B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2358/2018 U r t e i l v o m 3 . A u g u s t 2 0 2 1 Besetzung Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), Richterin Déborah D'Aveni, Richterin Esther Marti, Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren am (…), Syrien, beide vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch (sicherer Drittstaat) und Weg- weisung; Verfügung des SEM vom 11. April 2018 / N (…). E-2358/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die erstrubrizierte Beschwerdeführerin (im Folgenden: die Beschwer- deführerin) stellte am 12. Juli 2017 im damaligen Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) Bern ein Asylgesuch. Ein am 13. Juli 2017 vom SEM durchgeführter Abgleich ihrer Daktyloskopierung mit der Eurodac -Daten- bank ergab, dass sie am (…) 2012 in Deutschland ein Asylgesuch gestellt hatte. Anlässlich der im EV Z durchgeführten Befragung zur Person (BzP) vom 18. Juli 2017 gab sie im Wesentlichen Folgendes zu Protokoll: Sie stamme aus C._______, sei Maktumin (nicht registrierte und keine Staatsangehö- rigkeit besitzende Kurdin aus Syrien) und vermutlich im Jahre (…) geboren. Mit (…) habe sie das erste Mal geheiratet und sich im Jahre (…) wieder scheiden lassen. Sie habe in Syrien an Demonstrationen gegen die Regie- rung teilgenommen und sei deswegen inhaftiert und auch vergewaltigt wor- den. Nach ihrer Freilassung hätten ein Bruder und ein Cousin sie umbrin- gen wollen. Im Jahre 2012 habe sie Syrien verlassen, um ihren zweiten Mann – wiederum einen (…) von ihr – in Deutschland religiös zu heiraten. Dort habe sie zwecks Familienzusammenführung ein Asylgesuch gestellt und sub sidiären Schutz erhalten. Dieser Mann sei (…) und psychisch krank. Die Ehe sei für sie unzumutbar gewesen, weshalb sie eine andere Beziehung eingegangen sei. Ihr Mann und seine Familie seien gegen eine Scheidung gewesen und deshalb sei sie mit ihrem Freund im Jahre 2015 in die Türkei durchgebrannt. Nach eineinhalb Jahren Aufenthalt dort sei ihr Freund wegen Schlepperei inhaftiert worden und befinde sich immer noch im Gefängnis. Da sie in der Türkei nun ohne Beziehungsnetz gewesen sei und in Deutschland Rach eakte der in ihrer Ehre verletzten Familie ihres zweiten Mannes befürchtet habe, sei sie auf Anraten ihres in der Schweiz lebenden Vaters und mit Hilfe eines Schleppers via Griechenland und Ita- lien in die Schweiz zu ihren Eltern und Geschwistern gekommen, ohne auf der Reise jemals kontrolliert oder daktyloskopiert worden zu sein. Als Be- weismittel gab die Beschwerdeführerin im Verlaufe des erstinstanzlichen Verfahrens ihren Maktumin-Ausweis zu den Akten. Im Rahmen der Befra- gung erhielt die Beschwerdeführerin zudem das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) infolge der mutmasslichen Verfahrenszuständigkeit Deutschlands aufgrund der Dublin-Vertragsgrundlagen sowie zur Überstellung in diesen Staat. Dabei machte sie geltend, sie befürchte in Deutschla nd Übergriffe E-2358/2018 Seite 3 seitens der Familie ihres zweiten Mannes, da diese die Trennung von Letz- terem nicht akzeptiere . Die deutschen Behörden könnten ihr nicht genü- gend Schutz bieten und ein anderweitiges Beziehungsnetz habe sie in Deutschland nicht. Am 25. Juli 2017 ersuchte das SEM die deutschen Behörden um Wieder- aufnahme der Beschwerdeführerin aufgrund der Dublin -Vertragsgrundla- gen. Deutschland lehnte dieses Gesuch am 28. Juli 2017 mit der Begrün- dung ab, dass die Beschwerdeführerin in Deutschland am (…) 2012 sub- sidiären Schutz erhalten habe, weshalb ein Rückübernahmeersuchen al- lenfalls auf bilaterale Abkommen abzustützen sei. Mit Schreiben vom 28. Juli 2017 orientierte das SEM die Beschwerdefüh- rerin über die Behandlung des Asylgesuchs im nationalen Verfahren und über seine Absicht, auf das Asylgesuch in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (Rückkehrmöglichkeit in einen sicheren Drittstaat) nicht ein- zutreten und sie nach Deutschland wegzuweisen, wozu sie das rechtliche Gehör erhalte. Mit fristgerecht eingereichtem Antwortschreiben vom 9. Au- gust 2017 ihres am Vortag mandatierten Rechtsvertreters ersuchte die Be- schwerdeführerin das SEM um Einsicht in sämtliche Akten, welche mit der Gewährung des rechtlichen Gehörs im Zusammenhang stünden (insb. be- treffend ihren subsidiären Schutz in Deutschland, die Rückübernahmebe- stätigung dieses Landes sowie die von ihr gemachten Aussagen zu einer Wegweisung dorthin und speziell zu ihrer Gefährdung durch einen Ehren- mord), um Präzisierung des rechtlichen Gehörs sowie um anschliessende Erstreckung der Frist zur Stellungnahme. Mit Zwischenverfügung vom 14. August 2017 lehnte das SEM das Akten- einsichtsgesuch unter Hinweis auf Art. 27 Abs. 1 Bst. c VwVG (noch nicht abgeschlossene Untersuchung) und dementsprechend auch das Frister- streckungsgesuch ab. Die Stellungnahme sei umgehend einzureichen und auf das Akteneinsichtsgesuch werde das SEM nach Abschluss der Unter- suchung zurückkommen. Mit Stellungnahme vom 17. August und Ergänzung vom 4. September 2017 stellte die Beschwerdeführerin eine fundamentale Verletzung ihrer Ansprüche auf rechtliches Gehör und auf Aktenein sicht durch diese Zwi- schenverfügung des SEM fest, welche Rügen sie mittels Beschwerde noch deponieren werde und die Aufhebung des Asylentscheides zur Folge ha- ben müssten. In der Sache bekräftigte sie ihre geltend gemachten Vorbrin- gen und betont e, dass sie über den aktuellen Bestand ihres subsidiären E-2358/2018 Seite 4 Schutzes in Deutschland keine Kenntnis habe, dieser vermutlich erloschen sei und sie diesfalls mangels Aufenthaltsstatus in Deutschland nach Syrien oder in die Türkei ausgeschafft werden könne. Zudem laufe sie in Deutsch- land Gefahr, Opfer eines Ehrenmordes zu werden. Angesichts dessen sei Deutschland für sie kein sicherer Drittstaat und Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG dürfe nicht angewendet werden. Zum Beweis ihres Aufenthaltes in der Tür- kei reichte sie einen auf sie lautenden und ab Januar 2016 wirksamen Miet- vertrag einer Wohnung zu den Akten. A.b Mit Verfügung vom 6. September 2017 trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch nicht ein, unter gleich- zeitiger Anordnung der Wegweisung und des Wegweisungsvollzuges nach Deutschland. Weiter wurden ihr die nach Auffassung des SEM editions- pflichtigen Akten ausgehändigt. Zur Begründung seines auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG gestützten Nichteintretensentscheides hielt das SEM fest, der Bundesrat habe Deutschland als sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6 a Abs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet und gemäss Abklärungen habe die Be- schwerdeführerin dort subsidiären Schutz erhalten. Das Land habe sich am 4. September 2017 zur Rücknahme der Beschwerdeführerin (gestützt auf das bilaterale Rückübernahmeabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland) bereit erklärt. Ihre sich in der Schweiz aufhaltenden Angehö- rigen gehörten praxisgemäss nicht zur Kernfamilie und ebenso wenig lä- gen besondere Umstände im Sinne eines e igentlichen Abhängigkeitsver- hältnisses vor, welche dennoch eine Berufung auf den Schutz der Einheit der Familie nach Art. 44 AsylG und Art. 8 EMRK rechtfertigten. Angesichts ihres in Deutschland bestehenden subsidiären Schutzes lägen zwar Anzei- chen zur Erfüllung der Bedingungen für eine vorläufige Aufnahme der Be- schwerdeführerin nach Art. 83 AuG (heute AIG; vgl. unten E. 1.3 ) vor. Je- doch sei für die Beurteilung eines allfälligen Ersuchens um Wiedererwä- gung des Asylentscheides Deutschland zuständig, womit si e in der Schweiz kein schutzwürdiges Interesse im Sinne von Art. 25 Abs. 2 VwVG zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder von Wegweisungshinder- nissen nachweisen könne. Der subsidiäre Schutzstatus ermögliche ihr die Rückkehr nach Deutschland, ohne dort eine Rückschiebung in Verletzung des Non -Refoulement-Prinzips befürchten zu müssen. Die Wegweisung sei die Regelfolge des Nichteintretensentscheides. Der Vollzug der Weg- weisung sei zulässig, weil die Beschwerdeführerin im Drittstaat Deutsch- land Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finde und das Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates nicht zu prüfen sei. Sodann sprächen weder die in Deutschland herr- schende Situation noch andere, insbesondere individuelle Grü nde gegen E-2358/2018 Seite 5 die Zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzuges dorthin, zumal sie dort sub- sidiären Schutz geniesse. Der zwischenzeitliche Aufenthalt in der Türkei ändere daran nichts. Es dürfe davon ausgegangen werden, dass den deut- schen Behörden genügend Informationen über die Beziehung zwischen ihr und ihrem Ehemann in Deutschland vorlägen. Dieses Land sei gegenüber allfälligen Übergriffen seitens der Familie dieses Ehemannes schutzfähig und -willig. Hinsichtlich der geäusserten (…) Tendenzen stehe es ihr frei, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen; die entsprechende Infrastruktur stehe auch in Deutschland zur Verfügung. Der Vollzug sei schliesslich mög- lich, zumal die entsprechende Zustimmung Deutschlands vorliege. Die be- antragte vollständige Akteneinsicht werde der Beschwerdeführerin nun- mehr – nach Abschluss des Untersuchungsverfahrens – gewährt. Das SEM stellte der Beschwerdeführerin die „editionspflichtigen Asylakten inkl. Kopie des Aktenverzeichnisses“ sowie eine „Information zur Akteneinsicht bei Nichteintretensentscheiden“ als Beilagen zum Asylentscheid zu. A.c Mit Eingabe vom 21. September 2017 und Ergänzung vom 1. Novem- ber 2017 erhob die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung. Für die gestellten Anträge, deren Be- gründung, die erhobenen Rügen und die vorgelegten Beweismittel wird auf die Akten und – soweit für das vorliegende Verfahren wesentlich – auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen. A.d Mit Urteil E-5374/2017 vom 8. November 2017 hiess das Bundesver- waltungsgericht diese Beschwerde insoweit als offensichtlich begründet gut, als es die angefochtene Verfügung infolge mehrfacher Verletzung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör (insb. in Form der Verletzung des Akteneinsichtsrechts) aufhob und die Sa che zur Neu- beurteilung an das SEM zurückwies. Zudem warf das Gericht im Hinblick auf die Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Verfahrens und die Neube- urteilung der Sache durch das SEM die beiden Fragen auf, ob überhaupt ein über ein rein ausländerrechtlich es Familienzusammenführungsanlie- gen hinausgehendes Asylgesuch im Sinne von Art. 18 AsylG vorliege und – bejahendenfalls – Deutschland in der vorliegenden Konstellation die Drittstaatqualität im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG zukommen könne. Für die Begründung wird auf die Akten und – soweit für das vorlie- gende Verfahren wesentlich – auf die nachfolgenden Erwägungen verwie- sen. B. Das SEM nahm in der Folge das erstinstanzliche Verfahren wieder auf und E-2358/2018 Seite 6 liess sich hierzu am 10. Januar 2018 die Akten E-5374/2017 des Bundes- verwaltungsgerichts überweisen. Bereits am 9. Januar 2018 gewährte es der Beschwerdeführerin auf deren Ersuchen vom 16. November 2017 hin sowie unter Bezugnahme auf das Kassationsurteil E-5374/2017 erweiterte Einsicht in die N-Akten. Am 16. Januar 2018 erteilten die zuständigen deutschen Behörden dem SEM auf dessen Informationsbegehren vom 14. Dezember 2017 hin Aus- kunft betreffend die Beschwerdeführerin. Demgemäss sei die Beschwer- deführerin erstmals am (…) 2012 in D eutschland eingereist und am (…) 2012 sei ihr Asylgesuch abgelehnt worden. Am (…) 2014 sei sie erneut eingereist. Sie habe in der Folge subsidiären Schutz erhalten und sei am (…) 2015 verschwunden. Im Verfahren habe sie sich als ledig ausgegeben, und den deutschen Behörden seien weder weitere Familienmitglieder noch Probleme der geschilderten Art (Zwangsheirat und Bedrohung durch Ehe- mann und dessen Familie in Deutschland, Furcht vor Ehrenmord) bekannt. Mit dem oben erwähnten Schreiben vom 9. Januar 2018 (betr. Aktenein- sicht) gewährte das SEM der Beschwerdeführerin gleichzeitig erneut das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Wegweisung nach Deutschland und ersuchte sie um Beantwortung von Fragen betreffend ihre allenfalls erfolg- ten Interventionen und Schutzersuchen bei den deutschen Behörden und deren Reaktionen im Zusammenhang mit der angeblich von ihrem Ehe- mann und dessen Familie in Deutschland ausgehenden Bedrohungslage. Mit Stellungnahme vom 24. Januar 2018 beanstandete die Beschwerde- führerin die aus ihrer Sicht nach wie vor unge nügend gewährte Aktenein- sicht (insb. betr. die Akten A7, A11, A19, A27 und A30). Dadurch sei nicht erkennbar, ob und inwiefern die deutschen Behörden über die Gefahr eines Ehrenmordes informiert und welche Sicherheitsgarantien verlangt worden seien; das rechtliche Gehör wäre entsprechend gegebenenfalls zu präzi- sieren und zu ergänzen. Ferner sei unklar, ob sie in Deutschland weiterhin subsidiären Schutz geniesse. Auch habe das SEM die deutschen Behör- den bislang weder auf die in Deutschland erlittene Verfolgung hingewiesen noch von diesen Schutzgarantien verlangt . Sie habe sich im Übrigen in Deutschland – via die Leitung des Durchgangszentrums – an die Polizei gewandt, welche ihr aber beschieden habe, dass sie momentan mangels Anwesenheit des Ehemannes nichts unternehmen könne, sie (Beschwer- deführerin) sich aber in diesem Fall wieder an die Polizei wenden könne. Sie habe sich daraufhin im Stich gelassen gefühlt, keine weiteren Interven- tionen bei den Behörden unternommen und keinen Anwalt kontaktiert. Die E-2358/2018 Seite 7 deutschen Behörden seien somit als schutzunfähig und schutzunwillig zu bezeichnen und ein Nichteintretensentscheid sei daher nicht gerechtfertigt. C. Mit neuer Verfügung vom 11. April 2018 – eröffnet am 16. April 2018 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylge- such der Beschwerdeführerin wiederum nicht ein, unter gleichzeitiger An- ordnung der Wegweisung und des Wegweisungsvollzuges nach Deutsch- land. Weiter wurden ihr die nach Auffassung des SEM editionspflichtigen Akten ausgehändigt. D. Mit unangefochten gebliebenem Entscheid vom 17. April 2018 trat das SEM auf ein Gesuch der Beschwerdeführ erin vom 26. Februar 2018 um formelle Anerkennung ihrer Staatenlosigkeit und Erteilung einer Aufent- haltsbewilligung mangels eines schutzwürdigen Interesses nicht ein. Es sei ihr unbenommen ein solches Gesuch in Deutschland einzureichen, wo sie subsidiären Schutz geniesse und welches Land das Staatenlosenüberein- kommen ratifiziert habe. E. Mit Eingabe vom 23. April 2018 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung vom 11. April 2018. Darin beantragt sie deren Aufhebu ng, die Rückweisung der Sache an das SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung sowie eventu- aliter Eintreten auf ihr Asylgesuch mit Durchführung des nationalen Asyl - und Wegweisungsverfahrens. In prozessualer Hinsicht beantragte sie fer- ner die Anordnung vollzugshemmender vorsorglicher Massnahmen, die Gewährung aufschiebender Wirkung, die vollumfängliche Einsicht in die vorinstanzlichen Akten und insbesondere in sieben konkret beze ichnete Aktenstücke (A7, A11, A19, A27, A35, A42 und A43), eventualiter die Ge- währung des rechtlichen Gehörs zu diesen Aktenstücken, nachfolgend die Einräumung einer angemessenen Frist zur Beschwerdeergänzung sowie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsp flege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Im Fliess- text der Beschwerde (vgl. dort Art. 47 und 48) beantragte sie für den Fall von bestehenden Zweifeln an ihrer Mittellosigkeit zudem die Einräumung einer Frist zur Nachreichung einer Sozialhilfebestätigung. E-2358/2018 Seite 8 F. Die damals zuständige Instruktionsrichterin trat mit Zwischenverfügung vom 30. April 2018 auf die Gesuche um Gewährung der aufschiebenden Wirkung und um Anordnung vollzugshemmender vorsorglicher Massnah- men nicht ein, stellte jedoch den legalen Aufenthalt der Beschwerdeführe- rin während des Beschwerdeverfahrens fest. Ferner wies sie mangels be- stehender Mittellosigkeit die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Verzicht auf die Erhebung eines Ko stenvorschusses und um Einräumung einer Frist zur Nachreichung einer Sozialhilfebestäti- gung ab und erhob einen Kostenvorschuss von Fr. 750.–, zahlbar bis zum 15. Mai 2018. Entscheide über weitere Anträge und Instruktionsmassnah- men stellte sie auf spätere Zeitpunkte in Aussicht. Der eingeforderte Kostenvorschuss wurde am 7. Mai 2018 vollumfänglich geleistet. G. Am 28. November 2018 wurde das zweitrubrizierte Kind der Beschwerde- führerin geboren und am 5. Februar 2019 von einem in der Schweiz auf- enthaltsberechtigten (…) Staatsangehörigen anerkannt. Das Bundesver- waltungsgericht bezog es in der Folge in das vorliegende Beschwerdever- fahren der Mutter ein. H. Nach Mitteilung des zuständigen kantonalen Migrationsamts vom 20. No- vember 2019, wonach die Beschwerdeführenden seit Mai 2019 mehrmals aus den ihr zugewiesenen Unterkünften verschwunden und jeweils unbe- kannten Aufenthaltes gewesen seien, wurde ihr Rechtsvertreter mit Zwi- schenverfügung der neu zuständigen Instruktionsrichterin vom 3. Dezem- ber 2019 aufgefordert, innert Frist das fortbestehende Rechtsschutzinte- resse darzulegen und insbesondere eine von der Beschwerdeführerin un- terzeichnete Erklärung betreffend ihr aktuelles Rechtsschutzinteresse vor- zulegen. Dieser Aufforderung kam der Rechtsvertreter mit fristgerecht eingereichter Stellungnahme vom 13. Dezember 2019 und unter Beilage einer persönli- chen Erklärung der Beschwerdeführerin sowie weiterer Unterlagen nach. Darin wurde erklärt, dass die Beschwerdeführerin am (…) März 2019 den Kindsvater geheiratet habe und sie mit dem Kind zeitweise bei diesem wohne. Die Mitteilung des kantonalen Migrationsamtes sei unzutreffend, E-2358/2018 Seite 9 denn dieses sei stets über den S tand der Dinge informiert und die Be- schwerdeführenden seien nie unbekannten Aufenthaltes gewesen. Im Üb- rigen wurde darauf hingewiesen, dass zum einen die Ehe unter den Schutzbereich von Art. 8 EMRK falle und eine Wegweisung nach Deutsch- land offensichtlich unzulässig sei, und zum andern die Beschwerdeführerin psychisch angeschlagen und entsprechend in Behandlung sei. I. Am 20. und 28. Februar 2020 orientierte das SEM das Bundesverwaltungs- gericht mittels Korrespondenzkopie beziehungsweise mittels Zemis -Aus- zug über die Tatsache, dass die Beschwerdeführe nden seit dem 18. De- zember 2019 infolge Heirat der Beschwerdeführerin mit dem oben erwähn- ten (…) Staatsangehörigen im Besitze ausländerrechtlicher Aufenthaltsbe- willigen B sind. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt ni cht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Re cht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). Bereits auf den 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. De- zember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Auslän- der- und Integrationsgesetz (AIG, SR 142.20) umbenannt. Der vorliegend bedeutsame Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1 -4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernommen worden. E-2358/2018 Seite 10 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist, vorbehältlich nachfolgender Einschränkung, einzutre- ten. 1.5 Nicht einzutreten ist auf den Antrag betreffend Durchführung des nati- onalen Asyl- und Wegweisungsverfahrens. Das SEM hat die Beschwerde- führerin mit Schreiben vom 28. Juli 2017 über die Beendigung des Dublin- Verfahrens und über die Behandlung des Asylgesuchs im nationalen Ver- fahren in Kenntnis gesetzt. De r nun auf Art. 31 a Abs. 1 Bst. a AsylG ge- stützte Nichteintretensentscheid erging in diesem nationalen Verfahren und eben – entgegen der ursprünglich geäusserten Absicht des SEM – nicht gestützt auf Art. 31 a Abs. 1 Bst. b AsylG gemäss Dublin -Vertrags- grundlagen. Dies scheinen die Beschwerdeführenden abermals zu verken- nen, nachdem auf denselben Antrag mit derselben Begründung schon im Kassationsurteil E-5374/2017 nicht eingetreten werden konnte. Sie sind betreffend den erwähnten Antrag nicht beschwert und nicht legitimiert. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit grundsätzlich ohne Ein- schränkung prüft. E-2358/2018 Seite 11 4. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen, was sich entsprechend in einer sachgerecht a nfechtbaren Entscheidbegründung niederzuschla- gen hat (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1 VwVG). Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Partei- standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Der Anspruch auf recht- liches Gehör beschlägt nur die Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts, nicht aber dessen rechtliche Würdigung. Die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet einen Be- schwerdegrund und dem Bundesverwaltungsgericht obliegt gemäss Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG eine umfassende Sachverhaltskontrolle. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststel- lung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zu- grunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollstän- dig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachum- stände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs- verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043). Ermittelt das Bundesverwaltungsgericht eine fehler - oder lü- ckenhafte Feststellung des Sachverhalts, hebt es die Verfügung auf und weist die Sache an die Vorinst anz zurück, damit diese den rechtserhebli- chen Sachverhalt neu und vollständig feststellt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU- BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.191; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1155). Der Untersuchungs- grundsatz gehört sodann zu den allgemeinen Grundsätzen des Verwal- tungs- beziehungsweise Asylverfahrens (Art. 12 VwVG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Gemäss Art. 33 Abs. 1 VwVG nimmt sie ferner die ihr angebotenen Beweise ab, wenn E-2358/2018 Seite 12 diese zur Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheinen. Sodann besteht eine Aktenführungspflicht. Diese beinhaltet insbesondere die geordnete Ablage, die Paginierung und die Registrierung der vollständigen Akten im Aktenverzeichnis und ergibt sich aus dem Akteneinsichtsrecht des Ge- suchstellers beziehungsweise Beschwerdeführers, welches in Art. 26 ff. VwVG geregelt ist und ebenfalls Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör darstellt (vgl. dazu ausführlich BVGE 2011/37 E. 5.4.1). Sie ist aber auch für die rekursinstanzlichen Behörden von massgeblicher Bedeutung, weil im Falle einer Unkenntnis über die von der Vorinstanz tatsächlich her- angezogenen Akten die Gefahr eines unrichtigen – wenngleich grundsätz- lich revisionsfähigen – Urteils besteht, wodurch erneut der Anspruch des Betroffenen auf rechtliches Gehör verletzt wäre. Gegenstand der Aktenfüh- rungspflicht sind sämtliche Akten. Eine Einschränkung des Akteneinsichts- rechts gegenüber dem um Einsicht Ersuchenden ist grundsätzlich zulässig, muss aber nach Art. 27 VwVG konkret begründet sein und sich im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung auf das Erforderliche beschränken. 5.2 Vorab ist festzustellen, dass die im Kassationsurteil E-5374/2017 vom 8. November 2017 erkannten Mängel (vgl. dort E. 6.3 f. und E. 7 sowie oben Bst. A.d) nach Wiederaufna hme de s erstinstanzlichen Verfahrens und nach Beizug der Beschwerdeakten durch das SEM behoben wurden. Insbesondere hat das SEM das Aktenverzeichnis rechtsgenüglich bereinigt sowie am 9. Januar 2018 erweiterte Akteneinsicht und zudem erneut das rechtliche Gehör zu einer Wegweisung nach Deutschland gewährt. Gleich- zeitig hat es mittels Fragestellungen an die Beschwerdeführerin betreffend ihre allenfalls erfolgten Interventionen und Schutzersuchen bei den deut- schen Behörden und deren Reaktionen im Zusammenhang mit der angeb- lich von ihrem Ehemann und dessen Familie in Deutschland ausgehenden Bedrohungslage weitere Abklärungen getätigt. Die in der Stellungnahme vom 24. Januar 2018 an das SEM sowie in der Beschwerde (dort Art. 7- 21) dennoch erhobenen Einwände sind nicht gerechtfertigt. Eine Verlet- zung des Akteneinsichtsrechts betreffend die Akte A30 wird in der Be- schwerde nicht mehr aufrechterhalten und die Einsicht in die Aktenstücke A7, A11, A19 und A27 wurde vom SEM offensichtlich zurecht und mit dem korrekten Einsichtsverweigerungscode verweigert. Zu bemerken gilt dabei, dass diese Aktenstücke nicht per se, sondern deren Anlagen eine mehr oder weniger verfahrensbedeutsame Substanz aufweisen; diese Anlagen als solche wurden den Beschwerdeführenden jedoch in Form separarierter Aktenstücke (A5, A10, A18 und A26) zur Kenntnis gebracht. Betreffend die Akten A7 und A11 ist zudem auf E. 6.3.4 des U rteils E-5374/2017 zu ver- weisen. Die Akte A35 wurde vom SEM offensichtlich zutreffend als intern E-2358/2018 Seite 13 bezeichnet, wenngleich deren Bezeichnung einen über die blosse Be- schreibung als «Aktennotiz» hinaus gehenden Konkretisierungsgrad ver- tragen hätte (z.B. «Aktennotiz Vorgehen betr. Akteneinsichtsgesuch vom 14.9.2017»). Der diesbezügliche Einwand in der Beschwerde (dort Art. 7) ist berechtigt, aber nicht kassationsauslösend. 5.3 Auch betreffend die Verfahrenssequenz ab Wiederaufnahme des erst- instanzlichen Verfahrens erkennt das Bundesverwaltungsgericht keine neu hinzugekommenen und kassationsauslösenden Verfahrensverletzungen durch das SEM: Die betreffenden Rügen in der Beschwerde (dort Art. 13- 21) präsentieren sich zwar quantitativ gehaltvoll, jedoch rechtlich nicht stichhaltig. Die Beschwerdeführerin fokussiert sich dabei in der Rechtsmit- teleingabe (dort insb. Art. 14 und 15) auf die Aktenstücke A41 («Informati- onsbegehren an D») und A48 («Antwortschreiben DE [anonymisiert]»). De- ren Relevanz ist nicht in Abrede zu stellen. Sie wurden denn auch – rechts- konform anonymisiert – mit dem angefochtenen Entscheid zur Einsicht ge- geben. Der Umstan d, dass diese Akten – auch im Hinblick auf die kurze Beschwerdefrist – nicht bereits vor , sondern erst mit dem Entscheid zur Einsicht gegeben wurden, stellt indessen keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Eine vorgängige Einräumung des Rechts zur Ste llungnahme wäre zwar möglich oder gar sinnvoll gewesen sein. Ein zwingender An- spruch auf eine Stellungnahme zu diesen Akten vor Ergehen der angefoch- tenen Verfügung ist aber weder ersichtlich noch rechtlich abstützbar. Zur Beantwortung der mit Schreiben des SEM vom 9. Januar 2018 gestellten Fragen war die vorgängige Aktenkenntnis nicht notwendig. Die entspre- chende Stellungnahme wurde denn auch am 24. Januar 2018 fristgerecht beim SEM eingereicht. Dabei gilt es unter Bezugnahme auf die Ausführun- gen am Ende vo n Art. 15 der Beschwerde schrift festzuhalten, dass das rechtliche Gehör zwar von einem Rechtsvertreter für seine Mandanten wahrgenommen werden kann, die Wahrung des rechtlichen Gehörs aber nicht ein Anspruch des Rechtsvertreters, sondern der das Asylgesuch stel- lenden Person(en) selber ist. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Be- schwerdeführerin selbst zur Beantwortung der gestellten Fragen auf die Kenntnis der beiden Aktenstücke bereits hätte angewiesen sein sollen. Im Übrigen ist bereits an dieser Stelle auf die Erwägung E. 8.2 betreffend die der Beschwerdeführerin obliegende Mitwirkungspflicht in diesem Zusam- menhang zu verweisen. Auch hier zielt das Argument ins Leere, der Rechtsvertreter hätte die Mitwirkung infolge unterbliebener vorgängiger Ak- teneinsicht nicht rechtsgenüglich wahrnehmen können, denn nicht er per- sönlich ist Adressat der Mitwirkungspflicht. Einzig die Beschwerdeführerin E-2358/2018 Seite 14 ist fähig diese zu erfüllen. Ob sie dieser selber oder via eine Rechtsvertre- tung nachkommt, ist eine andere, das Manda tsverhältnis beschlagende und nicht verfahrensrelevante Frage. Die Akten A42 und A43 schliesslich sind weder hinsichtlich ihrer Bezeichnung noch ihrer Einstufung als «in- tern» zu beanstanden und beinhalten jedenfalls substanziell keinen «regen Austausch zwischen dem SEM und den deutschen Behörden» (vgl. Be- schwerde Art. 8). Beide Aktenstücke beziehen sich auf die substanzielle Akte A41, die im Rahmen der Akteneinsicht offengelegt wurde. 5.4 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass das SEM vorliegend entge- gen der Auffassung der Beschwerdeführenden deren Anspruch auf Wah- rung des rechtlichen Gehörs in seinen verschiedenen Erscheinungsformen (insb. in Form des Anspruchs auf Akteneinsicht) gewahrt sowie den Sach- verhalt vollständig und richtig festgestellt und genügend abgeklärt hat. An- lass zur erneuten Rückweisung der Sache besteht somit insoweit nicht und die Beschwerdeanträge Ziffern 3 -6 sind abzuweisen. Weitere Rügen for- meller Art werden zusammenhangsbezogen direkt in den nachfolgenden materiellen Erwägungen gewürdigt, soweit sie nicht zwischenzeitlich ohne- hin deshalb hinfällig geworden sind, weil sie gegenständlich auf die ange- ordnete Wegweisung und deren Vollzug ausgerichtet sind (vgl. dazu E. 8.3 unten). 6. 6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG tritt das SEM in der Regel auf ein Asylgesuch nicht ein, wenn Asylsuchende in einen sicheren Drittstaat nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren können, in welchem sie sich vor- her aufgehalten haben. Gestützt auf Art. 6a aAbs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet der Bundesrat Staa- ten, in denen nach seinen Feststellungen effektiver Schutz vor Rückschie- bung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht, als sichere Drittstaaten. Im Dezember 2007 hat er alle EU- und EFTA-Staaten als sichere Drittstaaten bezeichnet. Die EU- und EFTA-Staaten wurden zudem in die neue, am 1. März 2019 in Kraft getretene Fassung des Abs. 2 von Art. 6a AsylG auf- genommen. Nach Art. 5 Abs. 1 AsylG darf keine Person in irgendeiner Form zur Aus- reise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu wer- den. E-2358/2018 Seite 15 6.2 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Rege l die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück- sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz- lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 7. 7.1 In der angefochtenen Verfügung nimmt das SEM zunächst Bezug auf die vom Bundesverwaltungsgericht im Kassationsentscheid aufgeworfe- nen Fragen betreffend das Vorliegen eines Asylgesuchs und betreffend die Drittstaatqualität von Deutschland. Beide Fragen bejaht es. Ein Asylgesuch liege vor, weil die Beschwerdeführerin um Schutz vor Verfolgung durch Drittpersonen (Ehemann und ihre Schwiege rfamilie) in Deutschland gel- tend mache. Die Drittstaatqualität Deutschlands bestehe deshalb, weil nicht dieser Staat (sondern eben Dritte) als Urheber der Verfolgung auftrete und nicht von dessen Schutzunfähigkeit auszugehen sei. Zur Begründung seines auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG gestützten Nichteintretensent- scheids hält das SEM sodann fest, der Bundesrat habe Deutschland als sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6 a aAbs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet . Gemäss Abklärungen habe d ie Beschwerdeführerin dort subsidiären Schutz erhalten und das Land habe einer Rücknahme zugestimmt , was Deutschland am 4. September 2017 und am 16. Januar 2018 bestätigt habe. Die in der Stellungnahme vom 24. Januar 2018 geäusserten Zweifel an diesem Schutz seien unberechtigt , da die entsprechenden Akten den Beschwerdeführenden vorgelegt worden seien und die Garantie des Schutzstatus erfolgt sei, nachdem die Schweiz Deutschland über den zwi- schenzeitlichen längeren Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Türkei in Kenntnis gesetzt habe. Angesichts des somit bestehenden subsidiären Schutzes in Deutschland drohe den Beschwerdeführenden dort weder eine Abschiebung in die Türkei noch eine solche nach Syrien. Sodann gehörten sie nicht zur Kernfamilie der in der Schweiz wohnhaften Ve rwandten und es lägen weder eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung zu die- sen noch ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis vor, die dennoch einen auf Art. 44 AsylG beziehungsweise auf die Praxis zu Art. 8 EMRK gestütz- ten Anspruch auf Erteilung ei ner Aufenthaltsberechtigung zu begründen vermöchten. Angesichts des in Deutschland bestehenden subsidiären Schutzes lägen zwar Anzeichen zur Erfüllung der Bedingungen für eine vorläufige Aufnahme nach Art. 83 AIG vor. Jedoch sei für die Beurteilung E-2358/2018 Seite 16 eines a llfälligen Ersuchens um Wiedererwägung des Asylentscheids Deutschland zuständig, womit die Beschwerdeführenden in der Schweiz kein schutzwürdiges Interesse im Sinne von Art. 25 Abs. 2 VwVG zur Fest- stellung der Flüchtlingseigenschaft oder von Wegweisungshin dernissen nachweisen könnten. Der subsidiäre Schutzstatus ermögliche die Rück- kehr nach Deutschland, ohne dort eine Rückschiebung in Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips befürchten zu müssen. Die Wegweisung sei die gesetzliche Regelfolge des Nichteintret ensentscheids. Der Vollzug der Wegweisung nach Deutschland sei zulässig, zumutbar und möglich. Die Beschwerdeführenden fänden dort Schutz vor einer Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG. Das Land sei ferner ein Rechtsstaat, welcher über ein funktionierendes Justizsystem sowie Polizeibehörden verfüge, die sowohl schutzwillig als auch schutzfähig seien. Vorliegend bestünden keine konkreten Anhaltspunkte, die gegen die Inanspruchnahme entspre- chenden Schutzes der Beschwerdeführerin gegenüber allfälligen Übergrif- fen durch ihren dort lebenden (Ex -)Mann und dessen Familie sprächen. Auch weitere Rückkehrhindernisse bestünden nicht , zumal insbesondere die geltend gemachten psychischen Beeinträchtigungen bei Bedarf in Deutschland behandelbar seien. 7.2 In der Rechtsmitteleingabe hält die Beschwerdeführerin zunächst fest, dass die Vorinstanz die vom Bundesverwaltungsgericht im Kassationsent- scheid aufgeworfenen Fragen betreffend das Vorliegen eines Asylgesuchs und betreffend die Drittstaatqualität von Deutschland ni cht wirklich beant- wortet habe. Klarzustellen sei, dass sie nie eine direkte Verfolgung durch die deutschen Behörden, sondern eine solche durch ihren Ex -Mann und dessen Familie sowie die Schutzunfähigkeit und –unwilligkeit der deut- schen Behörden geltend gemacht habe. Sodann seien der aktuelle sub- sidiäre Schutz und die aktuelle Rücknahmebereitschaft durch Deutschland entgegen der Auffassung des SEM nicht erstellt, denn entsprechende Ga- rantien seit Ergehen des Kassationsurteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. November 2017 lägen nicht vor. Das SEM habe Deutschland nicht vollumfänglich über ihre (religiöse) Zwangsverheiratung mit einem (…) Mann, ihre Flucht in die Türkei mit einem anderen Mann und die damit be- stehenden Gefahren informiert und entsprechende Schutzgarantien einge- holt. Die Gefahr eines Ehrenmordes bei einer Rückkehr nach Deutschland sei deshalb zu hoch. Die Verwandten in der Schweiz (insb. […]) seien in der Folge – auch wenn sie nicht zur Kernfamilie gehörten – die einzigen Bezugspersonen gewesen, an die sie sich habe wenden können; es be- stehe daher durchaus ein Abhängigkeitsverhältnis und deshalb sei sie in E-2358/2018 Seite 17 die Schweiz gekommen. Im Weiteren verweist sie nebst ihrer Verfolgungs- situation in Deutschland auf die geltend gemachte Verfolgung in Syrie n. Sie sei somit seit Jahren insbesondere geschlechtsspezifischer Verfolgung ausgesetzt gewesen, welchem Umstand im Übrigen in kassationsauslö- sender Weise nicht Rechnung getragen worden sei, zumal die BzP nicht in einer reinen Frauenrunde durchgeführt word en sei. Festzuhalten sei so- dann zum einen, dass sie sich durchaus einmal bei den deutschen Behör- den gemeldet habe, diese ihr aber keine ernsthafte Hilfe angeboten hätten; Mittel für die Einschaltung eines Anwalts zwecks Einreichung einer formel- len Strafanzeige habe sie nicht gehabt. Zum andern sei die Verheiratung in Deutschland nur religiös und nicht zivilrechtlich erfolgt, weshalb sie keine Scheidung einreichen oder die Ungültigkeit der Ehe geltend machen könne, die Ehe aber nach syrischen Gebräuchen dennoch Bestand habe. Aufgrund dieser Umstände , ihrer sich daraus ergebenden Gefährdungs- lage sowie einer daraus resultierende (…) dränge sich die Feststellung der Unzumutbarkeit einer Wegweisung nach Deutschland auf. Beschwerdeer- gänzend wird darauf hingewiesen, dass zum einen die in der Schweiz am (…) März 2019 geschlossene Ehe unter den Schutzbereich von Art. 8 EMRK falle und eine Wegweisung nach Deutschland offensichtlich unzu- lässig sei, und zum andern die Beschwerdeführerin psychisch angeschla- gen und entsprechend in Behandlung sei. 8. 8.1 8.1.1 Vorab trifft es entgegen der Beanstandung in der Beschwerde offen- sichtlich nicht zu, dass die Vorinstanz die vom Bundesverwaltungsgericht im Kassationsentscheid aufgeworfenen Fragen betreffend das Vorliegen eines Asylgesuchs und betreffend die Drittstaatqualität von Deutschland nicht wirklich beantwortet habe. Vielmehr nimmt das SEM in der angefoch- tenen Verfügung auf Seite 5 (oben) Bezug auf diese beiden Fragen und es bejaht beide ausdrücklich. Gemäss SEM liege ein Asylgesuch deshalb vor, weil die Beschwerdeführerin um Schutz vor Verfolgung durch Drittperso- nen (Ehemann und ihre Schwiegerfamilie) in Deutschland ersuche, und die Drittstaatqualität Deutschlands bestehe deshalb, weil nicht dieser Staat – sondern eben Dritte – als Urheber der Verfolgung auftrete und nicht von dessen Schutzunfähigkeit auszugehen sei. Diese Antworten sind klar und verständlich. Ob sie auch rechtskonform sind, ist nachfolgend (E. 8.1.2 bzw. E. 8.1.3) zu erörtern. 8.1.2 Nach Art. 18 AsylG liegt ein Asylgesuch dann vor, wenn eine Person mit irgendeiner Äusserung zu erkennen gibt, dass sie in der Schweiz um E-2358/2018 Seite 18 Schutz vor Verfolgung ersucht. Dabei ist der Begriff der Verfolgung gemäss konstanter Praxis (vgl. bereits Entscheidungen und Mitteilungen der vor- maligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 18 so- wie z.B. die Urteile des BVGer E-938/2013 vom 18. März 2013 E. 5.1 oder E-7073/2018 vom 31. Januar 2019 E. 5.2, je m.w.H.) nicht nur als Verfo l- gung im Sinne von Art. 3 AsylG zu verstehen. Er umfasst in einem weiten Sinne auch gewisse Wegweisungsvollzugshindernisse, die allerdings ei- nen menschlichen Akteur voraussetzen, weshalb es sich um Schutz vor Gefahren handeln muss, die direkt oder indirekt von Menschen geschaffen wurden oder drohen. Vom Verfolgungsbegriff im Sinne von Art. 18 AsylG ausgenommen sind hingegen – neben den in Art. 31 a Abs. 3 AsylG (2. Satz) ausdrücklich erwähnten rein wirtschaftlichen oder medizinischen Gründen – Gefahren, die sich einzig aus der persönlichen Situation (z.B. Alter, Geschlecht) und der Lebenssituation der asylsuchenden Person (z.B. familiäre Situation) ergeben. Mit dem SEM und der Beschwerdeführerin ist festzuhalten, dass diese im Asylverfahren in der Schweiz unbestrittenermassen eine Verfolgung durch Drittpersonen (Ehemann und ihre Schwiegerfamilie) in Deutschland gel- tend gemacht hat. Die Klarstellung in der Beschwerde, wonach sie nicht eine direkte Verfolgung durch die deutschen Behörden, sondern eine sol- che durch ihren Ex-Mann und dessen Familie geltend gemacht habe , än- dert am Bestehen einer geltend gemachten Verfolgungslage an sich nichts, sondern die allfällige Zurechenbarkeit einer privaten Drittverfolgung an den Staat ist eine Frage der materiellen Prüfung n ach Eintreten auf das Asyl- gesuch. Im vorliegenden Fall ist es nun so, dass die Beschwerdeführerin wie gesehen eine Verfolgung durch Dritte in Deutschland geltend gemacht hat. Diese Verfolgung hat sie aber nicht spezifisch als Grund ihrer Reise in die Schweiz im Juli 2017 erwähnt, sondern sie nannte als Beweggrund der Reise von der Türkei in die Schweiz die Vermeidung ihres Alleinseins in der Türkei (nach der Inhaftierung ihres dort als Schlepper tätigen Lebenspart- ners) und die Türkei hat sie im Übrigen selber nie als Verfolgerstaat be- zeichnet. Die Wahl der Schweiz als Gastland gründete einzig im Umstand, dass sie hier Verwandte (Eltern und Geschwister) habe und zu diesen zie- hen möchte. Die Annahme eines rein ausländer - statt flüchtlingsrechtlich zu beurteilenden Migrationsgrundes läge insoweit auf der Hand. Daneben erwähnte sie zwar am Rande auch noch eine Verfolgungslage in Syrien. Diese wurde aber durch den für das betreffende Asylgesuch zuständigen Dublin-Staat Deutschland teilgutheissend bereits beurteilt und auch diesen Verfolgungsaspekt nannte die Beschwerdeführerin nicht als Grund für ihre Einreise in die Schweiz. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt vorliegend E-2358/2018 Seite 19 in Übereinstimmung mit dem SEM und ebenso mit den Beschwerdeführen- den, wenngleich mit anderer Begründung, dennoch zur Auffassung, dass ein Asylgesuch im Sinne von Art. 18 AsylG vorliegt. Entscheidend hierfür ist der Umstand, dass die Wahl der Schweiz als Gastland nicht nur in den familiären Beziehungen begründet lag, sondern die Beschwerdeführerin die Schweiz ebenso klar als Ausweichmöglichkeit und für sie gar einzige Alternative zu einer Rückkehr nach Deutschland nannte, wo sie sich be- hauptungsgemäss einer von Menschenhand ausgehenden Verfolgung ausgesetzt gesehen habe. Es ist damit von einer geltend gemachten Ver- folgungssituation und einem in der Schweiz erfolgten Ersuchen um Schutz vor dieser Verfolgungssituation auszugehen. Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass das SEM vorliegend zutreffend vom Bestehen eines Asylgesuchs ausgegangen ist. 8.1.3 Das SEM stellt sich auf den Standpunkt, d ie Drittstaatqualität Deutschlands bestehe deshalb, weil nicht dieser Staat – sondern eben Dritte – als Urheber der angeblichen Verfolgung auftrete und nicht von der Schutzunfähigkeit Deutschlands auszugehen sei. Die Beschwerdeführerin ihrerseits stellt ebenfalls klar, dass sie nie eine direkte Verfolgung durch die deutschen Behörden, sondern eine solche durch ihren Ex-Mann und des- sen Familie, aber auch die Schutzunfähigkeit und –unwilligkeit der deut- schen Behörden geltend gemacht habe; dennoch wird in der Beschwerde die Drittstaatqualität Deutschlands nicht in Abrede gestellt. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt diesbezüglich zu folgender Er- kenntnis: Aus der in E. 6.1 oben gezeichneten gesetzlichen Konzeption geht unschwer hervor, dass der in Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG erwähnte «Drittstaat» nicht gleichzeitig Verfolgerstaat sein kann, andernfalls die An- wendbarkeit dieser Bestimmung versagt bliebe (vgl. dazu z.B. das am 12. Juni 2017 ergangene Urteil des BVGer E -3189/2017 E. 6.2). Ziel der Bestimmung ist offensichtlich die Vermeidung doppelten Schutzes für eine im Heimat- oder im Herkunftsstaat verfolgte oder anderweitig gefährdete Person. Genauso dient der Dublin-Nichteintretenstatbestand (Art. 31a Abs. 1 Bst. b Asy lG) dem Zweck, mehrfache Zuständigkeiten für die Asylge- suchsprüfung und damit allfällige doppelte Schutzgewährungen zu vermei- den. Auch dort können «Drittstaat» und Verfolgerstaat nicht identisch sein (vgl. dazu z.B. das am 25. Februar 2015 ergangene Urteil des B VGer E-934/2015 E. 5 ). Nach dem Gesagten drängt sich für die vorliegende Konstellation (angebliche, durch Menschenhand verursachte Verfolgung im Drittstaat Deutschland) auf den ersten Blick ebenso das Ergebnis auf, E-2358/2018 Seite 20 dass dem Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG die Anwendbarkeit versagt bliebe. Das Argument des SEM, wonach nicht von der Schutzunfähigkeit Deutsch- lands auszugehen sei, würde an diesem scheinbaren Ergebnis noch wenig ändern, weil es vorliegend nicht um die Beantwortung der Frage geht, ob der deutsche Staat gegenüber einer Verfolgung einer Person durch oder in Deutschland schutzfähig wäre. Entscheidend ist im vorliegenden Fall der Umstand, dass Deutschland von einer privaten Verfolgung der Beschwer- deführerin durch Drittpersonen gar nichts weiss und dieser Staat somit gar nicht als originärer oder mittelbarer Verfolger (infolge Zurechenbarkeit auf- grund fehlender Schutzfähigkeit und/oder –bereitschaft) auftreten kann: Eine ernsthafte Schutzsuche der Beschwerdeführerin bei den deutschen Behörden gegenüber ihrer angeblichen, von der Familie ihres Ex-Mannes ausgehenden Gefährdungs– und Bedrohungslage ist denn auch weder ir- gendwie belegt (z.B. mittels Anzeige) noch plausibel. Vielmehr verneint Deutschland ausdrücklich, von entsprechenden Schritten der Beschwerde- führerin oder gar von einer Beziehung der Beschwerdeführerin zu dieser Familie Kenntnis zu haben (vgl. A48). Insofern weiss D eutschland gar nichts von seiner potenziellen Eigenschaft als Verfolgerstaat und kann so- mit objektiv betrachtet auch nicht als direkter oder mittelbarer Verfolger agieren (vgl. dazu ebenso das in einem Dublin -Kontext ergangene Urteil des BVGer E-5615/19 vom 1. November 2019 E. 5.1). Als weiteres Zwischenergebnis ist somit festzuhalten, dass das SEM vor- liegend zutreffend von der Drittstaatqualität Deutschlands im Sinne des Nichteintretenstatbestandes von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG ausgegangen ist und die Anwendbarkeit dieser Bestimmung somit nicht zum vornherein versagt bleibt. 8.2 Deutschlandland ist ein EU-Staat und wurde durch den Bundesrat am 14. Dezember 2007 bereits als sicherer Drittstaat im Sinne von Art. 6a aAbs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet. Die Beschwerdeführerin hat sich vor der Einreise in die Schweiz unbestrittenermassen in Deutschland aufgehalten, wo sie ein Asylverfahren durchlaufen sowie subsidiären Schutz und darauf basierend eine Aufenthaltsbewilligung erhalten hat. Die deutschen Behör- den haben dementsprechend wiederholt einer Rückübernahme zuge- stimmt. Der Einwand der Beschwerdeführenden, wonach ein seit Ergehen des Kassationsurteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. November 2017 bestehender aktueller subsidiärer Schutz und die aktuelle Rücknah- mebereitschaft durch Deutschland entgegen der Auffassung des SEM mangels entsprechender Garantien nicht vorlägen, verfängt schon aus E-2358/2018 Seite 21 dem folgendem Grund nicht: Die behördliche Untersuchungs- und Abklä- rungspflicht findet ihre Grenze an der in Art. 8 AsylG verankerten und um- fassenden Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Das wiederholte Behaupten oder Mutmassen betreffend das Nicht(mehr)bestehen subsidi- ären Schutzes in Deutschland beziehungsweise dessen Rücknahmebe- reitschaft hätte die Beschwe rdeführerin ohne Weiteres selbst durch blos- ses Nachfragen in Deutschland abklären und das Ergebnis den hiesigen Behörden entsprechend mitteilen können und müssen. Dabei hätte sie Deutschland auch über ihre angebliche (religiöse) Zwangsverheiratung mit einem (…) Mann, ihre Flucht in die Türkei mit einem anderen Mann und die damit angeblich bestehenden Gefahren selber informieren können. Das SEM hat solche Erkundigungen mittels eines Informationsbegehrens vom 14. Dezember 2017 durchaus vorgenommen und am 16. Januar 2018 Aus- kunft erhalten. Dennoch ist nicht ersichtlich, wieso entsprechende Informa- tionsbeschaffungen aus Sicht der Beschwerdeführenden primär Teil der Abklärungspflicht des SEM sein sollten, solange klare Auskünfte der deut- schen Behörden betreffend den subsidiären Schutz und die Rücknahme- zusicherung durch Deutschland aktenkundig sind. Es ist vielmehr Sache der beschwerdeführenden Partei, en tsprechende Informationen selbst zu beschaffen, wenn sie ein Asylgesuch schwergewichtig auf solche Behaup- tungen abstützt, zumal sie als Direktbetroffene Zugang zu entsprechenden Informationen in Deutschland hat. In diesem Zusammenhang bleibt auch anzumerken, dass die Beschwerdeführerin ihre hier behauptete Verheira- tung mit einem (…) Familienangehörigen in Deutschland offenbar gar nie erwähnt, sondern sich als ledig bezeichnet hat. Deutschland ist im Übrigen unter anderem Signatarstaat der FK und es bestehen weder objektive An- haltspunkte noch substanzielle Hinweise für eine drohende Rückschiebung der Beschwerdeführenden nach Syrien unter Verletzung des Refoulement- Verbots. Das SEM ist daher in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten. In der Beschwerdebegrün- dung finden sich keine weiteren Teile, die substanziell gegen das Bestehen der erwähnten Nichteintretensvoraussetzungen gerichtet wären . Festzu- halten ist dabei insbesondere, dass bei Nichteintretensentscheiden nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG im Gegensatz zu Dublin -Nichteintretensent- scheiden nach Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG durchaus separat zu prüfen sind (vgl. dazu nachfolgend E. 8.3), denn das Fehlen von Überstellungshindernissen ist – abgesehen vom in Art. 31 a Abs. 1 Bst. a AsylG erwähnten Refoule- ment-Verbot – nicht bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides (vgl. im Dublin-Kontext BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.; vgl. ferner das Urteil E-1755/2020 E. 7.2). E-2358/2018 Seite 22 8.3 Die Beschwerdeführenden verfügten im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung (Ziff. 2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung) wurde demnach vom SEM zu jenem Zeitpunkt ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Sie ist aber mit Ertei- lung der ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung B hinfällig geworden. Dies hat zur Folge, dass auch die mit der Wegweisungsverfügung akzesso- risch verbundene Anordnung des Wegweisungsvollzuges (Ziff. 3 und 4 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung) hinfällig wird. Die Beschwerde ist damit betreffend die Wegweisung und den Wegweisungsvollzug als ge- genstandslos geworden abzuschreiben. Die betreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung und die Gegenargumente in der Be- schwerde sind somit nicht mehr zu überprüfen beziehungsweise zu würdi- gen. 8.4 Es ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig fest- stellt und – soweit überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist ab- zuweisen, soweit darauf einzutreten ist beziehungsweise soweit sie nicht als gegenstandslos geworden abzuschreiben ist. Es erübrigt sich, auf de- ren Inhalt näher einzugehen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vo m 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind durch den am 7. Mai 2018 geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe gedeckt. 9.2 Anlass zur Ausrichtung einer auf Art. 64 VwVG gestützten Parteient- schädigung betreffend den als gegenstandslos abzuschreibenden Teil der Beschwerde (vgl. E. 8.3 oben) besteht nicht . Unter hypothetischer An- nahme einer noch zugänglichen materiellen Beurteilung hat das SEM die Voraussetzungen des Wegweisungsvollzuges (Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit; vgl. Art. 83 Abs. 1–4 AIG) nach einer summarischen Prü- fung durch das Bundesverwaltungsgericht zu Recht als erfüllt betrachtet. E-2358/2018 Seite 23 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf sie eingetreten wird und so- weit sie nicht als gegenstandslos geworden abgeschrieben wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die invol- vierten kantonalen Migrationsbehörden. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Roswitha Petry Urs David Versand: