<h2>SubmittedText<h2><p>Adipositas und Übergewicht im Allgemeinen sind Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bestimmte Formen von Diabetes und sind daher für die Gesellschaft sehr kostspielig. In den letzten 40 Jahren hat sich die Zahl der von Adipositas betroffenen Menschen in der Schweiz mehr als verdoppelt. Gemäss den Zahlen, die von der medizinischen Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurden, sind 12 Prozent der Erwachsenen und 4 Prozent der Kinder davon betroffen. Mit den Programmen zur Prävention sowie zur Bewegungsförderung und gesunder Ernährung, die in den letzten Jahren in der Schweiz umgesetzt wurden, soll die Verbreitung dieser "Volkskrankheit" eingedämmt werden. Leider verfügt der Bund über keine Statistiken zu Übergewicht oder Adipositas, obwohl es solche Statistiken ermöglichen würden, die Wirksamkeit der Massnahmen zu überprüfen. Es ist bekannt, wie wichtig Zahlen sind, wenn es darum geht, Präventionsmassnahmen zu rechtfertigen. Da es um die Zukunft unserer Gesellschaft geht, wäre es interessant, zumindest über Zahlen zu den Kindern zu verfügen. Dies würde es vor allem ermöglichen, die Präventionsprogramme anzupassen und damit ihre Erfolgschancen zu erhöhen. </p><p>Am 29. August 2019 haben der unabhängige Fachverband Public Health Schweiz, die Swiss School of Public Health (SSPH+) und das Departement Gesundheit der ZHAW ein Manifest verabschiedet, in dem Massnahmen zur Verbesserung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gefordert werden. Durch geeignete Präventionsmassnahmen im Kindes- und Jugendalter könnten mehr als die Hälfte der häufigsten Erkrankungen in ihrer Verbreitung reduziert werden, oder ihr Ausbruch könnte verzögert oder ganz verhindert werden. In keiner anderen Lebensphase sind Gesundheitsförderung und Prävention so effektiv, nachhaltig und kostengünstig wie in der Kindheit und in der Jugend. In der Schweiz wird dieses grosse Potenzial zu wenig ausgeschöpft. </p><p>In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen: </p><p>1. Ist der Bundesrat bereit, die "Volkskrankheit" Adipositas zu überwachen, und sich dadurch mit besseren Instrumenten zur Bekämpfung dieses Phänomens auszustatten?</p><p>2. Wenn ja, ist der Bund dazu bereit, getrennte Statistiken für Erwachsene und Kinder zu erstellen und in der letzteren Kategorie zwischen Säuglingen und Kindern im Schulalter zu unterscheiden?</p><p>3. Wenn nicht, warum? Sollten nicht vor allem bei Kindern, deren Gesundheit unter Übergewicht speziell leidet, besondere Anstrengungen unternommen werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. bis 3. Das verbreitete Vorkommen von Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) bei Kindern und Jugendlichen stellt ein weltweites und ernsthaftes Gesundheitsproblem dar. Übergewicht im Kindes- und Jugendalter wird mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht. Der Bundesrat ist der Auffassung, dass Datenbeschaffung für Monitoring und Evaluation im Bereich nichtübertragbare Krankheiten (NCD) wichtig sind und die Grundlagen für evidenzbasierte Massnahmen bilden. </p><p>Zu Übergewicht von Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen bestehen bereits Daten aus verschiedenen Erhebungen. </p><p>Im Auftrag und mit Mitwirkung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) arbeitet das schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) verschiedene diesbezügliche Gesundheitsdaten auf und stellt diese zur Verfügung. Das Schweizer Monitoring System Sucht und nichtübertragbare Krankheiten (MonAM; Quelle: www.obsan.admin.ch) hat die Indikatoren "Body-Mass-Index BMI" für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 6 Jahren und "Bauchumfang" für Kinder (6-12 Jahre) und Erwachsene (ab 18 Jahren) aufgearbeitet und publiziert. </p><p>Weiter führt Gesundheitsförderung Schweiz seit 2006 jährlich ein BMI-Monitoring in den drei Städten Basel, Bern und Zürich durch. Die schulärztlichen Dienste der drei Städte stellen dazu die Gewichtsdaten der schulpflichtigen Kinder (Kindergarten bis Oberstufe) zur Verfügung. </p><p>Zudem plant das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) mit menuCH-Kids die erste Nationale Ernährungserhebung bei Kindern und Jugendlichen. Dazu sollen in den Jahren 2021 bis 2022 schweizweit unter anderem auch Daten zu Körpergrösse und -gewicht von Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren erhoben werden. Die gewonnenen Informationen sollen helfen, effiziente Massnahme zu ergreifen, um die Ernährungsweise und damit die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu verbessern.</p><p>Wie der Bundesrat in den Stellungnahmen zu den Motionen 19.4069 Roduit "Schweizer Kohortenstudie zur Untersuchung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen" und 19.4070 Lohr "Nationale Strategie für Kinder und Gesundheit" erwähnt hat, wird im Juni dieses Jahres 2020 der Gesundheitsbericht 2020 des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums erscheinen. Dieser Bericht wird sich schwerpunktmässig mit der Kinder- und Jugendgesundheit befassen, auf die Datenlage eingehen sowie allfällige Datenlücken ansprechen. Bei beiden Motionen hat sich der Bundesrat dafür ausgesprochen, das Erscheinen des Nationalen Gesundheitsberichtes 2020 abzuwarten, um auf dieser Grundlage über allfällige weitere Schritte zu entscheiden.</p>  Antwort des Bundesrates.