Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 21. Oktober 2015 (810 15 41) ____________________________________________________________________ Erziehung und Kultur Resultat des Qualifikationsverfahrens als Fachfrau Betreuung EFZ Kinderbetreuung nach Art. 32 BBV Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber i.V. Roger Plattner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Resultat des Qualifikationsverfahrens als F achfrau Betreuung EFZ Kinderbetreuung nach Art. 32 BBV (RRB Nr. 188 vom 3. Februar 2015) A. Im Frühjahr 2014 absolvierte A.____ zum zweiten Mal das Qualifikationsverfahren zur Fachfrau Betreuung mit eidgenössischem Fähigkeitsze ugnis (EFZ) Kinderbetreuung nach Arti- kel 32 der Verordnung über die Berufsbildung (Beruf sbildungsverordnung, BBV) vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 19. November 2003. Mit dem Notenausweis vom 25. Juni 2 014 wurde ihr vom Amt für Berufs- bildung und Berufsberatung beschieden, dass sie das Qualif ikationsverfahren mit der Gesamt- note 3.3 nicht bestanden habe und ihr das eidgenössische Fähigkeitszeugnis daher nicht erteilt werde. B. Mit Schreiben vom 1. September 2014 erhob A.____ b ei der Prüfungskommission des Kantons Basel-Landschaft (Prüfungskommission) Beschwerde ge gen diesen Entscheid. Sie brachte vor, dass in der praktischen Prüfung diverse Punkt e bemängelt worden seien, welche sie nicht nachvollziehen könne und welche auch nicht belegt wurden. Zudem sei ihre schriftliche Prüfung nur von einer Expertin anstatt der vorgesehenen zwei unterzeichnet worden. Die unter- zeichnende Expertin habe die Prüfung unberechtigterweise zu ihren Ungunsten nachkorrigiert. C. Die Prüfungskommission wies die Beschwerde mit Entschei d vom 1. Oktober 2014 ab. Zur Begründung führte sie aus, dass weder relevante Fehler beim Prüfungsverfahren noch Ver- letzungen der Prüfungsbestimmungen hätten festgestellt werden können. Die Expertenbewer- tungen seien ordnungsgemäss protokolliert worden und d ie Begründung zur Notengebung sei für die Prüfungskommission nachvollziehbar. D. A.____ hat gegen diesen Entscheid am 24. Oktober 20 14 Beschwerde beim Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) erhoben, welche mit Beschluss Nr. 188 vom 3. Februar 2015 abgewiesen wurde. E. Gegen den Entscheid des Regierungsrats hat A.____ am 14. Februar 2015 Beschwer- de beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Ver fassungs- und Verwaltungsrecht (Kan- tonsgericht) erhoben und beantragt in ihrer verbesser ten Eingabe vom 2. März 2015 die voll- ständige Aufhebung des Regierungsratsbeschlusses Nr. 188 vom 3. Februar 2015. F. Mit Stellungnahme vom 1. Juni 2015 liess sich der Reg ierungsrat vernehmen und be- antragt die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. G. Mit Präsidialverfügung vom 17. Juni 2015 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Die Beschwerdeführerin ist vom angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen gemäss §§ 43 ff. VPO sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO ist die Kognitio n des Kantonsgerichts auf Rechts- verletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens und die unrichtige oder unvollständige Feststellung de s Sachverhalts beschränkt. Die Unange- messenheit eines angefochtenen Entscheids kann nur in den vom Gesetz abschliessend auf- gezählten Fällen beziehungsweise gestützt auf spezialges etzliche Vorschriften überprüft wer- den (§ 45 lit. c VPO e contrario). Beschwerden gegen Entscheide, welche im Rahmen von Prü- fungen gefällt werden, werden in diesem Katalog nicht erwähnt. Bei der Überprüfung der im Streite liegenden Angelegenheit kann und muss das Kant onsgericht dementsprechend keine Ermessenskontrolle vornehmen. 3.1 Bei der Überprüfung von Examensleistungen auferle gt sich das Bundesgericht Zurück- haltung, indem es in Fragen, die durch die gerichtlich en Behörden naturgemäss schwer über- prüfbar sind, nicht ohne Not von der Beurteilung der e rstinstanzlichen Prüfungsorgane und Ex- perten abweicht (vgl. BGE 131 I 467 E. 3.1; BGE 121 I 225 E. 4b; BGE 118 Ia 488 E. 4c; BGE 106 Ia 1 E. 3c; vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsg erichts [B-2214/2006] vom 16. August 2007 E. 3; [B-7914/2007] vom 15. Juli 2008 E. 2; siehe auch Verwaltungspraxis der Bundesbe- hörden [VPB] 66.62 E. 4; 64.122 E. 2). Das Bundesgeri cht untersucht demnach lediglich, ob sich die Prüfungsbehörde von sachfremden Erwägungen hat leiten lassen, so dass der Ent- scheid unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten als nicht meh r vertretbar erscheint. Diese Zu- rückhaltung auferlegt sich das Bundesgericht selbst dann , wenn es auf Grund seiner Fach- kenntnisse sachlich zu einer weitergehenden Überprüfung befähigt wäre (BGE 121 I 225 mit Hinweis auf BGE 118 Ia 488 E. 4c; BGE 106 Ia 1 E. 3c). 3.2 Das Kantonsgericht hat sich in seiner bisherigen Praxi s dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung weitgehend angeschlossen und schreitet erst ein, wenn der Entscheid der Be- hörde auf sachfremden oder sonst wie ganz offensichtli ch unhaltbaren Erwägungen beruht (Ur- teil des Verfassungsgerichts des Kantons Basel-Landschaft vo m 21. August 1991 i.S. X. in: Basellandschaftliche Verwaltungsgerichtsentscheide [BLVG E] 1991 S. 164 E. 4 mit weiteren Hinweisen; Urteile des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassu ngs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 9. Januar 2013 [810 12 158] E. 3.2; vom 22. Juli 2009 [810 07 434] E. 3.4; vom 3. Dezember 2008 [2007/468] E. 3.2; vom 19. Januar 2 005 [2004/195] E. 2b; Einspracheent- scheid des Kantonsgerichts vom 20. Februar 2008 [2007/434] E. 3 mit weiteren Hinweisen). 3.3 In der Rechtsprechung ist somit anerkannt, dass das Ka ntonsgericht seine Kognition ohne Verstoss gegen Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassun g der Schweizerischen Eidgenossen- schaft (BV) vom 18. April 1999 einschränken kann, soweit die Natur der Streitsache einer unbe- schränkten Nachprüfung des angefochtenen Entscheids entgegensteht. Von Verfassung wegen ist somit eine freie Prüfung der materiellen Aspekte de s Examens nicht erforderlich; vielmehr kann die Rechtsmittelbehörde, selbst wenn sie an sich über eine volle Rechtskontrolle verfügt, grundsätzlich ohne Verletzung des Willkürverbots ihre Kogn ition beschränken (vgl. Urteil des Bundesgerichts [2P.44/2007] vom 2. August 2007 E. 2.2). Die Einschränkung der Kognition bedeutet, dass sich das Kantonsgericht Zurückhaltung bei d er Ausübung seiner an sich freien Rechtskontrolle (vgl. § 45 VPO) auferlegt und der Vorinstanz einen gewissen Beurteilungsspiel- raum, ein sogenanntes technisches Ermessen, belässt. Dogma tisch betrachtet handelt es sich Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht dabei um eine Herabsetzung der Prüfungsdichte bei gr undsätzlich voller Rechtskontrolle (vgl. dazu FELIX UHLMANN , Das Willkürverbot, Bern 2005, N. 476 ff., insb. N. 478 und N. 481). 3.4 Die freiwillige Beschränkung der Kognition rechtfe rtigt sich nur bei der inhaltlichen Be- wertung von fachlichen Prüfungsleistungen. Werden dagegen Verfahrensmängel gerügt, hat die angerufene Rechtsmittelbehörde die erhobenen Einwend ungen mit der ihr zustehenden Kogni- tion zu prüfen, andernfalls sie eine formelle Rechtsverw eigerung begehen würde (vgl. BGE 106 Ia 1 E. 3c; VPB 56.16 E. 2.2; R ENÉ RHINOW /B EAT KRÄHENMANN , Schweizerische Verwal- tungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel 1990, Nr. 8 0 B I f; Urteile des Bundesverwal- tungsgerichts [B-7914/2007] vom 15. Juli 2008 E. 2; [B -2208/2006] vom 25. Juli 2007 E. 5.2; [B-2207/2006] vom 23. März 2007 E. 5.3). Auf Verfahre nsfragen haben alle Einwendungen Be- zug, die den äusseren Ablauf des Examens oder der Bewertu ng betreffen (BGE 106 Ia 1 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts [2P.83/2004] vom 9. August 2004 E. 5.1). 4.1 In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin zunächst, dass ihr die Musterlösun- gen mit möglichen Prüfungsantworten, welche die Expertinnen zur Prüfungskorrektur verwendet haben, nicht herausgegeben worden seien. Auf diese We ise sei es ihr erschwert worden, ihre Vorbringen hinsichtlich der Bewertung zu begründen. D amit macht die Beschwerdeführerin sinngemäss eine Verletzung des Akteneinsichtsrechts geltend. 4.2 Der Beschwerdegegner erwidert, dass es sich bei diese n Musterlösungen um verwal- tungsinterne Akten handle, in welche grundsätzlich kein E insichtsrecht bestehe. Eine Ausnah- me davon sei nur vorgesehen, wenn neben der Musterlösun g kein selbständiges Bewertungs- raster vorliege. Dies sei vorliegend jedoch nicht der Fall. 4.3 Das Recht auf Akteneinsicht ergibt sich aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV). Das Akteneinsichtsrecht erstreckt sich sachlich auf alle schriftlichen oder elektronischen Aufzeichnungen, die als Entscheidgrundlage herangezogen werden, nicht aber auf rein verwaltungsinterne Akten (BGE 125 II 473 E. 4 c/cc; BGE 115 V 297 E. 2g/bb; BGE 113 Ia 1 E. 4c/cc mit weiteren Hinweisen). Als Letztere gelten dabei Unterlagen, denen für die Behandlung eines Falles kein Beweischarakter zukommt und die vielmehr ausschliesslich der verwaltungsinternen Meinungsbildung dienen. Mit dem Ausschluss des Einsichtsrechts soll ver- hindert werden, dass die interne Meinungsbildung der Verwaltung über die entscheidenden Ak- tenstücke und die ergangenen begründeten Verfügungen vollständig vor der Öffentlichkeit aus- gebreitet werden (RENÉ RHINOW /HEINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Aufl., Basel 2014, N. 33 8; Urteil des Bundesge- richts [1C_100/2009] vom 22. September 2009 E. 3.1; BGE 129 IV 141 E. 3.3.1 mit Hinweisen). Das Bundesverwaltungsgericht hat in seiner neueren Rechts prechung festgehalten, dass es sich bei Musterlösungen um verwaltungsinterne Entscheidgr undlagen handle, welche grund- sätzlich nicht herausgegeben werden müssen. Diese dienen d en Experten als Korrekturhilfe und ermöglichen es ihnen, bei der grossen Anzahl von mit wirkenden Korrektoren eine Gleich- behandlung der Kandidatinnen und Kandidaten sicherzuste llen (vgl. Entscheid des Bundesver- waltungsgerichts B-6261/2008 vom 4. Februar 2010 [BVGE 2010/10] E. 3.2 ff. mit Hinweisen; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts [B-6666/2010] vom 12. Mai 2011 E. 3.1.2; PATRICIA EGLI , Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gerichtlicher Rechtsschutz in Prüfungsfällen, in: Schwei zerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 112/2011 S. 538 ff. und S. 55 1 f.). Das Bundesverwaltungsgericht weist jedoch darauf hin, dass ausnahmsweise ein Anspruch auf H erausgabe der Musterlösung be- stehen könne, wenn in dieser gleichzeitig die Bewertun g festgelegt sei und daneben kein selb- ständiges Bewertungsraster vorliege (vgl. Urteil des Bun desverwaltungsgerichts [B-6834/2014] vom 24. September 2015 E. 4.4.2; [B-697/2012] vom 24. Januar 2013 E. 2.2; E GLI , a.a.O, S. 552). Ein diesen Vorgaben entsprechendes Bewertungsr aster liege bereits dann vor, wenn zu jeder Teilaufgabe die maximal erzielbare Punktzahl un d die Punktzahl der Beschwerdefüh- renden im Prüfungsdokument aufgeführt seien (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts [B- 5547/2013] vom 24. April 2014 E. 3.3). 4.4 Aus den vorliegenden Akten ergibt sich, dass bei der schriftlichen Prüfung im Prü- fungsdokument neben jeder (Teil-)Aufgabe einerseits d ie maximal zu erreichenden Punkte und andererseits die von der Teilnehmenden erreichte Pun ktzahl aufgeführt werden. Das vorliegen- de Prüfungsdokument erfüllt demnach die Anforderungen an ein selbstständiges Bewertungs- raster. Darüber hinaus fand eine Prüfungsbesprechung stat t, in welcher der Kandidatin münd- lich ausgeführt wurde, wie die Bewertung ihrer Prüfu ng zustande gekommen ist. Der Prüfungs- kandidatin war die Prüfungsbewertung somit auch aufgr und des Prüfungsgesprächs bekannt. Ferner ist zu beachten, dass alle Repetentinnen und Re petenten von denselben beiden Exper- tinnen geprüft wurden, wodurch eine zusätzliche Objekti vierung der Bewertung erzielt wurde. Damit sind die Musterlösungen im vorliegenden Fall als verwaltungsinterne Akten zu beurteilen. Somit wurde der Beschwerdeführerin die Einsicht in diese Akten zu Recht verwehrt. 5.1 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, dass die schriftliche Prüfung nur von einer Expertin unterzeichnet worden sei. Auf dem Prüfu ngsformular sei jedoch vorgesehen, dass beide Experten unterzeichnen. Zudem sei die bereits k orrigierte Prüfung von der zweiten Expertin, welche die Prüfung auch unterzeichnete, nach korrigiert worden. Dies sei zu Unguns- ten der Beschwerdeführerin ausgefallen, welche dadurch schlechter benotet wurde. 5.2 Der Beschwerdegegner räumt ein, dass die unterzeich nende Expertin es versehentlich versäumt habe, die Prüfung nach ihrer Korrektur erneut an die erste Person zur Unterschrift weiterzureichen und deswegen als Einzige unterzeichnet habe. 5.3.1 Gemäss Art. 35 BBV setzt die kantonale Behörde Pr üfungsexpertinnen und -experten ein. Es finden sich weder in der Verordnung des Staatsse kretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) über die berufliche Grundbildung F achfrau Betreuung/Fachmann Betreuung (Verordnung SBFI) vom 16. Juni 2005 noch in der kantona len Verordnung über die Organisa- tion und Durchführung der Qualifikationsverfahren der beruflichen Grundbildung (Prüfungsver- ordnung) vom 17. März 2009 weitere Vorgaben dazu, wie das Expertengremium zu besetzen ist. Die Regelung obliegt somit der zuständigen kantonalen Behörde. Die Abnahme von mündli- chen Prüfungen und die Bewertung der Prüfungsarbeite n haben gemäss dem Pflichtenheft der Prüfungskommission für kantonale Prüfungsexpertinnen/Prüf ungsexperten vom 18. März 2014 immer durch mindestens zwei Expertinnen/Experten zu erfol gen. Die Prüfungsabsolvierenden sind dabei neutral und unvoreingenommen zu prüfen. Zur Korrektur und insbesondere dem Ver- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht fahren bei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Experten befindet sich in den massge- benden Bestimmungen keine spezifische Regelung. Konkreti siert wird das Korrekturverfahren im Handbuch für Prüfungsexpertinnen und Prüfungsexpert en in Qualifikationsverfahren der be- ruflichen Grundbildung des Eidgenössischen Hochschulinstitu tes für Berufsbildung (Handbuch für Prüfungsexpertinnen und Prüfungsexperten). Gemäss di esem ist bei Meinungsverschieden- heiten zwischen Experten die Meinung des Chefexperten bzw. der Chefexpertin ausschlagge- bend (vgl. S. 53 Handbuch für Prüfungsexpertinnen und Prüfungsexperten). 5.3.2 Die Vorgaben der Prüfungskommission sehen eine Be wertung durch zwei Experten vor. Wenn die Unterschrift einer Expertin auf der korrigierten Prüfung fehlt, stellt dies einen Ver- fahrensfehler dar. Verfahrensmängel im Prüfungsablauf sind jedoch nur dann rechtserheblich und damit ein Grund, eine Beschwerde gutzuheissen, wen n sie in kausaler Weise das Prü- fungsergebnis einer Kandidatin oder eines Kandidaten e ntscheidend beeinflussen können oder beeinflusst haben. Es ist dabei zu beachten, dass auch die Anerkennung eines Verfahrensfeh- lers nicht dazu führen kann, eine Prüfung als bestanden zu erklären, denn ein gültiges Prü- fungsresultat ist die Voraussetzung für die Erteilung des entsprechenden Ausweises oder Dip- loms. Läge ein Verfahrensfehler vor, der das Prüfungs ergebnis ungünstig beeinflusst hat, so könnte dies daher nur zur Folge haben, dass der Beschwerdeführerin die nochmalige Ablegung der Prüfung – oder eines Teils der Prüfung – ermöglich t werden müsste (vgl. Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts [B-7894/2007] vom 19. Juni 2008 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Vor- liegend haben sich die Nachkorrekturen einzig im vierten Teil der schriftlichen Prüfung auf die Note ausgewirkt. Dieser Teil der Prüfung wäre ohne die Nachkorrekturen mit der Note 4.5 an- statt der Note 4 bewertet worden. Bei allen anderen Prüfungsteilen wirkt sich die korrigierte Punktzahl nicht auf die Note aus und ändert insbesondere – wie die nachfolgenden Ausführun- gen aufzeigen – nichts am Gesamtergebnis. Die Abschlusspr üfung im Bereich Fachmann/ Fachfrau Betreuung setzt sich gemäss Art. 18 Abs. 2 Vero rdnung SBFI aus den Teilbereichen “praktische Arbeit“ (lit. a), Berufskenntnisse (lit. b) u nd Allgemeinbildung (lit. c) zusammen. Die Abschlussprüfung ist gemäss Art. 20 Verordnung SBFI dann bestanden, wenn der Qualifika- tionsbereich „praktische Arbeit“ mit der Note 4 oder höher bewertet und die Gesamtnote 4 oder höher erreicht wurde. Die Abschlussprüfung im Qualifikationsbereich Berufskenntnisse ist dabei gemäss Art. 18 Abs. 2 lit. b Verordnung SBFI in einzel nen Positionen mündlich oder schriftlich oder in beiden Formen vorzunehmen. Es ist vorliegend f estzuhalten, dass die Beschwerdefüh- rerin den Qualifikationsbereich „praktische Arbeit“ mit der Note 2.7 abgeschlossen hat, während sie im Qualifikationsbereich Berufskenntnisse, welcher si ch aus vier schriftlichen Prüfungen (“Positionen“) und einer mündlichen Note zusammensetzte , die Note 3.8 erzielte. Selbst wenn die Nachkorrektur durch die Chefexpertin unzulässig gew esen wäre und die Note im Qualifika- tionsbereich “Berufskenntnisse“ deswegen besser hätte a usfallen müssen, hätte sie die Ab- schlussprüfung nicht bestanden, da der Qualifikationsberei ch „praktische Arbeit“ nicht mit einer genügenden Note bewertet wurde. Somit konnte eine d er beiden kumulativ zu erfüllenden Vo- raussetzungen für das Bestehen des Qualifikationsverfahren s nicht erreicht werden. Die Nach- korrektur stellt somit keinen rechtserheblichen Verfahren sfehler dar, hat diese doch das Prü- fungsergebnis der Beschwerdeführerin nicht entscheidend beeinflusst. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.3 Indem die erst nachträglich unterzeichnende Expe rtin ihre Unterschrift im Laufe des Beschwerdeverfahrens nachgereicht hat, ist davon auszugehen , dass sie mit der Korrektur der Chefexpertin ebenfalls einverstanden war. Gleiches kann aus der Prüfungsbesprechung abge- leitet werden, welche von derjenigen Expertin durchgeführt wurde, welche die Prüfung zunächst nicht unterzeichnet hatte. Zudem hatte die unterlassene Unterschrift keinen entscheidenden nachteiligen Einfluss auf das Prüfungsresultat und stell t somit keinen rechtserheblichen Verfah- rensmangel dar. Wenn die Prüfung durch zwei Personen ko rrigiert werden muss, kann es na- turgemäss vorkommen, dass die zweitkorrigierende Expertin zu einem anderen Schluss und einer schlechteren Bewertung kommen kann. Selbst wenn sich die Experten nicht einig sein sollten, so ist – wie ausgeführt – die Meinung der Che fexpertin für die Bewertung massgeblich. Im vorliegenden Fall war die Person, welche die Prüfun g als zweite korrigierte, gleichzeitig die Chefexpertin. Die Nachkorrektur der Prüfung ist somit nicht zu beanstanden. 5.4 Nicht gefolgt werden kann der Beschwerdeführerin, wenn sie vorbringt, bei der mündli- chen Prüfung durch die strengste Expertin geprüft word en zu sein, da im Rahmen des Qualifi- kationsverfahrens kein Anspruch auf die Zuteilung einer bestimmten Expertin oder eines be- stimmten Experten besteht. Darüber hinaus ist nicht ersichtlich – und wird von der Beschwerde- führerin auch nicht geltend gemacht –, welches Recht d adurch verletzt sein soll. 6.1 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, es sei aus ihrer Sicht unverständlich, dass für Lernende mit Lehrvertrag andere Voraussetzungen gelten als für diejenigen, welche das Qualifikationsverfahren nach Art. 32 BBV (das heisst ohne Lehrvertrag) absolvieren. Sie bezieht sich dabei vor allem darauf, dass für Lernende mit Lehrv ertrag die Erfahrungsnoten aus der Berufsfachschule in die Bewertung einfliessen, währen d dies bei den übrigen Lernenden nicht der Fall sei. Die Beschwerdeführerin rügt damit sinngemäss eine Verletzung des Gleichbehand- lungsgebots. 6.2 Der Beschwerdegegner verweist darauf, dass unter gew issen Voraussetzungen Per- sonen ohne Absolvierung eines geregelten Bildungsganges zum Qualifikationsverfahren zuge- lassen werden könnten. Diese Personen würden dabei im U nterschied zu den Absolventinnen und Absolventen eines geregelten Bildungsgangs keinen Un terricht an der Berufsfachschule absolvieren müssen. Daher könnten sie auch keine Erfahr ungsnoten aus dem Schulunterricht vorweisen. Zwar würden sie im Rahmen der Prüfungsvorber eitung einen Teil des Berufsschul- unterrichts besuchen können, dies erfolge jedoch freiwi llig und eine allfällige Note biete keine hinreichende Gewähr. Diese unterschiedliche Ausgangslage würde daher einen sachlichen Grund für die Ungleichbehandlung der zwei Personengruppen darstellen. 6.3.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 BV sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich. Das dadurch sta- tuierte Rechtsgleichheitsgebot ist verletzt, wenn rechtl iche Unterscheidungen getroffen werden, für die ein vernünftiger Grund in den zu regelnden Ve rhältnissen nicht ersichtlich ist, oder Un- terscheidungen unterlassen werden, die sich aufgrund der Verhältnisse aufdrängen. Der An- spruch auf Gleichbehandlung verlangt, dass Gleiches nach Ma ssgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit unglei ch behandelt wird (vgl. zum Ganzen ULRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , a.a.O., N. 495 ff.). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.2 Gemäss Art. 32 BBV ist die Zulassung zum Qualifi kationsverfahren für Personen aus- serhalb eines geregelten Bildungsgangs möglich, wenn ei ne mindestens fünfjährige berufliche Erfahrung vorgewiesen werden kann. Die Verordnung SBF I konkretisiert diese Vorgabe in Art. 17 Abs. 2 dahingehend, dass davon mindestens vier Jah re mit einem minimalen Arbeits- pensum von 50 % im Berufsfeld Betreuung erworben worden sein müssen. Für die Berechnung der Gesamtnote der Abschlussprüfung werden die Noten der verschiedenen Qualifikationsbe- reiche gemäss Art. 20 Abs. 3 Verordnung SBFI zusammengez ählt. Dabei zählt der Bereich “praktische Arbeit“ doppelt, die Bereiche Berufskenntniss e, Erfahrungsnote des berufskundli- chen Unterrichts und Allgemeinbildung jeweils einfach. Personen, welche die Vorbildung aus- serhalb der geregelten beruflichen Grundbildung absol vieren, müssen den Berufsschulunter- richt nicht besuchen. Sie können deshalb keine Erfahru ngsnoten vorweisen, welche in die Be- wertung einfliessen. Gemäss Art. 22 Abs. 1 Verordnung S BFI wird in diesem Fall im Qualifikati- onsverfahren anstatt der nicht vorhandenen Erfahrungsnoten an der Berufsfachschule der Qua- lifikationsbereich Berufskenntnisse doppelt gewichtet. 6.3.3 Im konkreten Fall hat die Beschwerdeführerin das Qualifikationsverfahren unbestritte- nermassen nach Art. 32 BBV absolviert. Daher verfügte sie über keine Erfahrungsnote. Ihre Gesamtnote setzte sich gemäss dem Notenausweis vom 25. Juni 2014 zusammen aus der doppelt gewerteten Note 2.7 im Qualifikationsbereich „ praktische Arbeit“ und der Note 3.8 im Qualifikationsbereich Berufskenntnisse, welche aufgrund der fehlenden Note aus dem Berufs- schulunterricht ebenfalls doppelt gewertet wurde. Vom Q ualifikationsbereich Allgemeinbildung war sie dispensiert. Diese Gewichtung der Noten entsprich t somit den gesetzlichen Vorgaben. Die Unterscheidung zwischen Lernenden in der geregelten Grundbildung und Lernenden nach Art. 32 BBV stützt sich auf einen sachlichen Grund, inde m anstatt der bei Letzteren nicht vor- handenen Erfahrungsnote eine andere Note stärker in die Bewertung einfliesst. Eine Verletzung des Rechtsgleichheitsgebots ist nicht gegeben. 7.1 Zuletzt rügt die Beschwerdeführerin eine ungerech te inhaltliche Bewertung des schrift- lichen und des mündlichen Teils der Abschlussprüfung im Qualifikationsbereich Berufskenntnis- se und der praktischen Arbeit. Zu diesem Zweck bringt sie detailliert vor, in welchen Punkten sie aus welchem Grund hätte besser bewertet werden sollen und welche Bewertungen sie nicht nachvollziehen könne. 7.2 Nach dem Gesagten auferlegt sich das Kantonsgericht b ei der Überprüfung von Exa- mensleistungen Zurückhaltung und schreitet erst ein, wen n der Entscheid der Behörde auf sachfremden oder sonst wie ganz offensichtlich unhaltbaren Erwägungen beruht (vgl. E. 3.1 ff.). Der schriftliche Teil der Abschlussprüfung im Qualifikation sbereich Berufskenntnisse besteht aus vier Prüfungsteilen mit jeweiliger Notenskala und B ewertung der einzelnen Aufgaben zu Theoriefragen aus dem Berufsfeld Betreuung. Es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin verschiedene Aufgaben nicht präzise genug beantwortet h at. Sie hat an verschiedenen Stellen verallgemeinernde und oberflächliche Antworten gegebe n, an denen weitere Beschreibungen oder Erklärungen gefordert worden waren. Die Bewertung der Prüfungsleistung erscheint daher nachvollziehbar. Im mündlichen Teil der Abschlussprüfung i m Qualifikationsbereich Berufs- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht kenntnisse mussten die Absolventinnen und Absolventen anhand eines gewählten Themas eine Praxissituation schildern und analysieren, ihre Handlungen in dieser Situation begründen und vertiefende Fragen zum Fachwissen beantworten. Bewertet wurde etwa, ob theoretisches Wis- sen in die Analyse einbezogen wurde oder ob Begriffe und Fachausdrücke zum Thema pas- send, vertieft erklärt wurden. Gemäss den Prüfenden ha be die Beschwerdeführerin beispiels- weise das theoretische Wissen nicht eindeutig nachvollziehb ar einbezogen und es seien keine theoretischen Erläuterungen vorgenommen worden, wesweg en diese Kriterien jeweils mit null Punkten bewertet wurden. Im Rahmen der praktischen Arb eit wurden verschiedene berufliche Alltagssituationen anhand vorgegebener Leistungsziele d urch das Expertenteam bewertet. Es liegt in der Natur der Sache, dass die nachträgliche Üb erprüfung von mündlichen Prüfungen und Prüfungssituationen (wie die hier erwähnten beruf lichen Alltagssituationen im Rahmen der praktischen Arbeit) nur schwer möglich ist, da das überprü fende Organ in der jeweiligen Situa- tion nicht zugegen war. Die gewählten Kriterien und Leistungsziele sind für das vorliegende Berufsbild wichtig und die Kritikpunkte bei der vorliege nden Prüfungsbewertung nachvollzieh- bar. Eine willkürliche oder sachfremde Bewertung der P rüfungsleistungen ist nicht ersichtlich. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde. 8. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Ge- mäss dem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen und mit dem geleistet en Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu verrechnen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.