Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. September 2019 (710 18 294 / 241) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Beiträge; unselbständige Erwerbstätigkeit Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ AG , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Jascha Schnei- der-Marfels, Advokat, BALEX AG, Obertorplatz 4, Postfach 9, 4310 Rheinfelden gegen Ausgleichskasse Wirtschaftskammer 114 , Viaduktstrasse 42, Postfach, 4002 Basel, Beschwerdegegnerin Beigeladener B.____ Betreff Beiträge Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Im Rahmen einer Arbeitgeberkontrolle bei der B._ ___AG in X.____ stellte die Revisions- stelle der Ausgleichskasse Wirtschaftskammer 114 (Ausgleich skasse) fest, dass in den Jahren 2013 bis 2017 regelmässige Zahlungen an B.____ für Ar beitsleistungen getätigt worden waren. Diese Zahlungen qualifizierte die Ausgleichskasse als Entg elt aus unselbständiger Erwerbstä- tigkeit. Mit Verfügung vom 11. April 2018 forderte si e von der A.____AG eine Nachzahlung von Fr. 57'147.65 für AHV/IV/EO/ALV-Beiträge der Jahre 2013 bis 2017 sowie Verwaltungskosten und Verzugszinsen. Die dagegen erhobene Einsprache wies die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 2. August 2018 ab. B. Dagegen erhob die A.____AG, vertreten durch Advoka t Dr. Jascha Schneider-Marfels, am 14. September 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, A bteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der B eschwerde sei der Einspracheentscheid vom 2. August 2018 aufzuheben; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht bean- tragte sie den Beizug der Verfahrensakten und die Bef ragung von B.____. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass B.____ ihr gegenüb er stets als Selbständigerwerbender aufgetreten sei. Ein Arbeitsverhältnis bestehe nicht. C. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Oktober 2018 schloss di e Ausgleichskasse auf Abwei- sung der Beschwerde. D. Am 26. Oktober 2018 wurde B.____ zum Verfahren bei geladen. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2018 erhielt er Gelegenheit, sich zum B eschwerdeverfahren zu äussern, wovon er am 18. Februar 2019 Gebrauch machte. E. Am 2. April 2019 forderte das Kantonsgericht B.____ auf, mitzuteilen, ob er in der Zeit vom 1. Januar 2013 bis 31. Juli 2017 als Selbständigerw erbender bei einer Ausgleichskasse angeschlossen gewesen sei. Da er sich dazu nicht verlaute n liess und zudem in Bezug auf sei- ne Stellung Informationsbedarf bestand, ordnete die i nstruierende Präsidentin des Kantonsge- richts, Abteilung Sozialversicherungsrecht, eine Parteiverhandlung an. F. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung wurde der Beigeladene zum Sachverhalt be- fragt. Im Übrigen hielten die Parteien an ihren Anträgen und Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über das Allgemeine Sozialversiche- rungsrecht (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dessen Bestimmun gen laut Art. 2 ATSG in Verbin- dung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alt ers- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 auf die Alters- und Hin terlassenenversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Ausgleichskassen beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Örtlich zuständig ist, soweit es sich nicht um einen Einspracheentscheid einer kantonalen Ausgleich skasse handelt, nach Art. 58 ATSG grundsätzlich das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, i n dem die versicherte Person zur Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. In Fr agen der Beitragspflicht sind jedoch Arbeitnehmende und Arbeitgeber gleichermassen zur Beschwerde legitimiert. Bei beitragsrecht- lichen Streitigkeiten im Bereich der paritätischen AHV -Beiträge fällt deshalb rechtsprechungs- gemäss bei der Beurteilung der örtlichen Zuständigkei t nicht nur der Wohnsitzgerichtsstand, sondern auch der Sitz der Arbeitgeberin in Betracht (v gl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Auflage 2015, N. 21 f. zu Art. 58). Vorliegend be findet sich der Sitz der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Im Kanton Basel-Landschaft beurteilt gemäss § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 das Kantonsgericht, Abteilung Sozi alversicherungsrecht, als einzige gerichtliche Instanz Beschwerden gegen Verfügungen einer Ausgleichskasse. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 14. September 2018 ist einzutreten. 1.2 Erlässt eine Ausgleichskasse auf dem Gebiet der parit ätischen Beiträge eine Verfügung, so stellt sie eine Beitragsschuld sowohl des Arbeitsgeber s als auch des Arbeitnehmers fest (Art. 4 und 5 sowie Art. 12 und 13 AHVG). Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind in gleicher Weise betroffen, weshalb die Verfügung im Hinblick auf die W ahrung des rechtlichen Gehörs grund- sätzlich beiden zu eröffnen ist. Nach der Rechtsprechung d es Bundesgerichts gilt dieser Grundsatz nicht nur, wenn das Beitragsstatut oder die Na tur einzelner Zahlungen streitig ist, sondern auch bei nachträglichen Lohnerfassungen, wenn umst ritten ist, ob bestimmte Vergü- tungen zum massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG gehören (BGE 113 V 4 E. 3a; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG ; heute: Bundesgericht] vom 4. Juni 2002, H 50/02, E. 2a). Hat die Ausgleichskasse die Beitragsverfügung nur dem Arbeit- geber eröffnet und hat dieser Beschwerde erhoben, so hat das kantonale Versicherungsgericht entweder den Arbeitnehmer beizuladen oder die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen, damit diese durch Zustellung der Beitragsverfügung an d en oder die betroffenen Arbeitnehmer deren Verfahrensrechte wahrt (BGE 113 V 5 E. 4a). An hand der dem Gericht vorliegenden Ak- ten ist davon auszugehen, dass die Ausgleichskasse die Beitr agsverfügung vom 11. April 2018 einzig der Beschwerdeführerin zustellte und von einer zusätzlichen Eröffnung an B.____ absah. In der Folge lud das Kantonsgericht diesen mit Verfüg ung vom 26. Oktober 2018 zum Verfah- ren bei. An der heutigen Parteiverhandlung nahm der Beigeladene von seinem Recht Ge- brauch, sich zur vorliegenden Sache zu äussern. 2.1 Die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht Erwer bstätiger richtet sich unter ande- rem danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte Erwerbseinkommen als solches aus selbständiger oder unselbständiger Erwerbstätigkeit zu qualifizieren ist (Art. 5 und 9 AHVG so- wie Art. 6 ff. der Verordnung über die Alters- und H interlassenenversicherung [AHVV] vom 31. Oktober 1947). Gemäss Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt als massgebender Lohn jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmt e Zeit geleistete Arbeit. Als Einkom- men aus selbständiger Erwerbstätigkeit gilt nach Art. 9 Abs. 1 AHVG jedes Einkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Die Frage, ob im Einzelfall eine selbständige ode r unselbständige Erwerbstätigkeit vor- liegt, beurteilt sich nach der Rechtsprechung des Bund esgerichts nicht aufgrund der Rechtsna- tur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entsche idend sind vielmehr die wirt- schaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältn isse vermögen dabei allenfalls gewis- se Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Ar- beitgeber in betriebswirtschaftlicher beziehungsweise arbe itsorganisatorischer Hinsicht abhän- gig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt. Aus d iesen Grundsätzen alleine lassen sich aber noch keine einheitlichen, schematisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalt e zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils unter W ürdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei oftmals die Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 123 V 161 E. 1). Den Elementen Unternehmerrisiko und Abhängigkeitsverhältnis sowie ihren einzelnen Ausprägungen kann je nach Art der zu beurteilenden Umstände unterschiedli- ches Gewicht zukommen (Rz. 1017 WML). So hat das Eidgen össische Versicherungsgericht (EVG, heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen ) festgestellt, dass gewisse Tätigkei- ten ihrer Natur nach nicht notwendigerweise bedeuten de Investitionen erfordern. Dies könne etwa im Bereich der Dienstleistungen gelten. Der arbe itsorganisatorischen Abhängigkeit sei in solchen Fällen gegenüber einem Investitionsrisiko erhöht es Gewicht beizumessen (Urteil des EVG vom 14. August 2000, H 30/99, E. 6b mit Hinweisen). 2.3 Selbständige Erwerbstätigkeit liegt normalerweis e dann vor, wenn die beitragspflichtige Person durch Einsatz von Arbeit und Kapital in frei be stimmter Selbstorganisation und nach aussen sichtbar am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt mi t dem Ziel, Dienstleistungen zu erbrin- gen oder Produkte zu schaffen, deren Inanspruchnahme od er Erwerb durch finanzielle oder geldwerte Leistungen abgegolten wird (BGE 115 V 170 E. 9a). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind das Tätigen bedeutender Investitionen, die Benützung eigener Geschäfts- räumlichkeiten sowie die Beschäftigung von Personal cha rakteristische Merkmale einer selb- ständigen Erwerbstätigkeit. Das spezifische Unternehmerrisiko besteht dabei darin, dass unab- hängig vom Arbeitserfolg Kosten anfallen, die die versi cherte Person selber zu tragen hat. Wei- tere Merkmale sind das Einstehen müssen für Verluste, da s Handeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung sowie das Beschaffen von Aufträgen (Rz. 1014 WML; vgl. auch P ETER FORSTER , AHV Beitragsrecht: Materiell- und verfahrensrechtliche Grundlagen; Abgrenzung zwi- schen selbständig und unselbständig erwerbstätigen Person en, Zürich/Basel/Genf 2007, S. 85 Rz. 65 mit Hinweisen). Für die Annahme selbständiger Erwerbstätigkeit spricht sodann die gleichzeitige Tätigkeit für mehrere Gesellschaften in e igenem Namen, ohne indessen von die- sen abhängig zu sein. Massgebend ist dabei nicht die rechtliche Möglichkeit, Arbeiten von meh- reren Auftraggebern anzunehmen, sondern die tatsächliche Auftragslage (BGE 122 V 172 E. 3c mit Hinweisen). 2.4 Von unselbständiger Erwerbstätigkeit ist auszugehe n, wenn die für den Arbeitsvertrag typischen Merkmale vorliegen, d.h. wenn die versicherte Pe rson Dienst auf Zeit zu leisten hat, wirtschaftlich vom „Arbeitgeber“ abhängig und während der Arbeitszeit auch in dessen Betrieb Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht eingeordnet ist. Indizien dafür sind das Vorliegen ein es bestimmten Arbeitsplans, die Notwen- digkeit, über den Stand der Arbeiten Bericht zu erstatt en, sowie das Angewiesensein auf die Infrastruktur am Arbeitsort. Das wirtschaftliche Risiko de r versicherten Person erschöpft sich diesfalls in der alleinigen Abhängigkeit vom persönlich en Arbeitserfolg oder, bei einer regel- mässig ausgeübten Tätigkeit, darin, dass bei Dahinfallen des Erwerbsverhältnisses eine ähnli- che Situation eintritt, wie dies beim Stellenverlust ei nes Arbeitnehmers der Fall ist (BGE 122 V 169 E. 3c). Die arbeitsorganisatorische bezieh ungsweise wirtschaftliche Abhängig- keit äussert sich namentlich in der Weisungsgebundenheit der erwerbstätigen Person, ihrer Rechenschaftspflicht, ihrer Eingliederung in eine frem de Arbeitsorganisation, der Pflicht zur persönlichen Aufgabenerfüllung, einer Präsenzpflicht und in einem Konkurrenzverbot (Rz. 1015 WML; F ORSTER , a.a.O., S. 84 Rz. 63 mit Hinweisen). Auch selbständig E rwerbstätige haben sich jedoch an sogenannte sachliche Weisungen zu halten. Hierbei handelt es sich um Weisun- gen des Bestellers oder Auftraggebers, die sich auf den Arbeitserfolg beziehen (F ORSTER , a.a.O., S. 84 f. Rz. 63 mit Hinweisen). 3. Dem Kantonsgericht kommt in Sozialversicherungssachen e ine vollständige Überprü- fungsbefugnis zu. Es ist in der Beweiswürdigung frei (vg l. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung al s verfügende Instanz und – im Beschwer- defall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur d ann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. Urteil des Bundes gerichts vom 29. Januar 2009, 8C_552/2008, E. 2 mit Hinweis). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, na ch dem Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielme hr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen a ls die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen). 4.1 Aufgrund der vorliegenden Unterlagen steht fest u nd ist unbestritten, dass der Beigela- dene bis zum 31. Dezember 2005 bei der Ausgleichskasse Ba sel-Stadt als Selbständigerwer- bender erfasst war und über seine Einzelfirma am 23. April 2013 der Konkurs eröffnet wurde (Einstellung mangels Aktiven am 14. Mai 2013; Löschung au s dem Handelsregister am 5. Juli 2013). Weiter steht fest, dass vom Einkommen, das der Be igeladene in den Jahren 2013 bis 2017 für Arbeiten für die Beschwerdeführerin generie rte, noch keine AHV/IV/EO-Beiträge erho- ben wurden. Streitig ist, ob die Ausgleichskasse den Bei geladenen für diese Beitragsjahre zu Recht als Unselbständigerwerbenden einstufte. Im angef ochtenen Einspracheentscheid vom 2. August 2018 hielt sie fest, dass der Beigeladene im kontrollierten Zeitraum in teils erhebli- chem Ausmass für die A.____AG gearbeitet habe, wobei de r Stundenansatz in keiner Weise dem marktüblichen Stundenansatz eines selbständigen Ha ndwerkers entsprochen habe. Zu- dem habe er stets ihr Rechnung gestellt, sei nicht in eigenem Namen aufgetreten, habe keine eigenen Kunden akquiriert und kein Inkassorisiko getragen. Demnach sei von einer unselbstän- digen Erwerbstätigkeit auszugehen. 4.2 Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber im Wese ntlichen vor, dass zwischen ihr und dem Beigeladenen kein Arbeitsverhältnis bestehe. Der Beigeladene sei ihr gegenüber stets Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht als Selbständigerwerbender unter der Firma C.____ auf getreten. Erst mit der Verfügung vom 11. April 2018 habe sie davon Kenntnis erlangt, dass e r seine selbständige Erwerbstätigkeit nicht bei der Ausgleichskasse angemeldet habe. Die Tatsac he, dass die Zahlungen an den Beigeladenen teilweise als Lohn bezeichnet worden seien, spiele keine Rolle, ebenso wenig der Umstand, dass zwischen ihr und dem Beigeladenen kein schrif tlicher Vertrag abgeschlossen worden sei. Ausserdem sei zu einem marktüblichen Stunden ansatz abgerechnet worden. An der heutigen Parteiverhandlung führte der Rechtsvertret er der Beschwerdeführerin ergänzend aus, dass der Beigeladene früher bei ihr angestellt gewesen sei, dann aber gekündigt habe, um sich selbständig zu machen. Hernach sei er je nach Auftr agslage aufgeboten worden, wobei er mehrheitlich für externe Montagearbeiten aber auch in der hauseigenen Werkstatt eingesetzt worden sei. Dabei habe er mit eigenen Werkzeugen das M aterial der Beschwerdeführerin ver- baut und sein eigenes Fahrzeug benutzt. Der Kundenkonta kt sei grundsätzlich über die Be- schwerdeführerin hergestellt worden. Der Beigeladene habe die geleisteten Stunden in Rech- nung gestellt, wie es für einen Subunternehmer üblich sei. 4.3 Anlässlich der gerichtlichen Befragung führte der Beigeladene aus, dass er in den Jah- ren 1996 bis 2002 bei der Beschwerdeführerin angestellt gewesen sei. Nach einem zweijähri- gen Unterbruch sei er zunächst als Selbständigerwerbend er in die Unternehmung zurückge- kehrt. Seit circa einem Jahr stehe er aber wieder in ein em Arbeitsverhältnis mit der Beschwer- deführerin. Seine Tätigkeit bei dieser habe sich aber i n all den Jahren nicht verändert. Er sei täglich zur Arbeit gegangen, wobei er fast ausschliessli ch in der betriebsinternen Werkstatt und nur selten auf einer Baustelle tätig gewesen sei. Er habe sich an die betriebliche Arbeitszeit gehalten und sei an die Weisungen der Beschwerdeführe rin gebunden gewesen. Er habe kein eigenes Material bearbeitet und in aller Regel kein eigenes Werkzeug benutzt. Eine eigene Werkstatt oder ein eigenes Lager habe er ebenfalls nic ht gehabt. Zudem habe er nicht selbst offeriert und den Kunden der Beschwerdeführerin keine Rechnungen gestellt. Er habe aus- schliesslich für die A.____AG gearbeitet, wobei er die g leiche Arbeit gemacht habe wie ein an- gestellter Mitarbeiter. Die Tatsache, weshalb er als S elbständigerwerbender zum Teil erheblich unterschiedlich hohe Jahreseinkommen erzielt habe, könne er nicht erklären. 5.1 Wie oben (vgl. E. 2.2 hiervor) ausgeführt, sind f ür die Beurteilung der Frage, ob im Ein- zelfall eine selbständige oder unselbständige Erwerbstät igkeit vorliegt, die in Erwägung 2.2 ge- nannten AHV-rechtlichen Kriterien massgebend. In arbe itsorganisatorischer Hinsicht hat die Befragung des Beigeladenen ergeben, dass er im hier zu beurteilenden Zeitraum über keine Geschäftsräumlichkeiten im eigentlichen Sinne verfügte . Seinen glaubhaften Ausführungen zu- folge hatte er weder eine eigene Arbeitsstätte noch ein eigenes Lager. Zudem arbeitete er aus- schliesslich für die Beschwerdeführerin in deren hauseige nen Werkstatt oder auf der Baustelle. Für die Auftragsausführung waren keine erheblichen In vestitionen notwendig und er musste für die Erfüllung der von der Beschwerdeführerin erteilten Aufträge weder eigenes Material noch eigenes Werkzeug einsetzen. Der Beigeladene trug auch kein Inkasso- oder Delkredererisiko. So trat er nicht auf eigene Rechnung gegenüber Dritt en auf, erstellte keine Offerten, übernahm keine Garantieleistungen und keine Risiko- und Zufallsh aftung. Dazu kommt, dass der Beigela- dene nicht für den Arbeitserfolg, für welchen er auch das Risiko eines beruflichen Misserfolgs zu tragen hätte, bezahlt wurde, sondern wurde - soweit aus den vorliegenden Unterlagen er- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichtlich - aufgrund der Präsenzzeit entschädigt, was wie derum ein Indiz für unselbständige Erwerbstätigkeit ist (vgl. RAPHAEL LANZ , Die Abgrenzung der selbständigen von der unselbstän- digen Erwerbstätigkeit im Sozialversicherungs-, Steuer- und Zivilrecht, in AJP 1997, S. 1463 ff., Kapitel I C, Ziffer 4c/ee). Weiter war er in persönli cher, organisatorischer und zeitlicher Hinsicht weisungsgebunden und insofern mit den angestellten Mita rbeitenden der Beschwerdeführerin gleichgestellt. Insgesamt liegt nichts vor, was AHV-rechtlich auf eine selbständige Erwerbstätig- keit schliessen lassen würde. Vielmehr ist aufgrund der glaubhaften und unbestrittenen Anga- ben des Beigeladenen anlässlich der Parteiverhandlung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass seine Arbeit als Selbständigerwe rbender nicht grundlegend anders war als diejenige als Arbeitnehmer und er demnach er a uch in den Jahren 2013 bis 2017 in einer betriebswirtschaftlichen beziehungsweise arbeitsorga nisatorischen Abhängigkeit zur Be- schwerdeführerin gestanden und kein spezifisches Unternehmer risiko getragen hatte, weshalb von einer unselbstständige Erwerbstätigkeit auszugehen ist. Bei dieser Sachlage kann in antizi- pierter Beweiswürdigung (BGE 136 I 229 E. 5.3) von de n beantragten weiteren Abklärungen abgesehen werde, da hievon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind. 5.2 Dem Kantonsgericht ist bewusst, dass sowohl der Beig eladene als auch die Beschwer- deführerin überzeugt waren, dass der Beigeladene selbst ändig erwerbend war. Im Sozialversi- cherungsrecht haben jedoch die zuständigen Behörden bzw. das Gericht den Beitragsstatus einer Person nach Massgabe des festgestellten Sachverhalts von Amtes wegen zu bestimmen, ohne an die Rechtsauffassungen der Parteien gebunden zu sein. Die Eigenqualifikation des Beigeladenen und der Beschwerdeführerin kann aufgrund des Ergebnisses deshalb nicht über- nommen werden (vgl. dazu LANZ , a.a.O., Kapital IV Ziffer 1). Daher vermag auch di e Tatsache, dass der Beigeladene gegenüber der Beschwerdeführerin a ls Selbständigerwerbender auftrat und diese erst nach durchgeführter Arbeitgeberkontrol le Kenntnis über die tatsächlichen Gege- benheiten hatte, am AHV-rechtliche Status des Beigeladenen nichts zu ändern. 5.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Ausgleichskasse den Beigeladenen zu Recht als Unselbständigerwerbenden einstufte. Der angefochtene Entscheid der Ausgleichskasse, der in masslicher Hinsicht zu Recht nicht bestritten wird, ist n icht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde deshalb abzuweisen. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht ausgerichtet. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht