B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2127/2016 wiv U r t e i l v o m 2 2 . F e b r u a r 2 0 1 7 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Daniela Brüschweiler, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______, geboren am [...], Somalia, vertreten durch lic. iur. Florian Wick, Rechtsanwalt, [...], Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl; Verfügung des SEM vom 14. März 2016 D-2127/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ist somalischer Staatsangehöriger und stammt aus Mogadischu. Gemäss seinen Angaben verliess er Somalia im Dezember 2014 in Richtung Kenia. Am 16. März 2015 reiste er von Italien her kom- mend unkontrolliert in die Schweiz ein und stellte gleichentags beim Emp- fangs- und Verfahrenszentrum Basel ein Asylgesuch. B. Mit Zwischenverfügung vom 17. März 2015 eröffnete das Staatssekretariat für Migration (SEM) dem Beschwerdeführer, er sei nach dem Zufallsprinzip dem Verfahrenszentrum (VZ) Zürich zugewiesen worden, wo sein Asylge- such gestützt auf Art. 4 der Testphasenverordnung vom 4. September 2013 (TestV, SR 142.318.1) behandelt werde. C. Am 20. März 2015 führte das SEM eine Befragung des Beschwerdeführers zu dessen Person durch. Am 24. April 2015 wurde der Beschwerdeführer durch das Staatssekretariat eingehend zu seinen Asylgründen angehört. D. Der Beschwerdeführer brachte dabei zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen vor, er habe zum einen seit Mai 2014 Probleme mit der Miliz der Shabaab (Harakat al -Shabaab al -Mujahideen; Bewegung der Mujhahideen-Jugend) gehabt. Mit einem Geschäftspartner namens B._______ habe er im Jahr 2014 in Mogadischu eine Drucker ei mit der Firmenbezeichnung C._______ gegründet, wobei er für das Marketing und die Geschäftsführung zuständig gewesen sei. Seine Firma habe Aufträge von ausländischen Hilfsorganisationen erhalten, so von US AID (United States Agency for International Deve lopment), ARC (American Refugee Committee) und Cesvi (Cooperazione e Sviluppo). Die Shabaab habe ihm deswegen vorgeworfen, mit den „Kuffar“ (Ungläubigen; arabisch „Kāfir“) zusammenzuarbeiten, und ihn deswegen ständig telephonisch bedroht. Zum anderen seien mit seinem Partner B._______ geschäftliche Differen- zen entstanden, und jener habe schliesslich versucht, ihn mit Hilfe von Auf- tragsmördern zu beseitigen. Da B._______ familiär mit der somalischen Regierung vernetzt sei, habe er Soldaten engagiert, die den Beschwerde- führer hätten töten sollen. Ende November oder Anfang Dezember 2014 seien des Nachts sieben Soldaten ins Haus des Beschwerdeführers ein- gedrungen. Diese hätten auf ihn geschossen und eine Handgranate nach ihm geworfen, er habe jedoch fliehen könn en. Später habe er erfahren, D-2127/2016 Seite 3 dass seine Ehefrau durch die Soldaten vergewaltigt worden sei. Im Verlauf des Verfahrens im VZ Zürich gab der Beschwerdeführer als Beweismittel verschiedene Geschäftsunterlagen zu den Akten. E. Mit Zwischenverfügung vom 5. Mai 20 15 eröffnete das SEM dem Be- schwerdeführer, aufgrund der Aktenlage könne sein Asylgesuch zum ge- genwärtigen Zeitpunkt nicht entschieden werden, wobei weitere Abklärun- gen erforderlich seien, weshalb sein Asylgesuch gestützt auf Art. 19 TestV nicht länger im VZ Zürich, sondern im erweiterten Verfahren behandelt werde. Anschliessend wurde der Beschwerdeführer für die Dauer des Asyl- verfahrens dem Kanton St. Gallen zugewiesen. F. Mit Eingabe an das SEM vom 27. Mai 2015 ersuchte die damalige Rechts- vertretung des Beschwerdeführers um Einsicht in die Akten des Asylver- fahrens. G. Mit Zwischenverfügung vom 4. März 2016 erteilte das SEM der damaligen Rechtsvertretung die Akteneinsicht. H. Mit Verfügung vom 14. März 2016 lehnte das SE M das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz an. Gleichzeitig verfügte es wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Weg- weisung die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers . Zur Begrün- dung der Ablehnung des Asylgesuchs führte das Staatssekretariat im We- sentlichen aus, die betreffenden Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. I. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 6. April 2016 focht der Beschwer- deführer diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei be- antragte er die Aufhebung der genannten Verfügung, soweit die Ziff. 1‒3 des Dispositivs betreffend, des Weiteren die Feststellung seiner Flücht- lingseigenschaft und die Gewährung des Asyls. In prozessualer Hinsicht beantragte er, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu gewähren sowie – in der Person seines Rechts- vertreters – ein amtlicher Rechtsbeistand gemäss Art. 110a des Asylgeset- zes (AsylG, SR 142.31) beizuordnen. Auf die Begründung der Beschwerde D-2127/2016 Seite 4 wird, soweit für den En tscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegan- gen. J. Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 13. April 2016 wurden die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistands gutgeheissen, und der bishe- rige Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Florian Wick, wurde dem Beschwerde- führer als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. K. Mit Vernehmlassung vom 21. April 2016 hielt das SEM vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Hiervon wurde dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 28. April 2016 Kenntnis gegeben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwal tungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge- gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor- den sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich (mit Ausnahme von Verfahren betreffend Pe rsonen, gegen die ein Ausliefe- rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) end- gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen- dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. Der Beschwerdeführer ist legi timiert; auf seine frist - und formgerecht ein- gereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). D-2127/2016 Seite 5 3. Die Beschwerdeeingabe richtet sich ausschliesslich gegen die Ablehnung des Asylgesuchs, die Feststellung der Vorinstanz, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, sowie die Anordnung der Wegwei- sung. Die Frage des Vollzugs der Wegweisung bildet damit nicht Gegen- stand des Beschwerdeverfahrens. 4. Im vorliegenden Fall ist zunächst auf die mit der Beschwerdeschrift vorge- brachte Rüge einzugehen, der Anspruch des Beschwerdeführers auf recht- liches Gehör sei verletzt worden. 4.1 Diesbezüglich wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei im Rahmen seiner Befragungen durch die Vorinstan z aufgefordert worden, sich kurz zu halten, obwohl er geäussert habe, er müsse lange erzählen und erklären können. Auch seien seine ausführlichen Darlegungen zu den erlittenen Bedrohungen und Drangsalierungen nicht zur Kenntnis genom- men worden. Des Weitere n seien seine detaillierten Aussagen zum Bei- spiel zur Qatar Charity oder zu seinen Bemühungen, vor Gericht zu seinem Recht zu kommen, nicht gewürdigt worden. 4.2 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV umfasst eine Anzahl verschiedener verfassungsrechtlicher Verfahrensgarantien (vgl. aus der Literatur etwa MICHELE ALBERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Ge- hör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 202 ff.; ANDREAS AUER/GIORGIO MALINVERNI/MICHEL HOTTELIER, Droit constitu tionnel suisse. Vol. II. Les droits fondamentaux, 2. Aufl., Bern 2006, S. 606 ff.; BENOIT BOVAY, Procédure administrative, 2. Aufl., Bern 2015, S. 249 ff.; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, S. 384 ff.; ALFRED KÖLZ/ ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, S. 70 ff., 171 ff.; JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S. 846 ff.). Zunächst – und für die Prozessparteien regelmässig im Vordergrund stehend – gehört dazu das Recht auf vorgängige Äusse- rung und Anhörung, welches den Betroffenen einen Einfluss auf die Ermitt- lung des wesentlichen Sachverhaltes sichert. Unerlässliches Gegenstück der Mitwirkungsrechte der Parteien bildet ausserdem als weiterer Teilgeh- alt des rechtlichen Gehörs die Pflicht der Behörden, die Vorbringen der Be- troffenen sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu D-2127/2016 Seite 6 berücksichtigen; daraus folgt schliesslich auch die in Art. 35 Abs. 1 VwVG gesetzlich niedergelegte grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Ent- scheid zu begründen (BGE 123 I 31 E. 2c; vgl. etwa AUER/MALIN- VERNI/HOTTELIER, a.a.O., S. 611 ff.; REINHOLD HOTZ, St. Galler Kommentar zu Art. 29 BV, Rz. 34 ff.). 4.3 Es ist festzustellen, dass der Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör in keinem der erwähnten Teilgehalte verletzt worden ist. Zwar trifft es zu, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner eingehen- den Anhörung mehrfach aufgefordert wurde, sich auf das Wesentliche zu beschränken und sich entsprechend kurz zu halten. Jedoch besteht auf- grund des vorliegenden Protokolls kein Grund zur Annahme, dass der Be- schwerdeführer dadurch gehindert wurde, seine Asylgründe in allen we- sentlichen Details darzulegen. Auch ist nicht ersichtlich, inwiefern die Vo- rinstanz in der angefochtenen Verfügung wesentliche Aussagen des Be- schwerdeführers zu den in Somalia angeblich erlittenen Behelligungen un- berücksichtigt gelassen habe. Schliesslich ist einzuräumen, dass in der an- gefochtenen Verfügung zwar nicht erwähnt wurde, dass der Beschwerde- führer bei seiner eingehenden Anhörung unter anderem zu Protokoll gab, er habe vergeblich versucht, gegen seinen Geschäftspartner vor einem so- malischen Gericht zu klagen, und wegen des Verhaltens des Genannten habe es Probleme bei der Durchführung eines Projekts mit einem Auftrag- geber namens Qatar Charity gegeben. Jedoch ist diesbezüglich festzuhal- ten, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung keineswegs grund- sätzlich bezweifelte, der Beschwerdeführer habe sich in einem Streit mit seinem Geschäftspartner befunden. Gleichzeitig hielt das Staatssekretariat aber dafür, aufgrund di eses Konflikts sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Geschäftspartner gegen den Beschwerdeführer mit Hilfe von Regie- rungssoldaten in der behaupteten Weise hätte vorgehen sollen. Auch sei die Schilderung des nächtlichen Überfalls durch die Soldaten unglaub haft ausgefallen. Die genannten Details betreffend eine missglückte gerichtli- che Klage und ein en gescheiterten Geschäftsabschluss mit einem be- stimmten Auftraggeber sind somit nicht entscheidwesentlich, und die man- gelnde Erwähnung dieser Aspekte in der angefochtenen Verfügung kommt offensichtlich keiner Gehörsverletzung gleich. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz grundsätzlich Flücht- lingen Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re- ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe D-2127/2016 Seite 7 oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausge- setzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei sen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flücht lings- eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Der Beschwerdeführer macht zur Begründung seines Asylgesuchs zum einen geltend, er sei als Geschäftsführer einer Druckerei, die Aufträge von ausländischen Hilfsorganisationen ausgeführt habe, durch die extre- mistisch-islamistische Miliz der Shabaab bedroht worden. Diesbezüglich ist zunächst festzuhalten, dass sich diese Bedrohung nach Aussagen des Be- schwerdeführers auf regelmässige Telephonanrufe beschränkte. Dabei vermochte er weder zu deren Inhalt konkrete, über allgemeinste Angaben hinausgehende Informationen zu geben, noch konnte er ausführen, wes- halb es sich bei den unbekannten Anrufern ‒ wobei es meistens die gleiche Stimme gewesen sei ‒ um Angehörige der Shabaab gehandelt haben soll. Es ist keineswegs auszuschliessen, dass es sich ‒ beispielsweise ‒ um Anrufe eines geschäftlichen Konkurrenten zum Zweck der Einschüchte- rung des Beschwerdeführers handelte, sollten seine Aussagen überhaupt zutreffen. Weiter ist insbesondere festzustellen, dass der Beschwerdefüh- rer trotz der behaupteten Drohungen seine Arbeit normal weiterführte und sich keineswegs ängstigen liess. Dabei sagte er gegenüber der Vorinstanz aus, er habe im Regierungsviertel von Mogadischu gewohnt, wo von Re- gierungsleuten alles gut bewacht sei. Auch habe er auf sich aufgepasst (Protokoll der eingehenden Anhörung, S. 5). Somit empfand der Beschwer- deführer die angeblichen Drohungen durch die Shabaab offensichtlich nicht als eine derartige Gefährdung, dass er deswegen die Flucht ins Aus- land in Erwägung zog. Vielmehr geht aus seinen Angaben anlässlich der Befragungen im vorinstanzlichen Verfahren hervor, dass er aufgrund des behaupteten Angriffs durch somalische Soldaten den Entschluss gefasst haben will, seinen Heimatstaat zu verlassen. Dem Vorbringen, wonach er D-2127/2016 Seite 8 durch die Shabaab bedroht worden sei, kommt somit ungeachtet der Glaubhaftigkeit keine asylrechtliche Relevanz zu. 6.2 Hinsichtlich des weiteren V orbringens, gegen den Beschwerdeführer sei wegen eines Konflikts mit seinem Geschäftspartner – der familiäre Kon- takte zu Regierungskreisen habe ‒ durch somalische Soldaten ein Tö- tungsversuch verübt worden, stellt sich in erster Linie die Frage der Glaub- haftigkeit. 6.2.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent- liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick- sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesent- lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor- kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte- nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrekthei t, Originalität, hinrei- chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch- lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei- lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele- mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub- stantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die v orgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f., BVGE 2010/57 E. 2.3, Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1, EMARK 1996 Nr. 27 E. 3c/aa, EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a). 6.2.2 Die genannten Kriterien der Glaubhaftmachung sind hinsichtlich des behaupteten nächtlichen Überfalls und Tötungsversuchs durch ‒ vom Ge- schäftspartner des Beschwerdeführers beauftragte ‒ somalische Soldaten als nicht erfüllt zu erachten. Bezüglich der Ereignisse der fraglichen Nacht vermochte der Beschwerdeführer trotz wiederholter Nachfragen anlässlich D-2127/2016 Seite 9 der eingehenden Anhörung im vorinstanzlichen Verfahren ‒ dies wohlge- merkt, obwohl er in anderem Zusammenhang mehrfach für sich bean- spruchte, er habe ausfüh rliche Erklärungen abzugeben (vgl. auch zuvor, E. 4.3) ‒ nur wenig konkrete und detaillierte Angaben zu machen. Gleich- zeitig erscheinen die fraglichen Aussagen in anderer Hinsicht als nicht plausibel. So gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, es habe sich bei den Angreifern um sieben Männer gehandelt, wobei deren vier an der Tür des Hauses gestanden seien, während drei von ihnen durch die Wohnungstür gekommen seien. Er selbst habe sich in diesem Moment auf der Toilette befunden und habe die Schreie seiner E hefrau gehört. Als er aus der Toi- lette gekommen sei, habe er die Solda ten gesehen, und diese hätten auf ihn gezielt. Er habe jedoch durch eine Verbindungstür ins Nachbarhaus ‒ das Haus seiner Mutter ‒ fliehen können. Die Soldaten hätten mehrere Schüsse auf ihn abgegeben und eine Handgranate nach ihm geworfen; dennoch sei ihm die Flucht gelungen (Protokoll der eingehenden Anhö- rung, S. 7 f.). Auf die Frage hin, wie er vor sieben Soldaten habe fliehen können, gab er zur Antwort, nur einer der Soldaten habe ihn tatsächlich gesehen. Diese Angaben sind als unglaubhaft zu erachten. Zum einen ist nicht nachvollziehbar, wie der Beschwerdeführer, der sich im betreffenden Augenblick auf der Toilette befunden haben will, zu seinen Erkenntnissen in Bezug auf die Zahl der Soldaten und deren Vorgehen beim Eindringen ins Haus gelangen konnte. Zum anderen ist mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit auszuschliessen, dass ihm unter den behaupteten Umstän- den die Flucht hätte gelingen können. Mit der Beschwerdeschrift werden keine Argumente vorgebracht, die den soeben getroffenen Einschätzungen etwas entgegensetzen könnten. 6.2.3 Abgesehen von der unglaub haft ausgefallenen Schilderung der Er- eignisse in der fraglichen Nacht ist ausserdem auch ‒ wie bereits von der Vorinstanz festgestellt ‒ nicht nachvollziehbar, weshalb der Geschäfts- partner des Beschwerdeführers überhaupt in der behaupteten Weise ge- gen diesen hätte vorgehen sollen. Einerseits vermochte der Beschwerde- führer keine geschäftlichen Probleme zu schildern, die auch nur im Ansatz einen persönlichen Konflikt des behaupteten Ausmasses erklären könnten. Andererseits ergeben sich auch mit Blick auf die im vorinstanzlichen Ver- fahren eingereichten Beweismittel keinerlei Hinweise, welche eine derar- tige Eskalation eines persönlichen Streits nachvollziehbar machen könn- ten. Bezüglich dieser Beweismittel ‒ Kopien von Auftragsbestätigungen, Rechnungen und geschäftlichen E-Mails ‒ machte der Beschwerdeführer gegenüber der Vorinstanz anlässlich der eingehenden Anhörung geltend, D-2127/2016 Seite 10 diese Dokumente würden beweisen, dass er sich mit seinem Partner we- gen des Geschäftsvermögens gestritten habe. Sein Partner habe alles Geld aus bestimmten Projekten beschlagnahmt. Allerdings ist festzustel- len, dass den genannten Beweismitteln keinerlei Hinweise auf einen Kon- flikt zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Geschäftspartner na- mens B._______ (Schreibweise in den vorinstanzlichen Protokollen) zu entnehmen sind. Zwar ergibt sich daraus, dass der Beschwerdeführer mit E-Mail vom 5. November 2014 einer Projektleiterin des italienischen Hilfs- werks Cesvi mitteilte, die für das Bedrucken von K leidungsstücken ge- schuldete Summe sei auf ein Bankkonto zu überweisen, dessen Inhaber eine Person namens B._______ (Schreibweise im fraglichen Akte nstück) sei. Zudem ergibt sich aus E -Mails der genannten Projektleiterin an den Beschwerdeführer vom 27. Oktober und vom 5. November 2014, dass sich diese für eine Verzögerung bei der Überweisung der geschuldeten Summe entschuldigte. Jedoch enthalten weder diese noch die anderen als Beweis- mittel bezeichneten Schriftstücke irgendeinen Hinweis auf einen Konflikt zwischen dem Beschwerdeführer und dessen Geschäftspartner. Im Übri- gen vermögen die Beweismittel zwar die geschäftlichen Beziehungen des Beschwerdeführers mit verschiedenen in Somalia tätigen Organisationen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit zu belegen. Indessen lässt sich aus den fraglichen Dokumenten nichts ableiten, was in irgendei- ner Weise Rückschlüsse auf die behaupteten Asylgründe zulassen würde. 6.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass das SEM zutreffenderweise zur Einschätzung gelangt ist, der Beschwerdeführer habe keine asylrechtlich relevante Gefährdung glaubhaft gemacht. Die Vorinstanz hat folglich das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 7. Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylge- such hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 AsylG). Vorliegend hat der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt und zudem besteht kein Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die verfügte Wegweisung steht daher im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen und wurde dem- nach von der Vorinstanz zu Recht angeordnet. 8. Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, da ss der – einzig in den Ziff. 1‒3 des Dispositivs angefochtene – Asylentscheid des SEM das Bun- desrecht nicht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und D-2127/2016 Seite 11 vollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist folglich abzuwei- sen. 9. 9.1 Bei d iesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten an sich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Indes- sen wurde der mit der Beschwerdeschrift gestellte Antrag auf unentgeltli- che Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwi schenver- fügung vom 13. April 2016 gutgeheissen. Somit hat der Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten zu tragen. 9.2 Aufgrund der mit Zwischenverfügung vom 13. April 2016 angeordneten Bestellung des Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand gemäss Art. 110a AsylG ist diesem ein entsprechendes Honorar auszurichten (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und En tschädigungen vor dem Bundesver- waltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Der Be- schwerdeführer hat keine Kostennote eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen wird indessen verzichtet (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE), weil im vorliegenden Verfahren der Aufwand für die Beschwerdeführung zuverläs- sig abgeschätzt werden kann. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9‒13 VGKE) ist das Honorar aufgrund der Akten auf Fr. 1‘000.‒ (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-2127/2016 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsvertreter wird ein amtliches Honorar von Fr. 1‘000.‒ zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand: