<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 112 S.419</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">419</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>112 Gesteigerter</b></span> <span class="ft3"><b>Gemeingebrauch</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Ein Restaurant ausserhalb des Festbetrieb-Perimeters hat keinen An-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>spruch auf eine Erlaubnis zum Aufstellen zusätzlicher Tische auf der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Strassenfläche.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 14. August</span><br/> <span class="ft2">2007 i.S. F. und B. gegen den Stadtrat Aarau.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Streitpunkt ist die Berechtigung zum Aufstellen von zusätzli-</span><br/> <span class="ft1">chen Tischen auf der Strassenfläche während des Eidgenössischen</span><br/> <span class="ft1">Schwing- und Älplerfestes:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">420</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführenden stützen sich auf eine entsprechende</span><br/> <span class="ft1">Bewilligung während des Eidgenössischen Jodlerfestes vor zwei Jah-</span><br/> <span class="ft1">ren und leiten daraus den Anspruch ab, diese auch beim kommenden</span><br/> <span class="ft1">Schwinger- und Älplerfest zu bekommen. (...)</span><br/> <span class="ft1">Der Stadtrat ist demgegenüber der Auffassung, dass der Peri-</span><br/> <span class="ft1">meter des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes 2007 auf das</span><br/> <span class="ft1">Schachengelände beschränkt werden sollte. Im Gegensatz zum Jod-</span><br/> <span class="ft1">lerfest 2005 sei eine Ausdehnung des Festbetriebes auf die Altstadt</span><br/> <span class="ft1">vom Organisationskomitee nie beabsichtigt gewesen. Dem Organi-</span><br/> <span class="ft1">sator eines Festes sei es erlaubt, den Perimeter des Festbetriebes im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen allfälliger, von der Standortgemeinde vorgegebener Ein-</span><br/> <span class="ft1">schränkungen selber bestimmen zu können. (...)</span><br/> <span class="ft1">Um die Lärmimmissionen möglichst auf den Festperimeter und</span><br/> <span class="ft1">dessen unmittelbare Umgebung zu beschränken, habe der Stadtrat</span><br/> <span class="ft1">dem Gesuch des Organisationskomitees entsprochen und beschlos-</span><br/> <span class="ft1">sen, der Stadtpolizei eine Anweisung betreffend Beschränkung des</span><br/> <span class="ft1">Festbetriebes auf das Schachengelände zu erteilen. (...)</span><br/> <span class="ft1">In verkehrstechnischer Hinsicht sei zu bemerken, dass die P+R-</span><br/> <span class="ft1">Busse bei grossem Verkehrsaufkommen auf der Umfahrungsroute</span><br/> <span class="ft1">vom Bahnhof her durch die Altstadt zum Schachen und zurück fah-</span><br/> <span class="ft1">ren müssten. Zudem seien die Rathausgasse und die Metzgergasse</span><br/> <span class="ft1">als Rettungsachsen bei einem ausserordentlichen Grossereignis be-</span><br/> <span class="ft1">stimmt worden. Ausserdem zirkulierten die normalen Linienbusse</span><br/> <span class="ft1">durch die Altstadt, weil es nicht möglich gewesen sei, eine Umfah-</span><br/> <span class="ft1">rungsroute einzurichten. Das Aufstellen von Bänken und Tischen</span><br/> <span class="ft1">oder Zelten auf der Strasse müsste aus Gründen der Rechtsgleichheit</span><br/> <span class="ft1">allen Gastwirtschaftsbetrieben zugestanden werden. Unter diesen</span><br/> <span class="ft1">Umständen wäre aber eine Verkehrsabwicklung schlechterdings un-</span><br/> <span class="ft1">möglich. Zu berücksichtigen sei auch, dass die meisten Altstadtwir-</span><br/> <span class="ft1">tinnen und -wirte im Besitze einer Saisonbewilligung für das Wirten</span><br/> <span class="ft1">auf öffentlichem Grund seien. So stünden auch den Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">renden zwischen dem 1. März und dem 31. Oktober 21 m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">Zusatz-</span><br/> <span class="ft1">fläche zur Verfügung.</span><br/> <span class="ft1">3. (...) Diejenige Nutzung einer öffentlichen Sache, die nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr bestimmungsgemäss oder gemeinverträglich ist und andere</span><br/> <span class="ft1">Benutzer wesentlich einschränkt, aber nicht ausschliesst, wird in der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">421</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Lehre als gesteigerter Gemeingebrauch bezeichnet. Dieser ist nor-</span><br/> <span class="ft1">malerweise bewilligungspflichtig und mit der Erhebung einer Ge-</span><br/> <span class="ft1">bühr verbunden. Gesteigerter Gemeingebrauch liegt vor, wenn der</span><br/> <span class="ft1">Gebrauch der öffentlichen Sache entweder nicht bestimmungsgemäss</span><br/> <span class="ft1">oder nicht gemeinverträglich ist. Der bestimmungsgemässe Ge-</span><br/> <span class="ft1">brauch beurteilt sich nach der natürlichen Beschaffenheit der öffent-</span><br/> <span class="ft1">lichen Sache, nach der Widmung oder nach der seit unvordenklicher</span><br/> <span class="ft1">Zeit praktizierten Nutzung. Bei gesteigertem Gemeingebrauch wird</span><br/> <span class="ft1">die öffentliche Sache anders genutzt, als es sich aus der natürlichen</span><br/> <span class="ft1">Beschaffenheit ergibt oder es die Widmung vorsieht. Die Nutzung ist</span><br/> <span class="ft1">in der Regel intensiver als beim schlichten Gemeingebrauch. Die</span><br/> <span class="ft1">Gemeinverträglichkeit fehlt, wenn eine erhebliche Beeinträchtigung</span><br/> <span class="ft1">der Nutzung durch andere zum Gemeingebrauch berechtigte Perso-</span><br/> <span class="ft1">nen eintritt. Die Grenze der Gemeinverträglichkeit ist allerdings erst</span><br/> <span class="ft1">überschritten, wenn sich die gleichartige Mitbenutzung durch andere</span><br/> <span class="ft1">auch im Rahmen einer allgemeinen Benutzungsordnung nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">gewährleisten lässt, sodass eine Anordnung darüber, wer die Sache</span><br/> <span class="ft1">benutzen darf, getroffen werden muss. Gesteigerter Gemeingebrauch</span><br/> <span class="ft1">liegt auch vor, wenn eine Nutzung der öffentlichen Sache gestört</span><br/> <span class="ft1">wird, welche das Gemeinwesen bestimmten anderen Personen - ins-</span><br/> <span class="ft1">besondere als gesteigerten Gemeingebrauch oder Sondernutzung -</span><br/> <span class="ft1">ausdrücklich gestattet hat. Die Notwendigkeit einer Bewilligungs-</span><br/> <span class="ft1">pflicht ergibt sich aus dem Erfordernis, zwischen den verschiedenen</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsarten Prioritäten zu setzen und zu koordinieren (vgl. Häfe-</span><br/> <span class="ft1">lin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zü-</span><br/> <span class="ft1">rich/Basel/Genf, 2006, N 2392-2403, S. 510-512 mit weiteren Hin-</span><br/> <span class="ft1">weisen).</span><br/> <span class="ft1">Im Kanton Aargau kann gemäss § 104 BauG durch Erlaubnis</span><br/> <span class="ft1">eine über den Gemeingebrauch hinausgehende Benutzung einer</span><br/> <span class="ft1">Strasse gestattet werden, wobei gemäss Abs. 2 lit. b derselben Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmung für Gemeindestrassen der Gemeinderat für die Erteilung</span><br/> <span class="ft1">der Bewilligung zuständig ist.</span><br/> <span class="ft1">4. Für den vorliegenden Fall ergibt sich aus diesen Überlegun-</span><br/> <span class="ft1">gen Folgendes:</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführenden scheinen aus der Tatsache, dass ih-</span><br/> <span class="ft1">nen vor zwei Jahren anlässlich des Eidgenössischen Jodlerfestes die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">422</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Benutzung des an ihr Grundstück angrenzenden Teils der Metzger-</span><br/> <span class="ft1">gasse zugestanden wurde, einen Anspruch auf eine erneute Bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungserteilung für das bevorstehende Eidgenössische Schwing- und</span><br/> <span class="ft1">Älplerfest abzuleiten. Dies trifft klarerweise nicht zu. § 104 BauG ist</span><br/> <span class="ft1">eine Kann-Vorschrift, welche die Bewilligungserteilung in das Er-</span><br/> <span class="ft1">messen des Stadt- resp. Gemeinderates stellt. Der Stadtrat Aarau hat</span><br/> <span class="ft1">in seiner Vernehmlassung (...) einlässlich dargelegt, dass bei der</span><br/> <span class="ft1">Bewilligungserteilung für das Benutzen von öffentlichem Grund für</span><br/> <span class="ft1">das Bewirten während des Eidgenössischen Schwing- und Älpler-</span><br/> <span class="ft1">festes an einen Gastwirtschaftsbetrieb auch den übrigen Restaurants</span><br/> <span class="ft1">der Rathaus- und Metzgergasse gleichlautende Bewilligungen erteilt</span><br/> <span class="ft1">werden müssten, ansonsten sich der Stadtrat mit dem Problem der</span><br/> <span class="ft1">rechtsungleichen Behandlung konfrontiert sähe. Zu Recht wird in der</span><br/> <span class="ft1">Vernehmlassung auch darauf hingewiesen, dass bei einem ausseror-</span><br/> <span class="ft1">dentlichen Grossereignis die Funktion der Rathaus- und Metzger-</span><br/> <span class="ft1">gasse als Rettungsachsen nicht mehr gewährleistet wäre, wenn diese</span><br/> <span class="ft1">Strassenzüge mit Tischen, Bänken oder gar Zelten verstellt wären.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführenden verkennen überdies, dass der Festpe-</span><br/> <span class="ft1">rimeter während des Eidgenössischen Jodlerfestes vor zwei Jahren</span><br/> <span class="ft1">anders festgelegt wurde als nun beim Eidgenössischen Schwing- und</span><br/> <span class="ft1">Älplerfest, welches bewusst auf dem Schachenareal durchgeführt</span><br/> <span class="ft1">wird. Anders als damals wird nun die Altstadt nicht in den Festbe-</span><br/> <span class="ft1">trieb einbezogen, was auch Auswirkungen auf den Betrieb der</span><br/> <span class="ft1">Restaurants in der Altstadt zeitigen muss. Die beiden Grossanlässe</span><br/> <span class="ft1">sind somit hinsichtlich der geografischen Ausdehnung nicht mit-</span><br/> <span class="ft1">einander vergleichbar.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>