Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. Juni 2021 (720 20 451 / 161) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Elisabeth Maier, Advoka- tin, Hauptstrasse 104, Postfach, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1977 geborene A.____, angelernter Plattenle ger, war vom 2. April 1997 bis 28. Februar 2001 bei der B.____AG als Betriebsmitarb eiter tätig. Am 22. Juni 2000 verletzte er sich an der rechten Schulter. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Lei stungen für die Folgen dieses Ereignis- ses. Am 10. August 2001 meldete sich A.____ unter Hinwe is auf Schulterbeschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbez ug an. Nachdem die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) die Verhältnisse abgeklärt hatte, eröffnete sie ihm mit Verfügung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 5. Dezember 2002, dass er vom 1. Juni 2001 befristet bis 31. Oktober 2001 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. A.2 Vom 10. Juni 2002 bis 30. September 2010 war A._ ___ bei der C.____AG als Mitarbei- ter der Café Bar angestellt. Am 25. April 2006 reichte er unter Hinweis auf zwei Schulteroperati- onen bei der IV-Stelle ein weiteres Leistungsgesuch ein, worauf ihm diese vom 1. Oktober 2007 bis 30. April 2008 eine halbe Invalidenrente und vom 1. Mai 2008 bis 31. Juli 2008 eine Viertels- rente zusprach (Verfügung vom 8. Mai 2009). A.3 Am 7. April 2010 reichte A.____ unter Hinweis au f Schulter- und Ellbogenbeschwerden ein drittes Mal bei der IV ein Leistungsbegehren ein. Diese sprach ihm mit Verfügung vom 10. September 2013 gestützt auf das von ihr veranlasste p olydisziplinäre Gutachten der Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) vom 6. Septembe r 2012 vom 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2012 eine befristete ganze Invalidenrente zu. Die dagegen erhobene Beschwer- de mit dem Antrag auf Zusprechung einer unbefristeten ganzen Invalidenrente wies das Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherun gsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 10. April 2014 (KGSV 720 13 296 / 92) ab. Auf di e hiergegen erhobene Beschwerde des Versicherten trat das Bundesgericht nicht ein (vgl. Urt eil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2014, 8C_655/2014). A.4 Am 26. Dezember 2014 meldete sich A.____ unter Hi nweis auf eine Rückenoperation im Jahr 2010 und ein Rezidiv im Jahr 2013 sowie zwei Trepp enstürze in den Jahren 2009 und 2013 ein viertes Mal bei der IV zum Leistungsbezug an. N ach Abklärung der rechtserheblichen Verhältnisse, namentlich nach Einholung eines bidiszipli nären Gutachtens bei Dr. med. D.____FMH Rheumatologie und Allgemeine Inn ere Medizin, und Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3./4. September 2018 sowie weiterer medizinischer Unterlagen ermittelte IV-Stelle beim Versicherten ab 12. Januar 2011 einen Invaliditätsgrad von 34 %, ab 1. Dezember 2015 einen solchen von 20 %, ab 6. September 2016 einen solchen von 100 % und ab 15. Januar 2017 einen solchen von 20 %. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach sie ihm vom 1. September 2016 bis 30. April 2017 ein e befristete ganze Invalidenrente zu (Ver- fügung vom 23. Oktober 2020). B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durc h Advokatin Elisabeth Maier, am 24. November 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht. Er beantragte, in Gutheissung der Be- schwerde sei die Verfügung der IV-Stelle vom 23. Oktobe r 2020 aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventualiter s ei die Angelegenheit für weitere Ab- klärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/e-Kost enfolge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass der angefochtene Entscheid auf un zureichenden medizinischen Un- terlagen beruhe und die Bemessung der Invalidität fehlerhaft sei. C. Am 16. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführe r je einen Bericht von Prof. Dr. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Tra umatologie des Bewegungsapparates, Spital I.____, vom 1. Dezember 2020, von Dr. med. G. ____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, und von Dr. med . H.____, FMH Orthopädische Chi- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht rurgie und Wirbelsäulenchirurgie, Spital I.____, vom 30. November 2020 sowie einen Verlaufs- bericht der Komplementärtherapeutin J.____ vom 4. Dezember 2020 zu den Akten. D. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Dezember 2020 schloss d ie IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführun gen zwei Stellungnahmen von Dr. med. K.____, Fachärztin für Physikalische und Rehabil itative Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 7. und 18. Dezember 2020 bei. E. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 1 6. März 2021 [inkl. Berichte der L.____ vom 19. Januar 2021 und 5. Februar 2021] / Dup lik vom 26. März 2021 [inkl. RAD- Bericht vom 22. März 2021]) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. F. Mit Instruktionsverfügung vom 30. März 2021 wurde die Angelegenheit der Dreierkam- mer zur Beurteilung überwiesen. G. Am 29. April 2021 reichte der Beschwerdeführer ein en Bericht von Dr. med. M.____, FMH Chirurgie, vom 23. April 2021 zu den Akten. Die Be schwerdegegnerin verzichtete am 21. Mai 2021 auf eine Stellungnahme. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel -Landschaft, so dass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist . Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 24. November 2020 ist demnach einzutreten. 2. Streitig ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführer s. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfü gung vom 23. Oktober 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten od er verbessern können (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchsch nittlich mindestens 40 % ar- beitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Al lgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindes- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tens 40 % invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelrente und bei einem Invalidi- tätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Unte rvarianten des Schätzungs- oder Pro- zentvergleichs (vgl. BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausse rordentlichen Methode (vgl. BGE 128 V 29). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG ). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicher ungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen un d danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung d es streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial z u würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere m edizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). Gemäss diesen Richt linien ist den im Rahmen des Ver- waltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezi alärztinnen und -ärzte, welche auf- grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sow ie nach Einsicht in die Akten Be- richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinwei- sen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten und Ärztinnen darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese im Hi nblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des bzw. der therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes bzw. Ärztin einerseits und von Begutachtungsauf- trag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten u nd Expertinnen anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2 001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu st ellen und zum Anlass weiterer Abklä- rungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte bzw. Ärzt innen zu anderslautenden Ein- schätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in de nen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benenn en, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Berichte wiedergegeben werden, welche für den Entscheid zentral sind. 6.2 Die IV-Stelle stützte sich in der Verfügung vom 10 . September 2013 bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf das Gutachten der asim vom 6. September 2012 und deren ergänzenden Stellungnahme vom 29. November 201 2 ab, wonach ihm die Tätigkeit als Plattenleger und vergleichbare wirbelsäulen-, kniegelen k- sowie schulterbelastende Tätigkeiten nicht mehr zumutbar seien. Auch für die letzte Tätig keit an der Bar seien die Anforderungen bezüglich Heben und Tragen von Gewichten zu hoch. Körp erlich leichte bis höchstens gele- gentlich mittelschwere Tätigkeiten seien dagegen zumutb ar, sofern diese nicht regelmässige über Kopf Arbeiten und repetitives Heben, Stossen ode r Ziehen von Lasten von mehr als 10 kg beinhalteten sowie nicht überwiegend kniende oder kaue rnde Arbeiten bzw. ausschliessliches Gehen oder Stehen bedingten. Für solche Tätigkeiten liege die Arbeitsfähigkeit bei 70 %. 6.3 Im Rahmen der vierten Anmeldung zum Leistungsbezug am 26. Dezember 2014 veran- lasste die IV-Stelle bei den Dres. D.____ und E.____ ein bidisziplinäres Gutachten, welches am 3./4. September 2018 erstattet wurde. Darin wurden m it Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine fortgeschrittene Omarthrose rechts und ein chronisc hes Lumbovertebralsyndrom mit/bei Status nach Fenestration L5/S1 links, Diskektomie, Rezessokt omie bei lumboradikulärem Reiz- und sensiblem Ausfallsyndrom L5, eventuell S1 links bei D iskushernie L5/S1 links am 4. No- vember 2020, kleiner Diskushernie links mediolateral lokali sierter Restprolaps auf Höhe L5/S1 mit möglichem Kontakt zur linken S5-Wurzel, rechtsbetonte Protrusionen L3/4 und L4/5, narbige Veränderungen um die abgrenzbare nicht komprimierte S1-Wurzel links, Protrusion L3/4 rechts und rechtsseitiger Diskushernie L4/5 linksseitiger vorbeste hender Protrusion L5/S1 und aktuell spondylogener Ausstrahlung beidseits ohne Hinweise auf eine radikuläre Reizsituation diagnos- tiziert. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünd en eine beginnende Gonarthrose links, Schulterschmerzen links, eine Adipositas Grad II, ein Stat us nach halboffener Carpaldachspal- tung links bei Carpal-Tunnel-Syndrom (CTS) links am 5. Februar 2016, ein leichtes CTS rechts ohne dringende Operationsindikation, Knick-Senk-Spreiz füsse mit beginnendem Hallux rigidus beidseits, eine Nephrolithiasis, ein hypogonadotroper Hypogonadismus, eine Psoriasis vulgaris, eine Osteoporose, eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD- 10 F54) und eine Dysthymie (ICD- 10 F34.1). Der Versicherte sei mehrfach an der rechten Schulter operiert worden. Heute be- stünde eine fortgeschrittene Omarthrose rechts, welche ei n erheblich eingeschränktes Belas- tungsprofil zur Folge habe. Des Weiteren sei eine lu mbale Diskopathie festzustellen, wobei ak- tuell der Befund einer lumbospondylogenen Symptomatik b eidseits, links mehr als rechts erho- ben werden könne. Eine eindeutig radikuläre Symptomat ik sei aber nicht ersichtlich. In Bezug auf das linke Kniegelenk seien die früher angegebenen Beschwerden nicht mehr vorhanden. Zweifelsohne bestünde ein erheblicher organischer Befun d im Bereich der rechten Schulter. Dieser würde die Schmerzsymptomatik erklären. Weiter klage der Versicherte über Beschwer- den im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS), der Bein e und der Füsse. Für die Rückenbe- schwerden finde sich ein gewisses, für die Fussbeschwerden hingegen relativ wenig Korrelat. Auffallend seien diverse massive Diskrepanzen anlässlich der Untersuchung. In psychiatrischer Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinsicht müsse von einer psychischen Überlagerung ausgegan gen werden. Der Versicherte klage zwar über allerlei Schmerzen, berichte aber kaum über Einschränkungen im Alltag. Er hinterlasse keinen leidenden Eindruck. Die Diagnose einer Schmerzstörung könne nicht gestellt werden. Es bestünde aber eine Schmerzverarbeitungsstörung . Der Versicherte leide unter be- lastenden wirtschaftlichen Verhältnissen und einer angespannten familiären Situation. Dies füh- re gelegentlich zu leichten depressiven Verstimmungen im Rahmen einer Dysthymie. Dem Ver- sicherten seien dauernd schwere oder mittelschwere Tätig keiten nicht mehr zumutbar. Wegen der Rückenbeschwerden würden nur noch leichte Arbeiten in Frage kommen. Zudem könne er nicht andauernd sitzen, stehen, repetitiv vornübergebeugt arbeiten, sich bücken oder Überkopf- Arbeiten ausführen. Die Arbeit müsse rückenschonend sei n. Wegen der beeinträchtigten rech- ten Schulter könne der Versicherte mit dem rechten Arm keine Lasten über 5 kg heben, stossen oder ziehen und es seien ihm lediglich Tätigkeiten unte r Schulterhöhe möglich. Für angepasste Verweistätigkeiten bestünde in somatischer Hinsicht wegen des zusätzlichen Pausenbedarfs im Umfang von 20 % eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. In Bezu g auf den zeitlichen Verlauf führte Dr. D.____ aus, gemäss dem Gutachten der asim vom 6. Sept ember 2012 sei der Versicherte seit April 2011 zu 70 % arbeitsfähig. Seine Beurteilu ng der Arbeitsfähigkeit gelte seit der Diag- nose der Sekundär-Omarthrose Ende Dezember 2015. Diese r Zeitpunkt müsse "arbiträr" fest- gelegt werden, da die Entwicklung einer Arthrose ein kontinuierlicher Vorgang sei. Nach den Schulteroperationen habe jeweils während drei bis vier Monaten eine Arbeitsunfähigkeit be- standen. Wegen fehlender präziser Atteste der behandeln den Ärzte könne dieser Zeitraum nicht genauer festgelegt werden. Nach der CTS-Operatio n am 5. Februar 2016 habe eine sechswöchige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Aus psychiatrische r Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt. 6.4 Am 25. September 2018 erlitt der Versicherte eine n Verkehrsunfall. Im Austrittsbericht der interdisziplinären Notfallstation des Kantonsspital s N.____ vom 26. September 2018 wurde eine Kontusion der linken Schulter, des linken Knies un d der LWS diagnostiziert. Die Bildge- bung habe keine Traumafolgen gezeigt. 6.5 Am 2. November 2018 diagnostizierte Dr. med. O.___ _, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Spital I.___ _, einen Status nach Verkehrsunfall mit Kniedistorsion links sowie Schulter- und LWS-Kontusion . Im MRT würden sich intakte Me- nisken tibiofemoral mit guter Artikulation zeigen. Es bestünden Knorpelschäden retropartellär sowie an der lateralen trochleären Grube. Die Kreuzb änder seien intakt. Physiotherapie sei zu empfehlen. Die Behandlung werde abgeschlossen. 6.6 Am 27. November 2018 berichtete PD Dr. med. P.__ __, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, über die Sprechstunde vom 13. November 2018. Der Versicherte weise seit dem Unfall vom 25. September 2018 eine exazerbierte Lumboischi- algie rechts und eine Schmerzverstärkung der vorbekannten L umboischialgie links auf. Bildpa- thomorphologisch imponiere eine frische Diskushernie, vo r allem bei L3/4 rechts und eine Grössenprogredienz einer Hernie bei L4/5 rechts. Das Gan gbild des Versicherten sei eigentlich zügig und hinkfrei, peripher orientierend ohne neuro logische Defizite. Bis auf die vorbekannte Fussheber- und Fusssenkerschwäche auf der linken Seite best ünden auch keine sensomotori- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen Defizite. Sensorisch seien ebenfalls keine neuen Def izite vorhanden. Die lumbale Schmerzhaftigkeit sei relativ unverändert zu den Vorb efunden, wobei insgesamt der Rücken- und der Beinschmerz links etwas an Intensität zugenommen hätten. Zum aktuellen Zeitpunkt seien physiotherapeutische Massnahmen angezeigt. Eine Ve rlaufskontrolle sei nicht vorgese- hen. 6.7 Am 2. September 2019 hielt Dr. K.____ fest, das s der Unfall vom 25. September 2018 zu einer vorübergehenden Schmerzexazerbation der bekannten und bereits gutachterlich abge- klärten Beschwerden am Bewegungsapparat geführt habe. Objektivierbare strukturelle Trauma- folgen bzw. eine richtungsgebende Veränderung des Gesu ndheitszustands bestünde nicht. Vom 25. September 2018 bis 13. November 2018 sei aufg rund der medizinischen Abklärun- gen/Akutbehandlungen eine vorübergehende vollständige Arbeitsunfähigkeit nachvollziehbar. Danach gelte wieder die Zumutbarkeitsbeurteilung im G utachten der Dres. D.____ und E.____ vom 3./4. September 2018. 6.8 Am 21. Oktober 2019 diagnostizierte Prof. Dr. F._ ___ an der rechten Schulter eine post- traumatische und postinfektiöse Omarthrose und an der li nken Schulter eine Bankartläsion des anterior-inferioren Labrums sowie eine Hill-Sachs-Läsio n. Bildgebend zeige sich eine deutlich destruierte Omarthrose, welche die passive Bewegungseinschränkung und Schmerzsymptoma- tik erkläre. Die Implantation einer Schulterprothese kö nnte die Beweglichkeit und die Schmerzsymptomatik verbessern. Eine körperlich belastende Tä tigkeit wäre damit aber weiter- hin unzumutbar. Die Belastbarkeit der rechten Schulter werde von der IV überschätzt. Dem Versicherten seien keine Überkopftätigkeiten sowie kein Heben selbst von leichten Lasten mög- lich. Zudem sei ein repetitives Arbeiten unter der Körperhorizontalen deutlich eingeschränkt. 6.9 Am 28. Mai 2020 wurde im Spital I.____, Abteilu ng Radiologie und Nuklearmedizin, ein MRI der LWS durchgeführt. Im Bericht vom 29. Mai 2020 wurde eine mittelgradige neurofora- minale Enge L5/S1 links bei Status nach Diskektomie festgestellt. 6.10 Am 21. Juni 2020 berichtete PD Dr. P.____ dass ei ne relevante S1-Problematik als Schmerzursache ausgeschlossen werden könne. Das geklagte lum boischialgieforme Problem links sei am ehesten als pseudoradikulär zu werden und so mit interventionellen Massnahmen nicht zugänglich. Die multisegmentalen degenerativen L WS-Veränderungen würden die ent- sprechenden Beschwerden erklären und könnten allenfalls mittels konsequenter Umsetzung eines multimodalen interdisziplinären Konzepts verbessert werden. Dazu sei der Versicherte aber nicht bereit. Die Behandlung werde abgeschossen. 6.11 Am 27. Juli 2020 nahm Dr. K.____ Stellung. Sie hielt fest, dass sich seitens der bekann- ten Omarthrose und der LWS keine neuen objektiven Aspe kte ergeben würden. Die einge- schränkte Schulterbelastbarkeit rechts sei im Gutachten vo n Dr. D.____ bereits berücksichtigt. Dennoch könne die Beurteilung von Prof. Dr. F.____ ü bernommen werden, wonach der Versi- cherte mit dem rechten Arm keine Lasten bewegen und auch unter der Horizontalen keine repe- titiven Arbeiten durchführen könne. Insgesamt habe sich der Gesundheitszustand seit dem Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vom 3./4. Septe mber 2018 nicht richtungsweisend verändert. 6.12 Am 30. November 2020 stellten die Dres. G.____ u nd H.____ ein chronisches Lumbal- giesyndrom mit am ehesten gelegentlicher pseudoradikulärer Ausstrahlung links fest. Das MRT der LWS vom 23. September 2020 zeige eine Osteochondr ose L3/4, L4/5 und L5/S1. Im Be- reich der Operation L4/5 zeige sich ein völlig freier Re zessus für die Wurzel S1. Weiter bestün- de eine relative Foraminalstenose L5/S1 links, wobei di e L5-Wurzel nur sehr diskret eingeengt sei, und eine Diskushernie L4/5 auf der rechten Seite. Es bestünde ein schwer chronifiziertes Lumboischialgiesyndrom. Von weiteren Infiltrationen od er einem erneuten operativen Eingriff sei keine Besserung zu erwarten. Es liege ein komplexe s Schmerzsyndrom vor mit Verdacht auf einen Medikamentenüberkonsum und eine nicht-somatische Komponente. Die Prognose sei sehr ungünstig. Zu empfehlen sei eine nochmalige daue rhafte Anbindung des Versicherten an eine Schmerzklinik für eine multimodulare, intensive und allenfalls stationäre Schmerztherapie. 6.13 Im Bericht vom 1. Dezember 2020 hielt Prof. Dr. F.____ fest, dass sich eine weiter fort- schreitende, zunehmende und destruierende Omarthrose n un mit Verdacht auf eine Impressi- onsfraktur im Bereich des Glenoids zeige. Es würden weit ere Abklärungen durchgeführt. Eine allfällige Prothesenversorgung der rechten Schulter wü rde aber an der eingeschränkten Hebe- fähigkeit des Versicherten nichts ändern. 6.14 Am 4. Dezember 2020 berichtete die Komplementärt herapeutin J.____, dass sie den Versicherten seit März 2011 behandle. Die jahrelange F ehlhaltung hätte vermehrt zu Mus- kelathropien im Lumbalbereich und zu Schmerzausstrahlunge n oberhalb des rechten Schulter- gürtels geführt. Die zusätzlich rezidivierende Schulterluxation habe eine weitere massive Bewe- gungseinschränkung gebracht und die Belastungen und An strengungen des Schultergürtels und des Rückens zu einer erheblichen Verschlechterung des Gesundheitszustands geführt. 6.15 Am 18. Dezember 2020 nahm Dr. K.____ Stellung, wobei sie festhielt, dass sich weder seitens der LWS noch seitens der bekannten Omarthrose rechts neue Aspekte hinsichtlich der Zumutbarkeit ergeben würden. Beide Problembereiche würden bereits seit vielen Jahren beste- hen und seien gutachterlich abgeklärt. Die chronische deg enerative Problematik an der rechten Schulter und an der LWS sei auch nach der Begutachtung hinlänglich dokumentiert. Sie hätte sich seit dem Gutachten von Dr. D.____ nicht richtungsgebend verändert. 6.16 Im Bericht der Klinik L.____ vom 19. Januar 2021 wurden ein chronisches generalisier- tes Schmerzsyndrom, eine Retropatellarthrose rechts, eine posttraumatische und postinfektiöse Omarthrose an der rechten Schulter, eine Bankartläsion des anterior-inforioren Labrums sowie eine Hill-Sachs-Läsion an der linken Schulter, ein chroni sches lumbospondylogenes, differenzi- aldiagnostisch ein lumboradikuläres Schmerzsyndrom linksbe tont, eine Psoriasis, ein Status nach Leistenhernienoperation und nach Nephrolithiasis rechts, eine erektile Dysfunktion und eine Depression diagnostiziert. Sonographisch ergebe sich der Verdacht auf eine Kristallarthro- pathie bei Kristallablagerung im linken AC-Gelenk. Zusä tzlich zeige sich dort das Bild einer leichten Bursitis subacrominalis und eine Tendinitis der langen Bizepssehne. Eine Läsion des Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Labrums und eine partielle Ruptur des Muskels supraspina tus könnten nicht ausgeschlossen werden. Im rechten Kniegelenk zeige sich das Bild einer medialen und retropatellaren Gonarth- rose mit Flüssigkeitskollektion im Recessus präpartellaris rechts. Insgesamt bestünde ein kom- plexes chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom. Eine multim odulare Behandlung sei indi- ziert. Eine solche werde vom Versicherten aber derzeit nicht gewünscht. 6.17 Im Bericht der Klinik L.____ vom 5. Februar 2021 wurde festgehalten, dass eine Infiltra- tion der Facettengelenke L5/S1 beidseits und L4/5 angezeigt sei. Der Versicherte sei damit ein- verstanden. 6.18 Am 22. März 2021 nahm Dr. K.____ Stellung, wobe i sie festhielt, dass sich im Vergleich zum Gutachten von Dr. D.____ keine neuen Aspekte zeigen würden. Die degenerativen Verän- derungen am Bewegungsapparat, insbesondere der LWS, de r Schultern und Knie seien hin- länglich bekannt und gutachterlich abgeklärt. Die spondyl ogene d.h. pseudoradikuläre Aus- strahlung seitens der bekannten präsakralen Facettenarthrosen seien bereits im Gutachten von Dr. D.____ dokumentiert. Es sei zweifelhaft, ob die v orgesehene Facettengelenksinfiltration eine nachhaltige Beschwerdebesserung bewirke. Auf die Ar beitsfähigkeit werde diese Behand- lung keinen Einfluss haben. Eine Kristallarthropathie sei medikamentös gut behandelbar. 6.19 Am 23. April 2021 diagnostizierte Dr. M.____ an der rechten Schulter eine schwere Omathrose Grad IV und eine Humeruskopfnekrose. An der linken Schulter bestünde eine Bankartläsion mit Labrumriss und am rechten Knie eine G onarthrose Grad IV. Der Knorpel des rechten Schultergelenks sei nahezu aufgebraucht. Im Bere ich der linken Schulter zeige sich eine Kapselinstabilität im ventralen Bereich. Hier seien die Beschwerden eher kompensatorisch bis gering. Sollten sie zunehmen, sei eine Schulterar throskopie links mit Bankart-Repair und eine Dekompensationsoperation angezeigt. Aufgrund der a usgedehnten Arthrose im rechten Kniegelenk sei zur endgültigen Sanierung eine Knieto talprothese zu empfehlen. Wegen der massiven Funktionseinschränkung der rechten Schulter und d er Mobilitätseinschränkung sei der Versicherte derzeit vollständig arbeitsunfähig. 7.1 Wie oben (vgl. E. 4.4 hiervor) dargelegt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Das Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vom 3./4. September 2018 erfüllt sowohl in f ormeller Hinsicht als auch inhaltlich die bundesgerichtlichen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrund- lage. Die Gutachter hatten Kenntnis von sämtlichen re levanten medizinischen Vorakten, sie setzten sich in angemessener Weise mit den geäusserten Besch werden auseinander und be- gründeten die Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer Weise. In inhaltlicher Hinsicht vermag sodann zu überzeugen, dass der Beschwerdeführer aufgrun d der erheblichen Befunde in der rechten Schulter und der Beschwerden im Bereich der LW S nur noch angepasste Verweistätig- keiten im Umfang von 80 % zumutbar sind. Auch die psych iatrische Beurteilung ist nachvoll- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ziehbar. Es wird deutlich, dass die Schmerzverarbeitungsstö rung und die Dysthymie die Leis- tungsfähigkeit des Versicherten nicht beeinträchtigen. Insgesamt bestehen keine Anhaltspunk- te, dass die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhal- tensbeobachtung als wichtigste Grundlage gutachtlicher Feststellungen und Schlussfolgerun- gen nicht lege artis erfolgt wäre (vgl. Urteil des Bun desgerichts vom 4. August 2016, 9C_410/2016, E. 2.2.1 mit Hinweis, in: SVR 2016 IV N r. 53 S. 178). Die entsprechenden, vor- stehend (vgl. E. 6.3 hiervor) wiedergegebenen Darlegu ngen der Gutachter vermögen zu über- zeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. 7.2.1 Was in der Beschwerde dagegen vorgebracht wird , verfängt nicht. Der Beschwerdefüh- rer beanstandet, dass die somatische Abklärung nicht von ei nem Facharzt für Orthopädie, son- dern von einem solchen für Rheumatologie vorgenommen worden sei. Zwar trifft es zu, dass es zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprü che verlässlicher medizinischer Entscheidungsgrundlagen bedarf (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1) und der Beweiswert einer spezi- alärztlichen Expertise u.a. davon abhängt, ob die beguta chtende Person über die entsprechen- de Fachausbildung verfügt. Für die Eignung einer Ärzti n oder eines Arztes als Gutachterperson in einer bestimmten medizinischen Disziplin ist daher ein entsprechender, dem Nachweis der erforderlichen Fachkenntnisse dienender spezialärztliche r Titel der berichtenden oder zumin- dest der den Bericht visierenden Arztperson erforderlich (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Januar 2011, 9C_547/2010, E. 2.2). Die Tatsache, dass das somatische Teilgutachten nicht von einem Orthopäden, sondern von einem Facharzt für Rhe umatologie erstellt wurde, vermag dessen Beweiswert indes nicht in Frage zu stellen. Auf entsprechende Frage der Rechtsvertre- terin stellte Dr. D.____ klar, dass sich der Rheumatolog ie mit allen Problemen des Bewegungs- apparats befasse und sich zudem in den konservativen und operativen Behandlungsmöglichkei- ten, den Belastungsprofilen und den vorliegenden Fra gestellungen auskenne (vgl. S. 80 des Gutachtens). Diese Ausführungen leuchten ein. (Chronische) Schmerzen des Bewegungsappa- rats bilden Gegenstand sowohl der Rheumatologie als auch der Orthopädie (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 3. Mai 2016, 9C_644/2015, E. 3.4 und vom 25. August 2015, 9C_320/2015, E. 3.3.3). Inwiefern Dr. D.____ fachli ch nicht resp. ungenügend qualifiziert sein soll, dem Leiden des Versicherten in somatischer Hinsicht Rechnung zu tragen, ist nicht ersicht- lich und wird auch nicht substanziiert dargelegt. Dazu kommt, dass sich der anwaltlich vertrete- ne Beschwerdeführer – im Wissen um die fachliche Qualif ikation des Gutachters – der Begut- achtung unterzogen hatte. 7.2.2 Auch die weitere Kritik am Gutachten von Dr. D. ____ ist nicht stichhaltig. Der Beschwer- deführer macht geltend, dieser habe das Leistungsprofi l bezüglich der rechten Schulter zu op- timistisch eingeschätzt und zudem nicht beurteilt, wie es sich mit den Beschwerden wegen des strukturellen Schadens an der linken Schulter verhalte, wenn diese quasi kompensatorisch be- lastet werde. Zwar beschrieb Prof. Dr. F.____ wegen d en Schulterbeschwerden rechts in quali- tativer Hinsicht ein eingeschränkteres Zumutbarkeitsprofil als Dr. D.____. Er stellte aber die Beurteilung des Gutachters, wonach dem Versicherten quant itativ ein Pensum von 80 % zu- mutbar sei, nicht in Abrede. Die eigene Einschätzung de s Beschwerdeführers, wonach der Ge- sundheitsschanden an der linken Schulter die Arbeitsfäh igkeit weiter einschränke, findet in den vorliegenden medizinischen Unterlagen keine Stütze. Auc h der Rüge, wonach die Ausführun- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen von Dr. D.____ zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit (zu ) wage seien und die damalige Akten- lage weitere Abklärungen erfordert hätten, trifft ni cht zu. Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass eine Exploration von der Natur der Sache her nicht erm essensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet den Gutachtern praktisch immer einen Spielraum für versc hiedene medizinische Interpretatio- nen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern der Gutac hter – wie hier – lege artis vorge- gangen sind. Auch wenn in Bezug auf die retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gewisse Unsicherheiten bestanden, war es Dr. D.____ aufgrund d er ihm zur Verfügung gestandenen medizinischen Unterlagen und unter Berücksichtigung der E ntwicklung einer Arthrose – wenn auch arbiträr – möglich, eine einleuchtende Beurteil ung des gesundheitlichen Verlaufs vorzu- nehmen. Inwiefern seine Schlussfolgerungen betreffend den zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähig- keit offensichtlich unrichtig sein sollen, zeigt der Besch werdeführer nicht auf und ist auch nicht ersichtlich. Mangels fachärztlicher Qualifikation vermag d er Verlaufsbericht der behandelnden Komplementärtherapeutin J.____ vom 4. Dezember 2020 di e Beurteilung von Dr. D.____ nicht in Frage zu stellen. 7.2.3 Wenn der Beschwerdeführer geltend macht, die B eschwerdegegnerin habe nicht be- rücksichtigt, dass sich seit der Begutachtung durch Dr. D.___ _ bis zum Erlass der angefochte- nen Verfügung am 23. Oktober 2020 eine relevante Versch lechterung des Gesundheitszu- stands eingestellt habe, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Dass der Gesundheitsscha- den an der linken Schulter eine weitere Einschränkung de r Arbeitsfähigkeit bewirkt, ergibt sich weder aus dem Bericht von Prof. Dr. F.____ vom 21. Oktob er 2019 noch aus demjenigen vom 1. Dezember 2020. Zudem spricht die Tatsache, dass Dr. M .____ die Beschwerden in der lin- ken Schulter als "kompensatorisch bis gering" beurteilte (vgl. E. 6.19 hiervor) gegen eine rele- vante Gesundheitsschädigung. Bei dieser Sachlage ist nich t mit überwiegender Wahrschein- lichkeit erstellt, dass sich nach der Begutachtung durch D r. D.____ bis zum Erlass der ange- fochtenen Verfügung am 23. Oktober 2020 in Bezug auf d ie linke Schulter eine relevante Ver- schlechterung eingestellt hätte. Dasselbe gilt hinsichtli ch der Rückenbeschwerden. Der Be- schwerdeführer macht dazu geltend, dass die Bildgebung – im Nachgang zum Auffahrunfall vom 25. September 2018 – im Bereich der LWS neue Bef unde zeigen würde und die Aktenbe- urteilung der RAD-Ärztin Dr. K.____, wonach das Unfal lereignis lediglich vom 25. September 2018 bis 13. November 2018 eine vollständige Arbeits unfähigkeit verursacht habe, nicht ver- lässlich sei. Zunächst ist in Erinnerung zu rufen, dass für die Belange der Invalidenversicherung nicht die Diagnose, sondern die Auswirkungen des fachärztl ich festgestellten Leidens auf die Arbeitsfähigkeit massgeben ist (vgl. Urteil des Bundesge richts vom 23. April 2019, 9C_184/2019, E. 4.2). Weiter stellten die erstbehande lnden Ärzte der Notfallstation des Kan- tonsspitals N.____ in ihrem Bericht vom 26. September 2018 lediglich eine Kontusion der linken Schulter, des linken Knies und der LWS fest. Die Bildgebung ergab keine Traumafolgen. Zudem hielt PD Dr. P.____ am 27. November 2018 fest, dass die lumbale Schmerzhaftigkeit relativ unverändert zu den Vorbefunden sei, wobei insgesamt der Rücken- und der Beinschmerz links etwas an Intensität zugenommen hätten. Eine Beurteilu ng der Arbeitsfähigkeit nahm sie nicht vor und eine Verlaufskontrolle war nicht vorgesehen. D ie erhebliche lumbospondylogene Schmerzsymptomatik war aber bereits im Gutachten von Dr. D .____ dokumentiert. Vor diesem Hintergrund und bei der damaligen Aktenlage ist die Einschätzung von Dr. K.____ nachvoll- ziehbar, wonach das Unfallereignis vom 25. September 20 18 zu einer vorübergehenden Ar- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsunfähigkeit bis 13. November 2018 (Sprechstunde be i PD Dr. P.____) geführt habe, da- nach aber wieder von einem Beschwerdeausmass auszugehen se i, wie es sich anlässlich der Begutachtung durch Dr. D.____ gezeigt habe. Fachärztliche Aussagen, die diese Beurteilung in Zweifel zu ziehen vermöchten, lagen im damaligen Zeitpu nkt nicht vor. Eine (abweichende) Be- urteilung der Arbeitsfähigkeit ergibt sich auch nicht aus dem erst nach Verfügungserlass erstell- ten Bericht der Dres. G.____ und H.____ vom 30. Nove mber 2020. Die vom Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren eingereichten Berichte der K linik L.____ vom 19. Januar 2021 und 5. Februar 2021 sowie von Dr. M.____ vom 23. April 20 21 basieren auf Konsultationen und Ab- klärungen, welche erst nach Erlass der angefochtenen Ver fügung durchgeführt wurden. Der darin beschriebene Knieschaden rechts wurde erst nach Ver fügungserlass thematisiert. Die genannten Berichte der Klinik L.____und Dr. M.____ e nthalten jedoch keine retrospektiven An- gaben zum Gesundheitszustand und zur Leistungsfähigkeit des Versicherten im massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses, weshalb sie nicht geei gnet sind, weiteren (dazumal beste- henden) Abklärungsbedarf aufzuzeigen. Eine allfällige zw ischenzeitliche Verschlechterung des Gesundheitszustands wäre deshalb im Rahmen einer Neuan meldung zu beurteilen. Insgesamt ergibt sich aus den Akten nichts, was geeignet wäre, im hier zu beurteilenden Zeitraum bis 23. Oktober 2020 den Beweiswert des Gutachtens der Dres. D.____ und E.____ vom 3./4. Sep- tember 2012 und der Beurteilungen der RAD-Ärztin Dr. K.____ vom 2. September 2019 und 27. Juli 2020 in Zweifel zu ziehen, weshalb in antizipie rter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf die beantragte zusätzliche Abklärung ver- zichtet werden kann. 8. Nach dem Gesagten ist im Ergebnis nicht zu beanstande n, dass die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfäh igkeit des Beschwerdeführers gestützt auf das Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vom 3./4. September 2018 und der Beurtei- lung der RAD-Ärztin Dr. K.____ vom 6. September 2018 und 27. Juli 2020, davon ausgegangen ist, dass der Beschwerdeführer ab April 2011 in einer angepassten Tätigkeit zu 70 % und ab Dezember 2015 zu 80 % arbeitsfähig war, wobei infolg e der Schulteroperationen (am 6. Sep- tember 2016, 14. Oktober 2016 und 5. September 2017) vom 6. September 2016 bis 14. Januar 2017 sowie vom 5. September 2017 bis 5. Dezember 2017 und das Unfallereignis vom 25. Sep- tember 2018 bis 13. November 2018 zu einer vorübergehe nden vollständigen Arbeitsunfähig- keit führten. 9.1 Der Beschwerdeführer bestreitet die Verwertbarkei t seiner Restarbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit. Gemäss ständiger Praxis des Bundesge richts zur wirtschaftlichen Verwertbar- keit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Ar beitsmarkt ist davon auszugehen, dass der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes nicht nur e in gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen enthalte t, sondern auch einen Arbeitsmarkt be- zeichnet, der von seiner Struktur her einen Fächer ver schiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen u nd intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (vgl. Urt eil des Bundesgerichts 8C_326/2016 vom 25. Juli 2016 E. 4.2.1 mit Verweis auf BGE 110 V 2 76 E. 4). An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind keine übermässigen Anforderungen zu stel- len. Je restriktiver indessen das medizinische Anforderungsp rofil umschrieben ist, desto einge- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht hender ist in der Regel die Verwertbarkeit auf dem al lgemeinen Arbeitsmarkt abzuklären und nachzuweisen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_941/2012 vom 20. März 2013 E. 4.1.1 mit weiteren Hinweisen). Von einer Arbeitsgelegenheit im Sinne von Art. 16 ATSG kann besonders dann nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbar e Tätigkeit nunmehr in so einge- schränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durch schnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle desh alb zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_326/2016 vom 25. Juli 2016 E. 4.2.1). Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob eine inval ide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob sie ein r entenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (vgl. BGE 110 V 273 E. 4b; AHI 1998 S. 291 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahme n der von der versicherten Person auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen stehenden Mögli chkeiten zur Verwertung ihrer Res- terwerbsfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt w erden, die unter Berücksichtigung der ge- samten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einz elfalles nicht zumutbar sind (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG; Urteil des EVG vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen). 9.2 Unbestritten ist, dass dem Beschwerdeführer dauernd s chwere oder mittelschwere Ar- beiten nicht mehr zumutbar sind. Rückenschonende leichte Tätigkeiten auf Schulterhöhe ohne dauerndes Sitzen oder Stehen waren ihm aber im hier r elevanten Zeitraum im Umfang von 70 % resp. 80 % möglich. Dabei ist ein zusätzlicher Pause nbedarf im Umfang von 20 % be- rücksichtigt. Aus psychiatrischer Sicht besteht keine Einschrän kung der Arbeitsfähigkeit. Bei dieser Sachlage ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, d ass dem Beschwerdeführer trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen nach wie vo r verschiedene Tätigkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen stehen, so dass nicht von realitätsfremden und in diesem Sinne unmöglichen oder unzumutbaren Einsatzmöglichkeit en auszugehen ist. Zwar ist der Be- schwerdeführer angesichts seines gesundheitsbedingt erschwe rten Zugangs zum Arbeitsmarkt sowie des eingeschränkten Anforderungsprofils nicht leicht vermittelbar, dennoch sind zumutba- re Tätigkeiten zweifellos nicht nur in so eingeschränkter Form möglich, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers ausgeübt werden könnten. In Frage kommen beispiels- weise Überwachungs-, Prüf-, Kontroll- und Administrativtätigkeiten oder Telefondienste aller Art. Daher kann nicht von einem fehlenden Zugang des Beschwe rdeführers zum Arbeitsmarkt im Sinne des Art. 16 ATSG gesprochen werden. 10.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ver- sicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimme n. In den angefochtenen Verfü- gungen vom 23. Oktober 2020 nahm die IV-Stelle den erforderlichen Einkommensvergleich vor, wobei sie die Vergleichseinkommen aufgrund der Lohnstru kturerhebung (LSE) des Bundesam- tes für Statistik (BfS) ermittelte. Nachdem sich aus d en Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung der Vergleichseinkommen vorzunehmen wäre und die konkret e Bemessung derselben auch vom Versicherten nicht beanstandet wurde, erübrigt sich eine detaillierte Darstellung der Be- rechnung. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2 Der Beschwerdeführer verlangt aber eine leidensb edingte Reduktion des Invalidenein- kommens um mindestens 20 %. Mit dem Abzug vom Tabellen lohn nach BGE 126 V 75 soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsf ähigkeit auch auf einem ausgegliche- nen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerbl ichem Erfolg verwerten kann (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juli 2017, 8C_114/2017, E. 3.1). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unt er Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2). 10.3 Aus dem Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vo m 3./4. September 2018 ergibt sich, dass der Versicherte in einer rückenschonenden leichte n Verweistätigkeit im Umfang von 70 % resp. 80 % arbeitsfähig war, wobei ein zusätzlicher Pausenbedarf von 20 % berücksichtigt wurde. Die Tatsache allein, dass dem Versicherten nur no ch körperlich angepasste Arbeiten zumutbar waren, stellt aber auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit keinen Grund für einen Abzug dar, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl solcher Tätigkei- ten umfasst (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 22. März 2 017, 8C_805/2016, E. 3.4.2 und vom 16. Juli 2014, 8C_97/2014, E. 4.2). Ferner ist ni cht ersichtlich, dass körperliche Limitierun- gen bestehen, die nicht bereits im gutachterlichen Anforderungs- und Belastungsprofil enthalten sind. Insbesondere darf der Umstand, dass dem Beschwerdef ührer nur noch körperlich ange- passte Tätigkeiten zumutbar sind, nicht durch einen Abzug vom Tabellenlohn und damit doppelt berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juli 2017, 9C_264/2016, E. 5.2.2). Die weiteren Kriterien (Alter, Dienstjahre, Beschäfti gungsgrad und Nationali- tät/Aufenthaltskategorie) rechtfertigen vorliegend ebenfalls keinen Abzug. 10.4 Nach dem Gesagten hat der Beschwerdeführer ab 1. September 2016 – unter Berück- sichtigung der dreimonatigen Übergangsfrist (Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invali- denversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961) – bis 30. A pril 2017 Anspruch auf eine ganze Ren- te. Ein weitergehender Rentenanspruch besteht nicht. Di e angefochtene Verfügung vom 23. Oktober 2020 ist im Ergebnis nicht zu beanstanden und die Beschwerde deshalb abzuwei- sen. 11. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver- weigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicheru ngsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängi g vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnitt- licher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksich- tigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich a uf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unte rliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend unterliegt der Beschwerd eführer, weshalb die Verfahrenskosten Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihm zu auferlegen sind. Diese werden mit dem bereits g eleisteten Vorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Bei diesem Verfahrensausgang ist dem Beschwerdeführer keine Partei- entschädigung zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht