Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. März 2018 (720 17 347 / 78) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der medizinischen Unterlagen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Roman Felix , Advokat , Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1959 geborene A.____ war zuletzt vom 4. Juni 2003 bis 6. November 2011 als Pro- duktionsmitarbeiter bei der B.____ AG angestellt. A m 21. Juli 2010 meldete sich A.____ mit Hinweis auf Rückenschmerzen, Abnützung der Wirbelsä ule sowie Diabetes bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sowie Durchführung des Vo rbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 10. Mai 2017 (am 21. September 2017 erneut versendet) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht in Anwendung der allgemeinen Bemessungsmethode eine vo m 1. August 2012 bis 30. Juni 2014 befristete ganze Rente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Roman Felix, am 18. Oktober 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, die ang efochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm die g esetzlichen Leistungen zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Vernehmlassung vom 15. November 2017 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die I V-Stelle die dem Beschwerdeführer ab 1. August 2012 zugesprochene ganze Rente zu Recht per 30. Juni 2014 befristet hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltend e somatoforme Schmerzstö- rung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden (vg l. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur (U rteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_841/2016 und 8C_130/2017, bei de zur Publikation vorgesehen), sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisiert e Indikatoren beachtlich, die – unter Be- rücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfakto ren einerseits und Kompensati- onspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, da s tatsächlich erreichbare Leistungsver- mögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4-3.6 und 4.1). Gemäss altem Verfahrens- standard (z.B. BGE 130 V 352) eingeholte Gutachten ver lieren nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgrad des Versicherten nach der allgemei- nen Methode des Einkommensvergleichs bemessen, was vom Be schwerdeführer – zu Recht – nicht bestritten wird. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweis- würdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Forme n medizinischer Berichte und Gutach- ten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen ( vgl. die ausführlichen Zusammenstellun- gen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b un d in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Ver waltungsverfahrens eingeholten Gut- achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Di ese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsve rfahren sinngemäss Anwendung (Ur- teil des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99 , E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfa hrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche V ertrauensstellung in Zweifelsfällen eher Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potenti- ellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht verg essen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen läng eren Zeitraum abdeckende und umfas- sende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft we rtvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Beha ndlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini- schen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil d es EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum An- lass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandel nden Ärzte zu anderslautenden Ein- schätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich e ine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rei n subjektiver ärztlicher Interpretation ent- springende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begut achtung unerkannt oder ungewür- digt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinwei- sen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerde führers liegen im Wesent- lichen die folgenden ärztlichen Unterlagen vor: 5.1 Am 11. Mai 2012 erstellen PD Dr. med. C.____, FM H Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, ein bidisziplinäres Gutachten. Aus psychiatrischer Sicht attestiert PD Dr. C.____ als Diag nosen mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit eine leichte depressive Episode sowie Lega sthenie. Eine mittelgradige oder gar schwere Depression könne ausgeschlossen werden. Es könne gesag t werden, dass auch im objektiven Psychostatus diejenigen Parameter, die sehr g ut die innerpsychische Vitalität abbil- den würden, grösstenteils bland beziehungsweise nur leicht pathologisch ausgefallen seien, nie aber mittelgradig oder schwer, so wie äusseres Erscheinung sbild, Psycho- und Sprachmotorik, Mimik und Gestik, Denktempo, kognitive Ressourcen, Affekt verarmung sowie affektive Schwin- gungsfähigkeit. Diese Kriterien würden gut untermauer n, dass eine leichte depressive Episode vorliegen würde. Eine gewisse histrionische Ausgestaltung sei in der Untersuchung nicht zu übersehen gewesen. Man könne also eine gewisse Verdeutli chung festhalten, die aber definiti- onsgemäss bewusstseinsfernen Mechanismen unterliegen würd e. Die Legasthenie habe nur dann eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, wenn es sich um Arbeiten handle, in denen An- forderungen an Sprach- oder Lesefähigkeiten gestellt würden. Hinweise für eine Persönlich- keitsstörung würden nicht vorliegen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 80%ige Arbeitsfä- higkeit. Dr. D.____ stellte aus rheumatologischer Sicht folgend e Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit: Seronegative Spondylarthropathie mit/b ei Befall Lendenwirbelsäule und Iliosakralgelenk, Status nach Basistherapie mit Adalimuma b von 06/2010 bis Ende 2011, ge- stoppt wegen rezidivierenden Infekten, derzeitige Basisth erapie mit Sulfasalazin seit einigen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Monaten, sowie ein essentieller Tremor. Das Achsenorgan zeige einen deutlichen Rundrücken mit Shift der Wirbelsäule nach rechts, so falle das Lo t 5 cm rechts der Rima ani. Zusammenge- fasst finde sich ein deutliches Lumbovertebralsyndrom mit e rheblicher Bewegungseinschrän- kung und auch Schmerzhaftigkeit, dies bei nachgewiesener s eronegativer Spondylarthropathie mit entzündlichem Befall der Lendenwirbelsäule und des Iliosakralgelenks. Des Weiteren be- stehe ein essentieller Tremor, welcher in Bezug auf d ie Arbeitsfähigkeit ebenfalls relevant sei, dies vor allem bei einer feinmotorischen Tätigkeit. Bez üglich Diabetes mellitus bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Das Profil einer V erweistätigkeit umfasse körperlich leichte Tätigkeiten mit nicht Heben, Stossen oder Ziehen über 7,5 kg, keine Arbeiten dauernd in Zwangshaltungen, dauernd nur stehend oder sitzend, ni cht repetitiv bückend, mit der Möglich- keit zum Positionswechsel. Für eine derartige körperli ch leichte, adaptierte Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bezogen auf ein Ganztag espensum. Auf Grund des Ruhetre- mors sei er für eine Tätigkeit, welche feinmotorische Fä higkeiten mit den Händen erfordere nicht arbeitsfähig. Die rheumatologische Beurteilung gelte als Gesamtbeurteilung. 5.2 Die behandelnde Ärztin Dr. med. E.____, FMH Neur ologie, hielt anlässlich einer Kon- trolluntersuchung vom 24. Januar 2014 fest, der Patie nt habe berichtet, dass sich das Zittern in der Zwischenzeit nicht nennenswert verbessert habe. Bezüg lich der Medikamente sei sie nicht ganz sicher, ob der Patient die Medikamente korrekt einne hme. Es zeige sich ein leicht- bis mässiggradiger Halte- und Aktionstremor an beiden obere n Extremitäten, im Wesentlichen un- verändert zur Voruntersuchung im Oktober 2013. Es besteh e ein essentieller Tremor ca. seit dem 20. Lebensjahr bei positiver Familienanamnese. Am 21. Februar 2014 hielt Dr. E.____ fest, gemäss Ang aben des Patienten, sei der Tremor un- verändert stark vorhanden. Am 1. April 2014 führte Dr . E.____ aus, der Patient habe Mysoline eigenmächtig auf 3 x 1 pro Tag aufdosiert. Erfreulicherweise habe er keine Nebenwirkungen. Gemäss den Verlaufsberichten von Dr. E.____ vom 6. Febru ar 2015, 11. Februar 2015 und 10. März 2015 berichtete der Beschwerdeführer, es gehe ihm relativ gut, der Tremor sei unver- ändert vorhanden, das Mysoline wirke. Der Patient habe se ine Medikation nicht korrekt ange- ben können (6. Februar 2015). Eine Kontrolle der Med ikamente am 11. Februar 2015 habe er- geben, dass das Mysoline nicht mehr eingenommen worden se i und Inderal in zu geringer Do- sis. Das Mysoline sei wieder langsam einzudosieren und das I nderal zu erhöhen. Die Kontrolle am 10. März 2015 habe ergeben, dass der Patient die M edikamente gut vertrage und es deut- lich positive Effekte gebe; es komme zu Exazerbationen i n Stresssituationen. Am 5. Juni 2015 berichtet Dr. E.____, der Tremor sei unter der Kombin ationstherapie mit Inderal und Mysoline deutlich zurückgegangen. Es werde empfohlen, die Medikation so zu belassen. 5.3 Die Medas Interlaken Unterseen GmbH erstellte am 2 9. Januar 2016 ein polydisziplinä- res Gutachten mit den Disziplinen Rheumatologie (Dr. m ed. F.____, FMH Rheumatologie), Neurologie (Dr. med. G.____, FMH Neurologie), Psychiatrie (Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie) und Innere Medizin (Dr. med. I.____, FMH Innere Medizin). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aus rheumatologischen Gründen bestehe für die zuletzt a usgeübte Tätigkeit als Wäschereimit- arbeiter unter Berücksichtigung qualitativer Einschränkun gen gemäss Dr. F.____ eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit, wie dies vorübergehend auch prakt iziert worden sei. Geltung habe diese Einschätzung ab dem 1. April 2014 (Abschluss der orthopäd ischen Behandlung nach unfallbe- dingter Meniskusläsion). Qualitativ seien folgende Einschrä nkungen zu beachten: Nicht aus- schliesslich stehende Tätigkeiten, sondern Wechselpositionen und Wechselbelastung, kein schweres Heben und Tragen von Lasten, kein häufiges Steig en und keine feinmotorischen Tä- tigkeiten. Eine angepasste Tätigkeit ohne rückenbelasten de Arbeiten (kniend, kauernd, aus- schliesslich sitzend, vorgebeugt) ohne Heben und Tragen übe r 20 kg, ohne Überkopfarbeiten, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufige s oder langes Gehen auf unebenem Ge- lände, ohne häufige manuelle Tätigkeiten, ohne fein motorische Tätigkeiten, sei dem Beschwer- deführer ohne zeitliche Einschränkung aber mit Leistungsm inderung von 20 %, das bedeute in einem Umfang von 80 %, zumutbar. Diese Einschätzung ge lte ebenfalls seit Suva-Abschluss, respektive Beendigung der orthopädischen Behandlung na ch arthroskopischer Teilmenisk- ektomie links, also ab April 2014. Der neurologische Gutachter Dr. G.____ hält als Diagn osen einen essentiellen familiären Tre- mor, ICD-10 G25.0, sowie chronische tägliche Lumbalgien ohne Lumbovertebralsyndrom und ohne senso-motorische Ausfälle, ICD-10 M54.96, fest. I n seiner Beurteilung führt er aus, das klinische Bild sei ohne Zweifel mit der Diagnose eines f amiliären essentiellen Tremors zu ver- einbaren. Der Intentions- und Positionstremor der obe ren Extremitäten sei wirklich ausgeprägt und sehr störend trotz einer absolut adäquaten Therapi e mit einem Betablocker (Propranolol) und einem Antiepileptikum (Mysoline). Gemäss Angaben der behandelnden Neurologin Dr. E.____ (letzte neurologische Kontrolle vom 5. Juni 2015) sei der Tremor unter der Kombina- tionstherapie mit lnderal und Mysoline deutlich zurückgeg angen. Die Chancen einer signifikan- ten Verbesserung des essentiellen Tremors durch eine Anpassung der Therapie seien äusserst klein. Wegen des ausgeprägten lntentionstremors der Hä nde schätze er seine Arbeitsfähigkeit für manuelle Tätigkeiten deutlich unter 50 % ein. Aus psychiatrischer Sicht diagnostiziert Dr. H.____ ein dysfu nktionales Krankheitsverhalten (Selbstlimitierung, Entschädigungshaltung, Schonverhalten und Verharren in der Krankenrolle). Ansonsten liege kein relevanter Gesundheitsschaden auf p sychiatrischem Gebiet vor. Der Gut- achter führt aus, als Vordiagnosen seien eine leichte d epressive Episode gutachterlich festge- halten, von Behandlerseite eine mittelgradige depressi ve Störung. Beides sei in der jetzigen Situation nicht mehr festzustellen. Auch eine Veränderu ng in Richtung anhaltende depressive Störung (Dysthymie) sei trotz Angaben des Versicherten, ver bittert zu sein, minderbelastbar, gekränkt, nervös, gereizt, angesichts der affektiven Modulierbarkeit nicht zu diagnostizieren. Da keine psychiatrische Krankheit vorliege, könne auch keine Funktions- und Fähigkeitsstörung aus psychiatrischer Perspektive abgeleitet werden. Es ergebe sich auch für die vormalige Tä- tigkeit keine Einschränkung, so dass insgesamt weder für die letzte Tätigkeit noch in einer an- gepassten Tätigkeit quantitative oder qualitative Einsc hränkungen definiert werden könnten. Defizite würden sich allenfalls durch Dekonditionierung, mangelndes Anreizsystem, Selbstlimi- tierung und erlebte Chancenlosigkeit ergeben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Interdisziplinär beurteilt würden körperliche Erkrankung en vorliegen. Auf rheumatologischem Gebiet in Form der Spondylarthropathie und degenerat iver Veränderungen des Achsenorganes und der Kniegelenke, beides zu einem chronischen Schmerzsyndrom, entzündlich und degene- rativ bedingt führend. Auf neurologischem Gebiet liege ein essentieller, familiärer Tremor vor, der zu einem sozialen Vermeidungsverhalten beitrage (kein Essen oder Trinken in der Öffent- lichkeit). Auf psychiatrischem Gebiet bestehe keine krankheit swertige Störung. Die vormals di- agnostizierte leichte depressive Episode sei demnach abgeklungen. Es bestehe ein ausgepräg- tes, dysfunktionales Krankheitsverhalten mit Selbstlimiti erung, Entschädigungshaltung und De- konditionierung. Gesamthaft hätten die rheumatologisc hen und die neurologischen Befunde Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Aus den internis- tischen Befunden respektive Vorbefunden, Diabetes mellitu s und arterielle Hypertonie, würden sich keine Funktionseinschränkungen ergeben. Zusammenfassend werden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: 1. Spondyloarthropathie, HLA-B27 negativ, seronegativ, bildgebend mässig aktive Spondylo- diszitiden und Sakroilitis beidseits, M45.09. 2. Essentieller, familiärer Tremor, betont als Posit ions- und lntentionstremor der oberen Extre- mitäten, G25.0. 3. Chronische Lumbalgie ohne sensomotorische Ausfälle , mit/bei vorbefundlich nachgewiese- nen Osteochondrose L1 bis L5, Spondylarthrose der unteren LWS, Diskusprot rusionen L3 bis S1 (MRI 12/2008), M54. Unter dem Titel „Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde“ wird ausgeführt, in rheuma- tologischer Hinsicht bestehe eine nicht vollständig remittierte Spondylarthropathie. Trotz fehlen- der humeralen Entzündungszeichen spreche die aktuelle Bil dgebung für eine noch bestehende Aktivität der rheumatologischen Systemerkrankung. Insofern seien Ruheschmerzen respektive nächtliche Schmerzen – auch wenn der Versicherte sich dazu inkonsistent äussere – plausibel. Die degenerativen Veränderungen an den Kniegelenken und an der Lendenwirbelsäule seien mässiggradig ausgebildet und würden zur Schmerzproblema tik zum kleineren Teil beitragen. Neurologisch stehe der Positions- und Intensionstremor, familiärer, essentieller Art, im Vorder- grund. Er sei aktuell ausgeprägt gewesen, möglicherwei se weil die an sich adäquate medika- mentöse Therapie vom Versicherten nicht befolgt werde. D er Tremor habe Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit der oberen Extremitäten. Sensom otorische Ausfälle im Zusammenhang mit der nachgewiesenen Diskushernie L5/S1 würden keine bestehen. Im Zusammenhang mit der Berücksichtigung von Ausschlussgründen wird ausgeführt, eine Aggravation der Beschwer- den (insbesondere Schmerzsymptomatik) und Funktionseinschrän kungen (insbesondere Ach- senorgan) könne nicht ausgeschlossen werden. Hinsichtlich de r neurologischen Symptomatik und damit verbundener Einschränkungen bestehe dieser Ve rdacht nicht, es bestehe stattdes- sen eine therapeutische Malcompliance. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit wird festgehalten, au s rheumatologischen Gründen bestehe für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Wäschereimitarbeite r unter Berücksichtigung qualitativer Einschränkungen eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit wie dies vorübergehend auch praktiziert worden sei. Geltung habe diese Einschätzung ab dem 1. A pril 2014 (Abschluss der orthopädi- schen Behandlung nach unfallbedingter Meniskusläsion). Qu alitative Einschränkungen seien: Nicht ausschliesslich stehende Tätigkeiten, sondern Wechselpositionen und Wechselbelastung, kein schweres Heben und Tragen von Lasten, kein häufiges S teigen und keine feinmotorischen Tätigkeiten. Eine angepasste Tätigkeit ohne rückenbel astende Arbeiten (kniend, kauernd, aus- schliesslich sitzend, vorgebeugt) ohne Heben und Tragen übe r 20 kg, ohne Überkopfarbeiten, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufige s oder langes Gehen auf unebenem Ge- lände, ohne häufige manuelle Tätigkeiten, ohne fein motorische Tätigkeiten, sei dem Versicher- ten ohne zeitliche Einschränkung aber mit einer Leistun gsminderung von 20%, also in einem Umfang von 80%, zumutbar. Diese Einschätzung gelte eben falls seit Beendigung der orthopä- dischen Behandlung nach arthroskopischer Teilmeniskektomie links, also ab April 2014. 6. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung vom 21. September 2017 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeits fähigkeit des Versicherten vollum- fänglich auf das polydisziplinäre Gutachten der Medas vom 29. Januar 2016. Sie ging demzu- folge davon aus, dass der Beschwerdeführer in seiner a ngestammten Tätigkeit zu 50 % einge- schränkt sei. Eine angepasste Tätigkeit ohne rückenbelastende Arbeiten (kniend, kauernd, aus- schliesslich sitzend, vorgebeugt), ohne Heben und Tragen ü ber 20 kg, ohne Überkopfarbeiten, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufige s oder langes Gehen auf unebenem Ge- lände, ohne häufige manuelle Tätigkeiten, ohne fein motorische Tätigkeiten, sei dem Versicher- ten ohne zeitliche Einschränkung aber mit einer Leistun gsminderung von 20%, also in einem Umfang von 80%, zumutbar. Der Beschwerdeführer hingegen beruft sich auf die Berichte der behandelnden Ärzte, Dr. med. K.____, FMH Allgemeine Medizin, Dr. med. L.____, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie, Dr. med. M.____, FMH Inner e Medizin spez. Rheumatologie, so- wie Dr. med. E.____, FMH Neurologie. Alle behandeln den Ärzte attestieren dem Beschwerde- führer eine höhere Arbeitsunfähigkeit. 6.1 In psychiatrischer Hinsicht macht der Beschwerdeführer geltend, das Gutachten sei nicht verwertbar, weil sich der Gutachter Dr. H.____ ni cht mit den abweichenden Beurteilungen der übrigen Psychiater auseinandersetzt. Dem ist entgege n zu halten, dass auf Seite 11 des psychiatrischen Teilgutachtens unter Bezugnahme auf die e rhobenen Befunde nachvollziehbar erklärt wird, wieso keine Depression vorliegt, wobei der Gutachter auch ausdrücklich die Diag- nosen von Dr. L.____, welcher von einer mittelgradig en Depression ausgeht, und von Dr. C.____ im Gutachten aus dem Jahr 2012, welcher eine l eichte Depression diagnostiziert, er- wähnt. Zu Recht weist der Gutachter auch darauf hin, da ss zudem kein auslösendes Ereignis für eine posttraumatische Belastungsstörung auszumachen u nd angesichts der somatischen Befunde auch nicht von einer somatoformen Schmerzstörun g auszugehen ist. Ausserdem wur- den diese beiden Diagnosen von Dr. L.____ lediglich al s Verdachtsdiagnosen gestellt. Damit kann auf die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters abgestellt werden. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 In Bezug auf das rheumatologische Teilgutachten brin gt der Beschwerdeführer vor, dass der Gutachter seine Beurteilung selbst relativiere , indem er bemerke, dass diese sich auf den Zustand im Zeitpunkt der Begutachtung beziehe. Da raus kann der Beschwerdeführer je- doch nichts zu seinen Gunsten ableiten. Die entzündlich e Erkrankung im Bereich der Wirbel- säule wurde medikamentös behandelt und dies führte, wie aus den Berichten der behandelnden Ärzte ersichtlich ist, zu einem stabilen Zustand, so dass d ie Beurteilung von Dr. F.____ diesbe- züglich auch über den Begutachtungszeitpunkt hinaus als g ültig zu betrachten ist. Es fällt je- doch auf, dass der rheumatologische Gutachter Dr. F.____ bei praktisch gleicher Diagnose und gleichen Befunden ein deutlich höheres Traglimit (20 kg) angibt als dies Dr. D.____ in seinem rheumatologischen Gutachten im Mai 2012 getan hat (7 ,5 kg). Diese Abweichung wird von Dr. F.____ mit keinem Wort begründet oder kommentiert . Damit besteht eine Diskrepanz zwi- schen den beiden Gutachtern, die nicht nachvollzogen werd en kann. Da das Traglimit einen Einfluss auf mögliche Verweistätigkeiten hat, kann auf die vorliegende rheumatologische Beur- teilung nicht abgestellt werden. 6.3 In neurologischer Hinsicht bemängelt der Beschwerde führer, dass der Gutachter im neurologischen Teilgutachten wegen des essentiellen Tremors eine Arbeitsfähigkeit für manuel- le Tätigkeiten von deutlich unter 50 % attestiert, dies aber im Gesamtgutachten in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit keine Erwähnung findet. Wie der RAD dazu richtig ausführt, ist der Gutachter Dr. G.____ bei der Begutachtung davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer seine Medi- kamente gegen den Tremor korrekt einnehme, was aber gem äss Medikamentenspiegel nicht der Fall sei. Im Hauptgutachten wird denn auch der situativ und anspannungsbedingt verstärkte Intensions- und Ruhetremor bei essentieller familiärer Tremorerkrankung auf die mangelnde medikamentöse Compliance zurückgeführt. Inwiefern und in welchem Umfang sich die man- gelnde Compliance aber auf die Arbeitsfähigkeit auswi rkt, ergibt sich aus dem neurologischen Teilgutachten nicht. Es ist somit unklar, ob bzw. wie si ch eine korrekte Medikamenteneinnahme auf den Tremor und auf die Arbeitsfähigkeit auswirke n würde. Aus den Berichten der behan- delnden Neurologin Dr. E.____ geht hervor, dass sich de r Tremor unter Medikation verringert hat, nicht aber verschwunden ist. Somit kann nicht dav on ausgegangen werden, dass der Tre- mor bei korrekter Medikamenteneinnahme ohne Einfluss au f die Arbeitsfähigkeit geblieben wä- re. Auch diesbezüglich ist das Gutachten demzufolge als mangelhaft zu bewerten. Zudem ist unklar, weshalb Dr. G.____ keine Kenntnis vom Medikaments piegel hatte, da dieser bereits Mitte November 2015 feststand, das Gutachten jedoch erst am 7. Dezember 2015 erstellt wur- de und Dr. G.____ den Beschwerdeführer am 5. Dezember 2015 untersucht hat. Im Übrigen hätte Dr. G.____ bereits aufgrund der Berichte von Dr . E.____, welche darin vereinzelt Zweifel an der Medikamenteinnahme durch den Beschwerdeführer äusserte, den anlässlich der Unter- suchung sehr starken Tremor hinterfragen und den Beschwer deführer darauf ansprechen müs- sen. 6.4 Des Weiteren rügt der Beschwerdeführer, dass die Gu tachter keine konkreten Beispie- le für zumutbare Tätigkeiten genannt haben. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt, ist es jedoch nicht Aufgabe der begutachtenden Ärzte kon krete zumutbare Arbeitsstellen zu benennen. Ärztlicherseits ist lediglich das Belastungsprof il zu definieren, welches dem Be- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführer mit seinen gesundheitlichen Einschränkung en noch möglich ist. Eine Konkreti- sierung der noch zumutbaren Tätigkeiten obliegt der Invalidenversicherung. 7. Gestützt auf die obigen Ausführungen ist festzuhalte n, dass auf das vorliegende Gut- achten der Medas nicht abgestellt werden kann, da ein erseits die Frage des Traglimits nicht geklärt bzw. die Diskrepanz zwischen den Gutachten von Dr. F.____ und von Dr. D.____ (20 kg bzw. 7,5 kg) im Medas-Gutachten nicht begründet wurde und andererseits die Frage der Aus- wirkungen einer korrekten Medikamenteneinnahme auf den Tremor nicht geklärt wurde. Es fin- det sich auch keine Stellungnahme des Neurologen Dr. G. ____ zu den Feststellungen im Hauptgutachten bezüglich der mangelhaften Compliance u nd deren Auswirkungen auf die Ar- beitsfähigkeit. Damit bestehen Unklarheiten, welche sich auf den Umfang der Arbeitsfähigkeit auswirken können. Eine Verbesserung des Gesundheitszustan des bzw. der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im April 2014 ist demnach nicht mi t überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, weshalb die angefochtene Verfügung vom 21. September 2017 aufzuheben und die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. Zu guter Letzt ist darauf hinzuweisen, dass gemäss bunde sgerichtlicher Rechtsprechung die Selbsteingliederung bei über 55-jährigen versicherten Personen grundsätzlich als nicht mehr zumutbar einzustufen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2017, 9C_525/2017, E. 3.5). Im vorliegenden Fall wurde zwar im Jahr 2011 ein Arbeitstraining durchgeführt, dies jedoch bevor der Beschwerdeführer sich im Mai 2013 eine Meniskusläsion zugezogen hat, wel- che in der Folge auch operiert wurde. Damit hat sich d ie Situation seit der Durchführung des Arbeitstrainings erheblich verändert. Zu berücksichtige n ist auch, dass der Beschwerdeführer sich selbst als arbeitsfähig bezeichnet. Unter diesen Umstän den wird die IV-Stelle auch abzu- klären haben, ob Eingliederungsmassnahmen durchzuführen sind, da der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der angeblichen Verbesserung des Gesundheitszu stands 55-jährig und im Zeitpunkt des Verfügungserlasses 58-jährig war. 8. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 19 93 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine V erfahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Ve rfahrenskosten erhoben werden. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 15. Dezember 2017 für das vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von 11.15 Stunden geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sach- verhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Be mühungen sind zu dem in Sozial- versicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu bea nstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 42.90. De m Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘056.85 (11,1 5 Stunden à Fr. 250.- + Auslagen von Fr. 42.90 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefoch- tene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 21. September 2017 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren A bklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfü gung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle hat dem Beschwerdeführer eine Part eientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘056.85 (inkl. Spesen und 8 % Mehrw ertsteuer) zu entrichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht