Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 16. Mai 2018 (810 17 340) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Regelung des persönlichen Verkehrs / Ablehnung Antrag auf begleitete Besuche des Kindsvaters Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , vertreten durch B.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Stefanie Mathys, Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde C.____ , Vorinstanz D.____, Beschwerdegegner, vertreten durch Michael Blattner, Advokat Betreff Regelung des persönlichen Verkehrs / Ablehn ung Antrag auf begleitete Besuche des Kindsvaters (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 28. November 2017) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ (geboren 2007) ist der gemeinsame Sohn von B .____ und D.____. Die Kindsel- tern leben seit November 2009 getrennt und A.____ wu rde für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut der Kindsmutter gestellt. Dem Kindsvat er wurde ein Besuchsrecht alle zwei Wochen (jeweils samstags und sonntags tagsüber) gewährt. B. Mit Verfügung des Bezirksgerichts C.____ vom 8. März 201 0 wurde dem Kindsvater verboten, sich der Kindsmutter auf eine Distanz von weni ger als 200 Meter zu nähern, sie zu bedrohen und/oder telefonisch oder per SMS zu beläst igen. Mit Verfügung vom 31. März 2010 hob das Bezirksgericht C.____ das superprovisorisch angeordn ete Annäherungs- und Kontakt- verbot auf. C. Mit Urteil des Bezirksgerichts C.____ vom 20. Februar 2014 wurden die Kindseltern geschieden. Die elterliche Sorge über A.____ wurde de r Kindsmutter zugeteilt und dem Kinds- vater ein Besuchsrecht alle zwei Wochen, jeweils von Samstag um 9.00 Uhr bis Sonntag um 19.00 Uhr, eingeräumt. Weiter wurde die im Eheschutzver fahren durch die Bezirksgerichtsprä- sidentin mit Verfügung vom 31. März 2010 errichtete Er ziehungsbeistandschaft für A.____ be- stätigt und die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C._ ___ (KESB) angewiesen, eine ge- eignete Person als Beiständin oder als Beistand zu ernennen bzw. zu bestätigen. D. Mit Entscheid vom 5. Mai 2014 ernannte die KESB E. ____ als Beiständin und übertrug ihr folgende Aufgaben: Die Eltern mit Rat und Tat zu unterstützen; die Eltern bei der Umsetzung der Regelung des Besuchs- und Ferienrechts zu unterstütz en und im Streitfall auch zu ent- scheiden, insbesondere über den Zeitpunkt und die jeweil ige Dauer der Ferien, sowie gegebe- nenfalls Antrag auf Anpassung der behördlichen Massnahme an veränderte Umstände zu stel- len. E. Am 14. Dezember 2015 beantragte die Beiständin de r KESB die Sistierung des Be- suchs- und Ferienrechts. Am 11. und 12. Januar 2016 wur den der Kindsvater, A.____ und die Kindsmutter je separat von der KESB dazu angehört. Mit Entscheid vom 20. Januar 2016 wurde das Besuchsrecht für sechs Wochen sistiert. F. Mit Schreiben vom 10. November 2016 stellte die Bei ständin der KESB einen Antrag auf Überprüfung der Besuchs- und Ferienrechtsmodalit äten, woraufhin die KESB F.____, So- zialarbeiter FH Abklärung/Support, beauftragte, die S ituation abzuklären. Der entsprechende Abklärungsbericht vom 20. Februar 2017 schloss mit der Em pfehlung, keine Anpassung des Besuchs- und Ferienrechts vorzunehmen. G. Mit Eingabe vom 6. Juli 2017 beantragte die Kind smutter der KESB, es sei eine neue Beistandsperson für A.____ zu ernennen und eventualiter dem Kindsvater lediglich ein begleite- tes Besuchsrecht zu gewähren. Am 1. November 2017 wurde der Kindsvater und am 14. November 2017 A.____ dazu angehört. H. Mit Entscheid der KESB vom 28. November 2017 wurde d er Antrag auf begleitete Be- suche des Kindsvaters abgelehnt (Dispositiv-Ziffer 1); die Kindseltern wurden aufgefordert, sich Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht unverzüglich bei der G.____-Stiftung für eine kindswoh lorientierte Beratung anzumelden (Dis- positiv-Ziffer 2); die G.____-Stiftung wurde gebeten, der KESB die Kontaktaufnahme und Ter- minvereinbarung zu bestätigen (Dispositiv-Ziffer 3); die Kindseltern wurden aufgefordert, sofort mit H.____, Berufsbeistandschaft C.____, Kontakt aufzun ehmen, um mit ihm Kommunikations- wege und -möglichkeiten sowie Besuche beim Kindsvater und deren Gestaltung zu besprechen (Dispositiv-Ziffer 4); das Besuchsrecht des Kindsvaters wurd e für längstens zwei Monate, d.h. bis Ende Januar 2018, sistiert (Dispositiv-Ziffer 5); die KESB hat sich vorbehalten, die Sistie- rung zu überprüfen, falls sich die Kindseltern dem gem einsamen Dialog verweigern würden (Dispositiv-Ziffer 6); einer allfälligen Beschwerde wur de die aufschiebende Wirkung entzogen (Dispositiv-Ziffer 8). I. Mit Entscheid der KESB vom 4. Dezember 2017 wurde H .____, Berufsbeistandschaft C.____, als Erziehungsbeistand für A.____ ernannt. J. Gegen den Entscheid der KESB vom 28. November 2017 e rhob A.____, vertreten durch die Kindsmutter, wiederum vertreten durch Stefanie Mathys, Advokatin in Liestal, mit Ein- gabe vom 19. Dezember 2017 Beschwerde beim Kantonsger icht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit den Rechtsbegehre n: 1. Es sei Ziffer 1 des Entscheids der KESB vom 28. November 2017 aufzuheben, stattdessen se i der Antrag auf begleitete Be- suche des Kindsvaters gutzuheissen; 2. Es sei Ziffer 2 des E ntscheids der KESB vom 28. November 2017 aufzuheben; 3. Es sei dem Beschwerdef ührer die unentgeltliche Rechts- pflege und Verbeiständung mit der Unterzeichnenden zu gewähren; 4. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Beschwerdegegners. In verfahrensrechtlicher Hinsi cht beantragt er, es sei der Be- schwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. In der Begründung führt er unter Verweis auf die Vorgeschichte im Wesentlichen aus, es erscheine nicht a ls sinnvoll, seinen Vater im An- schluss an die Sistierung des Besuchsrechts sogleich wieder al leine zu treffen. Er befürchte, sein Vater würde ihm die Sistierung des Besuchsrechts und gewisse im Rahmen der Anhörung vorgenommene Äusserungen übelnehmen und könnte ihm gegenüber aggressiv werden. Es sei daher angebracht und dem Kindswohl zuträglich, mindest ens in der Annäherungsphase nach dem Unterbruch des Besuchsrechts die Besuche zu beobachten, um so die Gestaltung der Be- ziehung zwischen ihm und seinem Vater zu beurteilen. Des W eiteren sei der Kindsmutter die angeordnete kindswohlorientierte Beratung bei der G._ ___-Stiftung nicht zumutbar. Der neu eingesetzte Beistand werde zwischen den Eltern vermitteln können, sodass diese bis auf weite- res auf eine direkte Kommunikation verzichten könnten. K. Mit Entscheid der KESB vom 23. Januar 2018 wurde fes tgestellt, dass die Sistierung des Besuchsrechts des Kindsvaters per 31. Januar 2018 auslaufe und das Wochenende vom 3. und 4. Februar 2018 dem Kindsvater zustehe. L. Am 31. Januar 2018 liess sich der Kindsvater in der Sa che vernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde, soweit sie nicht als gegenstandsl os abzuschreiben sei; unter o/e- Kostenfolge, wobei ihm die unentgeltliche Prozessführu ng und Verbeiständung zu gewähren sei. Er macht zusammenfassend geltend, aus wahrheits- un d aktenwidrigen Behauptungen werde die Begründung für ein begleitetes Besuchsrecht ko nstruiert. Nachweislich habe der Be- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführer an der Anhörung vor der Vorinstanz ausge führt, dass er kein begleitetes Be- suchsrecht möchte. Zudem könne der persönliche Verkehr n icht allein aufgrund eines elterli- chen Konflikts eingeschränkt werden, jedenfalls soweit das Verhältnis zwischen dem besuchs- berechtigten Elternteil und dem Kind gut sei. Es würd en zusammenfassend keine Gründe vor- liegen, welche gegen eine Fortführung des persönlichen Verkehrs sprechen würden. M. Mit Verfügung vom 1. Februar 2018 wurde der Verfa hrensantrag des Beschwerdefüh- rers auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen. N. Am 14. Februar 2018 liess sich die Vorinstanz innert erstreckter Frist vernehmen und schloss auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Sie ste llt sich zunächst auf den Stand- punkt, dass die Interessen von A.____ nicht ausschliesslich mi t denjenigen der Kindsmutter gleichgerichtet seien, weshalb die Beschwerdelegitimatio n der Kindsmutter und der Rechtsver- treterin in der vorliegenden Konstellation fraglich u nd allenfalls die Einsetzung einer Kindesver- tretung zu prüfen sei. Hinsichtlich des Antrags auf begl eitete Besuche sei nicht ersichtlich, in- wiefern die unbegleiteten Besuche das Wohl von A.____ gefährden würden. Zutreffend sei, dass A.____ sich gegen die Anordnung eines begleiteten Besuchsrechts ausgesprochen habe. Er habe zudem immer wieder zum Kindsvater gehen woll en. A.____ gerate aufgrund der Kon- flikte zwischen den Kindseltern in einen Loyalitätskonflikt. Das Besuchsrecht sei vorübergehend sistiert worden, damit sich die Situation durch klare Ver hältnisse beruhigen könne, die Kindsel- tern dadurch Abstand voneinander gewinnen und danach w ieder im Rahmen einer kindeswohl- orientierten Beratung aufeinander zugehen könnten. O. Mit Verfügung vom 7. März 2018 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwie- sen. Die Beweisanträge des Beschwerdeführers auf Parteibe fragung und Befragung von E.____ als Zeugin wurden abgewiesen. P. Mit Eingabe vom 21. März 2018 reichte der Rechtsvertr eter des Beschwerdegegners seine Honorarnote sein. Q. Am 3. April 2018 reichte die Rechtsvertreterin de s Beschwerdeführers ihre Honorarno- te ein. Gleichzeitig beantragt sie, es sei eine mündlich e Verhandlung durchzuführen und der Beistand, H.____, zur Verhandlung zu laden; eventuali ter sei er aufzufordern, umgehend einen Zwischenbericht über den Verlauf der Angelegenheit seit seiner Einsetzung einzureichen. R. Mit Verfügung vom 5. April 2018 wurde festgestellt , dass der Fall mit Verfügung vom 7. März 2018 an die Kammer zur Beurteilung überwiesen wurde und demgemäss die Kammer über die Beweisanträge des Beschwerdeführers entscheiden und die allfällig notwendigen Be- weismassnahmen anordnen werde. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz buches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann ge gen Entscheide einer Kindesschutzbe- hörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werd en. § 66 Abs. 1 des kantonalen Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuchs (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsgericht, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des ka ntonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Das Kantonsgericht prü ft von Amtes wegen seine Zustän- digkeit und untersucht, ob und inwiefern auf eine Besc hwerde eingetreten werden kann, d.h. es prüft, ob die formellen Voraussetzungen (die sogenannten ‟Sachurteilsvoraussetzungen”) erfüllt sind (§ 16 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und V erwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Zu den Sachurteilsvoraussetzung en gehören namentlich ein taugli- ches Anfechtungsobjekt, eine frist- und formgerechte Rechtsmittelvorkehr, die Zuständigkeit der Rechtsmittelinstanz, die Legitimation und die Beschwer des Beschwerdeführers (RENÉ RHINOW / HEINRICH KOLLER /CHRISTINA KISS /DANIELA THURNHERR /DENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Pro- zessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, Rz. 1506 ff.). Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, tritt das Gericht auf ein Rechtsmittel nicht ein. 1.2 Im vorliegenden Fall stellt sich hinsichtlich der for mellen Voraussetzungen einzig die Frage, ob die Beschwerdelegitimation von A.____ gegeben ist. Die Beschwerdebefugnis wird in Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 - 3 ZGB abschliessend geregelt. Zur Beschwerde befugt sind Personen, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung ode r Änderung des angefochtenen Ent- scheids haben (Ziff. 3). Die selbständige Ergreifung eines Rechtsmittels setzt entsprechend den allgemeinen Rechtsgrundsätzen Handlungsfähigkeit vorau s. Für eine handlungsunfähige Per- son handelt grundsätzlich der gesetzliche Vertreter oder die gesetzliche Vertreterin (vgl. DANIEL STECK , in: Honsell/Vogt/Geiser, Basler Kommentar zum Zivilge setzbuch, 5. Auflage, Basel 2014, N 27 zu Art. 450 ZGB; A NNA MURPHY /D ANIEL STECK , in: Fountoulakis/Affolter-Fringeli/ Biderbost/Steck [Hrsg.], Fachhandbuch zum Kindes- und Erw achsenenschutzrecht, Zü- rich/Basel/Genf 2016, N 19.18 ff.). Am Verfahren bet eiligt i.S.v. Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB sind in erster Linie die von der Anordnung der KESB direkt betroffenen Personen, die durch den an- gefochtenen Entscheid unmittelbar berührt sind und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung haben. Im Bereich des Kindessch utzes können – wie vorliegend – nebst den Kindern auch deren Eltern betroffen sein (vgl . M URPHY /STECK , a.a.O., N 19.20; PATRICK FASSBIND ; in: Kren Kostkiewicz/Wolf/Amstutz/Fankhauser [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, 3. Auflage, Zürich 2016, N 2 f. zu Art. 450 ZGB). Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen kann somit festgehalten werden, dass sowohl A.____ (vertre- ten durch eine handlungsfähige Person) als auch die K indsmutter grundsätzlich legitimiert sind, in eigenem Namen Beschwerde zu erheben. 1.3 Mit Eingabe vom 19. Dezember 2017 erhob A.____, vertreten durch die Kindsmutter, wiederum vertreten durch deren Rechtsvertreterin, Besch werde beim Kantonsgericht. Es stellt Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich daher die Frage, ob die Kindsmutter resp. deren Ve rtreterin berechtigt waren, das unmün- dige Kind zu vertreten und in seinem Namen und Auftrag Beschwerde gegen den Entscheid der KESB vom 28. November 2017 zu erheben. 1.4 Nach Art. 304 Abs. 1 ZGB haben die Eltern von Gese tzes wegen grundsätzlich die Vertretung des Kindes gegenüber Drittpersonen im Umf ang der ihnen zustehenden elterlichen Sorge. Es handelt sich dabei um einen Anwendungsfall d er gesetzlichen Vertretungsbefugnis, welche Ausfluss der elterlichen Sorge ist (vgl. I NGEBORG SCHWENZER /MICHELLE COTTIER , in: Honsell/Vogt/Geiser, Basler Kommentar zum Zivilgesetzbu ch, 5. Auflage, Basel 2014, N 1 zu Art. 305 ZGB; P ETER BREITSCHMID , in: Breitschmid/Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2 016, N 1 zu Art. 304 ZGB; LUCA MARANTA , in: Kren Kostkiewicz/Wolf/Amstutz/Fankhauser [Hrsg.], a. a.O., N 1 zu Art. 304 ZGB; KURT AFFOLTER -FRINGELI /U RS VOGEL , in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Bern 2016, N 54 zu Art. 304 Z GB). Die Kindsmutter als alleinige Inhaberin der elterlichen Sorge ist somit grundsätzlich berechtigt, A.____ zu vertreten. Die Ver- tretungsmacht im Aussenverhältnis ist insofern unbegrenzt , als diese nicht durch gesetzliche Vorschriften (z.B. Art. 306 Abs. 3 ZGB), Kindesschutzmassna hmen (Art. 307 ff. ZGB, Art. 325 ZGB) oder die eigene Handlungsfähigkeit des urteilsf ähigen Kindes eingeschränkt ist (Art. 19c ZGB; AFFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 6 zu Art. 304 ZGB; MARANTA , a.a.O., N 2 zu Art. 304 ZGB). 1.5 Die Eltern haben bei der Ausübung der ihnen zuste henden Rechte aus der elterlichen Sorge als fremdnütziges Pflichtrecht grundsätzlich die Interessen des Kindes zu wahren. Dieser Grundsatz ist in der Regel immer dann gefährdet, wenn eine mögliche Interessenkollision bei der Vertretung des Kindes vorliegt (A FFOLTER -FRINGELI /VOGEL , a.a.O., N 33 zu Art. 306 ZGB). So bestimmt Art. 306 Abs. 2 ZGB, dass die Kindesschutzb ehörde einen Beistand ernennt oder diese Angelegenheit selber regelt, wenn die Eltern am Handeln verhindert sind oder sie in einer Angelegenheit Interessen haben, die denen des Kindes wi dersprechen. Bei Interessenkollision entfallen die Vertretungsbefugnisse der Eltern in der entsprechenden Angelegenheit von Ge- setzes wegen. Dies umfasst auch den Bereich der prozessualen Vertretung des Kindes (Art. 306 Abs. 3 ZGB; S CHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 4 zu Art. 305 ZGB und N 7a zur Art. 306 m.w.H.). Dabei ist abstrakt und nicht konkret zu entscheid en, ob eine Interessenkollision vor- liegt, d.h. es ist nicht darauf abzustellen, wie viel V ertrauen der gesetzliche Vertreter im Einzel- fall verdient. Entscheidend ist, ob und inwieweit sich die Interessen des Vertretenen und dieje- nigen des gesetzlichen Vertreters widersprechen. Eine Interessenkollision liegt vor, wenn die Interessen des Kindes denen der Eltern und einem Elternteil unmittelbar widersprechen (direkte Interessenkollision), sowie wenn die Interessen des Kind es denen eines Dritten widersprechen, der den Eltern besonders nahe steht (indirekte Interesse nkollision). Hauptfälle der Interessen- kollision finden sich im Rahmen der erbrechtlichen Ausei nandersetzung, häufig kommt eine Interessenkollision bei der Anfechtung der Vaterschaft vo r und weiter muss auch bei Klagen, bei denen Eltern und Kinder als Prozessgegner auftrete n, vom Vorliegen einer Interessenkolli- sion ausgegangen werden (vgl. SCHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 4 f. zu Art. 306 ZGB). Der Ge- setzestext lässt keinen Zweifel mehr an der Rechtsfolge d es Vorliegens einer Interessenkolli- sion: Die Vertretungsmacht der Eltern entfällt automat isch, unabhängig davon, ob ein Beistand Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder eine Beiständin ernannt wurde oder nicht (BGE 107 II 105 E. 4; BGE 118 II 101 E. 4; Urteil des Bundesgerichts 5A_89/2010 vom 3. Juni 2010 E. 5.3.1; Y VO BIDERBOST , in: Breitschmid/ Jungo [Hrsg.], a.a.O., N 2 zu Art. 306 ZGB; URS GLOOR /BARBARA UMBRICHT LUKAS , in: Fountou- lakis/Affolter-Fringeli/Biderbost/Steck [Hrsg.], a.a.O., N 13.53; C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Auflage, Bern 1999, Rz. 26.30; M ARANTA , a.a.O., N 2 f. zu Art. 306 ZGB; SCHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 3a ff. zu Art. 306 ZGB; AFFOLTER -FRINGELI /VOGEL , a.a.O., N 7 zu Art. 304 ZGB). 1.6 Solange die Interessenkollision besteht, vermögen die Eltern als gesetzliche Vertreter für ihre Kinder demzufolge nicht mehr rechtswirksam zu handeln (vgl. GLOOR /UMBRICHT LUKAS , a.a.O., N 13.53; S CHWENZER /COTTIER , a.a.O., N 6 zu Art. 306 ZGB). Sie sind deshalb auch nicht legitimiert für die Kinder eine Beschwerde einzu legen bzw. Rügen zu erheben, die deren Rechtsstellung betreffen. Die Kinder werden durch ihr en Beistand vertreten. Sie können – Ur- teilsfähigkeit vorausgesetzt – zudem diejenigen Rechte selber bzw. durch selbst bestellte Ver- treter einfordern, die ihnen um ihrer Persönlichkeit willen zustehen (vgl. BGE 120 Ia 369 E. 1a). 1.7 Im vorliegenden Fall ist zunächst zu berücksichtigen, dass zwischen den Kindseltern in Bezug auf die Ausübung des Besuchsrechts seit Jahren massive Konflikte bestehen. Weiter lässt sich den Verfahrensakten entnehmen, dass die Kindsm utter bereits mehrfach Anträge betreffend einer Einschränkung des Besuchsrechts gestellt h at. Letztmals hat sie der KESB mit Eingabe vom 6. Juli 2017 beantragt, es sei ein neuer Beistand für A.____ einzusetzen und eventualiter ein begleitetes Besuchsrecht anzuordnen. Sie begründet diese Anträge vornehm- lich mit dem anhaltenden elterlichen Konflikt. Gleichzeitig führt sie darin selber aus, dass grund- sätzlich ein Kontakt zwischen A.____ und seinem Vater statt finden solle, weil A.____ seinen Vater wieder gerne besuche (vgl. Eingabe vom 6. Juli 2017, S. 3). Es ist somit weitgehend un- bestritten, dass A.____ ein Interesse an den Besuchen mit seinem Vater aufweist. Anlässlich seiner Anhörung vom 14. November 2017 hat er sich – na chdem ihm die Möglichkeit und die Modalitäten eines begleitetes Besuchsrechts erläutert w orden sind – dagegen ausgesprochen mit der Begründung, dass er schon einmal ein begleitete s Besuchsrecht gehabt habe, was "doof" gewesen sei. Gestützt auf die vorstehenden Ausfüh rungen kann somit nicht davon aus- gegangen werden, dass die Interessen der Kindsmutter un d diejenigen von A.____ gleichge- richtet sind. Bereits deshalb kann auf eine Interessenkol lision im Verhältnis Kindsmutter - A.____ geschlossen werden. Vor dem geschilderten Hinter grund besteht somit nicht nur die abstrakte Möglichkeit, dass die Interessen der Kindsmutter hinsichtlich der Regelung des Be- suchsrechts mit denjenigen des Kindes kollidieren, sonder n es liegen konkrete Anzeichen für eine Interessenkollision vor. In Anbetracht der Aussage vo n A.____ liegt nahe, dass der Antrag auf begleitete Besuche in erster Linie im Interesse de r Kindsmutter erfolgt ist, und sie weiterhin versuchen wird, eine Einschränkung des Besuchsrechts des Kindsvaters zu erwirken, was nicht A.____s Interessen entspricht. Damit bestehen deutliche Anhaltspunkte für eine mögliche Ge- fährdung der Kindesinteressen in dieser Angelegenheit und eine Vertretung durch die Kinds- mutter fällt im vorliegenden Fall automatisch ausser B etracht. Auch die Rechtsvertreterin der Kindsmutter vermag aus der ihr von der Kindsmutter erte ilten Prozessvollmacht keine Legitima- tion abzuleiten. Vielmehr hätte es der Rechtsvertreterin klar sein müssen, dass die Vertretungs- befugnis der Kindsmutter in einer Konstellation wie d er vorliegenden von Gesetzes wegen da- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht hinfällt. Die fehlende Legitimation der Kindsmutter in dieser Angelegenheit stellt eine unabding- bare Prozessvoraussetzung dar und demzufolge kann auf die vo rliegende Beschwerde nicht eingetreten werden. 2.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu befinden. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird (vgl. E. 2.2), ist vorab über da s von der Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 19. Dezember 2017 eingereichte, die Kindsmutter be treffende Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege inklusive der erforderlichen Belege zu entsche iden. Gemäss Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 hat jede Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfü gt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspfle- ge, wenn ihr Rechtsbegehren nicht als aussichtslos erscheint . Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf ein en unentgeltlichen Rechtsbeistand. Diese Ansprüche gründen überdies in § 22 VPO. § 22 Ab s. 1 Satz 2 VPO verweist bezüglich der Darlegung der Mittellosigkeit auf die Bestimmungen des Zivilprozessrechts, d.h. Art. 119 Abs. 2 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) vom 19 . Dezember 2008. Eine Person ist bedürftig, wenn sie nicht in der Lage ist, für die Prozesskosten aufzukommen, ohne dass sie Mittel beanspruchen müsste, die zur Deckung des Lebensun terhaltes für sie und ihre Familie notwendig sind (G EROLD STEINMANN , in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.] , St. Galler Kommentar zur Schweizerischen Bundesverfassung, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2014, N 68 zu Art. 29 BV; B ERNHARD WALDMANN , in: Waldmann/Belser/Epiney [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesverfassung, Basel 2015, N 77 zu Art. 29 BV). In Berücksichtigung der ein- gereichten Unterlagen ist die Bedürftigkeit der Kindsmutter für das vorliegende Beschwerdever- fahren hinreichend dargetan. Da auch die weiteren Vo raussetzungen gemäss § 22 VPO erfüllt sind, ist das Gesuch der Kindsmutter um unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. 2.2 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsg ericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise un terliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Von diesem Grundsatz kann das Gericht abweichen und die Verfahrenskos- ten nach dem Verursacherprinzip verlegen, sofern ihm d as Gesetz einen entsprechenden Er- messensspielraum einräumt und es die Umstände rechtferti gen. § 20 Abs. 3 VPO räumt dem Kantonsgericht einen entsprechenden Ermessensspielraum ein. Vorliegend hat die Kindsmutter im Namen des Kindes Beschwerde erhoben, obwohl der Ant rag auf Einschränkung des Be- suchsrechts in ihrem Interesse erfolgte (vgl. E. 1.7 hiervo r) und sie ohne weiteres befugt gewe- sen wäre, in eigenem Namen Beschwerde zu erheben. Ind em sie jedoch ausschliesslich im Namen des Kindes Beschwerde erhoben hat, verursachte sie ein Nichteintreten auf die Be- schwerde und es rechtfertigt sich daher, ihr die Verfahrenskosten für das vorliegende Verfahren aufzuerlegen. Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- der Kindsmut- ter aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung der unentgeltl ichen Prozessführung gehen die Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu Lasten der Gerichtskasse. 2.3 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Au sgang des Verfahrens ist dem an- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht waltlich vertretenen Beschwerdegegner als obsiegende Pa rtei antragsgemäss eine Parteient- schädigung zu bezahlen. Gestützt auf das Verursacherprinzip ist ihm die Parteientschädigung zulasten der Kindsmutter zuzusprechen (vgl. MARTIN BERNET , Die Parteientschädigung in der schweizerischen Verwaltungsrechtspflege, Zürich 1986, S. 132 ff.). Der vom Rechtsvertreter des Beschwerdegegners in der Honorarnote vom 21. März 20 18 geltend gemachte Aufwand von 0.6 Stunden à Fr. 250.-- bis zum 31. Dezember 2017 sowie die Auslagen in der Höhe von Fr. 1.50 zuzüglich 8 % MWST, d.h. Fr. 163.30, und de r Aufwand von 13.9 Stunden à Fr. 250.-- ab dem 1. Januar 2018 sowie die Auslagen in der Höhe von Fr. 111.90 zuzüglich 7.7 % MWST, d.h. Fr. 3'863.10, ist nicht zu beanstanden. Die Kindsm utter hat dem Beschwerdegegner dem- zufolge eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'026.70 (Fr. 163.30 plus Fr. 3'863.10 inkl. Auslagen und 8 % resp. 7.7 % MWST) auszurichten. Im Übrigen sind die Parteikosten wettzuschlagen. 2.4 Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeistä ndung ist der Rechtsvertreterin der Kindsmutter ein Honorar zulasten der Gerichtskasse auszurich ten. Bei unentgeltlicher Verbei- ständung beträgt das Honorar gemäss § 3 Abs. 2 der Tarif ordnung für die Anwältinnen und An- wälte (TO) vom 17. November 2003 Fr. 200.-- pro Stun de. In ihrer Honorarnote vom 3. April 2018 macht sie einen Aufwand von 1.75 Stunden à Fr. 20 0.-- bzw. von 7 Stunden à Fr. 100.-- sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 16.-- zuzüglich 8 % M WST, d.h. Fr. 1'151.30, bis zum 31. Dezember 2017 geltend, und ab dem 1. Januar 2018 einen Aufwand von 1.25 Stunden à Fr. 200.-- bzw. von 4.5 Stunden à Fr. 100.-- sowie A uslagen in der Höhe von Fr. 137.60 zuzüg- lich 7.7 % MWST, d.h. Fr. 902.10, geltend, was nicht zu beanstanden ist. Demzufolge ist der Rechtsvertreterin der Kindsmutter ein Honorar in der H öhe von Fr. 2'053.40 (Fr. 1'151.30 plus Fr. 902.10 inkl. Auslagen sowie 8 % bzw. 7.7 % MWST) zu lasten der Gerichtskasse auszurich- ten. 2.5 Die Kindsmutter wird ausdrücklich darauf hingewiesen , dass sie zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentge ltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Das Gesuch von B.____ um unentgeltliche Prozessführ ung und Ver- beiständung wird bewilligt. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden B.____ auferlegt und gehen zufolge Bewilligung der unentgel tlichen Prozess- führung zulasten der Gerichtskasse. 4. B.____ hat dem Beschwerdegegner eine Parteientsch ädigung in der Höhe von Fr. 4'026.70 (inkl. Auslagen und 8 % resp. 7.7 % MWST) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird der Rechtsvertreterin von B.____ ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'053.40 aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin