B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-2616/2025 U r t e i l v o m 2 8 . J u l i 2 0 2 5 Besetzung Richter Basil Cupa (Vorsitz), Richter Gregor Chatton, Richterin Christa Preisig, Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. Parteien A._______, geboren am (...), Irak, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 7. April 2025 / N (...). F-2616/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) suchte am 4. März 2025 in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 2. Februar 2025 in Bulgarien daktyloskopisch erfasst wurde und am 17. Februar 2025 um Asyl ersucht hatte. A.b Am 7. März 2025 ersuchte die Vorinstanz die bulgarischen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah- ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei- nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge- stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). A.c Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer am 1 4. März 2025 das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit der Überstellung nach Bulgarien, dessen Zuständigkeit für die Behandlung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. A.d Gleichentags hiessen die bulgarischen Behörden das Wiederaufnah- meersuchen der Vorinstanz gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO gut. A.e Mit Verfügung vom 7. April 2025 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete seine Überstellung nach Bul- garien an. B. B.a Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 14. April 2025 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantra gte, in Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung sei die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und ein materielles Asylverfahren durchzuführen. Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeur- teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vor - instanz anzuweisen, individuelle und konkrete Zusicher ungen bezüglich des Zugangs zum Asylverfahren, zu adäquater medizinischer Versorgung und zur Unterbringung von den bulgarischen Behörden einzuholen. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Die Vollzugsbe- hörden seien vorsorglich und superp rovisorisch anzuweisen, von einer F-2616/2025 Seite 3 Überstellung nach Bulgarien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsge- richt über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe . Überdies ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung. B.b Am 15. April 2025 setzte der Instruktionsrichter den Wegweisungsvoll- zug gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus. Mit Zwischenverfügung vom 17. April 2025 hiess er die Gesuche um Gewährung der aufschieben- den Wirkung und unentgeltlichen Prozessführung gut. Am 29. April 2025 und 15. Mai 2025 reichte der Beschwerdeführer Arztberichte ein. Mit Ver- nehmlassung vom 11. Juni 2025 schloss die Vorinstanz auf Beschwerde- abweisung. Am 20. Juni 2025 gab der Beschwerdeführer einen Arztbericht zu den Akten. Mit Replik vom 16. Juli 2025 hielt er an seinen eingangs ge- stellten Begehren und deren Begründung fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Zwischen dem vorliegenden Beschwerdeverfahren und demjenigen des an geblichen Neffen des Beschwerdeführers (F -2619/2025) besteht zwar ein enger personeller Zusammenhang , jedoch stellen sich unter- schiedliche Rechtsfragen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer F -7173/2024 vom 26. November 2024 E. 1.1 m.w.H.), weshalb die zwei Beschwerdever- fahren nicht zu vereinigen sind und in zwei separaten Urteilen darüber zu entscheiden ist. Der entsprechende Verfahrensantrag ist abzuweisen. 1.2. Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Behandlung der Beschwerde zuständig (Art. 105 AsylG [SR 142.31], Art. 31 ff. VGG) und die Sachur- teilsvoraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1. Die Vorinstanz hat korrekt erwogen, dass gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO grundsätzlich Bulgarien für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens des Beschwerdeführers zuständig ist, dass das bulgarische Asylsystem rechtsprechungsgemäss keine systemischen Schwachstellen aufweist, aufgrund derer die Zuständi gkeit gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf die Schweiz überginge (vgl. Referenzurteil des BVGer F -7195/2018 vom 11. Februar 2020 E. 6.6.7; jüngst Urteil e F-5094/2025 vom 15. Juli 2025 E. 2.1; F -4901/2025 vom 10. Juli 2025 E. 2.1; je m.w.H.), und dass vorliegend keine völkerrechtlichen Vollzugs- hindernisse ersichtlich sind, welche die Schweiz zu einem Selbsteintritt F-2616/2025 Seite 4 nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflichten würden. Dabei hat sie die Vorbringen des Beschwerdeführers im Hinblick auf die angeblich inkorrekte Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens in Bulgarien, die schlechte Behandlung durch die bulgarischen Behörden , seine gesund- heitlichen Beeinträchtigungen und mögliche suizidale Absichten berück- sichtigt und rechtsprechungskonform gewürdigt. Darüber hinaus hat sie in rechtsfehlerfreier Ausübung des ihr nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) zukommenden Ermessens von einem Selbsteintritt der Schweiz abgesehen. Sie ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein- getreten und hat in Anwendung von Art. 44 AsylG seine Wegweisung nach Bulgarien angeordnet. Zur näheren Begründung ist auf die ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen. 2.2. Was der Beschwerdeführer auf Rechtsmittelebene dagegen vorbringt, vermag an der Richtigkeit der angefochtenen Verfügung nichts zu ändern. Auch angesichts der anerkanntermassen schwierigen Bedingungen für Asylsuchende in Bulgarien vermögen die Ausführungen und die zitierten Berichte nichts daran zu ändern, dass das bulgarische Asylsystem recht- sprechungsgemäss keine systemischen Schwachstellen aufweist und nicht anzunehmen ist, Bulgarien verstosse systematisch gegen seine ver- traglichen Verpflichtungen als zuständiger Dublin-Mitgliedstaat im Falle ei- ner Rücküberstellung von Asylsuchenden. Angesichts dessen erübrigen sich Weiterungen zur geltend gemachten Gefahr einer allfälligen Kettenab- schiebung (siehe einläss lich dazu Urteil des EuGH vom 30. Novem- ber 2023, verbundene Rechtssachen C -228/21, C -254/21, C -297/21, C-315/21 und C-328/21, §§ 129-142 und Ziff. 2 des Dispositivs). Die in die- sem Zusammenhang gerügte Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 12 VwVG) erweist sich als unbegründet. Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist abzuweisen. 2.3. Die nach umfassenden fachärztlichen Abklärungen in den Universitä- ren Psychiatrischen Kliniken (UPK) (…) beim Beschwerdeführer diagnos- tizierte Anpassungsstörung ist nicht derart gravierend, dass gestützt auf Art. 3 EMRK von einer Überstellung nach Bulgarien abgesehen werden müsste (vgl. dazu Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. De- zember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180 -193 m.w.H., bestätigt durch Urteil des EGMR Savran gegen Dänemark 7. Dezember 2021, Grosse Kammer, Nr. 57467/15, §§ 121 ff., wonach zwangsweise Rückwei- sungen von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ausnahms- weise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen können). Der F-2616/2025 Seite 5 medizinische Sachverhalt ist hinreichend erstellt, weshalb ein ausstehen- der Termin bei den UPK nicht ab zuwarten ist. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers verfügt Bulgarien über eine ausreichende medizini- sche Infrastruktur (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer F-4901/2025 vom 10. Juli 2025 E. 2.3) und ist verpflichtet, ihm bei Bedarf die notwendige me- dizinische und psychologische Behandlung zu gewähren (vgl . Art. 19 Abs. 1 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf- nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen [sog. Aufnah- merichtlinie]). Eine allfällige Suizidalität stellt gemäss Rechtsprechung nicht per se ein Vollzugshindernis dar (vgl. Urteil des BGer 2C_221/2020 vom 19. Juni 2020 E. 2 sowie statt vieler Urteil des BVGer F -4894/2025 vom 15. Juli 2025 E. 7.3 m.w.H.). Die Geltendmachung eines Suizidrisikos verpflichtet die Behörden nicht grundsätzlich, von einer Ausschaffung ab- zusehen (Entscheid des EGMR Al-Zawatia gegen Schweden vom 22. Juni 2010, 50068/08, § 57 f.). In Bezug auf das geltend gemachte Abhängig- keitsverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und seinem angeblichen Neffen ist vollumfänglich auf das Urteil F-2619/2025 vom 28. Juli 2025 E. 2 zu verweisen. 2.4. Die vorgebrachte Behandlung des Beschwerdeführers durch die bul- garischen Behörden (Gewaltanwendung dur ch Polizeibeamte, haftähnli- che Unterbringungsstrukturen, mangelhafte Grundversorgung, Rassis- mus) lassen nicht den Schluss zu, er habe bei einer Überstellung nach Bulgarien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK oder eine Verletzung von Art. 5 und 7 EMRK zu gewärtigen. Sollte er nach seiner Rückkehr von Be- hördenvertretern rechtswidrig behandelt werden, hat er sich an das bulga- rische Justizwesen oder die dortigen Aufsichtsbehörden zu wenden. Dies gilt auch bei einer allfälligen Einschränkung der ihm zustehenden Aufnah- mebedingungen (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 2.5. Individuelle Garantien müssen einzig bei sehr vulnerablen Personen eingeholt werden (vgl. Referenzurteil F -7195/2018 vom 11. Februar 2020 E. 7.4.2). Eine besondere Vulnerabilität ist vorliegend angesichts der in E. 2.3 aufgeführ ten Diagnose zu verneinen. Aus dem Urteil des BVGer F-1735/2025 vom 31. März 2025 kann der Beschwerdeführer nichts zu sei- nen Gunsten ableiten, zumal es sich in Anbetracht der gestellten Diagno- sen um keine vergleichbare Konstellation handelt . Entsprechend ist der Subeventualantrag auf Einholung individueller Garantien abzuweisen. F-2616/2025 Seite 6 3. Nach dem Ausgeführten erweist sich d ie angefochtene Verfügung als rechtmässig (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 4. Entsprechend dem Verfahrensausgang wären die Kosten dem unterliegen- den Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenverfügung vom 17. April 2025 indes die unentgeltliche Prozess- führung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gewährt wurde, sind keine Verfahrenskos- ten zu erheben. 5. Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). (Dispositiv nächste Seite) F-2616/2025 Seite 7 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Der Antrag auf Verfahrensvereinigung mit dem Verfahren F-2619/2025 wird abgewiesen. 2. Die Beschwerde wird abgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Basil Cupa Nathalie Schmidlin Versand: