B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2867/2021 U r t e i l v o m 1 . J u l i 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richterin Barbara Balmelli; Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch Christoph von Blarer, Anlaufstelle Baselland, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 20. Mai 2021 / N (…). E-2867/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein aus B._______, Provinz Kurdistan, stammen- der iranischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie − stellte am (…) Feb- ruar 2021 im Flughafen C._______ ein Asylgesuch. Am 11. März 2021 fand eine Erstbefragung zur Person (BzP) im Bundesasylzentrum D._______ und am 16. April 2021 eine Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) statt. B. B.a Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen vor, er habe sich nach der Ehescheidung seiner Eltern im (…) 2020 von der islamischen Religion abgewandt und begonnen, Infor- mationen über andere Religionen zu suchen. Schliesslich hätten ihn die Grundsätze des christlichen Glaubens besonders überzeugt, weshalb er sich dem Christentum zugewandt habe und nun an Jesus Christus glaube. Seine Familie, welcher er im (…) oder (…) 2020 von seinem Glaubens- wechsel erzählt habe, habe keine Einwände dagegen erhoben. Etwa ein oder zwei Wochen vor seiner Ausreise ([…] 2021) habe er mit seinem bes- ten Freund über seine Glaubensansichten gesprochen , der dann seinem Vater davon erzählt habe. Dieser, ein strenggläubiger Muslim, der bei einer staatlichen Behörde arbeite, habe daraufhin die Ordnungskräfte informiert. In der Folge hätten diese Ende des (…) oder Anfang des (…) Monats ([…] 2021) seine Mutter aufgesucht und unter Vorweisung eines Ha ftbefehls nach ihm gesucht. Er habe sich zu diesem Zeitpunkt bei seinem Vater auf- gehalten. Seine Mutter habe ihn telefonisch gewarnt, worauf er sich bei einem Onkel mütterlicherseits versteckt habe. Dieser habe seine Ausreise organisiert. Etwa eineinhalb T age später, (…) 2021, habe er mithilfe eines Schleppers, der die Grenzbeamten besto- chen habe, die Grenze zur Türkei überquert und sei dann von Istanbul aus mit einem ihm nicht zustehenden (…) Reisepass in die Schweiz geflogen. B.b Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführe die Per- sonalienseite seines iranischen Reisepasses, eine Kopie seiner Identitäts- karte ( Shenasnameh), zwei Fotos der Scheidungsurkunde seiner Eltern sowie ein Foto eines Haftbefehls und drei Filme über den Islam auf einem Videostick zu den Akten. C. Mit Zwischenverfügung vom 23. April 2021 wurde der Beschwerdeführer dem erweiterten Verfahren zugewiesen. E-2867/2021 Seite 3 D. Mit Verfügung vom 20. Mai 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh- rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. E. Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung an das Bundesverwaltungsgericht vom 18. Juni 2021 erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde und beantragte, der Entscheid des SEM sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig auf- zunehmen, subeventualiter sei die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm entsprechend die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Allenfalls sei die Sache zur erneuten Abklärung des Sachverhalts und neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück - zuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerde- führer die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Beiordnung sei- nes Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand. Zum Beleg seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer Auszüge aus zwei Lageberichten zur Situation der Kurden im Iran ein. F. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 21. Juni 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsger icht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche E-2867/2021 Seite 4 Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner z weiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung ei nes Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Die Vorinstanz stellte sich zur Begründung ihre Verfügung im Wesent- lichen auf den Standpunkt, der vom Beschwerdeführer vorgebrachte Sach- verhalt wirke stark konstruiert. Die von ihm geltend gemachte Konversion zum christlichen Glauben sei als unglaubhaft zu erachten, da er die Gründe hierfür wenig überzeugend dargelegt habe. E r habe nicht detailliert und konkret darlegen könne, was ihn vom Chri stentum überzeugt habe, und diesbezüglich nur anekdotisches Wissen, nicht aber verinnerlichte Glau- benshinhalte darlegen können. Demnach seien auch die angeblich darauf zurückgehenden Verfolgungsmassnahmen als unglaubhaft zu qualifizie- ren. Er habe nicht substanziiert darzulegen vermocht, dass seine Konver- sion den iranischen Behörden bekann t geworden sei. Seine diesbezügli- chen Angaben, insbesondere zum Vater seines Freundes sowie zur Suche der Ordnungskräfte nach ihm, seien oberfläc hlich und vage geblieben. Überdies vermöchten Vorb ringen, die sich nur auf Informationen Dri tter E-2867/2021 Seite 5 stützen würden, den Anforderungen an eine Verfolgung im asylrechtlichen Sinne nicht zu genügen. An dieser Einschätzung könnten auch die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel nichts ändern. Insbeson- dere liege der angebliche Haftbefehl nur als Fotografie vor, weshalb des- sen Authentizität nicht geprüft w erden könne. In dieser Form sei dieses Dokument leicht fälschbar, weshalb ihm kein Beweiswert beigemessen werden könne. Im Weiteren sei der Vollzug der Wegweisung auch unter Berücksichtigung des Aspekts des Kindeswohls als zulässig und zumutbar zu qualifizieren. Namentlich verfüge der Beschwerdeführer in seinem Herkunftsort über ein stabiles und tragfähiges familiäres Beziehungsnetz auf dessen Unterstüt- zung er nach einer Rückkehr zählen könne. Überdies sei er nach eigenen Angaben gesund, verfüge über eine gute Schulbildung und habe eine fort- geschrittene Reife erreicht. 4.2 In seiner Beschwerde hielt der Beschwerdeführer daran fest, seine Ausführungen dazu, wie er erfahren habe, dass die Beh örden von seiner Konversion Kenntnis erhalten hätten und nach ihm suchen würden, seien nicht abwegig. Dass er diese Informationen nur von Dritten erhalten habe, sei ihrem Gehalt nicht abträglich. Bezüglich der Ausführungen zu seiner Konversion müsse sein jugendliches Alter berücks ichtigt werden. Ange- sichts der stark religiösen Prägung der iranischen Gesellschaft sei es nicht unglaubhaft, dass er nach der Abkehr vom Islam zum Christentum gefun- den habe, und es sei nachvollziehbar, dass er sich im Iran noch nicht ein- gehend mit dieser Religion habe befassen können. Trotz sprachlicher Hin- dernisse besuche er in der Schweiz regelmässig die Kirche . Jedenfalls zeige der eingereichte Haftbefehl, dass die iranischen Behörden von einer echten Konversion ausgehen würden. Seine Schilderungen der Unterhal- tung mit seinem Freun d sowie seine Angaben zu dessen Vater seien au- thentisch. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern die Authentizität des Haft - befehls nicht auch anhand der einger eichten Fotografie geprüft werd en könne. Zudem sei unverständlich, dass er nicht darauf hing ewiesen wor- den sei, dass er das Original dieses Dokuments hätte einreichen müssen. Muslimen, die zu einer anderen Religion konvertiert hätten, drohten im Iran eine Anklage wegen Apostasie sowie schwerste Sanktionen bis hi n zur Todesstrafe. Zudem seien die iranischen Gefängnisse für ihre unmensch- lichen Bedingungen berüchtigt. Aus diesem Grund sei ihm Asyl zu gewäh- ren. Im Weiteren hätten Rückkehrer generell mit staatlicher Repression zu rechnen, alleine wegen des Stellen s eines Asylg esuchs im Ausland. Geflüchtete Kurden seien besonders gefährdet, da sie mit einer Rückkehr E-2867/2021 Seite 6 aus einem westlichen Land den Argwohn der iranischen Behörden auf sich ziehen würden. Er wäre daher als Christ und Kurde einem besonderen Ver- folgungsrisiko ausgesetzt. Im Weiteren seien die generalisierenden Argumente der Vorinstanz betref- fend die Zulässigkeit des Wegw eisungsvollzugs nicht schlüssig und wür- den die Begründungspflicht gemäss Art. 29 Abs. 2 BV verletzen. Er habe konkrete Bedrohungsszenarien aufgezeigt, die einer vertieften Beurteilung bedürften. Es sei zur berücksichtigen, dass er noch minderjährig sei, wes- halb ihm die genannten Risiken noch viel weniger zuzumuten seien. Einer erzwungenen Rückkehr in den Iran würden demnach auch die sich aus der des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kin- des ( Kinderrechtskonvention, KRK; SR 0.107) ergebend en Verpflichtun- gen, namentlich Art. 3 KRK, entgegenstehen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfäl schte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-2867/2021 Seite 7 6. 6.1 Nach Auffassung des Gerichts hinterlässt die Argumentation der Vor - instanz im Asylpunkt nach Durchsicht der Akten einen überzeugenden Ein- druck. 6.2 Es ist zwar nicht von vornherein auszuschliessen, dass der Beschwer- deführer vor seiner Ausreise durch eigene Recherchen ein Interesse am christlichen Glauben entwickelt hat. Gemäss seiner Darstellung fand die vorgebrachte Konversion wenige Monate vor seiner Flucht statt, ohne dass er aber Kontakt zu anderen Gläubigen gehabt hätte, sich einer christlichen Gemeinde angeschlossen oder sich hätte taufen lassen. Es kann demnach kaum von einem gefestigten Glaubenswechsel ausgegangen werden. 6.3 Zudem lassen die Angaben des Beschwerdeführers zu dem Gespräch mit seinem Freund darauf schliessen, dass er mit diesem nur kurz und oberflächlich über seinen neuen Glauben sprach (vgl. Protokoll Anhörung, A25/15, F77 f.). Dass sich dieser gegenüber seinem streng religiösen Vater, der zudem bei einer staatlichen Behörde arbeite, "verplappern" würde (vgl. a.a.O., F13 und F80; Beschwerdebegründung, Ziff. 10), wirkt konstruiert. Bei dieser Ausgangslage erscheint es unrealistisch und lebens- fern, dass die iranischen Behörden, welche vom Vater seines Freundes über seinen Abfall vom Islam erfahren haben sollen, ein Verfahren wegen Apostasie gegen ihn eingeleitet und ihn des wegen gesucht hätten. Auch die Schilderung des Erscheinens der Ordnungskräfte bei der Mutter des Beschwerdeführers wirkt stereotyp und oberflächlich. Bezeichnenderweise hat er zudem keine weiteren Verfolgungsmassnahmen der Ordnungskräfte geltend gemacht. Da er gemäss seinen Angaben auch seit der Einreise in die Schweiz in regelmässigem Kontakt zu seinen Eltern steht, ist davon auszugehen, dass er von solchen Massnahmen Kenntnis erhalten hätte. 6.4 Der eingereichte Haftbefehl, welcher nur in Form einer Fotografie vor- liegt, vermag keine ander e Einschätzung zu rechtfertigen , da derar tige Dokumente leicht käuflich erwerbbar und fälschbar sind. Demnach kann in antizipierender Beweiswürdigung auch festgestellt werden, dass das in Aussicht gestellte Original des Haftbefehls nicht geeignet wäre, den Aus- gang des vorliegenden Verfahrens zu verändern. Der Vorwurf der Gehörs- verletzung, weil die Vorinsta nz den Beschwerdeführer nicht explizit zur Nachreichung des Originals aufgefordert habe, erwiest sich demnach als nicht stichhaltig. E-2867/2021 Seite 8 6.5 Weitere Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen ergeben sich daraus, dass der Beschwerdeführer einen iranischen Reisepass ein- reichte, in welchem bis auf die Personalienseite sämtliche Seiten heraus- gerissen wurden. Dies lässt darauf schliessen, d ass er die wahren Um- stände und Hintergründe seiner Ausreise zu verheimlichen versucht. 6.6 Im Übrigen kann, um Wiederholungen zu vermeiden, auf die Erwägun- gen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 6.7 Die Ausführungen in der Be schwerdeeingabe sind nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung bezüglich der Frage der Glaubhaftigkeit der Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers zu führen . Auch die nicht näher substanziierte (oder belegte) Behauptung, er besuche in der Schweiz Gottesdienste, lässt nicht den Schluss auf eine relevante Gefähr- dung zu. 6.8 Soweit der Beschwerdeführer auf seine kurdische Ethnie und die Prob- leme von Kurden im Iran verweist, ist festzustellen, dass er gemäss Akten- lage vor seiner Ausreise keinerlei Nachteile aus diesem Grund erlitten hat. Zudem bestehen auch unter Berücksichtigung der zu den Akten gereichten Lageberichte, die keinen konkreten Bezug zum Beschwerdeführer aufwei- sen, keine stichhaltigen Gründe fü r die Annahme, dass er aus di esem Grund in den Fokus der iranischen Behörden geraten könnte. Die hohen Anforderungen für di e Annahme einer Kollektivverfolgung sind nach Auf- fassung des Gerichts im Falle der kurdischen Minderheit im Iran nicht erfüllt (vgl. etwa Urteil des BVGer D-2176/2018 vom 21. November 2018 E. 6). 6.9 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdefüh rer nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfolgungs- gefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch demzufolge zu Recht abgelehnt. Gründe für die eventualiter beantragte Rückweisung der Sache an die V orinstanz sind den Akten ebenfalls nicht zu entnehmen. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). E-2867/2021 Seite 9 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrücks chiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. E-2867/2021 Seite 10 8.2.3 Sodann ergeben sich nach dem Gesagten weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nac h Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europä- ischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN - Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Ge- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kam- mer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechts- situation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit- punkt nicht als unzulässig erscheinen. 8.2.4 Im Übrigen ist nicht ersichtlich, dass das SEM durch sein auf die na- tionalen Bestimmungen abgestütztes Vorgehen die sich aus der KRK ergebenden völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz zum Schutz von Kindern im Fall des Beschwerdeführers verletzt haben sollte. 8.2.5 Der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers ist im Rahmen der Prü- fung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung zu tragen. Da der Beschwerdeführer, wie dargelegt, keine konkrete Bedrohung glaubhaft zu machen vermag, erweist sich der Vorwurf der Verletzung der Begrün- dungspflicht durch die Vorinstanz als unbegründet. 8.2.6 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1 Im Iran herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumutbar wäre. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, erscheint unter Berücksichti- gung des Aspekts des Kindesw ohls auch in individueller Hinsicht eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Iran zumutbar. E-2867/2021 Seite 11 8.3.2 Der Beschwerdeführer steht gemäss seinen Angaben – über SMS und soziale Medien – in praktisch täglichem Kontakt mit seinen Eltern (vgl. A25/15 F7–10). Aufgrund der Aktenlage kann davon ausgegangen werden, dass er im Fall der Rückkehr an seinem Herkunftsort auf ein tragfähiges familiäres Netz zurückgreifen und sich in der gewohnten Umgebung und im familiären Umfeld mit den Eltern und Geschwistern sowie weiteren Ver- wandten wieder zurechtfinden und an sein früheres Leben anknüpfen kann. Gesundheitliche Probleme werden nicht geltend ge macht. Im Übri- gen kann auch in diesem Zusammenhang auf die einlässlichen Erwägun- gen der Vorinstanz verwiesen werdend, zu denen der B eschwerdeführer sich in der Beschwerdeeingabe nicht äusserte. 8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos. 10.2 Die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung sind abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – aussicht- los waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie Art. 102m Abs. 1 AsylG ungeachtet der Frage der Bedürftigkeit des Be- schwerdeführers nicht erfüllt sind. Angesichts seiner Minderjährigkeit ver- zichtet das Gericht jedoch in Anwendung von Art. 6 Bst. b des Reglements E-2867/2021 Seite 12 vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf eine Kostenauflage (vgl. auch Art. 63 Abs. 1 Satz 3 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-2867/2021 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Ver- beiständung werden abgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: