Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 6. Januar 2016 (810 15 26) ____________________________________________________________________ Umweltschutz, Wasser und Energie Voraussetzungen zur Löschung eines Eintrags "belastet ohne Überwachungs- und Sanierungsbedarf" aus dem Kataster belasteter Standorte Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte A.____ AG , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Thomas Christen, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Katastereintrag und Löschung von Teilbereic hen (RRB Nr. 0085 vom 20. Januar 2015) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 26. März 2008 teilte das Amt für Umwelt und Ene rgie des Kantons Basel- Landschaft (AUE) der A.____ AG mit, dass zumindest Teilbereiche des Standorts der Parzellen Nrn. 354, 4372, 4373, 4375, 4405 und 4649, Grundbuc h (GB) Liestal, gestützt auf die Kriterien bezüglich Betriebsgrösse, Betriebszeitraum und durchgefü hrter Tätigkeiten bzw. gelagerter oder verwendeter Stoffe mit grosser Wahrscheinlichkeit im Sinne von Art. 5 der Verordnung über die Sanierung von belasteten Standorten (Altla sten-Verordnung, AltlV) vom 26. August 1998 belastet seien. Deshalb werde der Standort mit den oben genannten Parzellen als belastet eingestuft und sei mit dieser Beurteilung fü r einen Eintrag in den Kataster der belaste- ten Standorte (KbS) des Kantons Basel-Landschaft vorgese hen. Zur Bedeutung des Eintrags wurde ausgeführt, dass in einem weiteren Schritt geprüft werde, ob der Standort allenfalls über- wachungs- oder sanierungsbedürftig sei. Die Löschung des Standorts aus dem Kataster sei möglich, wenn der Nachweis erbracht werde, dass der Unt ergrund des Standorts die Anforde- rungen an unverschmutztes Aushubmaterial gemäss der Richtl inie des (ehemaligen) Bundes- amtes für Umwelt, Wald und Landschaft für die Verwertu ng, Behandlung und Ablagerung von Aushub-, Abraum- und Ausbruchmaterial (Aushubrichtlin ie) vom Juni 1999 erfülle. Das AUE räumte der A.____ AG Gelegenheit zur Stellungnahme zu diesem provisorischen Katasterein- trag ein. B. In der Folge liess die A.____ AG in Absprache mit dem AUE die Belastungssituation des Standorts genauer untersuchen. C. Am 12. März 2014 entschied das AUE, dass der Standort der Parzellen Nrn. 354, 4372, 4373, 4375, 4405 und 4649, GB Liestal, aufgrun d der vorliegenden Untersuchungser- gebnisse gemäss Art. 8 AltlV als "belastet ohne Überwach ungs- und Sanierungsbedarf" ein- gestuft und mit dieser Beurteilung definitiv in den KbS aufgenommen werde. D. Mit Eingaben vom 25. März 2014 und vom 16. Mai 201 4 beantragte die A.____ AG, der Standort sei aus dem KbS zu entlassen. Für den Fall, dass der Standort nicht aus dem KbS entlassen werde, sei eine beschwerdefähige Verfügung zu erlassen und die notwendigen Kosten zur Beseitigung des aus Sicht des AUE störenden Zus tands gemäss Art. 32d des Bundesgesetzes über den Umweltschutz (USG) vom 7. Oktober 1983 zu übernehmen. E. Am 23. Juli 2014 verfügte das AUE: "Der Standort N r. 2829520485 auf den Parzellen Nrn. 354, 4372, 4373, 4375, 4405, 4649 in Liestal wi rd mit der Bewertung: "belastet ohne Überwachungs- oder Sanierungsbedarf" in den Kataster der belasteten Standorte eingetragen. (…)" F. Eine von der A.____ AG, vertreten durch Dr. Thoma s Christen, Advokat in Liestal, dagegen erhobene Beschwerde wies der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft mit Beschluss (RRB) Nr. 0085 vom 20. Januar 2015 ab. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Dagegen erhob die A.____ AG, weiterhin vertreten durch Dr. Thomas Christen, am 2. Februar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht), mit den Rechtsbegehren: 1. Es s ei der Entscheid des Regierungsrats RRB Nr. 0085 vom 20. Januar 2015 vollumfänglich aufzuheben; 2. Demzufolge sei der Standort Nr. 2829520485 auf den Parzellen Nrn. 354, 4372, 437 3, 4375, 4405, 4649 aus dem KbS zu entlassen und es sei die entsprechende Löschung vorzunehme n; 3. Es sei die Sache mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; 4 . Unter o/e-Kostenfolge zulasten des Beschwerdegegners. H. Mit Vernehmlassung vom 8. Juni 2015 beantragte der R egierungsrat, vertreten durch die Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel-La ndschaft, die Beschwerde sei abzu- weisen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsg ericht ist zulässig gegen Ver- fügungen und Entscheide des Regierungsrats sowie letztinsta nzliche Entscheide der Direktionen und gegen letztinstanzliche Entscheide der Lan deskirchen, sofern dem Kantons- gericht die Zuständigkeit nicht entzogen ist (§ 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993) und sofern durch Verfassung oder Gesetz vorgesehen gegen Verfügungen und Entscheide anderer Behörden und Gerichte (§ 43 Abs. 2 VPO). Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetz- licher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung des Falls gegeben. 1.2 Näher zu prüfen ist zunächst die Legitimation der Beschwerdeführerin zur Beschwer- deerhebung. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei als Eigentümerin des fraglichen Standorts und Adressatin des angefochtenen Entscheids vom 20. Januar 2015 zur Beschwerde legitimiert. 1.3 Gemäss § 47 Abs. 1 VPO sind zur Beschwerde befugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat (lit. a), jede ande re Person, Organisation oder Behörde, die durch besondere Vorschrift zur Beschwerde ermächtigt ist (lit. b) sowie die vollziehende Behör- de der Gemeinde bei Verfügungen und Entscheiden letzt instanzlicher Verwaltungsbehörden des Kantons (lit. c). 1.4 Den Grundbuchauszügen der beiden Parzellen Nrn. 3 54 und 4372, GB Liestal, lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin – entgegen der Vorbringen in der Beschwerde- schrift – nicht Eigentümerin dieser Parzellen ist. Demg emäss ist sie in Bezug auf diese beiden Parzellen nicht zur Beschwerdeerhebung legitimiert. So weit die Beschwerdeführerin die Entlassung der beiden Parzellen Nrn. 354 und 4372, GB Liestal, aus dem KbS verlangt, kann auf ihre Beschwerde nicht eingetreten werden. Hingege n ist die Beschwerdeführerin Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eigentümerin der Parzellen Nrn. 4373, 4375, 4405 und 4649, GB Liestal, welche ebenfalls vom Katastereintrag betroffen sind. Insoweit ist die Beschwer deführerin vom angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung bzw. Aufhebung des Entscheids. Insoweit kann auf ihre Beschwerde eingetreten werden. 2.1 Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, es sei keine Verletzung des rechtlichen Gehörs auszumachen, weil das AUE im Detail aufgezeigt habe, wieso dem Antrag der Beschwerdeführerin, den streitgegenständlichen Standort aus dem KbS zu entlassen, nicht gefolgt werde. Weiter laufe auch die erhobene Rüge d er unrichtigen Sachverhaltsfeststellung ins Leere. Weiche die Entscheidbehörde von einem gutach terlichen Antrag ab, weil sie die massgebenden Grundlagen rechtlich anders einordne, könn e höchstens eine Rechtsverletzung vorliegen, eine falsche Sachverhaltsdarstellung sei darin nicht zu erblicken. 2.2 Die Beschwerdeführerin macht wie im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren eine Ver- letzung des rechtlichen Gehörs geltend. Sie bringt vor, die Begründungspflicht sei verletzt worden, weil die entscheidende Behörde es unterlassen habe, sich eingehend mit einem relevanten Gutachten auseinanderzusetzen, das zu einem a nderen Ergebnis komme als die Vorinstanz. Überdies sei zu unterstreichen, dass die Gutach terin im Rahmen der altlasten- rechtlichen Untersuchung des fraglichen Standorts vom AUE selbst als Fachbüro vorge- schlagen worden sei, und es sich entsprechend nicht – wie d ies die Stellungnahme vom AUE vom 1. Dezember 2014 suggeriere – um ein Parteigutach ten handle. Folge der Verletzung des rechtlichen Gehörs sei, dass der angefochtene Entscheid aufgehoben werden müsse. 2.3 Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der Bunde sverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 verpflichtet die Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Dabei ist nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrückl ich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken . Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die Tragwe ite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3 mit Hinweisen). Aufgabe eines Gutachters ist es entweder Tatsa chen mittels Fachkunde festzustellen oder Erfahrungssätze (anerkannte Regeln der Technik und Wissenschaft) mitzuteilen oder Tatsachen aufgrund von Fachwissen und Erfahrungssätzen zu beurteilen. Dem Gutachter sind indes bloss Sach- und keine Rechtsfragen zu unterbreiten (BGE 130 I 337 E. 5.4.1, mit Hinweisen). Wie jedes Beweismittel unte rliegen auch Gutachten der freien richterlichen Beweiswürdigung, wobei der Richter in Sach fragen nur aus triftigen Gründen von einer gerichtlichen Expertise abweicht und eine allfälli ge Abweichung begründen muss. Die Beweiswürdigung und die Beantwortung der sich stellende n Rechtsfragen ist hingegen zwingend Aufgabe des Richters (vgl. BGE 133 II 384 E. 4. 2.3; A LFRED BÜHLER , Gerichts- gutachter und -gutachten im Zivilprozess, in: Marianne Heer/Christian Schöbi [Hrsg.], Gericht und Expertise, Bern 2005, S. 50). Wie die Vorinstanz bereits zutreffend ausgeführt hat, ist vor- liegend weder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs n och eine unrichtige Sachverhaltsdar-Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellung ersichtlich. Die Vorinstanzen sind in den Sachfr agen (insbesondere in Bezug auf die festgestellten Belastungen im Boden) nicht vom Gutac hten abgewichen. Die Gutachterin hat zwar in Bezug auf die damit zusammenhängenden Rechtsfr agen betreffend Eintragung in den bzw. Löschung aus dem KbS einen Antrag zu Handen der zust ändigen Behörden gestellt; sie hat aber im Gutachten auch – zutreffenderweise – darauf hingewiesen, dass die definitive alt- lastenrechtliche Beurteilung des Standorts durch die Fachstelle Altlasten des AUE erfolgen wird (Gutachten der B.____ AG vom 7. November 2013 S. 9). Die für die Beurteilung zuständigen Vorinstanzen haben in der Folge die mit dem Gutachte n zusammenhängenden Rechtsfragen anders beurteilt als die Beschwerdeführerin und die Gut achterin in ihrem Antrag. Indem sie diese rechtliche Beurteilung vorgenommen haben, haben sie weder die Begründungspflicht verletzt noch den Sachverhalt falsch festgestellt. Ob die rechtliche Beurteilung hingegen zutreffend war, bildet Streitpunkt des Falls und ist nachfolgend zu prüfen. 3. Materiell umstritten ist somit, ob die Vorinstanzen zu Recht den Standort Nr. 2829520485 mit der Bewertung "belastet ohne Übe rwachungs- oder Sanierungsbedarf" in den KbS eingetragen haben bzw. ob die Voraussetzungen für eine Entlassung aus dem KbS erfüllt sind. 3.1 Nach Art. 32c Abs. 1 USG sorgen die Kantone dafür, dass Deponien und andere durch Abfälle belastete Standorte (sog. belastete Standorte [siehe dazu hinten E. 4.4]) saniert werden, wenn sie zu schädlichen oder lästigen Einwirkungen führ en oder die konkrete Gefahr besteht, dass solche Einwirkungen entstehen. Die Kantone erstel len zu diesem Zweck einen öffentlich zugänglichen Kataster, in den diejenigen Standorte eingetragen werden, bei denen gestützt auf vorhandene Daten und Auskünfte Dritter feststeht oder m it grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, dass sie belastet sind (Art. 32c Abs. 2 USG; Art. 5 Abs. 2 AltlV). 3.2 Die in Art. 32c USG statuierte Pflicht der Kanton e zur Sanierung belasteter Standorte wird in der AltlV detaillierter geregelt. In Art. 1 Abs. 2 AltIV sind die folgenden Verfahrensschritte vorgesehen: die Erfassung in einem Kataster (lit. a), die Beurteilung der Überwachungs- und Sanierungsbedürftigkeit (lit. b), die Beurteilung de r Ziele und der Dringlichkeit der Sanierung (lit. c) sowie die Festlegung der Untersuchungs-, Überwa chungs- und Sanierungsmassnahmen (lit. d). Gemäss Art. 5 Abs. 2 AltlV teilt die Behörde den Inhabern oder den Inhaberinnen die zur Eintragung in den Kataster vorgesehenen Angaben mit u nd gibt ihnen Gelegenheit, Stellung zu nehmen und Abklärungen durchzuführen. Die Behörde verl angt für untersuchungsbedürftige Standorte aufgrund der Prioritätenordnung innert an gemessener Frist die Durchführung einer Voruntersuchung, die in der Regel aus einer historischen und einer technischen Untersuchung besteht (Art. 7 Abs. 1 AltlV). Mit der historischen Un tersuchung werden die Ursachen für die Belastungen ermittelt, indem aufgrund von Dokumenten , Personenbefragungen und Begehun- gen vor Ort eine möglichst detaillierte Eigentums-, Bau -, Nutzungs- und Störfallgeschichte auf- gezeichnet wird. Zu erfragen sind namentlich die Verfa hren nach denen am Standort mit um- weltgefährdenden Stoffen umgegangen wurde, sowie al lfällige Unfallereignisse. Aufgrund der Ergebnisse der historischen Untersuchung wird das Pflichtenheft für die technische (Vor-)Unter- suchung erstellt. Diese beinhaltet eine qualitative und quantitative Abschätzung von Art und Menge der vorhandenen Schadstoffe mittels Probenahmen u nd Sondierbohrungen, deren Frei-Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht setzungsmöglichkeiten und mögliche Einwirkungen auf ökolo gische Schutzgüter (vgl. BEATRICE WAGNER PFEIFFER , Umweltrecht – Besondere Regelungsbereiche, Zürich/ St. Gallen 2013 Rz. 695 f.). Mit diesen Untersuchungen werden die für die Beurteilung der Überwachungs- und Sanierungsbedürftigkeit erforderlichen Angaben ermitt elt und im Hinblick auf die Gefährdung der Umwelt bewertet (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_ 126/2009 vom 20. August 2009, E. 4.1). Aufgrund der Voruntersuchung beurteilt die B ehörde alsdann, ob der Standort sanie- rungsbedürftig, bloss überwachungsbedürftig oder weder sanierungs- noch überwachungs- bedürftig ist (Art. 8 Abs. 1 und 2 AltlV; BGE 130 II 321 = Die Praxis [Pra] 2005 Nr. 72 S. 559; Urteil des Bundesgerichts 1C_126/2009 vom 20. August 2009 E. 4.1). In vielen Fällen ist weder eine Überwachung noch eine Sanierung nötig, so dass de r Standort lediglich als belastet im Kataster eingetragen bleibt. Mögliche Umweltgefährdun gen sind in diesem Fall bei geplanten baulichen Vorhaben oder Umnutzungen neu zu überprüfen und zu beurteilen (vgl. Art. 3 AltlV; WAGNER PFEIFFER , a.a.O., Rz. 700). Sanierungsbedürftige Standorte sind in einer dritten Phase zur Beurteilung der Ziele und der Dringlichkeit der Sa nierung einer Detailuntersuchung zu unterziehen (vgl. Art. 14 AltlV). Die vierte Phase best eht in der Sanierung dieser Standorte (vgl. Art. 16 ff. AltlV). 3.3 Art. 6 Abs. 2 AltlV sieht vor, dass die Behörde den Eintrag eines Standorts im Kataster löscht, wenn die Untersuchungen ergeben, dass der Stand ort nicht mit umweltgefährdenden Stoffen belastet ist (lit. a); oder die umweltgefährd enden Stoffe beseitigt worden sind (lit. b). Art. 6 Abs. 2 lit. b AltlV verlangt die Beseitigung der umweltgefährdenden Stoffe vom Standort, damit ein Standort aus dem Kataster entlassen werden ka nn. Dies bedeutet für einen Inhaber eines eingetragenen Standorts, dass selbst eine gesetzesko nforme Sanierung, mit welcher die widerrechtlichen Einwirkungen gestoppt werden, nicht au sreicht, um aus dem Kataster entlas- sen zu werden. Aus rechtlicher Sicht ist der belastete Sta ndort dann zwar nicht mehr sanie- rungsbedürftig; weil er aber immer noch Schadstoffe enthält, erfüllt er die Voraussetzungen von Art. 6 Abs. 2 lit. b AltlV nicht und kann daher nicht aus dem Kataster entlassen werden (vgl. REGULA HUNGER , Die Sanierungspflicht im Umweltschutz- und im Gewässerschutzgesetz, Diss. Zürich 2010, S. 130). 4.1 Das AUE legte in der angefochtenen Verfügung vom 2 3. Juli 2014 dar, dass in den Grundwasserproben Spuren von Schwermetallen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwas- serstoffen (PAK) festgestellt wurden. Die Grundwasserkon zentrationen der übrigen untersuch- ten Schadstoffparameter seien hingegen unauffällig ge wesen bzw. hätten unterhalb der jewei- ligen Bestimmungsgrenze gelegen. Von insgesamt 13 Sondi erbohrungen seien nur vier bezüg- lich der Feststoffbelastung unbelastet gewesen. Vor alle m seien aliphatische Kohlenwasser- stoffe (KW), PAK und Chrom, zum Teil mit Reaktorstoffq ualität und bis in zwei Meter Tiefe angetroffen worden. Die langjährige gewerbliche Nutzung (seit 1878) habe nachweislich zu den heute auf dem Areal an verschiedenen Stellen angetrof fenen Belastungen mit PAK, KW, Schwermetallen, Ziegelbruch-, Kohle- bzw. Belagsstücken i m Untergrund geführt. Die angetrof- fenen Belastungen würden gut zu den jeweils eruierten Nutzungen der zugehörigen Verdachts- flächen (z.B. Chrombelastungen im Bereich der ehemal igen Färberei/Farblager: Verdachts- fläche 3/17; KW, PAK und Penzo(a)pyren im Bereich Neue s Kesselhaus [1917-1920]: Ver- dachtsfläche 8) passen. Die weit verbreiteten künstliche n Auffüllungen, teilweise bis über zwei Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Meter mächtig, würden oftmals Ziegelbruch-, Kohle- ode r Belagsstücke enthalten. Die chemi- schen Belastungen des Untergrunds seien häufig, aber nich t immer, an die künstlichen Auffül- lungen bis zwei Meter gebunden (Chrom mit Reaktorqual ität sei unterhalb der Auffüllung ge- messen worden). Aufgrund der nahezu vollständigen Versi egelung des Betriebsstandorts seien die nachgewiesenen Schadstoffe, die nicht vom Grund- ode r Oberflächenwasser erreicht würden, heute überwiegend immobil, allerdings teilweise doch in Spuren im Grundwasser nach- weisbar. Bezogen auf die in diesem Fall angetroffene Belastungssituation würden die künstli- chen Auffüllungen weder bezüglich Qualität noch Umwe ltverträglichkeit die notwendigen Anfor- derungen erfüllen, um als Hinterfüllungsmaterial erl aubt zu werden: Die Belastungen würden mehrfach die Inertstoffqualität überschreiten und der Mindestabstand zum Grundwasser von zwei Meter sei nicht eingehalten. Es sei zudem sehr wa hrscheinlich, dass noch an anderen Stellen, wo bisher nicht sondiert worden sei, ähnliche Belastungen im Untergrund anzutreffen seien, welche bei allfälligen Aushubmassnahmen abfallre chtlich gesetzeskonform entsorgt werden müssten. Es handle sich nicht um einen Bagatellfa ll. Aus den genannten Gründen könne der Standort nicht aus dem KbS entlassen werden. 4.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, die angetroffen en Schadstoffe PAK und Mineralöl- kohlenwasserstoffe (MKW) seien sehr häufig in älteren Auffüllungen anzutreffen. Sie fänden sich damit auf fast jedem Gewerbeareal und seien aus di esem Grund gerade keine branchen- üblichen Stoffe der Textilbranche. Auch das ebenfalls a ufgefundene Chrom müsse nicht zwin- gend aus der Textilbranche stammen. Insbesondere in g eologischen Umgebungen, wie sie im Oristal am fraglichen Standort anzutreffen seien (jung e feinkörnige organische Schwemm- und Verlandungssedimente, Talauensedimente, vgl. Orisbach ) würden häufig natürliche Chrom- Belastungen angetroffen. Zudem sei der fragliche Sta ndort kein Ablagerungsstandort. Auch eine Versickerung von Abwässern sei nicht nachweisbar. Damit sei klar, dass es sich beim frag- lichen Standort weder um einen Ablagerungs-, Betriebs - noch um einen Unfallstandort handle und es könne nicht von einem belasteten Standort ausge gangen werden. Auch das Gutachten halte fest, dass keine eindeutigen Hinweise auf eine Herkunft der festgestellten Schadstoffe aus Produktionsprozessen bestünden. 4.3 Der Regierungsrat entgegnet in seiner Vernehmlassun g, das AUE habe sich dem Fachbüro angeschlossen, dass weder ein Überwachungs- noch ei n Sanierungsbedarf bestehe. Die langjährige gewerbliche Nutzung habe aber nachweisl ich zu den angetroffenen Belas- tungen geführt. Es sei sehr wahrscheinlich, dass an ander en – bisher nicht sondierten – Stellen Belastungen im Untergrund anzutreffen seien, welche bei allfälligen Aushubarbeiten abfallrecht- lich richtig entsorgt werden müssten. Auf zwei Parzellen seien 1991/1992 zwei grosse Gebäude erstellt worden. Dieser Bereich sei aus dem Standort perimeter gelöscht worden, weil davon ausgegangen werden könne, dass mit dem Bau allfällige Belastungen im Untergrund mit grosser Wahrscheinlichkeit entfernt worden seien. Der verbleibende Standort werde im KbS als "belastet ohne Überwachungs- und Sanierungsbedarf" ei ngestuft. Eine Löschung sei nur mög- lich, wenn der Nachweis erbracht werde, dass der Untergrund des Standorts die Anforderungen an unverschmutztes Aushubmaterial gemäss der technischen Vero rdnung über Abfälle (TVA) vom 10. Dezember 1990 erfülle. Die Beschwerdeführerin begründe ihr Begehren im Wesentli- chen mit unhaltbaren Behauptungen hinsichtlich der ang eblichen Herkunft der angetroffenen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schadstoffe. Die Belastungen selbst würden jedoch erwie senermassen vorliegen und seien auch unbestritten. Die Beschwerdeführerin verkenne die Voraussetzungen für die Löschung des Standortes im KbS. Zur angeblich geogenen Herkunft des Chroms bringt der Regierungsrat vor, es müssten diesfalls vergleichbare Gehalte auch ben achbart in ähnlichen geologischen Schichten vorkommen, was aber gerade nicht der Fall sei. Es könne zudem aufgrund der vor- gefundenen Belastung nicht von einem Bagatellfall ausge gangen werden. Das AUE habe die Beurteilung aufgrund der Ergebnisse der Voruntersuchung vorgenommen. Weil die relevanten Grenzwerte nach Anhang 1 der AltlV nicht überschritten seien, bestehe kein Überwachungs- oder Sanierungsbedarf. Es handle sich jedoch um einen b elasteten Betriebsstandort, da nach- weislich Abfälle vorhanden seien. Der Eintrag in den K ataster als "belastet ohne Überwa- chungs- und Sanierungsbedarf" stelle eine altlastenrecht liche Massnahme dar, welche sicher- stelle, dass das verschmutzte Material nicht irgendwo unfachmännisch entsorgt werde. 4.4 Belastete Standorte sind gemäss der Definition von Art. 2 Abs. 1 AltlV Orte, deren Belastung von Abfällen stammt, die eine beschränkte Ausdehnung aufweisen und die entweder Ablagerungsstandorte (lit. a), Betriebsstandorte (lit. b) oder Unfallstandorte (lit. c) sind. Gemäss Art. 21 Abs. 3 AltlV legen die Bundesbehörden das Vo rgehen bei der Einteilung der belasteten Standorte (Art. 5 Abs. 4), der Erstellung der Prioritätenordnung (Art. 5 Abs. 5) und der Löschun- gen von Eintragungen im Kataster (Art. 6 Abs. 2) fest. Dieser Vorgabe sind die Bundes- behörden insbesondere mit dem Erlass der Vollzugshilf e "Erstellung des Katasters der belaste- ten Standorte" des (ehemaligen) Bundesamtes für Umwelt , Wald und Landschaft, 2001 (Voll- zugshilfe Kataster) nachgekommen. Die Vollzugshilfe Kataster konkretisiert wesentliche Aspek- te der Artikel 5 und 6 AltlV. Diese Artikel enthalten die Begriffsdefinition des "belasteten Standorts" sowie die Vorschriften über die Erstellung und die Führung der Kataster der belaste- ten Standorte. Die AltlV setzt zwar den Rahmen, was all es unter dem Begriff "Standort" zu verstehen ist, kann jedoch angesichts der Komplexität der P roblematik nicht sämtliche Kriterien auflisten, die für die Beurteilung im Einzelfall nöt ig sind, weshalb die Vollzugshilfe Kataster prä- zisere Kriterien bezüglich der Systemgrenzen von Standor ten und deren Abgrenzung sowie zum Ausschluss von Bagatellfällen liefert (vgl. Vollzugshilfe Kataster, S. 6). Voraussetzung für einen belasteten Standort ist, dass Abfälle vorhanden sind. Aufgrund der Legaldefinition ist von Abfällen (Art. 7 Abs. 6 USG) auszugehen, wenn an den Standort bewegliche Sachen, denen sich der Inhaber entledigen wollte, gelangen und nicht wieder beseitigt worden sind und diese (jedenfalls aus heutiger Sicht) im öffentlichen Intere sse als Abfälle hätten entsorgt werden müssen. Der Abfallbegriff umfasst neben festen Stoffen auch Flüssigkeiten und Niederschläge von flüchtigen oder staubförmigen Stoffen (vgl. SCHERRER , a.a.O., S. 11 ff.). Als weitere Voraus- setzung muss eine Belastung vorliegen. Eine geringe Bela stung genügt bereits, damit ein Standort als belastet erfasst wird (vgl. S CHERRER , a.a.O., S. 13). Der Standort muss sodann eine beschränkte Ausdehnung aufweisen. Diese Voraussetzung ist erfüllt, wenn die Belastung innert engen, räumlich klar lokalisierbarer Grenzen auftritt. Es handelt sich mithin um punktuelle Belastungen. Grossflächige, diffuse Belastungen weite r Gebiete fallen dementsprechend nicht unter die Altlastendefinition. Das Kriterium der "be schränkten Ausdehnung" ist bei Standorten entscheidend, bei welchen die Belastung durch einen Ein trag von Abfällen über den Luftpfad entstand (z.B. aus einem Fabrikkamin oder durch Verwehun gen). In solchen Fällen können unter Umständen die Böden ganzer Ortschaften oder Täle r mit Abfällen aus einer einzigen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Quelle an der Oberfläche belastet sein. Die vollständi ge Erfassung solcher Flächen würde zu einer unnötigen Aufblähung des Katasters führen. Aus di esem Grund wurde die Standortaus- dehnung in Art. 2 Abs. 1 AltlV explizit eingeschränkt. Es geht bei der Erstellung des Katasters der belasteten Standorte somit nicht darum, auch gr ossflächige, diffuse Bodenbelastungen zu erfassen. Der gleiche Grundsatz ist bei Versickerungen vo n Abfällen anzuwenden, welche durch den Grundwasserstrom über grössere Distanzen transp ortiert werden. Solche ver- schleppten Belastungen sind ebenfalls nicht im Kataster zu erfassen. Aus diesem Grund konzentriert sich bereits Artikel 2 Abs. 1 AltlV auf St andorte mit beschränkter Ausdehnung und nimmt Ablagerungsstandorte, an die als Abfall ausschliesslich unverschmutztes Aushubmaterial gelangt, als sogenannte Bagatellfälle vom Standortbeg riff aus (vgl. zum Ganzen Vollzugshilfe Kataster, S. 9 f.). Die Abfälle, von denen eine Belastung stammt, müssen sodann einer einzigen oder einer bestimmten Anzahl einzeln identifizierbare r Quellen zugeordnet werden können. Als solche Quellen gelten Ablagerungen, Betriebe oder Unf älle. Auf Betriebsstandorten stammt die Belastung von stillgelegten oder noch in Betrieb steh enden Anlagen oder Betrieben, in denen mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen worden ist (SCHERRER , a.a.O., S. 15). 4.5.1 Weil die Beschwerdeführerin die Löschung des Ei ntrags aus dem KbS anstrebte, wurde eine historische Untersuchung in Auftrag gegeben mit dem Ziel, die Nutzungsgeschichte des Standorts zu eruieren und die Verwendung von altl astenrelevanten Stoffen zu lokalisieren. Darin wurde eine Beurteilung nach Art. 5 Abs. 4 AltlV abgegeben. Die historische Untersuchung ergab, dass die Areals- und Nutzungsgeschichte aufgrund der spärlichen Aktenlage nicht lückenlos nachvollzogen werden konnte (Historische Untersuchung und Pflichtenheft nach AltlV der C.____ AG [HU] vom 14. Januar 2010, S. 9). Aufgr und der Nutzungsgeschichte wurden die Textilindustrie mit chemischer Ausrüstung (Appretur nass/t rocken) und das Färben von Texti- lien/Garnen mit Blick auf mögliche Belastungen im Unter grund als altlastenrelevante Tätigkeit betrachtet. Als belastungsrelevant eingestuft wurde in der historischen Untersuchung insbesondere die Appretur, in welcher sicher ab 1958 bis 1980 diverse Chemikalien (Laugen, Säuren, Salmiakgeist, Formaldehyd, etc.) eingesetzt wu rden; darunter Tetrachlorethen (PER; ein leichtflüchtiger chlorierter Kohlenwasserstoff) und Isobutanol (ein aliphatischer Kohlenwas- serstoff) in der Trockenappretur. Ebenso wurden in der Färberei sicher ab 1958 diverse Chemi- kalien eingesetzt (gemäss Verdachtsmatrix wurden im Bereich der Färberei die Schadstoffe Ammonium, Schwermetalle [Kupfer, Chrom, Cadmium und Zink], CKW sowie PER vermutet; vgl. HU vom 14. Januar 2010, S. 20). Im Anhang B05 de r historischen Untersuchung werden die verwendeten chemischen Substanzen mit dem approximat iven Jahresumsatz, der Lage- rungsform und dem Aggregatszustand aufgelistet (HU vom 14. Januar 2010, S. 13 f. und An- hang B05). Zudem verweist die historische Untersuchung auf einen Fabrikinspektionsbericht aus dem Jahre 1979, in welchem Mängel hinsichtlich der sicheren Lagerung von wassergefähr- denden Stoffen (PER, Isobutanol, Öle und Schmierstoffe ) festgestellt wurden und sie weist darauf hin, dass selbst bei korrekter Anwendung der Sto ffe Schadstoffe über undichte Stellen im Abwassersystem in den Untergrund und das Grundwasser ei ndringen können (HU vom 14. Januar 2010, S. 14 und Anhang B06). CKW, zu denen PER gehört, können schliesslich bei Tropfverlusten in der Anwendung Betonböden durchdringe n und in den Untergrund und das Grundwasser gelangen. Aufgrund der gesicherten Verwen dung von PER in der Textilverar- beitung, des sehr hohen Umweltschadpotentials dieser Su bstanz speziell für das Grundwasser Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht und der grösseren Kenntnislücken über Anwendung, einge setzte Mengen, Lagerung und Anwendungszeitraum kam die historische Untersuchung in Be zug auf den Verdachtsstandort "(2A) Appretur" zum Schluss, dass an diesem Standort ein e Belastung nicht ausgeschlossen werden könne und dieser als untersuchungsbedürftiger Sta ndort zu werten sei. Dieselbe Bewertung erfolgte in Bezug auf die Verdachtsstandort e "(3) Färberei" und "(18) Chemika- lienlager" (HU vom 14. Januar 2010, S. 18). 4.5.2 Im Rahmen der historischen Untersuchung wurde sod ann das Pflichtenheft für die technische Untersuchung erstellt. Darin wurde zur Klärung des Status des Standorts ein etap- piertes Vorgehen vorgeschlagen. Danach sollten in der 1 . Etappe Dichtigkeitskontrollen des Pufferbeckens und der Industrieleitung sowie Rammkernson dierungen und Bodenluftmessun- gen auf flüchtige organische Stoffe im Bereich der Verd achtsflächen erfolgen. Verdächtiges Kernmaterial sollte auf Feststoffbelastungen (Schwermet alle, KW gesamt, PAK) hin untersucht werden. Die 2. Etappe sah das Einrichten von Grundwasse rmessstellen insbesondere im un- mittelbaren Abstrom der eingegrenzten Verdachtsstandorte mit Analysen von repräsentativen Grundwasserproben vor. Für den Fall, dass in der 1. Eta ppe keine Leitungsundichtigkeiten und Schadstoffe in Bodenluft und Feststoffproben ermittelt würden, sah das Konzept vor, dass auf die 2. Etappe verzichtet werden könne und die entsprechenden Verdachtsflächen aus dem KbS entlassen würden. Würden in der 1. Etappe hingegen Le itungsundichtigkeiten festgestellt, aber keine Schadstoffe ermittelt, sollte der Standort im Kb S eingetragen werden, sodass bei einem Bauprojekt eine fachtechnische Begleitung der Aushubarbeiten mit Blick auf die Entsorgung von allfällig belastetem Material sichergestellt sei (Belas teter Standort ohne Überwachungs- und Sanierungsbedarf). Für den Fall, dass in der 1. Etapp e Schadstoffe im Untergrund (Bodenluft, Feststoffproben) ermittelt würden, sah das Konzept vor , dass die 2. Etappe ausgelöst würde (HU vom 14. Januar 2010, S. 21 f.). 4.5.3 Im Rahmen der nachfolgenden technischen Untersu chung vom 8. November 2012 erfolgte eine Entnahme von Porenluft. Die Proben wu rden auf den Gehalt an Leichtflüchtigen Chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW) untersucht. In der Porenluft wurden keine Spuren von LCKW gefunden. Während der Probennahme wurden jedoch erhöhte Konzentrationen an Kohlendioxid (CO 2) gemessen, welche in einigen Fällen den Konzentration swert der AltlV über- schritten (Technische Untersuchung der B.____ AG [TU] vom 8. November 2012, S. 10). Im Rahmen der technischen Untersuchung wurden sodann 13 Rammkernsondierungen ausgeführt und insgesamt 35 Proben entnommen. In einer ersten Un tersuchungsrunde wurden insgesamt 15 Proben auf Schwermetalle, KW, PAK und aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX) unter- sucht. Die Resultate zeigten für 9 der 15 Feststoffprobe n Belastungen mit KW, Benzo(a)pyren, und PAK. Die Probe P3/0 ergab eine KW-Belastung von 2030 mg/kg bei einem Grenzwert für Inertstoff nach TVA (Grenzwert I) von 500 mg/kg. Bei d er Probe P8 wurde eine Benzo(a)pyren- Belastung von 5.1 mg/kg sowie eine PAK-Belastung von 51.11 mg/kg gemessen (Grenzwert I Benzo(a)pyren: 3 mg/kg; Grenzwert I PAK: 25 mg/kg). Ebe nso wurden in die Grenzwerte I bei den Proben P9/1 mit einer PAK-Belastung von 29.25 mg/kg und P10/1 mit einer Benzo(a)pyren- Belastung von 5.02 mg/kg sowie einer PAK-Belastung von 35.13 mg/kg überschritten (TU vom 8. November 2012, S. 8 f., Tabelle 1). Die Probe P4/ 3 vor der früheren Färberei weist sodann im gewachsenen Untergrund, zwischen 1,6 und 2,2 Meter, e ine hohe Chrom-Belastungen auf, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht die mit 599 mg/kg ebenfalls über dem Grenzwert I (Chro m gesamt: 500 mg/kg) liegt (TU vom 8. November 2012, S. 10). Da Chromverbindungen früher in der Färberei in grossem Umfang eingesetzt wurden (z.B. Kaliumdichromat als Fixiermittel) , bestand gemäss der technischen Untersuchung eine Wahrscheinlichkeit, dass der Nachweis die ses Elements an diesem Ort ein Hinweis auf eine Schadstoffbelastung durch frühere Prod uktionsprozesse war. In der techni- schen Untersuchung wurde folglich festgehalten, dass in di esem Fall der Standort nicht aus dem Kataster entlassen werden könne, sondern beurteilt werden müsse, ob er hinsichtlich des Schutzes des Grundwassers überwachungs- oder sanierungsbedü rftig sei (TU vom 8. No- vember 2012, S. 13). 4.5.4 Nachdem die technische Untersuchung zum Schluss kam , dass allenfalls von der Chrombelastung eine Gefährdung der Schutzgüter Grundw asser und Oberflächengewässer ausgehen könnte, erfolgte in einem nächsten Schritt, einer ergänzenden technischen Untersu- chung eine Grundwasseruntersuchung. Diese Untersuchung e rgab, dass keine Gefährdung für ein Schutzgut und damit auch altlastenrechtlich kein Sa nierungs- und Überwachungspotential besteht (ergänzende TU vom 7. November 2013). 4.6 Bereits die Untersuchungsergebnisse der historischen un d der technischen Untersu- chung vom 8. November 2012, bei welcher 9 von 15 Feststo ffproben Belastungen mit KW, Benzo(a)pyren, PAK und Chrom aufgewiesen haben und be i denen – wie aufgezeigt – bei ein- zelnen Proben die Grenzwerte für Inertstoffe nach der T VA – die TVA wurde im Übrigen per 1. Januar 2016 ausser Kraft gesetzt und durch die Ver ordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen [Abfallverordnung, VVEA] vom 4. Dezember 2015 ersetzt (siehe dazu hinten E. 5.1 f.) – überschritten wurden, zeigen aufg rund der Art und Menge der nachgewiese- nen Stoffe deutlich auf, dass es sich beim zu beurteilende n Standort um einen mit Abfällen belasteten Betriebsstandort handelt und die zuvor gen annten Voraussetzungen für einen "belasteten Standort" in Sinne der AltlV erfüllt sind . Der Entscheid, ob ein Standort belastet ist oder nicht erfolgt nämlich in der Regel auf der Grund lage der Feststoffanalysen. Irrelevant ist in Bezug auf diesen Entscheid, dass sich aus der erweiterten technischen Untersuchung vom 7. November 2013 ergab, dass sich die in der TU nachgew iesenen Stoffe im Grundwasser nur in sehr geringen Konzentrationen nachweisen liessen und dass demgemäss für den Standort kein Überwachungs- oder Sanierungsbedarf besteht. Zu b edenken ist beim Entscheid über die Eintragung, dass die Schwelle für die KbS-Eintragung tief ist. Dies, weil durch die Eintragung auch sichergestellt werden soll, dass bei späteren Umnut zungen oder Bauarbeiten die notwen- digen Informationen vorhanden sind, damit Umweltbeein trächtigungen und Gefahren für Men- schen durch geeignete Massnahmen verhindert werden können . Aufgrund der durchgeführten Untersuchungen ist klar, dass sich nicht ausschliesslich nach heu tigen Kriterien unverschmutz- tes Material auf dem Betriebsstandort befindet, weshal b die Löschung des Standorts aus dem KbS von den Vorinstanzen auch zu Recht verweigert wurde . Gemäss Art. 6 Abs. 2 AltlV ist nämlich Voraussetzung der Löschung eines Standorts im Kat aster, dass die Untersuchungen ergeben, dass der Standort nicht mit umweltgefährdende n Stoffen belastet ist (lit. a) oder die umweltgefährdenden Stoffe beseitigt worden sind (lit . b). Die Löschung des Standorts wäre demnach nur möglich gewesen, wenn aufgrund der Untersu chungen (insb. der Sondierungen) der Nachweis erbracht worden wäre, dass der Untergrund die Anforderungen an unverschmutz-Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht tes Aushubmaterial gemäss TVA erfüllt. In Anhang 3 der TVA wurden die Grenzwerte für unver- schmutztes Aushub-, Abraum- und Ausbruchmaterial für die hier relevanten Stoffe wie folgt fest- gesetzt: Chrom gesamt: 50 mg/kg, PAK: 3 mg/kg und Ben zo(a)pyren: 0.3 mg/kg und KW: 50 mg/kg. Diese wurden mehrfach überschritten, wie sich der t echnischen Untersuchung vom 8. November 2012 entnehmen lässt (vgl. Tabelle 1 der T U vom 8. November 2012). Weil der Standort damit nachweislich immer noch Schadstoffe enthä lt, erfüllt er die Voraussetzungen von Art. 6 Abs. 2 lit. b AltlV nicht und kann daher nicht aus dem Kataster entlassen werden. 4.7 Beim umstrittenen Standort handelt es sich sodann – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin – nicht um einen "Bagatellfall" i m Sinne der Vollzugshilfe Kataster. Gemäss der Vollzugshilfe Kataster werden Bagatellfälle von der Eintragung in den Kataster ausgenom- men. So sollen beispielsweise die früher beim Bau von E infamilienhäusern vielerorts üblichen kleineren Hinterfüllungen mit Bauschutt nicht zu einem Eintrag in den Kataster führen, weil diese Abfallablagerungen vom Volumen und vom Gefährdu ngspotential her bescheiden sind. Ebenso sollen Baupisten aus Bauschutt bei Deponien, auf denen ausschliesslich unver- schmutztes Aushubmaterial abgelagert wurde, nicht zu ein em Katastereintrag führen. Mit dem Weglassen solcher Bagatellfälle sollte ein Ausufern der Kataster verhindert werden (Vollzugs- hilfe Kataster, S. 14). Die zuvor aufgezeigte Belastung ssituation des (ehemaligen) Betriebs- standorts kann – wie bereits die Vorinstanzen zutreffend d argelegt haben – weder aufgrund des Volumens noch vom Gefährdungspotential der gefundenen Stoffe her als Bagatellfall bezeich- net werden. 5.1 Auf den 1. Januar 2016 ist die TVA aufgehoben wor den. An deren Stelle ist die VVEA getreten. Mit der TVA-Totalrevision wurden die Anford erungen an die nachhaltige Entsorgung von Abfällen in der Schweiz neu definiert und damit dem gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technischen Wandel Rechnung getragen. Mit der Revision trug der Bund der sich in den letzten 20 Jahren signifikant geänderten Abfallwirtschaft und d en kommenden, sich schon teilweise heute abzeichnenden Entwicklungen (z.B. im Bereich der Technik) Rechnung. Mit der Verordnungsrevision sollte die Abfallpolitik indes nicht grundlegend verändert werden. Bewährte Regelungen, z.B. aus der TVA und den Erläuterungen da zu, sowie viele Vollzugshilfen von Bund und Kantonen dienten als Grundlage für die Vero rdnungsrevision (vgl. Bundesamt für Umwelt [BAFU], TVA-Revision Normkonzept, Mai 2011, S. 5). 5.2 In Bezug auf die vorliegend umstrittene Frage der Eintragung in den bzw. die Entlas- sung aus dem Kataster präsentiert sich die Ausgangslage n ach Inkrafttreten der VVEA nicht anders als unter der aufgehobenen TVA. Die Anforderun gen an Aushub- und Ausbruchmaterial werden in Art. 19 VVEA und deren Anhang 3 definiert . Art. 19 VVEA unterscheidet für die Ver- wertung zwischen drei Arten von Aushub- und Ausbruchmate rial: Aushub- und Ausbruchmate- rial, das die Anforderungen nach Anhang 3 Ziffer 1 er füllt (unverschmutztes Aushub- und Aus- bruchmaterial; Art. 19 Abs. 1 VVEA); Aushub- und Ausbr uchmaterial, das die Anforderungen nach Anhang 3 Ziffer 2 erfüllt (Art. 19 Abs. 2 VVEA) und Aushub- und Ausbruchmaterial, das die Anforderungen nach Anhang 3 Ziffer 2 nicht erfü llt, welches nicht verwertet werden darf (Art. 19 Abs. 3 VVEA). Nach Anhang 3 Ziff. 1 VVEA ist Aushub- und Ausbruchmaterial gemäss Art. 19 Abs. 1 zu verwerten, wenn es zu mindestens 99 Gewichtsprozent aus Lockergestein Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder gebrochenem Fels und im Übrigen aus anderen miner alischen Bauabfällen besteht (lit. a); keine Fremdstoffe wie Siedlungsabfälle, biogene Abfälle oder andere nicht mineralische Bauab- fälle enthält (lit. b); und die in ihm enthaltenen Stoffe die nachfolgenden Grenzwerte (Gesamt- gehalte) nicht überschreiten oder eine Überschreitung nicht auf menschliche Tätigkeiten zurück- zuführen ist (lit. c). Die in Anhang 3 Ziffer 1 für unverschmutztes Aushub- und Ausbruchmaterial festgesetzten Grenzwerte für Chrom gesamt (50mg/kg), PAK (3 mg/kg) und Benzo(a)pyren (0.3 mg/kg) entsprechen den in der TVA festgesetzten Grenzwert en. Demgemäss ändert auch das Inkrafttreten der VVEA nichts an der Rechtmässigkeit der Eintragung des Standorts in den KbS. 6. Zusammenfassend ergibt sich damit, dass der Standort zu Recht als "belastet ohne Überwachungs- oder Sanierungsbedarf" in den KbS einge tragen wurde und die Voraussetzun- gen für eine Entlassung aus dem KbS nicht erfüllt sind. 7. Zu prüfen bleibt noch, ob – wie von der Beschwerdef ührerin beantragt – ein Obergut- achten einzuholen ist, welches sich mit der Entlassung aus d em Kataster belasteter Standorte auseinanderzusetzen hätte und eine entsprechende Beurt eilung abgeben solle. Wie bereits erwähnt (siehe vorne E. 2.3), entscheiden die Behörden bzw. Gerichte selbständig über Rechts- fragen und wären diesbezüglich an allfällige Expertenm einungen ohnehin nicht gebunden (vgl. BGE 130 I 337 E. 5.4.1; Urteil des Bundesgerichts 2 A.452/2005 vom 21. April 2006). Unter diesen Voraussetzungen fällt die Einholung eines Obergutachtens ausser Betracht. 8. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend werden die Verfahre nskosten in der Höhe von insge- samt Fr. 1'400.-- der Beschwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. Die Parteikosten sind ausgangsgemäss wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber Gegen diesen Entscheid wurde am 23. Juni 2016 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 1C_291/2016) erhoben.