Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 17. Mai 2017 (810 16 266) ____________________________________________________________________ Erziehung und Kultur Besuch einer Privatschule / Anspruch auf Massnahme der Speziellen Förderung an Pri- vatschulen Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Stefan Schulthess, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiber i.V. Léonard Lavanchy Beteiligte A.____ , Besch werdeführerin, vertreten durch Elisabeth Maier, Advok a- tin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Besuch einer Privatschule (RRB Nr. 1199 vom 30. August 2016) A. Im Sommer 2014 trat B.____, geboren im Jahre 200 4, vom Kinderheim C.____ in die Primarschule Z.____ über. Mit Entscheid der KESB vom 3. Mai 2016 wurde die für ihn zu einem früheren Zeitpunkt errichtete Erziehungsbeistandsch aft im Sinne von Art. 308 des schweizeri- schen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 beibehalten. Die Erziehungsberechti- gung sowie sämtliche weiteren Elternrechte wurden A.____, der Mutter von B.____, belassen. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 1. März 2016 fand ein Fachkonvent zur weiteren Be schulung von B.____ statt, an welchem Vertreter der Schulleitung der Primarschule Z.____, Vertreter des Amts für Volksschu- len (AVS), Vertreter des schulpsychologischen Dienstes (SPD ), der Schulpsychotherapeut, die Klassenlehrerinnen von B.____, die Erziehungsbeiständin von B.____ und die Betreuerin von B.____ vor dessen Zuzug nach Z.____ teilnahmen. C. Am 30. März 2016 stellte A.____ beim AVS ein Gesuch um Spezielle Förderung an Privatschulen für ihren Sohn B.____. Mit Empfangsbestät igung vom 31. März 2016 informierte das AVS A.____, dass eine Bewilligung zur Aufnahme eine r Speziellen Förderung an einer Pri- vatschule eine Empfehlung einer vom Kanton bestimmten Fachstelle voraussetze, weshalb das AVS eine entsprechende Empfehlung benötige, um über die Erteilung der beantragten Bewilli- gung zu entscheiden. D. Am 6. Juni 2016 fand ein weiterer Fachkonvent mit der Erziehungsbeiständin von B.____ sowie Vertretern des AVS, des SPD, der heilpäda gogischen Schule und der Schullei- tung statt. E. Mit Schreiben vom 7. Juni 2016 wurde A.____ vom SP D über die Ergebnisse der Be- sprechung des Fachkonvents wie folgt informiert: Die Em pfehlung einer Heimplatzierung als indizierte und klar zu priorisierende Lösung werde von d en Fachpersonen weiterhin gestützt. Eine Privatschullösung als Massnahme der speziellen Förder ung sei nicht indiziert und werde vom SPD nicht empfohlen. Im Bereich der speziellen Förderung würden Massnahmen innerhalb der öffentlichen Schulen (z.B. integrative Schulungsfo rm [ISF], Kleinklasse) vorrangig geprüft und umgesetzt. Aus schulpsychologischer Sicht sei die einzig aktuell denkbare, wenn auch be- denkliche Alternative zur „Schulheim-Lösung“, die empfo hlen werden könne, ein Wechsel in die Kleinklasse mit zusätzlicher sozialpädagogischer Unterstützun g im Sinne einer integrativen Sonderschulung. Wenn sich A.____ entgegen der Empfehlung des SPD zu einer Beschulung in einer Privatschule entscheiden sollte, müsste diese privat finanziert werden. F. Mit Verfügung vom 8. Juni 2016 wurde das Gesuch um Spezielle Förderung an Privat- schulen von A.____ vom 31. März 2016 vom AVS abgelehnt. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Schreiben vom 17. Juni 2016 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel- Landschaft, welche dieser mit Beschluss (RRB) Nr. 1199 vom 30. August 2016 abwies. G. Mit Schreiben der Schulleitung vom 22. Juni 2016 wur de A.____ zu einer Anhörung am 27. Juni 2017 betreffend Schulausschluss von B.____ eing eladen. A.____ nahm am 23. Juni 2016 schriftlich Stellung zum in Aussicht gestellten Schulau sschluss. Mit Verfügung des Schul- rats der Gemeinde Z.____ vom 6. Juli 2016 wurde B.___ _ per 31. Juli 2016 von der Schule ausgeschlossen. H. Am 9. September 2016 erhob A.____, vertreten dur ch Elisabeth Maier, Advokatin in Binningen, gegen den RRB Nr. 1199 vom 30. August 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltung srecht (Kantonsgericht). Sie bean- tragt die Aufhebung des angefochtenen RRB und die An weisung an die Vorinstanz, die Kosten für den Schulbesuch in der Privatschule D.____ ab dem 1. August 2016 zu übernehmen; dies Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter o/e-Kostenfolge. Mit Schreiben vom 10. Januar 2 017 reichte der Regierungsrat seine Vernehmlassung ein mit dem Antrag auf Abweisung der Beschwerde unter o/e Kostenfolge. I. Mit Verfügung vom 13. Januar 2017 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über- wiesen und der Beweisantrag der Beschwerdeführerin au f Einholung eines Gutachtens wurde abgewiesen. J. Mit Eingabe vom 13. Februar 2017 reichte die Vertr eterin der Beschwerdeführerin ihre Honorarnote ein und nahm im Sinne einer Kurzreplik zur Vernehmlassung des Regierungsrats vom 10. Januar 2017 Stellung. Am 5. Mai 2017 reichte d ie Beschwerdeführerin die Verfügung des Schulrats der Gemeinde Z.____ vom 6. Juli 2016 betr effend Schulausschluss, den Ent- scheid der KESB vom 3. Mai 2016 betreffend Beibehaltu ng der bestehenden Erziehungsbei- standschaft, den Bericht des KJPD vom 20. April 2016 zur psychologischen Abklärung von B.____ sowie das Schreiben des Präsidenten des Stiftun gsrates der Privatschule D.____ vom 29. Juli 2016 ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da die Beschwerdeführerin ein schutzwürdiges Interesse an die Aufhebung des angefochtenen Entscheide s hat, die übrigen formellen Voraus- setzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind und die Zuständigkeit des Kantonsgerichts sowohl örtlich als auch sachlich gegeben ist, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetreten werden. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen re chtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Wei- teren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist de m Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Strittig und zu prüfen ist, ob B.____ im Rahmen de r Speziellen Förderung im Einzelfall Anspruch auf Besuch der Privatschule D.____ auf Kosten des Staates hat. 4.1 Der Regierungsrat erwog, dass die Voraussetzungen fü r eine Bewilligung zur Aufnah- me einer Speziellen Förderung an einer Privatschule im vorliegenden Fall nicht erfüllt seien. Die Spezielle Förderung im Rahmen der integrativen Schulun gsform könne entweder innerhalb der öffentlichen Schule erfolgen oder von der Bildungs-, Kultur und Sportdirektion des Kantons Ba- sel-Landschaft (BKSD) einer Privatschule übertragen werd en. Das öffentliche Angebot genies- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht se allerdings von Gesetzes wegen den Vorrang. Zudem bedü rfe die Inanspruchnahme des An- gebots einer Privatschule auf Kosten des Staates einer Be willigung der BKSD, was wiederum einen entsprechenden Antrag einer vom Kanton bestimmte n Fachstelle voraussetze. Auf diese Weise werde durch Fachpersonen einerseits abgeklärt, o b überhaupt bzw. welche speziellen Fördermassnahmen bei einem Kind indiziert seien. Ander erseits solle gewährleistet werden, dass die unentgeltliche Inanspruchnahme des Förderangeb ots einer Privatschule erst nach dem vollständigen Ausschöpfen aller an der öffentlichen Schule vorhandenen Angebote erfol- gen könne bzw. ein solches nur dann in Anspruch genommen werde, wenn in der öffentlichen Schule keine den individuellen Fähigkeiten des Kindes u nd seiner Persönlichkeitsentwicklung entsprechenden Förderangebote bestehen würden. Massnah men der Speziellen Förderung innerhalb der öffentlichen Schule seien jedoch nur au szuschöpfen, wenn sie nach objektiven Kriterien oder nach der Einschätzung der beteiligten F achleute angebracht seien. Im vorliegen- den Fall habe die Beschwerdeführerin ihr Gesuch um Bew illigung des Privatschulbesuchs im Rahmen der Speziellen Förderung ohne entsprechenden Antrag einer vom Kanton bestimmten Fachstelle gestellt. Weder der SPD noch der KJPD würden die Beschulung an der Privatschule D.____ unterstützen. Im Gegenteil habe der SPD ausdrüc klich eine Privatschullösung als nicht indiziert qualifiziert und aufgrund des Umfeldes und de s auffälligen Verhaltens von B.____ pri- mär eine Heimplatzierung empfohlen. Als Alternative se i der Wechsel in eine Kleinklasse mit zusätzlicher sozialpädagogischer Unterstützung angeboten wor den. Die Beschwerdeführerin habe jedoch die von den beteiligten Fachpersonen vorge schlagenen Unterstützungsmassnah- men im Rahmen der Speziellen Förderung und gegebenen falls der Sonderschulung an der öf- fentlichen Schule in Z.____ konsequent abgelehnt. Ents prechend seien bislang auch keine Massnahmen zur Speziellen Förderung oder der Sonderschul ung umgesetzt worden. Demzu- folge seien die Angebote innerhalb der öffentlichen Schule nicht ausgeschöpft worden. Hinzu komme, dass tatsächlich fraglich erscheine, ob die Privatsch ule D.____ trotz ihrer vielfältigen Erfahrung und ihres grossen Engagements die vom SPD al s notwendig erachteten Leistungen erbringen könne. Die Abweisung des Gesuchs um Spezielle Förderung an einer Privatschule sei deshalb zu Recht erfolgt. Die von der Beschwerdefüh rerin geltend gemachte positive Ent- wicklung von B.____ an der Privatschule D.____ sei zwar zweifellos erfreulich, begründe jedoch an sich noch keinen Anspruch auf die staatlich finanzierte Spezielle Förderung an einer Privat- schule. 4.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Gesuch um Spezielle Förderung an einer Privatschule sei von den Vorinstanzen zu Unrecht abgewie sen worden. Sie rügt zunächst eine unrichtige bzw. unvollständige Feststellung des Sachverhal ts dahingehend, dass der Inhalt des Förderbedarfs von B.____ nicht klar bzw. nicht ausreichend festgestellt worden sei. Den Akten könne auch nicht entnommen werden, dass zur fundierten A bklärung des Förderbedarfs von B.____ das standardisierte Abklärungsverfahren (SAV) dur chgeführt worden sei. Ferner führt die Beschwerdeführerin aus, die Vorinstanzen hätten das i hnen zustehende Ermessen nicht pflichtgemäss ausgeübt. Im Wesentlichen wird geltend ge macht, dass der Entscheid der Vo- rinstanzen bzw. deren Empfehlungen zur weiteren Beschulung von B.____ sich nicht an dessen individuellem Förderbedarf orientieren würden. Insbes ondere sei die Empfehlung der Fachstel- le, B.____ in einem Schulheim zu beschulen, ungeeignet und unzulässig. Auch sei der erst nachträglich in Erwägung gezogene und nur unter – von den Vorinstanzen nicht weiter erörter- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tem – Vorbehalt empfohlene Wechsel in eine Kleinklasse mit zusätzlicher sozialpädagogischer Unterstützung im vorliegenden Fall als unangemessen und deshalb auch als unzumutbar zu qualifizieren und widerspreche der Zielsetzung der int egrativen Schulungsform. Ausserdem hätten die Vorinstanzen ihr Ermessen pflichtwidrig ausg eübt, indem sie die Möglichkeit der Be- schulung an der Privatschule D.____ – als angemessene und erforderliche Schullösung für B.____ – nicht eingehend geprüft und empfohlen hätt en. Es stehe jedoch fest, dass die öffentli- che Schule eine in Anbetracht des spezifischen Förderbe darfs von B.____ angemessene und erforderliche Schullösung nicht anbieten könne. Schliesslich müsse aufgrund der Umstände des vorliegenden Falles im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprü fung dem Kindeswohl oberstes Gewicht beigemessen und dem Subsidiaritätsprinzip der B eschulung in einer Privatschule ver- nünftig nachgelebt werden. Auch am gesetzlich vorgesehe nen Erfordernis eines Antrags des SPD als kantonal anerkannte Fachstelle könne nicht festge halten werden, zumal dem SPD die für die Beurteilung der zu entscheidenden Fragen notwendige Unabhängigkeit fehle. 5.1.1 Art. 19 der Eidgenössischen Bundesverfassung (BV) vom 18. April 1999 gewährleistet einen Anspruch auf ausreichenden und unentgeltlichen Gr undschulunterricht. Nach Art. 62 BV sind die Kantone für das Schulwesen zuständig (Abs. 1). S ie sorgen für einen ausreichenden Grundschulunterricht, der allen Kindern offen steht. De r Grundschulunterricht ist obligatorisch und untersteht staatlicher Leitung oder Aufsicht. An ö ffentlichen Schulen ist er unentgeltlich (Abs. 2). Die Kantone sorgen für eine ausreichende Son derschulung aller behinderten Kinder und Jugendlichen bis längstens zum vollendeten 20. Alt ersjahr (Abs. 3). Dieses soziale Grund- recht auf ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunt erricht verleiht einen individuellen subjektiven Anspruch auf eine grundlegende Ausbildung. Es dient insbesondere der Verwirkli- chung der Chancengleichheit, indem in der Schweiz alle Menschen ein Mindestmass an Bil- dung erhalten sollen, das nicht nur für ihre Entfaltung, sondern auch für die Wahrnehmung ihrer Grundrechte unabdingbar ist (vgl. Urteil des Kantonsger ichts, Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht [KGE VV], vom 7. Mai 2014 [810 13 342], E. 4; KGE VV vom 8. Januar 2014 [810 2013 241], E. 4; KGE VV vom 23. März 2005 [810 04 98], E. 2b; RENÉ RHINOW , Die Bundesver- fassung 2000, Basel 2000, S. 341; U LRICH MEYER -BLASER /T HOMAS GÄCHTER , Der Sozialstaats- gedanke in: Verfassungsrecht der Schweiz, Daniel Thürer/J ean-François Aubert/Jörg Paul Mül- ler [Hrsg.], Zürich 2001, § 34 N 32). 5.1.2 Der Unterricht muss für den Einzelnen angemessen u nd geeignet sein und genügen, um die Schüler angemessen auf ein selbstverantwortliches Leben im modernen Alltag vorzube- reiten (BGE 138 I 164, E. 3.1; 133 I 158 f., E. 3.1; 129 I 38 f., E. 7.3). Der verfassungsrechtliche Anspruch umfasst nur ein angemessenes, erfahrungsgemäss ausr eichendes Bildungsangebot an öffentlichen Schulen. Ein darüber hinausgehendes M ass an individueller Betreuung, das theoretisch immer möglich wäre, kann mit Rücksicht auf da s staatliche Leistungsvermögen nicht gefordert werden (BGE 138 I 165 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). Der verfassungsmässige Anspruch auf unentgeltlichen Grundschulunterricht ist ni cht gleichbedeutend mit dem Anspruch auf die optimale bzw. geeignetste Schulung eines Kinde s (BGE 138 I 165, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen; KGE VV vom 7. Mai 2014 [810 13 342], E. 4 ; KGE VV vom 8. Januar 2014 [810 2013 241], E. 4). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Die auf Art. 19 BV basierenden Grundsätze sind vom K anton Basel-Landschaft im Bil- dungsgesetz konkretisiert worden. Nach § 4 Abs. 1 des ka ntonalen Bildungsgesetzes (BiG) vom 6. Juni 2002 hat jedes Kind bis zum Abschluss der Seku ndarstufe II Anspruch auf eine seine Fähigkeiten entsprechende Bildung. Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung haben Anspruch auf eine ihnen gemässe Sonderschulung od er Ausbildung (§ 4 Abs. 3 BiG). Nach § 5a BiG werden die Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung vorzugsweise in- tegrativ geschult, unter Beachtung des Wohles und der En twicklungsmöglichkeiten des Kindes oder des Jugendlichen sowie unter Berücksichtigung des sch ulischen Umfeldes und der Schul- organisation. Gemäss § 6 Abs. 1 lit. g BiG umfasst das Bildungsangebot unter anderem bis zum Abschluss der Sekundarstufe II eine spezielle Förderung. F ür die im Kanton wohnenden Schü- lerinnen und Schüler sind an den öffentlichen Schulen des Kantons und der Einwohnergemein- den unter anderem der Unterricht und die Spezielle Fö rderung an der Volksschule und der Se- kundarschule II, die Sonderschulung und die Lehrmittel , Schulmaterialien und Unterrichtshilfen an der Volksschule unentgeltlich (§ 9 Abs. 1 lit. a-c BiG). 5.3.1 Das Schulangebot der “Speziellen Förderung“ wur de mit dem BiG eingeführt und wird unter anderem in den §§ 43 bis 46 BiG geregelt. Die Spezielle Förderung steht bis zur Beendi- gung der Sekundarstufe II zur Verfügung (§ 6 Abs. 1 lit. g BiG) und hilft Schülerinnen und Schü- lern mit einer speziellen Begabung, einer Lernbeeintr ächtigung oder einem Lernrückstand, ihre Fähigkeiten soweit als möglich innerhalb der öffentlichen Schulen zu entwickeln (§ 43 BiG). Die Spezielle Förderung umfasst an der Volksschule nach § 44 B iG unter anderem die Kleinklasse für Schülerinnen und Schüler mit speziellen schulischen u nd sozialen Lernbedürfnissen im Kin- dergarten, an der Primarschule und den Anforderungsniv eaus A und E der Sekundarschule oder an ihrer Stelle die integrative Schulungsform ( ISF; Abs. 1 lit. b) und den Förderunterricht für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfni ssen im schriftsprachlichen und mathe- matischen Bereich sowie in der Sprachentwicklung und Kom munikation (Abs. 1 lit. c; vgl. auch § 39 der Verordnung für den Kindergarten und die Pr imarschule [Vo KG/PS] vom 13. Mai 2003 und § 17 der Verordnung für die Sekundarschulen [Vo Sek] vom 13. Mai 2003). Die Spezielle Förderung kann unter anderem sowohl integrative heilp ädagogische als auch sozialpädagogi- sche Massnahmen umfassen. 5.3.2 Die Aufnahme einer Speziellen Förderung gemäss § 44 Abs. 1 lit. a bis d BiG setzt eine vorherige Abklärung durch eine vom Kanton bestimmt e Fachstelle voraus (§ 45 Abs. 1 BiG; vgl. § 14 Abs. 1 Vo Sek und § 35 Vo KG/PS). Gem äss § 14 Abs. 1 lit. a bis c Vo Sek füh- ren der Schulpsychologische Dienst, der Kinder- und Jugend psychiatrische Dienst und die Lo- gopädischen Dienste im Kanton im Rahmen der Speziellen Förderung die Abklärungen durch. Die Abklärung hat im Einverständnis mit den Erziehungsb erechtigten bzw. den volljährigen Schülerinnen und Schülern zu erfolgen (§ 45 Abs. 2 B iG). Über die Aufnahme einer Speziellen Förderung entscheidet die Schulleitung im Einverständnis mit den Erziehungsberechtigten. 5.3.3 Die BKSD kann ein Angebot der Speziellen Förde rung einer Privatschule übertragen. Vorrang haben Massnahmen der Speziellen Förderung inne rhalb der öffentlichen Schulen des Kantons und der Einwohnergemeinden (§ 46 Abs. 1 BiG) . Der Anspruch auf unentgeltliche In- anspruchnahme des Förderangebots einer Privatschule entste ht erst, wenn in der öffentlichen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schule keine den individuellen Fähigkeiten des Kindes u nd seiner Persönlichkeitsentwicklung entsprechenden Förderangebote bestehen (vgl. KGE VV vo m 7. Mai 2014 [810 13 342], E. 5.2; KGE VV vom 23. März 2005 [810 04 98] E. 2.c; FABIAN MÖLLER , Das Bildungsgesetz im Kanton Basel-Landschaft, in: Biaggini, Achermann, Mathis, Ot t [Hrsg.], Staats- und Verwaltungsrecht des Kantons Basel-Landschaft III, Recht und Politik im K anton Basel-Landschaft, Liestal 2007, S. 49). Die Bewilligung zur Aufnahme einer Speziellen Förderung an einer Privatschule erteilt die BKSD auf Antrag einer vom Kanton bestimmten Fach stelle (§ 46 Abs. 2 BiG). Innerhalb der BKSD ist das Amt für Volksschulen Bewilligungsbehörde ( § 8 der Dienstordnung des Amtes für Volksschulen vom 13. März 2012). Der Schulpsychologische Dienst (SPD) oder der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst (KJPD) prüfen den Anspruch auf Privatschulung und erlassen eine Empfehlung (Indikation) in Bezug und die Spezielle Förderung an einer Privatschule. 5.4 Von der Speziellen Förderung ist die Sonderschulung (§ 47 bis 49 BiG) zu unterschei- den. Diese ermöglicht die integrative Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit einer Behinderung – auch mit schweren Verhaltensstörungen – u nd umfassen im Unterschied zur integrativen Speziellen Förderung eine umfassendere und umfangreichere Unterstützung. Nach § 47 BiG vermittelt die Sonderschulung eine der Behind erung angepasste Bildung, fördert die Persönlichkeitsentwicklung, eine möglichst selbstständige L ebensführung und die Integration von Schülerinnen und Schülern mit einer Behinderung (§ 47 BiG). Das Angebot der Sonder- schulung umfasst nach § 48 Abs. 1 BiG unter anderem den Unterricht an Sonderschulen (lit. a), den Unterricht in teil- oder ganzstationären Einrichtu ngen (lit. b), Massnahmen, welche die in- tegrative Schulung an den öffentlichen Schulen des Kant ons und der Einwohnergemeinden ermöglichen und unterstützen (lit. c) und Therapien de r Sonderschulung (lit. d). Der Eintritt in eine Sonderschulung setzt eine Abklärung (§ 49 Abs. 1 BiG) und Bewilligung voraus (§ 49 BiG). 5.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass keine Pflicht besteht , die öffentlichen Schulen zu besuchen. Nach § 19 Abs. 1 BiG bedürfen die Führung von Privatschulen vom Kindergarten bis und mit der Sekundarstufe II sowie die private Schulun g zu Hause während der Schulpflicht einer Bewilligung der BKSD. Die Bewilligung wird er teilt, wenn die an die öffentlichen Schulen gestellten Anforderungen erfüllt sind (§ 19 Abs. 2 BiG ). Die Privatschulen und die private Schu- lung zu Hause unterstehen während der obligatorischen S chulzeit der Aufsicht der BKSD (§ 19 Abs. 3 BiG). 5.6 Es gilt somit zusammenfassend, dass die Spezielle Förd erung an der Volksschule un- ter anderem die integrative Schulungsform für Schüler innen und Schüler sowohl mit speziellen schulischen als auch mit sozialen Lernbedürfnissen umfasst (§ 44 Abs. 1 lit. b BiG). Das Ange- bot der Speziellen Förderung kann einer Privatschule üb ertragen werden, Vorrang haben je- doch Massnahmen der Speziellen Förderung innerhalb der öffentlichen Schulen (§ 46 Abs. 1 BiG). Es gilt somit das Subsidiaritätsprinzip. Des Weiter en hat die integrative gegenüber der separierenden Schulungsform den Vorrang (vgl. § 5a Bi G für die Sonderschulung, § 43 BiG; siehe auch Art. 2 lit. b der Interkantonalen Vereinb arung über die Zusammenarbeit im Bereich der Sonderpädagogik vom 25. Oktober 2007). Zudem umfasst der Anspruch auf Grundschulun- terricht “nur“ ein angemessenes, erfahrungsgemäss ausreich endes Bildungsangebot. Ein An- spruch auf die optimale bzw. geeignetste Schulung eines Kindes besteht hingegen nicht. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7.1 Im Zusammenhang mit der Möglichkeit der BKSD bzw. des AVS als zuständige Fach- behörde, ein Angebot der Speziellen Förderung einer Privatschule zu übertragen, steht dem AVS innerhalb des gesetzlichen Rahmens ein weitgehender Ermessensspielraum zu. Bei sei- ner Entscheidfindung hat sich das AVS in erster Linie a m spezifischen individuellen Förderbe- darf des betroffenen Kindes zu orientieren. Dabei stützt sich das AVS insbesondere auf die vor- herige Abklärung durch die kantonalen Fachstellen bzw. deren Bericht. Das AVS hat sein ihm bei der Bewilligungserteilung und der damit verbunde nen Zuweisung an eine bestimmte Privat- schule zustehendes Ermessen im Rahmen dieser Leitlinien pflichtgemäss auszuüben. Es ist bei seinem Entscheid überdies an die Verfassung gebunden un d muss insbesondere das Rechts- gleichheitsgebot, das Verhältnismässigkeitsprinzip und die Pflicht zur Wahrung der öffentlichen Interessen befolgen. Ausserdem sind Sinn und Zweck der ge setzlichen Ordnung auch bei Er- messensentscheiden zu beachten (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allge- meines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich 2016, Rz. 433 f.; BGE 122 I 267 E. 3b; KGE VV vom 19. März 2014 [810 13 311], E. 7.1; KGE VV vom 26. Oktober 2011 [810 10 469] E. 7.1). 5.7.2 Wie bereits ausgeführt, ist die Überprüfungsbefu gnis des Kantonsgerichts auf Rechts- kontrolle einschliesslich einer allfälligen Überschreitung , Unterschreitung oder eines Miss- brauchs des Ermessens beschränkt. Vorliegend kann somit ei nzig geprüft werden, ob der rele- vante Sachverhalt richtig bzw. vollständig festgestellt wu rde und ob die involvierten Behörden und Fachstellen bei der Beurteilung der gesetzlich vorg esehenen Möglichkeiten zur weiteren Beschulung von B.____ ihr Ermessen pflichtgemäss ausgeübt haben, sodass in Anbetracht des eruierten Förderbedarfs von B.____ die Empfehlung von Massnahmen der Speziellen Förde- rung innerhalb der öffentlichen Schulen bzw. die Nich terteilung der Bewilligung zur Aufnahme einer Speziellen Förderung an einer Privatschule nicht als willkürlich erscheint. Es ist mithin nicht zu beurteilen, ob eine Beschulung an einer Priva tschule – mit allenfalls kleineren Klassen, kleinerer Anzahl Lehrpersonen, klareren Tagesstrukturen, v orteilhafteren Tages-, Sozial- oder Coaching-Angeboten – die optimale Lösung darstellt, so ndern lediglich, ob das öffentliche Schulsystem unter Berücksichtigung des Förderbedarfs im Ein zelfall einen angemessenen Un- terricht anbieten kann (vgl. KGE VV vom 19. März 2014 [ 810 2013 311], E. 7.2; KGE VV vom 8. Januar 2014 [810 13 241] E. 7.3). 6.1.1 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst, dass die Vo rinstanzen den Förderbedarf von B.____ nicht bzw. nur ungenügend abgeklärt hätten. 6.1.2 Im vorliegenden Fall wurde B.____ im Auftrag d es SPD vom KJPD im Rahmen von vier Sitzungen zwischen dem 2. März 2016 und dem 19. Apri l 2016 psychologisch abgeklärt. Die psychologische Abklärung beruhte dabei auf Zeichnungen , Spiel- und Verhaltensbeobach- tungen, klinischen Beobachtungen, Aussagen der Mutter u nd der Lehrerin und Gespräche mit E.____ (Fachpsychologe lic. phil.) und F.____ (Psychologin, SPD) sowie auf folgenden Testver- fahren: Wechsler Intelligence Scale for Children (WISC- IV), Testbatterie zur Aufmerksamkeits- prüfung (TAP), Diagnostik-System für psychische Störungen nach ICD-10 für Kinder und Ju- gendliche (DISYPY: FBB-ADHS [Mutter, Lehrerin] und S BB-ADHS), Youth Self Report (YSR 11-18). Der daraus resultierende Bericht des KJPD vom 20 . April 2016 hält zunächst fest, dass Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht B.____ von durchschnittlicher Intelligenz sei. Bezüglich s einer Aufmerksamkeits- und Konzent- rationsfähigkeit lasse sich keine eindeutige Diagnose stellen. Die Einschätzung der Mutter habe nicht auf eine Aufmerksamkeitsstörung hingewiesen und diejenigen von B.____ und seiner Leh- rerin hätten keinen eindeutigen Befund ergeben. Hing egen würden einige Teilaspekte einer Aufmerksamkeitsproblematik im Grenzbereich der klinischen Auf fälligkeit liegen, andere seien deutlich aufgefallen. Insbesondere entspreche die testpsych ologisch ermittelte Aufmerksam- keits- und Konzentrationsfähigkeit von B.____ nicht der Altersnorm. B.____ sei es unter ande- rem schwer gefallen, sein Aktivierungsniveau bei monotone n Aufgaben über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten oder auf zwei Reize gleich zeitig zu reagieren. Die Fähigkeit von B.____, sich auf neue Bedingungen bei der Lösung von A ufgaben einzustellen, sei ebenfalls unterdurchschnittlich. Ausserdem mache es B.____ offenba r Mühe, Aufträge von Drittpersonen durchzuführen und zu Ende zu bringen. Er scheine zudem grundsätzlich eine Abneigung gegen Aufgaben zu haben, bei denen man sich länger konzentrie ren oder anstrengen müsse. In Be- zug auf den emotionalen Bereich bzw. die emotionale En twicklung von B.____ wird festgehal- ten, dass B.____ sich in gewissen Situationen nicht alterse ntsprechend verhalte. In seiner Grundstimmung sei er oft nachdenklich und „genervt“. Er habe manchmal etwas verwirrt gewirkt und über diverse Schmerzen geklagt. In diesem Zusammenhan g habe die Lehrerin berichtet, dass seine Stimmung oftmals negativ sei, dass er Entscheid ungen und spontane Veränderun- gen oft persönlich nehme und es ihm schwer zu fallen sc heine, diese richtig einordnen zu kön- nen, dass er immer alles, insbesondere Regeln, hinterfrage und selber bestimme, wann und wo er sich in der Schule einbringe oder eben verweigere. Weiter sei von der Lehrerin berichtet worden, dass es schwer sei, mit B.____ in Kontakt zu treten und eine Beziehung zu ihm aufzu- bauen. In sozialer Hinsicht sei B.____ gemäss den Aussage n seiner Lehrerin grundsätzlich gut integriert, habe Freunde unter den Mitschülern und we rde für seinen grossen Gerechtigkeits- sinn in der Klasse geschätzt. Allerdings habe er Mühe mit Autoritätspersonen, verlasse einfach das Klassenzimmer oder kommuniziere nicht mehr mit der Lehrperson. Gemäss der Kindesmut- ter sei B.____ oft im Fussballtraining und habe viele Freunde. Zusammenfassend hielt der KJPD fest, dass die Verhaltensbeobachtungen und Einschätz ungen von B.____, seiner Mutter und seiner Lehrerin kein einheitliches Bild widerspiege lt hätten und empfahl deshalb, eine Ver- laufskontrolle in der ersten Hälfte 2017 durchzuführen . Festzuhalten ist somit, dass der Bericht des KJPD auf wissenschaftlich anerkannten Testverfahren und Besprechungen mit Betreuungs- bzw. Bezugspersonen beruht und sich als ausführlich erweist . Zudem ergibt sich aus den Ak- tennotizen zu den zwei Fachkonventen vom 1. März 2016 und 6. Juni 2016, dass der SPD so- wohl die schulischen Probleme von B.____ als auch desse n privates bzw. familiäres Umfeld besonders berücksichtigt hat. Den Ausführungen der kanto nalen Fachstellen ist somit in schlüssiger Weise zu entnehmen, dass B.____ aufgrund seine r Verhaltensauffälligkeiten im Unterricht, seinen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschw ierigkeiten, seinen Motivations- problemen und der Verweigerungshaltung auf Begleitu ng und Strukturierung angewiesen ist, die über das in der Regelschule angebotene Mass hinausgeh en. Der Förderbedarf von B.____ wurde dementsprechend rechtsgenügend abgeklärt. Eine unrichtige bzw. unvollständige Fest- stellung des Sachverhalts liegt entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht vor. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.1 Die Beschwerdeführerin macht ferner geltend, da ss die Vorinstanzen das ihnen zu- stehende Ermessen im Rahmen ihrer Entscheidfindung nic ht pflichtgemäss ausgeübt hätten und sich insbesondere nicht am individuellen Förderbedarf von B.____ orientiert hätten. 6.2.2.1 Sie bringt zunächst vor, der unter Vorbehalt e mpfohlene Wechsel zu einer Kleinklasse mit zusätzlicher sozialpädagogischer Unterstützung sei unang emessen und unzumutbar. B.____ sei ein Junge mit durchschnittlicher Intelligenz u nd speziellen Bedürfnissen, allerdings ohne Behinderung, weshalb die Kleinklasse für ihn grun dsätzlich nicht die geeignete Beschu- lungsform darstelle. Bei B.____ würden keine schulischen Lernbedürfnisse formuliert. Zudem sei auch im Rahmen der Kleinklasse die notwendige Beglei tung und intensive Betreuung von B.____ nicht gewährleistet. Der Besuch der Kleinklasse sei deshalb nicht indiziert. Die Vo- rinstanzen würden B.____ eine Integration zumuten, di e nicht ideal sei, sondern nur der Ab- schöpfung des Angebots der öffentlichen Schule diene. Di e mit Vorbehalt ausgesprochene Empfehlung widerspreche demzufolge der Zielsetzung der integrativen Schulungsform. 6.2.2.2 Gemäss § 44 Abs. 1 lit. b BiG ist die Kleinklasse eine Massnahme der Speziellen För- derung für Schülerinnen und Schüler mit speziellen schulischen und sozialen Lernbedürfnissen. Die sozialpädagogische Unterstützung im Sinne einer inte grativen Sonderschulung stellt eine weitergehende Massnahme dar, welche zusätzlich zum unterstü tzenden Förderangebot der Speziellen Förderung den Bildungsbedarf von Schülerinn en und Schülern mit einer Behinde- rung – auch mit schweren Verhaltensstörungen – in der Regelschule fördert. Im Rahmen des Fachkonvents vom 1. März 2016 wurde aufgrund der als krit isch qualifizierten schulischen Situ- ation von B.____ und der Tatsache, dass die Schule an i hre Grenzen gerate, eine Platzierung von B.____ im Heim “G.____“ oder im Heim “H.____“ em pfohlen. Die Fachpersonen hielten dazu fest, dass eine Rückkehr in ein Heim zwar schwierig se i, ein Verbleib im jetzigen familiä- ren Umfeld sei allerdings noch schwieriger. Da die Be schwerdeführerin sich der Heimlösung widersetzte, fand am 6. Juni 2016 ein zweiter Fachkonvent statt, bei welchem weitere Beschu- lungsmöglichkeiten für B.____ besprochen wurden. Die S chlussfolgerungen des Fachkonvents wurden wie folgt in der Aktennotiz festgehalten: (1) V on einer freiwilligen Repetition an der Pri- marschule Z.____ mit Übertritt ins J.____ werde abgeseh en, da eine Repetition nicht den intel- lektuellen Fähigkeiten von B.____ entspreche; (2) Die Privatschule D.____ komme definitiv nicht in Frage, da das Betreuungsangebot nicht wesentli ch anders sei als jetzt mit Betreuungs- angebot, Aufgabenhort und Mittagstisch; (3) Die Schule könne als Alternative die Kleinkasse und der Kanton zusätzlich eine sozialpädagogische Begleitung anbieten. Dies sei nicht die idea- le Form, würde aber das Angebot der Schule ausschöpfen; (4) Wenn die Mutter keine sozialpä- dagogische Begleitung für B.____ wünsche, so müsste die Kleinklasse angeboten werden. Dies allein sei noch weniger ideal, müsste aber ausprobier t werden. Im Schreiben des SPD vom 7. Juni 2016 wurden die Erwägungen des Fachkonvents vom 6. Juni 2016 zum empfohlenen Wechsel in die Kleinklasse mit zusätzlicher sozialpädagogisc her Unterstützung der Beschwer- deführerin näher erörtert. Der SPD hielt dazu fest, d urch die Beschulung in der Kleinklasse werde der Bedarf von B.____ an heilpädagogischer Unt erstützung berücksichtigt. Durch die zusätzliche sozialpädagogische Unterstützung werde B.____ zu dem die Begleitung und Struk- turierung erhalten, die aufgrund seiner Verhaltensau ffälligkeit im Unterricht dringend notwendig sei. Den weiteren Erwägungen der Fachpersonen ist ausser dem zu entnehmen, dass der von Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihnen ausgedrückte Vorbehalt zur Empfehlung des Wechsels in die Kleinklasse mit zusätzlicher sozialpädagogischer Unterstützung nicht die Angemessenheit der angebotenen schulischen Massnahme an sich betraf, sondern sich darauf bezog, da ss grundsätzlich nur mit einer Heim- lösung zusätzlich auch diejenigen Schwierigkeiten von B.___ _ angemessen angegangen wer- den könnten, die mit seinem privaten bzw. familiären Umfeld zusammenhängen. Aus den dar- gestellten Ausführungen der Fachpersonen und der Vori nstanzen erhellt, dass deren Empfeh- lungen das Ergebnis einer genauen Würdigung des Förder bedarfs und der allgemeinen Le- benssituation von B.____ darstellt. Die Empfehlung des Wechsels in die Kleinklasse begleitet von sozialpädagogischer Unterstützung erweist sich dementspr echend als angemessen und nachvollziehbar. Ein qualifizierter Ermessensfehler der Vorinstanzen im Sinne eines Ermes- sensmissbrauchs ist diesbezüglich nicht auszumachen. 6.2.3.1 Des Weiteren rügt die Beschwerdeführerin, dass d ie Fachbehörden und die Vorinstan- zen die Möglichkeit der Speziellen Förderung an der Pri vatschule D.____ nicht bzw. nicht ein- gehend geprüft und schliesslich nicht empfohlen hätten. Den Akten, insbesondere dem Bericht des SPD vom 7. Juni 2016, könne nicht entnommen werden , weshalb die Privatschule D.____ im vorliegenden Fall nicht in Frage kommen solle, und das Schulkonzept und das Betreuungs- angebot der Privatschule D.____ sei den Fachleuten bzw. den entscheidenden Personen nicht bekannt gewesen. Es sei nicht erkannt worden, dass die Pri vatschule D.____ eine engerma- schige Betreuung anbiete als die mit Vorbehalt vorgeschlagene Kleinklasse, da Schulunterricht, Aufgabenerledigung, Mittagstisch und zusätzliche Mittagsb etreuung nicht getrennt, sondern innerhalb der Schule von den gleichen Personen durchg eführt würden, wodurch eine grösst- mögliche Kontinuität zu den Bezugspersonen bestehe. Der Regierungsrat habe zwar festgehal- ten, dass fraglich erscheine, ob die Privatschule D.____ die vom SPD als notwendig erachteten Leistungen erbringen könne. Eine Auseinandersetzung mit dem tatsächlichen Förderbedarf und dem Leistungsangebot der Privatschule D.____ sei im Rahm en des angefochtenen Urteils je- doch nicht erfolgt. Es zeige sich nun aber, dass das von der Privatschule D.____ angebotene Betreuungssystem sich auf die Präsenz in der Schule, die Zu sammenarbeit mit der Familie und die gesundheitliche Situation von B.____ positiv auswirke, was insbesondere durch das Schrei- ben des Präsidenten des Stiftungsrates der Privatschule D. ____ vom 29. Juli 2016, den aktuel- len Zwischenbericht der Privatschule D.____ vom 10. Novemb er 2016 sowie den Arztbericht von Dr. I.____, Fachärztin FMH Kinder- und Jugendmedizi n, vom 22. September 2016 belegt sei. Die Beschulung in der Privatschule D.____ stelle so mit nichts Weiteres als eine angemes- sene und erforderliche Schullösung dar, mit welcher – im Unterschied zur separativen Beschu- lung in einem Schulheim – insbesondere das Kindeswohl berücksichtigt werde und welche eine positive Schullaufbahn erwarten lasse. 6.2.3.2 Es gilt der Vorrang der öffentlichen Schule ge genüber der Privatschule und der integra- tiven Lösungen gegenüber den separierenden Lösungen (siehe auch Art. 2 lit. b der Interkanto- nalen Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Berei ch der Sonderpädagogik vom 25. Oktober 2007). Der Anspruch auf unentgeltliche In anspruchnahme des Förderangebots einer Privatschule entsteht somit erst, wenn in der öffe ntlichen Schule keine den individuellen Fähigkeiten des Kindes und seiner Persönlichkeitsentwicklung entsprechenden Förderangebote bestehen. Dementsprechend ist die Möglichkeit einer Speziellen Förderung an einer Privatschu- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht le erst zu berücksichtigen, nachdem alle nach objektiven Krit erien oder nach der Einschätzung der beteiligten Fachleute angebrachten Massnahmen der Speziellen Förderung innerhalb der öffentlichen Schulen ausgeschöpft wurden. Im vorliegende n Fall wurde ein Wechsel in die Kleinklasse begleitet von zusätzlicher sozialpädagogischer Un terstützung im Sinne einer integ- rativen Sonderschulung empfohlen. Diese Massnahme geniesst von Gesetzes wegen den Vor- rang gegenüber einer separativen Schullösung an eine r Privatschule. Eine Gutheissung des Antrags auf Spezielle Massnahmen an der Privatschule D.____ hätte somit vorausgesetzt, dass sich die empfohlene, grundsätzlich angemessene und erfah rungsgemäss ausreichende Schul- lösung im Nachhinein, d.h. nach einer kurzen Probezeit, als unbefriedigend erwiesen hätte. Ei- ne Umsetzung der empfohlenen Massnahme wurde allerdin gs vorliegend dadurch verunmög- licht, dass die Beschwerdeführerin sich der empfohlenen B eschulung kategorisch widersetzte und B.____ nicht mehr zur öffentlichen Schule in Z.__ __, sondern in die Privatschule D.____ schickte. Es besteht deshalb weiterhin eine den gesetzlichen Anforderungen genügende Be- schulungsmöglichkeit für B.____, welche einer Privatschullö sung vorgeht. Eine eingehende Prüfung der von der Beschwerdeführerin gewünschten Besc hulung an der Privatschule D.____ durch die Vorinstanzen erübrigte sich somit. Dennoch hab en die Vorinstanzen die Möglichkeit der Speziellen Förderung an der Privatschule D.____ nicht ganz ausser Acht gelassen, sondern in Erwägung gezogen. Von einer rechtsverletzenden Ermesse nsausübung kann auch unter diesem Gesichtspunkt nicht gesprochen werden. 6.3 Entsprechend den obigen Ausführungen ist zusamme nfassend festzuhalten, dass die Fachpersonen und Vorinstanzen keinen Rechtsfehler bzw. k einen qualifizierten Ermessensfeh- ler im Zusammenhang mit der Würdigung der Beschulungsmö glichkeiten für B.____ und der Empfehlung des Wechsels in die Kleinklasse mit zusätzlicher sozialpädagogischer Unterstüt- zung begangen haben. 6.4 Die Beschwerdeführerin rügt im Weiteren die Unverh ältnismässigkeit der Empfehlung der Heimplatzierung. Dazu ist festzustellen, dass das AVS i n seiner das Gesuch um Spezielle Förderung an der Privatschule D.____ ablehnenden Verfü gung vom 8. Juni 2016 festgehalten hat, dass B.____ über die Spezielle Förderung allenfa lls mit zusätzlicher Unterstützungsmass- nahme über die Sonderschulung weiterhin in Z.____ be schult werden könne. Somit hat das AVS eine gegenüber einer Heimplatzierung und -beschul ung mildere und rechtmässige Mass- nahme angeboten. Zudem ist die empfohlene Beschulungs form – wie soeben dargelegt – rechtmässig. Demzufolge erübrigt sich eine Prüfung der zunächst von den Fachkonventen emp- fohlenen Heimplatzierung. 7. Gemäss § 46 Abs. 2 BiG setzt die Bewilligung der Sp eziellen Förderung an einer Pri- vatschule einen Antrag einer vom Kanton bestimmten Fach stelle voraus. Zudem hat die BKSK bzw. das AVS die Subsidiarität einer solchen Lösung gege nüber integrativen Massnahmen zu berücksichtigen. Die Beschwerdeführerin hat ihr Gesuch um Bewilligung des Privatschulbe- suchs im Rahmen der Speziellen Förderung ohne entsprechen den Antrag des SPD oder des KJPD gestellt. Zudem haben die am zweiten Fachkonvent an wesenden Fachleute sowie der SPD nicht nur ausdrücklich eine Privatschullösung als nich t indiziert qualifiziert, sondern auch eine schulische Massnahme des öffentlichen Angebots empfoh len, welche B.____ in objektiver Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinsicht und gemäss den zuständigen Fachpersonen eine ang emessene, erfahrungsgemäss ausreichende Bildung offeriert. Da das öffentliche Bil dungsangebot somit – aufgrund des Ver- haltens der Beschwerdeführerin – nicht ausgeschöpft w urde und das Schweizer Recht keinen Anspruch auf die optimale bzw. geeignetste Schulung ken nt, waren bzw. sind die Vorausset- zungen zur Begründung eines Anspruchs auf Spezielle Förder ung an einer Privatschule nicht erfüllt. Der Entscheid des AVS, den Antrag der Beschwerd eführerin auf Spezielle Förderung an einer Privatschule vom 30. März 2016 abzulehnen, erfo lgte dementsprechend zu Recht. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und ist demnach abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die V erfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- der unterlegenen Beschwerdeführerin aufzu erlegen. Die Parteikosten sind wettzu- schlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.