200 22 513 IV JAP/PES/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 6. Januar 2023 Verwaltungsrichter Jakob, Kammerpräsident Verwaltungsrichterin Mauerhofer, Verwaltungsrichterin Wiedmer Gerichtsschreiber Peter A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 10. August 2022 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 2 Sachverhalt: A. Im Oktober 2008 meldete sich die 1973 geborene A.________ (nachfol- gend Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) zum Bezug von IV-Leistungen für Erwachsene an und beantragte Berufsberatung sowie Umschulung auf eine neue Tätigkeit. Sie leide seit dem 16. Februar 2007 an einer posttrau- matischen Belastungsstörung (Antwortbeilage [AB] 3). Mit Mitteilung vom 17. November 2008 gewährte die IV-Stelle Bern (nachfolgend IV-Stelle bzw. Beschwerdegegnerin) als Frühinterventionsmassnahme eine Ab- klärung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten (AB 14). Nachdem es der Versicherten gesundheitlich wieder bessergegangen war und sie selbständig eine neue Arbeitsstelle gefunden hatte (vgl. AB 23, AB 31 S. 3, AB 34), schloss die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. Juni 2009 die berufli- chen Massnahmen ab (AB 29). Im Januar 2015 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an. Sie könne ihren Beruf nur noch begrenzt ausüben (AB 35). Nach Rück- sprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), wonach die Versi- cherte in angepassten (d.h. die Schultern und die Halswirbelsäule nur we- nig belastenden) Tätigkeiten nicht eingeschränkt sei (AB 51), gewährte die IV-Stelle eine Umschulung in Form einer … von 9. Februar 2015 bis 29. Februar 2016 (AB 63) samt Praktikum beim C.________ (…) von 1. August bis 31. Dezember 2015 (AB 78, AB 90). Im Januar 2016 erlangte die Versicherte das … (AB 97) und wurde mit einem Beschäftigungsgrad von 90% als … beim C.________ fest angestellt (AB 94). Mit Mitteilung vom 7. März 2016 sprach ihr die IV-Stelle eine Ausbildung zur … EFZ von 15. August 2016 bis 31. Juli 2018 (AB 98) inklusive zusätzlichem … (AB 118) zu, worauf die Versicherte ab 1. April 2017 ihr Pensum beim C.________ auf 70% reduzierte (AB 115). Im August 2017 erlangte sie das … (AB 123 S. 2). Das Qualifikationsverfahren zur … EFZ im Folgejahr be- stand sie hingegen nicht (siehe Notenausweis vom 28. Juni 2018; AB 130 S. 2). Per 1. August 2018 konnte sie ihr Pensum beim C.________ wieder auf 90% erhöhen (AB 131 S. 2). Mit Mitteilung vom 22. Februar 2019 schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab (AB 132). Mit Verfü-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 3 gung vom 9. April 2019 verneinte sie bei einem errechneten Invaliditätsgrad von 1% einen Anspruch auf eine Invalidenrente (AB 134). Im Oktober 2019 ging der IV-Stelle eine undatierte Neuanmeldung der Ver- sicherten zu (AB 137). Mit Verfügung vom 3. März 2020 trat die IV-Stelle mangels glaubhaft gemachter Veränderung darauf nicht ein (AB 151). Am 22. August 2020 erfolgte eine weitere Anmeldung (AB 156). Nach Rücksprache mit dem RAD (vgl. AB 159 S. 4 ff.) trat die IV-Stelle auf diese ein und nahm in medizinischer und erwerblicher Hinsicht Abklärungen vor (AB 160). Nach Eingang zahlreicher medizinischer Berichte (AB 165, AB 168, AB 177, AB 181, AB 182) sowie der Akten der Trägerin der kollek- tiven Krankentaggeldversicherung (AB 173.1 - 173.5) gewährte die IV- Stelle der Versicherten für die Zeit von 6. April bis 5. Juli 2021 ein Belast- barkeitstraining in der D.________ (AB 197; siehe auch den Bericht der D.________ vom 8. Juli 2021 [AB 220]). Nach Eingang weiterer Unterlagen (AB 205, AB 210, AB 215, AB 218) schloss die IV-Stelle mit Mitteilung vom 9. Juli 2021 die beruflichen Eingliederungsmassnahmen ab (AB 217) und unterbreitete das Dossier dem RAD zur Beurteilung. Dieser empfahl eine polydisziplinäre Begutachtung (AB 223). Nach Aktualisierung der medizini- schen Akten (AB 228) und entsprechender Mitteilung an die Versicherte (AB 226) erteilte die IV-Stelle über die Plattform … den Auftrag für ein po- lydisziplinäres Gutachten in den Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medi- zin, Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie; als Gutachterstelle zugewie- sen wurde die MEDAS E.________ (fortan MEDAS; AB 232). Mit Schrei- ben vom 9. September 2021 wurden der Versicherten die Gutachterstelle sowie die Namen der Sachverständigen mitgeteilt (AB 236). Das entspre- chende MEDAS-Gutachten (mit Aktenzusammenfassung, Teilgutachten, Fragebogen, Laborbefund und Ergebnissen der veranlassten Zusatzunter- suchungen) datiert vom 2. Februar 2022 (AB 244.1 - 244.9). Am 5. Mai 2022 erfolgte zudem eine Stellungnahme der Gutachter (AB 251) zu den von der Versicherten nach der Gutachtenserstellung bei der IV-Stelle neu eingereichten medizinischen Berichten (AB 248). Mit Vorbescheid vom 11. Mai 2022 stellte die IV-Stelle der Versicherten insbesondere gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom 2. Februar 2022 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Es bestehe mangels Dia-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 4 gnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit kein Anspruch auf IV- Leistungen (AB 252). Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, am 7. Juni 2022 vorsorglich Einwand (AB 261), welchen sie mit Eingabe vom 28. Juni 2022 nachbegründen liess (AB 266). Mit Verfügung vom 10. August 2022 wies die IV-Stelle das Leistungsbegeh- ren der Versicherten unter Stellungnahme zu den erhobenen Einwänden ihrem Vorbescheid entsprechend ab (AB 269). B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsan- walt B.________, am 5. September 2022 Beschwerde mit den Rechtsbe- gehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Angelegen- heit sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese ein neu- es polydisziplinäres Gutachten einhole und hernach über den Rentenan- spruch neu entscheide. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung auf- zuheben und der Beschwerdeführerin für die Zeit ab Februar 2021 eine Viertelrente der Invalidenversicherung zuzusprechen - unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Mit Beschwerdeantwort vom 23. September 2022 beantragt die Beschwer- degegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 5 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Angefochten ist die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 10. August 2022 (AB 269). Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerde- führerin im Rahmen der Neuanmeldung vom 22. August 2020 (AB 156) Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat (siehe Beschwerde S. 2, Rechtsbegehren). 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG (Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) in Kraft getreten (AS 2021 705). In zeitlicher Hinsicht sind - vor- behältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen - grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). Zwar datiert die angefochtene Verfügung vom 10. August 2022 (AB 269), womit sie nach Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 6 dem Inkrafttreten der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 erging. Indessen liegt der Zeitpunkt der potentiellen Entstehung des Rentenanspruchs vor dem 1. Januar 2022, weshalb die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in der bis 31. Dezember 2021 gültigen Fassung (fortan: aArt.) massgebend sind (vgl. auch Rz. 9100 f. des Kreisschreibens des Bundes- amts für Sozialversicherungen [BSV] über Invalidität und Rente in der Inva- lidenversicherung [KSIR]; zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen vgl. BGE 147 V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228). 2.2Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.3Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufga- benbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnah- men wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier- telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ab- lauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 7 nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollen- dung des 18. Altersjahres folgt. 2.4Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV Nr. 54 S. 181 E. 2.3). 2.5Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades bereits einmal verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die versicherte Person darin glaubhaft macht, dass sich der Grad der Inva- lidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV). Die Behandlung der Eintretensfrage durch die Verwal- tung ist vom Gericht nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache mate- riell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Per- son glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsäch- lich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prü- fen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbe- gründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Be- schwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Ge- richt (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1). Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Rentenan- spruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berück- sichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlaggeben- den Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invaliditäts-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 8 schätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 200; SVR 2021 IV Nr. 36 S. 110 E. 3.1). 3. 3.1Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung vom 22. Au- gust 2020 (AB 156) eingetreten und hat über den Leistungsanspruch mate- riell entschieden (AB 269). Die Frage des Eintretens auf die Neuanmeldung ist deshalb - da nicht streitig - vom Gericht nicht zu beurteilen (E. 2.5 erster Absatz in fine hiervor). 3.2Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfü- gung vom 10. August 2022 (AB 269) in medizinischer Hinsicht im Wesentli- chen auf das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 2. Februar 2022 (AB 244.1 - 244.9). Das MEDAS-Gutachten ergab bei der Beschwerdeführerin in der Interdis- ziplinären Gesamtbeurteilung keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit in der letzten oder einer vergleichbaren Arbeit. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit ver- merkten die Gutachter einen Status nach Lendenwirbelsäulenoperationen im Mai und Juni 2020 mit residuellem sensiblem L4(5)-Syndrom links ohne neuropathische Schmerzkomponente (neurologisch) resp. eine Spondylo- dese LWK3 bis SWK1 ohne namhafte Funktionseinschränkung im klini- schen Befund und ohne bildmorphologischen Anhalt für ein Implantatver- sagen (orthopädisch), eine Syringomyelie in Höhe C6-TH1 ohne Anhalt für namhafte assoziierte nervale Defizite, bildmorphologisch eine degenerative Veränderung cervical ohne assoziierten namhaften orthopädisch-neurolo- gischen Störungsbefund, ein leichtgradiges Sulcus ulnaris Syndrom rechts, einen Verdacht auf eine Migräne ohne Aura mit seltenen Anfällen, eine Anpassungsstörung mit verlängerter depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21), eine Agoraphobie, weitgehend remittiert (ICD-10: F40.00), einen Fehlgebrauch von Opioiden, den laborchemischen Nachweis von Ecstasy und Benzodiazepinen, einen Status nach einer auf Helicobacter pylori posi- tiven Gastritis im Jahr 2018, eine gastroösophageale Refluxkrankheit, eine Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 9 Adipositas Grad I sowie einen Nikotinkonsum (AB 244.1 S. 10 f.; vgl. AB 244.4 S. 23 f., AB 244.5 S. 24, AB244.6 S. 22, AB 244.3 S. 21). 3.2.1Orthopädischerseits fanden sich im klinischen Befund reizlose Narbenverhältnisse über der gesamten Lendenwirbelsäule, die Angabe einer Druck- und Klopfdolenz über der Dornfortsatzreihe lumbal sowie eine Druckdolenz über beiden Iliosakralfugen und die Angabe eines Federungs- schmerzes der lumbalen Facetten. Darüber hinaus sei eine Hypästhesie im linken Bein am anterolateralen Oberschenkel und komplett ab dem Kniege- lenk nach distal (und somit keinem Dermatom zugehörig) angegeben wor- den. Der Zehenstand links sei mühsam, der Fersenstand links nicht de- monstriert worden. Diskrepant dazu habe sich bei der fokussierten Unter- suchung dieser Funktionen in Rückenlage eine im Seitenvergleich symme- trische Kraftentfaltung der Fuss- und Zehenheber- und -senkermuskulatur (Janda 4) gefunden. Ebenfalls diskrepant seien der ermittelte Finger- Boden- und der Finger-Zehen-Abstand im Langsitz gewesen, wofür es kei- ne biomechanische Plausibilität gebe. Auch spreche das Fehlen einer namhaften Myatrophie am linken Bein und die seitengleiche Fersenbe- schwielung gegen eine langanhaltende Schonung des linken Beins (AB 244.5 S. 24 f.). Für die geklagten cervicalen, cervicobrachialen und cervicocephalen Be- schwerden fand sich – bis auf die Angabe einer Druck- und Klopfdolenz über der Dornfortsatzreihe und einer gering hyperton paracervicalen Mus- kulatur bei uneingeschränkter spontaner Beweglichkeit der Halswirbelsäule in allen Ebenen – kein entsprechender orthopädischer Störungsbefund. Das aktenkundig vorliegende MRI vom 19. März 2021 beschreibe eine vermehrte Kyphosierung mit Punctum maximum HWK3/HWK4 und HWK4/ HWK5 mit Osteochondrose und reaktiver Spondylose auf den drei unters- ten Segmenthöhen sowie im Segment HWK4/HWK5 eine flache, kleine mediane Diskusherniation dorsal subligamentär mit Kompression am Du- ralsack von ventral her. Ein hiermit assoziierter namhafter orthopädisch- neurologischer Störungsbefund habe im Rahmen der Begutachtung nicht herausgearbeitet werden können (AB 244.5 S. 25). Für die geklagte Wetterempfindlichkeit im Bereich der rechten, operierten Schulter fand sich im klinischen Untersuchungsgang ebenfalls kein er-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 10 klärendes Befundkorrelat bei fehlendem namhaftem Störungsbefund. Auch bildmorphologisch fand sich kein erklärendes Korrelat bei regelrechter Dar- stellung der Rotatorenmanschette sowie unauffälliger Bicepstenodese mit Schraube im cranialen Sulcus intertubercularis (AB 144.5 S. 25). Der postoperative spinale Status sowie die degenerativen Veränderungen cervical rechtfertigten auch ohne assoziierten namhaften orthopädischen Störungsbefund die Empfehlung, dauerhaft körperlich mittelschwere bis schwere Arbeiten sowie Arbeiten in Körperzwangshaltungen und Tätigkei- ten mit repetitiven Überkopfarbeiten zu meiden. In überwiegend körperlich leichten, wechselbelastend oder überwiegend sitzend ausgeübten Arbeiten lasse sich eine dauerhafte Limitation der Belastbarkeit auch unter Berück- sichtigung der Indikatoren aus orthopädischer Sicht demgegenüber nicht ausreichend begründen (AB 244.5 S. 27). 3.2.2Der klinisch-neurologische Untersuchungsbefund zeigte keine ner- valen Dehnungszeichen, weder cervical noch lumbal. Die Hirnnervenfunkti- on stellte sich regelrecht dar. Manifeste oder latente Paresen fanden sich nicht. Ebenso wenig Muskelfaszikulationen. Hinweise auf eine Rücken- marksschädigung ergaben sich ebenfalls nicht. Die Reflextätigkeit sei in den oberen Extremitäten seitengleich lebhaft gewesen. Im Bereich der un- teren Extremitäten fand sich der Quadrizepssehnenreflex linksseitig im Vergleich zur rechten Seite abgeschwächt auf insgesamt eher schwachem Niveau, die Triceps-surae-Reflexe fanden sich ohne sichere Seitendifferenz schwach seitengleich auslösbar. Hinweise auf eine Pyramidenbahnschädi- gung ergaben sich nicht. Bei der Überprüfung der Sensibilität sei für alle Qualitäten ein normales Empfinden angegeben worden; es habe sich ins- besondere auch kein Hinweis auf das Vorliegen einer Störung des Tempe- ratursinnes beziehungsweise einer dissoziierten Empfindungsstörung ge- funden. In vegetativer Hinsicht fanden sich regelrechte Funktionen. Auch die koordinativen Eigenschaften stellten sich regelrecht dar. Aus neurophy- siologischer Sicht liessen sich eine leichtgradige Leitungsverzögerung des Nervus ulnaris rechts im Sulcus-Bereich belegen. Darüber hinaus fanden sich keine pathologischen Auffälligkeiten (AB 244.4 S. 24). Zusammenfassend lagen neurologischerseits ein leichtgradiges rechtssei- tiges Sulcus-ulnaris-Syndrom sowie bei einem Status nach Lendenwir-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 11 belsäulenoperationen im Mai und Juni 2020 ein sensibles residuelles L4(5)-Syndrom links ohne neuropathische Schmerzkomponente vor. Die Anamnese spreche zudem für das Vorliegen einer Migräne ohne Aura mit seltenen Attacken. Der Anamnese folgend könne mit Wahrscheinlichkeit nur beim Auftreten einer typischen Migränesymptomatik mit Begleitphäno- menen von dieser Diagnose ausgegangen werden. Die angegebene rechtsseitige Schmerzsymptomatik im Bereich der Halswirbelsäule ohne typische radikuläre Ausstrahlung mit Ausstrahlung in den Hinterkopf und nach rechts frontal finde keine organ-neurologische Erklärung. Die Angabe sei für Spannungskopfschmerzen untypisch. Die Syringomyelie in Höhe C6 bis TH1 führe zu keinem ausreichend objektivierten nervalen Defizit. Es bleibe aber denkbar, dass die sich im Laufe der Zeit diffus auch von rechts nach links ausbreitende Schmerzsymptomatik ursächlich auf die Syrinx zurückgeführt werden könne. Im Initialstadium einer Syrinx könne diese lediglich durch eine capeartige Schmerzverteilung in Erscheinung treten. Die Syrinx könne die angegebenen Nackenschmerzen und Kopfschmerzen aber nicht erklären (AB 244.4 S. 25). Insgesamt wenig plausibel sei die Angabe anhaltender und kaum beeinflussbarer Schmerzen trotz Einnahme von Opiaten sowie auch insbesondere die Angabe von stärksten Schmer- zen anlässlich der stattgehabten Untersuchungssituation einerseits und das Fehlen jedweder Schmerzentäusserung und das Fehlen eines entspre- chend erklärenden organ-neurologischen Befundes andererseits (AB 244.4 S. 27). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als … ergebe sich kein Anhalt für eine neurologisch begründete Minderung der Belastbarkeit. Dies gelte auch rückblickend. Anderslautende neurologische Vorbewertungen lägen nicht vor (AB 244.4 S. 28). 3.2.3Gemäss psychiatrischem Befund wirkte die Versicherte zeitweise bedrückt bei noch ausreichend erhaltener Schwingungsfähigkeit. Es seien überdies eine Grübelneigung, vor allem schmerzbedingte Schlafstörungen, ein Selbstwertdefizit sowie eine emotionale Labilität verbunden mit Zu- kunftssorgen angegeben worden. Diese Symptomatik – die sich vor dem Hintergrund einer psychosozialen Belastungssituation (therapierefraktäre somatische Beschwerden, Verlust des angestammten Arbeitsplatzes) ent- wickelt habe – sei gemäss ICD-10 als eine prolongierte Anpassungs- störung mit depressiver Symptomatik zu werten (AB 244.6 S. 24). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 12 Die Prognose einer Anpassungsstörung sei per se günstig. Sie bilde sich unter bedarfsweiser ambulanter leitliniengerechter Behandlung erfahrungs- gemäss nach spätestens 24 Monaten zurück. Durch die bisherigen medi- kamentösen Behandlungsversuche und die ambulante Psychotherapie im monatlichen Abstand habe bislang keine durchgreifende Besserung erzielt werden können. Anhand des hiesigen Befunds wie auch der Verhaltensbe- obachtung und der Angaben zur Alltagsaktivität (familiäre Einbindung, gute Tagesstruktur) liege jedoch keine erhebliche depressive Störung vor und aktenkundig fehlten psychiatrische Befunde, die eine erhebliche depressive Erkrankung belegen würden (AB 244.6 S. 24). Die angegebenen Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates (vor allem Hals- und Lendenwirbelsäule) seien keiner anhaltenden somatofor- men Schmerzstörung zuzuordnen. Im klinischen Eindruck liege kein an- dauernder und quälender Schmerz vor. Es könne auch kein assoziierter fehlverarbeiteter seelischer und psychosozialer Konflikt exploriert werden, vor dessen Hintergrund sich die angegebenen Schmerzen ursprünglich hätten entwickeln können. Die Achsenkriterien einer anhaltenden somato- formen Schmerzstörung seien also nicht erfüllt. Die Sonderform einer chro- nischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren scheide bei gleichzeitigem Bestehen einer affektiven Störung (hier Anpas- sungsstörung mit verlängerter depressiver Reaktion) nach den Kodierungs- regeln des ICD-10 ebenfalls aus (keine parallele Stellung einer affektiven und F45.4-Diagnose; AB 244.6 S. 24 f.). Aus den Akten gehe hervor, dass sich nach einem gewalttätigen Übergriff im … im Februar 2007 zunächst eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt habe. Die Versicherte habe nach eigenen Angaben unter ambu- lanter Psychotherapie und aufgrund der eigenen Resilienz die entspre- chenden Beschwerden überwinden und in die Tätigkeit als … zurückkehren können. Albträume würden allenfalls noch sporadisch, eine vegetative Übe- rerregung, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Intrusionen oder Flashbacks würden nicht mehr auftreten. Geblieben sei ein Vermeidungsverhalten für den … Bahnhof, den sie nicht mehr ohne Begleitung betreten wolle. Auch fühle sie sich weiterhin unwohl in grösseren Menschenmengen, ohne dass es dadurch zu Panikattacken komme. Insgesamt sei das klinische Bild ei-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 13 ner posttraumatischen Belastungsstörung aktuell nicht (mehr) nachweisbar. Die Zurückhaltung bei grösseren Menschenmengen spreche für eine milde Agoraphobie ohne Panikstörung. Eine wesentliche Alltagsbeeinträchtigung sei hieraus nicht mehr abzuleiten (AB 244.6 S. 25). Die Medikamentenanamnese spreche für einen etwa drei Monate anhal- tenden Fehlgebrauch von Targin. Bei mangelhafter Schmerzdokumentation und Hinweisen auf eine unzureichende Wirksamkeit und einen zeitgleichen Drogenmissbrauch (im Labor hätten sich Nachweise von Ecstasy und Ben- zodiazepinen gefunden; diese Hinweise seien zu prüfen und ein Drogen- missbrauch gegebenenfalls unter ärztlicher Kontrolle zu beenden) sei die Überprüfung der potentiell suchtinduzierenden analgetischen Medikation anzuraten. Opioide könnten unter anderem eine affektive Störung, eine vermehrte Schläfrigkeit und kognitiv-mnestische Defizite verursachen. Sie interferierten also zum Teil mit den von der Versicherten angegebenen Be- schwerden (AB 244.6 S. 25 f.). Zusammenfassend liege keine psychiatrische Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Die leichte affektive Störung (hier Anpassungs- störung) sei nicht derart ausgeprägt, dass hieraus eine Minderung der Ar- beitsfähigkeit erwachsen könne. Vielmehr sei eine Arbeitsaufnahme aus therapeutischer Sicht zur Stabilisierung der Tagesstruktur, der Selbstwirk- samkeit, des Selbstwerterlebens, der sozialen Teilhabe und des Abbaus von Vermeidungsverhalten zu befürworten (AB 244.6 S. 26). Eine prolon- gierte Anpassungsstörung sei einer leitliniengereichten Behandlung gut zugänglich. Die unauffällige Primärpersönlichkeit und die befriedigende Ressourcenlage (stabiles Umfeld und Partnerschaft, erhaltene Tagesstruk- tur, langjährige Arbeitstätigkeit) unterstützten die günstige Prognose. Allen- falls seien Tätigkeiten mit Schwerpunkt in Menschenmengen zu vermeiden (AB 244.6 S. 28). 3.2.4Im internistischen Fachgebiet ergaben sich keine Hinweise auf Erkrankungen, die eigenständige dauerhafte Einschränkungen der Belast- barkeit in der angestammten oder einer vergleichbaren Tätigkeit bedingen würden (AB 244.3 S. 22). Die anamnestischen Angaben zur Schmerzinten- sität stimmten (wie bei den anderen Teilbegutachtungen; siehe AB 244.4 S. 18 und S. 27, AB 244.5 S. 18 und S. 26 f., AB 244.6 S. 19 und S. 27) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 14 nicht mit dem klinischen Eindruck in der spontanen Mobilität und der übri- gen spontanen Präsentation sowie dem Laborbefund (den Spiegelbestim- mungen) überein (AB 244.3 S. 44). Die Medikamentenspiegel für Amitripty- lin, Paracetamol und Metamizol lagen unterhalb der Referenzbereiche, was hinsichtlich der Schmerzmittel für einen geringen Schmerzmittelbedarf und ein eher geringes Schmerzniveau spreche. Im Substanzscreening seien Benzodiazepine und Ecstasy quantitativ und qualitativ positiv gewesen, was für einen Substanzfehlkonsum sprechen könne. Amphetamine, Opiate und Barbiturate seien quantitativ nachweisbar und qualitativ negativ gewe- sen, was am ehesten als mögliche Kreuzreaktion zu bewerten sei (AB 244.3 S. 22). 3.2.5In ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter in der Folge zusammenfassend fest, in den Akten sei somatischerseits auch für angepasste Tätigkeiten eine anhaltende erhebliche Minderung der Belastbarkeit attestiert worden. Dabei sei vorrangig auf den Schmerzvor- trag abgestellt worden. Eine eindeutige somatische Erklärungshypothese lasse sich in den Akten nicht erkennen. Auch sei keine ausreichend er- kennbare korrelierende klinische Befundbegründung oder Indikatorenprü- fung erfolgt. Die Vorbewertungen liessen sich also versicherungsmedizi- nisch nicht teilen (AB 244.1 S. 8). Die Indikatorenprüfung zeige im Labor teils keinen wirksamen Spiegel der angegebenen Medikation, was nicht mit den Angaben zum Schmerzmittelbedarf in Einklang stehe. Die Befunde und die Anamnese sprächen nicht für eine namhafte Limitation von Selbstän- digkeit, Selbstversorgungsfähigkeit und sozialer Integration sowie Aktivität. Die Versicherte beteilige sich am Haushalt, sei mobil, selbständig, selbst- versorgend und familiär integriert. Die reklamierten Einschränkungen lies- sen sich mit den erhobenen Befunden nicht ausreichend untermauern. Al- lenfalls sei aufgrund des postoperativen spinalen Status eine dauerhafte Einschränkung der Belastbarkeit auf körperlich überwiegend leichte Arbei- ten anzunehmen. Die angestammte Bürotätigkeit entspreche einer körper- lich leichten Arbeit (AB 244.1 S. 5). 3.3Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 15 nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia- lärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte- rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2). 3.4Die Beschwerdeführerin rügt, dass das polydisziplinäre MEDAS- Gutachten vom 2. Februar 2022 (AB 244.1 - 244.9) die bundesgerichtlichen Anforderungen an den Beweiswert eines Gutachtens nicht erfülle, weshalb darauf zur Beurteilung des Leistungsanspruchs nicht abgestellt werden könne (Beschwerde Rz. 14). 3.4.1Zur Begründung macht die Beschwerdeführerin vorab geltend, dass die Gutachter nicht objektiv und unabhängig seien, da sie sich in einem wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis zu den auftraggebenden IV-Stellen befänden und drei der vier Gutachter gemäss Medizinalberufe- register unter derselben Praxisadresse figurierten (Beschwerde Rz. 15). Zunächst ist festzuhalten, dass Ausstandsgründe umgehend geltend ge- macht werden müssen; ansonsten ist der Anspruch auf Anrufung der ver- meintlich verletzten Ausstandsbestimmung verwirkt (SVR 2022 IV Nr. 45 S. 143). Der Beschwerdeführerin wurden die Gutachterstelle sowie die Namen der Sachverständigen mit Schreiben vom 9. September 2021 mitgeteilt und sie wurde gleichzeitig darauf hingewiesen, dass triftige Einwendungen gegen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 16 einen oder mehrere der genannten Gutachter bis 27. September 2021 bei der IV-Stelle schriftlich eingereicht werden können (AB 236). Gründe, die die Beschwerdeführerin gehindert hätten, den Vorwurf der fehlenden Ob- jektivität und Unabhängigkeit der Gutachter wegen der geltend gemachten wirtschaftlichen Abhängigkeit bereits dannzumal und nicht erst nach Erstel- lung des Gutachtens und Erlass des Vorbescheids zu erheben, sind keine ersichtlich. Die diesbezügliche Rüge ist damit verspätet erfolgt und der An- spruch auf Anrufung der vermeintlich verletzten Ausstandsbestimmung folglich verwirkt. Es bleibt darauf hinzuweisen, dass selbst wenn dem nicht so wäre, die Tatsache, dass ein Gutachter, ein unabhängiger Arzt oder eine Begutachtungsinstitution regelmässig von einem Sozialversicherungs- träger beauftragt wird, die Anzahl der Gutachten oder Berichte, mit denen der Gutachter betraut wird, sowie die Höhe des daraus resultierenden Ho- norars allein keine ausreichenden Gründe sind, um auf mangelnde Objekti- vität und Befangenheit des Gutachters zu schliessen (BGE 148 V 225 E. 3.5 S. 231, 137 V 210 E. 1.3.3 S. 227). Entscheidend ist, dass fachlich- inhaltlich eine Weisungsunabhängigkeit der begutachtenden Ärzte besteht (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 20. Juni 2007, I 885/06, E. 5.1). Auch ist ohne Bedeutung, dass drei der Gutachter gemäss Medizinalberu- feregister unter derselben Praxisadresse figurieren, soweit nicht weitere Aspekte – wie beispielsweise eine Vorbefassung durch einen dieser Gut- achter oder einen anderen Arzt derselben Praxis – hinzutreten (vgl. BGE 148 V 225). 3.4.2Weiter rügt die Beschwerdeführerin, dass von den beteiligten Gut- achtern lediglich einer über eine SIM-Zertifizierung verfüge, was jedoch gegen Art. 7m Abs. 2 der Verordnung vom 11. September 2002 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV; SR 830.11) ver- stosse, da Fachärztinnen und Fachärzte der Allgemeinen Inneren Medizin, der Psychiatrie und Psychotherapie, der Neurologie, der Rheumatologie, der Orthopädie, der orthopädischen Chirurgie und der Traumatologie des Bewegungsapparates als medizinische Sachverständige für die Erstellung eines Gutachtens nach Art. 44 Abs. 1 ATSG über das SIM-Zertifikat verfü- gen müssten (Beschwerde Rz. 16).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 17 Art. 7m ATSV ist am 1. Januar 2022 (AS 2021 706) und damit erst nach Durchführung der Begutachtung durch die Sachverständigen im Oktober und November 2021 (vgl. AB 244.1 S. 1) in Kraft getreten. Diese Bestim- mung ist somit schon aufgrund der intertemporalrechtlichen Grundregel, wonach in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass- geblich sind, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (vgl. E. 2.1 hiervor), vorliegend nicht anwendbar. Mit Blick auf die Übergangsbestimmung zur Änderung vom 3. November 2021 zu Art. 7m Abs. 2 ATSV, wonach das SIM-Zertifikat von den Sachverständigen innerhalb von fünf Jahren nach dem Inkrafttreten dieser Änderung (und damit bis spätestens 31. Dezember 2026) erworben werden muss, kann der Umstand, dass drei der vier Gut- achter im Zeitpunkt der Begutachtung 2021 noch über kein solches Zertifi- kat verfügten, entgegen den Vorbringen in der Beschwerde (Beschwerde Rz. 16) nicht als formeller Mangel und Systemfehler der Gutachterstelle bezeichnet werden und ist auch in keiner Weise geeignet, die fachliche Qualifikation der Gutachter infrage zu stellen. 3.4.3Weiter macht die Beschwerdeführerin gegen ein Abstellen auf das MEDAS-Gutachten vom 2. Februar 2022 (AB 244.1 - 244.9) geltend, die Gutachter hätten sich nicht ordentlich mit den Akten und ihrer Krankenge- schichte auseinandergesetzt (Beschwerde Rz. 17 f.). Auch diese Rüge ist unbegründet. Die gutachterliche Aktenzusammenfas- sung über 18 Seiten (AB 244.2), die Ausführungen zu den Vorbeurteilun- gen in den Teilgutachten (siehe AB 244.4 S. 22 f. und S. 25 f., AB 244.5 S. 24 f., S. 26 und S. 28 ff., AB 244.6 S. 22 ff. und S. 27 ff.) wie auch dieje- nigen in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (AB 244.1 S. 5 ff.) wider- legen diese Behauptung. Auch ist nicht zu beanstanden, dass die Be- schwerdegegnerin trotz der ihr nach der MEDAS-Begutachtung neu einge- reichten Berichte des Dr. med. F.________, Facharzt für Neurochirurgie, vom 31. Januar 2022 (AB 248 S. 1 ff.) und 8. Juni 2022 (AB 264 S. 1) in antizipierter Beweiswürdigung auf weitere Sachverhaltserhebungen ver- zichtete. Die betreffenden Berichte enthalten keine wesentlichen Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. SVR 2021 IV Nr. 10 S. 29 E. 5.7, 2019 UV Nr. 31 S. 117 E. 3). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 18 Dr. med. F.________ vollzog vielmehr einen Rollenwechsel weg von der fachärztlichen Beurteilung zum Parteivertreter, indem er sich – sein Fach- gebiet verlassend – zum Rentenanspruch äusserte (AB 248 S. 5), was sich beweiskraftmindernd auswirkt (vgl. etwa Entscheid des BGer vom 18. De- zember 2019, 8C_695/2019, E. 4.3). Die von ihm erwähnte Osteochondro- se im Bereich der Halswirbelsäule auf Stufe C4/5 (AB 248 S. 1) wurde be- reits im MRI vom 19. März 2021 befundet und gutachterlich berücksichtigt (AB 244.4 S. 22 f., AB 244.5 S. 25). Die Iliosakralgelenke präsentierten sich im MRI der Lendenwirbelsäule vom 8. April 2021 symmetrisch (AB 244.4 S. 23) und deren Überbelastung durch die Spondylodese LWK3 bis SWK1 wurde durch Dr. med. F.________ lediglich vermutet, wobei er auch eine psychische Dekompensation in Betracht zog (AB 248 S. 2). Was schliess- lich die offensichtliche und erhebliche Diskrepanz zwischen den gutachter- lichen Schlussfolgerungen und dem von der Versicherten anlässlich des Belastbarkeitstrainings in der D.________ von 6. April bis 5. Juli 2021 prä- sentierten Leistungsvermögen anbelangt, ist festzustellen, dass die Berufs- fachleute die von ihnen festgehaltenen Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit einzig mit der subjektive Schmerzbelastung der Versicherten begründeten (AB 220), was nicht genügt, um die in Kenntnis der Ergebnis- se des Belastbarkeitstrainings (vgl. AB 244.1 S. 8) erstellte polydisziplinäre fachärztliche Gesamtbeurteilung der MEDAS-Gutachter in Frage zu stellen (vgl. Entscheid des BGer vom 27. Oktober 2021, 8C_329/2021, E. 6.2.1). 3.4.4Was die Kritik anbelangt, es sei angesichts der gutachterlich erho- benen Befunde schlicht nicht glaubhaft, dass keine Diagnose mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen solle (Beschwerde Rz. 20), ist der Beschwerdeführerin zwar insoweit zuzustimmen, als die Sachverständigen sehr wohl Befunde feststellten, sie sich qualitativ auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Die Qualifikation der Diagnosen als solche ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bezieht sich jedoch explizit auf die letzte Tätigkeit oder vergleichbare Arbeiten (AB 244.1 S. 10; siehe auch AB 244.4 S. 28 und AB 244.5 S. 27), mithin nicht auf mittelschwere bis schwere körperliche Verrichtungen. Aus dem Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 15. November 2017, VBE.2017.391 (vgl. Beschwerde Rz. 19 f.), kann die Beschwerdeführerin damit nichts zu ihren Gunsten ab- leiten.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 19 3.4.5Ob die Beurteilung, dass der Medikamentenspiegel nicht im thera- peutischen Bereich lag und die Beschwerdeführerin möglicherweise Ecsta- sy konsumiert haben könnte (vgl. AB 244.1 S. 11, AB 244.3 S. 20 und S. 22, AB 244.6 S. 21 und S. 26 sowie AB 244.8 S. 3 ff.), auf einem falsch positiven Laborergebnis bzw. einer bekannten Kreuzreaktion der einge- nommenen Wirkstoffe basiert (vgl. Beschwerde Rz. 21), ist vorliegend nicht von Belang. Die Sachverständigen zogen daraus keine für die Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin relevanten Schlüsse und wiesen denn auch selbst auf eine mögliche Kreuzreaktion hin (AB 244.3 S. 22). 3.5Zusammenfassend erfüllt das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 2. Februar 2022 (AB 244.1 - 244.9) sämtliche der in Erwägung 3.3 hiervor genannten, von der Rechtsprechung an medizinische Expertisen gestellten Anforderungen. Es ist im Hinblick auf die streitigen Belange um- fassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklag- ten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und ist in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurtei- lung der medizinischen Situation einleuchtend und die getätigten Schluss- folgerungen sind begründet. Dem Gutachten kommt somit volle Beweiskraft zu. Konkrete Indizien, die gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens spre- chen würden, sind nach dem Dargelegten keine ersichtlich. Der medizini- sche Sachverhalt erweist sich mit dem Gutachten als rechtsgenüglich ab- geklärt. 3.6An diesem Ergebnis ändern auch die von der Beschwerdeführerin am 12. Oktober 2022 neu ins Recht gelegten Berichte vom 29. September (Beschwerdebeilage [BB] 4) und 9. Oktober 2022 (BB 3) nichts: 3.6.1Das im Sprechstundenbericht des Dr. med. G.________, Facharzt für Neurochirurgie, vom 9. Oktober 2022 (BB 3) erwähnte MRI der Len- denwirbelsäule vom 8. April 2021 (vgl. AB 215 S. 4 und AB 228 S. 5) wurde von den gutachterlichen Sachverständigen berücksichtigt (AB 244.4 S. 23) und das SPECT-CT HWS, ISG und LWS vom 25. Januar 2022 offenbarte keine relevanten neuen Befunde (siehe BB 3 S. 2).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 20 3.6.2Dr. med. H.________, Facharzt für Chirurgie und für Handchirur- gie, diagnostizierte bei der Beschwerdeführerin am 29. September 2022 gestützt auf ein Röntgen und eine Sonographie (vgl. BB 4 S. 2) neu eine Rhizarthrose Stadium 1 bis 2 beidseits, wobei die entsprechenden Be- schwerden erstmals im Juli 2022, mithin nach der orthopädischen Begut- achtung vom 18. Oktober 2021 (AB 244.5 S. 2; vgl. bezüglich der gutach- terlichen Untersuchungsbefunde am Handgelenk bzw. der Hand AB 244.5 S. 20 f.), aber noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung vom 10. Au- gust 2022 (AB 269) aufgetreten sein sollen (BB 4 S. 1). Er postulierte je- doch bezüglich der Verschleisserscheinungen an den Daumensattelgelen- ken – mit Blick auf das diagnostizierte Stadium 1 - 2 zu Recht – keine funk- tionellen Einschränkungen. Zudem ist die Rhizarthrose konservativ und – bei persistierenden Beschwerden – operativ therapierbar. Dr. med. H.________ sah denn auch eine Infiltration links (rechts war die Rhizar- throse abklingend) und eine Schienenentlastung beidseits vor, was nach empirischen Erhebungen in den meisten Fällen bereits zu einer längeren Schmerzsistierung führt (vgl. etwa MERLE/VOCHE, Therapie der Rhizarthro- se, in MERLE/ REHART [Hrsg.], Chirurgie der Hand, 2009, S. 33 Ziff. 2.6). 4. Mangels einer Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der letz- ten oder einer vergleichbaren Arbeit (vgl. E. 3.2 ff. hiervor) besteht unver- ändert kein Rentenanspruch, ohne dass eine Invaliditätsbemessung durch- zuführen wäre. Die diesbezüglichen Ausführungen in der Beschwerde Rz. 23 ff. gehen damit von vornherein ins Leere. Bei diesem Beweisergeb- nis kann offenbleiben, ob im Vergleich zur Verfügung vom 9. April 2019 (AB 134) überhaupt eine revisionsrechtlich relevante Veränderung vorliegt (vgl. E. 2.5 hiervor).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 21 5. Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegne- rin vom 10. August 2022 (AB 269) nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 6. 6.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab- hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule- gen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre- chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah- lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ent- nommen. 6.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/22/513, Seite 22 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.