B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1922/2020 U r t e i l v o m 1 5 . S e p t e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Chiara Piras (Vorsitz), Richter David R. Wenger, Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. Parteien A._______, geboren am (…), und dessen Kinder, B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), alle Iran, alle vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 3. März 2020 / N (…). D-1922/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A._______ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) verliess seinen Heimat- staat eigenen Angaben zufolge am (…) 2015 in Richtung Türkei. Die bei- den Kinder des Beschwerdeführers, B._______ und C._______, folgten ihm ungefähr 15 Tage später zusammen mit ihrer Stiefmutter, D._______, und ihrem Halbgeschwister, E._______. Gemeinsam gelangte die Familie auf dem Landweg via Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Un- garn und Österreich am 17. Oktober 2015 in die Sch weiz, wo sie am nächsten Tag um Asyl nachsuchte. B. B.a Am 22. Oktober 2015 wurde der Beschwerdeführer im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) F._______ zu seiner Person, seinem Reiseweg und summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 16. November 2017 fand die Anhörung zu den Asylgründen und am 14. Dezember 2017 eine ergänzende Anhörung statt. B.b Anlässlich der Befragungen machte der Besc hwerdeführer zu seiner Identität und seinem persönlichen Hintergrund geltend, er sei iranischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und stamme aus G._______, wo er geboren und aufgewachsen sei. Mit (…) Jahren sei er nach H._______ und anschliessend nach I._______ gezogen, wo er eine Ausbildung als (…) ab- solviert habe. Anschliessend habe er in J._______ gelebt und gearbeitet. Im Jahr 2003 oder 2004 habe er seine erste Ehefrau geheiratet. Aus der Ehe seien die beiden Kinder, B._______ und C._______, hervorgegangen. Nach drei Jahren sei er , zusammen mit seiner Familie , nach G._______ zurückkehrt, wo er seinen eigenen (…) eröffnet habe. Im Jahr 2008 habe er sich von seiner ersten Ehefrau scheiden lassen und am (…) 2009 seine jetzige Ehefrau geheiratet, mit welcher er ein weiteres Kind bekommen habe. Zur Begründung seines Asylgesuch s machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, im Jahr 2000 anlässlich einer Versammlung in sei- nem Dorf erstmals mit Mitgliedern der ehemaligen Demokratischen Partei Kurdistan-Iran ([DPK-I], kurdisch: "Hizba Dêmokrata Kurdistanê -Îran" [HDK-I]; englisch: "Democratic Party of Iranian Kurdistan" [PDK-I]) in Kon- takt gekommen zu sein. Nachdem er sein Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet habe, sei er anschliessend ein Jahr lang zwecks Bewährung un- ter Beobachtung gestanden. Während dieser Zeit habe er – ohne Kontakt zur Partei – Hauswände beschriftet. Anlässlich seiner ersten Reise im D-1922/2020 Seite 3 Jahr 2001 ins Hauptquartier der Partei in den Nordirak sei er dann offiziell als Mitglied aufgenommen worden. Bei seiner Rückkehr in den Iran, sei er von iranischen Sicherheitskräften festgenommen worden, da ihm vorge- worfen worden sei, zwecks Aktivitäte n für die Arbeiterpartei Kurdistans (kurdisch: "Partiya Karkerên Kurdistan" [PKK]) oder die Peshmerga illegal in den Irak gereist zu sein. Letztlich sei er wegen illegaler Ausreise zu (…) Monaten Haft verurteilt worden. Nach seiner Haftentlassung sei er nach G._______ zurückkehrt, wo er vom iranischen Geheimdienst (Ettelaat) ein- mal vorgeladen und befragt worden sei. Da er anschliessend unter Be- obachtung des Ettelaat gestanden habe, habe er seine politischen Aktivi- täten bis 2004/2005 eingestellt und ein normales Leben geführt. Danach habe er – zunächst ohne Kontakt zur Partei – wieder angefangen Wände zu beschriften. 2007/2008 beziehungsweise 2008/2009 sei er ein zweites Mal in den Irak gereist, wo er in K._______ L._______, die zuständige Per- son für die Vernetzung der Geheimmitglieder, getroffen habe. Während seines Besuchs sei er von diesem angefragt worden, ob er ein Geheimmit- glied der Kurdistan Democratic Party - Iran (KDP-I) werden wolle, was er bejaht habe. In der Folge sei er im Iran zunächst alleine und im Geheimen aktiv gewesen. Ab 2011/2012 hätten sie dann begonnen zu Dritt als Ge- heimzelle der Partei zu fungieren, wobei er die Rolle des Teamleiters über- nommen habe. Als Haupttätigkeit hätten sie im Iran Flyer aus dem Irak verteilt. Zwei Tage nach einer Aktion sei am (…) 2015 ein Mitglied der Ge- heimzelle verhaftet worden. Nachdem er über die Verhaftung informiert worden sei , habe sich der Beschwerdeführer bei seiner Tante in M._______ versteckt. Am nächsten Morgen habe er erfahren, dass Ettel- aat-Beamte sein Zuhause durchsucht und dabei einen USB -Stick mit be- lastenden Dateien vorgefunden hätten. Überdies sei sein Bruder mitge- nommen worden, da er selber nicht anwesend gewesen sei. Infolgedessen habe er sich entschlossen, sein Heimatland zu verlassen und sei schliess- lich am (…) 2015 in die Türkei geflüchtet. Circa (…) Tage später sei seine Ehefrau mit seinen Kindern nachgekommen. Auch nach seiner Ankunft in der Schweiz habe er sich für die KDP-I engagiert. Am (…) 2016 sei er als zuständige Person für die (…) auf gesamtschweizerischer Ebene gewählt worden. Weiter habe er an einer Demonstration in N._______ teilgenom- men und auf (…) regimekritische Beiträge verfasst, w eswegen er online bedroht worden sei. B.c Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichten die Beschwerdefüh- renden zum Nachweis ihrer Identität und zur Untermauerung ihrer Vorbrin- gen die folgenden Unterlagen als Beweismittel ein (vgl. SEM-Akte A29 [Beweismittelcouverts]): D-1922/2020 Seite 4 - die Shenasnameh (iranische Personenstandsurkunden) der Beschwer- deführenden (je im Original), - eine Fotokopie der Melli -Karte (iranische Identitätskarte) des Be- schwerdeführers, - eine Militärentlassungskarte des Beschwerdeführers (im Original), - einen Berufsausweis des Beschwerdeführers (im Original), - eine Heiratsurkunde des Beschwerdeführers und seiner zweiten Ehe- frau (im Original), - diverse Fotok opien von verschiedenen auf Kurdisch und Farsi ver- fasste Flyer, - eine Fotokopie eines Videoausschnitts, - diverse Berichte und Fotos über die exilpolitischen Tätigkeiten des Be- schwerdeführers, - diverse von O._______ auf Farsi verfasste (…)-Nachrichten an den Be- schwerdeführer vom 20. Dezember 2015, - eine Fotokopie eines auf Englisch verfassten Bestätigungsschreibens von P ._______ der Kurdistan Democratic Party Iran (KDP–Iran) bezüg- lich der Mitgliedschaft des Beschwerdeführers vom (…) 2017, - einen Mitgliederausweis der Kurdistan Democratic Party des Be- schwerdeführers (im Original), - ein Versandcouvert (im Original), - einen Screenshot der Kontaktangaben von L._______, - einen Auszug einer (…)-Konversation auf Farsi mit Q._______, - zwei USB-Sticks. C. Seit (…) 2018 lebt der Beschwerdeführer mit den Kindern, B._______ und C._______, getrennt von seiner Ehefrau respektive deren Stiefmutter, D._______, und seinem jüngsten Kind respektive deren Halbgeschwister, E._______. D. D.a Mit Verfügung vom 3. März 2020 – eröffnet am 5. März 2020 – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigen- schaft nicht und lehnte ihre Asylgesuche ab. Der Vollzug der Wegweisung wurde zugunsten einer vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit auf- geschoben. D.b Gleichentags erging in Bezug auf die Ehefrau respektive die Stiefmut- ter und das Kind, E._______, respektive das Halbgeschwister der Kinder, D-1922/2020 Seite 5 B._______ und C._______, eine separate Verfügung; dies aufgru nd der Trennung der Eheleute und der entsprechend unterschiedlichen Wohnorte. E. Gegen den Entscheid vom 3. März 2020 erhoben die Beschwerdeführen- den – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – mit Eingabe vom 6. Ap- ril 2020 (Eingang BVGer : 8. April 2020) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragten, die Verfügung der Vorinstanz sei in den Dis- positiv-Ziffern 1 bis 3 aufzuheben und die Sache zur rechtsgenüglichen Feststellung des Sachverhalts und Würdigung an die Vorinstanz zurückzu- weisen. Als Eventualantrag stellten sie das Begehren, es sei ihre Flücht- lingseigenschaft sowie die Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und ihnen sei Asyl zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hin- sicht ersuchten sie um Ansetzung einer angemessenen Nachfrist zur Be- schwerdeergänzung ab der Edition der Befragungs- und Anhörungsproto- kolle der Ex -Ehefrau des Beschwerdeführers, um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses sowie um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand. Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung der Vorinstanz sowie eine Vollmacht vom 14. September 2018 bei. F. Mit Schreiben vom 8. April 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. G. G.a Mit Zwischenverfügung vom 20. April 2020 stellte die damals zustän- dige Instruktionsrichterin fest, dass die Beschwerdeführenden den Aus- gang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfen. Weiter wurden die Beschwerdeführenden aufgefordert, ihre aktuelle finanzielle Situation of- fenzulegen und darauf hingewiesen, dass über die Gesuche um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um die Beiordnung des rubri- zierten Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand nach Ablauf der Frist befunden werde. Der Antrag auf Gewährung einer Nachfrist zur Beschwer- deergänzung nach Einsicht in die Akten der Ex-Ehefrau wurde abgelehnt. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz eingeladen, sich zur eingereichten Be- schwerde vernehmen zu lassen. D-1922/2020 Seite 6 G.b Mit E ingabe vom 27. April 2020 liessen die Beschwerdeführenden eine Fürsorgebestätigung des (…) vom 22. April 2020 sowie ein en USB- Stick zu den Akten reichen. G.c Das SEM nahm in seiner Vernehmlassung vom 4. Mai 2020 zur Be- schwerde Stellung. H. H.a Mit Zwischenverfügung vom 11. Mai 2020 wurde den Beschwerdefüh- renden die Vernehmlassung vom 4. Mai 2020 zugestellt und Gelegenheit eingeräumt, eine Replik sowie entsprechende Beweismittel einzureichen. H.b Die Beschwerdeführenden replizierten mit Eingabe vom 26. Mai 2020, wobei zwei Honorarnoten ins Recht gelegt wurden. I. Ein mittels Anzeige seiner Ehefrau eingeleitetes Verfahren gegen den Be- schwerdeführer wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und häuslicher Gewalt (Tätlichkeiten, Beschimpfung, Drohung) wurde mit Verfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons R._______ vom 8. April 2019 eingestellt. Die dagegen erhobene Beschwerde der Ehefrau wurde vom Obergericht des Kantons R._______ mit Beschluss vom 12. November 2019 abgewie- sen. Ein weiteres gegen den Beschwerdeführer eingeleitet es Strafverfah- ren wegen Tätlichkeiten und Drohungen wurde mit Verfügung der Staats- anwaltschaft des Kantons R._______ vom 9. April 2019 eingestellt. J. Das vorliegende Verfahren wurde aus organisatorischen Gründen auf die gemäss Rubrum vorsitzende Richterin umgeteilt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun- desverwaltungsgericht (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal- tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge- setzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge- biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das D-1922/2020 Seite 7 Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor- liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgül- tig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG; SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). Eine sol- che Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, wes- halb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten (AS 2016 3101). In Anwendung der Übergangsbestimmun- gen gilt für das vorliegende Verfahren das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. Septem- ber 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen nach der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Weg- weisungsvollzug ist nicht zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Beschwer- deführenden wegen Unzumutbarkeit d es Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen hat (vgl. hierzu auch die Ausführungen in E. 10.3). 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/25 E. 5). 4. 4.1 Zunächst ist die von den Beschwerdeführenden erhobene formelle Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 D-1922/2020 Seite 8 [BV; SR 101]; Art. 29 VwVG) zu behandeln, da seine Verletzung ungeach- tet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids führt (BGE 137 I 195 E. 2.2). 4.2 4.2.1 Das rechtliche Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse, die einer Parte i einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3 und BVGE 2009/35 E. 6.4.1, je m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korre- liert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk- ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück- lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 4.2.2 Aus dem Akteneinsichtsrecht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs folgt, dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteilig- ten offenzulegen sind, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Verfügung darauf abgestellt wird (BGE 132 V 387 E. 3.1 f.). Die Wahrnehmung des Akteneinsichts- und Beweisführungsrechts durch die von einer Verfügung betroffenen Person setzt die Einhaltung der Aktenführungspflicht der Ver- waltung voraus, gemäss welcher die Behörden alles in den Akten fe stzu- halten haben, was zur Sache gehört und für den Entscheid wesentlich sein kann (vgl. BGE 130 II 473 E. 4.1 und BVGer D-1367/2014 vom 28. Ju- li 2015 E. 3.2, je m.w.H.). 4.3 4.3.1 Die Beschwerdeführenden rügten in ihrer Beschwerdeeingabe, das SEM habe in seinem Asylentscheid die protokollierten Aussagen der Ehe- frau des Beschwerdeführers respektive der Stiefmutter der Kinder nicht er- wähnt und ihnen weder Einsicht in die entsprechenden Befragungsproto- kolle gewährt noch den wesentlichen Inhalt der Aussagen zu den flu cht- auslösenden Ereignissen sinngemäss oder paraphrasiert eröffnet. Sofern die Protokolle keinerlei Bezug zur Fluchtgeschichte enthielten, wäre zumin- dest eine entsprechende Anmerkung im Rahmen des vorinstanzlichen Ent- scheids notwendig gewesen. Mit ihrer Verfügung und der unvollständigen Aktenedition seien denn auch ihre Gehörsrechte verletzt worden. D-1922/2020 Seite 9 4.3.2 In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz hinsichtlich der gerüg- ten fehlenden Edition der Befragungsprotokolle der getrenntlebenden Ehe- frau des Beschwerdeführers respektive der Stiefmutter der Kinder aus, da sich in deren Aussagen keine den Beschwerdeführer entlastenden Ausfüh- rungen finden liessen, hätten diese in der angefochtenen Verfügung keine explizite Nennung gefunden. Aus Datenschutzgründen könne den Be- schwerdeführenden keine Einsicht in die Befragungsprotokolle gegeben werden, da die Betroffene mit der Einsichtnahme in ihre Akten nicht einver- standen gewesen sei. 4.3.3 Dagegen wendeten die Beschwerdeführenden in der Replik ein, aus der angefochtenen Verfügung ergebe sich gerade nicht, ob das SEM die jeweiligen Akten bei der Entscheidfindung berücksichtigt habe. Inwiefern die Aussagen der Ehefrau des Beschwerdeführers respektive der Stiefmut- ter der Kinder keine den Beschwerdeführer entlastenden Ausführungen enthalten würden, könne von den Beschwerdeführenden mangels Akten- einsicht nicht beurteilt werden. Die Vorinstanz hätte zudem wenigstens die Verhältnismässigkeit der Verweigerung der Akteneinsicht prüfen und be- gründen müssen, weshalb die privaten Geheimhaltungsinteressen der Ehefrau des Beschwerdeführers respektive der Stiefmutter der Kinder im Vergleich zu denjenigen der Beschwerdeführenden an der Offenlegung überwiegen. 4.4 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass den Beschwerdeführenden grund- sätzlich nur mit einer Einverständniserklärung der Ehefrau respektive der Stiefmutter vollständige Einsicht in deren Akten gewährt werden könnte, zumal es sich um Akten Dritter handelt. Die Ehefrau respektive die Stief- mutter verweigerte mit schriftlicher Erklärung vom 16. April 2020 ihr Ein- verständnis zur Einsicht in ihre Verfahrensakten, namentlich in ihre Befra- gungsprotokolle (vgl. SEM-Akte A76). Vor diesem Hintergrund darf de n Beschwerdeführenden nur insoweit Akteneinsicht gewährt werden, wie es zur Wahrung des rechtlichen Gehörs notwendig ist. Bei den Befragungs- protokollen der Ehefrau respektive der Stiefmutter handelt es sich um für den Ausgang des Asylverfahrens der Beschwerdeführenden unwesentli- che Akten, auf die sich die Vorinstanz in der Begründung der angefochte- nen Verfügung auch nicht zu Lasten der Beschwerdeführenden abstützte. Dementsprechend hat die Vorinstanz die Befragungsprotokolle zu Recht von der Akteneinsicht ausgenommen.D-1922/2020 Seite 10 4.5 4.5.1 Die Beschwerdeführenden machten in ihrer Rechtsmitteleingabe des Weiteren geltend, die Vorinstanz habe es versäumt, dem Beschwerdefüh- rer Gelegenheit zu geben, zu den ihm in der angefochtenen Verfügung im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung seiner Asylvorbringen vorgeworfe- nen, vermeintlichen Widersprüchen respektive Unst immigkeiten Stellung zu nehmen. 4.5.2 Das SEM führte diesbezüglich in seiner Vernehmlassung aus, die an- gefochtene Verfügung stütze sich im Wesentlichen auf unsubstantiierte An- gaben des Beschwerdeführers sowie auf die fehlende Logik seiner Vorbrin- gen und n icht auf Widersprüchlichkeiten. E ntsprechend könne keine Ge- hörsverletzung ausgemacht werden. 4.5.3 In der Replik wurde vorgebr acht, dass diese Argumentation ange- sichts der mehrfach ausdrücklich monierten Widersprüchlichkeiten und Un- klarheiten in der vorinstanzlichen Verfügung nicht standhalte. 4.6 Die Vorinstanz bezog sich in ihrer Verfügung auf die Befragung des Beschwerdeführers und hielt fest, dass seine Aussagen oberflächlich, un- differenziert und widersprüchlich seien. Sie erwähnt e die widersprüchli- chen Aussagen des Beschwerdeführers, stützte sich jedoch für die Begrün- dung nicht auf diese. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden hatte im Rahmen der Beschwerde zudem Gelegenheit, detailliert und ausführlich zur angefochtenen Verfügung Stellung zu nehmen. Dabei hätte es ihm of- fen gestanden, auf allfällige Widersprüche nach Rücksprache mit dem Be- schwerdeführer zurückzukommen. Auch diese Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs stösst somit ins Leere. 4.7 4.7.1 Schliesslich warfen die Beschwerdeführenden der Vorinstanz vor, diese habe den Sachverhalt insbesondere betreffend die exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers und dessen po litisches Profil vor dem Hintergrund seiner Aktivitäten auf den sozialen Medien nur ungenügend abgeklärt und somit den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Ausserdem hätte sie zwingend die kurdische Ethnie des Beschwerdeführers berück- sichtigen müssen. 4.7.2 In der Vernehmlassung betonte das SEM, dass es die exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers nicht als Fortführung seiner Aktivitäten im Iran einstufe, da es ihm nicht gelungen sei, ein langanhaltendes und bis D-1922/2020 Seite 11 zu seiner Ausreise andauerndes Engagement in der KDP beziehungs- weise in der KDP-I glaubhaft zu machen. Hinsichtlich seinen gemäss Be- schwerdeschrift exponierten und langjährigen regimekritischen Aktivitäten auf den sozialen Medien sei festzustellen, dass er bis anhin keine entspre- chenden Beweise erbracht habe, deren Würdigung versäumt worden sei. 4.7.3 In ihrer Replik liessen die Beschwerdeführenden darauf hinweisen, dass sich die Vorinstanz auch auf Vernehmlassungsebene in keiner Weise mit der kurdischen Ethnie des Beschwerdeführers und dem damit verbun- denen zusätzlichen Risiko im Rückkehrfall in den Iran auseinandergesetzt habe. 4.8 4.8.1 Im Asylverfahren – wie in anderen Verwaltungsverfahren auch – gilt der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Danach muss die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären. Sie ist verantwortlich für die Beschaffung der für den Entscheid notwendi- gen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsrelevanter Tatsachen (vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfah- ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 142; PAT- RICK KRAUSKOPF/KATRIN EMMENEGGER/FABIO BABEY, in: Waldmann/Weis- senberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Rz. 20 ff. zu Art. 12 VwVG). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falsche r und ak- tenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsma- xime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sachumst ände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, N 16 zu Art. 12 VwVG). 4.8.2 Aufgrund der Aktenlage kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das SEM vorliegend den Sachverhalt, insbesondere die exil- politischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers in der Schweiz, vollständig erstellt und diesen in ihrer Begründung genügend berücksichtigt und Ein-D-1922/2020 Seite 12 zelfallbezogen gewürdigt hat. Soweit in der Replik der Standpunkt vertre- ten wurde, das SEM hätte den Beschwerdeführer auffordern müssen, die entsprechenden Auszüge seiner (…)-Posts einzureichen, ist festzuhalten, dass es im Rahmen der dem Beschwerdeführer gesetzlich obliegenden Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG an ihm gelegen hätte, Beweismittel zu beschaffen, was ihm offenbar bewusst war, gab er doch bei der Anhö- rung mehrere Dokumente ab (vgl. SEM-Akten A28 und A29 [Beweismittel- couvert]). Ebenfalls zeigen die nachfolgenden Erwägungen, dass der rechtserhebliche Sachverhalt von der Vorinstanz vollständig und richtig festgestellt wurde. Weiter ist zwar zutreffend, dass sich die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung nicht zur kurdischen Ethnie des Beschwer- deführers geäussert hat. Nachdem der Beschwerdeführer aber keine kon- kreten, ihn persönlich betreffenden Schwierigkeiten oder eine Verfolgung aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit darlegte und gemäss geltender Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts nicht von einer Kollektiv- verfolgung von Kurden im Iran ausgegangen werden kann (vgl. dazu nach- folgend E. 7.3) ist die Vorgehensweise der Vorinstanz nicht zu beanstan- den. Die erhobenen Rügen erweisen sich demnach als unbegründet. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozi alen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Unglaubhaft sind insbesondere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begr ündet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an D-1922/2020 Seite 13 das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dar- gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. beispielsweise BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 5.3 Wer sich darauf beruft, dass durch seine Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht subjektive Nach- fluchtgründe geltend (Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begrün- den zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen je- doch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 6. 6.1 In ihrer abweisenden Verfügung kam die Vorinstanz zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG noch an die Flüchtlingseigen- schaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten. Zur Begründung führte sie aus, der Beschwerdeführer habe seine Tätigkeit für die KDP lediglich oberfläch- lich, undifferenziert und widersprüchlich geschildert. So habe er angege- ben, nach seinem Treffen mit Parteivertretern während knapp eines Jahres Wände mit einfachen Stiften beschriftet zu haben. Weitere Informationen zu seinen Handlungen während dieses Jah res seien aus seinen Schilde- rungen jedoch nicht zu entnehmen gewesen. Der Beschwerdeführer habe sich in Bezug auf die Frage, ob er die Wände im Auftrag der KDP oder von sich aus beschriftet habe, widersprochen und es sei aufgrund seiner ins- gesamt knapp gehaltenen Ausführungen unklar geblieben, wie der Kontakt zur Partei in dieser Zeit ausgesehen habe. Dies angesichts dessen, dass er ausgeführt habe, einerseits mit niemandem in Verbindung, andererseits unter Beobachtung der Partei gestande n zu haben. Des Weiteren habe sich der Beschwerdeführer sowohl zu seiner Verbindung zur KDP nach sei- ner Haftentlassung als auch zu seinen weiteren Aktivitäten ähnlich unsub- stantiiert und nicht nachvollziehbar geäussert. Insbesondere bleibe unge- klärt, in welchem Zeitraum er effektiv Flyer für die KDP verteilt haben will. Sodann seien die Vorbringen bezüglich der weiteren geltend gemachten Aktivitäten für die Partei nicht nur bezüglich ihres Gehalts, sondern auch in logischer Hinsicht nicht überzeugend. Dabei sei das Vorgehen der Partei, welche ihn trotz jahrelanger Kontaktlosigkeit bei seinem zweiten Besuch D-1922/2020 Seite 14 im Nordirak als Mitglied einer Geheimzelle rekrutiert haben soll, kaum vor- stellbar, zumal seine Kontaktperson, L._______, die Entscheidung nicht al- leine getroffen habe. Es erscheine darüber hinaus äusserst unwahrschein- lich, dass der Beschwerdeführer – wäre er t atsächlich in der geltend ge- machten Form ein Mitglied der KDP gewesen – nur mit L._______ und mit keinem anderen Parteimitglied zu tun gehabt habe. Weiter seien seine Aus- sagen zum Beginn der vorgebrachten Aktivität als Teil einer geheimen Drei- erzelle nicht konsistent ausgefallen. Ausserdem stünden die Gründe für die lange Dauer bis zur Konstituierung als Geheimzelle im Widerspruch zu den Umständen seiner eigenen Ernennung als Geheimmitglied. Die Vorinstanz führte ferner aus, dem ausschlaggebenden Grund für seine Ausreise aus dem Iran, nämlich das Entdecken seiner Mitgliedschaft bei der KDP durch die iranische Regierung, könne nicht geglaubt werden, da es diesen Schil- derungen an substantiellem Gehalt und erlebnisbezogenen Aussa gen fehle. Aufgrund der rudimentären Aussagen des Beschwerdeführers bleibe unklar, was an jenem Tag genau passiert sei. Abschliessend wies die Vorinstanz darauf hin, dass die eingereichten Beweismittel nicht geeignet seien, die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers zu stützen. Ins- gesamt sei es ihm nicht gelungen, die vorgebrachte langandauernde Mit- gliedschaft bei der KDP , seine damit einhergehenden Parteiaktivitäten so- wie das Aufdecken derselben durch die heimatlichen Behörden glaubhaft zu machen. Alsdann bestünde zwischen dem Vorfall an der iranisch-iraki- schen Grenze im Jahr 2001, der anschliessenden halbjährigen Haft im Irak und der einmaligen Vorladung des Ettelaat nach seiner Entlassung im Iran weder ein zeitlicher noch ein kausaler Zusammenhang zu seiner Flucht aus seinem Heimatstaat im (…) 2015, weshalb diese Vorbringen als nicht asylrelevant einzustufen seien. Aus den exilpolitischen Aktivitäten des Be- schwerdeführers und den hierzu eingereichten Beweismitteln gehe zudem nicht hervor, inwiefern die iranischen Behörden deshalb auf ihn aufmerk- sam geworden seien. Die Organisationsarbeit im (…)-Verein, die Teil- nahme an Demonstrationen sowie das Posten von Kommentaren auf sozi- alen Medien seien nicht geeignet zu belegen, dass er sich in qualifizierter Weise exilpolitisch betätige. Bei dem Disput mit Q._______ – einer (…)- Bekanntschaft – handle es sich um einen einmaligen Streit, welcher über- dies von privater Natur sei und nichts mit seinen exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz zu tun habe. Insgesamt sei kein politisches Profil vorhan- den, welches ihn bei einer Rückkehr in den Iran einer konkreten asylrele- vanten Gefährdung aussetzen würde. Schliesslich stehe auch der Vorfall, welcher sich drei Jahre vor der Flucht des Beschwerdeführers aus seinem Heimatland ereignet habe und bei welchem er von vier bis fünf Personen D-1922/2020 Seite 15 im eigenen (…) in G._______ tätlich angegriffen worden sei, in keinem zeit- lichen und kausalen Zusammenhang zu seiner Ausreise. 6.2 Demgegenüber wendeten die Beschwerdeführenden in ihrer Rechts- mitteleingabe zunächst ein, der Beschwerdeführer habe seine Flucht- gründe verständlich, detailliert, lebensnah und plausibel geschildert, wobei zu berücksichtigen sei, dass sich der komplexe Sachverhalt über eine Pe- riode von 15 Jahren erstrecke. Seine Ausführungen würden zahlreiche Re- alkennzeichen enthalten, sein Erzählduktus sei durchgehend gleichgeblie- ben und er habe verschiedentlich konkrete und plausible Erlebnisse vorge- bracht. Es sei deshalb kaum vorstellbar, dass er anlässlich der Anhörung Unwahres oder Nicht-Selbsterlebtes geschildert habe. Ferner könnten die in der angefochtenen Verfügung aufgeführten Unstimmigkeiten ohne Wei- teres entkräftet werden. So habe der Beschwerdeführer – entgegen des von der Vorinstanz vertretenen Standpunktes – anlässlich der Anhörung den Ablauf seiner probeweisen Rekrutierung durch die KDP , wobei seine Loyalität überprüft worden sei, ohne andere Mitglieder zu gefährden, klar erläutert. Weiter sei es bezüglich des Zeitraums, während welchem er für die KDP -I Flyer verteilt habe , wegen der unklaren Fragestellung der Vorinstanz zu einem Missverständnis gekommen, welches dieser und nicht dem Beschwerdeführer anzulasten sei. Es könnten denn auch kaum Zwei- fel daran bestehen, dass er im Iran Flyer verteilt habe, denn – abgesehen von seinen glaubhaften Aussagen – habe er hierfür verschiedene Beweis- mittel eingereicht. Hinsichtlich der Ausführungen der Vorinstanz zum Vor- gehen der Partei sei darauf hinzuweisen, dass sämtliche diesbezüglichen Plausibilitätserwägungen ausschliesslich auf das Verhalten beteiligter Per- sonen respektive einer Organisationsstruktur und in keiner Weise auf na- turwissenschaftliche respektive physikalische und biologische Tatsachen abzielen würden. Abgesehen davon erscheine der vom Beschwerdeführer geschilderte Ereignisablauf völlig plausibel oder zumindest absolut denk- bar zu sein, insbesondere angesichts dessen, dass es in der Natur der Sache liege, dass die im Iran aktiven Geheimmitglieder , unter anderem durch die Operation mit möglichst wenigen Mitwissern , geschützt werden würden. Sodann scheine das SEM die angeblichen Widersprüche betref- fend die Umstände der Entstehung der Geheimzelle sowie das Datum des Beginns ihrer Aktivitäten geradezu zu konstruieren. Der Beschwerdeführer brachte des Weiteren vor, die Schilderungen der Entdeckung seiner Mit- gliedschaft bei der KDP -I durch den iranischen Sicherheitsapparat, wel- ches der ausschlaggebende Grund für seine Ausreise gewesen sei, wür- den einen hohen Detaillierungsgrad und zahlreiche Realkennzeichen auf- weisen, wodurch der Vorwurf der Vorinstanz der fehlenden Substantiierung D-1922/2020 Seite 16 nicht aufrechterhalten werden könne. Auch seine Aussagen zu den Grün- den für die Verhaftung seines Geheimzellengenossen seien absolut nach- vollziehbar und im Bereich des zu Erwartenden. Schliesslich seien die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel eindeutig geeignet, um den von ihm glaubhaft geschilderten Sachverhalt zu untermauern. Insgesamt habe die Vorinstanz den Beweisanforderungen gemäss Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen. Die glaubhaften Aussagen des Be- schwerdeführers würden allfällige n Unstimmigkeiten in seinen Erzählun- gen überwiegen. Der Beschwerdeführer habe damit nachweisen bezie- hungsweise glaubhaft machen können, dass er in seinem Heimatland we- gen seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe und seiner politischen Anschauung an Leib und Leben und in seiner Freiheit gefährdet sei. Ungeachtet der Vorfluchtgründe drohe dem Beschwerdeführer ange- sichts seines politischen Profils infolge seiner Aktivitäten für die KDP in der Schweiz, seiner politischen Vergangenheit, sei ner kurdischen Abstam- mung und wegen politischen und regimefeindlichen Beiträgen auf seinem (…)-Profil im Rückkehrfall eine asylrechtlich relevante Verfolgung. Demzu- folge erfüll e er die Flüchtlingseigenschaft gemäss Flüchtlingskonvention und sei gestützt auf Art. 83 Abs. 8 des Bundesgesetzes über die Auslände- rinnen und Ausländer und über d ie Integration vom 16. Dezember 2005 (AIG; SR 142.20) vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. 6.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz an den Erwägungen der angefochtenen Verfügung vollumfänglich fest und stellte sich auf den Standpunkt, dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblich en Tatsa- chen und Beweismittel enthalte, welche eine Änderung ihres Standpunktes zu rechtfertigen vermöchten. 6.4 In ihrer Replik verwiesen die Beschwerdeführenden bezüglich den ma- teriellen Vorbringen auf ihre Ausführungen in der Beschwerde, an welchen vollumfänglich festgehalten werde. 7. 7.1 Nach einer Gesamtwürdigung aller Fakten und Elemente gelangt das Bundesverwaltungsgericht – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – zum Ergebnis, dass die geschilderten Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers nicht glaubhaft und keine die Flüchtlingseigenschaft begründende Rele- vanz zu entfalten vermögen. Für Einzelheiten wird auf die entsprechenden, ausführlichen und überzeugenden Erwägungen der vorinstanzlichen Ver- fügung (vgl. dort, E. II sowie die Zusammenfassung der entsprechen den Ausführungen in E. 5.1 des vorliegenden Urteils) verwiesen, welchen sich D-1922/2020 Seite 17 das Gericht vollumfänglich anschliesst. In Ergänzung und Präzisierung ist Folgendes festzuhalten: 7.2 7.2.1 Der Beschwerdeführer vermochte seine angeblich seit dem Früh- jahr 2000 ausgeübten politischen Tätigkeiten und insbesondere seine ge- heimen Parteiaktivitäten ab 2007/2008 respektive 2008/2009 bis zu r Aus- reise trotz wiederholten Nachfragen des Mitarbeiters des SEM inhaltlich nur sehr allgemein, oberflächlich und vage zu beschreiben (vgl. SEM- Akte A25, F70–74, F77–83, F108, F112, F134 und F139). So bleibt insbe- sondere unklar, mit welchen Parolen er die Wände beschriftet und wann genau er Flugblätter verteilt haben soll. Hätte er sich tatsächlich jahrelang politisch engagiert, wäre zu erwart en gewesen, dass er ausführliche und detaillierte Angaben zu seinen Aktivitäten sowie zu seinen Erfahrungen in- nerhalb der DPK-I respektive der KDP-I hätte machen können. Seinen gel- tend gemachten langjährigen Einsatz für die Partei konnte er zudem mit keinem überzeugenden Beweismittel untermauern. Ferner machte er keine konkreten Angaben dazu, wann und wie er mit der Partei in Verbindung stand und deren Anweisungen entgegennahm (vgl. SEM-Akte A25, F75 f., F84 ff., F91 ff.). Hierbei ist denn auch zu bezweifeln, dass er ab seiner Rek- rutierung als Geheimmitglied bis zu seiner Ausreise nur mit L._______ und ansonsten mit keinem anderen Parteimitglied Kontakt hatte, zumal sich dieser stets im Irak aufhielt. Seine Erklärung, wonach die im Iran aktiven Geheimmitglieder unter anderem durch möglichst wenig Mitwisser ge- schützt werden sollten, vermag dabei nicht zu überzeugen. Die Ausführun- gen zur am (…) 2015 erfolgten Festnahme eines anderen Geheimzellen- mitglieds und die damit einhergehende Aufdeckung seiner Geheimmit- gliedschaft fielen ebenfalls wenig detailliert und ohne persönlichen Bezug aus (vgl. SEM-Akte A25, F151 –171). Auch wenn der Beschwerdeführer nicht persönlich anwesend war, wäre anzunehmen gewesen, dass er auf Nachfrage hin präzise und subjektiv geprägt über das Geschehene hätte berichten können, insbesondere da er angab, vom Bruder seines Kollegen über die Ereignisse informiert worden zu sein und infolgedessen sein Hei- matland verlassen zu haben . Des Weiteren erstaunt, dass bei der am (…) 2015 durchgeführten Hausdurchsuchung ein USB-Stick mit belasten- den Dokumenten gefunden worden sein soll (vgl. SEM-Akte A25, F157), machte der Beschwerdeführer doch geltend, kein belastendes Material zu Hause aufbewahrt zu haben (vgl. SEM-Akte A14, F145 f.). Anlass zu Zwei- fel gibt auch die Darstellung, wonach die Sicherheitskräfte verschiedene Gegenstände beschlagnahmt und sogar seinen Bruder festgenommen hät- ten, wohingegen seine Identitätspapiere, welche seine Ehefrau bei ihrer D-1922/2020 Seite 18 Ausreise mitgenommen habe, nicht konfisziert worden seien. Ein solches Vorgehen der Sicherheitskräfte erscheint unplausibel. Insgesamt vermit- teln die Vorbringen den Eindruck eines konstruierten und damit unglaub- haften Sachverhalts. Darüber hinaus kann die Familie des Beschwerdefüh- rers, offenbar ohne Behelligungen ausgesetzt zu sein, weiterhin im Iran le- ben, was angesichts der geltend gemachten Verfolgung des Beschwerde- führers durch die iranischen Sicherheitsbehörden unwahrscheinlich wirkt. Schliesslich weist nichts darauf hin, dass im Iran ein Strafverfahr en oder andere behördliche Massnahmen gegen ihn eingeleitet worden wären. 7.2.2 Nach dem Gesagten ist ein – wenn auch nur niederschwelliges – En- gagement des Beschwerdeführers für die DPK-I respektive die KDP-I im Iran zwar nicht gänzlich auszuschliessen, jedoch ist sein Vorbringen, dass dieses den iranischen Sicherheitsbehörden bekannt geworden sei und er deswegen gesucht werde, als überwiegend unglaubhaft zu erachten . Die Ausführungen in den Rechtsmitteleingaben sind nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung bezüglich der Frage der Glaubhaftigkeit der Verfol- gungsvorbringen des Beschwerdeführers zu führen. Wie in der angefoch- tenen Verfügung bereits zutreffend festgestellt wurde, vermögen auch die zum Nachweis der Asylvorbringen zu den Akten gereichten Beweismi ttel nichts an dieser Einschätzung zu ändern. 7.3 Soweit der Beschwerdeführer in seinen Rechtsmittelschriften auf seine kurdische Ethnie und die Probleme von Kurden im Iran verweist, ist festzu- stellen, dass er gemäss Aktenlage vor seiner Ausreise keinerlei Nachteile aus diesem Grund erlitten hat. Zudem bestehen keine stichhaltigen Gründe für die Annahme, dass er aus diesem Grund in den Fokus der iranischen Behörden geraten könnte. Ferner sind nach Auffassung des Gerichts auch die hohen Anforderungen für die Ann ahme einer Kollektivverfolgung im Falle der kurdischen Minderheit im Iran – ungeachtet von Problemen, de- nen Kurden bei der Pf lege ihrer Kultur und Identität, bei der Verfolgung politischer Aktivitäten sowie bei der Teilnahme am Wirtschaftsleben ausge- setzt sein können – nicht als erfüllt zu erachten (vgl. etwa Urt eil des BVGer D-2176/2018 vom 21. November 2018 E. 6 m.w.H.). 7.4 Gesamthaft ist das Bestehen einer asylbeachtlichen Verfolgung res- pektive Verfolgungsgefahr im Ausreisezeitpunkt somit zu verneinen.D-1922/2020 Seite 19 8. 8.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob aufgrund des geltend gemachten exilpo- litischen Engagements des Beschwerdeführers subjektive N achflucht- gründe im Sinne von Art. 54 AsylG bestehen. 8.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Praxis grundsätzlich von einer unbefriedigenden Menschenrechtssituation im Iran aus. Auch nach den Präsidentschaftswahlen im Juni 2013 steht es vor allem um die Wahrung der politischen Rechte und insbesondere der Meinungsäusse- rungsfreiheit schlecht. Jegliche Kritik am System der Islamischen Republik und deren Würdenträgern ist tabu, ebenso die Berichterstattung über poli- tische Gefangene oder echte Oppositionsbewegungen. Die iranischen Be- hörden unterdrücken in systematischer Weise die Meinungsäusserungs- freiheit durch die Inhaftierung von Journalisten und Redakteuren, und die Medien sind einer strengen Zensur respektive einem Zwang zur Eigenzen- sur unterworfen. Somit hat sich die Einschätzung des Bundesverwaltungs- gerichts zur Lage im Iran (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.1) auch nach den Prä- sidentschaftswahlen im Juni 2013 nicht geändert und behält nach wie vor ihre Gültigk eit (vgl. beispielsweise Urteil des BVGer E-4282/2018 vom 4. März 2020 E. 7.3.1 m.w.H.). 8.3 Die vorliegend interessierende politische Betätigung für staatsfeindli- che Organisationen im Ausland ist seit der Neufassung des iranischen Strafrechts im Jahr 1966 unter Strafe gestellt. Einschlägigen Berichten zu- folge wurden in der Vergangenheit bereits Personen verhaftet, angeklagt und verurteilt, welche sich unter anderem im Internet kritisch zum irani- schen Staat äusserten (vgl. SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE, "Iran: Il- legale Ausreise / Situation von Mitgliedern der PDKI / Politische Aktivitäten im Exil", 16. November 2010, S. 7 ff., m.w.H.). Es ist sodann seit längerem bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen auch im Ausland überwachen und erfassen (vgl. dazu beispielsweise Urteile des BVGer E -3923/2016 vom 24. Mai 2018 E. 5.2; D-830/2016 vom 20. Juli 2016 E. 4.2 [als Referenzurteil publiziert] ; E-5292/2014 und E -5296/2014 beide vom 25. Februar 2016 E. 7.4, je m.w.H.; vgl. auch Schnellrecherche der Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH] Iran: Risiken im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von "kriti- schen" Informationen in sozialen Netzwerken, 25. April 2019 <https://www.fluechtlingshilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Her- kunftslaenderberichte/Mittlerer_Osten_-_Zentralasien/Iran/190121-irn-re- seaux-sociaux-de.pdf>, letztmals abgerufen am 6. September 2021). Ins-D-1922/2020 Seite 20 besondere haben die iranischen Behörden die technischen und organisa- torischen Möglichkeiten, Personen im Ausland aufgrund ihrer Internetakti- vitäten zu überwachen und zu identifizieren (vgl. Urteil des BVGer E-5466/2019 vom 28. Juli 2020 E. 7.2.2 ff.). Es bleibt jedoch im Einzelfall zu prüfen, ob die konkret geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im asylrechtlichen Sinn nach sich ziehen. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist dabei davon auszugehen, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen kon- zentrieren, die über die massentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungs- formen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Akti- vitäten vorgenommen haben, welche die jeweilige Person aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausstechen und als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen. Dabei darf davon aus- gegangen werden, dass die iranischen Sicherheitsbehörden zu unterschei- den vermögen zwischen tatsächlich politisch engagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit ihren Aktionen in erster Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3, be- stätigt im Referenzurteil D-830/2016 vom 20. Juli 2016 E. 4.2; kürzlich bei- spielsweise bestätigt im Urteil des BVGer D-3928/2020 vom 30. März 2021 E. 7.3.1 m.w.H.). 8.4 Das Bundesverwaltungsgericht stellt nicht in Abrede, dass sich der Be- schwerdeführer in der Schweiz exilpolitisch betätigt. Sein Engagement ist jedoch als eher gering einzustufen. Soweit er vorbrachte, sich der demo- kratischen Partei Kurdistani Organisation Schweiz angeschlossen zu ha- ben und seit dem (…) 2016 die zuständige Person für die (…) zu sein (vgl. hierzu SEM-Akte 29, Beweismittel 9), ist festzuhalten, dass er keine weitergehenden Ausführungen zu den Aufgaben und Verantwortungen die- ser Funktion machte. Die von ihm geltend gemachte Teilnahme an Partei- versammlungen und Sitzungen, wobei er die anwesenden Mitglieder über die Aktivitäten und Ziele der Partei informiert oder sich mit Fragen einbracht habe (vgl. SEM-Akte A25, F177), haben kein besonders exponiertes poli- tisches Profil des Beschwerdeführers zur Folge. Hinsichtlich der belegten Teilnahme an einer Demonstration in N._______ ist anhand der eingereich- ten Fotografien (vgl. SEM-Akte A29 [Beweismittelcouvert], Beweismit- tel 10) nicht ersichtlich, inwiefern sich der Beschwerdeführer dabei im Ver- gleich zu anderen Teilnehmern in besonderem Masse hervorgehoben hätte. Entsprechendes wird von ihm auch nicht substantiiert dargelegt. So- dann reichte er im vorinstanzlichen Verfahren zwar Fotos von einer Kund-D-1922/2020 Seite 21 gebung in T._______ ein, worauf er mit einem Mikrophon und einer kurdi- schen Fahne einen Text ablesend abgelichtet wurde (vgl. SEM-Akte A29 [Beweismittelcouvert], Beweismittel 11). Es erscheint jedoch unwahr- scheinlich, dass die iranischen Behörden aufgrund dieser auf der Website (…) im Internet publizierten Bilder, worauf der Beschwerdeführer zu erken- nen ist, auf ihn aufmerksam geworden sind oder in ihm einen ernsthaften und gefährlichen Gegner des iranischen Regimes sehen. Nähere Angaben zu weiteren Demonstrationsteilnahmen wurden keine gemacht und ent- sprechende Beweismittel wurden ebenfalls nicht vorgelegt. Der grösste Teil der zahlreichen als Printscreens zu den Akten gereichten Posts auf den sozialen Medien (vgl. BVGer-Akte 4, Beilage 2) ist im Urteilszeitpunkt nicht mehr einsehbar. Im Übrigen stiessen seine Beiträge offenbar nicht auf eine aussergewöhnliche Resonanz. Aus den bei den Akten liegenden Auszügen seiner Posts ist nicht ersichtlich, dass er in den sozialen Medien eine hohe Reichweite hätte, da diese keine grosse Anzahl von "Likes" und Kommen- taren anderer Nutzer aufweisen. Mit Blick auf Art und Umfang seiner Inter- netaktivitäten erfüllt er damit insgesamt nicht das Profil eines ausseror- dentlich engagierten und exponierten Regimegegners, welcher sich über das Mass von der grossen Zahl exilpolitisch tätigen Iranerinnen und Iranern abhebt. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass die iranischen Behörden ihn als ernstzunehmende Bedrohung für das politische System des Irans wahr- nehmen würden, selbst wenn sie von seinen exilpolitischen Aktivitäten in den sozialen Medien erfahren haben respektive zukünftig erfahren sollten. 8.5 Zusammenfassend gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass der Beschwerdeführer nicht mit hinreichender Wahrschein- lichkeit in die Kategorie der Personen fällt, die aufgrund ihrer exilpolitischen Tätigkeit oder Funktion als ernsthafte und potentiell gefährliche Regime- gegner wahrgenommen werden , da sein exilpolitisches Engagement als niederschwellig einzustufen ist. Von einem Interesse der iranischen Sicher- heitsdienste an der Person des Beschwerdeführers ist schliesslich umso weniger auszugehen, als er nicht glaubhaft zu machen vermochte, dass er den iranischen Sicherheitsbehörden bereits vor seiner Ausreise einschlä- gig bekannt war und er die geltend gemachten regimekritischen und pro- kurdischen Aktivitäten gemäss Aktenlage vielmehr erst nach der Gesuchs- einreichung in der Schweiz aufgenommen hat. Die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers ist somit auch unter dem Aspekt der subjektiven Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG zu verneinen. D-1922/2020 Seite 22 9. Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen ist festzuhalten, dass die gel- tend gemachten Asyl- und Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung beziehungsweise eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu begründen. Unter Berücksichtig ung der gesamten Umstände folgt, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in den Beschwerdeeingaben und die eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzugehen, weil sie an der vor- genommenen Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Die Vorinstanz hat demnach die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde- führers und dementsprechend auch seiner Kinder – die keine eigenen Asylgründe geltend machten – zu Recht verneint und die Asylgesuche ab- gelehnt. 10. 10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 10.2 Der Beschwerdeführer und seine beiden Kinder, B._______ und C._______, verfügen weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbe- willigung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Weg- weisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10.3 Die Wegweisungsvollzugshindernisse (Unzulässigkeit, Unzumutbar- keit und Unmöglichkeit; vgl. Art. 83 Abs. 2–4 AIG) sind alternativer Natur: Sobald eines von ihnen erfüllt ist, ist der Wegweisungsvollzug als undurch- führbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen der vorläufigen Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2011/ 24 E. 10.2; BVGE 2009/51 E. 5.4). Da die Beschwerdeführenden mit Ver- fügung des SEM vom 3. März 2020 wegen gegenwärtiger Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen wurden, erübrigen sich weitere Ausführungen zum Wegweisungsvollzug. 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und D-1922/2020 Seite 23 vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 12. 12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Diese haben in der Be- schwerde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessf ührung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Dieser Antrag ist gutzuheissen, da die Beschwerdevorbringen nicht von Vornherein aus- sichtslos waren und die Beschwerdeführenden ihre Bedürftigkeit im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG belegten (vgl. BVGer-Akte 4, Beilage 1 und die obigen Sachverhaltsausführungen in Bst. G.b). Demzufolge sind keine Verfahrenskosten zu erheben. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstands- los. 12.2 Gleichzeitig ersuchten die Beschwerdeführenden um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Da das Bundesverwaltungsgericht auf Antrag einer asylsuchenden Person, die von der Bezahlung der Verfah- renskosten befreit wurde, grundsätzlich eine amtli che Rechtsbeiständin oder einen amtlichen Rechtsbeistand bestellt (aArt. 110a Abs. 1 AsylG), ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gutzuheissen und den Beschwerdeführenden antragsgemäss d er im Rubrum bezeichnete Rechtsanwalt lic. iur. Urs Ebnöther zur amtlichen Verbeiständung zu be- stellen, zumal dessen Zulassungsvoraussetzungen nach aArt. 110a Abs. 3 AsylG erfüllt sind. Ihm ist somit ein amtliches Honorar auszurichten. 12.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung im Asyl- bereich in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltli- che Vertret erinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m Art. 10 Abs. 2 VGKE), wobei nur de r notwendige Aufwand zu entschädigen ist (Art. 8 Abs. 2 VGKE). Der Rechtsvertreter reichte mit der Replikeingabe vom 26. Mai 2020 zwei Honorarnoten ein, die eine mit einem Totalbetrag von Fr. 4'889.45 und die andere mit einem Totalbetrag von Fr. 4'452.20. Das Gericht erachtet ers tere als massgeblich, da die Asylverfügung der Vorinstanz den Beschwerdeführenden respektive de ren Rechtsvertreter am 5. März 2020 eröffnet wurde (vgl. SEM-Akten A59 und A55). Der aus-D-1922/2020 Seite 24 gewiesene Zeitaufwand von 15 Stunden ist dementsprechend um die Auf- wände vom 6. März 2020 ("Eingang Entscheid SEM, Durchsicht, Brief an Kl") zu kürzen, im Übrigen aber nicht zu beanstanden . Der Stundensatz liegt im Rahmen des amtlichen Mandats p raxisgemäss bei Fr. 220.– (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), weshalb der geltend gemachte Stundensatz von Fr. 300.– entsprechend zu reduzieren ist. Für das Be- schwerdeverfahren ist dem amtlich beigeordneten Rechtsvertreter somit zu Lasten des Gerichts ein amtliches Honorar von (gerundet) Fr. 3'537.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag i.S.v. Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-1922/2020 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung wird gutgeheissen. Der bisherige Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic. iur. Urs Ebnöther, wird den Be- schwerdeführenden als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. 5. Dem amtlichen Rechtsbeistand, Rechtsanwalt lic. iur. Urs Ebnöther, wird vom Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 3'537.– ausgerichtet. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Chiara Piras Kathrin Rohrer Versand: