B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1067/2019 U r t e i l v o m 2 2 . M ä r z 2 0 1 9 Besetzung Einzelrichterin Christa Luterbacher, mit Zustimmung von Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiberin Tina Zumbühl. Parteien A._______, geboren am (…), Somalia, vertreten durch Matthias Rysler, Solidaritätsnetz Bern, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 21. Januar 2019 / N (…). E-1067/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – somalischer Staatsangehöriger – verliess eige- nen Angaben zufolge am (…) Dezember 2015 seinen Heimatstaat. Er sei mit einem türkischen Visum von B._______ nach Istanbul geflogen und habe sich ein paar Tage in der Türkei aufgehalten, bevor er mit dem Boot nach Griechenland gereist sei. Über Mazedonien, Serbien und ihm unbe- kannte Länder sei er schliesslich am 25. April 2016 in die Schweiz gelangt und suchte gleichentags im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) Chiasso um Asyl nach. B. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 26. Mai 2016 sowie der Anhörung vom 24. August 2018 trug er im Wesentlichen folgenden Sach- verhalt vor: Der Beschwerdeführer sei am (…) in B._______, Somalia, geboren und gehöre dem Clan (...), welcher zur Clanfamilie (…) gehöre, an. Er habe in B._______ die Schule bis zur 8. Klasse besucht, habe diese jedoch nach Ausbruch des Bürgerkrieges abgebrochen. Danach sei er in Somalia ver- schiedenen Arbeitstätigkeiten nachgegangen. Von 1998 bis 2000 und von 2007 bis 2014 habe er in [arab. Land] gearbeitet. Aufgrund illegalen Auf- enthaltes sei er zwei Mal nach Somalia ausgeschafft worden. Nach seiner Rückkehr nach Somalia im Jahr 2014 habe er zusammen mit seiner zwei- ten Ehefrau und der gemeinsamen Tochter C._______, sowie einer Tochter aus erster Ehe namens D._______, bei einem Onkel im Ort E._______ gelebt. Er sei kein er Arbeit nachgegangen, s ein in [Europa] wohnhafter Bruder habe ihm Geld geschickt. Ende des 11. Monats 2014 habe seine Tochter aus erster Ehe , damals knapp (…) Jahre alt, draussen mit Nachbarsmädchen gespielt. Dabei sei sie von Mitgliedern der Al-Shabaab entführt worden. Diese hätten den Be- schwerdeführer angerufen und ihm mitgeteilt, dass seine Tochter sich in ihrer Obhut befi nde und sie den Beschwerdeführer treffen müssten. Sie hätten sich ausserhalb des Dorfes verabredet und ihm sei mitgeteilt wor- den, man wolle seine Tochter verheiraten. Da der Beschwerdeführer dies nicht gebilligt habe , sei er verprügelt worden. Der Beschwerdeführer sei bewusstlos geworden und die Al-Shabaab hätten sich zusammen mit der Tochter entfernt. Er habe daraufhin nichts mehr vo n ihr gehört. Aus Angst vor der Al-Shabaab habe er E._______ verlassen und sei mit seiner zwei-E-1067/2019 Seite 3 ten Frau und der gemeinsamen Tochter C._______ nach B._______ gezo- gen. Etwa ein Jahr später habe ein Mann ihn angerufen und ihm vorgewor- fen, seiner Tochter D._______ zur Flucht verholfen zu haben. Der Be- schwerdeführer habe dies verneint und sei daraufhin mit dem Tode bedroht worden. Kurz darauf seien er und seine Familie zu Hause von der Al - Shabaab angegriffen worden. Man habe auf sie geschossen und die Ehe- frau des Beschwerdeführers sei dabei verletzt worden. Nachbarn seien zur Hilfe geeilt und die Frau des Beschwerdeführers sei in ein Spital gebracht worden, während der Beschwerdeführer und seine Tochter C._______ zu seinem Bruder geflüchtet seien. Dieser und der in [Europa] wohnhafte Bru- der hätten ihm sodann geholfen, seine Ausreise zu organisieren. Seine Frau und die gemeinsame Tochter C._______ seien in Somalia ge- blieben, da sie nicht genügend Geld für die Ausreise aller gehabt hätten. Seit seiner Ausreise werde nun seine Ehefrau in Somalia von der Al - Shabaab bedroht. Der Beschwerdeführer reichte im erstinstanzlichen Verfahren seine soma- lische Identitätskarte zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 21. Januar 2019 (eröffnet am 30. Januar 2019) stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung an. Der Wegweisungsvollzug wurde dagegen wegen Unzum utbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben. D. Diese Verfügung liess der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 1. März 2019 (Poststempel) durch seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwal- tungsgericht an fechten und beantragte, der Beschwerdeführer se i als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl in der Schweiz zu gewähren; eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu- weisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Zu Stützung der Beschwerdevorbringen wurden Passkopien der Ehefrau und der Tochter C._______ des Beschwerdeführers, eine Kopie eines ke- nianisches Visums (Einreise in Kenia am 12. September 2018) und ein Entscheid des SEM über die Ableh nung e ines humanitären Visums der Ehefrau, eine Stellungnahme des Beschwerdeführers zu seiner Befragung E-1067/2019 Seite 4 zur Person sowie zwei Arztberichte der Universitären Psychiatrischen Dienste (…) eingereicht. Ausserdem wurde eine Fürsorgeabhängigkeits- bestätigung beigelegt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än- derung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-E-1067/2019 Seite 5 ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die F lüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. Zur Begründung des ablehnenden Entscheids führte das SEM im Wesent- lichen aus, der Beschwerdeführer habe sich in zentralen Punkten wider- sprochen und seine Schilderungen seien substanzlos ausgefallen. So wür- den in Bezug auf die Entführung seiner Tochter Ungereimtheiten bestehen. In der BzP habe er gesagt, seine Tochter nach der Entführung überall ge- sucht und nach zwei Tagen einen Anruf der Entführer erhalten zu haben. In der Anhörung habe er hingegen angegeben, er habe die Entführung erst bemerkt, als die Entführer ihn gleichentags angerufen hätten. Auch zu den Ereignissen, nachdem seiner Tochter die Flucht aus den Fängen der Al - Shabaab gelungen sei, habe er widersprüchliche Angaben gemacht. In der BzP habe er gesagt, seine Tochter sei nach ihrer Flucht zu ihrer Mutter, der ersten Ehefrau des Beschwerdeführers, gegangen. Wohingegen er in der Anhörung angegeben habe, er wisse nicht wo sich die Tochter D._______ E-1067/2019 Seite 6 nach der Flucht aufgehalten habe. Ausserdem habe er zunächst angege- ben, er sei nach dem Angriff der Al-Shabaab in B._______ zusammen mit seiner Frau aus dem Fenster geflohen. Später habe er gesagt, seine Frau sei verletzt im Bett liegen geblieben und habe das Haus nicht verlassen können. Auf die Widersprüche angesprochen, habe er keine nachvollzieh- baren Erklärungen geben können. Hinzukommend seien seine Angaben pauschal und substanzlos ohne Realkennzeichen ausgefallen. Namentlich das angebliche Treffen mit der Al-Shabaab in E._______ und den Überfall in B._______ habe er nicht substantiiert schildern können. Die Vorbringen seien folglich als unglaubhaft einzustufen und er erfülle die Flüchtlingsei- genschaft nicht, so dass sein Asylgesuch abzulehnen sei. 6. In der Beschwerde wurde im Wesentlichen vorgebracht, die Vorbringen seien glaubhaft und in den Aussagen des Beschwerdeführers liessen sich Realkennzeichen erkennen. Er habe die Verfolgung detailliert schildern können und sie erscheine durchaus plausibel. Zudem habe er präzise An- gaben zu seiner Person, seiner Biographie, seinen familiären Verhältnis- sen und seinem Gesundheitszustand zu Protokoll gegeben. Ausserdem seien seine Verletzungen, die er durch die Angriffe der Al-Shabaab erlitten habe, aktenkundig, welche zwar den konkreten Tathergang nicht bezeugen könnten, aber für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen sprechen würden. Die unterschiedlichen Aussagen in der BzP und der Anhörung könne sich der Beschwerdeführer nicht erklären. Er habe die in der BzP protokollierte n, und den Vorbringen in der Anhörung widersprechende n, Aussagen nicht gemacht. Die Rückübersetzung sei nur summarisch erfolgt und es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass er die Aussagen Satz für Satz auf ihre Rich- tigkeit hätte überprüfen müssen. Deswegen nehme der Beschwerdeführer in einer der Beschwerdeschrift angehängten Stellungnahme erneut Stel- lung zu den Missverständnissen. Des Weiteren wird angeführt, die Ehefrau sei mit der gemeinsamen Tochter C._______ mittlerweile aufgrund der anhaltenden Bedrohungen durch die Al-Shabaab nach Kenia geflohen. Sie habe ein humanitäres Visum für die Schweiz beantragt, welches abgelehnt worden sei. Sie sei im Visumsver- fahren von einer Mitarbeiterin des Solidaritätsnetzes Bern unterstützt wor- den. Die Begründung für die Einreichung des humanitären Visums wurde in der Beschwerdeschrift wiedergegeben. Im Wesentlichen entspreche die Sachverhaltsdarstellung der Ehefrau den Vorbringen des Beschwerdefüh- rers. E-1067/2019 Seite 7 Insgesamt könne festgestellt werden, dass die Gründe, welche für die Glaubhaftigkeit der Fluchtgründe sprächen, gegenüber den Ungereimthei- ten, welche gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen sprächen, überwie- gen würden. 7. 7.1 Wie nachfolgend aufgezeigt, vermögen die Ausführungen in der Be- schwerde indessen keine Änderung der angefochtenen Verfügung herbei- zuführen. Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich im Ergebnis den vorinstanzlichen Erwägungen an u nd erachtet die Vorbringen des Be- schwerdeführers als nicht glaubhaft. 7.2 Die Glaubhaftigkeit der Vorbringen der asylsuchenden Person wird in erster Linie aufgrund verschiedener Indizien beurteilt (den Realkennzei- chen: insbesondere Substantiiertheit und Plausibilität der Aussagen, innere und äussere Widersprüche der Aussagen sowie die innere Logik der Aus- sagen). Für die Prüfung der Glaubhaftigkeit bestimmter Aussagen ist eine Gesamtwürdigung aller Aspekte des Einzelfalles notwendig (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 und BVGE 2010/57 E. 2.3). Es ist eine Abwägung zwischen den für oder gegen die Glaubwürdigkeit sprechenden Argumenten und In- dizien vorzunehmen (EMARK 1993/11 E.4b). 7.3 Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer vorgetragenen Ereignisse, wel- che ihn zur Ausreise veranlasst haben sollen, namentlich die Entführung der Tochter und die Angriffe der Al -Shabaab, ist in Übereinstimmung mit den vorinstanzlichen Erwägungen deren Unglaubhaftigkeit zu bestätigen. Das SEM hat die Verfügung zwar eher knapp begründet, im Ergebnis je- doch korrekt aufgezeigt, weshalb am Wahrheitsgehalt dieser Vorbringen Zweifel bestehen und inwieweit sich der Beschwerdeführer diesbezüglich in den Befragungen zu wenig konkret und unplausibel geäussert hat. Auch ist der vorinstanzlichen Argumentation, der Beschwerdeführer habe sich in wesentlichen Punkten widersprochen, zuzustimmen. Das Gericht teilt zwar die Einschätzung der Vorinstanz nicht, dass die Aussagen des Beschwer- deführers durchwegs unsubstantiiert seien. Er hat seine Vorbringen aus- führlich dargelegt. I n mehreren zentralen Punkten finden sich indessen ausschlaggebende krasse und unerklärt gebliebene Widersprüche. Der Beschwerdeführer konnte die Entführung seiner Tochter nicht nach- vollziehbar und widerspruchsfrei darlegen. Die Ausführungen zum Zeit- punkt, wann er gemerkt habe, dass seine Tochter D._______ entführt wor- den sei, sowie auch das Treffen mit der Al -Shabaab unmittelbar nach der Entführung weisen mehrere Widersprüche auf. Diese lassen sich weder E-1067/2019 Seite 8 auf Nachfrage in der Anhörung (A31, F89 -F91) noch in der Beschwerde- schrift nachvollziehbar auflösen. Insbesondere überzeugt es nicht, dass an der BzP angeblich „2 Tage“ anstatt „2 Stunden“ falsch protokolliert worden sei, wie in der Stellungnahme des Beschwerdeführers im Anhang zur Be- schwerde moniert wird. Dies passt nicht in den protokollierten Ablauf der BzP (A13, F 7.01). Der Vorinstanz ist zudem beizustimmen, dass der Be- schwerdeführer das Treffen mit der Al -Shabaab nicht detailliert schildern konnte und nur wenige Realkennzeichen ersichtlich sind (A31, F29, F32 - F34, F45-47). Auch das Vorbringen, seiner Tochter D._______ sei etwa ein Jahr später die Flucht aus den Fängen der Al-Shabaab gelungen, und deshalb sei der Beschwerdeführer von dieser verfolgt worden, wie auch der Angriff der Al- Shabaab in B._______, fielen widersprüchlich aus. Einerseits konnte er nicht nachvollziehbar angeben, wohin seine Tochter nach der Flucht ge- gangen sei und wo sie sich seither befinde (A13, F3.01, F7.01, F7.02, A31, F22, F57, F58, F93-F95). Andererseits fiel auch der Angriff der Al-Shabaab auf die Familie des Beschwerdeführers, als sich diese zu Hause befunden hätten, widersprüchlich und wenig detailliert aus. So gab er in der BzP an, er sei während des Angriffs der Al-Shabaab zusammen mit seiner Frau aus dem Fenster geflohen (A13, F7.01). In der Anhörung sagte er hingegen, seine Frau sei verletzt auf dem Bett liegen geblieben (A31, F23, F49 -54, F92). Die genannten W idersprüche beziehen sich auf die zentralen Ele- mente der Asylvorbringen und müssen als krass bezeichnet werden. Die diesbezüglichen Erklärungen in der Beschwerdebegründung sind nicht nachvollziehbar. Der Einwand, die BzP sei ihm nicht Wort für Wort rück- übersetzt worden, was die widersprü chlichen Angaben erklären würde , überzeugt das Gericht nicht. In der BzP finden sich keine Hinweise, dass diese nicht gemäss den gesetzlichen Anforderungen und der gängigen Praxis rückübersetzt worden wäre. Ausserdem bestätigte der Beschwer- deführer in der BzP , dass er den Dolmetscher sehr gut verstanden habe und unterzeichnete, dass ihm das Protokoll rückübersetzt worden ist (A13, S. 9). Auch die beigelegte Stellungnahme, in welcher der Beschwerdefüh- rer zu den unterschiedlichen Aussagen Stellung nimmt, vermag die Unge- reimtheiten nicht plausibel aufzulösen, da grösstenteils die Aussagen der Anhörung widerholt werden. D ie Tatsache, dass sich wie in der Be- schwerde aufgezeigt, in vereinzelten Antworten Realkennzeich en erken- nen lassen, genügt indes nicht, um insgesamt die Glaubhaftigkeit der Vor- bringen anzunehmen. E-1067/2019 Seite 9 7.4 Die in der Beschwerde festgehaltene Sachverhaltszusammenfassung der Fluchtgründe der Ehefrau verm ag auch zu keinem anderen Schluss führen. Es wird lediglich aufgezeigt, dass die Ehefrau in ihrem Gesuch um ein humanitäres Visum, vertreten durch die selbe Organisation wie der Be- schwerdeführer, die selben Vorbringen wie der Beschwerdeführer geltend macht. Die Glaubhaftigkeit der schriftlichen Eingabe kann jedoch nicht überprüft werden und allein der Umstand, dass die Ehefrau und die Tochter das Land ebenfalls verlassen haben, vermag die Fluchtgründe des Be- schwerdeführers nicht glaubhaft zu machen. In der Beschwerdeschrift wird zudem ein Beleg für die Schussverletzung der Ehefrau in Aussicht gestellt. Ein solcher Beleg ist jedoch nicht geeignet, um einen konkreten Tathergang beziehungsweise die Ursache der Schuss- wunde und die Täterschaft erkenntlich zu machen, weshalb darauf verzich- tet werden kann, diesen Beleg abzuwarten. Auch die weiteren mit der Be- schwerdeschrift eingereichten Unterlagen, namentlich die Arztberichte und Dokumente bezüglich des humanitären Visum s, lassen keinen anderen Schluss zu. Aus dem Arztbericht betreffend den Beschwerdeführer vom 9. März 2018 wird ersichtlich, dass er bei der Anamnese einen ähnlichen Sachverhalt wie in seinem Asylverfahren zu Protokoll gab. Dabei handelt es sich jedoch um Aussagen des Beschwerdeführers, die vom Arzt wieder- gegeben werden, die allerdings nur sehr knapp ausfielen: „Eine Tochter aus der ersten Ehe sei von der Al -Shabaab Miliz entführt und verheiratet worden, von diesem Überfall habe er (…)- und (…)verletzungen erlitten, welche noch heute zu Beschwerden führen würden “ (Arztbericht vom 9. März 2018, S. 3). Dass der Beschwerdeführer auch seinem Arzt gegenüber von Problemen mit der Al-Shabaab gesprochen hat, kann zwar ein Indiz, welches für die Glaubhaftigkeit spricht, darstellen. Unter Gesamtwürdigung der Aussagen des Beschwerdeführers vermag dies in casu die Glaubhaf- tigkeit seiner Vorbringen jedoch nicht zu begründen. Hinsichtlich seines Gesundheitszustands gehen keine Hinweise hervor, welche die Aussage- fähigkeit des Beschwerdeführers beeinträchtigt haben könnten. 7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass d ie Vorbringen de s Be- schwerdeführers nicht geglaubt werden können . Dem Beschwerdeführer ist es im Rahmen seines Asylverfahrens nicht gelungen, eine flüchtlings- rechtlich relevante Verfolgungssituation nachzuweisen oder als überwie- gend wahrscheinlich darzulegen. E-1067/2019 Seite 10 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf E rteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 9.2 Nachdem der Beschwerdeführer wegen der generellen Gefährdung aufgrund der Sicherheitslage in Mittel - und Südsomalia vom SEM infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufge- nommen wurde, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der weiteren Vo- raussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung – Un- zulässigkeit und Unmöglichkeit – heute nicht, da diese Vollzugshindernisse alternativer Natur sind: Ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen waren, womit die kumulativen Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht er- füllt sind. E-1067/2019 Seite 11 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.- festzu- setzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-1067/2019 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Tina Zumbühl