STEUERREKURSKOMMISSION I DES KANTONS ZÜRICH 1 ST.2009.98 1 DB.2009.51 Entscheid 29. Juni 2009 Mitwirkend : Einzelrichter U. Hofstetter und Sekretär H. Knüsli In Sachen 1. A, 2. B, Rekurrenten/ Beschwerdeführer, gegen 1. St a a t Z ü r i c h , Rekursgegner, 2. S c h w e iz e r i s c h e E i d g e n o s s e n s c h a f t , Beschwerdegegnerin, vertreten durch das kant. Steueramt, Division Dienstleistungen, Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich, betreffend Einschätzung 2005 und Direkte Bundessteuer 2005 - 2 - 1 ST.2009.98 1 DB.2009.51 hat sich ergeben: A. Die Eheleute A und B (nachfolgend der/die Pflichtige bzw. die Pflichtigen) betreiben gemeinsam die C in D und E. Ihre entsprechenden Einkünfte weisen sie j e- weils je separat aus. Ausserdem bezieht die Pflichtige sowohl aus der ersten als auch aus der zweiten Säule eine halbe IV -Rente. In der Steuererklärung 2005 brachten sie belegte Beiträge an anerkannte Formen der gebundenen Selbstvorsorge ( 3. Säule a) von Fr. 20'000.- (Pflichtiger) bzw. von Fr. 10'571.- (Pflichtige) in Abzug. Als B emes- sungsgrundlage für den letzteren Betrag zogen sie dabei nicht nur das Erwerbsei n- kommen der Pflichtigen aus selbständiger Erwerbstätigkeit von Fr. 24'695.- heran, sondern auch die IV -Renten der Pflichtigen aus der 1. und 2. Säule von Fr. 12'528.- bzw. Fr. 19'555.-. Mit Einschätzungs - bzw. Veranlagungsvorschlag vom 1 8. September 2007 reduzierte die Steuerkommissärin u.a. den Abzug der Pflichtigen für Beiträge an die 3. Säule a von Fr. 10'571.- auf Fr. 4'939.- (20% von Fr. 24'695.-). Zur Begründung wur- de angeführt, gemäss Kreisschreiben Nr. 2 zu Veranlagungsperiode 1987/88 zur Ve r- ordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung für Beiträge an anerkannte Vorso r- geformen (BVV 3) vom 31. Januar 1986 dürften Steuerpflichtige, die keiner Ei nrichtung der beru flichen Vorsorge angehörten, höchstens 20% des Einkommens (recte: des Erwerbseinkommens), maximal aber Fr. 30'960.- zum Abzug bringen. Bei vorüberg e- hendem Unterbruch der Erwerbstätigkeit träten die entsprechenden Erwerbsausfallen t- schädigungen (für Taggelder us w.) an die Stelle des Erwerbseinkommens. Demg e- genüber gälten Renten, die dauernd an die Stelle von Erwerbseinkommen träten (wie z.B. AHV- und IV-Renten), nach ständiger Praxis nicht als Erwerbsersatzeinko mmen. Nachdem sich die Pflichtigen diesen Vorschläge n w idersetzt hatten , schätzte sie die Steuerkommissärin am 2 2. Februar 2008 für das Steue rjahr 2005 entsprechend ihren Vorschlägen mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 123'000.- und einem steuerba- ren Vermögen von Fr. 0.- (Staats- und Gemeindesteuern) sowie einem steuerbaren Einkommen von Fr. 121'200.- (direkte Bundessteuer) ein . Die letztere Veranlagung wurde den Pflichtigen mit Steuerrechnung vom 27. März 2008 formell eröffnet. - 3 - 1 ST.2009.98 1 DB.2009.51 B. Das kantonale Steueramt wies die gegen diese Entscheide gerichteten Einsprachen vom 25. März bzw. 2. April 2008 am 1 2. März 2009 in zwei ge sonderten Einspracheentscheiden ab. C. Hiergegen erhoben die Pflichtigen am 14. April 2009 Rekurs (recte: R ekurs und Beschwerde) mit dem Antrag, die vorinstanzlichen Ent scheide aufzuheben und die IV-Renten der Pflichtigen als Erwerbsersatzeinkommen zu behandeln und demen t- sprechend als Bemessungsgrundlage für die Bemessung der Beiträge an die 3. Säule a heranzuziehen. Das kantonale Steueramt schloss am 27 . April 2009 auf kostenfällige Abwei- sung der Rechtsmittel. Auf die Erwägungen der angefochtenen Entscheide und die Parteivorbringen wird – soweit erforderlich – in den nachstehenden Erwägungen eingegangen. Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 1. a) Nach § 31 Abs. 1 lit. e des S teuergesetzes vom 8. Juni 1997 (St G) wer- den von den Einkünften abgezogen Einlagen, Prämien und Beiträge z um Erwerb von vertraglichen Ansprüchen aus anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsorge im Sinn und im Umfang von Art. 82 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters -, Hin- terlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG ) vom 2 5. Juni 1982 (SR 831.40). Die en t- sprechende Bestimmung für die direkte Bundessteuer findet sich in Art. 33 Abs.1 lit. e des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 1 4. Dezember 1990 (DBG). Danach werden von den Einkünften abgezogen Einlagen, Prämien und Beiträge zum Erwerb von vertraglichen Ansprüchen aus anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsorge, wobei das Gesetz hier noch beifügt, dass der Bundesrat in Zusa m- menarbeit m it den Kantonen die anerkannten Vorsorgeformen und die Höhe der a b- zugsfähigen Beiträge festsetze. - 4 - 1 ST.2009.98 1 DB.2009.51 Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat u.a. in der Verordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung für Beiträge an anerkannte Vorsorgeformen (BVV 3) vom 13. November 1985 ( nZStB II Nr. 75/052) Gebrauch gemacht und in Art. 7 Abs. 2 lit. b BVV 3 u.a. bestimmt, dass Arbeitnehmer und Selbständigerwerbende (vgl. Art. 7 Abs. 1 BVV 3) jährlich 20% des E rwerbseinkommens, jedoch höchstens bis 40% des oberen Grenzbetrages nach Art. 8 Abs. 1 BVG abziehen könnten, wenn sie keiner Vo r- sorgeeinrichtung nach Art. 80 BVG (2. Säule) angehören. b) Die Auslegung des Begriffs "Erwerbseinkommen" ergibt sich aus dem sy s- tematischen Zusammenhang; Sinn und Zweck der beruflichen V orsorge besteht darin, das Einkommen aus Erwerbstätigkeit für den Fall von Alter, Tod und Invalidität zu sichern. Bei Arbeitnehmern ist dies laut Art. 7 BVG der massgebende Lohn nach dem Bundesgesetz über die Alters -, Hinterlassenen - und Invalidenversiche rung vom 20. Dezember 1946 (AHVG). Unabdingbares Element des Beitragsobjekts "E rwerbs- einkommen" ist demnach, dass dem Zufluss auch eine andauernde tatsächliche geist i- ge oder körperliche Tätigkeit gegenübersteht (vgl. Peter Forster, AHV -Beitragsrecht, 2007, S. 62). Renteneinkommen, welches Erwerbseinkommen dauerhaft ersetzt, erfüllt diese Voraussetzung nicht (vgl. RB 1995 Nr. 35; Zigerlig/Jud, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2.A., 2008, Rz. 27 zu Art. 33 DBG). c) Nach dem Gesagte n besteht für die Berücksichtigung der IV -Rente der Pflichtigen bei der Berechnung der maximalen Höhe des Abzugs für die 3. Säule a kein Raum. Rekurs und Beschwerde sind demnach abzuweisen. 2. a) Was die Pflichtigen dagegen vorbringen, ändert daran nic hts. Gestützt auf die vorstehenden Bestimmungen kann keinem Zweifel unterliegen, dass Au s- gangspunkt für die Bemessung der Abzüge nicht irgendwelche steuerbaren Einkünfte des Steuerpflichtigen bilden können, sondern nur solche, die mit der beruflichen Täti g- keit eines Steuerpfl ichtigen in einem kausalen Zusammenhang stehen. Dieser Auffa s- sung sind im Grunde genommen auch die Pflichtigen, wenn sie z.B. Einkünfte aus b e- weglichem Vermögen als Bemessungsgrundlage für die Abzüge der Beiträge an die 3. Säule a aussc hliessen. Sie halten jedoch dafür, die IV -Renten der Pflichtigen seien als Erwerbsersatzeinkünfte zu würdigen und deswegen wie Erwerbsausfallentschädi- gungen bei vorübergehendem Unterbruch der Erwerbstätigkeit (z.B. bei Militärdienst - 5 - 1 ST.2009.98 1 DB.2009.51 oder Arbeitslosigkeit) gleich zu behandeln wie Erwerbseinkommen. Zudem wenden sie ein, der Bu ndesrat habe mit Art. 7 BVV 3 seine Kompetenzen überschritten, weil Art. 33 Abs. 1 lit. e DBG ihn nur zur Definition der anerkannten Vorsorgeformen und zur Höhe der abzugsfähigen Beiträge ermächtige. b) Wenn der Gesetzgeber de n Bundesrat ermächtigt, die Höhe eines A bzugs festzusetzen, heisst dies nicht, dass er lediglich bef ugt ist, irgendeine Zahl zu nennen, wie die Pflichtigen zu glauben scheinen. Vielmehr umfasst diese Ermächtigung s elbst- verständlich auch die Befugnis, näher zu bestimmen, von welchen steuerbaren Ei n- künften diese Abzüge vorzunehmen sind. Dass der Bundesrat dabei das Erwerbsei n- kommen zum Ausgangspunkt seiner Regelung gemacht hat, ist sodann in keiner Weise zu be anstanden, geht es im BVG doch um berufliche Vorsorge und liegt es daher nahe, einen damit verbundenen neuen Finanzierungsaufwand mit dieser Ei n- kommensart zu verknüpfen. Folgerichtig steht die Möglichkeit, gebundene Selbstvo r- sorge zu betreiben, denn auch nur Steue rpflichtigen offen, die einer Erwe rbstätigkeit nachgehen. Die Pflichtigen machen weiter geltend , die IV -Renten der Pflichtigen seien ausgerichtet worden, weil sie (zur Hälfte) invalid sei und daher auch nur in reduziertem Umfang einer Erwerbstätigkeit na chgehen könne. In diesem Sinn sei auf Ersatzei n- kommen zu schliessen . Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf eine entspr e- chend Kommentarstelle in Richner/Frei/Kaufmann, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 1999, § 22 N 74. Zwar steht dort ta tsächlich, dass Tagge lder, Invalidenrenten (und anderes) i.d.R. Ersatz für das weggefallene Erwerbseinko mmen und deshalb steuerbar sei en. Diese Passage ist jedoch klar im Zusamme nhang mit dem Vorangegangenen zu sehen. Dort wird ausgeführt, dass Leistungen aus Unfal l- versicherung, soweit sie nur den eingetretenen Schaden abdeckten, nicht ste uerbar seien. Für die hier interessierende Frage ist damit nichts gewonnen. Dass in IV -Renten kein Erwerbsersatzeinkommen zu erblicken ist, geht auch daraus hervor, dass nicht nur Erwerbstätige, welche die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, IV -Leistungen bzw. ganze oder teilweise IV -Renten zugesprochen erhalten , sondern auch nicht Erwerbstätige . Anknüpfungspunkt für die Ausrichtung solcher Leis- tungen ist mithin – anders als etwa bei Taggeldern bei Arbeitslosigkeit oder Militä r- dienst – nicht die Erwerbstätigkeit, sondern ein bestimmtes körperl iches oder geistiges - 6 - 1 ST.2009.98 1 DB.2009.51 Gebrechen. Dass die Erwerbstätigkeit Basis für die Bemessung der IV -Renten ist, e r- heischt entgegen der Auffa ssung der Pflichtigen keine andere Beurteilung. Vielmehr kommt darin nur zum Ausdruck, dass die Erwerbstätigkeit eben die normale Quelle ist, aus der die Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Mithin drängt sich auch auf, dass der Gesetzgeber zur Beant wortung der Frage nach der Höhe der IV -Renten peri- odisch daran anknüpft , soll die IV -Rente den Invaliden doch die Fortführung ihrer normalen Lebenshaltung ermöglichen. Die Pflichtigen wenden schliesslich ein, es sei sozialpolitisch verkehrt, ausg e- rechnet einem in der beruflichen/wirtschaftlichen Entwicklung benachteiligten Steue r- subjekt den steuerlichen Anreiz für eine eigenverantwortliche Spar - und Vorsorgeleis- tung zu entziehen , werde damit doch lediglich das Risiko einer späteren Unter - stützungsbedürftigkeit erhöht. Damit verkennen sie jedoch, dass die bestehende gesetzliche Regelung teilerwerbstätigen Invaliden die Bildung von Vorsorgekapital ke i- neswegs verunmöglicht, sondern "nur" vorschreibt, dass lediglich solche Beiträge a b- zugsfähig seien, die aus (eigenen) Erwerbseinkünften stammten. In diesem Sinn hält denn auch Ziff. 5c des hier noch nicht anwendbaren Kreisschreibens Nr. 18 zur steuer- lichen Behandlung von Vorsorgebeiträgen und -leistungen der Säule 3a vom 4. Oktober 2007 ausdrücklich fest, dass Vorsorgenehmer, die zwar eine Invalidenrente der eidgenössischen Invalidenversicherung beziehen, jedoch im Rahmen der Reste r- werbsfähigkeit ein der AHV/IV-Pflicht unterliegenden Erwerbseinkommen erzielen, eine Säule 3a bilden können. Würde dem Begehren de r Pflichtigen gefolgt, resu ltierte daraus im Übr igen eine stossende Rechtungleichheit zwischen "normalen" Erwerbstätigen einerseits und im Rahmen ihrer Resterwerbs fähigkeit berufstätigen IV-Rentnern andrerseits , indem jene ihre g ebundene Vorsorg e nur aus E rwerbseinkünften äuf nen könnten, während diese dafür auch ihre Renteneinkünfte heranziehen dürften. Bei negativen Erwerbsei n- künften wären die IV-Rentner damit klar im Vorteil, ohne dass hierfür in den zu regel n- den Verhältnissen ein vernünftiger Grund ersichtlich wäre. 3. Nach alledem sind – wie bereits erwähnt – sowohl der Rekurs als auch die Beschwerde abzuweisen. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Verfahrens den Pflichtigen aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG und Art. 144 Abs. 1 DBG). - 7 - 1 ST.2009.98 1 DB.2009.51 Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 1. Der Rekurs wird abgewiesen. 2. Die Beschwerde wird abgewiesen. [...]