<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 29 S.121</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">121</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft4"><b>29</b></span> <span class="ft4"><b>Einkommenssteuer für selbstständige Anstalten des Kantons (§ 159 Abs. 1</b></span><br/> <span class="ft4"><b>StG).</b></span><br/> <span class="ft4"><b>- Die Ablieferung der AGVA an den Staat (§ 34a GebVG) stellt keine</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Ausschüttung für betriebsfremde Zwecke dar und ist nicht steuer-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>pflichtig.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 16. November 2005 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen Gemeinderat X. gegen Steuerrekursgericht und AGVA.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.1. Objekt der Steuer nach § 159 Abs. 1 StG sind die für be-</span><br/> <span class="ft1">triebsfremde Zwecke vorgenommenen Ausschüttungen. Darunter</span><br/> <span class="ft1">fallen als klassischer Anwendungsfall Gewinnausschüttungen. Ste-</span><br/> <span class="ft1">hen den Geldzahlungen oder Naturalleistungen jedoch (gleichwer-</span><br/> <span class="ft1">tige) Gegenleistungen gegenüber, so handelt es sich um geschäftlich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">122</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">begründete Aufwendungen; es fehlt bereits an der für die Besteue-</span><br/> <span class="ft1">rung vorausgesetzten Ausschüttung für betriebsfremde Zwecke</span><br/> <span class="ft1">(vgl. zum Ganzen auch Béatrice Blum, in: Kommentar zum Aargauer</span><br/> <span class="ft1">Steuergesetz, Band 2, 2. Auflage, Muri/Bern 2004, § 159 N 8 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Zu untersuchen ist damit, ob der von der AGVA gestützt auf</span><br/> <span class="ft1">§ 34a GebVG an die Staatskasse abgelieferte Anteil des Jahresüber-</span><br/> <span class="ft1">schusses als (steuerbare) Gewinnausschüttung oder als Abgeltung</span><br/> <span class="ft1">einer Gegenleistung zu qualifizieren ist.</span><br/> <span class="ft1">3.2. Dem Kanton kommt bei der Gebäudeversicherung im Be-</span><br/> <span class="ft1">reich der Feuer- und Elementarschadenversicherung - aus der die</span><br/> <span class="ft1">vorliegend streitige Ausschüttung unbestrittenermassen stammt</span><br/> <span class="ft1">- Monopolstellung zu. Er hat das Recht zur Ausübung dieser</span><br/> <span class="ft1">Tätigkeit der AGVA übertragen, welche im Kanton in diesem</span><br/> <span class="ft1">Bereich allein und zwingend zu berücksichtigende Anbieterin ist</span><br/> <span class="ft1">(siehe BGE 124 II 11 ff. zur Verfassungsmässigkeit dieses Monopols</span><br/> <span class="ft1">und der Ablieferungspflicht). Es liegt deshalb die Prüfung nahe, ob</span><br/> <span class="ft1">es sich bei der in § 34a GebVG vorgesehenen Zahlungsverpflichtung</span><br/> <span class="ft1">um eine Abgeltung für die Übertragung dieses Rechts, also um eine</span><br/> <span class="ft1">sog. Konzessionsgebühr handelt.</span><br/> <span class="ft1">3.3. Die Konzessionsgebühr (bzw. Regal- oder Monopolgebühr)</span><br/> <span class="ft1">ist das Entgelt für die Verleihung des Rechtes zur Ausübung einer</span><br/> <span class="ft1">dem Gemeinwesen durch Regal oder Monopol vorbehaltenen Tätig-</span><br/> <span class="ft1">keit oder für ein Sondernutzungsrecht an einer öffentlichen Sache</span><br/> <span class="ft1">(Adrian Hungerbühler, in ZBl 104/2003, S. 509 mit Hinweis; Ulrich</span><br/> <span class="ft1">Häfelin/Georg Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage,</span><br/> <span class="ft1">Zürich/Basel/Genf 2002, Rz. 2633). Der Beschwerdeführer bestrei-</span><br/> <span class="ft1">tet, dass es sich bei der Ablieferung nach § 34a GebVG um eine</span><br/> <span class="ft1">Konzessionsgebühr handle, da sie nicht mit der Einräumung des</span><br/> <span class="ft1">Versicherungsmonopols im Bereich Feuer- und Elementarschäden</span><br/> <span class="ft1">verknüpft sei und eine Konzessionsgebühr regelmässig unabhängig</span><br/> <span class="ft1">vom wirtschaftlichen Erfolg erhoben werde.</span><br/> <span class="ft1">3.4. Bei der Aufnahme der Ablieferungspflicht ins Gesetz stand</span><br/> <span class="ft1">anlässlich der Teilrevision des GebVG vom 18. Juni 1996 die Ab-</span><br/> <span class="ft1">geltung der wirtschaftlichen Vorteile im Vordergrund, die der AGVA</span><br/> <span class="ft1">dank ihrer Monopolstellung zukommen. Sie sollte in dieser Hinsicht</span><br/> <span class="ft1">mit dem AEW und der Kantonalbank, die damals beide als Anstalten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">123</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">des Kantons der Ablieferungspflicht unterstanden, gleichgestellt</span><br/> <span class="ft1">werden (Botschaft des Regierungsrats vom 5. April 1995 [1. Le-</span><br/> <span class="ft1">sung], S. 10 ff.; Protokoll der Grossratskommission vom 8. Juni</span><br/> <span class="ft1">1995, S. 5). Diese Zielsetzung wurde in der Beratung nie in Frage</span><br/> <span class="ft1">gestellt. Zu Diskussionen Anlass gab vielmehr, ob die Ablieferungs-</span><br/> <span class="ft1">pflicht - nachdem eine entsprechende Vorlage 1978 in einer Volksab-</span><br/> <span class="ft1">stimmung verworfen worden war - überhaupt Aufnahme ins Gesetz</span><br/> <span class="ft1">finden solle und falls ja, wie die Höhe des abzuliefernden Betrags zu</span><br/> <span class="ft1">bestimmen wäre (Protokoll des Grossen Rats vom 7. November 1995</span><br/> <span class="ft1">[1. Lesung], Art. 1347, S. 2534; Botschaft des Regierungsrats vom</span><br/> <span class="ft1">1. Mai 1996 [2. Lesung], S. 12 f.; Protokoll der Grossratskommission</span><br/> <span class="ft1">vom 20. Mai 1996 [2. Lesung], S. 22 ff.; Protokoll des Grossen Rats</span><br/> <span class="ft1">vom 18. Juni 1996 [2. Lesung], Art. 1727, S. 153 ff.). Es ist beab-</span><br/> <span class="ft1">sichtigt, diese Abgabe mit gleicher Zielsetzung auch im Rahmen der</span><br/> <span class="ft1">Revision des GebVG beizubehalten (Botschaft des Regierungsrats</span><br/> <span class="ft1">vom 26. Oktober 2005 zur Revision des Gebäudeversicherungsge-</span><br/> <span class="ft1">setzes [1. Lesung], S. 13 f.).</span><br/> <span class="ft1">3.5. Dieser hinter der Ablieferungspflicht stehende gesetzgebe-</span><br/> <span class="ft1">rische Wille ist für die rechtliche Qualifikation der in § 34a GebVG</span><br/> <span class="ft1">vorgesehenen Abgabe nicht verbindlich, stellt jedoch ein gewichtiges</span><br/> <span class="ft1">Indiz für deren Einordnung dar. Der im Rahmen der Gesetzesbera-</span><br/> <span class="ft1">tung vorgegebene Zweck von § 34a GebVG deutet klar darauf hin,</span><br/> <span class="ft1">dass mit der Abgabe die Abgeltung der wirtschaftlichen Vorteile</span><br/> <span class="ft1">bezweckt wurde, die mit der (bei der Gesetzesrevision vom 18. Juni</span><br/> <span class="ft1">1996) aufrecht erhaltenen Monopolstellung im Bereich der Feuer-</span><br/> <span class="ft1">und Elementarschäden verbunden sind. Damit ist der Behauptung</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers, die Abgabe sei nicht mit dem Versiche-</span><br/> <span class="ft1">rungsmonopol verknüpft, der Boden entzogen. Die konkrete Ausge-</span><br/> <span class="ft1">staltung mag atypisch sein, da Konzessionsgebühren in der Regel</span><br/> <span class="ft1">unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg geschuldet sind. Doch</span><br/> <span class="ft1">zwingt dies nicht zu einer abweichenden rechtlichen Qualifikation.</span><br/> <span class="ft1">Ohnehin ist es nicht völlig unüblich, die Höhe der Konzessionsge-</span><br/> <span class="ft1">bühren von den jährlichen Geschäftsergebnissen anhängig zu ma-</span><br/> <span class="ft1">chen (vgl. AGVE 1978, S. 390 für das AEW). Im Ergebnis steht</span><br/> <span class="ft1">ausser Frage, dass es sich dabei um eine Abgeltung für das vom</span><br/> <span class="ft1">Kanton eingeräumte Exklusivrecht handelt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">124</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.6. Die limitierte Abgabe nach § 34a GebVG stellt nach den</span><br/> <span class="ft1">gemachten Erwägungen eine Gegenleistung für die Verleihung des</span><br/> <span class="ft1">dem Kanton durch Monopol vorbehaltenen Rechts dar, Gebäude</span><br/> <span class="ft1">gegen die Risiken von Feuer- und Elementarschäden zu versichern.</span><br/> <span class="ft1">Damit fehlt es an der für die Besteuerung im Sinne von § 159 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">StG vorausgesetzten Ausschüttung für betriebsfremde Zwecke.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>