<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 110 S.405</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">405</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>110 Baubewilligungspflicht</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Geräteschränke und Truhen sind in den Bauzonen (ausserhalb von</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Schutzzonen) von der Baubewilligungspflicht befreit, wenn sie ge-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>ringe Dimensionen aufweisen und nicht weiter auffallen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 10. April 2007</span><br/> <span class="ft2">i.S. F. und S. gegen den Gemeinderat Sarmenstorf.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">3. a) Die Beschwerdeführenden bringen weiter vor, dass eine</span><br/> <span class="ft4">Baubewilligungspflicht zu verneinen sei, selbst wenn man zum</span><br/> <span class="ft4">Schluss gelangen sollte, dass es sich beim Schrank um eine Baute</span><br/> <span class="ft4">handelt. Der Schrank sei weder von einer öffentlichen Strasse noch</span><br/> <span class="ft4">von einem nachbarschaftlichen Grundstück einsehbar, weshalb über-</span><br/> <span class="ft4">haupt keine gegenteiligen Interessen vorlägen und raumplanerisch</span><br/> <span class="ft4">keine Auswirkungen zu befürchten seien. Zudem sei in Anlehnung an</span><br/> <span class="ft4">§ 30 ABauV bei der Beurteilung der Frage, ob eine Baute baube-</span><br/> <span class="ft4">willigungspflichtig sei oder nicht, ebenfalls auf die Grundfläche und</span><br/> <span class="ft4">Höhe der entsprechenden Einrichtung abzustellen. Auch wenn es für</span><br/> <span class="ft4">die Frage der Baubewilligungspflicht keine einschlägigen Bestim-</span><br/> <span class="ft4">mungen über die Grösse der Einrichtungen gäbe, weise der zur Dis-</span><br/> <span class="ft4">kussion stehende Schrank eine Grundfläche von nur gerade mal 1.05</span><br/> <span class="ft4">m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span> <span class="ft4">und eine Höhe von lediglich 1.90 m auf. Weiter wird geltend ge-</span><br/> <span class="ft4">macht, dass ein Baubewilligungsverfahren in keinem Fall verhält-</span><br/> <span class="ft4">nismässig wäre.</span><br/> <span class="ft4">b) aa) Schon unter der Herrschaft des Baugesetzes von 1971</span><br/> <span class="ft4">wurden in der Praxis Kleinstbauten von der Bewilligungspflicht aus-</span><br/> <span class="ft4">genommen. Es kann nicht der Sinn der Baubewilligungspflicht sein,</span><br/> <span class="ft4">jedes noch so kleine und geringfügige bauliche Vorhaben, das auf ir-</span><br/> <span class="ft4">gendeine materielle Vorschrift des öffentlichen Rechts Bezug nimmt,</span><br/> <span class="ft4">von einer Baubewilligung abhängig zu machen. Im Interesse der</span><br/> <span class="ft4">Klarheit wurden deshalb in § 30 der Allgemeinen Verordnung zum</span><br/> <span class="ft4">Baugesetz (ABauV) vom 23. Februar 1994 Bauvorhaben aufgeführt,</span><br/> <span class="ft4">die nicht der Bewilligungspflicht unterliegen. Sowohl die Bestim-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">406</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">mungen des BauG wie diejenigen der ABauV gehen anderslautenden</span><br/> <span class="ft4">kommunalen Vorschriften vor, soweit darin nicht ausdrücklich ein</span><br/> <span class="ft4">Vorbehalt zu Gunsten eigenständiger Regelungen der Gemeinden</span><br/> <span class="ft4">enthalten ist. Ein solcher Vorbehalt findet sich im Bereich der Be-</span><br/> <span class="ft4">willigungspflicht einzig in § 59 Abs. 2 BauG: Danach sind die Ge-</span><br/> <span class="ft4">meinden ermächtigt, die Bewilligungspflicht für bestimmte Schutz-</span><br/> <span class="ft4">zonen zu erweitern, was unter anderem bedeutet, dass sie in solchen</span><br/> <span class="ft4">Zonen auch Bauvorhaben der Bewilligungspflicht unterstellen kön-</span><br/> <span class="ft4">nen, die § 30 ABauV von der Bewilligungspflicht eigentlich aus-</span><br/> <span class="ft4">nimmt. Um eine solche Schutzzone handelt es sich im vorliegenden</span><br/> <span class="ft4">Fall aber nicht. Demzufolge sind die kantonalen Vorschriften über</span><br/> <span class="ft4">die Bewilligungspflicht anzuwenden, ungeachtet allfällig anderslau-</span><br/> <span class="ft4">tender kommunaler Bestimmungen oder einer anderen Praxis des</span><br/> <span class="ft4">Gemeinderates.</span><br/> <span class="ft4">bb) Sowohl der Schrank als auch die Truhe lassen sich nicht</span><br/> <span class="ft4">unter einen der in § 30 ABauV festgehaltenen Ausnahmetatbestände</span><br/> <span class="ft4">subsumieren. Die Aufzählung in § 30 ABauV ist jedoch nicht ab-</span><br/> <span class="ft4">schliessender Art (siehe Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons</span><br/> <span class="ft4">Aargau vom 4. Juni 1999 i.S. L.M. gegen den Entscheid des Baude-</span><br/> <span class="ft4">partements vom 21. Oktober 1997, E. II/2b/aa). Es ist daher zu prü-</span><br/> <span class="ft4">fen, ob der Schrank und die Truhe nicht aus anderen Gründen von</span><br/> <span class="ft4">der Bewilligungspflicht auszunehmen sind. Die Tatsache allein, dass</span><br/> <span class="ft4">sie mit dem Boden nicht fest verbunden, sondern bloss hingestellt</span><br/> <span class="ft4">sind, vermag von der Bewilligungspflicht noch nicht zu befreien. Die</span><br/> <span class="ft4">Grundfläche des Schrankes beträgt 1.08 m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span> <span class="ft4">(140 cm x 77 cm), dieje-</span><br/> <span class="ft4">nige der Truhe 0.55 m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span> <span class="ft4">(118 cm x 45 cm). Dass die Dimensionen ei-</span><br/> <span class="ft4">ner Baute ein wichtiges Kriterium sind, geht schon daraus hervor,</span><br/> <span class="ft4">dass § 30 ABauV verschiedentlich auf die Fläche und Höhe abstellt,</span><br/> <span class="ft4">so bezüglich Weidezäune (Abs. 1 lit. a) und Tiergehegen (Abs. 1</span><br/> <span class="ft4">lit. b), bezüglich Terrainveränderungen (Abs. 1 lit. d), bei Satelliten-</span><br/> <span class="ft4">empfangsanlagen (Abs. 1 lit. e), hinsichtlich verfestigter Laufhöfe</span><br/> <span class="ft4">und Trockenplätze (Abs. 1 lit. g), bei Einfriedigungen und Stütz-</span><br/> <span class="ft4">mauern (Abs. 2 lit. a) sowie bei Solareinrichtungen (Abs. 2 lit. b). Es</span><br/> <span class="ft4">kann für den konkret zu beurteilenden Fall keine bestimmte,</span><br/> <span class="ft4">allgemein gültige Grundflächen- beziehungsweise Höhenbegrenzung</span><br/> <span class="ft4">für Schränke und Truhen angegeben werden, welche die Befreiung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">407</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">von der Baubewilligungspflicht zur Folge hätte. Vielmehr ist nach</span><br/> <span class="ft4">den möglichen Auswirkungen des Schrankes und der Truhe auf die</span><br/> <span class="ft4">Nachbarschaft zu fragen und es sind die öffentlichen Interessen wie</span><br/> <span class="ft4">Raumplanung, Gewässer- und Umweltschutz, Ortsbild usw. zu wür-</span><br/> <span class="ft4">digen und zu berücksichtigen (vgl. Entscheid des Baudepartements</span><br/> <span class="ft4">des Kantons Aargau vom 17. Februar 1995, i.S. Dr. H.C.B gegen den</span><br/> <span class="ft4">Gemeinderat R.). Interessen der genannten Art vermögen der</span><br/> <span class="ft4">Schrank und die Truhe wohl bereits aufgrund ihrer geringen Grund-</span><br/> <span class="ft4">fläche und ihrer Höhe von 1.94 m beziehungsweise von 65 cm nicht</span><br/> <span class="ft4">in einem derartigen Mass zu berühren, dass eine vorgängige Kon-</span><br/> <span class="ft4">trolle als unabdingbar erscheint. Dazu kommt, dass der Schrank und</span><br/> <span class="ft4">die Truhe unmittelbar an der Hausfassade aufgestellt wurden, wo sie</span><br/> <span class="ft4">weiter nicht auffallen. Zudem werden im Schrank bloss Geräte auf-</span><br/> <span class="ft4">bewahrt: Der Geräteschrank und die Truhe sind aufgrund ihrer</span><br/> <span class="ft4">Zweckbestimmung mit keinen Immissionen verbunden und wirken</span><br/> <span class="ft4">sich daher weder lärm- noch geruchsmässig auf die Nachbarn aus.</span><br/> <span class="ft4">Mit ihrer relativ bescheidenen Grösse bewegen sich der Geräte-</span><br/> <span class="ft4">schrank und die Truhe im Rahmen, in welchem bauliche Vorkehren</span><br/> <span class="ft4">in der Bauzone zugelassen sind, ohne dass hierfür eine Baubewilli-</span><br/> <span class="ft4">gung eingeholt werden muss. Ausgehend von der Zielsetzung von</span><br/> <span class="ft4">§ 30 ABauV, nämlich die Baubewilligungsbehörden von Bagatellge-</span><br/> <span class="ft4">suchen zu entlasten und Kleinstbauten der Eigenverantwortlichkeit</span><br/> <span class="ft4">der Eigentümer zu überlassen, ist im konkreten Fall die Baubewilli-</span><br/> <span class="ft4">gungspflicht zu verneinen.</span><br/> <span class="ft4">cc) Der Gemeinderat führt (...) aus, dass die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft4">renden zur Einreichung eines Baugesuches aufgefordert worden</span><br/> <span class="ft4">seien, damit abschliessend hätte beurteilt werden können, ob der Ge-</span><br/> <span class="ft4">räteschrank baubewilligungspflichtig sei. Der Vollständigkeit halber</span><br/> <span class="ft4">ist darauf hinzuweisen, dass zur näheren Abklärung der Bewilli-</span><br/> <span class="ft4">gungspflicht ein förmliches Baugesuch mit allen hierfür erforderli-</span><br/> <span class="ft4">chen Unterlagen nicht verlangt werden darf (vgl. Baurechtsent-</span><br/> <span class="ft4">scheide Kanton Zürich [BEZ], 19. Jahrgang, Heft 2 / Juni 1999, Ent-</span><br/> <span class="ft4">scheid 16).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>