<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 55 S.227</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">227</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>55 Pferdehaltung in einer Wohnzone (Zonenkonformität; Geruchs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>belastungsproblematik).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die hobbymässige Haltung von maximal einem Grosspferd und zwei</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Kleinpferden ist in einer Wohnzone grundsätzlich bewilligungsfähig</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Bestätigung der Rechtsprechung; Erw. 2/d).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Mindestabstandsvorschriften nach Massgabe der FAT-Empfeh-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lungen (Ziff. 512 Abs. 1 des Anhangs 2 i.V.m. Art. 3 Abs. 2 lit. a LRV)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sind unterhalb einer Geruchsbelastung von 4 GB nicht anwendbar;</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Anlehnung an die allgemeinen Abstandsvorschriften (Erw. 3/a,b). Ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nügen eines Grenzabstands von 2 m, wenn zusätzlich nach Massgabe</b></span><br/> <span class="ft2"><b>des Vorsorgeprinzips (Art. 1 Abs. 2 und Art. 11 Abs. 2 USG) die er-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>forderlichen emissionsbegrenzenden Massnahmen getroffen werden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 3/c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 6. November 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen Z. und Mitb. gegen Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Die Beschwerdegegner wollen im südöstlichen Teil der Par-</span><br/> <span class="ft1">zelle Nr. 175 einen Offenfrontstall für 1 Grosspferd und 2 Klein-</span><br/> <span class="ft1">pferde errichten. Die Grundfläche beträgt 24 m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">(8 m x 3 m), die</span><br/> <span class="ft1">Höhe des Pultdachs 2.4 bis 3 m. Die offene Stallseite ist gegen Nor-</span><br/> <span class="ft1">den, d.h. auf die Kantonsstrasse K386 (Wohlenschwilerstrasse) hin,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">228</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ausgerichtet. Der anfallende Mist soll in einer südöstlich neben dem</span><br/> <span class="ft1">Stall auf den Boden gestellten geschlossenen Deckelmulde gesam-</span><br/> <span class="ft1">melt werden. Zum Bauprojekt gehört ferner ein Auslauf (rund</span><br/> <span class="ft1">370 m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span><span class="ft1">) mit einer 1.8 m hohen Umzäunung.</span><br/> <span class="ft1">2. a) Die Parzelle Nr. 175 liegt in der Wohnzone 2 (W2) gemäss</span><br/> <span class="ft1">dem Bauzonenplan der Gemeinde Tägerig vom 19. November 1998 /</span><br/> <span class="ft1">5. Mai 1999. Die Wohnzonen bezwecken ein ruhiges, gesundes</span><br/> <span class="ft1">Wohnen in einer ansprechenden Umgebung; stille Gewerbe, Betriebe</span><br/> <span class="ft1">und Einrichtungen, die den Wohncharakter der Zone nicht beein-</span><br/> <span class="ft1">trächtigen, sind zugelassen (§ 9 Abs. 1 der Bau- und Nutzungsord-</span><br/> <span class="ft1">nung der Gemeinde Tägerig [BNO] vom 23. Juni / 2. Dezember</span><br/> <span class="ft1">1997).</span><br/> <span class="ft1">Der Gemeinderat und das Baudepartement haben die Zonen-</span><br/> <span class="ft1">konformität des Bauvorhabens bejaht. Die Beschwerdeführer wen-</span><br/> <span class="ft1">den dagegen ein, es sei geplant, im fraglichen Stall auch Pferde von</span><br/> <span class="ft1">Dritten zu halten, und dies sei mit dem ausschliesslichen</span><br/> <span class="ft1">Wohncharakter der Zone nicht vereinbar. Abgesehen davon sei ein</span><br/> <span class="ft1">Pferdebetrieb wegen der von den Pferden ausgehenden Lärmimmis-</span><br/> <span class="ft1">sionen (Schnauben, Huftritte gegen die Wände usw.) ohnehin nie</span><br/> <span class="ft1">"still" im Sinne von § 9 Abs. 1 BNO, und zwar namentlich deshalb,</span><br/> <span class="ft1">weil die erwähnten lautstarken Geräusche nicht nur tagsüber, sondern</span><br/> <span class="ft1">während 24 Stunden pro Tag aufträten. Aus der Tatsache, dass es im</span><br/> <span class="ft1">Dorf Tägerig noch vereinzelte Bauernhöfe gebe, dürften keine</span><br/> <span class="ft1">anderen Schlüsse gezogen werden.</span><br/> <span class="ft1">b) (Abgrenzung zwischen dem Immissionsschutzrecht des Bun-</span><br/> <span class="ft1">des und den kantonalen bzw. kommunalen Bau- und Nutzungsvor-</span><br/> <span class="ft1">schriften [siehe BGE 118 Ia 114 f.; 118 Ib 595; AGVE 1998,</span><br/> <span class="ft1">S. 317 f. mit Hinweisen])</span><br/> <span class="ft1">c) (Bedeutung der Gemeindeautonomie [siehe AGVE 2001,</span><br/> <span class="ft1">S. 299 f. mit Hinweisen])</span><br/> <span class="ft1">d) aa) Das Verwaltungsgericht betrachtet die hobbymässige</span><br/> <span class="ft1">Haltung von Pferden in einer reinen Wohnzone, in der bloss stille,</span><br/> <span class="ft1">keinerlei Belästigung verursachende Gewerbe gestattet sind, als</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich zonenkonform. Anderseits hat es aber auch darauf</span><br/> <span class="ft1">hingewiesen, dass die Pferdehaltung in Wohnquartieren in quantitati-</span><br/> <span class="ft1">ver Hinsicht irgendwo eine Grenze haben müsse. Es sei gerichtsnoto-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">229</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">risch, dass zwar die mit der Pferdehaltung verbundenen Immissionen</span><br/> <span class="ft1">in der Regel nicht gravierend seien, dass es aber doch ein Lärm-, ein</span><br/> <span class="ft1">Geruchs- und (namentlich im Sommer und Herbst) ein Parasitenpro-</span><br/> <span class="ft1">blem (Fliegenplage) geben könne. Hinsichtlich der Limitierung sei</span><br/> <span class="ft1">der dem Gemeinderat im Rahmen der Gemeindeautonomie zuste-</span><br/> <span class="ft1">hende Ermessensspielraum zu respektieren. In diesem Sinne hat das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht den Entscheid eines Gemeinderats, die Haltung</span><br/> <span class="ft1">von vier Pferden in einer Wohnzone zu verbieten und nur deren zwei</span><br/> <span class="ft1">zuzulassen, geschützt (siehe zum Ganzen: AGVE 1988, S. 369 ff. mit</span><br/> <span class="ft1">Hinweisen; VGE III/84 vom 30. Oktober 1996 [BE.1995.00154] in</span><br/> <span class="ft1">Sachen E. AG, S. 12).</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Beschwerdeführer machen wie erwähnt geltend, dass es</span><br/> <span class="ft1">im vorliegenden Fall nicht bloss um eine hobbymässige Pferdehal-</span><br/> <span class="ft1">tung gehe. Indessen hat der Gemeinderat die Pferdehaltung aus-</span><br/> <span class="ft1">drücklich nur zu Liebhaberzwecken erlaubt und einen "Asylbetrieb"</span><br/> <span class="ft1">- worunter die entgeltliche Haltung von Pensionspferden verstanden</span><br/> <span class="ft1">wird - verboten (Ziff. 9.2 des Baubewilligungsentscheids vom</span><br/> <span class="ft1">29. Januar 2001). Die Beschwerdegegner haben denn auch die</span><br/> <span class="ft1">erklärte Absicht, den geplanten Pferdestall in allererster Linie für ihre</span><br/> <span class="ft1">eigenen Tiere zu verwenden; selbst wenn bei Gelegenheit im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen von Freundschaftsdiensten ein Pferd eingestellt würde, das</span><br/> <span class="ft1">Dritten gehört, vermöchte dies am Hobbycharakter der Pferdehaltung</span><br/> <span class="ft1">nichts zu ändern (siehe BGE 101 Ia 205 ff.). Im Übrigen ist durch die</span><br/> <span class="ft1">vom Gemeinderat gemachten Auflagen abgesichert, dass der Bestand</span><br/> <span class="ft1">von maximal einem Grosspferd und zwei Kleinpferden ohne entspre-</span><br/> <span class="ft1">chende Baubewilligung nicht erhöht wird (Ziff. 9.1 des Baubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungsentscheids vom 29. Januar 2001).</span><br/> <span class="ft1">cc) Der Gemeinderat hat dem Verwaltungsgericht aufforde-</span><br/> <span class="ft1">rungsgemäss eine Zusammenstellung eingereicht, aus der ersichtlich</span><br/> <span class="ft1">ist, was für hobbymässige Tierhaltungen unter dem geltenden und</span><br/> <span class="ft1">dem früheren kommunalen Recht in den Wohnzonen bewilligt oder</span><br/> <span class="ft1">abgelehnt worden sind. Die betreffende Liste ist nun freilich von</span><br/> <span class="ft1">beschränktem Aussagewert. Einmal sind die namhaft gemachten</span><br/> <span class="ft1">sieben Fälle rein rechtlich allesamt unter dem Regime der bis zum</span><br/> <span class="ft1">21. September 1992 in Kraft stehenden Bau- und Zonenordnung vom</span><br/> <span class="ft1">29. Juni 1973 - die "Vorvorgängerin" der heute geltenden BNO -</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">230</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">abgewandelt worden. Sodann beziehen sich nur zwei Fälle auf ei-</span><br/> <span class="ft1">gentliche Wohnzonen; die übrigen Bauvorhaben waren in der grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich weniger immissionsempfindlichen Dorfzone geplant (§ 45</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 der Bauordnung vom 8. Juni 1989 / 22. September 1992).</span><br/> <span class="ft1">Schliesslich hat kein einziger der Präzedenzfälle mit Pferdehaltung</span><br/> <span class="ft1">zu tun. Auf eine gemeinderätliche Praxis können sich die rechtsan-</span><br/> <span class="ft1">wendenden Behörden im vorliegenden Fall somit nicht abstützen. So</span><br/> <span class="ft1">oder so liegen ein Grosspferd und zwei Kleinpferde mit Sicherheit</span><br/> <span class="ft1">im Rahmen dessen, was der Gemeinderat unter Berücksichtigung des</span><br/> <span class="ft1">ihm zustehenden Beurteilungsspielraums (vorne, Erw. c und d/aa)</span><br/> <span class="ft1">unter dem Titel der hobbymässigen Pferdehaltung in Wohnzonen</span><br/> <span class="ft1">bewilligen darf. Ein "ruhiges, gesundes Wohnen", wie dies § 9 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">BNO voraussetzt, ist unter solchen Randbedingungen ohne Weiteres</span><br/> <span class="ft1">noch möglich. Selbstverständlich muss mittels griffiger Auflagen</span><br/> <span class="ft1">bestmögliche Vorsorge dafür getroffen werden, dass die mit der Pfer-</span><br/> <span class="ft1">dehaltung unbestreitbar verbundenen Immissionen in Grenzen ge-</span><br/> <span class="ft1">halten werden (siehe dazu hinten, Erw. 3/c/bb/bbb).</span><br/> <span class="ft1">e) Als Zwischenergebnis ist somit festzuhalten, dass der ge-</span><br/> <span class="ft1">plante Pferdestall unter dem in der Baubewilligung vom 29. Januar</span><br/> <span class="ft1">2001 mit Auflagen abgesicherten Vorbehalt der ausschliesslich hob-</span><br/> <span class="ft1">bymässigen Tierhaltung in der Zone W2 eine zonenkonforme Baute</span><br/> <span class="ft1">darstellt.</span><br/> <span class="ft1">3. Die Beschwerdeführer beanstanden die Abstände des Pfer-</span><br/> <span class="ft1">destalls wegen der Immissionssituation als unzulänglich.</span><br/> <span class="ft1">a) Gemäss Art. 3 Abs. 1 LRV müssen neue stationäre Anlagen</span><br/> <span class="ft1">so ausgerüstet und betrieben werden, dass sie die im Anhang 1 fest-</span><br/> <span class="ft1">gelegten Emissionsbegrenzungen einhalten. Ergänzende oder abwei-</span><br/> <span class="ft1">chende Anforderungen gelten sodann u.a. für Anlagen nach Anhang</span><br/> <span class="ft1">2, zu denen auch die Tierhaltungsbetriebe gehören (Art. 3 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">lit. a LRV). Ziffer 512 dieses Anhangs schreibt in Abs. 1 vor, dass die</span><br/> <span class="ft1">nach den anerkannten Regeln der Tierhaltung erforderlichen</span><br/> <span class="ft1">Mindestabstände zu bewohnten Zonen einzuhalten sind; als solche</span><br/> <span class="ft1">gelten insbesondere die Empfehlungen der FAT. Die Mindestab-</span><br/> <span class="ft1">stände dürfen unterschritten werden, wenn die geruchsintensive</span><br/> <span class="ft1">Abluft gereinigt wird (Abs. 2). Weiter sind Emissionen, für welche</span><br/> <span class="ft1">die LRV keine Emissionsbegrenzung festlegt oder eine bestimmte</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">231</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Begrenzung als nicht anwendbar erklärt, von der Behörde vorsorg-</span><br/> <span class="ft1">lich soweit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich</span><br/> <span class="ft1">und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 4 Abs. 1 LRV; sog. Vorsorgeprin-</span><br/> <span class="ft1">zip gemäss Art. 1 Abs. 2 und 11 Abs. 2 USG).</span><br/> <span class="ft1">Der Mindestabstand wird in einem dreistufigen Verfahren be-</span><br/> <span class="ft1">rechnet (FAT-Bericht Nr. 476, S. 3): Als erstes ist je nach Tierart die</span><br/> <span class="ft1">Geruchsbelastung zu bestimmen. Aus dieser ist der Normabstand</span><br/> <span class="ft1">abzuleiten. Schliesslich ist der Mindestabstand durch Korrektur des</span><br/> <span class="ft1">Normabstands in Bezug auf Haltungssystem, Lüftung und Standort</span><br/> <span class="ft1">zu berechnen. In diesem Abstand, der primär gegenüber reinen</span><br/> <span class="ft1">Wohnzonen gilt, ist ein Sicherheitszuschlag von 30% enthalten; da-</span><br/> <span class="ft1">rauf kann in der Regel gegenüber bewohnten Zonen, in welchen</span><br/> <span class="ft1">neben der Wohnnutzung mässig störende Gewerbebetriebe zugelas-</span><br/> <span class="ft1">sen sind, verzichtet werden (FAT-Bericht Nr. 476, S. 6).</span><br/> <span class="ft1">b) Im vorliegenden Falle stellte die Koordinationsstelle Bauge-</span><br/> <span class="ft1">suche des Baudepartements in ihrer Teilverfügung vom</span><br/> <span class="ft1">15. November 2000 zum Thema der Luftreinhaltung Folgendes fest:</span><br/> <span class="ft6">"Nach unseren Berechnungen ist der Mindestabstand von Tier-</span><br/> <span class="ft6">haltungsbetrieben gemäss Luftreinhalteverordnung vom 16. No-</span><br/> <span class="ft6">vember 1985 und den dazugehörigen FAT-Richtlinien Nr. 476</span><br/> <span class="ft6">eingehalten.</span><br/> <span class="ft6">Grundsätzlich ist jedoch festzustellen, dass die Richtlinien erst ab</span><br/> <span class="ft6">vier Geruchsbelastungseinheiten (GB) direkt anwendbar sind. Im</span><br/> <span class="ft6">vorliegenden Fall wird künftig eine Tierhaltung mit ca. 0,2 GB</span><br/> <span class="ft6">betrieben. Zudem steht es dem Gemeinderat frei, den Mindestab-</span><br/> <span class="ft6">stand in ländlich geprägten Gebieten entsprechend zu reduzieren.</span><br/> <span class="ft6">Im Sinne einer Entscheidungshilfe bei allfälligen Einsprachever-</span><br/> <span class="ft6">handlungen kann folgendes festgehalten werden:</span><br/> <span class="ft7">· Der korrigierte Mindestabstand bei 4 GB würde 21,2 m betra-</span><br/> <span class="ft6">gen. Der theoretische Mindestabstand bei den vorhandenen</span><br/> <span class="ft6">GB (0,2 aufgerundet auf 0,5) beträgt 2,65 m.</span><br/> <span class="ft7">· Gemessen wird ab Abluftaustrittsöffnung (Fenster, Türe etc.)</span><br/> <span class="ft6">resp. ab Laufhofeinzäunung bis zur nächstgelegenen Fassade</span><br/> <span class="ft6">bewohnter Gebäude innerhalb der gleichen Zone.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">232</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">· Der Mindestabstand wird gemäss Praxis der FAT bei Jauche-</span><br/> <span class="ft6">und Mistgruben (Mistcontainer) auf 20% des korrigierten</span><br/> <span class="ft6">Mindestabstandes reduziert."</span><br/> <span class="ft1">Die FAT äussert sich zur ganzen Problematik wie folgt:</span><br/> <span class="ft6">"Der FAT-Bericht 476 (Mindestabstände von Tierhaltungsanla-</span><br/> <span class="ft6">gen, Empfehlung für neue und bestehende Betriebe) ist für die</span><br/> <span class="ft6">landwirtschaftliche Tierhaltung bestimmt. Natürlich können</span><br/> <span class="ft6">kleine Betriebe unter Berücksichtigung gewisser Regeln eben-</span><br/> <span class="ft6">falls berechnet werden. Die Mindestabstandsberechnung für die</span><br/> <span class="ft6">private Pferdehaltung in Wohnzonen, wie im Fall Z. lediglich 0.2</span><br/> <span class="ft6">GB, ist mit dem FAT-Bericht 476 nicht sinnvoll. Wenn man den</span><br/> <span class="ft6">FAT-Bericht anwendet, hat man zwei Möglichkeiten: erstens Auf-</span><br/> <span class="ft6">rundung auf 4 GB, Berechnung, Abrundung, daraus ergibt sich</span><br/> <span class="ft6">der Mindestabstand von 1 Meter; zweitens Aufrundung auf 4 GB,</span><br/> <span class="ft6">Berechnung daraus ergibt sich der Mindestabstand von 20 Me-</span><br/> <span class="ft6">tern. Beide Resultate sind für uns nicht realistisch.</span><br/> <span class="ft6">Wir schlagen vor, eine bestimmte Zahl an Metern festzulegen, die</span><br/> <span class="ft6">mit der örtlichen Bauordnung einen Zusammenhang hat, z.B. 5,</span><br/> <span class="ft6">6, 8 oder 10 Meter (Grenzabstand oder grosser Grenzabstand).</span><br/> <span class="ft6">Zusätzlich sind betriebliche Vorschriften festzulegen die sich mit</span><br/> <span class="ft6">der Mistlagerung befassen. Diese könnten etwa bestimmen, dass</span><br/> <span class="ft6">der Mist in geschlossenen Kontainern gelagert werden muss. Die</span><br/> <span class="ft6">Grösse dieser Kontainer muss dem Mistanfall natürlich angepasst</span><br/> <span class="ft6">sein, so dass z.B. alle 14 Tage geleert wird."</span><br/> <span class="ft1">Auf Grund dieser Stellungnahmen, namentlich jener der FAT</span><br/> <span class="ft1">selber, gelangt das Verwaltungsgericht zur klaren Schlussfolgerung,</span><br/> <span class="ft1">dass die Anwendung des FAT-Berichts Nr. 476 von 1995 in Fällen</span><br/> <span class="ft1">wie dem vorliegenden zu absurden Resultaten führen würde. Nicht</span><br/> <span class="ft1">von ungefähr stipuliert der FAT-Bericht Nr. 476 denn auch selber,</span><br/> <span class="ft1">dass zwar der Mindestabstand bei 4 GB in der Regel auch bei niedri-</span><br/> <span class="ft1">geren Geruchsbelastungen einzuhalten sei, dass es aber im Ermessen</span><br/> <span class="ft1">der Behörde liege, einen kleineren Mindestabstand zuzulassen (S. 6).</span><br/> <span class="ft1">In dieser offenen Formulierung ist die Richtlinie allerdings nicht</span><br/> <span class="ft1">anwendbar; sie bedarf der Konkretisierung durch sachbezogene Kri-</span><br/> <span class="ft1">terien (siehe dazu AGVE 1992, S. 313 ff., und 1994, S. 374 ff., je mit</span><br/> <span class="ft1">Hinweisen). Dass nun sicherer Boden am ehesten mit einer Anleh-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">233</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nung an die einschlägigen Abstandsvorschriften zu gewinnen ist,</span><br/> <span class="ft1">liegt nahe. In dieselbe Richtung zielt auch die Anregung im Schrei-</span><br/> <span class="ft1">ben der FAT vom 30. Oktober 2002. Dies schliesst selbstverständlich</span><br/> <span class="ft1">nicht aus, dass in ausserordentlichen Fällen in Anwendung des Vor-</span><br/> <span class="ft1">sorgeprinzips gemäss Art. 1 Abs. 2 und 11 Abs. 2 USG Korrekturen</span><br/> <span class="ft1">nach oben möglich sein müssen.</span><br/> <span class="ft1">c) aa) Das Baudepartement hat den strittigen Pferdestall als</span><br/> <span class="ft1">Kleinbaute im Sinne von § 18 Abs. 1 ABauV qualifiziert. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer widersetzen sich dieser Betrachtungsweise, welche</span><br/> <span class="ft1">im Übrigen durchaus zutreffend erscheint, nicht mehr. Derartige</span><br/> <span class="ft1">Bauten haben, soweit die Gemeinde nichts Anderes festlegt - was</span><br/> <span class="ft1">hier nicht zutrifft - einen Grenzabstand von 2 m einzuhalten (§ 18</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 Satz 1 ABauV). Diese Anforderung ist hier unbestrittenermas-</span><br/> <span class="ft1">sen erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">bb) aaa) Gegenüber Hauptgebäuden und für Klein- und Anbau-</span><br/> <span class="ft1">ten untereinander gilt kein Gebäudeabstand, wenn die architektoni-</span><br/> <span class="ft1">schen, gesundheits- und feuerpolizeilichen Anforderungen gewahrt</span><br/> <span class="ft1">bleiben (§ 18 Abs. 2 Satz 2 ABauV). Mit ähnlicher Zielrichtung</span><br/> <span class="ft1">bestimmt § 29 BNO - generell für sämtliche Bauten, nicht nur für</span><br/> <span class="ft1">Kleinbauten -, dass für einen Neubau lediglich der Grenzabstand,</span><br/> <span class="ft1">nicht aber der Gebäudeabstand zu einem vor Inkrafttreten der BNO</span><br/> <span class="ft1">erstellten Nachbargebäude eingehalten werden muss, wenn die ar-</span><br/> <span class="ft1">chitektonischen, gesundheits-, feuer- und sicherheitspolizeilichen</span><br/> <span class="ft1">Anforderungen gewahrt bleiben. Da das Wohnhaus der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin 1 auf der Parzelle Nr. 174 im erwähnten Sinne altrechtlich</span><br/> <span class="ft1">ist, erweist sich auch § 29 BNO als grundsätzlich anwendbar. Ob</span><br/> <span class="ft1">trotzdem nur § 18 Abs. 2 Satz 2 ABauV als die speziellere der beiden</span><br/> <span class="ft1">Bestimmungen zur Anwendung gelangt, kann hier dahingestellt blei-</span><br/> <span class="ft1">ben, da sich die zu erfüllenden Randbedingungen weitestgehend</span><br/> <span class="ft1">decken.</span><br/> <span class="ft1">Näherer Betrachtung bedürfen im vorliegenden Falle lediglich</span><br/> <span class="ft1">die gesundheits- und feuerpolizeilichen Anforderungen. Architekto-</span><br/> <span class="ft1">nische und sicherheitspolizeiliche Aspekte sind klarerweise nicht</span><br/> <span class="ft1">tangiert.</span><br/> <span class="ft1">bbb) Was die Geruchsproblematik anbelangt, hat der am Au-</span><br/> <span class="ft1">genschein anwesende Berater für Tierhaltung beim Landwirtschaft-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">234</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lichen Bildungs- und Beratungszentrum Liebegg-Gränichen als</span><br/> <span class="ft1">Fachmann die Ansicht geäussert, dass hier einzig die Mistlagerung</span><br/> <span class="ft1">und -bewirtschaftung eine Rolle spiele und die übrigen Geruchsquel-</span><br/> <span class="ft1">len (Einstreubereich, Tiere selber) vernachlässigt werden könnten.</span><br/> <span class="ft1">Mit der vorgesehenen geschlossenen Mulde und den übrigen in die-</span><br/> <span class="ft1">sem Zusammenhang gemachten Auflagen sei aber auch insoweit</span><br/> <span class="ft1">nicht mit irgendwelchen Problemen zu rechnen, selbst dann nicht,</span><br/> <span class="ft1">wenn die Mulde beim Einfüllen jeweilen für eine halbe Minute ge-</span><br/> <span class="ft1">öffnet sei. Die Frage des Abstandes sei für die Einwirkungen bei den</span><br/> <span class="ft1">Nachbarn nicht entscheidend. Diesen Darlegungen kann sich das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht anschliessen. Die Ausübung der Wohnnutzung</span><br/> <span class="ft1">bedingt eine Umgebung, die frei ist von Lärm, Gerüchen und ande-</span><br/> <span class="ft1">ren Immissionen, die das mit dem Wohnen selbst verbundene Mass</span><br/> <span class="ft1">überschreiten (AGVE 2001, S. 301 mit Hinweis). Die Haltung von</span><br/> <span class="ft1">Haustieren (unter Einschluss von Pferden) gehört nun aber in ange-</span><br/> <span class="ft1">messenem Rahmen mit zur Wohnnutzung (AGVE 2001, S. 302;</span><br/> <span class="ft1">vorne, Erw. 2/d/aa), und unter dieser Prämisse müssen auch gewisse</span><br/> <span class="ft1">begrenzte Immissionen sowohl bezüglich des Geruchs als auch be-</span><br/> <span class="ft1">züglich des Lärms hingenommen werden. Der betroffene Nachbar ist</span><br/> <span class="ft1">durch das Vorsorgeprinzip (Art. 1 Abs. 2 und 11 Abs. 2 USG) ausrei-</span><br/> <span class="ft1">chend geschützt; danach sind alle technisch und betrieblich mögli-</span><br/> <span class="ft1">chen und wirtschaftlich tragbaren Emissionsbegrenzungen zu reali-</span><br/> <span class="ft1">sieren. Diesem Grundsatz haben die Vorinstanzen offensichtlich</span><br/> <span class="ft1">nachgelebt; sie haben angeordnet, dass</span><br/> <span class="ft8">· der Pferdemist in einer konstant geschlossen zu haltenden Deckel-</span><br/> <span class="ft1">mulde mit Abdichtung zu sammeln und regelmässig, mindestens</span><br/> <span class="ft1">zweimal täglich, abzuführen ist sowie nicht auf dem eigenen</span><br/> <span class="ft1">Grundstück ausgetragen werden darf,</span><br/> <span class="ft8">· Stall und Auslauffläche stets sauber zu halten sind und im Stall</span><br/> <span class="ft1">eine geruchshindernde Einstreuung zu verwenden ist,</span><br/> <span class="ft8">· das Fenster an der Rückwand des Stalls immer geschlossen sein</span><br/> <span class="ft1">muss,</span><br/> <span class="ft8">· die Pferde zum Bereich zwischen der Rückwand des Stalls und der</span><br/> <span class="ft1">südlichen Grundstücksgrenze keinen Zugang haben dürfen.</span><br/> <span class="ft1">Es ist nicht ersichtlich, was für weitere Emissionsbegrenzungs-</span><br/> <span class="ft1">massnahmen den Beschwerdegegnern auferlegt werden sollten. Im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">235</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Besondern wäre eine Vergrösserung des Abstands wegen ihrer feh-</span><br/> <span class="ft1">lenden Wirkung unverhältnismässig. Weitergehende Zusatzanträge</span><br/> <span class="ft1">haben auch die Beschwerdeführer nicht gestellt. (...).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>