<h2>SubmittedText<h2><p>Deutschland und der Freistaat Bayern übernehmen hohe Kosten bei der Aufarbeitung des Gurlitt-Erbes. Keinen Beitrag indes leistet der Bund. Zwar trifft zu, dass er juristisch zu nichts verpflichtet ist. Die Schweiz hat aber immer wieder eine zweifelhafte Rolle als Drehscheibe für Raubgold und Raubkunst gespielt.</p><p>Ist der Bundesrat nicht auch der Ansicht, dass der Bund eine moralische Verpflichtung hat, sich finanziell und personell an der Aufarbeitung des Gurlitt-Erbes zu beteiligen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Im Bereich Raubkunst nimmt der Bund seine Verantwortung wahr. Er hat dazu 1998 die Richtlinien der Washingtoner Konferenz mitverabschiedet, die Anlaufstelle Raubkunst beim Bundesamt für Kultur eingerichtet und fundierte Berichte und Publikationen veranlasst. Die Provenienzen der Bestände der Museen und Sammlungen des Bundes sind aufgearbeitet, und der entsprechende Bericht ist publiziert.</p><p>Als Beispiel und konkreten Ausdruck der moralischen Verpflichtung des Bundesrates zur Unterstützung der Provenienzforschungsarbeiten hat die Anlaufstelle Raubkunst 2013 in Zusammenarbeit mit dem Historischen Dienst des EDA, der Konferenz der kantonalen Kulturbeauftragten und den Schweizer Museumsverbänden ein zentrales Internetportal zur NS-Raubkunst eingerichtet. Auf dem Internetportal werden auch die Resultate der Provenienzforschung von Museen und Sammlungen Dritter zugänglich gemacht.</p><p>Provenienzforschung muss aber von den jeweils zuständigen Museen und Sammlungen Dritter selber geleistet werden. Der Bund steht insbesondere über die Anlaufstelle Raubkunst in fachlicher Hinsicht allen Museen und Sammlungen Dritter zur Verfügung. Entsprechend hat der Bund auch das Kunstmuseum Bern in den letzten Monaten anlässlich der Begleitung der Gespräche betreffend den Nachlass Gurlitt unterstützt.</p><p>Auch wenn der Nachlass Gurlitt aussergewöhnlich und einzigartig ist, ist es nicht Sache des Bundes, die Provenienzforschung in einem Einzelfall zu finanzieren. Vielmehr sind die öffentlichen und privaten Eigentümer von Kulturgütern angehalten, ihre Provenienzforschung zu intensivieren.</p><p>Schliesslich gilt es, darauf hinzuweisen, dass die Arbeiten des Bundes zur Umsetzung der Washingtoner Richtlinien von der Jewish Claims Conference in einem internationalen Vergleich vom 14. September 2014 als positiv eingeschätzt werden.</p>