Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 28. September 2022 (810 22 40) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Nach- und Strafsteuer Direkte Bundessteuer 2006-2013 / Strafzumessung der Steuerbusse Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Hans Furer, Markus Clau- sen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess, Gerichtsschreiber Sandro Jaisli Beteiligte A.____ und B.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Hubertus Ludwig, Advokat Basel gegen Steuer- und Enteignungsgericht des Kantons Basel-Landschaft (Abteilung Steuergericht), Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Vorinstanz Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft, Rechtsdienst, Rheinstrasse 33, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Eigerstrasse 65, Postfach, 3003 Bern, Beigeladene Betreff Nach- und Strafsteuer Direkte Bundessteuer 2006 - 2013 (Urteil des Steuer- und Enteignungsgerichts des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Steuergericht, vom 10. September 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft (Steuerverwaltung) wurde von der eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) mit Schreiben vom 16. November 2016 darüber informiert, dass A.____ in den Steuerjahren 2006 bis 2013 diverse geldwerte Leistungen de r Firmen C.____ AG, D.____ AG sowie E.____ AG erhalten und nicht deklariert habe. Daraufhin leitete die Steuerverwaltung mit Schreiben vom 24. November 2016 gegen A.____ und B.____ ein Nach- und Strafsteuerverfahren für die Jahre 2006 bis 2013 wegen vollendeter Steuerhin- terziehung sowie Teilnahme an einer Steuerhinterziehung der Firmen C.____ AG, D.____ AG und E.____ AG ein. Am 21. August 2019 stellte die ESTV, Abteilung Strafsachen und Untersu- chungen (ASU), der Steuerverwaltung den Bericht in der besondere n Untersuchung gemäss Art. 190 ff. des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 gegen A.____ zu. Mit Valuta vom 30. September 2019 leisteten A.____ und B.____ eine Vo- rauszahlung in der Höhe von Fr. 115'000.--. B. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2019 erhob die Steuerverwaltung von A.____ und B.____ für die Jahre 2006 bis 2013 Nachsteuern für die direkte Bundessteuer. Zudem auferleg- te sie nur A.____ für die Jahre 2009 bis 2013 eine Steuerbusse in der Höhe von 150% der Nachsteuer sowie eine zusätzliche Steuerbusse in der Höhe von Fr. 20'000.-- wegen Teilnahme an Steuerhinterziehungen. Der Gesamtbetrag aller dieser Nach - und Strafsteuern (inkl. Ver- zugszinsen) belief sich auf Fr. 113'313.40. C. Dagegen erhoben A.____ und B.____ am 13. Januar 2020 Einsprache und beantragten, die Strafsteuer für die Jahre 2009 bis 2013 sei von 150% auf 95% der Nachsteuer zu reduzie- ren und es sei von der Steuerbusse wegen Teilnahme an Steuerhinterziehungen in der Höhe von Fr. 20'000.-- abzusehen. D. Mit Einspracheentscheid vom 3. Mai 2021 hiess die Steuerverwaltung die Einsprache teilweise gut. Sie hob die Busse wegen Teilnahme an Steuerhinterziehungen in der Höhe von Fr. 20'000.-- auf. Dagegen bestätigte sie die Nachsteuern sowie die Straf steuern für die direkte Bundessteuer in der jeweiligen Höhe gemäss der Verfügung vom 12. Dezember 2019. E. Die gegen diesen Einsprachee ntscheid erhobene Beschwerde vom 3. Juni 2021 wies das Steuer- und Enteignungsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Steuergericht (Steuergericht), mit Entscheid vom 10. September 2021 ab. Zudem wies es den Antrag auf Vereinigung der Verfahren betreffend die Nach- und Strafsteuer der Staatssteuer 2006 bis 2013 sowie die Nach- und Strafsteuer der direkten Bundessteuer 2006 bis 2013 ab. In der Hauptsache sei einzig die Höhe der Steuerbusse streitig, welche die Steuerverwaltung zufolge teilweiser Verjährung rich- tigerweise nur für die Jahre 2009 bis 2013 erhoben habe. Zur Begründung hielt das Steuerge- richt im Wesentlichen fest, dass der Kanton Basel-Landschaft nicht an die Beurteilung des Kan- tons Basel -Stadt gebunden sei, welcher die Steuerbusse der C.____ AG auf 95% festgelegt habe. Es würden auch aus inhaltlicher Sicht zwei unterschiedliche Verfahren vorliegen, denn das Verschulden eines Organs könne nicht ohne Weiteres mit jenem der Privatperson gleich- gestellt werden. Im vorliegenden Verfahren müsse das Verschulden von A.____ als schwer bezeichnet werden. Die Regelbusse von 100% der Nachsteuer könne grundsätzlich nur verfügt Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden, wenn keine ʺbesonderen Strafänderungsgründeʺ vorlägen. Da dies klarerweise nicht der Fall sei, rechtfertige sich im vorliegenden Verfahren eine Erhöhung der Strafsteuer auf 150% der Nachsteuer. F. Gegen diesen Entscheid erheben A.____ und B.____ , bei de vertreten durch Dr. Hubertus Ludwig und Pascal Straub , Advokaten in Basel, mit Eingabe vom 18. Februar 2022 beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs - und Verwaltungsrecht (Kantons gericht), Beschwerde mit dem unter Kosten - und Entschädigungsfolge geste llten Antrag: Es seien die beiden Urteile des Steuergerichts Basel -Landschaft betreffend Nach - und Strafsteuern (direkte Bundessteuer 2006 bis 2013 und Staatssteuer 2006 bis 2013) aufzuheben, als dass in Bezug auf die Strafsteuern 2009 bis 2013 die Steuer busse von 150% auf 95% der Nachsteuer zu reduzieren sei. Dementsprechend seien die Nach - und Strafsteuerverfügungen 2006 bis 2013 (direkte Bundessteuer und Staatssteuer) der Steuerverwaltung Baselland vom 12. De- zember 2019 zu rektifizieren. Sie stellen zudem den Verfahrensantrag, die beiden Beschwerden bezüglich Nach- und Strafsteuern direkte Bundessteuer 2006 bis 2013 sowie Staatssteuer 2006 bis 2013 seien zu vereinen. G. Mit Schreiben vom 25. Februar 2022 lässt sich das Steuergericht vernehmen und bean- tragt unter Verweisung auf den angefochtenen Entscheid die Abweisung der Beschwerde. H. Am 8. März 2022 lässt sich die Steuerverwaltung vernehmen und beantragt ebenfalls die Abweisung der Beschwerde. I. Mit Verfügung vom 3. Mai 2022 wurde der Antrag der Beschwerdeführer auf Vereinigung der Verfahren 810 22 39 und 810 22 40 abgewiesen und der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Die ESTV verzichtete auf die Einreichung einer Vernehmlassung. J. Mit Schreiben vom 31. Mai 2022 reichen die Vertreter der Beschwerdeführer ihre Hono- rarnote ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 145 DBG i.V.m. § 3 der Vollzugsverordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer vom 13. Dezember 1994 und § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1974 können Entscheide des Steuergerichts mit verwaltungsgerichtlicher Beschwerde beim Kantonsgericht als letzter kantonaler Instanz ange- fochten werden . Das Kantonsgericht prüft von Amtes wegen seine Zuständigkeit und unter- sucht, ob und inwiefern auf eine Beschwerde eingetreten werden kann, d.h. es prüft, ob die formellen Voraussetzungen (die sogenannten "Sachurteils voraussetzungen") erfüllt sind (§ 16 Abs. 2 des Gesetzes über d ie Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [Verwaltungspro- zessordnung, VPO] vom 16. Dezember 1993). Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Be- schwerde befugt, wer durch den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdige s Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 In der Verfügung vom 12. Dezember 2019 führte die Steuerverwaltung aus, dass es hauptsächlich um Steuerfaktoren des Beschwerdeführers gehe, welche nicht deklariert worden seien, weshalb nur ihm eine Bu sse auferlegt werden könne. Entsprechend legte sie in Ziffer 2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung eine Steuerbusse in der Höhe von 150% der Nachsteuer fest und auferlegte diese nur dem Beschwerdeführer. Da die Vorinstanzen ge- gen B.____ keine Busse verfügt hatten und im vorliegenden Verfahren nur noch die Höhe der Steuerbusse gegen den Beschwerdeführer strittig ist (vgl. E. 3 hiernach), kann die Beschwerde- führerin vor Kantonsgericht nicht mehr Partei sein. Es ist deshalb von Amtes wegen festzustel- len, dass die Beschwerdeführerin mangels schutzwü rdigem Interesse nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO nicht zur Beschwerdeerhebung befugt ist. Der Beschwerdeführer ist dagegen als Adressat der Bussenverfügungen ohne Weiteres zur Erhebung der vorliegenden Beschwerde legitimiert. Weil im Übrigen die formellen Voraussetzungen nach Art. 140 ff. DBG sowie den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, kann auf die form- und fristgerecht erhobene Beschwerde im aufgezeigten Umfang teilweise eingetreten werden. 2. Mit der Bes chwerde in Steuersachen können alle Mängel des angefochtenen Ent- scheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden (§ 45 Abs. 2 VPO und Art. 145 Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 140 Abs. 3 DBG). Dem Kantonsgericht kommt im vorliegenden Fall so- mit volle Kogniti on zu. Zulässig sind auch neue Anträge, Behauptungen und Beweismittel (§ 6 Abs. 3 VPO; vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs - und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 10. August 2016 [810 16 9] E. 7.2). 3. Die von der Steuerverwaltung für die S teuerperioden 2006 bis 2013 erhobenen Nach- steuern wurden vom Beschwerdeführer anerkannt und bilden nicht Streitgegenstand des vorlie- genden Verfahrens. Zudem vom Beschwerdeführer nicht angefochten ist der Umstand, dass für die Steuerjahre 2009 bis 2013 grun dsätzlich eine Steuerbusse erhoben wurde. Strittig und nachfolgend zu prüfen ist daher einzig die Höhe der Steuerbusse, mit welcher der Beschwerde- führer von der Steuerverwaltung wegen vollendeter Steuerhinterziehung gebüsst wurde. 4.1 Ergibt sich aufgrun d von Tatsachen oder Beweismitteln, die der Steuerbehörde nicht bekannt waren, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder eine rechtskräftige Veran- lagung unvollständig ist, oder ist eine unterbliebene oder unvollständige Veranlagung auf ein Verbrechen oder Vergehen gegen die Steuerbehörde zurückzuführen, wird die nicht erhobene Steuer samt Zins seit Fälligkeit als Nachsteuer eingefordert. Wegen ungenügender Bewertung allein kann keine Nachsteuer erhoben werden (Art. 151 Abs. 1 und 2 DBG; vgl. auch Art. 53 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG] vom 14. Dezember 1990). Die kantonale Steuerverwaltung setzt neben den Nachsteu- ern auch die Bussen fest (§ 14 der Vollzugsverordnung vom 13. Dezember 1994 zum Bundes- gesetz über die direkte Bundessteuer). 4.2 Der vollendeten Steuerhinterziehung gemäss Art. 175 Abs. 1 DBG macht sich unter anderem strafbar und wird mit einer Busse entsprechend seinem Verschulden bestraft, wer vor- sätzlich oder fahrlässig bew irkt, dass eine Veranlagung unvollständig ist oder gänzlich unter-Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht bleibt (Steuerverkürzung) (übereinstimmend Art. 56 StHG; KGE VV vom 29. Oktober 2014 [810 14 162] E. 10.2). Durch schuldhafte Verletzung von Verfahrenspflichten, die in einem Tun oder Unterlassen bestehen können, wird der Steueranspruch des Gemeinwesens verkürzt (ROMAN J. SIEBER/JASMIN MALLA, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeind en, 3. Auflage, Basel 2017, Rz. 1 ff. zu Art. 56 StHG; ROMAN J. SIEBER/JASMIN MALLA, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommen- tar Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 3. Auflage, Basel 2017, Rz. 7 zu Art. 175 DBG). Im Steuerstrafverfahren sind im Gegensatz zum verwaltungsrechtlichen Steuerveranla- gungsverfahren die strafprozessualen Verfahrensgarantien zu beachten (KGE VV vom 4. Feb- ruar 2015 [810 14 321] E. 10.2; KGE VV vom 29. Oktober 2014 [810 14 162] E. 10.3). 4.3 In objektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand der Steuerverkürzung , dass der Steuer- pflichtige einen ungerechtfertigten Steuervorteil erlangt hat, weil die Veranlagungsbehörde für Bestand und Umfang der Steuerpflicht wesentliche Tatsachen nicht gekannt hat und die Veran- lagung aus diesem Grund zu Unrecht unterblieben oder rechtskräftig ungenügend ausgefallen ist (KGE VV vom 4. Februar 2015 [810 14 321] E. 10.1; KGE VV vom 5. Dezember 2012 [810 11 227] E. 5.3.2). Vorausgesetzt wird zunächst, dass dem Gemeinwesen gegenüber dem hin- terziehenden, unbeschränkt oder beschränkt ste uerpflichtigen Täter eine Steuerforderung zu- steht. Aufgrund der Tatsache, dass die Veranlagung des Betreffenden unvollstän dig ausgefal- len oder zu Unrecht unterblieben ist, hat das Gemeinwesen jedoch einen Steuerausfall erlitten (SIEBER/MALLA, a.a.O., N 7 f f. zu Art. 175 DBG). Dieser Verlust ist die Folge einer unzutreffen- den Sachverhaltsfeststellung, wobei ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen der Tat- handlung und dem Eintritt des Steuerausfalls des Gemeinwesens als Deliktserfolg erforderlich ist (KGE VV vom 4. Februar 2015 [810 14 321] E. 10.1). Eine unvollständige Veranlagung ist möglich, weil der Veranlagungsbehörde falsche oder unvollständige Angaben vorliegen, auf welche sie sich bei der Veranlagung abstützt. Die Tathandlung besteht bei der Steuerhin terzie- hung im Bewirken der unvollständigen bzw. unterbliebenen Veranlagung. Da der Steuerpflichti- ge im Veranlagungsverfahren gesetzlich verpflichtet ist, der Steuerbehörde alle rechtserhebli- chen Tatsachen vollständig und wahrheitsgemäss anzugeben, fällt di e Tathandlung der Steuer- hinterziehung mit einer Verletzung von Verfahrenspflichten zusammen und kann insofern als erfolgsqualifizierte Verfahrenspflichtverletzung des Steuerpflichtigen bezeichnet werden (SIEBER/MALLA, a.a.O., N 7 ff. zu Art. 175 DBG). Ist eine Nachsteuerpflicht zu bejahen, weil eine rechtskräftige Veranlagung unvollständig blieb, ist zugleich der objektive Tatbestand einer Steuerhinterziehung erfüllt (Urteil des Bundesgerichts 2C_26/2007 vom 10. Oktober 2007 E. 5.1). 4.4.1 In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand der vollendeten Steuerhinterziehung, dass der Steuerpflichtige schuldhaft eine Verkürzung oder Gefährdung des gesetzlichen Steu- eranspruchs bewirkt hat. Der subjektive Tatbestand setzt entsprechend Vorsatz oder Fahrläs- sigkeit voraus (SIEBER/MALLA, a.a.O., N 28 ff. zu Art. 175 DBG; SIEBER/MALLA, a.a.O., N 18 zu Art. 56 StHG) und ist aufgrund strafrechtlicher Grundsätze zu beurteilen. Der materielle Gehalt der Begriffe Vorsatz und Fahrlässigkeit bestimmt sich nach dem gemeinen Strafrecht, also nach Art. 12 Abs. 2 und 3 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB) vom 21. Dezember 1937. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.2 Vorsätzlich begeht eine Steuerhinterziehung, wer die Tat mit Wissen und Willen aus- führt (Art. 18 Abs. 2 StGB). Bezüglich der Wissenskompo nente wird vorausgesetzt, dass der Täter in Bezug auf die tatbestandsmässige Handlung um alle tatbestandsrelevanten Umstände weiss. Sodann muss der Täter hinsichtlich des tatbestandsmässigen Erfolges annehmen, dass seine Handlungen oder Unterlassungen zum Eintritt desselben führen oder dies zumindest ge- schehen könnte. Dazu gehört auch, dass er sich den entsprechenden Kausalverlauf zumindest in groben Zügen vorstellt. Der Wille kommt darin zum Ausdruck, dass der Täter die tatbe- standsmässige Handlung in Kennt nis ihrer objektiven Merkmale vollzieht und dabei den Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges bewirken will. Das Motiv seiner Handlung ist für die Schuld- frage nicht relevant. Dem Vorsatz gleichgestellt wird der Eventualvorsatz ( SIEBER/MALLA, a.a.O., N 29 zu Art. 175 DBG). Dieser liegt vor, wenn der Täter die Verwirklichung eines Tatbe- standes zwar nicht mit Sicherheit voraussieht, aber für möglich hält und ihn für den Fall seines Eintritts billigt oder ihn in Kauf nimmt (BGE 109 IV 150 f.). Zu berücksichtigen ist dabei das ge- samte Deklarationsverhalten; u.a. muss die Steuerbarkeit oder die Nichtsteuerbarkeit des ent- sprechenden Sachverhalts für den Pflichtigen erkennbar gewesen sein. Dieser kann sich seiner Verantwortlichkeit insbesondere nicht dadurch entziehen, dass er geltend macht, er habe einen Berater oder Vertreter beigezogen (Urteile des Bundesgerichts 2C_656/2013 vom 17. Septem- ber 2013 E. 2.2.3; 2C_290/2011 vom 12. September 2011 E. 6.1). Nach der Lehre und der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann der Wille zur Steuerhinterziehung immer dann vo- rausgesetzt werden, wenn mit hinreichender Sicherheit feststeht, dass sich der Steuerpflichtige der Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der gegenüber den Steuerbehörden gemachten Anga- ben bewusst war (BGE 114 Ib 27 E. 3a; FELIX RICHNER/WALTER FREI/STEFAN KAUFMANN/HANS ULRICH MEUTER, Handkommentar zum DBG, 3. Auflage, Zürich 2016, Rz. 46 zu Art . 175 DBG, vgl. auch Art. 56 StHG). Diesfalls ist davon auszugehen, dass der Steuerpflichtige willentlich gehandelt, das heisst eine Täuschung der Steuerbehörden beabsichtigt und eine zu niedrige Veranlagung bezweckt (direkter Vorsatz) oder zumindest in Ka uf genommen hat (Eventualvor- satz). 4.4.3 Fahrlässig handelt dagegen, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Un- vorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtig- keit dann, wenn der Täter nicht di e Vorsicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Je nachdem, ob der Täter die mögliche Bedeutung seines Verhaltens bedacht hat, liegt bewusste oder unbewusste Fahrlässigkeit vor (SIEBER/MALLA, a.a.O., N 32 ff. zu Art. 175 DBG). Im Steuerrecht sind grund- sätzlich an das Mass der gebotenen objektiven Sorgfalt hohe Anforderungen gestellt. Dies ergibt sich aus den umfassenden Verfahrenspflichten, die Steuererklärung vollständig u nd wahrheitsgetreu auszufüllen. Das Mass der geforderten Sorgfalt ist sodann davon abhängig, wie detailliert und klar die Steuerbehörde die Mitwirkung der dazu verpflichteten Person verlangt (SIEBER/MALLA, a.a.O., N 33 zu Art. 175 DBG). Neben der genannten objektiven Sorgfaltspflicht sind jedoch auch die "persönlichen Verhältnisse" des Täters (subjektive Sorgfaltspflicht) zu be- achten. 5. Beim Vorliegen der Tatbestandsvoraussetzungen wird eine Busse erhoben. Auch im Steuerstrafrecht ist nach dem Verschulde nsprinzip zunächst das individuelle Verschulden der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht steuerpflichtigen Person zu ermitteln (KGE VV vom 29. Oktober 2014 [810 14 162] E. 12.1). Bei der Steuerhinterziehung gemäss Art. 175 DBG handelt es sich um eine Übertretung im Sinne von Art. 103 StGB. Da s Gericht bemisst Übertretungsbussen aufgrund von Art. 106 Abs. 3 StGB nach den Verhältnissen des Täters so, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Ver- schulden angemessen ist (BGE 114 Ib 27 E. 4a). 6.1 Die Beschwerdegegnerin hält in grundsätzlicher Hinsicht fest, dass die steuerliche Qualifikation eines anderen Kantons für den veranlagenden Kanton nicht verbindlich sei. Dies bedeute, dass der Kanton Basel-Landschaft als Hauptsteuerdomizil des Beschwerdeführers die steuerrelevanten Faktoren autonom be werten könne. Die zeitlich vorher ergangene Bussenbe- messung des Kantons Basel -Stadt sei daher nicht bindend, zumal diese mit 95% der Nach- steuer auffallend (zu) tief ausgefallen sei. Gemäss Bericht der ASU vom 21. August 2019 (S. 49 und 50) handle es sich v orliegend um einen schweren Fall von fortgesetzter Steuerhinterzie- hung. Die Regelbusse von 100% komme nur für einfache Fälle in Betracht, in denen durch eine blosse Nichtdeklaration von Einkommen und/oder Vermögen eine Steuerverkürzung eingetre- ten sei. Im vorliegenden Fall seien dagegen üb er Jahre hinweg mittels fiktiver Rechnungen die Jahresergebnisse der juristischen Person zu tief ausgewiesen worden, um dadurch geldwerte Leistungen an das Organ beziehungsweise an den Aktionär zu verschleiern. Nebst der S teuer- verkürzung auf Kosten der Gemeinwesen (Bund, Kanton, Gemeinde) seien dabei auch in wie- derholtem Ausmass auf Kosten der beschäftigten Schwarzarbeiter verdeckte Leistungen bezo- gen worden. Das Verschulden müsse daher als schwer bezeichnet werden, was eine Erhöhung der Busse auf mindestens 150% der Nachsteuer beziehungsweise der hinterzogenen Steuern rechtfertige. Allein schon der Umstand, dass die ASU habe beigezogen werden müssen und auch eine Untersuchung durchgeführt habe, spreche gegen die Zulässigkei t einer Regelbusse von 100%, denn Art. 190 DBG spreche von ʺschweren Steuerwiderhandlungenʺ. Auch sonst könne der Beschwerdeführer aus einer Fehleineschätzung in einem anderen Kanton für das vorliegende Verfahren nichts Weiteres zu seinen Gunsten ableiten. 6.2.1 Die Vorinstanz führt im Wesentlichen aus, dass sich der Taterfolg auf einen langen Zeitraum erstrecke. Gesamthaft seien über viele Jahre nicht deklarierte Einkommensfaktoren von über Fr. 900'000.-- festgestellt worden, wobei sich der für die Steuerbusse relevante Betrag für die massgebenden Jahre 2009 bis 2013 immer noch auf Fr. 361'801. -- belaufe. Die Ehegat- ten hätten in den betroffenen Jahren ein jährliches Einkommen von maximal Fr. 151'944.-- er- zielt, was zeige, dass die nicht deklarierten Einkü nfte einen nicht unerheblichen Anteil am ge- samten Einkommen ausmachen würden. Bereits diese Beträge sowie der Zeitraum, in welchem die Deklarationen unvollständig geblieben seien, würden das enorme Ausmass der Steuerhin- terziehung zeigen. Im Hinblick auf das konkrete Verschulden führt das Steuergericht weiter aus, dass der Beschwerdeführer zugegeben habe, dass er fiktive Aufwandsrechnungen habe erstel- len lassen. Die Leistungen seien nicht durch ordentliche Mitarbeiter der C.____ AG, sondern durch Schwarzarbeiter erbracht worden. Die Rechnungen seien aus buchhalterischen Gründen benötigt worden, um den Aufwand in Rechnung stellen zu können, denn die Leistungen der Schwarzarbeiter hätten irgendwie verrechnet werden müssen. Diese fiktiven Rechnungen seien von F.____ (Drittperson) erstellt worden, welcher bei Nachfragen hätte bestätigen sollen, dass er das Geld tatsächlich erhalten habe. Dafür habe er eine prozentuale Beteiligung erhalten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diese Umstände würden zeigen, dass hinter der gesamten Angelegenheit ein gewisses System stecke. Es sei eine detaillierte Planung notwendig gewesen und es sei ein grosser Aufwand betrieben worden, um das Ganze zu tarnen, weshalb die Steuerverwaltung zu Recht auf ein zumindest eventualvorsätzliches Verhalten geschlossen habe. Aus der Sicht der Vorinstanz sei das Verschulden dagegen eher im Bereich des direkten Vorsatzes einzuordnen. Aus dem Um- stand, dass der Beschwerdeführer einen Anteil von 20% der fiktiven Rechnungen, was keine unerhebliche Grösse darstelle, jeweils privat verein nahmt habe, werde ersichtlich, dass die Vorgehensweise nicht nur auf eine Beschäftigung von Mitarbeitern ohne Arbeitserlaubnis aus- gerichtet gewesen sei. Im Übrigen hätten die Aufrechnungen nicht nur jene im Zusammenhang mit der Schwarzarbeit, sondern auch den Privat- und Fahrzeugaufwand zum Gegenstand. Die- se Leistungen seien ohne Weiteres dem Beschwerdeführer zugutegekommen. 6.2.2 Betreffend die persönlichen Verhältnisse hält das Steuergericht weiter fest, dass der Beschwerdeführer eine kaufmännische Ausb ildung absolviert und sich entsprechend weiterge- bildet habe. In der C.____ AG habe er als Plattenleger, danach als Bauleiter und seit dem Jahr 2000 schliesslich als Geschäftsleiter gearbeitet. Als Geschäftsleiter sei er für die operative Füh- rung der Gesell schaft verantwortlich, wobei die Buchführung und Abschlusstätigkeiten der Ge- sellschaft durch externe Treuhänder erledigt worden seien. Es könne deshalb davon ausge- gangen werden, dass der Beschwerdeführer um die Unrechtmässigkeit der vorgenommenen Handlungen gewusst habe. Er sei durchaus fähig gewesen, die Rechtswidrigkeit seiner Vorge- hensweise zu erkennen. Zu den Strafminderungsgründen hielt das Steuergericht schliesslich fest, dass die Steuerverwaltung die Vorauszahlung von Fr. 115'000.-- strafmindernd berücksich- tigt habe. Eine weitere Strafminderung wegen Kooperationsbereitschaft sei dagegen zu Recht nicht vorgenommen worden, da erstellt sei, dass die ESTV vor allem aufgrund der durchgeführ- ten Hausdurchsuchungen an die relevanten Unterlagen gelangt sei. Zu dem habe der Be- schwerdeführer weder die Namen der Schwarzarbeiter liefern noch die Anschrift von F.____ nennen können. 6.3.1 Der Beschwerdeführer führt dagegen im Wesentlichen aus, dass von der Regelbusse nur bei klar gegebenen Straferhöhungsgründen abge wichen werden könne. Es liege eine ei- gentliche strafbewehrte Steuerhinterziehungshandlung im Rahmen der Geschäftstätigkeit der C.____ AG als juristische Person vor, so dass die geldwerte Leistung lediglich als Folge der Tathandlungen in der Gesellschaft erscheint. Das Nach- und Strafsteuerverfahren beim Steuer- pflichtigen sei damit nur steuersystematische Konsequenz. Das eigentliche inkriminierte Verhal- ten betreffend die Tätigkeiten der Organe innerhalb der involvierten Gesellschaften sei vom Kanton Basel-Stadt bereits in einem eigenen Nach - und Strafsteuerverfahren bestraft worden, wobei der Gesellschaft eine Strafsteuer von 95% der verfügten Nachsteuern auferlegt worden sei. Der Kanton Basel-Stadt habe dabei für das Verschulden der Gesellschaft das Verschul den des Organs beurteilen müssen, da sich die Art und Schwere des Verschuldens einer juristi- schen Person immer anhand des Verschuldens der tatbestandsmässig handelnden Organe richte. Damit lasse sich im Ergebnis fragen, ob nicht bereits durch die Festlegun g des Ver- schuldensmasses im Verfahren des Kantons Basel -Stadt eine angemessene Strafzumessung erfolgt sei. Eine nun erheblich abweichende Bewertung des Verschuldens der gleichen Hand- lung bei der Nachsteuerverfügung der Organperson als Privatperson wirke vo r diesem Hinter-Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht grund systematisch nicht angemessen. Auch bei der konkreten Strafzumessung seien wichtige Punkte unberücksichtigt geblieben. So habe der Steuerpflichtige gemäss dem Bericht der ESTV vom 21. August 201 9 die Zahlungen mehrheitlich Schwarzarbeitern zukommen lassen. Da es sich de facto um Lohnzahlungen handle, könne die Gesellschaft diese Zahlungen ja ohnehin als Lohnaufwand gewinnmindernd geltend machen und habe dies in gewissem Masse auch rück- wirkend tun können. 6.3.2 Der Zweck der Vorgehensw eise des Steuerpflichtigen sei nicht auf eine Steuererspar- nis, sondern lediglich auf eine Beschäftigung von Mitarbeitern (ohne Arbeitserlaubnis) gerichtet gewesen. Die reduzierte Besteuerung der C.____ AG sei zwar Folge der Handlungen des Steuerpflichtigen gewesen, jedoch ohne dass dieser sie beabsichtigt habe. Der Steuerpflichtige habe sich (mit Ausnahme des Privataufwandes) im Ergebnis nicht selbst bereichert. Weiter bleibe im Rahmen der Strafzumessung auch die Kooperationsbereitschaft des Steuerpflichtigen unberücksichtigt, ohne dessen Mitwirkung die ganze Untersuchung der ESTV und eine vernünf- tige Verfahrenserledigung nicht möglich gewesen wären. Schliesslich bestreite der Steuerpflich- tige nicht die Zulässigkeit der Strafsteuer, sondern sehe in der unter schiedlichen Bewertung bei der Gesellschaft und bei ihm persönlich einen klaren Widerspruch im System der Strafbemes- sung. 7.1 Vorab ist festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin bezüglich der Festsetzung der Höhe der Steuerbusse nicht an die Beurteilung der Steuerverwaltung des Kantons Basel -Stadt gebunden ist. Auch wenn der Beschwerdeführer einziges und einzelzeichnungsberechtigtes Mitglied des Verwaltungsrates der C.____ AG ist, handelt es sich beim Verfahren gegen die juristische Person im Kanton Basel-Stadt und beim vorliegenden Beschwerdeverfahren um zwei verschiedene und voneinander unabhängige Verfahren. Während die Steuerverwaltung Basel - Stadt die C.____ AG mit Sitz in Basel auf der Ebene der juristischen Person gebüsst hatte, rich- tet sich die vorliegend zu beurteilende Steuerbusse gegen den Beschwerdeführer als natürliche Person. Es liegen mit anderen Worten zwei unterschiedliche Steuersubjekte, für die jeweils ein anderer Kanton zuständig ist, vor. Auch wenn die Vorwürfe inhaltlich zusammenhängen , kann die Beurteilung des Verschuldens auf der Ebene der juristischen Person (beziehungsweise de- ren Organe) nicht mit derjenigen der natürlichen Person gleichgesetzt werden. Die vorliegende Steuerbusse gegen den Beschwerdeführer tangiert dessen persönliche Steuerdeklarationen als natürliche Person, welche nach dem Gesagten unabhängig von den Steuerdeklarationen der C.____ AG zu beurteilen sind. 7.2 Das Handeln in doppelter Eigenschaft sowohl als Organ der juristischen Person als auch als Privatperson führt dazu, dass sich eine Handlung beziehungsweise Unterlassung des Beschwerdeführers aus steuerrechtlicher Sicht sowohl auf die juristische Person als auch auf ihn persönlich als natürliche Person auswirken kann. Dieser innere Zusammenhang i st für Konstellationen wie die vorliegende durchaus typisch, ändert aber nichts daran, dass die recht- liche Qualifikation der einzelnen Handlungen/Unterlassungen auf den Ebenen natürliche und juristische Person voneinander gesondert und gemäss den jeweils anwendbaren Be urteilungs- kriterien vorzune hmen ist . Es gibt im Übrigen auch keine gesetzliche Grundlage, welche die Beschwerdegegnerin verpflichten würde, für eine natürliche Person, welche zugleich Organ Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer juristischen Person ist, dieselbe Busse zu übernehmen, die e in anderer Kanton für diese juristische Person verfügt hatte. 7.3 Entsprechend ist im interkantonalen Verhältnis der Wohnsitzkanton im Rahmen der Erhebung der Einkommenssteuer bei der rechtlichen Qualifikation steuerrelevanter Tatsachen (beispielsweise d er Abzugsfähigkeit von geltend gemachten Liegenschaftsaufwendungen) im Grundsatz auch nicht an die Beurteilung des Belegenheitskantons gebunden. Vielmehr kann der Wohnsitzkanton als Hauptsteuerdomizil des Steuerpflichtigen die einkommenssteuerrechtli- che Abzugsfähigkeit der geltend gemachten Aufwendungen autonom prüfen (Urteil des Steuer- gerichts vom 26. März 2021 [510 20 124] E. 2.2). Nach dem Gesagten ist deshalb festzuhalten, dass die Bussenbemessung der Steuerverwaltung des Kantons Basel -Stadt für die C.____ AG als juristische Person im Rahmen der vorliegenden Ermittlung der Höhe der Steuerbusse gegen den Beschwerdeführer als natürliche Person für die Beschwerdegegnerin keinerlei Bindungs- wirkung hat. 8.1 Wie bereits erwähnt (vgl. Sachverhalt lit. C hiervor), wurde vorliegend im Verfahren vor der Beschwerdegegnerin nur Einsprache wegen der Höhe der verfügten Busse erhoben. Dage- gen akzeptierte der Beschwerdeführer sämtliche von der ASU vorgenommenen Aufrechnungen sowie die daraus resultierende Nachsteuerpflicht. Darüber hinaus anerkannte der Beschwerde- führer die Erhebung einer Strafsteuer als solche. Auch im vorliegenden Verfahren wird nur die Höhe der Busse und nicht die Zulässigkeit der Strafsteuer als solche bestritten. Aus dem Ge- sagten ergibt sich, dass sowohl die Voraussetzungen des objektiven als auch des subjektiven Tatbestandes im Grundsatz unstreitig erfüllt sind, weshalb sich weitere Erläuterungen zum Vor- liegen der Tatbestandsvoraussetzungen der Steuerhinterziehung erübrigen. Nachfolgend bleibt somit lediglich die konkrete Strafzumessung zu prüfen. 8.2 Gemäss Art. 175 Abs. 2 DBG richtet sich die Strafzumessung bei der Steuerhinterzie- hung in erster Linie nach der Schwere und der Art des Verschuldens des Täters (Schuldprin- zip). Daneben sind jedoch auch der eingetretene oder beabsichtigte Erfolg und die persönlichen Verhältnisse des Täters in die Beurteilung miteinzubeziehen: Im Entscheid sind alle erheblichen Strafzumessungsgründe zu berücksichtigen. Die gesamtheitliche Wertung ist letztlich entschei- dend für die Höhe der Busse. Den Steuerbehörden kommt dabei ein weiter Ermessensspiel- raum zu (KGE VV vom 5. Dezember 2012 [810 11 227] E. 5.7.1). Zu den persönlichen Verhält- nissen gehören namentlich Einkommen und Vermögen, Familienstand und Familienpflichte n, Beruf und Erwerb sowie Alter und Gesundheit (Art. 48 Ziff. 2 Abs. 2 StGB). Es ist somit die ge- samte Persönlichkeit des Täters, einschliesslich seines Vorlebens und seines Verhaltens wäh- rend des Verfahrens, in die Strafzumessung miteinzubeziehen. 8.3 Die Ansätze der Bussen werden in Art. 175 Abs. 2 DBG geregelt. Bei vollendeter Steu- erhinterziehung beträgt die Busse in der Regel das Einfache der hinterzogenen Steuer. Sie kann bei leichtem Verschulden bis auf einen Drittel ermässigt, bei schwerem Verschu lden bis auf das Dreifache erhöht werden (KGE VV vom 4. Februar 2015 [810 14 321] E. 10.4; KGE VV vom 5. Dezember 2012 [810 11 227] E. 5.7.1). Diese Strafmasse sind nicht schematisch anzu- wenden. Vielmehr sind sie als blosser Ausgangspunkt für die Strafzume ssung nach dem Ver-Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldensprinzip zu betrachten (SIEBER/MALLA, a.a.O., N 46 zu Art. 175 DBG; vgl. auch GUIDO JENNY, Verschuldensprinzip und Strafzumessungsregeln im Steuerstrafrecht, ASA 66 1997/1998 S. 257 ff., 258 ff.). Weil das Gesetz für den Strafrahm en keine Differenzierung zwi- schen Vorsatz und Fahrlässigkeit regelt, muss diese im Rahmen der Strafzumessung nachvoll- zogen werden. Das Regelstrafmass von 100% der hinterzogenen Steuer soll nur ʺbei Vorsatz ohne besondere Strafänderungsgründeʺ Anwendung fin den ( SIEBER/MALLA, a.a.O., N 45 zu Art. 175 DBG). 8.4 Die Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und bewusster Fahrlässigkeit kann sich als schwierig erweisen. Sowohl der eventualvorsätzlich als auch der bewusst fahrlässig handelnde Täter weiss um die Möglichkeit des Erfolgseintritts bzw. um das Risiko der Tatbestandsverwirk- lichung. Hinsichtlich des Wissenselements stimmen die beiden Erscheinungsformen des sub- jektiven Tatbestands grundsätzlich überein. Blosses Wissenmüssen reicht für Eventualvorsatz aber nicht aus. Unterschiede bestehen beim Willenselement: Der bewusst fahrlässig handelnde Täter vertraut (aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit) darauf, dass der von ihm als möglich vo- rausgesehene Erfolg nicht eintrete, das Risiko der Tatbestandserfüllung sich mit hin nicht ver- wirklichen werde. Demgegenüber nimmt der eventualvorsätzlich handelnde Täter den Eintritt des als möglich erkannten Erfolg es ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab. Wer die Tatbestandsverwirklichung in Kauf nimmt, "will" sie im Sinn e von Art. 12 Abs. 2 StGB. Nicht erforderlich ist, dass der Täter den Erfolg "billigt" (BGE 133 IV 1 E. 4.1). Damit von Eventualvor- satz ausgegangen werden kann, ist folglich zu ve rlangen, dass sowohl das Wissens - als auch das Willensmoment nachgewiesen sind ( BGE 143 V 285 E. 4.2.2). Je höher die Wahrschein- lichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und j e schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, umso eher ist anzunehmen, die Tatbestandsverwirklichung werde in Kauf genommen. Wenn mit hinreichender Sicherheit feststeht, dass die steuerpflichtige Person sich der Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit ihrer Deklaration bewusst war, so muss angenommen werden, dass die steuerpflichtige Person auch mit Willen gehandelt, d.h. eine Täuschung der Veranlagungsbe- hörde beabsichtigt und eine zu niedrige Veranlagung angestrebt (direkter Vorsatz) oder zumin- dest in Kau f genommen habe (Eventualvorsatz). Die Veranlagungsbehörde darf diesfalls vom Wissen auf den Willen schliessen, denn ein anderer Beweggrund als eine Steuerverkürzung ist kaum vorstellbar (vgl. E. 4.4.2 hiervor; BGE 114 Ib 27 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 2C_1052/2020 vom 19. Oktober 2021 E. 3.2.5 f. m.w.H.). Als Inkaufnahme des Erfolges kann insbesondere der Umstand gewertet werden, dass die steuerpflichtige Person sich überha upt nicht darum kümmert, ob die von ihr gemachten Angaben richtig sind (Urteil des Bundesge- richts 2C_1052/2020 vom 19. Oktober 2021 E. 3.2.8 m.w.H.). 8.5 Vorliegend hat der Beschwerdeführer während einer langen Zeitdauer Steuern hinter- zogen, und zwar von 2006 bis 2013. Dass für die se Beurteilung ʺnurʺ die Jahre 2009 bis 2013 massgebend sind, beruht einzig auf dem Umstand, dass die Hinterziehungen der vorherigen Jahre verjährt sind, woraus der Beschwerdeführer im Hinblick auf die Beurteilung seines Ver- schuldens allerdings nichts Weiteres zu seinen Gunsten ableiten kann. Gemäss dem Bericht der ASU vom 21. August 2019 mussten in der zu beurteilenden Zeitspanne erhebliche Aufrech- nungen vorgenommen werden. Ein Grossteil dieser geldwerten Leistungen machen fikti ve Rechnungen aus, welche lediglich erstellt wurden, um den Gewinn bei den betroffenen Gesell-Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht schaften zu verkleinern und somit weniger Steuern zahlen zu müssen. Es mussten weiter be- trächtliche geldwerte Leistungen als Privat- und Fahrzeugaufwand beim Beschwerdeführer auf- gerechnet werden. Aus der Verfügung vom 12. Dezember 2019 wird denn auch ersichtlich, dass die Steuerverwaltung dem Beschwerdeführer insgesamt erhebliche Beträge als Einkom- mens-Nachsteuer auferlegen musste, und zwar betreffend die direkten B undessteuern Fr. 54'528.--. Diese unbestrittenen Aufrechnungen konnten dem Beschwerdeführer unter Be- rücksichtigung der Gesamtumstände vernünftigerweise nicht entgehen. Mit Blick auf die be- schriebene bundesgerichtliche Rechtsprechung (E. 8.4 hiervor) ist vi elmehr festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer, welcher in der fraglichen Zeitspanne einziges und einzelzeich- nungsberechtigtes Mitglied des Verwaltungsrates der C.____ AG war und zudem über gute kaufmännische Kenntnisse verfügt, der Unrichtigkeit und Unvollständigkeit seiner Deklarationen bewusst war und auch willentlich gehandelt hatte. Der Beschwerdeführer hat mit anderen Wor- ten in Kauf genommen, dass seine privaten Steuerdeklarationen zu tief ausfallen , und damit zumindest eventualvorsätzlich gehand elt (vgl. auch S. 49 des ASU Berichts vom 21. August 2019). 8.6 Aus dem Untersuchungsbericht der ASU vom 21. August 2019 geht schliesslich her- vor, dass diese von einem schweren Fall von fortgesetzter Steuerhinterziehung ausgeht. Das Ausmass des damit erz ielten Erfolges sei gross. Die Art und Weise der Herbeiführung des Er- folges sei weiter geprägt durch detailliert geplantes, auf egoistischen Motiven gründendem Handeln und einer Gleichgültigkeit gegenüber den in der C.____ AG eingesetzten Schwarzar- beitern, denn diese seien weder unfall - noch sozialversichert und unterlägen zudem einem Lohndumping. Das konkrete Vorgehen sei aus Eigennutzen erfolgt und das Aktionariat der C.____ AG habe direkt von den verdeckten Gewinnvorwegnahmen aus der Gesellschaft profi- tiert. Von einem einfachen Fall, für welchen die Regelbusse vorgesehen ist, kann unter diesen Umständen vorliegend nicht gesprochen werden. Bereits das Tätigwerden der ASU wäre für einen einfachen Fall untypisch. Vorliegend kam deren Untersuchungsbericht vom 21. August 2019 denn auch zum Schluss, dass es sich um einen schweren Fall von fortgesetzter Steuer- hinterziehung handelt. Neben den unbestritten gebliebenen Steuerverkürzungen auf Kosten der Gemeinwesen (Bund, Kanton und Gemeinde) ist insbesondere auch de r Einsatz von Schwarz- arbeitern strafschärfend zu berücksichtigen, auf deren Kosten verdeckte Leistungen bezogen wurden. Das Verschulden des Beschwerdeführers muss deshalb auch hinsichtlich seiner per- sönlichen Steuerdeklarationen als schwer bezeichnet werde n. Die Argumentation des Be- schwerdeführers, er habe sich selbst nicht mit einer Steuerersparnis bereichert, sondern diese sei nur bei der Gesellschaft eingetreten, was er aber gar nicht beabsichtigt habe, ist so nicht nachvollziehbar. Auf jeden Fall kann er daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten, weshalb sich weitere Ausführungen dazu erübrigen. Die Beschwerdegegnerin führt schliesslich aus, dass der Beschwerdeführer keine besondere Kooperation zu seinen Gunsten in Anspruch nehmen kön- ne. Die ASU sei insbe sondere durch die beim Beschwerdeführer und seinen Gesellschaften durchgeführten Hausdurchsuchungen an die notwendigen Informationen gekommen. Es ist zu- dem zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer weder Unterlagen oder Namen der be- schäftigten Schwarzarbeiter noch die Anschrift von Herrn F.____ als Vermittler der Schwarzar- beiter und Provisionsempfänger nennen konnte, weshalb genauere Abklärungen durch die Be- schwerdegegnerin nicht möglich waren. Allein dieser Umstand macht deutlich, dass nicht von Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer besonderen Kooperationsbereitschaft ausgegangen werden kann, die eine zusätzliche Strafmilderung rechtfertigen würde. 9. Es ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Höhe der dem Beschwerdeführer auf- erlegten Nachsteuern unbestritten blieb. In subjektive r Hinsicht handelte der Beschwerdeführer auch bei seinen eigenen Steuerdeklarationen als Privatperson vorsätzlich. Die lange Dauer der Hinterziehung, das Ausmass des Taterfolges, das Vorgehen des Steuerpflichtigen und dessen persönliche Umstände stellen zudem besondere Strafänderungsgründe dar, weshalb vorliegend von einem schweren Fall von fortgesetzter Steuerhinterziehung auszugehen ist. Ein solcher rechtfertigt ein Abweichen von der Regelbusse auf 150% der hinterzogenen Steuern, zumal die Busse bei schwerem Verschulden bis auf das Dreifache der hinterzogenen Steuer erhöht wer- den könnte. Die konkret zu prüfende Strafe erscheint in diesem Lichte vielmehr als mild und eine nach oben abweichende Strafzumessung wäre durchaus denkbar. Allerdings auferlegt sich das Kantonsgericht bei der Frage der Angemessenheit von verhängten Bussen Zurückhaltung und greift nicht ohne Not in die Strafzumessung der Vorinstanzen ein (KGE VV vom 4. Februar 2015 [810 14 321] E. 10.4). Vorliegend erscheint die Bewertung des Verschuld ens als schwer und die Ansetzung einer Strafsteuer von 150% der Nachsteuer als vertretbar, weshalb die Be- schwerde abzuweisen ist, soweit darauf eingetreten werden kann. 10. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Für die Beschwerde an das Kantonsgericht a ls weitere kantonale Beschwerdeinstanz im Bereich der direkten Bundessteuer gelten laut Art. 145 Abs. 2 DBG die Vorschriften von Art. 140 bis Art. 144 DBG s inngemäss. Gemäss Art. 144 Abs. 1 DBG werden die Kosten der unterliegenden Partei auferlegt. Die Höhe der Kosten des Verfahrens wird durch das kantonale Recht bestimmt (Art. 144 Abs. 5 DBG). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'000.-- dem unterlie- genden Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in derselben Höhe zu verrechnen. Ausgangsgemäss sind die Parteikosten wettzuschlagen (Art. 145 Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes [VwVG] vom 20. Dezember 1968). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'000. -- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'000.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen.