B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6039/2014 U r t e i l v o m 1 2 . J a n u a r 2 0 1 5 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am (...), Sri Lanka, vertreten durch Piragalathan Suntharalingam, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 25. September 2014 / N (…). E-6039/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliess die Beschwerdeführerin ihren Heimat- staat am (…) Juni 2014 und suchte am 25. Juni 2014 in der Schweiz um Asyl nach. Am 30. Juni 2014 fand die Kurzbefragung zur Person im EVZ C._______ statt. In der Folge ergaben Abklärungen des damaligen BFM, dass der Beschwerdeführerin von der italienischen Botschaft in Colombo ein vom (…) 2014 bis (…) 2014 gültiges Schengen-Visum ausgestellt wor- den war. Mit Schreiben vom 18. Juli 2014 gewährte die Vorinstanz der Beschwerde- führerin das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit einer Überstellung nach Italien, welches gemäss Ver- ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim- mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats- angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend : Dublin-III-VO), grundsätzlich für die Behandlung ihres Asylgesuchs zuständig sei. In ihrer Stellungnahme vom 24. Juli 2014 be stritt die Beschwerdeführerin die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates nicht. Jedoch machte sie geltend, die Umstände in Italien seien schlimm und sie wäre schutzlos und auf sich gestellt, weil sie dort niemanden kenne. Hingegen lebe in der Schweiz ihre ältere Schwester. B. Am 18. Juli 2014 ersuchte die Vorinstanz die italienischen Behörden um Übernahme der Beschwerdeführerin gemäss Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO. Dieses Gesuch blieb innert der in den Art. 22 Abs. 1 und 6 und Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet. C. Mit Verfügung vom 25. September 2014 (eröffnet am 10. Oktober 2014 ) trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein und verfügte die Überstellung nach Italien, welches Land gemäss Dublin-III-VO für die Be- handlung ihres Asylgesuchs zuständig sei. Gleichzeitig verfügte die Vo- rinstanz den Vollzug der Weg weisung nach Italien und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. E-6039/2014 Seite 3 D. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 17. Oktober 2014 an das Bundes- verwaltungsgericht beantragte die Beschwerdeführerin, die Verfügung des SEM vom 25. September 2014 sei aufzuheben und es sei ihr die Flücht- lingseigenschaft zuzuerkennen, eventualiter die Unzulässigkeit und Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihr die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht beantragte sie, es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen und die kantonale Behörde sei anzuweisen, während der Dauer des Beschwer- deverfahrens auf allfällige Vollzugshandlungen zu verzichten. Ferner sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und es sei auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Zur Begründung ihrer Beschwerde brachte die Beschwerdeführerin im We- sentlichen vor, sie sei im Heimatstaat mehrfach durch Angehörige des Cri- minal Investigation De partments vergewaltigt worden. Sie leide deshalb unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung und es bestehe eine la- tente Suizidalität. Sie brauche daher eine stabile soziale Umgebung, wel- che ihr in Italien aber fehlen würde, weil sie dort keine Bezugsp ersonen habe. Hingegen würden i n der Schweiz (…) ihrer Geschwister leben. Im Weiteren führte sie aus, dass sie zu einer sozialen Gruppe gehöre, welcher in Sri Lanka asylrelevante Verfolgung drohe und dass aufgrund der allge- meinen Situation im Heimatstaat s owie ihrer psychischen Probleme der Wegweisungsvollzug auch als unzumutbar zu erachten sei. E. Mit Telefax-Verfügung vom 20. Oktober 2014 verfügte der Instruktionsrich- ter gestützt auf Art. 56 VwVG, dass der Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen ausgesetzt werde. F. Mit Zwischenverfügung vom 23. Oktober 2014 stellte der Instruktionsrichter fest, dass das Vertretungsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Rechtsvertreter formell nicht ausgewiesen sei und forderte den Rechtsvertreter in Anwendung von Art. 11 Abs. 2 VwVG und Art. 110 Abs. 1 AsylG auf, innert sieben Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung eine schriftliche Vollmacht einzureichen, andernfalls auf die Beschwerde nicht eingetreten werde und ihm die bisher aufgelaufenen Verfahrenskosten auf- erlegt würden. E-6039/2014 Seite 4 Mit Eingabe vom 27. Oktober 2014 reichte der Rechtsvertreter eine durch die Beschwerdeführerin unterzeichnete Vollmacht nach. G. Mit Instruktionsverfügung vom 29. Oktober 2014 stellte der Instruktions- richter fest, über das Gesuch um un entgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden und verzichtete vorderhand auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ferner wurde die Beschwerdeführerin aufgefordert, innert sieben Tagen einen ärztlichen Bericht bezüglich der von ihr geltend gemachten gesun dheitli- chen Probleme sowie eine Erklärung über die Entbindung der behandeln- den Ärzte oder Ärztinnen von der Schweigepflicht einzureichen. H. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 5. November 2014 (Poststempel) reichte die Be schwerdeführerin eine Erklärung der Entbindung von der Schweigepflicht ein und ersuchte um Erstreckung der Frist zur Einreichung eines Arztzeugnisses. I. Innert erstreckter Frist ging beim Bundesverwaltungsgericht am 17. No- vember 2014 per Telefax ein Arztbericht des Kantonsspitals D._______ vom gleichen Datum ein. J. Am 19. November 2014 ging beim Bundesverwaltungsgericht eine Be- handlungsbestätigung von " E._______", Praxis für Gynäkologie und Ge- burtshilfe, vom 14. November 2014 ein. K. Mit Instruktionsverfügung vom 19. November 2014 hiess der Instruktions- richter das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz zur Einrei- chung einer Vernehmlassung ein. L. Mit Vernehmlassung vom 26. November 2014 hielt die Vorinstanz an ihrer Verfügung vollumfänglich fest und beantragte die Abweisung der Be- schwerde. Dabei führte sie insbesondere aus, die medizinische Grundver- sorgung sei in Italien grundsätzlich gewährleistet und die Beschwerdefüh- rerin könne demnach auch dort medizinische oder therapeutische Hilfe in E-6039/2014 Seite 5 Anspruch nehmen. Es werde ihrem Gesundheitszustand bei der Organisa- tion der Überst ellung Rechnung getragen. Aus dem Umstand, dass ihre Geschwister in der Schweiz leben würden, könne sie nichts zu ihren Guns- ten ableiten, da diese keine Familienangehörigen im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO seien und auch die Voraussetzungen für die Gewährung eines Aufenthaltsrechts gestützt auf Art. 8 EMRK nicht gegeben seien. Die Prüfung einer allfälligen Verfolgung durch die sri - lankischen Behörden sei nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sondern von der Beschwerdeführerin im Asylverfahre n in Italien bei den zuständigen Behörden vorzubringen. M. Mit Eingabe vom 9. Dezember 2014 machte die Beschwerdeführerin von der ihr mit Instruktionsverfügung vom 1. Dezember 2014 eingeräumten Ge- legenheit zur Replik Gebrauch und hielt an ihren Beschwerdeanträgen fest. Insbesondere verwies sie auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) Tarakhel gegen die Schweiz vom 4. November 2014 (Beschwerde Nr. 29217/12), in welchem festgestellt worden sei, dass Mängel in der Unterbringung und Behandlung des Asylsuchenden in Italien bestehen würden. Sie bedürfe aufgrund der im Heimatstaat erlebten Ge- walt und ihrer psychischen Probleme eines besonderen Schutzes, weshalb das soziale Umfeld ausschlaggebend sei . Eine konkrete Umsetzung der Suizidgedanken in die Tat sei im Falle der Überstellung nach Italien nicht auszuschliessen. Die von der Vorinstanz thematisierte lange Trennung von ihren Geschwistern schliesse ein Abhängigkeitsverhältnis zu diesen kei- neswegs aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungs gericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet be treffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-6039/2014 Seite 6 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.). Die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung von Asyl bilden demgegenüber nicht Gegenstand des ange- fochtenen Nichteintretensentscheides und damit auch nicht des vorliegen- den Verfahrens. Auf die entsprechenden Beschwerdeanträge ist deshalb nicht einzutreten. 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyl su- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin -III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref- fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein. 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird. Jedes dieser Kriterien wird nur angewendet, wenn das vorangehende Kriterium im spe- zifischen Fall nicht anwendbar ist (Prinzip der Hierarchie der Zuständig- keitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). E-6039/2014 Seite 7 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän- digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An- nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An- tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu- ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän- dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 3.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag ge- stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin -III-VO aufzuneh- men (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO). 3.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell- ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). 4. Den vorliegenden Akten ist zu e ntnehmen, dass die Beschwerdeführerin im massgeblichen Zeitpunkt der Asylgesuchseinreichung im Besitz eines gültigen, durch die italienischen Behörden ausgestellten Schengen-Visums war, woraus sich gemäss den Kriterien der Dublin-III-VO die Zuständigkeit Italiens für die Behandlung ihres Asylverfahrens ergibt (Art. 12 Abs. 2 Dub- lin-III-VO). Das SEM ersuchte die italienischen Behörden am 18. Juli 2014 um Aufnahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 21 Dublin-III-VO. Die italienischen Behörden liessen das Übernahmeersuchen innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet, womit sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannten (Art. 22 Abs. 7 Dublin -III- VO). Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens, welche im Übrigen von der Be- schwerdeführerin nicht bestritten wurde, ist somit gegeben. 5. E-6039/2014 Seite 8 5.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli- che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe- dingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschl ichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU -Grundrechtecharta mit sich bringen würden. 5.2 5.2.1 Die schweizerischen Behörden müssen zwar dafür sorgen, dass die Beschwerdeführerin im Falle einer Überstellung nach Italien nicht einer dem internationalen Recht widersprechenden Behandlung ausgesetzt ist; indessen ist Italien Vertragspartei des Übereinkommens vom 10. Dezem- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied- rigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich- tungen nach. Angesichts der Vermutung, wonach jener Staat, der für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, die völkerrechtlichen Verpflichtun- gen einhält, obliegt es der Beschwerdeführerin, diese Vermutung umzu- stossen, wobei sie ernsthafte Anhaltspunkte vorzubringen hat, dass die Be- hörden des in Frage stehenden Staates in ihrem konkreten Fall das Völ- kerrecht verletzen und ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würde (vgl. EGMR, M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Appl. No. 30696/09], Ur- teil vom 21. Januar 2011, § 84‒85 und 250; ebenso Urteil des Gerichtsho- fes der Europäischen Union [EuGH] vom 21. Dezember 2011 in der Rechtssache C-411/10 und C-493). 5.2.2 Italien ist als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO zuständiger Staat ge- halten, die Aufnahmerichtline umzusetzen. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie; für die Umsetzungs - und Übergangsbestimmungen mit Bezug auf die vorläufig parallel weiterbestehende bisherige Richtlinie vgl. Art. 51 ff. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati- onalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie; für die Umsetzungs-E-6039/2014 Seite 9 bestimmungen mit Bezug auf die vorläufig parallel weiterbestehende bis- herige Richtlinie vgl. Art. 31 f. Aufnahmerichtlinie) ergeben. Es besteht kein Grund zur Annahme, Italien würde in genereller Weise seinen völkerrecht- lichen Verpflichtungen nicht nachkommen respektive in völkerrechtswidri- ger Weise gegen die genannten Richt linien verstossen. Diese Ansicht wurde durch den EGMR in der Entscheidung Mohammed Hussein und an- dere gegen die Niederlande und Italien (Beschwerde Nr. 27725/10 vom 2. April 2013, Unzulässigkeitsentscheidung wegen offensichtlicher Unbe- gründetheit gemäss Art. 35 Abs. 3 EMRK) bestätigt. Eine andere Einschätzung lässt sich auch dem von der Beschwerdeführe- rin zitierten Urteil des EGMR Tarakhel gegen die Schweiz vom 4. Novem- ber 2014 (Nr. 29217/12) nicht entnehmen. Der EGMR stellt in diesem Urteil nicht fest, e ine Überstellung nach Italien sei für Asylsuchende generell nicht zumutbar, sondern setzt sich konkret nur mit der Überstellung von Familien mit minderjährigen Kindern auseinander und zeigt auf, welche Garantien von der Schweiz im konkreten Einzelfall von Familien mit min- derjährigen Kindern künftig bei den italienischen Behörden einzuholen sind. Dass solche Garantien auch bei anderen Personenkategorien, na- mentlich im Falle von alleinstehenden Frauen, einzuholen wären, geht aus dem zitierten EGMR-Urteil nicht hervor. Den Ausführungen der Beschwerdeführerin sind auch keine stichhaltigen Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass die italienischen Behörden in ih- rem konkreten Fall ihren Verpflichtungen nicht nachkommen und ihr den benötigten Schutz nicht gewähren würden. Sie hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die italienischen Behörden würden sich wei- gern, sie aufzunehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Italien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non -Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu wer- den. Ausserdem hat die Beschwerdeführerin nicht dargetan, die sie bei ei- ner Rückführung erwartenden Bedingungen in Italien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Den Akten sind auch keine konkre- ten Hinweise für die Annahme zu entnehmen, Italien würde ihr dauerhaft die ihr gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedin- gungen vorenthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung E-6039/2014 Seite 10 könnte sie sich im Übrigen nötigenfalls an die italienischen Behörden wen- den und die ihr zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 5.2.3 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen kann nur dann einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die Praxis des EGMR). Dabei handelt es sich um seltene Ausnahmefälle, in denen sich die Person in einem dermassen schlechten Zustand befindet, dass sie nach einer Überstellung mit dem si- cheren Tod rechnen müsste, und sie dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten kann. Eine solche Situation ist vorliegend nicht gegeben : Anlässlich der Befra- gung zur Person bezeichnete die Beschwerdeführerin ihren Gesundheits- zustand auf ausdrückliche Nachfrage hin als "gut" (vgl. Protokoll S. 9) und auch in der Stellungnahme vom 24. Juli 2014 wurde in keiner Weise auf gesundheitliche Probleme hingewiesen. Demnach besteht Anlass , die Schwere der in der Beschwerde geltend gemachten psychischen Prob- leme in Frage zu stellen. Im Arztbericht des Kantonsspitals D._______ vom 17. November 2014 wurde eine akute Belastungsreaktion mit Hyperventi- lation im Zusammenhang mit einer Angst vor einer allfälligen Rückschaf- fung nach Sri Lanka diagnostiziert, und die Beschwe rdeführerin konnte nach erfolgter Krisenintervention nach einigen Tagen wieder nach Hause entlassen werden. In der Bestätigung von "E._______" vom 14. November 2014 wird keine Diagnose gestellt. Diese Arztzeugnisse lassen zwar auf eine zwischenzeitliche akute Krise, nicht aber auf eine besonders schwere psychische Erkrankung der Beschwerdeführerin schliessen, welche einer Überstellung nach Italien entgegenstehen würde. Insbesondere ist die be- hauptete Suizidalität der Beschwerdeführerin in keiner Weise belegt. Sie konnte nicht nachweisen, dass sie nicht reisefähig sei oder eine Überstel- lung ihre Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Ihr Gesundheitszustand vermag eine Unzulä ssigkeit im Sinne dieser restriktiven Rechtsprechung nicht zu rechtfertigen. Die geltend gemachten gesundheitlichen Probleme sind auch nicht von ei- ner derartigen Schwere, dass aus humanitären Gründen von einer Über- stellung abgesehen werden müsste (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die Praxis des EGMR): E-6039/2014 Seite 11 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Praxis davon aus, dass Italien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur zur Behandlung der psychischen und physischen Gesundheitsbeschwerden von As ylsu- chenden verfügt (vgl. hierzu und zum Folgenden etwa die Urteile D-2524/2014 vom 21. August 2014 S. 12 f., E-3820/2014 vom 18. Septem- ber 2014 E. 7, E -3947/2014 vom 25. September 2014 E. 4, D-5617/2014 vom 9. Oktober 2014 S. 6 f. und D-5814/2014 vom 20. Okto- ber 2014 S. 8 f. ). Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversor- gung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnis- sen ist die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Italien der Beschwerdeführerin eine adäquate medizinische Behandlung verweigern würde. Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten Verfügung beauftragt sind, werden den medizinischen Um- ständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Beschwerdeführerin Rechnung tragen und die italienischen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen medizinischen Um- stände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO), wie die Vorinstanz dies in ihrer Vernehmlassung explizit erwähnt hat. 5.3 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO beziehungsweise der Ermessenklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin - III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einrä umt, den ihren Antrag prü- fenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). 5.4 Somit bleibt Italien der für die Behandlung de s Asylgesuchs der Beschwerdeführerin zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. Italien ist verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 21, 22 und 29 Dublin-III-VO aufzunehmen. 6. Nach dem Gesagten erweisen sich die vorinstanzlichen Erwägungen als zutreffend (soweit sie vom Bundesverwaltu ngsgericht angesichts dessen eingeschränkter Kognition inhaltlich überhaupt geprüft werden können). Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b E-6039/2014 Seite 12 AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten. Da die Beschwer deführerin nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Italien in An- wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordn et (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). 7. Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernis se gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2010/45 E. 10). 8. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen , soweit darauf einzutreten ist, und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem ihr aber mit Zwischenverfügung vom 19. November 2014 die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) E-6039/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: