<h2>SubmittedText<h2><p>Ökonomen warnen vor einer Überhitzung des Marktes in einzelnen Regionen. Teure Wohnlagen wie der Raum Zürich/Zug, der Genfersee oder einige Ferienorte haben in den vergangenen Jahren zu starke Steigerungen bei den Immobilien- und damit den Wohnpreisen erlebt. Dies birgt gewisse Risiken. So könnten bei negativen wirtschaftlichen Entwicklungen Preisstürze mit langjährigen Folgen auftreten. Daher ist Vorsicht geboten: Probleme in einzelnen Regionen könnten sich dominoartig auf den gesamten Immobilienmarkt auswirken. Gefährdet sind zuerst die Kreditinstitute, dann der Baumarkt, die Gesamtwirtschaft und damit auch die Arbeitnehmenden sowie Mieterinnen und Mieter. Dieser Situation kann vorgebeugt werden. Der Bundesrat wird gebeten, in einem Bericht die Risiken darzulegen und speziell auf folgende Fragen zu antworten:</p><p>1. In welchen Regionen, in welchen Marktsegmenten und in welchem Umfang droht eine Immobilienblase?</p><p>2. Welche wirtschaftlichen Konsequenzen drohen bei einem Platzen der Blase? Welches sind die Szenarien?</p><p>3. Welche Massnahmen können vorbeugend ergriffen werden? Welche wurden bereits getroffen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch keine Anzeichen einer generellen Überbewertung (bzw. einer Immobilienblase) im Immobilienmarkt Schweiz. In einigen Regionen (um den Genfer-, Zürich- und Zugersee sowie einzelne Tourismusgebiete) und Segmenten (Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäuser) gibt es jedoch Hinweise auf eine Überhitzung. Das Immobilienpreisniveau ist dort heute nur noch teilweise durch Fundamentalfaktoren gerechtfertigt. Setzt sich die in jüngster Zeit beobachtete Dynamik bei den Immobilienpreisen fort, könnten daraus mittelfristig Risiken für die Finanzstabilität entstehen. Es besteht dabei eine erhebliche Unsicherheit sowohl bezüglich der Einschätzung der Immobilienpreisentwicklung als auch in Bezug auf die von den Banken eingegangenen Risiken. Die Lage kann sich rasch zuspitzen, insbesondere wegen des Wettbewerbs im inländischen Hypothekarmarkt und der anhaltend tiefen Zinsen.</p><p>2. Mittelfristig bestünde ein erhöhtes Risiko für die Finanzstabilität, da eine allfällige Preiskorrektur zu zunehmenden Kreditausfällen und möglicherweise hohen Verlusten bei den Finanzinstituten führen kann. Dies gilt besonders, wenn es gleichzeitig zu einem Zinsanstieg und einem Rückgang der Immobilienpreise kommt. Von einer platzenden Immobilienblase können bedeutende volkswirtschaftliche Kosten ausgehen: In der Schweiz hatten Anfang der Neunzigerjahre fallende Immobilienpreise und steigende Hypothekarzinsen eine Bankenkrise ausgelöst, die eine längere Stagnationsphase der Volkswirtschaft einleitete. Auch die jüngste Finanzkrise hing wesentlich mit Preisrückgängen auf den Immobilienmärkten in den USA, Grossbritannien, Spanien und Irland zusammen.</p><p>3. Finma und SNB verfolgen die Entwicklung im inländischen Markt für Wohnbau-Immobilien sowie die Finanzierung von Hypotheken seit einiger Zeit intensiv. Die Finma überwacht die Entwicklungen der Hypothekarengagements jeder in der Schweiz tätigen Bank im Rahmen ihres Aufsichtsprozesses. Sie hat zudem zusammen mit den Prüfgesellschaften den Kreditvergabeprozess mit den Banken thematisiert und vertieft untersucht. Die SNB verfolgt die schweizweite Entwicklung. Um möglichst umfassende Kenntnis über die tatsächlichen Risiken zu erlangen, führte die SNB zudem eine Umfrage bei den Banken zur Belehnung und Tragbarkeit durch. Die Analysearbeiten laufen zurzeit.</p><p>Das anhaltend tiefe Zinsniveau, die aktuelle geldpolitische Lage und die Unsicherheiten an den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten sowie die im internationalen Vergleich hohe Hypothekarverschuldung in der Schweiz können zu erheblichen Risiken führen. Der intensive Wettbewerb seinerseits hat zur Folge, dass die Banken die Tragbarkeits- und Belehnungsbestimmungen teilweise wieder weniger streng handhaben. Deshalb hat der Bundesrat am 17. August 2011 eine Verschärfung der Eigenmittelvorgaben im Hypothekargeschäft beschlossen. Hypothekarforderungen, die über die üblichen Belehnungs- und Tragbarkeitsnormen hinausgehen, sollen ab 2012 durch die Banken zusätzlich mit Eigenmitteln unterlegt werden müssen. </p><p>Das EFD prüft im Auftrag des Bundesrates zudem die Einführung eines variablen, konjunkturabhängigen antizyklischen Kapitalpuffers. Dieser soll die Banken verpflichten, abhängig von der Entwicklung auf dem Kreditmarkt und zeitlich limitiert zusätzliche Eigenmittel zu halten, womit die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors gegenüber Risiken aus übermässigem Kreditwachstum (z. B. auf dem Schweizer Hypothekar- und Immobilienmarkt) gestärkt wird. Zu diesem antizyklischen Puffer werden sich die Banken in einer Anhörung ebenso äussern können wie zur Umsetzung der oben erwähnten stärkeren Risikogewichtung bei Wohnliegenschaften.</p><p>Eine sorgfältige und zurückhaltende Kreditvergabepolitik der Kreditinstitute ist weiterhin zentral. Als ergänzende qualitatitve Massnahme hat die Schweizerische Bankiervereinigung ihre Mindeststandards "für die Prüfung, Bewertung und Abwicklung grundpfandgesicherter Kredite" einer Revision unterzogen und der Finma zur Anerkennung eingereicht. Die Finma hat diese Ende Oktober 2011 genehmigt. </p><p>Der Bundesrat verfolgt die Entwicklung in Abstimmung mit der SNB und der Finma aufmerksam. Aufgrund der bereits eingeleiteten Massnahmen und Arbeiten erübrigt sich eine separate Berichterstattung.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.