<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp276304"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>98 Ia 647<br/><br/><br/><div class="paraatf">92. Urteil vom 23. November 1972 i.S. Miwag Mikrowellen AG gegen Husqvarna Vapensfabriks Aktiebolag und Zivilgericht des Kantons Basel-Stadt.</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp277584"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref">Art. 86 Abs. 2 und <artref id="CH/173.110/87" type="start"></artref>Art. 87 OG</span><artref id="CH/173.110/86/2" type="end"></artref>; Erschöpfung des kantonalen Instanzenzuges. <div class="paratf">Wer darauf verzichtet hat, einen unterinstanzlichen kantonalen Entscheid an die kantonale Rechtsmittelbehörde weiterzuziehen, kann diesen Entscheid - soweit das OG die Erschöpfung des kantonalen Instanzenzuges vorschreibt - auch nicht mit staatsrechtlicher Beschwerde anfechten. </div> </div> </div> <a name="idp283056"></a> <a name="idp289472"></a> <br/><div> <a name="idp298272"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 647</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page647"></a><div class="center pagebreak">BGE 98 Ia 647 S. 647</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp299936"></a><span class="bold">A.- </span>In einem Verfahren auf Vollstreckung eines ausländischen Schiedsgerichtsurteils wurde vor dem Zivilgericht (Dreiergericht) Basel-Stadt folgender Vergleich abgeschlossen:</div> <div class="paraatf">"Die Parteien anerkennen die Zuständigkeit des Dreiergerichtes, gleichgültig, ob das Dreiergericht die Anwendbarkeit des Konkordates betr. Schiedsgerichtsbarkeit bejaht oder verneint."</div> <div class="paraatf">Das Gericht fällte daraufhin folgendes Urteil: <a name="page648"></a><div class="center pagebreak">BGE 98 Ia 647 S. 648</div> </div> <div class="paraatf">"Die Vollstreckbarkeit des Schiedsspruches vom 15. September 1971 wird bescheinigt. Der Beklagte trägt die ordentlichen Kosten mit einer Gebühr von Fr. 500.-- sowie die ausserordentlichen Kosten."</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp304208"></a><span class="bold">B.- </span>Gegen diesen Entscheid führt die vollstreckungsbeklagte Firma staatsrechtliche Beschwerde. Sie macht geltend, das angefochtene Urteil verletze <span class="artref">Art. 4 BV</span> und § 29 KV, da es gestützt auf ein nicht ordnungsgemäss publiziertes Konkordat ergangen sei. Der Entscheid des Dreiergerichtes sei gemäss Vergleich letztinstanzlich und könne daher mit staatsrechtlicher Beschwerde angefochten werden.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp307696"></a><span class="bold">C.- </span>Die Beschwerdegegnerin beantragt, es sei auf die Beschwerde nicht einzutreten, eventuell sei sie abzuweisen. Das Zivilgericht stellt Antrag auf Abweisung der Beschwerde.</div> <div class="paraatf">Das Bundesgericht tritt auf die Beschwerde nicht ein aus folgenden</div> <br/><div> <a name="idp309280"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Erwägungen:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp310224"></a><span class="bold" id="consideration_1.">1. </span>Von hier nicht in Betracht fallenden Ausnahmen abgesehen, ist die staatsrechtliche Beschwerde erst zulässig, nachdem von den kantonalen Rechtsmitteln Gebrauch gemacht worden ist (<span class="artref">Art. 86 Abs. 2 und <artref id="CH/173.110/87" type="start"></artref>Art. 87 OG</span><artref id="CH/173.110/86/2" type="end"></artref>).</div> <div class="paraatf">Gemäss §§ 242 ff. der Zivilprozessordnung des Kantons Basel-Stadt kann gegen Endurteile des Dreiergerichtes innert zehn Tagen beim Appellationsgericht Beschwerde geführt werden. Diese ist ausdrücklich vorgesehen auch gegen solche Entscheide des Dreiergerichtes, durch die die Vollstreckung eines Schiedsspruches oder des Urteiles eines ausländischen Gerichtes bewilligt oder verweigert wurde (§ 242 Abs. 1 Ziff. 3). Das hier in Frage stehende Urteil des Dreiergerichtes war demnach grundsätzlich weiterziehbar, also nicht letztinstanzlich im Sinne der <span class="artref"><artref id="CH/173.110/86/87" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/86/2" type="start"></artref>Art. 86 Abs. 2 und 87 OG</span><artref id="CH/173.110/86/87" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/87" type="end"></artref>.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp319888"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span>Die Beschwerdeführerin scheint dies nicht zu bestreiten. Sie wendet aber ein, dass die Parteien auf einen Weiterzug verzichtet hätten, weshalb der Entscheid des Dreiergerichtes als letztinstanzlich anzusehen sei.</div> <div class="paraatf">Ob durch den abgeschlossenen Vergleich auf das Rechtsmittel der Beschwerde nach <span class="artref">§ 242 ZPO</span> wirklich vollumfänglich verzichtet werden wollte, kann offen bleiben, ebenso die Frage, ob eine solche Vereinbarung überhaupt rechtswirksam wäre (vgl. GULDENER, Schweizerisches Zivilprozessrecht, S. 514 f.).</div> <div class="paraatf"> <a name="page649"></a><div class="center pagebreak">BGE 98 Ia 647 S. 649</div> </div> <div class="paraatf">Liegt ein solcher Verzicht nicht vor oder ist er nicht rechtswirksam, so erweist sich der angefochtene Entscheid des Dreiergerichtes nicht als letztinstanzlich. Ist hingegen der Verzicht auf die kantonalrechtliche Beschwerde für die Parteien verbindlich, so steht der Ergreifung der staatsrechtlichen Beschwerde die zwingende Vorschrift der <span class="artref"><artref id="CH/173.110/86/87" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/86/2" type="start"></artref>Art. 86 Abs. 2 und 87 OG</span><artref id="CH/173.110/86/87" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/87" type="end"></artref> entgegen, dass der Rechtssuchende zuvor von den zur Verfügung stehenden kantonalen Rechtsmitteln Gebrauch zu machen hat; verzichtet er darauf, so begibt er sich damit auch des Rechtes, gegen das unterinstanzliche kantonale Urteil staatsrechtliche Beschwerde führen zu können (<span class="bgeref_err">BGE 66 I 174</span>ff.).</div> </div></body></html></html>