Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 8. Juni 2021 (400 21 27) ____________________________________________________________________ Zivilrecht Voraussetzungen für die alternierende Obhut, die vorliegend bejaht werden (E. 3.2 ff.) Kriterien für die Bemessung des Kindesunterhalts na ch neuer Bundesgerichtsrechtspre- chung (E. 5.2) Rückweisung der Sache an die Vorinstanz, da eine Korrektur des Kindesunterhalts vorlie- gend nicht in Frage kommt (E. 5.5) Besetzung Präsident Roland Hofmann; Gerichtsschreiberin Nicole Schneider Parteien A.____, vertreten durch Advokat Simon Rosenthaler, Hauptstrasse 12, Postfach 811, 4153 Reinach, Klägerin gegen B.____, vertreten durch Advokatin Dr. Sabine Aeschlimann, Hauptstrasse 104, Postfach, 4102 Binningen, Beklagter und Berufungskläger Gegenstand Eheschutz Berufung gegen den Entscheid der Präsidentin des Zivilkreisgerichts Ba- sel-Landschaft West vom 2. Dezember 2020 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Im Eheschutzverfahren, das die Ehefrau mit Gesuch vom 4. August 2020 eingeleitet hatte, erliess die Zivilkreisgerichtspräsidentin Basel-Landschaft West am 2. Dezember 2020 folgenden Entscheid: «1. Es wird festgestellt, dass die Ehegatten seit 15. Jul i 2020 getrennt leben. 2. Die Kinder der Ehegatten, • C.____, geboren am XX. ___ 2008, und • D.____, geboren am XX. ___ 2014, werden für die Dauer des Getrenntlebens unter die Ob hut der Mutter gestellt. 3. Der Ehemann wird berechtigt und verpflichtet, die Kinder alle zwei Wochen von Donnerstag, Schulschluss, bis Sonntag, 18.00 Uhr, zu betreuen. In der anderen Woche (wenn C.____ am Freitagnachmitt ag frei hat) wird der Ehemann berechtigt und verpflich- tet, die Kinder am Freitag, von Schulschluss bis 19.00 Uhr, zu betreuen. Ab 1. April 2021 wird der Ehemann berechtigt und ver pflichtet, die Kinder in der anderen Woche am Donnerstag, von Schulschluss bis Freitag, 17.00 Uhr, zu Besuch zu nehmen. Weitergehende spontane Besuche hat der Ehemann zu unt erlassen. Der Ehemann wird berechtigt und verpflichtet, mit den Kindern sechs Wochen Ferien zu verbringen, davon maximal zwei am Stück. Die Ferien sind drei Monate im Voraus abzusprechen. Die Feiertage (Heiligabend, Weihnachten, Silvester, O stern und Pfingsten) werden unter den Ehegatten hälftig aufgeteilt. Derjenige Ehegatte, welcher die Kinder an Ostern betreut, betreut die Kinder nicht an Pfingsten. Die Ehegatten betreuen die Kinder jeweils am 24. und am 25. Dezember jährlich alternierend. Derjenige Ehegatte, welcher die Kinder am 24. Dezember nicht betreut, betreut die Kinder an Silvester. An den übrigen Feiertagen (Auffahrt etc.) werden die Kinder vom gemäss Betreuungsplan zuständigen Ehegatten betreut. Die Weihnachtszeit 2020 und der Jahreswechsel 2020/2021 sowie die weiteren Feiertage im Jahr 2021 sind wie folgt geregelt: Der Ehemann betreut die Kinder von Samstagmorgen, 19. Dezember 2020 bis Freitagmor- gen, 25. Dezember 2020. Die Ehefrau betreut die Kinder vom Freitagmorgen, 25. Dezember 2020 bis Freitag- morgen, 1. Januar 2021. Die Kinder werden an Ostern 2021 von der Ehefrau und an Pfingsten 2021 vom Ehe- mann betreut. Die Ehegatten werden bei ihrer Bereitschaft behaftet , die Geburtstage der Kinder gemeinsam zu feiern. 4. Auf die Einholung eines Gutachtens zur Klärung de r künftigen Betreuungsregelung wird verzichtet. 5. Der Antrag der Ehefrau auf Zuteilung der eheli chen Liegenschaft und zur Verpflichtung des Ehemannes zu r Rückgabe der Hausschlüssel ist zufolge Auszugs des Ehemannes aus der ehelichen Liegenschaft und Rück- gabe der Schlüssel anlässlich der Verhandlung gegenstandslos geworden. 6. Über Investitionen in die Liegenschaft, welche über den gewöhnlichen Unterhalt hinausgehen, haben sich die Ehegatten abzusprechen. 7. Der Ehemann wird bei seiner Bereitschaft behaftet , seine persönlichen Effekte am 12. Dezember 2020 in der ehelichen Liegenschaft abzuholen. Die Ehefrau wird bei ihrer Bereitschaft behaftet, dem Ehemann am 12. De- zember 2020 Zugang zur ehelichen Liegenschaft zu verschaffen, damit dieser seine persönlichen Gegenstände behändigen kann. Weiter wird die Ehefrau bei ihrer B ereitschaft behaftet, dem Ehemann für den Transport seiner persönlichen Effekte das Automobil zur Verfügung zu stellen und dem Ehemann soweit nötig einen zweiten Termin zur Verfügung zu stellen, sollte er am 12. Dezember 2020 nicht sämtliche persönli- chen Gegenstände zusammentragen und abtransportieren können. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Der Ehemann hat der Ehefrau für das Kind C.___ _ monatliche und vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge zuzüglich allfällig dem Ehemann ausbezahlte Kinderzulagen von CHF 1'900.00 mit Wirkung ab 15. Juli 2020 zu bezahlen. Vom oben festgesetzten Unterhalt dienen CHF 295.00 d er Gewährleistung der Betreuung durch die Ehefrau. Der Ehemann ist berechtigt, die bereits entrichteten Unterhaltsbeiträge in Abzug zu bringen. 9. Der Ehemann hat der Ehefrau für das Kind D.___ _ monatliche und vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge zuzüglich allfällig dem Ehemann ausbezahlte Kinderzulagen von 1'915.00 mit Wirkung ab 15. Juli 2020 zu bezahlen. Vom oben festgesetzten Unterhalt dienen CHF 1'177.00 der Gewährleistung der Betreuung durch die Ehefrau. Der Ehemann ist berechtigt, die bereits entrichteten Unterhaltsbeiträge in Abzug zu bringen. 10. Es ist kein Ehegattenunterhalt geschuldet. 11. Die Unterhaltsbeiträge gemäss Ziffern 8 bis 10 basieren auf - dem Nettoeinkommen des Ehemannes von CHF 156'192.00, ohne Zulagen, pro Jahr und vor Steuern, - dem Nettoeinkommen der Ehefrau von CHF 58'932.00, ohne Zulagen, pro Jahr und vor Steuern. 12. Das Automobil wird der Ehefrau für die Dauer d es Getrenntlebens zugeteilt. 13. Die Gerichtsgebühr von CHF 1'200.00 wird den Ehe gatten je hälftig auferlegt. Die Forderung des Staates wird mit dem geleisteten Ko stenvorschuss der Ehefrau von CHF 1'200.00 verrech- net. Der Ehemann hat der Ehefrau CHF 600.00 zu ersetzen. Jeder Ehegatte hat für seine eigenen Parteikosten auf zukommen.» B. Gegen diesen Entscheid erhob der Ehemann mit Schreiben vom 15. Februar 2021 Beru- fung und stellte folgende Rechtsbegehren: «1. In Aufhebung von Ziff. 2 des Entscheids des Zivilkr eisgerichts Basel-Landschaft West vom 2. Dezem- ber 2020 seien die gemeinsamen Kinder C.____ (geb. am XX.X.2008) und D.____ (geb. am XX.XX.2014) unter die alternierende Obhut beider Eltern zu stellen. 2. In teilweiser Aufhebung von Ziff. 3 des Entsch eids des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West v om 2. Dezember 2020 sei dem Berufungskläger die Betreu ungsverantwortung für die beiden gemeinsamen Kinder an zwei Tagen pro Woche jeweils mit Übernachtung (e ntweder Montag/Dienstag, Montag/Freitag oder Donner s- tag/Freitag) sowie an jedem zweiten Wochenende zu ü bertragen. Bezüglich Feiertags- und Ferienregelung sei der erstinstanzliche Entscheid zu bestätigen, wobei die Einschränkung, wonach der Berufungskläger nur maxi- mal zwei Wochen Ferien am Stück mit den Kindern ver bringen darf, aufzuheben sei. 3. In Aufhebung von Ziff. 8 und 9 sei der Berufun gskläger bei seiner Bereitschaft zu behaften, der B erufungsbe- klagten ab 1. August 2020 für die beiden gemeinsame n Kinder C.____ und D.____ monatliche und monatlich vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge an den Bar- und B etreuungsunterhalt in der Höhe von je CHF 1'300.– ( zuzügl. allfällige Kinderzulagen) zu bezahlen; wobei er zu berechtigen sei, bereits geleistete Unterhaltsbeitr äge ab 1. August 2020 bis und mit Feb. 2021 in der Höhe von C HF 21'200.– in Abzug zu bringen. 4. Anderslautende Anträge der Berufungsbeklagten seien abzuweisen. 5. Unter o/e Kostenfolge» C. Am 23. Februar 2021 teilte Advokat Dr. Edgar Schürm ann dem Kantonsgericht Basel-Land- schaft, Abteilung Zivilrecht, mit, dass er die Ehefrau pe r sofort nicht mehr anwaltlich vertrete, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht worauf er mit Verfügung vom 24. Februar 2021 aus dem Rubrum gestrichen wurde. Die gleichen- tags erfolgte Bekanntgabe seitens Advokat Simon Rosenthaler, wonach er die Ehefrau nunmehr anwaltlich vertrete, wurde mit Verfügung vom 25. Februar 2021 zur Kenntnis genommen, verbun- den mit dem Hinweis, dass der neue Rechtsbeistand der E hefrau im Rubrum aufgenommen werde. D. Mit Berufungsantwort vom 8. März 2021 reichte die Eh efrau folgende Anträge ein: «1. Es sei die Berufung vom 15. Februar 2021 vollumfän glich abzuweisen. 2. Unter o/e - Kostenfolge zulasten des Berufungsklä gers.» E. Am 9. März 2021 verfügte der zuständige Präsident den Schluss des Schriftenwechsels und wies die Parteien darauf hin, dass sie mit separater Vorladung zur Hauptverhandlung vor das Präsidium geladen würden. F. Mit Eingabe vom 28. Mai 2021 reichte der Ehemann a ufgrund der neuen bundesgerichtli- chen Rechtsprechung zur Berechnung des Kindes-Barunterha lts eine neue Zusammenstellung der konkreten Lebenshaltungskosten sowie eine Übersicht betreffend die Sparquote während der Jahre 2012 bis 2020 mit diversen Unterlagen dazu ein. Dieses Schreiben wurde samt Beilagen an die Gegenpartei zur Kenntnisnahme weitergeleitet. G. Zur heutigen zweitinstanzlichen Verhandlung erscheinen d er Ehemann mit Advokatin Dr. Sabine Aeschlimann sowie die Ehefrau mit Advokat S imon Rosenthaler. Der Ehemann legt zu Beginn der Verhandlung diverse aktuelle Unterlagen zu seinem Einkommen und zu vereinzel- ten Ausgaben sowie eine Zusammenstellung betreffend die von ihm 2019 erbrachte Kinderbe- treuung ins Recht. Der Präsident führt daraufhin eine informelle Befragung der Ehegatten zur derzeit gelebten Regelung der Obhut durch und unterb reitet ihnen danach im Hinblick auf eine gütliche Einigung einen Vorschlag für eine Vereinbaru ng, welche nicht zustande kommt. In den darauffolgenden Plädoyers halten die Rechtsvertreter der Parteien an den schriftlich gestellten Anträgen fest. Erwägungen 1.1 Gegen erstinstanzliche Endentscheide in Eheschutzverfahre n kann Berufung erhoben wer- den (vgl. Art. 308 Abs. 1 lit. a ZPO). In vermögensrecht lichen Angelegenheiten wird vorausge- setzt, dass der Streitwert der zuletzt aufrechterhalte nen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (vgl. Art. 308 Abs. 2 ZPO). Bei wi ederkehrenden Leistungen von ungewisser oder unbeschränkter Dauer gilt der zwanzigfache Betrag d er einjährigen Leistung als Streitwert (vgl. Art. 92 Abs. 2 ZPO). Massnahmen zum Schutz der eh elichen Gemeinschaft sind im sum- marischen Verfahren zu erlassen (vgl. Art. 271 lit. a ZPO). Die Frist zur Einreichung der Berufung bei der Rechtsmittelinstanz beträgt demzufolge 10 Tage seit der Zustellung des begründeten Entscheids bzw. seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung (vgl. Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 311 Abs. 1 ZPO). Gemäss § 5 Abs. 1 lit. a EG ZPO ist das Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts für die Beurteilung von Berufungen gegen Entscheide der Präsidien der Zivilkreisgerichte, die im summarischen Verfahren ergangen sind, sachlich zuständig. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Im vorliegenden Fall hat der Ehemann gegen den Entsche id der Zivilkreisgerichtspräsi- dentin Basel-Landschaft West vom 2. Dezember 2020 Berufung erklärt. Es handelt sich dabei um einen Eheschutzentscheid, der im summarischen Verfahren ergangen ist. Das Präsidium der zi- vilrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft ist somit zur Beurteilung der vor- liegenden Berufung zuständig. Nebst der Regelung der Obhut über die gemeinsamen Kinder und deren Betreuung beanstandet der Ehemann die erstinsta nzlich mit Wirkung ab 15. Juli 2020 für den Unterhalt seiner beiden Kinder festgelegten monatlichen Beiträge von CHF 1'900.00 für C.____ und CHF 1'915.00 für D.____ . Während die Ehefrau vor Vorinstanz Unterhaltsbeiträge von CHF von 3'521.50 für C.____ und CHF 2'700.50 für D.____ verlangte, beantragte der Ehemann die Unterhaltsbeiträge für sei ne Kinder auf je CHF 1'300.00 pro Monat, festzulegen. Im erstinstanzlichen Verfahren lag also ein Betrag von CHF 3'620.00 (CHF 3521.50 + CHF 2'700.50 – CHF 2'600.00) pro Mon at im Streit. Auf ein ganzes Jahr hoch- gerechnet ergibt dies CHF 43'464.00, womit der erfor derliche Streitwert von mindestens CHF 10'000.00 offensichtlich gegeben ist. Der schriftlich begründete Entscheid ist dem Ehemann am 3. Februar 2021 zugestellt worden. Seine Berufung vom 15. Februar 2021 ist am gleichen Tag bei der Post zum Versand aufgegeben worden und damit rechtzeitig innert der in Anwendung von Art. 142 Abs. 3 ZPO bis Montag, 15. Februar 2021 verlängerten Rechtsmittelfrist erfolgt. 1.3 Der Ehemann beanstandet zum einen die Übertragung der alleinigen Obhut an die Ehefrau und moniert in diesem Zusammenhang, dass die Vorinstan z mit der angeordneten Betreuungs- regelung den Erziehungs- und Betreuungsmodalitäten wä hrend des Zusammen- lebens zu wenig Rechnung getragen habe. Er macht damit geltend, dass der Sachverhalt falsch festgestellt worden sei. Zum anderen rügt der Ehemann verschiedene Positionen der erstinstanz- lichen Unterhaltsberechnungen, wobei er diesbezüglich die Auffassung vertritt, dass eine falsche Rechtsanwendung vorliege und der Sachverhalt unrichtig festgestellt worden sei. Der Ehemann macht damit zulässige Berufungsgründe geltend (Art. 310 ZPO). Der mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 17. Februar 2021 auf CHF 3'000.00 fes tgesetzte Kostenvorschuss (vgl. Art. 98 ZPO) ist vom Ehemann rechtzeitig bezahlt worden. Damit sind sämtliche Prozessvoraussetzung (vgl. Art. 59 f. ZPO) erfüllt, so dass auf die Berufung des Ehemannes eingetreten werden kann. 2.1 Bevor auf die Rügen in der Berufung näher eingegang en wird, stellt sich die Frage nach der Zulässigkeit der vom Ehemann eingereichten Noven. D ie Ehefrau beantragt, dass die Ein- gabe vom 28. Mai 2021 inklusive Beilagen sowie die Unterlagen, die der Ehemann anlässlich der heutigen Verhandlung eingereicht hat, aus dem Recht gewiesen werden. Sie macht dazu geltend, dass Noven im Berufungsverfahren nur unter den Voraussetz ungen gemäss Art. 317 ZPO zu berücksichtigen seien. Das Bundesgericht habe in BGE 138 III 625 eine analoge Anwendung von Art. 229 Abs. 3 ZPO im Berufungsverfahren generell abgelehnt. 2.2 Neue Tatsachen und Beweismittel werden im Berufungsve rfahren gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO nur dann berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebr acht werden (lit. a) und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebra cht werden konnten (lit. b). Dieser Novenschranke steht vorliegend nun aber Art. 296 ZPO en tgegen, wonach in Kinderbelangen das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen zu erforsche n hat. In Verfahren mit uneinge- schränktem Untersuchungsgrundsatz, insbesondere wenn es um das Kindeswohl geht, müssen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Noven bis zur Urteilsberatung (vgl. Art. 229 Abs. 3 ZPO) berücksichtigt werden können. Dies wird nicht nur in der Lehre mehrheitlich so vertreten (vgl. CHRISTOPH REUT , Noven nach der Schwei- zerischen Zivilprozessordnung, 2017, Rz 346 f. und P ETER REETZ /S ARAH HILBER , in Sutter- Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Kommentar, 3. Aufl. 2016, Art. 317 N 14, mit zahlreichen Hinweisen auf weitere Lehrmeinungen). Das Bundesgericht hat in einem neueren Entscheid nun auch selber festgehalten, dass die strikte Anwendung von Art. 317 Abs. 1 ZPO bei Geltung der uneingeschränkten Untersuchungsmaxime nicht gerechtfertigt sei (vgl. BGE 144 III 349 E. 4.2.1). 2.3 Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die v om Ehemann im Rahmen des Beru- fungsverfahrens eingereichten Noven sowie allfällige n eue Entwicklungen in tatsächlicher Hin- sicht bis zur zweitinstanzlichen Verhandlung grundsätzlich zu berücksichtigen sind. Mit Bezug auf die Unterlagen, die er anlässlich der Verhandlung eingereicht hat, stellt sich indessen die Frage, ob der Gegenpartei zu dieser Noveneingabe aufgrund d eren Umfangs zunächst das rechtliche Gehör in schriftlicher Form zu gewähren ist. Dieser Pun kt kann offenbleiben, da die neuen Un- terlagen – wie sich im Nachfolgenden zeigen wird – für den Entscheid nicht relevant sind. 3.1 Der Ehemann beanstandet den erstinstanzlichen Entscheid zunächst mit Bezug auf die Obhut, die der Ehefrau alleine übertragen worden ist. Er beantragt stattdessen, dass die gemein- samen Kinder C.____ und D.____ unter die alternierende Obhut beider Eltern zu stellen sind. 3.2 Haben die Ehegatten, die zwecks Regelung des Getrenntl ebens das Gericht anrufen, min- derjährige Kinder, so trifft das Gericht gemäss Art. 17 6 Abs. 3 ZGB die nötigen Massnahmen entsprechend der Bestimmungen über die Wirkungen des Kindesverhältnisses (vgl. Art. 270 ff. ZGB). Zu regeln sind etwa die Obhut über das Kind, d er persönliche Verkehr mit dem nicht ob- hutsberechtigten Elternteil, die Beteiligung jedes Elternteils an der Betreuung sowie der Unterhalt des Kindes. Bezüglich der Obhut ist vorweg auf die revidierten Bestimmungen des Zivilgesetzbu- ches über die elterliche Sorge hinzuweisen, die am 1. Juli 2014 in Kraft getreten sind. Neu ist die gemeinsame elterliche Sorge unabhängig vom Zivilstand de r Eltern die Regel (Art. 296 Abs. 2 ZGB). Die alleinige elterliche Sorge bleibt zum Wohl des Kindes weiterhin möglich. Sie soll aber die eng begrenzte Ausnahme sein. Von der elterlichen Sorge ist die Obhut zu unterscheiden. Unter der Herrschaft des alten Rechts war das «Obhutsrecht» Bestandteil des elterlichen Sorge- rechts. «Obhut» im Rechtssinne bedeutete das Recht, den Aufenthaltsort des Kindes und die Modalitäten seiner Betreuung zu bestimmen (vgl. BGE 128 III 9 E. 4a). Im neuen Recht umfasst die elterliche Sorge auch das «Recht, den Aufenthaltso rt des Kindes zu bestimmen» (vgl. Art. 301a Abs. 1 ZGB). Die Bedeutung der «Obhut» reduziert sich daher – losgelöst vom Sorgerecht – auf die «faktische Obhut», das heisst auf die Befugni s zur täglichen Betreuung des Kindes sowie auf die Ausübung der Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit seiner Pflege und lau- fenden Erziehung (vgl. BGE 142 III 612 E. 4.1). Gemäss Artikel 298 Abs. 2 ter ZGB muss das Gericht in einem Trennungs- oder Scheidun gsfall bei bestehender gemeinsamer elterlicher Sorge im Sinne des Kindeswohls die Möglichkeit einer alternierenden Obhut prüfen, sofern dies von einem E lternteil oder vom Kind verlangt wird. Die alternierende Obhut ist demnach zwar nicht als Regelfa ll vorgesehen. In dieser Bestimmung kommt aber zum Ausdruck, dass die gleichmässige Betreuung der Kinder auch nach einer Tren- nung der Eltern gefördert werden soll. Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass es grundsätzlich im Interesse des Kindes und im Sinne seiner Persönlichkeitsentwicklung ist, wenn es von beiden Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Elternteilen gleichmässig betreut und aufgezogen wird (vgl. I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , BSK ZGB I, 6. Aufl. 2018, Art. 298 N 3a). Dies gilt allerdings nur dann, wenn durch die gleichmässige Aufrechterhaltung der Beziehung zu beiden Eltern das Kindeswohl nicht gefährdet wird. Das Gericht darf die alternierende Obhut da- her nur dann anordnen, wenn dies mit dem Kindeswohl vereinbar ist. Die Wünsche und Interes- sen der Eltern müssen bei der Frage nach der Obhutsrege lung in den Hintergrund treten. Als Voraussetzung für die Anordnung der geteilten Obhut wird zunächst verlangt, dass beide Eltern erziehungsfähig sind. Weiter erfordert die alterniere nde Obhut organisatorische Massnahmen und gegenseitige Information. Insofern setzt die praktische Umsetzung der alternierenden Obhut bzw. Betreuung voraus, dass die Eltern fähig und bereit sind, in Kinderbelangen laufend mitei- nander zu kommunizieren und im Hinblick auf die notwendigen organisatorischen Vorkehrungen zu kooperieren. Dabei steht der alternierenden Obhut n icht entgegen, wenn die Eltern zur ge- meinsamen Entscheidfindung über die Kinderbelange auf die Vermittlung einer Drittperson ange- wiesen sind. Allein aus dem Umstand, dass ein Elterntei l sich der alternierenden Obhut wider- setzt, kann sodann nicht ohne Weiteres auf eine fehlende Kooperationsfähigkeit der Eltern ge- schlossen werden, die einer alternierenden Obhut im Wege steht. Ein derartiger Schluss könnte nur dann in Betracht fallen, wenn die Eltern aufgrund der zwischen ihnen bestehenden Feindse- ligkeiten auch hinsichtlich anderer Kinderbelange nicht zusammenarbeiten können, sodass ihr Kind im Szenario einer alternierenden Obhut dem gravierenden Elternkonflikt in einer Weise aus- gesetzt wäre, die seinen Interessen offensichtlich zuwiderläuft. Die alternierende Obhut kann da- her bei gegebenen Voraussetzungen auch gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden (vgl. BGer 5A_888/2016 vom 20. April 2018 E. 3.2.1 sowie BGer 5A_629/2019 vom 13. Novem- ber 2020 E. 4.2). Zu berücksichtigen ist im Weiteren die geografische Sit uation, namentlich die Distanz zwischen den Wohnorten der Eltern, sowie die Stabilität, welche die Weiterführung der bisherigen Regelung für das Kind allenfalls mit sich bringt. Grundsätzlich fällt die alternierende Obhut dann in Betracht, wenn die Eltern das Kind schon vor ihrer Trennung abw echselnd betreut haben. Gemäss Bun- desgericht ist es jedoch keineswegs ausgeschlossen, auch de njenigen Elternteil, der bis zur Trennung zu 100% erwerbstätig gewesen ist, an der Betreuung des Kindes teilhaben zu lassen, solange damit dem Kindeswohl Rechnung getragen wird (vg l. BGer 5A_888/2016 vom 20. April 2018 E. 3.3.2). Der Grundsatz, wonach beide Eltern gl eichermassen Anspruch darauf haben, sich an der Betreuung des Kindes zu beteiligen, hat demnach zur Folge, dass bei einer Trennung der Eltern die Zeiger auf null gestellt werden und dem Kriterium der bislang gelebten Rollenteilung hinsichtlich der Obhutsregelung keine allzu grosse Bedeu tung mehr beigemessen wird, sofern dies im Einklang mit dem Kindeswohl steht (vgl. Entscheid des Kantonsgerichts Luzern vom 20. September 2019 = LGVE 2019 II Nr. 12 E. 4.5.4 und 4.5.7, publ. in SJZ 10 vom 1. Juni 2021, S. 506 ff.). Weitere Gesichtspunkte sind die Möglichkeit der Eltern, das Kind persönlich zu betreuen, das Alter des Kindes, seine Beziehungen zu Geschwistern und seine Einbettung in ein weiteres sozi- ales Umfeld. Auch dem Wunsch des Kindes ist Beachtung zu schenken, selbst wenn es bezüglich der Frage der Betreuungsregelung noch nicht urteilsfähig ist. Es soll eine Lösung gewählt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten Umstände dem Kind die notwendige Stabilität der Be- ziehungen gewährleistet, die es für seine optimale Ent wicklung und Entfaltung benötigt (vgl. INGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., Art. 298 N 5). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ob sich die alternierende Obhut mit dem Kindeswohl ve reinbaren lässt und damit überhaupt in Frage kommt, hängt von den konkreten Umständen ab. Das G ericht, das den Sachverhalt von Amtes wegen zu erforschen hat (vgl. Art. 296 Abs. 1 ZPO resp. Art. 314 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 446 ZGB), muss gestützt auf die festgestellten Tatsachen der Vergangenheit und der Gegenwart eine sachverhaltsbasierte Prognose darüber stellen, ob die alternierende Obhut als Betreuungs- lösung aller Voraussicht nach den Interessen des Kindes entspricht (vgl. BGE 142 III 612 E. 4.2). Dabei wird es auch prüfen müssen, ob allenfalls die Hilf e einer sachverständigen Person erfor- derlich ist, um die Aussagen des Kindes zu interpretieren, insbesondere um erkennen zu können, ob diese seinem wirklichen Wunsch entsprechen. Bei der Beu rteilung der massgebenden Kriterien für die Obhutsregelung verfügt das Gericht über ein grosses Ermessen. Das Bundesgericht greift nur ein, wenn die kantonale Instanz von dem ihr zustehenden Ermessen offensichtlich falschen Gebrauch macht, d.h. wenn sie grundlos von in Lehre und Rechtsprechung anerkannten Grundsätzen abweicht, wenn sie Gesichtspunkte berücksichtigt, die keine Rolle spielen dürfen, oder wenn sie umgekehrt rechtserheblich e Umstände ausser Acht lässt. Aufzu- heben und zu korrigieren sind ausserdem Ermessensentscheide, die sich im Ergebnis als offen- sichtlich unbillig oder als in stossender Weise ungerecht erweisen (vgl. BGer 5A_888/2016 vom 20. April 2018 E. 3.2 f., BGE 142 III 612 E. 4.5 und BGer 5A_629/2019 vom 13. November 2020 E. 4.3). 3.3 Die Vorinstanz legte in ihrem Entscheid zunächst die Positionen der Ehegatten dar, nämlich der Ehefrau, die sich aufgrund der bis anhin gelebten Situation und dem hohen Arbeitspensum des Ehemannes klar gegen die alternierende Obhut ausgesprochen habe. Der Ehemann mache demgegenüber geltend, dass er schon in der Vergangenheit an der Erziehung und Betreuung der Kinder beteiligt gewesen sei und diese Mitwirkung insbesondere in den letzten zwei Jahren auf- grund der Zusatzausbildung der Ehefrau zugenommen habe . Die Vorinstanz fasste sodann die Ausführungen von C.____ anlässlich der separaten Kinderanhörung vom 1. September 2020 zu- sammen. Die gemeinsame Tochter der Parteien habe dam als erklärt, dass sie beide Elternteile liebhabe und die alternierende Obhut ausprobieren wo lle, indem sie zwei Tage beim Vater und drei Tage bei der Mutter lebe. Die Wochenenden würd e sie abwechselnd beim Vater und der Mutter verbringen. Sie wolle nicht, dass sie einen Elternteil während einer Woche gar nicht sehe. Gleichzeitig habe C.____ aber auch angemerkt, dass diese Lösung wohl stressig sei. Am darauf folgenden Tag habe sich C.____ zweimal telefonisch gemeldet und der Gerichtspräsidentin mit- geteilt, dass sie die alternierende Obhut als zu stressig erachte und die Obhut bei der Mutter mit Besuchen beim Vater an jedem zweiten Wochenende und an einem Tag unter der Woche favo- risiere. Aufgrund dieser Angaben ging die Vorinstanz d avon aus, dass es für C.____ und ihren Bruder D.____ wegen der Trennung ihrer Eltern und der damit verbundenen Folgen grosse Un- sicherheiten gebe. C.____ wünsche sich regelmässigen Kontakt mit beiden Elternteilen. Gleich- zeitig habe sie aber Bedenken, dass ihr die ständigen W echsel von der Mutter zum Vater und umgekehrt zu sehr zusetzen würden und das Modell der alternierenden Obhut mit zu viel Stress verbunden sei. C.____ werde derzeit relativ engmaschig th erapeutisch begleitet, wohl in erster Linie zur Behandlung der bestehenden Kontrollzwänge, aber auch zur Bewältigung der Tren- nungssituation. Ausserdem habe sich während der Kinderan hörung gezeigt, dass C.____ teil- weise sogar ihre Hobbys Yoga und Blockflöte als stressig empfinde. Aufgrund dieser Umstände erscheine ein Modell mit vielen Wechseln unter der Woche weniger geeignet. Vielmehr sei eine einfache Obhuts- und Betreuungslösung anzustreben, die C .____ und ihrem Bruder Stabilität Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gebe, Ruhe einkehren lasse, regen Kontakt mit beiden Eltern zulasse und mit wenig Wechseln verbunden sei. Abrupte und extreme Veränderungen seie n zu vermeiden. Die Vorinstanz ent- schied daher, dass im vorliegenden Fall die Zuteilung d er Obhut an die Ehefrau zu bevorzugen sei, unter der Prämisse, dass dem Ehemann ein ausgedehnteres Besuchs- und Ferienrecht ein- geräumt werde. Diese Obhutszuteilung sei aufgrund des angespannten Verhältnisses zwischen den Eltern angezeigt, da die alternierende Obhut die beiden Kinder dem Elternkonflikt weiter aus- setzen und deutlich ihren Interessen zuwiderlaufen würde. Massgebend für diese Lösung sei da- bei nicht der Elternkonflikt an und für sich, sondern vielmehr der damit verbundene Leidensdruck der Kinder. Anlässlich der Kinderanhörung sei der Eindruck entstanden, dass C.____ sich selbst massiv unter Druck stelle, um es beiden Elternteilen recht zu machen. Der Sohn D.____ leide gemäss Angaben der Ehefrau ebenfalls unter dem Loyalitätskonflikt. Er zeige zwar seine Emoti- onen nicht deutlich und fresse sie eher in sich hinein, explodiere aber von Zeit zu Zeit. Die Vo- rinstanz ging daher davon aus, dass die Zuteilung der alleinigen Obhut an die Ehefrau auch unter dem Aspekt der Kontinuität und Stabilität angemessen se i und den bis anhin gelebten Erzie- hungs- und Betreuungsmodalitäten Rechnung trage. Obscho n die Ehefrau nicht im Sinne der klassischen Rollenverteilung als Hausfrau und Mutter zu Hause geblieben sei, sondern ebenfalls einer Erwerbstätigkeit im Teilzeitpensum nachgehe, sei dennoch unbestritten, dass sie in der Vergangenheit die Betreuung der Kinder überwiegend übernommen habe. Die Tatsache, dass der Ehemann während ihrer Zusatzausbildung an mehreren Wochenenden die Kinder alleine be- treut und mit ihnen alleine in die Ferien gefahren sei, vermöge daran nichts zu ändern. Diesem Umstand sei jedoch bei der Bemessung des Besuchs- und Fer ienrechts des Vaters gebührend Rechnung zu tragen (vgl. erstinstanzlicher Entscheid S. 7 ff.). 3.4 Anlässlich der kantonsgerichtlichen Verhandlung geben di e Parteien übereinstimmend zu Protokoll, dass die Betreuung momentan so praktiziert werde, wie im vorinstanzlichen Entscheid für die Zeit ab 1. April 2021 angeordnet worden sei . Der Ehemann ist der Ansicht, dass die Be- treuung, insbesondere auch der Wechsel von einem Haushalt zum anderen gut laufe. Bei Schwie- rigkeiten sei die Übergabe der Kinder auch schon auf dem Spielplatz erfolgt. D.____ komme jeweils am Donnerstag, gleich nach der Schule um 12.00 Uhr zu ihm, während C.____, die am Nachmittag noch Schule habe, dann um 16.20 Uhr komme. B is jetzt sei es noch nicht möglich gewesen, die Geburtstage zusammen zu feiern. Der Ehema nn führt weiter aus, dass es schon zwei Termine bei Frau E.____ von der Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland (KJP) gegeben habe. Mit Bezug auf die konkrete Betreuung der Kinde r beantragt er, dass die Kinder für zwei weitere Nächte, nämlich nach den gemeinsamen Wochenenden von Sonntag bis Montag, Schul- beginn, und in den anderen Wochen bereits am Mittwoch nach Schulschluss zu ihm kommen dürfen. Dies wäre eine natürliche Erweiterung des aktu ell gelebten Betreuungsrechts. Er würde die Kinder aber nicht zwingen, dann auch immer zu ihm zu kommen. Zur konkreten Umsetzung erklärt der Ehemann, dass er zwar nach wie vor in Zürich arbeite, sein Job aber so flexibel sei, dass er den Donnerstag jeweils freinehmen könne und da für am Wochenende arbeite. Es sei auch möglich, dass er Ferien für die Betreuung der Kinder nehme. Die Ehefrau schildert die Situation demgegenüber als sehr schwierig. Die Kinder seien nach den Besuchen beim Vater jeweils aggressiv und würden streiten d zu ihr nach Hause kommen, weil C.____ die Erziehung von D.____ übernehme, der beim Vater einfach alles machen dürfe. Die Kinder würden aber Struktur und Stabilität brauchen. Der Ehemann übernehme seine Erzie- hungsverantwortung nicht und setze keine Grenzen. Für sie komme eine Ausweitung der aktuell Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gelebten Regelung daher nicht in Frage. C.____ woll e ebenfalls keine Zusatzübernachtung. Es komme immer wieder vor, dass sie keinen gemeinsamen Nenner finden könnten, so z.B. bezüg- lich des Nachhilfeunterrichts in Mathe. Die Besprechungen bei Frau E.____ hätten da auch nichts gebracht (vgl. Protokoll der kantonsgerichtlichen Verhan dlung vom 8. Juni 2021, S. 2). 3.5.1 Die Vorinstanz begründet die Zuteilung der alleinig en Obhut an die Ehefrau zunächst mit dem Hinweis auf die Depositionen von C.____, die sich l etztlich gegen zu viele Wechsel und damit gegen die alternierende Obhut ausgesprochen habe. Dazu ist anzumerken, dass nach ei- ner Trennung der Eltern regelmässig zwei separate Haus halte geführt werden und daher jede Besuchsrechts- resp. Betreuungsregelung mit Wechseln von einem Haushalt zum anderen ver- bunden ist. Diese neue Situation kann für die Kinder zweifellos stressig sein. Die Wechsel von einem Elternteil zum anderen sind jedoch die logische Folge einer Trennung und insofern unver- meidlich, solange der Kontakt sowohl zur Mutter als au ch zum Vater aufrechterhalten werden soll. Im vorliegenden Fall ist diese Voraussetzung kla r erfüllt. Die Ehegatten sind sich insoweit einig, dass die Kinder den Vater jede Woche besuchen un d bei ihm übernachten und in jeder zweiten Woche zudem das Wochenende bei ihm verbringen dü rfen. Dies entspricht auch dem ausdrücklichen Wunsch der Tochter. Aktuell gehen die Kinder jeweils am Donnerstagnachmittag nach Schulschluss – D.____ bereits ab 12.00 Uhr und C._ ___ ab 16.20 Uhr – zum Vater. Alle zwei Wochen bleiben sie dann bis und mit Sonntag, 18.00 Uhr, also insgesamt knapp vier Tage ununterbrochen dort. In der anderen Woche übernachten die Kinder von Donnerstag auf Freitag beim Vater und gehen dann am Freitag um 17.00 Uhr w ieder zur Mutter. Damit steht fest, dass die Kinder jeden Donnerstag direkt von der Schule zum V ater gehen und dass dabei gar kein Wechsel von einem Haushalt zum anderen erfolgt. Dass die Kinder danach am Freitagabend resp. am Sonntagabend wieder zur Mutter gehen, ist wie schon gesagt die unvermeidbare Folge der Trennung der Eltern. Mit der erstinstanzlich angeor dneten und momentan gelebten Betreu- ungsregelung, die – wie der Ehemann in seiner Berufung zu Recht geltend macht – vom Ausmass her durchaus einer alternierenden Obhut gleichkommt, m üssen die Kinder also nur die absolut notwendigen Wechsel von einem Haushalt zum anderen in Kauf nehmen. Das Argument der häufigen Wechsel taugt daher nicht zur Verweigerung der geteilten Obhut, zumal sie auf die Tren- nung der Eltern zurückzuführen sind und sich zudem ohnehi n bereits aus der aktuell gelebten Betreuungslösung ergeben. 3.5.2 Auch der im erstinstanzlichen Entscheid angeführte Loy alitätskonflikt der Kinder ist eine Folge der Trennung. Die Kinder können nicht mehr gleichzeitig mit beiden Eltern zusammen sein, sondern müssen insbesondere ihre freie Zeit nunmehr entweder bei der Mutter oder beim Vater verbringen, dies obwohl sie es doch – wie die Vorinstanz mit Bezug auf C.____ ausführt – beiden Elternteilen recht machen wollen. Diese Situation ist gewiss für alle Betroffenen stressig und kann gerade Kinder unter erheblichen Druck setzen. Dazu ist jedoch zu bemerken, dass dieser Loya- litätskonflikt regelmässig erst durch den Streit der Elter n um die Kinder ausgelöst wird. Wenn hingegen klar ist, dass nach der Trennung der Kontakt zur Mutter und zum Vater aufrechterhalten werden soll und beide Elternteile an der Erziehung un d Betreuung der Kinder teilhaben sollen, kann dieser Konflikt und der damit verbundene Leidensdru ck meist entschärft werden, weil die Kinder sich gar nicht für den einen oder anderen Elte rnteil entscheiden müssen. Insoweit kann Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht mithilfe der geteilten Obhut einem möglichen trennungsbedingten Loyalitätskonflikt, dem die Kin- der ohne ihr Zutun ausgeliefert sind, durch eine der Situation angemessene und klare Obhuts- und Betreuungsregelung entgegengewirkt werden. Dieser Punkt spricht daher ebenfalls per se keineswegs gegen die Anordnung der alternierenden Obhut. 3.5.3 Zum Argument der Vorinstanz, wonach das angespannte und derzeit zerrüttete Verhältnis zwischen den Eltern gegen die alternierende Obhut spre che, ist sodann festzuhalten, dass die Ehegatten nach dem Auszug des Ehemannes aus der gemeinsamen Liegenschaft Mitte Juli 2020 offensichtlich keine Einigung hinsichtlich der Kinderbe treuung gefunden haben, sodass in der ersten Zeit nach der Trennung der Eltern keine klare Regelung bestanden hat. Erst die erstin- stanzliche Verhandlung resp. die konkreten Anordnungen d er Vorinstanz haben – wie aus den Angaben der Ehegatten vor Kantonsgericht zu entnehmen ist – zu einer Beruhigung der Situation geführt. Sie bestätigen nämlich, dass die erstinstanzliche Betreuungsregelung momentan grund- sätzlich ohne grössere Probleme gelebt wird. Die Parteie n haben sodann von sich aus Hilfe bei Frau Dr. med. E.____, einer Spezialistin für familiäre Konflikte, organisiert und gemeinsam zwei Termine in Anspruch genommen. Bei Schwierigkeiten mit dem Wechsel von einem zum anderen Elternteil ist die Übergabe der Kinder – wie der Ehe mann anlässlich der Berufungsverhandlung mitteilt – auf einem Spielplatz erfolgt. Offenbar h aben sich die Ehegatten kurzerhand auf diese Lösung geeinigt. Zu guter Letzt ist es den Eltern auch gelungen, mit Bezug auf den Mathenach- hilfeunterricht für C.____ eine Lösung zu finden. Dies zeigt, dass eine Kommunikation unter den Ehegatten durchaus möglich ist und damit keinen Grund gegen die Festlegung der alternierenden Obhut darstellt. 3.5.4 Die Vorinstanz begründet die Zuteilung der alleinigen Obhut an die Ehefrau unter dem Ge- sichtspunkt der Betreuungskontinuität schliesslich mit dem Hinweis auf die bisher erfolgte Betreu- ung der Kinder, die massgeblich von der Ehefrau abged eckt worden sei. Diesem Argument ist gestützt auf die vorherigen allgemeinen Ausführungen entgegenzuhalten, dass bei einer Tren- nung beide Eltern gleichermassen Anspruch darauf haben, sich an der Betreuung der Kinder zu beteiligen. Dem Kriterium der bislang gelebten Rolle nteilung kommt daher hinsichtlich der Ob- hutsregelung keine grosse Bedeutung mehr zu, zumindest soweit als dem Aspekt der Kontinuität im konkreten Fall in Bezug auf das Kindeswohl keine besondere Beachtung zu schenken ist. Die alternierende Obhut darf daher nicht einfach mit dem Verweis auf die bisherige Betreuungsrege- lung verweigert werden. Im Übrigen bestand vorliegend auch gar keine klassische Rollenvertei- lung. Die Ehefrau arbeitete vielmehr bereits vor der Trennung im Umfang von 60% (vgl. Beilage 42 zur Eingabe der Ehefrau vom 4. August 2020). Auss erdem war der Ehemann wegen einer Weiterbildung der Ehefrau in den letzten zwei Jahren vor der Trennung auch vermehrt für die Betreuung der Kinder verantwortlich, so dass der Gesich tspunkt der Betreuungskontinuität vor- liegend in den Hintergrund tritt. Zusammenfassend ist also festzuhalten, dass die im erstinstanzlichen Entscheid gegen eine An- ordnung der alternierenden Obhut vorgebrachten Argumente nicht überzeugen. Damit stellt sich die Frage, ob dem Antrag des Ehemannes und dem ursprünglich zuerst von C.____ geäusserten Wunsch, die Obhut beiden Eltern zu übertragen, aus anderweitigen Gründen nicht stattzugeben ist. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.6.1 Im vorliegenden Fall ist zunächst zu prüfen, ob beide Ehegatten erziehungsfähig sind. Die Ehefrau macht diesbezüglich vor Kantonsgericht geltend , dass der Vater seine Erziehungsver- antwortung nicht wahrnehme und den Kindern insbesond ere keine Grenzen setze. Erziehungs- fähigkeit bedingt im Wesentlichen, dass ein Elternteil bereit und in der Lage ist, die Kinder weit- gehend persönlich zu betreuen und zu pflegen, auf der en Bedürfnis nach harmonischer Entfal- tung in körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht einzugehen und die hierfür notwendige Stabilität zu bieten (vgl. BGer 5A_106/2016 vom 7. Ju ni 2016 E. 3.2). Wie dies konkret erreicht werden soll, wird nicht näher dargelegt. Das Ziel ein er harmonischen Entfaltung der Kinder ist vielmehr sehr offen und wohl bewusst weit gefasst. So wird in der Praxis nicht etwa verlangt, dass die Eltern sich mit Bezug auf den Erziehungsstil einig sein müssen. Aufgrund der gewählten Ter- minologie, insbesondere dem Begriff der «harmonischen Entfaltung» ist stattdessen davon aus- zugehen, dass gerade das ausgewogene, ausgeglichene Verhältnis von verschiedenen pädago- gischen Einflüssen für eine gesunde Entwicklung der Kinder förderlich ist. Es spricht also grund- sätzlich nicht gegen die Erziehungsfähigkeit des einen oder anderen Elternteils, wenn jeder wäh- rend der ihm zustehenden Betreuungszeiten den für ihn und die Kinder passenden erzieheri- schen Ansatz wählt. Wichtig ist nur, dass die konkret prakt izierte pädagogische Einflussnahme auf das Kind seinem Bedürfnis nach harmonischer Entfaltu ng in körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht nicht abträglich ist und sich demnach mit dem Kindeswohl vereinbaren lässt. Es gibt in casu keinerlei Hinweise dafür, dass der Ehem ann nicht fähig oder willens ist, die per- sönliche Betreuung der Kinder zu übernehmen – aufgrun d seiner Ausführungen vor Kantonsge- richt kann davon ausgegangen werden, dass er sehr wohl be reit und in der Lage ist, den dafür notwendigen Freiraum zu organisieren – und für ihre adäquate Erziehung zu sorgen. Der Einwand der Ehefrau bleibt daher unbeachtlich. Damit steht aber fest, die Erziehungsfähigkeit beider Ehe- gatten vollumfänglich gegeben ist. 3.6.2 Unbestritten und bereits vor erster Instanz nicht in Fra ge gestellt, ist im Übrigen, dass die Eltern fähig sind, in Kinderbelangen miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren. Sie ha- ben es geschafft, die aufgetretenen Schwierigkeiten b ei der Übergabe der Kinder sowie sonst bestehende aktuelle Meinungsverschiedenheiten – wie sich aus ihren Angaben anlässlich der Berufungsverhandlung ergibt – zu lösen. Soweit in casu also überhaupt noch ein die Kinder tan- gierender Elternkonflikt vorliegt, ist dieser jedenfalls nicht von einer Intensität, die der alternieren- den Obhut entgegensteht. 3.6.3 Die Eltern wohnen sodann etwa 1.2 km voneinander ent fernt, was einer Gehdistanz von ca. 17 Minuten entspricht. Damit steht die geografische Situation der alternierenden Obhut eben- falls nicht entgegen. 3.6.4 Schliesslich spricht auch das von der Ehefrau erwähnte Bedürfnis nach Ruhe, Stabilität und Kontinuität keineswegs gegen eine Anordnung der getei lten Obhut. Wie schon erwähnt, ist die erstinstanzliche Betreuungsregelung von den Parteien ohne grössere Probleme umgesetzt wor- den. Die Betreuung wird also bereits heute von beiden Elternteilen wahrgenommen, ohne dass sich dies augenscheinlich zum Nachteil der Kinder ausgewi rkt hätte. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Teilung der Obhut dem Kindeswohl zuw iderläuft. Vielmehr ist im Sinne einer sachverhaltsbasierten Prognose davon auszugehen, dass gerad e ein durch die Trennung der Eltern allenfalls verursachter Loyalitätskonflikt der Kinder mithilfe der alternierenden Obhut gelöst Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden kann. Die Bedenken der Vorinstanz und der Ehefrau sind daher aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar. Nach Ansicht der Berufungsinstanz sind vielmehr alle erforderlichen Vo- raussetzungen für die Gewährung der geteilten Obhut angesichts der konkreten Umstände erfüllt, weshalb der Anordnung dieser Betreuungslösung grundsätzlich nichts im Wege steht. 3.7 Zu prüfen bleibt jedoch, ob diese zweitinstanzliche Einsc hätzung zwingend durch eine kin- derpsychologische Abklärung von C.____ und D.____ – wie von der Ehefrau in ihrer Berufungs- antwort explizit beantragt – validiert werden muss. Der Beizug einer sachverständigen Person zur Klärung der Frage, ob die alterierende Obhut ge- währt werden kann oder nicht, ist – wie zuvor unter Zi ffer 3.2 dargelegt – vor allem dann erfor- derlich, wenn die Aussagen des Kindes unklar oder interpretationsbedürftig sind, aber auch dann, wenn Zweifel bestehen, ob die Anordnung der geteilte n Obhut wirklich im Interesse des Kindes ist. C.____ brachte anlässlich der Kinderanhörung vom 1. September 2020 zunächst klar zum Ausdruck, dass es für sie wichtig sei, beim Vater und bei der Mutter zu leben und sie die alternie- rende Obhut daher ausprobieren wolle. In den nachfol genden Telefonaten teilte sie dem Zivil- kreisgericht dann aber mit, dass sie die alternierende Obhut als zu stressig erachte. Stattdessen wolle sie den Vater an jedem zweiten Wochenende und an einem Tag unter der Woche besuchen (vgl. Protokoll der Kinderanhörung S. 2 f. sowie Aktennotiz zu den beiden Telefongesprächen mit C.____ vom 2. September 2020). In der Kinderanhörung vom 1. September 2020 hat sich C.____ mit der Trennung ihrer Eltern auseinandergesetzt, di e Folgen für sie realitätsbezogen reflektiert und schliesslich ihre Wünsche in authentischer und schlüssiger Weise geäussert und wohl be- gründet. Zum damaligen Zeitpunkt verbrachte sie offenbar vorerst nur die Nacht von Samstag auf Sonntag beim Vater und erklärte dazu, dass sie am Morge n immer hetzen müsse, um pünktlich bei der Mutter zu sein. Aus diesem Grund sei es besser, wenn sie die Wochenenden abwech- selnd beim einen resp. beim anderen Elternteil verbr inge. Ausserdem müsse noch ein zusätzli- cher Wochentag oder Abend pro Woche vereinbart werden. Da sie beide Elternteile liebhabe, wäre es am besten, bei beiden zu leben. Obwohl sich C.____ – wie sie selber anmerkte – bereits in diesem Zeitpunkt bewusst war, dass diese Wechsel von einem zum anderen Elternteil stressig sein könnten, schlug sie dann doch selber vor, dass sie zwei Tage beim Vater und drei Tage bei der Mutter und die Wochenenden abwechselnd bei den Eltern verbringen könne. Es sei wichtig, klare Regeln zu haben. Sie brauche Strukturen und einen konkreten Plan (vgl. Protokoll der Kin- deranhörung S. 2). In den telefonischen Nachträgen fa vorisierte sie dann zwar die Lösung, die Obhut bei der Mutter zu belassen. Sie hielt aber kla r daran fest, jedes zweite Wochenende und einen Tag unter der Woche beim Vater zu verbringen. Diesen Sinneswandel – soweit überhaupt von einem solchen auszugehen ist – begründete C.____ nur damit, dass sie viel nachgedacht habe und die alternierende Obhut zu stressig sei. Wie zuvor bereits dargelegt, kommt es aber auch dann zu gleich vielen Wechseln von einem Haushal t zum anderen, wenn einem Elternteil lediglich ein Besuchsrecht statt der alternierenden Obhut eingeräumt wird. Dies ist kein plausibler Grund gegen diese Obhutslösung. Im Übrigen hielt C._ ___ im Grundsatz daran fest, dass sie regelmässig und mindestens einmal jede Woche zum Vater g ehen wolle. Sie sprach sich also nach wie vor für eine – wenn auch etwas reduzierte – Be treuung durch den Vater und damit nicht explizit gegen das Modell der geteilten Obhut aus. Bei dieser Ausgangslage und in Anbetracht, dass die Berufungsinstanz keinerlei Zweifel daran hat, d ass die Anordnung der geteilten Obhut in casu vollends im Interesse der Kinder ist, erweist sich der Beizug einer sachverständigen Per- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht son als unnötig. Dem Antrag der Ehefrau auf Durchführu ng einer in der Regel für Kinder belas- tenden kinderpsychologischen Abklärung von C.____ und D._ ___ ist daher keine Folge zu leis- ten. 3.8 Die Berufung ist also mit Bezug auf den Antrag des Eh emannes, die Kinder seien unter die alternierende Obhut beider Ehegatten zu stellen, vollumfänglich gutzuheissen. Ziffer 2 des erst- instanzlichen Entscheids ist demzufolge aufzuheben und in diesem Sinne neu zu fassen. Bei dieser Betreuungslösung ist sodann festzulegen, bei welch em Elternteil die Kinder ihren zivil- rechtlichen Wohnsitz haben. In Anbetracht, dass die Kinder – wie sich nachfolgend im Zusam- menhang mit der Aufteilung der konkreten Betreuung z eigen wird – mehrheitlich bei der Mutter leben, erscheint es angezeigt, deren Wohnort als zivilrechtlicher Wohnsitz der Kinder festzulegen, zumal der Ehemann nichts Gegenteiliges beantragt. 4.1 Der Ehemann beanstandet mit seiner Berufung im Weiteren die von der Vorinstanz einge- räumten Betreuungszeiten. Er verlangt, dass ihm eine grössere Betreuungsverantwortung für die beiden gemeinsamen Kinder, nämlich an zwei Tagen pro Woche jeweils mit Übernachtung (ent- weder Montag/Dienstag, Montag/Freitag oder Donnerstag/Freitag) sowie an jedem zweiten Wo- chenende übertragen wird. Ausserdem will er mit Bezug auf die Ferienregelung, dass die Ein- schränkung im erstinstanzlichen Entscheid, wonach er nur m aximal zwei Wochen Ferien am Stück mit den Kindern verbringen dürfe, aufgehoben wird. Anlässlich der Verhandlung vor Kantonsgericht präzisiert der Ehemann, dass die erstinstanzliche Betreuungsregelung um zwei zusätzliche Nächte zu erweitern sei. Konkret beantragt er, dass die Kinder an den gemeinsamen Wochenenden von Sonntag auf Montagmorgen bei ihm übernach- ten und in der anderen Woche jeweils bereits am Mittwochabend zu ihm kommen dürfen. 4.2 Wird den Eltern die alternierende Obhut übertragen , so hat das Gericht bei Uneinigkeit der Parteien in einem zweiten Schritt über die konkreten Betreuungsanteile zu entscheiden (vgl. Art. 298 Abs. 2 und 2 ter ZGB). Die Eltern haben dabei keinen Anspruch auf eine genau gleiche Auf- teilung der Betreuungszeiten. Im Gegenteil ist auch bei der Gewährung der alternierenden Obhut keine streng hälftige Aufteilung der Betreuungsanteil e vorzunehmen, sondern in Ausübung des richterlichen Ermessens eine dem konkreten Einzelfall, insbesondere dem Kindeswohl Rechnung tragende Aufteilung festzulegen (vgl. BGer 5A_139/2020 vom 26. November 2020 E. 3.3.2 f.). 4.3 Nach der aktuell geltenden Betreuungsregelung der Vor instanz gehen die Kinder jeweils am Donnerstagnachmittag nach Schulschluss – D.____ bereits ab 12.00 Uhr und C.____ ab 16.20 Uhr – zum Vater. Alle zwei Wochen bleiben sie da nn bis und mit Sonntag, 18.00 Uhr, also insgesamt knapp vier Tage ununterbrochen dort. In der anderen Woche, übernachten die Kinder von Donnerstag auf Freitag beim Vater und gehen dann am Freitag um 17.00 Uhr wieder zur Mutter. Diese Lösung ist zweifelsohne insoweit sinnvoll , als die Kinder jeden Donnerstag direkt nach der Schule zum Vater gehen. Mit Bezug auf die a lle zwei Wochen beim Vater zu verbrin- genden Wochenenden erscheint es indessen fraglich, ob es wirklich Sinn macht, wenn die Kinder am Sonntagabend wieder zur Mutter gehen. Dies ist im vorliegenden Fall zu verneinen. Die Ehe- frau weist nämlich vor Kantonsgericht darauf hin, dass die Kinder nach den Besuchen beim Vater aggressiv seien und immer wieder streitend zurückkommen wü rden. Angesichts dieser Proble- matik ist es geradezu angezeigt, dass die Kinder nach den gemeinsamen Wochenenden beim Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vater immer erst am Montagmorgen – also wie jeweils am Freitagmorgen – direkt von ihm aus in die Schule gehen. Mit dieser Lösung kann den geschilde rten Übergabeschwierigkeiten beim Wechsel von einem Haushalt zum anderen auf eine einf ache und vernünftige Weise begegnet werden. Zudem geht die Berufungsinstanz davon aus, dass d iese Betreuungsregelung die Be- dürfnisse der Kinder, insbesondere nach Ruhe, besser berücksichtigt. Die erstinstanzlich festge- legte jede zweite Woche relevante Wochenendbetreuung ist demnach von Sonntag, 18.00 Uhr auf Montag, Schulbeginn, zu verlängern. Mit Bezug auf die weitergehende vom Ehemann beantragt e Ausweitung des Betreuungsrechts ist festzuhalten, dass zur Gewährleistung sinnvoller Betreu ungsblöcke einzig eine zusätzliche Betreuung durch den Ehemann bereits ab Mittwoch nach Schulschluss in Frage käme. Damit würde jedoch die aktuelle bewährte Regelung, wonach d ie Kinder erst jeden Donnerstag nach der Schule zum Vater gehen und damit den freien Mittwochnachmittag bei der Mutter verbringen, bereits wieder abgeändert. Ausserdem ist fraglich, wie der Ehemann, der nach wie vor in Zürich arbeitet, diese weitere Betreuungszeit abdecken will. E r hat dazu denn auch keine konkreten Ausführungen gemacht. Eine Ausweitung der Betreuung von Freitagabend auf Samstagmorgen erscheint ebenfalls nicht angezeigt, weil dies dazu füh ren würde, dass die Kinder kein ganzes Wochenende bei der Mutter verbringen könnten. Die j etzige Regelung ist aber immerhin dahin- gehend auszuweiten, dass die Kinder jeweils den ganzen Freitagnachmittag, inklusive Abendes- sen, beim Vater verbringen dürfen und daher an jedem zweiten Freitag erst um 19.00 Uhr zur Mutter zurückkehren sollen, der Obhutswechsel also nicht bereits um 17.00 Uhr zu erfolgen hat. Die erstinstanzliche Betreuungsregelung in Ziffer 3 des angefochtenen Entscheids ist in diesem Sinne anzupassen. 4.4 Was schliesslich die Beschränkung der gemeinsamen Ferien betrifft, so ist in der Tat nicht einzusehen, weshalb der Ehemann von den zugestandenen s echs Wochen, nur maximal zwei Wochen Ferien am Stück mit den Kindern verbringen darf. Die Vorinstanz begründet diesen Ent- scheid auch in keiner Weise. In Anbetracht, dass die Kind er der Parteien nicht mehr klein sind, C.____ ist 13 und D.____ 7 ½ Jahre alt, gibt es kein en Anlass für die erwähnte Beschränkung, weshalb sie ersatzlos zu streichen ist. Die Berufung des Ehemannes ist demnach hinsichtlich der Betreuungsanteile grösstenteils und hinsichtlich der Ferienregelung vollumfänglich gutzuheissen und der erstinstanzliche Entscheid auch in diesen Punkten zu korrigieren. 5.1 Die Berufung des Ehemannes richtet sich schliesslich gegen d ie Unterhaltsbeiträge, die erstinstanzlich zugunsten der Kinder festgelegt worden si nd. Die Vorinstanz verpflichtete den Ehemann der Ehefrau mit Wirkung ab 15. Juli 2020 für die Tochter C.____ monatliche und vo- rauszahlbare Unterhaltsbeiträge zuzüglich allfällig dem Ehemann ausbezahlte Kinderzulagen von CHF 1'900.00 zu bezahlen, wobei davon CHF 295.00 für die Gewährleistung der Betreuung durch die Ehefrau bestimmt seien. Der Ehemann wurde des Weiteren dazu verpflichtet, der Ehefrau für den Sohn D.____ mit Wirkung ab 15. Juli 2020 monatliche und vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge zuzüglich allfällig dem Ehemann ausbezahlte Kinderzulagen von CHF 1'915.00 zu bezahlen. Da- von seien CHF 1'177.00 für die Gewährleistung der Betreuung durch die Ehefrau vorgesehen. Der Ehemann beantragt demgegenüber, dass diese Unterhaltsverpflichtung insoweit abgeändert wird, als dass er ab 1. August 2020 für die beiden gem einsamen Kinder C.____ und D.____ Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht monatliche und monatlich vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge an den Bar- und Betreuungsunter- halt in der Höhe von je CHF 1'300.00, zuzüglich allfäl liger Kinderzulagen, zu bezahlen hat und dass er dazu berechtigt wird, bereits geleistete Unterhaltsbeiträge ab 1. August 2020 bis und mit Februar 2021 in der Höhe von CHF 21'200.00 in Abzug zu bringen. Konkret beanstandet der Ehemann, dass die Vorinstanz bei der Berechnung des Grundbedarfs für die Ehefrau und für die Kinder bei einzelnen Positionen von zu hohen Beträgen ausgegangen sei resp. Ausgaben be- rücksichtigt habe, die bereits im Grundbetrag enthalten seien. 5.2 Der Unterhalt eines Kindes wird durch Pflege, Erziehun g und Geldzahlung geleistet (vgl. Art. 276 Abs. 1 ZGB). Für diese drei Unterhaltskompo nenten sorgen die Eltern gemeinsam, ein jeder nach seinen Kräften, wobei das Kind Anspruch auf gebührenden Unterhalt hat (vgl. Art. 276 Abs. 2 ZGB). Der Umfang des gebührenden Unterhalts richtet sich nach mehreren Kriterien. Ge- mäss Art. 285 Abs. 1 ZGB soll der Geldunterhalt zum ein en den Bedürfnissen des Kindes und zum anderen der Lebensstellung sowie der Leistungsfähi gkeit der Eltern entsprechen. Der Un- terhaltsbeitrag dient zudem der Gewährleistung der Betreuung des Kindes durch die Eltern oder durch Dritte (vgl. Art. 285 Abs. 2 ZGB). Mit diesem sogenannten Betreuungsunterhalt wird die zur erforderlichen persönlichen Betreuung des Kindes notwendige physische Präsenz des betreffen- den Elternteils sichergestellt. Es sollen also die indirekten Kosten abgegolten werden, die entste- hen, weil der Elternteil, der das Kind persönlich betreut, in dieser Zeit nicht oder nicht vollumfäng- lich durch Arbeitserwerb für seinen Lebensunterhalt auf kommen kann. Formell ist der Betreu- ungsunterhalt zwar als Anspruch des Kindes ausgestaltet. Wirtschaftlich gesehen kommt er aber dem persönlich betreuenden Elternteil zugute (vgl. BGE 144 III 481 E. 4.3). Bei der Bemessung des Unterhaltsbeitrags ist nicht nur ma ssgebend, was ein Kind zur Abde- ckung seiner physischen Bedürfnisse (namentlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, Hygiene, medi- zinische Behandlung) sowie zur Sicherstellung einer gebotenen persönlichen Betreuung qua Be- treuungsunterhalt unmittelbar braucht, sondern es kommt – wie gesagt – auch auf die elterliche Leistungsfähigkeit und Lebensstellung an, wobei diese me ist zusammengehen und nur im Fall überdurchschnittlicher finanzieller Ressourcen bei gleichzeitig sparsamer Lebenshaltung eine ei- genständige Rolle spielen dürften. Der gebührende Kin desunterhalt ist somit eine von den kon- kreten Mitteln abhängige dynamische Grösse, indem auch das Kind von einer überdurchschnitt- lichen Leistungsfähigkeit profitieren und an einem gehobenen Lebensstandard der Eltern teilha- ben soll (vgl. BGer 5A_311/2019 vom 11. November 2020 E. 5.4). Im Gesetz wird nicht vorgeschrieben, nach welcher Methode der gebührende Unterhalt des Kin- des zu berechnen ist. Bis anhin liess das Bundesgericht den n auch verschiedene Methoden zu und griff nur bei Vermischung derselben ein (so z.B. BGE 140 III 485 E. 3.3). Kurz nach der per 1. Januar 2017 erfolgten Einführung des Betreuungsunterhalts erklärte das Bundesgericht dann aber, dass diese neue Unterhaltskategorie nach der «Lebe nshaltungskostenmethode» zu be- messen sei, weil sie einzig die indirekten, durch die Betreuung entstehenden Kosten decke (vgl. BGE 144 III 377 E. 7.1.4). Nach dieser Methode ist die Differenz zwischen dem Nettoverdienst aus der Erwerbstätigkeit und den Lebenshaltungskosten de s betreuenden Elternteils massge- bend, wobei hierfür im Grundsatz auf das familienrechtliche Existenzminimum abzustellen ist. In einem neueren Urteil vom 11. November 2020 spricht sich das Bundesgericht nun auch hinsicht- lich des Barunterhalts für eine einheitliche Methode aus, da eine Berechnung nach unterschied- lichen Methoden für den Fall, dass beide Unterhaltsarten im Streit liegen, keinen Sinn mache (vgl. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht BGer 5A_311/2019 E. 6.1). Nach dieser neuen Rechtsprechung ist der Kindesunterhalt schweiz- weit einheitlich nach der zweistufig-konkreten Methode (auch als zweistufige Methode mit Über- schussverteilung bezeichnet) festzulegen (BGer 5A_311/201 9 E. 6.6; vgl. auch BGer 5A_891/2018 vom 2. Februar 2021 E. 4.5 und BGer 5A_800/2019 vom 9. Februar 2021 E. 4.3). Bei der zweistufigen Methode sind zum einen die zur Ve rfügung stehenden finanziellen Mittel (effektive bzw. hypothetische Einkommen) festzustellen. Zum anderen ist der gebührende Bedarf der von der Unterhaltsberechnung betroffenen Personen zu ermitteln. Dieser ergibt sich aus den konkreten Bedürfnissen und den verfügbaren Mitteln und ist damit ist keine feste Grösse. Schliesslich werden die vorhandenen Ressourcen auf die beteiligten Familienmitglieder so ver- teilt, dass in einer bestimmten Reihenfolge das betreibungsrechtliche bzw. bei genügenden Mit- teln das familienrechtliche Existenzminimum der Beteiligten gedeckt und alsdann ein verbleiben- der Überschuss nach der konkreten Situation ermessensweise verteilt wird (BGer 5A_311/2019 E. 7). Bei der Ermittlung des gebührenden Unterhalts bildet das betreibungsrechtliche Existenz- minimum den Ausgangspunkt, wobei zusätzlich für jedes Kind ein Wohnkostenanteil einzusetzen ist und die Fremdbetreuungskosten zu berücksichtigen sind. D iese beiden Positionen sowie die in den Richtlinien genannten Zuschläge (relevant für das Kind: Krankenkassenprämien, Schul- kosten, besondere Gesundheitskosten) sind zum Grundbetra g hinzuzurechnen. Bei knappen Verhältnissen muss es für den Barunterhalt dabei sein Bewenden haben und auch ein allfälliger Betreuungsunterhalt ist auf der Basis des betreibungsrechtlichen Existenzminimums des betreu- enden Elternteils zu bestimmen. Der familienrechtliche Grundbedarf der Eltern (vgl. auch BGer 5A_273/2018, 5A_281/2018 vom 25. März 2019 E. 6.3.2.2 und BGer 5A_743/2017 vom 22. Mai 2019 E. 5.2.3) umfasst nebst den üblichen Positionen des betreibungsrechtlichen Notbedarfs ty- pischerweise die Steuern, eine Kommunikations- und Versich erungspauschale, unumgängliche Weiterbildungskosten, den finanziellen Verhältnissen entsprechende statt am betreibungsrechtli- chen Existenzminimum orientierte Wohnkosten sowie die Kost en zur Ausübung des Besuchs- rechts und allenfalls zur angemessenen Schuldentilgung. Bei gehobeneren Verhältnissen können auch über die obligatorische Grundversicherung hinausgehende Krankenkassenprämien und pri- vate Vorsorgeaufwendungen von selbständigerwerbenden E hegatten im Bedarf berücksichtigt werden. Als unzulässig erachtet das Bundesgericht hingegen eine Vervielfachung des Grund- betrags oder die Berücksichtigung von Zusatzpositionen wie R eisen oder Hobbys. Einem derartigen Lebensbedarf sowie anderen Besonderheiten des Einzelfalles soll vielmehr erst bei der Verteilung des Überschusses Rechnung getragen werden ( BGer 5A_311/2019 E. 7.2) . Allfällig verbleibende Ressourcen sind gemäss dem neuen Entscheid des Bundesgerichts nach «grossen und kleinen Köpfen», also auf die Eltern u nd die minderjährigen Kinder auf- zuteilen, wobei eine nachgewiesene Sparquote vorab vom Überschuss abzuziehen ist ( BGer 5A_311/2019 E. 7.3). Wenn somit nach allseitiger Deckung des familienrechtlichen Grundbedarfs ein Über- schuss verbleibt, kann der Barbedarf des Kindes bzw. der hie rfür zu verwendende Unter- haltsbeitrag durch Zuweisung eines Überschussanteils weiter erhöht werden . Der Betreu- ungsunterhalt bleibt hingegen auch bei überdurchschnittl ichen Verhältnissen auf das fami- lienrechtliche Existenzminimum beschränkt, da hier wie gesa gt die persönliche Betreuung des Kindes sichergestellt und nicht die Teilhabe an einem überdurchschnittlichen Lebens- standard des leistungspflichtigen Elternteils ermöglicht werden soll. Der gebührende Unter- halt des Kindes hat demnach in Bezug auf den Barbedarf und den Betreuungsunterhalt nicht Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht die gleiche Obergrenze (BGer 5A_311/2019 E. 7.2; vgl. zum Ganzen auch A NGELO SCHWIZER , Entscheidbesprechungen in AJP 2/2021, S. 234 ff. sowie SABINE AESCHLIMANN / DANIEL BÄHLER /J ONAS SCHWEIGHAUSER /D IEGO STOLL , Berechnung des Kindesunterhalts – Einige Über- legungen zum Urteil des Bundesgerichts vom 11. November 2020 in Fam.Pra.ch 2/2021, S. 251 ff.). 5.3 Im vorliegenden Fall wurden die Unterhaltsbeiträge für die beiden Kinder aufgrund der gu- ten finanziellen Verhältnisse der Parteien, nämlich der für das vorangegangene Jahr 2019 ermit- telten Sparquote von CHF 76’537.00 bzw. – nach Abzug der trennungsbedingten Mehrkosten – von CHF 34'800.00, nach der einstufig-konkreten Methode festgelegt (vgl. erstinstanzlicher Ent- scheid S. 12 ff.). Bei der Berechnung des Unterhalts ging die Vorinstanz von einem monatlichen Grundbedarf der Ehefrau von total CHF 6’382.00 aus. Sie berücksichtigte dabei folgende Positionen: Grundbetrag von CHF 1'350.00, Wohnkosten von CHF 1'149.00 (nach Abzug des auf die Kinder entfallenden Wohnanteils von je CHF 273.00), Krankenkassenprämie inklusive Zusatzversicherung von CHF 353.00, weitere ungedeckte Gesundheitskosten von CHF 636.00, Versicherungs- und Kommuni- kationskosten von CHF 94.00 bzw. CHF 40.00, für auswärtige Verpflegung CHF 132.00, für Auto und U-Abo CHF 280.00, Ausgaben von CHF 500.00 für Fr eizeit/Kultur/Coiffeur, Kosten à CHF 20.00 für Tiere und Putzhilfe von CHF 368.00, für F erien CHF 260.00 und schliesslich Steuern im Betrag von CHF 1'200.00. Angesichts des Nettoeinkom mens der Ehefrau von CHF 4'911.00 stellte die Vorinstanz ein monatliches Manko von CHF 1'471 .00 fest (vgl. erstinstanzlicher Ent- scheid S. 16 ff.). Beim Bedarf für die Tochter C.____ ging die Vorinsta nz vom Grundbetrag à CHF 600.00, dem Wohnanteil von CHF 273.00, den Kosten für die Krankenkasse inklusive Zusatzversicherung von CHF 145.00 und den ungedeckten Gesundheitskosten von CH F 550.00, Ausgaben für U-Abo CHF von 45.00 und für Freizeit/Kultur/Coiffeur von CHF 267.00, total CHF 1'880.00 pro Monat aus. Nach Abzug der Kinderzulage von CHF 275.00 ergab sich so mit Bezug auf C.____ ein monatliches Manko von CHF 1'605.00. Bei der Bedarfsr echnung für den Sohn D.____ berücksichtigte die Vorinstanz sodann den Grundbetrag vo n CHF 400.00, den Wohnanteil von CHF 273.00, die Krankenkassenkosten inklusive Zusatzver sicherung von CHF 124.00 sowie die ungedeckten Gesundheitskosten von CHF 30.00, d ie Drittbetreuungskosten von CHF 25.00, die Ausgaben für das U-Abo von CHF 45.00 und für Freizeit/Kultur/Coiffeur von CHF 114.00, insgesamt CHF 1'011.00 pro Monat. Bei D.____ resultierte nach Abzug der Kinderzulage von CHF 275.00 ein monatliches Manko von CHF 736.00. D as monatliche Manko von CHF 1'471.00, das bei der Bedarfsrechnung für die Ehefrau festgestellt worden war, verteilte die Vo- rinstanz im Verhältnis von 80% auf D.____ resp. 20% auf C.____ und kam damit zum Schluss, dass der Ehemann die besagten Unterhaltsbeiträge für C .____ von CHF 1'900.00 (Manko von CHF 1'605.00 zuzüglich CHF 295.00 für die Gewährleistung ihrer Betreuung durch die Ehefrau) resp. von CHF 1'915.00 gerundet für D.____ (Manko von C HF 736.00 zuzüglich CHF 1'177.00 für die Gewährleistung seiner Betreuung durch die Ehefrau) zu bezahlen habe (vgl. erstinstanzli- cher Entscheid S. 18 ff.). 5.4 Die Vorinstanz hat mit den vorstehend aufgeführten B edarfspositionen sowohl bei der Ehe- frau als auch bei den Kindern Kosten in den Grundbedarf einrechnet, die nicht zum familienrecht- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht lichen Existenzminimum gehören. Dies führt im konkreten Fall dazu, dass bei der Ehefrau insbe- sondere aufgrund der Berücksichtigung von Zusatzpositione n wie Freizeit/Kultur/Coiffeur oder Ferien sowie der eindeutig zu hoch angesetzten Steue rn ein überhöhter Grundbedarf ermittelt und als Folge davon ein Manko von CHF 1'471.00 festgestellt worden ist, welches nach Ansicht der Vorinstanz über einen Betreuungsunterhalt von CHF 295.00 für C.____ resp. CHF 1’177.00 für D.____ gedeckt werden soll. Dieses Vorgehen widerspricht nun aber dem Grundsatz, wo nach der Betreuungsunterhalt auch bei überdurchschnittlichen Verhältnissen auf das familienrechtliche Existenzminimum beschränkt zu bleiben hat, weil es dabei alleine um die Sicherstellung der persönlichen Betreuung des Kindes und eben nicht um die Teilhabe an einem überdurchschnittlichen Lebensstandard des leistungs- pflichtigen Elternteils geht. Diese Partizipation hat vielmehr über die Zuweisung eines Überschus- santeils an das Kind resp. – mit Bezug auf den anderen Elternteil – über die Zusprechung eines Unterhaltsbeitrags zuzüglich Überschussanteil zu erfolgen. Da spätestens seit den beiden Urtei- len des Bundesgerichts aus dem Jahre 2018 (BGE 144 II I 377 E. 7.1.4 und BGE 144 III 481 E. 4.8.3) feststand, dass der familienrechtliche Grundbedarf die obere Grenze für den Betreuungs- unterhalt bildet, hätte dieser Grundsatz bereits im erstinstanzlichen Verfahren Beachtung finden sollen. Es kann daher offenbleiben, ob das neue Bundesgerichtsurteil 5A_311/2019 vom 11. No- vember 2020, in dem die zweistufige Methode für die Berechnung des Kindesunterhalts als mas- sgebend erklärt wurde, der Vorinstanz im Zeitpunkt ihres Entscheids vom 2. Dezember 2020 schon bekannt war resp. ob sie davon Kenntnis hätte nehm en können. Die erstinstanzliche Un- terhaltsberechnung erweist sich vielmehr von vorneherein a ls falsch, und zwar unabhängig da- von, dass die einstufige Methode herangezogen wurde, was die Parteien im Übrigen zumindest in ihren Rechtsschriften auch gar nicht beanstandet haben. 5.5 Damit stellt sich die Frage, ob die Unterhaltsberechnu ng im Rahmen des zweitinstanzlichen Verfahrens korrigiert werden kann. Dies ist aus folgenden Gründen zu verneinen: Im vorliegenden Fall hatte die Vorinstanz angesichts der Deckung des Grundb edarfs der Ehefrau über den Be- treuungsunterhalt keinen Anlass, über einen Ehegattenunterhalt zugunsten der Ehefrau zu befin- den. Dementsprechend wurde im erstinstanzlichen Entscheid festgestellt, dass kein Ehegatten- unterhalt geschuldet sei, was von keiner Partei angefo chten wurde, da in casu ja nur die Unter- haltsbeiträge für die Kinder strittig waren. Ist nun aber – wie im vorliegenden Fall – nur der Kin- derunterhalt angefochten und muss dieser neu geregelt werden, kann die Rechtsmittelinstanz – anders als im umgekehrten Fall, bei dem die Rechtskraft des erstinstanzlichen Urteils hinsichtlich der nicht angefochtenen Unterhaltsbeiträge für die Ki nder durchbrochen werden kann (vgl. Art. 282 Abs. 2 ZPO) – nicht auch den Ehegattenunterhalt n eu regeln (vgl. THOMAS GEISER , Rechts- sprechungspanorama Familienrecht, AJP 1/2021, S. 77). Die Sache ist daher gestützt auf Art. 318 Abs. 1 lit. c ZPO zur Neuberechnung der Unterhal tsbeiträge für die Kinder und allenfalls Festsetzung eines Unterhaltsbeitrags für die Ehefrau an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Berufung des Ehemanns ist damit auch hinsichtlich der Unterhaltsbeiträge für die Kinder in- soweit gutzuheissen, als Ziffer 8 und Ziffer 9 des ersti nstanzlichen Entscheids antragsgemäss aufgehoben werden. In Anbetracht der erfolgten Rückweisung an die Vorinstanz und der von ihr neu vorzunehmenden Berechnung der Unterhaltsbeiträge ist darüber hinaus auch Ziffer 10 sowie Ziffer 11 des erstinstanzlichen Entscheids aufzuheben. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Abschliessend ist über die Verteilung der Prozesskosten de s Berufungsverfahrens, beste- hend aus den Gerichtskosten sowie der Parteientschädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO), zu befinden. Massgebend für die Regelung der Kostenfolgen sind die Bestimmungen der Art. 104 ff. ZPO, die auch im Berufungsverfahren gelten, da im Gesetz für das Rechtsmittelverfahren keine speziellen Kostenvorschriften enthalten sind (vgl. BENEDIKT SEILER , Die Berufung nach der Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2011, Rz 1560). Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden Partei auferlegt. Hat keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozess- kosten nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). 6.2 Im vorliegenden Fall ist der Ehemann mit seiner Beruf ung hinsichtlich der Obhutszuteilung vollumfänglich und hinsichtlich der Betreuungszeiten me hrheitlich durchgedrungen. Mit Bezug auf die Unterhaltsfrage obsiegt er ebenfalls insoweit, als die erstinstanzlich zugunsten seiner Kin- der festgelegten Unterhaltsbeiträge aufgehoben werden und die Sache zur Neubeurteilung des Unterhalts an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. Der Ehemann ist damit zwar nicht vollumfäng- lich, aber doch zum grössten Teil mit seinen Anträgen dur chgedrungen. Angesichts dieses Ver- fahrensausgangs erscheint es angebracht, die Kosten des Berufungsverfahrens vollumfänglich der Ehefrau aufzuerlegen. Die Entscheidgebühr, die in Anwendung von § 9 Abs. 1 i.V. mit § 8 Abs. 1 lit. h des Gebührentarifs (SGS 170.31) auf pauschal CHF 3‘000.00 festzusetzen ist, geht daher vollumfänglich zu Lasten der Ehefrau. Sie hat dem Ehemann zudem eine Parteientschädi- gung zu bezahlen. Dazu ist vorab festzuhalten, dass die vo n der Ehefrau beantragte Ausschei- dung der Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Noveneingabe des Ehemannes vom 28. Mai 2021 erfolgt sind, abzuweisen ist, zumal diese Ei ngabe grundsätzlich zulässig gewesen ist. Im Übrigen hat die Vertreterin des Ehemannes für die am 28. Mai 2021 erfolgte Eingabe ans Gericht gar keinen Aufwand in Rechnung gestellt. Die von ihr mit Honorarnote vom 8. Juni 2021 geltend gemachten Bemühungen im Umfang von 19 Stunden und 35 Minuten erscheinen ange- sichts der Streitsache als angemessen. Dazu kommen 3 Stunden für die kantonsgerichtliche Ver- handlung. Die Ehefrau hat dem Ehemann somit eine Par teientschädigung von CHF 6'775.00 (22.5833 Std. x CHF 300.00) zuzüglich Auslagen von CHF 387.30 und MWST à 7.7% resp. CHF 551.50, total CHF 7'713.80, für das Berufungsverfahren zu bezahlen. Demnach wird erkannt: ://: I. Der Entscheid der Präsidentin des Zivilkreisgerich ts Basel- Landschaft West vom 2. Dezember 2020 wird in teilweiser Gutheissung der Berufung in den Zif- fern 2, 3, 8 und 9 aufgehoben. Ziffer 2 und 3 lauten neu wie folgt: Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Die Kinder der Ehegatten, • C.____, geboren am XX. ___ 2008, und • D.____, geboren am XX. ___ 2014, werden für die Dauer des Getrenntlebens unter die alternierende Obhut der Ehegatten gestellt. Der zivilrechtliche Wohnsitz der Kinder ist bei der Mutter. 3. Der Ehemann wird ab sofort berechtigt und verpflichtet, die Kinder alle zwei Wochen von Donnerstag, Schulschluss, bis Montag, Schulbegin n, zu be- treuen. In der anderen Woche wird der Ehemann berechtigt und verpflich- tet, die Kinder am Donnerstag, Schulschluss, bis Freitag, 19.00 Uhr, zu be- treuen. Der Ehemann wird berechtigt und verpflichtet, mit den Kindern sechs Wo- chen Ferien zu verbringen. Die Ferien sind drei Monate im Voraus abzu- sprechen. Der Entscheid der Präsidentin des Zivilkreisgerichts Base l- Landschaft West vom 2. Dezember 2020 wird in den Ziffern 10 und 11 aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung der Unterhaltsbeiträge an die Vorinstanz zurückgewiesen. II. Die Entscheidgebühr von CHF 3'000.00 für das Ber ufungsverfahren wird der Ehefrau auferlegt. Die Forderung des Staates wird mit dem vom Ehemann geleisteten Kostenvor- schuss von CHF 3'000.00 verrechnet. Die Ehefrau hat dem Ehemann CHF 3'000.00 zu ersetzen. III. Die Ehefrau hat dem Ehemann eine Parteientschä digung von CHF 7’713.80 (inklusive Auslagen von CHF 387.30 und 7.7% MWST von CHF 551.50) zu be- zahlen. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiberin Nicole Schneider