<h2>SubmittedText<h2><p>Trotz der vom Bundesamt für Gesundheit vielgerühmten Viersäulenpolitik (Prävention, Therapie, Schadensminderung, Repression) haben Ärztinnen und Ärzte, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, Streetworker sowie Psychologinnen und Psychologen, die auf diesem Gebiet tätig sind, einen Wiederanstieg des Konsums von Opiaten (die man durch Kokain und andere Psychostimulanzien verdrängt glaubte) festgestellt, und zwar vor allem bei jungen Migrantinnen und Migranten der zweiten Generation sowie bei den jungen Punks. Diese Tendenz ist seit 2005 deutlich. Dies zeigt eine Studie des Universitätsspitals Zürich aus dem Jahr 2009. Abhängige von Opiaten wurden bisher als Loser abgestempelt, während die Kokain- und Amphetaminsüchtigen als Winner angesehen wurden. Wie kommt es zu diesem Anstieg? Der Preisrückgang bei den Opiaten kann ja wohl nicht der einzige Grund sein. Weshalb sind Kinder aus Migrantenfamilien stärker betroffen?</p><p>Angesichts der grossen gesundheitlichen und psychosozialen Schäden und den daraus für die Allgemeinheit entstehenden Kosten wird der Bundesrat beauftragt, eine grossangelegte Studie durchzuführen. Darin soll er dieses Phänomen ergründen und einen möglichen Zusammenhang zwischen Migration (insbesondere in Bezug auf Kinder der zweiten Generation), Konsum von Opiaten und anderen Suchtmitteln, Integration, kultureller Orientierungslosigkeit und Wirtschaftskrise (und Lösungen dazu!) aufzeigen.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Trotz Nachforschungen des Bundesamtes für Gesundheit bei verschiedenen Stellen der Universität Zürich konnte keine Studie zu dem im Postulat erwähnten Thema ausfindig gemacht werden. Eine im Jahr 2009 von der psychiatrischen Universitätsklinik Zürich veröffentlichte Studie, die auf Daten aus den Substitutionsbehandlungen abstützt, bestätigt im Gegenteil, dass sich die Zahl der Heroinkonsumentinnen und -konsumenten in der ganzen Schweiz auf einem tiefen Niveau stabilisiert hat. </p><p>Demgegenüber zeigt die Schweizerische Schülerstudie (ESPAD 2007), die von der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme durchgeführt wurde, dass zwischen 2003 und 2007 die Zahl der 15-jährigen Jugendlichen, die Kokain und Heroin ausprobiert haben, zugenommen hat. 1,4 Prozent (0,6 Prozent im Jahr 2003) von ihnen gaben an, bereits einmal Heroin, und 3,2 Prozent, bereits einmal Kokain (1,4 Prozent im Jahr 2003) konsumiert zu haben. Doch im Vergleich zu beispielsweise dem Konsum von nichtverschriebenen Medikamenten, der sich auf 5,7 Prozent beläuft (4,8 Prozent im Jahr 2003), ist dieser Anteil klein. Diese Angaben sind nicht nach Nationalitäten aufgeschlüsselt. </p><p>Gemäss einer weiteren verfügbaren Informationsquelle, dem Monitoringbericht 2009 der Stadt Zürich, wurde keine allgemeine Zunahme des Heroinkonsums und ein leichter Anstieg des Kokainkonsums festgestellt. </p><p>Eine Studie, die 2008 bei Personen in stationärer Therapie durchgeführt wurde, befasste sich mit der besonderen Situation der jungen Migrantinnen und Migranten. Sie hat ergeben, dass 77 Prozent der Patientinnen und Patienten schweizerischer Herkunft sind, was in etwa dem Anteil in der Allgemeinbevölkerung entspricht. </p><p>Eine statistische Kurve bleibt jedoch in all diesen heterogenen Informationen konstant: die Zunahme des mittleren Alters der Heroinkonsumentinnen und -konsumenten in den Substitutionsbehandlungen. Daraus lässt sich schliessen, dass es nur wenige junge Neukonsumentinnen und -konsumenten gibt. </p><p>Der Bundesrat verfolgt die laufenden Entwicklungen aufmerksam, ist aber nicht der Ansicht, dass aus den verfügbaren Daten zum jetzigen Zeitpunkt klare Schlüsse gezogen werden können. Er wartet daher, bis die ersten Resultate eines neueingesetzten Instruments, des schweizerischen Suchtmonitorings, vorliegen. Mit diesem Monitoring soll die Entwicklung des Konsums verschiedener psychotroper Produkte verfolgt werden. Die damit zusammengetragenen soziodemografischen Daten ermöglichen eine Analyse der Frage, ob eine eventuelle Verbindung zwischen den zahlenmässigen Entwicklungen und besonderen Zielgruppen (z. B. jungen Migrantinnen und Migranten) besteht. Dieses Monitoring sieht die Analyse mehrerer Datenquellen vor, was die Interpretation erleichtern wird. Die Behörden werden somit in der Lage sein, ihre Beobachtungen auf konsolidierte Daten abzustützen. </p><p>Die Forschungsinstitute, die mit der Durchführung dieses Monitorings beauftragt sind, werden ihren ersten Bericht in einem Jahr liefern. Der Bundesrat erachtet es daher zurzeit nicht als notwendig, eine zusätzliche Studie in Auftrag zu geben, und lehnt das Postulat ab.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.