Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Juli 2019 (720 19 81 / 174) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anforderungen an die Haushaltsabklärung, Schadenminderungspflicht; die statistischen Überlegungen, wie sie im Haftpflichtrecht Anwendung finden, sind bei der Bemessung der Invalidität gemäss Art. 28a Abs. 2 IVG nicht massgebend Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgnaz Jer mann, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch André M. Brunner, Advokat, Hauptstrasse 55, Postfach 136, 4450 Sissach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1977 geborene A.____ war zuletzt vom 1. August 1993 bis 31. Oktober 2016 bei der B.____ angestellt. Am 8. Oktober 2014 meldete sie sich unter Hinweis auf Rückenbe- schwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV ) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen, erwerblichen und hausha ltspezifischen Verhältnisse sowie Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) A.____ mit Verfügung vom 4. Februar 2019 in Anwendung der gemischten Bemes- sungsmethode mit einem Erwerbsanteil von 56 % und einem Haushaltsanteil von 44 % für die Zeit vom 1. Mai 2015 bis 29. Februar 2016 gestützt auf einen Invaliditätsgrad vom 100 % eine befristete ganze Rente zu. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durch Advokat André M. Brunner, am 8. März 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die Verfügung vom 4. Februar 2019 unter o/e-Kostenfolge teilweise aufzuheben und ihr nach Einholung eines korrekten Haus- haltsberichts ab 1. Januar 2018 mindestens eine Viertelsrente zuzüglich 5 % Verzugszins zuzu- sprechen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass die Verfügung vom 4. Februar 2019 auf unzureichenden medizinischen Unterlagen und ei ner ungenügenden Haushaltsabklä- rung beruhe. C. Mit Vernehmlassung vom 27. März 2019 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochte nen Verfügung vom 4. Februar 2019 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Die Beschwerdeführerin macht zunächst geltend, die IV-Stelle habe das rechtliche Ge- hör bzw. die Begründungspflicht verletzt, indem sie sich in der angefochtenen Verfügung vom 4. Februar 2019 nicht mit der Verschlechterung ihres Ges undheitszustands befasst habe, ob- wohl sie am 24. September 2018 auf die bevorstehende Operation hingewiesen habe. Sollte sich diese Rüge als begründet erweisen, kann dies zur A ufhebung des angefochtenen Ent- scheides führen, ohne dass die Angelegenheit materiell geprüft würde. Dieser Einwand ist des- halb vorab zu prüfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2009, 8C_951/2008, E. 3). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweize rischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch au f rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift (BGE 132 V 370 E. 3.1 mit zahlreichen Hin weisen). Im Rahmen des persönlichkeitsbe- zogenen Mitwirkungsrechts wird von den Behörden verlangt, dass sie die Vorbringen der vom Entscheid betroffenen Person auch tatsächlich hört, ern sthaft prüft und in ihrer Entscheidungs- findung angemessen berücksichtigt (BGE 136 I 188 E. 2.2.1 mit Hinweis). 3.3 Soweit die Versicherte auf die Abklärungspflicht d er IV-Stelle verweist, ist ihr entge- genzuhalten, dass sie ebenfalls eine Mitwirkungspflicht tri fft. Gemäss Art. 28 Abs. 2 ATSG muss, wer Versicherungsleistungen beansprucht, alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs erforderlich sind. Es wäre somit ihre Aufgabe gewesen, die IV-Stelle rechtzeitig über die am 6. Dezember 2018 durchgeführte Operation zu in formieren. In der Aktennotiz vom 24. September 2018 (act. 122) ist einzig vermerkt, dass im Dezember allenfalls ein weiterer operativer Eingriff anstehe. Weiter findet sich in der ausführlichen Stellungnahme des Rechts- vertreters vom 23. November 2018 zum Vorbescheid vom 23. Oktober 2018 (act. 127) kein Hinweis auf die damals wohl bereits terminierte Operat ion. Ausserdem ergibt sich weder aus der Telefonnotiz vom 18. Dezember 2018 (Adressänderung ; act. 129) noch aus den nachfol- genden Akten bis zum Erlass der Verfügung vom 4. Februar 2019 ein Hinweis auf eine entspre- chende Meldung der Versicherten. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass die IV- Stelle erst nach Erlass der angefochtenen Verfügung v om 4. Februar 2019 Kenntnis über den operativen Eingriff am 6. Dezember 2018 hatte, kann – entgegen der Auffassung der Be- schwerdeführerin – nicht gesagt werden, die IV-Stelle habe das rechtliche Gehör und damit formelle Verfahrensgarantien missachtet. 4.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 4.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Eine Erwerbsunfähi gkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 5.1 Die Rente wird gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 5.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 5.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B etätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 5.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sin d oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). 6.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig, teilzeitig oder als nichterwerbstätig einzustu- fen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übri gen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im G esundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwer bstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt täti- gen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, f amiliären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Bet reuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, berufliche Fähigkeiten und die Ausbildung s owie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Für die hypothetische Annah me einer im Gesundheitsfall aus- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht geübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozialversiche rungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 6.2 Vorliegend wird nicht bestritten, dass die IV-Ste lle den Invaliditätsgrad zu Recht nach der gemischten Methode berechnet hat. Aufgrund der An gaben der Beschwerdeführerin im Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit, welch er von dieser am 28. November 2017 (act. 82) unterzeichnet wurde, ging die IV-Stelle sod ann zu Recht davon aus, dass diese ohne gesundheitliche Einschränkungen im Tätigkeitsbereich Erwerbsleben im Umfang von 56°% und im Aufgabenbereich zu 44°% tätig wäre. 7.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gung arbeitsunfähig ist. 7.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 7.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen b eruht, auch die geklagten Beschwer den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 7.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwalt ungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 7.5 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Um festzustellen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest- stellungen auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen, sind sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. 8.1 Zur Beurteilung der gesundheitlichen Verhältnisse und der Arbeitsfähigkeit der Be- schwerdeführerin gab die IV-Stelle ein bidisziplinäres (rheumatologisches/psychiatrisches) Gut- achten bei Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychothe rapie, und Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, in Auftrag. Dr. C. ____ stellte in seinem Teilgutachten vom 26. Juni 2017 keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arb eitsfähigkeit fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünde eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychi- schen Faktoren (ICD-10 F45.41). Bei der Versicherten sei en die Konzentration, die Merkfähig- keit und die Gedächtnisleistungen intakt und ihre Ausf ührungen anschaulich. Das Denken sei nicht eingeschränkt. Anhaltspunkte für illusionäre Verken nungen, akustische, optische, olfakto- rische oder taktile Halluzinationen bestünden nicht. Di e Versicherte habe einen klaren und gu- ten Bezug zur Realität und zu ihrer Person und könne sich gut abgrenzen. Zwangsgedanken, Hinweise auf Zwangshandlungen, Ängste oder Phobien se ien nicht vorhanden. Hinweise auf Veränderungen der Stimmung und des Antriebs im Verla uf des Tages bestünden nicht. Das Ausmass der geklagten Beschwerden und die subjektive Übe rzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, könnten durch die somatischen Befunde nicht hi nreichend objektiviert werden, sodass eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Die Versicherte habe im Vorfeld der Schmerzstörung nicht unter psychischen Beschwerden gelitten. Psychosoziale Belastungen seien nicht vorhanden. Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne deshalb nicht gestellt werden. Vielmehr handle es sich um eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Weshalb sich die Versich erte von ihren Schmerzen mehr eingeschränkt fühle, als es den objektiven Befunde n entspreche, lasse sich psychiatrisch nicht erklären. Es sei von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen. 8.2 Dr. D.____ diagnostizierte am 27. Juni 2017 ein chronisches Schmerzsyndrom im Be- reich der rechten Hüfte und lumbal mit/bei weichteil rheumatischen Befunden im Sinne einer Trochanterbursitis rechts sowie multiplen Insertionstendin osen im Beckenkammbereich, einen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Status nach operativem Eingriff wegen Hüftdysplasie recht s, nach einer Hüfttotalendoprothese rechts am 28. Mai 2015, degenerativen Veränderungen u nd eine Skelettszintigraphie ohne Hinweise auf eine ISG-Pathologie oder eine Prothesenlockerung. Das Achsenorgan zeige einen Rundrücken mit Kopfpropulsion. Die Halswirbelsäule (HWS ) sei frei beweglich, die Brustwirbel- säule (BWS) sei allseits um 1/3, die Lendenwirbelsäule allseits um 2/3 und mit Vorbeuge- und Aufrichtschmerz eingeschränkt. Ein Hochkletterphänomen läge nicht vor. Der periphere Ge- lenkstatus sei im Bereich der Hände und der Ellbogen no rmal. Die Schultern würden aktiv rechts eine schmerzbedingte Bewegungseinschränkung, passiv h ingegen keine Einschränkung zeigen. Eine Frozen shoulder bestünde nicht. Bezüglich des rechten Arm würde sich aufgrund von Schulterschmerzen ein diffuses Giving-way bei sämtlich en Kraftmessungen zeigen. Die Hüften seien auf der rechten Seite in Rückenlage erheb lich eingeschränkt, was aber in einer Diskrepanz zum Sitzen stehe. Praktisch alle Hüftbewegung en würden einen Schmerz in der rechten Hüfte und im Trochantergebiet auslösen. Der T rochanter sei äusserst druckdolent im Sinne einer Periathropathie coxae. Atrophien im Bere ich der Beine bestünden aber nicht. Die Reflexe seien unauffällig und die Sensibilität an den Beinen normal. Die Muskelumfänge seien seitengleich. Die Knie seien normal beweglich mit eine m leichten Krepitieren und die oberen Sprunggelenke (OSG) seien frei. Im Stehen zeige sich eine wahrscheinlich schmerzbedingte Glutealinsuffizienz rechts mit einem positiven Trendelen burg-Zeigen rechts. Insgesamt läge ein chronisches Schmerzsyndrom im Bereich lumbal, im Becken s owie der Hüfte rechtsseitig vor. Gemäss MRI der Hüfte vom 2. Dezember 2015 bestünde ein e minimale Asymmetrie der mus- kulären Strukturen, hingegen keine relevante Pathologie . Die Skelettszintigraphie mit SPECT- CT vom 19. August 2016 ergebe keine pathologischen Uptakes. Anhaltspunkte für ein entzünd- liches Geschehen seien nicht festzustellen. Es seien ehebli che Diskrepanzen zwischen den subjektiven Angaben und den objektiv erhobenen Befunden vorhanden. Die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten seit dem 27. März 2014 nicht mehr zu mutbar. Körperlich mittelschwere oder schwere Arbeiten würden nicht mehr in Frage komm en. Zudem sei ab dem operativen Eingriff am 28. Mai 2015 bis Ende November 2015 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Ab Anfang Dezember 2015 seien der Versicher ten aber leichte, vorwiegend sit- zende Tätigkeiten, bei welchen sie auch kurzzeitig einm al aufstehen und herumgehen könne, ohne (vornübergebeugte) Zwangshaltungen oder repetit ives Bücken in der Hocke, kauernde oder Tätigkeiten dauernd über Kopf zu 100 % zumutbar . Ein organischer Grund für eine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit in Verweistätigkeiten sei nicht ersichtlich. 8.3 Am 8. August 2017 hielt Dr. D.____ ergänzend fest, dass das MRI der Kniegelenke vom 28. Juni 2017 keinen Einfluss auf die Beurteilung der Leistungsfähigkeit zur Folge hätten. 8.4 Am 13. Juli 2018 nahm Dr. D.____ zu den Vorbringe n des Rechtsvertreters der Be- schwerdeführerin Stellung. Er hielt fest, dass die degen erativen Befunde an der Wirbelsäule altersentsprechend seien und keine Auswirkungen auf di e Arbeitsfähigkeit hätten. Das Überge- wicht der Versicherten spiele keine Rolle. Eine eindeutige Zuordnung der Beschwerden auf das Rücken- resp. das Hüftleiden sei nicht möglich. Der von der Versicherten geschilderte Tagesab- lauf sei nicht sehr aktiv, was aber nicht zwingend auf Kr ankheitsgründe zurückzuführen sei. Eine Fremdanamnese sei vorliegend nicht erforderlich gewesen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.5 Am 2. Dezember 2018 bescheinigte Dr. med. E.____ , FMH Orthopädische Chirurgie, vom 6. Dezember 2018 bis 19. Januar 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. 9.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung vom 4. Februar 2019 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähi gkeit der Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse im bidisziplinären Gutachten der Dre s. C.____ und D.____ vom 26./27. Juni 2017. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beschwerdefü hrerin die bisherige Tätigkeit seit dem 27. März 2014 nicht mehr möglich sei und zufolge de s operativen Eingriffs am 28. Mai 2015 bis 30. November 2015 von einer vollständigen Ar beitsunfähigkeit auszugehen sei. Eine angepasste Verweistätigkeit erachtete sie aber ab Anfang Dezember 2015 zu 100 % zumutbar. 9.2 Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist trotz der K ritik der Beschwerdeführerin am Gutachten im Ergebnis nicht zu beanstanden. Wie in Erwäg ung 7.3 hiervor ausgeführt, prüft das Gericht frei, ob die verfügbaren Unterlagen ein e zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts ei nes Arztberichts ist demnach ent- scheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden i st, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge einleuchtet und seine Schlussfolgerungen begründet sind. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die E rgebnisse im bidisziplinären Gutach- ten der Dres. C.____ und D.____ vom 26./27. Juni 201 7 in Frage zu stellen oder gar davon ab- zuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten d ie rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsicht erfüllt. So weist es weder formale noch inhaltliche Mängel auf, ist – wi e dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 7.3 hiervor) – umfassend und beruht auf allsei tigen Untersuchungen. Die Versicherte wurde eingehend somatisch und psychiatrisch exploriert. Die entsprechenden, vorstehend (vgl. E. 8.1-8.4 hiervor) wiedergegebenen Darlegunge n vermögen zu überzeugen, sodass da- rauf verwiesen werden kann. 9.3 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin sind nicht g eeignet, das vorstehende Beweis- ergebnis in Frage zu stellen. Anhaltspunkte für mang elnde Objektivität des rheumatologischen Gutachters Dr. D.____ finden sich in der Expertise nicht. Soweit sie geltend macht, dass ihr aufgrund ihres Übergewichts entgegen der Auffassung von Dr. D.____ auch leichte Tätigkeiten nicht zumutbar seien, kann ihr nicht gefolgt werden. V ielmehr ist festzustellen, dass sich Dr. D.____ aufgrund einer persönlichen Untersuchung e in umfassendes Bild über die gesund- heitlichen Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit machen konnte. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass diese Beurteilung n icht lege artis erfolgt sein soll, sind we- der ersichtlich noch von der Beschwerdeführerin substantii ert dargetan. Anderslautende medi- zinische Berichte, die Zweifel an der Beurteilung von Dr . D.____ begründen würden, liegen ebenfalls nicht vor. Insgesamt lässt das Gutachten von D r. D.____ eine zuverlässige Beurtei- lung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit der Versicher ten zu, weshalb in antizipierter Beweis- würdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinwe isen) auf die beantragte zusätzliche Abklärung verzichtet werden kann. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.4 Soweit die Beschwerdeführerin gelten macht, ihr Ge sundheitszustand habe sich seit dem 6. Dezember 2018 (vorübergehend) verschlechtert, was zu berücksichtigen sei, ist ihr inso- fern beizupflichten, als der Sachverhalt massgebend ist, wie er sich bis zum Erlass der ange- fochtenen Verfügung vom 4. Februar 2019 entwickelt hat (vgl. E. 2 hiervor) und grundsätzlich auch eine bloss vorübergehende Verschlechterung des Gesun dheitszustands einen Rentenan- spruch zu begründen vermag. Vorliegend attestierte der o perierende Arzt Dr. E.____ in seinem Zeugnis vom 2. Dezember 2018 vom 6. Dezember 2018 bis 19 . Januar 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Eine weitergehende andauernde B eeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit hat die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin weder substa ntiiert begründet noch rechtsgenüg- lich nachgewiesen. Insgesamt ergeben sich aus den vorlie genden Akten keine Anhaltspunkte, um auf eine über den 19. Januar 2019 hinaus andauernde Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätige n, zu schliessen, die im Sinne von Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversich erung (IVV) vom 17. Januar 1961 zu berücksichtigen wäre. Eine anspruchsrelevante Verschlechter ung des Gesundheitszustandes ab 6. Dezember 2018 ist demnach nicht rechtsgenüglich dargetan. 10.1 Weiter ist die Ermittlung des Invaliditätsgrads im Haushaltsbereich streitig. Soweit die Beschwerdeführerin in formeller Hinsicht rügt, ihr sei der Haushaltbericht vom 11. Dezember 2017 echtzeitlich nicht zugestellt worden, ist ihr entge genzuhalten, dass sie kein entsprechen- des Gesuch um Akteneinsicht gestellt hatte. Daher bestand für die Beschwerdegegnerin in je- nem Zeitpunkt kein Anlass, ihr vor Erlass des Vorbescheids von sich aus Aktenstücke zuzustel- len. Die Beschwerdeführerin hatte dann im Rahmen des korrekt durchgeführten Vorbescheid- verfahrens Gelegenheit zur Akteneinsicht und zur Stellun gnahme, wozu sie auch Gebrach machte. Eine Missachtung von formellen Verfahrensgarantien ist nicht zu sehen. 10.2 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen V erfügung vom 4. Februar 2019 bei der Beurteilung der Einschränkung im Aufgabenbereich auf d en Abklärungsbericht Haushalt vom 11. Dezember 2017 sowie auf die ergänzenden, im Erge bnis teilweise geringfügig abweichen- den Ergänzungsberichte vom 17. April 2018 und 18. Oktober 2018. Sie ging in der Folge davon aus, dass die Versicherte bis 27. Mai 2015 eine Einschränk ung von 14,8 %, ab 28. Mai 2018 eine solche von 100 %, ab 1. Dezember 2015 eine solche von wiederum 14,8 %, ab 1. November 2017 eine solche von 21,65 % und ab 1. Ja nuar 2018 eine solche von 24,55 % aufwies. Die Beschwerdeführerin rügt unter Bezugnahme auf statistische Überlegungen, wie sie im Haftpflichtrecht Anwendung finden, und der medizini schen Abklärungsergebnisse, dass die Einschränkung in den Haushaltstätigkeiten unzutreffend e rmittelt und der zumutbare Umfang der Mithilfe des Ehemanns und der Kinder im Rahmen de r Schadenminderungspflicht zu hoch sei. 10.3 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsbere ich bedarf es im Regelfall einer Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Hinsichtlich des Beweiswertes des Abklärungsbe- richts sind – analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft vo n Arztberichten (BGE 134 V 232 E. 5.1) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Eine Haushaltsabklärung ist beweiskräftig, wenn sie durch eine qualifizierte Person erfolgt, welch e Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der Beeinträchtigungen und Behinde rungen hat, die sich aus den medizini- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen Diagnosen ergeben. Weiter sind die Angaben der ver sicherten Person zu berücksichti- gen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Die Abklärung erstreckt sich im Haushalt auch auf den zumutbaren Umfang der Mithilfe von Familienangehöri- gen, welche im Rahmen der Schadenminderungspflicht zu berücksichtigen ist. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detaill iert bezüglich der einzelnen Ein- schränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. AHI-Praxis 2003 S. 218 E. 2.3.2; Urteil d es Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sofern de r Bericht formal korrekt erstellt wurde, in das Ermessen der Abklärungsperson nur ein, wenn klar fest stellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresulta te vorliegen. Rechtsprechungsgemäss hat sich nur dann auch eine ärztliche Fachperson zur Zumutbarkeit der einzelnen Haushaltsver- richtungen zu äussern, wenn die versicherte Person ungla ubwürdige Angaben macht, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (in BGE 1 34 V 9 nicht publizierte E. 5.2.1 des Urteils des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2007, I 246/05). 10.4 Der versicherten Person sind im Rahmen der Schadenm inderungspflicht Massnahmen zuzumuten, die ein vernünftiger Mensch in der gleichen Lage ergreifen würde, wenn er keinerlei Einschränkungen zu erwarten hätte. Für die im Haushalt tätigen Versicherten bedeutet dies, dass sie Verhaltensweisen zu entwickeln haben, welche die A uswirkungen der Behinderung im hauswirtschaftlichen Bereich reduzieren und ihnen eine m öglichst vollständige und unabhängi- ge Erledigung der Haushaltsarbeiten ermöglichen. Kann die versicherte Person wegen ihrer Behinderung gewisse Haushaltsarbeiten nur noch mühsam u nd mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit eint eilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von Familienangehörigen in Anspruch nehmen. Ein invali ditätsbedingter Ausfall darf bei im Haushalt tätigen Personen nur insoweit angenommen we rden, als die Aufgaben, welche nicht mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen Entlöhnung oder durch Angehörige ver- richtet werden, denen dadurch nachgewiesenermassen ein e Erwerbseinbusse oder doch eine unverhältnismässige Belastung entsteht. Die zu berücksichtigende Mithilfe von Familienangehö- rigen geht daher bei gesundheitlicher Einschränkung we iter als ohne Gesundheitsschädigung. Geht es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist danach zu fragen, wie sich eine vernünf- tige Familiengemeinschaft einrichten würde, wenn keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären (BGE 133 V 504 E. 4.2 mit Hinweisen). 10.5.1 Der von einer qualifizierten Person erstellte Ha ushaltsbericht vom 11. Dezember 2017 und die ergänzenden Berichte vom 17. April 2018 und 18. Oktober 2018 sind ausführlich und führen in jedem Aufgabenbereich detailliert auf, we lche Verrichtungen der Versicherten noch zumutbar sind. Diese stimmen mit dem Tätigkeitsprofil der medizinischen Zumutbarkeitsbeurtei- lung nachvollziehbar überein. Die Abklärungsperson gelangte zum Schluss, dass die Versicher- te vom 23. Juli 2015 bis 27. Mai 2017 und ab 1. Dezemb er 2015 in der Haushaltsführung (Pla- nung, Organisation, Arbeitseinteilung, Kontrolle) nicht eingeschränkt sei. Bei der Ernährung und der Wohnungspflege betrage die Einschränkung maximal 30 %, beim Einkauf und den weiteren Besorgungen 0 %, bei der Wäsche- und Kleiderpflege m aximal 15 %, bei der Betreuung von Familienangehörigen 20 % und im Bereich "Verschieden es" 10 %. Gemäss den Angaben der Versicherten sei sie trotz ihrer Beschwerden in der Lage, Essen zuzubereiten, Reinigungsarbei- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten auf Brusthöhe durchzuführen, sporadisch einen Kleine inkauf zu tätigen, administrative Tä- tigkeiten sowie Botengänge zu erledigen, die Wäsche zu falten und zu versorgen sowie sich mit den Kindern zu beschäftigen. Klar feststellbare Fehlbeu rteilungen der Abklärungsperson oder Hinweise darauf, dass im Abklärungsbericht die Angaben d er Beschwerdeführerin nicht zutref- fend wiedergegeben worden wären, sind aufgrund der v orliegenden Unterlagen nicht erstellt und werden von der Beschwerdeführerin auch nicht fundie rt dargetan. Die Rüge, wonach ihre Aussage gegenüber Dr. C.____, dass sie im Haushalt nur noch wenig machen könne (vgl. S. 17 des Gutachtens vom 26. Juni 2017), in einem Widerspruch zur Beurteilung im Haus- haltsbericht stehe, überzeugt nicht. So gibt sie selbst an , zu kochen, wenn der Ehemann nicht zu Hause sei, die Einkäufe zusammen mit ihrem Ehemann zu erledigen und mit den Kindern auf den Spielplatz sowie ins Schwimmbad zu gehen (vgl. Gutachten von Dr. C.____ vom 26. Juni 2017, S. 17; Gutachten von Dr. D.____ vom 27. Juni 2017, S. 20 f.). Soweit sie unter Hinweis auf das medizinische Zumutbarkeitsprofil die Beu rteilung der Leistungsfähigkeit in den einzelnen Bereichen in Frage stellt, ist zu beachten, d ass sich eine gesundheitliche Beeinträch- tigung oft in viel geringerem Ausmass auf die Erledigu ng der Hausarbeiten auswirkt als auf die Teilerwerbstätigkeit, so dass im Aufgabenbereich häufig ein tieferer Invaliditätsgrad als im er- werblichen Bereich resultiert (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2016, 9C_565/2015, E. 4.3). Unter Berücksichtigung, dass es der Beschwerdef ührerin zumutbar ist, auch kurzzeitig einmal aufzustehen und herumzugehen, erscheint die Haush altsabklärung bezüglich der ein- zelnen Einschränkungen der Beschwerdeführerin im Aufgabe nbereich plausibel, weshalb da- rauf abgestellt werden kann. 10.5.2 Zu prüfen bleibt, ob dem erwerbstätigen Ehema nn aufgrund seiner beruflichen Belas- tung und den Kindern die zusätzliche Arbeit im Haushal t zumutbar ist. Dabei fällt zunächst ins Gewicht, dass sich die Beschwerdeführerin und ihr Eheman n aufgrund der wechselnden Schichttätigkeit unbestritten bereits vor Eintritt des G esundheitsschadens in sämtlichen Berei- chen des Aufgabenbereichs gegenseitig unterstützten. Dem nach darf von einer gemeinsamen Haushaltsführung ausgegangen werden, wobei die Versic herte nur anteilsmässig belastet wird. In Berücksichtigung dieser gelebten Wirklichkeit sowie de r im Rahmen der Schadenminde- rungspflicht gebotenen und zumutbaren Mithilfe Famil ienangehöriger, die weitergeht als die ohne Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung (vgl. E. 9.2 hiervor), kann vorliegend nicht von einer unverhältnismässigen Bel astung des Ehemanns ausgegangen werden. Vielmehr erscheint sie mit seiner Berufstätigk eit vereinbar zu sein. Eine durch die ver- mehrte Mithilfe im Haushalt resultierende Erwerbseinbusse ist nicht erstellt. Auch die Tatsache, dass eine Haushaltshilfe beigezogen wurde, vermag an de r Beweiskraft der Haushaltsabklä- rung nichts zu ändern. Jedenfalls ergibt sich aus den vorl iegenden Abklärungsberichten oder den relevanten medizinischen Unterlagen nicht, dass Dritthilfe erforderlich wäre. Soweit sich die Beschwerdeführerin auf den Entscheid des Bundesgerichts vom 18. September 2008, 9C_446/2008, beruft und geltend macht, eine zusätzliche Unterstützung durch den vollschichtig erwerbstätigen Ehemann sei bis zehneinhalb Stunden pro Woche zumutbar, kann ihr nicht ge- folgt werden. Zwar ist ihr insofern beizupflichten, als in den Abklärungsberichten Haushalt kon- krete Angaben in Bezug auf die zeitliche Mehrbelastung der Familienangehörigen in den ein- zelnen Teilpositionen für die Beurteilung der Zumutba rkeit wünschenswert wären. Allgemeine Regeln bezüglich der Grenzen der Mehrbelastung resp. der formellen Erfordernisse an einen Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Haushaltsbericht lassen sich aus dem erwähnten Entscheid des Bundesgerichts indes nicht ableiten. Insoweit die Beschwerdeführerin auf die Praxi s im Haftpflichtrecht verweist, ist ihr ent- gegenzuhalten, dass sich die Begriffe des haftpflichtre chtlichen Haushaltsschadens und der Invalidität gemäss Art. 28a Abs. 2 IVG unterscheiden. Die s führt mit Rücksicht auf die Beson- derheiten des jeweiligen Rechtsgebiets notwendigerweise dazu, dass für die Anspruchsprüfung auf einen ökonomischen Ersatz für das gesundheitlich bedingte Unvermögen, gewisse Arbeiten im Haushalt auszuführen, in den beiden Rechtsgebieten a ndere Beurteilungskriterien und Massstäbe zugrunde gelegt werden (Urteil des Bundesger ichts vom 27. Juli 2012, 8C_828/2011, E. 4.4). Da insgesamt weder klar feststel lbare Fehleinschätzungen noch An- haltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate bestehen, gibt es keinen Anlass, in das Ermessen der Vorinstanz einzugreifen. Vielmehr ist festzustellen, dass sich die Haushaltsabklä- rung als vollständig und schlüssig und somit beweistauglich e rweist, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. Okt ober 2017, 9C_203/2017, E. 3.5) auf die Einholung eines aktualisierten Haushaltsberichtes verzichtet werden kann. 11.1 Zu prüfen bleibt die Bemessung der Invalidität. Wie eingangs ausgeführt (vgl. E. 5.2 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ve rsicherten aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen (vgl. Art. 16 ATSG). Dasselbe gil t im Rahmen der gemischten Metho- de der Invaliditätsbemessung für die Ermittlung des In validitätsgrads im Erwerbsbereich. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 4. Feb ruar 2019 für den Erwerbsbereich den erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Dabei ha t sie ab 27. März 2015 anhand der Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen einen Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich von rund 39%, ab 28. Mai 2015 einen solchen von 100%, ab 1. Dezember 2015 einen solchen von rund 39% und ab 1. Januar 2018 einen solchen von 40% errechnet. Das von der Beschwerde- gegnerin anhand der Angaben des ehemaligen Arbeitge bers der Versicherten ermittelte Vali- deneinkommen wie auch die massgebenden Berechnungsgrund lagen des Invalideneinkom- mens wurden von der Versicherten zu Recht nicht beansta ndet. Wie der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin richtig anmerkte, hat die Invaliditä tsbemessung bei Anwendung der ge- mischten Methode nach den seit 1. Januar 2018 in Kraft stehenden neuen Regeln nach Art. 27 bis Abs. 2 bis 4 IVV zu erfolgen. Art. 27 bis Abs. 3 lit. a IVV bestimmt, dass sich die Berech- nung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstä tigkeit bei Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich im Aufgabenbereich nach Art. 7 Abs. 2 IVG bet ätigen, nach Art. 16 ATSG richtet, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person dur ch die Teilerwerbstätigkeit erzie- len könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird. Die Berechnung nach den neuen Richtlinien ändert jedoch nichts am Rentenanspruch der Versicherten, da sie im Erwerbsbereich vom 23. Juli 2015 bis 27. Mai 2017 und ab 1. Dezember 2015 zu 100 % arbeitsfähig ist und dadurch ein rentena usschliessendes Erwerbseinkommen erzielen könnte. Die konkrete Berechnung des Einkommensvergleichs ist nicht zu beanstanden, weshalb von weiteren Erörterungen dazu abgesehen und stattdessen auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 4. Februar 2019 verwiesen werden kann. 11.2 Unter Berücksichtigung der Anteile von 56 % Erwerb stätigkeit und 44 % Haushalt ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass die Beschwerdefü hrerin vom 23. Juli 2015 bis 27. Mai 2017 und ab 1. Dezember 2015 keine rentenbeg ründende Invalidität aufweist. Im Zeit- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht raum vom 28. Mai 2015 bis 30. November 2015 besteht hingegen eine vorübergehende voll- ständige Arbeitsunfähigkeit. Folgerichtig hat die Beschw erdeführerin ab 1. Mai 2015 – unter Berücksichtigung der dreimonatigen Übergangsfrist (vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV) – bis 29. Februar 2016 Anspruch auf eine ganze Rente. Die angefochtene V erfügung ist demnach nicht zu bean- standen. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 12. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Bei diesem Prozessausgang wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. Gegen diesen Entscheid hat A.____ am 4. November 2019 Beschwerde beim Bundesgericht erhoben (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_748/2019) http://www.bl.ch/kantonsgericht