Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Juli 2015 (725 15 73 / 183) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Unfallbegriff: Ein Unfall im Rechtssinne ist zu bejahen, wenn der Versicherte beim Ski- fahren auf einer präparierten Piste in eine Bodendelle mit wenig Schnee fährt und durch die starke Abbremsung zusammengestaucht wird. Kausalzusammenhang zwischen dem erlittenen Unfall und einer später festgestelllten Diskushernie verneint. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Reto Ganter , Advokat , Advokatur Ganter & Ganter, Fischmarkt 3, Postfach 593, 4410 Liestal gegen Basler Versicherungen AG , Aeschengraben 21, Postfach , 4002 Basel, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Manfred Bayerdörfer, Advokat, Rathausstrasse 40/42, 4410 Liestal Betreff Leistungen A. Der 1964 geborene A.____ arbeitet seit dem 1. Se ptember 2004 bei der B.____ AG als Marketingleiter und ist in dieser Eigenschaft bei d er Basler Versicherungen AG gegen die Fol- gen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 20. Januar 2014 liess er durch die Ar- beitgeberin melden, dass er am 15. Dezember 2013 be i einer Skiabfahrt am Rande der Piste in ein Loch mit wenig Schnee gefahren und am Rücken st ark zusammengestaucht worden sei. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Basler Versicherungen AG erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen, namentlich die Kosten für die Heilbehandlung. Mit Verfügung vom 21. Mai 2014 stellte die Versicherung die Leistungen unter Hinweis auf die Erreichung des Vorzust andes per 4. März 2014 rückwirkend ein. Die dagegen von der Rechtsschutzversicherung C.____ AG namens und im Auftrag von A.____ erhobene Einsprache wurde mit Entscheid vom 16. Januar 2015 abgewiesen. Zur Be- gründung wurde ausgeführt, dass der vom Versicherten beschriebene Vorfall am 15. Dezember 2013 keinen Unfall im Rechtssinne darstelle, da es am ung ewöhnlichen äusseren Faktor fehle. Ebensowenig liege eine unfallähnliche Körperschädigun g vor. Selbst wenn eine solche bejaht werden könnte, sei der Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung aufgrund der fehlenden Kausalität zwischen der geklagten Diskushernie und dem Er eignis vom 15. Dezember 2013 zu verneinen. B. Hiergegen erhob A.____, nunmehr vertreten durch A dvokat Reto Ganter, am 18. Februar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, es seien ihm in Aufhebun g des angefochtenen Einspracheent- scheids vom 16. Januar 2015 die gesetzlichen Leistungen der Unfallversicherung zuzuspre- chen, unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher H insicht wurde der Beizug der Akten der Beschwerdegegnerin, ebenfalls unter o/e-Kostenfolge, b eantragt. Das Ereignis vom 15. Dezember 2013 stelle sehr wohl einen Unfall im R echtssinne dar. In der starken Abbrem- sung des Beschwerdeführers bei der Fahrt in die Pistenwe lle sei eine Programmwidrigkeit zu sehen. Da sich der Beschwerdeführer auf einer präparier ten, nicht-buckligen Piste befunden habe, habe mit dieser Programmwidrigkeit nicht gerechn et werden müssen. Überdies sei in Anwendung der entsprechenden Rechtsprechung auch die U nfallkausalität der erlittenen Dis- kushernie zu bejahen. Es habe sich um eine komplett neu a ufgetretene Gesundheitsschädi- gung gehandelt. C. In ihrer Vernehmlassung vom 26. März 2015 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. Wenn sich das in einer sportliche n Betätigung inhärente Risiko ver- wirkliche, sei kein Unfall im Rechtssinne gegeben. Mit Bo denwellen, Dellen und selbst mit schneefreien Stellen müsse auch auf präparierten Pisten jederzeit und überall gerechnet wer- den. Dies gelte insbesondere auch am Pistenrand. Ein Unf allereignis sei deshalb zu Recht ver- neint worden. Eventualiter sei zu berücksichtigen, dass ein Unfallereignis bloss ausnahmsweise und unter besonderen Voraussetzungen als Ursache für eine Diskushernie in Betracht falle. Diese Voraussetzungen seien vorliegend nicht gegeben. Die Unfallkausalität sei folglich zu ver- neinen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in D.____, weshalb die ör tliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht eingereichte – Beschwerde ist folglich einzutret en. 2. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in d er obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, Leistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Per- son Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die ver- sicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise a rbeitsunfähig, hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). 2.1 Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, n icht beabsichtigte schädigende Ein- wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den me nschlichen Körper, die eine Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. 2.2 Der äussere Faktor ist das zentrale Begriffscharakteristi kum eines jeden Unfallereignis- ses; er ist Gegenstück zur – den Krankheitsbegriff konstitu ierenden – inneren Ursache (BGE 134 V 76 E. 4.1.1). Der äussere Faktor ist ungewöhnli ch, wenn er den Rahmen des im jeweili- gen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreit et. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umständ e in Betracht fallen. Definitionsge- mäss bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusse- ren Faktors, sondern nur auf diesen selbst (BGE 134 V 76 E. 4.1, 129 V 404 E. 2.1, 122 V 233 E. 1, je mit Hinweisen). Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist, dass der äusse- re Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat. Ausschlagge- bend ist, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwe lteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt (BGE 134 V 80 E. 4.3.1). B ei Schädigungen, die sich auf das Kör- perinnere beschränken (wie etwa bei Muskel- und Gelenksch merzen, einer Lumbago oder Her- nien), unterliegt der Nachweis der Ungewöhnlichkeit de s äusseren Faktors besonders strengen Anforderungen. Die unmittelbare Ursache der Schädigun g muss in diesen Fällen unter beson- ders sinnfälligen Umständen gesetzt werden. Regelmässig be darf es – neben den üblichen, dem täglichen Leben zuzuschreibenden, auf den Körper e inwirkenden Kräften – eines scha- densspezifischen Zusatzgeschehens, damit ein Unfall angeno mmen werden kann. Hintergrund bildet der Umstand, dass ein Unfallereignis sich in der R egel in einer äusserlich wahrnehmba- ren Schädigung manifestiert, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (vgl. BGE 134 V 80 E. 4.3.2.1, 99 V 138 E. 1; Urteil des Bundesgerichts vom 25. März 2011, 8C_693/2010, E. 5.2). 2.3 Gemäss Lehre und Rechtsprechung kann der ungewöhnli che Faktor in einer unkoordi- nierten Bewegung oder in einer ausserordentlichen körp erlichen Anstrengung bestehen (BGE Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 130 V 117 E. 2.1, 116 V 136 E. 3b mit Hinweisen.; Ur teil des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG] vom 13. Februar 2006, U 144/06, E. 1, Urteil des EVG vom 13. Dezember 2002, U 65/02, E. 1.2; vgl. U ELI KIESER /H ARDY LANDOLT , Unfall-Haftung-Versicherung, Zürich/St. Gal- len 2012, N 17 ff.; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, § 7 N 13). Bei unkoordinierten Bewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erforder- nis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung g leichsam "programmwidrig" unter- bricht oder stört. Bei einer solchen unkoordinierten Be wegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich e in ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 118 E. 2.1 mit zahlreichen Hinweisen). 2.4 Bei Sportverletzungen im Speziellen ist ohne beson deres Vorkommnis das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unf alls zu verneinen (BGE 130 V 118, E. 2.2; vgl. auch: Urteil des EVG vom 7. Oktober 2003, U 322/02, E. 4.3;). Der äussere Faktor ist diesfalls nur dann ungewöhnlich, wenn er – nach ob jektiver Betrachtungsweise – nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensb ereich alltäglich und üblich ist, nicht aber, wenn ein Geschehen in die gewöhnliche Bandbreite der entsprechenden Bewegungsmus- ter und Abläufe des betreffenden Sports fällt (vgl. Ur teil des EVG vom 10. Mai 2004, U 199/03, E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juli 2010, 8C_189/2010, E. 5.1; MARTIN KAISER /J AVIER FERREIRO , Sozialrechtliche Aspekte des Unfallbegriffs und des Wagnisses im Sport, in: Schwei- zerische Zeitschrift für Sozialversicherung und berufliche Vorsorge [SZS] 2013, S. 580 f.). Das Merkmal der Ungewöhnlichkeit ist bei Sportverletzungen m it einer Gesundheitsschädigung, die sich auf das Körperinnere beschränkt, ohne besonderes Vo rkommnis rechtsprechungsgemäss deshalb grundsätzlich zu verneinen (vgl. Urteil des Bun desgerichts vom 25. März 2011, 8C_693/2010 sowie 8C_694/2010, E. 6.1). Ein Unfall se tzt insbesondere bei Sportverletzungen begrifflich voraus, dass das exogene Element – immer bezog en auf die gewöhnliche Bandbreite des Bewegungsmusters des betreffenden Sports – derart ung ewöhnlich ist, dass eine endoge- ne Verursachung der erlittenen Körperschädigung ausser Betracht fällt (vgl. BGE 134 V 76 f. E. 4.1). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren wird vom Un tersuchungsgrundsatz be- herrscht. Das Gericht hat den rechtserheblichen Sachverha lt von Amtes wegen, aus eigener Initiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien abzuklären und festzustellen (vgl. BGE 117 V 263 E. 3b). Aus der Untersuchungsmaxime folgt auch das Prinzip der freien Beweiswürdigung, wonach das Gericht an kei ne förmlichen Beweisregeln gebunden ist (Art. 61 lit. c ATSG). Das gesamte Beweismaterial ist unvoreingenommen und sorgfältig auf dessen Stichhaltigkeit zu prüfen (vgl. LOCHER , a.a.O., § 68 N 3). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von i hrem Bestehen überzeugt sind (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f.). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofe rn das Gesetz nichts Abweichen- des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wah rscheinlichkeit zu fällen. Die blos- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht se Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den B eweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu fol gen, die es von allen möglichen Ge- schehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 121 V 47 E. 2a; Zeitschrift für die Ausgleichskassen [ZAK] 1986 S. 189 f. E. 2c, jeweils mit Hinweisen). 3.3 Nach der Rechtsprechung hat die versicherte Person di e Umstände des als Unfall ge- meldeten Ereignisses glaubhaft zu machen. Zur Glaubhaft machung müssen über das konkrete Geschehen genaue und möglichst detaillierte Angaben n amhaft gemacht werden, aufgrund derer der Versicherer in die Lage versetzt wird, sich übe r die Tatumstände ein klares Bild zu machen und diese in objektiver Weise abzuschätzen (vgl. BGE 114 V 305 E. 5b; Urteil des EVG vom 25. November 2004, U 209/04, E. 1.2, Urteil des EV G vom 15. September 2004, U 234/04). Unvollständige, ungenaue oder widersprüchlic he Angaben zum Geschehensablauf können die Verneinung der Leistungspflicht der Unfallve rsicherung zur Folge haben. Im Streit- fall darf zudem berücksichtigt werden, dass die "Aussagen der ersten Stunde" der versicherten Person erfahrungsgemäss unbefangener und zuverlässiger sin d als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder ande- rer Art beeinflusst sein können (Urteil des EVG vom 23 . November 2006, U 258/04, E. 3.1 mit Hinweisen; vgl. auch: Urteil des Bundesgerichts vom 22. Se ptember 2008, 8C_827/2007, E. 5.2). Im Streitfall hat das Sozialversicherungsgericht zu beurteilen, ob die einzelnen Merkma- le des Unfallbegriffs, insbesondere die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors, gegeben sind. Spricht der rechtserhebliche Sachverhalt nicht wenigst ens mit Wahrscheinlichkeit für das Vor- liegen der einzelnen Begriffsmerkmale – die blosse Mögl ichkeit genügt nicht –, ist ein Unfall im Rechtssinne zu verneinen (Urteil des EVG vom 23. November 2006, U 258/04, E. 3.1 mit zahl- reichen Hinweisen). Bei der Beurteilung des Unfallbegriffs kommt ihm jedoch ein nicht unerheb- licher Beurteilungsspielraum zu (vgl. BGE 112 V 202 E. 1; Kranken- und Unfallversicherung – Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 2003 U 4 85 S. 259; A LFRED MAURER , Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern 1985, S. 168). 3.4 Der mangelnde Nachweis eines die Merkmale des Unfall es oder auch der unfallähnli- chen Körperschädigung erfüllenden Ereignisses lässt sich nur selten durch medizinische Fest- stellungen ersetzen. Diesen kommt im Rahmen der Bewei swürdigung für oder gegen das Vor- liegen eines unfallmässigen Geschehens in der Regel ledig lich die Bedeutung von Indizien zu (vgl. RKUV 1990 Nr. U 86 S. 51 E. 2). Dabei ist zu beachten, dass sich der medizinische Begriff des Traumas nicht mit dem Unfallbegriff deckt. Ein traum atisches Ereignis schliesst zwar eine pathologische Ursache aus, umfasst jedoch neben dem eigen tlichen Unfall auch Ereignisse, denen der Charakter der Ungewöhnlichkeit oder der Plö tzlichkeit abgeht (vgl. A LFRED BÜHLER , Der Unfallbegriff, in: Alfred Koller [Hrsg.], Haftpf licht- und Versicherungsrechtstagung 1995, St. Gallen 1995, S. 267). 4. Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob es sich beim Ereignis vom 15. Dezember 2013 um einen Unfall im Rechtssinne gehandelt hat. 4.1.1 Gemäss Bagatellunfall-Meldung der Arbeitgeberi n vom 20. Januar 2014 sei der Be- schwerdeführer am 15. Dezember 2013 bei einer Skiabfahrt am Rande der Piste in ein Loch mit Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wenig Schnee gefahren und daraufhin am Rücken stark zus ammengestaucht worden. Er habe im Anschluss nicht mehr weiterfahren können, sondern zu Fuss weitergehen müssen. 4.1.2 Im Fragebogen vom 25. März 2014 führte der Besch werdeführer aus, dass er bei einer Skiabfahrt in ein Loch (Delle) gefahren sei. Es habe ihn zusammengestaucht und er habe einen Schlag in den Rücken erhalten. Eine Weiterfahrt sei nicht möglich gewesen. 4.1.3 Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens li ess der Beschwerdeführer aus- führen, dass er anlässlich einer Skiabfahrt am Rande der Piste mit grosser Geschwindigkeit in ein Loch bzw. eine Bodenwelle gefahren sei, in dem es bloss wenig Schnee gehabt habe. Dadurch sei eine starke Abbremsung erfolgt, wodurch e ine Bewegungsänderung, namentlich eine Stauchung bewirkt worden sei. Auf die Bodenwelle habe nichts hingedeutet, der Be- schwerdeführer habe auf einer präparierten Piste auch n icht damit rechnen müssen. Die Ab- bremsung habe ihn entsprechend völlig unvorbereitet und ungefasst getroffen. 4.2 Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt, sind die Schilderungen des Be- schwerdeführers im Wesentlichen widerspruchsfrei und es ka nn darauf abgestellt werden. Um- stritten ist indessen, ob der beschriebene Vorfall das Kriterium der Ungewöhnlichkeit erfüllt. Wie in Erwägung 2.3 hiervor ausgeführt, kann der ungewöhn liche äussere Faktor in einer unkoordi- nierten Bewegung bestehen. Er liegt in solchen Fälle n darin, dass die körperliche Bewegung durch etwas „Programmwidriges“ gestört wird, was beispie lsweise dann zutrifft, wenn der Versi- cherte stolpert, ausgleitet oder an einem Gegenstand anstösst, oder wenn er, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrhaltung ausführ t oder auszuführen versucht (Urteil des EVG vom 30. August 2001, U 277/99, E. 3c; RKUV 1999 N r. U 345 S. 420 E. 2b mit weiteren Hinweisen). Diese Programmwidrigkeit muss bei Sportverl etzungen ausserdem ausserhalb der gewöhnlichen Bandbreite der entsprechenden Bewegung smuster und Abläufe der konkreten Sportart liegen (vgl. E. 2.4 hiervor). 4.2.1 Das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors wurde bei einem Skifahrer im Sinne eines Grenzfalles bejaht, der im buckligen Gelände auf einer vereisten Stelle ausglitt und danach – ohne zu stürzen – unkontrolliert auf den Bod en aufschlug (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 420 ff.). Als Programmwidrigkeit wurde in jenem Ur teil das Ausgleiten auf der vereisten Stel- le, das sich daraus ergebende unkontrollierte Anfahren e ines Buckels, das Abgehobenwerden bei verdrehter Oberkörperhaltung und das harte Aufsch lagen gesehen (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 424 f. E. 4). Mangels Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors wurde der Unfallbegriff hinge- gen nicht als erfüllt betrachtet, wenn es beim Skifahr en auf einer steilen, buckligen Piste und Kompression in einer Wellenmulde zum Auftreten einer Diskushernie kommt (nicht veröffentlich- tes Urteil des EVG vom 16. Mai 1991, U 16/91, zitiert in RKUV 1999 Nr. U 345 S. 426 E. 5). Verneint wurde eine Programmwidrigkeit auch bei einer Versicherten, die auf einer unpräparier- ten Piste nach einem Sprung im hügeligen Gelände in einer Mulde landete und hart aufschlug. Beim Befahren von unpräparierten Pisten in alpinem Ge lände müsse mit Hügeln, Mulden und Gräben gerechnet werden. Unerwartetes Hängen- und St eckenbleiben, unsanftes Abbremsen oder nicht optimal gelungene Sprünge werden in dies er Situation in Kauf genommen und sind weder unvorhersehbar noch ungewöhnlich (Urteil des EVG vom 1. Februar 2005, U 313/2004, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 5.1). Das Kantonsgericht lehnte mit Urteil vom 25. April 2013 die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors in einem Fall, in dem die Versicherte b eim Skifahren über einen Buckel ge- fahren und bei der Landung hart aufgeschlagen ist, ebe nfalls ab (Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht [KGE SV], vom 25. April 2013, 725 12 377 / 84 E. 5.3). 4.2.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin i st die Programmwidrigkeit und damit die Ungewöhnlichkeit des vom Beschwerdeführer im vo rliegenden Fall geschilderten Ge- schehensablaufs zu bejahen: Der Beschwerdeführer ist zwar a m Rande, aber innerhalb einer präparierten Skipiste mit hoher Geschwindigkeit unversehe ns in eine Bodenwelle gefahren und erlitt dabei einen Schlag in den Rücken. In der bei diesem Vorfall erfahrenen starken und abrup- ten Entschleunigung der Körpers aus schneller Fahrt ist e ine programmwidrige Störung des Bewegungsablaufs zu sehen, die mit einem Anstossen vergleichbar ist. Diese Programmwidrig- keit war für den Beschwerdeführer nicht vorhersehbar. Au f einer präparierten Piste muss – im Gegensatz zu unpräparierten Pisten oder Buckelpisten – n icht mit Löchern oder anderen Unre- gelmässigkeiten auf dem Fahrweg gerechnet werden. Deme ntsprechend nimmt ein Skifahrer auf einer präparierten Piste eine andere Körperhalt ung ein und weist eine andere Körperspan- nung auf als auf anderem Gelände. Das Auffangen der b eschriebenen Unregelmässigkeiten fällt in dieser Situation nicht mehr in die gewöhnl iche Bandbreite der Bewegungsmuster beim Skifahren. Der beschriebene Geschehensablauf stellt damit einen ungewöhnlichen äusseren Faktor dar, wobei im Hinblick auf die in Erwägung 4.2. 1 hiervor aufgeführte Rechtsprechung wohl von einem Grenzfall auszugehen ist. 4.3 Nach dem Ausgeführten ist als Zwischenergebnis festzu stellen, dass der Beschwerde- führer einen Unfall im Rechtssinne erlitten hat, als er am 15. Dezember 2013 beim Skifahren unerwartet in eine Bodenwelle fuhr und eine starke Ab bremsung mit Stauchung des Rückens erfuhr. 5.1 Für Leistungen nach UVG hat der Unfallversicherer gr undsätzlich nur unter der Voraus- setzung aufzukommen, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, I ntegritätsschädigung) ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusam- menhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. n icht zur gleichen Zeit eingetreten ge- dacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall di e alleinige oder unmittelbare Ursa- che gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige In tegrität der versicherten Person beein- trächtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht w eggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 5.2 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflich t erst, wenn der Unfall nach einiger Zeit überhaupt keine natürliche Ursache des Gesundheitssc hadens mehr darstellt, wenn also Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Letzterer nur noch und ausschliesslich von unfallfremden F aktoren beherrscht wird. Dies trifft dann zu, wenn entweder der krankhafte Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schick- salsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohn e Unfall früher oder später ein- gestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (vgl. RK UV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b, RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). 5.3 Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer g esundheitlichen Störung ein na- türlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrag e, worüber die rechtsanwendende Be- hörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gerich t – im Rahmen der ihr obliegenden Be- weiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Die blosse Möglich- keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung ei nes Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdar stellung zu folgen, die von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste gewürdi gt wird (BGE 126 V 360 E. 5b). Die Beweislast liegt bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammen- hang gegeben ist, bei der versicherten Person, während sie als leistungsaufhebende Tatsache beim Unfallversicherer liegt (Sozialversicherungsrecht – Re chtsprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2). 5.4 Zusätzlich zu diesen allgemeinen Grundsätzen, die i m Zusammenhang mit der Feststel- lung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Me dizin zu beachten sind, gilt es bei der Beurteilung der Unfallkausalität von Diskushernien d er medizinischen Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandschei- benveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt . Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfaller eignis von besonderer Schwere sowie geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbei zuführen, und die Symptome der Dis- kushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzügl ich und mit sofortiger Arbeitsunfä- higkeit aufgetreten sind (Urteil des Bundesgerichts vom 12 . Juli 2012, 8C_151/2012, E. 4 mit weiteren Hinweisen). Ist die Diskushernie bei degenerat ivem Vorzustand durch den Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, so hat die Unfa llversicherung nur Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende S chmerzsyndrom zu erbringen. Nach derzeitigem medizinischem Wissensstand kann das Erreichen de s Status quo sine bei post- traumatischen Lumbalgien und Lumboischialgien nach dre i bis vier Monaten erwartet werden. Eine allfällige richtunggebende Verschlimmerung muss rön tgenologisch ausgewiesen sein und sich von der altersüblichen Progression abheben; eine trau matische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsä ule ist in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abg eschlossen zu betrachten (Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juni 2012, 8C_681/2011, E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). 6. Zur Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen a ngewiesen, die ihr vorab von Ärztin- nen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (vgl. BGE 122 V 158 f. E. 1b). Das Gericht hat die Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und p flichtgemäss zu würdigen. Dies be- deutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismitte l, unabhängig, von wem sie stam- men, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den P rozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streit igen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden be rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einge- reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 7. Zur Beurteilung des vorliegenden Falles sind folgen de ärztliche Berichte zu berücksich- tigen: 7.1 Dr. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, hielt im Anschluss an die Erstbehandlung am 21. Dezember 2013 im Arztzeugnis UVG vom 4. Februar 2014 als vorläufige Diagnose My- ogelosen und Triggerpunkte am Musculus gluteus medius lin ks fest. Das Iliosakralgelenk sei frei, der Lasègue-Test sei negativ ausgefallen. Es sei e ine Therapie mit Analgetika veranlasst worden. Als Ursache für die Beschwerden komme eine Kran kheit in Frage. Der Patient habe vorher nicht unter ähnlichen Beschwerden gelitten. 7.2 Ein am 23. Januar 2014 beim Bildgebungsinstitut F. ____ durchgeführte Magnetreso- nanztomografie (MRT) ergab eine altersentsprechende D arstellung der Bandscheide ohne auf- fällige Chondrosen. Die Foramina intervertebralia sei durchwegs regelrecht dargestellt ohne Foraminalstenosen oder Diskushernien. Es bestünden keine auffälligen Facettengelenksarthro- sen und keine Spinalkanalstenosen. Hingegen sei ein Verda cht auf Spondylolyse in der Pars interarticularis LWK5 ohne Spondylolyse festzuhalten. 7.3 Der behandelnde Arzt Dr. med. G.____, FMH Allgem eine Innere Medizin, diagnosti- zierte in seinem Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 1 7. Februar 2014 ein Stauchungs- trauma der Lendenwirbelsäule mit aktivierter Spondylolyse der Wirbelkörper L5/S1. Er hielt fest, dass er anlässlich einer früheren Konsultation am 20. Ja nuar 2014 ein Stauchungstrauma der Lendenwirbelsäule sowie einen Verdacht auf einen Band scheibenvorfall L3 links diagnostiziert habe. Das MRT habe eine Neurokompression nicht nachweisen können. Eine solche bleibe jedoch klinisch möglich. Die aktuelle Diagnose entspreche dem MRT-Befund und sei als aktuel- le Arbeitshypothese anzusehen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4 Am 6. März 2013 wurde der Beschwerdeführer aufgru nd der Indikation einer seit De- zember 2013 bestehenden Lumboischialgie mit Ausstrahlung in den linken Oberschenkel und in die Leiste mit leichtem Sensibilitätsdefizit operiert . Die neurochirurgische Abteilung des Spitals H.____ hielt in ihrem Operationsbericht vom gleichen T ag als OP-Diagnose ein lumboradikulä- res Schmerz- und sensomotorisches Ausfallsyndrom, am ehesten L3 und L4 linksseitig mit nach kranial und wenig nach kaudal sequestrierter lu mbaler Diskushernie Lendenwirbelkörper 3/4 linksseitig mit Tangierung der Wurzel L3 fest. 7.5 Die versicherungsmedizinisch beratende Ärztin Dr. med. I.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, führte in ihrer Stellung nahme an die Beschwerdegegnerin vom 15. April 2014 unter Hinweis auf den Bericht des erstb ehandelnden Arztes Dr. E.____ und das am 23. Januar 2014 durchgeführte MRT aus, dass die seq uestrierte Diskushernie mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit nicht auf das Ereignis vom 15. Dezember 2013 zurückzuführen sei. Der Status quo sine vel ante für die unfallkausalen Besch werden wäre spätestens nach drei bis vier Monaten erreicht gewesen. 7.6 Im Rahmen des Einspracheverfahrens nahm Dr. G.__ __ im Auftrag des Beschwerde- führers in medizinischer Hinsicht erneut Stellung. Er füh rte am 26. Juni 2014 aus, dass es ver- messen sei, vorliegend von einem Vorzustand auszugehen. Bi s zum Unfall sei der Beschwer- deführer jederzeit beschwerdefrei und sportlich auf hoh em Niveau leistungsfähig gewesen. Be- handlungen seien nicht aktenkundig. Durch die axiale Stauchung am 15. Dezember 2013 sei es zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung gekommen. Die klinische Symptomatik sei in der Folge jedoch progredient gewesen, erst verzögert habe eine Diskushernie nachgewiesen wer- den können. Inwieweit diese vorbestehend gewesen sei, könne weder von ihm noch von einer Versicherungsgesellschaft festgestellt werden. Fest stehe, dass das Auftreten der Symptome in klarem Zusammenhang mit der Diskushernie stehe und eine entsprechende Vorerkrankung nicht bekannt gewesen sei. Aktuell sei weder ein Status quo ante noch ein Status quo sine er- reicht. Die Annahme, dass der Vorzustand am 4. März 2014 erreicht worden sei, sei willkürlich. 8.1 Die in Erwägung 5.4 hiervor dargestellte Rechtspr echung des Bundesgerichts zur Kau- salität von Bandscheibenvorfällen ist so zu verstehen, dass e ine Diskushernie in der Regel auf degenerative Veränderungen zurückzuführen und folglich krankheitsbedingt ist. Nur in äusserst seltenen Fällen kann eine Diskushernie durch einen Unfall ausgelöst oder richtungsgebend ver- schlimmert werden. Dies ist der Fall, wenn das Unfallere ignis mit seiner äusseren Einwirkung derart intensiv ist, dass es geeignet ist, eine gesunde Wi rbelsäule zu verletzen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juli 2012, 8C_151/2012, E. 4 mit weiteren Hinweisen). Ausgangspunkt jeder Kausalitätsbeurteilung in diesem Gebiet bildet somit die Frage, ob der konkrete Unfallme- chanismus auch eine gesunde Bandscheibe schädigen könnte. Nach dem unbestrittenen und vom Beschwerdeführer widerspruchsfrei geschilderten Unfal lhergang ist er bei einer Skiabfahrt in eine Bodenwelle gefahren und stark zusammengestaucht worden. Obwohl dabei gemäss den Ausführungen von Dr. G.____ eine axiale Stauchung der Wirbelsäule stattgefunden hat, ist die- ses Ereignis im Lichte der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Unfallkausalität von Bandscheibenvorfällen eher den nicht besonders inten siven oder schweren zuzuweisen (vgl. dazu DAVID WEISS , Bemerkungen zum Urteil des EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, in: AJP 2006, S. 880 f., mit einer Zusammenstellung verschi edener Bundesgerichtsurteile zu die- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ser Frage). Der medizinischen Erfahrungstatsache gemäss w äre es wohl nicht geeignet gewe- sen, eine gesunde Bandscheibe zu verletzen. Vom erstbeha ndelnden Arzt Dr. E.____ am 21. Dezember 2013 wurden denn auch keinerlei typische ( radikuläre oder sensomotorische) Symptome oder klinische Anzeichen für eine Diskushernie (L asègue-Zeichen negativ) festge- stellt. Vielmehr ging bereits Dr. E.____ von einer kran kheitsbedingten Schädigung aus. Zu be- rücksichtigen ist ausserdem, dass der Beschwerdeführer kurz na ch dem Unfallereignis in die Ferien nach Asien verreiste. Erst im Anschluss an diesen Urlaub war erstmals von der Diagno- se einer Diskushernie die Rede. Selbst wenn eine solche zu diesem Zeitpunkt bildgebend hätte nachgewiesen werden können, bzw. das am 23. Januar 2014 durchgeführte MRT die korrekte linke Seite der Wirbelsäule abgebildet hätte, wäre ei n Kausalzusammenhang mit dem mehr als fünf Wochen vorher stattgefundenen Unfallereignis nich t nachgewiesen. Damit fehlt es sowohl an der notwendigen Unfallschwere wie auch an einer echtzeitlichen Diagnose. 8.2 Daran ändert auch das Vorbringen nichts, wonach der Beschwerdeführer vor dem Un- fall jederzeit beschwerdefrei und sportlich auf hohem Niveau leistungsfähig gewesen sei und nie eine Wirbelsäulenbehandlung habe beanspruchen müss en. Dadurch ist nicht erstellt, dass der Beschwerdeführer am 15. Dezember 2013 einen trauma tisch bedingten Bandscheiben- schaden erlitt. Den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Bandscheibenscha- den allein mit dieser Argumentation zu bejahen, lief e im Ergebnis auf die Beweisformel "post hoc ergo propter hoc" hinaus, wonach eine gesundheitli che Schädigung bereits deshalb als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem au fgetreten ist (vgl. BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb). Eine solche Beweiswürdigung erweist sich im u nfallversicherungsrechtlichen Bereich aber nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung als unzurei chend (vgl. etwa Urteil des Bundes- gerichts vom 22. Juni 2010, 8C_309/2010). Ein stummer Vo rzustand, der durch den Unfall vom 15. Dezember 2013 aktiviert wurde, wird vom Beschwerdef ührer augenscheinlich nicht geltend gemacht. 8.3 Nach dem Ausgeführten ist mit überwiegender Wahrs cheinlichkeit davon auszugehen, dass der am 15. Dezember 2013 erlittene Unfall die a nlässlich der Operation am 6. März 2013 festgestellte Diskushernie nicht ausgelöst oder aktivier t hat. Zu prüfen bleibt, ab welchem Zeit- punkt ein Abklingen des unfallbedingten Schmerzsyndroms anzu nehmen ist (vgl. E. 5.4 hier- vor). Die Beschwerdegegnerin ist – gestützt auf die Stel lungnahme von Dr. I.____ – davon aus- gegangen, dass das Unfallereignis höchstens für ein bis 4. März 2014 dauerndes Schmerzsyn- drom kausal verantwortlich gewesen sei. Gemäss Rechtsprechun g ist das Abklingen posttrau- matischer Lumbalgien und Lumboischialgien nach drei bis vier Monaten zu erwarten (vgl. E. 5.4 hiervor). Die vorliegend anerkannte Behandlungsdauer vo n etwas weniger als drei Monaten erscheint eher knapp bemessen. Unter Berücksichtigung der Umstände des konkreten Falles erweist sich die Einstellung der Leistungen per 4. März 2014 jedoch noch als rechtmässig. Die unfallbedingten Ursachen des Gesundheitsleidens des Beschw erdeführers haben in diesem Zeitpunkt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ihre kau sale Bedeutung verloren respektive sind von der aufgetretenen Diskushernie überlagert worden. 9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es sich beim Ereig nis vom 15. Dezember 2013 um einen Unfall im Rechtssinne gehandelt hat. Ind essen besteht mit überwiegender Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wahrscheinlichkeit kein Kausalzusammenhang zwischen dem er littenen Unfall und der später diagnostizierten Diskushernie. Die Beschwerdegegnerin h at demnach nur für das unfallkausale Schmerzsyndrom aufzukommen. Die diesbezügliche Annahme ei nes Status quo sine vel ante per 4. März 2014 durch die Beschwerdegegnerin ist letztl ich nicht zu beanstanden. Die gegen den Einspracheentscheid vom 16. Januar 2015 erhobene Be schwerde erweist sich damit im Ergebnis als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 10. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für den vo rliegenden Prozess keine Verfah- renskosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind entsprechend dem Verfahrensaus- gang wettzuschlagen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht