Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. November 2016 (745 16 70 / 289) ____________________________________________________________________ Ergänzungsleistungen Die Pflegeheimrechnungen der Beschwerdeführerin sind von der Beschwerdegegnerin in der Berechnung der Ergänzungsleistungen zu Unrecht nicht als Schuld berücksichtigt worden. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberi n i.V. Isabella Schibli Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h B.____ gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Ergänzungsleistungen A. Mit Verfügung vom 20. November 2015 forderte die Ausgleichskasse Basel-Landschaft (Ausgleichskasse) von der 1996 geborenen A.____ ber eits bezogene Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr. 676.-- zurück. Der Entscheid der A usgleichskasse wurde damit begründet, dass die durch die Versicherte anfangs November 201 5 eingereichten Unterlagen eine Neube- rechnung – infolge Anpassung des Vermögens und der Miete ab 1. Juli 2015 – erfordert hätten. Gegen die Verfügung vom 20. November 2015 erhob A._ ___, vertreten durch Beistand B.____, Einsprache bei der Ausgleichskasse. Darin machte si e im Wesentlichen geltend, dass die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wohnkosten gemäss dem bestehenden Mietvertrag zu berechnen seien. Zudem beantragte die Versicherte, dass bei der Berechnung kein Vermögensverzehr anzurechnen sei. Mit Entscheid vom 29. Januar 2016 hiess die Ausgleichskasse die Einsprache der Versicherten insoweit teil- weise gut, als sie das geltend gemachte Sparguthaben per 31. Dezember 2015 gemäss den eingereichten Bankauszügen berücksichtigte und den Betrag der Ergänzungsleistung per Janu- ar 2016 entsprechend anpasste. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab. B. Hiergegen erhob A.____, wiederum vertreten durch ihren Beistand, am 26. Februar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, A bteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, der Entscheid s ei aufzuheben, und es sei für das Jahr 2015 bei der Berechnung der Ergänzungsleistungen kein Vermögensverzehr anzurechnen. Die Schulden gegenüber dem Pflegeheim C.____ AG (Pflegeh eim) seien vom Kontosaldo per 31. Dezember 2014 abzuziehen. Somit habe das um die Kreditoren bereinigte Vermögen der Beschwerdeführerin per Ende 2014 Fr. 25‘167.-- betragen. Der für eine Anrechnung eines Ver- mögensverzehrs erforderliche Grenzwert von Fr. 37'500.-- sei somit offensichtlich nicht gege- ben. Folglich sei auf eine Reduktion der Ergänzungslei stungen zu verzichten. Bezüglich der Kosten seien der Beschwerdegegnerin die Verfahrenskosten und eine angemessene Parteient- schädigung aufzuerlegen. C. Mit Vernehmlassung vom 11. April 2016 beantragte d ie Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. Sie stellte sich auf den Standpu nkt, dass die Schulden gegenüber dem Pflegeheim nicht vom Kontosaldo per 31. Dezember 2014 abzuziehen seien. Das massgebende Vermögen der Beschwerdeführerin habe p er Ende 2014 somit Fr. 67‘485.-- betragen, was die Anrechnung eines Vermögensverzehrs rechtfertige. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über Ergänzungsleistungen zur Al- ters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) vom 6. Oktober 2006 auf die Ergän- zungsleistungen anwendbar sind, kann gegen Einspracheentsch eide der Versicherungsträger beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen K antons, in dem die versicherte Per- son zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Nach Art. 26 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 haben Voll jährige, die unter umfassender Beistandschaft stehen, ihren Wohnsitz am Sitz der Erwachse nenschutzbehörde. Vorliegend befindet sich dieser in D.____, weshalb die örtliche Z uständigkeit des Kantonsgerichts zu beja- hen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kant onsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gege n Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auc h sachlich zur Behandlung der vor- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde vom 26. Februar 2016 ist demnach einzutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet das Präsidium des Ka ntonsgerichts, Abteilung So- zialversicherungsrecht, Streitigkeiten bis zu einem Strei twert von Fr. 10‘000.--. Im vorliegenden Fall beläuft sich der Streitwert im Umfang des anreche nbaren Vermögensverzehrs auf Fr. 1‘999.--, sodass die Sache präsidial zu entscheiden ist. 2. Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren und der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach h aben die verfügende Verwal- tung und – im Beschwerdefall – das Sozialversicherungsger icht von Amtes wegen, aus eigener Initiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder B eweisanträge der Parteien, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverha lts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). 3.1 Zur Bestreitung des Lebensunterhalts dienen das Ve rmögen und die jährliche Ergän- zungsleistung (MÜLLER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG, Art. 11 Rz. 339). An- spruch auf Ergänzungsleistungen haben Personen mit Woh nsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, wenn sie eine der Voraussetzungen nach den Art. 4 bis 6 ELG erfüllen und die gesetzlich anerkannten Ausgaben (Art. 10 ELG) die anre chenbaren Einnahmen (Art. 11 ELG) übersteigen. Der Differenzbetrag entspricht der jährli chen Ergänzungsleistungen (Art. 9 Abs. 1 ELG). 3.2 Als Beitrag für den allgemeinen Lebensbedarf werd en bei alleinstehenden Personen jährlich Fr. 19‘290.-- (Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG) sowie der Mietzins einer Wohnung und die damit zusammenhängenden Nebenkosten bis zum Höchstbetr ag von Fr. 13‘200.-- (Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 ELG) anerkannt. Wenn die EL-bezi ehende Person eine Wohnung zusammen mit deren Eigentümer bewohnt und zwischen den Parteie n ein Mietvertrag besteht, ist dieser grundsätzlich zu beachten, und der vereinbarte Mietzins ist als Ausgabe zu berücksichtigen. Voraussetzung ist, dass der Mietzins tatsächlich bezahlt wir d und nicht offensichtlich übersetzt ist (Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] über die Ergänzungsleistun- gen zur AHV und IV [WEL, gültig ab 1. April 2011], Rz. 3231). 3.3 Im vorinstanzlichen Verfahren nahm die Beschwerdegegn erin die Berechnung der Wohn- und Mietkosten ab Juli 2015 gestützt auf die in der Steuererklärung der Eltern ausge- wiesenen Mietzinseinnahmen der Liegenschaft vor. Die Ve rsicherte machte in ihrer Einsprache geltend, es sei vom Mietzins gemäss Mietvertrag auszugehen. Demgegenüber stellte sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, der Mietzins sei übersetzt. Zudem seien keine Unter- lagen eingereicht worden, welche die effektiven Mietzin sausgaben belegen würden. Es ist fest- zustellen, dass weder im vorinstanzlichen Verfahren noch i m vorstehenden Beschwerdeverfah- ren der Nachweis erbracht worden ist, dass der Mietzins auch tatsächlich bezahlt wurde. Wie die Versicherte in ihrer Einsprache zwar zu Recht geltend gemacht hatte, hat die Beschwerde- gegnerin die Feststellung des übersetzten Mietzinses nicht begründet. Die Frage, ob sie damit Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihre Begründungspflicht verletzt hat und die ursprüngl ich angefochtene Verfügung deshalb aus formellen Gründen aufzuheben gewesen wäre, kann vorl iegend jedoch offen gelassen werden, da so oder anders kumulativ auch ein Nachweis betreffend die tatsächlichen Mietzinszahlungen vorliegen muss. Ein solcher Nachweis liegt aber weder in d en vorinstanzlichen Akten, noch wurde ein solcher im vorliegenden Beschwerdeverfahren e rbracht. Die Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin bei der Berechnung der Wohn- und Mietkosten ist in diese Hinsicht folg- lich nicht zu beanstanden. 4. Zu prüfen ist jedoch die Höhe des Vermögens, das der Berechnung der Ergänzungs- leistungen zugrunde zu legen ist. Dabei ist streitig, ob die Schulden der Beschwerdeführerin für die Berechnung des anrechenbaren Vermögens per 31. De zember 2014 zu berücksichtigen sind. 4.1 Massgebend für die Berechnung der jährlichen Ergän zungsleistung sind in der Regel die während des vorausgegangenen Kalenderjahres erzielten anrechenbaren Einnahmen sowie das am 1. Januar des Bezugjahres vorhandene Vermögen (Art. 23 Abs. 1 der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung [ELV] vom 15. Januar 1971). Die anrechenbaren Einnahmen werden nach Art. 11 ELG ermittelt. Da Er- gänzungsleistungen ausgerichtet werden, um Bezügerinnen u nd Bezügern von Renten der Al- ters- und Hinterlassenen- oder Invalidenversicherung das E xistenzminimum zu gewährleisten, werden sämtliche Vermögenswerte, über die frei und ung eschmälert verfügt werden kann, zum anrechenbaren Vermögen gezählt (M ÜLLER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG, Art. 4 Rz. 13 und Art. 11 Rz. 352; vgl. Urteil des Bu ndesgerichts vom 29. August 2014, 9C_232/2014, E. 1). Dazu gehören unter anderem die Einkünfte aus beweglichem und unbe- weglichem Vermögen sowie ein Anteil am Reinvermögen (so g. Vermögensverzehr; Art. 11 Abs. 1 lit. b und c ELG). Dieser beträgt ein Fünfzehnte l, bei Altersrentnern ein Zehntel des Reinvermögens, soweit es bei alleinstehenden Personen F r. 37‘500.-- und bei Ehepaaren Fr. 60‘000.-- übersteigt (Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG). Rz. 3443.05 der WEL verdeutlicht dabei, dass zur Berechnung des Reinvermögens jeweils die nachgewiese nen Schulden vom rohen Vermö- gen abzuziehen sind. 4.2 Die Anrechnung eines Vermögensverzehrs bezweckt, dass di e Bezügerinnen und Be- züger von Ergänzungsleistungen einen Teil ihres (Rein-) Vermögens zur Bestreitung ihres Le- bensunterhalts verwenden (M ÜLLER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG, Art. 11 Rz. 354 mit Hinweis auf BGE 127 V 369 f. E. 5a; AHI-P raxis 4/2004, S. 191, E. 3.2.3; AHI- Praxis 6/2001, S. 291 f., E. 4b). Die Anrechnung eine s Vermögensverzehrs erlaubt es in der Folge, den Ergänzungsleistungsbezüger dazu anzuhalten, v orrangig sein frei verfügbares Ver- mögen zur Deckung des Lebensbedarfs zu verbrauchen und al lfällige Ergänzungsleistungen nur subsidiär zu beziehen. Es handelt sich nicht wie bei den übrigen Einnahmen um von aussen zufliessende Mittel, sondern um ein eigentliches „Aufb rauchen von Vorräten“ (Urteil des Versi- cherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. Mai 2015 , EL 2013/70, E.1.1). Der Vermö- gensverzehr stellt somit eine fiktive Einnahme dar, nä mlich einen Teil des Wertes des Vermö- gens, der als Einnahme angerechnet wird (M ÜLLER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG, Art. 11 Rz. 353). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Bei der Berechnung des Vermögensverzehrs ging die Be schwerdegegnerin von einem Vermögen in der Höhe von Fr. 67‘485.-- aus, wobei sie auf das Sparguthaben der Beschwerde- führerin per 31. Dezember 2014 abstellte. Nach Abzug des Freibetrages in der Höhe von Fr. 37‘500.-- verblieb ein anrechenbares Vermögen in d er Höhe von Fr. 29‘985.--. Ein Fünf- zehntel davon bzw. Fr. 1‘999.-- (Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG) rechnete sie anschliessend als Ver- mögensverzehr zu den anrechenbaren Einnahmen hinzu. Hi nsichtlich der Berechnung des an- rechenbaren Vermögens stellt sich die Beschwerdeführerin dagegen auf den Standpunkt, dass die Schulden gegenüber dem Pflegeheim vom Sparguthabe n per 31. Dezember 2014 abzuzie- hen seien. Da das soweit bereinigte Vermögen nur noc h Fr. 25‘167.-- betrage, falle es unter den für einen Vermögensverzehr massgebenden Grenzbetrag von Fr. 37‘500.--, weshalb auf die Anrechnung eines Vermögensverzehrs zu verzichten sei. 5.2 Zur Beurteilung des Vermögensstandes hat die Beschwe rdegegnerin in Übereinstim- mung mit Art. 23 Abs. 1 ELV auf den Stichtag vom 31. Dezember 2014 abgestellt. Der Saldo des Sparkontos an diesem Tag kann jedoch nicht ohne wei teres mit dem Vermögensstand gleichgesetzt werden (vgl. E. 4.1 hiervor). Es gebiete t sich ein Blick auf die konkreten Vermö- gensverhältnisse und -änderungen im Laufe des für die An spruchsberechtigung mass- gebenden Vorjahres. Zu Beginn der Anspruchsberechtigun g bzw. am 9. April 2014 betrug der Stand des einzigen Kontos der Beschwerdeführerin Fr. 20 ‘145.60 (vgl. Beilage 5 der Be- schwerdeführerin). Ab April 2014 verzeichnet der Kontoa uszug sodann jeden Monat die Gut- schriften der Ausgleichskasse, bestehend aus den monatlichen Rentenzahlungen und einer Hilflosenentschädigung. Die Ergänzungsleistungen wurden ab Juli 2014 ausgerichtet mit einer Nachzahlung für die Monate April bis Juli zu Gunsten de r Beschwerdeführerin. Weitere Gut- schriften finden sich nicht. Die erste Kontobelastung na ch April 2014 erfolgte am 29. August 2014. Dabei handelte es sich um einen Vergütungsauftra g zu Gunsten des Pflegeheims in der Höhe von Fr. 45‘000.--. Der Kontosaldo reduzierte sich in der Folge auf Fr. 29‘187.60. Danach stieg der Saldo aufgrund der monatlichen Vergütungen der Ausgleichskasse wieder an. Die Beschwerdeführerin hat daraufhin am 24. Dezember 2014 versucht, zwei Zahlungen an das Pflegeheim in der Höhe von Fr. 33‘647.90 (Rechnungen für August – November) und Fr. 8‘500.- (Teilzahlung für Dezember) auszulösen, welche aufgrund ei nes technischen Übermittlungsfeh- lers wieder zurückgeleitet wurden. Am 31. Dezember 2014 verzeichnete das Konto deshalb einen Saldo in der Höhe von Fr. 67‘485.--, den die B eschwerdegegnerin schliesslich als Basis für die Berechnung des anrechenbaren Vermögens bzw. ein es daraus resultierenden Vermö- gensverzehrs verwendete (vgl. E. 5.1 hiervor). 5.3 Hinsichtlich der Vermögensverhältnisse der Beschwerde führerin ist festzustellen, dass sie im Jahre 2014 neben den Vergütungen der Beschwerde gegnerin über keine weiteren Ein- nahmen verfügt hat. Die beiden einzigen, in der Zeit ab 9. April 2014 ausgewiesenen Kontobe- lastungen dienten ausschliesslich der Begleichung der Pfl egeheimrechnungen. Anstatt diese monatlich zu begleichen, sammelte die Beschwerdeführe rin mehrere Rechnungen, um diese dann als Gesamtsumme einzuzahlen. Der Geld- bzw. Vermögen sfluss der Beschwerdeführerin im Jahr 2014 zeichnete sich folglich dadurch aus, dass sie d ie monatlich kumulierten Einnah- men der Ausgleichskasse ausschliesslich zur Bezahlung ihre r heimbezogenen Lebenshal- tungskosten verwendete. Ihre Einnahmen im 2014 waren zur Zahlung der Pflegeheimrechnun- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen „reserviert“ und an diesen Zweck gebunden. Ihr einzi ges Konto diente in diesem Sinne le- diglich als Kontokorrent. Es ist somit festzustellen, dass d ie Beschwerdeführerin im Jahr 2014 im Wesentlichen von den Zahlungen der Ausgleichskasse leb te und weder eigenes Vermögen für die Deckung ihrer Lebenshaltungskosten verwendete no ch Vermögen in einem Ausmass äufnen konnte, welches für den Grenzbetrag relevant wäre. 6.1 Die Anrechnung eines Vermögensverzehrs bezweckt, dass Ve rsicherte zunächst bis zu einem Grenzbetrag ihr Erspartes aufbrauchen, bevor si e subsidiär Ergänzungsleistungen beziehen (vgl. E. 4.2 hiervor). Wenn die Beschwerdegegn erin nun als Basis der Berechnung des Vermögensverzehrs auf den Kontosaldo inklusive der Sch ulden, d.h. auf ein Vermögen in der Höhe von Fr. 67‘485.-- abstellt, widerspricht dies zunächst dem Wortlaut des Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG und der Weisung in Rz. 3443.05 der WEL, wel che beide verdeutlichen, dass bei der Berechnung des Vermögensverzehrs auf das Reinvermögen und nicht auf das rohe Vermögen abzustellen ist (vgl. E. 4.1 hiervor). In diesem Zusamm enhang und mit Blick auf den Hinter- grund und Zweck der Anrechnung eines Vermögensverzehrs verkennt die Beschwerdegegnerin somit, dass das auf dem Konto per 31. Dezember 2014 vorh andene Geld grösstenteils dazu bestimmt war, die Pflegeheimrechnungen des Jahres 2014 z u begleichen (vgl. E. 5.3 hiervor). Der wesentliche Grund warum das Guthaben auf ihrem S parkonto im erwähnten Ausmass bis Ende 2014 gestiegen war, liegt mit anderen Worten da rin, dass die Beschwerdeführerin ihre Schulden gegenüber dem Pflegeheim nicht mit der gleichen Regelmässigkeit beglichen hat, mit welcher sie die Gutschriften zur Deckung ihrer Lebenshal tungskosten von der Ausgleichskasse erhalten hat. Hätte die Beschwerdeführerin ihre Pfle geheimrechnungen hingegen monatlich regelmässig bezahlt, hätte sie per 31. Dezember 2014 ei n weitaus geringeres Sparguthaben auf ihrem Konto verzeichnet. Dies hätte einen Einfluss auf das anrechenbare Vermögen bzw. den Vermögensverzehr, mit der Folge, dass der Beschwerdeführerin weniger Einnahmen ange- rechnet worden wären und sie somit Anspruch auf höhere Ergänzungsleistungen gehabt hätte. Aus diesem Vergleich wird ersichtlich, dass bezüglich der Fr. 67‘485.--, welche die Beschwer- degegnerin als Vermögen per 31. Dezember 2014 berücksich tigte, nicht von Erspartem, über welches die Beschwerdeführerin frei und ungeschmälert ver fügen bzw. zehren kann, gespro- chen werden kann. Es ist vielmehr das Gegenteil der Fal l: Die Beschwerdeführerin verfügt über kein massgebendes Vermögen, auf welches sie noch vor dem Bezug von Ergänzungsleistun- gen zur Deckung der Lebenskosten zurückgreifen könnte. Zu r Berechnung des anrechenbaren Vermögens ist somit in Übereinstimmung mit dem Gesetzeswo rtlaut und mit Rücksicht auf den Zweck des Vermögensverzehrs vom Reinvermögen der Versicherten per Ende 2014 auszuge- hen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2009, 8C_140/2008). 6.2 Dass sich im vorliegenden Fall der Abzug der Pflegehe imschulden vom Sparguthaben per 31. Dezember 2014 aufdrängt, wird umso deutliche r, wenn man in Betracht zieht, dass die Begleichung der Schulden im vorliegenden Fall aufgru nd eines technischen Übermittlungsfeh- lers am 24. Dezember 2014 fehlgeschlagen ist. Wäre die Zahlung über insgesamt Fr. 42‘147.90 per E-Banking Auftrag korrekt übermittelt worden, hät te der Kontostand Ende 2014 bzw. am 1. Januar 2015 lediglich Fr. 25‘337.15 betragen. Nach Abzug des Freibetrags in der Höhe von Fr. 37‘500.-- wäre es folglich zu keiner Anrechnung ein es Vermögensverzehrs gekommen, und die Beschwerdeführerin hätte somit Anspruch auf höher e Ergänzungsleistungen gehabt. Im Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinblick auf den existenzsichernden Zweck der Ergänzungsleist ungen ist aber nicht ersichtlich, warum der Ergänzungsleistungsbezüger, der seine Schulden unregelmässig oder verspätet bezahlt oder gar wie vorliegend die beabsichtigte Zah lung an einem technischen Problem scheitert, schlechter gestellt werden soll als derjenige, der seine Schulden regelmässig bezahlt und somit seinen Kontostand laufend verringert. 7. An diesem Ergebnis vermag auch der Hinweis der Beschw erdegegnerin auf das Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2013, 9C_396/2013, nich ts zu ändern. Zunächst lagen diesem Urteil bedeutende und vor allem komplexe Vermög ensverhältnisse zugrunde mit der Folge, dass ein allfälliger Geldfluss zwischen den Konten und verschiedenen Anlageformen nicht ohne weiteres überblickt werden konnte (E. 5.2.1). Zum anderen darf kein falscher Schluss gezogen werden aus dem im Urteil genannten Grundsatz, wonach Lebenshaltungskos- ten, soweit sie anerkannte Ausgaben im Sinne von Art. 10 ELG darstellen, von den Ergän- zungsleistungen als gedeckt gelten, d.h. damit zu bezahle n sind, was eine Berücksichtigung von diesbezüglichen Schulden am Ende des Jahres ausschliesse (E. 6.1). Dieser Grundsatz soll klarstellen, dass anerkannte Ausgaben für ein und den selben Zeitraum von den Ergän- zungsleistungen nicht zweimal gedeckt werden, wovon im vorliegenden Fall nicht die Rede sein kann. Die strittige Berechnung würde vielmehr dazu führ en, dass (im Ausmass des angerech- neten Vermögensverzehrs) anerkannte Ausgaben für das Ja hr 2015 mit Ergänzungsleistungen gedeckt würden, die für die anerkannten Ausgaben des Jah res 2014 ausgerichtet wurden, am Stichtag noch auf dem Sparkonto der Beschwerdeführerin lagen, aber zum anerkannten Zweck verwendet werden müssen. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass der angefochtene Einspr acheentscheid vom 29. Januar 2016 aufzuheben ist. Die Beschwerdegegnerin hat für das Jahr 2015 eine Neube- rechnung des Anspruchs auf Ergänzungsleistungen der Versich erten vorzunehmen. Dabei hat sie bei der Berechnung des anrechenbaren Vermögens die Pflegeheimrechnungen, welche die Heimleistungen für das Jahr 2014 betreffen, vom Sparg uthaben per 31. Dezember 2014 abzu- ziehen. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Darunter sind die Kosten zu versteh en, die einer Beschwerde führen- den versicherten Person im gerichtlichen Verfahren für d en Beizug einer Rechtsanwältin bzw. eines Rechtsanwalts entstanden sind (vgl. § 4 des Anwaltsg esetzes Basel-Landschaft vom 25. Oktober 2001). Vorliegend hat die Beschwerdeführe rin zwar obsiegt. Da sie sich jedoch nicht anwaltlich hat vertreten lassen, entfällt ein An spruch auf Ersatz der Parteikosten im Sinne der genannten Bestimmung. Die ausserordentlichen Koste n des Verfahrens sind demnach wettzuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in diesem Sinne gutgeheisse n, als der angefochte- ne Einspracheentscheid der Ausgleichskasse Basel-Landschaf t vom 29. Januar 2016 aufzuheben ist und die Angelegenheit zu r Neuberech- nung der Ergänzungsleistungen der Beschwerdeführerin für das Jahr 2015 im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer ne uen Verfügung an die Ausgleichskasse Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.