<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">345</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>63</b></span> <span class="ft4"><b>Gewinnungskosten bei selbständiger Erwerbstätigkeit; passive Rech-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>nungsabgrenzung (§ 36 Abs. 1 StG)</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Wenn im Jahr 2010 eine Entschädigung für die Nutzung eines Grund-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>stücks nach der Kiesabbauung bis in das Jahr 2027 bezahlt wird, kann</b></span><br/> <span class="ft4"><b>die Entschädigung (bei einer Liegenschaft des Geschäftsvermögens) auf</b></span><br/> <span class="ft4"><b>18 Jahre aufgeteilt werden. Hierfür ist eine passive Rechnungsabgren-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>zung zu bilden.</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft6">vom 26. Februar 2015 in Sachen R. + A.R. (3-RV.2014.118).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent ist selbständig erwerbender Landwirt. Mit "Ver-</span><br/> <span class="ft1">trag über das zusätzliche Auffüllvolumen Parzelle X" zwischen ihm,</span><br/> <span class="ft1">den gewinnanteilsberechtigten Geschwistern und der einfachen</span><br/> <span class="ft1">Gesellschaft A. (...) wurde der A. das Recht zugestanden, auf dem</span><br/> <span class="ft1">Grundstück X eine Überfüllung vorzunehmen. Die Auffüllung soll</span><br/> <span class="ft1">gemäss Vertrag bis in das Jahr 2027 abgeschlossen sein. Die A.</span><br/> <span class="ft1">sprach hierfür dem Rekurrenten eine Entschädigung von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">346</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">CHF 450'000.00 zu. Zudem wurden "als Abgeltung für allfällige Er-</span><br/> <span class="ft1">tragsausfälle nach erfolgter Rekultivierung" CHF 15'000.00 verein-</span><br/> <span class="ft1">bart (...).</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Den Zahlungseingang der Entschädigungen verbuchte der Re-</span><br/> <span class="ft1">kurrent per 9. Juli 2010 erfolgswirksam über das Konto "6008 Ein-</span><br/> <span class="ft1">nahmen aus Kiesabbau". Die Überweisungen der Gewinnanteile an</span><br/> <span class="ft1">seine Geschwister wurden ebenfalls erfasst.</span><br/> <span class="ft1">Mit Buchung vom 19. Juli 2010 verbuchte der Rekurrent für</span><br/> <span class="ft1">seinen Anteil von CHF 156'250.00 an der Entschädigung für die</span><br/> <span class="ft1">Überfüllung der Parzelle X eine Rückstellung. Per 31. Dezember</span><br/> <span class="ft1">2010 löste er die Rückstellung im Umfang von CHF 8'680.55</span><br/> <span class="ft1">erfolgswirksam auf (mit dem Buchungstext "Entschädigung Auffüll-</span><br/> <span class="ft1">volumen 2010"). Die Rückstellung betrug damit per 31. Dezember</span><br/> <span class="ft1">2010 noch CHF 147'569.45.</span><br/> <span class="ft1">Ebenfalls per 19. Juli 2010 buchte der Rekurrent erfolgswirk-</span><br/> <span class="ft1">sam eine "Rückstellung für Ertragsausfall 2028/2029" von</span><br/> <span class="ft1">CHF 15'000.00. Diese Rückstellung bestand per 31. Dezember 2010</span><br/> <span class="ft1">unverändert.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Mit Schreiben vom 22. November 2013 führte der zuständige</span><br/> <span class="ft1">Steuerkommissär aus:</span><br/> <span class="ft6">"Bei der Prüfung der Angelegenheit stellte ich fest, dass die Problema-</span><br/> <span class="ft6">tik nicht darin besteht, ob Fremd- oder Eigenkapital vorliegt. Vielmehr ist</span><br/> <span class="ft6">festzustellen, dass eine Rückstellung oder Rücklage gar nicht begründet ist.</span><br/> <span class="ft6">Die Entschädigungen für das zusätzliche Auffüllvolumen der Parzelle X so-</span><br/> <span class="ft6">wie Ertragsausfallentschädigungen sind beim vorliegenden Sachverhalt</span><br/> <span class="ft6">vollumfänglich dem Steuerjahr 2010 zuzurechnen. Es liegt keine Begrün-</span><br/> <span class="ft6">dung vor, diese Entschädigung auf mehrere Jahre zu verteilen. Daher muss</span><br/> <span class="ft6">abschliessend festgestellt werden, dass ein Antrag an die zuständige Steuer-</span><br/> <span class="ft6">kommission V. vorgesehen ist, das Einkommen aus selbständiger</span><br/> <span class="ft6">Erwerbstätigkeit 2010 um CHF 147'569 und CHF 15'000 (total</span><br/> <span class="ft6">CHF 162'659) zu erhöhen."</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">347</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Im Einspracheentscheid bestätigte die Steuerkommission V die</span><br/> <span class="ft1">Ausführungen des Steuerkommissärs und erhöhte das steuerbare Ein-</span><br/> <span class="ft1">kommen um die Rückstellungen von total CHF 162'569.00. Es</span><br/> <span class="ft1">wurde festgehalten, dass es sich bei der Entschädigung nicht um eine</span><br/> <span class="ft1">Abgeltung des Ertragsausfalls, sondern einzig um eine Entschädi-</span><br/> <span class="ft1">gung handle für das Recht, das Gelände der ehemaligen Kiesgrube</span><br/> <span class="ft1">auf der Parzelle X höher aufzufüllen als die ursprüngliche Gelände-</span><br/> <span class="ft1">höhe. Die auffüllberechtigte A. habe den gesamten Betrag im Kalen-</span><br/> <span class="ft1">derjahr 2010 bezahlt. Dabei sei im Vertrag einzig die Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">aufgenommen worden, wonach die Auffüllung bis im Jahr 2027</span><br/> <span class="ft1">abgeschlossen sein solle. Es liege keine Begründung vor, diese Ent-</span><br/> <span class="ft1">schädigung auf mehrere Jahre aufzuteilen. Der Umstand, dass bei der</span><br/> <span class="ft1">A. eine Aktivierung und Abschreibung des "Auffüllrechts Parzelle</span><br/> <span class="ft1">X" und eine jährliche Abschreibung erfolgt sei, ändere nichts daran,</span><br/> <span class="ft1">dass dem Rekurrenten die gesamte Entschädigung ohne weitere Ver-</span><br/> <span class="ft1">pflichtungen im Jahr 2010 ausbezahlt worden sei. Gemäss dem Ver-</span><br/> <span class="ft1">trag würden den Rekurrenten keine Kosten aus der Auffüllung</span><br/> <span class="ft1">entstehen. Es sei kein Rückstellungsbedarf gegeben.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 36 Abs. 1 StG werden bei selbständiger Erwerbstätig-</span><br/> <span class="ft1">keit die geschäftsmässig begründeten Kosten abgezogen. Dazu gehö-</span><br/> <span class="ft1">ren auch die geschäftsmässig begründeten Passiven Rechnungsab-</span><br/> <span class="ft1">grenzungen (vgl. dazu Handbuch der Wirtschaftsprüfung 2009,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 2009, Band 1, S. 192 f. [HWP 2009]).</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Bei der als Rückstellung verbuchten "Entschädigung Auffüllvo-</span><br/> <span class="ft1">lumen" handelt es sich weder um eine Rückstellung ("Auf einem Er-</span><br/> <span class="ft1">eignis in der Vergangenheit begründete wahrscheinliche Verpflich-</span><br/> <span class="ft1">tung, deren Höhe und/oder Fälligkeit ungewiss aber schätzbar ist"</span><br/> <span class="ft1">[HWP 2009, Band 1, S. 238]) noch um eine Rücklage (Gewinnver-</span><br/> <span class="ft1">wendung bzw. offene Reserve).</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent (und die Gewinnanteilsberechtigten) haben der</span><br/> <span class="ft1">A. das Recht eingeräumt, die Parzelle X bis spätestens im Jahr 2027</span><br/> <span class="ft1">zur Auf- und Überfüllung zu nutzen. Die Entschädigung wurde damit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">348</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">für den Zeitraum vom Jahr 2010 bis (und mit) dem Jahr 2027 be-</span><br/> <span class="ft1">zahlt. Bei der verbuchten Abgrenzung handelt es sich somit - wie die</span><br/> <span class="ft1">Rekurrenten im Schreiben vom 25. September 2013 korrekt ausführ-</span><br/> <span class="ft1">ten - um eine Passive Rechnungsabgrenzung bzw. genauer um Tran-</span><br/> <span class="ft1">sitorische Passiven ("Einnahmen im alten Jahr, die als Ertrag dem</span><br/> <span class="ft1">nächsten Rechnungsjahr gutzuschreiben sind. Dazu gehören z.B. im</span><br/> <span class="ft1">Voraus erhaltene Kapitalzinsen, Mieten, Prämien" [HWP 2009, Band</span><br/> <span class="ft1">1, S. 192]).</span><br/> <span class="ft1">Entgegen der Ansicht der Steuerkommission V. besteht damit</span><br/> <span class="ft1">ein Grund, die Entschädigung von CHF 156'250.00 auf 18 Jahre (von</span><br/> <span class="ft1">und mit 2010 bis und mit 2027) aufzuteilen. Dieser Ansicht war im</span><br/> <span class="ft1">Übrigen auch der LE KStA noch im Veranlagungsverfahren. Er hat</span><br/> <span class="ft1">die "Rückstellung" dort noch anerkannt mit dem ausdrücklichen Hin-</span><br/> <span class="ft1">weis, die Entschädigung sei für 18 Jahre bezahlt worden.</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Passive Rechnungsabgrenzung "Entschädigung Auffüllvo-</span><br/> <span class="ft1">lumen" von CHF 147'569.00 ist damit, wie in der Buchhaltung des</span><br/> <span class="ft1">Rekurrenten verbucht, sowohl bei der Berechnung des steuerbaren</span><br/> <span class="ft1">Einkommens als auch beim steuerbaren Vermögen zum Abzug zuzu-</span><br/> <span class="ft1">lassen. Auf die entsprechenden Aufrechnungen ist zu verzichten.</span><br/></div> </div> </body> </html>