Seite 1 Entscheid vom 18. März 2016 (510 15 55) __________________________________________________ ___________________ Wertberichtigung / Dreieckstheorie Besetzung Vizepräsident Dr. L. Schneider, Steuerric hter Markus Zeller, Steuerrich- ter Jörg Felix, Gerichtsschreiberin I. Wissler Parteien A.____ AG , vertreten durch Wara Finanz GmbH , Hauptstrasse 117 , 4450 Sissach Rekurrentin gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Staats - und Gemeindesteuer 2011 Seite 2 Sachverhalt: 1. Mit Veranlagungsverfügung vom 19. September 2013 wurde bei der Pflichtigen u.a. eine verdeckte Gewinnausschüttung in Höhe von Fr. 194‘898.-- festgestellt, in gleicher Höhe eine Minusreserve gebildet und Fr. 64‘898.-- als Abweichungen Abschreibungen Non-Valeur zum steuerbaren Ertrag aufgerechnet. 2. Gegen diese Veranlagung erhob die Vertreterin mi t Schreiben vom 18. Oktober 2013 Einsprache und begehrte, 1. Die steuerlichen Korrekturen im Zusammenhang mit dem gewähr- ten Darlehen seien rückgängig zu machen. Der bestehend e handelsrechtliche Abschluss per 31. Dezember 2011 der A.____ AG, mit den erforderlich en Wertberichtigungen, sei als Grund- lage für die Steuerberechnung (Massgeblichkeitsprinzip) zu verwenden. 2. Die Wertberichtigung auf dem Darlehen sei zu akzeptieren. 3. Die Dreieckstheor ie sei nicht anzuwenden und dem- nach seien keine geldwerten Leistungen aufzurechnen. 4. Die Bildung einer Minusreserve sei aufzuheben. Zur Begründung führte sie aus, im Jahr 2010 habe die A.____ AG der B.____ AG und späteren C.____ AG zwei Darlehen gewährt. Während ein Darlehen im Umfang von Fr. 100‘000.-- nach kurzer Laufzeit fristgerecht zurückgeführ t worden sei, sei das zweite Darlehen im Umfang von Fr. 194‘898.-- zwischen dem 15. April 201 0 und dem 8. Dezember 2010 aus einigen Teilbeträgen entstanden. Die Gesellschaft (C.____ AG) sei im Zeitpunkt der Darlehens- gewährung weder sanierungsbedürftig noch -pflichtig gewesen. Per 31. Dezember habe sie die Rechnung mit einem Gewinn von Fr. 80‘434.73 abgeschlo ssen. Das Darlehen der A.____ AG sei nicht für eine Sanierung sondern für den Ausbau d er Geschäftstätigkeit gewährt worden. Zudem hätten auch Dritte der C.____ AG ohne Sicherhe iten Darlehen zur Umsetzung der neu- en Konzepte bereitgestellt. Sowohl die D.____, E.___ _ AG, als auch die F.____ AG, würden ausreichend belegen, ohne dabei alle Fremdkapitalgeber zu nennen, dass das gewährte Darle- hen einem Drittvergleich standhalte. 3. Mit Einsprache-Entscheid vom 10. Juni 2015 wies die St euerverwaltung die Einsprache ab. Zur Begründung führte sie aus, in der Einsprache werde auf den Jahresabschluss 2010 verwiesen, welcher einen Gewinn von Fr. 80'434.-- und ein voll gedecktes Kapital ausweise. ln der Analyse komme der zuständige Revisor zum Schluss, dass di e Buchführung formell als auch materiell in weiten Teilen nicht den kaufmännisch en Grundsätzen entspreche und als Be- Seite 3 weismittel zurückgewiesen werden müsse. Entsprechend habe nicht ein Gewinn sondern ein massiver Verlust 2010 ausgewiesen werden müssen und die Gesellschaft sei im Jahr 2010 be- reits überschuldet gewesen. Die Steuererklärung 2010 sei trotz Mahnung nicht eingereicht wor- den, weshalb die Steuerverwaltung eine Veranlagung na ch Ermessen mit einem Reingewinn und einem Kapital von „null“ vorgenommen habe. Die D.____ habe den Kreditvertrag in Un- kenntnis der tatsächlichen Ertrags- und Liquiditätslage abgeschlossen. Hinsichtlich der F.____ AG sei festzuhalten, dass die Kreditgewährung nicht nur mit der Gesellschaft sondern insbe- sondere mit der Solidarhaftung des Aktionärs erfolgt sei . Zudem seien der Darlehensgeberin vertraglich zugesicherte Informationen (insbesondere der Abschluss 2010) nicht geliefert wor- den. In diesen Fällen sei die Darlehensgewährung als B eweismittel für den Drittvergleich nicht geeignet. Bezüglich Kreditvertrag mit der E.____ AG sei festzuhalten, dass die Kreditgewäh- rung nur gegen Abgabe von hohen Sicherheiten (Global zession aller Forderungen) erfolgt und als Drittvergleich mit einem Blankokredit nicht geeignet sei. Im Zeitpunkt der Darlehensgewäh- rung im Jahre 2010 habe es sich zudem bei der C.____ A G und der A.____ AG um Schwester- gesellschaften gehandelt. Da die Bilanz der C.____ AG zum Zeitpunkt der Darlehensgewäh- rung stark überschuldet gewesen sei, komme zu Recht die Dreieckstheorie zur Anwendung. 4. Mit Schreiben vom 7. Juli 2015 erhob die Vertreteri n der Pflichtigen Rekurs und begehr- te, 1. Der Einsprache-Entscheid vom 10. Juni 2015 betr. Staats- und Gemeindesteuern 2011 sei aufzuheben. 2. Die in der Veranlagung vom 19. Sep tember 2013 verfügten Korrekturen im Zusammenhang mit dem gewährten Darlehen an die C.___ _ AG seien aufzuheben und der bestehende handelsrechtliche Abschluss per 31. Dezember 201 1 der A.____ AG, mit den er- forderlichen Wertberichtigungen auf dem Darlehen, sei für die Steuerberechnung (Massgeblich- keitsprinzip) zu verwenden. 3. Die Wertberichtigung auf d em Darlehen sei zu akzeptieren. 4. Die Dreieckstheorie sei nicht anzuwenden und demnach k eine geldwerten Leistungen aufzu- rechnen. 5. Die Bildung einer Minusreserve sei aufzuheb en. 6. Die Kosten des Rekursverfah- rens seien dem Rekursgegner aufzuerlegen. lm Jahr 2010 h abe die A.____ AG der C.____ AG zwei Darlehen gewährt, wovon ein Darlehen im Umfang von Fr. 100'000.-- fristgerecht zurück- geführt worden sei. G.____ sei zum Zeitpunkt der Darleh ensgewährung alleiniger Aktionär der Darlehensgeberin gewesen. Am 2. März 2011 habe die F. ____ AG der C.____ AG ein nach- rangiges Darlehen im Umfang von Fr. 700'000.-- gewähr t. Am 13. April 2011 habe die D.____ der C.____ AG eine blanko Kontokorrentlimite im Umfang von Fr. 200'000.-- gewährt. Am 4. Juli 2011 habe die E.____ AG der C.____ AG ein Darlehen im Umfang von Fr. 300‘000.-- gewährt. Alle Darlehensforderungen seien im Kollokationsplan d er C.____ AG erfasst und zugelassen Seite 4 worden. Am 19. April 2012 sei durch die Konkursrichterin des Bezirks Sissach die Liquidation der Gesellschaft verfügt worden. Die A.____ AG habe daraufhin die ausstehende Darlehensfor- derung gegenüber der Gesellschaft beim Konkursamt ange zeigt. Zudem sei im Rahmen der Abschlusserstellung 2010 auf dem Darlehen eine Wertber ichtigung im Umfang von 1/3 vorge- nommen worden. Zwischen der A.____ AG und der C.____ AG sei ein schriftlicher Darlehens- vertrag abgeschlossen worden, in dem eine Verzinsung von 5 % p.a. und eine Kündigungsfrist von drei Monaten vereinbart worden sei. lm Zeitpunkt d er Darlehensgewährung sei die Bonität des Darlehensschuldners gut und die Bilanzstruktur weder ungewöhnlich noch risikoreich ge- wesen. Zudem seien keine Betreibungen gegen die Darleh ensnehmerin hängig gewesen. Eine Überschuldung habe nicht bestanden. Der Kreditvertrag m it der D.____ im April 2012 über Fr. 200‘000.-- zeige punkto Verzinsung, Sicherheiten, Laufz eit und Entscheidungsgrundlage, dass das Darlehen der A.____ AG dem Drittvergleich standhal te. Die Ausführungen aus dem Revisi- onsbericht Nr. 2013-142 im Zusammenhang mit dem Darle hen der F.____ AG würden nicht standhalten. Die Indikatoren für eine hohe Fremdfinan zierung (Fr. 700‘000.-- mit Option auf Aufstockung bis zu 1 Mio. Fr.) seien gegeben gewesen und die Sicherheiten sogar zurück ge- stellt worden. Die Einflussnahme von G.____ bei der D arlehensnehmerin habe aufgrund der Neubesetzung der Geschäftsführung des CFO und des Verwa ltungsratspräsidiums erheblich abgenommen. Für keine der beteiligten Parteien sei au ch nur im Ansatz ein Missverhältnis er- kennbar gewesen. Damit seien keine der kumulativ erforder lichen Grundlagen für die Begrün- dung der Dreieckstheorie gegeben. Sollte dieser Argume ntation nicht gefolgt werden, würden die geldwerten Leistungen im Umfang des per 31. Dezemb er 2011 bestehenden Aktionärsdar- lehen von G.____ gegenüber der A.____ AG im Umfang von Fr. 42'668.-- verrechnet. 5. Mit Vernehmlassung vom 21. August 2015 beantragte d ie Steuerverwaltung die Abwei- sung des Rekurses und führte zur Begründung aus, Gegenstand des vorliegenden Falls bilde die Frage der steuerlichen Gewinnaufrechnung von Fr. 64'898.-- aufgrund verdeckter Gewinn- ausschüttung im Rahmen der Dreieckstheorie. Dieser Betra g setze sich zusammen aus dem seinerzeitigen Darlehensbetrag der Rekurrentin an die C.____ AG im Betrag von Fr. 191'030.-- zuzüglich aufgelaufener Zinsen von Fr. 3'868.--, was ei nen ausstehenden Forderungsbetrag (Aktivdarlehen) per 2011 von Fr. 194'898 ausmache. Diese Forderung sei im Kollokationsplan Nr. 2012012 der sich zwischenzeitlich im Konkurs befindliche n C.____ AG aufgenommen und zugelassen worden. Der gleiche Darlehensbetrag sei im Ge schäftsabschluss 2011 um einen Drittel wertberichtigt worden. Diese Wertberichtigung sei steuerlich als verdeckte Gewinnaus- schüttung aufgerechnet worden. Die C.____ AG sei in diesem Zeitpunkt aufgrund der effektiven Seite 5 Zahlen bzw. der tatsächlichen Verhältnisse offensichtlich bereits zahlungsunfähig, d.h. sanie- rungsbedürftig gewesen. Eine Sanierungsleistung hätte demnach vom Beteiligungsinhaber selbst vorgenommen werden müssen - und nicht von der Schwest ergesellschaft, d.h. der Re- kurrentin. Dergestalt komme dies einer geldwerten Leistu ng an den Beteiligungsinhaber gleich. Nicht marktkonform erbrachte Leistungen oder Sanierung sleistungen zwischen Schwesterge- sellschaften seien als verdeckte Gewinnausschüttungen von de r Aktiengesellschaft an die Akti- onäre und als verdeckte Kapitaleinlage von den Aktionäre n an die Schwestergesellschaft zu würdigen. Dabei komme die sog. Dreieckstheorie zur Anwen dung. Praxisgemäss erfolge in sol- chen Fällen die Überprüfung der Kriterien einer geldwerten Leistung. Die Aufrechnung sei damit im Umfang der Wertberichtigung von Fr. 64'898.-- erfolgt. Das Steuergericht zieht in Erwägung: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu- ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurt eilung des vorliegenden Rekurses zu- ständig. Gemäss § 129 Abs. 2 StG werden Rekurse, deren umstritt ener Steuerbetrag wie im vor- liegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr nicht übe rsteigt, vom Präsidenten und zwei Richte- rinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stell enden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten. 2. Strittig ist vorliegend, ob die Steuerverwaltung das Darlehen, welches die A.____ AG an die B.____ AG im Betrag von Fr. 195‘000.-- im Jahre 2 010 gewährt und um einen Drittel wert- berichtigt hat, zu Recht im Umfang der Wertberichtigung als geldwerte Leistung qualifiziert hat. a) Gegenstand der Ertragssteuer ist nach § 53 Abs. 1 S tG der steuerbare Reiner- trag. Dieser setzt sich zusammen aus (a) dem Saldo der E rfolgsrechnung unter Berücksichti- gung des Saldovortrages des Vorjahres; (b) allen vor Be rechnung des Saldos der Erfolgsrech- nung ausgeschiedenen Teilen des Geschäftsergebnisses, di e nicht zur Deckung geschäfts- mässig begründeter Aufwendungen verwendet werden, wie insbesondere Aufwendungen für Seite 6 die Herstellung, Anschaffung oder Wertvermehrung von Ge genständen des Anlagevermögens, geschäftsmässig nicht begründete Abschreibungen und Rückstellungen, Einlagen in die Reser- ven, Einzahlungen auf das Eigenkapital aus Mitteln der juristischen Person, offene und verdeck- te Gewinnausschüttungen und geschäftsmässig nicht begründet e Zuwendungen an Dritte, (c) den der Erfolgsrechnung nicht gutgeschriebenen Erträgen, mit Einschluss der Kapital-, Liquida- tions- und Aufwertungsgewinne, vorbehältlich § 32. Inha ltlich übereinstimmende Vorschriften enthalten auch Art. 24 Abs. 1 lit. a StHG sowie Art. 58 Abs. 1 lit. b DBG. b) Zum steuerbaren Reingewinn gehören namentlich Zuw endungen der Gesell- schaft an die Anteilsinhaber oder ihnen nahestehende Dr itte, die einem Aussenstehenden nicht oder zumindest nicht im gleichen Mass gewährt würden. De r Grundtatbestand solcher geldwer- ter Leistungen ist nach der Rechtsprechung immer dann a nzunehmen, wenn (a) die Gesell- schaft keine oder keine gleichwertige Gegenleistung erhäl t, (b) der Aktionär direkt oder indirekt (z.B. über eine ihm nahestehende Person oder Unterne hmung) einen Vorteil erhält, der einem Dritten unter gleichen Bedingungen nicht zugebilligt w orden wäre, die Leistung also insofern ungewöhnlich ist, und (c) der Charakter dieser Leistung für die Gesellschaftsorgane erkennbar war (BGE 131 II 593 E. 5.1 S. 607; Urteile 2C_272/2 011 vom 5. Dezember 2011 E. 3.1 und 3.2.1; 2C_265/2009 vom 1. September 2009 E. 2.1, in : StR 64/2009 S. 915; 2A.204/2006 vom 22. Juni 2007 E. 6, in: RtiD 2008 I pag. 946; je mit Hinweisen; 2C_414/2012 vom 19.11.2012, E. 3). Als geldwerte Vorteile aus Beteiligungen gelten dem entsprechend alle durch Zahlung, Überweisung, Gutschrift, Verrechnung oder au f andere Weise bewirkten in Geld messbaren Leistungen, die der Inhaber gesellschaftlicher B eteiligungsrechte unter irgendeinem Titel aufgrund dieser Beteiligung von der Gesellschaft erhält und welche keine Rückzahlung der bestehenden Kapitalanteile darstellen. Dazu gehören insbesondere sog. verdeckte Gewinnaus- schüttungen, d.h. Zuwendungen der Gesellschaft, denen keine oder keine genügenden Gegen- leistungen des Anteilsinhabers entsprechen und die eine m an der Gesellschaft nicht beteiligten Dritten nicht oder nur in wesentlich geringerem Umfa ng erbracht worden wären. Das ist mit ei- nem Drittvergleich zu ergründen (sog. Prinzip des "deali ng at arm's length"), bei dem alle kon- kreten Umstände des abgeschlossenen Geschäfts zu berücksichtigen sind (vgl. BGE 138 II 57, E. 2.2). Als Indizien, die dafür sprechen, dass ein Drit ter einen Kredit nicht gewährt hätte und damit ein simuliertes Darlehensverhältnis vorliegt, fall en diverse Kriterien in Betracht (vgl. BGE 138 II 57 E. 3.2 S. 60 f. mit umfassenden Hinweisen a uf Rechtsprechung und Literatur). Diese ursprünglich für Darlehen an Aktionäre herausgearbeiteten Kriterien (Urteil A.124/1982 vom 25. November 1983 E. 3 ff., in: ASA 53 S. 54 ff., 58 ff. ) sind nicht ohne Weiteres für die Beurteilung Seite 7 von Darlehen zwischen Schwestergesellschaften relevant. Zu dem ist zu differenzieren zwi- schen ursprünglich und nachträglich simulierten Darlehen sverhältnissen (BGE 138 II 57 E. 5.2 S. 64 mit Hinweisen auf die Literatur). Bei geldwer ten Leistungen zwischen Schwestergesell- schaften fliesst der Vorteil an sich unmittelbar von einer Schwestergesellschaft zur anderen. Die an den Gesellschaften beteiligten Aktionäre sind mittelbar betroffen, indem der Wert der Beteili- gung an der leistenden Gesellschaft abnimmt, während si ch der Wert der empfangenden Ge- sellschaft entsprechend erhöht. Eine solche geldwerte L eistung zwischen Schwesterge- sellschaften fusst regelmässig auf dem gemeinsamen Beteilig ungsverhältnis, weshalb sich Zu- wendungen an Schwestergesellschaften als (verdeckte) Gewinnausschüttungen an die Aktionä- re einerseits und als (verdeckte) Kapitaleinlagen der Ak tionäre an die empfangende Gesell- schaft andererseits erweisen, d.h. es gilt die Dreieckstheo rie (BGE 138 II 57 E. 4.2 S. 61 f. mit Hinweisen) (vgl. BGE 2C_1023/2013 vom 8. Juli 2014 E. 3.4). Bei verdeckten Gewinnausschüttungen an nahestehende P ersonen besteht eine Beziehungskette Gesellschaft - Anteilsinhaber - Dritter. Die Leistung wird von der Gesellschaft an den Dritten erbracht, hat ihren Grund aber im Ver hältnis zwischen Anteilsinhaber und der Gesellschaft und im Nahestehendenverhältnis zwischen Antei lsinhaber und Drittem. Es stellt sich deshalb die Frage, wie die Leistung von der Gesellsch aft an den Dritten steuerlich zu er- fassen ist. Nach der Praxis der EStV wurde bis anhin grund sätzlich die Dreieckstheorie bei der direkten Bundessteuer und die Direktbegünstigungstheorie bei der Verrechnungssteuer und der Emissionsabgabe angewendet. Nach der Dreieckstheorie wird die verdeckte Gewinnausschü ttung an die nahe- stehende Person in die einzelnen Schritte zerlegt, näml ich (1) die Ausschüttung durch die Ge- sellschaft an den Anteilsinhaber und (2) die Weiterleitung der Leistung durch den Anteilsinhaber an den Dritten (vgl. Reto Heuberger, a.a.O., S. 310f.). c) Die verdeckten Gewinnausschüttungen bzw. geldwerten Lei stungen unterliegen der Gewinnsteuer der Kapitalgesellschaft, der Einkommen ssteuer beim Anteilsinhaber sowie der Verrechnungssteuer, die von Inländern zurückgeford ert werden kann. Die Terminologie ist in dem Sinne uneinheitlich, als dass das Bundesgericht e rsteren Anfang der 90-er Jahre zwar weitgehend aufgegeben hat, diesen aber verschiedentlich noch verwendet und auch das Recht der direkten Bundessteuer den Begriff der verdeckten Gewi nnausschüttung kennt (vgl. Reto Heuberger, Die verdeckte Gewinnausschüttung aus Sicht des Aktienrechts und des Gewinn- steuerrechts, Diss. Bern 2001, S. 2). Eine verdeckte Gewin nausschüttung findet in erster Linie statt, wenn die Unternehmung Privataufwand (Lebenshaltungskosten) des Anteilsinhabers usw. aus eigenen Mitteln deckt und diesen als geschäftlichen Au fwand verbucht oder wenn sie Ge- Seite 8 schäftsvermögen für Privatzwecke zur Verfügung stellt. Dazu gehört auch die Belastung von Aufwand dessen Empfänger und Leistungsgrund nicht bekann t sind. Die häufigste Form der verdeckten Gewinnausschüttung besteht darin, dass die Kapi talunternehmung aufgrund eines Rechtsgeschäfts (z.B. Arbeits-, Darlehens-, Mietvertrag usw.) an Anteilsinhaber oder naheste- hende Personen zulasten eines Aufwandkontos Leistungen erbringt (z.B. Lohn, Zins), welche im Verhältnis zu der von ihnen erbrachten Gegenleistung offensichtlich übersetzt sind. Das ist dann der Fall, wenn die Leistung der Kapitalunterneh mung höher ist als jene, die sie einem un- beteiligten Dritten in jedem Fall höchstens zugestanden hätte (maximales marktkonformes Ent- gelt) (vgl. Höhn/Waldburger, Steuerrecht Band 1, 9. Auflage, Bern/Stuttgart/Wien 2001, § 18 N 106). d) Geldwerte Vorteile bilden auch Zuwendungen der Gesellschaft an einen ihr na- hestehenden Dritten. Dabei wird ebenfalls aufgrund de s genannten Drittvergleichs untersucht, ob die zu beurteilende Leistung im Vergleich zu üblichem und marktgerechtem Geschäftsgeba- ren als derart ungewöhnlich einzustufen ist, dass sie (so) nicht erbracht worden wäre, wenn der Leistungsempfänger der Gesellschaft oder dem Anteilsinha ber nicht nahestehen würde (vgl. BGE 138 II 57, E. 2.3 mit weiteren Hinweisen). e) Im Bereich der geldwerten Leistungen gilt die Gr undregel, dass die Steuerbehör- de die Beweislast für steuerbegründende und -erhöhend e Tatsachen trägt, die steuerpflichtige Gesellschaft dagegen diejenige für all das, was die Ste uer aufhebt oder mindert. Der Behörde obliegt insbesondere der Nachweis dafür, dass die Gesellscha ft eine Leistung erbracht hat und dieser keine oder keine angemessene Gegenleistung gegenübersteht. Hat die Behörde ein sol- ches Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung darget an, so ist es Sache der steu- erpflichtigen Gesellschaft, die damit begründete Vermu tung zu entkräften. Gelingt ihr das nicht, trägt sie die Folgen der Beweislosigkeit. Das gilt insbe sondere dann, wenn sie Zahlungen leis- tet, die weder buchhalterisch erfasst noch belegt sind (zu m Ganzen vgl. BGE 2C_414/2012 vom 19. November 2012; vgl. auch Reich, Steuerrecht, 2. A. § 13 N 113ff.). 3. a) Im Jahre 2010 hat die A.____ AG der C.____ AG zwei Darlehen gewährt, wovon lediglich eines zurückbezahlt wurde. Die zweite Darlehen sforderung in Höhe von Fr. 194‘898.-- wurde nicht zurückgeführt und im Geschäftsabschluss 2011 um e inen Drittel wertberichtigt. Zu- dem wurde das Darlehen im Kollokationsplan der sich zwisch enzeitlich in Konkurs befindlichen C.____ AG aufgenommen. Während dem die Vertreterin der Rekurrentin ausführt, dass im Seite 9 Zeitpunkt der Darlehensgewährung die Bonität der C._ ___ AG gut gewesen und die Bilanz- struktur weder ungewöhnlich noch risikoreich und auch kein e Betreibungen gegen die Darle- hensnehmerin registriert gewesen seien und auch keine Üb erschuldung vorgelegen habe, stellt sich die Steuerverwaltung auf den Standpunkt, dass die C .____ AG (Darlehensnehmerin) im Zeitpunkt der Darlehensgewährung sanierungsbedürftig gewesen sei und gelangt unter Anwen- dung der Dreieckstheorie zum Schluss, dass im Umfang der Wertberichtigung eine geldwerte Leistung von der A.____ AG an die C.____ AG zu erblicken sei. b) Gemäss dem Revisionsbericht Nr. 2013-142E vom 14. Aug ust 2014 sowie den Handelsregisterauszügen war Herr G.____ im Jahre 2011 M ehrheitsaktionär und Verwaltungs- rat der A.____ AG (darlehensgebende Gesellschaft) sowie Geschäftsführer und Mitglied des Verwaltungsrates der B.____ AG und späteren C.____ AG (darlehensnehmende Gesellschaft). Hinsichtlich der Beurteilung des Kriteriums der „Leistu ng an einen Aktionär oder an eine nahestehende Person“ ist festzuhalten, dass sow ohl die Eigenschaft als „Aktionär“ als auch „Verwaltungsrat“ je für sich einen steuerlichen Ankn üpfungspunkt bilden. Aufgrund der praktisch personellen Identität in beiden Gesellschaften ist das Darlehen zwischen der A.____ AG und der C.____ AG als Darlehen zwischen Nahestehenden zu qualifizieren. c) Das Darlehen wird in Art. 312 des Bundesgesetzes be treffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 20. März 1911 (OR) definiert. Es statuiert die vertrags- typischen Verpflichtungen der Parteien: die Pflicht des Darleihers zur Übertragung des Eigen- tums an einer Summe Geldes zum zeitlich begrenzten Wert gebrauch und die daran anschlies- sende Rückerstattungspflicht des Borgers. Nach Art. 313 A bs. 2 OR sind Darlehen im kauf- männischen Verkehr auch ohne Verabredung zu verzinsen (vgl . BSK OR I - Schä- rer/Maurenbrecher, Art. 312 N 1). Sofern nun die vere inbarten Zinsen vertragsgemäss bezahlt und die ursprüngliche Schuld zurückbezahlt wird, stimmen Leistung und Gegenleistung überein. Wird aber die Darlehenssumme nicht zurückbezahlt, stimmen Leistung und Gegenleistung nicht mehr überein und es stellt sich die Frage, ob die Bonit ät des Schuldners resp. dessen Fähig- keit, das Darlehen zurückzuzahlen im Zeitpunkt der Darleh ensgewährung gegeben war oder nicht. Den Tatbeständen der verdeckten Gewinnausschüttung dur ch Bilanzierung eines Non-valeurs sind die Fälle gleichgestellt, in denen die Gesellschaft einem Aktionär ein Dar- lehen gewährt, das fiktiv (simuliert) ist oder mit dessen Uneinbringlichkeit von Anfang an ge- rechnet werden muss: Wenn eine vertragliche Rückerstattung spflicht fehlt oder wenn die Ge- sellschaft nicht mit der Rückerstattung des Darlehens rechn et, bilanziert sie eine fiktive Forde- Seite 10 rung und somit einen Nonvaleur (Reto Heuberger, a.a.O ., S. 284). Das zweite Kriterium „Miss- verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung“ ist aus fol genden Gründen ebenfalls zu beja- hen. Das Darlehen im Betrag von Fr. 191‘030.--, welches die A.____ AG der C.____ AG per 20. Dezember 2010 gewährt hatte, wurde nur ein Jahr späte r um rund einen Drittel wertberichtigt. Im Konkurs der Schuldnerin wurde die gesamte Darlehenss umme angemeldet und im Kollo- kationsplan in der dritten Klasse vollumfänglich zugelassen. Das Total der zugelassenen Forde- rungen im Konkurs der C.____ AG belief sich auf rund 4.2 Mio., wobei diese nicht resp. nur zu einem kleinen Teil befriedigt werden konnten. Damit ist das Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung aus dieser Darlehenskonstruktion unter Nahestehenden gegeben. 4. Schliesslich ist zu untersuchen, ob das Missverhältnis für die handelnden Organe im Zeitpunkt der Darlehensgewährung erkennbar war. Gemäss den Vorbringen der Vertreterin in der Einsprache ist das Darlehen zwischen dem 15. April u nd dem 8. Dezember 2010 aus ver- schiedenen Teilbeträgen entstanden, sei es durch Überweisung oder dadurch, dass die C.____ AG Verbindlichkeiten nicht beglichen hat und diese mit dem Darlehensvertrag vom 20. Dezem- ber 2010 umgeschuldet wurden. Verbindlichkeiten gegenü ber Nahestehenden werden in der Regel dann nicht fristgerecht beglichen, wenn die Mitt el zur Begleichung der Forderungen feh- len. Im Jahre 2009 hat die C.____ AG in ihrer Jahresre chnung einen Verlust von Fr. 82‘180.71 ausgewiesen. Ausserdem ist der Umsatz von rund Fr. 3,2 Mio. auf Fr. 2,2 Mio. gesunken, was untrüglich dafür spricht, dass sich die Zahlungsbereitschaft kontinuierlich verschlechtert hat. a) In der Praxis erfolgt vor der Gewährung eines Darle hens eine Bonitätsprüfung. So führte das Bundesgericht in seinem Urteil vom 21. F ebruar 2006 aus, zur Abklärung der Bo- nität muss sich das prüfende Emissionshaus ein präzises Bild üb er den Schuldner und die bei ihm zu erwartende wirtschaftliche Entwicklung verschaffen. Sodann soll die Bank Informationen von Dritten einholen und sich beim Schuldner über dessen vergangene, jetzige und künftige Situation ein Bild verschaffen (Karl Schweizer, a.a.O., S. 39). Die Bonität eines Schuldners ist eine Eigenschaft, welche sich aus dessen Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit ergibt. Der Boni- tätsbegriff umschreibt sowohl die Zahlungsfähigkeit u nd den Zahlungswillen, als auch die im Geschäftsleben positiv zu vertretenden charakterlichen Eig enschaften eines Schuldners bzw. seiner Organe (Karl Schweizer, a.a.O., S. 39) (vgl. B GE 4C.20/2005 vom 21. Februar 2006, E. 4.2.5). Auch hier wäre eine derartige Prüfung angestanden und wäre die Rückzahlungs- fähigkeit des Darlehensnehmers zu hinterfragen gewesen u nd hätten allenfalls Sicherheiten Seite 11 eingefordert werden müssen. Üblicherweise erfolgt eine Prüfung auch vor der Gewährung eines Darlehens und nicht erst danach. In diesem Fall entsta nd zuerst das Schuldverhältnis unter Nahestehenden, welches im Nachgang mit einem sehr rudimentären Darlehensvertrag vom 20. Dezember 2010 geregelt wurde. Diese Vorgehensweise ist zwar in solchen (Intercompany-) Verhältnissen, wie dem vorliegenden öfters anzutreffe n, entspricht jedoch nicht einer vorsichti- gen und üblichen Vorgehensweise bei einer klassischen Darl ehensgewährung. Aus heutiger Sicht erweist sich diese Vorgehensweise als schädlich. Gemäss dem Revisionsbericht der Steuerverwaltung Nr. 20 13-142E zeigt der Blick auf die Eigenkapitalsituation der C.____ AG, dass in den ersten Monaten des Jahres 2011 zusätzliche Debitorenverluste von rund Fr. 309‘000.-- ausg ebucht werden mussten, die per 31. Dezember 2010 nicht entsprechend berücksichtigt wurden. Mi t den sogenannten Delkredere- Rückstellungen werden Verlustrisiken für Forderungen des U mlaufvermögens berücksichtigt. Der Umfang der geschäftsmässig begründeten Wertberichtigu ng richtet sich nach dem Grad der Verlustwahrscheinlichkeit der einzelnen Forderung (vgl. Reich/Züger, in: Martin Zwei- fel/Peter Athanas [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen S teuerrecht I/2a, Art. 29 DBG N 32). Erweist es sich bereits in den ersten Monaten des Fol gejahres, dass bilanzierte Debitoren zu Verlusten führen und ist die alte Jahresrechnung noch nicht erstellt, so ist der Verlust im al- ten Jahr zu berücksichtigen, indem das Delkredere entspre chend angepasst wird. Ein Ermes- sensspielraum besteht hierbei nicht. Der Revisionsbericht hält im Weiteren auch fest, dass d ie Erhöhung der Bilanz- werte der Vorräte Fragen aufwerfe und aufgrund der Analyse der Jahresrechnung nicht schlüs- sig sei. Ein entsprechendes Inventar war nicht erhältl ich zu machen, womit die Erhöhung sei- tens der C.____ AG nicht belegt wurde. Damit kann dav on ausgegangen werden, dass die möglichen Wertansätze im Hinblick auf die dringend benöt igten neuen Kreditlimiten sehr gross- zügig festgelegt wurden, um per 31. Dezember 2010 in den Bereich eines positiven Jahreser- gebnisses zu gelangen. Zu Fragen Anlass geben auch die Verhältnisse um die H.____ AG. Gemäss dem Revisionsbericht ist sie als eine 100%-ige Tochtergesellscha ft der C.____ AG, der ehemals B.____ AG (unter Anhang „wesentliche Beteiligungen“ ) aufgeführt. Gemäss Kreditvertrag vom 2. März 2011 mit der F.____ AG ist die H.____ AG hingegen die alleinige Aktionärin der B.____ AG. Unklar ist, wie die Aktien übertragen worden sind u nd ob bei der Veräusserung eine Ent- schädigung geflossen ist. Nach Art. 659 Abs. 1 OR darf die Gesellschaft eigene Aktien nur dann erwerben, wenn frei verwendbares Eigenkapital in der Höhe der dafür benötigten Mittel vorhan- den sind und der gesamte Nennwert dieser Aktien 10 Pro zent des Aktienkapitals nicht über- Seite 12 steigt. Voraussetzung hierfür wäre dann eine korrekte Bew ertung der Aktiven und Passiven in der Obergesellschaft. Bezüglich der Liquidität ist festzuhalten, dass bei de r Beurteilung, ob eine Ge- sellschaft werthaltig ist nicht nur auf das buchmässig vorh andene Eigenkapital abgestellt wer- den kann. Gemäss dem Bericht des Wirtschaftsprüfers im An hang zur Jahresrechnung wird unter „Fortführung der Unternehmenstätigkeit“ festgehalten, die C.____ AG ehemals B.____ AG ist wegen des unbefriedigenden Geschäftsverlaufs im Beri chtsjahr (2010) in Liquiditätsschwie- rigkeiten geraten. Ihre Fähigkeit zur Unternehmensfo rtführung hängt davon ab, ob sie die Budgetziele erreicht und die damit zusammenhängenden ve rschärften Kreditbedingungen und die benötigten Mittel für die Refinanzierung der kurz fristigen Verbindlichkeiten sowie für die Fi- nanzierung der geplanten strategischen Neuausrichtung zur Verfügung gestellt bekommt. Der Verwaltungsrat hat sich mit den für die Jahresrechnung w esentlichen Risiken auseinanderge- setzt und - wo nötig - erforderliche Massnahmen beschlosse n. Namentlich überwacht der Ver- waltungsrat die angespannte Liquiditätssituation. b) Die Information, dass sich die C.____ AG demnach in einer angespannten finan- ziellen Situation befand, war aus der Jahresrechnung sowie dem Bericht des Wirtschaftsprüfers ersichtlich. Fraglich ist nun, welche Konsequenzen hierau s hinsichtlich der einzelnen Darle- hensverhältnisse zu ziehen sind. Im Darlehensvertrag mit der F.____ AG vom 2. März 2 011 wurden keine Sicher- heiten (Ziff. 8) bestellt. Für den Fall einer Übers chuldung wurde der Darlehensnehmerin eine Stundung eingeräumt sowie ein Rangrücktritt gewährt (Z iff. 12). Aus dieser Vereinbarung ist zu schliessen, dass sich sowohl der Verwaltungsrat (vgl. hierzu Anhang Jahresrechnung) als auch die F.____ AG wohl bewusst gewesen sein müssen, dass im Z eitpunkt der Darlehnsgewährung eine Überschuldung bereits existiert haben muss oder diese sicherlich aber gedroht hat und das Risiko eines allfälligen Konkurses gewiss als „erheblich“ einzustufen war. In den Darlehensverträgen mit der D.____ vom 15. A pril 2011 und der E.____ AG vom 4. Juli 2011 sind Sicherstellungen eingeräumt wo rden. Die E.____ AG hat sich die Ab- tretung sämtlicher Debitorenforderungen mittels Globalzession ausbedungen und im Vertrag mit der D.____ wurde vereinbart, dass die Sicherstellung se parat geregelt werde. Allerdings wur- den die Kreditausstände im Kollokationsplan nicht als pfandversichert aufgeführt. Möglicher- weise waren im Konkursfall keine Sicherheiten (Debitor enausfälle) mehr vorhanden oder die Sicherheit wurde nicht rechtsgenüglich bestellt. Beiden Kreditinstituten lag der Revisionsbericht zur Jahresrechnung vom 9. November 2011 zum Zeitpunkt de s Abschlusses der Darlehensver- träge nicht vor, obwohl die D.____ den Geschäftsabschlu ss bereits mit Schreiben vom 13. Mai 2011 eingefordert hat. Ebenso hat die F.____ AG mit Schreiben vom 27. Mai 2011 mit Bezug Seite 13 auf die Informationspflicht die Jahresrechnung 2010 sowi e weitere relevante Unterlagen ver- langt. Der Revisionsbericht zur Jahresrechnung verweist klar auf die gefährdete Unternehmens- fortführung und im Bericht des Wirtschaftsprüfers an den Verwaltungsrat wird festgehalten, dass darauf aufmerksam gemacht werde, dass eine wesentliche Unsicherheit an der Fähigkeit der B.____ AG zur Unternehmensfortführung bestehe. I m Weiteren bestehen, wie bereits aus- geführt, weitere Indizien dafür, dass die wirtschaftlich e Lage der Gesellschaft zu optimistisch dargestellt worden war. Ob die Kreditinstitute derart ige Darlehen in Kenntnis des Revisionsbe- richts zur Jahresrechnung gesprochen hätten kann hingegen offen bleiben. c) Der nun vorliegend strittige Darlehensvertrag zwische n der A.____ AG und der C.____ AG datiert vom 20. Dezember 2010 und ist somit n och vor allen anderen Darlehensver- trägen entstanden. Der Jahresrechnung der A.____ AG i st zu entnehmen, dass das gesamte Eigenkapital per 31. Dezember 2010 Fr. 153‘033.-- und das Zuwachskapital Fr. 53‘033.-- be- trug. Das Darlehen an Nahestehende belief sich inkl. der aufgelaufenen Zinsforderungen auf Fr. 194‘898.--. d) Damit stellt sich die Frage, ob es sich beim Darlehen zwischen der A.____ AG und der C.____ AG um eine Form von Einlagerückgewähr handelt. Wie bereits unter Ziff. 3b der Erwägungen festgehalten, war Herr G.____ im Jahre 20 11 Mehrheitsaktionär und Verwaltungs- rat der A.____ AG sowie Geschäftsführer und Mitglied des Verwaltungsrates der B.____ AG und späteren C.____ AG. Die beiden Gesellschaften sind aufgrund der engen personellen Ver- flechtung als Nahestehende zu qualifizieren. Gemäss Art. 680 Abs. 2 OR steht dem Aktionär das Rech t den eingezahlten Be- trag (Aktienkapital) zurückzufordern nicht zu. Abs. 2 schli esst nicht nur eigentliche Rückforde- rung durch den Aktionär aus. Die Norm ist nach klarer Lehre und Praxis vielmehr zweiseitig und verbietet der Gesellschaft zusätzlich aus dem geschützten Ges ellschaftsvermögen Leistungen an den Aktionär vorzunehmen. In den Anwendungsbereich di eses „Verbots der Einlagerückge- währ“ fallen dabei nicht nur eigentliche Ausschüttungen aus diesem Sperrvermögen, sondern ggf. auch andere Finanztransaktionen der Gesellschaft, die eine Kapitalrückgewähr herbeifüh- ren können, wie Darlehen an Aktionäre oder der Erwerb eigener Aktien. Gegen das Verbot der Einlagerückgewähr können nicht nur eigentliche Rückzahlung en oder sonstige Vermögensver- schiebungen an den Aktionär zu Lasten des Kapitals versto ssen, sondern auch gewisse Fi- nanztransaktionen, die indirekt eine solche Rückgewähr h erbeiführen. Dies kann in erster Linie bei Darlehen an Aktionäre der Fall sein, die weder durch die ungebundenen noch die anderwei- tig als durch Abs. 2 gebundenen Mittel der Gesellschaft u nd damit nur noch durch das gesperr- Seite 14 te Kapital gedeckt sind (vgl. BSK OR II - Kurer/Kurer, Art. 680 N 17ff.). Gemäss diesen Ausfüh- rungen ist die Gewährung eines derartigen Darlehens in jedem Fall unzulässig. Selbst bei aus- reichender Bonität des Schuldners hätte damit ein Darle hen an Nahestehende höchstens im Umfang des Zuwachskapitals von Fr. 53‘033.-- gewährt wer den dürfen. Damit entsteht bei die- sem Darlehen der Eindruck, dass es vor allem dafür gedien t hat die Chancen bei anderen Kre- ditinstituten für weitere dringend benötigte Darlehe n zu erhöhen. Die Aufrechnung der Ab- schreibung in Höhe von Fr. 64‘898.-- erfolgte unter An wendung der Dreieckstheorie zu Recht. Das Darlehen zwischen der A.____ AG und der C.____ AG h ält einem Drittvergleich unter kei- nen Umständen stand, musste die A.____ AG - der aufgrun d der personellen Verflechtung ein umfassendes Wissen über den Zustand der C.____ AG zugerechnet werden muss - mit grosser Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass mit einer Rückzahlun g des Darlehens nicht zu rech- nen war. e) Insgesamt ist somit festzuhalten, dass die Analyse der d iversen Aspekte auf- zeigt, dass sich der Verwaltungsrat der C.____ AG in eine r höchst kritischen Lage befand und damit das Missverhältnis für die handelnden Organe im Z eitpunkt der Darlehensgewährung erkennbar war, dass die Überschuldung der C.____ AG bere its per 31. Dezember 2010 drohte oder eingetreten war, dass eine Fortführung nur mögli ch war, wenn weitere Kreditgeber gefun- den werden konnten, dass der Verwaltungsrat und Aktionär der nahestehenden A.____ AG sich dieser Situation durchaus bewusst war und trotzdem zug elassen hat, dass sich das Darlehen im Jahre 2010 kontinuierlich aufgebaut hat, dass dabei d er Verwaltungsrat der A.____ AG die- ses Ausfallrisiko bewusst in Kauf genommen hat und dass di e Gewährung eines derartigen Darlehens gemäss den obligationenrechtlichen Bestimmunge n in Art. 680 Abs. 2 OR gar nicht zulässig war. Aus all diesen Erwägungen folgt, dass die Steuerverwaltu ng im Umfang der Wertberichtigung des Darlehens zu Recht eine geldwerte Leistung erblickt h at. Damit erweist sich der Rekurs als unbegründet und ist abzuweisen. 5. Gemäss dem Ausgang des Verfahrens sind der Rekurrentin Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- aufzuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezem- ber 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO]). Seite 15 Demgemäss w i r d e r k a n n t : ://: 1. Der Rekurs wird abgewiesen. 2. Die Rekurrentin hat gemäss § 130 StG i.V.m. § 20 VPO die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- (inkl. Auslagen von pauschal Fr. 10 0.--) zu bezahlen, welche mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss verrechnet werden. 3. Mitteilung an die Vertreterin, für sich und zhd. der Rekurrentin (2), die Gemeinde I.____ (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3).