Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 14. Januar 2015 (810 14 266) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Steuerrechtlich relevante Voraussetzungen für die Bejahung des faktischen Getrenntle- bens von Ehegatten, Besteuerung von Unterhaltsbeiträgen Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Parteien A.X.____ und B.X.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Stadt Treuhand Basel GmbH gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Beigeladene Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV , 3003 Bern Betreff Direkte Bundessteuer 2009 (Entscheid der Abteilung Steuergericht vom 11. April 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Veranlagungsverfügung der direkten Bundessteuer 2009 vom 1. März 2012 wurden A.X.____ und B.X.____ gemeinsam als Ehepaar b esteuert. Gegen diese Veranlagung erhoben die Steuerpflichtigen, in der Folge immer du rch die Stadt Treuhand Basel GmbH ver- treten, bei der Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (Steuerverwaltung) Einsprache. Sie beantragten unter anderem, dass die Ehefrau zufol ge tatsächlicher Trennung vom Ehe- mann alleine besteuert werde. Zur Begründung führten sie aus, dass die Ehegatten seit dem 1. April 2009 getrennt leben würden. Per 1. April 2 009 habe sich der Ehemann in C.____ (Deutschland) angemeldet. Die Abmeldung in D.____ habe er vergessen. Die Ehegatten hätten eine Trennungskonvention abgeschlossen. Mit Einspracheen tscheid vom 28. Juni 2013 wies die Steuerverwaltung die Einsprache ab. Der Steuerpflichtige sei bis zum 30. November 2012 in D.____ gemeldet gewesen. Der Wille zum endgültigen Getrenntleben sei nicht schlüssig darge- legt worden. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhoben die Steuer pflichtigen am 31. Juli 2013 beim Steuer- und Enteignungsgericht, Abteilung Steuer gericht (Steuergericht), Rekurs. Sie be- antragten, es sei zufolge fehlender Steuerpflicht des E hemannes bzw. zufolge tatsächlicher Trennung die Ehefrau alleine und nur mit ihren Steu erfaktoren zu besteuern. In ihrer Vernehm- lassung vom 14. Oktober 2013 beantragte die Steuerverwaltung die Abweisung des Rekurses. An der Verhandlung vom 31. Januar 2014 stellte das Ste uergericht fest, dass unter der Annah- me, die Ehegatten seien getrennt lebend, allenfalls e ine Aufrechnung von Unterhaltszahlungen zum steuerbaren Einkommen der Rekurrentin vorzunehmen wä re. Mit Verfügung vom 31. Ja- nuar 2014 teilte das Steuergericht den Rekurrenten som it mit, dass es beabsichtige, die vom getrennt lebenden Ehemann bezahlten Unterhaltsbeiträg e in der Höhe von Fr. 111‘582.-- für das Jahr 2009 gegenüber der Ehefrau als Einkommen au fzurechnen, was eine reformatio in peius zur Folge haben könnte. Die Rekurrenten hielten mit Schreiben vom 27. Februar 2014 am Rekurs fest. C. Mit Entscheid vom 11. April 2014 hiess das Steuergeri cht den Rekurs im Sinne der Erwägungen teilweise gut. Die Steuerverwaltung wurde angewiesen, die Rekurrentin zwar se- parat zu besteuern, dies aber unter Aufrechnung der Unt erhaltsleistungen des Ehemannes an die Ehefrau in der Höhe von Fr. 111‘581.--, womit d er anzurechnende Betrag im Vergleich zum an der Verhandlung vom 31. Januar 2014 errechneten B etrag um Fr. 1.-- reduziert wurde. Das Steuergericht kam zum Schluss, dass die Ehegatten für d as Jahr 2009 als getrennt lebend zu betrachten und demzufolge auch getrennt zu veranlagen seien. D. Gegen diesen Entscheid erhoben die Ehegatten X.___ _ beim Kantonsgericht, Abtei- lung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), am 4. September 2014 Beschwerde. Sie beantragten, es sei der Anteil des von A.X.____ überwiesenen “Familiengeldes“, der auf die volljährige Tochter E.____ (Geburtsjahr 1990) entfalle , und jener, der auf die gemeinsamen Steuern der Vorjahre entfalle, in der Höhe gemäss Be schwerdebegründung als Unterhaltszah- lung an die Tochter bzw. als Teilzahlung von A.X.____ a n die Steuern von der Besteuerung bei B.X.____ auszunehmen. In der Begründung wurde ausgefü hrt, dass die Unterhaltsaufwendun- gen für die Tochter Fr. 59‘259.50 betragen würden. Dieser Betrag sei der Tochter anzurechnen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und damit nicht durch B.X.____ zu versteuern. Da die S teuerpflichtige des Weiteren im Februar 2009 Steuern in der Höhe von Fr. 86‘800.-- von ihrem Sparkonto einbezahlt habe, obwohl diese noch die Zeit der gemeinsamen Veranlagung betroffen hätten, wäre dieser Betrag vom “Famili- engeld“ abzuziehen. Damit wäre der Steuerpflichtigen vo m Gesamtbetrag des “Familiengeldes“ nichts mehr als “Alimenteneinkommen“ aufzurechnen. Das Steuergericht beantragte in seiner Vernehmlassung vom 12. November 2012 die teilweise Gutheissung der Beschwerde. Lediglich der Betrag in d er Höhe von Fr. 11‘231.22 (Zahlung an die Universität vom 5. Januar 2009) sei der Tochter an zurechnen und damit nicht durch die Steuerpflichtige zu versteuern. Die Steuerverwaltung stellte in ihrer Vernehmlassung vo m 17. November 2014 den Antrag, es sei die Beschwerde abzuweisen. Sie führte aus, dass sie nach wie vor der Ansicht sei, dass im Steuerjahr 2009 das Ehepaar X.____ nicht als getrennt zu gelten habe und verwies diesbezüg- lich auf das Kreisschreiben Nr. 30, Ehepaar und Familie nbesteuerung nach dem Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer der Eidgenössischen Steuerv erwaltung (ESTV; Kreisschreiben Nr. 30) und auf ihre Ausführungen in der Vernehmlassu ng an das Steuergericht vom 14. Okto- ber 2013. Das Kantonsgericht habe diesbezüglich gemäss VP O volle Kognition. Die örtliche Trennung der Ehegatten sei nur durch die beruflichen U mstände des Ehemannes und nicht durch die Aufgabe der ehelichen Gemeinschaft begründet . Den Ausführungen des Steuerge- richts sei nur dann zuzustimmen, wenn man zum Schluss komme, dass das Ehepaar X.____ im Jahr 2009 getrennt gewesen sei. Dann seien aufgrund d er Trennung sämtliche Zahlungen an die Familie als Unterhalt zu qualifizieren und bei d er Steuerpflichtigen als Einkommen zu be- steuern. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Nach § 16 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 wendet das Gericht da s Recht von Amtes wegen an. Es prüft insbesondere, ob die Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind. Die Beschwerde vom 4. Sep- tember 2014 richtet sich gegen den Entscheid des Steuergerichts vom 11. April 2014 betreffend die direkte Bundessteuer für das Jahr 2009. Die Beschwerde ist gemäss Art. 145 des Gesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 19 90 in Verbindung mit § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz, StG) vom 7. Februar 1974 und § 3 der Vollzugsverordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer vom 13. De- zember 2004 durch das Kantonsgericht zu beurteilen. Die übrigen formellen Voraussetzungen – wie auch die Beschwerdefrist – nach Art. 140 ff. DBG, Art. 145 Abs. 2 DBG sowie §§ 43 ff. VPO sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Gemäss § 45 Abs. 1 VPO können mit der verwaltungsg erichtlichen Beschwerde Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Untersch reitung oder Missbrauch des Er- messens (lit. a) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) gerügt werden. Die Überprüfung der Angemessenheit ei ner Verfügung ist hingegen nur in Aus- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nahmefällen vorgesehen (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). Eine solche Ausnahme sieht Art. 140 Abs. 3 DBG in Verbindung mit Art. 145 Abs. 2 DBG und mit § 45 Abs. 2 VPO vor, da mit der Be- schwerde in Steuersachen alle Mängel des angefochtenen E ntscheids und des vorangegange- nen Verfahrens gerügt werden können. Deshalb kann das Ka ntonsgericht vorliegend die An- gemessenheit des angefochtenen Entscheides überprüfen. 3. Die Beschwerdeführer machen geltend, das Steuergeri cht habe sie zu Recht getrennt veranlagt. Hingegen sei die Aufrechnung eines Betrages von Fr. 111‘581.-- als Unterhaltsleis- tungen nicht gerechtfertigt. Diese Zahlungen würden kei ne Unterhaltsleistungen an die Ehefrau oder den minderjährigen Sohn (Geburtsjahr 1994) des B eschwerdeführers darstellen. Vielmehr seien diese Zahlungen im Umfang von rund Fr. 60‘000.-- zum einen der Ehefrau treuhänderisch für die vom Ehemann an die volljährige Tochter zu zahl enden Ausbildungsbeiträge geleistet worden. Zum anderen habe die Ehefrau von diesem Geld für ihren Ehemann Steuern bezahlt. Das Steuergericht führt aus, die Beschwerdeführer seien zwar als getrenntlebend zu qualifizie- ren und demzufolge auch getrennt zu veranlagen. Die d er Frau unter dem Titel “Familiengeld“ geleisteten Zahlungen würden aber Unterhaltszahlungen darstellen, welche beim Empfänger zu besteuern seien. Soweit die Beschwerdeführer behaupten würden, dass diese Beträge nicht als Unterhaltszahlungen zu berücksichtigen seien, obliege ihnen hierfür der Beweis. Mit Ausnahme eines Betrages von Fr. 11‘231.22, welcher ohne weitere s den vom Ehemann zu tragenden Ausbildungskosten seiner volljährigen Tochter zugeordnet werden könne, seien die übrigen vom Ehemann der Ehefrau überwiesenen Beträge als Unterhaltszahlungen zu qualifizieren. Die Steuerverwaltung vertritt die Auffassung, dass bei den Beschwerdeführern keine faktische Trennung vorliege, weshalb diese nicht getrennt zu vera nlagen seien. Werde von einer fakti- schen Trennung ausgegangen, so seien die an die Ehefr au geleisteten Zahlungen als Unter- haltszahlungen bei der Ehefrau zu besteuern. 4.1. Als erstes ist zu prüfen, ob vorliegendenfalls von ei ner faktisch getrennten Ehe auszu- gehen ist. 4.2. Nach Art. 9 Abs. 1 DBG werden Einkommen und Ver mögen der Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, ohne Rücksicht auf den Güterstand zusam- mengerechnet. Ehegatten, die in rechtlich und tatsächli ch ungetrennter Ehe leben, werden für die ganze Steuerperiode, in der sie die Ehe geschlossen haben, nach Art. 9 Abs. 1 DBG veran- lagt (Art. 42 Abs. 1 DBG). Daraus wird umgekehrt gefol gert, dass bei rechtlicher oder tatsächli- cher Trennung das Einkommen der Ehegatten je selbständ ig besteuert wird (Urteil des Bun- desgerichts vom 7. November 2012 2C_452/2012, 2C_453/20 12 E. 3.1). Hat jedoch ein Ehe- gatte einen ausländischen Wohnsitz, so ist trotz rechtlich u nd tatsächlich ungetrennter Ehe le- diglich der in der Schweiz wohnhafte Ehepartner im In land unbeschränkt steuerpflichtig. Zudem wird auch nur das Einkommen des Letzteren besteuert. Das Einkommen des im Ausland wohn- haften Ehegatten ist insoweit nur zur Satzbestimmung d es Einkommens des in der Schweiz wohnhaften Ehegatten heranzuziehen (Urteil des Bundesge richts 2C_614/2011 vom 4. Mai 2012 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen; B ERNHARD J. GREMINGER /B ETTINA BÄRTSCHI , in: Zwei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht fel/Athanas [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, I/2a, Art. 1 - 82 DBG, Rz 19 zu Art. 9 DBG). Das Einkommen von Kindern unter der el terlichen Sorge wird dem Inhaber der elterlichen Sorge zugerechnet; für Einkünfte aus einer Erwerbstätigkeit wird das Kind jedoch selbständig besteuert (Art. 9 Abs. 2 DBG). Nach Lehre und Rechtsprechung liegt eine faktische Trennung, die zu einer getrennten Besteu- erung der Ehegatten führt, vor, wenn folgende Vorausse tzungen kumulativ erfüllt sind (Urteil des Bundesgerichts 2C_523/2007 vom 5. Februar 2008 E. 2 .3 mit weiteren Hinweisen, siehe auch BGE 138 II 302 f. E. 2.2; Kreisschreiben Nr. 30 Ziff. 1.3): - Keine gemeinsame eheliche Wohnung (Art. 162 ZGB), A ufhebung des gemeinsamen Haushaltes (Art. 175 ZGB), Bestehen eines eigenen Woh nsitzes für jeden Ehegatten (Art. 23 ZGB). - Keine Gemeinschaftlichkeit der Mittel für Wohnung u nd Unterhalt mehr vorhanden. - Kein gemeinsames Auftreten des Ehepaares in der Öf fentlichkeit mehr. - Die Trennung muss von Dauer sein (mindestens ein Ja hr) oder mit der Auflösung der Ehe enden. Machen die Ehegatten das Bestehen einer faktischen Trenn ung geltend, ist dieser Nachweis von den Ehegatten zu erbringen (GREMINGER /B ÄRTSCHI , a.a.O., Rz 17 zu Art. 9 DBG). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes besteht auch beim Vor liegen zweier verschiedener Wohnsitze der beiden Ehegatten kein Anlass zu einer get rennten Veranlagung, solange diese an der Fortführung der ehelichen Gemeinschaft festhalte n und diesen Willen auch zum Aus- druck bringen. Werden von beiden Seiten Mittel - über übliche Gelegenheitsgeschenke hinaus - für die gemeinsame Lebenshaltung eingesetzt (nicht in Be tracht fallen richterlich oder freiwillig vereinbarte Alimentenleistungen), sind die Ehegatten t rotz eigener Wohnung und gegebenen- falls auch eigenem zivilrechtlichem Wohnsitz zusammen zu ve ranlagen (Urteil des Bundesge- richts 2C_523/2007 vom 5. Februar 2008 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen, siehe auch BGE 138 II 302 f. E. 2.2; Kreisschreiben Nr. 30 Ziff. 1.3). 4.3. Nachdem der Beschwerdeführer für kurze Zeit in F. ____ (Deutschland) gewohnt hatte, meldete er sich am 1. April 2009 in C.____ an. In D._ ___ hat er sich erst im Jahre 2012 abge- meldet. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Abmeldung von D.____ vergessen zu haben, da für die Anmeldung in C.____ keine Bestätigung ei ner Abmeldung vorzulegen war. Diese Aussage ist glaubhaft und nachvollziehbar. In der Trenn ungsvereinbarung vom 28. März 2009 wird festgehalten, dass die Ehegatten seit dem 1. Juni 2008 getrennt leben würden. Zudem wurden auch Unterhaltsbeiträge festgelegt, auch wenn d iese nicht exakt beziffert werden kön- nen. Aufgrund der Vereinbarung lassen sich zumindest ein Teil der geschuldeten Unterhaltsbei- träge aber bestimmen. So gewährleistete der Ehemann gemäss Trennungsvereinbarung den Unterhalt der Liegenschaft Y.____strasse und während der Trennung ein unentgeltliches, nicht einzutragendes Wohnrecht zu Gunsten der Ehefrau. Weiter wird in der Trennungsvereinbarung festgehalten, dass die Ehefrau ihren eigenen Unterhal t grundsätzlich aus eigenen Mittel leisten könne. Für die Aufrechterhaltung des gewohnten Lebenssta ndards während der Trennungs- phase sei der Ehemann besorgt; z.B. mittels Finanzierung von Ferien und Ähnlichem. Der Ehemann leiste “Unterhaltszahlungen an die Kinder und Beiträge an deren Ausbildung wie bis- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht her direkt an die Kinder selbst bzw. an die Universitäte n usw.“ Bestimmbar sind somit die Wohnkosten und die Beiträge an die Kinder. Ein gewich tiges Indiz für die faktische Trennung sind die regelmässigen Zahlungen des Ehemannes auf das K onto der Ehefrau. Die Zahlung erfolgte jeweils anfangs Monat. Die Betragshöhe ist nicht immer gleich, betrug jedoch mehrheit- lich zwischen knapp Fr. 9‘000.-- und Fr. 12‘000.--. Die se Zahlungen werden als “Familiengeld“ bezeichnet. Insgesamt leistete der Ehemann für das Jahr 2009 Fr. 111‘581.-- als “Familiengeld“ betitelte Zahlungen. Diese Zahlungen wären – wie die Vorinstanz richtig festhält – unüblich, wenn die Ehegatten zwar getrennte Wohnsitze hätten, ih ren Lebensunterhalt aber aus gemein- samen Mitteln bestreiten würden. Aufgrund der Tatsache , dass diese grundsätzlich anfangs Monat und damit regelmässig beglichen wurden und in d er Regel eine ähnliche Höhe aufwie- sen, sind diese Zahlungen als regelmässige Zahlungen, di e den Charakter von Unterhaltszah- lungen haben, zu bezeichnen. Ausserdem spricht für eine Trennung auch, dass die Rekurrentin aus der ehelichen Wohnung in eine kleinere Wohnung gez ogen ist. In der Trennungsvereinba- rung wird ausgeführt, dass der Ehemann die auf seinen N amen lautenden Bankkonti und Wert- schriften, die Ehefrau die auf ihren Namen lautenden behalte. Die auf beide gemeinsam lauten- den Konti würden ebenfalls bei der Ehefrau verbleibe n. Es wurde ausdrücklich vereinbart, dass die Benennung der Konti während der Trennung nicht geändert werden solle. Es ist zwar unüb- lich, dass Konti als gemeinsame Konti weitergeführt we rden. De facto handelte es sich aber nicht um gemeinsame Konti, da sie jeweils nur durch ein en der Ehegatten benutzt wurden. Auch die Tatsache, dass der Personenwagen weiterhin a uf den Ehemann zugelassen war, ist nicht üblich, kann aber für die steuerrechtliche Beurte ilung nicht ausschlaggebend sein. Auf- grund der gesamten Umstände überwiegen die Indizien, w elche für eine faktische Trennung sprechen. Damit sind die Ehegatten getrennt zu besteuer n und das Einkommen des Eheman- nes ist folglich nicht zur Satzbestimmung des Einkommens der Ehefrau heranzuziehen. 5.1. Als nächstes ist zu prüfen, ob die vom Ehemann unter dem Titel “Familiengeld“ geleis- teten Beiträge in der Höhe von Fr. 111‘581.-- bei de r Beschwerdeführerin als Unterhaltszahlun- gen anzurechnen sind. Gemäss Art. 23 lit. f DBG sind Unterhaltsbeiträge steuer bar, die ein Steuerpflichtiger bei Schei- dung, gerichtlicher oder tatsächlicher Trennung für sich erhält, sowie Unterhaltsbeiträge, die ein Elternteil für die unter seiner elterlichen Sorge st ehenden Kinder erhält. Steuerfrei sind nach Art. 24 lit. e DBG die Leistungen in Erfüllung familienrechtlicher Verpflichtungen, ausgenommen die Unterhaltsbeiträge nach Art. 23 lit. f DBG. Unte rhaltsbeiträge im Sinne von Art. 23 lit. f DBG sind regelmässig oder unregelmässig wiederkehrende Unterst ützungen und Unterhaltsleistun- gen zur Deckung des laufenden Lebensbedarfs, die dem E mpfänger keinen Vermögenszu- wachs verschaffen. Der Rechtsgrund für diese Unterhaltsbeiträge muss dabei unter anderem in einer tatsächlichen Trennung der Ehegatten und/oder in einem Kindsverhältnis liegen, wobei der Elternteil die Unterhaltsbeiträge für die unter seiner elterlichen Sorge stehenden Kinder er- hält (F ELIX RICHNER /W ALTER FREI /S TEFAN KAUFMANN /H ANS ULRICH MEUTER , Handkommentar zum DBG, Zürich 2009, 2. Aufl., Rz 59 zu Art. 23 DBG). Bei getrennt lebenden Elternteilen, die ihre Kinder unterstützen, ist zwischen den minderjähri- gen und volljährigen Kindern zu unterscheiden. Bei mind erjährigen Kindern kann der leistende Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Elternteil die Unterhaltsbeiträge für das Kind in Abzu g bringen (Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG). Bei Unterhaltsleistungen an volljährige Kinder in Ausbildu ng kann der leistende Elternteil die Unter- haltszahlungen nicht mehr in Abzug bringen, er erhält dafür grundsätzlich den Kinderabzug (Art. 35 Abs. 1 lit. b DBG; Kreisschreiben Nr. 30, Ziff. 11). 5.2. Die Beschwerdeführer machen geltend, der der Ehe frau vom Beschwerdeführer be- zahlte Betrag von Fr. 111‘581.-- stelle keinen Unterha ltsbeitrag dar. Vielmehr habe sie diesen Betrag im Umfang von Fr. 59‘259.50 für Ausbildungskoste n für ihre volljährige Tochter E.____ treuhänderisch erhalten. Im Weiteren habe sie vom erhal tenen Betrag für ihren Ehemann Steu- ern in der Höhe von rund Fr. 64‘000.-- bezahlt. Die Ehefrau habe im Februar 2009 Steuern in der Höhe von Fr. 86‘000.-- von ihrem Sparkonto einbeza hlt, welche noch die Zeit der gemein- samen Veranlagung betroffen hätten. Da bei einem Ein kommensverhältnis von Fr. 194‘798.-- zu Fr. 67‘485.-- 74% der Steuerbelastung, also Fr. 64‘232.--, vom Ehemann zu tragen gewesen seien, sei dieser Betrag vom Familiengeld abzuziehen. D amit bleibe kein Raum für eine An- rechnung irgendwelcher Unterhaltszahlungen. 5.3. Allfällige Abmachungen zwischen den Ehegatten be züglich der Frage, wer welche Steuerschulden zu bezahlen hat und wie diese Zahlung en allenfalls untereinander zu verrech- nen sind, sind nicht bekannt. Hätte es sich wirklich um S teuern gehandelt, die vom Ehemann geschuldet waren bzw. mit seinem Anteil des Einkommens i n Verbindung standen, so ist nicht ersichtlich, aus welchem Grund der Ehemann diese Zahlungen an die Ehefrau hätte leisten sol- len, damit diese ihrerseits die Steuerschuld bezahlt, statt sie direkt bei der Steuerverwaltung Basel-Landschaft bzw. Gemeindeverwaltung zu begleichen . Damit können diese von der Ehe- frau getätigten Steuerzahlungen nicht vom bezahlten Unterhaltsbeitrag in Abzug gebracht wer- den. 5.4. Gemäss Ziffer 4 der Trennungsvereinbarung leistet der Ehemann Unterhaltszahlungen an die Kinder und Beiträge an deren Ausbildung “wie bisher direkt an die Kinder selbst bzw. an die Universitäten usw.“ Unterhaltsbeiträge, welche der Vater an die Mutter für den minderjähri- gen Sohn bezahlt hat, sind von der Mutter zu besteuern . Können die Beschwerdeführer bele- gen, dass der Ehemann – entgegen der Trennungsvereinbar ung – Ausbildungsbeiträge für die Tochter nicht direkt an diese oder an die “Universität usw.“ ausgerichtet hat und diese im be- zahlten “Familiengeld“ beinhaltet sind, so können diese im dargelegten Umfang von den der Ehefrau bezahlten Beiträgen (Familiengeld) abgezogen werden. Eine trennungsvereinbarungs- widrige Bezahlung von Ausbildungsbeiträgen für die To chter an die Mutter muss aber von den Beschwerdeführern nachgewiesen werden. Für die Trennung der Ehegemeinschaft stützen sich die Beschwerdeführer massgeblich auf die Trennungsverein barung. Demzufolge sind sie grundsätzlich auch bei deren Inhalt zu behaften. Nach der von den Beschwerdeführern ins Recht gelegten Liste “Unterhalt Tochter E.____ 2009“ hat die Mutter Euro 7‘400.-- für das Frühlingssemester 2009 der Tochter beglichen. Gemäss erst im kantonsgerichtlichen Verfahren eingereichtem Bel eg hat die Mutter am 5. Januar 2009 von ihrem Konto eine Einzahlung in der Höhe von Euro 7‘400.-- an eine Bank in G.____ mit dem Vermerk “payment spring 2009 E.____“ getätigt. En tsprechend dem Schreiben der H.____ Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht wurden für das Frühjahrssemester 2009 auch Euro 7‘400.- - bezahlt. Der entsprechende Ge- genwert in Schweizerfranken in der Höhe von Fr. 11‘231.20 kann somit – wie auch vom Steuer- gericht in seiner Vernehmlassung vom 12. November 2014 beantragt – den Ausbildungskosten von E.____ zugeordnet werden und ist somit vom Unterhaltsbeitrag, den der Ehemann der Ehe- frau überwiesen hat, abzuziehen. Die Beschwerdeführer machen gemäss der Liste für den Un terhalt der Tochter, welche sich für Studienzwecke in G.____ aufhielt, geltend, dass der Beschwerdeführer der Beschwerdeführerin für die Bleibe der Tochter E.____ Mietzinszahlungen von Juni bis November 2009 an I.____ in der Höhe von Euro 2‘100.-- (6 Monate à je Euro 350. --) bezahlt habe. Gemäss Bankauszügen der Ehefrau hat die Beschwerdeführerin am 12. Juni 2 009, am 9. Juli 2009, am 22. September 2009, am 22. Oktober 2009 und am 24. November 2009 je weils Euro 350.-- an I.____ mit dem Vermerk “alquiler E.X.____“ (alquiler = Miete) überw iesen (Belastung Juni Fr. 536.81, Juli Fr. 538.33, September Fr. 538.54, Oktober Fr. 536.65 , November Fr. 521.54). Damit kann die- ser Betrag in der Höhe von Fr. 2‘671.87 den Ausbildungskosten der Tochter E.____ zugeordnet werden, womit der Unterhaltsbeitrag an die Ehefrau um diesen Betrag zu reduzieren ist. Wie bereits festgehalten, bezahlt der Ehemann gemäss Tr ennungsvereinbarung Unterhaltszah- lungen an die Kinder und Beiträge an deren Ausbildu ng wie bisher direkt an die Kinder selbst bzw. an die Universitäten. Soweit nun die Ehefrau gel tend macht, auch die von ihr an die Toch- ter getätigten Einzahlungen in der Höhe von Fr. 11‘2 57.48 seien als Beiträge des Vaters an die Tochter, welche die Mutter nur für den Vater weiterge leitet habe, zu betrachten, ist sie nicht zu hören. Die Trennungsvereinbarung geht nicht davon aus, dass einzig der Ehemann an den Un- terhalt der Kinder Beiträge zu leisten hat. Insofern ist mangels anderweitiger Vereinbarung da- von auszugehen, dass die von der Beschwerdeführerin an die Tochter im Jahre 2009 bezahlten Beträge in der Höhe von Fr. 11‘257.48 Unterhaltszahlun gen der Mutter an die Tochter darstel- len. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern sie diese Zahlung en ebenfalls für ihren Ehemann geleistet haben soll. Die Zahlungen der Mutter an die Tochter sind aufgrund der Volljährigkeit der Toch- ter nicht abzugsfähig. Der Beschwerdeführerin steht bez üglich der Tochter nur ein Unterstüt- zungsabzug nach Art. 35 Abs. 1 lit. b DBG zu. 6. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwer deführer als faktisch ge- trennt zu betrachten sind, weshalb sie auch getrennt zu veranlagen sind, und dass der Ehefrau die von ihrem Ehemann bezahlten Unterhaltszahlungen in der Höhe von Fr. 97‘678.-- als steu- erbares Einkommen aufzurechnen sind. Dieser Betrag result iert aus den vom Ehemann an die Ehefrau für sie und den gemeinsamen Sohn geleisteten Z ahlungen in der Höhe von Fr. 111‘581.-- abzüglich der von der Ehefrau für den Ehemann an die von diesem zu tragenden Ausbildungskosten an die erwachsene Tochter geleisteten Zahlungen von insgesamt Fr. 13‘903.-- (Fr. 11‘231.20 + Fr. 2‘671.87). Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass die Ehe- frau im Jahre 2009 an ihre volljährige Tochter Unter stützungsleistungen in der Höhe von Fr. 11‘247.48 geleistet hat, weshalb ihr ein Unterst ützungsabzug nach Art. 35 Abs. 1 lit. b DBG zusteht. Die Beschwerde ist demzufolge teilweise gutzuheissen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1. Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Na ch Art. 144 Abs. 1 DBG in Verbin- dung mit Art. 145 Abs. 2 DBG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt; wird die Beschwerde teilweise gutgeheissen, so werden si e anteilmässig aufgeteilt. Gemäss Art. 144 Abs. 2 DBG werden dem obsiegenden Beschwerdef ührer die Kosten ganz oder teil- weise auferlegt, wenn er bei pflichtgemässem Verhalten schon im Veranlagungs- oder Ein- spracheverfahren zu seinem Recht gekommen wäre oder wenn er die Untersuchung der kanto- nalen Steuerrekurskommission durch trölerisches Verhalten erschwert hat. Die Reduktion des Unterhaltsbeitrages an die Ehefrau um die Frühjahrssemesterkosten der Universität der Tochter erfolgt nur aufgrund des erst vo r dem kantonsgerichtlichen Verfahren eingereichten Bankbelegs. Diesen Beleg hätten die B eschwerdeführer bereits im Einsprache- verfahren einreichen können. Da die Beschwerdeführer n ur in einem sehr geringfügigen Rah- men obsiegen und überdies die Reduktion des Unterhaltsb eitrags um den Betrag für das Früh- lingssemester 2009 erst im kantonsgerichtlichen Verfahren bejaht wurde, weil der entsprechen- de Beleg erst im Verfahren vor Kantonsgericht eingereich t wurde, rechtfertigt es sich, die ge- samten Verfahrenskosten den Beschwerdeführern aufzuerlegen. Da beide Beschwerden – die- jenige betreffend Staatssteuer 2009 und diejenige be treffend direkte Bundessteuer 2009 – vom Kantonsgericht gemeinsam behandelt wurden, werden die Verfahrenskosten für das vorliegen- de Beschwerdeverfahren auf einen im Vergleich zu den in der Regel für eine Urteilsberatung festgelegten Verfahrenskosten tieferen Betrag und zwar auf Fr. 900.-- festgelegt und gehen zu Lasten der Beschwerdeführer. 7.2. Nach Art. 144 Abs. 4 DBG in Verbindung mit Art. 145 Abs. 2 DBG kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei eine Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugespro- chen werden. Aus dem gleichen Grund, aus dem es sich rechtf ertigt, die vollständigen Verfah- renskosten den Beschwerdeführern aufzuerlegen, wird den Beschwerdeführern keine Partei- entschädigung zugesprochen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde werde n Ziffern 1 und 2 des Dispositivs des Entscheids Nr. 510 13 39 des Steuergerichts vom 11. April 2014 aufgehoben und die Angelegenheit zur Neuveranlagung im Sinne der Erwägungen an die Steuerverwaltung zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 900.-- w erden den Beschwer- deführern in solidarischer Verbindung auferlegt und mi t dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- verrechnet. D er zuviel bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 500.-- wird den Be- schwerdeführern zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin Gegen diesen Entscheid haben die Ehegatten X.____ Beschw erde beim Bundesgericht (Ver- fahrensnummer 2C_504/2015) erhoben.