<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 126 S.583</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">583</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>126 Parteikosten.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Sind einer Partei im Verwaltungsbeschwerdeverfahren dadurch Partei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kosten entstanden, dass sie einen Juristen oder eine Juristin ohne An-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>waltspatent zugezogen hat, so kann sie hierfür keinen Parteikostenersatz</b></span><br/> <span class="ft2"><b>verlangen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Baudepartements vom 26. April 2001 in Sachen D.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer, der sich (zulässigerweise) durch einen</span><br/> <span class="ft1">Juristen ohne Anwaltspatent vertreten liess, obsiegte im Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deverfahren vor dem Baudepartement. Das Baudepartement lehnte es</span><br/> <span class="ft1">jedoch ab, ihm einen Parteikostenersatz zuzusprechen.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) § 36 VRPG mit der Marginale «Parteientschädigung» lau-</span><br/> <span class="ft1">tet:</span><br/> <span class="ft5">«</span><span class="ft6"><sup>1</sup></span><span class="ft5">Im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht ist dem Obsiegen-</span><br/> <span class="ft5">den eine angemessene Entschädigung für die Kosten der Vertretung, der</span><br/> <span class="ft5">Verbeiständung oder Beratung durch Anwälte und weitere Sachverständige</span><br/> <span class="ft5">zuzusprechen. Die Entschädigung ist den Umständen entsprechend dem</span><br/> <span class="ft5">Unterliegenden oder dem interessierten Gemeinwesen oder beiden anteil-</span><br/> <span class="ft5">weise aufzuerlegen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">584</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><sup>2</sup></span><span class="ft5">Diese Bestimmung kommt auch in den übrigen Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft5">zur Anwendung, sofern der Beizug eines Vertreters oder Sachverständigen</span><br/> <span class="ft5">nicht offensichtlich unbegründet war».</span><br/> <span class="ft1">b) (...) Ursprünglich war (...) nur für Beschwerdeverfahren vor</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht eine Parteientschädigung vorgesehen. Erst ge-</span><br/> <span class="ft1">stützt auf eine Anregung in der Expertenkommission wurde der be-</span><br/> <span class="ft1">treffende Abs. 2 beigefügt. (...) Wenn es in Abs. 2 heisst: «Diese</span><br/> <span class="ft1">Bestimmung...», so bezieht sich dies offensichtlich auf diejenige von</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1, und zwar den ganzen Abs. 1 samt der dort enthaltenen Ein-</span><br/> <span class="ft1">schränkung, wonach nur die Kosten der Vertretung, der Verbeistän-</span><br/> <span class="ft1">dung oder Beratung durch Anwälte und weitere Sachverständige</span><br/> <span class="ft1">ersetzt werden; in Abs. 2 kommt lediglich eine weitere Beschränkung</span><br/> <span class="ft1">hinzu («...sofern der Beizug eines Vertreters oder Sachverständigen</span><br/> <span class="ft1">nicht offensichtlich unbegründet war.»). Es kann nämlich nicht Sinn</span><br/> <span class="ft1">der Bestimmung von § 36 Abs. 2 VRPG sein, dass der Kreis der von</span><br/> <span class="ft1">der obsiegenden Partei beigezogenen Vertreter, für welche sie von</span><br/> <span class="ft1">der unterliegenden Partei eine Entschädigung fordern kann, im</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsverfahren gegenüber Beschwerdeverfahren vor Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht erweitert wird (Entscheid des Regierungsrates [RRB]</span><br/> <span class="ft1">Nr. 241 vom 16. Februar 2000 i.S. R. und D. S.- R. gegen den Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid des Baudepartements [Koordinationsstelle Baugesuch] / Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat Full-Reuenthal vom 7. / 13. Oktober 1998, S. 11 f.; AGVE</span><br/> <span class="ft1">1972, S. 350, und 1987, S. 334 f.).</span><br/> <span class="ft1">Somit steht fest, dass auch einer im Verwaltungsverfahren ob-</span><br/> <span class="ft1">siegenden Partei nur für die Kosten der Vertretung, Verbeiständung</span><br/> <span class="ft1">oder Beratung durch Anwälte und weitere Sachverständige eine Ent-</span><br/> <span class="ft1">schädigung zugesprochen werden kann.</span><br/> <span class="ft1">c) Wer für die Vertretung und Verbeiständung vor Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">gericht als «Sachverständiger» im Sinne von § 36 VRPG angesehen</span><br/> <span class="ft1">werden kann, hat der Gesetzgeber durch die Regelung von § 18 Abs.</span><br/> <span class="ft1">3 VRPG zum Ausdruck gebracht (vgl. den oben zitierten RRB Nr.</span><br/> <span class="ft1">241 vom 16. Februar 2000, S. 12; AGVE 1987, S. 334 f.). Vertreten</span><br/> <span class="ft1">und verbeiständen können vor Verwaltungsgericht danach nur paten-</span><br/> <span class="ft1">tierte Anwälte und Notare, in Steuersachen auch Steuerberater. Es</span><br/> <span class="ft1">gilt somit das sogenannte erweiterte Anwaltsmonopol. (...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">585</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Bei enger Interpretation von § 36 Abs. 1 VRPG könnten dem-</span><br/> <span class="ft1">nach als «weitere Sachverständige» nur gerade die - zur Vertretung</span><br/> <span class="ft1">und Verbeiständung zugelassenen - Notare und Steuerberater ver-</span><br/> <span class="ft1">standen werden. Es wäre dann so, dass auch nur die durch das An-</span><br/> <span class="ft1">waltsmonopol gedeckte Beratung Anspruch auf Parteientschädigung</span><br/> <span class="ft1">verschaffen würde. Nun können sich aber spezifische Sachverständi-</span><br/> <span class="ft1">genfragen stellen, die zu beantworten die vom erweiterten Anwalts-</span><br/> <span class="ft1">monopol erfassten Sachverständigengruppen (Anwälte, Notare und</span><br/> <span class="ft1">Steuerberater) nicht in der Lage sind. Dies gilt insbesondere für</span><br/> <span class="ft1">technische Belange. Ebenso wie das Verwaltungsgericht genötigt</span><br/> <span class="ft1">sein kann, Architekten, Ingenieure oder weitere Sachverständige</span><br/> <span class="ft1">beizuziehen, kann in gewissen Fällen eine entsprechenden Beratung</span><br/> <span class="ft1">der Parteien notwendig sein. Dann ist es aber auch richtig, die daraus</span><br/> <span class="ft1">entstehenden Kosten in die Parteientschädigung einzubeziehen. In</span><br/> <span class="ft1">einer langjährigen Praxis hat deshalb das Verwaltungsgericht stets</span><br/> <span class="ft1">anerkannt, dass in Verwaltungsgerichts- und aufgrund des Verweises</span><br/> <span class="ft1">in § 36 Abs. 2 auf Abs. 1 VRPG auch in Verwaltungsverfahren eine</span><br/> <span class="ft1">Entschädigung für einen von einer Partei zugezogenen Sachverstän-</span><br/> <span class="ft1">digen stets, aber immer nur dort in Betracht kommen kann, wo sich</span><br/> <span class="ft1">spezifische Sachverständigenfragen aus dessen Spezialgebiet, na-</span><br/> <span class="ft1">mentlich in technischen Belangen, stellen (vgl. AGVE 1972, S. 350).</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall handelt es sich nun aber nicht um eine</span><br/> <span class="ft1">solche Beratung, sondern um eine typische Rechtsvertretung in ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Beschwerdeverfahren, wie sie zu den klassischen Obliegenhei-</span><br/> <span class="ft1">ten der Anwälte gehört. Dazu wäre Dr. iur. M. vor Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richt nicht zugelassen gewesen. Selbst wenn der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">zu Recht geltend machen könnte, er sei auf eine rechtskundige Ver-</span><br/> <span class="ft1">tretung angewiesen gewesen, kann er für die ihm daraus erwachse-</span><br/> <span class="ft1">nen Kosten keine Entschädigung beanspruchen, da es sich gerade um</span><br/> <span class="ft1">denjenigen Sachverständigenbereich handelt, der unter das An-</span><br/> <span class="ft1">waltsmonopol fällt.</span><br/></div> </div> </body> </html>