Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. April 2013 (720 13 5 / 87) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung von Arztberichten und Gutachten; Ablehnung der IV-Rente bestätigt Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A., Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die Versicherte A.____ war zuletzt bis 2010 in einem Teilzeitpensum als Reinigungshilfe bei zwei Reinigungsunternehmen beschäftigt. Am 11. Ap ril 2011 (Eingang) meldete sie sich unter Hinweis auf Rückenschmerzen zum Bezug von Leistungen de r Eidgenössischen Invali- denversicherung (IV) an und beantragte eine IV-Rente. Mit Verfügung vom 11. Dezember 2012 wies die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Vorbescheid vom 18. September 2012) und Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse das Leistungsbegehren gestützt auf einen ermittelten Invaliditätsgrad von 20 % ab. B. Mit Eingabe vom 7. Januar 2013 erhob A.____ beim K antonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), Beschw erde gegen die Verfügung vom 11. Dezember 2012 und den Vorbescheid vom 18. Septembe r 2012 und beantragte die Aufhe- bung angefochtenen Entscheide. Es sei über die gesetzli chen Ansprüche und medizinischen Abklärungen nach durchgeführtem Einwandverfahren neu zu befinden. In der Begründung rügte sie sinngemäss, dass der medizinische Sachverhalt nicht nochmals neutral begutachtet worden sei. Die Berichte der behandelnden Spezialisten seien be i der Beurteilung der Arbeitsunfähig- keit unberücksichtigt geblieben. Es bestehe eine grosse Diskre panz zwischen der Arbeitsfähig- keitseinschätzung der Beschwerdegegnerin und der behandel nden Ärzte. Der Gesundheitszu- stand habe sich seit der Diagnose stetig verschlechtert. Di e Beschwerdegegnerin habe keine realistische Beurteilung der Sachlage vorgenommen. Aus diesem Grund beantrage sie eine erneute gerichtliche Beurteilung des medizinischen Sachverhalts. C. Mit Verfügung vom 4. Februar 2013 wurde der Beschw erdeführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung bewilligt. D. Mit Vernehmlassung vom 7. Februar 2013 beantragte die Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim örtlich wie sachlich zuständigen Gericht und im Weiteren form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten. 1.2 Zu klären ist jedoch, ob auf die Beschwerde einget reten werden kann, soweit die Be- schwerdeführerin damit eine Überprüfung des Vorbescheid s vom 18. September 2012 bean- tragt. Der Vorbescheid als solches ist im Verfahren vor d em kantonalen Sozialversicherungsge- richt nicht anfechtbar. Gemäss § 54 VPO Abs. 1 lit. b d es kantonalen Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dez ember 1993 sind einzig Be- schwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bun- desgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 zulässig. Aus diesem Grund kann auf das Rechtsbegehren der Beschwerdeführeri n, soweit sie damit den Erlass und den Inhalt des Vorbescheids vom 18. September 2012 rüg t, im vorliegenden Verfahren nicht eingetreten werden. Sie konnte zum Vorbescheid mit Ein wandschreiben vom 10. Oktober 2012 in materieller Hinsicht bereits Stellung nehmen (vgl. IV-Akte 36, 1/7). 2. Zu prüfen bleibt der Rentenanspruch der Beschwerde führerin, den die Beschwerdegeg- nerin in der angefochtenen Verfügung vom 11. Dezember 2012 abgelehnt hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG versicherte Personen, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabe nbereich zu betätigen, nicht durch zumut- bare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhal ten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchsch nittlich mindestens 40 % ar- beitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf di eses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem G rad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die Abklärung des Sachverhalts hat das Gericht gem äss dem im Sozialversicherungs- verfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz von Amtes we gen vorzunehmen. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von sich au s und ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständige Festste llung des Sachverhaltes zu sorgen (THOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 443 f.). Durch die Mitwirkungspflichten der Parteien wird der U ntersuchungsgrundsatz in gewisser Wei- se ergänzt und gleichzeitig eingeschränkt (BGE 121 V 210 E. 6c). 4.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgericht sbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versi cherungsträger und Sozialversi- cherungsgericht die Beweise frei, das heisst ohne Bindun g an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerd everfahren hat dies zur Folge, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel – unab hängig davon, von wem sie stammen – objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat , ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. 4.3 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 115 V 142 E. 8b). 4.4 Bei der Beurteilung der Frage, ob und allenfall s in welchem Umfang bei einer versicher- ten Person eine Arbeitsunfähigkeit besteht beziehungswe ise wie die verbleibende Arbeitsfähig- keit verwertet werden kann, sind die Gerichte regelmässig auf entsprechende fachärztliche Ein- schätzungen und Stellungnahmen angewiesen. Widersprechen sich medizinische Berichte, darf das Gericht den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nich t auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un tersuchungen beruht, die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begr ündet sind (BGE 122 V 160 E. 1c; ALFRED BÜHLER , Versicherungsinterne Gutachten und Privatgutachten, in : Rechtsfragen der medizinischen Begutachtung in der Sozialversicherung, St. Gallen 1997, S. 179 ff.). Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag ge gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 122 V 160 f. E. 1c). Im Verwaltungsverfahren bei anerkannten Spezialärzten eingeholte Gutachten, welche auf- grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen so wie nach Einsicht in die Akten er- stattet wurden und bei denen die Ärztinnen und Ärzte b ei der Erörterung der Befunde zu Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlüssigen Ergebnissen gelangen, haben volle Beweiskraft, s olange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. 5.1 Für die Beurteilung der Frage der Arbeits- und E rwerbsunfähigkeit der Beschwerdefüh- rerin liegen die folgenden medizinischen Berichte vor: 5.2 Mit rheumatologischem Konsilium vom 28. Januar 2010 zuhanden des Hausarztes der Beschwerdeführerin (IV-Akte 7, 14/16) hält Dr. med. B .____, Phys. Med., Spez. Rheumatologie FMH, fest, dass offenbar eine chronische Instabilitätspro blematik des lumbosacralen Über- gangs vorliege mit echter Olisthesis L4 gegenüber L5 von gut 10 mm. Insgesamt bestehe ein orthopädisch/wirbelsäulenchirurgisches Problem, das dur ch Fachpersonen des Spitals C.____ zu beurteilen sei. Als Raumpflegerin bestehe langfristig wahrscheinlich eine zunehmende Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit und die Patientin könne die Arbeitsfähigkeit sicher nicht auf 100 % steigern. 5.3 Dr. med. D.____, Oberarzt des Behandlungszentrums B ewegungsapparat, Wirbelsäu- lenchirurgie des Spitals C.____, diagnostiziert im Ber icht vom 26. Mai 2010 (IV-Akte 7, 10/16) eine chronische Lumbalgie bei lytischer Spondylolisthesis L4 /5 Grad I nach Meyerding, eine Spondylarthrose L4/S1 sowie ein radikuläres sensomotorische s Reiz- und Ausfallsyndrom L4 rechts, fraglich L5/S1 rechts. Mit Berichten vom 4. Juni 2010 (IV-Akte 12, 9/12) und vom 30. März 2011 (IV-Akte 4, 1/3) hält Dr. D.____ als Diagnos en eine symptomatische lytische Spon- dylolisthesis L4/5 Grad I nach Meyerding bei Spondylarthr ose L4/S1, radikulärem sensomotori- schem Reiz- und Ausfallsyndrom rechts, fraglich L5/S1 rech ts, Foraminalstenose L4 rechts im Rahmen der Spondylolisthesis (MRI 05/2010) und Status na ch diagnostisch-therapeutischer Wurzelinfiltration L3 rechts am 24. Januar 2011 fest. Zur Arbeitsfähigkeit äussert sich Dr. D.____ in keinem seiner Berichte. 5.4 Dr. med. E.____, Allgemeine Medizin FMH, Hausarzt der Beschwerdeführerin, hält in seinem Bericht vom 16. Mai 2011 zuhanden des Vertrauensa rztes des Krankentaggeldversi- cherers (IV-Akte 12, 2/12) fest, dass die Belastungsbeschwe rden im rechten Bein bereits bei kleinsten Arbeiten auftreten würden, weshalb die Arbe itsunfähigkeit nie auf 0 % komme, son- dern bei 50 % bleibe. In seinem Bericht vom 18. Juni 2011 zuhanden der Beschwerdegegnerin (IV-Akte 7, 1/16) diagnostiziert er mit Auswirkungen au f die Arbeitsfähigkeit eine chronische Belastungs-Lumbago mit rec. Ischialgie rechts bei symptoma tischer lytischer Spondylolisthesis L 4/5 Grad I nach Meyerding. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit würden eine begin- nende Gonarthrose rechts sowie der Status nach Venenope ration im rechten Bein bei Varicose vorliegen. Als Putzfrau sei die Patientin vom 1. Septe mber 2010 bis 4. Oktober 2010 zu 50 % und ab dem 5. Oktober 2010 bis auf weiteres zu 100 % a rbeitsunfähig. Psychisch erscheine die Patientin unauffällig. Somatisch sei sie für Putzarbe iten sicher nicht voll belastbar. Es bestün- den eindeutige Belastungsschmerzen bereits im Stehen und im Gehen. Eine Operation sei klar nötig, werde aber von der Patientin abgelehnt. Es sei diesbezüglich auch nicht sicher, ob die Arbeitsfähigkeit damit voll wiederhergestellt werden könne. Die bisherige Tätigkeit sei aus me- dizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. In Bezug auf die Beurteilung der Tätigkeiten unter Be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rücksichtigung der gesundheitlichen Beschwerden (leidensan gepasste Tätigkeiten) verweist Dr. E.____ darauf, dass zuerst ein orthopädisches Gutachten eingeholt werden müsse. 5.5 In der Folge beauftragte die Beschwerdegegnerin D r. med. F.____, Facharzt FMH Or- thopädie, Sportmedizin SGSM, mit der Erstellung eines orthopädischen Gutachtens zur Abklä- rung des Gesundheitszustands und der Restarbeitsfähigke it der Beschwerdeführerin. Im Gut- achten vom 14. Februar 2012 (IV-Akte 21) diagnostiziert Dr. F.____ mit Einfluss auf die Arbeits- fähigkeit ein chronisches lumboradikuläres Schmerzsyndrom L4/5 rechts (ICD) mit/bei: Spondy- lolisthesis Grad I nach Meyerding L4/L5 bei beidseitiger Spondylolyse L4, Osteochondrose L4/L5, Discusprotrusion L4/5 rechts und diskreter Spondylar throse L5/S1. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sei eine diskret beginnende m ediale Gonarthrose rechts (ICD). Im aktu- ellen nicht operierten Gesundheitszustand bestehe für d ie angestammte Tätigkeit als Putzfrau im Reinigungsdienst eine Arbeitsfähigkeit von 0 %. In den letzten zweieinhalb Jahren sei es zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der Beschwerde n gekommen. Körperlich wenig belas- tende Tätigkeiten in vorwiegend sitzender Position mit der Möglichkeit, gelegentlich die Position zu wechseln (stehend und gehend), seien bezogen auf da s angestrebte 40 % Pensum zu 100 % zumutbar, bezogen auf ein theoretisches Pensum vo n 100 % zu 80 % zumutbar. Die Reduktion um 20 % ergebe sich aus einem etwas erhöhten Bedarf an Ruhepausen. Zu diesen alternativen Tätigkeiten zu zählen seien Büroarbeiten, leichte manuelle Arbeiten vorwiegend im Sitzen oder auch Tätigkeiten an einer Porte. 5.6 Mit ärztlichem Attest vom 9. November 2012 hält Dr . E.____ fest, dass das Schmerz- syndrom bei bekannter lytischer Spondylolisthesis L4/5 in de n letzten Jahren derart zugenom- men habe, dass seines Erachtens auch in vorwiegend sitzend er Tätigkeit höchstens ein Ar- beitspensum von 50 % zeitlich zugemutet werden könne. Er schliesse sich dem Einwand der Versicherten an und beantrage eine Neubeurteilung der Arbeitsfähigkeit. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vollumfäng lich auf das Gutachten von Dr. F.____ vom 14. Februar 2012. Sie ging davon aus, dass es der Beschwerdeführerin zugemutet werden könne, eine angepasste Tätigkeit in einem Pensum von 80% auszuüben. Diese Beurteilung ist nicht zu beanstanden. Mit der Vorinstanz kann festgehalt en werden, dass das Gutachten von Dr. F.____ für die streitigen Belange umfassend ist, a uf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist. Insbesondere trifft die Rüge der Beschwerdeführerin, D r. F.____ habe die Berichte der behan- delnden Spezialisten und des Hausarztes nicht berücksichtigt , nicht zu. Im Weiteren legt Dr. F.____ die medizinischen Zusammenhänge, die Diagno sen und deren Auswirkungen auf die körperlichen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin, eine Arbeitstätigkeit auszuüben, einleuch- tend und widerspruchsfrei dar. Hinzu kommt, dass es nach der Untersuchung durch Dr. F.____ keine weiteren ärztlichen Behandlungen oder Abklärunge n mehr gab, weshalb das Gutachten von Dr. F.____ als einziges medizinisches Dokument umfassend und gleichzeitig bezogen auf den Verfügungszeitpunkt aktuell den Gesundheitszustand da rstellt. Inwiefern das Gutachten nicht neutral ist, legt die Beschwerdeführerin nicht substantiell dar. Es lassen sich keine Hinwei- se dafür finden, dass Dr. F.____ bei der Erstellung des Gutachtens befangen gewesen wäre. In Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bezug auf die Diagnosen sind alle involvierten Ärzte der gleichen Auffassung. Ebenso stimmen die Einschätzungen von Dr. E.____ und Dr. F.____ betref fend die Arbeitsfähigkeit im ange- stammten Beruf als Reinigungskraft überein. Sie gehen beide von einer 100 %-igen Arbeitsun- fähigkeit aus. Insoweit Dr. E.____ in einer leidensang epassten Tätigkeit eine 50 %-ige Arbeits- fähigkeit attestiert, kann seiner Auffassung nicht gefo lgt werden. Zum Einen ist sein Verhalten insofern nicht ganz konsistent, als er vorgängig zu dies er Frage nicht selber Stellung nehmen wollte und die Abklärung der Verweistätigkeit durch ein orthopädisches Gutachten empfahl. Ausserdem begründet er nicht, weshalb die Beschwerdefüh rerin zu 50 % eingeschränkt ist. Seiner Stellungnahme können zudem auch keine neuen medizinischen Informationen bezüglich der aktuellen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tät igkeit entnommen werden. Insoweit die Beschwerdeführerin gestützt auf seine Stellungnahme im Weiteren eine Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend macht, kann ihr ebenfalls n icht gefolgt werden. Eine Verschlech- terung zwischen Erstellung des Gutachtens und Verfügungszei tpunkt ist gestützt auf die Stel- lungnahme von Dr. E.____ nicht mit dem Beweisgrad de r überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Dr. E.____ spricht von einer kontinuierli chen Verschlechterung, die sich in den letzten Jahren bemerkbar gemacht habe, und nicht von ein er akuten Verschlechterung, die in- nert kurzer Zeit aufgetreten ist. Zusammenfassend lieg en somit keine Indizien vor, die gegen die Zuverlässigkeit der Expertise von Dr. F.____ sprechen. 6.2 Als Zwischenergebnis ist mit den Parteien festzuhalte n, dass das Gutachten von Dr. F.____ den Anforderungen der Rechtsprechung an d ie Beweiskraft ärztlicher Gutachten entspricht und gestützt darauf die vorliegend strittige Frage entschieden werden kann. Von der Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen kann deshalb abgesehen werden. 7.1 Damit ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die Besc hwerdeführerin in ihrer ange- stammten Tätigkeit als Reinigungskraft nicht mehr arbei tsfähig ist. Sie verfügt aber über eine Restarbeitsfähigkeit von 80 %, da es ihr zuzumuten ist, e ine Tätigkeit mit wenig belastenden Arbeiten in vorwiegend sitzender Position mit der Mög lichkeit, gelegentlich die Position zu wechseln (stehend und gehend), auszuüben. 7.2 Zu prüfen bleibt die Berechnung des Invaliditätsg rads. Wie bereits in Erwägung 3.5 hier- vor ausgeführt, ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgr ad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wi rd das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen d urch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdiffe renz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 7.3 In der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerde gegnerin den Einkommensver- gleich vorgenommen und dabei einen Invaliditätsgrad vo n 20 % ermittelt. Nachdem sich aus Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der R echtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre und die konkrete Berechnung des Valideneinkommens und des Invalideneinkommens anhand der Tabellenlöhne der Schwei- zerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statist ik (LSE) von der Beschwerdefüh- rerin auch nicht bestritten worden ist, erübrigt sich ein e detaillierte Auseinandersetzung mit der Berechnung der Vergleichseinkommen. Es kann diesbezügli ch vollumfänglich auf die entspre- chenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der ang efochtenen Verfügung verwiesen werden. 7.4 Der Einkommensvergleich ergibt einen Invaliditätsg rad von 20 %. Da der Invaliditätsgrad unter 40 % liegt, hat die Beschwerdegegnerin zu Recht festgestellt, dass kein Rentenanspruch besteht. Da kein rentenbegründender IV-Grad vorliegt, kann die Frage, ob die Beschwerdefüh- rerin aufgrund ihrer Schadenminderungspflicht den ihr empfohlenen operativen Eingriff vorneh- men muss, offen gelassen werden. Die Beschwerde ist, so weit darauf einzutreten ist, abzuwei- sen. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Im vorliegenden Ver fahren hat die Beschwerdeführerin als un- terliegende Partei zu gelten, weshalb ihr Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.– aufzuerle- gen sind. Zufolge der mit Verfügung vom 4. Februar 20 13 bewilligten unentgeltlichen Prozess- führung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. Die ausserordentlichen Kos- ten werden wettgeschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird, soweit darauf einzutreten ist, abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht