<h2>SubmittedText<h2><p>Die Behandlungsqualität und die Realität bei den Substitutionsprogrammen mit Methadon sind zum Teil fragwürdig und entsprechen kaum mehr den Vorgaben, Kriterien und Regeln, wie sie bei der Einführung festgelegt worden sind. Dieser Zustand wird nicht nur durch die praktische Anschauung, sondern auch durch verschiedene offizielle Berichte und durch Fachpublikationen bestätigt. Die Entwicklung führt nach übereinstimmender Auffassung bei einem Teil der Methadonbezüger zur Chronifizierung der Sucht. Es stellt sich auch die Frage, ob die rechtliche Grundlage zur Finanzierung dieser Programme aufgrund dieser Situation noch gegeben ist. Nachdem der grösste Teil der drogenabhängigen Personen in solchen Programmen integriert ist, besteht hier bei der Verbesserung der Behandlungsqualität (engere und konsequent durchgesetzte Rahmenbedingungen sowie regelmässige, intensive psychosoziale Begleitung) ein akuter Handlungsbedarf. Es fehlen zudem Schnittstellen zu den abstinenzorientierten Programmen.</p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat die Qualität der Methadonprogramme, und welche Möglichkeiten sieht er, Defizite gegenüber der ursprünglichen Zielsetzung der Methadonausgabe, insbesondere bei der psychosozialen Betreuung, zu beheben?</p><p>2. Besteht eine mittel- und langfristige Verlaufs- und Erfolgskontrolle in bezug auf die Methadonprogramme?</p><p>3. Welche Bedeutung misst er den Methadonprogrammen als Zwischenschritt von der ärztlichen Heroinabgabe zu abstinenzorientierten Therapien zu?</p><p>4. Was wird in bezug auf einen besseren Zugang zu den stationären, abstinenzorientierten Therapien vorgekehrt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>In der Schweiz befinden sich ungefähr 15 000 Personen in einer methadongestützten Behandlung, d. h. etwa 50 Prozent aller Heroinabhängigen. Die Hälfte der Behandlungen erfolgt in Arztpraxen, die andere Hälfte unter ärztlicher Aufsicht in auf die Behandlung von Drogensucht spezialisierten Institutionen. Die Behandlungsmodalitäten sind in Artikel 15a des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG) geregelt: Die Behandlungen bedürfen einer individuellen Bewilligung durch die Kantonsärzte. Die Eidgenössische Betäubungsmittelkommission hat in den Jahren 1984, 1989 und 1995 Empfehlungen betreffend die Anwendung von Methadon für Heroinabhängige herausgegeben (Methadonberichte I, II und III).</p><p>1. Der Methadonbericht III empfiehlt, nicht alle Substitutionsbehandlungen aus demselben Blickwinkel heraus zu betrachten, da das Behandlungsziel, der psychische und körperliche Gesundheitszustand wie auch die soziale Integration der Patienten und Patientinnen sehr verschieden sein können. Die Experten und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) haben erkannt, dass die Qualität zahlreicher Behandlungen mit Methadon verbessert werden kann, wenn die Empfehlungen des Berichtes befolgt werden: einerseits die Sicherstellung einer psycho-sozialen Begleitung, wie es der Verfasser der Interpellation unterstreicht, andererseits die Notwendigkeit einer vertieften Diagnose auf somatischer und psychischer Ebene, verbunden mit einer entsprechenden ärztlichen Behandlung. Der Bundesrat teilt die Besorgnis über die Qualität mancher dieser therapeutischen Behandlungen. Er hat deswegen das BAG seit 1991 mit der Verbesserung der Behandlungsqualität betraut.</p><p>Um eine Verbesserung der Methadonbehandlungen zu erzielen, hat das BAG spezielle Weiterbildungsprogramme für praktizierende Ärzte in den Kantonen Waadt und Zürich unterstützt. Zusammen mit den Kantonen der Romandie hat das BAG ab 1996 ein Hilfsnetz für Privatärzte (MedRoTox) aufgebaut. Ein ähnliches Netz wird seit 1998 in der Deutschschweiz aufgebaut, und im Tessin ist ein erstes Weiterbildungsprogramm eingerichtet worden.</p><p>2. Die Kontrolle der Behandlungen obliegt gemäss Artikel 15a des BetmG den Kantonsärzten. Das BAG hat seinerseits eine nationale Methadonstatistik eingeführt, an der zehn Kantone beteiligt sind; weitere zehn Kantone beliefern das BAG mit ihren eigenen Daten. Die Statistik soll schrittweise die ganze Schweiz abdecken. Ausserdem sind in den letzten zehn Jahren mehrere wissenschaftliche Forschungsarbeiten durchgeführt worden, welche über die Ergebnisse der Methadonbehandlungen Aufschluss geben; beispielsweise im Vergleich mit anderen Behandlungsformen wie den stationären Therapien oder der ärztlichen Verschreibung von Heroin. Daraus geht hervor, dass ungefähr ein Drittel der Behandlungen während der ersten drei Monate unterbrochen wird, ein weiteres Drittel wird während acht bis zwölf Monaten mehr oder weniger zufriedenstellend weiterverfolgt, ist jedoch oft von Rückfällen begleitet, ein letztes Drittel kann als erfolgreich bezeichnet werden. Von Erfolg spricht man dann, wenn entweder am Ende einer Behandlung die Ziele erreicht sind oder die Therapie bei Patienten und Patientinnen zwar weitergeführt wird, deren Gesundheit und soziale Situation sich jedoch schon beträchtlich verbessert haben. Dieselben Verhältnisse werden übrigens auch bei abstinenzorientierten stationären Therapien beobachtet.</p><p>3. Eine Behandlung mit ärztlich kontrollierter Heroinverschreibung kann eine angemessene vorübergehende Massnahme für diejenigen Abhängigen sein, denen trotz Methadonprogramm der Ausstieg aus dem illegalen Konsum nicht gelingt.</p><p>Umgekehrt haben mehr als 200 der 1100 ersten Patienten und Patientinnen die heroingestützte Behandlung gemäss der vom BAG zwischen 1994 und 1998 durchgeführten Eintritts- und Abgangskontrollen verlassen, um in ein Methadonprogramm einzusteigen. Über 120 haben direkt in eine abstinenzorientierte Therapie hinübergewechselt.</p><p>Diese Tatsachen zeigen, dass die verschiedenen Therapieformen nicht als linear verlaufende Kette betrachtet werden können. Es handelt sich vielmehr um eine Palette differenzierter Angebote, die den gesundheitlichen Bedürfnissen sowie den sozialen Umständen der zu Behandelnden gerecht werden und es ihnen erlauben, ihre Gesundheit zu verbessern.</p><p>4. Die Therapeuten und Therapeutinnen in den methadon- oder heroingestützten Programmen müssen stets die psychische Komponente der Abhängigkeit ihrer Patienten und Patientinnen in Betracht ziehen und eine Unterstützung für den schrittweisen Ausstieg bieten. Dies ist jedoch nicht immer in genügender Weise der Fall. Dieser Aspekt gehört zu den Qualitätsförderungsmassnahmen im Rahmen der Methadonprogramme, die unter Ziffer 1 erwähnt worden sind. Namentlich werden Ärzte und Ärztinnen vermehrt über die bestehenden Angebote im stationären Therapiebereich und die zu erfüllenden Aufnahmebedingungen informiert.</p>  Antwort des Bundesrates.