B. Gerichtsentscheide 2291 57 waltungssachen (bGS 233.3) beträgt der Gebührenrahmen für Verf ü- gungen, Bewilligungen, Genehmigungen und andere Verrichtungen kantonaler Amtsstellen Fr. 20.00 bis Fr. 5'000.00. 3.2 [die Beschwerde wird in di esem Punkt nicht mangels gesetz li- cher Grundlage, sondern mangel s Substantiierung eines spezifi schen Kontrollaufwandes gutgeheissen] Hinzuzufügen ist, dass sich die Ko n- trollkosten i.S.v. Art. 9 Abs. 2 lit. c EntsG auf spezifi sche Tät igkeiten des Arbeitsinspektorats beziehen, die der Kontrolle der Einhaltung der minimalen Arbeits - und Lohnbedingungen gemäss Art. 2 ff. EntsG dienen. Hingegen ist der Aufwand für die Ermittlung von Verletzungen der Meldepflicht ke in solcher Kontrollaufwan d, son dern ordentlicher Verwaltungsaufwand, der nach Art. 19 Abs. 1 VRPG dem fehlbaren Arbeitgeber auferlegt werden kann. VGer, 27.10.2010 2291 Zumutbarkeit der Verwertung der Restarbeitsfähigkeit bei kurz vor dem ordentlichen Pensionierungsalter stehende n Versiche r- ten. Im Fall eines Versicherten, der zum Zeitpunkt des Unfalls gerade 63 Jahre alt geworden war und zum Zeitpunkt des Erlasses der ang e- fochtenen Verfügu ng 64 Jahre und etwas mehr als fünf Monate alt war, erscheint die Annahme einer ausserhalb se iner bisherigen Tätig- keit liegenden leidensadaptierten Arbeit als unzumutbar, da er wä h- rend mehr als 30 Jahren als Ofenbauer/Plattenleger tätig war und in dieser langen Zeit kaum bzw. keine anderweitig einsetzbaren berufl i- chen Fertigkeiten erworben haben d ürfte. Zumutbar ist hingegen die Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit, allenfalls flankiert durch geeignete organisatorische Massnahmen. Sachverhalt: Ein 1945 geborener Versicherter glitt Ende Januar 2008 auf einer Eisfläche aus und stürzte auf die link e Schulter. Zuvor hatte er wä h- rend 33 Jahren alleine eine Unternehmung im Platten - und Chem i- néebau betrieben, unter gelegentlichem Beizug von Aushilfen. Nach der Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung Anfang Januar 2009 verweigerte ihm diese mit Verfügung von Ende B. Gerichtsentscheide 2291 58 Juni 2009 eine Invalidenrente. In teilweiser Gutheissung der vom Ve r- sicherten dagegen mit dem Antrag auf Zusprechung einer ganzen I n- validenrente ab 1. Januar 2009 erhobenen Beschwerde sprach ihm das Verwaltungsgericht eine halbe Invalidenrente ab 1. Juli 2009 zu. Aus den Erwägungen: […] 3.2 Hinsichtlich der Frage, inwiefern es Versicherten, die kur z vor dem ordentlichen Pensions alter stehen, zumutbar ist, die Restarbeit s- fähigkeit zu verwerten, wurde höchstrichterlich erkannt, d ass dies nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen ist, w o- bei das subjektive Empfinden der versicherten Person für sich allein nicht massgebend sein kann, insbesondere wenn es sich nicht mit der Auffassung der m edizinischen Fachleute deck t (Urteil BGer I.904/05, E. 2.2). Grundsätzlich gibt es keine bundesgerichtliche Rechtspr e- chung, wonach die Restarbeitsfähigkeit bei Versicherten ab dem 60. Altersjahr nicht mehr verw ertbar ist ( Urteil BGer 9C.370/2007, E. 4). Das fortgeschrittene Alter wi rd, obgleich ein an sich invalidität s- fremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kri terium anerkannt, we l- ches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gege ben- heiten dazu führen kann, dass die einer versicherten P erson verblie- bene Resterwerbsfä higkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist ( Urteil BGer I.831/05, E. 4.1.1). Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsve rmögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel beme ssen, sondern hängt ab von den Umständen, die mit Blick auf di e Anforderungen der Verweisungs tä- tigkeiten massgebend sind, beispielsweise von der Art und Bescha f- fenheit d es Gesund heitsschadens und seiner Folgen, dem absehb a- ren Um stellungs- und Einarbeitungsauf wand und in diesem Zusa m- menhang auch von der Persönlichkeitsstruktur, vorhandenen Begabungen und F ertigkeiten, von der Ausbildung, dem berufli chen Werdegang oder von der Anwendbarkeit der Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich (Urteil BGer 9C.918/2008, E. 4.2.2). 3.3 Im Fall eines zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung knapp 64jäh rigen Versicherten, der in feinmotorischen Tä- tigkeiten über keine beruflichen Erfahrungen und Fertigkeiten verfügte B. Gerichtsentscheide 2291 59 und bei dem deshalb ein wesentlicher Teil der ihm noch zumutbaren leichten Arbeiten ausser Betracht fiel, entschied das Bunde sgericht, dass das fortgeschrittene Alter keinen invaliditätsfremden Faktor da r- stellt und d ie Verwertung der Restarbeitsfä higkeit deshalb nicht mehr zumutbar ist (Urteil BGer I.401/01, E. 4d). Zum gleichen Ergebnis g e- langte es im Fall einer im massgeblichen Zeitpunkt des Verfügungser- lasses 61 Jahre und einen Monat alten Versicherten, die ohne Ausbi l- dung als Haushälterin sowie – nach einem (ersten) Unfall – als Haus- wart gearbeitet hatte und der nur noch eine leidensadaptierte Tätigkeit mit vielen Restriktionen zumutbar war (Urteil BGer 9C.437/2008, E. 4.3). Einen invalidenversicherungsrechtlich erheblichen bzw. rel e- vanten Zugang zum (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt verneinte das Bundesgericht auch im Fall eines im Verfügungszei tpunkt 64½ - jährigen Versicherten, bei dem ein wese ntlicher Teil der noch in Frage kommenden leichten, in Wechselpositionen ausführbaren Verwe i- sungstätigkeiten ohne Heben schwerer Lasten aufgrund der fehle n- den fein motorischen Fertigkeiten und Er fahrung nicht mehr in Frage kam, sodass auch bei noch intakter subjektiver Bereitschaft zur Wi e- dereingliederung die Neuanstellungschancen auf dem als ausgegl i- chen unterstellten Arbeitsmarkt mit überwiegender Wah rscheinlichkeit nicht mehr gegeben waren, und dies selbst bei bess eren Aussichten auf eine berufliche Wiede reingliederung für den Fall einer nicht rechtsmissbräuchlichen verspäteten Anmeldung bei der Invalidenve r- sicherung (Urteil BGer 9C.979/2009, E. 4 und 5). 3.4 Demgegenüber erkannte das Bundesgericht bei einem zum Zeitpunkt des Verfügungserlas ses 58jährigen und ungelernten Vers i- cherten, dass diesem trotz funktioneller Einschränkungen eine 100 %- ige Arbeitstätigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit zumu tbar sei (Urteil BGer 9C.1043/2008, E. 3.3). Auch bei einem rund 63jährigen Versicherten bejahte es die Zumutbarkeit einer weiteren Erwerbstäti g- keit in einer leidensadaptierten Tä tigkeit, da die bish erige Tätigkeit als Bauleiter weiterhin zu 50 % zumutbar war und darin ein Umstellungs - oder Einarbeitungsaufwand nicht zwi ngend anfallen würde, zumal Bauleitungsarbeiten Natur gemäss projektbezogen se ien und deshalb auch kürzere Anstellungen in Frage kämen ( Urteil BGer 9C.471/2007, E. 5.2). 3.5 Vor diesem Hintergrund erscheint im Fall des Beschwerdefü h- rers, der zum Zeitpunkt des Unfalls vom 24. Januar 2008 gerade 63 Jahre alt geworden war und zum Zeitpunkt des Erlasses der vo r-B. Gerichtsentscheide 2291 60 liegend an gefochtenen Verfügung vom 30. Juni 2009 64 Jahre und etwas mehr als 5 Monate alt war, die Annahme einer ausserhalb sei- ner bisherigen Tätigkeit lie genden leidensadaptierten Arbeit al s u n- zumutbar, da er während mehr als 30 Jahren als Ofenba u- er/Plattenleger tätig war und in dieser langen Zeit kaum bzw. keine anderweitig einsetzbaren beruflichen Fertigkeiten erworben haben dürfte. Davon scheint auch die IV -Stelle ausgegangen zu sein, ind em sie am 24. März 2009 berufliche Eingliederungsmass nahmen (zum damaligen Zeitpunkt) als unmöglich b ezeichnete. Hingegen war dem Beschwerdeführer – er hat im Laufe des Beschwerdeverfahrens mit t- lerweile das ordentliche Pensionsalter von 65 Jahren überschri tten – die Wiedera ufnahme seiner bisherigen Tätig keit, in der er nach den nachvollziehbaren und beweiskräftigen Angaben von Dr. X zu 50 % arbeitsfähig war, zumutbar. Dies unter der Voraussetzung geeigneter organisatorischer Vorkehrungen, die vom Beschwerde führer aufgrund der leidensbedingten Einschränku ngen in seiner bisherigen Tätigkeit wohl zu treffen, aber durchaus z umutbar sind, zumal er nach eigenen Angaben schon früher wiederholt Aushilfen beschäftigte. […] VGer, 16.06.2010