Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 10. Mai 2017 (810 17 12) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Gemeinsame elterliche Sorge (Dauerkonflikt), Obhut und Verzicht auf Regelung des per- sönlichen Verkehrs sowie Abänderung der Kindesschutzmassnahmen (insb. systemi- sche Familientherapie) Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Beat Walther , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Matthias Aeberli , Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Sabine Aeschlimann, Advokatin Betreff Regelung der elterlichen Sorge, Obhut und d es persönlichen Verkehrs sowie Abänderung der Kindesschutzmassnahmen (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 13. Dezember 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. C.____ und A.____ sind die unverheirateten Eltern von D.____, geboren 2013. Die Kindseltern haben einen von der Kindes- und Erwachsen enschutzbehörde B.____ (KESB) mit Entscheid vom 6. Januar 2014 genehmigten Unterhaltsvertrag abgeschlossen. E.____, geboren 2003, ist die ältere Tochter von C.____ und entstammt einer früheren Beziehung. B. Mit Schreiben vom 20. Juli 2014 ersuchte der Kindsva ter die KESB um Regelung des persönlichen Verkehrs, weil die Kindsmutter ihm seit seinem Auszug aus ihrer Wohnung im Juni 2014 jeglichen Kontakt zu seiner Tochter verweigere. C. Im Rahmen der diesbezüglichen Anhörung vom 8. August 2014 habe die Kindsmutter einen verwirrten Eindruck gemacht. Sie wendete sich vehe ment gegen einen Kontakt zwischen D.____ und ihrem Vater, (angeblich) weil sie ihre Tochter vor ihm schützen müsse. In der Folge holte die KESB im Einverständnis mit der Kindsmutter einen fachärztlichen Bericht ein (vgl. Ver- fügung der KESB vom 14. August 2014). Die von der KESB gestellten Fragen konnten nicht beantwortet werden, da es dafür einer umfassenden Beg utachtung bedurft hätte (vgl. Bericht von F.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMI, vom 28. August 2014). Immerhin seien gemäss dem erwähnten ärztlichen Bericht keine Hinwei se auf eine schwere psychiatri- sche Störung wie Schizophrenie oder schwere Depression der Kindsmutter feststellbar. Viel- mehr liege ein hochakuter Partnerschaftskonflikt vor und es sei möglich, dass die Spannungen in diesem Konflikt das Handeln der Kindsmutter steuern würden (und nicht eine psychische Krankheit). In diesem Sinne wäre es aus psychiatrischer S icht auch für das Wohl des Kindes sinnvoll, dem Kindsvater für eine begrenzte Zeit von sech s bis zwölf Monaten kein Besuchs- recht zu gewähren. D. Mit Entscheid der KESB vom 19. August 2014 wurde für D.____ eine Erziehungsbei- standschaft zur Organisation und Überwachung des persönl ichen Verkehrs errichtet und als Beiständin G.____ ernannt. Die KESB ordnete gleichzeitig für den Kindsvater für die Dauer von drei Monaten vorsorglich ein begleitetes Besuchsrecht al le vierzehn Tage im Rahmen der H.____ im Tagesheim I.____ an. Die Kindsmutter wurde unter Androhung einer Ungehorsams- strafe nach Art. 292 des Schweizerischen Strafgesetzbuches ( StGB) vom 21. Dezember 1937 angewiesen, das angeordnete Besuchsrecht zu ermöglichen. E. Der Kindsvater beantragte der KESB mit Eingabe vom 8. September 2014 die Ertei- lung der gemeinsamen elterlichen Sorge für D.____. F. Am 4. November 2014 stellte die KESB einen Strafan trag gegen die Kindsmutter, da diese sich nicht an die rechtskräftig verfügte Besuchsrechtsregelung gehalten habe. G. Mit Eingabe vom 27. November 2014 stellte die Kind smutter, nachfolgend vertreten durch Sabine Aeschlimann, Advokatin in Binningen, folge nde Anträge: 1. Es sei das Kontakt- recht mit dem Kindsvater für die nächsten zwölf Monate zu sistieren; 2. Eventualiter sei ein Gutachten einzuholen, welches sich dazu äussere, wie ein Kontaktrecht künftig aussehen solle; 3. Das von der KESB gegen die Kindsmutter eingeleitete Strafverfahren sei umgehend zurück- zuziehen; 4. Unter o/e-Kostenfolge. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Die Kindsmutter erstattete im Namen der beiden Töch ter Strafanzeige gegen den Kindsvater wegen sexueller Handlungen mit Kindern und Tätlichkeiten; ihrerseits reichte sie Strafanzeige wegen Tätlichkeiten und Beschimpfung gege n den Kindsvater ein (vgl. Editions- verfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft [Staa tsanwaltschaft] vom 18. November 2014). I. Mit Entscheid der KESB vom 9. Dezember 2014 wurde e ine Prozessbeistandschaft für E.____ und D.____ errichtet mit dem Inhalt, die Inte ressen der beiden Kinder im Strafverfahren zu vertreten. J. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft vom 13. März 2 015 wurde die Kindsmutter we- gen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung für schuldig erklärt und zu einer Busse in der Höhe von Fr. 300.-- verurteilt. K. Mit Verfügung der KESB vom 7. April 2015 wurde e ine psychiatrische Abklärung (Inter- ventionsgutachten) des Familiensystems angeordnet. Mit der Begutachtung wurde die Abtei- lung J.____ der K.____ beauftragt. L. Die Staatsanwaltschaft stellte das Strafverfahren von E.____ und D.____ gegen den Kindsvater am 27. August 2015 ein. M. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft vom 10. Sept ember 2015 wurde der Kindsvater der mehrfachen Drohung, der mehrfachen Beschimpfung u nd der versuchten Gewalt und Dro- hung gegen Behörden und Beamte zu einer bedingt vollzi ehbaren Geldstrafe von 60 Tagessät- zen à Fr. 130.-- sowie einer Busse in der Höhe von Fr. 1 '500.--, bei einer Probezeit von zwei Jahren, verurteilt. N. Das Gutachten der K.____ datiert vom 9. Februar 201 6. O. Anlässlich der Anhörung vom 31. März 2016 betreffen d die Eröffnung des Gutachtens beantragte der Kindsvater die Zuteilung der Obhut an ihn. Die KESB beschloss diesbezüglich eine zusätzliche Begutachtung bei der K.____einzuholen (vgl. Entscheid der KESB vom 25. April 2016). P. Die Kindsmutter zog im April 2016 mit ihren beide n Töchtern in den Kanton L.____. Q. Das Ergänzungsgutachten der K.____ (Ergänzungsgutac hten) datiert vom 11. August 2016. R. Mit Entscheid der KESB vom 13. Dezember 2016 wurden die Anträge des Kindsvaters zur Änderung der elterlichen Sorge oder Obhut abgewie sen (Dispositiv-Ziffer 1); von einer be- hördlichen Regelung des persönlichen Verkehrs zwischen Va ter und Tochter wurde ausdrück- lich abgesehen. Bis auf weiteres sei der Kontakt nur mit Zustimmung der obhutsberechtigten Person zulässig (Dispositiv-Ziffer 2) und für D.____ wurd e per 1. Januar 2017 neu als Beistän- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht din M.____ ernannt (Dispositiv-Ziffer 3). Die Kindsmutt er wurde angewiesen, unabhängig vom Aufenthaltsort des älteren Kindes auch zu Gunsten von D._ ___ eine systemische Familienthe- rapie zu befolgen, die namentlich die Themen Erziehung skompetenz, Beziehungsgestaltung und Förderung der Selbständigkeit des Kindes beinhalte . Ein Wechsel der Fachstelle für Fami- lientherapie sei mit der Beiständin abzusprechen (Dispo sitiv-Ziffer 4.1). Die Kindsmutter wurde ferner angewiesen, die Fachpersonen gegenüber den and eren involvierten Fachpersonen bei- der Kinder, der Beiständin und der zuständigen Kindessc hutzbehörde von der Schweigepflicht zu entbinden (Dispositiv-Ziffer 4.2). Die Verfahrenskoste n der KESB in der Höhe von Fr. 21'026.-- wurden den Kindseltern hälftig auferlegt (Dispositiv-Ziffer 6). S. Dagegen erhob A.____, nachfolgend vertreten durch M atthias Aeberli, Advokat in Ba- sel, mit Eingabe vom 13. Januar 2017 Beschwerde beim Ka ntonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit den Rech tsbegehren: 1. Es sei der Ent- scheid der KESB vom 13. Dezember 2016 vollumfänglich aufz uheben und die elterliche Sorge und Obhut über D.____ auf ihn, eventualiter vorüberg ehend an eine zivilrechtliche Behörde, zu übertragen. Weiter sei festzustellen, dass von ihm keine Verfahrenskosten gemäss Ziffer 6 des angefochtenen Entscheids getragen werden müssten; 2. Es sei dem Beschwerdeführer im vor- liegenden Verfahren für die ordentlichen und ausserord entlichen Kosten der Kostenerlass mit dem unterzeichnenden Advokaten als unentgeltlicher Recht sbeistand zu bewilligen; 3. Unter o/e-Kostenfolge. T. Am 3. Februar 2017 liess sich die Vorinstanz vernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde. Eventualiter beantragt sie, es seien d ie beteiligten Fachpersonen bei einem allfälligen Entscheid über die Platzierung von D.____ vorgängig zu informieren. U. Mit Eingabe vom 17. Februar 2017 reichte die Kindsm utter ihre Vernehmlassung ein und beantragt die Abweisung der Beschwerde. Eventualit er sei ein neues Fachgutachten ein- zuholen; subeventualiter für den Fall, dass ein Sorge- oder Obhutsentzug angeordnet würde, sei zugunsten der Kindsmutter ein angemessenes Kontaktrec ht mit D.____ festzulegen. Unter o/e-Kostenfolge, wobei der Kindsmutter die unentgeltl iche Prozessführung mit der Unterzeich- nenden zu bewilligen sei. V. Mit präsidialer Verfügung vom 23. Februar 2017 wur de der Fall der Kammer zur Beur- teilung überwiesen. Gleichzeitig wurden dem Beschwerde führer und der Beschwerdegegnerin eine Nachfrist zur Nachreichung der Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege eingeräumt. W. Am 7. März 2017 reichten der Beschwerdeführer und d ie Beschwerdegegnerin je das Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" inklusive Belege ein. X. Mit Eingabe vom 16. März 2017 reichte die Beschwerd egegnerin ein Schreiben der N.____ vom 8. März 2017 ein. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgeset zbuches (ZGB) vom 10. De- zember 1907 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide einer Kindesschutzbe- hörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werd en. § 66 Abs. 1 des kantonalen Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZG B die Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht des Kantonsgerichts für zuständig. Das Ver fahren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die B estimmungen des kantonalen Verwal- tungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Demnach ist die Fünferkammer der Ab- teilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht des Kantonsger ichts zur Beurteilung der vorliegen- den Beschwerde zuständig (§ 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungs- prozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Z iff. 1), die der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Int eresse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Als Adress at des angefochtenen Entscheids ist der Beschwerdeführer ohne weiteres zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei ihm – e ntsprechend den Empfehlungen in den Gutachten – die elterliche Sorge bzw. Obhut zu übe rtragen. Das Gutachten schliesse mit der Empfehlung, die Obhut von D.____ im Sinne des K indeswohls nicht bei der Kindsmutter zu belassen, sondern diese an eine zivilrechtliche Behörde a bzutreten. Der Beschwerdeführer macht unter Verweis auf das Ergänzungsgutachten geltend , seine Erziehungsfähigkeit sei grundsätzlich gegeben, er weise zudem stabile Verhältnisse auf und es würde eine persönliche Bindung und eine echte Zuneigung zu D.____ bestehen. Demgegenüber sei die Erziehungsfä- higkeit der Kindsmutter beeinträchtigt und die familiä re Situation sowie die örtlichen Verhältnis- se bei der Kindsmutter seien instabil. Es sei nicht nachvo llziehbar, weshalb die Vorinstanz dem vorgeschlagenen Prozedere nicht entsprochen habe, sondern den gutachterlichen Empfehlun- gen im streitgegenständlichen Entscheid diametral widersprochen habe. 2.2 Im angefochtenen Entscheid stellte sich die KESB auf den Standpunkt, dass der von der Gutachterin empfohlene Entzug des Aufenthaltsbesti mmungsrechts und die damit verbun- dene Fremdplatzierung von D.____ aktuell nicht vertret bar sei und zwar aus folgenden Grün- den: Zunächst hätte der Vollzug der gutachterlich vorge sehenen Massnahmen voraussichtlich unter Einsatz von Gewaltmitteln erfolgen müssen und gemäss den Gutachtern drastische Reak- tionen bei der Beschwerdegegnerin (namentlich Entfüh rungsrisiko und erweiterter Suizid) aus- lösen können. Zudem hätte der Beschwerdegegnerin im Fal le einer Weisung betreffend Be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht suchsrecht für den Kindsvater bei einem Entzug des Aufen thaltsbestimmungsrechts lediglich ein begleitetes Besuchsrecht gewährt werden können. Ang esichts des Alters von D.____ sei eine solche Lösung im jetzigen Zeitpunkt nicht tragbar. Ferner stellte die KESB die Erziehungs- fähigkeit des Kindsvaters in Frage, zumal er sowohl geg enüber den Mitarbeitenden der KESB als auch gegenüber der Kindsmutter bedrohlich aufgetret en sei. Im Rahmen der Begutachtung habe nicht beurteilt werden können, ob der Kindsvater i n seiner emotionalen Selbststeuerung bzw. in seiner Erziehungsfähigkeit eingeschränkt sei, da ke inerlei Interaktion habe beobachtet werden können. Schliesslich habe das Ergänzungsgutachten festgehalten, dass die Kindsmut- ter aktuell in der Lage sei, sämtliche Bedürfnisse von D. ____ abzudecken. Demzufolge liege derzeit keine Gefährdung des Kindeswohls vor. Eine zusätzli che Entlastung der Familienprob- lematik werde mit der längerfristigen Fremdplatzierung von E.____ erreicht. Von der Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge sei sodann abzusehen, da überdies ein schwerwiegender Dauerkonflikt zwischen den Eltern vorliege, welchem auch mit Unterstützung von Drittpersonen nicht habe begegnet werden können. Das Ziel der KESB sei es primär, eine Beruhigung der Situation zu erreichen. In der Vernehmlassung weist die KESB darauf hin, dass sich die ältere Tochter der Kindsmutter seit Herbst 2016 freiwillig in einer stationären kinderpsychiatrischen Klinik aufhalte, was bereits zu einer Entspannung der G esamtlage geführt habe. Die Grund- problematik im Familiensystem sei zwar nach wie vor vorhanden, die Basis sei zwischenzeitlich jedoch gegeben, um mit der Mutter und dem ganzen System fokussiert arbeiten zu können. Die Kindsmutter habe neben der Platzierung von E.____ auch eine Therapie in Angriff genommen, weshalb – entgegen den gutachterlichen Ausführungen – nicht davon ausgegangen werden könne, dass sie beratungsresistent sei. Demzufolge werde ent sprechend den Erkenntnissen des Gutachtens davon ausgegangen, dass eine Möglichkeit auf Veränderung bzw. Verbesse- rung bei der Kindsmutter und folglich der Gesamtsituation bestehe. 2.3 Auch die Beschwerdegegnerin beruft sich darauf, da ss keine konkrete und unmittelba- re Gefährdung des Wohls von D.____ vorliegen würde. So weit es an der Voraussetzung einer Kindeswohlgefährdung fehle, falle ein Entzug der elte rlichen Sorge der Kindsmutter ausser Be- tracht. Es sei ferner unzutreffend, dass die Kindsmutter n icht kooperativ sei, da sie seit dem Wohnortswechsel und dem Erlass des streitgegenständlichen Entscheids der KESB eine sys- temische Familientherapie mit beiden Töchtern (und ih rer Mutter) wahrnehme. Weder die zufol- ge des Wohnortwechsels neu eingesetzte Beiständin noch d ie übrigen involvierten Fachperso- nen würden einen Handlungsbedarf erkennen. Vielmehr seien sie der Auffassung, dass von ihr keine Gefährdung für das Kindeswohl ausgehe. Aktuell be stehe ein funktionierendes Netzwerk von Fachpersonen, weshalb sich weitergehende Kindesschut zmassnahmen als unverhältnis- mässig erweisen würden. Hinsichtlich einer gemeinsamen el terlichen Sorge macht sie geltend, der Kindsvater habe D.____ seit seinem Auszug nicht mehr gesehen und keinerlei Erfahrung im Umgang mit Kindern. Ferner arbeite er in einem Voll zeitpensum, wodurch er die persönliche Betreuung von D.____ nicht gewährleisten könne. Darüber hinaus sei davon auszugehen, dass der Kindsvater keinen Kontakt zwischen D.____ und der K indsmutter zulassen würde, weshalb die Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge nicht in Frage komme. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Streitgegenstand bildet somit die Frage, ob die V orinstanz die alleinige elterliche Sorge und Obhut über D.____ zu Recht bei der Kindsmutter belassen und auf eine Regelung des per- sönlichen Verkehrs zwischen dem Kindsvater und D.____ verzichtet hat. 4.1 Die elterliche Sorge dient dem Wohl des Kindes (Ar t. 296 Abs. 1 ZGB). Sie umfasst die Gesamtheit der elterlichen Verantwortlichkeiten und Be fugnisse in Bezug auf das Kind, d.h. die Bestimmung des Aufenthaltsorts, die Erziehung und die gesetzliche Vertretung des Kindes so- wie die Verwaltung seines Vermögens (I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , in: Honsell/ Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I , Art. 1 - 456, 5. Auflage, Basel 2014, N 2 zu Art. 296 ZGB). Die Eltern leiten mit Blick auf das Wohl des Kindes seine Pflege und Er- ziehung und treffen unter Vorbehalt seiner eigenen H andlungsfähigkeit die nötigen Entschei- dungen (Art. 301 Abs. 1 ZGB), d.h. die Eltern üben ihre Entscheidungskompetenz grundsätzlich gemeinsam aus. Sind sich die Eltern uneinig, sind sie geh alten, mit allen Mitteln (Vermittlung, Beratung) eine Einigung zu erzielen. Kein Elternteil hat den Stichentscheid und es ist ebenfalls nicht die Aufgabe der KESB, anstelle der Eltern zu en tscheiden (U RS GLOOR /B ARBARA UMBRICHT LUKAS , in: Fountoulakis/Affolter-Fringeli/Biderbost/Steck [Hr sg.], Fachhandbuch Kin- des- und Erwachsenenschutzrecht, Zürich 2016, N 13.9). Ei n hoheitlicher Eingriff ist nur mög- lich, wenn die Uneinigkeit der Eltern das Kindeswohl ge fährdet (G LOOR /U MBRICHT LUKAS , a.a.O., N 13.27 und 13.31). 4.2 Aufgrund der seit dem 1. Juli 2014 in Kraft getre tenen Sorgerechtsreform bildet die gemeinsame elterliche Sorge unabhängig vom Zivilstand d er Eltern den Regelfall, also auch nach der Scheidung und bei getrennt lebenden unverhei rateten Eltern sowie gegen den Willen eines Elternteils, bzw. die Belassung der alleinigen el terlichen Sorge die eng begrenzte Aus- nahme (Art. 296 Abs. 2 ZGB; Art. 298a Abs. 1 ZGB; Art . 298b Abs. 1 ZGB; Urteil des Bundes- gerichts 5A_345/2016 vom 17. November 2016 E. 2; G LOOR /U MBRICHT LUKAS , a.a.O., N 13.7 und N 13.10). Vorliegend ist die Frage zu entscheiden, ob ein solcher Ausnahmefall gegeben ist; dabei ist gestützt auf Art. 12 Abs. 4 Schlusstitel (SchlT) ZGB der Art. 298b Abs. 2 ZGB sinn- gemäss zur Anwendung zu bringen (vgl. Urteil des Bund esgerichts 5A_400/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.3). 4.3 Voraussetzung für die Erteilung der gemeinsamen elt erlichen Sorge ist, dass kein Grund für die Alleinsorge eines Elternteils besteht (S CHWENZER /C OTTIER, a.a.O., N 5 zu Art. 298b ZGB; K URT AFFOLTER -FRINGELI /U RS VOGEL , in: Hausheer/Walter, Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Bern 2016, N 8 zu Art. 298b ZGB). Mit anderen Worten muss die Wahrung der Kinderinteressen eine alleinige elterliche Sorge notwendig machen, ansonsten der gesetzliche Regelfall der gemeinsamen Sorge zum T ragen kommt (Botschaft vom 16. November 2011 zu einer Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Elterliche Sor- ge], Bundesblatt [BBl] 2011 S. 9104 f.). Die massgebe nde Leitlinie für die Zuteilung der elterli- chen Sorge ist demnach das Kindeswohl. Die gemeinsame Ausübung der elterlichen Sorge erfordert einen minimalen Konsens der Eltern über d ie Grundsätze der Erziehung des Kindes, damit nicht gegensätzliche Handlungen der beiden Elte rnteile das Kindeswohl gefährden. Die Auseinandersetzung über diese Grundhaltung im Innenverhältnis unter den Eltern und die Kon- gruenz der beiden Eltern in der Gestaltung der Erziehu ng ist für das Kind eine wichtige Voraus- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht setzung. Uneinigkeit oder Dauerkonflikte der Eltern alle in sind jedoch noch kein Grund zur Ver- weigerung der gemeinsamen elterlichen Sorge. So müsste die Beibehaltung der Alleinsorge eine wesentliche Verbesserung der Situation bewirken re spektive es müssten in tatsächlicher Hinsicht klare Anhaltspunkte bestehen, dass sich mit der E inräumung der gemeinsamen Sorge diese Konflikte verstärken und dadurch das Kindeswohl in grösserem Ausmass belastet würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_186/2016 vom 2. Mai 20 16 E. 4; Urteil des Bundesgerichts 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 2; A FFOLTER -FRINGELI /VOGEL , a.a.O., N 8 f. zu Art. 298b ZGB). Wirkt sich die Uneinigkeit oder der Konflikt zwischen den Eltern also stärker auf das Kind aus, kann dies ein Grund zur Verweigerung der gemeinsa men elterlichen Sorge sein. Dasselbe muss in Fällen gelten, wo keinerlei Kooperationsfähig keit und kein Kooperationswille vorliegen und erstellt ist, dass sich die Eltern über den grössten T eil der in ihrer Verantwortung liegenden Fragen nicht werden einigen können (A FFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 9 zu Art. 298b ZGB). Bei der elterlichen Sorge handelt es sich um ein sog. Pflichtrecht (BGE 136 III 353 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 5A_198/2013 vom 14. November 2013 E. 4.1). Es hat das Recht und die Pflicht zum Gegenstand, über die wesentlichen Belang e des Kindes zu entscheiden. Dies erfordert vorab, dass der Sorgerechtsinhaber Zugang z u aktuellen Informationen über das Kind hat. Für eine sinnvolle Ausübung des Sorgerechts wird a ber in der Regel auch der persönliche Kontakt zum Kind unabdingbar sein; es ist nur schwer vorstellbar, dass ein Sorgerechtsinhaber pflichtgemäss Entscheidungen zum Wohl des Kindes treffen k ann, wenn über lange Zeit kein irgendwie gearteter Austausch zwischen ihm und dem Kind stattfindet. Wo das Sorgerecht den Eltern gemeinsam zusteht oder zustehen soll, ist schliesslich erforderlich, dass diese in Bezug auf die grundsätzlichen Kinderbelange ein Mindestmass an Übereinstimmung aufweisen und wenigstens im Ansatz einvernehmlich handeln können. Ist dies nicht der Fall, führt ein gemein- sames Sorgerecht fast zwangsläufig zu einer Belastung des K indes, welche anwächst, sobald dieses das fehlende Einvernehmen der Eltern selbst wahrn ehmen kann. Im Übrigen drohen auch Gefahren wie die Verschleppung wichtiger Entschei dungen, beispielsweise im Zusam- menhang mit notwendiger medizinischer Behandlung (Urte il des Bundesgerichts 5A_400/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.5). Des Weiteren müssen für die elterliche Sorge die Voraussetzun- gen nach Art. 296 ZGB vorliegen. Bei den Elternteil en notwendig hierfür sind: das Vorliegen eines rechtlichen Kindesverhältnisses, die Volljährigkeit , das Fehlen einer umfassenden Bei- standschaft der Elternteile sowie fehlender Entzug de r elterlichen Sorge gestützt auf Art. 311 ZGB (vgl. A FFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 10 zu Art. 298b ZGB; S CHWENZER /COTTIER , a.a.O., N 5 zu Art. 298b ZGB). 5.1 Beide Elternteile erfüllen unbestrittenermassen die Voraussetzungen gemäss Art. 296 ZGB. Somit ist nachfolgend einzig zu prüfen, ob das Kin deswohl durch die Erteilung der ge- meinsamen elterlichen Sorge gefährdet bzw. ob zu dessen Wahrung die Zuteilung der alleini- gen elterlichen Sorge an die Kindsmutter erforderlich ist. 5.2.1 Die in den Akten liegenden Berichte und Gutach ten dokumentieren eine auffällige und beeinträchtigte familiäre Dynamik (symbiotisch-dyadische Be ziehungen; Dyaden zwischen Grossmutter mütterlicherseits, Kindsmutter und E.____, fe hlende Triangulierungsfähigkeit). Gemäss Gutachten zeige die ältere Tochter der Beschwerdege gnerin seit spätestens August 2012 psychische Auffälligkeiten, wobei die familiäre Sit uation seit der Geburt von D.____ zuse- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht hends eskaliert sei (vgl. Gutachten, S. 6). D.____ würde keine psychischen Auffälligkeiten auf- weisen und die in den ersten Lebensjahren bestehenden G rundbedürfnisse könnten von der Beschwerdegegnerin in ausreichendem Mass erfüllt werden (vgl. Gutachten, S. 62 f.). Die auf die ältere Tochter negativ einwirkenden Faktoren der f amiliären Gesamtdynamik, welche sich insbesondere zwischenmenschlich abspielen würden, schienen auf D.____ noch keinen Ein- fluss zu haben. Im weiteren Verlauf, wenn auch D.____ zu nehmend ein aktiver und eigenstän- diger Akteur im familiären System werde, könnte sich di e familiäre Dynamik jedoch auch zu- nehmend auf sie ungünstig auswirken. Hinsichtlich der emo tionalen Bedürfnisse bzw. der Ent- wicklungsbedürfnisse würden bei der Beschwerdegegnerin de utliche Defizite vorliegen (vgl. Gutachten, S. 63 f.). Bedürfnisse hinsichtlich Kontakt m it Gleichaltrigen, Stabilität und Sicher- heit, Vorhersagbarkeit des Verhaltens und Reaktionen der primären Bezugspersonen sowie Autonomie und Individualität könnten von ihr nur schwer erkannt bzw. nicht erfüllt werden (Gut- achten, S. 64). In einer Gesamtschau werde die Erziehu ngsfähigkeit der Beschwerdegegnerin daher als beeinträchtigt angesehen (vgl. Gutachten, S. 66). Der Familienzuwachs durch D.____ scheine im Rahmen beeinträchtigter Triangulierungsfähi gkeiten die Fähigkeit der Kindsmutter, gleichwertige Beziehungen zu beiden Kindern zu führen, einzuschränken (vgl. Gutachten, S. 67). Auch hinsichtlich der Beziehungstoleranz (Beziehun g zum jeweils anderen Elternteil tolerieren) sei die Beschwerdegegnerin offensichtlich ma ssiv beeinträchtigt, sodass eine Bezie- hung ihres Kindes zum Kindsvater nicht nur nicht möglich, sondern in Bezug auf den Be- schwerdeführer sogar massiv abgewehrt werde (vgl. Gutacht en S. 67 f.). Da die Zielrichtung von D.____s Willen weitgehend noch auf primäre Versor gungs- und Zuwendungsansprüche gerichtet sei und sie eher keine Besonderheiten hinsichtlich spezieller Ansprüche an ihre Mutter zeige, sei die momentane Erziehungsfähigkeit der Beschw erdegegnerin in Bezug auf D.____ aktuell wenig beeinträchtigt (vgl. Gutachten, S. 68). I m Zusammenhang mit der Beurteilung der familiären Dynamik (Grossmutter mütterlicherseits, Kindsmu tter und Töchter) hält das Gutach- ten fest, dass Männer eine Nebenrolle einzunehmen scheine n. Es entstehe der Eindruck, dass zwischen der Grossmutter mütterlicherseits und der Kindsmutt er eine sehr enge und nahezu symbiotische Beziehung entstanden sei. In diesem Zusammenhang wurde folgende dysfunktio- nale Beziehungsgestaltung/Familienstruktur dargelegt: Familien im herkömmlichen Sinn (Mut- ter, Vater und Kind) würden eine "familiäre Triade" bilden. In einer Triade seien zwei immer et- was stärker verbunden, wobei in extremen Formen verschiede ne Koalitionen bis Symbiosen zwischen zwei Familienmitgliedern vorkämen. Dieses Konstruk t sei im vorliegenden Fall sehr ausgeprägt (vgl. Gutachten, S. 72 ff.). Abschliessend wu rde im Gutachten festgehalten, dass einerseits Interventionen dringend erforderlich seien, um weitere Entwicklungsbeeinträchtigun- gen abzuwenden, andererseits sei bisher derart viel in terveniert worden, dass Stabilität und Einkehr von Ruhe wünschenswert seien. Dabei sei eine Massn ahme anzustreben, welche die Erziehungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin positiv bee influsse, wobei eine psychotherapeuti- sche, systemische Familientherapie am wichtigsten erscheine ( vgl. Gutachten, S. 81 f.). Ohne Berücksichtigung der Gesamtdynamik der Familie hätte der Kontakt zum Kindsvater wahr- scheinlich eher einen positiven als einen negativen Einflu ss auf D.____s Entwicklung. Unter den vorliegenden Umständen wäre es aus Sicht des Kindeswoh ls vermutlich aber das kleinere Übel, wenn kein Kontakt zum Kindsvater bestünde. Die un günstige Entwicklung der Gesamtdy- namik im Falle eines Besuchsrechts hätte schlussendlich ei nen negativeren Einfluss auf Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht D.____s Entwicklung als das Vorhandensein einer Vaterfig ur aufheben könnte (vgl. Gutachten, S. 85). 5.2.2 Das Ergänzungsgutachten hält zusammenfassend fest, der Zustand von D.____ habe nicht direkt beurteilt werden können, da sich die Beschw erdegegnerin weigerte, die Tochter zur psychiatrischen Untersuchung zu bringen und die Besuchszeite n beim Beschwerdeführer ein- zuhalten. Überdies habe die dringend notwendige systemisch e Familientherapie nicht etabliert werden können (vgl. Ergänzungsgutachten, S. 15 ff.). D ie Beschwerdegegnerin habe die Kooperation mit den Fachpersonen verweigert, jedoch s ei aufgrund der den begutachtenden Ärzten vorliegenden Informationen sowie durch die Deko mpensation und die instabilen Zustän- de im Familiensystem von ungünstigen und belastenden Einf lussfaktoren für D.____ auszuge- hen (vgl. Ergänzungsgutachten, S. 17). Unter Würdigung aller die Erziehungsfähigkeit der Be- schwerdegegnerin beeinflussenden Faktoren zeige sich nach wie vor eine starke Beeinträchti- gung der Erziehungskompetenz. Die Versorgungs- und Zuwe ndungsansprüche von D.____ würden noch ausreichend befriedigt, doch sei langfristig auch in Bezug auf D.____ von ungüns- tigen Bedingungen auszugehen (vgl. Ergänzungsgutachten, S. 19 f.). Das Ergänzungsgutach- ten schloss mit der Empfehlung, D.____ in einem ersten Schritt in einem für ein Kleinkind adä- quates Setting zu platzieren und den Beschwerdeführer in einem zweiten Schritt an seine Er- ziehungsaufgaben heranzuführen und schliesslich könne in e inem dritten Schritt der Aufenthalt beim Kindsvater ausgebaut werden (vgl. Ergänzungsgutachten, S. 21). 5.3 Den Verfahrensakten kann entnommen werden, dass zwi schen den beiden Elternteilen kein direkter Kontakt stattfindet und ein solcher seiten s der Beschwerdegegnerin auch nicht gewünscht bzw. vehement verweigert wird. Diese Haltung d er Beschwerdegegnerin scheint gestützt auf die vorliegenden beiden Gutachten vornehmlich in der beeinträchtigten Familiendy- namik (vgl. E. 5.2 hiervor) begründet zu liegen. Wie d ie Gutachten eindrücklich dokumentieren, ist diese seit der Geburt der gemeinsamen Tochter zunehm end eskaliert. Die Eltern haben nur kurze Zeit zusammengelebt und D.____ im gemeinsamen Ha ushalt betreut. Seit dem Auszug des Beschwerdeführers aus der Wohnung der Beschwerdegegne rin bestehen zwischen den Eltern massive Spannungen. Die Anordnung der KESB ins besondere in Bezug auf das Be- suchsrecht des Beschwerdeführers liegt seit Jahren im Streit und viele Behörden und Instanzen wurden sowohl in materieller als auch in vollstreckungsrechtlicher Hinsicht beschäftigt. Entspre- chend konnte das behördlich angeordnete, begleitete Be suchsrecht zwischen dem Kindsvater und D.____ zu keinem Zeitpunkt umgesetzt werden, vielmeh r haben die Eltern auch das Straf- recht bemüht. Aufgrund dieser Umstände hat der Kindsva ter seine Tochter letztmals im Juni 2014, als sie neun Monate alt war, gesehen. D.____ ist bald vierjährig und kennt ihren Vater nicht. Dabei handelt es sich zwar in erster Linie um einen Aspekt des Besuchsrechts. Indem der Beschwerdeführer aber keinerlei physischen Zugang zum Ki nd hat und er weitgehend auch vom Informationsfluss über das Kind abgeschnitten sein d ürfte, wäre das gemeinsame Sorge- recht eine bloss formale Hülse. Als Mitinhaber des Sorger echts wäre er darauf angewiesen, in allen Belangen, welche einen gemeinsamen Entscheid e rfordern, stets von neuem die Kindes- schutzbehörde oder gar den Richter anzurufen und um aut oritative Entscheidung zu bitten. Es liegt offensichtlich nicht im Kindeswohl, wenn für jede Einzelfrage ein Verfahren zu eröffnen wäre, in welches das Kind mit zunehmendem Alter hinein gezogen würde. Es würde dadurch Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht fast zwangsläufig in einen unnötigen Loyalitätskonflikt ge raten oder aber eine eigene Abwehr- haltung gegen den Beschwerdeführer entwickeln (vgl. au ch Urteil des Bundesgerichts 5A_400/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.6). Abhilfe kö nnte auch die Alleinzuweisung bestimm- ter Entscheidbefugnisse im Rahmen der gemeinsamen elte rlichen Sorge nicht schaffen; dies kann nur dort zu Gebote stehen, wo sich der elterliche K onflikt auf einzelne Probleme be- schränkt, im Grundsatz aber ein einvernehmliches Zusammenw irken möglich ist (vgl. BGE 141 III 472 E. 4.7 S. 478 f.). Vor dem dargestellte n Hintergrund fehlt es im vorliegenden Fall in jeder Hinsicht an den Voraussetzungen, wie sie für eine e ffektive Ausübung des Sorgerechts gegeben sein müssen. 5.4 Es bleibt die Frage, ob und wie einer einseitigen elterlichen Blockade beizukommen ist (vgl. spezifisch zu diesem Thema W ILHELM FELDER /HEINZ HAUSER /REGINA E. AEBI -MÜLLER / ERICA DESCH , Gemeinsame elterliche Sorge und Kindeswohl, in: Zeitschr ift des Bernischen Ju- ristenvereins [ZBJV] 2014, S. 897 ff.). Bei einer ei nseitigen Blockade stehen meist nicht Aspek- te des Rechtsmissbrauchs im Vordergrund, sondern es hande lt sich vielmehr um ein Problem tatsächlicher Natur. Den Eltern obliegt zwar im Rahmen des Sorgerechts namentlich auch die Pflicht zu einträchtigem Zusammenwirken bei dessen Ausübu ng. Ferner stehen bei Verletzung dieser Pflicht durchaus verschiedene Behelfe zur Verfügung (insbesondere auf Art. 307 ZGB gestützte Mahnungen und Weisungen, wozu auch die Mögl ichkeit gehört, eine Therapie, eine psychologische Begleitung oder eine Mediation anzuordnen , vgl. Urteile des Bundesgerichts 5A_411/2014 vom 3. Februar 2015 E 3.3.2 und 5A_457/ 2009 vom 9. Dezember 2009 E. 4). Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass all di ese Massnahmen unter Umständen wenig fruchten, jedenfalls soweit die Blockade grundsätzl ich ist und womöglich in der Persön- lichkeitsstruktur oder der besonderen Familiengeschichte d er Beteiligten begründet liegt. In rechtlicher Hinsicht ist zu beachten, dass sich die Zuteilu ng der Sorgerechte weder an der "Schuldfrage" auf Elternebene orientieren (Urteil de s Bundesgerichts 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 5.1) noch von Sanktionsgedanken gegen über dem nicht kooperationswilli- gen Elternteil leiten lassen darf. Eine über die Ausgestaltung des Sorgerechts erfolgende Mass- regelung des für den Elternkonflikt verantwortlich gema chten Elternteils würde unweigerlich auf dem Buckel des Kindes geschehen. Bereits aus dem Wortlau t von Art. 296 ff. ZGB ergibt sich, dass das Kindeswohl die einzige Maxime für die Sorgerechtszu teilung sein kann. Freilich darf die Alleinsorge nicht schon dort ausgesprochen werden, w o sie dem Kindeswohl am besten gerecht würde. Das Parlament hat durch Ablehnung eines entsprechenden Minderheitsantrages das Konzept der freien richterlichen Sorgerechtszuteilung ausdrücklich verworfen. Die gemein- same elterliche Sorge stellt nach dem Willen des Gesetzg ebers den Grundsatz dar und die Zu- teilung oder Belassung der Alleinsorge muss die eng begrenzte Ausnahme bleiben (BGE 141 III 472 E. 4.7) für den Fall, dass das Kindeswohl bei gemei nsamer Sorge erheblich beeinträchtigt wäre und die Alleinzuteilung eine Verbesserung der La ge – bzw. die Belassung der Alleinsorge die Abwendung einer zu befürchtenden Verschlechterung – verspricht, wie dies vorliegend der Fall ist. In Bezug auf die Frage, wem die Alleinsorg e, wenn diese aufgrund des Kindeswohls angezeigt ist, zustehen soll, wurde im Urteil des Bundesg erichts 5A_923/2014 von 27. August 2015 (E. 5.1) festgehalten, dass bei einer einseitigen Blockade die Zuteilung an den kooperati- ven Elternteil zu prüfen ist, insbesondere wenn dieser eine gute Bindungstoleranz aufweist, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht während die Kooperations- oder Kommunikationsunfähigkeit des anderen Teils mit der Tendenz einhergeht, das Kind dem anderen Elternteil zu entfremden. 5.5 Vorliegend kommt eine Alleinzuteilung der elterli chen Sorge an den Beschwerdeführer im Beurteilungszeitpunkt nicht in Frage: Es ist zwar zutr effend, dass er aktuell offenbar stabile örtliche und familiäre Verhältnisse aufweist. Dennoch i st gestützt auf das Ergänzungsgutachten darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer für D.____ eine fremde Person ist (Ergän- zungsgutachten, S. 25). Er hat wenig Erfahrung im Umga ng mit Kindern und ein Beziehungs- aufbau müsste schrittweise und adäquat erfolgen. Zude m wurde seine Bindungstoleranz als bedingt gegeben beurteilt (vgl. Ergänzungsgutachten, S . 24). Demgegenüber vermag die Kindsmutter und Hauptbezugsperson von D.____ deren Be dürfnisse zu decken. Aufgrund des vorliegenden Familiensystems ist nicht davon auszugehen, dass d ie Beschwerdegegnerin be- wusst eine Eskalation herbeigeführt hat, um anschliessend das alleinige Sorgerecht zu erhal- ten. Die vorliegende, relativ atypische Situation gebietet daher, dass die alleinige elterliche Sor- ge der Mutter zu belassen ist. Zu berücksichtigen ist dabe i insbesondere, dass – entgegen den gutachterlichen Ausführungen – aktuell nicht von einer f ehlenden Kooperationsfähigkeit der Beschwerdegegnerin ausgegangen werden kann: Offenbar funktioniert die Zusammenarbeit mit der neuen Beiständin gut (Stellungnahme der Beschwerd egegnerin vom 17. Februar 2017, S. 5). Seit dem Wohnsitzwechsel macht die Beschwerdegeg nerin überdies eine systemische Familientherapie und nimmt die Termine wöchentlich w ahr (vgl. Schreiben der N.____ vom 8. März 2017). An diesen Therapiegesprächen nehmen di e Beschwerdegegnerin, ihre Mutter sowie ihre beiden Töchter teil und die beteiligten Fa chpersonen erkennen im jetzigen Zeitpunkt keinen Handlungsbedarf. Vor diesem Hintergrund kann davon ausgegangen werden, dass eine erste Beruhigung und Stabilisierung der familiären Si tuation erzielt wurde. Demzufolge ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass sich dieses Vorgehen im Beurteilungszeitpunkt als sinnvoll und zielführend erweist. Angesichts der positiven Entwickl ung der Gesamtsituation und der engmaschig angeordneten Kindesschutzmassnahmen ist der str eitgegenständliche Entscheid als bundesrechtskonform zu beurteilen. Dennoch erscheint d as rechtliche Ergebnis insofern wenig billig, als die gemeinsame elterliche Sorge, wie sie als Grundsatz gesetzlich vorgesehen ist, an der einseitigen mütterlichen Blockade scheitert un d die Mutter mit ihrer Verweigerungs- haltung auch gegen die Interessen des Kindes handelt. D ie unbefriedigende Lage ist aber letzt- lich hinzunehmen, weil in der konkreten Situation ein gemeinsames Sorgerecht das Kind anhal- tenden behördlichen Interventionen bei der Ausübung dieses Rechtes aussetzen würde, welche seinem Wohl offensichtlich abträglich wären (vgl. hierz u auch Gutachten, S. 81). Daran ändert auch nichts, dass die KESB – was vom Beschwerdeführer gerü gt wird – den Empfehlungen im Ergänzungsgutachten nicht folgte: Die Beantwortung de r Frage, ob das gemeinsame Sorge- recht zuzusprechen ist, obliegt nicht der Fachperson, son dern der Behörde bzw. dem Gericht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_609/2016 vom 13. Feb ruar 2017 E. 4.4). Das Gutachten äussert sich ausgehend von einer freien Kindeswohlprüfung und nicht etwa vom gesetzlich sta- tuierten Grundsatz-Ausnahme-Verhältnis in Bezug auf da s Sorgerecht (vgl. Urteil des Bundes- gerichts 5A_186/2016 vom 2. Mai 2016 E. 3). Wie dargel egt, ist im vorliegenden Fall davon auszugehen, dass die Erteilung des gemeinsamen Sorgerechts den elterlichen Konflikt auswei- ten würde. Vor dem geschilderten Hintergrund ist in d er vorliegenden konkreten Situation dem- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht zufolge nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz keine ge meinsame elterliche Sorge zuge- sprochen hat (Urteil des Bundesgerichts 5A_400/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.7 f.). 6. Gemäss der am 1. Juli 2014 in Kraft getretenen neu en Bestimmungen von Art. 301a Abs. 1 ZGB schliesst die elterliche Sorge das Recht ein, d en Aufenthaltsort des Kindes zu be- stimmen. Dieser Absatz stellt klar, dass das neue Aufenthal tsbestimmungsrecht untrennbar mit der elterlichen Sorge verbunden ist (BBl 2011 S. 9077 ff. und 9107). Vorbehalten ist der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts als Schutzmassnahme wegen Ki ndeswohlgefährdung ge- mäss Art. 310 ZGB (S CHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 13 zu Art. 301a ZGB). Das Aufenthaltsbe- stimmungsrecht kann somit nach neuem Recht nur noch im Fall der Kindeswohlgefährdung von der elterlichen Sorge abgetrennt werden. Kann der Ge fährdung eines Kindes nicht anders be- gegnet werden, d.h. sind Massnahmen nach Art. 307 f. Z GB ungenügend, ist das Kind gemäss Art. 310 ZGB den Eltern wegzunehmen und angemessen u nterzubringen (sog. Fremdplatzie- rung). Wie in Erwägung 5.5 dargelegt, ist das Wohl von D.____ derzeit nicht gefährdet, weil die betreuende Beschwerdegegnerin D.____s Grundbedürfnisse ausreichend zu erfüllen vermag und im Beurteilungszeitpunkt in der Lage ist, sie grun dsätzlich zu betreuen (vgl. Gutachten, S. 62 f.; Ergänzungsgutachten, S. 23). Unter Berücksichti gung des Subsidiäritäts- und Verhält- nismässigkeitsprinzips ist demzufolge von einer Fremdplat zierung gestützt auf Art. 310 ZGB abzusehen, da diese jedenfalls von der Auswirkung her e inen ungleich grösseren Eingriff dar- stellt als die Alleinzuteilung des Sorgerechtes gestützt a uf Art. 298 ff. ZGB (Urteil des Bundes- gerichts 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 4.5; T HOMAS GEISER , Wann ist Alleinsorge an- zuordnen und wie ist diese zu regeln?, in: Zeitschrift f ür Kindes- und Erwachsenenschutz [ZKE] 2015, S. 243). Bei dieser Sachlage fällt demzufolge di e Zuteilung der Obhut an den Kindsvater ausser Betracht. 7.1 Eltern, denen die elterliche Sorge oder Obhut ni cht zusteht, und das minderjährige Kind haben gegenseitig Anspruch auf angemessenen per sönlichen Verkehr (Art. 273 Abs. 1 ZGB). Persönlicher Verkehr ist ein Recht der Eltern und des Kindes (sog. Pflichtrecht). Zweck des Besuchsrechts ist vor allem die Aufrechterhaltung re gelmässiger Kontakte des Kindes zu seinen Eltern (vgl. P ETER BREITSCHMID , in: Breitschmid/Rumo-Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Personen- und Familienrecht, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2016, N 3 zu Art. 273 ZGB). Dieses Recht steht dem Betroffene n um seiner Persönlichkeit willen zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_50/2013 vom 19. März 2013 E. 6.1). Verpflichtet, den per- sönlichen Verkehr zwischen Eltern und Kind zu dulden bzw. zu ermöglichen, ist die die elterli- che Sorge oder Obhut innehabende Person, d.h. in der Regel der andere Elternteil (vgl. SCHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 5 zu Art. 273 ZGB). Als sog. Pflichtrecht dient es freilich in ers- ter Linie dem Interesse des Kindes. Bei der Festsetzung d es Besuchsrechts geht es nicht da- rum, einen gerechten Interessenausgleich zwischen den E ltern zu finden, sondern den elterli- chen Kontakt mit dem Kind in dessen Interesse zu regel n, wobei die Bedürfnisse des Kleinkin- des nicht denjenigen eines Jugendlichen entsprechen. Als oberste Richtschnur für die Ausge- staltung des Besuchsrechts gilt somit immer das Kindeswohl, das anhand der gegebenen Um- stände zu beurteilen ist. Allfällige Interessen der Elt ern haben zurückzustehen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 5A_719/2013 vom 17. Oktober 2014 E. 4.2 und 5A_50/2013 vom 19. März 2013 E. 6.1; BGE 127 III 295 E. 4a). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Der aus Art. 273 Abs. 1 ZGB fliessende Anspruch kann gestützt auf Art. 274 Abs. 2 ZGB verweigert oder entzogen werden, wenn das Wohl d es Kindes durch den persönlichen Verkehr gefährdet wird, wenn ihn der betreffende Elternteil pflichtwidrig ausgeübt hat, wenn sich dieser nicht ernsthaft um das Kind gekümmert hat, ode r wenn andere wichtige Gründe vorlie- gen. Eine Gefährdung des Wohls des Kindes im genannten Sinn liegt dann vor, wenn dessen ungestörte körperliche, seelische oder sittliche Entfaltu ng durch ein auch nur begrenztes Zu- sammensein mit dem nicht obhutsberechtigten Elterntei l bedroht ist (Urteil des Bundesgerichts 5A_719/2013 vom 17. Oktober 2014 E. 4.3). Die Schwell e ist dabei freilich nicht so hoch anzu- setzen wie beim Entzug der elterlichen Sorge; ausreichen müssen vielmehr triftige, das Kin- deswohl nachhaltig berührende Gründe. Andere als das K indeswohl nachhaltig berührende Gründe rechtfertigen den Ausschluss nicht (vgl. S CHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 5 zu Art. 274 ZGB). Als wichtige Gründe geltend namentlich solche, di e bei den Eltern liegen: Darunter fallen beispielsweise der Verdacht auf sexuellen Missbrauch, h äusliche Gewalt oder Spannungen zwischen den Eltern. Bei begründetem Verdacht auf sexuellen Missbrauch ist das Besuchsrecht grundsätzlich auszuschliessen, falls nicht ein begleitetes Bes uchsrecht in Frage kommt. Ferner wirken sich fortbestehende Spannungen zwischen den Eltern besonders belastend und schädi- gend auf das Kind aus. Wenn das Verhältnis zwischen dem b esuchsberechtigten Elternteil und dem Kind gut ist, dürfen Konfliktsituationen nicht zu ei ner einschneidenden Beschränkung des Besuchsrechts auf unbestimmte Zeit führen (vgl. S CHWENZER /COTTIER , a.a.O., N 11 f. zu Art. 274 ZGB). 7.3 Bei der Beschränkung des persönlichen Verkehrs ist stet s das Gebot der Verhältnis- mässigkeit zu beachten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_404 /2015 vom 27. Juni 2016 E. 5.2.4). So darf der persönliche Verkehr in der Reg el nicht allein wegen elterlichen Konflikten dauerhaft eingeschränkt werden, jedenfalls soweit das Ve rhältnis zwischen dem besuchsbe- rechtigten Elternteil und dem Kind gut ist (BGE 130 I II 585 E. 2.2.1; Urteil des Bundesgerichts 5C.221/2006 vom 16. Januar 2007 E. 2.2). Der gänzliche Ausschluss eines Elternteils vom per- sönlichen Verkehr kommt schliesslich nur als ultima ratio i n Frage; er ist einzig dann statthaft, wenn sich die nachteiligen Auswirkungen eines Besuchsrechts nicht anderweitig in für das Kind vertretbaren Grenzen halten lassen (Urteile des Bundesg erichts 5A_719/2013 vom 17. Oktober 2014 E. 4.3; 5A_341/2008 vom 23. Dezember 2008 E. 4. 3; SCHWENZER /COTTIER , a.a.O., N 16 zu Art. 274 ZGB). 7.4 Es ist allgemein anerkannt, dass aufgrund des schicksalha ften Eltern-Kind-Verhältnisses die Beziehung des Kindes zu beiden Elternteilen sehr wi chtig ist und bei dessen Identitätsfin- dung eine entscheidende Rolle spielen kann (vgl. BGE 13 0 III 585 E. 2.2.2). Im vorliegenden Fall stand zunächst ein Verdacht auf sexuellen Missbrau ch des Beschwerdeführers gegenüber seiner Tochter im Raum, weshalb ein begleitetes Besuchsre cht eingeräumt wurde. Wie den Verfahrensakten entnommen werden kann, wurde dieses V erfahren gegen den Beschwerde- führer eingestellt, weil kein Tatverdacht erhärtet war (vgl. Einstellungsverfügung der Staatsan- waltschaft vom 27. August 2015). Damit steht dieser Vorw urf nicht mehr im Raum und rechtfer- tigt keinen Ausschluss des Besuchsrechts. Ferner stellt sich die Frage, ob ein solcher aufgrund der elterlichen Spannungen angezeigt ist. Vorliegend ist gestützt auf das Gutachten davon aus- zugehen, dass das Familiensystem durch eine Anordnung eine s Besuchsrechts weiter und er- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht neut beeinträchtigt würde. Wie vorstehend dargelegt, hat der Beschwerdeführer seine Tochter seit praktisch drei Jahren nicht mehr gesehen (vgl. E. 5.5) und folglich ist die Beschwerdegeg- nerin Hauptbezugsperson von D.____. Das behördlich angeor dnete, begleitete Besuchsrecht zwischen dem Kindsvater und D.____ konnte zu keinem Zeitpun kt umgesetzt werden, selbst mit der Hilfe der Beiständin war dies nicht möglich. Di ese chronische Unterbindung der Be- suchsrechtsausübung erscheint im vorliegenden Fall aber ni cht in einem rechtsmissbräuchli- chen Vorgehen begründet zu liegen, sondern ist vielmeh r auf das auffällige und beeinträchtigte Familiensystem zurückzuführen. Das Gutachten legt schlüssig da r, dass im Falle einer Anord- nung des Besuchsrechts eine (erneute) Eskalation des Famil iensystems drohen würde. Ange- sichts der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin seit ihre m Wegzug eine systemische Fami- lientherapie eingerichtet hat, welche sie wöchentlich wa hrnimmt, und die Kooperation mit den involvierten Fachpersonen zu funktionieren scheint, ist i m vorliegenden Fall mit Blick auf die angestrebte Beruhigung und Stabilisierung der Gesamtsit uation derzeit von einer Einräumung eines Besuchsrechts abzusehen. Der Beschwerdeführer verkennt in diesem Zusammenhang, dass eine Beruhigung der Situation und die Verbesserung de r Familienthematik durchaus auch im Interesse von D.____ liegen. Das Vorgehen der Vori nstanz ist somit auch in diesem Punkt nachvollziehbar und nicht zu beanstanden. Zu betonen b leibt allerdings, dass die Einräumung eines Besuchsrechts zwischen dem Beschwerdeführer und seine r Tochter mittel- bzw. langfris- tig anzustreben und erneut zu prüfen sein wird. Der Kindsmutter ist daher mit aller Deutlichkeit in Erinnerung zu rufen, dass sie gehalten sein wird, de m Kindsvater ein künftiges Besuchsrecht zu ermöglichen. Mit Blick auf das Wohl des Kindes ist haben die Eltern die Pflicht, eine gute Beziehung zum jeweils anderen Elternteil zu fördern. 8.1 Schliesslich moniert der Beschwerdeführer die von d er Vorinstanz angeordnete hälftige Auferlegung der Verfahrenskosten und beantragt eine K ostenverteilung zu Lasten der Be- schwerdegegnerin. Zur Begründung bringt er im Wesentl ichen vor, die Gutachten hätten auf- grund des Verhaltens der Beschwerdegegnerin erstellt w erden müssen, weil sie sich gegen ein Besuchsrecht zwischen ihm und seiner Tochter verwehre, obw ohl ein solches von der KESB erstmals mit Entscheid vom 19. August 2014 angeordnet worden sei. 8.2 Gebühren und Auslagen, die in kindesschutzrechtlichen V erfahren betreffend Minder- jährige anfallen, werden beiden Eltern je zur Hälft e auferlegt. In besonderen Fällen kann eine andere Kostenaufteilung verfügt werden (§ 6 Absatz 2 bis der Verordnung über die Gebühren zum Zivilrecht [GebV] vom 8. Januar 1991). Der Wortlaut der Bestimmung macht deutlich, dass der Grundsatz die hälftige Aufteilung der Verfahrensko sten ist und eine Abweichung davon die Ausnahme darstellt. Ein "besonderer" Fall im Sinne v on § 6 Abs. 2 bis Satz 2 GebV kann somit nicht leichthin angenommen werden. Wenn der Beschwerde führer geltend macht, dass sämtli- che Aufwendungen der KESB einzig auf die Weigerungsha ltung der Kindsmutter zurückzufüh- ren sind, so kann ihm nicht gefolgt werden. Vielmehr ha ben vorliegend beide Elternteile durch ihre Schreiben, Anträge und Anhörungen kostenpflichtig e Aufwendungen bei der KESB verur- sacht und es liegen somit keine Anhaltspunkte vor, welche es rechtfertigen, von der gesetzli- chen Regelung abzuweichen. Demzufolge ist nicht zu beanstanden, dass die Kosten nach dem Grundsatz der hälftigen Aufteilung verlegt worden sind, was auch in diesem Punkt zur Abwei- sung der Beschwerde führt. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Zunächst ist über die Gesuche des Beschwer- deführers und der Beschwerdegegnerin um unentgeltlich e Rechtspflege zu befinden. Gemäss Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen E idgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 hat jede Person, die nicht über die e rforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht als aussichtslos erscheint. Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie au sserdem Anspruch auf einen unentgeltli- chen Rechtsbeistand. Entsprechende Ansprüche statuiert § 22 VPO. Eine Person ist bedürftig, wenn sie nicht in der Lage ist, für die Prozesskosten auf zukommen, ohne dass sie Mittel bean- spruchen müsste, die zur Deckung des Lebensunterhaltes für sie und ihre Familie notwendig sind (BERNHARD WALDMANN , in: Waldmann/Belser/Epiney [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundes- verfassung, Basel 2015, N 77 zu Art. 29 BV). Mit Eing aben vom 7. März 2017 haben der Be- schwerdeführer und die Beschwerdegegnerin je ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege gestellt und die erforderlichen Belege e ingereicht. In Berücksichtigung dieser Un- terlagen ist ihre jeweilige Bedürftigkeit für das vorl iegende Beschwerdeverfahren nachgewie- sen. Da auch die weiteren Voraussetzungen gemäss § 22 VPO erfüllt sind, sind die Gesuche des Beschwerdeführers und der Beschwerdegegnerin um unentgeltliche Rechtspflege zu bewil- ligen. 9.2 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- dem unterlegenen Beschwerde- führer aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu Lasten der Gerichtskasse. 9.3 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der Vorinstanz wird ke ine Parteientschädigung zugespro- chen (§ 21 Abs. 2 VPO). Gemäss dem Ausgang des Verfahren s ist der Beschwerdegegnerin als obsiegender Partei antragsgemäss eine Parteientschädi gung zuzusprechen. Der von der Rechtsvertreterin der Beschwerdegegnerin in ihrer Hono rarnote vom 7. März 2017 geltend ge- machte Aufwand von 9 Stunden und 20 Minuten à Fr. 20 0.-- sowie Spesen in der Höhe von Fr. 62.60 sind nicht zu beanstanden. Der Beschwerdeführe r hat der Beschwerdegegnerin dem- zufolge eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'083.55 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) auszurichten. 9.4 Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspfl ege ist dem Rechtsvertreter des un- terlegenen Beschwerdeführers ein Honorar zulasten der Ge richtskasse auszurichten. Bei un- entgeltlicher Verbeiständung beträgt das Honorar gemä ss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO) vom 17. November 2003 F r. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsver- treter des Beschwerdeführers macht in seiner Honorarnot e vom 7. März 2017 einen Aufwand von 11.02 Stunden à Fr. 200.-- sowie A uslagen in der Höhe von Fr. 528.20 gel- tend, was nicht zu beanstanden ist. Folglich ist dem Recht svertreter des Beschwerdeführers Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus der Gerichtskasse ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'9 51.10.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWST) auszurichten. 9.5 Der Beschwerdeführer und die Beschwerdegegnerin we rden ausdrücklich darauf hin- gewiesen, dass sie zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgelt- lichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten ve rpflichtet sind, sobald sie dazu in der Lage sind (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga nisation der Gerichte [Gerichtsorgani- sationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche des Beschwerdeführers und der Beschwerdeg egnerin um unentgeltliche Rechtspflege werden bewilligt. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 4. Der Beschwerdeführer hat der Beschwerdegegnerin ei ne Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 2'083.55 (inkl. Auslagen un d 8 % MWST) zu bezahlen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'951.10.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWST) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin