B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5587/2017, E-5790/2017 U r t e i l v o m 5 . D e z e m b e r 2 0 1 7 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter Gérald Bovier; Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, geboren am (…), Beschwerdeführer (E-5587/2017), B._______, geboren am (…), Beschwerdeführerin (E-5790/2017), beide Syrien, (…), gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügungen des SEM je vom 1. September 2017 / N (…). E-5587/2017, E-5790/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der angeblich am 7. September 2015 auf dem Landweg in die Schweiz eingereiste Beschwerdeführer stellte am 11. September 2015 im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylgesuch. Die Beschwer- deführerin reiste im Besitze eines am (…) Oktober 2016 von der schweize- rischen Vertretung in C._______ ausgestellten (…) Visums am (…) Okto- ber 2016 auf dem Luftweg legal in die Schweiz und ersuchte am 2. Novem- ber 2016 im EVZ Altstätten um Asyl. Anlässlich der in den beiden EVZ durchgeführten Befragungen zur Person (BzP) vom 23. September 2015 beziehungsweise 8. November 2016 und der Anhörungen je vom 8. Juni 2017 zu den Asylgründen machten die Beschwerdeführenden im Wesent- lichen Folgendes geltend: Sie seien ethnische Kurden, stammten aus der Provinz Hasaka, hätten am (…) 2014 geheiratet und fortan in D._______ zusammen gelebt. Aufgrund der bürgerkriegsbedingt gefährlich gewordenen Lage habe er sein (…)stu- dium in Damaskus im Jahre 2013 und sie später ihr (…)studium in E._______ abbrechen müssen. Er habe im Ja hre 2010 sein Militärdienst- büchlein erhalten, den Militärdienst aber aufgrund seines Studiums jährlich verschieben können. Letztmals habe er dies im Jahre 2014 getan, mit Gül- tigkeit bis zum (…) März 2015, wobei er gleichzeitig zur Vorsprache vor diesem Datum im Hinblick auf eine allfällige neuerliche Verschiebung auf- gefordert worden sei, andernfalls er ab dem (…) Mai 2015 zur Leistung seines Wehrdienstes verpflichtet sei. Weil er in seiner Heimat wegen des Abbruchs seines Studiums seine militärische Einberufung durch die syri- sche Armee und allenfalls durch die kurdische YPG (Yekîneyên Parastina Gel, bewaffneter Arm der PYD [Partiya Yekitîya Demokrat]) befürchtet habe, einen Militärdienst aber aufgrund seiner pazifistischen Einstellung für keine der beiden habe leisten wollen, habe er sich zur Ausreise entsch ie- den. Im Oktober 2014 habe er, ohne bis dahin jemals von der syrischen Armee oder der YPG im Hinblick auf eine Militärdienstleistung kontaktiert worden zu sein, Syrien illegal in Richtung Türkei verlassen . In der Türkei habe er sich mehrere Monate bei (…) aufgehalten. Bemühungen zur lega- len Reise in die Schweiz seien gescheitert . In der Folge sei er auf dem Seeweg nach Griechenland gelangt und via die Balkanroute weiter illegal in die Schweiz gereist, wo bereits (…) lebten. Hier habe er erfahren, dass er im Frühling 2015 vom Rekrutierungsamt per (…) Mai 2015 zum Militär- dienst aufgefordert worden sei. Die Beschwerdeführerin machte keine per-E-5587/2017, E-5790/2017 Seite 3 sönlichen Benachteiligungen oder Befürchtungen geltend, sondern ver- wies auf die kriegsbedingt gefährliche Lage in ihrer Heimat und die Asyl- gründe ihres Mannes. Hauptgrund für ihre Übersiedlung in die Schweiz sei der Wunsch nach einem Zusammenleben mit diesem gewesen. Beide Be- schwerdeführenden seien – abgesehen von der gelegentlichen Teilnahme des Beschwerdeführers an Friedensdemonstrationen – nicht politisch tätig gewesen und hätten im Übrigen nie Probleme mit den Behörden gehabt. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer insbesondere seinen Univer- sitätsausweis, sein am (…) 2010 ausgestelltes Militärdienstbüchlein, die erwähnte Aufforderung des Rekrutierungsamtes zur Vorsprache im Hin- blick auf eine neuerliche Verschiebung des Militärdienstes sowie eine Auf- forderung zum Wehrdiensteinzug am (…) Mai 2015 zu den Akten. Einen Reisepass habe er nie besessen oder beantragt. Die Beschwerdeführerin reichte ihren Reisepass und ihre Identitätskarte ein. B. Mit im Dispositiv gleichlautenden Verfügungen je vom 1. September 2017 – beide eröffnet am 4. September 2017 – stellte das SEM fest, die Be- schwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete es i hre Wegweisung aus der Schweiz an, gewährte ihnen jedoch infolge Unzumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzuges die vorläufige Aufnahme. C. Am (…) 2017 gebar die Beschwerdeführerin F._______. D. Mit gemeinsamer Eingabe vom 30. September 2017 erhoben die Be- schwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die beiden Verfügungen vom 1. September 2017. Darin beantragen sie de- ren Aufhebung, die Gewährung von Asyl, eventualiter die Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft und ihre vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge. In ver- fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchen sie ferner um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses. E. Mit Verfügungen vom 5. Oktober 2017 stellte das Bundesverwaltungsge- richt den einstweilen rechtmässigen Aufenthalt der Beschwerdeführenden in der Schweiz fest. E-5587/2017, E-5790/2017 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Weil mit der gemeinsamen Beschwerdeeingabe zwei zwar im Disposi- tiv gleichlautende, aber vom SEM dennoch separat erlassene Verfügungen angefochten werden, hat das Bundesverwaltungsgericht auch zwei Ge- schäftsnummern, E-5587/2017 und E -5790/2017, erfasst. Diese beiden Beschwerdeverfahren weisen einen engen sachlichen, persönlichen und prozessualen Zusammenhang auf. Es rechtfertigt sich daher , über beide Beschwerden im selben Urteil zu befinden. Zu diesem Zweck sind die Be- schwerdeverfahren zu vereinigen (vgl. unten Dispositiv Ziff. 1). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben an den Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die beiden angefochtenen Verfügungen besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit, vorbehältlich nachfolgender Einschränkung, einzutreten. 1.4 Nicht einzutreten ist auf den eventualiter gestellten (Teil-)Antrag betref- fend ihre vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge (Antrag Ziff. 2). Da die Be- schwerdeführenden bereits im Besitze einer vorläufigen Aufnahme (zu- folge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges) sind, besteht hierzu nach konstanter Praxis aufgrund des Alternativitätsverhältnisses der Vo- raussetzungen zur Gewährung der vorläufigen Aufnahme kein aktuelles und schutzwürdiges Fests tellungsinteresse (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). E-5587/2017, E-5790/2017 Seite 5 Der Antrag auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft bleibt von dieser Einschränkung unberührt. 1.5 Mit dem vorliegenden, instruktionslos ergehenden Direktentscheid in der Sache wird das Gesuch um Verzicht auf di e Erhebung eines Kosten- vorschusses hinfällig. 1.6 Gemäss den vorliegenden Akten ist die zivilstandsamtliche Registrie- rung F._______ noch nicht erfolgt. Das Verfahren ist hängig. Aus diesem Grund wird das Kind im Rubrum dieses Urteils nicht erfasst. Es ist Sache des SEM, den Aufenthalts - beziehungsweise Schutzstatus des Kindes nach dessen erfolgter Registrierung in geeigneter Weise zu regeln. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, d es Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). E-5587/2017, E-5790/2017 Seite 6 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung des ablehnen den Asylentscheides des Beschwerde- führers qualifizierte die Vorinstanz die von diesem geltend gemachten Ver- folgungsvorbringen als den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die flücht- lingsrechtliche Beachtlichkeit und jenen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaft- machung eines Asyl begründenden Sachverhalts nicht genügend. Hin- sichtlich der geltend gemachten Furcht vor einem Einzug in den Militär- dienst durch die syrische Armee sei festzuhalten, dass der Beschwerde- führer bis zur Ausreise nicht aufgeboten worden sei. Als Inhaber eines Mi- litärbüchleins dürfte er zwar grundsätzlich dienstpflichtig sein und ein der- einstiges Aufgebot erscheine entsprechend naheliegend. Zur Annahme ei- ner begründeten Furcht vor Verfolgung reiche dies aber praxisgemäss nicht aus. Die vorgelegten Dokumente des Rekrutierungsamtes seien in ihrem Beweiswert eingeschränkt, weil amtliche Dokumente aus Syrien ge- mäss zahlreichen Quellen leicht käuflich erwerbbar seien. Bei der vorge- legten Aufforderung zur neuerlichen Verschiebung des Militärdienstes scheine es sich zudem um eine Fälschung zu handeln, weil das Dokument nach der Ausreise des Beschwerdeführers aus Syrien ausgefertigt worden sei, aber dennoch seinen Fingerabdruck enthalte. Der Beschwerdeführer habe diese Unstimmigkeit nicht überzeugend zu erklären vermocht. In der fraglichen Zeit sei ferner die YPG in dieser Region an der Macht gewesen und hätte kaum zugelassen, dass das syrische Regime noch Vorladungen ausstelle. Auch die Befürchtung, dereinst für die YPG Dienst leisten zu müssen, sei eine blosse Mutmassung und zudem unbegründet, seien doch auch von dieser keinerlei Rekrutierungsbestrebungen oder überhaupt Kon- taktnahmen erfolgt. Im Übrigen seien Rekrutierungen durch die YPG pra-E-5587/2017, E-5790/2017 Seite 7 xisgemäss nicht asylrelevant. Zur Begründung des ablehnenden Asylent- scheides der Beschwerdeführerin qualifizierte die Vorinstanz die von dieser geltend gemachten Vorbringen als den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügend . Sie habe nämlich keine sie selber persönlich betreffenden Benachteiligungen oder Befürch- tungen geltend gemacht, sondern bloss auf die Asylgründe ihres Mannes verwiesen und den Wunsch nach einem Zusammenleben mit diesem ge- äussert. Auch die Berufung auf die allgemein schwierige und gefährliche Lage in der Heimatregion sei nicht asylbeachtlich. Die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft und an die Asylgewährung seien daher bei den Beschwerdeführenden nicht erfüllt. Die gesetzliche Regelfolge der Ableh- nung der Asylgesuche sei die Wegweisung. Die Unzumutbarkeit des Weg- weisungsvollzuges ergebe sich aus der Sicherheitslage in Syrien. 5.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe rügen die Beschwerdeführenden eine un- sorgfältige und ungenügend umfassende Prüfung ihrer Asylgesuche und die Verletzung insbesondere der Art. 3 und 7 AsylG durch das SEM. Dieses stütze seine Entscheidungen auf Mutmassungen und Spekulationen, nicht aber auf konkrete Tatsachen. Der Beschwerdeführer habe durchaus plau- sible und asylrelevante Aussagen gemacht. Er gelte als Militärdienstver- weigerer und sei nun selber, wie auch seine dadurch reflexverfolgte Fami- lie, erheblicher Gefahr für den Fall einer Rückkehr nach Syrien ausgesetzt, ohne dass er dort von irgendeine r Seite Schutz finde oder innerstaatliche Fluchtalternativen hätte. Als Dienstverweigerer werde er des Hochverrats bezichtigt, welcher mit hohen Strafen bedroht sei. Das SEM hätte sich in seinem Entscheid mit den Straffolgen bei Wehrdienstverweigerung befas- sen müssen. In der Haft komme es sodann zu Folterungen und auch Exe- kutionen. Aus den Akten und Beweismitteln gehe hervor, dass er dienst- pflichtig sei und den Militärdienst bis zum (…) März 2015 habe aufschieben können. Die vorgelegte, mit seinem Fingerabdruck versehene Aufforde- rung der Rekrutierungsbehörde datiere vom (…) März 2014 und sei somit entgegen der Sachverhaltsfeststellung des SEM vor der Ausreise ausge- stellt worden. Der Aufforderung habe er auch Folge geleistet und damit die Dienstverschiebung erreichen können. Seit dem (…) März 2015 gelte er nun aber als Dienstverweigerer und fahnenflüchtig, weil er sich nicht erneut bei der Militärbehörde gemeldet habe. Er habe denn auch in der Folge ein schriftliches Aufgebot erhalten, gemäss welchem er am (…) Mai 2015 hätte einrücken müssen. Er habe sich somit nur durch Fluch t seiner Militär- dienstverpflichtung entziehen können. Das syrische Regime habe seine Mobilisierungsmassnahmen in die syrische Armee und die Suche nach Re- fraktären seit Herbst 2014 intensiviert . Der Militärdienst sei seit Ausbruch E-5587/2017, E-5790/2017 Seite 8 des Krieges zu einem Albtr aum geworden, weil Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Zivilbevölkerung begangen würden. Zusammenfas- send sei seine Furch t vor einer möglichen Diensteinberufung und Rekru- tierung begründet und asylrelevant . Es könne nicht ausgeschlossen wer- den, dass er in Syrien nun als Dienstverweigerer gelte und deshalb mit langen und unverhältnismässig hohen Haftstrafen, verbunden mit Fol ter und Misshandlungen, rechnen müsse. Sie beide seien somit in ihrer Hei- mat grossen Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt und h ätten begrün- dete Furcht vor künftiger asylrelevanter Verfolgung. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer durch einen anerkannten Be- hörden- und Gerichtsdolmetscher angefertigte deutsche Übersetzungen der beiden im erstinstanzlichen Verfahren vorgelegten militärischen Auffor- derungen des Rekrutierungszentrums sowie einen Bericht der Schweizeri- schen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 23. März 2017 betreffend den Militär- dienst in Syrien zu den Akten. 6. 6.1 Die Rüge einer dahingehend unrichtigen Sachverhaltsfeststellung durch das SEM, als die eine vorgelegte, mit dem Fingerabdruck des Be- schwerdeführers versehene Aufforderung der Rekrutierungsbehörde vom (…) März 2014 datiere und somit entgegen dem SEM vor der Ausreise ausgestellt worden sei, dürfte berechtigt sein. Zwar bes tehen in diesem Zusammenhang nach wie vor Unstimmigkeiten im Sachvortrag (insb. in chronologischer Hinsicht). Datierung und Inhalt des Dokumentes lassen sich aber immerhin mit den betreffenden Aussagen des Beschwerdefüh- rers (vgl. BzP -Protokoll Akte A4 Ziff. 7.01 sowie das Anhörungsprotokoll Akte A23 F24 ff., F119 ff. und F178 ) in Einklang bringen . Die Erkenntnis des SEM, wonach es sich bei diesem Dokument um eine Fälschung zu handeln scheine, lässt sich daher nicht auf das von der Vorinstanz verwen- dete Argument stützen. Die Echtheit des Dokuments ist damit aber noch nicht erstellt, zumal die weiter angeführten Echtheitszweifel (hauptsächli- che Machtausübung der YPG im fraglichen Zeitraum in der betreffenden Region; notorisch bekannte leichte käufliche Erwerbbarkeit solcher Doku- mente) durch den Beschwerdeinhalt nicht umgestossen werden und damit jedenfalls der Beweiswert der Dokumente beschränkt bleibt. Eine vertief- tere Diskussion über die Echtheitsfrage ist indessen im vorliegenden Ver- fahren gar nicht notw endig, weil allseits unbestritten ist, dass der Be- schwerdeführer zumindest bis zum Ablauf der zuletzt gültig gewesenen Verschiebungsfrist ( […] März 2015) nie zum Militärdienst aufgefordert wurde und den Tatbestand einer Wehrdienstverweigerung somit weder E-5587/2017, E-5790/2017 Seite 9 zum Zeitpunkt der Ausreise (Oktober 2014) noch bis zum (…) März 2015 erfüllen konnte. Dies wird denn auch in der angefochtenen Verfügung be- treffend den Beschwerdeführer (dort E. II/1) klar und zutreffend festgehal- ten und in der Beschwerde (dort insb. S. 3 unten f.) nochmals ausdrücklich bestätigt. Es kann daher als Zwischenergebnis festgehalten werden, dass der Be- schwerdeführer keine flüchtlingsrechtlich beachtenswerten Benachteili- gungen oder Befürchtungen im Sinne von Vorfluchtgründen nachweisen oder glaubhaft machen konnte und solchermassen beachtliche Nachflucht- gründe bis zum (…) März 2015 ebenso wenig vorliegen. 6.2 Zu prüfen bleibt, ob seit dem (…) März 2015 eine gegebenenfalls als objektiver Nachfluchtgrund massgebliche begründete Furcht vor Verfol- gung wegen einer bevorstehenden Einberufung zum Militärdienst oder in- folge Nichtbeachtung eines seitherigen Aufgebots vorliegt. Hierzu ist fest- zustellen, dass eine Furcht des Beschwerdeführers vor einer militärischen Einberufung angesichts seines dienstpflichtigen Alters und der abgelaufe- nen Verschiebungsfrist durchaus begründet erscheint, damit aber noch kei- neswegs eine begründete Furcht vor Verfolgung einhergehen muss. Eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung liegt vor, wenn konkreter An- lass zur Annahme besteht, eine Verfolgung werde sich – aus heutiger Sicht – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müs- sen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachtei- ligung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als rea- listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 sowie BVGE 2011/50 E. 3.1.1). Der Hinweis auf eine bloss denkbare und nicht gänzlich auszuschliessende Einberufung beziehungsweise auf eine Furcht vor allfälligen Folgen bei Nichtbeachtung eines Aufgebots genügt der nach Art. 3 AsylG geforderten Ernsthaftigkeit, Konkretheit und Gezielt- heit nicht. Die Pflicht zur Leistung von Militärdienst und allfällige Sanktio- nierungen für den Fall einer Missachtung der Dienstpflicht durch Refraktion oder Desertion sind praxisgemäss – und durch den neuen Art. 3 Abs. 3 AsylG nunmehr auch gesetzesgemäss – flüchtlingsrechtlich nicht beacht- lich, solange entsprechende Massnahmen nicht darauf abzielen, einem Wehrpflichtigen aus einem der in Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG genannten Gründe erhebliche Nachteile zuzufügen. Dies wurde im Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2015/3 (E. 5) betreffend ebenfalls einen Syrer kurdischer Ethnie bestätigt und gilt vorliegend auch für den E-5587/2017, E-5790/2017 Seite 10 Beschwerdeführer, der offensichtlich und unbestrittenermassen nicht als Unterstützer einer gegnerischen Konfliktpartei oder als politaktivistisch vor- belasteter Regimegegner aufgefallen ist. Zum Militärdienst in Syrien im All- gemeinen kann auf die umfassenden Ausführungen im besagten Urteil BVGE 2015/3 vom 18. Februar 2015 (dort E. 4-7) verwiesen werden. An- gesichts des bisher Erwogenen kann deshalb auch betreffend das zweite Aufgebot (undatierter angeblicher Marschbefehl per […] Mai 2015) dahin- gestellt bleiben, ob es sich um ein echtes oder unredlich erworbenes Do- kument handelt. Im Übrigen kann hinsichtlich der (vom SEM zutreffend ver- neinten) asylrelevanten Verfolgungsgefahr für Personen, welche eine Rek- rutierung durch die YPG/PYD befürchten, auf das als Referenzurteil publi- zierte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -5329/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.3 verwiesen werden. 6.3 Im Rahm en von Krieg oder Situationen allgemeiner Gewalt erlittene oder zu befürchtende Nachteile (mitsamt damit verbundenen Nachteilen wirtschaftlicher und beruflicher Art) weisen im Übrigen keine Asylrelevanz auf, soweit sie nicht auf der Absicht beruhen, einen Menschen aus den in Art. 3 AsylG erwähnten Gründen zu treffen. Bislang hat das Bundesverwal- tungsgericht bürgerkriegsbedingten Gefährdungslagen und der fortbeste- henden Volatilität und Dynamik der Kriegsentwicklung in Syrien aus- schliesslich unter dem Aspekt der Zumutbarkeitsfrage nach Art. 83 Abs. 4 AuG Rechnung getragen. Von einer solchermassen mit der angefochtenen Verfügung gewährten vorläufigen Aufnahme haben auch die Beschwerde- führenden profitiert. Eine darüber hinausgehende, bei ihnen konkret beste- hende und flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit aufweisende Gefährdungs - oder Bedrohungslage liegt wie gesehen nicht vor. Ergänzend kann auf die Ausführungen im Urteil E -1692/2015 vom 1. September 2017 (E. 5.3.1, letzter Abschnitt, m.w.H. insb . auf die Praxis des Bundesverwaltungsge- richts) verwiesen werden. 6.4 Gemäss Praxis führen ferner weder eine illegale Ausreise aus Syrien noch das Stellen eines Asylgesuchs im Ausland zur begründeten Furcht, bei einer Rückkehr in das Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt zu werden. Unter Hinweis auf die obigen Erwägungen ist auch hier festzuhalten, dass d ie Beschwerdeführenden im Zeitpunkt ihrer Ausreise keiner Verfolgungssitu- ation im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt waren und keine besonderen Vorbelastungen vorliegen. Vor diesem Hintergrund ist das Vorliegen kon- kreter Indizien für die Annahme einer begründeten Furcht vor künftiger Ver- folgung im Sinne der Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 sowie E-5587/2017, E-5790/2017 Seite 11 BVGE 2011/50 E. 3.1.1) auch in dieser Hinsicht zu verneinen. Daran ver- mag der Umstand nichts zu ändern, dass d ie Beschwerdeführenden auf- grund ihrer längeren Landesabwesenheit bei einer Wiedereinreise in Sy- rien wahrscheinlich einer Befragung durch die heimatlichen Behörden un- terzogen würden. Ferner sind sie nicht exilaktivistisch in Erscheinung ge- treten, weshalb auch unter diesem Gesichtspunkt nicht davon auszugehen ist, sie könnten nach einer (hypothetischen) Rückkehr als regimefeindliche Personen ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten (vgl. das Referenz- urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.2 f.). 6.5 Das SEM ist somit in seinen Erwägungen mit zutreffender Begründung zur Erkenntnis gelangt, die Vorbringen der Beschwerdeführenden würden den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlich- keit nicht genügen, weshalb sie keinen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und auf Gewährung des Asyls hätten. Diese Erwä- gungen sind nicht zu beanstanden und es kann zur Vermeidung von Wie- derholungen auf sie verwiesen werden. Klarzustellen ist schliesslich, dass eine angebliche Reflexverfolgung von Familienangehörigen der Beschwer- deführenden in Syrien keiner Prüfung zugänglich ist, weil diese nicht Partei der vorliegenden Verfahren sind. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisungen wurden demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird in der Beschwerde substanziell auch nicht bestritten. 7.3 Die mit den beiden Verfügung des SEM vom 1. September 2017 ge- währten vorläufigen Aufnahmen der Beschwerdeführenden haben mit der Abweisung der vorliegenden Beschwerde in den Hauptanträgen weiterhin Bestand. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig E-5587/2017, E-5790/2017 Seite 12 sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es erübrigt sich, auf die weiteren Inhalte der Beschwerde und die vorgelegten Beweismittel näher einzugehen, da sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Die Be- schwerde ist abzuweisen, soweit Eintretensanspruch besteht. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer - deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist unbesehen der aus- gewiesenen Mittellosigkeit abzuweisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist und es da- her an einer gesetzlichen Vorausse tzung zur Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung fehlt. Hingegen ist auf eine Erhöhung der Verfah- renskosten trotz der vorliegenden Erledigung von zwei (vereinigten) Be- schwerdeverfahren zu verzichten , da dies unverhältnismässig erschiene (vgl. Art. 6 Bst. a VGKE). (Dispositiv nächste Seite) E-5587/2017, E-5790/2017 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die beiden unter den Geschäftsnummern E -5587/2017 und E-5790/2017 erfassten Beschwerdeverfahren werden vereinigt. 2. Die Beschwerde gegen die beiden angefochtenen Verfügungen wird abge- wiesen, soweit darauf eingetreten wird. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand: