<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 81 S.297</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">297</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>81</b></span> <span class="ft2"><b>Abzüge vom Roheinkommen; nebenamtliche Tätigkeit (§ 35 Abs. 1 lit. c</b></span><br/> <span class="ft2"><b>StG i.V.m. § 15 StGV).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Abgrenzung von Haupterwerb und nebenamtlicher Tätigkeit bei</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Stadtschreiber-Stellvertreter.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">298</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">29. April 2004 in Sachen G. + K.S., RV.2003.50403/K 9026</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Der Rekurrent ist Stadtschreiber-Stellvertreter in D.. Das Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitspensum beträgt 100 %. Im Jahr 2002 hat er u.a. für die folgen-</span><br/> <span class="ft1">den Tätigkeiten zusätzliche Entschädigungen erhalten:</span><br/> <span class="ft1">Entschädigung Geschäftsprüfungskommission Fr. 2'400.--</span><br/> <span class="ft1">des Gemeinderates D. (Sitzungsgelder und</span><br/> <span class="ft1">Protokollentschädigung)</span><br/> <span class="ft1">Stabsübung Ziviles Gemeindeführungsorgan ZGF Fr. 50.--</span><br/> <span class="ft1">Nach Auffassung des Rekurrenten gehören diese Tätigkeiten</span><br/> <span class="ft1">nicht zu seinen Aufgaben als Stadtschreiber-Stellvertreter. Er macht</span><br/> <span class="ft1">daher in diesem Zusammenhang einen Abzug von Fr. 2'450.-- ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss § 15 geltend. Nach Ansicht der Vorinstanz handelt es sich bei</span><br/> <span class="ft1">diesen Tätigkeiten weder um Behörden- oder Kommissionstätigkei-</span><br/> <span class="ft1">ten, noch liege ein Nebenerwerb vor. Es gehe um Tätigkeiten, wie sie</span><br/> <span class="ft1">der Rekurrent als Stadtschreiber-Stellvertreter üblicherweise aus-</span><br/> <span class="ft1">führe. Es seien somit zusätzliche Tätigkeiten zum Haupterwerb. Die</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz hat daher auf diesen Einkünften anstelle des beantragten</span><br/> <span class="ft1">Abzugs gemäss § 15 StGV lediglich den Gewinnungskostenpau-</span><br/> <span class="ft1">schalabzug von 3 % gewährt.</span><br/> <span class="ft1">3. Dass die erwähnten Entschädigungen von Fr. 2'400.-- und</span><br/> <span class="ft1">Fr. 50.-- grundsätzlich steuerpflichtig sind, ist unbestritten, so dass</span><br/> <span class="ft1">darauf nicht näher eingegangen werden muss.</span><br/> <span class="ft1">4. a) Gemäss § 35 Abs. 1 lit. c StG werden die übrigen für die</span><br/> <span class="ft1">Ausübung des Berufes erforderlichen Kosten als Berufskosten abge-</span><br/> <span class="ft1">zogen. Der Regierungsrat legt für die Berufskosten nach Absatz 1</span><br/> <span class="ft1">lit. a - c Pauschalansätze fest; in den Fällen von Absatz 1 lit. a und c</span><br/> <span class="ft1">steht den Steuerpflichtigen der Nachweis höherer Kosten offen (§ 35</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 Satz 1 StG).</span><br/> <span class="ft1">b) Der Regierungsrat hat zu § 35 Abs. 1 lit. c StG die folgende</span><br/> <span class="ft1">Bestimmung erlassen (§ 15 StGV):</span><br/> <span class="ft7">"Auf den Vergütungen an Mitglieder des Grossen Rates sowie an</span><br/> <span class="ft7">nebenamtliche Mitglieder von kantonalen, Bezirks- oder kommunalen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">299</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Behörden und Kommissionen, die ihren Grund nicht in einer haupt-</span><br/> <span class="ft7">oder nebenberuflich ausgeübten Erwerbstätigkeit haben, wird der fol-</span><br/> <span class="ft7">gende pauschale Gewinnungskostenabzug gewährt:</span><br/> <span class="ft7">20 % auf dem Total aller Einkünfte (ohne Spesen) und für alle</span><br/> <span class="ft7">Mandate zusammengerechnet, mindestens Fr. 2'400.--, höchstens</span><br/> <span class="ft7">Fr. 3'600.--. Es können nicht höhere Gewinnungskosten abgezogen</span><br/> <span class="ft7">werden als Einkünfte erzielt werden."</span><br/> <span class="ft1">Da also für die mit nebenamtlichen Tätigkeiten (welche ihren</span><br/> <span class="ft1">Grund nicht in einer haupt- oder nebenberuflich ausgeübten Er-</span><br/> <span class="ft1">werbstätigkeit haben) verbundenen Kosten ein Pauschalabzug ge-</span><br/> <span class="ft1">währt wird, ist im folgenden zu prüfen, ob es sich bei den beiden</span><br/> <span class="ft1">Entschädigungen um ein Entgelt für die Haupterwerbstätigkeit des</span><br/> <span class="ft1">Rekurrenten als Stadtschreiber-Stellvertreter handelt oder ob ein</span><br/> <span class="ft1">Einkommen aus (amtlichem) Nebenerwerb erzielt wurde.</span><br/> <span class="ft1">c) Ein Haupterwerb liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn</span><br/> <span class="ft1">das Ausmass der beruflichen Tätigkeit einem Vollpensum, das übli-</span><br/> <span class="ft1">cherweise von der entsprechenden Berufskategorie geleistet wird,</span><br/> <span class="ft1">entspricht. Nebenerwerb ist somit eine Teilzeitbeschäftigung, die in</span><br/> <span class="ft1">der Regel unabhängig von einer hauptberuflichen Tätigkeit durch zu-</span><br/> <span class="ft1">sätzliche Anstrengungen entsteht. Grundsätzlich muss die zusätzliche</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätigkeit auf einem andern Rechtsgrund basieren als der</span><br/> <span class="ft1">Haupterwerb, damit ein Nebenerwerb bejaht werden kann. Ist der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsgrund identisch, kann eine Nebenerwerbstätigkeit angenom-</span><br/> <span class="ft1">men werden, wenn der Steuerpflichtige gleichzeitig eine Haupter-</span><br/> <span class="ft1">werbstätigkeit zu 100 % ausübt. Hiebei muss aber eindeutig feststell-</span><br/> <span class="ft1">bar sein, welchem Umfang die 100 %-ige Ausübung entspricht. Aus-</span><br/> <span class="ft1">serdem hat sich die zusätzliche Tätigkeit von der Haupterwerbstätig-</span><br/> <span class="ft1">keit zumindest derart zu unterscheiden, dass sie die Annahme, sie</span><br/> <span class="ft1">bedinge besondere Gewinnungskosten, zulässt und dass sie insbe-</span><br/> <span class="ft1">sondere nicht als Sonderleistung im Rahmen der Haupterwerbstätig-</span><br/> <span class="ft1">keit bezeichnet werden kann (RGE vom 19. Oktober 2000 in Sachen</span><br/> <span class="ft1">J. + Y.S.).</span><br/> <span class="ft1">d) Gemäss der Stellenbeschreibung für den Stadtschreiber-</span><br/> <span class="ft1">Stellvertreter der Stadt D. vom 22. Juli 2002 umfasst dieses Amt die</span><br/> <span class="ft1">folgenden Aufgaben:</span><br/> <span class="ft7">"9. Aufgaben</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">300</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">a) Fachaufgaben</span><br/> <span class="ft7">- Teilnahme und Protokollführung an den Stadtratssitzungen in Ver-</span><br/> <span class="ft7">tretung des Stadtschreibers</span><br/> <span class="ft7">- Selbständige Bearbeitung ausgewählter Stadtratsgeschäfte</span><br/> <span class="ft7">- Redaktion und Überarbeitung ausgewählter Anträge, Beschlüsse</span><br/> <span class="ft7">und Weisungen an den Gemeinderat aus allen Verwaltungsabtei-</span><br/> <span class="ft7">lungen</span><br/> <span class="ft7">- Redaktion oder Schlussredaktion von Protokollen, Verträgen, Ver-</span><br/> <span class="ft7">handlungsberichten, Geschäftsbericht, Rechtsmitteleingaben und</span><br/> <span class="ft7">Vernehmlassungen nach Angaben des Stadtschreibers</span><br/> <span class="ft7">- Bearbeitung von Organisationsfragen, insbesondere abteilungs-</span><br/> <span class="ft7">übergreifender Natur</span><br/> <span class="ft7">- Mitarbeit bei der Herausgabe von Orientierungsschriften und all-</span><br/> <span class="ft7">gemeinen Publikationen über die Stadt, inkl. Internet</span><br/> <span class="ft7">- Beurteilung von Überprüfungsbegehren gegen Entscheide der</span><br/> <span class="ft7">Verwaltungsabteilungen und Ausarbeitung eines Antrages an den</span><br/> <span class="ft7">Stadtrat</span><br/> <span class="ft7">- Regelung der formellen Aspekte des Schriftverkehrs der Gesamt-</span><br/> <span class="ft7">verwaltung</span><br/> <span class="ft7">- Mitwirkung bei der Organisation von Abstimmungen und Wahlen,</span><br/> <span class="ft7">Leitung der Auszählung, Erstellen des Protokolls</span><br/> <span class="ft7">- Erstellung und Überwachung des Budgets für die zuständigen Be-</span><br/> <span class="ft7">reiche innerhalb der Präsidialabteilung</span><br/> <span class="ft7">- Leitung des Hausdienstes</span><br/> <span class="ft7">- Evaluation von Büromaschinen und Büromobiliar für die ganze</span><br/> <span class="ft7">Verwaltung, Einholen von Offerten, Antragsstellung und Vollzug</span><br/> <span class="ft7">unter Berücksichtigung der Einkaufsrichtlinien der Stadt</span><br/> <span class="ft7">- Überwachung des Zentraleinkaufs und der Materialverwaltung</span><br/> <span class="ft7">b) Sonderaufgaben</span><br/> <span class="ft7">- Datenschutzbeauftragter</span><br/> <span class="ft7">- Stellvertreter des Chefs Nachrichten und Übermittlung im Zivilen</span><br/> <span class="ft7">Gemeindeführungsstab</span><br/> <span class="ft7">c)</span> <span class="ft7">Führungsaufgaben</span><br/> <span class="ft7">- Einsatz, Anleitung und Weiterbildung des Kanzleipersonals</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">301</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">- Mittelbare Führung des Hausdienstes, veranlassen von Weiterbil-</span><br/> <span class="ft7">dungen, insbesondere im Bereich Energieeffizienz und Umwelt-</span><br/> <span class="ft7">schutz</span><br/> <span class="ft7">10. Information und Zusammenarbeit mit anderen Stellen</span><br/> <span class="ft7">- Teilnahme an Sitzungen Stadtrat, Verwaltungskommission, EDV-</span><br/> <span class="ft7">Kommission, Sekretärenkonferenz</span><br/> <span class="ft7">- (...)</span><br/> <span class="ft7">- (...)"</span><br/> <span class="ft1">Die Teilnahme an den Sitzungen der Geschäftsprüfungskom-</span><br/> <span class="ft1">mission des Gemeinderates sowie die Protokollführung gehören also</span><br/> <span class="ft1">nicht zu den in der Stellenbeschreibung aufgeführten Aufgaben. Es</span><br/> <span class="ft1">ist aber auch Art. 25 der Personalverordnung der Stadt D. vom</span><br/> <span class="ft1">5. Oktober 2000, auf welcher die Anstellung des Rekurrenten durch</span><br/> <span class="ft1">den Stadtrat beruht, zu beachten. Dieser lautet wie folgt:</span><br/> <span class="ft7">"Die Angestellten sind zur Übernahme der Protokollführung in Be-</span><br/> <span class="ft7">hörden und Kommissionen aus ihrem Arbeitsbereich und zur Teil-</span><br/> <span class="ft7">nahme an deren Sitzungen verpflichtet. Der Stadtrat regelt den</span><br/> <span class="ft7">Zeitausgleich und die Entschädigung."</span><br/> <span class="ft1">Eine Verpflichtung zur Übernahme der Protokollführung besteht</span><br/> <span class="ft1">also für einen Angestellten nur in dessen Arbeitsbereich. Es ist</span><br/> <span class="ft1">offensichtlich, dass die Geschäftsprüfungskommission des Gemein-</span><br/> <span class="ft1">derates nicht in den Arbeitsbereich eines Stadtschreiber-Stellvertreter</span><br/> <span class="ft1">fällt und damit für den Rekurrenten keine Verpflichtung bestand, das</span><br/> <span class="ft1">Amt als Protokollführer zu übernehmen. Gemäss Art. 15 Abs. 2 der</span><br/> <span class="ft1">Gemeindeordnung der Stadt D. vom 23. November 1997 kann denn</span><br/> <span class="ft1">auch die Geschäftsprüfungskommission "eine Drittperson mit der</span><br/> <span class="ft1">Protokollführung beauftragen". Der Umstand, dass der Rekurrent</span><br/> <span class="ft1">von der Geschäftsprüfungskommission zwecks Übernahme der Pro-</span><br/> <span class="ft1">tokollführung angefragt wurde, weil sie sich durch seine Wahl ge-</span><br/> <span class="ft1">wisse Informationen erhofft, welche er als Stadtschreiber-Stellver-</span><br/> <span class="ft1">treter hat, genügt nicht, um die Tätigkeit als Protokollführer der Ge-</span><br/> <span class="ft1">schäftsprüfungkommission als Teil seiner Haupterwerbstätigkeit als</span><br/> <span class="ft1">Stadtschreiber-Stellvertreter anzusehen. Die Sitzungen der Ge-</span><br/> <span class="ft1">schäftsprüfungskommission finden denn auch am Abend statt und</span><br/> <span class="ft1">gelten nicht als Arbeitszeit. Da der Rekurrent die Protokolle auf sei-</span><br/> <span class="ft1">nem privaten PC zu Hause verfasst, fallen auch Gewinnungskosten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">302</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">an. Das StRG kommt daher zum Schluss, dass es sich bei der Tätig-</span><br/> <span class="ft1">keit des Rekurrenten als Protokollführer der Geschäftsprüfungs-</span><br/> <span class="ft1">kommission des Gemeinderates um eine nebenamtliche Tätigkeit im</span><br/> <span class="ft1">Sinne von § 15 StGV handelt. Daran vermag auch der Umstand</span><br/> <span class="ft1">nichts zu ändern, dass die Protokollführung an sich zur üblichen Tä-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit eines Stadtschreiber-Stellvertreters gehört (vgl. Stellenbe-</span><br/> <span class="ft1">schreibung). Entscheidend ist, dass die Protokollführung vorliegend</span><br/> <span class="ft1">zum einen für eine Exekutiv-Behörde (Stadtrat) und zum andern für</span><br/> <span class="ft1">eine Legislativ-Behörde (Kommission des Gemeinderates) erfolgt</span><br/> <span class="ft1">und auch die Anstellung bzw. Wahl als Stadtschreiber-Stellvertreter</span><br/> <span class="ft1">bzw. Protokollführer grundsätzlich völlig unabhängig voneinander</span><br/> <span class="ft1">von der jeweiligen Behörde vorgenommen wird. Dass die Entlöh-</span><br/> <span class="ft1">nung für beide Tätigkeiten aus der gleichen (Stadt-)Kasse stammt,</span><br/> <span class="ft1">schliesst die steuerrechtliche Unterscheidung dieser Funktionen in</span><br/> <span class="ft1">Haupt- und (amtlichen) Nebenerwerb nicht aus.</span><br/> <span class="ft1">5. Da die Entschädigung des Rekurrenten für seine Tätigkeit bei</span><br/> <span class="ft1">der Geschäftsprüfungskommission des Gemeinderates Fr. 2'400.--</span><br/> <span class="ft1">beträgt, also zahlenmässig genau dem Mindestabzug von § 15 StGV</span><br/> <span class="ft1">entspricht, kann offen gelassen werden, ob die Fr. 50.-- für die</span><br/> <span class="ft1">"Stabsübung Ziviles Gemeindeführungsorgan ZGF" ebenfalls unter</span><br/> <span class="ft1">§ 15 StGV fällt, da dies keine Auswirkung auf das steuerbare Ein-</span><br/> <span class="ft1">kommen hätte, bei welchem Restbeträge unter Fr. 100.-- ausser Be-</span><br/> <span class="ft1">tracht fallen (§ 43 Abs. 3 StG).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>