B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Abteilung V E-1199/2010 U r t e i l v o m 6. M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Robert Galliker; Gerichtsschreiber Simon Thurnheer. Parteien A._______, geboren am (…), Irak, vertreten durch lic. iur. Luzia Engler, Rechtsanwältin, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. Januar 2010 / N (…). E-1199/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein sunnitischer Kurde aus der Provinz D ohuk, verliess eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat am 1. Januar 2008 und gelangte am 25. Januar 2008 in die Schweiz, wo er gleichentags ein Gesuch um Asyl stellte. Zur Begründung machte er anlässlich der Befragung zur Person im Em p- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ vom 6. Februar 2008 und der Anhörung vom 20. August 2008 im Wesentlichen Folgendes ge l- tend: Er habe sein Auto einem (…) mütterlicherseits für einen bis zwei Tage ausgeliehen, der angegeben habe, damit zu einer Hochzeit fahren zu wollen. Als das Auto nach zwei Tagen aber nicht zurückgebracht wo r- den sei, habe er sich bei der Mutter seines (…) nach diesem erkundigt. Von ihr habe er erfahren, dass gar keine Hochzeit stattgefunden habe. Er habe sich darauf in die Werkstatt begeben. Zwischenzeitlich hätten die Asaish-Leute seine Familie zu Hause aufgesucht. In der Folge habe sein (…) ihn in der Werkstatt angerufen und ihm mitgeteilt, dass die Siche r- heitskräfte ihn gesucht hätten. Darauf sei er bei seiner (…) zehn Tage un- tergetaucht. Dort habe er von seinem (…) und einem Freund telefonisch erfahren, dass in seinem Auto Sprengstoff gefunden worden sei, dass es am Kontrollpos ten von C._______ angehalten und beschlagnahmt wo r- den und der Fahrer geflohen sei. Im Auto seien seine Dokumente gefu n- den worden. In der Folge sei sein (…) vom Sicherheitsdienst festgeno m- men und nach dem Verbleib (…) befragt worden. Daraufhin sei er ausge- reist, wobei sein Schwager ihm noch geraten habe, sich den Behörden nicht zu stellen, da sie ihn andernfalls ver schwinden lassen würden. Sein (…) sei aber bereits vor seiner Ausreise wieder freigelassen worden. B. Mit Verfügung vom 25. Januar 2010 – eröffnet am 27. Januar 2010 – stell- te das BFM fest, der Besch werdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an. C. Mit Eingab e seiner Rechtsvertreterin vom 26. Februar 2010 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht gegen die vorinstan z- liche Verfügung Beschwerde, wobei er beantragte , die angefochtene Ver- fügung sei vollumfänglich aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei a n- zuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren, eve ntualiter sei infolge Unzu-E-1199/2010 Seite 3 mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuor d- nen, subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er den E r- lass der Verfahrenskosten und den Verzicht auf die Er hebung eines Kos- tenvorschusses. Gleichzeitig reichte er fünf Dokumente zu den Akten. D. Mit Zwischenverfügung vom 3. März 2010 stellte das Bundesverwa l- tungsgericht fest, dass der Beschwerdeführer gemäss Art. 42 des Asylg e- setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) den Ausgang des Verfa h- rens in der Schweiz abwarten darf. E. Mit Zwischenverfügung vom 17. März 2010 wies das Bundesverwa l- tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfl e- ge (Antrag auf Erlass der Verfa hrenskosten in der Beschwerdeeingabe) gemäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. D e- zember 1968 (VwVG, SR 172.021) und das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ab und erhob einen solchen, welcher am 29. März 2010 fristgerecht geleistet wurde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). E-1199/2010 Seite 4 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 Asy lG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachst e- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu e iner bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, de s Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehb a-E-1199/2010 Seite 5 rer Zukunft begründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund der oben erwähnten Verfolgungsmotive zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staat lichen Schutz e r- warten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und BVGE 2008/4 E. 5 sowie die vom Bundesverwaltungsgericht fortgeführte Rechtsprechung der vo r- maligen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) in Entscheidu n- gen und Mitteilungen der Schweizerische n Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 2 E. 3a, EMARK 2006 Nr. 18 E. 7 -10 und EMARK Nr. 32 E. 8.7). 4.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälscht e oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. Das BFM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, da er im Verlaufe des Verfahrens in we- sentlichen Punkten unterschiedliche Angaben ge macht habe, so dass seine Vorbringen in sich widersprüchlich und damit unglaubhaft seien. Wegen der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen erübrige sich die Prüfung i h- rer Asylrelevanz. In der Kurzbefragung habe er zunächst nicht gewusst, wie es dazu g e- kommen sei, dass sein Auto vom Asaish kontrolliert und beschlagnahmt worden sei. Erst später habe er ausgesagt, es sei am Kotrollpos ten von C._______ geschehen (vgl. A1 S. 5). Bei der Kurzbefragun g habe er a n- gegeben, sein (…) sei festgenommen worden (vgl. A1 S. 6), wohingegen er bei der Anhörung ausgesagt habe, jener sei flüchtig (vgl. A10 S. 9). Bei der Kurzbefragung habe er den Sachverhalt dahingehend dargestellt, dass sein (…) das Auto zum Kontrollposten gelenkt habe und dem Asaish angegeben habe, nicht Halter des Fahrzeuges zu sein (vgl. A1 S. 5), während er bei der Anhörung nicht habe wissen wollen, ob der (…) oder eine Drittperson das Fahrzeug gelenkt habe (vgl. A10 S. 9). Schliesslich habe er bei der Kurzbefragung angegeben, weil die Asaish-Leute ort s- fremd gewesen seien, hätten sie ihn nicht an seinem Arbeitsplatz (Wer k- statt) gesucht (vgl. A1 S. 6); bei der A nhörung habe er hingegen ausg e-E-1199/2010 Seite 6 sagt, er sei sowohl zu Hause als au ch am Arbeitsplatz gesucht worden (vgl. A10 S. 9). Bei der Anhörung sei ihm Gelegenheit geboten worden, zu den abwe i- chenden Aussagen Stellung zu nehmen. Darauf habe er lediglich auf der jüngsten Version beharrt, ohne zu erklären, aus welchem Grund er bei der Kurzbefragung davon abweichende Angaben gemacht habe. 6. Der Vorinstanz ist darin zuzustimmen, dass die Vorbringen des B e- schwerdeführers in sich widersprüchlich und damit unglaubhaft sind , wo- bei auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen ist. Auf Beschwerdeebene erklärt der Beschwerdeführer die abweichenden Angaben in den beiden Befragungen einerseits mit dem psychisch labilen Zustand, in dem er sich während der Kurzbefr agung befunden habe, und dem zeitlichen Abstand zwischen den beiden Befragungen. Beide Erkl ä- rungen vermögen indes nicht zu überzeugen. Für das Vorliegen eines psychisch labilen Zustandes zur Zeit der Kurzb e- fragung sind aus den Akten keine Hinweise ersich tlich. Der Beschwerd e- führer hat dieses Vorbringen im erstinstanzlichen Verfahren nicht geltend gemacht und es auch auf Beschwerdeebene nicht substanziiert. Damit erweist es sich als nach geschobene Schutzbehauptung und ist unglau b- haft. Aber selbst wenn es z utreffen sollte, ist es nicht geeignet, die m o- nierten Widersprüche zu erklären, zumal von einer schutzsuchenden Person erwartet werden kann, sich auch in einem psychisch labilen Zu- stand an die wesentlichen Punkte der Asylgründe erinnern und diese w i- derspruchsfrei angeben zu können. Der Zeitablauf zwischen Kurzbefragung und Anhörung vermag die abwe i- chenden Angaben zu den Fluchtgründen ebenso wenig zu erklären, z u- mal eine tatsächlich auf die geltend gemachte Weise verfolgte Person sich erfahrungsgemäss auch n ach längerem Zeitablauf noch genau an die wesentlichen Punkte zu erinnern vermag. Ausserdem müsste der Zeitablauf eher für die Richtigkeit der früheren Angaben sprechen als für die Richtigkeit der späteren, auf welcher der Beschwerdeführer beharrt. Der Einwand, zwischenzeitlich sei sein Informationsstand durch Kontakt mit den Angehörigen angewachsen, vermag nicht zu überzeugen. Er er- weckt eher den Anschein einer konstruierten Verfolgungsgeschichte, die E-1199/2010 Seite 7 der Beschwerdeführer nach längerem Zeitablauf nicht in allen Einzelhei- ten gleich nachzuerzählen imstande ist. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vorgebrachten Asylgründe unglaubhaft sind, da sie widersprüchlich ausgeführt worden sind . Damit liegen keine Hinweise dafür vor, dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatstaat in absehbarer Zukunft und mit beachtlicher Wahrscheinlic h- keit mit asyl relevanten Nachteilen rechnen muss. Daran vermögen auch die Ausführungen auf Beschwerdeebene und die eingereichten Bewei s- mittel nichts zu ändern. 7. Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, die Flüchtlingseige n- schaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das BFM hat das Asylgesuch daher zu Recht abgelehnt. 8. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Die Wegweisung wird nicht verfügt, wenn die asylsuchende Pe r- son im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist oder Anspruch darauf hat. Da der Beschwerdeführer weder im Besitz einer aufenthaltsrechtlichen Bewilligung ist noch einen Anspruch darauf hat, wurde die Wegweisung vom BFM zu Recht verfügt. 9. 9.1. Das Bundesamt regelt das Anwesenheitsverhältnis nach den geset z- lichen Bestimmungen übe r die vorläufige Aufnahme von Ausländern, wenn der Vollzug nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. D e- zember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Vollzugshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Standard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls zumind est glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148). E-1199/2010 Seite 8 9.2. Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenst e- hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Keine Person darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwu n- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Fre iheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 9.3. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die Flüchtlingse i- genschaft gemäss Art. 3 AsylG bzw. Art. 1 A Ziff. 2 FK nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, findet das in Art. 5 AsylG und Art. 33 Abs. 1 FK ver- ankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Refoulementverbots im vorli e- genden Verfahren keine Anwendung. Eine Ausschaffung des Beschwe r- deführers in den Nordirak ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG und Art. 33 Abs. 1 FK rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Rück- kehr in den Nordirak dort m it beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Me n- schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) oder Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschlich e oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Nordirak lässt den Wegweisungsvollzug zu m heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig e r- scheinen. Damit erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der lan- des- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig. 9.4. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich für Ausländerinnen oder Ausländer als unzumutbar, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt oder medizinischer Notlage allgemein gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG). Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Bo t-E-1199/2010 Seite 9 schaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in den Urteilen BVGE 2008/4 und BVGE 2008/5 ausführlich mit der Sicherheitslage im Nordirak auseina n- dergesetzt. Im letzteren Urteil befasste es sich insbesondere mit der Fr a- ge der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in die drei kurdischen Provinzen des Nordiraks (Dohuk, Erbil, Sulaymaniy a). Es kam zum Schluss, dass in den kurdischen Nordprovinzen keine Situation allgeme i- ner Gewalt herrsche und die dortige politische Situation nicht dermassen angespannt sei, als dass eine Rückführung dorthin als generell unzumu t- bar betrachtet werden müsste . Die Anordnung des Wegweisungsvollzugs setze jedoch voraus, dass die betreffende Person ursprünglich aus der Region stamme oder eine längere Zeit dort gelebt habe und über ein s o- ziales Netz (Familie, Verwandtschaft oder Bekanntenkreis) oder über B e- ziehungen zu den herrschenden Parteien verfüge. Andernfalls dürfte eine soziale und wirtschaftliche Integration in die kurdische Gesellschaft nicht gelingen, da der Erhalt einer Arbeitsstelle oder von Wohnraum weitg e- hend von gesellschaftlichen und politischen Bez iehungen abhänge. Z u- sammenfassend sei die Anordnung des Wegweisungsvollzugs für allei n- stehende, gesunde und junge kurdische Männer, die ursprünglich aus der Region stammten und dort nach wie vor über ein soziales Netz oder Parteibeziehungen verfügten, in d er Regel zumutbar. Für alleinstehende Frauen und für Familien mit Kindern, sowie für Kranke und Betagte sei bei der Feststellung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs grosse Zurückhaltung angebracht (vgl. BVGE 2008/5 E. 7.5.8 S. 72). Beim Beschwerdeführ er handelt es sich um einen jungen und gemäss den vorinstanzlichen Akten gesunden Mann kurdischer Ethnie mit mehr- jähriger Berufserfahrung , der bis zu seiner Ausreise im Nordirak gelebt hat und dort mit nahen Angehörigen über ein intaktes Beziehungsnetz verfügt. Auf Beschwerdeebene macht er zwar psychische Probleme ge l- tend; diese sind aber, wie oben in E.6 bereits festgestellt, als unglaubhaf- te Schutzbehauptung zu würdigen, zumal der Beschwerdeführer, soweit aus den Akten ersichtlich, noch keine Therapie oder andere psycholog i- sche oder psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen und dem Gericht bislang kein ärztliches Attest eingereicht hat. Dass er in der Beschwerd e- schrift ein solches auf Verlangen in Aussicht gestellt hat, ist dabei unb e- helflich. Denn auf Grund seiner Mitwirkungspflicht (Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG und Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG) ist er gehalten, auch ohne au s- drückliche Aufforderung alle verfügbaren Beweismittel, die geeignet sind, E-1199/2010 Seite 10 eine behauptete Tatsache, aus welcher er Rechte ableitet, zu beweisen, von sich aus zu den Akten zu reichen. Spätestens nach der Eröffnung der Zwischenverfügung vom 17. März 2010, in welcher dieses Vorbringen im Rahmen einer summarischen Prüfung für unglaubhaft befunden worden ist, wäre zu erwarten gewesen, dass e r, falls er tatsächlich in geltend g e- machter Weise an psychischen Problemen leiden sollte, ein entspr e- chendes Beweismittel beibringt. Zusammenfassend sind die gemäss dem erwähnten Grundsatzurteil erforderlichen Voraussetzungen für einen z u- mutbaren Wegweisungsvollzug in den Nordirak erfüllt. 9.5. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.6. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich eracht et. Die Anordnung des Wegweisungsvollzugs ist zu bestätigen. 10. Nach dem Gesagten ist auch der Subeventualantrag abzuweisen. 11. Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rech tserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600. - (Art. 1 bis 3 des Reglements vom 21. Februa r 2008 über die Kosten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dieser Betrag ist mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) E-1199/2010 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Kosten des Verfahrens von Fr. 600.- sind dem Beschwerdeführer auf- zuerlegen. Dieser Betrag wird mit dem in gleicher Höhe geleisteten Ko s- tenvorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Simon Thurnheer