<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para">{T 0/2} </div> <div class="para">1P.850/2006 /ggs </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 16. April 2007 </div> <div class="para">I. öffentlich-rechtliche Abteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Féraud, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Aeschlimann, Fonjallaz, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Steinmann. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Parteien </div> <div class="para">S.________, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwältin Maja Gehrig, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Einwohnergemeinde Teufenthal, 5723 Teufenthal, </div> <div class="para">vertreten durch den Gemeinderat, Gemeindekanzlei, 5723 Teufenthal, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Departement Volkswirtschaft und Inneres </div> <div class="para">des Kantons Aargau, Justizabteilung, </div> <div class="para">Sektion Bürgerrecht und Personenstand, Bleichemattstrasse 1, Postfach 2254, 5001 Aarau. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Einbürgerung, <span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span>, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung Teufenthal vom 24. November 2006. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sachverhalt: </div> <div class="para">A. </div> <div class="para">Der Gemeinderat von Teufenthal unterbreitete der Einwohner- und Ortsbürger-Gemeindeversammlung vom 24. November 2006 den Antrag auf Einbürgerung von S.________, bosnisch-herzegowinische Staatsangehörige, geboren 1985. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Nach unbenützter Diskussion lehnte die Gemeindeversammlung das Einbürgerungsgesuch in offener Abstimmung mit 30 Nein gegen 29 Ja ab. Dieser Entscheid ist der Gesuchstellerin am 28. November 2006 mitgeteilt worden. </div> <div class="para">B. </div> <div class="para">Gegen diesen Entscheid hat S.________ beim Bundesgericht am 22. Dezember 2006 staatsrechtliche Beschwerde erhoben. Sie rügt eine Verletzung von <span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span> mangels Begründung des negativen Einbürgerungsentscheides. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gemeinderat Teufenthal beantragt die Abweisung der Beschwerde. Das Departement Volkswirtschaft und Inneres des Kantons Aargau hat auf Vernehmlassung verzichtet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">1.1 Der angefochtene Beschluss und die staatsrechtliche Beschwerde stammen aus dem Jahre 2006. Demnach ist nach Art. 132 Abs. 1 des Bundesgerichtsgesetzes noch das Bundesgesetz über die Organisation der Bundesrechtspflege (OG) anwendbar. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der angefochtene Beschluss kann mit keinem kantonalen Rechtsmittel angefochten werden, stellt einen kantonal letztinstanzlichen Entscheid gemäss <span class="artref">Art. 86 Abs. 1 OG</span> dar und unterliegt somit direkt der staatsrechtlichen Beschwerde (vgl. § 16 Abs. 1 Satz 2 des Gesetzes über das Kantons- und Gemeindebürgerrecht [KBüG]; nicht publizierte E. 1.1 von <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=52&amp;from_date=15.04.2007&amp;to_date=04.05.2007&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-I-18%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page18">BGE 131 I 18</a>; nicht publizierte E. 1 von <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=52&amp;from_date=15.04.2007&amp;to_date=04.05.2007&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-I-196%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page196">BGE 132 I 196</a>). </div> <div class="para">1.2 Die Beschwerdeführerin macht nicht geltend, dass sie nach dem kantonalen Bürgerrechtsgesetz einen Anspruch auf Einbürgerung habe. Für die Bejahung ihrer Legitimation gemäss <span class="artref">Art. 88 OG</span> muss sie daher in unmittelbar durch die Bundesverfassung geschützten Interessen betroffen sein. </div> <div class="para">Als Partei im kantonalen Verfahren kann die Beschwerdeführerin die Verletzung von bundesverfassungsrechtlichen Verfahrensgarantien rügen, deren Missachtung eine formelle Rechtsverweigerung darstellt. Das gilt für Rügen der Verletzung des rechtlichen Gehörs gemäss <span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span> und trifft namentlich zu, wenn das gänzliche Fehlen einer Begründung des angefochtenen Entscheides beanstandet wird (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=52&amp;from_date=15.04.2007&amp;to_date=04.05.2007&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-I-217%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page217">BGE 129 I 217</a> E. 1.4 S. 222). </div> <div class="para">1.3 Auf die Beschwerde ist einzutreten. </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">2.1 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung unterliegen ablehnende Einbürgerungsentscheide der Begründungspflicht im Sinne von <span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span>. Es besteht keine feste Praxis, wie den verfassungsrechtlichen Anforderungen im Einzelnen nachzukommen ist. Verweigert eine Gemeindeversammlung entgegen dem Antrag des Gemeinderates eine Einbürgerung, wird sich die Begründung hierfür in erster Linie aus den Wortmeldungen ergeben müssen. Findet keine Diskussion statt, so fehlt es an einer Begründung, und es kann eine solche in aller Regel auch im Nachhinein nicht erstellt werden (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=52&amp;from_date=15.04.2007&amp;to_date=04.05.2007&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-I-196%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page196">BGE 132 I 196</a> E. 3.1 S. 197, mit Hinweisen). </div> <div class="para">2.2 Im vorliegenden Fall hat der Gemeinderat die Gründe für die Einbürgerung des Beschwerdeführers zuhanden der Gemeindeversammlung sehr ausführlich dargelegt. Anlässlich der Gemeindeversammlung hat der Gemeindeammann darauf hingewiesen, dass ein abschlägiger Bescheid begründet werden müsste. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In der Gemeindeversammlung wurde das Wort nicht ergriffen und es fand keinerlei Diskussion statt. Bei dieser Sachlage fehlt die von <span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span> geforderte Begründung. Die Beschwerde erweist sich daher als begründet. </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen und der Beschluss der Gemeindeversammlung Teufenthal vom 24. November 2006 aufzuheben. Die Gemeindeversammlung wird einen neuen, den verfassungsrechtlichen Anforderungen genügenden Entscheid zu treffen haben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (<span class="artref">Art. 156 OG</span>). Die Gemeinde Teufenthal hat die Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche Verfahren zu entschädigen (<span class="artref">Art. 159 OG</span>). Damit wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gegenstandslos. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Die staatsrechtliche Beschwerde wird gutgeheissen und der Beschluss der Gemeindeversammlung Teufenthal vom 24. November 2006 aufgehoben. </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Es werden keine Kosten erhoben. </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Die Gemeinde Teufenthal hat die Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 2'200.-- zu entschädigen. </div> <div class="para">4. </div> <div class="para">Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin und der Einwohnergemeinde Teufenthal sowie dem Departement Volkswirtschaft und Inneres des Kantons Aargau, Justizabteilung, Sektion Bürgerrecht und Personenstand, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para">Lausanne, 16. April 2007 </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para">Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: </div> <div class="para"> </div> </div></body></html>