<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 129 S.603</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Stipendienwesen</span> <span class="page_no">603</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VI. Stipendienwesen</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>129 Elternabhängigkeit.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Ansprüche der Kinder gegenüber den Eltern sind mit der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Scheidung nicht abschliessend auseinandergesetzt (Erw. 3 a).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Führen geschiedene Eltern zwei Haushalte, so ist deren kumu-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>liertes Einkommen zu 2/3 und deren kumuliertes Vermögen als</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Ganzes massgebend (Erw. 3 b).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Da grundsätzlich jeder Miterbe jederzeit die Teilung verlangen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kann, spielt es in stipendienrechtlicher Hinsicht keine Rolle,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>wenn ein Nachlass unter den Erben noch nicht verteilt ist</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 3 c).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Aus dem Umstand, dass bereits einmal Ausbildungsbeiträge</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zugesprochen worden sind, kann nichts abgeleitet werden</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 3 d).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Regierungsrates vom 2. Mai 2001 in Sachen K.E., K.E. und</span><br/> <span class="ft5">J.E. gegen Departement Bildung, Kultur und Sport (Fachstelle für Stipendien).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">2. a) Gemäss § 5 Abs. 2 des Gesetzes über die Förderung der</span><br/> <span class="ft7">Ausbildung (Stipendiengesetz) vom 16. Oktober 1968 sollen die</span><br/> <span class="ft7">staatlichen Stipendien zusammen mit Beiträgen von Bund, Gemein-</span><br/> <span class="ft7">den oder Privaten sowie allfälligen Studiendarlehen die Ausbil-</span><br/> <span class="ft7">dungskosten begabter Stipendienberechtigter decken, die sie und ihre</span><br/> <span class="ft7">nächsten Angehörigen ohne zumutbare Einschränkung nicht aufbrin-</span><br/> <span class="ft7">gen können. Bei ledigen Gesuchstellenden gelten vorab die Eltern als</span><br/> <span class="ft7">nächste Angehörige im Sinne der oben erwähnten Bestimmung. Als</span><br/> <span class="ft7">beitragsberechtigte Kosten gelten gemäss § 3 des Stipendiengesetzes</span><br/> <span class="ft7">die Studiengelder und -auslagen sowie die mit der Ausbildung ver-</span><br/> <span class="ft7">bundenen besonderen Lebenshaltungskosten.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">604</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">3. a) Die Eltern der Beschwerdeführenden sind (...) geschieden.</span><br/> <span class="ft7">Die Beschwerdeführenden leben bei der Mutter; ihr Vater bleibt al-</span><br/> <span class="ft7">lerdings ungeachtet der Scheidung auch nach Eintritt der Mündigkeit</span><br/> <span class="ft7">im Rahmen von Art. 277 Abs. 2 ZGB unterhaltspflichtig. J.E. wurde</span><br/> <span class="ft7">zudem erst im Laufe des Beschwerdeverfahrens (...) volljährig. Ent-</span><br/> <span class="ft7">gegen der Ansicht von C.E. - dem Vater der Beschwerdeführenden -</span><br/> <span class="ft7">sind mit seiner Scheidung die Ansprüche der Kinder ihm gegenüber</span><br/> <span class="ft7">nicht abschliessend auseinandergesetzt. Die Einkommens- und Ver-</span><br/> <span class="ft7">mögensverhältnisse des Vaters sind prinzipiell gleich wie diejenigen</span><br/> <span class="ft7">der Mutter bei der Abklärung der Stipendienberechtigung zu berück-</span><br/> <span class="ft7">sichtigen, zumal die Beschwerdeführenden mit Erreichen der Voll-</span><br/> <span class="ft7">jährigkeit einen selbständigen Unterhaltsanspruch gegenüber dem</span><br/> <span class="ft7">Vater erhalten haben. Die Scheidungskonvention (...), welche unter</span><br/> <span class="ft7">anderem die Bezahlung von Unterhaltsbeiträgen an die Inhaberin der</span><br/> <span class="ft7">elterlichen Gewalt zugunsten der Kinder regelte, ist hinsichtlich der</span><br/> <span class="ft7">Kinder ab Erlangung der Mündigkeit nicht mehr relevant. Bereits</span><br/> <span class="ft7">vorher hätte zudem eine Anpassung der Konvention aufgrund der</span><br/> <span class="ft7">veränderten Verhältnisse verlangt werden können (vgl. Art. 286</span><br/> <span class="ft7">ZGB). Die Unterhaltspflicht ist folglich nach dem aktuellen Bedarf</span><br/> <span class="ft7">der Beschwerdeführenden und den konkreten Finanzverhältnissen</span><br/> <span class="ft7">beider Elternteile zu bemessen.</span><br/> <span class="ft7">b) Für die Abklärung der Stipendienberechtigung von Bewer-</span><br/> <span class="ft7">benden, deren Eltern aufgrund von Art. 276/277 ZGB noch zum</span><br/> <span class="ft7">Unterhalt verpflichtet sind, ist grundsätzlich das in §§ 6c ff. StipV</span><br/> <span class="ft7">aufgeführte Punktesystem anwendbar. Bei der Beurteilung der Sti-</span><br/> <span class="ft7">pendienberechtigung sind das Einkommen und Vermögen der Eltern</span><br/> <span class="ft7">sowie die Familien- und Ausbildungsverhältnisse zu berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft7">Führen geschiedene Eltern - wie vorliegend - zwei Haushalte, so ist</span><br/> <span class="ft7">deren kumuliertes Einkommen zu 2/3 und deren kumuliertes Vermö-</span><br/> <span class="ft7">gen als Ganzes massgebend (§ 6d Abs. 2 StipV). Zur Ermittlung der</span><br/> <span class="ft7">massgebenden Einkommens- und Vermögensverhältnisse wird auf</span><br/> <span class="ft7">die letzte definitive Steuerveranlagung abgestellt. Liegt keine solche</span><br/> <span class="ft7">Veranlagung vor oder haben sich die finanziellen Verhältnisse seither</span><br/> <span class="ft7">nachgewiesenermassen wesentlich geändert, sind soweit möglich die</span><br/> <span class="ft7">aktuellen Verhältnisse zu berücksichtigen (vgl. § 6b Abs. 1 StipV).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Stipendienwesen</span> <span class="page_no">605</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">c) Bei der Ermittlung des massgebenden elterlichen Einkom-</span><br/> <span class="ft7">mens und Vermögens ist im vorliegenden Fall nach dem Gesagten</span><br/> <span class="ft7">auf die definitive Steuerveranlagung 1999/2000 der Mutter sowie die</span><br/> <span class="ft7">provisorische Steuereinschätzung für das Jahr 2000 des Vaters abzu-</span><br/> <span class="ft7">stellen, da sich seine finanziellen Verhältnisse insbesondere durch die</span><br/> <span class="ft7">Erbschaft von rund Fr. 250'000 per (...) nachgewiesenermassen we-</span><br/> <span class="ft7">sentlich geändert haben. Dass der Nachlass unter den Erben noch</span><br/> <span class="ft7">nicht verteilt ist, spielt keine Rolle, da grundsätzlich jeder Miterbe</span><br/> <span class="ft7">jederzeit die Teilung verlangen kann (vgl. Art. 604 Abs. 1 ZGB).</span><br/> <span class="ft7">Ohne Bedeutung ist auch, dass die liquiden Mittel der Erblasserin für</span><br/> <span class="ft7">die Renovation der geerbten Liegenschaft verwendet wurden, da sich</span><br/> <span class="ft7">deren Wert entsprechend erhöht haben dürfte. Durch die Vermietung</span><br/> <span class="ft7">der Liegenschaft fallen überdies laufend teilbare Barmittel an. Inso-</span><br/> <span class="ft7">fern steht der Berücksichtigung des geerbten Vermögens nichts ent-</span><br/> <span class="ft7">gegen.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">d) Grundsätzlich muss damit die Beitragsberechtigung infolge</span><br/> <span class="ft7">Fehlens einer positiven Punktezahl verneint werden (§ 6k StipV).</span><br/> <span class="ft7">Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass K.E. für das Schuljahr</span><br/> <span class="ft7">1999/2000 ein Stipendium von Fr. 4'200.-- zugesprochen wurde. Aus</span><br/> <span class="ft7">dem Umstand, dass sie bereits einmal Stipendien beziehen konnte,</span><br/> <span class="ft7">kann die Beschwerdeführerin nicht ableiten, weiterhin Anspruch auf</span><br/> <span class="ft7">staatliche Ausbildungsbeiträge zu haben. Gemäss § 8 Abs. 1 des</span><br/> <span class="ft7">Stipendiengesetzes werden die Beiträge längstens für ein Jahr zuge-</span><br/> <span class="ft7">sprochen. Für weitere Beträge ist damit jeweils ein neuerliches Ge-</span><br/> <span class="ft7">such erforderlich. Jedes Gesuch ist losgelöst von früheren Zuspre-</span><br/> <span class="ft7">chungsverfügungen aufgrund der aktuellen Rechts- und Sachlage zu</span><br/> <span class="ft7">prüfen. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>