Seite 1 Entscheid vom 18. Oktober 2013 (530 13 16) __________________________________________________ ___________________ Wohnsitz Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Steuer richter Jörg Felix, Steuerrich- terin Margrit Elbert, Steuerrichter Dr. Philippe Spitz, Peter Salathe, Ge- richtsschreiberin D. da Silva Parteien A. B. und B. B., vertreten durch C. Beschwerdeführer gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin betreffend direkte Bundessteuer 2009 Seite 2 S a c h v e r h a l t : 1. Mit Veranlagungsverfügung der direkten Bundesste uer 2009 vom 18. November 2010 wurden die Pflichtigen zu einem Steuerbetrag von Fr. 4'322.05 veranlagt. 2. Mit Schreiben vom 15. Dezember 2010 erhoben die Pflichtigen Einsprache und begehr- ten sinngemäss, dass die Veranlagungsverfügung aufzuheben sei. Die Pflichtigen führten aus, dass sich ihr "Hauptw ohnsitz" seit dem 1. November 2001 in Frankreich (…) befinde und sie seit 2004 in Frankre ich steuerpflichtig seien. 3. Mit Einsprache-Entscheid vom 4. März 2013 wurde die Einsprache abgewiesen. Zur Be- gründung machte die Steuerverwaltung geltend, natür liche Personen seien kraft persönlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig. Die Pflichtigen seie n seit 1. September 2001 in D. an-gemeldet. Die Tochter sei am 11. August 2003 in die dortige S ekundarschule eingetreten und habe diese Ende Juni 2008 wieder verlassen. Auch der Sohn habe bis Juni 2010 sämtliche Schulstufen in D. absolviert. Der Beschwerdeführer selber habe in der beachtlichen Steuerperiode bei E. in F. gearbeitet. Eine Abmeldung aus D. sei von ihm nicht vorgenommen worden. Des Weiteren würden in den verschiedenen Belegen der eingereichten Steuererklärungen der Jahre 2008 und 2009 alle Adressen auf G.-strasse in D. lauten. Ins besondere sei dies auch beim Lohnausweis, bei der Bescheinigung über Vorsorgebeiträge sowie Leistungsabrechnungen der Krankenkasse der Fall. Zudem sei die Steuererklärung handschrift lich ausgefüllt und von beiden Ehegatten unterzeichnet worden, womit sie bestätigen würden, dass sich ihr Wohnsitz an der G.-strasse in D. befinde. Bei Personen, welche eine Ansässigkeit sowohl in F rankreich als auch in der Schweiz nachweisen könnten, gebe die Staatsbürgerschaft den Ausschlag für die Steuerpflicht. Somit sei auch nach diesen Bestimmungen eine Steuerpflicht in D. erwiesen. 4. Mit Beschwerde vom 22. März 2013 begehrte der Ve rtreter der Pflichtigen, dass die Veranlagung für die Staats- und Gemeindesteuer 2009 aufzuheben oder durch eine sog. Null- Seite 3 Veranlagung zu ersetzen sei und dass festzustellen sei, dass sich der steuerrechtliche Wohn- sitz der Pflichtigen seit dem 1. Januar 2009 in Frankreich (…) befinde, unter o/e Kostenfolge. Zur Begründung machte er geltend, die Pflichtigen seien seit dem Jahr 2001 in Frank- reich (…) wohnhaft. Es sei von ihnen in den Jahren 200 4 bis 2008 bewusst eine Doppelbesteu- erung in Kauf genommen worden, weil sie ihre Kinder in D. zur Schule hätten schicken wollen. Inzwischen sei die Schule aber von beiden Kindern beend et worden, weshalb die Doppelbe- steuerung nicht mehr länger getragen werde. Bezüglich der Bestimmung des steuer-rechtlichen Wohnsitzes seien rein formelle Momente unmassgeblich. Eb enso wenig vermöge die Adressie- rung von Lohnausweisen und dergleichen einen steuerrechtl ichen Wohnsitz zu begründen. An der G.-strasse in D. wohne nur die Mutter zusammen mit der Familie des Bruders des Pflichti- gen. Die Pflichtigen und ihre Kinder hätten zuweilen Kurzbesuche abgestattet und die dorthin geschickte Post abgeholt, aber nie dort übernachtet. Sie hätten in der Schweiz keinerlei Wohnstätte. Die Pflichtigen hätten am 26. Oktober 20 01 ihr neu erstelltes Einfamilienhaus in Frankreich (…) bezogen und es seither ununterbrochen zu sammen mit ihren Kindern bewohnt, was insbesondere aus den Rechnungen für Gas- und Elektr izitätsbezügen ersichtlich sei. Von dort aus hätten die Kinder auch die Schule im angrenze nden D. besucht. Der Ehemann habe tagsüber in F. gearbeitet, weswegen es sich bei ihm um einen echten Grenzgänger handle, der ausschliesslich am Wohnsitz steuerpflichtig sei. Am 6. Mai 2002 habe die französische Zollver- waltung von den Pflichtigen die protokollierte Erklär ung erhalten, dass sich der steuerliche Wohnsitz in Frankreich (…) befinde, weswegen sie auch das F ahrzeug haben entsprechend verzollen müssen. Seit dem 1. Januar 2004 seien die Pflic htigen unbeschränkt in Frankreich steuerpflichtig. 5. Mit Vernehmlassung vom 12. April 2013 beantragte die Steuerverwaltung die Abweisung der Beschwerde. Es falle auf, dass die Steuerpflichtigen die Doppelb esteuerung insbesondere im Hinblick auf die Ausbildung ihrer Kinder bewusst in Kauf genom men hätten. Aufgrund ihres Wohnsitzes in der Schweiz seien sie ausserdem in den Genuss verschiedener weiterer Vorteile gekommen, wie den Vorzügen des Schweizerischen Gesundheitssystems, verb illigter Einheimischentarife für öffentliche Verkehrsmittel oder der Vermeidung der Quellensteuer, so dass die Vorteile die Nachteile der Doppelbesteuerung weitgehend überwogen oder zumindest ausgeglichen hätten. Seite 4 Überdies sei allein die Tatsache, dass man während Jahre n eine vollständig ausgefüllte Steuererklärung einreiche und sich erst im Jahr der Bee ndigung der obligatorischen Schul- pflicht des jüngsten Sohnes auf die Unrechtmässigkeit der D oppelbesteuerung berufe gera- dezu rechtsmissbräuchlich, insbesondere deswegen, weil es sich vorliegend um die Steuer- periode 2009 handle und der jüngste Sohn seine obliga torische Schulzeit erst im Jahr 2010 beendet habe. Die Pflichtigen würden sich nur deswegen auf die Unrechtmässigkeit der Dop- pelbesteuerung berufen, weil sich diese erstmals nachtei lig auswirke. Daher wollten sie nun ab dem Steuerjahr 2009 nicht mehr in der Schweiz besteuer t werden. Die Pflichtigen unterlägen aber nach wie vor - mindestens jedoch bis zu ihrer defin itiven Abmeldung bei der Gemeinde D. - der schweizerischen Steuerhoheit. Das Steuergericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Das Steuergericht ist gemäss Art. 140 des Bundesgesetz es über die direkte Bundes- steuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 zur Anhandnahme der vorliegenden Streitsache zustän- dig, wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vom 13. Dezember 1994 i.V.m. § 129 Abs. 2 StG Beschwerden, deren umstrittener Steuerbetrag wi e im vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigen, vom Präsidenten des Steuer gerichts und zwei Richterinnen und Richter beurteilt werden. Stellen sich bei Beschwerden n ach den Absätzen 1 und 2 Rechtsfra- gen von grundsätzlicher Bedeutung, kann der Einzelrichter beziehungsweise das Dreiergremi- um den Fall dem Fünfergremium zur Beurteilung übertragen (§ 129 Abs. 5 StG). Nach Prüfung des Sachverhaltes ist das Steuergericht zum S chluss gekommen, dass es sich bei der vorliegenden Beschwerde um eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung handelt, weshalb der Fall dem Fünfergremium zur Beurteilung übertragen wurde. Da die in formeller Hinsicht an eine Beschwerde zu stelle nden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten. Seite 5 2. Der Beurteilung untersteht vorliegend, ob die Steu erpflichtigen in D., Kanton Basel- Landschaft, steuerpflichtig sind. 3. a) Gemäss Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1 990 (StHG) sind natürliche Perso- nen im Kanton Basel-Landschaft kraft persönlicher Zugehör igkeit steuerpflichtig, wenn sie hier ihren steuerrechtlichen Wohnsitz haben. Natürliche Person en sind nach Art. 3 Abs. 1 des Bun- desgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezembe r 1990 (DBG) aufgrund persönli- cher Zugehörigkeit steuerpflichtig, wenn sie ihren steue rrechtlichen Wohnsitz in der Schweiz haben. Gemäss Art. 105 Abs. 1 DBG erheben die kantonale n Behörden die direkte Bundes- steuer von den natürlichen Personen, die zu Beginn der Steuerperiode oder der Steuerpflicht ihren steuerrechtlichen Wohnsitz im Kanton haben. b) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 127 Abs. 3 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) ist der steuer- rechtliche Wohnsitz (Hauptsteuerdomizil) einer unselbständi g erwerbenden Person derjenige Ort, wo sich die betreffende Person mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält bzw. wo sich der Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen befindet (vgl. Ar t. 23 Abs. 1 des Schweizerischen Zivil- gesetzbuches vom 10. Dezember 1907 [ZGB]; Art. 3 Abs. 2 DBG; Art. 3 Abs. 2 StHG; Ent- scheid des Bundesgerichts [BGE] 132 I 29, E. 4.1). Diese r Mittelpunkt der Lebensinteressen bestimmt sich nach der Gesamtheit der objektiven, äusseren Umstände, aus denen sich diese Interessen erkennen lassen, nicht nach den bloss erklärten Wünschen der steuerpflichtigen Person. Auf die gefühlsmässige Bevorzugung eines Ortes komm t es nicht an; der steuerrechtli- che Wohnsitz ist in-sofern nicht frei wählbar. Dem polize ilichen Domizil, wo die Schriften hinter- legt sind oder wo die politischen Rechte ausgeübt werde n, kommt dagegen keine entscheiden- de Bedeutung zu; das sind bloss äussere Merkmale, die ein Indiz für den steuerrechtlichen Wohnsitz bilden können, wenn auch das übrige Verhalten der Person dafür spricht (vgl. Ent- scheid des Steuergerichts [StGE] Nr. 510 09 37 vom 18. Se ptember 2009, E. 3a). Wenn sich eine Person abwechslungsweise an zwei Orten aufhält, nam entlich wenn ihr Arbeitsort und ihr sonstiger Aufenthaltsort auseinanderfallen, ist für die Bestimmung des steuerrechtlichen Wohn- sitzes darauf abzustellen, zu welchem Ort sie die stärkeren Beziehungen unterhält. Bei unselb- ständig erwerbenden Steuerpflichtigen ist das gewöhnli ch der Ort, wo sie für längere oder un- Seite 6 bestimmte Zeit Aufenthalt nehmen, um von dort aus der täglichen Arbeit nachzugehen, ist doch der Zweck des Lebensunterhalts dauernder Natur. Die Fr age, zu welchem der Aufenthaltsorte die steuerpflichtige Person die stärkeren Beziehungen unterhält, ist jeweils aufgrund der Ge- samtheit der Umstände des Einzelfalls zu beurteilen (BGE 132 I 29, E. 4.2 mit Hin-weisen; BGE 2C_770/2007 vom 29. April 2008, E. 3.1). c) Bei verheirateten Personen werden die persönlichen und familiären Kontakte zum Ort, an dem sich ihre Familie (Ehegatte und Kinder ) aufhält, als stärker erachtet als dieje- nigen zum Arbeitsort, wenn sie in nicht leitender Ste llung unselbständig erwerbstätig sind und täglich oder an den Wochenenden regelmässig an den Fa milienort zurück-kehren. Demnach unterstehen verheiratete Pendler oder Wochenaufenthalt er grundsätzlich ausschliesslich der Steuerhoheit desjenigen Kantons, in dem sich ihre Famil ie aufhält; anders verhält es sich nur, wenn sie in leitender Stellung tätig sind (vgl. zum Ga nzen BGE 2P.260/2004 vom 28. April 2005, E. 2.2). Diese Praxis findet auch auf ledige Personen Anwendun g, zählt die Rechtspre- chung doch Eltern und Geschwister ebenfalls zur Familie des Steuerpflichtigen. Allerdings wer- den die Kriterien, nach denen entschieden wird, wann anstelle des Arbeitsorts der Aufenthalts- ort der Familie als Hauptsteuerdomizil anerkannt werde n kann, in der Praxis besonders streng gehandhabt; dies folgt aus der Erfahrung, dass die Bin dung zur elterlichen Familie regelmässig lockerer ist als jene unter Ehegatten. Bei ledigen Ste uerpflichtigen ist vermehrt noch als bei verheirateten Personen zu berücksichtigen, ob weitere als nur familiäre Beziehungen zum einen oder anderen Ort ein Übergewicht begründen. Dadurch erhält der Grundsatz, wonach das Hauptsteuerdomizil von Unselbständigerwerbenden am Arbe itsort liegt, grösseres Gewicht: Selbst wenn ledige Steuerpflichtige allwöchentlich zu den Eltern oder Geschwistern zurückkeh- ren, können die Beziehungen zum Arbeitsort überwiegen. Dies kann namentlich zutreffen, wenn sie am Arbeitsort über einen besonderen Freundes- und Bekanntenkreis verfügen oder sich dort eine Wohnung selber eingerichtet haben oder dort über einen besonderen Freundes- und Bekanntenkreis verfügen. Besonderes Gewicht haben in die sem Zusammenhang auch die Dauer des Arbeitsverhältnisses und das Alter des Steuerpf lichtigen (BGE 2P.200/2006 vom 14. Dezember 2006 E. 3.1; BGE 125 I 54, E. 2b/bb je mit Hinweisen). Auch ein Konkubinatsver- hältnis ist gewöhnlich stärker zu gewichten als die Bindu ngen zum Familienort (vgl. BGE 2C_770/2007 vom 29. April 2008, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). Seite 7 Die Kontakte müssen sich auf einen bestimmten Ort bezie hen; es genügt nicht, dass die Beziehungen generell zu einer bestimmten Regi on insgesamt bestehen. Werden am Wochenende und in der Freizeit Beziehungen zu mehrere n Orten gepflegt, ist eher anzuneh- men, dass der Lebensmittelpunkt und damit der steuerrec htliche Wohnsitz am Arbeitsort ist (vgl. Arnold, Der steuerrechtliche Wohnsitz natürlicher Personen im inter-kantonalen Verhältnis nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung, in: Archiv für Schweizerisches Abgabe- recht [ASA], Bd. 68, S. 458). d) Bei internationalen Verhältnissen bestimmt grundsä tzlich das jeweilige Doppel- besteuerungsabkommen (DBA) das Steuerdomizil, welches aber regelmässig auf das nationale Recht verweist. Besteht kein DBA, gilt uneingeschränkt da s nationale Recht. Besteht dagegen ein DBA, ist im Licht des betreffenden DBA zu prüfen, ob die Steuerhoheit der Schweiz allen- falls durch die negative Wirkung des Staatsvertragsrechts auf das Landesrecht eingeschränkt wird (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 3 N 5). Gemäss dem Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenoss enschaft und der Französischen Republik zur Vermeidung der Doppelbeste uerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen vom 9. Septem ber 1966 (DBA CH-F) gilt eine Person nach Art. 4 Abs. 1 als „in einem Vertragsstaat ansässige Person“, die nach dem Recht dieses Staates dort auf Grund ihres Wohnsitzes, ihres st ändigen Aufenthalts, des Ortes ihrer Geschäftsleitung oder eines anderen ähnlichen Merkmals steuerpflichtig ist. Ist nach Art. 4 Abs. 1 DBA CH-F eine natürliche Person in beiden Vertragsstaaten ansässig, so gilt nach Art. 4 Abs. 2 DBA CH-F folgendes: Die Person gilt als in dem Vertr agsstaat ansässig, in dem sie über eine ständige Wohnstätte verfügt, wobei dieser Ausdruck den Mittelpunkt der Lebensinteressen, d.h. den Ort bezeichnet, zu dem die engsten persönlichen Bezie hungen bestehen (lit. a); kann nicht bestimmt werden, in welchem Vertragsstaat die Person den Mittelpunkt der Lebensinteressen hat, oder verfügt sie in keinem der Vertragsstaaten übe r eine ständige Wohnstätte, so gilt sie als in dem Vertragsstaat ansässig, in dem sie ihren gewöh nlichen Aufenthalt hat (lit. b); hat die Person ihren gewöhnlichen Aufenthalt in beiden Vertra gsstaaten oder in keinem der Vertrags- staaten, so gilt sie als in dem Vertragsstaat ansässig, de ssen Staatsangehörigkeit sie besitzt (lit. c). Seite 8 4. a) Im vorliegenden Fall begründet die Steuerverwa ltung ihre Auffassung, wonach die Pflichtigen ihren Wohnsitz in D. und somit im Kant on Basel-Landschaft haben, damit, dass sich die Schriften der Beschwerdeführer seit dem 1. Sept ember 2001 in D. befänden. Des Wei- teren würden die Kinder der Pflichtigen die Schule i n D. besuchen und der Pflichtige selbst sei in F. unselbständig erwerbstätig. Überdies hätten die Pflichtigen jeweils eine ausgefüllte Steu- ererklärung abgegeben und insbesondere auch die Anschrif t in D. angegeben. An ebendiese Anschrift seien auch der Lohnausweis, die Krankenkassenb elege und weitere Schriften adres- siert worden, ebenso erfolgte eine Prämienverbilligu ng mit der dortigen Adresse. Zudem wird den Pflichtigen ein Verstoss gegen den Grundsatz von T reu und Glauben als Verbot wider- sprüchlichen Verhaltens und des Rechtsmissbrauchs vorgeworfen. b) Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kommt der Hinterlegung der Schrif- ten keine entscheidende Bedeutung zu, sondern stellt led iglich ein Indiz dar. Ebenso verhält es sich mit den übrigen Argumenten der Steuerverwaltung. Sie alle können lediglich als Hinweise für die Bestimmung eines steuerrechtlichen Wohnsitzes in D. dienen. In casu konnten diese Hinweise allerdings entkräftet werden. Die Pflichtigen bezogen im Jahr 2001 ein in Frankreich (…) erworbenes Einfamilienhaus und können das Bewohnen dieses Hauses unter anderem mit Strom- und Gasrechnungen nachweisen. An der Adresse in D. hingegen sind die Mutter des Pflichtigen sowie sein Bruder samt Ehefrau und Sohn an gemeldet, was es schwer vorstellbar macht, dass auch noch die beiden Pflichtigen mit ihren zwe i Kindern Platz in diesem Einfamili- enhaus finden sollen. Auch liegen eine Bestätigung der unbeschränkten Steuerpflicht in Frank- reich sowie ein Einkommenssteuerbescheid aus Frankreich b etreffend das Einkommen 2009 vor. Bezüglich der Tatsache, dass der Pflichtige in F. berufstätig ist und seine Kinder die Schule in D. besuchten, konnte glaubhaft gemacht werden, dass d ie Pflichtigen nach der Arbeitstätig- keit oder dem Besuch der Schule jeweils wieder an ihren Wohnort in Frankreich (…) zurückge- kehrt sind. Bezüglich des vorgeworfenen rechtsmissbräuchlichen Verhalt ens der Pflichtigen lässt sich aus den Akten zum Einspracheverfahren im Jahr 20 05 erkennen, dass die Gemeinde D. damals schon um die Wohnsituation der Pflichtigen wuss te, aber zu-gunsten der Steuerer- träge auf weitere diesbezügliche Schritte verzichtete. De mzufolge kann dem Argument des rechtsmissbräuchlichen Verhaltens, welches auf Seite der Pflichtigen vorgelegen haben soll, nicht gefolgt werden. Seite 9 c) Aufgrund all dieser Hinweise erachtet es das Steue rgericht als erwiesen, dass sich der steuerrechtliche Wohnsitz der Pflichtigen in der Steuerperiode 2009 nicht im Kanton Basel-Landschaft befand. Mögliche unrechtmässig in Ans pruch genommene Leistungen, wie diejenigen von der Schule in D. oder Prämienverbilligungen, können nicht in die Beurteilung des steuerrechtlichen Wohnsitzes miteinfliessen, sondern sind separat von den zuständigen Stellen zu prüfen. d) Die Steuerverwaltung wies zusätzlich darauf hin, dass in Fällen, in denen auf- grund Art. 4 Abs. 2 lit. a und b DBA F/CH keine Zuor dnung stattfinden kann und die Person ih- ren gewöhnlichen Aufenthalt in beiden Vertragsstaaten oder in keinem der Vertragsstaaten hat, sie in dem Vertragsstaat als ansässig gilt, dessen Staatsa ngehörigkeit sie besitzt. Letztlich er- folgt somit auch eine Zuordnung über das Kriterium de r Staatsangehörigkeit nach Art. 4 Abs. 2 lit. c DBA F/CH, was bedeutet, dass die Beschwerdeführer im Zweifelsfalle aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit in der Schweiz steuerpflichtig wär en. Vorliegend ist jedoch entgegen der Auffassung der Steuerverwaltung die Anrufung von Art. 4 Abs. 2 lit. c DBA F/CH nicht erforder- lich, da es wie oben dargelegt genügend Hinweise dafür gibt, dass sich der Wohnsitz der Pflich- tigen im fraglichen Zeitraum in Frankreich (…) befand. In Würdigung aller aktenkundigen äusseren Umstände komm t das Steuergericht deshalb zum Schluss, dass die Pflichtigen ihren Wohnsitz in der Steu erperiode 2009 nicht im Kanton Basel- Landschaft hatten und nicht in D. wohnhaft waren. Die Pflichtigen konnten somit die Vermutung der Steuerverwaltung, dass sich ihr Lebensmittelpunkt und damit der steuerrechtliche Wohnsitz im Kanton Basel-Landschaft befanden, umstossen. Somit erweist sich die Beschwerde als begründet und sie ist daher gutzuheissen. 5. a) Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind den Beschwerdeführern nach Art. 144 Abs. 1 DBG keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. b) Nach Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 bi s 3 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG) ka nn der ganz oder teilweise ob- siegenden Partei für den Beizug eines Vertreters eine angemessene Parteientschädigung zu- Seite 10 lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Für das Beschwerdeverfahren macht der Vertre- ter der Pflichtigen für die beiden Parallelverfahren Staats- und direkte Bundessteuer ein Hono- rar in der Höhe von Fr. 3‘738.40 inkl. MWSt geltend. Entsprechend dem Ausgang des Verfah- rens wird den Pflichtigen eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘869.20 (Fr. 3‘738.40 / 2) inkl. Auslagen und MWSt zu Lasten der Steuerverwaltu ng des Kantons Basel-Landschaft zugesprochen. Seite 11 Demgemäss w i r d e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen g utgeheissen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. Der bereits bezahlt e Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 400.-- wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 3. Die Steuerverwaltung hat den Beschwerdeführern ei ne Parteientschädigung in Höhe von Fr. 1‘869.20 (inklusive Auslagen und MWSt) zu bezahlen. 4. Mitteilung an den Vertreter, für sich und zhd. der Beschwerdeführer (2), die Eidgenös- sische Steuerverwaltung, Bern (1) und die Steuerverwalt ung des Kantons Basel- Landschaft (3). Steuergerichtspräsident: C. Baader Gerichtsschreiberin i.V.: D. da Silva