<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 51 S.217</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">217</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>51 Treu und Glauben. Anspruch auf Veranlagung gemäss einer zuvor</b></span><br/> <span class="ft3"><b>erhaltenen unrichtigen Auskunft?</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Voraussetzungen für die Verbindlichkeit einer unrichtigen Auskunft.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">218</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Nachweis nachteiliger Dispositionen, wenn diese in (behaupteten)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Unterlassungen bestehen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 7. Dezember 2007 in</span><br/> <span class="ft6">Sachen E.S. gegen Steuerrekursgericht (WBE.2007.309). Zur Publikation</span><br/> <span class="ft6">vorgesehen in StE 2008.</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Der Steuerpflichtige meldete sich zur Teilnahme an einem be-</span><br/> <span class="ft1">fristeten friedenserhaltenden Einsatz der Schweizer Armee im Aus-</span><br/> <span class="ft1">land (SWISSCOY). Von einem zuständigen Mitglied der Steuerbe-</span><br/> <span class="ft1">hörde erhielt er die Auskunft, die Einkünfte aus dem SWISSCOY-</span><br/> <span class="ft1">Einsatz müssten nicht versteuert werden, sondern würden lediglich</span><br/> <span class="ft1">satzbestimmend berücksichtigt. Nach seiner Rückkehr wurden diese</span><br/> <span class="ft1">Einkünfte trotzdem erfasst mit der (zutreffenden) Begründung, die</span><br/> <span class="ft1">Auskunft sei falsch gewesen. Darauf machten er und seine Ehefrau</span><br/> <span class="ft1">geltend, er habe gestützt auf die Auskunft auf Vorkehrungen zur</span><br/> <span class="ft1">Verlegung seines Wohnsitzes ins Ausland verzichtet (wonach die</span><br/> <span class="ft1">SWISSCOY-Einkünfte in der Schweiz nicht hätten besteuert werden</span><br/> <span class="ft1">können), und sie beanspruchten, gemäss der - wenn auch falschen -</span><br/> <span class="ft1">Auskunft veranlagt zu werden.</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4./4.1. Die Gesetzmässigkeit der Verwaltung und damit verbun-</span><br/> <span class="ft1">den der Grundsatz der Gleichbehandlung verbieten es von vorn-</span><br/> <span class="ft1">herein, jede falsche behördliche Auskunft als verbindlich zu behan-</span><br/> <span class="ft1">deln in dem Sinne, dass daraus im Einzelfall ein Anspruch auf ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend falsche Gesetzesanwendung entstünde. Mit der Tatsache,</span><br/> <span class="ft1">dass der Vorsteher des Gemeindesteueramtes in Aussicht stellte, das</span><br/> <span class="ft1">Einkommen des Beschwerdeführers werde in Abzug gebracht (d.h.</span><br/> <span class="ft1">nur satzbestimmend berücksichtigt), lässt sich das Beschwerdebe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">219</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gehren daher nicht begründen, da diese Auskunft mit dem geltenden</span><br/> <span class="ft1">Recht nicht in Übereinstimmung zu bringen ist.</span><br/> <span class="ft1">4.2./4.2.1. Nach dem heute in Art. 9 BV ausdrücklich veran-</span><br/> <span class="ft1">kerten Grundsatz von Treu und Glauben kann eine unrichtige be-</span><br/> <span class="ft1">hördliche Auskunft unter bestimmten Umständen Rechtswirkungen</span><br/> <span class="ft1">entfalten. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Auskunft auf eine</span><br/> <span class="ft1">konkrete, den betreffenden Bürger berührende Angelegenheit be-</span><br/> <span class="ft1">zieht, dass die Amtsstelle für die Auskunftserteilung zuständig war</span><br/> <span class="ft1">oder der Bürger sie aus zureichenden Gründen als zuständig be-</span><br/> <span class="ft1">trachten durfte, dass der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht</span><br/> <span class="ft1">ohne weiteres erkennen konnte, dass er im Vertrauen hierauf eine</span><br/> <span class="ft1">nicht ohne Nachteil rückgängig zu machende Disposition getroffen</span><br/> <span class="ft1">hat und dass sich die Rechtslage seit der Auskunftserteilung nicht</span><br/> <span class="ft1">geändert hat (BGE 127 I 36; 121 II 479). Selbst wenn diese Voraus-</span><br/> <span class="ft1">setzungen erfüllt sind, bedarf es zusätzlich einer Abwägung des In-</span><br/> <span class="ft1">teresses an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts gegen-</span><br/> <span class="ft1">über demjenigen des Vertrauensschutzes (BGE 116 Ib 187).</span><br/> <span class="ft1">4.2.2. Im vorliegenden Fall ist vor allem fraglich, ob die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer nachteilige Dispositionen getroffen haben. In dieser</span><br/> <span class="ft1">Beziehung wird vorgebracht, sie hätten es unterlassen, sich gericht-</span><br/> <span class="ft1">lich zu trennen oder andere steuersparende Massnahmen, wie bei-</span><br/> <span class="ft1">spielsweise die vollumfängliche Aufgabe des Wohnsitzes in S. durch</span><br/> <span class="ft1">beide Ehegatten mit Vermietung/ Verkauf der Liegenschaft, über-</span><br/> <span class="ft1">haupt nur zu prüfen.</span><br/> <span class="ft1">Wenn die geltend gemachten nachteiligen Dispositionen in Un-</span><br/> <span class="ft1">terlassungen bestehen, muss der Bürger, der wegen einer falschen</span><br/> <span class="ft1">Auskunft eine Vorzugsbehandlung im Vergleich zum objektiven</span><br/> <span class="ft1">Recht beansprucht, glaubhaft machen, dass er bei korrekter Auskunft</span><br/> <span class="ft1">die unterlassene Handlung tatsächlich vorgenommen hätte. Selbst</span><br/> <span class="ft1">wenn es vereinzelte Zeitgenossen geben mag, die um einer Steuerer-</span><br/> <span class="ft1">sparnis willen ein aufwendiges und sogar ein abwegiges und wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlich nachteiliges Vorgehen in Betracht ziehen, ist nicht hierauf</span><br/> <span class="ft1">abzustellen, sondern als glaubhaft - auch ohne strikten Nachweis -</span><br/> <span class="ft1">erscheint ein Vorgehen, wie es vernünftige Bürger in der gleichen</span><br/> <span class="ft1">Situation wählen würden. Um dagegen anzuerkennen, jemand hätte</span><br/> <span class="ft1">sich gegen die wirtschaftliche Vernunft verhalten, nur um von der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">220</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">falschen Auskunft zu profitieren, bedarf es überzeugender Beweis-</span><br/> <span class="ft1">mittel.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer machen nicht geltend, wegen Ehepro-</span><br/> <span class="ft1">blemen wäre es ohnehin zu einer Trennung gekommen. Sie leben</span><br/> <span class="ft1">denn auch seit der Rückkehr des Beschwerdeführers von seinem</span><br/> <span class="ft1">Auslandeinsatz wieder zusammen in ihrem Haus. Eine gerichtliche</span><br/> <span class="ft1">Trennung der Ehe zwecks Steuerersparnis, also zu einem diesem</span><br/> <span class="ft1">Institut völlig fremden Zweck, läuft auf Rechtsmissbrauch bzw. auf</span><br/> <span class="ft1">eine Steuerumgehung hinaus (siehe dazu BGE 131 II 267; Häfe-</span><br/> <span class="ft1">lin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zü-</span><br/> <span class="ft1">rich/Basel/Genf 2006, Rz. 715 ff.). Wer aber eine Behandlung nach</span><br/> <span class="ft1">dem Grundsatz von Treu und Glauben beansprucht (siehe vorne</span><br/> <span class="ft1">Erw. 4.2.1), darf selber nicht treuwidrig handeln. Die "entgangene</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit", durch gerichtliche Trennung und anschliessende Ab-</span><br/> <span class="ft1">meldung den Wohnsitz des Ehemanns zu verlegen, kann deshalb</span><br/> <span class="ft1">nicht als "nachteilige Disposition" im Sinne des Vertrauensschutzes</span><br/> <span class="ft1">anerkannt werden.</span><br/> <span class="ft1">Die weitere angedeutete Möglichkeit, dass die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer ihre eigene Liegenschaft hätten vermieten/verkaufen und dann</span><br/> <span class="ft1">beide von S. wegziehen können, ist nicht mehr als eine blosse Hy-</span><br/> <span class="ft1">pothese. Zudem ist es unglaubwürdig, dass die Beschwerdeführer die</span><br/> <span class="ft1">ganzen Umstände um eines temporären Steuervorteils willen auf sich</span><br/> <span class="ft1">genommen hätten, wenn sie ja eigentlich nach einem Jahr wieder</span><br/> <span class="ft1">gemeinsam in ihrem Haus leben wollten (wie sie es dann tatsächlich</span><br/> <span class="ft1">auch machten).</span><br/> <span class="ft1">4.2.3. Aus der falschen Auskunft können die Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">somit keinen Anspruch auf gesetzwidrige Bevorteilung ableiten.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>