Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Oktober 2020 (715 20 161 / 261) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung. Die Beschwerdeführerin hat mit ihrem Verhal- ten das Risiko, arbeitslos zu werden, zumindest eventualvorsätzlich in Kauf genommen. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Kontaktstelle für Ar- beitslose, Keren Wernli, Klybeckstrasse 95, 4057 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1966 geborene A.____ war seit dem 1. Juni 201 9 im Zwischenverdienst bei der B.____ als Küchenhilfe angestellt. Am 29. Oktober 2019 wurde dieses Arbeitsverhältnis durch die Arbeitgeberin unter Einhaltung einer einmonatigen Kündigungsfrist auf Ende November 2019 auf- gelöst. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Nach Abklärung des Sachverhalts stellte die Öffentli che Arbeitslosenkasse Baselland (Kasse) die Versicherte mit Verfügung vom 21. Januar 2020 wegen selbstverschuldeter Arbeits- losigkeit für die Dauer von 16 Tagen in der Anspruchsberechtigung ein. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, dass die Stelle bei der B.____ wegen diverser Verfehlungen aufge- löst worden sei, für welche die Versicherte bereits am 4. September 2019 verwarnt worden sei. Eine hiergegen erhobene Einsprache der Versicherten wies die Kasse mit Einspracheentscheid vom 1. April 2020 ab. C. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch K eren Wernli, Kontaktstelle für Arbeits- lose in Basel, am 29. April 2020 Beschwerde beim Kant onsgericht des Kantons Basel-Land- schaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben; eventualiter sei die Dauer der Einstellung zu reduzieren. Zur Begründung liess sie im Wesentlichen vorbringen, d ass eine unterschriebene Verwarnung nicht als Eingeständnis eines Fehlverhaltens betrachtet w erden dürfe. Zusammenfassend sei festzustellen, dass die Versicherte vielmehr von ihren Vorgesetzten gemobbt, bedroht und verbal angegriffen worden sei. Es handle sich demnach nicht um eine selbstverschuldete Arbeitslosig- keit, sondern um eine letztlich unzumutbare Mobbingsitua tion, in welcher sich die Versicherte befunden habe. D. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 8. Juli 2020 auf Abweisung der Be- schwerde. Die Behauptung der Beschwerdeführerin, gemobbt worden zu sein, sei nicht glaubhaft. An der geltend gemachten Unzumutbarkeit des Arbeitsverhältnisses bestünden mit Blick auf ihre Aussagen der ersten Stunde erhebliche Zweifel. Die von ihr vorgebrachten Gegenargumente seien als Schutzbehauptungen zu qualifizieren. Zusammen fassend stehe fest, dass die Versi- cherte zu Recht für die Dauer von 16 Tagen in der Ans pruchsberechtigung eingestellt worden sei. Auf die weiteren Vorbringen der Parteien ist im Übrigen soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obl igatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversi- cherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht e rhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslo senversicherung und die Insolvenzent- schädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorliegend kam die Beschwerdeführerin ihren Kontrollpflichten im Kan ton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist . Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ger ichtliche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträ ger gemäss Art. 56 ATSG, wes- halb auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 29. April 2020 ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist, o b die Beschwerdegegnerin die Versicherte zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für d ie Dauer von 16 Tagen in der An- spruchsberechtigung eingestellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 68.25 (Kassen Dok 8) liegt der Streitwert von Fr. 1'092.-- unter diesem Grenzbetrag. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person a lles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungs- sanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- u nd Verschuldensprinzip be- herrscht (THOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versichert e Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden ist. Dieser Tatbe- stand erfasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeitslo- sigkeit sind und eine Verletzung ihrer Pflicht, eine Arb eitslosigkeit zu vermeiden, bedeuten. Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a-d beispielhaft Tatbestände auf, die unter den Begriff der selbst- verschuldeten Arbeitslosigkeit fallen. So liegt selbstverschu ldete Arbeitslosigkeit unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalte n, insbesondere wegen Verletzung ar- beitsvertraglicher Pflichten, der Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses ge- geben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine fristlose Aufl ösung des Arbeitsverhältnisses aus wichtigen Gründen nach Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 des Schweize rischen Obligationenrechts (OR) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auch nicht unbedingt eine eigentliche Ver- letzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, dass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten innerhalb und ausserhalb d es Betriebs berechtigten Anlass zur Kündigung gab (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherun gsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Dabei müssen nicht zwingend Beanstandungen in beruflicher Hinsicht vorgelegen haben. Es genügt beispielsweise, dass charakterl iche Eigenschaften im weiteren Sinne, die den Arbeitnehmer für den Betrieb als untr agbar erscheinen lassen, zur Entlassung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht geführt haben (BGE 112 V 244, E. 1). Selbstverschulde te Arbeitslosigkeit im Sinne der Arbeits- losenversicherung liegt also immer dann vor, wenn und sow eit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Verhältnis- sen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen, publ. in: ARV 2009 S. 264). 3.1 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Intern ationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslo sigkeit vom 21. Juni 1988 (Überein- kommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Okto ber 1991 in Kraft getreten ist, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Ver- dienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeitsei nstellung ohne Unterbrechung des Be- schäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekürzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheids im Einzelfall dienen zu können, und ist daher direkt anwendbar (BGE 122 V 54 ff.; Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00). Aufgrund des grundsätzlichen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nicht jedes schuldhafte Verhalten der versicherten Person, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältni sses gegeben hat, zu einer Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (Urteil des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b). 3.2 Eventualvorsatz ist im Zusammenhang mit Art. 44 lit . a AVIV dann anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen muss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber führt (T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). Hingegen darf bei blosser Fahrlässigkeit im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG keine Einstellung in der An- spruchsberechtigung erfolgen (JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechti- gung, Zürich 1998, S. 76 f.). Im Entscheid vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f. hat das Bundesgericht – unter Hinweis auf den im Strafrecht gel tenden Massstab – festgestellt, dass Eventualvorsatz und bewusste Fahrlässigkeit auf der Wissensse ite übereinstimmen, indem der betroffenen Person das Risiko der Tatbestandsverwirklichun g bewusst ist. Die entscheidende Differenz liege auf der Willensseite. Auch wer die Möglichkeit der Tatbestandsverwirklichung er- kennt, kann sich, selbst leichtfertig, über sie hinwegset zen, d.h. darauf vertrauen bzw. mit der Einstellung handeln, dass schon nichts passieren werde (be wusste Fahrlässigkeit). Ein Eventu- alvorsatz erfordere demgegenüber, dass sich die betroffene Person für die Tatbestandsverwirk- lichung entscheide und sie in Kauf nehme. Als Faustregel gilt, dass die Möglichkeit, wonach die betroffene Person die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, grundsätzlich umso nä- herliegt, je wahrscheinlicher es ihr erschienen ist, dass si e eintreten könnte, und je weniger sie sie innerlich ablehnte (Urteil des Bundesgerichts vom 1 6. Juni 2008, 8C_504/2007, E. 5.4 mit Hinweis). Zu den Umständen, die allenfalls auf eventual vorsätzliches Verhalten schliessen las- sen, gehören die Grösse des der betroffenen Person bekannten Risikos der Tatbestandsverwirk- lichung, die Schwere ihrer Sorgfaltspflichtverletzung, ihre Beweggründe und die Art ihrer Hand- lung. Das Gericht darf vom Wissen der betroffenen Person dann auf deren Willen schliessen, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wenn sich der Betroffenen der Eintritt des Erfolgs als s o wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs aus- gelegt werden kann. Was die betroffene Person wusste, wo llte und in Kauf nahm, betrifft innere Tatsachen und ist somit eine Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der festgestellten Tatsachen die Schlussfolgerung eines allfälligen Event ualvorsatzes berechtigt erscheint (BGE 138 V 74 E. 8.4.1 mit Hinweisen; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f.). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzun ehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten er gebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hin- weisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mit- wirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, U rteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1; T HOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversiche- rungsrechts, 4. Aufl., Bern 2014, § 70 Rz. 3 und 20ff.). 4.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG vom 6. Oktober 2000; Art. 61 lit. c ATSG). Die Ve rwaltung als verfügende Instanz und im Beschwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache erst u nd nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (R ENÉ WIEDERKEHR / KASPAR PLÜSS , Praxis des öffentlichen Verfahrensrechts, Eine systematische Analyse der Rechtsprechung, Bern 2020, Rz. 1313 m.w.H.). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. D ie blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdar- stellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrschein- lichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die Anwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (Urteil des EVG vom 17. Ok- tober 2000, C 53/00, E. 3a). Praxisgemäss muss das der versicherten Person im Rahmen dieser Bestimmung zur Last gelegte Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar feststehen, ansonsten eine Einstellung ausser Betracht fällt (Urteile des EVG vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 und vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; siehe im We iteren auch BGE 112 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV Nr. 72 S. 220 E. 3b/bb; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 829). 4.3 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässig auf die Parteivorbringen und ins- besondere auf die Aussagen der Arbeitgeberin angewiese n. Diese sollte eine Sachverhaltsdar- stellung abgeben, ohne am Ausgang des Verfahrens interessiert zu sein und ohne ein Interesse daran zu haben, die versicherte Person in einem ungünsti gen Licht erscheinen zu lassen. So- lange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeitgeberin zu zweifeln, ist auf diese abzustel- len. Es darf hingegen insbesondere dann nicht einzig a uf deren Aussagen zu den Umständen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältnisses abgestellt werden, wenn diese bestritten und durch keine weiteren Indizien gestützt werden (vgl. BGE 1 12 V 245 E. 1; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; Urteil des EVG vom 8. März 2001, C 102/00, E. 1a). Denn eine Einstellung in der An- spruchsberechtigung kann, wie eben dargestellt, nur verfügt werden, wenn das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht und von dieser vorsätzlich ausgeübt wurde. Bei Differenzen zwischen der Arbeitgeberin und dem Arbeitne hmer darf somit nicht ohne weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbeitnehmers geschl ossen werden, wenn die Arbeitgeberin nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für welche sie keine Beweise anführen kann (Urteil des EVG vom 26. April 2001, C 380/00, E. 2b; BGE 112 V 245 mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). Indessen ist darauf hinzuweisen, dass bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person die Beweismaxime gilt, wonach die sogenannten spontanen „Aussagen der ersten Stunde“ in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Dar- stellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtli- cher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 115 V 133 E. 8c). 5. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin zur Kündig ung Anlass gegeben und deshalb die Folgen einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im S inne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV mit zu tragen hat. Insbesondere ist zu prüfen, ob ihr von der Kasse zu Recht ein (eventual)vorsätzliches Verhalten zur Last gelegt worden ist. Aufgrund der vorliegenden Akten stellt sich der rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: 5.1 Im Formular «Angaben der versicherten Person für den Monat Oktober 2019» vom 31. Oktober 2019 gab die Versicherte an, dass sie ab sofor t eine Vollzeitbeschäftigung suche. Dabei vermerkte sie, dass die B.____ ihr am 29. Oktober 2019 gekündigt habe (Kassen Dok 6). Aus der entsprechenden Kündigung der Arbeitgeberin vom 29. Oktober 2019 geht hervor, dass das Arbeitsverhältnis per Ende November 2019 aufgelöst worden sei (Kassen Dok 1). Als Grund für die Vertragsauflösung ist der Bescheinigung der Ar beitgeberin über den Zwischenverdienst vom 1. November 2019 zu entnehmen, dass die Versicherte mehrmals schriftlich und mündlich abgemahnt worden sei, ihr Verhalten anzupassen. Sie habe sich jedoch gegenteilig verhalten, so dass nichts Anderes übriggeblieben sei, als das Arbeitsve rhältnis aufzulösen (Kassen Dok 3). Nachdem eine erste Nachfrage bei der Arbeitgeberin zunä chst unbeantwortet geblieben war, liess sich die B.____ am 11. Dezember 2019 zum Kündigun gsgrund vernehmen. Aus der ent- sprechenden Stellungnahme geht hervor, dass die Versicherte gegenüber den Vorgesetzten kei- nen Respekt gezeigt habe und diese ignoriert habe. Sie habe die Gäste verärgert und sei nicht auf deren Anliegen eingegangen. Die Versicherte habe gemacht, was sie wollte, und kein Inte- resse an der Arbeit gezeigt. Seit Mitte August 2019 habe ihr Arbeitsverhalten stark nachgelassen. Sie habe eine Unordnung hinterlassen (Kassen Dok 35). Dieser Stellungnahme hat die ehemalige Arbeitgeberin zwei Verwarnungen vom 4. September 2019 und vom 29. Oktober 2019 beigelegt, deren Empfang die Versicherte jeweils unterschriftlich q uittiert hat (Kassen Dok 33 f.). Aus der ersten Verwarnung vom 4. September 2019 geht hervor, dass die Versicherte abgemahnt worden ist, weil sie eine Unordnung beim Abwasch und in den S chränken hinterlassen habe, so dass Material kaputtgegangen sei. Weiter ist aus dieser Verwarnung ersichtlich, künftig keine Telefon- gespräche während der Arbeitszeit mehr führen und keine Schminke während der Arbeit mehr tragen zu dürfen. Schliesslich geht daraus hervor, dass künftig nicht mehr akzeptiert werde, dass Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Versicherte ihr übertragene Arbeiten nicht verrichte, aggressiv gegenüber Vorgesetzten und den Gästen reagiere oder alkoholisiert zur Arbeit ersch eine. Sollte sich ein solcher Vorfall wie- derholen, behalte man sich arbeitsrechtliche Schritte bis hin zur Auflösung des Arbeitsverhältnis- ses vor. Der zweiten Verwarnung vom 29. Oktober 2019 ist sodann zu entnehmen, dass sich das Verhalten der Versicherten nicht verbessert, sondern sich in einzelnen Belangen gar verschlech- tert habe. Sie habe keinen Respekt gegenüber den Vorgesetzten gezeigt, keine Antwort auf Fra- gen gegeben, sei gegenüber den Gästen unfreundlich ge wesen, habe kurzfristig anderweitige Termine vereinbart und habe kein Interesse an der Arbe it gezeigt. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs gab die Versicherte im Fragebogen der Kasse am 23 . Dezember 2019 als Kündigungs- grund gesundheitliche Gründe sowie ein schwieriges Arbeitsverhältnis an (Kassen Dok 45). Die beanstandeten Punkte seien ihr durch ihren Arbeitgeber erläutert worden, und sie habe eine schriftliche Verwarnung erhalten. 5.2 Aus der durch die Rechtsvertretung der Versicherte n am 20. Februar 2020 eingereichten Einsprachebegründung (Kassen Dok 89) geht sodann hervor, dass der Vorwurf, Dinge kaputtge- macht und unordentlich gearbeitet zu haben, nicht zutreffe. Vielmehr sei es ihre Vorgängerin ge- wesen, die einen defekten Kühlschrank hinterlassen habe. Unzutreffend sei auch, dass die Ver- sicherte während der Arbeit telefoniert habe, da sie i hr Telefon schlicht nicht zur Arbeit mitge- nommen habe. Dass sie bei der Arbeit geschminkt gewesen sei, habe daran gelegen, dass sich ihre zwei Vorgesetzten in diesem Punkt uneinig gewesen seien. Sie habe deshalb nicht besser damit umzugehen gewusst, als leicht geschminkt zur Arbeit zu erscheinen. Lediglich eine unzu- treffende Behauptung stelle auch der Vorwurf da, dass sie aggressiv gewesen sei. Vielmehr sei es insbesondere ihre Vorgesetzte gewesen, die sich aggressiv gegenüber den Angestellten ver- halten habe. Der Versicherten sei regelmässig mit einer Kündigung gedroht worden, ohne dass sie einen Fehler begangen habe. Auch sei es ihre Vorgesetzte gewesen, die öfters sehr alkoho- lisiert gewesen sei und mit steigendem Alkoholkonsum die Versicherte beleidigt habe. Sie selbst leide unter Asthma und müsse ein striktes Alkoholverbot einhalten. Es sei unzumutbar gewesen, weiterhin an diesem Arbeitsplatz tätig zu sein. Es handle sich demnach nicht um eine selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit, sondern eher um eine Mobbing-Situation seitens des Arbeitgebers. 6.1 Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, die Aussagen ihrer ehemaligen Vor- gesetzten würden den Tatsachen widersprechen. Vielmehr seien es ihre Vorgesetzten gewesen, die sie quasi gemobbt hätten. Mobbing ist nach der vom Bundesgericht verwendeten Definition ein systematisches, feindliches, über einen längeren Zei traum anhaltendes Verhalten, mit dem eine Person an ihrem Arbeitsplatz isoliert, ausgegrenzt oder gar von ihrem Arbeitsplatz entfernt werden soll (Urteile des Bundesgerichts vom 1. Juli 2010, 8C_826/2009, E. 4.2 und vom 17. Mai 2010, 4A_32/2010, E. 3.2 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin begründet den Mobbing-Vor- wurf damit, dass man ihr regelmässig mit einer Kündigun g gedroht habe, ohne dass sie einen Fehler begangen habe. In einem solchen Vorgehen der Vorgesetzten der Versicherten ist jedoch angesichts der nur kurzen Anstellungsdauer von rund fünf Monaten und der Verwarnung erst vom 4. September 2019 (Kassen Dok 33) noch kein für ein Mob bing charakteristisches systemati- sches und über einen längeren Zeitraum anhaltendes Ver halten zu sehen. Der Auffassung der Beschwerdeführerin widersprechen ausserdem ihre eigene n Aussagen der «ersten Stunde» Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Kassen Dok 45), wonach nebst einem schwierigen Arbeitsverhältnis in erster Linie gesundheitli- che Gründe für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses gelt end gemacht worden waren. Hierfür lassen sich in den Akten aber keine Anhaltspunkte finden. 6.2 Aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin kann lediglich darauf geschlossen wer- den, dass zwischen ihr und ihren Vorgesetzten auf persönlicher Ebene offenbar wiederholt Span- nungen bestanden haben. Diesen Umstand hat die Versiche rte anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs (Kassen Dok 45) denn auch explizit bestätigt. Konkrete Vorwürfe hinsichtlich eines Fehlverhaltens ihrer Vorgesetzten, wie sie in der Einsprachebegründung vorgebracht wor- den sind, sind den Aussagen der «ersten Stunde» hingege n gerade keine zu entnehmen. Die gegen die Versicherte erhobenen Vorwürfe, wie sie ins besondere aus der Verwarnung vom 4. September 2019 hervorgehen, sind ursprünglich vielmehr unbestritten geblieben. Der Beschwer- deführerin ist zwar beizupflichten, dass alleine aus der Unterzeichnung der Verwarnungen (Kas- sen Dok 33 f.) noch nicht auf eine Anerkennung des ihr vo rgeworfenen Verhaltens geschlossen werden kann. Deren Unterzeichnung stellt bloss eine Bestätigung des Erhalts der Verwarnungen dar. Nichts desto trotz ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Verhalten der Versicherten offenbar bereits ab Mitte August 2019 in mehrfacher Hinsicht Anlass zur Beanstandung gegeben hat (Kassen Dok 35), andernfalls kein Grund für die in d er Folge vorgenommene Verwarnung vom 4. September 2020 bestanden hätte. Auch wenn anzun ehmen ist, dass das Verhalten der beiden Vorgesetzten die Spannungen am Arbeitsplatz durchaus mitbeeinflusst haben mag, sind in den Akten schon früh diverse Verfehlungen der Versicherten belegt, welche zunächst unwider- sprochen geblieben und letztlich erst im Rahmen ihrer Einsprache bestritten worden sind. Inso- fern ist der Kasse beizupflichten, dass der im Einspracheve rfahren und nunmehr auch in der Beschwerdebegründung vorgebrachten Argumentation, wonach die Versicherte keinerlei Anlass zur Beanstandung gegeben habe, sondern das Fehlverhalten vielmehr auf der Seite ihrer Vorge- setzten zu suchen sei, in dieser absoluten Form nicht gla ubhaft ist. So erweist es sich beispiel- weise als wenig überzeugend, wenn die Versicherte entge gen des ihr gegenüber geäusserten Vorwurfs nunmehr angibt, ihr Telefon nie zur Arbeit mitgenommen zu haben. Gegen eine solche Darstellung spricht bereits der Umstand, dass sie angegeb en hat, nur über ihre Mobilnummer erreichbar zu sein (Kassen Dok 156). Nicht anders ist hinsichtlich des Vorwurfes zu entscheiden, dass die Versicherte weiterhin «wenig» geschminkt zur Ar beit erschienen war, obschon ihr Sol- ches gemäss schriftlicher Verwarnung vom 4. September 2019 aber untersagt worden war. Wie es sich damit im Detail verhält, kann offenbleiben, wei l das Arbeitsverhältnis der Versicherten letztlich nicht wegen ihrer Schminke, sondern wegen ihr es respektlosen Verhaltens und ihrer mangelhaften Arbeitsweise aufgelöst worden ist (Kassen Dok 35). 6.3 Trotz der Verwarnung vom 4. September 2019 hat di e Versicherte das ihr zur Last ge- legte Verhalten offenbar nicht geändert. Mithin musste sie damit rechnen, dass sie ihre Arbeits- stelle verlieren könnte (oben, Erwägung 3.2). Was die Beschwerdeführerin nunmehr dagegen vorbringt, vermag daran nichts zu ändern. Bei ihren Einwänden handelt es sich letztlich um blosse Vermutungen. Auch wenn die Spannungen am Arbeitsplatz wohl beidseitig begründet lagen, ver- mögen solche Vermutungen nicht mit überwiegender Wah rscheinlichkeit zu belegen, dass die Beschwerdeführerin ihrer Arbeitgeberin durch ihr Verh alten keinerlei Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat. Aufgrund der vorgäng igen Verwarnung vom 4. September Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2019 und der im Rahmen der Aussagen der ersten Stunde unwidersprochen gebliebenen Vor- würfe ist vielmehr davon auszugehen, dass die Beschwerdeführ erin wegen ihres eigenen Ver- haltens am Arbeitsplatz verwarnt worden ist, und trotz Wissens um diese Missbilligung ihr Ver- halten nicht geändert hat. Damit hat sie schliesslich An lass zur Kündigung gegeben. Dies aber genügt, um die Rechtmässigkeit der Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu bejahen. 6.4 Dem Gesagten zufolge steht fest, dass die Beschwerdef ührerin mit ihrem Verhalten das Risiko, arbeitslos zu werden, zumindest eventualvorsätzlich in Kauf genommen hat. Ein pflicht- widriges Verhalten ist mit überwiegender Wahrscheinli chkeit ausgewiesen und ein Verschulden an ihrer Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG und Art. 44 Abs. 1 AVIV demnach zu bejahen. Die von der Kasse verfügte Einstellung in de r Anspruchsberechtigung erweist sich demnach als rechtmässig. 7. Zu prüfen bleibt, ob die verfügte Einstellungsdaue r von 16 Tagen angemessen ist. Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung bemisst sich nach dem Grad des Verschul- dens und beträgt je Einstellungsgrund höchstens 60 Tage (vgl. Art. 30 Abs. 3 AVIG). Nach Art. 45 Abs. 2 AVIV wird die Einstellung in der Anspruchsber echtigung abgestuft; sie dauert 1-15 Tage bei leichtem (lit. a), 16-30 Tage bei mittelschw erem (lit. b) und 31-60 Tage bei schwerem (lit. c) Verschulden. Innerhalb dieses Rahmens fällt die Arbeitslosenkasse ihren Entscheid nach pflichtgemässem Ermessen. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts die angefochtene Verfügung auch auf d eren Angemessenheit zu überprü- fen. Sie greift jedoch bei der Beurteilung der von de r Arbeitslosenkasse angeordneten Einstel- lungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in deren E rmessensspielraum ein. Vorliegend hat die Kasse das Verhalten der Versicherten als mitte lschweres Verschulden qualifiziert und eine Sanktion am untersten Rahmen des mittelschweren Ve rschuldens festgelegt. Ausgehend von 24 Tagen hat sie die Dauer der Einstellung in Anerkennung des problematischen Verhaltens auch des Arbeitgebers und der daraus resultierenden Pr obleme am Arbeitsplatz letztlich auf 16 Tage festgesetzt. Diese Vorgehensweise ist nicht zu beansta nden. Allenfalls weitere verschul- densmindernde Gründe sind keine erkennbar. Zumal sich di e Einstellungsdauer an der Grenze zu einem leichten Verschulden bewegt, besteht kein Anlass, in den Ermessensspielraum der Be- schwerdegegnerin einzugreifen. Gründe, die eine Unterschreitung des Sanktionsrahmens recht- fertigen würden, liegen jedenfalls keine vor. Die Beschwerde ist demgemäss abzuweisen. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor de m kantonalen Gericht kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausser- ordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.