<h2>SubmittedText<h2><p>In der Schweiz spielt der biologische Landbau als agrarökologisches Anbausystem mit seinem hohen Betriebs- und Flächenanteil eine herausragende Rolle. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) hat den Auftrag, durch Forschung einen massgeblichen Beitrag zur Weiterentwicklung der biologischen Landwirtschaft und Ernährungsweise beizutragen. In der Ausbildung und Lehre von Hochschulstudierenden ist die biologische Landwirtschaft kaum vertreten. </p><p>An der ETH Zürich wurden angehenden Agronominnen und Agronomen seit 1988 ein Kurs für Biolandbau angeboten, der durch FiBL unter Beizug von ausgewiesenen Fachleuten organisiert wurde. Ab 2007 wurde die Vorlesung ergänzt mit einer Vorlesung über Landbau-Systeme im Vergleich, die sowohl für Studierende der Agronomie als auch der Umweltsystemwissenschaften offen war. Beide Kurse, die eine sehr gute Bewertung der Studierenden erhielten, wurden ersatzlos gestrichen. Die ETH schlug anstelle eine öffentliche Ringvorlesung zur Agrarökologie vor, die aber nicht als Ersatz für die Biolandbau-Lehrveranstaltung angesehen werden kann.</p><p>In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Welche Lehrveranstaltungen werden Studierenden der ETH im Bereich agrarökologischen und biologischen Produktionssystemen angeboten? Welche solcher Lehrveranstaltungen gehören zum Grundstudium der Agrarwissenschaften?</p><p>2. Wie kann die Lehre transformiert werden, damit die Landwirtschaft den grossen Herausforderungen bezüglich Nachhaltigkeit gerecht wird? </p><p>3. Wie werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die praktischen Erfahrungen der Biolandwirtschaft den Studierenden zugänglich gemacht?  </p><p>4. Studierende, welche die Streichung der bisherigen Biolandbau-Kurse bedauern, haben den zuständigen Stellen der ETH mitgeteilt, dass Sie eine Weiterführung der Biolandbau-System-Vorlesungen wünschen und sogar einen Ausbau auf Masterstufe als sinnvoll ansehen. Wie wird diesem Bedürfnis der Studierenden Rechnung getragen?</p><p>5. Sowohl die Professur für Agrarökologie von Prof. Dr. Christian Schöb als auch die für Agrarökologische Transformation von Prof. Dr. Johanna Jacobi sind nur befristet. Was ist für die Zukunft bezüglich ordentlicher Professuren in Agrarökologie geplant?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1./4. Die Agrarökologie spielt in der Lehre der Agrarwissenschaften an der ETH Zürich eine grosse Rolle. Biologische Produktionssysteme werden dabei als wichtiger Aspekt in den Lehrangeboten berücksichtigt. Eine kürzlich im Departement Umweltsystemwissenschaften der ETH Zürich durchgeführte breite Diskussion zu diesem Thema hat ergeben, dass 50 Lehrveranstaltungen im Studiengang Agrarwissenschaften verschiedene Komponenten der Agrarökologie enthalten. Diese Lehrveranstaltungen werden vom ersten Semester des Bachelorstudiums bis zum letzten Semester des Masterstudiums angeboten. Die Diskussion hat gezeigt, dass die Lehrveranstaltungen den Bedürfnissen der Studierenden der Agrarwissenschaften, die in die Analyse einbezogen waren, entsprechen. Im Zuge der breit geführten Diskussion wurde die Zahl der Agrarökologie-Lehrveranstaltungen im Studiengang Umweltnaturwissenschaften von zwei auf 15 erhöht. Zusätzlich wurde der öffentliche Kurs "Agroecology and the Transition to Sustainable Food Systems" entwickelt, um agrarökologische Konzepte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und so deren Bedeutung für die Landwirtschaftsformen der Zukunft zu unterstreichen.</p><p>2. Die Weiterentwicklung von Lehrangeboten ist ein kontinuierlicher Prozess, der die neuesten Forschungsresultate, internationale Entwicklungen, gesellschaftliche Bedürfnisse und weitere Faktoren berücksichtigt. Agrarökologische Ansätze sind heute Teil zahlreicher Lehrveranstaltungen an der ETH Zürich. Neben der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft werden unter anderem Agroforstwirtschaft, konservierende Landwirtschaft, Permakultur und der Anbau von Pflanzen in geschlossenen Systemen berücksichtigt. Zudem bietet das Departement Umweltsystemwissenschaften der ETH Zürich seit zwei Jahren eine Lehrveranstaltung zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen (SDGs) an, in welcher die nachhaltige landwirtschaftliche Produktion und die Ernährung im Vordergrund stehen.</p><p>3. Zusätzlich zu den bereits erwähnten Lehrveranstaltungen haben Praktika, Exkursionen und interdisziplinäre Lehrveranstaltungen, in denen die Studierenden an agrarökologischen Themen arbeiten, eine grosse Bedeutung. Darüber hinaus können Studierende ihr Wissen zu diesen Themen in Bachelor- und Masterarbeiten vertiefen, die oft in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL oder Agroscope realisiert werden.</p><p>5. Das Departement Umweltsystemwissenschaften der ETH Zürich beschäftigt seit 2013 einen ordentlichen Professor für nachhaltige Agrarökosysteme. Seine Gruppe ist massgeblich an der agrarökologischen Lehre beteiligt.</p><p>Die von der Interpellantin erwähnten Professuren werden vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert und sind dieser Gruppe zugeordnet. Darüber hinaus tragen zahlreiche weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Departements zur Lehre der Agrarökologie und ihrer langfristigen Verankerung bei.</p>  Antwort des Bundesrates.