<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 145 S.635</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Ausländerrecht</span> <span class="page_no">635</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Ausländerrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>145</b></span> <span class="ft2"><b>Visumsantrag</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Gegen die Verweigerung eines sog. Touristenvisums kann kein kanto-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nales Rechtsmittel eingelegt werden (Erwägung 1).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Erteilung einer Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung an eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht aus einem EU/ EFTA-Staat stammende Person, die als Haus-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>halthilfe beschäftigt werden soll, ist aus arbeitsmarktlichen Gründen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>unzulässig (Erwägung 2)</b>.</span><br/> <br/> <span class="ft4">Auszug aus dem Entscheid des Rechtsdienstes des Migrationsamts Kanton</span><br/> <span class="ft4">Aargau vom 25. November 2002 in Sachen X.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. Ein Anspruch auf Erteilung eines sog. Touristenvisums be-</span><br/> <span class="ft6">steht nicht. Die Auslandvertretung kann aber ein solches für längs-</span><br/> <span class="ft6">tens drei Monate erteilen (Art. 11 Abs. 1 lit. a der Verordnung über</span><br/> <span class="ft6">Einreise und Anmeldung von Ausländerinnen und Ausländern vom</span><br/> <span class="ft6">14. Januar 1998 [VEA; SR 142.211]). Gegen eine formlose</span><br/> <span class="ft6">Verweigerung des Visums, wie sie hier vorliegt, kann der Antragstel-</span><br/> <span class="ft6">ler beim Bundesamt für Ausländerfragen eine beschwerdefähige</span><br/> <span class="ft6">Verfügung verlangen (Art. 14 Abs. 4 VEA). Soweit die Einsprecherin</span><br/> <span class="ft6">also heute ein Touristenvisum für ihre Nichte verlangt, erweist sich</span><br/> <span class="ft6">der kantonale Rechtsweg als unzulässig. Diesbezüglich ist auf die</span><br/> <span class="ft6">Einsprache nicht einzutreten.</span><br/> <span class="ft6">2. Zu prüfen ist hingegen im kantonalen Verfahren, ob der</span><br/> <span class="ft6">Nichte der Einsprecherin eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung</span><br/> <span class="ft6">als Haushalthilfe erteilt werden kann.</span><br/> <span class="ft6">2.1 Eingangs ist festzuhalten, dass auf die Ausführungen in der</span><br/> <span class="ft6">Einsprache nicht abgestellt werden kann, soweit vorgebracht wird, es</span><br/> <span class="ft6">gehe in erster Linie "bloss um einen familiären Besuch als Touristin".</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">636</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Sowohl die Ausführungen der Nichte ("[...] and that she needs con-</span><br/> <span class="ft6">stant care") als auch diejenigen der Einsprecherin ("Ich brauche diese</span><br/> <span class="ft6">Hilfe für einige Zeit") machen nämlich diese Kehrtwende in der Be-</span><br/> <span class="ft6">gründung des Aufenthaltszwecks nicht glaubhaft. Schliesslich unter-</span><br/> <span class="ft6">stützt auch Dr. med. Y., Facharzt FMH für Innere Medizin, den Vor-</span><br/> <span class="ft6">schlag von K.-S. K., "aus der Verwandtschaft in Mazedonien jemand</span><br/> <span class="ft6">zur Hilfe einreisen" zu lassen.</span><br/> <span class="ft6">2.2 Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die Begrenzung</span><br/> <span class="ft6">der Zahl der Ausländer vom 6. Oktober 1986 (BVO; SR 823.21) gilt</span><br/> <span class="ft6">als Erwerbstätigkeit jede normalerweise auf Erwerb gerichtete</span><br/> <span class="ft6">unselbständige</span> <span class="ft6">oder</span> <span class="ft6">selbständige</span> <span class="ft6">Tätigkeit,</span> <span class="ft6">selbst</span> <span class="ft6">wenn</span> <span class="ft6">sie</span><br/> <span class="ft6">unentgeltlich ausgeübt wird. Als Stellenantritt gilt ebenfalls die</span><br/> <span class="ft6">Aushilfe im Haushalt, gleichgültig, ob der Ausländer diese Tätigkeit</span><br/> <span class="ft6">unentgeltlich, gegen ein Taschengeld oder gegen Kost und Logis</span><br/> <span class="ft6">besorgt</span> <span class="ft6">(Valentin</span> <span class="ft6">R</span><span class="ft4">OSCHACHER</span><span class="ft6">,</span> <span class="ft6">Die</span> <span class="ft6">Strafbestimmungen</span> <span class="ft6">des</span><br/> <span class="ft6">Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer,</span><br/> <span class="ft6">Diss. Zürich 1991, S. 104 m.w.H.). Dieser Schluss ergibt sich ohne</span><br/> <span class="ft6">weiteres auch aus der Begrenzungsverordnung direkt, wird doch z.B.</span><br/> <span class="ft6">die Tätigkeit als Au-pair-Angestellter, die nicht wesentlich vom Auf-</span><br/> <span class="ft6">gabenbereich einer Haushalthilfe abweicht, explizit als Erwerbstätig-</span><br/> <span class="ft6">keit qualifiziert (Art. 6 Abs. 2 lit. b BVO). Ohnehin gilt bereits eine</span><br/> <span class="ft6">stundenweise oder vorübergehende Beschäftigung als Erwerbstätig-</span><br/> <span class="ft6">keit (Art. 6 Abs. 2 lit. c BVO).</span><br/> <span class="ft6">Nun könnte eingewendet werden, bei der Mithilfe einer Nichte</span><br/> <span class="ft6">im Haushalt ihrer Tante handle es sich um eine sog. Gefälligkeits-</span><br/> <span class="ft6">handlung zugunsten Dritter. R</span><span class="ft4">OSCHACHER</span> <span class="ft6">verweist in diesem Zu-</span><br/> <span class="ft6">sammenhang auf einen höchstrichterlichen Entscheid (Pra 24 Nr. 16),</span><br/> <span class="ft6">wo das Bundesgericht zum Schluss gelangte, die <i>gelegentliche</i> Ge-</span><br/> <span class="ft6">fälligkeitshandlung gelte nicht als Stellenantritt. Dieser Autor erach-</span><br/> <span class="ft6">tet es indessen als ohne Bedeutung, wie häufig eine Gefälligkeits-</span><br/> <span class="ft6">handlung erwiesen wird; wichtig sei lediglich, ob es sich um eine</span><br/> <span class="ft6">Gefälligkeitshandlung handle, die nach objektiven Kriterien norma-</span><br/> <span class="ft6">lerweise nicht gegen Entgelt erbracht werde. Dabei sei aber lediglich</span><br/> <span class="ft6">entscheidend, was in der Schweiz als Gefälligkeitshandlung erachtet</span><br/> <span class="ft6">werde und nicht etwa, was für den Ausländer in seinem Heimatland</span><br/> <span class="ft6">als Gefälligkeitshandlung gelte (R</span><span class="ft4">OSCHACHER</span><span class="ft6">, a.a.O., S. 109).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Ausländerrecht</span> <span class="page_no">637</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Ob der Auffassung des Bundesgerichts oder derjenigen R</span><span class="ft4">O</span><span class="ft6">-</span><br/> <span class="ft4">SCHACHERS</span> <span class="ft6">zu folgen ist, kann offen gelassen bleiben, da beide unter</span><br/> <span class="ft6">den konkreten Umständen zum gleichen Schluss führen: Eine</span><br/> <span class="ft6">dreimonatige Tätigkeit als Haushalthilfe sprengt in zeitlicher Hin-</span><br/> <span class="ft6">sicht den Rahmen einer gelegentlichen Gefälligkeitshandlung, wie</span><br/> <span class="ft6">sie dem Bundesgericht vorschwebt. Eine unentgeltliche Gefällig-</span><br/> <span class="ft6">keitshandlung kann zudem nach schweizerischem Verständnis - und</span><br/> <span class="ft6">nur darauf ist gemäss R</span><span class="ft4">OSCHACHER</span> <span class="ft6">abzustellen - einzig dann ange-</span><br/> <span class="ft6">nommen werden, wenn die Hilfeleistungen durch sehr nahe Ver-</span><br/> <span class="ft6">wandte erbracht werden (z.B. Unterstützung betagter oder kranker</span><br/> <span class="ft6">Eltern im Haushalt durch die eigenen Kinder oder deren Ehegatten).</span><br/> <span class="ft6">Die Mithilfe einer Nichte im Haushalt einer im Ausland lebenden</span><br/> <span class="ft6">Tante mag in Mazedonien noch als sozialüblich und damit als Gefäl-</span><br/> <span class="ft6">ligkeitshandlung gelten. Nach hiesiger Auffassung besteht diesbe-</span><br/> <span class="ft6">züglich allerdings kein Konsens.</span><br/> <span class="ft6">2.3 Nach dem Gesagten stuften die Sektionen Aufenthalt und</span><br/> <span class="ft6">Arbeitsbewilligungen</span> <span class="ft6">die</span> <span class="ft6">vorgesehene</span> <span class="ft6">Beschäftigung</span> <span class="ft6">als</span><br/> <span class="ft6">Haushalthilfe unter den konkreten Umständen zu Recht als</span><br/> <span class="ft6">Erwerbstätigkeit gemäss Art. 6 Abs. 1 BVO ein. Dass es sich bei</span><br/> <span class="ft6">einer Haushalthilfe um keine qualifizierte Arbeitskraft gemäss Art. 8</span><br/> <span class="ft6">Abs. 3 lit. a BVO handelt, die ein Abweichen vom Rekrutierungsge-</span><br/> <span class="ft6">biet EU/EFTA rechtfertigt (Art. 8 Abs. 1 BVO), ist ebenso wenig zu</span><br/> <span class="ft6">beanstanden. Die Einsprache erweist sich folglich in diesem Punkt</span><br/> <span class="ft6">als unbegründet und ist abzuweisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>