Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. September 2018 (720 18 23 / 253) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Caroline Franz Wal d- ner, Advokatin, Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1957 geborene A.____ war vom 1. April 1983 b is zum 31. Januar 2017 als Leiter Instandstellung der B.____ angestellt. Am 25. Septe mber 2014 meldete er sich unter Verweis auf Rückenbeschwerden und drei Rückenoperationen im Jahre 2014 aufgrund einer Spinalste- nose bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Aufgrund der ihm ab dem 19. November 2013 attestierten vollen Arbeitsunfähigkeit entrichtete die C.____ ein Krankentaggeld. Im März 2015 startete A.____ im Rah men des Eingliederungsprozesses der Invalidenversicherung ein Arbeitstraining in der B. ____ mit einem Anfangspensum von 50 %. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Durch eine unvorhergesehene Operation (als Folge der arteriellen Verschlusskrankheit, PAVK) wurde die Wiedereingliederung jedoch verzögert und er konnte seine bisherige Tätigkeit erst ab dem 13. Juli 2015 erneut mit voller Belastung zu 100 % ausüben. Aufgrund der daraufhin fol- genden positiven Entwicklung wurde ihm von den B.____ p er 1. September 2015 ein neuer Ar- beitsvertrag (zu den bisherigen Konditionen) ausgestel lt, womit der Fall bei der Arbeitsvermitt- lung der Invalidenversicherung erfolgreich abgeschlossen wurde. Aufgrund starker Schmerzen und einer eingeschränkten Gehfähigkeit konnte A.____ d ie Arbeitstätigkeit jedoch nur für kurze Zeit ausüben, weshalb ihm kurz darauf erneut eine vol lumfängliche Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens sprach d ie IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 13. Dezember 2017 eine befristete h albe Rente vom 1. März bis 31. August 2015 zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Dr. Caroline Franz Waldner, am 19. Januar 2018 Beschwerde beim Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfü- gung aufzuheben und ihm ab dem 1. März 2015 eine gan ze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei durch das Gericht ein polydisziplinäres Gutachten einzuh olen und gestützt darauf den Inva- liditätsgrad zu ermitteln. Ferner seien gestützt auf A rt. 78 Abs. 3 IVV die Kosten für die Erstel- lung der ärztlichen Berichte von Dr. D.____ und Dr. E._ ___ vom 14. Februar 2017, 23. April 2016, 19. März 2017 und 11. Dezember 2017 zu vergüten. Mit Schreiben vom 2. Mai 2018 teilte der Beschwerdeführer mit, dass Dr. D.____ und Dr. E.___ _ auf die Einreichung einer Honorar- note verzichten würden. C. In ihrer Vernehmlassung vom 28. März 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Replik vom 17. April 2018 und Duplik vom 23. Mai 2018 hielten die Parteien an ihren jeweiligen Rechtsbegehren fest. E. Mit Schreiben vom 31. Mai 2018 beantragte der Be schwerdeführer die Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Nachdem das Kantonsgericht diesen Antrag mit Verfügung vom 1. Juni 2018 abgewiesen hat, beantragte der Beschwerde führer die Verfügung in Wiedererwä- gung zu ziehen. Mit Schreiben vom 12. Juni 2018 verfügte das Kantonsgericht, dass eine mündliche Verhandlung durchgeführt werde. F. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung halten d ie Parteien an ihren Rechtsbegeh- ren fest. Auf die Ausführungen der Parteien wird – so weit notwendig – im Rahmen der Erwä- gungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 19. Januar 201 8 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches S ubstrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psy chische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch ein e psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Vo- raussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispie lsweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärunge n vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Ar beitsfähigkeit des Beschwerde- führers liegen im Wesentlichen folgende ärztliche Unterlagen vor: 5.1 Dr. med. D.____, Oberärztin, F.____-spital, Spin ale Chirurgie, hat als behandelnde Fachärztin am 9. Februar 2016 festgestellt, dass eine ko mplexe Situation mit erheblichen Ein- schränkungen seitens der Wirbelsäulenproblematik nach Fu sionsoperation und persistierender Parese sowie Schmerzen im Bereich der linken unteren E xtremität bestehe. Die Symptomatik durch die angiologische Problematik komme dazu, mit meh rfachen operativen Eingriffen, teils auch mit komplikativem Verlauf. Insgesamt sei der Beschwe rdeführer jetzt über zwei Jahre nicht mehr über einen längeren Zeitraum in seinem Be ruf als Instandhaltungsleiter tätig gewe- sen. Ein Arbeitsversuch sei gescheitert. Von der Gesamtsit uation her müsse man sagen, dass er mit Sciherheit nicht mehr zu 100 % in seinen zulet zt ausgeübten Beruf zurückkehren könne. Strikt zu vermeiden seien sämtliche wirbelsäulenbelasten den Tätigkeiten, ebenso Zwangshal- tungen, jegliches Überkopfarbeiten, längeres Sitzen, St ehen oder Gehen. Eine Verbesserung der Gesamtsituation sei nicht mehr zu erwarten. 5.2 Mit Arztbericht vom 9. Juni 2016 führt der RAD-Arzt Dr. med. G.____, FMH Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates , aus, dass nach einer vorüberge- henden 100%igen Arbeitsunfähigkeit mit anschliessend 50 %iger Arbeitsfähigkeit in der ange- stammten Tätigkeit als Leiter Instandhaltung ab 2. Feb ruar 2016 wieder eine 100%ige Arbeits- fähigkeit bestehe. Die eher pessimistische Beurteilung von Dr. D.____ betreffend beruflicher Wiedereingliederung könne aus versicherungsmedizinischer S icht nicht bestätigt werden. Kon- krete Funktionsausfälle, die in einer rückenangepassten Tätigkeit massgeblich einschränkend wirkten, würden genau betrachtet nicht festgestellt. Mö glicherweise habe sich Dr. D.____ ver- stärkt auf die subjektiven Beschwerden des Versicherten abg estützt. Die konkret objektivierba- ren Befunde würden unter funktionell-ergonomischer Be trachtung keine Funktionseinschrän- kungen mit limitierender Auswirkung auf die Arbeitsfähi gkeit in einer angepassten Tätigkeit er- kennen lassen. Die angestammte Tätigkeit sei schwerpunk tmässig sitzend mit wechselbelas- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tenden Anteilen, wobei einseitige Rückenbelastungen, w ie eben längeres Sitzen durch eine Arbeitsplatzanpassung zum Beispiel mit höhenverstellbare m Pult verhindert werden könnten. Für eine solche Tätigkeit habe Dr. D.____ durchaus eine Arbeitsfähigkeit eingeräumt, sie habe sich aber quantitativ nicht festgelegt. Die belastungsab hängig auftretende Fussheberschwäche und die polyneuropathisch imponierenden Sensibilitätsstö rungen der unteren Extremitäten, die im Zusammenhang mit dem insulinpflichtigen Diabetes me llitus erklärt werden, hätten in einer angepassten Tätigkeit keine zusätzlichen Einschränkungen zur Folge. Vergleichbares könne auch für das Herz-Kreislaufprofil eines generell einste llbaren Hypertonus und für die koronare Herzerkrankung gelten. Zusammenfassend seien aus RAD-orth opädischer Sicht keine mass- geblichen Funktionseinschränkungen objektivierbar, die de n Versicherten in seiner zuletzt aus- geübten Tätigkeit relevant einschränken könnten. Spätes tens ab dem Zeitpunkt der neurologi- schen Abklärung vom 18. Februar 2015 könne versicherungsmedizinisch wieder eine unlimitier- te Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zugemutet werden. Ausgenommen sei die Zeit der angiologischen Interventionen am 8. und Apr il 2015 und jeweils 3 Wochen nachher. Bezüglich der subjektiv unverändert imponierenden Rücke nbeschwerden würden die Bemü- hungen der Behandler letztlich nur noch um die subjektiven Beschwerden bei im Verlauf eigent- lich unveränderten objektiven Befunden kreisen. Diese Besc hwerden hätten allerdings keine massgebliche und dauerhafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit zur Folge. 5.3 Gemäss Bericht von Dr. med. E.____, FMH Innere Medi zin und FMH Infektiologie, vom 11. Dezember 2017 sei die Arbeitsfähigkeit nur in ein er polydisziplinären Begutachtung aussa- gekräftig zu bestimmen, dabei sollten die Fachrichtungen Orthopädie, Psychiatrie, Innere Medi- zin und Angilogie berücksichtigt werden. Der Versicherte l eide an einer persistierenden radiku- lären Symptomatik mit einem radikulären Reizsyndrom L5/s1 , an einem schwer einstellbaren Diabetes mellitus, aktuell mit hohen Insulindosen, welc he verhindern würden, dass der Be- schwerdeführer relevant an Gewicht abnehmen könne, was a ber für die Besserung seiner Be- schwerden am Bewegungsapparat essentiell wäre. Zudem würde eine gemischte Polyneuropa- thie mit täglichen Schmerzen im Bereich beider unterer Extremitäten, eine arterielle Verschluss- krankheit an beiden unteren Extremitäten, eine koronar e Herzerkrankung, die ihn in der Bewe- gungs- und Leistungsfähigkeit einschränke, sowie eine zu nehmende depressive Entwicklung in den letzten Jahren bestehen. 5.4 Mit Schreiben vom 1. März 2018 attestiert Dr. D.__ __ eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (recte Arbeitsunfähigkeit) in der zuletzt ausgeübten Tät igkeit. Für eine angepasste Tätigkeit mit einer wechselnden Arbeitshaltung und ohne spezifische Wirbelsäulenbelastung erachtet sie den Beschwerdeführer als zu 30 % arbeitsfähig. 5.5 Dr. G.____ hält in seiner Stellungnahme vom 4. Mai 2018 zu den Berichten der behan- delnden Ärzte – wie bereits auch in seinem Bericht vom 9. Februar 2018 – an seiner Einschät- zung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit fest. 6.1 Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, d ass auf die Sichtweise des RAD- Arztes nicht abgestellt werden könne. Ausgehend von eine r theoretischen, höchstens 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten körperlich leich ten, wechselbelastenden Tätigkeit sei al- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht lenfalls eine Anstellung im Hilfsarbeiterbereich denkba r. Allerdings würde dies für jemanden, der über 30 Jahre eine Leitungsfunktion ausgeübt ha be, eine unzumutbare Härte darstellen. Darum sei eine subjektive Unzumutbarkeit für einen solch en Berufswechsel anzunehmen. Ein Einkommensvergleich auf der Basis einer 50%igen Hilfsar beit würde unter Einbezug eines lei- densbedingten Abzugs von 15 % einen 76%igen bzw. 74%igen Invaliditätsgrad und damit einen Anspruch auf eine ganze Rente ergeben. Falls das Gericht nicht auf die Einschätzung der be- handelnden Ärzte abstellen würde, werde darauf hinge wiesen, dass auf RAD-Berichte nicht abgestellt werden dürfe, wenn uneinheitliche Einschätzu ngen der Arbeitsfähigkeit vorliegen würden. 6.2 Wie bereits ausgeführt (vgl. oben E. 4.3) trifft es zu, dass nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung auf das Ergebnis versicherungsinterner ärzt licher Abklärungen – zu denen die vorliegenden RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt w erden kann, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen . Solche Zweifel sind im vorliegen- den Verfahren zu bejahen. Einerseits hat Dr. G.____ d en Versicherten nicht selber untersucht und er stützt sich bei seinen Berichten einzig auf die Akten. Andererseits bestehen verschiede- ne Gesundheitsbeschwerden mit gegenseitigen Wechselwir kungen, zu denen Dr. G.____ als Facharzt für Orthopädische Chirurgie nicht umfassend Auskun ft geben kann, namentlich auch in Bezug auf die Einschränkungen für eine Erwerbstätigke it insgesamt. Dazu kommt, dass er offenbar bei der angestammten Tätigkeit von einer op timal angepassten Beschäftigung aus- geht, unter der falschen Annahme, dass die Tätigkeit vorwiegend vom Schreibtisch aus zu erle- digen und den Einschränkungen mit einem höhenverstellb aren Pult begegnet werden könnte. Dazu hat der Versicherte dem Gericht eine Stellungnahme seines ehemaligen Vorgesetzten, dem Leiter Betriebe und Qualität der B.____, vom 18 . April 2018 eingereicht. Daraus ergibt sich, dass der Versicherte unter anderem folgende Aufgabe n hat erfüllen müssen: Strategi- sches Unterhaltsmanagement, Sicherstellung, Umsetzung und Instandhaltung in allen Gebäu- den auf dem B.___-Campus und Mitarbeit in sämtlichen B auprojekten auf dem Campus und in den 12 Aussenstandorten in H.____, Projektarbeit bei Neubauten und Arealprojekten, Schnitt- stelle zu Gärtnerei sowie Bau und Sicherheit. Die Funk tion Instandhaltung könne nicht nur vom Büro aus organisiert werden. Im kleinen Team von acht P ersonen müsse jeder mitanpacken. Der Campus mit X.____ m2 und seinen Y.____ Gebäuden erfordere Präsenz vor Ort, was mit langen Laufwegen verbunden sei. Ein Grossteil der Gebäude sei unterirdisch verbunden. In den Untergeschossen seien die grossen Haustechnikanlagen unter gebracht. Die Kontrolle dieser Anlagen erfordere ein regelmässiges Treppensteigen. Der Büroanteil liege bei ungefähr 40 %. Die Beschwerdegegnerin führt dagegen aus, dass in einer früheren Stellenbeschreibung der Anteil an Bürotätigkeit wesentlich höher eingestuft worden sei. Aufgrund der sogenannten „Aus- sage der ersten Stunde“ müsse auf die frühere Stellenbe schreibung abgestellt werden. Diesbe- züglich ist festzuhalten, dass die Stellenbeschreibungen n icht vom Beschwerdeführer selbst, sondern zuerst von einer HR-Mitarbeiterin und später vo m ehemaligen Vorgesetzten des Be- schwerdeführers stammen. Damit kommt das Prinzip der „Au ssage der ersten Stunde“, wonach ursprüngliche Aussagen eher unverfälscht sind, nicht zur An wendung. Zudem ist mit dem Be- schwerdeführer davon auszugehen, dass der Vorgesetzte näher an der Arbeit des Beschwerde- führers ist als eine HR-Mitarbeiterin. Es ist demzufolge vom Stellenprofil gemäss Beschreibung durch den Vorgesetzten auszugehen. Dr. G.____ gibt nach Eingang des neuen Stellenprofils Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht denn auch an, dass – falls die angestammte Tätigkeit tat sächlich nicht mehr zumutbar wäre – die unlimitierte Zumutbarkeit in einer entsprechend angepassten Tätigkeit nicht tangiert sei. Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung bez üglich der Ermittlung des Invalidenein- kommens folglich zu Recht nicht mehr darauf abgestellt, was der Versicherte in seiner ange- stammten Beschäftigung verdienen könnte und ist von den T abellenlöhnen der Schweizeri- schen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Stat istik ausgegangen. Sie hat auf das Kompetenzniveau 4 für Tätigkeiten mit komplexer Pro blemlösung und Entscheidungsfin- dung im Sektor Baugewerbe abgestellt und hat, abgeseh en von einer vorübergehenden Phase mit einer 50%igen Arbeitsfähigkeit, ein volles Pensum als zumutbar erachtet. Dabei kann sie sich allerdings einzig auf die Einschätzung von Dr. G.___ _ abstützen, welche aber nicht durch- gehend nachvollziehbar ist. Nicht in Zweifel gezogen wer den kann insbesondere, dass der Ver- sicherte trotz der diversen operativen Eingriffe nicht sch merzfrei ist und eine Optimierung von Körpergewicht und Kondition bei vorhandenem Diabete s mellitus und Herzproblemen nicht oh- ne weiteres zu erreichen ist. Dies scheint der RAD-Arzt zu übersehen. Er scheint von der Hypo- these auszugehen, dass der Versicherte ohne weiteres in d er Lages ist, ein 100%-Pensum zu leisten, während die behandelnden Ärzte die Situatio n differenzierter analysieren und dabei je aus ihrem Fachgebiet heraus zu abweichenden Schlüssen ge langen. Bei diesem hier vorlie- genden komplexen Beschwerdebild reichen die Aktenberich te des orthopädischen Chirurgen Dr. G.____ nicht als Grundlage zur Bemessung des IV-Gr ades. Aufgrund der grossen Differen- zen zwischen RAD-Arzt und den in die Behandlung involviert en Spezialärzten müssen zwin- gend weitere medizinische Abklärungen durch externe Fach personen erfolgen. Bei einem der- art vielfältigen Beschwerdebild wäre es Aufgabe der IV -Stelle gewesen, weitere Abklärungen vorzunehmen. Demgemäss ist die Angelegenheit an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie ein polydisziplinäres Gutachten einhole. 7. Der Beschwerdeführer wurde anlässlich der heutigen P arteiverhandlung auf eine mög- liche reformatio in peius hingewiesen. Er hat explizit an seiner Beschwerde festgehalten. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeve rfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leist ungen vor dem kantonalen Versiche- rungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 VP O werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss auferlegt. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die IV-Stelle unterliegende Partei , weshalb sie grundsätzlich die Verfahrens- kosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist aller dings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hie r nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgru nd dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfahren skosten aufzukommen. Es werden des- halb keine Verfahrenskosten erhoben und der vom Beschwerde führer geleistete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 800.-- ist zurückzuerstatten. 8.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die Beschwerde füh rende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt un d ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schw ierigkeit des Prozesses bemessen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts genügt für den bundesrechtlichen Anspruch auf eine Parteientschädigung auch ein formelles Obsiegen in dem S inne, dass der Beschwerde führen- den Person durch die Aufhebung der angefochtenen Verf ügung und der Rückweisung der Sa- che an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neue n Beurteilung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewahrt bleiben (BGE 132 V 215 E. 6.2). Nachdem die Be- schwerde gutzuheissen und die Sache zur erneuten Abklärun g im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, hat diese dem Beschwerdefü hrer eine Parteientschädigung auszurichten. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers h at in ihren Honorarnoten vom 2. Mai 2018 und 18. Juni 2018 einen Zeitaufwand von ins gesamt 15 Stunden und 45 Minuten gel- tend gemacht, was in Anbetracht der sich stellenden Sachv erhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Zusätzlich gewährt das Gericht 4 Stunden und 45 Minuten für die Parteiver- handlung mit Vorbesprechung und Anreise. Dieser Aufwan d ist mit dem geltend gemachten Stundenansatz von Fr. 200.-- zu vergüten. Dem Beschwerd eführer ist demnach eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 4‘415.70 (20,5 Stunden x Fr. 200.-- und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde i n öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 13. Dezember 2017 a ufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinn e der Erwägun- gen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Ste lle Basel- Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 4‘415.70 (inkl. Ausla gen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht