<h2>SubmittedText<h2><p>Im 2010 publizierte die Forschungsanstalt Agroscope einen Bericht zur Wirkung von Wiesen-Ernteprozessen auf die Fauna (ART-Bericht 724). Nach einer fundierten Literaturstudie wurde die Wirkung von Mähgeräten und Ernteschritten auf Heuschrecken, Raupen und Attrappen untersucht. Die Studie kam zum Schluss, dass bei den heute üblichen Erntetechniken nur wenige wiesenbewohnende Tiere überleben.</p><p>Bereits im 2001 hatten die Forschungsanstalt Agrarwirtschaft und Landtechnik und das Zentrum für Bienenforschung (beide heute Agroscope) einen Artikel zu "Bienenverluste beim Mähen mit Rotationsmähwerken" publiziert (AGRARForschung 8). Damals kamen die Forschenden zum Schluss, dass beim Mähen mit Rotationswerken je nach Art der Wiese bis zu 90 000 Bienen pro Hektare bzw. bis zu 62 Prozent aller Bienen sterben. Beim Mähen ohne Aufbereiter resultierten rund siebenmal weniger tote und flugunfähige Bienen. Der Verlust an Wildbestäubern und anderen Insekten wurde nicht untersucht.</p><p>Gemäss bundesrätliche Antwort auf die Frage 17.5571 ist in der Schweiz davon auszugehen, "dass die Verbreitung der Insektenarten gering ist und weiter abnimmt". Ihr Verschwinden habe jedoch "enorme Folgen für die Landwirtschaft, aber auch für die Waldwirtschaft und für die Gesellschaft als Ganzes". Während der letzten 30 Jahre dürfte die Insektenmasse in der Schweiz um rund 75 Prozent zurückgegangen sein - seit Publikation der erwähnten Berichte also rund 25 bzw. 50 Prozent. </p><p>Ich bitte den Bundesrat daher, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Beide Autorengruppen sprachen Empfehlungen aus, um die hohen Sterberaten von wiesenbewohnenden Tierarten bei Ernteprozessen zu reduzieren. Welche davon wurden umgesetzt?</p><p>2. Welche messbaren Auswirkungen zeigen sich, auf Grund der umgesetzten Massnahmen?</p><p>3. Bestehen heute noch Anreize im Agrarsystem, welche die in der Studie von 2010 erwähnten, "üblichen Erntetechniken" begünstigen oder gar fördern? </p><p>4. Reichen die ergriffenen Massnahmen, um die hohen Sterberaten bei wiesenbewohnenden Insekten und anderen Tierarten wirksam zu senken so, dass diese nicht weiter zurückgehen?</p><p>5. Wenn nein, welche zusätzlichen Massnahmen sind dafür nötig?</p><p>6. Welche Massnahmen wären nötig, damit sich wiesenbewohnende Tierarten innert nützlicher Frist erholen könnten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Empfehlungen aus den von der Interpellantin erwähnten Studien sind teilweise in die aktuellen agrarpolitischen Instrumente integriert. Auf Biodiversitätsförderflächen (BFF-Typen "wenig intensive Wiesen" und "extensive Wiesen") muss der Ernteprozess zwei Anforderungen erfüllen, die den wiesenbewohnenden Insekten direkt zugutekommen. Die Ernte ist erst ab einem bestimmten je nach Zone festgelegten Zeitpunkt erlaubt und der Einsatz von Mähaufbereitern ist ab der Qualitätsstufe II verboten.</p><p>Ausserdem sind mehr als 75 Prozent der BFF in Vernetzungsprojekte integriert. Je nach Projekt bestehen Anreize für die Bewirtschaftenden, i) ungemähte Bereiche als Rückzugsstreifen für Insekten zu belassen, ii) den Einsatz von Mähaufbereitern weiter einzuschränken und iii) insektenfreundlichere Mähtechniken anzuwenden (z. B. Traktor-Balkenmäher). Bei Vernetzungsprojekten ist die landwirtschaftliche Beratung obligatorisch und stellt einen direkten und effektiven Kommunikationskanal dar, um diese Empfehlungen an die Bewirtschaftenden weiterzugeben.</p><p>2. Der Bund führt kein gezieltes Monitoring von wiesenbewohnenden Insekten durch. Es ist daher schwierig, einen Zusammenhang zwischen der Umsetzung dieser Massnahmen und ihrer direkten Wirkung auf die Insekten herzustellen. Die Universität Bern setzt die von Agroscope initiierte Forschung zu Mähtechniken und ihrer Wirkung auf die Biodiversität fort. Diese Forschungstätigkeiten werden vom Bund unterstützt und eng begleitet. Kürzlich wurde eine Studie mit neuen Empfehlungen veröffentlicht (Humbert et al. 2018, "Alternative Mähregimes zur Förderung der Artenvielfalt von Wiesen").</p><p>3. Nein, es gibt keine gezielten Anreize für übliche Erntetechniken.</p><p>4 bis 6. Mit der Botschaft zur AP22+ hat der Bundesrat dem Parlament Vorschläge zur Erhöhung der Wirksamkeit der Biodiversitätsförderung unterbreitet. Für Insekten sind die folgenden Hauptelemente ausschlaggebend:</p><p>- beim ökologischen Leistungsnachweis: i) den Anteil an BFF auf der Ackerfläche erhöhen (mehr Lebensräume und Nahrungsquellen für Insekten) und ii) die Anforderungen an den Einsatz von Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln erweitern</p><p>- Integration von Rückzugsstreifen und Verbot von Mähaufbereitern auf den BFF-Typen extensive und wenig intensive Wiesen auch auf Qualitätsstufe I</p><p>- Förderung von Kleinstrukturen auf den BFF</p><p>- Förderung von Blühstreifen für Nutzorganismen wie Nützlinge und Bestäuber mittels Produktionssystembeiträgen</p><p>- Förderung der regionalen Biodiversität auf der Grundlage der ökologischen Infrastruktur mittels Beiträgen für eine standortangepasste Landwirtschaft</p><p>Zudem wird der Bundesrat im Rahmen der Umsetzung der Motionen 19.3207 und 20.3010 darlegen ob weiterer Handlungsbedarf besteht.</p>  Antwort des Bundesrates.