Steuerrekursgericht des Kantons Zürich 2. Abteilung 2 ST.2010.27 Entscheid 17. Mai 2011 Mitwirkend: Abteilungspräsident Christian Mäder, Steuerrichterin Micheline Roth, Steuerrichter Marcus Thalmann und Gerichtsschreiberin Barbara Müller In Sachen A, Rekurrent, gegen S t a at Z üri c h, Rekursgegner, vertreten durch das kant. Steueramt, Division Stadt Zürich, Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich, betreffend Steuerhoheit (ab 1.01.2008) - 2 - 2 ST.2010.27 hat sich ergeben: A. A (nachfolgend der Pflichtige), geboren 19.., ist seit dem 3. Januar 19.. (Un- terbruch 31. August 19.. bis 1. Juni 19..) in der Stadt B als Wochenaufenthalter gemel- det. Auf Er suchen des Steueramts der Stadt B füllte der Pflichtige am 25. März 2008 den "Fragebogen zur Feststellung des st euerrechtlichen Wohnsitzes" aus. Am 4. August 2008 führte das Steueramt der B sodann im selben Zusammenhang eine persönliche Befragung des Pflichtigen durch. Nachdem das Steueramt der Stadt B einen entsprechenden Antrag beim kan- tonalen Steueramt gestellt hatte, erliess dieses am 23. Februar 2009 einen Voren t- scheid über die Beanspruchung der Steuerhoheit. B. Mit Schreiben vom 10. März 2009 (Datum Poststempel) erhob der Pflichtige Einsprache gegen diesen Entscheid und beantragte sinngemäss, es sei auf die Bea n- spruchung der Steuerhoheit zu verzichten. Am 22. Oktober 2009 erliess das kantonale Steueramt eine Beweisauflage, welche der Pflichtige am 19. November 2009 bean t- wortete. Dabei reichte er die folgenden Unterlagen ein:  C  Kreditkartenabrechnungen UBS Visa Card Classic  Kreditkartenabrechnungen Master Card Gold  9 Monatsrechnungen der cablecom GmbH für Telefon und Internet  2 Rechnungen ewz für die Zeit vom 31.05.2007 bis 03.06.2009 Das kantonale Steueramt wies die Einsprache am 6. Januar 2010 ab. C. Mit Eingabe an die Steuerrekurskommission vom 2 7./28. Januar 2010 e r- klärte der Pflichtige, er sei mit dem Einspracheentscheid nicht einverstanden. Die Steuerrekurskommission ersuchte den Pflicht igen angesichts des unklaren Rekurswi l- lens um eine Erklärung, ob die Eingabe vom 2 7./28. Januar 2010 als Rekurs zu b e-- 3 - 2 ST.2010.27 trachten sei. Der Pflichtige teilte im Schreiben vom 11. Februar 2010 mit, dass er R e- kurs erheben wolle, falls dies keine Kostenfolgen für ihn nach sich ziehe. Die Steuerre- kurskommission ersuchte den Pflichtigen am 15. Februar 2010 um eine unb edingte Erklärung hinsichtlich seines Rekurswillens, worauf der Pflichtige im Schreiben vom 23. Februar 2010 bestätigte, dass er Rekurs erheben wolle un d die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung beantrage. In der Rekursantwort vom 23. März 201 0 schloss das kantonale Steueramt auf Abweisung des Rekurses. Im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Prozessführung er- suchte die Steuerrekurskommission den Pflichtigen mit Verfügung vom 26. März 2010 um nähere Angaben zu seinen Einkommens- und Vermögensverhältnissen. Der Pflich- tige reichte in der Fo lge verschiedene Unterlagen ein . Am 22. April 2010 hielt sie den Pflichtigen zu weiteren Bewe isleistungen und Auskünften an . Der Pflichtige nahm schliesslich am 26. Mai 2010 (Datum Poststempel) ein weiteres Mal zur Sache Ste l- lung. Mit Verfügung vom 1. Juni 2010 wies der Präsident der Steuerrekurskommi s- sion II das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ab. Auf die Beschwerde, welche der Pflichtige am 17. Juni 2010 gegen diese Verfügung erhob, trat das Verwaltungsg e- richt mit Beschluss vom 17. November 2010 nicht ein. Die Kammer zieht in Erwägung: 1. D ie bisherigen Steuerrekurskommissionen wurden per 1. Januar 2011 in das Steuerrekursgericht umgewandelt (vgl. §§ 112 - 118a und §§ 147 - 153 des Steu- ergesetzes in der alten und neuen Fassung vom 8. Juni 1997 bzw. 13. September 2010, StG). Das vorliegende, noch bei der Steuerrekurskommission II eingegangene Geschäft ist als Folge dieser Änderung der 2. Kammer des Steuerrekursgerichts zug e- teilt worden und wird unter der Geschäftsnummer 2 ST.2010.27 weitergeführt. - 4 - 2 ST.2010.27 2. a) Gemäss Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (StHG) sowie § 3 Abs. 1 StG sind natürliche Personen im Kanton Zürich aufgrund persönlicher Z u- gehörigkeit steuerpflichtig, wenn sie ihren steuerrechtlichen Wohn sitz oder Aufenthalt im Kanton haben. Der steuerrechtliche Wohnsitz befindet sich laut Art. 3 Abs. 2 StHG und § 3 Abs. 2 StG dort, wo die Person sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. In diesem Fall ist die Steuerpflicht kraft § 5 Abs. 1 StG u nbeschränkt, d.h. sie erstreckt sich grundsätzlich auf das gesamte Einkommen und Vermögen des Steue r- pflichtigen. b) Aufgabe des interkantonalen Steuerrechts ist es, die Kollision von konku r- rierenden Besteuerungsansprüchen zweier oder mehrerer Kantone zu vermeiden. Eine solche Kollision besteht namentlich dann, wenn zwei Kantone die unbeschränkte Steu- erhoheit über dieselbe Person während der nämlichen Steuerperiode beanspruchen. Dies kommt häufig dann vor, wenn sowohl der Arbeitsortkanton, in welchem eine na- türliche Person während der Woche übernachtet, als auch der Kanton des zivilrechtl i- chen Wohnorts, in welchen sie am Wochenende zurückkehrt, zur unbeschränkten B e- steuerung schreiten. Art. 3 StHG enthält eine Regel zur Schlichtung eines solchen Streits. D iese bestimmt, dass sich das Hauptsteuerdomizil an jenem Ort befindet, in welchem sich die Person mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält, wobei der steuerrechtliche Wohnsitz dem qualifizierten Aufenthalt (im Sinn von Art. 3 Abs. 1 Halbsatz 2 StHG) vorgeht (Bauer-Balmelli/Nyffenegger, in: Kommentar zum Schweize- rischen Steuerrecht, Band I/1, 2. A., 2002, Art. 3 N 11 StHG). Dergestalt liegt eine bun- desrechtliche Kollisionsnorm zum interkantonalen Steuerrecht vor (a.M.: Bauer - Balmelli/Nyffenegger, Art. 3 N 15; Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, 4. A., 2000, S. 16 f.). Somit bildet Art. 3 Abs. 1 und 2 StHG die Grundlage für die Abgrenzung der unbeschränkten Steuerhoheit. Die langjährige bundesgerichtliche Rechtsprechung, welche sich gestützt auf Art. 46 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 (aBV) sowie später Art. 127 Abs. 3 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) entwickelt hat, dient weiterhin als Auslegungshilfe. Jedoch vermag sie nur insoweit zu greifen, als sie nicht der erwähnten StHG-Norm widerspricht (so auch Höhn/Mäusli, S. 17). c) Nach Art. 68 Abs. 1 StHG (in der ab 1. Januar 2001 gültigen Fassung) b e- steht die Steuerpflicht aufgrund persönlicher Zugehörigkeit bei Wechsel des steue r- rechtlichen Wohnsitzes innerhalb der Schweiz fü r die laufende Steuerperiode im Ka n- ton, in welchem der Steuerpflichtige am Ende dieser Periode wohnt. Mithin kommt es - 5 - 2 ST.2010.27 für die Bestimmung des steuerrechtlichen Wohnsitzes im interkantonalen Verhältnis auf die tatsächlichen Umstände am Ende der jeweiligen Steuerperiode an. d) Nach der massgeblichen Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Do p- pelbesteuerungsverbot gemäss Art. 127 Abs. 3 BV bzw. Art. 46 Abs. 2 aBV steht die Besteuerung des Einkommens und beweglichen Vermögens unselbstständig erwe r- bender Personen dem Kanton zu, in welchem sie ihren Wohnsitz haben. Unter Woh n- sitz ist dabei in der Regel der zivilrechtliche Wohnsitz zu verstehen, d.h. der Ort, an welchem sich die Person in der Absicht dauernden Verbleibens aufhält (Art. 23 Abs. 1 ZGB; so auch Art. 3 Abs. 2 StHG und § 3 Abs. 2 StG), wo sich der Mittelpunkt der L e- bensinteressen befindet (BGr, 25. Januar 2006, 2P.171/2005, E. 2.2; 17. Juni 2004, 2P.180/2003, E. 2.1; 7. Januar 2004, 2P.2/2003, E. 2.2; BGE 123 I 289, E. 2a, 293; StR 1994, 580 ff.; ASA 63, 836). Dem polizeilichen Domizil, wo die Schriften hinterlegt sind und die politischen Rechte ausgeübt werden, kommt dagegen keine entscheide n- de Bedeutung zu. Beides sind bloss äussere Merkmale, die ein Indiz für den steuer - rechtlichen Wohnsitz bilden können, wenn auch das übrige Verhalten der Person dafür spricht (BGE 125 I 54 E. 2; StE 1998 A 24.21 Nr. 11 E. 2a, mit Hinweisen). e) Hält sich eine Person abwechslungsweise an zwei oder mehreren Orten auf, namentlich wenn Arbeits - und sonstiger Aufenthaltsor t auseinander fallen, ist für die Bestimmung des Steuerwohnsitzes darauf abzustellen, zu welchem Ort die Person die stärkeren Beziehungen unterhält (BGE 125 I 54, E. 2). Der Lebensmittelpunkt bestimmt sich dabei nach der Gesamtheit der äusseren Umstände, aus denen sich die Lebensinteressen erkennen lassen, und nicht bloss nach den erklärten Wünschen der steuerpflichtigen Person (BGE 125 I 54, E. 2; 123 I 289, E. 2b). Auf die gefühlsmässige Bevorzugung eines Ortes kommt es nicht an; der steuerliche Wohnsitz ist nicht ung e- achtet der tatsächlichen Verhältnisse frei wählbar (BGE 123 I 289, E. 2b; 113 Ia 465, E. 3). Die Frage, zu welchem Aufenthaltsort der Steuerpflichtige die stärkeren Bezi e- hungen unterhält, ist jeweils aufgrund der Gesamtheit der Umstände des Einzelfalls zu beurteilen (BGr, 7. Januar 2004, 2P.2/2003, E. 2.2; StE 1998 A 24.21 Nr. 11 E. 2b, mit Hinweisen). Bei der Bestimmung des Steuerdomizils kann neben den Verhältnissen in der Bemessungsperiode auf die weiteren, bis zum letztinstanzlichen Ents cheid einge- tretenen Entwicklungen abgestellt werden (BGr, 1. Oktober 1996, 2P.242/1994, E. 1b). f) Bei unverheirateten Steuerpflichtigen, die unselbstständig erwerbstätig sind, liegt das Steuerdomizil gewöhnlich am Arbeitsort, genauer am Ort, von wo aus sie für - 6 - 2 ST.2010.27 längere oder unbestimmte Zeit der täglichen Erwer bstätigkeit nachgehen (BGr, 20. Januar 1994 = StE 1994 A 24.21 Nr. 7 = ASA 63, 836; BGE 125 I 54, E. 2b, auch zum Folgenden). Denn der Zweck des Erwerbs für den Lebensunterhalt ist dauernder Natur. Eine Ausnahme besteht dann, wenn sie regelmässig an den Familienort zurück- kehren und ihre persönlichen und gesellschaftlichen Beziehungen zum Familienort diejenigen zum Arbeitsort klar überwiegen. Das Bundesgericht nimmt dabei an, dass die beruflichen Inter essen nicht über die affektiven Beziehungen gestellt werden dü r- fen. Daran vermöge, so das Gericht, der Umstand, dass eine Person ledig sei, nichts zu ändern. Als Familienort gilt auch der Wohnort der elterlichen Familie und der G e- schwister (BGr, 28. April 2005, 2P.260/2004). Die Kontakte müssen sich aber auf einen bestimmten Ort beziehen; es genügt nicht, dass die Beziehungen zu einer ganzen R e- gion bestehen, mit der sich der Steuerpflichtige verbunden fühlt (StRK II, 8. September 2004, 2 ST.2004.381). Werde n am Wochenende und in der Freizeit Beziehungen zu mehreren Orten gepflegt, ist eher anzunehmen, dass der Wochenaufenthaltsort der Lebensmittelpunkt und damit der steuerrechtliche Wohnsitz ist. g) Generell ist gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechun g nur mit Z u- rückhaltung anzunehmen, die Beziehungen zum Familien - bzw. Wochenendaufen t- haltsort seien stärker als diejenigen zum Arbeitsort. Sinn und Zweck der direkten Ste u- ern ist es, die allgemeinen Leistungen abzugelten, die das Gemeinwesen für seine Mitglieder erbringt. Der ledige Steuerpflichtige ohne Familie beansprucht die öffentliche Infrastruktur und die Leistungen des Gemeinwesens stärker am Ort, an dem er seiner Erwerbstätigkeit nachgeht und sich demzufolge mehrheitlich aufhält, als am Ort, wo er seine Freizeit verbringt. Dementsprechend sind bei ledigen Steuerpflichtigen auch die weiteren Erfo r- dernisse für einen Wohnsitz am Ort, wo sie die Wochenenden verbringen, namentlich hinsichtlich der regelmässigen Rückkehr, besonder s streng zu handhaben ( BGr, 25. Januar 2006, 2P.171/2005, E. 2.2, auch zum Folgenden). Von ganz besonderem Gewicht sind die Dauer der Anstellung am Arbeitsort und das Alter des Steuerpflicht i- gen. Mit Berücksichtigung der Dauer des Aufenthalts am Arbeitsort trägt das Bunde s- gericht dem Umstand Rechnung, dass sich mit dessen zunehmender Dauer die Bi n- dungen zur Familie erfahrungsgemäss lockern, während sich diejenigen zum Arbeitsort verdichten (BGr, 26. Januar 1994 = StE 1994 A 24.21 Nr. 7 = ASA 63, 836, auch zum Folgenden). Die stän dige regelmässige Rückkehr an den elterlichen Wohnort vermag deshalb nach einer gewissen Dauer des Aufenthalts am Arbeitsort das Steuerdomizil - 7 - 2 ST.2010.27 am Ort der Familie nicht mehr ohne weiteres zu begründen, wenn nicht weitere U m- stände schlüssig darauf hinweisen, dass die Beziehungen zum Familienort diejeni gen zum Arbeitsort überwiegen. 3. a) In einer schriftlichen Befragun g am 10. Februar 2005 erklärte der Pflich- tige, seine Wochenenden und Freizeit oft bi s immer in der Gemeinde D , wo er aufg e- wachsen sei, zu v erbringen. Er unterhalte dort Beziehungen zu seinen Eltern, G e- schwistern und anderen Personen. In B pflege er einen Freundes- und Bekanntenkreis. Ebenfalls drückte er die Absicht aus, (nur) vorübergehend in B zu bleiben, da er vorha- be, sich später im Kanton E selbstständig zu machen. b) In einer schriftlichen Befrag ung vom 25. März 2008 erklärte der Pflichtige, dass er sich während seiner Freitage sehr oft im Kanton E aufhalte. Auf die (vom Pflichtigen wohl falsch verstandene) Frage, weshalb er seinen bisherigen Wohnsitz beibehalten wolle, erklärte er, dass er inn erhalb einer Stunde am F sein müsse. Über seine Absicht der Dauer des Verbleibs in B erklärte er, dass beruflich bedingt eventuell ein Umzug nötig sei. Die Wochenenden und die Freizeit verbring e er wöchentlich an seinem Wohnort. Am Wohnort unterhalte er Beziehungen zu seinen Eltern, Geschwi s- tern und Freunden sowie zu seiner Lebenspartnerin. Mit B verbinde ihn sein Beruf. In B wohne er alleine in einer teilmöblierten 1.5 -Zimmer-Mietwohnung. An seinem Wohnort lebe er bei seinen Eltern oder Verwandten, bei Dritten oder bei anderen Personen. c) Anlässlich einer mündlichen Befragung am 4. August 2008 gab der Pflichti- ge zu Protokoll, dass ihm in D in der 4 -Zimmerwohnung seiner Eltern ein Zimmer zur Verfügung stehe. Er bezahle dafür einen Unkostenbeitrag. Einen Telefonanschluss habe er do rt nicht. Bevor er an die … strasse gezogen sei, habe er an der …strasse gewohnt, ebenfalls in einer 1.5 -Zimmerwohnung. In B unterhalte er wenig Kontakt zu Bekannten und Freunden. Die Freizeit in B verbringe er zu Hause. Er be suche in B keine gesellschaftlichen Anlässe. Im Durchschnitt verbringe er 2 -3 Wochenenden pro Monat in D. Für die Rückkehr benutze er jeweils sein Au to. Er sei in D aufgewachsen. Seine Eltern wohnten dort, sein Bruder in G und seine Schwester in H. Eine feste Part- nerbeziehung habe er nicht. Ebenfalls gehe er keiner Vereinstätigkeit nach und bekle i- de keine öffentlichen Ämter. - 8 - 2 ST.2010.27 d) In der Einsprache machte der Pflichtige geltend, aufgrund seiner I-Tätigkeit sei er weltweit unterwegs. Es gebe keinen Ort, wo sich sein Lebensmittelpunkt befinde. Wenn er nach J freie Tage habe, so nutze er diese sehr gerne, um bei seinen Eltern zu sein, die auf dem Land wohnten. Er könne sich dort besser erholen. Seine Wohnung in B benutze er als Schlafstelle. Für ein soziales Le ben in B fehle ihm schlichtweg die Zeit. Er gehe nicht aus und aufgrund seines jetzigen Berufes habe er fast keine nahen Bezugspersonen in B. Hingegen unterhalte er in D noch immer viele Kontakte z u ehe- maligen Schulkollegen und Jugendfreunden habe. Auch sein Bruder und dessen Freundin lebten immer noch im Kanton E. Seit Kurzem habe er auch wieder eine Be- ziehung im Kanton E. Sodann ha be sein Vater bereits zwei "Herzanfälle" erlitten und es gehe ihm n icht gut. Er wolle so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen und seine Mutter brauche ebenfalls Unterstützung. Seine Wohnung in B sei zwar mit eigenen Möbeln eingerichtet. Dabei handle es sich aber zu einem grossen Teil um Möbel aus dem Brockenhaus oder aus seinem Jugendzimmer. Es seien rein zweckmässige M ö- bel. Er lebe in einer sehr kleinen Wohnung und brauche auch keine grösse re, da er wirklich nur in B sei, wenn er arbeite. Sein Lebensmittelpunkt befinde sich dort, wo sein Herz sei und dies sei und blei be bei seinen Eltern, seinem Bruder und seinen Freu n- den, allesamt wohnhaft im Kanton E. e) Ergänzend brachte der Pflichtige in der Rekursschrift vor, während seiner Abwesenheit übernachteten Arbeitskollegen in seiner Wohnung. Auch die Nachbarin verbringe Zeit mit seiner Katze in der Wohnung. Dies erkläre den Stromverbrauch. Was den Internet-Anschluss betreffe, so sei zu beachten, dass ein Vertragspaket güns- tiger sei als der Abschluss verschiedener Verträge. Er könne s odann nicht alle Telef o- nate von seinen Eltern aus führen, da er sie finanziell nicht belasten wolle. Während er in B ein Zimmer benutze, stünden ihm in der Wohnung der Eltern ein eigenes Zimmer und zusätzlich ein Wohnzimmer zur Mitbenützung zur Verfügung. Da er keine Agenda führe, könne er keine lückenlose Auskunft über seinen jeweiligen Aufenthaltsort im Jahr 2008 liefern. 4. a) Der ledige, .. Jahre alte Pflichtige hält sich – mit einem Unterbruch von Ende August 19.. bis Juni 19.. – seit Januar 19.. in der Stadt B auf. Seit Mitte Februar 19.. wohnt er alleine an der …strasse .. in B in einer 1.5-Zimmerwohnung; der monatli- che Mietzins inkl. Nebenkosten beträgt Fr. 1’023. -. Der Pflichtige verfügt in der Wo h-- 9 - 2 ST.2010.27 nung über einen Telefon -Festanschluss und eine I nternetverbindung. Seit 1. Januar 20.. arbeitet er bei der K als I mit einem monatlichen Nettolohn von rund Fr. 2'800.-. b) Die Umstände, welche die unbeschränkte Steuerhoheit über eine Person begründen, stellen eine steuerbegründende Tatsache dar und mü ssen daher vom ent- sprechenden Gemeinwesen bzw. von der zuständigen Steuerbehörde bewiesen we r- den (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steue r- gesetz, 2. A., 2006, § 3 N 83). Bei unverheirateten, unselb stständig Erwerbstätige n besteht indessen nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts eine besondere Beweislastregel: Der U m- stand, dass der unverheiratete Steuerpflichtige vom Ort aus, wo er sich während der Woche aufhält, eine unselb stständige Erwerbstätigkeit ausübt, begründet nach der Rechtsprechung die natürliche Vermutung, dass der Steuerpflichtige dort sein Steue r- domizil hat. Diese Vermutung lässt sich nur entkräften, wenn er regelmässig, minde s- tens ein Mal pro Woche oder zumindest (bei unregelmässiger Arbeitszeit) an den a r- beitsfreien Tagen, an den Ort zurückkehrt, wo seine Familie lebt, mit welcher er aus bestimmten Gründen besonders eng verbunden ist, und wo er andere persönliche und gesellschaftliche Beziehungen pflegt (BGr, 28. April 2005, 2P.260/2004; BGE 125 I 54, E. 3a; Peter Locher, Die Praxis der Bundessteuern, III. Teil: Das interkantonale Do p- pelbesteuerungsrechts, § 3, I B, 2b Nrn. 32 und 27; Martin Arnold, Der steuerrechtliche Wohnsitz natürlicher Personen im interkantonalen Verhältnis nach der neueren bu n- desgerichtlichen Rechtsprechung, ASA 68, 462 ff. ). Die Anforderungen an die Übe r- zeugungskraft der für die Kontakte zum Wochenendort geltend gemachten Umstände werden dabei mit zunehmender Dauer des Aufenthalts am Arbeitsort höher, geht doch mit zunehmender Dauer d es Wochenaufenthalts regelmässig eine Lockerung der Bi n- dungen zur elterlichen Familie einher (StE 1994 A 24.21 Nr. 7 E. 3 b). c) Vorliegend macht der Pflichtige eng e Beziehungen zu seinen Eltern ge l- tend. Was die regelmässige, wöchentliche Rückkehr bzw. die Rückkehr an den dienst- freien Tagen an den Familienort betrifft, so ersuchte das kantonale Steueramt den Pflichtigen in der Beweisauflage vom 22. Oktober 2009 um eine detaillierte Darlegung und um den entsprechenden Beweis, an welchen Tagen er sich im Jahr 2008 am "Wo- chenendort" und an anderen Orten ausserhalb des Kantons Zürich aufgehalten habe. - 10 - 2 ST.2010.27 Auf Grund von folgenden Umständen sind die Anforderungen an den Nach- weis der regelmässigen Rückkehr an den Familienort hoch anzusetzen:  In der Steuerperiode 2008 war der Pflichtige .. Jahre alt und hielt sich, mit ei- nem Unterbruch von Ende August 19.. bis Juni 19.., bereits seit Januar 19.. in der Stadt B auf.  Während er in B Alleinbenützer einer 1,5 -Zimmerwohnung war, standen ihm am Familienort nur ein Zimmer sowie ein Wohnzimmer (zur Mitbenutzung) zur Verfügung.  Der Pflichtige machte wechselnde Angaben zu einer partnerschaftlichen B e- ziehung am Familienort. Den diesbezüglichen Punkt in der Beweisauflage vom 22. Oktober 2009 ("detaillierter Beschrieb der pers önlichen und sozialen Beziehungen…") erfüllte er in seiner Eingabe vom 19. November 2009 nicht. Es ist demnach nicht von einer langjährigen, beständigen Partnerschaft mit Anknüpfungspunkt in D auszugehen.  Zur Ausst attung der Mietwohnung in B gehörten ein T elefon-Festanschluss sowie eine Internetverbindung.  Offenbar hielt sich der Pflichtige in der Wohnung in B eine Katze als Haustier. Aus den Darlegungen des Pflichtigen und aus den eingereicht en Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass der Pflichtige im Jahr 2008 regelmässig , d.h. grundsätz- lich wöchentlich, an den Familienort zurückkehrte. Mit Bezug auf die Fahrten nach D führte er aus, dass er seine Rückfahrten nicht belegen könne, da er mit dem Auto fahre und seine Benzinbezüge jeweils bar bezahle. Es erübrigt sich auch, die vom Pflichtigen angesprochenen Zeugen einzuvernehmen; dies umso mehr, als der Pflichtige selber darum ersucht, von einer Einvernahme abzu sehen. Ausserdem liesse sich aus der Mitbenutzung seiner Wohnung durch weitere Personen keine direkten Rückschlüsse auf eine wöc hentliche Rückkehr nach D ziehen. Eine regelmässige Rückkehr an den Familienort wurde vom Pflichtigen damit nicht nachgewiesen. - 11 - 2 ST.2010.27 5. a) Diese Erwägungen führen zur Abweisung des Rekurses. b) Desgleichen ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozes s- führung abzuweisen. Zur Begründung ist auf die entsprechenden Erwägungen in der Verfügung vom 1. Juni 2010 zu verweisen. Insbesondere ist darauf hinzuweisen, d ass der Pflichtige vor der Steuerrekurskommission/ dem Steuerrekursgericht nicht seine ganze Vermögenssituation offenlegte und seine Lebenshaltungskosten nur teilweise belegte. Diese Versäumnisse holte er auch in der Beschwerde an das Verwaltungsge- richt nicht nach. Die Kosten des Rekursverfahrens sind daher ausgangsgemäss dem Pflichtigen aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG). Demgemäss beschliesst die Kammer: Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird abgewiesen; und erkennt: 1. Der Rekurs wird abgewiesen. […]