A bteilung II B -7404/2006 {T 0/2} U rte il v o m 9 . O k to b e r 2 0 0 7 R ichter D avid Aschm ann (Vorsitz), R ichterin M aria Am gw erd, R ichterin Vera M arantelli, G erichtsschreiberin Barbara Aebi. X._______, vertreten durch Frau D r. R enata Kündig, Beschw erdeführerin, gegen Eidgenössisches Institut für G eistiges Eigentum , Vorinstanz. Schutzverw eigerung gegenüber der Internationalen M arkeneintragung IR 832'599 N EW W AVE. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l B esetzung P arteien G egenstandB -7404/2006 Sachverhalt: A . G estützt auf eine norw egische Basiseintragung vom 22. M ärz 1984 w urde die W ortm arke IR 832'599 N EW W AVE am 5. April 2004 unter anderem m it Schutzanspruch für das G ebiet der Schw eiz im Internati- onalen R egister eingetragen und am 14. O ktober 2004 von der O rgani- sation M ondiale de la Propriété Intellectuelle dem Eidgenössischen In- stitut für G eistiges Eigentum (Vorinstanz) m itgeteilt. D ie M arke ist für "Vêtem ents de prêt-à-porter pour hom m es et fem m es; chaussures" in Klasse 25 registriert. B . M it Schreiben vom 27. Septem ber 2005 erliess die Vorinstanz, m it Be- zug auf alle eingetragenen W aren, eine vorläufige Schutzverw eigerung für das G ebiet der Schw eiz gegen diese M arke. Sie führte zur Begrün- dung aus, dass die M arke einen M usik- und Kleiderstil der Siebziger Jahre bezeichne. D er Begriff "N ew W ave" sei allgem ein bekannt, zähle zum G rundw ortschatz des D urchschnittskonsum enten und w erde als direkter H inw eis auf einen bestim m ten Kleiderstil und Look verstan- den. D ie M arke bezeichne darum unm ittelbar die N atur und den Style der W aren, für die sie beansprucht w erde. Sie sei nicht unterschei- dungskräftig und für den G ebrauch durch M itbew erber freizuhalten. C . M it Schreiben vom 9. Februar 2006 bezeichnete die Beschw erdeführe- rin eine in der Schw eiz niedergelassene Vertreterin, die die Einschät- zung der Vorinstanz bestritt. "N ew W ave" sei zw ar eine Bezeichnung für gew isse R ockm usikstile der Siebziger Jahre. In der Ü bersetzung "N ouvelle Vague" bezeichne sie auch eine Stilrichtung des französi- schen Film s der Fünfziger Jahre. D urchschnittlichen Schw eizer Konsu- m enten, nam entlich den jungen, sei dies jedoch unbekannt. Als M usik- und Kleiderstil sei "N ew W ave" zudem ungenügend bestim m t. N ie- m and w ürde, angesichts der rasch w echselnden M ode, in einer M arke für Bekleidungsstücke und Schuhw aren eine Bezeichnung für einen Stil des zw anzigsten Jahrhunderts erw arten. D ie Bezeichnung sei des- halb nicht unm ittelbar beschreibend, sondern als M arke zulässig. D . D ie Vorinstanz hielt m it Schreiben vom 9. M ai 2006 an ihrer Einschät- zung fest. "N ew W ave"-M usik sei durch bekannte Pop-Bands w ie D e- S eite 2B -7404/2006 peche M ode und Joy D ivision bis heute populär geblieben. D ie be- kannte M odedesignerin Vivienne W estw ood w erde m it der Bezeich- nung "W ave" in Verbindung gebracht. Es sei darum anzunehm en, dass die m assgebenden Schw eizer Konsum enten die Bezeichnung kennten. "N ew W ave"-Bands pflegten einen typischen Kleiderstil in Form von synthetischen Anzügen m it Achselpolstern und dünnen Kravatten zu tragen, den die M arke deshalb unm ittelbar beschreibe. E. M it Schreiben vom 5. Juli 2006 hielt die Beschw erdeführerin an ihrer Ansicht fest. F. M it Verfügung vom 4. O ktober 2006 erklärte die Vorinstanz die vollum - fängliche, definitive Schutzverw eigerung der M arke. G . D ie Beschw erdeführerin erhob gegen diese Verfügung am 1. N ovem - ber 2006 Beschw erde an die Eidgenössische R ekurskom m ission für geistiges Eigentum ("R KG E") und beantragte: 1. D ie Verfügung des Eidgenössischen Instituts für G eistiges Eigentum vom 4. O ktober 2006 sei aufzuheben. 2. D as Institut sei anzuw eisen, der IR -M arke 832'599 N EW W AVE den Schutz in der Schw eiz für säm tliche beanspruchten W aren der Klasse 25 zu gew ähren; Eventualiter: D as Institut sei anzuw eisen, der IR -M arke 832'599 N EW W AVE den Schutz in der Schw eiz für folgende W aren der Klasse 25 zu gew ähren: Vêtem ents de prêt-à-porter pour hom m es et fem m es, chaussures, à savoir chem ises, chem ise-blouses, tee-shirts, sweat-shirts, chandails, chem ises polo, m aillots, débardeurs, tricots (vêtem ents), pull-overs, cardigans, survêtem ents de sport, pantalons de survêtem ent, sous-vêtem ents, shorts, pantalons, vestes, gilets, blazers, jupes, casquettes. 3. U nter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung führte die Beschw erdeführerin aus, w eder m it der Be- deutung eines M usikstils noch als Kleiderstil zähle der Begriff "N ew W ave" in der Schw eiz zum Allgem einw issen. W erde das Zeichen m it M arken w ie "2U R IC H ", "SW ISSW O R LD " oder "STU D EN TIS" vergli- chen, w elche die Vorinstanz für Kleider und Schuhe eingetragen hat und deren Bezug zu diesen W aren m it w eniger Fantasieaufw and ver- ständlich w erde, m üsse es m indestens als G renzfall zum Schutz zuge- lassen w erden. S eite 3B -7404/2006 H . M it Verfügung vom 15. N ovem ber 2006 w urde die Angelegenheit per 1. Januar 2007 an das Bundesverw altungsgericht überw iesen. I. M it Vernehm lassung vom 15. D ezem ber 2006 beantragte die Vorin- stanz die Abw eisung der Beschw erde im H aupt- und Eventualstand- punkt unter Kostenfolge. J. M it Verfügung vom 18. Januar 2007 bestätigte das Bundesverw al- tungsgericht die Ü bernahm e des Verfahrens. K . Eine Parteiverhandlung w urde nicht durchgeführt (A rt. 40 Abs. 1 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. D as Bundesverw altungsgericht ist zur Beurteilung von Beschw erden gegen Verfügungen der Vorinstanz in R egistersachen zuständig (A rt. 31, 32 und 33 Bst. d VG G ). D as vorliegende Verfahren w urde am 1. Januar 2007 von der Eidgenössischen R ekurskom m ission für geisti- ges Eigentum übernom m en (A rt. 53 Abs. 2 VG G ). D ie Beschw erde w urde in der gesetzlichen Frist von A rt. 50 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021) am 1. N ovem ber 2006 eingereicht und der verlangte Kosten- vorschuss rechtzeitig geleistet. D ie Beschw erdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und durch den Entscheid beschw ert (A rt. 48 Vw VG ). Auf die Beschw erde ist deshalb einzutre- ten. 2. Innerhalb eines Jahres ab M itteilung einer Internationalen M arkenre- gistrierung kann die Vorinstanz erklären, dass sie dieser M arke den Schutz in der Schw eiz verw eigere (Entscheid der R KG E in sic! 2006, 31 Schm uckkäfer). Sie m uss dafür einen oder m ehrere in der Pariser Ü bereinkunft zum Schutz des gew erblichen Eigentum s, revidiert in Stockholm am 14. Juli 1967 (PVÜ , SR 0.232.04) erw ähnten G rund an- S eite 4B -7404/2006 geben (A rt. 5 Abs. 1 des Protokolls vom 27. Juni 1989 zum M adrider Abkom m en über die internationale R egistrierung von M arken, M M P, SR 0.232.112.4). D ie M arke IR 832'599 N EW W AVE w urde der Vorin- stanz am 14. O ktober 2004 notifiziert und m it Schreiben vom 27. Sep- tem ber 2005 beanstandet. D ie Jahresfrist w urde som it gew ahrt. 3. Als Zurückw eisungsgrund kann die Vorinstanz angeben, dass die M ar- ke jeder U nterscheidungskraft entbehre oder ausschliesslich aus Zei- chen oder Angaben zusam m engesetzt sei, die im Verkehr zur Bezeich- nung der A rt, der Beschaffenheit, der M enge, der Bestim m ung, des W erts, des U rsprungsorts der Erzeugnisse oder der Zeit der Erzeu- gung dienen könnten oder im allgem einen Sprachgebrauch oder in den redlichen und ständigen Verkehrsgepflogenheiten des Schutz- lands üblich seien (A rt. 6quinquies Bst. b Ziff. 2 PVÜ ). D iesen G rund hat die Vorinstanz unter H inw eis auf den inhaltlich übereinstim m enden Tat- bestand von A rt. 2 Bst. a des M arkenschutzgesetzes vom 28. August 1992 (M SchG , SR 232.11), der Zugehörigkeit zum "G em eingut", ange- rufen. Lehre und Praxis zu dieser N orm können dam it herangezogen w erden. 4. N ach A rt. 2 Bst. a M SchG sind Zeichen, die G em eingut sind, vom M ar- kenschutz ausgeschlossen, es sei denn, dass sie sich im Verkehr für die W aren oder D ienstleistungen durchgesetzt haben, für die sie bean- sprucht w erden. Zum G em eingut zählen unter anderem die auch in A rt. 6quinquies Bst. b Ziff. 2 PVÜ erw ähnten Zeichen oder Angaben, die spezifische M erkm ale (A rt, Beschaffenheit, M enge, Bestim m ung usw .) der entsprechenden Produkte bezeichnen. Ein solches Zeichen oder eine solche Angabe m uss nach ständiger R echtsprechung direkt auf die W are oder D ienstleistung hinw eisen und ohne Zuhilfenahm e der Fantasie verstanden w erden, um zum G em eingut zu zählen (BG E 128 III 450 f. E. 1.5 Prem ière, BG E 129 III 228 E. 5.1 M asterpiece). D ie Be- urteilung ist aus der Sicht der angesprochenen Abnehm erkreise dieser W aren oder D ienstleistungen vorzunehm en (BG E 128 III 451 E. 1.6 Prem ière, BG E 116 II 611 f. E. 2c Fioretto). Auch englische Ausdrücke können G em eingut sein, falls sie von einem erheblichen Teil der Ab- nehm erkreise verstanden w erden (BG E 129 III 228 E. 5.1 M asterpie- ce, BG er in sic! 2004, 401 f. E. 3.1-3.2 D iscovery Travel & Adventure C hannel). S eite 5B -7404/2006 5. D ie M arke der Beschw erdeführerin w ird für Konfektionsbekleidung für M änner und Frauen und für Schuhw aren beansprucht. Sie richtet sich m it beiden W arenkategorien an das erw achsene, breite Publikum . Aus dessen Sicht ist die M arke darum zu beurteilen (EU G EN M AR BAC H , D ie Verkehrskreise im M arkenrecht, sic! 2007, S. 5). 6. D ie M arke besteht aus zw ei englischen W örtern, näm lich dem Adjektiv "new " ("neu"), das in schw eizerischen Abnehm erkreisen von Beklei- dungsstücken und Schuhw aren aus der W erbesprache bekannt ist, und dem w eniger bekannten Substantiv "W ave" ("W elle", "W inken", "Schw ingung"). D ie Abfolge der W örter entspricht der im Englischen (und auch im D eutschen) üblichen Kom bination von Adjektiv und Sub- stantiv, so dass die W örter im Verständnis der D urchschnittskonsu- m entin oder des D urchschnittskonsum enten ohne W eiteres aufeinan- der bezogen w erden. Auch w er "N ew W ave" nicht versteht, w ird "new " als Adjektiv zu "w ave" interpretieren. "To w ave" ("w inken") dient in der englischen Sprache auch als Verb, doch w ird "W ave" in der angem el- deten M arke w egen dieser W ortabfolge nicht als Verb, sondern als Substantiv interpretiert. W er die Bedeutung dieser W örter kennt, w ird die M arke darum m it "neue W elle", "neues W inken" oder "neue Schw ingung" übersetzen. 7. D ie Vorinstanz stützt ihre Zurückw eisung der M arke nicht auf diese w örtliche Ü bersetzung, sondern auf eine Bedeutung von "N ew W ave" als Bezeichnung eines M usik- und Kleiderstils von M usikbands der Achtziger Jahre. Sie m acht geltend, dass der "N ew W ave"-Stil bis heu- te populär geblieben sei, w eshalb die Schw eizer Konsum enten seine Bedeutung auch heute noch kennen und unter Kleidern und Schuhen, die m it "N ew W ave" gekennzeichnet sind, solche dieser M oderichtung erw arten w ürden. D ie Beschw erdeführerin bestreitet diese Einschät- zung insbesondere m it dem Vorbringen, dass die Vorinstanz zum Be- w eis ihrer Behauptung nur vier "Zufallsfunde" auf ausländischen W eb- seiten vorgelegt habe. O ffenbar habe sie keine schw eizerischen W eb- seiten finden können. Auf den Internetauszügen sei "N ew W ave" zu- dem nur m arginal erw ähnt, w eshalb kein verbreitetes Allgem einw issen in Bezug auf die Bezeichnung "N ew W ave" als Kleiderstil unter Schw eizer D urchschnittskonsum entinnen und -konsum enten bew iesen sei. D ieser W ürdigung w iderspricht die Vorinstanz in ihrer Vernehm las- S eite 6B -7404/2006 sung. Sie führte aus, um der M arke die Eintragung zu verw eigern ge- nüge es, dass die einschlägigen Fachkreise sie als beschreibenden H inw eis auf einen M odestil verstünden. D arum könne offen bleiben, ob der durchschnittlichen Käuferschaft der Begriff "N ew W ave" bekannt sei. 8. D er Begriff "N ew W ave" dient seit M itte der Siebziger Jahre des Zw an- zigsten Jahrhunderts zur Bezeichnung bestim m ter R ichtungen populä- rer M usik, die sich nach dem Aufkom m en der R ockm usik entw ickelten. "N ew W ave" stand zunächst für eine "N eubew ertung der R ockm usik", "das am erikanische G egenstück zum britischen Punk R ock" (PETER W IC KE, W IELAN D & KAI-ER IK ZIEG EN R Ü C KE R , H andbuch der populären M usik, M ainz 2007, S. 490). Ab 1977 w urde das W ort dann von der M usikin- dustrie als Sam m elbegriff für unterschiedliche populäre M usikstile ver- m arktet, deren G em einsam keit vor allem darin bestand, dass sie den gesellschaftskritischen R ockstil im itierten, sich von diesem aber durch konform ere Texte, Klänge, M elodien und Kostüm e gleichzeitig distan- zierten. "N ew W ave" bezeichnet also keinen einheitlichen M usikstil und w urde nicht von den betreffenden Bands und Sängern selbst, sondern von der M usikindustrie, Schallplattenvertrieben und R adiosendern, verw endet. "N ew W ave w ar der Versuch der M usikindustrie, Punk ge- genüber der am erikanischen H örerschaft in friedlicherer Form neu ein- zupacken" (BR IAN C O G AN , Encyclopedia of Punk M usic and C ulture, W estport U SA 2006, S. 137). Er "definierte sich als Verkaufskonzept, bei dem es unerheblich w ar, aus w elchen sozialen und nationalen Zu- sam m enhängen die G ruppen eigentlich kam en" (W IC KE /ZIE G EN R Ü C KER , H andbuch, S. 491 f., vgl. auch AND Y M ED H U R ST, W hat did I get?, in: R o- ger Sabin (H rsg.), Punk R ock: so w hat?, London 1999, S. 221). 9. H eute w ird "N ew W ave" als Bezeichnung für bestim m te A rten von Pop- m usik offenbar selten verw endet. W eder in R eclam s alphabethischer "Basis-D iskothek R ock und Pop" (U W E SC H Ü TTE , Stuttgart 2004) noch im alphabetischen N achschlagew erk "The rough G uide to Punk" (AL SPIC ER , London 2006) besteht ein Eintrag dafür. D ie Beschw erdeführe- rin w eist zurecht darauf hin, dass der Ausdruck auch w eder im deut- schen R echtschreibe-D uden noch im "D uden D eutsches U niversalw ör- terbuch" (3. Aufl., M annheim 1996) erw ähnt ist. Zum W ortschatz der durchschnittlichen Käuferschaft von Erw achsenenbekleidung und Schuhw aren zählt der Begriff darum offenbar nicht. Tonträger m it Titeln S eite 7B -7404/2006 w ie "80's N ew W ave H its" sind allerdings nach w ie vor im H andel er- hältlich. Es ist deshalb, w ie die Vorinstanz zu R echt anführt, davon auszugehen, dass die Bezeichnung in den betreffenden Fachkreisen nach w ie vor im m usikhistorischen Sinne verstanden w ird. 10. Allerdings ergeben sich aus der zitierten Literatur keine genügenden H inw eise darauf, dass "N ew W ave" auch einen hinreichend definierten Kleiderstil beschreibe. Für Fachkreise von Bekleidungsstücken gilt dar- um in Bezug auf "N ew W ave" nicht dasselbe w ie für Fachkreise von Tonträgern. Von der Vorinstanz vorgelegte Auszüge aus populärw is- senschaftlichen W ebseiten behaupten zw ar in allgem einen W orten, dass ein Bezug zu einem gew issen Kleiderstil bestehe ("N ew W ave w as the new punk. This w as fashion w ith all the aggressiveness and m enace of punk..."). D och w ird diese Behauptung durch die erw ähnte Fachliteratur nicht bestätigt. Zw ischen den über hundert Bands der Siebziger und Achtziger Jahre, die später als "N ew W ave" verm arktet w urden, bestand die G em einsam keit, dass sie sich von der R ockm usik unterschieden. Eine eigenständige Bedeutung als Kleiderstil hätte sich für den m usikhistorischen Begriff "N ew W ave" aber erst dann entw i- ckelt, w enn die entsprechenden G ruppen sich durch bestim m te Beklei- dungsm erkm ale von den in anderen M usikstilen üblichen Bekleidun- gen deutlich unterschieden. Schw arze Anzüge m it Schulterpolstern, ob aus W olle oder Kunstfaser, w erden auch von M usikern anderer Stil- richtungen verw endet und erfüllen diese Voraussetzung darum nicht. Zw ar w ird M usik häufig m it optischen Effekten und nam entlich ausge- suchter Bekleidung kom biniert. Bezeichnungen von M usikstilen lassen darum gew öhnlich ohne Zuhilfenahm e der Fantasie einen Bezug zur entsprechenden M usik erw arten. D as genügt aber nicht, um die Eintra- gung der M arke zu verw eigern. Zum G em eingut zählt eine solche Be- zeichnung erst, w enn der Bezug auch in einem beschreibenden Zu- sam m enhang m it den gekennzeichneten W aren oder D ienstleistungen steht. Zurecht hat die Vorinstanz zum Beispiel die W ortm arken JAZZ (C H 374'098), BLU ES (C H P-302'754), FR EE SO U L (C H P-423'741) und M O D ER N SO U L (C H 505'848) für Bekleidungsstücke eingetragen, da m an bei derart gekennzeichneten Bekleidungsstücken keine be- stim m te und typische Beschaffenheit oder G estaltung erw artet. D as- selbe gilt auch für die M arke N EW W AVE. D em gegenüber können Be- zeichnungen von M usikstilen unm ittelbar beschreibend sein und zum G em eingut zählen, w enn sie, w ie zum Beispiel der in typischen Kostü- S eite 8B -7404/2006 m en getanzte "Flam enco", eine hinreichend definierte Bekleidung er- w arten lassen. 11. D am it ist w eiter zu prüfen, ob der Begriff "N ew W ave" unabhängig von seiner m usikalischen Bedeutung, also in der Ü bersetzung "neue W el- le", "neues W inken" oder "neue Schw ingung" (E. 6), für Bekleidungs- stücke beschreibend ist. M it diesen Bedeutungen kann die M arke auf zw ei A rten verstanden w erden, näm lich entw eder als sachliche Be- zeichnung einer neuen Produktelinie oder als anpreisende Aussage: Als Beschrieb einer Produktelinie ist der Begriff unbestim m t und viel- deutig. Produktelinien w erden in der R egel nicht als "W ellen" bezeich- net. W ie im Bundesgerichtsentscheid "Sw issline" lässt sich "N ew W ave" darum keine hinreichend bestim m te Sachbedeutung beilegen. Ihre Vieldeutigkeit ruft vielm ehr eine "gew isse Perplexität" hervor, die, w ie in jenem Entscheid, für ihre Eintragung genügt (BG er in sic! 1999, 30 E. 4 Sw issline). Zu den beschreibenden Angaben zählt die R echtsprechung auch Be- griffe, die sich in einer anpreisenden Bedeutung erschöpfen, insbeson- dere reklam ehaft den Zw eck oder N utzen der W aren beschreiben, sich als Slogans anpreisend über das eigene U nternehm en äussern oder auf w erbende A rt die G efühle der Käuferschaft beim G enuss der W a- ren beschreiben (R KG E in sic! 2007, 181 Enjoy m it w eiteren H inw ei- sen). Eine solche Q ualifikation setzt ebenfalls einen unm ittelbaren und engen Bezug zu den gekennzeichneten W aren voraus. D ieser könnte vorliegend höchstens in der optischen Ähnlichkeit zw ischen einem sich bauschenden Kleidungsstück und der Form einer W elle gesehen w er- den. Indessen ist fraglich, ob und m it w elcher Bedeutung "W ave" von D urchschnittskonsum enten von Bekleidungsstücken überhaupt ver- standen w ird (vgl. E. 6). D ie Vorstellung eines "w ellenförm igen", ge- bauschten Kleids ist darum hypothetisch. Es kann nicht gesagt w er- den, dass die M arke sich ohne Zuhilfenahm e der Fantasie in einer ge- radezu anpreisenden Bedeutung erschöpfe. Auch unter diesem Aspekt ist "N ew W ave" darum unterscheidungskräftig oder zum indest ein G renzfall, der deshalb einzutragen und der Beurteilung durch den Zi- vilrichter zu überlassen ist (BG E 129 III 229 E. 5.3 M asterpiece, BG E 130 III 332 E. 3.2 Sw atch). S eite 9B -7404/2006 12. D ie Beschw erde ist dam it in ihrem H auptstandpunkt gutzuheissen, so dass sich eine Prüfung des Eventualbegehrens erübrigt. D ie Vorin- stanz ist anzuw eisen, der M arke den Schutz für das G ebiet der Schw eiz zu gew ähren. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der ge- leistete Kostenvorschuss der Beschw erdeführerin zurückzuerstatten, und es ist ihr zulasten der Vorinstanz eine angem essene Parteient- schädigung zuzusprechen. 13. D ie G erichtsgebühren sind nach U m fang und Schw ierigkeit der Streit- sachen, A rt der Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien festzulegen (A rt. 63 Abs. 4bis Vw VG , A rt. 2 Abs. 1 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). Bei M arkeneintra- gungen geht es um Verm ögensinteressen. D ie G erichtsgebühr bem isst sich folglich nach dem Streitw ert (A rt. 4 VG KE). D ie Schätzung des Streitw ertes hat sich nach Lehre und R echtsprechung an Erfahrungs- w erten aus der Praxis zu orientieren, w obei bei eher unbedeutenden Zeichen grundsätzlich ein Streitw ert zw ischen Fr. 50'000.00 und Fr. 100'000.00 angenom m en w erden darf (BG E 133 III 492 E. 3.3 m it w eiteren H inw eisen). Von diesem Erfahrungsw ert ist auch im vorlie- genden Verfahren auszugehen. Es sprechen keine konkreten Anhalts- punkte für einen höheren oder niedrigeren W ert der strittigen M arke. D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen, Ziff. 1 der Verfügung vom 4. O kto- ber 2006 w ird aufgehoben, und die Vorinstanz w ird angew iesen, der M arke IR 832'599 N EW W AVE den Schutz für das G ebiet der Schw eiz vollum fänglich zu gew ähren. 2. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. D er geleistete Kostenvor- schuss von Fr. 2'500.-- w ird der Beschw erdeführerin zurückerstattet. 3. D ie Vorinstanz hat die Beschw erdeführerin für das erstinstanzliche und das Beschw erdeverfahren m it Fr. 3'000.-- zu entschädigen. S eite 10B -7404/2006 4. D ieses U rteil geht an: - die Beschw erdeführerin (G erichtsurkunde) - die Vorinstanz (R ef-N r. IR 832'599 N EW W AVE; G erichtsurkunde) - das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartem ent (A-Post; zur Kenntnis) D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: D avid Aschm ann Barbara Aebi R echtsm ittelbelehrung: G egen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschw erde in Zivilsachen geführt w erden (A rt. 72 Abs. 2 Bst. b Ziff. 2, 90 ff. und 100 des Bundesgerichts- gesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). D ie R echtsschrift hat die Begehren, deren Begründung m it Angabe der Bew eism ittel und die U nterschrift zu enthalten. D er angefochtene Entscheid und die Bew eis- m ittel sind, sow eit sie der Beschw erdeführer in H änden hat, beizule- gen (vgl. A rt. 42 BG G ). Versand: 16. O ktober 2007 S eite 11