hat (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.3 m.w.H., Entscheidun- gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 5.3.3). Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung aller Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersangabe sprechen, vorzunehmen (vgl. BVGE 2009/54 E. 4.1). Wurde der Sachverhalt abschliessend festgestellt und ist es der betroffenen Person nicht gelungen, die behauptete Minderjährigkeit glaub- haft zu machen, hat sie die Folgen zu tragen und wird als volljährig be- trachtet (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 5.4). 6.3 Dem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin des Kantonsspitals B._______ vom 7. Dezember 2023 lässt sich entnehmen, dass sich beim Beschwerdeführer auf der Grundlage der Schlüsselbein - respektive E-2008/2023 Seite 10 Skelettaltersanalyse – nachdem die zahnärztliche Untersuchung aufgrund fehlender Weisheitszahnanlagen nicht zur forensischen Altersbeurteilung herangezogen werden konnte – ein Mindestalter von 17 .6 Jahren (17 Jahre, 7 Monate und 13 Tage ) ergibt. Mit dieser Feststellung könne das vom Beschwerdeführer angegebene Geburtsdatum, gemäss dem er zum Zeitpunkt des Gutachtens 17 Jahre, 6 Monate und 27 Tage alt gewesen wäre, gemäss der aktuellen wissenschaftlichen Studienlage nicht zutref- fen. Eine Minderjährigkeit des Beschwerdeführers ist nach dem Gesagten alleine aufgrund des rechtsmedizinischen Gutachtens jedoch nicht ausge- schlossen. 6.4 Aus den Akten ergeben sich hingegen Ungereimtheiten in Bezug auf das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Alter und mithin seine Min- derjährigkeit. So hat er in der Erstbefragung zuerst vorgebracht, er habe den italienischen Behörden dasselbe Geburtsdatum wie in der Schweiz an- gegeben, nämlich den 2. Mai 2005, wobei er zuerst zweimal den zweiten Monat 2005 nannte (SEM-Akte […]). In seiner Stellungnahme zum rechtli- chen Gehör führte er sodann – konfrontiert mit dem in Italien tatsächlich registrierten Datum – aus, er habe in Italien den 2. Mai 2005 als Geburts- datum angegeben, aber die italienischen Behörden hätten von sich aus ein anderes Datum aufgeschrieben und später auch keine Korrektur zugelas- sen (SEM-Akte […]). Dies erklärt jedoch einerseits nicht, weshalb er der Vorinstanz auf deren spezifische Fragen zum in Italien registrierten Ge- burtsdatum diese angebliche Falschregistrierung verschwiegen hat. Ande- rerseits hat der Beschwerdeführer in der Stellungnahme zum Entscheid- entwurf nochmals eine neue, mithin dritte Version der Ereignisse bezüglich der Registrierung in Italien geliefert: Er habe tatsächlich ursprünglich an- gegeben, 18 Jahre alt zu sein, weil er gehört habe, dass Minderjährige in Italien eingesperrt würden. Er habe hingegen weiterreisen wollen und nie beabsichtigt, in Italien zu bleiben (SEM-Akte […]). Dies ist insofern überra- schend, als der Beschwerdeführer in Italien das Asylverfahren durchlaufen und in jenem Land geblieben ist, obwohl die angebliche Falschangabe zu seiner Volljährigkeit gerade nur dazu gedient habe , direkt weiterzureisen können. Davon abgesehen zeigt sich nach dem Gesagten , dass sich der Beschwerdeführer bereits in der Vergangenheit bei der Identitäts- bzw. Al- tersangabe von taktischen Überlegungen in Bezug auf sein Asylverfahren hat leiten lassen. Schliesslich ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer zu Beginn der Erstbefragung angegeben hatte, er habe sein Alter von sei- ner Mutter erfahren, als er «zwölf, dreizehn» geworden sei (SEM-Akte […]). Die Tatsache, dass er keine genaue Angabe zu seinem Alter im Zeitpunkt, in dem er sein Geburtsdatum erfahren haben soll, machen kann, stellt die E-2008/2023 Seite 11 Glaubhaftigkeit seiner späteren Aussagen zu seinem Alter beziehungs- weise Geburtsdatum von vornherein in Frage. 6.5 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nach dem Gesagten nicht gelungen, seine angebliche Minderjährigkeit glaubhaft zu machen , zumal in der Beschwerde lediglich pauschal ausgeführt wird, seine Aussa- gen seien nachvollziehbar, er sehe ausgesprochen jung aus und eine Min- derjährigkeit sei auch gemäss Altersgutachten nicht ausgeschlossen (Be- schwerde Pt. 3, S. 6). Auf übrige, in diesem Zusammenhang gestellte An- träge ist nicht weiter einzugehen. 7. 7.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der Re- gel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher aufgehalten hat. 7.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Festste llun- gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandels- assoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet. 7.3 Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest, dass es sich bei Italien als Mitglied der Europäischen Union (EU) um einen verfolgungssicheren Drittst aat im Sinne von Art. 6 a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Den vorinstanzlichen Akten ist sodann zu entnehmen, dass Italien die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers anerkannt hat, er über eine bis am 27. Dezember 2025 gültige Aufenthaltsbewilligung in Italien verfügt und die italienischen Behörden zudem seiner Rückübernahme aus- drücklich zugestimmt haben. Demnach sind die Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG erfüllt, weshalb das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht nicht ein- getreten ist. 8. Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). E-2008/2023 Seite 12 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4, 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz- lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Vorliegend ist der Wegweisungsvollzug in Bezug auf Italien zu prüfen. Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10. 10.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 10.2 Nachdem der Beschwerdeführer in Italien als Flüchtling anerkannt wurde, besteht kein Anlass zur Annahme, es drohe ih m eine Verletzung des in Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtling e (FK, SR 0.142.30) verankerten Grundsatzes der Nichtrückschiebung. Die italienischen Behörden hielten in ihrem Schreiben an die Vorinstanz vom 27. Januar 2023 ausdrücklich fest, der Beschwer- deführer sei Begünstigte r internationalen Schutzes . Die zuständige Be- hörde warte darauf, dass ihr das Datum der Überstellung bekanntgegeben werde (SEM-Akte […]). Italien ist sodann Signatarstaat der EMRK und des FoK; es gibt keine Anhaltspunkte, dass Italien seine aus diesen Konventio- nen entstehenden völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht einhalten würde. Namentlich ist festzuhalten, dass Italien auch an die Richtlinie 2011/95/EU (Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezem- ber 2011 über Normen für die Anerkennung von Drittstaatsangehörig en oder Staatenlosen als Personen mit Anspruch auf internationalen Schutz, für einen einheitlichen Status für Flüchtlinge oder für Personen mit Anrecht auf subsidiären Schutz und für den Inhalt des zu gewährenden Schutzes) E-2008/2023 Seite 13 gebunden ist. Im Kapitel VII werden die den Flüchtlingen und Personen mit subsidiärem Schutzstatus zu gewährenden Rechte geregelt. Es besteht kein "real risk" im Sinne einer konkreten Verweigerung von Italien, dem Beschwerdeführer die Minimalgarantien im Sinne der genannten EU-Richt- linie zu gewähren (vgl. auch BVGE 2019/17 E. 5.5). Daran ändert auch das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe in Italien zeitweise kein Ob- dach gehabt bzw. er sei trotz Krankheit auf die Strasse gestellt worden und auch die Behörden hätten ihm nicht geholfen (Beschwerde Pt. 3.2, S. 6 f.), nichts, zumal die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu Recht Wi- dersprüche in seinen diesbezüglichen Vorbringen festgestellt hat ( SEM- Akte […]). Aus diesem Einzelfall könnte jedenfalls auch bei Wahrunterstel- lung nicht geschlossen werden, dass Italien Flüchtlingen systematisch die ihnen gemäss obengenannter Richtlinie zustehenden minimalen Lebens- bedingungen vorenthalten würde. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte der Beschwerdeführer sich im Übrigen nötigenfalls an die italienischen Behörden wenden und die ihm zustehende Unterstüt- zung auf dem Rechtsweg einfordern. Zudem steht ihm die Möglichkeit of- fen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren. 10.3 10.3.1 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H. und Urteil des EGMR Paposhvili gegen Bel- gien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 10.3.2 Es ergibt sich aus den Akten, dass der Beschwerdeführer haupt- sächlich – nebst anderen punktuell behandelten Beschwerden wie Ohren- schmerzen oder Grippesymptomen – über Bauchschmerzen, namentlich am Abend und nach dem Essen, klagte und diesbezüglich angab, er sei in Italien operiert worden und habe vier bis sechs Monate im Spital verbracht, wobei er keine diesbezüglichen Unterlagen besässe beziehungsweise diese verloren habe (vgl. oben E. 5.4). 10.3.3 Die medizinischen Probleme des Beschwerdeführers sind nicht von einer derartigen Schwere, dass eine Überstellung nach Italien einen Verstoss gegen internationale Verpflichtungen der Schweiz bedeuten würde. Namentlich ergibt sich aus den Akten kein Hinweis au f eine drohende Verletzung von Art. 3 EMRK. Konkrete Anhaltspunkte für die Annahme, dass die Gesundheit des Beschwerdeführers bei einer Überstel- lung nach Italien ernsthaft gefährdet würde, liegen nicht vor. Italien E-2008/2023 Seite 14 verfügt grundsätzlich über eine ausreiche nde medizinische Infrastruktur (vgl. statt vieler Urteile des BVGer E-922/2023 vom 14. Februar 2023 E. 8.3; F-1584/2022 vom 12. April 2022 E. 6; F-1479/2021 vom 13. April 2021 E. 8.5). Dies zeigt – wie von der Vorinstanz zutreffend festgestellt – nicht zuletzt auch die medizinische Versorgung, die der Beschwerdeführer in der Vergangenheit in Italien erhalten hat. 10.4 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, ihm stünden als (poten- tielles) Folteropfer spezifische Rechte gemäss dem FoK zu, namentlich Zu- gang zu holistischen Rehabilitationsmassnahmen, handelt es sich bei Ita- lien – wie erwähnt – um einen Signatarstaat, sodass der Beschwerdeführer allfällige sich für ihn aus dieser Konvention ergebenden Ansprüche auch in jenem Staat besitzt und geltend machen kann. Daran ändert auch das Be- schwerdevorbringen, er habe seine Foltererlebnisse im Rahmen der Anhö- rung zu den Asylgründen in Italien vorgebracht, aber keine medizinische Versorgung erhalten und sei auf die Strasse gestellt worden, nichts, zumal es sich um eine unbelegte Parteibehauptung handelt, die im Übrigen der Aktenlage widerspricht (vgl. oben E. 10.2 f.). 10.5 Der Vollzug der Wegweisung nach Italien erweist sich somit als zuläs- sig. 11. 11.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 11.2 Die Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat ist grundsätzlich zu- mutbar (Art. 83 Abs. 5 AIG i.V.m. Anhang 2 zur Asylverordnung [AsylV1 ; SR 412.311]). Es obliegt der betroffenen Person, diese Legalvermutung gegebenenfalls mit substantiierten Gegenargumenten umzustossen. Dies gelingt dem Beschwerdeführer vorliegend nicht, wobei – zur Vermeidung von Wiederholungen – auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden kann, an deren Einschätzung auch die Rechtsmittelein- gabe nichts zu ändern vermag. 11.3 Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass das Bestehen von in der Schweiz möglicherweise besseren Lebensumständen für schutzberech- tigte Personen nicht für die Bejahung von Wegweisungsvollzugshindernis- sen ausreicht. Insbesondere steht es den um Schutz ersuchenden E-2008/2023 Seite 15 Personen nicht frei, ihren Aufenthaltsstaat selbst zu wählen, sondern be- stimmen sich die Zuständigkeiten für die Prüfung der Schutzberechtigung nach völkerrechtlichen Abkommen der europäischen und anderen assozi- ierten Staaten. Auch wenn eine adäquate Eingliederung des Beschwerde- führers in die sozialen Strukturen Italiens als anerkannter Flüchtling mit Er- schwernissen verbunden sein kann, die das Gericht nicht verkennt, vermö- gen seine Vorbringen die Anforderungen an eine kon krete Gefährdung nicht zu erfüllen. 11.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 12. Der Vollzug der Wegweisung des Besc hwerdeführers nach Italien ist schliesslich möglich, da keine Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83 Abs. 2 AIG) und es dem Beschwerdeführer obliegt, nötigenfalls bei der Be- schaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Zudem hat Italien der Rückübernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zugestimmt. Nachdem der Be- schwerdeführer über eine bis 27. Dezember 2025 gültige Aufenthaltsbewil- ligung in Italien verfügt, ist ihm eine Einreise nach Italien ausserdem grund- sätzlich jederzeit möglich. 13. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vor- läufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 14. Aus di esen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. E-2008/2023 Seite 16 15. 15.1 Mit dem vorliegenden Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. In der Beschwerde- schrift wurde zudem die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung verlangt. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die gestell- ten Begehren als zum vornherein aussichtslos zu erachten sind. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht gegeben, weshalb das entsprechende Gesuch abzulehnen ist. 15.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-2008/2023 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: David R. Wenger Giulia Marelli Versand: