B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-7559/2016 brl U r t e i l v o m 1 9 . J a n u a r 2 0 1 7 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter David R. Wenger, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Annina Gegenschatz, Gegenschatz Partner, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des SEM vom 7. November 2016 / N (…). D-7559/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Verfügung vom 14. Juli 2015 wies das SEM das Asylgesuch des Be- schwerdeführers vom 11. Mai 2015 ab, wies den Beschwerdeführer aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Die dage- gen erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgeric ht mit Ur- teil vom 20. August 2015 abgewiesen. B. Mit Eingabe vom 14. Juli 2016 wurde um Wiedererwägung der Verfügung des SEM vom 14. Juli 2015 ersucht und beantragt, es sei vom Vollzug der Wegweisung abzusehen und die aufschiebende Wirkung zu gewähren. Mit Schreiben vom 11. August 2016 wurde die Eingabe vom 14. Juli 2016 an das Bundesverwaltungsgericht überwiesen mit der Begründung, diese Ein- gabe falle nicht in die Zuständigkeit des SEM. Mit Antwortschreiben vom 18. August 2016 lehnte das Bundesverwaltungsge richt die Entgegen- nahme der Eingabe vom 14. Juli 2016 als Revisionsgesuch ab und retour- nierte sie gestützt auf Art. 8 Abs. 1 VwVG an das SEM. C. In der Eingabe vom 14. Juli 2016 wurde vorgebracht, das SEM habe die Aktenlage falsch gewürdigt, obwohl die Vorbringen des Beschwerdeführers glaubhaft seien. Insbesondere könne das Argument, die Dokumente seien gefälscht, nicht geteilt werden. Er habe diese von seinem Onkel erhalten, weshalb ihm dessen Verhalten nicht angerechnet werden könne. Auch könne deshalb nich t auf seine persönliche Glaubwürdigkeit geschlossen werden. Es sei haltlos, dem Beschwerdeführer aufgrund der gefälschten Dokumente Ungereimtheiten, Widersprüche und Unsubstanziiertheit vor- zuwerfen. Vielmehr habe er seine Vorbringen chronologisch und wider- spruchsfrei geschildert. Bei der Befragung habe er oft die Fragen nicht rich- tig verstanden, was zu Unsicherheiten und Verwirrung geführt habe. Des- halb könne nicht bemängelt werden, die Aussagen des Beschwerdeführers seien nicht stimmig. Zudem sei es nicht einfach, traumatische Ereignisse widerzugeben. Trotz der Argumente, welche für das Bestehen der Flücht- lingseigenschaft sprechen würden, gehe das SEM davon aus, dass er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Er stamme aus dem Norden, sei (…) Jahre alt und habe im Fall einer Rückkehr ins Heimatland nur tempo- räre Reisedokumente, was die Aufmerksamkeit der sri -lankischen Behör- den verstärke und die Wiedereinreise in Sri Lanka massiv erschwere. Öf- fentliche nationale und internationale Organisationen würden si ch gegen D-7559/2016 Seite 3 eine Rückführung von Flüchtlingen nach Sri Lanka aussprechen, nachdem aufgrund einer Falscheinschätzung der Lage durch das SEM zwei Perso- nen am Flughafen Colombo vom Criminal Investigation Department (CID) festgenommen worden seien. Zudem habe die Regierung Sri Lankas im März 2014 eine Liste mit terroristischen Gruppierungen erlassen und er- klärt, dass alle Personen, welche zu diesen Gruppierungen Kontakt hätten, als Terroristen betrachtet würden. Auch Personen wie der Beschwerdefüh- rer würden generell verdächtigt. Internationale Organisationen würden es als erwiesen ansehen, dass die Ordnungskräfte in Sri Lanka immer noch systematisch zu Foltermethoden greifen würden. Gerade deshalb sei eine Ausweisung des Beschwerdeführers absolut untragbar. Wegen d er in Sri Lanka erlebten Vorkommnisse habe der Beschwerdeführer psychische Probleme und sei extrem suizidgefährdet, was am (…) 2015 zu einer Ein- weisung in die B._______ geführt habe, wo er während mindestens zehn Tagen geblieben sei. Da der Beschwerdeführer noch immer sehr labil sei, müsse der Vollzug der Wegweisung als unzumutbar betrachtet werden. Sein psychischer Zustand habe sich auch durch die Abweisung der Be- schwerde erheblich verschlechtert. Somit sei es unbestritten, dass eine wiedererwägungsweise veränderte Situation vorliege, welche ihn bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine konkrete Gefährdungssituation bringen würde. In einer ähnlichen Situation (vgl. Urteil E -2648/2014 vom 1. Juli 2014) habe sich das Bundesverwaltungsgericht entschieden, den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar zu qualifizieren. Das beigelegte Schrei- ben zeige, dass er schon seit längerer Zeit Suizidgedanken und schon mehrere Selbstmordversuchte hinter sich habe. D ie Verhaftung der Schwester und deren anschliessender Suizid sei das prägendste Erlebnis gewesen. Die seither plagenden Schuldgefühle könne er ohne Therapie und ohne stabiles Umfeld n icht mehr tragen. Beides finde er in der Schweiz, wo er therapeutische Kontakte und viele Freunde, welche ihn un- terstützten, habe. Im Fall einer Rückkehr ins Heimatland wisse er nicht, wo seine Familie sei und ob diese überhaupt noch lebe. Ausserdem habe er wegen des traumatischen Erlebnisses mit der Schwester Mühe, mit seiner Familie Kontakt aufzunehmen. Für die Wiedererwägung seines Asylgesu- ches spreche auch seine langjährige Aktivität für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), die Haftstrafe und der immer noch laufende Haftbefehl gegen ihn. Der Eingabe lagen eine anwaltliche Vollmacht, eine Bestätigung vom (…) 2015 über den stationären Aufenthalt in der B._______, eine Kopie eines Schreibens des Beschwerdeführers und Kopien der angefochtenen Verfü- gung bei. D-7559/2016 Seite 4 D. Mit Verfügung vom 7. November 2016 wies das SEM das Wiedererwä- gungsgesuch des Beschwerdeführers vom 14. Juli 2016 ab, stellte fest, seine Verfügung vom 14. Juli 2015 sei rechtskräftig und vollstreckbar, er- hob eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.- und stellte fest, dass einer all- fälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme. Auf die Be- gründung wird in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. E. Mit Eingabe vom 6. Dezember 2016 an das Bundesverwaltungsgericht wurde um Aufhebung der angefochtenen Verfügung und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme infolge fehlender Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs ersucht. In verfahrensrechtlicher Hinsicht verlangte der Be- schwerdeführer die Herstellung der aufschiebenden Wirkung und die Ge- währung der vollständigen unentgeltlichen Rechtspflege. Auf die Begrün- dung wird in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen. F. Mit Eingabe vom 8. Dezember 2016 wurde der Eingang der Beschwerde angezeigt. G. Mit Zwischenverfügung vom 13. Dezember 2016 wurde dem Beschwerde- führer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Beschwerdeverfahrens im Aus- land abzuwarten habe und keine vorsorglichen Massnahmen ange ordnet würden. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes wurden abge- wiesen und der Beschwerdeführer aufgefordert, innert Frist einen Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 1‘200.- zu bezahlen, verbunden mit der An- drohung, im Unterlassungsfall werde auf seine Beschwerde nicht eingetre- ten. H. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den D-7559/2016 Seite 5 Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie- dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beu rteilung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re- gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Das Begehren um Herstellung der aufschiebenden Wirkung ist – wie be- reits in der Zwischenverfügung vom13. Dezember 2016 festgestellt – ge- genstandslos. Das Gesuch um Anordnung von vorsorglichen Massnahmen wurde in der gleichen Zwischenverfügung abgewiesen. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Wie bereits in der Zwischenverfügung vom 13. Dezember 2016 festgehal- ten, wurde vorliegend in materieller Hinsicht nur der Antrag auf Gewährung der vorläufigen Aufnahme infolge fehlender Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs gestellt, weshalb die – im Übrigen kaum begründeten – Aus- führungen in der Beschwerde hinsichtlich der Gefährdung des Beschwer- deführers im Zusammenhang mit der Zulässigkeit des Wegweisungsvoll- zugs und der Flüchtlingseigenschaft nicht Prüfungsgegenstand bilden. Vor- liegend wird einzig zu prüfen sein, ob der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka unter dem Gesichtspunkt der verän- derten gesundheitlichen Situation als zumutbar zu betrachten ist oder nicht. D-7559/2016 Seite 6 5. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zwe iten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 6. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 7. Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich geregelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG (Art. 111b Abs. 1 AsylG). In seiner praktisch relevante sten Form bezweckt das Wiedererwägungs- gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange- fochten blie b – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi- onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begrün den (zum soge- nannten « qualifizierten Wiedererwägungsgesuch » vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). 8. 8.1 Vorliegend wird insgesamt geltend gemacht, der Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers in sein Heimatland sei nicht zumutbar, da seit der letzten Entscheidung eine wesentliche Veränderung der Sachlage einge- treten sei. Bezüglich der Einzelheiten sei auf die vorangehenden Erwägun- gen verwiesen. 8.2 In seiner Verfügung vom 7. November 2016 legte das SEM dar, dass die Rüge, wonach das SEM eine falsche Würdigung der Asylgründe vor- genommen habe, nicht zu hören sei, zumal die erwähnte Verfügung des D-7559/2016 Seite 7 SEM vom Bundesverwaltungsgericht im Urteil vom 20. August 2015 bestä- tigt worden sei. Sodann sei die psychische Verfassung des Beschwerde- führers bereits im Urteilszeitpunkt am 20. August 2015 bekannt gewesen und entsprechend gewürdigt worden. Die vom (…) 2015 datierte Bestäti- gung eines stationären Klinikaufenthaltes sei einen Tag nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erfolgt. Bis zum Datum der vorinstanzli- chen Verfügung – rund 14 Monate später – seien keine neuen und aktuel- len Beweismittel betreffend geltend gemachter Veränderung des Gesund- heitszustandes nachgereicht worden, weshalb Zweifel an der geltend ge- machten Notlage des Beschwerdeführers bestünden. Schliesslich sei an- zumerken, dass nicht einmal in der Beschwerde selbst die genaue Aufent- haltsdauer in der Klinik habe angegeben werden können. Auch das vom Beschwerdeführer selbst verfasste und undatierte Schreiben vermöge an diesen Feststellungen nichts zu ändern, zumal es sich lediglich um eine subjektive Wahrnehmung handle. 8.3 In der Beschwerde vom 6. Dezember 2016 wurde dargelegt, es sei be- denklich, dass die Bestätigung der B._______ betreffend psychiatrischer Behandlung nicht ausreiche, um auf den prekären mentalen Zustand des Beschwerdeführers hinzuweisen. Er befinde sich nach weiteren Selbst- mordversuchen seit Oktober 2016 erneut in der Klinik. Es sei somit offen- sichtlich, dass sich sein Gesundheitszustand seit der Abweisung der Be- schwerde am 20. August 2015 erheblich verschlechtert habe und eine Rückkehr nach Sri Lanka im heutigen Zeitpunkt eine konkrete Gefährdung bedeuten würde. Der ärztlichen Stellungnahme vom (…) 2016 lasse sich entnehmen, dass er an einer komplexen posttraumatischen Belastungs- störung (PTBS) mit einer reaktiven mittel- bis schwergradigen depressiven Episode leide. Aus ärztlicher Sic ht werde nicht ausgeschlossen, dass im Fall einer Rückschiebung nach Sri Lanka erneut mit einer psychischen De- kompensation und einem erhöhten Risiko für selbstgefährdendes Verhal- ten zu rechnen sei. Er benötige ein konstantes und ihm bekanntes Umfeld sowie eine nachhaltige Therapie. Deshalb würde er von einen positiven Entscheid profitieren. In einem ähnlichen Fall (vgl. Urteil E-2648/2014 vom 1. Juli 2014) habe das Bundesverwaltungsgericht den Wegweisungsvoll- zug als unzumutbar betrachtet. Es sei offensichtl ich, dass der Beschwer- deführer seine psychische Erkrankung, welche auf die Verhaftung und den anschliessenden Suizid seiner Schwester zurückgehe, ohne ein stabiles Umfeld und ohne eine Therapie nicht besiegen könne. In der Schweiz habe er therapeutische Kontakte und Freunde, welche ihn täglich unterstützen könnten. Im Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka fehle diese Stabilität, da er nicht wisse, wo sich seine Familie befinde und ob sie noch am Leben sei. D-7559/2016 Seite 8 Zudem habe er wegen des traumatischen Erlebnisses mit seiner Schwes- ter Mühe, mit der Familie Kontakt aufzunehmen. Darüber hinaus habe er begründete Furcht vor Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art.3 AsylG, da er im Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka verfolgt und gefoltert würde. Somit verstosse die Ablehnung des Wiedererwägungsgesuchs durch das SEM gegen das Non -Refoulementverbots. Vorliegend würden die tamili- sche Ethnie, die Rückkehr nach einem Auslandaufenthalt, das Alter zwi- schen 20 und 45 Jahren und das illegale Verlassen des Landes zusätzliche erschwerende Faktoren darstellen, weil die Behörden unter diesen Um- ständen den Beschwerdeführer mit erhöhter Aufmerksamkeit betrachten und die Wiedereingliederung stark erschweren würden. Seine Sicherheit wäre zusätzlich gefährdet. Zudem könne der in der Schweiz leb ende Schwager des Beschwerdeführers bei der Eingliederung behilflich sein. 8.4 Vorab ist aufgrund der bestehenden Akten festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer seine psychischen Probleme erstmals im Rahmen des Be- schwerdeverfahrens im ordentlichen Asylverfahre n (vgl. Verfahren D-4560/2015) geltend machte, wobei er zum damaligen Zeitpunkt weder einen Arztbericht noch andere entsprechende Beweismittel zu den Akten gab, wie vom Bundesverwaltungsgericht in der Zwischenverfügung vom (…) 2015 festgestellt wurde. Im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. August 2015 wurde sodann über die geltend gemachten psychischen Probleme des Beschwerdeführers aufgrund des Todes seiner Schwester befunden und dargelegt, dass er di ese erst nach Ablehnung seines Asyl- gesuches als behandlungsbedürftig erachtet und immer noch keinen Arzt- bericht eingereicht habe, obwohl er in der Zwischenverfügung vom (…) 2015 darauf aufmerksam gemacht worden sei. Unter diesen Umständen qualifizierte das Bundesverwaltungsgericht die vorgebrachten psychischen Probleme nicht als derart schwerwiegend, um von einem Wegweisungs- vollzug abzusehen. Aus dem Verfahren D-4560/2015 und dem vorliegen- den Verfahren ergibt sich somit, dass der Beschwerdeführer nicht von An- fang an, sondern erst im Zusammenhang mit dem ihm angedrohten Weg- weisungsvollzug psychische Probleme geltend machte. Unter diesen Um- ständen erscheint es naheliegend, dass die dargelegten psychischen Probleme im Zusammenhang mit der drohenden Wegweisung und nicht mit früheren Erlebnissen im Heimatlan d stehen. Wären sie, wie vom Be- schwerdeführer später vorgebracht, auf die Verhaftung und den anschlies- senden Suizid seiner Schwester im Heimatland zurückzuführen, hätten sie im Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz bereits bestanden und somit vom Beschwerdeführer schon von Anfang an geltend gemacht werden können. Auf dem Personalienblatt vom (…) 2015 gab er indessen an, gesund zu D-7559/2016 Seite 9 sein (vgl. Akte A2/2), und auch aus den übrigen erstinstanzlichen Akten des ersten Asylverfahrens ergeben sich keine hinreichenden Hinweise auf die später geltend gemachten psychischen Probleme des Beschwerdeführers, welche ihren Ursprung in Erlebnissen im Heimatland hätten. Unter diesen Umständen bestehen grundsätzlich Zweifel daran, dass die nachträglich vorgebrachten psychischen Probleme des Beschwerdeführers auf Erleb- nisse im Heimatland zurückzuführen sind. 8.5 Mit der Einleitung des vorliegend zu beurteilenden Wiedererwägungs- verfahrens (Eingabe vom 14. Juli 2016) reichte der Beschwerdeführer bloss eine Bestätigung de r Klinik vom (…) 2015 ein, aus welcher hervor- geht, dass er seit dem (…) 2015 zur Notfallbehandlung stationär aufge- nommen worden sei. Aus der Aufforderung in dieser Bestätigung, wonach für den Patienten, sollte er in einem instabilen Zustandsbild mit unklar er Suizidalität angetroffen werden, ein Notfallpsychiater beizuziehen sei, geht nicht hervor, ob er sich nach wie vor in stationärer oder nunmehr in ambu- lanter oder gar nicht mehr in Behandlung befinde beziehungsweise wie lange er sich überhaupt in Behandl ung befand. Ebenfalls lagen zum Zeit- punkt der Einreichung des Wiedererwägungsgesuchs weder eine Diag- nose noch Angaben über das weitere Vorgehen vor. Die vom (…) 2015 – dem Tag nach dem abweisenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts – ausgestellte Bestätigung war somit im Zeitpunkt der Einreichung des Wie- dererwägungsgesuches vom 14. Juli 2016 weder aktuell noch aussage- kräftig. Andere aktuelle Beweismittel über den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers, aus welchen hätten Rückschlüsse auf seinen Ge- sundheitszustand gezogen werden können, wurden vom – notabene von einer Rechtsanwältin vertretenen – Beschwerdeführer nicht zu den Akten gegeben. Unter diesen Umständen durfte das SEM zu Recht davon aus- gehen, dass die geltend gemachte Veränderung des Gesundheits zustan- des und die dargelegte Notlage des Beschwerdeführers zu bezweifeln seien, während der Einwand in der Beschwerde, wonach es bedenklich sei, dass die Bestätigung der B._______ betreffend psychiatrischer Be- handlung nicht ausreiche, um auf den prekären mentalen Zustand des Be- schwerdeführers hinzuweisen, nicht gehört werden kann. Unter diesen Umständen zutreffend stellte das SEM in der angefochtenen Verfügung auch fest, dass im Übrigen die psychische Verfassung des Beschwerde- führers im Zeitpunkt des Urteil s des Bundesverwaltu ngsgerichts D - 4560/2015 vom 20. August 2015 bekannt gewesen und gewürdigt worden sei, zumal anlässlich der Einreichung des Wiedererwägungsgesuchs im-D-7559/2016 Seite 10 mer noch kein Arztbericht vorlag, welcher den geltend gemachten Gesund- heitszustand des Beschwerdeführers und damit eine allenfalls bestehende massgebliche Verschlechterung desselben belegt hätte. 8.6 Erst im vorliegenden Beschwerdeverfahren wurde schliesslich die Ko- pie einer ärztlichen Stellungnahme vom (…) 2016 zu den Akten gegeben. Danach soll der Beschwerdeführer an einer komplexen PTBS und an einer reaktiven mittel- bis schwergradigen depressiven Episode ohne psychoti- sche Symptome leiden und sich suizidal gezeigt haben. Der Gesundheits- zustand des Beschwerdeführers sei instabil. Für den Fall ei nes Transpor- tes könnten eine erneute psychische Dekompensation und ein erhöhtes Risiko für selbstgefährdendes Verhalten nicht ausgeschlossen werden. Die Therapie müsse in einem geeigneten Umfeld erfolgen und sei unabding- bar. Ein positiver Entscheid würde d ie begonnene Therapie begünstigen . Auch gegenwärtig sei selbstgefährdendes Verhalten aufgrund der PTBS nicht auszuschliessen. Aus ärztlicher Sicht sei die Fortsetzung der bisheri- gen stationären ethnopsychiatrischen und psychotraumatologischen Be- handlung angezeigt. Langfristig sei auch eine ambulante Therapie ange- zeigt. 8.7 Wie bereits in der Zwischenverfügung vom (…) 2016 festgehalten, weist diese ärztliche Stellungnahme zahlreiche Ungereimtheiten und Un- vollständigkeiten auf, welche zu Fragen Anlass geben. 8.7.1 So werden in der Stellungnahme Fragen beantwortet, welche offen- bar den unterzeichnenden Personen am (…) 2016 per Mail gestellt worden sein müssen, was sich aus dem Einleitungssatz der ärztlichen Stellung- nahme ergibt. Eine Kopie dieser Fragestellungen per Ma il liegt dem Bun- desverwaltungsgericht indessen nicht vor, weshalb nicht ersichtlich ist, wer diese Fragen gestellt hat und ob dies im Einverständnis mit dem Beschwer- deführer erfolgt ist, respektive ob diese vollständig beantwortet wurden. 8.7.2 Zudem wurde die ärztliche Stellungnahme an eine Person namens C._______ in einer Aktiengesellschaft mit dem Namen „ (…)“ adressiert. Dem Bundesverwaltungsgericht entzieht sich indessen, wer diese Person ist, welche Funktion sie im Zusammenhang mit dem laufenden Wiederer- wägungsverfahren des Beschwerdeführers ausübt und in welchem Zusam- menhang die „(…)“ für den Beschwerdeführer tätigt ist. Es geht nicht einmal hervor, ob die Person namens C._______ oder die „(…)“ vom Beschwer- deführer oder seiner Rechtsvertreterin beauftragt worden sind. Den Akten sind keine Angaben zu entnehmen, gestützt auf welche davon auszugehen D-7559/2016 Seite 11 wäre, dass die Firma „ (…)“ oder eine C._______ vom Beschwerdeführer beauftragt worden wäre, für ihn im Asylverfahren tätig zu sein. 8.7.3 Des Weiteren fehlen der ärztlichen Stellungnahme vom (…) 2016 für das vorliegende Wegweisungsverfahren massgebliche und notwendige Anhaltspunkte. So ist der Stellungnahme etwa nicht zu entnehmen, in wel- chem Zeitraum, in welcher Häufigkeit, unter welchen Umständen un d wie lange sich der Beschwerdeführer in der psychiatrischen Klinik aufgehalten habe, welche konkreten Therapien in welchem Zeitraum und in welcher Intensität durchgeführt wurden sowie welche konkreten Therapien inskünf- tig aus ärztlicher Sicht angezeigt er scheinen. Auch fehlen Angaben dar- über, gestützt auf welche Massnahmen die unterzeichnenden Personen zum Schluss gekommen sind, es bestehe beim Beschwerdeführer eine komplexe PTBS und welches die Ursachen für das klinische Erscheinungs- bild sind. Diese Mängel wurden dem Beschwerdeführer und seiner Rechts- vertretung in der Zwischenverfügung vom (…) 2016 angezeigt. Dennoch erhielt das Bundesverwaltungsgericht bis zum Datum dieses Urteils keine ergänzenden Angaben, obwohl der Rechtsvertretung des Beschwerdefüh- rers gestützt auf die gesetzliche Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 8 AsylG) be- kannt sein müsste, dass der Beschwerdeführer besorgt sein muss, dieje- nigen notwendigen Angaben über seinen Gesundheitszustand von sich aus beizubringen, welche für die Beurteilung sein es Gesuchs wesentlich sind. Gestützt auf die Tatsache, dass weder er noch seine Rechtsvertrete- rin sich um ergänzende Angaben bemüht haben, ist deshalb der Schluss zu ziehen, dass sein Beschwerdebild nicht derart gravierend sein kann, um einen Wegweisungsvollzug auszuschliessen. Andernfalls wäre ein koope- rativeres Verhalten, das der Mitwirkungspflicht gerecht würde, zum Aus- druck gekommen. 8.7.4 Da die ärztliche Stellungnahme vom (…) 2016 überdies nur in Kopie zugesandt wurde, was in der Zwischenverfügung vom (…) 2016 vom Bun- desverwaltungsgericht ebenfalls bemängelt worden ist, jedoch keine Nach- sendung des Originals zur Folge hatte, kann sie nicht den vollen Beweis- wert erlangen. Beweismittel in Kopie sind grundsätzlich einfach zu fälschen und weisen deshalb einen n iedrigen Beweiswert auf, was unter anderem bedeutet, dass sie einen Sachverhalt, der sich aus anderen Gründen als zweifelhaft oder unglaubhaft herausstellt, nicht zu belegen vermögen. Dies trifft auch auf den vorliegenden Fall zu. Aufgrund der Tatsache, dass vom Beschwerdeführer und seiner Rechtsvertreterin das Original der ärztlichen Stellungnahme nicht nachgereicht wurde, kann nicht ausgeschlossen wer- den, dass dieses gar nicht existiert und die eingereichte Kopie aus einem D-7559/2016 Seite 12 anderen Verfahren herauskopiert und mit den Personalien des Beschwer- deführers versehen wurde. Auf diese Möglichkeit weist im Übrigen die handschriftliche Korrektur des Landes in der Stellungnahme, in welches der Beschwerdeführer weggewiesen werden sollte, hin. Ursprünglich stand dort das Land “D._______“, obwohl ein Wegweisungsvollzug nach Sri Lanka zu prüfen ist. Es erfolgte eine handschriftliche Korrektur des Landes, wobei nicht ersichtlich ist, wer diese Korrektur vorgenommen hat. 8.7.5 Obwohl der Beschwerdeführer und seine Rechtsvertreteri n in der Zwischenverfügung vom (…) 2016 auf die zahlreichen Ungereimtheiten und Unvollständigkeiten der ärztlichen Stellungnahme vom (…) 2016 auf- merksam gemacht wurden, folgte weder eine Klärung der Sachlage noch ein Arztbericht im Original oder ein neuer Originalarztbericht , der die Un- gereimtheiten und Unvollständigkeiten hätte aus dem Weg räumen kön- nen. Zudem ist die ärztliche Stellungnahme auch nicht geeignet, die vom Beschwerdeführer geltend gemachte PTBS, welche ihre Ursache n in den von ihm genannten Gründen haben soll, zu belegen. Vielmehr ist aufgrund der engen zeitlichen Konnexität zwischen der Erstaufnahme in der Klinik und der Eröffnung der negativen Verfügung des SEM beziehungsweise des abweisenden Urteils des Bundesver waltungsgerichts davon auszugehen, dass die psychischen Probleme im Zusammenhang mit der bevorstehen- den Rückkehr ins Heimatland stehen und zum Zweck der Verhinderung dieser Rückkehr entstanden sind. Angesichts dieser Sachlage kann dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden, dass er in einer Weise psychisch erkrankt ist, welche den Vollzug der Wegweisung zu verhindern vermöchte. 8.7.6 An dieser Einschätzung vermag der Hinweis auf das Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts E-2648/2014 vom 1. Juli 2014 nichts zu ände rn, zumal sich der dort enthaltene Sachverhalt vom vorliegenden in massge- bender Weise unterscheidet und mit überzeugenden Beweismitteln doku- mentiert wurde, was vorliegend nicht der Fall ist. 8.7.7 Überdies ist noch festzuhalten, dass der Beschwerdeführer selbst bei tatsächlichem Vorliegen des geltend gemachten Krankheitsbildes nach Sri Lanka weggewiesen werden könnte, da er sich auch dort einer entspre- chenden Behandlung unterziehen könnte, wie in der Zwischenverfügung vom (…) 2016 bereits festgehalten worden ist. Um unnötige Wiederholun- gen zu vermeiden, sei auf diese Zwischenverfügung verwiesen. 8.7.8 Schliesslich vermögen die vom Beschwerdeführer in den Akten lie- genden Schreiben nicht zu einer anderen Einschätzung zu führen, weil sie D-7559/2016 Seite 13 – wie das SEM ebenfalls zutreffend festgestellt hat – nur seine subjektive Sichtweise widergeben. 8.8 Insgesamt kann die Argumentation in der Beschwerde, wonach die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers im Fall einer Rückkehr in sein Heimatland massiv verschlechtert würde, nicht get eilt werden. Gestützt auf die vorangehenden Erwägungen ist die nachgereichte Kopie einer ärztlichen Stellungnahme zudem nicht geeignet, den im Wiederer - wägungsverfahren vorgebrachten verschlechterten Gesundheitszustand des Beschwerdeführers als Vollzugshindernis zu belegen. Im Sinne einer Gesamtwürdigung ist somit davon auszugehen, dass er bei seiner Rückkehr ins Heimatland auf ein Be ziehungsnetz zurückgreifen und medizinisch behandelt werden kann. Unter diesen Umständen ist es ihm – selbst wenn der geltend gemachte Gesundheitszustand anlässlich des Vollzugs der Wegweisung eintreffen sollte – zuzumuten, sich im Heimat - land um eine Behandlungsmöglichkeit zu bemühen . Z udem ist davon auszugehen, dass die Angehörigen im Rahmen ihrer fam iliären Unterstützungspflicht den Teil der medizinischen Leistungen mitfinanzieren könnten. Unter diesen Umständen ist die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu bejahen , zumal nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts eine Androhung von Suizidalität dem Wegweisungsvollzug nicht entgegensteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C.573/2014 vom 4. Dezember 2014 E. 4.3). Aufgrund der Aktenlage bestehen keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass er im Fall seiner Rückkehr ins Heimatland auf sich allein geste llt wäre und in eine existenzielle Notlage geriete. Schliesslich ist noch auf die dem Beschwerdeführer zustehende Möglichkeit, sich um medizinische Rückkehrhilfe zu bemühen, zu verweisen. Dem Vollzug der Wegweisung stehen ferner keine anderen Hindernisse entgegen. 8.9 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es de m Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine wiedererwägungsweise relevante, veränderte Sachlage darzutun. Gestützt auf die vorangehenden Erwägungen liegen keine Gründe vor, die den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erschei- nen lassen. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich D-7559/2016 Seite 14 überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da- rauf einzutreten ist. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1‘200.- festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. (Dispositiv nächste Seite) D-7559/2016 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1‘200.- werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezah- lung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: