B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1354/2020 U r t e i l v o m 2 7 . M ä r z 2 0 2 0 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richterin Constance Leisinger, Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch MLaw Ruedy Bollack, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Nordwestschweiz, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug), (verkürzte Beschwerdefrist); Verfügung des SEM vom 26. Februar 2020 / N (…). E-1354/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer suchte am 1. Januar 2020 in der Schweiz um Asyl nach und ihm wurde als Unterkunft das Bundesasylzentrum Nord- westschweiz in Basel (BAZ NWCH; nachfolgend BAZ Basel) zugewiesen. A.b Mit Vollmacht vom 7. Januar 2020 mandatierte er den HEKS Rechts- schutz im BAZ Basel als unentgeltliche Rechtsv ertretung im Rahmen des Asylverfahrens gemäss Art. 102f ff. AsylG (SR 142.31). A.c Am 3. Februar 2020 wurde er in einer Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (EB UMA) in Anwesenheit seiner Rechtsver- tretung namentlich zu seinen Personalien und seiner Identität, seiner Her- kunft, seinen Familienverhältnissen und Lebensumständen, seiner Schul- und Ausbildung, seinem Reiseweg, summarisch zu seinen Asylgesuchs- gründen sowie zu seiner Gesundheit befragt (SEM-Akte […], nachfolgend: Akte 13/12). Dabei gab er im Wesentlichen an, er stamme aus der Provinz B._______ und sei der Ethnie der C._______ zugehörig. In seinem Hei- matland habe er mit seinen Eltern, seinen zwei Schwestern und drei Brü- dern sowie den Grosseltern väterlicherseits stets am selben Wohn ort ge- lebt. Er habe sechs Jahre die Schule besucht. Zur summarischen Begrün- dung seines Asylgesuches trug er vor, das Leben der ganzen Familie sei in Gefahr gewesen, weil sein Vater für die Behörden gearbeitet habe. Sein Vater habe als Bodyguard gearbeitet, zuerst für den (…), dann für (…). Deswegen hätten die Taliban ihr Haus angegriffen. Bei diesem Angriff sei einer seiner Brüder getötet worden, der aktuell 13 Jahre alt wäre. Er (der Beschwerdeführer) sei nie politisch aktiv gewesen und habe nie Probleme mit den Behörden oder Drittpersonen gehabt. Im Juni 2017 sei er mit sei- nen Eltern, seinen zwei Schwestern und drei Brüdern über Kabul und Herat in den Iran gereist. Dort hätten sie sich ungefähr ein Jahr und zwei bis drei Monate in Teheran aufgehalten. Ein Bruder seiner Mutter habe ihre Lände- reien in Afghanistan verkauft und ihnen Geld geschickt. Zusätzlich hätten sein Vater und er gelegentlich gearbeitet. Sein Vater habe im Iran einen Schlepper beauftragt und die ganze Familie sei Richtung türkische Grenze gereist. An der Grenze habe er seine Eltern und Geschwister aus den Au- gen verloren und sei alleine weitergereist. Immer zusammen mit demsel- ben Schlepper aus dem Iran sei er über die Türkei nach Griechenland und Serbien und von dort nach zwei bis drei Monat en mit einem Lastwagen direkt nach Paris (Frankreich) gelangt. Am nächsten Tag habe ihn sein E-1354/2020 Seite 3 Schlepper in einem Zug nach Bern geschickt, wo er am 1. Januar 2020 angekommen sei. A.d Am 14. Februar 2020 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter seine Tazkira im Original und diverse Dokumente betref- fend die Ausbildung seines Vaters zu den Akten reichen. A.e Am 17. Februar 2020 wurde der Beschwerdeführer gemäss Art. 29 AsylG zu seinen Asylgründen angehört (SEM-Akte […], nachfolgend: Akte 19/17). Als wesentliche Sachverhalte schilderte er, sein Vater habe in der Kriminalabteilung und später als (…) gearbeitet. Sein Vater habe, das sei viele Jahre vor seiner Ausreise aus Afghanistan gewesen, einen Brief von den Taliban erhalten, worin diese ihm gedroht hätten, es würde für ihn und seine Familie gefährlich werden, wenn er seine berufliche Tätigkeit nicht aufgeben würde. Später sei sein Vater für zirka zwei Jahre wieder in der Kriminalabteilung tätig gewesen, bevor er an einem and eren Arbeitsort die Funktion (…) übernommen habe. Anlässlich eines Einsatzes sei er verletzt und sein Vor- gesetzter getötet worden. Nach der Spitalentlassung habe sein Vater er- fahren, dass sich in einem nahegelegenen Ort Anhänger der Taliban befin- den würden. In seiner Funktion habe er den Dorfbewohnern gegen eine persönliche behördliche Bürgschaft Waffen bereitgestellt, um ihr Dorf ver- teidigen zu können. Dieses Vorgehen habe die Taliban weiter gegen seinen Vater aufgebracht, worauf diese das Haus seiner Familie angegriffen hät- ten. Sein Vater und sein Grossvater hätten den Angriff abwehren können, jedoch sei einer seiner (des Beschwerdeführers) jüngeren Brüder dabei getötet worden. Wochen oder Monate vor seiner Ausreise sei ein von seinem Vater einge- richteter bewaffneter Posten von den Taliban überfallen worden. Die pos- tierten Wächter hätten von den Taliban festgenommen und entwaffnet wer- den können. Als sein Vater den Behörden von diesem Vorfall berichtet habe, hätten diese ihm seine Darstellung nicht geglaubt, sondern ihm viel- mehr eine Kooperation mit den Taliban unterstellt. Es sei ihm aufgetragen worden, entweder die erbeuteten staatlichen Waffen beizubringen oder die entwaffneten Wächter vorzuführen. Diese hätten sich aber aufgrund der ihnen verlustig gegangenen Waffen vor einer möglichen Bestrafung ge- fürchtet und es vorgezogen, sich den Taliban anzuschliessen. Auch diesem von seinem Vater gemeldeten Umstand hätten die Behörden keinen Glau- ben geschenkt, sondern ihm mit einer Verurteilung gedroht. E-1354/2020 Seite 4 Vor diesem Hintergrund habe sich die ganze Familie zu einem Kollegen seines Vaters nach Kabul begeben. Dieser habe seinem Vater eröffnet, aufgrund seiner Probleme sowohl mit den Behörden als auch mit den Tali- ban könne er nicht mehr in Afghanistan bleiben. Nach 18 bis 20 Tagen hät- ten er und seine Familie Kabul verlassen, und sie seien über Herat in den Iran ausgereist. Bei einer Rückkehr nach Afghanistan würde er befürchten, wegen seines Vaters einer Reflexverfolgung seitens der Taliban ausgesetzt zu sein. Zu- dem befürchte er, seitens der Behörden anstelle seines Vaters bestraft zu werden. Anlässlich der Anhörung gab der Beschwerdeführer als Beweismittel eine auf Antrag durch regionale Funktionäre ausgefertigte Bestätigung des An- griffs auf das Haus der Familie durch die Taliban zu den Akten. A.f Am 24. Februar 2020 wurde dem Rechtsvertreter des Beschwerdefüh- rers der Entscheidentwurf des SEM zur Stellungnahme unterbreitet. Mit Eingabe vom 25. Februar 2020 nahm der Rechtsvertreter zum Entscheid- entwurf Stellung. B. Mit Verfügung vom 26. Februar 2020 (gleichentags an den Rechtsvertreter eröffnet) stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlings- eigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab . Der Beschwerdeführer werde aus der Schweiz weggewiesen und da der Vollzug seiner Wegwei- sung zurzeit nicht zumutbar sei, werde er vorläufig aufgenommen. Das SEM folgerte in seinem Entscheid, die Befürchtungen des Beschwer- deführers, wegen der Tätigkeiten seines Vaters im Zeitpunkt seiner Reise nach Kabul asylrelevanten Nachteilen seitens der Taliban ausgesetzt ge- wesen zu sein oder bei einer Rückkehr nach Afghanistan ausgesetzt zu werden und seitens der afghanischen Behörden künftig einer Reflexverfol- gung ausgesetzt zu werden, seien objektiv unbegründet. Seine Vorbringen würden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten, weshalb auf eine weitere Würdigung allfälliger diesbezüglicher Unglaubhaftigkeitselemente verzichtet werden könne. Zur Begründung dieser Folgerun g führte das SEM aus, nach dem Angriff auf das Haus der Familie habe diese keine konkreten Probleme mehr mit den Taliban erfahren. In den folgenden Jahren habe der Vater des Be- schwerdeführers offensichtlich keinen Anlass gesehen, seine Familie E-1354/2020 Seite 5 durch eine sof ortige Flucht zu schützen , auch wenn ab und zu Soldaten vor dem Haus Wache gestanden hätten. Der Beschwerdeführer sei auch nach dem Angriff, der gemäss der eingereichten Bestätigung bereits drei Jahre und vier Monate vor der Ausreise aus Afghanistan stattg efunden habe, zwar nicht mehr täglich, aber weiterhin zu Fuss und ohne Schutzge- leit und zuletzt bis zur Abreise der Familie nach Kabul zur Schule gegan- gen. Auch zumal der Vater des Beschwerdeführers mittlerweile der Auffor- derung der Taliban nachgekommen sei und seine Arbeit aufgegeben habe, sei nicht ersichtlich, weshalb die Taliban nunmehr ein Interesse daran ha- ben sollten, dem Beschwerdeführer persönlich im Sinne einer Reflexver- folgung etwas anzutun. Gemäss Angaben des Beschwerdeführers würden im Übrigen die Geschwister seines Vaters nach wie vor im von Taliban in- filtrierten Dorf leben. Die geltend gemachte Furcht vor einer Reflexverfolgung seitens der afgha- nischen Behörden habe der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung nicht zu substanziieren vermocht und stütze diese einzig auf vage, subjek- tive Vermutungen. Es sei ohnehin zweifelhaft, dass seinem Vater einerseits der Angriff auf das Haus der Familie bestätigt und später eine Nähe zu den Taliban angelastet worden wäre. Nicht nachvollziehbar sei derweil, dass, wenn man seinem Vater tatsächlich ernsthaft Taliban -Nähe vorgeworfen hätte, man ihn Wochen oder Monate nicht zur Rechenschaft gezogen und als einzige Konsequenz die augenscheinlich ohnehin sporadische Bewa- chung des Hauses eingestellt hätte. Ebenfall s könne nicht nachvollzogen werden, weshalb sein Vater in Anbetracht der angeblichen Vorwürfe gegen ihn seitens der afghanischen Behörden als (…) und vielseitig staatlich er- fahrener Funktionär, der derartige Abläufe bestens kennen dürfte, zunächst hätte glauben sollen, er könne sich in Kabul niederlassen, um sodann erst auf einen blossen Hinweis eines Kollegen hin zu entscheiden, Afghanistan zu verlassen. Zusammengefasst seien die Befürchtungen des Beschwerdeführers objek- tiv unbegründet. Die Rechtsvertretung halte in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf fest, bei der Würdigung der Vorbringen des Beschwerdeführers sei sein junges Alter nicht berücksichtigt worden. Schliesslich seien die Anforderun- gen an Plausibilität und Glaubhaftigkeit b ei Aussagen von Kindern niedri- ger anzusetzen als bei erwachsenen Personen. Somit sei offensichtlich, dass der Beschwerdeführer nicht über alle relevanten Informationen verfü-E-1354/2020 Seite 6 gen würde, und es sei anzuneh men, dass sein Vater nicht von allen rele- vanten Vorfällen berichtet habe. Auch sei sehr wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer wegen seines kindlichen Alters nicht alle Vorgänge voll- ständig verst anden oder diese richtig eingeo rdnet habe. Dem hielt das SEM entgegen, dass es in jedem Fall nur die ihm vorgelegten Sachverhalte prüfen könne. Eine Unterstellung weiterer Sachverhaltselement e, die so- dann entgegen dem Vorgebrachten eine Zuschreibung der Flüchtlingsei- genschaft konstituieren würden – wie von der Rechtsvertretung gefordert – würde dem Sinn und Zweck eines individuellen Asylverfahrens diametral entgegenstehen. Zudem sei nachdrücklich festzuhalten, dass dem jungen Alter des Beschwerdeführers bei der Anhörung sowie bei den Erwägungen im Entscheidentwurf sehr wohl Rechnung getragen worden sei. Im Weite- ren behaupte die Rechtsvertretung, das SEM habe es in seinem Entschei- dentwurf unterlassen, eine Gesamtwürdigung der Vorbringen des Be- schwerdeführers vorzunehmen. Bezüglich des Verweises in der Stellung- nahme, dass das Haus des Beschwerdeführers "während längerer Zeit von Soldaten bewacht" worden und der Beschwerdeführer nach Abzug dieses Schutzes "in grösster Gefahr" gewesen sei, könne vollumfänglich auf die obigen Erwägungen verwiesen werden, die sehr wohl im Sinne einer Ge- samtwürdigung zu lesen seien. Zusammengefasst würden in der Stellung- nahme keine Tatsachen oder Beweismittel vorgelegt, welche eine Ände- rung des Standpunktes des SEM rechtfertigen könnten. Demzufolge erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass sein Asyl- gesuch abzulehnen und er gemäss Art . 44 AsylG zur Ausreise aus der Schweiz verpflichtet sei. In Würdigung sämtlicher Umstände und unter Berücksichtigung der Akten- lage erachte das SEM vorliegend den Vollzug der Wegweisung im gegen- wärtigen Zeitpunkt als nicht zumutbar, weshalb der Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen sei. C. Der Beschwerdeführer erhob – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – mit Eingabe datiert vom 5. März 2020 (Postaufgabe 6. März 2020) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean- tragt die Aufhebung der Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfü- gung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Als Eventualbegehren seien die Dispositivziffern 1 bis 3 der an- gefochtenen Verfügung aufzuheben und es sei die Sache zur rechtsgenüg- lichen Sachverhaltsabklärung und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersucht er um Gewährung der E-1354/2020 Seite 7 unentgeltlichen Prozessführung, insbesondere sei von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen. In seiner Beschwerde macht der Beschwerdeführer – neben der Darlegung des bereits geltend gemachten Sachverhalts – vorerst auf seine Minder- jährigkeit und auf sein kindliches Alter im Zeitpunkt der geltend gemachten Vorfälle aufmerksam und führt im Wesentlichen an, das SEM habe bei der Beurteilung seiner Vorbringen nicht berücksichtigt, dass die Anforderungen an die Plausibilität und Glaubhaftigkeit von Aussagen von Kindern niedriger anzusetzen sei als bei einer erwachs enen Person. I n der angefochtenen Verfügung würde ihm vorgeworfen, dass er einige zeitliche Angaben nicht präzise hätte machen können und er auf gewisse Fragen nur vage Antwor- ten gegeben habe. Das SEM verkenne dabei, dass er unter Berücksichti- gung seines A lters sehr umfassend und ausführlich über seine Gesuch- gründe berichtet habe , weshalb seine Vorbringen als glaubhaft beurteilt werden müssten. Allfällige Wissenslücken seien auf sein kindliches Alter zurückzuführen oder auf den Umstand, dass er von seinem V ater wohl kaum über jegliche Vorfälle informiert worden sei. Er habe nachvollziehbar dargelegt, wieso er davon ausgehe, dass er bei einer Rückkehr eine asyl- relevante Verfolgung zu befürchten habe. Er habe die konkreten Nachteile beschreiben können, welche er und seine Familie aufgrund der Auseinan- dersetzung mit den Taliban erfahren hätten. So sei sein Bruder getötet wor- den und er selbst sei in seiner Bewegungsfreiheit während langer Zeit ein- geschränkt gewesen. Zudem hätten die Schwierigkeiten, die sein Vater mit den Behörden gehabt habe, dazu geführt, dass er und seine Familie einer- seits nicht mehr durch die Behörden vor den Taliban geschützt worden seien. Andererseits habe er ebenfalls erklärt, dass seine Familie grosse Probleme bekommen würde, wenn sein Vater von den Behörden inhaftiert werden würde, und er zudem befürchte, selbst von den Behörden bestraft zu werden. Er habe somit – in Anbetracht seines Alters – nachvollziehbar darlegen könne, wieso ihm in Afghanistan eine Reflexverfolgung drohe. Er sei deshalb als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Zudem bringt der Beschwerdeführer vor, er habe eine behördliche Bestäti- gung eingereicht, welche den Angriff der Taliban auf das Haus der Familie belege. Aus der angefochtenen Ver fügung sei nicht erkennbar, inwiefern das Dokument bei der Entscheidfindung berücksichtigt worden sei. Das SEM habe sich darauf beschränkt, auf eine abweichende Zeitangabe von ihm zu verweisen, habe sich jedoch nicht inhaltlich mit dem Dokument aus-E-1354/2020 Seite 8 einandergesetzt. Das SEM habe somit das rechtliche Gehör verletzt, wes- halb die Angelegenheit eventualiter an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen sei. D. Mit Schreiben vom 9. März 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM. Dabei entschei- det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel- chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Das Eventualbegehren, die Sache sei zur rechtsgenüglichen Sachver- haltsabklärung und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen, ist abzuweisen. Eine Begründung, inwiefern der rechtserhebliche Sachverhalt E-1354/2020 Seite 9 nicht hinreichend erstellt sein soll, fehlt gänzlich. Vielmehr macht der Be- schwerdeführer selbst geltend, unter Berücksichtigung seines Alters habe er sehr umfa ssend und ausführlich über seine Gesuch sgründe berichtet. Es ist demnach insoweit nicht weiter auf das Begehren einzugehen. Auf- grund der Aktenlage ist eine nicht hinreichende Sachverhaltserhebung auch nicht ersichtlich. 4.2 In der Beschwerde wird gerügt (Rz. 16), aus der angefochtenen Verfü- gung se i nicht erkennbar, inwiefern die vom Beschwerdeführer einge- reichte Bestätigung, welche den Angriff der Taliban auf das Haus der Fa- milie belege, bei der Entscheidfindung berücksichtigt worden sei. Die Vorinstanz habe sich darauf beschränkt, auf eine abweichende Zeitangabe des Beschwerdeführers zu verweisen, habe sich jedoch nicht inhaltlich mit dem Dokument auseinandergesetzt. Die Vorinstanz habe somit das recht- liche Gehör verletzt, weshalb die Angelegenheit event ualiter an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen sei. Hierzu gilt festzustel- len, dass, sollte dieses Vorbringen als Begründung des gerade angeführ- ten Eventualbegehrens gedacht sein, dies nicht die Frage der Erstellung des rechtserheblichen Sachverhaltes, sondern die der Begründungspflicht beschlägt. Die Rüge geht offenkundig fehl. Das SEM tut seiner Begrün- dungspflicht dann Genüge, wenn es im Rahmen der Begründung die we- sentlichen Überlegungen nennt, welche es seinem Entscheid zugrunde legt. Diese Anforderung wird vorliegend erfüllt. In der angefochtenen Ver- fügung wird die entsprechende Bestätigung als vom Beschwerdeführer eingereichtes Beweismittel explizit aufgeführt. Weiter hat das SEM den An- griff der Taliban auf das Haus der Familie mehrmals als Element des vom Beschwerdeführer geltend gemachten Sachverhalts in die Begründungs- kette aufgenommen und den Inhalt des Dokumentes und somit den durch das Beweismittel dargelegten Sachverhalt des Angriffs auf das Haus nicht in Zweifel gezogen. Wenn das SEM in der Begründung ausführt, es sei nicht ersichtlich, weshalb die Taliban nunmehr ( nach dem drei Jahre und vier Monate vor der Ausreise des Beschwerdeführers aus Afghanistan zu- rückliegenden Angriff auf das Haus) ein Verfolgungsinteresse gegenüb er dem Beschwerdeführer haben sollten, betrifft dies einen Teilgehalt der vom SEM vorgenommenen materiellen Würdigung und ist nicht unter verfah- rensrechtlichen Aspekten zu prüfen. Die Rüge der Verletzung der Begrün- dungspflicht als Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist unbe- gründet. 4.3 Es besteht demnach keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur neuerlichen Prüfung E-1354/2020 Seite 10 an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das Begehren um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist abzuweisen und das Gericht hat in der Sache zu entscheiden (Art. 61 Abs. 1 VwVG). 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werd en (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Das SEM ist in seiner Verfügung in Berücksichtigung der wesentlichen Aspekte mit nicht zu beanstandender Begründung zum Schluss gelangt, der vom Beschwerdeführer dargelegte Sachverhalt würde auch unter Be- achtung der länderspezifischen Gegebenheiten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten . Somit ver- weist das Bundesverwaltungsgericht vorab auf die zutreffenden Erwägun- gen des S EM. Mit den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vermag der Beschwerdeführer diesen Argumenten nichts Stichhaltiges entgegen- zusetzen. Das SEM hat nicht in Zweifel gezogen, dass der Vater des Beschwerde- führers in (…) staatlicher Funktion im Bereich der Sicherheitsdienste tätig war und hat – wie aus der Gesamtbegründung zumindest implizit hervor- geht – diesen Aspekt gebührend und angemessen in die Beurteilung des länderspezifischen möglichen Gefährdungspotentials miteinbezogen. E-1354/2020 Seite 11 Das Gericht folgt der Feststellung des SEM, wonach die Familie nach dem Angriff auf ihr Haus – der bereits drei Jahre und vier Monate vor der Aus- reise aus Afghanistan stattgefunden hat – keine konkreten Probleme mehr mit den Taliban erfahren und der Vater des Beschwerdeführers in den fol- genden Jahren offensichtlich keinen Anlass gesehen hat, se ine Familie durch eine zeitnahe Flucht zu schützen. Auch ist der Beschwerdeführer bis zur Abreise der Familie nach Kabul weiterhin zu Fuss und ohne Schutzge- leit zur Schule gegangen. Es ist aufgrund der Angaben des Beschwerde- führers nicht ersichtlich, dass er persönlich in den Fokus der Taliban gera- ten wäre. Das SEM hat zudem aus dem Umstand, dass sein Vater mittler- weile der Aufforderung der Taliban nachgekommen ist und seine Arbeit auf- gegeben hat, zu Recht auf kein Interesse und auch keinen Anlass der Ta- liban geschlossen, den Beschwerdeführer persönlich nunmehr einer Re- flexverfolgung auszusetzen. Wenn das SEM in diesem Zusammenhang auch auf die Angaben des Beschwerdeführers verweist, wonach die Ge- schwister seines Vaters nach wie vor im von Taliban infiltrierten Dorf leben, erscheint dies als sachgerecht beigezogenes Indiz, das gegen eine aktu- elle und ernsthafte Gefährdung des familiären Umfeldes durch die Taliban spricht. In der Beschwerdeeingabe wird den ei nzelnen Begründungselementen des SEM nichts Konkretes entgegengesetzt, wenn pauschal vorgebracht wird, die Anforderungen an die Plausibilität und Glaubhaftigkeit der Aussa- gen des Beschwerdeführers seien niedriger anzusetzen und er habe unter Berücksichtigung seines Alters sehr umfassend und ausführlich über seine Gesuchgründe berichtet, so dass seine Vorbringen als glaubhaft beurteilt werden müssten. Das SEM hat in seiner Begründung die wesentlichen vom Beschwerdeführer vorgebrachten Sachverhalte denn auch nicht als un- glaubhaft, sondern in Beurteilung des Gesamtrahmens deren flüchtlings- rechtliche Relevanz als nicht gegeben erachtet. So ist der Einwand, der Beschwerdeführer habe die konkreten Nachteile beschreiben können, wel- che er und seine Familie aufgrund der Auseinandersetzung mit den Taliban erfahren hätten (Tod seines Bruders, Einschränkung seiner eigenen Bewe- gungsfreiheit), unbehelflich. Wenn in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf und in der Beschwerde vorgebracht wird, a llfällige Wissenslücken seien auf sein kindliches Alter zurückzuführen oder auf den Umstand, dass der Beschwerdeführer von seinem Vater wohl kaum über jegliche Vorfälle informiert worden sei, ist mit dem SEM insoweit einig zu gehen, dass grundsätzlich nur der tatsächlich vorgelegte Sachverhalt und nicht dem Vorgebrachten unterstellte mögliche E-1354/2020 Seite 12 und spekulative weitere Sachverhaltselement e geprüft werden können. Zwar können nebst nicht explizit Vorgetragenem gegebenenfalls länder- spezifischen oder anderen hinreichend gefestigten Erkenntnissen als Be- gleitumstände für eine sachgerechte Beurteilung Rechnung getragen wer- den. Diesem Aspekt ist das SEM in der Begründung der angefochtenen Verfügung soweit notwendig aber auch nachgekommen. Das SEM hat richtigerweise darauf erkannt, es erscheine nicht nachvoll- ziehbar, dass die zuständigen afghanischen Behörden den Vater des Be- schwerdeführers als (…) (…) funktionär im staatlichen Sicherheitsdienst Wochen oder Monate nicht zur Rechenschaft gezogen hätten, wenn sie ihn tatsächlich ernsthaft im geltend gemachten kriegerischen Zusammenhang einer Unterstützung der Taliban verdächtigt und ihm eine solche vorgewor- fen hätten. Wäre dies der Fall gewesen, wäre gegen ihn a ls Träger eines erheblichen Sicherheitsrisikos ein entsprechendes zeitnahes und konse- quentes Vorgehen der afghanischen Sicherheitsdienste zu erwarten gewe- sen. Vor diesem Hintergrund ist auch die Einschätzung des SEM zu bestä- tigen, es könne ebenfalls nicht nachvollzogen werden, weshalb der Vater des Beschwerdeführers in Anbetracht der angeblichen Vorwürfe gegen ihn seitens der afghanischen Behörden als (…) und vielseitig staatlich erfahre- ner Funktionär, der derartige Abläufe bestens kennen dürfte, zunächst hätte glauben sollen, er könne sich in Kabul niederlassen, um sodann erst auf einen blossen Hinweis eines Kollegen hin zu entscheiden, Afghanistan zu verlassen. Bei dieser Sachlage mag es nicht zu erstaunen, dass der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang auch in Berücksichtigung seines Alters die geltend gemachte Furcht vor einer Reflexverfolgung sei- tens der afghanischen Behörden anlässlich der Anhörung – wie das SEM in nicht zu beanstandender Weise feststellt – nicht zu substanziieren ver- mochte und diese einzig auf vage, subjektive Vermutungen stützen konnte. Im Übrigen lässt die Beschwerde eine argumentbezogene Auseinander- setzung auch mit den diesbezüglichen konkreten Erwägungen des SEM vermissen, wenn bloss auf die Ausführungen des Beschwerdeführers an- lässlich der Anhörung verwiesen wird. Auch wenn der Beschwerdeführer gemäss dem Einwand in der Beschwerde von seinem Vater nicht über jeg- liche Vorfälle informiert worden sein mag, vermag dies die doch sehr spär- lichen Angaben zu den geltend gemachten Ereignissen, die die Ausreise der ganzen Familie entscheidend ausgelöst haben sollen, nicht zu e rklä- ren. Auch wäre aus guten Gründen davon auszugehen, dass während des Aufenthaltes in Teheran von einem Jahr und drei Monaten die Begeben- heiten rund um die Ausreisehintergründe in der Familie ausführlicher ver-E-1354/2020 Seite 13 handelt worden wären, was den Beschwerdeführe r hätte befähigen müs- sen, hierzu konzisere Angaben machen zu können. Gegen den entspre- chenden Einwand in der Beschwerde spricht auch die eigene Angabe des Beschwerdeführers, wonach sein Vater ihm alles – selbst geheime Infor- mationen – erzählt habe, da er s ein ältester Sohn sei (Akte 19/17 F52). Auch wären, bei tatsächlichem Vorliegen des entsprechenden Umstandes, genauere Informationen über den Fortgang des gegen den Vater des Be- schwerdeführers angestrengten Verfahrens seitens der afghanischen Be- hörden zu erwarten gewesen, zumal die Familie während des Aufenthaltes in Teheran offenbar in Kontakt mit einem Onkel mütterlicherseits stand, der der Familie nach Landverkäufen in Afghanistan Geld nach Teheran über- mittelt habe (Akte 13/12 Pt. 5.02). Schliesslich fällt auf, dass der Beschwer- deführer anlässlich der EB UMA nebst den dort genannten Ausreisegrün- den die in der Anhörung geschilderten letztlich die Ausreise aus dem Hei- matland bestimmenden Gründe mit keinem Wort erwähnte und darüber hinaus vielmehr bestätigte, mit den Behörden im Heimatland nie Probleme gehabt zu haben (Akte 13/12 Pt. 7.01). In einer Gesamtwürdigung der Aktenlage kann der in der Beschwerde ver- tretenen Sichtweise, der Beschwerdeführer habe nachvollziehbar darlegen können, wieso ihm in Afghanistan im Zeitpunkt der Ausreise aus Afghanis- tan eine Reflexverfolgung gedroht habe und bei einer Rückkehr dorthin künftig drohen würde, nicht gefolgt werden. 6.2 Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 7.2 Die von der Vorinstanz wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs verfügte vorläufige Aufnahme bleibt dadurch unberührt. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 750.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Es ist jedoch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gutzuheis-E-1354/2020 Seite 14 sen, da sich die gestellten Begehren nicht geradezu als aussichtslos er- wiesen und von der Prozessbedürftigkeit des Beschwerdeführers auszu- gehen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Es sind demnach keine Kosten aufz uer- legen. 8.2 Das Gesuch um Verzicht der Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Urteil in der Sache gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) E-1354/2020 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gutge- heissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Christoph Berger Versand: