<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Enteignungsrecht</span> <span class="page_no">271</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>XI. Enteignungsrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>49</b></span> <span class="ft2"><b>Kostenauflage im erstinstanzlichen Verfahren um formelle Enteignung</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 18. November 2009 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen Einwohnergemeinde U. gegen den Kanton Aargau und den Regierungs-</span><br/> <span class="ft3">rat des Kantons Aargau (WBE.2009.57).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">5.3.</span><br/> <span class="ft5">Nach § 149 Abs. 2 BauG sind in Enteignungsverfahren, in de-</span><br/> <span class="ft5">nen Entschädigungen zugesprochen werden, die Verfahrenskosten in</span><br/> <span class="ft5">der Regel vom entschädigungspflichtigen Gemeinwesen zu tragen.</span><br/> <span class="ft5">Eine ähnliche Regelung enthielt bereits das Dekret über das Verfah-</span><br/> <span class="ft5">ren vor der Schätzungskommission nach Baugesetz und nach Gewäs-</span><br/> <span class="ft5">serschutzgesetz (DSchK) vom 22. Februar 1972, welches mit dem</span><br/> <span class="ft5">Inkrafttreten des Baugesetzes vom 19. Januar 1993 aufgehoben</span><br/> <span class="ft5">wurde (vgl. § 166 lit. g BauG). Diese Bestimmung lautete wie folgt:</span><br/> <span class="ft3">"Kostenverteilung</span> <span class="ft6"><sup>1</sup></span> <span class="ft3">In Enteignungs- und Entschädigungsstreitigkeiten sind</span><br/> <span class="ft3">a) Grundsatz</span> <span class="ft3">die Kosten des Verfahrens in der Regel vom Enteigner</span><br/> <span class="ft3">beziehungsweise vom entschädigungspflichtigen Ge-</span><br/> <span class="ft3">meinwesen zu tragen. In allen übrigen Verfahren ent-</span><br/> <span class="ft3">scheidet die Schätzungskommission nach Recht und Bil-</span><br/> <span class="ft3">ligkeit sowie unter Berücksichtigung des Verfahrensaus-</span><br/> <span class="ft3">ganges über die Kostentragung."</span><br/> <span class="ft5">Das Verwaltungsgericht erwog dazu in einem Grundsatzent-</span><br/> <span class="ft5">scheid aus dem Jahr 1985, die Regel, wonach das entschädigungs-</span><br/> <span class="ft5">pflichtige Gemeinwesen die Verfahrenskosten zu tragen habe, be-</span><br/> <span class="ft5">ziehe sich einzig auf die zweite Phase des Verfahrens um formelle</span><br/> <span class="ft5">Enteignung, in der das Enteignungsrecht feststehe und sich die Aus-</span><br/> <span class="ft5">einandersetzung nur noch um die Entschädigung drehe. Das Recht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">272</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">des Privaten, ohne Kostenrisiko den Enteignungsrichter anzurufen,</span><br/> <span class="ft5">gelte somit bei der formellen Enteignung bloss für die Entschädi-</span><br/> <span class="ft5">gungsfrage (AGVE 1985, S. 378). Gemäss den Materialien zum</span><br/> <span class="ft5">Baugesetz sollte die Regel gemäss § 26 BauG in das neue Baugesetz</span><br/> <span class="ft5">übernommen und gleichzeitig präzisiert werden (Botschaft des Re-</span><br/> <span class="ft5">gierungsrats des Kantons Aargau an den Grossen Rat vom 21. Mai</span><br/> <span class="ft5">1990 [5397], S. 52). Hinweise darauf, dass die Kostenregelung ma-</span><br/> <span class="ft5">teriell abgeändert werden sollte, finden sich in den Materialien nicht.</span><br/> <span class="ft5">Es besteht daher kein Anlass, unter dem geltenden BauG vom</span><br/> <span class="ft5">Grundsatz abzurücken, wonach sich das Kostenprivileg des Enteig-</span><br/> <span class="ft5">neten lediglich auf die Entschädigungsfrage bezieht. Nachdem sich</span><br/> <span class="ft5">der Streit im konkreten Fall um das Enteignungsrecht als solches</span><br/> <span class="ft5">dreht, findet § 149 Abs. 2 BauG keine Anwendung. Die Kostenfrage</span><br/> <span class="ft5">richtet sich also nach § 33 Abs. 1 aVRPG i.V.m. § 4 Abs. 1 BauG.</span><br/> <span class="ft5">5.4.</span><br/> <span class="ft5">Nach § 33 Abs. 1 aVRPG ist das erstinstanzliche Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft5">verfahren unentgeltlich; abweichende Bestimmungen sind jedoch</span><br/> <span class="ft5">vorbehalten. Das Verfahren vor dem Regierungsrat ist zwar ein erst-</span><br/> <span class="ft5">instanzliches, weil die Schätzungskommission in der Enteignungs-</span><br/> <span class="ft5">frage keinen Entscheid fällen, sondern das Verfahren nach Scheitern</span><br/> <span class="ft5">der Einigungsverhandlungen lediglich an den Regierungsrat über-</span><br/> <span class="ft5">weisen kann (§ 154 BauG). Das Baugesetz enthält jedoch eine ab-</span><br/> <span class="ft5">weichende Bestimmung im Sinn von § 33 Abs. 1 aVRPG. Gemäss</span><br/> <span class="ft5">§ 5 Abs. 2 BauG können für Entscheide über Enteignungen auch vor</span><br/> <span class="ft5">erster Instanz Gebühren und Kosten auferlegt werden.</span><br/> <span class="ft5">Es gilt zwar der Grundsatz, dass eine Behörde keine Verfah-</span><br/> <span class="ft5">renskosten zu tragen hat (vgl. AGVE 1996, S. 384 f.). Dieser Grund-</span><br/> <span class="ft5">satz kommt jedoch dann nicht zum Tragen, wenn die Behörde ein</span><br/> <span class="ft5">Verfahren selber eingeleitet hat oder wenn eine besondere Interes-</span><br/> <span class="ft5">senlage gegeben ist, die jener im Klageverfahren oder im Zivilpro-</span><br/> <span class="ft5">zess entspricht, wenn es also um Interessen des Gemeinwesens na-</span><br/> <span class="ft5">mentlich finanzieller Art geht (vgl. AGVE 2006, S. 285; 2000, S. 386</span><br/> <span class="ft5">mit Hinweisen). Nachdem die Beschwerdeführerin das vor-</span><br/> <span class="ft5">instanzliche Verfahren selber durch ihre Einsprache eingeleitet hat,</span><br/> <span class="ft5">lässt es sich nicht beanstanden, dass der Regierungsrat die vor-</span><br/> <span class="ft5">instanzlichen Verfahrenskosten nach dem Prozessausgang verlegt</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Enteignungsrecht</span> <span class="page_no">273</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">hat. Da die Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren un-</span><br/> <span class="ft5">terlegen ist, hat sie folgerichtig die Kosten des Verfahrens vor dem</span><br/> <span class="ft5">Regierungsrat zu tragen. Die Rüge, die Vorinstanz habe die Kosten</span><br/> <span class="ft5">falsch verlegt, ist somit unbegründet.</span><br/></div> </div> </body> </html>