Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Januar 2014 (720 13 273 / 03) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beschwerdelegitimation einer Vorsorgeeinrichtung, Bindungswirkung verneint Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgnaz Jer mann, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ Vorsorgestiftung , Obstgartenstrasse 27 , 8302 Kloten , Be- schwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Beigeladener B.____, vertreten durch Daniel Altermat t, Rechtsanwalt, Neuarles- heimerstrasse 15, 4143 Dornach 1 Betreff IV-Rente A.1 Der 1967 geborene B.____ meldete sich am 31. März 2009 unter Hinweis auf manische Episoden bei der Schweizerischen Invalidenversicherung (I V) zum Leistungsbezug an. Nach Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Durchführung der erforderlichen Abklärungen sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) dem Versicherten berufliche Massnahmen im Sinne einer A rbeitsvermittlung zu, welche Anfang Mai 2010 erfolgreich abgeschlossen werden konnten. A.2 Ab 1. September 2010 bis 30. September 2011 war B.____ als Sachbearbeiter bei der C____AG angestellt und dadurch bei der A.____ Vorsorg estiftung versichert. Bereits am 30. August 2010 meldete er sich unter Hinweis auf eine Verschlechterung des Gesundheitszu- standes erneut bei der IV zum Leistungsbezug an, wobei er eine Rente beantragte. In der Folge klärte die IV-Stelle die gesundheitlichen und erwerbl ichen Verhältnisse ab und ermittelte beim Versicherten einen IV-Grad von 83%. Gestützt auf diese s Ergebnis sprach sie B.____ mit Ver- fügung vom 20. August 2013 rückwirkend ab 1. Mai 2012 eine ganze Rente zu. B. Hiergegen erhob die A.____ Vorsorgestiftung am 1 8. September 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozial versicherungsrecht (Kantonsgericht) und beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 20. August 2013. Eventualiter sei festzustel- len, dass sie nicht die zuständige Einrichtung der berufli chen Vorsorge sei. Subeventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts und zur Feststellung der zuständigen Einrichtung der beruflichen Vorsorge an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte sie im Wesentli chen aus, dass die angefochtene Ver- fügung auf unzureichenden medizinischen Unterlagen ber uhe. Zudem sei die berufsvorsorge- rechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit bereits vor dem Vo rsorgeverhältnis mit ihr eingetreten, weshalb der für die Leistungspflicht erforderliche enge zeitliche Zusammenhang zwischen Ar- beitsunfähigkeit und Invalidität zu verneinen sei. Zu dem habe die IV-Stelle ihre Abklärungs- pflicht verletzt, indem sie es unterlassen habe, die zuständige Vorsorgeeinrichtung zu ermitteln. C. Mit Verfügung vom 19. September 2013 wurde B.___ _ zum Verfahren beigeladen. D. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Oktober 2013 beant ragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. E. Am 5. November 2013 reichte die IV-Stelle einen B ericht des behandelnden Arztes Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 10. Oktober 2013 zu den Akten. F. Am 11. November 2013 verzichtete B.____, vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Alter- matt, auf die Einreichung einer Stellungnahme. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Erlässt ein Versicherungsträger eine Verfügung, welch e die Leistungspflicht eines ande- ren Trägers berührt, so hat er auch ihm die Verfügun g zu eröffnen. Dieser kann die gleichen Rechtsmittel ergreifen wie die versicherte Person (Art. 49 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Gemäss Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch die ange fochtene Verfügung oder den Ein- spracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Ände- rung hat. So ist namentlich eine Einrichtung der beru flichen Vorsorge selbständig zur Be- schwerde legitimiert, soweit durch die in Frage stehende Verfügung ihre eigene Leistungspflicht beeinflusst wird (vgl. dazu T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, Bern 2003, S. 477 f.). In BGE 132 V 1 ff. stellte das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) fest, dass die durch die Judikatur näher um- schriebene Bindungswirkung der Invaliditätsbemessung der I nvalidenversicherung für die (obli- gatorische) berufliche Vorsorge (BGE 115 V 208 und 215 sowie 118 V 39 E. 2 und 3) in den Art. 23 ff. des Bundesgesetzes über die berufliche Alter s-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsor- ge (BVG) vom 25. Juni 1982 positivrechtlich ausdrücklich v erankert ist. Dies zeige sich darin, dass sich der Leistungsanspruch auf eine Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vor- sorge an den sachbezüglichen Voraussetzungen des IVG orientiert (Art. 23 lit. a BVG in der seit 1. Januar 2005 gültigen Fassung), die Höhe der berufsvo rsorgerechtlichen Rente analog zu derjenigen nach IVG bestimmt wird und schliesslich für de n Beginn des Anspruchs auf eine BVG-Invalidenrente gestützt auf Art. 26 Abs. 1 BVG si nngemäss die entsprechenden IV- rechtlichen Bestimmungen (Art. 29 IVG) gelten. Weil di e Invaliditätsbemessung der Invaliden- versicherung für die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge somit nach wie vor prin- zipiell bindend ist, ist sie geeignet, die Leistungspflich t des BVG-Versicherers in grundsätzli- cher, zeitlicher und masslicher Hinsicht im Sinne von Art. 4 9 Abs. 4 ATSG zu berühren (vgl. Urteil des EVG vom 27. Juni 2006, I 89/06, E. 2). 1.3 In vorliegender Streitsache hat die IV-Stelle den Beginn des Rentenanspruchs auf den 1. Mai 2012 festgelegt. Damit wird beim Beigeladenen ab diesem Zeitpunkt eine Arbeitsunfä- higkeit statuiert, welche einen allfälligen vorsorgere chtlichen Anspruch begründen könnte. Demnach hat die Beschwerdeführerin ein rechtlich geschüt ztes Interesse und sie ist zur Be- schwerde legitimiert. Auf die im Übrigen form- und fr istgerecht eingereichte Beschwerde ist ein- zutreten. 2. Streitig ist zunächst der Anspruch des Versicherten au f eine Rente der IV. 3. Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch au f eine Rente die ihre Erwerbsfä- higkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be tätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf d ieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG h aben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreivierte lsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und a uf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art . 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwe rbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geistigen oder der psychischen Gesundheit verur- sacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen , Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 4.4 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperli- che Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen gute n Willens, die verbleibende Leistungs- fähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Ford erbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 102 V 165; AHI-Praxis 2001 S. 22 8 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 5. Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind di e folgenden medizinischen Unterla- gen zu berücksichtigen: 5.1 Der behandelnde Arzt Dr. D.____ diagnostizierte am 29. November 2011 eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig hypomanische Phase (ICD- 10 F31) bei Status nach manischen Episoden mit psychotischen Symptomen und nach katatomem Zustand in der Jugend. Der Ver- sicherte sei zwischen 1992 und 2009 neunzehn Mal in der K linik E.____ stationär behandelt worden. Es sei anzunehmen, dass sich der bisherige Verlauf mit hypomanischen, manischen und depressiven Phasen fortsetze. Der Versicherte sei zwar zwischenzeitlich arbeitsfähig, dies halte aber krankheitsbedingt nicht lange an. Es sei un wahrscheinlich, dass er als Selbstständi- gerwerbender mehr als 20% bis 30% arbeiten könne. 5.2 Die IV-Stelle liess den Versicherten durch Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, begutachten. Am 24. März 2013 diagnostizier te er mit Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig submanische Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.1). Der Versicherte zeige eine schw ere bipolare affektive Störung, die bereits im 18. Lebensjahr mit einer Katatonie begonne n habe. Er sei über Jahre immer wieder episodisch psychotisch entgleist und habe realitätsfremd re agiert. Er sei nur mit Mühe fähig gewesen, sich auf äussere Umstände einzulassen. Zudem sei er in seiner Manie nicht erreich- bar gewesen. Zwischen 1985 und 2012 sei er insgesamt 22 Mal in der Klinik E.____ hospitali- siert gewesen. Dazwischen habe er sich jedoch beruflich immer wieder integrieren können. Seit 2009 sei er jedoch zunehmend psychisch vulnerabel geworden. Er habe Lärm nicht mehr ertra- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen, eine verminderte Teamfähigkeit aufgewiesen und habe Probleme gehabt, sich an Arbeits- abläufe und äussere Strukturen zu halten. Er sei immer mehr in interpersonelle Schwierigkeiten geraten, emotional instabil geworden und habe mehrma ls den Beruf gewechselt. Nach dem Stellenverlust im Mai 2011 sei er erneut in eine manisc he Krise geraten. Die in den letzten Jah- ren ausgeübte kognitiv und interpersonell anspruchsvolle T ätigkeit als Lohnbuchhalter sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Die Flexibilität und Umstellfähigkeit, das Entscheidungs- und Urteilsvermögen sowie die Gruppen- und Teamfähigkeit sei en vor allem in manischen Phasen praktisch aufgehoben, aber auch in submanischen Phasen stark beeinträchtigt. Für eine einfa- che und repetitive Bürotätigkeit ohne Stress, ohne He ktik, ohne hohe Anforderungen an die Teamfähigkeit bestünde eine Arbeitsfähigkeit von 30%. 5.3 Am 10. Oktober 2013 hielt Dr. D.____ im Wesentl ichen fest, dass der Versicherte nie eine selbstständige Tätigkeit ausgeübt habe. Es sei Au sdruck des manischen Zustandsbildes, dass sich Erkrankte nicht krank fühlen und deshalb auch kein e Notwendigkeit sehen würden, den eigenen Zustand medikamentös zu verändern. Bei Einn ahme von Medikamenten in pro- phylaktisch ausreichender Menge sei zwar das Risiko eines man ischen Schubes geringer, in- des würden die Arbeitsfähigkeit vermindert und die Vi talitätsgefühle beeinträchtigt. Ein solcher Zustand würde von den Patienten nur vorübergehend hing enommen und das Absetzen der Medikamente führe ungebremst in eine Manie. In einem solchen Prozess seien die Patienten mit äusserer Logik und Objektivität nicht zu erreichen. Trotz Bemühungen aller Beteiligten sei es nicht gelungen, die Arbeitsfähigkeit des Versicherten ganz oder teilweise zu erhalten. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 20. August 2013 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähi gkeit des Versicherten auf das Gut- achten von Dr. F.____ vom 24. März 2013. Sie ging demge mäss davon aus, dass der Versi- cherte die bisherige Tätigkeit als Lohnbuchhalter seit M ai 2011 nicht mehr ausüben konnte und angepasste Verweistätigkeiten noch im Umfang von 30% zumutbar sind. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltun gsverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund ein gehender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigun g volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigke it der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutachten von Dr. F. ____ beruht auf einer eingehenden Un- tersuchung des Versicherten und es berücksichtigt auch die üb rigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte. Zudem geht es einlässlich auf di e Beschwerden ein und vermittelt ein hinreichendes Bild über den Gesundheitszustand des Versi cherten. Es wird deutlich, dass die- ser seit seinem 18. Altersjahr eine bipolare affektive S törung aufweist und deswegen über zwanzig Mal hospitalisiert war. Er konnte sich zwar beruf lich immer wieder integrieren. Seit 2009 gelang es ihm aber krankheitsbedingt immer wenige r, sich an Arbeitsabläufe und äussere Strukturen zu halten. Ab Mai 2011 verschlechterte sich se in Gesundheitszustand derart, dass ihm die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Lohnbuchhalter n icht mehr zuzumuten war und er ange- passte Arbeiten noch im Umfang von höchstens 30% ausübe n konnte. Die Beurteilung von Dr. F.____ ist sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugend. E s ist deshalb nicht zu beanstanden, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass die IV-Stelle bei der Beurteilung der medizinische n Sachlage und der Arbeitsfähigkeit da- rauf abgestellt hat. 6.2 Soweit die Beschwerdeführerin dagegen einwendet, bei einer korrekten medikamentö- sen Einstellung sei der Versicherte in der Arbeitsfähigke it nicht eingeschränkt, kann ihr nicht gefolgt werden. Nach der nachvollziehbaren und deshalb massgebenden Beurteilung von Dr. F.____ im Gutachten vom 24. März 2013 ist davon auszu gehen, dass sich der Gesund- heitszustand des Versicherten seit Mai 2011 verschlechterte und er infolge der schweren bipo- laren affektiven Störung, eine erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von 70% aufweist. Diese Beurteilung deckt sich mit derjenige n des behandelnden Psychiaters Dr. D.____, welcher dem Versicherten ebenfalls eine erh eblich verminderte Leistungsfähigkeit attestiert. Ferner weist er in seinem Bericht vom 10. O ktober 2013 überzeugend und einleuch- tend darauf hin, dass es bei diesem komplexen Beschwerdebi ld und Krankheitsverlauf trotz aller Bemühungen nicht gelungen sei, die Arbeitsfäh igkeit des Versicherten ganz oder teilweise zu erhalten. Davon ist auszugehen. Die Beschwerdeführerin hat denn auch keine fachärztlichen Berichte eingereicht, die das überzeugende Gutachten von Dr. F.____ in Zweifel ziehen könn- ten. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der Versi cherte als Einzelunternehmer im Handelsregister des Kantons Solothurn eingetragen war. Dabei ist zu berücksichtigen, dass er gemäss der massgebenden Beurteilung von Dr. F.____ ein e Restarbeitsfähigkeit von 30% auf- weist. In diesem Umfang steht es ihm grundsätzlich frei, eine Arbeit auszuüben. Dass der Be- schwerdeführer über dieses Pensum hinaus einer selbstständi gen Erwerbstätigkeit nachgeht, ist jedoch weder aufgrund der Akten erstellt noch beschwerdeweise hinreichend nachgewiesen. Im Gegenteil ist mit Blick auf die medizinische Sachlage und den glaubwürdigen Ausführungen des behandelnden Psychiaters Dr. D.____ im Bericht vom 10. Oktober 2013 davon auszuge- hen, dass der Versicherte effektiv nie eine selbstständig e Tätigkeit ausübte. Da die Beschwer- deführerin ihren diesbezüglichen Einwand nicht hinre ichend substantiiert, ist darauf nicht weiter einzugehen. 6.3 Im vorliegenden Fall lassen die vorhandenen medizin ischen Unterlagen eine zuverlässi- ge Beurteilung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit de s Beigeladenen zu, weshalb auf die von der Beschwerdeführerin beantragte zusätzliche Abklärung verzichtet werden kann. Der An- spruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweis anträge zu stellen, und - als Kor- relat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Be weise sind im Rahmen dieses verfas- sungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen a bzunehmen, die für die Ent- scheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Ger icht bei pflichtgemässer Beweiswür- digung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevan- ten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach hinreiche nd abgeklärt ist, kann auf ein bean- tragtes Beweismittel verzichtet werden. Eine solche antizi pierte Beweiswürdigung ist nach kon- stanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen). 7.1 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades einer erw erbstätigen versicherten Person wird das Erwerbseinkommen, das diese nach Eintritt der I nvalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie- hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat i n der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffe rnmässig möglichst genau ermit- telt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der In- validitätsgrad bestimmen lässt (vgl. BGE 104 V 136). 7.2 Die IV-Stelle hat in ihrer Verfügung vom 20. Aug ust 2013 einen Einkommensvergleich durchgeführt und bei einer Arbeitsfähigkeit von 70% einen IV-Grad von 83% ermittelt. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Am- tes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vo rzunehmen wäre und die Berech- nung auch von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet wurde, erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem durch die IV-Stelle angeste llten Einkommensvergleich. Demnach ist davon auszugehen, dass der Versicherte mit Wirkung a b 1. Mai 2012 Anspruch auf eine ganze Rente der IV hat. 8. Schliesslich ergibt sich in Bezug auf den Antrag der Beschwerdeführerin, es sei festzu- stellen, dass sie nicht die zuständige Einrichtung der beru flichen Vorsorge sei, Folgendes: Die Verbindlichkeitswirkung (vgl. E. 1.2 hiervor) erstreckt sich nur auf diejenigen Feststellungen und Beurteilungen im IV-Verfahren, welche dort für die F estlegung des Anspruchs auf eine Rente der Invalidenversicherung entscheidend waren und über d ie demnach effektiv zu befinden war (vgl. Art. 28 ff. IVG); andernfalls haben die Organe der beruflichen Vorsorge die Anspruchs- voraussetzungen ihrerseits frei zu prüfen (vgl. Urteil d es EVG vom 14. August 2000, B 50/99, E. 2b). Die Festsetzung des Beginns des Rentenanspruches durch die Invalidenversicherung schliesst nicht aus, dass die den Anspruch auf Invalidenleist ungen nach BVG begründende Arbeitsunfähigkeit schon früher eingetreten ist (vgl. Urteil des EVG vom 11. Juli 2000, B 47/98). Das allein Rechtsverbindlichkeit erlangende Dispositiv der angefochtenen Verfügung vom 20. August 2013 beschränkt sich denn auch darauf - gemäs s den Bestimmungen des IVG - ab 1. Mai 2012 eine Rente zuzusprechen. Wird nach dem Ge sagten mit Bezug auf den berufsvor- sorgerechtlichen Leistungsanspruch insoweit nichts präjudizi ert, entfällt eine entsprechende Rechtsmittelbefugnis der Vorsorgeeinrichtung. Folglich k ann auf das Begehren der Beschwer- deführerin, es sei festzustellen, dass sie nicht die zust ändige Einrichtung der beruflichen Vor- sorge sei, nicht eingetreten werden. Anzumerken ist in d iesem Zusammenhang, dass die IV- Stelle unter diesen Umständen keine weiteren Abklärunge n in Bezug auf die zuständige Vor- sorgeeinrichtung vorzunehmen hatte und die Verfügung g emäss Art. 73 bis Abs. 2 lit. f der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Ja nuar 1961 zu Recht der Beschwerde- führerin zugestellt hat. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkei ten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufe rlegt. Vorliegend ist die Beschwer- deführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfah renskosten ihr aufzuerlegen sind. Die Ver- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht fahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- werden mit de m geleisteten Kostenvorschuss ver- rechnet. 9.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Aus dieser Formulierung er hellt, dass dem Versicherungsträger - mit Ausnahme der Fälle mutwilliger, beziehungsweise l eichtfertiger Prozessführung - kein Par- teientschädigungsanspruch zusteht (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 61 Rz 114). Vorliegend handelt es sich bei der obsiegenden IV-Stelle um einen Sozi- alversicherungsträger, weshalb sie keinen Anspruch auf Pa rteientschädigung hat. Jedoch kann die anwaltlich vertretene beigeladene und obsiegende versicherte Person rechtsprechungsge- mäss einen Anspruch auf Parteientschädigung geltend ma chen (vgl. Urteil des EVG vom 4. Februar 2000, H 325/99, E. 6 mit weiteren Hinwei sen). Diese ist grundsätzlich vom unterlie- genden Versicherungsträger zu übernehmen (vgl. K IESER , a.a.O., Art. 61 Rz 115). Der Rechts- vertreter des Beigeladenen hat in seiner Honorarnote vom 11. Dezember 2013 einen Aufwand von 4,5 Stunden und Auslagen von Fr. 21.50 ausgewiesen , was umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen angem essen ist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche F älle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Dem Beig eladenen ist demnach ein Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 1‘238.20 (4,5 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 21.50 und 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdeführerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die Beschwerdeführerin hat dem Rechtsvertreter von B .____ eine Parteientschädigung von Fr. 1‘238.20 (inkl. Auslagen und Mehrwert- steuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht