Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 2. Juni 2016 (720 16 10 / 134) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die IV-Stelle hat die der Versicherten zugesprochen e Rente zu Recht wiedererwägungs- weise rückwirkend ab Rentenbeginn aufgehoben, da di e Versicherte die Ausrichtung der Rente unrechtmässig erwirkt hat / Zulässigkeit der Verwertung der Ergebnisse der durchgeführten Observation Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Dr. Martin Kaiser, Ad- vokat, c/o Advokatur Patrick Frey, Reinacherstrasse 8, 4053 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Mit Verfügung vom 26. Juli 2010 hatte die IV-Ste lle Basel-Landschaft der 1978 gebo- renen A.____ gestützt auf einen Invaliditätsgrad vo n 100 % rückwirkend ab 1. Februar 2009 eine ganze Rente der Eidgenössischen Invalidenversi cherung (IV) zugesprochen. Mit Verfü- gung vom 30. September 2015 sistierte die IV-Stelle Basel-Landschaft diese Rente per Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Oktober 2015. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Martin Kaiser, am 28. Oktober 2015 Beschwerde beim Kantonsger icht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Die betreffende Beschwerde (Ver fahren Nr. 720 15 334) gelangt eben- falls anlässlich der heutigen Sitzung des Kantonsgerichts zur Beurteilung, wobei darüber im Rahmen eines separaten Entscheids befunden wird. B. Mit einer weiteren an A.____ gerichteten Verfügun g vom 7. Dezember 2015 entschied die IV-Stelle, dass „die Ausrichtung der Rente rückwirkend per 30. September 2010 aufgehoben wird.“ Zur Begründung machte die IV-Stelle im Wesentlichen geltend, die erfolgten Abklärungen hätten ergeben, dass das Krankheitsverhalten der Versich erten „offensichtlich gezielt unsinnig in Szene gesetzt wird und somit bewusst absichtlich vordemon striert erfolgt.“ Gemäss dem ein- geholten psychiatrischen Gutachten und den Ergebnissen de r durchgeführten Observation sei davon auszugehen, dass die Versicherte bereits seit Oktobe r 2009 in ihren angestammten Tä- tigkeitsbereichen im Haushalt sowie als Reinigungsangestellte uneingeschränkt arbeitsfähig sei. Da der Invaliditätsgrad damals unter 40 % gelegen hab e, müsse man die IV-Rente rückwirkend aufheben. C. Gegen diese Verfügung erhob A.____, wiederum vert reten durch Advokat Dr. Martin Kaiser, am 17. Januar 2016 Beschwerde beim Kantonsger icht. Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung vom 7. Dezember 2015 betreffen d die rückwirkende Aufhebung ihrer IV-Rente aufzuheben und es sei ihr die Rente bis auf w eiteres auszubezahlen; unter o/e- Kostenfolge, wobei ihr die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter zu bewilligen seien. D. Mit Verfügung vom 16. Februar 2016 bewilligte da s Kantonsgericht der Beschwerde- führerin gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Dr. Martin Kaiser als Rechtsvertreter. E. In ihrer Vernehmlassung vom 31. März 2016 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. F. Zu ergänzen bleibt, dass die IV-Stelle mit Verfüg ung vom 14. Dezember 2015 von A.____ - unter Hinweis auf die am 7. Dezember 2015 verfügte rückwirkende Rentenaufhebung - die ihr im Zeitraum vom 1. Oktober 2010 bis 31. Oktobe r 2015 ausgerichteten Renten (samt Kinderrenten) im Gesamtbetrag von Fr. 184‘406.-- zurückforderte. Auch gegen diese Verfügung liess A.____ durch ihren Rechtsvertreter Dr. Martin Kai ser Beschwerde beim Kantonsgericht erheben. Das betreffende Beschwerdeverfahren (Nr. 720 16 16) wurde in der Folge mit pro- zessleitender Verfügung vom 14. März 2016 auf Antrag de r IV-Stelle und im Einverständnis mit der Beschwerdeführerin bis zur rechtskräftigen Erledigu ng des vorliegend zur Beurteilung ste- henden materiellen Rentenanspruchs der Versicherten sistiert. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 17. Januar 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 1 32 V 99 E. 4 mit weiteren Hinwei- sen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Wer Versicherungsleistungen beansprucht, muss unent geltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Ve rsicherungsleistungen erforderlich sind (Art. 28 Abs. 2 ATSG). Die Versicherten und ihre A rbeitgeber haben beim Vollzug der So- zialversicherungsgesetze unentgeltlich mitzuwirken (Art. 28 Abs. 1 ATSG). Personen, die Versi- cherungsleistungen beanspruchen, haben alle Personen und Stellen, namentlich Arbeitgeber, Ärztinnen und Ärzte, Versicherungen sowie Amtsstellen im Einzelfall zu ermächtigen, die Aus- künfte zu erteilen, die für die Abklärung von Leistung sansprüchen erforderlich sind. Diese Per- sonen und Stellen sind zur Auskunft verpflichtet (Art. 2 8 Abs. 3 ATSG). Gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimm t die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ei n. Die IV-Stellen haben sodann die versicherungsmässigen Voraussetzungen zu prüfen (Art. 57 Abs. 1 lit. c IVG). Zur Bekämpfung des ungerechtfertigten Leistungsbezugs können die IV-Stel len Spezialisten beiziehen (Art. 59 Abs. 5 IVG). 4.2 In BGE 135 I 169 ff. hat das Bundesgericht erwog en, eine regelmässige Observation versicherter Personen durch Privatdetektive stelle jedenfal ls dann einen durch Art. 43 in Ver- bindung mit Art. 28 Abs. 2 ATSG abgedeckten, relativ ge ringfügigen Eingriff in die grundrechtli- chen Positionen der überwachten Personen dar, wenn sie si ch auf den öffentlichen Raum be- schränke. Durch eine solche Überwachung werde der Kernge halt von Art. 13 der Bundesver- fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 nicht angetastet (S. 173 E. 5.4.2 des genannten Entscheids, mit Hinweis). Da die genannten Bestimmungen des ATSG im Bereich der Invalidenversicherung ebenfalls anwe ndbar sind (Art. 2 ATSG in Verbin- dung mit Art. 1 Abs. 1 IVG), ist die Voraussetzung ein er hinreichenden gesetzlichen Grundlage einer Observation im öffentlichen Raum grundsätzlich er füllt (BGE 137 I 331 E. 5.1). Für das invalidenversicherungsrechtliche Verfahren besteht überdies in Art. 59 Abs. 5 IVG eine spezial- gesetzliche Grundlage, welche zur Bekämpfung des ungere chtfertigten Leistungsbezugs den Beizug von Spezialisten ermöglicht. Dass damit der Einsatz von Privatdetektiven gemeint ist, steht nicht in Frage (BGE 137 I 331 E. 5.2 mit Hinweis). 4.3 Das öffentliche Interesse an der Einschränkung des Sc hutzes der Privatsphäre liegt darin, nur geschuldete Leistungen zu erbringen, um die Gemeinschaft der Versicherten nicht zu schädigen. Dieses Interesse an einer wirksamen Missbrauchsbekäm pfung und der Aufdeckung bzw. Verhinderung von Versicherungsbetrug, welches im Privatversicherungsbereich als Recht- fertigungsgrund der mit einer Observation verbundenen Persönlichkeitsverletzung (vgl. Art. 28 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB] vom 10. Dezember 1907) anerkannt ist, gilt gleichermassen auch im Sozialversicherungsrecht (BGE 137 I 332 E. 5.3 mit Hinweis). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Die Observation hat verhältnismässig zu sein. Diesbez üglich hat eine Interessenabwä- gung unter den Gesichtspunkten der Eignung, Erforderli chkeit und Zumutbarkeit (Verhältnis- mässigkeit im engeren Sinn) zu erfolgen (BGE 137 I 332 E. 5.4 mit Hinweis). 5. Wie eingangs ausgeführt, hat die IV-Stelle der Ve rsicherten mit Verfügung vom 26. Juli 2010 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % rückwi rkend ab 1. Februar 2009 eine ganze IV-Rente zugesprochen. Bei der Beurteilung des medizi nischen Sachverhalts stützte sie sich dabei vollumfänglich auf ein psychiatrisches Gutachten der Klinik B.____ vom 21. Januar 2010. Darin attestierte die begutachtende Fachärztin der Ex plorandin als Diagnosen mit Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere depressive Epi sode mit psychotischen Symptomen seit Anfang 2008 (ICD-10 F32.3) und eine leichte Int elligenzminderung (IQ kleiner als 55; ICD- 10 F70). Im Weiteren verwies die Gutachterin in ihren Ausführungen auf eine am 21. Oktober 2009 erfolgte Testung der kognitiven Funktionen der Ve rsicherten. Diese sei bei der Testung mit den gewohnten neuropsychologischen Testverfahren völ lig überfordert gewesen, selbst mit den Verfahren, die im Bereich der Altersdemenz zum Eins atz gelangen würden. Die Exploran- din bewege sich mental und emotional auf dem Niveau ei nes Kindergartenkindes. Anfänglich sei aufgrund der extremen Leistungsschwäche die Frage d es Vortäuschens einer Störung auf- getaucht. Das gesamte Leistungsmuster sei indessen konsistent gewesen und habe sich auf diesem äusserst bescheidenen Niveau bewegt. Es sei deshalb glaubhaft, dass die Explorandin „schwerst minderintelligent“ sei. Zur Frage der Arbeit sfähigkeit führte die begutachtende Fach- ärztin aus, dass die Versicherte aufgrund der bestehenden psychiatrischen Erkrankung nicht in der Lage sei, genauso wie ein in Alter und Bildungssta nd vergleichbarer gesunder Mensch zu arbeiten. Aufgrund der kognitiven Einschränkungen in Form von Orientierungs-, Konzentra- tions-, Aufmerksamkeits- und Merkfähigkeitsstörungen in Ver bindung mit dem schwer nieder- gestimmten Affekt sowie der schweren Antriebsstörung mit A ffekthemmung sei eine Arbeitstä- tigkeit der Explorandin derzeit nicht vorstellbar. 6.1 Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die IV-Stelle in der vorliegend angefochte- nen Verfügung vom 7. Dezember 2015 die ganze Rente der Versicherten zu Recht aufgehoben hat. Ein solches Zurückkommen der IV-Stelle auf eine rech tskräftig zugesprochene Rente ist grundsätzlich unter den Titeln der Revision im Sinne der Anpassung an geänderte Verhältnisse (Art. 17 Abs. 1 ATSG), der prozessualen Revision wegen neu entdeckter und vorbestandener Tatsachen und Beweismittel (Art. 53 Abs. 1 ATSG) und der Wiedererwägung wegen zweifello- ser Unrichtigkeit und erheblicher Bedeutung ihrer Berichtigung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) möglich. 6.2 Nach der letztgenannten Bestimmung von Art. 53 Abs . 2 ATSG ist die Verwaltung be- fugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung zurückzu kommen, wenn diese zweifellos unrich- tig ist und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bede utung ist. Das Instrument der Wiederer- wägung dient somit der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sac hverhalts. Vorliegend ist die Wieder- erwägungsvoraussetzung der erheblichen Bedeutung ohne weiteres erfüllt, da eine periodische Dauerleistung Prozessgegenstand bildet (vgl. BGE 119 V 480 E. 1c mit Hinweisen; Sozialversi- cherungsrecht - Rechtsprechung [SVR] 2001 IV Nr. 1 S. 3 E . 5c). Zu klären bleibt dagegen, ob Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung vom 26. Juli 2010 gegeben ist. 6.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann die wiedererwägungsweise Auf- hebung einer Invalidenrente nur bei Unvertretbarkeit d er ursprünglichen Rentenzusprache er- folgen. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Sch luss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - möglich (Urteile C. des Bundesgerichts vom 1 2. August 2010, 9C_181/2010, E. 3 und H. vom 14. Januar 2009, 8C_512/2008, E. 6.1 mit H inweisen). Das Erfordernis der zweifel- losen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn die gesetzeswidrige Leistungszusprechung auf Grund falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erlassen wurde oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. O b dies zutrifft, beurteilt sich nach der bei Erlass der Verfügung bestehenden Sach- und Rechtslage , einschliesslich der damaligen Rechtspraxis. Um wiedererwägungsweise auf eine verfügte Leistung zurückkommen zu kön- nen, genügt es aber nicht, wenn ein einzelnes Anspruchselement rechtswidrig festgelegt wurde. Vielmehr hat sich die Leistungszusprache auch im Ergebni s als offensichtlich unrichtig zu er- weisen. So muss etwa, damit eine zugesprochene Rente we gen einer unkorrekten Invaliditäts- bemessung wiedererwägungsweise aufgehoben werden kann, - nach damaliger Sach- und Rechtslage - erstellt sein, dass eine korrekte Invaliditätsb emessung hinsichtlich des Leistungs- anspruchs zu einem anderen Ergebnis geführt hätte (BGE 140 V 79 f. E. 3.1 mit Hinweisen). 7.1.1 Im “Abschluss- und Verlaufsbericht“ der Klinik C._ ___ vom 14. Dezember 2010 wurde ärztlicherseits erstmals der Verdacht einer bewussten Simu lation der Symptomatik durch die Versicherte geäussert. Nachdem der behandelnde Psychiater Dr. med. D.____, FMH Psychiat- rie und Psychotherapie, im Rahmen einer von der IV-Stelle eingeleiteten Rentenrevision bei der Versicherten jedoch mit Bericht vom 22. Januar 2013 ei ne Hebephrenie (ICD-10 F20.1) diag- nostiziert und ihr eine seit vielen Jahren bestehende u nd bis auf weiteres andauernde Arbeits- unfähigkeit attestiert hatte, teilte die IV-Stelle d er Versicherten am 30. Mai 2013 mit, dass man bei der Überprüfung des Invaliditätsgrades keine Änder ung festgestellt habe, weshalb sie wei- terhin Anspruch auf die bisherige ganze Rente habe. 7.1.2 Da die Versicherte im Revisionsfragebogen vom Mai 2012 zusätzlich angegeben hatte, bei alltäglichen Lebensverrichtungen eingeschränkt sowie au f dauernde persönliche Überwa- chung und andauernde Pflege angewiesen zu sein, liess die IV-Stelle die Frage der Hilflosigkeit der Versicherten im Rahmen einer Abklärung vor Ort prü fen. Wie dem Bericht des Abklärungs- dienstes vom 16. August 2013 entnommen werden kann, ze igte die Versicherte anlässlich die- ser Abklärung ein massiv abnorm wirkendes, ausgesprochen kle inkindliches Verhalten (vgl. die Ausführungen unter Ziff. 6: “Beschreibung der Situat ion vor Ort“). Auf die Abklärungsperson wirkte dieses Verhalten jedoch unglaubwürdig und vorgespielt, weshalb sie sich veranlasst sah, eine interne Meldung hinsichtlich eines Verdachts auf Versicherungsmissbrauch vorzunehmen. 7.2.1 Als Folge des erstmals von den Ärzten der Klinik C. ____ und nunmehr durch die Ab- klärungsperson neu geäusserten Verdachts entschloss sich die IV-Stelle, eine erweiterte Sach- verhaltsermittlung im Rahmen einer Observation durchzuführen. Diese fand vom 16. September Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2013 bis 6. März 2014 statt. Laut der “Observationszusamm enfassung“ im Ermittlungsbericht der beauftragten Gesellschaft vom 19. März 2014 habe ma n die Versicherte am 16. Dezember 2013 erstmals im öffentlichen Raum feststellen können. Dabei und in den folgenden Observati- onseinsätzen sei sie immer in Begleitung ihres Ehemannes und anderer unbekannter Personen eruierbar gewesen. Die Begleitung sei nicht erfolgt, weil die Versicherte Hilfe benötigt habe oder aufgrund ihres Verhaltens unter Aufsicht habe gestellt werden müssen, sondern weil sie an den Sammeltouren ihres Ehemannes teilnehme. Dieser dürfte seinen Lebensunterhalt mit dem Ein- sammeln und Verkaufen von alten elektronischen Geräten bestreiten. Die Versicherte helfe da- bei, die Gegenstände einzusammeln und im Lieferwagen zu verstauen. Man habe sie aber auch beim Zügeln von grossen Möbelstücken beobachtet, da bei habe sie schwere Lasten ge- tragen und gehoben. Im Weiteren habe sich gezeigt, da ss die Versicherte ganz normal aktiv an Unterhaltungen teilnehmen könne, selbständig schriftli che Unterlagen lese und ohne fremde Hilfe ein Mobiltelefon, welches sie in der Handtasche mi t sich trage, bediene. In der ganzen Auftragsbearbeitung habe man bei der Versicherten, sub jektiv gesehen, nie eine geistige oder eine körperliche Behinderung feststellen können. Die V ersicherte verhalte sich im öffentlichen Raum immer ihrem Alter entsprechend. Es sei nie ein kindliches Verhalten feststellbar gewe- sen. 7.2.2 Am 6. März 2014 fand bei der IV-Stelle ein Abkl ärungsgespräch statt, bei welchem die von ihrem Lebenspartner begleitete Versicherte sinngemäss zu Protokoll gab, dass sich ihr Ge- sundheitszustand nicht verändert habe und sie nach wie vor nicht in der Lage sei, einer Er- werbsarbeit nachzugehen. Auch während dieses Gesprächs zeig te die Versicherte ein kindli- ches und inadäquates Verhalten. Die nach dem Abklärungsg espräch weitergeführte Observati- on offenbarte, dass die Versicherte noch am selben Tag in der Lage war, sich normal zu verhal- ten. Dies zeigte sich zusätzlich auch anlässlich einer zufällig am selben Tag erfolgten Polizei- kontrolle: Laut dem von der IV-Stelle eingeholten Be richt des kontrollierenden Polizeibeamten vom 8. April 2014 habe sich die Versicherte anlässlich der Kontrolle „ganz normal“ verhalten und die gestellten Fragen „normal beantwortet“. Bet reffend der wenigen Sätze, die er mit ihr gewechselt habe, habe sie altersentsprechende Antworte n gegeben und auch sonst sei ihm nichts Aussergewöhnliches aufgefallen. 7.3.1 Im Hinblick auf die weitere Klärung der Leistung sansprüche der Versicherten erachtete die IV-Stelle die Einholung eines aktuellen psychiatri schen Gutachtens als angezeigt. Der ent- sprechende Begutachtungsauftrag erging am 11. April 2 014 an die Klinik E.____. Um eine un- voreingenommene fachärztliche Begutachtung zu gewährle isten, gab die IV-Stelle der Klinik E.____ bei der Auftragserteilung keine Kenntnis von ih ren Ermittlungen gegen die Versicherte aufgrund eines Verdachts auf Versicherungsmissbrauch. Insbe sondere sah sie davon ab, der Klinik E.____ im Rahmen der Aktenzustellung (auch) den Bericht der Klinik C.____ vom 14. Dezember 2010, den “Abklärungsbericht Hilflosigkei t“ vom 16. August 2013, den Observati- onsbericht (samt DVD) vom 10. März 2014, den Bericht (sa mt DVD’s) über das Abklärungsge- spräch vom 6. März 2014 sowie das Schreiben der Polizei B asel-Landschaft vom 8. April 2014 zuzustellen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.2 Die Versicherte wurde in der Folge am 11. und 1 2. Dezember 2014 im Rahmen eines zweitägigen stationären Aufenthalts in der Klinik E.___ _ und anlässlich einer ambulanten Folgeuntersuchung am 4. Februar 2015 durch Dr. med. F .____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, psychiatrisch begutachtet. Zudem wurde die Exp lorandin durch lic. phil. G.____, Psy- chologe FSP, neuropsychologisch untersucht. Zur Vervollständ igung der Aktenlage wurde so- dann ein Bericht von Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, der die Versicher- te seit anfangs 2014 behandelt, sowie ein Austrittsberi cht der Klinik I.____ vom 3. November 2014 beigezogen. Sodann befragte der psychiatrische Guta chter in der Klinik E.____ - jeweils getrennt - Herrn J.____, den Lebenspartner, und Frau K.____, eine damals vorübergehend im gleichen Haushalt lebende Cousine der Versicherten. Schli esslich holte der Gutachter noch eine konsiliarische Second Opinion durch Dr. med. L.____, FMH Psychiatrie und Psychothera- pie, Medizinischer Leiter des Zentrums für Begutachtung der Klinik E.____, ein, welcher die Versicherte am 11. Dezember 2014 zu diesem Zwecke kurz per sönlich untersuchte. Gestützt auf die Ergebnisse seiner Untersuchungen und Abklärungen sowie auf die vorhandenen Akten erstattete Dr. F.____ am 23. April 2015 sein psychiatrisches Gutachten. 7.4.1 In seinem umfangreichen Gutachten nimmt Dr. F._ ___ eine ausserordentlich detaillier- te Beschreibung über den Ablauf der Untersuchung vor. Diese Beschreibung würde, wie der Gutachter im Rahmen seiner ausführlichen “Diagnostischen Beurteilung“ festhält, belegen, dass bei der Explorandin ein höchst seltsames, teils abruptes u nd nicht nachvollziehbares Verhal- tensmuster vorliege. Dieses werde begleitet von einer sehr eigentümlichen, ebenfalls kaum nachvollziehbaren Emotionalität (soweit dies an der Mim ik abgelesen werden könne), ferner von einem Muster von Angaben, das im Rahmen eines ansche inend kindlich-regressiven Ver- haltens überraschende Wissens- und Erinnerungslücken (auch bezüglich elementaren Wissens um die eigene Situation und Lebensgeschichte) zu manif estieren scheine, und zwar in einem Ausmass, das auch im Rahmen von schwerer Hirnverletzung oder bei kognitiv stark beeinträch- tigten Patienten nicht angetroffen werde. Hinsichtlich Affektivität wirke diese schwer einfühlbar, die Versicherte nehme praktisch keinen emotionalen Kont akt zum Untersucher auf, sie könne jedoch dessen Anliegen und Fragen durchaus auffassen und wirke eigentlich einerseits prä- sent, eindeutig nicht im Sinne einer sogenannten Trance bewusstseinsverschoben, aber ver- drossen-missmutig, mit Schmollmund, den Blick meist weggew endet, dann auch wieder unver- mittelt plötzlich kindliche Anliegen nach Essen oder „zeichn en dürfen“ äussernd. Aufgrund des- sen, was hinsichtlich Emotionalität und eventueller Psychopa thologie sichtbar werde, könne nicht auf eine relevante depressive Störung geschlossen we rden. Ebenso würden keine An- haltspunkte für ein psychotisches Leiden mit Halluzination en und für eine psychische Störung mit psychotraumatologischer Symptomatik vorliegen. Die Versicherte habe hinsichtlich verschiedener Aspekte der elementaren Orientierung zur eig- nen Person und zur Situation nicht plausible Wissenslücken gezeigt, womit ihre Angaben zur Vorgeschichte als unzuverlässig gelten müssten. In der neu ropsychologischen Untersuchung sei praktisch in sämtlichen Untersuchungsmodalitäten eine Leistung im tiefsten Bereich bzw. zum Teil auch ein Antwortverhalten im Sinne einer Ve rmeidung von richtigen Antworten festzu- stellen gewesen, woraus sich mit an Sicherheit grenzende r Wahrscheinlichkeit insgesamt eine Beurteilung im Sinne einer vorgetäuschten kognitiven S törung ergeben habe. Trotz Regression Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei die Versicherte im Stande, ihr Verhalten bis zu ei nem gewissen Grad zu reflektieren und zu steuern. 7.4.2 Differentialdiagnostisch könnten diese eklatanten Wissenslücken zu elementarsten Angaben zur eigenen Person nicht im Sinne von Folgen ei ner Hirnschädigung interpretiert wer- den. Die präsentierten Leistungsdefizite würden sich in keiner Weise mit bekannten Mustern bei Personen mit effektiven organischen Hirnschädigungen ode r Demenzen decken. Zudem habe auch eine Bildgebung des Gehirns im Vorfeld dieser B egutachtung keine strukturellen Auffällig- keiten dokumentieren können. Eine dissoziative Genese di eser ungewöhnlichen Lücken im elementaren Wissen scheide ebenfalls aus. Dissoziative Am nesien würden in der Regel eine kürzere oder längere Phase im Leben betreffen, während der die betroffen Person einer erheb- lichen Traumatisierung ausgesetzt gewesen sei, während die aktuelle Orientierung, Auffassung und Merkfähigkeit bei dissoziativen Amnesien intakt sei. Auch eine Situation mit multipler Per- sönlichkeit könne ausgeschlossen werden. In einem solchen Fall müsste ein Persönlichkeitsan- teil mindestens “anscheinend normal“ sein, was hier jedoch zu keiner Zeit der Fall gewesen sei bzw. zu sein scheine. Differentialdiagnostisch enge sich som it das Feld möglicher Erklärungen insofern ein, als einerseits das Vorliegen eines bewusst vo rtäuschenden Verhaltens, anderseits aber auch das Vorliegen eines sogenannten Ganser-Syndrom s bzw. auch das Vorliegen einer schwer dysfunktionalen Entwicklung mit Regression, diese ko mbiniert mit bewusst nicht- authentischer Verhaltensdarstellung, zu diskutieren sei. Das Ganser-Syndrom, das unter die Kategorie von “Sonstigen dissoziativen Störungen“ bzw. von “Konversionsstörungen“ eingereiht werde, sei durch ein sogenanntes Vorbeiantworten (Antwo rten knapp daneben) gekennzeich- net, gewöhnlich begleitet von mehreren anderen dissozia tiven Symptomen, und es trete unter Umständen auf, welche eine psychogene Ätiologie nahele gen würden. Vorliegend könne eine gewisse Parallelität zum “Knapp-daneben-Antworten“ bei m Ganser-Syndrom erkannt werden, nämlich beim unsinnig erscheinenden Danebenreagieren au f eine Situation bzw. Aufgabe, die eine andere Handlungsweise nahelegen würde. Solche Sit uationen habe es anlässlich der Be- gutachtung wiederholt gegeben. Trotz dieser Paralleli täten mit einem Ganser-Syndrom sei da- rauf hinzuwiesen, dass Fälle mit einem Ganser-Syndrom, di e jahrelang anhalten würden, ei- gentlich nicht bekannt seien. Allerdings werde von den A ngehörigen ein identisches Verhal- tensmuster zu Hause beschrieben. Ob dies effektiv zutreffe, könne der psychiatrische Gutach- ter letztlich nicht beurteilen. Es sei aber aus versicher ungspsychiatrischer Sicht darauf hinzu- weisen, dass es wahrscheinlich auch alle Schattierungen gebe von Übergängen von einem e- her typisch ausgeprägten Ganser-Syndrom einerseits zu ein deutig nicht-authentischer und da- mit bewusst gesteuerter Vortäuschung eines auffälligen und anscheinend sinnlosen Verhaltens. Ob dieses hier demonstrierte und auch von den Angehör igen beschriebene Verhalten im häus- lichen Milieu effektiv vorliege, könnten eher nur weit ere objektivierende Feststellungen von drit- ter Seite belegen. Es könnte sich im Fall der Versichert en also um ein atypisches Ganser- Syndrom handeln, dieses kombiniert allerdings mit bewu sst gesteuerten unsinnigen Verhal- tenssequenzen (während das klassische Ganser-Syndrom auf ei nem mehr bewusstseinsfer- nen, dissoziativen Mechanismus zu beruhen scheine). 7.4.3 Gestützt auf seine vorstehend wiedergegebenen Beu rteilungen und differentialdiagnos- tischen Überlegungen geht Dr. F.____ in seinem diagnos tischen Fazit bei der Versicherten von Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht einem abnormen und regressiven Krankheitsverhalten mit Vortäuschung von tiefgreifenden kognitiven Defiziten und unsinnigen Verhaltensweisen (ICD-10 Z76.5) sowie differentialdiagnos- tisch von einem atypischen Ganser-Syndrom (ICD-10 F44.80) aus. Das Vorliegen einer Persön- lichkeitsauffälligkeit mit histrionischen Zügen (ICD-10 Z73.1 bzw. F60.4) oder einer kombinier- ten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61) erachtet er als möglich. Ebenso sei eine leichte Min- derintelligenz möglich. Demgegenüber könne das Vorliege n einer Depression, einer posttrau- matischen Belastungsstörung oder ähnlicher Störungen aus d em psychotraumatologischen Formenkreis, einer sogenannten Hebephrenie oder einer somatoformen Störung nicht belegt werden. 7.4.4 In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Versicher ten gelangt Dr. F.____ zum Ergebnis, dass medizinisch kein psychiatrisch belegbarer Grund ersichtli ch sei, wieso die Versicherte mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in den bisher ausgeübten Tätigkeitsbereichen wie denjenigen als Hausfrau oder als Reinigungsangestel lte arbeitsunfähig oder vermindert leistungsfähig sein sollte. Entsprechend gelte dieser Schluss auch für den Zeitraum, in welchem dieses nicht-authentische Verhalten manifest geworden se i. Dies sei rund um oder spätestens ab der Begutachtung in der Klinik B.____ im Oktober 2 009 der Fall gewesen, wo ein weitge- hend ähnliches Muster von Verhalten und Beschwerden wie aktuell beschrieben worden sei. Demnach habe schon zum Zeitpunkt der Untersuchung in de r Klinik B.____ eine nicht- authentische Beschwerdedarstellung im Vordergrund gest anden. Hinsichtlich der Schlüsse, welche die begutachtende Ärztin der Klinik B.____ im psych iatrischen Gutachten vom 21. Ja- nuar 2010 und die seither behandelnden Psychiater in ihren Berichten in Bezug auf die Arbeits- fähigkeit gezogen hätten, sei festzustellen, dass die Gut achterin und die behandelnden Ärzte den Umstand einer nicht-authentischen Beschwerdedarstell ung nicht oder nicht genügend in ihre Betrachtungen miteinbezogen hätten. Demnach könnt en die von ihnen vorgenommenen Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollzogen werden. 7.5.1 Nach Erhalt des psychiatrischen Gutachtens vom 23. Ap ril 2015 informierte die IV- Stelle den Gutachter Dr. F.____, dass sie gegen die Ve rsicherte seit geraumer Zeit Ermittlun- gen aufgrund eines Verdachts auf Versicherungsmissbrauch aufgenommen habe. Im Nachgang zur zwischenzeitlich erfolgten Begutachtung unterbreitete sie dem Gutachter nunmehr sämtli- che Unterlagen, die mit diesem Verdacht in Verbindun g stehen und die sie anlässlich der ur- sprünglichen Auftragserteilung zurückgehalten hatte, um eine unvoreingenommene fachärztli- che Begutachtung zu gewährleisten (vgl. dazu E. 6.3.1 h iervor, wo auch die betreffenden Unte- ralgen aufgelistet sind). Gleichzeitig ersuchte die IV-Stelle Dr. F.____, die betreffenden Unterla- gen nachträglich zu würdigen und sie in seine Gesamtbeurteilung miteinzubeziehen. 7.5.2 Mit seinem psychiatrischen Ergänzungs-Gutachten vom 2 9. Juli 2015 kam Dr. F.____ diesem Ersuchen der IV-Stelle nach. Seine gutachterliche Konklusion aus dem zugestellten Material fasste er dabei wie folgt zusammen: Die Versiche rte zeige anlässlich des am 6. März 2014 bei der IV-Stelle durchgeführten Gesprächs ein V erhaltensmuster, das in hohem Masse Parallelen zum Verhaltensmuster aufweise, welches man anlässlich des Aufenthaltes der Ver- sicherten in der Klinik E.____ habe feststellen müssen. D ieses Verhaltensmuster entspreche keinem medizinisch-psychiatrisch bekannten Störungszustand. A nlässlich dieses Gesprächs Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei der IV-Stelle sei abermals manifest geworden, dass die Versicherte durchaus auch deutsch verstehe und mindestens kontextuell die Fragen der Gesprä chsleiter richtig habe auffassen können. Ihr Verhalten während dieses Gesprächs sei durch dümmlich wirkende Faxen charak- terisiert. Das ganze Verhaltensmuster könnte charakterisier t werden als Resultat dessen, dass von der Versicherten naive Vorstellungen von totaler „ Verdummung“ in Szene gesetzt würden. Dass dies ausserhalb der beobachteten Situation nicht der Fall sei, würden zum Beispiel die Observationen vom gleichen Tag, dem 6. März 2014, eind rücklich belegen. Die Versicherte zeige dort im Gespräch mit dem Lebenspartner und dessen Kollegen ein normal erscheinen- des, reich moduliertes Kommunikationsmuster von Mimik, Ge stik und Körperbewegungen, und dies im Rahmen einer längeren Gesprächssequenz. Es gebe keinen vernünftigen medizini- schen Erklärungsansatz ausserhalb einer zielgerichteten, bew ussten Verhaltensmodifikation bzw. Vortäuschung, um diese eklatanten Verhaltensunterschi ede noch am gleichen Tag zu er- klären. All die Hypothesen, die er in der psychiatrischen Beurteilung des Gutachtens vom April 2015 für den Fall geäussert habe, dass sich die Versicherte effektiv l angfristig und auch zu Hause in der auffälligen Art verhalte, seien damit hinfällig. Es handle sich also mit Eindeutigkeit nicht um ein atypisches, lang anhaltendes Ganser-Syndrom oder um ein en seltsamen Regressionszustand, mit welchem sich die Versicherte im Rahmen einer schwier igen familiären Dynamik besser durchsetzen könnte, auch nicht um das Resultat einer j ahrelang zunehmenden Selbstsuggesti- on im Sinne einer eingebildeten Krankheit. Man gewi nne viel eher den Eindruck, dass die Ver- sicherte aktiv und gut kommunikativ an der Grundlage des gemeinsamen Familienverdienstes, dem Sammeln von Altmaterial, mitwirke, in dieser Dyna mik gut eingebunden sei und ihre aner- kannte Rolle sowie ihren Platz finde. Damit würden die Schlüsse, die aus der Observation ge- zogen werden könnten bzw. die observierten Verhaltensmu ster genau auf der Linie liegen, wie sie auch im Rahmen des Aufenthaltes in der Klinik E.____ hätten beobachtet werden können, nämlich in offensichtlich gezielt unsinnig in Szene gesetzten Verhaltenssequenzen, die bewusst und absichtlich vordemonstriert würden. Es sei zu bemerken, dass sich die Versicherte mindes- tens in der Klinik E.____ einer doch erheblichen Konse quenz in der Darstellung dieses Verhal- tens befleissigt habe und dass ihr nur wenige „Lücken“ in dieser Verhaltensdarstellung unterlau- fen seien. Es sei also davon auszugehen, dass sich die Versiche rte jederzeit bewusst steuern und somit anders, also auch normal, verhalten könne. 8.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung bei der Würdigung des me- dizinischen Sachverhalts vollumfänglich auf das ausführlich e Gutachten von Dr. F.____ vom 23. April 2015, auf dessen Ergänzungs-Gutachten vom 29 . Juli 2015 sowie auf die Ergebnisse der von ihr angeordneten Observation. Sie ging demzufolge davon aus, dass bei der Versicher- ten das Vorliegen einer psychiatrischen Störung ausgeschlossen werden könne. Die Versicher- te sei in der Lage, ihr Verhalten bewusst zu steuern, je nachdem welche Anforderungen an sie gestellt würden. Sie setze ihr Krankheitsverhalten off ensichtlich gezielt unsinnig in Szene und demonstriere dieses somit bewusst und absichtlich vor. Es se i medizinisch kein Grund ersicht- lich, weshalb die Versicherte in ihren angestammten Täti gkeitsbereichen im Haushalt und als Reinigungsangestellte arbeitsunfähig oder vermindert le istungsfähig sein sollte. Dieser Schluss gelte nicht nur aktuell, sondern ab dem Zeitpunkt, in welchem das nicht-authentische Verhalten Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Versicherten manifest geworden sei. Dies sei anlässl ich der Begutachtung in der Klinik B.____ im Oktober 2009 der Fall gewesen, wo ein weitg ehend ähnliches Muster von Verhalten und Beschwerden wie aktuell beschrieben worden sei. Es se i deshalb bereits im damaligen Zeitpunkt von einer Simulation durch die Versicherte auszugehen. 8.2 Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist in keiner We ise zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist den im Rahmen de s Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuve rlässigkeit der Expertisen spre- chen. Solche Indizien sind hier keine ersichtlich, es verhäl t sich vielmehr so, dass das Gutach- ten von Dr. F.____ in jeder Hinsicht zu überzeugen verm ag. So enthält dieses insbesondere eine äusserst sorgfältige diagnostische Beurteilung sowie ausführliche und einleuchtende diffe- rentialdiagniostische Überlegungen, aufgrund derer - in Kombination und im Einklang mit den Ergebnissen der Observation - das Vorliegen einer psychia trischen Erkrankung der Versicher- ten ausgeschlossen werden kann. Ebenso legt der Gutacht er überzeugend dar, dass die früher gestellten psychiatrischen Diagnosen nicht zutreffend sind , weil die Gutachterin der Klinik B.____ und die behandelnden Ärzte den Umstand einer n icht-authentischen Beschwerdedar- stellung nicht oder nicht genügend in ihre Betrachtung en miteinbezogen haben. Als äusserst hilfreich für die Gesamtbeurteilung erweist sich ferner die ausgesprochen detaillierte Beschrei- bung des Ablaufs der Untersuchung, die - in nachträglicher Kenntnis der Observationsergebnis- se - in eklatanter Weise deutlich macht, wie gezielt un d konsequent die Versicherte ihr unsinni- ges Krankheitsverhalten anlässlich des Aufenthaltes in der Klinik E.____ in Szene gesetzt hat. Schliesslich wird der Beweiswert des Gutachtens vom 23. Ap ril 2015 zusätzlich durch den Um- stand gesteigert, dass Dr. F.____ damals keine Kenntnis da von hatte, dass die IV-Stelle gegen die Versicherte seit geraumer Zeit Ermittlungen aufgr und eines Verdachts auf Versicherungs- missbrauch aufgenommen hatte. Indem die IV-Stelle dem Experten bis zur Ablieferung des Gutachtens sämtliche Unterlagen, die mit diesem Verdacht in Verbindung standen, vorenthalten hatte, schuf sie zweifelsohne die Basis für eine unvorei ngenommene fachärztliche Begutach- tung - und eine solche liegt denn auch mit dem umfan greichen Gutachten vom 23. April 2015 unstreitig vor. Zusammenfassend kann deshalb festgehalten werden, dass das Gutachten von Dr. F.____ vom 23. April 2015 - samt Ergänzungs-Gutachten vom 29. Juli 2015 - weder formale noch inhaltliche Mängel aufweist. Es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es ber uht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntn is der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhä nge bzw. der Beurteilung der me- dizinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhande nen abweichenden ärztlichen Einschät- zungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. 9. Was die Beschwerdeführerin vorbringt, vermag die Rich tigkeit der vorinstanzlichen Beweiswürdigung nicht in Frage zu stellen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Die Beschwerdeführerin erhebt Einwände gegen die Rechtmässigkeit der von der IV- Stelle angeordneten Observation. 9.1.1 In diesem Zusammenhang wird von Seiten der Beschw erdeführerin als erstes geltend gemacht, die Observation sei unzulässig gewesen, da ihr kein rechtsgenüglicher Anfangsver- dacht zu Grunde gelegen habe. Diesbezüglich hat das B undesgericht in BGE 136 III 410 ff. ausgeführt dass der Begriff "Anfangsverdacht" die Stra fverfolgung betreffe, die bei Vorliegen eines hinreichenden Anfangsverdachts zu eröffnen sei. Im Zusammenhang mit dem privatrecht- lichen Persönlichkeitsschutz werde er regelmässig nicht ve rwendet. Die Observation müsse vielmehr objektiv geboten sein. Diese objektive Gebotenh eit der Observation seit ein wichtiges Element der Interessenabwägung im Persönlichkeitsschutz (S. 417 E. 4.2.1). Dies habe gleich- falls für den verfassungsrechtlichen Persönlichkeitsschutz zu gelten (BGE 137 I 332 E. 5.4.2.1). Die Observation sei objektiv geboten, wenn konkrete Anhaltspunkte vorliegen würden, die Zwei- fel an den geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend gemachten Arbeitsun- fähigkeit aufkommen liessen. Solche Anhaltspunkte könnten beispielsweise gegeben sein bei widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person, ode r wenn Zweifel an der Redlichkeit derselben bestünden (eventuell durch Angaben und Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen Untersuchung, Aggravation, Si mulation oder Selbstschädigung und Ähnlichem. Diese Elemente könnten einzeln oder in Kombination zureichende Hinweise liefern, die zur objektiven Gebotenheit der Observation führen würden (BGE 137 I 332 f. E. 5.4.2.1). Vorliegend enthielt der Bericht der Kli nik C.____ vom 16. September 2010 einen ersten Hinweis auf eine mögliche Simulation der Versich erten. Ausschlaggebend für die Anord- nung der Observation war in der Folge aber das äusserst groteske Verhalten der Versicherten anlässlich der Abklärung Hilflosigkeit vom 16. August 201 3. Dieses erweckte bei der Abklä- rungsperson erhebliche Zweifel an den von der Versicher ten geäusserten gesundheitlichen Be- schwerden. Dadurch lagen aber, wie auch die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung zutreffend gel- tend macht, hinreichende Anhaltspunkte für eine Obser vation vor, diese war mit anderen Wor- ten objektiv geboten. 9.1.2 Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, die Observation sei unnötig und damit unzulässig gewesen, da die IV-Stelle bereits zum Zeitpunkt ihrer Anordnung eine Begutachtung geplant habe und davon ausgegangen sei, dass diese au ch ohne Observation zum entspre- chenden Erkenntnisgewinn geführt hätte. Dieser Einwand erweist sich offensichtlich als unbe- gründet. Zum Zeitpunkt der Einleitung der Observation konnte eindeutig nicht gesagt werden, was diese ergeben würde. Somit stand damals aber in ke iner Weise fest, ob und in welcher Form die Versicherte zu begutachten war. Die Begutacht ung wurde denn auch erst nach Vor- liegen der Observationsergebnisse im März 2014 beschlosse n. In diesem Zeitpunkt war die Einholung eines Gutachtens dann aber zwingend erforder lich, denn nach der bundesgerichtli- chen Rechtsprechung bildet ein Observationsbericht für si ch allein keine sichere Grundlage für Sachverhaltsfeststellungen betreffend den Gesundheitsz ustand und die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person. Er kann diesbezüglich höchstens Anhaltspu nkte liefern oder Anlass zu Vermutungen geben. Sichere Kenntnis des Sachverhalts verm itteln kann in dieser Hinsicht erst die ärztliche Beurteilung des Observationsmaterials (Ur teil T. des Bundesgerichts vom 25. Juli 2013, 9C_555/2012, E. 2.3.2 mit Hinweis). Dies zeigt si ch denn auch im vorliegenden Fall: In Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht seinem Ergänzungs-Gutachten vom 29. Juli 2015 führt Dr . F.____ aus, dass durch das - ihm anfänglich nicht bekannte - Observationsmaterial sämtlich e Hypothesen, die er in der psychiat- rischen Beurteilung des Gutachtens vom 23. April 2015 für den Fall geäussert hatte, dass sich die Explorandin effektiv langfristig und auch zu Hause in der auffälligen Art verhalten würde, als hinfällig erwiesen. Der Gutachter konnte erst dank des O bservationsmaterials das vorgängig noch erwogene Vorliegen eines atypischen, lang anhalte nden Ganser-Syndroms oder eines seltsamen Regressionszustandes mit Eindeutigkeit ausschliesse n. Wie die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung zu Recht festhält, war die durchgeführte Observation somit keinesfalls unnötig und antizipiert. 9.1.3 Bei der durchgeführten Observation handelte es sich nach dem Gesagten nicht nur um eine geeignete und erforderliche Massnahme, der durch sie erfolgte Eingriff in die Privatsphäre ist auch als zumutbar und damit als verhältnismässig im en geren Sinn zu qualifizieren. Bei der Beurteilung dieses Aspekts hat jeweils eine Interessenabwäg ung zu erfolgen. Die von der Ob- servation betroffene Person erhebt gegenüber der Versich erung einen Anspruch und ist des- halb verpflichtet, an Abklärungen ihres Gesundheitszustan ds, ihrer Arbeitsfähigkeit usw. mitzu- wirken, und sie hat zu dulden, dass allenfalls auch ohne i hr Wissen von der Versicherung die objektiv gebotenen Untersuchungen durchgeführt werden. Zu berücksichtigen ist auch die Höhe des geltend gemachten Anspruchs, welche mit Blick auf die hier zur Diskussion stehende ganze Rente als erheblich zu bezeichnen ist (BGE 137 I 334 E. 5.5 mit Hinweisen). Nicht überschritten wurde vorliegend, wie auch die IV-Stelle zutreffend geltend macht, das Ausmass der Observati- on, wurde die Versicherte doch nur im öffentlichen Raum und in einem zeitlich vertretbaren Um- fang beobachtet und gefilmt. Damit bestand ein vernü nftiges Verhältnis zwischen dem Ziel der Verhinderung des ungerechtfertigten Leistungsbezugs und dem durch die Observation erfolgten Eingriff in die Privatsphäre der Versicherten. In diesem Zusammenhang gilt es nochmals zu betonen, dass die Versicherung und die dahinter stehende Versichertengemeinschaft ein er- hebliches schutzwürdiges Interesse daran haben, dass nicht z u Unrecht Leistungen erbracht werden. Unter Einbezug sämtlicher Umstände sind deshalb vorliegend die Interessen der IV- Stelle gegenüber den privaten Interessen der Versicherten als höherwertig einzustufen. 9.2 Im Weiteren bringt die Beschwerdeführerin vor, e s müsse abgeklärt werden, inwiefern eine festgestellte Aggravation und/oder Simulation Fol ge bzw. (Teil-) Gehalt einer psychischen (Grund-) Erkrankung sei und somit ebenfalls als krankhaft es Auftreten gewertet werden müsse. Solche zusätzliche Abklärungen sind jedoch in Anbetracht de r klaren Ergebnisse, zu denen der Gutachter Dr. F.____ in seiner Beurteilung des Gesundheitszustandes der Versicherten gelangt ist, nicht erforderlich. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 7 .5.2 hiervor), zeigt Dr. F.____ im Ergän- zungs-Gutachten in seiner ärztlichen Beurteilung des Obse rvationsmaterials überzeugend auf, dass bei der Versicherten das Vorliegen einer psychiatrische n Störung ausgeschlossen werden kann. Die Versicherte sei, so der Gutachter, in der Lag e, ihr Verhalten bewusst zu steuern, je nachdem welche Anforderungen an sie gestellt würden. Sie setze ihr Krankheitsverhalten of- fensichtlich gezielt unsinnig in Szene und demonstriere dieses somit bewusst und absichtlich vor. Im Lichte dieser klaren gutachterlichen Schlussfolger ungen kann aber keine Rede davon sein, dass die festgestellte Simulation bei der Versicher ten „(Teil-) Gehalt einer psychischen (Grund-) Erkrankung“ sein könnte. Als ebenso unbegründe t erweist sich in Anbetracht der er- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht wähnten gutachterlichen Feststellungen der weitere Ei nwand der Versicherten, es könne ihr kein „schuldhaftes Fehlverhalten“ vorgeworfen werden, da ein mögliches Vortäuschen von kör- perlichen oder psychischen Symptomen oder Behinderungen Teil ihrer psychischen Krankheit sei. 10.1 In Würdigung der überzeugenden gutachterlichen F eststellungen und des Observati- onsmaterials ist die IV-Stelle zu Recht zum Ergebnis gel angt, dass die Versicherte mangels Vorliegens einer psychiatrischen Störung in ihren angesta mmten Tätigkeitsbereichen im Haus- halt und als Reinigungsangestellte uneingeschränkt arbeit sfähig ist. Dieser Schluss gilt - auch darin ist der IV-Stelle beizupflichten - sodann nicht nur aktuell, sondern auch für den Zeitraum der Begutachtung in der Klinik B.____ im Oktober 2009 . Die IV-Stelle macht deshalb zutreffend geltend, dass bereits im damaligen Zeitpunkt von einer Simulation durch die Versicherte auszu- gehen ist. Die im Gutachten der Klinik B.___ vom 21. Jan uar 2010 attestierte vollständige Ar- beitsunfähigkeit, die schliesslich - in der Verfügung vo m 26. Juli 2010 - zur Zusprache einer ganzen Rente geführt hat, ist mit anderen Worten das Resultat des täuschenden Verhaltens der Versicherten. Effektiv hätte die Versicherte damals keinen Anspruch auf eine Rente gehabt. Dies hat, wie die IV-Stelle wiederum korrekt festhält, zur Folge, dass die damalige Rentenverfü- gung vom 26. Juli 2010 als zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne zu qualifi- zieren ist. 10.2 Steht die zweifellose Unrichtigkeit der ursprüngli chen Rentenverfügung fest und ist die Berichtigung von erheblicher Bedeutung, sind nach der b undesgerichtlichen Rechtsprechung grundsätzlich in einem nächsten Schritt die Anspruchsberech tigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs pro futuro zu prüfen. Es ist wie bei einer materiellen Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG auf der Grundlage eines richtig und vollstän dig festgestellten Sachverhalts der Invaliditätsgrad bei Erlass der streitigen Verfügung zu ermitteln, woraus sich die Anspruchsbe- rechtigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs ergeb en (Urteile S. des Bundesgerichts vom 14. April 2009, 9C_1014/2008, E. 3.3, und C. vom 3. November 2008, 9C_562/2008, E. 2.3, je mit Hinweisen). Wie vorstehend dargelegt, h aben die gutachterlichen Abklärungen und das Observationsmaterial im vorliegenden Fall nun allerdings zweifelsfrei ergeben, dass die Versicherte aktuell an keiner psychiatrischen Störung lei det und dass sie in ihren angestamm- ten Tätigkeitsbereichen im Haushalt und als Reinigun gsangestellte uneingeschränkt arbeitsfä- hig ist. Unter diesen Umständen ist es offensichtlich, dass die Versicherte zurzeit keinen An- spruch auf eine IV-Rente hat. Von weiteren Ausführunge n hierzu kann deshalb abgesehen werden. 10.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die IV- Stelle die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der ursprünglichen Rentenverfügung vom 26. Juli 2010 zu Recht bejaht hat. Somit ist es nicht zu beanstanden, dass sie in der angefochtenen Verfügung vom 7. De- zember 2015 die der Versicherten mit Verfügung vom 26. Juli 2010 zugesprochene ganze Ren- te wiedererwägungsweise aufgehoben hat. 10.4 Zu ergänzen bleibt an dieser Stelle Folgendes: S ind nach dem Gesagten die Voraus- setzungen von Art. 52 Abs. 2 ATSG für ein wiedererwägun gsweises Zurückkommen auf die Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht ursprüngliche Rentenverfügung gegeben, so kann ausdrücklic h offen bleiben, ob vorliegend auch eine Aufhebung der zugesprochenen Rente unter d em Titel der prozessualen Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG in Betracht gekommen wäre . Von einer Prüfung dieser Frage kann deshalb abgesehen werden. Nicht weiter einzugehen ist sodann auch auf den von der IV- Stelle in ihrer Vernehmlassung vertretenen Eventualsta ndpunkt, wonach die Rente spätestens ab Observationsbeginn im September 2013 revisionsweise gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG aufzu- heben wäre, da ab diesem Zeitpunkt mit letzter Sicherheit als erwiesen zu gelten habe, dass die Beschwerdeführerin durchaus in der Lage sei, sich völlig normal und adäquat zu verhalten, und die zu diesem Zeitpunkt geltend gemachten Beschwerden lediglich vorgespielt gewesen seien. 11. Zu prüfen ist abschliessend, auf welchen Zeitpunkt h in die wiedererwägungsweise Aufhebung der Rente der Versicherten zu erfolgen hat. 11.1 Im Bereich der Invalidenversicherung erfolgt die wiedererwägungsweise Rentenaufhe- bung oder -herabsetzung grundsätzlich nicht rückwirkend, sondern mit Wirkung für die Zukunft, wenn die Verwaltung bei Erlass der ursprünglichen Verfü gung einen spezifisch IV-rechtlichen Gesichtspunkt falsch beurteilt hat. Diese Sichtweise lehnt sich an die für die revisionsweise Rentenaufhebung geschaffenen Sonderbestimmungen des ein schlägigen Verordnungsrechts an (vgl. insbesondere Art. 88 bis Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961; zur Publikation in BGE 142 V vorgesehe nes Urteil des Bundesgerichts vom 31. Mai 2016, 8C_792/2015, E. 3.2.1). Gemäss dieser So nderbestimmung von Art. 88 bis Abs. 2 IVV erfolgt die Herabsetzung oder Aufhebung einer IV- Rente frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an (lit. a) bzw. rückwirkend ab Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung, wenn der B ezüger die Leistung zu Unrecht erwirkt hat oder der ihm nach Artikel 77 IVV zumutbaren Meld epflicht nicht nachgekommen ist, unab- hängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war (lit. b, in der vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar 2015 geltenden Fassung). Eine rückwirkende Rentenaufhebu ng oder -herabsetzung, verbun- den mit einer entsprechenden Rückforderung der unrech tmässig bezogenen Leistungen, kommt im Bereich der Invalidenversicherung folglich nur i m Fall einer unrechtmässigen Leis- tungserwirkung oder einer Verletzung der Meldepflicht in Frage. 11.2.1 Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 8.1 und 10.1 h iervor) steht fest, dass die Versicherte ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen bereits anlä sslich der Begutachtung in der Klinik B.____ im Oktober 2009 simuliert hat. Die im Gutachten der Klinik B.____ vom 21. Januar 2010 attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit, die schliesslich - in der Verfügung vom 26. Juli 2010 - zur Zusprache einer ganzen Rente geführt hat, ist mit anderen Worten das Resultat des täu- schenden Verhaltens der Versicherten. Somit liegt klarer weise der Fall einer unrechtmässigen Leistungserwirkung durch die Versicherte vor. Die der Versi cherten mit Verfügung vom 26. Juli 2010 zugesprochene ganze Rente ist daher gestützt auf die Bestimmung von Art. 88 bis Abs. 2 lit. b IVV rückwirkend (“ex tunc“) ab Rentenbeginn, d.h. ab 1. Februar 2009, aufzuheben. 11.2.2 In der angefochtenen Verfügung hatte die IV- Stelle der Versicherten (auch) eine Ver- letzung der Meldepflicht vorgeworfen, was gemäss der gena nnten Bestimmung von Art. 88 bis Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 2 lit. b IVV ebenfalls eine rückwirkende Rentenauf hebung zur Folge hätte. Da nach dem eben Gesagten feststeht, dass die Versicherte die Rentenle istungen unrechtmässig erwirkt hat, erübrigt es sich, auf diesen (weiteren) Vorwurf der IV-Stelle einzugehen. Ebenso kann von einer Auseinandersetzung mit den verschiedenen Vorbringen der Beschwerdeführerin zu dieser Fra- ge abgesehen werden. 11.3.1 Zu beachten gilt es nun allerdings, dass die IV -Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 7. Dezember 2015 die Rente nicht rückwirkend ab 1. Februar 2009, sondern rückwirkend per 30. September 2010 aufgehoben hat. Die Beschwerdeführerin leitet daraus ab, dass die IV- Stelle die Rechtmässigkeit ihres Rentenbezugs bis 30. Sep tember 2010 anerkenne. Diese Auf- fassung erweist sich aber als unzutreffend. Die IV-Stelle begründet in ihrer Vernehmlassung die fragliche Anordnung dahingehend, dass die rückwirkende A ufhebung der Rentenleistungen aufgrund der in Art. 25 Abs. 2 ATSG geregelten absol uten Verjährungsfrist lediglich fünf Jahre zurück habe erfolgen können. Die Ausrichtung der Rente sei mit Verfügung vom 30. September 2015 sistiert worden, somit könne man die Rentenleistun gen maximal für den Zeitraum ab 1. Oktober 2010 zurückfordern. Daraus dürfe aber keines falls eine Anerkennung der Recht- mässigkeit der bis dahin erfolgten Rentenleistungen abge leitet werden. In der angefochtenen Verfügung habe man klar zum Ausdruck gebracht, dass diese v on Anfang an zu Unrecht aus- gerichtet worden seien. 11.3.2 Die in der angefochtenen Verfügung enthalten e Formulierung der IV-Stelle, wonach „die Ausrichtung der Rente rückwirkend per 30. September 2010 aufgehoben wird“, kann - wie die Vorbringen der Beschwerdeführerin zeigen - zu Missver ständnissen Anlass geben. Die IV- Stelle vermischt mit dieser Anordnung zwei unterschiedlich e Themen, nämlich zum einen die Frage, auf welchen Zeitpunkt hin die wiedererwägungswe ise Aufhebung der Rente zu erfolgen hat, und zum andern die Frage, wie weit zurück die zu U nrecht bezogenen Renten - unter dem Aspekt der Verjährung - zurückgefordert werden können. Vorliegend steht ausschliesslich der Zeitpunkt der rückwirkenden Rentenaufhebung zur Beurte ilung, die Frage der Rückforderung der unrechtmässig bezogenen Leistungen bildet nicht Gege nstand dieses Verfahrens. Hierüber wird im Rahmen des zwischen den Parteien hängigen, zurze it sistierten Beschwerdeverfahrens (Nr. 720 16 16) gegen die Rückforderungsverfügung vom 14. Dezember 2015 zu befinden sein. 11.3.3 Den Ausführungen der IV-Stelle in der angefo chtenen Verfügung kann mit der erforder- lichen Klarheit entnommen werden, dass sie der Auffassung ist, die Versicherte habe die Rente von Anfang an , d.h. ab 1. Februar 2009, zu Unrecht bezogen. Ebenso wird aus den Erwägun- gen der IV-Stelle deutlich, dass es ihre Absicht war, di e der Versicherten zugesprochene Rente aus diesem Grund rückwirkend ab Leistungsbeginn (“ex tunc“) aufzuheben. An dieser Interpre- tation der Verfügung ändert der Umstand nichts, dass di e IV-Stelle darin angegeben hat, die Rente werde per 30. September 2010 aufgehoben. Die Nennung dieses Termins hängt in kei- ner Weise mit einer allfälligen Anerkennung der Recht mässigkeit der bis dahin erfolgten Ren- tenleistungen zusammen, sondern ist ausschliesslich auf die - letztlich unnötigerweise - erfolgte Verknüpfung der beiden Zeitpunkte der Rentenaufhebung einerseits und der absoluten Verjäh- rung der Rückforderung andererseits zurückzuführen. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12. Zusammenfassend ist nach dem Gesagten als Ergebnis fest zuhalten, dass die IV- Stelle die der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 26. Juli 2010 zugesprochene ganze Ren- te zu Recht wiedererwägungsweise rückwirkend ab Rentenbeg inn aufgehoben hat. Die ange- fochtene Verfügung der IV-Stelle vom 7. Dezember 2015 erweist sich demnach als rechtens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abgewiesen werden muss. 13.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sin d. Der Beschwerdeführerin ist nun aller- dings mit Verfügung vom 16. Februar 2016 die unentgel tliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 13.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin in der Verfügung vom 1 6. Februar 2016 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wo rden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 (in der seit 1 . Januar 2014 geltenden Fassung) be- trägt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner zusammen mit der Beschwerde vom 17. Januar 2016 ein- gereichten Honorarnote für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 19,75 Stunden sowie als Auslagen eine Kleinkostenpauschale von 2 % gelt end gemacht. Während die Ausla- gen zu keinen Beanstandungen Anlass geben, muss der gelte nd gemachte Zeitaufwand als zu hoch bezeichnet werden. Der vorliegende Prozess gab wede r in tatsächlicher noch in rechtli- cher Hinsicht zu überdurchschnittlich aufwändigen Erörteru ngen Anlass. Dazu kommt, dass dem Rechtsvertreter insbesondere hinsichtlich des erforder lichen Aktenstudiums bereits ein erheblicher Aufwand im zuerst anhängig gemachten, gegen die Rentensistierungsverfügung der IV-Stelle vom 30. September 2015 gerichteten Beschwerde verfahren (Nr. 720 15 334) entstan- den ist. Für diesen Aufwand wird der Rechtsvertreter i m Rahmen des Kostenentscheids, der im betreffenden Verfahren zu fällen sein wird, entschädig t. Vor diesem Hintergrund muss der im hier zur Beurteilung stehenden Verfahren geltend gema chte Zeitaufwand gekürzt werden. Es rechtfertigt sich, das Honorar vorliegend auf der Basis eines insgesamt als angemessen erach- teten Zeitaufwandes von 12 Stunden festzusetzen. Dem Re chtsvertreter der Versicherten ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'448.-- (1 2 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich der sich aus der geltend gemachten Kleinkostenpauschale von 2 % er gebenden Auslagen von Fr. 48.--) aus der Gerichtskasse auszurichten. 13.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2‘448.-- (inkl. Auslagen) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdeführerin am 20. Oktober 2016 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_706/2016 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht