B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-4457/2015 U r t e i l v o m 2 1 . D e z e m b e r 2 0 1 5 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richter Yannick Antoniazza-Hafner, Richter Andreas Trommer, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien A._______, vertreten durch lic. iur. Oliver Gloor, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-4457/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 24. März 2015 stellte die 1951 geborene pakistanische Staatsangehö- rige B._______ (nachfolgend: Gesuchstellerin) bei der Schweizer Vertre- tung in Islamabad ein Gesuch um Ausstellung eines Visums für einen Be- such von 90 Tagen bei ihrer in Dietikon (ZH) lebenden Tochter und deren Ehemann (im Folgenden Beschwerdeführer bzw. Gastgeber). B. Mit Formular-Entscheid vom 14. April 2015 wies die Schweizer Vertretung das Gesuch ab. Sie führte aus, die vorgelegten Informat ionen über den Zweck und die Be dingungen des beabsichtigten Aufenthalts der Gesuch- stellerin erschienen nicht glaubhaft. Zudem fehle die Gewähr für eine frist- gerechte Wiederaus reise de r Eingeladenen aus dem S chengen-Raum nach Ablauf des Visums. C. Gegen diese Ver fügung erhob der Beschwerdeführer am 22. April 2015 Einsprache. Im Rahmen des Einspracheverfahrens nahm die Vor instanz Einsicht in die vo n der Gesuchstellerin bei der Schweizer Vertretung ein- gereichten Unterlagen und liess durch das Migrationsamt des Kantons Zü- rich weitere Abklärungen zum Sachverhalt vornehmen. D. Mit Entscheid vom 22. Juni 2015 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, aufgrund der insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Lage in Pakistan sowie der per- sönlichen Situation der Gesuchstellerin in ihrem Heimatland erscheine die fristgerechte Wiederausreise nicht gesichert. E. Mit Rechtsmitteleingabe vom 20. Juli 2015 beantragt der nunmehr anwalt- lich vertretene Beschwerdeführer, es sei die vorinstanzliche Verfügung auf- zuheben und ein Einreisevisum für die Gesuchstellerin auszustellen. F. Die Vorinstanz schliesst mit Vernehmlassung vom 19. August 2015 auf Ab- weisung der Beschwerde. C-4457/2015 Seite 3 G. Mit Replik vom 23. September 2015 reicht der Beschwerdeführer eine ab- schliessende Stellungnahme und zwei Beilagen zu den Akten. H. Auf den übrigen Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einspracheentscheide bezüglich Schen- gen-Visa sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (vgl. Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art 5 VwVG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 1.2 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be- schwerde legitimiert. Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). 1.3 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange- legenheit endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die Ver- letzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts- erheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG). Das Gericht wendet das Bundesrecht von Amtes we- gen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.). C-4457/2015 Seite 4 3. 3.1 Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch eine r pakistanischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen 90-tägigen Aufent- halt in der Schweiz zugrunde. Da sich d ie Gesuchstellerin nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beab- sichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schen- gen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechts- akte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). 3.2 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei- lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht verpflichtet, ausländischen Personen die Einr eise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1). Das Schengen-Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzungen für die Ein- reise und die Erteilung bzw. Verweigerung eines Visums aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweiger n, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt jedoch auch das Schengen -Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.4 und 4.1.5). 3.3 Drittstaatsangehörige benötigen zur Einreise in die Schweiz bzw. den Schengen-Raum für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen gültige Reisedokumente, die zum Grenz- übertritt berechtigen, und ein Visum, sofern dieses erforderlich ist. Im Wei- teren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Umst ände ihres beabsichtigten Aufenthalts aufzeigen und hierfür über ausreichende finan- zielle Mittel verfügen. Namentlich haben sie zu belegen, dass sie den Schengen-Raum vor Ablauf der Gültigkeitsdauer des beantragten Visums wieder verlassen bzw. Gewähr für ihre fristgerechte Wiederausreise bieten. Ferner dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informationssys- tem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr C-4457/2015 Seite 5 für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesu nd- heit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellen (vgl. zu den Einreisevoraussetzungen: Art. 5 Abs. 1 und Abs. 2 AuG; Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumserteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex bzw. SGK], ABl. L 105/1 vom 13. 04.2006 [konsolidierte Fassung, Stand: 26.11.2013] ; Art. 14 Abs. 1 Bst. a-c und Art. 21 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfolgend: Visakodex], ABl. L 243/1 vom 15.09.2009 [konsolidierte Fassung, Stand: 18.10.2013]; vgl. zum Perso- nenkreis: Art. 2 Ziff. 5 und Ziff. 6 SGK). 3.4 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die Voraussetzungen für die Ausstellung eines für den gesamten Schengen -Raum geltenden Visums nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein sog. "Visum mit räumlich be- schränkter Gültigkeit" erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des be- treffenden Mitgliedstaats gilt. Unter anderem kann der betreffende Mitglied- staat von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, wenn er es aus humanitä- ren Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund inter- nationaler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Vi- sakodex; ebenso Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 4. Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visum- pflicht befreit sind (ABl. L 81/1 vom 21.03.2001; zum vollständigen Quel- lennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV) listet diejenigen Staaten auf, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen der Schengen-Mitgliedstaaten im Besitze eines Visum s sein müssen. Da Pa- kistan in dieser Liste aufgeführt ist, unterliegt d ie Gesuchstellerin der Vi- sumspflicht. 5. 5.1 Die Vorinstanz begründet die Abweisung der Einsprache im Wesentli- chen da mit, dass die fristgerechte Wied erausreise de r Gesuchstellerin C-4457/2015 Seite 6 nicht gewährleistet sei. Sie verweist dabei vorerst auf die allgemeine Situ- ation im Herkunftsland d er Gesuchstellerin (vgl. Verfügung vom 22. Juni 2015). 5.2 Pakistan verfügt über ein hohes Potenzial für wirtschaftliches Wachs- tum, bedingt durch seine günstige geograph ische Lage mit Brückenfunk- tion zwischen Zentral- und Südasien sowie zwischen China und dem Ara- bischen Meer, seinen Ressourcenreichtum, niedrige Lohnkosten, eine junge, wachsende Bevölkerung und eine wachsende Mittelschicht. Dieses Potenzial wird jedoch aufgrund jahrzehntelanger Vernachlässigung der so- zialen und wirtschaftlichen Infrastruktur, periodisch wiederkehrender politi- scher Instabilität und schwacher institutioneller Kapazitäten nicht ausge- schöpft. Als größte Wachstumshemmnisse gelten die Korruption und die unzureichende Energieversorgung. Auch die prekäre Sicherheitslage spielt dabei eine Rolle, so verüben die Taliban und andere terroristische Organi- sationen schwere Terroranschläge, von denen insbesondere die Provinzen Khyber-Pakhtunkhwa und Belutsc histan sowie die pakistanischen Groß- städte wie Karachi, Lahore und Rawalpindi betroffen sind. Diese Situation wirkt sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Das effektive Wirtschaftswachstum liegt denn auch mit 4.2% im Haushaltsjahr 2014/15 hinter den Möglichkeiten des Landes zurück (Quellen: Deutsches Auswär- tiges Amt, www.auswaertiges-amt.de > Reise & Sicherheit > Reise- und Si- cherheitshinweise: Länder A -Z > Pakistan: Wirtschaft bzw. Innenpolitik [Stand August/September 2015], Seite besucht im November 2015). 5.3 Vor dem aufgezeigten Hintergrund ist gemeinhin ein starker Migrations- druck festzustellen. Insbesondere Teile des arabischen Raumes, aber auch Europa und hier unter anderem die Schweiz, gelten als Wunschdes- tinationen von Menschen im erwerbsfähigen Alter, die auf ein in wirtschaft- licher Hinsicht besseres Leben hoffen. Die Tendenz zur Auswanderung zeigt sich erfahrungsgemäss besonders stark bei Personen, die hier be- reits über minimale soziale Kontakte verfügen. 6. 6.1 Nebst den allgemeinen Verhältnissen in Pakistan nahm die Vorinstanz weiter Bezug zu den persönlichen Verhältnissen der Gesuchstellerin in ih- rem Heimatland und wendet hierzu ein, es gehe nicht deutlich aus den Ak- ten hervor, in welchen sozialen Verhältnissen sich diese befindet. Klar sei lediglich, dass ihr Ehemann verstorben sei und die Kinder in der Schweiz, Deutschland und Italien leben würden. Welche Verwandte noch in Pakistan C-4457/2015 Seite 7 lebten, hätte der Beschwerdeführer nicht offengelegt. Mangels anderer Be- lege und Umstände sei daher davon auszugehen, dass der Eingeladenen keinerlei besonderen beruflichen, familiären o der gesellschaftlichen Ver- pflichtungen oblägen (vgl. Verfügung vom 22. Juni 2015). 6.2 Beschwerdeweise wird diesbezüglich eingewendet, es sei unzulässig, bei einem Visaentscheid einzig auf die allgemeine Situation im Herkunfts- land abzustellen und deshalb auf eine nicht hinreichend gesicherte Wie- derausreise zu schliessen. Verlangt werde eine Beurteilung der persönli- chen Verhältnisse im Ein zelfall. Nur schon die Tatsache, dass die Vorinstanz erkläre, ihr seien die genauen sozialen Lebensumstände der Gesuchstellerin in Pakistan nicht bekannt, zeige, dass es sich um einen willkürlichen Entscheid handle, der nicht zu schützen sei. 6.3 Bei der Ris ikoanalyse sind in der Tat nicht nur allgemeine Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine besondere berufliche, ges ellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser Umstand durchaus die Prog- nose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Hingegen muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten Einreise als hoch eingeschätzt werden. 6.4 Wie aus der vorinstanzlichen Verfügung vom 22. Juni 2015 hervorgeht, hat das SEM – entgegen den beschwerdeweisen Vorbringen – nicht nur die allgemeine Situ ation im Herkunftsland, sondern auch die persönliche Situation der Gesuchstellerin überprüft (vgl. E. 6.1). Dabei kann der Vor - instanz kein willkürliches Verhalten vorgeworfen werden, stützte sie sich doch bei ihrer Beurteilung auf die Akten der Schweizer Auslandvertretung (vgl. Akten der Vorinstanz [nachfolgend SEM act] 3 S. 8 -52) sowie d ie durch das Migrationsamt des Kantons Zürich eingeholten Akten (SEM act. 5 S . 55-61), welche zum damaligen Zeitpunkt keine weitergehenden Ausführungen zuliessen (vgl. Sachverhalt Bst. C) . Der Beschwerdeführer nahm erst in seiner Rechtsmitteleingabe vom 20. Juli 2015 detailliert zur persönlichen Situation der Gesuchstellerin und zu ihrem sozialen Umfeld Stellung. Dies ist im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwa ltungs- gericht auch ohne Weiteres möglich. Aufgrund des Untersuchungsgrund- satzes sind dabei sowohl unechte (d.h. bisher bekannte) als auch echte (d.h. bisher noch nicht bekannte) tatsächliche Noven zulässig. Auch neue C-4457/2015 Seite 8 Beweismittel kön nen jederzeit nachgerei cht werden. Die B eschwer- deinstanz legt ihrem Entscheid denjenigen Sachverhalt zugrunde, welcher sich im Zeitpunkt ihrer Entscheidfällung verwirklicht hat und entsprechend bewiesen ist (vgl. SEETHALER/BOCHSLER, Praxiskommentar VwVG, 2009, N 80 zu Art. 52 m.H.; vgl. E. 2 m.H.). 6.5 Im Rahmen des Vernehmlassungsverfahren s wurde der ergänzte Sachverhalt zudem der Vorinstanz nochmals zur Stellungnahme vorgelegt. Zwar bleibt unklar, wieso die Vorinstanz ausführt, es seien (beschwerde- weise) keine Elemente vorgebracht worden, die nicht bereits Gegenstand des vorinstanzlichen Entscheides gewesen seien (vgl. dazu Vernehmlas- sung vom 19. August 2015) , ist dies gemäss obgenannten Ausführungen gerade nicht er Fall. Hingegen ist davon auszugehen, dass sich das SEM mit sämt lichen beschwerdeweisen Vorbringen ausein andergesetzt hat, machte es doch weiter geltend, die Beschwerde enthielte keine neuen er- heblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung des vorinstanzlichen Entscheids rechtfertigen würden (Vernehmlassung vom 19. August 2015). 6.6 Ob der Gesuchstellerin allenfalls in ihrem Heimatland persönliche Ver- pflichtungen beruflicher, familiärer oder gesellschaftlicher Art obliegen und ob die Vorinstanz zu Unrecht davon ausgegangen ist, diese lägen in casu nicht vor, gilt es nun im Folgenden zu überprüfen. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Gast sei in Pakistan voll integriert. Die Gesuchstellerin lebe zusammen mit ihrer Schwiegertochter (Ehefrau des in Italien lebenden Sohnes) C._______ (geb. 12. November 1984) sowie deren Kindern D._______ (geb. 6. November 2004) und E._______ (geb. 10. August 2006) zusammen. Weil C._______ erwerbs- tätig sei, übernehme die Gesuchstellerin die Führung des gemeinsamen Haushaltes sowie den Hauptteil der erz ieherischen Betreuung der beiden Enkelkinder. Die Familie sei daher auf ihre Anwesenheit in Pakistan ange- wiesen. Sozial sehr wichtig für die Gesuchstellerin sei auch ihre drei Jahre ältere Schwester, F.________, die ebenfalls in Sargodha (Pakistan) wohn- haft sei. Auch zwei Schwager würden in der Nachbarschaft wohnen. Von der Vorinstanz sei zudem unberücksichtigt geblieben, dass sie bereits 64 Jahre alt sei und ihr ganzes Leben in Pakistan verbracht habe. Sie kenne weder die Lebensumstände noch das soziale Ge füge in der Schweiz und C-4457/2015 Seite 9 beherrsche auch die hiesige Sprache nicht, was gegen eine Nichtwieder- ausreise spreche. Zudem habe sie hier keinen Aufenthaltstitel. Alles was sie wolle sei, ihre Tochter und deren Familie in der Schweiz besuchen zu dürfen (vgl. Besc hwerde vom 20. Juli 2015). Replik weise reichte der Be- schwerdeführer eine eidesstattliche Erklärung von G.________ ein, in der dieser bestätigte, dass die Gesuchstellerin die Verantwortung für die Be- treuung ihrer Enkelkinder in Pakistan trage und sie sozial verwurzelt sei. Dieses Dokument sei zudem vom zuständigen "Secretary Union Council" überprüft und mit Stempel und Unterschrift bestätigt worden. 7.2 Der Beschwerdeführer verweist im vorliegenden Verfahren auf die fa- miliären Verpflichtungen der G esuchstellerin, wobei er insbesondere gel- tend macht, sie lebe mit ihrer Schwiegertochter zusammen und sei für die Betreuung der Enkelkinder sowie die Haushaltsführung zuständig. Hinzu- weisen gilt es jedoch auf den Umstand, dass im vorinstanzlichen Verfahren weder die Wohnsituation noch die familiären Verpflichtungen erwähnt wur- den, sondern dort lediglich ausgeführt wurde, die Gesuchstellerin sei Haus- frau (vgl. SEM act. 5 S. 60). Auch in einem in Deutschland durchgeführten Verfahren betr. Vis um zu Besuchszwecken für eine n Kurzaufenthalt der Gesuchstellerin bei ihrem dort lebenden Sohn war dies kein Thema (vgl. SEM act. 3 S. 28-32). In Anbetracht der behaupteten speziellen familiären Situation und ihrer damit angeblich verbundenen Aufgaben erstaunt es schon, dass diese erst im vorliegenden Verfahren vorgebracht wurde n. Diesbezügliche Zweifel vermag auch die replikweise zu den Akten gelegte Bestätigung nicht auszuräumen (vgl. Beilagen zum Schreiben vom 23. September 2015). So geht daraus nicht hervor, in welcher Beziehung der Verfasser des genannten Schreibens zur Gesuchstellerin steht bzw. welche Funktion er ausübt. Offizielle Dokumente wurden zudem nicht ein- gereicht (bspw. Wohnsitzbescheinigungen [Domicile certificate ] der Schwiegertochter und der Kinder, Arbeitsbestäti gung, Schulzertifikate, Auszug aus dem Familienregister [Family Registration Certificate]). 7.3 Die geltend gemachten familiären Verpflichtungen sind andererseits auch insofern nicht geeignet eine anstandslose Rückkehr zu belegen, als es sich dabei um die Kinder des in Italien lebenden Sohnes der Gesuch- stellerin handelt. Aus der Rechtsmitteleingabe geht nicht hervor, wieso die Schwiegertochter und die beiden Kinder getrennt von ihrem Ehemann bzw. Vater leben. Auch ist erfahrungsgemäss davon auszugehen, dass wohl mit- tel- oder längerfristig ein Familiennachzug nach Italien vorgesehen ist. Zu- dem ist mit der geplanten dreimonatigen Auslandabwesenheit der Gesuch- stellerin nicht davon auszugehen, die Betreuung der Kinder sowie des C-4457/2015 Seite 10 Haushalts könne nicht auch andersweitig sichergestellt werden, zumal sich die Enkelkinder nicht mehr in einem Alter (Jg. 2004 und 2006) befinden, in denen eine intensive Rundumbetreuung erforderlich ist. 7.4 Insoweit der Beschwerdeführer auf das Alter und die nicht vorhande- nen Kenntnisse der Gesuchstellerin betreffend Sprache, Lebensumstände und sozialem Gefüge verweist (vgl. Beschwerde vom 20. Juli 2015), ist da- rauf hinzuweisen, dass ihre drei Kinder in Europa (Schweiz, Italien und Deutschland) leben und anzunehmen ist, sie wäre trotz der für sie (zumin- dest anfänglich) neuen und ungewohnten Umgebung hierzulande im Fa- milienverband ihrer Kinder sehr gut aufgehoben und es werde für sie ge- sorgt. Dies gilt insbesondere auch in Anbetracht ihres Alters und den damit allenfalls verbundenen gesundheitlichen Problemen. 7.5 Mit diesen Ausführungen ist es der Vorinstanz nicht vorzuwerfen, dass sie das Vorhandensein von besonderen persönlichen Verpflichtungen der Gesuchstellerin in Pakistan verneinte. Daran kann auch der pauschale Ver- weis des Beschwerde führers auf die ebenfalls in Pakistan lebende Schwester der Gesuchstellerin und zwei Schwager nichts ändern. Keine Rolle spielt es im vorliegenden Kontext, dass die Initiative für den Besuchs- aufenthalt vom Beschwerdeführer ausgegangen ist. Dies allein stellt denn auch kein en Hinweis auf eine gesicherte Wiederausreise dar, sondern wurde in dem vom Beschwerdeführer zitierten (zeitlich überlebten und geo- grafisch nicht vergleichbaren) Entscheid (vgl. Urteil des BVGer C-917/2006 vom 2. Oktober 2007 E. 5) nebst der festgestellten beruflichen und famili- ären Einbindung des dortigen Gesuchstellers in seinem Heimatland ledig- lich als weiteres Indiz gewertet, um die Absicht zur Emigration als gering erscheinen zu lassen. Abschliessend gilt d arauf hinzuweisen, dass auch der beschwerdeweise getätigte Hinweis auf den fehlenden Aufenthaltstitel der Gesuchstellerin unbehelflich ist, zumal nicht auszuschliessen ist, dass Visumsberechtigte – einmal in der Schweiz angekommen – Aufenthalts- bzw. Ausreisebestimmungen umgehen. Insgesamt ist somit die Schlussfol- gerung der Vorinstanz, wonach die Wiederausreise der Gesuchstellerin an- gesichts der allgemeinen Lage in Pakistan und ihrer individuellen Situation nicht gesichert sei, nicht zu beanstanden. 7.6 Die Ausstellung eines einheitlichen Schengen -Visums kommt nach dem Gesagten nicht in Betracht. Ebenso wenig sind Gründe ersichtlich, die für die Ausstellung eines räumlich beschränkten Visums nur für die Schweiz sprechen ( E. 3.4). Es wird vo m Beschwerdeführer denn auch nichts Derartiges geltend gemacht. C-4457/2015 Seite 11 8. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Be- schwerde ist daher abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) C-4457/2015 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrens- kosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] retour) – das Migrationsamt des Kantons Zürich Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer Versand: