B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6186/2013 U r t e i l v o m 1 5 . N o v e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter François Badoud; Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. Parteien A._______, geboren am (…), und deren Kind B._______, geboren am (…), Nigeria, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. Oktober 2013 / N (…). E-6186/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin A._______ hat gemäss eigenen Angaben im (…) 2011 Italien per Schiff erreicht und in Bari ein Asylgesuch eingereicht, wo sie daraufhin zusammen mit einem jungen nigerianischen Mann in ei- nem verlassenen Haus gelebt habe. Am 10. November 2011 sei sie mit dem Zug in die Schweiz eingereist und suchte gleichentags um Asyl nach. Am 16. November 2011 wurde sie im Empfangs - und Verfahrens- zentrum (EVZ) in Chiasso summarisch zu ihrer Person, ihrem Reis eweg und ihren Asylgründen befragt. Dabei gab sie zu Protokoll, dass sie schwanger sei. Mit Verfügung vom 2. Dezember 2011 trat das BFM g e- stützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein, w ies die Beschwerd e- führerin nach Italien weg und ordnete den Vollzug dieser Wegweisung an. Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-6751/2011 vom 20. Dezember 2011 ab. A.b Am 25. März 2012 brachte die Beschwerdeführerin i hren Sohn B._______ zur Welt. Nachdem die Überstellung nach Italien wegen renitentem Verhalten der Beschwerdeführerin (A30) nicht innerhalb der vorgesehenen Frist durch- geführt werden konnte, ging die Zuständigkeit für die Durchführung des Asylverfahrens auf die Schweiz über, weshalb das BFM mit Verfügung vom 11. Juni 2012 seine Verfügung vom 2. Dezember 2011 aufhob und das nationale Asylverfahren aufnahm. B. Am 27. August 2013 fand eine eingehende Anhörung statt. Dabei gab die Beschwerdeführerin im Wesentlichen zu Protokoll, dass sie verwünscht sei, da ihre Mutter nach ihrer Geburt nur noch Fehlgeburten erlitten habe. Als Kind sei sie deswegen an eine n Schamanen übergeben worden. Von einem seiner Mitarbeiter sei sie indes befreit und bei ihm aufgenommen worden. Als der Schamane von ihrem Aufenthaltsort erfahren habe, sei sie nach Lagos umgezogen. C. Mit Verfügung vom 18. Oktober 2013 – eröffnet am 25. Oktober 2013 – trat das BFM auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG), wies sie und ihr Kind aus der Schweiz weg E-6186/2013 Seite 3 und ordnete den Vollzug dieser Wegweisung an. Es begründete seinen Entscheid im Wesentlichen damit, dass die Vorbringen als nicht nachvol l- ziehbar und stereotyp zu bezeichnen, mithin als unglaubhaft zu qualifizie- ren seien. Es würden keine entschuldbaren Gründe vorliegen, die es ihr verunmöglichen würden, Reise - oder Identitätspapiere einzureichen. Zu- sätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses seien auf grund der Aktenlage nicht erforderlich. Auf Details dieser Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. D. Am 1. November 2013 erhoben die Beschwerdeführenden Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die Verfügung vom 18. Oktober 2013 sei aufzuheben und die Sache sei zwecks neuer En t- scheidfindung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Des Weiteren s ei auf die Asylgesuche einzutreten, die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und den Beschwerdeführenden Asyl zu gewähren. Eventualiter sei en Voll- zugshindernisse festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh- ren und auf einen Kostenvorschuss zu verzichten. Diese Rechtsmitteleingabe wurde im Wesentlichen damit begründet, dass die Beschwerdeführerin nie Papiere besessen habe, weswegen sie auch keine beschaffen könne. Ferner habe si e nicht lange die Schule besucht und habe in Nigeria ein schwieriges Leben gehabt. Sie fühle sich unve r- standen. Da sie in Nigeria als Hexe misshandelt worden sei, sei ihr Asyl zu gewähren. Auf Details dieser Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. In der Folge wurde eine Unterstützungsbestätigung des Sozialdienstes Asyl der Stadt Winterthur vom 4. November 2013 nachgereicht. E-6186/2013 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bzw. Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Ar t. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die B e- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli- cher Zuständigkeit mit Zus timmung eines zweiten Richters bzw. einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nac hstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der B e- schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. E-6186/2013 Seite 5 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründet heit zu überprüfen (Art. 32-35a AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdei n- stanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5 m.w.H.). Im Falle des Nichteintretens auf ein Asylgesuch gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG ist indessen im Rahmen einer summarischen Prüfung über das Nichtbestehen der Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden, weshalb im diesbezüglichen Beschwerdeverfahren ung e- achtet der vorzunehmenden Überprüfung eines formellen Nichteintr e- tensentscheides auch die Flüchtlingseigenschaft Prozessgegenstand bi l- det. Bezüglich der Wegweisung und des Vollzuges ist die Beurteilung s- kompetenz nicht beschränkt, da die Vorinstanz diese materiell geprüft hat (vgl. BVGE 2007/8). 4. 4.1 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn Asylsuchende den Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise - oder Identitätspapiere abgeben. Keine Anwendung findet diese Bestimmung, wenn Asylsuche n- de glaubhaft machen können, dass sie aus entschuldbaren Gründen nicht in der Lage sind, inn erhalb von 48 Stunden nach Einreichung des G e- suchs Reise - oder Identitätspapiere abzugeben (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), wenn aufgrund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und Art. 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst . b AsylG) oder wenn sich aufgrund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses nötig sind (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG). 4.2 Die Beschwerdeführerin hat bei der Einrei chung ihres Asylgesuchs vom 10. November 2011 im EVZ in (…) keine Reise- oder Identitätspapie- re abgegeben. Auch in den anschliessenden 48 Stunden hat sie keine solche Dokumente eingereicht. Damit ist die Nichtabgabe von Reise - und Identitätspapiere innert 48 Stunden ab Einreichung des Asylgesuchs als Grundtatbestand für die Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG g e- geben. 4.3 Weiter soll geklärt werden, ob die Beschwerdeführerin dafür ent- schuldbare Gründe glaubhaft machen kann (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG). E-6186/2013 Seite 6 4.3.1 Das BFM führt in seiner Verfügung vom 18. Oktober 2013 aus, ihr Vorbringen – sie hätte in Nigeria nie irgendwelche Ausweise gehabt – sei als nicht nachvollziehbar und stereotype Behauptung zu bezeichnen. Sie habe bis heute keine Bemühungen Richtung Papierb eschaffung in die Wege geleitet. Ihre Erklärung, sie wisse nicht, wie vorzugehen sei, könne nicht standhalten. Es entziehe sich ferner einer plausiblen Erklärung, wenn sie in unglaubhafter Weise behaupte, nicht einmal ihren Reiseweg zu kennen. Folglich wür den keine entschuldbaren Gründe vorliegen, die es der Beschwerdeführerin verunmöglichen würden, Reise - oder Identi- tätspapiere einzureichen. Die se hielt demgegenüber in ihrer Rechtsmi t- teleingabe daran fest, nie solche Papiere besessen zu haben und des- wegen auch keine beschaffen zu können. 4.3.2 Die Beschwerdeführerin wurde mittels eines Formulars (A7) ers t- mals bei Gesuchseinreichung auf ihre Pflicht hingewiesen, Reise - oder Identitätsdokumente zu beschaffen. An der Befragung vom 16. November 2011 wurde sie ein zwe ites Mal darauf aufmerksam gemacht, indes hielt sie fest, sie hätte nie irgendwelche Ausweise besessen; auch habe sie keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie (A8 S. 6). Als sie ein drittes Mal im Rahmen der Anhörung vom 27. August 2013 auf ihre Obliegenheit ver- wiesen wurde, wiederholte sie ihre Aussagen und erklärte, sie wisse nicht, wie sie dafür vorgehen müsse (A17 S. 2 f.). In der Tat wirken diese Erklärungen nicht plausibel und realitätsfremd. Die Erwägungen des BFM sind daher zu schützen, dass keine entsc huldbaren Gründe für das Nichteinreichen von Identitätspapieren vorliegen, zumal die Beschwerde- führerin in den letzten zwei Jahren, die sie hier in der Schweiz verbrachte, nicht den geringsten Ansatz einer Bemühung, die verlangten Dokumente zu beschaffen, oder ihre Identität auf eine andere Weise glaubhaft zu ma- chen, gezeigt hat. Es ist nicht glaubhaft, dass sie in Nigeria weder einen Identitätsausweis besass noch über keine sozialen Beziehungen mehr verfügt, zumal sie seit ihrer Kindheit in Lagos wohnhaft gewesen sein will (vgl. A 8 S. 4). 4.4 Gemäss Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG soll geprüft werden, ob aufgrund der Anhörung die Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird. 4.4.1 Das BFM bewertete die Vorbringen der Beschwerdeführerin als vö l- lig unglaubhaft, da sie namentl ich unsubstantiiert und widersprüchlich seien. Weder sei sie in der Lage gewesen, irgend einen zeitlichen A n- satzpunkt für ihre Schilderungen zu nennen, noch habe sie den Namen des Mitarbeiters des Schamanen oder der Person in Lagos gewusst, bei E-6186/2013 Seite 7 welchen sie über Jahre gelebt habe. Auch sei nicht nachvollziehbar, dass der Assistent des Schamanen die Beschwerdeführerin einmal sexuell missbraucht habe (A8 S. 7), ein ander Mal sei es der einzige Mensch g e- wesen, der gut zu ihr gewesen sei (A17 S. 13). Folglich er fülle die B e- schwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht (Art. 7 AsylG). 4.4.2 Das Gericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin während der Befragung und der Anhörung nicht in der Lage war, stichhaltige Hinweise auf das von ihr geschilderte Leben in Ni geria wiederzugeben. Um Wi e- derholungen zu vermeiden wird auf die zutreffenden Erwägungen der a n- gefochtenen Verfügung des BFM verwiesen. Das Bundesamt hat die Flüchtlingseigenschaft somit zu Recht verneint, zusätzlich e Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder eines Wegweisungsvol l- zugshindernisses waren nicht vorzunehmen. 4.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht g e- stützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf die Asylgesuche der Bes chwer- deführenden nicht eingetreten ist. 5. Tritt das Bundesamt auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Re- gel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es b e- rücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine auslände r- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigste ns glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). E-6186/2013 Seite 8 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegensteh en (Art. 83 Abs. 3 AuG). 6.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum S chutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Pr inzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden nach Nigeria ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass beide für den Fall einer Ausschaffung nach Nigeria dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschi e- bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Be-E-6186/2013 Seite 9 schwerde Nr. 37201/06, § 124 ff. m.w.H. ). Auch die allgemeine Me n- schenrechtssituation in Nigeria lässt den Wegweisungsvollzug zum heuti- gen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach de m Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der vö l- kerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.3.1 In Nigeria herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt. Die B e- schwerdeführerin machte ferner keine individuellen Gründe geltend, we l- che auf eine konkrete Gefährdung schliessen liessen. Sie leidet gemäss den Akten unter keinen ernsthaften Krankheiten und hat bis zu ih rer Aus- reise ihr gesamtes Leben in Nigeria verbracht. Dem Gericht ist es im Ü b- rigen nicht möglich, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und familiären Verhältnisse der Beschwerdeführerin zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu äussern, da sie bis heute keine Identitätspapi e- re abgegeben hat und ihre Angaben über ihr soziales Umfeld unglaubhaft erscheinen. 6.3.2 Überdies vermag unter dem Aspekt des Kindeswohls ( Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes [KRK, SR 0.107]) nichts zugunsten der Beschwerdeführerin und ihres heute 19 Monate alten Sohnes abgeleitet werden, welcher aufgrund sei- nes Alters noch sehr von seiner Mutter abhängig ist und zusammen mit ihr in ihr Heimatland zurückkehren wird. Nach dem Gesagte n erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 6.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerde führenden, sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegw eisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). E-6186/2013 Seite 10 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist ( Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist abzuweisen. 8. Die Beschwerdeführenden ersuchten um Gewährun g der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin von der Beza h- lung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund obiger Erwägungen ist die ein- gereichte Beschwerde als aussichtslos zu erachten, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG – auch bei ausgewiesener Bedürftigkeit – abzuweisen ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf in s- gesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist d as Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) E-6186/2013 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Die ser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu- gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe Versand: