B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-3329/2025 U r t e i l v o m 1 5 . M a i 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichter Yannick Antoniazza-Hafner, mit Zustimmung von Richter Gregor Chatton; Gerichtsschreiberin Sandra Hutter. Parteien A._______, geboren am (…) 1985, B._______, geboren am (…) 1989, C._______, geboren am (…) 2024, Sri Lanka, alle vertreten durch MLaw Katrin Henzi, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Ostschweiz, Schöntalstrasse 2, 9450 Altstätten SG, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 28. April 2025 / (…). F-3329/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. A._______ (nachstehend: Beschwerdeführer), B._______ (nachstehend: Beschwerdeführerin) und die Tochter C._______ (nachstehend: die Toch- ter) ersuchten am 30. März 2025 in der Schweiz um Asyl. Mit Verfügung vom 29. April 2025 trat die Vorinstanz in Anwendung des Dublin -Abkom- mens auf ihre Asylgesuche nicht ein, ordnete ihre Wegweisung nach Ru- mänien an, forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Be- schwerdefrist zu verlassen und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Wegweisungsvollzug. Weiter wies sie auf die einer allfälligen Be- schwerde fehlende aufschiebende Wirkung hin. B. Mit Rechtsmitteleingabe vom 7. Mai 2025 gelangte n die Beschwerdefüh- renden ans Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die vorinstanzli- che Verfügung vom 29. April 2025 sei aufzuheben und die Vorinstanz an- zuweisen, auf ihre Asylgesuche einzutreten und das entsprechende Ver- fahren in d er Schweiz durchzuführen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Sachverhaltserklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur Einho- lung individueller Zusicherungen der rumänischen Behörden bezüglich des Zugangs zum Asylverfahren sowie angemessener Unterbringung, Ernäh- rung, Zugang zur medizinischen Grundversorgung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten sie die Ertei- lung der aufschiebenden Wirkung und die vorsorgliche und superproviso- rische Anweisung an die Vollzugsbehörden, von einer Überstellung nach Rumänien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Ertei- lung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe. Zudem sei ihnen die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Am 8. Mai 2025 ordnete der Instruktionsrichter einen superprovisorischen Vollzugsstopp an. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Behandlung der Beschwerde zuständig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 31 ff. VGG) und die Sachur- teilsvoraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). F-3329/2025 Seite 3 1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.3 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mi t summari- scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 2. Zunächst sind die formellen Rügen der Beschwerdeführenden zu prüfen, da diese gegebenenfalls geeignet sein könnten, eine Rückweisung der Sa- che an die Vorinstanz zu rechtfertigen (vgl. BGE 138 I 232 E. 5.1). 2.1 2.1.1. Entgegen den Beschwerdevorbringen hat sich das SEM in der an- gefochtenen Verfügung mit dem jeweiligen Gesundheitszustand der Be- schwerdeführenden rechtsgenüglich auseinandergesetzt und dazu den medizinischen Sachverhalt – gestützt auf die Angaben der Beschwe rde- führenden in den Dublin-Gesprächen (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 27; 28) und die vorhandenen medizinischen Akten (SEM -act. 9; 18; 25; 35; 39 bis 48) – präzise zusammengefasst. Der blosse Umstand, dass die Be- schwerdeführenden die Beurteilung durch das SEM nicht teilen, stellt we- der eine Verletzung der Begründungspflicht noch der Pflicht zur vollständi- gen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts dar. Auf- grund der Aktenlage und der restriktiven Rechtsprechung in Bezug auf Ge- sundheitsprobleme und Überstellungen nach Rumänien ist somit festzu- stellen, dass das SEM gestützt auf die vorliegenden medizinischen Unter- lagen keinen Anlass gehabt hat, von sich aus weitere Abklärungen der ge- sundheitlichen Probleme der Beschwerdeführenden in die Wege zu leiten (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2). Ob die materi- elle Beurteilung des SEM zutrifft, ist nachfolgend (vgl. E. 6.3) zu prüfen. 2.1.2. Wenn gerügt wird, die Vorinstanz habe die Kinderrechte nicht aus- reichend berücksichtigt und diese lediglich pauschal mit einem Textblock abgehandelt, ist Folgendes auszuführen: Die Vorinstanz hat den konkreten Interessen der minderjährigen Tochter im angefochtenen Entscheid ausrei- chend Rechnung getragen und hinreichend begründet. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes oder der Begründungspflicht liegt nicht vor. Insbesondere kann aus der Verwendung von Textbausteinen nicht auf F-3329/2025 Seite 4 eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gefolgert werden. Es war den Be- schwerdeführenden insgesamt möglich, sich ein Bild über die Tragweite des vorinstanzlichen Entscheides zu machen und diesen sachgerecht an- zufechten. 2.2 Die verfahrensrechtlichen Rügen der Beschwerdeführenden erweisen sich somit als unbegründet. Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sa- che an die Vorinstanz ist abzuweisen. 3. 3.1 Vorliegend ist zu Recht unbestritten, dass die Dublin-III-VO anwendbar ist (vollständige Referenz: Verordnung [EU] Nr. 604/2013 des Europäi- schen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü- fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist). 3.2 Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck- Datenbank (Zentraleinheit EURODAC) ergab, dass die Beschwerdefüh- renden am 8. Juli 2019 und am 19. April 2022 in Rumänien daktyloskopisch erfasst wurden. Gleichentags stellten sie gemäss Auszug aus der Eurodac- Datenbank jeweils Asylgesuche (SEM-act. 14; 16). Die rumänischen Be- hörden stimmten den am 9. April 2025 gestellten Wiederaufnahmegesu- chen der Vorinstanz (SEM-act. 29; 30) fristgerecht am 22. April 2025 ge- stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin -III-VO zu (SEM-act. 36; 37). Rumä- nien ist somit für die Behandlung der Asylgesuche der Beschwerdeführen- den grundsätzlich zuständig. 4. In ihrer Rechtsmitteleingabe vom 7. Mai 2025 sowie in ihren Dublin -Ge- sprächen vom 8. April 2025 (SEM-Act. 27, 28) bringen die Beschwerdefüh- renden vor, dass ihre Asylgesuche in Rumänien zuletzt im November 2024 abgelehnt worden seien. Man habe sie nach Sri Lanka zurückschicken wol- len. In den Verfahren habe es Übersetzungsprobleme gegeben, zudem seien die Behörden verärgert gewesen, weil die Beschwerdeführenden im- mer alle Unterlagen bei sich gehabt hätten. Sie seien dann mit hinter dem Rücken fixierten Händen festgenommen worden und ihr Telefon sei be- schädigt worden. Sie seien wie Kriminelle behandelt und in einen Raum eingesperrt worden. In der Nacht habe man sie gezwungen, ein Dokument zu unterschreiben, dessen Inhalt sie nicht verstanden hätten. Danach seien sie ins Gefängnis gebracht worden – obwohl sie ein Bleiberecht hat- ten. Ihr Anwalt und das UNHCR in Genf seien informiert worden. Es habe F-3329/2025 Seite 5 zwei gerichtliche Anhörungen gegeben und das Gericht habe die Behörden wegen des ungerechtfertigten Vorwurfs des illegalen Aufenthalts gerügt. Nach drei Wochen seien sie freigekommen. Seit ihrer Ankunft in Rumänien hätten sie keine offizielle Unterkunft erhalten und hätten für sich selbst sor- gen müssen, was eine erhebliche Belastung gewesen sei. Der Beschwer- deführer habe illegal Autos gewaschen, um die Miete bezahlen zu können. Die Familie habe in Rumänien keine medizinische Unterstützung erhalten, was zu einer Verschlechterun g der gesundheitlichen Situation geführt habe. Der Beschwerdeführer habe in drei Fingern keine Sensorik mehr und habe sich eine medizinische Behandlung gewünscht, die er jedoch selbst hätte bezahlen müssen. Eine Operation sei aus finanziellen Gründen nicht möglich gewesen. Während der Corona-Pandemie habe die Familie keine Impfung erhalten und für die Geburt des Kindes sei angekündigt worden, dass keine Kosten übernommen würden. Impfungen für die Tochter seien wegen fehlender Ausweisdokumente abgelehnt word en. Die Polizei sei wiederholt erschienen und habe mit Haft und Ausweisung gedroht, zuletzt eine Woche vor der Ausreise in die Schweiz. 5. Das Bundesverwaltungsgericht geht rechtsprechungsgemäss davon aus, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Rumänien keine systemischen Schwachstellen aufweisen, aufgrund derer die Zuständigkeit auf die Schweiz überginge (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO; vgl. zuletzt etwa Urteile des BVGer F-4209/2024 vom 28. Februar 2025 E. 5.3; F-192/2025 vom 21. Januar 2025 E. 5; E-7253/2024 vom 27. November 2024 E. 8.2). Auch unter Berücksichtigung der in der Beschwerde erwähnten Berichte internationaler Organisationen sowie nationaler Berichte und der von den Beschwerdeführern vorgetragenen Erfahrungen (E. 4) ist nicht davon a n- zunehmen, Rumänien verstosse systematisch gegen seine vertraglichen Verpflichtungen als zuständiger Dublin -Mitgliedstaat. Für eine Änderung der Recht sprechung (zu den Voraussetzungen: BGE 147 V 342 E. 5.5.1 m.w.H.) besteht in Würdigung der von den Beschwerdeführenden gemach- ten Äusserungen keine Veranlassung. Demnach wird vermutet, dass Ru- mänien die Sicherheit gestützt auf die Dublin-III-VO überstellter Personen garantiert und ihre Rechte gemäss dem internationalen Recht einhält (na- mentlich die EMRK, das Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe [FoK; SR 0.105], das Übereinkommen vom 21. Dezember 1965 zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung [SR 0.104], das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes [KRK; SR 0.107], das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstel- lung der Flüchtlinge [SR 0.142.30]; die Richtlinien des Europäischen F-3329/2025 Seite 6 Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu geme insa- men Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes [Verfahrensrichtlinie] sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationa- len Schutz beantragen [Aufnahmerichtlinie]). Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO nicht gerechtfertigt. Diese Vermutung kann allerdings im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es jedoch konkreter und ernsthafter Hinweise, die von der betroffenen Per- son glaubhaft darzulegen sind. Wie dies bei der nachfolgenden Prüfung des Selbsteintrittsrechts gezeigt wird, kann der Beschwerdeführer keine Hinweise glaubhaft darlegen, wonach Rumänien seine Rechte nicht wah- ren würde. 6. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinst anz vom Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO sowie Art. 29 a Abs. 3 AsylV hätte Gebrauch machen müssen. 6.1 Die behaupteten, jedoch unbelegten Misshandlungen beziehungs- weise Drohungen durch rumänische Polizisten/Behördenmitarbeiter recht- fertigen es nicht, davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr mit hoher Wahrscheinlichkeit Opfer einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung (Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK) würden. Das Bundesverwaltungsgericht geht ferner davon aus, dass Rumänien grund- sätzlich als Rechtsstaat mit einem funktionierenden Justizsystem einzustu- fen ist, was unter anderem durch die Angaben der Beschwerdeführenden bezüglich des durchgeführten Verfahrens zur Haftentlassung bestätigt wird (vgl. E. 4). Folglich ist von der grundsätzlichen Schutzwilligkeit und Schutz- fähigkeit dieses Staates auszugehen. Bei einer allfälligen vorübergehen- den Einschränkung der den Beschwerdeführenden zustehenden Aufnah- mebedingungen könnten sie sich an die rumänischen Behörden wenden und ihre Rechte auf dem Rechtsweg einfordern. Überdies obliegt es den rumänischen Behörden im Rahmen der von ihnen eingegangenen Ver- pflichtungen, Familien mit Kindern rechtskonform unterzubringen und zu betreuen. Insofern die B eschwerdeführenden unsubstantiiert behaupten, dass sie seit ihrer Ankunft keine offizielle Unterkunft erhalten hätten, ist an- zumerken, dass sie im August 2018 gemäss eigenen Angaben mit einem befristeten Visum eingereist sind (vgl. SEM-Act. 27), welches nachfolgend verlängert wurde und sie daher in diesem Zeitraum wohl auch keinen An- spruch auf staatliche Unterbringung hatten. Dass ihnen auch nach Stellung der Asylgesuche im Juli 2019 eine staatliche Unterbringung verweigert worden wäre, ist eine unbelegte B ehauptung. Es liegen insgesamt keine F-3329/2025 Seite 7 substantiierten Hinweise vor, dass die rumänischen Behörden ihrer Ver- pflichtung nicht nachkommen würden. 6.2 Vorliegend wurden bereits Asyl- und Wegweisungsverfahren durch die rumänischen Behörden durchgeführt. Da Rumäniens Asylsystem keine systemischen Mängel aufweist (vgl. oben), ist vermutungsweise davon auszugehen, dass die rumänischen Behörden – in Erfüllung ihrer völker- rechtlichen Verpflichtungen – die Vorbringen der Beschwerdeführenden in einem rechtsstaatlichen Verfahren geprüft haben. Die unsubstantiierte und pauschale Behauptung der Beschwerdeführenden, dass Originaldoku- mente, die eine Unmöglichkeit der Rückkehr nach Sri Lanka belegen wür- den, gar nicht in Betracht gezogen worden seien (vgl. SEM-act, 27 pag. 2), ändert daran nichts. Es liegen keine konkreten Hinweise vor, wonach die Behandlung ihrer Asylgesuche in Rumänien mangelhaft gewesen sein könnte und ihre Wegweisungen in Verletzung des Non-Refoulement-Prin- zips verfügt worden wären. Dabei ist festzuhalten, dass ein definitiver Ent- scheid über ein Asylgesuch und die Wegweisung in das Heimatland nicht per se eine Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips darstellen. Das Prin- zip der Überprüfung eines Asylgesuchs durch einen einzigen Mitgliedstaat («one chance only») dient im Gegenteil der Vermeidung von multiplen Asyl- gesuchen in verschiedenen Staaten (sogenanntes «asylum shopping»; vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3). Den Beschwerdeführenden steht es über- dies frei, den rumänischen Behörden allfällige Wiederaufnahme- oder Wie- dererwägungsgründe im Rahmen eines Folgeantrags (Art. 40 Verfahrens- richtlinie) zu unterbreiten (vgl. zuletzt etwa Urteile des BVGer E-3899/2024 vom 2. Oktober 2024 E. 7.2, F-5122/2024 vom 28. August 2024 E. 10.2, je m.w.H.). 6.3 Die Beschwerdeführenden be rufen sich darauf, ihr Gesundheitszu- stand stehe einer Überstellung entgegen. 6.3.1. Beim Beschwerdeführer wurden folgende Krankheiten beziehungs- weise Beschwerden diagnostiziert (vgl. SEM -act. 35; 41; 44): Schlafstö- rung; Lumbago [Hexenschuss]; Verdacht auf das Kar paltunnelsyndrom; Husten und Halsschmerzen. Zur Behandlung wurden Medikamente (Irfen, Pferdesalbe; Zeller Schlaf forte; Redormin; Brufen; Pulmex; Nitux), Erkäl- tungstee, Hustensaft, Flectoparin Pflaster und Wärmepflaster abgegeben. Bei der Beschwerdeführeri n wurden folgende Krankheiten beziehungs- weise Beschwerden diagnostiziert (vgl. SEM -act 42): Rückenschmerzen nach Kaiserschnitt; Migräne, stressbedingte Kopfschmerzen; F-3329/2025 Seite 8 Halsschmerzen. Zur Behandlung wurden Medikamente (Irfen) , Kamillen- tee, Grethers Pastillen und Wärmepflaster abgegeben. Bei der Tochter wurden folgende Krankheiten beziehungsweise Beschwer- den diagnostiziert (vgl. SEM-act. 9; 18; 25; 39; 43; 45 - 48): Verstopfungen; Brachyzephalie [Rund/Kurzköpfigkeit]; Obstruktive Bronchitis; fieberhafter Infekt. Eine medikamentöse Behandlung , Inhalationen und Nasenspülun- gen wurden durchgeführt. Am 23. April 2025 (SEM-act. 48) wurde eine Ge- sundheitsvorsorgeuntersuchung vorgenommen, wobei ein guter Allge- meinzustand, Motorik und Impfstatus festgestellt wurden. Bei der Untersu- chung wurden zwei Impfungen vorgenommen und vorgeschrieben, dass sie weiterhin Vitamin D einnimmt. 6.3.2. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die be- troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits- stadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstüt- zung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die dama- lige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Abschiebung - mangels angemessener medizinischer Behand- lung im Zielstaat - mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer erns- ten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund- heitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180-193 m.w.H.). 6.3.3. Eine solche Situation ist vorliegend aufgrund der gesundheitlichen Probleme nicht gegeben. Die Beschw erdeführenden konnten nicht nach- weisen, dass eine Überstellung ihre Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Der jeweilige Gesundheitszustand vermag eine Unzulässigkeit im Sinne der erwähnten restriktiven Rechtsprechung nicht zu rechtfertigen. Die medizinisch en Beschwerden sind auch nicht von einer derartigen Schwere, dass aus humanitären Gründen von einer Überstellung abgese- hen werden müsste. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstel- lern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notver- sorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); den Antragstellern mit besonderen F-3329/2025 Seite 9 Bedürfnissen ist die erforderliche medizinisc he oder sonstige Hilfe (ein- schliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es ist allgemein bekannt, dass Rumänien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt, weshalb sich die Beschwerdeführenden im Bedarfsfall an das dafür zustän- dige medizinische Fachpersonal wenden können. Die Behauptung, den Beschwerdeführenden sei eine medizinische Behandlung in Rumänien verweigert worden, ist unbelegt und steht im Widerspruch zu der Tatsache, dass bei der Beschwerdeführerin vor kurzem eine Kaiserschnittoperation durchgeführt wurde. Es liegen keine Hinweise vor, wonach Rumänien sei- nen Verpflichtungen im Rahmen der Dublin -III-VO in medizinischer Hin- sicht nicht nachkommen würde. Für das weitere Dublin-Verfahren ist einzig die Reisefähigkeit ausschlaggebend, welche erst kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt wird. Eine allenfalls fehlende Reisefähigkeit stellt lediglich ein temporäres Vollzugshindernis dar. Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die mit der Überstellung beauftragten Behörden die besonderen Be- dürfnisse der Beschwerdeführenden berücksichtigen würden, sollte dies erforderlich sein (vgl. Art. 31 Abs. 2 Dublin -III-VO). Ebenso hat die Vo- rinstanz dem aktuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden bei der Organisation der Überstellung nach Rumänien Rechnung zu tragen, indem sie die rumänischen Behörden im Sinne von Art. 31 und Art. 32 Dub- lin-III-VO vorgängig über den Gesundheitszustand und die notwendige me- dizinische Behandlung zu informieren hat. 6.4 Schliesslich sind keine Umstände ersichtlich, aufgrund derer das über- geordnete Kindesinteresse (Art. 3 Abs. 1 KRK) einer Überstellung von der Tochter nach Rumänien in entscheiderhebliche m Mass entgegenstehen könnte. Sie wird gemeinsam mit ihren Hauptbezugspersonen – ihren Eltern – nach Rumänien überstellt. Aus der Kinderrechtskonvention kann sodann kein Anspruch auf Aufenthalt im Staat mit den für ein Kind vorteilhaftesten Lebensbedingungen abgeleitet werden (vgl. BGE 143 I 21 E. 5.5.2; Urteil des BVGer F-2162/2024 vom 15. April 2024 E. 6.1; je m.w.H.). Eine allfäl- lige notwendige medizinische Behandlung kann nach dem Ausgeführten (vgl. E. 6.3.3 oben) auch in Rumänien erfolgen und es sind keine konkreten Anhaltspunkte für eine entscheidwesentliche Gefährdung des Kindeswohls ersichtlich. 6.5 Schliesslich geht das Bundesverwaltungsgericht rechtsprechungsge- mäss davon aus, dass die schweizerischen Behörden bei den rumäni- schen Behörden in der Regel keine individuellen Zusicherungen bezüglich der Beachtung des Non -Refoulement-Gebots und des Zugangs zu adä- quater Unterbringung, Ernährung, medizini scher und psychologischer F-3329/2025 Seite 10 Versorgung einzuholen haben (vgl. statt vieler: Urteile des BVGer F-192/2025 vom 21. Januar 2025 E. 6, E -7253/2024 vom 27. November 2024 E. 11, F -5909/2024 vom 1. November 2024 E. 7.5). Es bestehen keine Gründe, von dieser Praxis abzuweichen. Der entsprechende Sube- ventualantrag ist ebenfalls abzuweisen. 6.6 Nach dem Ausgeführten können die Beschwerdeführenden kein kon- kretes und ernsthaftes Risiko dartun, wo nach ihre Überstellung nach Ru- mänien die Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. Darüber hinaus bestehen keine Hinweise auf eine nicht gesetzeskonforme Ausübung des Ermessens hinsichtlich Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 (humanitäre Gründe). 7. Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden (Art. 106 AsylG) und die Beschwerde ist abzuweisen. Mit dem vorliegenden Urteil fällt der angeordnete superprovisorische Vollzugsstopp dahin und das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung wird gegenstands- los. 8. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren ‒ wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt ‒ als aussichtslos zu bezeichnen waren (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kos- ten den unterliegenden Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 9. Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). (Dispositiv nächste Seite) F-3329/2025 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750. – werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Yannick Antoniazza-Hafner Sandra Hutter