Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 18. September 2019 (810 19 168) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nachehelicher Härtefall Besetzung Vorsitzender Niklaus Ruckstuhl, Kantonsrichter Stef an Schulthess, Markus Clausen, Hans Furer , Daniel Häring, Gerichtsschreiber Stefan Suter Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Stefanie Mathys, Advoka- tin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 804 vom 11. Juni 2019) A. Die bosnisch-herzegowinische Staatsangehörige A.____ (geb. 1997) heiratete am 19. Juli 2016 in ihrer Heimat den in der Schweiz nied ergelassenen Landsmann B.____ (geb. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1994). Sie reiste am 23. September 2016 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung zum Zweck des Verbleibs bei ihrem Gatten. B. Im November 2017 trennten sich die Ehegatten. Die Ehe wurde schliesslich am 22. Feb- ruar 2019 in Bosnien-Herzegowina geschieden. C. Mit Verfügung vom 29. März 2019 verweigerte das Amt für Migration und Bürgerrecht Basel-Landschaft (AfMB) die Verlängerung von A.____s Aufenthaltsbewilligung und wies sie aus der Schweiz weg. D. Die dagegen erhobene Beschwerde wies der Regierungsr at des Kantons Basel- Landschaft (Regierungsrat) mit Beschluss Nr. 804 vom 11. Juni 2019 ab und ordnete an, dass A.____ die Schweiz innert 30 Tagen seit Rechtskraft des E ntscheids zu verlassen habe. Er er- wog im Wesentlichen, die Ehegemeinschaft habe keine dre i Jahre gedauert, weshalb A.____ über keinen von der Ehedauer abgeleiteten nachehelich en Rechtsanspruch auf Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung verfüge. Sie habe weit er nicht glaubhaft machen können, in aus- länderrechtlich relevanter Weise Opfer von häuslicher Ge walt geworden zu sein. Ebenso wenig sei ihre soziale Wiedereingliederung in der Heimat ge fährdet, so dass auch keine auf einen nachehelichen Härtefall abgestützte Bewilligungsverlä ngerung in Betracht komme. Eine Rück- kehr nach Bosnien und Herzegowina sei ihr zumutbar, zuma l sie sich nur relativ kurz in der Schweiz aufgehalten habe. E. Gegen den Regierungsratsbeschluss vom 11. Juni 2019 ha t A.____, vertreten durch Stefanie Mathys, Advokatin, mit Eingabe vom 24. Juni 2 019 beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschw erde erhoben mit dem Antrag, der angefochtene Entscheid sei unter o/e-Kostenfolge a ufzuheben und die Aufenthaltsbewilli- gung sei zu verlängern. Sie rügt eine Verletzung ihr es Anspruchs auf Verlängerung der Aufent- haltsbewilligung nach Auflösung der Ehe. Der Regieru ngsrat habe sich im angefochtenen Ent- scheid nur auf die Dauer der Ehegemeinschaft konzentrier t und in diesem Zusammenhang ihre ausserordentliche Integrationsleistung ausser Acht gelassen. Sodann lägen in ihrem Fall wichti- ge persönliche Gründe vor, die einen weiteren Aufenth alt in der Schweiz erforderlich machten. Sie sei während der Ehe Opfer von physischen und psychischen Misshandlungen durch ihren Ehemann geworden. Weiter habe der Regierungsrat übersehen, dass sie im Jahr 2014 mit ihrer Familie nach Slowenien gezogen sei, wo sie einen in B osnien und Herzegowina nicht aner- kannten Schulabschluss erworben habe. Ihren Aufenthaltsansp ruch in Slowenien habe sie durch den Umzug in die Schweiz verloren. In Bosnien und Herzegowina habe sie keine wirt- schaftliche Perspektive, keinen Familienanschluss und keine Freunde. Eine Wiedereingliede- rung in das ihr mittlerweile fremd gewordene Herkunft sland sei unzumutbar. Der Regierungsrat habe deswegen zu Unrecht einen nachehelichen Härtefall verneint. F. In seiner Vernehmlassung vom 9. Juli 2019 beantragt der Regierungsrat unter Verweis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die kost enfällige Abweisung der Beschwer- de. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügun gen und Entscheide des Regierungs- rates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kanto nsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzl icher Ausschlusstatbestand vor- liegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beur teilung der vorliegenden Angelegen- heit gegeben. Die Beschwerdeführerin ist vom angefoch tenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gem äss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht dagegen vorliegend untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Die Beschwerdeführerin verlangt mit ihrer Beschwerd e eine Verlängerung ihrer Aufent- haltsbewilligung in der Schweiz. Dabei beruft sie sich zunächst auf Art. 50 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG) vom 16. Dezember 2005 (bis 31. Dezember 2018 und soweit im Folgenden die a ltrechtliche Fassung massgeblich ist: AuG), welcher dem ausländischen Ehegatten nach dem Schei tern der Ehe unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf Verlängerung der Aufe nthaltsbewilligung gewährt. So- dann erachtet sie die Voraussetzung für eine Härtefallbewilligung nach Art. 30 AuG als erfüllt. 4.1 Die Aufenthaltsbewilligung war der Beschwerdeführe rin gestützt auf Art. 43 Abs. 1 AuG erteilt worden, wonach ausländische Ehegatten von Pers onen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufentha ltsbewilligung haben, wenn sie mit die- sen zusammenwohnen. Nach der Auflösung der Ehegemeinsch aft besteht dieser Anspruch gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG weiter, wenn die Ehe gemeinschaft mindestens drei Jahre be- standen hat und eine erfolgreiche Integration besteht. Diese Voraussetzungen müssen kumula- tiv erfüllt sein (BGE 140 II 289 E. 3.8). 4.2 Für die Anrechnung der dreijährigen Frist ist auf die in der Schweiz gelebte Ehegemein- schaft abzustellen. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird der Zeitpunkt der Auflösung der Ehegemeinschaft in der Regel gleichgesetzt mit der Aufhebung der Haushaltsgemeinschaft (BGE 140 II 345 E. 4.1; BGE 136 II 113 E. 3.2). Die Ehegatten nahmen das Zusammenleben in der Schweiz mit der Einreise der Beschwerdeführerin in die Schweiz am 23. September 2016 auf. Unbestrittenermassen verliess die Beschwerdeführerin in der Nacht auf den 16. November 2017 die eheliche Wohnung und kehrte in der Folge ni cht mehr in diese zurück. Die Dauer der ehelichen Haushaltsgemeinschaft in der Schweiz betrug d amit nicht ganz 14 Monate und somit deutlich weniger als die vorausgesetzten drei Jahre. Ni cht massgeblich ist die formelle Dauer der Ehe, die vorliegend aber bereits nach zwei Jahren und sieben Monaten geschieden wurde und die dreijährige Dauer somit auch nicht erreichen würde. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Die Ehegemeinschaft hat weniger als drei Jahre best anden. Da die Voraussetzungen von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG kumulativ zu erfüllen sind , kann ein auf die Ehedauer gestützter Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung bereits aus diesem Grund ausgeschlos- sen werden. Das zweite Kriterium der erfolgreichen In tegration braucht nicht mehr geprüft zu werden. Dem Beschwerdegegner kann es deshalb nicht zum Vo rwurf gereichen, wenn er die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte vorbildli che Integration in diesem Zusammen- hang nicht berücksichtigt hat. 5.1 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, ihr Aufe nthaltsanspruch dauere fort, weil wich- tige persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG vorlägen, die ihren weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machten. Sie macht geltend, Opf er ehelicher bzw. häuslicher Gewalt geworden zu sein. 5.2 Eheliche Gewalt kann einen wichtigen persönlichen Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG darstellen (Art. 50 Abs. 2 AuG). Erfasst ist nach der Rechtsprechung grundsätzlich jede Form ehelicher bzw. häuslicher Gewalt, sei sie physisch er oder psychischer Natur. Jede Form häuslicher Gewalt ist ernst zu nehmen (BGE 138 II 229 E. 3.3.3; Urteil des BGer 2C_165/2018 vom 19. September 2018 E. 2.1). Gemäss bu ndesgerichtlicher Rechtsprechung bedeutet häusliche Gewalt systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle aus- zuüben, und nicht eine einmalige Ohrfeige oder eine verbale Beschimpfung im Verlauf eines eskalierenden Streits (BGE 138 II 229 E. 3.2.1; BGE 1 36 II 1 E. 5.4). Hingegen kann psychi- sche bzw. sozio-ökonomische Druckausübung wie dauerndes Beschimp fen, Erniedrigen, Dro- hen und Einsperren einen für die Annahme eines nache helichen Härtefalls relevanten Grad an unzulässiger Oppression erreichen. Dies ist praxisgemäss der F all, wenn die psychische Integ- rität des Opfers bei einer Aufrechterhaltung der ehel ichen Gemeinschaft schwer beeinträchtigt würde (BGE 138 II 229 E. 3.2.2; Urteil des BGer 2C_7 7/2018 vom 22. August 2019 E. 3.1; Ur- teil des BGer 2C_241/2018 vom 20. November 2018 E. 4. 1). Nicht jede unglückliche, belasten- de und nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende Entwicklung einer Beziehung begründet indessen bereits einen nachehelichen Härtefall und ein weiteres Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Die anhaltende, erniedrigende Behandlung mu ss derart schwer wiegen, dass von der betroffenen Person bei Berücksichtigung sämtlicher Umstän de vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, dass sie einzig aus bewilligungsrechtlichen Gründen die Ehe aufrecht erhält und in einer ihre Menschenwürde und Persönlichkeit verneinen den Beziehung verharrt (BGE 138 II 229 E. 3.2.2; Urteil des BGer 2C_1072/2018 vom 1. Ju li 2019 E. 2.3). Häusliche Gewalt physi- scher oder psychischer Natur muss somit von einer gewissen Kon stanz bzw. Intensität sein (BGE 142 I 152 [nicht publ.] E. 3.2; BGE 138 II 229 E. 3.2.1). Beim Aufenthaltsanspruch ge- stützt auf einen nachehelichen Härtefall wegen häuslich er Gewalt gilt es ferner zu beachten, dass die eheliche Gemeinschaft primär deswegen aufgegeb en worden sein muss. Kann dieser Zusammenhang nicht bejaht werden, weil die Auflösung der Ehegemeinschaft überwiegend andere Ursachen hat, liegt kein nachehelicher Härtefa ll vor (vgl. Urteil des BGer 2C_451/2014 vom 24. Dezember 2014 E. 6.1). 5.3 Die ausländische Person trifft bei der Feststellung d es Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht. Sie muss häusliche Gewalt in geeigneter Weise glaubhaft machen. Nach der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsprechung wird kein voller Beweis oder eine strafre chtliche Verurteilung verlangt. Der Nachweis häuslicher Gewalt ist vielmehr geleistet, wenn d ie ausländische Person die häusliche Gewalt, losgelöst von einem strafrechtlichen Verfahren, in geeigneter Weise glaubhaft macht. Der Verordnungsgeber hat die Anforderungen an den B eweis häuslicher Gewalt in Art. 77 Abs. 5 und 6 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstä- tigkeit (VZAE) konkretisiert, wobei Art. 77 Abs. 6 VZAE, der verschiedene Beweismittel aufzählt, nicht abschliessend ist. Als Beweismittel kommen insbesond ere Arztzeugnisse oder psychiatri- sche Gutachten, Polizeirapporte, Strafanzeigen, entsprec hende strafrechtliche Verurteilungen, glaubwürdige Zeugenaussagen von weiteren Angehörigen und Nachbarn sowie Berich- te/Einschätzungen von Fachstellen (Frauenhäuser, Opferhilfe usw.) in Betracht (BGE 142 I 152 E. 6.2; Urteil des BGer 2C_1072/2014 vom 9. Juli 2015 E. 2.4). Allgemein gehaltene Behaup- tungen oder Hinweise auf punktuelle Spannungen genü gen nicht. Wird häusliche Gewalt in Form psychischer Oppression behauptet, muss die Systematik der Misshandlung bzw. deren zeitliches Andauern und die daraus entstehende subjektive Belastung objektiv nachvollziehbar konkretisiert und beweismässig unterlegt werden. Dasselbe gilt, soweit damit verbunden gel- tend gemacht werden soll, bei einer Rückkehr erweise sich die soziale Wiedereingliederung als stark gefährdet. Auch hier genügen allgemeine Hinweise nicht; die befürchtete Beeinträchtigung muss im Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände glaubh aft erscheinen (BGE 138 II 229 E. 3.2.3; Urteil des BGer 2C_241/2018 vom 20. November 2018 E. 4.2). 5.4 Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass sie aufgru nd des Verhaltens ihres damaligen Ehemannes und zu ihrem eigenen Schutz die eheliche Wohn ung habe verlassen müssen, da ihr die Fortführung der ehelichen Gemeinschaft allein aufgrund von aufenthaltsrechtlichen Gründen nicht zuzumuten gewesen sei. Ihr Ehemann habe sie sowohl tätlich angegangen als auch psychisch erniedrigt und entwürdigt. Sie beanstande t, dass der Beschwerdegegner nicht auf eine systematische Misshandlung schliesst, obwohl er in s einem Entscheid selbst von ei- nem patriarchalischen Weltbild und einem moralisch fragw ürdigen Verhalten auf Seiten des Ehegatten ausgehe. Sie habe sich in einem physisch und vor allem psychisch sehr belastenden Zustand befunden, was sich auch in einer starken Gewichtsa bnahme gezeigt hätte. Sie ver- weist dabei auf den Abklärungsbericht der Psychiatrie Ba selland vom 1. Dezember 2017, der ihr eine belastungsbezogene Störung attestiere. 5.5 Der Beschwerdegegner hält im angefochtenen Entschei d fest, es lasse sich nicht mehr eruieren, ob es zu den vorgeworfenen strafrechtlich rel evanten Taten tatsächlich gekommen sei, weshalb das gegen den Ehemann geführte Strafverf ahren auch mangels Beweisen einge- stellt worden sei. Das unbestritten moralisch fragwürd ige Verhalten des Ehegatten sei nicht als systematische Misshandlung im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu werten. Da- für spreche auch, dass die Beschwerdeführerin auch noch zehn Monate nach dem angeblichen Übergriff an der Ehe habe festhalten wollen und dass das Scheidungsbegehren nur von der Seite des Ehemanns gekommen sei. Dies zeichne das Bild ein er Ehe, die in den zwei bis drei Monaten vor der Trennung unglücklich und belastend gewe sen sei. Eine systematische Form der Gewalt könne aber nicht glaubhaft gemacht werden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Aus dem bei den Akten liegen Polizeirapport ergibt sich, dass die Schwester der Be- schwerdeführerin in der Nacht vom 15. auf den 16. November 2017 via Notruf die Polizei Basel- Landschaft verständigte, weil es im Verlaufe des Abend s in der Wohnung der Eheleute zu ei- nem verbalen Streit gekommen sei. Die ausgerückten Einsatzkräfte fanden die Beschwerdefüh- rerin im Badezimmer vor, wo sie sich eingeschlossen hatte. Direkt nach dem Öffnen der Türe sei sie emotional zusammengebrochen und teilweise nicht m ehr ansprechbar gewesen, wes- halb die Sanität aufgeboten worden sei. Anlässlich der Sachverhaltsaufnahme vor Ort gab die Beschwerdeführerin der Polizei zu Protokoll, es bestünden in ihrer Ehe zahlreiche Probleme. Ihr Mann spiele sich als Chef auf und kommandiere sie herum. So müsse sie immer alleine auf- räumen. Er habe sie auch diverse Male geschlagen und be droht. Er drohe ihr damit, sie wieder nach Bosnien zurückzubringen. Er stosse auch immer wieder se inen Kopf gegen den ihrigen, wenn sie ihm nicht gehorche. Am betreffenden Abend hät ten sie wieder einen Streit gehabt. Er sei mit seinem Gesicht ganz nahe an sie herangetreten. Sie habe ihm noch gesagt, ein Mann dürfe eine Frau so nicht behandeln. Daraufhin habe e r entgegnet, er mache was er wolle und nicht was sie sage. Danach habe er nach ihrem linken Unt erarm gegriffen und diesen fest zu- sammengedrückt. Der Griff sei schmerzhaft gewesen und habe eine leichte Rötung am Arm zur Folge gehabt. Sie habe sich anschliessend losgerissen und im Badezimmer eingeschlossen, von wo aus sie mit ihrem Mobiltelefon ihre Schwester informiert habe. Gemäss dem Austrittsbe- richt des Kantonsspitals Liestal vom 16. November 2017 wurd e - neben einer Schilddrüsenun- terfunktion - eine Kontusion am linken Arm (1.5 x 1 cm leicht bläuliche Verfärbung mit Druckdo- lenz) und eine akute psychosoziale Belastungssituation diag nostiziert. Bei Thoraxkompressi- onsschmerz habe sich im Röntgen kein Hinweis auf eine disl ozierte Rippenfraktur ergeben. Aktuell zeige sich kein Hinweis auf eine höhergradige Verletzung. 6.2 Im darauffolgenden Strafverfahren präzisierte die Beschwerdeführerin ihren Vorwurf häuslicher Gewalt dahingehend, dass ihr Ehemann ihr im Rahmen einer verbalen Auseinander- setzung im August 2017 Wasser aus einer PET-Flasche über den Kopf gegossen habe. Ende September 2017 habe er sie mit den Händen festgehalte n, ihre Arme hinter den Rücken ge- drückt und ihr daraufhin einen Kopfstoss gegen den Hinte rkopf versetzt. Anlässlich des Streits habe er ihr das Mobiltelefon entzogen und sie am Verl assen der Wohnung gehindert. Ab dem Juli 2017 habe er ihr mehrfach angedroht, er werde da für sorgen, dass sie die Schweiz verlas- sen müsse, falls sie etwas über die erlittenen Tätlichkei ten weitererzählen würde. Schliesslich berichtete die Beschwerdeführerin den Strafbehörden, der Ehemann habe sie eines Abends im Zeitraum zwischen dem 6. und 12. November 2017 (in der Einstellungsverfügung ist - offen- sichtlich versehentlich - als Tatzeitraum der Dezember 201 7 aufgeführt) im gemeinsamen Schlafzimmer mit einem Messer in der Hand angehalten, a uf seine Zurufe zu reagieren. Auch würden sie sich häufig um Geld streiten, wobei ihr Mann von ihr verlange, dass sie ihren Lohn auf ein gemeinsames Konto überweisen lasse. Er mache sie auch psychisch kaputt. So müsse sie ihn nach seinen Anweisungen waschen und ihm die Kl eider zum Anziehen bringen. Er höre oft laut Musik und habe ohne ihr Wissen in ihrem Namen im Internet Waren bestellt (vgl. Ein- vernahmeprotokoll der Beschwerdeführerin vom 19. Novem ber 2017). Der Ehemann bestritt in der Strafuntersuchung sämtliche Vorwürfe und machte ge ltend, seine Ehefrau habe sich immer weniger für ihn interessiert. Sie sei frech geworden und habe ihn nicht mehr respektiert. Als er ihr dann mitgeteilt habe, er werde sich scheiden lassen, wenn es so weitergehe, habe sie ihn Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der häuslichen Gewalt bezichtigt. Die ärztlich festgestell te Rötung am Unterarm müsse sie sich selbst zugefügt haben. Die Beschwerdeführerin erhebe gru ndlose Anschuldigungen gegen ihn, damit sie in der Schweiz bleiben könne (vgl. Einverna hmeprotokoll des Ehemanns vom 19. No- vember 2017). Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft stel lte das Verfahren gegen den Ehe- mann am 8. Mai 2018 ein, da hinsichtlich sämtlicher Stra ftatbestände Aussage gegen Aussage stehe und keine genügend objektiven Zeugen vorhanden se ien, was mit Sicherheit einen Frei- spruch vor Strafgericht erwarten lasse (vgl. Einstellungsver fügung der Staatsanwaltschaft Ba- sel-Landschaft vom 8. Mai 2018). 6.3 Offenbar auf Anraten der Opferhilfe suchte die B eschwerdeführerin am 1. Dezember 2017 das Ambulatorium Liestal der Psychiatrie Basellan d für ein Erstgespräch auf. Gemäss dem Abklärungsbericht zur Untersuchung vom 1. Dezember 2017 habe die Beschwerdeführerin in der Anamnese ausführlich Probleme im ehelichen Zusammenleben beschrieben und Beispie- le für entwertendes Verhalten und Drohungen des Ehema nns genannt. Dieser habe etwa ver- langt, dass sie ihn dusche und dass sie ihm beim Verzehr des Essens, das sie ihm zubereite, zusehe. Auch habe er sie nachts häufig geweckt und dann Massagen von ihr verlangt. Ihr Mann habe sie insgesamt drei Mal geschlagen. Des Weiteren be richtete die Beschwerdeführerin von ihrer Angst, im Falle der Scheidung nach Bosnien zurückke hren zu müssen. Diese Sorge nütze der Ehemann aus, um Macht auszuüben und sie einzuschüchter n. Zuletzt habe sie keinen Ap- petit mehr verspürt und im vorangegangenen Monat 5 k g an Körpergewicht verloren. Wegen der Stresssituation habe sie auch Durchschlafstörungen und Probleme mit ihrer Schilddrüse. Die Beschwerdeführerin, so der Bericht weiter, hoffe, dass sie trotz einer Scheidung in der Schweiz bleiben könne. Sie erhoffe sich bezüglich des Ve rbleibs in der Schweiz auch von psy- chiatrischer Seite Unterstützung. Nach der vorläufigen ä rztlichen Beurteilung sind die im Kon- text der Auseinandersetzungen mit dem Ehemann entstande nen affektiven und psychovegeta- tiven Beschwerden am ehesten als eine belastungsbezogene Störung (ICD-10: F43) einzuord- nen. Zur präziseren diagnostischen Einordnung sei mindeste ns ein weiteres Abklärungsge- spräch notwendig. 6.4 Die Anwendung von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG setzt praxisgemäss keine strafrechtliche Verurteilung voraus. Ausländerrechtlich relevante psychische Gewalt, welche hinzunehmen der betroffenen Person in einer freiheitlichen Gesellscha ft nicht zugemutet werden darf, kann auch vorliegen, wenn (noch) kein strafrechtlich relevantes Ve rhalten festgestellt ist oder ein entspre- chendes Verfahren (aus welchen Gründen auch immer) eing estellt wurde (BGE 138 II 229 E. 3.3.3). Der Umstand, dass das Strafverfahren gegen d en Ehemann mangels Beweisen ein- gestellt wurde, schliesst demnach auch im zu beurteilenden Fall die Annahme von häuslicher Gewalt nicht von Vornherein aus. Dies ändert aber nichts daran, dass vorliegend keine Doku- mente vorhanden sind, die während der Zeit des Zusammen lebens entstanden sind und das jetzt von der Beschwerdeführerin präsentierte Bild ein seitiger physischer und psychischer Ge- walt seitens des Ehemannes bestätigen würden. Es finden sich keine Polizeirapporte oder Arzt- berichte, welche erhebliche körperliche Gewalt gegen di e Ehefrau während des ehelichen Zu- sammenlebens dokumentieren. So hält der im Nachgang zum Einsatz vom 16. November 2017 erstellte Polizeirapport vom 22. Dezember 2017 fest, d ass die Polizei zuvor nie darüber infor- miert worden sei, dass es zwischen den beiden Eheleuten zu ähnlichen Ereignissen gekommen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei. Beide Personen seien bei der Polizei Basel-Landsch aft noch nie in Erscheinung getreten. Der Austrittsbericht des Kantonsspitals Liestal vom 16. Nove mber 2017 vermag einzig Spuren eines festen Griffes an den Arm zu dokumentieren, der augenscheinlich vom nächtlichen Vorfall herrührt. 6.5 Der nach der Trennung der Ehegatten erstellte Ab klärungsbericht der Psychiatrie Basel- land vom 1. Dezember 2017 gibt die Aussagen der Beschwer deführerin wieder und äussert die Verdachtsdiagnose einer akuten Belastungsreaktion (ICD-1 0: F43.0). Die akute Belastungsre- aktion ist eine normale Reaktion der menschlichen Psyche au f ein aussergewöhnliches Belas- tungsereignis, wie dies das Ende einer Beziehung darstellen kann, zumal wenn damit gleichzei- tig das Aufenthaltsrecht gefährdet wird. Sie klingt im Allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen ab, sie dauert nicht länger als einen Monat (vgl. ICD-Manual, German Modification, Ver- sion 2019 [ICD-10-GM], F43.0; J ÜRGEN LEO MÜLLER /NORBERT NEDOPIL , Forensische Psychiat- rie, 5. Aufl., Stuttgart 2017, S. 198 f.). Dass dies vorliegend anders gewesen sei, wird in der Beschwerde nicht behauptet und ist aus den Akten auch nicht ersichtlich. Bei der verdachtswei- se geäusserten Differentialdiagnose einer Anpassungsstör ung (ICD-10: F43.2) handelt es sich um Zustände von subjektiver Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung, die im Allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belast enden Lebensereignissen auftreten (vgl. ICD-10-GM, F43.2). Im vorliegenden Fall bestehe n keine Hinweise auf eine Beeinträchti- gung der Beschwerdeführerin in sozialen Funktionen und Leistungen. Im Gegenteil: Die Be- schwerdeführerin begann noch im Dezember 2017 beim Ar beitgeber eine betriebsinterne Wei- terbildung. Der Arbeitgeber bescheinigt der Beschwerdeführerin hervorragende Leistungen und betont ihr Gespür für schwierige Kundschaft, was sich mit der Diagnose einer Anpassungsstö- rung im fraglichen Zeitraum kaum in Einklang bringen liesse (vgl. undatiertes Schreiben [aus dem Herbst 2018] von C.____, Beschwerdebeilage 7). Ein e anhaltende psychische Beeinträch- tigung der Beschwerdeführerin liegt nicht vor. In diese m Zusammenhang fällt zusätzlich ins Gewicht, dass die Beschwerdeführerin nicht geltend mac ht, der ärztlichen Empfehlung im Ab- klärungsbericht vom 1. Dezember 2017 gefolgt zu sein un d weitere diagnostische Abklärungen in die Wege geleitet zu haben. Sie behauptet insbes ondere selber nicht, nach der Erstuntersu- chung psychiatrische Hilfe benötigt oder in Anspruch genommen zu haben. 6.6 Die Vorwürfe der strafbaren Handlungen (Wasser üb er den Kopf giessen, Kopfstoss, Drücken des Arms, Nötigung und Drohung mit einem Messer) erhärteten sich im Strafverfahren nicht, dieses wurde in Ermangelung von Beweisen einge stellt. Es bestehen keine objektiven Indizien, welche die Aussagen der Beschwerdeführerin untermauern könnten. Die Beschwerde- führerin kann mithin die behauptete Oppression bzw. die erforderliche Dauer und Systematik der Misshandlungen durch ihren Ehegatten nicht glaubhaft machen. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur beabsichtigten Nichtverlängerung ihrer Auf enthaltsbewilligung äusserte die Be- schwerdeführerin die Hoffnung, die Ehe fortsetzen zu können, und erklärte, nicht in die vom Ehemann gewollte Scheidung einzuwilligen (vgl. Stellun gnahme an das AfMB vom 4. Septem- ber 2018). Dieses Aussageverhalten spricht dagegen, dass die Beschwerdeführerin nach ihrem damaligen Verständnis aus einer von Psychoterror und häusl icher Gewalt geprägten Ehe flie- hen musste, deren Fortführung ihr nicht zumutbar war. Vielmehr ging die Beschwerdeführerin Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht offenbar zum damaligen Zeitpunkt von einer grundsätzlich überwindbaren Ehekrise aus. Die Akten zeichnen denn auch ein Bild von unglücklichen und streitbehafteten letzten Monaten des ehelichen Zusammenlebens, wo auch das Vorkommen einzelne r Handgreiflichkeiten nicht aus- zuschliessen ist. Konfliktpunkte waren weitgehend eheliche Probleme in Zusammenhang mit den unterschiedlichen Auffassungen zur Rolle der Frau i n der Ehe und zum Umgang mit Geld. Diese grundlegenden Differenzen waren sodann wohl au ch der eigentliche Grund für das Scheitern der Ehe. Dass eine Ehe, welche relativ schnell eingegangen wurde, nach relativ kur- zer Zeit scheitert, weil sich die Eheleute in ihren Vor stellungen über den Partner und dessen Verhalten getäuscht sehen, bildet keine im Rahmen von Art. 50 Abs. 2 AuG relevante psychi- sche Unterdrückung (vgl. Urteil des BGer 2C_293/2017 vom 30. Mai 2017 E. 3.1 m.w.H.). So- weit die Beschwerdeführerin darauf hinweist, dass ihr Ga tte sie aus der Wohnung vertrieben habe, hat das Bundesgericht festgehalten, dass dieser Um stand allein für die Annahme eines nachehelichen Härtefalls wegen ehelicher Gewalt ebenfa lls nicht genügt (Urteil des BGer 2C_428/2012 vom 18. Mai 2012 E. 2.2.3; Urteil des B Ger 2C_358/2009 vom 10. Dezember 2009 E. 4.2 und E. 5.2). Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass die Ehegatten anschei- nend öfters verbale Auseinandersetzungen hatten. Darüb er hinausgehende eheliche Gewalt ist nicht erstellt. Eine psychische bzw. sozioökonomische Druckaus übung in Form eines dauern- den Beschimpfens, Erniedrigens, Drohens und Einsperrens ist in der erforderlichen Intensität vorliegend nicht glaubhaft gemacht, geschweige denn eine systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben. Im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Schwelle zur Annahme ehelicher Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG in Verbin- dung mit Art. 50 Abs. 2 AuG nicht erreicht. 7.1 Nach Art. 50 Abs. 2 AuG und der bundesgerichtlich en Rechtsprechung dazu kann ein wichtiger Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG namentlich vorliegen, wenn die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet er scheint (BGE 138 II 229 E. 3.1; BGE 136 II 1 E. 5). Bei der Prüfung dieser Frage sind säm tliche Aspekte des Einzelfalles mitzube- rücksichtigen, namentlich auch die in Art. 31 Abs. 1 VZAE erwähnten Gesichtspunkte. Erforder- lich ist, dass die persönliche, berufliche und familiäre Wiedereingliederung als stark gefährdet erscheint; nicht entscheidend ist hingegen, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre und - aus welchen Gründen auch immer - vorgezogen wür de. Ein nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der konkreten Umstände eine erhebliche Intensi tät der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben der ausländischen Person voraus, die m it ihrer Lebenssituation nach dem Dahinfallen der Anwesenheitsberechtigung verbunden sind (vgl. BGE 139 II 393 E. 6; Urteil des BGer 2C_683/2017 vom 18. Juli 2018 E. 2.3; Urteil de s BGer 2C_837/2016 vom 23. Dezember 2016 E. 4.3.1). Hat der Aufenthalt der ausländischen Person nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich der Anspruch auf einen wei- teren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute Int egration im Herkunftsland keine besonde- ren Probleme bereitet (BGE 138 II 229 E. 3.1). 7.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, Bosnien und Herzegowina sei ein ihr fremdes Land, da sie die letzten beiden Jahre vor der Einreise in die Schweiz mit ihren Eltern in Slowe- nien verbracht habe. Durch das Verlassen der Heimat im jugendlichen Alter sei sie in Bosnien noch nicht verwurzelt gewesen. Der in Slowenien erlan gte Abschluss im kaufmännischen Be- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht reich werde sodann in Bosnien und Herzegowina nicht aner kannt. Weiter habe sie dort keinen Anschluss an Freunde und Familie, da ihre Schwester in Basel und ihre Eltern in Slowenien wohnten. Nach Slowenien könne sie indessen nicht zurück, da sie kein gültiges Visum habe. Sie leide psychisch und physisch stark unter dieser Situation . Weiter habe sie sich in sprachli- cher und erwerbstätiger Weise sehr gut in der Schweiz i ntegriert, was trotz der nicht qualifizier- ten Arbeit eine bemerkenswerte Leistung sei. 7.3 Der Beschwerdegegner verweist auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid, wo er ausführte, die vorgebrachten Umstände seien nicht geeignet, um einen nachehelichen Härte- fall anzunehmen. Die angeführte Gefährdung der Wiede reingliederung stehe überwiegend in Zusammenhang mit der wirtschaftlichen und sozialen Lage im Heimatland und nicht mit den sozialen Folgen einer Rückkehr. 7.4 Im vorliegenden Fall ist nicht ersichtlich, inwiefe rn die Rückkehr nach Bosnien und Her- zegowina die Beschwerdeführerin vor besondere Probleme s tellen würde, die in einem hinrei- chend engen Zusammenhang zur anspruchsbegründenden Ehe und dem damit verbundenen bisherigen (bewilligten) Aufenthalt in der Schweiz stü nden. Die Beschwerdeführerin ist noch relativ jung und erst im Alter von 19 Jahren in die Schweiz gelangt. Sie verbrachte den Grossteil Ihres Lebens in Bosnien und Herzegowina, die Landesspra che ist ihre Muttersprache. Eine Ächtung im Heimatland aufgrund ihrer Scheidung ist nic ht zu erwarten. Zudem verbrachte die Beschwerdeführerin mit rund drei Jahren nur eine ver gleichsweise kurze Zeit in der Schweiz. Die Berufschancen in Bosnien und Herzegowina sind zweifel los schlechter als in der Schweiz, jedoch vermag dies alleine noch keinen nachehelichen Här tefall zu begründen. Nachdem sie sich in einem für sie tatsächlich fremden Land wie der S chweiz erstaunlich schnell zu integrie- ren wusste, darf angenommen werden, dass sie sich bei e iner Rückkehr ebenso schnell auf die neue Situation wird einstellen können. Auch wenn ihr slowenischer Schulabschluss nicht aner- kannt sein sollte, kann nichtsdestotrotz erwartet werden , dass sie eine Arbeit finden wird und sich ihre in der Schweiz erworbenen Fähigkeiten in der G astronomiebranche sowie ihre Deutschkenntnisse zu Nutzen machen kann. Weiter hat die B eschwerdeführerin keine Kinder, die ein Interesse am Verbleib in der Schweiz begründe n könnten. Auch sind keine erheblichen gesundheitlichen Probleme ersichtlich, die eine Behandlung in der Schweiz erforderlich machen würden (vgl. BGE 128 II 200 E. 5.3.3). Eine gute In tegration (geregelte Arbeit, keine Straffällig- keit, keine Sozialhilfeabhängigkeit) reicht für sich gen ommen nicht aus, um ihren weiteren Auf- enthalt erforderlich zu machen (BGE 136 II 1 E. 5.4; U rteil des BGer 2C_228/2018 vom 14. März 2019 E. 5.3). Die persönliche Situation der B eschwerdeführerin zeichnet sich nicht durch ein ausserordentlich enges Verhältnis zur Schweiz ode r eine sonstige spezielle Aus- gangslage aus, welche die Verweigerung der weiteren A nwesenheit als besonders hart er- scheinen liesse. Dementsprechend erweist sich die soziale Wiedereingliederung der Beschwer- deführerin bei einer Rückkehr nach Bosnien und Herzegow ina nicht als gefährdet, weshalb der Beschwerdegegner im angefochtenen Entscheid einen auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG gestützten Aufenthaltsanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat. 8.1 Die Beschwerdeführerin macht zusätzlich einen schwerw iegenden persönlichen Härte- fall im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG geltend. Diese allgemeine Härtefallklausel lässt Ab- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht weichungen von den gesetzlichen Zulassungsvoraussetzungen zu, ist als Bestimmung mit Aus- nahmecharakter allerdings restriktiv zu handhaben. Die be troffene Person muss sich in einer persönlichen Notlage befinden. Das bedeutet, dass ihre Lebens- und Existenzbedingungen, gemessen am durchschnittlichen Schicksal von ausländischen Per sonen, in gesteigertem Mas- se infrage gestellt sein müssen bzw. die Verweigerung e iner Abweichung von den Zulassungs- voraussetzungen für sie mit schweren Nachteilen verbunden wäre. Bei der Beurteilung des Här- tefalls sind alle Gesichtspunkte und Besonderheiten des Ei nzelfalls zu berücksichtigen (BVGE 2017 VII/6 E. 6; BGE 119 Ib 33 E. 4). 8.2 Bei dieser Norm geht es um eine Ermessensbewilligun g (BGE 137 II 345 E. 3.2.1), wes- halb das Kantonsgericht die diesbezügliche vorinstanzlich e Ermessensausübung auf Rechts- fehlerhaftigkeit, nicht aber auf Unangemessenheit überprüfen kann (vgl. vorne E. 2). 8.3 Der Beschwerdegegner hat in seinem Entscheid die V oraussetzungen für die Erteilung einer Härtefallbewilligung im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG geprüft. Es finden sich vorlie- gend keine Hinweise darauf, dass er sein Ermessen in q ualifizierter Form unangemessen aus- geübt hätte und sich dabei insbesondere von sachfremden Motiven hätte leiten lassen. Wie die vorstehenden Ausführungen aufzeigen, befindet sich die Beschwerdeführerin nicht in einer per- sönlichen Notlage. Sie vermag auch nicht aufzuzeigen, i nwiefern sie durch den angefochtenen Entscheid ungleich härter getroffen wird als andere Ausländerinnen in derselben Lage. Die Vor- instanz durfte einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall ohne Rechtsverletzung verneinen. 9.1 Auch wenn kein Anspruch auf Verlängerung der Auf enthaltsbewilligung besteht, führt dies nicht zwingend zu deren Nichtverlängerung. Die Nich tverlängerung und die damit verbun- dene Wegweisung (vgl. Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) müssen sich überdies als verhältnismässig erweisen. Es ist demgemäss zu prüfen, ob die Massnahme geeignet und erforderlich ist, um die öffentlichen Interessen an der Nichtverlängerung der B ewilligung zu verwirklichen und ob diese die privaten Interessen der Beschwerdeführerin am Verble ib in der Schweiz gestützt auf eine umfassende Güterabwägung überwiegen (Art. 96 AuG; BGE 139 I 16 E. 2.2.1). Im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung sind die bekannten Kriterien wie Dauer der Anwesenheit, persön- liche Beziehungen zur Schweiz, berufliche Situation, Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage, persön- liches Verhalten sowie Integrationsgrad zu berücksichtigen (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2.2; BGE 135 II 377 E. 4.3 ff.). Entscheidend ist stets das Gesamt bild eines jeden Einzelfalles, welches anhand von sämtlichen der massgeblichen Kriterien zu beurteilen ist (BGE 139 I 145 E. 2.4). 9.2 Ein zulässiges öffentliches Interesse für die Wegweisun g liegt im Bestreben, eine restrik- tive Einwanderungspolitik gegenüber Ausländern ausserhalb des EU- und EFTA-Raums durch- zusetzen. Eine solche rechtfertigt sich im Hinblick auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung, auf die Schaffung günstiger Rahmenbe- dingungen für die Eingliederung der in der Schweiz b ereits ansässigen Ausländer und die Ver- besserung der Arbeitsmarktstruktur sowie auf eine möglich st ausgeglichene Beschäftigung (BGE 144 I 266 E. 3.7; BGE 135 I 153 E. 2.2.1; BGE 135 I 143 E. 2.2). Es steht ausser Frage, dass eine Wegweisung für die Erreichung dieser fremden polizeilichen Ziele eine geeignete und erforderliche Massnahme ist. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.3 Diesen öffentlichen Interessen sind die privaten In teressen der Beschwerdeführerin ge- genüberzustellen. Diese kritisiert die Wegweisung als ni cht verhältnismässig, da sie in ein ihr unbekanntes Land zurückgeschickt werde, ohne eine Wohnung oder eine Arbeitsstelle zu ha- ben. Zudem habe sie noch eine persönliche Beziehung zu r Schweiz, da ihre Schwester in der Region lebe. Weiter sei sie für ihren Arbeitgeber unentbehrlich. 9.4 Die Ausführungen der Beschwerdeführerin lassen di e Wegweisung nicht als unverhält- nismässig erscheinen. Die Beschwerdeführerin ist jung, le dig, gesund und kinderlos. Entgegen ihrer Darstellung ist ihr Bosnien und Herzegowina nich t unbekannt, lebte sie doch bis zu ihrem 17. Lebensjahr im Land. Sie ist mit der dortigen Spra che und Kultur vertraut und dürfte keine unüberwindbaren Probleme haben, eine Arbeit und ein e Wohnung zu finden und sich einen Freundeskreis aufzubauen. Mit der Schweiz verbindet sie n ach dem Scheitern der Ehe einzig ihre Beziehung zur hier lebenden Schwester. Vertiefte s oziale Kontakte zur hiesigen Gesell- schaft sind nicht ersichtlich. Korrekterweise hat der Beschw erdegegner in seinem Entscheid auch erwogen, dass sie als Mitarbeiterin eines Gastron omiebetriebs keine qualifizierte Tätigkeit ausübt, die ein öffentliches Interesse an einem Verbl eib in der Schweiz indizieren würde. Dass sie in ihrer Heimat über keine nahen Verwandten und Freunde mehr verfügen soll, kann bei der heute 22-jährigen Beschwerdeführerin nicht entscheiden d sein (vgl. Urteil des BGer 2C_889/2012 vom 14. März 2013). Die Beschwerdeführerin vermag insgesamt keine überwie- genden privaten Interessen vorzubringen, welche ihren V erbleib in der Schweiz erforderlich machen würden. Es ist ihr zumutbar, sich um den Aufbau einer Existenz in ihrer Heimat zu be- mühen. Die befürchteten Schwierigkeiten auf dem Arbe itsmarkt und ein im Vergleich zur Schweiz tieferer Lebensstandard ändern daran nichts. Da mit erweist sich der angefochtene Entscheid insgesamt als verhältnismässig. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde. 10. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpfli chtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1'400.-- der unterlegen en Beschwerdeführerin aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu verrechnen. Die Parteikos- ten sind ausgangsgemäss wettzuschlagen (§ 21 VPO). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Kantonsrichter Gerichtsschreiber Gegen diesen Entscheid wurde am 10. Dezember 2019 Beschwerde beim Bundesgericht (Ver- fahrensnummer 2C_1024/2019) erhoben.