6. März 1990 N 225 Puk-Bericht. Persönliche Vorstösse #ST# Zweite Sitzung - Deuxième séance Dienstag, 6. März 1990, Vormittag Mardi 6 mars 1990, matin 08.00h Vorsitz-Présidence: M. Ruffy Persönliche Vorstösse in Zusammenhang mit dem Puk-Bericht (89.006) Interventions personnelles relevant du rapport de la CEP (89.006) Fortsetzung - Suite Siehe Seite 185 hiervor - Voir page 185 ci-devant #ST# 2. Pichen und Akten der Bundespolizei Fichiers et dossiers de la Police fédérale Fortsetzung - Suite Dünki: Böse Zungen behaupteten, unser Staatsschutz sei etwa ähnlich organisiert wie derjenige im alten Rom oder dieje- nigen im Osten. Das ist ja fast eine Beleidigung für die östli- chen Staatssicherheitsdienste. Jene waren nämlich richtig or- ganisiert. Oestliche Staatssicherheitsdienste haben systema- tisch kontrolliert; sie verfügten über ein wirksames Zwangs- spitzelsystem. Bei Verdacht wurde etwas unternommen: Ver- haftung, Folter, manchmal sogar Versenkung oder Mord. Bei wichtigen Personal- und anderen Entscheiden sprach die Staatssicherheit ein gewichtiges Wort mit. Das war bei uns gottlob nicht der Fall. Bei uns ist die Staatssicherheit aber auch ein Sonderfall - näm- lich ein fachlicher Unfug. Da wurden Karteien angelegt und dann aufgegeben. Vernichtet wurden sie nicht, weil offenbar niemand den Mut za einem Entscheid hatte. Nützen tun sie aber auch nichts; sie schaden eigentlich, weil veraltete Infor- mationen zu Fehlschlüssen führen. Diese Gefahr war aller- dings bei uns nicht sehr gross, da ja scheinbar niemand etwas von den Fichen wusste! Da werden richtige und falsche, wich- tige und belanglose Informationen gesammelt und eingetra- gen, aber ausgewertet und weitergeleitet wurden sie selten. Das war eine Geheimhaltung bis zur Nutzlosigkeit - vielleicht zu unserem Glück! Unkoordiniert wurden da und dort Daten gesammelt, von de- nen weder die anderen Datensammler noch die Entschei- dungsträger etwas wussten. Was soll das nützen? Wie sollte im Ernstfall richtig reagiert wer- den, wenn keiner eine vollständige Information hatte? Wie soll da eine saubere Beurteilung möglich sein? Da ist es doch wahrscheinlich, dass der Bundesrat in Unkenntnis von Tatsa- chen falsche Mitarbeiter eingestellt hat. In dieser Lage muss man klare Schlüsse ziehen: 1. Wir haben erkannt, dass unser Staatsschutz mangelhaft ist. Er muss besser organisiert, straffer geführt, wirksamer einge- setzt und laufend und demokratisch überprüft werden. Wahr- scheinlich kann man den Sicherheitsdienst verkleinern. Aber nach der Meinung der EVP braucht es auch in Zukunft einen Staatssicherheitsdienst. Es gibt immer noch Feinde unserer Gesellschaft - wir haben das schon mehrfach gehört -: Terrori- sten, Drogenmaffia, Rechts- und Linksextreme, Umstürzler, in- ternationale Verbrechersyndikate in der Wirtschaft und in an- deren Bereichen, die in der Schweiz agieren oder vom Aus- land her operieren. 2. In der Bundesverwaltung herrscht scheinbar nicht Perso- nalmangel, sondern Führungsschwäche - das hat uns die ganze Fichenangelegenheit gezeigt. Es geht heute nicht an, die sogenannten kleinen Schnüffler, diejenigen, welche ge- treulich und peinlich ihren Auftrag erfüllt haben, zu verurteilen oder sogar zu verachten. Wenn in den oberen Etagen keine klaren Weisungen erteilt und keine laufenden Ueberwachun- gen vorgenommen werden, muss es schieflaufen. Schuld an dieser Misere ist auch der Bundesrat, der sich scheinbar nie richtig um den Staatsschutz gekümmert hat. Das ist nicht nur peinlich; das ist meiner Meinung nach eine grobe Fahrlässig- keit. Scheinbar hat der Bundesrat nicht gerade Glück in der Aus- wahl seiner vertrautesten Mitarbeiter. Sie hätten die hohen Herren aufmerksam machen sollen, was auf diesem Gebiet vor sich geht. Mir kann niemand weismachen, dass alles, was jetzt im Bereich des Staatsschutzes passiert und ausgekom- men ist, sich im stillen Kämmerlein abgespielt hat. Viele haben davon gewusst; aber niemand hatte den Mut zum Handeln oder wenigstens zum Informieren. Das muss nachdenklich stimmen. Hier müssen personelle Konsequenzen gezogen werden. Es sind nicht die richtigen Leute am richtigen Ort. Hoffentlich nimmt der Bundesrat seine Verantwortung jetzt wahr und zieht in den Chefbeamtenposi- tionen die richtigen Konsequenzen. Es darf nicht vorkommen, dass man einmal mehr die «Kleinen» hängt und die «Grossen» laufen lässt. Wichtig scheint mir noch, dass die Schweiz möglichst bald den ganzen Staatsschutz von Grund auf neu überdenkt und neu organisiert, und da muss man auf dem Personalsektor an- fangen. M. Frey Claude: En préambule, je déclare que je préside l'Ins- titut suisse de police et que j'irai à contre-courant. Qu'on me comprenne bien, il n'est pas question de nier les abus, les excès en matière de fichiers, ni de nier la crise, car crise il y a. Mais je voudrais dire ici ma déception et mon inquiétude. Ma déception est due à l'attitude du Conseil fédéral qui ne con- duit pas, n'assume pas mais subit la crise. Pris dans la tour- mente, notre gouvernement fait des déclarations en général en retard d'un événement. Il fait sauter un fusible, il met en congé le chef de la Police fédérale dont on louait peu aupara- vant toutes les qualités. Or, Monsieur le Président de la Con- fédération, cette mesure est injuste. Car, au-dessus de M. Pe- ter Huber, il y a le Conseil fédéral dans sa pérennité. M. Kurt Furgler a vu tout le fichier et il a lu des fiches. Mainte- nant, il fait une ballade en amnésie! Je souhaite sereinement, objectivement, non pour régler des comptes mais pour fixer les responsabilités, que la Commission d'enquête détermine bien qui a donné les directives, qu'elles soient orales ou écri- tes, et qui savait exactement ce que contenaient les fichiers. La mise en congé du chef de la Police fédérale est injuste aussi parce que des démarches pour apprécier à nouveau le risque à la lumière des derniers événements de politique internatio- nale ont été faites, et il n'y a pas eu de suite. Injuste cette me- sure l'a été enfin parce qu'on ne dit jamais qu'en 1990, donc cette année, avec l'informatisation, était prévu l'assainisse- ment de ces fichiers en tenant compte de la loi en discussion sur la protection des données. Après ma déception, je voudrais dire maintenant mon inquié- tude. Le Conseil fédéral ne remplissant pas sa mission de chef qui assume et agit, l'administration se sent lâchée, aban- donnée. C'est le cas aujourd'hui du Ministère public et de la police. J'ai sous les yeux la lettre que la Fédération suisse des fonctionnaires de police vous a adressée, Monsieur le Prési- dent de la Confédération, le 23 février. On y lit l'inquiétude de fonctionnaires qui ont rempli leur mission dans le cadre du mandat assigné par l'autorité politique. Comment voulez-vous que ces fonctionnaires, ayant été exposés à la vindicte popu- laire, puissent maintenant bien faire leur travail dans la lutte contre la drogue, le terrorisme et le grand banditisme? Il neSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Persönliche Vorstösse in Zusammenhang mit dem Puk-Bericht (89.006) Interventions personnelles relevant du rapport de la CEP (89.006) In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1990 Année Anno Band II Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 02 Séance Seduta Geschäftsnummer --- Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 06.03.1990 - 08:00 Date Data Seite 225-225 Page Pagina Ref. No 20 018 330 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. 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