Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. September 2012 (720 12 184) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente aufgrund psychischer Beeinträchtigungen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Daniel N oll, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch E lisabeth Maier, Advoka- tin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1976 geborene A.____ arbeitete vom 1. Februa r 2000 bis 30. November 2009 als Lagerist bei der B.____ in X.____. Am 28. April 2010 meldete er sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Na ch Abschluss der Eingliede- rungsmassnahmen klärte die IV-Stelle Basel-Landschaft die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse des Versicherten ab. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens sprach sie A.____ mit Verfügung vom 9. Mai 2012 gestützt auf ei nen Invaliditätsgrad von 46 % eine Vier- telsrente mit Wirkung per 1. November 2010 zu. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen die Verfügung erhob Advokatin Elisabeth Maie r namens und im Auftrag von A.____ am 11. Juni 2012 Beschwerde ans Kantonsgericht, A bteilung Sozialversicherungsrecht. Es wurde die Aufhebung der angefochten Verfügung und die Zusprechung der gesetzlichen Leistungen beantragt. Eventualiter sei zur weiteren A bklärung des Sachverhalts ein Gerichts- gutachten in Auftrag zu geben, subeventualiter an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung u nd unentgeltliche Verbeiständung zu bewilligen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde vorgebracht, dass das Gutachten von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 18. Juli 2011 nicht in allen Punkten die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an d ie Beweistauglichkeit erfülle. Unter Berücksichtigung der übrigen bei den Akten befindlichen Arztberichte erweise es sich nicht als schlüssig und leuchte insbesondere hinsichtlich der Einschä tzung der Arbeitsfähigkeit nicht ein. Die gestützt auf das Gutachten von Dr. C.____ durch d ie Vorinstanz vorgenommene Sachver- haltseinschätzung sei daher nicht überwiegend wahrschein lich, weshalb die im Sozialversiche- rungsrecht geltende Untersuchungspflicht von Amtes wegen verletzt sei. Weiter sei aus den Akten nicht ersichtlich, ob die von Dr. med. D.____, FMH Neurologie, in seinem Bericht vom 11. September 2009 zur weiteren Abklärung formuliert en konkreten Schritte durchgeführt wor- den seien. Infolge der von Dr. D.____ aufgezeigten Schwierigkeiten in der Zuordnung der Kopf- schmerzen bestehe auch aus somatischer Sicht noch weiterer Abklärungsbedarf. C. Mit Verfügung vom 14. Juni 2012 bewilligte das Kan tonsgericht dem Versicherten die unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Verbeiständung. D. In ihrer Vernehmlassung vom 16. Juli 2012 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Versicherte Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 1.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 1. Juni 1959 Versicherte, d ie ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit. 1.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vor- aussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 2. Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 2.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.1 Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass der psyc hische Gesundheitszustand des Versicherten ab Frühjahr 2009 beeinträchtigt war ( vgl. Berichte von Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Medizin, vom 30. Oktober 2009 und der F._ ___ vom 2. Juni 2010). Die von Dr. D.____ vorgenommene neurologische Abklärung vom 11 . September 2009 wegen der ge- klagten Kopfschmerzen ergab, dass der Versicherte an Spannungskopfschmerzen mit stechen- den Begleitkopfschmerzen im Rahmen der depressiven Symptom atik und eventuell mit "medi- cation overuse-headache" Komponente, an einem depressiven Syndrom von schwer beurteilba- rer Ausprägung sowie an einer psychosozialen Belastungssituation (Kündigung, finanzielle Sor- gen etc.) leide. Im klinisch-neurologischen Status konnte D r. D.____ keine Normabweichung feststellen. Das Verhaltensmuster deute auf eine depressive Symptomatik hin. Es sei für ihn als nicht psychiatrischer Facharzt schwierig, die vorliegende Symptomatik von den funktionellen Überlagerungen abzugrenzen. Sollte sich die psychiatrisc he Diagnose einer Depression nicht bestätigen lassen, so sei ein MRI des Neurokraniums durchzuf ühren. Weiter empfehle er eine breite Blutuntersuchung. Bei wiederholt erhöhten Blu tdruckwerten seien eventuell eine gezielte Abklärung, eine antidepressive Medikation sowie ein psychia trisches Konsilium angebracht. Sowohl Dr. E.____ als auch Dr. D.____ ordneten das Kra nkheitsbild am ehesten einer atypi- schen Depression zu. Die von Dr. E.____ veranlasste Blutun tersuchung vom 15. Oktober 2009 ergab negative Resultate (vgl. Bericht von Dr. E.____ vom 15. Dezember 2009). Ebenso wenig zeigten die am 17. Dezember 2009 erfolgten MRI-Unter suchungen des Schädels Hinweise auf einen Tumor oder neurovaskuläre bzw. infektiöse Veränder ungen des Hirnparenchyms (vgl. Bericht des G.____ vom 17. Dezember 2009). Die zwischenzei tlich erfolgte kardiale Untersu- chung ergab keine auffälligen Befunde mit Krankheitswert (vgl. Bericht der H.____, vom 14. Ja- nuar 2010). 3.2.1 Seit 30. Oktober 2009 steht der Versicherte bei d en F.____ in ambulanter Behandlung. Im Bericht vom 2. Juni 2010 wurden als Diagnosen eine sch were depressive Episode mit fragli- chen psychotischen Symptomen, chronische Spannungskopfschmerzen (Differentialdiagnose: anhaltende somatoforme Schmerzstörung) und ein Verdacht auf akzentuierte histrionische Per- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sönlichkeitszüge gestellt. Im psychopathologischen Befund zei ge sich eine bewusstseinsklare und voll orientierte versicherte Person mit einem muti stisch anmutenden Zustandsbild. Formal- gedanklich sei der Versicherte stark grüblerisch, teilweise blockiert und verlangsamt. Er klage über Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit. Wahn- bzw. Sinnestäuschungen oder Ich- Störungen seien nicht feststellbar. Affektiv berichte er über Freud-, Interessen-, Lustlosigkeit sowie schnelle Erschöpfbarkeit, ausgeprägte Kraftlosigkeit, starke Schlafstörungen und passive Suizidgedanken. Aufgrund dieser Befunde sei die Leistu ngsfähigkeit stark beeinträchtigt und verunmögliche derzeit eine Erwerbstätigkeit (vgl. auch B erichte der F.____ vom 20. November 2009 und 7. Dezember 2009). Im Bericht vom 19. Nove mber 2010 wurden als Diagnosen eine schwere depressive Episode und eine anhaltende somatofor me Schmerzstörung angeführt. Das undeutliche Sprechen lasse sich diagnostisch nicht einordnen. 3.2.2 Vom 23. November 2010 bis 24. Dezember 2010 bef and sich der Versicherte in der I.____ in stationärer Behandlung. Als Austrittsdiagno sen wurden am 29. Dezember 2010 eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, eine an haltende somatoforme Schmerzstörung mit dauerhaften Kopfschmerzen und eine A kzentuierung von Persönlichkeits- zügen festgehalten. Der Versicherte sei in seiner Konzen tration und in den Gedächtnisfunktio- nen eingeschränkt. Infolge des Konzentrationsmangels, de r Schlafstörungen und der körperli- chen Schwäche sei es dem Versicherten nicht möglich, seine bisherige Tätigkeit auszuüben (vgl. auch Bericht der I.____ vom 1. Februar 2011). Die behandelnden Ärzte der F.____ stellten gemäss ihrem Bericht vom 20. Mai 2011 im Vergleich zu ih rer Beurteilung vom 2. Juni 2010 insofern eine Verbesserung fest, als sie nun in der Diag nosestellung eine mittel- bis schwergra- dige depressive Episode aufführten. Der Zustand des Versich erten sei stationär. Er klage wei- terhin über starke Kopfschmerzen und Kraftlosigkeit. Er spreche in einer sehr leisen, leicht stot- ternden und schwer verständlichen Sprache (Differentialdiagnose: theatralische Überbetonung). Er könne nicht lange sprechen, da dies gemäss seinen Anga ben starke Kopfschmerzen auslö- se. Der Versicherte zeige sich sehr verschlossen (Differenti aldiagnose: mangelnde Introspekti- onsfähigkeit). Er weise keine Motivation zu Veränderun gen auf und verharre in einer passiven Haltung. Die Konzentrationsstörungen, die sozialen Konta ktschwierigkeiten, das verlangsamte Denken sowie die psychomotorische Hemmung beeinträchtig ten seine Leistungsfähigkeit; es sei daher keine Erwerbsfähigkeit gegeben. Werde der bi sherige Verlauf der Therapie jedoch näher betrachtet, so ergäben sich Zweifel an der Diagn ose der Depression. Er schildere zwar ausdrücklich die Symptome einer depressiven Störung und a n den Sitzungen seien die für eine mittel- bis schwergradige depressive Episode typischen Sympt ome feststellbar. Demgegenüber weise er teilweise eine grosse Ausdauer auf, wenn es dar um gehe, damit "etwas Vorteilhaftes", wie z.B. Widersprüche zu seinen Gunsten aufklären, zu erwirken. 3.3 Der Hausarzt, Dr. med. W.____, FMH Allgemeine In nere Medizin, bei welchem der Versicherte seit 18. August 2010 in Behandlung steht, d iagnostizierte am 30. August 2010 ebenfalls eine Depression, welche die Arbeitsfähigkeit beeinflusse. Der Versicherte sei sehr verlangsamt in der Sprache, rede leise und undeutlich ( vgl. auch Bericht vom 24. November 2010). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4.1 In der Folge beauftragte die IV-Stelle Dr. me d. K.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie, und Dr. C.____ mit der Begutachtung des Versicherten. Dr. K.____ konnte in Fachgutachten vom 8. Juli 2011 kei ne Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen. Die asymptomatische muskulär e Dysbalance am Schulter- und Be- ckengürtel, die Spreizfüsse und der beginnende Hallux valgus beeinflussten die Arbeitsfähigkeit nicht. Der Versicherte gebe an, dass er an Kopfschmerzen leide, aber keine Beschwerden am Bewegungsapparat habe. Er habe aus rheumatologischer S icht auch keine relevanten patholo- gischen Befunde erheben können. Die Verspannungen im Be reich des Schultergürtels würden die Kopfschmerzen nicht provozieren, weshalb er davon a usgehe, dass diese nicht auf einem rheumatologischen Krankheitsbild beruhten. Aus diesem Grund sei der Versicherte aus rheu- matologischer Sicht in seiner Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt. 3.4.2 Dr. C.____ diagnostizierte am 18. Juli 2011 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode. Anamnestisch würden sich die Symptome wie Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Müdigkeit, verminderte Energie, be drückte und häufig aggressive Stim- mung, Vergesslichkeit, verminderte Konzentrationsfähigke it, Freud- und Lustlosigkeit, schlech- ter Appetit sowie manchmal auftretendes Gefühl allgeme iner Sinnlosigkeit und Suizidgedanken eruieren lassen. Diese Symptome würden die Kriterien ei ner depressiven Episode erfüllen. An der heutigen Untersuchung hinterlasse der Versicherte ei nen bedrückten, jedoch nicht aggres- siven Eindruck. Zu keinem Zeitpunkt der Exploration hab e er gelächelt; die affektive Modulati- onsfähigkeit und die Vitalität seien eingeschränkt. Zu dem lasse sich eine psychomotorische Verlangsamung feststellen. Der Gedankengang sei in f ormaler Hinsicht langsam und zeitweise gehemmt und es beständen kognitive Beeinträchtigungen. Die Blutentnahme habe ergeben, dass der Versicherte zumindest ein Medikament nicht regel mässig einnehme. Eine schnelle Aufdosierung der Psychopharmaka vor dem Untersuchungstermin sei nicht auszuschliessen. Ein solches Vorgehen wäre mit der Diagnose einer mitte l- bis schwergradigen Depression auf- grund des dabei zu erwartenden Leidensdruckes nicht verei nbar. Während der Untersuchung habe er keine Zunahme der Müdigkeit feststellen können. Am Ende der Untersuchung sei der Versicherte sogar vitaler als zu Beginn gewesen. Als es um die Anzahl der in der Originalverpa- ckung vorhandenen Tabletten gegangen sei, sei er zeitw eise plötzlich hellwach und völlig prä- sent gewesen. In solchen Augenblicken sei er auch zum ersten Mal in aufrechter Körperhaltung und ohne gesenkten Kopf im Stuhl gesessen. Er habe de n Blickkontakt auch problemlos halten können und seine Stimmung sei nicht mehr bedrückt gewe sen. Diese abrupte Stimmungsver- änderung, die Vigilanz und die Körperhaltung entspräch en nicht einem schweren Grad einer Depression. Der Versicherte leide deshalb höchstens an e iner mittelgradigen depressiven Epi- sode. Dazu komme, dass es trotz der Therapien zu keiner wesentlichen Veränderung der Be- schwerden gekommen sei. Ein solcher unverändert mittelg radiger bis schwerer Verlauf einer Depression sei schwer nachvollziehbar. Desgleichen seien die Verweigerung, Angaben über seine Gedanken und Gefühle zu machen, und die fehlen de Einwilligung, fremdanamnestischer Angaben einzuholen, nicht mit einer schwergradigen Depr ession vereinbar, da eine Verweige- rungshaltung Energien benötige, die bei einer schwer en Depression kaum mobilisiert werden könnten. Darüber hinaus seien die Angaben des Versicherte n oft inkonsistent und zum Teil wi- dersprüchlich (z.B. Kündigungsgrund, Beziehung zu den Kin dern). Unter Berücksichtigung die- ser Faktoren sei differentialdiagnostisch an eine bewusstse insnahe ausgeprägte Aggrava- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tionstendenz zu denken. Dazu passend wäre die Tatsache, dass sich - bis auf die Kündigung des Arbeitsplatzes - keine weiteren aktuellen, den Versi cherten belastende Umstände nachwei- sen lassen würden, welche in einem ursächlichen Zusammen hang zur Depression stehen könnten. Allerdings sei der Versicherte in ungünstigen f amiliären Verhältnissen aufgewachsen. Es wäre daher auch möglich, dass diese frühere Belastun g durch die Kündigung reaktiviert worden sei. Diesfalls wäre jedoch ein höherer als der vom Versicherten bisher geäusserte Lei- densdruck zu erwarten. Schliesslich sei zu erwähnen, dass eine Gesprächstherapie im Rahmen einer mittel- bis schwergradigen Depression alle drei W ochen nicht als intensiv zu betrachten sei. Die Kopfschmerzen seien am ehesten als chronische Spa nnungskopfschmerzen zu be- trachten. Eine solche Diagnose müsste aber aus neurologi scher Sicht gestellt und gewürdigt werden. Differentialdiagnostisch könnte allenfalls ei ne anhaltende somatoforme Schmerzstö- rung in Betracht gezogen werden. Aufgrund der fehlen den Schmerzausweitung schliesse er aber eine solche nicht aus. Der Versicherte weise zudem a kzentuierte histrionische Persönlich- keitszüge auf, welche die Arbeitsfähigkeit nicht beeinfl ussten. Aufgrund der höchstens mit- telgradigen depressiven Episode sei der Versicherte seit Mä rz 2009 bis auf weiteres in seiner Arbeitsfähigkeit um 40 % eingeschränkt. Dr. C.____ wi es jedoch darauf hin, dass aufgrund der bewusstseinsnahen, ausgeprägten Aggravitationstendenz Zwei fel an dieser Beurteilung be- ständen. 3.5 Die behandelnde Oberärztin der F.____. Dr. med. L.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, hielt in ihrem ärztlichen Zwischenbericht vom 1. Dezember 2011 an der bisher ge- stellten Diagnose einer mittel- bis schwergradigen depressiven Episode und der daraus resultie- renden 100%igen Arbeitsunfähigkeit fest. Sie räumte je doch ein, dass eine genaue diagnosti- sche Einschätzung schwierig sei. Aufgrund ungenügender un d kaum zuverlässig zu erheben- den Vorinformationen sei über die prämorbide Persönl ichkeit des Versicherten wenig bekannt. Es sei davon auszugehen, dass die akzentuierten Persönlichke itszüge die Krankheitsverarbei- tung beeinflussten. Angesichts der hohen subjektiven Kran kheitsüberzeugung und der bereits eingesetzten Chronifizierung der Erkrankung sei die Prog nose bezüglich Erlangung einer Restarbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit ungünstig. 3.6 Dr. C.____ nahm am 30. Dezember 2011 zu den Einw änden der Rechtsvertreterin des Versicherten und zum Bericht von Dr. L.____ Stellung. D r. L.____ habe anlässlich des Telefo- nats vom 18. Juli 2011 erwähnt, dass der Versicherte ein erseits einen eingeschüchterten Ein- druck hinterlasse, andererseits dann aber plötzlich hellwa ch sei. Sie sei auch der Ansicht, dass diese Beobachtungen nicht dem Krankheitsbild einer schw ergradigen Depression zugeordnet werden könnten. Aufgrund dieser Aussagen sei es für ihn n icht nachvollziehbar, weshalb Dr. L.____ an ihrer Diagnose einer mittel- bis schwer gradigen depressiven Episode festhalte. Ausserdem seien bereits im Arztbericht der F.____ vom 25 . Mai 2011 Zweifel an der Diagnose der Depression geäussert worden, auf welche Dr. L.____ jedoch nicht eingehe. Es bestehe deshalb kein Anlass, von seiner Beurteilung vom 18. Juli 2011 abzuweichen. 3.7 Am 7. Juni 2012 führte Dr. L.____ aus, dass die D iagnose einer mittel- bis schwergra- digen depressiven Episode aufgrund der anhaltend bedrü ckten Stimmungslage, des Affektar- muts und der Affektstarre, d.h. einer deutlichen Einschr änkung der affektiven Schwingungsfä- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit, begründet sei. Es beständen zudem Konzentrati onsstörungen und Vergesslichkeit. Des Weiteren zeige der Versicherte eine ausgeprägte Einengu ng und Grübelneigung hinsichtlich seiner Schmerzproblematik. Anamnestisch sei eine ausgepr ägte Freud-, Interessen- und Lust- losigkeit sowie Ein- und Durchschlafschwierigkeiten zu ver zeichnen. Er klage über eine ausge- prägte Müdigkeit und der Antrieb sei reduziert. Suizidg edanken seien dagegen in den letzten Monaten nicht feststellbar gewesen. Die Ausprägung de r geschilderten Symptome entspräche dem Schweregrad einer mittelgradigen bis schweren depr essiven Episode. Allerdings ergäben sich teilweise Diskrepanzen zwischen den geklagten Beschwerden , den Einschränkungen und dem klinischen Bild. So präsentiere sich der Versicherte zwar sehr beeinträchtigt und signalisie- re, dass er aufgrund seiner Beschwerden kaum Blickkontakt zu halten vermöge. Dagegen ma- che er während den Gesprächen situativ immer wieder ei nen sehr aufmerksamen, wachen Ein- druck und nehme auch gezielt Blickkontakt auf. Dabei werde deutlich, dass seine Aufnahmefä- higkeit nicht grundsätzlich eingeschränkt sei und keine e rhebliche gedankliche Verlangsamung bestehe. In den wachen Momenten beantworte er die Fra gen sehr schnell und zeige keine Auf- fassungsschwierigkeiten. Dies alles entspreche nicht dem Kra nkheitsbild einer schwergradig depressiven Person. Beim Versicherten entstehe immer wied er der Eindruck einer Verweige- rungshaltung. Es sei bis anhin nicht gelungen, einen e motionalen Zugang zum Versicherten herzustellen, was sich nicht allein durch die depressive Sym ptomatik erklären lasse. Aufgrund der Mimik gäbe es Hinweise auf eine Verdeutlichungste ndenz. Ob hierbei eine bewusstseins- nahe Aggravationstendenz vorliege, könne nicht zuverlässig b eurteilt, aber auch nicht ausge- schlossen werden. 4.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung auf das bidisziplinäre Gut- achten von Dr. K.____ und Dr. C.____ vom 8. und 18. J uli 2011. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherte aufgrund seiner psychischen Beeinträ chtigungen seit März 2009 in seiner Arbeitsfähigkeit im Umfang von 40 % eingeschrän kt sei. Diese vorinstanzliche Beweis- würdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.3 hiervor), ist den im Rah- men des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten exte rner Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchu ngen sowie nach Einsicht in die Ak- ten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien ge- gen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche In dizien liegen hier keine vor. Das bi- disziplinäre Gutachten von Dr. K.____ und Dr. C.____ w eist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchun- gen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Z usammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. 4.2.1 An diesem Ergebnis ändern auch die von Dr. C.__ __ abweichenden Beurteilungen der behandelnden Ärzte der F.____, insbesondere diejenige von Dr. L.____, der behandelnden Ärzte der I.____, des Hausarztes sowie von Dr. D.____ n ichts. Dr. L.____ stellte in ihrem Be- richt vom 1. Dezember 2011 die Diagnose einer mittel- bis schwergradigen depressiven Stö- rung und kam zum Schluss, dass der Versicherte deswegen voll ständig in seiner Arbeitsfähig- keit eingeschränkt sei. In ihrer Stellungnahme vom 7. Juni 2012 wich sie zwar von ihren gestell- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten Diagnosen und der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht ab, machte aber deutlich, dass sie Zweifel an ihrer Diagnose habe. So gebe es Hinweise im Verhalten des Versicherten, welche nicht mit den Symptomen des Krankheitsbildes einer mitt el- bis schwergradigen Depression übereinstimmten. Sie bejahte das Vorliegen von Hinwe isen auf eine Verdeutlichungstendenz und schloss eine Aggravationstendenz nicht aus. Dazu komm t, dass die behandelnden Ärzte der F.____ bei gleicher Diagnosestellung wie Dr. L.__ __ bereits im Mai 2011 Zweifel an der Diagnose eine Depression äusserten. So habe der Versicher te in Situationen, in welchen es darum gegangen sei, Vorteile für sich selbst zu erwirken, entgegen seinem sonstigen Verhalten grosse Ausdauer gezeigt. Aufgrund der von der behandeln den Ärzteschaft der F.____ geäus- serten Zweifel an der von ihr gestellten Diagnose ist ihre Beurteilung nicht zuverlässig genug, um darauf abstellen zu können. Die Zuverlässigkeit der Diagnose einer mittel- bis schwergradi- gen Depression ist ausserdem - wie Dr. C.____ auch zutreff end darauf hinwies - in Anbetracht der Frequenz der therapeutischen Sitzungen in Frage zu stellen. Denn es ist davon auszuge- hen, dass bei schwerwiegenden psychischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen mehr als eine Sitzung alle drei Wochen notwendig wäre. 4.2.2 Ebenso wenig sind die Berichte der I.____ vom 2 9. Dezember 2010 und 1. Februar 2011 geeignet, an der ausschlaggebenden Beweiskraft des Gutachtens von Dr. C.____ zu zweifeln. Die zuständigen Ärzte begründen das Vorliegen einer schweren depressiven Erkran- kung derart knapp, dass der Grad einer schweren Depression nicht nachvollzogen werden kann. Zu keinem anderen Schluss führen die Beurteilungen des Hausarztes Dr. J.____ und des Neurologen Dr. D.____. Dr. D.____ äusserte sich nicht und Dr. J.____ sehr vage und nicht de- tailliert zur die Arbeitsfähigkeit des Versicherten (vgl. Berichte von Dr. D.____ vom 11. Septem- ber 2009 und von Dr. J.____ vom 24. November 2010) Ausser dem fällt die Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes des Versicherten nicht in ihr Fachgebiet, weshalb ihre Be- richte an der Massgeblichkeit des Gutachtens von Dr. C.___ _ nichts zu ändern vermögen. Dr. D.____ wies ausdrücklich darauf hin, dass er keine verlässlichen Aussagen über die psychi- schen Symptome machen könne. 4.3 Der Versicherte brachte weiter vor, dass sich die Be urteilung seiner psychischen Ein- schränkungen gemäss den Akten als äusserst schwierig erwiesen habe. Aufgrund der Komple- xität seiner Symptome und der Tatsache, dass die Explor ation durch Dr. C.____ mit Hilfe eines Dolmetschers zeitlich sehr aufwändig gewesen sei, reich e die Untersuchungsdauer von knapp zwei Stunden nicht aus, um seinen psychischen Gesundheitszu stand zuverlässig beurteilen zu können. Mit diesem Einwand kann der Versicherte jedoch nichts zu seinen Gunsten ableiten. Es ist zu berücksichtigen, dass es für den Aussagegehalt eines Arztberichtes nicht auf die Dau- er der Behandlung und die Anzahl der Untersuchungen ankommen kann. Massgeblich ist viel- mehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Erg ebnis schlüssig ist (vgl. U LRICH MEYER - BLASER , Rechtliche Vorgaben an die medizinische Begutachtung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der medizinischen Begutachtung in der Sozialversicherung, St. Gallen 1997, S. 23 f.). Hinweise, die gegen die Zuverlässigkei t des Gutachtens von Dr. C.____ vom 18. Juli 2011 sprechen, sind nicht ersichtlich. Die Beurte ilung des Gutachters stützt sich nicht nur auf die persönliche Untersuchung des Versicherten. E r berücksichtigte zudem dessen Aus- sagen und setzte sich ausführlich damit auseinander. Dem E xperten standen darüber hinaus Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht diverse, bisher zum psychischen Gesundheitszustand des Explor anden erstellte medizinische Akten zur Verfügung, die es ihm durchaus ermöglichten, e ine nicht auf eine zweistündige Un- tersuchung beschränkte Beurteilung abzugeben. Für die An nahme, dass der zeitliche Untersu- chungsaufwand von 2 Stunden der Fragestellung und de r Pathologie nicht angemessen war, gibt es ebenso wenig konkrete Anhaltspunkte. Aufgrund d er Ausführungen im Gutachten ist davon auszugehen, dass Dr. C.____ mit Hilfe des Dolmet schers die psychischen Beeinträchti- gungen des Versicherten ohne grosse Mühe erfassen und einer Diagnose bzw. einer Differenti- aldiagnose zuordnen konnte. Schwierigkeiten ergaben si ch lediglich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, welche jedoch nicht auf die Komplexit ät der Pathologie, sondern im Hinblick auf seine Differenzialdiagnose einer ausgeprägten Ag gravitationstendenz zurückzuführen sind. So ist aus seinen Äusserungen zu entnehmen, dass er aufgrun d seiner differentialdiagnosti- schen Überlegungen zum Schluss kommen würde, dass der Versiche rte in seiner Arbeitsfähig- keit weit weniger als die attestierten 40 % eingeschränkt wäre. 4.4 Ferner bemängelte der Versicherte in somatischer H insicht, dass aufgrund der Akten nicht ersichtlich sei, ob die von Dr. D.____ vorgeschlage nen konkreten Untersuchungen zur Abklärung der Kopfschmerzen durchgeführt worden seien, w eshalb noch Abklärungsbedarf bestehe. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der damalige Hausarzt Dr. E.____ aufgrund der Empfehlung von Dr. D.____, eine erweitere Blutuntersuchung durch- führte (vgl. Schreiben vom 15. Dezember 2009). Ausser dem beauftragte er das M.____ mit einer kardialen Abklärung (Bericht vom 14. Januar 2010) und das G.____ mit der Durchführung eines MRI des Schädels (vgl. Bericht vom 17. Dezember 2009) . Da sämtliche Befunde negativ waren, erübrigten sich weitergehende Abklärungen. 4.5 Lassen die vorhandenen medizinischen Unterlagen nac h dem Gesagten eine zuver- lässige Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes des Versicherten und den Einschrän- kungen im Erwerbsbereich zu, so kann auf die von ihm bea ntragte Anordnung eines Gerichts- gutachtens bzw. Rückweisung an die Vorinstanz zur Vornahme weiterer medizinischer Abklä- rungen verzichtet werden (sog. antizipierte Beweiswürdig ung; vgl. dazu BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 5. Gemäss Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad bei erw erbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Die IV-Stelle nahm in der angefochtenen Verfü- gung vom 9. Mai 2012 den erforderlichen Einkommensvergle ich vor. Dabei ermittelte sie an- hand der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturer hebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) ein Valideneinkommen von Fr. 61'3 86.-- und ein Invalideneinkommen von Fr. 33'148.--. Aus der Gegenüberstellung der beiden E inkommen resultiert, so das Fazit der IV- Stelle, demnach ein Invaliditätsgrad von 46 %. Die konkr ete Berechnung, die vom Versicherten nicht beanstandet wurde, erweist sich als rechtens. Es kann d iesbezüglich vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in de r Verfügung vom 9. Mai 2012 verwiesen werden. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Es ist festzuhalten, dass die IV-Stelle dem Versicherte n mit Verfügung vom 9. Mai 2012 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 46 % zu Rech t eine Viertelsrente zusprach. Dem- gemäss ist die Beschwerde abzuweisen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeite n um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 des Gesetze s über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 we rden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Ver- sicherte unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu überbinden sind. Dem Ver- sicherten ist nun allerdings mit Verfügung vom 14. Juni 2012 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Da dem Versicherten die unentgeltliche Verbeiständung mit seiner Rechtsvertreterin bewilligt wurde, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtska sse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwä lte vom 1. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 180.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin des Versicherten machte in ihrer Honorarnote vom 9. August 2012 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 10,5 Stunden geltend, was umfan gmässig in Anbetracht der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstan den ist. Dasselbe gilt für die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 162.--. Der Rechtsvertreterin ist deshalb ein Ho- norar in der Höhe von Fr. 2'216.15 (10,5 Stunden à Fr. 180.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 162.-- + 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'216.15 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet http://www.bl.ch/kantonsgericht