<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 128 S.540</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">540</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>128 Volksschule. Einschulung in die Kleinklasse.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Kinder und Jugendliche haben das Recht, diejenigen öffentlichen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Schulen zu besuchen, die ihren Fähigkeiten entsprechen und deren</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Anforderungen sie erfüllen.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Schulpflege kann schulpflichtige Kinder, die aufgrund einer</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Lernbehinderung dem ordentlichen Unterricht der ersten Regel-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>klasse nicht zu folgen vermögen und für die eine Sonderschulung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nicht angezeigt ist, der Kleinklasse zuweisen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Erziehungsrats vom 11. September 2003 in Sachen R. R. ge-</span><br/> <span class="ft6">gen den Entscheid des Bezirksschulrats Z.</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. Materielles</span><br/> <span class="ft1">2. a) Gemäss § 4 Abs. 2 Schulgesetz (SchulG) werden Kinder,</span><br/> <span class="ft1">die bis zum 30. April das sechste Altersjahr vollendet haben, auf Be-</span><br/> <span class="ft1">ginn des nächsten Schuljahrs schulpflichtig. Bei mangelnder Schul-</span><br/> <span class="ft1">reife wird der Beginn der Schulpflicht um ein Jahr hinausgeschoben.</span><br/> <span class="ft1">Kinder und Jugendliche haben das Recht, diejenigen öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Schulen zu besuchen, die ihren Fähigkeiten entsprechen und deren</span><br/> <span class="ft1">Anforderungen sie erfüllen (§ 3 Abs. 1 SchulG). Die Schulpflege</span><br/> <span class="ft1">kann schulpflichtige Kinder, die aufgrund einer Lernbehinderung</span><br/> <span class="ft1">dem ordentlichen Unterricht der ersten Regelklasse nicht zu folgen</span><br/> <span class="ft1">vermögen und für die eine Sonderschulung nicht angezeigt ist, der</span><br/> <span class="ft1">Kleinklasse zuweisen (§ 73 Abs. 1 SchulG in Verbindung mit § 15</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 SchulG und den §§ 1 ff. Verordnung über die Förderung von</span><br/> <span class="ft1">Kindern und Jugendlichen mit besonderen schulischen Bedürfnissen</span><br/> <span class="ft1">vom 28. Juni 2000, SAR 421.331).</span><br/> <span class="ft1">Die Kleinklassen sind nach heilpädagogischen Grundsätzen zu</span><br/> <span class="ft1">führen. Der Lehrplan der Regelklasse der Primarschule dient den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">541</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kleinklassen als Richtlinie. Die Eltern erhalten am Ende jedes</span><br/> <span class="ft1">Schulhalbjahrs einen Bericht, der über den Stand der Leistungen so-</span><br/> <span class="ft1">wie des Lern- und Sozialverhaltens ihres Kindes Auskunft gibt. Ein</span><br/> <span class="ft1">Zeugnis wird dann erstellt, wenn die Beurteilung für die Zuweisung</span><br/> <span class="ft1">in die Regelklasse spricht oder diese zumindest zu prüfen ist. Am</span><br/> <span class="ft1">Ende jedes Schuljahrs überprüft die Kleinklassenlehrperson den</span><br/> <span class="ft1">Übertritt in eine entsprechende Regelklasse (§ 30 und § 31 Abs. 2 der</span><br/> <span class="ft1">V besondere schulische Bedürfnisse).</span><br/> <span class="ft1">b) Die Einschulung ist kein Entscheid, welchem eine klare</span><br/> <span class="ft1">Leistungsbeurteilung im Sinne einer Promotionsordnung zu Grunde</span><br/> <span class="ft1">liegt. Man ist hier hauptsächlich auf die Beobachtung von Fachleuten</span><br/> <span class="ft1">angewiesen, welche zu einem grossen Teil prognostisch und somit</span><br/> <span class="ft1">mit vielen Unsicherheiten verbunden ist. Der Ermessensspielraum ist</span><br/> <span class="ft1">demnach weit grösser als in späteren Jahren. Für die Beurteilung, ob</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer aufgrund seines heutigen Entwicklungsstands</span><br/> <span class="ft1">in eine Einschulungsklasse gehört oder nicht, sind die aktenkundigen</span><br/> <span class="ft1">Berichte und Standpunkte umfassend zu würdigen.</span><br/> <span class="ft1">3. Die beiden Vorinstanzen haben ihren Entscheid aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">Berichte der Kindergartenlehrperson sowie der Heilpädagogin ge-</span><br/> <span class="ft1">troffen. Ausserdem ist den Akten ein Gutachten des psychologischen</span><br/> <span class="ft1">Schuldienstes des Vereins für Erziehungsberatung in der Region B.</span><br/> <span class="ft1">beigefügt, das am 17. April 2002 anlässlich des Hinausschiebens der</span><br/> <span class="ft1">Schulpflicht ausgestellt wurde.</span><br/> <span class="ft1">a) Die Kindergartenlehrperson, Frau G. H., führt in ihrem Be-</span><br/> <span class="ft1">richt vom 23. Februar 2003 aus, dass der Beschwerdeführer für die</span><br/> <span class="ft1">Erledigung von Aufgaben immer sehr viel Zeit beanspruche. Auch</span><br/> <span class="ft1">verliere er sich immer wieder in stereotypen Bewegungen, die er nur</span><br/> <span class="ft1">unterbrechen könne, wenn er allein gesetzt oder allein beschäftigt</span><br/> <span class="ft1">werde. Er könne sich nur für kurze Zeit konzentrieren, ohne in diese</span><br/> <span class="ft1">Stereotypie zu verfallen. Der Beschwerdeführer werde sehr nervös,</span><br/> <span class="ft1">wenn er überfordert werde und könne dann auch einfache Dinge</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr erledigen. Dies belaste ihn zusätzlich, was ihn noch ner-</span><br/> <span class="ft1">vöser werden lasse. Die Situation könne durch eine Unterbrechung</span><br/> <span class="ft1">oder eine anschliessende Einzelarbeit gelöst werden. Der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer zeige auch kein Interesse, von sich aus zu lernen oder zu</span><br/> <span class="ft1">üben. Er nütze weder Werkstattunterricht noch didaktisches</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">542</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Spielmaterial. Mit Einzelbetreuung sei er aber gut zu motivieren. Der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer habe auch Schwierigkeiten mit der Motorik.</span><br/> <span class="ft1">Sozial und emotional sei er jedoch gut entwickelt, habe Kontakt</span><br/> <span class="ft1">zu allen Kindern und sei ausgeglichen und freundlich.</span><br/> <span class="ft1">b) Auch die Heilpädagogin, Frau O., die den Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">im Rahmen der heilpädagogischen Frühförderung seit Sommer 2002</span><br/> <span class="ft1">betreut, weist in ihrem Bericht vom 20. Februar 2003 darauf hin,</span><br/> <span class="ft1">dass er einen Entwicklungsrückstand von zirka einem Jahr aufweise</span><br/> <span class="ft1">und zusätzlich visuelle und akustische Wahrnehmungsschwächen</span><br/> <span class="ft1">habe. Weder seine Sprachkompetenz noch seine motorische Ent-</span><br/> <span class="ft1">wicklung seien altersgemäss. Da der Beschwerdeführer sich seiner</span><br/> <span class="ft1">Schwächen bewusst sei, ziehe er sich gelegentlich frustriert zurück.</span><br/> <span class="ft1">Frau O. empfiehlt grundsätzlich die Einschulung des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers in die Kleinklasse, da er dort schulisch am besten gefördert</span><br/> <span class="ft1">werden und sein Selbstvertrauen aufbauen könne. Sie weist jedoch</span><br/> <span class="ft1">darauf hin, dass sie in ihren Stunden auf Grund der repressiven Hal-</span><br/> <span class="ft1">tung der Mutter eine Leistungsveränderung beobachtet habe, und</span><br/> <span class="ft1">hofft, dass sich dies nicht bei einer Einschulung in die Kleinklasse</span><br/> <span class="ft1">verstärken werde.</span><br/> <span class="ft1">c) Diese Beobachtungen entsprechen den Untersuchungsergeb-</span><br/> <span class="ft1">nissen der schulpsychologischen Abklärung, die anlässlich des Hin-</span><br/> <span class="ft1">ausschiebens der Schulpflicht veranlasst worden war.</span><br/> <span class="ft1">Danach verfüge der Beschwerdeführer über knapp durch-</span><br/> <span class="ft1">schnittliche intellektuelle Fähigkeiten, wobei die Gesamtergebnisse</span><br/> <span class="ft1">noch durch seine Konzentrationsschwierigkeiten gedrückt würden.</span><br/> <span class="ft1">Auch sei er unsicher in der räumlichen Orientierung, im visuellen</span><br/> <span class="ft1">Beobachten und in der Mengenerfassung. Auffallend schwach seien</span><br/> <span class="ft1">ausserdem seine Werte in der akustischen Merk- und Differenzie-</span><br/> <span class="ft1">rungsfähigkeit von Zahlen und Silben.</span><br/> <span class="ft1">d) Von den Eltern wird der Argumentation der Kindergarten-</span><br/> <span class="ft1">lehrkraft und der Heilpädagogin nicht widersprochen; die Eltern wei-</span><br/> <span class="ft1">sen vielmehr darauf hin, dass ihr Sohn noch zu klein sei, um nach K.</span><br/> <span class="ft1">zu fahren und sehr mit der Familie verbunden, weshalb der Besuch</span><br/> <span class="ft1">der Kleinklasse in K. eine zusätzliche Belastung für ihn darstellen</span><br/> <span class="ft1">würde.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">543</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">4. a) Wie bereits unter Ziff. 2b) der Erwägungen erwähnt,</span><br/> <span class="ft1">kommt den Vorinstanzen beim Entscheid betreffend Einschulung ein</span><br/> <span class="ft1">relativ weites Ermessen zu: Der Erziehungsrat schreitet nur dann ein,</span><br/> <span class="ft1">wenn die umfassende Würdigung der aktenmässigen Berichte und</span><br/> <span class="ft1">Standpunkte ergibt, dass des Ermessens überschritten bzw. nicht</span><br/> <span class="ft1">pflichtgemäss ausgeübt worden ist.</span><br/> <span class="ft1">Die Schulpflege L. und der Bezirksschulrat Z. haben ihren Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid auf die oben erwähnten Empfehlungen der Kindergartenlehr-</span><br/> <span class="ft1">kraft und der Heilpädagogin gestützt. Aus deren Berichten geht klar</span><br/> <span class="ft1">hervor, dass der Beschwerdeführer in der Kleinklasse, die nach heil-</span><br/> <span class="ft1">pädagogischen Grundsätzen geführt wird, am besten gefördert wer-</span><br/> <span class="ft1">den kann, während in der Regelklasse der Entwicklungsverzögerung</span><br/> <span class="ft1">zu wenig Rechnung getragen werden kann. Auch durch allfällige</span><br/> <span class="ft1">Nachhilfestunden können die genannten Defizite in der Wahrneh-</span><br/> <span class="ft1">mung insbesondere aber im motorischen Bereich zu wenig aufge-</span><br/> <span class="ft1">fangen werden.</span><br/> <span class="ft1">Da in L. die Voraussetzungen für die heilpädagogische Unter-</span><br/> <span class="ft1">stützung in der Regelklasse nicht gegeben sind und L. auch nicht</span><br/> <span class="ft1">über eine eigene Kleinklasse verfügt, werden die Kleinklassenschüler</span><br/> <span class="ft1">aus L. in der Kleinklasse K. zugewiesen. Die Kleinklasse in K. bietet</span><br/> <span class="ft1">somit für den Beschwerdeführer die bestmögliche Förderung.</span><br/> <span class="ft1">Der Einschulungsentscheid der beiden Vorinstanzen sind somit</span><br/> <span class="ft1">zu stützen und der Beschwerdeführer ist der Kleinklasse in K. zuzu-</span><br/> <span class="ft1">weisen.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>