B. Gerichtsentscheide 3431 120 niel Staehelin , [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über Schuld- betreibung und Konkurs, SchKG I, Basel/Genf/München 1998, N 9 und 14 zu Art. 74 SchKG ). Aus dem Gesagten ergibt sich, dass eine mündliche Erklärung gegenüber dem Postboten am auf die Zustellung des Zahlungsbefehls folgenden Tag nicht genügt. ABSch+K 12.02.2004 3431 Retentionsrecht . Ob ein Mietobjekt zu Wohn- oder Geschäftszwe- cken gemietet wurde und daher ein gesetzliches Pfandrecht an den beweglichen Sachen im Mietobjekt besteht oder nicht, ist eine Frage des materiellen Rechts. Das Betreibungsamt kann die Aufnahme ei- nes Retentionsverzeichnisses nur ablehnen, wenn das Retentions- recht offensichtlich nicht besteht. Aus den Erwägungen: 1. Art. 268 OR gewährt nur Vermietern von Geschäftsräumen ein Retentionsrecht an den beweglichen Sachen, die sich in den vermie- teten Räumen befinden. Art. 283 SchKG gibt den Vermietern das Recht, schon vor Anhebung der Betreibung ihre Interessen zu wahren und ein Verzeichnis mit Gegenständen, die der Retention unterliegen, erstellen zu lassen. Vorliegend hat sich das beschwerdebeklagte Be- treibungsamt geweigert, eine Retentionsurkunde aufzunehmen, da angeblich keine Geschäftsraumnutzung vorliege. Der Begriff des Geschäftsraumes wird vom Bundesgericht weit ausgelegt; insbesondere kommt es nicht notwendigerweise auf die Elemente des gewinnbringenden Tätigkeitszwecks oder der hauptbe- ruflichen Nutzung an ( Anton K. Schnyder/M. Andreas Wiede in Adrian Staehelin/Thomas Bauer/Daniel Staehelin [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, SchKG III, Ba- sel/Genf/München 1998, N 9 zu Art. 283 SchKG ). Ob ein Mietobjekt zu Wohn- oder Geschäftszwecken gemietet wurde und daher ein ge- setzliches Pfandrecht an den beweglichen Sachen im Mietobjekt be- steht oder nicht, ist eine Frage des materiellen Rechts . Das Betrei- B. Gerichtsentscheide 3431 121 bungsamt kann die Aufnahme eines Retentionsverzeichnisses nur ablehnen, wenn das Retentionsrecht offensichtlich nicht besteht ( Kurt Amonn/Fridolin Walther , Grundriss des Schuldbetreibungs- und Kon- kursrechts, 7. Auflage, Bern 2003, § 34 N 18; Anton K. Schnyder/M. Andreas Wiede, a.a.O., N 51 zu Art. 283 SchKG ). Das Betreibungs- amt kann lediglich darüber befinden, ob eine bewegliche Sache im Mietobjekt unpfändbar im Sinne von Art. 92 SchKG ist (vgl. Art. 268 Abs. 3 OR). Ist der Schuldner der Meinung, eine Forderung oder wie vorliegend ein Pfandrecht bestünden nicht, hat er gegen die Prose- quierungsbetreibung Rechtsvorschlag zu erheben, worauf der Vermie- ter ein Rechtsöffnungsbegehren (Art. 82 SchKG) oder Klage auf An- erkennung der Forderung oder des Pfandrechts (Art. 79 SchKG) ein- reichen kann. Bei behauptetem Dritteigentum ist das Widerspruchs- verfahren anzuheben (Art. 106 ff. SchKG). Im vorliegenden Fall ist das Betreibungsamt H. zu Unrecht von einer blossen Wohnnutzung der Liegenschaft X. in W. ausgegangen. Wohl trifft es zu, dass im Mietvertrag vom 14. April 2003 von einer Geschäftstätigkeit nicht die Rede ist. Darauf, dass die Mieter im Miet- objekt auch geschäftliche Aktivitäten entfalten wollten, deuten jedoch ihre verschiedenen, schriftlichen Rügen betreffend des fehlenden ADSL-Anschlusses und dessen angebliche Bedeutung für die Tätig- keit des Mieters A. als Anlageberater hin. Kommt hinzu, dass der Gebrauch eines Raumes (oder von Teilen davon) zu Geschäftszwe- cken auch stillschweigend oder aufgrund konkludenten Verhaltens, zum Beispiel aufgrund der vom Vermieter wissentlich geduldeten Ge- schäftsraumnutzung, vereinbart werden kann ( Peter Higi , Zürcher Kommentar, N 19 und 25 zu Art. 253a-253b OR ). Unter diesen Umständen kann indessen weder von einem rechts- missbräuchlichen Retentionsbegehren gesprochen werden, noch liegt eine Situation vor, in der ein Retentionsrecht überhaupt nicht zur Dis- kussion steht ( Anton K. Schnyder/M. Andreas Wiede , a.a.O., N 51 zu Art. 283 SchKG mit Hinweisen ) und das Betreibungsamt hätte die nachgesuchte Handlung nicht ablehnen dürfen. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und die Rückweisungsverfügung des Betrei- bungsamtes vom 2. März 2004 aufzuheben. Zudem ist das Betrei- bungsamt anzuweisen, das Retentionsverzeichnis aufzunehmen und die Retentionsurkunde auszustellen. 2. Nur nebenbei bemerkt sei, dass es sich bei der Retention - wie beim Arrest - um eine sichernde Massnahme handelt und weder eine B. Gerichtsentscheide 3432 122 Notifikation des Schuldners gemäss Art. 90 SchKG noch seine Anwe- senheit beim Vollzug nötig ist. Im Gegenteil ist eine Anzeige an den Schuldner geeignet, den Erfolg des Retentionsverfahrens zu vereiteln (Kurt Amonn/Fridolin Walther , a.a.O., § 34 N 24; Anton K. Schny- der/M. Andreas Wiede, a.a.O., N 59 zu Art. 283 SchKG ). Der Betrei- bungsbeamte hätte den Augenschein am 20. Februar 2004 also wie geplant durchführen sollen. Wenn er dies nicht allein in Anwesenheit der minderjährigen Tochter der Mieter tun wollte, hätte er die Rück- kehr der Eltern abwarten resp. die Hilfe der Polizei oder einer andern Behörde in Anspruch nehmen müssen. ABSch+K 20.04.2004 2.5 Strafprozess 3432 Beweiswürdigung . Der geltend gemachte Nachtrunk lässt sich auf- grund des Gutachtens sowohl grundsätzlich als auch mit Bezug auf die angeblich konsumierte Art des Alkohols (Whisky) ausschliessen. Aus den Erwägungen: 1. a) Nach dem prozessualen Grundsatz der freien Beweiswürdi- gung (Art. 25 und Art. 166 Abs. 1 StPO) hat der Richter aufgrund sei- ner freien, aus dem gesamten Verfahren geschöpften Überzeugung zu entscheiden. Der blosse Verdacht oder die blosse Wahrscheinlich- keit, dass die eines Deliktes angeklagte Person eine strafbare Hand- lung begangen haben könnte, genügt für eine Verurteilung nicht. Auf der andern Seite darf der Richter nicht erst dann eine bestimmte Tat- sache als erwiesen betrachten, wenn jede, auch theoretisch noch so entfernte Möglichkeit, dass der Sachverhalt sich anders zugetragen haben könnte, ausgeschlossen ist. Notwendig für die Überzeugungs- bildung ist das Urteil eines besonnenen und lebenserfahrenen Beob- achters, das vernünftige Zweifel auszuschliessen vermag. Eine Verur- teilung muss in objektiver Sicht auf einem ausreichenden Schuldbe-