<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp300480"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>111 V 151<br/><br/><br/><div class="paraatf">32. Urteil vom 30. Mai 1985 i.S. Arbeitslosenkasse des Kantons Graubünden gegen Coluccello und Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp301936"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref">Art. 103 OG</span>, <span class="artref">Art. 102 AVIG</span>. <div class="paratf">Die Arbeitslosenkassen sind nicht zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde legitimiert. </div> </div> </div> <a name="idp307040"></a> <a name="idp311968"></a> <br/><div> <a name="idp316848"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 151</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page151"></a><div class="center pagebreak">BGE 111 V 151 S. 151</div> </div> <div class="paraatf"> Mit Verfügung vom 13. September 1984 stellte die Arbeitslosenkasse des Kantons Graubünden Cosimo Coluccello für die Dauer von sechs Tagen in der Anspruchsberechtigung auf Arbeitslosenentschädigung ein, weil sich der stellenlose Versicherte nur ungenügend um eine neue Beschäftigung bemüht habe.</div> <div class="paraatf">In Gutheissung der vom Versicherten hiegegen eingereichten Beschwerde hob das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden die Einstellungsverfügung auf (Entscheid vom 26. Oktober 1984).</div> <div class="paraatf">Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt die Arbeitslosenkasse die Aufhebung des kantonalen Gerichtsentscheides.</div> <div class="paraatf">Während Cosimo Coluccello sich nicht vernehmen lässt, stellt das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (BIGA) den Antrag, es sei mangels Legitimation auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht einzutreten.</div> <br/><div> <a name="idp321904"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp322912"></a><span class="bold" id="consideration_1.">1. </span>a) Die Arbeitslosenkasse hält ihre Legitimation zur Beschwerdeführung für "fraglos gegeben", was das BIGA bestreitet. Die Legitimation der beschwerdeführenden Arbeitslosenkasse ist als Eintretensvoraussetzung von Amtes wegen zu prüfen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1985&amp;to_year=1985&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-IB-105%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page109">BGE 110 Ib 109</a> Erw. 1b, <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1985&amp;to_year=1985&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-127%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page129">BGE 110 V 129</a> Erw. 2 mit Hinweisen).</div> <div class="paraatf">b) Nach Art. 103 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 132 OG</span> ist zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Eidg. Versicherungsgericht berechtigt,</div> <div class="paraatf">a) wer durch die angefochtene Verfügung berührt ist und ein</div> <div class="paraatf">schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat;</div> <div class="paraatf">b) das in der Sache zuständige Departement oder, soweit das</div> <div class="paraatf">Bundesrecht es vorsieht, die in der Sache zuständige Dienstabteilung der</div> <div class="paraatf">Bundesverwaltung gegen die Verfügung <a name="page152"></a><div class="center pagebreak">BGE 111 V 151 S. 152</div> </div> <div class="paraatf">einer eidgenössischen Rekurskommission, einer eidgenössischen</div> <div class="paraatf">Schiedskommission, einer letzten kantonalen Instanz oder einer Vorinstanz</div> <div class="paraatf">im Sinne von Art. 98 Buchstabe h...;</div> <div class="paraatf">c) jede andere Person, Organisation oder Behörde, die das</div> <div class="paraatf">Bundesrecht zur Beschwerde ermächtigt.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp336160"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span>a) Die Rechtsprechung betrachtet als schutzwürdiges Interesse im Sinne von <span class="artref">Art. 103 lit. a OG</span> jedes praktische oder rechtliche Interesse, welches eine von einer Verfügung betroffene Person an deren Änderung oder Aufhebung geltend machen kann. Das schutzwürdige Interesse besteht somit im praktischen Nutzen, den die Gutheissung der Beschwerde dem Verfügungsadressaten verschaffen würde, oder - anders ausgedrückt - im Umstand, einen Nachteil wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderweitiger Natur zu vermeiden, welchen die angefochtene Verfügung mit sich bringen würde (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1985&amp;to_year=1985&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-145%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page150">BGE 110 V 150</a> Erw. 2c mit Hinweis). Das rechtliche oder auch bloss tatsächliche Interesse braucht somit mit dem Interesse, das durch die vom Beschwerdeführer als verletzt bezeichnete Norm geschützt wird, nicht übereinzustimmen. Immerhin wird verlangt, dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung stärker als jedermann betroffen sei und in einer besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache stehe (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1985&amp;to_year=1985&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-IB-99%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page100">BGE 110 Ib 100</a> Erw. 1a mit Hinweisen).</div> <div class="paraatf">Kann sich auch eine kantonale Amtsstelle, deren Verfügung auf Rekurs hin von der erstinstanzlichen Rechtspflegebehörde aufgehoben oder abgeändert worden ist und die gegen den kantonalen Rechtsmittelentscheid Verwaltungsgerichtsbeschwerde führen will, auf <span class="artref">Art. 103 lit. a OG</span> berufen? Das Eidg. Versicherungsgericht hat diese Frage in einem neuesten Urteil, in dem es um die Beschwerdebefugnis des Departementes des Innern des Kantons Neuenburg ging, unter Hinweis auf Lehre und Rechtsprechung einlässlich geprüft und verneint (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1985&amp;to_year=1985&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-127%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page129">BGE 110 V 129</a> Erw. 1; vgl. auch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1985&amp;to_year=1985&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-IB-148%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page154">BGE 110 Ib 154</a> und 196 sowie GRISEL, Traité de droit administratif, S. 905). An den dortigen Ausführungen ist auch im Zusammenhang mit den Arbeitslosenkassen als Durchführungsorganen der Arbeitslosenversicherung (<span class="artref">Art. 76 Abs. 1 lit. a AVIG</span>) festzuhalten. Die Arbeitslosenkassen haben unter dem seit anfangs 1984 geltenden Recht weder Rechtspersönlichkeit (<span class="artref">Art. 79 Abs. 2 AVIG</span>) noch eigene finanzielle Interessen (vgl. <span class="artref">Art. 91 AVIG</span>). Hebt die kantonale Rechtsmittelbehörde auf Beschwerde des Versicherten hin eine von der Arbeitslosenkasse verfügte Einstellung in der Anspruchsberechtigung (<span class="artref">Art. 81 Abs. 1 lit. b AVIG</span>) auf und will sich die Arbeitslosenkasse hiegegen zur Wehr setzen, so steht einzig das <a name="page153"></a><div class="center pagebreak">BGE 111 V 151 S. 153</div>öffentliche Interesse an der gesetzmässigen Durchführung der Arbeitslosenversicherung auf dem Spiel. Dieses fällt nach der erwähnten Rechtsprechung nicht unter den Begriff des schutzwürdigen Interesses im Sinne von <span class="artref">Art. 103 lit. a OG</span>. Die Arbeitslosenkasse vermag somit ihre Legitimation zur Beschwerdeführung nicht aus <span class="artref">Art. 103 lit. a OG</span> abzuleiten (unrichtig deshalb HANS-ULRICH STAUFFER, Die Arbeitslosenversicherung, Zürich 1984, S. 226 Ziff. 2.3.1).</div> <div class="paraatf">Die Befugnis der Arbeitslosenkassen, Verwaltungsgerichtsbeschwerde zu führen, ergibt sich auch nicht aus <span class="artref">Art. 102 Abs. 1 AVIG</span>, wonach zur Beschwerde berechtigt ist, wer durch die Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Diese materiell mit <span class="artref">Art. 103 lit. a OG</span> übereinstimmende Norm hat insoweit keine selbständige Bedeutung. Dies hat das Eidg. Versicherungsgericht hinsichtlich der dem <span class="artref">Art. 102 AVIG</span> entsprechenden, bis Ende 1983 in Kraft gewesenen Bestimmungen der <span class="artref">Art. 53 Abs. 1 und <artref id="CH/837.1/55/1" type="start"></artref>Art. 55 Abs. 1 AlVG</span><artref id="CH/837.1/53/1" type="end"></artref> entschieden (ARV 1983 Nr. 9 S. 41 Erw. 2b); daran ist auch unter der Herrschaft des AVIG festzuhalten.</div> <div class="paraatf">b) Die öffentlichen Arbeitslosenkassen sind unselbständige Anstalten des jeweiligen Kantons (Art. 77 Abs. 1 und Abs. 2 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 79 Abs. 2 AVIG</span>). Folglich können die öffentlichen Arbeitslosenkassen ihre Beschwerdebefugnis nicht aus <span class="artref">Art. 103 lit. b OG</span> herleiten, welcher die Behördenbeschwerde des Bundes betrifft (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1985&amp;to_year=1985&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-127%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page129">BGE 110 V 129</a> Erw. 1; GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., S. 163). Dies gilt im übrigen auch für die Verbandskassen (<span class="artref">Art. 78 AVIG</span>).</div> <div class="paraatf">c) Zu prüfen bleibt, ob eine Bestimmung des Bundesrechts die Arbeitslosenkasse im Sinne von <span class="artref">Art. 103 lit. c OG</span> zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde ermächtigt.</div> <div class="paraatf">Gemäss <span class="artref">Art. 79 Abs. 2 AVIG</span> handeln die Kassen, denen keine Rechtspersönlichkeit zukommt, nach aussen im eigenen Namen; auch können sie vor den Organen der Rechtsprechung als Partei auftreten. <span class="artref">Art. 79 Abs. 2 AVIG</span> verschafft den Arbeitslosenkassen somit die Partei- und Prozessfähigkeit, ohne indessen etwas über die hievon zu unterscheidende Frage der Beschwerdebefugnis auszusagen. Die Beschwerdelegitimation ist Gegenstand des <span class="artref">Art. 102 AVIG</span>. Es ist bereits dargelegt worden, dass nach Abs. 1 dieser Bestimmung die Arbeitslosenkassen nicht berechtigt sind, Verwaltungsgerichtsbeschwerde zu führen (vgl. Erw. 2a in fine hievor). Gemäss <span class="artref">Art. 102 Abs. 2 AVIG</span> sind ausserdem beschwerdeberechtigt: a. das BIGA <a name="page154"></a><div class="center pagebreak">BGE 111 V 151 S. 154</div>gegen Verfügungen der kantonalen Amtsstellen; b. die kantonale Amtsstelle und das BIGA gegen Beschwerdeentscheide kantonaler Rekursinstanzen. Ein Beschwerderecht der Arbeitslosenkassen, welche von der kantonalen Amtsstelle zu unterscheiden sind (Art. 76 Abs. 1 lit. a und c, <span class="artref">Art. 77 ff., <artref id="CH/837.0/85" type="start"></artref>Art. 85 AVIG</span><artref id="CH/837.0/77" type="end"></artref>), erwähnt <span class="artref">Art. 102 Abs. 2 AVIG</span> nicht. Wie das BIGA in seiner Vernehmlassung richtig bemerkt, ist die Befugnis der Arbeitslosenkasse zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde bewusst ausgeschlossen worden. Dies ergibt sich deutlich aus den Materialien: Der Entwurf der Expertenkommission vom 7. November 1979 hatte die Beschwerdeberechtigung der Arbeitslosenkasse in Art. 105 Abs. 2 lit. b noch vorgesehen. In der bundesrätlichen Botschaft vom 2. Juli 1980 fehlte ein solches Beschwerderecht der Arbeitslosenkassen (BBl 1980 III 681). Zur Begründung führte der Bundesrat aus:</div> <div class="paraatf">"In Absatz 2 wurde gegenüber dem Vernehmlassungsentwurf auf</div> <div class="paraatf">verschiedene Vorschläge hin das Beschwerderecht der Kassen gestrichen. In</div> <div class="paraatf">der Tat ist dieses Beschwerderecht im Gegensatz zum alten Recht, wo die</div> <div class="paraatf">Kassen autonom waren und eigene finanzielle Interessen zu vertreten</div> <div class="paraatf">hatten, kaum mehr gerechtfertigt. Insbesondere kann es in ihrer</div> <div class="paraatf">Eigenschaft als Durchführungsstellen der Versicherung nicht ihre Sache</div> <div class="paraatf">sein, Beschwerde für Versicherte zu führen. Dies ist Sache der</div> <div class="paraatf">Versicherten selber und allenfalls ihrer Berufsverbände. Anderseits ist</div> <div class="paraatf">es in erster Linie Sache der Ausgleichsstelle, die Interessen der</div> <div class="paraatf">Versicherung wahrzunehmen, wenn sie von kantonalen Instanzen verletzt</div> <div class="paraatf">werden. Dazu kommt im Falle der öffentlichen Kassen, dass sie in vielen</div> <div class="paraatf">Kantonen den zuständigen kantonalen Amtsstellen administrativ unterstellt</div> <div class="paraatf">sind und daher ohnehin kaum gegen ihre vorgesetzte Stelle prozedieren</div> <div class="paraatf">können." (BBl 1980 III 634 f.)</div> <div class="paraatf">In der vorberatenden Kommission des Nationalrates stiess diese Auffassung auf Widerstand. Mit 10 zu 9 Stimmen hiess die Kommission einen Antrag Jelmini gut, welcher auch den Arbeitslosenkassen das Beschwerderecht einräumen wollte. Eine Minderheit unterstützte weiterhin die Fassung des Bundesrates. Die vorberatende Kommission des Ständerates stimmte in diesem Punkt dem Botschaftsentwurf diskussionslos zu. Im Plenum des Nationalrates stellte der Kommissionsberichterstatter, Nationalrat Reimann, den Antrag, der Rat solle der Kommissionsmehrheit, welche das Beschwerderecht der Arbeitslosenkasse befürwortete, zustimmen und den gegenteiligen Antrag der Kommissionsminderheit ablehnen; in der Abstimmung erhielt der Antrag der Mehrheit jedoch nur 42 Stimmen und unterlag damit dem Antrag der Kommissionsminderheit, welcher 60 Stimmen auf sich vereinigte (Amtl.Bull. 1981 N 845).</div> <div class="paraatf"> <a name="page155"></a><div class="center pagebreak">BGE 111 V 151 S. 155</div>Diesem Beschluss des Nationalrates stimmte der Ständerat nach einer Diskussion, welche nicht das Beschwerderecht der Arbeitslosenkassen betraf, ohne weiteres zu (Amtl.Bull. 1982 S. 147 f.).</div> <div class="paraatf">Diese aus den Materialien klar hervorgehende Absicht des Gesetzgebers hat im Gesetzestext ihren Niederschlag gefunden, indem die Arbeitslosenkassen nicht als zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde legitimierte Amtsstellen erwähnt sind. Bei dieser Rechtslage kommt den Materialien im Rahmen der Auslegung entscheidende Bedeutung zu (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1985&amp;to_year=1985&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F109-IA-273%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page303">BGE 109 Ia 303</a> mit Hinweisen; vgl. auch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1985&amp;to_year=1985&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-54%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page59">BGE 110 V 59</a> unten f. und GRISEL, a.a.O., S. 129). Es liegt ein qualifiziertes Schweigen des Bundesgesetzes vor, welches für das Eidg. Versicherungsgericht verbindlich ist (<span class="artref">Art. 113 Abs. 3, <artref id="CH/101/114^bis/3" type="start"></artref>Art. 114bis Abs. 3 BV</span><artref id="CH/101/113/3" type="end"></artref>). Das Fehlen einer Beschwerdeberechtigung der Arbeitslosenkasse wird denn auch in der Literatur anerkannt (KARL SPÜHLER, Grundriss des Arbeitslosenversicherungsrechts, Bern 1985, S. 94).</div> <div class="paraatf">Es mag zutreffen, dass die vom Gesetzgeber bewusst gewählte Lösung aus der Sicht der Arbeitslosenkassen nicht voll befriedigt. Indessen hat die Arbeitslosenkasse in einem Fall wie dem vorliegenden die Möglichkeit, ihre Bedenken gegenüber einem kantonalen Beschwerdeentscheid dem BIGA oder der kantonalen Amtsstelle vorzutragen. Diese Behörden sind ihrerseits zur Einreichung einer Verwaltungsgerichtsbeschwerde befugt (<span class="artref">Art. 102 Abs. 2 lit. b AVIG</span>). Damit ist auch unter diesem Gesichtspunkt die gesetzmässige Durchführung der Arbeitslosenversicherung gewährleistet.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp422832"></a><span class="bold" id="consideration_3.">3. </span>Aus dem Gesagten ergibt sich, dass keine der in Betracht fallenden gesetzlichen Bestimmungen der Arbeitslosenkasse die Beschwerdebefugnis verleiht.</div> <br/><div> <a name="idp424000"></a><span class="big bold" id="dispositiv">Dispositiv</span> </div> <br/><div class="paraatf">Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht:</div> <div class="paraatf">Auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird nicht eingetreten.</div> </div></body></html>