Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Oktober 2020 (720 20 184 / 235) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; voller Beweiswert eines polydisziplinären externen Verwaltungsgutachtens Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber i.V. Stefan A. Buchwal- der Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Michelle Wahl, Advoka- tin, Advokatur am Fischmarkt, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1971 geborene A.____ ist gelernte Damenschneid erin und meldete sich bereits 1996 erstmals bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Damals finanzierte ihr die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) unter anderem berufliche Mass- nahmen in Form einer Umschulung im kaufmännischen Bereich , da sie den Schneiderberuf aufgrund eines allergischen Asthma bronchiale aufgeben musste. Mit Verfügung vom 21. Juli 1999 stellte die IV-Stelle fest, dass die Versicherte be ruflich angemessen eingegliedert sei und Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht weitere Massnahmen beruflicher Art nicht notwendig sei en. Das Begehren um berufliche Ein- gliederungsmassnahmen wurde deshalb abgeschrieben. A.2 Mit Gesuch vom 24. September 2008 meldete sich A.__ __ erneut bei der IV an und be- antragte unter Hinweis auf Schwindel, allergisches Asth ma, Schlafprobleme, Atemprobleme sowie psychische Einschränkungen Massnahmen für die beruflich e Eingliederung. Nach ge- sundheitlichen, erwerblichen und haushalterischen Abkläru ngen sowie nach Einholung eines monodisziplinären Gutachtens bei Dr. med. Dipl.-Psych. B .____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und eines polydisziplinären Gutachtens bei der Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 10. Februar 2016 eine ab 1. August 2008 bis 31. Januar 2009 befristete Viert elsrente zu. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Michelle Wahl, Advokatin, Beschwerde be im Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Das Ka ntonsgericht wies die Angelegen- heit mit Urteil vom 6. Oktober 2016 mit dem Hinweis an die Vorinstanz zurück, dass diese zu- nächst den Anspruch der Versicherten auf berufliche Ma ssnahmen zu beurteilen habe. Danach sei eine neue Verfügung zu erlassen und erst hernach üb er den Anspruch auf eine Rente zu entscheiden. A.3 Mit der Versicherten wurden in der Folge beruflic he Massnahmen in Form eines Bewer- bungscoachings im Zeitraum vom 4. Dezember 2017 bis 9. F ebruar 2018 durchgeführt. Da die Versicherte subjektiv von einer maximalen Arbeitsfähigkeit von 50 % ausging, wurde das Coaching aufgrund der bestehenden Auslastung und eine r möglichen gesundheitlichen Ver- schlechterung vorzeitig beendet. Nach Durchführung eine r polydisziplinären Begutachtung durch die Swiss Medical Assessment- and Business-Center AG Bern (SMAB) wurde A.____ mit Vorbescheid vom 4. September 2019 die vorgesehene Zusp rache einer befristeten Viertelsren- te ab 1. August 2008 bis 28. Februar 2009 mitgeteilt, wogegen die Versicherte Einwand erhob. Mit Verfügung vom 17. März 2020 hielt die IV-Stelle an ihrem Entscheid fest. B. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Michelle Wahl, am 14. Mai 2020 Be- schwerde beim Kantonsgericht. Darin beantragte sie, die Verfügung der IV-Stelle vom 17. März 2020 sei aufzuheben und es sei ihr mit Wirkung ab 1. August 2008 eine Dreiviertelsrente auszu- richten. Eventualiter sei die Sache zur Durchführung von weiteren medizinischen Abklärungen, insbesondere zur Anordnung einer unabhängigen rheumat ologischen, neurologischen und psy- chiatrischen Begutachtung und zum Erlass einer neuen Verfü gung an die Vorinstanz zurückzu- weisen; alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung brach- te sie im Wesentlichen vor, dass auf das Gutachten der SMAB nicht abgestellt werden könne, da dieses die Einschätzungen des behandelnden Psychiaters ke iner eingängigen Diskussion unterziehe und auch in seinen Schlussfolgerungen nicht nachvollziehbar sei. Auch seien ver- schiedene Punkte des von der IV-Stelle vorgenommenen Ei nkommensvergleichs zu beanstan- den. C. In ihrer Vernehmlassung vom 5. Juni 2020 schloss die I V-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitgegenstand und somit vorliegend zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdefüh- rerin über die mit der angefochtenen Verfügung gewä hrte Rentenleistung hinaus Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Strittig in diesem Zusammenh ang ist insbesondere, in welchem Aus- mass sie aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mi ndestens 40 % invalid sind (lit. c). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspr uch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Vierte lsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare A rbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and eren Beruf oder Aufgabenbereich be- rücksichtigt. Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die vo raussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Eine Erwerbsunfähigkeit l iegt zudem nur vor, wenn sie aus objek- tiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 20 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 313 E. 3a) und der ausserordentl ichen Methode (BGE 128 V 30 E. 1). Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in einem A ufgabenbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nich t zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATS G darauf abgestellt, in welchem Mas- se sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei versicherten Personen, die n ur zum Teil erwerbstätig sind, bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird (vgl. Art. 28 a Abs. 1 und 2 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Die Invalidität ergibt sich unter Anwendung der gemischten Methode aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten Teilinvaliditäten (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG i.V.m. Art. 27 bis Abs. 2 IVV; BGE 130 V 396 E. 3.3; vgl. auch Urteile d es Bundesgerichts vom 18. Januar 2017, 9C_399/2016, E. 4.1.1 und vom 9. Juli 2012, 9C_406/2011, E. 5.2, in: SVR 2012 IV Nr. 53 S. 192). 3.4 Bei der rückwirkenden stufenweisen Rentenzusprache ri chtet sich der Zeitpunkt einer Rentenheraufsetzung, -herabsetzung oder -aufhebung ausschliesslich nach Art. 88a der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Ja nuar 1961 (BGE 106 V 17 E. 3a, 109 V 128 E. 4b; vgl. auch BGE 133 V 70 E. 4.3.4 mit Hin weis). Nach dieser Bestimmung ist die anspruchsbeeinflussende Änderung bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Her- absetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem an- genommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrech ung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Art. 88a I VV konkretisiert damit die Dauer und In- tensität, welche eine Sachverhaltsänderung aufweisen muss, um revisionsrechtlich relevant zu werden (BGE 133 V 70 E. 4.3.3). Auf die Einräumung der Wartedauer von drei Monaten bis zur Aufhebung der Rente ist dabei nach bundesgerichtliche r Rechtsprechung nur in Ausnahmefäl- len zu verzichten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. A pril 2019, 8C_36/2019, E. 5, vom 30. September 2016, 8C_232/2016, E. 4.3 und vom 6. O ktober 2011, 9C_603/2010, E. 4.2). Dabei bezweckt Art. 88a IVV, dass kurzfristige Änderungen leistungsbegründender Faktoren keine revisionsweise Anpassung auslösen können sollen, da ei ner in Rechtskraft erwachsenen Leistungszusprache schon im Hinblick auf die Rechtssicherheit eine gewisse Beständigkeit zu- erkannt werden muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30 . September 2016, 8C_232/2016, E. 4.1 mit Hinweisen). 4.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 E. 5.3 und 6). Im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psychischen Leiden kommt belastenden psychosozia- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht len Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Kran kheitswert zu. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindun g mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die A rbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt (BGE 127 V 299 E. 5a; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 20. September 2011, 8C_302/2011, E. 2.5.1, in: SVR 2012 IV Nr. 22 S. 96). Für die Belange der Invalidenver- sicherung ist jedoch grundsätzlich nicht die (psychiatrische) Diagnose an sich, sondern vielmehr die sozialpraktische Auswirkung der Erkrankung, mithin die B eurteilung der hieraus resultieren- den Verminderung der Arbeitsfähigkeit, massgebend (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 23. April 2019, 9C_184/2019, E. 4.2 und vom 27. Sept ember 2017, 8C_820/2016, E. 5.4). Massgebend ist in erster Linie der psychopathologische Bef und und der Schweregrad der Symptomatik (BGE 136 V 281 E. 3.2.1; vgl. auch Urtei le des Bundesgerichts vom 31. Januar 2020, 8C_647/2019, E. 4.1, vom 28. Juni 2018, 9C_27 3/2018, E. 4.2, in: SVR 2018 IV Nr. 76 S. 251 und vom 15. März 2016, 9C_634/2015, E. 6.1, i n: SVR 2017 IV Nr. 5 S. 12). Die psychi- atrische Begutachtung kann dabei von der Natur der Sach e her nicht ermessensfrei erfolgen; sie eröffnet der sachverständigen Person deshalb prakt isch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb welchem verschiedene Interpretationen möglich , zulässig und im Rahmen einer de lege artis durchgeführten Exploration zu respektieren sind (BGE 1 45 V 365 E. 4.1.2, vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 21. Februar 2017, 9C_338/2016, E. 5.5, in: SVR 2017 IV Nr. 49 S. 148, und vom 15. März 2016, 9C_634/2015, E. 6.1, in: SVR 2017 IV Nr. 5 S. 12). 4.2 Des Weiteren sind bei de lege artis diagnostizierten psychischen Erkrankungen wie depressiven Störungen (BGE 143 V 416, E. 4.5.2, 141 V 285 E. 2; vgl. auch Urteil des Bundes- gerichts vom 1. Februar 2018, 8C_300/2017, E. 4.1.4.2) für die einzelfallweise Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren (Beweisthem en und Indizien) beachtlich, die es – unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren B elastungsfaktoren wie auch von Kompensationspotentialen (Ressourcen) – erlauben, da s tatsächlich erreichbare Leistungsver- mögen einzuschätzen (BGE 141 V 297 E. 4; vgl. auch Urt eile des Bundesgerichts vom 11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2 und vom 25. Juni 2018, 8C_7 4/2018, E. 2.2). Entscheidend ist da- bei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung ihre s Leidens, ob es der leistungsbean- spruchenden, materiell beweisbelasteten versicherten Person gelingt, auf objektivierter Beurtei- lungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu er- bringen (Art. 7 Abs. 2 ATSG; BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 296 E. 3.7.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 1. Februar 2018, 8C_300/2017, E. 4.1.4.2). Medizinisch-psychiatrisch nicht begründbare Selbsteinschätzungen und -limitierungen si nd nicht als invalidisierende Gesund- heitsbeeinträchtigungen anzuerkennen (BGE 141 V 295 E. 3.7.1). Der Rechtsanwender prüft die medizinischen Angaben frei darauf hin, ob die Ärzt e sich insbesondere an die massgeben- den normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob respektive in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserhebli chen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 145 V 364 E. 3.2.2, 144 V 54 E. 4.3, 143 V 427 E. 6; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 7. Februar 2020, 8C_423/2019, E. 3.2.2). 4.3 Das Bundesgericht hat die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Er- krankungen beachtlichen Standardindikatoren wie folgt systematisiert: Der erste Indikatoren- Komplex steht unter dem Titel “Gesundheitsschädigung“. Darunter sind die Ausprägung der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht diagnoserelevanten Befunde, der Gesichtspunkt Behandlun gs- und Eingliederungserfolg oder - resistenz und die Komorbiditäten zu würdigen. Im zweite n, die “Persönlichkeit“ betreffenden Indikatoren-Komplex wird nach der Persönlichkeitsentwicklu ng und der Persönlichkeitsstruktur gefragt, und es sind die persönlichen Ressourcen des V ersicherten zu eruieren. Im dritten Indi- katoren-Komplex schliesslich ist unter dem Titel “Sozialer Kontext“ eine Eruierung der Ressour- cen anhand des sozialen Umfelds vorzunehmen. Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich die “Konsistenz“ zu prüfen. Darunter fallen ve rhaltensbezogene Kategorien wie die Indikatoren einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivität sniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und eines behandlungs- und eingliederun gsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks (BGE 141 V 281 E. 4). 5.1 Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer ve rsicherten Person ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angew iesen, die ärztliche und gegebenen- falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen habe n. Aufgabe des Arztes oder der Ärz- tin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weite- ren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei- lung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizini schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (B GE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; A LFRED BÜHLER , Versicherungsinterne Gutachten und Privatgutachten, in : Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der medizinisc hen Begutachtung in der Sozialver- sicherung, St. Gallen 1997, S. 179 ff.). Wichtigste Gr undlage für de lege artis getätigte gut- achterliche Schlussfolgerungen bildet – gegebenenfalls neben standardisierten Tests – die kli- nische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 4. November 2019, 9C_517/2019, E. 3.3.3, vom 5. September 2019, 8C_270/2019, E. 4.1.2, und vom 4. August 2016, 9C_410/2016, E. 2.2.1, in: SVR 2016 IV Nr. 53 S. 179). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4, 134 V 232 E. 5.1, 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Solche Indizien können sich aus dem Gutacht en selber ergeben (z.B. innere Wi- dersprüche, mangelnde Nachvollziehbarkeit) oder auch au s Unvereinbarkeiten mit anderen ärztlichen Stellungnahmen (vgl. Urteile des Bundesgericht s vom 3. März 2015, 8C_872/2015, E. 4.2.1 und vom 29. Oktober 2014, 9C_49/2014, E. 4. 1). In Bezug auf Berichte von behan- delnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahru ngstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (B GE 135 V 470 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc; vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2020, 8C_60/2020, E. 4.3). 5.4 Um feststellen zu können, in welchem Mass eine versic herte Person im Haushalt zu- folge ihrer gesundheitlichen Beschwerden eingeschränkt ist , ist nicht die medizinisch- theoretische Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend, sondern wie sich der Gesundheitsschaden in der nichterwerblichen Betätigung konkret auswirkt, was gr undsätzlich einer Abklärung vor Ort bedarf (nach Massgabe des Art. 69 Abs. 2 IVV; BGE 130 V 99 E. 3.3.1 unter Hinweis auf Rz. 3081 ff. des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialv ersicherungen über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH] vo m 1. Januar 2015, Stand am 1. Juli 2020; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 6. Septemb er 2017, 9C_373/2017, E. 3.1). Die Abklärung erstreckt sich im Haushalt auch auf den zumutb aren Umfang der Mithilfe von Fami- lienangehörigen, welche im Rahmen der Schadenminderun gspflicht zu berücksichtigen ist und weiter geht als die ohne Gesundheitsschädigung übliche rweise zu erwartende Unterstützung (BGE 133 V 509 E. 4.2; vgl. auch die Urteile des Bu ndesgerichts vom 7. Januar 2020, 8C_748/2019, E. 5.1 und vom 16. Juli 2019, 9C_11/2019 , E. 6.1). Nach der Rechtsprechung stellen die entsprechenden Abklärungsberichte grundsätzl ich eine geeignete und im Regelfall genügende Grundlage für die Invaliditätsbemessung im Haushalt dar (vgl. Urteile des Bundes- gerichts vom 12. Juli 2018, 9C_671/2017, E. 4.2 und v om 5. September 2011, 9C_201/2011, E. 2, in: SVR 2012 IV Nr. 19 S. 86); insbesondere a uch im Hinblick auf die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2014, 8C_817/2013, E. 5.1). Bei der Abklärung vor Ort handelt es sich da bei nicht um ein Gutachten nach Art. 44 ATSG (BGE 140 V 550 E. 3.2.3). Für den Beweiswert ei nes Abklärungsberichts ist vielmehr wesentlich, dass er von einer qualifizierten Person verfa sst wird, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Di agnosen sich ergebenden Beein- trächtigungen und Behinderungen hat. Die Angaben der versicherten Person sind zu berück- sichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteilig ten im Abklärungsbericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext muss plausibel, begründet und ange messen detailliert bezüglich der ein- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 7. Jan uar 2020, 8C_748/2019, E. 5.2, vom 12. Juli 2018, 9C_671/2017, E. 4.2 und vom 1. März 2017, 9C_701/2016, E. 4.2). 5.5 Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten P erson im sozialversicherungs- rechtlichen Verfahren ist die Beweismaxime einschlägig, w onach die sogenannten spontanen „Aussagen der ersten Stunde“ in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträgli chen Überlegungen versicherungs- rechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. W enn die versicherte Person ihre Darstel- lung im Laufe der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Ereignis oder bei der ersten Abklärung macht, regelmässig grösseres Gewicht zu, als jenen nach Kenntnis einer ablehnenden Verfügung des Versicherungsträgers (BGE 143 V 174 E. 5.2.2, 121 V 47 E. 2a, 115 V 143 E. 8c; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 10. März 2020, 8C_723/2019, E. 5.1). Diese Beweismaxime gilt nach bundesgerichtliche r Rechtsprechung insbesondere im Zusammenhang mit der Würdigung von Haushaltabklärungsber ichten (vgl. Urteile des Bundes- gerichts vom 28. Juni 2019, 9C_161/2019, E. 5.4.3, in: SVR 2020 IV Nr. 8 S. 32, vom 17. August 2018, 9C_481/2018, E. 3.2.1 und vom 17. Okt ober 2016, 9C_926/2015, E. 4.2.4, in: SVR 2017 IV Nr. 2 S. 3). 6.1 Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, ge mischte Methode, Betätigungs- vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine ve rsicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die- se bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sond ern in welchem Pensum sie hypo- thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Ve rsicherten im Besonderen (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfäl- lige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähig- keiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigun gen und Begabungen zu berücksichti- gen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zu m Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht ü bliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 30 E. 2.3 , 141 V 20 E. 3.1, 137 V 338 E. 3.2; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 23. Dezember 2019, 8 C_591/2019, E. 2.3, vom 16. Dezember 2019, 8C_571/2019, E. 3.2, und vom 20. August 2019, 8C_133/2019, E. 4.1). 6.2 Liegt ein Wechsel des Status – voll-, teil- oder nichterwerbstätig – und damit ein Wech- sel der Methodenwahl vor, ist diese Wahl auf ihre Ver fassungs- und Konventionskonformität in Bezug auf das Diskriminierungsverbot von Art. 8 i.V.m. Art. 14 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. Novemb er 1950 respektive von Art. 8 Abs. 2 i.V.m. Art. 14 der Bundesverfassung der Schweizeri schen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 zu überprüfen. Hierzu hat der Europä ische Gerichtshof für Menschenrechte fest- gehalten (vgl. Urteil des EGMR vom 2. Februar 2016, R equête n°7186/09, Di Trizio contre la Suisse , § 94 ff.), dass diese Konformität nicht gegeben sei in Situationen, in welchen einerseits Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die von der versicherten Person getroffenen Dispositione n – teilweise Aufgabe der Erwerbstä- tigkeit infolge der Geburt von Kindern – die alleinig e Grundlage des Statuswechsels bilden und andererseits aus der Änderung der Invaliditätsbemessung smethode – Anwendbarkeit der ge- mischten statt der Einkommensvergleichsmethode – die revisi onsweise Aufhebung oder Herab- setzung der Invalidenrente resultiert (BGE 144 I 26 E. 4.2, 143 I 64 E. 3.3.4, 143 I 58 E. 4.1; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 15. März 2017, 9C_5 25/2016, E. 4.1, in: SVR 2017 IV Nr. 52 S. 156, und vom 25. Januar 2017, 9C_473/2017, E. 4, in: SVR 2017 IV Nr. 31 S. 90). Das besagte Urteil des EGMR hat jedoch nichts daran geändert, dass die gemischte Methode ausserhalb der vorangehend beschriebenen Konstellation weiterhin Anwendung finden kann. Zu denken ist dabei an eine erstmalige Rentenzusprache be i einer versicherten Person, die bereits vor der Rentenprüfung einer Teilerwerbstätigkeit nachgegangen respektive während des massgebenden Beurteilungszeitraums als teilerwerbstätig mit Aufgabenbereich zu qualifizieren ist (BGE 143 I 60 E. 4.4, vgl. auch Urteile des Bundesg erichts vom 18. Dezember 2017, 9C_553/2017, E. 6.1, vom 6. November 2017, 8C_157/201 7, E. 3.3 und 3.5, in: SVR 2018 IV Nr. 7 S. 25, und vom 21. März 2017 9C_615/2016 E. 5.2, in: SVR 2017 IV Nr. 53 S. 160). 6.3 Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwang släufig eine hypothetische Beurtei- lung, die auch hypothetische Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichti- gen hat. Derlei ist einer direkten Beweisführung wese nsgemäss nicht zugänglich und muss in aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden. Die Beurteilung hypothetischer Gesche- hensabläufe stellt eine Tatfrage dar, soweit sie auf Be weiswürdigung beruht, selbst wenn darin auch Schlussfolgerungen aus der allgemeinen Lebenserfa hrung mitberücksichtigt werden. Ebenso sind Feststellungen über innere oder psychische Ta tsachen Tatfragen, wie beispiels- weise was jemand wollte oder wusste (BGE 144 I 31 E. 2 .4; vgl. auch Urteile des Bundesge- richts vom 23. Dezember 2019, 8C_591/2019, E. 2.3, vom 16. Dezember 2019, 8C_571/2019, E. 3.2, vom 31. Oktober 2019, 8C_422/2019, E. 5.2). 7. Der strittigen Angelegenheit liegen zahlreiche är ztliche Unterlagen zu Grunde. Im Fol- genden sollen jedoch lediglich diejenigen Berichte und Gutachten wiedergegeben werden, wel- che sich für den Entscheid als zentral erweisen. 7.1 In seinem Bericht vom 21. August 2002 stellte Dr. m ed. C.____, FMH Neurologie, bei der Patientin rezidivierende Schwindelbeschwerden bei l eichtem Cervicalsyndrom mit cer- vicogener Schwindelkomponente und bei funktioneller Üb erlagerung bei psychosozialer Belas- tungssituation fest. Anamnestisch seien von der Patienti n rezidivierend auftretende sekunden- dauernde Schwindelsensationen seit Januar 2002 geklag t worden, wobei es sich anfänglich hauptsächlich um einen Dreh-, später auch um einen Sch wankschwindel gehandelt habe. Den Schwindelanfällen würden regelmässig Kopfschmerzen mit b eidseitigem frontotemporalem Ma- ximum folgen, welche teils cervicogen bedingt seien und teils als Spannungskopfschmerzen imponieren würden. Zudem beklage die Patientin ebenf alls seit einem halben Jahr auch Na- ckenschmerzen. In seiner neurologischen Befunderhebung habe er keine grobe Pathologie der Hirnnerven erkennen können. Auch sei die Halswirbelsäul e der Patientin gut beweglich, wobei die Endstellungen jedoch leicht schmerzhaft seien und m it flüchtiger Schwindelprovokation ein- hergingen. Der Unterberger Tretversuch habe ein inkonsta ntes Rechtsabweichen gezeitigt, wo- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei dieses nicht mit Sicherheit signifikant sei. Der üb rige neurologische Status werde als unauf- fällig beurteilt. Aus neurologischer Sicht würden sich keine Hinweise auf ein zentral-vestibuläres Geschehen respektive auf eine Hirnstamm-Funktionsstörung finden lassen. Auch eine oto- rhino-laryngologische Abklärung bei Dr. med. D.____, FMH Oto-Rhino-Laryngologie, habe kei- ne Anhaltspunkte für eine periphere Vestibulopathie ergeben. 7.2 Am 13. Dezember 2007 diagnostizierte Dr. med. E. ____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, bei der Patientin eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) bei akzentuier- ten Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1). Sie leide un ter gedrückter Stimmung, Konzentrati- onsstörungen, Erschöpfung, Freudlosigkeit, Müdigkeit und Schlafstörungen. Sie sei oftmals von Schuldgefühlen, Verunsicherung, Ärger und Wut, Hoffnun gslosigkeit und Gefühlen des Ausge- liefertseins und der Aussichtslosigkeit gequält. Wiederh olt sei es zu Überforderungs- und Ver- zweiflungszuständen mit massiver Niedergeschlagenheit geko mmen; zudem leide sie unter Schwindelattacken und allergischen Beschwerden. Sie lebe in dauernder Auseinandersetzung mit ihrem Ehemann, von welchem sie getrennt lebe. Es b estehe seit der Kindheit ein ausge- sprochen schlechtes Verhältnis mit ihrem Vater und auch mit ihrer Mutter habe sie derzeit Streit. Auch am Arbeitsplatz würden Auseinandersetzunge n, Kritik sowie eine drohende Kündi- gung derzeit zu einer Verschlechterung des Zustandes de r Patientin führen. Vom 1. Oktober 2007 bis zum 26. Oktober 2007 habe sie sich zudem wege n zunehmender Erschöpfung und Überforderung bei der Betreuung und Fürsorge zusammen mit ihrem Sohn in der Klinik X.____, stationär behandeln lassen. Er empfehle eine integrie rte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung und Begleitung. Eine Einschätzung, wann di e Patientin wieder in der angestamm- ten Tätigkeit arbeitsfähig sein werde, sei ihm jedoch nicht möglich. 7.3 In seinem Bericht vom 20. Juli 2008 verwies Dr. E. ____ zunächst darauf, dass er nach seiner Mitteilung vom 13. Dezember 2007 ab dem 1. Mai 2008 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % für zwei bis drei Monate festgestellt habe. Der Gesundheitszustand der Patientin habe sich aber wider Erwarten nicht gebessert. Vielmehr sei diese von ihrem Ehemann schwanger geworden und habe – aufgrund einer zunehmenden Depression – in der Folge einen Schwangerschafts- abbruch vornehmen lassen müssen. Aus diesem Grund habe e r der Patientin zur vollständigen Arbeitsunfähigkeit am bisherigen Arbeitsplatz nun auch eine weiterhin andauernde Arbeitsunfä- higkeit von 50 % bis zum 18. August 2008 attestiert. 7.4 Mit handschriftlichem Bericht vom 3. November 2008 stellte Dr. med. F.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, die Diagnose einer m ittelgradigen depressiven Episode sowie einer sozialen Phobie. In seiner Befunderhebung verzeichnete er eine bewusstseinsklare, allseits orientierte Patientin. Sie sei im Affekt deprimiert, mit verminderter Schwingungsfähigkeit, Lust- und Freudlosigkeit. Subjektiv beständen zudem Konz entrationsstörungen. Bisher seien regelmässige psychotherapeutische Sitzungen in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie durchgeführt worden. Hierdurch habe die Patientin ih re Depression überwinden können. Die Patientin sei denn auch in ihrem privaten und berufli chen Leben nicht mehr beeinträchtigt, wes- halb er ab dem 1. November 2008 der Patientin aus psyc hiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100 % attestiere. Er empfehle einzig eine Weiterfü hrung der psychotherapeutischen Be- handlung der sozialen Phobie. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.5 Im Bericht vom 11. November 2008 teilte Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, mit, dass bei der Patientin rezidivierende mit telschwere depressive Episoden, eine bronchiale Hyperreagibilität sowie ein Status nach rezidivierenden Lumboischialgien beständen. Hinsichtlich der Feststellung einer relevanten Arbeitsunf ähigkeit verwies er auf die anamnesti- schen Angaben der Patientin, wonach diese von Dr. F.___ _ seit dem 1. August 2007 zu 50 % arbeitsunfähig geschrieben sei. Aus seiner rein interni stischer Sicht, so Dr. G.____ weiter, sei die Patientin jedoch während dem letzten Jahr nie kran kgeschrieben worden, weshalb er nicht ausführlicher zum jetzigen Leiden Stellung nehmen könne. 7.6 Am 29. Januar 2009 stellte Dr. F.____ in seinem Bericht die Diagnosen eines psycho- genen Schwindels im Rahmen sonstiger somatoformer Stö rungen (ICD-10 F45.8), einer länge- ren depressiven Reaktion im Rahmen einer Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21), einen beste- henden Ehekonflikt (ICD-10 Z63.0) sowie das Vorhandens ein unsicher-vermeidender Persön- lichkeitszüge fest. In seiner Befunderhebung verzeichnete er erneut eine bewusstseinsklare, allseits orientierte Patientin. Es hätten sich Hinweise a uf leichte bis mittelgradige kognitive und mnestische Defizite ergeben, wobei der formale Gedanke ngang kohärent sei. Es beständen keine Anzeichen für Wahnerleben, Halluzinationen oder Ich-Störungen. Die Stimmung sei leicht deprimiert bei erhaltener Schwingungsfähigkeit, es be ständen allerdings Lust- oder Freudlosig- keit. Zudem sei eine Selbstwertproblematik vorhanden. Der Antrieb sei leicht reduziert ohne Morgentief. In Stresssituationen trete ein Schwindelge fühl auf. Es beständen jedoch keine Hin- weise auf Suizidalität sowie Ein- oder Durchschlafstörungen. Die Patientin sei deshalb aus psy- chiatrischer Sicht für alle Tätigkeiten zu 30 % arbeitsu nfähig, wobei eine vollständige Arbeitsfä- higkeit durch berufliche Massnahmen erreichbar erachtet werde. 7.7 In seinem Gutachten vom 31. Dezember 2009 verzeichn ete Dr. B.____ eine bewusst- seinsklare und -helle sowie zu allen Qualitäten voll o rientierte Patientin, deren Aufmerksamkeit während der Dauer des Gesprächs aufrecht erhalten werd en könne und deren Konzentration und Auffassungsgabe ungestört seien. Im formalen Geda nkengang sei sie geordnet und nicht verlangsamt, jedoch deutlich eingeengt auf die erlebten körperlichen Beschwerden. Ihre Grund- stimmung sei leicht gedrückt, nicht labil, nicht dysphori sch, wobei die affektive Modulationsfä- higkeit leicht vermindert sei. Hinweise auf eine akute oder latente Suizidalität oder eines Ge- fühls von Lebensüberdruss hätten sich nicht gezeigt. Eine A ggravation oder Simulation würden nicht vorliegen. In der psychometrischen Untersuchung erzie lte die Patientin auf der Hamilton Depressionsskala (HAMD) 12 Punkte und auf der Montgomery Asberg Depression Rating Scale (MADRS) 15 Punkte, was jeweils einem leichtgradig dep ressiven Syndrom entspreche. Dr. B.____ stellte in der Folge die Diagnosen einer l eichtgradig ausgeprägten depressiven Epi- sode mit einem ausgeprägten somatischen Syndrom im Ra hmen einer depressiven Entwick- lung (ICD-10 F32.01), einer somatoformen autonomen Funktionsstörung des kardiovaskulären Systems, des muskuloskelletalen Systems und des intestinalen S ystems (ICD-10 F45.30, F45.40, F45.31 und F45.32) und eine akzentuierte Per sönlichkeit mit dependenten und selbst- unsicheren Anteilen (ICD-10 Z73.1). Die für die Arbe itsfähigkeit relevante leichtgradig depressi- ve Episode mit somatischem Syndrom ergebe sich dabei aus einer gedrückten Stimmungslage, ausgeprägter Erschöpfbarkeit, Interesseminderung, Schla fstörungen, Insuffizienz- und leichten Schuldgefühlen, deutlicher Irritierbarkeit und Verunsicherung sowie einer leichten Verminderung Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der emotionalen Reagibilität. Der Umstand, dass die E rschöpfung in erster Linie beschwerde- verursacht sei, spreche gegen eine neurasthene oder pse udoneurasthene Symptomatik. Die anamnestisch verzeichnete diffuse Schmerzproblematik mit wandernden Schmerzen in Schulter und Ellenborgen sowie in Hand-, Finger-, Hüft-, Knie -, Fuss- und Zehengelenken sei organisch nicht nachweisbar und trete auch unabhängig von ängstlichen Zuständen im Sinne einer phobi- schen oder Panikstörung auf. Der von der Patientin übe rdies beschriebene Schwindel sei am ehesten als Symptom im Rahmen der somatoformen Gesamtproblematik zu beurteilen. Er sehe deshalb bei der Patientin eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von 20 % ab Ende Januar 2009, wobei berufliche Massnahmen – insbesondere eine Arbeitserprobung mit Feststellung des (auch fachlichen) Ressourcen- und Belastungsprofils – hinsichtlich einer Verbesserung er- folgsversprechend seien. Zudem empfehle er eine psychoth erapeutische Behandlung, insbe- sondere zum Erlernen von Strategien der Beschwerdebewältigung. 7.8 Mit Stellungnahmen vom 18. Januar 2010, vom 11. J uni 2010 sowie vom 23. Juli 2010 verzeichnete Dr. med. H.____, FMH Allgemeinmedizin und Arbeitsmedizin, zertifizierter medizi- nischer Gutachter SIM, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD) , Diskrepanzen zwischen der Ein- schätzung des Gutachters und den Angaben der behandelnd en Ärzte, der Patientin sowie de- ren Arbeitgeber. So werde die Arbeitsfähigkeit der Patientin während ihrer stationären psychiat- rischen Behandlung vom 1. Oktober 2007 bis zum 26. Okto ber 2007 weiterhin mit 50 % ange- geben. Dies sei jedoch nicht nachvollziehbar. Er schlage vielmehr vor, dass von Juli 2007 bis Ende Dezember 2007 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % , von Januar 2008 bis Ende Oktober 2008 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %, von November 2008 bis Ende Januar 2009 eine volle Arbeitsfähigkeit und ab Februar 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % anzuerkennen sei. 7.9 Mit Arztbericht vom 15. September 2011 stellte Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, die psychiatrische Verdachtsdiagnose einer rezidivierenden depressiven Stö- rung seit 2000, gegenwärtig remittiert respektive unte r Behandlung (ICD-10 F33.4) mit chro- nisch anhaltenden Schwindelgefühlen und Verdacht auf P anikattacken (ICD-10 F41.0) bei chronischen Eheproblemen (ICD-10 Z63.0), Problemen mit Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56), Prob- lemen mit ökonomischen Verhältnissen (ICD-10 Z59) und ungenügender familiärer Unterstüt- zung (ICD-10 Z63.2) sowie einer Schlangenphobie (ICD- 10 F40.2). Anamnestisch sei ein Wie- derauftreten massiver Schwindelgefühle vor allem bei S tress- und Belastungssituationen – mit Verstärkung durch Drehbewegungen des Kopfes, Manipulati onen am Nacken oder Lärm – zu verzeichnen. Hinzu komme wiederholt eine affektiv depressi ve Stimmung ohne Hinweise auf Suizidgedanken. Er empfehle eine Fortsetzung des eingesc hlagenen Settings in Form von zweiwöchentlichen psychoanalytisch und verhaltenstherapeutisch orientierten Gesprächen so- wie zusätzliche Unterstützung bei der Wiedereingliederung respektive Jobsuche. Die verbliebe- ne Restarbeitsfähigkeit der Patientin sei schwierig zu quantifizieren und hänge von ihrer Tages- form ab, weshalb eine detaillierte arbeitsmedizinische Abklärung in einer spezialisierten Institu- tion angezeigt sei. Es bestehe eine allgemeine psychosozial e Überforderungssituation, wobei durch die kontinuierliche Behandlung der IV-fremden Be lastungsfaktoren auch die Arbeitsfähig- keit der Patientin wieder gesteigert werden könne. Eine angepasste Tätigkeit müsse einen ruhi- gen Arbeitsplatz ohne somatische oder emotionale Stressfaktoren beinhalten. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.10 Am 22. September 2011 wiederholte Dr. G.____ i n seinem Bericht zu Handen der IV- Stelle, dass bei der Patientin – gestützt auf die frühe ren Berichte von Dr. F.____ – eine rezidi- vierende mittelschwere depressive Episode mit starker Somatisierungstendenz bestehe. Anam- nestisch lägen zudem Schlafstörungen, Antriebslosigkeit sowie diffuse Schmerzen am ganzen Körper vor. Die bisherigen internistischen Abklärungen hätten keine Hinweise auf eine schwer- wiegende somatische Störung ergeben. Er selber habe sie in der Folge erstmals im Februar 2011 aus medizinischer Sicht in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit 50 % arbeitsunfähig erklärt. Er empfehle eine ergänzende medizinische Abklärung aufgrund der Komplexität der Beschwerden der Patientin. 7.11 Mit Bericht vom 17. Oktober 2011 über seine magne tresonanztomographische (MRT) Untersuchung vom 14. Oktober 2011 stellte PD Dr. med. J.____, Facharzt für Radiologie, bei der Patientin eine generalisierte, insgesamt nicht sehr ausgeprägte degenerativ dehydratative Diskopathie der Halswirbelsäule ohne wesentliche Höhenm inderung der Intervertebralräume, eine flache dorsomedial subligamentäre Herniation HWK 5/6 ohne erkennbare Affektion nerva- ler Strukturen sowie eine flache, breitbasig dorsomedial subligamentäre Herniation HWK 6/7 mit linkslateral intraforaminaler kleiner Herniation und dort relevanter foraminaler Einengung fest. 7.12.1 Am 22. Mai 2012 erstattete die asim Bericht über das be i ihr in Auftrag gegebene poly- disziplinäre Gutachten. Im internistischen Teilgutachten von Dr. med. K.____, Facharzt für All- gemeinmedizin und Arbeitsmedizin, zertifizierter medizin ischer Gutachter SIM, wurden keine Diagnosen gestellt. 7.12.2 Im neurootologischen Teilgutachten attestierte Prof. Dr. med. L.____, FMH Oto-Rhino- Laryngologie, der Patientin einen mittelgradigen komp ensierten Tinnitus beidseits sowie ein rezidivierendes Schwindel- respektive Unsicherheitsgefühl oh ne Hinweise für eine peripher- oder zentralvestibuläre Funktionsstörung. In der neurooto logischen Untersuchung habe sich dabei in Bezug auf die Schwindelbeschwerden ein unau ffälliger oto-rhino-laryngologischer Sta- tus gezeigt. Weder mit noch ohne Fixation hätten sich Nysta gmen – mit Ausnahme einzelner Upbeat-Nystagmen in der Elektronystagmographie – auslösen lassen. Das (unauffällige) MRT des Neurokraniums wie auch die neurologische Untersuchung hätten jedoch keine pathologi- sche Bedeutung der vereinzelten Upbeat-Nystagmen zutage fördern können. Aus oto-rhino- laryngologischer Sicht sei die Patientin somit vollständig arbeitsfähig. 7.12.3 Im psychiatrischen Teilgutachten stellte Dr. med. M.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, zertifizierter Arbeitsfähigkeitsassessor SIM und zertifizierter medizinischer Gutach- ter SIM, die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode, mit somatischem Syndrom (ICD-10 F.33.01) nach vorausgeg angener Anpassungsstörung, die Verdachtsdiagnose einer nicht näher bezeichneten Persön lichkeitsstörung (ICD-10 F60.9) mit Zügen einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderlinetyp bei multiplen nega- tiven Erlebnissen in der Kindheit und Jugend, akzentuiert bei negativen Erlebnissen im Erwach- senenalter, mit Differentialdiagnose einer akzentuiert en Persönlichkeit (ICD-10 Z73), sowie die Verdachtsdiagnose einer anderen dissoziativen Störung (ICD-10 F44.8) mit Schwindelsyndrom. Im Psychostatus nach AMDP sei die Patientin dabei stets bewusstseinsklar und in allen Qualitä- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten angemessen orientiert gewesen und habe über 160 M inuten dem Gespräch aufmerksam folgen können. Gedächtnislücken oder Zeitgitterstörungen seien während des Gesprächs kaum aufgefallen. Während der Untersuchung sei sie weder dys phorisch noch euphorisch gewesen; ihre Stimmung erscheine jedoch modulationsfähig. So habe sie einmal während des Gesprächs geweint, habe auch mehrfach kurz gelacht und habe oft a ufgehellter gewirkt. Dabei erfahre die Patientin insbesondere durch Cipralex eine Besserung, da dieses ihre Stimmung aufhelle und sie sich dadurch "dickhäutiger" fühle. Suizidgedanken oder Lebensüberdruss weise sie derzeit nicht auf, nachdem sie in der Jugend einen Suizidversuch a ufgrund von Misshandlungen durch ihren Vater unternommen habe. Es bestehe bei der Pat ientin eine zirkadiane Besonderheit bei ausgeprägtem morgendlichen Stimmungstief. Dr. M.____ führt weiter aus, dass kein Nystag- mus erkennbar und die Diadochokinese regelrecht sei. In der Beurteilung des ZNS- Erfassungsbogens erkennt er eine lediglich geringe Wahr scheinlichkeit einer hirnorganischen Beteiligung an einer psychischen Störung. Auf der Hamil ton Depression Rating Scale habe sie 16 Punkte, entsprechend einer leichten Depression, erzielt. Im SCL-90-Fragebogen nach Dero- gati habe sie sich nicht bis mittelgradig belastet gezeigt. Dr. M.____ erklärte, dass die depressi- ve Störung unbestritten und in mehreren Berichten fest gehalten sei, wobei von einer rezidivie- renden Störung auszugehen sei. Die von Dr. F.____ geste llte Diagnose einer Anpassungsstö- rung sei heute nicht mehr aufrechtzuerhalten und vielmehr in eine affektive Störung umzukodie- ren. Auch die von selbigem attestierte soziale Phobie sei aufgrund der fehlenden Ausprägung nicht mehr als eigenständige Diagnose feststellbar. Eine akzentuierte Persönlichkeit, wie sie bereits von den Dres. E.____ und B.____ diagnostiziert wurde, sei hingegen überwiegend wahrscheinlich vorhanden. Die Schwindelproblematik sei schliesslich unter dem Krankheitsbild der dissoziativen Störung zu subsumieren. Der Patientin sei deshalb eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % zu attestieren, da die angestammte Tätigkeit ei n hohes Mass an Empathie, Frustrati- onstoleranz, Team- und Multitaskingfähigkeit, Konzentra tions- und Antizipationsfähigkeit, Ge- dächtnisleistung sowie Exaktheit verlange. Eine angepa sste Tätigkeit sollte die Vermeidung kognitiv anspruchsvoller und überfordernder Tätigkeiten sowie die Vermeidung intensiven stresserzeugenden Verkehrs mit Kundschaft und Mitarbeite nden beinhalten. Zudem sei den körperlichen Einschränkungen dadurch Rechnung zu tragen, d ass keine Arbeiten über Boden und über Kopf sowie keine Zwangshaltungen des Kopfes ausgeführt werden müssen. Auch sollten regelmässige Arbeitszeiten mit vermehrtem Pausen bedarf veranschlagt werden; jeden- falls aber keine Schichtzeiten. 7.13 Mit Bericht vom 12. Dezember 2012 stellte die Neur ologisch-Neurochirurgische Polikli- nik des Spitals Y.____ bei der Patientin die anlässlich d er Untersuchung vom 12. September 2012 erhobenen Verdachtsdiagnosen einer vestibulären Mi gräne und allenfalls einer sensiblen C8-Radikulopathie links fest. Anamnestisch beschreibe sie episodischen, lage- und lagerungs- unabhängigen Schwankschwindel sowie Kopfdruck von drückendem Schmerzcharakter, wel- cher circa drei Mal pro Woche auftrete und von occipital bihemisphärisch bis in die Augen zie- he. Zudem berichte sie von Photo- und Phonophobien. I n der klinisch-neurologischen Untersu- chung sei ein fingerperimetrisch intaktes Gesichtsfeld mit isokoren Pupillen und prompter Reak- tion auf Licht zu beobachten. Es lägen leichte Hypästhesie n V1 und V2, eine Hypästhesie des linken ulnaren Unterarms und der Dig. IV und V, sowie eine Hypästhesie im gesamten linken Bein vor. Ein am 19. September 2012 erstelltes MRT de s Neurokraniums habe keine intraze- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht rebralen strukturellen Veränderungen ergeben. In der elektromyographischen Untersuchung vom 19. Oktober 2012 und der elektroneurographischen Unt ersuchung vom 23. November 2012 habe sich kein Hinweis auf ein Sulcus-ulnaris-Syndrom ergeben; auch eine motorische Radikulopathie C8 links sei bei fehlendem akuten und chronischen Denervationszeichen in den betreffenden Muskeln nur wenig wahrscheinlich, jedoch ni cht auszuschliessen. Es werde hin- sichtlich der vestibulären Migräne eine schmerzmoduliere nde Therapie und die Führung eines Kopfschmerzenkalenders mit konsequenter Physiotherapie empfohlen. 7.14 Am 22. Januar 2013 teilte Dr. G.____ der IV-St elle die Diagnose einer rezidivierenden mittelschweren Depression mit starker Somatisierungstenden z, die Verdachtsdiagnosen einer vestibulären Migräne und einer sensiblen C8-Radikulopat hie links sowie des bereits bekannten Asthmas bronchiale mit. Die Arbeitsunfähigkeit lasse sich weiterhin nicht genau eruieren und sollte angesichts der Komplexität der Symptome in einer interdisziplinären Abklärung begutach- tet werden. 7.15 Mit Bericht vom 1. Februar 2013 teilte die Neuro logisch-Neurochirurgische Poliklinik des Spitals Y.____ die Ergebnisse der Verlaufskontrolle vom 18. Januar 2013 mit. Als Diagnose wurden ein episodischer Schwankschwindel, differentialdia gnostisch im Rahmen eines phobi- schen Schwankschwindels oder einer vestibulären Migräne, sowie eine Hypästhesie im linken Unterarm und Handbereich, differentialdiagnostisch e ine sensible C8-Radikulopathie oder eine Nervus ulnaris-Affektion festgehalten. Die Kopfschmerzen würden lediglich noch etwa einmal im Monat – nämlich im Zusammenhang mit dem starken Schwanksch windel – auftreten. Bei der diagnostizierten Migräne fehle es jedoch an einer ein deutigen Aura in anderen Qualitäten und auch die Kopfschmerzen würden für sich gesehen die Migränekriterien grundsätzlich nicht erfül- len. Eine symptomatische Behandlung mit physiotherapeuti schem Training und Dokumentation der Schwindel- und Kopfschmerzepisoden sei deshalb angeze igt. Hinsichtlich der Hypästhesie des linken ulnaren Unterarms und der linken ulnaren 2 Finger wurde verzeichnet, dass diese weiterhin vorhanden sei. Es hätten sich in der klinisch-n eurologischen Untersuchung jedoch keine motorischen Defizite nachweisen lassen, weshalb auch hier eine konservative Behand- lung empfohlen werde. Auf eine schmerzmodulierende Th erapie werde, angesichts der bereits vorhandenen antidepressiven Medikation, verzichtet. 7.16 Dr. H.____ stellte mit RAD-Stellungnahmen vom 3 . April 2013 und vom 14. Oktober 2013 klar, dass es der Patientin im Rahmen des gutachterl ich erhobenen Befundes hinsichtlich des Schwindels an den typischen Schwindelsensationen f ehle. Vielmehr beschreibe sie diesen als Kopfdruck, Benommenheitsgefühl, als Ameisenlaufen im Kopf, als Mühe mit dem Gleichge- wicht, als Trance-Gefühl oder eine Art Vibration; zu ke inem Zeitpunkt jedoch als eigentlichen Dreh- oder Schwankschwindel. Trotz umfassender neurootol ogischer Untersuchung durch Prof. L.____ habe – mit Ausnahme einzelner Upbeat-N ystagmen in der Elektronystagmogra- phie – keinerlei organisches Korrelat für den geklagte n Schwindel gefunden werden können. Auch dem elektronystagmographischen Befund komme keine p athologische Bedeutung zu, woraus die Gutachterin ableite, dass es weder eindeut ige Anhaltspunkte für eine peripher- vestibuläre noch für eine zentral-vestibuläre Funktionsstörung gäbe. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.17 Mit Bericht vom 10. Januar 2013 (recte: 2014) te ilte die Neurologisch-Neurochirur- gische Poliklinik des Spitals Y.____ mit, dass sie bei der P atientin aus neurologischer Sicht kei- ne Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit st ellen könne. Die anamnestisch geklag- ten permanenten Schwankschwindel- respektive intermitti erenden Drehschwindelepisoden sei- en in der klinisch-neurologischen Untersuchung nicht mi t einem fokal-neurologischen Defizit nachgewiesen worden. Der chronische Schwindel sei am eh esten multifaktorieller Aetiologie, weshalb eine interdisziplinäre Begutachtung bei der asim empfohlen werde. 7.18 In seinem Arztbericht vom 29. September 2014 – wel chen er in den Berichten vom 29. Juni 2016 und vom 26. Juli 2017 bestätigte – hielt Dr. I.____ die Diagnosen von rezidivie- renden leichten bis schweren depressiven Störungen (seit circa 2008), aktuell remittiert (ICD-10 F33.4) mit chronisch rezidivierenden Schwindelgefühlen (seit circa 2002) bei cervicaler Gefäss- einengung links, chronischem Ehekonflikt (ICD-10 Z63.0), Problemen bei der Erziehung des Sohnes (ICD-10 Z62.8), ungenügender familiärer Unterstützung (ICD-10 Z63.2), Problemen mit der Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56) sowie chronischen fi nanziellen Schwierigkeiten (ICD-10 Z59) fest. Hinzu kommen die Diagnosen einer Spinnen- und S chlangenphobie (ICD-10 F40.2), einer generalisierten degenerativen Diskopathie der Halswirbe lsäule mit dorsomedialen Herniationen HWK5/6 und HWK6/7 mit linkslateraler foraminaler Eine ngung, sowie des bereits bekannten polyallergischen Asthmas. In seinem ärztlichen Befund verze ichnete er keine Hinweise auf we- sentliche Aufmerksamkeits-, Denk- oder Gedächtnisstörungen, Befürchtungen, Zwänge, Wahn- vorstellungen oder Sinnestäuschungen. Anamnestisch würden die rezidivierenden (psycho-) somatischen Probleme der Luftwege, des Magendarmtraktes und die zum Teil massiven Schwindelgefühle und Kopfschmerzen zu starken Einschränku ngen ihrer Konzentrationsfähig- keit sowie zu Vergesslichkeit und einer allgemeinen Verlangsamung und Erschöpfung führen. In der Folge seien zudem wiederholte, unterschiedlich stark ausgeprägte depressive Episoden mit Verminderungen von Antrieb, Freude und Interesse, Üb erforderungsgefühlen, Ein- und Durch- schlafschwierigkeiten, Konzentrationsstörungen, Nervosität , Gereiztheit, Entscheidungsschwie- rigkeiten und Sinnkrisen ohne Suizidgedanken aufgetrete n. Die Arbeitsfähigkeit der Patientin sei objektiv nur schwierig einschätzbar, weil die von der Patientin angegebenen, vor allem stressabhängigen Beschwerden und Symptome mehrheitlich un spezifisch, unterschiedlich aus- geprägt und anatomisch-körperlich nur ungenügend nachweis- und erklärbar seien. Die Patien- tin selber gehe von einer Arbeitsunfähigkeit von mind estens 50 % aus. Dr. I.____ hielt fest, dass eine angepasste Tätigkeit ohne somatische oder em otionale Stressfaktoren die Arbeitsfä- higkeit der Patientin verbessern würde und empfahl ern eut eine detaillierte arbeitsmedizinische Abklärung in einer spezialisierten Institution. 7.19 Dr. N.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera pie, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, RAD beider Basel, stellte in seiner RAD- Stellungnahmen vom 19. Januar 2015 – mit Bestätigung in der Stellungnahme vom 29. Juli 2 016 – unter Hinweis auf die Lehre fest, dass remittierte depressive Störungen keine dauerhafte od er erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und leichte depressive Episoden auch n ur eine geringe Arbeitsunfähigkeit be- gründen würden. Es fehle der von Dr. I.____ attestiert en 50 % Arbeitsunfähigkeit an einer ge- nügenden medizinischen Begründung; er stütze sich mehrhe itlich auf das subjektive Erleben der Patientin ab. Es sei zudem nicht erkennbar, wie di e geltend gemachten Spinnen- und Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schlangenphobien hinsichtlich der angestammten Tätigkeit als Sachbearbeiterin in einer Ge- meinde einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ausüben sollten. Die von Dr. I.____ beschriebe- nen Belastungsfaktoren schliesslich seien als invaliditäts fremde Faktoren nicht unbesehen in die Begründung der medizinischen Arbeitsunfähigkeit einzubeziehen. 7.20 In seinen Arztberichten vom 10. September 2015 un d vom 29. Juni 2017 verzeichnete Dr. G.____ als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits fähigkeit den Verdacht auf eine ves- tibuläre Migräne, das Asthma bronchiale, die rezidivie renden depressiven Episoden sowie eine allergische Rhinopathie. In ersterem Bericht erklärte er , dass die Arbeitsfähigkeit der Patientin schwierig zu beurteilen und deshalb interdisziplinär abzuklären sei, während er in letzterem eine Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf von maximal 50 % veranschlagte. 7.21 Dr. N.____ verzeichnete in seinen RAD-Stellungnah men vom 14. September 2015 und vom 29. Juli 2016, dass der von Dr. G.____ im Bericht vo m 10. September 2015 geltend ge- machte Verdacht auf eine vestibuläre Migräne durch das Gutachten vom 12. Mai 2012 hinrei- chend widerlegt worden sei. Zudem lege Dr. G.____ in seinem Bericht keine neuen Beschwer- den, Befunde oder anderweitigen Argumente dar, welc he auf eine Verschlechterung im Ver- gleich zur Begutachtung durch die asim hinweisen würde n. Eine Indikation zur erneuten Abklä- rung sei deshalb nicht erkennbar. 7.22 Mit Bericht vom 8. April 2016 über seine MRT-Unte rsuchung vom 7. April 2016 stellte PD Dr. med. O.____, FMH Radiologie, bei der Patient in vorwiegend mediane Diskushernien von C4/5 bis C6/7 mit von proximal nach distal zunehmend en Befunden fest. Eine wesentliche Grössenzunahme der Hernien gegenüber der Voruntersuchung vom Oktober 2011 liege aber nicht vor. Des Weiteren finde sich eine durch die Hernie und leichte knöcherne Anbauten be- dingte Foraminalstenose auf C6/7 links, so dass eine Irritation der linken C7-Wurzel gut möglich sei. Hingegen seien keine wesentlichen Veränderungen im zervikookzipitalen Übergang aus- zumachen. 7.23 Mit Faxschreiben vom 25. Juni 2018 sowie ergänzend em Arztbericht vom 12. Sep- tember 2018 stellte Dr. med. P.____, FMH Allgemeine Innere Medizin und FMH Rheumatolo- gie, die Diagnose von Fussbeschwerden links mehr denn recht s aufgrund mehrfacher Ursa- chen, darunter eine Valgus-Knick-Senkfussdeformität bei dseits, einer Grosszehengrundge- lenksarthrose beidseits mit Einsteifung rechts, einer degenerativen Achillessehnen-Tendopathie links mit Verdickung und einer Plantarfaszien-Insertionst endopathie links. Des Weiteren stellte er die Diagnosen von Fingergelenksbeschwerden beidseit s bei Hyperlaxität (Beighton Score 8/9) und bei Verdacht auf beginnende Fingergelenkspol yarthrosen in der PIPs, einer Thoracic- Outlet-Symptomatik links sowie eines Status nach Diskusherni e nuchal mit rezidivierenden cer- vicalen Beschwerden. Am 4. September 2018 bei Dr. med. Q.____, FMH Rheumatologie, durchgeführte Ultraschall-Untersuchungen hätten dabei weder im Hand- noch in den Finger- oder Zehengelenken Hinweise auf Synovitiden, Tenosynoviti den oder Periarthritis ergeben. Ei- ne Behandlung der Beschwerden habe erstlinig in konseque ntem Tragen von massorthopädi- schen Schuheinlagen zu erfolgen. Soweit damit keine bef riedigende Beschwerdeverringerung zu erreichen sei, könne eine solche allenfalls mittels Ph ysiotherapie noch erreicht werden. Un- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht günstig seien ausschliesslich stehende, Stufen-, Leitern- u nd gehäuft Treppen-benutzende Tä- tigkeiten sowie Arbeiten mit erhöhten feinmotorischen A nforderungen im Handbereich oder ausgesprochen handbelastende Tätigkeiten. 7.24 In seinem Arztbericht vom 21. Oktober 2018 erklärte Dr. I.____, dass er bisher selber keine Arbeitsunfähigkeiten bei der Patientin attesti ert habe, sondern lediglich deren subjektive Angaben wiedergegeben habe. Die Arbeitsfähigkeit sei objektiv weiterhin nur schwer ein- schätzbar, da die von der Patientin angegebenen, vor all em stress- und belastungsabhängigen Beschwerden und Symptome mehrheitlich unspezifisch, untersc hiedlich ausgeprägt und ana- tomisch-funktionell nur ungenügend nachweis- und erklärb ar seien. Die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Patientin dürfte je nach Tagesform zwischen 30 % und 70 % eines normalen Pensums liegen. Seit seinen Vorberichten habe sich die S ituation nicht wesentlich verändert; die Patientin leide weiterhin an rezidivierenden Schw indelgefühlen und Kopfschmerzen, welche insbesondere durch Drehbewegungen des Kopfes, Manipulati onen am Nacken, Lärm und all- gemein durch Stress- und Belastungssituationen ausgelöst r espektive verstärkt würden. Diese Symptomatik führe anamnestisch weiterhin zu starken Einschr änkungen ihrer Konzentrations- fähigkeit, entsprechender Vergesslichkeit sowie zu einer a llgemeinen Verlangsamung und Er- schöpfung, Überforderungsgefühlen, Ein- und Durchschlafsch wierigkeiten, Nervosität, Gereizt- heit, Entscheidungsschwierigkeiten und Sinnkrisen. In der objektiven Befunderhebung sei wei- terhin eine bewusstseinsklare und allseits orientierte Pa tientin ohne Hinweise auf wesentliche Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- oder Denkstörungen, Befürchtungen, Zwänge, Wahnvorstellun- gen oder Sinnestäuschungen zu beobachten. Als Diagnosen bestätigte Dr. I.____ die bereits attestierte rezidivierende leichte bis schwere depressive Störung, derzeit mit leichter Episode (ICD-10 F33.0) bei chronisch rezidivierenden, ausgeprägten Schwindelgefühlen und diversen Z- Diagnosen. Zudem wiederholte er die anlässlich der MRT -Untersuchungen vom 14. Oktober 2011 und vom 23. Juni 2017 gestellten Diagnosen bezügl ich der Hals- und Lendenwirbelsäule. Die möglichen Ressourcen der Patientin, welche für eine Eingliederung hilfreich sein könnten, sehe er durch ihre Erschöpfungszustände, Polyallergien und chronischen Finanzprobleme ein- geschränkt. Ausserdem fühle sie sich in der quasi-alleine rziehenden Betreuung ihres Sohnes meist ausgelastet und zuweilen überfordert. Allerding s bemühe sie sich, ihre familiären und so- zialen Beziehungen und Bekanntschaften so gut wie möglich zu pflegen. 7.25.1 Am 12. April 2019 erstattete die SMAB Bericht über das bei ihr in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten. Im orthopädisch-traumatologi schen Teilgutachten von Dr. med. R.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie u nd Traumatologie des Bewegungsap- parates und Facharzt für Chirurgie, zertifizierter med izinischer Gutachter SIM, und im internisti- schen Teilgutachten von Dr. med. S.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, zertifizierter medi- zinischer Gutachter SIM, wurden dabei keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. 7.25.2 Im neurologischen Teilgutachten wurden von Dr. m ed. T.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Neurologie, zertifizie rter medizinischer Gutachter SIM, die Diagnosen einer Migräne ohne Aura (ICD-10 G43.0), vo n Spannungskopfschmerzen (ICD-10 G44) sowie einer generalisierten degenerativen Diskopat hie der Halswirbelsäule mit dorsome- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht dialen Herniationen und einer geringgradigen osteodi skogenen foraminalen Einengung festge- stellt. In der klinischen Untersuchung sei weder Druck noch Klopfschmerz im Bereich der Schä- delkalotte feststellbar gewesen. Hinweise auf einen N ystagmus oder Sakkaden seien nicht vor- handen. Sämtliche untersuchten Reflexe seien ohne Patho logie und seitengleich sehr lebhaft auslösbar. Der Test of Memory Malingering habe keine Hin weise auf das Vorliegen einer Ag- gravation oder gar Simulation ergeben. Die Beschwerde n auf dem neurologischen Fachgebiet seien nachvollziehbar und plausibel. Die Diagnose einer M igräne decke sich mit dem Bericht des Spitals Y.____ vom 1. Februar 2013, welcher dies e als Verdachtsdiagnose attestiere. Aus neurologischer Sicht werde der Patientin empfohlen, d as Arbeiten an kalten und heissen Ar- beitsplätzen zu vermeiden und für ein geregeltes Arbe itsumfeld zu sorgen. Die Einschränkung der Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und in eine r angepassten Tätigkeit betrage aus neurologischer Sicht 10 %. Hinsichtlich der Migräne sei zudem eine Intervalltherapie angezeigt. 7.25.3 Im psychiatrischen Teilgutachten stellte Dr. med. U.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie sowie Psychosomatische Medizin, die Diagnosen einer rezidivie- renden depressiven Störung mit leichten bis schweren Episo den, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.1), sowie einer akzentuierten Persönlichkei t mit emotional instabilen Merkmalen (ICD-10 Z73). In der klinischen Untersuchung sei die Pa tientin dabei stets wach, bewusstseins- klar und in allen Qualitäten vollständig orientiert g ewesen und habe über 90 Minuten dem Ge- spräch ohne Hinweise auf reduzierte Konzentration oder reduzierte Aufmerksamkeit folgen können. Die Merkfähigkeit wie auch die Willensbildung seien ungestört. Der Grundaffekt sei leicht zum depressiven Pol verschoben, jedoch gäbe es keine Hinweise auf eine affektive Labili- tät, wenngleich die Schwingungsfähigkeit eingeschränkt sei. Es bestehe hingegen eine zirkadi- ane Besonderheit durch das morgendliche Stimmungstief. Hinsichtlich der geschilderten Schwindelsymptomatik lasse sich keine dissoziative Symptomati k erfassen; die Kriterien einer Somatisierungsstörung seien nicht ganz erfüllt, weswegen diese Diagnose nicht gestellt werden könne. Dr. U.____ betont, dass die Patientin bei Einna hme von Cipralex sowohl hinsichtlich der depressiven Symptomatik als auch in Bezug auf das Schwindelgefühl profitiere. In der versiche- rungsmedizinischen Beurteilung sei die Arbeitsfähigkeit der Patientin aus psychiatrischer Sicht im Längsschnitt leicht bis mittelschwer beeinträchtigt, was einer Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit von 30 % in der angestammten wie einer angepa ssten Tätigkeit entspreche. In den An- gaben der Patientin würden einzig Inkonsistenzen hinsich tlich des Erlebens eines sexuellen Missbrauchs in der Jugend sowie des Konflikts mit dem Vater, jedoch keine Aggravation oder Simulation auffallen. Aus gutachterlicher Sicht besitze die Patientin insbesondere in ihrer Leis- tungsorientiertheit und ihrer Restfähigkeit angemessene Ressourcen. Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei durch medizinische Massnahmen nicht möglich, jedoch könne durch eine ergänzende kognitive Verhaltenstherapie der Umgang mi t dem Schwindel im Sinn einer stabili- sierenden Funktion verbessert werden. 8. Vorgängig anzumerken ist, dass die im Verfahren von 2 016 (Urteil des Kantonsge- richts, Abteilung Sozialversicherung [KGE SV] vom 6. Okt ober 2016, 720 16 90 / 262, E. 5.4) beanstandete fehlende Eingliederung gehörig nachgehol t wurde, was auch von der Beschwer- deführerin nicht bestritten wird. Anlässlich des Assessment-Gesprächs vom 15. November 2017 gab die Beschwerdeführerin an, derzeit nicht in der La ge für Belastbarkeits- und Aufbautrai- Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht nings zu sein. In der Folge wurde ein individuelles Bewerbungscoaching vereinbart, welches sie von Dezember 2017 bis Februar 2018 absolvierte. Mit S chreiben vom 20. März 2018 wurde ein Anspruch auf weitere Eingliederungsmassnahmen durch di e IV-Stelle abgelehnt, was von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet wurde. 9.1 Streitig ist zunächst der Anspruch auf eine (ganze) Invalidenrente für den Zeitraum ab dem 1. Februar 2009. Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei der Ablehnung eines Rentenan- spruchs der Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf das po lydisziplinäre Gutachten der SMAB, wonach die Beschwerdeführerin aus medizinischer Sich t per 3. November 2008 voll- ständig arbeitsfähig respektive per 1. Februar 2009 zu 30 % arbeitsunfähig gewesen ist. Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, dass diese gutac hterliche Einschätzung hinsichtlich der attestierten Arbeitsfähigkeit von 70 % auf dem freie n Arbeitsmarkt – aufgrund der Schwindel- problematik und der schwankenden Tagesform – nicht nach vollziehbar und ihr vielmehr eine verbleibende Restarbeitsfähigkeit von 40 % zuzuerkennen sei, geht sie fehl, wie nachfolgend aufzuzeigen ist. 9.2 Das Gutachten der SMAB entspricht grundsätzlich den allgemeinen Anforderungen an ein Gutachten (siehe Erwägung 5.2 hiervor): So nimmt e s insbesondere ausführlich Kenntnis von den Vorakten und bespricht diese, soweit sie für die jeweiligen Teilgutachten einschlägig sind. Auch auf die Berichte von Dr. I.____ wird – ent gegen der Behauptung der Beschwerdefüh- rerin – wenn auch in knapper Form Bezug genommen. Da bei ist zu berücksichtigen, dass diese Berichte auch nicht in dem von der Beschwerdeführerin vo rgebrachten klaren Widerspruch zur gutachterlichen Einschätzung stehen (siehe Erwägung 9.3. 1 hernach). Die jeweiligen Untersu- chungen wurden mit eingehender Anamneseerhebung, Sympt omerfassung, Verhaltensbe- obachtung und gegebenenfalls mithilfe standardisierter klinischer Testungen durchgeführt. Sie führen bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen u nd nachvollziehbaren Ergebnissen. So wird insbesondere stimmig hergeleitet, weshalb bei de r Patientin im Längs- respektive Durch- schnitt von einer psychiatrisch leicht bis mittelschwer bee inträchtigten Arbeitsfähigkeit und da- mit einer Arbeitsunfähigkeit von 30 % auszugehen ist. Dass im neurologischen Teilgutachten dem Schwindel grundsätzlich keine organische Ursache zug runde gelegt werden kann, stimmt mit den Ergebnissen des neurootologischen Teilgutachten s der asim überein. Aus psychiatri- scher Sicht kann die Schwindelproblematik überdies kein er Diagnose nach einem wissen- schaftlich anerkannten Klassifikationssystem zugeordnet werde n. Die Diagnose ist zwar für die Beurteilung der Höhe der Arbeitsunfähigkeit, nicht a ber für den dieser Arbeitsunfähigkeit zu- grundeliegenden Gesundheitsschaden an sich unbeachtlich (siehe Erwägungen 4.1 und 4.2 hiervor). Mangels einer solchen Diagnose fehlt es somit an der notwendigen Voraussetzung zur Annahme eines (allenfalls) invalidisierenden Gesundheitsschadens, weshalb keine Arbeitsunfä- higkeit insoweit begründet werden kann. Diese Einschätz ung erging innerhalb des dem psychi- atrischen Gutachters bei de lege artis durchgeführter Untersuchung zustehenden Ermessens- spielraums und ist somit nicht zu beanstanden (siehe Erwägung 4.1 hiervor). Damit verzeichnet das Gutachten diesbezüglich zu Recht keinen eigenständi gen, eine Arbeitsunfähigkeit begrün- denden Faktor. Auch die Attestierung einer vollen Arbe itsfähigkeit aus orthopädisch- rheumatologischer Sicht überzeugt (siehe Erwägungen 7.23 und 7.25.1 hiervor) und bedarf kei- ner Weiterungen. Schliesslich weist das Gutachten der SM AB die erforderlichen Angaben zur Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prüfung der Standardindikatoren auf, da die Ausprägu ng der diagnoserelevanten Befunde ge- würdigt, die persönlichen und sozialen Ressourcen eruie rt und die Konsistenz der Einschrän- kungen ausführlich und überzeugend dokumentiert sind (sie he Erwägung 4.3 hiervor). Damit erlaubt es das Gutachten der SMAB, das tatsächlich erreic hbare Leistungsvermögen abzu- schätzen, weshalb ihm volle Beweiskraft zukommt. Kommt de m Gutachten jedoch volle Be- weiskraft zu, sind abweichende fachärztliche Beurteilung en nicht ohne Weiteres geeignet, Grund zur Beanstandung am Abstellen auf das Gutachten zu geben. Vielmehr müssen konkrete Zweifel – etwa durch innere Widersprüche oder mangelnd e Nachvollziehbarkeit – an der Validi- tät des Gutachtens geweckt werden, um dieses zu erschüttern (siehe Erwägung 5.3 hiervor). Aus den Berichten der behandelnden Ärzte Dres. G.____ und I.____ können jedoch – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin – keine solchen konkrete n Zweifel am Gutachten der SMAB abgeleitet werden. 9.3.1 Hinsichtlich der Berichte von Dr. I.____ ist zu betonen, dass dieser durchgehend fest- hält, dass eine Quantifizierung der verbliebenen Restarb eitsfähigkeit der Patientin schwierig und deshalb durch eine spezialisierte Institution abzuklä ren sei. Die erstmals im Bericht vom 29. September 2014 attestiere Arbeitsunfähigkeit von 5 0 % wird ausdrücklich als Selbstein- schätzung der Beschwerdeführerin verzeichnet. Dies bestätigt Dr. I.____ in seinem Bericht vom 21. Oktober 2018, als er verzeichnet, dass er bisher sel ber keine eigene Einschätzung der Ar- beitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin abgegeben hab e. Sie dürfte je nach Tagesform wohl zwischen 30 % und 70 % eines normalen Pensums liegen. Da bei stützt er sich insbesondere auf die anamnestisch verzeichneten schweren Episoden der Depression der Beschwerdeführe- rin. In den Berichten vom 15. September 2011, vom 29. September 2014 und vom 26. Juli 2017 beschreibt er jedoch eine Remission der Depression und i n den Berichten vom 29. Juni 2016 und vom 21. Oktober 2018 lediglich leichte Episoden. Dies deckt sich mit den Einschätzungen von Dr. U.____ im SMAB-Gutachten vom 12. April 2019 und von Dr. M.____ im asim-Gutachten vom 22. Mai 2012, welche ebenfalls zum jeweiligen Zei tpunkt eine leichte Episode und deswe- gen eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % bescheinigen. Schliesslich ging auch bereits Dr. B.____ in seinem Gutachten vom 31. Dezember 2009 von einer leich tgradigen depressiven Episode und einer Arbeitsunfähigkeit von 20 % aus. Selbst die Dre s. E.____ und F.____ gingen in ihren Be- richten vom 13. Dezember 2007 respektive vom 3. November 2008 einzig von einer mittelgradi- gen depressiven Episode aus. Konkrete Hinweise für die schweren Episoden, welche eine hö- here Arbeitsunfähigkeit als 30 % begründen könnten, e rgeben sich deshalb für den vorliegend strittigen Zeitraum nicht. Die Ausführungen von Dr. I. ____ stehen deshalb – entgegen der An- sicht der Beschwerdeführerin – nicht in dem Masse diame tral zur Einschätzung der SMAB, als dass sie geeignet wären, konkrete Zweifel an der Validität des Gutachtens zu wecken. 9.3.2 Die Berichte von Dr. G.____ wiederum stützen sich in der Bescheinigung der Arbeits- unfähigkeit im Wesentlichen auf die Angaben der behand elnden Psychiater. So verzeichnet er in den Berichten vom 11. November 2008 und vom 22. September 2011, dass die Beschwerde- führerin durch Dr. F.____ zu 50 % arbeitsunfähig gesc hrieben worden sei. Im Bericht vom 10. September 2015 bezeichnete er die Arbeitsfähigkei t der Beschwerdeführerin als schwierig zu beurteilen und interdisziplinär abklärungsbedürftig. Im Bericht vom 17. Oktober 2018 ver- weist er schliesslich ebenfalls integral auf die Beurteil ung durch Dr. I.____. Einzig dem Bericht Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 29. Juni 2017 ist eine eigene Arbeitsunfähigkeitseinsch ätzung zu entnehmen, wobei diese wiederum der von Dr. I.____ mehrfach verzeichneten Sel bsteinschätzung der Beschwerdefüh- rerin entspricht. Selbst wenn diese Einschätzung von Dr. G.____ selbst getätigt worden wäre, wäre sie – da er nicht Facharzt für Psychiatrie und Psychot herapie ist – als fachfremd und damit im Beweiswert geschmälert zu betrachten. Damit ergeben sich auch aus den Berichten von Dr. G.____ keine Indizien, welche konkrete Zweifel am Gutachten der SMAB wecken könnten. 9.3.3 In Bezug auf die von Dr. F.____ und Dr. I.____ gestellten Diagnosen des Ehekonflikts (ICD-10 Z63.0), der Probleme bei der Erziehung des So hnes (ICD-10 Z62.8), der ungenügen- den familiären Unterstützung (ICD-10 Z63.2), der Pro bleme mit der Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56) und der chronischen finanziellen Schwierigkeiten (ICD-10 Z59) sowie der in den (Teil-) Gutachten von Dr. B.____, Dr. M.____ und Dr. U.____ gestellten Diagnose der akzentuierten Persönlichkeit (mit dependenten und selbstunsicheren Anteilen respektive mit emotional instabi- len Merkmalen, ICD-10 Z73) ist zu beachten, dass die Ka tegorien Z00 bis Z999 des Diagnose- Code ICD-10 für Fälle vorgesehen sind, in denen Sachve rhalte als "Diagnosen" oder "Proble- me" angegeben sind, die nicht als Krankheit, Verletzun g oder äussere Ursache unter den Kate- gorien A00 bis Y89 klassifizierbar sind (siehe ICD-10-GM V ersion 2020 – Systematisches Ver- zeichnis, Internationale statistische Klassifikation der Kr ankheiten und verwandter Gesund- heitsprobleme, 10. Revision – German Modification, Ver sion 2020 – Stand vom 25. Mai 2020, Hinweise zum Kapitel XXI; vgl. auch Urteile des Bunde sgerichts vom 5. Dezember 2016, 9C_551/2016, E. 5.4, in: SVR 2017 IV Nr. 28 S. 82, vom 28. Juni 2012, 9C_537/2011, E. 3.1, in: SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189, und vom 20. September 2011, 8C_302/2011, E. 2.3, in: SVR 2012 IV Nr. 22 S. 95). Z-kodierte Diagnosen fallen na ch bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht unter den Begriff der invaliditätsrechtlich erhe blichen Gesundheitsbeeinträchtigungen; sie stellen somit grundsätzlich keine invalidisierenden Gesun dheitsschäden dar (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 12. November 2019, 9C_542/2019, E. 3 .2 und vom 16. April 2018, 9C_271/2017, E. 4.5, je mit weiteren Hinweisen). De mentsprechend geben aber auch diese Diagnosen keinen Grund zur Beanstandung des Gutachtens. 9.4 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass keine konkreten Zweifel am Gut- achten der SMAB zutage getreten sind, weshalb diesem vol ler Beweiswert zukommt. Die darin festgestellte Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit von 30 % ab dem 1. Februar 200 9 durfte von der Beschwerdegegnerin deshalb zu Recht für die Bemessung des Invaliditätsgrades herangezogen werden. 10.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen d er gesundheitlichen Beeinträchtigun- gen. Zwischen den Parteien unbestritten geblieben sind für den erwerblichen Bereich sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen, mit Ausn ahme des leidensbedingten Abzugs. Im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes hat das Kantonsg ericht die besagten Einkommen jedoch auch dann zu prüfen, wenn keine Begehren diesbezüglich gestellt wurden. 10.2.1 Zunächst ist die Berechnung des Valideneinkomme ns zu prüfen. Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmög- lichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwieg enden Wahrscheinlichkeit als gesun- Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht de Person tatsächlich verdienen würde (Art. 29 Abs. 1 IV G; BGE 135 V 59 E. 3.1, 131 V 53 E. 5.1.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 25. März 2020, 8C_795/2019, E. 3.2 und vom 14. Januar 2020, 8C_630/2019, E. 4.1). Da nach empir ischer Feststellung in der Regel die bis- herige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt w orden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens grundsätzlich der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschä- digung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und der re alen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 2020, 8C_630/2019, E. 4.1, in: SVR 2020 IV Nr. 37, S. 131, mit Verweis auf BGE 139 V 3 0 E. 3.3.2, 135 V 59 E. 3.1, 134 V 325 E. 4.1, je mit Hinweisen). Ausnahmen müssen mit überwi egender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 30 E. 3.3.2; vgl. auch Urteil des Bun desgerichts vom 6. Oktober 2020, 9C_316/2020, E. 3.1 und vom 11. September 2020, 8C_402/2020, E. 4.1). 10.2.2 Entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin, welche in der angefochtenen Verfü- gung gestützt auf die schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik BFS (LSE) für das Jahr 2016 von einem Valideneinkommen von Fr. 75'371.-- ausging, ist vorliegend auf das Einkommen in der letzten Tätigkeit abzustellen . Die letzte reguläre Arbeitgeberin – die Gemeinde Z.____ – hatte das Arbeitsverhältnis aufgru nd ungenügender Leistungen auf den 31. Mai 2008 hin aufgelöst. Die Kündigung fand mithi n in jenem Zeitraum statt, in welcher die Beschwerdeführerin zu 50 % arbeitsunfähig war (siehe E rwägung 7.8 hiervor). Die in der Kün- digung vorgebrachten Gründe entsprechen dabei den gut achterlich bestätigten Beeinträchti- gungen der Beschwerdeführerin während dieser Zeit. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Kündigung ohne Gesundheitsschädigung nicht ausgespr ochen worden wäre und die Be- schwerdeführerin damit weiterhin für ihren damaligen Arbeitgeber tätig wäre. Gestützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin (13 Monate x Fr . 5’959.30) ist deshalb von einem Va- lideneinkommen von Fr. 77’471.-- für das Jahr 2008 auszugehen. 10.3.1 Zu klären bleibt die Höhe des Invalideneinkomme ns. Das Invalideneinkommen bestimmt sich danach, was die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zum utbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (BGE 131 V 53 E. 5.1.2 ). Für die Bestimmung des Invaliden- einkommens können nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Tabellenlöhne gemäss den LSE (BGE 139 V 594 E. 2.3, 135 V 301 E. 5.2) – in d er Regel die Monatslöhne der Zeile “Total Privater Sektor“ (BGE 144 I 110 E. 5.2; vgl. auch Urte ile des Bundesgerichts vom 17. Oktober 2018, 9C_444/2018, E. 3.1 und vom 24. August 2007, 9C _237/2007, E. 5.1, in: SVR 2008 IV Nr. 20 S. 64) – herangezogen werden. Auf die Löhne einzelner Sektoren oder gar einzelner Branchen ist abzustellen, wenn dies sachgerecht erschein t, um der im Einzelfall zumutbaren erwerblichen Verwertung der verbleibenden Arbeitsfähi gkeit Rechnung zu tragen, namentlich bei Personen, die vor der Gesundheitsschädigung lange Zeit in diesem Bereich tätig gewesen sind und bei denen eine Arbeit in anderen Bereichen k aum in Frage kommt (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 15. Mai 2014, 8C_910/2013, E. 3.1.2 .1 und vom 7. März 2013, 9C_841/2013, E. 4.2, je mit Hinweisen). 10.3.2 Die Beschwerdegegnerin ging zu Recht davon aus, dass die Beschwerdeführerin wei- terhin im angestammten Sektor tätig sein möchte, was diese anlässlich der Begutachtung bei Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht der SMAB auch mehrfach bestätigte. Der Sektor "Andere kaufmännische und administrative Tätigkeiten" ist jedoch lediglich in der Tabelle TA7 ( bis 2010) zu finden; in der Tabelle T17 (ab 2012) ist diesbezüglich hingegen der Sektor "Sonstige Bür okräfte und verwandte Berufe" ein- schlägig und vorliegend auch gerechtfertigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2018, 8C_212/2018, E. 4.4.1). Da erst seit 2012 nach Berufsgr uppen unterschieden wird, ist bei der Berechnung des Valideneinkommens früherer Jahre ausgehend vom Wert des Jahres 2012 die zwischenzeitliche Nominallohnentwicklung abzuziehen (vgl. Ur teil des Bundesgerichts vom 15. September 2020, 8C_285/2020, E. 3 und 4.4). Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht den Monatslohn von Fr. 5'779.-- (LSE 2012, Tabelle T17, Z eile 44, Spalte Frauen 30-49) basierend auf 40 Wochenstunden herangezogen. Nach Umrechnung au f die betriebsübliche Wochenar- beitszeit im entsprechenden Sektor von 41.3 Stunden ( vgl. “Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilung“, BFS Nr. je-d-03.02.03.01.04.01 , Tabelle 2004-2019, Zeile O, Spalte 2008) und nach Abzug der Nominallohnentwicklung von 3.6 % (vgl. “Nominallohnindex Frauen 2011-2019“, BFS Nr. je-d-03.04.03.00.03, Tabelle T1 .2.10, Zeile O, Spalte 2011 bis 2012 und “Nominallohnindex Frauen 2006-2010“, BFS Nr. je-d-0 3.04.03.00.02, Tabelle T1.2.05, Zeile M,N,O, Spalte 2009 bis 2010) x 12 Monate (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Januar 2016, 9C_672/2015, E. 3.1) ergibt sich ein jährliches Einkommen von Fr. 69’114.-- für das Jahr 2008. Bei einem zumutbaren Pensum von 70 % resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 48'380.--. 10.4.1 Gegen diese Berechnung des Invalideneinkommens b ringt die Beschwerdeführerin vor, dass ihr ein leidensbedingter Abzug von mindestens 10 % zu gewähren sei. Dieser sei auf- grund der höchstens halbtägigen Tätigkeit in einem durch schnittlichen Pensum von 40 % - und des hierdurch bedingten überdurchschnittlichen und damit unzumutbaren Entgegenkommens eines potentiellen Arbeitgebers – notwendig. 10.4.2 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswer- ten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche u nd berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 146 V 19 E. 4.1, 142 V 181 E. 1.3, 124 V 322 E. 3b/aa). So drängt sich ein Abzug aufgrund funktioneller Ein- schränkungen dann auf, wenn sie ihrer Natur nach nicht ohne Weiteres mit den Anforderungen vereinbar sind, wie sie sich aus den gewöhnlichen betriebl ichen Abläufen in einer leidensange- passten Tätigkeit ergeben (vgl. Urteil des Bundesgerichts v om 16. Juli 2008, 9C_119/2008, E. 2.3.1). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherwei se nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 79 E. 5b/aa). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einze lfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 146 V 20 E. 4.1, 135 V 302 E. 5.3, 126 V 80 E. 5b/bb). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat die Beschw erdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 28. Ja nuar 2014, 9C_796/2013, E. 3.2 und vom 21. September 2010, 9C_748/2009, E. 4.1.2, in: SVR 2011 IV Nr. 31 S. 91). Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.4.3 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin gibt eine Teilzeittätigkeit bei Frauen rechtsprechungsgemäss keinen Anlass für einen Abzug, da h ierdurch regelmässig keine Ver- minderung der Entlöhnung eintritt, sondern sich diese vielmehr sogar proportional lohnerhöhend auswirken kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 16. Sep tember 2020, 9C_768/2019, E. 3.3.2, vom 24. August 2018, 9C_857/2017, vom 16. Jul i 2014, 8C_97/2014, E. 4.2, in: SVR 2015 IV Nr. 1 S. 2, und vom 26. August 2011, 8C_379/ 2011, E. 4.2.2.2, in: SVR 2012 IV Nr. 17 S. 80). Ist von einem genügend breiten Spektrum an zu mutbaren Verweisungstätigkeiten aus- zugehen, können unter dem Titel leidensbedingter Abz ug grundsätzlich nur Umstände berück- sichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbei tsmarkt – welcher insbesondere so- genannte Nischenarbeitsplätze umfasst, an welchen Arbe itnehmer mit einem sozialen Entge- genkommen von Seiten des Arbeitsgebers rechnen können (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. Mai 2018, 9C_294/2017, E. 5.4.2, in: SVR 2018 IV Nr. 60 S. 195) – als ausserordentlich zu bezeichnen sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 6 . Juli 2018, 8C_297/2018, E. 3.5, vom 14. Juni 2018, 8C_91/2018, E. 5.3 und vom 13. April 2016, 9C_826/2015, E. 3.2.1). Eine psy- chisch bedingte verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen gilt des- halb grundsätzlich nicht als eigenständiger abzugsfähiger Umstand (vgl. Urteile des Bundesge- richts vom 31. August 2018, 8C_327/2018, E. 3.5, in: Z BJV 2019 S. 834, vom 16. Juli 2014, 8C_97/2014, E. 4.2, in: SVR 2015 IV Nr. 1 S. 2, und vom 19. November 2009, 9C_708/2009, E. 2.3.2, in: SVR 2010 IV Nr. 28 S. 88). 10.4.4 In den Gutachten der asim wie auch der SMAB wi rd der Patientin grundsätzlich eine 70 % Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, wie auch in einer angepassten Verweistä- tigkeit attestiert. Die angepasste Verweistätigkeit gemä ss Gutachten der asim beinhaltet ver- mehrten Pausenbedarf, den Verzicht auf Wechselschichten, e ine Vermeidung von kognitiv an- spruchsvollen Arbeiten und intensivem stresserzeugendem Kun den- und Kollegenverkehr so- wie keine Arbeiten über Boden und über Kopf. Die ang epasste Verweistätigkeit gemäss Gut- achten der SMAB setzt eine geringere Flexibilität und Umstellung, keine Wechselschichten, geringere Entscheidungs- und Urteilsfähigkeiten sowie eine Vermeidung von kalten und heissen Arbeitsplätzen als auch der Exposition der bekannten All ergene voraus. Diese beiden Tätig- keitsprofile sind grundsätzlich mit gewöhnlichen Backoffice- respektive Sekretariats-Berufen vereinbar. Auch die orthopädisch-rheumatologischen Anp assungen (siehe Erwägung 7.23 hier- vor) ändern hieran nichts. Zwar hat die Rechtsprechung bei Tätigkeiten, welche aus psychi- schen Gründen ohne jeglichen Stress und Zeit- respektive Le istungsdruck sowie mit wenig bis keinem Kundenkontakt ausgestaltet sind und verminderte Anforderungen an die emotionale Belastbarkeit, Anpassungsfähigkeit, Konzentration und g eteilte Aufmerksamkeit aufweisen, be- reits Abzüge in unterschiedlicher Höhe gewährt (vgl. Ur teile des Bundesgerichts vom 17. Januar 2018, 8C_447/2017, E. 5.5.2, vom 28. Janua r 2014, 9C_796/2014, E. 3.4 und vom 7. November 2012, 9C_955/2011, E. 5.3). Muss in einer angepassten Tätigkeit jedoch lediglich besonderer, also ausserordentlicher Zeitdruck oder int ensiver und damit erheblich stresserzeu- gender Kunden- und Kollegenverkehr vermieden werden, so lässt sich hierdurch kein zusätzli- cher Abzug vom Tabellenlohn begründen (vgl. Urteile de s Bundesgerichts vom 26. September 2019, 8C_536/2019, E. 5.3, vom 22. Januar 2015, 8C_ 693/2014, E. 4.2.2, in: SVR 2015 IV Nr. 22 S. 67). Vorliegend empfehlen die Gutachter d er Beschwerdeführerin denn auch nicht, Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht jeglichen irgendwie gearteten Kontakt mit Arbeitskollegen oder Kunden zu vermeiden oder voll- ständig stress- und zeitdrucklosen Tätigkeiten nachzugehen. Dass sie zumindest eine gewisse Stressresistenz aufweist, ergibt sich bereits daraus, dass si e bisher in der Lage war, auf Abruf bei verschiedenen Institutionen als Übersetzerin tätig zu sein. Aus diesem Grund besteht für das Gericht auch diesbezüglich kein Raum, einen lei densbedingten Abzug in der von der Be- schwerdeführerin geforderten Höhe von 10 % zu gewähren. 10.5.1 Die Beschwerdeführerin macht des Weiteren gelte nd, dass die IV-Stelle zu Unrecht für den Zeitraum zwischen dem 3. August 2008 und dem 1. Au gust 2013 von einer nicht krank- heitsbedingten Teilerwerbstätigkeit und damit von de r Anwendbarkeit der gemischten Methode ausgegangen sei. Auch mit dieser Rüge dringt sie nicht durch, wie nachfolgend aufzuzeigen ist. 10.5.2 Am 5. Oktober 2010 wurde bei der Beschwerdefüh rerin eine Haushaltsabklärung durchgeführt. Im dazugehörigen Bericht vom 30. Dezembe r 2010 wurde verzeichnet, dass die Beschwerdeführerin sich grundsätzlich nicht als Typ Haus frau und Mutter sehe, sondern zu- sätzlich noch erwerbstätig sein wolle. Dabei gab sie an, dass sie ohne gesundheitliche Ein- schränkung zu 80 % erwerbstätig sein und die freie Zeit mit ihrem Sohn verbringen würde. Den dazugehörigen Fragebogen, welcher diese Aussage ebenf alls enthielt, unterzeichnete die Be- schwerdeführerin am 17. Dezember 2010. Eine zweite Ha ushaltsabklärung wurde am 21. April 2015 durchgeführt. Im dazugehörigen Bericht vom 19. M ai 2015 wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin seit dem Schuleintritt ihres Sohne s im August 2013 ohne gesundheitliche Einschränkungen einem Vollzeitpensum nachgehen würde. Sie stellte sich auf den Standpunkt, dass sie auch zuvor nie freiwillig lediglich 80 % gearbei tet habe. Vielmehr habe das ausge- schriebene Pensum der Stelle bei der Gemeinde Z.____ nur 80 % betragen; eine weitere Stelle mit einem Pensum von 20 % sei deswegen illusorisch gewes en. Insbesondere habe ihr Sohn keine Rolle bei diesem Entscheid gespielt. Auch diese Aussagen bestätigte die Beschwerdefüh- rerin wiederum mit Unterschrift vom 30. Mai 2015. 10.5.3 Wie dargelegt, hat die Berechnung des Invalidi tätsgrades für Personen, welche nur zeitweilig erwerbstätig sind, nach der gemischten Metho de zu erfolgen, soweit diese teilweise Erwerbstätigkeit nicht durch einen Gesundheitsschaden b egründet wird (siehe Erwägung 6.1 f. hiervor). Die Bewertung der Auswirkungen des Gesundheit sschadens auf die nichterwerbliche Betätigung hat dabei grundsätzlich im Rahmen einer Ha ushaltsabklärung zu erfolgen (siehe Erwägung 5.4 hiervor). Ein solcher Haushaltsbericht dient dabei unter anderem auch der Beur- teilung der Statusfrage (vgl. S USANNE FANKHAUSER , Sachverhaltsabklärung in der Invalidenver- sicherung – ein Gleichbehandlungsproblem, Diss. Zürich, Zürich/Basel/Genf 2010, S. 94 mit Verweis auf Urteil des EVG vom 2. März 2004, I 462/03, E. 4.2.1 in fine ). Bei widersprechenden Aussagen der versicherten Person wird den "Aussagen der ersten Stunde" besonderes Gewicht verliehen (siehe Erwägung 5.5 hiervor). Vorliegend ist den Aussagen der ersten Stunde in der Abklärung vom 5. Oktober 2010 zu entnehmen, dass die Be schwerdeführerin tatsächlich aus familiären Gründen lediglich einem reduzierten Pensum nachgegangen war. Dass die Be- schwerdeführerin im Zeitpunkt der zweiten Abklärung vom 21. April 2015 ihre Aussagen wider- rief und sich in der Beschwerdeschrift hierauf stützt, ent spricht der grundsätzlichen Notwendig- keit des höheren Beweiswertes der Aussagen der ersten Stu nde: die Angaben der ersten Stun- Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht de erscheinen regelmässig unbefangener und zuverlässiger als spätere Schilderungen, die be- wusst oder unbewusst von Überlegungen versicherungsrechtli cher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 174 E. 5.2.2). Es sind dabei ke ine Gründe ersichtlich, weshalb die Haushaltsabklärung vom 5. Oktober 2010 nicht den entsprechenden beweisrechtlichen Kriterien (siehe Erwägung 5.4 hiervor) genügen würde und deshalb auf die späteren Aussagen abzustel- len wäre. Insbesondere die durch Unterschrift bestätigte Richtigkeit der Angaben unterstreicht den Beweiswert der Abklärung. Damit ist die Beschwerdeg egnerin zu Recht davon ausgegan- gen, dass die Beschwerdeführerin vom 3. August 2008 bis zum 31. Juli 2013 als teilweise er- werbstätig und vom 1. August 2013 an als vollständig er werbstätig anzusehen ist. Da die Be- schwerdeführerin zudem ihr Pensum bereits vor dem früh estmöglichen Rentenbeginn reduziert hatte, ist die erwähnte Rechtsprechung des EGMR vorlieg end nicht einschlägig (siehe Erwä- gung 6.3 hiervor). Die Veranlagung der Beschwerdefüh rerin nach der gemischten Methode für ersteren Zeitraum und nach dem Einkommensvergleich für l etzteren Zeitraum ist deshalb nicht zu beanstanden. 10.6. Nach dem oben Gesagten resultiert deshalb für den Zeitraum zwischen dem 1. Februar 2009 und dem 31. Juli 2013 ein Invaliditä tsgrad von 30.04 % ([100 ÷ Fr. 77'471.-- x Fr. 48'380.-- x 0.8] + [0 x 0.2]) und für den Zeitra um ab dem 31. Juli 2013 ein Invaliditätsgrad von 37.6 % (100 ÷ Fr. 77'471.-- x Fr. 48'380.--). De r massgebende Schwellenwert von 40 % wird damit – auch nach Rundung auf ganze Prozentzah len (BGE 130 V 123 E. 3.2) – nicht er- reicht. Da der Beschwerdeführerin vom 3. November 2008 bis zum 1. Februar 2009 eine Ar- beitsfähigkeit von 100 % (und damit ein Invaliditätsgra d von 0 %) attestiert wurde und diese hernach auch weiterhin keinen rentenbegründenden Invali ditätsgrad aufweisen konnte, hat die IV-Stelle zu Recht mit Ablauf der dreimonatigen Wart efrist nach Art. 88a IVV (siehe Erwägung 3.4 hiervor) die Leistungen eingestellt. 11. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die Be schwerdegegnerin in der an- gefochtenen Verfügung vom 17. März 2020 einen Rentenan spruch der Beschwerdeführerin für die Zeit nach dem 1. Februar 2009 zu Recht abgelehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwer- de erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 12.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘ 000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr . 800.-- ihr aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 12.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat die Beschwerde führerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht