<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 4 S.31</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">31</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>4</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 581 und 584 ZGB, §§ 72 und 75 EG ZGB; öffentliches Inventar.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Für die Entgegennahme von Begehren um Berichtigung des Inventars ist</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Gerichtspräsident am letzten Wohnsitz des Erblassers zuständig</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Das Gesetz enthält keine Frist, innert welcher seit Ablauf der Auskündi-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gungsfrist die Schliessung des Inventars erfolgen müsste; gleiches gilt in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bezug auf die Bereinigung des Inventars nach erfolgter Auflage. Späte-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ster Termin hiefür ist aber jener Zeitpunkt, in welchem sich ein Erbe</b></span><br/> <span class="ft2"><b>über den Erwerb der Erbschaft ausgesprochen hat (Erw. 3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 3. Zivilkammer, vom 27. März 2000</span><br/> <span class="ft3">in Sachen H.R.S und G.S.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">32</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Der aargauische Gesetzgeber hat die erbrechtlichen Verfahren</span><br/> <span class="ft1">nur rudimentär geregelt, jedoch den Gerichtspräsidenten des letzten</span><br/> <span class="ft1">Wohnsitzes des Erblassers - unter Vorbehalt einer anderslautenden</span><br/> <span class="ft1">Bestimmung - für alle den Erbgang betreffenden Massnahmen zu-</span><br/> <span class="ft1">ständig erklärt (§ 72 EG ZGB). Dies umfasst auch die Anordnung der</span><br/> <span class="ft1">erbrechtlichen Inventare, insbesondere auch des öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Inventars. Mit der technischen Inventaraufnahme, also mit dem ei-</span><br/> <span class="ft1">gentlichen Vollzug, hat er den Gemeinderat des letzten Wohnsitzes</span><br/> <span class="ft1">des Erblassers zu beauftragen (§ 75 EG ZGB). Dieser hat ein Ver-</span><br/> <span class="ft1">zeichnis der Vermögenswerte und Schulden der Erbschaft anzulegen,</span><br/> <span class="ft1">wobei alle Inventarstücke mit einer Schätzung zu versehen sind</span><br/> <span class="ft1">(Art. 581 Abs. 1 ZGB).</span><br/> <span class="ft1">Die Aufnahme des öffentlichen Inventars ist regelmässig mit</span><br/> <span class="ft1">einem durch den Gerichtspräsidenten angeordneten Rechnungsruf</span><br/> <span class="ft1">(Aufforderung an die Gläubiger und Schuldner des Erblassers, bin-</span><br/> <span class="ft1">nen einer bestimmten Frist ihre Forderungen und Schulden anzumel-</span><br/> <span class="ft1">den) verbunden, wobei die Gläubiger auf die Präklusionswirkung der</span><br/> <span class="ft1">Nichtanmeldung hinzuweisen sind. Die angemeldeten Forderungen</span><br/> <span class="ft1">gegen den Erblasser und dessen Ansprüche sind von der zuständigen</span><br/> <span class="ft1">Behörde ohne weitere Prüfung aufzunehmen; über die materielle</span><br/> <span class="ft1">Richtigkeit hat sie nicht zu entscheiden (Stefan Pfyl, Die Wirkungen</span><br/> <span class="ft1">des öffentlichen Inventars, Diss. Fribourg 1996, S. 10., mit Hinwei-</span><br/> <span class="ft1">sen; Peter Tuor/Vito Picenoni, Berner Kommentar, Bern 1964, N 10a</span><br/> <span class="ft1">zu Art. 581 ZGB). Nach Ablauf der Auskündigungsfrist wird das</span><br/> <span class="ft1">Inventar geschlossen und hierauf während wenigstens eines Monats</span><br/> <span class="ft1">zur Einsicht der Beteiligten aufgelegt (Art. 584 Abs. 1 ZGB). Wäh-</span><br/> <span class="ft1">rend der Auflegungsfrist besteht die Möglichkeit, Ergänzungen und</span><br/> <span class="ft1">Berichtigungen des Inventars zu verlangen und anzubringen (Pfyl,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., S. 11).</span><br/> <span class="ft1">Dem Gemeinderat steht bezüglich der Errichtung der öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Inventare keine Verfügungskompetenz zu. Mangels einer an-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">33</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">derslautenden Gesetzesbestimmung ist daher entgegen der Auffas-</span><br/> <span class="ft1">sung der Beschwerdeführer für die Anordnung der Auflage des öf-</span><br/> <span class="ft1">fentlichen Inventars und entsprechend auch für die Entgegennahme</span><br/> <span class="ft1">von Berichtigungsbegehren gestützt auf § 72 EG ZGB der Gerichts-</span><br/> <span class="ft1">präsident des letzten Wohnsitzes des Erblassers zuständig.</span><br/> <span class="ft1">3. Die Beschwerdeführer machen im Übrigen geltend, der vor-</span><br/> <span class="ft1">instanzliche Entscheid setze sich in keiner Form mit der beanstande-</span><br/> <span class="ft1">ten Inventarisierung der Forderung auseinander. Der Verfügung des</span><br/> <span class="ft1">Gerichtspräsidiums Z. vom 5. Januar 2000 lässt sich jedoch entneh-</span><br/> <span class="ft1">men, dass die X.Y.-Bank ihre nachträglich inventarisierte Forderung</span><br/> <span class="ft1">während der Auskündigungsfrist fristgerecht eingegeben und inner-</span><br/> <span class="ft1">halb der Auflagefrist des öffentlichen Inventars dessen Berichtigung</span><br/> <span class="ft1">beantragt hat; dementsprechend sei der Eintrag korrigiert worden.</span><br/> <span class="ft1">Dieser kurzen Begründung kann beigefügt werden, dass das Gesetz</span><br/> <span class="ft1">keine Frist enthält, innert welcher seit Ablauf der Auskündigungsfrist</span><br/> <span class="ft1">die Schliessung des Inventars i.S. von Art. 584 ZGB erfolgen müsste</span><br/> <span class="ft1">(Tuor/Picenoni, a.a.O., N 3 zu Art. 584 ZGB); gleiches gilt in Bezug</span><br/> <span class="ft1">auf die Bereinigung des Inventars nach dessen erfolgter Auflage.</span><br/> <span class="ft1">Spätester Termin hierfür ist aber jener Zeitpunkt, in welchem sich ein</span><br/> <span class="ft1">Erbe über den Erwerb der Erbschaft ausgesprochen hat.</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend haben sich die Beschwerdeführer als alleinige ge-</span><br/> <span class="ft1">setzliche Erben bislang über den Erwerb der Erbschaft nicht ausge-</span><br/> <span class="ft1">sprochen, weshalb eine Berichtigung des Inventars zulässig war.</span><br/> <span class="ft1">Ueber die materielle Richtigkeit der ins Inventar aufgenommenen</span><br/> <span class="ft1">Forderungen hat die Vorinstanz zu Recht nicht entschieden.</span><br/></div> </div> </body> </html>