<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Ist er nicht auch der Ansicht, dass das öffentliche Nabelschnur-Blutangebot von allgemeinem Interesse ist?</p><p>2. Falls ja: Ist er bereit, Massnahmen zu treffen, um die Finanzierung der öffentlichen Nabelschnur-Blutbanken zu regeln und um mehr Sammelstellen zu schaffen - dies mit dem Ziel, die genetische Diversität der Bestände zu erhöhen und spendewilligen Frauen die entsprechenden Möglichkeiten zu bieten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Seit mehr als zwanzig Jahren werden Blutstammzellen aus dem Nabelschnurblut bei Leukämien als therapeutische Alternative zu Knochenmarktransplantationen eingesetzt. Der Vorteil von Stammzellen aus eingelagertem Nabelschnurblut ist, dass sie schneller und in einer grösseren genetischen Diversität verfügbar sind. Oft kann jedoch bei erwachsenen Patienten aufgrund einer niedrigen Gesamtmenge an Stammzellen das Nabelschnurbluttransplantat nicht verwendet werden. Die Spenden werden im nationalen Stammzellenregister registriert und international koordiniert, wodurch sie der Öffentlichkeit weltweit zur Verfügung stehen. So kommen die in der Schweiz gespendeten und eingelagerten Nabelschnurbluteinheiten nicht nur Personen in der Schweiz zugute, sondern werden bei weltweiten Suchen berücksichtigt. Auch für Schweizer Patienten wird weltweit nach passenden Blutstammzellen gesucht. In den Jahren 2009 und 2010 wurden z. B. 23 Nabelschnurbluteinheiten aus dem Ausland in die Schweiz importiert und 27 Einheiten ins Ausland exportiert. Für den Bundesrat ist somit das öffentliche Interesse an Nabelschnurblutbanken gegeben.</p><p>2. Die Kosten der Entnahme, Typisierung und Einlagerung der Nabelschnurblutspenden in öffentlichen Banken gehen nicht zulasten der Eltern des Kindes. Sie werden in der Schweiz insbesondere von Non-Profit-Organisationen getragen. Momentan wird zwischen der Blutspende SRK Schweiz, die eine gemeinnützige Gesellschaft mit dem Schweizerischen Roten Kreuz als Mehrheitsaktionär ist, und den öffentlichen Nabelschnurblutbanken von Genf und Basel ein neues Finanzierungsmodell ausgearbeitet, das vorsieht, weitere Geldgeber zu suchen und längerfristig auf einen höheren Selbstfinanzierungsgrad hinzuarbeiten. Der Bund seinerseits führt gemäss Artikel 62 des Transplantationsgesetzes das Stammzellenregister und finanziert so bereits die Registrierung entnommener Nabelschnurbluteinheiten und die Suche von Blutstammzellen für eine bestimmte Empfängerin oder einen bestimmten Empfänger mit. Es bleibt abzuwarten, ob das obenerwähnte neue Finanzierungsmodell die beabsichtigte Wirkung haben wird. Vor diesem Hintergrund sieht der Bundesrat im Moment keinen Handlungsbedarf.</p><p>In der Schweiz ist der Bestand an gelagertem Nabelschnurblut zur allogenen Transplantation (spendende und empfangende Person sind nicht identisch) in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich von 1600 auf rund 3600 Einheiten per Ende 2011 gestiegen. Der ausschlaggebende Faktor, um Patienten in der Schweiz einen Zugang zu Stammzellen in einer möglichst hohen genetischen Diversität zu ermöglichen, ist jedoch nicht die Anzahl der Entnahmespitäler in der Schweiz, sondern das weltweite Netzwerk öffentlicher Nabelschnurblutbanken. Wegen der notwendigen Übereinstimmung und der sehr grossen Vielfalt der Gewebemerkmale ist bei Blutstammzellen der internationale Austausch die Regel. Somit gehen fast 90 Prozent der Schweizer Blutstammzellspenden an Personen im Ausland - genau wie umgekehrt fast 90 Prozent der Spenden für Schweizerinnen und Schweizer aus dem Ausland stammen. So gesehen ist der Bundesrat nicht der Meinung, dass in der Schweiz Massnahmen für eine Erhöhung der Zahl der Entnahmezentren getroffen werden müssen.</p><p>Die Lagerung von Blutstammzellen zur allogenen Transplantation ist in der Schweiz im Transplantationsgesetz geregelt, damit insbesondere die Qualität und Sicherheit der gelagerten Zellen gewährleistet ist. Es ist nicht Sache des Bundes zu bestimmen, mit welchen und welcher Anzahl Geburtskliniken die Nabelschnurblutbanken zusammenarbeiten oder allen Gebärenden die Möglichkeit einer Nabelschnurblutspende anzubieten. Organisatorische Massnahmen in Geburtskliniken fallen in die Kompetenz der Kantone.</p>  Antwort des Bundesrates.