Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 27. Juli 2016 (810 15 223) ____________________________________________________________________ Personalrecht Kündigung des Arbeitsvertrags Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Christian Haidlauf , Jgnaz Jermann, Beat Walther, Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Andrea Halbeisen , Rechtsanwältin gegen Kantonsspital Baselland , Beschwerdegegner Betreff Kündigung des Arbeitsvertrages (Verfügung des Kantonsspitals Baselland vom 30. Juli 2015) A. A.____ war seit dem 14. April 2014 beim Kantonss pital Baselland (Kantonsspital) als Generalistin Dienstleistungszentrum (DLZ) angestellt. Aufgrund einer Reorganisation wurde der Arbeitsvertrag per 1. Mai 2015 dahingehend abgeände rt, als A.____ neu als Fachspezialistin HR Dienstleistungszentrum eingesetzt wurde. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Schreiben vom 16. April 2015 wurde A.____ gemä ss § 14 der Verordnung zum Personalgesetz (Personalverordnung) vom 19. Dezember 2000 verwarnt. Zur Begründung wur- de ausgeführt, die Organisation und Umsetzung der Hot line Einsatzplanung sei nicht erwar- tungsgemäss erfolgt. A.____ habe die Einsatzplanung st ark nach den persönlichen Befindlich- keiten und weniger nach den Arbeitskolleginnen und Ar beitskollegen sowie den betrieblichen Notwendigkeiten gerichtet. Sie habe sich auch in anderen Belangen gegenüber dem Team un- kollegial verhalten. Durch ihre negativen Äusserungen r esp. ihr negatives Verhalten sei das Arbeitsklima entsprechend beeinflusst worden. Bemühunge n des Arbeitgebers, ein gutes Ar- beitsklima zu fördern, seien von A.____ kategorisch untergraben worden. Schliesslich habe sich ihr Fachwissen in Bezug auf Systeme und Abläufe als mangelhaft erwiesen. In der Folge fanden am 30. April 2015, am 26. Mai 2 015 sowie am 7. Juli 2015 Standort- Gespräche statt, anlässlich welcher sowohl bezüglich des Ve rhaltens von A.____ als auch be- züglich ihrer Leistungen eine positive Entwicklung festgestellt wurde. C. Am 20. Juli 2015 erfolgte die Kündigungsanzeige de s Kantonsspitals mit der Begrün- dung, es hätten sich (seit der letzten Standortbestimmung ) drei weitere Vorfälle ereignet, bei welchen A.____ gegen die Vorgaben der Verwarnung vom 16. April 2015 verstossen habe. Gleichzeitig wurde ihr Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt und A.____, nachfolgend vertreten durch Andrea Halbeisen, Rechtsanwältin in Base l, nahm diese mit Schreiben vom 28. Juli 2015 wahr. D. Mit Verfügung vom 30. Juli 2015 kündigte das Kant onsspital gestützt auf § 19 Abs. 3 lit. c des Gesetzes über die Arbeitsverhältnisse der Mita rbeiterinnen und Mitarbeiter des Kan- tons (Personalgesetz) vom 25. September 1997 das Arbei tsverhältnis mit A.____ per 31. Oktober 2015. E. Gegen die Kündigungsverfügung vom 30. Juli 2015 er hob A.____ mit Eingabe vom 7. August 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landsc haft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit den Rechtsbe gehren: 1. Die Kündigung vom 30. Juli 2015 sei aufzuheben, 2. Eventualiter sei festzu stellen, dass die Kündigung vom 30. Juli 2015 unrechtmässig sei und es sei der Beschwerdeführerin eine gleichwertige Arbeitsstelle an- zubieten, 3. Subeventualiter sei der Beschwerdeführerin zusätzlich zum Lohn bis zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses auf den nächstmöglichen Kündigungstermin eine Entschädigung in der Höhe von drei Monatslöhnen zuzusprechen, 4. Unter o/e- Kostenfolge zu Lasten des Beschwer- degegners. Die Beschwerdebegründung erfolgte mit Eingabe vom 8. Oktober 2015. F. Innert erstreckter Frist liess sich der Beschwerdegegner ve rnehmen und schloss auf vollumfängliche Abweisung der Beschwerde, unter o/e-Kostenfolge. G. Mit Präsidialverfügung vom 22. Dezember 2015 wurde der Fall der Kammer zur Beur- teilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Die Beweisanträge der Beschwerdeführe- rin auf Einholung eines Gutachtens sowie die Vernehmung zahlreicher Personen als Zeugen wurden abgewiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 25 i.V.m. § 8 Abs. 1 des Spitalgesetzes vom 1 7. November 2011 sowie i.V.m. § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können letztinstanzliche Verfügungen und Entscheide der Organe des Kantonsspitals Baselland nach den allgemeinen Bestimmung en über die Verwaltungsrechts- pflege beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und V erwaltungsrecht, angefochten wer- den. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde be fugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Die Beschwerdefüh rerin ist als Adressatin des ange- fochtenen Entscheides berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt un d sowohl die örtliche als auch die sachli- che Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben sind, kann a uf die vorliegende Beschwerde eingetreten werden. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Überprüfung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht im vorliegenden Fall ver- wehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtli- chen Gehörs. Sie macht geltend, ihre Stellungnahme vom 28. Juli 2015 sei in der angefochte- nen Kündigungsverfügung vom 30. Juli 2015 nicht behand elt worden. Der Beschwerdegegner habe sich mit den entsprechenden Ausführungen inhaltlich nicht auseinander gesetzt. Der Be- schwerdegegner halte in der Kündigungsverfügung einzig fest, die Stellungnahme erhalten und geprüft zu haben. Weiter habe der Beschwerdegegner geg enüber der Beschwerdeführerin die Kündigung ausgesprochen, ohne ihre Vertreterin an d as Kündigungsgespräch vom 30. Juli 2015 einzuladen. Dabei sei ferner zu berücksichtigen, d ass dieser Besprechungstermin bereits am Morgen vor Erhalt der Stellungnahme der Beschwerdef ührerin festgelegt worden sei, wes- halb davon auszugehen sei, dass die Kündigung bereits vor Erhalt der Stellungnahme be- schlossen gewesen sei. 3.2 Demgegenüber führt der Beschwerdegegner aus, die Kündigung sei unter Berücksichti- gung der Vorbringen der Beschwerdeführerin in der St ellungnahme vom 28. Juli 2015 erfolgt (vgl. Vernehmlassung vom 10. Dezember 2015, S. 3). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ver- lange nicht, dass sich die verfügende Behörde im endgült igen Entscheid mit jedem Argument auseinandersetze. Die Kündigungsverfügung sei der Rechtsve rtreterin zugestellt worden und für die formelle Eröffnung massgeblich. Die vorgängige mündliche Mitteilung an die Beschwer- deführerin im Rahmen eines persönlichen Gesprächs sei ei n Entgegenkommen ihr gegenüber gewesen, da sie nicht erst durch ihre Rechtsvertreterin habe informiert werden sollen. 3.3 Die formelle Rüge betreffend eine Verletzung de s rechtlichen Gehörs ist im Folgenden vor einer allfälligen inhaltlichen Beurteilung zu prü fen. Der Anspruch der Parteien auf rechtli- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ches Gehör gewährleistet dem Einzelnen eine effektive M itwirkung im Verfahren zum Erlass von Entscheidungen, welche in die Rechtsstellung des Ei nzelnen eingreifen (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999; G EROLD STEINMANN , in: Die Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Ko mmentar, 3. Auflage, Zü- rich/St. Gallen 2014, N 42 zu Art. 29). Als Teilgehal te des rechtlichen Gehörs zählen in der Rechtsprechung und Lehre die Ansprüche auf vorgängige Äusserung und Anhörung, der An- spruch auf Berücksichtigung der Vorbringen, der Anspruch a uf Teilnahme am Beweisverfahren unter Einschluss des Rechts, Beweisanträge zu stellen, da s Recht auf Akteneinsicht und das Recht auf einen begründeten Entscheid (vgl. J ÖRG PAUL MÜLLER , Grundrechte in der Schweiz, 4. Auflage, Bern 2008, S. 860 ff.; M ICHELE ALBERTINI , Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 202 ff.; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltun gsrecht [KGE VV], vom 5. September 2007 [810 06 199] E. 9.1). Mit dem Ans pruch auf effektive Mitwirkung korrespon- diert, dass die Behörde die Vorbringen der Beteiligte n tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt sowie ihren Entscheid vor diesem Hintergrund begründet. Darzulegen sind der zugrunde geleg- te Sachverhalt und die rechtliche Würdigung, d.h. die Überlegungen, von denen sich die Behör- de hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid gest ützt hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_219/2015 vom 20. November 2015 E. 3.1). Gleichsam das Kernelement des rechtlichen Gehörs ist das Recht auf vorgängige Äusserung und Anhörung , welches den Betroffenen einen Einfluss auf die Ermittlung des wesentlichen Sachverhalts sichert. Die Behörde muss diese Äusserungen zur Kenntnis nehmen und sich damit in der E ntscheidfindung und -begründung sachgerecht auseinandersetzen. Der Anspruch auf rechtliche s Gehör besteht unbestrittener- massen auch im öffentlichen Personalrecht und ist insbes ondere im Vorfeld der Auflösung ei- nes Arbeitsverhältnisses mit einem öffentlich-rechtlichen Angestellten in all seinen Teilgehalten zu beachten (vgl. T OBIAS JAAG , Das öffentliche Dienstverhältnis im Bund und im Kanto n Zürich – ausgewählte Fragen, Schweizerisches Zentralblatt für S taats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 1994, S. 461 ff.). 3.4 Die Begründung eines Entscheids muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite der Entsch eidung ein Bild machen können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_401/2015 vom 7. September 2015 E. 3.1; ULRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich 2016 , N 1070 ff.). In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genan nt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie sich in ihrem Entscheid stützt (BGE 134 I 83 E. 4.1). Es stellt keine Verletzung der Begründungspflicht dar, wenn sich die Entscheidbehörde auf die für den Entscheid wesentlichen Argumente beschränkt (R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER / CHRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, Basel 2014, N 345; Urteil des Bundesgerichts 5A_401/2015 vom 7 . September 2015 E. 3.1). Eine besonders eingehende Begründung ist notwendig, wenn e in Entscheid schwer in die Rechts- stellung des Betroffenen eingreift, wenn komplexe Recht s- oder Sachfragen zu beurteilen sind oder wenn in einem konkreten Fall von einer konstanten P raxis der Gesetzesanwendung ab- gewichen wird (R HINOW /K OLLER /KISS /T HURNHERR /B RÜHL -MOSER , a.a.O., N 347; KGE VV vom 13. Februar 2013 [810 12 221] E. 5.1.2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.5 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst auch das Recht, sich in einem Verfahren vertreten zu lassen (BGE 132 V 443 E. 3.3; BGE 119 Ia 2 60 E. 6a; BVGE 2011/39 E. 4.1; HÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., N 1037). Dieses Recht wird zudem im Verwaltungsverfahren in § 12 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes Basel-Land schaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 konkretisiert und soll der Partei ermöglichen, ihren Standpunkt im Verfahren wirk- sam und fundiert zur Geltung zu bringen, was wesentlich zu r Waffengleichheit zwischen dem Einzelnen und den Behörden und damit zu einem fairen Verfahren beiträgt (vgl. A LBERTINI , a.a.O., S. 279; A LFRED KÖLZ /J ÜRG BOSSHART /M ARTIN RÖHL , Kommentar zum Verwaltungs- rechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Auflage, Züri ch 1999, N 56 zu § 8). Wurde ein Ver- treter bezeichnet, muss die Behörde, solange die Partei die entsprechende Vollmacht nicht wi- derruft, alle für die Partei bestimmten Mitteilungen an deren Vertreter vornehmen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-987/2012 vom 19. September 2013 E. 3.3, KGE VV vom 18. Juni 2014 [810 13 350] E. 2.4). 3.6 Im angefochtenen Entscheid verweist der Beschwerdeg egner zur Begründung der Kün- digung auf die Kündigungsanzeige vom 20. Juli 2015 und führt aus, dass er sich – wie bereits in jenem Schreiben erwähnt – gezwungen sehe, das Anstellun gsverhältnis zwischen der Be- schwerdeführerin und dem Beschwerdegegner aufzulösen. Die Stellungnahme der Beschwer- deführerin vom 28. Juli 2015 sei geprüft worden, de nnoch würde am Entscheid festgehalten, das Arbeitsverhältnis aufzulösen. Der Beschwerdegegner s ei überzeugt, die Beschwerdeführe- rin würde sich nicht längerfristig an die Vorgaben in der Verwarnung halten können. Gestützt auf die Fürsorgepflicht, welche ihm auch gegenüber den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbei- tern zukomme, seien die negative und destruktive Grund einstellung sowie die unterschwelligen und respektlosen Äusserungen der Beschwerdeführerin, we lche die Zusammenarbeit erschwe- ren oder gar behindern würden, nicht weiter tragbar. 3.7 Aus den Akten geht hervor, dass die drei folgenden Vorkommnisse für die Kündigungs- anzeige vom 20. Juli 2015 massgeblich gewesen sind. 3.7.1 Am 13. Juli 2015 habe sich die Beschwerdeführerin gegenüber einer Arbeitskollegin in einer Sitzung ohne offensichtlichen Grund im Ton vergr iffen, die Stimme erhoben, diese als “Schätzchen“ bezeichnet und ihr vorgeworfen, sie ständig anzugreifen. Nachdem die Arbeitskol- legin im Anschluss den Vorfall habe besprechen wollen, habe die Beschwerdeführerin verlauten lassen, die Arbeitskollegin gehe ihr schon lange auf die Nerven. 3.7.2 Am 15. Juli 2015 habe dieselbe Arbeitskollegin die Beschwerdeführerin über ihre Fe- rienabwesenheit informiert. Die Beschwerdeführerin ha be daraufhin erklärt, dass sich die Ar- beitskollegin selbst um eine Ferienablösung kümmern müsse, obwohl die Einsatzplanung der Hotline dem Aufgabenbereich der Beschwerdeführerin zugewiesen sei. Nach diesem Gespräch habe die Arbeitskollegin eine E-Mail an den Vorgesetz ten mit der Beschwerdeführerin im “Cc“ verfasst und den Vorfall geschildert. Als Reaktion darauf habe die Beschwerdeführerin wiede- rum den Arbeitsplatz der Arbeitskollegin aufgesucht un d ihr in lautem und aggressivem Ton vorgeworfen, sie in die “Pfanne hauen zu wollen“. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.7.3 Am 16. Juli 2015 habe sich die Beschwerdeführerin in das Büro eines Arbeitskollegen begeben und ihm verkündet, dass es im Kantonsspital Basel land gute Augen- und Ohrenärzte gebe. Dies sei ein Hinweis auf die Lautstärke des Arbeit skollegen am Telefon sowie auf seine Sehschwäche gewesen. 3.8 Die Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 28. Juli 2015 erfolgte unter Anzeige des Vertretungsverhältnisses durch Andrea Halbeisen, Rechtsanwältin, und wurde gleichentags per E-Mail an die direkten Vorgesetzten übermittelt sowie als eingeschriebene Sendung der Post übergeben. Die Beschwerdeführerin führt darin zunä chst aus, dass sie und die Arbeitskol- legin sich schon von früher kennen würden und sie mehr als blosse Kolleginnen gewesen sei- en. Vor ein paar Monaten habe sich die Arbeitskollegin von der Beschwerdeführerin distanziert, sich ihr gegenüber abschätzig geäussert und sie regelmässig verbal angegriffen. Die Be- schwerdeführerin habe sich am 13. Juli 2015 von der Arbe itskollegin angegriffen und blossge- stellt gefühlt. Es treffe zu, dass sie sie “Schätzchen“ gen annt habe, demgegenüber habe sie sich nicht dahingehend geäussert, dass ihr die Arbeitskolle gin auf die Nerven gehe und sie sei es auch gewesen, die anschliessend das Gespräch gesucht hab e und nicht umgekehrt. In Be- zug auf den Vorfall vom 15. Juli 2015 macht die Beschw erdeführerin geltend, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt, da die Arbeitskollegin ihr zwei E-Mails habe zukommen lassen. In der einen sei es um einen Freitagnachmittag gegang en, wobei die Mitarbeitenden in solchen Fällen gehalten seien, selber einen Ersatz zu suchen. Be i dem entsprechenden Hinweis der Beschwerdeführerin sei es zu einer – von der Arbeitskolle gin ausgehenden – aggressiven Dis- kussion gekommen. Die andere E-Mail betreffend Umdisponierung der Ferienabwesenheit habe sie erst nach dem Streitgespräch mit der Arbeitskollegin entdeckt. Da die betreffende Mitarbei- terin sich unmittelbar an den Vorgesetzten gewandt hab e, sei es ihr verwehrt gewesen, darauf zu reagieren. Hinsichtlich des Vorkommnisses mit dem Arbe itskollegen am 16. Juli 2015 bringt die Beschwerdeführerin vor, sie habe ihm im Affekt empf ohlen, einen Ohrenarzt aufzusuchen, nachdem sie ihn (sowie den Vorgesetzten) zuvor mehrfac h darauf hingewiesen habe, dass der Arbeitskollege am Telefon zu laut spreche. Nach ständiger Rechtsprechung sei der Arbeitgeber aufgrund seiner Fürsorgepflicht in einer Konfliktsituation am Arbeitsplatz verpflichtet, zumutbare Massnahmen zur Entschärfung des Konflikts zu ergreifen, anso nsten eine aus diesem Grund ausgesprochene Kündigung missbräuchlich sei. Weiter wie s die Beschwerdeführerin auf ihre Bemühungen sich zu verbessern hin. Mitunter sei sie über einen mehrmonatigen Zeitraum in einer psychotherapeutischen Behandlung gewesen, da sich ihre ADHS-Erkrankung auf die be- rufliche Situation ausgewirkt habe. ADHS im Erwachsenena lter weise sich unter anderem dadurch aus, dass die betroffenen Personen emotional tei lweise überreagieren würden und Kommunikation sowie soziale Kontakte oft schwierig seien. Es sei der Beschwerdeführerin be- wusst, dass sie aufgrund ihrer Krankheit teilweise impulsiv gehandelt habe. Aufgrund der ADHS-Erkrankung würden vorliegend das Bundesgesetz über die Beseitigung von Benachteili- gungen von Menschen mit Behinderungen (Behindertenglei chstellungsgesetzes, BehiG) vom 13. Dezember 2002 sowie die entsprechende Verordnung zur Anwendung gelangen. Ab- schliessend teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie und ihre Vertreterin den zuständigen Personen des Kantonsspitals für weitere Auskünfte zur Ver fügung stehen würden, wobei sie explizit erwähnte, die Arbeitgeberin bis Ende der Woche (bis am 31. Juli 2015) anzurufen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.9 Die Gewährung des rechtlichen Gehörs ist lediglich d ann sinnvoll und stellt keinen Leer- lauf dar, wenn es vorgängig gewährt wird. Es erfüllt nur dann seinen eigentlichen Zweck, näm- lich der Verwaltung zu ermöglichen, in Kenntnis aller Umstände zu entscheiden, also auch in Kenntnis der Gründe, welche die Betroffene zu den Vor kommnissen und der ins Auge gefass- ten Sanktion vorbringt. Vorliegend hat der Beschwerdegegner bereits in der Kündigungsanzeige ausgeführt, er “sehe sich gezwungen, das Arbeitsverhältn is […] aufzulösen“. Schon allein diese Formulierung indiziert eine gewisse Entschlossenheit übe r den Entscheid zu kündigen. Zumin- dest weckt eine solche Formulierung Zweifel an der erfo rderlichen Entscheidoffenheit des Be- schwerdegegners. In der Kündigungsverfügung wird erläutert, dass trotz der Stellungnahme am “Entscheid festgehalten“ werde. Auch diese Formulierung lässt darauf schliessen, dass der Entscheid schon gefasst war. Hinzu kommt, dass der Bespr echungstermin vom 30. Juli 2015, an welchem der Beschwerdeführerin gekündigt wurde, ber eits am Morgen des 29. Juli 2015 angesetzt worden war. Mit anderen Worten wurde das Kü ndigungsgespräch schon vor dem (postalischen) Erhalt der Stellungnahme resp. vor Ablauf der Frist vereinbart, was darauf schliessen lässt, dass der Beschwerdegegner seinen Entscheid i m Zeitpunkt der Gewährung des rechtlichen Gehörs bereits gefasst hatte. Der Beschwerd egegner bestreitet diesen Um- stand nicht. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehe n, dass der grundsätzliche Entscheid des Beschwerdegegners, der Beschwerdeführerin zu kündig en, im Zeitpunkt der Kündigungs- anzeige vom 20. Juli 2015, feststand. Somit hat zufolge der fehlenden Entscheidoffenheit des Beschwerdegegners in Bezug auf die Kündigung keine tat sächliche vorgängige Anhörung der Beschwerdeführerin stattgefunden und ihr Anspruch auf rechtliches Gehör wurde dadurch ver- letzt. 3.10 Aus den unbestrittenen Darlegungen der Parteien erhellt, dass die Kündigungsverfü- gung der Beschwerdeführerin ohne Beisein der Vertret erin am 30. Juli 2015 persönlich überge- ben wurde. Die angefochtene Verfügung setzt sich mit d en Ausführungen der Beschwerdefüh- rerin in der Stellungnahme, insbesondere mit den Erklärungen betreffend die drei Vorfälle sowie die ADHS-Erkrankung, nicht auseinander. Es ist in diese m Zusammenhang zu berücksichtigen, dass der Beschwerdegegner im Rahmen der Verwarnung das mangelhafte sowie das künftig erwartete Verhalten der Beschwerdeführerin genau umsc hrieben hatte. Darüber hinaus wurde in den drei Standortbestimmungen jeweils festgehalten, in welchen Bereichen eine Verbesse- rung erreicht worden sei bzw. wo weiterhin Entwicklungs potenzial bestehe. Diese detaillierten Aufzeichnungen vermögen jedoch die Anforderungen an die Begründungsdichte des vorliegen- den Entscheids nicht herabzusetzen. Dies insbesondere de shalb, weil im letzten Standortge- spräch eine “gute Entwicklung“ der Beschwerdeführerin fe stgestellt wurde. Angesichts dieser Beurteilung kann davon ausgegangen werden, dass die Be schwerdeführerin ihr Verhalten in angemessener Weise angepasst hat. Dem Beschwerdegegner kann daher nicht gefolgt wer- den, wenn er in der Kündigungsverfügung in pauschaler Weise ausführt, es könne nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Beschwerdeführerin nicht längerfristig an die Vorgaben in der Verwarnung halten werde. Vielmehr hätte er vor d iesem Hintergrund ausführen müssen, weshalb trotz der mehrheitlich positiven Standortbestimm ungen keine längerfristige Verbesse- rung im Verhalten bzw. in der Leistung der Beschwerdef ührerin zu erwarten sei. Zu berücksich- tigen ist dabei, dass die Beschwerdeführerin die drei V orkommnisse zwar nicht grundsätzlich bestreitet, sich diese nach ihren Ausführungen in der Stellungnahme aber doch etwas anders Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht darstellen. Gerade weil sie für die Entscheidfindung ü ber die Kündigung ausschlaggebend wa- ren, hätte aufgezeigt werden müssen, weshalb die von der Beschwerdeführerin gelieferte Erklä- rung dazu an der Entscheidung betreffend Kündigung n ichts ändert. Ferner hätte der Be- schwerdegegner auch auf das Vorbringen der Beschwerdeführ erin, wonach ihre Verhaltensfeh- ler teilweise auf die ADHS-Erkrankung zurückzuführen seien, eingehen müssen. Indem der Be- schwerdegegner inhaltlich nicht an die Stellungnahme an knüpft, hat er es versäumt, im ange- fochtenen Entscheid seine massgeblichen Überlegungen zu n ennen, von denen er sich leiten liess und auf die er sich in seinem Entscheid stützte. Er ist damit seiner Begründungspflicht nur in ungenügender Weise nachgekommen und hat den Anspruc h der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt. 3.11 Im Weiteren wurde die Rechtsvertreterin der Bes chwerdeführerin unbestrittenermassen nicht zum Gespräch vom 30. Juli 2015 beigezogen. Da de r Beschwerdeführerin der Grund des Gesprächs nicht bekannt war und sie nicht mit der Kündigu ng rechnen musste, weil im Zeit- punkt der Terminvereinbarung die Frist zur Stellungnahm e noch nicht abgelaufen war, bestand für sie kein Anlass, ihre Anwältin zu informieren. Der Beschwerdegegner hatte spätestens am 29. Juli 2015 Kenntnis vom Vertretungsverhältnis, und es ist nicht nachvollziehbar, weshalb er trotz dieser Kenntnis die Anwältin der Beschwerdeführer in nicht zum Gespräch eingeladen hat. Nachdem die Kündigungsabsicht bereits im Zeitpunkt der Kündigungsanzeige gegeben war, hätte die Anwältin zum Gespräch vom 30. Juli 2015 auf geboten werden müssen. Indem nicht einmal der Versuch unternommen wurde, die Anwältin z um Gespräch einzuladen, wurde das Recht der Beschwerdeführerin, sich im Verfahren vertreten zu lassen, verletzt. 3.12 Zusammenfassend ist demzufolge festzuhalten, dass vorli egend das Recht der Be- schwerdeführerin auf vorgängige Äusserung und Anhörung, auf Begründung sowie auf Vertre- tung verletzt wurde. 4.1 Eine Verletzung des Anspruchs auf persönliche Anhöru ng führt ungeachtet der Erfolgs- aussichten der Beschwerde in der Sache selbst grundsätzlich zur Aufhebung der angefochte- nen Verfügung (vgl. BGE 137 I 195 E. 2.2 mit Hinwei sen, STEINMANN , a.a.O., N 59 zu Art. 29). Darauf kann in nicht besonders schwerwiegenden Fällen ve rzichtet werden, wenn die betroffe- ne Person sich vor einer Rechtsmittelinstanz äussern kann, di e sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüft; zudem darf dem Be troffenen daraus kein Nachteil erwach- sen (vgl. BGE 138 III 225 E. 3.3; BGE 135 I 279 E. 2 .6; BVGE 2009/61 E. 4.1.3 je mit Hinwei- sen). Diese sogenannte "Heilung" ist aber in der Regel ausgeschlossen, wenn es sich um eine besonders schwerwiegende Verletzung der Parteirechte handelt. Selbst dann kann jedoch aus- nahmsweise von einer Rückweisung der Sache an die Vorin stanz abgesehen werden, wenn und soweit dies zu einem "formalistischen Leerlauf" und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen P artei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. KGE VV vom 18. Juni 2014 [810 13 350] E. 4.1; vom 11. Januar 2012 [810 11 122] E. 3 ff. und vom 5. S eptember 2007 [810 06 199] E. 9; BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 133 I 201 E. 2.2; BGE 132 V 387 E. 5.1). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Das Kantonsgericht verfügt im vorliegenden Fall ni cht über die gleiche Kognition wie der Beschwerdegegner und ist nicht zur Angemessenheitsüberpr üfung befugt (vgl. E. 2), weshalb eine Heilung der Verletzung des Anspruchs auf rechtliche s Gehör bereits aus diesem Grund ausser Betracht fällt. Bei dieser Sachlage ist auf di e weiteren formellen und materiellen Rügen der Beschwerdeführerin nicht weiter einzugehen. Die Be schwerde ist daher gutzuheissen und die Kündigungsverfügung vom 30. Juli 2015 aufzuheben. 5.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss auferlegt. Den Vorinstanzen wer- den keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Demzufolge werden im vorliegenden Verfahren keine Kosten erhoben. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800.-- zurückzuerstatten. 5.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei fü r den Beizug eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werden. En tsprechend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens ist der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung zulasten des Beschwerdegegners zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin ve rweist in ihrem Begleitschreiben zur Honorarnote darauf, dass ein weiteres Beschwerdeverf ahren zwischen denselben Parteien stattgefunden und sich eine klare Zuordnung der Leistung en in die entsprechenden Verfahren als schwierig erwiesen habe. Der in der Honorarnote vo m 21. Januar 2016 geltend gemachte Aufwand von 50 Stunden und 35 Minuten à Fr. 280.-- e rscheint deutlich überhöht. Aus der de- taillierten Auflistung ergibt sich, dass sowohl Leistungen vor Erhebung des kantonsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens (am 7. August 2015) als auch Leistu ngen, welche nicht im Zusammen- hang mit dem vorliegenden Verfahren erbracht wurden, geltend gemacht werden (etwa „Tel. an Herrn Imsan, Arbeitslosenkasse; “Rechtsabklärungen und Sc hlichtungsgesuch“; diverse E-Mails an Swica, Leistungen für aussergerichtliche Bemühu ngen auf gütliche Einigung etc.). Unter diesen Umständen kann das Zustandekommen des entsta ndenen Aufwands nicht ab- schliessend nachvollzogen werden. Dementsprechend ist di e Parteientschädigung ermessens- weise auf pauschal Fr. 8‘000.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) zu kürzen und dem Kantonsspi- tal aufzuerlegen. Damit hat das Kantonsspital Baselland der Beschwerdeführerin für das Ver- fahren vor Kantonsgericht eine reduzierte Parteientschä digung in der Höhe von insgesamt Fr. 8‘000.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) auszurichten. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Künd igungsverfügung des Kantonsspitals Baselland vom 30. Juli 2015 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800. -- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Das Kantonsspital Baselland hat der Beschwerdeführe rin für das Verfah- ren vor Kantonsgericht eine reduzierte Parteientschäd igung in der Höhe von Fr. 8‘000.-- (inkl. Auslagen und 8% MWSt) auszurichten. Präsidentin Gerichtsschreiberin