B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2136/2011 U r t e i l v o m 6 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren B._______, seine Ehefrau C._______, geboren D._______, und ihre Kinder E._______, geboren F._______, G._______, geboren H._______, I._______, geboren J._______, K._______, geboren L._______, Russland, alle vertreten durch Daniel Weber, Fürsprecher, M._______, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. März 2011 / N _______. D-2136/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden liessen sich in O._______ Touristenvisa aus- stellen und flogen mit ihren Kindern am {…….} von dort nach P ._______. Nach einem Aufenthalt in Q._______ fuhren sie am 27. Oktober 2010 zum Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) R._______, wo sie um Asyl nachsuchten. Im Transitzentrum S._______ wurden sie am 1 2. No- vember 2010 zu ihren Personalien und summarisch zu ihrem Reiseweg sowie zu ihren Asylgründen befragt. Das BFM hörte sie am 14. Januar 2011 gestützt auf Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) eingehend zu ihren Asylgründen an. B. Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er habe als Mi t- glied beziehungsweise Sympathisant der Bewegungen {…….} seit unge- fähr dem Jahre {…….} ab und zu an Protestdemonstrationen teilgeno m- men, weshalb er mehrmals festgenommen worden sei. Im Internet habe er seine Stellungnahmen zu verschiedenen politischen Ereignissen veröf- fentlicht. Deswegen habe er bis am {…….} keine ernsthaften Probleme gehabt. An diesem Tag habe er Flugblätter mit der Ankündigung einer Protestdemonstration vom {…….} verteilt. Er sei von Unbekannten ang e- griffen, beschimpft und zusammengeschlagen worden. Er gehe davon aus, dass die Polizei involviert gewesen sei. Seine Verletzu ngen habe er in einem Spital behandeln lassen. Am {…….} habe er an der Demonstr a- tion teilgenommen. Am {…….} sei er im Zentrum von O._______ für un- gefähr eine Stunde von unbekannten Männern entführt worden. Er habe diesen versprechen müssen, Stillschweigen über den Vorfall vom {…….} zu wahren, andernfalls er mit Repressalien hätte rechnen müssen. Am {…….} hätte er wegen der Teilnahme an der Demonstration vor Gericht erscheinen müssen. Wegen Abwesenheit eines Zeugen sei die Verhan d- lung jedoch auf den {…….} verschoben worden. Für den weiteren Inhalt der Aussagen wird auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. Die Beschwerdeführerin machte keine eigenen Asylgründe geltend und gab an, wegen der Schwierigkeiten ihres Ehemannes ihren Heimatstaat verlassen zu haben. Zum Beleg ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden Kopien von Polizeiunterlagen, Röntgenaufnahmen, einen Gerichtsbeschluss und zwei Gerichtsvorladungen betreffend das gegen den Beschwerdeführer laufende Friedensrichterverfahren, Fotos und Ausdrucke der Internetseite D-2136/2011 Seite 3 des Beschwerdeführers mit Dokumenten über seine politischen Aktivit ä- ten ein. C. Mit Verfügung vom 9. März 2011 – eröffnet am 10 . März 2011 – lehnte das BFM die Asylgesuche mit der Begründung ab, die Vorbringen der Be- schwerdeführenden hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseige n- schaft nicht stand. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung der B e- schwerdeführenden aus der Schweiz an und stellte fest, der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. D. D.a Die Beschwerdeführenden beantragten durch ihre n Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe vom 1 1. April 2011, die a n- gefochtene Verfügung sei zu kassieren und die Sache sei zu neuem Ent- scheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben und den Beschwerdeführenden sei Asyl zu gewähren. Su b- eventuell sei festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug nicht möglich, nicht zulässig und nicht zumutbar sei, und das BFM sei anzuweisen, die Beschwerdeführenden von Amtes wegen vorläufig aufzunehmen. In ver- fahrensrechtlicher Hinsicht sei ihnen die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und der unterzeichnende Rechtsanwalt sei als amtlicher Anwalt beizuordnen. Auf die Begründung und die eingereichten Beweismittel wird, soweit en t- scheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D.b Mit Eingabe vom 14. April 2011 liessen die Beschwerdeführenden e i- ne Bestätigung ihrer Fürsorgebedürftigkeit einreichen. E. Mit Instruktionsverfügung vom 8. Juni 2011 – eröffnet am 9. Juni 2011 – teilte das Bundesve rwaltungsgericht den Beschwerdeführenden mit, sie könnten den Ausgang des Verfahrens gestützt auf Art. 42 AsylG in der Schweiz abwarten, und setzte ihnen eine Frist von 30 Tagen zur Einre i- chung der in Aussicht gestellten Beweismittel an. Der Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses wurde auf einen späteren Zeitpunkt beziehu ngsweise nach Ab-D-2136/2011 Seite 4 lauf der angesetzten Frist verschoben . Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung wurde abgewiesen. F. Mit Eingabe vom 8. Juli 2011 reichten die Beschwerdeführenden die fo l- genden Dokumente ein: eine Fürsor gebestätigung im Orig inal, eine Sp i- talbestätigung mit Übersetzung, den Text von {…….} mit englischer Über- setzung, eine Verfügung eines Friedensrichters vom {…….} mit Begleit- schreiben vom {…….}, je mit deutscher Übersetzung, das entsprechende Zustellkuvert sowie das Zustellkuvert DHL. G. Mit Eingabe vom 12. April 2011 reichte der Rechtsvertreter seine Koste n- note ein und korrigierte seine Rechtsschrift vom 8. Juli 2011 dahing e- hend, dass darin irrtümlich von {…….} die Rede sei. Richtigerweise hand- le es sich um {…….}. Der eingereichte Text stamme somit nicht aus dem T._______. H. Am 27. April 2011 und 30. Mai 2012 reichten die Beschwerdeführenden eine aktualisierte Kostennote sowie die folgenden Beweismittel ein: eine ärztliche Bescheinigung vom 20. April 2012 und ein ärztliches Attest vom 18. Mai 2012, je ausgestellt vom {…….}, eine Erklärung betreffend B e- freiung der Ärzte vom Berufsgeheimnis und ein Zeugnis vom 11. April 2012 der russischen Organisation für Menschenrechte mit Übersetzung. I. Am L._______ gebar die Beschwerdeführerin die Tochter K._______. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e-D-2136/2011 Seite 5 rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nich ts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichte n (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 1.5 Die am L._______ geborene Tochter K._______ wird in das B e- schwerdeverfahren einbezogen. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlin gen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ern sthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen D-2136/2011 Seite 6 psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten wid ersprüch- lich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeso n- dere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder u n- begründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reich t es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspek- te wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer G e- samtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhalt s- darstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2 S. 43 f. , BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 4. 4.1 Das BFM führte zur Begründ ung seiner Verfügung im Wesentlichen aus, die zwei Vorladungen des Friedensrichters, der Beschluss über die formelle Gerichtszuständigkeit und die Kopien der anlässlich der Fes t-D-2136/2011 Seite 7 nahmen des Beschwerdeführers aufgenommenen Polizeiprotokolle ve r- möchten ledigli ch seine Teilnahme bei verschiedenen regimekritischen Demonstrationen und Protestkundgebungen der {…….} darzulegen. Sie wiesen jedoch auf keine asylrelevante Verfolgung hin. In beiden Vorl a- dungen sei kein konkreter Vorladungsgrund angegeben. Dem Vorl a- dungstext sei zu entnehmen, dass es sich um ein administratives Verfa h- ren vor dem Friedensrichter handle, was kaum auf eine Verhängung einer Gefängnisstrafe hindeute. Die Authentizität zumindest der zweiten Vorl a- dung sei zweifelhaft, da deren Versanddatum den D arlegungen des B e- schwerdeführers widerspreche. Zudem bestünden Ungereimtheiten in seinen Aussagen bezüglich der Anzahl Teilnahmen an Protestdemonstra- tionen. Die Beschwerdeführerin habe überdies angegeben, ihr Ehemann habe niemals an einer Gerichtsverhandlu ng teilgenommen beziehung s- weise er sei am {…….} zu einer Gerichtsverhandlung gegangen, die dann vertagt worden sei. Die diesbezüglichen Vorbringen seien somit unglaub- haft. Die geltend gemachten, durch Dritte verübten Übergriffe (Ereignisse vom {…….}) würden nach den Erkenntnissen des Bundesamtes von den z u- ständigen Strafverfolgungsbehörden verfolgt und geahndet. Von einer Bil- ligung oder Hinnahme durch den Staat könne nicht gesprochen werden, zumal der Beschwerdeführer sich nicht um staatlichen Schutz bemüht habe. Er habe nicht plausibel darzulegen verm ocht, weshalb er in beiden Fällen keine Anzeige erstattet habe. Es sei zumindest erstaunlich, dass er sich nicht an die Gruppierungen, deren Mitglied er sei, oder an eine der zahlreichen in Russland tätigen Men schenrechtsorganisationen gewandt habe. Diese Vorbringen seien somit nicht asylrelevant. Der Beschwerdeführer habe angegeben, seit dem Jahre {…….} an nicht bewilligten Demonstrationen teilgenommen zu haben, seine Schwierigkei- ten hätten indessen erst mit dem Überfall vom {…….} begonnen. Vor dem Hintergrund dieser Aussage sei davon auszugehen, dass die früheren Festnahmen wegen Teilnahmen an Demonstrationen nicht in ursächl i- chem Zusammenhang mit seiner Ausreise aus Russland stünden. Das Fehlen eines in zeitli cher und sachlicher Hinsicht genügend engen Ka u- salzusammenhanges zwischen diesen Festnahmen und der Flucht werde durch sein Verhalten nach der ersten Festnahme im Jahre {…….} bestä- tigt, weil er sich danach noch mehr als drei Jahre in O._______ aufgehal- ten habe. Bei den kurzen Festnahmen handle es sich um verhältnismäs- sig geringe, vorübergehende Beeinträchtigungen, die mangels Intensität nicht als ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG qualifiziert we r-D-2136/2011 Seite 8 den könnten. Die eingereichten Polizeirapporte und Gerichtsvorladungen, die privaten Fotos und die Veröffentlichungen im Internet würden sich nicht auf asylrelevante Ereignisse beziehen und liessen sich zum Teil nicht chronologisch einordnen. Die eingereichten Röntgena ufnahmen liessen Zweifel an den Aussagen des Beschwerdeführers entstehen, da sie am {…….} aufgenommen worden seien. Der Beschwerdeführer habe hingegen ausgesagt, er sei erst am Tag nach dem Überfall ins Spital g e- gangen. Erst auf Vorhalt dieses Widerspruchs habe er sein e ursprüngli- che Aussage angepasst und angegeben, er sei am Tag des Überfalls ins Spital gegangen. 4.2 In der Beschwerdeeingabe rügten die Beschwerdeführenden die Si- tuation an der Anhörung (Dauer der Anhörung des Beschwerdeführers mit nur kurzer Pause, keine Verpflegungsmöglichkeit) und machten in formel- ler Hinsicht geltend, das BFM habe ihnen vorgeworfen, sie seien u n- glaubwürdig, was letztlich eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstel- le. Das BFM habe bei der Begründung des Wegweisungsvollzuges offen- bar schematisch Textbausteine verwendet, was vorliegend eine Verle t- zung der Begründungspflicht darstelle. Die Ausführungen zur Flüchtling s- eigenschaft wegen begründeter Furcht vor staatlicher und allenfalls priva- ter Verfolgung seien auch bei der Zumut barkeit des Wegweisungsvollzu- ges im Hinblick auf die Prüfung einer konkreten Gefährdung zu berüc k- sichtigen. Dies habe die Vorinstanz nicht getan, was eine weitere Rechts- verletzung darstelle. In materieller Hinsicht rügen die Beschwerdeführenden, das BFM ha be, indem es die Glaubhaftigkeit zentraler Asylvorbringen verneint und B e- weismittel unrichtig gewürdigt habe, den Sachverhalt nicht korrekt festg e- stellt. Die Vorinstanz verkenne, dass jeder einzelnen Teilnahme an D e- monstrationen ab dem Jahre {…….} Gewicht zukomme und insofern asyl- relevant sei. Die auf den ersten Blick rein administrativen Verfahren hä t- ten im Lichte der erhaltenen Drohungen und des Schicksals anderer R e- gimegegner strafrechtliche Folgen haben können. Zwar widerspreche das Versanddatum der zweiten Vorladung den Aussagen des Beschwerdefüh- rers. Dieser habe in der Vergangenheit so viele Vorladungen und Verfa h- ren gehabt, dass er sich nicht mehr präzise zu erinnern vermöge. Es könnte auch sein, dass der Umschlag nicht zur Vorladung gehöre oder dass für den gleichen Tag eine weitere Verhandlung anberaumt worden sei. Die Gründe, weshalb der Beschwerdeführer keine Anzeig e eing e- reicht habe, seien plausibel. Wer in einem solchen Fall offenbarer Mitwi r- kung der Polizei eine Anzeige einreiche und auf staatli ches Handeln hof-D-2136/2011 Seite 9 fe, habe von den Realitäten in Russland und insbesondere in O._______ keine Ahnung. Die Aussagen des Beschwerdeführers zur Anzahl der Teil- nahmen an Demonstrationen und im Zusammenhang mit der Röntge n- aufnahme seien nicht widersprüchlich. Ebenso wenig seien die Aussagen der Beschwerdeführerin zur Teilnahme des Beschwerdeführers an G e- richtsverhandlungen unglaubhaft. Der Beschwerdeführer werde von den russischen Behörden, die allenfalls Dritte einsetzten oder deren Handlungen duldeten, verfolgt und habe be- gründete Furcht, bei einer Rückkehr in den Heimatstaat verfolgt zu we r- den. Der russische Staat sei weder willens noch in der Lage, wirkungsvol- len Schutz vor politisch motivierten Übergriffen Dritter Schutz zu bieten. Dies gelte insbesondere für politische Aktivisten unter {…….}. Der B e- schwerdeführer habe, nachdem ihm die bisherigen Verhaftungen u r- sprünglich nichts ausgemacht hätten, aufgrund der Aussagen des Polizis- ten vor Gericht befürchtet, die Polizei wolle ihn mit Hilfe der Justiz stärker drangsalieren, weshalb der Kausalzusammenhang erfüllt sei. 5. 5.1 Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Anhörung des B e- schwerdeführers habe am 14. Januar 2011 von 09.40 Uhr bis 16.50 Uhr gedauert; es habe lediglich eine Pause von 15 Minuten ohne Zeitangabe gegeben. Die Beschwerdeführenden hätten sich nicht verpflegen können und seien hungrig gewesen. Dazu ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden mit der vom 30. Dezember 2010 datierenden Vorladung zur Anhörung darauf hing e- wiesen wurden, dass Anhörungen, welche vormittags beginnen und in den Nachmittag hinein dauern würden, durch eine kurze Mittagspause unterbrochen würden; es werde jedoch vom BFM keine Verpflegung a b- gegeben (vgl. A 14/2). Dem Anhörungsprotokoll des Beschwerdeführers ist zu entnehmen, dass die Anhörung um 09.40 Uhr begann und durch eine zeitlich nicht näher situierte Pause von 15 Minuten (vgl. A 16/15, S. 7) und eine längere Pause von 13.40 Uhr bis 15.15 Uhr, während we l- cher die Anhörung der Beschwerdeführerin stattfand (vgl. A 16/15 , S. 12; A 15/8, S. 1 und 7), unterbrochen wurde. Im Anschluss an die längere Pause wurden dem Beschwerdeführer noch einige Fragen gestellt und wurde darauf das Protokoll übersetzt. Die Anhörung wurde um 16.50 Uhr beendet. Aus dem dargestellten Ablauf ergibt sich , dass kein Anlass b e- steht, das Vorgehen des BFM zu beanstanden, und die Be schwerdefüh- renden in zeitlicher Hinsicht Gelegenheit hatten, sich zu verpflegen. D-2136/2011 Seite 10 5.2 Bezüglich der Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs ist festz u- halten, dass der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 4 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgeno s- senschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) und Art. 29 VwVG nur die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes besc hlägt, nicht aber die rechtliche Würdigung. In casu monieren jedoch die Beschwerdefüh- renden ausschliesslich die rechtliche Würdigung des Sachverhalts, indem sie anführen, der Vorwurf der Vorinstanz, sie seien unglaubhaft, stelle e i- ne Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Damit beklagen die Beschwer- deführenden eine nicht rechtskonforme Würdigung des Sachver halts, was jedoch – wie eingangs erwähnt – nicht Teil des Anspruchs auf rechtli- ches Gehör ist, weshalb die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs ins Leere stösst. 5.3 Weiter rügen die Beschwerdeführenden eine Verletzung der Begrün- dungspflicht, weil die Vorinstanz in ihrem Entscheid bei der Begründung des Wegweisungsvollzuges offenbar schematisch Textbausteine verwe n- det habe. Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie muss die für das Verfahren notwendigen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die recht- lich relevanten Umstände abklären sowie ordnungsgemäss darüber B e- weis führen (beispielsweise durch die Einholung eines Gutachtens). Di e- ser Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt, er findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG). Trotz des Untersuchungsgrundsatzes darf sich die entscheidende Behörde in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen eines G e- suchstellers zu würdigen und die von ihm angebotenen Beweise abz u- nehmen, ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 S. 414 f.) . Eine ergänzende Untersuchung kann sich j e- doch aufdrängen, wenn aufgrund dieser Vorbringen und Beweismittel be- rechtigte Zweifel oder Unsicherheiten bestehen, die voraussichtlich nur mit Ermittlungen von Amtes wegen besei tigt werden können . Vorliegend ging die Vorinstanz aufgrund der Parteiauskünfte davon aus, dass der rechtserhebliche Sachverhalt als erstellt gelten könne und keine weiteren Beweismassnahmen zu ergreifen seien. So gilt ein Sachverhalt erst dann als unvollständig festgestellt, wenn in der Begründung des Entscheides ein rechtswesentlicher Sachumstand übergangen beziehungsweise übe r-D-2136/2011 Seite 11 haupt nicht beachtet wird (vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspfle- ge, 2. Aufl., Bern 1983, S. 286). Die Vorinstanz gelangte nach einer gesamtheitlichen Würdigung der a k- tenkundigen Parteivorbringen und der Beweismittel zu einem anderen Schluss als die Beschwerdeführend en, was jedenfalls weder eine Verle t- zung des Untersuchungsgrundsatzes noch eine unvollständige Festste l- lung des rechtserheblichen Sachverhaltes darstellt. Dabei ist hinsichtlich der gerügten Verletzung der Begründungspflicht anzuführen, dass die Vorinstanz in Beachtung des Grundsatz es des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) die Vorbringen der Beschwerdeführenden tatsächlich hörte, sorgfältig und ernsthaft prü f- te und in der Entscheidfindung berücksichtigte, was sich ents prechend in den betreffenden Erwägungen niederschlug. Insbesondere legte die Vo r- instanz im angefochtenen Entscheid in schlüssiger Weise dar, aufgrund welcher Überlegungen die Asylvorbringen die Anforderungen von Art. 3 und 7 AsylG nicht erfüllten, weshalb weitergehende Abklärungen als nicht nötig erachtet wurden. Das BFM setzte sich in der angefochtenen Verfü- gung betreffend die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs der Beschwerdeführenden sowohl mit der herrschenden politischen S i- tuation in Russland sowie mit der individuellen Situation der Beschwerde- führenden auseinander und liess dies – wenn auch in knapper Form – in ihre Erwägungen einfliessen. Entgegen den Vorbringen in der Beschwe r- de war die Vorinstanz nicht gehalten, die Ausführungen zur Flüch tlingsei- genschaft wegen begründeter Furcht vor staatlicher und allenfalls privater Verfolgung wiederholt auch bei der Zumutbarkeit des Wegweisungsvol l- zuges zu berücksichtigen, da diese Prüfung – wie vorgängig erwähnt – vom BFM korrekt und rechtsgenüglich i m Rahmen der Beurteilung der Asylrelevanz der Aussagen bereits vorgenommen wurde. Bei der Beurtei- lung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges sind ohnehin andere Kriterien massgebend (vgl. Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über di e Ausländerinnen und Ausländer [ AuG, SR 142.20]). Die Vorinstanz durfte sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken, weshalb auch die Würdigung des Wegweisungsvollzugs als ausreichend und – in Anbetracht der vorangehenden vorinstanzlichen Ausführungen – hinlänglich individualisiert zu qualifizieren ist . Eine Ver- letzung der Begründungspflicht ist nicht zu erkennen, zumal es den B e- schwerdeführenden möglich war, sich ein Bild über die Tragweite des BFM-Entscheides zu machen und diesen sachgerecht anzuf echten, wie sich aus der eingehenden Beschwerdebegründung ergibt (BGE 129 I 232 E. 3.2). In diesem Zusammenhang ist ergänzend festzuhalten, dass sich D-2136/2011 Seite 12 die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen B e- hauptung und jedem rechtlichen Einwa nd auseinandersetzen muss, so n- dern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken darf (BGE 126 I 97 E. 2b). 5.4 Die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung respektive der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (Abklärungs - und Begrü n- dungspflicht) erweist sich demnach als unbegründet, weshalb der Rüc k- weisungsantrag abzuweisen ist. 6. 6.1 In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Vor- bringen der Beschwerdeführe nden teilweise den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen vermögen. Wie das BFM zutreffend bemerkte, vermögen die als Beweismittel eing e- reichten Polizeiprotokolle lediglich die Teilnahme des Beschwerdeführers an mehreren regimekritischen Demonstrationen und Protestkundgebu n- gen verschiedener Organisationen darzulegen, können jedoch nicht auf eine asylrelevante Verfolgung hinweisen beziehungsweise diese belegen. Sodann ist den Vorladungen – unabhängig deren Echtheit – zu entneh- men, dass der Beschwerdeführer lediglich zum Friedensrichter beordert wurde, was kaum auf die Verhängung einer Ge fängnisstrafe deutet, z u- mal auch der konkrete Vorladungsgrund nicht zu erkennen ist. Der B e- schwerdeführer machte bezüglich de r behaupteten Gerichtsverhandlun- gen, an denen er teilgenommen haben will – beziehungsweise deren Termine – divergierende Angaben. So erklärte er, die auf den {…….} fest- gelegte Gerichtsverhandlung sei auf den {…….} vertagt worden. Dies ist jedoch insofern nicht nachvollziehbar, als die Vorladung zu dem angeblich neu festgelegten Termin gemäss Poststempel bereits am {…….} – und somit bereits vor dem ursprünglich festgelegten Termin vom {…….} – ver- schickt wurde, als noch gar nicht bekannt war, dass die Verhandlung ve r- tagt werden würde . Der Einwand , wonach er sich nicht mehr präzise zu erinnern vermöge, weil er in der Vergangenheit so viele Vorladungen und Verfahren gehabt habe, ist als unbeholfene Schutzbehauptung zu werten, die gleichzeitig in Widerspruch zu seine r Aussage steht, seit seiner ei n- maligen Vorsprache am Gericht vom {…….} bis zu seiner Ausreise sei 'nichts mehr vorgefallen' (vgl. A 1/13, S. 8). Der vorgenannte Erklärungs- versuch im Sinne eines reduzierten Erinnerungsvermögens ist damit nicht ansatzweise geeignet, die bereits erschütterte Glaubhaftigkeit de s Be- schwerdeführers wieder herzustellen, sondern bestärkt im Gegenteil die D-2136/2011 Seite 13 Beurteilung der Vorinstanz. Ebenso wenig vermögen die durch nichts be- legten Behauptungen beziehungsweise Hypothesen , wonach allenfalls auch die Möglichkeit bestehe, dass der Umschlag nicht zu der Vorladung gehöre oder dass für den gleichen Tag eine weitere Verhandlung anb e- raumt worden sei, die festgestellten Unstimmigkeiten zu beseitigen. Sodann erklärte die Beschwerdeführerin anlässlich der Kurzbefragung, dass ihr Mann am {…….} vor Gericht gewese n sei. Bei der späteren D i- rektbefragung verneinte sie die Frage, ob ihr Mann jemals an einer G e- richtsverhandlung teilgenommen habe. Auf Vorhalt korrigierte sie ihre Antwort und sagte in Bestätigung ihrer Erstaussage aus, ihr Mann sei einmal vor Gericht gew esen (vgl. A 15/8, S. 4) . In der Beschwerde wird aus der nach Vorhalt korrigier ten Antwort der Beschwerdeführerin abge- leitet, dass damit die gesamte Unglaubwürdigkeitsargumentation des BFM in sich zusammenfalle. Diese Schlussfolgerung trifft so nicht zu, denn selbst wenn die Beschwerdeführerin den Befrager falsch versta n- den haben sollte (vgl. A 15/8, S. 4, F26), bleibt die zur Angabe des B e- schwerdeführers unterschiedliche Aussage zum {…….} bestehen. Insge- samt sind diese Ungereimtheiten als wesentlich zu era chten, da sie Er- eignisse betreffen, die für den Entschluss der Beschwerdeführenden zum Verlassen ihrer Heimat eine wichtige Rolle gespielt haben sollen. 6.2 Die Vorbringen der Beschwerdeführenden vermögen auch den Anfor- derungen an die Asylrelevanz nicht zu genügen. Bei den beiden geltend gemachten Behelligungen im Jahr {…….} handelt es sich um Übergriffe durch unbekannte Dritte . Es sind dies strafbare Handlungen, welche von den dort zuständigen Strafverfolgungsbehörden verfolgt und geahndet werden. Das BFM stellte im angefochtenen Ent - scheid zu Recht fest, dass der russische Staat grundsätzlich schutzwillig und schutzfähig ist, weshalb die von den Beschwerde führenden geltend gemachten Übergriffe Dritter – deren Wahrhe itsgehalt vor ausgesetzt – nicht asylrelevant sind. Die zuständigen Behörden von Russland gehen – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – denn auch in aller Regel gegen Bedro - hungen und Übergriffe Dritter vor. Insoweit ist vom be stehenden Schutz- willen und auch v on der weitgehenden Schutzfähigkeit der in Russland tätigen Sicherheitsbehörden auszugehen. Den Beschwerdeführenden stand es somit – entgegen ihren diesbezüglichen pauschalen und unsub- stanziierten Einwendungen in der Beschwerde – offen, sich aufgrund der geltend gemachten Behelligungen seitens Dritter an die heimatlichen Behörden zu wenden und diese um Schutz zu ersuchen. Weshalb sie D-2136/2011 Seite 14 davon absahen, erscheint unter Berücksichtigung der damals sowie heu - te herrschenden politischen und rechtlichen Zustände in Russland nicht nachvollziehbar. Aufgrund der Aktenlage ist jedenfalls nicht hinreichend dargelegt, dass die zuständigen staatlichen Organe den Beschwerde füh- renden den erforderlichen Schutz verweigert hätten od er in Zukunft verweigern würden. Aus dem m it Eingabe vom 8. Juli 2011 eingereichten Text von {…….}, woraus sich ergebe, dass der Beschwerdeführer kein Protokoll der letzten Gerichtsverhandlung einreichen könne, weil gemäss diesem Text ein Protokoll nur dann verfasst werde, wenn ein Richterkollegium beteiligt sei, ist nicht ableitbar, inwiefern dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seinen geltend gemachten Vorladungen eine asylrelevante Verfolgung drohen sollte, da es sich offensichtlich um ein Verfahren handelt, das lediglich Ordnungswidrigkeite n betrifft. Auch aus dem Entscheid vom {…….} der Stadt O._______ ist – ungeachtet der Frage der Authentizität dieses Dokumentes – nicht ersichtlich, weshalb daraus eine asylrelevante Verfolgung ableitbar sein sollte, betrifft dieser Entscheid doch ein Admini- strativstrafverfahren, das mit der Teilnahme des Beschwer deführers an einer Demonstration vom {…….} zusammenhängt. Laut diesem Entscheid wurde er zu einer Geldstrafe von U._______ verurteilt. Der Be- schwerdeführer gab bei der Anhörung zw ar zu Protokoll, er habe am {…….} an einer Demonstration teilgenommen (vgl. A 16/15, S. 3). Laut Entscheid des Friedensrichters sei er dabei festgenommen worden, ein Umstand, den der Beschwerdeführer jedoch nicht erwähnte , sondern er gab eine Verhaftung anlässl ich der De monstration vom {…….} zu Protokoll (vgl. A 16/15, S. 3). Unbesehen dieser Ungereimtheit ist nicht zu schliessen, er habe eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten, zumal das Vorbringen, gemäss Recht sprechung würden diejenigen Personen, die wegen Ordnungswidrigkeiten zur Verantwortung gezogen würden, für die gleichen Taten auch strafrechtlich verfolgt (gemäss der anzuwendenden Bestimmung von {…….}), nicht substanziiert oder belegt wird. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorbringen de r Beschwerdefüh- renden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz nicht standhalten. D ie Beschwerdeführenden erlitten bis zum Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Russland keine asylrechtlich r elevante Verfolgung; ebenso müssen sie eine solche in Zukunft nicht in begründeter Weise befürchten. Es kann deshalb darauf verzichtet werden, auf weitere Aus führungen in der Beschwerdeschrift und allfällige Unglaubhaftig keitselemente in ihren D-2136/2011 Seite 15 Vorbringen anlässlich der Befragungen einzugeh en, da sie am Er gebnis der vorgenommenen Würdigung nichts zu ändern ver mögen. An dieser Einschätzung vermag auch das vom 11. April 2012 datierte Be stä- tigungsschreiben der {…….} – bei dem es sich um ein Gefälligkeitsschreiben handeln dürfte – wie auch die weiteren Be - weismaterialien etwas zu ändern. Die Asylgesuche wurden vom Bundesamt nach dem Gesagten zu Recht abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde daher zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.1 S. 502 sowie Entscheidungen und Mitteilungen der vo r- maligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsger ichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2012/31 E. 7.1 S. 588, BVGE 2011/24 E. 10.2 S. 502). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeine r Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem D-2136/2011 Seite 16 Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Dieses flüchtlingsrechtliche Rüc k- schiebungsverbot schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG respektive Art. 1A FK erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrec htlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Rüc k- schiebungsverbots vorliegend nicht zur Anwendung gelangen. Der Vol l- zug der Wegweisung in den Heimatstaat ist demn ach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand in einen Staat ausgeschafft werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung droht. Weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden noch aus den Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausscha f- fung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefährdung ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Falle einer Rüc k- schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Das ist vorliegend nicht der Fall, zumal es ihnen – wie oben unter Ziff. 6.1 der Erwägungen festgehalten wurde – auch nicht gelungen ist, die Zwe i- fel an der Glaubhaftigkeit ihrer Verfolgungssitu ation zu beseitigen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den We g- weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. D-2136/2011 Seite 17 8.2.3 Der Vollzug der Wegweisung ist damit sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizi nischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748, BVGE 2009/41 E. 7.1 S. 576 f.; Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 8.3.2 Angesichts der heutigen Lage in Russland liegt gemäss kon stan- ter Praxis keine Situation allgemeiner Gewalt oder von kriegerischen oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen vor. Es ist demnach nicht davon auszugehen, dass eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in ihr Heimatland grundsätzlich unzumutbar wäre. 8.3.3 Sodann ist festzuhalten, dass d er Beschwerdeführer über ein {…….} verfügt, Teilhaber einer V._______ sowie Gründer und Eigentümer einer Firma im Bereich W._______ ist. Die Beschwerdeführerin liess sich an der nationalen X._______ zur Y ._______ ausbilden und verfügt über eine mehrjährige Arbeitserfahrung als Z._______ beziehungsweise Y ._______. Sodann haben sie gemäss ihren Angaben bis zu ihrer Ausrei- se in O._______ gelebt, wo sie ein Haus besitzen und sowohl über ein familiäres als auch ein soziales Beziehungsnetz verfügen . Unter diesen Umständen ist nicht zu befürchten, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr in eine existenzbedrohende Situation geraten könnten. Auch die Bestimmungen des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (SR 0.107) stehen der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nicht entgegen. 8.3.4 Zudem bestehen auch keine Anhaltspunkte, dass der Vollzug der Wegweisung aus medizinischen Gründen nicht zumutbar sein könnte. Dem vom 18. Mai 2012 datierten ärztlichen Zeugnis von Prof. Dr. med. {…….} ist zu entnehmen, dass sich die beim Beschwerdeführer diagnos- tizierten ges undheitlichen Probleme {…….}. Es i st davon auszugehen, dass d er Beschwerdeführer bei allenfalls nach seiner Rückkehr auftr e-D-2136/2011 Seite 18 tenden gesundheitlichen Problemen in seiner Heimat – und insbesondere in O._______ – ohne weiteres die benötigte Behandlung erhalten würde. 8.3.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung auch als z u- mutbar zu bezeichnen. 8.4 Die Beschwerdeführenden verfügen über Reisepässe, deren Gülti g- keitsdauer am 17. September 2014 (Beschwerdeführerin), 23. Oktober 2014 (Beschwerdeführer) und 28. Juli 2015 (Kinder) abläuft, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu be zeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegwe i- sung zu bestätigen. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme der B e- schwerdeführenden fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die B e- schwerde ist demnach abzuweisen. 10. Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. Die Beschwerdeführenden ersuchten um die Gewährung der unentgeltl i- chen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Danach kann die Beschwerdeinstanz eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreien, so- fern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Es ist von der Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden auszugehen. Auch können die Begehren der Beschwerde nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist somit gutzuheissen, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite) D-2136/2011 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Si n- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand: