TPF 2006 274 274 gefällt werdendarf,welchedieAnklagevorGerichtvertritt.Diesliessdas BundesgerichtzumSchlussgelangen,dassderBundesanwalt,wennersich demHaftentlassungsgesuchwidersetzenwill,dieSachedem eidgenössi- schenUntersuchungsrichterzumEntscheid überweisenmuss(vgl.Urteil desBundesgerichts1S.25/2005vom14.September2005E.1.4).Damithat dasBundesgerichtzuerkennengegeben,dassf ürdieBehandlungvonHaft- entlassungsgesucheneinzigdereid genössischeUntersuchungsrichterzu- ständig ist.EineAusnahmeregelung,wiesieaufgrundderdagebotenen DringlichkeitinArt.47Abs.2BStPvorgesehenist,findetsichf ürden Entscheid über ein Haftentlassungsgesuch nicht. 2.2 ImvorliegendenFallleitetedieBeschwerdegegnerindasHaftentlas- sungsgesuchdesBeschwerdef ührersaneinkantonalesHaftgerichtweiter, dasinAnwendungvonkantonalemStrafprozessrecht überdasGesuchbe- fand.Damithatdief ürdiesenVerfahrensschrittfunktionell unzuständige Behördeges tütztaufdiefalschegesetzlicheGrundlage überdasHaftentlas- sungsgesuch entschieden. TPF 2006274 74.AuszugausdemEntscheiddesPr äsidentenderBeschwerdekammerin SachenBundesanwaltschaftgegenA.undMitbeteiligtevom9.August 2006(TK.2006.113) Telefonüberwachung; Verwendung von Zufallsfunden. Art. 9 Abs. 1 und 2 BÜPF Alleineiner Überwachungsmassnahme (Anordnungsverfügung) alsBeschul- digteindividuell aufgeführten Personensind –unabhängig vonihrerIdentifi- kation – voneinerGenehmigung gemäss Art.9Abs.2 BÜPF ausgenommen, wennStraftatenimSinnevonArt.9Abs.1lit.aundb BÜPFinFragestehen. Für Personen,dieinder Anordnungsverfügung nichtalsBeschuldigteaufge- führt sind,isthingegenvorEinleitungweitererErmittlungen,welchesichim SinnevonArt.9Abs.2 BÜPF aufErkenntnisseausjener Überwachungs tüt- zen, umZustimmungzurVerwendung vonZufallsfundenzu ersuchen.TPF 2006 274 275 Surveillance téléphonique; utilisation de découvertes fortuites. Art. 9 al. 1 et 2 LSCPT Touteslespersonnes expressémentmentionnées commeinc ulpées dansune mesuredesurveillance(ordredesurveillance)font –indépe ndammentdeleur identification – exception àl’autorisation ausensde l’art. 9al.2LSCPTlors- qu’ils’agit d’infractions ausensde l’art.9al.1let.aetbLSCPT.Enrevanche, pourlespersonnesquinefigurentpascomme inculpées dans l’ordredesurveil- lance, l’autorisationd’utiliser des découvertes fortuitesdoit êtresollicitée avant l’ouverture denouvelles enquêtes quisefondentsurlesinformationsacquises par le biais de la premièr e surveillance au sens de l’art. 9 al. 2 LSCPT. Sorveglianza telefonica; utilizzazione di scoperte casuali. Art. 9 cpv. 1 e 2 LSCPT Tuttelepersonefigurantiindividualmenteinunamisuradisorveglianza(deci- sionerelativa all’ordine disorveglianza)inquantoimputatenonsottostanno – indipendentementedallaloroidentificazione – ad un’autorizzazionegiusta l’art. 9cpv.2LSCPTallorquandoentranoinlineadicontodeireatiaisensi dell’art. 9cpv.1lett.aebLSCPT.Percontro,perlepersonechenonfigurano comeimputatenelladecisionerelativa all’ordine disorveglianzaoccorreri- chiedere,primadiavviareulterioriindaginibasatesuinformazioniacquisite nell’ambito ditalesorveglianzaaisensi dell’art. 9cpv.2LSCPT,ilconsenso per l’utilizzazione di scoperte casuali. Zusammenfassung des Sachverhalts: ImRahmeneinesgerichtspolizeilichenErmittlungsverfahrensgegenA.,B., C.,D.,E.undF.wegendesVerdachtsderqualifiziertenWiderhandlungen gegendas Betäubungsmittelgesetz(Art.19Ziff.2BetmG)undderqualifi- ziertenGeld wäscherei(Art.305bisZiff.2StGB)ersuchtedieBundesan- waltschaftumZustimmungzurVerwendungvonZufallsfundenauseiner Audio-und Videoüberwachungsowieder Überwachungvoninsgesamt sechs Telefonanschlüssen gegen A., C., D., E. und F. DerPr äsidentderBeschwerdekammerstelltefest,dassErkenntnisseaus bestimmten ÜberwachungenmitBezugaufdenBeschuldigtenA.keine ZufallsfundeimSinnevonArt.9Abs.2 BÜPF darstellenundohneZu- stimmungderGenehmi gungsbehördeverwendetwerdenk önnen. Im Übri- genstimmteerderVerwendungvonZufallsfundenausdiesen Überwa- chungen imVerfahren gegen die BeschuldigtenC., D., E. und F. zu. TPF 2006 274 276 Aus den Erwägungen: Werdendurchdie ÜberwachunganderestrafbareHandlungenalsdieinder Überwachungsanordnungaufgef ührtenbekannt,so können dieErkenntnisse gegendiever dächtigtePersonverwendetwerden,wenndieseStraftaten: a. zusätzlichzurvermutetenStraftatbegangenwerden;oderb.dieVoraus- setzungen füreine ÜberwachungnachdiesemGesetzerf üllen(Art.9Abs.1 BÜPF).BetreffendieErkenntnisseStraftateneinerPerson,dieinderAn- ordnungkeinerStraftatver dächtigtwird,somussvorEinleitungweiterer ErmittlungendieZustimmungder Genehmigung sbehördeeingeholtwerden. DieZustimmungkannerteiltwerden,wenndieVoraussetzungenf üreine ÜberwachungnachdiesemGesetzerf ülltsind(Art.9Abs.2 BÜPF).Der PräsidentderBeschwerdekammerhatmitderWeisungandieBundesan- waltschaftvom30.November2005/1.Februar2006klargestellt,dassZu- fallsfunde – entgegendervonderLehrevertretenenrestriktivenAuslegung (vgl. H ANSJAKOB, BÜPF/ VÜPF,KommentarzumBundesgesetzundzur Verordnung überdie ÜberwachungdesPost-undFernmeldeverkehrs, St. Gallen2002,N.7und20zuArt.9B ÜPF) – nichtbereitsdannunterdie Zustimmungspflicht gemäss Art. 9 Abs. 2 BÜPFfallen, wenn sie gegen eine anderealsdieinderAnordnungalseigentlicheZielpersonder Überwa- chunggenanntePersonverwendetwerdensollen,sondernerstdann,wenn die betroffene Person in der Anordnung nicht als beschuldigte Person aufge- führtist,wasinderRegelaufdererstenSeitederAnordnungsverf ügung (Rubrik „Strafverfahren gegen…“ )ersichtlichist.Mithinistnichtnurdie Zielpersonder Überwachungsmassnahme,sondernsindalleinderdie ÜberwachungsmassnahmeanordnendenVerf ügung alsBeschuldigteaufge- führtenPersonenvonderGenehmigungimSinnevonArt.9Abs.2B ÜPF ausgenommen,wennStraftatenimSinnevonAbs.1lit.aundbinFrage stehen.Derin sämtlichendereingangsaufgef ührtenAnordnungsverf ügun- genwegenBeteiligunganbzw.Unterst ützungeinerkriminellenOrganisati- on(Art.260 ter StGB)undqualifizierterWiderhandlungengegendasBet äu- bungsmittelgesetz(Art.19Ziff.1und2lit.a,bundcBetmG)als „unbe- kannterMann G.“ bezeichneteVerd ächtigtekonnteimLaufederErmittlun- genalsA.identifiziertwerden.Eshandeltsichmithinnichtumeineim eigentlichenSinne „unbekannteT äterschaft“ (vgl.WeisungandieBundes- anwaltschaftvom30.November2005/1.Februar2006S.2),sondernledig- lichumeineimZeitpunktderAnordnungder Überwachungnochnichtmit ihrenvollenPersonalienidentifizierte Täterschaft.DieErkenntnisseausden eingangsaufgef ührten Überwachungsmassnahmenhinsichtlich „unbekann- terMann G.“ stellendemnachnichtZufallsfundeimSinnevonArt.9TPF 2006 274 277 Abs. 2 BÜPFdar.EsistsomitimDispositivfestzustellen,dassdieErkennt- nisseausdiesen Überwachungengem äss Art.9Abs.1 BÜPFimStrafver- fahrengegenA.( „unbekannterMann G.“)wegenqualifizierterWiderhand- lungengegendas Betäubungsmittelgesetz(Art.19Ziff.2BetmG)undban- denmässiger Geldwäscherei(Art.305 bis Ziff. 2 StGB)ohne Zustimmungder Genehmigungsbehördeverwendetwer den können. DieBeschuldigtenC.,D.E.undF.sindindenAnordnungsverf ügungen der Überwachungsmassnahmennichtalsver dächtigtePersonenaufgef ührt.Es istsomitzupr üfen,obZufallsfundeimSinnevonArt.9Abs.2B ÜPFvor- liegenundobdieentsprechendeGenehmigungerteiltwerdenkann.Gem äss denAusf ührungenimErsuchenwurdeinsbesondereges tütztaufdieVideo- überwachungdieErkenntnisgewonnen,dassnebendemdamals „unbe- kanntenMann G.“ nochweiterePersonenamDrogenhandelbeteiligtsind. ImStrafverfahrengegendieseBeschuldigtensollendie Überwachungser- gebnissezumBeweisdesGr undgeschäftesverwendetwerden.Vorabist festzuhalten,dassdieBundesanwaltschaftam7.April2006gegendieBe- schuldigtenC.,D.,E.undF.AnklagebeiderStrafkammerdesBundes- strafgerichtserhobenhat.HinsichtlichdesTatverdachtskannaufdenAn- tragaufHaftbest ätigungderBundesanwaltschaftf ürA.vom19.November 2003verwiesenwerden,welcherf ürdieAngeklagtenC.,D.undE.gleich lauteteundvom zuständigen Haftrichterbest ätigtwurde.DerAngeklagten F.wirdu.a.bandenm ässige Geldwäschereivorgeworfen,dasief ürA.und B.mehreretausendFrankenEr lösausdemDrogenhandelindieDominika- nische Republik überwiesen haben soll. Damit ist der dringende Tatverdacht gegendieBeschuldigtenC.,D.,E.undF.erstellt.NachdemdieVorausset- zungenimSinnevonArt.3 BÜPFerf üllt sind,kanndieZustimmungzur VerwendungderErkenntnisseausdenobenaufgef ührten Überwachungs- massnahmenimStrafverfahrengegendievorgenanntenBeschuldigten erteilt werden. Hinweis:Dieersuchende Behördef ührtaus,dassbisanhinnochkeineZu- stimmungengem äss Art.9Abs.2 BÜPF eingeholtwordenseienunddie Erkenntnisseausdenvorer wähnten ÜberwachungsmassnahmenalsBe- weismittelinderHauptverhandlungvom16.-18.August2006verwendet werdensollen.DasGesetzschreibtvor,dass vor EinleitungweitererErmitt- lungendieZustimmungderGenehmigungsbeh ördeeingeholtwerdenmuss, wenndieauseiner ÜberwachungsmassnahmegewonnenenErkenntnisse StraftateneinerPersonbetreffen,dieinderAnordnungkeinerStraftatver- dächtigtwird(Art.9Abs.2B ÜPF).EswirddeshalbandieserStellenach-TPF 2006 278 278 drücklichdaraufhingewiesen,dasssichdievorliegendzuerteilendeGe- nehmigungnichtaufallf ällige bereitsfr ühergegendieBeschuldigtenC., D.,E.undF.eingeleiteteErmittlungenerstreckt,soweitdiesegest ütztauf dievorliegendzurVerwendungbeantragtenErkenntnisseeingeleitetwor- den sein sollten(Art. 9 A bs. 2 BÜPF; vgl. HANSJAKOB, a.a.O., S. 214). TPF 2006278 75.EstrattodellaSentenzadellaCortedeireclamipenalinellacausaA. controMinisteropubblicodellaConfederazionedel30agosto2006 (BB.2006.37) Diritto di essere sentito; consultazione degli atti. Art. 29 cpv. 2 Cost., art. 116 PP Nell’ambito diunprocedimentopenale, l’autorizzazioneaconsultaredocumen- tivolontariamentetrasmessi dall’imputato nondovrebbediprincipiomaiesse- renegatasenoninpresenzadiunchiaroepreponderanteinteressepubblico contrario alla consultazione (consid. 3.2). ViolazionedelpoterediscrezionaledapartedelMinisteropubblicodellaCon- federazione( consid. 3.3–3.4). Anspruch auf rechtliches Gehör; Akteneinsicht. Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 116 BStP ImRahmeneinesStrafverfahrensdarfdemBeschuldigtendieEinsichtinvon ihmselberfreiwillig eingereichteAkten grundsätzlichnieverweigertwerden, es seidenn,dasseindeutig überwiegende öffentlicheInteresseneinersolchen Einsichtnahme entgegenstehen (E. 3.2). VerletzungdesErmessensspielraumsdurchdieBundesanwaltschaft (E. 3.3– 3.4). Droit d’être entendu; consultation du dossier. Art. 29 al. 2 Cst., art. 116 PPF Danslecadre d’uneprocédurepénale,l’inculpé nedevraitenprincipejamais sevoirrefuser l’autorisation deconsulterles piècesqu’il aspon tanémentdépo-