<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Jagdrecht</span> <span class="page_no">455</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Jagdrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>92 Jagdrevierverpachtung.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Der Bewerbung einer bisherigen Jagdgesellschaft kommt eine bevor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zugte Stellung zu.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Von der Pachtvergabe an die bisherige Jagdgesellschaft darf abge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wichen werden, wenn das bisherige Jagdverhältnis zu Problemen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>führte oder wenn die bisherige Jagdgesellschaft nicht (mehr) in der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Lage erscheint, die sich stellenden jagdlichen Aufgaben zu erfüllen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 15. Dezember 2010 i.S. Verein</span><br/> <span class="ft5">Jagdgesellschaft X gegen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und</span><br/> <span class="ft5">Umwelt (RRB Nr. 2010-001832)</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">2.</span><br/> <span class="ft7">2.1.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss § 4 Abs. 3 AJSG wird das Jagdrevier in der Regel an</span><br/> <span class="ft7">die bisherige Jagdgesellschaft verpachtet. Bewerben sich zwei oder</span><br/> <span class="ft7">mehr Jagdgesellschaften für ein Jagdrevier, wird diejenige Jagdge-</span><br/> <span class="ft7">sellschaft bevorzugt, welche die Erfüllung der jagdlichen Aufgaben,</span><br/> <span class="ft7">namentlich aufgrund der bisherigen Jagdausübung, ihrer Verbunden-</span><br/> <span class="ft7">heit mit dem Revier sowie ihrer Altersstruktur, besser gewährleistet.</span><br/> <span class="ft7">Der Regierungsrat führte in seiner Botschaft an den Grossen</span><br/> <span class="ft7">Rat zu § 4 AJSG insbesondere Folgendes aus (Botschaft 08.144 des</span><br/> <span class="ft7">Regierungsrats des Kantons Aargau an den Grossen Rat vom 21. Mai</span><br/> <span class="ft7">2008, fortan: Botschaft, S. 21):</span><br/> <span class="ft5">"Die Verpachtung erfolgt in der Regel an die bisherige Jagdgesell-</span><br/> <span class="ft5">schaft. Bei zwei und mehr Bewerbungen wird diejenige Jagdgesellschaft</span><br/> <span class="ft5">bevorzugt, welche die Erfüllung der jagdlichen Aufgaben besser gewähr-</span><br/> <span class="ft5">leistet. Beim Entscheid, der beschwerdefähig ist, werden namentlich die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">456</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Kriterien "bisherige Jagdausübung", "Verbundenheit mit dem Jagdrevier"</span><br/> <span class="ft5">und "Altersstruktur" berücksichtigt. Bei der letzten Verpachtung 2002 bis</span><br/> <span class="ft5">2010 gab es von 218 Jagdrevieren nur in drei Fällen mehr als eine Bewer-</span><br/> <span class="ft5">bung. Deshalb wird auch auf eine Versteigerung verzichtet."</span><br/> <span class="ft7">Während der 2. grossrätlichen Beratung der Vorlage führte der</span><br/> <span class="ft7">Vorsteher des BVU zur Detailberatung von § 4 Abs. 1 AJSG Folgen-</span><br/> <span class="ft7">des aus (Protokoll des Grossen Rats vom 24.</span> <span class="ft7">Februar 2010.</span><br/> <span class="ft7">Art. 2200. fortan: Protokoll GR, 2. Beratung AJSG, S. 4562, Votum</span><br/> <span class="ft7">Beyeler):</span><br/> <span class="ft5">"...Wir haben in Abs. 1 festgelegt, dass wir öffentlich ausschreiben;</span><br/> <span class="ft5">das heisst, jeder hat eine Chance entsprechend seiner Qualifikation. Die Kri-</span><br/> <span class="ft5">terien sind in Abs. 3 aufgegliedert. Wir regeln sogar in Abs. 3, dass in der</span><br/> <span class="ft5">Regel die bisherige Jagdgesellschaft zum Zuge kommt. Das ist ein Entge-</span><br/> <span class="ft5">genkommen. Es handelt sich somit nicht um ein freies Ausschreiben oder</span><br/> <span class="ft5">einen freien Wettbewerb. Wenn die Qualifikation der bisherigen Jagdgesell-</span><br/> <span class="ft5">schaft gut war, wird sie auch den Pachtzuschlag wieder erhalten."</span><br/> <span class="ft7">2.2.</span><br/> <span class="ft7">Zwischen Satz 1 und 2 von § 4 Abs. 3 AJSG besteht ein gewis-</span><br/> <span class="ft7">ses Spannungsverhältnis: In Satz 2 sind die zu berücksichtigenden</span><br/> <span class="ft7">Kriterien der Pachtvergabe bei zwei oder mehr Bewerbungen aus-</span><br/> <span class="ft7">drücklich aufgeführt und es wird bestimmt, dass der besseren Be-</span><br/> <span class="ft7">werbung (d.h. derjenigen Jagdgesellschaft, welche für Erfüllung der</span><br/> <span class="ft7">jagdlichen Aufgaben besser Gewähr bietet) der Vorrang gegeben</span><br/> <span class="ft7">werden soll. Demgegenüber bestimmt Satz 1 als Regel die Pacht-</span><br/> <span class="ft7">vergabe an die bisherige Jagdgesellschaft, ohne Bezug auf die in Satz</span><br/> <span class="ft7">2 genannten Kriterien zu nehmen. Während Satz 1 auf eine Be-</span><br/> <span class="ft7">vorzugung der bisherigen Jagdgesellschaft hindeutet, spricht Satz 2</span><br/> <span class="ft7">für die Wahl der am Besten geeigneten Gesellschaft. Nicht beant-</span><br/> <span class="ft7">wortet im Gesetz wird die Frage, wie mit diesem Spannungsverhält-</span><br/> <span class="ft7">nis umzugehen ist bzw. wie es zu lösen ist.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">Klar hervor geht (...) sowohl aus der Botschaft als auch aus den</span><br/> <span class="ft7">Beratungen im Grossen Rat (vgl. die Zitate in Erw. 2.1.), dass der</span><br/> <span class="ft7">bisherigen Jagdgesellschaft auch bei mehreren Bewerbungen eine</span><br/> <span class="ft7">bevorzugte Stellung zukommen soll. Die Kriterien gemäss § 4 Abs. 3</span><br/> <span class="ft7">Satz 2 AJSG sind deshalb bei einer sich bewerbenden bisherigen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Jagdrecht</span> <span class="page_no">457</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Jagdgesellschaft nicht ergebnisoffen zu bewerten, sondern der bis-</span><br/> <span class="ft7">herigen Jagdgesellschaft kommt ein Vorteil zu. Auf Grund dessen</span><br/> <span class="ft7">handelt es sich bei der öffentlichen Ausschreibung nicht um einen</span><br/> <span class="ft7">freien Wettbewerb, in welchem der materiell besseren Jagdgesell-</span><br/> <span class="ft7">schaft die Pacht vergeben werden müsste. Im Ergebnis führt dies da-</span><br/> <span class="ft7">zu, dass den bisherigen Jagdgesellschaften der Zuschlag zu geben ist,</span><br/> <span class="ft7">falls deren Leistungen gut waren bzw. zu keinen Bemängelungen</span><br/> <span class="ft7">Anlass gaben, selbst wenn eine andere Jagdgesellschaft noch bessere</span><br/> <span class="ft7">Gewähr für die Erfüllung der jagdlichen Aufgaben bieten würde (vgl.</span><br/> <span class="ft7">dazu das klare unwidersprochene Votum des Vorstehers BVU im</span><br/> <span class="ft7">Grossen Rat, Protokoll GR, 2. Beratung, S. 4562: "Wenn die Qualifi-</span><br/> <span class="ft7">kation der bisherigen Jagdgesellschaft gut war, wird sie auch den</span><br/> <span class="ft7">Pachtzuschlag wieder erhalten.").</span><br/> <span class="ft7">Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass von der Regel der</span><br/> <span class="ft7">Pachtvergabe an die bisherige Jagdgesellschaft abgewichen werden</span><br/> <span class="ft7">darf, wenn das bisherige Pachtverhältnis zu Problemen führte oder</span><br/> <span class="ft7">wenn die bisherige Jagdgesellschaft nicht (mehr) in der Lage er-</span><br/> <span class="ft7">scheint, die sich stellenden jagdlichen Aufgaben zu erfüllen</span><br/> <span class="ft7">(vgl. dazu auch § 4 Abs. 4 AJSG).</span><br/></div> </div> </body> </html>