<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">349</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>64</b></span> <span class="ft2"><b>Umweltrechtliche Kostenverteilung; Abgrenzung zwischen Altlastenrecht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>und Abfallrecht im engern Sinn</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Eine Kostenverteilung nach Art. 32d USG kommt nur dann in Frage,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wenn eine sanierungsbedürftige Deponie oder ein anderer sanie-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rungsbedürftiger, durch Abfälle belasteter Standort vorliegt; in allen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>andern Fällen hat der Abfallinhaber die Entsorgungskosten gemäss</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Art. 32 Abs. 1 USG grundsätzlich allein zu tragen. Auslöser für eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Kostenverteilung gestützt auf Art. 32d USG muss eine um-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>weltrechtlich gebotene Gefahrenabwehr sein.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 19. September 2012 i.S. H. AG</span><br/> <span class="ft5">gegen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (RRB-</span><br/> <span class="ft5">Nr. 2012-001245)</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Am 25. Oktober 2006 erteilte der Gemeinderat O. der H. AG</span><br/> <span class="ft1">die Bewilligung für den Bau von zwei Mehrfamilienhäusern mit un-</span><br/> <span class="ft1">terirdischer Autoeinstellhalle auf den dannzumal im Eigentum der R.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">350</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">AG stehenden Parzellen 2604 und 2605. Als integrierender Bestand-</span><br/> <span class="ft1">teil der Baubewilligung wurde dabei eine Stellungnahme der Abtei-</span><br/> <span class="ft1">lung für Umwelt vom 29. September 2006 erklärt. In diesem Schrei-</span><br/> <span class="ft1">ben ging die Abteilung für Umwelt trotz entsprechender Einwendun-</span><br/> <span class="ft1">gen von Einsprechenden im Baubewilligungsverfahren davon aus,</span><br/> <span class="ft1">die Überbauung könne auch bei möglichen umweltrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Überraschungen im Laufe des Bauprozesses realisiert werden, allen-</span><br/> <span class="ft1">falls wären dannzumal gestützt auf Art. 3 AltlV flankierende Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen zu ergreifen. Die Baureife sei somit aus Sicht des Altlasten-</span><br/> <span class="ft1">vollzugs erreicht. Aufgrund des Verdachts von Belastungen müsste</span><br/> <span class="ft1">jedoch primär die Bauherrschaft daran interessiert sein, den Bau-</span><br/> <span class="ft1">grund vor Baubeginn auf Abfälle und mögliche Gasentwicklung zu</span><br/> <span class="ft1">untersuchen. Sollte sich dabei zeigen, dass der Untergrund belastet</span><br/> <span class="ft1">sei, müssten die Bauarbeiten unverzüglich unterbrochen, die kom-</span><br/> <span class="ft1">munalen und kantonalen Behörden informiert und ein Altlasten-</span><br/> <span class="ft1">Fachbüro beigezogen werden. Letzteres müsste alsdann die fach- und</span><br/> <span class="ft1">umweltgerechte Entsorgung sicherstellen und allenfalls die Sanie-</span><br/> <span class="ft1">rungsbedürftigkeit, insbesondere bezüglich Gasentwicklung, mittels</span><br/> <span class="ft1">Voruntersuchung nach Altlasten-Verordnung klären. Die Abteilung</span><br/> <span class="ft1">für Umwelt empfahl der Bauherrschaft, vor Baubeginn eine Vor-</span><br/> <span class="ft1">untersuchung durchzuführen.</span><br/> <span class="ft1">1.2</span><br/> <span class="ft1">Unter Beachtung der Empfehlung der Abteilung für Umwelt</span><br/> <span class="ft1">veranlasste die Bauherrschaft in der Folge Untersuchungen der</span><br/> <span class="ft1">betroffenen Parzellen. Aufgrund der ersten Ergebnisse verfügte der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat O. im Einvernehmen mit der Abteilung für Umwelt am</span><br/> <span class="ft1">5. Dezember 2006, die H. AG habe auf eigene Kosten eine Vorunter-</span><br/> <span class="ft1">suchung nach Altlasten-Verordnung durchzuführen; gleichzeitig</span><br/> <span class="ft1">wurde ein sofortiger Baustopp angeordnet. Der alsdann durch das</span><br/> <span class="ft1">Geotechnische Institut erstellte Bericht "Grube G., O.; Untersuchun-</span><br/> <span class="ft1">gen zur Belastungssituation des Ablagerungsstandortes (Voruntersu-</span><br/> <span class="ft1">chung nach Altlasten-Verordnung)" datiert vom 21. Dezember 2006.</span><br/> <span class="ft1">Gestützt darauf kam die Abteilung für Umwelt zum Schluss, es</span><br/> <span class="ft1">handle sich bei den zu überbauenden Bereichen um einen belasteten</span><br/> <span class="ft1">Standort und eine Sanierungsbedürftigkeit sei bezüglich Bodenluft</span><br/> <span class="ft1">denkbar; die Parzellen 2604 und 2605 seien denn auch in den Katas-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">351</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ter der belasteten Standorte einzutragen. Da eine Sanierung aber</span><br/> <span class="ft1">gleichzeitig zum Bauvorhaben durchgeführt werden könne, sei die</span><br/> <span class="ft1">Baureife nach wie vor gegeben; demzufolge stimme sie - die Abtei-</span><br/> <span class="ft1">lung für Umwelt - der Baufreigabe unter gewissen Auflagen zu (z.B.</span><br/> <span class="ft1">Pflicht zur Überwachung der Qualität des Aushubmaterials, zu Un-</span><br/> <span class="ft1">tersuchungen im Zusammenhang mit der Gasproblematik und zur</span><br/> <span class="ft1">korrekten Entsorgung von verunreinigtem Aushubmaterial). Diese</span><br/> <span class="ft1">Stellungnahme wurde der Bauherrin am 22. Januar 2007 durch den</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat O. eröffnet.</span><br/> <span class="ft1">Mit Datum vom 30. Mai 2007 erstattete das Geotechnische</span><br/> <span class="ft1">Institut den Schlussbericht "Aushubbegleitung und zusätzliche Bo-</span><br/> <span class="ft1">denluftmessungen auf der Baugrundsohle". Die Abteilung für Um-</span><br/> <span class="ft1">welt liess sich dazu am 6. Mai 2008 vernehmen und hielt fest, die</span><br/> <span class="ft1">nach den fach- und umweltgerecht erfolgten Aushub-, Triage- und</span><br/> <span class="ft1">Entsorgungsarbeiten noch im Untergrund verbliebene Restbelastung</span><br/> <span class="ft1">gelte nach AltlV weder als überwachungs- noch als sanierungsbe-</span><br/> <span class="ft1">dürftig.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss einer Zusammenstellung der Beschwerdeführerin be-</span><br/> <span class="ft1">laufen sich die ihr durch die verschiedenen Untersuchungen ent-</span><br/> <span class="ft1">standenen Kosten auf Fr. 90'670.10.</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin macht in der Hauptsache geltend, bei</span><br/> <span class="ft1">den ihr angefallenen Kosten handle es sich um Kosten für notwen-</span><br/> <span class="ft1">dige Massnahmen im Sinne vom Art. 32d Abs. 1 USG; diese seien</span><br/> <span class="ft1">ihr vollumfänglich gestützt auf Art. 32d Abs. 4 USG zu ersetzen.</span><br/> <span class="ft1">Demgegenüber kam das BVU, Abteilung für Umwelt, in seinem Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid vom 30. August 2011 zum Schluss, da die im Gesuch um</span><br/> <span class="ft1">Kostenverteilung angeführten Untersuchungskosten in der Haupt-</span><br/> <span class="ft1">sache nicht durch notwendige Massnahmen im Sinne von Art. 32d</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 USG ausgelöst worden seien, seien sie nicht verteilfähig;</span><br/> <span class="ft1">einzig bei der Untersuchung der Gasproblematik handle es sich im</span><br/> <span class="ft1">weitesten Sinn um einen Anwendungsfall von Art. 32d Abs. 1 USG,</span><br/> <span class="ft1">so dass diese Kosten einer Verteilung zugänglich seien.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">352</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.2</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 2 USG trägt, wer "Massnahmen nach diesem Ge-</span><br/> <span class="ft1">setz verursacht" die Kosten dafür. Art. 32d USG konkretisiert dieses</span><br/> <span class="ft1">allgemeine Verursacherprinzip für den Bereich des Altlastenrechts.</span><br/> <span class="ft1">So fallen gemäss Abs. 1 die Kosten für notwendige Massnahmen zur</span><br/> <span class="ft1">Untersuchung, Überwachung und Sanierung belasteter Standorte</span><br/> <span class="ft1">dem Verursacher an. Sind mehrere Verursacher beteiligt, tragen sie</span><br/> <span class="ft1">die Kosten entsprechend ihren Anteilen an der Verursachung (Abs.</span><br/> <span class="ft1">2); verlangt dies einer der Verursacher oder führt die Behörde die</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen selbst durch, erlässt sie eine Verfügung über die</span><br/> <span class="ft1">Kostenverteilung (Abs. 4).</span><br/> <span class="ft1">Eine Kostenverteilung gestützt auf Art. 32d USG ist allerdings</span><br/> <span class="ft1">nur zulässig, wenn die Kosten im Rahmen eines Verfahrens entste-</span><br/> <span class="ft1">hen, das eine Deponie oder einen durch Abfälle belasteten Standort</span><br/> <span class="ft1">i.S.v. Art. 32c Abs. 1 USG zum Gegenstand hat. Damit eine Kosten-</span><br/> <span class="ft1">verteilung in Frage kommt, muss der betreffende Standort folglich</span><br/> <span class="ft1">als sanierungs- bzw. überwachungsbedürftig qualifiziert werden;</span><br/> <span class="ft1">erforderlich ist der rechtsgenügliche Nachweis, dass von dem durch</span><br/> <span class="ft1">Abfälle belasteten Standort schädliche oder lästige Einwirkungen</span><br/> <span class="ft1">ausgehen oder die konkrete Gefahr solcher Einwirkungen besteht.</span><br/> <span class="ft1">Für den Erlass einer Verfügung über die Kostenverteilung ist eine</span><br/> <span class="ft1">Sanierungs- oder Überwachungsbedürftigkeit, zumindest aber die</span><br/> <span class="ft1">Untersuchungsbedürftigkeit des betreffenden Standorts zu fordern</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Mark Cummins, Kostenverteilung bei Altlastensanierung,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 2000, S. 91).</span><br/> <span class="ft1">Abzugrenzen ist das Altlastenrecht gegenüber dem Abfallrecht</span><br/> <span class="ft1">im engern Sinn. Befinden sich auf einem Standort Abfälle gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 7 Abs. 6 USG (d.h. bewegliche Sachen, deren sich der Inhaber</span><br/> <span class="ft1">entledigt oder deren Entsorgung im öffentlichen Interesse geboten</span><br/> <span class="ft1">ist), bestimmt sich die Pflicht zu deren Entsorgung und zur Bezah-</span><br/> <span class="ft1">lung der anfallenden Kosten nach Abfallrecht gemäss Art. 30 ff.</span><br/> <span class="ft1">USG. Dies bedeutet, dass für die Entsorgung von Abfällen deren</span><br/> <span class="ft1">Inhaber herangezogen werden muss (Art. 31c Abs. 1 USG) und die</span><br/> <span class="ft1">Kosten der Entsorgung zu tragen hat. Eine Kostenverteilung gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 32d Abs. 4 USG ist in diesen Fällen somit nicht zulässig; vorbe-</span><br/> <span class="ft1">halten bleibt dem Abfallinhaber der zivilrechtliche Rückgriff auf</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">353</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">andere Verursacher (Art. 32b</span><span class="ft7"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">Abs. 3 USG; vgl. Cummins, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">S. 93).</span><br/> <span class="ft1">Es ist festzuhalten, dass eine Kostenverteilung nach Art. 32d</span><br/> <span class="ft1">USG nur in Frage kommt, wenn eine sanierungsbedürftige Deponie</span><br/> <span class="ft1">oder ein anderer sanierungsbedürftiger durch Abfälle belasteter</span><br/> <span class="ft1">Standort vorliegt. Ist dies nicht der Fall, hat der Abfallinhaber die</span><br/> <span class="ft1">Entsorgungskosten gemäss Art. 32 Abs. 1 USG grundsätzlich allein</span><br/> <span class="ft1">zu tragen. Dies gilt auch dann, wenn zwar eine Altlast nach Art. 32c</span><br/> <span class="ft1">USG vorhanden ist, aus Sicht der Behörden aber kein akuter Fall mit</span><br/> <span class="ft1">dringendem Handlungsbedarf vorliegt. Solche Konstellationen erge-</span><br/> <span class="ft1">ben sich u.a. dann, wenn durch ein Bau- oder Umbauvorhaben bisher</span><br/> <span class="ft1">relativ immobile Abfälle destabilisiert oder mit dem Aushub sogar</span><br/> <span class="ft1">vom Standort entfernt werden. Hier spricht man - obwohl es sich um</span><br/> <span class="ft1">einen Bereich des Abfall- und nicht des eigentlichen Altlastenrechts</span><br/> <span class="ft1">handelt - von der sogenannten "Bauherrenaltlast", deren Kosten-</span><br/> <span class="ft1">tragung und -verteilung nach Abfallrecht abzuwickeln ist; Art. 32d</span><br/> <span class="ft1">USG darf insbesondere nicht dazu dienen, die Kosten eines Bau-</span><br/> <span class="ft1">vorhabens zu verringern. Das bedeutet u.a., dass Kosten von Unter-</span><br/> <span class="ft1">suchungen, die einzig der Abklärung dienen, ob ein Bauprojekt unter</span><br/> <span class="ft1">Respektierung von Art. 3 AltlV (belastete Standorte dürfen durch die</span><br/> <span class="ft1">Erstellung oder Änderung von Bauten nur verändert werden, wenn</span><br/> <span class="ft1">ihre spätere Sanierung durch das Bauvorhaben nicht wesentlich</span><br/> <span class="ft1">erschwert wird) realisiert werden kann, nicht nach Art. 32d Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">USG verteilfähig sind. Auslöser für derartige Untersuchungen ist</span><br/> <span class="ft1">nämlich das Bauprojekt des Grundeigentümers und nicht eine um-</span><br/> <span class="ft1">weltrechtlich gebotene Gefahrenabwehr. Es liegt auf der Hand, dass</span><br/> <span class="ft1">hier oft Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen Altlasten- und Abfall-</span><br/> <span class="ft1">recht entstehen (vgl. Hans W. Stutz, Die Kostentragung der Sanie-</span><br/> <span class="ft1">rung - Art. 32d USG, in Umweltrecht in der Praxis [URP], 11/1997,</span><br/> <span class="ft1">S. 759; Karin Scherrer, Kostentragung nach Art. 32d USG, in URP</span><br/> <span class="ft1">6/2007, S. 569; Hans Rudolf Trüeb, Die sogenannte Bauherrenaltlast,</span><br/> <span class="ft1">in URP 6/2007, S. 618; Cummins, a.a.O., S. 93).</span><br/> <span class="ft1">2.3</span><br/> <span class="ft1">2.3.1</span><br/> <span class="ft1">Gemäss dem von 1988/89 datierenden Verdachtsflächenkataster</span><br/> <span class="ft1">bestand zwar bezüglich der Parzellen 2604 und 2605 eine Vermutung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">354</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">auf eine Belastung mit Aushub, Bauschutt und Kehricht. Nachdem</span><br/> <span class="ft1">sich diese Bedenken in den Erhebungen von 2003/2004 nicht</span><br/> <span class="ft1">bestätigt hatten, wurden die Parzellen indessen nicht in den Kataster</span><br/> <span class="ft1">der belasteten Standorte eingetragen. Demzufolge hatten die Behör-</span><br/> <span class="ft1">den damals keinerlei Veranlassung, Untersuchungs-, Überwachungs-</span><br/> <span class="ft1">oder Sanierungsmassnahmen zu prüfen bzw. entsprechende Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen in die Wege zu leiten. Grund, sich mit den Parzellen 2604</span><br/> <span class="ft1">und 2605 in umweltrechtlicher Hinsicht auseinanderzusetzen, gab</span><br/> <span class="ft1">erst das Bauvorhaben der H. AG. Auch im Rahmen der Beurteilung</span><br/> <span class="ft1">des Baugesuchs erkannte die Abteilung für Umwelt in ihrer Stellung-</span><br/> <span class="ft1">nahme vom 29. September 2006 (und gestützt darauf der Gemein-</span><br/> <span class="ft1">derat in der Baubewilligung vom 25. Oktober 2006) allerdings kei-</span><br/> <span class="ft1">nen akuten Abklärungs- bzw. Handlungsbedarf; aufgrund der Vorge-</span><br/> <span class="ft1">schichte empfahl sie der Bauherrschaft lediglich, den Baugrund</span><br/> <span class="ft1">sicherheitshalber vor Baubeginn bezüglich Abfällen und möglicher</span><br/> <span class="ft1">Gasentwicklung zu untersuchen.</span><br/> <span class="ft1">Wie unter Erw. 1 dargestellt, zeigte die Auswertung der so in-</span><br/> <span class="ft1">itiierten Untersuchung, dass der Untergrund der Parzellen nicht gänz-</span><br/> <span class="ft1">lich belastungsfrei war, so dass die Abteilung für Umwelt verlangte,</span><br/> <span class="ft1">es sei näher abzuklären, ob eine Sanierungsbedürftigkeit bestehe. Da</span><br/> <span class="ft1">die in der Folge durchgeführten Untersuchungen (sogenannte "Vor-</span><br/> <span class="ft1">untersuchung" vom 21. Dezember 2006) zum Ergebnis führten, dass</span><br/> <span class="ft1">eine Sanierung bezüglich Bodenluft nötig werden könnte, wurde die</span><br/> <span class="ft1">Bauherrschaft dazu verpflichtet, nach den Aushubarbeiten und vor</span><br/> <span class="ft1">Erstellen der Hochbauten im Bereich der Baugrubensohle erneute</span><br/> <span class="ft1">Gasmessungen durchzuführen (vgl. Schreiben der Abteilung für</span><br/> <span class="ft1">Umwelt vom 17. Januar 2007; Verfügung des Gemeinderats O. vom</span><br/> <span class="ft1">22. Januar 2007). Dies war deshalb erforderlich, da mit dem Bauvor-</span><br/> <span class="ft1">haben geschlossene Räume mit Kontakt zum Deponiekörper bzw.</span><br/> <span class="ft1">dessen Porenluft geschaffen werden sollten, in welchen sich gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 11 AltlV Personen regelmässig während längerer Zeit aufhalten</span><br/> <span class="ft1">könnten. Die Resultate dieser Messung finden sich im Schlussbericht</span><br/> <span class="ft1">"Aushubbegleitung und zusätzliche Bodenluftmessungen auf der</span><br/> <span class="ft1">Baugrubensohle" vom 30. Mai 2007; die Abteilung für Umwelt hielt</span><br/> <span class="ft1">dazu am 6. Mai 2008 unter anderem fest:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">355</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">"Die Aushub-, Triage- und Entsorgungsarbeiten im Bereich der</span><br/> <span class="ft1">ehemaligen Grube G. in O. wurden fach- und umweltgerecht durch-</span><br/> <span class="ft1">geführt. Der Aushub wurde aufgrund der realisierten Untergeschosse</span><br/> <span class="ft1">auf den Parzellen Nr. 2604 und 2605 durchgeführt (,Bauherrenalt-</span><br/> <span class="ft1">last').</span><br/> <span class="ft1">...</span><br/> <span class="ft1">Die im Untergrund verbleibende Restbelastung gilt nach AltlV</span><br/> <span class="ft1">als weder überwachungs- noch sanierungsbedürftig."</span><br/> <span class="ft1">2.3.2</span><br/> <span class="ft1">Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Behörden zwar gewisse</span><br/> <span class="ft1">Untersuchungsmassnahmen anordneten, dass es dabei aber immer</span><br/> <span class="ft1">um die Klärung der Frage ging, ob das Bauvorhaben eine Sanie-</span><br/> <span class="ft1">rungsbedürftigkeit der Parzellen auslöse. Mit andern Worten: Die</span><br/> <span class="ft1">hier zur Diskussion stehenden Untersuchungs-, Überwachungs- und</span><br/> <span class="ft1">Sanierungsmassnahmen wurden erst durch das Bauprojekt der H. AG</span><br/> <span class="ft1">und nicht etwa durch eine umweltrechtlich gebotene - allenfalls</span><br/> <span class="ft1">sogar akute - Gefahrenabwehr erforderlich. Dies zeigt sich insbe-</span><br/> <span class="ft1">sondere auch darin, dass die Baubewilligung auf die Stellungnahme</span><br/> <span class="ft1">der Abteilung für Umwelt vom 29. September 2006 verwies, die der</span><br/> <span class="ft1">Bauherrschaft lediglich <i>empfahl</i>, den Baugrund vor Baubeginn auf</span><br/> <span class="ft1">Abfälle und mögliche Gasentwicklung zu untersuchen.</span><br/> <span class="ft1">Es ist der Beschwerdeführerin zwar insofern zuzustimmen, als</span><br/> <span class="ft1">die Abteilung für Umwelt erst in ihrer Stellungnahme vom 6. Mai</span><br/> <span class="ft1">2008 ausdrücklich festhielt, es bestehe weder eine Notwendigkeit zur</span><br/> <span class="ft1">Überwachung noch eine solche zur Sanierung des Grundstückes.</span><br/> <span class="ft1">Dass sich die umweltrechtliche Qualität eines Standorts erst nach</span><br/> <span class="ft1">Abschluss sämtlicher Untersuchungen definitiv feststellen lässt, liegt</span><br/> <span class="ft1">indessen in der Natur der Sache; von Bedeutung ist vorliegend</span><br/> <span class="ft1">einzig, dass das geplante Bauvorhaben den Grund für die Unter-</span><br/> <span class="ft1">suchung der Parzellen setzte. Unerheblich ist somit auch die zeitliche</span><br/> <span class="ft1">Abfolge der getroffenen Massnahmen.</span><br/> <span class="ft1">Hinzu kommt, dass die Abteilung für Umwelt in den in ihrer</span><br/> <span class="ft1">Stellungnahme vom 17. Januar 2007 formulierten Auflagen lediglich</span><br/> <span class="ft1">bezüglich der Gasproblematik offen gelassen hat, ob der Standort</span><br/> <span class="ft1">sanierungsbedürftig sei. Die weiteren Auflagen äussern sich zur</span><br/> <span class="ft1">Triage und der fachgerechten Entsorgung des belasteten Aushubma-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">356</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">terials; dass diese Massnahmen projektbedingt sind, ist offensicht-</span><br/> <span class="ft1">lich. Im Übrigen unterscheiden auch die den verfügten Auflagen vor-</span><br/> <span class="ft1">angehenden Erwägungen klar zwischen "Feststoffuntersuchungen"</span><br/> <span class="ft1">und "Gasuntersuchungen" und halten bezüglich ersterer Thematik</span><br/> <span class="ft1">fest, dass die Resultate der durchgeführten technischen Untersuchung</span><br/> <span class="ft1">zeigten, dass es sich beim fraglichen (im Zusammenhang mit dem</span><br/> <span class="ft1">Bauvorhaben auszuhebenden) Auffüllmaterial zwar entgegen der bis-</span><br/> <span class="ft1">herigen Annahmen um "Aushub mit viel Bauschutt und wenig</span><br/> <span class="ft1">Schlackematerial und Kehrichtresten" handle, dass aufgrund des</span><br/> <span class="ft1">grossen Materialvolumens allerdings bloss ein geringes Freisetzungs-</span><br/> <span class="ft1">potential bestehen dürfte und insbesondere keine Grundwasserunter-</span><br/> <span class="ft1">suchung nötig sei (Erw. 2.1). Hätte seitens der Abteilung für Umwelt</span><br/> <span class="ft1">in der Bewertung des Standorts bezüglich Überwachungs- und Sanie-</span><br/> <span class="ft1">rungsbedürftigkeit von Feststoffen eine Unsicherheit bestanden, hätte</span><br/> <span class="ft1">sie am 17. Januar 2007 der Baufreigabe keinesfalls zustimmen kön-</span><br/> <span class="ft1">nen; nur weil kein Zusammenhang zu einer Gefahrenabwehr bestand,</span><br/> <span class="ft1">konnte die definitive Analyse - nach einem vom 5. Dezember 2006</span><br/> <span class="ft1">bis zum 22. Januar 2007 dauernden, der Auswertung der ersten</span><br/> <span class="ft1">Untersuchung dienenden Baustopp - denn auch parallel zum Bauvor-</span><br/> <span class="ft1">haben erfolgen.</span><br/> <span class="ft1">Somit aber kam die Abteilung für Umwelt bereits am 17. Januar</span><br/> <span class="ft1">2007 zum Schluss, die Baureife sei gestützt auf Art. 3 AltlV erreicht.</span><br/> <span class="ft1">Nach dieser Bestimmung dürfen belastete Standorte durch die</span><br/> <span class="ft1">Erstellung oder Änderung von Bauten nur verändert werden, wenn</span><br/> <span class="ft1">sie nicht sanierungsbedürftig sind und durch das Vorhaben nicht</span><br/> <span class="ft1">sanierungsbedürftig werden (lit. a) oder wenn ihre spätere Sanierung</span><br/> <span class="ft1">durch das Vorhaben nicht wesentlich erschwert wird oder sie, soweit</span><br/> <span class="ft1">sie durch das Vorhaben verändert werden, gleichzeitig saniert werden</span><br/> <span class="ft1">(lit. b). Auslöser für derartige Untersuchungen ist das Bauprojekt</span><br/> <span class="ft1">eines Grundeigentümers und nicht eine umweltrechtlich unmittelbar</span><br/> <span class="ft1">gebotene Gefahrenabwehr; es handelt sich in diesen Fällen mit</span><br/> <span class="ft1">andern Worten um baubedingte Massnahmen (vgl. Scherrer, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">S. 569). Anders als die Beschwerdeführerin dies darstellt, gab die</span><br/> <span class="ft1">Abteilung für Umwelt somit durchaus zum Ausdruck, dass sie</span><br/> <span class="ft1">betreffend die Feststoffe von einer Bauherrenaltlast und nicht etwa</span><br/> <span class="ft1">von einer Überwachungs- und Sanierungsbedürftigkeit nach Art. 7 ff.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">357</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">AltlV ausgeht. Nichts an dieser Beurteilung ändert der Umstand,</span><br/> <span class="ft1">dass die Abteilung für Umwelt in gewissen Dokumenten von einer</span><br/> <span class="ft1">"Voruntersuchung nach Altlasten-Verordnung" sprach.</span><br/> <span class="ft1">2.3.3</span><br/> <span class="ft1">Keinen Einfluss auf obige Feststellung hat auch, dass die Bau-</span><br/> <span class="ft1">herrschaft die zur Diskussion stehenden Massnahmen nicht aus eige-</span><br/> <span class="ft1">ner Initiative, sondern vielmehr gestützt auf behördliche Beurteilun-</span><br/> <span class="ft1">gen und Anordnungen in die Wege leitete, spielt es doch für die</span><br/> <span class="ft1">Kostentragung anerkanntermassen keine Rolle, ob die Behörde</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen verfügt (bzw. empfiehlt), oder aber, ob ein Grund-</span><br/> <span class="ft1">stückinhaber bzw. Bauherr diese freiwillig ergreift (vgl. Scherrer,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., S. 569, mit weiteren Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.3.4</span><br/> <span class="ft1">Gestützt auf obige Erwägungen teilt der Regierungsrat deshalb</span><br/> <span class="ft1">die Auffassung des BVU, Abteilung für Umwelt, dass es sich bei den</span><br/> <span class="ft1">Parzellen 2604 und 2605 um einen im Prinzip nicht sanierungsbe-</span><br/> <span class="ft1">dürftigen Standort gehandelt hat, dass sich aber aufgrund der Reali-</span><br/> <span class="ft1">sierung des Bauvorhabens - und nur deshalb - gewisse Massnahmen</span><br/> <span class="ft1">als erforderlich erwiesen. Es bestand mit andern Worten eine</span><br/> <span class="ft1">"Bauherrenaltlast". Das wiederum bedeutet nach dem Gesagten, dass</span><br/> <span class="ft1">die entsprechenden Kosten nicht verteilfähig nach Art. 32d USG</span><br/> <span class="ft1">sind. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.4</span><br/> <span class="ft1">Anders als bezüglich der Kosten für die Untersuchungen der</span><br/> <span class="ft1">Feststoffproblematik kam die Vorinstanz betreffend die Kosten für</span><br/> <span class="ft1">die Untersuchung der Gasproblematik zum Schluss, diese Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen stünden zwar ebenfalls im Zusammenhang mit dem Bau-</span><br/> <span class="ft1">projekt, sie gewichte aber den Aspekt, dass sie zur Klärung der Sa-</span><br/> <span class="ft1">nierungsbedürftigkeit des Grundstücks erforderlich gewesen seien,</span><br/> <span class="ft1">stärker, so dass die entsprechenden Auslagen im weitesten Sinne als</span><br/> <span class="ft1">der Gefahrenabwehr dienende Untersuchungskosten gelten könnten</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Entscheid vom 30. August 2011). Diese Differenzierung er-</span><br/> <span class="ft1">scheint dem Regierungsrat die folgerichtige Konsequenz aus dem</span><br/> <span class="ft1">Umstand, dass die Abteilung für Umwelt - wie oben aufgezeigt -</span><br/> <span class="ft1">eine allfällige Sanierungsbedürftigkeit im Zusammenhang mit der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">358</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gasproblematik immer als möglich erachtete und daher die Untersu-</span><br/> <span class="ft1">chung der Gasthematik forderte. Für den Regierungsrat besteht des-</span><br/> <span class="ft1">halb kein Anlass, von dieser Beurteilung abzuweichen.</span><br/> <span class="ft1">Somit kann hier festgehalten werden, dass die im Gesuch um</span><br/> <span class="ft1">Kostenverteilung vom 4. August 2008 geltend gemachten Untersu-</span><br/> <span class="ft1">chungskosten einzig hinsichtlich der Gasproblematik einen Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dungsfall von Art. 32d USG darstellen. Einer Kostenverteilung nicht</span><br/> <span class="ft1">zugänglich sind demgegenüber sämtliche übrigen Auslagen der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>