Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. September 2015 (731 15 181 / 241) ____________________________________________________________________ Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung Klage gutgeheissen; da Taggeldleistungen typischerweise zu Beginn einer Erkrankung zum Tragen kommen und es dabei um die unmittelbare Sicherung des Einkommens im Krankheitsfall geht, sind die Anforderungen an den Nachweis krankheitsbedingter Ar- beitsunfähigkeit – auch aus Gründen der Praktikabil ität – tiefer als für den Nachweis ei- ner Invalidität Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Gerichtss chreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Klägerin , vertreten durch Doris Vollenweider , Advokatin , Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal gegen SWICA Krankenversicherung AG , Rechtsdienst , Römerstrasse 38 , 8401 Winterthur, Beklagte Betreff Taggeld A. A.____ war bei der B.____ AG in einem Arbeitspen sum von 40 % als Schriftsetzerin angestellt. Im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses w ar sie als Mitarbeiterin im Kollektiv- Versicherungsvertrag der Arbeitgeberin bei der SWIC A Krankenversicherung AG (Swica) kol- lektiv krankentaggeldversichert. Ab September 2012 musste sie sich in psychotherapeutische Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Behandlung begeben. Mit Meldung vom 7. November 2014 wurde der Swica mitgeteilt, dass die Versicherte seit dem 18. Juni 2014 krankheitsbedingt zu 100 % arbeitsunfähig sei. In der Folge richtete die Swica nach Ablauf der Wartefrist von 30 Ta gen für eine volle Arbeitsunfähigkeit Taggelder aus. Nach Vornahme medizinischer Abklärungen teilte die Swica der Versicherten mit Schreiben vom 29. August 2014 mit, dass ab 8. Septe mber 2014 kein Taggeldanspruch mehr bestehe. Zur Begründung wurde ausgeführt, die Versicherte sei gemäss der Einschätzung von Prof. Dr. med. C.____, Gesundheitszentrum X.____, ab dem 1. September 2014 wieder im Umfang von 40 % arbeitsfähig. In der Folge leistete die Swica Taggelder bis Ende September 2014. B. A.____, vertreten durch Advokatin Doris Vollenweider , reichte am 18. Mai 2015 beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht, Klage gegen die Swica ein. Darin liess sie unter o/e-Kostenfolge beantragen, es sei die Beklagte zu verurteilen, ihr für die Zeit vom 1. Oktober 2014 bis 31. Dezember 2014 Tagg elder in der Höhe von mindestens Fr. 7‘765.70 zu bezahlen, zuzüglich Zins von 5 % ab 15 . November 2014. Eine Mehrforderung wurde ausdrücklich vorbehalten. In verfahrensrechtlicher H insicht ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. In der Begründung wurde zusammenfassend angeführt, zur Beurteilung der Angelegenheit sei auf die Einschätzu ng des behandelnden Psychiaters Dr. med. D.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, abzustellen. Dieser habe aus fach- ärztlicher Sicht eine psychische Störung mit Krankheitswert diagnostiziert und gehe von einer 100 %-igen Arbeitsunfähigkeit aus. Die Kurzberichte von Prof. C.____ seien unvollständig, wi- dersprüchlich und teilweise falsch, weshalb sie nicht geeig net seien, die Auffassung von Dr. D.____ zu widerlegen. Falls nicht auf die Beurteilung von Dr. D.____ abgestellt werden könne, sei ein gerichtliches Gutachten anzuordnen. C. In ihrer Klagantwort vom 27. Juli 2015 beantragte die Beklagte unter o/e-Kostenfolge die Abweisung der Klage; eventualiter sei durch das Ger icht ein Gutachten zu erstellen. Sie stellte auf die Einschätzungen von Prof. C.____ ab und ging in rechtlicher Hinsicht davon aus, dass psychosoziale Belastungsfaktoren im Zusammenhang mit der Beurteilung einer Krankheit oder Arbeitsunfähigkeit ausgeklammert werden müssten. D. An der heutigen Parteiverhandlung haben die Kläg erin, ihre Rechtsvertreterin Advoka- tin Doris Vollenweider sowie die Rechtsvertreterin der B eklagten teilgenommen. Die Parteien haben an ihren Anträgen und Begründungen im Wesentlichen festgehalten. Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Der Vizepräsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung unt erstehen gemäss Art. 12 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (K VG) vom 18. März 1994 dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) vom 2. Apr il 1908. Streitigkeiten im Be- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht reich dieser Zusatzversicherungen sind privatrechtlicher Natu r, weshalb strittige Ansprüche darüber in einem zivilprozessualen Verfahren geltend zu machen sind. Das Verfahren im Zivil- prozess regelt die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO) vom 19. Dezember 2008. 1.2 Die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts, Abte ilung Sozialversicherungsrecht, ergibt sich aus Art. 7 ZPO i.V.m. § 54 Abs. 1 lit. d d es Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993. Wie das Kantonsgericht mit Grundsatzentscheid vom 1. Dezember 2011 festhielt, ist bei Klagen betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung ke ine vorgängige Schlichtung durchzuführen, womit sie direkt am Kantonsgericht, Abt eilung Sozialversicherungsrecht, einzu- reichen sind (Beschluss des Kantonsgerichts vom 1. Dezember 2 011, 731 11 262; vgl. auch BGE 138 III 558). 1.3 Die örtliche Zuständigkeit richtet sich grundsätzlich nach Art. 9 ff. ZPO. Der dem vorlie- genden Fall zu Grunde liegende Versicherungsvertrag ist als Konsumentenvertrag im Sinne von Art. 32 ZPO zu qualifizieren, weshalb die Klage am Wo hnsitz der versicherten Person einge- reicht werden kann (Art. 32 Abs. 1 lit. a ZPO; U RS FELLER /JÜRG BLOCH , in: Sutter- Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Kommentar, Art. 32 N 45 ff.). Nichts anderes ergibt sich im vorliegenden Fall aus Art. 90 der Allgemeinen Bedi ngungen für die Kollektiv- Krankenversicherung (AVB), wonach ein Wahlgerichtsstand am Wohnsitz der versicherten Per- son besteht. Da die Klägerin Wohnsitz in Z.____ hat, i st das angerufene Gericht auch örtlich zuständig. Auf die erhobene Klage ist damit einzutreten. 1.4 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall liegt de r Streitwert unter dieser Grenze, so dass die Angelegenheit präsidial zu entscheiden ist. 2.1 Der vorliegende Prozess ist vom Untersuchungsgrundsa tz beherrscht (Art. 247 Abs. 2 lit. a i.V.m. Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO). Das Gerich t hat den Sachverhalt grundsätzlich mit eige- nen Mitteln abzuklären und mit vertretbarem Aufwand zu einem hinreichend sicheren Beweis- ergebnis zu gelangen. Es ist nicht an die Beweisanträ ge der Parteien gebunden, sondern kann auch von sich aus Beweise erheben. Der Untersuchungsgrundsatz gilt allerdings nicht uneinge- schränkt, sondern wird durch die Mitwirkungspflichten de r Parteien begrenzt (zum Ganzen BERND HAUCK , in: ZPO-Kommentar, a.a.O., Art. 247 Abs. 2 ZPO N 31 ff., insbesondere N 33). 2.2 Die Untersuchungsmaxime ändert nichts an der formell en Beweislast. Kann das Be- stehen einer entscheidungserheblichen Tatsache weder beja ht noch verneint werden, so ent- scheidet das Gericht trotz Untersuchungsmaxime nach Beweisla stgesichtspunkten im Sinne von Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 (B ERND HAUCK , a.a.O., N 37). Danach hat, wo das Gesetz nichts anderes bestimmt, diejenige Person das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweis en, die aus ihr Rechte ableitet (BGE 128 III 273 f. E. 2a/aa mit mehreren Hinweisen). Art. 8 ZGB kommt auch im Bereich eines Versicherungsvertrags gemäss VVG zu Anwendung (R OLF NEBEL, in: Kommentar zum Versi- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherungsvertragsgesetz [VVG-Kommentar], Honsell/Vogt/Sch nyder [Hrsg.], Basel 2001, Art. 100 N 4 und 9). Demnach hat die anspruchsberechtigte P erson die Tatsachen zur Begründung des Versicherungsanspruchs zu beweisen, namentlich das Best ehen eines Versicherungsver- trags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den Umfang des Anspruchs. Den Versicherer trifft die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglichen Leistung berechtigen oder die den Versicherungsvertrag g egenüber dem Anspruchsberechtig- ten unverbindlich machen (BGE 130 III 323 E. 3.1). 2.3 Da der Beweis für den Eintritt des Versicherungsfal ls regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist, geniesst die anspruchsberechtigte Person insoweit eine Beweiserleichterung und genügt ihrer Beweislast, als sie nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für den Eintritt des Versicherungsfalls bzw. das Bestehen des geltend gemachte n Versicherungsanspruchs darzu- tun hat (BGE 128 III 275 ff. E. 2b/aa). Dieses Bewei smass der überwiegenden Wahrscheinlich- keit gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Ta tsachen, für welche die Beweislast aufgrund von Art. 8 ZGB beim Versicherer liegt (Die Pr axis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts vom 22. November 1990]). 2.4 Das Gericht ist in der Würdigung der Beweise frei ( Art. 157 ZPO). Es kann bei der Be- wertung der erhobenen Beweise unabhängig von abstrakten Regeln nach seiner eigenen Über- zeugung darüber befinden, ob es eine behauptete Tatsach e als wahr oder unwahr einstuft. Da- bei bleibt es dem Gericht überlassen, die Kraft eines Be weismittels nach seiner Überzeugung festzulegen (FRANZ HASENBÖHLER , in: ZPO-Kommentar, a.a.O., Art. 157 N 8). Der im Verfahren zur Beurteilung von Streitigkeiten aus einer Zusatzversi cherung zur sozialen Krankenversiche- rung herrschende Untersuchungsgrundsatz schliesst die antizipierte Beweiswürdigung nicht aus (Urteil des Bundesgerichts vom 9. November 2006, 5C.206/2 006, E. 2.1; vgl. zur antizipierten Beweiswürdigung im Zivilprozess: FRANZ HASENBÖHLER , a.a.O., Art. 152 N 18). 2.5 Dem Versicherer steht ein aus Art. 8 ZGB abgeleitet es Recht auf Gegenbeweis zu. Gelingt es ihm, an der Sachdarstellung der anspruchsberechtigten Person erhebliche Zweifel zu wecken, so ist deren Hauptbeweis gescheitert. Dabei ist b loss erforderlich, dass die Sachbe- hauptungen nicht mehr als überwiegend wahrscheinlich e rscheinen (BGE 130 III 326 f., insbe- sondere E. 3.4 und 3.5, mit zahlreichen Hinweisen; vgl. auch J ÜRG NEF , in: VVG-Kommentar, Art. 39 N 21 ff., sowie E STELLE KELLER LEUTHARDT /A LAIN VILLARD , in: Nachführungsband zum VVG-Kommentar, Honsell/Vogt/Schnyder/Grolimund [Hrsg.], Basel 2012, Art. 39 ad N 23, 25 und 39). Für das Gelingen des Gegenbeweises muss mithin n ur der Hauptbeweis erschüttert werden. Es ist nicht notwendig, dass das Gericht auch von der Schlüssigkeit der Gegendarstel- lung überzeugt wird (BGE 120 II 397 E. 4b, 76 II 194 E. 3). Ist der Hauptbeweis erschüttert, so darf das Gericht nicht auf die Sachdarstellung der bewe isbelasteten Partei abstellen, selbst wenn die Gegendarstellung des Beweisgegners ihrerseits unbewiesen geblieben ist (BGE 120 II 397 E. 4b). 3. Vorliegend beantragte die Klägerin mit Klage vom 18. Mai 2015 die Ausrichtung von Krankentaggeldern für die Zeit vom 1. Oktober 2014 bi s 31. Dezember 2014 in der Höhe von mindestens Fr. 7‘765.70. An der heutigen Parteiverhan dlung wies die Rechtsvertreterin der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Klägerin darauf hin, dass sie die Forderungssumme versehentlich gestützt auf den versicherten Verdienst berechnet habe. Selbstverständlich seien als Basis der Taggeldberechnungen jedoch nur 80 % des versicherten Verdienstes heranzuziehen. 4.1 Zunächst ist darzulegen, unter welchen Voraussetzunge n die Klägerin gegenüber der Beklagten einen Anspruch auf Taggeld hat. 4.2 Da das VVG ausser in Art. 87 keine spezifischen Bes timmungen zum Krankentaggeld enthält, sind die vertraglichen Versicherungsvereinbarunge n massgebend. Gemäss vorliegen- der Versicherungspolice hat die Beklagte mit der Arbeit geberin der Klägerin eine Krankentag- geldversicherung abgeschlossen. Die Versicherungsleistung besteht in der Ausrichtung von Taggeld bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit (vgl. Art. 2 AVB). Krankheit ist jede Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erforder t oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat (Art. 3 AVB). Arbeitsunfähigkeit ist die dur ch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle ode r teilweise Unfähigkeit, eine im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Nach drei Monaten Arbeitsun- fähigkeit wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem an deren Beruf oder Aufgabenbereich be- rücksichtigt (Art. 16 AVB). Leistungsvoraussetzung ist eine ärztlich bestätigte Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25 % (Art. 13 AVB). Sofern eine in ihr em angestammten Beruf arbeitsunfähige versicherte Person nicht innerhalb des Betriebs eingeglie dert werden kann, ist sie gehalten, innert drei Monaten Arbeit in einem anderen Erwerbszw eig zu suchen und sich bei der Invali- den- und Arbeitslosenversicherung anzumelden (Art. 57 AVB). 5.1 Es ist somit im Folgenden zu prüfen, ob eine ärztlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit der Klägerin für die Zeitspanne vom 1. Oktober 2014 bis 31. Dezember 2014 im Umfang von 100 % vorliegt. Mit Krankmeldung der Arbeitgeberin vo m 7. Juli 2014 wurde der Beklagten mit- geteilt, dass die Klägerin seit dem 18. Juni 2014 wegen Krankheit zu 100 % arbeitsunfähig sei. 5.2 Dr. D.____ attestiert der Klägerin mit den ärztli chen Zeugnissen vom 18. Juni 2014, vom 3. Juli 2014, vom 24. Juli 2014, vom 28. August 201 4, vom 10. September 2014, vom 1. Oktober 2014, vom 29. Oktober 2014 und vom 25. November 2014 eine 100 %-ige Arbeitsun- fähigkeit vom 18. Juni 2014 bis 31. Dezember 2014. 5.3 Mit Bericht vom 29. Juli 2014 diagnostizieren Dr. D .____ und die Psychologin E.____ eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion F43.21. Sie berichten, dass die Pa- tientin seit dem 13. September 2012 in Behandlung ste he. Auslöser für das Aufsuchen psycho- therapeutischer Hilfe seien immer wiederkehrende Schwi erigkeiten im Zusammenleben mit ih- rem Ehemann und den Kindern gewesen. Es bestünden auf verschiedenen Ebenen massive Konflikte, die für alle Familienmitglieder extrem bel astend seien. Erschwerend komme hinzu, dass der Patientin, die seit über 30 Jahren im gleichen Betrieb tätig sei, mitgeteilt worden sei, dass es für sie in der aktuellen Form keine Beschäftigung mehr gebe. Diese Situation habe wei- ter zu einer Destabilisierung der Patientin geführt. S ie sei grundsätzlich arbeitsfähig und werde das aller Voraussicht nach auch wieder sein, sobald sich die extrem belastende psychosoziale Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Situation etwas entspannt habe. Die Patientin sei seh r gebremst im Antrieb, wirke im Affekt de- pressiv, hoffnungslos, auch hilflos und überfordert. Ihr Denken sei eingeengt auf die familiäre und berufliche Konfliktsituation. Sie berichte zudem über schwere Schlafstörungen. Auf die Fra- ge nach der Arbeitsfähigkeit wird festgehalten, dass d ie Patientin durchaus in der Lage sei, 40 % als Typografin zu arbeiten. Sie sei in ihren Tät igkeiten grundsätzlich nicht eingeschränkt. Sie wolle wieder arbeiten, sobald sich die Situation b eruhigt habe und sie sich habe fassen und stabilisieren können. 5.4 In der Folge liess die Beklagte die Klägerin versiche rungsmedizinisch beurteilen. Prof. C.____ hält in seinem Bericht vom 13. August 201 4 nach persönlicher Untersuchung fest, dass eine psychosoziale Belastungssituation von Krankheitswert seit Juni 2014 die volle Aus- schöpfung der funktionellen Leistungsfähigkeit für beruf lich zu verwertende Tätigkeiten verhin- dere. Er diagnostiziert nach ICD-10 eine Dysthymia F34.1, eine Anpassungsstörung mit vorwie- gender Beeinträchtigung anderer Gefühle F43.23 sowie Probleme mit Bezug auf Schwierigkei- ten bei der Lebensbewältigung Z73.1. Ab September 2 014 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 40 %, was dem bisherigen Arbeitspensum entspreche. Beachtet werden müsse, dass das Pen- sum auf alle Wochentage verteilt werde. Eine Bündelung des Pensums von 16 Wochenstunden auf zwei Tage wie bisher sei nicht zumutbar. Die Prognose sei zurzeit unsicher, zumal das Risi- ko einer fortschreitenden Chronifizierung der psychischen Beschwerden erheblich sei. Er emp- fehle zudem die Gewährung eines Caremanagements. Die A rbeitsfähigkeit in einer anderen Tätigkeit beurteilte Prof. C.____ nicht. 5.5 Mit undatierter Stellungnahme hält die behandel nde Psychologin E.____ im Hinblick auf die erste Untersuchung durch Prof. C.____ fest, dass dieser die Patientin gut eingeschätzt habe. Allerdings sei zurzeit keine Arbeitsfähigkeit gegeben. Die Patientin befinde sich seit meh- reren Wochen in einem Grenzzustand nahe an der Dekompe nsation. Zunehmende Schlafstö- rungen mit sowohl Einschlafstörungen als auch Durchschlaf problematiken sowie Panikzustän- den mit den dazugehörigen somatischen Symptomen wie Herzr asen, Schwindel, Übelkeit bis zum Erbrechen würden das Funktionieren im Alltag erschwe ren. Die Gesamtsituation sei dadurch erschwert worden, dass diese Woche die Arbeitsstelle gekündigt worden sei. 5.6 Mit Bericht vom 22. Oktober 2014 stellt Prof. C.__ __ nach einem Gespräch mit der Versicherten fest, dass sich die psychosoziale Belastungssituati on weiter verschärft habe. Nachdem sie als gelernte Typografin der Versetzung in di e Buchbinderabteilung nicht zuge- stimmt habe, sei ihr vom Arbeitgeber per 31. Dezember 2014 gekündigt worden. Bis heute sei- en keine koordinierten therapeutischen und beruflichen Integrationsbemühungen unternommen worden. Auf eine unterstützende antidepressive Medikation sei bisher verzichtet worden. Unter- dessen seien die mit starken Stimmungsschwankungen einhe rgehenden Verhaltenseinschrän- kungen, verbunden mit einem sozialen Rückzug, weiter chro nifiziert, und die Versicherte zeige eine deutliche Tendenz einer dysfunktionalen Konfliktbewältigung mit der Abwehr aller von aus- sen eingeforderten eigeninitiativen Anstrengungen. A n der versicherungsmedizinischen Ein- schätzung der Arbeitsfähigkeit vom 13. August 2014 werde festgehalten, zumal die im Vorder- grund stehende psychosoziale Belastungssituation weiterhin unverändert bestehe und sich Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch die Kündigung noch ausgeweitet habe, aber denn och prinzipiell nicht ausschliesslich als zu versicherndes Krankheitsereignis angesehen werden könne. 5.7 Dr. D.____ und Psychologin E.____ halten mit Schr eiben vom 7. November 2014 fest, dass der Einschätzung von Prof. C.____ in mehreren Pun kten nicht gefolgt werden könne. Es seien sehr wohl therapeutische Bemühungen unternommen worden. Zu Arbeitsintegrationsbe- mühungen sei es noch nicht gekommen, da die Patientin zum jetzigen Zeitpunkt nicht arbeitsfä- hig sei. Es treffe nicht zu, dass man auf eine antidepre ssive Medikation verzichte. Dass die psychosozialen Belastungen kein zu versicherndes Krankheitser eignis darstellen würden, sei nicht nachvollziehbar. Es sei Fakt, dass die Patientin u nter einer mittelgradigen depressiven Episode mit Gefühlen der Hoffnungslosigkeit, Anhedonie, mit Schlafstörungen, einer ausge- prägten Antriebsstörung sowie persistierenden Schwindelge fühlen mit gelegentlichem Erbre- chen leide. 5.8 Mit Stellungnahme vom 29. Januar 2015 hält Dr. D. ____ fest, dass sich die Patientin schon vor der Kündigung durch die Arbeitgeberin währe nd längerer Zeit in einem psychisch kritischen Zustand befunden habe. Dieser habe sich mit de n folgenden Symptomen gezeigt: ausgesprochen dysphorische und hoffnungslose Stimmung, Schlafstörungen mit sowohl Ein- schlaf- als auch Durchschlafstörungen, zunehmend Verspannung der Nackenmuskulatur ver- bunden mit zum Teil starkem Schwindel und Erbrechen. Meh rmals sei eine Hospitalisation zur Diskussion gestanden, gegen die sich die Patientin aufgrun d der Kinder gewehrt habe. Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses habe der Patientin vollkommen den Boden unter den Füs- sen weggezogen. Was sie mit viel Anstrengung und Willenskra ft einigermassen in der Balance habe halten können, sei dann zusammen gebrochen. Die genannten Symptome hätten sich verstärkt und die Patientin habe begonnen, unter panika rtigen Zuständen zu leiden und der Angst, alles in ihrem Leben breche auseinander. Die Gespräche, die sie rund um die Kündigung gehabt habe, hätten sie noch mehr unter Druck gesetzt. Sie sei nicht mehr in der Lage gewe- sen, ruhig und überlegt zu handeln. In dieser Situati on sei es als unumgänglich erachtet wor- den, die Patientin krank zu schreiben. Sie wäre nicht in der Lage gewesen, ihrer Arbeit wie ge- wohnt nachzugehen. 5.9 Mit ärztlichen Zeugnissen vom 28. Januar 2015, vom 12 . Februar 2015, vom 26. März 2015 und vom 22. April 2015 attestiert Dr. D.____ de r Klägerin ab dem 1. Februar 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 80 %. Die Arbeitsfähigkeit von 20 % ab dem 1. Februar 2015 gelte nur für einen neuen Arbeitsplatz. 5.10 Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung reichte die Klägerin den Zwischenbericht der Institution Y.____ betreffend das Belastbarkeitstraining vom 27. April 2015 bis 17. Juli 2015 zu den Akten. Daraus geht hervor, dass immer noch Schwier igkeiten bestehen. Der Wiederein- stieg in den ersten Arbeitsmarkt werde als noch zu früh er achtet und eine Verlängerung des Belastbarkeitstrainings werde empfohlen. 6.1 Wie in Erwägung 5.1 hiervor dargelegt, hat die K lägerin zu beweisen, dass ärztlicher- seits eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worde n ist. Ein weiterer Beweis wird von den Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht AVB nicht verlangt. Die Arztzeugnisse bzw. Atteste, welche diese Feststellung treffen, sind vor- handen (vgl. Erwägung 5.2 hiervor). Auf den ersten B lick etwas widersprüchlich dazu sind die Bemerkungen von Dr. D.____ im Bericht vom 29. Juli 201 4, wo er festhält, dass die Klägerin grundsätzlich arbeitsfähig und in ihren Tätigkeiten nich t eingeschränkt sei und durchaus in der Lage sei, 40 % als Typografin zu arbeiten. Diese Ausf ührungen von Dr. D.____ sind im Ge- samtkontext zu sehen. Er hat gleichzeitig festgehalten, da ss die Klägerin diese Arbeitstätigkeit auch wieder ausüben werde, sobald sich die Situation en tspannt habe. Zusammen mit den von ihm verfassten Attesten ist offensichtlich, dass er von einer fehlenden Arbeitsfähigkeit ausging. 6.2.1 Die Beklagte wendet ein, dass Dr. D.____ in seine m ersten ausführlichen Bericht eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion diagnostiziert und auf eine extrem belas- tende psychosoziale Situation hingewiesen habe. Diese Be urteilung könnte, dahingehend ist der Beklagten zuzustimmen, allenfalls den Krankheitswert der Beschwerden in Zweifel ziehen. 6.2.2 Die AVB der Beklagten gehen von einem rechtlich en Begriff der Krankheit aus, welcher grundsätzlich über die medizinische Ursache und nicht aufg rund von Symptomen definiert wird. Dieser Begriff schliesst grundsätzlich aus, dass psychosoziale Be lastungsfaktoren als solche als Krankheit gewertet werden. 6.2.3 Vorliegend ist klar ausgewiesen, dass krankheitswert ige Beschwerden vorliegen. So schliesst nicht nur Dr. D.____, sondern auch Prof. C.____ auf eine krankheitswertige Situation. Beide Fachärzte gehen davon aus, dass eine Anpassungsstöru ng im Vordergrund steht. Eine Anpassungsstörung ist eine psychiatrische Diagnose, die ein e Arbeitsunfähigkeit auslösen kann, auch im Umfang von 100 % (Urteil des Bundesgeri chts vom 18. Juli 2013, 8C_231/2013, E. 5.1). Beide Fachärzte halten objektive psychopathologi sche Befunde wie gebremster oder verminderter Antrieb, einen auffälligen Affekt, ein auffälliges Denken sowie kognitive Einschrän- kungen fest. Der Umstand, dass Prof. C.____ das Ausmass de r krankheitswertigen Beeinträch- tigungen anders einschätzt, vermag an der grundsätzliche n Einordnung der Beschwerden als krankhaft im Rechtssinne nichts zu ändern. 6.3 Damit ist grundsätzlich von einer ärztlich festgestellt en Arbeitsunfähigkeit, wie dies die AVB verlangen, auszugehen. 7.1 Zu prüfen ist, ob der Beklagten der Gegenbeweis g elingt, um sich von ihrer Leistungs- pflicht zu befreien und den Hauptbeweis zum Scheitern zu bringen. Wie bereits in Erwägung 2.5 hiervor dargelegt, ist für das Gelingen des Gegenbeweise s erforderlich, dass der Hauptbeweis erschüttert wird und demzufolge die Sachbehauptungen n icht mehr überwiegend wahrschein- lich erscheinen. Die Beklagte stellt sich einerseits auf de n Standpunkt, dass die Berichte von Prof. C.____ Zweifel an der Beweiskraft der Auffassung von Dr. D.____ wecken würden. Ande- rerseits seien die Berichte von Dr. D.____ widersprüchlich, so dass seine Berichterstattung selbst den Gegenbeweis erbringe. 7.2.1 Entgegen der Auffassung der Beklagten ist berei ts im ersten Bericht von Dr. D.____ vom 29. Juli 2014 von einer depressiven Reaktion die Red e, womit ohne weiteres davon aus- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht zugehen ist, dass er bereits damals von einer Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis ausging. Die Berichte von Dr. D.____ sind zudem in Be zug auf die Einschätzung der Arbeitsfä- higkeit konsistent, was bereits in Erwägung 6.1 hiervor da rgelegt wurde. In seinem Bericht vom 7. November 2014 legt Dr. D.____ in nachvollziehbarer Weise dar, dass sich die Situation nach den Gesprächen mit der Arbeitgeberin um eine mögliche Versetzung verschlimmert habe. Auch ist nachvollziehbar, weshalb Dr. D.____ die Situation in seinem zweiten Bericht erheblich gra- vierender darstellt als in seinem ersten Bericht, denn die Situation verschlechterte sich nach der Kündigung. Diese Verschlimmerung wird auch von Prof. C .____ bestätigt. Er spricht von einer weiteren Verschärfung der psychosozialen Situation, von V erhaltenseinschränkungen und zu- nehmendem sozialem Rückzug. Eine Widersprüchlichkeit oder fehlende Konsistenz in den Be- richten von Dr. D.____ ist deshalb nicht auszumachen. Eine versicherungsrechtlich motivierte Berichterstattung ist zwar nicht auszuschliessen, aber seine Ausführungen machen Sinn und sind im Gesamtkontext nachvollziehbar. 7.2.2 Bei der Erstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbesch einigung ist es Aufgabe des Arztes, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellun g zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeit sunfähig ist. Dieser Aufgabe sind Dr. D.____ und die behandelnde Psychologin E.____ nachgeko mmen. Aus ihren Bescheinigungen und Berichten geht klar und schlüssig hervor, an welchen psychischen Beschwerden die Kläge- rin leidet und weshalb es ihr nicht möglich ist, einer Arbeitstätigkeit nachzugehen. Diesbezüglich ist zudem nicht ausser Acht zu lassen, dass Prof. C.____ ebe nfalls von einer erheblichen Ar- beitsfähigkeit ausgeht, denn seiner Einschätzung nach be stehe lediglich eine 40 %-ige Arbeits- fähigkeit, die zudem nicht am Stück, sondern auf fünf Tage verteilt verwertet werden kann. 7.3.1 Zu prüfen bleibt, ob die Berichte von Prof. C._ ___ erhebliche Zweifel an der Beurtei- lung von Dr. D.____ zu wecken vermögen. Die Berichte von Prof. C.____ beschreiben im We- sentlichen die gleichen Befunde, wie sie auch von Dr. D. ____ festgehalten worden sind. Prof. C.____ schliesst nun aber auf eine höhere Arbeitsfähigkeit als Dr. D.____. 7.3.2 Die Beurteilungen von Prof. C.____ sind aus ver schiedenen Gründen nicht geeignet, erhebliche Zweifel an der Beurteilung von Dr. D.____ zu wecken. In formeller Hinsicht handelt es sich bei seinen Berichten – auch wenn sie nach persönl icher Untersuchung der Klägerin er- stellt worden sind – lediglich um eine Kurzeinschätzung. Dies geht insbesondere dadurch her- vor, dass einerseits die Gespräche relativ kurz dauerten un d Prof. C.____ selbst lediglich eine Kurzanamneseerhebung machte. In materieller Hinsicht ze igt sich, dass er seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht weiter begründete, weshalb sie dem Kriterium der Nachvollziehbarkeit nicht genügt. Weitere Zweifel an der Zuverlässigkeit se iner Stellungnahme weckt seine (irrtüm- liche) Annahme, es werde keine antidepressive Medikation durchgeführt. Eine Blutuntersu- chung, die seine Aussage belegen würde, veranlasste er nicht. Zudem bestätigte Dr. D.____ im Bericht vom 7. November 2014 die Durchführung einer an tidepressiven Medikation. Weiter kann nicht unberücksichtigt gelassen werden, dass Prof. C. ____ seine Arbeitsfähigkeit erst ab September 2014 für gültig erklärte. Damit ist davon auszugehen, dass er für die vorangegange- ne Zeitspanne ebenfalls von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % ausging. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.3 Es zeigt sich somit, dass die Einschätzung von Prof. C.____ nicht restlos zu überzeu- gen vermag, insbesondere unter Berücksichtigung des Umstand s, dass seine Beurteilung nicht gänzlich nachvollziehbar ist und zudem unklar ist, ob er von einem falschen Sachverhalt aus- ging. Damit ist sie nicht geeignet, erhebliche Zweifel am Hauptbeweis zu begründen. Bewiesen werden muss von der Klägerin, dass eine Arbeitsunfähigke it ärztlich festgestellt wird. Diese kann grundsätzlich auch unbegründet daher kommen, denn e ine Begründungspflicht durch den behandelnden Arzt sehen die AVB nicht vor. Dies ist sinnv oll, da es sich bei den Taggeldleis- tungen um kurzfristige Leistungen handelt, deren Zuspre chung nicht von einer umfassenden Begutachtung abhängen kann, wie dies bei der Zusprechun g von IV-Leistungen praxisgemäss gefordert wird. Wenn nun ein anderer Arzt, der nicht umfassender und in Kenntnis weiterer Um- stände den Sachverhalt lediglich anders beurteilt, ohne die von ihm attestierte Arbeitsfähigkeit näher zu begründen, kann dies keine erheblichen Zweifel auslösen. 8.1 Die Parteien beantragen sodann als weitere Beweism assnahme die Einholung eines gerichtlichen Gutachtens. Wie bereits dargelegt, gilt im vorliegenden Prozess die Untersu- chungsmaxime (vgl. Erwägung 2.2 hiervor). Diese verbiete t es dem Gericht nicht, auf die Erhe- bung eines angebotenen Beweismittels zu verzichten, wenn es in antizipierter Beweiswürdigung zum Schluss gelangt, die angebotenen Beweise seien nic ht geeignet oder nicht erheblich oder wenn es aufgrund der bereits abgenommenen Beweise sein e Überzeugung gebildet hat und willkürfrei davon ausgehen darf, diese würde durch weite re Beweiserhebungen nicht geändert (BGE 134 I 140 E. 5. 5.3, 130 III 591 E. 5.4). 8.2 Taggeldleistungen kommen typischerweise zu Beginn ein er Erkrankung zum Tragen, der gesundheitliche Zustand der versicherten Person ist o ft instabil und unterliegt kurzzeitigen Schwankungen. Hier geht es in einer ersten Phase um die unmittelbare Sicherung des Ein- kommens im Krankheitsfall. Die Anforderungen an den Nachweis krankheitsbedingter Arbeits- unfähigkeit sind deshalb für die Begründung des Anspru chs auf Krankentaggelder nicht zuletzt auch aus Gründen der Praktikabilität tiefer als für den Nachweis der Invalidität. Die Arbeitsunfä- higkeitsbescheinigung des behandelnden Arztes genügt gem äss AVB – es sei denn, es be- stünden ernstliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der ärzt lichen Bescheinigung. Erst in einem solchen Fall sind weitergehende ärztliche Abklärungen ang ezeigt. Solange es aber keine Indi- zien gibt, die Zweifel an der Zuverlässigkeit des ärztli chen Attests erwecken, besteht weder im Abklärungsverfahren der Versicherung noch im gerichtlichen Verfahren Grund, eine anspruchs- berechtigte Person gutachterlich abklären zu lassen. Im vorliegenden Fall ist, wie in Erwägung 7.2 hiervor dargelegt, der Hauptbeweis von der Klägeri n erbracht worden. Es ist nicht davon auszugehen, dass weitere Abklärungen mit einer rückwirkenden Einschätzung der Arbeitsfähig- keit, die grundsätzlich bei psychischen Beschwerdebildern sch wierig ist, an dieser Beweislage etwas ändern könnten. Daher wird auf weitere Beweism assnahmen verzichtet. Zu berücksichti- gen gilt, dass die Qualifizierung einer Arbeitsunfähigkeit letztlich immer eine Einschätzung bleibt und keinen naturwissenschaftlich quantifizierbaren Wert d arstellt. Gerade bei psychiatrischen Einschätzungen gibt es eine Bandbreite, welche akzeptiert werden muss. 9. Somit ist zusammenfassend festzustellen, dass gestützt au f die Beurteilungen von Dr. D.____ im vorliegend strittigen Zeitraum eine Arbeit sunfähigkeit von 100 % bestanden hat. Die Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht AVB sehen vor, dass bei einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Monaten auch die Arbeits- fähigkeit in einer anderen Tätigkeit berücksichtigt wird . Aufgrund der Atteste von Dr. D.____ ist davon auszugehen, dass die Arbeitsunfähigkeit in jegliche r Tätigkeit bestand. Etwas anderes wird von der Beklagten weder behauptet noch bewiesen. 10. Zu prüfen bleibt die Höhe der geltend gemachten Forderung der Klägerin. Gemäss Art. 32 AVB gilt als Grundlage für die Bemessung der Taggel der der letzte vor der krankheitsbe- dingten Arbeitsunfähigkeit bezogene AHV-Lohn. Dieser L ohn wird auf ein volles Jahr umge- rechnet und durch 365 Tage geteilt. Der Lohnanspruch der Klägerin belief sich auf Fr. 30‘810.-- (13 x Fr. 2‘370.--). Dieser Betrag geteilt durch 365 Tage ergibt ein Taggeld in der Höhe von ei- nem Tagessatz von Fr. 84.41. Da gemäss den AVB davon lediglich 80 % versichert sind, ist von einem Taggeld von Fr. 67.20 auszugehen. Davon geht in der Zwischenzeit auch die Klägerin aus. Im Endbetrag ergibt sich für die Zeitspanne vom 1. Oktober 2014 bis 31. Dezember 2014 ein Gesamtbetrag von Fr. 6‘211.85 (92 Tage à Fr. 67.20). 11. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beklagte zu ver pflichten ist, der Klägerin Fr. 6‘211.85 zu bezahlen. Die Klage ist gutzuheissen. Gestützt auf Art. 100 VVG in Verbindung mit Art. 104 des Obligationenrechts (OR) vom 30. März 1911 – den AVB sind keine Bestim- mungen über den Verzugszins zu entnehmen – sind auf diese m Betrag auch die ab 15. No- vember 2014 (mittlerer Verfall) von der Klägerin gelt end gemachten Verzugszinsen zu 5 % ge- schuldet, was von der Beklagten unbestritten blieb (F RANZ HASENBÖHLER , in: Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, VVG, Heinrich Honsell/Nedim Peter Vogt/Anton K. Schnyder [Hrsg.], Basel/Genf/München 2001, Art. 20 VVG, N 81). 12.1 Der im vorliegenden Verfahren anwendbare Art. 1 14 lit. e ZPO bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Von der Erhebung von Verfahrenskosten ist deshalb abzusehen. 12.2 Die Klägerin ist mit ihrem Leistungsbegehren durch gedrungen und hat dementspre- chend gemäss Art. 106 Abs. 2 ZPO dem Verfahrensausgang entsprechend Anspruch auf eine Parteientschädigung zulasten der Beklagten. Die Rechtsvertreterin der Klägerin hat in ihrer Ho- norarnote vom 22. September 2015 für das vorliegende Klageverfahren einen Zeitaufwand von 12.92 Stunden ausgewiesen. Hinzu kommt der Aufwand fü r die heutige Parteiverhandlung im Umfang von einer Stunde. Der Aufwand von 13.92 Stund en sowie die in der Honorarnote aus- gewiesenen Auslagen von Fr. 432.80 sind angesichts der si ch stellenden Sach- und Rechtsfra- gen nicht zu beanstanden. Die Beklagte hat der Klägeri n demnach bei einem Stundenansatz von Fr. 250.-- eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4‘225.80 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zuzusprechen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Klage wird gutgeheissen und die Beklagte ve rpflichtet, der Klägerin für die Zeit vom 1. Oktober 2014 bis 31. Dezember 201 4 Taggelder in der Höhe von Fr. 6‘211.85 zu bezahlen. Der geschuld ete Betrag ist ab 15. November 2014 mit 5 % zu verzinsen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beklagte hat der Klägerin eine Parteientschäd igung von Fr. 4‘225.80 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht