Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 27. Oktober 2021 (810 21 93) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Staatssteuer 2018 / Abzugsfähigkeit des Auslandsverlustes Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Stef an Schulthess, Hans Furer, Daniel Häring, Claude Jeanneret , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdefüh- rerin gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Beschwerdegegner A.____ , Beschwerdegegnerin, vertreten durch STM Steuerberatung & Treuhand Mettler AG Einwohnergemeinde B.____ , Beigeladene Betreff Staatssteuer 2018 (Urteil des Steuer- und Enteignungsgerichts des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Steuergericht, vom 20. November 2020) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Veranlagungsverfügung vom 23. April 2020 wurde der steuerbare und satzbestim- mende Ertrag der A.____ für die Staats- und Gemeinde steuer 2018 im Kanton Basel- Landschaft auf Fr. 111'735.-- und das steuerbare Kapi tal auf Fr. 500'212.-- festgelegt. Ausser- kantonal wurde der steuerbare Ertrag der A.____ für d as Jahr 2018 auf Fr. 522'240.-- und das steuerbare Kapital auf Fr. 10'200'070.-- festgelegt, womit der gesamte steuerbare Ertrag für das Jahr 2018 auf Fr. 633'975.-- und das gesamte steuerbar e Kapital auf Fr. 10'700'282.-- festge- setzt wurde. B. Gegen die Veranlagungsverfügung vom 23. April 2020 erhob die A.____, nachfolgend vertreten durch die STM Steuerberatung & Treuhand Met tler AG, mit Eingabe vom 6. Mai 2020 Einsprache bei der Steuerverwaltung des Kantons Basel-La ndschaft (Steuerverwaltung). Es wurde beantragt, dass der steuerbare Gewinn gemäss beige fügter Jahresrechnung 2018 von Fr. 111'735.-- auf Fr. 94'678.35 anzupassen sei. Eventualiter sei der Verlust satzbestimmend zu berücksichtigen. C. Mit Entscheid vom 17. Juni 2020 hiess die Steuerverwa ltung die Einsprache teilweise gut. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt , dass Verluste des ausländischen Hauptsitzes nicht mit den inländischen Gewinnen verrechnet werden könnten. Die satzbestim- mende Berücksichtigung des Auslandsverlustes sei jedoch gese tzlich vorgesehen und sei fälschlicherweise in der Veranlagung nicht berücksichtigt worden. Dem Eventualantrag werde somit entsprochen und es sei von einem satzbestimmenden Er trag von Fr. 505'578.-- anstatt von Fr. 633'975.-- auszugehen. D. Die A.____ erhob gegen den Einspracheentscheid mit Eingabe vom 25. Juni 2020 Re- kurs beim Steuer- und Enteignungsgericht des Kantons Ba sel-Landschaft (Steuergericht). Es wurde beantragt, dass der steuerbare Gewinn gemäss beige fügter Jahresrechnung 2018 von Fr. 111'735.-- auf Fr. 94'678.35 anzupassen sei. Der Verlust des ausländischen Sitzes sei im Umfang seiner Quote von 18.73% effektiv, und nicht nur satzbestimmend, vom Kanton Basel- Landschaft zu übernehmen. Zur Begründung wurde im Wes entlichen vorgebracht, dass ge- mäss § 6 ter Abs. 3 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu ern (Steuergesetz, StG) vom 7. Februar 1974 die Abgrenzung der Steuerpflicht zu anderen Kantonen und zum Ausland nach den Grundsätzen des Bundesrechts über das Verbot der interkantonalen Doppelbesteue- rung zu erfolgen habe. Gemäss diesen Grundsätzen sei de r Verlust des Sitzes auf die Kantone zu verlegen. Im Gegensatz zum Bundesgesetz über die direkt e Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 enthalte das StG gerade keine expli zite Bestimmung, wonach Unterneh- men mit Sitz im Ausland mindestens den in der Schweiz erzielten Gewinn zu versteuern hätten. Demzufolge müsse der Kanton Basel-Landschaft den Verlu st aufgrund der vom Bundesgericht aufgestellten Kollisionsnormen zwingend übernehmen. Für die effektive Übernahme des anteili- gen ausländischen Verlustes bestehe eine klare gesetzliche Grundlage gemäss § 6 ter StG. Für das Vorgehen der Steuerverwaltung fehle es hingegen an einer gesetzlichen Grundlage. E. Mit Urteil vom 20. November 2020 hiess der Vizepräside nt des Steuergerichts den Re- kurs vom 25. Juni 2020 im Sinne der Erwägungen gut. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Gegen den Entscheid des Steuergerichts erhob die St euerverwaltung mit Eingabe vom 8. April 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Lan dschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Es wurde beantragt, das Urteil des Steuergerichts vom 20. November 2020 sei aufzuheben und der Einspracheent scheid der Steuerverwaltung vom 17. Juni 2020 sei zu bestätigen. Alles unter o/e-Kostenfolge. G. Mit Eingabe vom 7. Mai 2021 bzw. vom 7. Juni 2021 liessen sich der Beschwerdegeg- ner und die Beschwerdegegnerin vernehmen und schlossen auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. H. Mit Verfügung vom 16. Juni 2021 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwie- sen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- un d Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1974 können Entscheide des Steuergerichts mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht angefochten werden. Da sämtliche f ormellen Voraussetzungen gemäss § 131 StG und den §§ 43 ff. des Gesetzes über die Verf assungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfüllt sind, kann auf die vorliegende Be- schwerde eingetreten werden. 1.2 Mit der Beschwerde in Steuersachen können alle Män gel des angefochtenen Ent- scheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden (§ 45 Abs. 2 VPO). 2. Die Beschwerdeführerin hat in ihrem Einspracheentschei d vom 17. Juni 2020 dem Eventualantrag der Beschwerdegegnerin zugestimmt und den Auslandsverlust satzbestimmend berücksichtigt. Streitgegenstand bildet somit die Frage, ob die Vorinstanz darüber hinaus zu- recht den Auslandsverlust effektiv übernommen und vom ste uerbaren inländischen Gewinn in Abzug gebracht hat. Die Verlusthöhe des ausländischen Hauptsitzes ist unbestritten. 3.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid im Wesen tlichen damit, dass die Be- schwerdegegnerin ihren Hauptsitz in Jersey habe und Eige ntümerin einer Liegenschaft in B.____ im Kanton Basel-Landschaft sei. Bei dieser Li egenschaft handle es sich um eine Kapi- talanlage der Beschwerdegegnerin, welche nicht dem Be trieb diene. Der Besteuerungsan- spruch der Schweiz entstehe aufgrund des Eigentums an dies em Grundstück (wirtschaftliche Zugehörigkeit). § 6 ter StG stimme mit dem Wortlaut in Art. 52 des Bundesgese tzes über die di- rekte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 grossmehrh eitlich überein. § 6 ter StG ent- halte in Abweichung zu der Bestimmung in Art. 52 DBG hingegen keine explizite Bestimmung, wonach Unternehmen mit Sitz im Ausland mindestens den i n der Schweiz erzielten Gewinn zu versteuern hätten. Die Nichtberücksichtigung von Ausscheidun gsverlusten widerspreche dem Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Die Beschwerdeführerin macht dagegen geltend, da ss die innerstaatlichen Regelungen zur Vermeidung von interkantonalen Doppelbesteuerungen sowie das Schlechterstellungsver- bot grundsätzlich nur auf internationale Sachverhalte angewendet würden, soweit es sich um unbeschränkt steuerpflichtige Personen handle. Aufgrund ihres ausländischen Hauptsitzes sei die Beschwerdegegnerin jedoch nur beschränkt steuerpflich tig im Kanton Basel-Landschaft. Der vom Steuergericht angeführte § 6 ter StG komme im vorliegenden Fall nicht zur Anwendung, da es sich nicht um eine Unternehmung mit Sitz im Kant on und einer ausländischen Betriebs- stätte handle. Zudem habe der für die Veranlagung de r direkten Bundessteuer zuständige Kan- ton C.____ ebenfalls eine Verlustübernahme aus dem Ausland verneint und den in der Schweiz insgesamt erzielten Gewinn von Fr. 633'975.-- herangezo gen. Die Vorgehensweise der Be- schwerdeführerin decke sich überdies mit der Auffassung der OECD, wonach bei beschränkter Steuerpflicht von juristischen Personen im internationa len Kontext die objektmässige Ausschei- dung zwingend vorgegeben sei. Der in der Schweiz erzielte Gewinn sei somit auch vollumfäng- lich in der Schweiz zu besteuern, unabhängig von der au sländischen Gewinn- oder Verlustsi- tuation. 4.1 Juristische Personen sind kraft persönlicher Zugehörig keit steuerpflichtig, wenn sich deren Sitz oder tatsächliche Verwaltung im Kanton bef indet (§ 5 StG). Juristische Personen mit Sitz ausserhalb des Kantons sind hier kraft wirtschaftlicher Zugehörigkeit beschränkt steuer- pflichtig, wenn sie im Kanton Betriebsstätten unterhal ten (§ 6 Abs. 1 lit. b StG) oder an im Kan- ton gelegenen Grundstücken Eigentum, Nutzniessung oder an dere, diesen wirtschaftlich gleichzuachtende dingliche oder persönliche Rechte haben (§ 6 Abs. 1 lit. d StG). Bei Wohnsitz oder Sitz im Ausland sind sie ausserdem steuerpflichtig, wenn sie im Kanton gelegene Grund- stücke vermitteln oder damit handeln (§ 6 Abs. 2 lit. d StG). Die Steuerpflicht beschränkt sich gemäss § 6 ter Abs. 2 StG auf die Teile des Ertrags und Kapitals, für die gemäss dem StG eine Steuerpflicht im Kanton besteht, mithin auf die Gewin n- und Kapitalteile, welche auf die Be- triebsstätte oder das Grundstück entfallen. 4.2 Die Beschwerdegegnerin ist eine juristische Person m it Sitz in Jersey (Grossbritanni- en). In der Steuererklärung für die Staatssteuer 2018 gibt die Beschwerdegegnerin als Zweck ihres Unternehmens Handel und Verwaltung von Liegensch aften an. Sie ist Eigentümerin der Parzellen Nr. X.____ und Nr. Y.____, Grundbuch B.____ , auf welchen sich ihre Liegenschaften befinden. Unbestritten ist, dass die Beschwerdegegnerin durch die Vermietung und Verwaltung dieser Liegenschaften einen Gewinn erzielt hat (vgl. Er folgsrechnung vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2018) und aufgrund ihrer wirtschaftlichen Zugehörigkeit im Kanton Basel- Landschaft beschränkt steuerpflichtig ist. 5.1 Gemäss § 6 ter Abs. 3 Satz 1 StG erfolgt die Abgrenzung der Steuerpf licht für Ge- schäftsbetriebe, Betriebsstätten und Grundstücke von jurist ischen Personen im Verhältnis zu anderen Kantonen und zum Ausland nach den Grundsätzen des Bundesrechts über das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung. Ein Unternehme n kann Verluste aus einer ausländi- schen Betriebsstätte mit inländischen Gewinnen verrechnen, soweit diese Verluste im Betriebs- stättenstaat nicht bereits berücksichtigt wurden (§ 6 ter Abs. 3 Satz 2 StG). Gemäss § 6 ter Abs. 4 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht StG bleiben abweichende bundesrechtliche und staatsvertra gliche Regelungen der Bestim- mung in § 6ter Abs. 3 StG vorbehalten. 5.2 Zwischen der Schweiz und Jersey besteht kein Doppelbe steuerungsabkommen (DBA). Das Abkommen vom 30. September 1954 zwischen der Schwei zerischen Eidgenossenschaft und dem Vereinigten Königreich von Grossbritannien u nd Nordirland zur Vermeidung der Dop- pelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkomm en bezieht sich nicht auf Jersey (vgl. Art. 2 Abs. 1 lit. b DBA CH-GB). 5.3.1 Für die direkte Bundessteuer bestimmt Art. 52 Abs. 2 DBG, dass sich bei wirtschaftli- cher Zugehörigkeit die Steuerpflicht auf den Gewinn beschränkt, für den nach Art. 51 DBG eine Steuerpflicht in der Schweiz besteht. Die Steuerpflicht ist demnach auf denjenigen Gewinn limi- tiert, der der inländischen Einkommensquelle (Grundstü cke in der Schweiz, vgl. Art. 51 Abs. 1 lit. c DBG) zuzurechnen ist. Der im Rahmen der Unternehm enssteuerreform 1997 neu gefasste Art. 52 Abs. 4 DBG verdeutlicht dies dahingehend, dass keine ausländischen Verluste vom schweizerischen Ergebnis in Abzug gebracht werden können (vgl. Botschaft zur Reform der Unternehmensbesteuerung vom 26. März 1997, BBl 1997 I I S. 1204; Urteil des Bundesgerichts 2P.14/2003 E. 4.3, in: ASA 73 S. 247) und Steuerpfl ichtige mit Sitz und tatsächlicher Verwal- tung im Ausland den in der Schweiz erzielten Gewinn z u versteuern haben. Damit wird bei be- schränkter Steuerpflicht die objektmässige Ausscheidungsmeth ode zwingend vorgeschrieben. Die quotenmässige Ausscheidung ist ausgeschlossen (Urteil des Bundesgerichts 2P.140/2005 vom 28. November 2005 E. 4.3; S TEFAN OESTERHELT /S USANNE SCHREIBER , in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar DBG, 3. Auflage, Basel 2017, N 61 ff. zu Art. 52; F RANK LAMPERT , Die Ver- lustverrechnung von juristischen Personen im Schweizer Steuerrecht, Diss. 2000, S. 321 ff.). 5.3.2 Der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin ist da bei zuzustimmen, dass eine mit Art. 52 Abs. 2 DBG vergleichbare Bestimmung im Gegensatz zu den meisten anderen kantona- len Steuergesetzen im basellandschaftlichen Steuergesetz fehlt. Eine explizite Anordnung der objektmässigen Ausscheidungsmethode bei beschränkter Steu erpflicht besteht folglich nicht. Die Bestimmung in § 6 ter Abs. 3 Satz 2 StG bezieht sich explizit nur auf den Fal l der unbe- schränkten Steuerpflicht im Kanton Basel-Landschaft und ist somit vorliegend nicht anwendbar. Demzufolge ist vorderhand auf § 6 ter Abs. 3 Satz 1 und Abs. 4 StG abzustellen, wonach die A b- grenzung der Steuerpflicht für Geschäftsbetriebe, Betr iebsstätten und Grundstücke von juristi- schen Personen im Verhältnis zu anderen Kantonen und zu m Ausland nach den Grundsätzen des Bundesrechts über das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung erfolgt. Die bundes- gerichtliche Rechtsprechung schreibt für Unternehmen mit Sitz und Betriebsstätten in verschie- denen Kantonen im interkantonalen Verhältnis die Gewi nnausscheidung nach Quoten vor (Ur- teil des Bundesgerichts 2C_151/2017 vom 16. Dezember 2019 E. 3.4; BGE 103 Ia 233 E. 3.b; 93 I 415 E. 3; 73 I 191 E. 3; 55 I 450 E. 2). Dabei geniesst die quotenmässig-direkte Methode grundsätzlich den Vorzug gegenüber anderen Methoden (Ur teil des Bundesgerichts 2C_151/2017 vom 16. Dezember 2019 E. 3.4; 93 I 415 E. 3; 50 I 87 E. 3; Urteil des Bundesge- richts 2C_350/2018 vom 17. Juni 2019 E. 4.1.1). Bei d ieser Methode wird das Gesamtergebnis des interkantonalen Unternehmens anhand separat geführter Buchhaltungen quotenmässig auf Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Kantone und den Sitzkanton verteilt. Die objektmässig e Ausscheidungsmethode ist unzu- lässig. 5.3.3 In Bezug auf die vorstehende Ausführung ist zwing end zu beachten, dass diese Grundsätze für das interkantonale Verhältnis entwickelt w orden sind und nicht unbedacht auf internationale Verhältnisse übertragen werden können (OESTERHELT /S CHREIBER , a.a.O., N 13 zu Art. 52). Das Bundesgericht hielt bereits in einem Urteil aus dem Jahr 1947 fest, dass es nicht willkürlich sei, die bundesgerichtlichen Doppelbeste uerungsgrundsätze und insbesondere das Gebot der quotenmässigen Ausscheidung für das interna tionale Verhältnis nur insoweit anzuwenden, als nicht Unterschiede bestehen würden, die ein Abweichen von diesen Grund- sätzen rechtfertigen würden. Einen solchen Unterschied sa h das Bundesgericht namentlich darin, dass im internationalen Verhältnis bei quoten mässiger Ausscheidung die doppelte Nicht- besteuerung gewisser Gewinne drohe, während im interka ntonalen Verhältnis das Bundesge- richt als oberste Instanz alle eventuell noch fehlenden Erhebungen in den beteiligten Kantonen anordnen könne (BGE 73 I 191 E. 4). Wie das Bundesger icht zudem ausführte, sei die Veran- lagungsbehörde häufig nicht in der Lage, die ausländ ischen Bücher der Gesamtunternehmung zu prüfen und an ihrem Ergebnis die notwendigen steuerlichen Korrekturen vorzunehmen (BGE 117 Ib 248 E. 4b; Urteil des Bundesgerichts 2P.140/20 05 vom 28. November 2005 E. 5.3). Hin- zu kommt, dass nach der quotenmässigen Ausscheidungsmethode bzw. der Verlustanrechnung Verluste einzelner Betriebsstätten stets das Gesamterge bnis schmälern und so vom Hauptsitz und sämtlichen Betriebsstätten mitgetragen werden. Dieses Ergebnis erweist sich im internatio- nalen Verhältnis nicht als sachgemäss. Es sprechen somit g ewichtige Gründe dafür, die im in- terkantonalen Verhältnis praktizierte Ausscheidungsmethode nicht auf internationale Verhältnis- se anzuwenden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2P.140/2005 vom 28. November 2005 E. 5.3). 5.4 Angesichts der Defizite der quotenmässigen Methoden i st gemäss Lehre und Recht- sprechung für die Gewinnabgrenzung nach Art. 52 DBG au f die internationale Steuerausschei- dung somit die objektmässige Methode vorzuziehen (vgl. Urt eil des Bundesgerichts 2P.140/2005 vom 28. November 2005 E. 5.3; O ESTERHELT /S CHREIBER , a.a.O., N 14 zu Art. 52; ANGER /J UNG /S TEINMANN , a.a.O., N 5 ff. zu Art. 52; Kreisschreiben Nr. 8 der Eidgenössischen Steuerverwaltung ESTV vom 18. Dezember 2001; P ETER LOCHER , Kommentar zum DBG, II. Teil, Therwil/Basel 2004, N 27 ff. zu Art. 52). Dab ei sind der Ertragsquelle in der Schweiz – im Gegensatz zur interkantonalen Steuerausscheidung – jen e Gewinne zuzurechnen, die sie bei völliger Unabhängigkeit von der Gesamtunternehmung erzielt hätte. Diese Fiktion der Selbstän- digkeit hat insbesondere zur Folge, dass Verluste die au s der Unternehmung ausserhalb der Schweiz stammen, das steuerbare Ergebnis in der Schweiz nicht schmälern (vgl. OESTERHELT /S CHREIBER , a.a.O., N 61 ff. zu Art. 52 DBG). 5.5 Im internationalen Verhältnis ist ferner zu beach ten, dass nach der Streichung des früheren Art. 7 Abs. 4 des OECD-Musterabkommens (OECD-MA ) gemäss der aktuellen Fas- sung für internationale Gewinnabgrenzung die objektm ässige Ausscheidung vorgesehen ist, was dazu führt, dass Betriebsstätten oder Grundstücke in Fragen internationaler Steueraus- scheidung wie selbständige und unabhängige Unternehmen behandelt werden (P ETER LOCHER /A DRIANO MARANTELLI /ANDREA OPEL , Einführung in das internationale Steuerrecht der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schweiz, 4. Auflage, Bern 2019, S. 383 f.; P ETER ANGER /B EAT JUNG /G OTTHARD STEINMANN , Kommentar zum DBG, Zürich 1995, N 5 ff. zu Art. 52) . Was hier im Zusammenhang mit Be- triebsstätten gilt, muss umso mehr in Bezug auf Grundstücke gelten, zumal diese seit jeher ausschliesslich objektmässig beurteilt wurden (vgl. dazu Art. 6 OECD-MA). 5.6 Auch im Bundesgesetz über die Harmonisierung der di rekten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) vom 14. Dezember 1990 wird zwischen de r Steuerpflicht aufgrund persönli- cher Zugehörigkeit (Art. 20 StHG) und wirtschaftlicher Zugehörigkeit (Art. 21 StHG) unterschie- den. Das StHG gibt den Kantonen bei persönlicher Zuge hörigkeit eine unbeschränkte und bei wirtschaftlicher Zugehörigkeit eine beschränkte Steuerpfl icht vor (vgl. Botschaft zu Bundesge- setzen über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden sowie über die direkte Bundessteuer vom 25. Mai 1983, BBl 1983 I II S. 107 f.). Weitere ausdrückliche Be- stimmungen zur Steuerpflicht enthält das StHG nicht. D as Schweigen des StHG führt nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zwangsläufig zu einem Gestaltungsspielraum für die Kantone, insbesondere nicht beim Umfang der Steuerpflicht, zumal es sich dabei um eine Mate- rie handelt, deren Harmonisierung verfassungsmässig vorg eschrieben ist (Art. 129 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vo m 18. April 1999; BGE 140 II 157 E. 5.1, 140 II 141 E. 8 130 II 65 E. 4.1). B ei der Harmonisierung ist das StHG sowohl auf eine horizontale Harmonisierung (unter den Kantonen) als auch auf eine vertikale Harmonisie- rung (zwischen Bund und Kantonen) der direkten Steuern gerichtet (Art. 129 Abs. 1 BV), wobei das DBG ein gewichtiges Auslegungselement darstellt (Urt eile des Bundesgerichts 2A.224/2004 vom 26. Oktober 2004 E. 5.2, 2P.170/2003 vom 13. Februar 2004 E. 6). Mit Blick auf diese Harmonisierungsgrundsätze und den Umstand, dass den Kantonen trotz fehlender expliziter Bestimmungen im StHG kein Gestaltungsspielraum bei der Festlegung der Steuer- pflicht bzw. bei der Wahl der Ausscheidungsmethode verble ibt, ist die Bestimmung in Art. 52 Abs. 4 DBG als harmonisierungsrechtliche Vorgabe zu betrachten. 5.7 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen führt ein e systematische Auslegung von § 6ter Abs. 3 StG mit Blick auf die gesamte Rechtsordnung und d ie bundesgerichtliche Recht- sprechung zum Ergebnis, bei beschränkter Steuerpflicht im K anton Basel-Landschaft im inter- nationalen Verhältnis ebenfalls die objektmässige Aussch eidungsmethode anzuwenden. Die quotenmässige Steuerausscheidung, welche die bundesgerichtliche Rechtsprechung zum Dop- pelbesteuerungsverbot im interkantonalen Verhältnis (A rt. 127 Abs. 3 BV) von Bundesrechts wegen vorschreibt, bezieht sich auf interkantonale und ni cht auf internationale Verhältnisse (vgl. BGE 139 II 78 E. 2.1; Urteil 2P.92/1999 vom 15 . März 2000 E. 3a) und würde im internat- ionalen Verhältnis zu nicht sachgerechten Ergebnissen führen (vgl. E. 5.3.3 ff. hiervor; Urteil des Bundesgerichts 2P.140/2005 vom 28. November 2005 E. 5 .3). Die erheblichen Unterschie- de zwischen interkantonalen und internationalen Verhä ltnissen rechtfertigen somit vorliegend die Anwendung der objektmässigen Methode. 6. Die Beschwerdegegnerin hat im Jahr 2018 im Kanton Basel-Landschaft einen Gewinn erzielt, während sie am Hauptsitz in Jersey einen Verlu st erlitten hat. Die Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin für ihre basellandschaftlichen Grundstücke einzig aufgrund des im Kanton erzielten Gewinns und des hier gelegenen Kapit als – also objektmässig – eingeschätzt Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht und den Verlust des Hauptsitzes ausser Acht gelassen bzw. diesen nur satzbestimmend be- rücksichtigt. Diese Einschätzung erweist sich mit Blick auf di e vorstehenden Erwägungen als rechtmässig. Die Beschwerde ist demzufolge gutzuheissen und der Entscheid des Steuerge- richts vom 20. November 2020 aufzuheben. 7. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahren s zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht koste npflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 A bs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten sind in der Höhe von Fr. 1'400.-- festzulegen. Dem St euergericht sind praxisgemäss keine Ver- fahrenskosten aufzuerlegen. Der unterliegenden privaten Beschwerdegegnerin A.____ ist ein Verfahrenskostenanteil im Umfang von Fr. 700.-- aufzuerlegen. Der erhobene Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'200.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuzahlen. Die Parteikosten sind gemäss § 21 VPO wettzuschlagen. 8. Die Angelegenheit ist zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens an das Steuergericht zurückzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d des Steuer- und Enteignungsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Steuerge richt, vom 20. November 2020 betreffend die Staatssteuer 2018 au fgehoben und der Entscheid der kantonalen Steuerverwaltung vom 17. Juni 2020 be- stätigt. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an das Steuer- und Enteignungsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Steuergericht, zurückgewiesen. 3. Der privaten Beschwerdegegnerin A.____ wird ein Ve rfahrenskostenan- teil in der Höhe von Fr. 700.-- auferlegt. Der gele istete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘200.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin