Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. Oktober 2018 (720 18 69 / 280) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bestätigung der revisionsweisen Herabsetzung der Invalidenrente einer versicherten Person, die seit mehr als 15 Jahren eine Invalidenrente bezieht und über 55 Jahre alt ist, gestützt auf ein beweiskräftiges polydisziplinäres verwaltungsexternes Gutachten, das noch unter Geltung der Foerster-Kriterien erstellt wurde Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Tschopp , Adv o- kat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ erlitt im Jahr 1999 einen Autounfall, bei dem sie sich eine Gehirnerschütterung, ein HWS-Schleudertrauma sowie Verbrennungen an den Oberarmen, am Brustkorb und am Bauch zuzog. Mit Gesuch vom 5. Februar 1998 meldete sie sich unter Hinweis auf Rücken- und Kopfschmerzen durch den Unfall im Jahr 1991 sowie S chmerzen im rechten Bein bei der Eid- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht genössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Im Zuge der Abklärun- gen liess die Invalidenversicherungsstelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) die Versicherte vom ZMB (Zentrum für Medizinische Begutachtung) polydisziplin är begutachten (ZMB-Gutachten vom 16. Februar 1999). Mit Verfügung vom 21. Dezember 1999 sprach die IV-Stelle A.____ rückwirkend ab September 1998 eine halbe Invalidenrente bei einem IV-Grad von 64 % zu. Dieser Entscheid beruhte auf der Anwendung der gemischten Methode mit einem Erwerbsanteil von 42 % und einem Haushaltsanteil von 58 %. Mit Verfügung vom 6. Juni 2002 wurden die Leistungen bei einem neuen angepassten Invalidi- tätsgrad von 70 % per 1. September 2001 auf eine gan ze Rente erhöht. Die Erhöhung hatte sich ergeben, da im Haushaltsanteil eine Erhöhung der Einschränkungen festgestellt wurde. Im Erwerbsteil wurde nach wie vor von einer 100 %-igen Einschränkung ausgegangen. Anlässlich zwei weiterer Revisionen von Amtes wegen wurden mit Mitt eilungen vom 9. März 2004 und vom 3. Januar 2007 ein gleichbleibender Gesundheitszustand festgestellt und der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestätigt. Im März 2012 wurde schliesslich die vorliegende Revision von Amtes wegen eingeleitet. Im Revisionsfragebogen vom 12. März 2012 (IV-act. 36) gab d ie Versicherte einen gleichbleiben- den Gesundheitszustand an. Da der behandelnde Psychiater Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, der IV-Stelle auch auf mehrmalige A nfrage hin keinen Arztberichte zu- kommen liess, erteilte die IV-Stelle dem ZMB den Auft rag zur polydisziplinären Begutachtung der Versicherten. Nach Vorliegen der Beurteilung durch das ZMB und dem Verzicht auf berufli- che Wiedereingliederungsmassnahmen reduzierte die IV-St elle mit Verfügung vom 26. Januar 2018 die bisher ausgerichtete ganze Invalidenrente auf e ine halbe. Dabei nahm sie einen Me- thodenwechsel vor, da sie davon ausging, dass die Versi cherte heute ohne gesundheitliche Einschränkungen zu 100 % erwerbstätig wäre und berechnete einen Invaliditätsgrad von 54 %. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durc h Advokat Daniel Tschopp, mit Eingabe vom 20. Februar 2018 Beschwerde beim Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Beschwerdeweise wurde unter o/ e-Kostenfolge beantragt, es sei die angefochtene Verfügung vom 26. Januar 2018 aufzuheben u nd es sei der Beschwerdeführerin weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten. In ve rfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Einräumung des Replikrechts, um Bewilligung der unentg eltlichen Rechtspflege sowie um Wie- derherstellung der aufschiebenden Wirkung ersucht. C. Nachdem die Beschwerdegegnerin mit Beschwerdeantwor t vom 23. März 2018 die Ablehnung des Antrags auf Wiederherstellung der aufschie benden Wirkung beantragt hatte, wies die instruierende Präsidentin der Abteilung Sozial versicherungsrecht des Kantonsgerichts diesen mit Verfügung vom 11. April 2018 ab. D. Die Beschwerdegegnerin liess sich mit Eingabe vom 14. M ai 2018 vernehmen. Darin beantragte sie die Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Mit Verfügung vom 25. Mai 2018 wies die instruiere nde Präsidentin der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts das Gesuch der Beschwe rdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung ab. F. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren bisherigen Anträgen fest. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die ei ngereichten Unterlagen wird in den Erwä- gungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Strittig und zu prüfen ist, ob die revisionsweise Reduktion der ganzen Invalidenrente der Beschwerdeführ erin auf eine halbe gerechtfertigt ist. Massgebend für diese Beurteilung sind die tatsächlichen Verhältnisse bis zum Erlass der ange- fochtenen Verfügung vom 26. Januar 2018. 2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). E rwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeg lichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erw erbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern könn en (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindeste ns 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindest ens 40 % invalid sind (lit. c). Bei ei- nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspru ch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Ren te, bei einem Invaliditätsgrad von min- destens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerde- fall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztli che und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des A rztes oder der Ärztin ist es, den Ge- sundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehm en, in welchem Umfang und bezüg- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsun fähig ist. Im Weiteren sind die ärztli- chen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurtei lung der Frage, welche Arbeitsleistun- gen der versicherten Person noch zugemutet werden könn en (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinwei- sen). 3.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezüge rin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entspre- chend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen V erhältnissen, die geeignet ist, den Invali- ditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustande s, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustan- des erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mi t Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich geb liebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen a uf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts vom 11. Mai 2009, 9C_261/2009, E. 1.2 und vom 28. August 2003, I 212/03, E. 2.2.3). Ein Revisionsgrund ist ferner unt er Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Wird die Frage nach einer anspruchsrelevanten Verä nderung des Sachverhalts im Sinne einer revisionsbegründenden erheblichen Veränderung bejaht, ist der Invaliditätsgrad auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestell ten Sachverhalts neu und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu ermitteln (BGE 141 V 9 mit weiteren Hinweisen). 3.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte rechtskräftige Ver fügung, welche auf einer materiellen Prü- fung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhalts abklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruhte (BGE 133 V 108; vgl. auc h BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2010, 9C_438/2009, E. 1 mit Hinweisen). Vorliegend bestätigte die Beschwerdegegnerin mit den Schreiben vom 9. März 20 04 und vom 3. Januar 2007 das Vorliegen eines unveränderten Gesundheitszustands und d amit die Weiterausrichtung der bis- herigen Leistungen. Damals gingen den jeweiligen Besch lüssen lediglich ein Bericht des be- handelnden Arztes sowie eine RAD-Beurteilung voraus, was als Referenzsachverhalt nicht ge- nügt. Anlässlich des ersten Revisionsverfahrens wurde die Re nte mit Verfügung vom 6. Juni 2002 erhöht. Diese Revision erfolgte gestützt auf eine n vollständigen Einkommensvergleich basierend auf einem neu eingeholten Haushaltsbericht sowie auf das bisherige ZMB-Gutachten vom 16. Februar 1999, das gemäss Hausarzt im damaligen Z eitpunkt nach wie vor Gültigkeit gehabt habe. Es wurde somit von einem gleichgebliebenen Gesundheitszustand ausgegangen. Zu prüfen ist daher, ob sich die konkreten Verhältnisse seit 2002 bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 26. Januar 2018 wesentlich verändert haben. 4.1 Zum Zeitpunkt der Rentenerhöhung im Jahre 2002 stü tzte sich die Beschwerdegegne- rin in medizinischer Hinsicht auf das polydisziplinäre ZMB- Gutachten vom 16. Februar 1999. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das ZMB diagnostizierte mit Einfluss auf die Arbeitsfäh igkeit eine somatoforme Schmerzstö- rung, differenzialdiagnostisch eine dissoziative Störung gemischt, eine mittelschwere, rezidivie- rende depressive Episode auf der Grundlage einer histri onischen Persönlichkeitsstörung sowie phobische Symptome gemischt. Ohne Einfluss auf die Arbeit sfähigkeit diagnostizierten die Gut- achter eine leichte Periarthropathia humeroscapularis tendinotica rechts, ein leichtes Restzervi- kalsyndrom nach Status nach Autounfall im Jahre 1999 sowie eine Adipositas. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit kamen die Gutachter zum Schluss, dass im somatischen Bereich – ausser ei- ner Periarthropathia humeroscapularis und einem leicht en Zervikalsyndrom – keine Befunde hätten erhoben werden können. Die schwere, multiple, d en gesamten Körper von oben bis un- ten betreffende Symptomatik im Bereich der Motorik und Sensorik basiere auf einer psychoso- matischen Erkrankung, diese müsse als sehr ausgeprägt quali fiziert werden. Dazu kämen eine erhebliche, vorwiegend apathisch-gehemmte depressive Sympto matik sowie gemischte phobi- sche Symptome. Zur Zeit sei die Symptomatik so gravierend, dass der Explorandin keine Tätig- keit zugemutet werden könne. Ihr derzeitiger Zustand grenze an Hilflosigkeit. In Bezug auf mög- liche Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit hi elten die Gutachter fest, dass die Versicherte psychiatrisch betreut werde. Somatische Abklärung en und Behandlungen seien nicht indiziert. Leider bestehe absolut keine Einsicht in die Zusammenhänge zwischen Psyche und Soma. Es handle sich bei der Explorandin um eine ei nfach strukturierte Persönlichkeit, die stark im magischen Denken verhaftet sei und ihre gesamte P roblematik auf eine Bluttransfusi- on, die sie vor Jahren aus unklaren Gründen erhalten hab e, zurückführe. Insofern müsse die Prognose als ungünstig beurteilt werden. Berufliche M assnahmen könnten nicht vorgeschlagen werden, da die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit unter einem Drittel liege. 4.2 Beim Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 26. Januar 2018 lag das polydisziplinäre ZMB-Gutachten vom 12. Dezember 2013 vor . Im Rahmen der Konsenskonfe- renz kamen die Gutachter in diagnostischer Hinsicht zum Sch luss, dass mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein lumboradikuläres Syndrom L 5 links mit sensomotorischem Ausfallsyn- drom L5 links bei postero-lateral linksgelegener Discushern ie L4/5 mit Kompression der Ner- venwurzel L5 sowie eine chronische Schmerzstörung mit soma tischen und psychischen Fakto- ren vorliegen würden. Ohne Auswirkungen auf die Arbeit sfähigkeit blieben Spannungstypkopf- schmerzen, ein Harnwegsinfekt, eine Adipositas, der Verda cht auf arterielle Hypertonie, ein Status nach Autounfall im Juni 1999, ein Status nach Ch olezystektomie 1995, ein Status nach Hysterektomie 1997 sowie ein Status nach drei Abtreibunge n. Zusammenfassend würden sich aus somatischer Sicht die von der Explorandin beklagten Beschwerden, insbesondere deren Ausmass und Intensität der gezeigten Einschränkungen sowie auch der schwankende Verlauf mit der Diskrepanz zwischen der aktenmässig beschriebenen Ver besserung und der subjekti- ven Haltung, erheblich eingeschränkt zu sein, nicht mit so matischen Befunden allein erklären lassen. Eine zusätzliche psychische Komponente, welche mit d er Chronifizierung interferiere, sei offensichtlich. Diesbezüglich sei auf die Diskrepanzen bei der somatischen Untersuchung zu verweisen. Aufgrund der Diskushernie mit Kompression der Nervenwurzel L5 könne davon ausgegangen werden, dass ein organisches Beschwerdekorre lat bestehe. Die klinische Unter- suchung weise aber darauf hin, dass gleichzeitig auch ein e wesentliche Symptomverdeutli- chung vorliege. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine chro nische Schmerzstörung mit somati- schen und psychischen Faktoren, wobei im Vordergrund des kli nischen Bildes seit mindestens Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sechs Monaten bestehende Schmerzen stünden, die ihren Ausgangspunkt in einer körperlichen Störung hätten. Es fänden sich auch Elemente einer mögl ichen Konversionsstörung wie Hyper- ventilation und Sensibilitätsstörungen. Der psychosomatische Anteil sei chronifiziert und fixiert und der innerseelische Verlauf sei vollkommen verfestigt. Es liege ein mehrjähriger chronifizier- ter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progred ienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung vor. Die Explorandin sei einer Psychotherapie nicht zugänglich. Damit seien die meisten Prognosekriterien erfüllt. Die funktionellen Einschränkungen würden in der angestamm- ten Tätigkeit eine weitgehend reduzierte Arbeitsfähi gkeit begründen. Aufgrund der Remission der rezidivierenden depressiven Störung sei der Explorand in eine angepasste Tätigkeit mit ei- ner reduzierten Leistungsfähigkeit von 50 % zuzumuten. Für die schwere Tätigkeit als Reini- gungskraft bestehe seit Februar 2013 eine vollständige A rbeitsunfähigkeit. Für eine adaptierte Tätigkeit sei die Beurteilung der medizinisch-theoreti schen Arbeitsfähigkeit wegen der Diskre- panzen nicht ganz einfach. Es müsse davon ausgegangen wer den, dass die Explorandin über Ressourcen verfüge, in einer angepassten rückenschonenden Tätigkeit vorwiegend sitzend tätig zu sein. Es sei von einem erhöhten Pausenbedarf a uszugehen, so dass insgesamt eine Leistungsfähigkeit von 50 % resultiere. Auf der andere n Seite liege eine langjährige psychoso- matische Entwicklung vor, welche innerseelisch vollkommen ve rfestigt und einer Psychothera- pie nicht mehr zugänglich sei. Im Haushaltsbereich beste he aufgrund der freien Einteilung der Arbeiten und der Mithilfe der Angehörigen keine rel evante Einschränkung. Da die chronische in den Akten beschriebene depressive Störung aktuell remitti ert sei, seien der Explorandin auch aus psychiatrischer Sicht Arbeiten im erwähnten Rahmen se it Juni 2013 zuzumuten. Aufgrund der erwähnten Faktoren sei die Explorandin aber eine m Arbeitgeber in der freien Wirtschaft kaum zumutbar. Die Prognose sei ungewiss. Angesichts der a usgeprägten Krankheitsüberzeu- gung dürfte die Durchführung beruflicher Massnahmen schwierig sein. 4.3 Am 18. Mai 2015 und demnach nach Erstattung des ZM B-Gutachtens unterzog sich die Beschwerdeführerin einer Rückenoperation. Gemäss Be richt vom 29. Mai 2015 wurde im Spital C.____ eine mikrochirurgische spinale Dekompressio n L4/5 beidseits vorgenommen. Im Bericht wurde festgehalten, dass die Patientin am 26. M ai 2015 mit verbessertem Neurostatus und zurückgebildetem radikulärem Schmerz entlassen worden sei. 5.1 Zunächst ist gestützt auf den letztgenannten Bericht zunächst festzustellen, dass sich die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin n ach Erstattung des ZMB-Gutachtens vom 12. Dezember 2013 nicht verschlechtert, sondern tendenziell eher verbessert hat. 5.2 Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Annahme einer Verbesserung des Gesundheits- zustandes auf einen Vergleich zwischen den beiden ZMB-Gutachten vom 16. Februar 1999 und vom 12. Dezember 2013. Grundsätzlich ist hinsichtlich des Be weiswertes eines ärztlichen Be- richtes entscheidend, ob der Bericht für die streitigen B elange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden be rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 35 1 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Der Beweis- wert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt zudem wesentlich davon ab, ob Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änder ung(en) des Sachverhalts – be- zieht. Mit anderen Worten mangelt es einer für sich all ein betrachtet vollständigen, nachvoll- ziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beur- teilung der Rentenberechtigung beweisend wäre, in der Regel am rechtlich erforderlichen Be- weiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichend e) ärztliche Einschätzung nicht hinrei- chend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Verän derung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juli 2016, 9C_699/2015, E. 4 mit Hinweis auf Urteil vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2). 5.3 Die beiden ZMB-Gutachten berücksichtigen die von de r Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden in angemessener Weise, wurden in Kenntnis der Vorakten und nach der Vor- nahme von fachspezifischen klinischen Untersuchungen erstat tet. Sie erscheinen auch formal und inhaltlich korrekt und überzeugend. Damit genügen sie den bundesgerichtlichen Vorgaben, so dass auf sie abgestellt werden kann, was auch von den Parteien nicht bestritten wird. 5.4 Ein Vergleich der beiden Gutachten zeigt klar auf, dass zumindest in diagnostischer Hinsicht eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin einge- treten ist. Während im ZMB Gutachten von 1999 unter den psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit noch eine mittelsch were rezidivierende depressive Episode aufgeführt war, ist diese depressive Symptomatik aktuell remittiert. Diese Beurteilung des ZMB- Experten Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherap ie, erscheint in Anbetracht des von ihm aktuell erhobenen psychopathologischen Befunds nac hvollziehbar. So verhielt sich die Beschwerdeführerin lebhaft und mitteilungsbereit, verz eichnete keine mnestischen Störungen, das Denken war klar und geordnet, die Vitalgefühle wa ren nicht gestört und die Affekte bildeten den Inhalt der Darstellung kongruent ab. Überdies gab sie bei der gezielten Befragung zu ihrem affektiven Befinden an, dass es ihr recht gut gehe und sie keine Probleme habe (S. 27 ff.) Auch bei der Zumutbarkeitsbeurteilung ist eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen; nach- dem im Gutachten aus dem Jahr 1999 die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit auf unter ein Drittel, also unter 33 %, geschätzt wurde, ist im aktuel len Gutachten für eine angepasste Tätig- keit von einer medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit von immerhin 50 % die Rede. 5.5 Nach dem Gesagten ist daher mit dem im Sozialversicher ungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 138 V 218 E. 6) erstellt, dass sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdefü hrerin seit dem Jahr 2002 we- sentlich verbessert hat. Abgesehen davon genügt als Revisionsgrund bereits der Statuswechsel von der gemischten zur allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs, wie in Erwägung 3.1 hiervor dargelegt. Dieser Wechsel in der Methode ist un ter den Parteien unbestritten. Damit ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass die Re visionsvoraussetzung nach Art. 17 ATSG erfüllt ist. 6.1 Gestützt auf dieses Zwischenergebnis ist in einem nächs ten Schritt zu prüfen, wie sich die geschilderte Entwicklung auf den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin auswirkt. Zur Beantwortung dieser Frage sind die Anspruchsberechtigun g und allenfalls der Umfang des An- spruchs pro futuro zu prüfen. Es gilt mit anderen Worten , auf der Grundlage eines richtig und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vollständig festgestellten Sachverhalts den Invaliditäts grad bei Erlass der streitigen Revisions- verfügung zu ermitteln (Urteile des Bundesgerichts vom 3. April 2017, 9C_766/2016, E. 1.2, und vom 29. Juni 2015, 9C_173/2015, E. 2.2, je mit Hinweisen). 6.2 Ausgangspunkt der Beurteilung des (heutigen) Ren tenanspruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Wie bereits in Erwägung 4.2 hier vor ausgeführt, hält das polydisziplinäre ZMB-Gutachten vom 12. Dezember 2013 diesbezüglich fest, dass aus gesamtmedizinischer Sicht von einer 50 %-igen Arbeitsunfähigkeit für leich te körperlich adaptierte Tätigkeiten auszu- gehen sei. 6.3 Die Beschwerdeführerin rügt, dass Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, RAD, in ihrer Stellungnahme vom 20. Oktober 2 016 aktenwidrig von einer Symptomver- deutlichung und Aggravation ausgehe. Dazu ist festzust ellen, dass ZMB-Experte Dr. med. F.____, FMH Neurologie, in seiner neurologischen Beu rteilung auf S. 23 tatsächlich wörtlich von einer „wesentlichen Symptomverdeutlichung“ gesprochen h at. Die entsprechende Feststel- lung von Dr. E.____ ist somit nicht aktenwidrig. Hinzu kommt, dass Dr. E.____ ihre Beurteilung im Zusammenhang mit der damals noch neuen Rechtsprechu ng des Bundesgerichts zu den Standardindikatoren im Sinne von BGE 141 V 281 abgab , denn das ZMB-Gutachten selbst wurde noch unter der Praxis der Foerster-Kriterien erst ellt. Dr. E.____ hielt dazu fest, dass die Schwere der somatoformen Schmerzstörung durch Hinweise a uf ein maladaptives Verhalten (Symptomverdeutlichung, Inkonsistenzen, Diskrepanzen) zu re lativieren sei, aber – auch unter Berücksichtigung der Standardindikatoren – von einer 5 0 %-igen Einschränkung in einer adap- tierten Tätigkeit auszugehen sei. Zudem ist darauf hinzu weisen, dass bei einfach strukturierten und sprachlich unbeholfenen Schmerzpatienten Verdeutlich ungsverhalten als Ausdruck des Schmerzerlebens und nicht als bewusste Aggravation oder Simulation zu bewerten. In diesem Sinne wurde das Verhalten der Beschwerdeführerin von d en Gutachtern auch verstanden. So führte Dr. D.____ auf S. 30 des Gutachtens aus, dass die immer wiederkehrenden Hinweise der Explorandin auf die Schmerzen, die alle möglichen Unt ersuchungen und Therapien erforderlich machen würden, auf ihn nicht verdeutlichend gewirkt hätten, sondern der Beeindruckbarkeit der sehr einfachen Explorandin entsprechen würden. 6.4.1 Zwischen den Parteien ist in der Hauptsache umstri tten, wie die Zumutbarkeitsbeurtei- lung durch das ZMB zu verstehen ist. Das ZMB attestierte ei nerseits eine medizinisch- theoretische Restarbeitsfähigkeit von 50 %, erachtete a ber gleichzeitig eine Verwertung dieser Restarbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft als nicht realisierbar, da die Beschwerdeführerin einem Arbeitgeber nicht mehr zumutbar sei. Auf diese Unverwertbarkeit beruft sich die Be- schwerdeführerin, währenddessen die Beschwerdegegnerin da fürhält, dass die Unverwertbar- keit mit IV-fremden Faktoren begründet werde. 6.4.2 Auf entsprechende Nachfrage der Beschwerdegegne rin hin führte das ZMB mit Schreiben vom 11. Februar 2014 zur Frage der Zumutbarke it aus, dass ein chronifizierter Ver- lauf mit 16 Jahre dauernder Arbeitslosigkeit bei eine r sehr einfachen Versicherten ohne Schul- bildung mit ausgeprägter und verfestigter Krankheitsüb erzeugung und vollkommenem Fehlen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Einsichtsfähigkeit in psychische Prozesse vorliege, so da ss davon auszugehen sei, dass folgende funktionellen Einschränkungen bestehen bleibe n würden: die Fähigkeit zur Strukturie- rung von Aufgaben, die Durchhaltefähigkeit und die A npassung an Regeln und Routinen. Schwergradig eingeschränkt seien die Flexibilität und Um stellungsfähigkeit, und das Arbeits- tempo sei erheblich verlangsamt. Aufgrund dieser Umständ e erscheine die Versicherte einem Arbeitgeber in der freien Wirtschaft kaum mehr zumutbar. 6.4.3 Das ZMB bejahte in einem ersten Schritt eine tei lweise Überwindbarkeit der Schmerz- problematik und begründete diese damit, dass die depressive Symptomatik weggefallen sei und so entsprechende Ressourcen freigeworden seien. Entspreche nd attestierte das ZMB der Be- schwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in ei ner angepassten Tätigkeit. Die Gründe, die das ZMB anführt, um die Verwertbarkeit der Restar beitsfähigkeit in der freien Wirtschaft zu verneinen, sind nun – wie die Beschwerdegegnerin zu Rec ht ausführt – vorwiegend IV-fremde Faktoren. Namentlich die fehlende Schulbildung und di e 16-jährige Absenz vom Arbeitsmarkt können keine Rolle spielen. Die verfestigte Krankheits überzeugung und die fehlende Einsichts- fähigkeit in psychische Prozesse sind implizit bereits als Grun d für die nur teilweise Überwind- barkeit der Schmerzproblematik berücksichtigt worden un d können bei der Frage der Verwert- barkeit nicht nochmals berücksichtigt werden. Schliesslich sind auch die angeführten funktionel- len Einschränkungen gemäss Mini-ICF-APP als Begründung einer Unverwertbarkeit der Rest- arbeitsfähigkeit nicht überzeugend. So werden die e ingeschränkten Fähigkeiten für die Ver- weistätigkeiten, die für die Beschwerdeführerin in Frag e kommen, mehrheitlich gar nicht vo- rausgesetzt. Namentlich die Fähigkeit zur Strukturierun g von Aufgaben, Planungskompetenz, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit ist in unqualifi zierten Hilfstätigkeiten kaum gefragt. Insge- samt ist damit der Zumutbarkeitsbeurteilung, wie sie von der Beschwerdegegnerin interpretiert wird, zuzustimmen, so dass von einer 50 %-igen Arbeitsfä higkeit der Beschwerdeführerin aus- zugehen und eine Unverwertbarkeit dieser Restarbeitsfähigkeit zu verneinen ist. 7. Die Beschwerdegegnerin nahm in der Verfügung vom 2 6. April 2018 einen Einkom- mensvergleich vor und ermittelte dabei einen IV-Grad von 54 %. Das von der Beschwerdegeg- nerin anhand lohnstatistischer Angaben berechnete Vali den- und Invalideneinkommen wurde von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes w egen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre, erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit den ermittelten Vergleichseinkommen sowie der Berechnu ng des IV-Grads gemäss Art. 16 ATSG. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die entsprech enden Ausführungen der Be- schwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung verwies en werden. Damit ist als weiteres Zwischenergebnis festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung zutreffend feststellte, dass die Beschwerdeführerin aktuell noch Anspruch auf eine halbe Invali- denrente habe. 8.1 Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allg emein der Grundsatz, dass die invali- de Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumu tbare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern. Von den Versicherten können jedoch nur Vor- kehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 28 E. 4a mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung). Laut ständiger Rechtsprechung i st im Regelfall eine medizinisch attes- tierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten. Nach langjährigem Rentenbezug und/oder auf Grund des fortgeschrittenen Alters der versicherten Person können jedoch ausnahmsweise Erfor dernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leistungsfähigke it und medizinisch möglichen Leistungsentfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotenzials ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein mittels Eigenanstrengung der versicherte n Person nicht möglich ist (Urteil des Bundesgerichts vom 17. November 2011, 9C_376/2011, E. 6.1 mit Hinweis auf Urteil vom 10. September 2010, 9C_163/2009, E. 4.1 und 4.2.2). Die Verwaltung muss sich vor der Her- absetzung oder Aufhebung einer Invalidenrente vergewi ssern, ob sich ein medizinisch- theoretisch wiedergewonnenes Leistungsvermögen ohne Weiteres in einem entsprechend tiefe- ren Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür – aus nahmsweise – im Einzelfall eine erwerbs- bezogene Abklärung (der Eignung, Belastungsfähigkeit usw.) und/oder die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen im Rechtssinne vorausgesetzt ist (Ur teil des Bundesgerichts vom 17. November 2011, 9C_376/2011, E. 6.1 mit Hinweis a uf Urteil vom 10. September 2010, 9C_768/2009, E. 4.1.2). 8.2 Im Urteil vom 26. April 2011, 9C_228/2010, hat d as Bundesgericht sodann festgehal- ten, dass aus Gründen der Rechtssicherheit diejenigen Fä lle, in welchen der Ausnahmetatbe- stand der Notwendigkeit (vorgängiger) befähigender ber uflicher Massnahmen trotz wiederge- wonnener Arbeitsfähigkeit als erfüllt zu betrachten i st, vom Regelfall deren sofortiger erwerbli- cher Verwertbarkeit abzugrenzen sind. Es hat deshalb d ie vorstehend geschilderte Rechtspre- chung dahingehend präzisiert, dass sie grundsätzlich auf Sa chverhalte zu beschränken ist, in denen die revisions- oder wiedererwägungsweise Herabsetzung oder Aufhebung der Invaliden- rente eine versicherte Person betrifft, die das 55. Alt ersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat (SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.3). Die Übernahme dieser beiden Abgrenzungskriterien bedeutet nun allerdings nicht, da ss die darunter fallenden Rentnerinnen und Rentner im revisions- (Art. 17 Abs. 1 ATSG) bzw. geg ebenenfalls wiedererwägungsrechtli- chen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) Kontext einen Besitzstandsansp ruch geltend machen könnten; es wird ihnen lediglich zugestanden, dass – von Ausnahmen a bgesehen – aufgrund des fortge- schrittenen Alters oder einer langen Rentendauer die Selbsteingliederung nicht mehr zumutbar ist (SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.5). 8.3 Der Beschwerdeführerin, geboren 1960, ist über 55 Jahre alt und bezog zudem mehr als 15 Jahre lang eine Invalidenrente, weshalb sie zum Personenkreis zählt, auf den die vorste- hend wiedergegebene Rechtsprechung Anwendung findet. Den Akten ist an verschiedensten Stellen zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin subjektiv als nicht mehr arbeitsfähig erachtete. So ist dem Protokoll „Erstgespräch Rentenre vision 55+/15+“ vom 22. April 2015 zu entnehmen, dass die Versicherte angebe, dass sie nicht in d er Lage sei, an einem Aufbautrai- ning teilzunehmen und schon gar nicht, sich eine Stel le zu suchen. Sie erachte sich aus ge- sundheitlichen Gründen nicht in der Lage, an einer Ein gliederungsmassnahme teilzunehmen. Auch die Tatsache, dass sich die Beschwerdeführerin weig erte, das Protokoll zu unterschrei- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben, ist als Opposition gegen berufliche Massnahmen zu ve rstehen. Es trifft zwar zu, dass die Beschwerdeführerin im damaligen Zeitpunkt nur knapp ei nen Monat vor ihrer Rückenoperation stand, so dass die damalige subjektive Unfähigkeit objekt iv sicher bis zu einem gewissen Grad begründet war. Die Beschwerdeführerin zeigte aber auch in der Folge, nachdem die Operation die erhoffte Schmerzentlastung offensichtlich gebracht h atte, keine Bereitschaft zu beruflichen Massnahmen, sondern liess das Mahn- und Bedenkzeitenverfahr en ohne Mitwirkung verstrei- chen. Erst nach Ablauf einer von ihrem Rechtsvertreter beantragten Nachfrist liess die Be- schwerdeführerin am 30. September 2016 über ihren Rech tsvertreter verlauten, dass sie im Rahmen der ihr zumutbaren Möglichkeiten zur Mitwirkun g an beruflichen Massnahmen bereit wäre. Allerdings wurde in der gleichen Eingabe ausfüh rlich begründet, weshalb die Beschwer- deführerin zu keinerlei Arbeitstätigkeit mehr fähig se i, so dass auch aus dieser Erklärung vom 30. September 2016 keine tatsächliche Bereitschaft zur T eilnahme an Eingliederungsmass- nahmen hervorgeht. Das von ihr in diesem Zusammenhang gezeigte Verhalten lässt den Schluss auf eine subjektive Behinderungsüberzeugung zu, w ie sie im Übrigen auch von den ZMB-Gutachtern festgestellt wurde (z.B. S. 24), die je glichen Eingliederungsbemühungen bzw. einer Prüfung derselben von Vornherein entgegensteht. Hält man sich dies vor Augen, so durfte die Beschwerdegegnerin von einer fehlenden subjektiven E ingliederungsfähigkeit der Be- schwerdeführerin ausgehen und von der Planung und Dur chführung beruflicher Eingliede- rungsmassnahmen absehen. 9. Zusammenfassend ist damit festzustellen, dass die Beschwe rdegegnerin die ganze Invalidenrente der Beschwerdeführerin mit Verfügung v om 26. Januar 2018 zu Recht auf eine halbe Invalidenrente herabsetzte. Damit ist die Beschwerde abzuweisen. 10.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdeve rfahrens zu befinden. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei. 10.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom S treitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnitt- licher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksich- tigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Die Verfahrenskos- ten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Regel in angemessenem Ausmass der unterlie- genden Partei auferlegt. Dem Prozessausgang entsprechen d hat deshalb die Beschwerdefüh- rerin als unterliegende Partei die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- zu tragen. Dieser Betrag ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 800.-- zu verrechnen. 10.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsp rechend sind die Parteikosten wettzuschlagen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdeführerin am 7. Februar 2019 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_114/2019 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht