Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht vom 11. Dezember 2012 (470 12 224) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verfahrenseinstellung Besetzung Präsident Thomas Bauer, Richterin Helena Hess (Ref.), Richter Markus Mattle; Gerichtsschreiber Dominik Haffter Parteien A.____AG , vertreten durch Rechtsanwalt Urs Hochstrasser, Rain 41, 5000 Aarau, Beschwerdeführerin gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Sissach , Hauptstrasse 2, 4450 Sissach, Beschwerdegegnerin B.____ , vertreten durch Advokat Thomas Waldmeier, Kirchplatz 16, Post- fach 916, 4132 Muttenz 1, Beschwerdegegner Gegenstand Verfahrenseinstellung Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwalt- schaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Sissach, vom 13. September 2012 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Eingabe vom 5. Mai 2010 erstattete die A.____AG, vertreten durch Rechtsanwalt Urs Hochstrasser, Strafanzeige gegen B.____ wegen unget reuer Geschäftsbesorgung, betrü- gerischem Konkurs und Pfändungsbetrug, Gläubigerschädigu ng durch Vermögensminderung, Misswirtschaft sowie Urkundenfälschung. B. Nach Vornahme der entsprechenden Untersuchungshandlung en verfügte die Staats- anwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Sissach, mi t Datum vom 13. September 2012 wie folgt: „1. Das Strafverfahren wird in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a und b StPO ein- gestellt. 2. Die Zivilklage wird auf den Zivilweg verwiesen. 3. Die Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Staates. 4. Der beschuldigten Person wird eine Entschädigung ge mäss Art. 429 StPO zuge- sprochen. Es wird ihr eine Frist bis zum 26. Oktober 2012 angesetzt, um den An- spruch zu beziffern und zu begründen. Über die Höhe d es Anspruchs wird in ei- ner separaten Verfügung entschieden." Auf die Begründung dieser Einstellungsverfügung sowie der nachfolgenden Eingaben der Par- teien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen des vorliegenden Beschlusses eingegangen. C. Gegen obgenannte Einstellungsverfügung erhob die A.__ __AG, vertreten durch Rechtsanwalt Urs Hochstrasser, mit Eingabe vom 24. Septemb er 2012 Beschwerde beim Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, und stellte folgende Rechtsbegehren: „1. In Gutheissung dieser Beschwerde sei die Causa an die Staatsanwaltschaft Ba- sel-Landschaft zurückzuweisen mit der Verpflichtung zur Anklageerhebung. 2. Eventualiter sei die Causa an die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft zurück- zuweisen zwecks Ausfällung eines Strafbefehls gemäss Art. 352 StPO. 3. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Staatsan waltschaft Basel-Landschaft zurückzuweisen zwecks Fortführung des Verfahrens. 4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.“ D. Mit Stellungnahme vom 25. Oktober 2012 begehrte die Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft, Hauptabteilung Sissach, wie folgt: „Die Beschwerde sei vollumfänglich unter Kostenfolge zu Lasten der beschwerdefüh- renden Partei abzuweisen.“ Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. B.____, vertreten durch Advokat Thomas Waldmeier, ste llte mit Stellungnahme vom 26. Oktober 2012 folgende Anträge: „1. Es sei die Beschwerde vom 24. September 2012 abzuwei sen. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin.“ Erwägungen 1. Formelles 1.1 Am 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Strafprozessor dnung (StPO, SR 312.0) in Kraft getreten. Gemäss Art. 454 Abs. 1 StPO werden Rech tsmittel gegen erstinstanzliche Ent- scheide, die nach Inkrafttreten der Schweizerischen Straf prozessordnung gefällt worden sind, nach neuem Recht beurteilt. Die im vorliegenden Fall angefochtene Verfügung datiert vom 13. September 2012, weshalb die neue Strafprozessordnung Anwendung findet. 1.2 Die Beschwerde ist gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO zul ässig gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaf t und Übertretungsstrafbehörden. Gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO können Rechtsverletzungen, d ie falsche Feststellung des Sach- verhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden. Da mit de r Beschwerde alle Mängel des an- gefochtenen Entscheids geltend gemacht werden können, v erfügt die Rechtsmittelinstanz über volle Kognition (S TEPHENSON /T HIRIET , Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 393 N 15). Die B e- schwerdefrist gegen schriftlich oder mündlich eröffnete E ntscheide beträgt 10 Tage, wobei die Beschwerde schriftlich und begründet bei der Beschwerdei nstanz einzureichen ist (Art. 322 Abs. 2 i.V.m. Art. 396 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 322 Ab s. 2 i.V.m. Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Abänderung der an- gefochtenen Verfügung hat, zur Beschwerde berechtigt. 1.3 Mit der vorliegenden Beschwerde wird die Einstellung sverfügung der Staatsanwalt- schaft vom 13. September 2012 angefochten, welche ein t augliches Beschwerdeobjekt dar- stellt. Mit Eingabe vom 24. September 2012 wurde die Rechtsmittelfrist gewahrt sowie die Be- gründungspflicht wahrgenommen. Die Zuständigkeit der D reierkammer des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Beschwerdeinstanz ist gemäss § 15 Abs. 2 des Ein- führungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG S tPO, SGS 250) ebenfalls gegeben. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Materielles 2.1 Gemäss Art. 319 Abs. 1 StPO stellt die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren vollstän- dig oder teilweise ein, wenn sich kein Tatverdacht erhä rtet, der eine Anklage rechtfertigt (lit. a), kein Straftatbestand erfüllt ist (lit. b), Rechtfertigungsgründe einen Straftatbestand unanwendbar machen (lit. c), Prozessvoraussetzungen definitiv nicht er füllt werden können oder Prozesshin- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht dernisse aufgetreten sind (lit. d) oder nach gesetzliche r Vorschrift auf Strafverfolgung oder Be- strafung verzichtet werden kann (lit. e). Dabei handel t es sich nicht um eine abschliessende Aufzählung von Einstellungsgründen. Erscheint ein Gerichtsverfahren aus anderen Gründen als aussichtslos, müssen auch sie zu einer Einstellung führen. Im Übrigen verstehen sich die Grün- de gemäss Art. 319 Abs. 1 lit. a bis d StPO als zwingen d und führen somit ausnahmslos zur Einstellung des Verfahrens (GRÄDEL /H EINIGER , Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 319 N 5 f.). Eine Einstellung gemäss Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO ist zu verfügen, wenn das inkriminierte Ver- halten, selbst wenn es nachgewiesen wäre, ganz offensic htlich den objektiven und subjektiven Tatbestand einer Strafnorm nicht erfüllt, beispielsweise weil es von rein zivil- oder verwaltungs- rechtlicher Relevanz ist. Allerdings ist auch bei der hie r durch die Staatsanwaltschaft vorzu- nehmenden Prüfung darauf zu achten, dass bei Ermessensfr agen und bei nicht durch die Lite- ratur oder Rechtsprechung klar gelösten Streitfragen i m Zweifelsfalle Anklage zu erheben ist. Gleich verhält es sich, wenn Auslegungs- oder Wertungsfrag en zu beurteilen sind. Solche Fra- gen sind vom Strafgericht zu entscheiden (LANDSHUT , Zürcher Kommentar StPO, 2010, Art. 319 N 19 f.; SCHMID , Praxiskommentar StPO, 2009, Art. 319 N 6; GRÄDEL /H EINIGER , a.a.O., Art. 319 N 9). 2.2 Vorliegend ist zunächst zu prüfen, ob die Verfahrensei nstellung betreffend den Straf- tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung gestützt au f Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO zu Recht erfolgt ist. Gemäss Art. 158 Ziff. 1 des Schweizer ischen Strafgesetzbuchs (StGB, SR 311.0) erfüllt den Tatbestand der ungetreuen Gesc häftsbesorgung, wer aufgrund des Ge- setzes, eines behördlichen Auftrages oder eines Rechtsgeschä fts damit betraut ist, Vermögen eines anderen zu verwalten oder eine solche Vermögen sverwaltung zu beaufsichtigen, und dabei unter Verletzung seiner Pflichten bewirkt oder zu lässt, dass der andere am Vermögen geschädigt wird. 2.3 Mit Einstellungsverfügung vom 13. September 2012 führt die Staatsanwaltschaft aus, der Beschwerdegegner sei von 2003 bis 2007 mit seiner da maligen Einzelfirma Revisor der ehemaligen C.____AG gewesen, wobei er in sämtlichen J ahresabschlüssen auf eine Über- schuldung hingewiesen und den Verwaltungsrat jeweils auf gefordert habe, eine Überschul- dungsanzeige vorzunehmen. Obschon der Verwaltungsrat di esen Aufforderungen nicht nach- gekommen sei, habe es der Beschwerdegegner ebenfalls u nterlassen, diese Überschuldung anstelle des Verwaltungsrates beim zuständigen Gericht ge mäss Art. 725 Abs. 2 aOR anzuzei- gen. Mit Verfügung der Konkursrichterin des Bezirksgericht s D.____ vom 25. März 2010 sei schliesslich über die damalige C.____AG der Konkurs eröffnet worden. Die Beschwerdeführerin werfe dem Beschwerdegegner vor, indem er seiner Pflicht nicht nachgekommen sei, das Ge- richt anstelle des untätigen Verwaltungsrates über die Überschuldung zu orientieren, habe er in Kauf genommen, dass die C.____AG Konkursitin geworden sei und dadurch deren Gläubiger zu Schaden gekommen seien. Überdies werfe die Beschwerdeführerin dem Beschwerdegegner vor, er habe die Grundsätze pflichtgemässer Bilanzierung verletzt und die Revisionsberichte beziehungsweise Jahresabschlüsse falsch erstellt. Im Weitere n führt die Staatsanwaltschaft aus, als externer Revisor der damaligen C.____AG sei de r Beschwerdegegner weder mit der Geschäftsführung noch mit deren Beaufsichtigung befas st gewesen, weshalb er nicht zum Ad- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ressatenkreis des Straftatbestands der ungetreuen Geschäfts besorgung gehöre. Überdies sei- en keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass er bei der Erstellung der Jahresabschlüsse ge- gen Grundsätze pflichtgemässer Bilanzierung verstossen habe, was die Beschwerdeführerin im Übrigen lediglich pauschal behauptet habe. Dementsprech end sei das das Strafverfahren betreffend ungetreuer Geschäftsbesorgung in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO einzu- stellen. Im Weiteren bringt die Staatsanwaltschaft mit Stellungnahme vom 25. Oktober 2012 vor, in den Jahren 2003 bis 2008 hätten laufend Gespräche mit den G läubigern, insbesondere der A.____AG sowie der E.____ stattgefunden, wobei auch S anierungsmassnahmen festgelegt worden seien. Aus den Protokollen der Generalversamml ungen der C.____AG gehe überdies hervor, dass nur dank den Stillhalteabkommen mit der A .____AG und der E.____ der Betreib habe weitergeführt werden können. Die A.____AG habe über die Jahre immer auch die Hoff- nung gehabt, die C.____AG würde die Wende schaffen, weshalb sie selber kein Interesse an einer Konkurseröffnung gehabt habe. Diese Haltung geh e aus den Aussagen von F.____ vom 23. Februar 2012 sowie aus dem Umstand, dass erst am 21. Januar 2010 eine Betreibung ein- geleitet worden sei, hervor. 2.4 Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin mit Beschw erde vom 24. September 2012 geltend, gestützt auf ein rechtsgeschäftliches Man dat sei der Beschwerdegegner ver- pflichtet gewesen, mit gesetzlich umschriebener Sorgfalt das Mandat als Revisionsstelle in Or- ganstellung auszuführen. Dabei habe es sich um eine Gar antenstellung gehandelt, die je nach Situation auch ein aktives Tun verlangt habe. Verantwor tlicher im Sinne von Art. 158 StGB sei- en auch Organe von Handelsgesellschaften und somit auch d ie Revisionsstelle. Sodann könne die Tathandlung auch als Unterlassungsdelikt begangen werden und sei grundsätzlich vollendet mit der Verursachung eines Vermögensschadens. Bei einer rechtzeitigen Deponierung der Bi- lanz, mithin der Ausübung der Pflichtlage der Revisionsste lle, wäre der Vermögensschaden im vorliegenden Fall kleiner gewesen als jener, welcher mi t der formellen Konkurseröffnung ent- standen sei. 2.5 Mit Stellungnahme vom 26. Oktober 2012 bringt der Be schwerdegegner vor, als exter- ner Revisor sei er weder mit der Geschäftsführung noch mit deren Beaufsichtigung im Sinne von Art. 158 StGB befasst gewesen. Da er weder rechtlich noch faktisch Geschäftsführer der C.____AG gewesen sei, könne er überhaupt nicht Täter d es Straftatbestandes von Art. 158 StGB sein. Hinzu komme, dass Art. 158 StGB die Interessen der Gläubiger gerade nicht schüt- ze, womit auch das Tatbestandserfordernis, dass es sich um das Vermögen eines anderen handeln müsse, nicht erfüllt sei. Schliesslich fehle es a uch am erforderlichen Vorsatz, zumal er eine Vermögensschädigung Dritter habe vermeiden wollen. 2.6 Im vorliegend zu beurteilenden Fall ergibt sich bereit s aufgrund des ausdrücklichen Wortlauts von Art. 158 Ziff. 1 StGB, dass der Beschwerde gegner klarerweise als Täter des Straftatbestands der ungetreuen Geschäftsbesorgung auszuschliessen ist. So verlangt Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, dass der Täter damit betraut ist, Vermögen eines anderen zu verwalten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder eine solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen. Beide Varianten treffen auf eine Re- visionsstelle offenkundig nicht zu, weshalb diese nicht zu m Adressatenkreis gemäss Art. 158 StGB gehört, zumal die Aufsicht über die Vermögensverw altung die Verletzung einer entspre- chenden Vermögensfürsorgepflicht voraussetzt, wobei erfo rderlich ist, dass das entsprechende Aufsichtsorgan gerade zum Zwecke der Kontrolle der lauf enden Vermögensverwaltung einge- setzt wurde (N IGGLI , Basler Kommentar StGB, 2007, Art. 158 N 50; STRATENWERTH /J ENNY /B OMMER , Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 2010, § 19 N 10). Folgerichtig kann der Beschwerdegegner als Revision sstelle der C.____AG den Tatbe- stand der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 S tGB nicht erfüllen, weshalb die Staatsanwaltschaft das diesbezügliche Verfahren zu Recht ge stützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO eingestellt hat. 2.7 Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Verfahrenseinstellu ng betreffend die Tatbestände des betrügerischen Konkurses und Pfändungsbetrugs sowie der Gl äubigerschädigung durch Ver- mögensminderung zu Recht erfolgt ist. Gemäss Art. 163 Ziff. 1 StGB macht sich der Schuldner, der zum Schaden der Gläubiger sein Vermögen zum Schein e vermindert, namentlich Vermö- genswerte beiseiteschafft oder verheimlicht, Schulden v ortäuscht, vorgetäuschte Forderungen anerkennt oder deren Geltendmachung veranlasst, strafbar, wenn über ihn der Konkurs eröffnet oder gegen ihn ein Verlustschein ausgestellt worden ist . Unter den gleichen Voraussetzungen macht sich der Dritte, der zum Schaden der Gläubiger e ine solche Handlung vornimmt, strafbar (Art. 163 Ziff. 2 StGB). Der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung macht sich ge- mäss Art. 164 Ziff. 1 StGB der Schuldner strafbar, der zum Schaden der Gläubiger sein Vermö- gen vermindert, indem er Vermögenswerte beschädigt, ze rstört, entwertet oder unbrauchbar macht, Vermögenswerte unentgeltlich oder gegen eine Le istung mit offensichtlich geringerem Wert veräussert, ohne sachlichen Grund anfallende Rechte ausschlägt oder auf Rechte unent- geltliche verzichtet, wenn über ihn der Konkurs eröffnet oder gegen ihn ein Verlustschein aus- gestellt worden ist. Unter den gleichen Voraussetzungen macht sich der Dritte, der zum Scha- den der Gläubiger eine solche Handlung vornimmt, strafbar (Art. 164 Ziff. 2 StGB). 2.8 Die Staatsanwaltschaft begründet die Einstellung des V erfahrens betreffend die Tatbe- stände gemäss Art. 163 und Art. 164 StGB in ihrer Eins tellungsverfügung vom 13. September 2012 damit, dass die Revisionsstelle die entsprechenden Ta thandlungen nicht erfüllen könne, zumal der Beschwerdegegner weder mit der Geschäftsführ ung noch mit deren Beaufsichtigung befasst gewesen sei. 2.9 Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend, der Beschwerdegegner habe als Organ eine analoge Stellung eines Geschäftsführers i nne gehabt, mithin eine eigentliche Aufsichtsfunktion. Auch habe der Beschwerdegegner nicht darauf vertrauen können, dass die Hauptgläubigerin keine Überschuldungsanzeige an den K onkursrichter verlangt habe, weil der Beschwerdegegner hierzu gesetzlich verpflichtet gewesen sei, unabhängig von allfälligen In- struktionen seitens der E.____. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.10 Mit Stellungnahme vom 26. Oktober 2012 führt der Be schwerdegegner aus, die Be- schwerdeführerin lege nicht dar, inwiefern er Vermögen zum Scheine oder tatsächlich vermin- dert habe. Entsprechende Umstände seien auch nicht ersich tlich, weshalb sowohl Art. 163 StGB als auch Art. 164 StGB nicht erfüllt seien. 2.11 Im vorliegend zu beurteilenden Fall sind aus den Verf ahrensakten keine Hinweise dar- auf ersichtlich, dass der Beschwerdegegner Vermögen der C .____AG zum Scheine vermindert hätte. Ebenso ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerdegeg ner Vermögen des Schuldners ef- fektiv vermindert hätte. Vielmehr zeigt auch die Beschwe rdeführerin selbst nicht auf, inwiefern der Beschwerdegegner eine solche Tathandlung erfüllt haben soll, sondern wirft ihm lediglich vor, er habe es in pflichtwidriger Weise unterlassen, eine Überschuldungsanzeige einzureichen. Inwiefern damit Vermögen zum Scheine oder tatsächlich ve rmindert wurde, ist jedoch nicht er- sichtlich. Somit zeigt sich, dass der Beschwerdegegner mangels Tathandlung weder den objek- tiven Tatbestand von Art. 163 StGB noch jenen des Art. 164 StGB erfüllt hat, weshalb die Staatsanwaltschaft zu Recht die Verfahrenseinstellung verfügt hat. 2.12 Sodann ist strittig, ob die Einstellung des Verfahren s in Bezug auf die Misswirtschaft rechtmässig erfolgt ist. Der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB macht sich der Schuld- ner strafbar, der in anderer Weise als nach Art. 164 StGB, durch Misswirtschaft, namentlich durch ungenügende Kapitalausstattung, unverhältnismässigen Aufwand, gewagte Spekulatio- nen, leichtsinniges Gewähren oder Benützen von Kredit, Verschleudern von Vermögenswerten oder arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung oder Verm ögensverwaltung, seine Überschul- dung herbeiführt oder verschlimmert, seine Zahlungsunfäh igkeit herbeiführt oder im Bewusst- sein seiner Zahlungsunfähigkeit seine Vermögenslage ver schlimmert, wenn über ihn der Kon- kurs eröffnet oder gegen ihn ein Verlustschein ausgestellt worden ist. 2.13 Mit Einstellungsverfügung vom 13. September 2012 führt die Staatsanwaltschaft aus, zum Zeitpunkt der Mandatsübernahme durch den Beschwerdegegner sei der Beschwerdeführe- rin bekannt gewesen, dass ein erheblicher Zahlungsrückstand der ehemaligen C.____AG be- standen habe. Folglich habe diese von der damaligen schlechten finanziellen Situation gewusst. Die Überschuldung sei vom Beschwerdegegner von Anfang an sowohl in den Jahresrechnun- gen als auch anlässlich der Generalversammlungen moniert w orden. Zugleich habe er auf die entsprechende Anzeigepflicht des Verwaltungsrates hing ewiesen. Dennoch habe die Haupt- gläubigerin, mithin die E.____, trotz Kenntnis der Üb erschuldung keine entsprechende Anzeige verlangt. Ebenso habe die Beschwerdeführerin trotz hohe r Ausstände bis am Schluss kein Betreibungsbegehren gegen die ehemaligen C.____AG e ingeleitet, sondern mit ihr weiter ge- wirtschaftet. Aufgrund dieser Umstände könne nicht gefol gert werden, dass der Beschwerde- gegner durch die Unterlassung der Überschuldungsanzeige e ine arge Nachlässigkeit in der Ausübung seines Berufes als Revisor begangen habe. Vielmehr habe dieser annehmen dürfen, dass von ihm eine Überschuldungsanzeige während seiner Man datszeit nicht erwünscht gewe- sen beziehungsweise nicht erwartet worden sei. Schliessli ch seien keine Hinweise darauf er- sichtlich, dass der Beschwerdegegner vorsätzlich Misswirtschaft habe betreiben wollen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ferner bringt die Staatsanwaltschaft mit Stellungnahm e vom 25. Oktober 2012 ergänzend vor, die Revisionsstelle gehöre nicht zum Adressatenkreis von Art . 165 StGB, sondern nur der Schuldner. 2.14 In ihrer Beschwerde vom 24. September 2012 macht die Beschwerdeführerin geltend, der Beschwerdegegner habe zugegeben, dass er in den Ja hren 2003 bis 2008 absichtlich die grundsätzlichen Regeln einer Kontrollstelle aufs Gröbste verletzt habe. Dabei sei die Sicht der Beschwerdeführerin nicht massgebend. Relevant könne ein zig sein, ob der Beschwerdegegner seine Pflichten verletzt habe. Insbesondere habe dieser nicht darauf vertrauen dürfen, dass die Hauptgläubigerin keine Überschuldungsanzeige an den Kon kursrichter verlangt habe. Die Handlungsweise des Beschwerdegegners verdiene daher kein en Schutz, zumal es nicht sein könne, dass der Gesetzgeber eine Schutznorm aufstelle, deren Verletzung ungeahndet bleibe. 2.15 Mit Stellungnahme vom 26. Oktober 2012 bringt der B eschwerdegegner vor, die Revi- sionsstelle selbst sei kein exekutives Organ, welches Misswirtsch aft betreiben könne. Vielmehr könne nur Täter sein, wer die Wirtschaft oder die Bewi rtschaftung tatsächlich betreibe, was auf die Revisionsstelle, insbesondere den Beschwerdegegner, ger ade nicht zutreffe. Darüber hin- aus scheitere die Bestrafung des Revisors auch daran, dass diesem aufgrund von Art. 729c OR keine strafrechtliche Garantenstellung gegenüber den Gl äubigern zukomme. Auch könne ihm angesichts des Verhaltens der Gläubiger, welche, trotz j ahrelanger Kenntnis der finanziellen Situation der C.____AG, ausdrücklich keinen Konkurs der Schuldnerin wollten, keine strafrecht- lich relevante Nachlässigkeit in der Berufsausübung ange lastet werden. Ausserdem sei ange- merkt, dass der Beschwerdegegner mit seiner Honorarforde rung für seine Revisionstätigkeit im Konkurs einen Totalverlust erlitten habe, dies im Untersch ied zur Beschwerdeführerin, welche dank Barzahlungen der C.____AG weiterhin Geld verdient habe. Das rechtsmissbräuchliche Verhalten der Beschwerdeführerin verdiene daher keinen Schutz. 2.16 Im vorliegend zu beurteilenden Fall ist zunächst festzu stellen, dass Täterin der Miss- wirtschaft im Sinne von Art. 165 StGB auch die Revision sstelle als Organ des Schuldners sein kann. Dies ist namentlich dann der Fall, wenn sie es pfl ichtwidrig unterlässt, trotz offensichtli- cher Überschuldung den Konkursrichter zu benachrichtigen, mithin die Bilanz zu deponieren, sofern der Verwaltungsrat untätig bleibt (Art. 729c OR ). Die Verletzung von Art. 729c OR stellt eine grobe Pflichtverletzung und somit prinzipiell eine grobe Nachlässigkeit in der Ausübung des Berufes im Sinne von Art. 165 StGB dar. Dies insbeso ndere deshalb, da sich bei Fortfüh- rung der Geschäftstätigkeit trotz Überschuldung das Haftu ngssubstrat der Gläubiger reduziert, wodurch sich deren Verluste in aller Regel erhöhen (BG E 127 IV 110; H ERREN , in: AISUF Nr. 248, Die Misswirtschaft gemäss Art. 165 StGB, 2006, S . 110 ff.; TRECHSEL , Praxiskommen- tar StGB, 2008, Art. 165 N 2). Vorliegend ist unbestr itten, dass der Beschwerdegegner als Re- visor der C.____AG gemäss Art. 729c OR dazu verpflichtet wa r, das Gericht über die offen- sichtliche Überschuldung zu informieren, zumal der Verwalt ungsrat seinerseits die Überschul- dungsanzeige unterlassen hat. Die Staatsanwaltschaft s owie der Beschwerdegegner bringen sodann vor, aufgrund der gesamten Umstände, namentlich weil die Hauptgläubigerin, die E.____, keine Anzeige der Überschuldung an das Gericht ver langte und die Beschwerdeführe- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht rin trotz langjähriger Kenntnis der massiven Zahlungsrückstä nde bis zuletzt kein Betreibungs- begehren eingereicht habe, sondern mit der C.____AG w eiter Geschäfte gemacht habe, habe der Beschwerdegegner annehmen dürfen, dass von ihm eine Überschuldungsanzeige nicht erwartet worden sei. Bei der Frage, ob aufgrund der Unterlassung der Überschuldungsanzeige im konkreten Fall von einer Nachlässigkeit bei der Ausübun g des Berufes auszugehen ist, han- delt es sich jedoch offenkundig um eine Wertungsfrage, welche den Gerichten im Einzelfall ein gewisses Ermessen einräumt. Dies insbesondere auch in An betracht des Umstandes, dass es vorliegend nicht gänzlich geklärt ist, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin Kenntnis der finanziellen Situation der C.____AG hatte, zumal der ehemalige Direktor der Beschwerdeführe- rin, F.____, anlässlich seiner Einvernahme vom 23. Febru ar 2012 aussagte, er habe keine Ah- nung von der Überschuldung der C.____AG gehabt (act. 315). F.____ führte weiter aus, Herr H.____ habe die Beschwerdeführerin vertröstet und Hof fnung gemacht (act. 317). Stellen sich in einem konkreten Fall Wertungsfragen, so liegt es e ntsprechend den obigen Ausführungen (Ziff. 2.1) im Zweifel einzig in der Kompetenz des Strafgerichts, diese zu beantworten, zumal die Hauptbegründung der Staatsanwaltschaft, der Revisor kön ne den Tatbestand der Misswirt- schaft nicht erfüllen, mit BGE 127 VI 110 nicht zu verei nbaren ist. Dies muss auch für den vor- liegenden Fall geltend. Demzufolge kann nicht von einem offensichtlich nicht erfüllten objektiven beziehungsweise subjektiven Tatbestand der Misswirtschaft ausgegangen werden. Das Verfah- ren hätte daher nicht eingestellt werden dürfen und d ie Beschwerde ist in diesem Punkt gutzu- heissen. Die Einstellungsverfügung betreffend den Stra ftatbestand der Misswirtschaft gemäss Art. 165 StGB ist daher aufzuheben. 2.17 Im Übrigen zeigt sich, dass die Beschwerdeführerin in i hrer Beschwerde vom 24. September 2012 in keiner Weise Bezug nimmt auf die Ausführungen der Staatsanwaltschaft hinsichtlich der Einstellung des Verfahrens betreffend Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 StGB. Es ist auch nicht erkennbar, welche Urkunde vom Be schwerdegegner hätte gefälscht werden sollen, weshalb die angefochtene Verfügung in diesem Punkt nicht zu beanstanden ist. 3. Kosten Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Ko sten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Entsprechend de m Ausgang des vorliegenden Verfahrens, mithin dem teilweisen Obsiegen der Beschwerdeführerin, werden Verfahrenskosten des Kantonsgerichts in Höhe von CHF 700.00, bestehend a us einer Gerichtsgebühr von CHF 600.00 (§ 13 Abs. 1 der Verordnung über die gebü hren der Gerichte, GebT, SGS 170.31) sowie Auslagen von CHF 100.00, zur Hälfte der Beschwerde führerin und zur Hälfte dem Staat auferlegt. Im Übrigen wird dem Verfahrensausgang entsp rechend weder der Beschwerdeführe- rin noch dem Beschwerdegegner eine Parteientschädigung ausgerichtet. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird d ie Einstellungsverfü- gung vom 13. September 2012 betreffend den Straftat bestand der Misswirtschaft gemäss Art. 165 StGB aufgehoben. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 700.00, be stehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 600.00 sowie Auslagen von CHF 100.00, gehen je zur Hälfte zu Lasten der Beschwer deführerin sowie zu Lasten des Staates. 3. Weder der Beschwerdeführerin noch dem Beschwerdeg egner wird eine Parteientschädigung ausgerichtet. Präsident Thomas Bauer Gerichtsschreiber Dominik Haffter