Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Oktober 2021 (720 21 61 / 278) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Auf das beweiskräftige Verwaltungsgutachten kann abgestellt werden. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1970 geborene A.____ war zuletzt seit 2003 im Teilzeitpensum (ca. 50-60%) als Raumpflegerin tätig. Seit November 2013 war sie bei der Job-Vermittlung X.____ zu einem 40%-Pensum auf Stundenbasis angestellt und führte in d er restlichen Zeit Reinigungsarbeiten in einem Privathaushalt aus. Am 19. Juli 2016 meldete sie sich unter Hinweis auf somatische und psychische Beeinträchtigungen, bestehend seit ungefäh r 2014, bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abkl ärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse verneinte die IV-Stelle des K antons Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung vom 11. Januar 2021 einen Anspruch auf eine Invalidenrente unter Hinweis auf ei- nen Invaliditätsgrad von 26%. B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertre ten durch Nicolai Fullin, Advokat, mit Eingabe vom 11. Februar 2021 Beschwerde beim Kanto nsgericht des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, die Ver- fügung der Beschwerdegegnerin vom 11. Januar 2021 sei aufzuheben und diese zu verpflich- ten, ihr eine Invalidenrente nach den gesetzlichen Besti mmungen, mindestens aber eine Vier- telrente, zu leisten. Eventualiter seien weitere medizin ische Abklärungen zum Gesundheitszu- stand und der Arbeitsfähigkeit durchzuführen und anschli essend erneut über den Rentenan- spruch gegenüber der Beschwerdegegnerin zu entscheiden; u nter o/e-Kostenfolge. Zur Be- gründung machte sie im Wesentlichen geltend, dass das vo n der IV-Stelle eingeholte bidiszipli- näre Gutachten in verschiedener Hinsicht nicht über den erforderlichen Beweiswert verfüge. In erwerblicher Hinsicht sei das Valideneinkommen anhand de r Angaben ihrer letzten Anstellung zu ermitteln, wobei der erzielte Stundenlohn auf ein 100%-Pensum hochzurechnen sei. Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens könne sodann nicht au f den Medianwert abgestellt wer- den. Dieses sei vielmehr anhand des unteren Quartilbereichs zu bestimmen. Schliesslich sei ihr ein leidensbedingter Abzug zu gewähren, womit insgesamt ein Invaliditätsgrad von deutlich über 40% resultieren würde. C. In ihrer Vernehmlassung vom 27. April 2021 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde, wobei sie dieser eine Stellungnahme von Dr . med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst beider Basel (RAD), vom 19. Februar 2021 beileg- te. Auf die Vorbringen der Parteien ist − soweit notwendig − in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern könn en (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindesten s 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindeste ns 40% invalid sind (lit. c). Bei ei- nem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht Anspru ch auf eine Viertelrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Ren te, bei einem Invaliditätsgrad von min- destens 60% auf eine Dreiviertelrente und bei einem I nvaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzug eltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstä nden kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundes- gericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturier- ten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatore n, die – unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerse its und von Kompensationspotentia- len (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich e rreichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrund- lage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu trag en hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 3. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintri tt der Invalidität und Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglied erungsmassnahmen durch eine ihr zu- mutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie n icht invalid geworden wäre. Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Unterva- rianten des Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 11 4 V 310 E. 3a) und der ausseror- dentlichen Methode (BGE 128 V 29). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, s owie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So führte das Bu ndesgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zwingende Gründe" von de n Einschätzungen des medizini- schen Experten abweicht, dessen Aufgabe es ist, seine Fachke nntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen (BGE 125 V 351 E. 3b/aa). Gleichwohl wie bei Gutachte n externer Spezialärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG ei ngeholt wurden und den Anforderun- gen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht insb esondere einem von ihm eingehol- ten Gerichtsgutachten vollen Beweiswert zuerkennen, sol ange "nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit" der Expertise sprechen (BGE 135 V 46 5 E. 4.4). Schliesslich lässt es die Natur des Begutachtungsauftrags eines amtlich bestellten fachmedizinischen Experten nicht zu (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b), ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anl ass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn andere Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gela ngen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen) . Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil beispielsweise die behandelnden Ärzte wichtige − und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation ent springende − Aspekte benennen, die im Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt g eblieben sind (Urteil des Bundesge- richts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5.1 Für die Beurteilung der vorliegenden Angelegenhe it sind im Wesentlichen die folgen- den Unterlagen von Relevanz: 5.2 Am 8. August 2016 diagnostizierten Dr. med. C.____ , FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, und M. Sc. D.____, Psychologin, eine chronische Sc hmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 45.41), eine leichte depressiv e Episode (ICD-10 F32.0) sowie Kontaktanlässe mit Bezug auf Kindheitserlebnisse: sexue ller Missbrauch (Z61) und Kontaktan- lässe mit Bezug auf die Erziehung (emotionale und ander e Formen der Vernachlässigung des Kindes [Z62], Feindseligkeit gegenüber dem Kind [Z62] , andere abnorme Erziehungsmerkmale [Z62]). Die Patientin würde seit vielen Jahren an ver schiedenartigen Schmerzen (Gelenk- schmerzen, Bauchschmerzen) und Migräneanfällen (2-3 Tage pro Monat) leiden. Seit einigen Monaten hätte sich die Schmerzsymptomatik verstärkt. Zusätzlich hätten sich depressive Symp- tome wie Affektlabilität, Antriebsverlust, Gedankenkreis en, Grübeln sowie eine erhöhte Er- schöpfbarkeit eingestellt. Die Patientin berichte auch v on verstärktem Schwitzen und innerer Unruhe. Aufgrund der schweren verschiedenartigen und l angjährigen Traumatisierungen der Patientin sowie des chronifizierten Verlaufs der Erkra nkung sei die Behandlung schwierig. Es könne aber davon ausgegangen werden, dass sich der Zust and in den nächsten drei bis sechs Monaten verbessere und die Arbeitsfähigkeit zumindest t eilweise wiederhergestellt werden könne. Dabei wurde ab Mitte August 2016 eine volle Ar beitsunfähigkeit in Bezug auf die ange- stammte Tätigkeit diagnostiziert. 5.3 Mit Zwischenbericht vom 12. Dezember 2016 stellten Dr. C.____ und M. Sc. D.____ die Diagnosen einer chronischen Schmerzstörung mit soma tischen und psychischen Faktoren (ICD-10 45.41), einer mittelgradigen depressiven Episo de (ICD-10 F32.1) sowie eines Ver- dachts auf eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-1 0 F43.1). Die Patientin sei vor eini- gen Monaten in den Kanton Basel-Landschaft in die Näh e ihrer Familie gezogen. Dieser Wech- sel scheine auf psychischer Ebene eine gewisse Dynamik ausge löst zu haben, wobei zahlrei- che Erlebnisse aus der Vergangenheit wieder verstärkt an die Oberfläche drängen würden. Vermutlich habe die Patientin eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt, welche sich im Verlauf immer stärker körperlich ausgeprägt und schliesslich in eine chronische Schmerzstö- rung umgewandelt habe. Die Patientin besitze dennoch se hr wertvolle Ressourcen sowie Ver- änderungs- und Arbeitsmotivation. Es sei die Weiterfüh rung der sozialpsychiatrischen Beglei- tung zu empfehlen. 5.4 Am 14. Januar 2017 erstattete Dr. med. E.____, F MH Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten zuhanden der Krankentaggeldve rsicherung. Zusammenfassend sei das klinische Bild mit einer chronifizierten Schmerzstö rung vereinbar. Diagnostisch bestehe in Kenntnis der Vorgeschichte und aufgrund des aktuellen Befunds am Vorliegen einer langjäh- rigen psychischen Störung kein Zweifel. Es handle sich m it hoher Wahrscheinlichkeit um eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fa ktoren (ICD-10 F45.1). Hin- weise für eine manifeste Depression würden sich gegenw ärtig nicht ausmachen lassen. Eine Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht solche lasse sich rückblickend aber nicht ausschliessen. Die dia gnostische Zuordnung sei in diesem Fall etwas schwer, zumal sich die Versicherte ihren Aussagen zufolge lediglich im Jahr 2003 für rund ein halbes Jahr in psychiatrische Behandlun g begeben habe. Vor dem Hinter- grund der Vorgeschichte könne man in Übereinstimmung mi t Dr. C.____ und M. Sc. D.____ den Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung äussern. Die Schmerzstörung stehe jedoch unstrittig im Vordergrund. Plausibel sei, dass eine langjährige und wiederholte Erfahrung von sexuellem Missbrauch und psychischer Erniedrigung den p sychodynamischen Hintergrund der Störung bilde. Es bleibe indessen offen, weshalb es im Frühsommer dieses Jahres zu einer Eskalation der gesundheitlichen Verfassung gekommen sei. Blicke man zurück, sei die Versi- cherte insoweit stabil gewesen, als dass sie bis vor rund e inem halben Jahr einer beruflichen Beschäftigung habe nachgehen können. Die Ausgangslage mit Blick auf die Arbeitsfähigkeit sei im Moment nicht abschliessend zu klären. Es sei davon auszugehen, dass es mithilfe von Rein- tegrationsmassnahmen möglich sein sollte, die Versicherte zumindest teilweise wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. 5.5 Im Rahmen eines weiteren Verlaufsberichts vom 27. N ovember 2017 diagnostizierten Dr. C.____ und M. Sc. D.____ die bekannte chronische Sch merzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 45.41) sowie einen Status na ch posttraumatischer Belastungs- störung (ICD-10 F43.1) und mittelgradiger depressiver Episode (ICD-10 F32.1). Die depressive Symptomatik habe sich deutlich gebessert. Die depressive Epi sode könne als remittiert be- zeichnet werden. Ebenso habe sich die posttraumatische Bel astungsstörung zurückgebildet. Die Patientin habe zudem in ihrer psychischen Entwicklung an Reifung und Selbstsicherheit gewonnen. Die Belastbarkeit im arbeitsbezogenen Kontext müsse aus körperlichen Gründen nach wie vor als sehr gering bis nicht vorhanden beurteilt werden. Die somatischen Schmerzen, die Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit sowie die zustandsabhängige Stabilität der Leis- tungsfähigkeit würden sie kaum für den ersten Arbeitsmarkt qualifizieren. 5.6 Mit Vorbescheid vom 15. Februar 2018 lehnte die I V-Stelle gestützt auf die vorstehend zitierte Aktenlage einen Rentenanspruch ab. 5.7 Im Rahmen des Einwandverfahrens gegen diesen Vorbe scheid gab die Versicherte eine Stellungnahme von Dr. C.____ vom 14. März 2018 zu den Akten. Dr. C.____ wies im We- sentlichen darauf hin, dass in den Akten durchaus somatische Beschwerden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit dokumentiert seien. Er könne sodann der Auffassung von Dr. E.____ folgen, wonach bei der Versicherten die Diagnose einer chronifizi erten Schmerzstörung im Vorder- grund stehe. Dabei würden diagnoseinhärent sowohl psyc hische als auch somatische Faktoren eine Rolle spielen. Den psychischen Faktoren werde eine w ichtige Rolle hinsichtlich Schwere- grad und Aufrechterhaltung der Schmerzen zugeschrieben, jedoch seien sie nicht die Ursache für deren Existenz. In der Praxis würden die Schmerzen i n verschiedenen Funktionsbereichen (sozial, beruflich) ein klinisch relevantes Leiden verursach en. Die Patientin sei in ihrer Leis- tungsfähigkeit und Belastbarkeit deutlich eingeschränkt . Sie sei nicht stabil genug, um länger- fristig auf dem ersten Arbeitsmarkt einsetzbar zu sein. Ko rrekt sei, dass eine deutliche Besse- rung der psychischen Symptomatik festzustellen sei und die noch zu Beginn gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung nicht mehr v orliege. Zu Behandlungsbeginn habe die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Patientin aber unstreitig die gemäss ICD-10 erforderli chen Kriterien für eine Depression erfüllt. Zusätzlich habe auch die psychopharmakologische Medikation ( Duloxetin) geholfen, zu einer Stabilisierung beizutragen. Nicht haltbar sei demnach d ie Aussage, wonach zu keinem Zeit- punkt eine relevante Depression bestanden habe. Er gehe aber insofern mit den Ausführungen im Vorbescheid einig, dass aufgrund der Depression keine Arbeitsunfähigkeit bestehe. Seit der Erstellung des Gutachtens durch Dr. E.____ sei sodann b ereits ein Jahr vergangen, weshalb der seitherige Verlauf angemessen berücksichtigt und begu tachtet werden sollte und eine er- neute Prüfung des Rentenanspruchs zu erfolgen habe. 5.8 In der Zeit vom 9. Mai 2018 bis 6. August 2018 erf olgte ein stationäres Konsil im Spital F.____, in dessen Rahmen auch ambulante Psychotherapiegespräche durchgeführt wurden. Im hierzu ergangenen Bericht vom 1. Oktober 2018 wurden e ine andauernde posttraumatische Persönlichkeitsveränderung (ICD-10 F62.0, F43.1), eine Zwangsstörung, vorwiegend Zwangs- handlungen (ICD-10 F42.1) und eine anhaltende somato forme Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) bei myofaszialem Schmerzsyndrom diagnostiziert. D ie Patientin leide unter den Symp- tomen Hyperarousal, Schlafstörungen mit Albträumen, Fla shbackerleben sowie Zwangshand- lungen in Form von Wasch-und Putzzwängen. Ausgelöst durch Trauma-Erinnerungen komme es zu körperlichen Schmerzen mit Anspannung und Angstsymp tomen. Selbstunsicherheit, Rückzugsneigung sowie Konzentrationsstörungen die als Folg e der Komplextraumatisierung und der Schlafstörung aufträten, würden zusätzlich kompl exe Handlungsabläufe erschweren. Daraus resultierten eine eingeschränkte Ausdauer- und Konzentrationsfähigkeit sowie ein ver- mindertes Durchhaltevermögen. Vor diesem Hintergrund s ei die Patientin auf längere Sicht nicht in der Lage, einer Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt nachzugehen. 5.9 Im Abklärungsbericht der Psychiatrie G.___ vom 11. Se ptember 2019 (ambulante Be- handlung vom 31. Mai 2019) wurden eine posttraumatisc he Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psych ischen Faktoren (ICD-10 F45.41) diagnostiziert. Die Patientin leide an einer schwergradigen posttraumatischen Belas- tungsstörung, ausgelöst durch familiäre und sexualisierte Gewalt innerhalb und ausserhalb der Familie während der Kindheit und Jugend. Die persönli chkeitsstrukturellen Defizite könne man mit der weiterhin vorhandenen PTPS-Symptomatik im Sin ne des ICD-11 als komplexe Trauma- folgestörung (kPTBS) klassifizieren. Die Diagnosen seien ausführlich mit der Patientin bespro- chen und ihr traumaspezifische Therapiemöglichkeiten auf gezeigt worden. Eine spezifische Traumatherapie mit stabilisierenden und konfrontativen Elementen könnte sich positiv auf die Belastung von Intrusionen, die innere Anspannung und d as Vermeidungsverhalten auswirken. In Bezug auf die strukturellen Defizite im Rahmen der Komplextraumatisierung mit Aspekten von Sinnverlust und resignativem Erleben würden die The rapieempfehlungen gelten, wie sie von psychodynamischer Seite niedergelegt worden seien. Hi erzu würde sich die Aufnahme ei- ner Traumatherapie bei einer Therapeutin mit entspre chender Expertise für komplextraumati- sierte Patientinnen anbieten. 5.10 Zur Abklärung des aktuellen Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versi- cherten holte die IV-Stelle ein Gutachten bei Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, und Dr. med. I.____, FMH Allgemeine Innere M edizin und Rheumatologie, ein, welches Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht am 29. April 2019 bzw. 27. September 2019 erstattet wurde. In diesem Gutachten diagnostizier- ten die Fachpersonen aus interdisziplinärer Sicht mit Au swirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Fakto ren (ICD-10 F45.41), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte E pisode (ICD-10 F33.0), eine leichtgra- dig ausgeprägte posttraumatische Belastungsstörung (ICD -10 F43.1) sowie ein generalisiertes myofasziales Schmerzsyndrom (ICD-10 M79.19) im Rahmen ei ner chronischen Schmerzstö- rung bei diskreten, nicht progredienten degenerativen V eränderungen der Hals- und Lenden- wirbelsäule sowie einer medial betonten Gonarthrose beidseits und einer deutlichen Retropatel- lararthrose beidseits mit Lateralisierung der Patella. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit wird u.a. eine Zwangsstörung (ICD-10 F42.1) aufgeführt. Im psychiatrischen Fachteil wurde hierzu festgehalten, d ass die Explorandin Schmerzen im ganzen Körper beklage und das Beschwerdebild diffus sei. D as Ausmass der geklagten Be- schwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, prakti sch nicht mehr arbeiten zu kön- nen, könne durch die somatischen Befunde nicht hinrei chend objektiviert werden, so dass eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Die Expl orandin sei seit Jahren belas- tet durch die sich ihr aufdrängenden Nachhallerinnerungen und die angstbesetzten Träume. Sie sei in ihrer Kindheit und Jugend jahrelang körperlich und sexuell misshandelt worden. Auf dem Hintergrund dieser Belastungen könne die psychische Überla gerung der geklagten Beschwer- den gesehen werden. Dabei sei aber zu erwähnen, dass die Explorandin den Haushalt selbst- ständig führe, zweimal täglich mit ihrem Hund unterweg s sei und regelmässig soziale Kontakte pflege. Die Explorandin leide seit Jahren unter depressi ven Verstimmungen. Sie leide unter einem verminderten Antrieb und einer erhöhten Ermüdb arkeit. Diagnostisch handle es sich um eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig lei chte Episode. Im Rahmen der Schmerzstörung und der depressiven Störung sei sie nun ve rmehrt mit Erinnerungen an die Missbrauchserfahrungen belastet. Die in den vorliegenden Akten diagnostizierte posttraumati- sche Belastungsstörung könne bestätigt werden, wobei die Symptome geringgradig ausgeprägt seien. Trotz des jahrelangen Missbrauchs habe die Explor andin eine 10-jährige Beziehung zu einem Mann geführt und sei zudem sechs Jahre verheiratet gewesen. Sie vermisse eine Bezie- hung nicht, sie fühle sich jetzt wohl alleine. Die Expl orandin sei auch nicht in vegetative Erre- gung geraten, als sie über die erlittenen Misshandlungen berichtet habe. Ferner zeige sie keine misstrauische Haltung der Welt gegenüber, keinen ausgepr ägten sozialen Rückzug, keine Ge- fühle der Leere oder Nervosität und sie fühle sich auch nicht entfremdet. Damit seien keine Symptome einer andauernden Persönlichkeitsveränderung fest stellbar. Die Zwangsstörung sei geringgradig ausgeprägt. Die Explorandin müsse jeden Morgen 15 Minuten heiss duschen und wasche sich circa zehnmal die Hände. Diese Zwänge würden keine Einschränkung der Arbeits- fähigkeit begründen. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, dass Einschrän- kungen aufgrund der depressiven Störung und der Schmerzst örung bestünden. Insgesamt be- stehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30% s owohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit. Es sei davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit in diesem Umfang seit Beginn der psychiatrischen Behandlung im Juli 2016 vermindert sei. Es fänden sich keine Hinweise für eine frühere langandauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Im rheumatologischen Fachgutachten wird zusammenfassend ausgeführt, dass sich das klini- sche Bild eines generalisierten myofaszialen Schmerzsyndroms im Rahmen einer Schmerzstö- rung mit somatischen und psychischen Faktoren finde. Die ses würde den somatischen Anteil des psychosomatischen Prozesses darstellen. Aus somatischer Sic ht würden diffuse my- otendinotische Verspannungen der axialen Muskulatur impo nieren, welche im Rahmen der Entwicklung der Schmerzstörung zu verstehen seien, da keine relevanten degenerativen Ver- änderungen im Bereich der gesamten Wirbelsäule (MRI vo m 28. Mai 2019) festzustellen seien. Im Übrigen fänden sich eine Reihe von diskreten degener ativen Veränderungen. So bestünden leichtgradige degenerative Veränderungen an einzelnen DIP-Gelenken der Hände im Rahmen einer beginnenden Polyarthrose der Hände sowie eine b eginnende rechtsseitige Coxarthrose, welche zu keiner klinisch manifesten Funktionseinschränku ng führen würden. Es würden sich keine Hinweise auf eine Progression dieser degenerativen Veränderungen und keine Anhalts- punkte für eine entzündliche Aktivierung zeigen. Im Ber eich der Kniegelenke bestünden eine mässiggradige medialbetonte Gonarthrose beidseits sowie Zeichen einer bilateralen Retropatel- lararthrose. Klinisch sei eine retropatellare Krepit ation bei passiver Verschiebung der Patella auszulösen, bei sonst normal erhaltener Beweglichkeit de r Kniegelenke in Flexion/Extension und ohne Zeichen einer entzündlichen Aktivierung diese r degenerativen Veränderungen bei fehlenden Hinweisen auf eine Überwärmung, Synovialiti s oder einen Gelenkerguss im Bereich beider Kniegelenke. Die Explorandin stehe aktuell trot zdem unter hochdosierten Opiaten (100mg Palexia 2x täglich) und NSAR (200mg Celebrex 2x t äglich), welche eigentlich keinen relevanten Einfluss auf die subjektiv beklagten diffusen Schmerzen ausüben könnten. Diese Diskrepanz zwischen dem klinisch stabilen Verlauf in Bezug auf die degenerativen Veränderun- gen am Bewegungsapparat und der therapeutischen Eskala tion mit Opiaten lasse sich aus so- matischer Sicht nicht erklären. Daraus könne gefolgert w erden, dass die psychogene Kompo- nente (Schmerzstörung) deutlich im Vordergrund stehe. Aufgrund des generalisierten myofaszi- alen Schmerzsyndroms bestehe einerseits ein erhöhter Pausen bedarf und andererseits eine Verlangsamung. Die Arbeitsfähigkeit in der angestam mten Tätigkeit betrage 75%. Eine körper- lich leichte bis höchstens mittelschwere wechselbelastende Tä tigkeit, ohne Notwendigkeit Las- ten über 10kg zu heben, zu tragen oder zu stossen und in die Hocke zu gehen, sei ihr voll- schichtig zumutbar. Im Rahmen ihrer Konsensbeurteilung gelangten die Gu tachter zur Auffassung, dass ab Juni 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 30% für jegliche Tät igkeiten bestehe. Die psychiatrischen Di- agnosen seien führend. Die rheumatologischen Diagnosen würden lediglich zu einer qualitati- ven Einschränkung der Leistungsfähigkeit für körperlich schwere Arbeiten führen, weshalb die Arbeitsunfähigkeit nicht zu addieren sei. Hierbei sei a uch zu berücksichtigen, dass es sich um den gleichen psychosomatischen Prozess handle. 5.11 Anlässlich des vorliegenden Beschwerdeverfahrens legt e die Beschwerdeführerin ei- nen Bericht von Dipl.-Psych. J.____, Eidg. anerkannte Psychotherapeutin, vom 4. Februar 2021 ins Recht. Diese diagnostizierte darin eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung (ICD- 10 F43.1) - andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0) und eine chronische Depression mit mittelgradig ausgeprägter Symptomatik, allenfalls teilremittiert. Die Patientin sei durch die frühen anhaltenden körper lichen und psychischen Traumatisierun- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung stark beeinträchti gt worden. Es hätten sich deutliche dysfunktionale Schemata herausgebildet. Die Kontaktfähi gkeit zu Dritten, die Gruppenfähigkeit und auch die Fähigkeit, familiäre bzw. intime Beziehu ngen zu pflegen seien schwer beeinträch- tigt. Auch das Verhältnis zum eigenen Körper sei schwer b eeinträchtigt, was sich in der Ten- denz zu Selbstverletzungen aber auch in den belastenden und selbstschädigenden Wasch- zwängen zeige. Die Fähigkeit zur Selbstfürsorge und -pf lege sei daher schwer beeinträchtigt. Es sei von einem chronischen Verlauf auszugehen, welcher zu einer zunehmenden und erheb- lichen Instabilität und damit zu einer deutlichen Redu ktion der Arbeitsfähigkeit geführt habe, so dass faktisch keine Arbeitsfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt bestehe. 5.12 Am 19. Februar 2019 nahm der RAD-Arzt Dr. B.___ _ zu den Vorbringen in der Be- schwerde Stellung. Die posttraumatische Belastungsstörung, einschliesslich der dazugehörigen Symptomatik, sowie auch die chronische Depression seien im Gutachten von Dr. H.____ aus- führlich beschrieben worden. Dabei sei den damit verbu ndenen Auswirkungen mit einer Ar- beitsunfähigkeit von 30% Rechnung getragen worden. H ierbei werde auch der fluktuierende Verlauf der depressiven Störung berücksichtigt, da eine l eichte depressive Episode in aller Re- gel keine wesentliche Arbeitsunfähigkeit begründen kö nne. Bei den von Dipl.-Psych. J.____ aufgeführten Tests (BDI und DES II) handle es sich um reine Selbstbeurteilungsverfahren zur syndromalen Diagnostik. Diese seien − obschon sie im Rahmen der Psychotherapie durchaus sinnvoll angewendet würden − im versicherungsmedizinischen Kontext zurückhaltend zu bewer- ten, da sie ausschliesslich auf subjektive Angaben und nich t auf objektive ärztliche Befunde abstützen würden. Die behandelnde Psychologin habe fern er im Sinne einer Gesamtbetrach- tung die Ressourcen nicht berücksichtigt. Die Erhebung de s vorhandenen Funktionsniveaus zeige keineswegs ein sozialer Rückzug in allen Lebenslagen und der innere und äussere Ord- nungszustand sei vorhanden. Auch die Ergebnisse aus de r Haushaltsabklärung, wonach keine Einschränkung im Haushalt bestehe, ergebe ein übereinst immendes Bild mit dem Gutachten. Unbestritten sei, dass die Versicherte aufgrund ihrer psyc hischen Belastung teilweise beein- trächtigt sei. Die von Dipl. Psych. J.____ beurteilte fa ktische Arbeitsunfähigkeit widerspreche indessen dem nachweislich vorhandenen Funktionsniveau. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Ar- beitsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf die E rgebnisse, zu denen die Gutachter Dres. H.____ und I.____ in ihrem Gutachten vom 29. Ap ril 2019 bzw. 27. September 2019 ge- langt waren. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Be schwerdeführerin im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns (Juni 2017) die Ausübun g einer leidensadaptierten körperlich leichten Tätigkeit, ohne Notwendigkeit Lasten über 10 kg zu heben, zu tragen oder zu stossen und repetitiv in die Hocke zu gehen bzw. zu knien, zu 70% zumutbar gewesen sei. 6.2 Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu bea nstanden. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Sp ezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien ge- gen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. E. 4.3 hiervor mit Hinweis auf Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Solche Indizien liegen keine vor. Das Gutachten ist insgesamt um- fassend und die darin dargelegten medizinischen Zusammen hänge sowie die jeweils vorge- nommenen Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und üb erzeugend. Die Gutachter haben die Versicherte persönlich untersucht, eine umfassende Anamnese erhoben und gehen einläss- lich auf ihre Angaben und Beschwerden ein. Sie setzen sich zudem fundiert mit den bei den Akten liegenden medizinischen Berichten auseinander und begründen abweichende Einschät- zungen in überzeugender Weise. 6.3 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen di e ausschlaggebende Beweiskraft des Gutachtens nicht in Frage zu stellen. 6.4.1 Die Beschwerdeführerin zweifelt die Beweistaugli chkeit des Gutachtens insofern an, als sie geltend macht, dass das der Expertise zugrundelieg ende Untersuchungsgespräch ledig- lich eine Stunde und zehn Minuten gedauert habe und folglich nicht ausreiche, um die lange Leidensgeschichte mit komplexer Symptomatik angemessen b eurteilen zu können. Diesbezüg- lich ist darauf hinzuweisen, dass es für den Aussagegehalt eines medizinischen Gutachte ns nicht auf die Untersuchungsdauer ankommt. Massgebend ist in erster Linie, ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2017, 8C_71/2017, E. 6 mit Hinweis). Wie h iervor dargelegt (vgl. E. 6.2), sind diese Voraussetzungen vorliegend erfüllt, zumal keine konkreten Hinweise bestehen, wonach sich die Untersuchungsdauer negativ in der Qualität und der Auss agekraft des Gutachtens niederge- schlagen hätte. Diesbezüglich gilt es auch zu berücksichtigen , dass sich die gutachterlichen Schlussfolgerungen nicht ausschliesslich auf die Befunder hebung anlässlich der Untersuchung stützten. Vielmehr erging die Beurteilung auch in Kenntnis und unter Einbezug sämtlicher medi- zinischer Akten, womit es dem Gutachter möglich war, auch die Entwicklung der gesundheitli- chen Beeinträchtigungen in die Beurteilung miteinzubeziehen. 6.4.2 Ferner macht die Beschwerdeführerin auf der Grun dlage des Berichts von Dipl.- Psych. J.____ vom 4. Februar 2021 geltend, dass entgegen den gutachterlichen Ausführungen keine Arbeitsfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt best ehe. Dipl.-Psych. J.____ diagnostiziere eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung, die ein en erheblichen Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit habe. Die Diagnose einer posttraumati schen Belastungsstörung finde sich auch im Bericht der Psychiatrie G.____ vom 11. September 201 9, worin noch weitere Befunde erho- ben würden, welche der Gutachter nicht erfasst habe. Es f inde sich im Gutachten keine Ausei- nandersetzung mit abweichenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte. Dem ist zunächst entgegenzuhalten, dass Dr. H.____ die bi s zum Gutachtenszeitpunkt vorlie- genden Berichte der involvierten medizinischen Fachpersone n allesamt bekannt waren. Dabei hat der Gutachter sich − entgegen den Darlegungen de r Beschwerdeführerin − mit den Diagno- sekriterien einer andauernden Persönlichkeitsänderung au seinandergesetzt und überzeugend dargelegt, weshalb er diese Diagnose nicht bestätigen könne. Gleichermassen verhält es sich in Bezug auf die Zwangsstörung (vgl. E. 5.10 hiervor) . Sodann führte er nachvollziehbar aus, weshalb er von einer geringgradigen Ausprägung der po sttraumatischen Belastungsstörung ausgehe, wenngleich er diese Diagnose bestätigen könn e. In pflichtgemässer Würdigung der Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht medizinischen Aktenlage fällt ferner auf, dass hinsichtli ch der rezidivierenden depressiven Stö- rung keine wesentlich divergierenden Einschätzungen durc h die involvierten Fachpersonen auszumachen sind. So hat Dr. C.____, bei welchem die V ersicherte im Zeitraum von Juli 2016 bis März 2018 in Behandlung gestanden hatte, bereits i n seinem Bericht vom 27. November 2017 einen Status nach mittelgradiger depressiver Episo de sowie einen Status nach posttrau- matischer Belastungsstörung erhoben. Hierzu führte er au s, dass die depressive Episode als remittiert bezeichnet werden könne und die posttraum atische Belastungsstörung sich zurück- gebildet habe. Auch auf diesen Umstand hat der Gutacht er im Rahm seiner Einschätzung hin- gewiesen. Im besagten Bericht vom 27. November 2017 be gründete Dr. C.____ die gleichwohl attestierte vollschichtige Arbeitsunfähigkeit vorwiegend mit der chronischen Schmerzstörung sowie insbesondere der somatischen Problematik (vgl. E. 5. 5 hiervor). Ferner bekräftigte er in seiner Stellungnahme zum Vorbescheid vom 14. März 2018 , dass die noch anfangs gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode nicht mehr vorliegen würde und daher kei- ne Arbeitsunfähigkeit begründe (vgl. E. 5.7 hiervor). Im Weiteren berichtete auch Dipl.- Psych. J.____ von einer teilweisen Zurückbildung der depre ssiven Symptomatik. In dem von der Beschwerdeführerin angerufenen Bericht der Psychiatr ie G.____ vom 11. September 2019 lassen sich sodann keine Ausführungen in Bezug auf die Arbeits(un)fähigkeit entnehmen. Was die Beurteilung von Dipl.-Psych. J.____ angeht, so ist m it der Beschwerdegegnerin festzuhal- ten, dass Dipl.-Psych. J.____ die subjektive Einschätzung der Versicherten massgeblich in die Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung miteinfliessen liess un d die vorhandenen Ressourcen dabei in keiner Weise gewichtete (vgl. auch RAD-Beurteilung vom 19. Februar 2019, E. 5.12 hiervor). Insgesamt vermögen diese Berichte jedenfalls keine hi nreichenden Zweifel an der Zuverlässig- keit und Schlüssigkeit des Gutachtens von Dr. H.____ zu begründen. Namentlich ist daraus sowie gestützt auf weitere Berichte nicht ersichtlich, wes halb der Versicherten eine leidens- adaptierte Tätigkeit nicht zu 70% zumutbar sein soll. 6.4.3 Insgesamt wäre allenfalls in Bezug auf einzelne Di agnosen sowie deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine vertiefende Auseinanderse tzung seitens des Gutachters wünsch- bar gewesen. Entscheidend ist indessen, dass Dr. H.____ seine Einschätzung in Kenntnis der gesamten Aktenlage und nach gut dokumentierter einge hender Erhebung eigener Befunde ab- gab . Aus einer Gesamtsicht heraus, namentlich unter Einbezug der übrigen fachmedizinischen Berichte sowie mit Blick auf die Ergebnisse des strukturier ten Beweisverfahrens, ist die attes- tierte Arbeitsunfähigkeit von 30% nachvollziehbar und üb erzeugend. Wie der RAD-Arzt Dr. B.____ in seiner Beurteilung vom 19. Februar 202 1 diesbezüglich zutreffend ausführte, wurde damit auch dem schwankenden Verlauf der depressive n Störung hinreichend Rechnung getragen, nachdem eine leichte depressive Episode in de r Regel keine wesentliche Arbeitsun- fähigkeit zu begründen vermag. 6.5 Wie bereits dargelegt (vgl. E. 6.2 hiervor), erfüllt a uch das rheumatologische Fachgut- achten von Dr. I.____ vom 27. September 2019 sämtliche Voraussetzungen, die das Bundes- gericht an eine beweistaugliche Beurteilungsgrundlage stellt. Es lassen sich weder dem Gut- achten noch weiteren medizinischen Unterlagen Hinweise e ntnehmen, die geeignet wären, Zweifel an den gutachterlichen Schlussfolgerungen zu b egründen. Die Beschwerdeführerin macht denn auch zu Recht keine Einwände in somatischer Hinsicht geltend. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Nach dem Gesagten kann hinsichtlich der Beurteilung der gesundheitlichen Verhältnis- se sowie der zumutbaren Arbeitsfähigkeit der Beschwerdef ührerin vollumfänglich auf die Er- gebnisse des überzeugenden bidisziplinären Gutachtens de r Dres. H.____ und I.____ vom 29. April 2019 bzw. 27. September 2019 abgestellt werden. Auf die von der Beschwerdeführerin beantragten zusätzlichen medizinischen Abklärungen kann ve rzichtet werden. Gelangt das Ge- richt bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergebe n und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf weitere Abklärungen verzichtet we rden. Eine solche antizipierte Beweis- würdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtspr echung zulässig (vgl. BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 90 E. 4b, 12 2 V 157 E. 1d, 119 V 335 E. 3c in fine mit Hinweisen). 8.1 Für die Beurteilung der strittigen Frage des Leist ungsanspruchs zu prüfen bleiben da- mit die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (vgl. E. 3 hiervor). Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Versicherte anlässli ch der Abklärung der Statusfrage im Haushaltsbericht vom 13. März 2020 (IV-act. 165) erklä rt hat, dass sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigung einer vollschichtigen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Folglich hat die Be- schwerdegegnerin den Invaliditätsgrad zu Recht nach der allgemeinen Methode des Einkom- mensvergleichs ermittelt, was auch von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet wird. 8.2.1 Unter dem Valideneinkommen ist jenes Einkommen zu verstehen, welches die versi- cherte Person im Zeitpunkt des Rentenbeginns aufgrund i hrer beruflichen Fähigkeiten und per- sönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesun- de tatsächlich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfol- gen. Entscheidend ist, was die versicherte Person als G esunde tatsächlich an Einkommen er- zielen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdienen kön nte (vgl. BGE 135 V 58 E. 3.1). Da nach empirischer Feststellung in der Regel die bisherig e Tätigkeit im Gesundheitsfall weiterge- führt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimm ung des Valideneinkommens grund- sätzlich der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigun g erzielte, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst ( BGE 139 V 28 E. 3.3.2). 8.2.2 Die Beschwerdegegnerin ermittelte das Validenei nkommen in Anwendung der Tabelle TA17, Sektor Fachkräfte Land- und Forstwirtschaft, Alterskategorie 30-49 Jahre, Spalte Frauen, der LSE 2016. Bei einem monatlichen Einkommen von Fr. 4’103.-- errechnete sie nach Anpas- sung dieses Betrags an die betriebsübliche wöchentliche Ar beitszeit von 42 Stunden im Zeit- punkt des frühestmöglichen Rentenbeginns ein Valideneinkommen von Fr. 51'698.--. 8.2.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, zur Ermi ttlung des Valideneinkommens sei der Stundenlohn einer ihrer letzten Teilzeitanstellungen in der Höhe von Fr. 30.-- auf ein Jahresein- kommen gemäss einem Vollzeitpensum hochzurechnen, mithi n ein Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 61'962.-- heranzuziehen. Dieser Auffassung kann nicht beigepflichtet werden. Die Beschwerdeführerin verkennt bei ihrer Argumentation, dass dies nur möglich wäre, wenn die Ausübung eine ihrer damaligen Teilzeitstellen ursprüng lich als Vollzeitstelle angedacht gewe- sen wäre und dies auch dem Willen des Arbeitgebers entspr ochen hätte. Hierfür lassen sich Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht den vorliegenden Akten indessen weder konkrete Indizien e ntnehmen noch werden solche von der Beschwerdeführerin geltend gemacht. Die Anwendung der LSE-Tabellenlöhne resultiert letztlich aus dem Umstand, dass die Versicherte bis zum Einri tt der gesundheitlichen Beein- trächtigung teilzeitlich erwerbstätig gewesen war, demge genüber aber in der Haushaltsabklä- rung nachvollziehbar erklärt hat, im hypothetischen Gesun dheitsfall vollzeitlich erwerbstätig zu sein. Das Vorgehen der IV-Stelle ist daher nicht zu beanstanden. 8.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist prim är von der beruflich- erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versich erte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit a us, bei der − kumulativ − besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, da ss sie die ihr verbleibende Arbeitsfä- higkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Ar- beitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gi lt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich er zieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt d es Gesundheitsschadens keine oder je- denfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigk eit aufgenommen hat, so können ins- besondere Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für S tatistik periodisch herausgegebe- nen Lohnstrukturerhebungen herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 mit Hinweis). 8.3.2 Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 70% in einer leidensadaptierten Tätigkeit hat die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Tabelle TA1, P rivater Sektor Total, Kompetenzni- veau 1, Spalte Frauen, der LSE 2016, ein Invalidenein kommen von Fr. 38’207.-- errechnet. Hinsichtlich der Ermittlung des Invalideneinkommens wen det die Beschwerdeführerin ein, dass hierfür nicht auf den Medianwert der LSE abgestellt werden könne, sondern dieses anhand des unteren Quartilbereichs zu bestimmen sei. Sie beruft si ch hierbei auf das Gutachten "Nutzung der Tabellenmedianlöhne LSE zur Bestimmung der Vergle ichslöhne bei der IV- Rentenbemessung" des Büros für Arbeits- und Sozialpoltische Studien (BASS AG) vom 8. Ja- nuar 2021 sowie das Rechtsgutachten "Grundprobleme der Invaliditätsbemessung in der Invali- denversicherung" von THOMAS GÄCHTER , PHILIPP EGLI , MICHAEL E. MEIER und MARTINA FILIPPO . Hintergrund bilden dabei namentlich die aus der BASS- Studie gewonnenen Erkenntnisse, wo- nach sowohl die Durchschnittslöhne (Mittelwert) als auch die Medianlöhne von Erwerbstätigen mit starken gesundheitlichen Einschränkungen ohne Invalidenrente im Vergleich zu den Löhnen von voll leistungsfähigen Erwerbstätigen oft tiefer (r und 10%) ausfallen. Die Löhne von erwerb- stätigen IV-Rentnerinnen und -Rentner fallen vergleichsweise noch tiefer aus. Diesbezüglich gilt es nun aber zu berücksichtigen, dass die Invaliditätsbeme ssung, wie sie von der Beschwerde- führerin vorgeschlagen wird, nicht der aktuellen Recht sprechung entspricht. Sodann fehlt es hinsichtlich der Lohneinbussen von gesundheitlich eingeschr änkten Personen an verlässlichen statistischen Zahlen, um eine zuverlässige (direkte) Korre ktur der Tabellenlöhne vorzunehmen. Hinzu kommt, dass die Löhne von gesundheitlich eingeschrä nkten Personen bereits in der LSE enthalten sind. Es ist nicht auszuschliessen, dass es infolg e der Erkenntnisse aus der BASS- Studie sowie angesichts der auf den 1. Januar 2022 in K raft tretenden IV-Revision zu einer Än- derung der Rechtsprechung kommen wird. Zum aktuellen Z eitpunkt besteht indessen kein An- lass, einer allfälligen Änderung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vorzugreifen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3.3 Was ein zusätzlicher leidensbedingter Abzug anbel angt, so gilt es auf die restriktive Rechtsprechung des Bundesgerichts zu verweisen, wonach un ter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, di e auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Juli 2020, 8C_151/2020, E. 6.2 mit Hinweis). Zu d iskutieren wäre allenfalls, ob die Erkennt- nisse aus der BASS-Studie ein gewichtiges Argument für die Berücksichtigung eines leidens- bedingten Abzugs darstellen könnten. Aufgrund der vor stehend dargelegten Gründe, nament- lich mangels verlässlicher statistischer Werte, findet sich f ür einen pauschalen Abzug in jedem Einzelfall jedenfalls keine Begründung. Für einen ents prechenden Abzug könnte im vorliegen- den Fall möglicherweise sprechen, dass die Beschwerdefü hrerin die attestierte Restarbeitsfä- higkeit von 70% nur noch in Form von leichten bis höchsten s mittelschweren wechselbelasten- den Tätigkeiten verwerten kann und daher fraglich ersch eint, ob die Leistungseinschränkung von 30% ihren gesundheitlichen Einschränkungen bereits ausreichend Rechnung trägt. Wie es sich damit im Detail verhält, braucht letztlich aber ni cht abschliessend beantwortet zu werden. Wie sogleich aufzuzeigen sein wird (vgl. E. 8.4 hiernach ), würde vorliegend selbst bei einem verhältnismässig hohen leidensbedingten Abzug von 10-15% kein rentenbegründender Invalidi- tätsgrad resultieren. 8.4 Aus der Gegenüberstellung der in der Verfügung vom 11. Januar 2021 berücksichtig- ten Vergleichseinkommen von Fr. 51'698.-- und Fr. 38' 207.-- ergibt sich der von der Beschwer- degegnerin ermittelte Invaliditätsgrad von 26%, was n ach dem Dargelegten nicht zu beanstan- den ist. Selbst unter Berücksichtigung eines leidensbedin gten Abzugs von 15%, resultierte, bei sonst unveränderten Verhältnissen, ein Invaliditätsgrad von gerundet 37% (vgl. zur Rundungs- praxis: BGE 130 V 121 ff.) und damit kein Anspruch auf eine Invalidenrente. 9. Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vo m 11. Januar 2021 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde somit abzuweisen. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Dem Ausgang des Verfahrens entspre- chend wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht