Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 16. Januar 2019 (810 15 138) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung / Straffälligkeit Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsricht er Stefan Schulthess, Markus Clausen, Hans Furer, Claude Jeanneret , Gerichtsschreiberin i.V. Sarah Rivoli Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Alexander Sami , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 0706 vom 5. Mai 2015) A. Der türkische Staatsangehörige A.____ ist 1987 i n der Schweiz geboren und verfügt über eine Niederlassungsbewilligung. A.____ ist sei t 1997 mehrfach (jugend-)strafrechtlich in Erscheinung getreten. Aus diesem Grund schickten ih n seine Eltern von 2002 bis 2004 in der Türkei in die Schule. Mit Entscheid der Jugendanwal tschaft Basel-Landschaft vom 22. November 2005 wurde A.____ wegen Raubes, qualif izierter einfacher Körperverletzung, mehrfacher Drohung, Beschimpfung, falscher Anschuld igung, Mitfahrens in einem zum Ge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht brauch entwendeten Personenwagen sowie mehrfacher Wid erhandlung gegen das Betäu- bungsmittelgesetz für fehlbar erklärt. Der Entscheid übe r eine Strafe bzw. Massnahme wurde aufgeschoben und eine Probezeit von 12 Monaten festgesetzt. Da er sich bewährt hatte, wurde von einer Schutzmassnahme oder Strafe abgesehen. Mit Strafbefehl des Bezirksamts Rheinfel- den vom 7. November 2007 wurde A.____ wegen Diebstahl s zu einer Geldstrafe von 20 Ta- gessätzen zu je Fr. 30.--, bedingt aufgeschoben bei ei ner Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse in der Höhe von Fr. 500.-- verurteilt. B. Vom 1. Dezember 2005 bis zum 31. Oktober 2011 wurde A.____ mit Unterbrüchen von der Sozialhilfe unterstützt und bezog während dieser Zei t Leistungen in der Höhe von Fr. 52'382.--. C. Mit Schreiben vom 26. Mai 2011 wurde A.____ vom Am t für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM) ermahnt, da sein Verhalten wi ederholt Anlass zu Klagen gegeben hat- te. Das AfM führte aus, er habe zahlreiche Delikte beg angen, weise offene Betreibungen und Verlustscheine auf und werde zudem seit dem Jahr 2005 vo n der Sozialhilfebehörde unter- stützt. Er wurde gleichzeitig darauf hingewiesen, sich kün ftig an die hiesigen Gesetze und die hiesige Ordnung zu halten. Die Ermahnung beinhalte d ie hängigen Strafverfahren zufolge der Unschuldsvermutung nicht. Sollte er jedoch verurteilt we rden, würden weitere ausländerrechtli- che Massnahmen geprüft. D. Das Gutachten der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) vom 28. Januar 2013, welches von der Staatsanwaltschaft Basel-Landscha ft wegen des laufenden Strafverfah- rens gegen A.____ (betreffend die im Zeitraum von Dezember 2010 bis März 2011 begangenen Taten) in Auftrag gegeben worden war, stellte eine i ntellektuelle Grenzbegabung fest, welche an eine Minderintelligenz grenze. Ferner wurde eine l eicht herabgesetzte Steuerungsfähigkeit sowie eine volle Einsichtsfähigkeit in Bezug auf die v erübten Straftaten angenommen. Gesamt- haft wurde das Rückfallrisiko als ungünstig eingeschätzt. E. Am 30. Januar 2013 trat A.____ seine Massnahme vor zeitig im Kantonalgefängnis B.____, Massnahmezentrum C.____, an. Am 12. Mai 2013 ist er aus dem Massnahmezentrum C.____ geflüchtet und delinquierte erneut. Darüber h inaus verstiess er mehrfach gegen die Hausordnung und wurde im Rahmen eines Time-Outs sanktioniert. F. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 17. D ezember 2013 wurde A.____ wegen mehrfachen Raubes, mehrfacher Drohung, mehrfacher versuchter Nötigung, mehrfacher Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs, mehrfacher Beschim pfung, geringfügigen Diebstahls, Widerhandlung gegen das Waffengesetz sowie mehrfachen Konsums von Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. G. Am 1. April 2014 trat A.____ ins Massnahmezentrum D. ____ für junge Erwachsene ein, nachdem er im Massnahmezentrum C.____ nach wiede rholten Time-Outs definitiv nicht mehr aufgenommen worden war. Auch aus dem Massnahmezen trum D.____ ist er geflüchtet, hat sich dann selber gestellt und führte seine Massnahme ab dem 17. Juni 2014 zunächst im Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gefängnis E.____ fort. Nach einer Zwischenplatzierung im Gefängnis F.____ trat er am 5. August 2014 wieder ins Massnahmezentrum D.____ ein. H. Das Gutachten der UPK vom 22. April 2014, welches vo n der Staatsanwaltschaft Ba- sel-Landschaft wegen der neuen Tatvorwürfe gegen A.___ _ (Taten während der Flucht im Mai 2013) in Auftrag gegeben wurde, weist keine Aufhebung oder Einschränkung der Einsichts- fähigkeit desselben aus. Es wurde von vorhandener Steuer ungsfähigkeit ausgegangen und eine ungünstige Legalprognose gestellt. I. Mit Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Straf gericht 1. Kammer, vom 26. Juni 2014 wurde die Berufung von A.____ teilweise gutgeheissen. A.____ wurde wegen mehrfachen Raubes, Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung, mehrfacher Übertretung des Betäubungsmit- telgesetzes zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 15 M onaten verurteilt, welche zugunsten einer stationären Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben wurde. J. A.____ wurde am 15. Juli 2014 das rechtliche Gehör zum beabsichtigten Widerruf der Niederlassungsbewilligung gewährt, welches er am 1. S eptember 2014 wahrnahm. Mit Verfü- gung vom 13. Oktober 2014 widerrief das AfM die Nieder lassungsbewilligung von A.____ und ordnete dessen Wegweisung spätestens zum Zeitpunkt der (b edingten) Entlassung aus dem Massnahmen- eventualiter Strafvollzug aus der Schweiz an. Die von A.____ dagegen erhobene Beschwerde vom 24. Oktober 2014 wies der Regierungsrat mit Beschluss (RRB) Nr. 0706 vom 5. Mai 2015 ab. K. Mit Verfügung der Sicherheitsdirektion des Kantons B asel-Landschaft, Straf- und Massnahmenvollzug, vom 22. April 2015 wurde die stationä re Massnahme gemäss Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 17. Dezember 2013 per sofort als aussichtslos aufgehoben. L. Gegen den RRB Nr. 0706 vom 5. Mai 2015 erhob A.__ __, nachfolgend vertreten durch Alexander Sami, Advokat, am 18. Mai 2015 Beschwerde bei m Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit folgenden Rechtsbegehren: Der Entscheid des Regierungsrates Nr. 07 06 vom 5. Mai 2015 und demge- mäss auch die Verfügung des AfM vom 13. Oktober 2014 seie n aufzuheben und dem Be- schwerdeführer sei die Niederlassungsbewilligung zu verlä ngern resp. neu zu erteilen, unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegner und im Fa lle des Unterliegens unter Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege mit dem Unterz eichneten als Advokaten. Am 20. Juli 2015 begründete er seine Beschwerde. M. Mit Präsidialverfügung vom 8. Juli 2015 wurde dem B eschwerdeführer die unentgeltli- che Prozessführung und Verbeiständung bewilligt. Am 19 . August 2015 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Mit Eingabe vom 18. September 2015 reichte der Rechts- vertreter des Beschwerdeführers seine Honorarnote ein. N. Gemäss Urteil des Präsidiums des Strafgerichts Basel-L andschaft vom 3. Dezember 2015 wurde der Beschwerdeführer wegen mehrfachen gerin gfügigen Diebstahls, Sachbeschä- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht digung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrfacher einfacher Verletzung von Verkehrsregeln, mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs in nicht fahrfä higem Zustand, mehrfacher Vereite- lung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, mehrfachen pflichtwidrigen Verhal- tens nach einem Unfall, mehrfacher Entwendung eines Fa hrzeugs zum Gebrauch, mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs ohne Führerausweis, mehrfa chen Führens eines Motorfahr- zeugs ohne Haftpflichtversicherung sowie mehrfachen Missbrau chs von Ausweisen und Schil- dern zu einer Freiheitsstrafe von 4 Monaten, zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je Fr. 10.-- sowie zu einer Busse von Fr. 800.-- verurteilt. O. An der Parteiverhandlung vom 6. Januar 2016 nahmen der Beschwerdeführer und sein Rechtsvertreter sowie der Beschwerdegegner teil und sie hielten an ihren Anträgen fest. Mit Verfügung vom 6. Januar 2016 wurde das Verfahren vor dem Kantonsgericht bis zum Vorliegen des rechtskräftigen Urteils des Kantonsgerichts Basel-Landsch aft, Abteilung Strafrecht, betref- fend Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidi ums Basel-Landschaft vom 3. Dezem- ber 2015 und bis zum Vorliegen eines allfälligen rechts kräftigen Urteils des Strafgerichts Basel- Stadt betreffend Raub sistiert. P. Mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 4. März 2016 wurde der Be- schwerdeführer wegen Raufhandels, Diebstahls, Inumlaufs etzen falschen Geldes sowie mehr- facher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes für schu ldig erklärt und zu 9 Monaten Frei- heitsstrafe sowie zu einer Busse von Fr. 400.-- verurtei lt. Von der Anklage des Raubes, des versuchten qualifizierten Raubes sowie der versuchten schw eren Körperverletzung wurde er freigesprochen. Q. Mit Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abte ilung Strafrecht, vom 7. Februar 2017 betreffend Berufung gegen das Urteil des Präsidiu ms des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 3. Dezember 2015 wurde der Beschwerdeführer in tei lweiser Gutheissung der Berufung nicht mehr wegen mehrfacher Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunf ähig- keit verurteilt, zumal er von der Vereitelung von Massna hmen zur Feststellung der Fahrunfähig- keit in Bezug auf den Vorfall vom 13. Mai 2013 freige sprochen wurde. Im Übrigen wurde das angefochtene Urteil bestätigt und der Beschwerdeführer zu einer Freiheitsstrafe von 4 Monaten, zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je Fr. 10.-- so wie zu einer Busse von Fr. 800.-- ver- urteilt. R. Am 26. November 2017 reichte die Freundin des Beschw erdeführers eine Eingabe ein. S. Mit Urteil des Appellationsgerichts des Kantons Bas el-Stadt vom 13. Dezember 2017 betreffend Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 4. März 2016 wurde zunächst festgestellt, dass die folgenden Punkte des Urteils des Strafgerichts man- gels Anfechtung in Rechtskraft erwachsen sind: der Schuldsp ruch wegen mehrfacher Übertre- tung des Betäubungsmittelgesetzes, der Freispruch von den Anklagen des Raubes, des ver- suchten qualifizierten Raubes sowie der versuchten schwere n Körperverletzung sowie die Ver- urteilung zu einer Busse von Fr. 400.--. Neben der be reits rechtskräftig gewordenen mehrfa- chen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes wurde der Beschwerdeführer als Zusatzstrafe Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zum Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 7. Feb ruar 2017 wegen Inumlaufsetzen falschen Geldes zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 10.-- verurteilt. Von den An- klagen des Raufhandels und des Diebstahls wurde er freigesprochen. T. Nachdem die Sistierung des vorliegenden Verfahrens aufgehoben worden war, liess sich der Regierungsrat mit Schreiben vom 18. Juli 2018 vernehmen. U. Mit Eingabe vom 10. September 2018 reichte der Besc hwerdeführer seine Stellung- nahme ein. V. Mit präsidialer Verfügung vom 12. September 2018 w urde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. W. Mit Eingabe vom 12. November 2018 reichte der Recht svertreter des Beschwerdefüh- rers eine ergänzende Honorarnote ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Der Beschwe rdeführer ist Adressat des ange- fochtenen Entscheids und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die vorliegen- de Beschwerde einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 4.1 Gemäss Art. 34 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Au sländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG) vom 16. Dezember 2005 (bis 31. Dezember 2018 und soweit im Folgenden die altrechtliche Fassung massgeblich ist: AuG) verleiht die Niederlassungsbewilli- gung einen zeitlich unbefristeten und unbedingten Ansp ruch auf Anwesenheit in der Schweiz. Der Beschwerdeführer kann sich zudem auf das Recht auf Acht ung des Privat- und Familienle- bens nach Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze de r Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 berufen, woraus er ebenfa lls einen Anspruch auf Anwesenheit Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Schweiz ableiten kann. Es ist somit von einem gru ndsätzlichen Anspruch des Beschwer- deführers auf Aufenthalt in der Schweiz auszugehen. Dies er gilt indes nicht absolut. Bei Vorlie- gen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG kann die N iederlassungsbewilligung entzogen werden. 4.2 Gestützt auf Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG kann die Nieder- lassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die auslän dische Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt oder gegen sie eine strafrec htliche Massnahme im Sinne der Artikel 59 - 61 oder 64 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs ( StGB) vom 21. Dezember 1937 ange- ordnet worden ist. Das Bundesgericht hat das Kriterium der Längerfristigkeit der Strafe in die- sem Kontext dahingehend konkretisiert, dass es einer Freihe itsstrafe von mehr als einem Jahr bedarf, wobei mehrere unterjährige Strafen bei der Berechnung nicht kumuliert werden dürfen (BGE 135 II 377 E. 4.2 und BGE 137 II 297 E. 2). Ke ine Rolle spielt, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde (Urt eil des Bundesgerichts 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Der genannte Widerrufsgrund gilt auch für die Niederlassungsbewilli- gung ausländischer Personen, die sich seit mehr als 15 Ja hren ununterbrochen und ordnungs- gemäss in der Schweiz aufhalten (vgl. Urteil des Bundesg erichts 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 2). 4.3 Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Strafger ichts Basel-Landschaft vom 17. Dezember 2013 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahr en und mit Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 26. Juni 2014 zu einer Freiheitsst rafe von 15 Monaten verurteilt. Da- mit sind vorliegend zwei längerfristige Freiheitsstrafen ausgesprochen worden. Der Widerrufs- grund von Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG ist demzufolge gegeben, was vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird. 5.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes ist Grundvorausse tzung für den Widerruf der Bewilligung. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligu ng ist indes nur gerechtfertigt, wenn er sich gestützt auf eine im Einzelfall vorzunehmende Interess enabwägung als verhältnismässig erweist (Art. 96 Abs. 1 AuG, BGE 135 II 110 E. 2.1; v gl. auch U LRICH HÄFELIN /GEORG MÜLLER / FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, N 521 ff.; ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländer - recht, 2. Auflage, Basel 2009, N 8.31). Diesbezüglich rügt der Beschwerdeführer, die Mass- nahme sei unverhältnismässig und verstosse gegen Art. 96 Abs. 1 AuG sowie Art. 8 Ziff. 2 EMRK bzw. Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999. Seine privaten Interessen seien höher zu gewichten als die öffentlichen Interes- sen an seiner Wegweisung. 5.2 Die konventionsrechtliche Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ent- spricht jener nach Art. 96 Abs. 1 AuG (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_551/2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4 und 2C_11/2013 vom 25. März 2 013 E. 3.1 mit Hinweisen). Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die ö ffentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, N 3 zu Art. 51 AuG). Ver- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht langt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehe nden privaten Interessen an der Er- teilung bzw. Belassung der Bewilligung und der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Dabei sind namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit der Tat ver gangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwe- senheit sowie die ihm und seiner Familie drohenden N achteile zu berücksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1). Die Niederlas- sungsbewilligung einer ausländischen Person, die sich scho n seit langer Zeit hier aufhält, soll nur mit besonderer Zurückhaltung widerrufen werden, doch ist dies bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn sie hier geboren ist und ihr ganzes Leben im Land verbracht hat (Urteile des Bundes gerichts 2C_368/2015 vom 15. September 2015 E. 2.2; 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.4; Entscheid des Europäi- schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] i.S. Trabelsi gegen Deutschland vom 13. Oktober 2011 [Nr. 41548/06] § 53 ff.). Bei schwer en Straftaten, Rückfall und wiederholter Delinquenz besteht – überwiegende private oder famili äre Bindungen vorbehalten – auch in diesen Fällen ein schutzwürdiges öffentliches Interesse d aran, die Anwesenheit der ausländi- schen Person zur Aufrechterhaltung der Ordnung bzw. Ver hütung von (weiteren) Straftaten zu beenden (BGE 139 I 31 E. 2.3.1). 6.1 Der Beschwerdegegner erwog im streitgegenständliche n Entscheid, dass das Ver- schulden des Beschwerdeführers aus der Optik des Ausländerrec hts im vorliegenden Fall schwer wiege. Dieser sei zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren (Urteil des Strafgerichts Ba- sel-Landschaft vom 17. Dezember 2013) sowie zu einer F reiheitsstrafe von 15 Monaten (Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 26. Juni 2014) ver urteilt worden. Beide Strafmasse lägen klar über der nach bundesgerichtlicher Rechtspre chung liegenden Einjahresgrenze für längerfristige Freiheitsstrafen. Dabei sei der Beschwerdeführer unter anderem für Gewaltdelikte verurteilt worden, bei denen er eine Geringschätzung vo n Leib und Leben anderer Menschen manifestiert habe. Die vom Beschwerdeführer geltend ge machte verminderte Schuldfähigkeit habe das Obergericht des Kantons Aargau dahingehend gewürdigt, als dass sich die von den Gutachtern festgestellte unterdurchschnittliche Intelligenz des Beschwerdeführers als nur leicht strafmildernd ausgewirkt habe. Zudem sei das Obergerich t von einem nicht mehr nur leichten bis mittelschweren Verschulden und zusätzlich von einer schl echten Legalprognose ausgegan- gen. In diesem Zusammenhang falle denn auch besonders negativ ins Gewicht, dass der Be- schwerdeführer wiederholt aus dem Massnahmevollzug entwich en sei und dabei erneut delin- quierte (Anzeige wegen Diebstahls, Hausfriedensbruchs un d Sachbeschädigung; begangen während der Flucht aus dem Massnahmenzentrum C.____ im Mai 2013). In Bezug auf die per- sönlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers sei festzuhalte n, dass er zwar in der Schweiz geboren sei, hier seine familiären Beziehungen pflege, hier zur Schule gegangen sei und wäh- rend des Massnahmevollzugs eine Berufslehre angefangen hab e. Allerdings sei fraglich, ob er diese infolge des drohenden Massnahmeabbruchs werde bee nden können. Somit gelte er be- ruflich als nicht integriert. Dasselbe gelte wegen seine r Deliktskarriere auch bezüglich seiner gesellschaftlichen Integration. Der Beschwerdeführer sei vergleichsweise jung, sodass er sich in der Türkei werde einleben können, zumal er die Mutt ersprache beherrsche und die Türkei Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht von seinen Ferienaufenthalten her kenne. Mit Ausnahme d er langen Aufenthaltsdauer gebe es somit keine weiteren persönlichen Gründe, welche dem öf fentlichen Interesse an der Wegwei- sung des Beschwerdeführers gewichtig entgegenstehen würd en. In Abwägung der langen Aufenthaltsdauer gegenüber der schwerwiegenden Delinq uenz mit ungünstiger Legalprognose müsse letztlich das öffentliche Interesse an der Aufenthalt sbeendigung stärker ins Gewicht fal- len. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die Wegweisung würden sich somit unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit als rechtmässig erweisen. 6.2 Demgegenüber bringt der Beschwerdeführer in seine r Beschwerdebegründung vor, dass seine verminderte Schuldfähigkeit einen massgeblichen Einfluss auf die Schwere des Verschuldens habe. Diese wirke sich gemäss Urteil des Oberge richts des Kantons Aargau strafmildernd aus. Weiter taxiere das Obergericht das Ver schulden nicht als schwer, sondern bloss als nicht mehr nur leicht bis mittelschwer. Überdies s ei seine positive Entwicklung im Ur- teil des Obergerichts explizit festgehalten. Seit seiner Entlassung am 30. April 2015 verhalte er sich gesetzeskonform. Er habe zu keinerlei Beschwerden mehr Anlass gegeben und es habe ein grundlegendes Umdenken stattgefunden. Zudem würden auch seine persönlichen Verhält- nisse für einen Verbleib in der Schweiz sprechen. Insbeso ndere seine hervorragenden Deutschkenntnisse seien als integrative Leistung zu werten. Die berufliche Integration habe sich aufgrund der unterdurchschnittlichen Intelligenz zwar als äusserst schwierig erwiesen, trotzdem habe er während des Massnahmevollzugs mit einer Berufsleh re angefangen, was ebenfalls als integrative Leistung anzuerkennen sei. Zudem bemühe er sich nach ausgestandener Haft da- rum, in der Gesellschaft Fuss zu fassen, und sei bereit, einer Arbeit nachzugehen. Die Arbeits- suche gestalte sich jedoch wegen der fehlenden Niederl assungsbewilligung als schwierig. Er sei als Secondo in der Schweiz geboren und kenne sein He imatland kaum. Verwandte und Be- kannte habe er dort mittlerweile auch keine mehr. In der Türkei ein neues Leben aufzubauen, sei ihm aufgrund seiner Minderintelligenz unmöglich. E r werde hier in der Schweiz von seinen Verwandten, insbesondere von seiner Mutter, sowohl in psychischer als auch in finanzieller Hinsicht erheblich unterstützt. Demnach könne die Kommun ikation mit modernen Kommunika- tionsmitteln nicht als taugliche Möglichkeit zur Aufrecht erhaltung der familiären Beziehungen angesehen werden. Zudem weise er aus dem Umstand der ve rminderten Intelligenz eine er- höhte Abhängigkeit von seiner Familie auf, weshalb er aus Art. 8 EMRK einen Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz ableiten könne. Sollte das Gericht dennoch zu einem gegenteiligen Schluss kommen, erwiese sich der vorliegende Widerruf der Niederlassungsbewilligung als un- verhältnismässig. Angesichts der vorstehenden Ausführungen sei er unter Androhung seiner Wegweisung zu verwarnen. Schliesslich habe die Ermahnu ng des AfM vom 26. Mai 2011 be- reits auf die damals noch hängigen Strafverfahren hing ewiesen, seien aber nicht berücksichtigt worden. Die Wegweisung stütze sich nun auf diese ausgekla mmerten, aber bereits damals be- kannten Verfehlungen. Diese Delikte hatte er bereits im Jahr 2011 verübt und habe folglich sein zukünftiges Verhalten bezüglich dieser Verfahren nicht meh r ändern können. Es wäre rechts- missbräuchlich den Widerruf auf diese Delikte zu stützen , zumal er auf diese keinen Einfluss mehr habe nehmen können und der Widerruf somit von B eginn an unausweichlich gewesen wäre. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Der Beschwerdegegner würdigt nach Aufhebung der Sistierung des Verfahrens auf- grund der zwischenzeitlich rechtskräftig gewordenen Urte ile in seiner Stellungnahme die neuen Umstände wie folgt: Obwohl der Beschwerdeführer in ei nigen Punkten freigesprochen worden sei, sei seit der erfolgten Ermahnung bzw. seit Erlass de s streitgegenständlichen Entscheids einiges an Delinquenz hinzugekommen. Hierfür habe er i mmerhin insgesamt eine Freiheitsstra- fe von vier Monaten und eine Geldstrafe von 30 Tagen e rhalten. Zwar würden die "neuen" Wi- derhandlungen für sich alleine nicht ausreichen, um den Widerruf der Niederlassungsbewilli- gung zu rechtfertigen. Sie würden jedoch das Gesamtbild abrunden, welches der Regierungsrat bei der Beurteilung des deliktischen Verhaltens des Beschw erdeführers sowie dessen Persön- lichkeitsprofil im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfun g berücksichtigt habe. Massgebend sei dabei in erster Linie, dass sich der Beschwerdeführer trotz Verwarnung und zweier überjäh- riger Freiheitsstrafen wegen massiver Delikte im Strafvol lzug äusserst negativ verhalten habe. Durch den mehrfachen Verstoss gegen die Hausordnung sowi e die mehrfache Flucht aus den Massnahmeprogrammen habe er ein weitgehend therapiere sistentes Verhalten manifestiert. Die am 26. Mai 2011 vom AfM ausgesprochene Ermahnung ha be so gesehen nicht den ge- wünschten Warneffekt hinterlassen. Vielmehr habe der B eschwerdeführer bei seinen Ausbrü- chen aus dem Massnahmenvollzug weiter delinquiert, sodass i hm keine gute Legalprognose ausgestellt werden könne und ein erhebliches Rückfallri siko bestehen bleibe. Dementspre- chend erweise sich eine Wegweisung des Beschwerdeführers i m Rahmen einer Gesamtbeur- teilung mit Blick auf das sicherheitspolizeiliche Interesse der Bevölkerung als verhältnismässig und somit als rechtmässig. 6.4 Demgegenüber hält der Beschwerdeführer fest, dass e ine Wegweisung aufgrund der aktuellen Lage in seinem Heimatland nicht möglich sei. Er würde dadurch in eine lebensbedroh- liche Situation versetzt werden, da er einer verfolgt en ethnischen Minderheit angehöre. Zudem würde seine festgestellte Minderintelligenz seine Selbstständigkeit beeinträchtigen. Auch wegen des in der Türkei nicht vorhandenen sozialen Umfelds stehe eine Wegweisung in keinem Ver- hältnis zu einem Verbleib in der Schweiz. Ausserdem zeic hne sich zwischenzeitlich eine stabile Lebenssituation des Beschwerdeführers ab: Er bemühe sich um Arbeit, er sei trotz fehlender längerfristiger Ausweispapiere einer Beschäftigung nachg egangen und habe dadurch nach Möglichkeit seine Schulden abbezahlen können, er bemühe sich trotz eines Unfalles, bei dem er sich die Hand gebrochen habe und sich einer Operation habe unterziehen müssen, weiterhin um Arbeit und habe für eine bessere Ausgangslage auf dem Arbeitsmarkt die theoretische Fahrprüfung in Angriff genommen. Schliesslich sei zu ber ücksichtigen, dass er sich derzeit in- tensiv um seine teils pflegebedürftige Mutter kümmere, w elche eine IV-Rente beziehe und sich in einer laufenden psychiatrischen Behandlung befinde. Trotz des vergangenen Fehlverhaltens müsse insgesamt festgestellt werden, dass die vorgesehen e ausländerrechtliche Massnahme im Rahmen einer erneuten Verhältnismässigkeitsprüfung als nicht angemessen erscheine. Eine erneute Verwarnung würde ausreichen, um die öffentliche Sicherheit gewährleisten zu können. 6.5 Ausgangspunkt für die vorzunehmende ausländerrechtl iche Interessenabwägung ist die strafrechtliche Verurteilung des Beschwerdeführers u nd die Schwere seines Verschuldens (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_295/2009 E. 5.3). Na chdem der Beschwerdeführer bereits als Jugendlicher und junger Erwachsener wiederholt stra ffällig geworden war, wurde er mit Ur- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht teil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 17. Dezember 2013 wegen mehrfachen Raubes, mehrfacher Drohung, mehrfacher versuchter Nötigung, mehrfacher Sachbeschädigung, Haus- friedensbruchs, mehrfacher Beschimpfung, geringfügigen Diebstahls, Widerhandlung gegen das Waffengesetz sowie mehrfachen Konsums von Betäubung smitteln zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Angesichts des Strafmasses sowie der Tatsache, dass es sich bei den begangenen Delikten unter anderem um Gewaltdelikt e handelt, wiegen die Straftaten schwer. Erschwerend kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer mit Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 26. Juni 2014 wegen mehrfachen Raube s, Hausfriedensbruchs, Sachbe- schädigung sowie mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt wurde. Bei d en zur Diskussion stehenden Straftaten handelt es sich teilweise um Anlasstaten, welche gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB eine obliga- torische Landesverweisung zur Folge haben können. Auf de n Beschwerdeführer findet diese Regelung zwar rückwirkend nicht Anwendung, doch darf im R ahmen der Interessenabwägung berücksichtigt werden, dass der Gesetzgeber Raub als beso nders verwerflich erachtete. Dem schriftlich begründeten Urteil ist zu entnehmen, dass das O bergericht in Bezug auf den Tatbe- stand des Raubes von einem nicht mehr nur leichten bis mittelschweren Verschulden des Be- schwerdeführers ausging. Diesbezüglich führte es aus, dass di e Dreistigkeit der Tatausführung von einer erheblichen kriminellen Energie zeuge und de r Beschwerdeführer aus finanziellen und damit egoistischen Motiven gehandelt habe, was sich ver schuldenserhöhend auswirke. Demgegenüber wirke sich die von den Gutachtern festgestel lte unterdurchschnittliche Intelli- genz nur leicht strafmildernd aus. Reue und Einsicht seien beim Beschwerdeführer nicht er- kennbar. Zudem falle die wiederholte Delinquenz stark straferhöhend ins Gewicht. Neben den beiden überjährigen Freiheitsstrafen erhielt der Besch werdeführer eine weitere Freiheitsstrafe von vier Monaten aufgrund mehrfachen geringfügigen Di ebstahls, Sachbeschädigung, mehrfa- chen Hausfriedensbruchs und diverser Strassenverkehrsdelikte (Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 7. Februa r 2017) sowie eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 10.-- wegen in Inumlaufsetzen falschen Geldes (Urteil des Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 13. Dezember 2017). Der Beschwerdeführer delinquierte regelmässig und über einen längeren Zeit raum. Die Taten, welche zur letzten Ver- urteilung führten, beging er sogar nach Einleitung des Straf- und ausländerrechtlichen Verfah- rens. Dabei manifestierte er wiederholt eine Geringschä tzung von Leib und Leben anderer Menschen, weshalb von einem erheblichen Verschulden dessel ben auszugehen ist. Sein feh- lendes Unrechtsbewusstsein sowie seine Gleichgültigkeit gegenüber der in der Schweiz gelten- den Rechtsordnung stellen eine ernsthafte Gefährdung für die öffentliche Sicherheit und Ord- nung dar, weshalb ein gewichtiges öffentliches Interesse a n der Wegweisung des Beschwerde- führers besteht. 6.6 Dem öffentlichen Interesse an der Wegweisung des Be schwerdeführers sind dessen private Interessen an einem Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Entscheidend ist stets das Gesamtbild eines jeden Einzelfalles, welches anhand vo n sämtlichen der massgeblichen Kriterien zu beurteilen ist (BGE 139 I 145 E. 2.4). Z unächst ist festzuhalten, dass der 31-jährige Beschwerdeführer in der Schweiz geboren und bis auf ei nen Schulaufenthalt in der Türkei in den Jahren 2002 bis 2004 auch hier aufgewachsen ist. Ber eits aufgrund der langen Aufent- haltsdauer und der damit verbundenen Verwurzelung i n die hiesigen Verhältnisse verfügt der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer über ein gewichtiges privates Interess e an einem Verbleib in der Schweiz, weshalb sein Aufenthalt unbestrittenermassen nur mit b esonderer Zurückhaltung beendet wer- den kann. Des Weiteren gilt es zu seinen Gunsten zu berü cksichtigen, dass er fliessend Deutsch spricht und sich sowohl seine familiären Bezugsperson en als auch seine Freundin in der Schweiz befinden. Laut eigenen Angaben verfügt e r in der Türkei mittlerweile über keine Verwandten und Bekannten mehr. Dem Gesagten zufolge bl eibt festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer ein grosses privates Interesse an einem Verbleib in der Schweiz aufweist. 6.7 Obwohl der Beschwerdeführer in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, fallen seine strafrechtlichen Verurteilungen schwer ins Gewicht . Seine Deliktskarriere zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Aus den Akten ist ersichtlich, dass er bereits als Jugendlicher mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten ist. Im Jahr 2005 wurde er von der Jugendan- waltschaft Basel-Landschaft unter anderem wegen Raubes u nd qualifizierter einfacher Körper- verletzung für fehlbar erklärt. Auch als Erwachsener machte der Beschwerdeführer vor weiteren Gewaltdelikten keinen Halt. In den Jahren 2013 und 2 014 wurde er neben zahlreichen weiteren Delikten gleich zweimal wegen mehrfachen Raubes zu überjä hrigen Freiheitsstrafen verurteilt. Hierbei fällt die Art und Weise der Tatausführung b esonders negativ ins Gewicht: Der Be- schwerdeführer packte das männliche Opfer und hielt ihm ein Messer an den Hals mit der Be- merkung, dass er ihn aufschlitzen werde. Hinzu kommt, da ss er seinen Mittäter aufforderte, eine Waffe zu zücken (vgl. Urteil des Obergerichts des K antons Aargau vom 26. Juni 2014, S. 25). Diese Dreistigkeit bei der Tatausführung lässt auf eine erhebliche kriminelle Energie des Beschwerdeführers schliessen. Reue und Einsicht waren überdies zu keinem Zeitpunkt erkenn- bar. Weiter gilt es zu seinen Ungunsten zu berücksichti gen, dass er sich trotz einer bereits im Jahr 2011 ausgesprochenen ausländerrechtlichen Verwarn ung im Strafvollzug äusserst unein- sichtig zeigte. Selbst während des Massnahmevollzugs ergriff er die Flucht und delinquierte erneut, wodurch er ein weitgehend therapieresistentes Verhalten manifestierte und ihm deshalb eine ungünstige Legalprognose ausgestellt wurde (vgl. Gutachten der UPK vom 22. April 2014, S. 21). Für die während seiner Flucht begangenen Taten wurde er darüber hinaus zu einer wei- teren Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt. Auch wenn diese Straftaten, welche nach der Verwarnung hinzugekommen sind, für sich alleine einen W iderruf der Niederlassungsbewilli- gung nicht zu rechtfertigen vermögen, sind sie bei der Verhältnismässigkeitsprüfung zu berück- sichtigen und fallen negativ ins Gewicht. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers ist vorliegend von einer schlechten Prognose auszugehen, was auch das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt zum Ausdruck bringt, wenn es von einer Unbelehrbarkeit des Beschwer- deführers spricht (vgl. Urteil des Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 13. Dezember 2017, S. 7). Unter den geschilderten Ums tänden vermag eine erneute Verwar- nung die öffentliche Sicherheit nicht zu gewährleisten. In beruflicher Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer über keine abgeschlossene Berufsa usbildung verfügt und er mit Ausnahme einer zweiwöchigen Anstellung als Servicemitarb eiter in einem Restaurant im Mai 2018 keine Erwerbstätigkeit nachweist. Die Chance, im Rahmen des Massnahmevollzugs eine Berufslehre zu absolvieren, hat er nicht genutzt. Somit fehlt es an einer erfolgreichen Integration in den Arbeitsmarkt. Bis heute ist unklar geblieben, wie er seinen Lebensunterhalt bestreitet. Dass er zwischen Anfang Dezember 2005 und Ende Oktober 2 011 nachweislich Sozialhilfeleis- tungen in der Höhe von Fr. 52'382.-- bezog, fällt bei der Interessenabwägung zusätzlich negativ Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ins Gewicht. Sofern der Beschwerdeführer geltend macht , dass sich zwischenzeitlich insbeson- dere deshalb eine stabile Lebenssituation abzeichne, w eil er sich um Arbeit bemühe, kann ihm nicht gefolgt werden. Bei drei Bewerbungsschreiben und der Anmeldung für die theoretische Fahrprüfung kann nicht von ernsthaften Bemühungen um eine Arbeitsstelle ausgegangen wer- den. Demzufolge muss auch die wirtschaftliche Integration des Beschwerdeführers als geschei- tert bezeichnet werden. Der Beschwerdeführer wohnt be i seiner psychisch beeinträchtigten Mutter, um die er sich kümmert. Diese Ausgangslage begr ündet jedoch keine besonders emotionale Abhängigkeit, auf die er sich berufen könnt e. Vielmehr kann er den Kontakt zu sei- ner Familie sowie zu seiner Freundin besuchsweise bzw. üb er die heute zur Verfügung stehen- den Kommunikationsmittel aufrechterhalten, auch wenn ih n die Wegweisung aus der Schweiz sicher hart treffen wird. Der ledige und kinderlose Besc hwerdeführer ist überdies noch jung und wird sich in seinem Herkunftsland eine neue Existenz auf bauen können, zumal er die türkische Sprache spricht (vgl. Protokoll der Parteiverhandlung vom 6. Januar 2015, S. 2) und aufgrund seines Schulaufenthaltes als Jugendlicher in der Türkei m it den dortigen Gepflogenheiten ver- traut ist. Soweit seine Freundin mit Schreiben vom 2 6. November 2017 weiter geltend macht, der Beschwerdeführer würde aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer alewitisch-kurdischen Min- derheit in der Türkei einer Gefahr ausgesetzt, so kann sie daraus nichts zu seinen Gunsten ab- leiten. Eine persönliche Gefährdung des Beschwerdefüh rers wird in keiner Weise belegt oder auch nur glaubhaft gemacht. Somit stehen dem Aufbau einer neuen Existenz in seinem Her- kunftsland keine ernsthaften Hindernisse im Weg und ein e Rückkehr erweist sich somit als zu- mutbar. Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen ist zusammenfassend festzuhalten, dass die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz aufgrund sei- ner hiesigen Geburt, der langen Aufenthaltsdauer sowie seiner familiären Verhältnisse zwar hoch sind. Sie vermögen jedoch das öffentliche Interesse an seiner Wegweisung insbesondere aufgrund der wiederholten und schwerwiegenden Delinqu enz und der damit verbundenen Ge- fährdung der öffentlichen Sicherheit – wenn auch knapp – nicht zu überwiegen. Vor diesem Hintergrund erweist sich der Widerruf der Niederlassung sbewilligung als verhältnismässig und die Beschwerde ist abzuweisen. 7.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr . 1'400.-- dem unterliegenden Be- schwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 7.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug einer Anwältin bzw. eines Anwalts eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die Parteikosten sind demnach wettzusc hlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung ist dem Rechtsvertrete r des Beschwerdeführers ein Honorar aus der Gerichtskasse auszurichten. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honora r bei unentgeltlicher Verbeiständung Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 200.-- pro Stunde. In seinen Honorarnoten vom 18 . September 2015, 6. Januar 2016 und 12. November 2018 macht er einen Zeitaufwand von insge samt 34.25 Stunden à Fr. 200.-- gel- tend, was nicht zu beanstanden ist. Weiter macht er für die Bemühungen seiner Volontärin bzw. seines Volontärs einen Zeitaufwand von 8.92 Stunden à Fr. 130.-- geltend. Vorliegend erachtet das Kantonsgericht einen Stundenansatz für die Bemühunge n der Volontärin bzw. des Volon- tärs von Fr. 100.-- als angemessen. Der ausgewiesene Zeit aufwand von 8.92 Stunden ist dem- nach zu einem Ansatz von Fr. 100.-- pro Stunde zu entsch ädigen. Die geltend gemachten Aus- lagen sind nicht zu beanstanden. Dem Rechtsvertreter ist somit ein Honorar in der Höhe von Fr. 8'992.90 (inkl. Auslagen und 8 % bzw. 7.7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszu- richten. 7.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich darauf hingew iesen, dass er zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 8'992.90 (inkl. Auslagen und 8 % bzw. 7.7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 13. Mai 2019 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 2C_450/2019) erhoben.