Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschluss des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 15. April 2013 (470 13 40) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Rückweisung der Anklageschrift Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Helena Hess (Ref.), Richter Markus Mattle; Gerichtsschreiber i.V. Diego Stoll Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Arlesheim, Kirchgasse 5, 4144 Arlesheim, Beschwerdeführerin gegen Strafgerichtspräsident , Poststrasse 3, 4410 Liestal, Beschwerdegegner A.____ , vertreten durch Advokat Daniel Bäumlin, Hans-Huber-Strasse 15, Postfach 2232, 4002 Basel, Beschuldigter Gegenstand Rückweisung Anklageschrift Beschwerde gegen die Verfügung des Strafgerichtspräsidenten Basel-Landschaft vom 8. Februar 2013 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 18. Dezember 2009 eröffnete das damalige Bezirksstatt halteramt Arlesheim (heute: Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Ar lesheim) ein Untersuchungsverfahren gegen A.____ wegen grober Verletzung der Verkehrsregel n, Fahrens trotz Führerausweisent- zug und Gefährdung des Lebens. Im Rahmen der Strafunte rsuchung wurde der Beschuldigte, seit dem 14. Januar 2010 vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Bäumlin, am 10. Mai 2011 durch die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Arlesheim, einvernommen. Bei dieser Gelegenheit wurde er darauf hingewiesen, dass voraussich tlich Anklage ans Strafgericht erho- ben werde und er sich den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung zu halten bzw. allfällige Adressänderungen umgehend zu melden habe. A.____ bat darum, die Akten jeweils seinem Verteidiger zuzustellen und gab an, vorläufig noch am X.____ 95 in Z.____ angemeldet zu sein. Die Post könne seiner Mutter, wohnhaft am Y.____ 7 in Z.____, übermittelt werden. Am 22. August 2012 teilte der Verteidiger der Staatsanw altschaft mit, dass er nach wie vor keinen Kontakt zu seinem Mandanten habe aufnehmen können un d ihm dessen aktuelle Adresse so- wie Telefonnummer fehle, weshalb die Staatsanwaltschaft den aktuellen Wohnsitz seines Man- danten ausfindig machen solle. Nachdem die entsprechende n Ermittlungen ergeben hatten, dass A.____ am 16. November 2011 am X.____ 95 amtlich g estrichen worden war und auch die Post nicht an den Y.____ 7 zugestellt werden konnt e, erhob die Staatsanwaltschaft am 10. Dezember 2012 Anklage gegen den Beschuldigten bei der Dreierkammer des Strafgerichts Basel-Landschaft. B. Mit Verfügung vom 8. Februar 2013 stellte der Präsid ent des Strafgerichts Basel- Landschaft fest, dass ein ordnungsgemässer Abschluss der Untersuchung bzw. eine ordnungs- gemässe Zustellung der Anklage nicht erfolgt und die R echtshängigkeit des Verfahrens beim Gericht folglich nicht begründet worden sei (Ziff. 1 ). Die Anklageschrift werde darum zwecks Vornahme der entsprechenden Handlungen an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen (Ziff. 2). Zur Begründung führte der Strafgerichtspräsident im W esentlichen aus, dass sowohl Art. 318 Abs. 1 StPO als auch Art. 327 Abs. 1 lit. a StPO einen bekannten Aufenthaltsort der beschuldig- ten Person voraussetzen würden. Dabei seien diese Besti mmungen nicht dahingehend zu in- terpretieren, dass bei unbekanntem Aufenthalt der beschuldigten Person keine Zustellung durch die Staatsanwaltschaft zu erfolgen habe, zumal unter di esen Voraussetzungen zwingende Ver- fahrensrechte beschnitten würden und auch kein Abwesen heitsverfahren nach Art. 366 f. StPO durchgeführt werden könne. Der Staatsanwaltschaft sei be kannt gewesen, dass die in der An- klageschrift aufgeführte Wohnadresse nicht mehr gültig se i. In Anbetracht dieses Verfahrens- hindernisses hätte sie das Verfahren gemäss Art. 314 Abs. 1 lit. a StPO sistieren und die be- schuldigte Person nach Art. 210 Abs. 1 StPO zur Aufenth altsnachforschung ausschreiben müs- sen. In Ermangelung eines ordnungsgemässen Abschlusses der Untersuchung bzw. mangels einer ebensolchen Zustellung der Anklage sei die Recht shängigkeit des Verfahrens nicht an das Strafgericht übergegangen. Infolgedessen handle es si ch vorliegend auch nicht um einen verfahrensabschliessenden Entscheid, welcher mit ordentli chen Rechtsmitteln angefochten werden könne. C. Mit Eingabe vom 22. Februar 2013 reichte die Staatsanw altschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Arlesheim, Beschwerde beim Kantonsgeric ht, Abteilung Strafrecht, ein und be- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gehrte die Aufhebung der Verfügung des Strafgerichts präsidenten Basel-Landschaft vom 8. Februar 2013. Weiter sei das Strafgericht anzuweisen , das Verfahren bei sich als rechtshän- gig anzunehmen und auf die Anklage einzutreten. D. Hierauf beantragte der Strafgerichtspräsident Basel-Lan dschaft mit Stellungnahme vom 5. März 2013, dass auf die Beschwerde nicht einzutreten, eventualiter sie vollumfänglich abzu- weisen sei. E. Mit Schreiben vom 11. März 2013 erklärte schliesslich der Beschuldigte, dass er sich zum prozessrechtlichen Disput zwischen der Staatsanwaltschaft un d dem Strafgerichtspräsidenten Basel-Landschaft nicht äussern wolle. Er stehe aber für eine Schlusseinvernahme oder eine Verhandlung persönlich zur Verfügung und werde die i hm von seinem Anwalt zugestellte Kor- respondenz künftig entgegennehmen und beantworten. Die entsprechende Anschrift laute auf den Y.____ 7 in Z.____. F. Mit Verfügung vom 12. März 2013 schloss der Präsident der Abteilung Strafrecht des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft den Schriftenwechsel. Erwägungen 1.1 Nach Art. 393 Abs. 1 lit. b erster Teilsatz StPO können Verfügungen und Beschlüsse der erstinstanzlichen Gerichte mit Beschwerde angefochten wer den. Hiervon ausgenommen sind verfahrensleitende Entscheide, welche mit dem Endentscheid anzufechten sind (Art. 393 Abs. 1 lit. b zweiter Teilsatz StPO; vgl. auch Art. 65 Abs. 1 S tPO). Gerügt werden können gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a) , die unvollständige oder un- richtige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Un angemessenheit (lit. c). Nach Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde gegen schriftlich oder münd lich eröffnete Entscheide innert zehn Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen. Die Legitimation zur Beschwerdeführung bestimmt sich nach Art. 381 f. StPO. 1.2 Vorliegend ist strittig, ob die Verfügung des Strafger ichtspräsidenten Basel-Landschaft vom 8. Februar 2013 ein taugliches Beschwerdeobjekt dars tellt. Die Beschwerdeführerin bean- tragt, die Beschwerde sei zuzulassen, da sie sich gegen ei nen beschwerdefähigen Entscheid mit verfahrenserledigendem Charakter richte. Der Beschw erdegegner hält dagegen, dass es in casu um keinen verfahrensabschliessenden Entscheid gehe, zu mal das in Frage stehende Strafverfahren nach wie vor bei der Staatsanwaltschaft hängig sei. 1.3 Verfahrenserledigende Entscheide gehören zu den Endent scheiden. Sie schliessen das Verfahren vor der betreffenden Instanz ab, ohne materi ell über den staatlichen Strafanspruch zu befinden. Die verfahrensleitenden Entscheide hingege n beenden das Verfahren nicht, son- dern dienen dessen Fortgang (S CHMID , StPO Praxiskommentar, Art. 80 N 1 f.). Während ver- fahrenserledigende Verfügungen und Beschlüsse ohne We iteres der Beschwerde unterliegen, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gestaltet sich die Anfechtung verfahrensleitender Entsche ide problematischer (STEPHENSON /T HIRIET , Basler Kommentar StPO, Art. 393 N 12 f.). Unbestrit ten ist, dass verfah- rensleitende Entscheide der erstinstanzlichen Gerichte wäh rend der Hauptverhandlung nicht beschwerdefähig sind (vgl. auch BOTSCHAFT StPO, BBl 2006, S. 1312; Art. 463 Abs. 1 lit. b VE- StPO; B EGLEITBERICHT VE-StPO, S. 263). Verfahrensleitende Entscheide vor d er Hauptver- handlung sind dagegen gemäss herrschender Lehre nur dan n von der Beschwerde ausge- nommen, wenn sie im engen Sinne auf das Vorantreiben des erstinstanzlichen Hauptverfahrens ausgerichtet sind oder wenn sie sich allein mit dem äusse ren Verfahrensablauf befassen (vgl. KELLER , Zürcher Kommentar zur StPO, Art. 393 N 28 ff.; S CHMID , a.a.O., Art. 393 N 12 f.; GUIDON , Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung , N 170 ff.; kritisch STEPHENSON /T HIRIET , a.a.O., Art. 393 N 13). 1.4 Indem der Strafgerichtspräsident Basel-Landschaft festg estellt hat, dass das Verfahren gar nicht erst bei ihm rechtshängig geworden sei, weswege n die Anklageschrift an die Staats- anwaltschaft zurückgewiesen werde, beendete er das Verfahren vor Strafgericht und unterband dessen weiteren Fortgang. Folglich ist seine Verfügung als verfahrenserledigender Entscheid zu qualifizieren, gegen welchen Beschwerde gemäss Art. 39 3 ff. StPO erhoben werden kann. Da die Verfügung vor der Hauptverhandlung ergangen i st, das Verfahren verzögert und direkt die Interessen der Staatsanwaltschaft tangiert, wäre d ie Beschwerde in Übereinstimmung mit der herrschenden Lehre überdies auch bei Annahme eines v erfahrensleitenden Entscheids möglich gewesen. Der Vorbehalt von Art. 393 Abs. 1 lit . b zweiter Teilsatz bzw. Art. 65 Abs. 1 StPO ist in einem solchen Fall nicht einschlägig. Ferne r ist zu beachten, dass auch ein Sistie- rungs- bzw. Rückweisungsentscheid nach Art. 329 Abs. 2 StPO – mithin ein vergleichbarer Ent- scheid – der Beschwerde zugänglich ist (vgl. K ELLER , a.a.O., Art. 393 N 28, 30; S CHMID , a.a.O., Art. 393 N 9; GUIDON , a.a.O., N 159; S TEPHENSON /THIRIET , a.a.O., Art. 393 N 12; G OLDSCHMID / MAURER /S OLLBERGER , Kommentierte Textausgabe zur Schweizerischen Strafpro zessordnung, S. 392, 394; Urteil des OGer des Kantons Aargau vom 2 5. Oktober 2011, SBK.2011.154, E. 1.1, in: forumpoenale 1/2012. S. 20 ff.). 1.5 Da die Beschwerdeführerin ausserdem beschwerdelegitimiert ist (vgl. hierzu etwa SCHMID , Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, N 1455 ff.; GUIDON , a.a.O., N 217 ff.), eine zulässige Rüge erhebt, die Rechtsmittelfrist gewahrt hat sowie der Begründungspflicht nachge- kommen ist, ist auf die Beschwerde einzutreten. Die Zustä ndigkeit der Dreierkammer des Kan- tonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Beschwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. § 15 Abs. 2 EG StPO. 2.1 In materieller Hinsicht verlangt die Beschwerdeführeri n zunächst, dass der Beschwerde- gegner das Verfahren bei sich als rechtshängig anzunehmen habe. Zur Begründung macht sie geltend, dass das Strafgericht die Anklage als Kollegialbehörde und gestützt auf Art. 329 Abs. 2 StPO hätte zurückweisen müssen, anstatt in einem derart vorgelagerten Stadium festzustellen, dass das Verfahren nie bei ihm rechtshängig gewesen sei. Der Beschwerdegegner führt dies- bezüglich aus, dass er mangels Zustellung der Anklageschrif t an den Beschuldigten zurzeit da- von ausgehe, noch nicht zuständig zu sein, weshalb er d as Verfahren an die nach wie vor ver- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht antwortliche Staatsanwaltschaft weitergeleitet habe. Die Staatsanwaltschaft verkenne, dass die angefochtene Verfügung eben gerade nicht im Rahmen ei ner Prüfung der Anklage gemäss Art. 329 Abs. 1 StPO ergangen sei, zumal eine solche den Ü bergang der Rechtshängigkeit an das Gericht voraussetze. Konsequenterweise sei das Verfahren auch nicht gestützt auf Art. 329 StPO sistiert worden. Die Prüfung der Frage, ob die Rechtshängigkeit überhaupt an das Gericht übergehen könne, müsse dem Instruktionsrichter vorbehalten sein. 2.2 Gemäss Art. 328 Abs. 1 StPO wird das Verfahren mit dem Eingang der Anklageschrift beim Strafgericht rechtshängig. Diese Bestimmung ist voraussetzungslos formuliert. Ein Verfah- ren wird demnach sofort mit Anklageeingang – und nich t erst nach Bestehen der Anklageprü- fung oder einer Anklagezulassung – beim Gericht hängig ( SCHMID , a.a.O., Art. 328 N 1, DERSELBE , a.a.O., N 1279). Nach dem Übergang der Rechtshängig keit sieht Art. 329 Abs. 1 StPO eine Vorprüfung der Anklage durch die Verfahren sleitung des angerufenen Gerichts vor. Ergibt sich hierbei, dass ein Urteil zurzeit nicht ergehen kann, sistiert das Gericht das Verfahren und weist die Anklage, falls erforderlich, zur Ergänzung oder Berichtigung an die Staatsanwalt- schaft zurück (Art. 329 Abs. 2 StPO). Über die zu erlasse nden Anordnungen nach Art. 329 Abs. 2 StPO hat dabei in jedem Fall der zuständige Spruchkörper – und nicht die Verfahrenslei- tung, welcher die Prüfung nach Art. 329 Abs. 1 StPO oblag – zu beschliessen (B OTSCHAFT StPO, a.a.O., S. 1278; vgl. statt vieler auch G RIESSER , Zürcher Kommentar StPO, Art. 329 N 16). 2.3 Die Auffassung des Strafgerichtspräsidenten Basel-Landsch aft, wonach das Verfahren mangels Zustellung der Anklageschrift keine Rechtshängig keit beim Gericht begründet habe, findet demnach keine Stütze in der Schweizerischen St rafprozessordnung. Ebenso wenig stellt die Übermittlung der Schlussmitteilung ein konstitutives Gültigkeitserfordernis der Rechtshän- gigkeit beim Strafgericht dar. Vielmehr erfolgt der Übergang der Rechtshängigkeit nach Art. 328 Abs. 1 StPO voraussetzungslos. Dementsprechend wäre in der Folge eine Prüfung der Anklage gemäss Art. 329 Abs. 1 StPO angezeigt gewesen. Hätte diese Prüfung ergeben, dass ein Urteil zurzeit nicht ergehen kann, wäre das Verfahren durch den vorliegend zuständigen Spruchkör- per, die Dreierkammer des Strafgerichts Basel-Landscha ft, zu sistieren gewesen. Dieselbe Be- hörde hätte die Anklage daraufhin – soweit erforderl ich – an die Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft zurückweisen müssen. Folglich ist die Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen und das Strafgericht anzuweisen, das Verfahren bei sich als rechtshängig im Sinne von Art. 328 StPO anzunehmen. 3.1 Die Beschwerdeführerin beantragt weiter, dass das Strafgericht auch auf die Anklage ein- zutreten habe. Der Strafgerichtspräsident argumentiere zwar, dass ein Verfahrenshindernis vorliege, wenn die Anklage nicht nach Strafprozessordnung zugestellt werde und der Abschluss der Strafuntersuchung eine persönliche Mitteilung an den Beschuldigten bedinge. Aus dem Umkehrschluss von Art. 318 Abs. 1 StPO und Art. 327 Abs. 1 lit. a StPO ergebe sich aber, dass bei einem unbekannten Aufenthaltsort der beschuldigte n Person eben keine Zustellung an sie zu erfolgen habe. Zu bedenken sei auch, dass die Regeln des Abwesenheitsverfahrens gemäss Art. 366 f. StPO wenig Sinn machen würden, wenn die Anklageschrift bzw. die Schlussmittei- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung zwingend zuzustellen wären. Ergänzend sei schliesslich festzustellen, dass der Beschul- digte anlässlich der Einvernahme eine Zustelladresse ange geben und um Zustellung der Akten an seine Verteidigung gebeten habe. Dabei sei er dara uf hingewiesen worden, dass voraus- sichtlich Anklage beim Strafgericht erhoben werde und al lfällige Adressänderungen jeweils zu melden seien. Der Beschwerdegegner bringt derweil vor, dass es unter dem Gesichtspunkt der effektiven Verfahrensmitwirkung, der Erforschung der mate riellen Wahrheit und der Fairness des Verfahrens unerlässlich sei, die Anklageschrift dem Besch uldigten persönlich zuzustellen, da er andernfalls zu einer empfindlichen Strafe wegen eines ursprünglich nicht zur Diskussion stehenden Deliktes verurteilt werden könnte. Ohne Kenn tnis der Anklageschrift durch die be- schuldigte Person könne zudem kein gesetzeskonformes Abwe senheitsverfahren durchgeführt werden. Weiter sei festzuhalten, dass für die Zustellu ng der Anklage jeweils die Staatsanwalt- schaft zuständig sei. Schliesslich sei zu berücksichtigen, dass die Staatsanwaltschaft die Rückweisung der Anklageschrift zwecks Vornahme eines ordnung sgemässen Abschlusses der Untersuchung nicht moniert bzw. eine allfällige Rüge zu mindest nicht ausreichend begründet habe. 3.2 Ergibt die summarische Prüfung der Anklage gemäss Art. 32 9 Abs. 1 StPO, dass die An- klageschrift und die Akten ordnungsgemäss erstellt worden sind (lit. a), die Prozessvorausset- zungen vorliegen (lit. b) und keine Verfahrenshinderniss e bestehen (lit. c), hat das angerufene Gericht auf die Anklage einzutreten. Hinsichtlich der A nklageschrift ist dabei zu klären, ob die Vorgaben von Art. 325 und 326 StPO beachtet wurden. Die Akten sind derweil auf ihre korrekte Führung und ordnungsgemässe Erstellung zu überprüfen. I m Zentrum der Untersuchung der Prozessvoraussetzungen steht die Frage, ob das angeklagte Verhalten überhaupt strafbar ist, ob ein genügender, die Anklage rechtfertigender Tatver dacht vorliegt und ob die angerufene Behörde sachlich, örtlich und funktionell zuständig ist. Als Verfahrenshindernisse kommen schliesslich namentlich der Eintritt der Verjährung, der Tod der beschuldigten Person, die feh- lende Verhandlungs- bzw. Vernehmungsfähigkeit, die Ge währung einer Amnestie, diplomati- sche Immunität oder ein bereits durchgeführtes bzw. noch hängiges Strafverfahren in derselben Sache in Frage (vgl. BOTSCHAFT StPO, a.a.O., S. 1278; statt vieler SCHMID , a.a.O., Art. 329 N 2 ff.; GRIESSER , a.a.O.; Art. 329 N 2 ff.). 3.3 Die ordnungsgemässe Zustellung der Anklageschrift gemäss Art. 327 Abs. 1 lit. a StPO bzw. der Schlussmitteilung gemäss Art. 318 Abs. 1 StPO st ellt somit kein Verfahrenshindernis im Sinne von Art. 329 Abs. 1 lit. c StPO dar. Dem Beschwerdegegner ist es daher verwehrt, das Eintreten auf die Anklage unter diesem Gesichtspunkt zu verweigern, zumal der Beschuldigte vorliegend anwaltlich vertreten war. Bei unbekanntem Au fenthalt eines vertretenen Angeschul- digten ist sowohl die Anklage als auch die Schlussmitteil ung nur dem Strafverteidiger zuzustel- len. Diesem obliegt es in der Folge, den Angeschuldigt en in Kenntnis dieser Mitteilungen zu setzen (vgl. H EIMGARTNER /N IGGLI , Basler Kommentar StPO, Art. 327 N 4; m.w.H. L ANDSHUT , Zürcher Kommentar StPO, Art. 327 N 2; A RQUINT , Basler Kommentar StPO, Art. 87 N 5; BRÜSCHWILER , Zürcher Kommentar StPO, Art. 87 N 5 f.). Dabei ist auf die Bestimmung von Art. 87 Abs. 3 StPO hinzuweisen, wonach Mitteilungen an Parteien, die einen Rechtsbeistand bestellt haben, rechtsgültig an diesen zugestellt werde n. Diese Regel gilt ohne Weiteres auch Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht für die Zustellung der Anklageschrift oder der Schlussmit teilung, zumal der Gesetzgeber die Übermittlung an die beschuldigte Person gemäss dem klar en Wortlaut nur vorschreibt, wenn deren Aufenthaltsort bzw. Wohnsitz bekannt ist (vgl. Art. 327 Abs. 1 lit. a und Art. 318 Abs. 1 StPO). Das skizzierte Vorgehen, wonach die Anklageschrift un d die Schlussmitteilung bei un- bekanntem Aufenthalt eines anwaltlich vertretenen Besc huldigten nur dem Verteidiger zuzu- senden sind, der anschliessend versuchen muss, die Mitteilungen an seinen Mandanten weiter- zuleiten, dürfte gerade in casu dem geäusserten Wunsch d es Beschuldigten entsprechen, wel- cher im Rahmen der Befragung vom 10. Mai 2011 und de r Konfrontationseinvernahme vom gleichen Tag mehrmals ausdrücklich darum ersucht hat, da ss sämtliche Akten seinem Verteidi- ger zuzustellen seien (act. 217, 683). Zu beachten ist sodann, dass sich weder aus dem Bun- desrecht noch der EMRK ein Anspruch des Angeschuldigten a uf persönliche Kenntnisnahme der Anklage bzw. der Schlussmitteilung zu einem bestimmt en Zeitpunkt und in einer bestimm- ten Form ableiten lässt. Verlangt wird lediglich, dass der Beschuldigte rechtzeitig und detailliert über die ihm vorgeworfenen Straftaten orientiert wir d, sodass ihm die Vorbereitung einer wirk- samen Verteidigung möglich ist. Die Übermittlung der Anklageschrift bzw. der Schlussmitteilung an den Beschuldigten persönlich bildet indes auch nach de r eidgenössischen Strafprozessord- nung kein konstitutives Gültigkeitserfordernis der Rechtshä ngigkeit beim Strafgericht bzw. für das Eintreten auf die Anklage (vgl. in Bezug auf die An klageschrift bereits KGEBL vom 30. Juni 2009, Nr. 200 09 461, E. 2.2). Im Übrigen wurde der Beschuldigte seitens der Staatsanwalt- schaft anlässlich der Einvernahme vom 10. Mai 2011 explizi t darauf hingewiesen, dass er sich den Strafverfolgungsbehörden weiterhin zur Verfügung zu halten und allfällige Adressänderun- gen umgehend der Staatsanwaltschaft mitzuteilen habe (act. 683). Auch kann ein Abwesen- heitsverfahren nach Art. 366 f. StPO ohne Weiteres dur chgeführt werden, wenn die beschuldig- te Person im Vorverfahren durch die Staatsanwaltschaft e inlässlich und zu allen angeklagten Tatbeständen einvernommen worden ist und die Beweislage ein Urteil ohne ihre Anwesenheit zulässt (MAURER , Basler Kommentar StPO, Art. 366 N 16). Die persönl iche Zustellung der An- klageschrift bzw. der Schlussmitteilung in einem bestimmte n Verfahrensstadium bildet demge- genüber keine Voraussetzung zur Durchführung eines Abwe senheitsverfahrens. Dem Antrag der Beschwerdeführerin, wonach das Strafgericht anzuweisen sei, auf die Anklage einzutreten, kann an dieser Stelle trotzdem nicht gefolgt werden, d a die Eintretensvoraussetzungen von Art. 329 Abs. 1 StPO aufgrund der vorliegenden Unter lagen nicht abschliessend beurteilt wer- den können. Folglich ist die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen. 4. Im Ergebnis ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, w eswegen die Verfügung des Strafgerichtspräsidenten Basel-Landschaft vom 8. Februar 2 013 aufzuheben ist. Das Strafge- richt ist anzuweisen, das Verfahren bei sich als rechtshäng ig im Sinne von Art. 328 StPO anzu- nehmen. 5. Abschliessend ist über die Kostentragung des Beschwerdever fahrens zu entscheiden. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend gehen die Ver fahrenskosten in Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO zu Lasten des Staates. Die Gericht sgebühr wird gestützt auf § 13 Abs. 1 GebT auf CHF 1’000.00 festgesetzt. Hinzu kommen Auslagen in der Höhe von CHF 80.00, wel- che ebenfalls auf die Staatskasse zu nehmen sind. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird d ie Verfügung des Strafgerichtspräsidenten Basel-Landschaft vom 8. Februar 2013 aufgehoben. 2. Das Strafgericht Basel-Landschaft wird angewiesen, d as Verfahren bei sich als rechtshängig im Sinne von Art. 328 StPO anzunehmen. 3. Die Kosten des kantonsgerichtlichen Verfahrens in d er Höhe von CHF 1'080.00, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 1'000.00 und Auslagen von CHF 80.00, gehen zu La sten des Staates. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber i.V. Diego Stoll