<!DOCTYPE html> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">414</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1" span="">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>79</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 22 Abs. 4 und 5 GSchG</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Werden neue oder geänderte Tankanlagen mit wassergefährdenden</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Flüssigkeiten ausserhalb von Gewässerschutzbereichen in Betrieb genom-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>men, müssen dies die Anlageinhaber der kantonalen Behörde nach deren</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Anordnungen melden. Der Meldung muss kein Zertifikat der Pro-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dukteprüfung eines unabhängigen Prüfinstituts beigelegt werden. Es ge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nügt eine Eigendeklaration und Dokumentation des Anlageherstellers,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dass die Anlage dem Stand der Technik der Branche entspricht.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Regierungsrats i.S. B. AG gegen die Verfügung des</span><br/> <span class="ft4">Departements Bau, Verkehr und Umwelt (Abteilung für Umwelt) vom</span><br/> <span class="ft4">26. Oktober 2016 (RRB Nr. 2016-001224).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">415</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">1. Melde-, nicht Bewilligungspflicht</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 19 GSchG teilen die Kantone ihr Gebiet nach der</span><br/> <span class="ft1">Gefährdung der ober- und der unterirdischen Gewässer in Gewässer-</span><br/> <span class="ft1">schutzbereiche ein (Abs. 1). In den besonders gefährdeten Bereichen</span><br/> <span class="ft1">bedürfen die Erstellung und die Änderung von Bauten und Anlagen</span><br/> <span class="ft1">sowie Grabungen, Erdbewegungen und ähnliche Arbeiten einer kan-</span><br/> <span class="ft1">tonalen Bewilligung, wenn sie die Gewässer gefährden können</span><br/> <span class="ft1">(Abs. 2). Diese Bewilligungspflicht gilt in Gewässerschutzbereichen</span><br/> <span class="ft1">insbesondere für Tankanlagen, in welchen gewässergefährdende</span><br/> <span class="ft1">Flüssigkeiten gelagert werden. Werden Lageranlagen mit wasserge-</span><br/> <span class="ft1">fährdenden Flüssigkeiten dagegen ausserhalb von Gewässerschutz-</span><br/> <span class="ft1">bereichen erstellt, geändert oder ausser Betrieb gesetzt, so müssen</span><br/> <span class="ft1">die Anlageinhaber dies dem Kanton lediglich "nach dessen</span><br/> <span class="ft1">Anordnungen melden" (Art. 22 Abs. 5 GSchG). Die strittige Tankan-</span><br/> <span class="ft1">lage Nr. BT10000-U001 steht in H. unbestrittenermassen nicht in ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Gewässerschutzbereich und ist deshalb nicht bewilligungs-</span><br/> <span class="ft1">pflichtig, sondern lediglich meldepflichtig (vgl. Stellungnahme der</span><br/> <span class="ft1">Abteilung für Umwelt BVU vom ...).</span><br/> <span class="ft1">Dazu in Widerspruch steht Ziffer 2 der angefochtenen Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung der Abteilung für Umwelt BVU vom 23. März 2016, worin die</span><br/> <span class="ft1">Erwartung zum Ausdruck gebracht wird, die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">habe ein "erneutes Gesuch" einzureichen, welchem "eine Zustim-</span><br/> <span class="ft1">mung in Aussicht gestellt" werde, sofern für die Anlage ein "Zertifi-</span><br/> <span class="ft1">kat der Produkteprüfung nach KVU durch den SVTI" vorgelegt</span><br/> <span class="ft1">werde. Die Einreichung eines Gesuchs und die Einholung einer Zu-</span><br/> <span class="ft1">stimmung der Behörden sind im Gewässerschutzgesetz nur bei be-</span><br/> <span class="ft1">willigungspflichtigen Anlagen vorgesehen. Da sich die strittige An-</span><br/> <span class="ft1">lage aber nicht in einem Gewässerschutzbereich befindet, genügt ei-</span><br/> <span class="ft1">ne blosse Meldung an die zuständige kantonale Behörde nach deren</span><br/> <span class="ft1">Anordnungen (Art. 22 Abs. 5 GSchG). Die Inbetriebnahme eines</span><br/> <span class="ft1">Tanks darf ausserhalb von Gewässerschutzbereichen grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">nicht von einem Gesuch und einer kantonalen Bewilligung oder Zu-</span><br/> <span class="ft1">stimmung abhängig gemacht werden. Der Kanton darf nur Anord-</span><br/> <span class="ft1">nungen betreffend die Meldung erlassen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">416</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2. Anordnungen des Kantons betreffend die Meldung</span><br/> <span class="ft1">2.1</span><br/> <span class="ft1">Wer Anlageteile herstellt, muss prüfen, ob diese dem Stand der</span><br/> <span class="ft1">Technik entsprechen und die Prüfergebnisse dokumentieren (Art. 22</span><br/> <span class="ft1">Abs. 4 GSchG).</span><br/> <span class="ft1">Die Abteilung für Umwelt BVU begründet ihre Anordnung, der</span><br/> <span class="ft1">Meldung der Inbetriebnahme einer neuen Tankanlage für wasserge-</span><br/> <span class="ft1">fährdende Flüssigkeiten sei ein "Zertifikat der Produkteprüfung nach</span><br/> <span class="ft1">KVU durch den SVTI" beizulegen, damit, nach dem Wegfall des Zu-</span><br/> <span class="ft1">lassungsverfahrens für Tankanlagen durch den Bund obliege die</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung der Gewässerschutztauglichkeit nun den kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Fachstellen. Die qualitativen Anforderungen an Tankanlagen seien</span><br/> <span class="ft1">unabhängig davon, ob eine Anlage bewilligungs- oder nur melde-</span><br/> <span class="ft1">pflichtig sei, innerhalb und ausserhalb von Gewässerschutzbereichen</span><br/> <span class="ft1">zu erfüllen. Die Komplexität und die Vielfalt der Tanks, der Ausrüs-</span><br/> <span class="ft1">tungsteile und der Tankanlagen verlangten umfassende Fachkennt-</span><br/> <span class="ft1">nisse, welche nicht bei allen Kantonen und Umweltämtern vorhan-</span><br/> <span class="ft1">den sein könnten. Aus diesem Grund und damit schweizweit ein ein-</span><br/> <span class="ft1">heitliches Niveau angewendet werden könne, habe die Konferenz der</span><br/> <span class="ft1">Vorsteher der Umweltschutzämter der Schweiz (KVU) den Schwei-</span><br/> <span class="ft1">zerischen Verein für technische Inspektion (SVTI) als Fachstelle für</span><br/> <span class="ft1">die Überprüfung und Festlegung des Stands der Technik bestimmt.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 49 Abs. 3 GSchG könnten die Kantone für den Vollzug</span><br/> <span class="ft1">öffentlich-rechtliche Körperschaften und Private beiziehen, insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere für die Kontrolle und Überwachung. Dementsprechend werde</span><br/> <span class="ft1">im Kanton Aargau die Produkteprüfung dem SVTI überlassen und es</span><br/> <span class="ft1">sei Sache der Hersteller von Tankanlagen, anlässlich der Meldung ei-</span><br/> <span class="ft1">ner neuen Anlage ein Zertifikat des SVTI über die erfolgte Produk-</span><br/> <span class="ft1">teprüfung vorzulegen. Es bestehe ausserdem die Möglichkeit, bei ei-</span><br/> <span class="ft1">ner ausländischen akkreditierten Zertifizierungsstelle (z.B. TÜV</span><br/> <span class="ft1">SÜD) eine solche Prüfung durchführen zu lassen.</span><br/> <span class="ft1">2.2</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin stellt nicht grundsätzlich in Frage, dass</span><br/> <span class="ft1">die Kantone die Kontrolle und Überwachung von Tankanlagen in ei-</span><br/> <span class="ft1">nem gewissen Umfang dem SVTI übertragen dürfen. Sie rügt aber,</span><br/> <span class="ft1">dass ohne entsprechende gesetzliche Grundlage durch die Forderung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">417</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nach einer Zertifizierung durch den SVTI eine Pflicht zur Typenprü-</span><br/> <span class="ft1">fung oder Bewilligung von neuen, bloss meldepflichtigen Tankanla-</span><br/> <span class="ft1">gen eingeführt wurde. Der Wortlaut von Art. 22 Abs. 4 GSchG, "wer</span><br/> <span class="ft1">Anlageteile herstellt, muss prüfen, ob diese dem Stand der Technik</span><br/> <span class="ft1">entsprechen und die Prüfergebnisse dokumentieren", spricht denn</span><br/> <span class="ft1">auch dafür, dass die Anlage(teile)hersteller die Prüfung und Doku-</span><br/> <span class="ft1">mentation selbst vornehmen dürfen. Ein prüfen lassen müssen durch</span><br/> <span class="ft1">eine kantonale oder überkantonale Behörde oder eine private Stelle</span><br/> <span class="ft1">sieht zumindest der Wortlaut von Art. 22 Abs. 4 GSchG nicht vor. Es</span><br/> <span class="ft1">stellt sich somit die Frage, ob die kantonale Anordnung betreffend</span><br/> <span class="ft1">die vorzunehmende Meldung neuer Tankanlagen mit dem Gewässer-</span><br/> <span class="ft1">schutzgesetz des Bundes vereinbar ist.</span><br/> <span class="ft1">In der ursprünglichen Fassung des Gewässerschutzgesetzes</span><br/> <span class="ft1">vom 24. Januar 1991 und bis zum Inkrafttreten der Revision vom</span><br/> <span class="ft1">24. März 2006 am 1. Januar 2007 sah Art. 22 Abs. 2 GSchG noch</span><br/> <span class="ft1">vor, dass die Errichtung, Änderung und Erweiterung aller Anlagen</span><br/> <span class="ft1">mit wassergefährdenden Flüssigkeiten einer Bewilligung der kanto-</span><br/> <span class="ft1">nalen Behörde bedürfen. Das Konstruktionsmaterial und die techni-</span><br/> <span class="ft1">sche Ausgestaltung von Anlagen mit wassergefährdenden Flüssigkei-</span><br/> <span class="ft1">ten (Zulassungsverfahren, Richtlinien und Regeln der Technik) wa-</span><br/> <span class="ft1">ren durch die inzwischen aufgehobene bundesrätliche Verordnung</span><br/> <span class="ft1">über den Schutz der Gewässer vor wassergefährdenden Flüssigkeiten</span><br/> <span class="ft1">(VWF) vom 1. Juli 1998 detailliert geregelt. Die Inhaber von Lager-</span><br/> <span class="ft1">anlagen und Umschlagplätzen durften nur Anlageteile verwenden,</span><br/> <span class="ft1">für die eine Prüfbescheinigung des zuständigen Bundesamtes bzw.</span><br/> <span class="ft1">eines Sachverständigen im Einvernehmen mit dem Bundesamt vor-</span><br/> <span class="ft1">lag (vgl. Art. 21 und 22 VWF). Das galt insbesondere auch für mit-</span><br/> <span class="ft1">telgrosse prismatische Tanks aus Metall wie den vorliegend strittigen</span><br/> <span class="ft1">Tank der B. AG (vgl. Art. 21 Abs. 2 lit. b VWF). Mit der am</span><br/> <span class="ft1">1. Januar 2007 in Kraft getretenen Revision des Gewässerschutz-</span><br/> <span class="ft1">gesetzes vom 24. März 2006 wollte der Bund jedoch die Vorschriften</span><br/> <span class="ft1">über die Anlagen mit wassergefährdenden Flüssigkeiten vereinfa-</span><br/> <span class="ft1">chen. In der Botschaft über die Änderung des Gewässerschutzgeset-</span><br/> <span class="ft1">zes vom 22. Dezember 2004 (BBl 2005 937 ff.) hielt der Bundesrat</span><br/> <span class="ft1">fest, lecke Tanks seien heute kaum mehr eine Unfallursache; Haupt-</span><br/> <span class="ft1">grund sei menschliches Versagen (Überfüllung, Fehlmanipulationen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">418</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">usw.; BBl 2005 940). In der Übersicht zur Botschaft hielt der</span><br/> <span class="ft1">Bundesrat zusammenfassend fest (BBl 2005 938):</span><br/> <span class="ft5"><i>" Der Bundesrat will die Vorschriften über die Anlagen mit was-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>sergefährdenden Flüssigkeiten vereinfachen. ... Die Eigenverantwor-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>tung der Anlageninhaber wird verstärkt. Wichtige allgemeine Grund-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>sätze wie Stand der Technik, Qualitätssicherung und Meldepflicht</i></span><br/> <span class="ft5"><i>werden auf Gesetzesstufe festgehalten. Die Verordnung über den</i></span><br/> <span class="ft5"><i>Schutz der Gewässer vor wassergefährdenden Flüssigkeiten mit ih-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>ren detaillierten Vorschriften wird aufgehoben."</i></span><br/> <span class="ft1">Dementsprechend wurde mit der Streichung des bisherigen</span><br/> <span class="ft1">Art. 22 Abs. 2 GSchG die Bewilligungspflicht neu auf die besonders</span><br/> <span class="ft1">gefährdeten Gewässerschutzbereiche beschränkt. Dazu führte die</span><br/> <span class="ft1">Botschaft in der Erläuterung des neuen Art. 22 Abs. 2-4 GSchG aus</span><br/> <span class="ft1">(BBl 2005 943):</span><br/> <span class="ft5"><i>" Die bisherige Vorschrift über die kantonale Bewilligungspflicht</i></span><br/> <span class="ft5"><i>soll gestrichen werden. Mit den neuen Absätzen 2 bis 4 soll die Ver-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>antwortung für die Sicherheit bei Tankanlagen noch stärker als bis-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>her von den Anlageninhabern und der Branche wahrgenommen wer-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>den. Wie in zahlreichen anderen Umweltbereichen wird auf den</i></span><br/> <span class="ft5"><i>Stand der Technik abgestellt, welcher letztlich durch die Branche in</i></span><br/> <span class="ft5"><i>eigenen Normen definiert wird."</i></span><br/> <span class="ft1">Die Regeln und der Stand der Technik sollten also nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">durch den Bund, sondern durch die Branche selbst geregelt werden.</span><br/> <span class="ft1">Dass neu die Kantone anstelle des Bundes den Stand der Technik de-</span><br/> <span class="ft1">finieren, war nicht vorgesehen. Die Anordnungen der Kantone be-</span><br/> <span class="ft1">treffend die Meldung von neuen Lageranlagen gemäss Art. 22 Abs. 5</span><br/> <span class="ft1">GSchG dürfen also nicht den Stand der Technik in kantonalen oder</span><br/> <span class="ft1">Konkordatsnormen frei festlegen. Die Kantone dürfen in ihren An-</span><br/> <span class="ft1">ordnungen zur Meldung neuer oder geänderter Tankanlagen höchs-</span><br/> <span class="ft1">tens den von der Branche in eigenen Normen selbst definierten Stand</span><br/> <span class="ft1">der Technik festhalten und verlangen, dass die Anlagehersteller deren</span><br/> <span class="ft1">Einhaltung prüfen, dokumentieren und bei der Meldung bestätigen.</span><br/> <span class="ft1">Die Zuständigkeit der Branche zur Festlegung des Stands der</span><br/> <span class="ft1">Technik hielt der Bundesrat auch in der Erläuterung zu Art. 26 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">GSchG noch einmal fest und er betonte, dass künftig die Eigenver-</span><br/> <span class="ft1">antwortung der Wirtschaft gestärkt werden solle (BBl 2005 945):</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">419</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>" Zudem sollen das Konstruktionsmaterial und die technische</i></span><br/> <span class="ft5"><i>Ausgestaltung von Anlagen mit wassergefährdenden Flüssigkeiten</i></span><br/> <span class="ft5"><i>nicht mehr vom Bund (Zulassungsverfahren, Richtlinien, Regeln der</i></span><br/> <span class="ft5"><i>Technik), sondern einzig durch die Entwicklung in der Branche be-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>stimmt werden (Stand der Technik). Damit wird der Eigenverantwor-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>tung der Wirtschaft mehr Gewicht verliehen und heute noch beste-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>hende Handelshemmnisse abgebaut."</i></span><br/> <span class="ft1">Die Auswirkungen der Revision auf die Kantone hielt die Bot-</span><br/> <span class="ft1">schaft wie folgt fest (BBl 2005 946):</span><br/> <span class="ft5"><i>" Wegen dem Wegfall des Zulassungsverfahrens für Tankanlage-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>teile durch den Bund werden die kantonalen Fachstellen zukünftig</i></span><br/> <span class="ft5"><i>die Gewässerschutztauglichkeit von neu auf dem Markt angebotenen</i></span><br/> <span class="ft5"><i>Anlageteilen selber beurteilen müssen. Dadurch entsteht ein gewis-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>ser Mehraufwand. Kurzfristig kann auch die Umstellung des Vollzugs</i></span><br/> <span class="ft5"><i>zu einer Mehrbelastung führen. Durch die Beschränkung der Bewil-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>ligungs-, Abnahme- und Kontrollpflicht werden die kantonalen Fach-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>stellen aber entsprechend entlastet."</i></span><br/> <span class="ft1">2.3</span><br/> <span class="ft1">Seit dem 1. Januar 2007 müssen also die Kantone anstelle des</span><br/> <span class="ft1">Bundes die Gewässerschutztauglichkeit von neu auf dem Markt an-</span><br/> <span class="ft1">gebotenen Anlageteilen selber beurteilen. Die kantonale Bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungs-, Abnahme- und Kontrollpflicht ist aber im Vergleich zur frü-</span><br/> <span class="ft1">heren des Bundes reduziert. Ausserhalb von Gewässerschutzberei-</span><br/> <span class="ft1">chen müssen und dürfen sie keine Bewilligungsverfahren mehr</span><br/> <span class="ft1">durchführen. Zudem ist auch die Abnahme- und Kontrollpflicht redu-</span><br/> <span class="ft1">ziert. Eine kantonale Typenprüfung neuer Tankanlagen und Anlagen-</span><br/> <span class="ft1">teile oder gar eine Prüfung jeder einzelnen neuen oder geänderten</span><br/> <span class="ft1">Anlage sieht das Gewässerschutzgesetz nicht vor. Die Kantone kön-</span><br/> <span class="ft1">nen sich darauf beschränken, die Meldung neuer oder geänderter</span><br/> <span class="ft1">Tankanlagen entgegenzunehmen und zu prüfen, ob die Hersteller die</span><br/> <span class="ft1">Einhaltung des Stands der Technik der Branche gehörig geprüft und</span><br/> <span class="ft1">dokumentiert haben. Selbstverständlich hat die Meldepflicht aber</span><br/> <span class="ft1">auch präventiven Charakter. Auch bei bloss meldepflichtigen Anla-</span><br/> <span class="ft1">gen soll die Prüfung und Dokumentation des Anlageherstellers Ge-</span><br/> <span class="ft1">wässergefährdungen vermeiden. Die Kantone dürfen zwar kein "Ge-</span><br/> <span class="ft1">such" des Herstellers oder eine Typenprüfung eines Dritten (SVTI</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">420</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">oder TÜV) verlangen. Damit die blosse Selbstdeklaration der Her-</span><br/> <span class="ft1">steller, ihre Anlage entspreche dem Stand der Technik und sei ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend geprüft und dokumentiert, aufgrund des Wettbewerbs un-</span><br/> <span class="ft1">ter den Herstellern und des damit verbundenen Preisdrucks nicht da-</span><br/> <span class="ft1">zu führt, dass bei der Tanksicherheit in gewässergefährdender Weise</span><br/> <span class="ft1">gespart und dies bei der Selbstdeklaration wahrheitswidrig ver-</span><br/> <span class="ft1">schwiegen wird, dürfen die Kantone selbstverständlich stichproben-</span><br/> <span class="ft1">weise Kontrollen durchführen, ob der deklarierte Stand der Technik</span><br/> <span class="ft1">tatsächlich eingehalten ist und ob dies vom Hersteller gehörig ge-</span><br/> <span class="ft1">prüft und dokumentiert wurde. Fehlt der zuständigen kantonalen Be-</span><br/> <span class="ft1">hörde hierzu das erforderliche Fachwissen, darf sie auch private Spe-</span><br/> <span class="ft1">zialisten wie zum Beispiel den SVTI beiziehen (Art. 49 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">GSchG). Kontrollen und Überwachungen dürfen aber nicht im Sinne</span><br/> <span class="ft1">einer regelmässigen obligatorischen Prüfung durch den SVTI auf</span><br/> <span class="ft1">Kosten des Herstellers gehandhabt werden. In der Regel wird die</span><br/> <span class="ft1">kantonale Behörde eine Überprüfung der Selbstdeklaration des Anla-</span><br/> <span class="ft1">geherstellers dann veranlassen, wenn ein begründeter Verdacht be-</span><br/> <span class="ft1">steht, dass die Anlage oder Anlageteile nicht dem Stand der Technik</span><br/> <span class="ft1">entsprechen oder dass deren Einhaltung vom Hersteller nicht gehörig</span><br/> <span class="ft1">überprüft und dokumentiert wurde. Die Kosten der Überprüfung</span><br/> <span class="ft1">durch den SVTI oder einen anderen privaten Gutachter dürfen dem</span><br/> <span class="ft1">Anlagehersteller dann überbunden werden, wenn die einzelfallweise</span><br/> <span class="ft1">Kontrolle tatsächlich Mängel ergibt. Erweist sich die Selbstdeklara-</span><br/> <span class="ft1">tion des Herstellers dagegen als korrekt, gehen die Kosten der Begut-</span><br/> <span class="ft1">achtung in der Regel zulasten des Kantons. Eine Überbindung an den</span><br/> <span class="ft1">Hersteller kommt nur in Frage, wenn dieser zum Beispiel durch kon-</span><br/> <span class="ft1">kretes Fehlverhalten die Notwendigkeit einer Kontrolle tatsächlich</span><br/> <span class="ft1">verursacht hat (vgl. Art. 2 USG).</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten darf die Abteilung für Umwelt BVU von</span><br/> <span class="ft1">der B. AG also nicht verlangen, dass sie anlässlich der Meldung der</span><br/> <span class="ft1">Inbetriebnahme oder Änderung einer Tankanlage eine Typenprüfung</span><br/> <span class="ft1">des SVTI, des TÜV oder einer anderen vom Hersteller unabhängigen</span><br/> <span class="ft1">und akkreditierten Prüfstelle vorlegt. Die Abteilung für Umwelt</span><br/> <span class="ft1">BVU darf aber Anordnungen treffen, wie die Meldung abzufassen ist</span><br/> <span class="ft1">und welche selbst vorgenommenen Prüfungen und selbst erstellten</span><br/> <span class="ft1">Dokumentationen des Herstellers beizulegen sind. Den Stand der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">421</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Technik, welche die Anlage einzuhalten hat, hat grundsätzlich die</span><br/> <span class="ft1">Branche und nicht die KVU, die vom KVU beauftragte Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">gruppe Tank Schweiz oder der Schweizerische Verein für technische</span><br/> <span class="ft1">Inspektion zu definieren. Nicht zu beanstanden ist jedoch, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Abteilung für Umwelt BVU die Bestätigung der B. AG vom 24. Au-</span><br/> <span class="ft1">gust 2015 für den Tanktyp BT10000 als ungenügend erachtet und</span><br/> <span class="ft1">von der B. AG eine Bestätigung verlangt, dass mit der Tankanlage</span><br/> <span class="ft1">mindestens folgende Richtlinien eingehalten werden (vgl. ...):</span><br/> <span class="ft5"><i>· " Regeln der Technik des SVTI für die statische Berechnung,</i></span><br/> <span class="ft5"><i>Dimensionierung, Ausführung und Prüfung von mittelgrossen</i></span><br/> <span class="ft5"><i>prismatischen Tanks aus Stahl, T2d, Teil A und Teil B; Aus-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>gabe 1999.</i></span><br/> <span class="ft5"><i>· Regeln der Technik des SVTI für die Ausführung und die Prü-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>fung von Auffangwannen aus Stahl für Kleintanks und mittel-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>grosse Tanks, T6d; Ausgabe 1999."</i></span><br/> <span class="ft1">Diese Regeln wurden zwar entgegen dem soeben Gesagten</span><br/> <span class="ft1">nicht von der Branche selbst, sondern vom grundsätzlich nicht zur</span><br/> <span class="ft1">Rechtsetzung befugten SVTI aufgestellt und dies auch noch lange</span><br/> <span class="ft1">bevor die Bewilligungspflicht ausserhalb von Gewässerschutzberei-</span><br/> <span class="ft1">chen abgeschafft und die Eigenverantwortung der Anlageninhaber</span><br/> <span class="ft1">und -hersteller durch das Abstellen auf den Stand der Technik der</span><br/> <span class="ft1">Branche gestärkt wurde. Nachdem die Regeln aber mittlerweile sieb-</span><br/> <span class="ft1">zehn Jahre alt sind, darf davon ausgegangen werden, dass damit kei-</span><br/> <span class="ft1">ne übermässig hohen Anforderungen an die Tankanlagen und deren</span><br/> <span class="ft1">Teile gestellt werden. Der Stand der Technik der Branche dürfte heu-</span><br/> <span class="ft1">te mindestens auf diesem Stand, eher aber darüber liegen und es steht</span><br/> <span class="ft1">selbstverständlich nichts entgegen, wenn eine Tankanlage zwar von</span><br/> <span class="ft1">den genannten Regeln des Jahres 1999 abweicht, aber höheren</span><br/> <span class="ft1">Anforderungen genügt, weil sich der Stand der Technik der Branche</span><br/> <span class="ft1">seit 1999 weiterentwickelt hat. Macht die B. AG aufgrund der Wei-</span><br/> <span class="ft1">terentwicklung der Technik eine Abweichung von den genannten Re-</span><br/> <span class="ft1">geln mit Stand 1999 geltend und bestehen begründete Zweifel, ob</span><br/> <span class="ft1">dies zu einer Verbesserung oder aber zu einer Verschlechterung des</span><br/> <span class="ft1">Sicherheitsstandards führt, ist nicht ausgeschlossen, dass die Abtei-</span><br/> <span class="ft1">lung für Umwelt eine Überprüfung durch den SVTI oder einen ande-</span><br/> <span class="ft1">ren Gutachter anordnet. Die Nachforderung einer verbesserten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">422</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Selbstdeklaration des Anlageherstellers, dass die Anlage einem be-</span><br/> <span class="ft1">stimmten Stand der Technik entspricht, hat aber in der Regel nicht</span><br/> <span class="ft1">zur Folge, dass die Anlage einstweilen nicht in Betrieb genommen</span><br/> <span class="ft1">werden darf. Ein Inbetriebnahmeverbot bis zur Gutheissung der ver-</span><br/> <span class="ft1">besserten Selbstdeklaration liefe im Ergebnis auf ein ausserhalb von</span><br/> <span class="ft1">Gewässerschutzbereichen nicht mehr zulässiges Bewilligungsverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren heraus. Die Inbetriebnahme darf nur verboten werden, wenn im</span><br/> <span class="ft1">Einzelfall ein konkreter Grund zur Annahme besteht, dass die Anlage</span><br/> <span class="ft1">den Anforderungen nicht genügt und deshalb die Umwelt gefährdet.</span><br/> <span class="ft1">Solche Gründe sind vorliegend nicht erkennbar und die Abteilung für</span><br/> <span class="ft1">Umwelt BVU hat auch keine konkreten Indizien genannt, dass eine</span><br/> <span class="ft1">Gewässergefährdung besteht, wenn die Anlage in Betrieb genommen</span><br/> <span class="ft1">wird, bevor die Beschwerdeführerin eine verbesserte Selbstdeklara-</span><br/> <span class="ft1">tion nachgereicht hat.</span><br/> <span class="ft1">3. Zusammenfassung und (...)</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung der Abtei-</span><br/> <span class="ft1">lung für Umwelt BVU in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben.</span><br/> <span class="ft1">Der Kanton darf zwar das in der erwähnten Revision des Gewässer-</span><br/> <span class="ft1">schutzgesetzes abgeschaffte Bewilligungsverfahren für Tankanlagen</span><br/> <span class="ft1">der hier vorliegenden Art nicht wieder einführen. Es ist der Vorin-</span><br/> <span class="ft1">stanz indessen unbenommen, von der Beschwerdeführerin eine ver-</span><br/> <span class="ft1">besserte Selbstdeklaration unter Bezugnahme auf einen konkret be-</span><br/> <span class="ft1">stimmten Stand der Technik zu verlangen. Die Nachforderung einer</span><br/> <span class="ft1">solchen verbesserten Selbstdeklaration samt Dokumentation der Prü-</span><br/> <span class="ft1">fergebnisse der B. AG, dass die Tankanlage BT10000-U001 dem</span><br/> <span class="ft1">Stand der Technik entspricht, ist im vorliegenden Fall aber keine auf-</span><br/> <span class="ft1">schiebende Bedingung für die Inbetriebnahme der Tankanlage.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>