B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6487/2012/wif U r t e i l v o m 2 1 . M ä r z 2 0 1 3 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), und deren Kinder B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), Eritrea, alle vertreten durch Stefan Hery, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. November 2012 / N (…). D-6487/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin, A._______ (in der Folge: die Be schwer- deführerin), eine Tigrinerin mit letztem Wohnsitz in D._______, gelangte am 8. Juni 2010 in die Schweiz und suchte gleichentags um Asyl nach. A.b Bei der Erstbefragung im Empfangs - und Verfahrenszentrum Kreuz- lingen vom 18. Juni 2010 gab die Beschwerdeführerin vorerst an, Eritrea im Februar 2008 verlassen zu haben und nach längeren Aufenthalten im Sudan und in Libyen im Juni 2010 in Italien angelangt zu sein. Darauf an- gesprochen, dass ihr gemäss einem Eintrag in der Eurodac-Datenbank am 2. August 2008 in Italien Fingerabdrücke abgenommen worden seien, räumte sie ein, sich im August 2008 in Italien aufgehalten zu haben. Dort sei sie vergewaltigt worden, worauf sie nach Norwegen gegangen sei, wo sie ihre Tochter entbunden habe. Norwegen habe sie nach Italien zurüc k- geschafft. Die italienischen Behörden hätten sie zwar in Empfang genom- men, aber nichts für sie getan. Sie habe Eritrea verlassen, weil sie ihren Glauben nicht habe frei ausüben können. Sie gehöre seit dem Jahr 2000 der Pfingstgemeinde an und sei in den Jahren 2006/2007 in Haft gew e- sen. Auch ihre Schwester sei aus demselben G rund inhaftiert worden; ei- ne Woche nach der Haftentlassung sei sie verstorben. Sie habe Eritrea verlassen, ohne ihren Lebenspartner (E._______) – sie seien in Anw e- senheit eines Bürgen und ihrer Familien religiös getraut worden –, von dem sie schwanger gewesen sei, zu informieren. Als sie im Sudan ang e- kommen sei, habe sie dieses Kind verloren. A.c Das BFM ersuchte die italienischen Behörden am 5. Juli 2010 g e- stützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Ra- tes vom 18. Februar 2003 zur Fest legung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt- staatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zustä n- dig ist (Dublin II-VO), um die Rückübernahme der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter. A.d Die italienischen Behörden teilten dem BFM am 1. September 2010 mit, der Beschwerdeführerin sei in Italien unter der Identität F._______, geboren (…), der Flüchtlingsstatus zuerkannt worden. Eine Rückübe r- nahme der Beschwerdeführerin und ihres Kindes gestützt auf die Dublin II-VO komme deshalb nicht in Betracht. D-6487/2012 Seite 3 A.e Die Beschwerdeführerin brachte am 9. Mai 2011 ihre Tochter C._______ zur Welt. A.f Am 18. Juni 2012 hörte das BFM die Beschwerdeführerin zu ihren Asylgründen an. Sie machte im Wesentlichen geltend, sie habe im Januar 2005 in ihrer Heimat ihren Landsmann E._______ nach Brauch geheir a- tet. Sie habe ihn (in der Schweiz) ausfindig gemacht und ihm erzählt, was geschehen sei. Er habe es nicht akzeptiert. Zu ihren in Eritrea lebenden Angehörigen habe sie keinen Kontakt mehr. Sie sei gegen die eritreische Regierung und deren Gesetze. Ihre Schwester sei wegen ihres Glaubens inhaftiert worden und später gestorben. Ihr Vater sei kurz darauf gesto r- ben. Man habe sie gegen ihren Willen in den Militärdienst eingezogen. Sie sei im Jahr 2001 eingerückt und habe bis zu ihrer Ausreise Dienst ge- leistet. Im März 2006 sei s ie von der Polizei festgenommen und im Jahr 2007 freigelassen worden. Man habe ihr gesagt, falls sie ihren Glauben weiterhin praktizieren werde, müsse sie mit einer erneuten Inhaftierung rechnen. Danach sei sie von ihrer Einheit aufgefordert worden, weiter hin Dienst zu leisten. Als sie eine Fluchtgelegenheit gehabt habe, habe sie sich spontan zur Ausreise entschlossen. Sie habe ihren Lebenspartner nicht angerufen, da das Telefon abgehört werde. A.g Die Rechtsvertretung teilte dem BFM am 13. Juli 2012 die Manda ts- übernahme mit. Es wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin und ihr Lebenspartner sich in der Schweiz wiedergefunden und versöhnt hät- ten. Da sie künftig als Familie zusammenleben wollten, werde darum g e- beten, eine Entscheidung zu fällen, die das Interesse der Beschwerdefüh- renden am Verbleib in der Schweiz berücksichtige. B. Mit Verfügung vom 13. November 201 2 – eröffnet am 16. November 2012 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführe nden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) . Sie wurden als Flüchtlinge anerkannt ; die Asylgesuche wurden abgelehnt. Sie wurden aus der Schweiz wegg e- wiesen, der Vollzug der Wegweisung indessen wurde zufolge derzeitiger Unzulässigkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben. C. Die Beschwerdeführerin liess durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 13. Dezember 2012 die Aufhebung der Ziffern 3 bis 9 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung beantr a-D-6487/2012 Seite 4 gen. Es sei der Beschwerdeführerin Asyl gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur erneuten Entscheidung im Asyl- punkt an das BFM zurückzuweisen. Es sei ihr die unentgeltliche Recht s- pflege zu gewähren und von der Erhebung eines Kostenvo rschusses sei abzusehen. D. Am 17. Dezember 2012 übermittelte die Beschwerdeführerin eine Bestäti- gung der Gemeinde G._______ vom 14. Dezember 2012, wonach sie von der Sozialhilfe abhängig sei. E. Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unent geltli- chen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahren s- gesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) mit Zwischenver- fügung vom 19. Dezember 2012 gut und verzichtete demzufolge auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Akten wurden zur Vernehmlas- sung an das BFM übermittelt. F. Der Rechtsvertreter reichte am 3. Januar 2013 eine Honorarrechnung , datierend vom selben Tag, ein. G. In seiner Vernehmlassung vom 7. Januar 2013 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. H. Die Beschwerdeführerin liess in ihrer Stellungnahme vom 18. Janu ar 2013, der eine aktualisierte Honorarrechnung , datierend vom selben Tag, beilag, an ihren Anträgen festhalten. I. Mit Schreiben vom 25. Januar 2013 teilte die Beschwerdeführerin mit, sie habe beim BFM gleichentags ein Gesuch um Kantonswechsel eing e- reicht. Sie stellte den Antrag, sie und ihre Kinder seien dem Kanton H._______ zuzuteilen, in dem ihr als Flüchtling anerkannte r Lebenspart- ner (Heirat nach Brauch) lebe. D-6487/2012 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Be - schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und ha- ben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 so- wie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). D-6487/2012 Seite 6 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeb lich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Ehegatten von Flüchtlingen und deren minderjährige Kinder werden als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, sofern keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Andere nahe Angehörige von in der Schweiz lebenden Flüchtlingen können in das Familienasyl eingeschlo s- sen werden, wenn besondere Gründe für die Familienvereinigung spr e- chen (Art. 51 Abs. 1 und 2 AsylG). Andere nahe Angehörige sind insb e- sondere dann zu berücksichtigen, wenn sie behindert sind oder aus e i- nem anderen Grund auf die Hilfe einer Person, die in der Schweiz lebt, angewiesen sind (Art. 38 der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Wurden die anspruchsb e- rechtigten Personen im Sinne von Art. 51 Abs. 1 und 2 AsylG durch die Flucht getrennt und befinden sie sich im Ausland, so ist ihre Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen (Art. 51 Abs. 4 AsylG). 4. 4.1 Das BFM begründete seinen Entscheid damit, dass die Vorbringen teilweise den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhielten. Den Akten sei zu entnehmen, dass die Beschwerde- führerin Eritrea im Februar 2008 illegal und im dienstpflichtigen Alter ve r- lassen habe. Die eritreischen Behörden unterstellten sol chen Personen grundsätzlich eine regierungsfeindliche Haltung und bestraften sie bei e i- ner Rückkehr nach Eritrea sehr streng, wobei sich die Strafmassnahmen durch ein hohes Mass an Brutalität auszeichneten. Damit habe die B e- schwerdeführerin begründete Furc ht, bei einer Rückkehr ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden, womit sie die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Flüchtlingen, die erst durch ihre Ausreise aus dem Heimatstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge gemäss Art. 3 AsylG geworden seien, werde indessen g e- mäss Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt. Die Beschwerdeführerin sei de s- halb von der Asylgewährung auszuschliessen, jedoch in der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Demnach sei das Asylgesuch abzuleh- nen und sie und ihre Kinder seien als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen. D-6487/2012 Seite 7 4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin ha- be bis zu ihrer Flucht aus Eritrea im Februar 2008 zusammen mit ihrem Lebenspartner im Haus ihrer Mutter gele bt. Das Paar sei somit im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG durc h ihre Flucht getrennt worden. N ach ihrer Ankunft in die Schweiz habe sie ihn ausfindig machen können; er lebe als anerkannter Flüchtling im Kanton H._______. Sie habe ihm gesagt, dass sie inzwis chen zwei Kinder geboren habe, was er zunächst nicht habe akzeptieren können. Dem BFM sei am 13. Juli 2012 mitgeteilt worden, dass sich die beiden inzwischen versöhnt und den Wunsch hätten, als Familie zusammenzuleben. Das BFM habe im angefochtenen Entsche id weder die Heirat der Beschwerdeführerin noch den Namen ihres Lebens- partners erwähnt, obwohl die Beziehung in der Befragung thematisiert worden sei. Es habe ihre Angaben zur Beziehung zum Lebenspartner nie bestritten. In der Eingabe sei deutlich gemacht worden, dass die beiden ihr Eheleben fortführen möchten. Sie besuchten sich so oft wie möglich. Die unterschiedliche Kantonszuweisung habe ein gemeinsames Wohnen bis jetzt verhindert. Das BFM habe es demnach zu Unrecht unterlassen, die Beschwerdeführerin in das Asyl ihres Lebenspartners einzubeziehen. Der Leitgedanke des Familienasyls bestehe darin, den Rechtsstatus der zum Zeitpunkt der Flucht bestehenden Kernfamilie eines Flüchtlings ei n- heitlich zu regeln. Dies sei vorliegend nicht umgesetzt worden. Eine allfäl- lige Ablehnung der Gewährung von Familienasyl hätte das Bundesamt begründen müssen. Es seien jedoch keine besonderen Umstände e r- sichtlich, die zu einer Nichtgewährung des Anspruchs führen könnten. 4.3 Das BFM führt in der Vernehmlassung aus, die Beschw erdeführerin und ihr Lebenspartner seien seit 2005 nach Brauch verheiratet und hätten sich im Februar 2008 aus den Augen verloren. In der Anhörung vom 18. Juni 20 12 sei die Beziehung der beiden ausführlich behandelt wo r- den. Gemäss den damaligen Aussagen der Beschwerdeführerin sei ihr Lebenspartner angesichts der Tatsache, dass sie zwei Kinder von and e- ren Männern habe, nicht mehr an der Weiterführung der Beziehung int e- ressiert gewesen , und er habe den Kontakt zu ihr abgeb rochen. Die Rechtsvertretung habe zwar in der Mandatsanzeige vom 13. Juli 2012 er- wähnt, dass sich die Beschwerdeführerin und ihr Lebenspartner versöhnt hätten und künftig als Familie zusammenleben wollten, den Akten seien aber keine Hinweise auf eine tats ächlich gelebte Familiengemeinschaft zu entnehmen. Es läge weder ein Gesuch um Kantonswechsel noch ein solches um Einbezug in das Asyl des Partners vor. Das Vorbringen in der Eingabe vom 13. Juli 2012, die beiden hätten sich versöhnt, reiche nicht aus, um einen Einbezug in das Asyl zu rechtfertigen. Ein allfällig eing e-D-6487/2012 Seite 8 reichtes Gesuch um Einbezug gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG müsste ei n- gehend geprüft werden. Das BFM räume ein, dass es die Frage der fami- liären Beziehungen in der Verfügung hätte würdigen sollen. Eine Würdi- gung der Sachlage führe jedoch im Sinne dieser Erwägungen zu keiner Änderung des Standpunkts. 4.4 In der Stellungnahme wird entgegnet, es treffe nicht zu, dass es keine Hinweise auf eine gelebte Familiengemeinschaft gebe. In der Beschwe r- de sei fest gehalten worden, dass die Beschwerdeführerin und ihr Le- benspartner sich so oft es gehe besuchten. Er reise am Freitagnachmi t- tag immer zu ihr nach G._______ und verbringe dort die Wochenenden. Am Montagmorgen kehre er in den Kanton H._______ zurück. Damit leb- ten sie an den Wochenende n eine intakte Familienbeziehung. In der Ei n- gabe vom 13. Juli 2012 sei das Begehren, die Familiengemeinschaft in der Schweiz fortzuführen, ausdrücklich enthalten gewesen. Das BFM hät- te den geschilderten neuen Tatsachen durch Gewä hrung von Familie n- asyl Rechnung tragen müssen, womit sich ein Gesuch um Kantonswec h- sel erübrigt hätte. Es sei nicht richtig, dass die Beschwerdeführerin wä h- rend ihres Asylverfahrens explizit ein Gesuch um Einbezug in das Asyl hätte stellen müssen. Das BFM sei im Rahmen der Untersuchungsmax i- me verpflichtet, auf den festgestellten Sachverhalt die richtigen Recht s- normen anzuwenden. Es habe seine Begründungspflicht verletzt, indem es nicht ausgeführt habe, weshalb es die Voraussetzungen für einen Ei n- bezug in da s Asyl für nicht gegeben gehalten habe. In der Vernehmla s- sung werde festgehalten, es hätte ein Gesuch um Einbezug in das Fam i- lienasyl gestellt werden müssen, damit dieses hätte geprüft werden kö n- nen, gleichzeitig werde aber eingeräumt, die Frage der famil iären Bezie- hungen der Beschwerdeführerin hätte gewürdigt werden sollen. 5. 5.1 Die Beschwerdeführerin erwähnte bereits bei der Erstbefragung vom 18. Juni 2010, dass sie in Eritrea religiös getraut worden sei. Sie habe i h- ren Lebenspartner im Hei matland zurückgel assen, aber sie seien noch zusammen. Als sie Eritrea verlassen habe, sei sie von ihm schwanger ge- wesen. Die Frage, ob sie im Sinn habe, mit ihm Kontakt aufzunehmen, bejahte sie. Sie würde ihm gern erzählen, was ihr widerfahren sei (vgl. Akten BFM act. A1/13 S. 3 f.). Bei der Anhörung vom 18. Juni 2012 sagte sie, sie habe sich bei vielen Landsleuten nach ihrem Lebenspartner e r- kundigt. Sie habe ihn vor etwa fünf Monaten ausfindig gemacht und ihm erzählt, was geschehen sei ; er habe es nicht akzeptieren können . Er ha- be sie zwei - oder dreimal besucht , danach nicht mehr (vgl. act. A41/12 D-6487/2012 Seite 9 S. 3 f.). Am 13. Juli 2012 teilte der Rechtsvertreter dem BFM mit, die Be- schwerdeführerin und ihr Lebenspartner seien am 27. Juni 2012 aufgelöst in der Sprechstunde erschienen. Da eine Verständigung nur schwer mög- lich gewesen sei, habe man am 13. Juli 2012 in Anwesenheit eines Do l- metschers ein zweites Gespräch geführt. Die beiden hätten gesagt, sie hätten sich versöhnt , und es sei ihr grosser Wunsch, zusammen in der Schweiz leben zu können. Ihr Lebenspartner habe vor der Versöhnung grosse Schwierigkeiten mit der Tatsache gehabt, dass seine Frau nach ih- rer Flucht aus Eritrea Kinder von anderen Männern bekommen habe. Da ihm nun die Umstände der Zeugung bekannt seien, habe er seiner Frau verziehen und lehne sie nicht mehr ab. Die Beschwerdeführerin und ihr Lebenspartner hätten vor der Flucht aus Eritrea im Haus dessen Mutter zusammengelebt. Das Paar sei durch Flucht getrennt worden und der Le- benspartner habe sie bei seinen Asylbefrag ungen als Partnerin angeg e- ben (vgl. act. A42/4 S. 1). Angesichts der Tatsache, dass sie in der Schweiz als Familie zusammenleben wollten, bäten sie um eine Entschei- dung, die die Interessen der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder am Verbleib in der Schweiz berücksichtige. 5.2 5.2.1 Der Untersuchungsgrundsatz verpflichtet die Behörde, den Sac h- verhalt von Amtes wegen festzustellen (Art. 12 VwVG). Die Frage, ob der rechtserhebliche Sachverhalt vollständig und richtig festgestellt ist, beu r- teilt sich im Zeitpunkt des B eschwerdeentscheides. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die angefochtene Verfügung nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt (vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltung s- rechtspflege des Bundes, Zürich 1998, 2. Aufl., Rz. 630). 5.2.2 Das BFM hat die E ingabe der Beschwerdeführerin vom 13. Juli 2012 in der angefochtenen Verfügung im Rahmen der Sachverhaltsfes t- stellung nicht erwähnt und deren Inhalt in den Erwägungen auch nicht an- satzweise gewürdigt. In der Vernehmlassung wird zwar eingeräumt, dass die Frage der familiären Beziehungen der Beschwerdeführerin in der Ver- fügung hätte gewürdigt werden sollen, eine Würdigung jedoch zu keiner Änderung des Standpunktes führe. Das BFM räumt damit i mplizit ein, dass der Sachverhalt vor Erlass der angefochten Verfügung nicht recht s- genüglich festgestellt und der Inhalt der Eingabe nicht gewürdigt worden war. D-6487/2012 Seite 10 5.2.3 Das BFM stellt sich in der Vernehmlassung auf den Standpunkt, es liege kein Gesuch um Einbezug der Beschwerdeführerin in das Asyl ihres Lebenspartners vor. Diese Sichtweise vermag nicht zu überzeugen. In der Eingabe vom 13. Juli 2012 wurde zwar kein ausdrücklicher Antrag, sie sei in das Asyl ihres Lebenspartners einzubeziehen, gestellt, indessen wurde ausgeführt, das Paar sei durch Flucht getrennt worden und wolle in der Schweiz künftig (wieder) als Familie zusammenleben. Aufgrund di e- ser Formulierung erscheint hinreichend klar, dass die Beschwerdeführerin sich in ihren Ausführungen auf Art. 51 AsylG (Familienasyl) bezog und um Einbezug in das Asyl ihres Lebenspartners ersuchte . Da im erstinstanzli- chen Verfahren die strengen Anforderungen des Art. 52 VwVG an Inhalt und Form für (Beschwerde-)Begehren nicht zur Anwendung gelangen, ist vom Vorliegen eines rechtsgenüglichen Gesuchs um Gewährung von Fa- milienasyl auszugehen. 6. 6.1 Aus prozessökonomischen Gründen hat der Gesetzgeber die Verwal - tungsbeschwerde grundsätzlich reformatorisch ausgestaltet und gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG soll eine Kassation und Rückweisung an die Vori n- stanz nur ausnahmsweise erfolgen, so etwa, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. 6.2 Aufgrund des vorstehend Gesagten liegt eine unvollständige Sachver- haltsfeststellung vor. Die Behörden sind verpflichtet, den Sachverhalt von Amtes wegen richtig und vollständig festzustellen und diesen zu würd i- gen. Das BFM führt in seiner Vernehmlassung zu Recht aus, ein Gesuch um Einbezug gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG müsste eingehend gep rüft werden. Aufgrund der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung ist die Be- schwerde gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben und das Verfahren zur weiteren Abklärung des rechtserheblichen Sachve r- halts, eingehenden Prüfung und Neubeurteilung a n die Vorinstanz z u- rückzuweisen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 7.2 Der obsiegenden und im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsg e- richt vertretenen Beschwerdeführerin ist zu Lasten der Vorinstanz ei ne Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnis-D-6487/2012 Seite 11 mässig hohen Kosten zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGK E, SR 173.320.2]). In der Honorarrechnung vom 18. Januar 2013 werden ein Aufwand von 6,75 Stunden à Fr. 200.– und Auslagen von Fr. 30.–, ins- gesamt somit Fr.1 380.– geltend gemacht, was angemessen erscheint. Das BFM ist demnach anzuweisen, den Beschwerdefüh rerinnen diesen Betrag als Parteientschädigung auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-6487/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Ziffern 3 bis 9 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 13. N o- vember 2012 werden aufgehoben und das BFM wird angewiesen, über das Gesuch um Familienasyl zu befinden. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird a ngewiesen, den Beschwerdeführenden eine Parteien t- schädigung von Fr. 1380.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zuständi- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand: