B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Entscheid angefochten beim BGer Abteilung VI F-2428/2021 U r t e i l v o m 8 . N o v e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richterin Claudia Cotting-Schalch, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiber Mathias Lanz. Parteien A._______, Beschwerdeführer / Gesuchsteller, vertreten durch Peter Wicki, Rechtsanwalt, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz; Fristwiederherstellungsgesuch. F-2428/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. A._______, ein 1986 geborener albanischer Staatsangehöriger (nachfol- gend: Beschwerdeführer bzw. Gesuchsteller) heiratete (…) 2015 eine Schweizer Staatsangehörige. Aus der Ehe ging (…) 2016 ein Kind hervor. Am 30. November 2016 reiste er in die Schweiz ein und am 28. Dezember 2016 erteilte ihm die Migrationsbehörde des Kantons Luzern eine Aufent- haltsbewilligung zur Wohnsitznahme bei seiner Ehefrau und zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Letztmals wurde diese Bewilligung bis zum 30. No- vember 2018 verlängert (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1/194 und 236). B. Die Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde (…) (nachfolgend: KESB) ordnete am 19. Februar 2019 für den Beschwerdeführer eine Begleitbei- standschaft nach Art. 393 ZGB sowie eine Vertretungsbeistandschaft nach Art. 394 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 395 Abs. 1 und Abs. 3 ZGB an (SEM- act. 1/556 ff.). C. Im Verhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau folgten auf ein im Juni 2017 zufolge Rückzugs der Begehren abgeschriebenes Scheidungsverfahren diverse Eheschutzmassnahmen. Im April 2020 be- antragte die Ehefrau die Aufhebung des gemeinsamen Haushalts und die Regelung der Trennungsmodalitäten (SEM-act. 32). D. Am 4. Juni 2020 ersuchte die Migrationsbehörde des Kantons Luzern die Vorinstanz um Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewillig ung des Beschwerdeführers (SEM-act. 1/675). Die Vorinstanz verneinte sowohl einen Anspruch, wie auch das Vorliegen eines Härtefalles in der Person des Beschwerdeführers und stellte ihm die Verweigerung der Zustimmung und die Wegweisung aus der Schweiz in Aussicht . Sie gewährte ihm am 20. August 2020 und über die eingesetzte Beiständin am 17. September 2020 sowie am 2. November 2020 rechtliches Gehör (SEM-act. 20, 25 und 27). Der Beschwerdeführer machte von der Möglichkeit einer Stellung- nahme keinen Gebrauch. E. Vom 16. September 2020 bis zum 6. November 2020 befand sich der Be- schwerdeführer im Strafvollzug (Akten der kantonalen Migrationsbehörde F-2428/2021 Seite 3 Luzern [LU-act.] 245). Per 1. Januar 2021 zog er vom Kanton Luzern in den Kanton Aargau (SEM-act. 32). F. Mit Entscheid vom 26. Januar 2021 hob die KESB die Beistandschaft des Beschwerdeführers per Ende Januar 2021 auf und stellte fest, das Amt der Beiständin ende mit der Aufhebung der Massnahme von Gesetzes wegen (LU-act. 276). G. Mit Verfügung vom 5. März 2021 verweigerte die Vorinstanz die Zustim- mung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und wies ihn aus der Schweiz weg. Mit dem Vollzug der Wegweisung be- auftragte die Vorinstanz die Migrationsbehörde des Kantons Luzern (SEM- act. 30). Die Verfügung stellte sie am 9. März 2021 der (ehemaligen) Bei- ständin zu (SEM-act. 31). H. Das pendente Eheschutzverfahren schrieb das Bezirksgericht (…) am 17. März 2021 zufolge Gesuchsrückzugs als erledigt ab (SEM-act. 32). I. Die Migrationsbehörde des Kantons Luzern wies den Beschwerdeführer in einem Schreiben vom 6. Mai 2021 auf die Rechtskraft der vorinstanzlichen Verfügung vom 5. März 2021 hin und forderte ihn auf, sich bei der Einwoh- nerkontrolle abzumelden und die Schweiz bis spätestens am 17. Juni 2021 zu verlassen (LU-act. 275). Daraufhin gelangte der mittlerweile anwaltlich vertretene Beschwerdeführer mit einer Eingabe vom 18. Mai 2021 an die Vorinstanz. Er machte geltend, die Verfügung vom 5. März 2021 nie erhal- ten zu haben und ersuchte um Wiederherstellung der Beschwerdefrist so- wie um Erteilung der Zustimmung zur Verlängerung seiner Aufenthaltsbe- willigung. Sollte dies «nur im Sinne einer Beschwerde möglich sein, wäre das vorliegende Schreiben als Beschwerde entgegenzun ehmen mit dem Antrag, die Frist wiederherzustellen, die Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, eventualiter die Zustimmung zum Kan- tonswechsel oder zur Neuerteilung zu erteilen ». Die Vorinstanz übermit- telte die Eingabe zuständigkeitshalber zur Prüfung und Behandlung an das Bundesverwaltungsgericht (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1 und 2). F-2428/2021 Seite 4 J. Am 11. Juni 2021 übermittelte die Vorinstanz dem Bundesverwaltungsge- richt zwei Schreiben der Migrationsbehörde des Kantons Aargau, womit diese den Beteiligten anzeigte, sie werde kein neuerliches Aufenthaltsbe- willigungsverfahren einleiten, weil die Ehefrau mit dem Beschwerdeführer nicht mehr zusammenleben wolle (BVGer-act. 9). K. Auf Nachfrage des Bundesverwaltungsgerichts hin bestätigte die ehema- lige Beiständin in einem Schreiben vom 21. Juni 2021, die fragliche Verfü- gung vom 5. März 2021 von der Vorinstanz erhalten und dem Beschwer- deführer ausgehändigt zu haben. Nachdem die Beistandschaft per 31. Januar 2021 aufgehoben worden sei, habe man im Februar und März 2021 zunächst erfolglos versucht, den Beschwerdeführer zu einer Vorspra- che aufzufordern, damit ihm Akten aus der Beistandschaft und inzwischen noch eingegangene Post hätte übergeben werden können. Am 18. März 2021 sei er dann persönlich am Schalter vorbeigekommen und habe sor- tierte, in einem Verzeichnis aufgeführte Dokumente – darunter auch die vorinstanzliche Verfügung in einem separaten Couvert und «mit dem Hin- weis auf zeitnahe notwendige Bearbeitung» – in Empfang genommen und ein entsprechendes Übernahmeprotokoll unterzeichnet (BVGer-act. 11). L. Über das Ergebnis dieser gerichtlichen Abklärung ins Bild gesetzt, rügte der Beschwerdeführer in einer Eingabe vom 16. August 2021 im Wesentli- chen eine mangelhafte Eröffnung der Verfügung vom 5. März 2021 und stellte sich auf den Standpunkt, die Beschwerde rechtzeitig erhoben zu ha- ben. Eine allenfalls verpasste Frist sei wiederherzustellen. Auf die Be- schwerde sei einzutreten und ihm sei die unentgeltliche Prozessführung sowie die Einsetzung des mandatierten Rechtsvertreters als Rechtsbei- stand zu gewähren. Schliesslich sei ihm Einsicht in die «relevanten» Ver- fahrensakten der Vor instanz zu gewähren, damit gegebenenfalls ergän- zende Ausführungen erfolgen könnten (BVGer-act. 15). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Vom SEM erlassene Verfügungen, welche die Verweigerung der Zu- stimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und die Anordnung F-2428/2021 Seite 5 der Wegweisung zum Gegenstand haben, unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Diese Zuständigkeit umfasst auch die Beurteilung von Gesuchen um Wiederher- stellung von Fristen im Sinne von Art. 24 Abs. 1 VwVG (statt vieler: Urteil des BVGer F-3864/2020 vom 5. November 2020 E. 1 m.H.). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich gemäss Art. 37 VGG nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt. 2. Es ist von Amtes wegen zu prüfen, ob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 18. Mai 2021 gegen die Verweigerung der Zustimmung zur Aufent- haltsbewilligung und Wegweisung vom 5. März 2021 rechtzeitig Be- schwerde erhob. 2.1. Eine Beschwerde ist innerhalb von 30 Tagen nach Eröffnung der Ver- fügung einzureichen (Art. 50 Abs. 1 VwVG). Die Fr ist beginnt an dem auf ihre Mitteilung folgenden Tage zu laufen (Art. 20 Abs. 1 VwVG). Eine Ver- fügung gilt als mitgeteilt und zugestellt, wenn sie in den Machtbereich der betreffenden Person gelangt, so dass diese sie zur Kenntnis nehmen kann. Nicht erford erlich ist die tatsächliche Empfangs - oder Kenntnisnahme (BGE 142 III 599 E. 2.4.1; 122 I 139 E. 1). Schriftliche Eingaben müssen spätestens am letzten Tage der Frist der Behörde eingereicht oder zu de- ren Handen der schweizerischen Post oder einer schweize rischen diplo- matischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 21 Abs. 1 VwVG). 2.2. Nach dem bereits Gesagten stellte die Vorinstanz ihre Verfügung vom 5. März 2021 am 9. März 2021 der ehemaligen Beiständin des Beschwer- deführers zu. Der Beschwerd eführer nahm die Verfügung später am 18. März 2021 von der Beiständin im Rahmen einer abschliessenden Do- kumentenübergabe nach Beendigung seines Erwachsenenschutzmanda- tes entgegen. Die von ihm unterschriftlich quittierte Aushändigung der Ver- fügung bestreitet er nicht. Zwar erfolgte die vorgängige Zustellung der Ver- fügung an die Beiständin nach Abschluss ihres Vertretungsmandats (vgl. oben Bst. F und G). Selbst wenn jedoch die Übermittlung an die vormalige Beiständin vom 9. März 2021 mangelhaft gewesen wäre, so hat sie mit der späteren Übergabe an den Beschwerdeführer am 18. März 2021 ihren Zweck dennoch erreicht (BGE 122 I 97 E. 3a/aa; FELIX UHLMANN/ALE- XANDRA SCHILLING-SCHWANK, in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissen- berger, Praxiskommentar Verwaltungsverfahren sgesetz, 2. Aufl. 2016 F-2428/2021 Seite 6 [nachfolgend: Praxiskommentar VwVG], Art. 38 N. 11). Zu Recht beruft sich der Beschwerdeführer denn auch nicht auf eine Nichtigkeit der Verfügung vom 5. März 2021 (BGE 132 I 249 E. 6). 2.3. Aus Gründen der Rechtssicherheit und nach dem Grundsatz von Treu und Glauben darf der Fristenlauf nicht beliebig hinausgezögert werden (BGE 134 V 306 E. 4.2). Gelangt eine Partei nach Zustellung der Verfügung an eine Drittperson in den Besitz aller für die erfolgreiche Wahrung ihrer Rechte wesentlichen Elemente und hat sie die Möglichkeit, von Dispositiv und Begründung Kenntnis zu nehmen, beginnt die Rechtsmittelfrist zu lau- fen (BGE 139 IV 228 E. 1.3; 102 Ib 91 E. 3; LORENZ KNEUBÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in: Christoph Auer/Markus Müller/Benjamin Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2019 [nachfolgend: VwVG-Kommentar], Art. 38 N. 10). 2.4. Vorliegend ist nicht ersichtlich, inwiefern der Beschwerdeführer nach Beendigung der Beistandschaft offensichtlich nicht imstande gewesen sein soll, seine Interessen im hängigen Verfahren auf Verlängerung seiner Auf- enthaltsbewilligung selber oder durch einen Anwalt zu wahren (vgl. ferner BGE 132 I 1 E. 3.1 f.). Aufgrund von bereits früher gegen ihn durchgeführ- ten Verwaltungs- und Gerichtsverfahren hatte der Beschwerdeführer be- reits eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Verwaltungs- und Strafbehör- den sowie Gerichten. Seine Handlungsfähigkeit wurde mit der Errichtung der Vertretungsbeistandschaft – soweit aus den Akten ersichtlich – nicht eingeschränkt (vgl. Art. 394 ZGB). Dem Beschwerdeführer gelang es in di- versen Verfahren einen Anwalt zu mandatieren. Seine Rüge, ihm hätte (in analoger Anwendung von Art. 41 Abs. 1 BGG) im Zustimmu ngsverfahren eine Vertretung oder ein Anwalt beigestellt werden müssen, zielt deshalb ins Leere (vgl. BGE 146 IV 364 E. 1.2; Urteil des BGer 2E_2/2013 vom 30. Oktober 2014 E. 5.4.3; Urteil des BVGer A-6830/2017 vom 15. Januar 2019 E. 4). Letztlich kann es auch nicht angehen, sich unter Hinweis auf fehlende Notwendigkeit einer Beistandschaft entledigen zu lassen und ei- ner im Zustimmungsverfahren vorhandenen Rechtsvertretung das Mandat zu entziehen, um dann zu rügen, es hätte im Verfahren vor der Vorinstanz zur Wahrung der Verfahrensrechte ein (unentgeltlicher) Rechtsbeistand eingesetzt werden müssen (SEM-act. 24; BVGer-act. 11, Beilage 1). 2.5. Bei Wahrung der nach den Umständen gebotenen Aufmerksamkeit und Sorgfalt hätte der Beschwerdeführer die ihm am 18. März 2021 über- gebene Verfügung vom 5. März 2021 daher – selbst wenn sie ihm (wovon F-2428/2021 Seite 7 aufgrund der Schilderung der ehemaligen Beiständin in ihrer Stellung- nahme vom 21. Juni 2021 nicht auszugehen ist) nicht separat, sondern als Teil eines grösseren Dossiers und o hne ausdrücklichen Hinweis auf ihre Wesentlichkeit übergeben worden wäre – als solche erkennen und frist- wahrende Schritte einleiten müssen. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass die Verfügung im Dokumentenverzeichnis des Übergabeprotokolls vom 18. März 2021 unter der Rubrik «Diverses» nicht als solche, sondern als «Schreiben SEM vom 05.03.2021» aufgeführt wurde. Erst am 18. Mai 2021 mandatierte der Beschwerdeführer einen (neuen) Rechtsvertreter. Für seine zweimonatige Untätigkeit bis zum 18. Mai 2021 vermag der Be- schwerdeführer keine stichhaltigen Gründe vorzubringen. Die Einreichung einer Beschwerde hätte daher spätestens innert der Rechtsmittelfrist von 30 Tagen seit Inempfangnahme der Verfügung, respektive seit der Mög- lichkeit zur vollumfänglichen Kenntnisnahme der Verfügung am 18. März 2021, das heisst bis zum 3. Mai 2021, erwartet werden können. Die frühes- tens am 18. Mai 2021 der Schweizerischen Post übergebene Beschwerde verdient deshalb keinen Rechtsschutz. Darauf ist nicht einzutreten. 2.6. Als unbegründet erweist sich schliesslich auch die Rüge des Be- schwerdeführers, wonach die Vorinstanz ihre Verfügung nicht über die KESB hätte eröffnen dürfen, zumal deren Vertretungsbeistandschaft inzwi- schen erloschen sei. Die Beiständin hatte die Errichtung der Vertretungs- beistandschaft der Vorinstanz unter Beilage ihrer Ernennungsurkunde so- wohl am 19. Juni 2019, als auch am 7. September 2020 angezeigt und um Zustellung sämtlicher Unterlagen an ihre Adresse gebeten (SEM-act. 18 und 22). Die Aufhebung der Massnahme wurde der Vorinstanz hingegen von der KESB nicht mitgeteilt. Solange eine solche Mitteilung nicht erfolgte, war die Vorinstanz gehalten, ihre Mitteilungen nach wie vor an diese Stelle zu richten. In einem solchen Fall treten die Rechtswirkungen einer ord- nungsgemässen Zustellung ein (vgl. Art. 11 Abs. 3 VwVG; Urteile des BVGer A -481/2021 vom 9. August 2021 E. 4.2.3; A -6432/2012 vom 28. März 2013 E. 2.1.2; A-1410/2006 vom 17. März 2008 E. 5.2; Verwal- tungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 2005 Nr. 31 E. 3b; RES NYFFENEG- GER, VwVG-Kommentar, Art. 11 N. 27; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LO- RENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.4a). Der hierfür beweispflichtige Beschwerdeführer be- hauptet nicht, der Vorinstanz die Beendigung des Beistandsmandats per Ende Januar 2021 angezeigt zu haben (Urteil A-481/2021 E. 4.2.3). F-2428/2021 Seite 8 3. Zu prüfen bleibt das Gesuch vom 18. Mai 2021 um Wiederherstellung der Beschwerdefrist gestützt auf Art. 24 Abs. 1 VwVG. 3.1. Eine versäumte (gesetzliche oder behördliche) Frist wird wiederherge- stellt, wenn eine gesuchstellende Person oder deren Vertretung unver- schuldeterweise abgehalten wurde, binnen Frist zu handeln, sie unter An- gabe des Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt (Art. 24 Abs. 1 VwVG). 3.2. Für die Verspätung, respektive die Untätigkeit seit dem 18. März 2021 führt der Beschwerdeführer keinerlei objektiven Gründe an, die ihn gegen seinen Willen davon abgehalten hätten, fristgerecht zu handeln (PATRICIA EGLI, Praxiskommentar VwVG, Art. 24 N. 13; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH- LER, Rz. 2.140). Subjektive Fristwiederherstellungsgründe sind anzuneh- men, wenn die ge suchstellende Person zwar objektiv zu handeln in der Lage wäre, aber untätig bleibt, weil sie die Situation infolge eines Irrtums oder aufgrund mangelnder Kenntnisse nicht richtig einzuschätzen vermag, ohne dass ihr eine Vernachlässigung der nach Treu und Glauben zumut- baren Aufmerksamkeit vorgeworfen werden könnte (vgl. BGE 143 I 284 E. 1.3; Urteile des BVGer F -3864/2020 E. 2.2 m.H.; F -3662/2020 vom 23. Juli 2020; STEFAN VOGEL, VwVG-Kommentar, Art. 24 N. 12). 3.3. Entgegen seiner Behauptung war der Beschwerdeführer durchaus in der Lage, seine Verfahrensrechte ohne Unterstützung wirksam wahrzu- nehmen (vgl. oben E. 2). Bei Aufwendung gehöriger Sorgfalt wäre es ihm möglich und zumutbar gewesen, die ihm von der Beiständin am 18. März 2021 übergebenen Unte rlagen genau zu sichten, deren Tragweite zu er- fassen und zeitnah eine (Rechts -) Vertretung zu mandatieren oder selbst fristwahrend ein Rechtsmittel einzulegen. Das Fristversäumnis ist daher nicht unverschuldet und die Voraussetzungen für eine Fristwiederhe rstel- lung sind nicht erfüllt. 3.4. Das Fristwiederherstellungsgesuch vom 18. Mai 2021 ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. 4. Auf die verspätete Beschwerde vom 18. Mai 2021 ist nicht einzutreten. Oh- nehin nicht Verfahrensgegenstand sind die Eventualbegehren auf Erteilung F-2428/2021 Seite 9 der Zustimmung zum Kantonswechsel und zur Neuerteilung einer Aufent- haltsbewilligung. Das für den Eintretensfall gestellte Gesuch um Einsicht in die gesamten relevanten Verfahrensakten der Vorinstanz vom 16. August 2021 ist mit diesem Ergebnis hinfällig geworden. Für eine Akteneinsicht ist der Beschwerdeführer daher – soweit beim Ausgang des vorliegenden Ver- fahrens noch aktuell – an die Vorinstanz zu verweisen. 5. 5.1. Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege ist abzuweisen, da die gestellten Rechtsbegehren als aussichtslos (zur Aussichtslosigkeit vgl. BGE 142 III 138 E. 5.1; 138 III 217 E. 2.2.4) zu betrachten waren und die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG daher nicht erfüllt sind. 5.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 700.– (Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) F-2428/2021 Seite 10 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Fristwiederherstellungsgesuch wird abgewiesen, soweit darauf einge- treten werden kann. 2. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 3. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege vom 16. August 2021 wird abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. Die Zahlungsfrist beträgt 30 Tage ab Rechnungsdatum. Die Zustellung des Einzahlungsscheins erfolgt mit separater Post. 5. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Beilage: Stellungnahme des Beschwerde- führers vom 16. August 2021) – das Migrationsamt des Kantons Aargau (in Kopie) – das Migrationsamt des Kantons Luzern (in Kopie) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Mathias Lanz F-2428/2021 Seite 11 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver- tretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der ange- fochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerde- führende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: