Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 17. Oktober 2018 (810 18 39) ____________________________________________________________________ Erziehung und Kultur Busse wegen Fernbleibens vom Unterricht / Verhältnismässigkeit Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsricht er Niklaus Ruckstuhl, Hans Furer, Stefan Schulthess , Yves Thommen, Gerichtsschreiber i.V. Gian Riz à Porta Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dieter Roth , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Schulrat der Primarschule B.____ , C.____, Präsidentin, Beschwer- degegner Betreff Busse wegen Fernbleibens vom Unterricht (RRB Nr. 116 vom 23. Januar 2018) A. A.____ ist die Mutter von D.____ (geb. 2007). D. ____ war im Schuljahr 2016/2017 in der Klasse 3c der Primarschule B.____ eingeschult. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 18. Januar 2017 reichte A.____ bei der Klassen lehrkraft von D.____, E.____, ein ausserordentliches Dispensationsgesuch für zusätzliche Frei tage ein und ersuchte um Dispen- sation von D.____ vom Unterricht ab dem 13. März 2017 bis zum 30. Juni 2017. Zur Begrün- dung führte sie "familiäre Gründe" an. C. Der Schulrat der Primarschule B.____ (Schulrat) lehn te das Dispensationsgesuch mit Entscheid vom 16. Februar 2017 ab. Zur Begründung wu rde angegeben, weder die Klassen- lehrperson noch die Schulleitung unterstützten das Gesuch, zudem sei es mangelhaft begrün- det. A.____ wurde unter Verweis auf § 69 Abs. 1 lit. d bzw. Abs. 2 des Bildungsgesetzes (Bil- dungsgesetz) vom 6. Juni 2002 auf die Konsequenzen ein es Verstosses gegen die Verfügung vom 16. Februar 2017 aufmerksam gemacht. D. Mit Schreiben vom 17. Februar 2017 erhob A.____ ge gen die Verfügung des Schulra- tes Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Land schaft (Regierungsrat) und bean- tragte die Aufhebung des schulrätlichen Entscheids. Dabe i erklärte sie, ihre Mutter sei schwer krank und benötige ihre Hilfe; ihren Sohn werde sie mitnehmen. Dieser werde im Ausland regu- lär die Schule besuchen und von dieser Erfahrung profitieren. E. Am 20. Februar 2017 schrieb A.____ der Klassenlehrp erson eine SMS und teilte mit, D.____ sei krank und komme nicht zur Schule. F. Am 1. März 2017 teilte die Leiterin des Stabs Rec ht der Bildungs-, Kultur- und Sportdi- rektion des Kantons Basel-Landschaft (BKSD) A.____ mit, dass sie bis zur geplanten Abreise nicht mit einem Entscheid des Regierungsrates rechnen könn e. Eine aufschiebende Wirkung ihrer Beschwerde komme nicht in Betracht, da die negative Verfügung des Schulrats nichts an der bestehenden Rechtslage ändere. D.____ müsse daher bi s auf weiteres die Schule in B.____ besuchen. G. In seiner Stellungnahme vom 29. März 2017 teilte d er Schulrat dem Regierungsrat mit, D.____ habe seit der Krankmeldung vom 20. Februar 2017 die Schule nicht mehr besucht. H. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 0826 vom 13. Juni 2017 wies der Regierungs- rat die Beschwerde vom 17. Februar 2017 ab. I. Mit Schreiben vom 29. August 2017 unterrichtete der Schulrat A.____ über seine Ab- sicht, wegen der Missachtung der Ablehnung ihres Dispensat ionsgesuchs eine Busse zu ver- hängen, und lud sie zur Wahrung des rechtlichen Gehörs zu einem Anhörungsgespräch ein, welches am 12. September 2017 stattfand. Gemäss dem Prot okoll der Anhörung führte A.____ aus, sie sei verpflichtet gewesen, nach Russland zu reisen . D.____ habe in der russischen Schule Fortschritte gemacht. J. Der Schulrat verfügte mit Datum vom 24. September 2 017 die Verhängung einer Bus- se von Fr. 3‘000.-- gegen A.____ und begründete diese mit der Missachtung der Ablehnung des Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dispensationsgesuchs und der Verletzung der Pflicht, D.____ den Schulbesuch in B.____ zu ermöglichen. K. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Schreiben v om 4. Oktober 2017 Beschwerde beim Regierungsrat. Dabei machte sie geltend, dass D.__ __ in den USA die Schule besucht habe. Sie reichte einen "Progress Report" der F.____ Elementary School in G.____ (USA) ein, wonach D.____ ab dem 21. März 2017 an 62 Tagen diese Schule besucht habe. Gestützt da- rauf machte sie geltend, der Auslandaufenthalt habe ih m keine Nachteile, sondern vielmehr verbesserte Englischkenntnisse gebracht. L. Mit RRB Nr. 2018-116 vom 23. Januar 2018 hiess der Regierungsrat die Beschwerde von A.____ gegen die Verfügung vom 4. Oktober 2017 tei lweise gut und reduzierte die ausge- fällte Busse auf Fr. 2‘000.--. M. Am 5. Februar 2018 erhob A.____, im Folgenden im mer vertreten durch Dieter Roth, Advokat in Liestal, gegen den RRB Nr. 116 vom 23. Januar 2018 Beschwerde beim Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kan tonsgericht). Sie stellt das Rechtsbe- gehren, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben, vo n der Ausfällung einer Busse abzu- sehen und eine Verwarnung auszusprechen; eventualiter sei die Busse niedriger anzusetzen und in Form von gemeinnütziger Arbeit auszusprechen und zu vollziehen; alles unter o/e- Kostenfolge. Die Beschwerdeführerin beantragte zudem d ie Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung. N. Mit Eingabe vom 11. April 2018 reichte die Beschwer deführerin eine ergänzende Be- gründung ein und legte dieser insbesondere einen Arztbe richt von H.____, M.D., I.____ (USA), über die verschiedenen Erkrankungen ihrer Mutter bei. D ie Beschwerdeführerin bekräftigt, sie habe objektiv keine Pflichten gemäss der Bildungsgesetzg ebung verletzt, da D.____ lückenlos die Schule besucht habe, wenn auch teilweise im Ausland. O. Der Schulrat liess sich am 12. Juni 2018 vernehmen und beantragt die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Den Erwägungen des Regierungsrates sei zuzustimmen. Die Bus- se sei sowohl im Grundsatz als auch in ihrer Höhe gerechtfertigt. P. Ebenfalls am 12. Juni 2018 reichte der Regierungsrat , vertreten durch den Stab Recht der BKSD, seine Vernehmlassung ein und beantragt die kostenfällige Abweisung der Be- schwerde. Q. Mit Verfügung vom 18. Juni 2018 wurde der Fall de r Kammer zur Beurteilung überwie- sen und der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung gewährt. R. Am 18. Juli 2018 reichte der Rechtsvertreter der B eschwerdeführerin dem Kantonsge- richt seine Honorarnote ein. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kant onsgericht zulässig. Die Be- schwerdeführerin ist vom angefochtenen Beschluss berührt un d hat ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Aufhebung. Da auch die übrigen formell en Voraussetzungen erfüllt sind und sowohl die örtliche als auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben sind, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetreten werden. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen re chtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Wei- teren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist de m Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführe rin zu Recht wegen Verletzung ihrer Pflichten der Schule gegenüber eine Busse in der Höhe von Fr. 2'000.-- auferlegt wurde. 4.1 Die Beschwerdeführerin bringt gegen den angefochte nen Entscheid im Wesentlichen vor, sie habe sich anfangs 2017 in einer Drucksituation be funden, die durch die dringende Be- treuungsbedürftigkeit ihrer Mutter ausgelöst worden sei . Als alleinerziehende Mutter habe sie keine andere Wahl gehabt, als D.____ zu ihrer Mutter i n die USA mitzunehmen. Sie habe aber D.____s Bedürfnis nach Schulbildung vollumfänglich erfüll t, indem sie ihn an der F.____ Ele- mentary School in G.____ eingeschult habe. Die Beschwerd eführerin verweist diesbezüglich auf einen "Progress Report" dieser Schule. Zudem reich te sie ein Arztzeugnis zum Beleg der Pflegebedürftigkeit ihrer Mutter ein. Ihr sei durch zwe i Lehrerinnen der Primarschule B.____ zunächst mündlich in Aussicht gestellt worden, ihr Gesuch kö nne bewilligt werden; die Abwei- sung desselben sei dann aber erfolgt, als sie bereits am Abreisen gewesen sei. Den Entscheid des Regierungsrates habe sie in Abwesenheit erhalten. D er Bericht der Primarschule B.____ vom 19. September 2017 belege, dass D.____ ein guter S chüler sei, dem der Aufenthalt in den USA nicht geschadet, sondern eher genützt habe. Die Höh e der Busse von 2‘000.-- sei über- trieben und nicht schuldangemessen, zudem sei sie wegen ihrer knappen Finanzen nicht in der Lage, die Busse zu bezahlen und müsse befürchten, dass diese in Haft umgewandelt werde. 4.2 Der Regierungsrat erwog, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Sohn nicht wie an- gekündigt nach Russland, sondern offenbar in die USA v erreist sei. D.____ sei jedoch so oder anders in B.____ schulpflichtig gewesen. Diese Pflicht h abe auch während der fraglichen Zeit- dauer ab dem 13. März 2017 bis zum Ende des Schuljahres 2016/2017 bestanden. D.____s Besuch einer Schule in den USA ändere nichts daran, da ss die Beschwerdeführerin gegen ihre Pflicht verstossen habe, ihm den Schulbesuch in B.____ zu ermöglichen. Allfälligen Verbesse- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungen von D.____s Englischkenntnissen stehe eine grosse Menge an verpasstem Schulstoff in B.____ gegenüber. Es sei der Beschwerdeführerin nicht o ffen gestanden, sich eigenmächtig über die rechtskräftigen, ablehnenden Entscheide bezügli ch ihres Dispensationsgesuchs hin- wegzusetzen. Dass der Entscheid des Regierungsrates über i hr Dispensationsgesuch einge- troffen sei, während die Beschwerdeführerin ausser Land es gewesen sei, ändere daran nichts, da ihr zum einen habe bewusst sein müssen, dass die Ablehnu ng des Gesuchs durch den Schulrat mindestens bis zu diesem Zeitpunkt Bestand haben würde und sie zum anderen selbst dafür hätte besorgt sein müssen, bei einem Auslandaufen thalt von ihrer Post Kenntnis zu neh- men. 4.3 In seiner Vernehmlassung führt der Regierungsrat au s, die Beschwerdeführerin hätte ihre Drucksituation, mithin den akuten Pflegebedarf ihr er Mutter und die Unmöglichkeit einer geeigneten Lösung für D.____ in der Schweiz, im Rahme n ihres Dispensationsgesuchs darle- gen und begründen müssen, was sie unterlassen habe. Die Beschwerdeführerin sei ungeachtet des expliziten Hinweises der BKSD auf die Konsequenzen ei ner eigenmächtigen Abreise mit D.____ in die USA geflogen. Die Echtheit des "Progre ss Report" und des eingereichten Arztbe- richtes könne nicht beurteilt werden. Es handle sich somi t objektiv gesehen um eine schwere Pflichtverletzung. Zum Eventualantrag der Beschwerde führerin sei festzuhalten, dass die Bil- dungsgesetzgebung die Verhängung von gemeinnütziger A rbeit als Sanktion nicht vorsehe. Eine Busse nach § 69 Abs. 2 Bildungsgesetz werde zudem na ch dem Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) vom 11. April 1889 vollstreckt und könne nicht in Haft umgewandelt werden. 5.1 In der Schweiz besteht ein verfassungsmässiger Anspruch auf ausreichenden und un- entgeltlichen Grundschulunterricht, der in allgemeine r Form in Art. 19 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 statuiert ist. Konkretisiert wird der Anspruch durch Art. 62 BV. Das Schulwesen ist nach Art. 62 Abs. 1 BV Sache der Kantone, welche für einen ausreichenden Grundschulunterricht zu sorgen haben (Art. 62 Abs. 2 BV). Der Besuch der Grundschule ist zudem obligatorisch und an öff entlichen Schulen unentgeltlich (Art. 62 Abs. 2 BV). Die Pflicht der Kinder zum Besu ch der Grundschule bzw. die Pflicht der Eltern, sie zum Schulbesuch anzuhalten, korrespondiert h ierbei mit der Pflicht der Kantone, ein ausreichendes Grundschulangebot anzubieten (B ERNHARD EHRENZELLER , in: Bernhard Ehren- zeller/Benjamin Schindler/Rainer J. Schweizer/Klaus A . Vallender [Hrsg.], Die Schweizerische Bundesverfassung, 3. Aufl. 2014, Zürich, N 25 zu Art. 62 ; HERBERT PLOTKE , Schweizerisches Schulrecht, 2. Aufl. 2003, Bern, S. 167 ff.). 5.2 In Erfüllung des in Art. 62 Abs. 1 BV erteilten Auftrages und in Umsetzung der in Art. 19 BV statuierten Grundsätze wird in § 94 Abs. 1 d er Kantonsverfassung (KV) vom 17. Mai 1984 festgehalten, dass die Schule in Verbindung mit den Eltern für eine "[…] den Anlagen und den Fähigkeiten der Schüler entsprechende Erziehung u nd Bildung […]" zu sorgen hat. In § 4 Abs. 1 Bildungsgesetz in Verbindung mit § 6 Abs. 1 li t. g Bildungsgesetz hat der Gesetzgeber diesen Auftrag dahingehend konkretisiert, dass jedes Kind bis zum Abschluss der Sekundarstu- fe II Anspruch auf eine seinen Fähigkeiten entsprechen de Bildung hat. Gemäss § 7 Abs. 1 Bil- dungsgesetz beginnt die Schulpflicht mit dem ersten Sc huljahr der Primarstufe, d.h. mit dem Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ersten Kindergartenjahr. Sie dauert in der Regel elf Jahre (§ 7 Abs. 2 Bildungsgesetz), bezie- hungsweise bis zum Volksschulabschluss. Adressaten der Schulpfli cht sind neben den Kindern im schulpflichtigen Alter auch deren Eltern (P LOTKE , a.a.O., S. 172). Die Schulpflicht ist grund- sätzlich am Ort zu erfüllen, wo sich das Kind gewöhnlich a ufhält. § 26 Abs. 1 Bildungsgesetz bestimmt, dass die Primarschule im Kanton Basel-Landschaft in der Regel in der Wohngemein- de zu besuchen ist. 5.3 Die Erziehungsberechtigten haben gemäss § 69 Abs. 1 lit. a-d Bildungsgesetz die Pflicht, für die Erziehung ihrer Kinder besorgt zu sein , sie zu unterstützen und ihren Bildungs- prozess zu fördern, mit den Lehrkräften sowie der Schule ihrer Kinder zusammenzuarbeiten, bei hängigen Fragen den direkten Kontakt zu diesen zu suchen und ihre Kinder anzuhalten, die Regeln und Weisungen der Schule einzuhalten und den Unterricht lückenlos zu besuchen. § 58 Abs. 3 Bildungsgesetz verpflichtet die Schulen, eine Ab senzenordnung zu erlassen. Die Pri- marschule B.____ hat zwar keine förmliche Absenzenordnung erlassen, jedoch auf ihrer Websi- te Weisungen zu den Absenzen und den Dispensationen vom Unterricht zur Verfügung gestellt. Danach haben die Eltern das Kind bei der Klassenlehrper son abzumelden, wenn es nicht in die Schule kommen kann und ihm nach erfolgter Absenz eine kurze Begründung mitzugeben ([Hy- perlink], zuletzt eingesehen am 16. Oktober 2018, vgl. " A wie Absenzen"). Desgleichen finden sich Regelungen zu den Jokertagen unter der Rubrik "I-J", welche den Schülern das Recht ein- räumen, während der Primarschulzeit zehn Halbtage als sogenannte Jokertage zu fehlen. Sind diese aufgebraucht oder dauert die begehrte Dispensati on länger an, kann ein ausserordentli- ches Dispensationsgesuch eingereicht werden, wobei derar tige Gesuche bei Absenzen von über zwei Wochen vom Schulrat zu beurteilen sind und se chs Wochen vor der geplanten Ab- senz einzureichen sind (vgl. Website der Primarschule B._ ___, [Hyperlink], zuletzt eingesehen am 16. Oktober 2018), wobei die Primarschule B.____ h ier die Regelung in § 55 Abs. 2 der Verordnung für den Kindergarten und die Primarschule (VO KG/PS) vom 13. Mai 2003 umsetzt. § 55 Abs. 1 VO KG/PS bestimmt zudem, dass befristete Beurlaubungen bei Vorliegen besonde- rer Gründe zulässig sind. 5.4.1 Abwesenheiten ohne gültige Dispensation oder g ültigen Abwesenheitsgrund wie Krankheit oder sonstige Verhinderung am Unterricht stel len grundsätzlich eine Verletzung der Schulpflicht dar, die mit den entsprechenden gesetzlichen Verwaltungssanktionen geahndet wird (vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons St . Gallen vom 22. September 2017, [B 2015/314], E 3.5; Urteil des Obergerichts des Kanto ns Zürich vom 22. November 2013 [Nr. SU130045] Ziff. III; Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 20. Juli 2012 [Nr. SU120021] Ziff. III). Der Entscheid, ob das Kind zur Schule geht oder nicht, liegt mithin grundsätzlich nicht in der elterlichen Kompetenz. 5.4.2 Gemäss § 69 Abs. 2 Bildungsgesetz können Erziehung sberechtigte, die ihren Pflichten der Schule gegenüber nicht nachkommen, vom Schulrat erm ahnt oder mit Busse bis zu Fr. 5'000.-- bestraft werden. Bei den Sanktionsmöglichk eiten gemäss § 69 Abs. 2 Bildungsge- setz handelt es sich um repressive Verwaltungssanktionen, w elche als Mittel des Verwaltungs- zwangs die Sanktionierung von Verstössen gegen die Bildu ngsgesetzgebung und damit deren Durchsetzung bezwecken (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Zürich, Rz. 1484). D em Schulrat steht in diesem Zusammen- hang ein gewisses Ermessen zu. Voraussetzung für die Verh ängung einer derartigen Sanktion ist stets ein Verschulden aufseiten der Erziehungsberecht igten (PLOTKE , a.a.O., S. 487). Kann den Erziehungsberechtigten folglich für das unentschuldigt e Fernbleiben ihres Kindes vom Un- terricht kein Verschulden zur Last gelegt werden, muss von einer Sanktion abgesehen werden. 5.4.3 Zu berücksichtigen ist zudem das Verhältnismässigkeitsp rinzip. Das verfassungsmäs- sige Gebot der Verhältnismässigkeit verlangt, dass eine Ve rwaltungssanktion für das Erreichen eines im übergeordneten öffentlichen (oder privaten) Interesses liegenden Zieles geeignet, er- forderlich und für den Betroffenen zumutbar ist. Erfor derlich ist eine vernünftige Zweck-Mittel- Relation. Dabei ist zunächst zu untersuchen, ob der Eing riff geeignet ist, um den angestrebten Zweck zu erreichen. Der Eingriff muss sodann möglichst scho nend erfolgen und sich in jedem Fall innerhalb des für den Betroffenen Zumutbaren ha lten (vgl. H ÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., Rz. 1459). 6.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdefüh rerin und D.____ in B.____ woh- nen und dass D.____ damit in B.____ schulpflichtig war u nd ist. Ebenfalls unbestritten und er- stellt ist, dass der Schulrat und der Regierungsrat das Gesuch der Beschwerdeführerin um aus- serordentliche Dispensation vom Unterricht vom 18. Januar 2017 abwiesen haben und dass sich die Beschwerdeführerin damit nicht auf eine formal gültige Dispensation vom Unterricht stützen konnte, als sie D.____ im massgeblichen Zeitraum, d.h. vom 13. März 2017 bis zum Ende des Schuljahres 2016/2017, nicht mehr in B.____ zur Schule schickte. Insofern ist mit den Vorinstanzen festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ihrer gesetzlichen Verpflichtung ge- mäss § 69 Abs. 1 lit. d Bildungsgesetz nicht nachgekommen ist. 6.2 Die Ausfällung einer Busse ist in einer Konstellat ion wie der vorliegenden grundsätzlich geeignet, der Forderung nach Erfüllung der elterlich en Pflichten Nachdruck zu verleihen. Frag- lich ist aber, ob vorliegend unter dem Gesichtspunkt der Subsidiarität nicht auch eine mildere Massnahme ausreicht, um den angestrebten Zweck – die Beschwe rdeführerin zur Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber der Schule anzuhalten, d.h. dafür zu sorgen, dass sie sich künftig an die Entscheide der Behörden hält – zu erreichen. Insbeso ndere ist zu prüfen, ob nicht auch eine Ermahnung der Beschwerdeführerin, wie sie in § 69 Abs. 2 Bildungsgesetz vorgesehen ist, in Frage kommt, um diesen Zweck zu erreichen. 6.3.1 Der Regierungsrat ging im angefochtenen Entscheid von einer schwerwiegenden Pflichtverletzung der Beschwerdeführerin aus. D.____ ha be den Unterricht während ausseror- dentlich langer Zeit, nämlich vom 13. März 2017 bis zum Semesterende am 30. Juni 2017, nicht besucht. Erschwerend komme hinzu, dass sich die Beschwerdeführerin über die negativen Ent- scheide der Vorinstanzen betreffend ihr Dispensationsge such hinweggesetzt habe. Ein Recht- fertigungsgrund für die monatelange Absenz D.____s vom U nterricht bestehe nicht. Insbeson- dere hätte die Beschwerdeführerin die Möglichkeit geh abt und wäre ihr zumutbar gewesen, während ihrer Abwesenheit zur Pflege der Mutter für i hren Sohn eine Ersatzlösung in der Schweiz zu finden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe sich bei ihrer Abreise in einer Druck- situation befunden: dies einerseits aufgrund der schweren Erkrankung ihrer Mutter, der sie habe beistehen müssen, und anderseits, weil sie als alleinerzie hende Mutter keine Möglichkeit ge- habt habe, D.____ bei anderen Personen in der Schweiz zur Betreuung zu lassen. 6.4.1 Vorab ist festzustellen, dass die Beschwerdeführeri n in ihrem Gesuch vom 18. Janu- ar 2017 die Gründe für ihre geplante Abwesenheit ni cht näher erläuterte, sondern lediglich auf "familiäre Gründe" verwies. Der Schulrat stützte sich in seinem ablehnenden Entscheid vom 16. Februar 2017 denn auch insbesondere auf die mangel hafte Begründung des Gesuchs. Während der Zeitspanne zwischen dem Dispensationsgesuch und dem Entscheid des Schulra- tes verging jedoch beinahe ein Monat, während dem es de r Schulrat unterliess, bei der Be- schwerdeführerin Rücksprache bezüglich der genaueren Gr ünde für die längere Absenz zu nehmen. Soweit der Schulrat die Begründung für mange lhaft erachtete und beabsichtigte, das Gesuch gestützt darauf abzuweisen, wäre es ihm offen gest anden, der Beschwerdeführerin Gelegenheit für eine allfällige Ergänzung der Gesuch sbegründung zu geben. Wie einer Akten- notiz vom 18. Februar 2017 über ein Telefonat der Be schwerdeführerin mit der Schulratspräsi- dentin C.____ zu entnehmen ist, war die Beschwerdeführerin durchaus bereit zur Beantwortung von Rückfragen betreffend ihr Gesuch. Auf dem Gesuchsformular war zudem auch die Telefon- nummer der Beschwerdeführerin vermerkt. 6.4.2 In ihrer Beschwerde gegen den Entscheid des Schul rates vom 16. Februar 2017 erläu- terte die Beschwerdeführerin daraufhin die Gründe fü r ihre geplante Abreise und kündigte ins- besondere an, sie werde D.____ im Ausland zur Schule schi cken. Der Regierungsrat bezeich- nete im RRB Nr. 0826 vom 13. Juni 2017 den Wunsch der B eschwerdeführerin, ihren Sohn mitzunehmen, als "durchaus nachvollziehbar". Es sei ihr jedoch zumutbar, für D.____ während ihrer Abwesenheit eine Ersatzlösung zu organisieren. Selb st wenn die Krankheit einer nahen Verwandten einen besonderen Grund nach § 55 Abs. 1 VO KG/PS darstelle, genüge dieser im konkreten Fall nicht für die Genehmigung des Urlaubsgesu ches, da es sich um eine Dispensa- tion vom Unterricht während sehr langer Zeit handle. D ie Beschwerdeführerin macht zwar gel- tend, sie habe diesen Entscheid aufgrund ihrer Abwesen heit nicht erhalten. Daraus kann sie hingegen nichts zu ihren Gunsten ableiten, wäre sie doc h verpflichtet gewesen, bei einem Aus- landaufenthalt für die Nachsendung ihrer Post besorgt zu sein, zumal sie selbst mit ihrer Be- schwerde vom 16. Februar 2017 das Prozessverhältnis begründet hatte. 6.4.3 Im angefochtenen RRB Nr. 116 vom 23. Januar 2018 bestätigte der Regierungsrat seine im RRB Nr. 0826 vom 13. Juni 2017 vertretene Sic htweise. Der Regierungsrat würdigte hierbei zwar die Begründung der Beschwerdeführerin für ihr Gesuch teilweise (insoweit sie sich auf die Krankheit ihrer Mutter bezog), liess hingegen ausser Acht, dass die Beschwerdeführerin alleinerziehend ist und dass es sich bei D.____ um ein (da mals) zehnjähriges Kind handelte. Auch liess der Regierungsrat bei der Beurteilung der S chwere der Pflichtverletzung ausser Acht, dass die Beschwerdeführerin ihren Sohn im Ausland e ine Schule besuchen liess, was sie bereits in ihrer Beschwerde vom 16. Februar 2017 angekündigt hatte. Diesbezüglich reichte die Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren eine Bestätigung des Schulbesuchs im Aus- land ein. Soweit der Regierungsrat die Echtheit des e ntsprechenden "Progress Report" der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht F.____ Elementary School mit Verweis auf die fehlende Unterschrift in Frage stellt, kann ihm nicht gefolgt werden. Aus einer kursorischen Internetreche rche ergibt sich, dass es sich bei der fraglichen Elementary School um eine öffentliche Schule des Bundesstaates Kalifornien handelt und die Angaben auf dem Progress Report mit den öffen tlich vorhandenen Informationen zu dieser Schule übereinstimmen (vgl. California School Di rectory des California Department of Education, [Hyperlink], zuletzt eingesehen am 17. Oktober 2018). Darüber hinaus ist den öffent- lich verfügbaren Angaben zur Schule zu entnehmen, dass d ie auf dem Progress Report ange- gebene Lehrkraft "J.____" Teil des Lehrkörpers an der b etreffenden Schule bildet (vgl. [Hyper- link], zuletzt eingesehen am 17. Oktober 2018). Die Ang aben auf dem Dokument stimmen zu- dem mit dem Zeitraum des Aufenthalts von D.____ in Ka lifornien überein. Zweifel an der Echt- heit der vorgelegten Bestätigung für D.____s Schulbesu ch sind demnach nicht angebracht und es ist davon auszugehen, dass D.____ die fragliche Schule w ährend des Aufenthalts in den USA besucht hat. Im Weiteren wird der Aufenthalt in Kalifornien – sowie die Betreuungsbedürf- tigkeit der Mutter der Beschwerdeführerin – auch durch den mit ergänzender Eingabe vom 11. April 2018 vorgelegten Arztbericht von H.____, M.D ., aus welchem die Erkrankungen der Mutter der Beschwerdeführerin und deren Pflege durch die Tochter hervorgehen, bestätigt. 6.5.1 Mit der Beschwerdeführerin ist festzustellen, dass ihr Verstoss gegen die Pflichten der Schule gegenüber nicht mit einem gänzlich unterbliebene n Schulbesuch gleichgesetzt werden kann. Der Regierungsrat geht insoweit fehl, als er die se beiden Konstellationen im Ergebnis gleich würdigt und darüber hinaus festhält, Fortschritt e von D.____ in der amerikanischen Pri- marschule seien irrelevant. Der Beschwerdeführerin ist vie lmehr zugute zu halten, dass sie nach ihrer Abreise für ihren Sohn den Besuch einer Sc hule in den USA sicherstellte. Aus den Akten geht sodann hervor, dass D.____ nach seiner Rückkehr in die Schweiz in der Schule keine Schwierigkeiten hatte und offenbar in die vierte Primarschulklasse übergetreten ist. Sein Auslandaufenthalt hat sich mithin nicht negativ auf seine Schulleistungen ausgewirkt. 6.5.2 Unter dem Gesichtspunkt des Verschuldens bzw. der Ve rhältnismässigkeit ist zudem zu berücksichtigen, dass sich die Beschwerdeführerin im Hinb lick auf die Betreuungsbedürftig- keit ihrer Mutter in einer gewissen Notlage befand. D ie Vorinstanzen stellen hohe Erwartungen an die alleinerziehende Beschwerdeführerin, wenn sie ve rlangen, dass diese während knapp vier Monaten eine Fremdbetreuung für ihren zehnjährig en Sohn hätte organisieren müssen, damit dieser weiterhin in B.____ die Schule hätte be suchen können. Auch abgesehen von den finanziellen und praktischen Hürden, die sich bei der Or ganisation einer längerfristigen Betreu- ung D.____s gestellt hätten, erscheint die Forderung, ein zehnjähriges Kind während knapp vier Monaten fremdbetreut zurückzulassen, als äusserst hart. D arüber hinaus wäre eine solche Lö- sung, so sie denn als zumutbar erachtet würde, auch fina nziell eine starke Belastung für die Beschwerdeführerin gewesen, die unbestrittenermassen in knappen Verhältnissen lebt. Wo sich der Vater von D.____ befindet, ist unbekannt, aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin kann jedoch geschlossen werden, dass er nicht für eine Be treuung D.____s zur Verfügung ge- standen wäre. Den nachvollziehbaren Ausführungen der B eschwerdeführerin zufolge hatte sie aus ihrer Sicht keine andere Wahl, als trotz des abschl ägigen Entscheids des Schulrates mit ihrem Sohn abzureisen. Für das Verhalten der Beschwerde führerin liegen mithin entschuldbare Gründe vor. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5.3 Nach dem Gesagten erweist sich die Verhängung ein er Busse im vorliegenden Fall in Anbetracht sämtlicher Umstände als unverhältnismässig. Der a ngestrebte Zweck der Mass- nahme kann vorliegend auch damit erreicht werden, dass der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht wird, dass sie sich inskünftig an die Regeln der Bildungsgesetzgebung zu halten ha- ben wird. Ein allfälliger Wiederholungsfall wäre demgemäss in einem anderen Licht zu betrach- ten. 6.6 Die Beschwerde ist gutzuheissen und der angefochtene Entscheid ist aufzuheben. Die Beschwerdeführerin ist im Sinne von § 69 Abs. 2 Bildu ngsgesetz zu ermahnen, ihren Pflichten gegenüber der Schule künftig nachzukommen. 7.1 Es bleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Den Vorinstanzen werde n keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). 7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausga ng des vorliegenden Verfahrens ist der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegner zuzu- sprechen. Ausgehend von dem in der Honorarnote vom 18 . Juli 2018 ausgewiesenen Zeitauf- wand für das Verfahren vor Kantonsgericht von 7.6667 St unden à Fr. 200.-- ist diese auf Fr. 1‘746.05 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer von 7. 7%) festzulegen, wobei eine hälftige Aufteilung der Kosten zwischen dem Regierungsrat und d em Schulrat gerechtfertigt erscheint. Der Regierungsrat und der Schulrat haben der Beschwerd eführerin somit jeweils Fr. 873.05 (je inkl. Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Regierungsrats vom 23. Januar 2018 aufgehoben und die Beschwerdeführ erin wird im Sinne der Erwägungen ermahnt. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschädig ung in der Höhe von Fr. 1‘746.05 (inkl. Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) zugesprochen, welche jeweils zur Hälfte, d.h. im Umfang von je Fr. 8 73.05, den B e- schwerdegegnern auferlegt wird. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.