A bteilung V E -1010/2007 stw /kae {T 0/2} U rteil vom 21. M ärz 2007 M itw irkung: R ichter Stöckli, R ichter D ubey, R ichterin Kojic G erichtsschreiberin Karpathakis A._______, Afghanistan, vertreten durch B._______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 2. Februar 2007 i.S. N ichteintreten auf A sylgesuch und W egw ei- sung B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest, dass der Beschw erdeführer, ein Angehöriger der Ethnie der H azara aus dem D orf C ._______ (D istrikt Jaghori, Provinz G hazni), eigenen Angaben zufolge Afghanistan am 17. April 2006 letztm als verlassen habe, über den Iran, die Türkei und G riechenland nach R om gelangt, und von dort m it dem Zug am 24. D ezem ber 2006 in die Schw eiz eingereist sei, w o er am selben Tag im Em pfangszentrum - und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nachsuchte, dass der Beschw erdeführer dort am 23. Januar 2007 sum m arisch zum R eisew eg und den Ausreisegründen befragt w urde und das BFM ihn am 29. Januar 2007 direkt an- hörte, dass der Beschw erdeführer im W esentlichen geltend m achte, sein Vater habe in Afgha- nistan m it verschiedenen G ruppierungen zu tun gehabt und eines abends - er selbst sei dam als acht Jahre alt gew esen - seien m ehrere Personen zu ihnen nach H ause gekom - m en und m an habe seinen Vater und fünf w eitere Personen erschossen, dass er nach dem Tode seines Vaters eine W eile als H irte gearbeitet habe, seine M utter später w ieder geheiratet habe und er im Jahre 2000 in Begleitung eines M annes, als dessen Sohn er sich ausgegeben habe, in den Iran gegangen sei, dass er in D ._______ bis im Jahre 2005 in einem Steinbruch tätig gew esen sei und von seinem Lohn habe leben können, dass er im D ezem ber des Jahres 2005 von den iranischen Behörden nach Afghanistan ausgeschafft w orden sei, w o er sich bis zu seiner Ausreise bei einer Tante väterlicher- seits in E._______ aufgehalten habe, dass er zw ar einen Bruder habe, diesen aber bei der Tante nicht gefunden habe und er nicht w isse, w o er sich aufhalte, dass seine Tante ihn schlecht behandelt habe, dass zw ar auch seine M utter noch im Bezirk Jaghori lebe, er jedoch nicht bei ihrer neu- en Fam ilie leben könne, da sein Stiefvater ihn nicht akzeptiere, dass das BFM auf das Asylgesuch des Beschw erdeführers m it Verfügung vom 2. Febru- ar 2007 - eröffnet am selben Tag - gestützt auf Art. 32 Abs. 1 AsylG nicht eintrat und die W egw eisung aus der Schw eiz sow ie deren Vollzug anordnete, dass das BFM zur Begründung ausführte, der Beschw erdeführer habe vorgebracht, sei- nen H eim atstaat verlassen zu haben, w eil er dort w eder über ein Beziehungsnetz noch über G rundeigentum verfüge, dass er dem gegenüber keinerlei Verfolgungsvorbringen im Sinne von Art. 3 AsylG oder Art. 3 EM R K deponiert und dem nach die Schw eiz nicht um Schutz vor Verfolgung er- sucht habe, dass das BFM hinsichtlich des Vollzugs der W egw eisung ausführte, selbst unter Berück- sichtigung der gegenw ärtigen Lage in Afghanistan erw eise sich ein solcher grundsätz- lich als zum utbar,3 dass es sich dabei auf ein U rteil der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) vom 24. Januar 2006 beruft, w onach von einer grundsätzlichen Zum utbarkeit des Vollzugs der W egw eisung in jene R egionen Afghanistans auszugehen sei, in w elchen seit dem Jahre 2004 keine bedeutenden m ilitärischen Aktivitäten m ehr bekannt gew orden seien, w as für das H erkunftsgebiet des Beschw erdeführers, das H azarajat, gelte, dass im Ü brigen die Angaben des Beschw erdeführers zu seinem Beziehungsnetz in Af- ghanistan realitätsfrem d und deshalb nicht glaubhaft seien, dass schliesslich der Beschw erdeführer seiner M itw irkungs- und W ahrheitspflicht im R ahm en der Sachverhaltserm ittlung offensichtlich nicht nachgekom m en sei, w eshalb aufgrund der Aktenlage davon auszugehen sei, ein Vollzug der W egw eisung erw eise sich als zum utbar, dass der Beschw erdeführer m it Beschw erde vom 7. Februar 2007 an das Bundesver- w altungsgericht gelangte und beantragen liess, die Verfügung des BFM vom 2. Februar 2007 sei, sow eit sie den Vollzug der W egw eisung betreffe, aufzuheben, es sei die U nzu- lässigkeit oder U nzum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs festzustellen und stattdessen sei die vorläufige Aufnahm e anzuordnen, dass er in prozessualer H insicht die G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege bean- tragen liess, dass er zur Begründung im W esentlichen geltend m achte, ein Vollzug der W egw eisung in den H azarajat erw eise sich angesichts seiner fam iliären Situation und der allgem ei- nen Sicherheitslage dort als unzum utbar, dass auf w eitere Einzelheiten in der Begründung, sow eit für einen Entscheid w esentlich, in den Erw ägungen einzugehen ist, dass das Bundesverw altungsgericht m it Zw ischenverfügung vom 9. Februar 2007 unter anderem das G esuch des Beschw erdeführers um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG guthiess und die Vorinstanz gleichzeitig zum Schriftenw echsel im Sinne von Art. 57 Abs. 1 Vw VG einlud, dass sich das BFM am 15. Februar 2007 insow eit vernehm en liess als es an seinem Standpunkt festhielt und die Abw eisung der Beschw erde beantragte, dass das Bundesverw altungsgericht dem Beschw erdeführer m it Schreiben vom 28. Fe- bruar 2007 die Vernehm lassung der Vorinstanz zur Kenntnis gab, und zieht in Erw ägung, dass das Bundesverw altungsgericht endgültig über Beschw erden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verw altungsverfahren vom 20. D ezem ber 1968 [Vw VG , SR 172.021]) des BFM entscheidet (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG , SR 142.31] i.V.m . Art. 31 - 34 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32] und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]),4 dass der Beschw erdeführer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenom m en hat, durch die angefochtene Verfügung berührt ist, ein schutzw ürdiges Interesse an deren Aufhe- bung beziehungsw eise Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschw erde legiti- m iert ist (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 Vw VG ), dass som it auf seine frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde einzutreten ist (Art. 108a AsylG , Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 52 Vw VG ), dass m it Beschw erde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollstän- dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essenheit gerügt w erden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG ), dass sich die Beschw erde - entsprechend den R echtsbegehren und deren Begründung - nur gegen den angeordneten Vollzug der von der Vorinstanz verfügten W egw eisung richtet, und die Verfügung des Bundesam tes vom 2. Februar 2007, sow eit sie die Frage des N ichteintretens auf das Asylgesuch und die W egw eisung beschlägt, in R echtskraft erw achsen ist (D ispositivziffer 1und 2), dass G egenstand des vorliegenden Verfahrens lediglich die Frage bildet, ob die W eg- w eisung zu vollziehen oder ob an Stelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahm e anzu- ordnen ist, dass das G ericht die angefochtene Verfügung diesbezüglich in voller Kognition prüft, sind diese Punkte doch von der Vorinstanz m ateriell geprüft w orden, dass das Bundesam t, ist der Vollzug nicht zulässig, nicht zum utbar oder nicht m öglich, das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern regelt (Art. 44 Abs. 2 AsylG ), dass die AR K festgehalten hat, die vier Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der W egw eisung seien alternativer N atur und sobald eine von ihnen erfüllt sei, sei der Vollzug der W egw eisung als undurchführbar zu betrachten und die w eitere Anw esenheit in der Schw eiz gem äss den Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e zu regeln (so in EM AR K 2001 N r. 1, E. 6a), dass sich diese R echtsprechung auch heute noch als zutreffend erw eist (w obei es sich heute infolge der aufgehobenen N otlagebestim m ungen nur noch um drei Bedingungen handelt), dass dem w eggew iesenen Asylsuchenden gegen eine allfällige Aufhebung der vorläu- figen Aufnahm e w iederum die Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht offensteht (Art. 105 Abs. 1 AsylG i.V.m . Art. 44 Abs. 2 AsylG ), dass aus hum anitären G ründen auf den Vollzug der W egw eisung verzichtet w ird, w enn die R ückkehr in den H eim atstaat für die betroffene Person eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]), dass das G ericht nach einer D urchsicht der Befragungsprotokolle nicht erkennen kann, inw iefern der Beschw erdeführer seiner M itw irkungs- und W ahrheitspflicht im R ahm en der Sachverhaltserm ittlung offensichtlich nicht nachgekom m en sein soll, dass eine solche D urchsicht vielm ehr ergibt, dass die Vorinstanz den Sachverhalt nur rudim entär abgeklärt hat,5 dass zudem die Argum ente der Vorinstanz, w eshalb die Angaben des Beschw erdefüh- rers zu seinem Beziehungsnetz und zu seinem H erkunftsort unglaubhaft seien, nicht überzeugen, dass schliesslich sogar das BFM , obw ohl es, w ie erw ähnt, an der geltend gem achten H erkunft zw eifelt, einen W egw eisungsvollzug in den H azarajat geprüft hat, und für das G ericht kein Anlass besteht, etw as anderes zu tun, dass das Bundesam t aus dem U rteil der AR K vom 24. Januar 2006 (Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 2006 N r. 9) zu U nrecht schliesst, ein Vollzug der W egw eisung in den H azarajat erw eise sich als grund- sätzlich zum utbar, w eil dort seit dem Jahre 2004 keine bedeutenden m ilitärischen Aktivi- täten m ehr zu verzeichnen seien, dass näm lich die erw ähnte R echtsprechung vielm ehr den H azarajat gerade ausnim m t von jenen R egionen, in w elche sie einen Vollzug der W egw eisung als zum utbar erach- tet, w enn dort seit dem Jahre 2004 keine bedeutenden m ilitärischen Aktivitäten m ehr zu verzeichnen w aren und die strikten, in EM AR K 2003 N r. 10 aufgezeichneten, Kriterien in Bezug auf ein soziales und w irtschaftliches N etz erfüllt sind (EM AR K 2006 N r. 9, E. 7.8, unter Verw eis auf EM AR K 2003 N r. 30, E. 6 und 7a), dass das Bundesverw altungsgericht im heutigen Zeitpunkt keinen Anlass sieht, in Bezug auf den H azarajat eine andere Lagebeurteilung vorzunehm en als dies die AR K in ihren U rteilen getan hat, dass überdies eine solche in Bezug auf den südlichen H azarajat w enn anders, dann un- günstiger ausfallen w ürde, verschlechtert sich doch die dortige Lage laut dem G ericht zur Verfügung stehenden Q uellen in jüngster Zeit zusehends, dass dies insbesondere in Bezug auf den H erkunftsort des Beschw erdeführers (Provinz G hazni, D istrikt Jaghori) gelten soll, w o die Zentralregierung einen ehem aligen Kriegs- verbrecher als lokalen G ouverneur eingesetzt hat, w elcher seinerseits die Schlüsselstel- len m it seinen G efolgsleuten besetzt hat, dass die Akten keine Schlüsse darauf zulassen, der Beschw erdeführer verfüge in einer R egion Afghanistans, w ohin ein W egw eisungsvollzug im Sinne von EM AR K 2006 N r. 9 grundsätzlich zum utbar w äre, über ein den strengen Anforderungen von EM AR K 2003 N r. 10 genügendes soziales und w irtschaftliches Beziehungsnetz, dass jedenfalls sein blosser H inw eis, ein O nkel lebe in M azar-i-Sharif zu dieser Annah- m e nicht gereicht, dass sich, in W ürdigung säm tlicher U m stände des vorliegenden Einzelfalles, ein W eg- w eisungsvollzug nach Afghanistan im heutigen Zeitpunkt als unzum utbar erw eist, w eil befürchtet w erden m uss, dass der Beschw erdeführer an einem innerstaatlichen Zu- fluchtsort in eine existenzgefährdende Situation geraten w ürde, dass die Akten auch keine H inw eise auf Ausschlussgründe im Sinne von Art. 14a Abs. 6 AN AG enthalten (so die noch im m er zutreffende R echtsprechung der AR K in EM AR K 2004 N r. 39) und som it die privaten Interessen des Beschw erdeführers an einem vorläu- figen Verbleib in der Schw eiz und die dam it zusam m enhängenden hum anitären Aspekte gegenüber dem öffentlichen Intresse am Vollzug der W egw eisung überw iegen,6 dass sich m it diesem Ergebnis die Prüfung der Zulässigkeit und M öglichkeit des W eg- w eisungsvollzugs erübrigt, dass die Beschw erde nach dem G esagten gutzuheissen, die Verfügung im U m fang ihrer Anfechtung sich als unangem essen erw eist und aufzuheben und das Bundesam t anzu- w eisen ist, den Beschw erdeführer gestützt auf Art. 14a Abs. 4 AN AG vorläufig aufzu- nehm en, dass bei diesem Verfahrensausgang keine Kosten aufzuerlegen sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG ), dass dem Beschw erdeführer eine Parteientschädigung für die notw endigen und verhält- nism ässig hohen Kosten im Sinne des G esetzes auszurichten ist (Art. 64 Abs. 1 Vw VG i.V.m . Art. 7 ff. des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]), dass die R echtsvertreterin auf Einreichung einer Kostennote (vgl. Art. 8 Abs. 1 Vw VG ) verzichtet hat, und die Parteientschädigung diesfalls, nam entlich w enn der Aufw and ab- schätzbar ist, von Am tes w egen und nach Erm essen festgesetzt w ird (vgl. Art. 8 Abs. 1 Vw VG ), dass in Erm angelung der Kostennote ein Stundenansatz von Fr. 100.--, w ie er gem äss AR K-Praxis (EM AR K M itteilungen 2000/1) galt und von dem in Art. 10 Abs. 2 VG KE ge- setzten R ahm en abgedeckt ist, angenom m en w ird, dass der Zeitaufw and auf vier Stunden geschätzt w ird und das BFM m ithin anzuw eisen ist, dem Beschw erdeführer den Betrag von Fr. 400.-- (inkl. allfälliger Barauslagen und M W St-Anteil) zu entrichten. (D ispositiv nächste Seite)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D as BFM w ird angew iesen, den Beschw erdeführer vorläufig aufzunehm en. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. D as BFM w ird verpflichtet, dem Beschw erdeführer für das Verfahren vor dem Bun- desverw altungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 400.-- zu entrichten. 5. D ieses U rteil geht an: - die R echtsvertreterin des Beschw erdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef._______) und unter H inw eis auf Ziffer 2 und 4 des D ispositivs - _______ des Kantons _______ D er Instruktionsrichter: D ie G erichtsschreiberin: W alter Stöckli Esther Karpathakis Versand am :