Art. 318 Abs. 3 StPO; Art. 394 lit. b StPO; Art. 417 StPO Nichteintreten auf eine Beschwerde gegen die Ablehnung von Beweisantr ä- gen; Kostenauflage zulasten der Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers. Verfügungen betreffend Ablehnung von Beweisanträgen nac h a ngekündigtem Abschluss der Untersuchung sind grundsätzlich nicht anfechtbar ( Art. 318 Abs. 3 StPO). Die Beschwerde ist ausnahmsweise z ulässig, wenn der Antrag nur mit Rechtsnachteil vor dem erstinstanzlichen Gericht (oder mit Beschwerde gegen eine Einstellungsverfügung) wiederholt werden kann (Art. 394 lit. b StPO). Dies ist der Fall, wenn ein Beweisver lust droht . Der Nachweis eines Beweisverlusts ob- liegt dem Beschwerdeführer, ansonsten auf die Beschwerde nicht einz utreten ist (Erw. II. 2.). Ein Rechtsbeistand kann als v erfahrensbeteiligte Person gestützt auf Art. 417 StPO kostenpflichtig werden, wenn er durch Verfahrensfehler, die mit einem M i- nimum an Vorsicht vermeidbar gewesen wären, unnötige Kosten verur sacht hat. Hiervon ist im Rechtsmittelverfahren auszugehen, wenn der Rechtsbeistand schon bei Beachtung elementarster Sorgfalt hätte feststellen können, dass das Rechtsmittel nicht zulässig ist (Erw. III. 1.1). Das sorgfältige Abschätzen der Pr o- zessaussichten und damit auch die Auseinandersetzung mit den Eintretensv o- raussetzungen eines Rechtsmittels gehören zu den grundlegenden Pflichten ei- nes Rechtsanwalts. Erhebt ein Rechtsbeistand die gesetzlich nur in Ausnahmefäl- len zulässige Beschwerde gegen die Ablehnung von Beweisanträgen, ohne sich mit der Eintretensfrage zu befassen bzw. einen drohenden Beweisverlust darz u- legen, ist von vornherein absehbar, dass das G ericht auf die Beschwerde nicht eintreten wird. Demzufolge ist das Erheben einer solchen Beschwerde als eine Verletzung elementarster Sorgfalt zu werten, welche eine Auferlegung der unnötig entstandenen Verfahrenskosten an den Rechtsbeistand erlaubt (Erw. III. 1.2). Sachverhalt: Nach einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen dem Beschwerdeführer und seinem damals 16- jährigen Sohn (Beschwerdegegner) erstattete der Beschwer- deführer Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen seinen Sohn. Er machte geltend, dieser habe ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der Anzeige legte er drei ärztliche Zeugnisse von Dr. med. M._____, Dr. med. N._____ und Dr. med. O._____ bei. Im polizeilichen Vorverfahren sowie im Untersuchungsver- fahren der Jugendanwaltschaft Z._____ wurden der Beschwerdeführer, der B e- schwerdegegner sowie B._____, die Ehefrau des Beschwerdeführers und Stief- mutter des Beschwerdegegners, einvernommen. Die Jugendan waltschaft holte zudem einen ärztlichen Bericht bei Dr. med. M._____ ein. In der Folge kündigte die Jugendanwaltschaft den Parteien schliesslich den Abschluss der Unters u- chung an. Daraufhin stellte der Beschwerdeführer verschiedene Bewei santräge, welche die Jugendanwaltschaft mit Verfügung vom 15. August 2014 vollumfäng- lich abwies. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer Beschwerde bei der III. Strafkammer des Obergerichts mit dem Antrag, die Verfügung sei aufzuheben. Die III. Strafkammer des Obergerichts trat auf die Beschwerde mit Verfügung vom 2. Oktober 2014 nicht ein, da der Beschwerdeführer in seiner B eschwerde nicht darlegte, inwiefern ihm ein Beweisverlust drohte und ein solcher auch nicht er- sichtlich sei. Die Verfahrenskosten wurden der Rechtsbeiständin des Beschwer- deführers auferlegt, da diese die gesetzlich nur in Ausnahmefällen zulässige B e- schwerde erhob, ohne sich mit deren Eintretensvoraussetzungen auseinanderz u- setzen. (Aus den Erwägungen:) "I. […] II. 1. 1.1 Im Untersuchungsverfahren liess der Beschwerdeführer beantragen, zu den von ihm erlittenen Verletzungen seien nebst dem Beschwerdeführer Dr. med. M._____, Dr. med. N._____, Dr. med. O._____, B._____ sowie Wm mbA S._____ (Polizeistation Y._____) als Zeugen zu bef ragen. Ferner sei zu den Örtlichkei ten ein Augenschein am Tatort vorzunehmen. Schliesslich sei ein polizeilicher Rap- port über einen Vorfall zwischen dem Beschwerdeführer und dem Beschwerde- gegner vom 31. Oktober 2011 beizuziehen. 1.2 Die Jugendanwaltschaft erwog in der angefochtenen Verfügung zusammen- gefasst, die vom Beschwerdeführer erlittenen Verletzungen seien durch die bei den Akten liegenden ärztlichen Zeugnisse bereits umfassend dokumentiert. Damit erübrigten sich eine Befragung der Ärzte sowie weiterer Zeugen. Aufgrund der übereinstimmenden Aussagen des Beschwerdeführers sowie des Beschwerde- gegners stehe sodann fest, dass sich die Auseinandersetzung im Wohnzimmer der Familienwohnung, unmittelbar neben dem Esstisch ereignet habe. Als einz i- ger Punkt sei strittig, ob der Beschwerdeführer dem Beschwerdegegner seiner- seits einen Faustschlag verpasst habe bzw. ob der Beschwerdegegner in No t- wehr gehandelt habe, nachdem er vom Beschwerdeführer bereits ins Gesicht ge- schlagen worden sei und ein weiterer Angriff des Beschwerdeführers gedroht ha- be. Diese Frage könne durch einen Augenschein der Örtlichkeit nicht geklärt wer- den. Im Übrigen existiere der als Beweismittel angerufene Rapport der Kantons- polizei vom 31. Oktober 2011 nicht, da im Zusammenhang mit jenem Vorfall keine Anzeige oder Berichterstattung erfolgt sei. 1.3 In seiner Beschwerde macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen gel- tend, die beantragte Befragung von B._____, eine Befragung des Beschwerde- führers sowie der beantragte Augenschein am Tatort seien w esentlich für die zu klärende Frage, wer den Angriff gestartet habe. Ein Rapport vom Erei gnis vom 31. Oktober 2011 müsse unbesehen davon, ob Anzeige erstattet worden sei, vor- liegen. Dieser Rapport belege die latente Gewaltbereitschaft des Beschwerde- gegners. Hinsichtlich der als Zeugen angerufenen Ärzte habe die Jugendanwal t- schaft nur von Dr. med. N._____, nicht aber von Dr. med. M._____ und Dr. med. O._____ einen Bericht verlangt. Daher könne keine antizipierte Beweiswür digung vorgenommen werden, deren Einv ernahmen würden keine neuen E rkenntnisse bringen. Überdies gehe es nicht nur um die körperliche, sondern auch um die emotionale Verletzung, zumal der Beschwerdeführer eine Genugtuungsforderung gestellt habe. Hierzu sei Dr. med. N._____ keine Frage gestellt worden. 2. Gemäss Art. 39 Abs. 1 JStPO richten sich die Zulässigkeit der Beschwerde und die Beschwerdegründe – abgesehen von besonderen Beschwerdemöglic h- keiten gemäss Art. 39 Abs. 2 lit. a- e JStPO – nach Art. 393 StPO. Gemäss Art. 3 Abs. 1 JStPO sind die Bestimmungen der StPO anwendbar, sofern die JStPO keine besondere Regelung vorsieht. 2.1 Der Beschwerdeführer verlangt die Aufhebung der angefochtenen Verf ü- gung betreffend Ablehnung von Beweisanträgen durch die Jugendanwaltschaft nach angekündigtem Abschluss der Untersuchung. Solche Entscheide sind ge- mäss Art. 318 Abs. 3 StPO nicht anfechtbar. Die Beweisanträge können im Hauptverfahren erneut gestellt werden (Art. 318 Abs. 2 bzw. Art. 331 Abs. 1 StPO). Diese Bestimmung steht jedoch im Widerspruch zu Art. 394 lit. b StPO, wonach die Beschwerde gegen die Ablehnung von Beweisanträgen ausnahm s- weise zulässig ist, wenn der Antrag nur mit Rechtsnachteil vor dem erstinstanzl i- chen Gericht (oder mit Beschwerde gegen eine Einstellungsverfügung) wiede rholt werden kann. Entgegen dem Wortlaut von Art. 318 Abs. 3 StPO ist die Beschwer- de daher unter den Voraussetzungen von Art. 394 lit. b StPO zulässig ( vgl. Landshut/Bosshard, in: Donatsch/Hans jakob/Lieber, Kommentar zur Schweizer i- schen Strafprozessordnung, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 318 N 13 mit Hinweisen; Bürgin/Biaggi, Basler Kommentar Jugendstrafprozessordnung, Basel 2011, Art. 39 N 7). 2.2 Nach der Rechtsprechung ist der in Art. 394 lit. b StPO genannte Recht s- nachteil gleichbedeutend mit dem nicht wieder gut zumachenden Nachteil im Si n- ne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG. Von einem solchen Nachteil wird gesprochen, wenn dieser auch durch ein nachfolgendes gestellten Urteil nicht oder nicht mehr vollständig behoben werden kann (BGE 135 I 261 E. 1.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 1B_55/2013 vom 7. März 2013 E. 1.2 mit Hinweisen). Dies ist im Zusammenhang mit der Ablehnung eines gestellten Beweisantrags der Fall, wenn ein Beweisverlust droht (Urteile des Bundesgerichts 1B_189/2012 vom 17. August 2012 E. 2.1; 1B_92/2013 vom 7. März 2013 E. 2.3). Beispiele für einen Bewei s- verlust sind der Zeuge, der lebensbedrohlich erkrankt ist oder kurz vor der Aus- schaffung in sein Heimatland steht, eine Unfallkreuzung, an welcher noch ein A u- genschein durchgeführt werden soll, bevor sie umgebaut wird, oder der Ablauf der Aufbewahrungsfrist für Akten ( Keller, in: Donatsch/Hans jakob/Lieber, a.a.O., Art. 394 N 3; Stephenson/Thiriet , Basler Kommentar Schweizerische Strafpr o- zessordnung, Basel 2011, Art. 394 N 6). Der Na chweis eines solchen Nachteils bzw. Beweisverlusts obliegt dem B e- schwerdeführer, ansonsten auf die Beschwerde nicht einzutreten ist (BGE 137 III 324 E. 1.1; BGE 136 IV 92 E. 4; je mit Hinweisen). Somit muss er einerseits dar- legen, weshalb der abgelehnte Beweisantrag für das Verfahren von entscheiden- der Bedeutung ist, und andererseits den Nachweis erbringen, dass ein Zuwarten mit der Beweisabnahme aller Voraussicht nach zu einem Beweisverlust führen würde (Beschlüsse der hiesigen Kammer UH120006 vom 23. Januar 2012 E. II/3.3; UH130318 vom 11. Dezember 2013 E. 3.5; je mit Hinweisen; Beschluss der Beschwerdekammer des Bundestrafgerichts BB.2012.186 vom 27. Dezember 2012 E. 1.2 mit Hinweis). 3. Der Beschwerdeführer legt in seiner Beschwerde nicht dar, inwiefern ihm ein Beweisverlust droht. Ein solcher ist auch nicht ersichtlich. Sowohl die Befragung der angerufenen Zeugen als auch der beantragte Augenschein sowie die Einh o- lung des verlangten Polizeirapports könnten ohne Weiteres zu einem späteren Zeitpunkt bzw. nötigenfalls durch das Gericht erfolgen, sollte sich dies als erfor- derlich erweisen. Auf die Beschwerde ist folglich nicht einzutreten. III. 1. 1.1 Grundsätzlich würde der Beschwerdeführer bei diesem Verfahrensausgang kostenpflichtig (Art. 428 Abs. 1 StPO). Bei Säumnis oder anderen fehlerhaften Verfahrenshandlungen können die Verfahrenskosten jedoch ungeachtet des Ver-fahrensausgangs derjenigen verfahrensbeteiligten Person auferlegt werden, die sie verursacht hat (Art. 417 StPO). Als verfahrensbeteiligte Person kann auch ein Rechtsbeistand kostenpflichtig werden, wenn er durch Verfahrensfehler, die mit einem Minimum an Vorsicht vermeidbar gewesen wären, unnötige Kosten verur- sacht hat ( Griesser, in: Donatsch/Hans jakob/Lieber, a.a.O., Art. 417 N 4 mit Hin- weisen). Gemäss Rechtsprechung kann das Rechtsmittelgericht namentlich dann dem Rechtsbeistand statt der unterliegenden Partei die Kosten auferlegen, wenn der Rechtsbeistand schon bei Beachtung elementarster Sorgfalt hätte feststellen können, dass das Rechtsmittel ni cht zulässig ist. Diese Rechtsprechung ist aller- dings auf Kritik gestossen, da mit einer solchen Kostenauflage die Wertung eines Haftungsprozesses vorweggenommen wird, ohne die Abläufe und Entscheidun- gen im Innenverhältnis zwischen Klient und Anwalt vorgängig abgeklärt zu haben. Die Kostenauflage an den Rechtsbeistand ist daher nur auf dessen offenkundige Säumnisse sowie auf andere Extremfälle von anwaltlichem Fehlverhalten zu be- schränken bzw. zurückhaltend anzuwenden ( Domeisen, in: Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung, a.a.O., Art. 417 zu N 13, mit Hinweisen; Griesser, a.a.O., Art. 417 N 4). 1.2 Vorliegend erhob die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers Beschwerde gegen die Ablehnung von Beweisanträgen, obwohl sich deren Unzulässigkeit klar aus dem Gesetz ergibt, welches eine Beschwerde gegen die Ablehnung von B e- weisanträgen explizit ausschliesst (Art. 318 Abs. 3 StPO) bzw. nur ausnahmswei- se zulässt, nämlich wenn ein Beweisverlust droht ( Art. 394 lit. b StPO). Weiter besteht hierzu – wie ge zeigt – publizierte Rechtsprechung, welche unmissver- ständlich festhält, dass der Nachweis eines drohenden Beweisverlustes dem B e- schwerdeführer obliegt, andernfalls auf die Beschwerde nicht eingetreten werden kann. Nichtsdestotrotz äusserte sich die Rechtsanwältin in ihrer Beschwerde mit keinem Wort zur Frage eines drohenden Beweisverbots, noch begründete sie auf andere Weise, weshalb auf ihre Beschwerde trotz gegenteiliger gesetzlicher Best- immungen einzutreten sei. Dass eine solche Beschwerde aussichtslos i st, muss einem Rechtsanwalt sofort ins Auge springen. Das sorgfältige Abschätzen der Prozessaussichten und damit auch die Auseinandersetzung mit den Eintretensv o- raussetzungen eines Rechtsmittels gehören zu den grundlegenden Pflichten ei-nes Rechtsanwalts. D ass die Rechtsvertreterin, ohne sich auch nur ansatzweise mit der Eintretensfrage zu befassen, eine gesetzlich nur in Ausnahmefällen zuläs- sige Beschwerde erhob, muss daher als eine Verletzung elementarster Sorgfalt gewertet werden. Unter diesem Umständen k onnte die Rechtsanwältin die vorli e- gende Beschwerde nicht in guten Treuen als erfolgsversprechend erheben. Es hätte ihr klar sein müssen, dass die hiesige Kammer auf die Beschwerde nicht eintreten wird, hätte sie die Prozessaussichten auch nur einigermassen erfolgver- sprechend abgeschätzt. Dass dies nicht geschehen ist, gereicht ihr zu grobem Verschulden. Entsprechend sind durch das vorliegende Beschwerdeverfahren unnötige Kosten entstanden. Diese sind in Anwendung von Art. 417 StPO Rechtsanwältin V._____ aufzuerlegen." Obergericht des Kantons Zürich III. Strafkammer Beschluss vom 2. Oktober 2014 UH140272