<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">348</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>64</b></span> <span class="ft4"><b>Gewinnungskosten bei selbständiger Erwerbstätigkeit; Warenlagerdrittel</b></span><br/> <span class="ft4"><b>(§ 36 Abs. 1 StG)</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Das sogenannte Warenlagerdrittel darf auf Vorräten von Handelswaren</b></span><br/> <span class="ft4"><b>gebildet werden, aber nicht auf Verbrauchsgütern. Bei den rund 24'000</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Junghennen eines Zuchtbetriebs handelt es sich um Handelsvieh. Die</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Verbuchung des Warenlagerdrittels ist zulässig.</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft6">vom 24. September 2015 in Sachen P. + C.G. (3-RV.2014.87).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">349</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent betreibt in selbständiger Erwerbstätigkeit die</span><br/> <span class="ft1">"Geflügelzucht X" in A.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">4.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent hat im Konto "1070 Warenlager" per</span><br/> <span class="ft1">31. Dezember 2009 unter anderem die folgenden Bestände erfasst:</span><br/> <span class="ft1">3010 Eier</span> <span class="ft1">1'695.75</span><br/> <span class="ft1">3100 Futter</span> <span class="ft1">10'030.10</span><br/> <span class="ft1">3110 Streue</span> <span class="ft1">4'730.90</span><br/> <span class="ft1">3120 Junghennen</span> <span class="ft1">113'622.20</span><br/> <span class="ft1">Zudem verbuchte er im Konto "1078 Rückstellung Warenlager"</span><br/> <span class="ft1">erfolgswirksam je rund ein Drittel des Warenbestandes:</span><br/> <span class="ft1">3010 Eier</span> <span class="ft1">595.75</span><br/> <span class="ft1">3100 Futter</span> <span class="ft1">3'030.10</span><br/> <span class="ft1">3110 Streue</span> <span class="ft1">1'530.90</span><br/> <span class="ft1">3120 Junghennen</span> <span class="ft1">37'622.20</span><br/> <span class="ft1">Das</span> <span class="ft1">Total</span> <span class="ft1">der</span> <span class="ft1">"Rückstellung</span> <span class="ft1">Warenlager"</span> <span class="ft1">beträgt</span><br/> <span class="ft1">CHF 42'778.95.</span><br/> <span class="ft1">Auf den weiteren im Konto "1070 Warenlager" aktivierten Vor-</span><br/> <span class="ft1">räten, wie insbesondere für Desinfektionsmittel, Hilfsmittel, Treib-</span><br/> <span class="ft1">stoffe, Heizöl und Packmaterial, wurden keine Rückstellungen ge-</span><br/> <span class="ft1">bucht.</span><br/> <span class="ft1">4.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Steuerkommission A. anerkannte die Rückstellung nicht</span><br/> <span class="ft1">und rechnete einen Betrag von CHF 42'778.00 auf. Sie führte aus,</span><br/> <span class="ft1">der Nachweis einer Handelstätigkeit sei nicht erbracht worden. So</span><br/> <span class="ft1">werde etwa beim Futter ein Aufwand von CHF 452'669.00 und ein</span><br/> <span class="ft1">Ertrag von nur CHF 27'399.00 (6 % des Aufwandes) ausgewiesen.</span><br/> <span class="ft1">Bei diesem Verhältnis könne nicht von einem Handelsbetrieb gespro-</span><br/> <span class="ft1">chen werden. Da auf Verbrauchsgütern eine Rückstellung in Form</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">350</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">des sogenannten Warenlagerdrittels nicht zulässig sei, könne diese</span><br/> <span class="ft1">vorliegend nicht gewährt werden (Einspracheentscheid).</span><br/> <span class="ft1">In Bezug auf die verbuchte Rückstellung auf dem Tierbestand</span><br/> <span class="ft1">äussert sich die Steuerkommission A. im Einspracheentscheid nicht.</span><br/> <span class="ft1">Hierzu findet sich in den Akten einzig die Aussage des Landwirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftsexperten des Kantonalen Steueramtes (LE KStA) an der Ver-</span><br/> <span class="ft1">handlung (...): "Auf Tieren kein Warenlagerdrittel".</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Beim sogenannten Warenlagerdrittel (oder Warendrittel) handelt</span><br/> <span class="ft1">es sich um eine in der Steuerpraxis unabhängig vom Nachweis der</span><br/> <span class="ft1">geschäftsmässigen Begründetheit akzeptierte Wertberichtigung auf</span><br/> <span class="ft1">Vorräten. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass es</span><br/> <span class="ft1">praktisch unmöglich ist, den tatsächlichen Rückstellungsbedarf in je-</span><br/> <span class="ft1">dem Einzelfall festzustellen. Zudem würde eine derart genaue und</span><br/> <span class="ft1">exakte Kontrolle einen unverantwortbaren Arbeitsaufwand bedeuten</span><br/> <span class="ft1">(StE 1985 B 23.44.2 Nr. 1). Die Verbuchung des Warenlagerdrittels</span><br/> <span class="ft1">wird auch im Kanton Aargau akzeptiert (VGE vom 24. Oktober 2013</span><br/> <span class="ft1">in Sachen F.C. [WBE.2013.142]; VGE vom 26. September 2012 in</span><br/> <span class="ft1">Sachen E. + E.T. [WBE.2012.92], beide mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Unbestritten ist, dass auf Verbrauchsgütern das Warenlagerdrit-</span><br/> <span class="ft1">tel nicht gebucht werden kann (vgl. auch AGVE 1996 S. 231).</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent hat im Jahr 2009 einen Erlös aus Eierverkäufen</span><br/> <span class="ft1">von CHF 202'867.11 und einen Aufwand "Eier" von CHF 146'567.31</span><br/> <span class="ft1">verbucht. Zweifellos liegt hier eine Handelstätigkeit vor und es ist</span><br/> <span class="ft1">nicht einzusehen, weshalb das Warenlagerdrittel verweigert werden</span><br/> <span class="ft1">soll. Die Rückstellung von CHF 595.75 ist anzuerkennen.</span><br/> <span class="ft1">4.4.</span><br/> <span class="ft1">Beim Futter verkauft der Rekurrent nur einen kleinen Teil der</span><br/> <span class="ft1">zugekauften Produkte (für CHF 452'669.04). Er verbraucht rund</span><br/> <span class="ft1">94 % für die Fütterung der Junghennen. Damit dienen die Vorräte an</span><br/> <span class="ft1">Futter per 31. Dezember 2009 weit überwiegend der Fütterung der</span><br/> <span class="ft1">eigenen Junghennen. Hier ist somit, obwohl in relativ kleinem Um-</span><br/> <span class="ft1">fang Handel mit Futter betrieben wird, nicht von einer Handelsware</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">351</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">auszugehen, sondern von Verbrauchsmaterial. Das verbuchte</span><br/> <span class="ft1">Warenlagerdrittel von CHF 3'030.10 ist aufzurechnen.</span><br/> <span class="ft1">4.5.</span><br/> <span class="ft1">Dasselbe wie für das Futter gilt bei der Streue. Bei Einkäufen</span><br/> <span class="ft1">für total CHF 5'910.25 und Wiederverkäufen im Wert von</span><br/> <span class="ft1">CHF 168.00 wird der weitaus grösste Teil selbst verbraucht. Es ist</span><br/> <span class="ft1">von Verbrauchsmaterial auszugehen und das gebuchte Warenlager-</span><br/> <span class="ft1">drittel von CHF 1'530.90 ist nicht zu gewähren.</span><br/> <span class="ft1">4.6.</span><br/> <span class="ft1">4.6.1.</span><br/> <span class="ft1">In Bezug auf den Tierbestand von 23'791 Junghennen mit einem</span><br/> <span class="ft1">Buchwert von CHF 113'622.20 ist vorab festzuhalten, dass diese ver-</span><br/> <span class="ft1">kauft werden sollen und es sich insofern um Handelsvieh handelt,</span><br/> <span class="ft1">und nicht um Nutzvieh. Diese sind als Handelsware des Geflügelbe-</span><br/> <span class="ft1">triebes X zu qualifizieren, was für eine Anerkennung des Waren-</span><br/> <span class="ft1">lagerdrittels spricht.</span><br/> <span class="ft1">Bei einem derart grossen Bestand an Vieh ist es praktisch</span><br/> <span class="ft1">unmöglich, für jedes Tier bzw. jede Herde an Junghennen den</span><br/> <span class="ft1">effektiven Rückstellungsbedarf korrekt zu ermitteln. Hinzu kommt,</span><br/> <span class="ft1">dass das Risiko von Verlusten aufgrund der Haltung (z.B. infolge von</span><br/> <span class="ft1">Krankheiten) viel grösser ist, als bei der Haltung einzelner oder</span><br/> <span class="ft1">weniger Tiere. Der Zweck der Anerkennung des pauschalen Warenla-</span><br/> <span class="ft1">gerdrittels ist also, obwohl es sich bei der Handelsware um Vieh han-</span><br/> <span class="ft1">delt, erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">Weiter kann auf die "Richtzahlen 2009 zur landwirtschaftlichen</span><br/> <span class="ft1">Buchhaltung" der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon</span><br/> <span class="ft1">ART verwiesen werden, die regelmässig zur Bewertung von Vieh he-</span><br/> <span class="ft1">rangezogen werden. Danach ist für Geflügel bei Beständen über 500</span><br/> <span class="ft1">Stück ein "vorsichtiger Marktwert" festzustellen. Dies wird mit der</span><br/> <span class="ft1">Inventarisierung der Junghennen zu den Produktionskosten und der</span><br/> <span class="ft1">Verbuchung des Warenlagerdrittels zweifellos erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">4.6.2.</span><br/> <span class="ft1">Einzugehen ist schliesslich auf die Bemerkung des LE KStA,</span><br/> <span class="ft1">wonach bei Vieh kein Warenlagerdrittel gebucht werden könne. Tat-</span><br/> <span class="ft1">sächlich hat das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau in einem</span><br/> <span class="ft1">Urteil vom 9. Mai 1984 (= StE 1985 B 23.44.2 Nr. 1) eine ent-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">352</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sprechende Erwägung der damaligen Steuerrekurskommission in ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Entscheid vom 29. Januar 1982 (ebenfalls abgedruckt in</span><br/> <span class="ft1">StE 1985 B 23.44.2 Nr. 1) geschützt. Die Steuerrekurskommission</span><br/> <span class="ft1">führte dort aus, dass gemäss § 41 Abs. 2 des damals geltend</span><br/> <span class="ft1">Steuergesetzes vom 17. Mai 1966 (aStG 1966) nur bei Waren die Be-</span><br/> <span class="ft1">wertung gemäss den Anschaffungs- oder Herstellungskosten festzu-</span><br/> <span class="ft1">setzen und den Verlustrisiken Rechnung zu tragen sei. Dagegen</span><br/> <span class="ft1">werde gemäss § 41 Abs. 1 aStG 1966 der Steuerwert der Viehhabe</span><br/> <span class="ft1">nach dem Mittel des Verkehrs- und des Schlachtwertes (sogenannter</span><br/> <span class="ft1">Einheitswert) festgesetzt. Dieser Einheitswert gelte unabhängig da-</span><br/> <span class="ft1">von, ob das Vieh zum Anlage- oder Umlaufvermögen gehöre. Des-</span><br/> <span class="ft1">halb könne das Warenlagerdrittel bei Vieh nicht geltend gemacht</span><br/> <span class="ft1">werden.</span><br/> <span class="ft1">Diese Erwägungen sind indes unter dem im Jahr 2009 geltenden</span><br/> <span class="ft1">Steuergesetz nicht mehr aktuell. Gemäss § 48 StG wird bewegliches</span><br/> <span class="ft1">Vermögen (ausser Wertschriften), das zum Geschäftsvermögen der</span><br/> <span class="ft1">steuerpflichtigen Person gehört, zu dem für die Einkommenssteuer</span><br/> <span class="ft1">massgeblichen Wert bewertet. Eine Unterscheidung zwischen Vieh,</span><br/> <span class="ft1">Waren und anderen Positionen wird nicht (mehr) gemacht. Insofern</span><br/> <span class="ft1">schliesst das StG beim Handelsvieh die Verbuchung und Gewährung</span><br/> <span class="ft1">des Warenlagerdrittels nicht aus.</span><br/> <span class="ft1">4.6.3.</span><br/> <span class="ft1">Insgesamt ist im vorliegenden Fall eines Geflügelhändlers mit</span><br/> <span class="ft1">einem grossen Bestand das Warenlagerdrittel auf dem Handelsvieh</span><br/> <span class="ft1">zu gewähren. Die verbuchte Rückstellung von CHF 37'622.20 ist</span><br/> <span class="ft1">anzuerkennen.</span><br/> <span class="ft1">4.7.</span><br/> <span class="ft1">In diesem Punkt erweist sich der Rekurs als teilweise begrün-</span><br/> <span class="ft1">det. Die Aufrechnung "Auflösung Warenlagerdrittel" ist von</span><br/> <span class="ft1">CHF 42'778.00 zu reduzieren um CHF 38'258.00 auf neu</span><br/> <span class="ft1">CHF 4'520.00.</span><br/></div> </div> </body> </html>