<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 8 S.52</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">52</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>8</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 80 SchKG.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechtsöffnung in der Betreibung auf Grundpfandverwertung. In der Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>treibung auf Grundpfandverwertung kann Rechtsöffnung auch nur für</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die Forderung oder das Pfandrecht gewährt werden. Dies hat lediglich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zur Folge, dass der Gläubiger die Fortsetzung nicht verlangen kann, bis</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sämtliche Rechtsvorschläge beseitigt sind.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ein rechtsgenügender Rechtsöffnungstitel liegt nur vor, wenn eine das ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>setzliche Pfandrecht feststellende Verfügung vom Pfandeigentümer aner-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kannt oder erfolglos angefochten wurde.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 31. Juli 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen A. G. gegen A. SA.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4. a) Die Klägerin hat Betreibung auf Grundpfandverwertung</span><br/> <span class="ft1">eingeleitet, Rechtsöffnung jedoch nur für die Forderung, nicht aber</span><br/> <span class="ft1">für das Pfandrecht verlangt. Während sich nach der früheren Rechts-</span><br/> <span class="ft1">lage ein nicht weiter begründeter Rechtsvorschlag lediglich auf die</span><br/> <span class="ft1">Forderung bezog, wird nach der am 5. Juni 1996 revidierten Fassung</span><br/> <span class="ft1">von Art. 85 VZG, in Kraft seit 1. Januar 1997, angenommen, der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsvorschlag beziehe sich auf die Forderung und auf das Pfand-</span><br/> <span class="ft1">recht, wenn nichts anderes vermerkt ist. Will die Klägerin die Betrei-</span><br/> <span class="ft1">bung fortsetzen, so muss sie den Rechtsvorschlag nicht nur für die</span><br/> <span class="ft1">Forderung, sondern auch bezüglich des Pfandrechts beseitigen las-</span><br/> <span class="ft1">sen. Die Vorinstanz hat Rechtsöffnung für Forderung und Pfandrecht</span><br/> <span class="ft1">gewährt, wiewohl das Begehren der Klägerin lediglich auf Beseiti-</span><br/> <span class="ft1">gung des Rechtsvorschlags für die Forderung ging. Damit aber ist</span><br/> <span class="ft1">der Klägerin mehr zugesprochen worden als sie verlangt hat, was mit</span><br/> <span class="ft1">der Dispositionsmaxime (§ 75 Abs. 2 ZPO) nicht vereinbar ist.</span><br/> <span class="ft1">b) In der Literatur wird die Auffassung vertreten, aus Gründen</span><br/> <span class="ft1">der Praktikabilität sei die Rechtsöffnung nur immer für die Forde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">53</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rung und das Pfandrecht gemeinsam zu gewähren und das Rechtsöff-</span><br/> <span class="ft1">nungsbegehren gänzlich abzuweisen, wenn für Forderung oder</span><br/> <span class="ft1">Pfandrecht ein Rechtsöffnungstitel fehle (Daniel Staehelin, Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Ba-</span><br/> <span class="ft1">sel/Genf/München 1998, N 166 zu Art. 82 SchKG; Peter Stücheli,</span><br/> <span class="ft1">Die Rechtsöffnung, Zürich 2000, S. 209). Dieser Auffassung kann</span><br/> <span class="ft1">nicht beigepflichtet werden. Richtig ist nur, dass die Betreibung ge-</span><br/> <span class="ft1">hemmt bleibt und die Fortsetzung nicht verlangt werden kann, so-</span><br/> <span class="ft1">lange nicht sämtliche Rechtsvorschläge beseitigt sind. Wenn der</span><br/> <span class="ft1">Gläubiger nur für die Forderung über einen Rechtsöffnungstitel ver-</span><br/> <span class="ft1">fügt, so ist er darauf angewiesen, das Rechtsöffnungsbegehren hie-</span><br/> <span class="ft1">rauf beschränken zu können und das Pfandrecht im ordentlichen Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahren feststellen zu lassen und den diesbezüglichen Rechtsvorschlag</span><br/> <span class="ft1">zu beseitigen.</span><br/> <span class="ft1">c) Gemäss § 123 EGZGB und § 33 des Gebäudeversicherungs-</span><br/> <span class="ft1">gesetzes (SAR 673.100) besteht auf den versicherten Gebäuden für</span><br/> <span class="ft1">den verfallenen und den laufenden Versicherungsbeitrag ein gesetzli-</span><br/> <span class="ft1">ches Pfandrecht zu Gunsten der Aargauischen Gebäudeversiche-</span><br/> <span class="ft1">rungsanstalt. Für das Pfandrecht hat die Klägerin jedoch kein Begeh-</span><br/> <span class="ft1">ren auf Beseitigung des Rechtsvorschlags gestellt, weshalb die Vorin-</span><br/> <span class="ft1">stanz hierfür nicht hätte Rechtsöffnung gewähren dürfen. Abgesehen</span><br/> <span class="ft1">davon erwähnt die ins Recht gelegte Verfügung, welche Rechtsöff-</span><br/> <span class="ft1">nungstitel für die Forderung ist, das gesetzliche Pfandrecht nicht.</span><br/> <span class="ft1">Nur wenn eine das Pfandrecht feststellende Verfügung vom Pfandei-</span><br/> <span class="ft1">gentümer anerkannt oder erfolglos angefochten worden wäre, läge</span><br/> <span class="ft1">ein rechtsgenügender Rechtsöffnungstitel vor; wie bei Forderungen</span><br/> <span class="ft1">kann der Rechtsöffnungsrichter auch bei Pfandrechten nicht deren</span><br/> <span class="ft1">materiellrechtlichen Bestand überprüfen, sondern bloss darüber be-</span><br/> <span class="ft1">finden, ob die Voraussetzungen für eine Vollstreckung auf dem Be-</span><br/> <span class="ft1">treibungswege erfüllt sind oder nicht (Art. 153 Abs. 4 in Verbindung</span><br/> <span class="ft1">mit Art. 80 Abs. 2 SchKG). Die Klägerin müsste deshalb den Rechts-</span><br/> <span class="ft1">vorschlag bezüglich des Pfandrechts im ordentlichen Verfahren, hier</span><br/> <span class="ft1">dem Verwaltungsverfahren (Art. 79 Abs. 1 SchKG), beseitigen.</span><br/></div> </div> </body> </html>