Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. August 2012 (715 11 196 / 212) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Laura Manz Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Ama Mülthaler, LL.M. EUR Rechtsanwältin, Advokatur & Rechtsberatung TRIAS AG, Sali- nenstrasse 25, 4133 Pratteln gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1960 geborene A.____ war ab 1. August 1982 bi s zum 31. Dezember 2010 bei der Firma B.____ AG sowie deren Vorgängerfirmen angestel lt, zuletzt als verantwortlicher Meister für Reparatur, Unterhalt und Ausbildung. Am 11. Juni 2010 kündigte die Arbeitgeberin unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist per 31. D ezember 2010 das Arbeitsverhältnis und stellte A.____ von der Arbeit frei. Am 5. Oktober 201 0 meldete sich A.____ beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob gleichentags bei der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Arbeitslosenent- schädigung ab 1. Januar 2011. Mit Verfügung vom 21. Jan uar 2011 stellte die Arbeitslosenkas- se A.____ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Januar 2011 für 40 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Die hiergegen erhobene Ein sprache wies die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit Basel-Landschaft (KIGA) mit Ent- scheid vom 27. April 2011 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vert reten durch Ama Mülthaler, Rechtsanwältin in Pratteln, am 30. Mai 2011 Beschwerd e beim Kantonsgericht, Abteilung Sozi- alversicherungsrecht (Kantonsgericht), wobei er die Aufh ebung des Einspracheentscheids vom 27. April 2011 und die Erteilung der Anspruchsberechtigung ab 1. Januar 2011 beantragte; alles unter o/e-Kostenfolge. Zudem beantragte der Beschwerd eführer die Sistierung des Verfahrens bis zur Klärung der arbeitsrechtlichen Streitigkeit mit der ehemaligen Arbeitgeberin. C. Nachdem sich die Arbeitslosenkasse zu diesem Verfahrensan trag vernehmen liess, wurde das Verfahren mit Verfügung vom 1. Juli 2011 sisti ert. Mit Eingabe vom 2. Mai 2012 reichte der Beschwerdeführer, wiederum vertreten durc h Ama Mülthaler, den Entscheid der Schlichtungsbehörde des Zivilgerichts Basel-Stadt ein, au s dem hervorging, dass die Parteien einen Vergleich geschlossen hatten. Mit Verfügung vom 7. Mai 2012 wurde die Sistierung auf- gehoben. D. Mit Vernehmlassung vom 6. Juni 2012 schloss die Arbeitsl osenkasse auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (A TSG) vom 6. Oktober 2000 ist ein Gericht als letzte kantonale Instanz für die Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung sachlich zuständig. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorisch e Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 und Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 AVIV das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versi cherte Person zur Zeit des Verfü- gungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorliegend e rfüllt der Beschwerdeführer seine Kontroll- pflicht im Kanton Basel-Landschaft. Nach § 54 Abs. 1 li t. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht Beschwerden gegen E inspracheentscheide der Versi- cherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Strittig ist, ob die Arbeitslosenkasse den Versicherten in Folge selbstverschuldeter Ar- beitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 40 Tagen in de r Anspruchsberechtigung eingestellt hat. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Schadenminderungspflicht; vgl. BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2a). Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse eine Einst ellung in der Anspruchsberechti- gung verfügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung ha t die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Perso n hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Verschuldensprinzip beherrscht (vgl. T HOMAS NUSSBAUMER , in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicherung, Basel 2007, Rz. 822 ff.). 3.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt unter anderem dann vor , wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung arbeitsvertra glicher Pflichten, der Arbeitgeberin An- lass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Sinne von A rt. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus wichtigen G ründen nach Art. 337 beziehungs- weise Art. 346 Abs. 2 des Schweizerischen Obligationenrecht s (OR) vom 30. März 1911 vor- aus. Das unkorrekte Verhalten muss auch nicht zwingend ein e eigentliche Verletzung arbeits- vertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, d ass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten innerhalb und ausserhalb des Betrieb s berechtigten Anlass zur Kündigung gab (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [ EVG, seit 1. Januar 2007: Bun- desgericht, sozialrechtliche Abteilungen] C 392/00 vom 8. Oktober 2002 E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Erforderlich ist demnach lediglic h ein von der Verwaltung beziehungsweise dem Gericht nachgewiesenes vermeidbares Fehlverhalten der versicherten Person (vgl. JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 108). Dabei müssen nicht zwingend Beanstandungen i n beruflicher Hinsicht vorgelegen ha- ben. Es genügt beispielsweise, dass charakterliche Eigensch aften im weiteren Sinne, die den Arbeitnehmer für den Betrieb als untragbar erscheinen lassen, zur Entlassung geführt haben (vgl. BGE 112 V 244 f. E. 1). Von selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit im Sinne der Arbeitslo- senversicherung ist folglich dann auszugehen, wenn und sowe it der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in ei nem nach den persönlichen Verhält- nissen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person li egt (vgl. ARV 1998 Nr. 9 S. 44 E. 2b mit Hinweisen; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Bern und Stuttgart 1987, Band I, Rz. 8 zu Art. 30). 3.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Inte rnationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (Über- einkommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Oktober 1991 in Kraft trat, kann eine Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Ver- dienstausfall in Folge einer vorübergehenden Arbeits einstellung ohne Unterbrechung des Be- schäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekürzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IA O ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheides im Einzelfall dienen zu können (vgl. BGE 122 V 54 ff.); er ist daher direkt anwendbar. Aufgrund des grundsätzlichen Pr imats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nicht jedes schuldhafte Verhalten der versicherten Person, das d em Arbeitgeber Anlass zur Auflö- sung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstel lung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Verh alten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (vgl. Urteile des EVG C 371/01 vom 4. Juni 2002 E. 2b und C 14/01 vom 8. August 2002 E. 1.2). Somit darf im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit . a AVIG bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolgen (vgl. CHOPARD , a.a.O., S. 76 f.; implizit auch BGE 124 V 236 E. 3b. Diese Rechtsprechung ist gemäss Urte il C 53/00 vom 17. Oktober 2000 auch im Bereich von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV anwendbar). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8 C_106/2009 vom 8. Juni 2009 E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl . BGE 125 V 193 E. 2; Urteil des Bundes- gerichts 8C_412/2009 vom 17. Juni 2009 E. 1). Die Mit wirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahre n zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung d es Sachverhalts (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2 003, S. 446 f., 489 f.; F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 284 f.). 4.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1978, S. 135). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid n ach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. H ANS -ULRICH STAUFFER , Rechtsprechung des Bun- desgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosen- versicherung und Insolvenzentschädigung, Zürich 1998, S. 7 7). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderun gen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die Anw endung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. dazu Urteil des EVG C 53/00 vom 17. Oktober 200 0 E. 3a). Praxisgemäss muss das der versicherten Person im Rahmen dieser Bestimmung zur Last g elegte Verhalten in beweismäs- siger Hinsicht klar feststehen, ansonsten eine Einstellun g ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG C 365/01 vom 7. November 2002 E. 2 und C 392/00 vom 8. Oktober 2002 E. 3.1; siehe im Weiteren auch BGE 112 V 245 E. 1). 4.3 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässi g auf die Parteivorbringen und insbesondere auf die Aussagen der Arbeitgeberin angewie sen. Diese sollte eine Sachverhalts- darstellung abgeben, ohne am Ausgang des Verfahrens in teressiert zu sein und ohne ein Inte- resse daran zu haben, die versicherte Person in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Solange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeit geberin zu zweifeln, ist auf diese ab- zustellen. Es darf hingegen insbesondere dann nicht einzig auf deren Aussagen zu den Um- ständen der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältnisses abgestellt werden, wenn diese bestritten und durch keine weiteren Indizien gestützt w erden (vgl. BGE 112 V 245 E. 1; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; Urteil des EVG C 102/00 vom 8. März 2001 E. 1a). Das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten muss klar feststehen und von dieser vorsätzlich ausgeübt worden sein. Ein derartiges Verhalten muss demnach als solches auch bewiesen werden und nicht bloss mit dem ansonsten im Bereich des Sozialversicheru ngsrechts erforderlichen Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt s ein (vgl. Urteil des EVG C 11/06 vom 26. April 2006 E. 3). Bei Differenzen zwischen der Ar beitgeberin und dem Arbeitnehmer darf somit nicht ohne Weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalt en des Arbeitnehmers geschlossen wer- den, wenn die Arbeitgeberin nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für die sie keine Beweise anführen kann (vgl. Urteil des EVG C 380 /00 vom 26. April 2001 E. 2b; BGE 112 V 245 mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). 5. Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zur Kündigu ng Anlass gegeben und deshalb die Folgen der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im S inne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV mithin die Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu tragen hat. Insbesondere ist zu prüfen, ob dem Beschwe rdeführer zu Recht ein (eventu- al)vorsätzliches Verhalten zur Last gelegt wurde. 6.1.1 Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich vorlieg end wie folgt dar: Im Kündigungs- schreiben vom 11. Juni 2010 führte die Arbeitgeberin aus, der Beschwerdeführer habe über eine längere Zeit schwerwiegend und regelmässig gegen d as Arbeitszeitreglement verstossen, indem er jeweils kurz vor der Mittagspause ausgestempelt und zu Beginn der effektiven Mit- tagspause wieder eingestempelt habe. Dadurch sei ihm täglich nur die obligatorische Pausen- zeit von 30 Minuten, anstatt die effektiv bezogene, bela stet worden. Des Weiteren habe er die Weisung missachtet, wonach die Zeiterfassung erst unmitte lbar vor Arbeitsbeginn stattzufinden habe, indem er sich öfters während der Arbeitszeit umge zogen und geduscht habe. Der Arbeit- nehmer habe als Führungskraft eine gewisse Vorbildsfunkt ion, die er nicht wahrgenommen ha- be. Das Vertrauensverhältnis sei deshalb unwiderruflich zerstört, sodass eine weitere Zusam- menarbeit nicht mehr möglich sei. Die Arbeitgeberin hielt abschliessend fest, dass das Arbeits- verhältnis aufgrund der langjährigen Tätigkeit des Ar beitnehmers für die Arbeitgeberin und ihre Vorgängerfirmen unter Einhaltung der ordentlichen Kü ndigungsfrist gekündigt werde, obwohl Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht eigentlich ein Grund für eine fristlose Kündigung vorliegen würde. Der Beschwerdeführer wurde daraufhin von seiner Arbeit freigestellt. 6.1.2 Der Beschwerdeführer bestreitet seinerseits nicht, dass er die Zeiterfassung auf die ihm vorgeworfene Art vorgenommen hat. Er macht jedoch geltend, es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass er mit seinem Verhalten gegen das Arbeitsze itreglement verstosse. Aus dem Reglement und in Verbindung mit den arbeitsgesetzlichen Regelungen sei nur ersichtlich gewe- sen, dass eine Pause, die zu kurz registriert werde, auto matisch auf eine halbe Stunde verlän- gert werde. Die zweimal kurzfristige Benutzung der Ste mpelkarte sei in seinem Team üblich gewesen, im Übrigen habe er damit gerechnet, dass er s eitens seiner Arbeitgeberin darauf aufmerksam gemacht worden wäre, falls sie in seinem Verh alten eine Zuwiderhandlung gegen das Arbeitsreglement erkannt hätte. Es sei auch stossend, dass den übrigen Mitarbeitern, die sich gleich verhalten hätten, nicht gekündigt worden sei – diese seien nicht einmal verwarnt worden. Des Weiteren argumentierte der Beschwerdeführe r damit, dass sein Arbeitsverhältnis dem Gesamtarbeitsvertrag für Basler Pharma-, Chemie- u nd Dienstleistungsunternehmen (GAV) unterstellt sei und ihn die Arbeitgeberin folgl ich zunächst hätte verwarnen müssen. Selbst wenn dies nicht anerkannt würde, habe er aufgr und seiner 28-jährigen Laufbahn bei der Arbeitgeberin davon ausgehen dürfen, dass ihm nicht ohn e vorherige Verwarnung gekündigt würde. 6.2.1 In pflichtgemässer Würdigung der vorstehend erwäh nten Verfahrensakten ist hinrei- chend erstellt, dass der Beschwerdeführer durch sein Verhal ten der Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat. So werden die glaubwürdigen Angaben der Arbeitgeberin im Kündigungsschreiben vom 11. Juni 2010, wonach aufgrund des zerstörten Vertrauensverhältnisses eine weitere Zusammenarbeit nich t mehr möglich gewesen sei, durch den Beschwerdeführer auch nicht bestritten. Unter den dargelegten Umständen war eine Wei- terführung des Arbeitverhältnisses mehr zumutbar, weshal b dessen Auflösung nachvollziehbar ist. Daraus folgt, dass der Beschwerdeführer durch die Ve rletzung seiner arbeitsvertraglichen Pflichten der Arbeitgeberin zur Kündigung Anlass gegeben hat. 6.2.2 Zu keinem anderen Schluss vermögen die Ausführung en in der Beschwerde vom 30. Mai 2011 führen. Der Beschwerdeführer argumentier t vorwiegend damit, dass ihm nicht ohne vorherige Mahnung hätte gekündigt werden dürfen , da der GAV – dem er unterstehe – dies vorschreibe. Ob das Arbeitsverhältnis dem GAV unterst and, kann letztlich offen gelassen werden. Zunächst ist zu vermuten, dass aufgrund der grob en Pflichtverletzung des Beschwer- deführers auch eine fristlose Entlassung gerechtfertigt gewesen wäre. Schliesslich missachtete der Beschwerdeführer über längere Zeit das Arbeitszeitreglement, wobei dies in seiner Funktion als Gruppenleiter besonders schwer wiegt. Zudem deutet d as Vergleichsergebnis der arbeits- rechtlichen Streitigkeit (die Arbeitgeberin zahlte dem Beschwerdeführer Fr. 1'000.-- anstatt der von ihm gewünschten Fr. 56'656.-- und der eingeklagten Fr. 28'329.50) darauf hin, dass die Kündigung ohne vorgängige Verwarnung rechtens war. Die Frage, ob die Entlassung ohne vor- gehende Verwarnung der Schwere seines Verhaltens angepasst war, ist sodann nicht Gegens- tand des vorliegenden Verfahrens. Dem Beschwerdeführer m usste klar sein, dass sein Vorge- hen eine Verletzung des ihm arbeitgeberseitig entgegen gebrachten Vertrauens darstellte und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Kündigung zur Folge haben kann (vgl. dazu auch d as Urteil des Bundesgerichts C 354/05 vom 10. Januar 2007 E. 3.4). 6.3 Der schwerwiegende Verstoss gegen das Arbeitszeitregle ment lässt keinen anderen Schluss zu, als dass der Beschwerdeführer mit seinem Verhal ten das Risiko, arbeitslos zu wer- den, zumindest eventualvorsätzlich – wenn nicht gar vors ätzlich – in Kauf nahm. Dem Be- schwerdeführer war es bewusst, dass er seine Arbeitszeit n icht korrekt erfasste – ansonsten er im Nachhinein nicht angegeben hätte, er habe im März 2011 wieder damit aufgehört und "nor- mal gestempelt" (vgl. Fragebogen rechtliches Gehör vom 20 . Dezember 2010, act. 74). Weiter vermag es den Beschwerdeführer keineswegs zu entlasten, dass gemäss seiner Angaben auch andere Mitarbeiter die Zeiterfassung so vorgenommen hä tten. Schliesslich liegt es auf der Hand, dass durch ein falsches Stempeln das Arbeitszeitreglem ent schwerwiegend verletzt und das Vertrauen des Arbeitgebers missbraucht wird. Das pfli chtwidrige Verhalten des Beschwer- deführers ist in beweismässiger Hinsicht klar ausgewiesen und ein Verschulden an seiner Ar- beitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG und Art. 44 Abs. 1 AVIV demnach zu beja- hen. Unter diesen Umständen hat ihn die Arbeitslosenkasse zu Recht wegen selbstverschulde- ter Arbeitslosigkeit vorübergehend in der Anspruchsberechtigung eingestellt. 7.1 Zu überprüfen bleibt die Anzahl Einstelltage. Di e Dauer der Einstellung in der An- spruchsberechtigung bemisst sich nach dem Grad des Verschulde ns und beträgt je Einstel- lungsgrund höchstens 60 Tage (vgl. Art. 30 Abs. 3 AVIG) . Nach Art. 45 Abs. 2 AVIV wird die Einstellung in der Anspruchsberechtigung abgestuft; si e dauert 1-15 Tage bei leichtem (lit. a), 16-30 Tage bei mittelschwerem (lit. b) und 31-60 Tage bei schwerem (lit. c) Verschulden. Inner- halb dieses Rahmens fällt die Arbeitslosenkasse ihren E ntscheid nach pflichtgemässem Er- messen. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtl iche Abteilung des Kantonsge- richts die angefochtene Verfügung auch auf deren Angem essenheit zu überprüfen. Sie greift jedoch bei der Beurteilung der von der Arbeitslosenka sse angeordneten Einstellungsdauer pra- xisgemäss nur mit Zurückhaltung in deren Ermessensspielraum ein. 7.2 Vorliegend hat die Arbeitslosenkasse das Verhalten des Versicherten als schweres Verschulden qualifiziert, was eine Einstellungsdauer von 31-60 Tagen zur Folge hat. Innerhalb dieses Rahmens hat sie eine Einstellung in der Anspruchs berechtigung für die Dauer von 40 Tagen verfügt. Dabei fiel ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer die Erfassung seiner Arbeits- zeit über eine längere Dauer manipulierte und sich dam it eine grobe Verletzung seiner Arbeit- nehmerpflicht zu Schulden kommen liess. Sein Fehlverha lten wiegt zudem umso schwerer, als er in seiner leitenden Stellung eine Vorbildfunktion hätte einnehmen sollen (vgl. auch das Kün- digungsschreiben vom 11. Juni 2010). Durch sein Verhalten hat er seine Arbeitslosigkeit (even- tual)vorsätzlich in Kauf genommen, weshalb eine Einstell ung in der Anspruchsberechtigung im Bereich des schweren Verschuldens von 40 Tagen nicht zu bea nstanden ist. Die Arbeitslosen- kasse hat ihr Ermessen in Würdigung aller Umstände pflic htgemäss ausgeübt. Gegebenheiten, die eine abweichende Ermessensausübung als näher lieg end erscheinen lassen würden, sind jedenfalls nicht ersichtlich. Der angefochtene Einsprache entscheid vom 27. April 2011 ist unter diesen Umständen zu bestätigen und die dagegen gerichtete Beschwerde abzuweisen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind nach dem Ausgang des Verfahrens wettzuschlagen. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.