B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1756/2023 U r t e i l v o m 11 . A p r i l 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richter Lorenz Noli; Gerichtsschreiber Michal Koebel. Parteien A._______, geboren am (…), Burundi, vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin, AsyLex, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 22. März 2023 / N (…). E-1756/2023 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin zusammen mit ihrer Schwester (B._______, N […]) am 7. Dezember 2022 in der Schweiz um Asyl nachsuchte und gel- tend machte minderjährig zu sein, dass sie am 15. Dezember 2022 der im Bundesasylzentrum (BAZ) Region C._______ tätigen Rechtsvertretungsorganisation Vollmacht erteilte, dass sie gemäss der Fi ngerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) am (…) in Kroatien ein Asylgesuch eingereicht hat, dass das SEM am 14. Dezember 2022 die kroatischen Behörden um Aus- kunft über die in Kroatien angegebenen Personalien der Beschwerdefüh- rerin ersuchte, die dem E rsuchen mit Antwort vom 21. Dezember 2022 nachkamen und mitteilten, die Beschwerdeführerin sei in Kroatien mit dem Geburtsdatum (…) registriert, dass ihr anlässlich der Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asyl- suchende (UMA) vom 5. Januar 2023 das rechtliche Gehör zur mutmass- lichen Zuständigkeit Kroatiens und zu ihrem Gesundheitszustand gewährt wurde, dass das SEM am 2. Februar 2023 beim Institut für Rechtsmedizin der (…) C._______ ein Gutachten zur Altersabklärung in Auftrag gab und das Gut- achten vom 10. Februar 2023 zum Schluss kommt, die Volljährigkeit sei gegeben, da bei der Beschwerdeführerin aufgrund der Untersuchungen ein durchschnittliches Alter von 18.3 bis 21.5 Jahren und ein Mindestalter von 19.4 Jahren vorliege, dass das SEM am 9. Februar 2023 die kroatischen Behörden um die Wie- deraufnahme der Beschwerdeführerin ersuchte, die das Ersuchen auf- grund der in der Schweiz geltend gemachten Minderjährigkeit am 23. Feb- ruar 2023 ablehnten, dass das SEM mit Schreiben vom 17. Februar 2023 der Beschwerdefüh- rerin das rechtliche Gehör zum Resultat des Altersgutachtens und zur be- absichtigten Änderung ihres Geburtsdatums im Zentralen Migrationsinfor- mationssystem (ZEMIS) gewährte, die hierzu mit Schreiben vom 22. Feb- ruar 2023 Stellung nahm und an ihrer geltend gemachten Minderjährigkeit festhielt, E-1756/2023 Seite 3 dass das SEM mit Schreiben vom 28. Februar 2023 die Beschwerdeführe- rin über die Änderung d es Geburtsdatums auf den (…) mit Bestreitungs- vermerk im ZEMIS informierte, dass das SEM am 28. Februar 2023 das Geburtsdatum der Beschwerde- führerin im ZEMIS mit Bestreitungsvermerk auf den (…) setzte, dass das SEM am 28. Februar 2023 die kroatischen Behörden im Rahmen eines Remonstrationsverfahrens um die Wiederaufnahme der Beschwer- deführerin ersuchte, die das Ersuchen schliesslich am 14. März 2023 gut- hiessen, dass das SEM mit Verfügung vom 22. März 2023 auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eintrat, deren Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien anordnete, eine Ausreisefrist ansetzte, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragte, die editionspflichti- gen Akten aushändigte , das Gebur tsdatum der Beschwerdeführerin mit Bestreitungsvermerk auf den (…) festlegte und feststellte einer Be- schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu, dass die damalige Rechtsvertretung ihr Mandat am 23. März 2023 nieder- legte, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 30. März 2023 unter Bei- lage einer E -Mail-Korrespondenz vom 30. März 2023 mit ihrer neuen Rechtsvertreterin sowie bereits aktenkundiger Unterlagen (Protokoll der Erstbefragung UMA, Schülerausweis, Konfirmationsausweis bzw. Tauf- schein, Protokoll des Dublin -Gesprächs der Schwester, Altersgutachten ) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einreichte, dass sie beantragte, es sei die Verfügung vom 22. März 2023 vollumfäng- lich aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzu- weisen, dass sie eventualiter beantragte, es sei die Verfügung vollumfänglich auf- zuheben und das SEM anzuweisen, auf ihr Asylgesuch einzutreten, dass sie subeventualiter beantragte, es sei das SEM anzuweisen, bei den zuständigen Behörden Zusicherungen dahingehend einzuholen, dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft in Kroatien umgehend Obdach, Nahrung sowie eine adäquate und regelmässige medizinische Behandlung zur Verfügung stünden, E-1756/2023 Seite 4 dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, das vorliegende Ver- fahren sei mit demjenigen von B._______ (N [...]) zu koordinieren, dass sie in prozessualer Hinsicht weiter beantragte, es sei der Vollzug su- perprovisorisch auszusetzen, der Beschwerde – unter entsprechender An- weisung der kantonalen Behörden – die aufschiebende Wirkung zu ertei- len, die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen des SEM entscheidet (vgl. dazu Art. 105 des Asylgesetzes [AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31‒33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass sich die Kognition des Gerichts beziehungsweise die zulässigen Rü- gen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, dass die Beschwerdeführerin zur Ei nreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG), ihre Eingabe nach dem Gesagten den formellen Anforderungen an eine Beschwerde genügt (Art. 52 Abs. 1 VwVG) und sie ihre Beschwerde fristgerecht eingereicht hat (Art. 108 Abs. 3 AsylG), womit auf diese einzutreten ist, dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über- prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Be- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vor - instanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1, 2012/4 E. 2.2), dass sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich unbegründet erweist, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zuständig- keit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), E-1756/2023 Seite 5 dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent- scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass aufgrund des engen sachlichen und persönlichen Zusammenhangs das vorliegende Verfahren antragsgemäss mit dem Beschwerdeverfahren E-1754/2023 (B._______ [N (…)]) koordiniert zu behandeln ist, dass die Beschwerdeführerin eine Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung und Rückweisung der Sache beantragt, weil die deutschen Gerichte die Einschätzung der Vorinstanz nicht teilen würden, die Vorinstanz die systemischen Mängel in Kroatien nicht ausreichend abgeklä rt sowie ein- schlägige Berichte nicht beachtet habe, der Gesundheitszustand unzu- reichend abgeklärt und der Sachverhalt in Bezug auf die Minderjährigkeit nicht korrekt gewürdigt worden sei, womit die Vorinstanz den Sachverhalt unrichtig sowie unvollständig festgestellt, mithin den Untersuchungsgrund- satz verletzt habe, dass sie ihre Rügen jedoch nicht näher begründet (vgl. Beschwerde S. 15) und auch keine unvollständige oder fehlerhafte Sachverhaltsfeststellung aus den Akten hervorgeht, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung die Erkenntnisse aus den umfangreichen Abklärungen der Schweizerischen Botschaft in Kroa- tien zu den Push -backs und zu Dublin -Rückkehrenden in zusammenge- fasster Form wiedergegeben und nachvollziehbar aufgezeigt hat, gestützt auf welche Grundlage sie zu ihren Sachverhaltsfeststellungen gelangte, wobei sie auch die konkreten Vorbringen der Beschwerdeführerin hat ein- fliessen lassen, dass sich die Vorinstanz folglich in der angefochtenen Verfügung mit der individuellen Situation der Beschwerdeführer in hinreichend auseinander- gesetzt hat (vgl. angefochtene Verfügung S. 6 ff.), dass die Würdigung der individuellen Situation im Übrigen materieller Natur ist beziehungsweise der blosse Umstand, dass die Beschwerdefüh rerin unter Verweis auf deutsche erstinstanzliche Gerichtsurteile die Schlussfol- gerung der Vorinstanz nicht teilt, keine Verletzung der Pflicht zur vollstän- digen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts dar- stellt, E-1756/2023 Seite 6 dass überdies nicht ersichtlich ist, inwiefern die Vorinstanz den Sachverhalt unvollständig abgeklärt haben sollte, stützte sie ihre Erwägungen doch ins- besondere auf die fundierten Abklärungen der zuständigen Schweizeri- schen Botschaft, was vorliegend nicht zu beanstanden ist (vg l. a.a.O. S. 7 f.), dass die Beschwerdeführerin sodann zwar eine unrechtmässige und arbit- rärere Beweiswürdigung des Altersgutachtens moniert, die se Rüge aber unter dem entsprechenden Titel (vgl. angefochtene Verfügung S. 14 f .) nicht ansatzweise begründet, dass die Abklärungen des Alters der Beschwerdeführerin auch nicht zu be- anstanden sind und die Vorinstanz bei der Würdigung deren Ergebnisse eine ausreichende Gesamtwürdigung vorgenommen hat (vgl. a.a.O. S. 4 f.), dass es zwar zutrifft, dass sich bei den Zahndaten der Beschwerdeführerin kein Mindestalter bestimmen liess, dass sich aber lediglich dann keine Aussage zur Volljährigkeit einer Person machen lässt, wenn das Mindestalter bei der zahnärztlichen Untersuchung und der Schlüsselbein - respektive Skelettaltersanalyse unter 18 Jahren liegt (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.1 f.) und vorliegend der Schichtröntgen- scan der Schlüsselbeine ein Mindestalter von 19.4 Jahren ergeben hat, weshalb das Heranziehen des Altersgutachtens durch die Vorinstanz nicht zu beanstanden ist, dass in diesem Zusammenhang festzustellen bleibt, dass die Beschwerde- führerin in der Schweiz weder im vorinstanzlichen Verfahren noch auf Be- schwerdeebene rechtsgenügliche Identitätsdokumente eingereicht hat (die beiden auf Beschwerdeebene erneut lediglich in Kopie eingereichten Aus- weise zählen nicht hierzu), bereits in Kroatien als volljährig registriert wor- den war und in der Beschwerde keinen Antrag auf Änderung ihres Geburts- datums gestellt hat, weshalb hierauf nachfolgend nicht weiter einzugehen und zusammen mit der Vorinstanz von der Volljährigkeit der Beschwerde- führerin auszugehen ist, dass im Übrigen der medizinische Sachverhalt ebenfalls ausreichend ab- geklärt wurde, suchte die Beschwerdeführerin doch seit ihrer Ankunft in der Schweiz weder das medizinische Personal auf noch war die Vorinstanz aufgrund ihrer Ausführungen zum Gesundheitszustand gehalten, weitere medizinische Abklärungen zu tätigen, E-1756/2023 Seite 7 dass zudem weder im vorinstanzlichen Verfahren noch auf Beschwerde- ebene medizinische Unterlagen eingereicht wurden, die darauf schliessen lassen würden, dass der medizinische Sachverhalt unvollständig abgeklärt worden wäre, dass sich die Vorinstanz folglich ausreichend mit den gesundheitlichen Vorbringen auseinandersetzte und auch in dieser Hinsicht keine Verlet- zung des Untersuchungsgrundsatzes ersichtlich ist (vgl. a.a.O. S. 8 f.), dass die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang schliesslich auch aus dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts F-4128/2021 vom 10. März 2023 nichts zu ihren Gunsten abzuleiten vermag, zumal dort gravierende Gesundheitsbeschwerden mit mehrfacher Hospitalisierung ausführlich be- legt wurden (vgl. a.a.O. insb. E. 6.3), was in casu nicht der Fall ist, dass die formellen Rügen folglich unbegründet sind, weshalb eine Rück- weisung an die Vorinstanz ausser Betracht fällt und das entsprechende Begehren abzuweisen ist, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), dass das SEM zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates die Zuständigkeitskriterien nach der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle- gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu- ständig ist (Dublin-III-VO) prüft, dass, wenn diese Prüfung zur Feststellung führt, dass ein anderer Mitglied- staat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, das SEM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Wiederaufnahme ex- plizit oder implizit zugestimmt hat, auf das Asylgesuch grundsätzlich nicht eintritt (vgl. BVGE 2015/41 E. 3.1), dass jeder Mitgliedstaat beschliessen kann, einen bei ihm von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen E-1756/2023 Seite 8 Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgeleg- ten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dub- lin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht), dass die Vorinstanz anhand der Zentraleinheit Eurodac zu Recht die Zu- ständigkeit Kroatiens erkannte und die kroatischen Behörden – gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin -III-VO – um Wiederaufnahme der Beschwer- deführerin (take back Verfahren) ersuchte, dass die kroatischen Behörden diesem Gesuch am 14. März 2023 explizit zustimmten, dass damit von der grundsätzlichen Zuständigkeit Kroatiens zur Rücküber- nahme im Sinne von Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO auszugehen ist, dass sich die Beschwerdeführerin anlässlich des rechtlichen Gehörs vom 5. März 2023 mit der Begründung gegen eine Überstellung nach Kroatien aussprach, man habe sie dort schlecht behandelt, geschlagen und hun- gern lassen, zudem sei sie zum Verlassen des Landes aufgefordert wor- den, dass sie weiter geltend machte, sie habe vor der Ausreise aus ihrem Hei- matland zwar keine schwerwiegenden Krankheiten gehabt, jedoch seit dem Aufenthalt in Kroatien sei sie geistig angeschlagen und habe Schlaf- probleme, dass sie in der Beschwerde ergänzte, ihr seien in Kroatien Medikamente verweigert worden, sie sei dort mehrfach rassistisch beleidigt worden und sie stehe in einem Abhängigkeitsverhältnis mit ihrer Schwester, dass aufgrund der Aktenlage keine Sachverhaltsumstände ersichtlich sind, die in rechtserheblicher Weise gegen eine Wegweisung in den für die Be- schwerdeführerin zuständigen Dublin-Vertragsstaat sprechen würden, dass es namentlich nicht von Belang ist, wenn sich die Beschwerdeführerin in Kroatien nicht registrieren lassen wollte, zumal die Dublin -III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den Antrag prüfenden Staat aus- zuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3), dass selbst wenn zutreffen würde, dass die Beschwerdeführerin ihre Fin- gerabdrücke in Kroatien nicht freiwillig, sondern unter Zwang abgegeben habe, eine Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt wäre, da sich aus einem solchen Vorkommnis nicht ableiten lässt, dass E-1756/2023 Seite 9 systemische Schwachstellen bestehen, welche nahelegen, dass die Be- schwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Kroatien mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einer Art. 3 EMRK widersprechenden Behandlung aus- gesetzt wäre, dass in dieser Hinsicht festzuhalten ist, dass Kroatien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzproto- kolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist, wobei Kroatien nach Auffassung der Schweiz seinen diesbezüglichen vö lkerrechtlichen Ver- pflichtungen nachkommt, dass gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im Bereich der Wie- deraufnahmeverfahren (take-back-Verfahren) im heutigen Zeitpunkt keine Gründe für die Annahme vorliegen, das Asylverfahren und die Aufnahme- bedingungen für Antragstellende in Kroatien würden systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin -III-VO aufweisen (vgl. Urteile des F -638/2023 vom 16. Februar 2023 E. 6.3, F-69/2023 vom 25. Januar 2023 E. 5.1, F -37/2023 vom 6. Janua r 2023 E. 6.2, F -5582/2022 vom 13. Dezember 2022 E. 4.2, E -4341/2022 vom 8. Dezember 2022 E. 6.3), dass die Vorinstanz in Beachtung der aktuellen Rechtsprechung des Bun- desverwaltungsgerichts eine Einzelfallprüfung vorgenommen hat und unter Verweis auf Abklärungen durch die Schweizerische Botschaft in Kroatien zum Schluss gekommen ist, dass Personen, welche im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach Kroatien zurückgeführt werden, nicht von der prob- lematischen Push -back-Praxis betroffen sind (vgl. Urteile des BVG er F-37/2023 vom 6. Januar 2023 E. 6.2, E -5787/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 7.4, D-4160/2022 vom 28. September 2022 E. 7.3.1), dass auch unter Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin geschil- derten Erlebnisse nicht davon auszugehen ist, Kroatien verstosse syste- matisch gegen seine vertraglichen Verpflichtungen, weshalb die Anwen- dung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, dass weder die Beschwerdeausführungen zur allgemeinen Lage mit Ver- weisen auf die deutsche erstinstanzliche Rechtsprechung noch die zitier- ten allgemeinen Berichte hieran etwas zu ändern vermögen und ebenfalls E-1756/2023 Seite 10 keinen Anlass zur Annahme geben, die Beschwerdeführerin wäre in Kroa- tien persönlich ernsthaft gefährdet, dass die Beschwerdeführerin zwar geltend machte, aus Kroatien wegge- schickt worden zu sein, im Verlauf ihres Verfahrens in der Schweiz aber weder eine Wegweisungsverfügung der kroatisc hen Behörden vorlegen konnte noch ein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan hat, wonach sich die kroatischen Behörden weigern würden, sie wieder aufzunehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Richtlinie des Euro päischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) zu prüfen, dass den Akten auch keine Gründe für die konkrete Annahme zu en tneh- men sind, Kroatien werde im Fall der Beschwerdeführerin den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwin- gen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet wären oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden, dass schliesslich den vorinstanzlichen Akten keine gravierenden Gesund- heitsbeschwerden der Beschwerdeführerin zu entnehmen sind und sie auch keine entsprechenden Belege auf Beschwerdeebene ins Recht gelegt hat, dass die behaupteten gesundheitlichen Beschwerden (Schlafstörungen und psychische Probleme) kein Hindernis für eine Überstellung nach Kroatien darstellen, zumal Kroatien über eine ausreichende medizinische Infrastruk- tur verfügt (auch für psychische Leiden) und es – ungeachtet der entspre- chenden Ausführungen der Beschwerdeführerin – keinen Grund zur An- nahme gibt, ihr werde dort im Rahmen ihrer Wiederaufnahme notwendige medizinische Behandlung verweigert (zur medizinischen Versorgung in Kroatien vgl. Urteile des BVGer E -5872/2022 vom 6. März 2023 E. 7.2.3, D-735/2022 vom 28. Februar 2022 E. 6.7.3), dass sich die Beschwerdeführerin im Übrigen bei Bedarf an die kroatischen Behörden wenden und die ihr zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern kann (vgl. insb. Art. 26 der Richtlinie des Euro- päischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationa- len Schutz beantragen, sog. Aufnahmerichtlinie), E-1756/2023 Seite 11 dass auch das in der Beschwerde geäusserte Vorbringen, es bestehe ein Abhängigkeitsverhältnis mit der Schwester B._______ (vgl. Beschwerde S. 14) keine andere Einschätzung zulässt, dass die Verfahren der beiden Schwestern koordiniert behandelt werden und Kroatien für beide Schwestern zuständig ist (vgl. Urteil des BVGer E-1754/2023 mit selbem Datum), weshalb eine allfällige Abhängigkeit ge- mäss Art. 16 Dublin-IIIVO in casu nicht zu prüfen ist, dass demgemäss kein Grund für einen Selbsteintritt auf das Asylgesuch respektive für eine Anwendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 29a Abs. 3 AsylV1 ersichtlich und folg- lich das Eventualbegehren abzuweisen ist, dass für das Einholen von Zusicherungen der kroatischen Behörden be- züglich des Zugangs der Beschwerdeführerin zu adäquater Unterbringung und medizinischer Behandlung nach dem Gesagten keine Veranlassung besteht, weshalb das Subeventualbegehren ebenfalls abzuweisen ist, dass nach dem Gesagten der Nichteintretensentscheid in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG in keinem Punkt zu bemängeln ist, dass gleichzeitig die Anordnung der Wegweisung nach Kroatien der Sys- tematik des Dublin-Verfahrens entspricht und im Einklang mit der Bestim- mung von Art. 44 (erster Satz) AsylG steht, dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung zu be- stätigen und die eingereichte Beschwerde insgesamt als offensichtlich un- begründet abzuweisen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb die Begehren auf Vollzugsstopp, auf Erteilung der aufschieben- den Wirkung mit entsprechender Anweisung an die zuständigen Behörden und auf Erlass des Kostenvorschusses gegenstandslos geworden sind, dass das Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG – ungeachtet der Tatsache, dass entgegen den Angaben in der Beschwerdeschrift (vgl. Beschwerde S. 16) die Bedürftig- keit der Beschwerdeführerin durch keine entsprechende Bestätigung be- legt wird – abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehen- den Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen sind, E-1756/2023 Seite 12 dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Verfahrenskosten von Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-1756/2023 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils z ugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Michal Koebel Versand: