Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. August 2021 (720 21 55 / 228) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber i.V. Benjamin Appius Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Markus Wick , Rechtsanwalt, Totentanz 5, 4051 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1964 geborene A.____ meldete sich am 11. Sept ember 2018 unter Hinweis auf eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Anteilen, Rücken- und Bauchbe- schwerden sowie eine Depression bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) untersuchte in der Folge den rechtser- heblichen Sachverhalt und holte beim Zentrum für Medi zinische Begutachtung (ZMB) Basel ein Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht polydisziplinäres Gutachten ein, welches am 27. Februar 2020 erging. Gestützt auf die Ergeb- nisse dieser Begutachtung lehnte sie das Leistungsgesuch v on A.____ mit Verfügung vom 8. Januar 2021 – nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren – bei einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 31 % ab. B. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Advo kat Dr. Markus Wick, am 9. Februar 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 8. Januar 2021 aufzuheben. Es sei ihr und ihren Kindern ab dem 1. März 2019 eine ganze Inva lidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zwecks Erlasses einer Verfügung gemäss Antrag, subeventualiter zwecks weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Bewilligung der unentgeltl ichen Prozessführung und unentgeltlichen Verbeiständung mit Advokat Dr. Markus Wick als Rechtsvertret er. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, das beim ZMB eingeholte Gutachten sei mangelhaft. Zudem sei vom Inva- lideneinkommen ein leidensbedingter Abzug von 25 % vorzunehmen. C. Mit Verfügung vom 22. April 2021 wurde der Beschw erdeführerin die unentgeltliche Pro- zessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Dr. Markus Wick als Rechtsver- treter bewilligt. D. Am 2. März 2021 liess sich die IV-Stelle vernehmen u nd beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 9. Februar 2021 ist einzutreten. 2. Streitig ist, ob die Beschwerdeführerin ab dem 1. M ärz 2019 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der ange- fochtenen Verfügung vom 8. Januar 2021 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs- gemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu min- destens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Be stimmung des Invaliditätsgrads das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; vgl. BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterla- gen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stel- len haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen d er versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach d em für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, un- abhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die ver- fügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die g eklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 f. E. 4.4 und 4.5). Gemäss diesen Richtli nien ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie n ach Einsicht in die Akten Bericht er- statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssige n Ergebnissen gelangen, bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nic ht konkrete Indizien gegen die Zu- verlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten und Ärztinnen darf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese im Hinblick au f ihre auftragsrechtliche Vertrauens- stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des bzw. der therapeu- tisch tätigen (Fach-)Arztes bzw. Ärztin einerseits und von Begutachtungsauftrag der amtlich be- stellten fachmedizinischen Experten und Expertinnen anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgut- achten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weite rer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurtei lung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen wichtige – und nicht rein subjektive r ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung un erkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 5.1 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sin ne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychi- sche Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi- tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurtei- lende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). 5.2 Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychisc hen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unte rziehen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in wel- chem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). 5.3 Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit be i den genannten Gesundheitsschäden be- achtlichen Standardindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert: Der erste Indika- toren-Komplex steht unter dem Titel “Gesundheitsschädig ung“. Darunter sind die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, der Gesichtspunkt Behandl ungs- und Eingliederungserfolg o- der -resistenz und die Komorbiditäten zu würdigen. Im zweiten, die “Persönlichkeit“ betreffenden Indikatoren-Komplex wird nach der Persönlichkeitsentwicklung und der -struktur gefragt, und es sind die persönlichen Ressourcen der versicherten Person zu eruieren. Im dritten Indikatoren- Komplex schliesslich ist unter dem Titel “sozialer Kontext“ eine Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds vorzunehmen. Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich die “Kon- sistenz“ zu prüfen. Darunter fallen verhaltensbezogene K ategorien wie die Indikatoren einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und eines behandlungs- und eingliederungsanamnestisch a usgewiesenen Leidensdrucks (vgl. BGE 141 V 281 E. 4). 5.4 Gemäss BGE 141 V 281 ergibt sich hinsichtlich der Be urteilung der Arbeitsfähigkeit, dass sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwen- dung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orientie- ren haben; die Gutachter im Idealfall gemäss der ents prechend formulierten Fragestellung (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbe- sondere daraufhin, ob die ärztliche Einschätzung der Arb eitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gesichtspunkte (insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberück- sichtigt, die vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich sind (vgl. BGE 140 V 193; 130 V 352 E. 2.2.5). Wo psychosoziale Einflüsse d as Bild prägen, ist bei der Annahme einer rentenbegründenden Invalidität Zurückhaltung geboten (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteile des Bundesgerichts vom 22. März 2018, 8C_582/2017, E. 5, vom 3. Februar 2016, 8C_746/2015, E. 2.2 und vom 19. Januar 2016, 9C_146/2015, E. 3.1). Es soll indes keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe de s strukturierten Beweisverfahrens stattfinden (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2.3), sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anh and der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen (vgl. BGE 141 V 281 E. 6; Urteile des Bundesgerichts vom 31. Oktober 2018, 8C_628/2018, E. 4.3 und vom 1. Dezember 2017, 8C_260/2017, E. 4.2.4). E ntscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, we lche im Rahmen des Sozialversiche- rungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Ar- beitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werd en, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein- schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zu Ungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 31. Oktober 2018, 8C_ 628/2018, E. 4.3; BGE 144 V 50 E. 4.3). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Un- tersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von A mtes wegen für die richtige und voll- ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsa- chen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil des B undesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschie- den werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 7.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahlr eiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folgenden sollen indessen lediglich diejenigen Berichte wiedergegeben werden, welche sich nach Auffassung des Gerichts für die Beurteilung der Angelegenheit als zentral erweisen. 7.2 Nach Eingang der IV-Anmeldung vom 11. September 2018 holte die IV-Stelle Berichte bei den behandelnden Ärzten ein. Pract. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, führte am 31. Dezember 2018 aus, die Versicherte sei ihm von der Klinik für Schmerztherapie des Kan- tonsspitals G.____ zur ambulanten Weiterbehandlung in deren albanischen Muttersprache zuge- wiesen worden. Das Kantonsspital G.____ habe eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht F32.1) diagnostiziert. Die Versicherte sei bewusstseinsklar und allseits orientiert, wobei sie Auf- merksamkeits- und Gedächtnisstörungen angegeben habe. Hin weise auf Wahn, Sinnestäu- schungen oder Ich-Störungen bestünden keine. Sie sei im Affekt bedrückt, traurig, klagend, im Antrieb gemindert und psychomotorisch innerlich unruhig. Es bestehe ein sozialer Rückzug, wo- bei eine akute Suizidalität glaubhaft verneint werde. Die Versicherte habe über Ein- und Durch- schlafstörungen berichtet. Sie sei vom 15. März 2018 bis 26. September 2018 bei ihm in Behand- lung gewesen. Damals sei eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vorgelegen, es könne jedoch keine Prognose zur aktuellen Arbeitsunfähigkeit angegeben werden. 7.3 Am 16. Mai 2019 diagnostizierte Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine seit 2018 bestehende Chronifizierung einer mittel- gradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.10), eine chron ische Schmerzstörung mit psychi- schen und somatischen Anteilen (ICD-10 F45.41) und eine psychosoziale Belastungssitua- tion (ICD-10 Z59.6). Die Versicherte sei bewusstseinsklar und allseits orientiert. Im Affekt wirke sie deprimiert und die Stimmung sei gedrückt. Es bestünde n Ängste vor der Zukunft, Lebens- überdrussgedanken bei anhaltenden chronischen Schmerzen. Zwänge, Wahn, Sinnestäuschun- gen oder Ich-Störungen seien nicht feststellbar. In den alltäglichen Aktivitäten sei sie einge- schränkt und im Haushalt auf die Hilfe von Ehemann und Kindern angewiesen. Anamnestisch seien latente Suizidgedanken vorhanden, aktuell aber keine Suizidalität zu eruieren. Prognostisch sei die Arbeitsfähigkeit äusserst ungünstig. Das jetzige ambulante Setting sollte unter antidepres- siver medikamentöser Therapie weitergeführt werden. 7.4 In der Folge holte die IV-Stelle zur Klärung des medizinischen Sachverhalts beim ZMB ein polydisziplinäres Gutachten ein, welches am 27. Februar 2020 erging. Darin wurde mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) bei einem chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndrom mit/bei symptomatischer Spinalkanalstenose mit Osteochondrose L4/5 mit ventraler Pseudolisthesis und Osteochondrose L5/S1 sowie eine Spondylodese L4/5, eine Infiltration Facettgelenke L5/S1 und Adipositas WHO Grad III festgestellt. Ohne Auswirkung au f die Arbeitsfähigkeit wurde u.a. eine psychosoziale Belastungssituation diagnostiziert. In orthopä discher Hinsicht bestehe eine Min- derbelastbarkeit des Achsenorganes. Die Versicherte solle keine repetitiven Lasten über 10 kg heben müssen und keine Tätigkeit in Zwangspositionen bzw. keine repetitiven Überkopfarbeiten verrichten. In internistischer Hinsicht könne sie aufgrund d er Adipositas III keine körperlich schwere Arbeit verrichten. Weder aus gynäkologischer noch au s urologischer Sicht seien Diag- nosen mit Relevanz auf die Arbeitsfähigkeit festzustellen. Im psychiatrischen Teilgutachten, das von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychothera- pie, erstattet wurde, berichtete die Versicherte, sie stehe zwischen 9:00 und 10:00 Uhr morgens auf und trinke dann Kaffee. Am Morgen würde sie sich schwach und kraftlos fühlen und könne bis zum Nachmittag wenig machen; sie bleibe meist liegen oder versuche Kleinigkeiten im Haus- halt zu erledigen. Sodann unterhalte sie sich mit ihre n Kindern oder gehe etwas hinaus. Am Abend sei sie mit ihrer Familie zusammen, schaue Fernsehen oder sie unterhalte sich. Sie nehme die Abendmedikation ein und schlafe ab 22:00 Uhr. Die Versicherte habe angegeben, ihr gehe es psychisch nicht gut. Sie werde grundlos nervös und beschimpfe dann ihre Familienmitglieder. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Den Haushalt würden diese bewältigen, während sie all enfalls etwas putze. Zudem sei sie ver- gesslich, suche beim Aufräumen nach bestimmten Dingen un d vergesse auch Termine. Weiter sorge sie sich, ob sie die Rechnungen noch bezahlen könne. Die früher verrichtete schwere Ar- beit habe ihre Gesundheit geschädigt, weshalb ihr nunmehr die ständigen Schmerzen das Arbei- ten verunmöglichen würden. Wenn sie wieder arbeiten w ürde, müsste sie Sozialhilfegelder zu- rückbezahlen; dies sei aber für sie unmöglich. Dr. D.____ führte aus, die Versicherte sei an einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren erkrankt. Die Diagnose einer depressiven Symptomatik sei entgegen den vorbehande lnden Personen nicht zu stellen, da die Versicherte keine Symptome gezeigt bzw. entsprechende vorgetragen habe, welche diese Diagnose nach ICD-10 rechtfertigen würden. Die Versicher te nehme ein Antidepressivum ein, sodass es möglich sei, dass sich der depressive Zustand verbe ssert habe. Sie habe über ein buntes Bild an Schmerzen in verschiedenen Körperregionen geklagt und sei auf das Schmerzer- leben eingeengt. Diese Symptomatik belaste sie körperlich und stehe im Vordergrund. So sei die Versicherte bei unterschiedlicher Fragestellung regelmässi g auf ihre Schmerzen zurückgekom- men. Es sei ihr wichtig gewesen, dass verstanden werde, sie habe starke Schmerzen und sei dadurch eingeschränkt. Als Konflikt im Hintergrund sei die soziale Belastung, insbesondere durch den Wegfall der finanziellen Grundlage, zu sehen. Die Versicherte stamme aus guten Verhältnis- sen und habe sich bisher nie derart finanziell einschränke n müssen. Sie habe berichtet, in der Kindheit reich gewesen zu sein und nie Armut erfahren zu haben. Auch in der Ehe habe sie nie arbeiten müssen, weil ihr Ehemann ausreichend verdient habe. Durch die Erkrankung des Ehe- manns habe sich die Situation verändert, indem die Ve rsicherte im ausserhäuslichen Bereich habe arbeiten müssen. Die psychiatrische Gutachterin führ te weiter aus, die Versicherte zeige eine passive Haltung und die Selbstheilungstendenz sei eingeschränkt. Sie habe sich gleichsam innerlich zur Ruhe gesetzt und werde in ihrer Passivität d urch die familiäre Unterstützung be- stärkt. Sie fordere sich nicht mehr, werde versorgt, was als Zuwendung erlebt werde. Dies wirke sich jedoch insgesamt ungünstig aus. Insgesamt bestehe inf olge der Schmerzen ein erhöhtes Pausenbedürfnis, weshalb eine wechselbelastende Tätigkeit anzustreben sei, welche den Fähig- keiten der Versicherten entspreche. Sie könne sich an Regeln und Routinen anpassen und auch Aufgaben strukturieren, jedoch sei sie in ihrer Flexibilität und Umstellungsfähigkeit eingeschränkt. Dabei sei sie primär auf ihre Schmerzen zentriert, wel che die Durchhaltefähigkeit beschränken würden. Die Versicherte könne sich aber selbst behaupten und ihren Wünschen Ausdruck verlei- hen. Sowohl die Kontaktfähigkeit als auch die Gruppenf ähigkeit seien ungestört. Sie sei fähig, sich selbst zu pflegen und Wege zurückzulegen, wobei sie sich von der Familie fahren lasse, anstatt sich aktiv selbst zu bemühen. Wenngleich bei der Versicherten keine Persönlichkeitsstö- rung diagnostiziert worden sei, zeige sich eine Persönlichkeitsakzentuierung im Sinne einer pas- siven Anspruchshaltung. Sie habe wenig Selbstheilungste ndenzen und einen hohen Wunsch nach Versorgung und finanzieller Absicherung. In der Be gutachtung sei die Versicherte affekt- stabil, insgesamt freundlich und mitteilungsbedürftig gewesen. Die Versicherte sei aus psychiat- rischer Sicht in einer angepassten Tätigkeit zu 70 % a rbeitsfähig. In der interdisziplinären Kon- sensbeurteilung wurde eine Restarbeitsfähigkeit von 70 % in einer angepassten Tätigkeit festge- stellt. 7.5 Mit Schreiben vom 1. April 2020 beantwortete das Z MB Rückfragen des RAD vom 6. März 2020 dahingehend, dass in der Begutachtung eine somatoforme Schmerzstörung, aber entgegen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht des behandelnden Arztes keine Depression feststellbar gewesen sei. Daher könne eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Befunde nach versicher ungsmedizinischen Gesichtspunkten nicht nachvollzogen werden. 7.6 Am 8. April 2020 nahm RAD-Arzt Dr. E.____, FMH A llgemeinmedizin, zum Gutachten der ZMB vom 27. Februar 2020 Stellung. Er führte aus, dass die Schlussfolgerung nachvollziehbar, medizinisch begründet und widerspruchsfrei sei. Zudem seien alle wesentlichen Standardindika- toren ausreichend erfasst und diskutiert worden. Die i m Gutachten festgestellte Arbeitsfähigkeit im Umfang von 70 % in einer Verweistätigkeit zumindest seit Anfang 2019 sei schlüssig. Sie könne für die Beurteilung des Rentenanspruchs übernommen werden. Weitere medizinischen Abklärungen seien nicht notwendig. 7.7 Im Rahmen des Vorbescheidsverfahrens führte Dr. C .____ am 20. Juli 2020 aus, die drei Grundsymptome einer Depression (Antriebsstörung, gedrückte Stimmung und Schlafstörungen), welche von Ängsten begleitet werden, seien bei der Versicherten vorhanden. Es sei erstaunlich, dass die Gutachterin diese Symptome überhaupt nicht berücksichtigt und gesehen habe. Es sei grobfahrlässig, dass die depressive Episode und die psychosozial e Belastungssituation, insbe- sondere die Hospitalisation, die Befunderhebung und d ie Diagnosen im gesamten Gutachten nicht erwähnt worden seien. Widersprüchlich sei, dass d ie Gutachterin die Weiterführung der Psychotherapie und die medikamentöse antidepressive Thera pie empfehle, obwohl keine De- pression festgestellt werde. In der zweistündigen Beguta chtung sei die Versicherte nur zur Schmerzsymptomatik befragt worden, während das psychische Be finden nicht erwähnt worden sei. Die Hintergründe der Schmerzen lägen aber in der Depression begründet. Weiter sei wider- sprüchlich, dass die Gutachterin eine Psychoedukation empfohlen habe, dann müsste keine Psy- chotherapie und keine antidepressive medikamentöse Behan dlung weitergeführt werden. Schliesslich hielt Dr. C.____ daran fest, dass die Versicherte aufgrund der mittelgradigen depres- siven Entwicklung und Störung, der Schmerzstörung, der C hronifizierung der Depression, der sozialen Isolation, der fehlenden Ressourcen, der Schmerzstörung und vielen anderen Faktoren zu 100 % arbeitsunfähig sei. 7.8 Am 18. Dezember 2020 bezog RAD-Arzt Dr. med. F.__ __, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, Stellung zu den Einwänden von C.____, mit welchen eine mittelgradige depressive Epi- sode mit einer 100 % Arbeitsunfähigkeit geltend gema cht werde. Diese Argumente seien nicht nachvollziehbar. So habe die Gutachterin die abzuklären den Punkte betreffend Antrieb, Stim- mungsschwankungen, Ängsten, soziale Isolation und latent e Suizidgedanken in Erfahrung ge- bracht. Im Anschluss habe die Gutachterin nachvollziehbar begründet, weshalb keine Depression diagnostiziert werden könne. Dazu würden die objektiven psychopathologischen Grundlagen feh- len, indem weder eine erhebliche Antriebsstörung noch eine Störung der Affektlage bzw. der Af- fektmodulation vorlägen. Zudem würden die im Arztbericht von Dr. C.____ vorhandenen invalidi- tätsfremden Faktoren nicht differenziert. Die Empfehlung, die Psychotherapie weiterzuführen, sei aufgrund der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren plausibel. Dadurch könne eine Schmerzdistanzierung bewirkt und der Gebrauch von Schmerzmitteln ver- mindert werden. Auch sei bei psychosozialen Belastungssituationen plausibel, eine ärztliche Un- terstützung vorzuschlagen. Die Hospitalisation im Kanto nsspital H.____ werde im Gutachten Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht samt sämtlichen Diagnosen erwähnt. Demnach seien die Einwände von Dr. C.____ nicht geeig- net, das polydisziplinäre Gutachten der ZMB vom 27. Febr uar 2020 grundlegend in Zweifel zu ziehen. 7.9 Am 6. Januar 2021 nahm RAD-Arzt Dr. E.____ ein weiteres Mal (vgl. vorstehend E. 7.7) Stellung zu den Einwänden der Versicherten vom 28. Mai 2020 zum ZMB-Gutachten vom 27. Februar 2020. Die Versicherte habe das Ergebnis der einzelnen somatischen Fachgutachten nicht nachvollziehbar bemängelt. In den somatischen Diszip linen sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, während in allen somatischen Disziplinen eine volle Arbeitsfähigkeit in angepassten Verweistätigkeiten ausgewiesen sei. Die Einwände der Versicherten könnten aus medizinischer Sicht nicht nachvollzogen werden. Das umfassende und neutrale polydisziplinäre ZMB-Gutachten vom 27. Februar 2020 habe den Sachverhalt vollum- fänglich erfasst und die Schlussfolgerungen seien aus m edizinischer Sicht nachvollziehbar und widerspruchsfrei. Am Ergebnis des Gutachtens und an der RAD-Beurteilung vom 8. April 2020 könne daher festgehalten werden. 8.1 Die IV-Stelle stützte ihre Verfügung vom 8. Janua r 2021 bei der Beurteilung des Gesund- heitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf das Gutachten des ZMB vom 27. Februar 2020. Sie ging davon aus, dass di e Beschwerdeführerin in einer ange- passten Verweistätigkeit im Umfang von 70 % arbeitsfähig sei. Die vorinstanzliche Beweiswürdi- gung ist trotz Kritik der Beschwerdeführerin (vgl. daz u die nachstehenden Erwägungen) im Er- gebnis nicht zu beanstanden. Wie oben (vgl. E. 4.3 hie rvor) dargelegt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche auf- grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nic ht konkrete Indizien gegen die Zu- verlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien li egen nicht vor. Das Gutachten des ZMB vom 27. Februar 2020 erfüllt sowohl in formeller Hinsi cht als auch inhaltlich die bundesgerichtli- chen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage. Die Gutach- ter hatten Kenntnis von sämtlichen medizinischen Vorakten, sie setzten sich in angemessener Weise mit den geäusserten Beschwerden auseinander und begründeten die Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer Weise. In inhaltlicher Hinsicht vermag sodann zu überzeugen, dass bei der Beschwerdeführerin aufgrund der chronischen Schmerzstörun g mit somatischen und psychi- schen Faktoren von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Verweistätig- keit von 30 % aufgrund eines erhöhten Pausenbedarfs auszu gehen ist. Insgesamt bestehen keine Anhaltspunkte, dass die Begutachtung mit Anamnesee rhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung als wichtigste Grundlage gutachtlicher Feststellungen und Schlussfolge- rungen nicht lege artis erfolgt wären (vgl. Urteil d es Bundesgerichts vom 4. August 2016, 9C_410/2016, E. 2.2.1 mit Hinweis, in: SVR 2016 IV Nr. 53 S. 178). 8.2 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin gegen die Schlussfolgerungen im Gutachten des ZMB vom 27. Februar 2020 überzeugen nicht, wie nachfolgend aufgezeigt wird. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2.1 Die Beschwerdeführerin rügt, dass das ZMB Gutacht en nicht den bundesgerichtlichen Vorgaben zum strukturierten Beweisverfahren mittels systematisierter Indikatoren genüge. Ihr ist zwar insofern zuzustimmen, dass im Gutachten die Prüfung der Standardindikatoren – nament- lich deren Erfassung und Diskussion – eher knapp ausgefallen, letztlich dennoch hinreichend ist. Zum Komplex "Gesundheitsschädigung", worunter die diagnoserelevanten Befunde (vgl. S. 61 f. psychiatrisches Gutachten), der Behandlungs- und Einglieder ungserfolg oder –resistenz (vgl. S. 64 und S. 66 psychiatrisches Gutachten) und die Komorbiditäten (vgl. S. 62 ff. psychiatrisches Gutachten) fallen, bezieht die psychiatrische Gutachterin umfassend Stellung. Ebenso findet sich eine Zusammenfassung der persönlichen, beruflichen und gesundheitlichen Entwicklung (vgl. 62 ff. psychiatrisches Gutachten). In Bezug auf die Komplexe "Persönlichkeit" und "sozialer Kon- text" ist dem Gutachten keine Persönlichkeitsstörung, aber eine Persönlichkeitsakzentuierung zu entnehmen. Die Beschwerdeführerin sei passiv, habe sich i nnerlich zur Ruhe gesetzt und die Selbstheilungstendenz sei eingeschränkt. Sie könne aber soziale Kontakte pflegen und sei in ihrer Familie sozial eingebettet, welche sie allseitig unterstütze und versorge, was als Zuwendung erlebt werde. Die Kontakt- und Gruppenfähigkeit seien ungestört. Ihre Aktivitäten beinhalten Putz- arbeiten, Spaziergänge, Unterhaltungen mit den Familienmitgliedern und Fernsehschauen. Dar- aus könne durchaus abgeleitet werden, dass die Beschwerd eführerin über Ressourcen verfügt, um in einer angepassten und körperlich leichten Tätigkeit 70 % arbeitsfähig zu sein. Im Komplex der Konsistenz hält das Gutachten fest, betreffend die Diagnose einer chronischen Schmerzstö- rung würden sich keine Diskrepanzen ergeben, während hinsi chtlich der Einschätzung, wonach eine depressive Symptomatik bestünde, keine entsprechend e Symptome gefunden worden seien. Demnach enthält das Gutachten die nötigen Anga ben für die Prüfung der Frage, ob sich ein invalidisierender Gesundheitszustand anhand der Sta ndardindikatoren verifizieren lässt. Es ist zu berücksichtigen, dass die Handhabung des Indikatoren katalogs jeweils einzellfallgerecht anzuwenden ist; es handelt sich damit nicht um eine "abhakbare Checkliste" (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.1.1; Urteil des Bundesgerichts vom 26. September 2011, 8C_420/2011, E. 2.4.2). 8.2.2 Weiter beanstandet die Beschwerdeführerin das psych iatrische Teilgutachten auch inhalt- lich, da gravierende Mängel vorliegen würden. Wenn sie die Ausführung im Gutachten vom 27. Februar 2020, womit die Durchführung einer Psychotherapie und die Einnahme antidepressiver Medikamente empfohlen, aber eine Depression verneint werde, als widersprüchlich rügt, kann ihr nicht gefolgt werden. Mit dem RAD-Arzt Dr. F.____, de r in seiner Stellungnahme vom 18. De- zember 2020 die psychiatrische Auffassung des ZMB-Gutachten s fachärztlich stützt, ist festzu- stellen, dass dadurch eine Schmerzdistanzierung bewirkt un d der Schmerzmittelgebrauch ver- mindert werden kann. Dies führt zu einer verbesserten Schmerzbewältigung und die Versicherte kann in der psychosozialen Belastungssituation ärztlich unterstützt werden. Mithin ist bei der The- rapieempfehlung kein Widerspruch zu erblicken. Soweit die Beschwerdeführerin kritisiert, es sei keine testpsychologische Untersuchung durchgeführt worden, ist daran zu erinnern, dass für die Qualität der klinischen Untersuchung die Kenntnis der Anamnese entscheidend ist. Wenngleich eine testpsychologische Untersuchung die klinische Erfassu ng der Explorandin ergänzen kann, muss diese nicht in jedem Fall stattfinden und steht im gutachterlichen Ermessen. Gleich verhält es sich auch in Bezug auf Rückfragen an den behandelnde n Arzt (vgl. Urteil des Bundegerichts vom 15. November 2012, 9C_671/20212, E. 4.5), zumal RAD-Arzt Dr. F.____ umfassend zu den Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einwänden des behandelnden Psychiaters Stellung bezog. Beides ist dem Beweiswert des ZMB- Gutachtens vom 27. Februar 2020 nicht abträglich. Auch w enn – wie die Beschwerdeführerin zutreffend rügt – im gutachterlichen Aktenauszug zum Aust rittbericht der Schmerzklinik I.____ vom 27. Februar 2018 die Diagnose der mittelschweren d epressiven Episode nicht erwähnt wurde, ändert dies am Beweiswert des Gutachtens nichts. 8.2.3 Ferner hält die Beschwerdeführerin daran fest, dass ihre Schmerzproblematik entgegen den Ausführungen im Gutachten der ZMB vor dem Hintergrund ihrer diagnostizierten Depression zu deuten sei. Die Tatsache, dass die psychiatrische Gutachte rin die erhobenen Befunde diag- nostisch anders einordnete als der behandelnde Arzt Dr. C.____ (vgl. Berichte vom 16. Mai 2019 und vom 20. Juli 2020), der eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) diagnostizierte, schmälert den Beweiswert des Gutachtens nicht. Dies umso weniger, als sich die Gutachterin mit der abweichenden Diagnose des behandelnden Psychiaters auseinandersetzte. Sie legte plausi- bel – wenn auch knapp – dar, weshalb die Kriterien f ür eine mittelgradige depressive Störung nicht erfüllt seien. Dies wurde unter Verweis auf die klinisch-diagnostischen Leitlinien der ICD-10 getan. Dazu kommt, dass die Versicherte in der Begutach tung sowohl beim freien Bericht als auch bei unterschiedlichen Fragestellungen regelmässig ih re Schmerzsymptomatik in den Vor- dergrund stellte, jedoch nicht über psychische Beschwerden berichtete. Auch ist zu berücksichti- gen, dass das Beschwerdebild massgeblich durch eine psychoso ziale Belastungssituation (Wunsch nach finanzieller Absicherung) mitbestimmt ist, die aber vom sozialversicherungsrecht- lichen Standpunkt aus unbeachtlich ist (vgl. BGE 130 V 3 52 E. 2.2.5 und BGE 143 V 409 E. 4.5.2). Weiter ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu t ragen, wonach behandelnde Ärzte mit- unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. E. 4. 4). Schliesslich kann eine Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet einer Gutachterperson prak- tisch immer einen Spielraum für verschiedene medizinische Interpretationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern sie – wie hier – lege arti s vorgegangen ist. Die Beschwerdeführerin legt nicht dar und es ist auch nicht ersichtlich, dass aus den Berichten von Dr. C.____ erhebliche Gesichtspunkte hervorgingen, die von der psychiatrischen Gut achterin nicht berücksichtigt wor- den wären oder deren Zumutbarkeitsbeurteilung als offe nsichtlich unzutreffend erscheinen lies- sen. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass letztlich nicht die Diagnosen, sondern die funktionellen Einschränkungen und die damit einher gehenden Auswirkungen auf das Leis- tungsvermögen der versicherten Person ausschlaggebend sind ( vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2009, 9C_617/2008, E. 4.5). 8.2.4 Somit steht insgesamt die gutachterliche Einschätzu ng mit den objektiven Umständen im Einklang und gibt – wie bereits erwähnt – ein schlüssige s Bild zum Gesundheitszustand und der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Die medizinischen Unterlagen und die Angaben der Beschwerdeführerin waren hinreichend präzise und kohä rent genug, um ein zuverlässiges Bild über ihren psychischen Gesundheitszustand machen zu können. Demnach liegt nichts Wesent- liches vor, was auf eine aktenwidrige oder unzutreffende Beurteilung von der Gutachterperson schliessen lassen würde oder Zweifel an ihrer Beurteilung zu begründen vermöchte, weshalb in Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 137 V 64 E. 5. 2; 136 I 229 E. 5.3) auf zusätzliche Ab- klärungen verzichtet werden kann. 8.3 Nach dem Gesagten ist im Ergebnis nicht zu beanstan den, dass die IV-Stelle gestützt auf das ZMB-Gutachten vom 27. Februar 2020 davon ausgegangen ist, dass der Beschwerdeführerin angepasste Tätigkeiten zu 70 % zumutbar sind. 9.1 In der angefochtenen Verfügung vom 8. Januar 202 0 führte die IV-Stelle den Einkom- mensvergleich gemäss Art. 16 ATSG durch. Dabei stützte sie sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen auf die Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016 des Bundesamtes für Statistik. Die Beschwerdeführerin bestreitet weder die Höhe des so ermittelten Valideneinkommens von Fr 55'445.-- noch des unter Berücksichtigung der attest ierten Restarbeitsfähigkeit von 70 % be- rechneten Invalideneinkommens von Fr. 38'359.-- (Fr. 5 4'799.-- x 0.7). Diesbezüglich kann auf die korrekten Ausführungen in der angefochtenen Verfügung vom 8. Januar 2021 verwiesen wer- den. Hingegen bringt die Beschwerdeführerin vor, dass die IV-Stelle auf das Invalideneinkommen einen leidensbedingten Abzug von 25 % hätte gewähren müssen. 9.2.1 Wird das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE ermittelt, sind praxisgemäss verschie- dene Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat da s damalige Eidgenössische Versiche- rungsgericht [EVG; heute: Schweizerisches Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterentwickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabell enlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles abhängt (leidens- bedingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welche nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Da- bei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (vgl. BGE 126 V 75 E. 5b). 9.2.2 Vorliegend hat die IV-Stelle in der angefocht enen Verfügung keinen Abzug vom Tabellen- lohn gewährt, was in Würdigung der gegebenen Umstände sowie unter Berücksichtigung aller in Betracht fallenden Merkmale entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht zu be- anstandet ist. Insbesondere verkennt die Beschwerdeführ erin, dass gesundheitliche Einschrän- kungen, welche bereits im medizinischen Zumutbarkeitsprofi l berücksichtigt wurden, nicht ein weiteres Mal über die Anwendung eines leidensbedingten Abzugs beachtet werden können (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. November 2008, 9C_36 2/2008, E. 3.2.4). Der Beschwerde- führerin ist es insgesamt noch möglich, eine adaptierte Verweistätigkeit im Umfang von 70 % zu verrichten. Damit wurden ihre Beschwerden bereits in der attestierten Arbeitsfähigkeit und dem Anforderungsniveau 1 der LSE beachtet. Weiter rechtfer tigen auch die Kriterien Lebensalter, Dienstjahre und Nationalität/Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad keinen Abzug vom Tabellenlohn. 9.3 Aus der Gegenüberstellung des massgebenden Validenei nkommens von Fr. 55'445.-- und dem Invalideneinkommen von Fr. 38'359.-- ergibt sich eine Erwerbseinbusse von Fr. 17'086.- - und damit ein Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich von 31 %. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.4 Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle in der angefochte- nen Verfügung vom 8. Januar 2021 einen Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente ab dem 1. März 2019 abgelehnt hat. Die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Vorliegend unterliegt die Beschw erdeführerin, weshalb die Verfah- renskosten ihr zu auferlegen sind. Da der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 22. April 2021 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden ist, werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 10.2 Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zugesprochen. Da der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 22. Apri l 2021 auch die unentgeltliche Verbei- ständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wurde, i st dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Hono- rarnote vom 28. April 2021 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 11.38 Stunden geltend gemacht, was in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.--. Hinzu kom- men Auslagen im Betrag von insgesamt Fr. 140.40. Dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist demnach ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'602.45 (11.38 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 140.40.-- und Mehrwertsteuer von 7.7 %) aus der Gerichtskasse auszurichten. 10.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- werden der Beschwerde- führerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskosten genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2'602.45 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht