Kantonsgericht von Graubünden Tribunale cantonale dei Grigioni Dretgira chantunala dal Grischun Ref.: Chur, 11. März 2003 Schriftlich mitgeteilt am: SF 03 3 (mündlich eröffnet) Urteil Strafkammer Präsident Brunner, Kantonsrichter Jegen, Riesen-Bienz, Tomaschett-Murer und Burtscher, Aktuarin ad hoc Bäder Federspiel. —————— In der Strafsache der A., Angeklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Martin Schmid, Hartbert- strasse 11, Postfach 180, 7002 Chur. mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 14. Januar 2003, wegen mehrfachen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung, mehrfacher Falsch- beurkundung und mehrfacher Veruntreuung, in Anklagezustand versetzt, hat sich ergeben:2 A. A. wurde am 24. Februar 1965 in B. geboren und wuchs zusammen mit drei älteren Geschwistern bei ihren Eltern in H. in geordneten Familienverhält- nissen auf. Der Vater arbeitete an der Reception eines Hotels in Flims; die Mutter war zunächst Hausfrau und führte später ein Restaurant. In H. besuchte A. den Kindergarten sowie die Primar- und die Sekundarschule und danach in B. 3 Jahre die Töchterhandelsschule. Im Jahr 1984 trat sie eine Stelle als kaufmännische Mit- arbeiterin bei der "C." in B. an. Berufsbegleitend erwarb A. den Fachausweis als Treuhänder. Die Stelle bei der "C." hatte sie bis Ende 2000 inne. Von Februar bis Ende März 2001 war A. bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung in K. als Revi- sorin tätig. Anschliessend war sie einige Monate ohne Arbeit. Seit dem 1. August 2001 ist A. als Sachbearbeiterin bei der "D." in K. tätig, wo sie seit 1. Januar 2003 brutto Fr. 6'650.-- pro Monat verdient. Über Vermögen verfügt sie nicht. Bereits im Jahre 1991 hatte sie in B. E. kennen gelernt, mit welchem sie seither im Konkubinat lebt. Das Paar wohnte einige Jahre in B. und L. und seit Ende 2000 in AA./BE. Gemäss Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden vom 12. März 2001 konnte am ehemaligen Wohnort von A. in L. nichts Negatives über sie erfahren wer- den. Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist A. nicht verzeichnet. Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren wurde A. gemäss Auf- trag des Untersuchungsrichteramts Chur vom 17. Juli 2001 psychiatrisch begutach- tet. In seinem Gutachten vom 31. August 2001 kommt Oberarzt med. pract. O. von der Kantonalen Psychiatrischen Klinik M. sinngemäss und im Wesentlichen zu fol- genden Schlüssen: Bei A. liege eine abhängige Persönlichkeitsstörung vor. Diese sei unter an- derem gekennzeichnet durch das Unterordnen eigener Bedürfnisse unter diejeni- gen anderer Personen, zu denen eine Abhängigkeit besteht, eine unverhältnismäs- sige Nachgiebigkeit gegenüber den Bedürfnissen anderer sowie ein unbehagliches Gefühl beim Alleinsein und Angst, von einer Person verlassen zu werden. Diese Persönlichkeitsstörung könne ihren Ursprung in dem bei A. diagnostizierten soge- nannten "Turner-Syndrom" haben. Die beschriebene Persönlichkeitsstörung ent- spreche einer Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit, so dass die Zurech- nungsfähigkeit im Sinne von Art. 11 StGB in leichtem bis höchstens mittlerem Grade herabgesetzt gewesen sei. Eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sei nicht erforderlich. Eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 letzter Satz StGB sei jedoch indiziert und sinnvoll, wobei eine solche 3 bereits seit mehreren Monaten bestehe, weshalb es angezeigt sei, diese weiterzu- führen. Aufgrund der begonnenen ambulanten psychiatrisch-psychotherapeuti- schen Behandlung seien neue Straftaten nicht zu erwarten. Die ambulante Mass- nahme wäre mit dem sofortigen Vollzug einer Freiheitsstrafe vereinbar. Für den Fall des bedingten Strafvollzuges empfiehlt der Gutachter die Erteilung einer Weisung dahingehend, die begonnene ambulante Behandlung weiterzuführen. Auf eine Schutzaufsicht oder andere Massnahmen wie Bevormundung oder Verbeiständung könne verzichtet werden. B. Am 12. Februar 2001 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden gegen A. eine Strafuntersuchung wegen Betrugs, eventueller Veruntreuung sowie allfälliger weiterer Delikte und beauftragte das Untersuchungsrichteramt Chur mit deren Durchführung. Die Untersuchung wurde mit Verfügung vom 15. Oktober 2002 abgeschlossen. Mit Verfügung vom 14. Januar 2003 wurde A. wegen mehrfachen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB, mehrfacher Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB, mehrfacher Falschbeurkundung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB, mehrfacher Veruntreuung gemäss aArt. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, mehrfacher Verun- treuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 und Ziff. 2 StGB sowie mehrfacher Urkundenfäl- schung im Amt gemäss Art. 317 Ziff. 1 Abs. 2 StGB in Anklagezustand versetzt. Der Anklage liegt nach Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 14. Ja- nuar 2003 der folgende Sachverhalt zu Grunde: „A. wird angeklagt: 1. - des mehrfachen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB, - der mehrfachen Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB (Ziffer 1.4 und 1.6). 1.1.Die Angeklagte war von 1984 bis 2000 bei der C. in B. als Buchhalterin angestellt. In dieser Funktion erledigte sie Kun- denbuchhaltungen und war intern auch mit der Verwaltung diverser Stockwerkeigentümergemeinschaften (nachfol- gend: StWEG) betraut. Dazu gehörte beispielsweise auch, dass sie den Zahlungsverkehr der einzelnen StWEG's abwi- ckelte. A. war weder bei der C. noch über die Konti der ein- zelnen StWEG's zeichnungsberechtigt. 1.2 Zur Abwicklung des jeweiligen Zahlungsverkehrs unterhiel- ten die einzelnen StWEG's bei der Graubündner Kantonal- bank Bankkonten. Über diese Konten war dem Vorgesetzten von A. und Inhaber der C., I., das Recht auf Einzelunterschrift eingeräumt worden. Die Erteilung von Zahlungsaufträgen an die Bank erfolgte schriftlich durch Ausfüllen und Versenden von üblichen Vergütungsaufträgen oder dann mittels des so- genannten "pronto-Zahlungssystems". Dieses System ver-4 einfacht den Zahlungsverkehr und funktioniert wie folgt: Nachdem man die einzelnen Einzahlungsscheine ausgefüllt hat, wird der vorgedruckte Zahlungsauftrag mit der Anzahl der Einzahlungsscheine, dem Totalbetrag aller Einzahlungs- scheine sowie mit dem gewünschten Ausführungsdatum ver- vollständigt und unterzeichnet. Dieser Zahlungsauftrag wird anschliessend zusammen mit den einzelnen Einzahlungs- scheinen der Bank zugestellt, die dann die entsprechenden Zahlungen ausführt. 1.3 A. bereitete die jeweiligen Vergütungsaufträge sowie die pronto-Zahlungsaufträge vor und legte diese zusammen mit den entsprechenden Einzahlungsscheinen I. vor. Dieser un- terzeichnete in der Folge den Vergütungsauftrag bzw. die pronto-Zahlungsauftragsformulare der N.. A. leitete dann die unterzeichneten Aufträge mitsamt den dazugehörenden Ein- zahlungsscheinen an die N. weiter. Gestützt auf diese For- mulare führte die N. zu Lasten der jeweiligen Konten der StWEG's die gemäss den beigelegten Einzahlungsscheinen vorzunehmenden Überweisungen an die jeweils Begünstig- ten aus. 1.4 Am 18. April 1995 bereitete A. zulasten der StWEG "F." ei- nen Vergütungsauftrag vor und liess diesen von I. unter- zeichnen. Nachdem der Vergütungsauftrag unterzeichnet war, radierte A. in einer Position den Namen und die Bank- beziehung des ursprünglich Begünstigen aus und setzte in die entsprechende Rubrik ihren eigenen Namen sowie die Nummer ihres Bankkontos ein. Dadurch täuschte sie der N., welcher der Vergütungsauftrag zur Ausführung der Zahlung weiter geleitet wurden, arglistig und vorsätzlich eine korrekte Zahlung vor, wobei sie den Umstand ausnützte, dass es der N. unmöglich war, die nachträglich erfolgte Abänderung des Vergütungsauftrages zu überprüfen. Die derart getäuschte N. schrieb dann irrtümlich die betreffende Zahlung von CHF 30'000.-- dem Konto von A. gut, wodurch die StWEG "F." im entsprechenden Umfang geschädigt und A. unrechtmässig bereichert wurde. 1.5 Zwischen dem 19. Januar 1999 und dem 22. Juni 2000 täuschte A. sodann gegenüber I. in weiteren 8 Fällen vor- sätzlich und arglistig eine korrekte Abwicklung der Zahlun- gen vor, indem sie ihm verschwieg, dass sie nach der Unter- zeichnung des pronto-Zahlungsauftrages durch ihn einzelne Einzahlungsscheine entfernen und durch solche ersetzen würde, auf denen sie selber oder ihr nahestehende Personen als Begünstigte aufgeführt waren. Dabei nützte sie das Ver- trauen aus, das ihr I. schenkte, indem er auf die nochmalige Überprüfung der dem pronto-Zahlungsauftrag beigelegten Einzahlungsscheine verzichtete. Der derart getäuschte I. liess dann irrtümlich den Zahlungsauftrag samt den ausge-5 tauschten Einzahlungsscheinen zur Zahlung an die N. weiter leiten, die schliesslich die betreffenden Zahlungen zu Lasten der StWEG-Konten ausführte. Da diese Zahlungen nicht den vorgesehenen Empfängern zukamen, wurden die StWEG's im entsprechenden Umfang geschädigt und A. oder Dritte in demselben Umfang unrechtmässig bereichert. Die zu Lasten der einzelnen Konten auf diese Weise unrechtmässig bezo- gene Summe beläuft sich auf CHF 198'000.-- und ergibt sich aus folgenden, dauernden Pflichtverletzungen: a) Am 19. Januar 1999 wurde die N. mittels eines ausge- tauschten Einzahlungsscheines angewiesen, zu Lasten des Kontos Nr. zzz (Mietzinsenkonto StWEG "Y.") eine Zahlung von CHF 20'000.-- auf das Bankkonto A.s zu überweisen, obwohl I. den Zahlungsauftrag unterzeich- net hatte in der Absicht, dieses Geld dem Erneuerungs- fond der StWEG "Y." zukommen zu lassen. b) Am 12. Februar 1999 wurde die N. mittels eines ausge- tauschten Einzahlungsbeleges angewiesen, zu Lasten des Kontos Nr. xxx (Mietzinsenkonto StWEG "Z.") eine Zahlung von CHF 40'000.-- auf das Bankkonto A.s zu überweisen, obwohl I. den Zahlungsauftrag unterzeich- net hatte in der Meinung, dass dieses Geld in den Erneu- erungsfond der StWEG "Z." einbezahlt werde. c) Am 24. Februar 1999 erreichte A. durch Auswechseln ei- nes Einzahlungsscheines zu Lasten des Kontos Nr. uuu der StWEG "F." eine Zahlung von CHF 30'000.-- auf ihr eigenes Bankkonto, obwohl sie kein Recht auf dieses Geld hatte und I. der Meinung war, dass dieses Geld dem Erneuerungsfonds der StWEG zugute kam. d) Am 18. Oktober 1999 wurde die N. mittels eines ausge- tauschten Einzahlungsscheines angewiesen, zu Lasten des Kontos Nr. yyy (Mietzinsenkonto StWEG "G. 3") eine Zahlung von CHF 15'000.-- auf das Konto der Baugesell- schaft J. in L. zu überweisen. Diese Baugesellschaft hatte jedoch keine Zahlung zugute; vielmehr tilgte A. durch diese Zahlung ausstehende Mietzinsen bei der Baugesellschaft V.. e) Am 27. Oktober 1999 erreichte A. durch Auswechseln ei- nes Einzahlungsscheines zu Lasten des Kontos Nr. xxx (Mietzinsenkonto StWEG "Z.") eine Zahlung von CHF 10'000.-- auf das Konto der Baugesellschaft J. in L.. Diese Baugesellschaft hatte aber von der StWEG "Z." keine Zahlung zugute. Tatsächlich hatte A. bei der Bau- gesellschaft V. Mietschulden, die sie auf diese Weise tilgte. 6 f) Am 16. November 1999 erreichte A. durch Auswechseln eines Einzahlungsscheines zu Lasten des Kontos Nr. www (StWEG "X.") eine Zahlung von CHF 25'000.-- auf das Konto der Baugesellschaft J., um damit ihre Miet- schulden zu tilgen. g) Am 31. Januar 2000 erreichte A. durch Auswechseln ei- nes Einzahlungsscheines zu Lasten des Kontos Nr. xxx (Mietzinsenkonto StWEG "Z.") eine Zahlung von CHF 18'000.-- auf das Konto der Baugesellschaft J. in L., um damit ihre Mietschulden zu tilgen. Tatsächlich hatte auch in diesem Fall die Baugesellschaft J. kein Recht auf die- ses Geld. h) Am 22. Juni 2000 wurde die N. angewiesen, zu Lasten des Kontos Nr. vvv der StWEG "G. 1" an E. eine Zahlung von CHF 40'000.-- zu leisten. Tatsächlich handelte es sich bei E. um den Lebenspartner von A., der keine Zah- lung der StWEG "G. I" zugute hatte. 1.6 Zur Vertuschung ihrer Verfehlungen fälschte A. unter mehre- ren Malen die von ihr erstellten Bilanzen über die StWEG's ab, indem sie die unrechtmässig erlangten Gelder nicht kor- rekt verbuchte, wodurch das in der Bilanz der jeweiligen StWEG ausgewiesene Bankguthaben nicht mit dem effekti- ven Saldo auf dem Bankkonto übereinstimmte. So unter an- derem in der Bilanz der StWEG "Y.", wo die Angeklagte per 30. Juni 2000 einen Saldo von CHF 30'157.10 auswies, ob- wohl dieser tatsächlich nur CHF 10'157.10 betrug; oder dann bezüglich der StWEG "Z.", wo A. unterm 30. Juni 2000 einen Saldo von CHF 96'752.65 bilanzierte, obschon dieser bloss CHF 28'752.65 betrug, und schliesslich bei der StWEG "G. 3", wo sie die betrügerisch erlangten CHF 15'000.-- nicht ver- buchte. 2. - der mehrfachen Falschbeurkundung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB. A. führte als Angestellte der C. die Buchhaltung der StWEG "W.". Mitglied dieser StWEG war auch die Baugesellschaft J.. Daraus ergaben sich Beitragspflichten seitens der Baugesellschaft V. an die StWEG "W.". Gleichzeitig hatte A. von der Baugesellschaft V. eine Wohnung im Mehrfamilienhaus W. gemietet. Nicht immer hat A. den Mietzins bezahlt, wodurch der Baugesellschaft J. Geld fehlte, um ihren Verpflichtungen gegenüber der StWEG "W." nachzukommen. Um die fehlenden Mietzinszahlungen zu vertu- schen, täuschte A. in der Buchhaltung der StWEG "W." unter der Rubrik "Ausgleich BG" Einzahlungen der Baugesellschaft J. vor, indem sie in den Jahren 1998 und 1999 auf dem "Kto.-Krt. Bau- gesellschaft V." 4 Einzahlungen der Baugesellschaft J. im Um- fang von (zinsneutral) total CHF 35'776.25 buchte, obwohl ein solcher Geldfluss nicht stattgefunden hat. 7 3. - der mehrfachen Veruntreuung gemäss aArt. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, - der mehrfachen Falschbeurkundung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB. 3.1 A. betreute auch die StWEG "F." in T.. Dabei gehörte es zu ihren Ausfgaben, vom Verwalter der StWEG "F." die von den Eigentümern bezahlten Gelder für die Waschküchenbenüt- zung und die Appartementreinigung entgegen zu nehmen. Diese Bargelder sollte sie anschliessend in B. auf das Bank- konto der Eigentümergemeinschaft bei der N. einzahlen. Da- mit war ihr dieses Bargeld anvertraut. In Missachtung ihrer Pflicht nahm A. diese Einzahlungen nicht immer vor und ver- brauchte stattdessen das Geld für sich. Gemäss Erhebun- gen der P. Treuhand AG hat A. aufgrund dieser andauernden Pflichtverletzungen in der Zeit von anfangs 1993 bis 31. Mai 2000 - abzüglich der oben unter Ziff. 1.4 und Ziff. 1.5c) er- wähnten, zum Nachteil der StWEG "F." ertrogenen CHF 60'000.-- - mindestens CHF 61'972.50 zum Nachteil der StWEG "F." veruntreut. 3.2 Zur Vertuschung ihrer Verfehlungen zum Nachteil der StWEG "F." hat A. die von ihr veruntreuten Gelder fälschli- cherweise als Eingang in die Kontoblätter der von ihr geführ- ten Buchhaltung der StWEG "F." verbucht. Aus dem gleichen Grund hat sie in den von ihr erstellten Jahresabschlüssen der StWEG "F." die Bankkonten Nr. uuu und Nr. ttt in den Jahren 1992 bis 2000 jeweils mit einem überhöhten Saldo bilanziert, d.h. die im Abschluss aufscheinenden Beträge stimmen nicht mit dem effektiven Banksaldo überein. 3.3 Die zum Nachteil der StWEG "F." bezogenen Gelder hat die Angeklagte für ihren täglichen Bedarf, Mieten und sonstige Anschaffungen verbraucht. Sodann hat sie Gelder an Be- kannte verschenkt. 3.4 Im Rahmen der Bemühungen, den Schaden gut zu machen, hat die Schwester der Angeklagten am 28. August 2000 CHF 108'764.65 auf das Konto der StWEG "F." bei der N. bezahlt. 4. - der mehrfachen Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 2 StGB, - der mehrfachen Urkundenfälschung im Amt gemäss Art. 317 Ziff. 1 Abs. 2 StGB. 4.1 Am 8. Mai 1996 wählte die Katholische Kirchgemeinde H. A. zur nebenamtlichen Kassierin. Als solche gehörte sie gleich- zeitig dem Kirchgemeindevorstand an und war damit Mitglied einer Behörde. Ein Pflichtenheft für diese Stelle besteht nicht. Nebst der Führung der Buchhaltung und dem Erstellen des Jahresabschlusses oblag der Kassierin A. aber auch das 8 Abwickeln von Zahlungen für die Kirchgemeinde. Zu diesem Zweck war sie bezüglich des Postkontos der Kirchgemeinde H. sowie über deren diverse Bankkonten bei der Bank R. H. einzelzeichnungsberechtigt. Damit waren ihr diese Vermö- genswerte anvertraut, wobei A. bewusst war, dass sie die Gelder nur für die Belange der Kirchengemeinde H. verwen- den dürfe. 4.2 Neben korrekt erfolgten Bezügen bezog A. zwischen dem 10. Oktober 1996 und dem 20. Juni 2000 ab dem Post- scheckkonto und einem Bankkonto bei der Bank R. auch Geld, das sie in der Folge nicht für Kirchengemeinde H. ver- wendete, sondern für eigene Zwecke verbrauchte. Ab dem Postcheckkonto tätigte A. diese Bezüge durch die Einlösung von Postchecks, in zwei Fällen durch Bargeldbezug am Po- stomaten sowie in einem Fall durch Überweisung auf ein Bankkonto der C.. Ab dem Bankkonto bezog sie das Geld durch Überweisungen auf das Postkonto der Kirchgemeinde H. und anschliessender Weiterleitung auf ihr Konto bei der Bank im Liechtenstein. Die zu Lasten der Katholischen Kirch- gemeinde H. aufgrund dieser andauernden Pflichtverletzung veruntreute Summe beläuft sich auf CHF 235'443.50 und er- gibt sich aus nachfolgender Tabelle: Datum (der Buchung) Art des Bezuges Betrag (in CHF) Zwischentotal (in CHF) 1 10.10.1996 Postcheckeinlösung 4’000.-- 2 23.10.1996 Postcheckeinlösung 2'000.-- 3 13.12.1996 Postcheckeinlösung 4'000.-- 10'000.-- 4 06.05.1997 Postcheckeinlösung 1'000.-- 5 23.05.1997 Überweisung ab Postkonto 23'793.50 6 17.06.1997 Postcheckeinlösung 4'000.-- 7 14.08.1997 Postcheckeinlösung 1'500.-- 8 10.09.1997 Postcheckeinlösung 5'000.-- 9 24.10.1997 Postcheckeinlösung 2'000.-- 37'293.50 10 22.01.1998 Postcheckeinlösung 5'000.-- 11 04.03.1998 Postcheckeinlösung 5'000.-- 12 06.03.1998 Postcheckeinlösung 5'000.-- 13 22.05.1998 Postcheckeinlösung 2'650.-- 14 01.07.1998 Postcheckeinlösung 3'000.-- 15 23.07.1998 Postcheckeinlösung 5'000.-- 16 24.07.1998 Postcheckeinlösung 5'000.-- 17 18.08.1998 Postcheckeinlösung 5'000.-- 18 01.10.1998 Postcheckeinlösung 500.-- 19 17.11.1998 Postcheckeinlösung 3'000.--9 20 25.11.1998 Überweisung von Bank- auf Postkonto und dann auf Konto bei der Bank im Liechtenstein 40'000.-- 21 23.12.1998 Postcheckeinlösung 4'500.-- 22 23.12.1998 Postcheckeinlösung 5'000.-- 88'650.00 23 08.03.1999 Postcheckeinlösung 30'000.-- 24 19.05.1999 Postcheckeinlösung 10'000.-- 25 29.07.1999 Postcheckeinlösung 5'000.-- 26 10.08.1999 Postcheckeinlösung 3'000.-- 27 25.08.1999 Postcheckeinlösung 4'000.-- 28 14.09.1999 Postcheckeinlösung 5'000.-- 57'000.00 29 17.03.2000 Postcheckeinlösung 1'500.-- 30 17.03.2000 Postcheckeinlösung 10'000.-- 31 21.03.2000 Postcheckeinlösung 10'000.-- 32 03.04.2000 Geldbezug am Postomaten 1'000.-- 33 06.04.2000 Postcheckeinlösung 5'000.-- 34 07.04.2000 Postcheckeinlösung 4'000.-- 35 12.04.2000 Geldbezug am Postomaten 1'000.-- 36 20.06.2000 Postcheckeinlösung 10'000.-- 42'500.00 Total 235'443.50 235'443.50 4.3 Die bezogenen und nicht für die Kirchgemeinde H. verwen- deten Gelder hat die Angeklagte für ihren täglichen Bedarf, Mieten, sonstige Anschaffungen sowie zur teilweisen De- ckung des bei C. verursachten Schadens verbraucht. So- dann hat sie Gelder an Bekannte verschenkt oder diesen Darlehen gewährt. 4.4 Um ihre Verfehlungen zum Nachteil der Kirchgemeinde H. zu vertuschen, fälschte A. die Buchhaltung, indem sie die bei den unberechtigten Barbezügen und Auszahlungen verein- nahmten Gelder auf den entsprechenden Kontoblättern in der von ihr geführten Buchhaltung falsch oder gar nicht ver- buchte und in den Jahresabschlüssen 1996 und 1997 das Postcheckkonto sowie im Jahresabschluss 1998 zusätzlich noch das Bankkonto Nr. ooo bei der Bank R. mit einem über- höhten Saldo bilanzierte. 4.5 Am 20. Oktober 2000, am 17. November 2000 sowie am 1. Dezember 2000 überwies die Schwester der Angeklagten to- tal CHF 235'443.50 auf das Postkonto der Kirchgemeinde H., um dieser das von A. unrechtmässig bezogene Geld zurück- zuerstatten. Beschlagnahmen: 10 Es wurden folgende Guthaben beschlagnahmt: - bei der Bank Q. auf Konto-Nr. sss, lautend auf A., CHF 1'190.90 per 12.3.2001 - bei der Bank R. H. auf Konto-Nr. rrr, lautend auf A., CHF 233.30 per 14.2.2001 - bei der N. auf Konto-Nr. qqq, lautend auf A., CHF 240.85 per 23.2.2001 - bei der S. Versicherung die Police Nr. ppp, lautend auf A., im Wert von CHF 22'989.20 per 1.2.2002 Adhäsionsklage: Am 5. November 2002 reichte Rechtsanwalt lic.iur. Wilfried Caviezel namens der C. gegen A. eine Adhäsionsklage in Höhe von CHF 220'360.15 ein.“ C. Die Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht von Graubünden fand am 11. März 2003 statt. Anwesend waren die Angeklagte A. und ihr Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Dr. iur. Martin Schmid. Die Anklage wurde von Staatsanwalt Dr. iur. Jakob Grob vertreten. Gegen die Zuständigkeit und die Zusammensetzung des Ge- richts wurden keine Einwände vorgebracht, so dass sich dieses als in der Sache legitimiert erklärte. Im Rahmen der Befragung zur Person bestätigte die Angeklagte im Wesent- lichen die in der Anklageschrift enthaltenen Angaben. Im Anschluss wurde das Be- weisverfahren zur Sache durchgeführt. Die Angeklagte gestand die ihr gemäss An- klageschrift zur Last gelegten Taten vollumfänglich. Nach Abschluss des Beweisverfahrens stellte und begründete der Staatsan- walt in seinem Plädoyer die folgenden Anträge: „1. A. sei des mehrfachen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen Falschbeurkundung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen Veruntreuung gemäss alt Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB sowie der mehrfachen Urkundenfälschung im Amt gemäss Art. 317 Ziff. 1 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen. 2. Dafür sei sie mit 18 Monaten Gefängnis zu bestrafen. 3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben, unter Anset- zung einer Probezeit von 3 Jahren. 4. Die beschlagnahmten Bankguthaben seien gerichtlich einzuzie- hen und zugunsten der C. zu verwenden.11 5. Gesetzliche Kostenfolge.“ Der Rechtsvertreter der Angeklagten hielt in seinem Plädoyer einleitend fest, es sei schlichtweg unvorstellbar, wie eine unbescholtene und intelligente Person ganz unauffällig mehrere hunderttausend Franken abzweigen könne. Vorliegend hätten jedoch alle Kontrollen versagt und es wäre der Angeklagten wohl auch selbst lieber gewesen, wenn man ihre Taten früher entdeckt hätte. Nun jedoch sei reiner Tisch gemacht und die Angeklagte habe sich im Strafverfahren kooperativ gezeigt und sich bemüht, den entstandenen Schaden zu decken. A. habe von ihrem mo- mentanen Arbeitgeber, der über das Strafverfahren informiert sei, die Chance er- halten, wieder Tritt zu fassen und die Vergangenheit zu bewältigen. Überdies stehe die Angeklagte in einer erfolgversprechenden ambulanten psychiatrischen Behand- lung. In der Sache selbst habe A. den ihr zur Last gelegten Sachverhalt vollumfäng- lich anerkannt und teilweise auch von sich aus zugestanden. Bei ihrer Arbeitstätig- keit habe sie nie über eine Unterschriftsberechtigung verfügt und habe daher immer einer Aufsicht und Kontrolle unterstanden. Bei der Kirchgemeinde H. habe sie für die Post- und Bankkonti zwar Unterschrift gehabt. Auch dort habe jedoch eine Re- vision der Amtsführung stattgefunden. Sämtliche mit Aufsicht und Kontrolle betrau- ten Personen hätten indes versagt. Die deliktisch erlangen Vermögenswerte seien von der Angeklagten nur zu einem Teil für sich selbst verwendet worden. Darüber hinaus habe sie Dritten, einer Familien in Italien, ihrem Freund oder dessen Familie geholfen, deren Anfragen sie infolge ihrer Persönlichkeit nicht widerstehen konnte. Die rechtliche Qualifikation des Verhaltens von A. als mehrfachen Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB werde anerkannt. Zurecht sei keine Anklage wegen ge- werbsmässigen Betrugs erfolgt. Die nachträgliche Änderung des Zahlungsauftrags stelle sodann eine Urkundenfälschung dar. Was hingegen die Falschbuchungen be- treffe, die die Geldbezüge vertuschen sollten, so vertrete ein Teil der Lehre die An- sicht, dass die Buchhaltung von Stockwerkeigentümergemeinschaften infolge der fehlenden Buchführungspflicht keine Urkunde im strafrechtlichen Sinn darstelle, so dass diesbezüglich keine Urkundendelikte vorliegen würden. In Bezug auf die Ver- untreuungen kämen aufgrund des Handlungszeitraumes die alte und die neue Be- stimmung zur Anwendung. Die Veruntreuungen von A. zu Lasten der Kirchge- meinde H. habe jene als Kassierin begangen. Zwar sei fraglich, ob A. damit als Mitglied einer Behörde gehandelt habe; das Kantonsgericht habe diese Frage indes bereits einmal bejaht. Bestritten werde jedoch die Qualifikation der Urkundenfäl- schung im Amt, die voraussetze, dass ein Beamter oder eine Person öffentlichen Glaubens die Tat begangen habe. Bei der Angeklagten habe es sich jedoch um ein einfaches Behördenmitglied und nicht um eine Beamte gehandelt. Hinsichtlich der 12 Strafzumessung sei zu beachten, dass es A. leicht gemacht worden sei, für sich Bezüge zu tätigen und sie daher wenig kriminelle Energie habe aufwenden müssen, um die Taten zu begehen. Sie habe nicht besonders listig gehandelt. Strafmildernd wirke sich die zumindest in leichtem bis mittlerem Grade verminderte Zurechnungs- fähigkeit aus, die aus der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung herrühre. Gege- ben sei auch der Strafmilderungsgrund der betätigten aufrichtigen Reue, habe die Angeklagte doch alles unternommen, um den Schaden zu ersetzen, sowie allenfalls jener des Handelns auf Veranlassung einer Person, welcher der Täter Gehorsam schuldig oder von der er abhängig ist. Strafmindernd sei der gute Leumund von A. zu berücksichtigen und ebenso ihre Einsicht und Kooperation im Strafverfahren. Es sei daher eine Strafe unter dem Antrag des Staatsanwaltes auszusprechen. Da die Voraussetzungen von Art. 41 StGB gegeben seien, sei der Angeklagten der be- dingte Strafvollzug zu gewähren und die Probezeit auf 2 ½ Jahre festzulegen. Ge- gen eine allfällige Anordnung einer ambulanten Behandlung oder die Erteilung einer Weisung zur Fortführung der ambulanten Behandlung werde nicht opponiert. Indes habe sich die Angeklagte bereits freiwillig einer Behandlung unterzogen und werde dies auch weiter tun. Die eingezogenen Vermögenswerte seien sodann zu Gunsten der geschädigten C. zu verwenden, mit der auch ein Vergleich über die Regulierung des Schadens abgeschlossen worden sei. Abschliessend stellte Rechtsanwalt Schmid die folgenden Anträge: „1. A. sei des mehrfachen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen Veruntreuung gemäss alt Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, sowie der mehrfachen Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 2 StGB, schuldig zu sprechen. 2. Dafür sei sie mit einer Gefängnisstrafe von maximal 15 Monaten zu bestrafen. 3. Es sei der bedingte Strafvollzug zu gewähren. Die Probezeit sei auf 2 ½ Jahre festzusetzen. Ev. sei für die Probezeit eine Weisung auszusprechen. 4. Ev. sei die Weiterführung der ambulanten psychiatrischen Be- handlung im Sinne einer Massnahme anzuordnen. 5. Die beschlagnahmten Vermögenswerte (Konti, Guthaben aus Le- bensversicherung) seien der C. auszuhändigen, eventuell der C. zuzusprechen. 6. Gesetzliche Kostenfolge.“ In der Replik hielt der Staatsanwalt fest, dass er sich mit dem Verteidiger einverstanden erklären könne, Art. 251 Ziff. 1 StGB an Stelle von Art. 317 Ziff. 1 13 Abs. 2 StGB anzuwenden, obwohl es nicht zum vornherein klar sei, dass die Ange- klagte nicht als beamtetes Behördenmitglied gehandelt habe. Dagegen habe eine Buchhaltung klar Urkundenqualität, auch dann, wenn keine Buchführungspflicht be- stehe. Der Verteidiger stellte in der Duplik fest, dass in Bezug auf die Frage der Urkundenqualität einer Buchhaltung verschiedene Auffassungen beständen und die Strafwürdigkeit des entsprechenden Verhaltens daher als gering einzustufen sei. Die Angeklagte hielt in ihrem Schlusswort fest, dass sie bereue, was sie ge- tan habe. Sie sei jedoch der Ansicht, sich inzwischen geändert zu haben und nun auf dem rechten Weg zu sein. Auf die weiteren mündlichen Ausführungen des Staatsanwalts und des Ver- teidigers - die mündlichen Plädoyers wurden schriftlich zu den Akten gereicht - so- wie auf die richterliche Befragung der Angeklagten anlässlich der Hauptverhandlung wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Die Strafkammer zieht in Erwägung : 1.a) Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts von Graubünden zur Beurtei- lung der vorliegenden Strafsache ergibt sich aus Art. 45 Abs. 1 lit. a) StPO, nach welchem das Kantonsgericht alle Verbrechen beurteilt, die mit Zuchthaus über fünf Jahre bedroht sind. A. wurde unter anderem der Veruntreuung als Mitglied einer Behörde nach Art. 138 Ziff. 2 StGB angeklagt, ein Delikt, welches einer Strafdro- hung von Zuchthaus bis zu zehn Jahren unterliegt. b) A. hat die ihr gemäss Anklageschrift vorgeworfenen Taten vor dem Untersuchungsrichter wie auch anlässlich der Hauptverhandlung des Kantonsge- richts vollumfänglich gestanden. Im Folgenden ist die rechtliche Qualifikation der begangenen Taten vorzunehmen. 2.a) Wer in der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu berei- chern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt, wird nach Art. 146 Abs. 1 StGB mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder mit Gefängnis bestraft. Für die Erfüllung des Tatbestandes genügt nicht jede, sondern nur die arglistige Täuschung. Arglist ist nach der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung gegeben, wenn der Täter zur Täuschung eines anderen ein ganzes Lügen-14 gebäude errichtet, wenn er sich besonderer beziehungsweise täuschender Ma- chenschaften bedient, wenn er bloss falsche Angaben macht, deren Überprüfung jedoch dem Getäuschten nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist sowie schliesslich dann, wenn der Täter den Getäuschten absichtlich von der Überprüfung seiner Angaben abhält oder wenn er nach den Umständen voraussieht, dass der Getäuschte von einer Überprüfung absehen werde, weil ein besonderes Vertrauensverhältnis besteht (BGE 119 IV 35, 122 IV 205, 126 IV 171 f.). b) In ihrer Funktion als Buchhalterin bei der C. war A. unter anderem mit der Verwaltung verschiedener Stockwerkeigentümergemeinschaften (StWEG) be- traut, wobei sie auch den entsprechenden Zahlungsverkehr abwickelte. Die Zah- lungsaufträge an die Bank, bei welcher die einzelnen StWEG über Konten verfüg- ten, erfolgten mittels Ausfüllen und Versenden von Vergütungsaufträgen oder durch das sog. „Pronto-Zahlungssystem“. Bei diesem wird ein vorgedruckter Zahlungsauf- trag mit der Anzahl und dem Totalbetrag der beigelegten Einzahlungsscheine sowie dem gewünschten Ausführungsdatum vervollständigt und unterzeichnet. Anschlies- send wird der Zahlungsauftrag zusammen mit den einzelnen ausgefüllten Einzah- lungsscheinen der Bank zugestellt. A. bereitete die jeweiligen Vergütungs- und Zah- lungsaufträge vor und legte diese zusammen mit den entsprechenden Einzahlungs- scheinen ihrem Vorgesetzten I. zur Unterschrift vor. In der Regel leitete A. die Auf- träge anschliessend an die Bank weiter, welche die entsprechenden Überweisun- gen an die Begünstigten vornahm. Am 18. April 1995 bereitete A. zu Lasten der StWEG „F.“ einen Vergütungs- auftrag vor und liess diesen von I. unterzeichnen. Anschliessend radierte A. in einer Position den Namen und die Bankbeziehung des ursprünglich Begünstigten aus und setzte in die entsprechenden Rubriken ihren eigenen Namen sowie die Nummer ihres Bankkontos ein. Dadurch täuschte sie der Bank vorsätzlich eine korrekte Zah- lung vor, wobei sie den Umstand ausnutzte, dass es der Bank nicht möglich war, die nachträglich erfolgte Abänderung des Vergütungsauftrages zu überprüfen. Die betreffende Zahlung von Fr. 30'000.-- wurde von der Bank alsdann irrtümlich dem Konto von A. gutgeschrieben. Dadurch wurde die StWEG „F.“ im entsprechenden Umfang geschädigt und A. unrechtmässig bereichert (Ziff. 1.4 der Anklageschrift). Zwischen dem 19. Januar 1999 und dem 22. Juni 2000 bereitete A. in acht Fällen pronto-Zahlungsaufträge vor, bei denen sie nach der Unterzeichnung durch I. jeweils einzelne Einzahlungsscheine entfernte und diese durch solche ersetzte, 15 auf denen sie selbst oder ihr nahestehende Personen als Begünstigte eingesetzt waren. Die Zahlungsaufträge wurden anschliessend samt den ausgetauschten Ein- zahlungsscheinen an die Bank weitergeleitet, die die Zahlungen zu Lasten der StWEG-Konten ausführte. Wiederum täuschte sie damit vorsätzlich eine korrekte Abwicklung der jeweiligen Zahlungen vor. Da die Zahlungen nicht den vorgesehe- nen Empfängern zukamen, wurden die StWEG im entsprechenden Umfang geschä- digt und A. oder Dritte in demselben Umfang unrechtmässig bereichert. Die zu Las- ten der einzelnen Konten auf diese Weise unrechtmässig bezogene Summe beläuft sich insgesamt auf Fr. 198'000.-- (Ziff. 1.5 lit. a.-h. der Anklageschrift). A. hatte bei der C. eine besondere Vertrauensstellung inne, war sie im Zeit- punkt, in welchem sie die Delikte beging, doch schon mehrere Jahre bei der ge- nannten Arbeitgeberin tätig. Auch mit der Funktion der Abwicklung des Zahlungs- verkehrs von diversen Stockwerkeigentümergemeinschaften war sie bereits meh- rere Jahre lang betraut gewesen. Unter diesen Umständen konnte sie voraussehen, dass ihr Vorgesetzter I. die Zahlungsanweisungen sowie die Einzahlungsscheine nach der Unterschrift nicht noch einmal überprüfen würde. Dadurch liegt ein arglis- tiges Verhalten vor. Durch die genannte Vorgehensweise hat die Angeklagte den Tatbestand des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB mehrfach erfüllt. 3.a) Nach Art. 251 Ziff. 1 StGB wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder mit Gefängnis bestraft, wer in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an anderen Rechten zu schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen, eine Urkunde fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt sowie wer eine Urkunde dieser Art zur Täuschung gebraucht. Urkunden sind gemäss Art. 110 Ziff. 5 Abs. 1 StGB Schriften, die bestimmt und geeignet sind, oder Zeichen, die bestimmt sind, eine Tatsache von rechtlicher Bedeutung zu beweisen. Ob einem Schriftstück Beweisbestimmung und Beweiseignung zukommt, bestimmt sich aufgrund gesetzlicher Bestimmungen oder der Verkehrsübung (BGE 123 IV 63 f., 116 IV 350). Massgebend für die Beweiseignung ist nicht die Beweiskraft der Erklärung im konkreten Einzelfall, sondern ihre allgemeine Beweistauglichkeit (BGE 105 IV 193). Als Urkundenfälschung im eigentlichen Sinn wird das Herstellen einer unechten Urkunde bezeichnet, deren wirklicher Aussteller mit dem aus ihr ersichtli- chen Autor nicht identisch ist. Erfasst wird auch das Verfälschen einer Urkunde durch nachträgliche unberechtigte Abänderung des ursprünglichen Inhalts. Unter einer Falschbeurkundung im engeren Sinn versteht man das Herstellen einer ech-16 ten, aber inhaltlich unrichtigen Urkunde, bei der also der wirkliche und der in der Urkunde enthaltene Sachverhalt nicht übereinstimmen, wobei nach allgemeiner An- sicht die einfache schriftliche Lüge keine Falschbeurkundung darstellt. Da das Ver- trauen darauf, dass über die Person des Ausstellers nicht getäuscht wird, grösser ist und grösser sein darf als das Vertrauen, dass jemand nicht in schriftlicher Form lügt, werden an die Beweisbestimmung und Beweiseignung einer Urkunde bei der Falschbeurkundung höhere Anforderungen gestellt. Art. 251 Ziff. 1 StGB ist mit an- deren Worten, soweit es um die Falschbeurkundung geht, restriktiv anzuwenden (BGE 118 IV 363 ff., 117 IV 39). Eine qualifizierte schriftliche Lüge im Sinne der Falschbeurkundung wird nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung in Übereinstimmung mit der Lehre nur angenommen, wenn der Urkunde eine erhöhte Glaubwürdigkeit zukommt, d.h. wenn allgemeingültige objektive Garantien die Wahrheit der Erklärung gewährleisten, wie sie unter anderem in der Prüfungspflicht einer Urkundsperson oder in gesetzlichen Vorschriften liegen, die, wie etwa die Bi- lanzvorschriften der Art. 958 ff. OR, gerade den Inhalt bestimmter Schriftstücke näher festlegen (BGE 120 IV 126 f.). Blosse Erfahrungsregeln hinsichtlich der Glaubwürdigkeit irgendwelcher schriftlicher Äusserungen genügen dagegen nicht, mögen sie auch zur Folge haben, dass sich der Geschäftsverkehr in gewissem Um- fang auf entsprechende Angaben verlässt. Die Grenze zwischen Falschbeurkun- dung und schriftlicher Lüge muss für jeden Einzelfall unter Berücksichtigung der konkreten Umstände gezogen werden und ist zum Teil mit erheblichen Schwierig- keiten verbunden, die jedoch unumgänglich sind und darin begründet liegen, dass das Gesetz nicht eindeutig regelt, wann noch eine straflose und wann eine strafbare schriftliche Lüge vorliegt (BGE 125 IV 23). Nach der Rechtsprechung sind die kauf- männische Buchführung und ihre Bestandteile (Belege, Bücher, Buchhaltungsaus- züge über Einzelkonten, Bilanzen oder Erfolgsrechnungen) im Rahmen der Falsch- beurkundung als Absichtsurkunden kraft Gesetzes (Art. 957, 963 OR) bestimmt und geeignet, Tatsachen von rechtlicher Bedeutung bzw. die in ihr enthaltenen Tatsa- chen zu beweisen (BGE 125 IV 23, 122 IV 25 ff., 118 IV 40). Dies gilt auch, wenn eine Buchführung im Sinne von Art. 957 ff. OR nicht vorgeschrieben ist (BGE 91 IV 188 ff.). Vorausgesetzt ist indes, dass eine Buchführung nach kaufmännischer Art vorliegt, die nach der Zielsetzung von Art. 957 OR geführt wird, lückenlose Belege und Bücher umfasst und so die Feststellung der Vermögenslage mit den Schuld- und Forderungsverhältnissen sowie der Betriebsergebnisse der Geschäftsjahre er- möglicht (BGE 125 IV 17 ff.; vgl. Markus Boog, Basler Kommentar zum StGB, Band II, N 51 ff. zu Art. 251 StGB).17 b) Eine Urkundenfälschung wird A. zunächst in Ziffer 1.4 der Anklage- schrift vorgeworfen. Sie hatte am 18. April 1995 zu Lasten der StWEG „F.“ einen Vergütungsauftrag vorbereitet und von I. unterzeichnen lassen. Anschliessend ra- dierte sie in einer Position den Namen und die Bankbeziehung des ursprünglich Begünstigten aus und setzte in die entsprechenden Rubriken ihren eigenen Namen sowie die Nummer ihres Bankkontos ein. Bei Zahlungsanweisungen handelt es sich um Urkunden im strafrechtlichen Sinn, da diesen Beweisfunktion zukommt (vgl. BGE 117 IV 290). Indem die Angeklagte den von I. unterzeichneten Vergütungsauf- trag nachträglich abänderte, hat sie eine Urkunde verfälscht und den Tatbestand von Art. 251 Ziff. 1 StGB erfüllt. c) Für die von der C. betreuten Stockwerkeigentümergemeinschaften wurden Buchhaltungen nach kaufmännischer Art geführt. Um die falschen Buchun- gen zu vertuschen, fälschte die Angeklagte mehrere Male die von ihr zu erstellen- den Buchhaltungen der StWEG ab, indem sie die unrechtmässig erlangten Gelder nicht korrekt verbuchte (Ziff. 1.6 der Anklageschrift). Dadurch stimmte das in der Bilanz der jeweiligen StWEG ausgewiesene Bankguthaben nicht mit dem effektiven Saldo auf dem Bankkonto überein. Da die Buchhaltung und ihre Bestandteile Ur- kunden darstellen, hat sich A. durch das geschilderte Verhalten der mehrfachen Falschbeurkundung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht. d) A. hatte von der Baugesellschaft J. eine Wohnung im Mehrfamilien- haus „W.“ in L. gemietet. Die Baugesellschaft J. gehörte der StWEG „W.“ an, deren Buchhaltung von A. als Angestellte der C. geführt wurde. Überdies war die C. mit der Vermietung der Wohnungen der Baugesellschaft J. betraut. A. hatte den Miet- zins für die von ihre gemietete Wohnung in L. nicht regelmässig geleistet. Der U. Treuhand, die die Buchhaltung der Baugesellschaft J. führte, fielen die fehlenden Mietzinseinnahmen nicht auf, unter anderem deshalb nicht, weil A. diesen jeweils eine Mietzinszusammenstellung abgab, auf welcher sie angab, dass alle Mietzinsen bezahlt worden seien. Durch die ausgebliebenen Mietzinszahlungen fehlten der Baugesellschaft J. finanzielle Mittel, um ihre Beitragspflichten gegenüber der StWEG „W.“ zu erfüllen. Um diesen Umstand zu vertuschen, täuschte A. in der Buchhaltung der StWEG „W.“ Einzahlungen der Baugesellschaft J. vor, indem sie Zahlungen im Gesamtumfang von Fr. 35’776.25 verbuchte, die effektiv nicht statt- gefunden hatten (Ziff. 2 der Anklageschrift). Durch diese fiktiven Buchungen erfüllte A. den Tatbestand der Falschbeurkundung nach Art. 251 Ziff. 1 StGB mehrfach.18 e) Mehrfache Falschbeurkundung wird A. auch in Ziffer 3 der Anklage- schrift vorgeworfen. Im Rahmen der Betreuung der StWEG „F.“ in T. kam jener die Aufgabe zu, vom Verwalter der StWEG Bargeld entgegenzunehmen und dieses auf das Konto der StWEG bei der Bank einzuzahlen. Dieser Pflicht kam sich jedoch nicht immer nach und verbrauchte das Bargeld, insgesamt mindestens Fr. 61'972.50, für sich. Um diese Verfehlung zu vertuschen, verbuchte A. diese Gelder jeweils fälschlicherweise als Eingang in die Kontoblätter der von ihr geführten Buch- haltung der StWEG „F.“. In den von ihr zu erstellenden Jahresabschlüssen der StWEG „F.“ bilanzierte sie die betroffenen Bankkonten sodann jeweilig mit einem überhöhten Saldo, so dass die im Abschluss erscheinenden Beträge nicht mit dem effektiven Banksaldo übereinstimmten. Auch durch dieses Verhalten hat sich die Angeklagte der mehrfachen Falschbeurkundung nach Art. 251 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht. f) Sodann hatte A. seit 1996 bei der Katholischen Kirchgemeinde H. die Funktion der nebenamtlichen Kassierin inne. Als solche gehörte sie gleichzeitig dem Vorstand der Kirchgemeinde an. Sie führte die Buchhaltung, erstellte den Jahres- abschluss und wickelte Zahlungen für die Kirchgemeinde ab. Zu diesem Zweck war sie über das Postkonto und über die Bankkonten der Kirchgemeinde einzelzeich- nungsberechtigt. Zwischen dem 10. Oktober 1996 und dem 20. Juni 2000 bezog A. ab dem Postcheckkonto und einem Bankkonto unter mehreren Malen Geld, welches sie in der Folge nicht für die Kirchgemeinde H. verwendete, sondern für eigene Zwe- cke verbrauchte, insgesamt Fr. 235'443.50. Um ihre Verfehlungen zu vertuschen, fälschte A. die Buchhaltung, indem sie die vereinnahmten Gelder in den entspre- chenden Kontoblättern der Buchhaltung falsch oder gar nicht verbuchte und in den Jahresabschlüssen das Postcheck- und das Bankkonto mit einem überhöhten Saldo bilanzierte. Dadurch hat sie sich weiterer Falschbeurkundungen schuldig ge- macht. Die Staatsanwaltschaft erachtet durch dieses Verhalten den Tatbestand der Urkundenfälschung im Amt nach Art. 317 Ziff. 1 Abs. 2 StGB als erfüllt. Gemäss der genannten Bestimmung werden Beamte oder Personen öffentlichen Glaubens, die vorsätzlich eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkunden, namentlich eine falsche Unterschrift oder ein falsches Handzeichen oder eine unrichtige Ab- schrift beglaubigen, mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder mit Gefängnis bestraft. Die Verteidigung bestreitet in diesem Zusammenhang das Vorliegen einer beamte- ten Stellung der Angeklagten. Als Beamte gelten gemäss Art. 110 Ziff. 4 StGB Be- amte und Angestellte einer öffentlichen Verwaltung und der Rechtspflege, aber 19 auch Personen, die provisorisch ein Amt bekleiden oder angestellt sind, oder die vorübergehend amtliche Funktionen ausüben. Nach der Rechtsprechung ist Beam- ter im Sinne dieser Bestimmung auch, wer für das öffentliche Gemeinwesen amtli- che Funktionen auszuüben hat, ohne dass er zu ihm in einem Dienstverhältnis stünde. Andererseits gilt trotz vorübergehender Ausübung amtlicher Funktionen nicht als Beamter, wer zum Gemeinwesen nicht in einem Verhältnis der Abhängig- keit steht (BGE 121 IV 220, 76 IV 150). Behördenmitglieder, die keine Beamte sind, fallen nicht unter Art. 317 StGB, sondern es gelangt Art. 251 StGB zur Anwendung (Markus Boog, Basler Kommentar zum StGB, Band II, N 2 zu Art. 317 StGB). A. gehörte als nebenamtliche Kassierin gleichzeitig dem Vorstand der Katho- lischen Kirchgemeinde H. an. Ihre Aufgabe bestand unter anderem im Führen der Buchhaltung und dem Erstellen des Jahresabschlusses. Ein Pflichtenheft für diese Stelle existiert nicht, so dass nicht klar ist, welche Aufgaben und Funktionen A. im Detail zukamen und wem sie Rechenschaft abzulegen hatte. Zweifelsohne war die Angeklagte Mitglied einer Behörde. Sie stand jedoch nicht in einem eigentlichen Dienstverhältnis zur Kirchgemeinde. Zudem ist nicht ersichtlich, dass sie besonde- ren Weisungen der Kirchgemeinde unterstellt war. Die Beamteneigenschaft von A. ist nach Ansicht des Kantonsgerichts somit nicht erstellt, so dass sie wegen mehr- facher Falschbeurkundung gestützt auf Art. 251 Ziff. 1 StGB zu bestrafen ist. 4.a) Mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder mit Gefängnis wird bestraft, wer sich eine ihm anvertraute fremde bewegliche Sache aneignet, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) oder wer ihm anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem oder eines anderen Nut- zen verwendet (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB). Unter Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB fällt auch dem Täter anvertrautes Bargeld, wenn es noch im Eigentum eines anderen steht und der Täter verpflichtet ist, es getrennt von seinem eigenen Geld aufzube- wahren (BGE 105 IV 33). Unter den Begriff der anvertrauten Vermögenswerte gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB werden u.a. Forderungen und Buchgeld sub- sumiert (Marcel Alexander Niggli/Christof Riedo, Basler Kommentar zum StGB, Band II, N 29 zu Art. 138 StGB). Als dem Täter anvertraut gilt, was er mit der Ver- pflichtung empfängt, es in bestimmter Weise im Interesse eines anderen zu verwen- den, insbesondere es zu verwahren, zu verwalten oder abzuliefern. Eine solche Ver- pflichtung kann auf ausdrücklicher oder stillschweigender Abmachung beruhen (BGE 120 IV 119, 118 IV 33, 117 IV 257). Eine Bereicherungsabsicht kann nur aus- geschlossen werden, wenn der Täter Ersatzbereitschaft aufweist, das heisst fähig und willens ist, das sich angeeignete Geld zu ersetzen, und zwar auf den Zeitpunkt 20 hin, auf welchen es gemäss der vertraglichen Vereinbarung zur Verfügung gehalten werden muss (BGE 119 IV 128, 118 IV 29 f.). Die Bestimmung von Art. 138 StGB gilt seit der Revision des Vermögensstrafrechts, welche seit 1. Januar 1995 in Kraft ist. Zuvor galt aArt. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, nach welchem mit Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft wurde, wer sich eine ihm anvertraute fremde, bewegliche Sache aneignet, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern. b) A. betreute im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der C. auch die StWEG „F.“ in T. (Ziff. 3.1 der Anklageschrift). Es gehörte dabei zu ihren Aufgaben, vom Ver- walter der StWEG „F.“ die von den Eigentümern bezahlten Gelder für die Wasch- küchenbenützung und die Appartementreinigung entgegenzunehmen. Das Bargeld sollte sie anschliessend auf das Bankkonto der StWEG bei der N. in B. einzahlen. In diesem Sinn war A. das Bargeld anvertraut. In Missachtung ihrer Pflicht nahm A. die Einzahlungen des Geldes nicht immer vor und verbrauchte das Geld für sich. Diese Pflichtverletzungen geschahen im Zeitraum von anfangs 1993 bis 31. Mai 2000 und bezogen sich auf einen Betrag von mindestens Fr. 61'972.50. Eine Er- satzbereitschaft bestand nicht. Indem sich die Angeklagte das ihr anvertraute Bar- geld der StWEG „F.“ angeeignet hat, um sich oder ihre Bekannten zu bereichern, hat sie den Tatbestand der Veruntreuung mehrfach erfüllt, wobei für die Zeit vor dem 1. Januar 1995 die Bestimmung von aArt. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und danach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zur Anwendung gelangt. Nach der früheren Fassung des Gesetzes stellte die Veruntreuung ein Ver- gehen dar. Die relative Verjährungsfrist für die Strafverfolgung betrug danach gemäss aArt. 70 Abs. 3 StGB 5 Jahre; die absolute Verjährung trat nach Ablauf von 7 1/2 Jahren ein (Art. 72 Ziff. 2 Abs. 2 StGB). Bei separater Betrachtung der vor 1995 begangenen Delikte wären diese demnach bereits verjährt. Indes bilden ver- schiedene strafbare Handlungen gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nach Art. 71 Abs. 2 StGB dann eine Einheit, wenn sie gleichartig und gegen das- selbe Rechtsgut gerichtet sind und - ohne dass bereits ein Dauerdelikt im Sinne von Art. 71 Abs. 3 StGB gegeben wäre - ein andauerndes pflichtwidriges Verhalten bil- den (BGE 124 IV 5 ff.). Vorliegend sind die von 1993 bis 2001 begangenen Verun- treuungen als andauerndes pflichtwidriges Verhalten anzusehen, weshalb sie zu einer verjährungsrechtlichen Einheit zusammengefasst werden dürfen. Die Ver- jährungsfrist begann daher erst am 31. Mai 2000 zu laufen und die Verjährung ist noch nicht eingetreten.21 5.a) Wer eine Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB als Mitglied einer Behörde, als Beamter, Vormund, Beistand, berufsmässiger Vermögensver- walter oder bei Ausübung eines Berufes, Gewerbes oder Handelsgeschäftes, zu der er durch eine Behörde ermächtigt ist, begeht, wird gemäss Art. 138 Ziff. 2 StGB mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren oder mit Gefängnis bestraft. Behörden im straf- rechtlichen Sinn sind die auf gesetzlicher Grundlage beruhenden und über eine re- lative Selbständigkeit verfügenden Organe einer öffentlichrechtlichen Körperschaft (Marcel Alexander Niggli/Christof Riedo, Basler Kommentar zur StGB, Band II, N 148 zu Art. 138 StGB). Darunter fallen auch Mitglieder des Vorstands einer Kirch- gemeinde (PKG 1978 Nr. 11). b) A. wurde am 8. Mai 1996 von der Katholischen Kirchgemeinde H. als nebenamtliche Kassierin gewählt. Durch dieses Amt gehörte sie gleichzeitig dem Kirchgemeindevorstand an. A. hatte die Buchhaltung zu führen und den Jahresab- schluss zu erstellen sowie Zahlungen für die Kirchgemeinde abzuwickeln. Zu die- sem Zweck war sie über das Post- und die diversen Bankkonten der Kirchgemeinde H. einzelzeichnungsberechtigt. Neben korrekt durchgeführten Abhebungen bezog A. zwischen dem 10. Oktober 1996 und dem 20. Juni 2000 ab dem Postcheckkonto und einem Bankkonto der Kirchgemeinde auch Geld, welches sie in der Folge nicht für die Kirchgemeinde, sondern für eigene Zwecke verwendete. Die Kirchgemeinde H. wurde durch diese andauernde Pflichtverletzung in einem Betrag von Fr. 235'443.50 geschädigt (Ziff. 4.2 der Anklageschrift). In ihrer Funktion als Kassierin waren A. die Vermögenswerte der Kirchgemeinde anvertraut. Die anvertrauten Ver- mögenswerte verwendete A. zu einem Teil unrecht- mässig in ihrem oder dem Nutzen von Bekannten. Eine Ersatzbereitschaft bestand auch hier nicht. Durch dieses Verhalten machte sie sich der mehrfachen Veruntreu- ung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB schuldig. Als Mitglied des Kirchgemeinde- vorstandes handelte A. zudem als Mitglied einer Behörde, weshalb sie wegen mehr- facher Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 2 StGB zu verurteilen ist. 6.a) Gemäss Art. 63 StGB bemisst das Gericht die Strafe nach dem Ver- schulden des Täters. Es berücksichtigt dabei die Beweggründe, das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Schuldigen. Grundlage für die Bemessung der Schuld ist immer die Schwere der Tat. Bei der Beurteilung der Tatkomponente wer- den insbesondere das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art und Weise sei- ner Herbeiführung, die Willensrichtung, mit welcher der Täter gehandelt hat und die Beweggründe des Schuldigen berücksichtigt. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat oder im 22 Strafverfahren, wie zum Beispiel Reue, Einsicht oder Strafempfindlichkeit. Das Mass des Verschuldens variiert unter anderem mit der Schwere des deliktischen Erfolges, den unterschiedlich gravierenden Modalitäten der Tatbegehung und dem Mass an Entscheidungsfreiheit, das dem Täter zugeschrieben werden muss. Je leichter es für ihn gewesen wäre, die Rechtsgutverletzung zu vermeiden, je grösser also sein Handlungsspielraum war, desto grösser wiegt das Verschulden. Diese in die Waagschale gelegten Elemente wirken strafmindernd oder straferhöhend, wo- bei in der Begründung der Strafzumessung die Überlegungen des Gerichts nach- vollziehbar sein müssen (vgl. BGE 117 IV 113 f., 118 IV 14 ff.). Wenn jemand durch eine oder mehrere Handlungen mehrere Freiheitsstra- fen verwirkt hat, so verurteilt ihn der Richter nach dem Asperationsprinzip zu der Strafe der schwersten Tat und erhöht deren Dauer angemessen. Er kann jedoch das höchste Mass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte überschrei- ten und ist dabei zudem an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 68 Ziff. 1 StGB). Schwerste Tat ist diejenige, welche unter den mit der höchsten Strafe bedrohten Tatbestand fällt. Grundlage für die Strafzumessung ist daher im vorliegenden Fall der in Art. 138 Ziff. 2 StGB vorgesehene Strafrahmen von Gefäng- nis oder Zuchthaus bis zu fünf Jahren. b) Das Verschulden von A. wiegt objektiv schwer. Sie hat über mehrere Jahre hinweg Vermögens- und Urkundendelikte gegenüber diversen Geschädigten begangen, wobei sich der Deliktsbetrag in einer Höhe von mehreren hunderttau- send Franken bewegt. Durch das gezeigte Verhalten hat sie zudem das ihr vom Arbeitgeber und von der Kirchgemeinde entgegengebrachte Vertrauen sehr stark missbraucht. Strafmindernd fällt vorliegend insbesondere die Täterkomponente ins Gewicht. Es ist davon auszugehen, dass A. nicht aus egoistischen oder ge- winnsüchtigen Motiven gehandelt hat. Sie hat die unrecht- mässig erlangten Gelder nur zu einem Teil für sich verbraucht und diese darüber hinaus Drittpersonen, sei es nun ihrem Freund, dessen Familie oder weiteren Be- kannten, zukommen lassen. Dieses Vorgehen findet seine Begründung in der vom Psychiater festgestellten Persönlichkeitsstörung, die bestimmend für die delikti- schen Handlungen von A. war. Das Mass an Entscheidungsfreiheit war infolge die- ser Vorgaben in der Person der Angeklagten wesentlich beeinträchtigt, wenngleich sie nicht unter eigentlichem äusserem Zwang gehandelt hat. In Übereinstimmung mit der Verteidigung ist ferner zu berücksichtigen, dass die Angeklagte wenig krimi- nelle Energie aufwenden musste, um ihre Taten zu begehen. Sämtliche Aufsichts- und Kontrollinstanzen, seien es der Arbeitgeber oder die Revisoren der jeweiligen 23 Stockwerkeigentümergemeinschaften oder der Kirchgemeinde, haben versagt, in- dem nur schon elementare Kontrollen wie ein Vergleich des Saldo auf den Bank- konten mit dem Saldo in der Buchhaltung unterlassen wurde. Dadurch wurde es der Angeklagten sehr leicht gemacht, Bezüge für sich zu tätigen. Strafmindernd kann A. überdies die Vorstrafenlosigkeit und der gute Leumund, das umfassende Ge- ständnis sowie ihre hohe Kooperationsbereitschaft im Rahmen der Strafuntersu- chung zugute gehalten werden. Auch die Reue und Einsicht ist zu Ihren Gunsten zu werten. Strafschärfend wirken sich die mehrfache Tatbegehung und das Zusammen- treffen mehrerer strafbarer Handlungen aus. Strafmildernd ist bei der Angeklagten die vom Psychiater festgestellte und begründete Verminderung der Zurechnungs- fähigkeit in leichtem bis höchstens mittlerem Grade zu berücksichtigen (Art. 11 StGB). Das Gericht kann die Strafe ebenfalls mildern, wenn der Täter aufrichtige Reue betätigt, namentlich den Schaden, soweit es ihm zuzumuten war, ersetzt hat (Art. 64 Abs. 5 StGB). Das Gesetz verlangt hierbei eine besondere Anstrengung seitens des Fehlbaren, die dieser freiwillig und uneigennützig, weder nur vorüber- gehend noch allein unter dem Druck des hängigen Strafverfahrens, erbringen muss (BGE 107 IV 99, 117 Ia 406). Diese Voraussetzungen sind vorliegend gegeben. A. zeigt aufrichtige Reue und hat unter Mithilfe der Verwandtschaft einen grossen Teil des angerichteten Schadens ersetzt. So ist der Schaden der Kirchgemeinde vollständig gedeckt und jener der C. zum Teil. Über die weitere Schadenserledigung wurde ein Vergleich abgeschlossen, nach welchem A. monatliche Zahlungen an die Geschädigte zu leisten hat. Durch diese Bemühungen äussert die Angeklagte ihren Willen, das geschehene Unrecht wiedergutzumachen. Die Verteidigung brachte zu- dem vor, die Strafe sei auch deshalb zu mildern, weil A. auf Veranlassung einer Person, der sie Gehorsam schuldig oder von der sie abhängig ist, gehandelt habe (Art. 64 Abs. 2 al. 4 StGB). Vorausgesetzt ist dafür ein Druck oder eine Drohung von einer gewissen Stärke. Der ausgeübte Druck oder Einfluss muss die Entschei- dungsfreiheit des Täters in ähnlicher Weise herabgesetzt haben wie die übrigen Strafmilderungsgründe, insbesondere wie jener des Handelns in schwerer Bedräng- nis oder unter dem Eindruck einer schweren Drohung (BGE 102 IV 238). Diese re- striktiven Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt. Zwar war A. infolge der dia- gnostizierten Persönlichkeitsstörung zu einem Teil von ihrem Lebenspartner E. ab- hängig, indem der Gedanke, von diesem verlassen zu werden, bei ihr Angst aus- löste. Doch erreichte diese Abhängigkeit nicht die Intensität, dass das Begehen der strafbaren Handlung als einziger Ausweg erschien, um die Beziehung aufrecht zu erhalten. Anlässlich der psychiatrischen Begutachtung hatte A. selbst bestätigt, 24 dass eine Trennung nie im Raum gestanden sei und sie auch von niemandem be- droht worden sei. Die erwähnte Abhängigkeit kann allerdings zumindest strafmin- dernd berücksichtigt werden. Unter Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungsgründe erscheint eine Strafe von 12 Monaten Gefängnis dem Verschulden von A. als angemessen und gerechtfertigt. 7.a) Bei diesem Strafmass ist zu prüfen, ob der Verurteilten für die zwölf- monatige Gefängnisstrafe die Rechtswohltat des bedingten Strafvollzugs gewährt werden kann. Die diesbezüglichen Anforderungen bestimmen sich nach Art. 41 Ziff. 1 StGB. Danach kann das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe von nicht mehr als 18 Monaten oder einer Nebenstrafe aufschieben, wenn Vorleben und Charakter des Verurteilten erwarten lassen, er werde dadurch von weiteren Verbrechen und Vergehen abgehalten (Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Es ist zu prüfen, ob eine günstige Prognose für künftiges Wohlverhalten gestellt werden kann. Dabei ist in erster Linie der Grundsatz der Spezialprävention massgeblich (BGE 118 IV 100). Allerdings lässt sich selbst durch eine umfassende und intensive Auseinandersetzung mit der Täterpersönlichkeit keine absolut verlässliche Zukunftsvoraussage treffen. Bei Prü- fung der günstigen Prognose im Sinne von Art. 41 Ziff. 1 StGB steht daher die Frage im Vordergrund, unter welchen Voraussetzungen einem Verurteilten trotz unsiche- rer Zukunftsaussichten Vertrauen geschenkt werden kann. Vermag das Gericht be- gründetes Vertrauen zu gewinnen, so ist der Vollzug der Freiheitsstrafe aufzuschie- ben. Der Aufschub ist nicht zulässig, wenn der Verurteilte innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat wegen eines vorsätzlich begangenen Verbrechens oder Verge- hens eine Zuchthaus- oder eine Gefängnisstrafe von mehr als drei Monaten ver- büsst hat (Art. 41 Ziff. 1 Abs. 2 StGB). Im Falle des Aufschubes bestimmt das Ge- richt dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis zu fünf Jahren (Art. 41 Ziff. 1 Abs. 3 StGB). b) Da A. innerhalb der letzten fünf Jahre keine Freiheitsstrafe von mehr als drei Monaten verbüssen musste und vorliegend eine Freiheitsstrafe von weniger als achtzehn Monaten verhängt wird, sind die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvollzugs gegeben. Auch in subjektiver Hinsicht er- achtet das Gericht die Voraussetzungen als erfüllt. Nach Ansicht des Kantonsge- richts kann A. eine gute Prognose gestellt werden. Zwar hat die Verurteilte über eine lange Zeit hinweg und in hohem Umfang delinquiert. Doch bereut sie die begange- nen Taten und zeigt Einsicht. Sie bemüht sich, den Schaden wiedergutzumachen 25 und hat sich freiwillig einer Therapie unterzogen, um die Gefahr eines Rückfalls zu minimieren. Ihr neuer Arbeitgeber stellt ihr ein gutes Zeugnis aus. Unter diesen Um- ständen ist zu erwarten, dass A. sich in Zukunft wohlverhalten wird. Aus diesen Gründen wird der Vollzug der zwölfmonatigen Freiheitsstrafe aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren. 8. Das Gericht kann einen zu einer bedingten Strafe Verurteilten unter Schutzaufsicht stellen. Es kann ihm für sein Verhalten während der Probezeit be- stimmte Weisungen erteilen, insbesondere über Berufsausübung, Aufenthalt, ärzt- liche Betreuung, Verzicht auf alkoholische Getränke oder Schadensdeckung inner- halb einer bestimmten Frist (Art. 41 Ziff. 2 Abs. 1 StGB). Die kantonale psychiatri- sche Klinik M. B. erachtete gemäss Gutachten vom 31. August 2001 die Durch- führung einer ambulant-psychiatrischen Behandlung zur Verhütung einer allfälligen Rückfallgefahr auch im Falle des bedingten Strafvollzugs als notwendig und zweck- mässig. Der Gutachter empfahl daher die Erteilung einer gerichtlichen Weisung zur Weiterführung der begonnenen ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung. Der Verteidiger von A. hielt anlässlich der Hauptverhandlung fest, dass gegen die Erteilung einer Weisung zur Fortführung der ambulanten psychiatrischen Behandlung nicht opponiert würde. Hierzu ist festzuhalten, dass sich A. bereits im Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens vor rund eineinhalb Jahren von sich aus einer Therapie unterzog. Diese wird gemäss einem von der Verurteilten zu den Ak- ten gereichten ärztlichen Bericht auch heute noch durchgeführt. Es ist daher davon auszugehen, dass A. genügend motiviert ist, die Behandlung auch ohne gerichtli- chen Druck weiterzuführen. Von der gerichtlichen Anordnung einer ambulant- psychiatrischen Behandlung wird daher abgesehen. 9. Nach Art. 59 Ziff. 1 StGB verfügt das Gericht die Einziehung von Ver- mögenswerten, die durch eine strafbare Handlung erlangt worden sind oder dazu bestimmt waren, eine strafbare Handlung zu veranlassen oder zu belohnen, sofern sie nicht dem Verletzten zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes aus- gehändigt werden. Erleidet jemand durch ein Verbrechen oder ein Vergehen einen Schaden, der nicht durch eine Versicherung gedeckt ist und ist anzunehmen, dass der Schädiger den Schaden nicht ersetzten wird, so spricht das Gericht gestützt auf Art. 60 Abs. 1 lit. b. StGB dem Geschädigten die eingezogenen Vermögenswerte auf dessen Verlangen bis zur Höhe des gerichtlich oder durch Vergleich festgesetz- ten Schadenersatzes zu.26 Im Rahmen der Strafuntersuchung waren vom Untersuchungsrichter bei mehreren Banken Guthaben der Angeklagten in der Höhe von insgesamt Fr. 1‘665.05 sowie eine Lebensversicherungspolice im Wert von Fr. 22'989.20 be- schlagnahmt worden. Mit Ausnahme der C. sind alle Geschädigten mittlerweile schadlos gehalten worden. Die Anklage erachtet es als gerechtfertigt, die beschlag- nahmten Gelder einzuziehen und im Sinne von Art. 60 StGB zu Gunsten der C. zu verwenden. Auch die Verteidigung beantragt gestützt auf einen über die Zivilforde- rung abgeschlossenen aussergerichtlichen Vergleich die Aushändigung bzw. Zu- sprechung an die C.. Das Kantonsgericht verfügt die Einziehung der beschlagnahm- ten Vermögenswerte sowie deren Verwendung zu Gunsten der C.. 10.a) Der Geschädigte kann gestützt auf Art. 130 Abs. 1 StPO seine zivil- rechtliche Forderung gegenüber dem Angeschuldigten beim Strafgericht adhäsi- onsweise geltend machen. Die Adhäsionsklage ist spätestens bis zum zwanzigsten Tag nach Eingang der Verfügung betreffend den Schluss der Untersuchung, welche vorliegend am 15. Oktober 2002 erging, durch schriftlich formuliertes Begehren bei der Staatsanwaltschaft einzureichen. Erachtet das Gericht die Akten zur Beurteilung des Zivilpunktes als ausreichend, so entscheidet es gemäss Art. 131 Abs. 3 StPO über fristgerecht eingereichte Adhäsionsklagen ohne Rücksicht auf den Streitwert. Ist dies nicht der Fall, wird die Adhäsionsklage an den ordentlichen Richter verwie- sen. b) Am 5. November 2002 reichte Rechtsanwalt lic. iur. Wilfried Caviezel namens und auftrags der C. gegen A. und E. fristgerecht eine Adhäsionsklage ein. Er stellte die folgenden Rechtsbegehren: „1. Die Adhäsionsbeklagten seien solidarisch zu verpflichten, der Klä- gerin den Betrag von Fr. 220‘360.15 zu bezahlen. 2. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge unter solidarischer Haftbarkeit zu Lasten der Beklagten.“ Die Adhäsionsklägerin macht geltend, dass A. im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der C. gesamthaft einen Betrag von Fr. 329'124.80 veruntreut und ertrogen habe. Als Verwalterin der Stockwerkeigentümergemeinschaften habe die C. diesen ge- genüber für den nachgewiesenen Schaden einstehen müssen. Von der Gesamts- umme sei ein Betrag von Fr. 108'764.65 von der Angeklagten bzw. deren Schwester an die StWEG „F.“ erstattet worden, weshalb dieser Betrag in Abzug zu bringen sei. Geltend gemacht werde die ungedeckt gebliebene Summe von Fr. 220'360.15.27 Zunächst ist festzuhalten, dass gegen E., den Lebenspartner der Angeklag- ten, am 12. Februar 2001 ebenfalls eine Strafuntersuchung eröffnet worden war. Das Strafverfahren wurde jedoch mit Verfügung vom 9. Januar 2003 wieder einge- stellt, nachdem ihm nicht nachgewiesen werden konnte, mit Wissen und Willen an den A. zur Last gelegten Delikten in irgendeiner Form beteiligt gewesen zu sein. Durch die Einstellungsverfügung fiel die für ein zivilrechtliches Anschlussverfahren notwendige Voraussetzung eines hängigen Strafverfahrens weg, so dass die Adhä- sionsklage gegen E. gegenstandslos geworden ist. Anlässlich der Hauptverhandlung reichte der Verteidiger von A. einen Ver- gleich vom 3. bzw. 8. März 2003 zwischen der Genannten und der C. zu den Akten. Der Vergleich weist folgenden Wortlaut auf: „VERGLEICH zwischen A., vertreten durch RA Martin Schmid, Hartbertstrasse 11, Postfach 180, 7002 Chur, und C., vertreten durch RA Wilfried Caviezel, Masanserstrasse 35, Postfach, 7001 Chur, betreffend Forderung 1. A. bezahlt der C. insgesamt Fr. 210'000.00 (Franken zweihundert- zehntausend). 2. Die Zahlung erfolgt: a) Im Umfang von Fr. 115'000.00 innert 10 Tagen seit Abschluss dieses Vergleichs. Der Betrag ist auf einem Sperrkonto bei der UBS AG, für welches A. und RA Martin Schmid zeichnungs- berechtigt sind, sichergestellt. Der derzeitige Saldo auf dem Konto beträgt Fr. 125'000.00. Fr. 10'000.00 werden für Ver- fahrenskosten (Strafuntersuchung, Gericht) zurückgestellt. b) A. erklärt sich damit einverstanden, dass die vom Untersu- chungsrichteramt Chur beschlagnahmten Vermögenswerte von total ca. Fr. 25'000.00 der C. auf Anrechnung an die Schuld ausgehändigt, eventuell richterlich zugesprochen wer- den. RA Martin Schmid stellt dem Kantonsgericht von Graubünden den entsprechenden Antrag. Der Zugang der Vermögenswerte gilt als Teilzahlung an den vereinbarten Schuldbetrag von Fr. 210'000.00. Die mittels Ratenzahlung zu 28 begleichende Restschuld (lit. d nachstehend) reduziert sich entsprechend. c) Der Zugang der beschlagnahmten Vermögenswerte von E., welche der C. vom Untersuchungsrichteramt Chur ausgehän- digt werden, gilt als Teilzahlung an den vereinbarten Schuld- betrag von Fr. 210'000.00. Die mittels Ratenzahlung zu be- gleichende Restschuld (lit. d nachstehend) reduziert sich ent- sprechend. d) im Umfang der Restschuld in monatlichen Raten von je Fr. 2'500.--, zahlbar auf das Ende jeden Monats, erstmals auf Ende März 2003. Sollte A. im Strafverfahren vor Kantonsge- richt Graubünden der bedingte Strafvollzug nicht gewährt wer- den, so ruht die Pflicht zur Leistung monatlicher Raten während der Dauer des Strafvollzuges. 3. Die C. bestätigt, die Stockwerkeigentümer-Gemeinschaft Y., die Stockwerkeigentümer-Gemeinschaft Z., die Stockwerkeigentü- mer-Gemeinschaft G. 3, die Stockwerkeigentümer-Gemeinschaft X., die Stockwerkeigentümer-Gemeinschaft G. 1, die Stockwerk- eigentümer-Gemeinschaft W. und die Stockwerkeigentümer-Ge- meinschaft F. für die in der Anklageschrift enthaltenen strafbaren Handlungen von A. schadlos gestellt zu haben. 4. Mit Vollzug vorstehender Vereinbarung erklären sich die Parteien für sämtliche Handlungen, welche in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 14. Januar 2003 bezeichnet sind, per Saldo aller Ansprüche für auseinandergesetzt. AA., den 8.3.2003 A. sig. A. B., den 3.3.2003 C. sig. I.“ Mit Abschluss des genannten Vergleichs haben sich die Parteien über alle strittigen Punkte geeinigt. Insbesondere wird davon ausgegangen, dass mit der For- mulierung von Ziffer 4 des Vergleiches, wonach die Parteien im Hinblick auf die beurteilten strafbaren Handlungen per Saldo aller Ansprüche auseinandergesetzt seien, auch zum Ausdruck gebracht werden wollte, dass auf die Zusprechung einer aussergerichtlichen Entschädigung an die C. verzichtet werde. Durch die Aufnahme in das vorliegende Urteil kommt dem Vergleich gemäss Art. 114 Abs. 2 ZPO die 29 Wirkung eines rechtskräftigen Urteils zu. Das Gericht nimmt vom Vergleich Vormerk und schreibt die Adhäsionsklage als durch Vergleich erledigt ab. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft und die Gerichtsgebühr gestützt auf Art. 158 Abs. 1 StPO zu Lasten der Verurteilten. Die Kosten eines allfälligen Strafvollzuges gehen zu Las- ten des Kantons Graubünden (Art. 188 StGB).30 Demnach erkennt die Strafkammer : 1. A. ist schuldig des mehrfachen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB, der mehrfa- chen Falschbeurkundung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen Ver- untreuung gemäss aArt. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen Ver- untreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB. 2. Dafür wird sie mit 12 Monaten Gefängnis bestraft. 3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren. 4. Die beschlagnahmten Vermögenswerte werden gerichtlich eingezogen und zu Gunsten der geschädigten C. verwendet. 5. Von dem zwischen A. und der C. geschlossenen Vergleich wird Vormerk ge- nommen und die Adhäsionsklage als durch Vergleich erledigt abgeschrie- ben. 6. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus: -den Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von Fr. 5'488.00 -der Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.00 total somit Fr. 7'488.00 gehen zu Lasten der Verurteilten. Die Kosten eines allfälligen Strafvollzuges gehen zu Lasten des Kantons Graubünden. 7. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel- tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge- richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent- scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts- pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele- gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde gelten die Art. 268 ff. BStP.31 8. Mitteilung an: __________ Für die Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden Der Präsident Die Aktuarin ad hoc