Postulat Keller 1416 N 5 octobre 1984 Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 17. September 1984 Déclaration du Conseil fédéral du 17 septembre 1984 Der Bundesrat ist bereit, die Punkte 5, 6 und 7 vollumfäng- lich und die Punkte 1, 2, 3 und 4, soweit diese durch den Bericht über das Waldsterben noch nicht erfüllt sind, entge- genzunehmen. Überwiesen - Transmis #ST# 84.490 Postulat Keller Gewässer. Senkung des Nitratgehalts Eaux. Réduction de la teneur en nitrates Wortlaut des Postulates vom 22. Juni 1984 Auf den I.Januar 1986 beabsichtigt der Bundesrat, die Phosphate in den Waschmitteln zu verbieten, um auf diese Weise den Phosphatgehalt in unseren Gewässern zu sen- ken. Da aber auch die Aufsalzung der Gewässer mit Nitraten in den letzten Jahren bedrohlich gestiegen ist, sollte er auch auf diesem Gebiet wirksamere Massnahmen anordnen bzw. durchsetzen. Der Bundesrat wird deshalb ersucht: - das Qualitätsziel für Grundwasser eindeutig festzulegen, indem er den erforderlichen Grenzwert anordnet; - den Artikeln 13 (Sorgfaltspflicht) und 14 (Verbote) des Gewässerschutzgesetzes (GSchG) vom S.Oktober 1971 strikte Nachachtung zu verschaffen; - weitere Massnahmen zu ergreifen, die zur Verminderung des Nitratgehalts in sämtlichen Gewässern (Ober-, Fliessge- wässer, Grund- und Trinkwasser usw.) beitragen. Texte du postulat du 22 juin 1984 Le Conseil fédéral a prévu d'interdire les phosphates dans les détergents à partir du 1er janvier 1986, afin de réduire la teneur en phosphates de nos eaux. Cependant, la salinité des eaux ayant dangereusement augmenté au cours de ces dernières années du fait du déversement de nitrates, il devrait, dans ce domaine également, édicter et faire appli- quer des mesures efficaces. Au vu de cette situation, le Conseil fédéral est prié: - de fixer un objectif précis pour la qualité des eaux souter- raines, en prescrivant la valeur limite qui s'impose; - de veiller à ce que les articles 13 (devoir de diligence) et 14 (interdictions) de la loi du 8 octobre 1971 sur la protection des eaux soient strictement observés; - de prendre d'autres mesures pouvant contribuer à réduire la teneur en nitrates de toutes les eaux (eaux de surface, eaux courantes, eaux souterraines, eau potable, etc.). Mitunterzeichner - Cosignataires: Humbel, Müller-Zürich, Nauer, Oester, Seiler, Stamm Judith, Wick, Ziegler (8) Schriftliche Begründung - Développement par écrit 1. Grundsätzliches: Bereits Ende 1979 stellte das Bundes- amt für Gesundheitswesen fest, dass in zirka einem Drittel der Grundwasservorkommen in der Schweiz die Tendenz der Aufsalzung mit Nitraten steige. Das Bundesamt für Umweltschutz bestätigte diesen Sachverhalt (Quelle: «Die Weltwoche» Nr. 47 vom 24. November 1983). Das Schweize- rische Lebensmittelbuch (es ist nicht rechtsverbindlich) gibt einen Grenzwert von 40 mg/l an. Im vergangenen Jahr wurde in verschiedenen Gemeinden der Schweiz gemäss diesem Grenzwert unreines Wasser festgestellt; zum Beispiel in Müntschemier 100, in Ins 60, in Othmarsingen 50, in Köniz- Bern 48, in Zollikofen 49 mg Nitrat/l (Quelle: «Die Weltwo- che» Nr. 47 vom 24. November 1983). Ebenso berichtet die «24 Heures» vom 2. Mai 1984 von verschiedenen waadtlän- dischen und anderen Gemeinden, die diese Limiten über- schritten haben. Der entsprechende Artikel spricht die düstere Möglichkeit aus: «II en ira peut-être de l'eau potable comme des forêts. Brusquement, nous apprendrons un jour qu'elle regorge de nitrates et qu'elle se révèle par consé- quent impropre à la consommation. La nouvelle nous cho- quera, comme nous a choqués celle de l'agonie des forêts.» Gemäss Bundesamt für Gesundheitswesen (Quelle: «Die Weltwoche» Nr. 47 vom 24. November 1983) nehmen täglich mehr als 125000 Schweizer über Nahrungsmittel und Getränke mehr Nitrate zu sich als die vom Weltgesundheits- amt festgesetzte Limite, die mit 50 mg/l noch um 10 mg/l über der schweizerischen Toleranzgrenze liegt. Die Gefährlichkeit der Nitrate sei hier nur skizziert (Quellen: Eidgenössisches Departement des Innern, November 1979: Nitrat im Trinkwasser, Seite 27 bis 29. «Die Weltwoche» Nr. 47, 24. November 1983. «24 Heures», 2. Mai 1984): Nitrate sind stickstoffhaltige Salze der Salpetersäure, die sich im Körper in Nitrit verwandeln können. Nitrit wiederum verbindet sich mit Aminen(Eiweisssubstanzen), wobei Nitro- samine entstehen. Nitrosamine gehören zu den aktivsten und gefährlichsten Krebserregern. Nitrite bilden aber auch Methämoglobin (Verbindung Nitrit/roter Blutkörper), das die Fähigkeit nicht mehr hat, den Sauerstoff zu transportieren. Bei Säuglingen führt dieser Mangel zur Methämoglobinämie (Blausucht). 2. Zu den beantragten Massnahmen: Als Güteziel bzw. als Grenzwert für Fliessgewässer, bei denen Trinkwassernut- zungen zu berücksichtigen sind, gibt die Verordnung über Abwasserleitungen einen Wert von 25 mg Nitrat/l an (Quel- len: SR 814.225.21. Anhang, Parameter 35, Nitrat. Eidgenös- sisches Departement des Innern, November 1979: Nitrat im Trinkwasser, Seite 3). Beim Grundwasser ist aber nur indi- rekt ein Qualitätsziel vorhanden: Das Grundwasser soll so beschaffen sein, dass möglichst keine Aufbereitung bei einer allfälligen Trinkwassernutzung notwendig ist. Es geht also darum, dass der Bundesrat das Qualitätsziel genau festlegt, um klare, messbare Anforderungen zu stellen. Im Zusammenwirken des Bundes mit den Kantonen ist sicherzustellen, dass den in den Artikeln 13 (Sorgfaltspflicht) und 14 (Verbote) GSchG angeordneten Massnahmen strikte Nachachtung verschafft wird, so etwa dem Verbot des Jau- chens auf schneebedeckten und brachliegenden Feldern. Auch um die in Artikel 30 GSchG geforderten Gewässer- schutzzonen scheint es nicht gut bestellt zu sein, wenn man der Schlussfolgerung im erwähnten Zeitungsartikel von «24 Heures» Glauben schenkt: «La majorité des communes vau- doises n'ont pas encore établi ces zones de protection pourtant exigées par la loi fédérale (sur la protection des eaux du 8 octobre 1971).» In einem umfassenden Sinne wäre schliesslich die gegen- wärtige Lage zu beurteilen und zu prüfen, ob nicht zusätzli- che Massnahmen oder Verschärfung bestehender sich auf- drängen. Und es stellt sich letzten Endes auch die Aufgabe, die Öffentlichkeit für diese Problematik vermehrt zu sensibi- lisieren. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 5. September 1984 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 5 septembre 1984 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen Überwiesen - TransmisSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Keller Gewässer. Senkung des Nitratgehalts Postulat Keller Eaux. Réduction de la teneur en nitrates In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1984 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 84.490 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 05.10.1984 - 08:00 Date Data Seite 1416-1416 Page Pagina Ref. No 20 012 754 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.