B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-985/2010 law/auj U r t e i l v o m 26 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am (…), und dessen Ehefrau B._______, geboren am (…), Nigeria, (…) Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); Verfügung des BFM vom 27. Januar 2010 / N (…). D-985/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden verliessen eigenen Angaben zufolge am 10. April 2007 ihren Heimatstaat und reisten über Benin, Niger und Libyen nach Malta, wo sie am 26. Mai 2007 ankamen und sich bis im September 2009 aufhielten. Am 25. September 2009 reisten sie aus Malta aus und gelangten über Italien in die Schweiz, wo sie am 28. September 2009 um Asyl ersuchten. B. Am 29. September 2009 wurden die Beschwerdeführenden im Em p- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel zu ihren Ausreisegründen be- fragt. Dabei gaben sie im Wesentlichen an, sie hätten in Malta um Asyl ersucht und sich dort ei n neues Leben aufbauen wollen. Beide seien b e- rufstätig gewesen. Nach der Ablehnung der Asylgesuche hätten sie einen Rekurs eingereicht, welcher im Zeitpunkt ihrer Weiterreise in die Schweiz noch hängig gewesen sei. Sie hätten Malta verlassen, weil sie dort im August 2009 mitten in der Nacht anonyme Anrufe erhalten hätten und am 20. September 2009 von der Schwiegermutter des Beschwerdeführers te- lefonisch gewarnt worden seien, dass der Mann, welcher sie in Nigeria verfolgt habe, weil er die Beschwerdeführerin heiraten wolle, herausge- funden habe, dass sie sich in Malta aufhielten. C. Das BFM gewährte d en Beschwerdeführenden im Rahmen der Befr a- gung vom 29. September 2009 mit Blick auf ein allfälliges Nichteintreten auf ihre Asylgesuche im Sinne von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) das rechtliche Gehör zu einer Wegweisung nach Malta. D. Am 8. Oktober 2009 ersuchte das BFM die maltesischen Behörden ge- stützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags z u- ständig ist (Dubl in-II-VO), um Wiederaufnahme der Beschwerdeführen- den. Die Behörden Maltas stimmten diesem Ersuchen am 20. Oktober 2009 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. ec Dublin-II-VO zu. D-985/2010 Seite 3 E. Mit Verfügung vom 27. Januar 2010 – eröffnet am 11. Februar 2010 – trat das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesu- che der Beschwerdeführenden vom 28. September 2009 nicht ein, ordne- te ihre Wegweisung nach Malta an und forderte sie auf, die Schweiz so- fort zu verlassen. Gleichzeitig stellte das Bundesamt fest, der Kanton Ba- selland sei verpflichtet, die Wegweisungsverfügung zu vollziehen, und ei- ne allfällige Beschwerde gegen die vorliegende Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung. Soda nn händigte das BFM den Be - schwerdeführenden die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeic h- nis aus. F. Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 18. Februar 2010 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragten, die Verfügung des BFM vom 27. Januar 2010 sei aufzuhe- ben, es sei festzustellen, dass ihre Wegweisung nicht zumutbar sei und das Bundesamt anzuweisen, den weiteren Aufenthalt nach den Be stim- mungen über die vorläufige Aufnahme zu re geln; eventualiter sei die a n- gefochtene Verfügung aufzuheben und das BFM anzuweisen, die Zumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs neu zu prüfen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten die Beschwerdeführenden, es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschie bende Wirkung zu erteilen, und es seien die Vollzugsbehörden im Sinne einer vorsorglichen Massnahme anzuweisen, von Vollzugshandlungen bis zum Entscheid über das Gesuch um Erte i- lung der aufschiebenden Wirkun g abzusehen. Schliesslich beantragten sie, es sei ihnen die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwa l- tungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. G. Mit Zwischenverfügung vom 18. Februar 2010 setzte der Instruktionsrich- ter des Bundesverwaltungsgerichts den Vollzug der Wegweisung gestützt auf Art. 56 VwVG aus. D-985/2010 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Die Beschwerdeführende n haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders b e- rührt, haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie- hungsweise Änderung und sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist demnach – unter Vorbehalt nachstehender Erwägung – einzutreten. 1.3. Im Rahmen des Dublin -Verfahrens – bei dem es sich um ein Übe r- stellungsverfahren in den für die Behandlung des Asylgesuches zuständi- gen Staat handelt – bleibt sys tembedingt kein Raum für Ersatz - massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i. V. m. Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20). Die Frage nach der Zulässigkeit und Mö g- lichkeit des Wegweisungsvollzugs bildet in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG vielmehr bereits Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheides. Auch stellt sich die Frage der Zumutba r- keit in solchen Verfahren nicht unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 4 AuG, sondern ebenfalls vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen einer allfälligen Prüfung des Selbsteintrittsrechts aus humanitären Grü n- den (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG in Verbindung mit Art. 29a AsylV 1). Eine entsprechende Prüfung mus s somit – soweit notwendig – bereits im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645). Auf das Begehren, es sei festzustellen, dass die Weg- weisung nicht zumutbar sei und das Bundesamt sei anzuweisen, den wei- teren Aufenthalt nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln, ist daher nicht einzutreten. D-985/2010 Seite 5 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften- wechsel verzichtet. 4. 4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn A sylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchfü h- rung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG). Ge stützt auf die einleitenden Besti m- mungen sowie Art. 1 Abs. 1 des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwi- schen der Schweizerischen E idgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des z u- ständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin -Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]) i.V.m. Art. 29a Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) hat die Prüfung der staatsvertraglichen Zuständigkeit zur (materiellen) Behan d- lung eines Asylgesuches nach den Kriterien d er Dublin-II-VO zu erfolgen. Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG setzt im Weiteren voraus, dass der staatsver- traglich zuständige Staat einer Übernahme der asylsuchenden Person zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 AsylV 1). Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dub- lin-II-VO prüfen die Mitgliedstaaten jeden Asylantrag, den ein Drittstaat s- angehöriger an der Grenze oder im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates stellt, wobei der Antrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III Dublin -II-VO als zuständiger Staat be- stimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitglie d- staates wird eingeleitet, sobald ein Asylantrag erstmals in einem Mitglied- staat gestellt wurde (Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO), wobei die Kriterien in der in Kapitel III der Dublin -II-VO genannten Rangfolge (vgl. Art. 5-14 Dublin- II-VO) anzuwenden sind sowie von der Situation zum Zeitpunkt, in dem die asylsuchende Person erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat stellt, auszugehen ist (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin-II-VO). 4.2. Die Beschwerdeführenden suchten am 28. September 2009 in der Schweiz um Asyl nach . Aufgrund ihrer Angaben und der Akten steht in- dessen fest, dass sie am 26. Mai 2007 bereits im Dublin -Vertragsstaat D-985/2010 Seite 6 Malta Asylgesuche einge reicht und dort bis zu ihrer Ausreise am 25. September 2009 gelebt haben (vgl. BFM-act. A13/6 S. 2 und 4, A14/7 S. 2 und 4, A1/11 S. 7, A2/10 S. 7). Anlässlich der Befragung im EVZ gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, sie hätten gegen einen ablehnenden Asylentscheid der maltesischen Behörden Re kurs eingelegt, welcher im Zeitpunkt der Ausreise in die Schweiz noch hängig gewesen sei (vgl. act. A1/11 S. 7). Der Beschwerdeführer sagte weiter aus, er habe in Malta ein College besucht und eine gute Arbeit gehabt (vgl. act. A1/11 S. 8); die Be- schwerdeführerin, eine (…), gab an, sie sei als Zimmermädchen in einem Hotel tätig gewesen (vgl. act. A2/10 S. 7). In der Beschwerde wird ausge- führt, beide seien in Malta einer regelmässigen Arbeit nachgegangen, und der Beschwerdeführer habe auf seinem erlernten Beruf als (…) gearbeitet (Beschwerde B 1 Ziff. 1.1 S. 2). Die erste Asylantragsstellung gemäss Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO erfolgte demnach in Malta. 4.3. 4.3.1. Gemäss Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO hat ein Mitgliedstaat, welcher Drittstaatsangehörige, deren Asylanträge er abgelehnt hat, und die sich unerlaubt im Hoheitsgebiet eines andern Mitgliedstaates aufha l- ten, nach Massgabe des Arti kels 20 wieder aufzunehmen. Das BFM hat unter Anrufung von Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO die Behörden vom Malta am 8. Oktober 2009 um Aufnahme der – illegal in die Schweiz ei n- gereisten (vgl. act. A1/11 S. 8, A2/10 S. 8) – Beschwerdeführenden e r- sucht (vgl. act. A13/6 S. 4, A14/7 S. 4, A15/5 S. 1). Die maltesischen B e- hörden haben mit E -Mail vom 20 . Oktober 2009 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO – und damit innerhalb der in Art. 20 Abs. 1 Bst. b Dublin-II-VO vorgesehenen Frist von einem Monat – einer Wieder- aufnahme der Beschwerdeführenden zugestimmt (vgl. act. A15/1). Dem- nach ist Malta für die Durchführung des As yl- und Wegweisungsverfah- rens staatsvertraglich zuständig. 4.3.2. Die Beschwerdeführenden bestreiten weder im Rahmen des v o- rinstanzlichen Verfahrens (vgl. act. A1/11, A2/10) noch auf Beschwerde- ebene die grundsätzliche Zuständigkeit Maltas. An der anlässlich der Be- fragung im EVZ erfolgten Gehörsgewährung wandte der Beschwerdefüh- rer ein, er könne nicht nach Malta zurückkehren, sein Leben sei dort nicht sicher, er habe in Malta eine gute Arbeit zurückgelassen und würde lieber woanders leben als dort zu sterben (vgl. act. A1/11 S. 8). Die Beschwer- deführerin gab an, nicht nach Malta zurückkeh ren zu wollen aus Angst davor, dass man dort ihren Ehemann töten würde (vgl. act. A2/10 S. 7). In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, die Rückkehr D-985/2010 Seite 7 nach Malta sei wegen gesundheitlicher Probleme der Beschwerdeführerin nicht zumutbar. 5. 5.1. Nach Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO kann die Schweiz ein Asylgesuch materiell prüfen, auch wenn nach den in der Verordnung vorgesehenen Kriterien ein anderer Staat zuständig ist (Selbstei ntrittsrecht). Diese B e- stimmung ist nicht direkt anwendbar, sondern kann nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts anger u- fen werden (vgl. BVGE 2010/45 E. 5 S. 635 f.). Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 sieht vor, dass das BF M aus humanitären Gründen ein Gesuch beha n- deln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin -II-Verordnung ein anderer Staat zuständig ist. Es handelt sich dabei um eine Kann - Bestimmung, die den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum lässt und restriktiv auszulegen ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.2.2 S. 643 f.). Droht hingegen ein Verstoss gegen Normen des Völkerrechts, wie insbe- sondere das flüchtlingsrechtliche Refoulement -Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüc htlinge (FK, SR 0.142.30), die Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), den Inte r- nationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (UNO -Pakt II, SR 0.103.2) oder das Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105), so besteht ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung des Selbsteintrittsrechts (vgl . BVGE 2010/45 E. 7.2 S. 636 f., CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin II -Verordnung, 3. Aufl., Wien/Graz 2010, K8 zu Art. 3). 5.2. 5.2.1. Im erstinstanzlichen Verfahren – auch anlässlich der Gehörsge- währung im Hinblick auf eine Wegweisung nach Malta – machte die B e- schwerdeführerin keine gesundheitlichen Probleme geltend. Für das BFM bestand insofern keine Veranlassung, die Ausübung des Selbsteintritts- rechts in Betracht zu ziehen. Erst anlässlich der Eröffnung der angefoc h- tenen Verfügung durch die kantonalen Migrationsbehörden am 11. Februar 2010 reichte der Beschwerdeführer ein vom 5. Februar 2010 datierendes Arztzeugnis des (…)spitals (…) betreffend die Beschwerd e- führerin ein und wies darauf hin , dass seine Ehefrau gesundheitliche Probleme habe und in der Schweiz bereits mehrmals operiert worden sei. Die Oberärztin des Spitals bestätigt im erwähnten Zeugnis , dass die B e- schwerdeführerin noch für mindestens vier weitere Monate in ärztlicher D-985/2010 Seite 8 Behandlung stehen werde. Einem weiteren, vom 8. Februar 2010 dati e- renden Arztzeugnis des Spitals ist zu entneh men, dass die Beschwerd e- führerin sich dort im Dezember 2009 und im Januar 2010 je einem opera- tiven Eingriff unterzogen hat. In einem ausführlichen Arztbericht des Spi- tals vom 15. Februar 2010 werden der Beschwerdeführerin unter and e- rem eine Anämisierende H ypermenorrhoe und eine Dysmenorrhoe bei einer gutartigen Muskelgeschwulst der Gebärmutter diagnostiziert. Als bisher erfolgte Therapien werden eine operative Myomresektion ( Gebär- mutterspiegelung), eine diagnostisch -therapeutische Laparoskopie (Bauchspiegelung) sowie eine Eisensubstitution aufgeführt; im Frühso m- mer 2010 sei eine erneute Myomresektion geplant, und die Behandlung werde voraussichtlich in vier bis fünf Monaten abgeschlossen sein. In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin le ide seit mehreren Jahren an starken Blutungen und Schmerzen im Unterleib (vgl . Beschwerde Ziff. B 1.1.1 S 3), deren Ursache in Malta trotz mehreren Arztbesuchen und drei Spitalaufenthalten nicht erkannt und demnach auch nicht behandelt worden sei. Ende Oktober 2010 habe sie mit erneu- ten Schmerzen und schweren Blutungen das (…)spital (…) aufgesucht, wo schliesslich die Myome in der Gebärmutter diagnostiziert worden se i- en. Da unklar sei, ob die Behandlung in Malta fortgeführt werde, und, wenn ja, ob die Beschwerdeführenden in der Lage sein würden, diese zu bezahlen, sei die Beendigung der Behandlung in der Schweiz durch das gegenwärtige ärztliche Team abzuwarten. Eine Rückkehr nach Malta sei daher aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar. 5.2.2. Wie soeben ausgeführt, war gemäss Arztbericht des (…)spitals (…) vom 15. Februar 2010 im Frühsommer 2010 ein letzter medizinischer Eingriff bei der Beschwerdeführerin geplant, wobei festgehalten wurde, die Behandlung werde voraussichtlich in vier bis fünf Monaten abg e- schlossen sein. Da seither und bis heute keine anderslautenden Arz t- zeugnisse mehr eingereicht wurden, ist davon auszugehen, dass die B e- handlung der Beschwerdeführerin effektiv erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Mangels konkreter Hinweise auf aktuelle medizinische Probleme der Beschwerdeführerin besteht mithin zum heutigen Zeitpunkt insofern kein Grund mehr, die Ausübung des Selbsteintrittsrechts in B e- tracht zu ziehen. 5.3. Anlässlich der Gehörsgewährung im Hinblick auf eine allfällige We g- weisung nach Malt a äusserte die Beschwerdeführerin die Befürchtung, man würde dort ihren Ehemann töten (vgl. act. A2/10 S. 7). Dieser gab an, sein Leben sei in Malta nicht sicher, und er würde lieber woanders le-D-985/2010 Seite 9 ben als dort zu sterben (vgl. act. A1/11 S. 8). Diese Einwendungen der Beschwerdeführenden werden auch auf Beschwerdeebene nicht weiter substanziiert. Sie sind daher nicht geeignet, einen Selbsteintritt gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO zu begründen. Sollten die Beschwerdeführe n- den wider Erwarten irgendwelche Probleme mit Drittpersonen haben, können sie sich an die maltesischen Behörden wenden. Auch sonst li e- gen keine Gründe vor, die einen Selbsteintritt gemäss Art. 3 Abs. 2 Dub- lin-II-VO nahelegen würden, da Malta unter anderem S ignatarstaat der FK und der EMRK ist und keine konkreten Hinweise dafür bestehen, der maltesische Staat würde sich nicht an die daraus resultierenden Ve r- pflichtungen halten. 5.4. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist zusammenfassend fest- zustellen, dass das BFM im Ergebnis zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist. 6. Das Nichteintreten auf ein Asylgesuch hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge; dabei wird der Grundsatz der Einheit der F a- milie berücksichtigt (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend wurde keine aus- länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung erteilt, und es besteht auch kein Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. Entscheidungen und Mitteilun- gen der Schweizerischen Asylrekurskommiss ion [ EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen B e- stimmungen steht und demnach vom BFM zu Recht angeordnet wurde. Für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 i.V.m. Art. 83 Abs. AuG besteht – wie in E. 1.3 da rgelegt – im Rahmen des Dublin - Verfahrens kein Raum. Nachdem das BFM auf die Asylgesuche zu Recht nicht eingetreten ist , steht der angeordnete Vollzug der verfügten Weg- weisung im Einklang mit den massgeblichen gesetzlichen Bestimmungen. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich , dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist demnach abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist. 8. Mit dem vorliegenden Entscheid in der Sache selbst ist das Begehren auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde hinfällig ge wor- den. D-985/2010 Seite 10 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten g rundsätzlich den Beschwerdeführend en aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Beschwerde jedoch nicht von Vornherein als aussichtslos zu bezeichnen war und die Beschwerdeführenden aufgrund der Aktenlage als bedürftig gelten, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen und sind ihnen keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-985/2010 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gu t- geheissen. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand: