Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer Geschäfts-Nr.: PQ220063-O/U Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. E. Lichti Aschwanden, Vorsitzende, Oberrichterin lic. iur. M. Stammbach und Oberrichterin lic. iur. R. Bantli Keller sowie Gerichtsschreiberin MLaw N. Gautschi Urteil vom 28. November 2022 in Sachen A._____, Beschwerdeführer vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____, gegen 1. B._____, 2. C._____, 3. D._____, Beschwerdegegner 1, 2 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____, betreffend Stiefkindadoption einer volljährigen Person Beschwerde gegen einen Beschluss und ein Urteil des Bezirksrates Affol- tern vom 6. September 2022; VO.2020.13 (Kindes- und Erwachsenenschutz- behörde Affoltern) - 2 - Erwägungen: I. 1. A._____ (nachfolgend Beschwerdeführer), ist das erwachsene gemeinsame Kind der verheirateten Eltern, B._____ (Beschwerdegegner 1) und C._____ (Be- schwerdegegnerin 2). D._____ (Beschwerdegegnerin 3) ist die Tochter der B e- schwerdegegnerin 2 aus einer früheren Beziehung; sie lebte von klein auf bei der Mutter sowie dem Beschwerdegegner 1. 2. Mit Eingabe vom 6. Oktober 2019 stellte der Beschwerdegegner 1 bei der Kindes- und Erwachs enenschutzbehörde Bezirk Affoltern (KESB) einen Antrag auf Erwachsenenadoption der Beschwerdegegnerin 3 (KESB act. 4 und 4/1 -9). Nach diversen Abklärungen und der Anhörung der Beschwerdegegner 1-3 sprach die KESB mit Entscheid vom 2. Juli 2020 unter Berück sichtigung des schriftlichen Einverständnisses des Beschwerdeführers die Adoption der Beschwerdegegne- rin 3 durch den Beschwerdegegner 1 aus und erklärte das bisherige Kindesver- hältnis zum leiblichen Vater der Beschwerdegegnerin 3, E._____, als erloschen (RB act. 2 = KESB act. 32). 3. Dagegen erhob der Beschwerdeführer beim Bezirksrat Affoltern Beschwerde und verlangte im Wesentlichen die Sistierung des Beschwerdeverf ahrens sowie die Aufhebung der Adoption ( vgl. BR act. 1, 4, 25 und 38). Der Bezirksrat führte sein Verfahren durch , wobei bezüglich des detaillierten Verlaufs auf die Darste l- lung im angefochtenen Entscheid verwiesen werden kann (act. 9 S. 3 ff.). Mit Be- schluss vom 6. September 2022 wies der Bezirksrat den Sistierungsantrag des Beschwerdeführers ab und wies mit Urteil vom gleichen Tag auch die Beschwer- de ab (act. 4/1 = act. 9 [Aktenexemplar] = BR act. 55). 4. Der Beschwerdeführer legte dagegen mit Eingabe vom 28. September 2022 bei der Kammer Beschwerde ein und stellt folgende Anträge (act. 2): 1. Die Ziff. II des Beschlusses des Bezirksrats Affoltern vom 6. September 2022 (Geschäfts-Nr. VO.2020.13/3.02.00) sei aufzuheben und wie folgt zu ersetzen: - 3 - Das Verfahren vor Bezirksrat sei bis zum Abschluss des Straf verfahrens gegen C._____, Beschwerdegegnerin 2, zu sistieren. 2. Die Ziff. I des Urteils des Bezirksrats Affoltern vom 6. September 2022 (G e- schäfts-Nr. VO.2020.13/3.02.00) sei aufzuheben und wie folgt zu ersetzen: Die Beschwerde von A._____ wird gutgeheissen. Der Ent scheid Nr. 2020.0645 der KE SB Affoltern vom 2. Juli 2020 wird aufgehoben und das G e- such um Adoption von D._____, Beschwerdegegnerin 3, durch B._____, Be- schwerdegegner 1, wird abgewiesen. 3. Das vorliegende Beschwerdefahren sei bis zum Abschluss des Strafverfahrens gegen C._____, Beschwerdegegnerin 2, zu sistieren. 4. Eventualiter sei die Sache der KESB Affoltern zu einem neuen Entscheid z u- rückzuweisen. 5. Ziff. II. und III. des Urteils seien aufzuheben und die Kosten des vorinstanzl i- chen Verfahrens seien den Beschwerdegegnern aufzuer legen und dem B e- schwerdeführer sei eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 7.7% MwSt.) zu Lasten der Beschwerdegegner. Die Akten des Bezirksrats (act. 10/1-56, zitiert als BR act.) sowie der KESB (act. 10/7/1-114, zitiert als KESB act.) w urden von Amtes wegen beigezogen. Weiterungen erübrigen sich (vgl. §§ 66 und 68 EG KESR). Die Sache ist spruc h- reif. II. 1. Es handelt sich um eine Beschwerde gegen einen Entscheid der KESB als Adoptionsbehörde (Art. 268 Abs. 1 ZGB i.V.m. § 56a EG ZGB). Soweit das Bun- desrecht das Beschwerdeverfahren bei Anfechtung einer Adoption nach Art. 269 ff. ZGB nicht regelt, richtet sich das Verfahren nach dem kantonalen Recht. Gemäss § 40 EG KESR sind in erster Linie die Bestimmungen des ZGB (Art. 450 ff. ZGB) und danach diejenigen des EG KESR anzuwenden. Enthalten beide Gesetze keine Bestimmungen, kommen die Regeln des GOG und subsidiär der ZPO sinngemäss zur Anwendung. - 4 - 2. 2.1. Der Beschwerdeführer erhebt eine Beschwerde gemäss Art. 269a ZGB. Da- nach ist jede Person, die ein Interesse hat, zur Anfechtung der Adoption berec h- tigt. Der Beschwerdeführer verfügt als leiblicher Sohn des Adoptierenden (B e- schwerdegegner 1) und angehender B ruder der zu Adoptierenden (Beschwerde- gegnerin 3) über ein hinreichendes Interesse an der Anfechtung. 2.2. Der Kanton Zürich kennt ein zweistufiges Beschwerdeverfahren. Beschwer- den gegen Entscheide der KESB werden in erster Instanz vom Bezirksrat und in zweiter Instanz vom Obergericht beurteilt (§§ 40 und 64 EG KESR und § 50 lit. b GOG). Gegenstand im zweitinstanzlichen Beschwerdeverfahren können nur Ent- scheide des Bezirksrats sein. Für den Weiterzug des Entscheids der ersten an die zweite Beschwerdeinstanz gilt die 30- tägige Beschwerdefrist gemäss Art. 450b ZGB. Hingegen bestimmt Art. 269b ZGB die Frist für die Anfechtung des Ent- scheids der KESB. Danach kann der Adoptionsentscheid binnen sechs Monaten seit Entdeckung des Anfechtungsgrundes (relative Frist) und in jedem Fall binnen zwei Jahren seit der Adoption (absolute Frist) angefochten werden. Die B e- schwerde an die Kammer wurde rechtzeitig innert 30 Tagen gemäss Art. 450b ZGB und mit Anträgen sowie einer Begründung versehen erhoben (act. BR act. 56/1 und act. 2; Art. 450 Abs. 3 und 450b ZGB). Damit steht dem Eintreten auf die Beschwerde nichts entgegen. 3. Mit der Beschwerde gemäss §§ 64 ff. EG KESR i.V.m. Art. 450 ff. ZGB kann neben Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung eine Rechtsverletzung, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes oder Unangemessenheit des Entscheides gerügt werden ( vgl. Art. 450a Abs. 1 ZGB). Sowohl für das Verfahren vor der KESB wie auch vor den Beschwer- deinstanzen gilt die umfassende Untersuchungsmaxime und das Gericht ist nicht an die Anträge der am Verfahren beteiligten Personen gebunden (Art. 268a ff. ZGB, vgl. § 65 EG KESR und Art. 446 ZGB; vgl. BGer 5A_770/2018 vom 6. März 2019 E. 3.2). Von der Beschwerde führenden Partei ist jedoch darzulegen und aufzuzeigen, inwiefern der angefochtene Entscheid als fehlerhaft erachtet wird. Sie muss sich sachbezogen mit den Entscheidgründen des angefochtenen Ent-- 5 - scheides auseinandersetzen und darlegen, inwiefern die Vorinstanz das Recht falsch angewendet oder den Sachverhalt unrichtig festgest ellt hat. Dies gilt auch im Bereich der Untersuchungsmaxime ( Art. 268a, vgl. § 65 EG KESR; BGE 141 III 569 E. 2.3.3 und BGE 138 III 374 E. 4.3.1). Ansonsten kann die Beschwer- deinstanz den angefochtenen Entscheid in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend überprüfen. Die Beschwerdeinstanz darf sich aber primär auf die gel- tend gemachten Rügen und Anträge konzentrieren (BSK ZGB I -D ROESE/STECK, Art. 450a N 5). 4. 4.1. Der Beschwerdeführer wendet sich zunächst mit Antrag Ziff. 1 gegen die Abweisung seines Sistierungsgesuchs durch die Vorinstanz und verlangt mit An- trag Ziff. 3 die Sistierung des Beschwerdeverfahrens vor der Kammer. Er möchte, dass die Beschwerdeverfahren bis zum Abschluss des Strafverfahrens gegen die Beschwerdegegnerin 2 sistier t werden (act. 2 Rz 9 ff.). Dem Strafverfahren liegt der Vorwurf des Beschwerdeführers z ugrunde, die Beschwerdegegnerin 2 habe seine Unterschrift auf der Zustimmungserklärung zur Adoption vom 7. September 2019 (KESB act 4/1) gefälscht. 4.2. Die Vorinstanz führte dazu aus, gemäss Art. 126 ZPO könne ein Verfahren sistiert werden, wenn der Entscheid vom Ausgang des Strafverfahrens abhängig sei. Diese Voraussetzung sei nicht erfüllt, weil es für die Adoption der Beschwe r- degegnerin 3 durch den Beschwerdegegner 1 keiner Zustimmung des Beschwer- deführers bedürfe und sich die Strafuntersuchung gegen die Beschwerdegegne- rin 2 und nicht gegen den Beschwerdegegner 1 richte (act. 9 S. 15 f.). 4.3. Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, der Ausgang des Strafv erfahrens sei für das Adoptionsverfahren überaus relevant. Stelle sich heraus , dass die B e- schwerdegegnerin 2 die Unterschrift des Beschwerdeführers gefälscht habe, läge eine Persönlichkeitsverletzung vor, welche beweisen würde, dass der Beschwer- deführer gezielt aussen vor gelassen und die Adoption auf rechtsmissbräuchliche Art erreicht werden sollte (act. 2 Rz 9 ff.). 4.4. Die Einwände des Beschwerdeführers überzeugen nicht. Ein enger sachl i- cher Konnex zwischen den beiden Verfahren fehlt. Die Adoption kann auch ohne - 6 - die Einwilligung des Beschwerdeführers ausgesprochen werden; seine Zustim- mung bildet keine Voraussetzung ( vgl. Art. 268a quater Abs. 1 ZGB, vgl. nachfol- gend E. II/6.1). Insofern würde eine Verurteilung der Beschwerdegegnerin 2 we- gen Urkundenfälschung weder das Adoptionsverfahren präjudizieren noch zu wi- dersprüchlichen Entscheiden führen. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt , rich- tet sich d er strafrechtliche Vorwurf gegen die Beschwerdegegnerin 2 und nicht gegen die KESB, den Beschwerdegegner 1 oder die Beschwerdegegnerin 3. Eine massgebliche Mitwirkung bei der Planung oder Ausführung der allfälligen Urkun- denfälschung (Bsp. gemeinsame Absprache mit der Beschwerdegegnerin 2) wird keiner Person angelastet. Zudem ist nicht erkennbar, dass eine Verurteilung der Beschwerdegegnerin 2 den Adoptionswillen des Beschwerdegegners 1 oder der Beschwerdegegnerin 3 massgeblich beeinflussen würde (KESB act. 18 und BR act. 35). Damit fehlt der für eine Sistierung nötige enge sachliche Zusammenhang mit dem Strafve rfahren. Ob die Ablehnung durch den Beschwerdeführer der Adoption entgegensteht, ist im Rahmen der materiellen Behandlung der B e- schwerde zu prüfen (E. II/6.5). 4.5. Soweit der Beschwerdeführer (nur) einen Verfahrensmangel rügen möchte (act. 2 Rz 12), lässt er offen, welche Verfahrensvorschrift die KESB verletzte oder der Bezirksrat übersah (zum Vorwurf de r Verletzung des rechtlichen Gehör s vgl. nachfolgend E. II/5). In Betracht fällt insbesondere, dass die KESB bei Fällung des Adoptionsentscheids von der angeblichen Fälschung der Unterschrift des Be- schwerdeführers auf der Zustimmungserklärung keine Kenntnisse hatte und ha- ben musste. Der Beschwerdeführer erhob diesen Vorwurf erstmals in der Stel- lungnahme vom 10. Juni 2021 an den Bezirksrat (BR act. 25). Aus dem Blickwin- kel der KESB ist nachvollziehbar, dass sie von einer Anhörung des Beschwerde- führers absah. Eine Verurteilung der Beschwerdegegnerin 2 erfolgte bis heute nicht. 4.6. Zusammenfassend fehlen Gründe, die Beschwerdeverfahren vor Bezirksrat und der Kammer zu sistieren, bis das Strafverfahren gegen die Beschwerdegeg- nerin 2 wegen Urkun denfälschung abgeschlossen ist . Die Beschwerdeanträge Ziff. 1 und 3 sind demnach abzuweisen. - 7 - 5. 5.1. Der Beschwerdeführer rügt eine besonders schwerwiegende Verletzung seines Anspruchs auf rechtliche s Gehör . Die Vorinstanz sei zu Unrecht davon ausgegangen, dass di e Verletzung im Beschwerdeverfahren geheilt worden sei. Sein rechtliches Gehör sei zentral. Ihm werde eine " neue Schwester " zur Seite gestellt; mehr könne man nicht von einer Adoption betroffen sein (act. 2 Rz 20 f.). 5.2. Die Vorinstanz erwog, d er Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV verlange, dass die rechtserheblichen Vorbringen der Parteien gehört und bei der Entscheidfindung berücksichtigt werden. Eine Verletzung führe unge- achtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels zur Gutheissung der B e- schwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Sie könne jedoch ausnahmsweise geheilt werden, wenn die betroffene Person die Möglichkeit e r- halte, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äuss ern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen könne (act. 9 S. 17 f.). Diese Erwägun- gen sind zutreffend und entsprechen konstanter Bundesgerichtspraxis . Zu ergän- zen ist, dass d ie Wahrung des rechtlichen Gehörs keinen Selbstzweck darstellt. Es genügt deshalb nicht, eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend zu m a- chen, sondern die beschwerdeführende Partei hat in der Begründung des Rechtsmittels anzugeben, was sie vor Vorinstanz vorgebracht und wie es sich auf den Entscheid ausgewirkt hätte, wenn sie angehört worden wäre (BGer 4A_453/2016 vom 16. Februar 2017 E. 4.2.3 mit zahlreichen Hinweisen; vgl. wei- ter auch BGer 4A_438/2019 vom 23. Oktober 2019 E. 3.2; BGer 5A_85/2021 vom 26. März 2021 E. 6.2). 5.3. Gemäss Art. 268aquater ZGB ist die Einstellung der Nachkommen der adopt i- onswilligen Person zu würdigen. D er Beschwerdeführer als Nachkomme des B e- schwerdegegners 1 hat Anspruch, im vorliegenden Adoptionsverfahren angehört zu werden. D ie KESB führte aus, der Beschwerdeführer habe a m 7. September 2019 schriftlich sein Einverständnis zur Adoption erklärt (BR act. 2 S. 3). Aufgrund dieser Erklärung sah sie von weiteren Erkundigungen beim Beschwerdeführer ab. Der Bezirksrat folg erte diesbezüglich, zwar wäre der Anspruch des Beschwerde- führers auf rechtliches Gehör verletzt, sollte es sich bei der Erklärung tatsächlich - 8 - um eine Fälschung handeln. E ine allfällige Verletzung sei jedoch geheilt worden, weil sich der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren wiederholt ausführlich zur Adoption habe äussern können (act. 9 S. 17 ff.). 5.4. Den Ausführungen der Vorinstanz ist nichts entgegenzusetzen . Der B e- schwerdeführer konnte sich in d en Beschwerdeschriften an den Bezirksrat (BR act. 1 und 4), in der Stellungnahme vom 10. Juni 2021 (BR act. 25), in der Replik (BR act. 38) sowie in der Stellungnahme zur Duplik (BR act. 43) frei zur Adoption äussern. Die Stellungnahme vom 10. Juni 2021 sowie die Replik wurden von sei- nem damaligen Rechtsvertreter verfasst. Darin liess der Beschwerdeführer unter anderem den Vorwurf der Fälschung gegenüber der Beschwerdegegnerin 2 erhe- ben (BR act. 25 S. 2 und BR act. 38 S. 3 f.). Es trifft folglich zu, dass e r vor Vor- instanz seine Einwände gegen die Adoption vortragen konnte. Der Bezirksrat hat diese gehört und geprüft (act. 9 S. 18 ff.). Damit wurde eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs bei der KESB im erstinstanzlichen Beschwerdeverfahren geheilt. Der Beschwerdeführer liess überdies offen, welche für den Entscheid r e- levanten Behauptungen er bei der KESB hätte einbringen wollen, die vom B e- zirksrat nicht berücksichtigt werden konnten. Solche Einwände sind auch nicht er- sichtlich. Die Rüge der Gehörsverletzung erweist sich somit als unbegründet. 5.5. Soweit der Beschwerdeführer eine Gehörsverletzung des leiblichen Vaters der Beschwerdegegnerin 3 geltend macht (act. 2 Rz 21), fehlt es ihm am nötigen schutzwürdigen Interesse, zumal nicht sein eigener Anspruch in Frage steht und er nicht dartut, wie sich ei ne Stellungnahme von E._____ konkret zu seinen Guns- ten auswirken könnte (vgl. Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO). Auf seine Vorbringen ist da- her nicht näher einzugehen. Der Vorwurf der Gehörsverletzung wäre auch nicht evident. E ._____ verstarb am 11. November 2020, nachdem ihm bereits mit Schreiben der KESB vom 5. Mai 2020 Frist zur Stellungnahme zur Adoption ei n- geräumt worden war (BR act. 36/1, KESB act. 24). Eine Stellungnahme ging s o- weit ersichtlich nicht ein. 6. 6.1. Art. 266 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB verlangt bei der Adoption einer volljährigen Per- son, dass die adoptionswillige Person der zu Adoptierenden während ihrer Mi n-- 9 - derjährigkeit mindestens ein Jahr lang Pflege und Erziehung erwiesen hat. Eigene Nachkommen der adoptionswilligen Personen stehen der Adoption nicht e ntge- gen. Deren Einstellung zur Adoption ist jedoch in Erfahrung zu bringen und zu würdigen. Bei negativer Einstellung kann die Adoption das Wohl der zu adopti e- renden Person oder das Wohl der Nachkommen gefährden. Eine eigentliche Zu- stimmung der Nachkommen ist jedoch nicht erforderlich, womit die Adoption auch bei ablehnender Haltung möglich bleibt (OFK ZGB-FANKHAUSER/BUSER, 4. Auflage 2021, Art. 268aquater N 1). Die Adoption einer erwachsenen Person kann gemäss Art. 269a ZGB ange- fochten werden, wenn sie an schwerwiegenden Mängeln leidet. Als s chwerwie- gende Mängel gelten beispielsweise die wesentliche Unterschreitung des Mi n- destaltersunterschiedes, das Fehlen eines echten Pflegeverhältnisses oder eine erbrechtliche Zurücksetzung der eigenen Nachkommen als Hauptzweck . Schwerwiegend ist ein Mangel nur, wenn mit ihm der Wesensgehal t der Adoption unterlaufen wird. Es müssen wesentliche Interessen der Beteiligten oder der Ö f- fentlichkeit das Kindesinteresse an der Adoption überwiegen. Die Adoption hat dem Wohl resp. dem Interesse der zu adoptierenden Person Rechnung zu tragen (BGE 137 I 154 E. 3.3.2; KUKO ZGB- MONIKA PFAFFINGER, Art. 269a ZGB; BSK ZGB I-BREITSCHMID, Art. 269a N 2; BK-HEGNAUER, Art. 269a ZGB N 4). 6.2. Der Beschwerdeführer erkennt einen schwerwiegenden Mangel darin, dass mit der Adoption primär adoptionsfremde Zwecke, nämlich seine Enterbung als leiblicher Nachkomme des Beschwerdegegners 1 und eine unzulässige Zurüc k- setzung verfolgt würden. Die Adoption stehe im Zusammenhang mit der Ver- schlechterung seiner finanziellen Verhältnisse und soll verhindern, dass allfällige Vermögenswerte des Beschwerdegegners 1 bzw. dereinst seines Nachlasses i n- direkt an seine missliebige neue Partnerin gelangten. Die Vorinstanz habe über- dies sein berechtigtes Interesse nicht beachtet, dass er als leiblicher Sohn des Beschwerdegegners 1 keine "neue Schwester" wolle. Die bestehende Familien- struktur sei für eine Integration der Beschwerdegegnerin 3 nicht stabil genug und die bisherige Familie würde faktisch zerstört . Es gebe nach 15 Jahren keinen sachlichen Grund für diese Adoption. Der Beschwerdegegner 1 habe sich abrupt - 10 - von ihm abgewendet, den Kontakt abgebrochen und widme sich nur noch der Be- schwerdegegnerin 3 (act. 2 Rz 13 ff.). 6.3. Der Beschwerdeführer erhebt damit im Wesentlichen die gleichen Einwände gegen die Adoption wie im Beschwerdeverfahren vor Bezirksrat (vgl. BR act. 25 und 38). Die Vorinstanz ging auf die Interessenlage der Beteiligten sorgfältig ein und legte nachvollziehbar dar, weshalb allfällige finanzielle oder erbrechtliche Überlegungen des Beschwerdegegners 1 der Adoption nicht entgegenstehen. Der Hauptzweck der Adoption bestehe darin, die viele Jahr e gelebte faktische Vater- Tochter-Beziehung zwischen dem Beschwerdegegner 1 und der Beschwerde- gegnerin 3 zu verrechtlichen. Die (Nachhol -)Adoption diene dem Wohl der B e- schwerdegegnerin 3 und werde vom Beschwerdegegner 1 aus achtenswerten Gründen angestrebt (act. 9 S. 19 ff.). Diesen Überlegungen des Bezirksrats ist beizupflichten. Es ist unbestritten, dass die Beschwerdegegnerin 3 seit früher Kindheit bei ihrer leiblichen Mutter, der Beschwerdegegnerin 2, und dem B e- schwerdegegner 1 lebte und sie von ihrem Stiefvater während 16 Jahren aufge- zogen wurde. Die Beschwerdegegnerin 3 übernahm auch dessen Familiennamen bis zu ihrer Heirat (KESB act. 11/5). Zum leiblichen Vater unterhielt sie dagegen fast keine Kontakte und dieser bemühte sich soweit ersichtlich nie um eine Bezie- hung zu ihr (KESB act. 18 S. 5). D essen Betreuungs- und Erziehungsaufgaben wurden vollumfänglich vom Beschwerdegegner 1 wahrgenommen, welcher für die Beschwerdegegnerin 3 seit langem moralisch die Vaterrolle einnimmt. Die Adop- tion scheint aufgrund der langen persönlichen Verbundenheit und gelebten famili- ären Beziehung primär ein emotionales Anliegen der Involvierten zu erfüllen (KESB act. 18 S. 2 und 4; BR act. 35). Im Vordergrund steht deshalb das berec h- tigte Interesse des Beschwerdegegners 1 und der Beschwerdegegnerin 3, durch Adoption das Kindesverhältnis zwischen ihnen mit allen rechtlichen Auswirkungen zu begründen. 6.4. Die Vorwürfe, es würden mit der Adoption primär finanzielle oder erbrechtli- che Aspekte verfolgt, überzeugen dagegen nicht und führen zu keiner anderen Beurteilung. Das Aufwachsen als Halbgeschwis ter im gemeinsamen Familienver- band spricht deutlich für das ehrenwerte Motiv des Beschwerdegegners 1, den Beschwerdeführer und die Beschwer degegnerin 3 als Nachkommen gleichzuset-- 11 - zen, auch wenn dies aus Sicht des Beschwerdeführers als ungerechtfertigte Zu- rücksetzung empfunden wird. Die mit einer Adoption einhergehende Schmälerung seiner zukünftigen gesetzlichen Erbansprüche am Nachlass des Beschwerde- gegners 1 ist als notwendige Konsequenz der Adoption hinzunehmen und bedeu- tet an sich noch keine unzulässige Zurücksetzung. Der Beschwerdeführer wirft ein, der Beschwerdegegner 1 habe sich unvermittelt von ihm abgewandt , den Kontakt abgebrochen und widme sich s tattdessen vollständig seiner S tieftochter (act. 2 Rz 19). Die Entwicklung, dass seit Herbst 2019 erhebliche Konflikte zw i- schen ihm und dem Beschwerdegegner 1 bestehen und sich der Beschwerde- gegner 1 von ihm distanzierte, mag für den Beschwerdeführer ungerecht erschei- nen, ändert aber ni chts am berechtigten Interesse insbesondere der Beschwer- degegnerin 3 an der Adoption (vgl. BR act. 11, 12/1, 25, 35, 38, 41 und 43). Ob die Abkühlung der Beziehung auf die Verschlechterung der finanziellen Verhäl t- nisse des Beschwerdeführers und seine Beziehung zur neuen Partnerin zurüc k- zuführen ist, wie der Beschwerdeführer vermutet, kann offen bleiben. Denn er vermag nicht aufzuzeigen, dass diese Umstände den Ausschlag zur Adoption ga- ben bzw. den Adoptionswillen des Beschwerdegegners 1 hauptsächlich beein- flussten (vgl. KESB act. 18). Selbst gewis se finanzielle oder erbrechtliche Motive des Beschwerdegegners 1 wiegten die im Vordergrund stehenden achtenswerten Gründe für eine Adoption der Beschwerdegegnerin 3 nicht auf . Der späte Zei t- punkt steht der Adoption nicht entgegen. Es ist nachvollziehbar, dass die gesund- heitlichen Probleme des heute 78- jährigen Beschwerdegegners 1 (er unterzog sich im Jahr 2019 zwei Herzoperationen, KESB act. 4 und 18 S. 3) ihm die Dring- lichkeit vor Augen führten, das seit Jahren bestehende ( faktische) Kindesverhält- nis zur Beschwerdegegnerin 3 rechtlich zu besiegeln. 6.5. Zu prüfen bleibt, ob die vehemente Ablehnung durch den Beschwerdeführer einer Adoption entgegensteht und das Wohl der Beschwerdegegnerin 3 oder des Beschwerdeführers gefährdet. Gemäss Angaben der Beschwerdegegnerin 3 be- stehe zum Beschwerdeführer kein sehr enger Kont akt und sie hätten aufgrund des Altersunterschieds von acht Jahren naturgemäss unterschiedliche Interessen gehabt. Sie seien jedoch zusammen aufgewachsen und würden sich an Familien- festen gelegentlich sehen (KESB act. 18 S. 3). Aus Sicht der Beschwerdegegne-- 12 - rin 3 bedeutet die ablehnende Haltung des Halbbruders scheinbar kein Hindernis oder ein besonderes Erschwernis für die Adoption, sondern sie scheint mit dieser Situation gut umgehen zu können. Der Beschwerdeführer ist 49 Jahre und die Beschwerdegegnerin 3 heute 57 Jahre alt. Unter diesen Umständen fällt die A b- lehnung durch den Beschwerdeführer auch aus objektiver Sicht nicht massgeblich ins Gewicht, geht es nach der Adoption doch nicht darum, ein H albgeschwister in das gemeinsame Familienleben zu integrieren. Da die Beschwerdegegnerin 3 seit Geburt des Beschwerdeführers zur Familie gehört und keine frühere familiäre Konflikte bekannt sind, ist nicht einzusehen, weshalb die Adoption für den B e- schwerdeführer unzumutbar sein und die Familie überm ässig belasten könnte. Weder er noch die Beschwerdegegnerin 3 leben im gemeinsamen Haushalt mit den übrigen Parteien. Der Einwand, eine Adoption stelle für ihn eine emotionale Belastung dar, weil er dadurch mit 50 Jahren ein "neues Geschwister“ bekommen soll, welches den Familienfrieden untergräbt (act. 2 Rz. 22), ist unter den konkr e- ten Umständen nicht nachvollziehbar und bleibt unbelegt. Seine Ablehnung spricht daher nicht gegen die Adoption. 7. Zusammenfassend gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, schwerwiege n- de Mängel der Adoption im Sinne von Art. 269a ZGB , namentlich überwiegend fi- nanzielle oder erbrechtliche Gründe sowie eine unzulässige Zurücksetzung, dar- zutun. 8. Die Mindestdauer der Pflege von einem Jahr gemäss Art. 266 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB wird vorliegend weit überschritten, weshalb alle Voraussetzungen für die Adoption erfüllt sind. Als Folge sind d ie Beschwerdeanträge Ziff. 2 und 4 abz u- weisen, so dass der Beschwerdeführer im Ergebnis vollumfänglich unterliegt. Der Beschluss und das Urteil des Bezirksrats vom 6. September 2022 sowie der Ent- scheid der KESB vom 2. Juli 2020 sind zu bestätigen. Dies führt dazu, dass d ie Adoption der Beschwerdegegnerin 3 durch den Beschwerdegegner 1 zu Recht ausgesprochen wurde, womit das Kindesverhältnis der Beschwerdegegnerin 3 zum leiblichen Vater erlosch. - 13 - 9. 9.1. Es handelt sich um eine nicht vermögensrechtliche Angelegenheit. Die G e- richtsgebühr für das zweitinstanzliche Beschwerdeverfahren ist gestützt auf § 12 Abs. 1 und 2 GebV OG gemäss § 5 Abs. 1 GebV OG zu bemessen, welche Be- stimmung einen Rahmen von CHF 300.– bis CHF 13'000.– vorsieht. Aufgrund des überschaubaren Zeitaufwands und der mässigen Schwierigkeit des Falles ist die Gerichtsgebühr auf CHF 1'000.– festzulegen. Der Beschwerdeführer unterliegt vollständig, weshalb ihm die Kosten des zweitinstanzlichen Beschwerdev erfah- rens aufzuerlegen sind (Art. 106 Abs. 1 ZPO). 9.2. Eine Parteientschädigung ist nicht auszurichten; dem Beschwerdeführer nicht, weil er unterliegt, und den Beschwerdegegnern 1- 3 nicht, weil ihnen keine zu entschädigenden Aufwände entstanden sind. 9.3. Bei diesem Verfahrensausgang hat es bei der Kosten- und Entschädigungs- regelung zulasten des Beschwerdeführers im vorinstanzlichen Ent scheid (act. 9 Dispositiv-Ziff. II und III) sein Bewenden. Es wird erkannt: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen und der Beschluss sowie das Urteil des Bezirksrats Affoltern vom 6. September 2022 und der Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bezirk Affoltern vom 2. Juli 2020 werden bestätigt. 2. Die Entscheidgebühr im zweitinstanzlichen Beschwerdeverfahren wird auf CHF 1'000.– festgesetzt und dem Beschwerdeführer auferlegt. 3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 4. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, die Kindes - und Erwachsenenschutz- behörde Bezirk Affoltern sowie – unter Rücksendung der eingereichten A k- ten – an den Bezirksrat Affoltern, je gegen Empfangsschein. - 14 - 5. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesge- richt, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um eine nicht vermögensrechtliche Angelegenheit. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer Die Gerichtsschreiberin: MLaw N. Gautschi versandt am: