B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2037/2020 U r t e i l v o m 1 3 . M a i 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher; Gerichtsschreiberin Andrea Beeler. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Maître François Gillard, avocat, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 12. März 2020. D-2037/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin – eine sri-lankische Staatsangehörige tamilischer Ethnie – suchte am 15. Mai 2017 im damaligen Empfangs- und Verfahren- szentrum (EVZ) des SEM in B._______ um Asyl nach. B. Ein am 16. Mai 2017 durchgeführter Abgleich mit der europäischen Finger- abdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass die Beschwerde- führerin am 24. April 2017 in Italien aufgegriffen worden war. C. Am 30. Mai 2017 wurde die Beschwerdeführerin zu ihrer Person, zum Rei- seweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person, BzP). Anlässlich der BzP wurde ihr das rechtliche Gehör zur mut- masslichen Zuständigkeit Italiens für die Durchführung ihres Asyl - und Wegweisungsverfahrens sowie zu einem allfälligen Nichteintretensent- scheid gewährt. D. Am 7. Juni 2017 ersuchte die Vori nstanz die italienischen Behörden um Übernahme der Beschwerdeführerin. Die italienischen Behörden stimmten dem Ersuchen am 11. Juli 2017 zu. E. Mit Verfügung vom 11. Juli 2017 trat das SEM auf das Asylgesuch der Be- schwerdeführerin nicht ein, wies sie aus der Schweiz nach Italien weg, for- derte sie auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwer- defrist zu verlassen und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Voll- zug der Wegweisung. F. Am 18. Juli 2017 erklärte die Beschwerdeführerin schriftlich den Verzicht auf eine Beschwerde. G. Ab dem 21. Juli 2017 galt die Beschwerdeführerin als verschwunden. H. Mit Schreiben ihres R echtsvertreters vom 16. Februar 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin um Wiederaufnahme ihres Asylverfahrens. D-2037/2020 Seite 3 I. Angesichts des Umstandes , dass die Frist zur Überstellung nach Italien zwischenzeitlich abgelaufen war, hob die Vorinstanz mit Verfügung vom 6. Mai 2019 ihren Entscheid vom 11. Juli 2017 auf und nahm das nationale Asylverfahren wieder auf. J. Am 28. Februar 2020 wurde die Beschwerd eführerin von der Vorinstanz einlässlich zu den Asylgründen angehört (Anhörung). Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass sie im Dorf C._______ (Distrikt D._______, Nordprovinz) aufgewachsen sei. Im Jahr 1990 sei ihr Vater verschwunden. Kurze Zeit später sei sie mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern wegen des Bürgerkriegs nach Indien ge flohen. In Indien habe sie die Schule bis zur (…) Klasse besucht. Nach Unterzeichnung des Friedensabkommens sei sie im Jahr 2004 mit ihrer Mutter nach Sri Lanka zurückgekehrt, wobei sie sich erneut in C._______ niedergelassen hätten. Im August 2012 habe sie ihren Ehemann nach religiösem Brauch geheiratet . Beide Familien seien gegen eine Heirat gewesen, weshalb sie zu diesen kaum noch Kon- takt gehabt h ätten. Ihr Ehemann sei ab und zu nach Indien gereist und habe dort eine Bewegung unterstützt, aber sie habe keine genauen Kennt- nisse über seine Aktivitäten ge habt. Im Oktober 2014 hätten sie und ihr Ehemann schliesslich zivilrechtlich geheiratet. Am (…) 2014 sei ihr Ehe- mann plötzlich verschwunden. Er habe das Haus verlassen und sei nicht mehr zurückgekehrt. Einige Tage beziehungsweise Wochen später seien zwei bis drei Personen bei ihr zu Hause vorbeigekommen und hätten nach ihm gefragt. Da sie keine Auskunft habe geben können, sei sie bedroht worden. Ungefähr eine Woche später sei sie von denselben Personen auf der Strasse beobachtet worden. Ab ungefähr Februar oder März 2015 habe sie zudem Probleme mit Soldaten des benachbarten Armeecamps gehabt. Da diese bemerkt hätten, dass sie seit dem Weggang ihres Ehe- mannes alleine gewohnt habe, hätten sie begonnen, sie zu belästigen. Sie habe befürchtet, dass es zu weitere n sexuellen Übergriffen kommen könnte und habe sich daher zur Aus reise entschieden. Am 19. April 2017 sei sie von Colombo via E._______ nach F._______ geflogen und einige Tage später per Bus über ihr unbekannte Länder nach Italien gelangt. Von dort sei sie am 15. Mai 2017 illegal in die Schweiz eingereist. Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführer in ihre sri-lankische Identi- tätskarte im Original zu den Akten. D-2037/2020 Seite 4 K. Mit Verfügung vom 12. März 2020 – eröffnet am 17. März 2020 – stellte das SEM fest, die Besch werdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab, wies sie aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug an. L. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 15. April 2020 erhob die Be- schwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht gegen den vorinstanzli- chen Entscheid Beschwerde und beantragte dabei in materieller Hinsicht, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und Neube- urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die ange- fochtene Verfügung aufzuheben und sie in der Schweiz vorläufig aufzuneh- men. In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin, d ass die Dispositivziffern 3, 4 und 5 des angefochtenen Entscheides bezie- hungsweise ihre Abschiebung aus der Schweiz vorläufig auszusetzen seien. Ferner sei ihr zu gestatten, bis zum Abschluss des Beschwerdever- fahrens in der Schweiz zu verbleiben und ihr für die Dauer desselben (wie- der) eine N-Bewilligung auszustellen. Schliesslich ersuchte die Beschwer- deführerin um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes in der Person ihres Rechts- vertreters. M. Mit Schreiben vom 16. April 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge- richt den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). D-2037/2020 Seite 5 1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Im Beschwerdeverfahren ist die Sprache des angefochtenen Ent- scheids massgebend (vgl. Art. 33a Abs. 2 VwVG), weshalb das Verfahren vorliegend in deutscher Sprache geführt wird. 1.4 Insofern d ie Beschwerdeführerin beantragt , die Dispositivziffern 3, 4 und 5 des angefochtenen Entscheides beziehungsweise ihre Abschiebung aus der Schweiz seien vorläufig auszusetzen respektive ihr sei zu gestat- ten, für die Dauer des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz zu verbleiben und ihr sei für diese Dauer (vorläufig wieder) eine N-Bewilligung zu erteilen, ist festzustellen, dass der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschie- bende Wirkung zukommt und die Vorinstanz die aufschiebende Wirkung nicht entzogen hat (Art. 55 VwVG). Gemäss Art. 42 AsylG darf sodann, wer in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt hat, bis zum Abschluss des Verfah- rens in der Schweiz bleiben. Die entsprechenden Anträge erweisen sich somit als gegenstandslos. 2. 2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz F lüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, di e einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). D-2037/2020 Seite 6 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung ihrer abweisenden Verfügung führte die Vorinstanz aus, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten würden. So seien an ihrem Vorbringen, sie habe Sri Lanka verlassen, weil sie so- wohl von Personen, die ihren Ehemann gesucht hätten, als auch von Sol- daten belästigt worden sei, angesichts ihrer durchwegs unsubstantiierten, teilweise widersprüchlichen und wenig erlebnisgeprägten Aussagen erheb- liche Zweifel anzubringen. Grundsätzlich sei bereits erstaunlich, dass sie die angeblichen Probleme mit den Personen, die ihren Ehemann gesucht hätten, bei der BzP gänzlich unerwä hnt gelassen habe. Hätten diese Er- eignisse zu ihrem Ausreiseentschluss beigetragen, wäre z u erwarten ge- wesen, dass sie sie bereits anlässlich der Erstbefragung erwähnt hätte. Des Weiteren habe sie sich an der Anhörung widersprüchlich zu den a n- geblichen Besuchen dieser Personen geäussert. Zunächst habe sie aus- gesagt, ein paar Wochen nach dem Verschwinden ihres Ehemannes seien zwei bis drei Personen zu ihr nach Ha use gekommen, um ihn zu suchen. Auf die darauffolgende Frage, wie viele Wochen zwischen dem Verschwin- den ihres Mannes und dem Erscheinen dieser Personen vergangen sei, habe sie geantwortet, diese Männer seien nach fünf bis sechs Tagen ge- kommen. Später habe sie zudem zu Protokoll gegeben, dass nach diesem einen Besuch nicht mehr bei ihr zu Hause nach i hrem Ehemann gesucht worden sei. Im Gegensatz dazu habe sie nur wenig später ausgeführt, dass vier- bis fünfmal Leute zu ihr gekommen seien und ihren Ehemann gesucht hätten. Somit habe sie sich sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch betreffend die Anzahl der Besuche widersprüchlich geäussert. Ferner sei festzustel- len, dass sämtliche ihrer Aussagen sowohl zu den Suchen nach ihrem Mann als auch zu den angeblich später erfahrenen Problemen mit den Sol- daten substanzlos ausgefallen seien. Ihre diesbezüglichen Schilderungen beschränkten sich auf die blosse Wi edergabe von Handlungsabläufen, seien überaus kurz respektive einsilbig ausgefallen und erweckten keines- falls den Eindruck, als würde sie von persönlichen Erlebnissen berichten. D-2037/2020 Seite 7 Obwohl sie wiederholt und unmis sverständlich aufgefordert worden sei, vom Erlebten zu erzählen, habe sie sich bloss in wenigen Sätzen und auf überaus pauschale Weise geäussert. Ihren Aussagen seien keinerlei Re- alkennzeichen oder subjektive Elemente zu entnehmen. Schliesslich sei ihr Vorbringen auch logisch nicht nachvollziehbar. Einerseits habe sie gel- tend gemacht, von Männern belästigt worden zu sein und Angst vor sexu- ellen Übergriffen gehabt zu haben. Andererseits wolle sie keine Massnah- men zu ihrem Schutz oder V ersuche zum Schutzer halt durch Behörden oder Privatpersonen unternommen haben. Ihre diesbezügliche, pauschale Begründung, sie habe andere Personen nicht gefährden wollen, vermöge nicht zu überzeugen. Es wäre von ihr zu erwarten gewesen, dass sie sich zunächst um innerstaatlic hen Schutz oder allenfalls Aufenthaltsalternati- ven bemüht hätte, bevor sie sich zu der ungewissen und teuren Flucht ins Ausland entschieden hätte. Ihr geschildertes Vorgehen bestärke die Ver- mutung, dass sie ihren Heimatstaat unter anderen Umständen und aus an- deren Gründen verlassen habe, als sie angegeben habe. Angesichts des- sen, dass ihr Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermöge, könne auf die Abhandlung weiterer Ungereimtheiten ebenso verzichtet werden, wie auf die Prüfung der Asyl- relevanz. Schliesslich bestehe auch kein begründeter Anlass zur Annahme, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausge- setzt sein werde. Sie habe nicht glaubhaft machen können, vor ihrer Aus- reise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Vielmehr sei sie bis April 2017 in Sri Lanka wohnhaft gewesen, habe also nach Kriegsende noch mehrere Jahre in ihrem H eimatstaat gelebt. Allfällige, im Zeitpunkt ihrer Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri -lankischen Behörden auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, wes- halb sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Be- hörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden solle. Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl vermöge diese Ein- schätzung nicht umzustossen. Mit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten sowie ersten Anzeichen der Zunahme von Überwachungsak- tivitäten gingen zwar Befürchtungen von mehr Einschüchterungen von Minderheiten einerseits und Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Op- positionellen und weiteren regierungskritischen Personen andererseits ein- her. Tatsächlich habe die Überwachung der Zivilbevölkerung nach den dschihadistisch motivierten Terroranschlägen an Ostern 2019 und erneut D-2037/2020 Seite 8 nach den Präsidentschaftswahlen im November 2019 zugenommen. Den- noch gebe es zum jetzigen Ze itpunkt keinen Anlass zur Annahme, dass ganze Volks- oder Berufsgruppen unter Präsident Gotabaya Rajapaksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Voraussetzung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswahl en vom 16. November 2019 sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Person zu eben diesem Ereignis respektive dessen Folgen. Weder habe sie die Präsidentschaftswahlen respektive deren Folgen als Gefährdungs- element vorgebracht, noch seien den Akten Hinweise auf ein e Verschär- fung ihrer persönlichen Situation aufgrund dieses Ereignisses zu entneh- men. Die Anforderungen an die Annahme einer begründeten Verfolgungs- furcht seien damit nicht erfüllt. 4.2 In ihrer Beschwerde bringt die Beschwerdeführerin unter Wiederholung des Sachverhalts dagegen vor , dass sie ihre Vorbringen gegenüber der Vorinstanz möglichst genau und vollkommen kohärent geschildert habe. Kleine Unterschiede zwischen den Antworten auf verschiedene Fragen be- ziehungsweise kleine Ungenauigkeiten würden in Wirklic hkeit nur die Schwierigkeiten der Übersetzung oder den Stress, den die Befragungen für sie bedeutet hätten, widerspiegeln. Wenn ihre Antworten anlässlich der Befragungen aus dem Zusammenhang gerissen würden, sei ebenso offen- sichtlich, dass dies, und nur di es, ihre Plausibilität und Tragweite schwä- che. Aber das Vorgehen überzeuge nicht. Daraus folge, dass der Entscheid der Vorinstanz letztlich als willkürlich anzusehen sei. Insofern die Vorinstanz auf Widersprüche abstelle, sei festzuhalten, dass die erste Be- fragung im Jahr 2017 nur sehr oberflächlich gewesen sei und nicht dazu gedient habe, ihren Fall zu prüfen. Es sei lediglich um ihre Abschiebung im Rahmen des Dublin -Verfahrens gegangen. Folglich sei es willkürlich , sie zu kritisieren, dass sie zu diesem Z eitpunkt lediglich summarisch und knapp geantwortet habe. Ebenso sei es willkürlich, sie dafür zu kritisieren, dass sie zu diesem Zeitpunkt nicht alle wichtigen Informationen geliefert habe. Solches sei damals weder Gegenstand noch Zweck dieser Anhörung gewesen. Im Hinblick auf die zweite Befragung sei zu bedenken, dass diese fünf bis sechs Jahre nach dem von ihr geschilderten Sachverhalt stattgefunden habe. Das sei eine lange Dauer und es sei absolut normal, dass im Laufe der Zeit Detail s verschwimmen würden. Dies gelte insbe- sondere für subjektive Eindrücke. Sodann sei sie kein gesprächiger Mensch und begnüge sich damit, in ihren Antworten direkt auf den Punkt zu kommen. Auch sei zu berücksichtigen, dass das Erlebte für sie sehr traumatisch gewesen sei und es in der Regel ohnehin nicht möglich sei, D-2037/2020 Seite 9 von jemandem eine absolut erschöpfende Schilderung zu erwarten, insbe- sondere wenn es um Bedrohungen der eigenen Freiheit und sexuellen In- tegrität gehe. Was die angeblichen Widersprüche anbelange, so gehe aus den Protokollen hervor, dass sie die ihr gestellten Fragen nicht immer voll- ständig verstanden habe und dass sie daher beispielsweise einen Besuch von Fremden in ihrer Wohnung auf der S uche nach ihrem Ehemann er- wähnt habe, ohne damit andere Besuche auszuschliessen. Die Vorinstanz habe dann Antworten dahingehend fehlinterpretiert, dass es nur einen ein- zigen Besuch von Fremden in ihrer Wohnung gegeben hätte. Auch die Ant- worten zu Frage (…) und Frage (…) seien nicht widersprüchlich. So habe sie auf die erste Frage geantwortet, dass die ersten Fremden, die nur we- nige Tage nach dem Verschwinden ihres Ehemannes vorbeigekommen seien, um diesen zu suchen, überhaup t nicht zurückgekehrt seien. Auf Frage (…) habe sie Besuche von weiteren Fremden in ihrer Wohnung er- wähnt, aber nicht von den bereits vorgängig Erwähnten, es habe sich um andere Personen gehandelt. Es liege also kein Widerspruch vor. Auch dort, wo sie sich gemäss der Vorinstanz in zeitlicher Hinsicht widersprochen habe, habe sie unterschiedliche Besuche dargelegt. Entgegen der Ein- schätzung des SEM seien ihre Aussagen auch nicht stereotyp. So habe sie in den Antworten auf gewisse Fragen durchaus viele und ausreichend De- tails sowie persönliche Eindrücke geschildert. Sodann habe ihr das SEM zu Unrecht vorgeworfen, dass sie es unterlassen habe, Hilfe und Schutz vor Ort zu suchen. Dies sei für sie unmöglich gewesen. Sie sei ohne Ehe- mann, Vater oder Brüder, die sie beschützen könnten. Was die lokalen Be- hörden betreffe, so würden diese nichts unternehmen, vor allem nicht für eine alleinstehende Frau tamilischer Ethnie, insbesondere wenn es sich bei den Beschuldigten um Soldaten handle. Des Weiteren habe das SEM den Vorfällen auch zu Unrecht die erforderliche Intensität abgesprochen . Bedrohungen, Hausfriedensbruch und sexuelle Berührungen stellten für eine Frau in Sri Lanka eine besonders schwere Verletzung dar. Glückli- cherweise habe sie das Schlimmste verhindern können. Insofern sei ihre Furcht begründet gewesen. Schliesslich habe das SEM bei seinem Ent- scheid zu Unrecht die Lage in Sri Lanka, die sich für sri-lankische Minder- heiten seit dem vergangenen Herbst erheblich verschlechtert habe, nicht berücksichtigt. Es sei davon auszugehen, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher wäre, wenn sie nach Sri Lanka zurückgeschickt würde. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es der Beschwer- deführerin entgegen ihren Beschwerdevorbringen nicht gelungen ist, eine D-2037/2020 Seite 10 asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 und Art. 7 AsylG glaubhaft zu machen. Insbesondere ergibt eine Konsultation der Befragungsproto- kolle und der vorinstanzlichen Verfügung, dass die Vorinstanz die Akten sorgfältig geprüft und schliesslich zu Recht festgestellt hat, dass e s der Beschwerdeführerin nicht gelungen sei, die geltend gemachten Probleme in Sri Lanka glaubhaft darzulegen. Diesbezüglich ist auf die vorinstanzli- chen Ausführungen zu verweisen, welche weder in rechtlicher noch in tat- sächlicher Hinsicht zu beanstanden s ind und denen sich das Gericht an- schliesst (vgl. E. 4.1). Die Rechtsmitteleingabe stellt dem nichts Stichhaltiges entgegen, sondern erschöpft sich vielmehr in Wiederholungen des aktenkundigen Sachverhal- tes und Erklärungsversuchen, womit sie nicht aufzeigt, inwiefern die vor- instanzliche Beweiswürdigung Bundesrecht verletzen oder zu einer rechts- fehlerhaften Sachverhaltsfeststellung führen soll. Solches ist auch nicht er- sichtlich. Zunächst ist dem Argument, es habe sich bei der BzP lediglich um eine summarische Befragung gehandelt, deren Ziel die Wegweisung im Rah- men des Dublin -Verfahrens gewesen sei und bei der es nicht darum ge- gangen sei, alle wichtigen Elemente zu erörtern, nicht zu folgen. So haben Gesuchsteller zwar nicht die Pflicht, sämtliche Gründe ihres Asylgesuchs abschliessend in der Erstbefragung darzulegen, aber doch die Obliegen- heit, alle wesentlichen Fluchtgründe wenigstens ansatzweise zu nennen. Klare asylrelevante Aussagen, die in der Erstbefragung von späteren Aus- sagen diametral abweichen oder bestimmte Ereignisse oder Befürchtun- gen, die nicht ansatzweise erwähnt werden, lassen sich nicht mit dem sum- marischen Charakter der Erstbefragung erklären (so bereits Entscheidun- gen und Mi tteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993/3 E. 3 S. 13; Urteil des BVGer E -812/2020 vom 26. Feb- ruar 2020 E. 6.1). Dass die Beschwerdeführerin schliesslich ein Dublin - Verfahren durchlief, vermag an diesen Erwägungen nichts zu ändern, zu- mal es sich bei ihrer Erstbefragung um eine ganz normale BzP gehandelt hat, anlässlich derer ihr lediglich am Ende das rechtliche Gehör zur mut- masslichen Zuständigkeit von Italien beziehungsweise Wegweisung dort- hin gewährt worden ist. In diesem Zusammenhang erweist sich auch der Einwand, die von der Vor- instanz festgestellten Widersprüche, zum Beispiel betreffend die Anzahl der Besuche und die zeitliche Abfolge, beruhten auf Fehlinterpretationen der Aussagen, als untauglich: So beantwortete die Beschwerdeführerin die D-2037/2020 Seite 11 Frage, ob nach dem ersten Besuch bei ihr zu Hause noch einmal nach ihrem Ehemann gefragt worden sei dahingehend, dass dies nicht mehr der Fall gewesen sei ([…]). Wenig später erwidert sie auf die Frage, wie oft sie zu Hause belästigt worden sei, nachdem der Ehemann verschwunden sei jedoch, dass etwa vier- bis fünfmal Leute vorbeigekommen seien, um ihren Mann zu suchen ( […]). Die Antworten der Beschwerdeführerin beziehen sich beide Male offensichtlich auf die Anzahl der Besuche, unabhängig von der Identität der Personen. Sodann gab die Beschwerdeführerin zu Proto- koll, dass, nachdem ihr Ehemann nicht nach Hause gekommen sei, nach ein paar Wochen zwei, drei Personen vorbeigekommen seien, um ihn zu suchen, nur um gleich anschliessend auf die Frage, wie viele Wochen ver- gangen seien, bis diese zwei Personen nach ihrem Mann gefragt hätten, zu antworten, dass es sich um fünf bis sechs Tage gehandelt habe ( […]). Auch hier beziehen sich Antworten beziehungsweise die Frage der Vo- rinstanz augenscheinlich auf den Zeitpunkt des Besuches und wiederum nicht auf die Identität von Personen. Die Argumentation, die mangelhafte Substanz beziehungsweise kleine Un- genauigkeiten seien auf ihre Art, knappe und prägnante Antworten zu ge- ben, zurückzuführen beziehungsweise würden den Stress, den die Befra- gungen für sie bedeutet hätten, widerspiegeln , vermag eben so wenig zu überzeugen. Vielmehr durfte die Vorinstanz von ihr erwarten, dass sie ihre Asylgründe im Kern kohärent und in zentralen Bereichen hinreichend aus- führlich und nachvollziehbar schildert. Es bestanden auch keinerlei Hin- weise auf eine mangelnde Fähigkeit der Beschwerdeführerin, sich auszu- drücken und Erlebnisse zusammenhängend zu schildern. Eine besondere Eloquenz oder Geschicklichkeit dürfte für das Wiedergeben von tatsächlich erlebten Begebenheiten nicht nötig sein respektive wird bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Asylvorbringen nicht vorausgesetzt. Auch der Hinweis in der Beschwerde auf die angebliche Traumatisierung der Beschwerdeführerin vermag die von der Vorinstanz zutreffend aufge- führten Unglaubhaftigkeitselemente in ihren Vorbringen nicht plausibel zu erklären, zumal sich aus den Befragungsprotokollen keine konkreten Hin- weise darauf ergeben, dass die Urteilsfähigkeit der Beschwerdeführeri n anlässlich der Befragungen eingeschränkt gewesen wäre. Die Beschwer- deführerin konnte ihre Asylgründe im Rahmen der BzP summarisch und anlässlich der Anhörung umfassend schildern und bestätigte beide Male, dass sie alle Asylgründe habe nennen und darlegen können ([…]). D-2037/2020 Seite 12 Sodann vermag auch der Einwand, die Übersetzung anlässlich der Befra- gungen sei schwierig gewesen, vorliegend nicht zu überzeugen. Anlässlich der BzP gab die Beschwerdeführerin an, die Dolmetscherin gut zu verste- hen ([…]). Auch im Anhörungsprotokoll vom 28. Februar 2020 finden sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, es sei bei der Anhörung zu Verstän- digungsschwierigkeiten gekommen, und auch dort hat die Beschwerdefüh- rerin die Dolmetscherin gemäss eigenen Angaben gut verstanden […]). Nach der Rückübersetzung hat sie die Richtigkeit respektive Vollständig- keit ihrer Aussagen unterschriftlich bestätigt und auch die zur Beobachtung eines korrekten Verfahrens anwesenden Hilfswerksvertretung verzichtete auf entsprechende Bemerkungen ([…]). Die Vorinstanz hat nach dem Gesagten die Vorbringen der Beschwerde- führerin zu Recht als nicht glaubhaft beurteilt. 5.2 Im Übrigen ist der Vorinstanz beizupflichten, dass auch im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka keine begründete Furcht vor künftig en Verfol- gungsmassnahmen besteht (vgl. dazu Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert], E. 8 und 9). Gemäss dem eben zitierten Referenzurteil des BVGer sind insbesondere Rückkehrende ge- fährdet, die in die „Stop-List“ eingetragen sind, Verbindungen zu den LTTE aufweisen oder solche nachgesagt werden oder sich exilpolitisch betätigt haben. Schwach risikobegründende Faktoren sind Narben, das Fehlen or- dentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka und eine zwangsweise beziehungsweise durch die Internationale Organisation für Migration (IOM) begleitete Rückführung nach Sri Lanka (a.a.O., E. 8.5.5). Der Beschwerdeführerin ist es vorliegend nicht gelungen, glaubhaft zu ma- chen, sie sei vor ihrer Ausreise asylrelevanten Verfol gungsmassnahmen ausgesetzt gewesen. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin, die gel- tend machte, der Schlepper habe ihr den legal erhaltenen Reisepass ab- genommen ([…]), aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehren wird, ge- nügt für die Feststellung einer objektiv begründeten subjektiven Furcht vor Verfolgung nicht. Weitere risikobegründende Faktoren sind den Akten nicht zu entnehmen. Schliesslich ist insbesondere auch nicht davon auszuge- hen, dass die sri -lankischen Behörden der Beschwerdeführerin ein Inte- resse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus zuschreiben würden. D-2037/2020 Seite 13 5.3 Insofern in der Beschwerde geltend gemacht wird, die Lage in Sri Lanka habe sich seit dem vergangenen Herbst verschlechtert, ist Folgen- des festzuhalten: Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa -Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential- candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 13. Mai 2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehema- ligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen ge- gen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigun- gen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja- paksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl. https://www.ani- news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-cha- mal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/, abgerufen am 13. Mai 2020). Beobachter und ethnische beziehungsweise religiöse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die ver- mehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu- gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E -1866/2015 vom 1 5. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer D-2037/2020 Seite 14 Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein- zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezu g der asylsuchenden Personen zu den Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. Solches ist jedoch für die Beschwerdeführerin insbeson- dere auch unter Berücksichtigung der Erwägungen zu ihrem Risikoprofil (vgl. vorgängig E. 5.2) zu verneinen beziehungsweise wurde durch sie zur Begründung ihres Asylgesuchs auch nicht dargetan. 5.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin nichts vorgebracht hat, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzu- weisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat ihr Asyl- gesuch zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). D-2037/2020 Seite 15 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs- sig. Sodann ergeben sich weder aus de n Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Aus Sicht des Bundesverwal tungsgerichts besteht kein Grund zur Annahme, dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka konkret auf die Beschwerdeführerin auswirken könn ten. Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungs- vollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erscheinen und die Beschwerdeführerin weist ihrerseits keine individuellen Merkmale auf, welche eine Unzulässigkeit des Vollzugs begründen könnten. Der Voll- zug der Wegweisung erweist sich damit als zulässig. D-2037/2020 Seite 16 7.3 7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.2 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Gemäss Rechtspre- chung des Bundesverwaltungsgerichts ist der Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz (auch in das „Vanni-Gebiet“) zumutbar, wenn das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriteri en (insbesondere Existenz ei- nes tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussich- ten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteile des BVGer E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.3.3 sowie D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 insb. E. 9.5.9.). 7.3.3 Gestützt auf das Referenzurteil E -1866/2015 hat die Vorinstanz die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach C._______ (Distrikt D._______, Nordprovinz), wo die Beschwerdeführerin bis zur Ausreise hauptsächlich gelebt hat, zu Recht bejaht. Daran vermögen weder die Ge- waltvorfälle in der Region Colombo (und in Negombo und Batticaloa) vom 21. April 2019 noch die Präsidentschaftswahlen vom November 2019 et- was zu ändern. 7.3.4 Es sind keine individuellen Gründe ersichtlich, die gegen eine Weg- weisung sprechen würden. Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine alleinstehende (…)-jährige Frau. Zwar gab sie an der Anhörung einer- seits an, sie habe (…) und gehe aufgrund starker (…)schmerzen regelmäs- sig zur Physiotherapie ([…]). Allerdings wurden durch die Beschwerdefüh- rerin bis heute keine Arztberichte zu den Akten gereicht und sie bezeich- nete sich in der Anhörung andererseits auch als gesund ( […]), weshalb vorliegend nicht von nennenswerten gesundheitlichen Problemen aus zu- gehen ist. In D._______ lebt ihre Mutter, die in C._______ einen Laden und ein Haus besitzt ([…]). Zu ihrer Mutter hat die Beschwerdeführerin seit ihrer Ausreise auch wieder Kontakt ( […]). Sodann lebt in C._______ nach wie vor eine Tante (…), welche gemäss Angaben der Beschwerdeführerin wohlhabend ist und einen (…)shop und viele Landstücke besitzt ( […]). Zwar gab die Beschwerdeführerin an, sie habe seit ihrer Ausreise nicht D-2037/2020 Seite 17 mehr mit ihrer Tante gesprochen ([…]). Allerdings ist es ihr zuzumuten, den Kontakt nach ihrer Rückkehr wiederaufzunehmen, zumal die besagte Tante die Beschwerdeführerin bereits früher, etwa bei der Finanzierung der Ausreise, unterstützt hat ( […]). Die Beschwerdeführerin verfügt über Ar- beitserfahrung als (…) ([…]) und zusammen mit ihrem Ehemann hatte sie einen (…), um den sich gegenwärtig ihre Tante (…) kümmert und mit dem sie gemäss eigenen Angaben genügend Einkommen erzielen konnte ([…]). Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Für die Rückweisung der Sache an die Vor- instanz besteht nach dem Gesagten kein Anlass. Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 9. 9.1 Die Beschwerdeführerin ersuchte um die Gewährung der un entgeltli- chen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und die Einsetzung eines amtli- chen Rechtsbeistandes (aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten ha- ben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht ge- geben, weshalb die Gesuche ungeachtet einer allfälligen Mittellosigkeit ab- zuweisen sind. 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge- samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar D-2037/2020 Seite 18 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-2037/2020 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Andrea Beeler Versand: