Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 23. Juni 2021 (810 21 98) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Regelung des Besuchsrechts / Absehen von Kindesschutzmassnahmen Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Daniel Ivanov , Jgnaz Jermann, Gerichts- schreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Jascha Schneider- Marfels, Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dominique Anwander, Advokatin Betreff Regelung des Besuchsrechts / Absehen von Kindessch utzmassnah- men (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 2. Juli 2020) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. D.____, geboren 2009, und E.____, geboren 2008, sind die gemeinsamen Kinder von C.____ und A.____ (wohnhaft in Deutschland). Die Kin dseltern trennten sich im September 2012 und das Aufenthaltsbestimmungsrecht über die beide n Töchter wurde vorläufig der Kindsmutter übertragen. Am 20. Oktober 2015 unterzeich neten die Kindseltern eine gerichtlich genehmigte Besuchs- und Ferienrechtsvereinbarung für den Kindsvater und die beiden Kinder. Diese Vereinbarung sieht ein Besuchswochenende alle zwei Wochen sowie eine hälftige Schul- ferienaufteilung vor. C.____ heiratete im Dezember 2 016 ihren jetzigen Ehemann, welcher zu dieser Zeit in Brüssel wohnhaft war. Mit einem Umzug sei ner beiden Töchter nach Brüssel war A.____ nicht einverstanden, weshalb das Amtsgericht F.__ __, Familiengericht, mit Beschluss vom 12. April 2017 das Aufenthaltsbestimmungsrecht und di e Sorge für die schulischen Ange- legenheiten für die beiden Kinder auf die Mutter üb ertrug. Darauffolgend zog C.____ mit den beiden Kindern nach Brüssel. B. Nachdem A.____ im November 2018 den Vollzug des am 20. Oktober 2015 vereinbar- ten Besuchs- und Ferienrechts verlangt hatte, beantragt e C.____ im Januar 2019 beim Nieder- ländischen Gericht der ersten Instanz Brüssel, Familienge richt, eine neue Umgangsregelung. Am 28. Mai 2019 hat das niederländische Familiengerich t entschieden, dass aufgrund der kon- fliktbeladenen Situation vorläufig kein Umgang zwischen dem Kindsvater und den beiden Kin- dern erfolgen solle. In einem ersten Schritt sei ein Gutachten zu erstellen, um einschätzen zu können, wie im Interesse der Kinder ein Besuchsrecht aufgebaut werden und stattfinden könne. C. Aus beruflichen Gründen zog C.____ mit ihrem Eheman n und den beiden Kindern per 1. Oktober 2019 nach G.____. Mit E-Mail vom 7. Septem ber 2019 gelangte C.____ an die Kin- des- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) und ersuchte um eine Regelung der per- sönlichen Kontakte zwischen dem Kindsvater und den beiden Kindern. Weiter nahm C.____ Kontakt auf zur Familien-, Paar- und Erziehungsberat ung Basel, um eine gemeinsame Anlauf- stelle für sich und den Kindsvater vorzuschlagen. D. Am 23. Oktober 2019 wurden C.____ und A.____ von der KESB persönlich angehört. E.____ und D.____ wurden am 4. November 2019 ebenfa lls persönlich von der KESB zu den Kontakten zu ihrem Vater angehört. Dabei habe D.____ den Wunsch geäussert, ihren Vater wieder sehen zu wollen. E.____ wolle den Vater hingegen nicht sehen. E. Die KESB erteilte mit Schreiben vom 11. November 20 19 der Sozialberatung G.____ den Auftrag, abzuklären, wie das Kontaktrecht zwischen dem Vater und D.____ aufgebaut und umgesetzt werden könnte. F. Am 13. Januar 2020 fand ein erstes begleitetes Tre ffen zwischen D.____ und ihrem Va- ter in der H.____ statt. Im Anschluss daran wurden die weiteren Besuche in einem Intervall von sechs Wochen geplant. Diese sollten jeweils an einem So nntagnachmittag mit anschliessender Besprechung bei der Familien- und Jugendberatung (FJB) stattfinden. Am 9. Februar 2020 fand ein zweites begleitetes Treffen zwischen D.____ und ihrem Vater statt. Die Eltern haben am 10. Februar 2020 einen ersten Termin bei der FJB wahr genommen. Aufgrund von Corvid-19 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht war für den Vater eine Einreise in die Schweiz nicht mehr möglich, weshalb keine weiteren Be- suche mehr stattfanden. G. Am 29. Mai 2020 wurden beide Kinder von der KESB nochmals zu den Besuchen beim Vater angehört. D.____ habe dabei erklärt, dass sie ih ren Vater vielleicht später wieder einmal sehen wolle. E.____ wolle den Vater nach wie vor nicht sehen. H. Mit Schreiben vom 12. Juni 2020 gewährte die KESB den Kindseltern das rechtliche Gehör zum weiteren Vorgehen. Demnach beabsichtigte die KESB vorerst keine weiteren Besu- che durchzuführen oder anzuordnen. Mit E-Mail vom 24. Ju ni 2020 nahm der Kindsvater Stel- lung und mit Schreiben vom 24. Juni 2020 reichte die Kindsmutter ihre Stellungnahme ein. I. Mit Entscheid vom 2. Juli 2020 sah die KESB von de r Errichtung von Kindesschutz- massnahmen für D.____ und E.____ vorerst ab. Gleichzeiti g wurden die Kindseltern bei ihrer Zusage behaftet, regelmässige Gespräche bei der FJB in A nspruch zu nehmen. Weitere Be- suchstage wurden vorerst nicht festgelegt. Ein erster Eri nnerungskontakt sei im Frühjahr 2021 geplant und werde von der KESB organisiert. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'800.-- wurden je hälftig beiden Elternteilen auferlegt. J. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit Eingabe vom 17. September 2020 Be- schwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht). Er beantragte sinngemäss die Auf hebung des Entscheids vom 2. Juli 2020. K. Am 28. Januar 2021 wurden D.____ und E.____ vom V izepräsidenten des Kantonsge- richts im Gerichtsgebäude angehört. L. Mit Urteil vom 3. Februar 2021 (Verfahren Nr. 810 20 231) stellte das Kantonsgericht in Gutheissung der Beschwerde die Nichtigkeit des Entscheid s der Vorinstanz vom 2. Juli 2020 fest, da dieser Entscheid direkt postalisch ins Ausland zu gestellt worden und somit mangels rechtsgültiger Eröffnung nichtig sei. M. Die KESB stellte dem Beschwerdeführer den Entscheid vom 2. Juli 2020 nochmals zu, worauf dieser, vertreten durch Dr. Jascha Schneider-Marf els, mit Eingabe vom 15. April 2021 beim Kantonsgericht Beschwerde erhob. Er beantragte, es sei der Entscheid der Vorinstanz vom 2. Juli 2020 vollumfänglich aufzuheben und es sei d ie Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Unter o/e-Kostenfolge, wobei d em Beschwerdeführer die unent- geltliche Rechtspflege zu bewilligen sei. N. Die KESB liess sich mit Schreiben vom 7. Mai 2021 ve rnehmen und schloss auf Abwei- sung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht O. Die Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dominique Anwander, Advokatin, liess sich mit Eingabe vom 25. Mai 2021 vernehmen und beantrag te die Abweisung der Beschwerde un- ter o/e-Kostenfolge. P. Mit Verfügung vom 2. Juni 2021 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen und dem Beschwerdeführer für das vorliegende Verfahre n die unentgeltliche Verbeiständung und Prozessführung bewilligt. Es wurde darauf hingew iesen, dass das Urteil schriftlich eröffnet werde und die Akten des Verfahrens 810 20 231 beigezogen würden. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzb uches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 in Verbindung mit Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide der Kindes- schutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Zuständiges Gericht im Sinne dieser Regelung ist nach § 66 Abs. 1 des Gesetzes ü ber die Einführung des Zivilgesetz- buches (EG ZGB) vom 16. November 2006 das Kantonsge richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Das Verfahren richtet sich vorab nach den Art. 450 ff. ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts an wendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwe rde befugt, die am Verfahren be- teiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person n ahestehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich ge- schütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des a ngefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Der Beschwerdeführer ist als direkter Ver fahrensbeteiligter zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da die Beschwerde zudem form- und fristgerecht eingereicht wurde, ist darauf einzu- treten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachv erhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Strittig und zu prüfen ist, ob die KESB zu Recht von der Errichtung von Kindesschutz- massnahmen für D.____ und E.____ abgesehen hat. 4.1 Die KESB begründet ihren Entscheid dahingehend, d ass zwischen den Eltern ein länger andauernder Konflikt bestehe, der sich auf das Wohlbefinden der Kinder im Zusammenhang mit der Ausübung der Besuche beim Vater auswirken würde. B ei E.____ verhalte es sich so, dass sie durch den elterlichen Konflikt gestresst sei und diese n mittels Allianzbildung mit der Mutter bewältige. Somit schaffe sie für sich die nötige Klarhe it, um die inneren Spannungen besser aushalten zu können. Sie erspare sich somit im Vorfeld wie auch danach den Stress und die Angst, welche sie mit den Besuchen verbinde. Bei D.____ habe sich diese Strategie noch nicht durchgesetzt. Sie sei anfangs den Treffen mit dem Vat er offen gegenübergestanden. Was sie letztlich dazu bewogen habe, weitere Besuche abzulehnen, könne nicht abschliessend beant- wortet werden. Im Grundsatz könne festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer in der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Lage sei, sich um die Kinder zu kümmern und ihnen ein altersgerechtes Programm zu bieten, während er die Kinder in seiner Obhut habe. Die Haup tproblematik liege in der Beziehung zwi- schen den Eltern. Die Kinder würden Angst und Loyalitä tskonflikte am meisten belasten. Eine diesbezügliche Veränderung könnten die Eltern nur gem einsam herbeiführen. Seit Beginn des Kindsschutzverfahrens versuche der Beschwerdeführer die KE SB von einer Entfremdung der Kinder durch die Beschwerdegegnerin zu überzeugen. Die Kinder seien jedoch im Verlaufe der letzten acht Jahre nicht vom Elternkonflikt verschont wo rden, weshalb sie einen grossen Teil ihrer bis anhin erlebten Kindheit mit diesem Konflikt in Verbindung bringen würden. Die in der Zwischenzeit erfolgte Persönlichkeitsentwicklung bei den K indern sei zu respektieren und ihre Meinung angemessen zu berücksichtigen. Die Kinder seien in ihrem Alltag nicht belastet. Das Durchsetzen von Besuchen zum jetzigen Zeitpunkt könne nur mi t Widerstand der Kinder erfol- gen und wäre weder mit den Persönlichkeitsrechten der Kinder vereinbar noch helfe es den Eltern, ihre Differenzen zu bereinigen. Auf die Erne nnung einer Kindesvertretung sei verzichtet worden, da die Kinder im Verlauf des Verfahrens mehrm als von der KESB angehört und eng begleitet worden seien. 4.2 Der Beschwerdeführer macht dagegen geltend, dass d ie gegenwärtige Entfremdungssi- tuation sich nicht wie im angefochtenen Entscheid ange nommen, durch widrige Umstände oder bedingt durch das schlechte Kommunikationsverhältnis der Kindseltern eingestellt habe. Viel- mehr sei diese während der vergangenen Jahre bewusst und vorsätzlich von der Beschwerde- gegnerin herbeigeführt worden. Diese habe nach dem U mzug ins Ausland den Kindesumgang verhindert und die Kinder so manipuliert, dass diese nu n keinen Kontakt mehr zum Beschwer- deführer wollen würden. Die KESB habe diese Manipul ation, welche offensichtlich seit Jahren stattfinde, zu wenig untersucht. Aus diesem Grund sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, umfassende Abklärungen durchzuführen. 4.3 Die Beschwerdegegnerin bringt vor, dass sich der Be schwerdeführer bisher unkoopera- tiv gezeigt und sich geweigert habe, an einer konstruktive n Lösung zum Wohl der Kinder mit- zuwirken. Der Beschwerdeführer habe sich zudem entgegen seiner Zusicherung seit Juli 2020 nicht bei der FJB gemeldet. Beide Kinder hätten anlä sslich ihrer Anhörungen klar geäussert, dass sie den Beschwerdeführer zumindest zur Zeit nicht sehen wollen würden. Die Meinung der Kinder sei zwingend zu berücksichtigen. 5.1 Eltern, denen die elterliche Sorge oder Obhut ni cht zusteht, und das unmündige Kind haben gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr (Art. 273 Abs. 1 ZGB). Dieses Recht steht dem Betroffenen um seiner Persönlich keit willen zu (vgl. BGE 136 III 353 E. 3.4; 123 III 445 E. 3b). Als sog. "Pflichtrecht" dient es freilich in erster Linie dem Interesse des Kindes. Bei der Festsetzung des Besuchsrechts geht es nicht darum, einen gerechten Inte- ressenausgleich zwischen den Eltern zu finden, sondern de n elterlichen Kontakt mit dem Kind in dessen Interesse zu regeln (vgl. BGE 120 II 229 E. 3 b/aa). Als oberste Richtschnur für die Ausgestaltung des Besuchsrechts gilt somit immer das Kindeswohl, das anhand der gegebenen Umstände zu beurteilen ist. Allfällige Interessen der Eltern haben zurückzustehen (vgl. BGE 123 III 445 E. 3b; Urteile des Bundesgerichts 5A_200/20 15 vom 22. September 2015 E. 7.2.3; 5A_719/2013 vom 17. Oktober 2014 E. 4.2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Der Vater und die Mutter haben alles zu unterlasse n, was das Verhältnis des Kindes zum anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Aufga be der erziehenden Person erschwert (Art. 274 Abs. 1 ZGB). Wird das Wohl des Kindes durch d en persönlichen Verkehr gefährdet, üben die Eltern ihn pflichtwidrig aus, haben sie sich n icht ernsthaft um das Kind gekümmert oder liegen andere wichtige Gründe vor, so kann ihne n das Recht auf persönlichen Verkehr verweigert oder entzogen werden (Art. 274 Abs. 2 ZGB). Eine Gefährdung des Wohls des Kin- des im genannten Sinn liegt dann vor, wenn dessen ung estörte körperliche, seelische oder sitt- liche Entfaltung durch ein auch nur begrenztes Zusammense in mit dem nicht obhutsberechtig- ten Elternteil bedroht ist. Bei der Beschränkung des p ersönlichen Verkehrs ist stets das Gebot der Verhältnismässigkeit zu beachten. So darf er in der Regel nicht allein wegen elterlichen Konflikten dauerhaft eingeschränkt werden, jedenfalls soweit das Verhältnis zwischen dem be- suchsberechtigten Elternteil und dem Kind gut ist. Der gänzliche Ausschluss eines Elternteils vom persönlichen Verkehr kommt schliesslich nur als ultima r atio in Frage; er ist einzig dann statthaft, wenn sich die nachteiligen Auswirkungen eines Besuchsrechts nicht anderweitig in für das Kind vertretbaren Grenzen halten lassen (vgl. Urte il des Bundesgerichts 5A_367/2015 vom 12. August 2015 E. 5.1.2). 5.3 Von grosser Bedeutung für die Regelung des Besuchsre chts ist der Wille des Kindes. Bei der Berücksichtigung des Willens des Kindes ist zunäch st dessen Alter bzw. dessen Fähig- keit zu autonomer Willensbildung, welche ungefähr ab dem 12. Altersjahr anzunehmen ist, so- dann aber auch das Aussageverhalten und namentlich die Konstanz des geäusserten Willens zentral (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_367/2015 vom 12. August 2014 E. 5.1.3). Zur Ermitt- lung des Kindeswillens ist das Kind anzuhören (Art. 314a ZGB). Der Kindswille ist nicht nur bei der Ausgestaltung des Besuchsrechts im Einzelnen zu berücksichtigen, sondern vor allem auch bei der Frage, ob überhaupt Besuche stattfinden sollen (vgl. INGEBORG SCHWENZER /MICHELLE COTTIER , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivi lgesetzbuch I, Art. 1 - 456, 6. Auflage, Basel 2018, N 11 zu Art. 273). 6. Unbestritten ist, dass das Verhältnis zwischen den Eltern seit der Trennung im Septem- ber 2012 insgesamt sehr konfliktbehaftet ist. In den vorliegenden Akten sind jedoch Bemühun- gen der Beschwerdegegnerin dokumentiert, mit welchen sie versucht, mit behördlicher Unter- stützung ein Besuchs- und Kontaktrecht zwischen den beide n Töchtern und dem Beschwerde- führer anzustreben. So hat die Beschwerdegegnerin nach der Trennung im Rahmen des Um- gangsverfahrens am Amtsgericht F.____ um eine Elternb eratung gebeten, die damalige Um- gangsvereinbarung unterzeichnet und die Besuche zwischen dem Beschwerdeführer und den beiden Töchtern haben einigermassen regelmässig stattgef unden (vgl. Urteil des Amtsgerichts F.____, Familiengericht, Beschluss vom 12. April 2017) . Im Januar 2019 beantragte die Be- schwerdegegnerin beim Niederländischen Gericht der ersten Instanz Brüssel, Familiengericht, eine neue Umgangsregelung (vgl. Entscheid des Niederlä ndischen Gericht der ersten Instanz Brüssel, Familiengericht, vom 28. Mai 2019). Nach dem Umzug in die Schweiz meldete sich die Beschwerdegegnerin im September 2019 bei der KESB, u m ein Besuchsrecht des Beschwer- deführers mit den Kindern wiederaufzubauen, wovon die KESB mit vorliegendem Entscheid jedoch absah. Die Beschwerdegegnerin ist in dieser Hin sicht ernstlich bemüht, und es lassen sich keine Hinweise dafür finden, dass sie mit allen Mitte ln versuchen würde, die Mädchen vom Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer fernzuhalten, wie dieser behauptet. Der Beschwerdeführer bringt zudem kei- ne Belege vor, welche seine Sicht bestätigen und auf ein konkretes Fehlverhalten der Be- schwerdegegnerin hinweisen. Dessen ungeachtet lässt sich n icht erkennen, dass sich der Be- schwerdeführer aus eigenem Antrieb um ein realistisches Be suchsrecht bemüht oder die fest- gefahrene Situation durch konstruktive Vorschläge zu lösen versucht hätte. Vielmehr zeigt sich aus den Akten, dass er nach wie vor die Schuld für den Kontaktabbruch allein bei der Be- schwerdegegnerin sucht und weder sein eigenes Verhalten reflektiert, noch auf die Wünsche der Kinder eingeht (vgl. E-Mails des Beschwerdeführers an die KESB vom 16. September 2019, vom 3. Dezember 2019, vom 10. Februar 2020, vom 8. Apr il 2020, 12. Mai 2020 und vom 24. Juni 2020; Protokoll der WhatsApp-Besprechung zwische n der KESB und den Kindseltern vom 30. März 2020). Im Umgangsverfahren vor dem Amtsgeri cht F.____ hat der Beschwerde- führer zudem die vom Gericht dringend empfohlene Erzie hungsberatung abgelehnt (vgl. Urteil des Amtsgerichts F.____, Familiengericht, Beschluss vom 12. A pril 2017) und auf eine Anpas- sung der Umgangsvereinbarung nach dem Umzug der Beschwerd egegnerin zur Sicherung re- gelmässiger Besuchskontakte verzichtet (Protokoll der Sitz ung des Amtsgerichts F.____ vom 28. März 2017). Der Ansicht des Beschwerdeführers, die B eschwerdegegnerin würde ihm die Töchter seit Jahren vorenthalten, kann somit nicht gefolgt werden. 7.1 Die beiden Mädchen wurden von der KESB zur Frag e des Besuchsrechts im November 2019 und im Mai 2020 angehört. D.____ hat anfangs ve rsuchen wollen, ihren Vater zu treffen. E.____ wollte den Beschwerdeführer nicht sehen, da sie Angst vor ihm habe (vgl. Anhörungs- protokoll vom 4. November 2019). In der Folge kam es im Januar 2020 zu einem ersten und am 9. Februar 2020 zu einem zweiten Treffen zwischen dem B eschwerdeführer und D.____. Beide Besuche wurden durch Fachpersonen begleitet. Im Anschl uss an die Besuche hat D.____ ge- äussert, dass sie das Treffen nicht toll gefunden habe und sie den Vater nicht mehr gleich wie- der treffen wolle. Der Beschwerdeführer habe ihr gesagt, dass sie von der Beschwerdegegnerin beeinflusst werde. D.____ habe Angst, dass der Beschwerd eführer ihr die Mutter wegnehmen und sie und E.____ nach Deutschland holen wolle. Zudem traue sich D.____ nicht, dem Be- schwerdeführer eine ehrliche Rückmeldung zu geben, da sie Angst habe, dass er laut werden könnte (vgl. Rückmeldung zum Gespräch zwischen D.____ und der Sozialarbeiterin vom 20. Februar 2020). D.____ wünsche sich, dass der Beschwerd eführer nicht mehr schlecht über die Beschwerdegegnerin sprechen würde (vgl. Rückmeldung zum Gespräch zwischen D.____ und der Sozialarbeiterin vom 20. Februar 2020). E.___ _ wolle den Vater nach wie vor nicht se- hen, da dieser schlecht über die Beschwerdegegnerin ger edet und sie Angst vor ihm habe (vgl. Rückmeldung zum Gespräch zwischen D.____ und der S ozialarbeiterin vom 20. Febru- ar 2020, Anhörungsprotokoll vom 29. Mai 2020). Anlässl ich ihrer Anhörung im kantonsgerichtli- chen Verfahren gaben beide Töchter an, keine Besuchskonta kte zum Beschwerdeführer zu wünschen. D.____ führt dabei aus, sie habe sich beim Be schwerdeführer unwohl und nicht si- cher gefühlt. Beide Mädchen äussern, dass sie früher vor d em Beschwerdeführer Angst gehabt hätten, wenn dieser wütend geworden sei. Zudem habe der Beschwerdeführer immer schlecht über die Beschwerdegegnerin gesprochen. D.____ wolle de n Beschwerdeführer erst wiederse- hen, wenn sie dazu bereit sei. E.____ habe den Beschwerdeführer nie sehen wollen, sei aber in Deutschland trotzdem zu den Besuchen gegangen. Sie wolle den Beschwerdeführer nicht mehr sehen. Er sei unhöflich, gemein, schreie viel und denke immer nur an sich. E.____ habe dem Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer früher ihre Meinung gesagt, weshalb dieser zu ihr gemeiner gewesen sei als zu D.____, die sich das nicht getraut hätte. E.____ wünsch e sich, dass der Beschwerdeführer akzeptiere, dass sie ihn nicht sehen wolle. Beide Mädchen könnten sich nichts vorstellen, was ihre Meinung bezüglich der Kontakte mit dem Vater än dern könnte (vgl. Protokoll der Anhörung vom 28. Januar 2021). 7.2 Nach den unbestritten gebliebenen Feststellungen d er Vorinstanz sind die beiden Mäd- chen urteilsfähig und in der Lage, ihre eigene Meinung klar zu äussern. Aus den verschiedenen Anhörungen der beiden Mädchen ergibt sich deutlich, dass diese den Kontakt zum Beschwer- deführer ablehnen. Der Wunsch der beiden beruht schwe rgewichtig auf eigenen Erfahrungen, welche sie gegenüber dem Gericht, der KESB sowie der So zialarbeiterin in gleicher Weise wie- derholt haben. Dabei schilderten sie, dass sie in gewiss en Situationen Angst vor dem Be- schwerdeführer gehabt hätten, er in der Vergangenheit nicht immer auf ihre Bedürfnisse einge- gangen sei und schlecht über die Beschwerdegegnerin gesp rochen habe. Entgegen der An- nahme des Beschwerdeführers geben D.____ und E.____ daher nicht einfach nur die Sicht und Werturteile der Beschwerdegegnerin wieder, sondern beziehen sich auf eigene Erlebnisse, was für die Ernsthaftigkeit ihres Willens spricht (vgl. E. 5 .3 hiervor). Zudem unterstreicht der anfäng- liche Wunsch von D.____, den Beschwerdeführer sehen zu w ollen, um herauszufinden, wie sich ein Treffen nach so langer Zeit für sie anfühlt, d ie Authentizität ihres eigenen Willens und spricht gegen eine Manipulation durch die Beschwerdegegnerin. 7.3 Wie die KESB richtig dargestellt hat, entsteht ein e Haltung oder Meinung nie ohne Be- zug zur sozialen Umwelt und zu emotionalen Erfahrungen. Der bei den Kindern unbestritten vorhandene Loyalitätskonflikt wurde durch beide Elternte ile verursacht, indem diese ihre Prob- leme und ihre eigenen Enttäuschungen zum Wohl der Kinder nicht haben von diesen fernhalten können. Die Kinder haben in all den Jahren seit der Trennung der Eltern mitbekommen, dass es im Zusammenhang mit den Besuchen immer zu Konflikten und Unstimmigkeiten zwischen den Eltern gekommen ist, was die Kinder zweifelsohne in ihr er Willensbildung beeinflusst hat (vgl. GISELA KILDE , Der persönliche Verkehr: Eltern-Kind-Dritte, Zürich 2 015, N 139 f.). Der so gebildete Wille der beiden urteilsfähigen Mädchen ist jedoch als Teil ihrer Persönlichkeit zu res- pektieren und zu berücksichtigen (vgl. K ILDE , a.a.O., N 140; Urteile des Bundesgerichts 5A_111/2019 vom 9. Juli 2019 E. 2.3; 5A_875/2017 vom 6. November 2018 E. 3.3, in: FamP- ra.ch 2019 S. 255). Dem Beschwerdeführer ist insofern zuzustimmen, dass keine direkte Ge- fährdung des Wohls der Kinder durch Begegnungen mit ihm vorliegt. Die Anordnung eines Be- suchsrechts mit Blick auf die deutlichen und konstanten Auss agen der beiden urteilsfähigen Mädchen käme jedoch einer gegen ihren Willen zwangsweise n Durchsetzung gleich, was dem Kindeswohl klar widerspricht (vgl. Urteil des Kantonsge richts, Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht [KGE VV], vom 4. Dezember 2019 [810 19 203] E. 4.4; KGE VV vom 20. Februar 2019 [810 18 222] E. 4.3.2; Urteile des Bundesgerichts 5A_111/2019 vom 9. Juli 2019 E. 2.3; 5A_875/2017 vom 6. November 2018 E. 3.3, in: FamPra .ch 2019 S. 255; 5A_463/2017 vom 10. Juli 2018 E. 4.5.5, nicht publ. in: BGE 144 III 4 42, aber in: FamPra.ch 2018 S. 1150; 5A_926/2014 vom 28. August 2015 E. 4; 5A_459/2015 vom 13. August 2015 E. 6.2.2, in: SJ 2016 I S. 136 f.). Vor dem Hintergrund, dass ein Besuchsrecht in erster Linie dem Interesse des Kindes dienen soll (vgl. E. 5.1 hiervor) ist der Wunsch der beiden Mädchen unter den gegebe- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen Umständen zu berücksichtigen und auf ein gegen dere n Willen behördlich angeordnetes Besuchsrecht zu verzichten. 8. Um ein gelingendes Besuchsrecht aufgleisen zu können , ist es unerlässlich, dass die Eltern zuverlässig kommunizieren und ihren Töchtern dad urch Sicherheit geben können. Aus den Akten zeigt sich, dass die Eltern grundsätzlich bereit sind, an ihren Kommunikationsschwie- rigkeiten zu arbeiten, weshalb sie bei dieser Bereitschaft zu behaften sind. Die im angefochte- nen Entscheid vorgesehene Elternberatung zum Aufbau e iner funktionierenden Kommunikation ist dringend in Anspruch zu nehmen. Eine Kommunikation ausschliesslich über Drittpersonen würde, insbesondere mit Blick auf die grosse räumliche D istanz, unweigerlich zu Missverständ- nissen und nicht zu einer Entlastung der Situation füh ren. Eine Begutachtung der Mädchen ist entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers vorliegend nich t zielführend, zumal eine solche nicht zur Verbesserung der elterlichen Kommunikationsbe reitschaft beitragen kann, die Be- schwerdegegnerin Kontakte zwischen dem Beschwerdeführer u nd den Mädchen nicht verhin- dern würde und die Ansichten der Mädchen klar zum Ausdru ck gekommen sind. Aufgrund der Bereitschaft der Beschwerdegegnerin, Besuche zwischen dem Beschwerdeführer und den bei- den Töchtern zu ermöglichen, und der bislang getroffenen Massnahmen (zwei Besuchskontakte mit Vor- und Nachbesprechung mit D.____ sowie mit den Eltern, wiederholte Anhörungen der beiden Mädchen und der Eltern sowie die Aufgleisung ei ner Elternberatung) sowie der Tatsa- che, dass die Mädchen im Urteilszeitpunkt 12 und 13 Jahr e alt sind, mit ihrem Vater seit 2017 keinen Kontakt mehr hatten und diesen ablehnen, die E ltern Bereitschaft zeigen, ihre beste- henden Kommunikationsprobleme anzugehen und ein Erin nerungskontakt vorgesehen ist, ist der derzeitige Verzicht auf Kindesschutzmassnahmen verhältnismässig. 9. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist erstellt , dass die KESB zu Recht auf Kin- desschutzmassnahmen verzichtet hat. Die Beschwerde ist demzufolge vollumfänglich abzuwei- sen. 10.1 Gemäss § 20 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- sind dem Ausgang des Verfahrens entsprechend dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und gehen zufolge Be willigung der unentgeltlichen Pro- zessführung zulasten der Gerichtskasse. 10.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann nach § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Part eientschädigung zu Lasten der Ge- genpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens ist der anwaltlich vertretenen Beschwerdegegnerin als obsiegender Partei a ntragsgemäss eine Parteientschädi- gung auszurichten. Der von der Rechtsvertreterin der B eschwerdegegnerin in der Honorarnote vom 16. Juni 2021 geltend gemachte Aufwand von 6.25 S tunden à Fr. 250.-- ist nicht zu bean- standen. Der Beschwerdeführer hat der Beschwerdegegneri n für das vorliegende Verfahren Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht demzufolge eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr . 1'682.80 (inkl. 7.7% MWST) zu be- zahlen. 10.3 Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeis tändung ist dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar aus der Gerichtskasse auszuric hten. In seiner Honorarnote vom 16. Juni 2021 macht der Rechtsvertreter einen Aufw and von gesamthaft 11.54 Stunden à Fr. 200.-- sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 6.30 gel tend. Dabei wird ein zeitlicher Aufwand von 1.33 Stunden aufgeführt, welcher das Verfahren Nr . 810 20 231 betrifft und in diesem Zu- sammenhang bereits entschädigt wurde. Die Honorarnote ist folglich in diesem Punkt zu redu- zieren. Im Übrigen erweist sich die Honorarnote als ang emessen. Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist somit ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'206.-- (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) aus der Gerichtskasse auszurichten. 10.4 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich darauf hinge wiesen, dass er zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt und gehen zufolge Bewilligung der unentgeltli- chen Prozessführung zulasten der Gerichtskasse. 3. Der Beschwerdeführer hat der Beschwerdegegnerin ei ne Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 1'682.80 (inkl. 7.7 % MWST) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2'206.-- (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) aus der G erichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin