<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 46 S.195</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">195</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>46</b></span> <span class="ft2"><b>Kantonsbeitrag an die Kosten der materiellen Hilfe.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Auslegung von § 47 Abs. 3 und § 49 SPG.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 20. Dezember 2007 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen Einwohnergemeinde K. und Mitb. gegen den Regierungsrat</span><br/> <span class="ft5">(WBE.2006.447).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Der Kantonale Sozialdienst hat für die Kosten der materiellen</span><br/> <span class="ft1">Hilfe, der Massnahmen zur wirtschaftlichen Verselbständigung, der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">196</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Elternschaftsbeihilfe, der Bevorschussung von Unterhaltsbeiträgen</span><br/> <span class="ft1">und für die Kosten der Beschäftigungsprogramme gestützt auf § 47</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 und Abs. 4 SPG sowie § 49 Abs. 1 und 2 SPG den Kantons-</span><br/> <span class="ft1">beitrag für die einzelnen Gemeinden festgelegt. Gemäss Rechnungs-</span><br/> <span class="ft1">blatt "Lastenausgleich für Sozialhilfekosten nach § 47 ff. Sozialhilfe-</span><br/> <span class="ft1">und Präventionsgesetz für das Jahr 2005" wurde der Kantonsbeitrag</span><br/> <span class="ft1">an die einzelnen Gemeinden auf der Grundlage der Einwohnerzahl,</span><br/> <span class="ft1">der Anzahl Fälle sowie der Nettokosten ermittelt und nach einer</span><br/> <span class="ft1">mathematischen Formel in prozentuale Beiträge der Nettokosten am</span><br/> <span class="ft1">gesamten Kantonsbeitrag berechnet. Gegen die der Berechnung der</span><br/> <span class="ft1">Gemeindebeiträge zugrunde gelegten Einwohnerzahlen, die Netto-</span><br/> <span class="ft1">kosten und Fallzahlen erheben die Beschwerdeführerinnen keine</span><br/> <span class="ft1">Einwendungen, und an der Richtigkeit dieser Zahlen bestehen auch</span><br/> <span class="ft1">keine Zweifel. Umstritten ist vielmehr das in Anwendung von § 47</span><br/> <span class="ft1">lit. a und b SPG gewählte Modell, mit dem der Kantonsbeitrag an die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerinnen im Einzelnen bestimmt wurde.</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, die Festsetzung</span><br/> <span class="ft1">ihres Kantonsbeitrags verletze in mehrfacher Weise die gesetzliche</span><br/> <span class="ft1">Ausgestaltung des Lastenausgleichssystems nach § 47 Abs. 3 SPG.</span><br/> <span class="ft1">Die angefochtenen Vergütungen bewirkten, dass die Nettoaufwen-</span><br/> <span class="ft1">dungen pro Einwohner zum Teil sehr deutlich unter die Grenze des</span><br/> <span class="ft1">kantonalen Mittelwertes absänken. Aus der gesetzlichen Ausgestal-</span><br/> <span class="ft1">tung des Lastenausgleichs ergebe sich unmissverständlich eine obere</span><br/> <span class="ft1">Grenze des Ausgleichs bei den jeweiligen kantonalen Mittelwerten.</span><br/> <span class="ft1">Die gesetzliche Konzeption bezwecke den Ausgleich von Spitzen-</span><br/> <span class="ft1">belastungen und Sonderkosten oberhalb der kantonalen Durch-</span><br/> <span class="ft1">schnittswerte und verbiete Vergütungen mit der Wirkung, dass in</span><br/> <span class="ft1">einzelnen Gemeinden die Nettoaufwendungen pro Einwohner deut-</span><br/> <span class="ft1">lich unter die Grenze des kantonalen Mittelwertes absänken. Mit dem</span><br/> <span class="ft1">Lastenausgleich dürften nach dem Willen des Gesetzgebers einzelne</span><br/> <span class="ft1">Gemeinden nicht zu Lasten anderer subventioniert werden, und es</span><br/> <span class="ft1">dürfe nicht zu Lastenverschiebungen zwischen einzelnen Gemeinden</span><br/> <span class="ft1">führen. Die Lastenverschiebung zwischen Kanton und Gemeinden</span><br/> <span class="ft1">und zwischen den einzelnen Gemeinden verletze § 47 Abs. 3 SPG.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">197</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Weiter rügen die Beschwerdeführerinnen eine Verletzung der gesetz-</span><br/> <span class="ft1">lichen Bestimmungen über die Aufgabenteilung zwischen Kanton</span><br/> <span class="ft1">und Gemeinden (Gesetz I über die Aufgabenteilung zwischen Kanton</span><br/> <span class="ft1">und Gemeinden vom 2. Juli 2002 [GAT I; SAR 691.100], Gesetz II</span><br/> <span class="ft1">vom 20. Mai 2003 [GAT II; SAR 692.100] sowie GAT III und daran</span><br/> <span class="ft1">anschliessende Dekrete [DAT I bis DAT III; SAR 691/692/693.110]).</span><br/> <span class="ft1">Die Grundsätze über die Aufgabenteilung verlangten annähernde</span><br/> <span class="ft1">Kostenneutralität und schlössen einen indirekten Finanzausgleich</span><br/> <span class="ft1">über Umwege aus. Selbst wenn das SPG von den Erlassen über die</span><br/> <span class="ft1">Aufgabenteilung ausgeklammert bliebe, werde in den angefochtenen</span><br/> <span class="ft1">Beschlüssen das gesetzliche Lastenausgleichssystem nicht zutreffend</span><br/> <span class="ft1">umgesetzt.</span><br/> <span class="ft1">Ergänzend machen sie schliesslich geltend, die Kostenvertei-</span><br/> <span class="ft1">lung für das Jahr 2005 verstosse gegen das Rechtsgleichheitsgebot,</span><br/> <span class="ft1">das Willkürgebot und gegen das Gebot der Verhältnismässigkeit.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat führt zur Festlegung der Beitragsstufen im</span><br/> <span class="ft1">Wesentlichen aus, dass das Lastenausgleichssystem des SPG zwei</span><br/> <span class="ft1">selbstständige und gleichwertige (Lastenausgleichs-)Komponenten</span><br/> <span class="ft1">enthalte, welche es mit sich brächten, dass Gemeinden, welche eher</span><br/> <span class="ft1">tiefe Nettoaufwendungen hätten, bei einer Anzahl Sozialhilfefälle</span><br/> <span class="ft1">über dem Kantonsmittel einen markant über das gesetzliche Mini-</span><br/> <span class="ft1">mum hinausgehenden Kantonsbeitrag erhielten und damit ihre Netto-</span><br/> <span class="ft1">aufwendungen reduziert würden. Die gesetzliche Regelung sehe</span><br/> <span class="ft1">keine Nivellierung auf der Höhe des kantonalen Mittelwerts vor, und</span><br/> <span class="ft1">der Gesetzgeber habe sich auch für eine Entlastung von Gemeinden</span><br/> <span class="ft1">mit hoher Fallzahl entschieden. Das Lastenausgleichssystem berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtige auch die hohen Kosten von Gemeinden in Folge des Einbe-</span><br/> <span class="ft1">zugs der Ausländerinnen und Ausländer. Keine Lastenverschiebung</span><br/> <span class="ft1">dürfe im Verhältnis Kanton und allen Gemeinden stattfinden, weil</span><br/> <span class="ft1">der Lastenausgleich nur zwischen Kanton und Gemeinden erfolge.</span><br/> <span class="ft1">Aus den Materialien zum Projekt Aufgabenteilung (GAT I bis</span><br/> <span class="ft1">GAT III) ergäbe sich in keinem Zusammenhang eine Verletzung der</span><br/> <span class="ft1">Grundsätze der Aufgabenteilung durch das Lastenausgleichssystem</span><br/> <span class="ft1">des SPG. Der Gesetzgeber habe sich bewusst gegen eine Überfüh-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">198</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rung des Lastenausgleichs im SPG in den allgemeinen Finanz- und</span><br/> <span class="ft1">Lastenausgleich ausgesprochen.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Kanton vergütet den Gemeinden an die Kosten der Sozial-</span><br/> <span class="ft1">hilfe und sozialen Prävention einen Beitrag, welcher sich einerseits</span><br/> <span class="ft1">mit einem Anteil zwischen 5 bis 30 % nach der Anzahl der Fälle be-</span><br/> <span class="ft1">zogen auf die Bevölkerungszahl richtet (§ 49 Abs. 1 i.V.m. § 47</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 lit. a SPG), andererseits sich mit einem Anteil zwischen 5 bis</span><br/> <span class="ft1">35 % nach den Nettoaufwendungen im Vergleich zum Kantonsmittel</span><br/> <span class="ft1">(§ 49 Abs. 1 i.V.m § 47 Abs. 3 lit. b SPG) bemisst. Der Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">hat die jährlichen Beitragsstufen so festzulegen, dass die Gemeinden</span><br/> <span class="ft1">72 % und der Kanton 28 % der Gesamtkosten tragen (§ 49 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">SPG).</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Wortlaut der erwähnten Bestimmungen (§§ 47 und</span><br/> <span class="ft1">49 SPG) sind daher folgende Randbedingungen bei der Festlegung</span><br/> <span class="ft1">und Bemessung des Kantonsbeitrags für die Sozialhilfe zwingend:</span><br/> <span class="ft1">Der Kantonsbeitrag darf und muss 28 % der gesamten Nettoaufwen-</span><br/> <span class="ft1">dungen aller Gemeinden betragen (§ 49 Abs. 2 SPG). Der kantonale</span><br/> <span class="ft1">Beitrag gemäss § 47 Abs. 3 lit. a SPG beträgt mindestens 5 %, jener</span><br/> <span class="ft1">nach § 47 Abs. 3 lit. b SPG mindestens 5 % der Nettoaufwendungen</span><br/> <span class="ft1">(§ 49 Abs. 1 SPG). Die Obergrenze für die Bemessung des Kantons-</span><br/> <span class="ft1">beitrags an einzelne Gemeinden beträgt für den Kantonsbeitrag nach</span><br/> <span class="ft1">§ 47 Abs. 3 lit. a SPG 30 %, für denjenigen nach § 47 Abs. 3 lit. b</span><br/> <span class="ft1">SPG 35 % (§ 49 Abs. 1 SPG).</span><br/> <span class="ft1">Innerhalb dieser Randbedingungen legt der Regierungsrat die</span><br/> <span class="ft1">Beitragsstufen jährlich fest (§ 49 Abs. 2 SPG). Für den Kostenver-</span><br/> <span class="ft1">teiler, insbesondere die Festsetzung der Beitragsstufen, lassen sich</span><br/> <span class="ft1">darüber hinaus dem SPG unmittelbar keine weiteren Bestimmungen</span><br/> <span class="ft1">entnehmen. Der Gesetzeswortlaut lässt damit für die Festsetzung der</span><br/> <span class="ft1">Beitragsstufen und die Verteilung unter die Gemeinden verschiedene</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeiten zu.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens legte der Regierungs-</span><br/> <span class="ft1">rat eine Variante vor, nach welcher sich die Beitragsstufen für die</span><br/> <span class="ft1">beiden Kriterien linear veränderten. Für das Kriterium 1 (Anzahl So-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">199</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zialhilfefälle in der Gemeinde in % der Einwohnerzahl; § 47 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">lit. a SPG) fing der Beitragssatz im Falle von bis zu 0,5 % von Fällen</span><br/> <span class="ft1">pro Einwohner bei 10 % an. Bei einer Erhöhung der Fälle pro Ein-</span><br/> <span class="ft1">wohner um 0,5 % erhöhte sich der Beitragssatz um 5 %, wobei er bei</span><br/> <span class="ft1">über 2 % von Fällen pro Einwohner konstant bei 30 % lag. Für das</span><br/> <span class="ft1">Kriterium 2 (Sozialhilfekosten pro Einwohner im Verhältnis zum</span><br/> <span class="ft1">Kantonsmittel; § 47 Abs. 3 lit. b SPG) begannen die Beitragsstufen</span><br/> <span class="ft1">im Falle von Nettoaufwendungen bis 100 % des Kantonsmittels bei</span><br/> <span class="ft1">10 %, wobei eine Erhöhung der Nettoaufwendungen um 20 % den</span><br/> <span class="ft1">Beitragssatz um 5 % ansteigen liess. Bei Nettoaufwendungen von</span><br/> <span class="ft1">über 180 % des Kantonsmittels betrug der Beitragssatz generell 35 %</span><br/> <span class="ft1">(Botschaft des Regierungsrats vom 30. Juni 1999 [99.226], S. 15).</span><br/> <span class="ft1">Im "Zusatzbericht zur Kostenverteilung Kanton - Gemeinden" wird</span><br/> <span class="ft1">ergänzend ausgeführt, dass dieses lineare Stufenmodell nicht</span><br/> <span class="ft1">zwingend sei. Die offene Formulierung des SPG erlaube eine diffe-</span><br/> <span class="ft1">renzierte Ansetzung der Beitragsstufen, "um so das Lastenaus-</span><br/> <span class="ft1">gleichssystem zu Gunsten von überproportional stark belasteten Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinden noch griffiger auszugestalten (Botschaft des Regierungsrats</span><br/> <span class="ft1">vom 27. September 2000 [Zusatzbericht zu Nr. 99.226], S. 4). In den</span><br/> <span class="ft1">Beratungen des Grossen Rats wurde die Finanzierung und Kosten-</span><br/> <span class="ft1">verteilung in der ersten Lesung zwar kontrovers, aber eher grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich diskutiert. In den Eintretensvoten wurde die Notwendigkeit</span><br/> <span class="ft1">eines wirksamen Lastenausgleichs zwischen den Gemeinden und die</span><br/> <span class="ft1">Entlastung derjenigen Gemeinden mit hohen Sozialhilfekosten auch</span><br/> <span class="ft1">- oder vor allem - mit Blick auf die materielle Unterstützung von</span><br/> <span class="ft1">Ausländerinnen und Ausländern betont (Protokoll der 167. Sitzung</span><br/> <span class="ft1">des Grossen Rats vom 24. Oktober 2000 [Art. 2274], S. 3483 f. [Vo-</span><br/> <span class="ft1">tum Barbara Roth], S.</span> <span class="ft1">3484 [Votum Esther Egger-Wyss] und</span><br/> <span class="ft1">S. 3485 f. [Votum Dr. Rudolf Jost]). Insbesondere Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">Ernst Hasler wies auf die besondere Situation von Zentrumsgemein-</span><br/> <span class="ft1">den in der Sozialhilfe einerseits und die erheblichen Belastungen</span><br/> <span class="ft1">durch einzelne Unterstützungsfälle andererseits hin. Mit dem Kosten-</span><br/> <span class="ft1">verteiler sollten diese einseitigen Belastungen aufgefangen werden</span><br/> <span class="ft1">(Protokoll der 168. Sitzung des Grossen Rats vom 24. Oktober 2000</span><br/> <span class="ft1">[Art. 2275], S. 3488 f.). Über die konkreten finanziellen Auswirkun-</span><br/> <span class="ft1">gen für die einzelnen Gemeinden herrschte auch in der Detailbera-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">200</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tung Unklarheit, worauf der Regierungsrat für die zweite Lesung</span><br/> <span class="ft1">weitere Abklärungen in Aussicht stellte (Protokoll der 170. Sitzung</span><br/> <span class="ft1">des Grossen Rats vom 31. Oktober 2000 [Art. 2289], S. 3534 [Votum</span><br/> <span class="ft1">Rudolf Kalt] und S. 3535 [Votum Regierungsrat Ernst Hasler]).</span><br/> <span class="ft1">Trotz dieser Unsicherheiten wurde den Bestimmungen von § 47</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 SPG und § 49 SPG in der zweiten Lesung ohne Ergänzungen</span><br/> <span class="ft1">durch die vorberatende Grossratskommission und ohne eine Detail-</span><br/> <span class="ft1">beratung zugestimmt mit der einzigen Anregung, dass das Lasten-</span><br/> <span class="ft1">ausgleichssystem im Rahmen der Aufgabenteilung nochmals einge-</span><br/> <span class="ft1">hend überprüft wird (Protokoll der 187. Sitzung des Grossen Rats</span><br/> <span class="ft1">vom 6. März 2001 [Art. 2487], S. 3876 [Votum Esther Egger-Wyss]).</span><br/> <span class="ft1">Nach den Materialien zu schliessen, gaben zusätzliche Erläuterungen</span><br/> <span class="ft1">des Kantonalen Sozialdiensts Anlass zur vorbehalts- und dis-</span><br/> <span class="ft1">kussionslosen Annahme. Der Kantonale Sozialdienst hat der Gross-</span><br/> <span class="ft1">ratskommission einen Bericht zum Kostenverteiler nach § 47 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">SPG erstattet. Dieser Bericht vom 21. November 2000 stellte klar,</span><br/> <span class="ft1">dass der Kostenverteiler einen Ausgleich hoher Fallkosten und hoher</span><br/> <span class="ft1">Fallzahlen, aber auch einen Lastenausgleich unter den Gemeinden</span><br/> <span class="ft1">schaffen soll. Im Zusatzbericht findet sich bereits die Abkehr vom li-</span><br/> <span class="ft1">nearen Stufenmodell aus der Botschaft zu einem nichtlinearen steti-</span><br/> <span class="ft1">gen Modell zur Bestimmung der Beitragsstufen (erwähnter Bericht,</span><br/> <span class="ft1">S. 2 f.).</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich den Materia-</span><br/> <span class="ft1">lien über die im Gesetzeswortlaut erwähnten Randbedingungen hin-</span><br/> <span class="ft1">aus für die Festsetzung der Beitragsstufen durch den Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">keine zwingenden Vorgaben entnehmen lassen. Insbesondere sind -</span><br/> <span class="ft1">entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerinnen - der kantonale</span><br/> <span class="ft1">Mittelwert der Fallzahlen und die Nettoaufwendungen pro Einwoh-</span><br/> <span class="ft1">ner im Durchschnitt keine absoluten Grenzen für die Betragsberech-</span><br/> <span class="ft1">tigung. Auch eine Auslegung, wonach zwischen den Gemeinden</span><br/> <span class="ft1">keine Lastenverschiebungen zulässig seien, findet in den Materialien</span><br/> <span class="ft1">keine Stütze. Im Gegenteil: Das gewählte System ist ausdrücklich</span><br/> <span class="ft1">darauf ausgerichtet, Gemeinden mit hohen Sozialhilfekosten und ei-</span><br/> <span class="ft1">ner hohen Anzahl von Sozialhilfefällen durch das Lastenausgleichs-</span><br/> <span class="ft1">system besonders zu entlasten. Das zentrale Problem sah der Gesetz-</span><br/> <span class="ft1">geber in den Sozialhilfekosten für Ausländer, welche sich nicht ho-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">201</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mogen auf alle aargauischen Gemeinden verteilen (vgl. erwähnter</span><br/> <span class="ft1">Bericht, S. 3 f.). Das Lastenausgleichssystem gemäss §§ 47 ff. SPG</span><br/> <span class="ft1">sieht deshalb gerade keine Nivellierung auf der Höhe des kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Mittelwerts der Aufwendungen vor. Nicht zu verkennen ist, dass die-</span><br/> <span class="ft1">ses System mit zwei selbstständigen Faktoren zur Folge hat, dass Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinden, die bei der Anzahl der Sozialhilfefälle im Vergleich zum</span><br/> <span class="ft1">Kantonsmittel eher hoch, aber im Bereich der Nettoaufwendungen</span><br/> <span class="ft1">eher tief sind, einen Beitrag erhalten, welcher erheblich über das ge-</span><br/> <span class="ft1">setzliche Minimum hinausgeht, was im Ergebnis wiederum die Net-</span><br/> <span class="ft1">toaufwendungen sinken lässt.</span><br/> <span class="ft1">Weder der Gesetzeswortlaut noch die Materialien erlauben aber</span><br/> <span class="ft1">den Schluss, dass der Gesetzgeber den Kantonsbeitrag an die einzel-</span><br/> <span class="ft1">nen Gemeinden auf der Grenze des kantonalen Mittelwerts der Net-</span><br/> <span class="ft1">toaufwendungen pro Einwohner beschränken bzw. Vergütungen ver-</span><br/> <span class="ft1">bieten wollte, welche zur Senkung der Nettoaufwendungen pro Ein-</span><br/> <span class="ft1">wohner unter den kantonalen Mittelwert führen.</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Der Lastenausgleich wird in § 49 Abs. 2 SPG normiert, indem</span><br/> <span class="ft1">der kantonale Beitrag an alle Gemeinden mit 28 % an den Ge-</span><br/> <span class="ft1">samtaufwendungen aller Gemeinden (§ 49 Abs. 1 SPG und § 48</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 SPG) festgelegt ist. Diese Grenze ist in den angefochtenen</span><br/> <span class="ft1">Verfügungen eingehalten und damit auch der Grundsatz der Kosten-</span><br/> <span class="ft1">neutralität im Sinne des Gesetzgebers gewahrt. Entgegen den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerinnen geht es beim Lastenausgleichssystem im SPG</span><br/> <span class="ft1">auch nicht um eine annähernde (horizontale) Kostenneutralität zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen den einzelnen Gemeinden. Der Gesetzgeber war sich dieser</span><br/> <span class="ft1">Konsequenz des Lastenausgleichssystems im SPG durchaus bewusst.</span><br/> <span class="ft1">Nebst den Materialien (siehe vorne Erw. 3.2) wurde auch in den</span><br/> <span class="ft1">späteren Beratungen zum Projekt Aufgabenteilung auf eine Ände-</span><br/> <span class="ft1">rung des Lastenausgleichssystems im SPG ausdrücklich verzichtet.</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat hatte im Rahmen des 2. Pakets der Aufgabentei-</span><br/> <span class="ft1">lung (GAT II) eine Ablösung des Lastenausgleichs im SPG durch</span><br/> <span class="ft1">eine Ausgleichsregelung unter Einbezug des Ertrags der ordentlichen</span><br/> <span class="ft1">Gemeindesteuern vorgeschlagen (Botschaft des Regierungsrats vom</span><br/> <span class="ft1">11. September 2002 [Nr. 02.315], S. 2 f. und 15 f.). Auf diese Ände-</span><br/> <span class="ft1">rung wurde in der Folge ausdrücklich verzichtet (Botschaft des Re-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">202</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gierungsrats vom 19. März 2003 [03.71], S. 10). Sowohl im SPG als</span><br/> <span class="ft1">auch in der Gesetzgebung über die Aufgabenteilung (GAT) um-</span><br/> <span class="ft1">schreibt die Kostenneutralität das Verhältnis des Kantons zu allen</span><br/> <span class="ft1">Gemeinden vor und nach der Zuweisung neuer Aufgaben, d.h. dem</span><br/> <span class="ft1">Kanton und allen Gemeinden zusammen dürfen aus der Aufgaben-</span><br/> <span class="ft1">teilung per Saldo keine zusätzlichen Kosten anfallen (vgl. Zusatzbe-</span><br/> <span class="ft1">richt vom 27. September 2000, S. 2 f.; vgl. auch Antworten des Re-</span><br/> <span class="ft1">gierungsrats zur Interpellation Dr. Marcel Guignard betreffend Aus-</span><br/> <span class="ft1">wirkungen des NFA auf GAT III und die Gemeinden vom 10. Januar</span><br/> <span class="ft1">und 16. Februar 2005 [GR.04.336]).</span><br/> <span class="ft1">3.4.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in den gesetzlichen Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmungen und den Materialien die von den Beschwerdeführerin-</span><br/> <span class="ft1">nen angewandte kostenorientierte Optik am Ergebnis und nach</span><br/> <span class="ft1">Leistung des Kantonsbeitrags keine Stütze findet. Mit der Beitrags-</span><br/> <span class="ft1">bemessung nach der Anzahl der Sozialhilfefälle (§ 47 Abs. 3 lit. a</span><br/> <span class="ft1">SPG) wird zudem der Belastung der Gemeinden mit den Infrastruk-</span><br/> <span class="ft1">tur- und Betriebskosten (§ 52 lit. a SPG) Rechnung getragen. Diese</span><br/> <span class="ft1">Kosten sind in Gemeinden mit vielen Unterstützungsbedürftigen hö-</span><br/> <span class="ft1">her. Weitere Vorgaben zur Ausübung des Ermessens enthält das Ge-</span><br/> <span class="ft1">setz nicht. Soweit die Beschwerdeführerinnen eine Verletzung von</span><br/> <span class="ft1">§ 47 Abs. 3 SPG rügen oder geltend machen, die Bestimmungen des</span><br/> <span class="ft1">SPG über den Lastenausgleich seien in den jeweiligen Verfügungen</span><br/> <span class="ft1">bzw. mit dem angewandten Berechnungsmodell verletzt, sind die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerden somit abzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>