<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Fürsorgerische Unterbringung</span> <span class="page_no">67</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Fürsorgerische Unterbringung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>8</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 450 Abs. 1 ZGB; Art. 450f ZGB i.V.m. Art. 328 Abs. 1 lit. c ZPO;</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Art. 449a und 450e Abs. 4 Satz 2 ZGB; § 67q Abs. 3 EG ZGB; Art. 432</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ZGB; Art. 450f ZGB i.V.m. Art. 117 lit. b ZPO</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Abschreibungsentscheide der Erwachsenenschutzbehörde können</b></span><br/> <span class="ft3"><b>mit Ausnahme des Kostenpunkts nicht mit Beschwerde gemäss</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Art. 450 ff. ZGB angefochten werden; für die Geltendmachung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>materieller und prozessualer Mängel einer Rückzugserklärung ist</b></span><br/> <span class="ft3"><b>die Revision primäres und ausschliessliches Rechtsmittel (Erw. 1.1).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Eine amtliche Vertretung im Sinne von Art. 449a und 450e Abs. 4</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Satz 2 ZGB liegt nur vor, wenn die Vertretung von den Behörden an-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>geordnet wird, weil die betroffene Person ausserstande ist, sich selber</b></span><br/> <span class="ft3"><b>um die Bestellung einer Vertretung zu kümmern; das Anwaltsmono-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>pol gilt gemäss § 67q Abs. 3 EG ZGB auch für die amtliche Vertre-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>tung (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die nach Art. 432 ZGB bezeichnete Vertrauensperson hat keinen An-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>spruch auf Entschädigung durch das Gemeinwesen (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Unentgeltliche Rechtspflege: Im Bereich fürsorgerische Unterbrin-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gung sind Beschwerden gegen Unterbringungsentscheide und Entlas-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sungsgesuche nur mit Zurückhaltung als aussichtslos im Sinne von</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Art. 450f ZGB i.V.m. Art. 117 lit. b ZPO zu beurteilen (Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 15. Dezem-</span><br/> <span class="ft6">ber 2014 in Sachen. A.H. gegen das Familiengericht X. (WBE.2014.331).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft10">1.</span><br/> <span class="ft10">1.1.</span><br/> <span class="ft10">Gegen Entscheide der Erwachsenenschutzbehörde kann Be-</span><br/> <span class="ft10">schwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden (Art. 450 Abs. 1</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">68</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">ZGB). Die sachliche und funktionelle Zuständigkeit der Gerichte</span><br/> <span class="ft10">wird durch das kantonale Recht geregelt, soweit das Gesetz nichts</span><br/> <span class="ft10">anderes bestimmt (Art. 4 Abs. 1 ZPO). Nach § 15a EG ZPO ent-</span><br/> <span class="ft10">scheidet das Verwaltungsgericht als einzige kantonale Instanz über</span><br/> <span class="ft10">Beschwerden gemäss § 67q Abs. 1 EG ZGB, namentlich über Be-</span><br/> <span class="ft10">schwerden gegen die Abweisung eines Entlassungsgesuchs (§ 67q</span><br/> <span class="ft10">Abs. 1 lit. d EG ZGB). Entscheidet die Erwachsenenschutzbehörde</span><br/> <span class="ft10">neben dem Entlassungsgesuch über die Gewährung der unentgeltli-</span><br/> <span class="ft10">chen Rechtspflege, folgt der Rechtsweg demjenigen der Hauptsache</span><br/> <span class="ft10">(vgl. V</span><span class="ft6">IKTOR</span> <span class="ft10">R</span><span class="ft6">ÜEGG</span><span class="ft10">, in: Basler Kommentar, 2. Auflage, Basel 2013,</span><br/> <span class="ft10">Art. 121 ZPO N 2, mit Hinweisen). Die Verweigerung der unentgelt-</span><br/> <span class="ft10">lichen Rechtspflege unterliegt daher ebenfalls der Beschwerde ans</span><br/> <span class="ft10">Verwaltungsgericht. Art. 450 Abs. 1 ZGB stellt mit der darin geregel-</span><br/> <span class="ft10">ten Beschwerde ein spezielles "Einheitsrechtsmittel" gegen alle End-</span><br/> <span class="ft10">entscheide und die damit eröffneten Zwischenentscheide sowie ge-</span><br/> <span class="ft10">wisse selbständig anfechtbare Zwischenentscheide der Erwachsenen-</span><br/> <span class="ft10">schutzbehörde zur Verfügung (vgl. D</span><span class="ft6">ANIEL</span> <span class="ft10">S</span><span class="ft6">TECK</span><span class="ft10">, in: Basler Kom-</span><br/> <span class="ft10">mentar, Basel 2012, Art. 450 ZGB N 19 ff.; Botschaft zur Änderung</span><br/> <span class="ft10">des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutzrecht,</span><br/> <span class="ft10">Personenrecht und Kindesrecht] vom 28. Juni 2006, Gesch.-Nr.</span><br/> <span class="ft10">06.063, Bundesblatt [BBl] 2006, S. 7001 ff., S. 7084).</span><br/> <span class="ft10">Kein (End-)Entscheid und damit kein Anfechtungsobjekt im</span><br/> <span class="ft10">Sinne von Art. 450 Abs. 1 ZGB stellt hingegen ein Abschreibungs-</span><br/> <span class="ft10">entscheid dar, der auf Rückzug des Entlassungsgesuchs und des Ge-</span><br/> <span class="ft10">suchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege hin ergeht.</span><br/> <span class="ft10">Dabei handelt es sich um einen rein deklaratorischen Akt, weil be-</span><br/> <span class="ft10">reits der Rückzug als solcher den Prozess unmittelbar beendet. Der</span><br/> <span class="ft10">Abschreibungsentscheid beurkundet den Prozesserledigungsvorgang</span><br/> <span class="ft10">(im Hinblick auf die Vollstreckung), erfolgt aber abgesehen davon</span><br/> <span class="ft10">der guten Ordnung halber, d.h. zum Zwecke der Geschäftskontrolle.</span><br/> <span class="ft10">Gegen den Abschreibungsentscheid als solchen steht somit kein</span><br/> <span class="ft10">Rechtsmittel zur Verfügung, lediglich der darin enthaltene Kosten-</span><br/> <span class="ft10">entscheid ist mit Beschwerde anfechtbar (BGE 139 III 133, Erw. 1.2</span><br/> <span class="ft10">mit zahlreichen Hinweisen auf die [kontroversen] Lehrmeinungen).</span><br/> <span class="ft10">Immerhin kann der Rückzug bzw. die Rückzugserklärung mit Revi-</span><br/> <span class="ft10">sion nach dem gestützt auf Art. 450f ZGB subsidiär anwendbaren</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Fürsorgerische Unterbringung</span> <span class="page_no">69</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">Art. 328 Abs. 1 lit. c ZPO angefochten werden, mit der Begründung,</span><br/> <span class="ft10">der Rückzug (des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft10">Rechtspflege) sei nicht wirksam bzw. ungültig. In Bezug auf mate-</span><br/> <span class="ft10">rielle oder prozessuale Mängel der Rückzugserklärung ist die Revi-</span><br/> <span class="ft10">sion mithin primäres und ausschliessliches Rechtsmittel (BGE 139</span><br/> <span class="ft10">III 133, Erw. 1.3). Die Zuständigkeit für die Beurteilung eines ent-</span><br/> <span class="ft10">sprechenden Revisionsgesuchs liegt allerdings nicht beim Verwal-</span><br/> <span class="ft10">tungsgericht, sondern beim Familiengericht X. als letzte Instanz, die</span><br/> <span class="ft10">in der Sache entschieden hat (Art. 450f ZGB i.V.m. Art. 328 Abs. 1</span><br/> <span class="ft10">ZPO). Dieses kann das Revisionsgesuch abweisen, welcher Ent-</span><br/> <span class="ft10">scheid mit Beschwerde anfechtbar ist (Art. 450f ZGB i.V.m. Art. 332</span><br/> <span class="ft10">ZPO), oder gutheissen, seinen Abschreibungsentscheid (mit Bezug</span><br/> <span class="ft10">auf das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege)</span><br/> <span class="ft10">aufheben und neu entscheiden (Art. 450f ZGB i.V.m. Art. 333 ZPO).</span><br/> <span class="ft10">Der neue Entscheid wiederum könnte mit Beschwerde gemäss</span><br/> <span class="ft10">Art. 450 ff. ZGB beim Verwaltungsgericht angefochten werden.</span><br/> <span class="ft10">(...)</span><br/> <span class="ft10">1.2.-1.5. (...)</span><br/> <span class="ft10">2.</span><br/> <span class="ft10">Zudem könnte auf die vorliegende Beschwerde auch mangels</span><br/> <span class="ft10">gültiger Vertretung der Beschwerdeführerin nicht eingetreten werden.</span><br/> <span class="ft10">Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist gemäss Auskunft der</span><br/> <span class="ft10">Aufsichtskommission über die Anwältinnen und Anwälte des</span><br/> <span class="ft10">Obergerichts des Kantons A. seit (...) nicht mehr im Anwaltsregister</span><br/> <span class="ft10">des Kantons A. eingetragen. Unter diesem Aspekt ist er nicht berech-</span><br/> <span class="ft10">tigt, die Beschwerdeführerin vor Verwaltungsgericht berufsmässig</span><br/> <span class="ft10">(unentgeltlich) zu vertreten (Art. 450f ZGB i.V.m. Art. 68 Abs. 2</span><br/> <span class="ft10">ZPO). Eine Bestellung als amtlicher Vertreter gestützt auf Art. 450e</span><br/> <span class="ft10">Abs. 4 Satz 2 ZGB scheidet schon deshalb aus, weil die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft10">führerin ihren Rechtsvertreter selbständig mandatiert hat. Damit ist</span><br/> <span class="ft10">der Anwendungsbereich von Art. 450e Abs. 4 Satz 2 ZGB nicht</span><br/> <span class="ft10">eröffnet (vgl. S</span><span class="ft6">TECK</span><span class="ft10">, a.a.O., Art. 450e ZGB N 13g). Analog zu</span><br/> <span class="ft10">Art. 449a ZGB für das Verfahren vor der Erwachsenenschutzbehörde</span><br/> <span class="ft10">regelt Art. 450e Abs. 4 Satz 2 ZGB, dass die Beschwerdeinstanz</span><br/> <span class="ft10">wenn nötig die Vertretung der betroffenen Person anordnet und eine</span><br/> <span class="ft10">in fürsorgerischen und rechtlichen Fragen erfahrene Person als Bei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">70</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">ständin oder Beistand bezeichnet. Diese Bestimmungen betreffend</span><br/> <span class="ft10">die amtliche Vertretung sind denjenigen Fällen vorbehalten, in denen</span><br/> <span class="ft10">die betroffene Person ausserstande ist, sich selber um die Bestellung</span><br/> <span class="ft10">eines Rechtsbeistands zu kümmern. Auf entsprechenden Antrag oder</span><br/> <span class="ft10">von Amtes wegen übernimmt die Behörde die Bestellung eines Ver-</span><br/> <span class="ft10">treters an ihrer statt (S</span><span class="ft6">TECK</span><span class="ft10">, a.a.O., Art. 450e ZGB N 13d). Davon</span><br/> <span class="ft10">abgesehen hat der Kanton Aargau Art. 449a und Art. 450e Abs. 4</span><br/> <span class="ft10">Satz 2 ZGB in § 67q Abs. 3 EG ZGB dahingehend konkretisiert, dass</span><br/> <span class="ft10">das für das gerichtliche Verfahren bestehende Anwaltsmonopol auch</span><br/> <span class="ft10">für diese Fälle der Anordnung einer amtlichen Rechtsvertretung gilt,</span><br/> <span class="ft10">was von Bundesrechts wegen zulässig ist (vgl. T</span><span class="ft6">HOMAS</span> <span class="ft10">G</span><span class="ft6">EISER</span><span class="ft10">, in</span><br/> <span class="ft10">G</span><span class="ft6">EISER</span><span class="ft10">/R</span><span class="ft6">EUSSER</span> <span class="ft10">[Hrsg.], Basler Kommentar, Erwachsenenschutz,</span><br/> <span class="ft10">Basel 2012, Art. 450e ZGB N 31; S</span><span class="ft6">TECK</span><span class="ft10">, a.a.O., Art. 450e ZGB</span><br/> <span class="ft10">N 13b). Ob der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin das vorlie-</span><br/> <span class="ft10">gende Verfahren mit Wissen und Willen der Beschwerdeführerin ein-</span><br/> <span class="ft10">geleitet hat bzw. hierzu explizit bevollmächtigt wurde, ist ohnehin</span><br/> <span class="ft10">fraglich.</span><br/> <span class="ft10">Immerhin hat die Beschwerdeführerin im Vorfeld ihres Entlas-</span><br/> <span class="ft10">sungsgesuchs beim Familiengericht X. eine Vollmacht (betreffend</span><br/> <span class="ft10">"Menschenrechte, Entlassung, Zwangsbehandlungsverbot etc.")</span><br/> <span class="ft10">unterzeichnet, wonach sie die "gegenüber der Anstalt auftretende</span><br/> <span class="ft10">Person gemäss obiger Liste", d.h. Rechtsanwalt B., als Person des</span><br/> <span class="ft10">Vertrauens gemäss Art. 432 ZGB beiziehe. Eine Vertrauensperson im</span><br/> <span class="ft10">Sinne von Art. 432 ZGB verfügt über alle Rechte, die nahestehenden</span><br/> <span class="ft10">Personen im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung zustehen,</span><br/> <span class="ft10">insbesondere hat sie das Recht in den Fällen gemäss Art. 439 ZGB</span><br/> <span class="ft10">das Gericht anzurufen und Entscheide der Erwachsenenschutzbe-</span><br/> <span class="ft10">hörde gestützt auf Art. 450 Abs. 2 ZGB anzufechten (O</span><span class="ft6">LIVIER</span><br/> <span class="ft10">G</span><span class="ft6">UILLOD</span><span class="ft10">, FamKomm Erwachsenenschutz, Bern 2013, Art. 432 ZGB</span><br/> <span class="ft10">N 9). Allerdings bestehen aufgrund des zerrütteten Verhältnisses zwi-</span><br/> <span class="ft10">schen der Beschwerdeführerin und ihrem Rechtsvertreter, wie es an</span><br/> <span class="ft10">der Anhörung durch das Familiengericht X. vom (...) zu Tage getre-</span><br/> <span class="ft10">ten ist, erhebliche Zweifel daran, ob Rechtsanwalt B. nach wie vor</span><br/> <span class="ft10">als Vertrauensperson der Beschwerdeführerin bezeichnet werden</span><br/> <span class="ft10">kann. Und selbst wenn dem so wäre, würde es ihm als Vertrauensper-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Fürsorgerische Unterbringung</span> <span class="page_no">71</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">son - gleich wie der Beschwerdeführerin selber - aus den nachfol-</span><br/> <span class="ft10">gend dargelegten Gründen am Anfechtungsinteresse fehlen.</span><br/> <span class="ft10">Dass Rechtsanwalt B. mangels Eintrag im Anwaltsregister (des</span><br/> <span class="ft10">Kantons A.) schon bei der Anhörung durch das Familiengericht X.</span><br/> <span class="ft10">vom (...) nicht mehr als (unentgeltlicher) Rechtsvertreter der Be-</span><br/> <span class="ft10">schwerdeführerin hätte auftreten dürfen, hat zur Konsequenz, dass er</span><br/> <span class="ft10">unter keinem Titel einen Anspruch auf eine Entschädigung für seine</span><br/> <span class="ft10">Bemühungen im dortigen Verfahren hat, und zwar weder gegenüber</span><br/> <span class="ft10">der Staatskasse noch gegenüber der Beschwerdeführerin, für die er</span><br/> <span class="ft10">keine gültigen Prozesshandlungen als (unentgeltlicher) Rechtsvertre-</span><br/> <span class="ft10">ter vornehmen konnte. Die Vertrauensperson ist nicht durch das Ge-</span><br/> <span class="ft10">meinwesen zu entschädigen (vgl. Botschaft zur Änderung des</span><br/> <span class="ft10">Schweizerischen Zivilgesetzbuchs [Erwachsenenschutz, Personen-</span><br/> <span class="ft10">recht und Kindesrecht], BBl 2006 S. 7068; T</span><span class="ft6">HOMAS</span> <span class="ft10">G</span><span class="ft6">EISER</span><span class="ft10">/M</span><span class="ft6">ARIO</span><br/> <span class="ft10">E</span><span class="ft6">TZENSBERGER</span><span class="ft10">, in: G</span><span class="ft6">EISER</span><span class="ft10">/R</span><span class="ft6">EUSSER</span> <span class="ft10">[Hrsg.], a.a.O., Art. 432 ZGB</span><br/> <span class="ft10">N 15). Das wiederum hat zur Folge, dass die Beschwerdeführerin mit</span><br/> <span class="ft10">einer Bewilligung ihres Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft10">Rechtspflege (vermögensmässig) nicht bessergestellt wäre als mit</span><br/> <span class="ft10">dem vorliegend beanstandeten Abschreibungsentscheid, denn Verfah-</span><br/> <span class="ft10">renskosten wurden gestützt auf § 65a Abs. 3 lit. b EG ZGB ohnehin</span><br/> <span class="ft10">nicht erhoben. Bei diesem Lichte betrachtet hat die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft10">führerin kein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung/Abände-</span><br/> <span class="ft10">rung des angefochten Abschreibungsentscheids, weshalb auch auf ein</span><br/> <span class="ft10">allfälliges Revisionsgesuch nicht eingetreten werden müsste.</span><br/> <span class="ft10">3.</span><br/> <span class="ft10">Der Vollständigkeit halber bleibt anzufügen, dass die Vorausset-</span><br/> <span class="ft10">zungen für die Erteilung der unentgeltlichen Rechtspflege und der</span><br/> <span class="ft10">Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters im Falle der Be-</span><br/> <span class="ft10">schwerdeführerin wohl vorgelegen hätten. Das Rechtsbegehren der</span><br/> <span class="ft10">Beschwerdeführerin hätte entgegen der Auffassung der Vorinstanz</span><br/> <span class="ft10">nicht als aussichtslos im Sinne von Art. 117 lit. b ZPO bezeichnet</span><br/> <span class="ft10">werden dürfen, jedenfalls nicht mit der Begründung, die das</span><br/> <span class="ft10">Familiengericht X. im angefochtenen Entscheid angeführt hat. Der</span><br/> <span class="ft10">Hinweis auf Art. 450e Abs. 4 ZGB ist in diesem Zusammenhang</span><br/> <span class="ft10">nicht zielführend. Erstens regelt diese Bestimmung nicht die Voraus-</span><br/> <span class="ft10">setzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, son-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">72</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">dern diejenigen für die Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes</span><br/> <span class="ft10">(für eine Person, die - anders als offenbar die Beschwerdeführerin -</span><br/> <span class="ft10">nicht selbst zur Bestellung eines Rechtsvertreters in der Lage ist).</span><br/> <span class="ft10">Zweitens besteht mit Art. 449a ZGB eine Parallelbestimmung für das</span><br/> <span class="ft10">Verfahren vor den Familiengerichten. Drittens sind bei einem Gesuch</span><br/> <span class="ft10">um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege die Erfolgsaussich-</span><br/> <span class="ft10">ten des Hauptbegehrens, mithin diejenigen des Gesuchs um Entlas-</span><br/> <span class="ft10">sung aus der fürsorgerischen Unterbringung zu beurteilen. Aus</span><br/> <span class="ft10">objektiver Sicht mögen die Verlustgefahren die Gewinnchancen (bei</span><br/> <span class="ft10">weitem) überwogen haben. Doch sind Beschwerden gegen die</span><br/> <span class="ft10">fürsorgerische Unterbringung wie auch Gesuche um Entlassung aus</span><br/> <span class="ft10">der fürsorgerischen Unterbringung nur mit Zurückhaltung als aus-</span><br/> <span class="ft10">sichtslos zu werten, will man den Betroffenen den Rechtsweg bzw.</span><br/> <span class="ft10">einen effektiven Rechtsschutz nicht unzulässig erschweren. Wer -</span><br/> <span class="ft10">wie die Beschwerdeführerin - nach einer fürsorgerischen Unterbrin-</span><br/> <span class="ft10">gung von dreieinhalb Monaten Dauer erstmalig ein Entlassungsge-</span><br/> <span class="ft10">such stellt, nimmt grundsätzlich berechtigte Interessen wahr, auch</span><br/> <span class="ft10">wenn sich die Unterbringung als klar rechtmässig erweisen würde,</span><br/> <span class="ft10">was aber die Betroffenen (aufgrund ihres gesundheitlichen Zustands)</span><br/> <span class="ft10">regelmässig anders sehen. Es muss berücksichtigt werden, dass sie</span><br/> <span class="ft10">sich in einer Zwangslage befinden und ihre Prozessaussichten häufig</span><br/> <span class="ft10">nicht unter streng objektiven Gesichtspunkten abzuwägen vermögen.</span><br/> <span class="ft10">Anders als in anderen Rechtsgebieten muss der Rückzug eines</span><br/> <span class="ft10">Rechtsmittels oder Rechtsbehelfs im Bereich der fürsorgerischen Un-</span><br/> <span class="ft10">terbringung auch nicht zwangsläufig Ausdruck der Anerkennung</span><br/> <span class="ft10">sein, dass ein Rechtsmittel bzw. Rechtsbehelf von Beginn weg chan-</span><br/> <span class="ft10">cenlos oder wenig aussichtsreich war (vgl. dazu das Urteil des</span><br/> <span class="ft10">Bundesgerichts vom 18. August 2014 [2C_292/2014], Erw. 2.4). Es</span><br/> <span class="ft10">kann seit Ergreifung des Rechtsmittels oder Rechtsbehelfs zu einer</span><br/> <span class="ft10">Entwicklung (des Gesundheitszustandes) gekommen sein, welche die</span><br/> <span class="ft10">Betroffenen veranlasst, die fürsorgerische Unterbringung anders</span><br/> <span class="ft10">einzuschätzen. Im Falle der Beschwerdeführerin scheint sich eine für</span><br/> <span class="ft10">sie befriedigende Anschlusslösung ergeben zu haben, die sie zum</span><br/> <span class="ft10">Rückzug ihres Entlassungsgesuchs veranlasst hat.</span><br/> <span class="ft10">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>