Abteilung IV D-6398/2010/cvv {T 0/2} U r t e i l v o m 2 . N o v e m b e r 2 0 1 0 Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter François Badoud, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. A.___________, geboren (...), Türkei, vertreten durch Grand & Nisple Rechtsanwälte, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. August 2010 / N (...). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-6398/2010 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimat- land am 29. Juni 2010 und gelangte über ihm unbekannte Länder am 5. Juli 2010 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag ein Asylgesuch einreichte. Am 8. Juli 2010 wurde er im Empfangs- und Verfahrens- zentrum B.___________ befragt und am 30. Juli 2010 hörte ihn das BFM zu seinen Asylgründen direkt an. Mit Verfügung vom 6. August 2010 wurde er für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton C._________ zugewiesen. Der Beschwerdeführer brachte vor, er sei Staatsangehöriger der Türkei, kurdischer Ethnie und alevitischen Glaubens. Er stamme aus D.___________ in der Provinz E.___________, wo er seit seiner Geburt bis am 29. oder 30. Juni 2010 gelebt habe. Zwischen 1993 und 1997 hätten er und seine Angehörigen viel Leid seitens der türkischen Be hörden erlebt. Im Jahr 1997 seien er und sein Bruder von den türki- schen Behörden gefoltert worden. Sein Bruder sei im Jahr 2003 den Verletzungen erlegen. Als Folge der militärischen Aktionen und An- schläge durch die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) sowie der Reak- tionen durch die türkischen Sicherheitskräfte habe sich die Lage der kurdischen Bevölkerung ab Frühling 2010 verschlechtert. Im Juni dieses Jahres sei der Beschwerdeführer von den Sicherheitskräften wäh rend drei oder vier Tagen auf dem Gendarmerieposten festge- halten und täglich im Zusammenhang mit einem im April oder Mai stattgefundenen Gefecht der PKK gegen die türkischen Militärein- heiten im Raum Nurhak-Engizek befragt worden. Man habe von ihm wissen wollen, ob Angehörige der PKK ins Dorf gekommen seien und welche Dorfbewohner die PKK unterstützen würden. Dabei sei er auch vom Postenkommandanten persönlich befragt worden. Dieser habe ihn als Spitzel gewinnen wollen. Am Morgen des vierten Tages sei er unter Todesdrohungen aus der Haft entlassen worden. Angesichts seiner Verfolgungssituation habe er sich zur Ausreise entschlossen, weil er nicht nochmals ertragen könne, was sich in den Neunzigerjahren ereignet habe. Der Beschwerdeführer gab eine türkische Identitätskarte (Nüfus) zu den Akten. Den Reisepass habe er dem Schlepper abgeben müssen und nicht mehr zurückerhalten. Seite 2D-6398/2010 B. Mit Verfügung vom 9. August 2010 – eröffnet am gleichen Tag – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Es begrün- dete seinen ablehnenden Entscheid damit, dass die Vorbringen ins- gesamt teilweise den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit und teil- weise denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft nicht genügten. Der Be schwerdeführer habe nicht glaubhaft machen können, dass er ab Frühling 2010 von den türkischen Behörden verfolgt worden sei, weil die von ihm dargelegten Befragungen auf dem Gendarmerieposten insgesamt detailarm, wenig konkret und undifferenziert sowie kaum mit Realkennzeichen und persönlicher Betroffenheit dargestellt worden seien und er sich zudem in widersprüchliche Aussagen verstrickt habe. Gemäss der einen Version habe er angegeben, er sei auf den Posten bestellt worden, während er gemäss einer weiteren Version verhaftet und anschliessend auf den Posten überführt worden sei. Zudem hätte er einem allfälligen behördlichen Druck durch die Realisierung einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative ausweichen können, zumal er sich wiederholt in Grossstädten anderer Regionen der Türkei aufge- halten habe. Die aus den Jahren 1993 bis 1997 geltend gemachten Be nachteiligungen hätten im Zeitpunkt der Ausreise zu weit zurück- gelegen, um noch als Anlass für diese gelten zu können. Diesbe- züglich fehle somit die Asylrelevanz. Den Wegweisungsvollzug erach- tete die Vorinstanz als zulässig, zumutbar und möglich. C. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 8. September 2010 beantragte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuer- kennen, es sei ihm Asyl zu gewähren und eventualiter sei er infolge fehlender Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit vorläufig aufzu- nehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur Begründung wurde ins- besondere vorgebracht, dass der Beschwerdeführer alle Angaben zu Protokoll gegeben habe, die ihm bekannt gewesen seien. Diese seien nicht widersprüchlich und würden der Wahrheit entsprechen. Zudem seien sie durchaus überzeugend und schlüssig. Der Beschwerdeführer habe keine gefälschten Beweise vorgebracht, keine Tatsachen ver- heimlicht, keine Fluchtgründe nachgeschoben und die Identität nicht verheimlicht. Zudem sei die prekäre Lage der Kurden in der Türkei be- Seite 3D-6398/2010 kannt. Im Jahr 1997 sei der Beschwerdeführer mit seinem Bruder von türkischen Sicherheitskräften gefoltert worden. Während der Bruder an den Folgen der Folter gestorben sei, habe der Beschwerdeführer schwer traumatisiert überlebt. Als Bauer habe er keine Möglichkeit ge- sehen, sich psychologisch behandeln zu lassen. Ebenso wenig habe er sich dem Joch der Unterdrücker entziehen können. Auch wenn die Haftbedingungen anlässlich der Festhaltung im Jahr 2010 nicht mehr so schlimm wie 1997 gewesen seien, habe ihn die Haft an die Folter- erlebnisse erinnert, und er habe Todesängste ausgestanden. Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit habe es die Vorinstanz unterlassen, die Aussagen des Beschwerdeführers aus einer traumapsycho- logischen Sichtweise zu verifizieren, was dem Beschwerdeführer nicht angelastet werden könne. Zudem sei der ihm vorgeworfene Wider- spruch konstruiert. Der Beschwerdeführer sei nämlich auf den Posten bestellt worden, dieser Vorladung jedoch nicht nachgekommen, worauf er anlässlich einer Fahrzeugkontrolle verhaftet worden sei. Da zudem die ethnischen Kurden in gewissen Gebieten der Türkei nach wie vor verfolgt seien, müsse der Vollzug der Wegweisung als unzumutbar er- achtet werden, da die Rückkehr in die Türkei für den Beschwerde- führer eine konkrete Gefahr darstelle. Der Vollzug der Wegweisung sei ferner – entgegen der von der Vorinstanz vertretenen Meinung – weder möglich noch praktisch durchführbar. Der Beschwerdeführer sei des- halb als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren. D. Mit Zwischenverfügung vom 14. September 2010 wurde dem Be- schwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Beschwerdever- fahrens in der Schweiz abwarten könne. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wurde infolge Aussichtslosigkeit der Be schwerdebegehren abgewiesen und der Beschwerdeführer aufge- fordert, innert der ihm angesetzten Frist einen Kostenvorschuss zu begleichen, verbunden mit der Androhung, im Unterlassungsfall werde auf seine Beschwerde nicht eingetreten. E. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht einbezahlt. Seite 4D-6398/2010 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Aus- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver- waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegen- den Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG). Der Beschwerde- führer ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs- weise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legi- timiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichter- licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Seite 5D-6398/2010 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch- führung des Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörig- keit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nach teile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei- heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach- weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft ge- macht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeb- lich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Wie bereits in der Zwischenverfügung vom 14. September 2010 festgehalten, erachtete die Vorinstanz die aus dem Jahr 2010 geltend gemachten Vorbringen des Beschwerdeführers zu Recht als substanz- los. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, wird auf die zu- treffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung und auf die erwähnte Zwischenverfügung verwiesen. In Ergänzung dazu wird fest- gehalten, dass insbesondere die Schilderung der einzelnen Verhöre monoton und wenig differenziert ausfiel. Der Beschwerdeführer war nicht in der Lage, konkrete Einzelheiten und substantiierte Ereignisse darzulegen (vgl. Akte A6/9 S. 3 f.). 5.2 Darüber hinaus ist auch die Argumentation der Vorinstanz bezüg- lich der aufgeführten Widerspruche zu bestätigen, während die diesbezüglichen Erklärungsversuche in der Beschwerdeschrift nicht zu überzeugen vermögen. Der Beschwerdeführer machte nämlich weder in der ersten noch in der zweiten Befragung geltend, er habe einer Vorladung keine Folge geleistet und sei deshalb verhaftet worden. Seite 6D-6398/2010 Vielmehr brachte anlässlich der Empfangsstellenbefragung vor, der Kommandant habe ihn auf den Posten bestellt und ihm persönlich die Agententätigkeit aufzwingen wollen (Akte A1/10 S. 5 f.), während er anlässlich der Anhörung vom 30. Juli 2010 sagte, er sei im Dorf fest- genommen und auf den Posten gebracht worden (Akte A6/9 S. 3). Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum Widerspruch gab er zu Protokoll, er habe möglicherweise bei der Erstbefragung etwas Falsches gesagt, denn richtig sei, dass er angehalten und auf den Posten gebracht wor- den sei (Akte A6/9 S. 3). Mit diesen Aussagen ist indessen der Wider- spruch nicht erklärbar. 5.3 Unterschiedlich brachte er ausserdem vor, wie oft er pro Tag an- lässlich seiner Festnahme befragt worden sein will. Während er ge- mäss seinen Äusserungen in der Erstbefragung tagsüber in Ruhe ge- lassen und nur abends nach 17 Uhr befragt worden sein will (Akte A1/10 S. 6), soll er gestützt auf seine Aussagen in der Anhörung vom 30. Juli 2010 jeden Tag einerseits in einem Raum im Keller und andererseits im Zimmer des Kommandanten befragt worden sein (Akte A6/9 S. 3 f.). 5.4 Insgesamt sind somit die zentralen Aussagen des Beschwerde- führers hinsichtlich der geltend gemachten Verfolgung im Jahr 2010 in wesentlichen Teilen widersprüchlich und darüber hinaus substanzlos ausgefallen, weshalb sie – in Übereinstimmung mit der Argumentation der Vorinstanz – nicht als glaubhaft zu erachten sind. Der Vorwurf, die Vorinstanz habe Widersprüche konstruiert, kann somit nicht geteilt werden. 5.5 Darüber hinaus wäre – ebenfalls in Übereinstimmung mit dem BFM – selbst im Fall einer glaubhaften Darstellung der Verfolgung aus dem Jahr 2010 auf die Möglichkeit einer innerstaatlichen Fluchtalter- native zu verweisen, zumal ein allfälliges Drängen der türkischen Sicherheitsbehörden zur Agententätigkeit und allenfalls damit im Zu- sammenhang stehende Verfolgungsmassnahmen als lokal be- schränkte Verfolgung zu betrachten wäre. Dem Beschwerdeführer wäre es – insbesondere angesichts seiner Erfahrungen in türkischen Grossstädten – zumutbar gewesen, allfälligen diesbezüglichen Ver- folgungsmassnahmen durch einen Wegzug aus seiner Heimatregion auszuweichen. Der Einwand in der Beschwerde, als Kurde sei ihm dies nicht möglich, kann angesichts der zahlreichen Kurden, welche diesen Schritt wählten, nicht gehört werden. Seite 7D-6398/2010 5.6 Was ferner die in den Neunzigerjahren geltend gemachten Be- nachteiligungen betrifft, ist ebenfalls auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung zu verweisen. Der Einwand in der Be- schwerde, der Beschwerdeführer habe als Bauer keine Möglichkeit für eine frühere Ausreise gesehen, vermag indessen aufgrund der langen Zeitspanne nicht zu überzeugen. 5.7 Schliesslich kann der Argumentation in der Beschwerde, die Vor- instanz hätte die Aussagen des Beschwerdeführers unter dem speziellen Blickwinkel der traumapsychologischen Betrachtungsweise würdigen müssen, ebenfalls nicht zugestimmt werden. Aus den vor- instanzlichen Akten ergeben sich keinerlei Hinweise dafür, dass der Be schwerdeführer traumatisiert gewesen sein soll. Auf dem Perso- nalienblatt gab er keine medizinischen Probleme an und aus den Be- fragungen kann ebenfalls nicht auf solche geschlossen werden. Die erstmals im Beschwerdeverfahren vorgebrachte Traumatisierung – wel- che überdies nicht belegt wurde – ist einerseits infolge der Nach- schiebung zu bezweifeln und vermöchte selbst wenn sie vorläge weder die Substanzlosigkeit noch die Widersprüchlichkeit der Aussagen des Be schwerdeführers zu erklären. 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vorinstanzliche Argumen - tation zu bestätigen und das Vorliegen einer asylrelevanten Verfolgung zu verneinen ist. Unter diesen Umständen erübrigt es sich, auf die weiteren Vorbringen und Beweismittel im Detail einzugehen, da sie am Ergebnis nichts zu ändern vermöchten. Der Beschwerdeführer konnte somit keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein- heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize- rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). Seite 8D-6398/2010 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver- hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundes gesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vor- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. W ALTER STÖCKLI , Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun- gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus- länders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegen- stehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei- heiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmensch- licher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. M ARIO G ATTIKER , Seite 9D-6398/2010 Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non- Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Euro- päischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behand- lung drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist dem Beschwerdeführer indessen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssitua- tion im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit- punkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Ge- sagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts- staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 8.4.1Der Beschwerdeführer stammt aus D.___________ in der Provinz E.___________, wo er bis einige Tage vor der Ausreise im Kreis seiner Familie gelebt habe. Nach geltender Praxis ist eine Rückkehr in dieses Gebiet der Türkei als zumutbar zu erachten, zumal sich die Sicherheitslage im Südosten und im Süden der Türkei in den Seite 10D-6398/2010 letzten Jahren soweit entspannt hat, dass der Ausnahmezustand aufgehoben werden konnte (vgl. EMARK 2004 Nr. 8). 8.4.2Der Beschwerdeführer verfügt in seinem Heimatland über ein tragfähiges Beziehungsnetz, auf das er sich bei seiner Rückkehr stützen kann. Zudem hat er gemäss seinen Angaben als Bauer und Tagelöhner gearbeitet und seinen Lebensunterhalt verdient. Unter diesen Umständen dürfte die Wiedereingliederung in seinem Heimat- land möglich sein. Die erst im Beschwerdeverfahren behauptete und durch nichts belegte Traumatisierung vermöchte an dieser Ein- schätzung nichts zu ändern. Eine Rückkehr in die Türkei ist somit zumutbar. 8.4.3Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zu- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen - digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung – entgegen der Behauptung in der Be- schwerde – auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9. Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu be- stätigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zu- mutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anord- nung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG), auf ins- gesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 27. September 2010 bezahlten Kostenvorschuss zu verrechnen. Seite 11D-6398/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt und mit dem am 27. September 2010 bezahlten Kostenvor- schuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: - den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: Original der angefochtenen Verfügung) - das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie) - (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie) Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: Seite 12