B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3339/2013 U r t e i l v o m 1 7 . J a n u a r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Markus König, Richterin Muriel Beck Kadima, Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, c/o Schweizerische Botschaft in Khartum, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 15. März 2013 / N (…) . E-3339/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit nicht unterzeichneter, englischsprachiger Eingabe vom 27. Februar 2011 (Eingang Botschaft: 27. Februar 2011) wandte sich die Beschwerde- führerin an die schweizerische Botschaft in Khart um, Sudan, und ersuch- te um Asyl in der Schweiz. Sie machte dabei im Wesentlichen geltend, sie habe ihren Heimatstaat Eritrea wegen der nicht endenden Militärdienstpflicht verlassen. Sie habe während einiger Jahre Militärdienst geleistet und ohne finanzielles Entgelt ihrem Heimatland gedient. Dieser Zustand habe sich nicht verändert. Obwohl sie wie eine Sklavin für die Regierung gearbeitet habe, habe ihr das Geld gefehlt, um sich zu ernähren. Daher habe sie Eritrea verlassen und sich in den Sudan begeben. Im Sudan habe sie keinerlei Angehörige, habe keine Arbeit gefunden und ihr Leben sei immer schwieriger gewo r- den. Weil sie aus dem Militärdienst desertiert sei, könne si e nicht nach Eritrea zurückkehren. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdef ührerin einen Flüchtlingsausweis des UNHCR und eine weitere fremdsprachige Karte mit Foto (beide in laminierter Kopie) , ein Diplom als (…) 2007 und ein "Certificate of (…)" vom (…) 2009 (beide in Kopie) zu den Akten. B. Mit Schreiben vom 3. September 2012 setzte das BFM d ie Beschwerde- führerin darüber in Kenntnis, dass die schweizerische Botschaft in Kha r- tum aus Kapazitätsgründen keine Befragung durchführen könne, wesw e- gen sie das Bundesamt – unter Hinweise auf seine Pflicht, bei der Fes t- stellung des Sachve rhalts mitzuwirken (Art. 8 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]) – auffordere, ihr Gesuch mit einer schriftlichen Stellungnahme zu ergänzen. C. Die Beschwerdeführerin ergänzte ihre bisher geltend gemachten Vorbrin- gen mit einer undatierten, eigenhändig unterzeichneten, englischsprachi- gen Eingabe, welche am 1. Oktober 2 012 bei der Botschaft einging. Als Beilage reichte sie eine Kopie eines "Certificate of (…)" vom (…) 2009 als (…) zu den Akten. Ergänzend machte sie insbesondere geltend, sie sei Christin. Sie habe zwölf Jahre lang die Schule besucht, wobei das 12. Schuljahr in Sawa E-3339/2013 Seite 3 abgeschlossen worden sei. Anschliessend habe sie drei Jahre das Co l- lege besucht ( […]). Ihre Familie (Schwester und zwei Cousins) lebe in Eritrea (in B._______ respektive C._______). Sie wolle diese in ihrem Asylgesuch einschliessen. Sie habe zwei Familienmitglieder ( […]) in der Schweiz. Weitere Verwandte in Drittstaaten habe sie nicht. Sie habe Eri t- rea verlassen, nachdem sie vom (…) 2001 bis zum (…) 2009 als norma- les Mitglied des "National Service" Militärdienst geleistet habe. Am (…) August 2009 sei es ihr gelungen, Eritrea illegal zu verlassen. Sie habe sich vor den eritreischen Sicherheitsleuten und Spionen gefürchtet. Ihre Heimat habe sie wegen de r unbegrenzten Militärdienstpflicht verlassen. Wegen ihrer Ausreise aus Eritrea drohe ihr eine Inhaftierung bis zu drei Jahren ohne Gerichtsverfahren. Die Beschwerdeführerin gab Khartum als ihren derzeitigen Aufenthaltsort an. Im Sudan sei sie vom UNHCR als Flüchtling registriert und dem Sheg e- rab Flüchtlingslager zugewiesen worden. Vom 17. August bis zum 19. November 2009 habe sie sich in diesem Camp aufgehalten. In diesem Flüchtlingslager würden Flüchtlinge durch die eritreischen Sicherheit s- kräfte beziehungsweise durch Nachbarn ("neighbors") entführt. Die Leute würden in die Sinai-Halbinsel und an andere Orte hin verschleppt und de- ren Verwandte zu Geldleistungen genötigt. Einige Flüchtlinge seien bei diesen Entführungen umgebracht, einige zur Zwangsprostitution respekti- ve zur Organentnahme für den Organhandel ("[…] took their part of body to market") genötigt worden. Weil sie diesen Gefahren habe entgehen wollen, habe sie das Flüchtlingslager verlassen. Zur Zeit wohne sie z u- sammen mit anderen Flüchtlingen in einer grösse ren Halle, wo sie von wohlhabenden Leuten unterstützt würden. Sie habe kein regelmässiges Einkommen. Sie verkaufe auf der Strasse Tee, obwohl dies für sie als Nicht-Sudanesin sehr schwierig sei; die sudanesischen Sicherheitskräfte würden willkürlich Personen festnehmen; sie habe schon viel Geld für i h- re Freilassung zahlen müssen. Sie habe dann Arbeit in einem sudanesi- schen Haushalt angenommen, sei dann aber von ihrem Arbeitgeber s e- xuell belästigt worden. Als eritreischer Flüchtling habe s ie keine Möglich- keit, sich zur Wehr zu setzen. Sie habe im Sudan niemanden, der s ie fi- nanziell, moralisch und psychologisch unterstütze. Daher s ei sie auf den Schutz der Schweiz angewiesen. Sie fürchte sich vor einer Deportation nach Eritrea. Es komme aufgrund des bilaterale n Abkommens zwischen Eritrea und dem Sudan zu Entführungen respektive Deportationen, über die das UNHCR keine Kenntnisse habe. E-3339/2013 Seite 4 D. Mit Verfügung vom 15. März 2013 – eröffnet am 8. Mai 2013 – verweiger- te das BFM der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz und lehn- te ihr Asylgesuch ab. Das Bundesamt begründete die Verweigerung der Einreise in die Schweiz und die Ablehnung des Asylgesuchs de r Beschwerdeführerin im Wesentlichen damit, dass aufgrund des vollständig erstellten Sachv er- halts davon ausgegangen werden könne, es liege keine unmittel bare Ge- fährdung vor, welche ihre Einreise in die Schweiz notwendig erscheinen lasse. Zwar würden die Schilderungen de r Beschwerdeführerin darauf schliessen lassen, dass sie ernstzunehmende Sch wierigkeiten mit den eritreischen Behörden habe. Es sei daher zu prüfen, ob einer Asylgewä h- rung durch die Schweiz der Asylausschlussgrund von Art. 52 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) entgegenstehe, wo- nach einer Person das Asyl v erweigert werden könne, wenn ihr zugem u- tet werden könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bem ü- hen. Die Beschwerdeführerin sei eigenen Angaben zufolge vom UNHCR als Flüchtling registriert und dem Flüchtlingslager Shegerab zugewiesen worden. Dort habe sie sich vom 17. August bis zum 19. November 2009 aufgehalten. Eritreische Sicherheitskräfte hätten jedoch Flüchtlinge aus dem Lager entführt und einige der entführen Flüchtlinge seien in den S i- nai gebracht worden. Die Entführer hätten deren Familien g ezwungen, ein Lösegeld zu zahlen. Manche Flüchtlinge seien von den Entführern ge- tötet worden, und manchen seien Organe für den Organhandel entnom- men worden. Sie habe nicht dasselbe Schicksal erleiden wollen, weshalb sie das Lager verlassen habe. Sie habe s ich als Frau und als Flüchtling nicht selbst schützen oder für ihre Rechte einstehen können. Zudem b e- fürchte sie eine Deportation nach Eritrea. Laut Berichten des UNHCR würden sich zahlreiche eritreische Flüchtlinge im Sudan aufhalten. Vor diesem Hintergrund sei nicht zu verkennen, dass die Lage vor Ort für Menschen , wie auch für die Beschwerdeführerin, nicht einfach sei. Dennoch würden keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, dass ein weiterer Verbleib de r Beschwerdeführerin im Sudan nicht zumutbar oder möglich wäre. Flüchtlinge im Sudan, die vom UNHCR registriert worden seien, seien e i- nem Flüchtlingslager zugeteilt worden, wo sie sich aufhalten könnten und die nötige Versorgung erhalten würden. D ie Beschwerdeführerin verfüge nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land. Es sei ih r aber E-3339/2013 Seite 5 zumutbar, wieder in das ih r zugewiesene Flüchtlingslager zurückzuke h- ren. Die Befürchtung, nach Eritrea zurückgeschafft zu werden, werde als unbegründet erachtet. Gemäss gesicherten Erkenntnissen sei das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt seien, gering. Das UNHCR registriere vor Ort sämtliche Eritreer, die sich in einem Flüchtlingslager meldeten, unabhängig davon, weshalb sie Eritrea verlassen hätten. Die Beschwe r- deführerin verfüge gemäss den Akten nicht über ein geeignetes Risik o- profil, das eine Befürchtung vor einer Verschleppung nach Eritrea objektiv begründen könnte. Sie habe auch nicht glaubhaft darlegen kön nen, per- sönlich faktisch und unmittelbar bedroht zu sein, unter Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips nach Eritrea zurückgeschafft zu werden. Da sie den Flüchtlingsstatus durch das UNHCR erhalten habe oder diesen erwerben könne, habe die Beschwerdeführer in jederzeit die Möglichkeit, sich bei einer Vertretung des UNHCR im Sudan zu melden. Das UNHCR habe den Sudan, der die Flüchtlingskonvention unterzeichnet habe, an seine internationalen Verpflichtungen erinnert. Das Leben in Khartum sei für eritreische F lüchtlinge nicht einfach. Die Hürden für eine zumutbare Existenz im Khartum seien jedoch vorliegend nicht unüberwindbar. Überdies lebe eine grosse eritreische Diaspora im Sudan, die für in Not geratene Landsleute bereitstehe und weitgehend Unterstützung biete. Gemäss den Akten lebten zwei (…) der Beschwer- deführerin in der Schweiz. Obwohl dadurch ein Anknüpfungspunkt zur Schweiz bestehe, sei dieser nicht derart gewichtig, dass es gerade die Schweiz sei, die den erforderlichen Schutz gewähren sollte. Alleine die Anwesenheit von zwei (…) bedeute noch keine enge Bindung zur Schweiz. Die Beschwerdeführerin bedürfe des zusätzlichen subsidiären Schutzes der Schweiz nicht und es sei ih r zuzumuten, im Sudan zu verbleiben. Es bleibe somit in einem zweiten Schritt zu prüfen, ob aufgrund von B e- ziehungen zu in der Schweiz lebenden Familienangehörigen allenfalls die Voraussetzungen für einen Familiennachzug im Sinne von Art. 51 AsylG oder Art. 85 Abs. 7 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) erfüllt seien. Eine Beurteilung des Gesuches im Rahmen eines Familiengesuches führe i n- dessen zu keinem anderen Ergebnis. Bei Personen ausserhalb der Ker n- familie müssten besondere Umstände (besondere Abhängigkeit aufgrund einer schweren Krankheit etc.) gegeben sein, damit von einer engen B e- ziehung zwischen der asylsuchenden Person und der in der Schweiz l e-E-3339/2013 Seite 6 benden Bezugsperson ausgegangen werden könne. Solche besondere Umstände seien vorliegend nicht gegeben. E. Das BFM leitete am 12. Juni 2013 eine mit 27. Mai 2013 datierte Eingabe der Beschwerdeführerin, die am 30. Mai 2013 bei der Botschaft einging, an das Bundesverwaltungsgericht weiter, mit welcher diese gegen den vorinstanzlichen Entscheid beim Gericht Besch werde erhob und sinng e- mäss die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Feststellung der Flüchtlingseigenschaft beantragte. Zur Begründung führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, sie kämpfe täglich um ihr Überle ben im Sudan. Sie stehe ständig unter psy- chischem Stress und befürchte, vergewaltigt zu werden. Sie sei bereits während ihrer Arbeitstätigkeit in einem sudanesischen Haushalt verg e- waltigt worden. Sie erhalte vom UNHCR keinen Schutz; das UNHCR kenne weder sie noch ihren Aufenthaltsort. Sie befürchte nach wie vor, nach Eritrea deportiert oder entführt zu werden. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltung sgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver - waltungsgerichts. Eine das Sachgebie t betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so auch vorliegend, endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht (vgl. Art. 21 VwVG letzter Teilsatz). Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung beso n- ders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung b e- ziehungsweise Änderung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde E-3339/2013 Seite 7 legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten. 1.3 Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 1. Oktober 2012 festhält, sie wolle ihre Schwester sowie eine Cousine und einen Cousin in ihrem Asylgesuch einschliessen, ist festzuh alten, dass sich das vorli e- gende Asylgesuch einzig auf die Person der Beschwerdeführerin bezieht. Gemäss Rechtsprechung stellt die Stellung eines Asylgesuches (aus dem Ausland) ein relativ höchstpersönliches Recht dar, das grundsätzlich e i- nen persönlichen Antrag der gesuchstellenden Person voraussetzt. Fehlt ein solcher, stellt ein vertretungsweise eingereichtes Asylgesuch einen Mangel dar, der nur behoben werden kann, indem dessen Inhalt anläs s- lich einer mündlichen Anhörung oder durch Einreichung einer per sönlich verfassten oder – im Falle des berechtigten Verzichts auf eine Befragung – zumindest unterzeichneten Stellungnahme zum Fragenkatalog des BFM bestätigt wird (vgl. BVGE 2011/39 E. 4.3). Falls weitere Angehörige – wie die Schwester oder die Cousin e und der Cousin der Beschwerde- führerin – um Asyl hätten ersuchen wollen, wären diese gehalten gew e- sen, eigene Asylgesuche einzureichen, wobei in diesem Zusammenhang auf Erwägung 3 verwiesen wird. 1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durc h- führung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Mit der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft trat, wurden un- ter anderem die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsregelungen halten jedoch fest, dass für die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellten Gesuche die massge blichen Artikel (Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fassung E-3339/2013 Seite 8 anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden Fall die bisherigen Bestimmungen betreffend das Auslandverfahren anzuwenden. 4. 4.1 Einer Person, welche im Ausland ein Asyl gesuch gestellt hat, ist die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaubhaft gemacht wird (Art. 20 Abs. 3 AsylG) – das heisst im Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und die Asylgewährung – oder aber, wenn für die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts ein weiterer Au f- enthalt im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint (Art. 20 Abs. 2 AsylG). Asyl – und da- mit die Einreise in die Schweiz – ist ihr zu verweigern, wenn keine Hin - weise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemü - hen (Art. 52 Abs. 2 AsylG). 4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG wird eine ausländische Person als Flücht- ling anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie z u- letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschau- ungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen uner träglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen. (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5. 5.1 Die Beschwerdeführerin macht eine flüchtlingsrelevante Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG i.V.m. Art. 20 AsylG geltend, indem sie vor- bringt, sie sei während der Leistung ihrer Militärdienstpflicht in Eritrea vom "National Service" desertiert. 5.2 Das BFM hält in der angefochtenen Verfügung , ohne auf dieses Vor- bringen näher einzugehen, fest, die Ausführungen liessen darauf schlie s- sen, d ass die Beschwerdeführerin in Eritrea ernstzunehmende Schwi e- rigkeiten mit den heimatlichen Behörden gehabt habe. Die Vorinstanz geht mithin implizit vom Vorliegen einer Gefährdung der Beschwerdefü h- rerin im Sinne von Art. 3 AsylG im Zeitpunkt der Ausreise a us Eritrea in E-3339/2013 Seite 9 den Sudan aus, bejaht bei der anschliessenden Prüfung des Asylau s- schlussgrundes von Art. 52 Abs. 2 AsylG jedoch die Zumutbarkeit ihres Verbleibs im Sudan. 5.3 5.3.1 Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Asylgründe, sich ohne Erlaubnis oder Dispens der militärische Ausbildung respektive der Leistung ihrer Militärdienstpflicht entzogen zu haben, erschein en glaubhaft. Das Bundesverwaltungsgericht hat keinen Anlass, die entspr e- chenden Vorbringen der Beschwerdeführerin in Zweifel zu ziehen. Es i st daher davon auszugehen, dass die eritreischen Behörden das Verhalten der Beschwerdeführerin als Dienstverweigerung erachten und ihr deshalb eine – aus politisch motivierten Gründen – unverhältnismässig hohe Stra- fe drohen könnte (vgl. EMARK 2006 Nr. 3). Bei einer Rückkehr nach Erit- rea drohen ihr Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG. Im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Eritrea ist daher eine begründete Furcht der B e- schwerdeführerin vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung zu bejahen. Vor- ausgesetzt, ihr weiterer Verbleib im Sudan ist als unzumutbar im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG zu erachten, wäre ihr daher die Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung des Asylverfahrens zu bewilligen. Auf die Prüfung der Zumutbarkeit des weiteren Verbleibs im Sudan ist in den nachfolgenden Erwägungen zurückzukommen. 5.3.2 Betreffend der illegal erfolgten Ausreise der Beschwerdeführerin aus Eritrea ist Folgendes festzuhalten: Eine solche, sogenannte Republi k- flucht kann von Vornherein nicht zur Gewährung von Asyl, sondern g e- stützt auf Art. 54 AsylG einzig zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft führen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f.). Für sich allein wäre dies e in Tatbestand, der gemäss der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts nicht zur Einreise in die Schweiz berecht igten kann, da es nicht der gesetzl i- chen Logik entspricht, Personen, die sich im Ausland befinden, die Ei n- reise in die Schweiz zu gewähren, um sie anschliessend – trotz allfälliger Anerkennung als Flüchtlinge – aus der Schweiz wegzuweisen (vgl. BVGE 2012/26 E. 7; BVGE 2011/10 E. 7 S. 133 für den Fall der Asylunwürdi g- keit im Sinne von Art. 53 AsylG). 5.3.3 Wie bereits festgehalten, ist vorliegend aber davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Eritrea eine begründete Furcht hatte, ernsthaften Nachteilen im Sinne des Asylgese t- zes ausgesetzt zu werden , und dass sie zu diesem Zeitpunkt daher die E-3339/2013 Seite 10 Flüchtlingseigenschaft erfüllt hat. Es ist deshalb in einem nächsten Schritt zu prüfen, ob ihr der weitere Verbleib im Drittstaat Sudan zuzumuten ist. 5.4 Nach Art. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Ausland be- findet, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Bei der Anwe n- dung von Art. 52 Abs. 2 AsylG ist in eine r Gesamtschau zu prüfen, ob es aufgrund der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die den angesichts der bestehenden Gefährdung erforderl i- chen Schutz gewähren soll. Dabei sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Mögl ichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglic h- keit und objektive Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Be- tracht zu ziehen (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3. S. 126 und E. 5.1 S. 128, vgl. auch die Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D -2018/2011 vom 14. September 2011 E. 7.1). 5.5 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet den Sachverhaltsvortrag der Beschwerdeführerin als glaubhaft gemacht. Das Gericht hat keine ko n- krete Veranlassung, daran zu zweifeln, dass die Beschwerdeführerin aus den von ihr geltend gemachten Gründen ihren Heimatstaat Eritrea verlas- sen hat und in den Sudan gereist ist, wo sie als Flüchtling re gistriert und dem Shagarab Flüchtlingscamp zugewiesen worden ist. Weiter geht das Gericht davon aus, dass die Beschwerdeführerin nach einem dreimonat i- gen Aufenthalt dieses Lager im November 2009 verlassen hat und Arbeit in einem sudanesischen Haushalt ange nommen hat, wo sie sexuellen Übergriffen ihres Arbeitgebers ausgesetzt war. Aufgrund der Akten ist da- von auszugehen, dass keine nahen Familienangehörigen oder weitere Verwandte der Beschwerdeführerin im Sudan leben, und sie sich dort als alleinstehende Fra u aufhält; ausserdem gehört die Beschwerdeführerin der religiösen Minderheit der Christen an. Ihren Angaben gemäss lebt sie zur Zeit unter prekären Bedingungen in Khartum in einer grossen Halle, wo sie ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten und als Teever- käuferin auf der Strasse bestreitet. 5.6 Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin mit dem Sudan eine besondere kulturelle oder sprachliche Nähe verbindet. Der einzige Bezugspunkt zu diesem Staat bildet demnach ihr kurzfristiger Aufenthalt in einem Flüchtlingslager sowie ihr anschliessender Aufenthalt in Khartum, einer Stadt, in der sie isoliert und illegal lebt. Eine sprachliche E-3339/2013 Seite 11 oder kulturelle Nähe existiert zwar auch zur Schweiz nicht, doch leben hier zwei (…) Verwandte, (…). Auch wenn die Beschwerdeführerin weder behauptet noch näher belegt, dass ihre Beziehung zu diesen nicht zur Kernfamilie gehörenden Angehörigen ausgesprochen eng ist, verfügt sie doch durch diese beiden Verwandten über einen gewichtigen Bezug s- punkt zur Schweiz . Dies gilt umso mehr, als gemäss Aktenlage keinerlei Beziehungen zu einem anderen Staat vorzuliegen scheinen. Die Eingli e- derungsmöglichkeiten in der Schweiz sind zudem nicht geringer als in e i- nem sudanesischen Flüchtlingslager. Angesichts der vorliegenden Akten und insbesondere der konkrete n indi- viduellen Lebensumstände erachtet das Bundesverwaltungsgericht den weiteren Verbleib der Beschwerdeführerin im Sudan entgegen der Au f- fassung der Vorinstanz als unzumutbar im Sinne von Art. 20 Abs. 2 AsylG. 5.7 Die Beschwerdeführerin erfüllt somit die Voraussetzungen für die B e- willigung der Einreise nach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG. Aufgrund dieser Sachlage erübrigt sich die Prüfung der Frage, ob vorliegend die Anford e- rung an Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG erfüllt wären. 6. Aufgrund vorstehender Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen und die Verfügung des BFM vom 1 5. März 2013 aufzuheben. Das BFM ist anzuweisen, der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, ihr die erforderlichen Einreisepapiere ausz ustellen und nach ihrer Einreise das Asylverfahren durchzuführen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 7.2 Der Beschwerdeführerin wäre als obsiegende Partei zu Lasten der Vori n- stanz grundsätzlich eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwe n- digen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem die Beschwerdeführerin jedoch im vorliegenden Verfahren nicht vertreten w ird, ist nicht davon auszugehen, E-3339/2013 Seite 12 dass ihr verhältnismässig hohe Kosten erwachsen sind, weshalb von der Ausrichtung einer Parteientschädigung zu verzichten ist. (Dispositiv nächste Seite) E-3339/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 15. März 2013 wird aufgehoben. 3. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, ihr die erforderlichen Einreisepapiere auszustellen und nach ihrer Einreise das Asylverfahren durchzuführen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die schwe i- zerische Botschaft in Khartum. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sandra Bodenmann Versand: