<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 280</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">280</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>67</b></span> <span class="ft1"><b>Berufskosten; Autokosten (§ 35 Abs. 1 lit. a StG)</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Ist die Zurücklegung des Arbeitsweges mit den öffentlichen Verkehrs-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>mitteln nicht zumutbar, werden als Autokosten grundsätzlich bloss die</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Aufwendungen für die kürzeste Strecke berücksichtigt. Nur ausnahms-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>weise wird auf die tatsächlich gefahrene Strecke abgestellt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Steuerrekursgerichtes vom 22. September 2011 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen O. + F.M. (3-RV.2010.213).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">4.3.</span><br/> <span class="ft4">4.3.1.</span><br/> <span class="ft4">Der Steuerpflichtige hat in der Regel nur Anspruch auf den Ab-</span><br/> <span class="ft4">zug der Kosten des kürzesten Arbeitsweges. Mehrauslagen werden</span><br/> <span class="ft4">toleriert, wenn es aus steuerrechtlicher Sicht für die Erzielung des</span><br/> <span class="ft4">Erwerbseinkommens begründet erscheint, die Umwegstrecke der</span><br/> <span class="ft4">kürzesten, aber zeitaufwändigeren Fahrtstrecke vorzuziehen</span><br/> <span class="ft4">(VGE vom 2. März 2006 in Sachen V. + R.D. [WBE.2005.105], mit</span><br/> <span class="ft4">Hinweis; vgl. auch StE 2003 B 22.3 Nr. 76, mit Hinweisen; Bun-</span><br/> <span class="ft4">desgerichtsurteil vom 26. Oktober 2004 [2A.224/2004]; AGVE 1987</span><br/> <span class="ft4">S. 376; RGE vom 11. Oktober 2006 in Sachen J. + K.S.; Kommentar</span><br/> <span class="ft4">zum Aargauer Steuergesetz, 3. Auflage, Muri-Bern 2009, § 34 StG</span><br/> <span class="ft4">N 9 ff.).</span><br/> <span class="ft4">Das Verwaltungsgericht hat im Entscheid vom 1. November</span><br/> <span class="ft4">1995 in Sachen R.F. (BE.94.00303) betreffend Berechnung der ab-</span><br/> <span class="ft4">zugsfähigen Fahrtkosten Folgendes ausgeführt:</span><br/> <span class="ft2">"4. c) Ob die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel nicht zumut-</span><br/> <span class="ft2">bar ist und deshalb die höheren Abzüge für ein Privatauto beansprucht</span><br/> <span class="ft2">werden können, hängt insbesondere von der erzielten Zeitersparnis ab (...).</span><br/> <span class="ft2">Das gleiche Kriterium ist auch für die hier streitige Frage der Anerkennung</span><br/> <span class="ft2">eines Umwegs anzuwenden. So ist die Abzugsfähigkeit von Mehrkosten auf</span><br/> <span class="ft2">jeden Fall ausgeschlossen, wenn der gefahrene Umweg auf die Befriedi-</span><br/> <span class="ft2">gung individueller Lebensgewohnheiten zurückzuführen ist oder mehr der</span><br/> <span class="ft2">Bequemlichkeit dient; auch ausserfiskalische Motive (Umweltschutz, stär-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">281</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2">kere Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer etc.) genügen nicht (...). Damit</span><br/> <span class="ft2">für die Berechnung auf einen Umweg abgestellt wird, muss dieser vielmehr</span><br/> <span class="ft2">eine massgebliche Zeitersparnis bewirken. (...). Es können nicht einfach der</span><br/> <span class="ft2">kürzeste Weg und der gefahrene Umweg einander gegenübergestellt wer-</span><br/> <span class="ft2">den, vielmehr müssen vier Grössen, nämlich der kürzeste Weg, die effektiv</span><br/> <span class="ft2">gefahrene Strecke, die damit erzielte Zeitersparnis und die Gesamtfahrzeit</span><br/> <span class="ft2">zueinander in Beziehung gesetzt werden, wobei bei der Beurteilung nicht</span><br/> <span class="ft2">auf fixe Verhältniszahlen abgestellt werden kann, sondern eine Wertung er-</span><br/> <span class="ft2">forderlich ist. So ist bei geringer Zeitersparnis auch ein Mehraufwand von</span><br/> <span class="ft2">weniger als 10 % nicht abzugsfähig; andererseits kann unter besondern</span><br/> <span class="ft2">Umständen ein Mehraufwand von über 10 % abzugsfähig sein, wenn die</span><br/> <span class="ft2">Zeitersparnis beachtlich ist und dem Steuerpflichtigen objektiv eine andere</span><br/> <span class="ft2">Routenwahl als die tatsächlich gefahrene Strecke nicht zugemutet werden</span><br/> <span class="ft2">kann."</span><br/> <span class="ft4">4.3.2.</span><br/> <span class="ft4">Das Verwaltungsgericht hatte im zitierten Entscheid vom</span><br/> <span class="ft4">1. November 1995 in Sachen R.F. (BE.94.00303) einerseits einen</span><br/> <span class="ft4">Umweg von 4,3 % im Verhältnis zu einer Zeitersparnis von 50 %</span><br/> <span class="ft4">(entsprechend 70 Minuten pro Tag) und andererseits einen Umweg</span><br/> <span class="ft4">von 30 % im Verhältnis zu einer Zeitersparnis von 40 % (ent-</span><br/> <span class="ft4">sprechend 80 Minuten pro Tag) zu beurteilen. Im VGE vom 2. März</span><br/> <span class="ft4">2006 in Sachen V. + R.D. (WBE.2005.105) standen sich ein Umweg</span><br/> <span class="ft4">von 16 % und eine Zeitersparnis von 33 % (entsprechend 50 Minuten</span><br/> <span class="ft4">pro Tag) gegenüber. In diesen Entscheiden war der Umweg mit</span><br/> <span class="ft4">4,3 % bzw. 30 % bzw. 16 % quotal wesentlich kleiner als die Zeiter-</span><br/> <span class="ft4">sparnis von 50 % bzw. 40 % bzw. 33 %, womit den Steuerpflichtigen</span><br/> <span class="ft4">nicht zumutbar war, die kürzeste, aber zeitaufwändigere Fahrtstrecke</span><br/> <span class="ft4">der Umwegstrecke vorzuziehen. Auch das Steuerrekursgericht hat</span><br/> <span class="ft4">gestützt auf die verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung bei einer</span><br/> <span class="ft4">Zeitersparnis von 45.6 %, was 104 Minuten pro Tag entsprach, einen</span><br/> <span class="ft4">Umweg von 32.1 % akzeptiert (RGE vom 24. April 2008 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">U.A.). Verneint wurde hingegen der Abzug der Kosten für die Zu-</span><br/> <span class="ft4">rücklegung der schnellsten Route bei einem Umweg von 46.7 %, der</span><br/> <span class="ft4">zu einer Zeitersparnis von 41.5 % (entsprechend 58 Minuten pro</span><br/> <span class="ft4">Tag) geführt hatte (RGE vom 20. August 2009 in Sachen C. + R.M.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">282</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">4.3.3.</span><br/> <span class="ft4">Es ergibt sich somit, dass in Analogie zur Rechtsprechung be-</span><br/> <span class="ft4">treffend die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel für den Ar-</span><br/> <span class="ft4">beitsweg (AGVE 2009 S. 144; VGE vom 23. Januar 2008 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">R.H. [WBE.2007.304]; RGE vom 20. September 2007 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">C.S.; je mit Hinweisen) die Kosten für die schnellste Route zum Ab-</span><br/> <span class="ft4">zug gebracht werden können, wenn aufgrund der in Erw. 4.3.1 zi-</span><br/> <span class="ft4">tierten vier Kriterien die Zurücklegung der kürzesten Strecke nicht</span><br/> <span class="ft4">zumutbar ist (RGE vom 24. April 2008 in Sachen U.A.). Insbeson-</span><br/> <span class="ft4">dere hat der Umweg in Prozentpunkten eindeutig kleiner zu sein als</span><br/> <span class="ft4">die erzielte Zeitersparnis. Zudem wird ein Umweg von über 10 %</span><br/> <span class="ft4">nur gewährt, wenn spezielle Umstände - beispielsweise eine beacht-</span><br/> <span class="ft4">liche Zeitersparnis oder die Pflicht, innert kürzester Zeit am Ar-</span><br/> <span class="ft4">beitsplatz einzutreffen - vorliegen.</span><br/> <span class="ft4">4.4.</span><br/> <span class="ft4">4.4.1.</span><br/> <span class="ft4">Die kürzeste Route zwischen der Wohn- und Arbeitsstätte der</span><br/> <span class="ft4">Rekurrentin beträgt gemäss dem Programm "TwixRoute" 49.4 Kilo-</span><br/> <span class="ft4">meter und dauert 94</span> <span class="ft4">Minuten; pro Tag 98.8</span> <span class="ft4">Kilometer und</span><br/> <span class="ft4">188 Minuten.</span><br/> <span class="ft4">4.4.2.</span><br/> <span class="ft4">Die schnellste Route (via Autobahn) beträgt gemäss dem Pro-</span><br/> <span class="ft4">gramm "TwixRoute" 67.9 Kilometer und dauert 65 Minuten; pro Tag</span><br/> <span class="ft4">135.8 Kilometer und 130 Minuten.</span><br/> <span class="ft4">4.4.3.</span><br/> <span class="ft4">Der Weg über die schnellste, aber längere Route (plus 37.4 %)</span><br/> <span class="ft4">führt damit zu einer Zeitersparnis von 58 Minuten pro Tag (minus</span><br/> <span class="ft4">30.9 %). Die Rekurrenten machen hingegen eine "Mehrzeit gegen-</span><br/> <span class="ft4">über der schnellsten Route von 45.31 %" geltend. Auf diesen Pro-</span><br/> <span class="ft4">zentsatz kann indes nicht abgestellt werden, da gemäss der darge-</span><br/> <span class="ft4">legten Rechtsprechung die Zeitersparnis bei Zurücklegung der</span><br/> <span class="ft4">schnellsten Route im Vergleich zur Zurücklegung der kürzesten Rou-</span><br/> <span class="ft4">te (und nicht die Mehrzeit bei Zurücklegung der kürzesten Route im</span><br/> <span class="ft4">Vergleich zur Zurücklegung der schnellsten Route) zu berechnen ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">283</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">4.4.4.</span><br/> <span class="ft4">Die vorliegend ermittelte (unter einer Stunde liegende) Zeiter-</span><br/> <span class="ft4">sparnis pro Tag bildet entgegen der Auffassung der Rekurrenten</span><br/> <span class="ft4">grundsätzlich keinen Grund, die Autokosten für die Umwegstrecke</span><br/> <span class="ft4">zu gewähren (RGE vom 20. August 2009 in Sachen C. + R.M., mit</span><br/> <span class="ft4">Hinweis). Weiter ist der von der Rekurrentin beantragte Umweg von</span><br/> <span class="ft4">37.4 % in Prozentpunkten deutlich höher als die erzielte Zeiterspar-</span><br/> <span class="ft4">nis von 30.9 %. Der vorliegende Sachverhalt unterscheidet sich</span><br/> <span class="ft4">damit wesentlich von denjenigen Fällen, in denen die Kosten für die</span><br/> <span class="ft4">Zurücklegung der schnellsten Route gewährt wurden bzw. ist direkt</span><br/> <span class="ft4">vergleichbar mit dem RGE vom 20. August 2009 in Sachen C. +</span><br/> <span class="ft4">R.M., in welchem ein entsprechender Anspruch verneint wurde</span><br/> <span class="ft4">(Erw. 4.3.1). Selbst unter Berücksichtigung einer täglichen Fahrt-</span><br/> <span class="ft4">dauer von 188 Minuten ist die geltend gemachte längere Fahrtstrecke</span><br/> <span class="ft4">aus steuerrechtlicher Sicht für die Erzielung des Erwerbseinkom-</span><br/> <span class="ft4">mens der Rekurrentin nicht begründet. Die resultierenden Mehr-</span><br/> <span class="ft4">kosten sind den privaten Lebenshaltungskosten zuzurechnen.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>