<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 125 S.524</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">524</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>125 Einwohnergemeindeversammlung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Instanzenzug bei der Beurteilung von Gemeindebeschwerden (Erw.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>1).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Beeinflussung der Willensbildung durch Informationen des Gemein-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>derates (Erw. 2 d).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Festlegung der Traktandenliste durch den Gemeinderat (Erw. 3 a).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Zusatz-, Abänderungs- und Gegenanträge sind zulässig, sofern sie in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einem inneren Zusammenhang mit dem traktandierten Geschäft</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stehen; ansonsten können sie nur als Überweisungsantrag behandelt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>werden (Erw. 3 a und c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Regierungsrates vom 29. November in Sachen A.S. und R.S.</span><br/> <span class="ft3">gegen Departement des Innern.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Die in D. stimmberechtigten Beschwerdeführer rügen, ein</span><br/> <span class="ft1">anlässlich der Einwohnergemeindeversammlung D. vom 11. Juni</span><br/> <span class="ft1">1999 von A.S. gestellter Antrag auf Umzonung des Gebietes "B." sei</span><br/> <span class="ft1">nicht zur Abstimmung gebracht worden. Dadurch sei das Recht der</span><br/> <span class="ft1">Stimmberechtigten, zu den in der Traktandenliste aufgeführten Sach-</span><br/> <span class="ft1">geschäften Anträge zur Geschäftsordnung und zur Sache zu stellen</span><br/> <span class="ft1">(vgl. § 27 Abs. 1 des Gesetzes über die Einwohnergemeinden [Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindegesetz] vom 19. Dezember 1978 [GG]) verletzt worden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">525</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Mit der Gemeindebeschwerde können Stimmberechtigte der</span><br/> <span class="ft1">betreffenden Gemeinde, soweit es sich um Rechtsverletzungen im</span><br/> <span class="ft1">Verfahren handelt, allgemein verbindliche Erlasse von Gemeinden,</span><br/> <span class="ft1">Gemeindeverbänden und anderen öffentlich-rechtlichen Körper-</span><br/> <span class="ft1">schaften, sowie Verwaltungsakte, die nicht in persönliche Verhält-</span><br/> <span class="ft1">nisse eingreifen, anfechten (§§ 106 Abs. 1 und 107 Abs. 1 lit. a GG).</span><br/> <span class="ft1">Zur Beurteilung von Gemeindebeschwerden steht ein doppelter In-</span><br/> <span class="ft1">stanzenzug über das Departement des Innern und den Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">zur Verfügung (§ 109 Abs. 1 und 2 GG). Ein Weiterzug ans Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht ist nicht möglich (AGVE 1992 S. 414 f.).</span><br/> <span class="ft1">2. a) Mit gemeinsamer Eingabe vom 8. September 1998 erho-</span><br/> <span class="ft1">ben</span> <span class="ft1">A.S., R.S. und zahlreiche weitere in der Wohnzone W3 im "B.-</span><br/> <br/> <span class="ft1">Gebiet" Liegenschaften besitzende Stimmberechtigte von D. Ein-</span><br/> <span class="ft1">sprache gegen den Entwurf einer neuen Bau- und Nutzungsordnung</span><br/> <span class="ft1">(BNO) und rügten den die Wohnzone W3 betreffenden § 10 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">BNO, welcher wie folgt lautet:</span><br/> <span class="ft6">"</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span> <span class="ft6">Es sind drei Vollgeschosse zulässig. Im Gebiet B., zwischen A. und</span><br/> <span class="ft6">H.-Kanal, kann das Untergeschoss aufgrund des Grundwasserstandes als</span><br/> <span class="ft6">zusätzliches Vollgeschoss bewilligt werden."</span><br/> <span class="ft1">Die Einsprechenden machten geltend, diese Bestimmung lasse</span><br/> <span class="ft1">viergeschossige Bauten zu, welche nicht ins Quartierbild passten.</span><br/> <span class="ft1">§ 10 Abs. 2 Satz 2 BNO könne deshalb nur beschlossen werden,</span><br/> <span class="ft1">sofern man das Gebiet zwischen B.-Kanal und B.-Strasse gleichzeitig</span><br/> <span class="ft1">in die Wohnzone W2 umzone. Der Gemeinderat D. erwog jedoch, im</span><br/> <span class="ft1">fraglichen Gebiet sei eine verdichtete Bauweise anzustreben und von</span><br/> <span class="ft1">einer sog. Abzonung sei abzusehen, weshalb er die Einsprachen mit</span><br/> <span class="ft1">Protokollauszug vom 30. November 1998 abwies.</span><br/> <span class="ft1">Ein Zeitungsartikel in der "D.B". vom 7. Juni 1999 griff das</span><br/> <span class="ft1">Anliegen der</span> <span class="ft1">Einsprechenden noch einmal auf und kündigte an, die</span><br/> <span class="ft1">Bewohnerschaft des B.-Quartiers würde ihre Argumente anlässlich</span><br/> <span class="ft1">der bevorstehenden Einwohnergemeindeversammlung dem Souverän</span><br/> <span class="ft1">vortragen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">526</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">b) In der Einladung zur Einwohnergemeindeversammlung D.</span><br/> <span class="ft1">vom 11. Juni 1999 sah der Gemeinderat D. als Traktandum 4 die</span><br/> <span class="ft1">"Genehmigung der Teiländerungen Bauzonen- und Kulturlandplan</span><br/> <span class="ft1">sowie der revidierten Bau- und Nutzungsordnung" vor. Die Erläute-</span><br/> <span class="ft1">rungen führten dazu aus, die im Mitwirkungsverfahren und einer</span><br/> <span class="ft1">Kollektiveinsprache geforderte Abzonung des Gebietes B. von W3 in</span><br/> <span class="ft1">W2 lehne der Gemeinderat ab. Diese erweise sich aus raumplaneri-</span><br/> <span class="ft1">scher Sicht nicht als sinnvoll. Aufgrund der idealen Lage (Zentrum,</span><br/> <span class="ft1">Bahnhofsnähe, etc.) sei eine verdichtete Bauweise in diesem Gebiet</span><br/> <span class="ft1">anzustreben. Ebenso sprächen andere gewichtige Gründe (z.B. Ent-</span><br/> <span class="ft1">schädigungsforderungen, Gefährdung der Planbeständigkeit, Präjudiz</span><br/> <span class="ft1">für andere Gebiete) ebenfalls gegen die Abzonung. Dementsprechend</span><br/> <span class="ft1">wurde der Gemeindeversammlung ein unveränderter § 10 BNO zur</span><br/> <span class="ft1">Genehmigung unterbreitet und die zu genehmigende Teilzonenplan-</span><br/> <span class="ft1">änderung sah im sog. unteren B. nördlich der A.-Strasse keinerlei</span><br/> <span class="ft1">Änderungen vor.</span><br/> <span class="ft1">Anlässlich der Behandlung von Traktandum 4 führte Vizeam-</span><br/> <span class="ft1">mann H. erläuternd aus, nach Auffassung des Gemeinderates sei eine</span><br/> <span class="ft1">allfällige Abzonung des Teilgebietes B. von W3 in W2 nicht im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen der aktuellen Teilzonenplanänderung, sondern erst anläss-</span><br/> <span class="ft1">lich einer künftigen Gesamtrevision anzugehen, da die aktuelle Zo-</span><br/> <span class="ft1">nierung erst vor sieben Jahren rechtskräftig geworden sei und eine</span><br/> <span class="ft1">Planbeständigkeit von 10 bis 15 Jahren angenommen werde. An der</span><br/> <span class="ft1">aktuellen Versammlung könne auf ein allfälliges Begehren auf Ab-</span><br/> <span class="ft1">zonung des Gebietes B. jedenfalls schon aus rechtlichen Gründen</span><br/> <span class="ft1">nicht eingetreten werden, da eine Abzonung nicht traktandiert sei.</span><br/> <span class="ft1">Eventuell sei ein Überweisungsantrag möglich. In der anschliessen-</span><br/> <span class="ft1">den Diskussion stellte A.S. den Antrag, "das B.-Quartier (begrenzt</span><br/> <span class="ft1">durch die A.-Strasse, B.-Strasse, Gemeindegrenze K., B.-Kanal) wird</span><br/> <span class="ft1">neu zur W2-Zone umgezont". Er und mehrere weitere Stimmberech-</span><br/> <span class="ft1">tigte trugen die für und gegen dieses Begehren sprechenden Argu-</span><br/> <span class="ft1">mente vor, wobei auch geltend gemacht wurde, mit dem Abzonungs-</span><br/> <span class="ft1">begehren wolle man ein aktuelles Bauvorhaben verhindern. Vize-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">527</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ammann H. wies in der Folge noch einmal darauf hin, anlässlich der</span><br/> <span class="ft1">heutigen Einwohnergemeindeversammlung könne nicht über die</span><br/> <span class="ft1">nicht traktandierte Abzonung des Teilgebietes B. beschlossen wer-</span><br/> <span class="ft1">den; möglich sei nur ein Überweisungsantrag oder eine Änderung</span><br/> <span class="ft1">der traktandierten BNO, z.B. die Streichung von § 10 Abs. 2 Satz 2.</span><br/> <span class="ft1">Darauf erhob A.S. diese Streichung zum Antrag. Ferner stellte er</span><br/> <span class="ft1">hinsichtlich der Abzonung des näher umschriebenen B.-Gebietes</span><br/> <span class="ft1">einen Überweisungsantrag mit der Ergänzung, § 10 Abs. 2 Satz 2</span><br/> <span class="ft1">BNO dürfe nicht in Kraft treten, solange über die Abzonung nicht</span><br/> <span class="ft1">definitiv entschieden sei; das Gebiet B. solle zudem als Planungs-</span><br/> <span class="ft1">zone erklärt werden. Darauf wies Gemeindeammann S. darauf hin, es</span><br/> <span class="ft1">stehe der Einwohnergemeindeversammlung nicht zu, mit der bean-</span><br/> <span class="ft1">tragten Ergänzung ein vom Gemeinderat bereits bewilligtes Bauvor-</span><br/> <span class="ft1">haben zu verhindern. Die Zuständigkeit zum Erlass einer Planungs-</span><br/> <span class="ft1">zone liege nicht bei der Gemeindeversammlung. Den Streichungsan-</span><br/> <span class="ft1">trag hinsichtlich § 10 Abs. 2 Satz 2 BNO wies die Versammlung in</span><br/> <span class="ft1">der Folge mit 54 gegen 35 Stimmen ab und sie genehmigte den Ent-</span><br/> <span class="ft1">wurf der Bau- und Nutzungsordnung mit grosser Mehrheit bei 11</span><br/> <span class="ft1">Gegenstimmen. Der Überweisungsantrag S. wurde mit 64 gegen 40</span><br/> <span class="ft1">Stimmen abgelehnt.</span><br/> <span class="ft1">c) In seinem Beschwerdeentscheid vom 2. Februar 2000 weist</span><br/> <span class="ft1">das Departement des Innern darauf hin, die von den Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rern geforderte aber vom Vorsitzenden nicht durchgeführte Abstim-</span><br/> <span class="ft1">mung über den Antrag, das näher umschriebene B.-Gebiet in W2</span><br/> <span class="ft1">umzuzonen, unterscheide sich vom deutlich abgelehnten Überwei-</span><br/> <span class="ft1">sungsantrag nur hinsichtlich des Zeitpunktes der inhaltlichen Be-</span><br/> <span class="ft1">handlung durch die Gemeindeversammlung. Wenn die Stimmbe-</span><br/> <span class="ft1">rechtigten es schon abgelehnt hätten, die</span> <span class="ft1">Abzonung dem Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">rat lediglich zum Bericht und Antrag zu überweisen, zwecks Trak-</span><br/> <span class="ft1">tandierung an der nächsten Versammlung (vgl. § 28 GG), hätten sie</span><br/> <span class="ft1">sinngemäss auch eine weitergehende sofortige Abzonung abgelehnt,</span><br/> <span class="ft1">womit der Anspruch der Stimmberechtigten auf unverfälschte Wil-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">528</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lenskundgabe auch ohne die geforderte separate Abstimmung in</span><br/> <span class="ft1">keiner Weise verletzt worden sei.</span><br/> <span class="ft1">Dieser Argumentation halten die Beschwerdeführer entgegen,</span><br/> <span class="ft1">die Willensbildung sei durch Fehlinformationen des Gemeinderates</span><br/> <span class="ft1">in der Einladung zur Einwohnergemeindeversammlung und anläss-</span><br/> <span class="ft1">lich der Versammlung über die Gefahr von Entschädigungszahlungen</span><br/> <span class="ft1">beeinträchtigt worden, was angesichts der angespannten Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">finanzen schwer gewogen und die Stimmberechtigten verunsichert</span><br/> <span class="ft1">habe. Dies habe auch zu zahlreichen Stimmenthaltungen geführt.</span><br/> <span class="ft1">d) Das vom Verfassungsrecht des Bundes gewährleistete politi-</span><br/> <span class="ft1">sche Stimmrecht gibt jeder Bürgerin und jedem Bürger einen An-</span><br/> <span class="ft1">spruch darauf, dass kein Abstimmungsresultat anerkannt wird, das</span><br/> <span class="ft1">nicht den freien Willen der Stimmberechtigten zuverlässig und un-</span><br/> <span class="ft1">verfälscht zum Ausdruck bringt (Art. 34 Abs. 2 der Bundesverfas-</span><br/> <span class="ft1">sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999;</span><br/> <span class="ft1">BGE 114 Ia 43). Dabei kann das Abstimmungsresultat insbesondere</span><br/> <span class="ft1">durch eine unerlaubte Beeinflussung der Willensbildung der Stimm-</span><br/> <span class="ft1">bürgerschaft verfälscht werden, was namentlich anzunehmen ist,</span><br/> <span class="ft1">wenn eine Behörde, welche zu einem Verhandlungsgegenstand Er-</span><br/> <span class="ft1">läuterungen verfasst, ihre Pflicht zur objektiven Information verletzt</span><br/> <span class="ft1">sowie über Zweck und Tragweite der Vorlage falsch orientiert. Das-</span><br/> <span class="ft1">selbe gilt auch für andere Verlautbarungen im Rahmen des Abstim-</span><br/> <span class="ft1">mungskampfes (BGE 112 Ia 335, AGVE 1996 S. 466 f.).</span><br/> <span class="ft1">Wie der auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung verweisen-</span><br/> <span class="ft1">den Stellungnahme der Abteilung Raumplanung vom 24. März 2000</span><br/> <span class="ft1">zu entnehmen ist, löst eine Abzonung von der W3 in die W2 zwar in</span><br/> <span class="ft1">aller Regel keine Entschädigungspflicht wegen materieller Enteig-</span><br/> <span class="ft1">nung aus, soweit die neue Ordnung immer noch eine angemessene</span><br/> <span class="ft1">Ausnützung des Baugrundes zulässt (vgl. auch Ulrich Zimmerli, Die</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung des Bundesgerichtes zur materiellen Enteignung, in</span><br/> <span class="ft1">ZBl 1974 S. 149 f.; AGVE 1996 S. 186 ff., 1984 S. 607 ff.). Nach-</span><br/> <span class="ft1">dem der bisherige Zonenplan mit der Genehmigung des Grossen</span><br/> <span class="ft1">Rates in Rechtskraft erwachsen war, konnten die Grundeigentümer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">529</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und -eigentümerinnen jedoch davon ausgehen, dass eine Überbauung</span><br/> <span class="ft1">gemäss den Bestimmungen der W3 zulässig sei. Der Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">hat denn auch mit RRB Nr. ... in Sachen A.S. und Mitbeteiligte eine</span><br/> <span class="ft1">vom Gemeinderat D. am 14. Dezember 1998 an U.B. erteilte Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung für ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus im B.-Gebiet</span><br/> <span class="ft1">bestätigt und festgehalten, für den Erlass einer Bausperre seien die</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen nicht gegeben, nachdem das Bauvorhaben sowohl</span><br/> <span class="ft1">dem geltenden Recht als auch den Entwürfen für das geplante künf-</span><br/> <span class="ft1">tige Recht entspreche; die Angelegenheit ist inzwischen vor Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht hängig. Die Gefahr von Entschädigungsforderungen</span><br/> <span class="ft1">- insbesondere für nutzlos gewordene Planungskosten - war und ist</span><br/> <span class="ft1">deshalb im Falle einer dieses Bauvorhaben (und allfällige weitere)</span><br/> <span class="ft1">verhindernden Abzonung nicht von der Hand zu weisen. Insofern hat</span><br/> <span class="ft1">der Gemeinderat</span> <span class="ft1">D. korrekt informiert. Die Hinweise auf diese Ge-</span><br/> <span class="ft1">fahr (eine Entschädigungspflicht wurde nicht behauptet) waren ob-</span><br/> <span class="ft1">jektiv gerechtfertigt und jedenfalls keine unerlaubte Beeinflussung</span><br/> <span class="ft1">der Willensbildung.</span><br/> <span class="ft1">Im Sinne eines Zwischenergebnisses kann somit festgehalten</span><br/> <span class="ft1">werden, dass die Einwohnergemeindeversammlung D. vom 11. Juni</span><br/> <span class="ft1">1999 faktisch den freien Willen unverfälscht zum Ausdruck gebracht</span><br/> <span class="ft1">hat, das näher umschriebene untere B.-Gebiet solle nicht der Wohn-</span><br/> <span class="ft1">zone W2 zugewiesen werden. Insofern hat sie das strittige Abzo-</span><br/> <span class="ft1">nungsbegehren zumindest materiell behandelt und abgewiesen. Die</span><br/> <span class="ft1">diesbezügliche Rüge der Beschwerdeführer erweist sich somit als</span><br/> <span class="ft1">unbegründet.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Hinsichtlich der Zulässigkeit des Abzonungsantrages ma-</span><br/> <span class="ft1">chen die Beschwerdeführer geltend, dass im Rahmen des Traktan-</span><br/> <span class="ft1">dums "Teiländerung Bauzonen- und Kulturlandplan sowie der revi-</span><br/> <span class="ft1">dierten Bau- und Nutzungsordnung" sämtliche im Vorverfahren zu-</span><br/> <span class="ft1">lässigerweise erhobenen und abgewiesenen Anträge erneut zugelas-</span><br/> <span class="ft1">sen werden müssten, damit das entsprechende Geschäft vollständig</span><br/> <span class="ft1">und rechtsgültig behandelt werden könne. Diesbezüglich stellen sich</span><br/> <span class="ft1">die Fragen, in wessen Kompetenz die Festlegung bzw. präzise Um-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">530</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schreibung eines Traktandums der Einwohnergemeindeversammlung</span><br/> <span class="ft1">liegt und ob der Abzonungsantrag im Rahmen des tatsächlich trak-</span><br/> <span class="ft1">tandierten Sachgeschäftes formell überhaupt zulässig war.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 27 Abs. 1 GG hat jeder Stimmberechtigte das Recht,</span><br/> <span class="ft1">zu den in der Traktandenliste aufgeführten Sachgeschäften Anträge</span><br/> <span class="ft1">zur Geschäftsordnung und zur Sache zu stellen. Notwendiges Gegen-</span><br/> <span class="ft1">stück zu diesem Antragsrecht bildet die Pflicht des Versammlungs-</span><br/> <span class="ft1">leitenden, über die eingebrachten Anträge abstimmen zu lassen. Ein</span><br/> <span class="ft1">entsprechendes Begehren darf jedoch nur entgegengenommen wer-</span><br/> <span class="ft1">den, sofern es einen relevanten sachlichen Zusammenhang mit dem</span><br/> <span class="ft1">zur Diskussion stehenden Verhandlungsgegenstand aufweist, inhalt-</span><br/> <span class="ft1">lich nicht rechtswidrig ist und die formellen Bedingungen erfüllt</span><br/> <span class="ft1">(Andreas Baumann, Die Kompetenzordnung im aargauischen Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderecht, Aarau 1986, S. 354 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Die Befugnis, die Traktandenliste für die Gemeindeversamm-</span><br/> <span class="ft1">lung festzulegen, steht grundsätzlich dem Gemeinderat zu (vgl. §§ 23</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 und 37 Abs. 1 GG). Existieren für die Behandlung bestimmter</span><br/> <span class="ft1">Aufgaben keine gesetzlich zwingende Vorschriften und sind be-</span><br/> <span class="ft1">stimmte Gegenstände auch nicht gestützt auf das schriftliche Begeh-</span><br/> <span class="ft1">ren eines Zehntels der Stimmberechtigten (vgl. § 22 Abs. 2 GG) oder</span><br/> <span class="ft1">den erheblich erklärten</span> <span class="ft1">Eintretensantrag in der Gemeindeversamm-</span><br/> <span class="ft1">lung (vgl. § 28 GG) an die Hand zu nehmen, so liegt es im freien</span><br/> <span class="ft1">Ermessen des Gemeinderates zu entscheiden, ob, zu welchem Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt und unter welchen Rahmenbedingungen die Versammlung mit</span><br/> <span class="ft1">einem in ihren Zuständigkeitsbereich fallenden Geschäft befasst</span><br/> <span class="ft1">werden soll (AGVE 1979 S. 429 f.). Das heisst, hinsichtlich des</span><br/> <span class="ft1">sachlichen Umfangs der Traktandenliste steht der Versammlung kein</span><br/> <span class="ft1">eigentliches Antragsrecht zu. Aus diesem Grund existiert in den ein-</span><br/> <span class="ft1">schlägigen Gesetzen auch keine Vorschrift, welche von Vorsitzenden</span><br/> <span class="ft1">verlangen würde, die Traktandenliste vor dem Beginn der Ver-</span><br/> <span class="ft1">sammlung zur Diskussion zu stellen. Wenn dies trotzdem getan wird,</span><br/> <span class="ft1">so steht einem solchen Vorgehen indessen kein Hindernis im Wege.</span><br/> <span class="ft1">Allerdings kann es dabei nicht darum gehen, die Traktandenliste</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">531</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">materiell zu bereinigen. Das Interventionsrecht der Stimmberechtig-</span><br/> <span class="ft1">ten ist vielmehr auf die rechtliche Möglichkeit beschränkt, mittels</span><br/> <span class="ft1">Ordnungsantrages die Reihenfolge der Traktanden zu ändern (AGVE</span><br/> <span class="ft1">1979 S. 430, 1990 S. 414 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Dass die Forderung nach einer Umzonung im Raum B. von W3</span><br/> <span class="ft1">in W2 Gegenstand des Mitwirkungs- und Auflageverfahrens gebildet</span><br/> <span class="ft1">hatte und in einer Einsprache erneuert worden war, verpflichtete den</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat D. somit nicht, im Zusammenhang mit der Revision der</span><br/> <span class="ft1">Bau- und Nutzungsordnung sowie Teiländerungen von Bauzonen-</span><br/> <span class="ft1">und Kulturlandplan auch eine Abzonung im Raum B. oder zumindest</span><br/> <span class="ft1">eine Überprüfung der dort aktuell geltenden Zonierung zu traktandie-</span><br/> <span class="ft1">ren. Wenn er eine Umzonung grundsätzlich und insbesondere im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen der aktuellen Teilzonenplanänderung für nicht opportun</span><br/> <span class="ft1">erachtete, musste er sie nicht traktandieren.</span><br/> <span class="ft1">b) Dass der Gemeinderat die Abzonung nicht traktandieren</span><br/> <span class="ft1">musste, bedeutet jedoch nicht, dass bei nicht erfolgter Traktandierung</span><br/> <span class="ft1">eine Beschlussfassung der Einwohnergemeindeversammlung über</span><br/> <span class="ft1">die Abzonung für immer ausgeschlossen war. Alle anwesenden</span><br/> <span class="ft1">Stimmberechtigten waren befugt, der Versammlung die Überweisung</span><br/> <span class="ft1">eines neuen bzw. weitergehenden Gegenstandes an den Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">zwecks Berichterstattung und Antragstellung vorzuschlagen (§ 28</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 GG). Das Vorschlagsrecht wird vorab unter dem Sammel-</span><br/> <span class="ft1">traktandum "Verschiedenes" ausgeübt und stellt das eigentliche</span><br/> <span class="ft1">Initiativrecht der Stimmberechtigten in der Gemeindeversammlung</span><br/> <span class="ft1">dar. Ein Initiativbegehren kann in der Gemeindeversammlung, in</span><br/> <span class="ft1">welcher es gestellt wird, jedoch nur beraten, verworfen oder erheb-</span><br/> <span class="ft1">lich erklärt und an den Gemeinderat überwiesen werden. Seine mate-</span><br/> <span class="ft1">rielle Gutheissung ist dagegen erst in einer der nächsten Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">versammlungen möglich. Mit dem Erfordernis der Erheblicherklä-</span><br/> <span class="ft1">rung wird vermieden, dass die Bürgerschaft ohne gemeinderätliche</span><br/> <span class="ft1">Begutachtung und Antragstellung und ohne die allenfalls notwendige</span><br/> <span class="ft1">Anhörung oder Mitwirkung von Betroffenen Beschlüsse fasst. Der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat wird zunächst vielmehr verpflichtet, den zu prüfenden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">532</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gegenstand auf die Traktandenliste der nächsten Gemeindever-</span><br/> <span class="ft1">sammlung zu setzen und den Stimmberechtigten Bericht zu erstatten</span><br/> <span class="ft1">und Antrag zu stellen, oder, falls dies nicht möglich ist, ihnen die</span><br/> <span class="ft1">Gründe für die Verzögerung darzulegen (§ 28 Abs. 2 GG). Die mate-</span><br/> <span class="ft1">rielle Erledigung des Vorschlages liegt danach wiederum in den</span><br/> <span class="ft1">Händen der Gemeindeversammlung, auch wenn der Gemeinderat bei</span><br/> <span class="ft1">seiner Begutachtung zur Ansicht gelangt, der Vorschlag sei nicht</span><br/> <span class="ft1">weiter zu verfolgen. Die Gemeindeexekutive verfügt jedoch über die</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit, die Stimmberechtigten vor der Beschlussfassung über</span><br/> <span class="ft1">die politischen Auswirkungen und die finanziellen Folgen des einge-</span><br/> <span class="ft1">reichten Vorschlages zu orientieren und den gemeinderätlichen</span><br/> <span class="ft1">Standpunkt umfassend darzulegen. Dieses zweistufige Verfahren</span><br/> <span class="ft1">verhindert, dass die Gemeindeversammlung übereilte Beschlüsse</span><br/> <span class="ft1">fällt, deren Konsequenzen sie noch nicht überblickt, oder dass eine</span><br/> <span class="ft1">einseitig zusammengesetzte Gemeindeversammlung über die Köpfe</span><br/> <span class="ft1">der abwesenden Stimmbürger und -bürgerinnen hinweg Entschei-</span><br/> <span class="ft1">dungen trifft. Die Traktandenliste der nächsten Gemeindeversamm-</span><br/> <span class="ft1">lung gelangt ordnungsgemäss in die Hände aller Stimmberechtigten,</span><br/> <span class="ft1">so dass sich diese auf den Gegenstand des Vorstosses einstellen und</span><br/> <span class="ft1">ihre Interessen wahren können (Baumann, a.a.O., S. 351 f.).</span><br/> <span class="ft1">Das vom Gemeinderat D. bzw. vom Vorsitzenden der Einwoh-</span><br/> <span class="ft1">nergemeindeversammlung gewählte Vorgehen, das Abzonungsbe-</span><br/> <span class="ft1">gehren lediglich als Überweisungsantrag zur Abstimmung zu brin-</span><br/> <span class="ft1">gen, erweist sich somit als korrekt, sofern die Abzonung nicht trak-</span><br/> <span class="ft1">tandiert war.</span><br/> <span class="ft1">c) Gemäss § 23 Abs. 2 GG kann nur über ordnungsgemäss an-</span><br/> <span class="ft1">gekündigte Verhandlungsgegenstände materiell Beschluss gefasst</span><br/> <span class="ft1">werden. Das Antragsrecht der Stimmberechtigten ist insofern auf</span><br/> <span class="ft1">ordnungsgemäss angekündigte Verhandlungsgegenstände beschränkt.</span><br/> <span class="ft1">Die Zulässigkeit von Zusatz-, Abänderungs- und Gegenanträgen</span><br/> <span class="ft1">hängt demnach davon ab, ob sie rechtlich und faktisch in einem inne-</span><br/> <span class="ft1">ren Zusammenhang mit dem angekündigten Traktandum stehen und</span><br/> <span class="ft1">Bestandteil oder Aspekt des fraglichen Geschäfts bilden (AGVE</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">533</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">1984 S. 630). Der erforderliche relevante Zusammenhang eines An-</span><br/> <span class="ft1">trages mit dem Verhandlungsgegenstand ergibt sich dabei aufgrund</span><br/> <span class="ft1">inhaltlicher und nicht nach formellen Kriterien (ZBl 1947 S. 126 ff.;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1984 S. 630; Baumann, a.a.O. S. 356). So lässt z.B. das</span><br/> <span class="ft1">Traktandum "Voranschlag" nicht alle Anträge zu, die sich begrifflich</span><br/> <span class="ft1">damit verbinden lassen, indem sie Einnahmen oder Ausgaben betref-</span><br/> <span class="ft1">fen. Zulässig sind vielmehr nur Anträge, die mit dem konkreten In-</span><br/> <span class="ft1">halt des unterbreiteten Voranschlages in Beziehung stehen. Sie müs-</span><br/> <span class="ft1">sen also Bezug haben zu einem bestimmten im Voranschlag enthal-</span><br/> <span class="ft1">tenen Budgetposten. Dies besagt, dass einzig solche Anträge traktan-</span><br/> <span class="ft1">denrelevant sind, die darauf abzielen, einen konkreten Budgetposten</span><br/> <span class="ft1">zu streichen oder betragsmässig zu erhöhen bzw. herabzusetzen,</span><br/> <span class="ft1">nicht aber solche, die neue Budgetposten einführen wollen (AGVE</span><br/> <span class="ft1">1984 S. 630 f.).</span><br/> <span class="ft1">Durch die den Stimmberechtigten vom Gemeinderat D. zuge-</span><br/> <span class="ft1">stellte "Einladung zur Einwohner- und Ortsbürgergemeindever-</span><br/> <span class="ft1">sammlung" vom 11. Juni 1999 mit Traktandenliste, Anträgen und</span><br/> <span class="ft1">Erläuterungen im Sinne von § 23 Abs. 1 GG wurde den Stimmbe-</span><br/> <span class="ft1">rechtigten die Beschlussfassung über eine neue Bau- und Nutzungs-</span><br/> <span class="ft1">ordnung ordnungsgemäss angekündigt. An der Einwohnergemeinde-</span><br/> <span class="ft1">versammlung konnte somit über die Streichung, Änderung oder Er-</span><br/> <span class="ft1">gänzung von § 10 BNO (sowie weiteren Paragraphen) materiell</span><br/> <span class="ft1">Beschluss gefasst werden. Im Rahmen der Bau- und Nutzungsord-</span><br/> <span class="ft1">nung geht es um die Festlegung von Art und Mass der Nutzung in</span><br/> <span class="ft1">den einzelnen Zonen; die Fragen der Zoneneinteilung bestimmter</span><br/> <span class="ft1">Gemeindegebiete und der genauen örtlichen Abgrenzung der einzel-</span><br/> <span class="ft1">nen Zonen bilden jedoch nicht Verhandlungsgegenstand. Hinsichtlich</span><br/> <span class="ft1">des Bauzonen- und Kulturlandplanes waren lediglich örtlich exakt</span><br/> <span class="ft1">abgegrenzte Teiländerungen traktandiert. Die genauen Anträge lau-</span><br/> <span class="ft1">teten:</span><br/> <span class="ft6">"1. Den Teiländerungen Bau- und Nutzungsordnung (inkl. Aufstufung</span><br/> <span class="ft6">der lärmvorbelasteten Gebiete entlang der A.-Strasse [...] und der S.-Strasse</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">534</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">[...] gemäss Bauzonenplan 1. Teil vom 08. Oktober 1997) sei die Genehmi-</span><br/> <span class="ft6">gung zu erteilen.</span><br/> <span class="ft6">2. Dem Gebührenreglement zur Bau- und Nutzungsordnung sei zuzu-</span><br/> <span class="ft6">stimmen."</span><br/> <span class="ft1">Die Einladung enthielt ferner den Hinweis, die Akten und Un-</span><br/> <span class="ft1">terlagen zu den einzelnen Traktanden lägen 14 Tage vor der Gemein-</span><br/> <span class="ft1">deversammlung in der Gemeindeverwaltung während den ordentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Bürostunden zur Einsichtnahme auf. Es bestand somit die</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit, in den vom 8. Oktober 1997 datierten Bauzonenplan</span><br/> <span class="ft1">mit den vorgesehenen Änderungen Einblick zu nehmen. Diesem</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Gemeinderatsakten) ist zu entnehmen, dass in insgesamt drei</span><br/> <span class="ft1">Teilgebieten der Gemeinde neue Zonierungen vorgesehen waren.</span><br/> <span class="ft1">Die im Plan graphisch dargestellten Änderungen waren über-</span><br/> <span class="ft1">dies in den Erläuterungen zur Änderung des Bauzonen- und Kultur-</span><br/> <span class="ft1">landplanes in Worten umschrieben, weshalb für Ortskundige schon</span><br/> <span class="ft1">von daher die örtlichen Abgrenzungen der geplanten Änderungen</span><br/> <span class="ft1">klar waren. Nördlich der A.-Strasse zwischen B.-Strasse, B.-Kanal</span><br/> <span class="ft1">und Gemeindegrenze K. war klarerweise keine Neubeurteilung des</span><br/> <span class="ft1">geltenden Bauzonenplanes vorgesehen, eine Änderung des Zonen-</span><br/> <span class="ft1">planes also nicht ordnungsgemäss traktandiert. Es besteht zwar zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen § 10 Abs. 2 Satz 2 BNO und dem gestellten Abzonungsbegeh-</span><br/> <span class="ft1">ren als angestrebter "Ausgleich" ein gewisser sachlicher Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang. Das Anliegen der Beschwerdeführer, eine intensivere bauliche</span><br/> <span class="ft1">Nutzung des fraglichen Gebietes zu verhindern, konnte in der Ein-</span><br/> <span class="ft1">wohnergemeindeversammlung vom 11. Juni 1999 aber nur mittels</span><br/> <span class="ft1">Korrekturen am traktandierten Entwurf der BNO materiell beschlos-</span><br/> <span class="ft1">sen werden. Die Zuweisung von Parzellen der Wohnzone W3 zur W2</span><br/> <span class="ft1">(und die Umzonung der mitbetroffenen Parzellen der Gewerbe- und</span><br/> <span class="ft1">Wohnzone GW3) im Gebiet B. konnte mangels ordnungsgemässer</span><br/> <span class="ft1">Ankündigung nicht an derselben Versammlung beschlossen werden.</span><br/> <span class="ft1">Die Bewohner- und Eigentümerschaft des fraglichen Gebietes</span><br/> <span class="ft1">musste nämlich, nachdem der traktandierte Bauzonenänderungsplan</span><br/> <span class="ft1">vom 8. Oktober 1997 das Gebiet unteres B. nicht betraf, nicht damit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">535</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rechnen, dass das fragliche Gebiet an der Einwohnergemeindever-</span><br/> <span class="ft1">sammlung vom 11. Juni 1999 einer anderen Zone zugewiesen würde.</span><br/> <span class="ft1">Sie musste nicht mit einer Abzonung rechnen. Dementsprechend</span><br/> <span class="ft1">sahen vermutungsweise Stimmberechtigte, welche von einer Abzo-</span><br/> <span class="ft1">nung betroffen wären, keinen Grund, an der Versammlung teilzu-</span><br/> <span class="ft1">nehmen, um ihre Interessen zu wahren. Wäre dagegen eine</span> <span class="ft1">Neuzo-</span><br/> <span class="ft1">nierung im unteren B. traktandiert worden, wäre die Gemeindever-</span><br/> <span class="ft1">sammlung wohl anders zusammengesetzt gewesen und sie hätte</span><br/> <span class="ft1">diesbezüglich unter Umständen auch andere Beschlüsse gefasst. Dass</span><br/> <span class="ft1">über eine Ab- oder gar Auszonung ohne vorgängige ordnungsge-</span><br/> <span class="ft1">mässe Ankündigung und demzufolge in Abwesenheit der Betroffe-</span><br/> <span class="ft1">nen überraschend Beschluss gefasst wird, will § 23 GG aber gerade</span><br/> <span class="ft1">verhindern. Ohne Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass das</span><br/> <span class="ft1">Abzonungsanliegen in einer lokalen Zeitung vier Tage vor der Ein-</span><br/> <span class="ft1">wohnergemeindeversammlung publik gemacht worden ist. Massge-</span><br/> <span class="ft1">bend für eine ordnungsgemässe Traktandierung ist einzig die offizi-</span><br/> <span class="ft1">elle gemeinderätliche Traktandierung, welche spätestens 14 Tage vor</span><br/> <span class="ft1">der Versammlung erfolgen muss (vgl. § 23 GG).</span><br/> <span class="ft1">d) Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das Abzo-</span><br/> <span class="ft1">nungsbegehren mangels ordnungsgemässer Traktandierung nur als</span><br/> <span class="ft1">Überweisungsantrag behandelt werden konnte, wie dies korrekt ge-</span><br/> <span class="ft1">schehen ist. (...)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>