<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">479</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Gemeinderecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>94</b></span> <span class="ft3"><b>Gesuch um Einsichtnahme in eine Kreditabrechnung nach IDAG</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Das Verfahren zur Genehmigung von Kreditabrechnungen kann nicht als</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ein im Sinne von § 7 IDAG hängiges Geschäft oder hängiges Verfahren</b></span><br/> <span class="ft3"><b>betrachtet werden. Enthalten die Rechnungsbelege, in welche Einsicht ge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nommen werden soll, Personendaten Dritter, ist nach § 6 IDAG vorzuge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>hen.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Departements Volkswirtschaft und Inneres,</span><br/> <span class="ft4">Gemeindeabteilung, vom 23. Januar 2014 in Sachen X. gegen die Einwohner-</span><br/> <span class="ft4">gemeinde A. (74904/25.4).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft8">2.</span><br/> <span class="ft8">Der Beschwerdeführer hat mit Schreiben vom 3. September</span><br/> <span class="ft8">2012 ein Gesuch um Einsichtnahme in die Kreditabrechnung des Ge-</span><br/> <span class="ft8">schäfts Sanierung Wasserleitung R. 2010 gestellt. Wie sich dem</span><br/> <span class="ft8">Schreiben entnehmen lässt, möchte er die detaillierte Abrechnung</span><br/> <span class="ft8">(Ausmass) der Firma E. und der Firma F. zu obgenanntem Geschäft</span><br/> <span class="ft8">einsehen.</span><br/> <span class="ft8">a)</span><br/> <span class="ft8">Gemäss § 5 IDAG hat jede Person Anspruch auf Zugang zu</span><br/> <span class="ft8">amtlichen Dokumenten. Der Zugang zu amtlichen Dokumenten wird</span><br/> <span class="ft8">eingeschränkt, aufgeschoben oder verweigert, wenn spezielle Geset-</span><br/> <span class="ft8">zesbestimmungen oder überwiegende öffentliche oder private</span><br/> <span class="ft8">Interessen entgegenstehen. Unabhängig von einer Interessenabwä-</span><br/> <span class="ft8">gung ausgeschlossen ist der Zugang zu amtlichen Dokumenten</span><br/> <span class="ft8">hängiger Geschäfte, Verfahren oder über Positionen in laufenden</span><br/> <span class="ft8">Vertragsverhandlungen (vgl. § 7 IDAG).</span><br/> <span class="ft8">b)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">480</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Den eingereichten Akten der Vernehmlassung kann entnommen</span><br/> <span class="ft8">werden, dass die Sanierung der Wasserleitung R. im Jahr 2010</span><br/> <span class="ft8">durchgeführt wurde. Die Baumeisterarbeiten sind von der Firma E.</span><br/> <span class="ft8">ausgeführt und in Rechnung gestellt worden. Die Rechnungsbelege</span><br/> <span class="ft8">sind vorhanden und es könnte grundsätzlich in sie Einsicht genom-</span><br/> <span class="ft8">men werden. Hingegen war die Firma F. bei der Sanierung von der</span><br/> <span class="ft8">Gemeinde mit keinen Arbeiten beauftragt worden. Insofern bestehen</span><br/> <span class="ft8">keine Unterlagen dieses Unternehmens, in welche Einsicht genom-</span><br/> <span class="ft8">men werden könnte.</span><br/> <span class="ft8">c)</span><br/> <span class="ft8">Somit ist in einem ersten Schritt zu prüfen, ob für den vor-</span><br/> <span class="ft8">liegenden Fall der Zugang zu den amtlichen Dokumenten aufgrund</span><br/> <span class="ft8">der Bestimmung von § 7 IDAG ausgeschlossen ist. Bei einer Kredit-</span><br/> <span class="ft8">abrechnung (und auch den dazugehörigen Rechnungsbelegen) han-</span><br/> <span class="ft8">delt es sich um amtliche Dokumente, auf welche das IDAG an-</span><br/> <span class="ft8">wendbar ist. Die nachfolgenden Erwägungen (unter Ziff. 2 lit. c)</span><br/> <span class="ft8">stützen sich auf das Finanzrecht, in der noch bis Ende 2013 gelten-</span><br/> <span class="ft8">den Fassung. Die bisherigen Bestimmungen sind hier für die Beurtei-</span><br/> <span class="ft8">lung der angefochtenen Verfügung massgebend. Auf den 1. Januar</span><br/> <span class="ft8">2014 ist zwar das Finanzrecht revidiert worden. Materiell hat sich je-</span><br/> <span class="ft8">doch auch mit den neuen Bestimmungen nichts geändert.</span><br/> <span class="ft8">aa)</span><br/> <span class="ft8">Nach § 84 GG führen die zuständigen Organe den Finanzhaus-</span><br/> <span class="ft8">halt nach den Grundsätzen der Gesetzmässigkeit, der Dringlichkeit</span><br/> <span class="ft8">sowie der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. Als Rechnungsjahr</span><br/> <span class="ft8">gilt das Kalenderjahr. § 3 des Dekrets über den Finanzhaushalt der</span><br/> <span class="ft8">Gemeinden und der Gemeindeverbände (FiD) vom 17. März 1981</span><br/> <span class="ft8">schreibt den Gemeinden für die Rechnungsführung die doppelte</span><br/> <span class="ft8">Buchhaltung nach den Regeln des Harmonisierten Rechnungsmo-</span><br/> <span class="ft8">dells vor. Dem Gemeinderat obliegt die Verwaltung des Gemeinde-</span><br/> <span class="ft8">vermögens, der Vollzug des Budgets sowie der übrigen Finanzbe-</span><br/> <span class="ft8">schlüsse der Stimmberechtigten. Aus dieser Zuständigkeit fliesst</span><br/> <span class="ft8">auch die Pflicht, die Rechnung zu führen und sie am Ende des Rech-</span><br/> <span class="ft8">nungsjahrs zur Genehmigung vorzulegen. Mit der Vorlage der Rech-</span><br/> <span class="ft8">nung legt die Exekutive Rechenschaft ab über ihr Finanzgebaren im</span><br/> <span class="ft8">Rechnungsjahr. Die Rechnung hat ihrem Sinn entsprechend, also der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">481</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Offenlegung der öffentlichen Mittel und der tatsächlichen Finanzlage</span><br/> <span class="ft8">des Gemeinwesens, vollständig, klar, wahr und öffentlich zu sein.</span><br/> <span class="ft8">Zur Rechnungsablage gehören die Verwaltungsrechnung (Laufende</span><br/> <span class="ft8">Rechnung und Investitionsrechnung) mit den Vergleichszahlen Bud-</span><br/> <span class="ft8">get/letzte Rechnung, die Bestandesrechnung, die Liegenschafts- und</span><br/> <span class="ft8">Mobilienverzeichnisse, die den Abschreibungen bzw. Amortisationen</span><br/> <span class="ft8">zugrunde liegenden Buchwerte, die volkswirtschaftliche Gliederung</span><br/> <span class="ft8">und die Begründung wesentlicher Abweichungen vom Budget. Die</span><br/> <span class="ft8">Gemeindeversammlung nimmt die Jahresrechnung entgegen und</span><br/> <span class="ft8">genehmigt sie gestützt auf § 20 Abs. 2 lit. b GG. Die Rechnungsab-</span><br/> <span class="ft8">nahme bezieht sich auf abgeschlossene Vorgänge. Der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft8">muss sodann nach § 97 GG die Rechnungen zusammen mit seinen</span><br/> <span class="ft8">Berichten und den Stellungnahmen der Prüfungsorgane während</span><br/> <span class="ft8">zehn Tagen öffentlich auflegen und jeweils bis zum 30. Juni der Ge-</span><br/> <span class="ft8">meindeversammlung unterbreiten (vgl. Andreas Baumann, Aargaui-</span><br/> <span class="ft8">sches Gemeinderecht, 3. Auflage, Zürich 2005, S. 426 f.).</span><br/> <span class="ft8">Die Gemeinden sind demnach von Gesetzes wegen verpflichtet,</span><br/> <span class="ft8">für jedes Rechnungsjahr eine Jahresrechnung zu erstellen und diese</span><br/> <span class="ft8">durch die Gemeindeversammlung genehmigen zu lassen. Inhalt der</span><br/> <span class="ft8">jeweiligen Jahresrechnung sind die Aufwände und Erträge der</span><br/> <span class="ft8">Laufenden Rechnung und die Einnahmen und die Ausgaben der</span><br/> <span class="ft8">Investitionsrechnung dieses Rechnungsjahrs. Für Verpflichtungskre-</span><br/> <span class="ft8">dite gilt, dass keine Kreditabrechnung erstellt werden muss, wenn sie</span><br/> <span class="ft8">in einem Jahr abgewickelt werden (vgl. § 15 Abs. 4 FiD). Alle mit</span><br/> <span class="ft8">dem Verpflichtungskredit zusammenhängenden Buchungen werden</span><br/> <span class="ft8">in der Folge Bestandteil dieser Jahresrechnung und dieses Geschäft</span><br/> <span class="ft8">wird mit der Genehmigung der Jahresrechnung ebenfalls abgeschlos-</span><br/> <span class="ft8">sen. Im Prinzip gilt aber auch das Gleiche für den Fall, dass ein Ver-</span><br/> <span class="ft8">pflichtungskredit nicht in einem Jahr abgerechnet werden kann. Die</span><br/> <span class="ft8">im Zusammenhang mit dem Verpflichtungskredit im betreffenden</span><br/> <span class="ft8">Rechnungsjahr zu verbuchenden Aufwände und Erträge (Laufende</span><br/> <span class="ft8">Rechnung) und Einnahmen und Ausgaben (Investitionsrechnung)</span><br/> <span class="ft8">werden zum Bestandteil der betreffenden Jahresrechnung. Wird die</span><br/> <span class="ft8">Jahresrechnung dann zusammen mit den Berichten des Gemeinderats</span><br/> <span class="ft8">und der Prüfungsorgane während 10 Tagen öffentlich aufgelegt, kann</span><br/> <span class="ft8">in dieser Zeit in die Rechnung und die dazugehörigen Belege Ein-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">482</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">sicht genommen werden. Daraus folgt also, dass in Rechnungsbelege</span><br/> <span class="ft8">einer Strassensanierung bereits im Verbuchungsjahr Einsicht genom-</span><br/> <span class="ft8">men werden kann, da sie zu diesem Zeitpunkt Bestandteil der be-</span><br/> <span class="ft8">treffenden Jahresrechnung werden, auch wenn die Ausgaben als Teil</span><br/> <span class="ft8">eines Verpflichtungskredits beschlossen worden sind, dessen Abrech-</span><br/> <span class="ft8">nung noch ausstehend ist. Da schliesslich jede Jahresrechnung mit</span><br/> <span class="ft8">der Genehmigung durch die Gemeindeversammlung im Hinblick auf</span><br/> <span class="ft8">§ 7 IDAG als abgeschlossenes Verfahren zu betrachten ist, kann</span><br/> <span class="ft8">demnach nach den Voraussetzungen des IDAG in eine genehmigte</span><br/> <span class="ft8">(und damit abgeschlossene) Jahresrechnung (und folglich auch in die</span><br/> <span class="ft8">jeweiligen Rechnungsbelege dieses Jahres) Einsicht genommen wer-</span><br/> <span class="ft8">den.</span><br/> <span class="ft8">bb)</span><br/> <span class="ft8">Erstrecken sich nun Ausgaben über mehrere Jahre und fallen</span><br/> <span class="ft8">unter den Investitionsbegriff, ist eine Kreditabrechnung zu erstellen</span><br/> <span class="ft8">(§ 15 Abs. 4 FiD in Verbindung mit § 14 der Verordnung über den Fi-</span><br/> <span class="ft8">nanzhaushalt der Gemeinden und der Gemeindeverbände [FiV] vom</span><br/> <span class="ft8">9. Juli 1984). Bei der anzufertigenden Kreditabrechnung handelt es</span><br/> <span class="ft8">sich um eine Zusammenstellung von Zahlen bzw. Fakten aus den je-</span><br/> <span class="ft8">weiligen Jahresrechnungen (siehe dazu die Musterkreditabrechnung</span><br/> <span class="ft8">im Kapitel 3, S. 33, im Anhang 3D des Handbuchs Rechnungswesen</span><br/> <span class="ft8">Gemeinden). In der Kreditabrechnung werden Zahlen aus den abge-</span><br/> <span class="ft8">schlossenen Jahresrechnungen oder allenfalls der laufenden Jahres-</span><br/> <span class="ft8">rechnung in einem Dokument zusammengefasst und gesondert</span><br/> <span class="ft8">dargestellt. Es ist demnach festzuhalten, dass eine Kreditabrechnung</span><br/> <span class="ft8">sich aus Teilen der Jahresrechnungen (mit den nämlichen Belegen)</span><br/> <span class="ft8">zusammensetzt. Somit ist das Verfahren zur Genehmigung der Kre-</span><br/> <span class="ft8">ditabrechnung kein von den Jahresrechnungen völlig losgelöstes Ver-</span><br/> <span class="ft8">fahren, sondern dem Genehmigungsverfahren für die Jahresrechnun-</span><br/> <span class="ft8">gen übergelagert. Insoweit kann ein Verfahren zur Genehmigung von</span><br/> <span class="ft8">Kreditabrechnungen nicht als ein im Sinne von § 7 IDAG hängiges</span><br/> <span class="ft8">Geschäft oder hängiges Verfahren betrachtet werden, welches den</span><br/> <span class="ft8">Zugang zu den amtlichen Dokumenten ausschliessen würde. Es be-</span><br/> <span class="ft8">steht auch kein öffentliches Interesse, diejenigen Fakten, welche aus</span><br/> <span class="ft8">den abgeschlossenen Jahresrechnungen für die Erstellung der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">483</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Kreditabrechnung verwendet werden, vom Zugang zu den amtlichen</span><br/> <span class="ft8">Dokumenten auszuschliessen.</span><br/> <span class="ft8">d)</span><br/> <span class="ft8">Zwar hat der Beschwerdeführer ein Gesuch um Einsicht in die</span><br/> <span class="ft8">Kreditabrechnung Sanierung Wasserleitung R. 2010 gestellt. Dies ist</span><br/> <span class="ft8">vermutlich bereits deshalb nicht möglich, weil die Kreditabrechnung</span><br/> <span class="ft8">erst auf den Zeitpunkt der Genehmigung durch die Gemeindever-</span><br/> <span class="ft8">sammlung erstellt werden muss. Somit dürfte sie zurzeit noch gar</span><br/> <span class="ft8">nicht vorliegen. Es ist jedoch ersichtlich, dass er vielmehr in be-</span><br/> <span class="ft8">stimmte Rechnungsbelege Einsicht nehmen will. Diese (worunter</span><br/> <span class="ft8">auch die fraglichen Rechnungsbelege der Firma E. fallen) sind je-</span><br/> <span class="ft8">doch bereits mit den jeweiligen Jahresrechnungen genehmigt wor-</span><br/> <span class="ft8">den. Somit handelt es sich vorliegend bei den fraglichen Abrechnun-</span><br/> <span class="ft8">gen um keine amtlichen Dokumente eines hängigen Geschäfts oder</span><br/> <span class="ft8">Verfahrens, zu welchen der Zugang bereits gestützt auf § 7 IDAG</span><br/> <span class="ft8">verwehrt wäre.</span><br/> <span class="ft8">e)</span><br/> <span class="ft8">Schliesslich ist die Frage aufzuwerfen, ob für den Bereich der</span><br/> <span class="ft8">öffentlichen Rechnungsablage der Gemeinden überhaupt von einem</span><br/> <span class="ft8">hängigen Geschäft oder Verfahren im Sinne von § 7 IDAG gespro-</span><br/> <span class="ft8">chen werden kann, welches den Zugang zu den amtlichen Dokumen-</span><br/> <span class="ft8">ten ausschliessen würde, wenn auch nicht für die Kreditabrechnun-</span><br/> <span class="ft8">gen (wie oben ausgeführt), so doch für die jeweilig von der</span><br/> <span class="ft8">Gemeindeversammlung zu genehmigende Jahresrechnung. So vertritt</span><br/> <span class="ft8">die Beauftragte Person für Öffentlichkeit und Datenschutz in ihrer</span><br/> <span class="ft8">Empfehlung vom 19. März 2013 die Auffassung, dass im Verfahren</span><br/> <span class="ft8">zur Genehmigung einer Jahresrechnung die Zeit der Vorbereitung der</span><br/> <span class="ft8">Gemeindeversammlung und Bereinigung mit der Finanzkommission</span><br/> <span class="ft8">der unbeeinflussten Meinungsbildung der Behörden dienen soll und</span><br/> <span class="ft8">daher als im Sinne von § 7 IDAG hängiges Geschäft zu betrachten</span><br/> <span class="ft8">sei (vgl. Empfehlung unter II. Erwägungen, Ziff. 4. lit. a, Absatz 6).</span><br/> <span class="ft8">Dies erscheint in dieser absoluten Form diskutabel zu sein. Ein</span><br/> <span class="ft8">öffentliches Interesse der Gemeinden, dass nicht in die im aktuellen</span><br/> <span class="ft8">Rechnungsjahr verbuchten Aufwände und Erträge (Laufende Rech-</span><br/> <span class="ft8">nung) oder Einnahmen und Ausgaben (Investitionsrechnung) Ein-</span><br/> <span class="ft8">sicht genommen werden kann, besteht wohl nur dann, wenn jemand</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">484</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">in das Rechnungsergebnis als Gesamtes Einsicht nehmen will (also</span><br/> <span class="ft8">in den Rechnungsgenehmigungsprozess als solches). Diesbezüglich</span><br/> <span class="ft8">erfolgt der eigentliche Meinungsbildungsprozess der Stimmberech-</span><br/> <span class="ft8">tigten erst mit dem Zeitpunkt der vorgeschriebenen öffentlichen</span><br/> <span class="ft8">Rechnungsauflage. Deshalb könnte eine vorherige Bekanntgabe den</span><br/> <span class="ft8">Meinungsbildungsprozess beeinflussen, indem Fakten über einen</span><br/> <span class="ft8">möglichen Rechnungsabschluss verbreitet werden, ohne dass dieser</span><br/> <span class="ft8">durch die gemeindeinternen Kontrollorgane beurteilt worden ist und</span><br/> <span class="ft8">ohne dass der vorgesehene Bereinigungsprozess zwischen Gemein-</span><br/> <span class="ft8">derat und Finanzkommission stattgefunden hat. Auch ist nicht</span><br/> <span class="ft8">auszuschliessen, dass die Behörden dann ihre Entscheide nicht mehr</span><br/> <span class="ft8">unbeeinflusst von Druckversuchen fällen könnten. Insofern erscheint</span><br/> <span class="ft8">es für diesen Fall angebracht zu sein, von einem hängigen Geschäft</span><br/> <span class="ft8">oder Verfahren im Sinne von § 7 IDAG auszugehen. Gesuche um</span><br/> <span class="ft8">Einsichtnahme in die noch nicht abgeschlossene Jahresrechnung</span><br/> <span class="ft8">können sich in der Praxis jedoch auch nur auf bestimmte (Buch-</span><br/> <span class="ft8">ungs-) Vorgänge der noch nicht abgeschlossenen (und genehmigten)</span><br/> <span class="ft8">Jahresrechnung beziehen. In diesen Fällen (wie etwa demjenigen des</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführers) würde es nicht dem gesetzgeberischen Zweck</span><br/> <span class="ft8">entsprechen, wenn die Einsichtnahme gänzlich ausgeschlossen wäre.</span><br/> <span class="ft8">Die Frage kann hier aber letztlich offen gelassen werden.</span><br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">Nachdem ein Zugang zu den fraglichen Dokumenten (also die</span><br/> <span class="ft8">Rechnungen der E.) möglich ist, bleibt in einem zweiten Schritt zu</span><br/> <span class="ft8">prüfen, ob die weiteren Voraussetzungen nach IDAG gegeben sind.</span><br/> <span class="ft8">a)</span><br/> <span class="ft8">Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein amtliches Doku-</span><br/> <span class="ft8">ment mit Angaben von Personendaten einer dritten Person. Gemäss</span><br/> <span class="ft8">§ 6 IDAG sind amtliche Dokumente mit Personendaten Dritter aus-</span><br/> <span class="ft8">zusondern oder zu anonymisieren. Ist die Aussonderung oder die</span><br/> <span class="ft8">Anonymisierung nicht oder nur mit unverhältnismässigem Aufwand</span><br/> <span class="ft8">möglich, wird der Zugang nach der Bestimmung des § 15 IDAG über</span><br/> <span class="ft8">die Bekanntgabe von Personendaten und anderer Erlasse gewährt.</span><br/> <span class="ft8">Gemäss § 15 IDAG geben öffentliche Organe Privaten Personenda-</span><br/> <span class="ft8">ten nur bekannt, wenn sie dazu gesetzlich verpflichtet sind, die Be-</span><br/> <span class="ft8">kanntgabe nötig ist, um eine gesetzliche Aufgabe erfüllen zu können,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">485</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">die Auskunft ersuchende Person glaubhaft macht, dass sie ohne die</span><br/> <span class="ft8">Bekanntgabe an der Durchsetzung von Rechtsansprüchen gehindert</span><br/> <span class="ft8">wird, oder die betroffene Person eingewilligt hat.</span><br/> <span class="ft8">b)</span><br/> <span class="ft8">Das IDAG installiert zwar das Öffentlichkeitsprinzip, welches</span><br/> <span class="ft8">den grundsätzlichen Zugang zu den amtlichen Dokumenten ermög-</span><br/> <span class="ft8">licht, es konkretisiert jedoch auch den Datenschutz. Der Datenschutz</span><br/> <span class="ft8">bezweckt den Schutz der Persönlichkeit und der Grundrechte von</span><br/> <span class="ft8">Personen, über die Daten bearbeitet werden. Jede Bearbeitung von</span><br/> <span class="ft8">Personendaten durch ein öffentliches Organ stellt eine Einschrän-</span><br/> <span class="ft8">kung von Grundrechten dar, besonders des Rechts auf persönliche</span><br/> <span class="ft8">Freiheit gemäss Art. 10 BV und des Rechts auf Privatsphäre gemäss</span><br/> <span class="ft8">Art. 13 BV. Grundrechte dürfen nur eingeschränkt werden, wenn</span><br/> <span class="ft8">eine gesetzliche Grundlage besteht, wenn es im öffentlichen Inte-</span><br/> <span class="ft8">resse liegt oder durch den Schutz von Grundrechten Dritter</span><br/> <span class="ft8">gerechtfertigt ist und wenn diese Einschränkung verhältnismässig ist.</span><br/> <span class="ft8">Mit dem IDAG werden der privatrechtliche Persönlichkeitsschutz</span><br/> <span class="ft8">und der öffentlich-rechtliche Grundrechtsschutz (persönliche Frei-</span><br/> <span class="ft8">heit) im Bereich der Datenbearbeitung gestärkt (vgl. Botschaft des</span><br/> <span class="ft8">Regierungsrats des Kantons Aargau an den Grossen Rat vom 6. Juli</span><br/> <span class="ft8">2005, S. 2 f.).</span><br/> <span class="ft8">c)</span><br/> <span class="ft8">Wie der Beschwerdeführer selbst anerkennt, ist eine</span><br/> <span class="ft8">Anonymisierung der Personendaten hier nicht möglich. Da zudem</span><br/> <span class="ft8">das betroffene Unternehmen die Personendaten weder selbst öffent-</span><br/> <span class="ft8">lich zugänglich gemacht hat noch der öffentliche Zugang in ihrem</span><br/> <span class="ft8">offensichtlichen Interesse liegt (vgl. § 6 Abs. 3 IDAG) und auch die</span><br/> <span class="ft8">Voraussetzungen nach § 15 IDAG nicht gegeben sind, ist eine Ein-</span><br/> <span class="ft8">sichtnahme in die fraglichen Rechnungsbelege der E. ausgeschlos-</span><br/> <span class="ft8">sen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers bedeutet die</span><br/> <span class="ft8">Teilnahme an einem Submissionsverfahren nicht, dass man damit auf</span><br/> <span class="ft8">seine Rechte aus dem Datenschutz verzichtet hätte. Auch einer da-</span><br/> <span class="ft8">nach erfolgten Auftragserteilung mit der entsprechenden amtlichen</span><br/> <span class="ft8">Publikation kommt eine solche Bedeutung nicht zu. Sodann spielt es</span><br/> <span class="ft8">im vorliegenden Kontext keine Rolle, ob die Personendaten schüt-</span><br/> <span class="ft8">zenswert sind oder nicht. Dies ist eine Wertungsfrage, welche der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">486</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Gesetzgeber mit den entsprechenden Bestimmungen des IDAG</span><br/> <span class="ft8">selbst vorgenommen hat, indem er die Einsichtnahme in amtliche</span><br/> <span class="ft8">Dokumente mit Personendaten Dritter nur unter bestimmten Voraus-</span><br/> <span class="ft8">setzungen zulässt. (...) Schliesslich gelten die Bestimmungen des</span><br/> <span class="ft8">IDAG gegenüber jedermann gleichermassen. Es trifft nicht zu, dass</span><br/> <span class="ft8">einer anderen Person als dem Beschwerdeführer Einsicht in die</span><br/> <span class="ft8">Rechnungsbelege gewährt werden könnte, sofern auch hier die</span><br/> <span class="ft8">Voraussetzungen gemäss IDAG (insbesondere diejenigen der §§ 6</span><br/> <span class="ft8">und 15 IDAG) nicht erfüllt sein sollten.</span><br/></div> </div> </body> </html>