B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-3069/2015 U r t e i l v o m 2 7 . M ä r z 2 0 1 7 Besetzung Richter David Aschmann (Vorsitz), Richter Pietro Angeli-Busi, Richterin Eva Schneeberger Gerichtsschreiberin Katharina Niederberger. Parteien Dr. A._______ vertreten durch Prof. Dr. Andreas Auer, Umbricht Rechtsanwälte, Bahnhofstrasse 22, Postfach 2957, 8022 Zürich, Beschwerdeführer, gegen Schweizerischer Nationalfonds SNF, Abteilung Geistes- und Sozialwissenschaften, Wildhainweg 3, Postfach 8232, 3001 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Beitragsgesuch B-3069/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Schreiben vom 5. November 1989 beantragte A._______ (nachfol- gend: der Beschwerdeführer), geboren am (…), bei der Abteilung für Geis- tes- und Sozialwissenschaften des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF; nachfolgend: die Vo- rinstanz) die Ausrichtung eines Publikationsbeitrages zur Veröffentlichung von Band I des Werkes (…) über (…). A.a Die Vorinstanz teilte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 16. März 1992 mit, der Nationale Forschungsrat habe das Publikationsgesuch mit einem positiven Ergebnis evaluiert. Sein Beschluss betreffe nicht nur den ersten Band, sondern das neunbän dige [recte: achtbändige] Werk (…) in seiner Gesamtheit. Das vollständige, rund 4'000 Seiten umfassende Ma- nuskript sei Gegenstand einer im Auftrag des SNF exte rn erarbeiten Ex- pertise gewesen. A.b Am 10. März 1993 erteilte die Vorinstanz sodann die Zusprache für den ersuchten Publikationsbeitrag. Für die Drucklegung von Band I wurde dem Beschwerdeführer ein Beitrag von Fr. 40'575.– zugesprochen. Die Vor - instanz wies den Beschwerdeführer darauf hin, dass für alle folgenden Bände je eine neue Verlagskalkulation vorzulegen sei. A.c In den Jahren 1994, 1998 und 2005 sprach die Vorinstanz dem Beschwer- deführer für die Bände II bis IV Publikationsbeiträge im Umfang von insge- samt Fr. 116'610.– zu. A.d Nachdem der Beschwerdeführer die Vorinstanz am 2. September 2013 um einen Publikationsbeitrag für den Band V in der Höhe von Fr. 61'155.– er- sucht hatte, erfolgte am 18. Dezember 2013 der Zuspracheentscheid über Fr. 40'000.–. Die Vorinstanz teilte dem Beschwerdeführer mit, dass er sich für die Publikation der folgenden Bände eine andere Finanzierungsmög- lichkeit suchen müsse, da ihre Förderung auf die Zeitspanne der Erwerbs- tätigkeit der Gesuchstellenden ausgerichtet sei. B-3069/2015 Seite 3 A.e Am 20. Juni 2014 ersuchte der Beschwerdeführer die Vorinstanz um Zu- sprechung eines Beitrages im Umfang von Fr. 117'082.– für die Druckle- gung der letzten drei Bände VI–VIII des Werkes über (…). A.f Mit Verfügung vom 11. September 2014 trat die Vorinstanz nicht auf das Gesuch ein. Als Begründung führte sie im Wesentlichen an, der Beschwer- deführer erfülle die persönlichen Voraussetzungen zur Gesuchsstellung nicht. Obschon die Zulassungsbedingungen bereits bei der letzten Ge- suchseinreichung nicht mehr erfüllt gewesen seien, habe sich der SNF da- mals für eine letzte Zusprache entschieden. A.g Gegen diese Verfügung st ellte der Beschwerdeführer a m 19. September 2014 bei der verfügenden Behörde einen Antrag auf Wiedererwägung und erhob zu dem am 9. Oktober 2014 Beschwerde vor dem Bundesverwal- tungsgericht. A.h Am 13. November 2014 kündigte die Vorinstanz dem Beschwerdefüh- rer an, sie werde di e Manuskripte der Bände VI –VIII zur materiellen Prü- fung freigeben. Beim Bundesverwaltungsgericht habe sie gleichentags den prozessualen Antrag gestellt, das laufende Beschwerdeverfahren B-5803/2014 zu sistieren. A.i Mit Verfügung vom 13. April 2015 zog die Vorinstanz ihre Verfügung vom 11. September 2014 in Wiedererwägung , wies das Gesuch um Zuspre- chung der Publikationsbeiträge für die Bände VI–VIII jedoch ab. A.j Der Beschwerdeführer zog am 20. April 2015 seine Beschwerde gegen die am 11. September 2014 erlassene Verfügung zurück, worauf das Bundes- verwaltungsgericht das Verfahren B -5803/2014 am 21. April 2015 ab- schrieb. B. Gegen die am 13. April 2015 eröffnete , neue Verfügung erhob der Be- schwerdeführer mit Eingabe vom 13. Mai 2015 wiederum Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, die Verfügung sei aufzuhe- ben und die Vorinstanz sei anzuweisen, dem Beschwerdeführer einen B-3069/2015 Seite 4 Druckkostenbeitrag von Fr. 129'082.– für die letzten drei Bände der Publi- kation (…) zu erstatten; unter Kosten - und Entschädigungsfolge zulasten der Vorinstanz. Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe dem Ent- scheid einen unrichtigen Sachverhalt zugrunde gelegt, ihr Ermessen miss- braucht und den Grundsatz des Vertrauensschutzes verletzt. Schliesslich verstosse sie gegen das Verbot der Altersdiskr iminierung, falls sie selb- ständig erwerbstätige Forscher im Pensionsalter von der Forschungsför- derung grundsätzlich ausschliesse. C. Mit Vernehmlassung vom 13. Mai 2015 bestreitet die Vorinstanz die Be- gründetheit der erhobenen Rügen und beantragt, die Beschwerde sei ab- zuweisen. D. Mit Replik vom 11. September 2015 hält der Beschwerdeführer an seinem Antrag auf Gutheissung der Beschwerde fest. E. Mit Datum vom 12. November 2015 duplizierte die Vorinstanz. F. Am 12. Dezember 2016 wurde die Vorinstanz ersucht, dem Bundesverwal- tungsgericht die Manuskripte für die Bände V–VIII einzureichen. G. Mit Schriftsatz vom 20. Dezember 2016 stellte die Vorinstanz einen neuen Hauptsachenantrag und beantragt die Abschreibung des Verfahrens we- gen Gegenstandslosigkeit, unter Kostenfolge zulasten des Beschwerde- führers. Sie habe festgestellt, dass die Bände VI und VII seit kurzem ver- öffentlicht seien und die Publikation von Band VIII unmittelbar bevorstehe. Der Beschwerdeführer verstosse damit gegen die reglementarische Be- stimmung, dass Beitragsgesuche vor Veröffentlichung des Werkes einzu- reichen seien. H. Mit Stellungnahme vom 10. Januar 2017 beantragt der Beschwerdeführer die Ablehnung des Abschreibungsbegehrens und die Gutheissung der Be- schwerde unter Kostenfolge. Das Verfahren um Gewährung von Publikati- onsbeiträgen sei mit Verfügung vom 13. April 2015 abgeschlossen worden. B-3069/2015 Seite 5 I. Mit Eingabe vom 18. Januar 2017 hielt die Vorinstanz an ihrem Rechtsbe- gehren fest und reichte die verlangten Manuskripte ein. J. Auf die vorstehend genannten und auf die weiteren Vorbringen der Par- teien wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einge- gangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den am 13. April 2015 eröffneten Entscheid der Vorinstanz. Entscheide der Vorinstanz über die Gewährung von Beiträgen sind Verfügungen im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. c des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwal- tungsverfahren (VwVG, SR 172.021), die der Beschwerde an das Bundes- verwaltungsgericht unterliegen (Art. 13 Abs. 3 und Abs. 5 des Bundesge- setzes über die Förderung der Forschung und der Innovation vom 14. De- zember 2012 [FIFG, SR 420.1] i.V.m. Art. 31 und Art. 33 Bst. h des Verwal- tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). 1.2 Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein als schutzwürdig anzuerken- nendes Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Er ist damit zur Be- schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Eingabefrist sowie die Anforderungen an Form und Inhalt der Beschwerdeschrift wurden ge- wahrt (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Kostenvorschuss wurde innert Frist bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG) und die übrigen Sachur- teilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 44 ff. VwVG). 1.3 Unbegründet ist der Antrag der Vorinstanz, das Verfahren sei abzu- schreiben. Selbst wenn die Vorinstanz nach ihrer späteren Auffassung nicht mehr auf das Gesuch des Beschwerdeführers eintreten wollte, wäre das Eintreten auf die Beschwerde nach der angefochtenen Verfügung zu bestimmen und das Rechtsschutzinteresse des Beschwerdeführers fiele durch einen nach Auffassung der Vorinstanz materiel len Mangel seines Gesuchs nicht dahin. Auch aus dem Umstand, dass die Publikationsbei- träge der Vorinstanz in jedem Fall subsidiär sind und der Beschwerdeführer B-3069/2015 Seite 6 das Bundesverwaltungsgericht nicht über die Höhe der zwischenz eitlich von dritter Seite eingeworbenen Beträge unterrichtet hat, kann nicht pau- schal auf das Gegenstandsloswerden des Verfahrens geschlossen wer- den. 1.4 Da sich die Beschwerde nach der angefochtenen Verfügung bestimmt, ist das Gesamtwerk im vorliegenden Verfahren nicht streitgegenständlich. Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwal- tungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) i.V.m. Art. 46a und Art. 50 Abs. 2 VwVG sehen vor, dass ausschliesslich anfechtbare Ver- fügungen Gegenstand einer Beschwerde wegen Rechtsverzögerung sein können. Auf die sinngemäss vorgetragene Rüge des Beschwerdeführers, im Rahmen der Gesuchsverfahren für die Bände I (1992), IV (2005) und V (2013) habe sich die Vorinstanz Rechtsverzögerungen zu Schulden kom- men lassen, ist daher nicht einzugehen. Auf die form - und fristgerecht eingereichte Beschwerde , beschränkt auf das Publikationsgesuch zu den Bänden VI–VIII, ist damit einzutreten. 2. 2.1 Der Bund fördert die wissenschaftliche Forschung unter anderem durch Be iträge an Forschungsförderu ngsinstitutionen wie die Vorinstanz (Art. 7 Abs. 1 Bst. c FIFG i.V.m. Art. 4 Bst. a Ziff. 1 FIFG). Deren Statuten und Reglemente hierfür bedürfen der Genehmigung durch den Bundesrat, soweit sie Aufgaben regeln, für die Bundesmittel verwendet werden (Art. 9 Abs. 3 FIFG). 2.2 Seit dem 1. Januar 2016 s tehen das Beitrags- und das Ausführungs- reglement der Vorinstanz in ihrer revidierten Fassung in Kraft. Im Zeitpunkt der Sachverhaltsverwirklichung bildeten demgegenüber das Reglement über die Gewährung von Beiträgen vom 14. Dezember 2007 (nachfolgend: aBeitragsreglement), das Allgemeine Ausführungsreglement zum Bei- tragsreglement in der Fassung vom 1. Mai 2014 ( nachfolgend: aAusfüh- rungsreglement) und das Reglement zu den Publikationsbeiträgen in der Fassung vom 17. Juni 2008 die reglementarischen Grundlagen für die För- derungstätigkeit im Bereich der Wissenschaftskommunikation. 2.3 Die Übergangsbestimmungen des heutigen Beitragsreglements sehen vor, dass die neuen Rechtssätze auf die vor Inkrafttr eten der revidierten Bestimmungen eingegangenen Förderungsverhältnisse anwendbar sind (Art. 51 Abs. 2 Beitragsreglement und Ziff. 13.2 Ausführungsreglement) . B-3069/2015 Seite 7 Die den Beitragsempfängerinnen und Beitragsempfängern mit der Zuspra- che eingeräumten Rechte gelten fort, selbst wenn sie im neuen Reglement keine Grundlage mehr finden. Für die Bestimmung des vorliegend anwend- baren Normbestandes ist daher zunächst zu beurteilen, ob zwischen den Parteien am 1. Januar 2016 ein Förderungsverhältnis im Sinne von Art. 51 Abs. 2 Beitragsreglement i.V.m. Ziff. 13.2 Ausführungsreglement bestand, das dem Beitragsempfänger durch eine erfo lgte Zusprache Rechte ein- räumt (E. 3). 3. 3.1 Nach Auffassung des Beschwerdeführers ging die Vorinstanz durch die schriftliche Zusicherung vom 16. März 1992 mit ihm ein Rechtsverhältnis ein, dessen Bindu ngswirkung bis heute fortbesteht . Die Vorinstanz habe dem Beschwerdeführer zugesichert, dass sie die Publikation des gesam- ten Werkes unterstützen werde. Diesen Beschluss habe sie in mehreren Verfügungen umgesetzt und daran bis zu ihrem "plötzlichen Meinungsum- schwung" im Jahr 2013 festgehalten. Der Beschwerdeführer beruft sich auf den Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 BV) und auf das daraus flies- sende Vertrauensschutzprinzip. 3.2 Die Vorinstanz tri tt diesem Vorbringen mit dem Argument entgegen, dem Antrag der damaligen Publikationskommission vom 26. Februar 1993 sei zu entnehmen, dass für die neun Bände (recte: acht Bände) in den Jahren 1993 bis 1996 Publikationsbeiträge in der Höhe von insgesamt Fr. 320'000.– bis Fr. 350'000.– zuzusprechen seien. Damals sei die Vor - instanz davon ausgegangen, dass die Bände in überschaubarer zeitlicher Folge erscheinen würden und die Drucklegung des mehrbändigen Werkes innerhalb der nächsten paar Jahre abgeschlossen werde. Der Beschwer- deführer habe indessen im Jahr 2005 , nach Erscheinen des Bandes IV , seine Publikationstätigkeit ohne Angabe von Gründen unterbrochen. Für die Zusprechung eines Publikationsbeitrages für den Band V habe er sich erst 2013, also über 20 Jahre nach Einreichung des ersten Publikationsge- suches, wieder gemeldet, was unverständlich und treuwidrig sei. Da sich die Publikation des Werkes bereits über 20 Jahre hinziehe, verlören die ausstehenden drei Bände zunehmend an Aktualität und an wissenschaftli- cher Qualität. Der Berufung auf den Grundsatzentscheid von 1992 stehe zudem die in Rechtskraft erwachsene Verfügung vom 18. Dezember 2013 entgegen, in welcher die Vorinstanz ausdrücklich darauf hingewiesen habe, dass dem Beschwerdeführer in Zukunft keine weiteren Publikations- beiträge mehr gewährt würden. Der Beschwerdeführer könne sich daher B-3069/2015 Seite 8 nicht darauf berufen, er sei gutgläubig davon ausgegangen, weitere Zu- sprachen zu erhalten. 3.3 Der in Art. 9 BV als selbständiges, justiziables Grundrecht verankerte Grundsatz von Treu und Glauben gebietet ein loyales und vertrauenswür- diges Verhalten im Rechtsverkehr. Er verleiht Privaten einen Anspruch auf Schutz ihres berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden (BGE 137 I 69 E. 2.5.1; 134 I 199 E. 1.3.1; 132 II 240 E. 3.2.2; 131 II 627 R. 6; WEBER-DÜRLER, Vertrauensschutz im öffentlichen Recht, 1983, S. 181; HÄFELIN / MÜLLER / UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. A., 2016, N. 622; MÜLLER / SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. A., 2008, S. 31). Wirksamkeitsvoraussetzung für den Schutz des berechtigten Ver- trauens ist zunächst eine vorbehaltslos erteilte Zusicherung der zuständi- gen Behörde. Diese muss sich in einer konkreten Situation auf eine die Person berührende Angelegenheit beziehen und bei dieser bestimmte Er- wartungen begründen. Die sich auf den Vertrauensschutz berufende Per- son, die berechtigterweise auf die behördliche Zusicherung vertraut, muss sodann gestützt darauf Dispositi onen getroffen haben, die sie nicht ohne Nachteil wieder rückgängig machen kann. Die Geltendmachung des Ver- trauensschutzes ist weiter an die Voraussetzung geknüpft, dass die Rechtslage zur Zeit der Verwirklichung unverändert die gleiche ist wie im Zeitpunkt der Zusicherung. Schliesslich darf dem privaten Interesse am Vertrauensschutz das öffentliche Interesse an der richtigen Rechtsanwen- dung nicht entgegenstehen (BGE 137 I 69 E. 2.5.1; 131 II 627 E. 6.1; 129 I 161 E. 4.1; TSCHANNEN / ZIMMERLI / MÜLLER, Allgemeines Verwaltungs- recht, 4. A. 2014, S. 161 ff.; HÄFELIN / MÜLLER / UHLMANN, a.a.O., N. 676 ff.). 3.3.1 Vorliegend ist aktenkundig, dass die Vorinstanz dem Beschwerdefüh- rer mit Schreiben vom 16. März 1992 zusicherte, dass sich der positive Entscheid des Nationalen Forschungsrates nicht nur auf das Publikations- gesuch für den Band I beziehe, sondern auch das Gesamtwerk (…) um- fasse. Der voraussichtlich zu gewährende Gesamtbetrag wird in dieser Zu- sicherungserklärung nicht beziffert. Entscheidend für die in Schriftform er- folgte Erklärung ist nicht die Rechtsnatur des Schreibens vom 16. März 1992, sondern dessen Bestimmtheitsgrad (vgl. BGE 134 I 23 E. 7.5; 130 I 26 E. 8.1). Beim strittigen Schriftsatz handelt es sich um einen an den Be- schwerdeführer gerichteten Brief der zuständigen Abteilung Geistes - und Sozialwissenschaften der Vorinstanz, aus dem die Absicht des Nationalen Forschungsrats eindeutig hervorgeht. Da die Höhe der Beiträge in diesem B-3069/2015 Seite 9 Brief nicht fixiert wurde, war gleichzeitig aber klar, dass pro Band jeweils noch ein Gesuch gestellt werden musste. 3.3.2 Es ist unbestritten und geht aus dem konkludenten Verhalten der Ver- fahrensbeteiligten hervor, dass die Zusicherung von 1992 unter dem Vor- behalt erfolgte, dass der Beschwerdeführer für jeden Band ein neues Ge- such einreichen werde. Die Äusserungen bzw. Zusicherungen der Behör- den sind im Verkehr mit Privaten so zu interpretieren, wie sie die jeweils andere Seite bei gehöriger Sorgfalt verstehen durfte und musste (BGE 132 II 21 E. 2.1). Bereits mit Verfügung vom 27. Oktober 2005 hat die Vor - instanz im Zusammenhang mit der Beitragsgewährung für Band IV und er- neut mit Zuspracheverfügung für den Band V vom 18. Dezember 2013 den Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass die Bestimmungen des "Reg- lements über die Gewährung von Beiträgen" zu beachten seien. Die Vor - instanz teilte dem Beschwerdeführer die Internetadresse mit, unter welcher das Beitragsreglement abrufbar war, und anerbot sich, dieses auf Anfrage postalisch zuzustellen. Vom Beschwerdeführer kann damit erwartet wer- den, die Bestimmungen zu den formellen u nd materiellen Voraussetzun- gen der Beitragsgewährung zu kennen. Die ihn begünstigende Zusiche- rung aus dem Jahr 1992 durfte und musste er bei gehöriger Sorgfalt so verstehen, dass diese an die Einhaltung der geltenden reglementarischen Bestimmungen gebunden war. Die Absichtserklärung der Vorinstanz vom 16. März 1992 ist nach dem Gesagten unter dem Vorbehalt erfolgt, dass der Gesuchsteller die reglementarischen Erfordernisse erfülle. 3.3.3 Überdies scheint fraglich, ob die Vertrauensgrundlage nach so langer Zeit noch eine Bindungswirkung entfalten kann. Die Vorinstanz stützt ihre Argumentation hinsichtlich der erwarteten zeitnahen Drucklegung der acht Bände auf den Antrag der Publikationskommission vom 26. Februar 1993. Bei diesem Schriftsatz handelt es sich um ein internes Dokument ihrer Fachstelle Publikationsbeiträge. Aus den Akten geht nicht hervor, ob der Inhalt dieses Dokuments, insbesondere der darin vorgesehene Zeitrahmen für die Publikation des Gesamtwerkes (1993–1996), dem Beschwerdefüh- rer jemals schriftlich oder mündlich zur Kenntnis gebracht wurde. Indessen kann der Beschwerdeführer umgekehrt auch aus dem Schreiben des wis- senschaftlichen Sekretärs vom 22. August 2011, der mutmasst, dass "die lange Geschichte" dieser Publikation "wohl noch einige Jahre dauern wird", nichts zu seinen Gunsten ableiten. Der Beschwerdeführer musste auf- grund der einzeln ergangenen Zuspracheentscheide für die Bände I –IV wissen, dass die Entscheidkompetenz nicht beim wissenschaftlichen Sek-B-3069/2015 Seite 10 retär, sondern beim Nationalen Forschungsra t liegt (Art. 10 Abs. 2 aBei- tragsreglement). Der Schutz des Vertrauens in eine Zusicherung ist auf eine bestimmte Dauer, die sich je nach dem in Frage stehenden Rechts- verhältnis bemisst, beschränkt (BGE 119 Ib 138 E. 4e). Zwischen der um- strittenen Zusicherung aus dem Jahr 1992 und dem Gesuch für die Bände VI–VIII liegen gut zweiund zwanzig Jahre. Die Gründe für die erheblichen Verzögerungen in der Drucklegung der Manuskripte liegen massgeblich im Verhalten des Beschwerdeführers. Dem Beschwerdeführer musste darum bewusst sein, dass für die Beurteilung eines wissenschaftlichen Werkes eine derart lange Zeitdauer eine neue Sachvoraussetzung schafft. 3.3.4 Im Übrigen kann eine Behörde in der Regel nicht über den Grundsatz von Treu und Glauben auf ihrer Zusicherung behaftet werden, solange ge- stützt darauf keine nachteiligen Dispositionen getroffen worden sind (vor- stehend, E. 3.3). Ohne den definitiven Entscheid des Bundesverwaltungs- gerichtes abzuwarten, publizierte der Beschwerdeführer aber bereits wäh- rend des laufe nden Beschwerdeverfahrens den Band VI, dessen Textteil der Vorinstanz als Druckfahne (ohne Bilder) eingereicht worden war. Spä- testens zehn Monate vor d ieser Drucklegung von Ende 2016 wusste er, dass ihm die Finanzierung der Bände VI–VIII von privater Seite zugesichert worden war (vgl. A._______, […], S. […]). Auch die Bände VII und VIII, die im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung vom 20. Juni 2014 erst als nicht pub- likationsreife Rohmanuskripte vorgelegen hatten, gingen in Druck. Da der Beschwerdeführer sowohl nach altem wie nach neuem Recht verpflichtet gewesen wäre, der Vorinstanz vollständige (inkl. Bilder) und definitive Vor- lagen einzureichen, stellt auch die ergänzende Textredaktion bis zur Druck- reife keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil dar (Ziff. 5.1 Abs. 3 a- Ausführungsreglement; Ziff. 2.5 Abs. 3 Ausführungsreglement). Ange- sichts der erheblichen Veränderung der für die Zusprache massgebenden Verhältnisse kann sich der Beschwerde führer somit nicht mehr in guten Treuen auf die Geltendmachung eines nicht wieder gu tzumachenden Nachteils berufen. 3.3.5 Im Ergebnis ist dem Beschwerdeführer zugute zu halten, dass das Schreiben aus dem Jahr 1992, unter Vorbehalt der Einhaltung der regle- mentarischen Bestimmungen, bei ihm zu Recht ein Vertrauen in die be- hördliche Zusicherung begründet hat. Der erfolgreichen Geltendmachung des Vertrauensschutzprinzips im jetzigen Zeitpunkt steht jedoch die Ver- wirkung durch Zeitablauf entgegen und der Beschwerdeführer hat zudem keine Dispositionen getroffen, die er nicht ohne Schaden rückgängig ma- chen könnte. B-3069/2015 Seite 11 3.4 Weil die besonderen Voraussetzungen für die Geltendmachung des Vertrauensschutzes nicht erfüllt sind, liegt kein vor Inkrafttreten der revi- dierten Bestimmungen eingegangenes Förderungsverhältnis vor, das Rechtswirkungen über das Datum des Inkrafttretens vom 1. Januar 2016 hinaus entfaltet. Das am 20. Juni 2014 gestellte Gesuchsverfahren ist da- rum isoliert zu betrachten und es wurde mit Verfügung vom 13. April 2015 abgeschlossen. Der dem Streitfall zugrunde liegende Sachverhalt hat sich demnach abschliessend vor Inkrafttreten der revidierten Rechtsgrundlagen verwirklicht. Damit wird die zu beurteilende Streitsache von der intertem- poralen Vorschrift nicht erfasst und das Verfahren ist für alle Stufen dem materiellen Recht zu unterstellen, unter dessen Geltung es erstinstanzlich eingeleitet wurde (Art. 51 Abs. 2 Beitragsreglement i.V.m. Ziff. 13.2 Ausfüh- rungsreglement). 4. 4.1 Art. 1 des Beitragsreglements vom 14. Dezember 2007 [nachfolgend: aBeitragsreglement]) sieht zur Förderung der wissenschaftlichen For- schung die Gewährung von Beiträgen vor (Abs. 1), wobei auf diese kein Rechtsanspruch besteht (Abs. 2). Die vom Bund gewährten Mittel verwen- det die Vorinstanz gestützt auf Art. 6a Abs. 4 aBeitragsreglement unter an- derem für die Veröffentlichung von wissenschaftlich wertvollen Werken (Bst. a) sowie von Publikationen, die der Valorisierung der mit Unterstüt- zung der Vorinstanz erzielten Forschungsresultate dienen (Bst. b). Zur Ge- suchstellung sind natürliche Personen berechtigt, die in der Schweiz For- schung zu nichtkommerziellen Zwecken betreiben (Art. 8 Abs. 1 aBeitrags- reglement). Die Forschung gilt als in der Schweiz betrieben, wenn der Ge- suchsteller für die Dauer der Forschungsarbeiten als unselbständig Erwer- bender bei einer Institution mit Sitz in der Schweiz angestellt ist oder als selbständig Erwerbender in der Schweiz Wohnsitz hat (Art. 8 Abs. 2 Bst. a und b aBeitragsreglement). Auf Beitragsgesuche, welche diese formell en Voraussetzungen nicht erfüllen, tritt die Vorinstanz nicht ein (Art. 11 Abs. 1 aBeitragsreglement). 4.2 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft angefochtene Forschungs- förderungsentscheide mit freier Kognition, soweit sich die vorgebrachten Rügen auf die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens (Art. 13 Abs. 3 Bst. a FIFG) oder auf die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblic hen Sach- verhaltes stützen (Art. 49 VwVG i.V.m. Art. 13 Abs. 3 Bst. b FIFG). Es auf-B-3069/2015 Seite 12 erlegt sich bei der Überprüfung materieller Entscheidgründe für nicht ge- währte Förderungsbeiträge eine gewisse Zurückhaltung, indem es bei Fra- gen, die ein besonderes Fachwissen voraussetzen, nicht ohne Not von der Beurteilung der erstinstanzlichen Fachbehörde abweicht. Es schreitet hier erst ein, wenn sich die Behörde von sachfremden oder sonst wie ganz of- fensichtlich unhaltbaren Erwägungen hat leiten lassen, so dass ihr Ent- scheid unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten als nicht mehr vertretb ar und damit willkürlich erscheint (vgl. BGE 131 I 467 E. 3.1). Diese Zurück- haltung rechtfertigt sich indessen nur mit Bezug auf die materiellen Voraus- setzungen der Förderungswürdigkeit eines bestimmten Gesuchs, insbe- sondere für die Beurteilung der wissenschaftlichen Qualität eines Projektes oder der wissenschaftlichen Qualifikation des Gesuchstellers (Urteile des BVGer B -1186/2014, B-1190/2014 vom 22. Juli 2015 E. 2; B -3728/2013 vom 27. August 2014 E. 2; B-63/2013 vom 3. September 2013 E. 2.2; B- 5028/2009 vom 23. Juni 2010 E. 3.1; Botschaft über ein Forschungsgesetz vom 18. November 1981, BBl. 1981/III, 1029, 1079). 5. 5.1 Die Vorinstanz begründet ihren negativen Zuspracheentscheid mit dem Argument, der Beschwerdeführer habe im Zeitpunkt der Gesuchseinrei- chung für die Bände VI–VIII die persönlichen Voraussetzungen nach Art. 8 aBeitragsreglement nicht erfüllt. Der Beschwerdeführer widerspricht dieser Rechtsauffassung mit dem Argument, dass das Pensionsalter bei ihm kei- nen Einfluss auf seine selbständige Erwerbstätigkeit habe. Seit dem Jahr 2008 [Eintritt ins Pensionsalter] sei er in Zusammenarbeit mit verschiede- nen Institutionen im In- und Ausland als unabhängiger, selbständiger For- scher, Autor, Lehrbeauftragter und Gastredner tätig. 5.1.1 Wie bereits aus dem er sten Absatz von Art. 8 aBeitragsreglement hervorgeht, geht es bei Abs. 2 dieser Bestimmung allein um die Frage, ob die in Frage stehende wissenschaftliche Forschung in der Schweiz betrie- ben wird, das heisst um die Abgrenzung von einer Forschungstätigkeit, die nicht in der Schweiz, sondern im Ausland erfolgt. Zur Bestimmung dieses Schweizbezugs bietet Art. 8 Abs. 2 aBeitragsreglement zwei Anknüpfungs- punkte: Entweder ist der Gesuchsteller angestellt – dann wird auf den Sitz des Arbeitgebers abgestellt – oder er ist selbstständig erwerbend, dann wird auf seinen eigenen Wohnsitz abgestellt. Diese Art der Anknüpfung dient offensichtlich dazu, ein anderes Kriterium für den Schweizbezug als den Forschungsort selber aufzustellen. Massgeblich ist nicht, ob die effek-B-3069/2015 Seite 13 tive Forschungstätigkeit ganz oder mehrheitlich in der Schweiz erfolgt, son- dern ob sie zugunsten eines Instituts in der Schweiz bzw. des in der Schweiz wohnhaften Forschers, und nicht etwa zugunsten eines ausländi- schen Instituts, betrieben wird (Urteil des BVGer B-5405/2015 vom 1. Feb- ruar 2017 E. 3.3.3). 5.1.2 Es ist zwischen den Verfahrensparteien unbestritten, dass die in Frage stehende Gewährung von Publikationsbeiträgen nicht kommerziel- len Zwecken dient und keinen Auslandbezug aufweist, der begründen könnte, weshalb die Forschungstätigkeit des Beschwerdeführers als nicht "in der Schweiz betrieben" eingestuft werden sollte. 5.1.3 Nach Art. 8 Abs. 3 Bst. a aBeitragsreglement kann der Nationale For- schungsrat in den jeweiligen Reglementen oder Ausschreibungsbedingun- gen zusätzliche oder von den Bestimmungen in den Absätzen 1 und 2 ab- weichende Voraussetzungen vorsehen. Insbesondere ist er befugt, die Zu- lassung auf bestimmte Zielgruppen einzuschränken. Solche Zusatzbestim- mungen sind unter anderem in Ziff. 1.8 aAusführungsreglement festgelegt. Nach diesen Bestimmungen werden emeritierte Forschende zur Gesuch- stellung (Art. 8 aBeitragsreglement) zugelassen, wenn sie unter anderem folgende Voraussetzungen erfüllen: Sie verfügen über einen hervorragen- den Leistungsausweis (Bst. a) und das unterbreitete Projekt muss eine durch internationale Expertisen bestätigte , hervorragende wissenschaftli- che Qualität aufweisen , welche seine unbestrittene Klassifizierung in die höchste Förderungspriorität ermöglicht (Bst. b). Der Beschwerdeführer macht indessen nicht geltend, dass er ein Emeritus im Sinne von Ziff. 1.8 aAusführungsreglement ist. Er fällt folglich nicht in den Anwendungsbe- reich dieser eng gefassten Ausnahmeregelung. 5.1.4 Keine Rechtgrundlage im aBeitragsreglement findet die Anforderung der Vorinstanz, dass die selbständige Erwerbstätigkeit eine hauptberufli- che Forschungstätigkeit beinhalten müsse (Duplik, S. 4). Die in Ziff. 1.9 Abs. 2 Bst. a aAusführungsreglement genannte hauptberufliche Tätigkeit ist im Anwendungsbereich auf Forschende mit einer Anstellung an einer Institution mit Sitz in der Schweiz gemäss Art. 8 Abs. 2 aBeitragsreglement, die ihre Forschungstätigkeit ganz oder teilweise im Ausland ausüben, be- schränkt. Eine entsprechende Regelung für selbständig erwerbende For- schende mit Wohnsitz in der Schweiz wurde erst im neuen Beitragsregle- ment erlassen, das per 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist. Dessen Art. 10 Abs. 3 sieht vor, dass eine wissenschaftliche Forschungstätigkeit zusam-B-3069/2015 Seite 14 men mit einer allfälligen Lehrtätigkeit mindestens im Umfang eines 50-Pro- zent-Pensums ausgeübt werden muss. Die Anwendung dieser neuen Re- gelung auf den Beschwerdeführer würde indessen zu einer echten, belas- tenden Rückwirkung führen, die im Widerspruch zum in Art. 5 BV veran- kerten Rechtsstaatsprinzip steht (vgl. BVGE 2009/3 E. 3.2). 5.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, falls die Vorinstanz Beitragsgesuche von pensionierten, selbständig forschenden Gesuchstellern ipso facto ab- lehne, so stelle dies eine gegen Art. 8 Abs. 2 BV verstossende Diskriminie- rung aufgrund des Alters dar. 5.2.1 Gestützt auf Art. 8 Abs. 2 BV darf namentlich niemand aufgrund sei- nes der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen o- der psychischen Behinderung diskriminiert werden. Das Diskriminierungs- verbot lehnt sich in den Grundzügen an die internationalen Grundrechts- garantien an, wie sie insbesondere in Art. 14 EMRK und in verschiedenen Bestimmungen des UNO -Paktes II (SR 0.103.2) enthalten sind ( MÜL- LER/SCHEFER, a.a.O., S. 679; RAINER J. SCHWEIZER, in: Ehrenzeller et al. [Hrsg.], Die schweizerische Bundesverfassung. Kommentar, 2. A., 2008, Art. 8 N. 43). Eine Anknüpfung an ein in Art. 8 Abs. 2 BV genanntes Merk- mal ist nicht absolut rechtswidrig, sondern begründet zunächst den blossen Verdacht einer unzulässigen Differenzierung, der durch eine qualifizierte Rechtfertigung umgestossen werden kann (BGE 136 I 121 E. 5.2; 135 I 49 E. 4.1; 129 I 392 E. 3.2.2; 8C_1074/2009 vom 2. Dezember 2010 E. 3.4.2; ausführlich: MARKUS SCHEFER/RENÉ RHINOW, Zulässigkeit von Altersgren- zen für politische Ämter aus Sicht der Grundrechte. Gutachten im Auftrag des Schweizerischen Seniorenrats, Jusletter 7. April 2003, N. 54 f.; VIN- CENT MARTENET, Géométrie de l'égalité, 2003, N. 898). 5.2.2 Vor dem Hintergrund dieses Erwägungsgrundes ist zu beurteilen, ob die Vorinstanz durch ihre in der Vernehmlassung (S. 9) und Duplik (S. 4) erstmals vorgetragene Praxis, nicht emeritierte, selbständig erwerbende Forschende im Pensionierungsalter generell von der Forschungsförderung auszuschliessen, eine rechtliche Differenzierung vornimmt, die sachlich nicht gerechtfertigt werden kann. Die Vorinstanz begründet ihre Förderpra- xis damit, dass ihr nur beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung ständen und sie aus diesem Grund eine Priorisierung vornehmen müsse. B-3069/2015 Seite 15 5.2.3 Die Bestimmung über die Zielsetzungen des FIFG und die Statuten (Art. 10 Abs. 3 Bst. a–d FIFG; Art. 1 Abs. 3 und Art. 2 Abs. 1 Statuten SNF) legen fest, dass sich die Vorinstanz auf die Förderung exzell enter For- schungsprojekte, eines hoch qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuch- ses, auf die Forschungsinfrastrukturen und die internationale Forschungs- zusammenarbeit konzentriert (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Förderung der Hochschulen und die K oordination im sc hweizerischen Hochschulbereich [HFKG] vom 29. Mai 2009, BBl Nr. 26 4561, 4579). Aus der normativen Vorgabe, dass die Vorinstanz der Förderung des wissen- schaftlichen Nachwuchses besondere Aufmerksamkeit schenkt (Art. 1 Abs. 3 Statuten SNF), lässt sich indessen nicht ableiten, dass selbständig Forschende im Pensionsalter unter Ausserachtlassung des wissenschaftli- chen Exzellenzkriteriums generell auszuschliessen sind. Die Wahrung des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit verlangt, dass bei einer Ungleichbe- handlung aufgrund des Alters die Erfordernisse des Gleichheitsgrundsat- zes unter Wahl des mildesten Mittels so weit wie möglich mit denen des angestrebten Zieles in Einklang gebracht werden müssen. 5.2.4 Der Einwand des Beschwerdeführers, er habe bere its 1992 nicht mehr zum wissenschaftlichen Nachwuchs gezählt, geht mit Blick auf die vorausgegangenen Feldstudien fehl. Art. 6a Abs. 4 Bst. b aBeitragsregle- ment sieht die Beitragsgewährung für Publikationen vor, die der Valorisie- rung der mit Unterstützung des SNF erzielten Forschungsresultate dienen. Die Feldforschungen, die der Beschwerdeführer von 1976 bis 1984 durch- führte, wurden durch die Vorinstanz mitfinanziert. Der Beschwerdeführer zählte in diesem Zeitraum durchaus zum wissenschaftlichen Nachwuchs und die Publikation des Werkes über (…) diente der Valorisierung seiner von 1976 bis 1984 mit finanzieller Unterstützung der Vorinstanz geleisteten Forschungsarbeit. 5.2.5 Im Ergebnis erweist sich der Vorwurf der Altersdiskriminierung vorlie- gend allerdings als unbegründet. Die Vorinstanz stützte ihren ablehnenden Zuspracheentscheid nicht auf das Differenzierungskriterium "Alter", son- dern auf die reglementarisch festgelegten Anknüpfungstatbestände der Er- werbstätigkeit (E. 5.1.1) und auf wissenschaftliche Qualität skriterien (Art. 17 aBeitragsreglement). Sie bewies bereits mit ihrer Zuspracheverfü- gung vom 18. Dezember 2013, d ass die reglementarischen Regelungen eine flexible Handhabung zulassen und Gesuche von über 65 -jährigen Personen, die selbständig in der Schweiz forschen, nicht eo ipso abgelehnt werden. Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt des Zuspracheentschei-B-3069/2015 Seite 16 des für den Band V bereits (…) Jahre alt. Die Vorinstanz hat den ihr zu- stehenden Ermessensspielraum also sogar zugunsten des Beschwerde- führers ausgenützt. 6. 6.1 Der Beschwerdeführer rügt einen qualifizierten Ermessensmissbrauch durch die Vorinstanz . Die Vorinstanz habe sich bei der Würdigung der Fachgutachten von sachwidrigen Kriterien leiten lassen und aus verständ- lichen, aber verwerflichen Gründen jene Passagen hervorgehoben, die das Gesuch kritisch beurteil ten. Durch ihr einseitiges Abstellen auf die man- gelnde Aktualität des Werkes verkenne sie, dass die Forschung des Be- schwerdeführers wegen der Bürgerkriege (…) ein wertvolles Zeugnis einer verschwundenen Epoche geworden sei. Insgesamt sei der aus den Exper- tisen gezogene Schluss sachfremd, widersprüchlich, unverhältnismässig und unverständlich. 6.2 Die Vorinstanz tritt dieser Rüge mit dem Argument entgegen, sie habe zwei Expertisen in Auftrag gegeben. Die erste äussere sich überwiegend kritisch und beanstande insbesondere die fehlende Aktualität des Werkes, die mangelhafte Einbindung der aktuellen Fachliteratur sowie eine aus heutiger Sicht problematische Darstellung dieser Gemeinschaft. Im Ergeb- nis empfehle der erste Gutachter, die Veröffentlichung des Werks nicht zu unterstützen. Die zweite Expertise beurteile die drei Bände zwar positiver, enthalte indessen ebenfalls Kritikpunkte. Unter anderem beträfen diese die mangelnde Berücksi chtigung der Rolle der Frauen , eine nicht in allen Punkten überzeugende Struktur und die einseitige Sichtweise des Verhält- nisses der (…) zu (…). Der Forschungsrat habe sich mit allen positiven und negativen Aspekten befasst und seine Ablehnung nachvollziehbar begrün- det. Ein Ermessensmissbrauch liege klarerweise nicht vor. 6.3 In ihrer Entscheidbegründung vom 13. April 2015 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit, der Nationale Forschungsrat würdige die be- deutenden Forschungsarbeiten, beanstande indessen auch verschiedene Schwachpunkte. Sie stützt ihren negativen Zusprachee ntscheid auf zwei in Art. 17 Abs. 2 aBeitragsreglement genannte Qualitätskriterien, nament- lich auf die wissenschaftliche Bedeutung und auf die Aktualität des Pro- jekts. Die dem Entscheid zugrundeliegenden Expertisen befassen sich um- fassend und teilweise kritisch mit der Eignung des methodischen Vorge- hens und der fehlenden Aktualität des Werkes. Beide Gutachter bestätigen B-3069/2015 Seite 17 indessen die hohe die Fachkompetenz des Beschwerdeführers. Dass Ex- perten ein Gesuch im Ergebnis unterschiedlich beurteilen und sich in ein- zelnen Punkten widersprechen, ist in der Wissenschaft nicht unüblich. Zur Förderung der wissenschaftlichen Qualität kann es sogar wünschenswert sein, wenn eine fachliche Ause inandersetzung unter verschiedenen Ge- sichtspunkten erfolgt. Dass die Expertisen im vorliegenden Fall nicht zu den gleichen Schlüssen gelangen, stellt daher für sich allein kein Grund dar, den angefochtenen Entscheid als rechtsfehlerhaft einzustufen (vgl. Ur- teil des BVGer B -5333/2009 vom 10. November 2010 E. 3.6). Unter Be- rücksichtigung der gebotenen Zurückhaltung bei der Beurteilung der mate- riellen Voraussetzungen sind für das Bundesverwaltungsgericht keine An- haltspunkte ersichtlich, dass die Vorinstanz sich von sachfremden Kriterien hat leiten lassen oder dass ihre Schlüsse auf einer unhaltbaren oder wider- sprüchlichen Beweiswürdigung beruhen. Aus dem Protokoll der Abteilung "Subside de publication" vom 1. März 2015 (Vernehmlassungsbeilage 20a, Ziff. 2) und aus der Entscheidbegründung geht vielmehr hervor, dass sich die Vorinstanz nicht einseitig auf die kritisierten Punkte stützte, sondern sich auch mit den positiven Aspekten auseinandersetzte. Die diesbezügli- chen Erwägungen halten zudem dem Erfordernis der hinreichenden Be- gründungsdichte stand und sind sowohl verständlich als auch nachvoll- ziehbar formuliert. Sie stehen inhaltlich auch nicht im Widerspruch zu den unterschiedlich ausgefallenen Expertenmeinungen, sodass der Entscheid unhaltbar und unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten willkürlich wäre. Dass der angefochtene Entscheid mit der Darstellung des Beschwerdefüh- rers nicht übereinstimmt oder eine andere Lösung oder Würdigung vertret- bar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, genügt praxisgemäss für die Be- gründung von Willkür nicht (BGE 131 IV 100 E. 4.1; 127 I 54 E. 2b mit Hinweisen). Wie der Beschwerdeführer richtigerweise vorbringt, trifft es zu, dass das Werk die sozialen, kulturellen und politischen Praktiken der (…) im Zeitraum von 1976 bis 1984 dokumentiert und es aufgrund seiner Ein- zigartigkeit und deskriptiven Dichte inzwischen einen hohen Wert für die historische Ethnografie erlangt hat . Die Vorinstanz hat diesen Aspekt durchaus gewürdigt (Vernehmlassungsbeilage 20a, Ziff. 2). Der Nationale Forschungsrat überschreitet den ihm zustehenden Ermessenspielraum in- dessen nicht bereits deswegen, weil er die Frage nach der Aktualität des wissenschaftlichen Werkes höher gewichtet hat als den ausdrücklich aner- kannten historischen Wert, den das Werk durch die zeitgeschichtlich be- dingten Ereignisse mittlerweile erlangt hat. Im Ergebnis hat die Vorinstanz aus den Expertisen keine rechtsfehlerhaften Schlüsse gezogen. Der Rüge eines qualifizierten Ermessensmissbrauchs kann daher nicht gefolgt wer- den. B-3069/2015 Seite 18 7. 7.1 Schliesslich rügt der Beschwerdeführer die unrichtige Feststellung des Sachverhalts. Der Nationale Forschungsrat beanstande die mangelnde Qualität der Manuskripte. Um die Bände VI–VIII zur Druckreife zur bringen, seien an den Manuskripten umfangreiche Redaktionsarbeiten vorzuneh- men. Kein Autor und kein Verlag könnten sich indessen das Risiko leisten, ohne konkrete finanzielle Absicherung die aufwändigen Redaktions - und Korrekturarbeiten vorzunehmen. Indem die Vorinstanz eine in allen Details ausgearbeitete druckreife Vorlage verlange, habe sie den rechtserhebli- chen Sachverhalt unrichtig dargestellt. 7.2 Vorliegend ist nicht die formelle Rüge zu beurteilen, ob die Vorinstanz ihrem Entscheid einen falschen Sachverhalt zugrunde gelegt hat, sondern die materiell-rechtliche Frage, ob die Manuskripte den reglementarischen Anforderungen genügen. Die Vorinstanz weist zu Recht auf die hierzu gel- tenden Regelungen hin. Art. 2 Abs. 1 des Reglements zu den Publikations- beiträgen und Ziff. 5.1 Abs. 3 aAusführungsreglement sehen vor, dass dem Gesuch eine vollständige, definitive Vorlage (inkl. Abbildungen) beiliegen muss. Nach diesen Bestimmungen tritt die Vorinstanz auf Beitragsgesuche nur ein, wenn ihr die vollständige, definitive Vorlage unterbreitet wird. Der Beschwerdeführer reichte entgegen dieser reglementarischen Bestimmun- gen zwei unbearbeitete Rohmanuskripte (Bände VII und VIII) ein, sowie eine in Bezug auf den Text druckreife Vorlage (Band VI), ohne allerdings das umfangreiche Bildmaterial in das Manuskript eingefügt zu haben. Das Bundesverwaltungsgericht kann nach erfolgter Manuskriptüberprüfung der Rüge des Beschwerdeführers nicht folgen. 8. 8.1 Im Ergebnis stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die ange- fochtene Verfügung vom 13. April 2015 nicht bundesrechtswidrig ist. 8.2 Weil die besonderen Voraussetzungen für die Geltendmachung des Vertrauensschutzes nicht erfüllt sind, kann die behördliche Zusicherung aus dem Jahr 1992 keine materiellen Rechtswirkungen entfalten, die bis heute andauern. Im Ergebnis hat die Vorinstanz den weiteren Sachverhalt, soweit er rechtserheblich ist, im Wesentlichen korrek t festgestellt und ge- würdigt, ohne d as ihr als Fachbehörde zustehende Ermessen zu über- schreiten oder zu missbrauchen. Aus diesem Grund ist die Beschwerde abzuweisen. B-3069/2015 Seite 19 9. Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer die Verfahrens- kosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Verfahrenskosten werden auf Fr. 2'000.– festgesetzt. Der am 22. Mai 2015 einbezahlte Kostenvor- schuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. Angesichts des vollständigen Unterliegens des Beschwerdeführers wird keine Partei- enschädigung gesprochen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 VGKE). 10. Dieser Entscheid kann nicht mit Beschwerde an das Bundesgericht weiter- gezogen werden (Art. 83 Bst. k des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Es ist somit endgültig. B-3069/2015 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrens- kosten verwendet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführer (Einschreiben; Beschwerdebeilagen zurück) – die Vorinstanz (Einschreiben; Vorakten zurück) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: David Aschmann Katharina Niederberger Versand: 29. März 2017