Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. September 2017 (735 16 393 / 246) ____________________________________________________________________ Berufliche Vorsorge Bindungswirkung an IV-Entscheid bei berufsvorsorgespezifischen Revisionsgründen verneint. Sachlicher Kausalzusammenhang bei sich mittlerweile veränderten psychi- schen Beschwerden zwischen der ursprünglich noch während der Versicherungsde- ckung eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der aktuellen Invalidität bejaht. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Kläger , vertreten durch Mustafa Ates , Advokat , Advokatur ATES & SIGIRCI, Steinentorstrasse 39, 4051 Basel gegen Pensionskasse B.____ , Beklagte Betreff Invalidenrente A. Der 1968 geborene A.____ war seit dem 2. März 1 992 bei der B.____ als Magaziner angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Pensio nskasse B.____ (PK) vorsorgerechtlich ver- sichert. Am 23. Dezember 1995 erlitt er einen Verke hrsunfall, bei dem er sich eine Distorsion und Stauchung der Halswirbelsäule (HWS) sowie ein leichtes Schädelhirntrauma zuzog. Seither ist der Versicherte vollständig arbeitsunfähig. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 8. Mai 1997 meldete sich der Versicherte bei der eidgenössischen Invalidenversi- cherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse, namentlich nach Eingang eines psychiatrischen Gutachtens von Dr. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, sprach ihm die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Ver- fügung vom 3. Dezember 1998 gestützt auf einen IV-Grad von 100% ab 1. Dezember 1996 eine ganze IV-Rente zuzüglich entsprechender Zusatzrenten für die Ehefrau sowie Kinderrenten für seine drei Kinder zu. Die PK richtete dem Versicherten daraufhin entsprechende Rentenleistun- gen der beruflichen Vorsorge aus. C. In den Jahren 2000 und 2006 erfolgte durch die IV eine revisionsweise Überprüfung der ursprünglich zugesprochen IV-Rente. Im Rahmen des zweiten Revisionsverfahrens holte die IV- Stelle hierfür insbesondere ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 12. September 2006 ein, welches dem Versicherten nebst den bereits bekannten Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsst örung und einer mittelschweren depressiven Episode zusätzlich einen Verdacht auf akzentuie rte narzisstische und impulsive Persönlichkeitszüge attestierte. Gestützt auf diese Ergeb nisse gelangte die IV-Stelle mit Mittei- lung vom 8. November 2006 zum Ergebnis, dass dem Versicherten aufgrund eines unveränder- ten Gesundheitszustands weiterhin eine ganze IV-Rente auszurichten sei. D. Nachdem die PK im Rahmen der Überprüfung ihrer Le istungen festgestellt hatte, dass der Versicherte auch von der Unfallversicherung monatlich e Rentenleistungen erhalten hatte, teilte sie ihm mit Schreiben vom 31. März 2010 mit, dass infolge Überversicherung ab 1. Januar 2010 neu lediglich noch Anspruch auf eine Rente der PK im Umfang von Fr. 362.20 pro Monat bestehe. Zwecks rückwirkender Prüfung dieser neuen Situati on würden die Leistungen bis auf weiteres ausserdem gänzlich eingestellt. Mit Einigung vom 18. August 2010 vereinbarte die PK mit dem Versicherten in der Folge eine Rückzahlung zuvor zu Unrecht ausgerichteter Leistun- gen in Form von monatlichen Zahlungen von Fr. 1‘000.—. E. Im Verlaufe des Jahres 2010 wurde gegen den Versicher ten aufgrund des Verdachts des gewerbsmässigen Betrugs ein Strafverfahren eröffnet. Gestützt auf diesen Umstand sistier- te die IV-Stelle mit Verfügung vom 29. November 2010 per sofort sämtliche Rentenleistungen. In der Folge teilte die PK dem Versicherten mit Schre iben vom 2. Dezember 2010 mit, dass sie vom eröffneten Strafverfahren Kenntnis erhalten habe. Dies habe zur Folge, dass der Versi- cherte keinen Anspruch mehr auf ihre ohnehin schon seit Mä rz 2010 sistierten Leistungen ha- be. Anlässlich der Hauptverhandlung entschied das Strafge richt des Kantons Basel-Landschaft am 6. Mai 2013, ein polydisziplinäres Gutachten über d en Gesundheitszustand des Versicher- ten bei der E.____ einzuholen. Dieses erging am 31. D ezember 2014 und diagnostizierte beim Versicherten eine Persönlichkeitsstörung mit narzissistischen und emotional-instabilen Anteilen. Dieser sei vollständig arbeitsunfähig. An dieser Einschä tzung hielten die Gutachter der E.____ mit Ergänzungsbericht vom 30. September 2015 fest. Die Staatsanwaltschaft stellte daraufhin am 24. Mai 2016 das gegen den Versicherten wegen Versicherungsbetrug eingeleitete Strafver- fahren ein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. In der Folge hob die IV-Stelle die seit 29. Novem ber 2010 bestehende Sistierung ihrer Rentenleistungen wieder auf und stellte mit Verfügung vom 28. September 2016 fest, dass ge- stützt auf einen IV-Grad von 100% weiterhin Anspruch a uf eine ganze IV-Rente bestehe. Diese Rentenverfügung erging in Kopie an die PK, nachdem die IV-Stelle die PK bereits am 16. Juni 2016 aufgefordert hatte, dem Versicherte die ihm zusteh ende Rente der beruflichen Vorsorge gestützt auf einen IV-Grad von 100% wieder weiterhin auszurichten. G. Am 21. Juni 2016 forderte der Versicherte die PK a uf, die Sistierung der IV-Rente und der entsprechenden Kinderrenten aufzuheben und ihm weiterhin die gesetzlich sowie reglemen- tarisch geschuldeten Leistungen rückwirkend per 31. März 20 10 auszurichten. Die PK teilte dem Versicherten daraufhin am 29. September 2016 mit, dass die Leistungen nicht wieder auf- genommen würden, weil das ursprüngliche Leiden, welch es zur erstmaligen Berentung geführt habe, nicht mehr bestehe. Mit Schreiben vom 20. Oktob er 2016 bestritt der Versicherte diese Vorbringen und machte geltend, dass die heute vorherrsch ende Persönlichkeitsstörung keines- wegs als neue Ursache zu verstehen sei. Ein sachlicher Zusamm enhang sei nach wie vor ge- geben. Die PK hielt am 16. November 2016 an ihrer abweisenden Haltung fest. H. Am 29. November 2016 erhob der Versicherte Klage b eim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Ver treten durch Advokat Mustafa Ates beantragte er, es sei die PK zu verpflichten, ihm aus dem Vorsorgeverhältnis gemäss den ge- setzlichen und reglementarischen Bestimmungen eine ganze IV-Rente sowie entsprechende Kinderrenten basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit vo n 100% ab 1. April 2010 zuzüglich Ver- zugszins von 5% seit 1. April 2010 zu bezahlen. Die PK se i ausserdem zu verpflichten, den Kläger auf den frühestmöglichen Zeitpunkt von der Beit ragspflicht zu befreien, alles unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung liess der Kläger zusammengefasst geltend machen, dass die Be- klagte an den IV-Entscheid vom 28. September 2016 gebunden sei, wonach ihm eine ganze IV- Rente zustehe. Nebst einem zeitlichen Konnex sei darübe r hinaus auch der sachliche Zusam- menhang zu bejahen. Sein Unfall im Jahre 1995 stelle die Ursache respektive den Auslöser für die heute vorliegende psychische und neurologische Erkranku ng mit der Folge einer vollen Ar- beitsunfähigkeit dar. Insbesondere das Gutachten der E.____ dokumentiere, dass die heute als zentral einzustufende Persönlichkeitsstörung sich erstmal ig als eine Folge des 1995 erlittenen Unfalls manifestiert habe und das Krankheitsgeschehen be reits während des Vorsorgeverhält- nisses geprägt habe. Die nunmehr vorherrschende Persönlichke itsstörung könne im Vergleich zur früher diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung und Depression heute deshalb nicht als eine neue Ursache verstanden werden. Folglich l iege keine Unterbrechung des sachli- chen Zusammenhanges vor. I. Die Beklagte schloss mit Klagantwort vom 9. Januar 2 017 unter o/e-Kostenfolge auf Abweisung der Klage. Zur Begründung brachte sie im W esentlichen vor, dass bei berufsvorsor- gespezifischen Revisionsgründen keine Bindungswirkung an de n IV-Entscheid bestehe. Dies gelte insbesondere, wenn wie im vorliegenden Fall ein Wechsel der Invaliditätsursache zu beur- teilen sei, welcher nur berufsvorsorgerechtlich, nicht aber IV-rechtlich von Relevanz sei. Die posttraumatische Belastungsstörung und die mittelgradige depressive Episode, welche zur erstmaligen Berentung des Klägers geführt hätten, sei en gemäss dem Gutachten der E.____ Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht mehr nachweisbar. Dafür werde nunmehr eine kom binierte Persönlichkeitsstörung diag- nostiziert. Wann diese Störung genau ein Ausmass erreicht habe, welche von berufsvorsorge- rechtlicher Bedeutung sei, könne von den Gutachtern je doch nicht exakt beurteilt werden. An- hand der vorliegenden Akten könne aber mit Bestimmthei t festgehalten werden, dass dies zu einem Zeitpunkt geschehen sein müsse, in dem der Kläge r nicht mehr bei der Beklagten versi- chert gewesen sei. Es fehle deshalb sowohl an einem sachlichen als auch zeitlichen Konnex. Auf die übrigen Vorbringen der Parteien ist soweit n otwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Nach Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufli che Alters- und Hinterlasse- nen- und Invalidenversicherung (BVG) vom 25. Juni 1982 so wie § 54 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist für die Beur- teilung der vorliegenden Streitigkeit über die Ansprü che einer versicherten Person gegenüber einer Vorsorgeeinrichtung der beruflichen Vorsorge das Kantonsgericht zur Beurteilung sachlich zuständig. Gemäss Art. 73 Abs. 3 BVG gilt als Gerichtsstand der schweizerische Sitz oder Wohnsitz der beklagten Partei oder der Ort des Betriebs , bei dem die versicherte Person ange- stellt worden war. Letzterer befindet sich im Kanton B asel-Landschaft. Damit ist das hiesige Kantonsgericht für die Beurteilung der gegen die Bekla gte erhobenen Klage auch örtlich zu- ständig. Auf die im Übrigen formgerecht eingereichte Klage ist demnach einzutreten. 2.1 Der gerichtlichen Beurteilung in vorsorgerechtliche n Streitigkeiten sind grundsätzlich jene Verhältnisse zu Grunde zu legen, wie sie sich bis zum Erlass des kantonalen Gerichtsur- teils verwirklicht haben (BGE 130 V 78 E. 1.2). Vorlieg end ist allerdings ein Sachverhalt zu be- urteilen, der sich teilweise noch vor der am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Neufassung von Art. 23 BVG verwirklicht hat. Weil der Rechtsstreit ein e Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig entschieden worden ist, ist entsprechend den allgemeinen intertemporal- rechtlichen Regeln für die Zeit bis Ende 2004 auf den noch zuvor geltenden Art. 23 BVG und anschliessend auf Art. 23 lit. a BVG in der ab 1. Janu ar 2005 geltenden Fassung abzustellen (BGE 130 V 445). 2.2 Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Versich erten auf eine Invalidenrente aus dem Vorsorgeverhältnis mit der Beklagten ab 1. April 20 10. Nach Art. 23 BVG in der bis Ende Dezember 2004 geltenden Fassung haben Personen Anspruc h auf Invalidenleistungen, die im Sinne der IV zu mindestens 50% invalid sind und bei Ein tritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursa- che zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Gemäss d er am 1. Januar 2005 in Kraft getre- tenen Neufassung von Art. 23 lit. a BVG haben Personen Anspruch auf Invalidenleistungen der beruflichen Vorsorge, die im Sinne der IV bereits zu mindestens 40% invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Art. 26 Abs. 1 BVG in der bereits seit 1. Januar 1988 geltende n Fassung bestimmt, dass für den Be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ginn des Anspruchs auf IV-Leistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des IVG gelten. 2.3 Art. 30 des Vorsorgereglements der PK bestimmt sowo hl in den ab 1. Januar 2008 als auch zuvor ab 1. Januar 2005 geltenden Fassungen, dass e ine versicherte Person, die von der IV als invalid anerkannt wird, auch bei der Beklagten a ls invalid gilt, sofern sie beim Eintritt der Arbeitsfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführ t hat, bereits bei ihr versichert war. Vorbe- halten bleiben gemäss Satz 2 derselben Bestimmungen off ensichtlich unhaltbare Verfügungen der IV. Gemäss Art. 31 Ziffern 1 und 3 ihres Vorsorge reglements 2008 bzw. gemäss Art. 30 Ziffern 1 und 2 des Vorsorgereglements 2005 beginnt d er Anspruch auf eine IV-Rente der PK mit dem Anspruch auf eine Rente der IV. Für die Best immung des IV-Grads der PK ist sodann der IV-Grad der IV massgebend. Unbesehen des Vorbehalts in Satz 2 von Art. 30 Vorsorgereg- lement 2005 und 2008 geht die Beklagte mit diesen For mulierungen somit offensichtlich vom gleichen Invaliditätsbegriff aus wie die IV. 3. Die obligatorische Versicherung beginnt mit dem Antr itt des Arbeitsverhältnisses (Art. 10 Abs. 1 BVG). Die Versicherungspflicht endet, wenn der A nspruch auf eine Altersleistung ent- steht, das Arbeitsverhältnis aufgelöst oder der Mindestlohn unterschritten wird (Abs. 2). Für das Risiko der Invalidität bleibt der Arbeitnehmer sodann w ährend eines Monats nach Auflösung des Vorsorgeverhältnisses bei der bisherigen Vorsorgeeinr ichtung versichert, ausser wenn während dieser Zeit ein neues Vorsorgeverhältnis begrü ndet wird (Abs. 3). Infolge des dem Kläger von der IV ab 1. Dezember 1996 zugesprochenen Ren tenanspruchs bringt die Beklagte grundsätzlich zu Recht vor, dass der Kläger Ende November 1996 aus der aktiven Versiche- rung ausgetreten sei. In diesem Zusammenhang gilt es je doch zu präzisieren, dass für die Be- endigung der Versicherung gemäss Art. 10 Abs. 2 lit. b B VG die zivilrechtlichen Regeln betref- fend die Auflösung des Arbeitsverhältnisses massgebend sind. Vorliegend stand der Kläger den Akten zufolge noch bis Ende Oktober 1998 in einem Arbei tsverhältnis für die B.____ (Bestäti- gung B.____ vom 30. Januar 2006, IV-Dok 13). Zumal di e Versicherung gemäss Art. 6 Ziffer 1 des von der Beklagten eingereichten Versicherungsreglem ents 2008 (vgl. Beilage 1 zur Klagantwort) erst dann endet, wenn das Arbeitsverhältn is aus einem anderen Grund als Invali- dität, Altersrücktritt oder Tod aufgelöst wird (vgl. eb enso Art. 9 des zuvor geltenden Versiche- rungsreglements 2005 der PK), bestand unter Berücksichti gung der einmonatigen Nachde- ckungsfrist gemäss Art. 10 Abs. 3 BVG mithin eine Versiche rungsdeckung bis 30. November 1998. 4.1 Praxisgemäss sind die Vorsorgeeinrichtungen im Berei ch der gesetzlichen Mindestvor- sorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsun- fähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Inval iditätsgrades) gebunden, soweit die Vorsorgeeinrichtung spätestens bei der Verfügungseröffnung ins IV-Verfahren einbezogen wur- de (BGE 130 V 270 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts vom 13. August 2007, B 88/06, E. 4.2), die konkrete Fragestellung für die Beurteilung des Ren tenanspruchs gegenüber der Invaliden- versicherung entscheidend war und sich die invalidenversich erungsrechtliche Betrachtungswei- se aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erweist (BGE 133 V 67 E. 4.3.2, 126 V 310 f. E. 1). Unterbl eibt ein solches Einbeziehen der Vorsorge- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht einrichtung, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich, masslich und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1, Urteil des Bundesge- richts vom 21. Februar 2012, 9C_327/2011, E. 4.1). 4.2 Die Beklagte macht vorliegend nicht geltend, dass di e Verfügung der IV-Stelle vom 28. September 2016, mit welcher dem Kläger gestützt au f einen IV-Grad von 100% weiterhin eine ganze IV-Rente zugesprochen worden war, offensicht lich unhaltbar ausgefallen wäre. Sie bringt jedoch vor, dass bei berufsvorsorge-spezifischen Revisionsgründen so oder anders keine Bindungswirkung an den Entscheid der IV bestehen würde. Dieser Ansicht ist mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung beizupflichten. Die Vor sorgeeinrichtung kann ihre Leistun- gen dann einstellen, wenn aus spezifisch vorsorgerechtliche n, nicht notwendigerweise auch für einen IV-Rentenanspruch relevanten Gründen grundsätzlic h kein Anspruch mehr auf ihre Leis- tungen besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Juni 2 015, 9C_869/2014, E. 2.1). In diesem Entscheid verweist das Bundesgericht auf einen weiteren Entscheid 9C_604/2014 vom 31. März 2015. In dessen Erwägung 3.3 hält das Bundesg ericht fest, dass eine autonome An- passung oder Einstellungsmöglichkeit der Vorsorgeeinrich tung insbesondere dann zu bejahen sei, wenn diese einen fehlenden engen sachlichen oder zeitlichen Konnex zwischen der wäh- rend der Versicherungsdauer eingetretenen Arbeitsunfä higkeit und der aktuell festgestellten Invalidität geltend macht. Nicht anders verhält es sich im hier vorliegenden Fall. Die Beklagte beruft sich darauf, dass die heute im Vordergrund stehende Persönlichkeitsstörung des Klägers eine neue Ursache bilde, welche mit der vormals diagnosti zierten posttraumatischen Belas- tungsstörung und der mittelgradigen depressiven Episode, aufgrund welcher die ursprüngliche Berentung überhaupt erfolgt sei, nicht mehr identisch und deshalb insbesondere der sachliche Konnex nicht mehr gegeben sei. Der seitens des Klägers vert retenen Auffassung, wonach aus- nahmslos von einer grundsätzlichen Bindungswirkung an den Entscheid der IV auszugehen sei, kann im Lichte dieser Rechtsprechung daher nicht gefol gt werden. Es ist nachfolgend somit anhand der vorhandenen medizinischen Akten frei zu prüfen, ob und allenfalls ab wann ein zeit- licher und sachlicher Konnex hinsichtlich des der Invaliditä t des Klägers zu Grunde liegenden Gesundheitsschadens aus berufsvorsorgerechtlicher Sicht zu verneinen ist. 5.1 Invalidenleistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, durch welche die ansprec hende Person bei Eintritt der Ar- beitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert war (Art. 23 lit. a BVG; BGE 135 V 13 E. 2.6). Dieser Grundsatz findet auch in der weitergehenden Vorsorge Anwen- dung, wenn Reglement oder Statuten nichts anderes vorse hen (BGE 136 V 65 E. 3.2). Für die Bestimmung der Leistungszuständigkeit ist eine erhebliche und dauerhafte Einbusse an funkti- onellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Auf gabenbereich massgebend. Diese muss mindestens 20% betragen (BGE 134 V 20 E. 3.2.2). Es wird zwar in der Regel, nicht aber in jedem Fall zwingend eine echtzeitlich ärztlich attestie rte Arbeitsunfähigkeit zum rechtsgenüg- lichen Nachweis einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungs- vermögen verlangt (Urteile des Bundesgerichts vom 11. Jun i 2008, 9C_96/2008, E. 3.2.2 und vom 11. Februar 2008, B 152/06, E. 6.3). Immerhin re ichen nachträgliche Annahmen und spe- kulative Überlegungen, wie etwa eine erst nach Jahren r ückwirkend festgelegte medizinisch- theoretische Arbeitsunfähigkeit nicht aus (Urteil des B undesgerichts vom 11. September 2008, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9C_368/2008, E. 2 mit Hinweisen). Die gesundheitliche Beeinträchtigung muss sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirken oder ausgewirkt ha ben; die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen muss mit anderen Worten arbeitsrechtli ch in Erscheinung getreten sein, etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprech ender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte aus dem Rahmen fal lende gesundheitlich bedingte Ar- beitsausfälle (SVR 2008 BVG Nr. 34 S. 143, 9C_127/2 008 E. 2.3, SVR 2008 IV Nr. 11 S. 32, I 687/06 E. 5.1; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2 012, 9C_362/2012, E. 5.2.1 mit Hin- weis). 5.2 Die Leistungspflicht der Vorsorgeeinrichtung in K onstellationen, bei denen kein Ar- beitsverhältnis mehr gegeben ist, setzt dabei stets einen engen sachlichen und zeitlichen Zu- sammenhang zwischen der während des Vorsorgeverhältnisses e ingetretenen Arbeitsunfähig- keit und der späteren Invalidität voraus. Ein enger zeitl icher Zusammenhang liegt vor, wenn die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit n icht während längerer Zeit, d.h. in der Regel während mindestens dreier Monate (Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invaliden- versicherung [IVV] vom 17. Januar 1961), wieder (annäh ernd) vollständig arbeitsfähig war (Ur- teil des Bundesgerichts vom 4. Juli 2013, 9C_98/2013, E. 4.1). Eine nachhaltige, den zeitlichen Zusammenhang unterbrechende Erholung liegt grundsätzl ich nicht vor, solange eine Arbeitsfä- higkeit von über 80 % weniger als drei Monate gedauert hat (Urteil des Bundesgerichts vom 12. November 2015, 9C_115/2015, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Der sachliche Konnex ist gegeben, wenn der Gesundheit sschaden, welcher zur Ar- beitsunfähigkeit geführt hat, im Wesentlichen derselbe ist, wie er der Erwerbsunfähigkeit zu- grunde liegt (BGE 134 V 20 E. 3.2). Der sachliche Zus ammenhang kann dabei auch dann ge- geben sein, wenn die bei noch bestehender Versicherungsd eckung eingetretene Arbeitsunfä- higkeit somatisch, die Anspruch auf eine Rente der Inval idenversicherung begründende, allen- falls auch berufsvorsorgerechtliche Leistungen auslösende I nvalidität jedoch psychisch bedingt ist. Notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung hie rfür ist allerdings, dass das psychische Leiden sich schon während des Vorsorgeverhältnisses manifest ierte und das Krankheitsge- schehen erkennbar mitprägte (Urteil des Bundesgerichts vo m 11. August 2015, 9C_58/2015, E. 2.2). Steht fest, dass während des Vorsorgeschutzes kei ne Beeinträchtigung der Arbeitsun- fähigkeit durch die letztlich zur Invalidität führenden p sychischen Beschwerden (mehr) bestand, sondern die funktionelle Beeinträchtigung einzig auf ei nem (nicht invalidisierenden) somati- schen Gesundheitsschaden beruhte, so ist das Kriterium des sachlichen Konnexes nicht erfüllt. Unter diesem Blickwinkel ist ein enger sachlicher Zusamme nhang deshalb auch dann zu ver- neinen, wenn die IV-rechtliche Zusprechung einer Invalid enrente allein aufgrund der diagnosti- zierten psychischen Leiden des Leistungsansprechers erfolgt, Hinweise für ein psychisches Leiden und eine daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit bereits während des Vorsorgeverhält- nisses den medizinischen Berichten und Gutachten selbst be i weitestgehender Interpretation jedoch nicht zu entnehmen sind, sondern während der V ersicherteneigenschaft einzig Arbeits- unfähigkeiten attestiert wurden, die ausschliesslich auf ein somatisches Leiden zurückzuführen sind, selbst wenn es naheliegend erscheint, dass das somatische Leiden schon damals Einfluss auf die seelische Befindlichkeit der versicherten Person und die psycho-soziale Situation hatte (MARC HÜRZELER , BVG und FZG, Jacques-André Schneider/Thomas Geiser/T homas Gächter Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht [Hrsg.], Bern 2010, S. 362 mit Hinweisen). Die entspr echenden Nachweise hierfür dürfen nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegung en ersetzt werden. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeugenden) medizinischen Einschätzung (SVR 2010 IV Nr. 17, 8C_195/2009, E. 5). Dabei sind stets die gesamten Umstände des konkreten Einzel- falles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, zu ber ücksichtigen (BGE 134 V 20 E. 3.2.1). 5.4 Gemäss dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz ha- ben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von A mtes wegen und ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständi ge Feststellung des Sachverhaltes zu sor- gen (Art. 73 Abs. 2 BVG; BGE 125 V 193 E. 2). Dabei schliesst der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne einer Beweisführungspflicht beg riffsnotwendig aus. Im Prozess nach Art. 73 BVG tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Par tei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will. Nach de r Praxis des Bundesgerichts liegt die Beweislast bei anspruchsbegründenden Tatfragen demzufolge bei der Partei, die den Anspruch geltend macht. Bei anspruchsaufhebenden Tatfragen lie gt sie bei der Partei, die sich auf das Dahinfallen des Anspruches beruft (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). Diese Beweisregeln kommen allerdings erst dann zur Anwendung, wenn es sich a ls unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdi gung einen Sachverhalt zu ermit- teln, der zumindest die überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wahrheit zu entspre- chen (BGE 117 V 261 E. 3b mit Hinweisen). Vorliegend geht es um den allfälligen Wegfall des sachlichen und zeitlichen Kausalzusammenhangs als Anspruchsvo raussetzung auf eine Invali- denrente der beruflichen Vorsorge. Die Beweislast und damit die Folgen einer Beweislosigkeit trägt demnach die Beklagte. 5.5 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 133 E. 2, 114 V 310 E. 3c). 6.1 Der zeitliche Zusammenhang zwischen der Arbeitsunfähi gkeit, die unbestrittenermas- sen ursprünglich noch während des Vorsorgeverhältnisses ei ngetreten war, und der späteren, heute noch immer bestehenden Invalidität des Klägers ist ohne weiteres gegeben, da der Klä- ger gemäss den vorliegenden medizinischen Unterlagen seit seinem Unfall vom 23. Dezember 1995 stets vollumfänglich arbeitsunfähig war und es in d iesem Umfang bis heute auch ohne Unterbruch geblieben ist. Es kann auf die zwischen den P arteien in diesem Zusammenhang unbestrittenen Aussagen im Gutachten von Dr. C.____ vom 22. Mai 1997 (Beilage 4 der Klagantwort) verwiesen werden, wonach der Versicherte in der freien Wirtschaft infolge einer unfallbedingten posttraumatischen Belastungsstörung und e iner mittelschweren depressiven Episode im Anschluss an den Unfall nicht mehr arbeitsfäh ig war. Am Ausmass seiner vollstän- digen Arbeitsunfähigkeit hat sich in der Folge nichts ge ändert. Sowohl Dr. D.____ mit Gutach- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten vom 12. September 2006 (IV-Dok 20, S. 14) als auc h die E.____ insbesondere in ihrer er- gänzenden Stellungnahme vom 30. September 2015 (IV-D ok 79, S. 11 f.; vgl. ebenso bereits Hauptgutachten der E.____ vom 31. Dezember 2014, Beil age 13 zur Klagantwort, S. 47 ad Ar- beitsfähigkeit) gehen davon aus, dass für sämtliche Tätigkeiten des freien Arbeitsmarktes keine verwertbare Restarbeitsfähigkeit mehr besteht. Soweit die Beklagte einwendet, dass sich die unfallfremde Persönlichkeitsstörung des Klägers in beruf svorsorgerechtlich relevantem Aus- mass im Umfang einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% erst nach der Versicherungszeit bei ihr manifestiert habe, ist jedoch der sachliche Zu sammenhang einer näheren Prüfung zu unterziehen. Nachdem aus somatisch-rheumatologischer Sicht bereits kurze Zeit nach dem Unfall wieder eine vollständige Arbeitsfähigkeit in d er angestammten Tätigkeit als Magaziner erreicht worden war (rheumatologisches Gutachten von Dr. F.____, FMH Innere Medizin spez. Rheumatologie, vom 25. März 1997, S. 11), ist insbesonde re danach zu fragen, ob dieselbe psychische Symptomatik des Versicherten, wie sie ursprünglich im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache durch die PK vorgelegen hatte, dessen fu nktionelles Leistungsvermögen auch im weiteren Verlauf ab dem 1. April 2010 rechtserheblich beeinträchtigt hat. 6.2.1 Anlässlich der ursprünglichen Rentenzusprache durch die IV-Stelle am 3. September 1998 gründete die invalidisierende Beeinträchtigung de s Versicherten in psychischer Hinsicht auf dem psychiatrischen Gutachten von Dr. C.____ vom 22. Mai 1997. Darin diagnostizierte der psychiatrische Experte eine posttraumatische Belastungsstörun g sowie eine mittelschwere de- pressive Episode. Gemäss den gutachterlichen Erläuterungen waren bereits dazumal verschie- dene Symptomkreise festzustellen, die miteinander verbunden waren. Nebst einer im Nachgang zum erlittenen Unfall sich entwickelnden posttraumatische n Belastungsstörung sowie einer de- pressiven Episode bestanden schon damals einerseits sekundäre , gravierende soziale Proble- me, die die Depression unterhalten und mitbedungen ha ben. Ausserdem erkannte der Gutach- ter schon 1997, dass es sich beim Kläger um eine prämorbid einfach strukturierte Persönlichkeit mit beschränkten intellektuellen Ressourcen handle (a.a. O., ad Beurteilung, S. 7), der offenbar bis zu seinem Unfall psychisch kompensiert gewesen sei, obsch on vorgängig eine neurotische Persönlichkeitsentwicklung wahrscheinlich sei (a.a.O., ad Frage 5.3, S. 9). Das Resultat der neuropsychologischen Testung in Form einer gravierenden Beeinträchtigung, wie sie nur bei schweren hirnorganischen Schädigungen beobachtet werden könne, sei mit Sicherheit psycho- gener und nicht hirnorganischer Natur. Das Verhalten des Exploranden könnte als bewusste Simulation verstanden werden; dann aber müsste man sei n gesamtes Verhalten während der psychiatrischen Exploration als bewusste Täuschung auffassen . Vielmehr liege zwar eine Ver- deutlichungstendenz vor; der Versicherte müsse sein Leiden unterstreichen, so dass kein be- wusster Betrug vorhanden sei. Er leide tatsächlich und habe eine psychogene Störung. Diese neurotischen Brückensymptome weise der Versicherte bis in d ie Gegenwart auf. Er habe seine Probleme aber offenbar gut bewältigt und sich bisher ohne Manifestation pathologischer und psychischer Phänomene entwickeln können (a.a.O., ad Frage 5.7, S. 10). Die Bedeutung dieser vorbestehenden Persönlichkeitsstruktur im Zusammenhang mi t der Entwicklung der posttrau- matischen Belastungsstörung könne nicht mit Sicherheit be urteilt werden (a.a.O., ad zweite Teilfrage 5.7, S. 11). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.2 Im Rahmen der von der IV-Stelle im Jahre 2006 in die Wege geleiteten Revision ge- langte Dr. D.____ in ihrem psychiatrischen Fachgutachten vom 12. September 2006 (IV-Dok 20) zum Ergebnis, dass die klinischen Symptome einer postt raumatischen Belastungsstörung weiterhin gegeben seien. Da auch die depressive Niederg eschlagenheit über eine im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstörung begleitende de pressive Symptomatik weiterhin deut- lich hinausgehe, sei zusätzlich die Diagnose einer depre ssiven Störung gerechtfertigt. Beim Fehlen von fremdanamnestischen Angaben für die Zeit vo r dem Unfall sei es retrospektiv sehr schwer zu beurteilen, ob bereits prämorbid akzentuierte, narzisstische und impulsive Persön- lichkeitszüge vorgelegen hätten, oder ob es sich um eine P ersönlichkeitsveränderung mit er- höhter Kränkbarkeit und gestörter Impulskontrolle im A nschluss an den Unfall im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstörung und depressiven Entwi cklung handle. Zu diagnostizieren sei nebst der posttraumatischen Belastungsstörung und eine r mittelschweren depressiven Epi- sode mit somatischem Syndrom auch ein Verdacht auf akzentuierte narzisstische und impulsive Persönlichkeitszüge. 6.2.3 Im Laufe von strafrechtlichen Untersuchungen im Jahre 2010 holte die Staatsanwalt- schaft des Kantons Basel-Landschaft bei der E.____ ein p olydisziplinäres Gutachten betreffend den Versicherten ein. Dieses erging am 31. Dezember 2014 (IV-Dok 68.1). Daraus geht hervor, dass der Explorand bei seinem Unfall im Dezember 1995 e ine HWS-Distorsion erlitten habe, die nicht geeignet sei, über Jahre hinweg persistiere nde kognitive Beeinträchtigungen zu erklä- ren. Sein Störungsbild entspreche nicht dem Testprof il, wie es im Rahmen einer chronifizierten Schmerzbelastung üblicherweise zu beobachten sei. Die auf allen Ebenen beeinträchtigte Im- pulskontrolle sei neben der Überlagerung durch eine N ikotinabhängigkeit und der Akzentuie- rung durch eine mögliche unfallbedingte rechtshemisphäri sche Funktionsstörung am ehesten vor dem Hintergrund der attestierten kombinierten Pe rsönlichkeitsstörung mit narzisstischen, histrionischen und emotional-instabilen Anteilen zu e rklären. Diese könne neben bewusstseins- nahen Motiven auch die verzerrte Beschwerdeschilderung mi terklären. Aufgrund dieser negati- ven Antwortverzerrung müsse das tatsächliche Vorliegen re spektive das Ausmass einer mög- licherweise bestehenden Depression bzw. posttraumatischen Belastungsstörung kritisch hinter- fragt werden (a.a.O., S. 45 f.). Das grösste Handicap des Exploranden bestehe in der beein- trächtigenden Handlungsregulation und der verminderten Emotions- und Impulskontrolle vor dem Hintergrund der von psychiatrischer Seite attestiert en kombinierten Persönlichkeitsstörung (a.a.O., S. 47). 6.2.4 Gemäss dem psychiatrischen Teil-Fachgutachten der E .____ vom 28. Juli 2014 (IV- Dok 68.1), seien mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit e ine kombinierte Persönlichkeitsstörung, eine leicht bis mittelgradige depressive Episode bei rezidivierend depressiver Störung sowie ein Alkoholmissbrauch zu diagnostizieren. Der gutachterlichen Beurteilung ist zu entnehmen, dass in der Untersuchung Interaktionsmuster deutlich geword en seien, die einer narzisstisch kränk- baren, durch Aufmerksamkeit beeindruckbaren Persönlichkei t entsprechen würden. Es falle wiederholt auf, dass der Explorand dazu neige, sich auf sein Gegenüber einzustellen und mani- pulativ zu agieren. Es fänden sich Hinweise auf bewusstseinsnahe Anteile, die zu einer verzerrt ausgestalteten Darstellung seiner Leiden führen würde n, aber auch bewusstseinsferne Motive, die auf die in seiner Persönlichkeit verankerten Denk- und Verhaltensmuster zurückzuführen Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht seien. Diese hätten das Ausmass einer Persönlichkeitsstörung (a.a.O., S. 9). Bereits im Gut- achten von Dr. C.____ seien Verhaltensweisen diagnosti sch zwar nicht zugeordnet, aber als auffällig beschrieben worden, die auf Diskrepanzen zwischen den Beschwerdeangaben und erlebter Beeinträchtigung hingewiesen hätten und al s bewusstseinsferne Verdeutlichung inter- pretiert worden seien. Anhand der durch Dr. C.____ d okumentierten psychischen Beschwerden und der herangezogenen Beschwerdeangaben in nicht psychia trischen Berichten könnten die damals gestellten Diagnosen retrospektiv nachvollzogen wer den. Dass Dr. C.____ seinerzeit keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert habe, begründe sich zum einen aufgrund des bis dahin nach Angaben des Exploranden bewältigten Lebe nswegs sowie seinem fehlenden Be- dürfnis nach psychiatrischer und psychologischer Hilfe. Dr. D.____ habe in ihrem Gutachten 2006 die Diagnose sodann um den Verdacht einer akzentuierten, narzisstischen und impulsiven Persönlichkeitsstruktur erweitert. Ihre diesbezügliche Ein schätzung werde auch nunmehr gut- achterlich geteilt. Es werde aktuell, inzwischen aufgrund wiederholter Untersuchungsbefunde zu verschiedenen Zeitpunkten gesichert, eine kombinierte Per sönlichkeitsstörung mit narzissti- schen, histrionischen und emotional-instabilen Anteilen diagnostiziert (a.a.O., S. 10 f.). 6.2.5 In ihrer ergänzenden Stellungnahme zu Handen der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Landschaft vom 30. September 2015 (IV-Dok 79) h ielten die Gutachter der E.____ fest, dass der Explorand vor dem Hintergrund seiner Persönl ichkeitsproblematik und seiner damali- gen persönlichen Situation den erlittenen Unfall dysfu nktional verarbeitet habe. Initial seien die Symptome weitgehend authentisch gewesen. In der Folge habe er diese initial vorhandenen, im Verlauf abgeklungenen Beschwerden im Sinne eines konfa bulatorischen Narrativs zunehmend zur Aufrechterhaltung des Status quo dargeboten. In d er Aufrechterhaltung dieses Narrativs spiele die Persönlichkeitsstörung eine entscheidende Rolle. Diese scheine jedoch nicht so aus- geprägt, wonach die nachfolgende Symptombildung auch ohne das auslösende Moment des Unfalls zustande gekommen wäre (a.a.O., S. 2 f., ad Fra ge 6). Die Aggravation müsse als Aus- druck eines bestehenden Geltungsbedürfnisses verstanden werd en und als Form einer Pseu- dologia fantastica narzisstischer Persönlichkeitszüge innerh alb der diagnostizierten kombinier- ten Persönlichkeitsstörung gewertet werden. Die übertri ebene und verzerrte Darstellung seiner Beschwerden könne nicht als Symptom der zuvor diagnostizierten Diagnosen gewertet werden, welche aktuell nicht mehr nachweisbar seien. Sie weise jedoch auf eine zugrunde liegende per- sönlichkeitsspezifische Verhaltensstörung hin, die primär unfallfremd bestanden habe. Die Ag- gravation sei teilweise einem störungsspezifischen Verhal ten zuzuordnen, welches sich in die- ser Ausgestaltung aber erstmalig infolge des Unfalls gez eigt habe, primär infolge der interper- sonellen und innerpsychischen Konfliktdynamik exazerbiert sei und seither aufrechterhalten werde (a.a.O., S. 5). Die seinerzeit diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung bestehe aktuell nicht mehr. Auch die noch im Gutachten von Dr. C.____ diagnostizierte mindestens mit- telgradig depressive Episode bestehe in dieser Ausprägun g nicht mehr. Bereits in der Untersu- chung durch Dr. D.____ seien die gegenwärtig erkennbare n Persönlichkeitszüge hervorgetre- ten. Aufgrund der bereits damals dokumentierten Befunde sei ein Abklingen der primär diagnos- tizierten Störungen und ein in den Vordergrundtreten der primär zugrunde liegenden persön- lichkeitsspezifischen Verhaltensmuster anzunehmen. Eine zeit lich genaue Einschätzung sei dabei spekulativ. Im aktuellen Gutachtenszeitpunkt sei die Persönlichkeitsproblematik noch deutlicher in den Vordergrund getreten (a.a.O., ad F rage 2.1, S 6). Die heutige Situation sei Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht vollständig geprägt durch die unfallfremde Persönlichkeitsproblematik. Die vorbestehenden per- sönlichkeitsspezifischen Verhaltensmuster hätten das Ausmass e iner Persönlichkeitsstörung. Sie seien keine Folge des Unfalls, sondern die Folge e iner primären Fehlentwicklung der Per- sönlichkeit. Diese unfallfremden Faktoren seien im Zeit punkt der Erstbegutachtung durch Dr. C.____ nicht diagnostiziert worden und seien damals durch unfallbedingte Einflüsse deutlich überlagert gewesen. Bereits Dr. D.____ habe aber dar auf hingewiesen, dass prämorbid akzen- tuierte narzisstische und impulsive Persönlichkeitszüge vorg elegen hätten, die mit erhöhter Kränkbarkeit und gestörter Impulskontrolle im Anschluss a n den Unfall einhergegangen seien. Insofern hätten die Symptome bereits initial durchaus r eal bestanden und sich aus den Unfall- folgen heraus als Komponente einer psychischen Fehlverarbeitung auf dem Boden der Persön- lichkeitsproblematik entwickelt (a.a.O., ad Frage 3.2.1 , S. 7). Aufgrund des geschilderten Ver- laufs sei von einer degressiven Verarbeitung des Unfall s und einem zunehmenden Überhand- nehmen der unfallfremden Diagnosen auszugehen (a.a.O., ad Frage 4.1.3, S. 9). 6.3 In Würdigung dieser medizinischen Unterlagen ist fe stzustellen, dass die invalidisie- rende Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit anlässlich der erstmaligen Rentenzusprechung durch die IV-Stelle mit Wirkung ab 1. Dezember 1996 m ithin noch während der Versicherungs- deckung des Klägers (vgl. oben, Erwägung 3. hiervor) in erster Linie auf einer posttraumati- schen Belastungsstörung und einer mittelschweren depressiven Episode gründete. Die aktuell festgestellte Arbeitsunfähigkeit, aufgrund welcher die IV-Stelle dem Kläger revisionsweise wei- terhin eine volle IV-Rente ausrichtet, basiert demgege nüber nebst einer mittlerweile nur noch leicht bis mittelgradig ausgeprägten depressiven Episode i nsbesondere auf einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, histrionischen und emotional-instabilen Anteilen. Die Beklagte macht deshalb geltend, dass das heute neu im Vo rdergrund stehende Krankheitsbild des Klägers eine neue Ursache bilde, welche mit der vorm als diagnostizierten posttraumati- schen Belastungsstörung und der mittelgradigen depressiven Episode, aufgrund welcher die ursprüngliche Berentung überhaupt erfolgt sei, nicht mehr identisch sei und ein sachlicher Kon- nex mittlerweile deshalb zu verneinen sei. Soweit sie dazu weiter ausführt (vgl. Klagantwort, Ziffern 21 und 25), dass die neu diagnostizierten Stö rungen aus einem anderen Formenkreis stammen würden, wie dies bei der erstmaligen Rentenzu sprache der Fall gewesen sei, und unter anderem die mittelgradige depressive Episode, we lche dazumal zur Berentung des Klä- gers geführt habe, mittlerweile nicht mehr nachweisbar sei, ist ihr bereits an dieser Stelle zu widersprechen: Bei der heute wie dazumal in dieser Hi nsicht erhobenen Diagnose handelt es sich um dieselbe Klassifikation nach ICD. Die Ausprägung d er depressiven Episode hat sich mittlerweile zwar etwas abgeschwächt. Nichts desto trotz kann nicht davon gesprochen werden, dass es sich dabei um eine neuerliche Erkrankung psychiatr ischer Natur handeln würde, wel- che bisher ohne invalidisierenden Einfluss auf die aktuel le Arbeitsfähigkeit des Klägers geblie- ben wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Heute wie bere its dazumal leidet der Versicherte an einer depressiven Episode teils auch mittelschwerer Ausprägung, die seit der erstmaligen Rentenzu- sprechung von den begutachtenden Experten bis heute stets bestätigt worden ist (vgl. oben, Erwägungen 6.2.1 und 6.2.4 hiervor). Die Ärzteschaft d er E.____ geht aktuell noch immer da- von aus, dass es sich dabei um eine rezidivierende und dam it um eine stets wiederkehrend auftretende Störung handelt (vgl. oben, Erwägung 6.2.4 hiervor). Im Rahmen der Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse anlässlich der von der IV-Stelle im Jahre 2006 in die Wege gelei- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht teten Revision bestätigte aber insbesondere auch Dr. D._ ___ weiterhin mit Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit das Vorliegen einer depressiven Störung m ittelschweren Ausmasses (vgl. oben, Erwägung 6.2.2 hiervor). Die medizinische Aktenlage ist in dieser Hinsicht klar. Mangels abwei- chender Hinweise oder sonstiger Indizien in den medizinischen Unterlagen ist deshalb zweifels- frei davon auszugehen, dass die diagnostizierte Depression die Arbeitsfähigkeit des Klägers bis heute andauernd und in massgeblicher Weise beeinträcht igt hat. Eine Unterbrechung des in berufsvorsorgerechtlicher Hinsicht massgebenden, sachlichen Konnexes, wie ihn die Beklagte postuliert, ist diesbezüglich demnach offensichtlich zu verneinen. 6.4.1 Deutlich komplexer präsentiert sich die medizinische Sachlage in Bezug auf die aktuell diagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung, nachde m die anlässlich der erstmaligen Rentenzusprache erhobene posttraumatische Belastungsstöru ng mittlerweile nicht mehr erho- ben werden kann. Der von der Beklagten auch hier vertret enen Auffassung, wonach der Kläger neuerdings an einer psychiatrischen Störung eines anderen Formenkreises leide, ist mit Blick auf die diagnostischen Leitlinien nach ICD in abstrakter Hinsicht zwar zuzustimmen. Indes greift diese Betrachtungsweise zu kurz. Der ergänzenden Stellung nahme der E.____ vom 30. Sep- tember 2015 zufolge hat der Kläger seinen Unfall vor dem Hintergrund seiner Persönlichkeits- problematik dysfunktional verarbeitet, indem er die i nitial und mithin bereits im Zeitpunkt seines Unfalls im Jahre 1995 vorhandenen Beschwerden im weite ren Verlauf im Sinne eines konfabu- latorischen Narrativs zwecks Aufrechterhaltung des Status quo sine zunehmend weiter darge- boten hat. Seine Persönlichkeitsstörung hat damit offen sichtlich bereits schon im Zeitpunkt des erlittenen Unfalls eine entscheidende Rolle gespielt (vgl. oben, Erwägung 6.2.5). Auch wenn die krankhafte Persönlichkeitsstruktur des Klägers nicht derart ausgeprägt vorhanden war, dass die nachfolgende Symptombildung auch ohne den erlittenen Unfall zustande gekommen wäre, weist die in der Folge schon bald aggravativ vorgetrage ne Präsentation seiner Beschwerden bereits seit Beginn weg auf eine zugrunde liegende pe rsönlichkeitsspezifische Verhaltensstö- rung hin, die zwar nicht als unfallkausal, jedoch immerhi n bereits erstmalig infolge des Unfalls aufgetreten ist und seither in exazerbierter und im ze itlichen Verlauf zunehmender Form auf- rechterhalten wird (vgl. ergänzende Stellungnahme der E.____ vom 30. September 2015, S. 5). 6.4.2 Der Blick in die echtzeitlichen Explorationsergebni sse, welche Dr. C.____ bereits 1997 festgehalten hatte, bestätigen diese gutachterliche Au ffassung. Wie auch heute noch die E.____ konnte der psychiatrische Experte schon dazumal ein inadäquates Verhalten des Versi- cherten erheben, welches während der Untersuchung durch eine hilflose und leidende Präsen- tation der eigenen Beschwerden gekennzeichnet war (vgl. Gutachten von Dr. C.____ vom 22. Mai 1997, S. 7 f.). Wie auch die Gutachter der E.____ im Jahre 2015 beurteilte Dr. C.____ die einhergehende Verdeutlichungstendenz ausserdem schon dazum al nicht als bewusste Simula- tion, sondern als tatsächliches Leiden im Sinne einer p sychogenen Störung (vgl. a.a.O., S. 8, oben). Hintergrund bildete schon dazumal unter ander em ein Mangel an intellektuellen Res- sourcen, welcher es dem Kläger noch heute verunmöglich t, seinen Unfall adäquat zu verarbei- ten. Die bereits dazumal dokumentierten Befunde in For m einer heute auch von der E.____ noch immer erhobenen verzerrten Darstellung der eigen en Beschwerden bestätigen mit ande- ren Worten, dass die mit der definitiv erst nunmehr dia gnostizierten Persönlichkeitsstörung ein- hergehende Kränkbarkeit und gestörte Impulskontrolle bereits initial durchaus real bestanden Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht hatten (vgl. so explizit Stellungnahme der E.____ vom 3 0. September 2015, ad Frage 3.2.1, S. 7). Die die in der Persönlichkeit des Versicherten lieg ende Fehlentwicklung war mit anderen Worten schon damals manifest. Daran ändert nichts, dass diese unfallfremden Faktoren durch Dr. C.____ ursprünglich diagnostisch noch nicht expressis ve rbis determiniert worden waren. Hintergrund bildet den in dieser Hinsicht erhellenden Aussagen der E.____ zufolge lediglich der Umstand, dass sie damals durch unfallbedingte Einflüsse n och deutlich überlagert waren. Dar- aus kann aber nicht abgeleitet werden, die heute gesich erte Diagnose einer Persönlichkeitsstö- rung habe sich dazumal leistungsmässig noch nicht manifesti ert. Dr. D.____ hat zwar darauf hingewiesen, dass es sehr schwer zu beurteilen sei, ob es sich um eine Persönlichkeitsverän- derung im Anschluss an den erlittenen Unfall im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstö- rung und depressiven Entwicklung handle, oder ob bereits zuvor prämorbid akzentuierte nar- zisstische und impulsive Persönlichkeitszüge vorgelegen hätten. Gestützt auf die bereits durch Dr. C.____ erhobenen Befunde (vgl. oben, Erwägung hier) ist aber so oder anders erstellt, dass sich die entsprechenden Symptome in Form einer erhöhte n Kränkbarkeit und einer gestörten Impulskontrolle jedenfalls spätestens im Anschluss an den er littenen Unfall eingestellt haben. Gestützt auf die überaus detaillierte Beurteilung der E.____ erweist sich die medizinische Ak- tenlage insoweit als kongruent. Es ist deshalb erstellt, dass sich die heute noch zu einer Ar- beitsunfähigkeit führenden Symptome aus den Unfallfolgen heraus auf dem Boden der Persön- lichkeitsproblematik des Klägers entwickelt haben (a.a.O., ad Frage 3.2.1, S. 7). 6.4.3 Mithin ist in psychiatrischer Hinsicht nicht nur von ei ner Gemengenlage auszugehen, welche aufgrund ihrer Komplexität nicht getrennt werde n kann und einen gemeinsamen Ursa- chenstrang aufweist, sondern von einer bereits anfängl ich bestehenden, eigentlichen Wechsel- wirkung zwischen den die Persönlichkeitsstörung noch heute p rägenden Symptomen und den damals gutachterlich erhobenen Diagnosen einer posttraumatischen Störung und einer depres- siven Episode. Gerade der Umstand, dass die heute noch imm er fortbestehende Depression des Klägers mitunter auch durch die bereits anfänglich wi e heute noch für die Persönlichkeits- störung massgebenden Symptome mitunterhalten wird, zeigt auf, dass ein bereits während des Vorsorgeverhältnisses invalidisierender Einfluss der erst n eulich definitiv diagnostizierten Per- sönlichkeitsstörung trotz ihrer ursprünglich weniger deut lichen Ausprägung zu bejahen ist. Es erweist sich mithin als augenfällig, dass die heute für d ie Persönlichkeitsstörung des Klägers noch immer ursächlichen Symptome bereits das ursprüngliche Krankheitsgeschehen erkennbar mitgeprägt haben. Mit Blick auf die dargelegte medizin ische Aktenlage kann jedenfalls nicht davon gesprochen, die nunmehr die Persönlichkeitsstör ung aktuell prägende Symptomatik in Form einer erhöhten Kränkbarkeit und einer gestörten Impulskontrolle habe im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache 1997 keine zumindest mitdominierende Ursache der anfängli- chen Arbeitsunfähigkeit des Versicherten im Anschluss an seinen Unfall dargestellt. 6.4.4 Es ist daran zu erinnern, dass der sachliche Zusamm enhang auch dann noch zu beja- hen ist, wenn psychische Beschwerden zumindest im Zusammenh ang mit bereits während des Vorsorgeverhältnisses zu einer Arbeitsunfähigkeit führenden Rückenbeschwerden und der sich daraus ergebenden Lebenssituation zu sehen sind, selbst we nn die versicherte Person wäh- rend der Dauer ihrer berufsvorsorgerechtlichen Versicherteneigenschaft in psychischer Hinsicht weniger auffällig war als in der Periode nach Auflösu ng ihres Anstellungsverhältnisses (M ARC Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht HÜRZELER , a.a.O., S. 361 mit Hinweisen). Gleiches muss im vorlieg enden Fall umso mehr gel- ten, in welchem es nicht um die Abgrenzung von somatisch en von psychiatrischen Krankheits- bildern geht, sondern der Streit sich um die Beurteilu ng zweier sich den medizinischen Akten zufolge untrennbar verknüpfter psychiatrischer Diagnosen d reht, die sich im Verlaufe der Zeit untereinander abgelöst haben. Es kann in diesem Zusamme nhang darauf verwiesen werden, dass der Kausalzusammenhang in sachlicher Hinsicht erst dann als durchbrochen gilt, wenn die Invalidität auf gänzlich anderen Ursachen beruht als auf jenen der ursprüngli chen Arbeitsunfä- higkeit (SVR 2001 BVG Nr. 18 E. 4b, vgl. auch H ANS -ULRICH STAUFFER , Berufliche Vorsorge, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, S. 327 Rz. 896). Di es ist dem Gesagten zufolge aber gerade nicht der Fall (vgl. oben, Erwägung 6.4.2). Die Folge n hat die beweisbelastete Beklagte zu tra- gen (vgl. oben, Erwägung 5.3 hiervor). Gestützt auf die medizinische Aktenlage, insbesondere die Stellungnahme der E.____ vom 30. September 2015 , ist mit der erforderlichen überwiegen- den Wahrscheinlichkeit vielmehr anzunehmen, dass bereits im Zeitpunkt des Vorsorgeverhält- nisses erste Anzeichen einer psychischen Fehlentwicklung in Fo rm der erst später definitiv di- agnostisch determinierten Persönlichkeitsstörung aufgetre ten sind, die sich in der Folge weiter verstärkt und letztlich bereits dazumal auf die Arbeitsfä higkeit des Versicherten ausgewirkt ha- ben. 6.5 Zusammenfassend besteht in berufsvorsorgerechtlicher H insicht zwischen der aktuel- len Invalidität und der ursprünglich mit dem Unfall vom 23. Dezember 1995 eingetretenen Ar- beitsunfähigkeit, die in der Folge bei einem IV-Grad von 100% noch heute zur Zusprache einer vollen Rente der IV führte, nebst einem zeitlichen Ko nnex (vgl. oben, Erwägung 6.1 hiervor) auch ein rechtsgenüglicher sachlicher Zusammenhang. Vo rstehend hatte die PK ihre Renten- leistungen mit Schreiben vom 31. März 2010 ursprünglich sistiert. In der Folge hat sie den An- spruch auf jegliche Rentenleistungen mit Schreiben vom 2. Dezember 2010 generell eingestellt. Hinsichtlich des mithin im Zeitpunkt der richterlichen Beu rteilung zurückliegenden Rentenan- spruchs für eine Dauer von mittlerweile mehr als siebenei nhalb Jahren ist darauf hinzuweisen, dass das Gericht eine allfällige Verjährung nicht von Am tes wegen prüft (BGE 129 V 237; SZS 2001, 183; ebenso S ILVIE PÉTREMAND , in: BVG und FZG, Jacques-André Schnei- der/Thomas Geiser/Thomas Gächter [Hrsg.], Bern 2010, R z. 24 zur Art. 41, mit weiteren Hin- weisen). Ausserdem muss eine allfällige Verjährungseinr ede ausdrücklich erhoben werden. Eine Verjährungseinrede hat die Beklagte vorliegend w eder implizit noch explizit geltend ge- macht. Es ist demnach festzustellen, dass der Kläger unte r Vorbehalt einer allfälligen Überent- schädigung bereits ab 1. April 2010 weiterhin Anspruch auf eine ganze IV-Rente der PK samt entsprechender Kinderrenten besitzt. In Bezug auf die Bemessung des Invaliditätsgrades kann dabei auf Art. 31 Ziffer 3 des von der Beklagten einge reichten Reglements der PK (in der ab 1. Januar 2008 gültigen Fassung) verwiesen werden, wonach für die Bestimmung des Invaliditäts- grades der PK der Invaliditätsgrad der IV massgebend ist und bei einem IV-Grad von 70% und mehr Anspruch auf eine volle IV-Rente der berufliche n Vorsorge besteht (vgl. ebenso Art. 30 Ziffer 2 des zuvor bis Ende 2007 geltenden Vorsorgereg lements der PK sowie Art. 37 Ziffer 5 bzw. Art. 38 Ziffer 5 der anschliessend ab 1. Januar 20 14 bzw. ab 1. Januar 2017 gültigen Vor- sorgereglemente der PK). Die Klage in diesem Punkt demnach gutzuheissen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Rechtsprechungsgemäss ist auf die geschuldeten Rentenb etreffnisse ab dem Zeitpunkt der Klageeinreichung ein Verzugszins von 5% zu bezahlen (BGE 119 V 131; Urteil des EVG vom 18. Juli 2002, B 10/99, E. 6c). Abweichend zu sein em Antrag hat der Kläger demnach An- spruch auf Verzugszinsen von 5% auf nachzuzahlende Rentenb etreffnisse lediglich ab dem 29. November 2016. Die Klage ist diesbezüglich lediglich teilweise gutzuheissen. 8. Der Kläger hat schliesslich beantragt, er sei auf de n frühestmöglichen Zeitpunkt von der Beitragspflicht zu befreien. Art. 14 Abs. 2 der Veror dnung über die berufliche Alters- Hinterlas- senen und Invalidenvorsorge (BVV 2) vom 18. April 1984 sieht vor, dass die Vorsorgeeinrich- tung das Alterskonto einer invaliden Person, der sie ei ne Rente ausrichtet, für den Fall des Wiedereintritts in das Erwerbsleben zum Rentenalter w eiterzuführen hat. Art. 24 Abs. 1 des in der bis Ende 2016 geltenden Fassung des Vorsorgereglemen ts der PK sieht vor (vgl. auch Art. 40 des ab 1. Januar 2017 geltenden Vorsorgeregle ments der PK), dass die Betragspflicht längstens besteht, als die versicherte Person Anspruch u nter anderem auf Invalidenleistungen hat. Gemäss Art. 38 des bis Ende 2016 anwendbaren Regl ements der PK entsteht der An- spruch auf eine Beitragsbefreiung deshalb mit dem Anspr uch auf eine IV-Rente. Bereits Art. 56 des zuvor geltenden Reglements 2008 sah vor, dass die Be itragspflicht während des An- spruchs auf eine IV-Rente ruht, wenn die versicherte Pe rson vollinvalid ist. Diese Vorausset- zung liegt hier vor. Die Beklagte ist daher verpflichtet , dem Kläger rückwirkend ab Rentenbe- ginn (vgl. IV-Verfügung vom 3. Dezember 1998, Klagbe ilage 6) von der Beitragspflicht für die Sparbeiträge an das Altersguthaben zu befreien. Die K lage ist in diesem Punkt daher gutzu- heissen. 9. Im Ergebnis ist die Beklagte in teilweiser Gutheissun g der Klage zu verpflichten, dem Kläger mit Wirkung ab 1. April 2010 aufgrund eines In validitätsgrads von 100% eine ganze IV- Rente der beruflichen Vorsorge zuzüglich Zins zu 5% ab 2 9. November 2016 auszurichten. Darüber hinaus ist die Beklagte zu verpflichten, den Klä ger mit Wirkung ab Rentenbeginn von der Beitragspflicht zu befreien. 10.1 Gemäss Art. 73 Abs. 2 BVG ist das Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsge- richt in der Regel kostenlos. Es sind deshalb keine Verfahrenskosten zu erheben. 10.2 Der Kläger ist mit seinem Rechtsbegehren grossm ehrheitlich durchgedrungen und hat dabei insbesondere die Ausrichtung einer ganzen IV-Ren te der beruflichen Vorsorge erwirkt. Damit ist ihm eine Parteientschädigung zu Lasten der Be klagten zuzusprechen. Sein Rechts- vertreter hat in seiner Honorarnote vom 3. Februar 20 17 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 29 Stunden und fünf Minuten geltend gemacht, was in Anbetracht der sich stellen Sachverhalts- und Rechtsfragen und mit Blick auf die damit verbundenen vorprozessua- len Bemühungen nicht zu beanstanden ist. Da die Klage grossmehrheitlich gutzuheissen ist, ist dem Kläger die Parteientschädigung im gesamthaft gelte nd gemachten Umfang auszurichten. (vgl. § 21 Abs. 1 VPO). Dieser Aufwand ist mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Stun- denansatz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und An- wälte). Im Rahmen der Parteientschädigung sind die au sgewiesenen Auslagen im Umfang von Fr. 216.50 ebenfalls der Beklagten aufzuerlegen. Demna ch ist dem Kläger eine Parteientschä- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht digung in der Höhe von insgesamt Fr. 8‘086.30 (29,083 Stunden à Fr. 250.-- inkl. Auslagen von Fr. 216.50 und 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beklagten zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Klage wird die Beklagte verpflichtet, dem Kläger aus dem Vorsorgeverhältnis mit der Beklagten ab 1. April 2010 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100% und unte r Vorbehalt einer allfälligen Überentschädigung eine ganze Invalide nrente samt entsprechender Kinderrenten der beruflichen Vorsorge zuzüglich Ver- zugszins von 5% ab 29. November 2016 auszurichten. 2. Die Beklagte wird verpflichtet, den Kläger mit Wi rkung ab Rentenbe- ginn von der Beitragspflicht zu befreien. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger eine P arteientschädigung in der Höhe von Fr. 8‘086.30 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.