B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-7463/2014 mel U r t e i l v o m 3 1 . A u g u s t 2 0 1 6 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Claudia Cotting-Schalch, Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Johannes Mosimann, Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. November 2014 / N (…). D-7463/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein sri -lankischer Staatsangehöriger tamili- scher Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______ (Zentralprovinz) verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 7. Februar 2010 illegal mit Hilfe eines Schleppers und gelangte zunächst auf dem Luftweg nach Italien. Am 9. Februar 2010 sei er mit dem Auto von dort herkommend ille- gal in die Schwei z eingereist. Gleichentags suchte er im Empfangs - und Verfahrenszentrum C._______ um Asyl nach und wurde dort am 26. Feb- ruar 2010 summarisch befragt. Am 10. März 2010 hörte ihn das BFM ge- stützt auf Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) ausführlich zu seinen Asylgrün- den an und wies ihn in der Folge für die Dauer des Verfahrens dem Kanton D._______ zu. Am 11. November 2014 führte das BFM mit dem Beschwer- deführer eine ergänzende Anhörung durch. A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Bes chwerdeführer zunächst vor, er stamme ursprünglich aus Jaffna, lebe aber schon seit dem Jahr 1990 in B._______ und sei dort als Geschäftsmann tätig. Nachdem er mehrfach belästigt und bedroht worden sei, fühle er sich dort aber nicht mehr sicher. Beamte des Criminal Investigati on Department (CID) hätten ihn zwischen den Jahren 2001 und 2009 mehrmals im Geschäft aufgesucht und ihn beschimpft, weil er als wohlhabender Tamile in B._______ mehrere Geschäfte geführt habe. Sie hätten ihm nahegelegt, aus B._______ weg- zugehen, und gedroht, er würde sonst umgebracht werden. Sie hätten ihn ausserdem gefragt, woher er das Geld für den Erwerb der Geschäfte habe und hätten ihn verdächtigt, Kontakt zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zu haben. Am 28. April 2006 sei ein guter Freund von ihm erschos- sen worden, und er habe die Beerdigung organisiert und geleitet. Damals habe er eine kurze Auseinandersetzung mit Beamten des CID gehabt, weil er bemerkt habe, dass diese alle Teilnehmer der Beerdigung gefilmt hätten, und sie darauf angesprochen habe. Ungefähr zwei Wochen später seien CID-Leute zu ihm ins Geschäft gekommen und hätten ihn mitgenommen. Sie hätten ihn über Nacht festgehalten, ihn geschlagen und befragt. Sie hätten ihm gesagt, er dürfe nicht mehr in B._______ bleiben. Am 3. De- zember 2008 sei sein Angestellter festgenommen worden. Zwei Tage spä- ter sei er (der Beschwerdeführer) von CID-Leute aufgesucht und mitge- nommen worden. Sie hätten ihn wiederum befragt, geschlagen und ihn auf- gefordert, B._______ endlich zu verlassen. Nach drei Tagen hätten sie ihn wieder freigelassen, nachdem seine Mutter eine Geldsumme bezahlt habe. Sie hätten aber seine Identitätskarte beschlagnahmt. Im Verlauf des Jahres D-7463/2014 Seite 3 2009 habe er mehrmals anonyme Drohanrufe erhalten. Am 21. Dezember 2009 sei ihm ausserdem ein anonymer Brief zugestellt worden, worin ihm gedroht worden sei, er werde umgebracht werden, wenn er nicht endlich weggehe. Spätabends am 24. Dezember 2009 seien dann CID-Leute zu ihm gekommen, hätten an die Tür geklopft und Einlass begehrt . Er sei durch die Hintertür geflüchtet und umgehend nach Negombo gefahren, wo er sich bis zu seiner Ausreise am 7. Februar 2010 bei einem Freund ver- steckt habe. Währenddessen hätten ihn die Behörden mehrmals in B._______ gesucht. Auch als er von der Schweiz aus mit seiner Mutter telefoniert habe, habe sie ihm gesagt, es werde ständig nach ihm gesucht. Der Beschwerdeführer erklärte zunächst, er habe keinen Kontakt mit den LTTE gehabt. Erst in der ergänzenden Anhörung vom 11. November 2014 machte er geltend, er habe zwischen den Jahren 2004 und 2006 die LTTE unterstützt. Er habe das in den vorangehenden Befragungen verschwie- gen, weil er Angst gehabt habe, er werde sonst abgeschoben. Der Kontakt mit den LTTE sei zustande gekommen, als er im Jahr 2004 geschäftlich ins Vanni-Gebiet gefahren sei. Die LTTE hätten alle Auswärtigen befragt. Da- bei hätten sie ihn gebeten, sie zu unterstützen. Da er gute Geschäftskun- den aus dem Hochland gehabt habe, habe er in der Folge auf Ersuchen der LTTE einigen Personen dort Arbeit und Unterkunft vermittelt. Ausser- dem habe er für Veranstaltungen wie den Pongu Tamil Plakate aufgestellt und Verkehrsmittel organisiert. Im Jahr 2006 sei der Kontakt zu den LTTE dann abgebrochen. In der ergänzenden Anhörung führte er zudem aus, die Behörden hätten ihn schon im Jahr 2001 behelligt, als er ein Geschäft ge- kauft habe. Sie hätten ihn mitgenom men und gefragt, woher er das Geld für diesen Kauf habe. Der Beschwerdeführer fügte ausserdem an, im Jahr 2013 sei ein weiterer Drohbrief gekommen. Eine Woche später hätten die CID-Leute das Geschäft aufgesucht, wo sein Bruder jetzt arbeite, und hät- ten nach ihm (dem Beschwerdeführer) gefragt, den Bruder geschlagen und die Sachen im Geschäft kaputt gemacht. Der CID suche zuhause weiterhin nach ihm und belästige und verängstige seine Angehörigen. Der Be- schwerdeführer machte ausserdem geltend, er nehme in der Schweiz an tamilischen Versammlungen sowie an den Heldentag-Feierlichkeiten teil. A.c Der Beschwerdeführer reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Verfah- rens folgende Unterlagen zu den Akten: einen Geburtsschein, eine Kopie seiner Identitätskarte, zwei Seiten seines Reisepasses in Kopie, einen un- datierten Drohbrief inkl. Übersetzung, eine Übertragungsurkunde betref- fend den Kauf einer Imm obilie vom 3. April 2000 (Kopie), eine Übertra- gungsurkunde betreffend den Verkauf einer Immobilie vom 29. März 2007 D-7463/2014 Seite 4 (Kopie), ein Schreiben seiner Mutter aus dem Jahr 2013, ein weiterer Droh- brief aus dem Jahr 2013 sowie ein Schreiben seines Bruders aus dem Jahr 2013. B. Mit Verfügung vom 19. November 2014 – eröffnet am 20. November 2014 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Be schwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. C. Der Beschwerdeführer verwies mit Schreiben vom 17. November 2014 auf seine Teilnahme an einer Demonstration gegen die sri -lankische Regie- rung und einen entsprechenden Youtube -Link und legte ausserdem ein Foto bei. D. Mit Beschwerde vom 22. Dezember 2014 liess der Beschwerdeführer be- antragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei die Flücht- lingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren, eventuell sei die Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts – inklusive einer er- neuten Anhörung in einem reinen Männer -Team – an die Vorinstanz zu- rückzuweisen, subeventuell sei dem Beschwerdeführer die vorläufige Auf- nahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der vollumfänglichen unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG; Art 110a Abs. 1 Bst. a AsylG ) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Ausserdem wurde beantragt, dem Rechtsver- treter sei zu allfälligen Stellungnahmen der Vorinstanz das Replikrecht zu gewähren, und es sei eine angemessene Nachfrist zur Einreichung von ärztlichen Berichten sowie einer ergänzenden Beschwerdebegründung an- zusetzen. Der Beschwerde lagen folgende Unterlagen bei: eine Kopie der angefoch- tenen Verfügung, eine Vollmacht vom 15. Februar 2010 sowie Fotos (Ko- pien) betreffend die exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers. E. Mit Zwischenverfügung vom 6. Januar 2015 forderte der Instruktionsrichter den Beschwerdeführer auf, innert Frist entweder einen Beleg für die gel-D-7463/2014 Seite 5 tend gemachte prozessuale Bedürftigkeit nachzureichen oder einen Kos- tenvorschuss von Fr. 600.— zu leisten, ansonsten auf die Beschwerde un- ter Kostenfolge nicht eingetreten werde. Dem Beschwerdeführer wurde ausserdem eine Frist zur Nachreichung der in Aussicht gestellten ärztli- chen Berichte eingeräumt. Das Gesuch um Ansetzung einer Nachfrist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung wurde unter Hinweis auf Art. 32 Abs. 2 VwVG abgewiesen. F. Der verlangte Kostenvorschuss wurde am 19. Januar 2015 einbezahlt. G. Mit Eingabe vom 21. Januar 2015 wurde das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der vollumfänglichen Rechtspflege zurückgezo- gen. Im Weiteren wurde ein ärztlicher Bericht von J.-P . A. vom 22. Dezem- ber 2014 zu den Akten gereicht sow ie die Einreichung von drei weiteren Arztberichten in Aussicht gestellt. H. Mit Verfügung vom 2. Februar 2015 wurde der Beschwerdeführer aufge- fordert, innert Frist die in Aussicht gestellten Arztberichte nachzureichen. Daraufhin liess der Beschwerdeführer mit Eingaben vom 16. Februar 2015 und 20. März 2015 folgende Beweismittel zu den Akten reichen: einen ärzt- licher Bericht von Dr. med. H. S. vom 12. Februar 2015 sowie einen ärztli- chen Bericht von Dr. med. S. L. vom 18. März 2015. I. Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 15. April 2015 vollumfänglich an seiner Verfügung fest. J. Mit Eingabe vom 17. April 2015 wurde ein ärztlicher Bericht von Dr. med. H. H. vom 20. März 2015 nachgereicht. K. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers nahm in seiner Replik vom 4. Mai 2015 Stellung zur vorinstanzlichen Vernehmlassung, wobei er an den Beschwerdeanträgen festhielt. L. Einer Mitteilung des Migrationsamts des Kantons D._______ vom 13. Juni D-7463/2014 Seite 6 2016 zufolge wurde dem Beschwerdeführer am 29. April 2016 eine Aufent- haltsbewilligung „B“ erteilt. M. Der Instruktionsrichter teilte dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 16. Juni 2016 mit, dass das Beschwerdeverfahren angesichts der Ausstellung der erwähnten Aufenthaltsbewilligung im Wegweisungsvollzugspunkt ge- genstandslos geworden sei. Der Beschwerdeführer wurde angefragt, ob er bei dieser Sachlage seine Beschwerde – soweit nicht gegenstandslos ge- worden – zurückziehe wolle. Dieser liess sich jedoch innert der ihm gesetz- ten Antwortfrist nicht vernehmen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer Vo- rinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des BFM bzw. SEM, welche in An- wendung des AsylG ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). D-7463/2014 Seite 7 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer best immten sozialen Gruppe oder ihrer politi- schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge- schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings- eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H., und 2009/29 E. 5.1). 4. 4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids im Wesentlichen aus, die Asylvorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. Er habe vorgebracht, er sei mehrmals von A ngehörigen des CID aufgesucht worden, habe jedoch widersprüchliche Angaben zur Anzahl dieser Besuche gemacht. Die angebliche erste Mitnahme durch den CID im Anschluss an die Beerdigung seines Freundes habe er sodann erst in der Anhörung zu den Asylgründen geltend gemacht. An der Befra- gung zur Person (BZP) habe er dieses Ereignis trotz seines zentralen Cha- rakters nicht erwähnt, was nicht nachvollziehbar sei, zumal er an der BZP D-7463/2014 Seite 8 frei habe erzählen können und bestätigt habe, alles gesagt zu haben. Er habe im Weiteren die Frage, ob sein Freund Verbindungen zur LTTE ge- habt habe, unterschiedlich beantwortet. In Bezug auf die geltend gemachte Mitnahme durch die Behörden im Jahr 2008 habe er sodann zunächst an- gegeben, man habe ihm vorgeworfen, mit den LTTE in Kontakt zu stehen. In den beiden Anhörungen habe er dagegen erklärt, er sei wegen seines verhafteten Angestellten festgenommen und zu dessen Hintergrund be- fragt worden. Zudem habe er zum Verbleib seiner Identitätsk arte wider- sprüchliche Angaben gemacht, indem er einmal vorgebracht habe, der CID habe sie an sich genommen, ein andermal dagegen gesagt habe, die Iden- titätskarte befinde sich bei der Polizei. Er habe auch nicht kohärent ange- ben können, wer – CID oder Polizei – am 24. Dezember 2009 bei ihm zu- hause vorgefahren sei. Obwohl er in der Anhörung vom 10. März 2010 gel- tend gemacht habe, er sei im Dezember 2009 zweimal vom CID aufge- sucht worden, habe er in allen Interviews konkret nur das Ereignis vom 24. Dezember 2009 genannt, was nicht nachvollziehbar sei. Schliesslich sei auch der Grund für die angeblich bis heute andauernde Verfolgung nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer habe vorgebracht, er sei verfolgt wor- den, weil er ein erfolgreicher tamilischer Geschäftsma nn in einem vor- nehmlich von Singhalesen bewohnten Gebiet gewesen sei und ursprüng- lich aus Jaffna zugezogen sei. Man habe ihm befohlen, B._______ zu ver- lassen. Dieser Aufforderung habe er im Dezember 2009 Folge geleistet. Es sei daher nicht nachvollziehbar, dass er angeblich auch noch fünf Jahre nach seinem Wegzug aus B._______ gesucht werde. Insgesamt sei fest- zustellen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers nachgeschoben, widersprüchlich und unlogisch ausgefallen seien. Es sei daher nicht glaub- haft, dass er in Sri Lanka den geltend gemachten Verfolgungsmassnah- men ausgesetzt gewesen sei. Der Beschwerdeführer habe sodann erst in der ergänzenden Anhörung nachgeschoben, dass er die LTTE unterstützt habe. Da es sich dabei lediglich um logistische Tätigkeiten und nicht um Verbrechen gehandelt habe, sei nicht nachvollziehbar, dass er diese Tätig- keiten zuvor aus Angst vor Nachteilen im Asylverfahren verschwiegen habe. Vielmehr würden seine verspäteten Aussagen den Anschein erwe- cken, er versuche sich asyltaktische Vorteile zu verschaffen, zumal er zu seinen angeblichen Tätigkeiten für die LTTE lediglich ausweichende, kurze und stereotype Angaben gemacht habe. Seine Vorbringen seien daher nicht glaubhaft. Im Übrigen sei es ohnehin zumindest erstaunlich, dass er sich als aktenkundig apolitische Person in einem von Singhalesen domi- nierten Gebiet durch die Organisation von Pongu-Feierlichkeiten exponiert hätte, beziehungsweise dass die LTTE dort eine solche Feier überhaupt durchgeführt habe. Die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel D-7463/2014 Seite 9 seien allesamt nicht geeignet, den asylrelevanten Sachverhalt glaubhaft zu machen. Aufgrund des Gesagten sei davon auszugehen, dass er im Aus- reisezeitpunkt nicht verfolgt gewesen sei. Im vorliegenden Fall sei auch nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka aufgrund von anderen Risikofaktoren eine begründete Furcht vor asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen habe. Er sei zwar Ta- mile mit mehrjähriger Landesabwesenheit, und sein Alter, die allfällig e Rückkehr mit temporären Reisedokumenten und die geltend gemachte exilpolitischen Tätigkeit seien grundsätzlich geeignet, im Falle seiner Ein- reise bei den sri -lankischen Behörden eine erhöht e Aufmerksamkeit her- vorzurufen und einen sogenannten "background check" auszulösen. Da er jedoch kein politisch -oppositionelles Profil aufweise, gebe es keinen be- gründeten Anlass zur Annahme, dass er aufgrund der genannten Faktoren weitergehende Verfolgungsmassnahmen zu befürchten habe. Damit erfülle der Beschwerdeführer insgesamt die Flüchtlingseigenschaft nicht, und das Asylgesuch sei abzulehnen. 4.2 In der Beschwerde wird zunächst vorgebracht, der Beschwerdeführer sei in Sri Lanka gefoltert worden und leide bis heute unter den Folgen. Er habe sich aufgrund des teilweise sexuellen Charakters der Folter erst spät dazu durchringen können, der Rechtsvertretung davon zu berichten. Der Hausarzt werde dazu einen Bericht verfassen, zudem werde ein Psychiater gesucht, welcher ebenfalls einen Bericht vorlegen werde. Nach einer Zu- sammenfassung des Sachverhalts wird geltend gemacht, der Beschwer- deführer habe in den ersten beiden Interviews die erlittenen Folterungen nicht schildern können. In der ergänzenden Anhörung habe er eigentlich vorgehabt, davon zu berichten, habe sich aber in Anbetracht des reinen Frauenteams geschämt. Nach Erhalt des negativen Asylentscheids habe er sich der Rechtsvertretung anvertraut. Eine seriöse Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen sei nur unter Berücksichtigung der nachzureichenden ärztlichen Berichte möglich. Sodann wird ausgeführt, es treffe nicht zu, dass sich der Beschwerdeführer bezüglich der Anzahl Be- suche durch den CID widersprochen habe. Ferner sei nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer in der Befragung zur Person (Bz P) das nicht besonders gravierende Ereignis im Jahr 2001 nicht erwähnt habe, da die eigentliche Verfolgung erst im Jahr 2006 begonnen habe. Dies stelle kein Widerspruch in den Aussagen des Beschwerdeführers dar. Das BFM habe beanstandet, dass der Beschwerdefü hrer die Festnahme zwei Wochen nach der Beerdigung im April 2006 erst in der Anhörung erwähnt habe. Al- lerdings habe er bereits in der BzP ausgesagt, er sei vom CID mitgenom- men und geschlagen worden. Damit habe er wohl auch die Festnahme D-7463/2014 Seite 10 vom Jahr 2006 gemeint respektive diese zumindest ansatzweise erwähnt. Es sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer an der BzP aufge- fordert worden sei, sich kurz zu fassen. Im Weiteren treffe es nicht zu, dass sich der Beschwerdeführer in Bezug auf den Grund für die M itnahme im Jahr 2008 widersprochen habe. Da er einen LTTE-Verdächtigen in seinem Geschäft beschäftigt habe, sei er seinerseits verdächtigt worden, in Kon- takt zu den LTTE zu stehen. Daher sei er sowohl zu den LTTE-Verbindun- gen des Angestellten als auch zu seinen eigenen befragt worden. Bezüg- lich der vom Beschwerdeführer verwendeten Terminologie (Polizei/CID) sei festzustellen, dass in Sri Lanka bei politisch motivierten Verhaftungen um- gangssprachlich meist vom CID gesprochen werde, da dieser letztlich die Entscheidungsgewalt innehabe. Die etwas unpräzise Begriffsverwendung durch den Beschwerdeführer sei daher nachvollziehbar. Insofern als die Vorinstanz erwäge, es sei nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdefüh- rer bis heute verfolgt werde, sei darauf hinzuweisen, dass dieser nicht nur wegen seines geschäftlichen Erfolgs verfolgt worden sei. Vielmehr habe er selbst die LTTE unterstützt und sei zweimal wegen Verdachts auf Zusam- menarbeit mit den LTTE inhaftiert und misshandelt worden. Das BFM äussere sodann Zwe ifel an der Glaubhaftigkeit der nachträglich geltend gemachten Unterstützung für die LTTE. Es sei jedoch ein bekanntes Phä- nomen, dass tamilische Asylsuchende ihre LTTE-Tätigkeit den Asylbehör- den gegenüber aus Angst vor Nachteilen oder aufgrund entsprechend er Anweisungen zunächst verschweigen würden. Es spreche daher nicht ge- gen die Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen, das sie erst in der zweiten An- hörung geltend gemacht worden seien. Es sei schliesslich plausibel, dass der Beschwerdeführer keine Angaben zu den Namen der unterzubringen- den Personen oder der Gründe für deren Unterbringung habe machen kön- nen. Seine Vorbringen zur logistischen Unterstützung der LTTE seien aus- führlich und stimmig ausgefallen und ausreichend substanziiert. Insgesamt seien die Asylvorbringen als glaubhaft zu erachten. Somit stehe fest, dass der Beschwerdeführer zwischen den Jahren 2004 und 2006 die LTTE mas- siv logistisch unterstützt habe. Er sei zweimal aufgrund des Verdachts von LTTE-Verbindungen inhaftiert und dabei einmal massiv gef oltert worden. Dies sei auch im Zusammenhang mit seinen Beziehungen zur „Satheeskumar“, einem erschossenen LTTE -Kämpfer, und „Sury“, einem inhaftierten mutmasslichen LTTE -Mitglied, gestanden. Damit gehöre der Beschwerdeführer zu den von Bundesverwaltungsge richt, UNHCR und BFM definierten Risikogruppen. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka habe er daher eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten. Zwar treffe es zu, dass den sri -lankischen Behörden die Unterstützungstätigkeit des Be- schwerdeführers für die LTTE zwischen den Jahren 2004 und 2006 noch D-7463/2014 Seite 11 nicht bekannt gewesen sei. Allerdings würden aufgrund der vielen Kollabo- rateure sowie der Folterungen anlässlich der Befragungen durch die sri - lankischen Sicherheitskräfte sehr viele Personen – auch unberechtigter- weise – als LTTE-Mitglieder denunziert. Daher sei davon auszugehen, dass die sri-lankischen Behörden inzwischen von der Unterstützungstätig- keit des Beschwerdeführers erfahren hätten. Dies zeige sich auch daran, dass die Armee den Beschwerdeführer regelmässig bei seiner Familie su- che, zumal er schon früher wegen Verdachts auf LTTE -Verbindungen in- haftiert worden sei. Er weise damit ein Gefährdungsprofil auf und habe bei einer Rückkehr nach Sri Lanka eine asylrelevante Verfolgung zu gewärti- gen. Da der Beschwerdeführer exilpolitisch tätig sei, habe er auch deswe- gen eine Verfolgung zu befürchten. Die sri -lankische Regierung lasse Kundgebungen im Ausland überwachen und versuche systematisch, re- gimekritische Tamilen zu identifizieren. Es sei keine besonders exponierte Stellung in der Diaspora nötig, um bei einer Rückkehr asylrelevanter Ver- folgung ausgesetzt zu werden. Die sri -lankische Regierung habe zudem mehrere exilpolitische Organisationen auf eine Terrorliste gesetzt. Es sei damit zu rechnen, dass jedermann, der in einer Verbindung zu diesen Or- ganisationen stehe, verdächtigt werde, die LTTE zu unterstützen. Zu be- achten sei zudem, dass in Sri Lanka weiterhin die Wahrnehmung vorherr- sche, dass die Strukturen der LTTE hier noch aktiv seien, zumal die Schweiz als Finanzierungszentrum der LTTE gelte. Exilpolitische Aktivitä- ten in der Schweiz würden daher seitens der sri-lankischen Behörden bei- spielsweise mittels Botschaftsangehörigen systema tisch überwacht, und zurückkehrende Tamilen würden bei der Einreise überprüft und v erhört. Schon der blosse Verdacht der sri -lankischen Behörden, wonach jemand an einer exilpolitischen Kundgebung teilgenommen habe, genüge, um ver- haftet und gefoltert zu werden. Der Beschwerdeführer habe regelmässig an politischen Veranstaltungen der tamil ischen Diaspora teilgenommen, wobei er fotografiert und gefilmt worden sei. Diese Aufnahmen seien teil- weise im Internet öffentlich einsehbar. Die Veranstaltungen würden mass- geblich vom Swiss Tamil Coordinating Comittee (STCC) organisiert, wel- ches auf der erwähnten Terrorliste der sri-lankischen Regierung aufgeführt sei. Daher bestehe die Gefahr, dass der Beschwerdeführer wegen exilpo- litischer Tätigkeit bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in relevanter Weise verfolgt werde. Zumindest werde dadurch sein Gefährdungsprofil verstärkt. Selbst wenn seine Vorbringen als unglaubhaft erachtet würden, verfüge er über ein Gefährdungsprofil, da die tamilische Diaspora in der Schweiz von der sri-lankischen Regierung pauschal als LTTE-nah betrachtet werde. Die Rückkehr aus d er Schweiz lasse einen Tamilen grundsätzlich verdächtig D-7463/2014 Seite 12 erscheinen. Beim Beschwerdeführer handle es sich überdies um einen jun- gen Mann aus dem Jaffna-Gebiet, welcher sich lange in singhalesisch-do- miniertem Gebiet aufgehalten habe, was dem Schema eines LTTE-(Unter- grund-) Kämpfers entspreche. Zudem habe er in der Schweiz ein Asylge- such gestellt und sei in Sri Lanka inhaftiert und gefoltert worden. Sodann wird in der Beschwerde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe sich in der Anhörung vom 11. November 2014 ge schämt, vor den anwesenden Frauen über seine Foltererlebnisse zu sprechen, da es sich dabei teilweise um sexuelle Übergriffe gehandelt habe. Er habe sich dann aber dem Rechtsvertreter anvertraut. Falls die geltend gemachten Folterungen nicht als hinreichen d erstellt erachtet würden, sei im Interesse der richtigen Sachverhaltsabklärung eine erneute Anhörung in einem reinen Männer - Team in Betracht zu ziehen. 4.3 In der Eingabe vom 21. Januar 2015 wird unter Beilage eines Arztbe- richts vom 22. Dezember 2014 angefü gt, der ärztliche Bericht beschreibe die Folterverletzungen des Beschwerdeführers. Der Arzt komme zum Schluss, dass die Verletzungen von den vom Beschwerdeführer geschil- derten Folterungen herrühren könnten, was für die Glaubhaftigkeit der Fol- tervorbringen spreche. Es seien weitere Untersuchungen beim Urologen sowie beim Gastroenterologen in die Wege geleitet worden, zudem werde der Beschwerdeführer eine Traumatherapie beginnen. Die entsprechen- den Berichte der Fachärzte würden nachgereicht. Im Weiteren wird unter Verweis auf mehrere publizierte Entscheide der ehemaligen Schweizeri- schen Asylrekurskommission ausgeführt, es spreche nicht grundsätzlich gegen die Glaubhaftigkeit einer Aussage, wenn ein Folteropfer zunächst nicht in der Lage sei, über das Erlebte zu berichten. 4.4 In der Eingabe vom 16. Februar 2015 wird unter Beilage eines ärztli- chen Berichts vom 12. Februar 2015 vorgebracht, der Beschwerdeführer sei in Sri Lanka massiv gefoltert worden, unter anderem sei er mit einem Stock oder Rohr anal vergewaltigt worden. Diese Folterverletzungen könn- ten indessen aufgrund des Zeitablaufs nicht mehr dokumentiert werden. Die funktionellen Störungen des Darmes könnten jedoch durch eine post- traumatische Belastungsstörung bedingt sein. Am 23. Januar 2015 habe der Beschwerdeführer eine psychiatrische Behandlung begonnen. Zudem stehe noch der Termin beim Urologen an. 4.5 Mit Eingabe vom 20. März 2015 wird der Bericht des Psychiaters vom 18. März 2015 nachgereicht und vorgebracht, der Psychiater halte es für D-7463/2014 Seite 13 überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer gefoltert worden sei. 4.6 Das SEM weist in seiner Vernehmlassung vom 15. April 2015 darauf hin, dass der Beschwerdeführer erst in der Zweitanhörung vorgebracht habe, er habe die LTTE durch die Vermittlung von Unterkünften unterstützt. Die verspätete Geltendmachung dieser Unterstützungshandlung sei nicht nachvollziehbar, zumal es sich dabei nicht um eine unmittelbar terroristi- sche Vorkehrung handle. Die Erklärung des Beschwerdeführers, wonach er sich aufgrund von Gerüchten in d er Diaspora nicht getraut habe, seine LTTE-Unterstützung eher kundzutun, überzeuge nicht, zumal sich Asylsu- chende ungeachtet von allfälligen Gerüchten an die Wahrheits- und Mitwir- kungspflicht zu halten hätten. Zu den auf Beschwerdeebene erstmals vor- gebrachten (sexuellen) Folterungen bringt das SEM im Wesentlichen vor, aufgrund des Arztberichts von J.-P . A. könnten die Verletzungsspuren, wel- che der Beschwerdeführer aufweise, nicht kausal auf ein Folterereignis zu- rückgeführt werden. Vielmehr seien auch andere Auslöser denkbar. Auch der Bericht des Gastroenterologen belege nicht, dass sich die behaupteten sexuellen Folterhandlungen tatsächlich ereignet hätten. Der Psychiater seinerseits habe eine posttraumatische Belas tungsstörung diagnostiziert und sei zum Schluss gekommen, diese habe ihren Ursprung in der erlitte- nen Folter. Der Bericht weise indessen erhebliche Mängel auf, weshalb er kein geeignetes Beweismittel sei. Insgesamt seien die Arztberichte nicht geeignet, die (verspätet) geltend gemachte Folter zu belegen. Deshalb könne auch auf die beantragte weitere Anhörung (in einem reinen Männer- Team) verzichtet werden. Dies auch deshalb, weil der Vorfall vom Dezem- ber 2008 – wie bereits in der angefochtenen Verfügung ausgeführt – gar nicht glaubhaft sei. Bezüglich der Unterscheidung von Polizei und CID sei entgegen den Ausführungen in der Beschwerde festzustellen, dass CID und Polizei äusserlich erkennbar unterschiedlich aufträten. Auch sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer überhaupt die Polizei er- wähnt habe, wenn er doch angeblich vom CID verschleppt worden sei. In der Beschwerde werde zudem nich t erklärt, weshalb sich die Identitäts- karte trotz angeblicher Verschleppung durch das CID bei der Polizei befin- den solle. Der Beschwerdeführer habe sodann in der Beschwerde und ge- genüber dem Psychiater unterschiedliche Angaben zu den angeblichen se- xuellen Folterungshandlungen gemacht. Ausserdem sei darauf hinzuwei- sen, dass der Beschwerdeführer Gelegenheit gehabt hätte, die angebli- chen sexuellen Übergriffe im ordentlic hen Verfahren geltend zu machen: Er hätte an der Befragung ein männliches Befragungsteam verlangen oder D-7463/2014 Seite 14 zumindest nach der Befragung ans SEM gelangen können, um die Nicht- geltendmachung der behaupteten sexuellen Folter wegen der Anwesenheit von Frauen bei der Befragung zu erwähnten, zumal er ausdrücklich auf seine Mitwirkungspflicht hingewiesen worden und bereits damals rechtlich vertreten gewesen sei. Schliesslich sei festzustellen, dass die angeblichen sexuellen Übergriffe vom Dezember 2008 nicht kausal für die Flucht des Beschwerdeführers aus Sri Lanka gewesen seien. Aus diesen Gründen sei der Eventualantrag auf Durchführung einer vierten Befragung abzulehnen. 4.7 In der Replik lässt der Beschwerdeführer vorbringen, es sei unbestrit- ten, dass er die Tätigkeiten für die LTTE bereits früher hätte vorbringen müssen. Die ihm vorgeworfene Verletzung der Mitwirkungspflicht sage je- doch nichts über die Glaubhaftigkeit des fraglichen Vorbringens aus. In der Beschwerde werde dargelegt, weshalb es zur Verspätung gekommen sei, und argumentiert, dass die Verspätung keine negative Auswirkung auf die Beurteilung de r Glaubhaftigkeit des Vorbringens habe. Hinsichtlich der Frage der Glaubhaftigkeit des Vorbringens, wonach er bei der dreitägigen Festnahme im Dezember 2008 sexuell gefoltert worden sei, sei darauf hin- zuweisen, dass für die Glaubhaftmachung eben kein strikter Beweis nötig sei. Gemäss den Arztberichten sei es möglich, dass die Verletzungen durch Folter verursacht worden seien. Ein erlittenes Trauma sei zudem ein ge- wichtiges Indiz für die Glaubhaftigkeit der Foltervorbringen. Die Vorbehalte des SEM bezüglich des Berichts des Psychiaters seien nicht haltbar. Viel- mehr müsse das Gutachten als gewichtiges Beweismittel für die geltend gemachten Folterungen gewürdigt werden. Ferner wird vorgebracht, der Beschwerdeführer habe die erlittene sexuelle Folter erst nach E rhalt des negativen Entscheids seinem Rechtsvertreter offenbart. Daher habe dieser den Beschwerdeführer nicht bereits im erstinstanzlichen Verfahren dazu animieren können, diese Vorbringen dem SEM gegenüber geltend zu ma- chen. 5. Nachfolgend ist zunächst übe r den Eventualantrag zu befinden, wonach die Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts, namentlich einer erneuten Anhörung in einem reinen Männer -Team, an die Vorinstanz zu- rückzuweisen sei. Dieser Antrag steht im Zusammenhang mit dem erst auf Beschwerdeebene dargelegten Vorbringen, wonach der Beschwerdefüh- rer anlässlich einer Mitnahme durch den CID im Dezember 2008 gefoltert und dabei an den Genitalien verletzt sowie mit einem Gegenstand anal vergewaltigt worden sei. Der diesbezügliche Sachverhalt wird sowohl in der Beschwerde als auch in den eingereichten Arztberichten geschildert D-7463/2014 Seite 15 und kann daher im heutigen Zeitpunkt als ausreichend erstellt betrachtet werden, weshalb keine Veranlassung besteht, den Beschwerdeführer dazu noch vom SEM befragen zu lassen. Der Antrag ist daher abzuweisen. 6. Im Folgenden ist zu prüfen, ob das SEM betreffend die geltend gemachten Vorfluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 und 7 AsylG zu Recht verneint hat. 6.1 Der Beschwerdeführer machte im Verlauf der Anhörungen geltend er sei erstmals im Jahr 2001, anlässlich des Erwerbs seines Geschäftslokals, von den Behörden behelligt und dabei mitgenommen worden. Sodann sei er im Mai 2006, im Anschluss an die Beerdigung eines Freundes, durch den CID mitgenommen und über Nacht festgehalten worden. Diese beiden kurzen Mitnahmen weisen indessen weder in sachlicher noch in zeitlicher Hinsicht einen genügend engen Zusammenhang zur Ausreise des Be- schwerdeführers aus Sri Lanka im Februar 2010 auf, wesha lb die Asylre- levanz dieser beiden Ereignisse schon aus diesem Grund zu verneinen ist. 6.2 Sodann bringt der Beschwerdeführer vor, er sei von den Behörden im Dezember 2008 für drei Tage inhaftiert und dabei misshandelt worden. Nachdem seine Mutter ein Lösegeld bezahlt habe, hätten sie ihn freigelas- sen. Zu den Umständen dieser Festnahme äusserte sich der Beschwerde- führer indessen widersprüchlich. So gab er als Grund für die Festnahme zunächst an, die Behörden hätten ihm LTTE-Kontakte vorgeworfen (vgl. A1 S. 5). An anderer Stelle erklärte er, er sei vom CID mitgenommen worden, weil sein Angestellter zuvor verhaftet worden sei und die Behörden hätten wissen wollen, in welcher Beziehung er zu diesem gestanden habe (vgl. A10 S. 9). In der ergänzenden Anhörung gab er dann im Sinne einer dritten Version zu Protokoll, zwei Tage nach der Verhaftung des Angestellten sei die Polizei gekommen und habe ihn festgenommen, wobei ihm Fragen zu seinem Angestellten gestellt worden seien (vgl. A23 S. 12). Angesichts die- ser Ungereimtheiten bestehen Zweifel am Wahrheitsgehalt der geltend ge- machten Festnahme. Ohnehin ist bereits die Asylrelevanz dieses Ereignis- ses zu verneinen, da diese angebliche Festnahme offensichtlich nicht aus- reisebegründend war und somit kein ausreichender zeitlicher und kausaler Zusammenhang zur Ausreise im Februar 2010 erkennbar ist. In Bezug auf die nachträglich geltend gemachten (sexuellen) Folterungen ist festzustel- len, dass zwar angesichts der eingereichten Arztberich te feststeht, dass der Beschwerdeführer gewisse Verletzungsspuren aufweist. Hingegen ver-D-7463/2014 Seite 16 mögen diese Beweismittel nicht glaubhaft zu machen, dass der Beschwer- deführer tatsächlich unter den von ihm genannten Umständen respektive in dem von ihm genannten Zeitpunkt von Angehörigen der sri -lankischen Sicherheitsbehörden gefoltert wurde. Entgegen den Vorbringen des Be- schwerdeführers geht aus den Arztberichten nicht hervor, dass zwischen den bestehenden Verletzungsspuren und der behaupteten Folter eine ein- deutige Kausalität besteht. Im Arztbericht vom 12. Februar 2015 wird viel- mehr ausdrücklich festgehalten, es könne nicht mit Bestimmtheit angege- ben werden, ob die vom Beschwerdeführer geschilderten Beschwerden die direkte Folge einer Folterung seien. Lediglich der Psychiater vertritt in sei- nem Bericht vom 18. März 2015 die Auffassung, dass der Zustand des Be- schwerdeführers „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit“ auf erlittene Fol- ter zurückzuführen sei. Allerdings ist zu beachten, dass die Einschätzung des Psychiaters massgeblich auf den Schilderungen des Beschwerdefüh- rers beruht, welche ihrerseits uneinheitlich ausgefallen sind (vgl. dazu die zutreffenden Erwägungen des SEM unter Ziff. 3.a., S. 4 der angefochtenen Verfügung). Die Arztberichte sind damit nicht geeignet, die vorgetragenen Asylgründe und insbesondere auch die Verhaftung im Jahr 2008 zu bele- gen. 6.3 Ausreisebegründend war gemäss Angaben des Beschwerdeführers der Umstand, dass er im Jahr 2009 mehrere anonyme Telefonanrufe sowie am 21. Dezember 2009 einen anonymen Drohbrief erhalten habe. Ausser- dem hätten ihn die Behörden am Abend des 24. Dezembers 2009 zuhause aufgesucht. Daraufhin sei er umgehend zu einem Freund nach Negombo gegangen und sei von dort aus Anfang Februar 2010 aus Sri Lanka aus- gereist. Diesbezüglich ist festzustellen, dass den Akten keine konkreten Hinweise darauf zu entnehmen sind, dass der Beschwerdeführer tatsäch- lich durch die Behörden bedroht wurde. Er sagt e selber, dass die Anrufe anonym erfolgt seien , und auch der als Beweismi ttel eingereichte, unda- tierte Drohbrief, welchen er im Dezember 2009 erhalten haben will, stammt angesichts der Darstellung und des Wortlauts respektive Inhalts (vgl. A11 S. 3) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht von den Behörden. Auf- grund der Aktenlage ist vielmehr davon auszugehen, dass der Beschwer- deführer allenfalls von lokalen Privatpersonen, namentlich Geschäftskon- kurrenten, angefeindet wurde, welche auf seine Erfolge als Geschäfts- mann neidisch waren (vgl. dazu auch seine Aussage in A23 S. 14). Es wäre ihm bei dieser Sachlage durchaus zuzumuten gewesen, diese Behelligun- gen bei den Behörden anzuzeigen oder gegebenenfalls innerhalb von Sri Lanka umzuziehen. Das Vorbringen, wonach der Beschwerdeführer am 24. Dezember 2009 von den Behörden aufgesucht worden sei und damit D-7463/2014 Seite 17 habe rechnen müssen, im Falle einer Festnahme umgebracht zu werden, erscheint sodann wenig glaubhaft. Insbesondere ist nicht nachvollziehbar, weshalb ihn die Behörden in diesem Zeitpunkt erneut hätten aufsuchen oder gar umbringen sollen, nachdem sie ihn seit der behaupteten Fest- nahme vom Dezember 2008 nicht mehr konkret behelligt und der Be- schwerdeführer den Akten zufolge in diesem Zeitraum nichts unternommen hatte, was ihn in den Augen der Sicherheitsbehörden als verfolgungswür- dig hätte erscheinen lassen können. Für die Unglaubhaftigkeit dieses we- nig substantiierten Vorbringens spricht im Weiteren der Umstand, dass der Beschwerdeführer in der Anhörung vom 10. März 2010 nicht zweifelsfrei angeben konnte, ob es sich bei den Behörden um die Polizei oder das CID gehandelt habe (vgl. A10 S. 12). Da er selber diese Behörden an anderer Stelle klar unterscheidet (vgl. beispielsweise A1 S. 4 und 5) und eben ge- rade nicht pauschal nur den CID nennt, vermag der Einwand in der Be- schwerde, wonach umgangssprachlich bei politisch motivierten Verhaftun- gen meist vom CID gesprochen werde, nicht zu überzeugen. Zudem führte der Beschwerdeführer zunächst aus, er habe nach seiner Flucht nach Negombo von einem Freund erfahren, dass er zuhause in B._______ mehrmals gesucht worden sei (vgl. A1 S. 6). In der Anhörung brachte er im Widerspruch dazu vor, er habe von seiner Mutter gehört, dass er in B._______ gesucht werde (vgl. A10 S. 2). Insgesamt ist die geltend ge- machte Suche nach dem Beschwerdeführer im Dez ember 2009 daher nicht glaubhaft. 6.4 Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, die Behörden hätten auch nach seiner Ausreise weiterhin nach ihm gesucht, und im April 2013 sei ein weiterer anonymer Drohbrief zugestellt worden. Kurz darauf sei das Geschäft seines Bruders verwüstet und der Bruder belästigt worden. Auch dieses Vorbringen erscheint nicht glaubhaft. Es ist unplausibel und nicht nachvollziehbar, weshalb die unbekannten Personen dem Beschwerdefüh- rer, nachdem dieser im Februar 2010 aus Sri Lanka ausgereist war, im April 2013 einen weiteren Drohbrief hätten schicken sollen, insbesondere da es in der Zwischenzeit offenbar keine weiteren konkreten Vorfälle gab und die Angehörigen des Beschwerdeführers ihre Geschäfte in B._______ normal weiterbetreiben konnten. Der Beschwerdeführer war bezeichnenderweise nicht in der Lage, ein plausibles Motiv für die angeblich andauernde Suche nach ihm durch unbekannte Personen respektive das CID und die damit einhergehende angebliche Behelligung seiner Angehörigen zu nennen. Die eigereichten Schreiben der Mutter und des Bruders des Beschwerdefüh- rers, worin die geltend gemachten Ereignisse beschrieben werden, sind bei D-7463/2014 Seite 18 dieser Sachlage als reine Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert zu er- achten. Objektiv überprüfbare amtliche Dokumente, welche die angeblich seit dem Jahr 2001 respektive 2006 andauernde Verfolgung und Suche nach dem Beschwerdeführer durch die Sicherheitsbehörden belegen könnten, wurden bezeichnenderweise keine eingereicht. 6.5 In der ergänzenden Anhörung brachte der Beschwerdeführer erstmals vor, er sei zwar nicht LTTE-Mitglied gewesen, habe aber zwischen den Jah- ren 2004 und 2006 die LTTE unterstützt. Er führte dabei aus, er habe für die LTTE die Unterbringung von Personen im Berggebiet vermittelt und bei Pungu Tamil-Veranstaltungen Plakate aufgestellt und Transportmittel orga- nisiert. Den Akten sind indessen keinerlei Hinweise darauf zu entnehmen, dass die Behörden von diesen Aktivitäten des Beschwerdeführers gewusst haben respektive wissen. Den Aussagen des Besch werdeführers zufolge wussten nicht einmal seine Angehörigen davon (vgl. A23 S. 10), weshalb es naheliegend erscheint, dass auch die Behörden davon keine Kenntnis hatten. Anlässlich seiner Festnahme im Jahr 2006 wurde er eigenen Anga- ben zufolge denn auch nicht auf seine LTTE-Tätigkeit angesprochen, son- dern zu seinem verstorbenen Freund befragt (vgl. A23 S. 11). Dieser war im Übrigen laut Aussagen des Beschwerdeführers und entgegen den Aus- führungen in der Beschwerdeschrift (vgl. Ziff. 6 auf Seite 8 der Be- schwerde) nicht Mitglied der LTTE (vgl. A23 S. 11). Auch bei der angebli- chen Festnahme im Jahr 2008 wurde er nicht auf seine allfällige eigene Tätigkeit für die LTTE angesprochen, sondern nur über seinen Angestellten befragt (vgl. A23 S. 12). Schliesslich ist auch den beiden anonymen Droh- briefen nicht zu entnehmen, dass die Absender von der angeblichen Un- terstützungstätigkeit des Beschwerdeführers für die LTTE gewusst haben. Daher ist selbst bei unterstellter Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Un- terstützungstätigkeit für die LTTE nicht davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer deswegen in Sri Lanka staatliche Verfolgungsmassnah- men erleiden musste respektive solche zu gewärtigen hatte oder im Falle einer Wiedereinreise befürchten muss. Da aber der Beschwerdeführer die angebliche LTTE-Unterstützung sehr unsubstantiiert, pauschal und aus- weichend geschildert hat (vgl. A23 S. 8 ff.) und auch auf die Frage, wie intensiv respektive häufig er die LTTE unterstützt habe, keine präzisen An- gaben machen konnte (vgl. A23 S. 9) ist ohnehin zu bezweifeln, dass er tatsächlich in der geltend gemachten Art und Weise für die LTTE tätig war; dies insbesondere auch deshalb, weil er zunächst angegeben hatte, er habe keinen Kontakt zu den LTTE gehabt (vgl. A1 S. 6), und die angebliche Unterstützungstätigkeit erst in der ergänzenden Anhörung vorbrachte. D-7463/2014 Seite 19 Seine Erklärung, wonach er sich aus Furcht vor Nachteilen im Asylverfah- ren nicht getraut habe, dem SEM seine Tätigkeiten für die LTTE schon eher mitzuteilen, vermag nicht zu überzeugen , zumal die von ihm geltend ge- machten Tätigkeiten von untergeordneter Art sind und insbesondere keine Kampfhandlungen beinhalten, weshalb nicht plausibel ist, dass der bereits ab dem 15. Februar 2010 durch eine Rechtsberatungsstelle vertretene und beratene Beschwerdeführer dem SEM die angeblichen Unterstützungstä- tigkeiten aus Angst vor einer Abschiebung in der Anhörung vom 10. März 2010 verheimlicht hat. 6.6 Aufgrund des Gesagten ist insgesamt nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka in asyl- relevanter Weise verfolgt wurde oder in absehbarer Zukunft mit einer der- artigen Verfolgung hätte rechnen müssen. An dieser Einschätzung vermö- gen auch die ei ngereichten Unterlagen zu einem Immobilienverkauf, wel- che vorstehend nicht ausdrücklich gewürdigt wurden, nichts zu ändern. 7. Im vorliegenden Fall ist im Weiteren auch nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka aus ande- ren Gründen flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsmassnahmen zu be- fürchten hätte. 7.1 Insbesondere kann nicht allein aus dem Alter des Beschwerdeführers von heute (…) Jahren, den Narben an seinem Körper (vgl. den Arztbericht von Dr. med. J.-P. A. vom 22. Dezember 2014), seinem mehrjährigen Auf- enthalt in der Schweiz und dem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren auf eine bestehende, ernsthafte Gefahr von Verhaftung und Folter im Falle sei- ner Rückkehr nach Sri Lanka geschlossen werden (vgl. dazu das neue Re- ferenzurteil E -1866/2015 des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Juli 2016, E. 8.5.5 und 9.2.4). Zurückkehrende tamilische Asylsuchende sind nicht generell in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise gefährdet; dies ist vielmehr vom Vorliegen von besonderen Risikofaktoren abhängig. 7.2 Im erwähnten Referenzurteil werden diese Risikofaktoren vor dem Hin- tergrund der Pläne und Ziele der sri-lankischen Regierung untersucht und beurteilt, wobei das Gericht zum Schluss kommt, dass insbesondere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den nach wie vor als Bedro-D-7463/2014 Seite 20 hung wahrgenommenen tamilischen Separatismus wiederaufleben zu las- sen und so den sri-lankischen Einheitsstaat zu gefährden (vgl. dazu a.a.O., E. 8.5.1). Die sri-lankischen Behörden bedienten sich zwecks Kontrolle der Rückkehrenden einer computergestützten Datenbank. Personen, deren Eintrag den Hinweis auf einen Strafbefehl oder eine gerichtliche Anordnung enthalte oder Personen, gegen die ein Strafverfahren eröffnet worden sei, würden in einer sogenannten „Stop -List“ erscheinen. Konkret gefährdet seien demnach in erster Linie Personen, deren Name in der am Flughafen in Colombo abrufbaren „Stop-List“ vermerkt sei und deren vormalige Ver- haftung beziehungsweise Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten LTTE -Verbindung gestanden habe (vgl. dazu a.a.O., E. 8.2 und 8.5.2). Es seien indessen nicht alle Rückkehren- den, die eine irgendwie geartete Verbindung zu den LTTE aufwiesen wür- den, einer flüchtlingsrechtlich relevanten Gefahr vor Verfolgung ausge- setzt, sondern nur jene, die aus der Sicht der sri-lankischen Regierung be- strebt seien, den ethnischen Konflikt im Land wieder aufflammen zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.3). Dementsprechend vermöchten auch exilpolitische Aktivitäten nur dann eine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen, wenn der betroffenen Person seitens der sri-lankischen Behörden infolgedessen ein überzeugter Aktivismus mit dem Ziel der Wiederbelebung des tamilischen Separatismus zugeschrie- ben werde. Angesichts des gut aufgestellten Nachrichtendienstes Sri Lan- kas sei davon auszugehen, dass die sri-lankischen Behörden blosse „Mit- läufer“ von Massenveranstaltungen als solche identifizieren könnten und diese nicht als Gefahr wahrgenommen würden. Neben der Teilnahme an regimekritischen Veranstaltungen und der Mitwirkung bei regimekritischen Publikationen sei auch die Verbindung zu einer von der sri-lankischen Re- gierung verbotenen exilpolitischen Organisation zu denken (Verweis auf The Gazette of the Democratic Socialist Republic of Sri Lanka, Part I: Sec- tion [I] – General, Government Notifications, The United Nations Act. No. 45 of 1968, Amendment to the List of Designated Persons under Regula- tion 4[7] oft he United Nations Regulations No. 1 of 2012, 20. November 2015; vgl. dazu a.a.O., E. 8.5.4). 7.3 Für den vorliegenden Fall ist festzustellen, dass das vom Beschwerde- führer behauptete Engagement für die LTTE als unglaubhaft erachtet wurde. Selbst bei unterstellter Glaubhaftigkeit wäre aufgrund seiner Aus- sagen zudem davon auszugehen, dass die sri-lankischen Behörden davon nichts erfahren haben (vgl. dazu die vorstehenden Erwägungen, E. 6.5). Der Beschwerdeführer konnte insgesamt nicht glaubhaft machen, dass die sri-lankischen Behörden ihn vor seiner Ausreise konkret verdächtigten, mit D-7463/2014 Seite 21 den LTTE in Verbindung zu stehen. Insbesondere wurde den Akten zufolge gegen ihn bis heute nie wegen Verdachts auf LTTE -Verbindungen ein Strafverfahren eröffnet oder auch nur konkrete Ermittlungen an die Hand genommen. Daher ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh- rer auf der erwähnten „Stop-List“ aufgeführt ist. 7.4 In Bezug auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachten exilpoliti- sche Tätigkeiten (Teilnahme an den Heldentag-Feierlichkeiten sowie an ein paar [die genaue Anzahl geht aus den eingereichten Beweismitteln nicht hervor] vom STCC organisierten politischen Veranstaltungen) ist festzu- stellen, dass diese Veranstaltungen von zahlreichen der in der Schweiz wohnhaften Tamilen besucht werden. Aufgrund der Angaben des Be- schwerdeführers sowie der als Beweismittel eingereichten Fotos kann da- von ausgegangen werden, da ss er bei diesen Veranstaltungen keine be- sondere Funktion innehatte, sondern als gewöhnlicher Mitläufer teilnahm. Er ist auch nicht Mitglied des STCC oder einer anderen tamilischen Orga- nisation in der Schweiz. Es ist äusserst unwahrscheinlich, dass der Be- schwerdeführer allein dadurch, dass er in der Schweiz an Massenveran- staltungen teilnahm und sich dabei internetwirksam fotografieren und fil- men liess, ins Visier der sri -lankischen Behörden geraten ist, zumal auf- grund der vorstehenden Erwägungen nicht davon auszugehen ist, dass er im Zeitpunkt der Ausreise aus Sri Lanka im Jahr 2010 seitens der Behörden in asylrelevanter Weise verfolgt wurde. Zudem ist auch nicht ersichtlich, inwiefern der Beschwerdeführer anhand der eingereichten Fotos über- haupt identifiziert werden könnte. Im Weiteren erscheint es auch unwahr- scheinlich, dass die sri -lankischen Behörden die marginale exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers – sollten sie davon Kenntnis erlangen – als ernsthafte Bedrohung für den Fortbestand des sri-lankischen Einheits- staats erachten würden, zumal sich der Beschwerdeführer offensichtlich nicht aktiv für den tamilischen Separatismus engagiert (hat). Nach dem Gesagten ist die vom Beschwerdeführer geltend gemachte exilpolitische Tätigkeit nicht geeignet, eine relevante Verfolgungsfurcht beziehungsweise subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG zu begründen. 7.5 Demnach ist das Bestehen von flü chtlingsrechtlich relevanten Nach- fluchtgründen ebenfalls zu verneinen. 8. Dem Beschwerdeführer gelingt es damit insgesamt nicht, Gründe nach Art. D-7463/2014 Seite 22 3 AsylG nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat des- halb zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch ab- gelehnt. 9. 9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt seit kurzem über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung (vgl. vorstehend Bst. L). Damit ist die Be- schwerde im Wegweisungs - und im Wegweisungsvollzugspunkt gegen- standslos geworden. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sowie unter Berücksichtigung, dass der Beschwerdeführer das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Ge- währung der vollumfänglichen unentgeltlichen Rechtspflege am 21. Januar 2015 zurückgezogen hat, sind diesem die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), welche auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen sind (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 19. Januar 2015 in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss ist zur De- ckung der Kosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-7463/2014 Seite 23 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht gegenstandslos gewor- den ist. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zu deren Be- gleichung verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand: