<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2024.00417</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=224266&amp;W10_KEY=13045537&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2024.00417</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 21.08.2024</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht hat eine Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Entscheid am 03.12.2024 abgewiesen.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>[Ablehnung des nachträglichen Familiennachzugs der beschwerdeführenden Ehefrau mangels wichtiger familiärer Gründe.] Praxisgemäss geht das Bundesgericht davon aus, dass eine Familie, die freiwillig jahrelang getrennt gelebt hat, dadurch ihr beschränktes Interesse an einem ortsgebundenen gemeinsamen Familienleben zum Ausdruck bringt. Werden die familiären Beziehungen während Jahren über die Grenzen hinweg besuchsweise und über die modernen Kommunikationsmittel gelebt, überwiegen regelmässig die der ratio legis von Art. 47 Abs. 4 AIG zugrunde liegenden legitimen Interessen an der Einwanderungsbeschränkung sowie an der möglichst frühzeitigen Integration der Familienmitglieder, solange nicht objektive, nachvollziehbare Gründe etwas anderes nahelegen (E. 2.2.3). Selbst wenn ihr jüngster Sohn im Zeitpunkt des Ablaufs der Fünfjahresfrist noch einer gewissen Betreuung durch sie bedurft hätte, so erreichte er am 25. Juni 2019 die Volljährigkeit. Folglich hätte ein aus betreuungsbedingten Gründen verspätet eingereichtes Gesuch um Familiennachzug der Beschwerdeführerin spätestens zu diesem Zeitpunkt gestellt werden müssen, was jedoch nicht geschah (E. 2.4.2). Demgegenüber führt das Schreiben aus, der Vater der Beschwerdeführerin habe ab dem Jahr 2021 seinen Alltag wieder eigenständig bewältigen können. Auch vor diesem Hintergrund erweist sich das am 26. Juli 2023 gestellte Familiennachzugsgesuch als verspätet (E. 2.4.3). Nach dem Gesagten liegen somit keine wichtigen familiären Gründe im Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG vor, welche einen nachträglichen Familiennachzug der Beschwerde-führerin zu rechtfertigen vermöchten (E. 2.4.4). Abweisung der Beschwerde. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> - keine -<br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> - keine -<br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="591"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>2. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=67203" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2024.00417</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 2. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">21. August 2024</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Andreas Frei<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Elisabeth Trachsel, Verwaltungsrichterin Silvia Hunziker, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Lara von Arx. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>1. A, </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>2. B, </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoBodyText">beide vertreten durch RA C, </p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrende,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner,</span></b><span> </span></p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>betreffend Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung,</span></b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">Die 1974 geborene, tÃ¼rkische StaatsbÃ¼rgerin A heiratete am 3. Oktober 1994 in der TÃ¼rkei ihren Landsmann B. Am 14. Januar 1996 und am 1. Januar 1998 kamen die TÃ¶chter D und E zur Welt. Die Ehe zwischen A und B wurde am 12. Dezember 2000 in der TÃ¼rkei geschieden. Am 25. Juni 2001 gebar A das dritte gemeinsame Kind, den Sohn F.</p> <p class="Urteilstext">B reiste am 15. Oktober 2000 in die Schweiz ein, wo er um Asyl ersuchte. Am 19. November 2001 heiratete er die in der Schweiz niedergelassene G, woraufhin er am 1. Mai 2002 eine Aufenthaltsbewilligung zwecks Verbleibs bei seiner Ehefrau in der Schweiz erhielt, welche regelmÃ¤ssig verlÃ¤ngert wurde. Mit Urteil vom 14. Januar 2008 erfolgte die Scheidung von B und G.</p> <p class="Urteilstext">Am 21. Dezember 2011 heirateten A und B erneut in der TÃ¼rkei. B erhielt am 2. Mai 2013 die Niederlassungsbewilligung im Kanton St. Gallen. Nach erfolgtem Umzug in den Kanton ZÃ¼rich erteilte das Migrationsamt ihm am 1. August 2019 die Niederlassungsbewilligung fÃ¼r den Kanton ZÃ¼rich.</p> <p class="Urteilstext">Ein Gesuch von A um Erteilung eines Schengenvisums zum Besuch ihres Ehemannes wies die Schweizer Vertretung in Istanbul am 2. Dezember 2019 ab. Das Staatssekretariat fÃ¼r Migration (SEM) wies die hiergegen erhobene Einsprache am 4. Februar 2020 ab. </p> <p class="Urteilstext">Am 19. Juli 2023 reiste A in die Schweiz ein. B beantragte am 26. Juli 2023 die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an sie. Mit VerfÃ¼gung vom 2. April 2024 wies das Migrationsamt das Gesuch ab und wies A ab 2. Mai 2024 aus dem schweizerischen Staatsgebiet und dem Schengenraum weg.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Sachverhalt1">Den hiergegen erhobenen Rekurs wies die Sicherheitsdirektion am 10. Juni 2024 ab und setzte A eine neue Ausreisefrist bis zum 10. Juli 2024 an.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Mit Beschwerde vom 12. Juli 2024 liessen die Ehegatten A/B dem Verwaltungsgericht beantragen, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben und das Migrationsamt sei anzuweisen, A eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Ferner sei ihnen eine ParteientschÃ¤digung auszurichten.</p> <p class="Urteilstext">WÃ¤hrend die Sicherheitsdirektion auf Vernehmlassung verzichtete, liess sich das Migrationsamt nicht vernehmen. </p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung1">Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen Rechtsverletzungen einschliesslich Ermessensmissbrauch, ErmessensÃ¼berschreitung oder Ermessensunterschreitung und die unrichtige oder ungenÃ¼gende Feststellung des Sachverhalts gerÃ¼gt werden (§ 20 in Verbindung mit § 50 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]).</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b><span>Das </span>AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetz vom 16. Dezember 2005 [AIG]<span> gilt fÃ¼r AuslÃ¤nderinnen und AuslÃ¤nder, soweit keine anderen Bestimmungen des Bundesrechts oder von der Schweiz abgeschlossene vÃ¶lkerrechtli­che VertrÃ¤ge zur Anwendung kommen (Art. 2 Abs. 1 AIG). Zwischen der Schweiz und der TÃ¼rkei besteht kein auf den vorliegenden Fall anwendbarer Staatsvertrag. </span>Die nachfolgende Beurteilung richtet sich folglich nach den Bestimmungen des AIG.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.1 </b>GemÃ¤ss Art. 43 Abs. 1 AIG haben auslÃ¤ndische Ehegatten von Personen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung und VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (lit. a), eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist (lit. b), sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind (lit. c), sie sich in der am Wohnort gesprochenen Landessprache verstÃ¤ndigen kÃ¶nnen (lit. d) und die nachziehende Person keine jÃ¤hrlichen ErgÃ¤nzungsleistungen bezieht oder wegen des Familiennachzugs beziehen kÃ¶nnte (lit. e). Der Anspruch auf Familiennachzug muss innerhalb von fÃ¼nf Jahren geltend gemacht werden (Art. 47 Abs. 1 AIG). Die Frist beginnt bei FamilienangehÃ¶rigen von AuslÃ¤nderinnen oder AuslÃ¤ndern mit der Erteilung der Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung oder der Entstehung des FamilienverhÃ¤ltnisses (Art. 47 Abs. 3 lit. b AIG). <span>Nach Ablauf der Frist wird ein Familiennachzug nur noch bewilligt, wenn wichtige familiÃ¤re GrÃ¼nde geltend gemacht werden (Art. 47 Abs. 4 </span>Satz 1 AIG). Ein Statuswechsel von einer Aufenthalts- zur Niederlassungsbewilligung lÃ¶st keine neue Frist aus, wenn zuvor kein fristgerechtes Gesuch gestellt worden ist (BGr, 12. November 2019, 2C_555/2019, E. 5.1; BGr, 25. August 2017, 2C_1154/2016, E. 2.2.1).</p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.2 </b><span>Die Nachzugsfristen von Art. 47 AIG sind ein Element der Steuerung bzw. der Begrenzung der Einwanderung, und Bewilligungen nach ihrem Ablauf haben nach dem Willen des Gesetzgebers die Ausnahme zu bleiben, soll die Fristenregelung nicht ihres Sinns beraubt werden. Bezweckt wird damit eine verstÃ¤rkte FÃ¶rderung der Integration durch einen mÃ¶glichst frÃ¼hen Nachzug der Familienmitglieder. Obschon sie besonders beim Nachzug von Kindern bedeutsam sind, gelten die Nachzugsfristen (und die diesen zugrunde liegenden IntegrationsÃ¼berlegungen) nach dem Gesetzeswortlaut und dem Willen des Gesetzgebers auch fÃ¼r den Ehegatten bzw. die Ehegattin (VGr, 28. September 2023, VB.2023.00300, E. 3.2; VGr, 22. Juli 2021, VB.2021.00296, E. 2.2.1).</span></p> <p class="Erwgung3">Dass das Gesetz Nachzugsfristen statuiert, ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts grundsÃ¤tzlich mit <span>Art. 8 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention (</span>EMRK<span>) und Art. 13 der Bundesverfassung</span> (BV) vereinbar. Mit <span>Art. 47 AIG wird legitimen Ã¶ffentlichen Interessen Ausdruck verliehen, und die Norm dient als gesetzliche Grundlage fÃ¼r einen Eingriff nach Art. 8 Abs. 2 EMRK in diese. Was die sÃ¤mtlichen UmstÃ¤nden des Einzelfalls Rechnung zu tragende InteressenabwÃ¤gung nach Art. 8 Abs. 2 EMRK betrifft, ist eine solche regelmÃ¤ssig nicht nochmals vorzunehmen, wenn wichtige familiÃ¤re GrÃ¼nde im Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG verneint werden. Dabei ist Art. 47 Abs. 4 AIG so zu handhaben, dass der Anspruch auf Schutz des Familienlebens nach Art. 8 Abs. 1 EMRK nicht verletzt wird (BGr, 7. Mai 2020, 2C_979/2019, E. 4.1 f.; BGr, 21. April 2020, 2C_1011/2019, E. 3.3; BGr, 11. Juli 2019, 2C_481/2018, E. 6.2, je </span>mit <span>Hinweisen; ferner BGE 146 I 185 E. 7.1.1; VGr, 25. April 2024, VB.2023.00698, E. 3.3).</span></p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.3 </b>PraxisgemÃ¤ss geht das Bundesgericht davon aus, dass eine Familie, die freiwillig jahrelang getrennt gelebt hat, dadurch ihr beschrÃ¤nktes Interesse an einem ortsgebundenen gemeinsamen Familienleben zum Ausdruck bringt. Werden die familiÃ¤ren Beziehungen wÃ¤hrend Jahren Ã¼ber die Grenzen hinweg besuchsweise und Ã¼ber die modernen Kommunikationsmittel gelebt, Ã¼berwiegen regelmÃ¤ssig die der ratio legis von Art. 47 Abs. 4 AIG zugrunde liegenden legitimen Interessen an der EinwanderungsbeschrÃ¤nkung sowie an der mÃ¶glichst frÃ¼hzeitigen Integration der Familienmitglieder, solange nicht objektive, nachvollziehbare GrÃ¼nde etwas anderes nahelegen. <span> Ein nachtrÃ¤glicher Familiennachzug kommt nicht in Betracht, wenn die nachzugswillige Person die Einhaltung der Fristen, die ihr die ZusammenfÃ¼hrung der Familie ermÃ¶glicht hÃ¤tte, versÃ¤umt hat und keine gewichtigen </span>GrÃ¼nde <span>geltend macht, um erst spÃ¤ter einen derartigen Nachzug zu beantragen. Namentlich dort, wo die Familie selber die Trennung freiwillig herbeigefÃ¼hrt hat, bedarf es stichhaltiger </span>GrÃ¼nde<span>, die zum Wohl der Familie eine andere LÃ¶sung erforderlich machen (BGr, 11. Juli 2019, 2C_481/2018, E. 6.2 mit Hinweisen; BGr, 14. August 2018, 2C_634/2017, E. 3.4.4; BGr, 29. Mai 2017, 2C_1093/2016, E. 3.2; BGr, 18. Mai 2015, 2C_914/2014, E. 3.1; VGr, 28. September 2023, VB.2023.00300, E. 3.3).</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Es obliegt im Rahmen ihrer Mitwirkungspflichten der nachzugswilligen Person, die wichtigen familiÃ¤ren GrÃ¼nde nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen (vgl. Art. 90 AIG; BGr, 8. Dezember 2023, 2C_238/2023, E. 3.2; BGr, 15. September 2022, 2C_375/2022, E. 5.1; BGr, 14. April 2022, 2C_970/2021, E. 4.2).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b><span> </span></p> <p class="Erwgung3"><b>2.3.1 </b><span>Vorliegend ist unbestritten, dass die BeschwerdefÃ¼hrenden in einer intakten, tatsÃ¤chlichen Ehe leben, die fÃ¼nfjÃ¤hrige Nachzugsfrist indessen abgelaufen war, als der BeschwerdefÃ¼hrer am </span>26. Juli 2023 <span>um Familiennachzug der BeschwerdefÃ¼hrerin ersuchte. Umstritten vor Verwaltungsgericht ist das Vorliegen wichtiger familiÃ¤rer GrÃ¼nde im Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG.</span></p> <p class="Erwgung3"><b>2.3.2 </b>Die Vorinstanz erwog diesbezÃ¼glich, die BeschwerdefÃ¼hrerin habe sich am 21. Dezember 2011 in der TÃ¼rkei (erneut) mit dem BeschwerdefÃ¼hrer verehelicht. Da dieser damals im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung gewesen sei, habe die fÃ¼nfjÃ¤hrige Nachzugsfrist fÃ¼r sie am 21. Dezember 2016 geendet. Das Grossziehen der drei gemeinsamen Kinder in der Heimat genÃ¼ge fÃ¼r sich als wichtiger Grund fÃ¼r einen verspÃ¤teten Familiennachzug nicht. Die Ã¤lteste Tochter der BeschwerdefÃ¼hrenden sei im Zeitpunkt des Ablaufs der Nachzugsfrist beinahe 21 Jahre alt gewesen und habe keine Betreuung durch ihre Mutter mehr benÃ¶tigt. Sie hÃ¤tte ihre bis im Juni 2017 andauernde Ausbildung in Ankara auch allein beenden kÃ¶nnen. Der Sohn der BeschwerdefÃ¼hrenden sei am 21. Dezember 2016 15½ Jahre alt gewesen und habe somit eine gewisse SelbstÃ¤ndigkeit erreicht. Mit den Eltern der BeschwerdefÃ¼hrerin und der Mutter des BeschwerdefÃ¼hrers hÃ¤tte in der TÃ¼rkei eine Betreuungsalternative fÃ¼r ihren Sohn bestanden, wobei der 270 Kilometer entfernte Wohnsitz daran nichts Ã¤ndere. Schliesslich habe die BeschwerdefÃ¼hrerin auch als ihr Sohn am 25. Juni 2019 volljÃ¤hrig geworden sei kein Familiennachzugsgesuch gestellt, weshalb keine wichtigen familiÃ¤ren GrÃ¼nde fÃ¼r einen nachtrÃ¤glichen Ehegattennachzug vorlÃ¤gen. </p> <p class="Urteilstext">Was die geltend gemachte unfallbedingte PflegebedÃ¼rftigkeit des Vaters der BeschwerdefÃ¼hrerin ab Dezember 2018 anbelangt, so fÃ¼hrte die Vorinstanz aus, die Pflege- oder BetreuungsbedÃ¼rftigkeit sei nicht rechtsgenÃ¼gend nachgewiesen worden. Ebenso wenig sei erwiesen, dass sich die im Zeitpunkt des Unfalls 64-jÃ¤hrige Mutter der BeschwerdefÃ¼hrerin aus gesundheitlichen GrÃ¼nden nicht um ihren Ehemann habe kÃ¼mmern kÃ¶nnen. Die Suche nach einer anderen BetreuungslÃ¶sung fÃ¼r ihren Vater gehe aus den Akten ebenfalls nicht hervor. Ferner habe die BeschwerdefÃ¼hrerin am 28. November 2019 bei der Schweizer Vertretung in Istanbul erfolglos um Erteilung eines Schengenvisums ersucht, weil sie den BeschwerdefÃ¼hrer in der Schweiz habe besuchen wollen. Der Gesundheitszustand ihres Vaters oder seine Betreuungssituation hÃ¤tten es folglich zugelassen, dass sie die TÃ¼rkei zu diesem Zeitpunkt vorÃ¼bergehend verlasse.</p> <p class="Erwgung3"><b>2.3.3 </b>Hiergegen wenden die BeschwerdefÃ¼hrenden ein, die fehlenden Nachzugsfristen im Anwendungsbereich des <span>Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der EuropÃ¤ischen Gemeinschaft (nunmehr EuropÃ¤ische Union) und ihren Mitgliedstaaten andererseits Ã¼ber die FreizÃ¼gigkeit (FreizÃ¼gigkeitsabkommen [</span>FZA]) nÃ¤hmen den vorinstanzlichen AusfÃ¼hrungen zum Interesse an einer frÃ¼hzeitigen Integration nachzuziehender Ehegatten die Ãberzeugungskraft weg. Die BeschwerdefÃ¼hrerin habe aus kulturell-gesellschaftlichen GrÃ¼nden keine andere Wahl gehabt, als nach ihrer Heirat bei ihren Kindern in der TÃ¼rkei zu verbleiben. Im Zeitpunkt des Ablaufs der FÃ¼nfjahresfrist habe ihr damals noch minderjÃ¤hriger Sohn weiterhin Betreuung durch sie als einziger Bezugsperson bedurft. Weder die Ã¤lteren Geschwister noch die Grosseltern des Sohnes hÃ¤tten ihm gegenÃ¼ber eine gesetzliche Betreuungs- oder Aufsichtspflicht gehabt. Die einzige ausserfamiliÃ¤re Betreuungsalternative sei die Unterbringung in einem staatlichen Waisenhaus gewesen und dies wÃ¤re in der TÃ¼rkei verpÃ¶nt. Die PflegebedÃ¼rftigkeit ihres Vaters sei erwiesen und ihre Mutter sei gesundheitlich ebenfalls angeschlagen und daher nicht in der Lage gewesen, den Vater zu pflegen und zu betreuen. Erst ein Jahr nach dem Unfall sei ihr eine "vorÃ¼bergehende" Pause mÃ¶glich gewesen, da sie keine Energie mehr gehabt habe, physisch und psychisch am Ende gewesen sei und unter Depressionen gelitten habe. Sie habe die Nachzugsfrist somit aufgrund wichtiger familiÃ¤rer GrÃ¼nde nicht einhalten kÃ¶nnen. </p> <p class="Erwgung2"><b>2.4 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.4.1 </span></b>Fehl gehen die AusfÃ¼hrungen der BeschwerdefÃ¼hrenden zu den Bestimmungen <span>des FZA, welches vorliegend nicht anwendbar ist. Namentlich aufgrund der unterschiedlichen kulturellen HintergrÃ¼nde von StaatsangehÃ¶rigen aus Drittstaaten gelten von Gesetzes wegen andere Anforderungen an den (raschen) Familiennachzug und die damit einhergehenden Integrationserfordernisse als fÃ¼r AngehÃ¶rige von FZA-Staaten. </span></p> <p class="Erwgung3"><b>2.4.2 </b>Was die persÃ¶nliche Betreuung ihrer Kinder in der Heimat durch die BeschwerdefÃ¼hrerin anbelangt, so hat bereits die Vorinstanz korrekt festgehalten, dass einzig dieser Umstand fÃ¼r sich als wichtiger Grund fÃ¼r einen verspÃ¤teten Familiennachzug nicht genÃ¼gt. Vielmehr ist dies die typische Situation bei verspÃ¤teten Nachzugsgesuchen, die durch Art. 47 Abs. 4 AIG gerade nicht abgedeckt wird (BGr, 5. April 2019, 2C_214/2019, E. 3.3 mit Hinweis auf BGr, 21. September 2018, 2C_323/2018, E. 4.2.2). Die von der BeschwerdefÃ¼hrerin vorgebrachten kulturellen und gesellschaftlichen Vorgaben in der TÃ¼rkei vermÃ¶gen hieran nichts zu Ã¤ndern. Selbst wenn ihr jÃ¼ngster Sohn im Zeitpunkt des Ablaufs der FÃ¼nfjahresfrist noch einer gewissen Betreuung durch sie bedurft hÃ¤tte, so erreichte er am 25. Juni 2019 die VolljÃ¤hrigkeit. Folglich hÃ¤tte ein aus betreuungsbedingten GrÃ¼nden verspÃ¤tet eingereichtes Gesuch um Familiennachzug der BeschwerdefÃ¼hrerin spÃ¤testens zu diesem Zeitpunkt gestellt werden mÃ¼ssen, was jedoch nicht geschah. Stattdessen erfolgte die Gesuchstellung mehr als vier Jahre spÃ¤ter, was wichtige familiÃ¤re GrÃ¼nde im Zusammenhang mit der Kindererziehung ebenfalls klar entfallen lÃ¤sst.</p> <p class="Erwgung3"><b>2.4.3 </b>In Bezug auf die Situation des Vaters der BeschwerdefÃ¼hrerin ist anzumerken, dass die Beweiskraft des am 25. April 2024 datierten Arztzeugnisses zumindest fragwÃ¼rdig ist. Das sehr knapp gehaltene Schreiben des Hausarztes des Vaters der BeschwerdefÃ¼hrerin nimmt Bezug auf einen Unfall, welcher sich mehr als fÃ¼nf Jahre zuvor ereignet hat. Hinsichtlich der Betreuungs- und PflegebedÃ¼rftigkeit des Patienten werden keine genauen Angaben gemacht, etwa hinsichtlich des Behandlungsverlaufs (konkrete medizinische Befunde infolge des Unfalls, Untersuchungen und Therapien, zwischenzeitlich erreichte Fortschritte etc.). DemgegenÃ¼ber fÃ¼hrt das Schreiben aus, der Vater der BeschwerdefÃ¼hrerin habe ab dem Jahr 2021 seinen Alltag wieder eigenstÃ¤ndig bewÃ¤ltigen kÃ¶nnen. Auch vor diesem Hintergrund erweist sich das am 26. Juli 2023 gestellte Familiennachzugsgesuch als verspÃ¤tet. </p> <p class="Erwgung3">Im Ãbrigen sind die vorinstanzlichen AusfÃ¼hrungen zu bestÃ¤tigen, gemÃ¤ss welchen nicht nachgewiesen ist, dass sich die Mutter der BeschwerdefÃ¼hrerin im Fall einer effektiven PflegebedÃ¼rftigkeit ihres Ehemannes bzw. des Vaters der BeschwerdefÃ¼hrerin nicht um diesen habe kÃ¼mmern kÃ¶nnen. Der Antrag der BeschwerdefÃ¼hrerin um Erteilung eines Schengenvisums zum Besuch des BeschwerdefÃ¼hrers in der Schweiz Ende November 2019 spricht â spÃ¤testens zu diesem Zeitpunkt â gegen eine PflegebedÃ¼rftigkeit des Vaters durch die BeschwerdefÃ¼hrerin. Die allfÃ¤llig erforderliche Betreuung des Vaters konnte ab dann offenkundig anderweitig sichergestellt werden. Folglich ist das Vorliegen wichtiger familiÃ¤rer GrÃ¼nde im <span>Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG auch in diesem Zusammenhang zu verneinen. </span></p> <p class="Erwgung3"><b>2.4.4 </b>Nach dem Gesagten liegen somit keine wichtigen familiÃ¤ren GrÃ¼nde im <span>Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG vor, welche einen nachtrÃ¤glichen Familiennachzug der BeschwerdefÃ¼hrerin zu rechtfertigen vermÃ¶chten. Vielmehr entschieden sich die BeschwerdefÃ¼hrenden </span>wÃ¤hrend Jahren dazu, Ã¶rtlich getrennt zu leben, wodurch sie ihr beschrÃ¤nktes Interesse an einem ortsgebundenen gemeinsamen Familienleben zum Ausdruck brachten. Vor diesem Hintergrund Ã¼berwiegen die Ã¶ffentlichen Interessen gegenÃ¼ber dem privaten Interesse der BeschwerdefÃ¼hrerin an einem Zuzug in die Schweiz (vgl. E. 2.2.2 f.).</p> <p class="Erwgung2">Die Beschwerde ist somit abzuweisen. </p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung1">AusgangsgemÃ¤ss sind die Gerichtskosten den BeschwerdefÃ¼hrenden aufzuerlegen (§ 65a in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG) unter solidarischer Haftung fÃ¼r die gesamten Kosten und steht ihnen keine ParteientschÃ¤digung zu (§ 17 Abs. 2 VRG).</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung1">Der vorliegende Entscheid kann mit Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG) angefochten werden, soweit ein Rechtsanspruch auf eine fremdenpolizeiliche Bewilligung geltend gemacht wird. Ansonsten steht die subsidiÃ¤re Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. BGG offen. Werden beide Rechtsmittel ergriffen, hat dies in der gleichen Rechtsschrift zu geschehen (Art. 119 Abs. 1 BGG).</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'070.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden den BeschwerdefÃ¼hrenden auferlegt, unter solidarischer Haftung fÃ¼r die gesamten Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Eine ParteientschÃ¤digung wird nicht zugesprochen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Gegen dieses Urteil kann im Sinn der ErwÃ¤gungen Beschwerde erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Mitteilung an:<br/> a) die Parteien;<br/> b) die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion;<br/> c) das Staatssekretariat fÃ¼r Migration (SEM).</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>