A bteilung V E -6788/2006 kom /che/scb {T 0/2} U rteil vom 1. Juni 2007 M itw irkung: R ichter König, R icherin Spälti G iannakitsas, R ichter G ysi, G erichtsschreiberin C hastonay 1. X._______, R ussland, 2. Y._______, R ussland, 3. Z._______, R ussland alle vertreten durch lic. iur. Isabelle M üller, C aritas Schw eiz, Abteilung Anw altschaft, _______ Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ; vorm als Bundesam t für Flüchtlinge, BFF), Q uellen- w eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 27. Juni 2003 i.S. W egw eisungsvollzug / R ef.-N r. _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie Beschw erdeführerin - tschetschenischer Ethnie - verliess den H eim atstaat ei- genen Angaben zufolge m it ihrer Tochter am 8. Februar 2003 und gelangte glei- chentags legal (m it Visum ) auf dem Luftw eg nach G enf. Am 10. Februar 2003 stell- te sie im Em pfangszentrum C hiasso für sich und das Kind ein Asylgesuch. Am 13. Februar 2003 w urde die Beschw erdeführerin im Em pfangszentrum erstm als befragt. Am 17. Februar 2003 führte das BFM eine D irektanhörung durch. Für den Aufenthalt w ährend des Asylverfahrens w urden die Beschw erdeführerin und ihr Kind dem Kanton C ._______ zugew iesen. Am 11. M ai 2003 w urde der Sohn Z._______ in der Schw eiz geboren. Am 26. M ai 2003 führte die Vorinstanz eine ergänzende Anhörung m it der Be- schw erdeführerin durch. Im W esentlichen m achte sie zur Begründung ihres Asylgesuches Folgendes gel- tend: Sie habe ab 1999 (Protokoll D irektbefragung vom 17. Februar 2003 S. 4) be- ziehungsw eise ab 2001 (Protokoll Em pfangsstelle S. 1) in A._______ gelebt und in einer Im m obilienagentur gearbeitet. D as Leben in A._______ und ganz R ussland sei für die M enschen tschetschenischer Ethnie praktisch unm öglich gew orden. In Tschetschenien sei sie Ü bergriffen russischer Söldner ausgesetzt gew esen, im übrigen G ebiet der russischen Föderation w erde sie benachteiligt. Beispielsw eise habe sie in A._______ eine U nterkunft gem ietet, ohne von der Verm ieterin angem eldet w orden zu sein. D er Q uartierpolizist habe sie daraufhin zum Verlassen der W ohnung innert W ochenfrist aufgefordert; hätte sie Bestechungsgeld in Form eines halben M ietzinses bezahlt, hätte sie sicher bleiben können. Sie habe zudem N achteile im Spital w ährend der bevorstehenden G eburt des zw eiten Kindes befürchtet und sei daher im Juni 2002 nach B._______ zurückgekehrt. D ort sei ihr Lebenspartner, der Vater der Kinder, von russischen Söldnern einm al entführt w orden, danach w ieder freigekom m en. Bei einer zw eiten solchen Entführung habe sie den Partner über einen M onat nicht finden können und bereits befürchtet, dieser sei getötet w orden. Sie und das ungeborene Kind seien ebenfalls von russischen Söldnern bedroht w orden. Aus diesem G rund sei sie Ende D ezem ber 2002 nach A._______ zurückgekehrt. N ach der Beschaffung der R eisevisa habe sie im Februar 2003 den H eim atstaat legal verlassen und sei legal in die Schw eiz gereist. H ier habe sie erfahren, dass der Partner Anfang M ärz 2003 in A._______ von der Polizei m it gefälschten D ollars angehalten und verhaftet w orden sei. Zum Beleg ihrer Identität reichte die Beschw erdeführerein einen russischen R eise- pass, ihre G eburtsurkunde sow ie diejenige ihrer Tochter, ausgestellt in A._______, zu den Akten. Zudem gab sie eine tem poräre R egistrierung für A._______, gültig vom 16. M ärz 2002 bis zum 16. M ärz 2003, zu den Akten. D ie Visum unterlagen w urden über die Schw eizer Botschaft in A._______ aktenkundig gem acht.3 B. M it Verfügung vom 27. Juni 2003 - eröffnet am 1. Juli 2003 - stellte die Vorinstanz fest, die Vorbringen der Beschw erdeführerin genügten w eder den Anforderungen an die G laubhaftm achung eines asylrelevanten Sachverhaltes noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft, lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die W egw ei- sung aus der Schw eiz. D er Vollzug der W egw eisung nach Tschetschenien w urde als unzum utbar beurteilt, hingegen befand das BFM , es sei der Beschw erdeführe- rin und ihren Kindern grundsätzlich zum utbar und m öglich, sich in einem anderen Teil der R ussischen Föderation legal niederzulassen; m ithin sei der Vollzug der W egw eisung als zulässig, zum utbar und m öglich zu beurteilen. C . M it Beschw erde vom 30. Juli 2002 (recte: 2003 [Poststem pel vom 31. Juli 2003]) an die vorm als zuständige Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) beantragte die Beschw erdeführerin durch ihre R echtsvertreterin die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung im Vollzugspunkt. Es sei die U nzum utbarkeit des Vollzugs der W egw eisung festzustellen und der Beschw erdeführerin und ihren Kindern sei die vorläufige Aufnahm e zu gew ähren. In prozessualer H insicht w urde die unentgeltliche R echtspflege beantragt. Auf die Begründung der R echtsbegehren im Einzelnen w ird, sow eit entscheidw esentlich, in den nachfolgenden Erw ägungen eingegangen. M it der Beschw erdeschrift w urden eine Bestätigung über die Eheschliessung, eine Kopie des Inlandpasses des Ehem annes, eine Besuchserlaubnis vom 17. Juli (jew eils Faxkopien), eine Stellungnahm e des U N H C R vom Januar 2002, ein Schreiben des Kinderspitals C ._______ betreffend das Kind Z._______. sow ie eine Fürsorgebestätigung der C aritas C ._______ zu den Akten gereicht. D . M it verfahrensleitender Verfügung vom 15. August 2003 stellte der zuständige Ins- truktionsrichter fest, die Beschw erde richte sich lediglich gegen den Vollzug der W egw eisung, w eshalb die Verfügung der Vorinstanz, sow eit die Fragen des Asyls und der W egw eisung als solche betreffend, in R echtskraft erw achsen seien. W ei- ter verzichtete der Instruktionsrichter auf die Erhebung eines Kostenvorschusses; hinsichtlich des Entscheids über die beantragte unentgeltliche R echtspflege w urde auf einen späteren Zeitpunkt verw iesen. E. D ie Vorinstanz hielt in der Vernehm lassung vom 15. Septem ber 2003 an ihrer Ver- fügung fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. D iese Stellungnahm e w urde der Beschw erdeführerin am 22. Septem ber 2003 unter Ansetzen einer Frist für allfällige G egenäusserungen zur Kenntnis gebracht. D ie Beschw erdeführerin liess nach einm aliger Fristerstreckung am 15. O ktober 2003 (Poststem pel) ihre Stellungnahm e zu den Akten reichen. F. M it Eingabe vom 4. N ovem ber 2004 reichte die Beschw erdeführerin zum Beleg ih- rer Angaben nam entlich betreffend die geltend gem achte Inhaftierung ihres Le- benspartners ein U rteil m it Ü bersetzung des w esentlichen Inhaltes sow ie eine H o-4 norarnote zu den Akten und w ies bezüglich der Situation der Tschetschenen in der R ussischen Föderation auf einen Bericht der Schw eizerischen Flüchtlingshilfe (SFH ) vom M ai 2004. G . Am 4. Januar 2005 sandte die zuständige kantonale Behörde zw ei bei der Einw oh- nerkontrolle abgegebene D okum ente der Beschw erdeführerin, einen Inlandpass sow ie einen Staatsbürgerschaftsnachw eis, zu den Akten. H . M it Schreiben vom 27. D ezem ber 2006 erkundigte sich die Beschw erdeführerin nach dem aktuellen Verfahrensstand sow ie danach, w ann m it einem Entscheid ge- rechnet w erden könne. D er zuständige Instruktionsrichter teilte den Beschw erdeführern am 30. Januar 2007 m it, das hängige Beschw erdeverfahren sei per 1. Januar 2007 vom Bundes- verw altungsgericht übernom m en w orden. Einen verbindlichen Zeitpunkt für die U r- teilsfällung könne zufolge der G eschäftslast nicht angegeben w erden. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (Asyl, SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; die Beschw erdeführerin m it den Kindern ist legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Be- schw erde ist m ithin einzutreten. 3. 3.1 D ie vorliegende Beschw erde richtet sich allein gegen den angeordneten Vollzug der W egw eisung. D ie Ziffern 1 (Verneinung der Flüchtlingseigenschaft), 2 (Ableh-5 nung des Asylgesuches) und 3 (Verfügung der W egw eisung) des D ispositivs der angefochtenen Verfügung sind dem zufolge m angels Anfechtung in R echtskraft er- w achsen. 3.2 Es bleibt folglich zu prüfen, ob das Bundesam t den Vollzug der W egw eisung zu R echt als zulässig, zum utbar und m öglich erklärt hat (Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 14a des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 4. 4.1 Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zum utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Be- stim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 AN AG ). 4.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus- länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 4.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 4.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D e- zem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon- vention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder ernied- rigender Strafe oder Behandlung unterw orfen w erden. 4.5 In der Beschw erde w ird unter H inw eis auf verschiedene Berichte und Stellungnah- m en zur Situation in Tschetschenien unter anderem ausgeführt, die Beschw erde- führerin habe w ährend ihres Aufenthaltes in A._______ zw ischen 1999 und 2002 zw ar eine Arbeitsstelle gehabt, habe dabei jedoch einen geringeren Lohn als ihre M itarbeiter hinnehm en m üssen. Letztlich habe sich die Firm enleitung jedoch kulant gezeigt, als es um die Papierausstellung gegangen sei (vgl. Beschw erde, S. 3). D er Lebenspartner sei im G efängnis und w arte auf seine G erichtsverhandlung; eine solche w erde im m er auf den 24. des laufenden M onats angesetzt. Am 4. N o- vem ber 2004 reichte die Beschw erdeführerin das G erichtsurteil betreffend ihren Lebenspartner, datierend vom 28. O ktober 2003 (Faxkopie), nachträglich zu den Akten; gem äss diesem sei der Partner zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt w orden. Bei einer R ückkehr befürchte sie w eitere Schw ierigkeiten bis hin zu Ü bergriffen auf ihre Person. Auch habe sie Angst, dann von den Polizeibehörden nach dem G rund ihrer Auslandreise befragt und dabei als junge Tschetschenin w illkürlichen und ernsthaften Ü bergriffen ausgesetzt zu w erden, w obei das Bekanntw erden ihres 6 Asylverfahrens ebenfalls zu R epressalien führen könnte. Sie sehe keine M öglich- keit, sich m it den Kindern in A._______ dauerhaft oder tem porär niederzulassen. In die frühere W ohnung in A._______ könne sie nicht m ehr zurückkehren, zum al sie dam als nicht angem eldet gew esen sei. Aufgrund der Inhaftierung des Partners sei ein Leben ohne Behelligungen in A._______ unm öglich. Zudem sei nicht anzunehm en, dieser könne in A._______ nach der Freilassung eine Arbeitsstelle erhalten, w om it die junge Fam ilie ernsthaft in ihrer Existenz gefährdet sei. Im Ü brigen habe die Beschw erdeführerin die Festnahm en des Partners an allen Befragungen erw ähnt. Ebenso w iderspruchsfrei habe sie die Anzahl der Festnahm en des Partners sow ie die Aufenthaltsorte von M utter und Schw ester - diese seien zw ischen den Städten A._______ und B._______ gependelt - dargelegt. Ereignisse w ie die von der Beschw erdeführerin geschilderten seien für die tschetschenische Bevölkerung alltäglich gew orden. Polizeikontrollen, Festnahm en, Beschim pfungen und D iskrim inierungen seien seit Beginn der Tschetschenienkriege an der Tagesordnung. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz, w onach der Beschw erdeführerin gestützt auf die verfassungsm ässig garantierte N iederlassungsfreiheit eine innerstaatliche Ausw eichsm öglichkeit gegeben sei, m ithin eine W ohnsitznahm e ausserhalb Tschetscheniens offen stehe, sei festzuhalten, dass die örtlichen Behörden in der R ussischen Föderation sich aufgrund der unvollkom m enen U m setzung des neuen R egistrierungssystem s die M öglichkeit vorbehalten hätten, die M odalitäten der U m setzung dieses R echts auf Freizügigkeit und W ahl des Aufenthalts- oder W ohnortes selber festzulegen; dabei w erde oft restriktiv verfahren. D as ganze System der R egistrierung stelle, w ie die G esellschaft für bedrohte Völker festhalte, ein grosses, aktuelles Problem dar. W er nicht am W ohnort registriert sei, lebe praktisch w ie ein illegaler Flüchtling in einem frem den Land. In A._______ w erde den tschetschenischen Flüchtlingen eine R egistrierung praktisch unm öglich gem acht; jeder diesbezügliche Versuch w erde von Beleidigungen, D em ütigungen, m itunter von w illkürlichen Festnahm en und erkennungsdienstlicher Behandlung begleitet. Vor diesem H intergrund sei die Auffassung der Vorinstanz nicht zutreffend, w onach sich die R egistrierung der Beschw erdeführerin und ihrer Kinder ohne Problem e gestalten dürfte. Andererseits verw ehre eine fehlende R egistrierung den Zugang zu den grundlegenden sozialen und bürgerlichen R echten, w ie legaler Arbeitserw erb, m edizinische Versorgung und Bildung, w ie dies das U N H C R in einer Stellungnahm e vom Januar 2002 festhalte. Als alleinerziehende M utter von zw ei Kindern sei es der Beschw erdefüh- rerin zum indest gegenw ärtig auch nicht zum utbar, sich in einem anderen Teil der R ussischen R epublik, w ie D agestan oder im W olgagebiet niederzulassen, zum al Angehörige der tschetschenischen Ethnie auch dort Problem en begegneten. 4.6 D ie Vorinstanz w ies in ihrer Verfügung zutreffend darauf hin, dass der G rundsatz der N ichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfül- len (vgl. M ario G attiker, D as Asyl- und W egw eisungsverfahren, Bern 1999, S. 89). D ie Beschw erdeführerin hält in diesem Zusam m enhang an der G laubhaftigkeit ih- rer Vorbringen nam entlich betreffend die Festnahm e und Verurteilung ihres Le- benspartners fest. U ngeachtet der Frage der G laubhaftigkeit ist aufgrund des nachträglich am 4. N ovem ber 2004 eingereichten U rteils festzustellen, dass der Partner offensichtlich aufgrund eines strafrechtlichen D elikts zu einer m ehrjährigen 7 G efängnisstrafe verurteilt w orden ist und sich seither im Strafvollzug befindet. D ass der Beschw erdeführerin daraus asylrechtlich relevante N achteile erw achsen sollten, ist dabei nicht anzunehm en, zum al das U rteil keinerlei politischen H inter- grund aufw eist und die Beschw erdeführerin selber ausgeführt hat, ihr Partner habe sich nicht aktiv an Käm pfen gegen russische Truppen beteiligt (vgl. Protokoll An- hörung vom 26. M ai 2003 S. 3). Bezeichnenderw eise w ird denn auch im Schreiben vom 4. N ovem ber 2004 (S. 2) festgehalten, dass der Partner w ohl zu R echt in ei- nem strafrechtlichen Prozess und dabei ohne asylrelevanten Verfolgungshinter- grund verurteilt w orden sei. Insgesam t ist es der Beschw erdeführerin daher nicht gelungen, eine asylrechtlich erhebliche G efährdung nachzuw eisen oder glaubhaft zu m achen; die diesbezüglichen Feststellungen der Vorinstanz sind unangefoch- ten in R echtskraft erw achsen. N ach dem G esagten kann das in Art. 5 AsylG veran- kerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen N on-refoulem ents im vorliegenden Verfah- ren keine Anw endung finden. Eine R ückkehr der Beschw erdeführerin und ihrer Kinder in ihren H eim atstaat ist dem nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtm ässig. 4.7 Sodann ergeben sich w eder aus den Aussagen der Beschw erdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in ihren H eim atstaat dort m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EM R K oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt w ären. G em äss Praxis des Europäischen G erichtshofes für M enschenrechte sow ie jener des U N -Anti-Fol- terausschusses m üsste die Beschw erdeführerin eine konkrete G efahr ("real risk") nachw eisen oder glaubhaft m achen, dass ihr und den Kindern im Fall einer R ück- schiebung Folter oder unm enschliche Behandlung drohen w ürde (vgl. Entscheide und M itteilungen der Schw eizerischenn Asylrekurskom m ission [EM AR K] 2001 N r. 16, S. 122, m .w .H .). D ie allgem eine M enschenrechtssituation in ihrem H eim atstaat lässt den W egw eisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung sow ohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim m ungen zulässig. 4.8 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung auch verzichtet, w enn die R ück- kehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung darstellt. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herrschenden allge- m einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situati- on allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om ente, w ie beispielsw eise einer notw endigen m edizinischen Behandlung, angenom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 4.9 D ie Ausführungen auf Beschw erdeebene, w onach M enschen kaukasischer Ab- stam m ung in Teilen der R ussischen Föderation m it M isstrauen und Ablehnung be- gegnet w ird, w erden w eder vom BFM noch vom Bundesverw altungsgericht in Fra- ge gestellt. Es ist jedoch auch aktuell nicht davon auszugehen, dass Personen kaukasischer Abstam m ung allein aufgrund ihrer H erkunft asylrechtlich relevanter Verfolgung ausgesetzt w erden. W ohl besteht für die Angehörigen der tschetsche-8 nischen Ethnie die G efahr, in erhöhtem M asse von Behördenstellen überprüft zu w erden. Es ist auch davon auszugehen, dass Personen tschetschenischer Ethnie respektive kaukasischer H erkunft im Vergleich zu allfällig anderen intern Vertriebe- nen in der R ussischen Föderation eher das Augenm erk der Behörden auf sich zie- hen und ihnen deshalb m it einer gew issen W ahrscheinlichkeit entsprechende Schw ierigkeiten erw achsen können. Auch auf dem Arbeits- und W ohnm arkt w er- den die Angehörigen dieser G ruppe offenbar diskrim iniert. Solche Personenkon- trollen, Schikanen und D iskrim inierungen, die zw eifellos auch auf frühere Attenta- te seitens tschetschenischer G ruppierungen zurückzuführen sind, m ögen den da- von Betroffenen - w ie vorliegend auch die Beschw erdeführerin ausführt - als ernst- hafte Benachteiligungen erscheinen, sind jedoch nicht als konkrete G efährdung im Sinne der zu beachtenden Bestim m ungen zu w erten, nachdem sie in der R egel ein bestim m tes M ass nicht überschreiten. G em äss Erkenntnissen des Bundesverw al- tungsgerichts leben viele Kaukasier seit langer Zeit in A._______ und in anderen R egionen der R ussischen Föderation. Zahlreiche von ihnen haben zw ar keinen geregelten Aufenthalt, gehen aber gleichw ohl einer Erw erbstätigkeit nach und w erden nicht in einem relevanten Ausm ass behelligt. In Fortsetzung der diesbezüglichen R echtsprechung der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission geht das Bundesverw altungsgericht daher davon aus, dass sich der Vollzug der W egw eisung abgew iesener tschetschenischer Asylsuchender an einen innerstaatlichen Zufluchtsort unter U m ständen als zum utbar erw eisen kann. D abei sind jedoch hohe Anforderungen an den N achw eis der Zum utbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative zu stellen. Insbesondere ist zu prüfen, ob die betroffene Person über ein tragfähiges, insbesondere fam iliäres Beziehungsnetz - so auch im H inblick auf eine zum utbare U nterkunft - am allfälligen Zufluchtsort verfügt. Auf ein Beziehungsnetz darf im Ü brigen unter U m ständen auch dann geschlossen w erden, w enn sich die betreffende Person vor ihrer Ausreise w ährend langer Zeit an einem innerstaatlichen Zufluchtsort aufhielt und sich aus den Akten keine überzeugenden Argum ente gegen eine R ückkehr dorthin ergeben. Im W eiteren verm ögen überdurchschnittliche finanzielle M ittel die Eingliederung am Zufluchtsort zw eifellos zu erleichtern. Zu berücksichtigen sind ferner Alter, G esundheit, G eschlecht, Ausbildung und die bisherigen beruflichen Erfahrungen der betreffenden Person. Eine Situation, w elche tschetschenische Asylsuchende a priori als G ew alt- oder D e-facto-Flüchtlinge (im Sinne von Art. 14a Abs. 4 AN AG ) im gesam ten G ebiet der R ussischen Föderation qualifizieren w ürde, lässt sich dem nach nicht generell bejahen (vgl. EM AR K 2005 N r. 17). 4.10 Vorliegend ist in individueller H insicht Folgendes festzuhalten: die junge und - ge- m äss aktuellen Akten gesunde - Beschw erdeführerin verfügt über eine gute Schul- bildung und spricht neben der tschetschenischen M uttersprache perfekt russisch. Sie konnte zw ar eigenen Angaben zufolge die M ittelschule m angels genügender Lehrerschaft nicht abschliessen, jedoch in A._______ eine Privatschule besuchen und sich dort im R echnungsw esen ausbilden lassen (vgl. Protokoll Anhörung vom 17. Februar 2003, S. 5). M it 18 oder 19 Jahren ist sie m it der M utter nach A._______ gezogen; sie hätten danach ferienhalber in Tschetschenien gew eilt (vgl. a.a.O ., S. 4). D ie Beschw erdeführerin hat in A._______ eine gute Arbeitsstelle bei einer Im m obilienagentur gehabt, entsprechende Zeugnisse sind m it den Visum unterlagen aktenkundig gew orden. G em äss diesen Zeugnissen ist 9 die Beschw erdeführerin seit April 1999 bei der besagten Firm a tätig gew esen, som it hat sie entgegen ihren Ausführungen (Protokoll vom 26. M ai 2003, S. 3) offensichtlich bereits vor Ausbruch des zw eiten Tschetschenienkrieges im Septem ber/O ktober 1999 in A._______ gelebt. Sodann verfügt die Beschw erdeführerin in A._______ über ein gefestigtes und tragfähiges fam iliäres Beziehungsnetz; gem äss ihren Angaben leben die M utter und die Schw ester dort. D er U m stand, dass M utter und Schw ester zeitw eise in Tschetschenien w eilen, verm ag nichts daran zu ändern, dass nam entlich offensichtlich die M utter seit 1997 (vgl. Anhörung vom 17. Februar 2003, S. 5) m it entsprechender R egistrierung in A._______ lebt. W eiter hat die Beschw erdeführerin eine Tante in A._______ erw ähnt, w elche sie oft besucht habe (vgl. Protokoll Anhörung vom 26. M ai 2003, S. 3). N eben diesem fam iliären Beziehungsnetz dürfte sie sich zudem w ährend ihres Aufenthaltes in A._______ bis zur Ausreise auch ein bekanntschaftliches Beziehungsnetz aufgebaut haben. Sow eit die Beschw erdeführerin m itteilen liess (vgl. Schreiben vom 4. N ovem ber 2004), sie habe sich im H erbst 2004 aufgrund depressiver Sym ptom e auf freiw illi- ger Basis im Psychologischen Am bulatorium Luzern-Landschaft in Behandlung be- geben, sind diese gesundheitlichen Problem e gem äss ihren Ausführungen auf die unsichere Situation im Zusam m enhang m it dem hängigen Asyl- respektive Be- schw erdeverfahren und der dam it verbundenen U ngew issheit der Zukunft verbun- den gew esen. D iese nachvollziehbaren Problem e haben indessen keinen unm ittel- baren Einfluss auf die Frage der Zum utbarkeit eines W egw eisungsvollzugs, w el- che vor dem H intergrund der individuellen Situation im H eim atland zu prüfen ist. D arüber hinaus sind in nachfolgenden Eingaben diesbezüglich keine w eiteren H in- w eise m ehr aktenkundig gem acht w orden, w om it davon ausgegangen w erden darf, dass sich die gesundheitliche Situation der Beschw erdeführerin in psychischer H insicht stabilisiert hat. Zudem w äre in diesem Zusam m enhang darauf hinzuw ei- sen, dass allfällige psychische Problem e in A._______ grundsätzlich adäquat behandelt w erden könnten. Zusam m enfassend ist festzuhalten, dass es sich bei der Beschw erdeführerin, so- w eit den Akten zu entnehm en, um eine gesunde und junge Frau handelt, die in den G enuss einer sehr guten Schulbildung kam und w elche in der Folge eine ent- sprechende feste Arbeitsstelle fand, w o sie sich Berufserfahrung nam entlich im R echnungsw esen aneignen konnte. Ebenfalls ist aufgrund des oben G esagten von einem intakten fam iliären Beziehungsnetz auszugehen, w elches auch als tragfähig zu anzunehm en ist, zum al der Beschw erdeführerin offenbar der Besuch einer Pri- vatschule in A._______ finanziert w erden konnte. W eiter ist festzuhalten, dass die Beschw erdeführerin w ährend ihres Aufenthaltes in der Schw eiz seit 2004 einer Er- w erbstätigkeit nachging und dam it über ein geregeltes Einkom m en verfügt hat. D as zw eitgeborene Kind der Beschw erdeführerin ist gem äss eingereichtem Arzt- zeugnis vom 20. M ai 2003 m it einem kleinen m uskulären Septum defekt (kleine Verbindung zw ischen beiden H erzkam m ern) zur W elt gekom m en. G em äss Arztbe- fund sollte dieser asym ptom atisch bleiben. Solche D efekte w achsen in den m eis- ten Fällen selber zu; falls dies vorliegend nicht der Fall sein sollte - die Beschw er- deführerin hat diesbezüglich keine w eiteren Angaben gem acht - m üsste jew eils vor 10 allfälligen operativen Eingriffen eine Prophylaxe ("Endokarditisprophylaxe", vgl. Arztbefund) vorgenom m en w erden, w as nichts anderes bedeutet, als dass dem Kind vorbeugend ein Antibiotikum verabreicht w erden m üsste. Auch vor diesem H intergrund ist jedoch der Vollzug der W egw eisung als zum utbar zu beurteilen, zu- m al in A._______ eine funktionierende und vergleichsw eise hochstehende m edizinische Versorgung besteht. Letztlich ist darauf hinzuw eisen, dass m it heutigem U rteil des Bundesverw altungs- gerichts die Beschw erde des Schw agers der Bescherdeführerin (R ef.-N r. _______) betreffend Vollzug der W egw eisung ebenfalls abgew iesen w ird. D ie Beschw erdeführerin könnte dem nach gem einsam m it ihrem Schw ager, m it dem sie offenbar bereits in der Schw eiz eine Zw eckgem einschaft gebildet hat - beide leben an der selben Adresse und haben den gleichen Arbeitgeber - in die H eim at zurückkehren, w as allein bereits die H eim reise erheblich erleichtern dürfte. 4.11 N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung som it auch als zum utbar zu bezeichnen. 4.12 Schliesslich obliegt es der Beschw erdeführerin, sich bei der zuständigen Vertre- tung ihres H eim atstaates die für eine R ückkehr notw endigen R eisedokum ente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG ), w eshalb der Vollzug der W egw eisung auch als m öglich zu bezeichnen ist. 4.13 Insgesam t ist die durch die Vorinstanz verfügte W egw eisung zu bestätigen. D ie Vorinstanz hat deren Vollzug zu R echt als zulässig, zum utbar und m öglich erach- tet. N ach dem G esagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahm e ausser Betracht (Art. 14a Abs. 1 - 4 AN AG ). 5. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig fest- stellt und angem essen ist (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist nach dem G esag- ten abzuw eisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschw erdeführerin auf- zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D as G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege ist m angels Bedürftigkeit (Art. 65 Abs. 1 Vw VG ) abzuw eisen, nach- dem die Beschw erdeführerin in der Schw eiz einer geregelten Erw erbstätigkeit nachgeht. D ie Verfahrenskosten sind auf insgesam t Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 2 und 3 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). (D ispositiv nächste Seite)11 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D as G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege w ird abgew iesen. 3. D ie Verfahrenskosten, bestim m t auf Fr. 600.--, w erden der Beschw erdeführerin auferlegt. D ieser Betrag ist innert 30 Tagen zu G unsten der G erichtskasse zu überw eisen. 4. D ieses U rteil geht an: - die R echtsvertreterin des Beschw erdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben; Beilage: Einzahlungsschein) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. _______) - C ._______ (Beilagen: _______) D er R ichter: D ie G erichtsschreiberin: M arkus König Eveline C hastonay Versand am :