Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. November 2019 (715 19 89 / 295) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Koordination von Leistungen der privaten Krankentaggeldversicherung und Leistungen der Arbeitslosenkasse (Art. 28 Abs. 4 AVIG; Art. 73 Abs. 1 KVG) Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dieter F reiburghaus, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Rainer Deecke, Rechts- anwalt, Industriestrasse 13c, 6300 Zug gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Taggeld A. Der 1957 geborene A.____ stellte am 22. Oktober 2 018 bei der Öffentlichen Arbeitslo- senkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab 24. Ok- tober 2018, nachdem sein Arbeitsvertrag wegen Krankheit per Ende Oktober 2017 gekündigt worden war. Dabei gab er an, eine Vollzeitbeschäftigung zu suchen, jedoch aktuell nur ca. 25 % arbeitsfähig zu sein und Taggelder der B.____ zu beziehen. Ferner wies er auf eine Anmeldung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei der Sozialversicherungsanstalt (SVA) hin. Am 5. Nove mber 2018 reichte A.____ einen zwi- schen ihm und der B.____ am 23./26. Oktober 2018 abgeschlossenen Vergleich betreffend For- derung aus Kollektivtaggeldversicherung (VVG) bei der Arbeitslosenkasse ein. Nachdem die Ar- beitslosenkasse den Versicherten mit Schreiben vom 19. November 2018 informiert hatte, dass er während der Rahmenfrist vom 24. Oktober 2018 bis 28 . Februar 2022 Anspruch auf ein Tag- geld von Fr. 398.40 habe, lehnte sie mit Verfügung vom 7. Dezember 2018 den Anspruch auf Taggelder ab dem 23. November 2018 infolge Krankheit ab. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Arbeitslosenkasse mit Entscheid vom 6. Februar 2019 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwal t Rainer Deecke, mit Schreiben vom 14. März 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-La ndschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, de r Einspracheentscheid sei aufzuheben und es seien ihm Taggelder nach Gesetz zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Vernehmlassung vom 3. Mai 2019 beantragte die Arbeitslosenkasse, die Be- schwerde sei abzuweisen. Ferner sei die an den Beschwerde führer ausgerichtete Zahlung der Krankentaggeldversicherung in der Höhe von Fr. 69'803.30 aufzuschlüsseln. D. Der Beschwerdeführer wie auch die Beschwerdegegnerin hielten mit Replik vom 12. Juli 2019 bzw. mit Duplik vom 14. August 2019 an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obli gatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversiche- rung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erho ben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 12 8 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslo senversicherung und die Insolvenz-ent- schädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt hat. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger ge- mäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrun dsatz beherrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhalts zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiese n annehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Bewei sgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines besti mmten Sachverhalts genügt den Be- weisanforderungen nicht. Der Richter und die Richteri n haben vielmehr jener Sachverhaltsdar- stellung zu folgen, die sie von allen möglichen Geschehens abläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 144 V 427 E. 3.2, 138 V 218 E. 6 mit diversen Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffs- notwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerich ts (oder der verfügenden Verwal- tungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismater ials besorgt zu sein. Im Sozialversi- cherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Par tei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der z umindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 144 V 427 E.3.2, 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). 3. Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nac h Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslos ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeits- ausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schweiz wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurück- gelegt und weder das Rentenalter der AHV erreicht ha t noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), ver- mittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). 4.1 Im Falle eingeschränkter Leistungsfähigkeit ist gru ndsätzlich zu unterscheiden zwischen vorübergehend fehlender oder verminderter Arbeitsfähigkeit im Sinne von Art. 28 AVIG und den behinderten Versicherten im Sinne von Art. 15 Abs. 2 AV IG (BGE 135 V 189 E. 6.1.3). Diese beiden Bestimmungen weichen vom Grundprinzip der Arbeitslosenversicherung ab, wonach Leis- tungen nur bei Vermittlungsfähigkeit der versicherten Person in Betracht kommen (BGE 117 V 244 E. 3c) 4.2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 AVIG haben Versicherte, die w egen Krankheit (Art. 3 ATSG), Unfall (Art. 4 ATSG) oder Schwangerschaft vorübergehend nicht oder nur vermindert arbeits- und ver- mittlungsfähig sind und deshalb die Kontrollvorschriften nicht erfüllen können, sofern sie die üb- rigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, Anspruch auf das volle Taggeld; dieser dauert längs- tens bis zum 30. Tag nach Beginn der ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit und ist innerhalb der Rahmenfrist auf 44 Taggelder beschränkt. Taggelder der Kranken- oder Unfallversicherung, die Erwerbsersatz darstellen, werden von der Arbeitslo senentschädigung abgezogen (Art. 28 Abs. 2 AVIG). Arbeitslose, die ihren Anspruch nach Abs. 1 ausgeschöpft haben und weiterhin vorübergehend vermindert arbeitsfähig sind, haben, sofern sie unter Berücksichtigung ihrer ver- minderten Arbeitsfähigkeit vermittelbar sind und alle übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, Anspruch auf das volle Taggeld, wenn sie zu mindestens 75 %, und auf das halbe Taggeld, wenn sie zu mindestens 50 % arbeitsfähig sind (Art. 28 Abs. 4 AVIG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.2 Art. 28 Abs. 1 AVIG erfasst – im Unterschied zu Art. 15 Abs. 2 AVIG – Fälle bloss vo- rübergehend fehlender oder verminderter Arbeitsfähig keit (BGE 126 V 124 E. 3b; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], B and I [Art. 1-58], 1988, N. 5 zu Art. 28 AVIG) infolge Krankheit, Unfall und Schwangerschaft. Sinn und Zweck der Aus- nahmeregelung besteht darin, trotz Vermittlungsunfähi gkeit und damit an sich fehlender An- spruchsberechtigung Härtefälle zu vermeiden und Lücken im Bereich der "Nahtstellen" zwischen der Arbeitslosenversicherung und insbesondere der Kranken- und Unfallversicherung zu schlies- sen. Im Interesse der Verbesserung der sozialen Sicherun g Arbeitsloser sollte namentlich bei Krankheit und Unfall (weiterhin) ein zeitlich limitierter Taggeldanspruch bestehen (BGE 135 V 185 E. 6.1.2, 128 V 149 E. 3b). Art. 15 Abs. 2 AVIG besti mmt, dass dauernd körperlich oder geistig Behinderte als vermittlungsfähig gelten, wenn diese b ei ausgeglichener Arbeitsmarktlage, unter Berücksichtigung ihrer Behinderung, auf dem Arbeitsmarkt vermittelt werden könnten. In solchen Fällen ist die Arbeitslosenversicherung vorleistungspflic htig, wenn die versicherte Person nicht offensichtlich vermittlungsunfähig ist (Art. 15 Abs. 3 AVIV). 5. Vorliegend hat die Arbeitslosenkasse den Anspruch de s Beschwerdeführers auf Arbeits- losenentschädigung vom 24. Oktober bis 22. November 2018 gestützt auf Art. 28 Abs. 1 AVIG grundsätzlich anerkannt. Sie hat aber eine Verrechnung des Anspruchs mit Ersatzeinkommen aus der Krankentaggeldversicherung (vgl. dazu Art. 28 Abs. 2 AVIG) vorgenommen. Da die aus- bezahlten – vollen – Taggelder des Krankenversicherers hö her waren als die dem Versicherten zustehenden Taggelder der Arbeitslosenkasse wurde dem Beschwerdeführer in dieser Zeit keine Arbeitslosenentschädigung ausgerichtet. Dies ist unbestritten und bildet auch nicht Streitgegen- stand der angefochtenen Verfügung. Strittig ist vorlie gend lediglich, ob der Versicherte in der Zeitspanne vom 23. November 2018 bis 20. Dezember 2018 neben den Leistungen des Kran- kentaggeldversicherers auch noch Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat. Ab 21. Dezem- ber 2018 ist der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung wiederum unbestritten. 5.1 Die Frage, ob der Versicherte während der fraglich en Zeit dauernd oder lediglich vo- rübergehend nicht oder vermindert arbeitsfähig war, t ritt bei der vorliegend zu beurteilenden Konstellation in den Hintergrund und kann letztlich offenbleiben. Vielmehr stellt sich hier die Frage der Koordination von Leistungen der Krankenversicherung und der Arbeitslosenversicherung nachdem die Leistungspflicht der Arbeitslosenversicherung gestützt auf Art. 28 Abs. 1 AVIG, also nach dem 22. November 2018, abgelaufen ist. Diesbezügli ch ist Art. 73 Abs. 1 des Bundesge- setzes über die Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 199 4 zu beachten, welcher das Ge- genstück zu Art. 28 Abs. 4 AVIG (vgl. oben Ziff. 4.2.1) bildet. Mit dieser Regelung wird die Koor- dination zwischen der Krankentaggeld- und der Arbeitslose nversicherung in der Weise herge- stellt, dass die Leistungspflicht der einzelnen Systeme aufeinander abgestimmt wird (UELI KIESER , Die Koordination von Taggeldern der Arbeitslosenversiche rung mit Taggeldern anderer Sozial- versicherungszweige, ARV 2012 S. 228 ff.). Gemäss Art. 73 Abs. 1 KVG hat der Krankentaggeld- versicherer bei einer Arbeitsunfähigkeit eines arbeitslos en Versicherten von mehr als 50 % das volle Taggeld auszurichten. Beträgt die Arbeitsunfähigkeit mehr als 25 %, aber höchstens 50 % so hat der Krankentaggeldversicherer das halbe Taggeld auszurichten; bei einer Arbeitsunfähig- keit von 25 % und weniger besteht kein Taggeldanspruch aus der Krankenversicherung. Für die Arbeitslosenversicherung bestimmt Art. 28 Abs. 4 AVIG, da ss eine arbeitslose Person, die zu Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht mehr als 50 % arbeitsunfähig ist, keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat; bei einer Arbeitsfähigkeit zwischen 50 % und 75 % erbringt die A rbeitslosenversicherung ein halbes, bei einer Arbeitsfähigkeit von 75 % und mehr ein ganzes Taggeld. Die Koordinationsregel von Art. 28 Abs. 4 AVIG gilt in diesen Fällen unabhängig davon, o b vorgängig Art. 28 Abs. 1 AVIG zur An- wendung gelangt ist und ob die Arbeitsunfähigkeit vor oder erst nach Eintritt der Arbeitslosigkeit eingetreten ist (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Soziale Sicherheit, Ulr ich Meyer [Hrsg.], Basel 2016, 3. Auflage, Rz. 265). 5.2 In der vorliegenden Streitsache hat der Krankenta ggeldversicherer mit Entscheid vom 10. Juli 2018 dem Beschwerdeführer mitgeteilt, aufgrund der medizinischen Beurteilungen sei es ihm nun möglich und zumutbar, in seiner angestammten T ätigkeit ab dem 1. August 2018 eine 50%ige Arbeitsleistung zu erbringen. Er erhalte ein entsprechend seiner Arbeitsunfähigkeit redu- ziertes Taggeld in der Höhe von 50 % seines versicherten Lohnes. Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde vom 14. März 2019 vor, die B.____ habe sich bei ihrer Beurteilung auf das Gutachten der ZMB vom 4. Juni 2018 berufen. Im Gutachte n werde davon ausgegangen, dass ihm aufgrund seiner psychischen Probleme per sofort ein e 50%ige Arbeitsfähigkeit mit Steige- rung bis Ende des Jahres 2018 auf 100 % zumutbar sei. In der Tat habe er dieses Gutachten und den Entscheid der B.____ nicht akzeptiert. In der Folg e sei nach aussergerichtlichen Verhand- lungen der Vergleich zwischen der B.____ und dem Beschwe rdeführer abgeschlossen worden, wobei man sich auf eine Arbeitsfähigkeit von 25 % geeinigt habe. Der mit der B.____ getroffene Vergleich sei unpräjudiziell und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht erfolgt. Es habe sich dabei um einen typischen Vergleich gehandelt, mit dem die umstrittene Frage der Höhe der Arbeitsfä- higkeit einvernehmlich zwischen den Parteien festgelegt worden sei und so eine gerichtliche Aus- einandersetzung habe abgewendet werden können. Im Widerspruch dazu hält der Beschwerde- führer in seiner Replik vom 12. Juli 2019 fest, es sei vergleichsweise von einer Erwerbseinbusse von ca. 75 % ausgegangen worden. Es habe sich dabei gera de nicht um den Grad der Arbeits- fähigkeit, sondern um einen summarisch errechneten Erwer bsunfähigkeitsgrad gehandelt, mit dem auch sämtliche anderen Ansprüche abgegolten worde n seien. Eine exakte Aufteilung des Betrages auf die einzelnen Ansprüche sei nicht möglich. 5.3 Gestützt auf die vorhandenen Akten und die Ausführ ungen des Beschwerdeführers ergibt sich, dass der Krankentaggeldversicherer den Beschwerdeführer ab 1. August 2018 als zu 50 % arbeitsfähig erachtete und ein halbes Taggeld gemäss Art. 73 Abs. 1 KVG erbringen wollte. Der Beschwerdeführer seinerseits ging davon aus, dass er zu mehr als 50 % arbeitsunfähig war, weshalb er sich nicht mit einem halben Taggeld begnügen wollte. Vergleichsweise einigten sich die Parteien unbestrittenermassen auf einen Taggeld-Ge samtbetrag von Fr. 81'698.70 (Fr. 69'808.30 [im Vergleich aufgeführte Summe] + Fr. 11'890.40 [bereits geleistete Zahlung]) für die Zeitspanne von 1. August bis 20. Dezember 2018. Dies entspricht einem Taggeld von Fr. 575.34 und damit 75 % des vollen Taggeldes von Fr. 767.12. Z war ergibt sich aus der Vereinbarung, dass damit auch allfällige Verzugszinsen, Parteientschädig ungen für die anwaltliche Vertretung des Versicherten sowie weitere verfahrensbedingt notwendige Kosten und Auslagen abgegolten sind. Gemäss den Ausführungen des Versicherten lässt sich der Betrag nicht aufschlüsseln. Dies ändert aber nichts daran, dass das ausbezahlte Taggeld gestützt auf die Vereinbarung jedenfalls Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht höher war als das halbe Taggeld, welches dem Beschwerdeführer bei einer 50%igen Arbeitsun- fähigkeit zugestanden hätte. Damit ergibt sich, dass der Beschwerdeführer zwar kein volles Tag- geld der Krankenversicherung erhalten hat, wie dies gemäss Art. 73 Abs. 1 KVG bei einer mehr als 50%igen Arbeitsunfähigkeit vorgesehen ist, aber do ch mehr als ein halbes Krankentaggeld, welches dem Beschwerdeführer bei einer 50%igen Arbeitsfähigkeit zugestanden hätte. Aufgrund der vorliegenden Akten ergibt sich weiter, dass der Beschwerdeführer und die B.____ von einer über 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen sind. Dies lässt sich im Übrigen auch auf die vor- liegenden ärztlichen Unterlagen abstützen, sprechen doch neben dem ZMB-Gutachten, welches immerhin von einer – dem Beschwerdeführer zu tief sch einenden – 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausging, diverse Arztzeugnisse von Dr. C.____ von einer 75%igen Arbeitsunfähigkeit. Damit hätte der Beschwerdeführer Anspruch auf ein volles Taggeld des Krankenversicherers, worauf er aber vergleichsweise verzichtete. Gemäss Art. 28 Abs. 4 AVIG besteht kein Anspruch auf Tag- gelder der Arbeitslosenkasse, wenn der Beschwerdeführer zu mehr als 50 % arbeitsunfähig ist und folglich Anspruch auf ein ganzes Krankentaggeld hat. Zu Recht führt die Beschwerdegegne- rin an, es könne nicht zu ihren Lasten gehen, wenn der Beschwerdeführer bei einer über 50%igen Arbeitsunfähigkeit, darauf verzichte, das ihm gemäss Art. 73 Abs. 1 KVG zustehende volle Kran- kentaggeld einzufordern. Weil die B.____ somit unter anderem in der Zeit vom 23. November bis 20.Dezember 2018 Tag- gelder basierend auf einer 50 % übersteigenden Arbeit sunfähigkeit geleistet hat, besteht auf- grund der ausdrücklichen und spezifischen Koordinationsbestimmungen von Art. 28 Abs. 4 AVIG und Art. 73 Abs. 1 KVG in dieser Zeit kein Anspruch auf Arbeitslosentaggelder. Die Beschwerde- gegnerin hat somit zu Recht einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Taggelder der Arbeits- losenversicherung abgelehnt. 6. Abschliessend bleibt anzumerken, dass – selbst wenn von einer 50%igen Arbeitsfähig- keit des Beschwerdeführers ausgegangen würde – dieser ke inen Anspruch auf Arbeitslosenent- schädigung in der fraglichen Zeitspanne gehabt hätte. Um eine Überentschädigung zu verhin- dern, werden gemäss Art. 28 Abs. 2 AVIG von den Arbeitslosentaggeldern die Krankenversiche- rungsgelder in Abzug gebracht (Subsidiarität der Leist ungspflicht der Arbeitslosenversicherung im Verhältnis zur Krankenversicherung). Gemäss Urteil des Eidgenössischen Versicherungsge- richt (EVG; seit 1. Januar 2007: sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) ist diese Sub- sidiaritätsordnung auch im Falle von Art. 28 Abs. 4 A VIG anzuwenden (Urteil des EVG vom 18. Oktober 2002, C 303/02, E. 5.1). Bei einer 50%igen Arbeitsfähigkeit hätte der Beschwerdeführer zwar gemäss Art. 28 Abs. 4 AVIG Anspruch auf ein halbes Taggeld der Arbeitslosenkasse, a ber auch nur auf ein halbes Taggeld der Krankenversicherung. Er müsste sich gemäss Art. 28 Abs. 2 AVIG den Betrag, der das halbe Krankentaggeld übersteigt, an die ihm zustehenden Arbeitslosentaggelder anrechnen lassen. Bei einem halben Krankentaggeld hätte der Beschwerdeführer in der fraglichen Zeit vom 23. Novem- ber bis 20. Dezember 2018 Anspruch auf den Betrag von F r. 11'107.-- (29 Kalendertage à Fr. 383.--) gehabt. Erhalten hat er aber tatsächlich Fr. 16'675.-- (29 Kalendertage à Fr. 575.--), was einem Überschuss von Fr. 5'568.-- entspricht. Das halb e Taggeld der Arbeitslosenkasse, welches dem Beschwerdeführer im Falle einer 50%igen Arbeitsfähigkeit zustehen würde, beträgt Fr. 199.20. Da das Arbeitslosentaggeld lediglich für effektive Arbeitstage ausbezahlt wird, hätte Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht er in der Zeitspanne von 23. November bis 20. Dezember 2018 Anspruch auf 20 Arbeitslosen- taggelder gehabt, was eine Arbeitslosenentschädigung i n der Höhe von Fr. 3'984.-- (20 x Fr. 199.20) ergibt. Da sich der Beschwerdeführer den Betr ag von Fr. 5'568.-- der Krankentaggeld- versicherung an die Arbeitslosentaggelder anrechnen lassen muss, entfällt ein Anspruch auf Ar- beitslosenentschädigung in der Zeit vom 23. November bis 20. Dezember 2018. Anders ausgedrückt hätte der Beschwerdeführer bei einer 50%igen Arbeitsfähigkeit bzw. -unfähigkeit und je halbem Taggeld der Krankenversicherung und der Arbeitslosenversicherung für den Zeitraum vom 23. November bis 20. Dezember 201 8 Anspruch auf den Betrag von Fr. 3'984.-- Arbeitslosenentschädigung und Fr. 11'107. -- Krankentaggeld, insgesamt also Fr. 15'091.--, gehabt. Erhalten hat er aber vom Kran kentaggeldversicherer alleine Fr. 16'675.--. Da die Leistungen der Arbeitslosenversicherung subsidiär sind, hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung i m Zeitraum vom 23. November bis 20. Dezember 2018. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die erhaltenen Leistungen des Krankenversicherers im Umfang von insgesamt Fr. 81'698.70 seien nicht vollumf änglich als Taggelder zu berücksichti- gen, sondern würden auch noch verfahrensbedingte Kosten , Parteientschädigungen und Ver- zugszinsen beinhalten, ist anzumerken, dass diese Behauptu ng bzw. die Höhe der einzelnen Ansprüche nicht substantiiert ist. Dass sich der Betrag n icht aufschlüsseln lässt, wie der Be- schwerdeführer angibt, kann nicht zu Lasten der Beschwerdegegnerin gehen (vgl. oben E. 2). 7. Aus den vorstehenden Ausführungen ergibt sich, dass di e Beschwerdegegnerin einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung im Zeitraum vom 23. Novem- ber bis 20. Dezember 2018 zu Recht abgelehnt hat. Die vorliegende Beschwerde ist folglich ab- zuweisen. 8. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos, weshalb keine Verfahrenskosten erhoben werden. Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG hält fest, dass die obsiegende beschwerdeführende Person Anspruch au f Ersatz der Parteikosten hat. Dem Beschwerdeführer ist deshalb dem Ausgang des Verfahrens entsprechend keine Parteient- schädigung zulasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht