Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Februar 2012 (720 11 199) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente Besetzung Präsidentin Eva Meuli Ziegler, Kantonsrichter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, X.____strasse 14, 4415 Lausen, Beschwer deführer, vertre- ten durch Daniel Tschopp, Advokat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.9395.0129.42) A. Der 1969 geborene A.____ arbeitete vom 1. Januar 1999 bis 31. März 2008 als Baggerführer bei der Firma B.____ AG in Muttenz. Am 14. September 2006 erlitt er bei einem Baggerunfall eine Deckplattenimpressionsfraktur LWK II mit ventralem Kantenabriss und Querfortsatzfraktur links. Für die Unfallfolgen sprach die Schweizerische Unfa llversicherungsanstalt (SUVA) dem Versicherten mit Verfügung vom 30. März 2010 eine Inva lidenrente aufgrund einer Beeinträch- tigung der Erwerbsfähigkeit von 32 % mit Wirkung ab 1 . April 2010 und eine Integritätsentschä- digung bei einer Integritätseinbusse von 15 % zu. A._ ___ meldete sich bereits am 24. März 2008 bei der IV-Stelle Basel-Landschaft unter Hinweis auf ein Rückenleiden bei der Eidgenös- sischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach versuchter Arbeitsver- Seite 2 mittlung und einem Arbeitstraining prüfte die IV-St elle den Rentenanspruch. Die IV-Stelle klärte dabei die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältni sse des Versicherten ab. Mit Verfügung vom 19. April 2011 lehnte die IV-Stelle nach durchgefü hrtem Vorbescheidsverfahren den An- spruch von A.____ auf eine Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 33 % ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Daniel Tschopp, am 30. Mai 2011 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversic herungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es seien in Aufhebung der angefo chtenen Verfügung weitere Abklärungen vorzunehmen und es sei anschliessend neu zu verfügen. In je dem Fall sei ihm von September 2007 bis März 2010 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bewilligen; unter o/e Kostenfolge. In der Begründung wurde insbesondere die Zuverlässigkeit des von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen bidisziplinä- ren Gutachtens von Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. Juni 2 010 beanstandet. Beim Einkom- mensvergleich habe die IV-Stelle zudem den Abzug vom T abellenlohn von 10 % zu gering be- messen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rech tspflege zog der Beschwerde- führer mit Eingabe vom 5. August 2011 zurück. C. In ihrer Vernehmlassung vom 9. Dezember 2011 beant ragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Versicherte Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 1.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invali- denversicherung (IVG) vom 1. Juni 1959 Versicherte, die i hre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähig- keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesent- lichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeit sunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialve rsicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist d er durch Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte u nd nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigke it sind nach dem im Rahmen der 5. IV- Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Ab s. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). Seite 3 1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person An spruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine hal- be Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Vie rtelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 1.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 2. Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 2.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die d urch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbesondere auch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwal- tung und im Streitfall das Gericht - auf Unterlagen a ngewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist e s, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungn ahmen eine wichtige Grundlage für die Be- urteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche an deren Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversi- cherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicher ungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen un d danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung de s streitigen Rechtsanspruchs ge- Seite 4 statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 2.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte F ormen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustel len (vgl. die ausführlichen Zusammen- stellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und - ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spreche n (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weite- ren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts [EVG] vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 3.1 Den Unfallakten ist zu entnehmen, dass der Versicherte am 14. September 2006 mit einem Bagger eine ca. 11 m hohe Bahnböschung hinunterfiel un d beim Überschlagen aus dem Fahr- zeug hinausgeschleudert wurde. Im E.____ wurde eine st abile Deckplattenimpres-sionsfraktur des 2. Lendenwirbelkörpers mit ventralem Kantenabriss und eine Querfortsatzfraktur ohne neu- rale Beteiligung sowie ein paravertebraler Hartspan n thorakolumbal festgestellt (vgl. Berichte des E.____ vom 21. September 2006, 18. Dezember 2006 und 24. Oktober 2006). Zur Therapie erhielt der Versicherte ein Dreipunktekorsett. Bei den anschliessenden Kontrollen seien jeweils schmerzhafte Verspannungen festgestellt worden (Berichte d es E.____ vom 30. Oktober 2006 und 24. Januar 2007). Die erste kreisärztliche Untersuchung fand am 22. Januar 2007 statt, bei welcher festgestellt wurde, dass die Rekonvaleszenz noch an daure. Aufgrund einer akuten Schmerzexazerbation lumbal wurde der Versicherte erneut im E.____ untersucht. Im Bericht vom 2. März 2007 wurde festgehalten, dass neu eine radi kuläre Reizsymptomatik und eine sensible Ausfallsymptomatik der Wurzel L3 hinzugekommen sei en. Eine am 12. März 2007 er- folgte MRI-Untersuchung ergab eine lumbosakrale Diskopat hie L5/S1 mit Riss des Anulus fibrosus und eine kleine Diskushernie L5/S1 links, die de n Duralsack sowie den Abfaltungsbe- reich der Nervenwurzel S2 links leichtgradig imprimiere (Bericht des E.____ vom 2. April 2007). 3.2 Am 2. April 2007 nahm der Versicherte seine Arbei t als Baggerführer wieder auf, beendete diese jedoch am folgenden Tag schmerzbedingt schon nach wenigen Stunden. Die anschlies- sende Untersuchung im E.____ ergab keine klare neurolog ische Symptomatik (Bericht des E.____ vom 2. April 2007). Auf Empfehlung der behand elnden Ärztin des E.____ Dr. med. F.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, und des Kreisarztes Dr. med. G.____, FMH Allgemeinmedizin, hielt sich der Versicherte vom 19. Juni bis 31. Juli 2007 für einen inten- Seite 5 siven stationären Konditionsaufbau in der H.____ auf (vgl. Verlaufsnotiz vom 13. April 2007 und Kreisarztbericht vom 8. Mai 2007). Im Austrittsbericht de r H.____ vom 10. August 2007 diag- nostizierten die behandelnden Ärzte eine stabile Impressionsfraktur LWK 2 und eine kleine me- diolaterale Diskushernie links L5/S1 mit leichtgradiger Imprimierung der Nervenwurzel S1. Es bestehe aktuell ein thorakolumbospondylogenes Schmerzsynd rom. Zeitlich ungefähr mit der Konkretisierung der beruflichen Wiedereingliederung i n eine Verweistätigkeit im gleichen Be- trieb sei es nach einer regulären Steigerung der Tra iningsbelastung zu deutlich verstärkten Rü- ckenbeschwerden thorakal mit Ausstrahlungen bis kranial gek ommen. Trotz Trainingsanpas- sung und verschiedenen Coping-Strategien hätten die Sch merzen bis zum Austritt persistiert. Hinweise für eine psychische Störung mit Krankheitswert h ätten sich keine ergeben. Als Bag- gerführer sei der Versicherte nicht mehr arbeitsfähig. Eine andere mittelschwere berufliche Tä- tigkeit ohne länger dauerndes repetitives Vorbeugen un d Aufrichten des Oberkörpers und ohne länger dauernde Erschütterung und Vibration des Rumpfe s könne der Versicherte zu 100 % ausführen. Es sei mit dem Versicherten ein Arbeitsversuch als Gruppenführer bei seiner Arbeit- geberin mit überwiegend administrativen und organisat orischen Aufgaben vereinbart worden. Diese Tätigkeit führte der Versicherte während der Zeit vom 2. August 2007 bis 2. Oktober 2007 zwar durch, er verrichtete jedoch kaum Arbeiten (vgl. Aktennotiz vom 27. November 2007). 3.3 Dazwischen fand am 6. September 2007 eine kreisärzt liche Untersuchung statt. Danach kam Dr. G.____ zum Schluss, dass der Versicherte vorwiege nd an funktionellen Restbe- schwerden leide. Es sei ihm zuzumuten, eine ganztägige, leichte, kurzzeitig bis knapp mittel- schwere, abwechslungsreiche, wechselbelastende Tätigkeit o hne Zwangshaltungen des Rü- ckens und Erschütterungen mit einem Traglimit von 10 - 15 kg auszuführen. Die behandelnde Ärztin des E.____ schloss sich mit Bericht vom 12. September 2007 der Zumutbarkeitsbeurtei- lung des Kreisarztes und der H.____ an (vgl. auch Bericht vom 8. Oktober 2007). 3.4 Zwei weitere Arbeitsversuche als Sicherheitswachmann startete der Versicherte am 18. Oktober 2007 und am 18. November 2007, welche er jeweils noch am gleichen Tag schmerzbedingt abbrach. Das MRI-Bild vom 23. November 200 7 zeigte eine Zunahme der Lu- xation der lumbosakralen Diskushernie. Ein erneuter Arb eitsversuch als Sicherheitswachmann erfolgte am 10. Dezember 2007, der wiederum gleichen tags scheiterte. Dr. F.____ erachtete den Versicherten trotz der aktuellen Schmerzexazerbation in einer leichteren körperlichen Tä- tigkeit als Sicherheitswachmann zu 100 % arbeitsfähig (v gl. Bericht vom 12. Dezember 2007). Am 4. März 2008 berichtete Dr. F.____ von einem deutl ichen Rückgang der ausstrahlenden Schmerzen ins linke Bein und des Taubheitsgefühls. Die H ausärztin Dr. med. I.____, FMH All- gemeine Medizin, schrieb den Versicherten ganztags arbei tsfähig mit einer Leistungsreduktion von 50 % (vgl. Bericht vom 9. April 2008 und 15. Mai 2008). 3.5 Am 27. Mai 2008 meldete sich der Versicherte erneu t wegen thorakolumbaler und am 5. August 2008 wegen aktuell tieflumbaler Schmerzexazerba tionen mit Ausstrahlungen ins linke Bein im E.____. Dr. F.____ veranlasste in der Folge e ine MRI-Untersuchung (Bericht vom 13. August 2008). Gemäss Bericht vom 8. August 2008 wurde im Vergleich zur Voruntersu- chung eine Grössenregredienz der Diskushernie L5/S1 mit p raktisch vollständiger Rückbildung des kleinen Sequesters, der zuvor Kontakt zur Nervenwur zel S2 gehabt habe, festgestellt. Es sei noch ein Restbefund vorhanden, der Kontakt mit dem Duralsack habe. Eine eindeutige Wurzelkompression sei jedoch nicht mehr zu erkennen. Dr. F.____ attestierte eine 50%ige Ar- Seite 6 beitsunfähigkeit, welche seit 1. April 2008 bestehe. Es werde empfohlen, die 50%ige Arbeitsfä- higkeit über den Tag verteilt mit längeren Pausen ein zuteilen (Berichte vom 20. und 27. August 2008). 3.6 Dr. G.____ stellte am 25. September 2008 fest, da ss der Endzustand erreicht sei. Die Zu- mutbarkeitsbeurteilung vom 6. September 2007 habe weiterhin ihre Gültigkeit. 3.7 Wegen erneut aufgetretenen akuten paravertebralen Schmerzen suchte der Versicherte am 30. September 2008 die Notfallstation auf. Gemäss Beri cht des E.____ vom 14. Oktober 2008 war lediglich der bekannte paravertebrale Hartspann vorzufinden. 3.8 Die vom Versicherten beklagten Hypästhesien in den Fi ngern der linken Hand und Schmer- zen bei der Dorsalextension erklärte Dr. F.____ mit ein em möglichen Sulcus-Ulnaris-Syndrom (vgl. Bericht vom 25. November 2008). Die Weichteils onographie vom 25. Februar 2009 ergab ein intrakapsuläres Handgelenksganglion. 3.9 Am 10. Juni 2009 wurde ein weiteres MRI angefertigt. Dieses zeigte eine kleine, ganz flache mediolaterale Diskushernie L5/S1 mit möglicher Beeint rächtigung der Wurzel S1. Auf der glei- chen Etage war eine minimale Foraminaleinengung bei beginnenden Spondylarthrosen mit möglicher Irritation der Wurzel L5 sichtbar. Klinisch ha be sich keine sensomotorische Ausfall- symptomatik gezeigt (Bericht des E.____ vom 10. Juli 2009). 3.10 Es folgten im August 2009 ein Arbeitsversuch im Tra nsportdienst als Taxifahrer im Invali- dentransport und ein Arbeitstraining in der Stiftung J.____, welche der Versicherte beide wegen Schmerzen abbrach. Gemäss Bericht des E.____ vom 30. Septe mber 2009 bestehe eine Reiz- symptomatik der Wurzel S1 ohne sensomotorische Ausfallsymptomatik. 3.11 Wegen Verdachts auf eine posttraumatische Belastungsstörung wurde der Versicherte von den K.____ abgeklärt. Gemäss Bericht vom 14. September 2 009 könne beim Versicherten kei- ne psychische Störung mit Krankheitswert festgestellt werden. 3.12 Dr. med. L.____, FMH Neurologie, untersuchte d en Versicherten aufgrund von Sensibili- tätsstörungen an den Fingern und am Hypothenar der lin ken Hand. Er hielt in seinem Bericht vom 18. Dezember 2009 fest, dass sich neurographisch ganz gering ausgeprägte pathologi- sche Veränderungen finden liessen, die auf eine Neurop athie des Nervus ulnaris im Sulcu- sabschnitt hindeuten würden. Hinweise auf motorische Au sfälle oder auf eine radikuläre Ursa- che seien nicht vorhanden (MRI der HWS vom 19. November 2009). 3.13 Im Kreisarztbericht vom 3. Februar 2010 diagnostizierte Dr. G.____ eine konsolidierte Wir- belfraktur LWK 2 mit Keilwirbel von 13° ohne Einfluss auf die Rückenstatik, eine funktionelle Lumboischialgie links und ein neues Ausweitungssyndrom links. Die Ulnarisneuropathie im Sul- cus sei unfallfremd. Dem Versicherten sei es zumutbar, gan ztags einer leichten, kurzzeitig knapp mittelschweren, abwechslungsreichen, wechselbelaste nden Tätigkeit, ohne Zwangshal- tungen oder Erschütterungen des Rückens und einem Traglimit von 10 - 15 kg, nicht allzu repe- titiv, auszuüben. Seite 7 3.14 Am 2. Mai 2010 begab sich der Versicherte in die Notfallstation des E.____ wegen Schmerzen im Bereich des Halses, der rechten Schulter u nd des rechten Armes. Es konnte lediglich ein Muskelhartspann im Bereich der rechten Schu lter- und Halsregion festgestellt wer- den (Bericht des E.____ vom 2. Mai 2010). 4.1 Zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts beauftragte die IV-Stelle Dr. C.____ und Dr. D.____ mit der Begutachtung des Versicherten. Im Gutachten vom 2. Juni 2010 hielt Dr. C.____ als rheumatologische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbo- vertebralsyndrom bei Status nach abgeheilter und stabile r traumatischer Deckplattenimpres- sionsfraktur LKW 2 mit ventralem Kantenabriss ohne Hinte rkantenbeteiligung und Querfortsatz- fraktur links fest. Der Status nach Ulnarisneuropathie li nks im Sulcus ulnaris beeinflusse die Arbeitsfähigkeit nicht, da der Versicherte deswegen se it Ende Januar 2010 beschwerdefrei sei. Dr. D.____ konnte keine psychiatrischen Diagnosen feststel len, welche sich auf die Arbeitsfä- higkeit auswirken würden. 4.2.1 In der rheumatologischen Beurteilung führte Dr. C.____ aus, dass der Versicherte beim Ausziehen nicht wesentlich behindert gewesen sei. Er habe Hose und Socken im Einbeinstand ausziehen können. Das Achsenorgan zeige einen deutlichen Rundrücken mit etwas eingefalle- ner Haltung. Die Halswirbelsäule (HWS) sei normal bewe glich. Aufgrund der Rundrückenform sei die Brustwirbelsäule leicht eingeschränkt, was jedoch normal sei. Die Lendenwirbelsäule (LWS) sei wie bei der HWS infolge Gegeninnervation (= aktiver Widerstand), um ein Drittel ein- geschränkt. Es würden sich weder an den oberen noch an den unteren Extremitäten radikuläre Zeichen finden lassen. Kraft, Sensibilität und Reflexbi ld seien unauffällig. Es seien kein lumba- ler paravertebraler Hartspann oder Muskeldifferenzen a n den unteren Extremitäten feststellbar. Sämtliche Waddell-Zeichen seien positiv. Zusammenfassend w ürden sich erhebliche Hinweise auf eine Symptomausweitung ergeben. Für diese Annahme weise er auf den in der Anamnese geschilderten Schmerzcharakter mit blitzartig einschiessend en Schmerzen, was auf nicht me- chanische Beschwerden hindeuten würde, sowie die positiven Waddell-Zeichen und die Ge- geninnervation hin. 4.2.2 Gemäss psychiatrischer Beurteilung von Dr. D.____ sei der Explorand allseits orientiert und bewusstseinsklar. Sein Gesichtsausdruck habe keine Auff älligkeiten gezeigt und somit kei- ne Hinweise für eine Depressivität, Avitalität oder Müd igkeit gegeben. Mimik und Gestik liessen keine Einschränkungen erkennen. Hinweise für eine Verla ngsamung oder eine Agitation hätten sich keine ergeben. Eine Verdeutlichungstendenz, Aggravit ation oder Begehrlichkeit habe nicht nachgewiesen werden können. Ich-Störungen und Sinnestä uschungen fehlten vollständig. Im formalen Denken weise der Explorand eine Einengung au f seine gesundheitlichen Beschwer- den und auf seine psychosoziale Situation auf. Ansonsten sei keine Auffälligkeit festzustellen gewesen. Der Versicherte habe berichtet, dass seine Schme rzen seit etwa August 2009 zuge- nommen hätten und zeitweise ins linke Bein bis in den Ko pf ausstrahlen würden. Gelegentlich erlebe er Blockierungen im Körper. Eine depressive Sympto matik verneine der Versicherte auf gezielte Nachfrage hin. Er könne keine depressive oder ni edergeschlagene Grundstimmung bestätigen, auch wenn der Alltag inhaltslos und langwei lig geworden sei, seit er nicht mehr ar- beite. Müdigkeit, Lust- oder Interesselosigkeit oder Antriebsarmut habe er verneint. Aufgrund der subjektiven Angaben seien die Kardinalsymptome für e ine depressive Episode nicht erfüllt. Zwar habe der Versicherte davon erzählt, dass er im Zusa mmenhang mit einem ablehnenden Seite 8 Entscheid der SUVA einen Abschiedsbrief vorbereitet h abe. An der heutigen Untersuchung ha- be eine Suizidalität jedoch nicht bestätigt werden kö nnen. Auch im objektiven Psychostatus zeige der Versicherte keine Hinweise auf eine depressive Störung. Somit könne aufgrund der objektiven Untersuchungsbefunde eine depressive Episode au sgeschlossen werden. Es sei nachvollziehbar, dass der Versicherte seinen Alltag inhalt slos und langweilig erlebe. Es sei ihm mit seiner guten Körperkraft gelungen, über viele Jahre seine Arbeitsstelle "narzisstisch" zu besetzen und den Lebensunterhalt seiner Familie zu ge währleisten. Dass er die Arbeitsversu- che nach kürzester Zeit abgebrochen habe, habe wohl dam it zu tun, dass es ihm nicht gelun- gen sei, einen Mittelweg zwischen voller Arbeitsfähigkeit und voller Arbeitsunfähigkeit zu erken- nen. Aus neutraler, medizinischer Sicht sei es nicht nach vollziehbar, weshalb er beispielsweise nicht als Chauffeur stundenweise tätig sein könne, wen n es ihm doch möglich sei, regelmässig seine Tochter mit dem Auto in Zürich zu besuchen. Ihm ste he seine Kränkung im Weg, indem er nicht mehr jene Körperkraft aufbringen könne, die ihn über viele Jahre gekennzeichnet habe. Dieses Phänomen habe aber keinen Krankheitswert. Eine somatoforme Schmerzstörung könne ebenfalls nicht diagnostiziert werden. Zwar sei es in den letzten Monaten zu einer gewissen, jedoch nicht erheblichen Schmerzausweitung gekommen. I nteressant sei, dass diese in jene Zeit falle, als er sich in einem Arbeitsversuch befunden habe. Die vom Versicherten wahrge- nommenen Schmerzen seien am ehesten als Teil seiner psycho sozialen Situation einzustufen, d.h. infolge seines inhaltslosen und langweiligen All tags sei er stärker auf sein Schmerzerleben fokussiert. Es könne somit keine psychiatrische Diagnose gest ellt werden, da die Funktionsfä- higkeiten nicht eingeschränkt seien. Aus psychiatrischer Sicht bestehe somit in einer Verweistä- tigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. 4.2.3 In der Konsensbeurteilung wiesen die Experten d arauf hin, dass eine erhebliche Diskre- panz zwischen den subjektiv angegebenen Beschwerden und den objektiven Befunden beste- he. Im Status werde ersichtlich, dass eine erhebliche Sel bstlimitierung bestehe. Weiter führten die beiden Gutachter aus, dass der Versicherte in psychischer Hinsicht nicht arbeitsunfähig sei. In somatischer Hinsicht sei dem Versicherten die Tätigkeit als Baggerführer aufgrund der immer wieder erheblichen Erschütterungen nicht mehr zumutbar. In einer leichten bis gelegentlich mit- telschweren Tätigkeit, bei welcher er nicht in dauernd en Zwangshaltungen wie dauernd vornü- bergebeugt, repetitiv sich nur bückend oder nur sitzend od er nur stehend arbeiten müsse, sei der Versicherte in einem Ganztagespensums vollschichtig ar beitsfähig. Diese Zumutbarkeits- beurteilung gelte nach dem stationären Aufenthalt in der H.____, d.h. ab 1. August 2007. 4.3 In ihren Stellungnahmen vom 8. Juni 2010 und 10. Januar 2011 schlossen sich Dr. med. M.____, FMH Chirurgie, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD), und Dr. med. N.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, der Beurteilung der Dres. C.____ und D.____ vom 2. Juni 2010 an. 5.1 Die IV-Stelle stellte in ihrer angefochtenen Ver fügung vom 19. April 2011 bei der Beurtei- lung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit d es Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse ab, zu denen Dr. C.____ und Dr. D.____ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 2. Juni 2010 gelangten. Sie ging demzufolge davon au s, dass dem Versicherten die Ausübung einer leichten bis gelegentlich mittelschweren leidensan gepassten Tätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar sei. Diese Beurteilung der Vorinstanz i st nicht zu beanstanden. Wie oben aus- geführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach- Seite 9 ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverl ässigkeit der Expertise sprechen. Sol- che Indizien liegen keine vor. Sowohl Dr. C.____ als au ch Dr. D.____ haben den Versicherten eingehend untersucht, sie gehen in ihren ausführlichen Fachgutachten einlässlich auf dessen Beschwerden ein, sie setzen sich mit den bei den Akten lie genden medizinischen Unterlagen auseinander und sie vermitteln so ein umfassendes Bild ü ber den Gesundheitszustand des Versicherten. 5.2 Was der Versicherte vorbrachte, ist nicht geeignet, die ausschlaggebende Beweiskraft des Gutachtens der Dres. C.____ und D.____ in Frage zu stell en. Es wird geltend gemacht, dass der Versicherte auch im Ruhezustand Schmerzen habe, die sich im Rahmen einer leichten Bü- rotätigkeit auswirken würden. Sie würden unter anderem Arbeitstempo und Konzentration be- einflussen und Ruhepausen erfordern. Die Zumutbarkeit sbeurteilung von Dr. C.____, der von einer vollschichtigen leidensangepassten Arbeitstätigkeit ausgehe, sei deshalb nicht nachvoll- ziehbar. Wie der Anamnese zu entnehmen ist, war sich Dr. C.____ der vom Versicherten be- schriebenen Schmerzen im Ruhezustand bewusst. Da jedoch sä mtliche Waddell-Zeichen posi- tiv waren, durfte Dr. C.____ davon ausgehen, dass die Schmerzen nicht organischer Pathologie sind. Gerade bei Patienten mit Lumbalgien lässt sich imm er wieder eine Diskrepanz zwischen dem Ausmass der angegebenen Beschwerden und den klinischen Befunden feststellen. Dieses Verhalten ist oft im Zusammenhang mit psychosozialen Prob lemen zu sehen (vgl. zur Bedeu- tung der Waddell-Zeichen: S TEBLER ROLF /P UTZI ROBERT /M ICHEL BEAT , Lumbale Rücken- schmerzen - Diagnostik, in: Schweiz Med Forum Nr. 9 vom 28 . Februar 2001). An der Zumut- barkeitsbeurteilung von Dr. C.____ ist umso weniger zu zweifeln, als auch Dr. G.____ in seinen mehrmaligen kreisärztlichen Untersuchungen zum Schluss kam, der Versicherte sei in einer leidensangepassten Verweistätigkeit zu 100 % arbeitsfähig . Entgegen der Ansicht des Versi- cherten bezog Dr. C.____ auch das MRI vom 10. Juni 2009 in seine Beurteilung ein, indem er ausführte, dass eine Dehydratation der untersten Bandsch eibe L5/S1 und eine leichte Impres- sionsfraktur des Th2 mit diskreter Verkürzung der Vorderka nte zu erkennen seien. Diese Be- funde würden sich jedoch nicht wesentlich auf die Statik der Wirbelsäule auswirken. Es ist ein- leuchtend, dass diese geringen Befunde die Arbeitsfähi gkeit des Versicherten nicht wesentlich beeinflussen. 5.3 Im Zusammenhang mit dem Ausmass der Arbeitsfähigkei t führte der Versicherte an, dass Dr. C.____ auf die Berichte des E.____, welche eine 5 0%ige Arbeitsunfähigkeit attestierten, nicht eingegangen sei. Es trifft zu, dass Dr. F.____ den Versicherten ab 1. April 2008 zu 50 % arbeitsunfähig betrachtete. Diese Einschätzung beruht jedoch vorwiegend auf den subjektiven Angaben des Versicherten, begründete sie diese doch led iglich mit der Äusserung des Versi- cherten, wonach dieser wegen seiner Schmerzen eine Arbe it in einer administrativen oder kör- perlichen Tätigkeit nicht mehr als 4 - 5 Stunden am S tück ausführen könne. Die Hausärztin Dr. I.____ erachtete den Versicherten zu 100 % mit einer L eistungseinbusse von 50 % arbeitsfähig (vgl. Schreiben vom 15. Mai 2008). Diese Beurteilung be zieht sich jedoch ausschliesslich auf die angestammte Tätigkeit als Baggerführer, aber nicht auf eine Verweistätigkeit (vgl. Bericht vom 9. April 2008). Daraus folgt, dass auf die beiden v on den Gutachtern C.____/D.____ ab- weichenden Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit nicht abgestellt werden kann. Seite 10 5.4 Weiter beanstandete der Versicherte, dass die von Dr. C.____ dargelegte Selbstlimitierung des Versicherten aufgrund der erheblichen Diskrepanz zwische n den subjektiven Beschwerden und seinen rheumatologischen objektiven Befunden zu kurz greife, da die geklagten Schmerzen ihren Grund auch beispielsweise in einer psychischen oder neurologischen Erkrankung haben könnten. In dieser Hinsicht ist Seite 25 des Gutachtens von Dr. C.____ zu beachten. Danach führte er diese Diskrepanz auf eine Symptomausweitung zur ück. Zur Begründung gab er an, dass der vom Versicherten beschriebene Schmerzcharakter (bl itzartige Schmerzen entlang der Wirbelsäule bis in den Nacken hinauf, Ausstrahlungen ins linke Bein bis in den Fuss), die positi- ven Waddell-Zeichen und die Gegeninnervationen bei de r Untersuchung der HWS und BWS deutliche Hinweise auf eine solche Ausweitung seien. Dass er aus der beschriebenen Sym- ptomausweitung auf eine Selbstlimitierung schliesst, ist nachvollziehbar und überzeugend; zu- mal er in seiner rheumatologischen Untersuchung keine objektiven Befunde erheben konnte, welche die Schmerzen im geklagten Umfang erklären konnten. Anzeichen, dass der Versicherte an psychischen oder neurologischen Beeinträchtigungen leidet, ergaben sich nicht aus den Ak- ten, so dass für Dr. C.____ kein Anlass bestand, die Ursac he dieser Diskrepanz in anderen fachärztlichen Fachgebieten zu suchen. 5.5.1 Die psychiatrische Beurteilung erachtete der Versich erte als unvollständig, weil Dr. D.____ das Vorliegen einer Schmerzstörung nicht untersucht habe. In dieser Hinsicht ist auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts hinzuweisen. Danac h setzt die Annahme eines psy- chischen Gesundheitsschadens, so auch einer anhaltenden so matoformen Schmerzstörung, zunächst eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich aner- kannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein K rankheitswert zukommt. Wie jede andere psychische Beeinträchtigung begründet indes auch eine diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität . Vielmehr besteht eine Vermu- tung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folg en mit einer zumutbaren Willensan- strengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in d en Arbeitsprozess unzumutbar ma- chen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die f ür den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Die - nur in Ausnahmefäl len anzunehmende - Unzumutbar- keit einer willentlichen Schmerzüberwindung und eines W iedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzt jedenfalls das Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer o der aber das Vorhandensein anderer qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfü llter Kriterien voraus (vgl. zum Ganzen und insbesondere zu den besonderen Kriterien: BGE 130 V 352 ff. mit zahlreichen Hinweisen). 5.5.2 Dr. D.____ konnte aufgrund seiner Befunde keine psychiatrische Diagnose stellen. So verneinte er das Vorliegen einer Depression, einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung oder einer anderen psychischen Störung mit Krankheitswe rt. Zur somatoformen Schmerzstö- rung führte er aus, dass es zwar zu einer gewissen Schmer zausweitung gekommen sei, diese sei jedoch nicht als erheblich zu bezeichnen. Das Schmerze rleben des Versicherten beschrieb er detailliert unter Punkt 4.2 seines Fachgutachtens. Er zog aber auch gleichzeitig den Schluss, dass der Versicherte den Alltag inhaltslos und langweil ig erlebe und so in nachvollziehbarer Seite 11 Weise stärker auf seine Schmerzen fokussiert sei. Entgege n der Ansicht des Versicherten ging Dr. D.____ somit auf die geklagten Schmerzen des Versiche rten detailliert ein. Da er jedoch keine qualitativen Funktionseinschränkungen erkennen ko nnte, ist es nachvollziehbar, dass er keine psychiatrische Störung mit Krankheitswert diagnostizi erte. Wie bereits schon Dr. C.____ führte auch er die Schmerzsymptomatik auf psychosoziale Fakt oren zurück, welche jedoch nicht als invalidisierend gelten. Es bestehen zudem keine Anhaltspunkte, seine Beurteilung in Zweifel zu ziehen; zumal auch die behandelnden Ärzte der K.____ anlässlich ihrer Untersu- chung keine psychisch bedingte Beeinträchtigung vorfinden konnten (vgl. Bericht der K.____ vom 14. September 2009). Aufgrund dieser übereinstimme nden psychiatrischen Beurteilungen ist davon auszugehen, dass der Versicherte an keiner wesentl ichen psychischen Erkrankung leidet. Damit fehlt es aber an einer psychiatrischen Diagnose, weshalb rechtsprechungsgemäss das Vorliegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzst örung zu verneinen ist. Selbst wenn eine solche Schmerzstörung diagnostiziert worden wäre, i st gestützt auf die nachvollziehbare und einleuchtende Beurteilung von Dr. D.____ davon ausz ugehen, dass keine erhebliche psy- chische Komorbidität oder andere Faktoren gegeben sind, welche den Schluss gestatteten, eine allfällige Schmerzstörung sei bei zumutbarer Willensanstrengung nicht überwindbar. 5.6 Lassen die vorhandenen medizinischen Unterlagen nach dem Gesagten eine zuverlässige Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes und der Ar beitsfähigkeit des Versicherten zu, so kann auf die von ihm beantragte Anordnung von weiter en Abklärungen verzichtet werden (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. dazu BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 5.7 Damit ist festzuhalten, dass es dem Versicherten gest ützt auf das Gutachten C.____/D.____ vom 2. Juni 2010 zumutbar ist, einer lei chten bis gelegentlich mittelschweren leidensangepassten Tätigkeit ab 1. August 2007 zu 100 % auszuführen. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die SUVA ihre Taggeldleistungen er st per Ende März 2010 einstellte. In diesem Zusammenhang ist auf die kreisärztliche Beurteilung von Dr. G.____ vom 6. September 2007 hinzuweisen, wonach er bereits zu jenem Untersuchun gszeitpunkt feststellte, dass nur noch funktionelle Restbeschwerden vorliegen würden. In Übereinstimmung mit Dr. C.____ ging auch er davon aus, dass es dem Versicherten ab August 2007 (so Dr. C.____) bzw. September 2007 zumutbar sei, eine leichte bis zeitweise knapp mit telschwere leidensangepasste Tätigkeit ganztags auszuüben. Aus der Tatsache, dass die SUVA trotz di eser Beurteilung über den Sep- tember 2007 hinaus Taggelder ausrichtete, kann der Versi cherte deshalb nichts zu seinen Gunsten ableiten. Entgegen dem Vorbringen des Versich erten besteht daher auch kein Anlass, entsprechend der Taggeldleistungen der SUVA eine befristete Invalidenrente zuzusprechen. 6.1 Der Invaliditätsgrad ist bei erwerbstätigen Versich erten aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG, vgl. auch Erwägung 1.3). Die IV-Stelle nahm in der ange- fochtenen Verfügung vom 19. April 2011 zur Ermittlung der Einschränkung des Versicherten im Erwerbsbereich den erforderlichen Einkommensvergleich vo r. Dabei ermittelte sie anhand der Gegenüberstellung von Validen- und zumutbarem Invalide neinkommen einen Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich von 33 %. Der Versicherte beanstandet im Zusammenhang mit der konkre- ten Berechnung einzig, dass die IV-Stelle lediglich eine n Abzug vom Tabellenlohn von 10 % vornahm. Aufgrund der Tatsache, dass der Versicherte über 20 Jahre als Baggerführer und Sicherheitswachmann gearbeitet habe und in seiner Beru fsausübung sehr erfahren und gut Seite 12 gewesen sei, wiege die Aufgabe des erlernten Berufes be sonders schwer. Es sei deshalb ein Abzug von 20 % gerechtfertigt. 6.2.1 Von einem anhand der Tabellenlöhne der Schweiz erischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) erhobenen Invalid eneinkommen sind praxisgemäss ver- schiedene Abzüge zulässig. Damit soll der Tatsache Rechnun g getragen werden, dass persön- liche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Be hinderung, Lebensalter, Dienstjah- re, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäf tigungsgrad Auswirkungen auf die Lohn- höhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/aa S. 323) un d je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 E. 5b/aa in fine S. 80). Der Abzug ist unter Würdigung der Umstän de im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Er darf 25 % nicht überste igen (BGE 126 V 80 E. 5b/bb-cc; Urteil des Bundesgerichts vom 15. November 2010, 9C_721/2010, E. 4.2). 6.2.2 Die Einschätzung des leidensbedingten Abzuges ist st ets eine Ermessensentscheidung. Bei der Überprüfung dieser Einschätzung kann es nicht d arum gehen, dass das Kantonsgericht als kontrollierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Es geht vielmehr um die Frage, ob der zu überprüfende Entschei d, den die Behörde nach dem ihr zu- stehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfa llen sollen. Allerdings darf das So- zialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich somit auf Gegebenheiten ab stützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegend erscheinen lassen (BGE 126 V 75 E 6, 123 V 150 E. 2). 6.2.3 Die IV-Stelle nahm im Hinblick auf die invaliditätsbedingten Einschränkungen einen Abzug vom Tabellenlohn im Umfang von 10 % vor. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Die allfällige, auf die gesundheitlichen Beeinträchtigunge n zurückzuführende Lohneinbusse er- scheint mit einem Abzug von 10 % ausreichend abgedeckt. W eitere Kriterien, die eine Erhö- hung des Abzuges vom Tabellenlohn rechtfertigen würden, sind nicht ersichtlich. So fällt das Alter von Versicherten bei einfachen und repetitiven, d em Anforderungsniveau 4 der LSE ent- sprechenden Tätigkeiten in der Regel nicht weiter ins Gewicht, da auf dem hypothetischen aus- geglichenen Arbeitsmarkt Hilfsarbeiten grundsätzlich al tersunabhängig nachgefragt werden. Sodann nimmt die Bedeutung der Dienstjahre im private n Sektor ab, je niedriger das Anforde- rungsprofil ist, weshalb dieser Faktor keinen Anlass zu e inem (weiteren) Abzug vom Tabellen- lohn gibt (vgl. BGE 126 V 79 E. 5a/cc). Der Versicherte besitzt die Niederlassung C. Damit ge- hört er einer Ausländerkategorie an, für welche der m onatliche Männer-Bruttolohn im Anforde- rungsniveau 4 sogar über dem entsprechenden, nicht nac h dem Merkmal der Nationalität diffe- renzierenden - und hier massgebenden - Totalwert liegt (LSE 2009 Tabelle TA12, vgl. auch Urteil des EVG vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.5.2) . Unter Würdigung der gegebenen Um- stände und in Berücksichtigung der in Betracht fallende n Merkmale lässt sich - entgegen den Ausführungen des Versicherten - die Vornahme eines höheren Abzuges nicht begründen. 6.3 Da der von der IV-Stelle ermittelte Invaliditätsgrad von 33 % unter dem für einen Rentenan- spruch mindestens erforderlichen Invaliditätsgrad von 40 % liegt, hat der Versicherte keinen Seite 13 Anspruch auf eine Invalidenrente. Die von der IV-Stel le verfügte Ablehnung des Rentenan- spruchs ist demnach nicht zu beanstanden. Die dagegen erh obene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilli- gung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kos- tenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensauf wand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmen s einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassungs- und V erwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Versich erte unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht