<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 144 S.621</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">621</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>144 Waffenhandelsbewilligung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Es entspricht dem Sinn und Zweck des eidgenössischen Waffenrech-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tes, dass auch bisherige Waffenhändlerinnen und -händler, welche</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bereits unter dem abgelösten Waffenkonkordat zum Erwerb des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>altrechtlichen Patentes eine Prüfung absolviert haben, zur Erlangung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einer neurechtlichen Waffenhandelsbewilligung unabdingbar ein</b></span><br/> <span class="ft2"><b>entsprechendes Gesuch einreichen sowie eine neuerliche Prüfung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ablegen und bestehen müssen (Erw. 2 b-e).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Pflicht zur Ablegung einer neuerlichen Prüfung stellt keine unzu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lässige Rückwirkung dar; zudem erweist sich die Prüfungspflicht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht nur als sachgerecht, sondern auch im Einklang stehend mit den</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Grundsätzen der Rechtsgleichheit sowie Verhältnismässigkeit (Erw. 2</b></span><br/> <span class="ft2"><b>f-h).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Regierungsrates vom 24. Mai 2000 in Sachen R.P. gegen Po-</span><br/> <span class="ft3">lizeikommando.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">622</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. (...)</span><br/> <span class="ft1">b) Gestützt auf die durch das schweizerische Stimmvolk dem</span><br/> <span class="ft1">Bund am 26. September 1993 eingeräumte verfassungsmässige</span><br/> <span class="ft1">Kompetenz zum Erlass von Vorschriften gegen den Missbrauch von</span><br/> <span class="ft1">Waffen, Waffenzubehör und Munition (vgl. Art. 40</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">aBV bzw. neu</span><br/> <span class="ft1">Art. 107 Abs. 1 BV) hat der Bund das am 1. Januar 1999 in Kraft</span><br/> <span class="ft1">getretene Waffengesetz samt Waffenverordnung erlassen. Mit diesen</span><br/> <span class="ft1">beiden Erlassen ist durch den Bund in Bezug auf das Waffenrecht</span><br/> <span class="ft1">erstmals eine einheitliche und abschliessende Regelung getroffen</span><br/> <span class="ft1">worden. Demzufolge kommt dem früheren kantonalen Recht bzw.</span><br/> <span class="ft1">dem Waffenkonkordat seither auch keine Geltung mehr zu.</span><br/> <span class="ft1">c) Es steht vorliegend fest, dass der Beschwerdeführer nach</span><br/> <span class="ft1">bisherigem Kantons- bzw. Konkordatsrecht mit Waffen handeln</span><br/> <span class="ft1">durfte. Unbestritten ist auch, dass er ein Gesuch um Erteilung einer</span><br/> <span class="ft1">bundesrechtlichen Waffenhandelsbewilligung stellen muss, will er</span><br/> <span class="ft1">weiterhin seinem Gewerbe nachgehen. So legt Art. 17 des Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">setzes über Waffen, Waffenzubehör und Munition (Waffengesetz,</span><br/> <span class="ft1">WG) vom 20. Juni 1997 unter anderem fest, dass, wer gewerbs-</span><br/> <span class="ft1">mässig Waffen, wesentliche Waffenbestandteile, Munition oder Mu-</span><br/> <span class="ft1">nitionsbestandteile anbietet, eine Waffenhandelsbewilligung benötigt.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend umstritten und deshalb nachfolgend zu prüfen, ist</span><br/> <span class="ft1">dagegen die Vorfrage, ob der Beschwerdeführer zur Erlangung einer</span><br/> <span class="ft1">neurechtlichen Waffenhandelsbewilligung eine neuerliche Prüfung</span><br/> <span class="ft1">ablegen muss, obwohl er bereits zu einem früheren Zeitpunkt - noch</span><br/> <span class="ft1">unter der Geltung des Waffenkonkordats - zum Erwerb des altrechtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Patentes eine Prüfung absolviert hat.</span><br/> <span class="ft1">d) Gemäss Art. 17 Abs. 2 lit. c WG erhält diejenige Person eine</span><br/> <span class="ft1">Waffenhandelsbewilligung, welche sich - abgesehen von den übrigen</span><br/> <span class="ft1">in dieser Bestimmung genannten Voraussetzungen - auch in einer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">623</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Prüfung über ausreichende Kenntnisse der Waffen- und Munitions-</span><br/> <span class="ft1">arten sowie der gesetzlichen Bestimmungen ausgewiesen hat.</span><br/> <span class="ft1">Nach seinem Wortlaut verlangt Art. 17 Abs. 2 lit. c WG für sich</span><br/> <span class="ft1">allein gesehen keine bestimmte Prüfung. Hingegen bestimmt Art. 17</span><br/> <span class="ft1">Abs. 4 WG, dass das zuständige Departement ein Prüfungsreglement</span><br/> <span class="ft1">erlässt. Dies ist mittels Reglement des Eidgenössischen Justiz- und</span><br/> <span class="ft1">Polizeidepartementes (EJPD) vom 21. September 1998 über die Prü-</span><br/> <span class="ft1">fung für die Waffenhandelsbewilligung inzwischen auch bereits er-</span><br/> <span class="ft1">folgt. Das betreffende Reglement sieht vor, dass in einem theoreti-</span><br/> <span class="ft1">schen Teil unter anderem die Kenntnisse über das Waffen-, Kriegs-</span><br/> <span class="ft1">material- und Güterkontrollgesetz, die Kenntnisse der Waffen- und</span><br/> <span class="ft1">Munitionsarten sowie die Grundkenntnisse der Ballistik geprüft wer-</span><br/> <span class="ft1">den. Der praktische Teil der Prüfung umfasst die Identifizierung von</span><br/> <span class="ft1">Waffen und die Waffenmanipulation.</span><br/> <span class="ft1">Aus dem systematischen Zusammenhang der beiden vorge-</span><br/> <span class="ft1">nannten Bestimmungen ergibt sich ohne weiteres, dass der Gesetz-</span><br/> <span class="ft1">geber mit der Bestimmung in Art. 17 Abs. 2 lit. c WG allein die bun-</span><br/> <span class="ft1">desrechtliche Waffenhandelsprüfung als massgebend erachtete. Hätte</span><br/> <span class="ft1">die Meinung bestanden, dass andere Prüfungen anerkannt werden</span><br/> <span class="ft1">können, so etwa ausländische Zertifikate oder Prüfungen von priva-</span><br/> <span class="ft1">ten Organisationen oder eben auch altrechtliche Prüfungen, die durch</span><br/> <span class="ft1">die Kantone gestützt auf das Waffenkonkordat abgenommen worden</span><br/> <span class="ft1">sind, hätte dies im Bundesrecht selbst festgelegt werden müssen.</span><br/> <span class="ft1">Eine solche Bestimmung fehlt jedoch sowohl im Waffengesetz als</span><br/> <span class="ft1">auch in der Waffenverordnung.</span><br/> <span class="ft1">e) Ist geklärt, dass es sich bei der in Art. 17 Abs. 2 lit. c WG</span><br/> <span class="ft1">verlangten Prüfung um die bundesrechtliche Waffenhandelsprüfung</span><br/> <span class="ft1">im Sinne des hiefür neu geschaffenen Reglementes handelt, stellt</span><br/> <span class="ft1">sich nachfolgend die Frage, welche Personen sich dieser Prüfung</span><br/> <span class="ft1">unterziehen müssen bzw. unter Umständen davon befreit sind.</span><br/> <span class="ft1">Diese Frage beantwortet das Bundesrecht ganz klar: So legt</span><br/> <span class="ft1">zum einen die Verordnung über Waffen, Waffenzubehör und Muni-</span><br/> <span class="ft1">tion (Waffenverordnung, WV) vom 21. September 1998 in Art. 18</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">624</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Abs. 3 fest, dass keine praktische - jedoch die theoretische - Prüfung</span><br/> <span class="ft1">abzulegen hat, wer über ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis für</span><br/> <span class="ft1">Büchsenmacherinnen und -macher verfügt oder nicht mit Hand- oder</span><br/> <span class="ft1">Faustfeuerwaffen handelt. Wenn demnach selbst gelernte Büchsen-</span><br/> <span class="ft1">macherinnen und -macher mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis</span><br/> <span class="ft1">nicht vollständig von der Prüfungspflicht befreit werden, kann dies</span><br/> <span class="ft1">erst recht nicht für Waffenhändlerinnen und -händler gelten, deren</span><br/> <span class="ft1">kantonale Bewilligungen auf Prüfungen beruhen, die gestützt auf</span><br/> <span class="ft1">inzwischen aufgehobenes kantonales Recht abgelegt wurden. Dass es</span><br/> <span class="ft1">sich bei der fehlenden Statuierung einer fortwährenden Geltung</span><br/> <span class="ft1">altrechtlicher Prüfungen um einen gewollten Entscheid des Gesetz-</span><br/> <span class="ft1">gebers handelt, ergibt sich zudem auch aus dem Sinn und Zweck des</span><br/> <span class="ft1">Gesetzes. Gemäss Art. 1 Abs. 1 WG bezweckt das Bundesrecht näm-</span><br/> <span class="ft1">lich gerade, die missbräuchliche Verwendung von Waffen, Waffen-</span><br/> <span class="ft1">ubehör und Munition zu bekämpfen. Bei der Erreichung dieses</span><br/> <span class="ft1">Zieles kommt dem Waffenhandel eine besonders wichtige Funktion</span><br/> <span class="ft1">zu. So müssen Waffenhändlerinnen und -händlern genau wissen,</span><br/> <span class="ft1">welche Waffen für den Handel vollständig verboten sind, welche</span><br/> <span class="ft1">Waffen aufgrund eines Waffenerwerbsscheins erworben werden dür-</span><br/> <span class="ft1">fen und welche Waffen nicht unter den Geltungsbereich des Waffen-</span><br/> <span class="ft1">gesetzes fallen und damit frei gehandelt werden können. Dazu müs-</span><br/> <span class="ft1">sen angesichts der Komplexität der Materie umfassende Kenntnisse</span><br/> <span class="ft1">über die Waffenarten und über die gesetzlichen Bestimmungen vor-</span><br/> <span class="ft1">handen sein. Dem Nachweis dieser Kenntnisse dient exakt die neue</span><br/> <span class="ft1">bundesrechtliche Prüfung. Die früheren kantonalen Prüfungen, die je</span><br/> <span class="ft1">nach Kanton verschiedene Anforderungen an die Kandidatinnen und</span><br/> <span class="ft1">Kandidaten stellten, können keinen genügenden Ersatz darstellen,</span><br/> <span class="ft1">zumal das neue Waffenrecht und andere relevante Bundeserlasse -</span><br/> <span class="ft1">beispielsweise das Kriegsmaterialgesetz, das Güterkontrollgesetz</span><br/> <span class="ft1">oder das Sprengstoffgesetz - teilweise nicht Gegenstand der altrecht-</span><br/> <span class="ft1">lichen kantonalen Prüfungen waren bzw. wegen ihres Erlassdatums</span><br/> <span class="ft1">gar nicht sein konnten. Ebenso bietet die bisher klaglose Führung</span><br/> <span class="ft1">von Waffenhandelsbetrieben als solche keine ausreichende Gewähr,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">625</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dass die betreffenden Gesuchstellenden auch die notwendigen</span><br/> <span class="ft1">Kenntnisse über die Tragweite und Anwendung des neuen Waffen-</span><br/> <span class="ft1">rechts besitzen. Demzufolge ist - abgesehen von den beiden in</span><br/> <span class="ft1">Art. 18 Abs. 3 der Waffenverordnung ausdrücklich vorgesehenen</span><br/> <span class="ft1">Ausnahmen von der generellen Prüfungspflicht - das Ablegen von</span><br/> <span class="ft1">theoretischen und praktischen Prüfungen für alle übrigen Gesuch-</span><br/> <span class="ft1">stellenden und damit auch den Beschwerdeführer als unabdingbar zu</span><br/> <span class="ft1">erklären.</span><br/> <span class="ft1">Der Bundesgesetzgeber hat bewusst unterlassen, in der Über-</span><br/> <span class="ft1">gangsbestimmung des Waffengesetzes eine Ausnahmeregelung für</span><br/> <span class="ft1">bereits praktizierende Waffenhändlerinnen und -händler vorzusehen.</span><br/> <span class="ft1">Stattdessen hat er in Art. 42 Abs. 1 WG ausdrücklich und vorbehalt-</span><br/> <span class="ft1">los bestimmt, dass gerade auch jene Personen, welche nach bisheri-</span><br/> <span class="ft1">gem kantonalem Recht mit Waffen haben handeln dürfen und dieses</span><br/> <span class="ft1">Recht behalten wollen, innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten des</span><br/> <span class="ft1">Gesetzes ein Gesuch um eine Bewilligung gemäss Art. 17 WG stel-</span><br/> <span class="ft1">len müssen. Im Falle der Einhaltung dieser Verhaltensanordnung</span><br/> <span class="ft1">bleibt das besagte bisherige Recht gemäss Art. 42 Abs. 2 WG zu-</span><br/> <span class="ft1">mindest bis zu jenem Zeitpunkt bestehen, bis über das Gesuch ent-</span><br/> <span class="ft1">schieden ist (vgl. ...).</span><br/> <span class="ft1">f) Indem - wie vorgängig dargelegt - die Bestimmungen der</span><br/> <span class="ft1">geltenden Waffengesetzgebung auf Personen wie den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer Anwendung finden, kann auch keine unzulässige Rückwir-</span><br/> <span class="ft1">kung gesehen werden. So bietet nach der bundesgerichtlichen Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung das aus Art. 4 der Bundesverfassung der Schweizerischen</span><br/> <span class="ft1">Eidgenossenschaft (aBV) vom 29. Mai 1874 (vgl. Art 9 der Bundes-</span><br/> <span class="ft1">verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom</span><br/> <span class="ft1">18. April 1999) abgeleitete Rückwirkungsverbot grundsätzlich nur</span><br/> <span class="ft1">Schutz vor der Anwendung gesetzlicher Ordnungen, die an einen</span><br/> <span class="ft1">Sachverhalt anknüpfen, der in der Vergangenheit liegt und vor Erlass</span><br/> <span class="ft1">der betreffenden Regelungen abgeschlossen worden ist. Keine uner-</span><br/> <span class="ft1">laubte (bzw. eine sogenannte unechte) Rückwirkung liegt hingegen</span><br/> <span class="ft1">vor, wenn der Gesetzgeber lediglich auf Verhältnisse abstellt, die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">626</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zwar unter der alten Rechtssituation entstanden sind, beim Inkraft-</span><br/> <span class="ft1">treten des neuen Rechts aber noch andauern. Es ist somit nicht ver-</span><br/> <span class="ft1">boten, zeitlich noch offene Sachverhalte für die Zukunft neuen</span><br/> <span class="ft1">Rechtsfolgen zu unterstellen, sofern dem nicht wohlerworbene Rech-</span><br/> <span class="ft1">te entgegenstehen (vgl. BGE 122 II 124; 119 Ia 254 E. 3; 116 Ia 207</span><br/> <span class="ft1">E. 4a; 113 Ia 412 E. 6 S. 425).</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend wird durch die Anwendung der geltenden neuen</span><br/> <span class="ft1">Waffengesetzgebung gerade an kein in der Vergangenheit liegendes,</span><br/> <span class="ft1">abgeschlossenes Ereignis angeknüpft. Vielmehr ist der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer vor und auch nach dem Inkrafttreten der Waffengesetzgebung</span><br/> <span class="ft1">der Tätigkeit des Waffenhandels nachgegangen. Da dem Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer darüber hinaus auch kein wohlerworbenes Recht auf eine</span><br/> <span class="ft1">entsprechende Bewilligung zusteht, ist nicht ersichtlich, weshalb die</span><br/> <span class="ft1">Auswirkungen der Neuregelung gegen das Rückwirkungsverbot</span><br/> <span class="ft1">verstossen sollen.</span><br/> <span class="ft1">g) aa) Im Weiteren hält das neue Waffenrecht auch vor dem</span><br/> <span class="ft1">Rechtsgleichheitsgrundsatz stand. (...)</span><br/> <span class="ft1">Indem der Gesetzgeber vorliegend hinsichtlich der Frage der</span><br/> <span class="ft1">Prüfungspflicht im Rahmen der Übergangsbestimmung keine Diffe-</span><br/> <span class="ft1">renzierung zwischen bereits praktizierenden Waffenhändlerinnen und</span><br/> <span class="ft1">-händlern sowie Gesuchstellenden ohne entsprechende Praxis vorge-</span><br/> <span class="ft1">nommen hat, hat er keine den Grundsatz der Rechtsgleichheit verlet-</span><br/> <span class="ft1">zende Regelung getroffen. Es wäre zwar grundsätzlich denkbar ge-</span><br/> <span class="ft1">wesen, Personen mit entsprechender Praxis von einer erneuten Prü-</span><br/> <span class="ft1">fungspflicht auszunehmen. Auf diese Möglichkeit hat der Gesetzge-</span><br/> <span class="ft1">ber aber zugunsten einer möglichst schnellen sowie umfassenden und</span><br/> <span class="ft1">damit wiederum auch rechtsgleichen Verwirklichung der strengeren</span><br/> <span class="ft1">Neuordnung bewusst verzichtet (vgl. hiezu auch E. 2 e). (...)</span><br/> <span class="ft1">h) aa) Der Übergang vom alten zum neuen Recht hat jeweils</span><br/> <span class="ft1">auch dem Verhältnismässigkeitsgrundsatz zu genügen. Dieser</span><br/> <span class="ft1">Grundsatz ist gewahrt: Stellt der Gesetzgeber durch die Änderung</span><br/> <span class="ft1">einer Regelung bzw. durch eine Neuordnung fest, dass ein Bedürfnis</span><br/> <span class="ft1">für eine spezifische Ordnung besteht, so liegt es zwar grundsätzlich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">627</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">im öffentlichen Interesse, diese Neuordnung möglichst bald zu ver-</span><br/> <span class="ft1">wirklichen. Auch ohne besondere zeitliche Dringlichkeit ist deshalb</span><br/> <span class="ft1">ein Erlass ohne Verzug möglichst flächendeckend in Kraft zu setzen,</span><br/> <span class="ft1">wenn nicht besondere Gründe gebieten, den Termin des Wirksam-</span><br/> <span class="ft1">werdens hinauszuschieben. Die vorliegend vorgesehene Unterstel-</span><br/> <span class="ft1">lung auch der bereits praktizierenden Waffenhändlerinnen und -</span><br/> <span class="ft1">händler unter die Prüfungspflicht stellt wie bereits dargelegt eine</span><br/> <span class="ft1">geeignete Massnahme dar, die Zwecke des neuen Waffenrechtes zu</span><br/> <span class="ft1">erreichen. Eine andere, mildere Massnahme, die dieser Zweckverfol-</span><br/> <span class="ft1">gung in gleicher Weise dienen könnte, ist nicht ersichtlich. Zudem ist</span><br/> <span class="ft1">die Absolvierung einer neuerlichen Prüfung den betroffenen Waffen-</span><br/> <span class="ft1">händlerinnen und -händlern auch zumutbar, ist doch dem öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Interessen an einer möglichst effizienten und flächendeckenden</span><br/> <span class="ft1">Verwirklichung des Gesetzeszieles zweifellos ein höheres Gewicht</span><br/> <span class="ft1">beizumessen als den privaten Interessen dieses Personenkreises an</span><br/> <span class="ft1">einer Sonderbehandlung. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>