BRKE IV Nr. 121/1997 vom 31. Juli 1997 in BEZ 1998 Nr. 8 Die Rekurrentin beabsichtigt, das durch einen Brand zerstörte, in der Ker nzone gelegene Gewerbegebäude unter Einbezug des vom Brand verschont g ebliebenen Werkstattraums mit gewissen Modifikationen neu aufzubauen. 4. a) Nach § 307 Abs. 1 PBG dürfen Gebäude, die durch Brand oder andere Katastrophen ganz oder teilweise zerstört worden sind, wieder aufgebaut werden, wenn keine überwiegenden öffentlichen oder nachbarlichen Interessen entgege n- stehen und das Baugesuch innert drei Jahren seit der Zerstörung ei ngereicht wird. Der Ersatzbau hat dem zerstörten Gebäude hinsichtlich Art, Umfang und Lage zu entsprechen, sofern nicht durch eine Änderung eine Verbesserung des bisherigen Zustandes herbeigeführt wird. Die Kernzonenbestimmungen von Art. 4 Abs. 1 und 2 BauO lauten wie folgt: «Bestehende Gebäu de können unter Beibehaltung von Grundriss, Gebäude - und Firsthöhe sowie des Erscheinungsbildes umgebaut oder ersetzt werden. Kleinere Abweichungen können bewilligt oder angeordnet werden, sofern sie mit den Interessen des Ortsbildschutzes vereinbar sind.» b) Die Rekurrentin beruft sich auf beide dieser Vorschriften. Die Zulässigkeit i h- res Bauvorhabens beurteilt sich indessen vorliegend vorab nach Art. 4 BauO. Der Umstand, dass diese Bestimmung lediglich von «bestehenden» Gebäuden spricht, ist nicht en tscheidend. Die Bestimmung muss nach ihrem Sinn und Zweck, nämlich das Erscheinungsbild der durch die bestehenden Bauten geprägten Kernzonen der Gemeinde Dinhard zu erhalten, vielmehr auch dann zur Anwendung kommen, wenn ein Kernzoneng ebäude nicht freiwillig abgebr ochen wird, sondern gewaltsam ze r- stört worden ist und aus diesem Grund ein Ersatzbau erfolgt. Auf die für sämtliche Bauzonen geltende kantonalrechtliche Bestimmung von § 307 PBG wäre bei der Beurteilung des vorliegend streitigen Bauvorhabens dann z u- rückz ugreifen, wenn sich diese Norm als für die Rekurrentin günstiger erwiese, was hier nicht der Fall ist. § 307 Abs. 1 PBG setzt voraus, dass dem W iederaufbau eines durch Brand oder sonstwie gewaltsam zerstörten Gebäudes neben öffentlichen Int e- ressen namen tlich auch keine nachbarlichen Interessen entgege nstehen. Art. 4 BauO enthält keine derarti ge Einschränkung. Aus der Regelung in § 307 Abs. 1, Satz 2 PBG, wonach der Ersat zbau dem zerstörten Gebäude mit Bezug auf die Art, den Umfang und die Lage dann nicht vollständig zu entsprechen hat, wenn durch die - 2 - Änderung eine Verbesserung des bisherigen Zustandes herbeigeführt wird, ergibt sich ebenfall s keine über Art. 4 BauO hin ausgehende Privilegierung. Diese Formu- lierung besagt nicht, dass beim W iederaufbau eines gewaltsam zerstörten Gebä u- des aus beliebigen Gründen von dessen vormaligem Kubus oder Erscheinungsbild abgewichen werden dürfe. Die Abweichung muss vielmehr, was sich aus Sinn und Zweck des vorab für vorschriftswidrige Bauten bedeu tsamen Brandstattrechtes er- gibt, dazu führen, dass bestehende Baurechtswidrigkeiten des zerstörten Gebäudes beim Wiederaufbau behoben oder zumindest gemildert we rden. Die in § 307 Abs. 1, Satz 2 PBG als Ausnahme vom Grundsatz des unveränderten W iederaufbaus statu- ierte Regelung st ellt dem Bauherrn mit anderen W orten nur frei, anstelle einer ide n- tischen Ersatzbaute ein hievon abweichendes, den bisherigen ba urechtlichen Z u- stand verbesserndes Bauvo rhaben zu realisieren. Blosse Zweckmässi gkeitsüberle- gungen des jeweiligen Bauherrn vermö gen einen vom Altbau abweichenden Ersatz- bau nicht zu rechtfertigen. c) Auszugehen ist davon, dass der gestützt auf Art. 4 Abs. 1 BauO zu errichte n- de Ersatzbau dem auf dem rekurrentischen Grundstück vormals bestehenden G e- werbegebäude vom Kubus her im wesent lichem zu entsprechen hätte. Ob das von der Rekurrentin anstelle des ehemaligen Doppel -Satteldaches geplante Sheddach eine nach Art. 4 Abs. 2 BauO zulässige, mit den Interessen des Ortsbildschutzes zu vereinbarende «kleinere Abweichung» darstelle, braucht aufgrund der nachstehe n- den Ausführungen vorliegend nicht beurteilt zu werden. Aus diesem Grund erübrigt sich auch die von der Vorinstanz vernehmlassungsweise beantragte Durchführung eines Augenscheins. Unbestritten ist, dass das von der Rekurrentin geplant e W erk- und Lagerg e- bäude von seinem Grundriss her dem Altbau entspricht. Im übrigen weicht der projektierte Ersatzbau von diesem jedoch wesentlich ab. Die durch einen Brandfall zerstörte Baute bestand wie erwähnt aus zwei mehr oder weniger selbständigen, j e eigene Schrägdächer aufweisenden eingeschossigen Baukörpern. Die unter den schwach geneigten Schrägdächern vorhandenen Geschossböden waren nach vorinstanzlicher Darstellung nicht belichtet und konnten daher lediglich als «Abstel l- raum/Estrich» verwendet werden. Ob und inwieweit sie gebäudeintern zweckmässig zugänglich waren, lässt sich anhand der Baupläne nicht genau eruieren. Klar ist j e- doch, dass die fraglichen Geschossböden mehrheitlich eine ungenügende Raumh ö- he aufwiesen und ins ofern daher kaum vernünf tig genutzt werden konnten. Beim streitigen Bauvorhaben ist demgegenüber neben dem Erdgeschoss auch der unter dem geplanten Sheddach gelegene, eine minimale Raumhöhe von 2,65 m aufwe i- sende Gebäudeabschnitt vollumfänglich nutzbar. Durch die Anhebung der vor mali- gen Gebäude- und Firsthöhe sowie die Erstellung eines durchgehende n Daches an- stelle des bisherigen Doppel -Schrägdaches werden Nutzflächen geschaffen, welche bisher nicht oder höchstens in wesentlich geringerem Umfang vorhanden waren. Der von der Rekurr entin angestellte Vergleich, wonach die bisher vorhandene Nutzfläche von 750 m 2 lediglich um zirka 200 m 2 vergrössert werde, ist insofern irr e- führend, als in diesen Vergleich die Dachgeschossflächen des Altbaus vollumfän g- lich miteinbezogen und damit beim A usgangswert auch Flächen berücksichtigt wu r- den, welche praktisch nicht nutzbar waren. Insgesamt ergäbe sich daher eine erhe b- lich über die genannten 200 m 2 hinausgehende Zunahme der für eine gewerbliche Nutzung verwendbaren Fläche. Entscheidend ist jedoch, dass zu deren Realisierung - 3 - in einem solchen Ausmass vom Kubus des durch Brand zerstörten Gebäudes abg e- wichen wird, dass die Identität zwischen Alt - und Ersatzbau nicht mehr gewahrt ist. Von lediglich «kleineren Abweichungen» im Sinne von Art. 4 BauO und de mgemäss einem nach dieser Norm (noch) zulässigen W iederaufbau kann nicht gesprochen werden. Eine andere Einschätzung ergäbe sich auch unter dem Aspekt von § 307 Abs. 1 PBG nicht. Nach dieser Bestimmung hat das Ersatzgebäude dem vormaligen Kubus im Regelfall ebenfalls im wesentlichen zu entsprechen. Die Zulässigkeit von Abwe i- chungen ist wie erwähnt davon abhängig, dass sich durch diese die baurechtliche Situation verbessern lässt. Inwiefern dies beim vorliegend streitigen Bauvorhaben der Fall sein könnte, is t nicht erkennbar. Die geplanten Abweichungen dienen ledi g- lich der Wirtschaftlichkeit. Das streitige Projekt ist aus diesen Gründen von der Vorinstanz zu Recht nicht als Ersatzbau qualifiziert worden. Die rekurrentischen Einwände sind unbegründet.