Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 15. März 2017 (810 16 213) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung / mutwillige Schuldenwirtschaft Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiber i.V. Léonard Lavanchy Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Ozan Polatli, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Weg weisung (RRB Nr. 911 vom 21. Juni 2016) A. Der mazedonische Staatsangehörige A.____ (geb. 1 982) reiste am 24. Juni 2001 in die Schweiz ein und erhielt am 9. Juli 2001 eine Aufent haltsbewilligung zwecks Verbleib bei seiner in der Schweiz lebenden Ehefrau B.____. Im Jahre 20 02 kam die gemeinsame Tochter C.____ in der Schweiz zur Welt. Die zweite gemeinsame Toch ter D.____ wurde 2006 ebenfalls in der Schweiz geboren. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Nachdem gegen A.____ per 8. Juli 2008 Verlustschein e in der Höhe von Fr. 55'927.-- und Betreibungen in der Höhe von Fr. 63'794.35 offe n waren, forderte das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM) A.____ mit Schreiben vom 7. August 2008 auf, sich mit einer Schuldensanierungsstelle in Verbindung zu setzen und anlässlich der nächsten Verlänge- rung der Aufenthaltsbewilligung einen Sanierungsplan vorzulegen. C. Per 8. Oktober 2008 meldete sich die Familie von A._ ___ in E.____, Kanton Solothurn, an. Per 22. August 2010 zog die Familie in den Kanton Basel-Landschaft zurück. D. Am 24. März 2011 wurde A.____ vom AfM wegen der d amals im Kanton Basel- Landschaft registrierten Betreibungen in der Höhe von Fr. 90'007.-- und der offenen Verlust- scheine in der Höhe von Fr. 60'660.-- sowie der im Kant on Solothurn verzeichneten offenen Verlustscheine in der Höhe von Fr. 34'946.-- ausländerrechtlich verwarnt. E. Am 8. August 2013 wurden die Ehegatten A.____ und B.____ wegen ihrer gemeinsa- men Schulden ausländerrechtlich verwarnt, verbunden mi t der Aufforderung, sich im Rahmen der Möglichkeiten um einen Abbau der Schulden zu bemühe n und keine neuen Schulden mehr zu machen. Zum damaligen Zeitpunkt waren die Ehegatte n mit insgesamt 82 offenen Verlust- scheinen in der Höhe von Fr. 222'460.-- beim Betreibu ngsamt F.____ verzeichnet. Davon wa- ren 61 offene Verlustscheine im Umfang von Fr. 116'466.15 auf A.____ registriert. F. Seit seiner Einreise in die Schweiz wurde A.____ fünfmal wegen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz (SVG) vom 19. Dezember 19 58 verurteilt, einmal zu einer Geldstrafe von drei Tagessätzen sowie zu Bussen in der Höhe von insgesamt Fr. 860.--. G. Aufgrund weiterer Verschuldung seit der Verwarnung vom 8. August 2013 gewährte das AfM A.____ sowie seiner Ehefrau und den zwei geme insamen Töchtern am 8. September 2015 das rechtliche Gehör zu einem möglichen Widerruf der Aufenthaltsbewilligung. H. Am 8. Dezember 2015 verfügte das AfM den Widerruf d er Aufenthaltsbewilligung von A.____ sowie dessen Wegweisung aus der Schweiz. Das AfM beg ründete seinen Entscheid im Wesentlichen damit, dass die Verschuldung von A.____ ih m qualifiziert vorwerfbar sei. Somit sei der Widerrufsgrund von Art. 62 lit. c des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Aus- länder (AuG) vom 16. Dezember 2005 (in der Fassung vom 1. Oktober 2015) i.V.m. Art. 80 Abs. 1 lit. a und b der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 erfüllt. Der Widerruf der Aufenthal tsbewilligung sowie der damit einhergehen- de Eingriff in das in Art. 8 der Konvention zum Schut ze der Menschenrechte und Grundfreihei- ten (EMRK) vom 4. November 1950 und Art. 13 der Bund esverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 verankerte Gr undrecht auf Achtung des Familien- lebens seien zudem verhältnismässig. I. Dagegen führte A.____, vertreten durch Ozan Polatl i, Advokat in Liestal, mit Eingabe vom 21. Dezember 2015 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Re- gierungsrat) und beantragte die Aufhebung der angefo chtenen Verfügung und die Belassung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht bzw. Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung sowie da s Gewähren der unentgeltlichen Pro- zessführung und Verbeiständung, unter o/e-Kostenfolge. J. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 911 vom 21. Juni 20 16 wies der Regierungsrat die Beschwerde ab. K. Dagegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch O zan Polatli, am 4. Juli 2016 Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, es sei der RRB Nr. 911 vom 21. Juni 20 16 aufzuheben und es sei dem Be- schwerdeführer die Aufenthaltsbewilligung zu verlänger n. Eventualiter sei die Aufenthaltsbewil- ligung zu verlängern mit der Auflage, sich nicht mehr neu zu verschulden. Subeventualiter sei der RRB Nr. 911 vom 21. Juni 2016 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vo- rinstanz zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. Zudem sei dem Beschwerdeführer die unent- geltliche Prozessführung und Verbeiständung zu gewähren. L. Mit Vernehmlassung vom 16. September 2016 beantragt e der Regierungsrat die voll- umfängliche Abweisung der Beschwerde. M. Am 21. September 2016 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen. Dem Beschwerdeführer w urden die unentgeltliche Prozessfüh- rung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Ozan Polatli, Advokat, bewilligt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da der Be schwerdeführer ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung des angefochtenen Entscheid es hat und auch die übrigen formel- len Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Bei der Beurteilung der Beschwerde ist die Kognitio n des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfäl- liger Rechtsverletzungen zu überprüfen bzw. zu prüfen, o b der Beschwerdegegner ein allfälli- ges Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. lm Weiteren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt h at. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist dem Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Umstritten ist, ob der Widerruf der Aufenthaltsbew illigung des Beschwerdeführers und die damit einhergehende Wegweisung zu Recht erfolgten. 4.1 Gemäss Art. 43 Abs. 1 AuG liegt ein gesetzlicher Anspr uch eines ausländischen Ehe- gatten auf Anwesenheit in der Schweiz insbesondere dan n vor, wenn dieser mit einer Person mit Schweizer Niederlassungsbewilligung verheiratet ist u nd mit dieser zusammenwohnt. Auf- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht grund der am 18. Dezember 2000 gültig geschlossenen E he des Beschwerdeführers mit der in der Schweiz niedergelassenen B.____, mit welcher er zw ei Töchter hat und zusammenwohnt, hat dieser grundsätzlich einen Anspruch auf Erteilung bzw. Verlängerung seiner Aufenthaltsbe- willigung gemäss Art. 43 Abs. 1 AuG. Ebenso kann sich der Beschwerdeführer unbestrittener- massen auf Art. 8 EMRK berufen. 4.2 lndes gelten weder der Anspruch auf Aufenthalt nach Art. 43 Abs. 1 AuG noch der An- spruch nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK absolut. Der aus Art. 43 Abs. 1 AuG resultierende Anspruch auf Aufenthaltsbewilligung erlischt gemäss Art. 51 Abs. 2 li t b AuG, wenn Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Ein Widerrufsgrund liegt vor, wenn die Ausländerin oder der Ausländer erheblich oder wiederholt gegen die öffentliche Sicher heit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die inn ere oder die äussere Sicherheit ge- fährdet (Art. 62 Abs. 1 lit c AuG). Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung liegt insbesondere vor bei mutwilliger Nichterfüllung der öffentlich-rechtlichen oder privatrechtli- chen Verpflichtungen (Art. 80 Abs. 1 lit. b VZAE). Der Tatbestand von Art. 62 Abs. 1 lit c AuG setzt – im Gegensatz zum Widerruf der Niederlassungsbewil ligung gestützt auf Art. 63 lit. b AuG – keinen schwerwiegenden Verstoss gegen die öffentli che Sicherheit und Ordnung voraus. Der Tatbestand des Verstosses gegen die öffentliche Sicherh eit und Ordnung kann demnach bereits bei einer erheblichen, mutwilligen Verschuldun g erfüllt sein; strafrechtliche Verurteilun- gen werden nicht zwingend vorausgesetzt (Urteil des Bu ndesgerichts 2C_526/2015 vom 15. November 2015 E. 3.1, mit Hinweisen). 5.1 Der Regierungsrat erwog im angefochtenen Entschei d zusammengefasst, der Wider- rufsgrund nach Art. 62 lit. c AuG (Fassung vom 1. Oktober 2015 des heutigen Art. 62 Abs. 1 lit c AuG) i.V.m. Art. 80 Abs. 1 lit. b VZAE sei gegeben. Die Schulden des Beschwerdeführers seien trotz der Aufforderung vom 7. August 2008, sich mit eine r Schuldensanierungsstelle in Verbin- dung zu setzen, und den ausländerrechtlichen Verwarnung en vom 24. März 2011 und 8. August 2013 konstant und in erheblichem Masse gestiege n. Nicht nur bezahle der Be- schwerdeführer weder seine Steuern noch seine Krankenka ssenprämien, sondern er sei auch von Ärzten, Spitälern, medizinischen Labors und verschiedene n Finanzdienstleistern betrieben worden. Der Beschwerdeführer habe zwar einen Betrag vo n Fr. 2'349.20 an Schulden zurück- bezahlt. Allerdings reiche dies angesichts der Höhe sei ner Schulden nicht aus, um einen ernst- haften Schuldensanierungswillen darzulegen, zumal seit der letzten Verwarnung keine weiteren Bemühungen zur Schuldensanierung zu verzeichnen seien. I n Anbetracht aller Umstände sei die Neuverschuldung des Beschwerdeführers seit der letzten Verwarnung im Jahre 2013 mut- willig erfolgt. 5.2 Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, er habe weder vor, noch nach der Verwar- nung vom 8. August 2013 mutwillig Schulden angehäuft. Die Vorinstanzen würden einzig aus der Zunahme der Verschuldung auf die Mutwilligkeit sch liessen, ohne zu beachten, dass sein Lohn nicht gereicht habe, um nebst dem Unterhalt seine r Ehefrau und seiner Töchter auch sämtlichen Verpflichtungen nachzukommen. Massgebend sei e inzig seine Neuverschuldung nach der letzten Verwarnung in der Höhe von Fr. 32'830.60 und dieser Betrag könne angesichts der Umstände nicht als erheblich qualifiziert werden. Zu dem sei er von seinem früheren Arbeit- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht geber zu Unrecht fristlos entlassen worden, was massgeblich z u seiner Neuverschuldung bei- getragen habe. Er habe zwar schnell eine neue Stelle m it einem 50%-Pensum gefunden, diese habe er jedoch wegen einer Verletzung am linken Unterarm bereits nach einer Woche aufgeben müssen. Die belegte Bereitschaft, aus seinem betreibung srechtlichen Existenzminimum Schul- den zurückzuzahlen, sowie die Tatsache, dass er nachweisl ich um die Reduzierung seiner Schulden bemüht sei, seien mit dem Vorwurf der Mutwilligkeit nicht zu vereinbaren. Schliesslich sei auffällig, dass es sich bei den vorhandenen Schulden zum grössten Teil um Steuer- und Krankenversicherungsforderungen sowie um medizinische Kosten handle. Aufgrund der Steuer- pflicht und des Krankenkassenobligatoriums könne er sel bst bei besonderer Sparsamkeit diese Zahlungsverpflichtungen nicht vermeiden. Dies relativier e sein Verschulden erheblich. Der Wi- derrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG i.V.m. Art. 80 Abs. 1 lit. b VZAE liege somit nicht vor. 5.3 Gemäss Betreibungsregisterauszug vom 1. März 2017 ist der Beschwerdeführer mit 68 Betreibungen in der Höhe von Fr. 164'699.80 sowie 76 Verlustscheinen in der Höhe von Fr. 164'213.15 verzeichnet. Der Beschwerdeführer ist de mentsprechend – und unbestrittener- massen – in erheblichem Masse verschuldet. Die Verschuldung d es Beschwerdeführers hat sodann sowohl nach den zwei ausländerrechtlichen Verwarn ungen, als auch nach dem Wider- ruf der Aufenthaltsbewilligung durch das AfM weiterh in und in beträchtlichem Umfang zuge- nommen. So sind in der Zeit zwischen der letzten ausländ errechtlichen Verwarnung am 8. August 2013 und der Verfügung des AfM am 8. Dezemb er 2015 neun neue Verlustscheine im Betrag von insgesamt über Fr. 32‘000.-- hinzugeko mmen. Zwischen der Verfügung des AfM am 8. Dezember 2015 und dem Beschluss des Regierungsrats vom 21. Juni 2016 wurden fünf weitere Verlustscheine im Umfang von Fr. 5'982.15 regi striert. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist nicht massgeblich, dass die Verschul dung nicht auf einen teuren Le- bensstil zurückzuführen ist. Vielmehr ist entscheidend, da ss der Beschwerdeführer es trotz mehrmaliger Aufforderung der zuständigen Behörde wäh rend Jahren unterlassen hat, sich mit einer Schuldensanierungsstelle in Verbindung zu setzen . Zudem sind bis zur Widerrufsverfü- gung des AfM keine eigenen Bemühungen des Beschwerdeführ ers aktenkundig, seine finanzi- elle Situation ernsthaft in den Griff zu bekommen und eine Sanierung – gegebenenfalls zu- sammen mit seiner Ehefrau – anzustreben. Erschwerend ko mmt hinzu, dass der Beschwerde- führer – nach eigenen Angaben – jahrelang seinen Vat er in Mazedonien finanziell unterstützt hat, indem er für dessen Schulden aufkam, und im selben Zeitraum trotz zwei ausländerrechtli- chen Verwarnungen seinen öffentlich-rechtlichen und pr ivatrechtlichen Verpflichtungen in der Schweiz weiterhin nicht nachkam. Angesichts dieser Umstän de liegt eine mutwillige Verschul- dung vor und der Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG ist erfüllt. 6.1 Selbst bei Vorliegen eines Widerrufsgrundes erlösch en die Ansprüche nach Art. 43 AuG nicht automatisch, sondern nur dann, wenn der Wide rruf aufgrund einer Interessenabwä- gung verhältnismässig erscheint (vgl. Urteil des Bundesger ichts 2C_780/2013 vom 2. Mai 2014 E. 2.1 mit Verweis auf BGE 135 II 377 E. 4.3). Die N otwendigkeit einer Verhältnismässigkeits- prüfung ergibt sich vorliegend – wie dargelegt (siehe vorne E. 4.1) – auch aus Art. 8 Ziff. 2 EMRK. Somit ist über die landesrechtliche Verhältnismä ssigkeitsprüfung hinaus eine solche gemäss dem Konventionsrecht vorzunehmen (Art. 8 Ziff. 2 EMRK; BGE 122 II 1 E. 2). Die kon- ventionsrechtliche Verhältnismässigkeitsprüfung entspricht jener nach Art. 96 Abs. 1 AuG und Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht kann in einem einzigen Schritt vorgenommen werden (Urteile des Bundesgerichts 2C_551/2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4 und 2C_11/2013 vom 25. Mä rz 2013 E. 3.1 mit Hinweisen). Bei der Prüfung sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksicht igen und die öffentlichen und pri- vaten Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Martina Caro- ni/Thomas Gächter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Aus- länder, Bern 2010, Art. 51 AuG N 3; A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg .], Ausländerrecht, Basel 2009, Rz. 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interes- sen an der Erteilung der Bewilligung und der öffentl ichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Bei der V erhältnismässigkeitsprüfung sind nament- lich die Schwere des Verschuldens, der Grad der Integrat ion bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die dem Betroffenen und seiner Fam ilie drohenden Nachteile zu berück- sichtigen (vgl. Art. 96 AuG; BGE 135 II 377 E. 4.3). 6.2 Ausgangspunkt für die vorzunehmende ausländerrechtl iche Interessenabwägung ist das öffentliche Interesse an einer Wegweisung des Beschwerdeführers und somit in erster Linie die Schwere des Verschuldens der betroffenen ausländischen Person. Im Zusammenhang mit dem Widerrufsgrund der mutwilligen Nichterfüllung öff entlich-rechtlicher und privatrechtrechtli- cher Verpflichtungen ist zu berücksichtigen, dass die öffen tlichen Interessen am Widerruf bzw. an der Nichtverlängerung der Bewilligung umso gewichtig er sind, je mehr sich eine ausländi- sche Person verschuldet hat und sich trotz Verwarnung nicht um Schuldentilgung bemüht hat. Indessen ist das öffentliche Interesse an der Fernhaltung ausländischer Person, welches einzig zum Schutz potentieller Gläubiger dient, grundsätzlich von geringerem Gewicht als dasjenige, straffällige oder dauernd sozialhilfeabhängige Auslände rinnen und Ausländer aus der Schweiz fernzuhalten (vgl. S ILVIA HUNZIKER , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., Art. 62 AuG N 36). 7.1 Der Regierungsrat erwog, der Beschwerdeführer hab e seine Chancen nicht genutzt, sich in der Arbeitswelt zu etablieren, um wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen. Insgesamt zeige er keine Bereitschaft, sich in die in der Schweiz ge ltende Ordnung und Gepflogenheiten einzufügen und insbesondere habe er seine Schulden nach den erfolgten Verwarnungen nicht abgebaut. Zudem habe der Beschwerdeführer verschiedene kleinere Verstösse gegen das SVG begangen. Sein persönliches Verhalten falle somit äusserst negativ auf und sei in der Ge- samtbeurteilung stark zu gewichten. Der Beschwerdeführer macht hingegen geltend, entgegen der Annahme der Vorinstanz sei sein persönliches Verhalte n nicht negativ zu gewichten. In strafrechtlicher Hinsicht habe er sich lediglich kleine B ussen und eine bedingte Geldstrafe im untersten Strafrahmen eingehandelt. Zudem sei er will ens, seine Schulden in den Griff zu krie- gen und zu tilgen. Auch habe er bereits einen Teil seiner Schulden zurückbezahlt. Ferner sei zu berücksichtigen, dass ein Grossteil seiner Verschuldung auf die zu Unrecht erfolgte fristlose Kündigung und den Umstand zurückzuführen sei, dass er von f rüheren Arbeitgebern trotz ver- richteter Arbeit keinen Lohn erhalten habe. Ausserdem b estehe auch ein öffentliches Interesse an seinem Verbleib in der Schweiz, da durch seine Wegwe isung eine Rückzahlung der Schul- den faktisch verunmöglicht werde. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Zu berücksichtigen ist, dass der Beschwerdeführer konstant , in erheblichem Umfang und in qualifiziert vorwerfbarer Weise über Jahre hinw eg Schulden angehäuft hat. Die finanziel- le Situation des Beschwerdeführers hat sich trotz der zwe i ausländerrechtlichen Verwarnungen in den Jahren 2011 und 2013 sowie auch nach Einleitun g des vorliegenden Verfahrens ver- schlimmert. Auch ignorierte der Beschwerdeführer jahre lang die Aufforderungen, sich mit einer Schuldensanierungsstelle in Verbindung zu setzen. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist von einem gewichtigen öffentlichen Interesse am Widerruf der Aufenthaltsbewilligung auszuge- hen. 7.3.1 Dem genannten öffentlichen Interesse sind die pr ivaten Interessen des Beschwerde- führers und seiner Familie am Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. 7.3.2 Die Vorinstanz erwog diesbezüglich, die lange A ufenthaltsdauer (damals über 14 Jah- re) sowie die enge familiäre Beziehung zwischen ihm und seiner hier niedergelassenen Ehefrau sowie seinen in der Schweiz geborenen und lebenden, minderjährigen Töchtern spreche für ein gewichtiges Interesse des Beschwerdeführers an einem Verbl eib in der Schweiz. Allerdings habe sich der Beschwerdeführer nicht ansatzweise in einer seiner langen Aufenthaltsdauer ent- sprechenden Weise in der Schweiz wirtschaftlich und sprach lich integriert. Er habe nie über längere Zeit eine feste Arbeitsstelle gehabt, sondern habe die Stelle oft gewechselt und sei wiederholt arbeitslos gewesen. Zudem spreche der Beschw erdeführer immer noch sehr schlecht Deutsch, so dass seine Ehefrau die Kommunikation mit dem AfM für ihn habe vorneh- men müssen. In Mazedonien habe der Beschwerdeführer neb st seiner Mutter weitere nahe Verwandte. Er habe bis zum 18. Lebensjahr in Mazedonie n gelebt und besuche seine Heimat mehrmals im Jahr, wodurch er eine enge Beziehung zu sei ner Heimat aufweise und mit den dortigen Gepflogenheiten nach wie vor vertraut sei. Auch habe der Beschwerdeführer in sprach- licher Hinsicht eine engere Beziehung zu Mazedonien als zu r Schweiz. Dementsprechend kön- ne davon ausgegangen werden, dass es ihm relativ rasch gel ingen werde, in Mazedonien wie- der Fuss zu fassen. Bezüglich der Nachteile für die Famil ie des Beschwerdeführers hielt der Regierungsrat fest, es stehe sowohl der Ehefrau als auch den Kindern frei, dem Ehemann bzw. Vater nach Mazedonien zu folgen. Auch sei ihnen die Rück reise nach Mazedonien zumutbar. Die Ehefrau stamme ebenfalls aus Mazedonien, habe ihre Heimat oft besucht und verfüge über Verwandte dort. Zudem könne auch bei ihr aufgrund de r ihrerseits angehäuften Schulden und der Tatsache, dass sie mit einer kurzen Ausnahme nie gear beitet habe, nicht von einer erfolg- reichen Integration die Rede sein. Die Kinder befände n sich noch in einem anpassungsfähigen Alter, weshalb sie in der Lage sein würden, sich in Ma zedonien zu integrieren und dort An- schluss zu finden. Schliesslich könne der Kontakt zum Beschwe rdeführer, für den Fall, dass sich die Familie für einen Verbleib in der Schweiz entsch eiden würde, mit regelmässigen Besu- chen und Ferienaufenthalten in der Schweiz und in Mazedonien aufrechterhalten werden. Somit würden insgesamt die öffentlichen Interessen an einer Fernhaltung des Beschwerdeführers dessen Interesse an einem Verbleiben in der Schweiz überwiegen. 7.3.3 Der Beschwerdeführer macht dagegen geltend, er halte sich seit 15 Jahren in der Schweiz auf und seine Kernfamilie lebe hier. Dementsp rechend habe er ein gewichtiges Inte- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht resse an einem Verbleib in der Schweiz. Entgegen der Be hauptung der Vorinstanz bestehe keine engere Beziehung zu seiner Heimat als zur Schweiz, wo seine Ehefrau und seine beiden Töchter lebten. Die einzige Bezugsperson in seiner Heima t sei seine Mutter, welche unter Cho- lesterin und Diabetes leide. Der Umstand, dass er mehrma ls pro Jahr in seine Heimat gereist sei, sei neutral zu werten. Er habe sich jeweils nur wenige Tage in Mazedonien aufgehalten und sich dabei als Einzelkind um die Angelegenheiten seiner Eltern gekümmert. Eine Wegweisung würde nicht nur ihn hart treffen, sondern auch seine Familie, insbesondere seine beiden min- derjährigen Töchter. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs hätten die Kinder angegeben, dass eine allfällige Wegweisung ihres Vaters für sie sehr sc hlimm wäre. Von der inzwischen ange- ordneten Nichtverlängerung und der Wegweisung wüssten sie noch nichts, da eine solche Nachricht sie enorm belasten würde. Es sei weder der Ehe frau noch den Kindern zuzumuten, ihm im Falle seiner Wegweisung nach Mazedonien zu folge n und die Schweiz zu verlassen. Seine Ehefrau stamme zwar auch aus Mazedonien, sie habe j edoch nur noch eine Tante und einen Onkel mütterlicherseits in Mazedonien. Ihre Elter n sowie ihre beiden Brüder würden in der Schweiz und ihre entfernteren Verwandten in Deut schland leben. Auch seien seine noch minderjährigen Kinder in der Schweiz auf die Welt geko mmen und hier gross geworden. Schliesslich sei zu berücksichtigen, dass das AfM sie im Rahme n des rechtlichen Gehörs noch aufgefordert habe, eine Schuldensanierungsstelle aufzusuchen, was sie im Übrigen auch getan hätten. Dies zeige auf, dass das AfM zuerst bereit gewese n sei, ihm eine weitere Chance zu geben, und das Aufsuchen einer Schuldensanierungsstelle als verhältnismässig erachtet habe. Die plötzliche Kehrtwende stelle nicht nur eine Verlet zung des Grundsatzes der Verhältnismäs- sigkeit dar, sondern auch eine Verletzung des Vertrauensprinzips. Das AfM sei deshalb bei sei- ner Bereitschaft zu behaften, ihm die Aufenthaltsbewill igung zu verlängern, nachdem er der Weisung nachgekommen sei und eine Schuldensanierungsstelle aufgesucht habe. 7.4 Der Beschwerdeführer ist im Jahre 2001 im Alter von 18 Jahren in die Schweiz ge- kommen und hat somit die letzten 15 Jahre seines Lebens hi er verbracht. Zudem lebt seine gesamte Kernfamilie in der Schweiz. Demzufolge ist grundsätzlich von einem gewichtigen priva- ten Interesse des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz auszugehen. Zu würdi- gen ist zudem, dass der Beschwerdeführer zwar keine länger fristige, feste Anstellung vorwei- sen kann, allerdings ist positiv zu bewerten, dass der Beschw erdeführer während seines bishe- rigen Aufenthalts in der Schweiz mit kurzen Unterbrechun gen immer erwerbstätig gewesen ist und sich nach Beendigung der Arbeitsverhältnisse jeweils na chweislich um eine neue Ar- beitsstelle bemüht hat. Kürzungen der Unterstützung der Arbeitslosenkasse wegen mangelnden Arbeitsbemühungen sind demzufolge nicht erfolgt. In st rafrechtlicher Hinsicht ist der Beschwer- deführer nur geringfügig negativ aufgefallen. Zudem haben der Beschwerdeführer und seine Familie keine Sozialhilfe bezogen. Auch konnte sich der B eschwerdeführer im Rahmen der heutigen Parteiverhandlung auf Deutsch verständigen, we shalb den gegenteiligen Ausführun- gen der Vorinstanzen zu seiner mangelhaften sprachlich en Integration nicht gefolgt werden kann. Ausserdem ginge eine Wegweisung des Beschwerdeführe rs mit der Trennung der Fami- lie einher und wäre nicht nur für den Beschwerdeführe r mit beträchtlichen Nachteilen verbun- den, sondern würde auch sein familiäres Umfeld hart tr effen. Der Beschwerdeführer ist seit nun über 16 Jahren mit seiner Ehefrau verheiratet und spiel t eine erhebliche Rolle im Alltagsleben seiner Kinder. Diese haben sich im Rahmen des rechtliche n Gehörs dahingehend geäussert, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass eine Wegweisung ihres Vaters für sie sehr schlimm w äre und sie sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen könnten. Die Kinder des Beschwerdeführe rs sind in der Schweiz geboren und zur Schule gegangen und sind entsprechend stark in der Schweiz verwurzelt. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist insbesondere die ältere Toc hter mit nun 14 ½ Jahren nicht mehr in einem anpassungsfähigen Alter. Der in diesem Zusamm enhang von der Vorinstanz zitierte Bundesgerichtsentscheid ist insofern nicht auf den vorlie genden Fall anwendbar, als dass die Kinder im Zeitpunkt des bundesgerichtlichen Entscheids e rst neun und fünf Jahre alt und somit wesentlich jünger waren, als die Kinder des Beschwerdefüh rers. Dementsprechend ist den Töchtern des Beschwerdeführers kaum zumutbar, die Schwei z zu verlassen und dem Vater nach Mazedonien zu folgen. Unter Berücksichtigung der sehr langen Aufenthaltsdauer der Ehe- frau des Beschwerdeführers in der Schweiz und der Tatsache, dass nebst ihren zwei hier gebo- renen Töchtern – mit wenigen Ausnahmen – ihre gesamt e Verwandtschaft in der Schweiz und in Deutschland lebt, ist auch für sie eine Rückkehr nach M azedonien nicht ohne weiteres zu- mutbar. Schliesslich ist in Betracht zu ziehen, dass sich di e Einkommenssituation des Be- schwerdeführers und seiner Familie in den letzten Monat en erheblich verbessert hat, da seine Ehefrau nun – aufgrund des zunehmenden Alters der Töcht er – einer Arbeitstätigkeit nachgeht und dadurch ein monatliches Nettoeinkommen von ca. Fr. 3'650.-- erzielt. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer – und seine Ehefrau – in naher Zukunft über genügend Einkommen verfügen werden, um in Zusammenarb eit mit einer Schuldenberatungs- stelle mit dem kontinuierlichen Abbau der Schulden zu b eginnen. Vor diesem Hintergrund führt die Interessenabwägung insgesamt dazu, dass die öffentli chen Interessen die privaten Interes- sen des Beschwerdeführers und seiner Familie an einem Ve rbleib in der Schweiz nicht zu überwiegen vermögen. Demgemäss erweist sich der von der Vo rinstanz geschützte Widerruf der Aufenthaltsbewilligung im jetzigen Zeitpunkt als unverhältnismässig. 7.5 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und das AfM ist anzuweisen, die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. 7.6 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen , dass die Interessenabwägung in Zukunft anders ausfallen dürfte, wenn sich der Beschwerde führer trotz des vorliegenden Ver- fahrens und der soeben beschriebenen verbesserten Einkom menssituation nicht veranlasst sähe, sich ernsthaft um eine Rückzahlung der bestehenden S chulden zu bemühen oder wenn er mutwillig neue Schulden verursachen oder sogar straffällig werden sollte. 8.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss, nicht jedoch der Vorinstanz, auf- erlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Da vorliegend der Beschwerd egegner als Vorinstanz unterlegen ist, werden keine Verfahrenskosten erhoben. 8.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei fü r den Beizug eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werden. Gestützt darauf hat der Regierungs- rat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Kan tonsgericht eine Parteientschädigung auszurichten. Die anlässlich der Parteiverhandlung einge reichte Honorarnote vom 15. März Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2017 umfasst einen Aufwand von 1.75 Stunden à Fr. 25 0.--, 9.25 Stunden à Fr. 200.--, 0.4167 Stunden à Fr. 133.- (ohne Hauptverhandlung) sowie A uslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 62.70 (Kopien sowie Porti), was nicht zu beanstanden ist. Für die heutige Parteiverhandlung werden dem Rechtsvertreter zwei Stunden à Fr. 250.-- zugesprochen. Der Regierungsrat hat dem Beschwerdeführer demzufolge eine Parteientschädigung von Fr. 3'138.050 (3.75 Stunden à Fr. 250.--, 9.25 Stunden à Fr. 200.--, 0.4167 Stu nden à Fr. 133.- sowie Fr. 62.70 Auslagen und 8 % MWSt) auszurichten. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden Ziff. 1 u nd 2 des Beschlusses des Regierungsrates des Kantons Basel-Landschaft Nr. 911 vo m 21. Juni 2016 aufgehoben und das Amt für Migration de s Kantons Basel-Landschaft wird angewiesen, dem Beschwerdeführer die Aufent- haltsbewilligung zu verlängern. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der Beschwerdegegner hat dem Beschwerdeführer eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3‘138.05 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiber i.V.