B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6271/2012 U r t e i l v o m 1 5 . F e b r u a r 2 0 1 3 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Jean-Pierre Monnet, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Iran, vertreten durch Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Advokatur Kanonengasse, (…), (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. Oktober 2012 / N (…). D-6271/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge gelangte der Beschwerdeführer am 7. oder 8. Juli 2007 in die Schweiz, wo er am 8. Juli 2007 im Empfangs - und Ver- fahrenszentrum (EVZ) B._______ ein Asylgesuch einreichte. Dazu wurde er am 13. Juli 2007 im EVZ B._______ befragt (Kurzbefragung) und am 21. Januar 2008 in C._______ angehört (Anhörung). A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen ge l- tend, er sei schiitischen Glaubens und stamme aus D._______, wo er bis zu seiner Ausreise gelebt habe. Ab dem Jahre 1989 sei er bei den Basidsch-e Mostaz'afin (paramilitärische Miliz des Iran , Anm. BVGer ; nachfolgend: Basij) gewesen, wo er in der Administration gearbeitet habe und für Prop aganda und Publikationen zuständig gewesen sei. Als man ihn für eine Grundausbildung bei den Quds-Truppen habe rekrutieren wollen, wo er für Auslandoperationen und terroristische Aktivitäten hätte vorbereitet werden s ollen, habe er sich zur Flucht aus dem Iran en t- schlossen, um dieser Zwangsrekrutierung zu entgehen, zumal er keine Möglichkeit gehabt habe, den Dienst zu kündigen. Hätte er sich nicht zur Flucht entschlossen und sich geweigert, die Grundausbildung bei den Quds-Truppen zu absolvieren, hätte man ihn als Befehlsverweigerer e r- schossen. Den Entschluss zur Ausreise habe er auch deswegen gefasst, da er seine Tätigkeit für die Basij, welche für die Niederschlagung jegl i- cher Aufstände und unerlaubter Demonstrationen sowie für die Unterdr ü- ckung der Regimegegner zuständig sei, nicht mehr mit seinem Gewissen habe vereinbaren können. Am 20. Mai 2007 habe er sein Heimatland ver- lassen und sei mit einem Auto nach Istanbul gereist, wo er sich zirka e i- nen Monat aufgehalten habe. Anschliessend habe er sich nach Griechen- land bege ben, von wo er nach ungefähr zwei Wochen per LkW in die Schweiz gelangt sei. Nachdem er d en Iran verlassen habe, sei ihm von seiner Familie telefonisch mitgeteilt worden , dass nach seiner Ausreise ein Kommandant des Etelaat (iranischer Geheim dienst) zu seinem Vater gekommen sei, um nach seinem Aufenthaltsort zu fragen. Sein Vater h a- be geantwortet, dass er nicht wi sse, wo sein Sohn sei, worauf der Kom- mandant den Laden seines Vaters geschlossen habe. Für den detaillie r- ten Inhalt der Sachverhalts vorbringen ist auf die aktenkundigen Befr a- gungs- und Anhörungsprotokolle zu verweisen. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer sei- nen iranischen Führerausweis, die Kopie einer iranischen Identitätskarte D-6271/2012 Seite 3 (Shenasnahmeh), zwei Fotos in Kopie, ein Inserat zur Rekrutierung von Märtyrern, eine Mitgliedschaftsbestätigung der Basij (in Kopie) sowie e i- nen Mitgliederausweis der Basij (in Kopie) zu den Akten. B. B.a Mit Verfügung vom 10. Juni 2008 trat das BFM in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegweisung sowie deren Vollzug an. B.b Das vom BFM an den Beschwerdeführer versandte Kuvert mit der Verfügung vom 10. Juni 2008 sowie weiteren Unterlagen ging am 23. Juni 2008 mit dem Vermerk "Nicht abgeholt" beim Bundesamt wieder ein. D a- bei wurde auf dem Kuvert – wohl von der zuständigen Poststelle – ein Vermerk "E._______" anstelle des in der Adresse aufgeführten Besti m- mungsortes (F._______) angebracht. B.c Mit Eingabe vom 7. August 2008 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde gegen die Verfügung des BFM vom 10. Juni 2008 erhebe n. Dabei machte er im Wesentlichen geltend , die Verfügung des BFM sei ihm bis anhin nicht korrekt eröffnet worden, er habe lediglich die erste und die letzte Seite der vorinstanzlichen Verf ü- gung erhalten. Aus diesem Grund könne derzeit noch keine Begründung in der Sache eingereicht werden. B.d Der Instruktionsrichter teilte dem Beschwerdeführer mit Zwischenver- fügung vom 13. August 2008 – unter Beilage der Verfügung des Bunde s- amtes sowie weiterer vorinstanzlicher Akten – mit, er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Zudem wurde ihm eine Frist von drei Tagen (ab Eröffnung) angesetzt, um eine Beschwerdeverbess e- rung nachzureichen. B.e Am 21. August 2008 ging die Beschwerdeverbesserung vom 18. A u- gust 2008 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht ein, mit welcher der Beschwerdeführer unter anderem subjektive Nachfluc htgründe zufol- ge exilpolitischer Betätigung geltend machte. Diesbezüglich brachte er insbesondere vor, er habe sich im Dezember 2007 der Demokratischen Vereinigung für Flüchtlinge (DVF) angeschlossen und seither an mehr e- ren Demonstrationen gegen das iranische Regime teilgenommen. Zudem habe er verschiedene regimekritische Artikel auf seiner Internetseite pub- liziert. D-6271/2012 Seite 4 Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer unter anderem drei angeblich von ihm verfasste fremdsprachige Internetbeiträge, mehrere Flugblätter sowie diverse Fotos in Kopie zu den Akten. B.f Die Beschwerdeschrift sowie die Besch werdeverbesserung wurden der Vorinstanz zur Stellungnahme zugestellt. Mit seiner Vernehmlassung vom 10. September 2008 beantragte das BFM die Abweisung der B e- schwerde. B.g Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 13. Oktober 2008 an se i- nen bisherigen Anträgen fest. B.h Mit Urteil D-5130/2008 vom 28. November 2008 hiess das Bunde s- verwaltungsgericht die Beschwerde gut, hob die Verfügung des BFM vom 10. Juni 2008 auf und wies die Vorinstanz an, im Sinne der Erwägungen den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig festzustellen und in der Sache neu zu entscheiden. Zur Begründung führte das Gericht im W e- sentlichen aus, der Beschwerdeführer habe zur Stützung der vorgebrach- ten subjektiven Nachfluchtgründe eine Ringmappe mit zahlreichen bildl i- chen und textlichen Beweismitteln zu den Akten gereicht. In der Haupts a- che handle es sich um auf dem Internet veröffentlichtes Bildmaterial zur Bestätigung der Teilnahme des Beschwerdeführers an diversen Kundg e- bungen. Angesichts der dergestalt begründeten und dokumentierten Ei n- gabe falle die Möglichkeit, den vorinstanzlichen Nichteintretensentscheid stehen zu lassen, ausser Betracht. Die Vorbringen des Beschwerdefü h- rers seien vielmehr in einem erstinstanzlichen, materiellen Verfahren zu prüfen. Für die weitere Begründung des Urteils ist auf die Akten zu ve r- weisen. C. Mit Eingabe vom 21 . Juni 2010 an das BFM liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter geltend machen, er habe diverse Artikel ver- fasst, welche teilweise delikate Informationen enthielten, welche er nur dank seiner früheren Tätigkeit als Revolutionswächter kenne. Diese Art i- kel habe er hauptsächlich auf seinem Internet-Blog veröffentlicht. Ein Arti- kel sei im Juni 2008 in der Zeitschrift Kanoun publiziert worden. Zudem habe er in der Schweiz an zahlreichen Demonstrationen und Protes t- kundgebungen gegen das iranische Regime teilgenommen. Anlässlich der Berichterstattung über die heftigen Proteste von Exiliranern gegen die Wahl von Präsident Ahmadinedschad im Iran seien auf diversen intern a- tionalen Internetplattformen Videos veröffentlicht worden, welche ihn zeig-D-6271/2012 Seite 5 ten. Im Weiteren ersuchte der Beschwerdeführer um eine Anhörung, um seine politischen Aktivitäten erläutern zu können. Als Beweismittel reichte er die folgenden Dokumente zu den Akten: Einen angeblich von ihm in der Zeitschrift Kanoun verfassten fremdsprachigen Artikel, eine Liste der angeblich von ihm auf seinem Internet-Blog veröf- fentlichten Artikel, mehrere Flugblätter, diverse Fotos in Kopie sowie Au s- drucke von im Internet publizierte Fotos. D. Mit Verfügung vom 30. Oktober 2012 – eröffnet am folgenden Tag – stell- te das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die We g- weisung aus der Schweiz und den Vollzug. Zur Begründung wurde von der Vorinstanz im Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdeführer habe angegeben, er sei aus seiner Einheit bei der Basij desertiert, weil sich die se Organisation zusehends in eine gewaltt ä- tige Richtung entwickelt habe, mit welcher er nicht einverstanden gew e- sen sei. Wegen seiner Desertion habe er An gst vor Verfolgung durch das iranische Regime und sei deshalb geflüchtet. Zuerst sei festzustellen, dass man in Bezug auf die Basi j nicht von Desertion sprechen könne, da die Mitgliedschaft in der Basi j-Miliz auf Freiwilligkeit beruhe. Mitglieder würden zahlreiche Vorteile und Privilegien geniessen. Daher wollten viele junge Iraner den Basij beitreten und müssten sich in einem Auswahlve r- fahren durchsetzen. Ein Austritt verlaufe normalerweise unproblematisch . Wenn das Basij-Mitglied seinen Dienstausweis nicht selbständig erneu e- re, werde es automatisch von einem aktiven zu einem passiven Mitglied, was faktisch einem Austritt gleichkomme. Der Beschwerdeführer habe mehrere Beweismittel eingereicht, die seine Mit gliedschaft bei den Basij belegen sollen. Die Bestätigung seiner Basij-Mitgliedschaft, die nur in Fo- tokopie eingereicht worden sei und daher nur einen geringen Beweiswert habe, beziehe sich auf den Zeitraum zwischen 1988 bis 1990, ebenso wie die beiden eingereichten Fotografien. Mit diesen Dokumenten l asse sich nicht belegen, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt seiner Aus- reise im Mai 2007 ein Mitglied der Basij gewesen sei. Auch die Fotokopie seiner Basij-Dienstkarte lasse keinen Schluss darüber zu, wie lange er für diese Organisation tätig gewesen sei. Der Beschwerdeführer habe ve r- mutlich bewusst darauf verzichtet, auch eine Kopie der Rückseite dieses Dokumentes einzureichen, auf der man die Aktualität der Karte hätte überprüfen können. Da der Beschwerdeführer keine aktuelleren Bewei s-D-6271/2012 Seite 6 mittel zu seinem Fall eingereicht habe, liege die Vermutung nahe, dass er zum Zeitpunkt seiner Ausreise gar kein aktives Mitglied der Basi j mehr gewesen sei, sondern nach einiger Zeit ein passives Mitglied dieser J u- gendmiliz geworden sei. Diese Vermutung werde durch wide rsprüchliche Aussagen des Beschwerdeführers zu seinen jüngsten Aufga ben für die Basij bekräftigt. Ausserdem habe er sich in den Schilderungen seiner Tä- tigkeiten widersprochen. Vor diesem Hintergrund verwundere es daher kaum, dass die Schilderungen der soge nannten Desertion und der da r- aus resultierenden Verfolgung völlig unsubstan ziiert und realitätsfremd geblieben seien. In den Befragungen habe der Beschwerdeführer keine Hinweise darauf gegeben, dass er bereits vor seiner Flucht versucht hä t- te, sich aus dem Dienst bei den Basij zurückzuziehen. Man müsse jedoch erwarten, dass ein Mitglied einer freiwilligen Organisation sich zuerst um einen ganz normalen Austritt bemühe, bevor es in letzter Konsequenz die Flucht ins Ausland in Betracht ziehe. Dies treffe insb esondere auf den Beschwerdeführer zu, der gemäss eigenen Angaben keiner konkreten Bedrohung ausgesetzt gewesen sei, son dern die Arbeit der Basi j au f- grund seines Gesinnungswandels einfach nicht mehr habe unterstüt zen wollen. Er wolle aber mit niemandem über seinen Austritt gesprochen ha- ben, nicht einmal mit seiner Familie, sondern gebe an, Teheran am Tag seiner Desertion von den Basij fluchtartig verlassen zu haben. Dies w i- derspreche erfahrungsgemäss der Logik des Handelns. Eine so übe r- stürzte Flucht setze i n aller Regel eine konkrete Gefährdung voraus. Es sei nicht glaubhaft, dass ein Gesuchsteller die sofortige Ausreise als erste und einzige Lösung für den Ausstieg aus einer Organisation sehe, die auf Freiwilligkeit beruhe und deren Mitgliedschaft als ein Privileg gelte. In der Anhörung habe der Beschwerdeführer ausserdem erstmals geltend gemacht, er sei aus Angst vor einer Zwangsrekrutierung für die Quds - Truppen geflüchtet, welche für terroristische Aktionen im Ausland veran t- wortlich seien. In der Kurzbef ragung habe er noch ganz klar seinen eig e- nen Gesinnungswandel als Austritts- und Fluchtgrund genannt. In der An- hörung, die rund ein halbes Jahr später stattge funden habe, sei vom Be- schwerdeführer dann erstmals geltend gemacht worden, dass sein Basi j- Vorgesetzter ihn für die Quds -Truppen habe rekrutieren wollen. Um sich dieser drohenden Zwangsrekrutierung zu entziehen, habe er sein Heimat- land verlassen. Da er dies ohne ersichtlichen Grund anlässlich der Kur z- befragung nicht vorgebracht habe, sei dieses Vorbringen als nachg e- schoben und daher von vornherein als unglaubhaft zu werten. Die eing e- reichte Kopie eines Zeitungsinserates, in dem Märtyrer angeworben wü r- den, vermöge in diesem Zusammenhang keinerlei Beweiswert zu entw i-D-6271/2012 Seite 7 ckeln. Er sei in seinen Schilde rungen betreffend die bevorstehende Rek- rutierung zudem äusserst vage geblieben . Mit diesen erheblichen Wide r- sprüchen und Ungereimtheiten gelinge es ihm somit nicht, eine asylrel e- vante Verfolgung durch die iranischen Behörden glaubhaft zu machen. Der Besch werdeführer habe im Rahmen seines Beschwerdeverfahrens erstmals geltend gemacht, er betätige sich seit Dezember 2007 in der Schweiz exilpolitisch und sei deshalb bei einer Rückkehr in den Iran g e- fährdet. Er habe vorgebracht, hier in der Schweiz Mitglied de r DVF zu sein. Die blosse Mitgliedschaft in dieser Vereinigung vermöge jedoch nicht zu begründen, dass er im Falle seiner Rückkehr in den Heimatstaat einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt würde. Den Akten könnten keine Hinweise darauf entnommen werden, dass die iranischen Behörden von dieser Mitgliedschaft auch nur Kenntnis genommen oder gar gestützt darauf irgendwelche Massnahmen zum Nachteil des Beschwerdeführers eingeleitet hätten. Er führe aus, in der Schweiz an zahlreichen Demons t- rationen und Kundgebungen teilgenommen zu haben und einen ei genen Internet-Blog zu führen, was er mit Fotografien, Internetausdrucken und Flugblättern dokumentiere. Ausserdem sei er auf einigen Videos zu e r- kennen, welche auf internationalen Internetplattformen veröffentlicht wor- den seien. Zwar sei notorisch, dass die iranischen Behörden die polit i- schen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen im Ausland überwa chten. Die iranischen Behörden hätten aber nur Interesse an der namentlichen Iden- tifizierung einer Person, de ren Aktivitäten über den Rahmen massentyp i- scher und niedrig profilierter Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinausgingen und die Funktionen oder Aktivitäten entwi ckelten, welche den Asylsuchenden als einen ernsthaften und gefährlichen Regimege g- ner erscheinen liessen. Im vorliegenden Fall ergebe sich aus den Ausfüh- rungen des Beschwerdeführers sowie den eingereichten Beweismitteln kein solch herausragendes exilpolitisches Profil, welches ihn als konkrete Bedrohung für das iranische Regime erscheinen liesse. Seine Tätigkeiten seien vergleichbar mit denjenigen einer Vielzahl von Iranern in der Schweiz und hebe sich nicht von den üblichen Aktivitäten anderer exilpoli- tisch tätigen Iranern ab. Seine Aktivitäten – sollten die iranischen Behö r- den davon überh aupt Kenntnis erlangen – seien aufgrund der gesamten Umstände somit nicht geeignet, ihn als eine Person mit klar definierten oppositionspolitischen Vorstellungen und persönlichem Agitationspotent i- al, welches zu einer Gefahr für das Regime werde könnte, ers cheinen zu lassen. Sein Verhalten in der Schweiz sei jedenfalls insgesamt betrachtet nicht geeignet, ein ernsthaftes Vorgehen der iranischen Behörden zu b e- wirken. Nach dem Gesagten und dem klar erstellten Sachverhalt erübrige D-6271/2012 Seite 8 sich eine ergänzende Anhörung des Beschwerdeführers. Die geltend g e- machten subjektive n Nachfluchtgründe seien nicht als asylrelevant zu werten. Die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten somit den Anfo r- derungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG sowie an die Flücht- lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Überdies sei der Vol l- zug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die weitere Begründung wird auf die vorinstanzliche Verfügung ve r- wiesen. E. Mit Beschwerde vom 30. November 2012 an das Bunde sverwaltungsge- richt liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter die nac h- stehend aufgeführten Anträge stellen: 1. Die Verfügung des BFM sei vollumfänglich aufzuheben. Das Bunde s- amt sei anzuweisen, den Beschwerdeführer betreffend die vorliegenden Fluchtgründe ergänzend anzuhören, den rechtserheblichen Sachverhalt festzustellen und den Fall neu zu beurteilen. 2. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, allenfalls die vorläufige Aufna h- me anzuordnen. 3. Subeventualiter sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumu t- barkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. 4. Es sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und auf die E r- hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. 5. Es sei dem Beschwerdeführer Rechtsanwalt Urs Ebnöther als unen t- geltlichen Rechtsbeistand zu stellen. Auf die Begründung der Beschwerdebegehren wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer die folgenden Dokumente zu den Akten (Beilagen 4 - 22): Ein en Bericht des Beschwerdeführers über seine Aktivitäten im Iran, eine fremdsprachige Bescheinigung bezüg- lich Gefängnisaufenthalt (in Kopie), einen Printscreenausdruck des Inter- net-Blogs des Beschwerdeführers, Printscreenausdrucke der Facebook - Seite des Beschwerdeführers, Ausdrucke mehrerer vom Beschwerdefüh- rer auf seinem Internet-Blog veröffentlichte Beiträge, zwei Fotos (in K o- pie), ein Youtube -Videoausdruck, zwei Zeitungsartikel über den B e- schwerdeführer, ein Gesuch um Bewilligung einer politischen Veransta l- tung (in Kopie), zwei Flugblätter, eine DVD, ein Film protokoll, eine Petit i-D-6271/2012 Seite 9 on betreffend den Beschwerdeführer, mehrere Dokumentationen sowie mehrere Bestätigungs- und Empfehlungsschreiben (in Kopie). F. Mit Eingabe vom 30. Januar 2013 liess der Beschwerdeführer durch se i- nen Rechtsvertreter ein auf den 25. Januar 2013 datierte s Parteigutach- ten der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) mit dem Titel: "Iran: Au s- stieg aus der Basij" zu den Akten reichen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt d as Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwalt ungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahmekonstellation liegt nicht vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der B e- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz - würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichun g der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist s o- mit einzutreten. D-6271/2012 Seite 10 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen S achverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtete das Bundesverwaltung s- gericht auf die Durchführung eines Schriftenwechsels. 4. 4.1 In der Beschwerde wird gerügt, die Vorinsta nz habe das rechtliche Gehör verletzt beziehungsweise den rechtserheblichen Sach verhalt feh- lerhaft festgestellt, da sie es unterlassen habe, den Beschwerdeführer e r- gänzend anzuhören. Diese Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls ge- eignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der (vormaligen) Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 und EMARK 1994 Nr. 1; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltung s- rechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, mit weiteren Hi n- weisen). 4.2 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bunde s- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 und Art. 29 AsylG) ergibt sich, dass Asylsuchenden die relevanten Akten offenzulegen sind und ihnen das Recht zur Äusserung (vgl. Art. 30 Abs. 2 VwVG) sowie die Möglic h- keit, Einfluss auf die Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts zu nehmen, zu gewähren ist. Ausser dem haben die verfügenden Behörden ihrer Pflicht zur Begründung in genügender Weise nachzukommen. 4.3 Hinsichtlich der Rüge, die Vorinstanz habe das rechtliche Gehör ve r- letzt beziehungsweise den rechtserheblichen Sachverhalt fehlerhaft fes t- gestellt, da sie es unterlassen habe, den Beschwerdeführer ergänzend anzuhören, ist festzuhalten, dass die Behörde nur dann verpflichtet ist, die ihr angebotenen Beweise abzunehmen, wenn diese zur Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts tauglich erscheinen (Art. 33 Abs. 1 VwVG). Von der Abnahme beantragter Beweismittel kann insbesondere abgesehen werden, wenn sie eine nicht erhebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind, etwa weil ihnen die Beweiseignung an sich abgeht oder – gerade umgekehrt – die betreffende Tatsache aus den Akten bereits genügend ersichtlich ist (antizipierte Beweiswürdigung: vgl. D-6271/2012 Seite 11 BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 357; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 165 Rz. 3.144). Die Vorinstanz konnte die Asylvorbringen des Beschwerdeführers bereits aufgrund der bestehenden Akten als unglau b- haft beziehungsweise als nich t asylrelevant beurteilen, da seine Aussa- gen bezüglich der geltend gemachten Vorfluchtgründe in wesentlichen Punkten widersprüchlich respektive realitätsfremd sind ( vgl. dazu nac h- folgend E. 7.1) und das Bundesamt angesichts der dem Beschwerdefüh- rer zukommenden Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 8 AsylG) davon ausgehen durfte, dass dieser sein exilpolit isches Wirken im Zeitraum zwischen der Eingabe vom 21. Juni 2010, in der er seine exilpolitischen Tätigkeiten dar- legte, und dem Entscheid vom 30. Oktober 2012 nicht massgeblich au s- geweitet hatte, ansonsten er das Bundesamt darüber informiert hätte. Daher h at das BFM zu Recht in antizipierter Beweiswü rdigung darauf verzichtet, den Beschwerdefüh rer ergänzend anzuhören. Nach dem G e- sagten ist die Rüge, wonach die Vorinstanz das rechtliche Gehör verletzt beziehungsweise den rechtserheblichen Sachverhalt fehlerha ft festg e- stellt habe, unbegründet. Folglich ist das Begehren des Beschwerdefü h- rers, wonach die Verfügung des BFM vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen sei, ihn betreffend die vorliegenden Fluchtgründe ergänzend anzuhören, den rechtserhebl ichen Sachverhalt festzustellen sowie den Fall neu zu beurteilen, abzuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, w e- gen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sic h widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-6271/2012 Seite 12 5.3 Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist nicht nur der Zei t- punkt der Ausreise aus dem Heimatstaat, sondern insbesondere auch die Situation zum Zeitpunkt des Asylentscheids massgebend. Wer geltend macht, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Hei mat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exilaktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, sich somit auf das Vo r- liegen subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG) beruft, hat begründ e- ten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat - oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrsc heinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüch - tlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f.). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtling s- eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG , füh ren jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuc h- lich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Das vom Gesetzgeber vorgesehene Konzept, wonach das Vorliegen von subjektiven Nac h- fluchtgründen die Gewährung von Asyl ausschliesst, verbietet auch ein Addieren solcher Gründe mit Fluchtgründen, welche vor der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat entstanden sind und die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft und zur Asylgewährung ausreichen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352). 6. 6.1 Vorab ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer den Wortlaut sämtlicher Protokolle mit seiner Unterschrift genehmigt hat und sich de s- halb seine Aussagen grundsätzlich entgegenhalten lassen muss. Seine Behauptung anlässlich der Anhörung sowie in der Rechtsmittelschrift , wonach es bei der Kurzbefragung zu Verständigungsproblemen gek om- men sei, da der Dolmetscher ein Afghane gewesen sei, der einen and e- ren Dialekt gesprochen habe, findet im Kurzbefragungsprotokoll keine Stütze. Aus diesem ist nicht ersichtlich, dass es zwischen dem B e- schwerdeführer und dem Dolmetscher Verständigungsprobleme gegeben hätte. Überdies lässt sich dem Kurzbefragungsprotokoll entnehmen, dass der Beschwerdeführer den Dolmetscher gut verstanden hat (Akten BF M A 1/9 , S. 2, 7 ). Das Vorbringen in Bezug auf Verständigungsprobleme zwischen dem Beschwerdeführer und de m Dolmetscher anlässlich der Kurzbefragung ist daher als Schutzbehauptung des Beschwerdefüh rers zu werten, um seine widersprüchlichen und ungereimten Aussagen zu rechtfertigen. D-6271/2012 Seite 13 6.2 Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass den Aussagen einer asylsu- chenden Pers on im Empfangszentrum zu den Asylgründen angesichts des summarischen Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein beschränkter Beweiswert zukommt (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -7950/2009 vom 30. Dezember 2011 E. 5.1; EMARK 1993 Nr. 3). Widersprüche dürfen nur dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anh ö- rung beim BFM diametral abweichen, oder wenn bestimm te Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt we r- den, nicht bereits in der Befragung im Empfangszentrum zumindest a n- satzweise erwähnt werden. 7. 7.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist festzustellen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers, welche sich auf den Zeitraum bis zu seiner Ausreise aus dem Heimatland beziehen, den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standzuhalten vermögen, da seine Aussagen in wesentlichen Punkten widersprüchlich au sgefallen sind. So gab er im vorinstanzlichen Verfahren auf die Frage, was er für die Basij gemacht habe, zu Protokoll , er habe für sie Propaganda betrie- ben, an den Demonstrationen gefilmt und Plakate hergestellt. Zudem h a- be er für diese Organisation Aufgaben in der Administration übernommen, insbesondere habe er Besucherkarten ausgefüllt (A 1/9 S. 5; A 30/16 S. 6). In der Rechtsmittelschrift bracht e der Beschwerdeführer hingegen vor, er habe für die Ba sij in der Administration gearbeitet und bewaffnet Autos kontrollieren müssen. Zudem habe er die Familie von Revolutions- führer Khomeini beschützt und andere Bewachungsaufgaben übernom- men. Überdies sei er für die Basij jahrelang als Spion tätig gewesen und habe für die Organisation auch als Koranlehrer gearbeitet (vgl. B e- schwerdeschrift S. 10 ff.). Die Behauptung in der Rechtsmittelschrift, der Beschwerdeführer sei stark traumatisiert, vermag diese unterschiedlichen Vorbringen nicht zu erklären, zumal die gelte nd gemachte Traumatisi e- rung in keiner Weise belegt, sondern lediglich behauptet wird, und es sich bei den (teilweise) erst in der Rechtsmittelschrift erwähnten Tätigkeiten nicht um nebensächliche Aufgaben handelt. Im Weiteren machte er an- lässlich der Kurzbefragung geltend, er sei für seine Tätigkeit bei den Basij ab und zu bezahlt worden (A 1/9 S. 5), während er bei der Anhörung vo r- brachte, er habe anfangs 150'000 Tuman monatlich verdient und zuletzt 250'000 Tuman (A 30/16 S. 8). Sein Einwand anlässlich der Anhörung, D-6271/2012 Seite 14 wonach er schon bei der Kurzbefragung gesagt habe, er habe ein monat- liches Gehalt bekommen, ist aktenwidrig. Widersprüchlich äusserte sich der Beschwerdeführer zudem bezüglich des Grundes, weshalb er die Basij beziehungsweise den Iran verlassen habe. Anlässlich der Kurzbefragung und zu Beginn der Anhörung machte er diesbezüglich noch geltend, er habe die Organisation respektive den Iran verlassen, da er seine Tätigkeit für die Ba sij nicht mehr mit seinem Gewissen habe vereinbaren können (A 1/9 S. 5, A 30/16 S. 6). Im Verlau- fe der Anhörung gab er dann zu Protokoll, er habe sich deshalb zur Aus- reise aus dem Iran entschlos sen, da man ihn für eine Grundausbildung bei den Quds-Truppen habe rekrutieren wollen, wo er für Auslandoperat i- onen und terroristische Aktivitäten hätte vorbereitet werden sollen (A 30/16 S. 6). Diese Begründung für die Ausreise ist – abgesehen da- von, dass sie der ersten Erklärung widerspricht – als nachgeschoben und daher unglaubhaft zu beurteilen, d a der Beschwerdeführer sie anlässlich der Kurzbefragung noch mit keinem Wort erwähnte, was nich t nachvoll- ziehbar ist, soll sie doch gemäss den Aussagen in der Anhörung der Hauptgrund für den Entschluss zum Verlassen des Heimatlandes gewe- sen sein. Für die Unglaubhaftigkeit der behaupteten Zwangsrekrutierung spricht überdies die Tatsache, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung die Frage, ob etwas bestimmtes vorgefallen sei, weshalb er das Land am 24. Juni 2007 verlassen habe, ausdrücklich ver neinte (A 1/9 S. 5). Als realitätsfremd ersche int zudem die Aussage des Beschwerdeführers, wonach er aus dem Iran geflohen sei, ohne sich vorher um einen Austritt aus der Basij-Miliz zu bemühen (A 30/16 S. 9). Es ist davon auszugehen, dass er zumindest versucht hätte, die Ba sij auf legalem Weg zu verla s- sen, bevor er eine Flucht ins Ausland in Betracht gezogen hätte, hätten sich die Ereignisse tatsächlich wie behauptet zugetragen , zumal der B e- schwerdeführer nicht geltend macht, vor seiner Ausreise in irgendeiner Weise von den iranischen Behörden bedroht worden zu sein. Seine Be- hauptung, wonach er aufgrund seiner langjährigen und intensiven Mi t- gliedschaft keine Chance gehabt habe, seinen Dienst bei den Basij zu kündigen, ist nicht glaubhaft , da diese Organisation über Millionen von Mitgliedern verfügt und sich aus Freiwilligen rekrutiert (vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Basij). Der Beschwerdeführer hat zur Untermauerung seiner Vorbringen Kopien einer Mitgliedschaftsbestätigung sowie eines Mitgliederausweises der D-6271/2012 Seite 15 Basij eingereicht. Aus diesen Dokumenten geht jedoch nicht hervor, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt seiner Ausreise im Mai 2007 Mit- glied der Ba sij war, da sich die Mitgliedschaftsbestätigung lediglich au f den Zeitraum zwische n 1988 und 1990 bezieht. Au ch aus dem Mitglie- derausweis der Basi j lässt sich nicht entnehmen, wie lange der B e- schwerdeführer für die Organisatio n tätig gewesen ist, da er es unterlas- sen hat, auch eine Kopie der Rückseite dieses Dokuments einzureichen. Deshalb sowie aufgrund seiner widersprüchlichen, realitätsfremden und unglaubhaften Aussagen ist davon auszugehen, dass der Beschwerd e- führer zum Zeitpunkt seiner Ausreise nicht mehr Mitglied der Basij war. Gestützt auf das soeben Ausgeführte ist zu schliessen, dass es sich bei den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Fluchtvorbringen lediglich um ein Konstrukt handelt . An dieser Einschätzung vermag auch die B e- hauptung des Beschwerdeführers nichts zu ändern, wonach sein Vater aufgrund seiner Ausreise Nachteile durch die iranischen Behörden zu gewärtigen gehabt habe, zumal dieses Vorbringen in keiner Weise belegt wird, ebenso wenig der vom Beschwerdeführer nachgereichte Bericht über seine Aktivitäten im Iran. 7.2 Nach dem Gesagten teilt das Bundesverwaltungsgericht die Ei n- schätzung der Vorinstanz, wonach der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Ausreise nicht verfolgt war beziehungsweise keine begründete Furcht vor einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hatte. Aufgrund der vo r- stehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Aus führungen in der Beschwerde einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts ändern. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers in Bezug auf die Vo r- fluchtgründe demnach zu Recht abgelehnt. 8. 8.1 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den von ihm geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten – mithin wegen subjektiver Nachfluchtgründe – bei einer Rückkehr in sein Heimatland be- fürchten müsste, ernsthaften Nachteilen im Sinn e von Art. 3 AsylG au s- gesetzt zu werden. 8.2 Exilpolitische Aktivitäten führen grundsätzlich nur dann zur Zuerken - nung der Flüchtlingseigenschaft aufgrund von subjektiven Nachfluch t- gründen, wenn zumindest glaubhaft gemacht wird, dass im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat infolge dieser Aktivitäten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit mit politischer Verfolgung zu rechnen wäre. D-6271/2012 Seite 16 8.3 In diesem Zusammenhang wird in der Beschwerde im Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdeführer sei seit seinem Aufenthalt in der Schweiz exilpolitisch aktiv. Er publiziere aktiv und regelmässig seine Kritik am iranischen Regime auf seiner eigenen Website und exponiere sich als politischer Aktivist. Zudem engagiere er sich ausserordentlich, in polit i- scher sowie gesellschaftskritischer Weise seine Lebensgeschichte zum Ausdruck zu bringen. Aufgrund dieser exilpolitischen Tätigkeiten sei er in hohem Grade gefährdet. Eine Rückkehr in den Iran sei undenkbar. In ei- nem am 1. Februar 2011 publizierten Urteil sei das Upper Tribunal des Vereinigten Königreichs zum Schluss gekommen, dass die iranischen Behörden gezielt und systematisch Teilnehmer exilpolitischer Kundg e- bungen zu identifizieren suchten. Dies gelte generell für alle Demonstrat i- onsteilnehmer, auch wenn sie aus opportunistischen Gründe n aktiv wü r- den. Mit Urteil vom 15. Mai 2012 habe der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) festgestellt, dass sich die Situation im Iran für die Opposition seit März 2010 verschlimmert habe, wobei in Bezug auf exilpolitische Aktivitäten auf die Existenz einer "Cyber Unit" zur Überw a- chung von regimekritischen Äusserungen im Internet hingewiesen werde. Oppositionelle würden bei ihrer Rückkehr gezielt befragt, wobei auch von Bedeutung sei, ob jemand den Iran illegal verlassen habe. 8.4 Aus den Akten is t ersichtlich, dass der Beschwerdeführer seit D e- zember 2007 Mitglied der DVF ist. Er hat seinen Angaben und den einge- reichten Beweismitteln zufolge in der Schweiz an zahlreichen Demonstra- tionen und Protestkundgebungen gegen das iranische Regime teilg e- nommen, bei denen er teilweise auch (mehr oder weniger) erkennbar f o- tografiert und gefilmt wurde. Einige dieser anlässlich der Demonstrati o- nen und Protestkundgebungen geschossenen Fotos beziehungsweise aufgenommenen Filme wurden ins Internet gestellt. Überdies wurden zwei Zeitungsartikel über den Beschwerdeführer veröffentlicht und es wurde für ihn eine Petition eingereicht. Zudem hat er in einem Dokumen- tarfilm über iranische Flüchtlinge in der Schweiz mitgespielt und im N o- vember 2012 in der Stadt G._______ eine kleine Kundgebung zur polit i- schen Lage im Iran organisiert. Ausserdem lässt sich aus den Akten en t- nehmen, dass der Beschwerdeführer auf seinem eigenen Internet-Blog sowie auf seiner Facebook -Seite zahlreiche insbesondere in persischer Sprache verfasste regimekritische Texte veröffentlichte. Im Weiteren hat er an mehreren Theaterprojekten mitgewirkt. 8.5 Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Rechtsprechung davon aus, den iranischen Behörden sei sehr wohl bewusst, dass die D-6271/2012 Seite 17 exilpolitische Betätigung vieler Iraner nach der Ablehnung ihrer Asylgesu- che oft zunimmt respektive intensiviert wird oder überhaupt erst nach di e- sem Zeitpunkt einsetzt, die Behörden durchaus in der Lage sind, zw i- schen tatsächlich politisch engagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die es geradezu darauf anlegen, sich durch ihre Aktionen bekannt zu m a- chen, zu unterscheiden, und die umfangreichen regimekritischen Aktivit ä- ten von iranischen Staatsangehörigen im westlichen Ausland durchaus unter realistischer Einordnung des Inter esses ihrer Landsleute, im Gas t- land nach Möglichkeit ein Aufenthaltsrecht zu erhalten, interpretieren. Vor diesem Hintergrund konzentrieren sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen, welche über die massentypischen und nied- rig profilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funkt i- onen wahrnehmen und/oder Aktivitäten entwickeln, die sie aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausheben und als ernsthafte und potentiell gefährliche Regimegegner erscheinen lassen. Deshalb unterlie- gen Mitglieder in Exilorganisationen von im Iran verbotenen oppositione l- len Parteien, Teilnehmer an Veranstaltungen dieser Organisationen, Mi t- wirkende an regimekritischen Demonstrationen, welche die dabei übl i- chen Plakate tragen und Parol en rufen, Teilnehmer von sonstigen r e- gimekritischen Veranstaltungen sowie Personen, die Büchertische betreu- en und Informations - und Propagandamaterial in Fussgängerzonen ve r- teilen, keiner allgemeinen Überwachungsgefahr durch iranische Exilb e- hörden und werden von den iranischen Behörden nicht als politisch expo- nierte Person und somit als Bedrohung für das politische System im Iran wahrgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3 S. 364 ff.). 8.6 Der Beschwerdeführer fällt nach Prüfung der Beweisunterlagen nicht in die Kategorie von Personen die aufgrund ihrer Tätigkeit oder Funkti o- nen als ernsthafte und potentiell gefährliche R egimegegner wahrgenom- men werden: Aufgrund der eingereichten Beweismittel und seinen Eing a- ben im Asylverfahren ist nicht davon auszugehen, dass er innerhalb einer der exilpolitisch tätigen Organisationen und Parteien eine exponierte K a- derstelle innehat. Er hat wie tausende sich in der Schweiz und anderen europäischen Staaten befindliche iranische Staatsangehörige an zahlre i- chen Kundgebungen gegen d as iranische Regime teilgenommen, wobei er fotografiert und teilweise offenbar auch gefilmt wurde. Diese Aufna h- men wurden teilweise mit Namensnennung und Herkunftsangaben ins In- ternet gestellt. Zudem hat der Beschwerdeführer in einem Dokumenta r- film über ir anische Flüchtlinge in der Schweiz mitgespielt . Ungeachtet dessen erscheint es insgesamt dennoch nicht als überwiegend wah r- scheinlich, dass der Beschwerdeführer aufgrund des bestehenden Foto - D-6271/2012 Seite 18 und Videomaterials identifiziert wurde, da es sich bei ihm nicht um eine für die exilpolitische Szene bede utsame Persönlichkeit handelt. Mit Blick auf Art und Umfang seiner exilpolitischen Tätigkeit kann er nicht als aus- serordentlich engagierter und exponierter Regimegegner qualifiziert we r- den. Daran ändert nichts, dass zwei Zeitungsartikel über ihn veröffentlicht wurden, und er auf seinem Internet-Blog sowie auf seiner Facebook-Seite zahlreiche, insbesondere i n persischer Sprache verfasste, teilweise r e- gimekritische Texte veröffentlichte, da ihm das nicht das Profil ei nes ge- wichtigen und staatsgefährdenden Exilaktivisten verleiht. Auch die Tatsa- che, dass er Mitglied der DVF ist, lässt ihn nicht als besonders exponier- ten exilpolitischen Aktivisten erscheinen, da er für diese Vereinigung nicht ins Rampenlicht einer breiten Öffentlichkeit getreten ist. Ebenso wenig, dass er im November 2012 in der Stadt G._______ eine kleine Kundg e- bung zur politischen Lage im Iran organisiert hat. Der Umstand, dass sein Internet-Blog im Iran gesperrt ist, bedeutet nicht automatisch, d ass der Blog vom iranischen Regime überwac ht wird, wie das in der Rechtsmi t- telschrift geltend gemacht wird, zumal es sich auch nur um eine generelle Sperrung der ganzen Website handeln kann. Selbst für den Fall des B e- kanntwerdens der exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers hät- te dieser bei einer Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrschei n- lichkeit keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung seitens der heima t- lichen Be hörden zu gewärtigen, zumal da von auszugehen ist, dass es sich bei den von ihm geltend gemachten Fluchtvorbringen lediglich um ein Konstrukt handelt (vgl. vorstehend E. 7.1), was die Gefahr, aufgrund exilpolitischer Aktivitäten in der Schweiz bei einer Rückkehr in den Iran verfolgt zu werden, erheblich vermindert. An dieser Ei nschätzung ändert auch nichts, dass der Beschwerdeführer vor Jahren während kurzer Zeit inhaftiert gewesen sei, konnte er doch seither bis zur Ausreise offen bar unbehelligt im Iran leben und nicht glaubhaft machen, zum Zeitpunkt des Verlassens des Irans begründete Furcht vor Verfolgung gehabt zu haben. Somit übersteigt das exilpolitische Engagement des Beschwerdeführers die Schwelle jener in BVGE 2009/28 E. 7.4.3 S. 364 ff. umschriebenen Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste iranischer Staatsangehöriger nicht, und aus den in der Beschwerde wiedergegebenen, von ihrem j e- weiligen Kontext isolierten Auszügen aus Urteilen des EGMR und eines britischen Gerichts lassen sich keine verallgemeinerungsfähigen Schluss- folgerungen ziehen, die als solche auf andere – namentlich auch das vor- liegende – Verfahren übertragen werden könnten. Soweit der Beschwe r- deführer in der Rechtsmittelschrift vorbringt, er habe über seine Web site eine Morddrohung erhalten, ist festzustellen, dass diese Aussage in ke i- ner Weise belegt wird. Bezüglich des eingereichten Parteigutachtens der D-6271/2012 Seite 19 SFH vom 25 . Januar 2013 ist schliesslich festzuhalten, dass der B e- schwerdeführer auch daraus nichts zu seine n Gunsten ableiten kann, zumal davon auszugehen ist, dass er zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Iran schon längere Zeit nicht mehr Mitglied de r Basij war (vgl. vornstehend E. 7.1), weshalb er nicht mehr gefährdet sein dürfte , auf- grund seiner exilpolitis chen Tätigkeiten bestraft zu werden , als andere iranische Asylsuchende. Abgesehen davon liegen gemäss dem eing e- reichten Parteigutachten der SFH keine gesicherten Erkenntnisse da r- über vor, ob sich die Gefährdung eines ehemaligen Mitglieds der Basij von ande ren exilpolitisch aktiven iranischen Asylsuchenden untersche i- det. Ergänzend anzufügen bleibt, dass es bei der Frage, ob eine Person die Flüchtlingseigenschaft erfüllt, nicht nur um die (objektive) Gefährdung, sondern vor allem darum geht, ob sie persönlich begründete Furcht vor einer künftigen Verfolgung hat (EMARK 2000 Nr. 9 E. 5a S. 78). Diese (subjektive) Furcht vor künftiger Verfolgung ist dem Beschwerdeführer in- des nicht abzunehmen. Aufgrund der Akten ist davon auszu gehen, dass er vor seiner Ausreise a us dem Iran nicht politisch tätig war (vgl. A 1/9 S.6). Es ist vor diesem Hintergrund sowie aufgrund des Umstandes, dass der Beschwerdeführer im Iran keiner politischen Verfolgung ausgesetzt war, nicht glaubhaft, dass seine politischen Tätigkeiten in der Schweiz auf einem Prozess ernsthafter Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung b a- sieren. Er vermag nicht das Bild einer Person zu vermitteln, die getrieben von einer tiefgreifenden politischen Überzeugung im Gastland regimekr i- tisch an die Öffent lichkeit tri tt. Vielmehr entsteht der Ein druck, der Be- schwerdeführer versuche mit seinen exilpolitischen Tätigkeiten den B e- hörden im Gastland gegenüber den An schein einer politisch engagierten Person zu erwecken. Da er im Zeitpunkt der Ausreise weder verfolgt wa r noch begründete Furcht vor Ve rfolgung hatte, mithin jederzeit als unb e- scholtener Bürger in den Iran hätte zurückkehren kön nen, lassen sich seine in der Schweiz "plötzlich" einsetzenden exilpolitischen Tätigkeiten nur dadurch erklären, dass er damit einen flüchtlingsrechtlich vermeintlich bedeutsamen Sachverhalt zu kreieren versucht. Ein solches Verhalten im Gastland bildet jedoch ein starkes Indiz dafür, dass der Beschwerdeführer selber nicht ernsthaft damit rechnet, er könnte tatsächlich Gefahr laufen, im Falle der Rückkehr in die Heimat wegen seiner exilpolitischen Aktivitä- ten – selbst wenn die iranischen Behörden davon Notiz nehmen soll ten – ernsthafte Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer auch aufgrund seiner (illegalen) Ausreise aus dem Iran sowie der Einreichung eines Asylgesuchs in der Schweiz keine flüchtlingsrechtlich relevante Ver-D-6271/2012 Seite 20 folgung in seinem Heimatland befürchten muss (BVGE 2009/28 E. 7.4.4 S. 367). 8.7 Zusammenfassend ergibt sich, dass die geltend gemachten sub jekti- ven Nachfluchtgründe auch in Anbetracht der jüngsten Entwicklungen im Iran keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsfurcht begründen. 9. In Würdigung der gesamten Umstände und Vorbringen des Beschwerd e- führers ist zusamm enfassend festzustellen, dass dieser keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen kann, weshalb die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt sind. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Be- schwerde und die eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzugehen, da diese an der vorgenommenen Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Die Vorinstanz hat dem nach das Asylgesuch des B e- schwerdeführers zu Recht abgelehnt. 10. 10.1 Lehnt das Bunde samt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 10.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510, EMARK 2001 Nr. 21). 11. 11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht - lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Be -D-6271/2012 Seite 21 weis möglich ist, und andernfalls wenig stens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 11.2 11.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtu n- gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV , Art. 3 des Über einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behan d- lung unterworfen werden. 11.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann d er in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefü h- rers in den Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rech t- mässig. Sodann ergeben sich weder aus den Au ssagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in den Iran dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausg e- setzt wäre. Gemä ss Praxis des EGMR sowie jener des UN -Anti- Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr D-6271/2012 Seite 22 ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihm nach den vorstehenden Erwägungen nicht g e- lungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig e r- scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 11.3 11.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Auslä nderinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 11.3.2 Im Iran besteht keine Situation generalisierter Gewalt, die sich noch dazu über das ganze Staatsgebiet oder weite Teile desselben erstrecken würde. Eine gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder permanent drohenden Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer der Beschwerdeführer sich bei einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt sehen würde, besteht mithin nicht. 11.3.3 Der Beschwerdeführer wohnte vor seiner Ausreise aus dem Iran zusammen mit seinen Eltern, seinem Bruder sowie seiner Schwester in D._______. Aufgrund der Akten ist davon auszugehen, dass sein Vater sowie seine beiden Geschwister nach wie vor in dieser Stadt leben. Zu- dem ist anzunehmen, dass der Beschwerde führer in D._______ über zahlreiche Freunde und Bekannte verfügt, da er sich von Geburt bis zu seiner Ausreise dort aufgehalten hat. Es ist deshalb zu schliessen, dass er bei einer Rückkehr in den Iran ein soziales Netz vorfinden wird, we l- ches ihn bei Bedarf , insbesondere bei der Beschaffung von Wohnraum sowie bei der Stellensuche unterstützen könnte. Überdies verfügt der B e- schwerdeführer über eine gute Schulbildung sowie Berufserfa hrung als (…) (A 1/9 S. 2 ), weshalb damit zu rechnen ist, er könne sich in seiner Heimat auch in wirtschaftlicher Hinsicht wieder integrieren. Blosse soziale und wi rtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölk e-D-6271/2012 Seite 23 rung im Allgemeinen betroffen ist, genügen nicht, um eine Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Soweit in der Rechtsmittelschrift geltend gemach t wird, der Beschwerd e- führer sei durch die Erlebnisse im Iran stark traumatisiert, ist festzuhalten, dass er es trotz Zumutbarkeit – befindet er sich doch schon seit Juli 2007 in der Schweiz – und der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) bis h eute unterlassen hat, diese behaupteten gesundheitlichen Beschwerden mit einem ärztlichen Zeugnis zu belegen. Daher ist davon auszugehen, dass er unter keinen nennenswerten gesundheitlichen Prob- lemen leidet, weshalb seiner Rückkehr in den Iran keine medizi nischen Gründe entgegenstehen. Abgesehen davon ist die medizinische Grun d- versorgung im Iran gewährleistet. Bei dieser Sachlage braucht die in der Beschwerde in Aussicht gestellte Einreichung von Belegen für die vorg e- brachte Traumatisierung nicht abgewartet zu werden (antizipierte B e- weiswürdigung). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung somit auch als z u- mutbar zu bezeichnen. 11.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zu - ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr no t- wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 11.5 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat den Vollzug zu Recht als zulässig, z u- mutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 12. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 13. 13.1 Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache wird das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. D-6271/2012 Seite 24 13.2 Da der Beschwerdeführer mit seiner Beschwerde vollumfänglich u n- terlegen ist, wären ihm grundsätzlich die Verfahrenskosten im Betrage von Fr. 600.-- aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Der Besch wer- deführer hat jedoch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege e r- sucht. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird die Partei, die nicht über die e r- forderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahren s- kosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Vorli e- gend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mittellos ist. Z u- dem erschien das Begehren des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung als nicht aussichtslos. Das Gesuch um Gewä h- rung der unentgeltlich en Rechtspflege ist demnach gutzuheissen und es sind dem Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 13.3 Wenn es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, bestellt die B e- schwerdeinstanz der Partei einen Anwalt (Art. 65 Abs. 2 VwVG). Au s- schlaggebend für di e Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeistä n- dung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG ist das Kriterium, ob die B e- schwerde führende Partei zur Wahrung ihrer Rechte notwendigerweise der professionellen juristischen Hilfe eines Anwaltes bedarf (vgl. dazu BGE 122 I 49 E. 2c S. 51 ff.; BGE 120 Ia 43 E. 2a S. 44 ff.). In Verfahren, welche – wie das vorliegende – vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht sind, sind strenge Massstäbe an die Gewährung der unentgeltlichen Ve r- beiständung anzusetzen (vgl. EMARK 2000 Nr. 6 sowie BGE 122 I 8 E. 2c S. 10). Im asylrechtlichen Beschwerdeverfahren geht es im Wesent- lichen um die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts. Besonde- re Rechtskenntnisse sind daher zur wirksamen Beschwerdeführung im Regelfall nicht unbedingt erforderlich. Aus diesen Gründen wird die unent- geltliche Verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG praxisg e- mäss nur in den besonderen Fällen gewährt, in welchen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkeiten bestehen. Das vorli e- gende Verfahren erscheint weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hi n- sicht besonders komplex, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Rechts- verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist. (Dispositiv nächste Seite) D-6271/2012 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG wird abgewiesen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: